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Warum Bircher-Benner Abstinent wurdeNeben Rohkost und Vegetarismus kannte Bircher-Benner noch ein weiteres Prinzip; denn zwei Lebensumstände bewogen ihn 1896, dem Alkohol zu entsagen: Zum einen das schwere Schicksal seines Vaters, und zum andern der Umstand, dass während seines Studiums in Zürich ausgerechnet seine zwei Lieblingsdozenten, der Psychiater, Hirnanatom und Ameisenforscher Auguste Forel und der Physiologe Justus Gaule, ihrer Alkoholabstinenz wegen diffamiert wurden.
Deshalb forderte Bircher-Benner, gleich wie seine beiden Vorbilder, dass jeder Arzt seinen Patienten beispielhaft voran gehe. Dass der prinzipienstrenge Arzt vom Zürichberg, wie viele seiner Berufskollegen, jedoch gerne Zigaretten rauchte, mag als Verstoss gegen seine ganzheitlichen Grundsätze gesehen werden, vielleicht aber auch bloss als banale Feststellung, dass «sündigen» menschlich ist; und Lungenkrebs war damals eben noch kein Thema ...
(Quelle: Blaues Kreuz, Verbandszeitschrift des Blauen Kreuzes, 15. April 2004)
In einer Polemik mit dem Franzosen La Mettrie schrieb Albrecht von Haller selber, dass seit 22 Jahren kein Tropfen Wein seine Lippen berührt hätte. Zu diesem Entschluss bewogen hatten ihn zwei tragische Erlebnisse aus seinen Studentenjahren in Tübingen. In angeheitertem Zustand verwundete einer seiner Kommilitonen tödlich die Hausmagd, auf die er scherzend seine Pistole gerichtet hatte. Ein andermal traktierten Hallers Tischgenossen einen Nachtwächter mit Branntwein derart, dass er daran verschied.
In sein Lehrgedicht «Die Alpen» flocht der damals Einundzwanzigjährige denn auch die Verse ein:
Zwar hier bekränzt der Herbst die Hügel nicht mit Reben,Soziale Gründe bilden auch die Grundlage der Abstinenzbewegung; die in der Schweiz im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts entstanden ist. Sie beruht nicht wie oft fälschlich angenommen und ausgestreut wird auf dem Satze, dass «jeder Tropfen Alkohol Gift» sei. Der Alkohol kann für gewisse Menschen in jeder Menge gesundheitlich oder sozial schädlich sein... Hat doch schon Plato um ein Beispiel zu nennen in den «Gesetzen» ein Verbot des Weingenusses für junge Menschen bis zum 18. Jahre vorgeschlagen, wohl aus der uralten Erkenntnis heraus, dass berauschende Getränke für den wachsenden, noch in der Entwicklung stehenden Organismus besonders schädlich sind.
Die Abstinenzbewegung darf die Feststellung, dass streng mässiger Alkoholgenuss für erwachsene, gesunde, nicht zur Trunksucht neigende Personen individuell unschädlich sei, ruhig gelten lassen, ohne sich dadurch in ihrer Existenzberechtigung bedroht zu fühlen; denn sie fusst auf sozialhygienischen Gründen. Sie geht davon aus, dass die Alkoholgefahr so viele Mitmenschen bedroht und in Mitleidenschaft zieht, dass jedermann, der sozial fühlt und denkt, sich die Frage stellen muss: « Was kann ich dagegen tun ? » Jedermann kann durch grundsätzliche Enthaltsamkeit etwas dazu beitragen, den gesellschaftlichen Zwang der Trinksitten zu brechen und neue Sitten anzubahnen...
(Quelle: Ob sie es schon wissen? Aufklärung über die Alkoholwirkung, von J. Odermatt, SAS-Velag, Lausanne 13)
Albrecht von Haller: Die Alpen Text im Projekt Gutenberg
http://www.haller300.ch/: 1708 -2008: Albrecht von Haller, Forscher, Dichter, Arzt, Magistrat
(Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz)
Schatten über unserem SchweizervolkSchon seit jenem Tage, während des Ersten Weltkrieges, da ich unvorbereitet und unerfahren meinen Fuss auf den Boden der Fürsorgearbeit gesetzt diesbezügliche Schulen gab es ja damals noch nicht , war mir die verborgene, schleichende Gefahr, die so viele unseres Volkes bedrängt, die Alkoholsüchtigkeit, bewusst geworden. In vielen meiner Schützlingsfamilien erfuhr ich aus verlegenen, klagenden und doch wieder entschuldigenden Worten der Hausfrau oder aus dem ängstlichen Verhalten der Kinder von der gegen aussen versteckten Not, die alle andern Schwierigkeiten verschärfte' Aber einmal sehend geworden, sah ich diese Not nicht nur in Fürsorgefamilien, ich sah sie auch in bürgerlich korrekten Verhältnissen mit blitzblanker Fassade, ich sah sie bei mir näher stehenden, lieben Menschen, spürte, wie eine anfänglich harmlose, aber unmerklich sich steigernde Gewöhnung zum Bedürfnis wurde, wenn sie auch nie zu Exzessen führte. Und ich sah auch, wie dies Bedürfnis langsam geistige Frische und unternehmende Arbeitsfreudigkeit zu lähmen begann, seelisches Gleichgewicht und innere Harmonie abbaute und wie dadurch auch in gutsituierten Familien das Budget ungebührlich belastet wurde.
Der erste folgerichtige Schritt war für mich natürlich der eigene Verzicht, der mir auch nicht schwer fiel und kein Opfer bedeutete, obwohl in meiner Famille ein guter Tropfen mit Mass genossen ebenso selbstverständlich zum Leben gehörte wie das tägliche Brot' Ich schloss mich dem Blauen Kreuz und andern Abstinenten Vereinigungen an, vertiefte mich in deren Bestrebungen und wurde, nachdem ich das Präsidium des Bundes Schweizerischer Frauenvereine abgelegt hatte, gebeten, dasjenige des Schweizerischen Bundes abstinenter Frauen zu übernehmen.
(Quelle: Clara Nef, Im Fluge unsrer Zeit, Aus meinem Leben, Blaukreuz-Verlag Bern, 1972)
Literatur:
-R. Zürcher, Von Apfelsaft bis Zollifilm, [1997], 109-120
-R. Bräuniger, «Clara N. 1885-1983», in FrauenLeben Appenzell, 1999, 182-194

Hansjörg Braunschweig wurde in Basel geboren, besuchte da die Schulen und studierte Jurisprudenz. Er war aktiv in der Blaukreuzjugend. Von 1956-1966 arbeitete er beim Service Civil International, bei der Internationalen Liga der Rotkreuzgesellschaft in Algerien und beim Schweizerischen Arbeiterhilfswerk. Von 1966-1994 war er Amtsvormund der Stadt Zürich. Er war verheiratet mit Sylvia, geb. Häner, hatte eine Tochter und drei Söhne. Die Familie wohnte seit 1964 in Dübendorf.
1953 trat er in die Sozialdemokratische Partei der Schweiz ein. Er war 1964-1975 Präsident des Schweizerischen Friedensrates, 1968-1978 Kantonsrat, 1976-1982 Präsident der SP des Kanton Zürich, 1978-1990 Nationalrat, 1982-1992 Präsident der Arbeitsgemeinschaft für Rüstungskontrolle und ein Waffenausfuhrverbot, 1984-1997 Präsident der Vereinigung Freunde der Neuen Wege und 1994-1999 Präsident des Vereins und Treffpunktes Nordliecht in Zürich.
Hansjörg Braunschweig (SP) stellt fest, dass er schon mit sechzehn Jahren fichiert wurde.

Nach der Ordination am 10. November 1929 in Heiden übernahm er das Pfarramt im toggenburgischen Alt St. Johann. Er verheiratete sich mit Anny Spychiger. In den folgenden Jahren wurde ihnen zwei Söhne geschenkt. Von 1934-1951 war er Pfarrer in der weiten Gemeine Berneck-Au-Heerbrugg. Während zehn Jahren versah er auch das Dekanat des Pfarrkapitels im St. Galler Rheintal. 1951 wurde Paul Wieser in den Kanton Aargau nach Zofingen berufen.
Bereits ein Jahr später übernahm er im Nebenamt das Präsidium des Schweizerischen Protestantischen Volksbundes (SPV). Vier Jahre später übernahm er als Nachfolger von Dr. Arthur Frey die Stelle im Zentralsekretariat des SPV und zugleich die Redaktion des Evangelischen Pressedienstes. Von 1956 bis 1972 und noch einmal 1977 leitete Paul Wieser das Zentralsekretariat des SPV. Als erster Präsident der Schweizerischen Protestantischen Fernsehkommission setzte er sich initiativ für Gottesdienstübertragungen und andere kirchliche Sendungen ein, als die Kirche weithin dem neuen Medium noch misstraute. Seiner Initiative ist auch das 1962 erschienene «Handbuch der reformierten Schweiz» zu verdanken. 14 Jahre später erschien von ihm zum fünfzigjährigen Bestehen des SPV die Geschichte «50 Jahre Dienst an Kirche und Volk».
Paul Wieser war eine gern gesehene Persönlichkeit. In vielen Vorträgen trat er für die innere Stärkung und den Zusammenhalt der Protestanten ein, ohne Kontroversen zu verschärfen, sondern in vielem au ökumenischer Annäherung beitragend. An kirchlichen Veranstaltungen, Versammlungen, Konferenzen und Begegnungen ging von ihm eine ansteckende Fröhlichkeit aus, die ihm auch viele Informationsquellen erschloss. Er gehörte zu den Gründern der beiden europäischen Arbeitskreise für Konfessionskunde und für Information. 1964 verlieh ihm die Theologische Fakultät der Universität Bern die Ehrendoktorwürde in Anerkennung seiner Verdienste «um eine klare, zuverlässige und umfassende kirchliche und religiöse Information». Auch nach seiner Pensionierung übernahm er Stellvertretungsdienste und Vorträge. Herzbeschwerden veranlassten ihn, manche ihm liebe Tätigkeit aufzugeben. In den letzten Jahren widmete er sich vor allem der Pflege seiner leidenden Frau. Ganz unerwartet ist er ihr durch Herzversagen im Tod vorangegangen.
(Schweizerischer Pfarrkalender 1988)
Paul Wieser war überzeugter und aktiver Abstinent. Im Gymnasium war er Mitglied der abstinenten Mittelschulverbindung; in Basel trat er der Abstinenten Schweizerischen Burschenschaft bei und blieb AH bis zu seinem Tode. In seiner ersten Kirchgemeinde gründete er einen Blaukreuzverein und blieb im Blauen Kreuz aktiv.

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