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Vor ca. 15 Jahren erhielt ich durch unsere Schreinerei den Auftrag für einen Rentner in der Nachbargemeinde Bilderrahmen zu erstellen. Ich holte jeweils die Rahmen bei ihm ab und erhielt die Grössenangaben. Die Bilder hat er selber gemalt. Nicht irgendwelche, er malte Bilder von Giovanni Segantini nach, natürlich in kleinerem Massstab.
Bei der Abgabe der Rahmen ergab es sich, dass er mich nicht einfach so gehen liess und mich in sein altes Büro einlud. Damals brauchte es noch kein Desinfektionsmittel, trotzdem war nach einiger Zeit der Rachenraum genügend desinfiziert.
Er erzählte aus seinem bewegtem Leben, wie er ins Glarnerland kam und sesshaft wurde. Er wuchs in Schuders auf, seine erste Frau kam bei einem Lawinenunglück ums Leben, sein Heimwesen und andere wurden durch Erdrutsche um 1950 zerstört.
Nach der Pensionierung widmete er sich dem Nachmalen von Bildern von Segantini. Er hatte mit Nachkommen von Segantini Kontakt und erzählte mir auch den Inhalt der Bilder. Was mir davon blieb: auf einem Bild sind 156 Schafe zu sehen.
Schuders liegt oberhalb von Schiers im Prättigau, auf der Strecke Schiers- Schuders befindet sich die Salginatobelbrücke. Die Leute von Schuders hatten sich seit langem eine Brücke gewünscht, sie mussten immer auf einem weiten Umweg über den Saumpfad in die Schlucht hinabsteigen, um ins Tal zu gelangen. 1930 wurde die Brücke gebaut, und wie mir der Rentner erzählte, haben sie als Kinder verbotenerweise die „Abkürzung“ über das Lehrgerüst mehrmals benutzt. Das leihweise erhaltene Buch über den Bau der Brücke hat mein Interesse für das Bauwerk endgültig geweckt.
Die Brücke plante der bekannte Ingenieur Maillart Robert.
Damals war das Material das teuerste und nicht die Arbeit, es musste also möglichst wenig Beton gebraucht werden. Und so berechnete Maillart die Brücke mit minimalen Stahlbeton. Natürlich monierten „Fachleute“, die Brücke halte nie. Spätere Belastungstest ergaben, dass noch weniger Beton genügt hätte. Wer mit offenen Augen die Brücke betrachtet, wird selber feststellen, wo und wie Maillart Beton „gespart“ hat.
Auch das Lehrgerüst für die 90 Meter über der Schlucht befindliche Brücke war eine Herausforderung. Es wurde so konstruiert, dass das Gerüst nach dem Austrocknen des Stahlbetons abgesenkt werden konnte, um den Belastungstest durchzuführen. Der westliche instabile Hang erforderte später den Einbau von Gleitlager.
Das heikelste war der Guss der dünnen Bogenplatte, welcher ohne Unterbruch absolut symmetrisch von beiden Seiten durchgeführt werden musste. Das gesamte Betonmaterial wurde von Hand gemischt und mit Karretten vor Ort gebracht. Nach 40 Stunden war die mühevolle Arbeit beendet.
Die Gesamtkosten betrugen CHF 180 000. Für zwei Millionen Franken wurde die Brücke 1997/98 umfassend instandgesetzt. Sogar die Schalungsmusterung wurde rekonstruiert.
Die Salginatobelbrücke ist seit 1991 ein „Word Monument“, in einem Kreis von Bauwerken u. a. wie der Eifelturm, die New Yorker Freiheitsstatue oder der Panamakanal. 1999 wurde sie als die schönste Brücke des 20. Jahrhundert ausgezeichnet, klar vor der Golden Gate Bridge und weiteren berühmten Brücken.
Der Festakt zur Erkührung zum Word Monument erfolgte am 21. August, 1991, just an dem Tag musste sich der Schreibende einer Operation im Kantonsspital Chur an der Schulter unterziehen, die er drei Tage zuvor an einer militärischen Sportveranstaltung auf Lichtensteig ausrenkte.
Nachfolgende Bilder alle von Walter Zweifel.
Der Bildbestand von Robert Maillart findet sich auf E-Pics Bildarchiv Online.
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Vollständige Bildinformationen
Unbekannt: Salginatobelbrücke bei Schiers: Fertiggestellte Brücke, Spannweite 92,0 Meter, 1929-1930 (Hs_1085-1929-30-1-54, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000053520)