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(Poda, 1761)
- DE: Gemeine Sichelschrecke
- EN: Common Sickle Bush-cricket | Sickle-bearing Bush-cricket
- FR: Le Phanéroptère commun
- Syn.: Locusta libellula Stoll, 1787 | Phaneroptera litifolia Serville, 1831 | Decticus phyllopteroides Fischer von Waldheim, 1846 | Phaneroptera sinensis Uvarov, 1933
Morphologie
Die Grundfarbe von Phaneroptera falcata ist hellgrün mit einem gelblichen Farbstich. Der Körper und die Flügel sind unterschiedlich dicht punktiert. Das Weibchen ist bis auf die Augen einheitlich gefärbt. Das Männchen weist auf dem Gesangsorgan zwei dunkle Flecken auf. Der Halsschild-Hinterrand und die Flügeloberkante sind bräunlich gesäumt. Bei beiden Geschlechtern sind die Augen in der oberen Hälfte rötlich. Die Beine sind lang und schlank. Beide Phaneroptera-Arten haben lange Hinterflügel, was ein gattungstypisches Merkmal ist. Die Vorderflügel reichen knapp bis zu den Hinterknien und werden von den Hinterflügeln deutlich überragt. Die männlichen Cerci sind stark einwärts gebogen, nach der Mitte erweitert und laufen in einen Endzahn aus. Die Subgenitalplatte ist am Ende lappig erweitert. Die Legeröhre des Weibchens ist kurz, breit und an der Basis stark aufwärts gebogen.
Gesang
Der leise Spontangesang von Phaneroptera falcata besteht aus feinen Einzelsilben, die meist in regelmässigen Abständen von 1-4 s geäussert werden. Seltener werden 5-20 Silben zu einem dichten Vers aneinander gereiht, wobei sich die ersten und letzten Silben in etwas grösseren Abständen folgen. Das Frequenzspektrum zeigt ein Maximum bei 17-28 kHz. Deshalb ist Phaneroptera falcata im Feld nur schwer ohne US-Detektor zu hören. Beim Aufeinandertreffen von zwei Männchen werden als Rivalengesang bis zu 15 Silben pro s aneinander gereiht. Diese Silben unterscheiden sich oszillografisch deutlich von jenen des Spontangesangs. Die Vertreter der Gattung Phaneroptera gehören zu den wenigen Laubheuschrecken, bei denen auch die Weibchen stridulieren. Paarungsbereite Weibchen antworten den Männchen, indem sie die Vorderflügel ruckartig auseinander reissen. Diese Laute sind nur auf kurze Distanz (5-10 m) zu hören. Bei Phaneroptera falcata konnten wir allerdings die Weibchen noch nie beim Singen beobachten.
Spontangesang von Phaneroptera falcata - CH, SH, Neunkirch, 23 °C, nachts.
5 Einzelsilben aus dem Spontangesang von Phaneroptera falcata - CH, SH, Neunkirch, 23 °C, nachts.
Einzelner Vers aus dem Spontangesang von Phaneroptera falcata - CH, SH, Neunkirch, 23 °C, nachts.
Ausschnitt aus dem Rivalengesang von Phaneroptera falcata - CH, SH, Neunkirch, 23 °C, nachts.
Verbreitung
Phaneroptera falcata kommt von Spanien über Frankreich, Deutschland und Osteuropa bis nach Japan vor. In Italien ist nur der Norden und der Mt. Gargano besiedelt. Über den Balkan reicht das Verbreitungsgebiet bis in den Norden von Griechenland. In der Schweiz lebt die Art in der Ebene unterhalb von 1000 m und ist am Jurasüdfuss weit verbreitet. In Deutschland konzentriert sich die Verbreitung auf den Südwesten. Phaneroptera falcata wird vereinzelt im Norden Deutschlands beobachtet und weist eine Verbreitungslücke im Alpenvorland und in den Alpen auf. Südlich der Donau liegen aus Bayern bisher nur wenige Einzelfunde vor.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere von Phaneroptera falcata findet man von Juni bis November mit einem Maximum im August.
Die Weibchen legen die Eier in Blätter von Sträuchern zwischen die obere und untere Epidermis. Die Larven schlüpfen nach einer Überwinterung im Mai und durchlaufen 6 Stadien. Phaneroptera falcata hat einen streng einjährigen Entwicklungszyklus. Dies erklärt die geografische Verbreitung und das Fehlen in Norddeutschland gut, da sich die Eier während einer Saison nur in warmen Regionen entwickeln können. Phaneroptera falcata ernährt sich von Blüten verschiedener Pflanzen, Blättern und auch von kleinen Insekten.
Lebensraum
Phaneroptera falcata ist wärmeliebend und kommt sowohl in feuchten als auch trockenen Lebensräumen vor. Sie besiedelt am Neuenburgersee die feuchten, mit Erlen bewachsenen Uferwiesen und im Wallis trockene Felsensteppen. Man findet sie zudem in Magerrasen mit Gebüschgruppen, an Böschungen, in Schilfgürteln, Rebbergen, Ruderalstandorten, älteren Schlagfluren und Buntbrachen. Offenbar scheint eine gewisse Vegetationshöhe und das Vorkommen von Büschen wichtig zu sein. Phaneroptera falcata dringt weniger in Siedlungsgebiete vor als Phaneroptera nana.
Gefährdung & Schutz
Phaneroptera falcata wird in der Schweiz als verletzlich, in Deutschland als nicht gefährdet eingestuft. Als gut flugfähige Art kann sie rasch neue Lebensräume besiedeln. Im Berner Mittelland konnten wir immer wieder einzelne Individuen in Buntbrachen feststellen, die weit vom Ideallebensraum entfernt waren. Der Verlust strukturreicher Magerwiesen und -weiden durch Nutzungsintensivierung und Überbauung kann Phaneroptera falcata wohl dadurch kompensieren, dass die Eier im angrenzenden Buschland abgelegt werden. Aufgrund der milden Winter konnte sich die Art in den letzten Jahren trotz der Lebensraumverluste ausbreiten.
- CH: VU (Verletzlich)
- DE: * (Nicht gefährdet)
- AT: LC (Nicht gefährdet)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Obwohl sich Phaneroptera falcata und Phaneroptera nana in vielen Merkmalen unterscheiden, fällt die Bestimmung vielfach schwer. Phaneroptera nana ist etwas kleiner und kräftiger und wirkt im Habitus leicht bucklig. Ihre Grundfarbe ist eher grau- bis grasgrün und die männliche Subgenitalplatte ist gegen das Ende verjüngt und am Hinterrand dreieckig ausgerandet. Das Halsschild ist bei Phaneroptera nana von der Seite betrachtet höher als lang. Die Legeröhre des Weibchens ist am unteren Rand regelmässig nach oben gekrümmt, bei Phaneroptera falcata ist sie eher abrupt und winklig gebogen. Der Gesang von Phaneroptera falcata kann mit demjenigen von Phaneroptera nana und mit demjenigen der drei Leptophyes-Arten verwechselt werden. Der Gesang von Phaneroptera nana ist lauter und die einzelnen Pulse können herausgehört werden, wodurch dieser reibender klingt. Die Einzelsilben der Leptophyes-Arten sind kürzer und explosiver als diejenigen von Phaneroptera falcata. Zudem äussern Leptophyes punctatissima und Leptophyes albovittata ihre Einzelverse in kürzeren und unregelmässigeren Abständen. Leptophyes laticauda äussert immer wieder Verse mit bis zu 8 Silben.