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Vermögensverwaltung unter ESG-Kriterien
Definitionen
Nachhaltigkeit
Nachhaltig investieren (sustainable investment) bedeutet, sich nicht nur nach den finanziellen Kriterien zu orientieren, sondern ebenfalls nach ökologischen und sozialen Grundsätzen zu investieren. Das Ziel ist, Ressourcen zu schützen, um den gegenwärtigen und zukünftigen Generationen mindestens vergleichbare Lebensbedingungen und Erträge zu sichern.
Nachhaltigkeit richtet sich auf die Gegenwart und die Zukunft aus.
ESG
ESG steht für Environment, Social und Governance. Nach ESG-Kriterien anzulegen bedeutet, bei Anlageentscheiden ökologische und sozial-gesellschaftliche Aspekte sowie die Art der Unternehmensführung zu beachten.
Inhaltliche Beispiele:
Environment = Umweltverschmutzung (Abwasser, Abgase)
Social = Missachtung der Menschenrechte, Zwangsarbeit, Kinderarbeit
Governance = Korruption
Regulatorisches Umfeld Schweiz
Die Schweiz kennt keine regulatorischen Bestimmungen zu nachhaltigen Geldanlagen. Als Grundlagen für die freiwillige Berücksichtigung von ESG-Kriterien können nebst der Bundesverfassung die von der Schweiz unterzeichneten Konventionen sowie angewendete Sanktionen dienen (normative Grundlagen).
Ausgewählte Beispiele normativer Grundlagen:
Charta der Vereinten Nationen (2002)
Principles of Responsible Investment (PRI; 2006)
Übereinkommen der Vereinten Nationen gegen Korruption (2009)
Bundesgesetz über das Kriegsmaterial (2013)
Verordnung gegen übermässige Vergütungen bei börsenkotierten Aktiengesellschaften (VegüV, Minder-Initiative; 2014)
Swiss Code of Best Practice for Corporate Governance (u.a. Ausübung der Mitwirkungsrechte; 2002/2014)
Montreal Carbon Pledge (Messung und Offenlegung der CO2-Bilanz; 2014)
Vertrag über den Waffenhandel (2015)
Übereinkommen von Paris (Vereinbarung der 196 Mitgliedsstaaten der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen mit dem Ziel der Begrenzung der menschengemachten globalen Erwärmung auf deutlich unter 2 °C gegenüber vorindustriellen Werten; 2015).
Reglementarische Grundlagen
Gemäss Anlagereglement achtet die Pensionskasse Post "… auf Kriterien der Nachhaltigkeit. Anlagen, welche ökologische, ethische und soziale Aspekte berücksichtigen, werden bevorzugt. Voraussetzung ist eine im Vergleich zu Anlagen, die sich nicht ausschliesslich auf Nachhaltigkeitskriterien fokussieren, gleich hohe erwartete Rendite, respektive gleiches oder tieferes Risiko."
Ein Umsetzungskonzept definiert die konkrete Anwendung bei der Anlagetätigkeit.
Eine wichtige Bedingung für nachhaltige Investitionen ist somit, dass aus der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien keine finanziellen Nachteile in Form von tieferen Renditen entstehen. Ebenso dürfen daraus keine höheren Risiken resultieren, sprich keine Verschlechterung der Diversifikation, z. B. durch eine ungenügende Auswahl an Anlagemöglichkeiten oder durch zu einschneidende Einschränkungen aufgrund von Ausschlusskriterien. Andererseits kann ein Vordringen in speziell nachhaltige Anlagen das Anlageuniversum auch erweitern und somit eine Verbesserung der Diversifikation bewirken.
Nachhaltigkeitsaspekte sollen nicht nur in fokussierten Einzelanlagen, sondern in einem möglichst grossen Teil des Gesamtvermögens berücksichtigt werden.
Ansätze Pensionskasse Post
Die Pensionskasse Post bedient sich verschiedener Ansätze, die über die Jahre ständig erweitert und verfeinert wurden.
1. Stimmrechtsausübung und Dialog (Ethos Stiftung und Ethos Engagement Pool (EEP)). Aktieninvestments Schweiz: voll abgedeckt; an sämtlichen Generalversammlungen werden die Stimmrechte wahrgenommen sowie im Rahmen des EEP ein Dialog mit den Verwaltungsratspräsidenten geführt.
Aktieninvestments Europa: teilweise abgedeckt; bei den 50 grössten Positionen werden die Stimmrechte wahrgenommen.
Die Pensionskasse Post stimmt grundsätzlich gemäss den Abstimmungsempfehlungen der Stiftung Ethos ab. Bei umstrittenen, brisanten oder aussergewöhnlichen Traktanden wird der Stimmrechtsausschuss einberufen.
2. Aktionariat bei Ethos Services SA, mit dem Ziel, dass die Stiftung Ethos den Pensionskassen bedürfnisgerechte, zeitgemässe Dienstleistungen auf dem Gebiet der nachhaltigen Geldanlagen anbieten kann.
3. Mitgliedschaft beim SVVK
Schweizer Verein für verantwortungsbewusste Kapitalanlagen (SVVK – ASIR): Die Pensionskasse Post – als eines der Gründungsmitglieder des SVVK – überprüft ihre Obligationen- und Aktienportfolios in enger Zusammenarbeit mit dem SVVK periodisch auf die Einhaltung der normativen ESG-Kriterien. Bei systematischen Verletzungen wird mit der problematischen Unternehmung ein Dialog aufgenommen mit dem Ziel, Verbesserungen zu bewirken.
Die Pensionskasse Post übernimmt zudem die SVVK-Ausschlussliste bei Direktinvestitionen. Sie sorgt dafür, dass ihre internen und externen Vermögensverwalter nicht in Unternehmen investieren, welche sich auf der Liste befinden. Nach Möglichkeit werden auch die Verwalter von Anlagefonds angehalten, in ihren Anlagerichtlinien die SVVK-Ausschlussliste zu berücksichtigen.
4. Impactinvestments
Die Impactinvestments tragen zur Nachhaltigkeit der Vermögensverwaltung bei. Beispiele:
Mit ihren Mikrofinanzanlagen verhilft die Pensionskasse Post Personen in Entwicklungsländern, die bisher keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen hatten, zu Betriebskapital.
Das ermöglicht ihnen die Aufnahme einer handwerklichen, landwirtschaftlichen oder Handelstätigkeit und letztendlich den Ausbruch aus der Armutsspirale. Als Schuldner bevorzugt werden Frauen, da diese in die Verbesserung der familiären Lebenssituation investieren (Hilfe zur Selbsthilfe). Ihre gesellschaftliche Stellung wird dadurch verstärkt.
Die Clean Energy Infrastrukturanlagen der Pensionskasse Post fördern die Umstellung der Energiewirtschaft auf erneuerbare und emissionsfreie Energiegewinnung (z.B. Windparks, Biomasse-, Solar- und Wasserkraftwerke) und sichern den Betrieb von Strom- und Wärmenetzen.
Weiter stellt die Pensionskasse Post in grossem Umfang Fremdkapital in Form von direkten und indirekten (via Gemeinden) Darlehen an Wasserkraft- und andere Infrastrukturwerke zur Verfügung. Sie leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Befriedigung der elementaren Bedürfnisse der Schweizer Bevölkerung.
Die Pensionskasse Post deckt ihre Immobilienquote ausschliesslich indirekt über Immobilien-Anlagestiftungen ab. In diesen Stiftungen (wie Turidomus) sorgt sie insbesondere mit ihrer Vertretung im Stiftungsrat, dass dem Nachhaltigkeitsaspekt Beachtung geschenkt wird. Die Stiftungen selber haben eine Nachhaltigkeitsstrategie. Turidomus beispielsweise interpretiert Nachhaltiges Investieren als eine «Güterabwägung» zwischen Qualität, Kosten und Umweltanliegen, mit besonderem Augenmerk auf die langfristigen Folgen.
5. Integration von ESG in Analysen
In Portfolios mit Anlageentscheiden auf Ebene von Einzeltiteln basieren die Pensionskasse Post und deren externe Portfoliomanager ihre Entscheide auf Unternehmensanalysen, welche neben wirtschaftlichen, auch ESG-Kriterien berücksichtigen.
Gesamtbeurteilung
Die von der Pensionskasse Post angewandten Ansätze decken ihr Anlagevermögen fast vollständig ab. Andere Anlagekategorien wie Rohstoffe oder gewisse Infrastrukturinvestments erfüllen ESG-Kriterien teilweise, zum Beispiel im Bereich der Governance oder beim Ziel eines verminderten CO2-Ausstosses.
Die Stossrichtung bei der Vermögensanlage der Pensionskasse Post ist, die ESG-Kriterien soweit möglich einzuhalten, dies jedoch ohne das Anlagerisiko zu erhöhen, ohne die Diversifikation deutlich einzuschränken oder die Rendite zu schmälern, da die Pensionskasse Post primär für die sichere Erreichung der Vorsorgeziele sorgen muss. (Art.50 Abs.1 - 3 BVV 2)