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Das Mobbing begann, als ihr behinderter Sohn in die Regelschule kam. Für das, was er in der Schule durch seine Mitschüler erleiden musste, gibt es für seine Mutter* nur eine Bezeichnung: seelische Grausamkeit. Ein Erfahrungsbericht.
Mein Sohn ist 12 Jahre alt und hat frühkindlichen «high-functioning autism» (HFA)1. In den ersten vier Jahren besuchte er eine Förderschule, seit der fünften Klasse geht er in die Regelschule und wird von einem Schulbegleiter unterstützt. In der Förderschule wurde er niemals geplagt und er fühlte sich wohl, aber er war fachlich unterfordert. Das Mobbing begann, als mein Sohn in die Regelschule kam. Er wurde ständig geärgert und beleidigt. Gespräche mit den Eltern der jeweiligen Kinder haben nichts gebracht. Alle sagten fast das Gleiche: «das sind doch Kinder…», mein Sohn müsse auch selbst lernen, damit umzugehen. Einige Eltern waren ganz kalt und kamen mit dem frechen Vorschlag, für meinen Sohn eine Sonderschule auszusuchen. Die Mobber selber behaupteten, sie hätten nichts getan.
Die Kinder nutzten die Behinderung aus
Die Lehrer führten Gespräche mit den Mitschülerinnen und Mitschülern und die Klasse schrieb danach einen Entschuldigungsbrief an ihn. Das half aber nur für kurze Zeit und danach wurde mein Sohn wieder gemobbt. Eine Geschichte möchte ich hier ausführlicher erzählen. Autistische Kinder wie mein Sohn nehmen Aussagen üblicherweise wörtlich und verstehen Witze oder Ironie nicht. Die Kinder verstanden schnell, wie sie das ausnützen können. Ein Mitschüler hat meinem Sohn einen Stift in den Rücken gerammt und sagte, dass er ihm damit eine Mikrokamera in den Körper eingeführt hätte. So könne man ihn überall beobachten. Mein Sohn verträgt es überhaupt nicht, wenn jemand ihn anschaut oder beobachtet, das ist Teil seiner Autismus-Störung. Er gerät dann in Panik und bekommt Todesangst.