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Pandemien beeinträchtigen nicht nur Gesundheit und Wohlbefinden von Menschen, sondern haben auch massive Auswirkungen auf Gesellschaft und Wirtschaft, darunter Handel, Lebensmittelproduktion, Reiseverkehr und Bildung. Wenn Dienstleistungen und Arbeitsplätze wegfallen, werden die Lebensgrundlagen auf den Kopf gestellt. Darum braucht es eine Pandemiebereitschaft.
Der Begriff "Bereitschaft" bezieht sich auf die Fähigkeit von Regierungen, Organisationen (einschliesslich Universitäten), Gemeinschaften und Einzelpersonen, Mechanismen einzurichten, um die Auswirkungen wahrscheinlicher, drohender oder aktueller Gefahren, Ereignisse oder Umständen zu vorherzusehen und wirksam darauf zu reagieren.
Was geschieht, wenn wir nicht vorbereitet sind?
Nach der H1N1-Grippepandemie 2009 wurden in den meisten Ländern mit hohem Einkommen Programme zur Epidemievorbereitung geplant und diskutiert, aber viele Pläne wurden nie umgesetzt. Die aktuelle Pandemie der Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19) hat uns klar gemacht, dass eine unzureichende Vorbereitung zu einer Krise führt, die sich rasch weltweit ausbreitet. Lockdowns brachten den Alltag zum Erliegen. Allein in der Schweiz kam es zu vierzehntausend Todesfälle (fast 7 Millionen weltweit). Die drei Jahre der Pandemie kosteten die Bundesverwaltung insgesamt rund 33 Milliarden Franken.
Wie können wir es beim nächsten Mal besser machen?
Die schnelle Verfügbarkeit von Daten ist eine notwendige Voraussetzung für eine Evidenz-informierte Politik: Wenn Verwaltung und Politik keinen Zugang zu relevanten Daten haben, können Entscheide auch nicht datengestützt sein. Es ist deshalb äusserst wichtig, eine Infrastruktur aufzubauen, die es uns ermöglicht, Daten für Entscheidungsträger:innen zu generieren und zu garantieren.
Die Schweiz verfügt bereits über mehrere Komponenten des Gesundheitsmonitorings von Infektionskrankheiten. Über das freiwillige Sentinella-Meldesystem werden beispielsweise epidemiologische Daten zu häufigen, nicht-meldepflichtigen, übertragbaren Erkrankungen wie Grippe, Keuchhusten und Mumps gesammelt. Das nationale Abwassermonitoring der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein erfasst seit Januar 2022 in regelmässigen Zeitabständen die Viruslast des Auslösers von COVID-19 (SARS-CoV-2) im Abwasser von teilnehmenden Abwasseraufbereitungsanlagen (ARAs). Zudem werden die laborbestätigten Spitaleinweisungen aufgrund von COVID-19 erfasst und das Corona Immunitas Forschungsprogramm untersucht, wie viele Personen sich mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert haben und inwiefern eine durchgemachte Erkrankung vor einer erneuten Ansteckung schützt.
Alle diese Datenquellen beziehen sich jedoch auf die Routineüberwachung von «Krankheitsfällen». Sie geben keine Auskunft zu noch unbekannten Erregern oder zur gesunden Bevölkerung. Zudem gibt es zurzeit kein System, das die Übertragung zwischen Menschen und Tier überwacht.
Aus unserer Sicht braucht es deshalb zusätzlich eine repräsentative, lokal-verankerte bevölkerungs-basierte Kohortenstudie, die Daten nicht nur im Krisenfall sammelt, sondern kontinuierlich, und dabei sowohl von Menschen als auch Tieren.
In einer bevölkerungs-basierten Kohortenstudie werden Gesundheitsdaten und allenfalls auch biologische Proben wiederholt und über eine lange Zeit in der allgemeinen Bevölkerung gesammelt. Eine solche Gruppe wird als Kohorte bezeichnet.
In einer solchen Kohorte sollen biologische Proben wie etwa Nasenabstriche oder Blutproben in ganzen Haushalten gesammelt werden. Diese biologischen Proben helfen, die Übertragungsmuster zirkulierender Infektionskrankheiten zwischen Menschen und auch zwischen Menschen und ihren Haustieren besser zu verstehen. Aus einer solchen Kohorte können wir Übertragungsmuster innerhalb von Haushalten (inkl. Haustieren) erkennen. Wir können auch Daten gewinnen zu sozialen Kontakten, Immunantwort, Durchimpfungsrate und Exposition gegenüber (auch bisher unbekannten) Krankheitserregern je nach sozio-demografischen und verhaltensbedingten Eigenschaften. Durch die kantonale Verankerung und eine möglichst repräsentative Zusammensetzung von Teilnehmenden könnten spezifische und zielgerichtete Schutzmassnahmen implementiert werden.
Was fehlt uns zur Umsetzung?
Eine Herausforderung ist aus dem Bereich der öffentlichen Gesundheit wohlbekannt: Menschen zu überzeugen, Massnahmen zu ergreifen, um etwas zu verhindern, das noch nicht eingetroffen ist, und von welchen sie selbst möglicherweise auch keinen Nutzen haben werden. Schliesslich wird sich der Erfolg einer Prävention erst in der Zukunft zeigen, wenn die Auswirkungen der Pandemie nicht so schwerwiegend sind, wie sie ohne Massnahmen gewesen wären (Abbildung 1). Darum braucht es eine breite Zustimmung, das Schweizer Monitoring jetzt auszubauen und nicht zu warten, bis es zu spät ist.
Die Autorinnen Eva Maria Hodel, Nicola Low, Annika Frahsa und Selina Wegmüller leiten das Franxini Förderprojekt «BEready: Bern, get ready für die nächste Pandemie. Zusammen mit der Forschung, Bevölkerung und Politik.» Gemeinsam mit dem Franxini Innovation Hub wollen sie erforschen, wie sie wirksam mit der Bevölkerung und politischen Entscheidungsträgern kommunizieren können, um sie für die Unterstützung und Teilnahme an Forschung zu begeistern, die die Vorbereitung und Reaktion auf zukünftige Pandemien verbessern wird. Mehr zu BEready hier: www.BEready.unibe.ch.
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