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Maria Meier: Von Notstand und Wohlstand. Die Basler Lebensmittelversorgung im Krieg, 1914-1918. Zürich, 2020
Wie wirkte sich der Erste Weltkrieg auf die Lebensmittelversorgung der neutralen Schweiz aus? Dieser Frage geht die Dissertation von Maria Meier am Beispiel von Basel-Stadt nach. Sie zeigt, wie eng verflochten Basel mit dem kriegführenden Ausland war. Wenngleich der Stadtkanton von militärischen Verwüstungen verschont blieb, war er materiell direkt vom Krieg betroffen. Der lokale Lebensmittelmarkt war dabei ein zentraler Ort der Kriegserfahrung, die von Teuerung, Verteilkonflikten und Knappheit geprägt war.
Die Autorin untersucht, wie der Krieg die Nahrungsmittelversorgung einer städtischen Gesellschaft beeinflusste, wie die Behörden auf Versorgungs- und Verteilungsprobleme reagierten und welche Folgen dies für die Ernährung der Zivilbevölkerung hatte. Die Verschiebung der Verhältnisse zeigt sich unter anderem in den Panikkäufen im Sommer 1914, im täglichen Grenzverkehr und in der städtischen «Anbauschlacht». Teuerung und Lebensmittelknappheit stürzten die lohnabhängige Bevölkerung trotz Kriegskonjunktur in grosse Not. Gegen den Versorgungsmissstand reagierte der Staat erst 1916/17: Der Wucherhandel wurde bekämpft, Lebensmittel wurden kontingentiert und rationiert. Für die Bevölkerung wurden Volksküchen eingerichtet, und die Notstandsaktion ermöglichte zahlreichen bedürftigen Familien den Kauf von verbilligten Lebensmitteln.
Agnes Hirschi, Charlotte Schallié (Hrsg.): Unter Schweizer Schutz. Die Rettungsaktion von Carl Lutz während des Zweiten Weltkriegs in Budapest – Zeitzeugen berichten. Zürich, 2020
Zwischen März 1944 und Januar 1945 leitete der Schweizer Vizekonsul Carl Lutz (1895–1975) in Budapest eine umfangreiche Rettungsaktion. Lutz und sein Rettungsteam haben schätzungsweise mehr als 50’000 Schutzbriefe ausgestellt und verfolgte Jüdinnen und Juden in 76 sogenannten Schweizer Schutzhäusern untergebracht, womit sie Zehntausende vor Deportationen, Erschiessungen und Todesmärschen bewahrten.
«Unter Schweizer Schutz» enthält Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie Berichte, Briefe und Vorträge von Überlebenden – Dokumente, die über einen Zeitraum von 25 Jahren entstanden. Diese belegen nicht nur die selbstlosen Taten von Carl Lutz, sondern zeigen auch das Handeln vieler anderer Menschen, welche die Rettung von ungarischen Jüdinnen und Juden möglich machten, darunter auch Mitglieder der zionistischen Jugendbewegung.
André Seidenberg: Das blutige Auge des Platzspitzhirschs. Meine Erinnerungen an Menschen, Seuchen und den Drogenkrieg. Zürich, 2020
André Seidenberg hat 1991 die Arbeitsgemeinschaft für risikoarmen Umgang mit Drogen – kurz Arud – mitbegründet und war selbst bis 1996 als Leitender Arzt dort tätig. Mit der Gründung dieser Anlaufstelle für Drogensüchtige wollte man der repressiven Drogenpolitik von damals entgegentreten, um eine weitere Verelendung der Betroffenen zu verhindern.
Im vorliegenden Buch erinnert sich Seidenberg an diese Zeit und vor allem an die Menschen, die damals in der Zürcher Drogenszene verkehrten. Er erzählt beispielsweise von «Pinguin», der an Aids erkrankt war und auf unerwartet positive Weise auf die Therapie ansprach, oder von «Düdü», der immer auf Kokain war und nach einem Aufenthalt in Nigeria an Malaria starb. Die eindringlichen Porträts werden im Anhang durch einige Kapitel zum geschichtlichen und drogenpolitischen Kontext ergänzt.
> Das Sozialarchiv besitzt den Gesamtbestand der 2018 verstorbenen Fotografin Gertrud Vogler (SozArch F 5107). Diese hat die Drogenszenen im Zürich der 1980er und 1990er Jahre visuell in einmaliger Weise dokumentiert.