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FAQs
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Sudbury-Modell?
Das Sudbury-Modell geht auf die Sudbury Valley School zurück, welche 1968 in den USA gegründet wurde. In Schulen des Sudbury-Modells leben und lernen die Schülerinnen und Schüler frei und selbstbestimmt in einer altersgemischten, demokratischen Gemeinschaft.
Weltweit gibt es inzwischen etwa 40 Sudbury-Schulen. Zudem gibt es zahlreiche demokratischen Schulen, die das Modell in unterschiedlich starker Ausprägung hinsichtlich Freiheit und demokratischer Mitbestimmung umsetzen. Innerhalb Europas haben sich die demokratischen Schulen in der EUDEC (European democratic education community) zusammengeschlossen.
Die FOKUS ist aktiv in das Netzwerk der internationalen Sudbury-Schulen eingebunden sowie Mitglied der EUDEC.
Liste der Sudbury-Schulen weltweit: http://sudburyschools.directory/
EUDEC: www.eudec.org
Wie ist die Schule FOKUS organisiert?
Die Schulversammlung tritt wöchentlich zusammen und entscheidet demokratisch über sämtliche Bereiche des Schulalltags. Sie besteht aus allen Schülerinnen und Schülern sowie den an der Schule tätigen Erwachsenen, die jeweils gleiches Stimmrecht (je eine Stimme) haben.
Für sämtliche Aufgaben und Verantwortungsbereiche der FOKUS sind Verantwortliche, Komitees oder Arbeitsgemeinschaften (AGs) eingesetzt. Die Schulversammlung definiert deren Verantwortungsbereich, die Komitees und AGs erarbeiten die Regeln und detaillierten Abläufe und stellen sie der Schulversammlung zur Genehmigung vor. Beispiele dafür sind das Rechtskomitee, Küchenkomitee, Ästhetikkomitee oder die Komitees für elektronische Medien, Werkraum Holz, Sport, Outdoor-Aktivitäten…
Um die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler sowie den sachgemässen Umgang mit dem Schulmaterial zu gewährleisten, erlassen die Komitees und AGs besondere Regeln und Abläufe für die Nutzung bestimmter Räume, Werkzeuge oder Maschinen, sogenannte Zertifizierungen. Nur wer im Rahmen des Zertifizierungsverfahrens nachweist, dass sie/er die Regeln und Abläufe einhalten kann, darf diese Räume, Werkzeuge oder Maschinen nützen.
Warum gibt es an Sudbury-Schulen so viele Regeln?
Das Regelwerk einer Sudbury-Schule ist deshalb so umfangreich, weil es sämtliche Bestimmungen enthält, die für die Sicherheit, die Organisation und das Zusammenleben in der Schule erforderlich und verbindlich sind. In Sudbury-Schulen sind es nicht die Erwachsenen, die Regeln aufstellen und deren Einhaltung überwachen, sondern die Schulgemeinschaft. Jede Regel wird in der Schulversammlung diskutiert und im Rahmen des demokratischen Prozesses beschlossen. Regelverstösse bearbeitet das Rechtskomitee.
Wie wird mit Regelverstössen und Konflikten umgegangen?
Rechtskomitee
Das Rechtskomitee ist von der Schulversammlung eingesetzt um Regelverstösse zu bearbeiten sowie das Regelwerk der Schule aktuell zu halten. Es besteht aus Schülerinnen, Schülern und Mitarbeitenden, die im regelmässigen Turnus wechseln. So erhält jedes Mitglied der Schulgemeinschaft Einblick in die Tätigkeit des Rechtskomitees und kann darin Erfahrung sammeln.
Mediation/Streitschlichtung
Bei Konflikten zwischen zwei oder mehreren Personen, die diese nicht eigenständig lösen können, findet eine Mediation/Streitschlichtung statt. Dabei werden alle Beteiligten gehört, miteinander wird eine Lösung gesucht und ggf. werden weitere Schritte definiert.
Lösungskonferenz/Moderierte Gruppendiskussion
Konflikte oder Probleme, die sich im Schulalltag zeigen, werden in der Gruppe besprochen. Alle betroffenen und interessierten Personen können teilnehmen und gemeinsam versuchen eine Lösung zu finden.
Weshalb kann ein Kind in «Klausur» geschickt werden?
Da Schülerinnen und Schüler nicht immer beaufsichtigt werden, verlangen wir ein hohes Mass an Verantwortlichkeit an unserer Schule. Dies schliesst die Fähigkeit ein, sich selbst und andere vor Gefahren zu bewahren. Gründe für eine Klausur sind Gewalt, Mobbing, jede Art von zerstörerischem oder gefährlichem Verhalten. Die Botschaft hinter einer Klausur lautet: Mache eine Pause und denke darüber nach, ob du wirklich ein Teil dieser Gemeinschaft sein willst und bereit bist, die Verantwortung für deine Handlungen und Unterlassungen zu übernehmen.
Wenn an einer demokratischen Schule nicht im klassischen Sinn unterrichtet wird, wie und was lernen die Schülerinnen und Schüler dann?
Demokratischen Schulen nützen und fördern die natürliche Fähigkeit der Kinder und Jugendlichen sich selbst, in ihrem eignen Tempo, auf ihre individuelle Art zu entwickeln und zu bilden. Viele Lernprozesse finden «zwischen den Zeilen» statt, im Bereich des sogenannten unsichtbaren Lernens.
Die Schule bietet ein anregendes Umfeld, in dem die Schülerinnen und Schülern vielfältigen Interessensgebieten begegnen. In der altersgemischten Gemeinschaft lernen die Schülerinnen und Schüler viel voneinander und miteinander. Zudem beinhaltet die aktive Rolle der Schülerinnen und Schüler innerhalb der demokratischen Organisation und im Schulalltag zahlreiche Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten. Besonders gefördert wird die Sozialkompetenz, die Teamfähigkeit, das Projektmanagement sowie das Formulieren und Vertreten eigener und gemeinschaftlicher Interessen. Sudbury-Schülerinnen und Schüler entwickeln sich zu höchst engagierten, eigenmotivierten, toleranten und lernbereiten Menschen.
Wenn Mitarbeitende nicht im klassischen Sinn unterrichten, was machen sie den ganzen Tag?
Die Mitarbeitenden sorgen für eine Umgebung, in der alle ihren Interessen frei, selbstbestimmt und ungestört nachgehen können. Neben Verwaltungstätigkeiten erfüllen die Mitarbeitenden sämtliche Aufgaben, die für reibungslose demokratische und rechtliche Schulabläufe erforderlich sind.
Mitarbeitende stehen Schülerinnen und Schülern zur Verfügung, wenn diese sie aufsuchen, und sind im Allgemeinen einfach «da», ohne aufdringlich zu sein. Vor allem versuchen die Mitarbeitenden auf gleichwürdiger Basis mit Schülerinnen und Schülern aller Altersstufen zu interagieren. Dementsprechend gelten die Regeln der Schulversammlung auch für Mitarbeitende.
Wie lernen neue Kinder sich mit dem Schulkonzept zurechtzufinden?
Jedes Kind erfährt den Einstieg in eine Sudbury-Schule anders. Einige ziehen es vor sich zurückzunehmen und erst zu beobachten, während andere mitten hinein springen und sofort aktiv am Schulleben teilnehmen. Einige knüpfen zu Mitarbeitenden Kontakt, während andere die Mitarbeitenden soweit wie möglich meiden. Schliesslich lernen alle das, was sie über die Schule wissen müssen - in ihrem eigenen Tempo, auf ihre eigene Art und meist dann, wenn sie es gerade brauchen. Wir vertrauen darauf, dass sie um Hilfe bitten, falls und wann immer sie Hilfe brauchen.
Warum ist es so wichtig, dass beide Eltern hinter der Schulphilosophie stehen?
Diese Schule ist nicht so «einfach» wie sie im ersten Augenblick erscheint. Die meisten Familien durchleben Phasen der Zweifel und der Schwierigkeiten. Wenn sich ein Elternteil mit der Sudbury-Philosophie nicht wohl fühlt, kann dies für ein Kind zu grosser Verunsicherung führen.
Müssen sich Eltern Sorgen machen, dass ihr Kind viel Zeit am Computer verbringt?
Auch Computertätigkeiten und -spiele stellen aus Sudbury-Sicht soziale Aktivitäten dar. Kinder interagieren miteinander, sie lernen voneinander, und sie lösen gemeinsam Probleme. Sie lernen dabei den selbstverantwortlichen Umgang mit elektronischen Medien und entwickeln dadurch ein Gespür für ihre Bedürfnisse. Sie erkennen dann z.B., wann es Zeit ist nach draussen zu gehen und sich zu bewegen oder etwas zu essen. Zudem haben Schülerinnen und Schüler an der Schule Pflichten und Termine, wie z.B. Mitarbeit in einem Komitee oder die Teilnahme an der Schulversammlung, welche eine unablässige Computerbenützung verunmöglichen.
Computer sind wichtige Werkzeuge der modernen Gesellschaft. Kinder profitieren, wenn sie sich mit den vielfältigen Möglichkeiten auseinander setzen, die elektronische Medien bieten. Wir bitten Eltern um Offenheit für die These, dass die Zeit, die vor dem Bildschirm verbracht wird, nicht «das Gehirn verdirbt». Auch im Zusammenhang mit elektronischen Medien ist das Vertrauen wichtig, dass ein Kind genau das tut, was für es richtig ist. Bei einem Kind, das sich gesund und frei entwickeln darf und deshalb vor nichts «flüchten» muss, ist die Angst unbegründet, dass eine Sucht entsteht.
Wie können Eltern ihr Kind unterstützen?
… sich so intensiv wie möglich mit dem Sudbury-Modell beschäftigen: sei es über entsprechende Literatur, Online-Videos oder Gespräche mit Mitarbeitenden. So können die Eltern ihr Kind besser durch Schwierigkeiten (z.B. Langeweile, Probleme mit anderen, Klausur) begleiten.
Wichtig ist, dass Eltern sensibel sind für die Herausforderungen und Frustrationen, die das Kind erlebt. Ebenso wichtig ist es dem Kind zu vertrauen, dass es die eigenen Probleme lösen kann. Wenn Eltern die Lösung des Problems vorwegnehmen, ist es als würden sie für ihr Kind die Hausaufgaben machen. Zuhören, Fragen stellen, Rat geben (wenn darum gebeten wird) ist in jedem Fall hilfreich.
Kinder brauchen Zeit und Raum für eigene Problemlösungen. Für manche Eltern ist es schwierig auszuhalten, wenn ihre Kinder negative Erfahrungen machen. Viele glauben, dass Misserfolge zu einem Mangel an Selbstvertrauen führen. Aus Sudbury-Sicht ist ein Misserfolg kein «Scheitern», sondern eine Erfahrung, an der man wachsen kann, und eine Möglichkeit sich selbst und seine Fähigkeiten besser kennen zu lernen. Wenn sich ein Kind unabhängig von seinen Leistungen als wertvoll erlebt, kann es mit Misserfolgen umgehen ohne das Vertrauen in sich selbst zu verlieren.
Warum ist Langeweile gut?
Langeweile ist kein Problem, das es zu bekämpfen gilt, sondern Ausdruck eines wichtigen Selbstfindungsprozesses. In Sudbury-Schulen erhalten Kinder Zeit und Raum dafür. «Gute» Ideen anzubieten kann diesen Prozess hemmen. Kinder, deren Langeweile «unterbrochen» wird, akzeptieren manchmal das Angebotene, stellen somit ihre Suche ein und tun am Ende Dinge, die sie nicht wirklich interessieren.
Welche Abschlüsse bietet die Schule FOKUS?
Unsere Schülerinnen und Schüler können die gesamte obligatorische Schulzeit an der FOKUS absolvieren und bereiten sich individuell auf eine weiterführende Ausbildung vor, wie z.B. eine Berufslehre oder die eidgenössische Matura.
Die Schulzeit wird an der FOKUS mit dem Sudbury-Diplom abgeschlossen. Dieses besteht aus
1. dem Volkschulabschluss, welcher mindestens die Erfüllung der grundlegenden Anforderungen des Baselbieter Lehrplans sowie die Anschlussfähigkeit an eine weiterführende Ausbildung beinhaltet.
2. dem Sudbury-Abschluss, im Rahmen dessen die Schülerin, der Schüler der Gemeinschaft darlegt, weshalb sie/er sich reif fühlt die Schule zu verlassen, was die Sudbury-Ausbildung dazu beigetragen hat und was ihre/seine nächsten Schritte sind.
Das selbstbestimmten Lernen ist ein effektiver und nachhaltiger Bildungsweg, erfordert allerdings meist mehr Zeit. Insbesondere „Quereinsteiger“ benötigen oft Zeit, um sich auf den selbstbestimmten Bildungsweg umzustellen und ihre Interessen zu entwickeln. Deshalb machen die Schülerinnen und Schüler in der Regel ihr Sudbury-Diplom mit 18 Jahren. Ein vorzeitiger Abschluss ist möglich, wenn die Voraussetzungen dafür erfüllt sind.
Wie entwickeln die Schülerinnen und Schüler Interessen, wie stossen sie auf die Themen, die für sie und/oder für einen Schulabschluss relevant sind?
Die FOKUS bietet ein grosses, vielfältiges Angebot an Lehrmitteln und Anschauungsmaterial. Zudem können sich die Schülerinnen und Schüler ihre Interessensgebiete über unterschiedliche Kanäle erschliessen, sei es durch klassischen Unterricht oder autodidaktisch, via elektronische Medien, altersgemischte Interaktionen, Projekte uvm.
Durch die Begegnung mit verschiedensten Themen und Interessensgebieten im Alltag sowie das Zusammenleben in einer altersgemischten Gemeinschaft erschliessen sich die Schülerinnen und Schüler bewusst und tlw. unbewusst vielfältige Wissens- und Erfahrungsbereiche. Dank der Möglichkeit sich uneingeschränkt damit auseinanderzusetzen, erlangen sie weitreichende Kompetenzen.