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Die M. befasst sich mit den physikal. Vorgängen in der Erdatmosphäre und dem Wetter. Ein Teilgebiet der M. ist die Klimatologie. Aufzeichnungen von systemat. Wetterbeobachtungen, die wissenschaftlich auswertbar sind, gehen in der Schweiz weit vor die Zeit meteorolog. Messungen zurück. Der Beginn der M. als exakte Naturwissenschaft ist jedoch eng an die florentin. Erfindung meteorolog. Messinstrumente um die Mitte des 17. Jh. gebunden. 1697 rief der Naturforscher Johann Jakob Scheuchzer dazu auf, an möglichst vielen Orten in der Schweiz nach einheitl. Vorgaben das Wetter mit Instrumenten zu beobachten. Nur wenige Gleichgesinnte leisteten seiner Aufforderung Folge. Die ältesten erhalten gebliebenen Messreihen sind die von Genf ab 1753 und von Basel ab 1755.
Ein landesweit koordiniertes Beobachtungsnetz mit zwölf Messstationen wurde 1823 auf Initiative und unter Leitung der Schweiz. Naturforschenden Gesellschaft geschaffen. 1837 scheiterte jedoch das Unternehmen. Erst mit der Unterstützung durch den Bund gelang ein Vierteljahrhundert später die Errichtung eines dauerhaften schweiz. Wetterbeobachtungsnetzes. Die Schweiz. Naturforschende Gesellschaft trug abermals die Verantwortung für das Vorhaben. Am 1.12.1863, mit dem Beginn des meteorolog. Winters, nahmen 88 Messstationen den Betrieb auf. Als Koordinations- und Auswertezentrum wurde ein der Sternwarte in Zürich angegliedertes meteorolog. Büro eingerichtet.
Die meteorolog. Beobachtungen dienten vorerst der Erforschung der Wettererscheinungen und des Klimas in den versch. Regionen der Schweiz. Jedoch forderte v.a. die Landwirtschaft schon bald tägl. Wetterprognosen, wie man sie in Frankreich bereits kannte. Trotz Widerstand der meteorolog. Kommission, welche die Wissenschaftlichkeit solcher Prognosen bezweifelte, erwirkte die Landesregierung, dass ab dem 1.6.1878 der Öffentlichkeit in den Tageszeitungen tägl. Wetterberichte mit den Prognosen für den Folgetag zur Verfügung gestellt wurden. Der dadurch stark gewachsene Aufgabenbereich des meteorolog. Büros bewog den Bundesrat 1880 zur Gründung der Meteorolog. Zentralanstalt, die 1881 in Zürich ihre Tätigkeit aufnahm.
Mit dem aufkommenden Luftverkehr erfolgte 1927 die Gründung des Flugwetterdienstes als Teil der Meteorolog. Zentralanstalt. Ab 1929 wurden auf den Flugplätzen Zürich-Dübendorf, Genf-Cointrin und Basel-Birsfelden Flugwetterbeobachtungen durchgeführt und international verbreitet. Innerhalb des Flugwetterdienstes entstand 1936 der Sturmwarndienst, nicht nur für den Flugverkehr, sondern auch für die grösseren Schweizer Seen. Den speziellen meteorolog. Verhältnissen auf der Alpensüdseite widmet sich seit 1935 als Zweigstelle der Meteorolog. Zentralanstalt das Osservatorio Ticinese in Locarno-Monti. Der Betrieb der Wetterballone mit ihren Messinstrumenten obliegt seit 1941 der eigens dafür gegründeten Aerolog. Station in Payerne.
Zwischen 1976 und 1981 entstand in der Schweiz das sog. Automatische Messnetz ANETZ mit über 60 Stationen. Ab 1992 folgte das auf die Windmessung spezialisierte Ergänzungsnetz ENET. Die mit der Automatisierung der Messungen sprungartig angewachsene Datenmenge beschleunigte die 1958 begonnene Computerisierung der M. Das Rechenzentrum an der Meteorolog. Zentralanstalt, seit 2000 MeteoSchweiz, wurde zur Drehscheibe des täglichen meteorolog. Routinebetriebs in der Schweiz und versorgte auch die in den 1980er Jahren entstandenen privaten Meteo-Anbieter, von denen 2008 erst einer über ein eigenes Messnetz verfügte, mit den aktuellen Daten. Die Verbreitung der Wettervorhersage an Radio und Fernsehen führte zur Popularisierung der M. Zu Beginn des 21. Jh. lassen sich dank neuer Medien Wetterprognosen und Unwetterwarnungen per Mobiltelefon empfangen und Niederschlagszellen als Radarfilm über das Internet verfolgen. Seit 1955 ist Genf Sitz der 1947 gegr. Weltorganisation für Meteorologie.
Literatur
– M. Schüepp, «100 Jahre schweiz. Beobachtungsnetz 1864-1963», in Hundert Jahre M. in der Schweiz, 1864-1963, 1964, 15-30
– 100 Jahre Schweiz. Meteorologische Anstalt, 1981
Autorin/Autor: Stephan Bader