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Öl aus Camelia Sinensis? Hast Du schon Mal davon gehört?
Jemand fragte Drogist Oppliger am Samstag in Monte Verita, was man mit dem Teesamen macht. Er erwiderte, dass man die Teepflanzen gar nicht zur Samenbildung lässt.
In einer Zeit, in der man Respekt vor dem Rhythmus der Natur noch hatte, konnte man bereits das wertvolle fette Öl schätzen. Teesamenöl kannte ich bereits seit meiner Kindheit – jeder in Taiwan kennt dieses Öl. Meine Oma auf dem Land benutzte das Öl, um ihre dünne lange Haare zu pflegen. Auf dem Land im Südtaiwan kannte man YSL oder Chanel nicht. Für Oma und Tante war das Öl aus Camelia Sinensis das beste Pflegemittel. Sie watschten ihre Haare selten. Meistens massieren sie ihre Haare mit diesem Öl ein und pflegt ihre Haut damit, vor allem im Winter und Herbst. Ab und zu habe ich auch gesehen, dass Tante den teueren Messer aus Jinmen Insel mit diesem Öl sorgsam rieb und aufbewahrte. Damals lebten meine Eltern in Taipei, um Geld zu verdienen. Mein Vater war ursprünglich ein englischer Lehrer in Kaoshiung, der diese Fremdsprache besser beherrscht als Chinesisch. (Wenn er mich schimpft, kann er nur auf Taiwanesisch!) Er wechselte seinen Beruf zu einem Kaufmann, der später immer auf Dienstreise in ganzer Welt tätig war. Meine Schwester und ich lebten mit der großen Familie meiner Mutter im Süden Tainan. Das war eine wunderschöne Zeit! Wir spielten mit anderen Kindern zwischen Pamelo Bäume, zwischen Ananasstrauch und jagten die Hühner. Tee… hat man nicht gekannt. Es war ja für Export bestimmt. Wir hatten einen speziellen Name für Wasser – wir nennen es als „Weißer Tee“… Aber das Öl hatten wir gehabt. Als Medizin gegen Magenprobleme, als Kosmetik für Frauen und als Speiseöl für köstliche Gerichte. Wenn wir Schweineschmalz nicht hatten, benutzte die Tante das Öl von Teesamen.
Das Abfallprodukt aus der Ölpressung benutzte meine Tante für Geschirr-Reinigung. Abfall war ein Fremdwort für das einfache Volk. Als meine Eltern mich zuerst nach Taipei holte und später meine Schwester, wurde das Leben anders. Keine Sonne vom Süden, sondern nur der Regen und die Laune einer anderen Großfamilie in Taipei. Meine kleine Schwester weinte ein Monat lang, sie wollte nie zu Eltern nach Taipei. Wir wären gerne dort geblieben. In Taipei konnten wir nur vom Fenster die Strasse blicken und die anderen Kinder aus der Entfernung anschauen, denn meine Mutter uns verbot, mit ihnen auf der gefährlichen Strasse zu spielen. In Taipei trank mein Opa Tie Guanyin, während das Teesamenöl nicht mehr in der Küche zu finden war. Die Köchin Assang kochte mit importiertem Speiseöl aus Amerika…
Als ich Teesamenöl wieder begegne, wurde es bereits ein Luxus-Artikel, das unter Healthy Food und kalt gepresstes Öl verkauft wird. Eine Falsche Teesamenöl kostet nun in Taiwan mehr als eine Flasche Olivenöl aus Italien! Die Teesamen, die in Taiwan gespresst werden, sind meistens auch Importwaren aus Vietnam. Nur Teebauer Feng und Gao in Shiding und Pinglin sammelten noch ihre Teesamen von alten Teebäumen. Das Made in Taiwan Kameliensamenöl ist entsprechend teuer.
Die Zeiten verändern sich. Heute verkauft Primavera in Europa auch Kameliensamenöl. Für stolze 7 € 30ml!
Nun spiele ich einmal Chemiker: Inhaltstoffe des Teesamenöls sind
83% Ölsaure, 7,5% Linosäure, 7,5 % Palmitinsäure, Myristinsäure und 1% Stearinsäure.
Teefrucht
In Taiwan gibt es zwei verschiedene Formen von deisem wertvollem Oel:
die Samen geröstet und gespresst: schmeckt aromatischer und hat eine goldene Farbe. Traditionell als Kosmetik und Medizin verwendet.
die Samen kalt gepresst: es schmeckt leicht nach frischem Grüntee, grassig und frisch. Klare gelbe Farbe.