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Sollten Sie nicht glauben, dass die Tischplatten identisch sind, dann messen Sie die Tischfläche aus oder drucken Sie das Bild in zweifacher Ausführung und schneiden vom einen Ausdruck eine Tischplatte aus und legen diese auf das andere Bild.
selbstwertdienliche psychologische Effekte
Nicht nur optische Täuschungen verzerren unsere Sicht auf die Welt, mindestens ebenso wichtig sind psychologische Effekte, mit welchen wir uns eine Welt zurechtschustern, die uns erträglicher erscheint. So führt beispielsweise der "self-serving bias" ("selbstwertdienliche Verzerrung") dazu, dass wir Erfolge mit unseren eigenen Fähigkeiten, Misserfolge aber mit Hilfe äusserer Umstände erklären. Werden wir gelobt oder kriegt ein Schüler eine gute Note, dann wird das meist auf eigene Fähigkeiten zurückgeführt. Kritik hingegen erscheint uns oftmals als ungerechtfertigt (insbesondere dann, wenn wir uns angestrengt haben, die Leistung aber ungenügend war). Ist die Note einmal schlechter als erwartet, war der Lehrer parteiisch oder waren die Prüfungsfragen schlecht gestellt etc.
Ein vergleichbarer Effekt führt dazu, dass wir uns selektiv erinnern. Subjektive Erfolge werden längerfristig im Gehirn gespeichert, Misserfolge gehen schneller vergessen. Cordelia Fine schreibt dazu: "Offenbar passt ein Kamel eher durchs Nadelöhr, als dass negatives Feedback ins Reich der Erinnerung vordringt." (Fine 2013, S. 11). Hinzu kommt, dass wir Menschen sehr gut darin sind, Argumente für unsere Glaubenssätze und Überzeugungen zu suchen - und Gegenargumente entweder zu ignorieren oder so streng zu prüfen, bis sie uns als widerlegt erscheinen (egal, ob sie dies auch sind). Objektivität ist definitiv nicht die Stärke von Menschen.
Beispiel Telepathie und Wünschelrutengänger
In Bezug auf Alternativmedizin und Esoterik sind solche psychologischen Effekte von allergrösster Bedeutung. Wer selbst davon überzeugt ist über paranormale Fähigkeiten zu verfügen und beispielsweise telepathisch kommunizieren oder mittels einer Rute Wasser muten zu können, interpretiert seine Fähigkeiten falsch. So werden unter anderem Misserfolge (unbewusst) ausgeblendet, Erfolge aber übermässig bewertet und erinnert, werden ganz natürliche Erklärungen ignoriert und verfällt man in eine Täuschung über sich selbst. Eine Täuschung die dem Selbstwert dient, da sich der betroffene Mensch natürlich viel besser fühlt, wenn er der Überzeugung ist über aussergewöhnliche Fähigkeiten zu verfügen. Man verfällt dem self-serving bias.
Wie absurd diese Selbstzuschreibungen oftmals sind, wird in vielen Fällen schnell klar, wenn man die angeblichen übersinnlichen Fähigkeiten überprüft. Wer beispielsweise der Überzeugung ist, jeweils zu spüren, wer gleich anrufen wird, sollte einmal schriftlich Protokoll führen. Zudem müssten gleichmässige Strukturen ausgeschlossen werden: ruft die Tochter oder der Vater immer zur gleichen Tageszeit an, ist es nicht schwer zu erraten, wer gerade anruft. Die angeblich übersinnlichen Fähigkeiten können so in der Regel sehr leicht als psychologische Täuschungen entlarvt werden.
Dasselbe gilt auch für Wünschelrutengänger, die angeblich Wasseradern in Wohnungen aufspüren und damit Menschen helfen können, welche an Schlafstörungen leiden. In der Tat können Wünschelrutengänger oftmals Wasseradern finden - bloss hilft ihnen die Rute einfach dabei, ihre unbewussten Gefühle zu verstärken. Wo in einer Wohnung Wasseradern zu finden sind, ist relativ leicht herauszufinden und muss nicht einmal bewusst geschehen: Badezimmer und Küche verfügen definitiv über Waserleitungen und wo diese Leitungen durchführen, kann leicht erschlossen werden. Oftmals sind mit Wasseradern aber auch unterirdische Adern gemeint, geheime "Globalgitter" oder "Curry-Netze", die "feinfühlige" Menschen beim Schlafen stören. Dass solche Gitter und Netze mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht existieren tut dabei nichts zur Sache: schliesslich haben die Wünschelrutengänger selbst genügend Beispiele erlebt, wo Menschen ihr Bett anders angeordnet hatten und danach wieder besser schlafen konnten. Auch hierbei handelt es sich aber um einen psychologischen Effekt, was sich leicht zeigen lässt: lässt man verschiedene Rutengänger die Wohnung ausmuten - kommen diese in der Regel zu völlig widersprüchlichen Resultaten wie verschiedene Tests gezeigt haben. Allein die Tatsache, dass jemand behauptet, das Problem für die Schlafstörungen gefunden zu haben, kann zudem genügen, dass wieder besser geschlafen wird (»Placeboeffekt).
Schliesst man solche psychologischen Effekte aus, indem man objektive Messungen vornimmt, verschwinden die behaupteten Effekte regelmässig. Es wurden sogar von der James Randi Foundation eine Million Dollar ausgeschrieben für jene Person, die objektiv beweisen kann, dass sie über paranormale Fähigkeiten verfügt. Seit 1964 (damals lag das Preisgeld noch bei 1000 Dollar) ist dies niemandem gelungen. Die angeblichen Fähigkeiten von Wünschelrutengängern oder auch von Pendlern gehen genau dann verloren, wenn sie nicht wissen können, wo das gesuchte Medium (z.B. die Wasserader) ist, respektive nicht nur behaupten können, einen Treffer gelandet zu haben, sondern dies auch nachweisen müssen.
Selbstüberhöhung
Diese Diskrepanz zwischen subjektiver Überzeugung und objektivem "Versagen" lässt sich leicht erklären. Unter anderem aufgrund des self-serving bias werden Erfolge überbewertet und Misserfolge ausgeblendet. Da es sich dabei grösstenteils um unbewusste Prozesse handelt, kann die angeblich besonders befähigte Person gar nicht an ihrer Selbsteinschätzung zweifeln: sie findet überall Belege und wird eins ums andere Mal in ihrem Glauben bestätigt. Zweifel kommen in der Regel nicht einmal dann auf, wenn man einen "echten" Magier sieht, dessen Fähigkeiten die eigenen bei Weitem übertreffen. Selbst wenn dieser Magier betont, dass er über keine paranormalen Fähigkeiten verfügt - an den eigenen Fähigkeiten wird weiter kaum gezweifelt, ja, kann kaum gezweifelt werden, da unsere Psyche so aufgebaut ist: selbst wenn Sie die Tischflächen nachgemessen haben - ernsthaft glauben können Sie weiterhin nicht, dass die Tischflächen identisch sind.
Eigentlich ist es unfassbar, wie stark sich gewisse Menschen selbst überhöhen und überschätzen. Sie können zwar nicht einmal die Tricks der Magier entlarven, sind aber trotzdem der Überzeugung selbst bewerten zu können, dass sich das eben erzählt bekommene oder selbst erlebte Ereignis ganz sicher nicht "normal" erklären lasse. Dass dies meist bedeuten würde, dass grundlegende Naturgesetze ausser Kraft gesetzt wären, stört sie dabei nicht. Selbst dann nicht, wenn sie sich selbst anmassen, grundlegende Naturgesetze ausser Kraft setzen zu können und damit die ganze Physik zu widerlegen. Zweifel kommen auch hier nur selten auf. Vielmehr wird schnell an den Naturwissenschaften gezweifelt, welche ganz vieles noch nicht erklären könnten. Schliesslich zeige doch die Quantenphysik, dass... (»Quantenphysik und Esoterik). Dass sich die behaupteten Effekte weder mit der klassischen noch mit der Quantenphysik erklären lassen, spielt einmal mehr genausowenig eine Rolle, wie dass sich die behaupteten Effekte problemlos "natürlich" erklären lassen wie oben an zwei Beispielen ganz oberflächlich gezeigt wurde und wie es sich besonders eindrücklich am Beispiel der Alternativmedizin zeigen lässt.
Alternativmedizin
Es gibt wohl nur wenige Gebiete, die so gut erforscht sind und wo unzählige Male gezeigt werden konnte, dass die behaupteten und erlebten Effekte nichts mit dem jeweiligen Verfahren zu tun haben wie die Alternativmedizin. Die meisten, respektive fast alle alternativmedizinischen Verfahren wirken nicht mehr als ein Placebo, ihre angebliche Wirksamkeit lässt sich zudem leicht mit psychologischen Effekten erklären: so werden beispielsweise ohne Ausnahme alle Erfolge dem eigenen Verfahren zugerechnet, auch wenn die Erfolge andere Ursachen haben (Selbstheilungskräfte, die Zeit, Placeboeffekt, gleichzeitige Einnahme von "chemischen" Medikamenten etc., vgl. »Wie wirkt Alternativmedizin). Misserfolge werden hingegen psychologisch ausgeblendet, respektive völlig falsch wahrgenommen: gibt es beispielsweise in Lourdes auf 1'000 Besucher mit einer Erkrankung eine "Spontanheilung", dann lässt sich darauf fokussieren, dass es einen Erfolg gegeben hat oder darauf, dass es 999 Misserfolge gegeben hat - was gerne "vergessen" geht. Misserfolge werden zudem gerne damit erklärt, dass der Patient beispielsweise nicht alle Regeln befolgt hat oder das richtige Verfahren noch nicht gefunden wurde (es gibt z.B. hunderttausende mögliche Homöopathika, rechnet man die verschiedenen Verdünnungen dazu, vgl. »Erklärungen für die Erfolge der Homöopathie).
Leicht lässt sich einsehen, dass es sich dabei einmal mehr um den self-serving bias handelt. Sowohl Alternativmediziner wie Patient wollen Erfolg haben, weshalb die Resultate so gedeutet werden, dass sie einem besser passen. Um diesen psychologischen Effekten nicht auf den Leim zu gehen, ist es notwendig, die paranormalen Effekte einer möglichst objektiven Überprüfung zu unterziehen. So wie beim Tischbeispiel nachgemessen werden muss, müssen behauptete paranormale Effekte wissenschaftlich untersucht werden. Tut man dies, lösen sich die Effekte eins ums andere Mal in Luft auf - oder es lässt sich zeigen, dass "getrickst" wurde.
Entlarvungen
Besonders eindrücklich wird dies im Film "Red lights" mit Robert de Niro als blindem Hellseher gezeigt. In diesem Film werden zu Beginn verschiedene besonders bekannte "Beweise" für übernatürliche Fähigkeiten widerlegt: unter anderem Poltergeister, rückende Tische, sich biegende Löffel oder mit modernster Technik tricksende Gurus. Am blinden Hellseher scheinen die Wissenschaftler aber zu scheitern. Trotz umfangreichen Vorbereitungen, um Übernatürliches definitiv auszuschliessen, schafft es der blinde Hellseher Dinge zu wissen, die er nicht wissen kann. Ihm wird schliesslich attestiert, tatsächlich über übernatürliche Fähigkeiten zu verfügen. Wenig später stellt sich allerdings heraus, dass der Hellseher die Wissenschaftler durch einen besonders einfachen und dafür umso überzeugenderen Trick getäuscht hat. Viele paranormale Ereignisse lassen sich also nur deshalb nicht erklären, weil man den "Trick" oder die genauen Ursachen nicht herausfindet, die zum Ereignis führe, weil man relevante Mechanismen übersieht und nicht, weil die Ereignisse tatsächlich paranormal sind.
Fazit
Etwas mehr Bescheidenheit würde vielen Menschen gut tun. Statt sich selbst zuzumuten, gegen Naturgesetze verstossen zu können, sollten zuerst alternative Erklärungen für gewisse Beobachtungen und Erlebnisse gesucht werden - es sollte wie beim Tisch zuerst nachgemessen werden. Die Wissenschaft entwickelt deshalb nicht ohne Grund immer neue komplizierte Messanordnungen, um subjektive Täuschungen möglichst auszuschliessen. Gerade im Bereich der angeblich paranormalen Fähigkeiten oder der Alternativmedizin lassen sich "übernatürliche" Effekte heute ausschliessen: zu viele Studien kamen zu allzu eindeutigen Ergebnissen, zu viele Menschen haben sich beim Versuch ihre "paranormalen" Fähigkeiten zu beweisen regelrecht blamiert. Misst man nach, verschwinden die seltsamen Effekte eins ums andere Mal. Dazu kommt, dass es inzwischen auch genügend "normale" Erklärungen für solche Effekte gibt, es lässt sich inzwischen meist leicht erklären, warum der subjektive Eindruck entsteht, dass eine bestimmte Form von Alternativmedizin zu wirken scheint oder dass man über "paranormale" Fähigkeiten verfügt (»Gibt es Übersinnliches?). Es handelt sich dabei vorwiegend um psychologische Täuschungen - die analog funktionieren wie die optische Täuschung mit den zwei Tischen: ohne Nachmessen ist es oftmals unmöglich, die Täuschung zu erfassen und selbst wenn man nachgemessen hat, wird der Messung nicht wirklich Glauben geschenkt. Was sich wiederum - mit psychologischen Täuschungen erklären lässt.