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Lorenz Giovanelli 18.03.1915, Frutigen BE - 18.10.1976, Erlenbach i. S. BE
Akkordeonist, Sohn eines italienischen Bauführers, der noch vor dem Ersten Weltkrieg aus Mailand eingewandert und am Bau der Lötschbergbahnlinie tätig war. Aufgewachsen in Frutigen, übte er sich bereits während der Schulzeit im Handorgelspiel, teils nach Anleitung, teils durch Selbstunterricht. Nach einem Welschlandaufenthalt arbeitete er als Käser, doch nötigte ihn die ungünstige Wirtschaftslage schon bald, sich nach einer anderen Betätigung umzusehen. Er ging zunächst bei der Stadtmühle Bern in die Lehre als Müller und übte nachfolgend diesen Beruf mehrere Jahre an verschiedenen Orten aus.
1932 hob er die Kapelle “Alpengruss” Frutigen aus der Taufe, deren Bezeichnung fortan in einem Zug mit seinem persönlichen Namen genannt werden sollte. Neben Giovanelli waren daran beteiligt: Hans Schmid, Handorgel / Walter Isler, Klarinette und Johann Grossen, Bassgeige. An der Seite von Alfred Kölliker kamen 1934 (?) als Handorgelduett die ersten Tonaufnahmen zustande. Bis zum Ende seines Lebens sollte er schließlich die erstaunliche Anzahl von annähernd 500 Tänzen auf Schallplatten aufnehmen. Hatte er bis dahin sein Können einzig auf der diatonischen Handharmonika unter Beweis gestellt, so folgte er als Zwanzigjähriger dem Rat des Handorgelfabrikanten Ernst Salvisberg und lernte zusätzlich, abermals aus dem Stegreif, Akkordeon spielen. Dies kam ihm sehr zustatten, als er sich 1941 für die Berufsmusik entschied, weil ihm sein bisheriger Wirkungskreis angesichts der durch den Krieg ausgelösten Schwierigkeiten kein ausreichendes Einkommen sicherte. Während der zwei folgenden Jahre musizierte er vornehmlich in Bern, Zürich und Luzern, meistens zusammen mit den Brüdern Mauerhofer, Zäziwil. Nach dieser Zeit einer lebhaften musikalischen Tätigkeit fand er wieder zurück in seinen bürgerlichen Beruf, dem er nun über eine längere Zeitspanne hinweg im Appenzellerland nachging. Schliesslich ergriff er den Beruf eines Chauffeurs und arbeitete als solcher in Thun und Spiez.
Seine Kapelle war nie eine Spielgemeinschaft von längerer Dauer; vielmehr formierte sie sich fortwährend neu. So spielten mit ihm um 1960 als fest zur Kapelle gehörend der Innerschweizer Emil Zwyer (1909-1986), Klarinette und Saxophon, der Frutiger Werner Büschlen, 2. Akkordeon und Sepp Gehrig, Bassgeige. Auch die Klarinettisten Toni Amrein, Hubert Camenzind und Edy Keiser mögen hier als zeitweilige Partner genannt sein. Für Schallplattenaufnahmen zog Giovanelli jeweils nur erstklassige Kräfte zu, namentlich die beiden Bläser Kaspar Muther und Seppi Vogel. Aber auch Jost Ribary, Otto Würsch, Max Cerutti, Sebastian Kaufmann usw., ebenso die Akkordeonisten Paul Zimmermann und Arthur Brügger liehen ihm häufig ihre Unterstützung und hatten beträchtlichen Anteil an seinen Erfolgen. Ein Teil seiner etwa 150 eigenen Tänze ist in den Verlagen Ernedy, Stucki und Grossmann im Druck erschienen. Giovanelli, dem 1945 das Schweizer Bürgerrecht zuerkannt worden war, wohnte seit 1960 in Reutigen, nachdem er bis dahin - sieht man von seinen Wanderjahren ab - ständig in Frutigen gelebt hatte.
Am 30. April 1976 wurden die letzten Aufnahmen von der Ländlerkapelle "Alpengruss Frutigen" gemacht. Ein halbes Jahr später hatte uns Lorenz Giovanelli nach kurzer Krankheit für immer verlassen.
Quelle: Ernst Roth
KompositionenDie Kapelle Alpengruss Frutigen hat manchmal mit dem gleichen Namen an drei verschiedenen Anlässen gleichzeitig aufgespielt. Der Beweis ist das Bild unten.
v.l.n.r. Unbekannter, Jodelduett Rubin-Spühler, Edi Keiser Klarinette,
Gottfried Marti Bassgeige und Christian Rentsch Handorgel
Link zu Fritz Ramseier, der auch mit Lorenz Giovanelli und Arthur Brügger gespielt hat. In diesem Zusammenhang entstanden die Titel "Echo vom Rämisgummen und "Oberhus Fritz"
Tonträger mnit Aufnahmen von Lorenz Giovanelli