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Geschichte | Geographie | Wirtschaft | Gesellschaft
Kendall Juan Breschan Bermejo, 2005 | Buchrain, LU
Meine Wettbewerbsarbeit dreht sich um den Seetsunami, welcher sich am 18. September 1601 im Vierwaldstättersee ereignete. Bei meiner Arbeit wurde ein Aktualitätsbezug geschaffen, indem der Aufgabe nachgegangen wurde, den ökonomischen Schaden, welchen der Tsunami heute verursachen würde, in drei verschiedenen Szenarien zu bestimmen. Szenario 1 ist dabei am wenigsten gravierend, Szenario 2 stellt ungefähr den mittleren zu erwartenden Fall der Tsunamiwelle dar und Szenario 3 ist mit einem der schlimmstmöglichen Fälle gleichzusetzen. Die Untersuchung wurde in der Stadt Luzern durchgeführt. In einem Unterkapitel werden ausserdem die Gebäudeschäden am ganzen Seebecken abgeschätzt. Berücksichtigt wurden alle überfluteten Gebäude, Grünflächen, Brücken und Strassen, Billettautomaten und Busunterstände und Leitungen. Der Begriff «ökonomischer Schaden» wurde in der vorliegenden Arbeit dabei mit in Geld fassbaren Schaden an diesen Objekten gleichgesetzt. In jedem Szenario resultierte ein ökonomischer Schaden im achtstelligen Bereich. Daraus folgt, dass der Tsunami eine Naturgefahr ist, die in der Stadt Luzern für grosse Schäden sorgen kann. Deswegen lohnt es sich, diese Naturgefahr weiterhin zu erforschen und anhand der gewonnenen Informationen schnell anwendbare Risikomodelle oder Warnsysteme zu erstellen, um Schaden minimieren zu können.
Fragestellung
Wie hoch ist der ökonomische Schadenumfang im Jahr 2022 bei einer Überschwemmung analog dem Seetsunami 1601? Eine Abschätzung anhand von drei verschiedenen Szenarien im Perimeter Alpenquai bis zum Verkehrshaus sowie eine grobe Abschätzung für das ganze Seeufer.
Methodik
Die Untersuchung wurde in drei verschiedenen Szenarien, einem mittleren, einem best case und einem worst case Szenario durchgeführt. Für diese drei Szenarien wurde der Schaden an Gebäuden, Leitungen, Grünflächen, Brücken und Strassen, sowie in Bereichen des öffentlichen Verkehrs abgeschätzt. Die Resultate in den drei Szenarien wurden in den Bereichen Gebäude und Grünflächen in drei Unterschiedliche Werte (Wert 1, 2 und 3) aufgeteilt. Diese Werte dienten dazu, kleinere Unsicherheiten in der Methodik mit Hilfe von alternativen Geldwerten auszubügeln. In den Bereichen Grünflächen, Gebäude und ÖV wurde bei der Untersuchung eine eigene Methodik entwickelt, welche in meiner Arbeit detailliert erklärt wird. In den Bereichen Leitungen, sowie Brücken und Strassen wurden externe Angaben verwendet. Im Unterkapitel, in dem der Gebäudeschaden im ganzen Seebecken geschätzt wird, werden die Gebäudeschaden, welche in Luzern resultierten, auf das restliche Seeufer extrapoliert.
Ergebnisse
In Szenario 1 resultierte ein Wert 1 von 24’317’418 CHF, ein Wert 2 in der Höhe von 24’317’489 CHF und ein Wert 3 von 24’739’625 CHF. Für Szenario 2 wurde ein Wert 1 in der Höhe von 33’836’074 CHF, ein Wert 2 von 33’837’056 CHF und ein Wert 3 in der Höhe von 38’844’997 CHF ermittelt. In Szenario 3 ergaben sich 96’679’062 CHF für Wert 1, 99’411’617 CHF für Wert 2 und 105’773’762 CHF für Wert 3. Der Gebäudeschaden am ganzen Seeufer betrug rund 505 Millionen CHF.
Diskussion
Die Resultate sind als ziemlich realistisch einzuschätzen. Dies liegt daran, dass insbesondere im Bereich Gebäude viel Zeit dafür investiert wurde, eine sinnvolle Methodik zu entwickeln. Auch kann dies behauptet werden, da die Unterschiede des ökonomischen Schadens in den einzelnen Szenarien klar ersichtlich sind. Das zeigt auch, dass ein Zusammenhang zwischen Höhe der Schäden und Intensität des Tsunami festgestellt werden kann. Unrealistisch sind lediglich die Resultate im Bereich Leitungen. In diesem Bereich stammen die Angaben von einer externen Quelle, welche jedoch nur einen groben Betrag angeben konnte. Diese Einschätzungen sind tendenziell zu hoch. Allgemein können die erhaltenen Werte als Minimum angesehen werden, da beispielsweise zusätzliches Schwemmmaterial nicht berücksichtigt wurde. Dies gilt insbesondere für die Abschätzung des Schadens im ganzen Seebecken, da dort nur Gebäudeschäden miteinbezogen wurden.
Schlussfolgerungen
Die hohen Schäden zeigen, dass ein Tsunami im Vierwaldstättersee eine ernstzunehmende Naturgefahr ist. Auch kann aus den Zahlen geschlossen werden, dass es sich lohnt, weiterhin Geld in Forschungsprojekte zu investieren, um anhand von neuen Erkenntnissen Schäden vorbeugen zu können. Aus meiner Arbeit folgt auch, dass die Diskussion von Präventionsmassnahmen durchaus Sinn ergibt. So könnten einfache Massnahmen gefunden werden, welche unter Umständen grosse Schäden vorbeugen könnten.
Würdigung durch den Experten
Prof. Flavio Anselmetti
Kendall Breschan hat mit viel Motivation, Kreativität und Einsatz den ökonomischen Schaden berechnet, der durch eine Wiederholung des Tsunamis von 1601 am Ufer der Vierwaldstättersees heute verursacht würde. Dazu hat er mit Überflutungsszenarien die bedrohten Werte der Gebäude und der Infrastruktur in Luzern, Weggis und Buochs-Ennetbürgen abgeschätzt und auf den Rest des Seeufers extrapoliert. Das Ergebnis, ein Schaden im Bereich von 500 Millionen Franken, ist erstaunlich und wurde so noch nie berechnet. Er zeigt somit eindrücklich die Dimension dieser unterschätzten aber seltenen Naturgefahr.
Prädikat:
sehr gut
Kantonsschule Alpenquai Luzern
Lehrerin: Kathrin Schalbetter