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Schulfach Lepra
Hasina ist wieder gesund. Das ist keine Selbstverständlichkeit: Sie litt an Lepra in fortgeschrittenem Stadium.
Viele Menschen, die unter prekärsten Bedingungen und in tiefster Armut im Bainganwadi Slum in Mumbai leben, verdienen etwas Geld, indem sie in der direkt angrenzenden grössten Mülldeponie Mumbais Müll sortieren. Sie leben auf so engem Raum und unter so prekären hygienischen Bedingungen zusammen, dass sie sich oft mit Lepra anstecken. Die lokale, von FAIRMED unterstützte Organisation Lok Seva Sangam LSS untersucht in den Schulen des Bainganwadi Slums in Mumbai bereits die Schülerinnen und Schüler der Primarstufe auf Lepra-Symptome hin, sensibilisiert sie und bewirkt dadurch, dass Leprafälle früh erkannt und geheilt werden können – so wie bei der zwölfjährigen Hasina.
Mit ihren Eltern und sieben Geschwistern lebt die Zwölfjährige ganz in der Nähe in einer kleinen Hütte - ohne Strom, Wasser oder sanitäre Anlagen - inmitten des dicht besiedelten Bainganwadi-Slums von Mumbai. Direkt angrenzend an den Slum türmt sich die grösste Mülldeponie der Megacity. Für viele der Slumbewohner ist die Deponie jedoch überlebenswichtig, da sie mit Müllsammeln einen kleinen Verdienst erlangen, so auch Hasina. Mit Lepra angesteckt hat sie sich über ihren Vater. Als eines der mobilen LSS-Gesundheitsteams, die hier wie auch in zwei weiteren Slums der Gegend Menschen mit Anzeichen auf Lepra ausfindig machen und ihnen medizinische Versorgung zukommen lassen, auf Hasina traf, war es fast schon zu spät. «Sie hatte bereits viele grosse, weisse Flecken an ihren Armen und Händen und litt unter Gefühlsverlust», berichtet Ethel D‘Souza.
LSS ermöglichte Hasina die kostenlose Therapie mit einer Antibiotika-Kombination, die sogenannte Multi-Drug-Therapy. «Obwohl Hasina bereits in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium war, hat die Behandlung sehr gut angeschlagen und die Infektion konnte geheilt werden», erinnert sich Ethel D‘Souza. «Zur Behandlung der Nervenschädigungen mussten wir sie jedoch in ein Spital überweisen.» Für die Operation und die anschliessende Physiotherapie verbrachte Hasina, die besorgte Mutter stets an ihrer Seite, einen ganzen Monat im Spital. «Im Spital habe ich Physiotherapie-Übungen gelernt, die ich auch zuhause machen kann», sagt Hasina, während sie schwungvoll Hände und Arme bewegt, an denen nur noch einige Verfärbungen an die schlimme Zeit erinnern. «Ich bin froh, dass ich meine Hände heute wieder spüre und normal einsetzen kann – beim Fangen spielen mit meinen Freundinnen, wenn ich mich um meine jüngeren Geschwister kümmere oder beim Schreiben in der Schule.»