Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03498.jsonl.gz/623

Faszinierendes Ökosystem und Energiequelle
Der Kivu-See liegt in Ostafrika an der Grenze zwischen Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo. Er hat eine Oberfläche von 2385 km2, ein Volumen von 550 km3 und eine maximale Tiefe von 485 m. Etwa 2 Millionen Menschen leben in der näheren Umgebung des Sees.
Der Kivu-See ist in vielerlei Hinsicht einmalig. Er weist eine ausserordentlich starke permanente Dichteschichtung auf, und in seinem Tiefenwasser sind ungefähr 62 km3 Methan und 300 km3 Kohlendioxid gespeichert. Diese ausserordentlich grossen im See gespeicherten Gasmengen könnten eine enorme Naturkatastrophe verursachen, sollten sie plötzlich aus dem See ausbrechen. Dieses Schreckensszenario ist zwar sehr unwahrscheinlich, aber beispielswiese im Falle eines Vulkanausbruchs auf dem Seegrund nicht ganz auszuschliessen. Das im See gelöste Methan ist aber nicht nur eine Gefahr sondern auch eine wertvolle Ressource.
Die Eawag hat seit dem Ausbruch des Vulkans Nyiragongo im Jahr 2002 gemeinsam mit lokalen Partnern zahlreiche Forschungs- und Beratungsprojekte am Kivu-See durchgeführt, einerseits um die komplexen und ungewöhnlichen Prozesse im See besser zu verstehen, und andererseits, um eine möglichst umweltverträgliche und sicher Nutzung des Methans aus dem See zu ermöglichen.
Die einzelnen Projekte sind auf der englischen Version dieser Seite etwas genauer beschrieben. Die für die Methangewinnung wichtigsten Erkenntnisse wurden zudem in der Broschüre Methane Extraction from Lake Kivu – Scientific background zusammengefasst. Einige der wichtigsten
Schlussfolgerungen der Forschungsarbeiten sind:
- Die ungewöhnliche Schichtung des Kivu-Sees, welche die Anreicherung der Gase im Tiefenwasser ermöglicht hat, wird durch das Zusammenspiel von mehreren Grundwasserquellen mit unterschiedlichen Eigenschaften verursacht.
- Die Gaskonzentrationen im See sind in etwa in einem Gleichgewichtszustand, der sich über viele Jahrhunderte entwickelt hat. Ihre Konzentrationen blieben innerhalb der letzten Jahrzehnte innerhalb der Messgenauigkeit unverändert.
- Das Tiefenwasser des Sees enthält auch sehr grosse Mengen der Nährstoffe Phosphor und Stickstoff. Die Oberflächenschicht des Sees wird hauptsächlich durch internes Recycling aus dem Tiefenwasser mit diesen Nährstoffen versorgt. Um eine Überdüngung des Sees zu verhindern ist es wichtig, dass dieses Nährstoffrecycling durch die Anlagen zur Methangewinnung nicht deutlich erhöht wird.
Um eine sichere und nachhaltige Nutzung des Methans zu gewährleisten, ist es von zentraler Bedeutung, dass die Veränderungen, welche die Nutzung im See auslöst, genau beobachtet werden. Zu diesem Zweck wurde in Ruanda unter anderem mit wissenschaftlicher Unterstützung durch die Eawag ein Monitoring durch das «Lake Kivu Monitoring Programme» (LKMP) aufgebaut.