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Emotionalen Beistand leisten
Die Ergebnisse der Analysen zeigen, dass sich ein solches Kümmern positiv auf die Lebenszeit auswirken kann. Die Hälfte der Grosseltern, die ihre Enkelkinder umsorgten, lebten noch etwa zehn Jahre nach dem ersten Interview 1990. Ähnlich sieht es bei Menschen aus, die zwar keine Enkelkinder hatten, aber ihre Kinder unterstützten, beispielsweise im Haushalt. Von denjenigen, die sich nicht engagierten, starb dagegen etwa die Hälfte innerhalb von fünf Jahren.
Die Forschenden konnten darüber hinaus belegen, dass dieser positive Effekt des Kümmerns auf die Lebenszeit nicht nur bei Hilfeleistungen und Betreuung innerhalb der eigenen Familie gilt. Die Datenanalyse zeigt, dass auch kinderlose, ältere Erwachsene, die beispielsweise anderen Menschen emotionalen Beistand leisten, davon profitieren könnten. Die Hälfte der Engagierten lebte noch sieben weitere Jahre, während diejenigen, die sich sozial nicht engagierten, im Schnitt nur noch vier weitere Jahre weiterlebten.
Zuviel Engagement führt zu Stress
«Jedoch sollte man das Sorgen für andere nicht als Patentrezept für ein längeres Leben verstehen», sagt Ralph Hertwig, Direktor des Forschungsbereichs «Adaptive Rationalität» am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. «Wir gehen davon aus, dass bei einem moderaten Mass von Engagement tatsächlich positive Effekte auf die Gesundheit zu erwarten sind. Wenn es darüber hinausgeht, zeigen frühere Studien, dass dies zu Stress führt, der sich negativ auf die physische und psychische Gesundheit auswirkt», so Hertwig. Da es in Deutschland und der Schweiz nicht der Regelfall ist, dass sich Grosseltern vollumfänglich um ihre Enkelkinder kümmern, wurden intensive Pflegeaufgaben nicht in die Analyse miteinbezogen.
Die Forschenden vermuten, dass die Wurzeln prosozialen Verhaltens ursprünglich in der Familie liegen. «Es scheint plausibel, dass die Entwicklung von prosozialem Verhalten der Eltern und Grosseltern gegenüber ihren Nachkommen durch ein neuronales und hormonales System möglich gemacht wurde, das dann auch die Grundlage für Kooperation und altruistischem Verhalten gegenüber Nichtverwandten ermöglichte», sagt Erstautorin Sonja Hilbrand, Doktorandin an der Fakultät für Psychologie der Universität Basel.
Originalarbeit
Hilbrand, S., Coall, D. A., Gerstorf, D., & Hertwig, R. (2016)
Caregiving within and beyond the family is associated with lower mortality for the caregiver: A prospective study.
Evolution and Human Behavior (2016), doi: 10.1016/j.evolhumbehav.2016.11.010
Weitere Auskünfte
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Kerstin Skork, Tel. +49 30 82406 211, E-Mail: <email-pii>, und Nicole Siller, Tel. +49 30 82406284, E-Mail: <email-pii>