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Die Hälfte der Schweizer Bevölkerung leidet an gelegentlichen
Schlafstörungen, und 20 % greifen mehr oder weniger regelmässig zu Schlafmitteln. Diese gehören denn auch – zusammen mit den angstlösenden Mitteln – zu den weltweit meistverkauften Medikamenten.
Zwei Drittel der Schlaflosen haben Einschlafschwierigkeiten, die übrigen klagen über einen unruhigen Schlaf oderverfrühtes Aufwachen. Unterschieden wird zwischen gelegentlicher oder vorübergehender und chronischer Schlaflosigkeit. Die Ursachen gelegentlicher Schlafstörungen sind zahlreich: Stress, Sorgen, Liebeskummer, Prüfungen, Reisen usw. Wenn die Schlaflosigkeit längerals zwei bis drei Wochen dauert, gilt sieals chronisch. Häufig liegen dann ernsthaftere psychische oder psychiatrische Beschwerden zugrunde. Ganz generell hilft gegen Schlaflosigkeiteine gesunde Lebensweise mit ausreichend Bewegung, Entspannung und Rücksicht auf die körpereigenen Rhythmen. Auch die Ernährung spielt eine wichtigeRolle.
Die Rolle des Serotonins
Unser Schlaf wird vom Serotonin gesteuert, einer vom Gehirn aus Tryptophan hergestellten Substanz. Der Serotoningehalt in unserem Gehirn ist von der Menge desüber die Nahrung aufgenommenen Tryptophans abhängig. Wie alle essentiellen Aminosäuren ist Tryptophan in tierischen Eiweissprodukten enthalten, wobei Milch die beste Lieferantin ist. Allzu eiweissreiche Kost vermindert jedoch die Umlaufgeschwindigkeit des Tryptophans im Blut, weil die übrigen essentiellen Aminosäuren mit ihm konkur renzieren. Ein kohlenhydratreiches Abend essen hingegen fördert den Transport in der Blutbahn und somit auch die Nutzung im Gehirn.
Goldene Regeln für einen guten Schlaf – denn auch der Schlaf geht durch den Magen
Daraus lassen sich folgende Schlüsse ziehen: • Kohlenhydratarme Diäten (ohne Brot, Teigwaren, Kartoffeln usw.) können sich negativ auf den Schlaf auswirken.
• Bei Trennkost sollten die Eiweisse am Mittag und die Kohlenhydrate am Abend konsumiert werden, nicht umgekehrt.
• Das ideale Abendessen ist fettarm (Fet te liegen schwer auf und hemmen den Schlaf), enthält mässig Eiweiss (Trypto phanlieferant) und genügend Kohlen hydrate (fördern die Umsetzung des Tryptophans).
• Menschen mit Schlafstörungen sollten schon am Nachmittag unbedingt auf sämtliche Reizstoffe (Koffein, Nikotin) verzichten. Der Abbau des in einer ein zigen Tasse Kaffee oder einer Dose Cola enthaltenen Koffeins kann sechs bis acht Stunden dauern! Auch sollte man eine Stunde vor dem Zubettgehen nicht mehr rauchen.
• Zu den schlaffördernden Substanzen gehören Vitamin B6 und Magnesium, die an der Serotoninsynthese aus Tryp tophan beteiligt sind. Magnesium wirkt sich ausserdem günstig auf die Muskel und Nervenentspannung aus.
• Gesüsste Milch – vorzugsweise mit Ho nig – ist äusserst reich an Tryptophan und verdient ihren Ruf als Schlafhilfe zu Recht.
• Sehr reich an Tryptophan, Kohlenhydra ten und Magnesium sind auch Datteln. Sie wirken ebenfalls hervorragend bei Schlaf störungen.
Phytotherapie: Rose ohne Dornen
Pflanzliche Präparate (Baldrian, Hopfen, Lavendel, Passionsblume usw.) haben sich bei leichten bis mittelstarken Schlafstö rungen bewährt. Sie sind gut verträglich und führen weder zu einer Gewöhnung noch zu Hangover oder einer Verstärkung der Symptome nach dem Absetzen.
Homöopathie: gezielte Lösungen
Auch in der Homöopathie stehen bei Schlafstörungen zahlreiche Mittel zur Verfügung. Dazu einige Beispiele: Bei Einschlafstörungen, die auf freudige Erregung oder übermässigen Kaffeegenusszurückzuführen sind, ist Coffea zu empfehlen. Ignatia ist bei Besorgnis oder Kummerangezeigt, Gelsemium nach einer schlechten Botschaft. Rhus toxicodendron ist dierichtige Wahl bei Schlaflosigkeit nach einer schweren körperlichen Anstrengung, Kali phosphoricum nach geistigen Höchstleistungen. Arsenicum album eignet sich bei unruhigen, nervösen Personen, die regelmässig zwischen ein und drei Uhrfrüh erwachen. Thuja hilft bei Durchschlafschwierigkeiten mit Alpträumen und frühzeitigem Erwachen gegen vier Uhr morgens. Die empfohlene Dosierung beträgt 5 Kügelchen in der Potenzierung C9.
Synthetische Schlafmittel
Die Einnahme eines Schlafmittels solltenurin Erwägung gezogen werden, wenndie genannten Massnahmen nicht genügen. Die zwei rezeptfrei erhältlichen undrelativ gut vertragenen Antihistamine Diphenhydramin und Doxylamin dürfennur bei gelegentlichen oder vorübergehenden Schlafstörungen angewendet werden.