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Als konsensuellen Bereich bezeichne ich in Anlehnung an H. Maturana einen Bereich, der durch eine strukturelle Koppelung bestimmt wird. Der Beobachter, der die strukturelle Koppelung leistet, bezeichnet dabei einen Bereich, in welchem er sie leistet.
Wenn ich zwei operationell geschlossene Systeme als interagierend auffasse, bestimme ich ein neues System, das ich durch einen konsensuellen Bereich ersetze.
Beispiel:
Wenn ich beobachte, dass zwei Menschen miteinander sprechen, beziehe ich zwei getrennte Systemverhalten aufeinander, in dem ich die Sprache als konsensuellen Bereich einführe.
"Wenn zwei oder mehr Organismen in rekursiver Weise als strukturell plastische Systeme miteinander interagieren und jeder Organismus so zum Medium der Autopoiese des anderen wird, ergibt sich wechselseitige ontogentische Strukturkoppelung. (...) Ich werde daher den Bereich ineinandergreifdender Verhaltensweisen (..) einen konsensuellen Bereich nennen (Selbstzitat, 1975)
Ist ein solcher konsensueller Bereich einmal (..) hergestellt ...
An einem konsensuellen Bereich ist (..) bedeutsam, dass die beobachteten Organismen so beschrieben werden können, dass sie gleichzeitig als zusammengesetzte und als einfache Einheiten existieren und dass sie damit zwei einander nicht überschneidene Phänomenbereiche definieren. Im ersten Bereich kann der Beobachter die Organismen beschreiben, wie sie vermittels der Eigenschaft interagieren, im zweiten, wie sie aufgrund ihrer Merkmale als Einheiten interagieren" H. Maturana, 255/6
"Wenn zwei Lebewesen über längere Zeit hinweg interagieren, sich also gegenseitig zu Strukturänderungen anregen ('perturbieren'), 'parallelisieren' sich ihre Strukturen und dabei vor allem die Nervensysteme der beiden interagierenden Lebewesen. Diese gleichen sich immer mehr aneinander an, und es bilden sich Gemeinsamkeiten (partielle Isomorphien) aus. Diese gemeinsamen Strukturbereiche beider Lebewesen bezeichnet Maturana als konsensuelle Bereiche. (V. Riegas (1990:333)
Bemerkungen zum Begriff "Konsensueller Bereich"
Nun, wenn Organismen anfangen, ihre Handlungen derart zu koordinieren, dass man als Beobachter sagen kann, dass da eine konsensuelle Koordination von konsensuellen Koordinationen von Handlungen vorliegt, dann liegt ein neuer Phänomenbereich vor. Die im Verlauf dieses Prozesses auftretenden Phänomene sind nicht von den Phänomenen zu unterscheiden, die sich im Bereich der Sprache abspielen. Genau das nenne ich den Sprachprozess oder die Produktion von Sprache.
„Als lebende Systeme existieren wir in vollständiger Einsamkeit innerhalb der Grenzen unserer individuellen Autopoiëse. Nur dadurch, dass wir mit anderen durch konsensuelle Bereiche Welten schaffen, schaffen wir uns eine Existenz, die diese unsere fundamentale Einsamkeit übersteigt, ohne sie jedoch aufheben zu können. [...] Wir können uns nicht sehen, wenn wir uns nicht in unseren Interaktionen mit anderen sehen lernen und dadurch, dass wir die anderen als Spiegelungen unserer selbst sehen, auch uns selbst als Spiegelung des anderen sehen.“ Kognition; in: Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus, hrsg. von Siegfried J. Schmidt, S. 117, Frankfurt am Main, 1987