Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03395.jsonl.gz/2837

Zweiter grosser Prozess zwischen Apple und Samsung: Die zweite Woche
Veröffentlicht am Montag, 14. April 2014, um 11:48 Uhr von Patrick Bieri
In der vergangenen Woche ging der zweite grosse Prozess zwischen Apple und Samsung in die zweite Woche. Auch über die letzten Tage wurden so verschiedene interne Dokumente der beiden Streitparteien veröffentlicht, die einen vertieften Einblick in die internen Abläufe der IT-Konzerne vermitteln. Beobachter fragen sich vermehrt, ob Apple sich daher der Konsequenzen bewusst ist, welche der Prozess mit sich bringt. In den vergangenen zwei Wochen kamen mehr interne Informationen an die Öffentlichkeit als jemals zuvor.
Über Jahre hinweg schienen Apples Marketing-Agentur TBWA/Media Arts Lab und Apple ein eingespieltes Team zu sein. Die Marketing-Kampagnen von Apple wurden oft als Beispiele für gute Medien-Kampagnen genannt.
Aufgrund eines Artikels über die steigende Konkurrenzfähigkeit von Samsung im Wall Street Journal forderte Phil Schiller die Angestellten der Werbe-Agentur auf, sich an die Arbeit zu machen. Das öffentliche Bild von Apple als innovatives Unternehmen soll erhalten bleiben, so der Tenor aus Schillers Mails.
Die Werbeagentur schlug daraufhin unter anderem vor, neue Ideen in einem offeneren Rahmen zu diskutieren. Die Agentur verlangte mehr Freiheiten bei der Gestaltung der Kampagnen. Phil Schiller reagierte auf diesen Wunsch verärgert. Die Agentur hatte gemäss Schiller in der Vergangenheit keine Grenzen bei der Gestaltung der Kampagnen. In den internen Meetings hätte die Agentur ihre Ideen vorbringen können, wie Schiller im Mail präzisierte.
Anschliessend entschuldigte sich die Werbe-Agentur für die unangemessene Antwort. Phil Schiller war allerdings weiterhin verärgert — auch über die Marketing-Massnahmen von Samsung, welche er als sehr gut betrachtete.
Im Zuge des Patentprozesses zwischen Apple und Samsung wurde auch ein internes Mail von Steve Jobs aus dem Jahr 2010 veröffentlicht, in welchem er sich über die Zukunft von Apple TV Gedanken machte. Für die zweite Generation von Apple TV wünschte sich der damalige Apple-CEO mehr Inhalte, den Anschluss an das US-Kabelnetz, Apps, einen Browser sowie eine «Magic Wand».
Viele der von Steve Jobs genannten Funktionen wurden bis heute nicht in Apple TV implementiert. Es bestehen allerdings grosse Hoffnungen, dass Apple diese Funktionen bald nachrüsten wird.
Am Dienstag stritten sich Apple und Samsung vor Gericht um die Frage, wie den Juroren ein Teil des Android-Quellcodes gezeigt werden soll. Ausgedruckt wären dazu über 1100 Seiten notwendig gewesen. Alternativ hätte der Quellcode auch auf gesicherten Computern dargestellt werden können. Bei dieser Diskussion beachteten die beiden Streitparteien den Umstand nicht, dass die Juroren nur über wenige technische Kenntnisse verfügen.
Während den ersten beiden Prozesswochen im Prozess zwischen Apple und Samsung wurden sehr viele interne Dokumente der beiden IT-Konzerne veröffentlicht. Für John Gruber vom US-Blog Daring Fireball stellt sich aufgrund der vielen offengelegten Informationen die Frage, ob Apple sich der Konsequenzen des Prozesses bewusst ist. Die Dokumente legten mehr interne Informationen offen als viele Lecks, die in der Vergangenheit aufgetaucht sind.
Die Dokumente von Apple zeigen die kritischen Gedanken des Unternehmens zu den eigenen Produkten. Intern wurde demnach bereits seit einiger Zeit darauf hingewiesen, dass Apple grössere oder günstigere Smartphones bauen muss, damit man auf dem Smartphone-Markt wachsen kann. Im Lichte dieser kritischen internen Darstellungen wirken die Marketing-Auftritte des Apple Managements gegen aussen als arrogant.
Apples Schadens-Experten Chris Vellturo hat sich in der letzten Woche zur Schadenersatzforderung von Apple geäussert. Vor der Jury sagte er aus, weshalb Apple ein Schadenersatz von 2.2 Milliarden US-Dollar zusteht. Gemäss dem Experten sind Apple durch die Verletzung der fünf betroffenen Patente Gewinne im Umfang von rund 2 Milliarden US-Dollar entgangen. In den zwei Milliarden US-Dollar sind die entgangenen Lizenzgebühren miteingerechnet.
Im Vorfeld von Vellturos Aussage wurde bereits der MIT-Professor John Hauser in den Zeugenstand geladen. Einer von ihm durchgeführten Umfrage zufolge waren die Kunden der Samsung-Smartphones bereit, für die fünf im Patentprozess betroffenen Patente einen Aufpreis von 32 bis 102 US-Dollar zu bezahlen. Samsung hat diese Annahme als realitätsfremd zurückgewiesen.
Während den letzten Jahren haben die Marktbeobachter von IDC, Gartner und Strategy Analytics immer wieder einen sinkenden Marktanteil der iPads am globalen Tablet-Markt vorhergesagt. Stattdessen sollten die Konkurrenzprodukte, insbesondere die Android-Tablets, einen grösseren Anteil des Marktes übernehmen.
Den internen Zahlen von Samsung aus dem Jahr 2011 zufolge rechnete das Unternehmen mit einem Absatz-Wachstum bei den Android-Tablets von 35 Prozent im Jahr 2012. Der restliche Markt sollte gemäss den Schätzungen von Samsung fast vollständig von Apple abgedeckt werden.
Der Umsatz der Android-Tablets sollte im Jahr 2012 allerdings lediglich um 22 Prozent steigen. Damit zeigt sich die Strategie der Unternehmen, mit günstigeren Geräten, auf Kosten des Gewinns, den Absatz steigern zu wollen.
Interne Dokumente von Samsung zeigten in der letzten Woche zudem die starke Konkurrenz, welche für Samsung auf dem Tablet-Markt der USA geherrscht hat. Im Jahr 2011 hat Samsung gemäss den internen Zahlen des Unternehmens eine Million Tablets verkauft. Im Vergleich dazu gingen im gleichen Zeitraum 17.4 Millionen iPads über den Ladentisch. Auch Amazons Kindle verkaufte sich mit 5 Millionen Einheiten bedeutend besser. Auf dem dritten Platz rangierte im Jahr 2011 bei den Tablet-Verkäufen der «Nook» des US-Buchhändlers Barnes & Noble. Damit erreichte der koreanische grösste IT-Konzern der Welt, gemessen am Absatz, auf dem wichtigen US-Markt lediglich den vierten Rang.
Im Jahr 2011 verkaufte Samsung global 28.3 Millionen Tablets. Apple verkaufte mit 32 Millionen iPads nur unwesentlich mehr Geräte. Diese Zahlen zeigen, dass die Samsung-Tablets im Rest der Welt deutlich beliebter waren als in den USA.
Täuschte Samsung die Anleger?
Für das letzte Quartal des Jahres 2010 vermeldete Samsung den Verkauf von rund 2 Millionen Galaxy Tabs. Damit hätte das Unternehmen am globalen Tablet-Markt einen Anteil von 17 Prozent erreicht. Diese Zahlen wurden von den Medien interessiert aufgenommen und weiterverbreitet.
Allerdings wurden die Zahlen massiv nach oben korrigiert, wie später das Wall Street Journal feststellte. Die 2 Millionen Galaxy Tabs wurden nicht alle an die Kunden verkauft, sondern diese Anzahl Geräte wurde lediglich an die Geschäfte ausgeliefert.
Zugehörige Artikel
- Zweiter grosser Prozess zwischen Apple und Samsung: Die erste Woche
- Zweiter grosser Prozess zwischen Apple und Samsung: Die zweite Woche
- Zweiter grosser Prozess zwischen Apple und Samsung: Die dritte Woche
- Prozess von Apple gegen Samsung: Weshalb Apple nicht direkt Google verklagt
- Zweiter grosser Prozess zwischen Apple und Samsung: Die vierte Woche
- Trotz eigenem Schuldspruch: Apple gewinnt zweiten grossen Patentprozess gegen Samsung
- Zweiter grosser Prozess zwischen Apple und Samsung: Die fünfte Woche
🕵🏼 macprime sucht Verstärkung!
Wir haben Grosses vor und möchten dazu unsere Redaktion und unser Entwicklungs-Team erweitern.
Zur Verstärkung für unser kleines Team suchen wir deshalb am besten per Sofort folgende Unterstützung:
Möchtest du Teil des «Team macprime» werden? Dann melde dich bei uns.
Ausführliche Details zu den Aufgabenbereichen und Anforderungen finden sich in den Stellenausschreibungen.