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Reformierte Kirche
Inhaltsverzeichnis
Vorgeschichte[Bearbeiten]
In vorreformatorischer Zeit war Speicher bis 1603 nach St. Laurenzen, von 1603 bis 1614 zum Linsebühl kirchgenössig. Der Kirch- und Leichenweg blieb aber beschwerlich und nach der Reformation, die 1525 vollzogen wurde, wurden die Kirchgänger beim Weg durch das Gebiet des Fürstabts von den Andersgläubigen oft verspottet. Dies und die ungenügende seelsorgerische Betreuung führten letztlich zum Wunsch für eine eigenständige Kirchgemeinde, wofür der Bau einer Kirche Voraussetzung war. Die Speicherer Kirche war die erste Kirche im Kanton, die nach der Reformation (1525) entstand. Als Folge des Kirchenbaus war eine Auslösesumme von 1300 Gulden aus der Pfarrei Linsebühl zu leisten.
Erster Kirchenbau[Bearbeiten]
Die erste zentral im „Hof“ gelegene Kirche, bei der viel Fronarbeit geleistet wurde und zahlreiche Spenden eingingen, wurde am 9. Oktober 1614 eingeweiht und zwar mit folgenden Massen: Länge 66 Fuss, Breite 36 Fuss, Turmgrundriss 17 Fuss Seitenlänge, Turmstockhöhe 40 Fuss, darauf ein kleiner Helm. Die niedrigen Kirchenfenster waren mit Schilden und Wappenbildern der Spender geschmückt. Zur Einweihung wurde der neuen Kirchhöre ein Abendmahlskelch vom Ehepaar Schlumpf aus St. Gallen gestiftet.
Erweiterungen[Bearbeiten]
1722 erfolgte der Beschluss zu einem Erweiterungsbau infolge starkem Bevölkerungswachstum. Diese Umwandlung kam einem Neubau gleich: Nur der Turm und die nördliche Mauer blieben stehen, gegen Süden erfolgte eine Erweiterung um 16 Schuh (ca. 5 m). Das neue Gebäude wurde durch den streitbaren Pfarrer und Chronisten Gabriel Walser eingeweiht. Bereits 1728 bekam das Gebäude einen neuen Bodenbelag, im gleichen Jahr wurde der Turm durch Blitzschlag beschädigt, was Anlass war, den Turmschaft 1733 um 5 m zu erhöhen. 1736 wurden zwei neue Glocken angeschafft, weil „das kleine Glöcklein aus dem Jahre 1613 im Jahr 1734 zersprungen war.“ Allerdings brauchte es dazu, weil nur wenige dafür stimmten, einen provokativen Antrag von Hauptmann Baumgartner: „Wem’s wohl gfallt, dass man ein altes „Becki“ in den Turm hänge und einen Fuchsschwanz darein, der hebe seine Hand auf.“ Niemand stimmte dafür, so dass das Mehr vom ersten Antrag als das grössere erklärt wurde. 1756 wurde auch der Helm infolge faulendem Gebälk erneuert und gleich um 4 m erhöht. Somit betrugen die Ausmasse der Kirche: Länge 66 Schuh (20 m), Breite neu 52 Schuh (16 m), innere Höhe 28 Schuh (9 m), Turmschaft 18 m, Helm ca. 12 m. 1781 gab es neue Kirchenfenster und einen roten Schindelschirm an der Nordfassade. 1790 wurde die rote Bemalung am Turm erneuert. Bereits 1804 wurde diese Kirche durch einen erneuten Blitzschlag in den Turm stark beschädigt. Aus den drei Anträgen, den Helm zu erneuern, einen neuen Turm zu bauen oder eine ganz neue Kirche zu bauen obsiegte letzterer. Die Frage des Neubaus mündete in einen heftigen Streit über das Bauprojekt, standen sich doch ein Vorschlag für eine neue Kirche nach der Grösse von Teufen und Form von Trogen einem der Kirche von Horgen ähnelnden Vorschlag gegenüber. Schliesslich obsiegte in einer turbulenten Kirchhöri der Vorschlag nach dem Modell von Alt-Landschreiber Johann Heinrich Tobler.
Heutige Kirche von 1811[Bearbeiten]
1811 wurde am selben Ort ein Neubau im klassizistischen Stil erbaut, nachdem der Renovation der alten Kirche ein Neubau vorgezogen worden war. Baumeister war Konrad Langenegger, der schon 1807 das Fabrikantenhaus zum Anker gebaut hatte. Länge ca. 35 m, Breite ca. 20 m, Turmhöhe ca. 45 m
Bauliche Merkmale aussen[Bearbeiten]
- Achteckige Querkirche mit Walmdach und drei Eingangsportalen,
- Fassadengliederung durch Lisenen, welche von hohen Sprossenfenstern durchbrochen sind.
- Sonnenuhr über dem Hauptportal (Südseite),
- Turm mit welscher Haube, Glockenstuhl und Turmuhr
- sogenannte Laterne mit kleinerer Haube über der Turmhaube
- feuervergoldete Turmkugel, darin Dokumente, letztmals ergänzt 1985 anlässlich einer Kirchturmrenovation.
Bauliche Merkmale innen[Bearbeiten]
- Innenraum eine einzige Halle, Kanzel an der nördl. Längsseite mit Zugang durch das Turmtreppenhaus
- Kanzel und Taufstein aus Stuckmarmor
- Kanzel, Taufstein und Empire-Stukkaturen an der Decke von Vertretern der Stukkateur-Dynastie Moosbrugger (Kathedrale St. Gallen, Bürgerhaus Dorf 2)
- zwei Emporen an den Schmalseiten (östl. und westl.), die westliche trägt die
- zweimanualige Orgel (1966 durch die Firma Rieger Orgelbau gebaut, als Ersatz der bestehenden Orgel) auf der westlichen Empore.
Unterhalt und Renovationen[Bearbeiten]
Wie in allen Ausserrhoder Gemeinden ist das Kirchengebäude Eigentum der Einwohnergemeinde. Für Unterhalt, Renovationen und Komfortverbesserungen werden jeweils von Kirchenvorsteherschaft und Gemeinderat Verteilungsschlüssel für die Kosten ausgehandelt.
Nach einer aufwendigen Innenrenovation wurde die Speicherer Kirche 1966 ins Inventar der geschützten Objekte der Schweiz aufgenommen.
Bilder und Ansichten[Bearbeiten]
Kirchgemeindehaus[Bearbeiten]
Nordwestlich der Kirche konnte 1988 ein eigenes Kirchgemeindehaus eingeweiht werden.
Berühmte und kurzlebige Pfarrherren[Bearbeiten]
Was die Pfarrerschaft anbelangt hatten die Reformierten Glück und Pech. Einer der berühmtesten war sicher der Chronist Gabriel Walser Mitte des 18. Jahrhunderts. Im 20. Jahrhundert prägten vor allem Gottfried Lutz, Oswald Eggenberger, Walter Fritschi und Gerhard Meyer mit längerer Verweildauer das kirchliche Leben. Mit Christian Merz gehörte auch ein früherer SP-Nationalrat zu den Speicherer Pfarrern. (Allzu) häufig kam es zu Wechseln, vor allem in den letzten Jahren des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Früher war zum Teil die magere Besoldung ein Grund, später kam es auch öfters zu Konflikten mit der Vorsteherschaft, dem Präsidenten oder den kirchlichen Angestellten. Seit März 2010 betreut Frau Sigrun Holz als engagierte, beliebte Pfarrertin die Kirchgemeinde. Quelle: Speicher, der Weg zum Heute, Hanspeter Strebel, 2014