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[12.06.2012]
Seit 1967, 2001 und 2006 blüht eine als Kübelpflanze gehaltene australische Speerblume erst das vierte Mal. Es handelt sich dieses Mal um einen besonderen Blütenreichtum, die Pflanze hat seit ca. Januar 2012 einen kräftigen Blütenstand geschoben.
Während des Sommers wird die Kübelpflanze im Freien gehalten, überwintert hat sie in unserem neuen zur Überwinterungsgewächhaus. Im Bereich der Kübelpflanzen vor den Schauhäusern, wird sie nun während den nächsten ca. sechs Wochen blühen. Besonders auffallend sind die grossen scharlachroten Blüten mit attraktiven Staubfäden und blauem Pollen, sofern sie sich voll entwickeln. In Zürich hatten wir bis anhin keine Samenbildung, reife Samen sollen aber relativ gut keimen, sofern sie mit Rauch behandelt werden. Die Speerblume ist ein extrem langsamer Wachser und braucht dazu in Kultur viel Geduld.
Volksnamen:
Speerblume, Gymea Spear Lily, Queensland Mountain Lily
Botanischer Name und Verbreitung:
Doryanthes palmerii stammt aus dem ostaustralischen Queensland und nördlichen New South Wales. Sie gedeiht in Küstennähe, selten weiter als 100 km von der Küste entfernt, auf felsigem Areal, in „Humusnestern“ im sehr lichten Wald oder im Schatten von Einzelgehölzen. Waldbränden ist sie gewappnet, im November 1981 wurde die Doryanthes excelsa blühend in einem noch „verkohlten“ Nationalpark südlich von Sydney beobachtet. Allgemein sind die Pflanzen sehr langlebig.
Botanisches:
Doryanthaceae; nur eine Gattung mit zwei Arten (Doryanthes palmeri und Doryanthes excelsa) in Australien (früher bei den Agavaceen eingeteilt als einzige Vertreter der Agavaceae Australiens, heute als eigene Familie Doryanthaceae anerkannt).
Die lederigen, bis fast 2 m langen Blätter, bilden eine dichte Rosette, die auf einem kompakten Wurzelstock sitzt. Die Basis der Blätter ist massiv stärkehaltig. In jeder Blattachsel wachsen vegetative Knospen. Nach dem Blühen wachsen die unteren Knospen in Kindel („Brutpflanzen“) und blühen bei optimalen Verhältnissen nach ca. 10 Jahren wieder. Im zeitigen Frühjahr, speziell nach Waldbränden, blühen die Speerblumen in Australien übermässig reich. Bei Doryanthes palmeri sind die viel Nektar produzierenden (bis 10 ml pro Tag), scharlachroten Blüten als Traube dem Blütenschaft entlang angeordnet, welcher sich seitlich neigt. Die Blüten der zweiten Doryanthes-Art; Doryanthes excelsa bilden eine Scheindolde. Der Blütenschaft bleibt auch zur Blütezeit aufrecht. Beide Arten werden vornehmlich von Nektar fressenden Vögeln bestäubt, aber auch Bienen und Fliegen besuchen die attraktiven Blüten.
Ethnobotanisches:
Die schwertartigen Blätter enthalten sehr starke Längsfasern, welche von den Aborigines genutzt worden seien, allerdings gibt es keine Darstellung oder Berichterstattung darüber. Die jungen Blütenschäfte der Doryanthes excelsa wurden geröstet und gegessen. Aus den Wurzeln wurde eine Art Teig gemacht und als „kalter Kuchen“ gegessen.
Literaturangaben
Cribb A.B. & J.W., Useful wild plants in Australia, Collins, 1982
Cribb A.B. & J.W., Wild food in Australia, Fontana & Collins, 1982
Kubitzki Klaus, The Families and genera of vascular plants, III, Springer 1998 www.rbgkew.org.uk/press/archive/spearlily.html 26.4.2004