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Das Ordensleben findet in der Bibel keine Erwähnung. Das war für den Zürcher Reformator Huldrych Zwingli der Anlass, ab 1523 die Nonnen in seinem Einflussgebiet Zürich–Bern–Basel aufzufordern, die Klöster zu verlassen und sich der Ehe zuzuwenden. Für Zwingli zählte nur das als «gottgewollt», was in der Bibel stand («sola scriptura»-Prinzip). Die Frauen- und Männerklöster gehörten nicht dazu.
Kollektiv- und Einzelbiografien
Die Historikerin Sybille Knecht untersucht in ihrer Dissertation den Werdegang der Nonnen und der Klöster von Bern, Basel und Zürich. «Ich interessiere mich für den Lebensweg dieser Nonnen nach der Klosteraufhebung», so Knecht. Dazu wertet sie die vorhandenen Quellen quantitativ aus und erstellt daraus Kollektivbiografien der einzelnen Klostergemeinschaften, die sie miteinander vergleicht. Einzelbiografien von besonders gut dokumentierten Frauen runden die Dissertation ab.
Kloster als gute Alternative
Vor der Reformation waren die Klöster für Frauen ein geschützter Raum gewesen, in dem sie relativ gut gestellt lebten. Viele Nonnen verfügten über einen gewissen Spielraum für soziale Aktivitäten. Nicht wenige Nonnen stammten aus gutem Hause; um ins Kloster eintreten zu können, hatten sie bzw. ihre Eltern einen für damalige Verhältnisse relativ hohen Betrag, die Pfründe, zahlen müssen.
Verwandtenbeziehungen zur Obrigkeit
Einige der Nonnen unterhielten über ihre Verwandten gute Beziehungen zur politischen Obrigkeit, den Räten. «Es ist belegbar, dass sich die Verwandten in den Regierungen während der Reformation dafür einsetzten, dass die Nonnen in den Klöstern bleiben konnten, wenn sie das wollten», meint Knecht. Besonders die Priorinnen genossen eine Eigenständigkeit, die sie nicht ohne weiteres aufgeben wollten. Ausserdem waren die Nonnen von ihren Verwandten mit der Bezahlung der Pfründe, die die Nonnen bei Eintritt ins Kloster einbrachten, ausgesteuert worden – was ebenfalls gegen einen Austritt sprach.
Ideal der Reformatoren war die Ehe
Für die Reformatoren war die Ehe der ideale Stand für Bürgerinnen und Bürger. Deshalb empfahlen sie den «entlassenen» Nonnen als Alternative zum Klosterleben die Heirat. Der grösste Teil folgte dieser Aufforderung und fand auch einen Ehegatten – nicht alle einen, der etwas taugte. War bekannt, dass ein Ehemann nicht mit Geld umgehen konnte, wurden die Leibrenten über einen Vogt den gemeinsamen Kindern übergeben.
Unterschiedliche Lebenswege
Einige Nonnen waren auch schon zu alt für die Ehe; diesen wurde gestattet, ihren Lebensabend im Kloster zu verbringen. Es gab auch Nonnen, die sich bewusst gegen den weltlichen Weg entschieden und bis zu ihrem Tod im Kloster blieben. 1567 wurde der letzte solche Fall notiert.
Nonnen, die gegen ihren Willen von Verwandten ins Kloster gesteckt worden waren, hatten oft nicht die Möglichkeit, auszuziehen, da sie ohne Unterstützung der Verwandten und aufgrund ihrer sozialen Stellung nicht selbst für ihren Lebensunterhalt ausserhalb der Klostermauern aufkommen konnten. Den Nonnen, die von ihrer Familie nicht wieder aufgenommen wurden oder keinen Ehepartner fanden, blieb als Alternative der Übertritt in ein katholisches («altgläubiges») Kloster. Einzelne Nonnen zogen auch alleine oder zusammen mit anderen Mitschwestern in ein Haus in der Stadt.
Finanzielle Schwierigkeiten
Die austretenden Nonnen erhielten in der Regel ein sogenanntes «libgeding», eine Abgeltung in Form von Geld und Naturalien, oder es wurde ihnen ihr «Gut» von hundert Pfund ausgezahlt, das sie beim Eintritt ins Kloster eingeschossen hatten. «Die Auszahlungen an die austretenden Nonnen konnten für die Konvente zum Problem werden», hat Knecht herausgefunden, «manche Klöster kamen dadurch finanziell in Schwierigkeiten.»
Nur wenige Selbstzeugnisse
Weshalb die einen Nonnen heirateten und die anderen nicht, lässt sich wie so vieles andere mit den vorhandenen Quellen nicht erklären. Knecht hat bei ihrer aufwendigen Recherche in den Staatsarchiven von Bern, Basel und Zürich vor allem Eintritts- und Austrittsurkunden, Rechnungen und Quittungen, Testamente, Gerichtsprotokolle, Bittschriften an den Rat, Einträge in Urfehdenbücher und Briefe gefunden. «Es gibt wenige Selbstzeugnisse von Nonnen, in denen die Beweggründe für den einen oder anderen Lebensweg zur Sprache kommen», hat Knecht erfahren. Anders als heute dokumentierten damals die wenigsten Menschen ihr Leben.
Bullingers Werben um eine Nonne
Der bekannteste und wohl am besten dokumentierte Fall ist jener der Nonne Anna Adlischwyler aus dem Oetenbacher Kloster, um die sich der Reformator Heinrich Bullinger bemüht hat. «Es existiert noch Bullingers Werbungsschreiben», erzählt Knecht, «in dem er die Nonne zu überzeugen versuchte, ihn zu heiraten.» Die Mutter der Nonne sei jedoch gegen die Verbindung gewesen, so dass die Heirat erst nach dem Tode der Mutter zustande kam.
Die Mehrzahl der Nonnen ist nicht so gut dokumentiert wie Anna Adlischwyler. Letztere ist auch eine der wenigen, von denen ein Bild überliefert ist. Im Normalfall findet die Historikerin Sybille Knecht nur kleine Puzzlesteine und muss diese in einem aufwändigen Prozess zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Doch das ist kein Problem für die Doktorandin: «Das Forschen mit alten Quellen macht mir einfach Spass, und ich finde das 16. Jahrhundert eine spannende Zeit», sagt sie und hofft, nach Abschluss der Dissertation nächsten Frühling in der einen oder anderen Form weiterforschen zu können.
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