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Solanum tuberosum
Die Spanier brachten die Kartoffel im 16.Jahrhundert aus Südamerika nach Europa, die ursprünglich von den Inkas in den feucht-nebeligen Bergeshöhen der Anden als Hauptnahrungsmittel kultiviert wurde. Anfänglich wurde sie nicht recht akzeptiert, weil man irrtümlich die grünen und giftigen überirdisch wachsenden Pflanzenpartien zu sich nahm.
Im 18.Jahrhundert trat sie dann ihren Siegeszug in europäische Küchen an. Der König von Preussen liess Kartoffeln als Grundnahrungsmittel für seinen entstehenden Staat und seinen grossen Militärapparat anbauen. Bis weit ins 20.Jahrhundert hinein musste die Kartoffel gegen einen schlechten Ruf als Arme-Leute-Essen oder Dickmacher ankämpfen. Als Grundnahrungsmittel ist sie inzwischen anerkannt, ihre gesundheitsfördernde Wirkung ist aber immer noch zu wenig bekannt.
Neben hochwertigem pflanzlichen Eiweiss enthält die gesunde Knolle grosse Mengen an Vitamin A, B-Vitaminen und an Vitamin C, weswegen man sie auch „Zitrone des Nordens“ nennt. Sie enthält beachtenswerte Mengen an Fluorid (gegen Karies), Kupfer, Zink, und Kobalt.
Hartnäckigen Vorurteilen zum Trotz machen Kartoffeln nicht dick. Durch ihren hohen Ballaststoffgehalt sättigen sie schnell, regen die Verdauung an und haben dabei nur wenige Kalorien. Sie enthalten viel Kalium und wirken dadurch entwässernd, was man gezielt an „Kartoffeltagen“ nutzen kann, um neben Schlackenstoffen auch überzählige Pfunde loszuwerden. Man gibt dabei drei Tage lang jeden Tag 1 kg Kartoffeln ohne Salz und ohne Fett in sechs Portionen über den Tag verteilt. Wenn diese einfache Kost an drei aufeinanderfolgenden Tagen genossen wird, tritt eine gute Entwässerung ein. Man kann die Kartoffeltage monatlich wiederholen, wenn notwendig auch nach zwei bis drei Wochen. Diese Diät empfiehlt sich auch bei Kreislauferkrankungen mit hartnäckigen Wasseransammlungen in den Organen und Geweben.
Da sich die wichtigsten Stoffe direkt unter der Schale befinden, ist es am gesündesten, sie ungeschält zu kochen.
Als Heilmittel hat die Volksmedizin die lebenstrotzende Knolle ebenfalls entdeckt. Da gibt es manchen, der eine Kartoffel in der Tasche gegen das „Gliederreissen“ trägt. Umschläge mit warmem Kartoffelbrei werden bei Gicht, Rheuma oder Hexenschuss angewendet. Frisch geriebene Kartoffeln mit Öl helfen bei Sonnenbrand, Verbrennungen und rissiger Haut. Hervorragend wirken heisse Kartoffelpackungen bei Gelenkentzündungen, Schwellungen, Bronchitis und Ischias. Roher Kartoffelsaft, löffelweise eingenommen, trägt zum Abheilen von Magengeschwüren bei und lindert Sodbrennen. Inzwischen hat man sie als Basenbildner ausgemacht. Sie hilft gegen Übersäuerung, lindert Verstopfung und Leberstörungen. Neuere Forschungen zeigen, dass sie auch antioxidativ und krebshemmend wirkt, sie enthält sogar Verbindungen, die zur Bekämpfung von Viren eingesetzt werden.
Bei Kräuter Pfarrer Künzle ist zu lesen, dass man bei Hirnentzündung dem Kranken Auflagen von rohen, geschabten Kartoffeln auf die Stirn und auf die Fusssohlen legen soll. Die Auflagen sind alle drei Stunden zu erneuern, denn bei heftigem Fieber werden die Kartoffeln ganz schwarz anlaufen. Auf Geschwüre macht man Auflagen mit rohen, zerquetschten Kartoffeln, die man auf dem Ofen so stark erwärmt, dass es der Kranke gerade ertragen kann. Auch benützt er das grüne und das dürre Kartoffelkraut bei Krämpfen und Stechen in den Füssen zu Fussbädern. Er sieht in der gekochten Kartoffel ein einfaches Mittel, um harte, kantige Gegenstände oder Fischgräten, die in die Atmungswege geraten sind, zu entfernen. Durch die breiigen Kartoffelmassen werden diese Fremdkörper eingehüllt und dadurch die Schleimhäute vor Verletzungen durch Kanten und Spitzen bewahrt.
Die Kartoffel ist neben der Tomate eines der berühmtesten Nachtschattengewächse (Solanaceae).
Für mich ist die Kartoffel ein Genuss und bei dem Gedanken an Kartoffelpüree läuft mir gleich das Wasser im Munde, egal ob mehlig oder fest kochend, gebacken, gebraten, gekocht oder gestampft, mit ihr lassen sich wunderbare leckere Rezepte umsetzen und es wird nicht langweilig. Der gute Kartoffelsalat gibt es inzwischen in schier unzählig vielen Varianten. Gschwellti, die Pellkartoffeln schmecken mit Quark ebenso gut wie als Beilage zu Fleischgerichten und Hackfleisch oder zu Fondue und Raclette. Bratkartoffeln, Kartoffelgratin, Kartoffelauflauf und Kartoffelsuppe, die mit verschiedenen anderen Gemüsesorten wie Zucchini, Tomaten und Lauch hervorragend kombiniert werden können. Zu Lamm passt hervorragend Rosmarinkartoffeln, wie wäre es mal mit selbstgemachten Gnocchi oder Kroketten? Nicht zu vergessen die Kartoffeltätschli oder das Rösti und die Tortilla.
Wie gesagt, mit der Kartoffel wird es einem nicht langweilig.