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Hilal Baydarov ist ein Informatiker und Mathematiker aus Baku in Aserbaidschan. Und ein ausgebildeter Filmemacher; er war Student beim einzigartigen Béla Tarr aus Ungarn, dem langsamsten Regisseur der Welt.
Baydarov hat auch Dokumentarfilme gedreht, etwa When the Persimmons Grew, der 2019 an den Visions du réel in Nyon zu sehen war, und wohl auch einen Teil der Basis des neuen Films bildet.
Von seiner Kriegsgeschichten-Trilogie, zu der die jetzt in Locarno uraufgeführte Fischpredigt gehört, sagt er, er wünschte sich, er hätte nie damit angefangen.
Im Kino mag es dem einen oder der anderen Zuschauerin auch so gehen.
Diese «Predigt an die Fische» ist nicht nur zäh wie ein Fiebertraum, sondern auch ähnlich insistent, nicht abzuschütteln, immersiv wäre der technische Ausdruck.
Es geht um den Kriegsheimkehrer Davud. Der junge Soldat kommt zurück in sein Dorf, in dem er nur noch seine Schwester antrifft. Alle anderen, auch der Vater, ein Fischer, sind verfault und gestorben. In dieser Reihenfolge.
Und auch die Schwester hat bereits kranke Stellen an den Händen, später auch im Gesicht.
Die Umgebung ist zerstört, die allgegenwärtigen rostigen Ölpumpen haben das Land in eine Wüste verwandelt und die einst fischreichen Seen in blubbernden Morast.
In der verblüffendsten Einstellung des Films zündet die Schwester den zwischen ihr und dem Bruder auf dem Tisch liegenden Fisch mit einem Streichholz an, er geht sofort in Flammen auf, wie die alten Autoreifen, welche an den Gräbern der Dorfbewohner brennen.
Die Schwester redet mit den Felsen, dem Wind und mit dem einzigen schönen Anblick im ganzen Film, dem zwischen die Felsen geduckten alten Baum hinter dem Haus.
Der Bruder redet mit seinem Kommandanten, den nur er und das Publikum sehen kann.
Fünfundsiebzig Minuten lang dreht sich alles um die Frage, ob das reine Überleben etwas mit Leben zu tun hat.
Und dann kommt der gestalterische Sündenfall dieses Films, der bis dahin zwar zäh, fiebrig, repetitiv, aber halluzinativ effizient gewirkt hat.
Davud gesteht seiner Schwester, dass er am Tod seines ganzen Bataillons schuld sei, er sei auf Wache eingeschlafen, mitten in den Bomben und Flammen aufgewacht.
Und dazu hören wir nicht mehr den Wind und die Ölpumpen und die Akkorde eines Saiteninstruments wie bisher. Sondern eine Ennio-Morricone-Parodie orchestraler Glockenklänge mit Frauenstimmen. Die Apotheose der Verzweiflung wird zum wagnerianischen Kitsch.
Am Ende steigt die Schwester in das selbst geschaufelte Grab, in das der verkrüppelte Hund hinabjault. Und Davud mauert sich ein im Elternhaus. Stein für Stein bis zur Schwarzblende des Filmendes.