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Finnland ist dank eines 2:1-Finalsieges gegen die russische Auswahl zum ersten Mal Olympiasieger im Eishockey. Der Triumph hat seine Logik.
Im Jahr 2009 berief der finnische Verband (FIHA) ein Gipfeltreffen mit der Eishockey-Kompetenz des Landes ein – Trainer, Agenten, Scouts, Generalmanager und andere. Dabei ging es um eine Überarbeitung der Strategie zur Nachwuchsförderung. Eine der ersten Massnahmen war, für sämtliche Nationalmannschaften der Männer Vollzeit-Trainer anzustellen. Später wurden für die Förderung von Spielern zwischen zehn und 14 Jahren diverse «Skills-Trainer» eingestellt. Das zahlte sich aus. Seit 2014 holten die Finnen dreimal an einer U20-WM sowie zweimal an einer U18-WM die Goldmedaille.
Bei den Erwachsenen standen sie nach WM-Gold 2019 und WM-Silber 2021 am dritten grossen Turnier in Folge im Final, den sie gegen die russische Auswahl nach einem 0:1-Rückstand völlig verdient gewannen. Die Nordländer beendeten das Turnier ohne Niederlage und liessen in sechs Spielen gerademal acht Gegentreffer zu. In den drei K.o-Partien waren es bloss deren zwei – je einen beim 5:1 im Viertelfinal gegen die Schweiz und nun gegen die Russen. Im Halbfinal gegen die Slowaken siegten die Finnen 2:0. Vorne war kein anderes Team effizienter. Insofern konnten es sich die Finnen leisten, das schwächste Boxplay an diesem Turner zu stellen.
Jalonen – der Baumeister des Erfolgs
Mehr als Silber – 1988 in Calgary und 2006 in Turin – hatte bislang an Olympischen Spielen nicht herausgeschaut. Insofern hat Trainer Jukka Jalonen ein Denkmal auf sicher. Der 59-Jährige übernahm erstmals in der Saison 2008/09 das Amt als Headcoach der Finnen und führte diese 2011 zum zweiten WM-Titel nach 1995. 2018 kehrte er nach fünf Jahren Unterbruch zurück, nachdem er 2016 mit der U20 WM-Gold gewonnen hatte.
«Die Zahlen sprechen für sich, sie sind beeindruckend», sagte der bei Genève-Servette tätige Captain Valtteri Filppula zu Jalonen. «Er hat ein System aufgebaut, das funktioniert und an das alle glauben.» Letzteres unterstreicht die Aussage von Sakari Manninen, mit vier Toren und drei Assists der zweitbeste Skorer des Turniers: «Selbst als die Russen (zum 1:0) trafen, blieben alle ruhig. Man konnte es auf der Bank spüren.» Alle hätten die Überzeugung ausgestrahlt, dass sie dieses Spiel gewinnen würden. «Und das ist passiert.»
Harri Pesonen von den SCL Tigers gab zu Protokoll: «Es ist ziemlich surreal. Ich bin so stolz auf die Mannschaft, wie wir gespielt haben. Wir sind so schwer zu schlagen. Ich bin gerade überraschend ruhig, denke, dass alle Emotionen später kommen werden.» Neben Filppula und Pesonen kamen im Final mit Sami Vatanen (Genève-Servette) und Jusso Hietanen (Ambri-Piotta) zwei weitere Spieler aus der National League zum Einsatz – Toni Rajala (Biel) war überzählig. Hietanen traf in der 54. Minute die Latte.
Russen offensiv zu harmlos
Derweil verpassten die Russen, früher als Sowjetunion, ihren zehnten Olympiasieg, den zweiten in Folge. Damit wären sie vor Kanada alleiniger Rekordhalter gewesen. Für einen Erfolg im Final taten sie jedoch zu wenig, im letzten Drittel brachten sie gerademal drei Torschüsse zu Stande (total 17). Überhaupt liess der offensive Output in der chinesischen Hauptstadt mit Ausnahme des Vorrundenspiels gegen Tschechien (5:6 n.V.) zu wünschen übrig. In den übrigen fünf Partien erzielten die Osteuropäer bloss neun Treffer, einer davon war ein Eigentor des Schweizers Enzo Corvi. Vielmehr verdankten die Russen den Finaleinzug harter Arbeit. Gegen die Finnen nutzte aber auch diese Tugend nichts.
sda