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Als René Descartes sich in Discours de la méthode fragte, ob es eine Möglichkeit gibt unzweifelhaft feststellen zu können, dass die Welt, die er wahrnimmt, existiert, anstatt die Frucht eines genialen Genies zu sein, welches in ihm jegliche Arten von Halluzinationen hervorruft, zeigt er, dass selbst die Existenz der Welt, so wie wir sie mit unseren Sinnesorganen wahrnehmen, das Objekt des rationalen Zweifels sein kann. Bedeutet dies, dass wir in Wahrheit nur sehr wenig wissen, wenn alles, was wir glauben zu wissen, Gegenstand des Zweifels sein kann? Dies stelle sicherlich eine zu radikale Diagnose bezüglich unserer Fähigkeit die Welt in der wir leben zu erfahren, dar. Eine gemässigtere Schlussfolgerung, die wir aus der Denkweise Descartes’ ziehen können, ist, dass wir uns nur über sehr wenige Dinge sicher sein können, insofern wir fast alles anzweifeln können, selbst bis hin zur Existenz der Welt in welcher wir uns entwickeln.
Was ist die Auswirkung dieses systematischen Mangels an Gewissheit in unserem alltäglichen Leben? In welchem Mass beeinflusst uns der Grad an Gewissheit, den wir über die unüberschaubare Menge an Gegebenheiten, denen wir uns bewusst sind, haben, in den Entscheidungen, die wir alltäglich treffen? Jedes Mal, wenn wir eine Entscheidung treffen müssen, wägen wir die verschiedensten möglichen Alternativen gegeneinander ab. Wenn ich mich entscheiden muss, ob ich mein Auto reparieren lasse oder, ob ich ein neues kaufe, beurteile ich diese zwei Alternativen. Zu diesem Zweck muss ich mir die möglichen Ergebnisse jeder dieser Alternativen vorstellen und deren Nützlichkeit einschätzen. Falls ich mein Auto reparieren lassen würde, ist es möglich, dass dies mich weniger kostet als ein neues zu kaufen und, dass ich mein Auto, wenn es erst einmal repariert ist, noch viele Jahre ohne Probleme verwenden kann. Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Reparatur teurer ist als erwartet oder, dass mein Auto, wenn es repariert ist, schon nach weniger Zeit erneut defekt ist. Auch andere Szenarien sind noch denkbar. Zum Beispiel könnte mein Automechaniker mein Auto stehlen oder ein Serienmörder sein. Diese Szenarien sind selbstverständlich sehr unwahrscheinlich, aber die einzige Frage, die an dieser Stelle von Interesse ist, ist mein Grad an Gewissheit, den ich bezüglich dieser Szenarien habe. Kann ich mir sicher sein, dass mein Automechaniker nicht ein Dieb oder Serienmörder ist? Es scheint, als könne ich dies nicht, auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, dass dies der Fall sei. Würde ich allerdings diese Möglichkeiten in Betracht ziehen, wenn ich mich entscheiden muss, ob ich mein Auto reparieren lasse oder ein neues kaufe, dann würde dies meine Entscheidung sehr viel komplexer machen. Allgemeiner ausgedrückt, wenn wir uns über fast nichts sicher sein können, während wir eine Entscheidung treffen müssen, dann können wir nur sehr wenige mögliche Szenarien basierend auf unserer Gewissheit ausschliessen. Allerdings ist es aufgrund unserer kognitiven Ressourcen unmöglich, Entscheidungen zu treffen, ohne dass wir einen Grossteil dieser Szenarien verwerfen.
Was macht man also, wenn man bestimmte Szenarien nicht in Betracht zieht, welche man basierend auf unserer Gewissheit nicht ausschliessen kann? Überlassen wir uns dem Glück? Gehen wir blind vor in der Hoffnung zu vermeiden eine Entscheidung zu treffen, welche ernsthafte Konsequenzen hätte? Es hat nicht den Anschein, dass wir derartige Szenarien beiseite legen und uns einfach dem Glück überlassen. Es scheint vielmehr, dass wir es als berechtigt ansehen diese Möglichkeiten ausser Acht zu lassen, weil wir rational glauben können, dass sie nicht existieren. Ich halte es für berechtigt, mir die Möglichkeit, dass mein Automechaniker ein Serienmörder ist, nicht vorzustellen, wenn ich eine Entscheidung treffe, die sich auf die Reparatur meines Autos bezieht, weil ich Gründe dafür habe zu glauben, dass dies nicht der Fall sei.
Davon ausgehend obliegt den Philosophen die wichtige Aufgabe genau zu verstehen, inwiefern die Überzeugungen auf die wir uns basieren, um bestimmte Szenarien auszuschliessen, wenn wir uns entscheiden müssen, rational sind und um dies zu realisieren, müssen wir die Bedingungen, unter denen diese Überzeugungen gerechtfertigt sind, beschreiben. Weiterhin ist es ebenfalls notwendig zu verstehen, inwiefern es rational ist, trotz unseres Mangels an Gewissheit, diese Überzeugungen in unsere Überlegungen mit einzubeziehen. In der Tat kann es sein, dass ich gute Gründe habe zu glauben, dass mein Automechaniker kein Serienmörder ist, aber sofern die Einsätze hoch sind, wenn ich eine Entscheidung treffen muss, die diese Überzeugung mit einbezieht, kann es genauso sein, dass es nicht rational ist für mich meine Entscheidung auf diese Überzeugung zu gründen, insofern ich mir nicht sicher bin, dass mein Automechaniker nicht ein Serienmörder ist.
Zu verstehen, inwiefern wir rational etwas glauben können, ohne sicher zu sein und unter welchen Bedingungen wir unsere Handlungen rational auf diese Überzeugungen basieren können, ist ein wichtiges Vorhaben. Es geht darum zu verstehen, warum die Art und Weise mit der wir Entscheidungen treffen, die uns durch unsere in ihrer Kapazität eingeschränkten Gehirne auferlegt wird, nicht darin mündet blind unsere Entscheidungen zu treffen, sondern im Gegenteil darauf hinausläuft unsere Handlungen auf optimale Weise zu planen und auszuführen angesichts der beschränkten Information über die wir verfügen.
Über den Autor
Beitrag von Miloud Belkoniene, Doktorand an der Universität Fribourg