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Geschichte des Verkehrs am Klausenpass
Der Klausenpass war weder in römischer Zeit noch im Mittelalter integriert im Netz der Handelswege über die Alpen. Es bestand zwar von Alters her ein schmaler und mühsamer Weg, der aber fast ausschliesslich für den Viehtrieb benutzt wurde. Erst mit der Eröffnung der neuen Gotthardbahn wuchs das Interesse an einer Passstrasse aus wirtschaftlicher Sicht, weil diese neue Nord-Südverbindung auf Querverbindungen Ost-West angewiesen war.
Nachdem auch die Armee eine Strasse über den Klausenpass befürwortete, ging die Realisierung zwischen 1893 und 1899 sehr schnell. Selbst massive Kostenüberschreitungen wurden von Bund und Kanton mitgetragen. Am 15. Juni 1900 fuhr die erste Postkutsche über den Pass und erschloss die Landschaft zwischen Linthal und Altdorf dem Tourismus. 1922 begann dann die Ära des „Car alpin“, wie das Postauto anfänglich genannt wurde. Amüsant ist die Tatsache, dass die Urner Landsgemeinde 1916 beschlossen hat, den Autoverkehr über den Klausen zu verbieten. Bereits ein Jahr später wurde dieser Beschluss wieder aufgehoben! Damit wurden zwischen 1922 und 1934 die legendären und weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Klausenrennen mit zehntausenden von Zuschauern erst möglich. (Quelle: http://www.alpen-paesse.ch/de/alpenpaesse/klausenpass/)
Bildersammlung „Klausen“
22 Papierabzüge mit dem Titel „Klausen“ kamen 1989 aus dem Nachlass von ETH-Professor Johannes Barbieri (1852–1926) in unsere Ansichtensammlung. Die Abzüge waren weder näher beschriftet noch datiert. Aufgrund des Inhalts von zwei Fotografien haben wir diese mit 1917 datiert: Einerseits deutet das Bild mit dem umgekippten Grenzstein auf einen Lawinenniedergang im Jahr 1917 hin, andererseits verbindet das Titelbild das Kutschenzeitalter mit der modernen Zeit des motorisierten Strassenverkehrs. Der Autoverkehr war auf dem Klausen erst ab 1917 erlaubt, die Postkutschen hingegen noch bis 1922 in Betrieb. Die beiden Fortbewegungsarten bestanden während einer kurzen Zeit also noch parallel nebeneinander.
Der Nachlass von Johannes Barbieri, Gründer des Photographischen Instituts der ETH Zürich
Die Bilder stammen aus dem Nachlass von Johannes Barbieri und können deshalb Johannes Barbieri als Fotografen zugeschrieben werden (weitere Fotografien von Barbieri hier). Barbieri war Chemiedozent und unterrichtete ab 1880 auch regelmässig das Lehrfach Fotografie. Er war zudem ein herausragender Fotograf, der gerne mit neuen Apparaten und chemischen Verfahren experimentierte. So war er 1907 einer der Ersten, der mit dem damals neuen Autochromverfahren Versuche in Farbe machte (Bilder dazu finden sich mit dem Bildcode-String Hs_1051-205 auf ETH E-Pics Bildarchiv Online). Barbieri, ehemals österreichischer Kavallerieoffizier, hatte am Polytechnikum in Zürich Chemie studiert und an der benachbarten Universität Zürich den Doktortitel erworben. Er galt als vielseitiger Wissenschaftler und begabter Vermittler, im Rahmen seines Lehrauftrags bot er „Photographie-Vorlesungen“ und „photographische Praktika“ an. 1886, beim Bezug des neuen Chemiegebäudes an der Universitätsstrasse, erhielt die Fotografie eigene Räumlichkeiten. Das Photographische Institut wurde mit dem Hauptauftrag gegründet, Studenten einwandfreie praktische Kurse in die Fotografie zu geben, ferner um innerhalb der ETH sich stellende fotografische Aufgaben durchführen zu können (ausführlicher dazu siehe Burri, Monika: Forschung im Fokus. Zürich: Scheidegger & Spiess, 2013).
Bei neun Bildern haben wir bereits genauere Ortsidentifikationen bekommen. Bei den restlichen 13 kann also noch weiter identifiziert und spezifiziert werden. Die Bilder kann man mit dem Bildcode-String Ans_03128 auf ETH E-Pics Bildarchiv Online aufrufen.
Klausen, Untere Balm, Alp im Vordergrund, oben Hotel Klausenpass (Ans_03128-019, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000019439)
Alp Äsch (Gemeinde Unterschächen) mit Stäubifall (Ans_03128-002, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000019369)
Klausenpost auf der Urnerseite (Ans_03128-013, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000019418)
August Berlinger: Details zum Hauptbegriff „Klausen”: Klausenstrasse bei der Kantonsgrenze mit liegendem Grenzstein. Dass der Grenzstein dort liegt deutet darauf hin, dass die Aufnahme im Zeitraum entstand, als der Grenzstein von der Hangseite auf die Talseite der Strasse umplatziert wurde. Weitere Recherchen führten August Berlinger etwas später zur Korrektur und Datierung des Bildes: Dieses Foto muss 1917 aufgenommen worden sein, weil da eine Lawine den Grenzstein mitgerissen hat (Akten im Landesarchiv Glarus).
Wir haben aufgrund des Titelbildes und dieses Bildes die ganze Sammlung nun mit ca. 1917 datiert.
Klausenstrasse bei der Kantonsgrenze mit liegendem Grenzstein (Ans_03128-005-A, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000019389)
August Berlinger sowie Heinz Hieke haben dieses Bild näher betrachtet. Der Halt der Klausenpost vor dem Gast- und Kurhaus „Fruttberge”. Dort war damals sogar eine Poststelle mit eigenem Stempel. Schöne Bergwiesen mit acht zerstreut gelegenen Häusern auf 850-1050 m auf einer Terrasse am Südost-Hang des Ortstockes.
Klausen, Halt der Klausenpost vor dem Gast- und Kurhaus „Fruttberge“ (Ans_03128-009, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000019403)
Vollständige Bildinformationen
Barbieri, Johannes: Klausen, Platz vor dem Hotel „Klausenpass“, ca. 1917 (Ans_03128-006, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000019392)