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Kritik am Lehrplan aus Wirtschaft, Wissenschaft und Praxis
Der Lehrplan21 ist ein bildungsbürokratisches Monstrum, das nun auf die Schule, die Lehrer, Eltern und Kinder losgelassen werden soll. 550 Seiten, in Schwurbelsprache verfasst, unübersichtlich, aufgepumpt, ideologisiert. Fazit: Der LP21 ist weder demokratisch legitimiert (das HarmoS-Konkordat ist gescheitert) noch praxistauglich (selbst der Lehrerverband hält den vorliegenden LP21 für „zu umfassend" und „zu anspruchsvoll").
Der Lehrplan21 ist ein bildungsbürokratisches Monstrum, das nun auf die Schule, die Lehrer, Eltern und Kinder losgelassen werden soll. 550 Seiten, in Schwurbelsprache verfasst, unübersichtlich, aufgepumpt, ideologisiert. Fazit: Der LP21 ist weder demokratisch legitimiert (das HarmoS-Konkordat ist gescheitert) noch praxistauglich (selbst der Lehrerverband hält den vorliegenden LP21 für „zu umfassend" und „zu anspruchsvoll").
Der Begriff würde den Weg vorgeben: Es geht um einen Lehrplan. Also um die Unterrichtsziele, die eine Lehrperson in einer bestimmten Zeit mit einer Klasse erreichen soll. Erfolgreicher Unterricht ist lehrerzentrierter Unterricht, der auf die Bedürfnisse und Voraussetzungen der Kinder eingeht.
Die wichtigsten Kritikpunkte
Diffus statt verbindlich
Statt klar definierte und verbindliche Lerninhalte werden zahllose und diffuse Kompetenzen gefordert (laut Professor Walter Herzog insgesamt 4753…).
Keine demokratische Legitimation
Der LP21 versucht HarmoS (Schulpflicht ab 4 Jahren, kalte Abschaffung des Kindergartens, Auflösung der Jahrgangsklassen, zwei Fremdsprachen in der Primarstufe) durch die Hintertüre zu verordnen – ohne demokratische Legitimation! Das HarmoS-Konkordat ist politisch gescheitert.
Unübersichtlich statt strukturiert
Gerade in den unteren Klassen lebt der Unterrichtserfolg von klaren Strukturen, damit die Kinder sich zurechtfinden können. Der Lehrplan pulverisiert die Jahrgangsklassen durch „Lernzyklen" (1. Zyklus 4. bis 8. Lebensjahr; 2. Zyklus 3. bis 6. Klasse, 3. Zyklus 7. bis 9. Klasse) und damit auch die Verbindlichkeit von Lernzielen, die Ende eines Schuljahres erreicht werden sollen.
Auch das unnötige Vermanschen von Fächern verstärkt die Praxisuntauglichkeit. Aus Naturkunde, Geschichte, Geographie wird neu „Natur, Mensch, Gesellschaft". Die „Kompetenzen" müssen zusammengesucht werden. Erschwerend dazu kommt die grundsätzliche Unübersichtlichkeit des Lehrplans, die dem Zyklus-Aufbau geschuldet ist.
Eingriff in die didaktische Freiheit = Entmündigung der Lehrpersonen
Der LP21 mischt sich in die didaktische Hoheit der Lehrpersonen: Der Lehrer soll zum „Lerncoach" werden, die Schüler sollen „selbstgesteuert" lernen, die Schule soll „Lerngelegenheiten" bieten. Hier wird das Prinzip Lehrplan auf den Kopf gestellt. Ein Lehrplan soll Lernziele definieren. Der Weg dorthin, der Unterricht liegt in der Verantwortung und der Freiheit der Lehrpersonen.
Professor Walter Herzog: „Der Lehrplan, der ein politisches Instrument ist, übernimmt didaktische Funktionen! Das heisst nichts anderes, als dass die Politik mit dem Lehrplan 21 bis auf die Unterrichtsebene durchsteuern will – etwas, was es bisher hierzulande nicht gegeben hat! Die Folge wird eine Entmündigung der Lehrpersonen und eine Deprofessionalisierung des Lehrerberufs sein." Professor Rudolf Künzli teilt diese Kritik: Lehrpläne könnten „allenfalls die Institution Schule ausrichten und regulieren", mit Sicherheit aber „nicht den Unterricht und die Lehr- und Lernprozesse". Wer diese Unterscheidung nicht respektiere, handle entweder „naiv oder hybrid übergriffig".
Akademische Schwurbelsprache statt berufsbildungsbezogene Ausrichtung
Der LP21 strotzt vor Schwurbelsprache. Da ist von „kognitiver Aktivierung", „binnendifferenzierendem Unterricht", „effektivem Klassenmanagement" und „Verstehensklarheit" die Rede. Klar ist aber nur, dass dieses Geschwurbel ausserhalb der Akademikergemeinde niemand versteht.
Das Eidgenössische Hochschulinstitut für Berufsbildung (EHB) behauptet, die Berufsbildung wünsche sich Jugendliche, die „positive Selbstwirksamkeitsüberzeugungen" hätten (was immer das ist) und über viele Selbstkompetenzen verfügten (wie „Umgang mit Frust, Eifersucht und Liebeskummer"). Erst am Schluss der Aufzählung ist von der Anwendung des Wissens die Rede (Mathematik, Physik, Sprache). Diese Liste zeigt, wie weltfremd die Hochschulpädagogik wirkt. Die Lehrlingsausbildner beklagen, dass viele Schulabgänger elementare Fertigkeiten nicht mehr mitbringen würden: Lehrlinge können Drei-Satz-Rechnungen nicht lösen, versagen beim Prozentrechnen, verstehen einfache Testaufgaben nicht. Was nützen Tausende von geforderten Kompetenzen, wenn nach Ende der obligatorischen Schulzeit elementarstes Wissen und Können fehlt? Die Schule hat sich an der Berufswelt auszurichten – und nicht umgekehrt.
LP21 verweigert klar festgelegte Lerninhalte
Der LP21 verweigert sich, Lerninhalte zu definieren. Man geht sogar ausdrücklich auf Distanz: „Beschrieben Lehrpläne bis anhin, welche Inhalte Lehrpersonen unterrichten sollen, beschreibt der Lehrplan 21, was Schülerinnen und Schüler am Ende von Unterrichtszyklen können sollen. An die Stelle von Lernzielen und stoffinhaltlichen Vorgaben treten fachliche, personale, soziale und methodische Kompetenzen" (Einleitung S. 4).
„Praxisuntauglich und missionarisch." (550 gegen 550)
Auch die Kritik aus der Lehrerbasis zeigt, dass dieses Projekt kolossal gescheitert ist. Dem Memorandum 550 gegen 550 ist zu entnehmen:
Der «Lehrplan 21» mit seinen 550 Seiten …
- schrammt an der Praxis vorbei,
- ist ein monumentales Regelwerk, das den Lehrpersonen keinen Freiraum lässt,
- strotzt vor inneren Widersprüchen,
- löst enorme Kosten aus, die keinen pädagogischen Mehrwert schaffen,
- reduziert umfassende Bildung auf ökonomische Nützlichkeit,
- trägt missionarische Züge.
Weit über 550 Lehrerinnen und Lehrer haben dieses Memorandum unterzeichnet. Stellvertretend für die Kritik ein Zitat von Caroline Rey, Lehrerin Sek B, Zürich: „Ich möchte im Lehrplan erfahren, welche Bildungsinhalte wesentlich und verbindlich sind. Wenn ich aber ein randvolles Bildungsprogramm in Form von Hunderten von Kompetenzzielen erfüllen soll, wird eine sinnvolle inhaltliche Planung des Unterrichts auch im Hinblick auf die anschliessende Berufsschule unmöglich."
Zu sprachenlastig – Werken stärken. Zwei Fremdsprachen in der Primarschule sind zu viel. Anton Strittmatter, früheres Geschäftsleitungsmitglied LCH: „Aus sachlichen Gründen müsste man auf die zweite Fremdsprache verzichten, aber politisch ist das derzeit leider nicht durchsetzbar." Die beiden Fremdsprachen überfordern alle Beteiligten. Angesichts des Aufwandes sind die Resultate mehr als dürftig. Wichtiger wäre, dass die Kinder ihre handwerklichen Fähigkeiten entdecken und stärken können. Gerade im Blick auf das duale Schweizer Berufsbildungsmodell.
Gleichschaltung statt Wettbewerb. AvenirSuisse kritisiert, dass der LP21 auf das Prinzip Gleichschaltung statt Wettbewerb setzt. Der föderalistische Aufbau ist eben nicht nur als Last zu begreifen, sondern als fruchtbarer Boden für Ideen und Wettbewerb.