Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03615.jsonl.gz/347

Sie hatte eine schwierige Zeit, als vor einem Jahr innerhalb von zwei Tagen ihr Mann und Manager René Angélil und ihr Bruder Daniel an Krebs verstarben. Doch schon vier Monate danach meldete sie sich mit «The Show Must Go On» zurück. Im Sommer kommt sie auf grosse Stadiontournee durch Europa.
Céline – wenn dieser Name in gleissender Schrift am Rande des Las Vegas Strip leuchtet, weiss jeder, wer gemeint ist: Céline Dion. Die Kanadierin spielte schon über 1’000 Shows in der Stadt der Sünde, sie ist der profitabelste Showact seit Elvis Presley. Den Status als Musiklegende hat Dion sich schon längst gesichert, doch bis dahin war es ein harter Weg.
Dion wuchs mit 13 Geschwistern in bescheidenen Verhältnissen auf, Musik wurde in der Familie grossgeschrieben. Mit zwölf Jahren bekam sie einen Song geschenkt: Ihre Mutter und ihr Bruder Jacques hatten «Ce n’était qu’un rêve» für sie geschrieben und schickten das fertige Produkt Musikmanager René Angélil, dessen Namen sie auf der Rückseite eines Albums entdeckten. Dieser sei so berührt gewesen, dass er beschloss, Céline zum Star zu machen. Er nahm sogar einen Kredit auf, um die ersten zwei Alben zu finanzieren. Dion wurde zum Star im frankofonen Kanada, schaffte es auf den ersten Platz der lokalen Hitparade.
«Ich will mal ein so grosser Star wie er sein», sagte die damals 18-jährige Céline Dion zu ihrem Manager, als sie einen Auftritt von Michael Jackson im Fernsehen sah. Angélil war bewusst, dass er für eine grosse Karriere seinen Schützling zum Englischunterricht schicken und ihm ein neues Erscheinungsbild verpassen muss: schönere Zähne, neue Frisur. Ein Jahr später, 1987, werden René Angélil und Céline Dion ein Paar. Doch sie behalten die Liebe vorerst für sich, da der grosse Altersunterschied – sie 19, er 45 – die Leute abschrecken könnte. «Er war der, der immer an mich geglaubt hat», sagt Dion rückblickend.
Am Eurovision Song Contest fühlte sie sich wie ein Pferd
Noch nicht der internationale Durchbruch, aber ein weiterer grosser Schritt gelang Céline Dion 1988: Sie gewann für die Schweiz den Eurovision Song Contest in Dublin, Irland. «Ich war in Kanada, bin Kanadierin und wurde telefonisch angefragt, ob ich in Irland die Schweiz repräsentieren möchte. Ziemlich seltsam!», erzählte sie 2013 in der britischen «Jonathan Ross Show». «Ich hoffte nur, dass die Schweizer mich mögen, wenn da eine Ausländerin für sie antritt.» Der Song «Ne partez pas sans moi» wurde von Nella Martinetti und Atilla Şereftuğ komponiert, die Punktevergabe war wohl die spannendste Entscheidung aller Zeiten.
Noch bis zum letzten Voting lag Grossbritannien fünf Punkte vor der Schweiz. Doch Jugoslawien schenkte der Schweiz sechs Punkte, dem Briten Scott Fitzgerald keinen. Der britische Kommentator konnte es nicht glauben, die Schweiz legte ein Foto-Finish hin. «Ich fühlte mich damals wie ein Pferd», sagt Céline rückblickend. «Man konnte auf die Teilnehmer wetten wie bei Rennpferden. Und René – ein Zocker – hat viel Geld auf mich gesetzt. Also musste ich ja gewinnen.» Doch nicht nur für ihn habe sie gewonnen: «Die Schweizer freuten sich sehr und haben mir viel Schokolade geschenkt.»
Mit «Unison» erschien 1990 Dions erstes englischsprachiges Album, 1992 gelang ihr mit dem Titelsoundtrack zum Disney-Film «Die Schöne und das Biest» der grosse Durchbruch. Das Duett mit Peabo Bryson verschaffte ihr nicht nur weltweite Bekanntheit, sondern auch einen Oscar und einen Grammy. 1994 heiraten Céline Dion und René Angelil in Montreal, die Zeremonie wurde live im kanadischen Fernsehen übertragen. Nebenbei arbeitete sie mit Hochdruck an ihrer Karriere: Zwischen 1992 und 1996 nahm sie sechs Alben auf, für «Falling Into You» gewann sie den Grammy als «Album des Jahres» und «Bestes Pop Album».
Den Song ihrer Karriere hatte Dion zweifellos mit dem Titelsoundtrack von «Titanic»: «My Heart Will Go On». «Ich werde noch mit diesem Song sterben», sagte sie in einer Talkshow. «Aber bitte: Spielt ihn nicht, wenn ich gestorben bin!» Den Song wollte sie ursprünglich gar nie singen, sie fand, nach dem Erfolg von «Beauty and the Beast» wollte sie nicht noch einmal einen Soundtrack machen. Doch nach einigen Überredungsversuchen nahm sie eine Demo-Version auf – die dann auch die richtige Single wurde. «Ich habe den Song nie wieder gesungen. Ausser natürlich etwa eine Million Mal an meinen Konzerten.»
So auch in Las Vegas: Hier ist sie seit 2003 regelmässig in ihrer eigenen Residenz-Show zu sehen. Eigens für sie wurde das Colosseum im Hotel Caesars Palace umgebaut. Dort startete ihre erste Show «A New Day …», die vier Jahre lang lief. Ihre aktuelle Show «Céline», die 2011 Premiere feierte, ist vertraglich bis 2019 angesetzt, damit wird Céline Dion insgesamt 13 Jahre lang in Vegas aufgetreten sein. Praktisch für sie: Zusammen mit ihrem Mann und ihren Kindern, den Zwillingen Nelson und Eddy (beide 7) sowie René-Charles (16), hat sie sich in Vegas permanent niedergelassen.
Doppelte Tragödie in zwei Tagen
Bei ihrem Ehemann wurde 2013 zum zweiten Mal Speiseröhrenkrebs diagnostiziert, schon 1998 war er daran erkrankt. Um sich um seine Gesundheit und die Familie besser kümmern zu können, nahm Dion im August 2014 eine Auszeit auf unbestimmte Zeit. «Das Schlimmste war zu sehen, wie er leidet», sagt sie rückblickend in einem Interview mit dem amerikanischen Sender ABC. Ein Jahr lang liess sich die Sängerin Zeit, sagte auch ihre geplante Asien-Tournee ab. Im August 2015 folgten wieder erste Auftritte in Vegas. «René respektierte, dass ich mich in der Zeit um ihn und um die Familie kümmern wollte. Aber er wollte nie, dass ich mich ganz von der Bühne verabschiede.»
Rund vier Monate nach ihrem Vegas-Comeback starb der Mann, der Céline Dion 33 Jahre als Manager und 21 Jahre als Ehemann zur Seite gestanden war. Er erlag am 24. Januar 2016 im Alter von 73 seinem Krebsleiden. Zwei Tage später, am Geburtstag von René Angélil, verstarb auch Célines Bruder Daniel im Alter von 59 Jahren. «An seinem Geburtstag holte mein Ehemann meinen Bruder zu sich, er war zu schwach», sagt Dion. Eine schwere Zeit für die dreifache Mutter: «Für so etwas kann man nie vorbereitet sein.»
Ihren Zwillingen Eddy und Nelson erklärte die Sängerin den Tod ihres Vaters mit einer Referenz zum Disney-Film «Up» (dt. «Oben»). Dort fliegt ein alter Mann samt seinem Haus mit Tausenden Luftballons ins Unbekannte. «Papa ging auch nach oben. Und das ist etwas Gutes», erklärte sie. «Ihr müsst keine Angst haben, nicht unser ganzes Haus flog nach oben, wir leben ja noch darin. Aber Papa ging nach oben.»
Beim ersten Auftritt nach dem Tod ihres Mannes gab sie sich kämpferisch
Mutig war der erste Auftritt von Dion nach dieser schweren Zeit: Sie trat bei den Billboard Music Awards im Mai 2016 auf und präsentierte ihr neustes Lied, ein Cover von Queen: «The Show Must Go On» – passender könnte der Titel nicht sein. Emotional und mit viel Kraft trug sie den Song vor, doch die Emotionen kamen erst richtig hoch, als Dion den Billboard Icon Award in Empfang nehmen durfte.
Die Laudatio hielt Seal, doch den Preis übergab Dions älterer Sohn René-Charles, der damals 15 Jahre alt war. Dion brach in Tränen aus. «Entschuldigung, dass ich weine», sagte sie. «Ich möchte stark sein für meine Familie und meine Kinder. Aber so etwas habe ich nicht erwartet.» Den Sieg widmete sie ihrem verstorbenen Ehemann. Die Dankesrede schloss sie mit den Worten: «The show must go on», die Show muss weitergehen.
Nicht nur in Las Vegas: Im Sommer tourt Céline Dion durch Europa und besucht dabei die Städte und Länder, die sie seit ihrer «Taking Chances»-Tournee im Jahr 2008 nicht mehr besucht hat. So auch die Schweiz mit ihrem Konzert im Stade de Suisse in Bern. Die Show geht wirklich weiter.