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Ludovic Chambercys (Frédéric Diefenthal) Zukunft ist genau geplant: Schon bald soll der Dreissigjährige das Geschäft seines Vaters (Roland Giraud) übernehmen und seine Verlobte Virginie (Julie Judd) will endlich den Hochzeitstermin festlegen. Aber als ihn der Vater vor versammelter Belegschaft des familieneigenen Kaufhauses Chambercy zum stellvertretenden Direktor ernennt, beginnt der Sprössling zu schwitzen und zu zittern und fällt schliesslich in Ohnmacht. Eine physikalische Ursache lässt sich nicht feststellen, doch die Diagnose des Psychiaters Serge (Pierre Banderet) ist unmissverständlich: Ludovic leidet an Hypegiaphobie – an panischer Angst vor Verantwortung.
Seinem Vater, einem Patriarchen alter Schule, und seiner Verlobten Virginie, die alles daran setzt, möglichst bald ins Familienunternehmen einheiraten zu können, verschweigt Ludovic diesen Befund. Doch heimlich beginnt er mit einer Gruppentherapie, um seine Ängste zu bekämpfen. In den Therapiesitzungen trifft er den Unordnungsphobiker Léon (Jean-Pierre Gos), Margaux (Natacha Koutchoumov), die panische Angst vor Berührungen hat, sowie die quirlige Clémence (Gaëla Le Dévéhat), die nicht allein sein kann. Die vier ungleichen Neurotiker sollen sich in einer Art ganzheitlichen Verhaltenstherapie mit ihren Angstattacken auseinandersetzen. Zum Beispiel mit einer Fahrt in der Strassenbahn: Während sich Léon und Margaux panisch am Gestänge festklammern, wünscht sich die Soziopathin Clémence nichts sehnlicher als ein voll gestopftes Tram mitten im Berufsverkehr! Die Gruppentherapie schweisst die vier nach und nach zusammen, sodass sie Ludovic auch nicht hängen lassen, als dieser die Therapie grossmäulig abbricht, weil er Angst hat, seinen Vater noch weiter zu enttäuschen.
Mit Pas de panique hat der Westschweizer Filmemacher Denis Rabaglia einen zweiten Fernsehfilm vorgelegt, der ebenso vergnüglich ist wie sein vielfach preisgekrönter Erstling Grossesse nerveuse (F/CH 1993). Dabei gelingen ihm mit dem turbulenten, gut getimten Neurosenfilm auch immer wieder stillere, berührende Momente, geschickt umschifft er billige Witze und Klamauk. Die Hauptrolle seiner herausragenden Komödie besetzte Rabaglia mit einem Franzosen: dem charmanten Taxi-Darsteller Frédéric Diefenthal. Aber auch die Westschweizer Schauspieler können sich sehen lassen: Natacha Koutchoumov, die man etwa aus den Filmen Lionel Baiers kennt, gewann für ihre Rolle als Berührungsphobikerin den Schweizer Filmpreis als beste Nebendarstellerin. Ihre «Sexszene» mit Diefenthal, die ganz ohne physische Berührungen auskommt, sprüht von körperlicher Intensität und ist aufregender als manch andere Sexszene, die mehr preisgibt.
Pas de panique wurde an der Cinéma tout écran 2007 in Genf als bester Schweizer Fernsehfilm ausgezeichnet. Erfolg ist sich das Regietalent Rabaglia ja mittlerweile gewöhnt: Seine bisherigen drei Langspielfilme kamen alle nicht nur bei der Kritik und bei Festivals, sondern auch beim grossen Publikum gut an, allen voran sein wunderbares Roadmovie Azzurro mit Paolo Viaggo, das 2001 den Schweizer Filmpreis gewann. Auf sein neuestes Werk Marcello, Marcello, eine romantische Komödie, die im Italien der Fünfzigerjahre spielt, darf man also gespannt sein.