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A6400 Artilleriewerk Castels
Im März 1939 wurde erstmals für die Artillerie ein Werk mit 2x 10,5 cm Panzertürmen im Raum Mels eingeplant. Dies sollte das zentrale Werk des Festungsraumes mit den Führungsanlagen sein. Das Art Wk Castels bildete in der Folge mit den Art Wk Furkels und Magletsch das Gerippe der Festung Sargans. Aus Spargründen sollte jedoch schon früh auf die Unterkunft für den Festungsstab verzichtet werden, auch die Munitionsdotationen wurden reduziert.
Da der Bau des Werkes andauerte, wurde die Fest Art Kp 22 (von der 9. Division) mit vier 12 cm-Kanonen am Südrand von Mels stationiert (27. Oktober 1938 bis 9. Januar 1940). Am 13. November kam im Raum Mels die Batterie 206 mit 12 cm-Radgürtelkanonen 1882 der Schw Mot Kan Abt 73 zum Einsatz. Ende 1939 war die Betonbrücke von Plons Richtung Castels erstellt, die Strasse jedoch erst zur Hälfte. Das Fort Castels mit 2 Panzertürmen 10,5 cm sowie 6 Festungs-MG sollte bis Ende August 1941 fertig gestellt sein. Die Installationen waren im Bau, Sprengarbeiten hatten begonnen. Im Januar 1940 wurde Castels als Korpssammelplatz für den Stab Fest Art Abt 11 sowie die Fest Art Kp 31 und 32 festgelegt. Die Kp 32 war für das Art Wk Castels (345 Mann) und das gegenüber liegende Werk Passatiwand (130 Mann) eingeteilt.
Im Juli 1940 wurde mit einem Antrag auf Weiterausbau der Festung Sargans für Castels ein dritter Panzerturm und 2 Bunkerkanonen für die Panzerabwehr an der Tanksperre Seeztal gefordert. Auch am Ostfuss Castels soll eine Halbbatterie 7,5 cm BK erweitert werden. Auch sollte der Kommandostab der Festung Sargans in Castels Unterkunftsräume erhalten. Am 8. August 1940 wurde entschieden, dass Castels den zusätzlichen Panzerturm erhält, jedoch wird weder die 7,5 cm Bunkerkanonen-Batterie am Ostfuss noch die 7,5 cm-Batterie zur Panzerabwehr bewilligt. Dafür wurde Kastels definitiv Standort des Kriegs-Kommandopostens des ganzen Festungsraumes (später auch der Festungsbrigade 13) Am 5. November 1940 werden die beiden ersten 10,5 cm-Panzertürme (Reichweite ca. 18 km, ab 1962 mit Spitzgranaten 22 km) von der Kriegstechnischen Abteilung KTA abgenommen, der dritte am 10. Januar 1941. Im Februar 1943 wurden die beiden dennoch genehmigten 7,5 cm BK 39 der Batterie West/Art Wk Castels als schussbereit gemeldet (Schussrichtung Walensee).
Bei der Mobilmachung am 12. September 1943 (Landung der Alliierten in Süditalien und Kapitulation Italiens) wurden auch die Truppen der Festung Sargans aufgeboten. Erstmals wurde der neue Kriegs-KP im Art Wk Castels bezogen, die grossen Artilleriewerke wurden ebenfalls bemannt (auch wenn sie noch nicht voll ausgebaut waren und die Mannschaften teilweise auf Stroh schlafen mussten).
Um die Feuerkraft zu erhöhen, wurden im April 1944 zwei Varianten für Castels geprüft:
- 2x 15 cm Bunkerkanonen in Kasematten (3,62 Mio. Fr.)
- 4x 15 cm Bunkerkanonen in Kasematten (5,98 Mio. Fr.)
Beantragt wurde schliesslich die Variante mit 4 Geschützen. In einem modifizierten Antrag vom Juni 1944 war die Castels-Erweiterung jedoch bereits nicht mehr aufgeführt.
Acht 20 mm-Flabkanonen W+F 38 auf Sockellafette übernahmen den Fliegerschutz. Nach dem Krieg wurden jeweils den Turmwerken 16 Geschütze zugeteilt.
Am westlichen Fuss des Castels bei Plons wurden zudem drei permanente Waffenstellungen für 12 cm Minenwerfer gebaut. Das Munitionsmagazin sowie die Feuerleitstelle war in einem nahe gelegenen Hügel untergebracht (Kaverne), die später auch als Batallions-KP für die Infanterie genutzt wurde.
Ende 1952 wurde an der Ostseite des Art Wk Castels ein Panzerabwehrstand für eine 7,5 cm-Kanone L49 erstellt. Diese wurde auch als umgekehrte Flabkanone bezeichnet (wieso?). Sie sollte die Panzerabwehr Richtung Sargans und Seeztal-Sperre verstärken. Ausgebaut wurde sie 1971, zum Einbau gelangte eine 9 cm-Pak nur noch mit Schussrichtung Seeztalsperre.
In der Zeit von 1960-62 wurde Castels mit zwei Batterien à 2 8,1 cm-Festungsminenwerfern sowie der dafür erforderlichen Infrastruktur aufgerüstet. Ihre Reichweite betrug rund 4 Kilometer.
Ausser von Infanteriehindernissen (Stacheldraht) wurde das Art Wk Castels von diversen Infanteriebunker, permanenten Waffenstellungen und Unterständen umgeben, um die Nahverteidigung auch des Kommandopostens sicherzustellen.
Der Haupteingang des Art Wk Castels ist heute mit 5 Sternen und dem Schriftzug «Grand Hotel Castello» verziert. Ich selber habe 1991 im Art Wk Castels die Rekrutenschule als Kanonier 12 cm Festungsminenwerfer absolviert, damals war die Anlage sicher noch kein Fünf-Stern-Hotel.
Aussenanlagen des Art Wk Castels
- A6401 Infanteriebunker Schlings – 2x Mg
- A6402 Infanteriebunker Wiesen – 2x Mg
- A6403 Infanteriebunker St. Martin Nord – 2x Mg
- A6404 Infanteriebunker St. Martin Ost – 1x Mg, 1x Lmg, 1x Beobachter
- A6405 Unterstand – 20 Mann
- A6406 Infanteriebunker Rüfe 2 – 1x Mg, 1x Beobachter
- A6407 Infanteriebunker Rüfe 1 – 2x Mg, 1x Beobachter
- A6408 Ik-Schild/Garage Seezbrücke Mels – 1x IK mobil
- A6409 Infanteriebunker Glashütte – 1x Mg (abgebaut)
- A6410 Infanteriebunker Grotte – 2x Lmg
- A6411 Infanteriewerk Bödeli – 1x Mg, Beobachter
- A6418 Infanteriebunker Bödeli – 1x Lmg
- A6419 Infanteriebunker Batterie West – 2x Lmg
- A6420 Infanteriebunker Stützmauer – 3x Lmg
- A6421 Unterstandkaverne U8 Kastels – 12 Mann
- A6422 Unterstandkaverne U1 Kastels – 12 Mann
- A6423 Unterstandkaverne U2 Kastels – 12 Mann
- A6424 Unterstandkaverne U3 Kastels – 12 Mann
- A6425 Unterstandkaverne U4 Kastels – 12 Mann
- A6426 Unterstandkaverne U10 Kastels – 12 Mann
- A6427 Unterstandkaverne U11 Kastels – 12 Mann
- A6428 Unterstandkaverne U12 Kastels – 12 Mann
- A6429 Unterstandkaverne U6 Kastels – 12 Mann
- A6430 Unterstandkaverne U13 Kastels – 12 Mann
- A6431 Unterstandkaverne U9 Kastels – 12 Mann
- A6432 Unterstandkaverne U7 Kastels – 12 Mann
- A6433 Unterstandkaverne U5 Kastels – 12 Mann
- A6434 Unterstandkaverne Flab FU4 Kastels -20 Mann
- A6435 Unterstandkaverne Flab FU5 Kastels -20 Mann
- A6436 Unterstandkaverne Flab FU3 Kastels -20 Mann
- A6437 Unterstandkaverne Flab FU2 Kastels -20 Mann
- A6438 Unterstandkaverne Flab FU6 Kastels -12 Mann
- A6434 Unterstandkaverne Flab FU1 Kastels -12 Mann
Der Schutz des WEF wird auch tief im Berg gewährleistet
(Südostschweiz, 28.1.2009, Dario Morandi)
Das World Economic Forum, das heute in Davos beginnt, wird von 4500 Angehörigen der Armee bewacht. Und das stellt hohe Anforderungen an Menschen und Technik. Ein Blick hinter die Kulissen.
Mels/Davos. – Noch vor einigen Jahren war die Anlage geheim. Und zwar so geheim, dass man nicht einmal über ihre Existenz nachdenken durfte. Tempi passati: Denn jetzt marschiert gerade ein Tross von Medienleuten durch den engen Zugangsstollen der Festung Castels , die vor dem Zweiten Weltkrieg oberhalb Mels im Kanton St. Gallen in den Fels gehauen worden ist. Die Armee lässt aus aktuellem Anlass hinter die Kulissen ihres 4500-köpfigen Apparates blicken, der ab heute über das Davoser WEF und seine hochkarätigen Gäste wacht.
Vorbei geht es durch schier endlose Gänge, über steile Treppen und an 40 Zentimeter dicken Stahltüren zur Führungszentrale der Militärs, von wo aus sie die WEF-Operation «Alpa Eco Nove» steuern. Es riecht wie in einer Gruft, nach Moder und abgestandener Luft. Und so ganz ohne Geheimniskrämerei geht es dann doch nicht: Die Festungsanlage werde zwar nur noch als Truppenunterkunft genutzt und sei deshalb nicht mehr klassifiziert. Vor dem Betreten des Führungsraumes seien die Kameras aber doch abzuschalten, bittet Divisionär Peter Stutz, Chef des Führungsstabs der Armee. Schliesslich habe er in Bern all seine Überredungskünste gebraucht, bis die Befehlszentrale für den Medienbesuch freigegeben worden sei.
Im Führungsraum laufen zwar alle Fäden des Bewachungsdienstes zusammen. Doch die Lokalität präsentiert sich reichlich unspektakulär. An den Wänden der weiss getünchten Katakombe hängen Dienstbefehle und Schaltpläne, die allesamt das Prädikat «vertraulich» tragen. Von «top secret» keine Spur. Dann gibt es noch ein paar Schreibtische und Stühle, zwei Telefone und Aktenschränke. Fertig. James Bond würde hier vor lauter Langeweile glatt einschlafen. Zumindest ein Hauch von «top secret» ist aber dennoch zu spüren: Alle, die hier rund um die Uhr arbeiten, haben sich mit ihrer Unterschrift zu Stillschweigen verpflichtet. Jeder hatte eine militärische Sicherheitsüberprüfung über sich ergehen zu lassen. «Die haben sogar mein Privatleben durchleuchtet», verrät einer der Soldaten. Kunststück: Teile des WEF-Dispositivs gelten auch im Kriegsfall und sind deshalb hochsensibel, wie Divisionär Stutz ergänzt.
Die Sprach- und Datenkommunikation zwischen der Truppe in Davos und dem Befehlsstand im Sarganserländer Felsmassiv erfolgt abhörsicher über das integrierte militärische Führungssystem. Dieses funktioniert nach Angaben von Oberstleutnant Peter J. Müller, Kommandant des Richtstrahlbataillons 18, ähnlich wie das Netz der Swisscom. Um das System aufzubauen, mussten 80 Tonnen Material im Wert von 40 Millionen Franken herangeschafft werden.
Szenenwechsel: Das «Auge» der WEF-Truppe, wenn man so will, steht in luftigen Höhen – auf einer tief verschneiten Alpweide hoch über Pfäfers auf St. Margrethenberg. Es ist das taktische Fliegerradar (Taflir), dessen wuchtige Primärantenne sich träge im Schneetreiben dreht. Die grösste Herausforderung hätten seine Leute mit der Installation der Radarstation bereits hinter sich, sagt Kommandant Hauptmann Steven Jauquier. «Mehrere Tonnen Material mussten in Schnee und Eis auf schmalen Wegen hierher transportiert werden.» Besser geworden ist das Wetter in der Zwischenzeit nicht. Zum Schneefall gesellt sich jetzt noch eine dicke Nebelwand. Kein Problem für Taflir. Dieses arbeitet witterungsunabhängig und «sieht» jede Flugbewegung, sogar in 100 Kilometern Entfernung. Flieger mit unlauteren Absichten sollten sich deshalb vorsehen …