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Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges am 1. August 1914 endete das «lange 19. Jahrhundert». In den folgenden vier Jahren kam es zu einer fortschreitenden Totalisierung des Krieges und einer nachhaltigen Transformation der modernen kapitalistischen Industriegesellschaften. Es setzten sich Tendenzen durch, die in den Jahrzehnten um 1900 bereits angelegt waren. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern wurde die neutrale Schweiz nicht in den Krieg hineingezogen. Trotz der Abwesenheit direkter Kriegshandlungen wurden der zunehmende Nahrungsmangel und die inflationsbedingte Verarmung breiter Bevölkerungskreise aber auch in der Schweiz zu einem Problem. Die fortschreitende gesellschaftliche Polarisierung und die Zunahme politischer Spannungen kulminierten im Landesstreik von 1918. Obwohl die Folgen des Krieges das Land noch Jahrzehnte später prägen sollten, ist die Geschichte der Schweiz im Ersten Weltkrieg bis anhin kaum erforscht worden.
Das Projekt, an dem die Universitäten Zürich (Leitung), Bern, Genf und Luzern beteiligt sind, fokussiert auf die dynamische Veränderung der Erfahrungsräume und Erwartungshorizonte im Krieg und fragt nach den vielfältigen Austausch- und Interaktionsprozessen zwischen der Schweiz und den kriegsführenden Ländern. Ausgehend von einer transnationalen Perspektive soll dies an Hand von drei, eng miteinander verbundenen Teilprojekten (mit insgesamt 6 Dissertationen) untersucht werden: (A) der Bedeutung der «enemy aliens», der Migration und Mobilisation von Menschen und Gütern im Krieg, (B) den Auswirkungen des Krieges auf die Entwicklung politischer Entscheidungsprozesse, demokratischer Institutionen und neuer Formen politischer Partizipation sowie (C) dem Verhältnis von Brutalisierung, Militarisierung und humanitärer Diplomatie, die nicht zuletzt mit Blick auf die – immer wieder in Frage gestellte – Neutralität des Landes eine wichtige Rolle spielte.
Angestrebt wird damit ein grundlegender Beitrag zu einer transnational angelegten Geschichte des Ersten Weltkrieges. Damit wird es möglich, die historische Entwicklung der Schweiz mit ihrer offenen Volkswirtschaft und ihren vielfältigen Abhängigkeiten auf neue Weise zu verstehen. Neben der Integration politischer, wirtschaftlicher, rechtlicher und sozialer Aspekte in den einzelnen Teilprojekten liegt der Fokus insbesondere auf einer vergleichenden Perspektive und der Einbettung der schweizerischen Forschung in internationale Bezüge. Erleichtert wird die Umsetzung dieses Projektes durch die Tatsache, dass sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges 2014 zum hundertsten Mal jährt. Der Austausch mit anderen Projekten ist integraler Bestandteil dieses transnationalen Forschungsvorhabens.