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Der gewöhnlichen Meinung nach gilt die kleinasiatische Stadt Pergamon - die Hauptstadt des einstigen pergamenischen Reiches - als Ursprungsort des Pergaments, wo es etwa 300 vor Chr. erfunden worden sein soll. Doch hatten schon zu König Davids Zeit die Juden aufgerollte Bücher aus Tierhäuten und von den Joniern erzählt Herodot, dass sie in den ältesten Zeiten auf geschabte Hammel- oder Ziegenfelle geschrieben hätten. Wahrscheinlich ist in Pergamon aber das Pergament in verbesserter Form hergestellt worden; jedenfalls bildete es bis zur Blütezeit Pergamons einen seiner vorzüglichsten Handelsartikel und blieb auch unter der Römerherrschaft als charta Pergamena ein berühmtes Erzeugnis des dortigen Gewerbefleisses.
Der seit dem Mittelalter in unsern Landen zum Bereiten von Pergament in Anwendung kommende Arbeitsprozess glich im wesentlichen dem in der Weissgerberei gebräuchlichen. Die getrockneten Felle von Kälbern, Schafen und Ziegen, aber auch Esels- und Schweinshäute wurden zuerst mehrere Tage lang in reinem Wasser eingeweicht, gereinigt und darauf gekalkt und enthaart. Nach dem Enthaaren wurden die Häute gewaschen und dann auf dem Schabebaum «gekneisst», d.h. mit einem scharfen, zirkelförmigen Eisen, dem Kneisseisen geschabt. Hierauf kamen die Häute neuerdings in den Kalk, erst in Kalkwasser, dann in eine dicke Kalkmilch. Diese Kalkfässer hiessen «Brunnäscher» und die vorgenommene Operation das «Brunnen», wobei man die Häute öfters wendete, herausnahm und wieder einlegte. Nach der Art des Pergaments dauerte diese Behandlung mehrere Tage oder Wochen. Nach dem « Brunnen» wurden die Häute nochmals mit einem scharfen Eisen, dem Streicheisen, zumal auf der Fleischseite geschabt und gereinigt. Dann spannte man jede Haut in einen Rahmen auf. Die verschiedenen Zipfel der Haut wurden an hölzerne Pflöcke befestigt, die sich wie die Wirbel einer Violine drehen liessen, bis die Haut so ausgespannt war, dass sich keine Falten ergaben. Hier auf wurden die ausgespannte Haut dünner geschabt und womöglich an der Sonne getrocknet. Schliesslich wurde die trockene Haut noch «geklärt», d.h. auf einem Stein gekreidet und mit Bimstein abgerieben, worauf man das fertige Pergament beschnitt.
Vor der Erfindung des Papiers war das Pergament der einzige gebräuchliche Schreibstoff des Mittelalters. Seiner Herstellung und seinem Handel kamen darum grosse Bedeutung zu. Aus diesem Grunde begegnen uns auch bereits im Basel des 14. Jahrhunderts Pergamenter als streng krämerzünftiges Handwerk. Sie waren mit den andern Ledergewerben, den Gerbern und Schuhmachern, an derselben Handwerkergasse, an dem vom Kornmarkt zwischen Birsig und Rümelinbachweg aufwärts fahrenden alten Rindermarkt sesshaft.
Der älteste, aus der Menge mit Namen greifbare Pergamentbereiter - Hannemann Hesinger der bermenter - gereichte freilich weder Zunft noch Handwerk zur Ehre, wurde er doch am Neujahrstag 1357, wenige Monate nach dem grossen Erdbeben, mit zwei andern Stadtinsassen auf fünf Jahre lang eine Meile von der Stadt verbannt, weil sie den Bürgern «ir isen in dem ertpidem abbrachen und daz verkauften».
Bereits zur Zeit des Konzils wurde das baslerische Permenterhandwerk durch die aufkommende Papierindustrie mehr und mehr beiseite geschoben. Während der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts trat nur ein einziger Permenter der Safranzunft bei. Auch scheint der Pergamentbedarf vielfach von auswärts gedeckt worden zu sein. So bezogen beispielsweise Fabrikmeister und Schreiber auf Burg 1470/71 44 Häute vom Zurzacher Markt und von Rottweil.
Einen gewissen Aufschwung fand das Pergament damals auch zum Schmucke der kostbaren Zunftkerzen, die an hohen Feiertagen von den Sechsern in der Prozession mitgetragen wurden. Man umwand die Kerzen mit pergamentnen «Helgen», von denen im Rechnungsbuch der Zunft mehrfach die Rede ist.
Einen gewissen Aufschwung erhielt das Handwerk erst wieder im 16. Jahrhundert, durch Zuwanderung süddeutscher Pergamentmacher. Einen unverkennbar tüchtigen Vertreter besass es in der Person des 1562 zünftig gewordenen Rudolf Rytter, der nach der Zahl seiner Gesellen einen blühenden Betrieb besessen haben muss. Das aus Freiburg i.Br. stammende, 1606 hier heimisch gewordene Lindenmeyersche Geschlecht lieferte dann Basel fast zwei Jahrhunderte lang, von Generation zu Generation, insgesamt ein halbes Dutzend Meister, die sich aber alle mit recht bescheidener Stellung innerhalb der zünftigen Wirtschaftsordnung begnügen mussten.
Schon dem 1651 aufgenommenen Hans Rudolf Lindenmeyer wurde der Existenzkampf nicht leicht gemacht. Als blutjunger Meister klagte er 1651 vor der Zunft gegen einen Refugianten, Moses Bellard, der zwar unter obrigkeitlichem Schutz und Schirm stand, aber als Welscher nach der Handwerksordnung nicht für redlich gelten konnte. Der Zunftvorstand schützte Lindenmeyers Beschwerde und befahl kraft einer früher ergangenen Ratserkanntnis den Welschen innerhalb zweier Monate auszuschaffen.
In stetem Streit lagen die Pergamentbereiter - verstärkt durch die ebenfalls safranzünftigen Seckler und Weissgerber - mit den Kürschnern. Bei allen diesen Handwerken spielten Lamm- und Gitzifelle als Rohmaterial eine bedeutsame Rolle. Schon bei früheren Meinungsverschiedenheiten, so 1551, hatte der Rat den Kürschnern den Stich aller bei den hiesigen Metzgern zugefallenen Lamm- und Gitzifelle als Monopol zugesprochen, weil diese Felle «in- und ausserhalb des römischen reiches zu den köstlichsten pelzen verarbeitet wurden ». Im Jahre 1656 beschwerten sich nun der Permenter Hans Rudolf Lindenmeyer und Hans Jakob Müller als Schreiber des Weissgerberhandwerks, dass die Kürschner zu der Kläger verderblichem Nachteil die Zickleinhäute nicht nur zum Gebrauch ihres Handwerks, sondern auch auf Mehrschatz aufkauften und aus der Stadt verhandelten, wodurch der Artikel derart verteuert wurde, dass den Permentern und Weissgerbern Kauf und Verarbeitung fürderhin unmöglich falle; sei es doch so weit gekommen, dass nicht einmal die städtische Kanzlei rechtzeitig mit etlichen «missiv häutlein» habe versorgt werden können. Der Rat liess es aber stets bei seinen früheren Beschlüssen zugunsten der Kürschner bewenden und als sich einmal gar einige Soldaten der Stadtgarnison gelüsten liessen, unter den Toren fremde Leute, die mit Gitzifellen in die Stadt wollten, anzuhalten, ihnen die Ware feil zu machen und sie Permentern und Weissgerbern zuzuschieben, liess die Obrigkeit Wachtmeistern und Soldaten einschärfen, solcher Geschäfte müssig zu gehen und umso fleissiger ihrer Funktionen abzuwarten.
Wie der Vater Hans Rudolf, so machte sich auch dessen Sohn Rudolf Lindenmeyer zum Wortführer der Interessen der Pergamenter, trat er doch 1689 als Kläger gegen seinen leiblichen Bruder, den Wollweber Jakob Lindenmeyer, auf, weil dieser im Nebenberuf Pergament bereitete und es auf seinem Laden zum Verkauf auslegte. Die Zunft hielt denn auch den Verzeigten an, bei seinem erlernten Handwerk zu verbleiben und sich des Pergamentens bei Strafe gänzlich zu müssigen.
Eine für Basel nicht unwichtige Sache war der Händel wegen des Trommelmachens, der 1689 ebenfalls von Rudolf Lindenmeyer aufgegriffen wurde und sich hauptsächlich gegen den Siebmacher Joseph Strom als Verfertiger von Trommeln richtete. Von der Zunft zur Verantwortung gezogen, erklärte Strom, weder ihm noch seinem Vater sei die Herstellung von Trommeln jemals verboten worden. Die Zunft war aber anderer Ansicht. Sie erkannte, es solle ein jeder bei seinem Handwerk verbleiben, Trommeln möge Strom wohl machen, aber die Böden dazu habe er beim Pergamenter zu beziehen.
Zu Ende des 18. Jahrhunderts war die Pergamentbereitung in Basel derart in Abnahme geraten, dass diese Hantierung nach den Worten des Meisters Carle Lindenmeyer «des angestrengtesten fleisses ohngeachtet, kaum mehr das trocken brot zu verschaffen vermochte». Lindenmeyer kehrte darum dem Beruf den Rücken und unterzog sich 1794 dem beschwerlichen Posten, die Güterfuhren von Basel nach Eimeldingen und zurück zu begleiten; 1796 übernahm er eine Wirtschaft. Um aber das Weinschenkenrecht zu erlangen, musste er zu Weinleuten zünftig werden. Er bat daher in einem Schreiben an Bürgermeister und Rat, ihm die Entlassung aus der Safranzunft zu gewähren damit er sich dann um die Weinleutenzunft bewerben könne. Am 25. Januar 1804 willfahrte die Obrigkeit seiner Bitte.
Ein nicht weniger bitteres Lamento richtete ein Jahr später, 1805, der letzte Basler Pergamenter, Heinrich Lindenmeyer jünger auf dem Barfüsserplatz, an die Behörden.
«... Mein Beruf, der seit undenklichen Jahren vom Vater auf den Sohn in der Familien fortgetrieben worden, ist, wenn ihm auch alle obrigkeitliche Unterstützung geleistet wird, nicht von lukrativer beschaffenheit, weil nicht jedes individuum meiner arbeit bedarf; doch nährt dieselbe durch fleiss ihren mann. Wenn aber die geringsten eingriffe platzgreifen, so muss der arbeitsamste darben und zugrunde gehen ... Sollten allenfalls zweifel auffallen, ob mein beruf ein wirklich zünftiger sei, so dient zur nachricht, dass unsere profession in ganz Deutschland unter dem namen pergamenter, trommel- und paukenmacher zünftig ist ... ».
Als spezielle Klagepunkte hob Lindenmeyer hervor:
Der Rat wies Lindenmeyers Beschwerde, speziell wegen des Trommelmachens, an das Handels- und Gewerbekollegium, welches die Rechte des Pergamenterhandwerks untersuchen sollte; aber die hiemit Beauftragten sahen sich zu der Erklärung gezwungen, dass sich keine Dokumente vorfänden, auf Grund deren ein Gutachten abgefasst werden könnte. So erstarb das Handwerk in der Mediationszeit und die spärlichen Pergamentergesellen, die etwa noch im «Sternen» in der Aeschenvorstadt ankehrten, wo von altersher Pergamenter und Weissgerber gemeinsam ihre Herberge gehalten hatten, mussten Basel unverrichteter Dinge, ohne Handwerksgruss, wieder verlassen