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Der britische Naturwissenschaftler Sir John Tyndall war ein Fan der Alpen und pflegte seine Ferien im Wallis zu verbringen. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte er Vorstellungen davon, wie Gletscher entstehen und schmelzen. Lange bevor der Begriff «Treibhauseffekt» geprägt wurde, ahnte er, dass zwischen den gewaltigen Eismassen in den Alpen und dem Klima des Planeten ein Zusammenhang bestehen muss.
Im 20. Jahrhundert waren es nicht mehr britische Gentleman-Forscher, die sich mit dem Klimawandel befassten, sondern amerikanische Militärs. Der bedeutendste war Roger Revelle, Chef-Ozeanograph der US-Navy im Zweiten Weltkrieg. Ihm gelang es, ein umfassendes Forschungsprogramm auf die Beine zu stellen. Sein bester Schüler war Charles David Keeling. Um die CO2-Konzentration in der Atmosphäre zu erforschen, campierte dieser monatelang auf der Spitze eines erkalteten Vulkans auf Hawaii. Der Aufwand lohnte sich: In den siebziger Jahren gelang ihm der wissenschaftlich einwandfreie Nachweis, dass sich die CO2-Konzentration in der Atmosphäre langsam, aber stetig erhöht.
Die Keeling-Kurve ist bis heute ein Rückgrat der Klimaerwärmungstheorie. Inzwischen haben ausgedehnte Forschungen – unter anderem im Eis der Polkappen – sie um ein Vielfaches erweitert. Heute ist es unbestritten, dass das Klima sich verändert und dass der Mensch dabei eine grosse Rolle spielt.
Bis in die neunziger Jahre folgte die Diskussion um die Klimaerwärmung noch nicht dem Links-rechts-Schema. Keeling war bis an sein Lebensende Mitglied der Republikanischen Partei. Als Kämpfer für nachhaltige Entwicklung machte sich auch der Schweizer Unternehmer Stephan Schmidheiny weltweit einen Namen. 1992 war er «Hauptberater für Wirtschaft und Industrie» am «Rio-Gipfel». Im gleichen Jahr erschien sein Buch «Kurswechsel», das so etwas wie ein grüner Leitfaden für verantwortungsbewusste Unternehmer wurde. «Nachhaltige Entwicklung» wurde bei Unternehmern und Managern zu einem Begriff.
Überhaupt war die Konferenz von Rio alles andere als eine rot-grüne Veranstaltung. Prominentester Teilnehmer war der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, George Bush. Ökologie war dem älteren Bush ein wichtiges persönliches Anliegen – auch wenn seine Regierung nie Massnahmen zur CO2-Senkung zustimmte. Auch Margaret Thatcher, die «eiserne Lady», bekundete in ihrer politischen Laufbahn immer wieder sehr viel Interesse für die Fragen des Klimawandels und der nachhaltigen Entwicklung.
In den vergangenen zehn Jahren haben Marktfundamentalisten den Kampf gegen die Klimaerwärmung in einen Kreuzzug gegen Rot-Grün verwandelt. Sie betonen die Schädlichkeit von Staatseingriffen, die angeblich die freie Wirtschaft zu erdrücken drohen, und übersehen, dass es auch sehr wirksame Marktinstrumente im Kampf für eine nachhaltige Entwicklung gibt. So wurde beispielsweise das Problem des sauren Regens mit einer Lenkungsabgabe auf fossile Brennstoffe rasch unter Kontrolle gebracht.
Die Theorien vom Treibhauseffekt sind nicht das Resultat politischer Propaganda, sondern von unabhängiger Forschung. Heute stehen wir vor einem Paradox: Je stichhaltiger die wissenschaftlichen Belege für den Klimawandel werden, desto ideologisch vergifteter wird die öffentliche Diskussion darüber. Dabei wäre eine pragmatische, lösungsorientierte Debatte nötiger denn je, denn es zeichnet sich ab: Der Klimawandel wird zu einer Existenzfrage der Menschheit.
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Kolumnist Philipp Löpfe arbeitet als Buchautor und Wirtschaftsjournalist in der Schweiz