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dung zu obiger Untersuchung lag ein Zeitraum von 211⁄2 Monaten. Als specifische Festigkeit ist die Reifslänge1) in km genommen, da ja dieser Ausdruck den Materialaufwand berücksichtigt und so unmittelbare Vergleiche zulässt.
Vom gröberen Gewebe wog 1am roh vom Stuhl 208%, wobei die Breite 87,8 cm ausmachte und auf 1cm 24 Ketten- bezw. 24,4 Schussfäden kamen; für das appretirte Gewebe änderten sich diese Werte in 1848, 81,2cm, 26,8 bezw. 23,4. Vom feineren Gewebe wog 1 qm roh 998, appretirt 88%. Wie sich das Gewicht der Flächeneinheit und die Breite sowie die Länge des Gewebes bei den verschiedenen Behandlungen ändern, lässt Tabelle II erkennen.
Tabelle II.
1) Englische Feinheitsnummer; metrische Nummern würden sein 27, 27; 61 und 71.
Die mikroskopische Untersuchung der Gewebe zeigte, dass die Cuticula der Baumwollfasern durch den Bleichprocess nicht zerstört wurde.
>>Nach der hier vorliegenden Untersuchung, nach welcher die Festigkeitseigenschaften eines baumwollenen Gewebes durch den Bleichprocess jedenfalls nicht abgemindert erscheinen, kann man daher dem in rationeller Weise angewendeten Chlor, wie überhaupt dem gesammten Bleichprocesse, hinsichtlich seiner Einwirkung auf die Festigkeitseigenschaften baumwollener Gewebe nicht den schädlichen Einfluss zuerkennen, wel
1) Z. 1884, S. 162.
deutscher Ingenieure.
chen man demselben für gewöhnlich zuzuschreiben geneigt ist. Es muss also wohl dem Gedanken Raum gegeben werden, dass die färbenden Substanzen, welche der Chlorprocess beseitigt, für die Festigkeitseigenschaften des Rohgewebes schädlich oder doch indifferent sind.«1)
In Spon's Encyclopaedia of the Industrial Arts, Heft 8, Seite 487, finden sich ebenfalls einige Daten über die Einwirkung des Bleichprocesses auf die Festigkeit baumwollener Gewebe verzeichnet, nach welchen der betreffende Verfasser gleichfalls zu der Ansicht gelangt, dass die Festigkeit der Baum wolle durch den Bleichprocess nicht herabgemindert wird.
Für die sachgemäfse Beurteilung anderweiter Baumwollgewebe dürften die oben mitgeteilten Zahlen als sehr zuverlässig herbeizuziehen sein, zumal bezüglich der Feinheitsnummer die untersuchten Gewebe weit auseinander liegen.
Referent fügt diesen Zahlen in der folgenden Zusammenstellung noch die Werte für ein mittelfeines Baumwollgewebe hinzu, wie solche im mechanisch-technologischen Laboratorium der technischen Hochschule in Hannover gewonnen worden sind. Es wog 19m des Gewebes appretirt 1358, und wies dasselbe 24,1 Ketten- bezw. 21,3 Schussfäden auf 1cm auf. Appretirte Baumwollgewebe:
Bezüglich der Ausrechnung der Bruchbelastung für eine bestimmte Breite mag noch daran erinnert sein, dass sich die Rkm Bruchbelastung auf 1cm Breite bestimmt zu Pkg = 100 · G&
21. März 1885.
S. G. Thomas, der Erfinder des nach ihm benannten Entphosphorungsprocesses, wurde im April 1850 geboren, erhielt seine Hauptschulbildung auf dem Dulwich College, und zwar eine rein humanistische, da er für den ärztlichen Beruf erzogen werden sollte, in welchem sein Bruder, Dr. Llewellyn Thomas, ein bekannter Specialist war. Durch den Tod seines Vaters wurde er indessen im 17. Jahre gezwungen, die Beamtenlaufbahn einzuschlagen und eine Stelle im Rechtsfach einzunehmen. Sehr bezeichnend für die Beharrlichkeit des Charakters von Thomas ist die Thatsache, dass, obgleich eigentliche juristische Kenntnisse in seiner Stellung nicht gefordert wurden, er dennoch einen grofsen Teil seiner freien Zeit damals dazu verwandte, die Rechtswissenschaft von Grund auf zu studiren, um, wie er selbst sagte, für seine tägliche Arbeit besser geschickt zu sein.
Die wahre Herzensneigung des jungen Thomas lag jedoch schon von jeher auf einem ganz anderen Gebiete, auf dem weiten Felde der Chemie und Metallurgie, und diesen Lieblingswissenschaften widmete er sich mit emsigem Fleifs in den Abendstunden, da ihm sein Beruf keine andere freie Zeit übrig liefs. In einem kleinen Laboratorium, welches er sich zu Hause eingerichtet hatte, machte er seine ersten chemischen Experimente und bildete sich später in den Laboratorien von Arthur Vacher und George Chaloner an der Birkbeck-Institution weiter aus. In letzterer Anstalt betrieb er gleichzeitig andere Zweige der Wissenschaft und brachte es schliesslich so weit, dass er die Prüfungen der Royal School of Mines bestand, mit Ausnahme derjenigen Zweige, bei welchen eine vorherige praktische Thätigkeit gefordert war. Es ist letzterwähnte Thatsache ein Beweis seines unermüdlichen Privatstudiums, ein Beweis, der glänzender kaum gedacht werden kann, wenn man berücksichtigt, dass Thomas nur eine einzige Vorlesung an der Bergschule gehört hat und im übrigen nur die populär-wissenschaftlichen Hilfsmittel, wie sie in England in so reichem Masse dargeboten werden, mit Fleifs und Ausdauer benutzt hat.
Im Jahre 1870, während einer Reihe von Vorlesungen über Metallurgie, denen Thomas in der Birkbeck-Institution beiwohnte, kam ihm zum ersten Male der Gedanke der Entphosphorung des Roheisens fest und nachhaltig in den Sinn, vielleicht wachgerufen oder verstärkt durch den Ausspruch des Vortragenden Hrn. Chaloner: dass derjenige, welchem es gelänge, den Phosphor im Bessemerconverter zu entfernen, sein Glück machen würde. Sowohl die wissenschaftliche als die geschäftliche Bedeutung dieser Aufgabe beschäftigten ihn von jetzt ab unausgesetzt, und in streng folgerichtiger Weise ging er an die Arbeit, diese Aufgabe ihrer Lösung entgegenzuführen, indem er vorerst alle bis dahin bekannt gewordenen einschlägigen Mitteilungen, sowohl chemische als praktische, sammelte und sichtete. Bald
1) Nach einem in der Sitzung des Bezirksvereines an der niederen Ruhr am 8. März d. J. vorgetragenen Nachrufe.
kam er zu dem schon von Gruner früher ausgesprochenen Schlusse, dass vor allem die saure Ausfütterung des Converters der Entphosphorung hinderlich im Wege stehe, und von dieser Erwägung bis zum basischen Futter war naturgemäfs nur ein Schritt vorwärts.
Auf der Versammlung des Iron and Steel Institute im Jahre 1878 teilte zwar Snelus mit, dass er sich schon im Jahre 1872 in England die Anwendung von Kalk als Ausfütterungsmittel habe patentiren lassen, und Lowthian Bell erwähnte, dass man Kalk zur Ausfütterung von Puddelöfen schon vor 1850 angewendet habe. Der Fehler dieser Ausfütterungen jedoch, die übrigens nur versuchsweise und nie im regelmässigen Betriebe verwendet wurden, war aber immer die aufserordentlich geringe Haltbarkeit gewesen.
Nachdem nun Thomas durch Versuche festgestellt hatte, dass Kalkstein, mit einer kleinen Menge Wasserglas vermischt, sich zur Herstellung von basischen Ausfütterungen eignen dürfte, verband er sich im Jahre 1876 mit seinem Vetter Percy J. Gilchrist,1) welcher zu jener Zeit als Chemiker auf den Crowm-Avon- und später Blaenavon-Eisenwerken beschäftigt war, um einige gröfsere Versuche ausführen zu lassen. Thomas pflegte von London aus die Art der Versuche anzugeben, während sein Vetter die Ausführung bewerkstelligte. Die wenigen Feiertage, welche Thomas zur Verfügung standen, benutzte er dazu, um nach Süd-Wales zu reisen und mit seinem Freunde Gilchrist die Gedanken auszutauschen, die Fortschritte der gemeinsamen Arbeit zu prüfen und in logischer, echt wissenschaftlicher Weise neue Versuche zu verabreden.
An einem dieser der Wissenschaft gewidmeten Tage geschah es übrigens, dass Thomas sich eine heftige Erkältung zuzog, welche leider den Keim zu dem tückischen Lungenleiden legte, dem er schliesslich zum Opfer gefallen ist.
In der ersten Zeit wurden zahlreiche Versuche mit Tiegeln vorgenommen, welche mit verschiedenen Ausfütterungen versehen waren. Später, im Sommer 1877, ging man dazu über, einen kleinen Converter von 6 Pfd. Inhalt zu versuchen, und bei dieser Gelegenheit bestätigten sich zum ersten Male die Voraussetzungen von Thomas voll und ganz, so dass die Versuche mit einem gröfseren stehenden Converter von 4 Cntr. Inhalt nochmals wiederholt und später, nachdem auch diese das gewünschte Resultat gegeben hatten, ein drehbarer Converter von 10 Cntr. Fassung verwendet wurde. Hand in Hand gingen hiermit die Untersuchungen der verschiedensten basischen Materialien in einem Fletcher'schen Gebläseofen, um das geeignetste Material aufzufinden, welches bei der bekanntlich sehr hohen Temperatur des Bessemerconverters die nötige Widerstandsfähigkeit besälse. Es stellte sich hierbei heraus, dass insbesondere magnesiahaltiger Kalkstein, wenn er bei den höchsten zu erreichenden Temperaturen gebrannt wurde, zu einer aufserordentlich harten und dichten Masse zusammensintert, und dass dieses Material sich besonders zu den Ausfütterungen eignet.
Für die Gründlichkeit der Thomas 'schen Untersuchungen ist es bezeichnend, dass auch heute noch, trotz mehrjähriger Versuche der verschiedensten Hüttenleute, der Thomas'sche totgebrannte Dolomit als beste basische Ausfütterung gilt.
Im November 1877 nahm Thomas sein erstes Patent, und von diesem Zeitpunkt an folgte Patent auf Patent. Vor dieser Zeit wurden natürlich alle Versuche und Versuchsresultate streng geheim gehalten, nur zwei oder drei Vertrauten mitgeteilt, und erst, als sich die Notwendigkeit herausstellte, Versuche in gröfserem Mafs auszuführen, wurde es einerseits durch die Begünstigung des Hrn. Martin, des Directors der Blaenavon-Eisenwerke, ermöglicht, Versuche mit einem Converter von einer halben Tonne Fassung anzustellen, während andererseits der Director von Dowlais, Hr. Menelaus, den Erfindern in entgegenkommendster Weise gestattete, einige Chargen in gröfseren, 5t-Convertern durch zuführen, welche letzteren mit einem Futter aus Kalkstein und Wasserglas versehen waren.
Am 28. März 1878 wurden dem Iron und Steel Institute die ersten Andeutungen über die neue Entphosphorungsmethode gemacht. Lowthian Bell hatte einen Vortrag über Entphosphorung von Roheisen in einem mit Eisenoxyd ausgefütterten Ofen gehalten, und Thomas, der als Besucher der Sitzung beiwohnte, machte im Laufe der Verhandlung, folgende denkwürdige, hier wörtlich wiedergegebene Bemerkung:
es Es wird die Mitglieder dieses Vereines interessiren, dass
es mir in Blaenavon gelungen ist, im Bessemerconverter den Phosphor gänzlich zu entfernen, dank der Unterstützung des Hrn. Martin. Diese Mitteilung wird von Ihnen jedenfalls nue mit ungläubigen Lächeln entgegengenommen werden, und Sie werden es kaum glauben; aber ich habe die Resultate von hundert und einigen Analysen, die Hr. Gilchrist ausführte, bei mir. Hr. Gilchrist hat zahlreiche Experimente vorgenommen, hierbei mit Roheisenmengen von 6 Pfund bis 10 Centner gearbeitet, und alle diese Versuche haben die von mir ausgesprochene Theorie voll und ganz bestetigt und gezeigt, dass im schlechtesten Falle 20 pCt. und im besten Falle 99,9 pCt. des ganzen Phosphorgehaltes entfernt wurden, so dass wir hoffen, die praktischen Schwierigkeiten, die jetzt noch im Wege stehen, auch zu überwinden«.
Mit einem mitleidigen Lächeln wurden diese Mitteilungen des 28 jährigen Thomas entgegengenommen, der es wagte, der hochansehnlichen Versammlung, welche die bedeutendsten Männer des Eisenhüttenwesens in sich schloss, die Lösung dieser Aufgabe als vollendete Thatsache hinzustellen, einer Aufgabe, an der die hervorragendsten Geister ihre Kraft ohne wesentlichen Erfolg versucht hatten, und von der es daher so gut wie feststand, dass sie kaum jemals gelöst werden würde. Die Druckschrift von Thomas und Gilchrist sollte nun auf der Pariser Versammlung des Iron and Steel Institute im September 1878 vorgelesen werden; jedoch wurde der Vortrag, welcher an der letzten Stelle der Tagesordnung stand, ohne Grund bis zum nächsten Mai vertagt, wohl zum Glücke für den Erfinder, dem sonst die Erlangung eines deutschen Reichspatentes kaum möglich geworden wäre. Dagegen wurde der Vortrag im Mai 1879 auf der Londoner Versammlung vor einer hochansehnlichen Zuhörerschaft gehalten, und herrschte bei dieser Versammlung schon ein ziemlich reges Interesse für die neue Erfindung.
Bei Gelegenheit der Pariser Versammlung des Iron und Steel Institute war Thomas mit dem Director Windsor Richards der Firma Bolkow Vaughan & Co. zusammengekommen. Richards erbot sich, einige Versuche im grofsen mit Clevelandeisen anzustellen, die denn auch mit einem bedeutenden Aufwand von Arbeit, Zeit und Geld in Middlesbro ausgeführt wurden.
Richards gebührt unstreitig das Verdienst, den Process in die Praxis eingeführt und den Beweis des geschäftlichen Erfolges geliefert zu haben. Gleichzeitig gestattete Richards den Besuchern in bereitwilligster Weise, von der Ausführung des Verfahrens Kenntnis zu nehmen, und hatte der Unterzeichnete am 13. Mai 1879 die Freude, die erste basische Charge in Middlesbro blasen zu sehen. Am 22. September 1879, also kaum 4 Monate später, wurden gleichzeitig in Hörde und auf den Rheinischen Stahlwerken in Ruhrort die ersten Thomaschargen mit bestem Erfolg ausgeführt und die ersten Schienen aus Thomasstahl auf dem Continent hergestellt.
Dass die Thomas'schen Patente von manchen Seiten angefochten wurden, in England sowohl wie in Deutschland, sei als bekannt nur erwähnt, ebenso, dass dieselben siegreich aus dem Kampfe hervorgingen; unzweifelhaft steht fest, dass, obgleich einige Personen schon vor Thomas basisch zu arbeiten versucht haben, nicht eine Tonne Stahl vor dem Jahre 1878 durch derartige Processe hergestellt worden ist. Welche Ausdehnung hingegen das Thomasverfahren in der verhältnismässig kurzen Zeit des Bestehens genommen hat, ist daraus zu ersehen, dass im vergangenen Jahre etwa 864000t Thomasstahl hergestellt wurden, wovon auf das Festland 685000 und auf England 179 000 entfallen.
deutscher Ingenieure.
Durch die zahlreichen unausgesetzten Reisen und die damit verknüpfte fortwährende Aufregung wurde leider die Gesundheit von Thomas, welche nie besonders ausgezeichnet war, sehr erschüttert. Die Aerzte rieten ihm, den Winter 1882 in Australien zu verbringen, und folgte er ihrem Rate, die Reise über Indien antretend. Zurück kehrte er durch die Vereinigten Staaten, voll von neuen Plänen und Gedanken. Nur einige Sommermonate des Jahres 1883 verbrachte er in England, um im September mit seiner Mutter und Schwester nach Bir el Droodj in Algier seiner Gesundheit wegen überzusiedeln. Sein lebhafter Geist beschäftigte sich auch dort, mehr als je, mit Erfindungsgedanken, und seine Thätigkeit erlahmte auch dort nicht, hatte er sich doch auch in seiner Wohnung in Algier ein vollständiges Laboratorium eingerichtet, und zeigen doch die Patentlisten von Anfang 1884 mehrfach seinen Namen. So beschäftigte er sich insbesondere mit der Gewinnung der Phosphorsäure aus der Thomasschlacke und ähnlichen Fragen.
Im vorigen Sommer siedelte er nach Paris über, um sich einer Kur zu unterziehen, die anfangs guten Erfolg versprach; doch nur scheinbar; die Kräfte gingen mehr und mehr zurück und am Morgen des ersten Februar dieses Jahres brach das schwache Gebäude, welches eine so grofse Seele in sich beherbergte, zusammen.
Thomas als Freund zu beschreiben, ist bei weitem schwieriger, als über seine kurze aber glänzende Laufbahn als Erfinder Bericht zu erstatten. Die reine Wahrheit könnte von denen, welche ihn persönlich nicht kannten, fast als Uebertreibung hingenommen werden. Seine aufserordentliche Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit einesteils und anderenteils sein freies ungezwungenes Auftreten wird manchem der Leser noch lebhaft von der Versammlung des Iron and Steel Institute gelegentlich der Düsseldorfer Ausstellung im Jahre 1880 in Erinnerung sein. Wenngleich nicht verheiratet, war Thomas doch so zu sagen der Mittelpunkt einer glücklichen Familie, bestehend aus einer verwitweten Mutter, einer Schwester und einem jüngeren Bruder.
Als man ihm den Erfolg seiner Erfindung nicht mehr streitig machen konnte, blieben bekanntlich Anerkennungen und Ehrenbezeugungen nicht aus, zum Teil Auszeichnungen, welche nur den ersten Hüttenleuten zuteil geworden sind. So hat man ihm im April 1882 die Medaille der Society of Arts zuerkannt; im Herbst desselben Jahres wurde ihm zu Wien bei Gelegenheit der Versammlung des Iron and Steel Institute ein aus basischem Stahl gestaltetes, künstlerisch verfertigtes Geschenk seitens der Prager Eisenindustriegesellschaft überreicht, deren Vertreter seine Verdienste in glänzender Ansprache feierte. Und ein Jahr später zeichnete ihn endlich das Iron and Steel Institute durch Verleihung der goldenen Bessemermedaille aus, einer der höchsten Auszeichnungen, die einem Eisenhüttenmanne zukommen können. Bezeichnend ist der bei dieser Gelegenheit an den Vorsitzenden der Gesellschaft gerichtete Brief, in welchem Thomas den Erfolg seiner Erfindung anderen zuweist. Der Vorschlag zu dieser hohen Auszeichnung war übrigens vom Stifter der Medaille, von Sir Henry Bessemer selbst, ausgegangen, welcher sie an Stelle von Thomas, der seiner Gesundheit wegen zu jener Zeit im südlichen Frankreich weilte, vom Vorsitzenden der Gesellschaft entgegennahm.
Und nun noch einige Worte über die äufsere Erscheinung von Thomas. Er war mittlerer Gröfse, vielleicht eher etwas klein, dabei schwächlich gebaut. Sein glattrasirtes Gesicht machte einen sehr jugendlichen Eindruck, während andererseits auf seinen Zügen die Spuren mangelnder Gesundheit und aufreibender geistiger Thätigkeit sich oft ziemlich deutlich ausprägten. Was aber seinem Antlitz einen besonderen Reiz verlieh, war die hohe, breite Stirn, die Denkerstirn im wahren Sinne des Wortes, hinter der ein rastlos schaffendes, gewaltiges Gehirn verborgen, dessen emsiger und nutzbringender Thätigkeit der grimme Tod leider allzu früh eine starre Grenze setzte. Grass.
21. März 1885.
Sitzungsberichte der Bezirksvereine.
Eingegangen 30. Januar 1885.
Frankfurter Bezirksverein.
Versammlung vom 26. November 1884. Vorsitzender: Hr. Th. Hesse. Schriftführer: Hr. Vereinssekretär Dr. Kollmann. Anwesend 14 Mitglieder und 3 Gäste.
Hr. Dr. Kollmann hält einen Vortrag über die Jahresberichte der Fabrikinspectoren für 1883. Er berichtet zunächst über den sachlichen Inhalt der Jahresberichte und kommt in der anschliefsenden Kritik im wesentlichen zu denselben Forderungen, welche unser Bezirksverein schon früher bezüglich des Institutes der Fabrikinspectoren aufgestellt hat. An den Vortrag knüpft sich eine längere Verhandlung.
Generalversammlung vom 17. December 1884. Vorsitzender: Hr. Th. Hesse. Schriftführer: Hr. Dr. Kollmann. Anwesend 16 Mitglieder und 6 Gäste.
Nach Vorlegung der Rechnung für 1884 und des Kostenanschlages für 1885 wird eine Aenderung des § 2 des Statuts des Bezirksvereines, die Zusammensetzung des Vorstandes betreffend, beraten.
Auf Antrag des Hrn. Lincke beschliefst die Versammlung ferner, den Vorstand des Hauptvereins zu ersuchen, derselbe möge von der Eingabe unseres Bezirksvereines betreffs der »Technikerfrage« an jeden Bezirksverein eine Anzahl von Abdrücken überweisen, damit eine gründliche Beratung der wichtigen Frage in den einzelnen Vereinen gesichert erscheine.
Hr. J. Römheld berichtet über den ihm überwiesenen Antrag des Kölner Bezirksvereines betreffs der Tagesordnung der Hauptversammlungen.
»Erwägt man, dass zu den Hauptversammlungen ein sehr namhafter Teil der Mitglieder aus grofser Ferne herbeikommt, infolge dessen gezwungen ist, einen nicht unerheblichen Betrag an Reisekosten aufzuwenden, und zwar für eine verhältnismässig nur kurze Zeit, so ist der Wunsch, diese kurze Zeit nach Möglichkeit im Berufsinteresse auszunutzen, sehr begreiflich und deshalb der Resolution des Kölner Bezirksvereines die Berechtigung nicht abzusprechen. Dieselbe ist um so gerechtfertigter, wenn man berücksichtigt, dass doch wohl die weitaus gröfsere Zahl der Besucher der Hauptversammlungen Leute sind, die in praktischer Berufsthätigkeit stehen und viel weniger leicht günstige Gelegenheiten finden, durch Besuch der Gewerbe- und Industriestätten die praktische Thätigkeit ihrer Berufsgenossen kennen zu lernen, als zu Hause in den Mufsestunden ausführlich die behandelten theoretischen Erörterungen mit Erfolg zu studiren. Wenn nun zwar diese Umstände darauf hinweisen, die den Hauptversammlungen verfügbare Zeit mehr der praktischen als der theoretischen Fortbildung zu widmen, so sind die Verhältnisse bei den jeweiligen Hauptversammlungen und die den Ort derselben umgebende Industrie so verschiedenartig und wechselnd, dass es wohl kaum möglich sein wird, Normen zu finden, nach welchen der Hauptvorstand sich immer richten könnte; es wird deshalb in dieser Richtung wohl kein Antrag zu stellen sein.«
}
Hauptvereines mit. In Uebereinstimmung mit dem Vorstande erklärt die Versammlung, dass sie eine Aenderung des § 34 des Hauptstatutes, welcher von der Stellvertretung bei den Abstimmungen auf den Hauptversammlungen handelt, nicht für notwendig halte. Der von dem Director des Hauptvereines gemachte Vorschlag einer Statutenänderung (zu § 30) inbetreff der Vorauszahlung der Beiträge zum Hauptvereine wird wie vom Vorstande so auch von der Versammlung in dem Sinne gutgeheifsen, dass dieser Zusatz endgiltig in die Statuten aufgenommen werden solle.
Hr. E. Weismüller hält einen Vortrag über einige Hafeneinrichtungen in Norddeutschland, Holland und Belgien; er bespricht des näheren die Hafenanlagen von Hamburg, Antwerpen und Rotterdam und weist insbesondere auf die Verschiedenheit dieser Einrichtungen, welche sich ja immer dem Hauptcharakter des Verkehres anschliefsen müssen, hin. Die in den genannten Häfen vorhandenen maschinellen Einrichtungen werden eingehend behandelt und durch Zeichnungen weiter erläutert. Der Redner betont bei dieser Gelegenheit, dass namentlich im Hamburger Hafen die maschinellen Einrichtungen viel besser und zweckmäfsiger ausgenutzt werden als in Antwerpen und besonders als in Rotterdam. In letzterem Hafen, in welchem der Hauptverkehr unmittelbar auf dem Wasser durch Umladung aus einem Schiffe in das andere erledigt werde, kommen die im neuen Hafen vorhandenen maschinellen Einrichtungen nur in untergeordneter Weise zur Benutzung. Der Vortrag wird durch interessantes statistisches Material vortrefflich erläutert. Eine längere Verhandlung bringt noch wertvolle Einzelheiten zu Tage, wozu der Vortrag die Anregung gegeben hat.
1. ein Antrag des Hrn. Zeman, betr. § 34 des Statuts;
2. ein Antrag des engeren Vorstandes, betr. die Aenderung des § 30 des Statuts.
Nach kurzem Rückblick auf frühere ähnliche Anträge und auf die Stellungnahme des Mannheimer Bezirksvereines auf der Deligirtenversammlung zu Hannover 1874 wird für den Antrag des Hrn. Zeman eine Commission zur weiteren Beratung gewählt.
1) Z. 1884, S. 969.
2) Z. 1885, S. 28.
Die Beratung über den Antrag des engeren Vorstandes findet ihre Erledigung durch einstimmige Annahme des Vorschlages von Hrn. Bopp, dass Zeit und Ort der Erhebung der Vereinsbeiträge jedesmal durch die Hauptversammlung festgesetzt werden solle.
Die Anträge des Frankfurter und Kölner Bezirksvereines werden zur Vorberatung dem Vorstande überwiesen, nachdem der Vorsitzende ihren Inhalt der Versammlung verlesen hatte.
Bei der Behandlung des dritten Gegenstandes der Tagesordnung, die Aufnahme von Teilnehmern in den Bezirksverein, wird durch überwiegende Stimmenmehrheit die principielle Zulassung von Teilnehmern und damit die Annahme des § 1 der vom Vorstande des
Bezirksvereines vorgelegten Bestimmungen beschlossen. Im Verlaufe der weiteren Beratungen, an denen fast alle Anwesenden regen Anteil nehmen, werden verschiedene Ansichten vertreten, deren Einigung wegen vorgerückter Zeit für die nächste Sitzung aufgehoben werden muss.
Eingegangen 3. Januar 1885. Mittelrheinischer Bezirksverein.
Versammlung vom 4. October 1884. Vorsitzender: Hr. Herzog. Schriftführer: Hr. C. Heberle jr. Anwesend 6 Mitglieder.
Der Vorsitzende erstattet einen eingehenden Bericht über die Hauptversammlung zu Mannheim und hebt namentlich hervor, dass es ihm trotz aller Mühe nicht gelungen sei, den Hauptverein für nächstes Jahr nach Coblenz zu bekommen, dass jedoch für das Jahr 1886 auf alle Fälle Coblenz in Aussicht genommen werden würde.
Versammlung vom 2. November 1884. Vorsitzender: Hr. Herzog. Schriftführer: Hr. C. Heberle jr. Anwesend 15 Mitglieder.
Für die Beratung des Frankfurter Antrages, betr. die Förderung des deutschen Technikerstandes, und die Resolution des Kölner Bezirksvereines, betr. Feststellung der Tagesordnungen für die Hauptversammlungen, wird eine Commission gewählt; desgleichen für die Vorlage zum Patentgesetz.
Zur Frage einer im Jahre 1886 in Coblenz abzuhaltenden Hauptversammlung übergehend, giebt der Vorsitzende in grofsen Umrissen einen Programmentwurf für dieselbe und spricht die sichere Hoffnung aus, dass Coblenz als Ort der Hauptversammlung für 1886 gewählt werde. Auf seinen Antrag wird einer Commission der Auftrag erteilt, sich schon jetzt mit den Vorarbeiten zu dieser Hauptversammlung zu beschäftigen.
Hr. Graemer erhält hierauf das Wort zu seinem Vortrag über
Die Gewerbefreiheit habe der freien Concurrenz die Bahn eröffnet, und diese habe mit Hilfe des Kapitals und des Dampfes, der Teilung der Arbeit usw. ungeahnte Verhältnisse angenommen, so dass es für den kleinen Mann, möge er einen Beruf haben, welchen er wolle, sofern seine Thätigkeit und sein Erwerb auf der Arbeit seiner Hände beruhe, immer schwerer werde, gegen die sich überall eindrängenden Maschinen diesen Erwerb zu behaupten, und immer notwendiger, sich mit den letzteren zu befreunden, sie zur eigenen Hilfeleistung heranzurufen; der Handwerker usw. werde zum Fabrikanten.
Zum Betriebe der Hilfsmaschinen sei aber ein Motor nötig; da menschliche und selbst tierische Kraft zu teuer und unzuverlässig und da Wasserkraft örtlich zu gebunden sei, so bleiben nur vorerst der Dampf- und der Gasmotor mit ihren Abarten. Der Gasmotor sei ebenfalls an die Orte gebunden, wo Gas zu haben sei, so dass für viele Fälle nur der Dampf als zuverlässiger Helfer übrig bleibe.
Mit dem Schritte vom Handwerker zum Fabrikanten trete für den Gewerbetreibenden eine ganz erhebliche Belastung nach vielen Seiten ein. Feuer- und Unfallversicherungen, Steuern und dergl. erhöhen sich sofort in bedeutender Weise; dazu kommen die mit der Concession des Dampfkessels verknüpften Umstände und Kosten, nicht zu unterschätzen für den noch mit geringen Mitteln arbeitenden Fabrikanten, und diese Kosten und Umstände seien nach bisherigen Bestimmungen ganz gleich für den Kessel einer Spinnerei oder Zuckerfabrik mit 100 bis 150 N oder für den Kessel eines Bäuerleins zum Betrieb einer Häcksel- oder Dreschmaschine, eines Schreiners oder Schuhmachers zum Betriebe von Sägen oder Nähmaschinen von 1/2 bis 2 N. Es seien dies nicht nur die Kosten der jährlichen Revisionen, sondern auch die unmittelbar mit der Concession zusammenhängenden Kosten und Umstände, als da seien: Pläne, Beschreibungen der Anlage, Druckproben, Armatur in gleicher Vollständigkeit, wenn auch entsprechend kleiner als die eines grofsen Kessels, Beschränkungen in der Wahl des Aufstellungsortes. Dies ergebe eine verhältnismäfsige gröfsere Mehrbelastung der Kleinindustrie gegen die Grofsindustrie, ganz abgesehen von der grösseren Schwerfälligkeit, mit der an solche Sachen von Kleinindustriellen herangetreten werde, welche infolge der Unkenntnis oft mehr als die Kosten selbst gescheut werden.
Der Vortragende geht dann auf die einzelnen Concessionsbestimmungen näher ein, um einzelne Punkte, in denen Erleichterungen geschaffen werden könnten, hervorzuheben. Betreffs § 2 des Kesselgesetzes bemerkt derselbe, dass es bezüglich der Höhe des Wasserstandes nicht gleich sei, ob ein Kessel grofs oder klein und noch weniger ob er stehend oder liegend sei; ebenso sei der Sprung des Verhältnisses der Rostfläche zur Heizfläche vom 20 fachen bis zum 40 fachen ein grofser und bei unseren Nachbarländern nicht üblich, ohne dass dort bis jetzt Schäden oder Unfälle, welche hieraus entsprungen seien, bekannt geworden wären.
deutscher Ingenieure.
In
Zu § 4 bemerkt er, dass eine Pumpe in den meisten Fällen genüge, zu § 5, dass es ausreichend sei, einen zuverlässigen Wasserstandszeiger anzuordnen, wenn auch die gleichzeitige Anbringung von Probirhähnen empfehlenswert sei. § 7 sei überflüssig. § 8 sei das Zurückgreifen auf die vorgeschriebene Gröfse des Sicherheitsventils empfehlungswert, doch sei bei richtiger Bestimmung der Gröfse ein Ventil genügend. Die Druckprobe nach § 12 müsse kostenfrei erfolgen, da sie unter Umständen die Reparaturkosten um das doppelte erhöhe. In § 14 sei gröfsere Freiheit bezüglich der Räume, wo Kessel aufgestellt werden dürfen, erwünscht. § 18, Abschnitt 3. Die Höhe des Standrohres solle vergröfsert, der Querschnitt verkleinert werden. Diesem Paragraph könnten noch folgende 2 Ausnahmen hinzugefügt werden:
»Dampfkessel, deren Wasserinhalt 1001 nicht übersteigt«<, und »>Dampfkessel, bei welchen das Product aus Heizfläche in qm mal Atmosphärendruck die Zahl 5 nicht übersteigt.<<
Endlich wünscht der Vortragende noch in das Gesetz aufgenommen, dass jeder Dampfkesselbesitzer oder einer seiner zur Aufsicht des Kesselbetriebes bezahlten Arbeiter bestimmt vorgeschriebene Fähigkeiten der Kesselwartung nachweisen müsse.
Diesem Vortrage folgt eine lebhafte Verhandlung, deren Fortsetzung wegen der vorgeschrittenen Zeit auf eine der nächsten Versammlungen verschoben wird.
»
>> Im Jahre 1881 wurde von der Verwaltung der städtischen Wasserwerke für die Pumpstation in Beesen eine neue Wasserhebungsanlage ausgeschrieben und die Anfertigung einer der ersten Maschinenfabriken Deutschlands übertragen.
Während sich die Construction und Ausführung der Dampfmaschine (Compoundmaschine von 150 N) als vorzüglich erwiesen, war dies von den Pumpen nicht zu sagen. Die Ringventile, welche zuerst mit konischen und, als sich diese nicht bewährten, später mit ebenen Sitzflächen construirt waren, hielten nicht dicht, so dass statt der zugesagten Leistung von 95 pCt. des theoretischen Volumens nur 92 bis 42 pCt. zu erreichen waren. Eine genaue Untersuchung ergab, dass die Ventile zu schwach constuirt waren und sich infolge dessen durchbogen, so dass die Ventilringe nur mit den äuferen Kanten aufsafsen, während zwischen den inneren Sitzflächen das Wasser zurücklaufen konnte.
Der Lieferant musste sich entschliefsen, kräftiger construirte. Unterteile zu liefern; aufserdem wurden die Ringe mit Hartgummi belegt. Nach Beschaffung dieser Ventile stieg der Nutzeffect sofort auf die verlangte Höhe von 95 pCt.; aber schon nach einer Betriebsdauer von wenigen Wochen liefs die Leistungsfähigkeit wesentlich nach, und eine genaue Untersuchung ergab, dass sich das Eisen an den Sitzflächen schon so abgerundet hatte und rauh geworden war, dass die Hartgummiringe alle Unebenheiten nicht mehr ausfüllen konnten und Zwischenräume blieben, welche das richtige Arbeiten der Ventile verhinderten. Durch Abdrehen der Unterteile wurde nur für kurze Zeit Abhilfe geschaffen, ein Zeichen, dass das Eisen dem vorbeiströmenden Wasser nicht genügenden Widerstand entgegensetzte.
Es musste deshalb anderes, widerstandsfähigeres Material gewählt werden, und wurde der erste Versuch mit einem Unterteil aus Phosphorbronze gemacht.
Bei anderen (Glocken-) Ventilen des Wasserwerkes hatte sich in Arbeit mit Bronzeglocken als Sitz ein Weifsmetall, wie es zum Ausgiefsen von Lagern verwendet wird, ausgezeichnet bewährt. Es wurde deshalb auch hiermit ein Versuch gemacht, indem solches einmal zur Armirung eines
1) Z. 1884, S. 467.