Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03233.jsonl.gz/2250

Die Grundlage der meisten Parfümerieartikel sind die parfümierten Fette, welche man auf zwei verschiedene Arten bereitet.
Nach der Infusionsmethode werden die Blumen mit warmem fetten Öl oder Fett von etwa 65° übergossen und nach einigen Stunden
wieder herausgenommen, worauf man sie durch frische ersetzt, bis die Fettkörper mit dem Riechstoff gesättigt
sind; zur Erreichung dieses Resultats sind von manchen Blüten bis 6 kg auf 1 kg Fett erforderlich. Nach der andern Methode (enfleurage)
gewinnt man den Riechstoff durch Schichtung des Fettes mit den Blüten, indem man eine kalte Fettschicht auf einer Glastafel
ausbreitet, mit einer LageBlüten bedeckt und in eine Horde legt.
Derartig beschickte Horden werden zu Säulen
[* 9] geordnet und die erschöpften Blüten täglich durch frische ersetzt. Nach 25-30
Tagen ist dann das Fett mit dem Duft gesättigt. Besser zerteilt man das Fett in dünne, nudelähnliche Fäden und legt diese auf
in Rahmen gespannte Drahtgewebe. Letztere werden dann abwechselnd mit Metallflächen, auf welchen die Blüten
ausgebreitet sind, in hermetisch verschließbare Schränke geschoben, durch welche man einen schwachen Luftstrom leitet. Da
nach dieser Methode das Fett gar nicht mit den Blüten in Berührung kommt, so nimmt es nur den Duft und keine Spur von krautigem
Geruch an. Nach einem neuen Verfahren extrahiert man die Blüten systematisch mit Methylchlorür, Schwefelkohlenstoff,
Chloroform, trennt das Lösungsmittel von dem Riechstoff durch vorsichtige Destillation, beseitigt die letzten Spuren des erstern
durch einen Luftstrom und wäscht den Rückstand mit schwach alkalischem Wasser. Die so erhaltenen kondensierten oder konzentrierten
Parfüme zeichnen sich durch eine merkwürdige Frische und Reinheit aus.
Die mit dem Riechstoff Einer Pflanze beladenen festen Fette heißen Pomaden. Werden diese unter fortwährenden Umschütteln 24 Stunden
lang mit Weingeist behandelt, so erhält man die Extrakte (extraits d'odeur), während gewaschene Pomade zurückbleibt. Letztere
wird entweder nochmals extrahiert, um billigeres Parfüm zu liefern, oder sie wird zu Haarpomaden verarbeitet.
Der Alkohol hat aber bei dieser Operation auch etwas Fett aufgenommen, welches allmählich ranzig wird und dem Extrakt einen
übeln Geruch erteilt.
Die Extrakte übertreffen die Essenzen bei weitem in der Feinheit des Geruchs und liefern daher auch schönere
Bouketts. In Frankreich benutzt man meistenteils Weinspiritus, in EnglandKorn- und bei uns oft Kartoffelspiritus. Spuren der
eigentümlichen Fuselöle modifizieren aber namentlich zarte Gerüche sehr bedeutend, und manche Parfüme können nur mit bestimmten
Spiritussorten bereitet werden. Die Fette müssen bei sehr niedriger Temperatur ausgelassen und sorgfältig
gereinigt werden.
Man schmelzt das Fett mit etwas Alaun
[* 10] und Kochsalz, gießt es klar ab und wäscht es nach dem Erkalten anhaltend unter fortwährendem
Zerreiben auf einer geneigten Steinplatte und unter einem kontinuierlichen Wasserstrahl, oder man kocht das klare Fett etwa
eine Stunde mit Rosenwasser und Benzoeharz und läßt dann erkalten. Ein Zusatz von wenig Benzoesäure oder
Salicylsäure dürfte ebenso wirken. In neuerer Zeit hat man übrigens das immerhin empfindliche Fett mehrfach durch Paraffin,
[* 11] Vaselin und Glycerin zu ersetzen gesucht.
Die Riechpulver, welche billiger und beständiger sind als die flüssigen Parfüme, werden aus verschiedenen gepulverten
Pflanzenteilen, Moschus etc. zusammengesetzt und in Säckchen, Kissen oder Kouverte gefüllt, um in Wäschschranke
u. dgl. gelegt zu werden. Die Riechbüchschen sind
durchbrochene Büchschen von Elfenbein, Horn oder Metall und enthalten Mischungen aus Moschus, Ambra, Vanilleschotenpulver und
Rosenöl, mit arabischem Gummi und Wasser zu einer Paste geknetet; die Riechfläschchen sind mit Schwamm oder
Salz
[* 12] gefüllt, welche mit essigsäure- oder ammoniakhaltigem Parfüm getränkt wurden. Die Vorschriften zu den einzelnen
Parfümen weichen ungemein voneinander ab und liefern fast niemals den Geruch, welchen man nachahmen will, weil die Zusammensetzung
der einzelnen Präparate gewöhnlich sehr kompliziert und Fabrikgeheimnis ist.
wieder auf und gelangten zu einer nie gekannten Bedeutung unter der RegierungLudwigs XV. Wie früher der Ritter die Farben seiner
Dame trug, so benutzte jetzt der Kavalier das Parfüm, welches die Dame als ihr angenehm bezeichnet hatte. Gegenwärtig ist
der Verbrauch der Parfümerien ein viel größerer als damals; während er sich aber früher nur auf
die höchsten Kreise
[* 17] beschränkte, hat er sich jetzt über alle Volksschichten ausgedehnt und ebendadurch bedeutende Industriezweige
geschaffen. Es fehlen genaue statistische Angaben über die Produktion von Parfümerien; aber Barreswil berechnete, daß der
Umsatz in diesen Artikeln in Frankreich über 40 Mill. Frank beträgt (20mal mehr als 1810).