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* 2] zunächst Schreiben, Künste, Zeichnen und Malen, dann auch diejenigen Künste, mit deren Hilfe man das einmal
Gezeichnete oder Geschriebene zu vervielfältigen suchte. Die erste Erfindung auf dem Gebiet der neuern graphischen Künste
war die Xylographie oder Holzschneidekunst (s. d.). Stempel, Patronen u. dgl. sind sicher
schon in sehr alten Zeiten in Holz
[ * 6] geschnitten worden; der eigentliche
[ * 5]
Figurenholzschnitt aber stammt aus dem Mittelalter, und
bereits aus dem 14. Jahrh. sind Holzschnitte unzweifelhaft nachgewiesen.
Eigne Formschneider und Briefdrucker traten auf. Offenbar hat diese Bilddruckerei den Anstoß zu Gutenbergs Erfindung der Typographie
oder Buchdruckerkunst (s. d.) gegeben (1440), denn ihre ersten
Erzeugnisse deuten auf dieselben Hilfsmittel hin. Man suchte den zeitraubenden Schnitt ganzer Tafeln für bestimmte Arbeiten
derart zu vereinfachen, daß mit den einmal geschnittenen Figuren jeder beliebige Text hergestellt werden konnte, und so führten
die der neuen Erfindung noch anhängenden Mängel zu weitern Erfindungen.
Goldschmiedekunst
* 7
Goldschmiedekunst.
Der mehrmalige
Schnitt einer und derselben Type rief die Polytypie, die Vervielfältigung durch Guß, hervor,
und es entstand die Schriftgießerei und Stempelschneidekunst (s. d.), mit deren Hilfe die Buchdruckerkunst erst zu einem Abschluß
gedieh. Aus der Goldschmiedekunst
[ * 7] ging um 1440 die Erfindung der Chalkographie oder Kupferstecherkunst (s. d.) hervor, und zwar
scheint man zuerst in Südwestdeutschland in Metallplatten zum Zweck der Vervielfältigung durch Papierabdruck
gestochen zu haben. Im Gegensatz zu dem Holzschnitt, dessen im Druck sichtbare Linien beim Schneiden erhaben stehen bleiben, führt
der Kupferstecher sein Bild mit Stichel, Nadel oder durch Ätzung vertieft in Kupfer
[ * 8] aus, und diese vertieften, mit Schwärze ausgefüllten
Linien geben hier den Abdruck.
Der
Holzschnitt ward gar bald eine unentbehrliche Beigabe zum Buchdruck und erreichte zu Albrecht Dürers und Hans Holbeins Zeit
(um 1500-1530) seine erste Blüte;
[ * 9] Meister wie Hans Schäuffelein, Hans Burgkmair, H. Lützelburger brachten ihn in Deutschland,
[ * 10] Ugo da Carpi in Italien
[ * 11] zu hoher Vollkommenheit. Später jedoch ging es damit rückwärts, obwohl die zweite
Hälfte des 16. Jahrh. noch eine reiche Produktion aufweist. Das 17. Jahrh. sah den Verfall in immer gesteigertem Maß, bis
der Holzschnitt im 18. Jahrh. auf der untersten Stufe angelangt war.
Unterdessen hatte aber die
Kupferstecherkunst in ihren verschiedenen Manieren eine weit universellere Ausbildung
erlangt, denn während der Holzschnitt seine großen
Meister hauptsächlich in Deutschland fand, bemächtigten sich die ersten
Künstler und Maler aller Nationen des Kupferstichs teils zur direkten Wiedergabe ihrer Kartons, teils zur Nachbildung ihrer Gemälde.
Der Umstand, daß Zeichner und Maler ihre Werke leichter in Kupfer vertieft und mit aller möglichen Feinheit
als in Holz erhaben wiedergeben konnten, und daß der Abdruck größerer Kunstwerke weit treuer vom Kupferstich als vom Holzschnitt
zu erzielen war, rechtfertigt diese Bevorzugung.
Wir finden deshalb die eigentlichen Prachtwerke seit dem Ende des 16. Jahrh. schon häufiger
mit Kupferstichen illustriert, und im 17. Jahrh. erreichte in den niederländischen
Radierern, den niederländischen und französischen Kupferstechern sowohl die originale
Erfindung als die nachbildende Thätigkeit
ihren Höhepunkt. Das 18. Jahrh. läßt auch hierin einen starken Verfall erkennen. Erst in unserm Jahrhundert nahmen auch
die graphischen Künste erneuten Aufschwung, und den ersten Anstoß hierzu gab die Erfindung der Lithographie
(s. d.) oder des Steindrucks durch Senefelder (1796). Die Lithographie bot jedem Zeichner das Mittel, seine Arbeit ohne schwierige
Vorstudien unmittelbar auf den Stein zu bringen, der sich auch leichter als Holz oder Metall behandeln läßt.
Schnellpresse
* 12
Schnellpresse.
Der einfache Über- oder
Umdruck vorhandener Abdrücke sowie die Übertragung der mit besonderer Tinte auf
Papier geschriebenen oder gezeichneten Objekte durch die sogen. Autographie (s. d.) erhöhten die geschäftliche Bedeutung der
Lithographie, und diese hat sich seit der Erfindung der lithographischen Schnellpresse
[ * 12] ganz besonders auch der Buchdruckerkunst
gegenüber geltend gemacht. Aber auch in künstlerischer Hinsicht gewann sie sehr bald Freunde und weiteste Verbreitung, so
daß der Kupferstich eine Menge Arbeiten an die billiger produzierende Rivalin abtreten mußte, während
für die feinern, in kleinerm Maßstab
[ * 13] gehaltenen Illustrationen abermals eine neue Erfindung, die Siderographie oder Stahlstecherkunst
(s. Stahlstich), als vollberechtigte Mitbewerberin auftrat (1820).
Die
Buchdruckerkunst hatte im großen und ganzen wenig Verbesserungen, welche durchgreifende Umgestaltungen ihrer selbst
bedingt hätten, erfahren; die Kunst des Stempelschnittes und die Schriftgießerei waren im 18. Jahrh.
zurückgegangen, von mittels des Holzschnittes illustrierten Werken konnte bei dem gleichzeitigen Verfall desselben keine Rede
sein, aber es gehörten nur ein paar Jahrzehnte dazu, um das verlorne Terrain wiederzuerobern. Franzosen und Engländer gingen
voran im Erzeugen neuer Stempel und Verzierungen aller Art; was in England erfunden und vervollkommt wurde,
führten Franzosen mit Geschick und Geschmack in die Buchdruckerwelt ein; Deutschland folgte und stellte den Erfinder der Schnellpresse,
Friedrich König (1810). Nun war der Kampf zwischen den graphischen Künsten zu gunsten der Buchdruckerkunst entschieden.
Graphische Künste
* 17 Seite 7.624.
Die
Holzschneidekunst erwachte überdies nach langer Ruhe zu neuem Leben; Bewick in London,
[ * 14] Gubitz in Berlin
[ * 15] und Höfel in Wien
[ * 16] gelangten wieder zur Meisterschaft auf diesem Gebiet; namentlich war es die Einführung des Schnittes in
Hirnholz durch Bewick statt des bis dahin gebräuchlichen Langholzes, welche mächtig fördernd wirkte auf die Entwickelung
der künstlerischen Xylographie. Aus den mit Holzschnitten verzierten Werken bildeten sich alsbald die
Anfänge der illustrierten Zeitschriften (die Pfennig- und Hellermagazine) heraus, welche rasch eine große Verbreitung
¶
mehr
fanden.
Gute Holzschnitte waren anfänglich noch ziemlich teuer; die Lithographie konnte jedes Bild weit schneller und billiger
herstellen, und dies führte zu Versuchen, den Typendruck auf Stein zu übertragen, um Schrift und Bild, wie beim Holzschnitt,
gemeinsam zu drucken. Bei größern Auflagen konnte jedoch die lithographische Presse
[ * 18] ebensowenig in Schnelligkeit
wie in Billigkeit mit der typographischen konkurrieren, und die Anwendung des Holzschnittes erschien deshalb immer noch ökonomischer.
Man war aber einmal bemüht, ein billigeres Illustrationsmittel zu entdecken, und als das soeben erwähnte
Verfahren sich
als zu zeitraubend erwies, verfiel man auf die sogen. Hochlithographie (s.
Lithographie) und ätzte die Steinzeichnung so hoch, daß ein davon genommenes Klischee mittels der
Buchdruckpresse gedruckt werden konnte. Baumgärtner in Leipzig
[ * 19] hatte für das in seinem Verlag erscheinende »Hellermagazin«
mit dieser Erfindung (1834) das erste Surrogat für den Holzschnitt eingeführt, dem bald andre folgen sollten.
Metz (Beschreibung und
* 20
Metz.
Dembour in
Metz
[ * 20] erfand (1834) die Kunst, in Kupfer hoch zu ätzen, und nannte sein Verfahren Metallektypographie
(s. d.). Wie allgemein das Streben war, den Holzschnitt zu ersetzen, geht unter anderm schon daraus hervor, daß gleich nach
Veröffentlichung der beiden eben angeführten Erfindungen eine Menge Reklamationen erschienen. Girardet in Paris
[ * 21] und Bauerkeller
in Wertheim (später auch in Paris) wollten die Hochlithographie, Kaup in Darmstadt,
[ * 22] Duplat, Susemihl u. a.
in Paris Dembours Verfahren schon früher gekannt und geübt haben. L. Schönberg in London nannte sein Hochätzverfahren Akrographie
(1842). Die Chemitypie (s. d.) wurde 1846 von Piil erfunden.
Bei
Palmers Glyphographie (s. d.) wird das Bild vertieft entworfen und die Druckplatte durch galvanischen Niederschlag gewonnen.
Himelys erhabene Kupferplatten sollten es der Buchdruckpresse möglich machen, Bilder, die sonst nur in
Kupferstich ausführbar waren, zwischen dem Text wiederzugeben, was Dembour, Piil und Palmer nur unvollkommen erreicht hatten.
Heims in Berlin trat 1851 mit der Chalkotypie (s. d.) auf, die, wie schon der Name sagt, denselben Zweck verfolgte.
München
* 23
München.
Zach in München
[ * 23] nannte eine der Glyphographie verwandte Kunst Metallographie. Wagner in Berlin benutzte die
von ihm erfundenen oder verbesserten Graviermaschinen zur Erzeugung vertiefter Platten, die dann durch Galvanoplastik
[ * 24] wieder
in erhabene verwandelt wurden und an den freigelassenen Stellen die Vollendung mittels Stichels oder Ätzung erhielten. Das
für lithographische Zwecke schon lange dienstbar gemachte Zink gab den leichtern darauf überdruckbaren
Arbeiten den Namen Zinkographie (s. d.); es lag aber nahe, das Übertragene, wie bei der Hochlithographie,
auch hier so erhaben zu ätzen, daß es den Holzschnitt vertreten konnte; Gillot nannte seine hierauf basierte, alles treu
wiedergebende Kunst (1850) Panikonographie (s. d.), während ein ähnliches Verfahren von Morse in New York
Cerographie (s. d.) genannt ward.
Comte in Paris bezeichnete sein Verfahren als Neographie, bediente sich dazu aber einer Metallkomposition statt des Zinks. Elektrochemitypie
(s. d.), von Josz erfunden, ist ebenfalls eine Vervollkommnung des Zinkätzverfahrens.
Collin benutzte das vulkanisierte Kautschuk, um ein auf diesen dehnbaren Stoff abgedrucktes Bild für den
Überdruck beliebig zu verkleinern oder zu vergrößern; der Apparat hierzu, Kautschukpantograph genannt, hat wesentliche Vervollkommnungen
erfahren und wird vielfach
angewandt.
Landkarten (Spezial- u
* 25
Landkarten.
Endlich gelang es auch, die Photographie in den Dienst der graphischen Künste zu ziehen; nicht nur, daß man direkte Aufnahmen
nach der Natur auf Holzblöcke gewann, um danach zu stechen, sondern man erhielt in ihr auch das Mittel,
jede Zeichnung vollkommen richtig in gewünschter Größe zu übertragen. Gleich beim Auftreten von Daguerres Erfindung versuchte
man, die auf Silberplatten fixierten Bilder zu ätzen und druckbar zu machen; aber erst in neuester Zeit erzielte man durchaus
befriedigende Resultate. Es seien hier erwähnt: die Heliographie (s. d.), mit welchem Namen man auch öfters
verschiedene photomechanische Druckverfahren ( Heliogravüre, Autotypie oder Heliotypie etc.) bezeichnet, und die zur Reproduktion
von Landkarten,
[ * 25] Stichen etc. dient;
die
Albertotypie oder der Lichtdruck, von Jos. Albert (s. d.) in München erfunden, bei welcher
das photographische Negativ auf Glas
[ * 26] übertragen und von diesem abgedruckt wird;
der
Woodburydruck (s. d.),
von Woodbury in London erfunden;
die
Photolithographie, ebenfalls Lichtdruck genannt (s. Lithographie);
die
Dallastypie (s. d.);
der 1874 an die
Öffentlichkeit getretene Aubeldruck, erfunden von dem Ingenieur Aubel.
Die
Similigravüre (s. d.), erfunden
von Petit in Paris, dient zur Verwertung direkter photographischer Aufnahmen bei Herstellung auf der Buchdruckpresse
druckbarer Platten. Meisenbach in München, Angerer u. Göschl in Wien, Ives in New York gelang es, die Töne photographischer Aufnahmen
durch Zerlegung in Punkte und Linien in typographisch druckbare Zinkklischees zu verwandeln; Klič in Wien aber verwandte bei
seinem nach ihm Kličotypie genannten Verfahren (von Goupil in Paris Phototypogravüre genannt) auf Kupferplatten
übertragene photographische Aufnahmen zur Herstellung äußerst zarter Hochätzungen. Für den Kupferdruck, doch auch für
den Buchdruck als Surrogat für den Holzschnitt, ist hier nur die von Pretsch erfundene Photogalvanographie (s. d.) noch zu
nennen. Mandel in Stockholm
[ * 27] erfand ebenfalls (1861) eine Art photolithographischen Lichtdrucks.
So erstaunlich auch die Fortschritte sind, welche einzelne dieser graphischen
Künste gemacht, und so
dienstbar sie sich für besondere Zwecke erwiesen haben: den feinen Holzschnitt konnten sie nicht ersetzen. Ihm kam in technischer
Beziehung nicht bloß die leichtere Druckbarkeit vor den oft sehr seicht geätzten Rivalen zu statten, sondern auch die
inzwischen ebenso mannigfach vervollkommten Vervielfältigungsmethoden, unter denen vor allen die Galvanoplastik (s. d.) zu
nennen ist.
Graphische Künste - Gr
* 28 Seite 7.625.
Neben dem Bücherdruck bildeten sich im Buchdruck einzelne Kunstzweige heraus, so namentlich die
Polychromie (s. d.), der
mehrfarbige Druck, der zunächst merkantilen Zwecken diente, aber in so ausgedehnter Weise, daß die Handpresse nicht mehr genügte;
der Congrevedruck (s. d.), in Deutschland jetzt außer Brauch gekommen, bildete einen Zweig dieses Verfahrens.
Der von den ältern Holzschneidern geübte, damals Clair-obscur genannte Farbendruck wurde nicht nur wieder aufgenommen, sondern
entwickelte sich zur Chromatypie (s. d.) und zum Gemäldedruck. Bauerkeller in Paris kultivierte die Geomontographie, indem
er den Farbendruck mit dem Reliefdruck vereinigte. Raffelsperger in Wien erfand (1838) ein Typensystem, welches
den Landkartendruck (s. d.) oder die Typometrie für die Buchdruckpresse erschließen sollte, aber der Schwierigkeit und Langsamkeit
der Herstellung halber nur wenige
¶
mehr
Nachahmer gefunden hat. Fasol in
Wien versuchte den Bildersatz vermittelst Punkte und schraffierter Linien und nannte sein Verfahren
Stigmatypie, hat damit aber bei aller Künstlichkeit doch keine künstlerischen Erfolge erzielen können. Moulinet und
Monpied in Paris hatten vor ihm das Gleiche mit typographischen Linien zu erreichen gestrebt. Für Blinde wurde
die Typhlotypographie ( Ektypographie) erfunden. Der Musiknotendruck wurde zwar schon frühzeitig von der typographischen Presse
kultiviert; allein erst durch die Bemühungen Breitkopfs, Schelters, Duvergers u. a. gelang es, Typen zu schaffen, die den
Anforderungen der Neuzeit entsprechen. Noch ist des Naturselbstdrucks (s. d.) zu gedenken, der, allerdings nur auf der Kupferdruckpresse
herstellbar, von Auer (s. d.) in Wien ausgebildet ward.
Die
Lithographie, welche so wesentlich als Rivalin der Typographie auftrat, machte auf den ihr eigentümlichen Gebieten nicht
minder bedeutende Fortschritte: wie sie der letztern in allen Fällen überlegen war, wo es sich um Herstellung von Schrift
und Bild bei verhältnismäßig kleiner Auflage handelte, ermöglichte sie auch durch billige Herstellung
die Vervielfältigung von Zeichnungen, die sonst nur im Kupferstich ausführbar, daher sehr kostspielig waren.
Boston
* 29
Boston.
Die
Erfindung und Einführung von Liniier-, Guillochier- und Reliefkopiermaschinen gab diesen Arbeiten eine ungeheure Mannigfaltigkeit,
und die in Verbindung damit hergestellten Gravierarbeiten wetteiferten in Feinheit der Linien mit dem Kupfer- und
Stahlstich. Auch der Farbendruck fand hier weit leichter Anwendung. Dondorf, Winckelmann, Seitz, Hölzel, Hagelberg, Lemercier
in Paris, Delarue in London, Prang in Boston
[ * 29] u. a. leisteten und leisten noch in Polychromie und Chromolithographie Außerordentliches.
Der sonst allein dem Kupferstich überwiesene
Landkarten- und Notendruck fiel gar bald zum größten Teil der Lithographie
anheim; Becker u. Komp. in London erfanden den Omnigraphen, eine Graviermaschine für Schrift in jeder Größe (1841), und Wagner
in Hannover
[ * 30] (1855) ein Papier, welches trocken bedruckt werden konnte, wodurch nicht nur der Eindruck verschiedener Farben, sondern
auch das genaue Aneinanderschließen mehrerer Blätter ermöglicht wurde. - Das Zink, welches in den meisten
Fällen den Stein zu ersetzen im stande ist, hat, wie schon oben bemerkt, zu mancherlei Übertragungen gedient, und die Bestrebungen
richteten sich immer wieder auf dieses der Lithographie eigentümliche Gebiet.
Die
Kunst, ältere Drucke oder selbst Handschriften aufs neue abdrucken zu können, um dadurch selten gewordene Kunstblätter,
Urkunden etc. zu vervielfältigen und gewissermaßen dasselbe auf billigerm
Weg zu leisten als die Stereotypie, ward von verschiedenen unter mancherlei Namen erstrebt. So nannte Appel sein Verfahren das
des »Wiedererstehens« (s. Anastatischer Druck); d'Ester und Camphausen in Köln wählten für ein ähnliches Verfahren den ungefähr
gleichbedeutenden Namen Palingraphie.
Vallombrosa - Valparai
* 31
Valparaiso.
Aloys und
Schilling bezeichneten den Zweck ihres Verfahrens durch die Benennung Lithotypie, und das 1863 von
Helfmann in Valparaiso
[ * 31] angewandte Verfahren zur Wiedererzielung gleichartiger Abdrücke wurde Homöographie genannt. Die Photographie
findet auch bei der Lithographie und Zinkographie die ausgedehnteste Anwendung. Der Kupferstich wurde durch die fortschreitende
Entwickelung der andern graphischen Künste immer mehr auf sein eigentliches Gebiet, auf die Wiedergabe
der Meisterwerke in
Zeichnung und der Gemälde von größern Dimensionen, verwiesen.
Ebenso sind die
Manier des Kupferstichs, welche das Ätzen mit dem Stichel verbindet, und das Radieren mit der Nadel auf Kupfer
stark in Aufnahme gekommen, um so mehr, als man jetzt in der Galvanoplastik das Mittel besitzt, diese leicht
abnutzbaren Platten für den Druck zu vervielfältigen oder galvanisch zu verstählen. Die für die Lithographie bestimmten
Maschinen dienen auch dem Kupferstecher, und namentlich war die von Collas erfundene Reliefkopiermaschine,
[ * 32] auch die numismatische
genannt, zuerst für Kupferstich bestimmt.
Als
Surrogate des Kupferstichs rief die Galvanoplastik die Galvanographie (s. d.) und die Stylographie (s. d.)
hervor. Die Photogalvanographie (s. d.) wird ebensowohl für Kupfer- wie für Stahlstich benutzt. Der Stahlstich, welcher von
Haus aus nur die Eigentümlichkeiten des Materials zu überwinden hatte, gewann in technischer Beziehung viel durch neue verbesserte
Ätzmittel. An Ausbreitung hat er jedenfalls den Höhepunkt schon hinter sich, da er seit der großen
Vervollkommnung des Holzschnittes und der typographischen Reproduktionsverfahren immer weniger als Illustrationsmittel verwendet
wird.
Naturspiele - Nauck [u
* 33
Naturselbstdruck.
Auch der
Stahlstich erhielt seinen Naturselbstdruck,
[ * 33] indem Niepce und Talbot die Stahlplatte mit einer durch das Licht
[ * 34] zersetzbaren
Schicht bedeckten und nun Pflanzen oder Gewebe
[ * 35] darauf festpreßten; durch einen chemischen Prozeß, der die
vom Licht nicht zersetzten Teile auflöst und ätzt, entsteht dann das Bild. Man hat dieses Verfahren, zu dessen Vervollkommnung
man auch die Photographie zu Hilfe genommen, photographischen Stahlstich genannt. Am weitesten hatte es hierin der schon erwähnte
Paul Pretsch gebracht, der seine Platten nach Belieben erhaben für die Buchdruckpresse oder vertieft in
Kupfer oder Stahl zu erzeugen vermochte und der in Joseph Leipold, gegenwärtig Direktor der Banknotendruckerei zu Lissabon,
[ * 36] einen
talentvollen Schüler und Nachfolger gefunden hat.
Die als
Surrogat des Stahlstichs von Bromeis und Böttcher 1844 erfundene Glasätzkunst oder Hyalographie (s. d.) lieferte sehr
feine, fast zu feine Bilder, hat aber keine große Verbreitung gefunden.
Vgl. Waldow,
Encyklopädie der
graphischen Künste (Leipz. 1880 ff.);
Scamoni, Handbuch der
Heliographie etc. (2. Aufl., Petersb.
1872);
Weishaupt, Gesamtgebiet des Steindrucks (5. Aufl., Weim. 1875);
Schnauß, Der
Lichtdruck und die Photolithographie (3.
Aufl., Düsseld. 1886);
Mönch, Handbuch der Chemigraphie und Photochemigraphie (das. 1886);
de Lostalot,
Les procédés de la gravure (Par. 1882).