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«Glaubet mit uns, dass eine einzige Republik unendlich mehr innere Kraft, als so viel zerstückelte Kantone habe!» Das hat die NZZ im Mai 1798 als Reaktion auf die Eroberungen Napoleons in der Schweiz geschrieben. Doch das sahen längst nicht alle so. Einige Innerschweizer Orte unterstützten den Zentralisierungsdrang der Franzosen nicht und leisteten erbitterten Widerstand – bis zum 2. Mai 1798.
Wieso die Franzosen in die Schweiz kamen
Zur Zeit der Französischen Revolution existierte auf dem Gebiet der heutigen Schweiz die alte Eidgenossenschaft. Sie bestand aus den sogenannten 13 Orten mit Untertanengebieten und weiteren Herrschaften. Die Eidgenossenschaft bestand nur durch lockere Bündnisse und Verträge zwischen den Orten, von einem Staat im heutigen Sinne kann nicht die Rede sein. Mit dem Einmarsch von Napoleon änderte sich dies schlagartig.
Knapp zehn Jahre zuvor ist im Zuge der Französischen Revolution Napoleon an die Macht gekommen. Unter ihm wurde Frankreich 1792 zur Republik und führte infolgedessen verschiedene Kriege mit den europäischen Machtrivalen. Die alte Eidgenossenschaft war historisch einerseits stark an den westlichen Nachbarn gebunden, andererseits aber auch an das mächtige Österreich. Letzteres verlor aber den ersten Koalitionskrieg und nahm nicht weiter Einfluss auf die Eidgenossenschaft.
Frankreich hingegen dehnte seine Macht auf die alleinstehende alte Eidgenossenschaft aus. Verschiedene Faktoren führten dazu, dass das Land schliesslich begann, in die Schweizer Orte einzumarschieren. Ausschlaggebend war ein Hilferuf an Frankreich von den Westschweizer Orten. Sie baten das Land um Unterstützung gegen Bern. Aber Frankreich wurde auch von den wohlhabenden Städten der 13 Orte angelockt. Diese sollten nämlich den weiteren Krieg finanzieren.
Widerstand der Innerschweizer Orte
Innert kurzer Zeit bewies Napoleon seine Übermacht und nahm viele Orte der damaligen Eidgenossenschaft ein. So riefen die Orte unter dem Druck von Frankreich im April 1798 die Helvetische Republik aus. Der neue Staat war, ganz anders als die Eidgenossenschaft, ein Zentralstaat nach französischem Vorbild mit neuer Verfassung.
Doch Schwyz, Nidwalden und Uri weigerten sich, diesem Staat beizutreten und die neue Verfassung anzuerkennen. Unter dem Schwyzer Alois Reding konnten die Innerschweizer Orte rund 10'000 Kämpfer aufbieten. Eine beachtliche Zahl – die gegenüber der mächtigen französischen Armee aber verschwindend klein war. Auf einer langen Frontlinie zwischen dem Napfgebiet und Rapperswil leisteten die Innerschweizer erbitterten Widerstand. So schaffte es Reding, Luzern «zu befreien» und weitere Schlachten zu gewinnen. Trotzdem kapitulierten die Orte Zug und Luzern bald danach.
Niederlage am 2. Mai
Am 2. Mai kam es zu der entscheidenden Schlacht bei Schindellegi, die die Schwyzer unter Reding verloren. Zwar konnten sie noch zwei kleinere Kämpfe gewinnen, doch war der Widerstand gebrochen. «Les jeux sont fait», wie die Franzosen sagten, die letzten Orte anerkannten die Verfassungen der Helvetischen Republik.
Die «NZZ» unterstützte diese Helvetische Republik mit einer einheitlichen Verfassung. So schrieb sie: «Das alte Gebäude unsrer Verfassung ist schon lange baufällig gewesen; nun ist es gestürzt durch die Allmacht eine schönern Freyheit, als die war, welche es nur so kümmerlich zusammenhielt.» Die Republik sollte schliesslich lediglich wenige Jahre Bestand haben: Bereits 1803 wurde sie aufgelöst. Bis 1815 war das Gebiet der heutigen Schweiz aber weiterhin faktisch ein Teil von Frankreich – seit diesem Jahr jedoch unter dem Namen Confoederatio Helvetica. Zu Deutsch: Schweizerische Eidgenossenschaft.
Napoleons Vermächtnis
Bis heute ist der Einfluss Napoleons in der Schweiz allgegenwärtig. Nur durch ihn haben wir heute den Namen «Schweizerische Eidgenossenschaft» oder bezahlen mit dem Franken. Kantone wie Aargau oder Waadt gäbe es nicht, das Tessin wäre vielleicht immer noch ein Untertanengebiet der Innerschweiz. Nach Expertenmeinung würde die ganze Schweiz heute nicht so existieren, wenn der Franzose nicht in die Schweiz einmarschiert wäre. So nennt ihn Historiker Thomas Maissen etwa den «Erfinder der modernen Schweiz».
Seine Anwesenheit hatte aber auch Schattenseiten. Da er in den Orten der alten Eidgenossenschaft auf Geld hoffte, kam es zu vielen Plündereien. Die Bewohnerinnen und Bewohner mussten für die Unterbringung und Ernährung der französischen Armee sorgen, was für Unmut und Armut sorgte.
Viele Orte fühlten sich nicht mehr so frei wie zuvor und haderten mit den «fremden Mächten». So probte Nidwalden im Herbst 1798, schon zur Helvetischen Republik gehörend, den Aufstand. Dieser wurde von den napoleonischen Truppen innert wenigen Tagen blutig niedergeschlagen.
Eines ist jedoch klar: Wenn die Innerschweizer Orte vor genau 225 Jahren nicht kapituliert hätten, würde heute wohl einiges anders aussehen in der Schweiz.
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