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Norbert Möslang: "bits, bots, mpgs and ppms"
08.03.2011 Ausstellung in der Lokremise St. Gallen, bis zum 1. Mai 2011
Bild: Plakat zur Ausstellung (zur Vergrösserung anklickbar)
Norbert Möslang (*1952) gehört international zu den experimentierfreudigsten und prominentesten Performern im Feld der zeitgenössischen elektronischen Musik.
Seine Filmmusik zu Peter Liechtis (*1951) mehrfach preisgekrönten Film "Sound of Insects: Record of a Mummy", 2009, setzte erneut Massstäbe und erhielt den Schweizer Filmpreis in der Kategorie "Beste Filmmusik" und im Januar 2011 den "Cinema Eye Award for Outstanding Achievement in Composing" am Dokumentarfilmfestival "Cinema Eye Honors for Nonfiction Filmmaking" im New Yorker Museum of Moving Image.
Konzerte mit wechselnden Partnern in ganz
Europa und Tourneen nach Kalifornien, Südamerika und Japan sind nur ein Teil
des Programms, das Norbert Möslang in den letzten Jahren bestritt.
Als Mitbegründer von "Voice Crack", 1972-2002, erweiterte er zusammen
mit Andy Guhl (*1952) seit den 1970er-Jahren das Konzept der Klangerzeugung und
des Klangrecyclings mit "geknackter Alltagselektronik". In dieser
Formation vertraten sie die Schweiz 2001 an der Biennale di Venezia mit einer
Installation, die den Canale Grande mittels eines Unterwassermikrofons
klanglich mit dem barocken Innenraum der Kirche San Stae verband.
Mit der Verwendung manipulierter Alltagselektronik anstelle traditioneller Instrumente wurde der musikalische Ausdruck stark erweitert.
Im radikalen Ansatz einer Geräuschkunst steht Norbert Möslang in einer langen musikalischen Tradition, die von der russischen Avantgarde über Free Jazz und Fluxus reicht und seine Musik mit Namen wie Nam June Paik oder John Cage verbindet.
Seit Mitte
der 1980er-Jahre bezog Norbert Möslang die experimentale Klangerzeugung immer
mehr installativ auf Ausstellungsräume. Seine aktuellen Ton- und
Bilderzeugungen sind inzwischen untrennbar miteinander gekoppelt in einem
spannenden Grenzfeld zwischen experimenteller Musik und bildender Kunst.
Die Entwicklung der digitalen Technik mit verschlüsselten Kürzeln, wie sie im Ausstellungstitel Rätsel aufgeben, erschloss sich eine neue visuelle Welt.
Norbert Möslang zapft Webcams an, deren Datenstrom er auf Monitoren oder als Projektionen sichtbar werden lässt, und er konzipiert ein Bildsammelsystem, das sich von einem Computerlink zum nächsten durch das World Wide Web surft.
Durch
die elektronischen Kanäle gejagt, erscheinen seine Bildwelten vertraut und
befremdlich zugleich.
Für die Lokremise hat dieser Grenzgänger der Künste eine raumgreifende
Installation entwickelt, in der sich Bild und Sound zu einem Gesamtkunstwerk
von verstörender Qualität verdichten. Der Besucher wird Teil der Synthese von
Objekt, Raum und Klang.
Kuratoren: Roland Wäspe, Norbert Möslang
lrg
Kontakt:
Lokremise St.Gallen
Norbert Möslang