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Später stiessen die Alemannen von Norden her vor und vermischten sich als Einwanderer mit der keltischen Urbevölkerung. Beim Bau der damaligen Nationalbahnlinie stiess man 1873 erstmals auf Alemannengräber in Steckborn. Spätere Funde lassen vermuten, dass hier eine starke Alemannensiedlung vorhanden war. Aus dieser Zeit stammt offenbar auch der Ortsname. Seine Herkunft und Deutung ist jedoch ebenso wie diejenige des Ortswappens nicht gesichert. Eine Annahme geht davon aus, dass es einen Kurznamen Stecko mit einem eigenen Hof gegeben hat, eine andere Version bezieht sich auf die früheren Pfahlbausiedlungen, weil das Wort "stekko" Pfahl oder Stecken bedeutet. Der Wortteil "burun" oder später "bur" steht im Althochdeutschen für Haus, was dann als "bei den Pfahlhäusern" gedeutet werden könnte.
Bis heute sind in Steckborn mehr als 60 frühmittelalterliche Gräber entdeckt worden, deren Beigaben auf einen überdurchschnittlichen Wohlstand der Bevölkerung schliessen lassen. Im Frühjahr 1934 kamen bei Strassenbauarbeiten oberhalb Steckborns in der Flur »Obertor« zufällig Reste von Gräbern zum Vorschein, die im Spätherbst zu einer von K. Keller-Tarnuzzer geleiteten Ausgrabung führten. Die Grabung wurde bereits 1935 mit einem ausführlichen anthropologischen Gutachten publiziert.1989 wurde infolge Bauarbeiten nochmals eine Grabung in der Flur Obertor durchgeführt. Interessant sind auch die Funde von der nahe beim Bahnhof Steckborn gelegenen Flur »Chilestigli«, wo 1958 systematische Ausgrabungen durchgeführt wurden. Auffällig waren hier Grabeinfassungen aus grossen Sandsteinplatten. Aus nicht näher bekannten Bestattungen im Chilestigli stammt einer der spektakulärsten Funde aus dem frühen Mittelalter im Kanton, eine Goldscheibenfibel.
Das in diesem Bericht erwähnte "Obertor" liegt ausserhalb des alten Städtli und hat mit dem ehemaligen Stadttor nichts zu tun. Der Bereich dieser Funde liegt in einem Feld zwischen Schützenhaus, Schützenhausstrasse, Mühlhofstrasse und Talstrasse und ist meines Wissens mangels Finanzen und Zeit noch nicht vollständig erschlossen.
Das Alamannische Gräberfeld beim "Obertor" Steckborn
von Karl Keller - Tarnutzer aus "Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte von 1935 (Heft 72)
Vom Mühlebach, oberhalb des Städtchens Steckborn, führt ein Strässchen in langsamer Steigung nahe am Schützenhaus vorbei hinauf nach den Fluren Höhenrain und Gäsingen.
Dieses Strässchen bildet in seinem Beginn einen tief eingeschnittenen Hohlweg, der
im Frühjahr 1934 stark verbreitert wurde, indem die ostseitige Böschung abgetragen
und weniger steil gemacht wurde . Bei dieser Erdbewegung fielen den Arbeitern viele
Menschenknochen auf, aber erst, als Waffen und Messer auftraten, fanden sie Anlass, ihre Beobachtungen Herrn Ulrich Guhl zu melden, der die Funde, soweit sie zu erreichen waren, an sich nahm und das Thurgauische Museum in Frauenfeld benachrichtigte.
Der Verfasser begab sich sofort nach Steckborn und konnte feststellen, dass die
geborgenen Funde alle aus der Völkerwanderungszeit stammen und einem bisher unbekannten alamannischen Gräberfeld zugehören. Er hatte selbst Gelegenheit, ein noch unberührtes, aber beigabenloses Grab freizulegen, das durch Herrn Apotheker Hartmann photographisch festgehalten wurde. Einige Tage später wurde ein Steinkistengrab festgestellt, leider aber zur Hälfte zerstört, ehe es gemeldet wurde. So fanden wir denn bei unserem Eintreffen, dass nur noch die südliche Seitenwand unversehrt und die westliche Stirnseite teilweise vorhanden war. Das Skelet war nur wenig beschädigt und konnte deshalb! zur Hauptsache noch freigelegt werden. Es barg ebenfalls keine Beigaben. Wir erinnern daran, dass seinerzeit auch in Kaiseraugst gerade die Toten, die in sorgfältig gebauten Kisten aus Stein- oder Tonplatten lagen, keine Beigaben hatten.
Beim Absuchen der Strasse, auf der die abgegrabene Erde weggeführt wurde, fanden dann noch Herr Statthalter Hanhart einen bronzenen Ohrring und der Verfasser wenige Minuten später das dazu gehörige zweite Stück. Dies waren die ersten Zeichen dafür, dass nicht nur Männergräber, sondern auch Frauengräber vorhanden waren. Aus den Aussagen der Arbeiter konnte ein zerstörtes Grab insofern rekonstruiert werden, als es Langschwert, Kurzschwert, Lanzenspitze und Messer
enthalten haben soll.
Es stand somit fest, dass wir vor der Entdeckung eines wohl grossen und sicher reichen alamannischen Gräberfeldes standen, und daher entschloss sich der Verkehrsverein Steckborn unter dem Präsidium von Herrn Sekundarlehrer Rüegger, mit Hilfe der Bürgergemeinde (Präsidium: Herr Statthalter Hanhart), später auch der Ortsgemeinde (Gemeindeammann Herr Stein), der Kunstseidefabrik und verschiedener Privater, im Herbst eine eigentliche Grabung durchführen zu lassen unter Leitung des Berichterstatters.
Das Land stellte der Besitzer, Landwirt Gräflein, in freundlicher Weise entschädigungslos zur Verfügung. Dieser Beweis opferwilliger Heimatliebe sei hier ganz besonders festgehalten.
Die Flur, auf der das Gräberfeld liegt, heisst "Obertor". Dieser Name bildet schon an sich ein Rätsel, denn die Flur liegt weit ausserhalb des Städtchens und weder eine Urkunde, noch die Überlieferung wusste davon zu berichten, dass je einmal Steckborn seine Grenzen bis hier hinaus gesetzt hatte, was den Namen
Obertor rechtfertigen würde. Tatsache ist aber, dass im ganzen Gebiet des "Obertors" immer wieder Reste von Mauern gefunden werden, so zum Beispiel gerade etwas unterhalb des Gräberfeldes gegen den Mühlebach zu, ferner am Mühlebach selber, sowie auf der gegenüberliegenden Talseite gegen die Obermühle hin. Dort ist auch im Februar 1930 ein mittelalterlicher Turm gefunden worden, der vermutlich als Überrest eines Burgstalls der Edlen von Steckborn anzusehen ist. Es geht aus alledem hervor, dass die ganze Gegend um das "Obertor" herum auch dem Erforscher des Mittelalters Probleme bietet, die wohl nur auf archäologischem
Weg geklärt werden können, falls eine solche Klärung überhaupt noch möglich ist.
Die eigentliche Grabung wurde im November 1934 vorgenommen und dauerte im ganzen 14 Tage. Sie litt zum Teil unter ungünstiger Witterung, was in dem lehmigen Boden die sorgfältige Arbeit öfters behinderte. Wir erfreuten uns dauernder oder tageweiser Hilfe der Herren A. Schultheis im Ried, Landwirt Gräflein, Apotheker Hartmann und namentlich Kupferschmied J.Martini und seines Gesellen. Ebenso halfen uns Herr und Frau Knoll- Heitz in St. Gallen, die den beigegebenen Plan und die Zeichnungen anfertigten. Ihnen allen sei unser bester Dank ausgesprochen.
Bevor wir zu der Beschreibung der einzelnen Gräber schreiten, möchten wir bemerken, dass wir von den im Früh-jahr aufgefundenen Gräbern vollständig absehen, sie auch nicht in die Numerierung einbeziehen, weil sie nicht wissenschaftlich beobachtet sind. Wir werden nur am Schluss des Fundberichts die damaligen Funde beschreiben.
Grab 1: Orientierung Weft-Oft. Skeletliinge 1,58 m. Der früher hier betriebene Rebbau
hatte ein Stück des linken Oberschenkels zerstört. An Beigaben fand sich nur rechts neben dem Schädel ein Tierzahn. Unter dem Skelet fanden sich später noch zwei Gräber, von denen aber das eine nur in Spuren zu sehen war und deshalb nicht eingezeichnet werden konnte (es gehöorte aber sicher einem erwachsenen Menschen), ferner das Grab, das wir später unter Nr. 8 beschreiben werden.
Grab 2: Orientierung West-Ost. Der Rebbau hatte beide Unterschenkel vernichtet. Die erhaltene Länge betrug nur noch 1,15 m. Die rechte Schulter lag auf einem grossen Stein. Beigabenlos. Der Schädel wurde der anthropologischen Untersuchung zugeführt.
Grab 3 : Orientierung West-Ost. Länge 1,75 m. Sehr schlecht erhalten. Keine Beigaben.
Grab 4 (Taf.I, Abb. 1): Es handelt sich um ein besonders reiches Grab von mittelmässiger Erhaltung des Skelets. Orientierung West-Ost. Länge 1,70 m. An beiden Schläfen haftete je ein bronzener Ohrring von ungefähr 3,3 cm Durchmesser, freilich ganz zerdrückt. Die Ringe bestehen aus einfachem, umgebogenem Bronzedraht. Um jeden ist ein kleines Bronzeplättchen wie eine Perle gelegt. Diese Bronzeplättchen sind offenbar von einem andern Objekt abgeschnitten
worden; denn das eine davon weist deutlich auf der nicht sichtbaren Innenseite Spuren von Verzierungen auf. In der Gegend des Halses und auf der obersten Partie der Brust lagen wirr durcheinander, in den verschiedensten Tiefen, selten in kleinen Reihen, eine grosse Menge typischer Perlen. Wir zählten deren im ganzen 217 Stück, die aufgereiht eine Länge von ungefähr 2 m ergaben. Nicht gezählt sind einige wenige, ganz kleine gelbe Perlen, die sich vollständig in Staub aufgelöst haben. Die Perlen bestehen wie üblich aus Glaspaste, Glas und hie und da aus Bernstein. Häufig waren die bekannten, winzigkleinen gelben Perlen bis zu vier Stück in einer Perle zusammengefaßt, auch etwas größere braune Perlen waren gelegentlich zu je
zweien vereinigt. Zahlreich waren die Vierkantperlen verschiedener Farben mit andersfarbigen Einlagen. Größere und kleinere Perlen waren gerippt und eine weiße Perle bemalt. Die doppelkonischen Pastaperlen tragen die Farben gelb, grün, blau, braun und weiß. Im Bereich dieser Perlen fand sich auch das silberne Verschluß-stück einer Kette, tonnenartig geformt, mit Rautenmuster und blauer Glasperle am einen Ende. Ein zweites derartiges Verschlußstück zerfiel auf der Stelle
und konnte nicht geborgen werden.
Die linke Hand der Toten war über das Becken gelegt. Am Ringfinger trug sie einen Fingerring, der aus einem einfachen, unverzierten Bronzedraht bestand. Außerhalb der Mitte des linken Oberschenkels fand sich ein doppelreihiger Beinkamm mit Futteral (Abb. 2, 18), der erste vollständig erhaltene des Thurgaus. Lg. 9,8 cm, Nr. 5 cm. Sieben eiserne Nietnägel halten die Beinplatten, welche das Futteral bilden, zusammen. Auf beiden äußern Teilen befinden sich je ein Winkelband eingeritzt, darin je drei Doppelringe und immer je eine Linie aus Doppelringen. Über die beiden innern Teile gehen schräg je drei kräftige Linien. Diese Bemusterung scheint sich auf der Gegenseite zu wiederholen, ist aber dort fast nicht mehr sichtbar.
Dicht unter diesem Kamm fand sich ein eiserner Dolch (Abb. 3, 14) von 12,3 cm Länge, wovon» 4 cm auf den Dorn entfallen. Größte Klingenbreite 1,9 cm. Da das Stück nur eine einseitige Schneide besitzt, wäre es eigentlich als Messer anzusprechen, hingegen beweist die schöne Scheide, daß es sich doch um eine Waffe handelt. Bei der Auffindung war die Scheide noch sehr gut sichtbar. Sie bestand aus Leder, das aber in kürzester Zeit vollständig verschwand und nur noch die bronzenen Scheidenzwingen übrigließ. Es sind drei Stücke von je 5 mm
Breite, mit längslaufenden Rillen verziert und durch je zwei Nieten zusammengehalten. Sie sind, ihrem Zweck entsprechend, langgestreckt oval. Die oberste dieser Zwingen besitzt einen Ring, an dem der Dolch am Gürtel aufgehängt werden konnte. — Auch Tatarinoff denkt in seiner Arbeit über die Solothurner Alamannen, S. 65, an häufige Dolchfunktion von Messern. — Neben dem Dolch, angelehnt an den Oberschenkel, wurde ein Eisenring, und an diesen angerostet, der Rest eines kleineren Eisenringes gefunden. Der große Ring mißt 5,1—5,6 cm an äußerem Durchmesser bei einer durchschnittlichen Dicke von 6 mm.
Über dem untern Teil des Dolchs lag schräg ein gebogenes Eiseninstrument (Abb. 3, 3), das wohl nur als Schlüssel gedeutet werden kann, mit lose befestigtem Ring zum Aufhängen. Seine Länge beträgt bis zum Knick 14,5 cm, der umgebogene Teil misst
3.3 cm. Die obere Hälfte des Eisens ist flach gehämmert, bis zu 11 mm breit, der untere tordiert mit 5 mm Durchmesser. Der äußere Durchmesser des Rings beträgt 2,2 cm. Die Öse des Schlüssels, in welcher der Ring hängt, ist nicht etwa in den Eisenkörper eingeschlagen, sondern einfach umgebogen. Auf dem rechten Oberschenkel, ungefähr auf der Höhe der Wade, lag ein bronzenes Riemenbeschläg mit drei Nieten (Abb. 2, 11), wovon eine erhalten. Das Stück ist so fein gearbeitet, daß es wie gestanzt aussieht. Seine Größe: 2,4 cm lg., 1,4 cm br. Als Gegenstück dazu fand sich außen am linken Oberschenkel eine kleine Riemenzunge (Abb. 2, 17), ebenfalls aus Bronze, von 2,7 cm Länge und 1,2 cm Breite mit zwei Nieten.
Außerhalb der Mitte des linken Unterschenkels lag flach ein mächtiger Bronzering (Abb. 2, 14) von 12 cm äußerem und 9.4 cm innerem Durchmesser. Die Dicke des Ringes beträgt demnach 1,3 cm. Der Ring ist hohl und besitzt eine besondere Verschlußvorrichtung, die aber leider nicht mehr funktioniert und dermaßen oxydiert ist, daß sie nicht mehr genauer geprüft werden kann, ohne das Stück zu gefährden. Dieser Ring war ursprünglich mit Leder überzogen, von dem noch ansehnliche Reste bei der Abdeckung vorhanden waren. Im Ring lag eine Zierscheibe (Abb. 2, 14) von 8,4 cm Durchmesser und beinahe 2 mm Dicke. Sie zeigt um ein vierteiliges Mittelmotiv herum vier Figuren, die wohl als Vögel gedacht sind. Eine Verwandtschaft mit der Zierscheibe von Ermatingen (Urg. d. Thurgaus, Abb. 23,1) ist unverkennbar.
Die beiden Fußgelenke waren mit Fundstücken förmlich übersät. Sie gehören alle dem Schuhwerk und Fußbinden an. Das geht schon daraus hervor, daß auf beiden Fußgelenken genau dieselben Stücke liegen. Es sind gefunden worden zwei Riemenzungen (Taf. 1, Abb. 2) von 7,9 cm Länge und 2,4 cm Breite mit drei
Nieten. Ihr oberes Ende ist zur Aufnahme des Lederzeugs gespalten, und es läßt sich eine Lederdicke von 1,5 mm errechnen. Die Stücke weisen eine schöne Bronzeornamentik auf, die durch eine Längs- und eine Querrippe in drei Felder abgeteilt ist. Die einzelnen Felder sind mit reichem Rankenwerk
ausgefüllt. — Ferner zwei dazu passende bronzene Riemenbeschläge (Taf. 1, Abb. 2), die beide quadratisch sind, das eine von 2,7 cm, das andere von 2,4 cm Seitenlänge. In allen vier Ecken befinden sich kleine Nronze-nieten. Das eine dieser beiden Stücke weist eine ähnliche Schnitzerei auf wie die oben erwähnten Riemenzungen, während das andere innerhalb eines scharfen Randes zwei gegeneinanderblickende Fabelwesen mit langem, über den Rücken nach dem Mittelleib umgebogenen Schwanz, der in vierteiliger Quaste endet, zeigt. Die beiden Tiere besitzen nur Vorderfüße. — Zwei Gürtelschnallen (Abb. 2, 1) aus Eisen, von denen die eine bis auf den Dorn erhalten ist, während bei
der andern der Ring zum größten Teil abgerostet ist. Der Ring des erhaltenen Stücks mißt 6,3 cm in der Länge und 3,1 cm in der Breite. Die Eisennieten weisen vergoldete Köpfe auf. Der Ring ist radial mit Silber- und Goldstreifen abwechselnd tauschiert, die Plattenfläche weist flächige Silberplattierung mit goldtauschierten Linienmustern auf. — Zwei eiserne Gürtelzungen (Abb. 2,2) mit eisernen Nieten,
deren Köpfe ebenfalls vergoldet sind, von 5,3 cm Lg. und 1,7 cm Vr. weisen genau die gleiche Tauschierung auf wie die soeben erwähnten Gürtelschnallen. Diese Tauschierung bildet ein wirres Durcheinander von silbernen Flächen und goldenen Linien ohne bestimmte Ordnung oder erkennbaren Sinn. — Dazu kommen
in genau gleicher Art zwei Gegenplatten von 4,2 cm Lg. und 2,3 cm Vr., deren Tauschierung etwas flächiger ist als bei den übrigen vier tauschierten Stücken dieses Grabes. — Ferner wurden gefunden fünf rechteckige Beschläge (Abb. 2,15a und b) von durchschnittlich 2 cm Lg. und 1,3 cm Vr. Es handelt sich stets um zwei
Plättchen, die durch vier Nieten miteinander verbunden sind, unter Beibehaltung eines Zwischenraums von durchschnittlich 1mm, was der Lederdicke entsprechen dürfte. Die Beschläge sind in ihrer Mitte kreuzförmig durchbrochen, und sowohl das Kreuz als der äußere Rand der Plättchen sind mit Punktlinien umrahmt. —
Das Fußinventar wird endlich vermehrt durch zwei Bronzebänder (Abb. 2,16), von denen das eine nur halb erhalten ist,
Sie scheinen nach der Wölbung des Fußes gebogen zu sein, Lg. 4 cm, Vr. 1,5 cm. Neben vier Nietlöchern besitzen die Stücke wieder einen kreuzförmigen Durchbruch und in der Fortsetzung der längern
Kreuzschenkel je einen dreieckigen Durchbruch. Alle Durchbrüche und der Rand des Stücks sind mit Ringlinien eingefaßt. — Zuletzt haben wir noch ein ähnliches, aber nicht durchbrochenes, 3 cm langes und 1,5 cm breites Stück mit vier Nieten zu erwähnen, an dessen Rand zwei quergerippte Längsrillen sichtbar sind (Abb. 2, 13). — Im ganzen Bereich dieser Fußgarnitur fanden sich zahlreiche alte Pflanzenfasern und Rindenreste. — Das Skelet wurde anthropologisch untersucht.
Grab 5: Orientierung West-Ost. Es fehlt der Oberkörper (Rebbau). Becken und vier Wirbel noch vorhanden. Länge des Vorhandenen 1,05 m. Keine Beigaben.
Grab 6 : Orientierung West-Ost. Skeletlänge 1,53 m. 1 m von oben gemessen lag auf dem Skelet ein Kinderkopf. Es handelt sich vielleicht um Mutter und Kind, doch war die Verwitterung des Grabes so weit fortgeschritten, daß sich Bestimmtes nicht mehr aussagen läßt. Keine Beigaben.
Grab 7 : Orientierung West-Ost. Skeletlänge 1,52 m. Schlecht erhalten. Keine Beigaben.
Grab 8 : Orientierung West-Ost. Kind. Länge 1,42 m. Neben dem Kopf lag rechts ein Tierzahn wie bei Grab 1. Sonst keine Beigaben. Schlecht erhalten.
Grab 9 : Orientierung West-Ost. Verhältnismäßig sehr gut erhaltenes Skelet von 1,53 m Länge, das infolgedessen gut photographiert werden konnte. Bei der Hebung der Knochen aber zerfielen sie vollständig. Keine Beigaben.
Grab 10 : Orientierung West-Ost. Länge 1,48 m. Auch dieses Skelet war so erhalten, dass es sich zwar gut photographieren, aber nicht heben ließ. Keine Beigaben.
Grab 11 : Schon weit über dem Grab wurde ein unkenntliches Bronzestückchen gefunden, offenbar ein verschlepptes Stück, dann kam am einen Oberschenkel ein Bronzebeschläg zum Vorschein. Es zeigte sich aber, daß dieses Grab schon in alter Zeit beraubt und die Knochen verworfen worden waren» Unversehrt lagen nur die Beine, alles übrige lag wirr durcheinander oder war verschwunden. Dennoch ließ sich die Orientierung auf West-Ost festsetzen. Das gefundene Beschläg entspricht genau den doppelplattigen Beschlägen am Fußgelenk von Grab 4, dessen Maße und Verzierungen es ebenfalls besitzt.
Grab 12 : Orientierung West-Ost. Es handelt sich um ein Kind im Zahnwechselalter. Skeletlänge 1,10 m. Die Unterschenkel waren beinahe ganz vermodert. Dicht über dem Skelet zeigte sich eine ungefähr 20 cm dicke Kiesschicht und darüber ein starkes Bett von Kieselbollen. Rechts vom rechten Oberschenkel wurde
ein Eisenmesser von 10,9 cm Länge, wovon 2,9 cm auf den Dorn entfallen, geborgen. Die größte Breite der Klinge beträgt 1,7 cm.
Grab 13 : Etwas tiefer als Grab 11 fand sich ein Schädel (anthropologisch untersucht), um den die dazu gehörigen Knochen geradezu aufgehäuft lagen. Auch dieses Grab scheint antik beraubt zu sein. Es wurden dabei gefunden 10 einfache und 2 doppelte kleine gelbe Glaspastaperlen, eine gleichgroße von grüner Farbe
und eine solche aus Bernstein. Vermutlich handelt es sich um Teile einer Perlenkette, deren größere Perlen bei der Beraubung weggenommen wurden.
Grab 14: Orientierung West-Ost. Der ganze Oberkörper ist antik zerstört. Die Beine sind völlig unversehrt. Es zeigt sich, daß dieses Grab zuerst an dieser Stelle lag, dann kam Bestattung 13, bei welcher der Oberkörper von 14 zerstört wurde, und schließlich wurde bei der Bestattung von 11 das Grab 13 verwühlt und beraubt. — Erhaltene Länge von Grab 14 1m. — Auf beiden Fußgelenken lagen je drei genau gleiche Objekte. Außen am Fuß angelehnt lag mit der Nadel nach oben eine Bronzeschnalle (Abb. 2, 12) von 5,2 cm Länge. Ihr Ring mißt in der Breite 2,4 cm und die Platte ebenfalls in der Breite 1,8 cm. Der Ring ist mit radial verlaufenden Rillen verziert. Die Platte besitzt drei Nietnägel. — Die Gegenplatte (Abb.2, 6) fand sich aufgestellt an der Innenseite des Fußes. Sie ist unverziert und weist ebenfalls drei Nieten auf. Lg. 3,6 cm, Vr. 1,8 cm. Platte und Gegenplatte sind auf der innern Seite stark eingewölbt. — Außen stand ferner neben der Schnalle mit der Spitze nach unten die bronzene Gürtelzunge (Abb. 3, 7) von 5,6 cm Länge und 1,3 cm Breite, unverziert, mit zwei Nieten. Unten am linken Oberschenkel, sogar von außen
her etwas unter ihn geschoben, lag ein Eisenring von 4 cm Durchmesser und 7 mm Dicke. In diesen Ring war von unten der kleine Rest eines Eisenmessers eingeschoben. Genau auf der andern, innern Seite des Schenkels und eine Spur weiter oben fand sich das Fragment eines weitern Eisenrings, in dessen Rost
eingebacken eine unleserliche römische Kleinbronze, die nicht wie üblich durchbohrt war, steckte.
Grab 15 : Orientierung West-Ost. Bei einer Sondierung etwas abseits der übrigen Gräber fand sich ein ebenfalls durch den Rebbau fast völlig zerstörtes Grab. Es fehlte der ganze Oberkörper. Vorhandene Länge noch 1,08 m. Keine Beigaben.
Grab 16 : Orientierung West-Ost. Das Grab war von großen Steinen eingefaßt, die beim Oberkörper oberkant 30 cm höher lagen als oberkant Schädel. Bei den Beinen reichten sie sogar 35 cm höher. Das Grab war von den Totengräbern wohl als eine Art Plattengrab gedacht. Die Skeletlänge wurde mit 1,65m eingemessen. An Beigaben fand sich nur viel Holzkohle im Innern des Grabraums.
Grab 17 : Es fand sich nur noch der Schädel ohne Kiefer und daneben lagen die Oberschenkelknochen. Das Grab ist sicher bereits in alter Zeit zerstört worden. Keine Beigaben.
Grab 18: Orientierung beinahe Süd-Ost. Das Skelet war auffallend kurz (1,50 m), trotzdem es sich offensichtlich um ein altes Individuum handelte. Keine Beigaben.
Grab 19: Orientierung West-Ost. Jugendliches Individuum trotz den Beigaben, die unbedingt auf einen erwachsenen Mann schließen lassen. An den Füßen befand sich eine kleine Steinsetzung. Dicht außerhalb neben dem rechten Unterschenkel lag mit der Spitze nach unten ein Skramasax von 34,9 cm Länge, von denen
9 cm auf den Dorn entfallen. Seine Klinge weist eine größte Breite von 4,1 cm auf. Beidseitig zeigt sich dem Rücken entlang eine undeutlich eingeritzte Linie. Links neben der Mitte des rechten Unterschenkels lag eine mächtige eiserne Gürtelschnalle (Abbildung 3, 1), die größte bisher im Thurgau gefundene, mit drei
großen Bronzenieten, die auf eine Lederdicke von 1,5 mm schließen lassen. Das Schnallenstück ist rechteckig mit 7,1cm Lg. und 3,3 cm Breite, rechteckig durchbrochen mit 4 auf 1cm Öffnungsweite. Der Dorn geht in treppenförmigen Abstufungen zum Schild über, der nach hinten halbrund abschließt. Die Platte (12,4 cm Lg. und 6,8 cm Breite) ist dreieckig mit abgerundetem Ende an der dem Dorn gegenüberliegenden Spitze und mitAusrundungen bei den Nieten. Rechts unterhalb des linken Knies lag die Gegenplatte (Abbildung 3,2), die in Aussehen und Maßen genau der Platte entspricht. Rechts neben dem linken Fußgelenk befand sich ein
rechteckiges, eisernes Gürtelbeschläg (Abb. 3, 13) von 6,8 cm und 5,7 cm Seitenlänge mit genau gleichen Bronzenieten an den vier Ecken, wie sie die Gürtelschnalle und Gegenplatte besitzt. Zum Teil darunter liegend wurde ein Feuerstahl (Abb. 3, 12) von Dreieckform sichtbar, mit etwas aufgebogenen Enden. Lg. 10 cm, Höhe in der Mitte 2,5 cm. Der eigentlich dazu gehörige Feuerstein war nicht aufzufinden. —
An beiden Füßen fand sich ein je gleiches Schnallenstück (Abb. 3, 10 und 11) aus Eisen, von dreieckiger Grundform und rechteckiger Durchbrechung am breiten Ende und kreisrunder Ausweitung am spitzen Ende, sowie je zwei kleine Bronzenieten. Lg. 5,2 cm, größte Vr. 2,3 cm. Am rechten Fuß fand sich ein ähnliches Stück mit henkelartiger Ausweitung auf der einen Seite. Am linken Fuß wurden ferner drei unkenntliche Eisenfragmente aufgefunden, von denen das eine aussieht wie der Rest eines Hohlringes. Dicht neben dem Skramasax zeigte sich eng an dessen Rücken angelehnt ein Eisenstäbchen von 4,4 cm Länge, vierkantig, 3 mm dick, das offenbar zur Scheide gehört. Wohl ebenfalls zur Scheide gehört eine eiserne Niete, deren Nietenkopf einen Durchmesser von 2 cm aufweift. In der Mitte zwischen beiden
Füßen kam endlich ein Eisenmesser (Abb. 3, 6) von 14,9 cm Länge, von denen 4,2 cm auf den Dorn entfallen, und 2 cm größter Klingenbreite zum Vorschein. —
Es handelt sich also, trotzdem der Tote noch dem jugendlichen Alter angehört, wie die anthropologische Untersuchung ausweist, um ein Kriegergrab. Gürtel und Waffen waren dem Toten aber nicht umgeschnallt, wie das sonst üblich ist, sondern wurden ihm einfach über die Unterschenkel gelegt.
Grab 20: Orientierung weicht im Gegensatz zu der Hauptrichtung der Gräber etwas gegen Nordwest-Südost ab. Es handelt sich um das Skelet eines fast ausgewachsenen Kindes von 1,6 m Länge. Sehr schlecht erhalten. Keine Beigaben.
Grab 21 : Orientierung West-Ost. Sehr schlecht erhalten. Kind. Länge 1,35 m. über diesem Grab zeigten sich noch ganz schwache Spuren einer jüngeren Bestattung. Keine Beigaben.
Grab 22: Orientierung West-Ost. Es fehlt der Kopf. Länge ohne Kopf 1,45 m. Keine Beigaben.
Grab 23: Die Orientierung weicht gegenüber den andern Gräbern etwas von Nordwest nach Südost ab.
Größe 1,57 m. Besonders in der Oberkörperpartie sehr schlecht erhalten. Auf der rechten Brust lagen einige kleine Perlen aus Glaspaste, davon ist eine rot, eine braun und die übrigen achtzehn sind gelb. Rechts vom Oberschenkelkopf lag eine völlig erhaltene Eisenschnalle (Abb. 2, 10) ohne Platte. Der Ring hat eine Lg. von 4,1cm und eine Br. von 2,4 cm. Dornlänge 3,2 cm. Rechts vom obern Teil des Oberschenkels lag parallel zu diesem ein Eisenmesser von 14,1 cm Länge, von denen 3,1 cm auf den Dorn entfallen, mit einer größten Klingenbreite von 2 cm.
Grab 24: Orientierung West-Ost. Lg. 1,55 m. Namentlich der Oberkörper ist sehr schlecht erhalten, über den ganzen obern Teil der Brust fanden sich zerstreut Perlen, die nirgends eine Aneinanderreihung zu einer Kette erkennen ließen. Es handelt sich um zwei kleine und zwei mittelgroße Doppelperlen und um 27 der üblichen mittelgroßen Glaspasteperlen, einfarbige, solche mit andersfarbigen Einlagen, runde, eine längliche und eine länglich-viereckige. An der linken Schläfe zeigte sich ein kleiner Ohrring von 1.4 cm Durchmesser, der nur aus einem umgebogenen Bronzedraht bestand. An der rechten Hand (da der Finger selbst vermodert war, ließ sich nicht mehr feststellen, an welchem Finger) steckte ein bronzener massiver Fingerring von 2,6 cm äußerem Durchmesser und 3 mm Dicke ohne Verzierung.
Außerhalb des linken Oberschenkels, etwas unterhalb seiner Mitte, wurde ein Eisenmesser von 10,2 cm erhaltener Länge und 1,8 cm Klingenbreite und ein flachgeschmiedeter Eisenring von ungefähr 4 cm Durchmesser festgestellt. Die Fußgelenke zeigten wiederum eine ganze Garnitur von Schuh- und Bandzubehör, die auf beiden Gelenken genau gleich ist. Es sind zwei eiserne Gürtelzungen mit je zwei Bronzenieten (Abb. 2, 3), von denen noch je eine erhalten ist. Lg. 4,2 cm, Vr.
1.5 cm. Sie weisen eine Goldtauschierung auf in Gestalt eines verschlungenen Bandes, das aus zwei Linien besteht, die durch Querlinien verbunden sind. Ferner zwei Eisenschnallen mit Platte mit je drei Nronzenieten (Abb. 2, 4), bei denen aber die Ringe verschwunden sind. Von einer dieser Schnallen zeigten sich noch untauschierte Reste des Ringes. Lg. der Platten 3,2 cm, Vr. 2 cm. Die Tauschierung entspricht genau derjenigen der Gürtelzungen. Dasselbe ist der Fall bei den Gegenplatten, die auch die gleichen Maße aufweisen wie die Platten der Schnallen.
Dazu kommen noch sechs Gürtelbeschläge, wie sie ähnlich das Grab 4 enthielt, mit je zwei Platten, aber ohne die kreuzförmigen Durchbrüche und die Verzierungen.
Grab 25: Orientierung weicht von den andern Skeleten etwas ab: Südwest-Nordost. Es handelt sich offenbar um ein Kind mit einer Länge von 1 m, das aber außerordentlich schlecht erhalten war. Keine Beigaben.
Grab 26: Orientierung West-Ost. Relativ sehr gut erhalten. Der anthropologischen Untersuchung zugeführt. Keine Beigaben.
Grab 27: Orientierung West-Ost. Sehr schlecht erhalten. Lg. 1.6 m. Keine Beigaben.
Grab 28 (Taf. II, Abb. 1) : Orientierung West-Ost. Der Kopf ist bei der späteren Bestattung von Skelet 29 entfernt worden. Es handelt sich um ein älteres Individuum. Sehr schlecht erhalten. 15 cm vom rechten Oberschenkel entfernt, im obern Teil an den Unterarm angelehnt, fand sich ein Skramasax (Abb. 3, 5) von 46,5 cm Länge, von denen 14,2 cm auf den Dorn entfallen. Größte Klingenbreite 3,8 cm. Dem Rücken dieser Waffe entlang zeigten sich drei bronzene Scheidenknöpfe (Nieten) von durchschnittlich 1,7 cm Durchmesser. Sie besitzen alle auf der Oberfläche eine reiche Schnitzerei, die aber durch die Oxydation ganz unkenntlich geworden ist doch scheint mehr als einmal das Hakenkreuz vorzukommen. Ein weiterer gleicher Knopf lag unterhalb, ein anderer links der Waffe. 17 cm außerhalb des rechten Oberarms lag eine eiserne Pfeilspitze (Abb. 3, 8) mit Dülle. Lg. 5,3 cm, Vr. 2 cm. Weit rechts außerhalb des Knopfes befand sich eine bronzene Zwinge (Abb. 2, 7), in der noch ein dreikantiger Holzrest steckte. Die Zwinge hat einen Durchmesser von 3 cm. Diese Zwinge kann ihrer Größe und Lage nach nicht zur Pfeilspitze gehören, eher würde man vermuten, daß sie am Fuße einer Lanze gesessen hätte doch müßte sie in diesem Fall eigentlich in der Gegend der Füße liegen. Auch die dazu gehörige Lanze hätte gefunden werden müssen.Direkt unterhalb des Beckens, links vom rechten Oberschenkel, kam eine ovale Eisenplatte (Abb. 2, 8) von 4,5 cm Länge und 3,3cm Breite, mit zwei großen Bronzenieten, zum Vorschein. Daneben lagen drei
Bronzenieten von 9 mm Durchmesser, deren Zugehörigkeit aber nicht sicher festgestellt werden konnte.
Da sie gleich groß sind wie die Nieten der ovalen Eisenplatte, ist zu vermuten, daß sie diesem Stück zugehören, womit bewiesen wäre, daß dieses nur noch fragmentarisch vorhanden ist. Direkt darunter lag in der Richtung des Körpers ein spitzes Eisen (Abb. 3, 9) von 7,8 cm Länge, das am breiten Ende rund, im dickern Mittelteil vierkantig und gegen die Spitzen hin wieder rund ist und wohl als Stilus gedeutet werden kann.
7 cm rechts neben dem linken Oberschenkel fand sich eine kleine Eisenschnalle von 2,9 cm erhaltener Länge und 1,7 cm erhaltener Breite mit drei bronzenen Nieten. Links neben dem linken Oberschenkel, in dessen oberer Hälfte, fanden sich ein größeres und ein kleineres Schnallen stück. Das kleinere hatte drei bronzene Nieten und eine erhaltene Lg. von 3,1 cm und eine Vr. von 1,6 cm.Das größere besaß eine erhaltene Vr. von 3,5 cm und eine erhaltene Lg. von 6,3 cm und nur noch einen Nietnagel. Dem Rücken des Skramasaxes entlang lag ein schmales Eisen-messer von 10,2 cm Länge, von denen 4 cm auf den Dorn entfallen, und einer Klingenbreite von 1,3 cm. Unter diesem Messer wurde noch eine bronzene Riemenzunge (Abb. 2, 19) (6,6 cm Lg., 1,4 cm Vr.) gefunden. Das obere Drittel dieses Stücks ist durch
zwei Rillen abgeteilt, darunter befindet sich eine Verzierung durch zwei Längsreihen, bestehend aus kleinen Dreiecken mit je drei Punkten in jedem Dreieck. Das obere Ende zeigt zwei Nieten.
Grab 29 (Taf. II, Abb. 1) : Orientierung weicht etwas ab: von Nordwest nach Lüdost. Das Skelet war verhältnismäßig gut erhalten und wurde der anthropologischen Untersuchung zugeführt. Die Bestattung ist etwas jünger als diejenige von Skelet 28, weshalb dieses bei der Beerdigung teilweise zerstört wurde. Keine Beigaben.
Grab 30 : Orientierung West-Ost. Sehr schlecht erhalten. Sicher alter Mensch. Lg. 1,65 m. Keine Vergaben.
Grab 31 : Orientierung West-Ost. Noch junger, aber erwachsener Mensch. Zum größten Teil durch Rebbau zerstört. Lg. 1,70 m. Keine Beigaben.
Grab 32: Orientierung weicht etwas ab: von Nordwest nach Eüdost. Verhältnismäßig sehr gut erhalten, daher anthropologisch untersucht. Keine Beigaben.
Grab 33 : Es ließ sich nur noch der Kopf eines ganz kleinen Kindes feststellen. Alle andern Knochen waren vermodert. Keine Beigaben.
Grab 34: (Taf. II, Abb. 2) : Dieses Grab erwies sich als antik gestört. Neben dem prachtvoll erhaltenen Schädel, der anthropologisch untersucht wurde, lagen auf der einen Seite sorgfältig hingelegt die beiden Oberschenkel und auf der andern Seite die beiden Unterschenkel. Keine Beigaben.
Gräber 35—38: Orientierung West-Ost. Die Toten lagen ganz nahe beieinander auf der gleichen Höhe, und es ist zu vermuten, daß alle vier Toten miteinander begraben wurden. Die Skelete waren außerordentlich schlecht erhalten und litten während eines kalten Regentages, an dem nicht gearbeitet werden konnte, so stark, daß sie nicht einmal mehr photographiert werden konnten. Es ließ sich aber feststellen,
daß zwei der Skelete Kindern zugehörten. Die Länge von Grab 35 ließ sich auf 1,68 m, von Grab 36 auf 1,11m, von Grab 37 auf 1,52 m und von Grab 38 auf 0,98 m abschätzen. Keine Beigaben.
Grab 39: Orientierung weicht etwas ab: von Nordwest nach Südost. Sehr schlecht erhalten. Lg. 1,63 m. Keine Vergaben.
Grab 40: Orientierung West-Ost. Das Skelet von 1,57 m Lg. war sehr schlecht erhalten und deutete auf ein altes Individuum. Über den ganzen Körper verteilt wurden acht Pferdezähne festgestellt.
G r a b 41 : Orientierung West-Ost. Das Grab liegt etwas höher als Grab 7 und ist sicher etwas jünger als dieses. Die Hände lagen hier ausnahmsweise auf dem Becken. Sehr schlecht erhalten. Keine Beigaben.
Holzsärge oder Totenbretter wurden nirgends aufgefunden. Die Tiefe der Gräber unter dem heutigen!Boden wechselte zwischen 30 und 120 cm.
Beschreibung der Funde vom Frühjahr 1934 Spatha (Abb. 2, 5), ohne Blutrinne. Lg. 91 cm, davon entfallen auf den Griff 12,3cm. Parierstange oval mit zwei Nieten, 8,3cm lg., 3,3 cm br. Knauf des Griffs ebenfalls oval, 3,2 cm br., 7,2 cm lg., mit dreieckiger Längsrippe von 1,1 cm Höhe. Klingenbreite 5,2 cm. Skramasax. 72 cm lg., davon Dorn 32 cm. Klinge geht allmählich in Dorn über. Klingenbreite 5,3 cm.
Skramasax. 32 cm lg., davon Dorn 2,7 cm. Klinge von Dorn scharf abgesetzt. Klingenbreite 5,3 cm. Spathenfragment. Erhaltene Lg. 35 cm, Klingenbreite 4,5 cm. Nur Klingenstück. Knauf einer Spatha mit ovaler Platte, 9 cm lg., 2,7 cm br.
Lanzenspitze (Abb. 3, 4). 35,7 cm lg., größte Br. 3,4 cm. Auf Dülle entfallen 16,1cm. Durchmesser der Dülle 2,6 cm. Dort Nietnagel. Ausgeprägte Mittelrippe. Am Übergang von der Dülle zur Spitze zwei Winkel mit Spitze gegen die Dülle eingegraben.
Lanzenspitze. 29,5 cm lg. Flügelbreite 2 cm. Düllendurch-messer 2,8 cm. Mittelrippe gut ausgeprägt.
Düllenlänge 11,5 cm. Die Dülle ist andeutungsweise achteckig bis rund.
Pfeilspitze mit Dülle. 7,8 cm lg., auf Dülle entfallen 3,9 cm.
Messer. 20,4 cm lg., davon Dorn 5,6 cm. Klingenbreite 3 cm.
Messerfragment. 10,9 cm erhaltene Lg., davon Dornrest 1,4 cm. Klingenbreite 1,6 cm.
Eisenstück. Unkenntlich, flach, 9 cm lg., maximal 8 mm br. und 3 mm dick.
Schnallenplatte. Eisen. Zwei erhaltene bronzene Nieten. Lg. 9,4 cm, Vr.4,2cm.
Schnallenplatte. Eisen. Zwei erhaltene bronzene Nieten. Lg. 9 cm. Breite nicht mehr messbar. Offenbar stammen diese beiden Stücke aus dem gleichen Grab.
Schnalle, Eisen. Oval mit 4,8 cm Lg. und 2,9 cm Vr. Mittelsteg. Dorn teilweise erhalten.
Fragment von ovaler Schnalle.
Fragment vermutlich einer Schere.
Verschiedene unkenntliche kleine Eisenstücke, darunter ein Schnallendorn und ein profiliertes Stück.
3 Sakramasaxscheidenknöpfe (Nieten) aus Bronze (Abb. 2,9). Durchmesser 1,8 cm. Alle drei genau gleich geschnitzt: ein Triquetrum innerhalb Ring.
2 bronzene Ohrringe. Offen mit Rillenbündeln. Durchschnittlich 6,2 cm äußerer Durchmesser.
Das nachstehende Anthropologische Gutachten verdanken wir Herrn Georg Pool, Assistent am Anthropologischen Institut der Universität Zürich:
„Das von Herrn Karl Keller-Tarnuzzer in Steckborn gehobene und von ihm dem Anthropologischen Institut der Universität Zürich zur Bearbeitung übersandte Material wurde mir von Herrn Prof. Dr. Schlaginhaufen zur Untersuchung überlassen, wofür ich an dieser Stelle danken möchte.
Es umfaßt im ganzen 8 Skelete, wovon 5 männlichen und 3 weiblichen Geschlechtes. Der Erhaltungszustand ist nicht gerade besonders gut, doch konnte, dank der vorsichtigen Hebung und Übersendung mit dem anhaftenden Erdreich, eine relativ befriedigende Rekonstruktion, besonders der Gesichtspartie, vorgenommen
werden. Die Individuen verteilen sich auf folgende Altersstufen: juvenil 1 (Grab 19), adult 5 (Gräber 2, 4, 13, 26, 32)
und matur 2 (Gräber 34, 29). Die Körpergröße berechnet sich aus den langen Knochen zu 167,4 cm für die Männer und 158,0 cm für die Frauen, das juvenile Individuum hatte eine mutmaßliche Körpergröße von 165,8 cm erreicht.
Ein Schädel (Grab 4) weist Metopismus auf.
Die adulten und maturen Skelete wurden für die Untersuchung zusammengefaßt, da sie auch nach der Schädelform einen einheitlichen Typus darstellen, während der juvenile Schädel ein fremdesElement darstellen dürfte. Die ersteren gehören wohl sicher dem Hohberger-Typus His' und Rütimeyers oder dem Reihengräbertypus Eckerts an, wobei allerdings nicht verschwiegen werden soll, daß rein morphologisch wohl kein einheitlicher Typus vorliegt; so zum Beispiel zeigt der Schädel Nr. 26 in der Vertikalansicht eine auffallend schmal-elliptische Form, während die übrigen durch eine mehr oder weniger starke Ausbuchtung der Parietalhöcker
einheitlich gekennzeichnet erscheinen. Demgegenüber gehört der letztere, Nr. 19, eher zum Disentis-Typus His' und Rütimeyers, mit wesentlich breiteren Formen,
Die Schädelkapazität wurde zu 1391,25 cm' (1422,88 für die M., 1328,0 für die 3L.) berechnet nach der Sarasinschen Einteilung wären sie also im Durchschnitt als groß zu bezeichnen, doch nahe der unteren Grenze.
Der Schädel aus Grab 19 weist eine Kapazität von 1566 cin^ auf und fällt schon mit diesem Maß ganz aus der ersteren Reihe. (Variationsbreite 1283—1434 cm^.)
Der Längen-Breiten-Index von 75,8 (M..' 73,9, W..' 79,5) liegt an der unteren Grenze der Mesokranie, also mittel bis lang. Der Längen-Höhen-Index von 76,5 (M..- 69,6, W.: 71,4) und der Breiten-Höhen-Index von 92,2
(M.i 93,6, 3L..' 90,8) deuten beide auf mittelhohe, eher niedrige Schädel hin.
Der geringe durchschnittliche Transversale-Fronto-Parietal-Index von 66,4 (M.: 65,43, W..' 68,35) zeigt bei einer absoluten kleinsten Stirnbreite von 93,42 eher eine relative Verbreiterung der Schläfen-Scheitel-Partie an.
Der Index steht wieder an der unteren Grenze der Metriometopie.
Die Umfange (Horizontalumfang 517,3 — Transversalbogen 304,8 — Mediansagittalbogen 370,8) sind im Vergleich mit den von Schwerz für die Alamannen der Schweiz angegebenen Mittelzahlen eher gering, wie die meisten Zahlen, die mehr im unteren Variationsbereich der von Schwerz angeführten Zahlen sich bewegen.
Deutlich zeigen die männlichen Schädel ausgeprägte Superciliarwülfte, die Glabella ist meist mächtig entwickelt.
Das Hinterhauptsbein aber weist die für diesen Typus charakteristische Auswölbung auf, dies bei beiden Geschlechtern. Auffallend ist auch der oft recht ausgeprägte Parietalhöcker, der bei beiden Geschlechtern zu beobachten ist.
Das Gesicht, bei fünf Schädeln rekonstruiert, ist mittelhoch (Gesichtsindex 88,55), das Obergesicht ebenfalls mittelhoch, doch beidemal wieder nahe der unteren Grenze zu hohen Gesichtern. In der Gaumenregion zeichnet sich diese Gruppe durch breite, mittelhohe Gaumen aus (Gaumenindex 96,6, Gaumenhöhenindex 33,3). Der durchschnittliche Maxilloalveolarindex von 121,9 deutet auf kurze Gaumenformen.
Die Orbitae sind mittelhoch (Index 79,12), die Nasenöffnung ebenfalls mittelbreit (Index 47,9).
Die Zähne zeigen die dem Alter entsprechende Abnutzung. Von Bedeutung mag sein, daß an drei Schädeln die oberen Canini je zwei Wurzeln aufwiesen, was bei der geringen Zahl der untersuchten Fälle immerhin auffallen mag.
Die Unterkiefer sind nicht immer in dem Maße erhalten, als daß vergleichbare Mittelzahlen hätten gewonnen werden können.
Dieser Reihe ist, wie schon oben gezeigt wurde, das juvenile Skelet aus Grab 19 gegenüberzustellen. Leider ist hier das Gesicht nicht rekonstruierbar gewesen, so dass über dieses nichts ausgesagt werden kann. Der Längen-Breiten-Index
ist 87,22, womit der Schädel in die Gruppe der hyperbrachykranen einzuordnen ist. Ein Längen-Höhen-Index von 76,6 und ein Breiten-Höhen-Index von 87,9 ordnen das Objekt bei den hypsikranen bezw. tapeinokranen Schädeln ein. Die kleinste
Stirnbreite ist bei einer absoluten größten Schädelbreite von 157 mm gering. (Fronto-Parietal-In-dex 64,97.) Der Horizontalbogen beträgt 536 mm, der Transversal-bogen 335 mm und der Mediansagittalbogen 380 mm. Die Glabella ist mäßig entwickelt, das Hinterhaupt gerade.
Von den langen Knochen sei lediglich mitgeteilt, daß die Femora mässig gekrümmt sind (Krümmungsindex 2,23), der Torsionswinkel schwankt zwischen 10" und 21", eher an der unteren Grenze sich haltend, also geringe Torsion. Die
Tibiae sind euryknem (Index cnemicus 79,8); die Humeri und Radii ordnen sich in die von Schwerz gegebenen Zahlen zwangslos ein, weisen so auch keine Besonderheiten auf.
Die langen Knochen des jugendlichen Skeletes sind zum Teil so schlecht erhalten, daß keine brauchbaren Vergleichszahlen gewonnen werden konnten. An allen langen Knochen sind die Epiphysenfugen noch offen, woraus auf ein Alter nicht über 16—17
Jahre geschlossen werden kann. Die offene Sphäno-Occipitalnaht am Schädel bestätigt ebenfalls diese Bestimmung."
Die Ausgrabung dieses Gräberfeldes ist natürlich noch nicht abgeschlossen. Wir haben durch Sondierungen festgestellt,
daß es sich noch mindestens 30 m nach Nordosten weiter zieht und dasselbe haben wir beobachtet in der Richtung nach Südosten, wo wir unter anderem auf ein Skelet mit Spatha stießen, es aber im Noden ließen, bis es durch eine richtige Grabung gehoben werden kann. Im Südwesten ist die Grenze des Gräberfeldes erreicht und im Nordwesten sind keine Funde mehr zu machen wegen des Hohlweges. Hier lagen die Grabstellen des Frühjahrs, die zur Entdeckung der Nekropole führten.
Sehr auffallend ist, daß die Frühjahrsfunde verhältnismäßig viel Waffen ergaben, zum Beispiel zwei Lanzenspitzen, während die Ausgrabung selbst nur zwei Skramasaxe aufzeigte und keine einzige Lanzenspitze. Es hat durchaus den Anschein, als ob im Frühjahr in erster Linie Kriegergräber zerstört worden seien, daß diese sich also in der Richtung nach dem Hohlweg gehäuft hätten. Es ist schon wiederholt in frühgermanischen Gräbern beobachtet worden, daß die Gräber in bestimmten Gruppen angeordnet waren. Ob auch hier tatsächlich eine solche Gruppierung vorliegt, kann natürlich erst entschieden werden, wenn der ganze Friedhof durchforscht ist.
Die genaue Datierung frühgermanischer Gräber ist heute noch eine recht schwierige Sache. Wenn wir dennoch in derLage sind, einzelne Fundstücke zeitlich näher zu umgrenzen, so haben wir dies in erster Linie Walter Veeck zu verdanken für das deutsche, und E. Tatarinofft für das schweizerische Gebiet. Veeck hat in einer ausgezeichneten Veröffentlichung „Die Alamannen in Württemberg" seine Forschungsergebnisse niedergelegt. Die nachfolgenden Seiten- und Tafelhinweise beziehen sich auf dieses Werk.
Ein unserem Kamm in Grab 4 ähnliches Stück findet sich auf Taf. 12^, 1. Es stammt nach Veeck aus einem Grab des 7. Jahrhunderts in Holzgerlingen. Veeck stellt ferner (S. 51) fest, daß mit vorrückender Zeit die durchsichtigen Glasperlen vor den undurchsichtigen allmählich zurücktreten und daß die doppelkonischen, einfarbigen Perlen dem 6. und 7. Jahrhundert angehören. In die gleichen Jahrhunderte gehört die Form der Bernsteinperlen, wie sie unsere Kette aus dem Grab 4 besitzt.
Auch die Drahtohrringe, die wir im Obertor festgestellt haben, scheinen nach Veeck (E. 54) in die gleichen Jahrhunderte zu deuten.
In bezug auf die Zierscheiben, wie wir eine solche in Grab 4 gefunden haben, sagt Veeck S. 58, daß sie vereinzelt schon im 5. Jahrhundert vorkommen, daß ihre Blütezeit aber ins 6. und vielleicht noch beginnende 7. Jahrhundert fällt.
Von den großen Eisenschnallen mit Platte und Gegenplatte, wie sie unsere Abb. 3, 1 und 2 zeigen, schreibt Veeck, daß sie zu Beginn des 6. Jahrhunderts aufkommen, sich aber als reine Zweckform bis weit ins 7. Jahrhundert hinein halten. Auch die silber-tauschierten Eisenschnallen (unsere Abb. 2, 1—4) kommen nach dem
gleichen Autor in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts in Gebrauch und halten sich bis ins 7. Jahrhundert hinein, nach Tatarinoff bis ins 8. Jahrhundert.Riemenzungen mit der reichen Ornamentik wie unsere Taf. I, Abb. 2, setzt Veeck in die zweite Hälfte des 6. Jahrhunderts und in das 7. Jahrhundert.
Die Spatha unserer Abb. 3, 6 findet eine Parallele in der Veeckschen Tafel 68^,1, einer Waffe aus Haldenegg, die sicher in das 7. Jahrhundert gehört.
Nicht in Übereinstimmung gebracht werden können mit den bisherigen Ergebnissen unsere Skramasaxe, da Veeck feststellt, daß die kleinen Saxe in der Regel der Frühzeit, die großen hingegen der Spätzeit angehören.
Die unsern sind ausnahmslos klein. Doch ist zu sagen, daß die genaue Datierung einer solchen Waffe, die während mehreren Jahrhunderten in Gebrauch stand, doch eine fragliche Sache bleibt. Noch schwieriger, wenn nicht gar unmöglich, ist die genaue zeitliche Festlegung der Lanzenspitzen.
Im ganzen genommen scheint also festzustehen, daß der Beginn des Gräberfeldes im Obertor in die zweite Hälfte des 6. Jahrhunderts, und dessen Ende in das 8. Jahrhundert einzusetzen ist.
Diese Feststellung ist für Steckborn von ganz bestimmter Bedeutung. Denn es steht ganz außer Zweifel, daß der neu entdeckte Friedhof, genau gleich wie derjenige im Chilestigli (siehe 7. Fortsetzung zu den Quellen zur Urgeschichte des Thurgaus, T. 103 ff.), zur frühgermanischen Besiedlung dieses Städtchens gehört. Steckborn hat demnach, wie dies vielenorts der Fall ist, zwei alamannische Friedhöfe aufzuweisen.
Das bedeutet aber gleichzeitig, daß dieser Ort spätestens im 6. Jahrhundert gegründet worden ist. Das ist ein unbedingt sicherer Schlutz, der aus dem vorhandenen archäologischen Material gezogen werden muß.
Abschließend möchten wir nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß es dringend notwendig wäre, die Grabungen zu gegebener Zeit weiterzuführen. Eine solche neue Grabung verspricht nicht nur eine stattliche Erweiterung des archäologischen Materials, die dem neu zu gründenden Museum in Steckborn wohl anstehen wird, sondern es werden sich auch weitere Erkenntnisse für die Ortsgeschichte Steckborns, und was uns besonders am Herzen liegt, für die alamannische Besiedlung unseres Landes und die alamannische Kultur ergeben.
Literatur: Thurg. Ztg. 21. IX. 34. Bote vom Untersee 23.X.34, 2. und 9. IX. 34.