Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03183.jsonl.gz/1411

Frauenzimmer
Entstanden aus der Aktion Frauen-Zentrum (AFZ) in Basel, später dann als effzett
Geschichte
"Die Idee eine Frauenbeiz zu gründen, entstand dadurch, dass die Frauenzentrum-Arbeit stagnierte. Die Verhandlungen mit Ämtern und
Behörden brachten nichts als Frustrationen. Im Sommer 77 taten sich deshalb einige Frauen zusammen, um eine Frauenbeiz zu gründen. Die
Beiz sollte auf keinen Fall als Konkurrenz zum Frauenzentrum oder als Ersatz aufgebaut werden. Die Idee war, so schnell wie möglich etwas in dieser Richtung zu unternehmen."
Gründung Verein Frauenzimmer: 15. September 1977
Lokal an der Davidsbodenstrasse 25 wurde gemietet."Die Arbeitsgmppe wurde vergrössert. Dazu kamen Schülerinnen der Fachklasse für Innenarchitektur, welche gemeinsam mit der Gruppe die Planung für die Einrichtung des Frauenzimmers übernahmen, und eine Frau, die das Wirtepatent besitzt.
Um u.a. die Inneneinrichtungen bezahlen zu können, wurden Bettelbriefe verschickt. Innert 4 Wochen waren zweidrittel Fr. 10 000.-- des aufgestellten Budget durch Spenden von einzelnen Frauen und Frauengruppen beisammen. Die Einrichtungen wurden grössten Teils von den Frauen selbst gebaut, Installationen z.B. Elektrisch wurden von Handwerkern durchgeführt."
Eröffnung Frauenzimmer am 8. April 1978.[1]
Erzählt auf der Webseite effzett.ch[2]
Die schwere Geburt: Mutter des effzett ist die 1976 gegründete „Aktion Frauen-Zentrum“ (AFZ). Über zwei Jahre hatte sie für ein kantonal finanziertes Zentrum von und für Frauen gekämpft. Leider ohne Erfolg. Schliesslich entschloss sich die Beizengruppe des AFZ, sich selbständig zu machen: 1978 gründete sie mit einem Kapital von 12'000 Franken aus Spenden und Mitfrauenbeiträgen den Verein Frauenzimmer und mietete sich an der Davidsbodenstrasse ein.
Diese erste Frauenbeiz der Schweiz war Treffpunkt und Veranstaltungsort zugleich und legte den Grundstock einer der umfangreichsten Frauen- und Lesbenbibliothek.
Auf zu neuen Ufern: 1983 zog der Verein in eine neue Liegenschaft am Klingentalgraben 2. Als Teil der Kaserne war der neue Ort nicht nur zentraler und leichter zu finden, sondern auch kostengünstiger. Die hellen und grosszügigen Räumlichkeiten erlaubten, das Angebot für Frauen weiter auszubauen. Eine Veranstaltung folgte der nächsten, und schon bald zogen Künstlerinnen, Frauen- und Lesbengruppen in die neu geschaffenen Ateliers und Büroräumlichkeiten ein.
- Bewegung in die Frauenbewegung im Frauenzimmer. Da haben wir Frauen doch schon alle so kraftlos herumgesessen und gedacht, wenn's halt nicht läuft, dann hören wir eben auf.
- Aber dann strömte plötzhch von mehreren Ecken neue Energie in unsere Räume — flössen Ideen und Pläne, die wurden verworfen und wieder neu aufgenommen.
- Irgendwoher kamen wieder die Veteraninnen und treue und neue Frauen und wir müssten schon fast wieder bremsen bei ah dem Mut zur Veränderung.
- FRAUEN, wir schliessen in der Davidsbodenstrasse in der Sommerpause und öffnen das neue Frauenzimmer am 1. September 1983 im Frauenzentrum im Klingentalgraben in der Kaserne.
- Da möchten wir nun Bewährtes aus der Davidsbodenstrasse mitnehmen und Neues sehr stark der neuen Umgebung und den Räumen anpassen. Von den drei Räumen, die wir haben werden, soll neben dem Beizraum einer als Sitzungszimmer und einer als Spiel- und Fernsehzimmer verwendet werden. Geöffnet wird von 11-24 Uhr sein (kleine Menus mittags und abends).[3]
Von der Allrounderin zur Spezialistin: Bis 1986 wurde das damalige Frauenzimmer von einem Kollektiv aus fünf bis fünfzehn Frauen betrieben. Als „Mädchen für alles“ verwalteten sie die Räume, führten die Beiz, aktualisierten und kategorisierten den Buchbestand der Bibliothek, organisierten die Ausleihe und veranstalteten Discos und Künstlerinnen-Acts. Als alle unter der schweren Arbeitslast zusammenzubrechen drohten, wurden die Pflichten konzentriert: Buchhaltung, Versand des Info-Blatts (neu effzettera), Koordination der Mitbenützerinnengruppen (Lesbengruppe, Ofra, Nottelefon) und Beizenbetrieb oblagen nun jeweils einer Verantwortlichen.
Der Geld-Hahn geht zu: 1993 drohte das Aus für das Frauenzimmer: Die Subventionen des Kantons Basel-Stadt wurden gestrichen. Die ohnehin schon kleinen Löhne für den Beizen- und Bibliotheksbetrieb konnten nicht mehr ausbezahlt werden. Trotzdem überlebte der Verein dank einer ehrenamtlichen Kerngruppe aus drei bis fünf Frauen und der Grosszügigkeit zahlreicher Firmen, Organisationen und privaten Gönnerinnen. Mit den gespendeten Mitteln – aber auch mit viel Schweiss und Idealismus – konnten die Räume 1998 und 1999 renoviert und neu gestrichen werden. So betrat das Frauenzimmer in strahlend weissem Kleid das dritte Jahrtausend. Und eine Zeit vieler Neuerungen.
Aus FZ wird effzett: Seit dem 26. Januar 2002 ist es offiziell: Das Frauenzimmer hat einen neuen Namen. „effzett“ steht für Frauenzimmer oder auch „feminin & zeitgemäss“. Die alten Werte bleiben, aber das Angebot wird breiter. Neu gegründet wurde eine Gesprächsgruppe für lesbische Mütter, die sich regelmässig im effzett trifft. Unter dem Namen FrauenSchafftWissen referieren Fachfrauen neu zu aktuellen Themen. Die Daten sowie das aktuelle Programm des effzetts sind im monatlich erscheinenden Infoblatt effzettera zu finden.
Bilder
Literatur
- Café Frauenzimmer. Anna Egolf in: Emanzipation 1/1985. S. 4-5
- 20 Jahre Frauenzimmer Basel. Conny Pauly in: die, 10/1998, S. 25
- Basler "Frauenzimmer" ohne Subventionen. In: Emanzipation 19/1993, S. 23