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Viele Kunden werden die grossen Markennamen über Bord werfen, weil sie stärker personalisierte Dienstleistungen sowie Produkte, die speziell auf regionale Böden und Klima abgestimmt sind, haben wollen. Das meint Sonny Beck, Chef von Beck’s Hybrids, dem grössten unabhängigen Saatguteinzelhändler der USA.
"Konsolidierung öffnet immer den Markt", sagt auch Myron Stine, Präsident von Stine Seed Co., dem grössten Saagut-Grosshändler der USA, der nicht an der Börse notiert ist. "Mir macht es nichts aus, wenn es nur zehn Prozent vom Markt sind, die sagen: 'OK, ich mag diese Konsolidierung nicht, ich will etwas Anderes'. Für ein Unternehmen unserer Grösse ist das extrem gut."
Auf dem globalen Saatgut- und Chemiemarkt läuft gerade eine Welle von Zusammenschlüssen und Übernahmen. Innerhalb von weniger als zwölf Monaten gab es gleich drei riesige Transaktionen. Bayer will Monsanto für 66 Mrd. Dollar kaufen. DuPont und Dow Chemical planen eine 59 Mrd. Dollar schwere Fusion unter Gleichen. Und China National Chemical Corp. ist dabei, die 43 Mrd. Dollar schwere Übernahme von Syngenta unter Dach und Fach zu bringen.
Der Markt an einem Sättigungspunkt?
Nicht-börsennotierte Unternehmen stehen allein in den USA hinter rund 20 Prozent beim Absatz von Mais-Saatgut und hinter 22 Prozent bei Sojabohnen, sagt Todd L. Martin, Geschäftsführer der Independent Professional Seed Association, einen Verband mit 118 regulären Mitgliedern.
Der Widerstand gegen die grossen Fusionen in der Branche könnte bei Stine Seed schnell zu einer Verdopplung der Umsätze aus dem Einzelhandel führen, schätzt Stine. Genaue Zahlen wollte das Unternehmen nicht nennen.
Kleinere Anbieter haben womöglich auch einen Vorteil gegenüber teureren Biotech-Produkten, sagt Jason Miner, Analyst bei Bloomberg Intelligence. Seiner Meinung nach könnte der Markt für Saatgut mit verschiedenen Eigenschaften - etwa zum Schutz vor unterschiedlichen Arten von Schädlingen und Pflanzenschutzmitteln - einen Sättigungspunkt erreicht haben.
"Traditionelle Züchtungen könnten sich tatsächlich auf dem aufsteigenden Ast befinden", erklärt Miner. "Landwirte sind weniger daran interessiert, auf hochpreisige potenzielle Ertragssteigerer zu spekulieren. Sie wollen kosteneffiziente Lösungen."
Unbekanntes macht Sorgen
Angesichts des Umfangs der Konsolidierung haben Landwirte bereits Protest bei den entsprechenden Behörden in Washington angemeldet. Die Interessenvertretung National Farmers Union, die Nummer zwei ihrer Art in den Vereinigten Staaten, traf sich am 12. September mit Gesetzgebern, um ihrem Unmut über die Transaktionen Ausdruck zu verleihen.
Unabhängige Saatguthersteller hängen nicht zuletzt von liberalen Lizenz-Vereinbarungen der grossen Saatgutentwickler ab, um die neuesten veränderten Eigenschaften der grösseren Unternehmen für sich nutzen zu können. Das Risiko besteht darin, dass Monsanto, Dow, Syngenta und Bayer ihre Lizenzverträge reduzieren.
"Das Unbekannte macht jedem Sorgen", sagt Martin von der Seed Association. "Aber es gibt durchaus Gründe, etwas optimistisch zu sein."
Chance für unabhängige Anbieter
Die Konsolidierung der grossen Unternehmen ist eine Chance für die unabhängigen Mitspieler, um zu expandieren, meint etwa Beck von Beck’s Hybrids. Je grösser eine Firma sei, desto mehr Priorität räume sie meist den Investoren gegenüber den Kunden ein, sagt er in einem Telefon-Interview mit Bloomberg aus der Firmenzentrale in Atlanta, Indiana.
Beck erinnert sich daran, als es allein in seinem Bundesstaat einmal 140 Wettbewerber gab. Er selbst hat niemals einen Konkurrenten übernommen. Und er reagiert nicht auf Anrufe oder E-Mails von Personen, die eine Übernahme von Beck’s, einem Familienunternehmen, einfädeln wollen. Seine Kinder haben bereits Schlüsselrollen in der Firma übernommen.
"Es geht hier nicht ums Geld", meint Beck. "Es geht darum, etwas für die Bauern hier vor Ort zu tun. Ihnen dabei zu helfen, erfolgreich zu sein."
(Bloomberg)