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Die Fernsehgebühren sind auch in Grossbritannien ein heisses Eisen. Die öffentlich-rechtliche BBC machte die Probe aufs Exempel und setzte 70 Familien auf Entzug. Das Ergebnis der Studie ist verblüffend.
Die British Broadcasting Corporation (BBC) ist eine Institution. Ihr TV-Programm gilt als weltweites Vorbild, dank den Nachrichtensendungen und den hochklassigen Filmen und Serien. Sie finanziert sich wie die SRG durch Gebühren, und das ausschliesslich. Die BBC ist seit ihrer Gründung werbefrei. Die Gebühr beträgt derzeit 145.50 Pfund (rund 194 Franken) pro Haushalt und Jahr.
Die BBC ist aber auch unter Druck. Immer weniger Briten bezahlen die Gebühr für den TV-Empfang (Radio ist kostenlos). Die Jungen konsumieren kaum noch lineares Fernsehen. Die regierenden Konservativen kritisieren das öffentlich-rechtliche Fernsehen als zu links, und die privaten Verleger ärgern sich über die BBC-Präsenz im Internet.
Das erinnert an die Diskussion in der Schweiz über die No-Billag-Initiative. Anders als die SRG hat die BBC auf den Spardruck reagiert. 2015 kündigte sie den Abbau von 1000 ihrer 18'000 Stellen an. Trotzdem ärgern sich viele Briten, die nach der Finanzkrise den Gürtel enger schnallen mussten, über die Fernsehgebühr. Sie möchten weniger oder gar nichts mehr bezahlen.
Die BBC wollte es deshalb wissen. Sie gab eine Studie in Auftrag, mit der sie herausfinden wollte, wie die Gebühren-Verächter mit einem Entzug umgehen würden. 70 Familien in 15 Städten im gesamten Königreich erklärten sich bereit, die BBC-Programme während neun Tagen blockieren zu lassen. Durchgeführt wurde die Erhebung zwischen Juli 2014 und April 2015.
Von den 70 Familien hatten 48 zuvor erklärt, sie wollten keine oder nur eine reduzierte Gebühr bezahlen. Für den grossen Teil wurden die neun Tage ohne BBC zum Aha-Erlebnis. Zwei Drittel oder 33 der 48 Haushalte erklärten sich danach bereit, die volle Gebühr zu bezahlen. Von den 22 Familien, die grundsätzlich zufrieden waren, wollte nach dem Entzug nur eine weniger zahlen.
In der im August 2015 veröffentlichten Studie kommen die Teilnehmer auch zu Wort. Mike O'Donnell, ein pensionierter Verkaufsleiter, hatte die Gebühr zuvor als «weitere Steuer» betrachtet. Nach den Entzug stellte der erklärte Fan der Endlos-Soap «East Enders» fest: «Ohne BBC war es furchtbar, einfach nur scheusslich. Mir war nicht klar, wie oft wir sie geschaut haben.»
Wie andere Versuchsteilnehmer waren Mike und seine Frau Pat entsetzt über vielen Werbespots bei den privaten Fernsehsendern. Sie hätten ihn «in den Wahnsinn getrieben», meinte O'Donnell. Nach neun BBC-losen Tagen war das Ehepaar «bekehrt». Die Gebühr biete nicht nur einen sehr hohen Gegenwert, er würde «vermutlich sogar mehr bezahlen», sagte Mike O'Donnell.
7,552 Votes zu: Betreibt die SRG deiner Meinung nach zu viele Sender?
Andere Teilnehmer äusserten sich ähnlich. Erst mit dem Versuch wurde ihnen bewusst, wie sehr die BBC ihren Alltag bestimmte. Ein Teilnehmer aus Sheffield vermisste die Berichterstattung über die Fussball-WM – die erste Welle fand während des Turniers in Brasilien statt – und meinte danach, die BBC biete ein besseres Sportprogramm als der Privatsender Sky.
Die Unterschied zwischen den beiden Sendern – Sky überträgt die Spiele der Premier League – fiel auch anderen Teilnehmern auf, besonders die finanzielle Seite. «Für die BBC zahlen wir 12 Pfund pro Monat und für Sky 70 Pfund. Das hat mich ehrlich gesagt ein wenig schockiert», sagte ein namentlich nicht genannter Teilnehmer, der die BBC-Gebühr ursprünglich abgelehnt hatte.
Natürlich gab es auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die unbeeindruckt blieben und weiterhin weniger oder gar keine Gebühr bezahlen wollten. «Wir haben nicht wirklich etwas verpasst», meinte ein älteres Paar aus Edinburgh. Eine Frau bemängelte die Qualität der Programme. Insgesamt aber stellten die «Konvertiten» fest, dass die BBC für relativ wenig Geld sehr viel bietet.
Die Abstimmung über die Abschaffung der Radio- und TV-Gebühren dürfte die letzte grosse Schlacht sein, die Doris Leuthard (CVP) als Bundesrätin austrägt. Im grossen Interview spricht sie über Lügen im Abstimmungskampf, die Rolle von Gratiszeitungen und die Folgen der weichen MEI-Umsetzung.
Frau Leuthard, wie man hört, planen Sie, nach der No-Billag-Abstimmung zurückzutreten. Stimmt das?Doris Leuthard: Ich lasse mir den Rücktritt nicht diktieren und staune etwas, wie es in der Gerüchteküche brodelt. Dass sich eine Partei im Hinblick auf einen sich abzeichnenden Wechsel vorbereitet, ist normal. Der Rücktritt ist aber für jeden Bundesrat eine persönliche Angelegenheit, über die erst geredet wird, wenn es soweit ist. Ich bin nach wie vor mit viel Freude an der Arbeit!
Im Kampf gegen No …