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Tour #7
Spurensuche Schweizer Sinfonik
26. Oktober – 5. November 2023
Konzertprogramm
Robert Schumann (1810–1856)
Ouvertüre «Hermann und Dorothea» in h-Moll op. 136
Camille Saint-Saëns (1835–1921)
Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 a-Moll op. 33
Marie Jaëll (1846–1925)
Concerto pour Violoncelle et Orchestre en fa majeur
Franz Xaver Schnyder von Wartensee (1786 Luzern – 1868)
Sinfonie Nr. 1 A-Dur
Nachdem er sich in den Jahren davor mehrheitlich in Leipzig und Dresden aufhielt, übersiedelte Robert Schumann 1850 gemeinsam mit seiner Ehefrau Clara in den Westen Deutschlands und übernahm das Amt des städtischen Musikdirektors in Düsseldorf. Dort folgte eine seiner produktivsten Schaffensphasen, bevor er sich 1854 aus Verzweiflung – Schumann hatte immer wieder depressive Lebensphasen – in den Rhein stürzte und in der Folge sein Dasein in einer Heilanstalt in Bonn fristete. Die Ouvertüre «Hermann und Dorothea» in h-Moll op. 136 zum gleichnamigen Versepos von Johann Wolfgang von Goethe entstand 1851, wurde allerdings erst sechs Jahre später, einige Monate nach Schumanns Tod im Juli 1856, uraufgeführt. Das Werk ist geprägt vom Geist der Revolution: Zwei Jahre nach den grossen Aufständen in Dresden geschrieben – Schumann lebte damals dort, beteiligte sich aber, anders als Richard Wagner, nur zurückhaltend –, wird in Goethes Dichtung eine Liebesbeziehung zur Zeit der französischen Revolution geschildert.
Ebenfalls in revolutionären Zeiten geschrieben wurde das Konzert für Violoncello und Orchester in a-Moll op. 33 von Camille Saint-Saëns. Unter dem Eindruck des eben zu Ende gegangenen Deutsch-Französischen Kriegs fällt es in eine politisch wie auch musikhistorisch turbulente Phase, in der sich der französische Komponist als einer der treibenden Kräfte für die Stärkung der nationalen Musikkultur einsetzte. 1871 gründete er zusammen mit César Franck die Société Nationale de Musique – mit dem Ziel, zeitgenössische Instrumentalmusik französischer Komponisten öffentlich aufzuführen. Nur wenige Monate nach deren erstem Konzertanlass schrieb Saint-Saëns sein Cellokonzert Nr. 1, das schliesslich im Januar 1873 im Pariser Conservatoire mit dem Cellisten Auguste Tolbecque uraufgeführt wurde.
Musikalisch innovativ war auch die französische Pianistin und Komponistin Marie Jaëll. Sie war in Paris Schülerin von Saint-Saëns, der sie sehr schätzte und ihr sein 1. Klavierkonzert sowie seine «Étude en forme de valse» widmete. Jaëll war nicht nur eine gefragte und hochbegabte Pianistin, sondern engagierte sich auch musikpädagogisch, indem sie mehrere medizinisch begleitete Studien zur Physiologie des Klavierspielens publizierte und so massgeblich zu einer Verbesserung der Handbewegungsökonomie beitrug. In ihrem Cellokonzert, das bei unseren Konzerten direkt im Anschluss an Saint-Saëns erklingen wird, verarbeitete sie als eine der ersten europäischen Komponist*innen der Romantik Eindrücke aus der Neuen Welt. Das Werk erinnert, insbesondere im ersten Satz, deshalb auch oft an die berühmte, ein Jahrzehnt später entstandene 9. Sinfonie von Antonín Dvořák – ob diese durch Jaëlls Cellokonzert beeinflusst wurde, ist nicht gesichert, aufgrund der ähnlichen Klanglandschaften aber nicht unwahrscheinlich.
Nach diesen drei, aus unterschiedlichen Gründen bahnbrechenden Werken folgt im Programm unserer Tour #7 «Spurensuche Schweizer Sinfonik» eine längst überfällige musikalische Wiederbelebung: Die 1. Sinfonie in A-Dur des Schweizer Komponisten Franz Xaver Schnyder von Wartensee wird wohl zum ersten Mal seit dessen Lebzeiten wieder in voller Länge aufgeführt. Dafür wird das originale Notenmanuskript eigens für dieses Konzert-Programm ediert und modernes Aufführungsmaterial angefertigt. Schnyder von Wartensees erste von insgesamt vier Sinfonien entstand über einen Zeitraum von knapp zehn Jahren und wurde 1822 in Frankfurt am Main uraufgeführt, wo der 1786 geborene Luzerner grosse Teile seines Lebens verbrachte. Ursprünglich hatte Schnyder von Wartensee in seiner Heimatstadt – über die Robert Schumann anlässlich seiner Schweizreise sagte, dass sie «ein freundliches italiänisches Städtchen» mit «sehr todten Gassen» am Fusse des «mürrischen Pilatus» sei – eine Beamtenlaufbahn begonnen. Diese brach er jedoch schon bald ab und widmete sich fortan der Musik. 1808 war er massgeblich an der Gründung der Schweizerischen Musikgesellschaft beteiligt.
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«immer wieder Momente reiner Poesie» (Süddeutsche Zeitung)
«die wohl erfolgreichste deutsche Cellistin der Gegenwart» (Rondo Magazin)
Hochvirtuos und schwungvoll, leidenschaftlich und technisch brillant, vielseitig und charmant – kaum ein Cellist begeistert sein Publikum wie Raphaela Gromes. Ob als Solistin mit Orchester, bei Kammermusik im Duo oder gemeinsam mit einem Bläserquartett, die junge Cellistin zieht stets mit ihrem gleichzeitig fantastisch anspruchsvollen wie aussergewöhnlich leichtfüssigen Spiel in den Bann. Mit dem Album «Offenbach» erhielt Raphaela Gromes 2020 den OPUS KLASSIK in der Kategorie Kammermusikeinspielung. Mit der Urfassung der Strauss-Sonate op. 6 auf ihrem Album «Richard Strauss – Cello Sonatas» präsentierte Raphaela Gromes erneut eine Weltersteinspielung und erhielt den Diapason Nouveauté. Im Februar 2021 erhielt ihr Album «Klengel – Schumann: Romantic Cello Concertos» den Diapason d’Or. Auf ihr letztes Album «Imagination» vom Oktober 2021 folgt nun ihre neue «Femmes»-CD, welche bei SONY erschien.
In der Saison 2022/23 ist sie als Artist in Residence beim Staatstheater Augsburg und debütiert mit dem belgischen Nationalorchester in Brüssel sowie mit dem hr-Sinfonieorchester, dem Saarländischen Staatsorchester und dem Tonkünstler-Orchester. Dazu stehen unter anderem Konzerte in der Frauenkirche Dresden, dem Festspielhaus Baden-Baden sowie im Münchner Prinzregententheater mit den Festival Strings Lucerne im Kalender.
Raphaela Gromes ist Kulturbotschafterin der SOS-Kinderdörfer weltweit. Sie spielt ein Violoncello von Carlo Bergonzi, welches ihr aus privater Hand zur Verfügung gestellt wird.
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