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Kilimandjaro.
Im Jahre des Unheils 1914 befand ich mich mit meinem Freund und Kollegen W. von Ruckteschell und seiner Frau, einer gebürtigen Baslerin, in der damals noch deutschen Kolonie Ost-Afrikas, wo wir uns als Maler betätigten. Das Feld dieser Tätigkeit war das Kilimandjaro-Gebiet. So hatten wir täglich den höchsten Berg Afrikas vor Augen, und es war nur natürlich, dass wir eines schönen Tages den Pinsel mit dem Pickel vertauschten, um dem ehrwürdigen Riesen unsern Besuch abzustatten.
Bevor ich jedoch zu unserer Besteigung übergehe, muss ich einige kurze topographische Erläuterungen einflechten. Nebenbei verweise ich auf die Publikationen von Hans Meyer, der bekanntlich mit Ludwig Purtscheller schon 1889 die Erstbesteigung des Kibo-Gipfels ausgeführt hat; ferner auf diejenigen von H. Klute, des Erstbesteigers des Mawenzi-Gipfels.
Das Kilimandjaro-Gebirge kann man heutzutage von Tanga an der ostafrikanischen Küste in fünfzehnstündiger Fahrt auf der Usambarabahn erreichen. Der erste Anblick ist überwältigend: 3 Grad südlich des Äquators erhebt sich der 6010 m hohe, schneebedeckte Koloss unvermittelt aus der flachen, glühend heissen Steppe, die an seinem Südfuss nur 700 m hoch ist. In der Nähe verliert sein Anblick an Grosse durch die starke Verkürzung und den Mangel an jeglichem Massstab.
Die ungefähr kreisförmige Basis des Kilimandjaro hat einen Durchmesser von 70 Kilometer. Die untersten Zonen dieses Kegels sind verhältnismässig stark besiedelt, auch von einzelnen weissen Farmern und Pflanzern. Oberhalb dieser Kulturzone legt sich bis zu 3000 m ein Urwaldgürtel um das ganze Massiv. Noch höher dehnt sich unbewohnte Hochsteppe aus, die langsam in die vegetationslose Lava übergeht. In einer Höhe von zirka 4400 m breitet sich dann ein gewaltiges, wüstenartiges Hochplateau aus, das von den beiden Gipfeln des Kilimandjaro gekrönt wird: im Osten steht der wildverzackte und zerklüftete Mawenzi, 5355 m, im Westen die runde, schnee- und eisbedeckte Kraterkuppe des Kibo, 6010 m.
Der gewöhnliche Weg in die Höhe führt von der Endstation der Usambarabahn in 2 Stunden nach Alt-Moschi hinauf, 1100 m, wo man vor dem Krieg gute Unterkunft ( « cum grano salis africani » ) in Dr. Försters Hotel fand. Von da gelangt man in östlicher Richtung, 5 Stunden am Berg entlang, nach dem Rasthaus Marangu, 1400 m. Nun führt ein schmaler Neger-pfad in 5 Stunden durch den Urwald hinauf bis zu der geräumigen Bismarckhütte, 2700 m, nahe der obern Urwaldgrenze. Sowohl die Bismarckhütte als die 4—5 Stunden weiter oben gelegene Petershütte, 3900 m, sind von Förster zur Bequemlichkeit der Reisenden erbaut worden. Die letzte Nacht muss man am Fusse des Kibo biwakieren; gewöhnlich in einer grossen Höhle, der sogenannten « Hans Meyer-Höhle », 4700 m. Ein womöglich noch höher gelegenes Biwak wäre vielleicht vorzuziehen.
22 Nach diesen trockenen Angaben gehe ich nun zu unserer Besteigung über. Ich halte mich dabei an einen Brief, den ich wenige Tage nachher nach Hause geschrieben habe.
Wir hatten schon mehrere Wochen lang in der Bismarckhütte gehaust und benützten einige ausnehmend klare Tage für unser Vorhaben.
Am 11. Februar brachen wir auf mit dem Koch, dem Boy, dem « Führer » und acht Dschaggaträgern. Der Weg zur Petershütte führt durch die letzten Urwaldstücke hinauf in die sanft ansteigenden, mit Immortellen und Erikazeen bewachsenen Grashänge der Hochsteppe. Welch ideales Skigebiet — bei Beginn der nächsten Eiszeit! An runden Kraterhügeln kommt man vorbei, hie und da durch kleine Schluchten, in denen klare Bäche plätschern und seltene Sträucher ihre wundervollen Blüten entfalten; einzelne Exemplare der fremdartigen Senecio Johnstonü fristen hier noch ein kümmerliches Dasein.Von Wild sieht man da oben wenig; nur ein Rudel der schönen Elenantilopen wurde vor uns flüchtig. Diese grösste afrikanische Antilopenart — ein ausgewachsener Bulle wiegt gegen 1000 Kilo — steigt bis 5000 m hinauf. Die Elefanten, deren helles Trompeten wir öfters gehört hatten, der Leopard, der eines Morgens an der Bismarckhütte vorbeigeschlichen war und ein fürchterliches Gezeter bei den schönen, langhaarigen Colobusaffen hervorgerufen hatte: sie alle fühlten sich wohl sicherer unten im Schütze des Ur-walds. Zehn Tage später sahen wir hier Tausende von Störchen, die sich für ihren Flug nach Norden sammelten.
Über uns ragte der wilde Mawenzi auf. Vor uns, in 15 km Entfernung, wölbte sich der silberne Kibo. Und 3000 m unter uns lag in blauem Dunst die unendliche Steppe, von langgestreckten Höhenzügen, bizarren Krater-kegeln und den dunklen Schlangenlinien der Galeriewälder unterbrochen. Die Luft war kühl und das Marschieren ein Hochgenuss.
Gegen Abend erreichten wir die kleine Petershütte, und siehe da: eines der mitgebrachten Hühner legte schleunigst ein Ei. Man denke: in nahezu 4000 m Höhe, nachdem es, der schönen Landessitte folgend, den ganzen Tag köpf unter am Trägerrücken gebaumelt hatte! « Und dann kam der Tod herbei. » — Die Hütte enthielt vier Lagerstätten, aber keine Heizvorrichtung, d.h. ein Petrolöfchen war vorhanden, aber erstens war es kaput und zweitens hatten wir kein Petrol. Infolgedessen froren wir wie die Schneider und schliefen wenig. Noch mehr aber fror unser Boy, der von der Küste stammte und so etwas noch nie erlebt hatte; sein sonst ebenholzschwarzer Teint war am nächsten Morgen schön aschgrau, und weithin konnte man sein Zähneklappern vernehmen. Wir liessen ihn deshalb zurück und zogen weiter, bis hinauf zu dem grossen Sattelplateau, das sich zwischen Mawenzi und Kibo zwei Stunden weit ausdehnt: alles sandartiger Lavaschutt, hie und da mit einzelnen schwarzen Blöcken besät und von roten Lavahügeln umgeben. Der uns gegenüberliegende gewaltige Hang des Kibo stieg, in seiner Mitte schneefrei, bis nahe an den Kraterrand hinauf; nur gegen den Himmel säumte ihn ein dünner, weisser Streifen, der sich aus der Nähe als 50 m hoher, senkrecht abbrechender Eiswall entpuppte. Dieser Eiswall ist an einer Stelle durch eine Scharte unterbrochen; das ist die Hans Meyer-Scharte, durch die wir am folgenden Tag den Krater betreten wollten.
Vorderhand bezogen wir am Fusse des Kibo unser letztes Nachtquartier in der erwähnten, sehr geräumigen Höhle, 4700 m. Diese wird von einem phantastischen Gewirr haushoher Blöcke gebildet, die wild durcheinander und übereinander liegen. Etwas vereister Firnschnee, den wir in den Felsspalten fanden, wurde liebevoll betastet: wie oft hatten wir uns in der trostlosen Hitze der Tiefe nach diesem Augenblick gesehnt 1 Der Schnee kam uns übrigens sehr gelegen, denn das heraufgetragene Wasser war knapp; auch Holz hatten wir mitnehmen müssen. Unser Zelt wurde im vordem Teil der Höhle aufgeschlagen, während die Schwarzen, ungeachtet des fürchterlichen Rauches, im innern Teil um das Feuer hockten und das übliche « poulet de Bresse » zurichteten. Dick eingehüllt in unsere wärmsten Sachen verzehrten wir das romantische Mahl vor der Höhle. In allen Farben glühte uns gegenüber der mächtige Mawenzi im letzten Abendrot. Bald jedoch krochen wir, von der Kälte vertrieben, in die Schlafsäcke. Wir lagen schön warm, aber Aufregung und dünne Luft liessen uns nicht recht schlafen. Um Mitternacht schälten wir uns unter dem Zelt heraus. Die Toilette war bald gemacht: ein einmaliges kräftiges Räuspern und Knochenschütteln. Der Mond spiegelte sich prachtvoll in unserm Frühstückskakao und blieb uns glücklicherweise bis zum Sonnenaufgang treu; der Kakao dagegen nicht ganz so lange, wenigstens bei Ruckteschell nicht, der unterwegs einen Anfall von Bergkrankheit erledigte.
Kurz vor 1 Uhr brachen wir auf. Drei unserer Dschaggaträger hatten sich für ein gutes Backschisch bereit erklärt, bis zur Schneegrenze mitzukommen; sie trugen unsere Rucksäcke, Seil, Ski usw. Ausserdem begleitete uns der schwarze « Führer ». An Kälte nicht gewöhnt, froren die armen Kerle erbärmlich; kein Wunder, mit nackten Beinen und nur einer oder zwei Wolldecken als Bekleidung. Wir waren noch nicht lang gestiegen, da legten sie sich der Länge nach hin unter Heulen und Zähneklappern und beteuerten, sie seien am Sterben. Keine Macht der Erde brachte sie weiter, und so liessen wir sie schweren Herzens mit unsern Ski umkehren. Wir wussten, dass einige Aufstiege wegen allzu weichem Schnee gescheitert waren; und wir selber wollten die Ski nicht tragen, denn schon ein leichtes Gewicht macht sich recht fühlbar in dieser Luft. Es heisst, in den tropischen Breiten sei der Sauerstoff noch spärlicher als in andern Gegenden; ob das stimmt, weiss ich allerdings nicht.
Wir gingen von vornherein sehr langsam, um unsere Atemreserven nicht vorzeitig zu verbrauchen. Der Schutthang wurde steil und steiler und wollte nicht aufhören. Oft rutschten wir von drei Schritten wieder zwei zurück, bis wir etwas festeres Gestein erreichten. Wir litten alle drei mehr oder weniger an Kopfschmerzen, leichtem Schüttelfrost und Herzklopfen. Endlich kamen wir an den untern Rand eines steilen Firnfeldes, wo wir unsern « Führer » zurückliessen; so weit hatten wir ihn doch gebracht, allerdings nicht ohne Anwendung leichter Gewaltmethoden. Dann gewannen wir mit Steigeisen über harten Firn hinauf die Hans Meyer-Scharte, 5860 m, und durch diese kaum merklich absteigend um 10 Uhr den Krater. Frau KILIMANDJARO.
von Ruckteschell ist die erste und bis jetzt einzige Steigerin, die den Kibo-Krater betreten hat; das nennt man das « schwache Geschlecht »! Da wir nicht wussten, was unser noch harrte, kehrte sie nun zum « Führer » und mit ihm zur Hans Meyer-Höhle zurück.
Der vollständig erloschene Krater hat einen Durchmesser von 2 km. Er ist von einem etwa 200 m höhern Ringwall umgeben, dessen südlicher Teil die grösste Höhe in der Kaiser Wilhelm-Spitze erreicht. Im Westen ist der Wall unterbrochen; dort ziehen gewaltige Gletscher bis gegen 4300 m hinab. Am Südosthang des Kibo droht der steile, zerschrundete Ratzel-Gletscher, an dessen oberem Ende die Johannes-Scharte liegt, 5870 m. Den teilweise vergletscherten Eruptionskegel sieht man noch im nördlichen Teil des Kraterbodens. Der südliche, höchste Teil des Ringwalles fällt in einer Felswand gegen den Krater ab.
Wir standen nun vor einem Dilemma: sollten wir den Krater auf diese Felswand zu durchqueren oder aber den Ringwall über einen verlockend sanft geneigten Schneehang direkt südlich unserer Scharte ersteigen, um dann auf seinem Scheitel weiterzugehen? Wir wählten das erste und, wie wir später sahen, mit Recht, da wir sonst mit einigen Eisabbrüchen und andern Hindernissen in Streit geraten wären.
Um 10. 30 seilten wir uns an und durchschritten staunenden Blickes das Zauberreich des Kibo-Kraters. Die starke Sonnenstrahlung hatte da Eisgebilde geformt, wie wir sie in den Alpen nicht kennen. Da stand z.B.
auf einem Stück aufgetauten, schlammigen Bodens ein Eispalast, 200 m lang, 100 m breit und 20 m hoch, mit senkrechten Wänden und wie mit einem Riesenmesser geschnittenen Türmen, Zinnen, Treppen und Gewölben. An andern Eiswänden hatte die starke Erosion eine reiche Ornamentik organischer Formen herausmodelliert. Von dem sogenannten Büsserschnee ( nieve de los pénitentes ), wie ihn H. Meyer hier gesehen, merkten wir nichts; wohl infolge des vielen Neuschnees. Auf hartem Schnee, zwischen Eisabstürzen und tiefen, verschneiten Trichtern, zogen wir nach Südwest und griffen den Firnhang an, welcher östlich der Gipfelwand zum Kraterwall aufsteigt. Aber da begann eine unmenschliche Schinderei. Der Schnee war tief und pulvrig, nur mit dünnem Harscht überzogen. Wir sanken meist bis über die Hüften ein, krochen zuletzt, um unsere Tragfläche zu vergrössern, auf allen Vieren weiter, bis etwa 30 m unter einem Sattel, der über uns lag. Da riss plötzlich mit dumpfem Knall der ganze Hang, zum Glück jedoch ohne abzurutschen. Immerhin zogen wir uns recht vorsichtig auf unsern Spuren ein gutes Stück zurück und setzten dann weiter östlich an, wo wir etwas bessere Verhältnisse fanden. Auf dem Kraterwall oben trug mich der Schnee, während Ruckteschell alle paar Schritte wieder einbrach. Ziemlich apathisch schwankten wir weiter, geplagt von heftigen Kopfschmerzen, Atemnot und einem eisigen Wind; wir waren froh um unsere dicken Zipfelmützen und Ärmel-westen. Das Problem « Zipfelmütze oder Tropenhelm » löst man hier am besten, indem man beide anzieht. Denn trotz der Kälte ist die Sonnenstrahlung unglaublich stark. In den nächsten Tagen hatte dann auch die Konfiguration unserer Angesichter grosse Ähnlichkeit mit derjenigen des Kibo-Kraters.
Der höchste Teil des südlichen Kraterwalles, den wir endlich erreichten, ist nahezu eben. Wir begingen ihn bis zu seinem Endpunkt, wo er in einer tiefen Scharte gegen Westen abbricht. Von da gesehen, schien uns jedoch ein Punkt weiter östlich eine Spur höher zu sein. Wir kehrten deshalb um und bauten dort um 15. 30 einen Steinmann, in dem wir ein mit unsern Namen versehenes kleines Gipfelbuch unterbrachten, das uns vom Vorsitzenden des damaligen Kilimandjaro-Bergvereins in Moshi mitgegeben worden war.
In einem Anfall von Begeisterung flackerte unser Lebensmut wieder auf: wir standen ja auf Afrikas höchstem Gipfel! Unsere Blicke suchten aber vergebens nach dem schwarzen Erdteil, der uns zu Füssen lag: nichts als Wolken und wieder Wolken. Wir machten einige Aufnahmen und brachen um 16.00 wieder auf. Nach kurzer Rast in der Hans Meyer-Scharte, 17.15, stiegen wir zum untern Firnrand ab. Dort erwartete uns eine schwere Aufgabe; denn beinahe eine Stunde arbeiteten wir da, um unsere vereisten Steigeisen loszuschnallen. Das Bücken war uns auch in sitzender Stellung unerträglich und nahm uns allen Atem; ich höre uns noch heute gen Himmel stöhnen. Dabei beobachteten wir den Sonnenuntergang — und was für einen Sonnenuntergang! Der Mawenzi warf seinen Schatten wie einen ungeheuren Keil auf das Wolken- und Dunstmeer bis zum fernsten Horizont; die Spitze dieses Schattenkeils schien sich noch darüber hinaus in den Himmel zu projizieren, drei dunkle Strahlen in den Äther sendend. Um 19. 00 zogen wir, halb rutschend, halb laufend, in grösster Schnelligkeit den Schutt- hang hinunter. Was uns acht Stunden mühsamen Aufstieges gekostet hatte, legten wir nun in einer Stunde zurück, um 20 Uhr trafen wir bei der Biwakhöhle ein.
Leider hatten zwei Herren, die einen Versuch am Mawenzi machten, um unsere Schlafsäcke gebeten, und Frau von Ruckteschell, die uns viel früher am Tage zurückerwartete, hatte sie ihnen überlassen. So mussten wir weiter, sobald der Mond aufging, und erreichten gegen Mitternacht die Petershütte. Wir waren also 23 Stunden unterwegs gewesen.und nun dachten wir wie jener Ungar, der den beherzigenswerten Ausspruch tat: « Ich konn olle Stropozen entbehren, mit Ausnahme von dem Schlof! » Technische Schwierigkeiten bietet unsere Route nicht. Die einzigen Feinde eines zähen Bergsteigers sind dort: schlechtes Wetter, ungünstige Schneeverhältnisse und körperliche Beschwerden infolge der Höhe.
Zum Schlüsse will ich eine Liste der Kibo-Besteigungen geben, die jedoch keinen Anspruch auf vollständige Genauigkeit macht.
Den höchsten Punkt ( Kaiser Wilhelm-Spitze ), 6010 m, erreichten: 6. Oktober 1889: H. Meyer und L. Purtscheller ( Erstbesteigung ). Über Ratzel- Gletscher.
Dezember 1912: W. Furtwängler und S. Koenig ( München ) mit Ski. Über Johannes-Scharte. Siehe den Bericht im Norwegischen SkiJahrbuch ( « Aarbok » ) 1921. Diese Herren führten auch die zweite Besteigung des Mawenzi-Gipfels aus.
13. Februar 1914: W. von Ruckteschell ( München ) und C. von Salis ( Schweiz ).
Über Hans Meyer-Scharte.
10. Juni 1914: W. C. West ( Süd-Afrika ). Durch Hans Meyer-Scharte und Gipfelwand. ( Bericht im « East African Standard ». ) November 1925: G. Londt ( Kapstadt ). Ein Bericht durchlief die Presse Ende 1925. « Oberländer Tagblatt », 8. Januar 1926. Londt irrt sich, wenn er die Erstbesteigung des höchsten Punktes beansprucht. Denn sowohl wir wie auch unsre Vorgänger haben den ganzen Südgrat bis zu seinem Endpunkt begangen. Dass der höchste Mawenzi-Gipfel schon zweimal bestiegen wurde, weiss er anscheinend auch nicht.
Ausserdem haben vor dem Kriege verschiedene deutsche Partien den Kraterwall, aber nicht den höchsten Punkt erreicht. Erwähnenswert ist die Expedition F. Klute und E. Oehler ( Erstbesteiger des Mawenzi ), die 1912 über den Penck-Gletscher auf den nördlichen Kraterwall gelangten ( Zeitschr. D. u. Oe. A. V. 1915 ). Im Jahre 1921 erreichten die Engländer C. Gillman und P. Nason den Kraterwall bei der Johannes- Scharte über den Ratzel- Gletscher ( « The Times », 6. Dez. 1921 ) und ebenfalls dort vor kurzem sogar einige Filmoperateure.
Der Kilimandjaro wurde 1848 von zwei Missionaren, J. Krapf und L. Rebmann, entdeckt. Heute kann man ihn mit der Eisenbahn erreichen. Wie lange wird es dauern, und — vom sauerstoffgespeisten Krater-Palace-Hotel tönen gedämpfte Jazzklänge zum Sattelplateau hinab, wo reihenweise die Cookschen Aerobusse warten? Öffnet dann der alte Kibo noch einmal seinen Feuerschlund und vernichtet das moderne Ikarusgeflügel, während seine Gletscher krachend in den Urwald stürzen?
Carl von Salis.