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Papierschnitte (seit 2009)
Papierschnitte Cuts (seit 2009)
In Zeitungen veröffentlichte, fragmentarische Aufnahmen von Kriegsbildern bilden die Ausgangslage der Serie "Cuts". Im Gegensatz zu dem gerasterten Zeitungsbild passiert während dem Fertigungsprozess der Papierschnitte eine Umkehrung: Wie bei einer Locharte werden die einzelnen Punkte ausgespart und umrissen, von Hand ausgeschnitten. Das eigentliche Bild wird von der Materie abgesondert und damit gewissermassen einem Akt der Bildauslöschung unterzogen. Bild und Vorstellung werden so als etwas transitorisches und vergängliches erfahrbar. Die herauslösten, gestanzten Punkte sind nun nicht mehr Träger einer Aussage, sondern nur noch übriggebliebene Spur des ursprünglichen Bildes .
Je nach Standpunkt und Präsentation beginnen die Bilder beim Betrachen zu flimmern, die in Stillstand gebannten Szenen scheinen sich für einen kurzen Moment erneut abzuspielen. Dem Betrachter wird so ein Eindruck von Bewegung vermittelt, dies in eigenartigem Widerspruch zum gleichzeitig vorherrschenden Zustand ser Schwebe, zwischen Auflösung und Zersetzung.
Der Betrachter selbst spielt aber auch insofern eine wichtige Rolle, als dass er sein Blickfeld selbst wählen, beziehungsweise verändern kann. Die zunehmende Unschärfe des Bildes bei verminderter Distanz wird zu einem bestimmenden Moment.
Papierschnitte "lost" (2020)
In der neusten Serie "lost" bearbeite ich Farbplots von Landschaftsaufnahmen weiter, welche ich alten Büchern und Zeitschriften entnehme. Sie alle zeigen Ausschnitte von urtümlichen Lebensräumen indigener Völker, die laut der GbV (Gesellschaft für bedrohte Völker) akut gefährdet sind. Laut Experten verschwinden die meisten Völker zusehends und unaufhaltsam.
Viele der Ureinwohner sind als Jäger, Fischer und Sammler auf Land und intakte Wälder, Savannen und Gewässer angewiesen. Ein Grossteil ihrer Gebiete sind aber von Holzwirtschaft, Bergbau und Agrarindustrie bedroht, ausserdem werden ihre Gemeinschaften durch neue Siedlergruppen ausgegrenzt, ihre Sprachen unterdrückt.
Diese weltweit fortschreitende Auflösung übersetze ich in auf einem Raster angeordnete Einschnitte in Form von Löchern, die ich regelrecht aus den urtümlichen Lebensräumen herausschneide.
In einem wiederkehrenden und zeitlich langwierigen , körperlich intensiven Arbeitsprozess wird das eigentliche Bild - einer rituellen Handlung gleich - ausgeschnitten, von der Materie abgesondert und gewissermassen einem symbolischen Akte der Bildauflösung unterzogen. Bild und Vorstellung werden so als etwas Transitorisches erfahrbar.