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Die Colitis ulcerosa (umgangssprachlich meist nur „Colitis“ genannt) ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung. Ungefähr 0.5% der Schweizer Bevölkerung leidet an Colitis ulcerosa, und die Häufigkeit hat in den letzten Jahren zugenommen. Prognostoziert wird eine weitere Zunahme der Prävalenz in den nächsten 20 Jahren. Die Zunahme der Prävalenz lässt sich nicht genetisch erklären, sondern liegt an Umweltfaktoren. Diese sind schwer zu bestimmen. Jedoch weiss man, dass ein Mangel an Vitamin-D und Ballaststoffen die Ausbildung einer Colitis ulcerosa begünstigt.
Wie äussert sich die Colitis ulcerosa klinisch?
Das Leitsymptom aller chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ist der Durchfall. Bei der Colitis ulcerosa sind Blutbeimengungen im Stuhl sehr häufig und die allermeisten Patienten und Patientinnen klagen auch über Schmerzen. Die Schmerzen sind in der Regel auf die linke Seite des Bauches beschränkt, weil die Colitis ulcerosa vor allem linksseitig (in 80% der Fälle) auftritt. Regelmässiger Durchfall (Diarrhoe) mit Blutbeimengung ist aufgrund der hohen Prävalenz mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Colitis ulcerosa. Durch die Blutbeimengung kann man die Colitis ulcerosa vom Morbus Crohn unterscheiden, denn beim Morbus Crohn treten Blutbeimengungen nur in ca. 15% der Fälle auf. Zusammen bilden Colitis ulcerosa und Morbus Crohn die beiden häufigsten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.
In den allermeisten Fällen sind die Betroffenen bei der Diagnosestellung einer Colitis ulcerosa zwischen 20 und 40 Jahren alt. Die genaue Ursache der Erkrankung versteht man bis heute nicht, es wird jedoch ein Zusammenspiel von genetischen Risikofaktoren und Umweltfaktoren postuliert. Zudem wird ein Barrieredefekt an der Darmschleimhaut angenommen, was lokale Entzündungen begünstigt. Aufgrund des Barrieredefekts ist das Epithel des Kolons durchlässiger, was das Präsentieren von Antigenen und das Eindringen von Immunzellen deutlich vereinfacht.
Wie wird die Colitis ulcerosa diagnostiziert?
Der Goldstandard zur Diagnostik einer Colitis ulcerosa ist die Ileokoloskopie (Darmspiegelung). Dort präsentiert sich die Krankheit mit starken Blutbeimengungen im Darm und Pseudopolypen. Ein Pseudopolyp beschreibt eine kleine Vorwölbung der Darmschleimhaut und unterscheidet sich vom echten Polypen dadurch, dass der Pseudopolyp nicht in das Lumen des Kolons, also in den freien Raum zwischen den Darmschlingen, hineinragt. Mit Kolon ist der Hauptteil des Dickdarms gemeint, zu dem auch der Blinddarm zählt. Die Pseudopolypen sind sehr dicht aneinander und bilden eine höckerige Darmschleimhaut.
Für das Krankheitsbild der Colitis ulcerosa ist sehr typisch, dass sich der Befall auf das Kolon begrenzt und auch innerhalb des Kolons nur ein Abschnitt (meist das linksseitige Kolon) betroffen ist. Dies ist ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zum Morbus Crohn, denn beim Morbus Crohn weitet sich der Befall auch auf den Dünndarm und teils sogar auf den Magen aus.
Therapiert wird die Colitis ulcerosa mittels 5-Aminosalizylsäure. Dieses Molekül wirkt antiinflammatorisch und wirkt nur lokal. Das bedeutet, dass es nicht in die Zirkulation gelangt und sich nur im Darm entfaltet. Das Medikament wirkt dadurch, dass es die Bildung von Entzündungsmediatoren unterdrückt und die Botenstoffe, welche Immunzellen «anlocken» würden, gehemmt werden.
Was wäre die optimale Therapie der Colitis ulcerosa und was wird in der Praxis umgesetzt?
Weil die 5-Aminosalizylsäure nur lokal wirkt, gab es Untersuchungen zur rektalen Anwendung. Die Studie hat gezeigt, dass die rektale Anwendung (= das rektale Einlassen eines Schaums mit demselben Wirkstoff) bessere Ergebnisse ergibt, als die orale Anwendung (Tablette). Die Kombinationstherapie aus oraler und rektaler Anwendung ergibt die mit Abstand beste Wirkung! Der klinische Alltag sieht jedoch leider so aus, dass nur 15% aller Betroffenen mit Colitis ulcerosa eine orale und eine rektale Therapie erhalten.
Dies hat nichts mit höheren Kosten oder fehlendem Wissen auf Seiten der Ärzteschaft zu tun, sondern einzig und allein mit Konventionen. Umfragen haben jedoch gezeigt, dass über 80% der Patientinnen und Patienten die rektale Therapie durchgeführt hätten, wenn sie darüber aufgeklärt worden wären. Auch wenn die Therapieform unkonventionell ist, sollte sie den Betroffenen dennoch nicht vorenthalten werden, insbesondere da die Unterschiede in der Wirkung beachtlich sind. Hinzu kommt, dass die rektale Therapie von den Betroffenen selbst durchgeführt werden kann und sie dabei nicht auf fremde Hilfe angewiesen sind.