Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03344.jsonl.gz/1432

Eine verzierte Weihrauchschaufel aus Bronze und ein Bronze-Krug wurden kürzlich bei einer archäologischen Ausgrabung in Magdala am Westufer des See Genezareth freigelegt.
Die Israelische Altertumsbehörde (Israel Antiquities Authority, IAA) führt die archäologische Ausgrabung auf dem Gelände in Magdala, das zum Bau eines Gästehauses vorgesehen ist, durch. Das Land befindet sich im Besitz von Arke New Gate.
Das hebräische Wort für Weihrauchschaufel lautet mahta – hergeleitet vom Zusammenharken oder Aufsammeln von Glut – und wird bereits in der Bibel im 2. Buch Mose erwähnt (Exodus 27, 1-3). Man vermutet, dass die mahta ein Sakralgegenstand war, wie auch die übrigen im Tempel verwendeten Gerätschaften, und dass sie zum Transport von Glut verwendet wurde.
Weihrauchschaufeln tauchen in der jüdischen Kunst häufig auf, als religiöse Gegenstände die mit dem Tempel assoziiert werden. Und man kennt sie aus Darstellungen auf den Mosaikböden von Synagogen, wo sie in neben Menora, Lulav und Etrog abgebildet sind.
Dina Avshalom-Gorni, die Archäologin, die das Ausgrabungsprojekt für die Israelische Altertumsbehörde leitet, kommentierte den Fund mit den Worten: „Die Weihrauchschaufel, die gefunden wurde, ist eine von zehn, die im Land aus der Zeit des zweiten Tempels bekannt sind. Jahrelang sind Forscher davon ausgegangen, dass die Weihrauchschaufel ausschliesslich für rituelle Zwecke genutzt wurde – zum Transport von Glut und Räucherwerk, das in rituellen Zeremonien verbrannt wurde. Im Laufe der Jahre wurden solche Weihrauchschaufeln jedoch auch in nicht-kultischen Kontexten gefunden, offenbar wurden sie also auch für den Alltagsgebrauch verwendet. Die Weihrauchschaufel und der Krug, die in unserer Ausgrabung gefunden wurden, lagen nebeneinander auf dem Fussboden in einem Raum bei den Lagerhäusern, die in der Spätepoche des zweiten Tempels an die Hafenanlage einer grossen jüdischen Siedlung am Ufer des See Genezareth angrenzten. Möglicherweise wurden diese Gegenstände von einer jüdischen Familie in Magdala als Erbstücke in dem Lagerraum aufbewahrt oder aber sie wurden tatsächlich auch im Alltag verwendet.“
In den vergangenen Jahren hat die Israelische Altertumsbehörde umfangreiche Grabungsarbeiten auf dem Gelände durchgeführt, die von den Archäologen Dina Avshalom-Gorni und Arfan Najar in Zusammenarbeit mit der Archäologin Dr. Marcela Zapata-Meza von der mexikanischen Universidad Anáhuac beaufsichtigt wurden. Bei den archäologischen Grabungen in Magdala wurde eine jüdische Siedlung aus der Zeit des Zweiten Tempels freigelegt. Die Forscher stiessen dabei auf die Überreste jüdischer Ritualbäder (miqwe‘ot), Strassen, eines Marktplatzes und gewerblicher Gebäude sowie einer Synagoge mit Fresken-geschmückten Wänden und Mosaikfussböden. In der Mitte der Haupthalle der Synagoge entdeckte man einen Steinblock. Dieser auch als Stein von Magdala bekannte Stein ist eine Darstellung des Zweiten Tempels von Jerusalem, der mit dem Relief eines siebenarmigen Leuchters verziert ist, welches die Archäologen für die älteste je gefundene Darstellung einer Menorah halten. Die Synagoge wird auf das frühe erste Jahrhundert u. Z. datiert, in die Zeit des Zweiten Tempels und des öffentlichen Wirkens Jesu in Galiläa. Die Synagoge ist die siebtälteste bislang in Israel entdeckte Synagoge aus dieser Zeit.
Laut Eyad Bisharat, der die Arbeiten im Grabungsgebiet im Namen der Israelischen Altertumsbehörde überwachte, „waren die freiwilligen Grabungshelfer völlig begeistert. Sie konnten sich einfach nicht mehr beruhigen, angesichts der Tatsache, dass diese Artefakte 2.000 Jahre lang unter der Erdoberfläche auf ihre Entdeckung gewartet hatten. Selbst wir als erfahrene Ausgräber waren extrem aufgeregt, denn es ist nicht gerade alltäglich, so seltene Artefakte wie diese freizulegen, die sich dann auch noch in einem guten Erhaltungszustand befinden.“
Der Archäologe Arfan Najar, der die Ausgrabungen für die Israelische Altertumsbehörde leitete, erklärt: „Eine Weihrauchschaufel und ein Krug, ähnlich wie die hier in Migdal entdeckten, wurden auch von Jigael Jadin in einem Versteck aus der Zeit des Bar-Kochba-Aufstands in der Höhle der Briefe in der Judäischen Wüste gefunden. Weitere Weihrauchschaufeln wurden ausserdem in Galiläa in Bethsaida, Taiyaba und in Wadi Hamam sowie an anderen Orten des Landes entdeckt, dennoch ist es ein sehr seltener Fund.“
Die Grabungskampagne fand an der Anlegestelle der grossen jüdischen Siedlung Magdala statt. Freiwillige aus Chile, Mexiko, Italien und Spanien waren nach Magdala gekommen, um den Archäologen vor Ort bei den Ausgrabungen zu helfen. Nächstes Jahr im Sommer wird eine Gruppe von Freiwilligen und Studenten aus Mexiko die Ausgrabungsarbeiten im südlichen Bereich der Grabungsstätte sowie die Restauration der Funde auf dem Gelände fortführen.
Magdala ist bereits jetzt täglich geöffnet und Besucher können vor Ort die Überreste einer jüdischen Stadt aus dem ersten Jahrhundert sowie eine neue Gebetsstätte namens „Duc In Altum“ besichtigen. Der Ort gilt aufgrund seiner historischen und religiösen Bedeutung für Juden und Christen als Kreuzungspunkt jüdischer und christlicher Geschichte.
Über Magdala
Die Grabungsstätte befindet sich in der Nähe der Ortschaft Migdal am Westufer des Sees Genezareth. Migdal (dessen griechischer Name ‚Tarichea‘ bedeutet: „Ort, an dem der Fisch gesalzen wird“ – möglicherweise eine Anspielung auf die Haupteinkommensquelle der Stadtbevölkerung vor 2.000 Jahren) war eine grosse jüdische Ansiedlung in der frührömischen Zeit. Die in jüdischen Quellen erwähnte Stadt diente zur Zeit der Zerstörung des Zweiten Tempels als Josephus Hauptmilitärbasis in seinem Krieg gegen die Römer in Galiläa. Es finden sich auch Belege für die Existenz Midgdals in historischen und christlichen Quellen, denen zufolge es sich hierbei um den Geburtsort der Maria von Magdala/Maria Magdalena, der Apostelin der Apostel (Apostola apostolorum) Jesu handelt.
Quelle: Israelische Altertumsbehörde