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namhafte Länge von 3700 km. Südlich vom Ural ist seine Grenze topisch so unbestimmt wie die Europas überhaupt. Man hat diese Tiefebene, die bei 5,506,000 qkm (100,000 QM.) Flächeninhalt fast zwei Drittel des ganzen europäischen Kontinents umfaßt, in eine größere sarmatische und eine kleinere germanische geteilt und als Grenze die Sumpfniederungen zwischen den Gebieten der Weichsel und des Dnjepr angenommen. Besitzt das große europäische Tiefland gleich, insbesondere im O., ausgedehnte Ebenen im wahren Sinn des Wortes durch die nahezu horizontale Lagerung festerer Gesteinsplatten oder als noch nicht lange trocken gelegter Meeresboden, so ist das doch durchaus nicht sein allgemeiner Charakter, sondern meist ist es vielmehr ein wellenförmig-hügeliges Land, unterbrochen durch die breiten, ebenen Niederungen seiner Stromthäler.
Sein charakteristisches Merkmal liegt in der vorherrschenden Horizontalität der sedimentären Gebirgsformationen und in der Abwesenheit oder großen Seltenheit von Höhen und Gebirgszügen mit gehobenen Gebirgsschichten. Doch finden wir im S. einen langen erhöhten Rücken, der als eine natürliche Scheide das einförmige Gebiet abgliedert, den südlichen oder uralo-karpathischen Landrücken. Er besteht aus zwei wesentlich verschiedenen Abteilungen, im O. aus dem Obtschej Syrt und den Wolgahöhen, welche die steilen Ufer an der rechten Seite der Wolga bilden, und die wir oben als Naturgrenze Asiens und Europas bezeichnet haben, und aus einer größern westlichen Abteilung, die als niedrige Bodenanschwellung aus der Steppe der Donischen Kosaken zwischen Taganrog und Perekop bis zur Lüneburger Heide [* 2] an der Nordsee sich verfolgen läßt.
Dieser westliche Abschnitt verläuft in seiner ganzen Erstreckung aus SO. nach NW. u. wird von der donischen Steppe bis Winniza am Bug von einer Urgebirgsplatte gebildet, welche die Stromschnellen in den Betten der sie durchschneidenden Flüsse, [* 3] so des Dnjepr (Porogen), veranlaßt; ersetzt sich durch Podolien, an den Grenzen [* 4] Galiziens und durch Südpolen fort, wo er sich im niedrigen System des südpolnischen Mittelgebirges mit der 611 m hohen Lyssagora zu seiner höchsten Höhe erhebt.
Weiter westlich breitet er sich zu dem 350 m hohen Plateau der Tarnowitzer Höhen aus, setzt sich als Trebnitzer Höhen fort und bildet die niederschlesischen Höhen an der Oder. Westlicher zieht durch Norddeutschland, parallel mit den letztgenannten Höhen, in gleicher nordwestlicher Richtung, vom Plateau der Oberlausitz aus eine Bodenanschwellung längs der Nordseite der Elbe, Fläming genannt, und jenseit der Elbe endet dann dies System nordwestlich gerichteter Landrücken mit der Lüneburger Heide in den Niederungen an der Nordsee. Klimatische und Bodenverhältnisse erteilen dem südlichen Landrücken im O. den Steppencharakter, machen ihn in Polen zu reichem Waldland, andernorts zur einsamen, trocknen Heide.
Einen zweiten Gürtel [* 5] von Bodenanschwellungen hat man als nördlichen oder uralo-baltischen Landrücken zusammengefaßt. In Osteuropa ist es ein breiter, mit dichtem Wald und Sumpf und einzelnen Seen bedeckter, wenig markierter, sanft ansteigender Rücken, der aber eine wichtige Naturscheide bildet, indem er nicht allein die Wasserscheide zwischen den Zuflüssen des Nördlichen Eis- und des Baltischen Meers einerseits und dem Wolgasystem anderseits bildet, sondern auch eine Grenze der nordischen Pflanzen- und Tierwelt zieht und die finnischen Volksstämme von den Russen scheidet.
Überwunden durch Kanäle, hat er aufgehört, ein Hemmnis des innern Verkehrs zu sein. Seine höchsten Rücken sind gegen 300 m hoch und erreichen im Quellgebiet der Wolga, im Waldaiplateau, 351 m Höhe. Westlich breitet er sich zu dem Plateau Ostlivlands, Semgallens und Litauens aus, das im Muna, südlich vom Peipussee, bis 324 m aufsteigt. Zwischen Niemen und Weichsel folgt der seenreiche ostpreußische Rücken, in dem der Hasenberg sich bis 194 m erhebt. Während an der ostpreußischen Küste zwischen den flachen, niedrigen, schmalen Nehrungen, welche die Haffe von der Ostsee abscheiden, nur die Küste des bernsteinreichen Samlandes zu etwa 100 m ansteigt, erhebt sich jenseit der Weichselniederungen, an den Grenzen Hinterpommerns und Westpreußens, der baltische Gürtel im Turmberg bei Schönberg zu einer Höhe von 334 m. Die steilen Uferhöhen an der Oder bei Stettin [* 6] vermitteln die Verbindung des hinterpommerschen Rückens mit dem, welcher die Ukermark, Mecklenburg, [* 7] Holstein und die ganze jütländische Halbinsel durchzieht, und von dem große Strecken unter das Niveau von 100 m sinken. Wo Lehmbedeckung ist, findet sich reicher Ackergrund, und der Boden trägt Laubwald, Buchen und Eichen; wo der Sand hervortritt, decken ihn die genügsame Kiefer und Heide; überall liegen aber Seen auf ihm, und mit vollem Recht verdient dieser nördliche Landrücken daher den Namen der baltischen Seenplatte.
Die dänischen Inseln sind eine Fortsetzung dieses nördlichsten deutschen Tieflandes, auch ihre höchsten Höhen erheben sich nur wenig über 100 m;
dasselbe gilt vom südlichsten Schweden. [* 8] Um diese Landrücken und zwischen ihnen breiten sich Niederungen aus, zu denen sie sich sanft senken, so unmerklich, daß der Reisende es meist kaum bemerkt;
zahlreiche Bäche fließen in sie hinab, und so breiten sich dort außer fruchtbaren Niederungen auch weite Sümpfe und Torfmoore aus, so die des Havellandes, die an der Spree, Netze, Warthe, Weichsel und am Bug;
ihre größte Ausdehnung [* 9] erhalten sie aber an der Ostgrenze des alten Polen, wo die großen, den östlichen Teil des Tieflandes von dem westlichen trennenden Rokitnosümpfe im obern Gebiet des Pripet sich durch 5 Längen- und 2½ Breitengrade erstrecken.
Während die nordöstlichen Niederungen einst von Sumpf und Wald bedeckt waren, die nur die Hand [* 10] des Menschen der Kultur gewann, in den fruchtbaren westlichen Niederungen teilweise bis zur Ausrottung des Waldes, tritt man mit dem Dnjepr in die ausgedehnten, waldentblößten, trocknen Steppen, die nur längs der Flüsse Versumpfung des Landes zeigen. Auch in der Natur des baltischen Landrückens tritt mit den Grenzen Litauens eine Änderung hervor. Während westlich, im deutschen und preußisch-polnischen Tiefland, nur an einzelnen Punkten die feste Unterlage des darüber ausgebreiteten losen tertiären und diluvialen Schuttlandes auftaucht, breiten sich ostwärts, auf russischem Boden, unter diesen jüngern Bildungen des Landrückens sowohl als der Niederungen die Schichten der unterliegenden ältern Gesteine [* 11] aus, und es sind vorzugsweise die ausgedehnten Kalkplatten, welche diesen Landstrichen den Charakter wahrer Ebenen geben. Auch ist das weite Flachland Rußlands zwischen dem nördlichen und südlichen Rücken noch weiter abgegliedert; von dem 270 m hohen, mit Wald und Sumpf bedeckten Plateau des Quellgebiets der Ströme Dnjepr und Düna, welches noch ganz den Charakter des erwähnten östlichen baltischen Rückens trägt, an den es sich anschließt, geht nämlich ein dritter, mittlerer Landrücken aus, dem die Wasserscheide zwischen Wolga und Dnjepr folgt, eine weitere ¶
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Naturgrenze des innern Rußland. Zwischen dem mittlern und nördlichen Rücken dehnt sich, wie durch einen Wall von beiden Westscheideküsten des obern Wolgagebiets umringt, das Becken von Großrußland aus. An der nördlichen Außenseite des uralo-baltischen Beckens breiten sich die endlosen Waldungen und gegen das Meer die weiten Tundren Nordrußlands und die seenreiche, niedrige Felsplatte Finnlands aus. Auch ein großer Teil des gegenüberliegenden Schweden ist Flachland, in welchem der Fels nur an den Flüssen und Seeufern hervortritt und das Niveau der Ebene in vereinzelten oder gedrängten Hügeln und Einzelbergen überragt, deren höchste, über den großen Seen, sich nicht über 500 m erheben. Soweit dieser Urfelsboden reicht, umgürten Felsklippen (Schären) die beiderseitigen Gestade der See.
Im grellen Gegensatz zu diesem nordöstlichen Flachland stehen die Niederungen, die von der Elbe bis zur französisch-belgischen Grenze das Mittelgebirgsland Europas vom Meer und dem baltischen Landrücken trennen. Hier finden wir von der Südgrenze Jütlands bis zu den Niederlanden die Düneninseln längs der Küste, die fetten Marschlandschaften längs der Küste und Flüsse und zwischen und hinter ihnen gegen das Binnenland die ausgedehnten Moorflächen, unterbrochen durch sandiges Geestland, und an vereinzelten Punkten, bei Lüneburg, [* 13] bei Segeberg und an den Klippen [* 14] von Helgoland, [* 15] tritt die feste Unterlage zu Tage. In tiefen Buchten greift dies nördliche Tiefland in das Gebiet des Mittelgebirgsbogens ein, so längs der Oder mit der tiefen schlesischen Bucht im O., in der Mitte mit der Bucht der Leipziger Niederung, im W. mit der bis Bonn [* 16] reichenden niederrheinischen Niederung, mit welcher nach O. die münstersche im Gebiet der obern Ems und [* 17] Lippe [* 18] zusammenhängt.
Mitten im Binnenland, erst spät durch die Spalte des Rheinthals mit der niederrheinischen Bucht in Verbindung gesetzt, dehnt sich zwischen Mainz [* 19] und Basel [* 20] die mittelrheinische Tiefebene aus, ringsum von Gebirgen umfaßt, im S. mit dem niedrigen, isolierten Kaiserstuhlgebirge, welches sich in ihr erhebt, ein selbständiges Glied [* 21] im Oberflächenbau Europas. Dagegen ist das Flachland Ostenglands eher dem großen europäischen Tiefland anzureihen. Jenseit der Landhöhen von Boulonnais folgen die 269,800 qkm (4900 QM.) umfassenden nord- und westfranzösischen Tieflandschaften, welche vom gebirgigen Zentralfrankreich die niedrigen Berginseln der Normandie und Bretagne trennen.
Die nördliche steigt allmählich zu den Plateaus auf, welche die nordostfranzösischen Gebirge und das hohe Zentralfrankreich untereinander verbinden. Seine größte Ausdehnung hat das Tiefland im SW., wo es östlich von Carcassonne zwischen den Ausläufern Zentralfrankreichs und der Pyrenäen mit dem Rhônetiefland in Verbindung tritt. Letzteres, 11,000 qkm (200 QM.) groß, scheidet die Alpen [* 22] und Zentralfrankreich voneinander und geht nordöstlich, allmählich ansteigend, in die Hochebene über, welche die Alpen im N. begrenzt.
Nur zum Teil bestehen diese französischen Tiefländer aus Niederungsebenen, zum Teil zwischen den großen Strömen aus niedern Plateaus; zumeist sind sie Hügelland. In ihm treten nebeneinander große Gegensätze in der Anbaufähigkeit auf: die arme Sologne neben Frankreichs Garten [* 23] an der Loire, die öden Heiden (landes) neben den weinreichen Hügeln an der Garonne, die Brackwasserbecken (étangs) der Südküste, die Sümpfe der Rhônemündung, die steinige Crauebene neben dem Garten der Provence und Languedocs.
Außer Küstenniederungen besitzt Italien [* 24] das die tiefe Bucht zwischen den Alpen und Apenninen einnehmende, 53,800 qkm (977 QM.) große Tiefland des Po, aus dessen horizontalen Ebenen sich im O. die niedrigen Euganeischen und Bericischen Hügel erheben, eine der fruchtbarsten, bevölkertsten Niederungen Europas. Die größten unter den isolierten Tieflandschaften Europas sind die an der Donau, von denen die walachische Donautiefebene 33,000 qkm (600 QM.) umfaßt; zu ihr gehört alles Land zwischen den siebenbürgischen Alpen und dem Balkan, die Niederungsebene der Walachei und das südwärts allmählich aufsteigende Bulgarien. [* 25]
Vor der weiten Öffnung gegen O. liegt der isolierte Baba Dagh in der Dobrudscha; nach W. dagegen schließen die nördliche und südliche Gebirgsbegrenzung zusammen, und durch gebirgige Engen muß sich die Donau ihren Weg aus dem obern Tiefland ins untere suchen. Dies obere Tiefland der Donau umfaßt, rings von Gebirgen umgeben, das Innere Ungarns und einen Teil seiner Nebenländer. Man teilt es in die große niederungarische Ebene von 113,500 qkm (2061 QM.), die in ihrem Innern ein wahres Steppenland ist, und die kleine ungarische Ebene von 12,400 qkm (225 QM.), die nur durch niedrige, isolierte Hügelzüge von der 2918 qkm (53 QM.) großen Tiefebene Niederösterreichs oder Wiens mit dem Marchfeld getrennt ist, während zwischen den beiden ungarischen Ebenen ein höheres Bergland liegt, durch welches die Donau hindurchbricht, um bei Ofen in die große ungarische Ebene einzutreten.
Mit tiefen Buchten greifen diese Ebenen in die angrenzenden Gebirgsländer ein; als Fortsetzungen der letztern sind die kleinen Berginseln in Slawonien, Kroatien und an andern Grenzen der Ebene anzusehen. Jenseit der Enge am Leopoldsberg, westlich von Wien, [* 26] folgt das bis zum Rhônetiefland hinüberreichende süddeutsche Hochland. Von den 1,101,300 qkm (20,000 QM.) welche auf den Umfang des gebirgigen Südwesteuropa, nach Ausschluß der drei südlichen Halbinseln, kommen, sind nicht weniger als 207,600 qkm (3770 QM.) von den Gebirgsgliedern des erstern eingeschlossenes Tiefland, so daß für die Hoch- und Mittelgebirgslandschaften des großen, von der Garonne zur untern Weser und untersten Donau reichenden Gebirgsdreiecks über 892,000 qkm (16,200 QM.) bleiben.
Den Kern des genannten großen Gebirgsdreiecks von Südwesteuropa bilden die Alpen. Sie liegen in der Mitte Europas, dehnen sich in der Richtung von WSW. nach ONO. von 6-18° östl. L. v. Gr. aus und werden im S. durch das Ligurische Meer, das Tiefland des Po, das Adriatische Meer und das Gebirgsland der griechischen Halbinsel, im W. durch das Thal [* 27] des Rhône, im N. durch die langgestreckte Hochebene der Schweiz [* 28] und Süddeutschlands, welche die Rhône- und Donautiefländer verbindet, begrenzt; Nord- und Südfuß begleitet eine Reihe prachtvoller, zum Teil in das Gebirge selbst eingreifender Seen; im O. treten die Ausläufer der Alpen in die ungarischen Ebenen.
Ihre Breite [* 29] nimmt von W. nach O. zu;
zwischen Genf [* 30] und Ivrea sind sie nur 150 km breit;
vom äußersten Südwest- bis zum äußersten Nordostende mißt man 927 km und mit Einschluß der äußersten nordöstlichen Ausläufer sogar 1110;
der Flächenraum beträgt 191,940 qkm (3486 QM.).
Vier große Stromthäler umgeben das Hochgebirge von allen Seiten, von denen drei ihren Anfang im Herzen des Alpenzugs nehmen: Rhein, Rhône, Inn; das vierte, das Pothal, bildet nur eine kurze Furche des Westflügels. Die Gipfelhöhe steigt in den Westalpen von S. nach ¶