Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03340.jsonl.gz/2831

28.Dezember 2007
Die Kuh – eine Klimasünderin? so titelt die NZZ am 28. Dezember und reiht sich damit ein in eine fast endlose Serie von Schlagzeilen zu diesem Thema. Meistens ist die Zielrichtung dieser Publikationen eine Relativierung oder Lächerlichmachung des Themas Klimawandel. Die erzielte Wirkung kann man z.B. auf der Diskussionsseite des Sonntagsblicks verfolgen. Einen Höhepunkt in dieser Polemik lieferte der republikanische Abgeordnete Dana Rohrabacher bei einer Anhörung im US Repräsentantenhaus. Sein Vortrag gipfelte in einer Anmerkung über Perioden in der Erdgeschichte, in denen die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre ähnlich hoch war wie heute. “Wir wissen nicht, was diese anderen Zyklen in der Vergangenheit verursacht hat”, dozierte der Republikaner. “Das könnten Dinosaurier-Flatulenzen gewesen sein, wer weiß?”
Was aber ist der ernst zu nehmende Kern an dieser Thematik? Die Kühe produzieren Methan und das Methan hat pro Molekül im Vergleich zu CO2 eine 20 fache Treibhauswirkung. (Zur Zeit trägt Methan rund ein Viertel zum Treibhauseffekt bei, davon ist wiederum nur weniger als ein Viertel von Wiederkäuern verursacht). Dies kann man auch laut WWF so ausdrücken: eine Kuh stösst pro Jahr so viel Treibhausgas aus wie ein kleiner Personenwagen, der 18000 km zurücklegt.
Zwei ganz wesentliche Relativierungen sind hier jedoch anzubringen.
Erstens ist die Lebensdauer des Methans nur ungefähr 10 Jahre, dann wird es zu CO2 oxidiert und wirkt also nur noch mit dem zwanzigsten Teil. Aber selbst dieser Teil addiert sich nicht zu dem grössten Problem der Treibhausgase nämlich die Akkumulation der Emissionen infolge der langen Lebenszeit von mehreren hundert bis tausend Jahren. Denn – eine zweite wichtige Relativierung – der Kohlenstoff in dem Kuh-Methan stammt aus dem organischen Futter es ist also – um die Autoanalogie zu verwenden – Biotreibstoff. Jedes Kohlenstoffatom aus der Kuhverdauung ist vorher über das Futter der Atmosphäre entzogen worden. Wenn alle Autos also von einer Kuh gezogen würden, wäre der ganze Autoverkehr auf Biotreibstoff umgestellt.
10 Jahre nach dem Tod der Kuh ist das von ihr produzierte Methan verschwunden und die CO2 Bilanz ist gleich wie vor ihrer Existenz. Ein schönes Beispiel für Nachhaltigkeit (für Politiker die noch fragen, was das ist). Das vom Autofahrer mittels fossilem Treibstoff emittierte CO2 addiert sich hingegen zu dem ständig wachsenden CO2 Anteil in der Atmosphäre und bleibt dort noch über hunderte bis tausende Jahre aufheizend wirksam.
Autor: Klaus Ragaller
Artikel gespeichert unter: Klima