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Jod
(
Jodine,
Jodum,
Jodium); ein einfacher, nicht weiter zerlegbarer Körper, ein sog.
Element, das erst 1811 von Courtois in Paris in
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der Asche von Seepflanzen entdeckt wurde, im Laufe der Zeit durch seine vielfachen Verwendungen aber ein Stoff von immer größerer Bedeutung geworden ist. Die späte Bekanntschaft mit diesem interessanten Körper erklärt sich aus der Art seines Vorkommens; derselbe ist im Meerwasser enthalten und hat somit eine ungeheure Verbreitung, aber auch eben solche Verdünnung, ist übrigens auch nicht frei im Meerwasser, sondern gebunden an Natrium, Calcium und Magnesium.
Aus dem Wasser werden diese
Jodverbindungen von verschiednen Meergewächsen, namentlich Tangarten, Meerschwämmen etc.
aufgenommen und somit aus der Zerstreuung mehr angesammelt. In Steinsalzlagern, den Rückständen alter Meere, finden sich
die
Jodverbindungen ebenfalls und gelangen von da in Salzquellen und andre Mineralwässer. Das J. findet
sich demnach unter ganz denselben Verhältnissen wie das Brom (s. d.). Das erstere ist aber auch im rohen Chilisalpeter und
wenn derselbe umkristallisiert wird, in dessen Mutterlauge enthalten und wird die Gewinnung des J. aus diesen Mutterlaugen
schon in sehr großem Maßstabe betrieben, sodaß das südamerikanische J. dem europäischen bedeutende
Konkurrenz macht. Die bisherige Darstellung hat nämlich ihren Sitz teils an den schottischen, teils an den französischen
Küsten (Normandie); die betreffenden Fabriken liefern sowohl das reine J. als Jodkalium, die am häufigsten verbrauchte Verbindung.
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Das J. ist ein trockner, spröder, blätterig kristallinischer Körper, eisenschwarz und von fast metallischem
Ansehen, dem Reißblei ziemlich ähnlich. Es verflüchtigt sich schon bei gewöhnlicher Temperatur und entwickelt dabei einen
starken, die Schleimhäute reizenden Geruch, der dem des Chlors etwas ähnlich, aber doch eigentümlich ist. Der Geschmack
ist scharf und herb, es wirkt giftig. Bei 107° C. schmilzt das
Jod und bei 180° kommt es ins Sieden;
die Dämpfe haben eine prachtvoll violettblaue Färbung.
Aus diesem Umstände hat man seiner Zeit Veranlassung genommen zur Benennung des neuen Elements, indem man dazu das griechische Wort iodes, veilchenblau, benutzte. Die Dämpfe legen sich an kältern Körpern wieder zu Kristallen an. Auch bei gewöhnlicher Temperatur werden diese Dämpfe sichtbar, wenn das J. in einer hellen Glasflasche aufbewahrt wird; die Luft in derselben erscheint dann violett. Organische Substanzen, wie Haut, Papier etc. werden vom J. braungelb gefärbt, Stärkekleister blau.
Zur Entdeckung von Stärke oder J. in irgend einer Substanz wird allgemein das eine oder das andre wegen
dieser charakteristischen Färbung benutzt. Über 5000 Teile Wasser sind nötig, um 1 Teil J. zu lösen; gleichwohl färbt
diese Wenigkeit das Wasser bräunlichgelb. In Weingeist löst sich das J. reichlich -
Jodtinktur - und nehmen 10 Teile 90grädiger
schon 1 Teil davon auf. Wird eine solche Lösung unter viel Wasser gerührt, so fällt das meiste J.
in feinster Pulverform wieder heraus.
Weingeist, Äther, verschiedne Salzlösungen lösen es mit braunroter Farbe, Chloroform und Schwefelkohlenstoff mit violetter.
Eine Lösung von Jodkalium nimmt noch eine große Portion
von J. auf, wobei die wasserhelle Flüssigkeit sich
zu bräunen anfängt. Das J. zeigt in seinem chemischen Verhalten die größte Ähnlichkeit mit Chlor und Brom und geht mit
den übrigen Elementen Verbindungen ein, die denen jener völlig analog sind und
Jodüre und Jodide heißen, von denen die
letztern einen Anteil mehr
Jod enthalten als die erstem. -
Die Darstellung des J. aus Meerpflanzen namentlich Tangen (Fucoideen und Laminarien) ähnlich denen, die bei uns als Seegras bekannt sind, ist die in Europa allein übliche. Die Ausbeutung solcher Seegewächse war früher eine viel weiter ausgedehnte und am blühendsten an den spanischen Küsten; der Betrieb galt damals der Gewinnung von Soda, für welche man keine andre als diese natürliche Quelle kannte, bis in Veranlassung des französisch-spanischen Krieges von Frankreich ein Preis auf ein Verfahren zur Darstellung künstlicher Soda aus Kochsalz ausgeschrieben und von Leblanc gewonnen wurde, womit der Darstellung der Soda aus Meerpflanzen die Existenz abgeschnitten war. Es wird dabei so verfahren, daß man das ans Land gebrachte und getrocknete Seegras in Gruben verbrennt, wobei man eine sehr salzhaltige geschmolzene Asche in großen Klumpen erhält, die in Frankreich Varec, in Spanien Barilla und in England Kelp heißt.
Mit Wasser ausgezogen gibt diese Asche eine Lauge, welche außer Soda noch allerhand Salze enthalten kann, wie Glaubersalz, schwefelsaures Kali, Chlorkalium, unterschwefligsaure Salze etc., sowie ein starker Gehalt von Seesalz niemals fehlt. Durch wiederholtes Eindampfen der Lauge, wobei die Salze je nach dem Grade ihrer Löslichkeit sich früher oder später abscheiden, lassen sich dieselben zugutemachen. Die verbleibende Mutterlauge wurde früherhin natürlich weggeworfen, bis Courtois einmal eine solche mit Schwefelsäure und Braunstein mischte und violette Dämpfe aufsteigen sah, die er auffing und in Kristallen erhielt.
Gay-Lussac erkannte den Stoff dann als ein neues Element und stellte dessen Eigenschaften fest. Wo man jetzt auf
Jod arbeitet,
sind die Arbeiten noch die nämlichen, nur daß man auch die Mutterlauge bestens benutzt, um das
Jod
und nachher gewöhnlich noch Brom abzuscheiden. Man unterscheidet bei den hierher gehörigen Seegewächsen treibendes oder
Tiefseegras, aus Laminaria bestehend, und solches aus Flachwasser; ersteres ist das wertvollere, da es nicht nur mehr
Jod
gibt, als die im Flachwasser vorhandenen und geschnittenen Fucusarten, sondern auch vorzugsweise Kalisalze
enthält, die eine weit bessere Rechnung geben als das Natron.
Die Franzosen ernten ihrer Angabe nach eine an Kalisalzen sehr reiche Tangasche, indem dieselbe durchschnittlich 25% Chlorkalium und 19% schwefelsaures Kali enthalten soll. Um aus den Mutterlaugen, die keine Salze mehr hergeben, schließlich das Jod abzuscheiden, dient die Schwefelsäure, die man allmählich, damit keine Erhitzung eintritt, bis zur sauren Reaktion der Lauge zumischt. Gewöhnlich kristallisieren dann noch neugebildete, schwefelsaure Salze aus. Die Jodverbindungen sind durch die Säure ¶
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ebenfalls zerlegt worden; das Jod befindet sich jetzt in der Lauge als Jodwasserstoff. Man bringt dieselbe unter Zusatz von gepulvertem Braunstein in eine Destillationsretorte und erhitzt. Der vom Braunstein abgegebene Sauerstoff zerlegt nun seinerseits die Jodwasserstoffsäure und macht das Jod frei, das in Dämpfen abzieht und sich in einer Reihe mit einander verbundener Ballons in kleinen Kristallen ansetzt. Dieses erste Produkt ist rohes oder englisches Jod, stark wasserhaltig und daher feucht, krümlig und an den Wänden der Gefäße anhangend. In den französischen Fabriken herrscht ein andres Verfahren zur Abscheidung des Rohjods aus der Mutterlauge; man bewirkt dieselbe durch Einleiten von Chlorgas.
Das Chlor zersetzt wegen seiner größern Verwandtschaft zu den Alkalien die Jodverbindungen und bildet Chlorkalium, während das Jod herausfällt. Das unreine Jod ist zwar Handelsware, aber nicht zu medizinischen Zwecken verwendbar. Durch nochmalige behutsame Destillation erhält man eine trockne, glänzend blättrige und von fremden Stoffen reinere Ware, das sog. resublimierte Jod, auch französisches genannt, weil die Franzosen nur gereinigtes versenden. Die Jodfabriken müssen ungeheure Massen bewältigen; man rechnet, daß 24-30000 kg getrockneter Tange ungefähr 1000 kg Asche geben und aus je 1000 kg Asche gewinnt man 4½-5, zuweilen auch 7½-10 kg Jod. -
Aus dem Natronsalpeter Perus und Bolivias, der konstant 0,59-1,75% Jod in Form von jodsaurem Natron, Jodnatrium und Jodmagnesium enthält, gewinnt man das J. durch Einleiten von schwefliger Säure in die bereits oben erwähnte Mutterlauge, wodurch das jodsaure Natron zersetzt und Jod abgeschieden wird. Auch verwandelt man sämtliche Jodverbindungen durch Zusatz von doppeltschwefligsaurem Natron und Kupfervitriol in Jodkupfer (Kupferjodür), welches unlöslich in Wasser ist. -
Diese Kupferverbindung wird jetzt sehr häufig anstatt des Rohjods von dort aus versendet, weil die Verpackung besser zu bewerkstelligen ist, als die des Jods. Die Größe der dortigen Jodproduktion ist nicht genau bekannt und dürfte letztere auch durch den Krieg in den letzten Jahren Beeinträchtigung erlitten haben, sie wurde vor dem Kriege in der Provinz Tarapaka allein auf 175000 kg jährlich angegeben. Die Menge des erhaltenen Jodkupfers, welches teils exportiert, teils dort selbst verarbeitet wird, belief sich 1873 auf 15000 kg, 1874 schon auf 50000 kg, welche letztere Zahl einer Menge von 30000 kg Jod entsprechen würde. Die jährliche Produktion von Jod in Schottland und Irland wird auf 50000 kg geschätzt, die von Frankreich soll sich von 24000 kg seit einigen Jahren auf 81000 kg gehoben haben, infolge der jetzt eingeführten direkten Verarbeitung der Tange auf Jod, wodurch eine größere Ausbeute erzielt wird, da durch das Veraschen dieser Pflanzen ein nicht unbedeutender Anteil der Jodverbindungen sich verflüchtigt. -
Die Preise des Jods sind oft sehr bedeutenden Schwankungen unterworfen gewesen; die Preisberechnung erfolgt bei uns nach dem Kilogramm, in England dagegen, selbst im Großhandel, noch nach der Unze; bei dem amerikanischen Jod nach spanischen Pfunden in Kisten zu 100 Pfunden. Reines Jod muß sich beim Erhitzen, ohne Rückstand zu hinterlassen, verflüchtigen und ebenso in den oben angeführten Lösungsmitteln vollständig auflösen; es muß ferner frei von Jodcyan sein und ist ferner auf anhängende Feuchtigkeit zu prüfen.
Die größte Verwendung hat das Jod und seine Verbindungen in der Photographie und Pharmazie. Auch bei der Darstellung gewisser Anilinfarben wird es in Anwendung genommen (Jodgrün) und in chemischen Laboratorien spielt es eine große Rolle. Man kennt dort eine viel größere Anzahl, zum Teil wissenschaftlich hochinteressanter Jodverbindungen, als in den Handel kommen. Die Photographie benutzt mehrerlei Jodpräparate, aber alle in dem nämlichen Sinne, zur Erzeugung von lichtempfindlichem Jodsilber (neben Bromsilber) auf den photographischen Papieren und Glasplatten; im letztern Falle werden die Präparate gleich unter das Collodium gemischt. -
Medizinisch hat das Jod eine sehr ausgebreitete Anwendung, gewöhnlich als Tinktur äußerlich gegen Kropf, Hautübel, Frostballen, zur Zerteilung von Geschwüren etc. Es ist das wirksamste Kropfmittel, sowohl in äußerer als innerer Verwendung. Gebrannter Badeschwamm, das altbekannte Kropfpulver, wirkt ebenfalls nur durch seinen Jodgehalt. - Das J. sowie Jodpräparate sind zollfrei.