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Bündner Lehrerseminar Cleric
Adresse
7000 Chur
GR
Architektur
Weitere Bauphasen
Mit dem Lehrerseminar errichtete Andres Liesch einen der frühen typischen Betonbauten der Nachkriegszeit in Graubünden. Er tritt gegenüber der umgebenden historischen Architektur selbstbewusst auf und setzt einen neuen Akzent. Durch eine gekonnte Anwendung des Betons wirkt das massive Gebäude an seiner Lage leicht und elegant. Die Aufteilung in drei unterschiedlich genutzte Gebäudetrakte schafft um das Schulhaus abwechslungsreiche Aussenräume.
Chronologie
1960 wurde ein Projektwettbewerb für ein neues Lehrerseminar ausgeschrieben, an dem Architekten aus dem Kanton Graubünden teilnehmen durften. Andres Liesch konnte diesen Wettbewerb für sich entscheiden und den Bau zwischen 1964 und 1965 errichten. Im Jahr 2010 wurde das Schulgebäude während zwei Jahren saniert. Dieser Umbau wurde von Pablo Horvàth betreut. Heute befindet sich in dem Gebäude ein Teil der Kantonsschule Chur.
Lage
Das alte Lehrerseminar ist im Südosten der Altstadt von Chur zwischen dem nordwestlich liegenden Kathedralhügel und dem Ufer der Plessur eingebettet. Das getreppt ansteigende Bauvolumen wendet sich mit seiner breit gelagerten Front zum Plessurquai, der ins Stadtzentrum führt. Vor dem Gebäude führt die Bodmerbrücke auf die andere Flussseite. Im Osten wird der Bau vom Freibad Sand und der Kirche St. Luzi begleitet, bevor dahinter der Hang des Mittenberg steil ansteigt.
Beschreibung
Drei unterschiedlich dimensionierte Riegel sind rechtwinklig aneinander gefügt. Das Zentrum der drei Riegel bildet der zweigeschossige Spezialtrakt. Er wirkt trotz der kubischen Formen durch ein Einrücken des Erdgeschosses und geschosshohe Fenster leichter als die beiden Nebentrakte. Auf der Flussseite wird die eingeschossige Aula im Spezialtrakt untergeschoben, während auf der Rückseite der höhere, viergeschossige Klassentrakt aufgestülpt wird. Er hebt sich besonders durch seine Grösse von den beiden anderen Volumen ab und wird durch eine aufgesetzte Pergola auf der Dachterrasse zusätzlich akzentuiert. Die treppenartige Abfolge der drei Kuben passt sich dem Verlauf des ansteigenden Geländes an und gibt der gesamten Anlage einen plastischen Ausdruck. Die Fassade besitzt kein regelmässiges Raster, sondern besteht aus einer Kombination unterschiedlich grosser Sichtbetonplatten mit wechselnder Ausrichtung der Brettschalung. Kleine diagonale Fenster bei den Treppen brechen aus der rechtwinkligen Ordnung der ansonsten geschlossenen Nordwestfassade des Klassentrakts aus. Die an allen Trakten verwendeten hervorgehobenen Fensterpfosten und Brise Soleils bringen Relief in die Fassadenflächen. Grosszügige Aussenräume umlagern das Gebäude auf allen Seiten. Eine Sitztreppe aus Beton überblickt auf der Nordost-Seite des Gebäudes einen botanischen Garten, der Abwechslung in die asphaltierte Umgebung bringt. Weitere nutzbare Grünflächen, befinden sich auf der Süd- und Nordwest Seite und ermöglichen eine vielseitige Nutzung der Aussenbereiche.
Literatur
- Hanak, Michael. Wiederbelebter Brutalismus. Sanierung Haus Cleric Chur von Pablo Horváth, in: Werk, Bauen + Wohnen 100 (2013), Helft 10, S. 30–35 (online)
- Hanak, Michael. Skulpturale Nachkriegsmoderne in Chur, in: Bündner Monatsblatt, 1/2013, S. 65–98, hier S. 67–73 (online)
- Walser, Daniel A. «Substanz gewinnen durch klare architektonische Aussage. Den Zeitgeist erfassen, ohne den Genius Loci zu verraten.» Andres Liesch (1927-1990), Architekt, Chur und Zürich, in: Bündner Monatsblatt, 1/2019, S. 178–199 ()
- Seifert, Ludmilla. Bündner Lehrerseminar Cleric, Chur (online)