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| Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).

Zweites Buch
I. Kapitel
3.
1. Wir haben aber schon oft gesagt, daß wir weder darin geübt sind noch uns überhaupt darum bemühen, ein feines Griechisch zu schreiben; denn dies ist nur dazu gut, die Masse von der Wahrheit abzulenken. Die richtige Weisheitslehre dagegen wird den Hörern nicht einen sprachlichern Genuß bereiten, sondern ihre Einsicht fördern.
2. Wer sich um die Wahrheit bemüht, darf, wie ich meine, seine Sprache nicht mit sorgfältiger Überlegung gestalten, sondern muß versuchen, das, was er sagen will, einfach so auszudrücken, wie er es eben kann. Denn wer nur auf den sprachlichen Ausdruck Wert legt und sich ausschließlich mit ihm abgibt, dem geht der Inhalt verloren.1
3. Nun ist der Gärtner darin geschickt, die unter Dornen wachsende [S. 152] Rose zu pflücken, ohne sich zu verletzen, und der Fachmann darin, die im Fleisch der Auster verborgene Perle zu finden.
4. Und von den Hühnern sagt man, daß ihr Fleisch dann am schmackhaftesten sei, wenn man ihnen nicht reichliche Nahrung vorwirft, sondern sie selbst mit den Füßen am Boden scharren und sie sich so ihr Futter mit Anstrengung suchen.
5. Wenn man nun die Lehre aus diesen Beispielen zieht und die Wahrheit, die unter den vielen Wahrscheinlichkeitslehren der Griechen wie unter den Masken das wirkliche Gesicht verborgen ist, zu erkennen strebt,2 so wird man sie nach eifrigem Bemühen schließlich ausfindig machen. Denn die Erscheinung sagt zu Hermas in dem Gesicht: "Was dir offenbart werden kann, wird dir offenbart werden."3
1: Sacr. Par. 211.212 Holl; vgl. Hor. Ars poet. 311.
2: Statt (xxx) ist (xxx) zu lesen.
3: Hermas, Visio III 3,4.