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Wer weiss, dass seine Herzklappen nicht optimal arbeiten, kann darüber hinaus auf unspezifische Symptome wie zum Beispiel Atemnot achten. Treten die ersten Beschwerden auf, ist eine Behandlung sinnvoll. Die klassische Therapie der Herzklappenfehler ist eine Operation, bei der die Betroffenen eine neue Herzklappe erhalten.
Überblick: Was sind Herzklappenfehler?
Gesunde Herzklappen sind wichtig, damit das Herz seine Aufgabe erfüllen und Blut durch den Kreislauf pumpen kann. Sie sorgen wie eine Art Ventil dafür, dass das Blut nur in eine Richtung fliesst. Ist eine Herzklappe undicht oder verengt, merken die Betroffenen anfangs zwar nichts davon, aber mit der Zeit stellen sich Beschwerden ein. Erkrankte leiden dann manchmal unter einer Herzschwäche, die zum Beispiel Atemnot, verringerte Leistungsfähigkeit und Hustenreiz auslösen kann. Im fortgeschrittenen Stadium können auch Herzrhythmusstörungen entstehen. Wenn zunehmend Beschwerden auftreten, sollten die Betroffenen mit einer Therapie beginnen.
Es gibt verschiedene Herzklappenfehler
Eine Verengung der Herzklappe nennt man Stenose, mit einer Insuffizienz beschreiben Fachleute dagegen Herzklappen, die nicht mehr richtig schliessen. Das bedeutet: Wenn sich die Klappe schliesst, fliesst das Blut entweder aus der Schlagader in die Herzkammer oder aus der Herzkammer in den Vorhof zurück – je nachdem, wo sich die defekte Herzklappe befindet. Das Blut kommt also nicht dort an, wo es gebraucht wird, so dass ein Rückstau entstehen kann und das Herz seine Pumpleistung intensivieren muss.
Herzklappenfehler: Ursachen und Risikofaktoren
Herzklappenfehler können verschiedene Ursachen haben. Manche sind angeboren, andere haben sich im Lauf der Zeit entwickelt. Die Herzklappeninsuffizienz ist häufig eine Folge eines vorangegangenen Herzinfarktes, bei dem Muskelfasern geschädigt wurden. So entstehen Risse im Herzmuskel, die auch die Herzklappen beeinträchtigen.
Ursachen einer Stenose
Bei einer Stenose kommen mehrere Ursachen infrage. Etwa zehn Prozent der Herzklappenstenosen sind angeboren. Betroffen ist hier meist die Klappe zwischen Lungenkreislauf und rechter Herzkammer. Selten lösen Bakterien eine Verengung der Herzklappen aus, zum Beispiel im Rahmen einer Entzündung der Herzinnenhaut. Die so entstandenen Narben können dazu führen, dass die Herzklappen ihre Ventil-Funktion nicht mehr ausreichend erfüllen. Die häufigste Ursache für Stenosen ist jedoch die Verkalkung.
Bei vielen Menschen verkalken die Herzklappen mit der Zeit und werden dadurch immer enger und unflexibler. Sie verlieren an Grösse und verwachsen mit ihrer Umgebung, so dass ihnen die Regulierung des Blutstroms immer schwerer fällt. Mögliche Gründe für Verkalkungen der Herzklappen sind einerseits natürliche Alterungsprozesse, andererseits aber auch ein ungesunder Lebensstil. Menschen, die sich nicht genug bewegen und sich ungesund ernähren, haben also ein erhöhtes Risiko für Herzklappenfehler.
Symptome: Atemnot und Bluthochdruck
Herzklappenfehler sind tückisch, weil sie anfangs keine Symptome verursachen. Mit der Zeit jedoch nimmt die Leistungsfähigkeit des Herzens deutlich ab, was teilweise gravierende Folgen haben kann. Manchmal ist nur eine, manchmal sind mehrere Herzklappen betroffen. Können mehrere Herzklappen ihre Funktion nicht richtig erfüllen und ist der Defekt stark ausgeprägt, kommt es schneller zu spürbaren Beschwerden.
Der häufigste Herzklappenfehler in den westlichen Industrienationen ist die Aortenklappenverengung. Die Aortenklappe ist das „Ventil“ an der Hauptschlagader. Seltener sind Defekte an anderen Klappen, zum Beispiel an der Mitralklappe zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer. Insgesamt gibt es vier Herzklappen, die betroffen sein können. Alle können dieselben Symptome auslösen.
Warum Symptome anfangs ausbleiben
Die Erkrankung belastet mit der Zeit das Herz. Denn das ständig zurückfliessende Blut muss mit erneuter Anstrengung seinen Bestimmungsort im Herzen oder im Körper erreichen. Wenn das Herz das nächste Mal Blut pumpt, muss es also eine noch grössere Menge an Blut in Bewegung setzen. Und das nicht nur einmal, sondern bei jedem Pumpvorgang aufs Neue. Ständig so viel Blut zu pumpen, überfordert das Herz, es muss mit der Zeit an Volumen zunehmen, um seine Aufgabe bewältigen zu können. So kann die Herzfunktion für eine Weile sichergestellt werden.
Weil der Körper die geschwächte Leistung der Herzklappen kompensieren kann, treten im Anfangsstadium keine Symptome auf. Aber mit der Zeit kann selbst das vergrösserte Herz den Herzklappenfehler nicht mehr ausgleichen. Dann treten erste Beschwerden auf.
Komplikationen bei einem Herzklappenfehler
Bei einem Herzklappenfehler verändern sich nicht nur das Herz, sondern auch angrenzende Gefässe und die Lunge. Denn der Rückstau des Blutes und der veränderte Fliessdruck wirken sich auf die nahegelegenen Lungenflügel aus. Eine Veränderung der anatomischen Strukturen kann sich durch Atemnot und Bluthochdruck bemerkbar machen. Die sogenannte Hypertonie wird häufig erst bei einem Gesundheits-Check-up erkannt, da sie über lange Jahre gar keine oder nur unspezifische Symptome zeigt. Mögliche Anzeichen für Bluthochdruck sind zum Beispiel Kopfschmerzen, Nasenbluten, Schwindel und Ohrensausen.
Herzklappenfehler können auch zu einer Herzinsuffizienz führen: Das Herz wird immer schwächer und erfüllt seine Aufgaben zunehmend schlechter. Es kann nicht mehr genug Blut durch den Kreislauf pumpen, wodurch möglicherweise weitere Herzleiden wie die koronare Herzkrankheit (KHK) entstehen. Im schlimmsten Fall kommt es zum Herzinfarkt.
Typische Symptome einer Herzinsuffizienz sind:
- Atemnot
- Husten
- verringerte Leistungsfähigkeit
- nächtliches Wasserlassen
- plötzliche Gewichtszunahme
Es müssen nicht alle Symptome auftreten – sie hängen zum Beispiel davon ab, welcher Teil des Herzens betroffen ist.
Bleibt der Herzklappenfehler trotz signifikanter Beschwerden unbehandelt und verliert die Herzklappe immer mehr die Kontrolle über den zu regulierenden Blutstrom, können Herzrhythmusstörungen auftreten. In diesem Fall schlägt das Herz sehr unregelmässig, beginnt zu rasen oder stark zu klopfen. Manchmal kommt es auch zu Aussetzern oder zu Extraschlägen. Je nach Ausprägung fühlen sich die Betroffenen schwindlig, geschwächt oder benommen, manchmal auch nervös.
Trotz der unspezifischen Symptome können wir Herzklappenfehler zuverlässig diagnostizieren. Anhand moderner bildgebender Verfahren werden mögliche Strukturveränderungen sichtbar.
Herzklappenfehler: Diagnose bei uns
Zu Beginn fragen wir Sie nach Ihren Symptomen und möglichen Grunderkrankungen, um uns ein Bild der Lage zu machen. Vermuten wir einen Herzklappenfehler, hören wir Sie mit einem Stethoskop ab. Im Anschluss ertasten wir die Bewegungen des Herzens, um herauszufinden, welche Herzklappe betroffen ist. Aber wir nutzen auch bildgebende Verfahren, um eine solide Diagnose zu stellen.
- EKG: Wo sich der Herzklappenfehler genau befindet, zeigt ein EKG. Das Elektrokardiogramm stellt den elektrischen Erregungsablauf am Herzen dar. Ihn einzuordnen ist wichtig, um die Herzfunktion zu überprüfen. Wenn die erkrankte Person bereits unter Herzrhythmusstörungen leidet, sind sie am aufgezeichneten Bild deutlich sichtbar.
- Echokardiogramm: Das bedeutendste Diagnoseverfahren zur Abklärung von Herzklappenfehlern ist jedoch die sogenannte Echokardiographie. Beim Herzultraschall können wir die Struktur und die Form des Herzens beurteilen. Sie ist schmerzfrei und ungefährlich. Anhand der sogenannten transösophagealen Farbdopplerechokardiographie lassen sich Vorgänge im Herzen farblich darstellen. Wir sehen, wie sich die Kammern mit Blut füllen, wie sich die Herzklappen bewegen und das Herz arbeitet. Um entsprechende Bilder zu erhalten, schieben wir eine Ultraschallsonde durch die Speiseröhre bis zum Herzen.
- Röntgen: Auch Röntgenbilder können wir anfertigen, um die Grösse des Herzens einzuschätzen. So sehen wir auch mögliche Wasseransammlungen. Sie bilden sich zum Beispiel dann, wenn der Herzklappenfehler bereits zu einer Herzschwäche geführt hat.
Herzklappenfehler: Vorbeugen, Früherkennung, Prognose
Ein gesunder Lebensstil verringert das Risiko, an einem Herzklappenfehler zu erkranken. Zwar sind Sie damit nicht hundertprozentig vor einem Defekt der Klappen geschützt, aber zumindest hebeln Sie einen Risikofaktor aus.
So beugen Sie vor
Achten Sie also auf eine ausgewogene Ernährung mit reichlich Obst und Gemüse. Bei Fleisch, Wurst und Süssspeisen sollten Sie eher zurückhaltend sein, und achten Sie darauf, genug zu trinken. Ausserdem ist es wichtig, regelmässig Sport zu treiben. Wenn Ihnen das schwerfällt, können Sie mehrere Sportarten ausprobieren, um herauszufinden, was Ihnen Spass macht. Wenn Sie Freude an der Bewegung haben, werden Sie auch auf lange Sicht dabeibleiben.
Da Herzklappenfehler anfangs häufig keine Symptome verursachen, fällt die Früherkennung Laien besonders schwer. Gehen Sie daher regelmässig zum Gesundheits-Check-up, damit wir mögliche Veränderungen am Herzen frühzeitig feststellen können.
Wurde bereits eine rheumatische oder bakterielle Entzündung an der Herzinnenhaut diagnostiziert, gilt es, sie rasch zu behandeln. Auch gegen Bluthochdruck sollten Sie etwas unternehmen, selbst wenn keine Symptome auftreten. So vermeiden Sie, dass das Herz ständig gegen einen höheren Widerstand anpumpen muss. Bluthochdruck scheint harmlos zu sein, kann das Herz aber nachhaltig schädigen.
Herzklappenfehler: Verlauf und Prognose
Herzklappenfehler, die keine Symptome verursachen, sind meist harmlos. Bei einer verengten Hauptschlagader etwa liegt das Risiko für einen plötzlichen Herztod bei weniger als einem Prozent. Eine frühzeitige Diagnose ist dennoch sinnvoll, um das Herz durch gesunde Kost und ausreichend Bewegung zu stärken. Ausserdem ist es wichtig, vor medizinischen Eingriffen anzugeben, dass Sie einen Herzklappenfehler haben. Wir werden Ihnen womöglich Antibiotika verschreiben, um eine Entzündung der Herzinnenhaut vorzubeugen.
Bei Menschen mit Herzklappenfehlern ist die Wahrscheinlichkeit höher als bei anderen, sich eine derartige Erkrankung zuzuziehen. Und nicht nur das: Bei ihnen fällt die Entzündung oft schwerwiegender aus. Sie breitet sich auf umliegende Areale aus, manchmal bilden sich auch Fisteln und Abszesse. Wenn Blutgerinnsel entstehen, kann es zu einer Embolie kommen. Dabei verstopft ein Blutgefäss, was entweder symptomlos bleibt oder Schmerzen, Atemnot, Herzinfarkte oder Schlaganfälle auslösen kann.
Meist nimmt eine Herzklappenstenose mit der Zeit zu. Die Klappen werden immer enger und können ihre Ventil-Funktion nicht mehr gut erfüllen. Das führt schliesslich zu Beschwerden, die die Prognose deutlich verschlechtern. Jetzt ist es wichtig, einzugreifen und die Herzfunktion zu verbessern. Die wichtigste Therapie-Option ist der chirurgische Eingriff.
Bei einem operativen Eingriff wird vom Institut für Anästhesiologie das individuell auf Sie angepasste Anästhesie-Verfahren ausgewählt.