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Hochwacht, katholische Tageszeitung
Die „Hochwacht“ war eine Winterthurer Tageszeitung. Sie erschien von 1921 bis 1971 und wurde in den Räumen der Buchdruckerei Konkordia an der Rudolfstrasse gedruckt.
1891 hatte der „Arbeiterpapst“ Leo XIII. die Gründung katholischer Arbeiterverbände vorgeschlagen. Die Arbeiter sollten damit aus den Gewerkschaften befreit werden, die der Religion Gefahr bringen. 1899 wurde in St. Gallen die christlichsoziale Arbeiterbewegung gegründet, die sich gegenüber dem Kapitalismus und dem Sozialismus abgrenzen will. Bald ertönte der Ruf nach einer eigenen Druckerei. 1912 kaufte man erste Druckpressen und gründete in Zürich die Buchdruckerei Konkordia. Im November 1906 zog man nach Winterthur, da die Räumlichkeiten in Zürich nicht mehr genügten.
An der Rudolfstrasse 17 bezog man in ein Wohn- und Geschäftshaus das 1897 von den Architekten Jung & Bridler für den Zentralverband der christlichen Arbeitervereine errichtet worden war. Das im historischen Stil geprägte, monumentale Gebäude stellt eines der wenigen Häuser mit einer Kolossalordnung (Kolossalordnung, an einer Gebäudefront eine durch alle Stockwerke gehende Säulenordnung. Die Fassade kann dabei durch vorgestellte Säulen oder durch Pilaster gegliedert sein.) aus der Zeit der Jahrhundertwende in Winterthur dar. Aus der Bauzeit sind die Grundrissstrukturen, die Treppenhäuser und die Ausstattung in den Räumen der Obergeschosse noch immer erhalten.1919 wurde das Geschäftshaus für die Druckerei erweitert und 2005 hat eine umfassende Renovation stattgefunden.
Gedruckt wurden nach 1907 nebst verschiedenen Verbandsorganen der „Winterthurer Volksanzeiger“ (ab 1911 „Winterthurer Volkszeitung“). Dieses Blatt erschien als Wochenzeitung für die Katholiken aus Winterthur und Umgebung. Für die junge Druckerei war diese Zeitung ein finanzielles Abenteuer. Wünsche nach grösserer Ausbreitung und Namensänderungen mussten aus finanziellen Überlegungen abgelehnt werden.
Nach dem ersten Weltkrieg und dem Generalstreich von 1918, den die Christlichsozialen als „revolutionären Anschlag“ geisselten, traten die katholischen Organisationen aus dem Schweizerischen Arbeiterbund aus und gründeten den Christlichsozialen Arbeiterbund. Dazu benötigte man auch ein tägliches Kampfblatt. So erschien ab 1921 die „Hochwacht“ als „Christlichsoziales Tagblatt der Schweiz“. Ihr erster Redaktor, Nationalrat Dr. Karl Wick schrieb: „Die neue Tageszeitung soll eine geistige Hochwacht sein, ein Wachtturm, dessen Wächter die Bewegungen auf sozialem und geistigen Gebiete signalisieren und die Wege weisen aus der Wirrnis der Zeit. Auf der Hochwacht sollen die Höhenfeuer brennen, weit sichtbar ins Land hinaus, als Orientierungspunkt im Dunkel der Gegenwart“.
Die Zeitung, die wie alle anderen kleinen Zeitungen, hatte immer hart um Abonnenten und somit um ihre Auflagezahl zu kämpfen hatte, war streng ausgerichtet auf die offiziell katholischen Leitlinien und für diese Thesen ein Kampfblatt.
In den 1940er-Jahren erweiterte man den Umfang von vier auf sechs, dann auf acht Seiten. Nach dem Weltkrieg wurde den internationalen Themen mehr Gewicht beigemessen und die innenpolitisch kämpferischen Leitartikel nahmen ab. Verschiedene Anpassungen an die Zeit und auch Erweiterungen der Themen (Wirtschaftsteil, Kino- und Fernsehprogramm, Sportteil) konnten aber nicht verhindern, dass die Abonnentenzahl abnahm. Schliesslich musste man den Lesern am 31. Dezember 1971 mitteilen, dass die Zeitung zum letzten Male erschienen ist. Die finanzielle Belastung war für die Druckerei zu gross geworden. Bis 2003 existierte die Druckerei weiter, musste den Betrieb aus finanziellen Gründen ebenfalls einstellen.