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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Drittes Buch
6. Oder wie die fünf Brote entstanden sein mögen.
Doch bezüglich der fünf Brote besteht ein nicht unähnliches Erstaunen über das Geschehnis.1 Durch ihre [S. 144] Vermehrung wird der Hunger von 5000 Männern sowie von unzähligen Frauen und Kindern gestillt: des Werkes Einsicht entzieht sich dem Blick unseres Erkennens. Fünf Brote werden dargereicht und gebrochen; unter den Händen derer, die austeilen, erneuern sich unversehens die abgebrochenen Stücke. Es wird nicht weniger, wovon man abbricht; im Gegenteil: immer füllen die Teile die Hand dessen aus, der verteilt. Die einzelnen Vorgänge bleiben dem Zusehen unbemerkt; indem du (mit dem Blicke) der einen Hand folgst, die mit abgebrochenen Stücken gefüllt ist, siehst du die andere ohne Minderung ihrer Anteile; dazwischen2 wird der Vorrat vermehrt. Die Austeiler sind bei der Arbeit, die Essenden sind fleißig dabei, die Hungernden sind gesättigt, zwölf Körbe füllen die Überbleibsel.
Weder das Wahrnehmen noch das Zusehen vermag dem Vorgang eines so sichtbaren Tuns zu folgen. Es ist da, was nicht war; man sieht, was man nicht erkennt; das allein bleibt, von Gott zu glauben, daß er alles (zu wirken) vermöge.
1: Matth. 14, 17.
2: d. h. zwischen dem Übergehen von der einen Hand zur anderen.