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Christian Friedrich Schwan (1733–1815) war Verleger und Hofbuchhändler in Mannheim, verlegte Schillers Räuber und weitere seiner Dramen und verkehrte mit den literarischen und geistigen Grössen seiner Zeit. In seinem Verlag erschien 1776 das Reisetagebuch von Cosimo Alessandro Collini (1727–1806) mit “mineralogischen Betrachtungen, insbesondere zu Achaten und Basalten”. Collini, der zuvor als Sekretär und Vorleser bei Voltaire angestellt war, verarbeitet im “Journal d’un voyage …” seine Forschungsreise durch die linksrheinische Kurpfalz. So beschreibt er im zweiten Kapitel detailgenau eine fossile Auster, die laut seiner Darstellung zuvor erst in der Gegend um Bologna und im Piemont gefunden wurde:
Huitre fossile, épaisse, feuilletée qui a conservé le luisant de sa nacre de perle, & dont l’épaisseur a été quelquefois extérieurement percée de trous circulaires par des insectes de la mer. (Pl. I. Fig. I.)Collini 1776, S. 10; Abbildung 1: Tab. I.
In Kapitel zehn berichtet der Naturforscher von seinen Eindrücken des Orts Oberstein an der Nahe und dessen prekärer Lage zwischen Fluss und Felswand, in die eine Kirche gebaut ist. Der Stich auf Tafel IX (Abbildung 2) illustriert die Situation: Die Kirche in der Felswand (Buchstabe d) über dem Ort Oberstein (a) am Fluss Nahe (c). Ferner sind auf der Abbildung die Ruine von Schloss Oberstein (e, zu sehen in der Vollbild-Ansicht auf e-rara) sowie das neue Schloss Oberstein (f) dargestellt. Die Buchstaben i und k markieren den “Idartbach” (Idarbach) mit seinen Mühlen, in denen Achate geschliffen werden.
In einer umfangreichen Abhandlung von hundert Seiten beschreibt Collini in Kapitel XII die Entstehung von Achaten, zahlreich illustriert auf mehreren Tafeln.
Der hier besprochene, 1776 in Mannheim erschienene Druck aus dem Bestand der ETH-Bibliothek ist in einen Einband der Zeit gebunden. Wie so oft führt die Bindung hier dazu, dass der Text stellenweise tief in den Falz geht. Was für das menschliche Auge unproblematisch ist, führt bei der Bearbeitung der Bilder mit Texterkennung (OCR) gelegentlich zu Fehlern. So hat die für e-rara verwendete Software auf Seite 221 (Abbildung 4) die Wörter “Je” und “le milieu” in den ersten beiden Zeilen fehlerhaft erkannt. Diese Problematik führt durch das ganze Buch zu ähnlichen Fehlern, wie sie hier anhand des Abschnitts auf den Seiten 221 und 222 erkennbar sind. Soll nun ein solcher Volltext maschinell weiterverarbeitet werden, etwa anhand einer Übersetzungssoftware, so führt dies unweigerlich zu weiteren Fehlern. Die folgende Tabelle gibt einen Eindruck davon, wie die beiden auf künstlicher Intelligenz (KI) basierenden Anwendungen DeepL und ChatGPT den fehlerhaft erkannten französischen Text auf Deutsch übersetzen.
|Volltext |
(ABBYY FineReader XIX)
|3e fis couper encore longitudinalement par|
111 ìlicii un canon de cristal blanc beaucoup
s Stand que les deux précédents , qui etr
con222
Formation
contenoit un verd . \Pl . XII . Fig. 4 . ) Cd l1i
ci me fonrniffoit une observation , que je cl’l’S
ne devoir pas négliger . II étoit comme fusp ei‘
du au milieu du blanc. Son prisme verd coi”
mençoit beaucoup au dessus de l’origine ^tl
prisme da cristal blanc ; de maniéré qu ’il ^
loir supposer que le reste du prisme du préiv^
étoit également blanc jusqu ’à fa base. Et3,lt
regardé à travers le blanc il paroissoit verd da ),f
toute fa masse. Mais après avoir été co’-1/
pé , ( ibid. Fig. 5 fr ’ 6 ) je trouvai qu?il ét 0,t
blanc intérieurement ;
|Übersetzung DeepL, basierend auf Volltext||3e ließ noch längs schneiden durch|
111 ìlicii eine Kanone von weißem Kristall, viel
s Stand als die beiden vorhergehenden , die undr
con222
Bildung
Die . \. XII . Fig. 4 . ) Cd l1i
Ich habe es nicht verstanden, und ich habe es nicht verstanden.
nicht vernachlässigen sollte. Er war wie ein Fusp ei”.
in der Mitte des Weiß. Sein grünes Prisma coi”
Er sah viel höher aus als das ursprüngliche ^tl.
Das Prisma des weißen Kristalls; so dass es ^.
Es ist anzunehmen, dass der Rest des Prismas des Vorgängers ebenfalls weiß ist.
bis zur Basis ebenfalls weiß war. Und 3,lt
durch das Weiß hindurch betrachtet erschien es grün da ),f
die gesamte Masse. Aber nachdem es co’-1/
pé , ( ibid. Fig. 5 fr ‘ 6 ) fand ich, dass er 0,t
Ich habe es in meinem Inneren weiß;
|Übersetzung DeepL, basierend auf korrigiertem Volltext||Ich ließ eine Kanone aus weißem Kristall, die viel größer war als die beiden vorhergehenden, in der Mitte längs durchschneiden, die einen Grünling umgab. (Pl . XII . Fig. 4 . ). Diese lieferte mir eine Beobachtung, die ich nicht zu vernachlässigen glaubte. Es hing wie in der Mitte des Weißen. Sein grünes Prisma begann viel höher als der Ursprung des Prismas des weißen Kristalls, so dass man annehmen musste, dass der Rest des Prismas des ersten bis zu seiner Basis ebenfalls weiß war. Wenn man durch das Weiß schaut, scheint es in seiner ganzen Masse grün zu sein. Aber nachdem es geschnitten worden war (ebd. Abb. 5 & 6), fand ich, dass es innen weiß war.|
|ChatGPT Mar 23 Version, basierend auf Volltext (unkorrigiert)||Ich habe ein drittes Stück eines weißen Kristallkanons längs durch 111 ìlicii geschnitten, das viel grüner war als die beiden vorherigen Stücke, die con222 Formation enthielten. (Siehe Tafel XII, Abbildung 4.) Diese Beobachtung lieferte mir einen Hinweis, den ich nicht vernachlässigen sollte. Es war wie eine Art Bucht in der Mitte des Weißen. Sein grünes Prisma begann weit über der Ursprungsstelle des weißen Kristallprismas, so dass man annehmen musste, dass der Rest des Prismas des vorherigen Stücks auch bis zur Basis weiß war. Wenn man jedoch durch das Weiße hindurchschaute, erschien es grün im gesamten Volumen. Aber nachdem es geschnitten worden war (siehe ebenda, Abbildungen 5 und 6), fand ich heraus, dass es innerlich weiß war.|
Bemerkenswert ist die Qualität der Übersetzung durch ChatGPT im Vergleich zu DeepL: ChatGPT übersetzt den nicht-korrigierten Volltext fast so gut wie DeepL den korrigierten, während DeepL am unkorrigierten Volltext scheitert. Das Beispiel illustriert aber auch, dass der vergleichsweise geschmeidige Text von ChatGPT seine Tücken hat: So wird aus den Volltextfragmenten “beaucoup s Stand que les deux précédents , qui etr con222 Formation contenoit un verd” die falsche Übersetzung “das viel grüner war als die beiden vorherigen Stücke, die con222 Formation enthielten“. So, wie im 18. Jahrhundert Vorsicht geboten war beim Einsatz modernster Technologie zum Schleifen von Achaten (Abbildung 5), sollten also auch KI-basierte Anwendungen heute mit Bedacht eingesetzt werden.
- Collini, Cosimo Alessandro: Journal d’un voyage, qui contient differentes observations mineralogiques, particulierement sur les agates, et le basalte : avec un detail sur la maniere de travailler les agates. Mannheim: C.F. Schwan, 1776. ETH-Bibliothek Zürich, Rar 5860, https://doi.org/10.3931/e-rara-8480 / Public Domain Mark
- “Christian Friedrich Schwan“, Wikipedia, 12.04.2023
- “Cosimo Alessandro Collini“, Wikipedia, 12.04.2023