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Der Schicht der „Proletarier“ geht es nicht gut. Diesen Umstand alleine dem schlechten Willen der Unternehmer zuzuschreiben, wäre zu einfach. Die Unternehmer stehen selber unter hohem Druck. Zwar gibt es sie, die skrupellosen Patrone, aber es gibt auch solche, die ihre soziale Verantwortung wahrnehmen. Alle bisherigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umwälzungen dieser Art haben zuerst einmal Unsicherheit, Benachteiligungen und Not über die Menschen gebracht. Erst nachdem sich die Strukturen gefestigt haben, beginnen sie, einer wachsenden Mehrheit ein relativ sicheres Einkommen zu gewährleisten und einen einigermassen verlässlichen Wohlstand zu begründen. Von dem, was wir als „Hochindustrialisierung“ bezeichnen können, profitieren die Menschen mindestens in der westlichen Welt noch heute.
Doch wie dem auch sei: Industrialisierung ohne Kapital gibt es nicht. Diese Tatsache schafft eine Zweiklassengesellschaft, diejenigen, die Kapital haben (Besitzbürgertum bzw. Bourgeoisie) und die, die es nicht haben (Proletarier). Wer hat, wird immer reicher, wer der nichts hat, immer ärmer. Die Kapitalisten ermöglichen zwar den Aufbau industrieller Betriebe. Die Proletarier aber, die mit ihrer Hände Arbeit den „Mehrwert“ erwirtschaften, gehen – abgesehen von ihrem meist kargen Lohn – leer aus. Von den viel gepriesenen bürgerlichen Freiheiten und der Gleichberechtigung spüren die Proletarier nichts. 1848 machen Karl Marx und Friedrich Engels auf diesen Missstand aufmerksam. In ihrem „Kommunistischen Manifest“ fordern sie die Arbeitnehmer auf, sich das, was ihnen zusteht notfalls mit Gewalt zu nehmen. 1867 veröffentlicht Karl Marx den ersten Band seines dreibändigen Werkes „Das Kapital“, in dem er sich eingehend mit den Mechanismen des kapitalistischen Wirtschaftssystems auseinandersetzt.
Der marxistischen Theorie zufolge gehören die Produktionsmittel (Grund und Boden, Rohstoffe, Maschinen, Fabriken) in die Hände der Arbeiter. Durch eine „proletarische Revolution“ soll der Klassenkampf zwischen Kapitalisten und Proletariern zu Gunsten der unterdrückten Mehrheit ausgefochten werden. „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ Dieser Klassenkampf wird die politische Diskussion der folgenden Jahrzehnte prägen, zur Revolution der Proletarier aber wird es nicht kommen. Doch die Idee des Sozialismus, in dem wirtschaftliche Errungenschaften nicht mehr dem Einzelnen (dem Geldgeber) gehören, sondern der Gemeinschaft, fliesst auch in die Politik ein und schafft das politische System des Kommunismus (später als "Realkommunismus" umgesetzt).
Vor allem im Osten (Russland, China nach der Auflösung des Kaisertums) fasst der Kommunismus Fuss. So schön die Idee des „alles gehört allen und alle profitieren gleichermassen von den Produktionsgütern“ auch tönt, nach gut 100 Jahren Kommunismus können wir sagen, dass die Idee gescheitert ist. Auch hier wären viele Gründe anzuführen. Vielleicht lassen sie sich reduzieren auf die Natur des Menschen, die eben von Natur aus nicht kommunistisch, dem „Wohl aller“ verpflichtet) ist, sondern eher dem Eigennutz. Von daher hat sich das System des Kapitalismus als stabiler erwiesen. Heute zeigt sich aber, dass auch dieses System nicht mehr über jeden Zweifel erhaben ist und sich bald totlaufen wird. Wenn nicht andere Sichtweisen einfliessen, die aus den häufigen Win-Lose-Situationen Win-Win-Situationen machen, drohen unserer "global" gewordenen Welt noch unabsehbare Folgen. Von der Migration der Armen der 3. Welt haben wir schon vor 30 Jahren gesprochen. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist sie schon beunruhigende Realität geworden! Heute, wo die globale Welt immer „kleiner“ wird und die natürlichen Ressourcen (Bodenschätze, Erdöl, Trinkwasser, Nahrung…) immer beschränkter werden, sind nicht mehr kleinflächige Lösungen gefragt, sondern grossflächige (globale) und vor allem zukunftsweisende und nachhaltige, von denen alle (!!!) profitieren können.
Aufgaben und Recherchen
Einschneidende Veränderungen laufen immer nach dem gleichen Muster ab. Was muss man wissen?
Was ist der Motor der Industrialisierung und warum ist das so?
Wer produzieren will, muss Kapital aufnehmen, muss sich verschulden. Wann ist es gerechtfertigt, Schulden zu machen?
Wo liegt das Konfliktpotenzial zwischen Kapital (Unternehmern und ihren Geldgebern) und Proletariern?
Wie heissen die beiden Männer (voller Name), die sich Mitte des 19. Jahrhunderts intensiv mit dem Problem der Proletarier auseinandersetzen. Wie heisst ihr Manifest, was fordern sie darin.
Die Schrift, die in der letzten Frage angesprochen wurde hatte 70 Jahre nach ihrem Erscheinen einen durchschlagenden Erfolg. Was löste sie aus?
1867 erscheint ein wirtschaftstheoretisches Werk, das sich intensiv mit der Wirtschaft der Industrialisierung auseinandersetzt und das z. T. heute noch aktuell ist. Wie heisst das dreibändige Werk, wer ist der Autor (voller Name)?
Der Kommunismus war neben dem Kapitalismus eines der führenden Wirtschaftssysteme des 20. Jahrhunderts. Was war das Ziel des Kommunismus? Wo war es besonders verbreitet und was war schliesslich sein Schicksal (bis heute)?