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ECHO II-KLASSE
PROJEKT 675, mit der NATO-Bezeichnung ECHO II-KLASSE, war eine U-Boot-Klasse der sowjetischen Marine mit Nuklearantrieb und Marschflugkörpern (SSGN). Im Juni 1958 empfahl das Entwicklungsbüro 18 den Bau eines neuen U-Boot-Typs, der eine Anpassung von PROJEKT 659 - ECHO I-KLASSE an neue Bedrohungslagen werden sollte. Die von der Sowjetunion als zunehmende Bedrohung aufgefassten Flugzeugträgerkampfgruppen der USA konnten mit den vorhanden Mitteln nicht effektiv bekämpft werden, deshalb hatte man eine neue Strategie entwickelt, bei der luft- und seegestützte Einheiten mit modernen Marschflugkörpern gemeinsam diese Flotten angreifen sollten. Schlüsselelement für diese Strategie war eine neue Generation von Lenkwaffen, die unter großem Aufwand entwickelt worden war. Der P-6D-Progress-Flugkörper besaß ein verbessertes Leitsystem und hatte eine größere Reichweite als seine Vorgänger. Eine wesentliche Neuerung war die Fähigkeit, noch im Flug Aktualisierungen der Zieldaten per Funk empfangen zu können. Um die Verteidigung eines Flugzeugträgerverbandes zu überwinden, musste eine möglichst große Zahl dieser Flugkörper in kurzer Folge abgefeuert werden. Deshalb erweiterte man die Bewaffnung um zwei Marschflugkörper pro U-Boot, so dass im Gegensatz zu den bisher sechs auf PROJEKT 659 - ECHO I-KLASSE mitgeführten Waffen acht an Bord waren. Das System zum Transport und Abfeuern der Flugkörper blieb grundsätzlich unverändert, so dass die U-Boote von PROJEKT 675 - ECHO II-KLASSE um vier Meter verlängert werden mussten, um zwei zusätzliche Startcontainer an Deck unterzubringen. Das Sonarsystem wurde auf das moderne MGK-100 "Kertsch" umgestellt, das eine bedeutend höhere Leistungsfähigkeit hatte als ältere Modelle. Überwasserschiffe konnten so bereits in 150 Kilometern Entfernung oder mehr erfasst werden und die Daten, die das Sonar lieferte, waren innerhalb seiner Reichweite präzise genug, um Feuerleitlösungen für Torpedos und Raketen darauf zu stützen. Die Endphase der Entwicklung des Systems wurde unter Hochdruck parallel zum Bau der ersten Einheiten von PROJEKT 675 - ECHO II-KLASSE abgeschlossen. Der gesteigerte Platzbedarf ließ die beiden 400-mm-Torpedorohre im Bug wegfallen. Jedes PROJEKT-675-U-Boot erhielt zusätzlich für den Einsatz an der Oberfläche ein "Nakat-M"-ESM-System und einen ausfahrbaren RLK-101-"Albatros"-Radarsensor (NATO-Codename: "Snoop Tray"), der im X-Band arbeitete und zur Suche nach Oberflächenkontakten benutzt wurde. Eine Sendeantenne vom Typ "Argument" (NATO: "Front Door A") war im vorderen Teil des Turmes installiert und konnte an der Oberfläche den Kontakt zu den abgefeuerten Marschflugkörpern halten und deren Zieldaten bei Bedarf aktualisieren. Dieses System verlangte allerdings, dass die Boote auch nach dem Start der Waffen an der Oberfläche blieben, was sie in dieser Zeitspanne extrem verwundbar machte. Von den Mannschaften selbst als „Klapperdose“ bezeichnet, war PROJEKT 675 - ECHO II-KLASSE eine Klasse von sehr lauten U-Booten, die selbst beim Versuch, leise zu laufen, noch deutlich zu hören waren. 17 U-Boote von PROJEKT 675 - ECHO II-KLASSE wurden im Verlauf ihrer Dienstzeit modernisiert. Dabei wurden folgende Umbauten vorgenommen:
PROJEKT 675MU
PROJEKT 675MU war ein Testträger für ein Langstreckenkommunikationssystem, das die eigenen Raketen während ihres Fluges mit aktualisierten Daten versorgen konnte. Dazu wurde die "Argument"-Sendeantenne (NATO: "Front Door A") entfernt und durch das System "Argon" ersetzt. Dieser Umbau wurde nur auf dem U-Boot "K-28" vorgenommen.
PROJEKT 675K
PROJEKT 675K war die Bezeichnung für die Modernisierung der U-Boote "K-47" und "K-125" von 1972 und 1974 mit dem "Orca-B"-System, das Zieldaten von Satelliten empfangen konnte. Dazu wurde in der Turmmitte ein großer ausfahrbarer Satellitenempfänger installiert, für dessen Unterbringung der Turm in der Mitte verbreitert werden musste.
PROJEKT 675NK
PROJEKT 675NK war ein Umbau, der 1977 an "K-170" vorgenommen wurde, damit das U-Boot mit Mini-U-Booten zusammenarbeiten konnte. Die Marschflugkörper wurden dafür entfernt, aber weitere Details sind nicht bekannt.
PROJEKT 675MK
PROJEKT 675MK war eine Modernisierungsmaßnahme, bei der ab 1975 die Feuerleitsysteme von neun Booten gegen modernere Systeme ausgetauscht wurden. "K-23", "K-56", "K-57", "K-94", "K-104", "K-128", "K-175", "K-184" und "K-189" erhielten die Systeme "Basalt", "Orca-B" und "Argon-K". Die Wasserverdrängung veränderte sich auf 5.090 Tonnen an der Oberfläche und 6.360 Tonnen im Tauchbetrieb.
PROJEKT 675MKW
Bei PROJEKT 675MKW wurden ab 1981 auf den Booten "K-1","K-22", "K-34" und "K-35" das "Orca-B"-Feuerleitsystem und andere Komponenten installiert. Die Modernisierung ähnelte der von PROJEKT 675MK, jedoch wurde hier das "Argon KW" anstelle des Modells "K" verbaut und die P-6-Marschflugkörper gegen das Modell P-1000 "Vulkan" ausgetauscht. Die Waffe konnte einen 500 kg schweren konventionellen oder einen 500-kt-Nuklearsprengkopf mit 2,5-facher Schallgeschwindigkeit bis zu 700 km weit tragen. Die etwas größeren Abmessungen der Waffe machte Umbauten der Startbehälter und elektronischen Systeme notwendig. Auf "K-1" wurde zudem ein druckfester Container im Brückenturm eingebaut, der schultergestützte Strela-3-Flugabwehrraketen enthielt, die vom Turm aus gegen Luftziele eingesetzt werden konnten. Die Wasserverdrängung von PROJEKT 675MKW veränderte sich auf 5.375 Tonnen an der Oberfläche und 6.810 Tonnen im Tauchbetrieb. Acht zusätzliche Besatzungsmitglieder mussten für die Bedienung und Wartung der neuen Systeme an Bord genommen werden.