Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03647.jsonl.gz/207

| Armenische Väter - Beschreibung des Lebens und Sterbens des hl. Lehrers Mesrop

15. Mesrops Wirken für die Albanier.
Zu dieser Zeit kam ein Priester, Albanier von Nation, mit Namen Beniamen1 , und trat mit ihm in Berührung. Da fragte er und forschte nach den barbarischen Worten der albanischen Sprache und bildete darauf eine Schrift nach seiner ihm von oben geschenkten geistreichen Gewandtheit. Und, gefördert von der Gnade Christi, ordnete er sie, sicherte sie und erprobte sie. Dann schied er von den Bischöfen, den Fürsten des Landes und allen Kirchen. Über die Gläubigen, die er verließ, setzte er als Vorsteher zwei aus seinen Schülern ein. Des ersteren Name war Henoch, des zweiten Danan. Beide waren religiöse Männer und vorgerückt im Dienste des Evangeliums. Als er sie der Gnade Gottes empfohlen hatte, setzte er sie dort ein. Er selbst aber zog mit vielen Jüngern hinüber nach Groß-Armenien. Und als er in Norkhalakh eingetroffen war, stellte er sich dem heiligen Bischof Sahak und dem König der Armenier, den sie mit Namen Artasches2 nannten, und dem ganzen Hoflager; er berichtete ihnen von den Erfolgen in jenen Gegenden, wie sie gemäß der Förderung durch die Gnade Gottes erreicht worden waren, und weilte dort einige Tage und spendete Trost, um geistliches Verlangen zu verbreiten.
Hernach verabschiedete er sich, um in die Gaue der Albanier sich zu begeben, und er brach auf und stieg in das Land hinab. Als er in der königlichen Residenz angelangt war, besuchte er den ehrwürdigen [heiligen] Bischof der Albanier, den sie mit Namen Jeremias hießen, und den König jener, dessen Namen Arseval war, zusamt allen Freien. Er wurde mit größter Zuvorkommenheit empfangen, um des Namens Christi willen. Als sie ihn dann gefragt hatten, setzte er vor ihnen auseinander, weshalb er gekommen war, und jene beide, der Bischof und der König, gaben vereint die Zustimmung, die Schrift anzunehmen. Sie gaben auch Befehl, aus den Gauen und Plätzen eine große Zahl Knaben für die Kunst der Schrift herbeizuführen und zu sammeln; nach örtlichen Verhältnissen und Bedürfnissen sollte man die einzelnen Schulen [einrichten] und Lebensmittel zum Unterhalt bereitstellen.
Da nun dieser Befehl ernstlich und tatkräftig erfüllt wurde, legte der selige Bischof Jeremias nun alsbald Hand an und setzte die Übertragung der heiligen Schriften ins Werk. Dadurch geschah es im Augenblicke, daß das wilde und träge und rohe Land der Albanier prophetenkundig, apostelvertraut und Evangelienerbe wurde und mit allen göttlichen Überlieferungen nicht irgend unbekannt war. Wiederum gab noch dazu der gottesfürchtige König der Albanier mit eifervollem Einverständnis dem satanbelasteten und dämonenwirren Volke den Befehl mit Nachdruck, sich loszureißen und freizumachen vom eitlen Alten und dem übersüßen Joche Christi gehorsam zu werden.
Und als sie das in Gemeinsamkeit zustande gebracht und ihre Bedürfnisse und der Gemüter Begehren erfüllt hatten, und ihm auch zur heilbringenden Lehre in den Gegenden von Basasakan der heilige Bischof, den sie Muschegh3 nannten, als Gehilfe zur Seite getreten war, verabschiedete er sich von dem Könige und den Bischöfen und der ganzen Kirche der Albanier. Einige seiner Jünger bestellte er zu ihren Vorstehern mit dem priesterlichen Mann der königlichen Pforte, dessen Namen sie Jonathan nannten. Dieser hatte bei der Belehrung große Bereitwilligkeit gewonnen. Er empfahl nun diese und sich selbst der allbehütenden Gnade Gottes. Dann brach er auf aus den Gauen der Albanier, um in das Land der Iberer hinüber zu ziehen. Und er kam gegenüber in das Tal von Gardman4 . Der Fürst von Gardman, der Churs hieß, zog ihm entgegen. Er erwies sich ihm als Gastfreund in gottesfürchtiger Ehrerbietigkeit und stellte sich vor dem Lehrer mit seiner Herrschaft zur Verfügung. Indem er um so reichlicher an Saft und Mark der Belohnung Teil gewann, gab er dem Seligen Geleit, wo immer er hinzog.
1: Moses v. Ch. erzählt die Begebenheit mit diesem Beniamen etwas anders. Nach ihm hätte ihn Mesrop erst zu Rate gezogen, als er schon im Lande der Albanier war und vom König und Bischof Knaben zum Unterricht zugewiesen erhalten hatte. Der summarischen Erzählung des Moses gegenüber verdient die Koriuns den Vorzug [s. Moses v. Ch. III, 54].
2: Der Sohn des Wramschapuh, der seinem Vater unter persischer Oberhoheit in der Regierung Großarmeniens gefolgt war.
3: Bei Moses v. Ch., III 54, Muschë genannt.
4: Ein Gau der Provinz Uti im nordöstlichen Armenien nahe den Grenzen Albaniens.