Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03286.jsonl.gz/2646

Navigation auf uzh.ch
Das letzte Mal öffentlich bekräftigt wurde diese Verbundenheit im September 2001. Der Rektor der Universität Zürich, Hans Weder, und der Präsident der ETH Zürich, Olaf Kübler, unterzeichneten einen Kooperationsvertrag, in dem sich die beiden Hochschulen zum ersten Mal in ihrer Geschichte schriftlich zu einer intensiven Zusammenarbeit bekannten. Vereinbart wurde eine abgestimmte strategische Planung sowie Zusammenarbeit bei Forschung, Lehre und Dienstleistungen. Doch auch gesunde Rivalität wurde nicht ausgeschlossen: «In einigen ausgewählten Gebieten wird eine Konkurrenzsituation zwischen den beiden Universitäten gepflegt.»
Die Vereinbarung war letztlich eine schriftliche Fixierung von Aktivitäten, die schon seit mehreren Jahrzehnten gepflegt wurden und heute so zahlreich sind, dass kaum eine einzelne Person den Überblick behalten kann. Doch nicht immer war die Zusammenarbeit so gut wie heute. Denn ursprünglich sollte die Universität in Zürich in eine Nationale Universität überführt werden. Als dann im Jahr 1855 der Bund den Zürchern die Vorläuferinstitution der ETH, das Eidgenössische Polytechnikum, vor die Nase setzte, herrschte deshalb nicht nur eitel Freude.
«Am Anfang war das Polytechnikum eng mit der Universität verknüpft», sagt Patrick Kupper vom Institut für Geschichte an der ETH, der zur Abnabelung des Polytechnikums von der Universität geforscht hat. Als Standortkanton musste Zürich die Gebäude finanzieren sowie bestehende Sammlungen und Waldungen zur Verfügung stellen. Das hatte zur Folge, dass viele Gebäude gemeinsam genutzt wurden. Des Weiteren gab es vergleichsweise viele Doppelprofessuren, anteilsmässig deutlich mehr als heute. «Die Doppelprofessoren profitierten vom Prestige der Universität und vom besseren Lohn des Polytechnikums», erklärt Kupper.
Schon bald wollten sich die Universität und das Polytechnikum voneinander abgrenzen. Anfang des 20. Jahrhunderts kam es schliesslich zur so genannten «Aussonderung» – der vollständigen Trennung der beiden Institutionen. Anschliessend folgte die Aufwertung des Polytechnikums: Sie erhielt 1908 das Promotionsrecht und darf sich ab 1911 Eidgenössische Technischen Hochschule ETH nennen.
Ab diesem Zeitpunkt hat Zürich zwei Hochschulen, wenn auch mit verschiedenen Schwerpunkten und verschieden langen Spiessen: Denn wie schon als polytechnische Schule hatte die ETH als Bundesinstitution mehr Geld zur Verfügung. Auch der Kulturunterschied zwischen Universität und Polytechnikum war von Anfang an beträchtlich: Zwar beanspruchte die vom Bund finanzierte Institution den Hochschulstatus vom Rang der Unterrichtenden her. Trotzdem funktionierte sie wie eine Schule, bezeichnete die Studierenden als «Schüler», erklärte die Studienpläne für obligatorisch und erliess Leistungsanforderungen für die Anerkennung von Kursen.
Nachdem die Universität und die ETH auseinanderdividiert waren, konnte allmählich Friede zwischen den beiden einkehren. Doch so intensiv wie heute war die Zusammenarbeit zwischen den beiden Hochschulen seit der Anfangsphase nicht mehr. Verschiedene Faktoren erzwingen diese je länger je mehr: knappe Finanzmittel, die immer teurere Forschung vor allem bei den Naturwissenschaften und den technischen Wissenschaften sowie die wachsende internationale Konkurrenz.
Ein erster wichtiger Schritt des Zusammenrückens war 1971 der Zusammenzug der Molekularbiologen der beiden Hochschulen in der ETH-Aussenstelle auf dem Hönggerberg. Es folgte Mitte der siebziger Jahre das gemeinsame Institut für Toxikologie in Schwerzenbach (das 2001 wieder geschlossen wurde), 1981 das Institut für Biomedizinische Technik und Ende der neunziger Jahre das Institut für Neuroinformatik. Neben diesen gemeinsamen Instituten gibt es unzählige gemeinsame Strukturen: Gemeinsame Studiengänge und Weiterbildungen, Kompetenzzentren, Nationale Schwerpunktsprogramme sowie Dienstleistungen und Organisationen.
In der Geschichte der beiden Hochschulen wurde immer wieder diskutiert, ob die bestehenden Doppelspurigkeiten in Lehre und Forschung als Nachteil oder als Vorteil für den Hochschulstandort Zürich zu betrachten seien. Immer wieder war auch die Rede von einer Fusion. Das letzte Mal unter dem Eindruck der Grosszusammenschlüsse in der Privatwirtschaft vor dem Aufsetzen der gemeinsamen Kooperationserklärung im Jahr 2001. «Eine Fusion wurde seit der Gründung der polytechnischen Schule im Jahr 1855 alle paar Jahrzehnte einmal geprüft und bisher stets mit Nein beantwortet», meint dazu Kurt Reimann, Generalsekretär der Universität Zürich. Abgesehen von den formalen und juristischen Problemen, die eine Vereinigung einer Bundesinstitution mit meiner Kantonseinrichtung mit sich brächte, sei klar, dass die historisch gewachsenen unterschiedlichen Kulturen an den beiden Hochschulen eine Bereicherung sind.