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Hast du auch schon gehört, dass du dir Gelerntes besser merken kannst, wenn du abends lernst und dann eine Nacht darüber schläfst? Da ist tatsächlich etwas Wahres dran. Das liegt zum einen daran, dass Schlaf das Gedächtnis verbessert und zum anderen an der retroaktiven Interferenz. Die retroaktive Interferenz sorgt dafür, dass neu gelernte Inhalte die Reproduktion von älteren Inhalten verhindert. Das bedeutet, dass bei einem Lernmarathon mit immer wieder neuen Informationen zuvor gelernte Inhalte in Vergessenheit geraten können. Diesen Effekt gibt es auch umgekehrt – bei der proaktiven Interferenz stören zuvor gelernte Informationen das Lernen von neuen Informationen. Wenn nun aber neue Lerninhalte eine Stunde vor dem Einschlafen gelernt werden, fällt die retroaktive Interferenz weg, da hinterher keine neuen Inhalte mehr gelernt werden. Vor dem Schlafengehen noch ein Kapitel im Geschichtsbuch zu lesen, kann also tatsächlich unterstützend wirken.
Wir Menschen können Informationen auf verschiedenen Ebenen verarbeiten. Wir können Informationen auf einer eher oberflächlichen Ebene verarbeiten, die auf einer sehr einfachen Struktur passiert, während hingegen auf der tiefen Verarbeitungsebene Informationen basierend ihrer Bedeutungen abgespeichert werden. Unter den verschiedenen Ebenen gibt es allerdings Unterschiede bei der Behaltensleistung. Mit der Tiefenverarbeitung können wir uns im Durchschnitt besser an das Gelernte erinnern. Das haben auch Craik und Tulving (1975) in einem Experiment herausgefunden. Darin liessen sie vor den Versuchsteilnehmenden eine Reihe von Wörtern aufblitzen. Das erste Wort war STUHL, das zweite klug und das dritte Wort war Puppe. Dann bekamen die Teilnehmenden jeweils pro Wort eine Frage gestellt, die sie mit Ja oder Nein beantworten mussten. Die Fragen waren folgende:
1. Ist das Wort in Grossbuchstaben geschrieben?
2. Reimt sich das Wort auf «Zug»?
3. Würde das Wort in folgenden Satz passen: Das Mädchen legt die ---- auf den Tisch.
Dabei zeigte sich, dass zu einem späteren Zeitpunkt die Erinnerung an das dritte Wort besser ausfiel. Es lohnt sich daher, das Gelernte mit einer persönlichen Bedeutung zu verbinden, statt den Stoff nur auswendig zu lernen. Beim Lernen von Vokabeln oder Hauptstädten macht es daher Sinn, diese beim Lernen mit etwas Inhaltlichem zu verknüpfen, wie beispielsweise einer persönlichen Assoziation oder einer Geschichte.
Wir lernen besser, wenn wir die Informationsaufnahme auf eine längere Zeit verteilen. Das wird auch als Spacing-Effekt bezeichnet. Dieser Effekt beschreibt die Tendenz, dass durch zeitlich verteiltes Lernen bessere Lernerfolge erzielt werden, da wir die Informationen somit besser und längerfristig behalten als wenn wir in kurzen Abständen lernen. In einer Nacht für eine Prüfung zu lernen kann zwar dafür sorgen, dass wir uns den Stoff kurzfristig merken und mit etwas Glück somit auch die Prüfung meistern können, allerdings gehen die Informationen dann auch schnell wieder verloren. Wer sich also ein Leben lang an etwas erinnern möchte, sollte den Stoff über mehrere Monate verteilt lernen.
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Weiterführende Informationen:
Myers, D. G. & Wilson, J. (2014). Gedächtnis. In D. G. Myers (Hrsg.), Psychologie (S. 327–366.) Berlin: Springer.