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FV-55 | Wettbewerb über Einkommens- oder Grundsteuern?
Prof. Dr. Beat Hintermann, Dr. Florian Kuhlmey
Ziele des Projektes:
Einkommens- und Grundsteuern sind wichtige Einnahmequellen für lokale und regionale Regierungen. Während in der Schweiz vor allem Einkommenssteuern erhoben werden, erheben die meisten amerikanischen Städte Grundsteuern (property taxes). Das Ziel dieses Projekts ist der Vergleich zwischen diesen beiden Steuersystemen. Betrachtet wurden Systeme mit ausschliesslich Einkommens- oder Grundsteuern oder einem Mix aus beiden.
Zusätzlich wurde die Entwicklung einer zweiten Fragestellung vorangetrieben: Welche Rolle spielen im Kontext der Einkommensbesteuerung die Progression des zugrundeliegenden Steuertarifs (für den die Gemeinden einen Multiplikator bestimmen) und der Gemeindefinanzausgleich? Hier zeigt sich, dass die Interaktion zwischen Steuerprogression, Steuerwettbewerb und Finanzausgleich teilweise zu überraschenden Resultaten führen kann. Die Analyse soll Anstoss geben zu einem grundsätzlichen Diskurs über das Schweizer Steuersystem.
Realisierte Schritte:
Das Projekt ist abgeschlossen. Die erste, ursprüngliche Fragestellung und die zweite, zusätzliche Fragestellung wurden in jeweils einem eigenen wissenschaftlichen Beitrag analysiert und beantwortet.
Ergebnisse:
Für die Beantwortung der ersten Fragestellung wurde das Modell von Kuhlmey & Hintermann (2016) um Grundsteuern erweitert. Um die mit dem jeweiligen Steuersystem verbundenen Ineffizienzen zu identifizieren und deren Grössenordnung abschätzen zu können, wurde zudem eine effiziente (first-best) Lösung aus der Sicht eines sozialen Planers gerechnet. Im Fall der Einkommensbesteuerung konnten drei, im Fall der Grundbesteuerung vier Ineffizienzen identifiziert werden. Die folgende numerische Implementierung der Modelle ergab, dass die aggregierten Wohlfahrtverluste im Falle von Grundsteuern rund 40 % höher sind als im Fall von Einkommenssteuern (3.40 % vs. 2.38 % des BIPs, gemessen als kompensierende Variation). Tabelle A2 zeigt die Komponenten, welche den Wohlfahrtsverlusten zugrunde liegen. Der Unterschied zwischen den Wohlfahrtsverlusten kann unter anderem durch unterschiedliche Annahmen bezüglich der Elastizität der jeweiligen Steuerbasis erklärt werden. Während die Nachfrage nach Wohnraum direkt und endogen von der Höhe der Grundsteuer abhängt, werden die Einkommen im regionalen Einkommenssteuermodell als fixiert betrachtet. Bei der Interpretation der Ergebnisse ist deshalb die ungleiche Behandlung der Steuerbasis zu berücksichtigen. Das Vorgehen und die Ergebnisse sind im Detail in einem WWZ Working Paper veröffentlicht.
In Bezug auf die zweite Fragestellung wurde sowohl ein progressiver Einkommens-steuertarif als auch ein Gemeindefinanzausgleich in ein Steuerwettbewerbsmodell implementiert und das Modell für die Region Zürich kalibriert. Dies erlaubt es uns, die Bedeutung der beiden Instrumente in diesem allgemeinen Gleichgewichtsmodell zu evaluieren. Wir können dadurch beispielsweise abschätzen, beispielsweise die Verteilung der Haushalte, das Niveau der öffentlich bereit gestellten Güter oder die Höhe der Steuerfüsse von der Progression des zugrundeliegenden kantonalen Steuertarifs und von der Ausgestaltung des Gemeindefinanzausgleichs abhängen. Es zeigte sich, dass der aus Umverteilungssicht bevorzugte progressive Steuertarif im Vergleich zu einem aufkommensneutralen linearen Steuertarif zu einer deutlich stärkeren Segregation der reichen Haushalte führt. Das bedeutet, dass ein progressiver Einkommenssteuertarif mit sozialen Kosten verbunden ist, die wir in einem partiellen Gleichgewichtsmodell nicht identifizieren können. Schliesslich konnten wir zeigen, dass auch der recht stark ausgebaute Gemeindefinanzausgleich nur eingeschränkt in der Lage ist, diese durch den progressiven Grundtarif hervorgerufene Segregation wieder abzuschwächen. Das Vorgehen und die Ergebnisse sind im Detail in einem weiteren Working Paper beschrieben, das auch Teil der Dissertation von Florian Kuhlmey ist.
Publikationen und Präsentationen:
„Income vs. property tax competition: A normative comparison”. WWZ Working Paper 2017/17
- „Local income tax competition with progressive taxes and a fiscal equalization scheme”. WWZ Working Paper 2017/18
Beide Papiere werden zur Zeit überarbeitet, um bei einem peer-reviewed Journal eingereicht zu werden. Das zweite Papier wurde bei Konferenzen (EEA, SSES und IIPF) eingereicht.