Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03553.jsonl.gz/1938

Von Greifswald auslaufende größere Schiffe
[* 5] erhalten darum erst am Süd-Peerd ihre volle Ladung. Aus diesem Gewässer führt
der Strelasund oder das Stralsunder Fahrwasser gegen NW. und N. in den (ohne weitere Bezeichnung),
der auf der rügenschen Seite auch Kubitzer und im W. (oder auch im ganzen) Prohner Wiek genannt wird. Aus diesem gelangt
man gegen N. durch den Vierendehler Strom im W. und den Gellen im O. der langgestreckten Insel Hiddensöe in die offene See.
Vorher führt die Rassower Straße in den WiekerBodden, der gegen NO. hinter der schmalen LandzungeBug tief
in die Halbinsel Wittow, den nördlichsten TeilRügens, einschneidet. Aus der Rassower Straße geht aber schon vorher ostwärts
ein ausgedehnter Strich von Binnenwassern ab: der Breetzer und der BreegerBodden, der durch eine schmale,
Wittow mit der Halbinsel Jasmund verbindende Landzunge, die Schaabe, von der Tromper Wiek der offenen Ostsee geschieden ist.
Die südl. Erweiterung dieses Wasserzugs, jenseit eines nur 20 m breiten und 1,9 m tiefen Fahrwassers,
ist der Große Jasmunder und weiterhin, jenseit eines seichten Riffs, der Kleine Jasmunder Bodden; ersterer
trennt Jasmund vom Kern der InselRügen, letzterer ist durch die schmale Heide von der Prorer Wiek (im O.) getrennt.
Der Große Jasmunder Bodden, ringsum von Land umschlossen und gegen Winde
[* 6] geschützt, ist 55 qkm groß und
für die Anlage eines
Hafens günstig. Alle diese Gewässer können von Mitte März bis Mitte November mit Schiffen von 2,55 m
Tiefgang und 30 t Last befahren werden. Im W. von Rügen zieht sich an der pommerschen Küste ein seltsames Meeresgebilde hin,
früher ein geschlossenes Binnenwasser, seit 1625 aber durch eine durchbrechende Sturmflut mit der offenen See in Verbindung
gesetzt, im ganzen zuweilen das Salzhaff oder Barther Binnenwasser (s. Barth) genannt.
Zwischen dem sog. Bock
[* 7] und der für die Schiffahrt wichtigen Landmark Barhöft drängt es sich mit einem nur 170 m breiten
und meist nur 2 m tiefen Eingang in das Land, streicht, der Küste parallel, erst gegen W., dann gegen SW.
und zeigt, sich bald verengend, bald erweiternd, eine reiche Entfaltung von Seitenbuchten. Die einzelnen Teile heißen von
O. gegen W.: der Grabow oder Grabower Bodden, der BartherBodden, der BodstedterBodden, der Koppelstrom, der Saaler und endlich der Ribnitzer
Bodden, der innerste Winkel
[* 8] an der mecklenb.
Grenze. Nur Schiffe von 2 m Tiefgang können sich in diesen Binnenwassern bewegen, und schon vielen ist
die Fahrt verhängnisvoll geworden. Der Landstreifen, der sie vom offenen Meere trennt, ist zuweilen nur wenige tausend Schritt
breit. Der westlichste Teil, der gegen NNO. gerichtet ist, heißt das Fischland oder Fischerland; die Fortsetzung in östl.
Richtung von der Landspitze Darßer Ort reicht 33 km weit bis zum Bock. Das breite StückLandes vom Saaler bis zum BodstedterBodden ist
die Halbinsel Darß.
Diese ist durch eine schmale, stellenweise nur 660 m breite Landzunge mit dem Festlande verbunden und ihre 16 km lange Küste
hoch, steil, von einem Riff begleitet und dadurch geschützt. Im O. wird der Darß durch den schmalen Prerowstrom,
der armierten Booten zugänglich ist, von der 22 km langen Insel Zingst geschieden, deren Ostende
[* 9] durch den Bock, ein an 8 km
langes und fast trocknes Sandriff, vollständig gesichert ist, während die Nordküste offen liegt, doch
so, daß größere Schiffe ihr kaum bis auf 3 km, Kanonenboote nur auf 530 m nahen, und nur ganz flache Boote das von einem
Riff und von Dünenketten geschützte Ufer erreichen können. – Die über 3 km lange Erweiterung der Dievenow zwischen
der InselWollin und dem Festlande heißt Camminer Bodden (s. d.).