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Legiōn
(lat. legio), im alten Rom [* 2] Benennung des Truppenverbandes der ausgehobenen streitbaren Mannschaft. Die Aushebung erfolgte ursprünglich nach den drei Tribus, deren jede unter Romulus 1000 Mann zu Fuß (milites) und 100 Reiter (celeres) stellte unter dem Kommando von 3 Tribuni militum und 3 Tribuni celerum; hierzu kamen noch eine Anzahl von Leichtbewaffneten und namentlich Bogenschützen. Durch die Institutionen des Servius Tullius wurde später der Heerbann wesentlich erhöht.
Danach waren zum Dienst auf eigne Kosten vom 17.-60. Jahr verpflichtet die Bürger der 5 Zensusklassen. Diese waffenfähige Mannschaft schied sich in zwei Aufgebote, die Jüngern, vom 17.-46. Jahr, zum Dienst im Feld verwandt, und die Ältern, welche die Stadt schützten. Die Bewaffnung dieser fünf Klassen, welche auch von jedem Bürger selbst beschafft werden mußte, war nach dem Vermögen verschieden. Die Aufstellung der Soldaten zur Schlacht geschah in der Phalanx, also in einer ununterbrochenen Linie mit sechs Mann Tiefe.
In den zwei ersten Gliedern der Phalanx stand die erste Vermögensklasse, mit Panzer, Helm, rundem ehernen Schild [* 3] (clipeus) und Beinschienen als Schutzwaffen, im dritten und vierten Glied [* 4] stand die zweite Klasse ohne Panzer, doch mit Helm und Beinschienen und langem, viereckigem Schild (scutum), während die beiden letzten Glieder [* 5] von der dritten Klasse gebildet wurden. Die Soldaten der beiden letzten Klassen gehörten wahrscheinlich nicht zur Phalanx, sondern bildeten zusammen eine leichte Truppe, das Korps der Rorarii (s. d.). Ihnen wurden auch die Accensi velati zugeordnet, die ohne Bewaffnung als überzählige Ersatzmannschaft dem Heer folgten und ausschließlich zu militärischen Hilfsleistungen verwandt wurden.
Die Trutzwaffen der Soldaten in der Phalanx waren der seiner Länge wegen mehr zum Stoß als zum Wurf geeignete Speer (hasta) und das kurze, zweischneidige Schwert (gladius). Diese Heerverfassung erlitt in der republikanischen Zeit und zwar zum großen Teil wahrscheinlich durch Camillus (um 400 v. Chr.) eine durchgreifende Veränderung: Seit der Belagerung von Veji (406) erhielten die Soldaten Sold, so daß das Heer jetzt dauernd im Feld gehalten werden konnte;
die
Bewaffnung wurde geändert, indem der größere Teil der
Legionssoldaten statt der
Hasta das kürzere, zum Wurf geeignete
Pilum
[* 6] (s. d.) führte, der bisherige Lederhelm mit dem Stahlhelm vertauscht
wurde und der
Schild (scutum) einen Eisenbeschlag erhielt.
Vor allem aber wurde das
Gros der
Phalanx in
eine Anzahl kleinerer taktischer
Körper aufgelöst, Die
Stärke
[* 7] der
Legionen, deren jährlich vier aufgestellt wurden (zwei
für den
Felddienst und zwei für
Besatzungen), betrug außer 300
Reitern 4200 Mann, von welch letztern 3000 Schwerbewaffnete
waren. Diese 3000 zerfielen in drei
Waffengattungen, nämlich in 1200
Hastati, 1200
Principes und 600 Triarii.
Die Bedeutung dieser
Namen läßt sich aus der
¶
mehr
Bewaffnung oder Stellung der betreffenden Truppenkörper nicht mehr erklären, denn die Hastati führten nicht mehr die Hasta, welche allein den im dritten Treffen stehenden altgedienten Triariern zukam, sondern samt den Principes das Pilum; diese selbst nahmen nicht, wie ihr Name schließen läßt, die erste Stelle im Treffen ein, sondern die zweite. Man muß deshalb annehmen, daß die früher bedeutungsvollen Bezeichnungen beibehalten wurden, während die betreffenden Truppenkörper ihre Stellung in der Schlacht und ihre Bewaffnung änderten.
Die 3000 Mann Kerntruppen jeder
Legion zerfielen ferner in 30 Manipeln (s. d.), von denen auf die Hastati, Principes und Triarii
je 10 kamen, so daß ein Manipel der beiden ersten Gattungen 120, der letzten nur 60 Mann zählte. Jeder
Manipel, welcher auch ein eignes Feldzeichen (signum, vexillum) hatte, das in jener Zeit der
Legion noch fehlte, zerfiel in zwei
Züge (Centurien), die aber nach Bedarf jedesmal neu gebildet wurden und unter dem Befehl je eines Centurio
standen. Die von dem Infanteriebestand der
Legion noch übrigen 1200 Mann waren leicht bewaffnet (s.
Velites) und bildeten weder eigne Manipeln, noch hatten sie eigne Offiziere; vielmehr wurden sie in gleichen Teilen den 30 Manipeln
zugewiesen, so daß jede derselben auf 120 + 40, resp. 60 + 40 Mann gebracht
wurde.
In der Schlacht, wo, wie schon angedeutet, die
Legion in drei Treffen aufgestellt wurde und die Manipeln einen seitlichen Zwischenraum
zwischen sich ließen, der ihrer eignen Frontbreite von 20 Mann gleichkam, hatten die Velites ihre Stelle hinter ihrem Manipel,
dessen Tiefe sie dadurch auf (120+40)/20, resp. (60+40)/20, also auf 8,
resp. 5 Mann brachten. Übrigens waren die Manipeln schachbrettartig so aufgestellt, daß die zehn Manipeln des zweiten Treffens
hinter die Lücken des ersten Treffens und die des dritten hinter die des zweiten zu stehen kamen.
Sollten die Reihen aber gänzlich geschlossen werden, so ließ man die Veliten in halben Gliedern links
und rechts von ihrem Manipel bis zur Frontstellung aufmarschieren. Das Kommando über die
Legion wechselte in der Zeit vor Marius
unter sechs Militärtribunen (s. d.), Tribuni militum, von denen jeder dasselbe zwei
Monate führte; unter ihnen standen 60 Centurionen, je zwei in einem Manipel. Das Avancement dieser Centurionen,
welches vom Konsul durch die Militärtribunen vollzogen ward, geschah in der Zeit vor Marius durch alle 60 Centurionenstellen
der
Legion hindurch, so daß ein Centurio zuerst die zehn Stellen bei den Hastati, dann bei den Principes, zuletzt bei den Triarii,
die auch Pilani hießen, durchmachte.
Der zweite Centurio in jedem Manipel war dem ersten untergeordnet; der 60. Centurio der
Legion hieß Decimus
hastatus posterior, der erste Primus pilus (s. d.). Mit Einführung der Kohortenstellung fand auch das
Avancement der Centurionen kohortenweise statt, so daß wahrscheinlich die sechs Centurionen der 10. Kohorte den untersten
Rang, die der 1. Kohorte den ersten Rang (primi ordines) einnahmen. Das Kommando des ganzen konsularischen
Heers, welches durch die zu den zwei
Legionen noch hinzukommenden viel zahlreichern, aber leichter bewaffneten Kontingente
der italischen Bundesgenossen (socii) auf 18,480 Mann Infanterie und 2400 Mann Kavallerie gebracht wurde, führte bis zum zweiten
Mithridatischen Krieg um 70 v. Chr. stets ein Konsul oder Prätor, in Ausnahmefällen ein Diktator. Waren
zwei Konsuln beim Heer, so wechselte täglich unter ihnen das Kommando. Nach dieser Zeit hatten den Oberbefehl nicht mehr die
Konsuln, sondern
die Prokonsuln oder Proprätoren. Stets wurden auch dem Oberstkommandierenden noch wenigstens zwei vom Senat
auf Vorschlag desselben gewählte Legati beigegeben, die den Befehl über einzelne Heeresteile übernahmen.
Eine neue wichtige Veränderung in der
Legion ging seit Marius (um 107 v. Chr.) vor sich. Die Aushebungen geschahen ohne Rücksicht
auf das Vermögen, weshalb die Reichen Gelegenheit fanden, sich dem Kriegsdienst zu entziehen, die Armen ihn als eine Erwerbsquelle
betrachteten; es wurde also aus einem Bürgerheer ein Söldnerheer. Der Soldat blieb von jetzt an nach
seinem Eintritt 20 Jahre ununterbrochen beim Heer; hatte er ausgedient, so wurde er in den sogen. Militärkolonien durch Landbesitz
versorgt, wenn er es nicht vorzog, noch als Vexillarius (s. d.) beim Feldherrn zu bleiben.
Die Reiterei aus römischen Bürgern sowie die Velites wurden abgeschafft, die Stärke der aber auf 6000 Mann
erhöht und die drei Klassen von
Legionssoldaten in der Bewaffnung einander gleichgestellt; die alten Bezeichnungen derselben
behielten nur noch für die Titel der Centurionen Bedeutung. Vor allem aber zog Marius, gezwungen durch die Kampfweise der
Cimbern, welche durch ihren wütenden Ansturm die nicht geschlossene römische Manipularstellung
leicht in Verwirrung brachten, die kleinen Truppenkörper zu größern zusammen, indem er aus drei Manipeln eine Kohorte (s. d.),
im ganzen also in der
Legion 10 Kohorten von je 600 Mann bildete.
Die Stellung dieser Kohorten in der Schlacht war ähnlich wie die der Manipeln, nur daß jetzt in den drei
Treffen je 4, 3 und 4 Kohorten standen. Die altgedienten Soldaten endlich, welche früher als Triarier im dritten Treffen gestanden
hatten, nahmen jetzt das erste ein. Die
Legion erhielt seit Marius auch ihr eignes Feldzeichen, den silbernen oder goldenen Adler
[* 9] (aquila, Abbildung s. Adler), vom Aquilifer getragen. Den Manipeln blieben ihre alten Standarten, während
vermutlich auch die Kohorten besondere Feldzeichen erhielten. In späterer Zeit verminderte sich die Stärke der
Legion oft beträchtlich;
die
Legionen Cäsars sind meist nur auf 3600 Mann, zuweilen noch geringer, anzuschlagen, eine Folge davon, daß man die durch
Schlachten
[* 10] entstandenen Lücken nicht ausfüllte, sondern lieber neue
Legionen aufstellte.
Die Stärke, aber nicht die Anzahl der Kohorten und Manipeln wurde hierdurch natürlich verändert. Cäsar hinterließ bei seinem
Tod 40
Legionen, 36 v. Chr. verfügte Octavianus über 44, Antonius über 33
Legionen, und 23 n. Chr. finden wir im römischen
Reich 25 Legionen. Jetzt stellte sich auch das Bedürfnis heraus, die Legionen näher zu bezeichnen, womit
man schon früher begonnen hatte, und so erhielt fast jede außer einer Nummer einen besondern Beinamen nach ihrem Standquartier
oder nach den Kaisern als Chefs, nach Gottheiten oder sonst auszeichnende Prädikate.
Als unter den Kaisern die Zeit des Friedens angebrochen war, wurden die Legionen in feste Garnisonen verlegt und dadurch manche Änderungen in ihren Institutionen hervorgerufen. Das Kommando derselben, die nun auch wieder eine Reiterabteilung von vier Turmen (= 120 Mann) zugeteilt erhielten, sowie der mit ihnen verbundenen Auxiliartruppen fiel stets einem Legatus legionis zu, der Senatorenrang hatte. In den Garnisonen hatten Praefecti castrorum als Platzkommandanten den Oberbefehl, zu welcher Stelle meist altgediente Centurionen, namentlich Primipili, befördert wurden. Unter Domitian traten diese Praefecti castrorum mit dem Titel ¶
mehr
Praefecti legionum als Kommandeure an die Stelle jener Legati legionum. Endlich fand im Kampf mit den barbarischen Völkern an der Reichsgrenze eine Änderung in der Taktik statt, indem man vielleicht schon unter Nero, sicher unter Hadrian (117-138 n. Chr.) zu der alten Phalanx zurückkehrte. Dieselbe stand acht Mann tief, und es waren die vier ersten Glieder mit dem Pilum, die letzten mit der Lancea (s. d.) bewaffnet. Da bei dieser Kampfart die Einzeltüchtigkeit der Soldaten wiederum mehr zurücktrat, so fanden seit dieser Zeit auch Barbaren aller Art in unbegrenzter Zahl Aufnahme in die Legion. Im 4. Jahrh. wurden die Legionen von den Grenzen [* 12] des Reichs in das Innere der Provinzen gezogen und führten davon die Bezeichnungen Legiones Palatinae und Comitatenses, während die Abwehr der geringern Angriffe der Feinde den an den Grenzen fest angesiedelten Soldaten, Limitanei und Riparienses genannt, überlassen blieb. - In neuerer Zeit waren die frühern französischen Nationalgarden ebenfalls in Legionen und Kohorten geteilt, und selbst nach 1815 wurde die neue französische Armee in Legionen formiert, die man nach den Departements des Reichs benannte. Napoleon I. belegte mit dem Namen Legion Truppenkorps von unbestimmter Anzahl und verschiedener Gattung, die nur für die Dauer eines Feldzugs errichtet wurden. Dies galt auch von den im Befreiungskrieg in England und Rußland, bei der Eroberung von Algier durch Frankreich, während des Krimfeldzugs durch England etc. aus Ausländern gebildeten Truppen, die man Legionen nannte (s. Fremdenlegion).