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Credit Suisse soll Urwaldvölker mit 10 Millionen Dollar entschädigen
An einer Medienkonferenz in Zürich erhoben Vertreter aus Guyana schwere Vorwürfe gegen den malaysischen Tropenholzkonzern Samling. Von links nach rechts: David Wilson, Häuptling des Indianerdorfs Akawini; David James, Präsident der Amerindian Peoples' Assocation; Janette Bulkan, Anthropologin und Doktorandin in Yale.
Credit Suisse (CS) soll den Ertrag aus dem Börsengang des malaysischen Holzkonzerns Samling - rund 10 Millionen US-Dollar - an die geschädigte Bevölkerung der tropischen Regenwälder zurückerstatten. Diese Forderung stellten der Bruno-Manser-Fonds und die Gesellschaft für bedrohte Völker heute morgen an einer Pressekonferenz in Zürich, an der führende Experten und Indigenenvertreter aus Guyana und Malaysia schwere Vorwürfe gegen den Samling-Konzern erhoben.
Der Bruno-Manser-Fonds (BMF) und die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) kritisieren, dass die CS mit den Finanzdienstleistungen für Samling das in ihrer "Sustainability Policy" formulierte Bekenntnis zur Nachhaltigkeit, den von ihr unterzeichneten "Global Compact" der UNO sowie den Geist der "Equator Principles" verletzt. "Besonders besorgniserregend ist, dass die Credit Suisse bei der Risikoüberprüfung des Börsengangs von Samling offensichtlich keine ausreichend unabhängige Überprüfung ihrer Kundin vorgenommen hat", sagte Christoph Wiedmer, Geschäftsleiter des Gesellschaft für bedrohte Völker.
Zerstörung der letzten Regenwälder von Sarawak und illegaler Holzschlag in Guyana
Der Samling-Konzern bewirtschaftet rund 3,9 Millionen Hektaren tropischen Regenwald im malaysischen Bundesstaat Sarawak und im südamerikanischen Guyana. "In Sarawak zerstört Samling seit Jahren den Lebensraum des Volks der Penan, für das sich Bruno Manser zeitlebens engagiert hatte", sagte Lukas Straumann vom Bruno-Manser-Fonds. "Wenn nichts geschieht, werden auch die letzten verbliebenen Urwälder bald abgeholzt."
Die Anthropologin Janette Bulkan, die gegenwärtig in Yale an einer Dissertation über die Forstwirtschaft von Guyana arbeitet, sagte: "Aus dem von Credit Suisse verbreiteten Börsenprospekt geht hervor, dass die Samling-Tochter Barama über 400´000 Hektaren Tropenwald ausserhalb ihrer Konzessionen bewirtschaftet. Diese Praxis ist illegal, weil sie gegen die Forstgesetzgebung von Guyana verstösst." Auch mit ihrer Steuerpraxis und der Übernutzung der wertvollen Tropenhölzer verstösst Samling gegen Gesetze und Richtlinien der Waldbewirtschaftung in Guyana.
Es ist davon auszugehen, dass illegale Aktivitäten in diesem Ausmass nur dank Korruption lokaler Amtsträger in Guyana möglich sind. Die Samling-Tochter Barama exportiert den grössten Teil der in Guyana geschlagenen Stämme unverarbeitet nach China. Um die Besteuerung in Guyana zu vermeiden, gibt Samling vor, dass ihre Tochter Barama seit 1991 keine Gewinne erwirtschaftet.
Verheerende Folgen für die Urwald-Indianer
Namens der Urbevölkerung von Guyana berichteteten der Anwalt David James, Vorsitzender der Amerindian Peoples' Association, und der Direktbetroffene Toshao David Wilson über die verheerenden Folgen des Holzschlags für die Indianer. So leiden die Bewohner des in Nordwest-Guyana gelegenen Dorfs Akawini unter der Verschmutzung ihrer Trinkwasserversorgung und hatten vor kurzem erstmals mit einer Typhus-Epidemie zu kämpfen. "Die Barama-Arbeiter sind ohne Erlaubnis in unseren Wald eingedrungen und jagen dort unser Wild", sagte der Akawini-Indianer Toshao David Wilson.
Aufgrund des Vertrages mit einer im Besitz von Samling stehenden Tarngesellschaft dürfen die Dorfbewohner, die bisher von kleinräumiger Holzwirtschaft lebten, in ihrem eigenen Wald kein Holz mehr schlagen und müssen zusehen, wie ihre Lebensgrundlage von den malaysischen Holzfällern zerstört wird. Wie David James erläuterte, wehrt sich die Amerindian Peoples' Association gegen die Missbräuche von Samling und wird ihre Tochter Barama für ihr Verhalten zur Rechenschaft ziehen. "Wir verlangen, dass Samling unsere Rechte respektiert und sich an alle internationalen Standards der Indigenenrechte hält."
Appell an die Credit Suisse
Für Andreas Missbach, Banken-Koordinator der Erklärung von Bern und Mitglied des internationalen BankTrack-Netzwerks ist die Geschäftsbeziehung der Credit Suisse mit dem umstrittenen Tropenholzkonzern nicht überraschend: "Der Fall Samling ist symptomatisch, weil bei Credit Suisse griffige Umwelt- und Menschenrechtsstandards fehlen", sagte er. "Wir erwarten vom neuen CEO Brady Dougan, dass er diesen Misstand endlich behebt."
Mutang Urud, ein enger Freund und ehemaliger Mitstreiter von Bruno Manser aus Sarawak, rief die Grossbank abschliessend dazu auf, die Unterstützung für Samling einzustellen. "Ich bewundere die Unabhängigkeit und Integrität des Schweizer Volks. Wir Indigenen wünschen in ähnlicher Weise, unser Leben selbstbestimmt weiter zu führen, ohne dass unsere im Regenwald verankerte Kultur und Geschichte durch die Bulldozer ausgelöscht wird."
(3. Mai 2007)