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Da man der Felszinken gewöhnlich sieben zählt, so spricht man auch von
SiebenKurfürsten, während freilich die Benennung den Bergfirst bezeichnet, der das einst rätoromanische
Churer Gebiet von dem
deutschen trennte.
(Kt. St. Gallen,
Bez. Sargans
und Ober Toggenburg). Gebirgszug am N.-Ufer des Walensees. Ueber den Namen ist
viel gestritten worden. Wissenschaftlich richtig soll sein Churfirsten als die Grenzfirste der deutschen Lande gegen Churrätien,
poetisch schöner finden andere die Kurfürsten als Ausfluss des Volkswitzes. Das kann man sich ja beides gefallen lassen,
aber Kuhfirsten ist doch wohl weder wissenschaftlich noch poetisch. Die Siegfriedkarte schreibt Curfirsten.
Dieselben bilden einen in flachem Bogen fast genau von W. nach O. verlaufenden Gebirgszug am N.-Ufer des Walensees und geben
mit diesem zusammen eine der grossartigsten und schönsten Gebirgs- und Seelandschaften der Schweiz. Ihre Begrenzung an den
beiden Enden ist etwas unbestimmt. Wir nehmen hier als W.-Grenze eine Line von Starkenbach im Toggenburg
längs dem Leistbach und am Fliegenspitz vorbei nach dem Beerenbach bis zu dessen Mündung in den Walensee, im O. eine Linie
von Grabs im Rheinthal längs dem Watchenbach zur Mulde des Voralpsees und über die Passlücke der Schlewitzer Niedere nach
Walenstadt. Dort im W. gehen die Churfirsten über in die schöne orographische
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und geologische Mulde von Amden, hier im O. in die Gebirgsgruppe des Alvier, die nach SO. streichend mit dem Gonzen endigt.
Die N.-Grenze bildet eine Linie von Grabs durch das Simmitobel nach Wildhaus und der Thur nach hinunter nach Starkenbach. Im
diesem Umfang beteiligen sich am Aufbau der Churfirsten Gesteine der Jura-, Kreide- und Eocänperiode,
doch so, dass die Kreide vorherrscht und die höhern Partien, insbesondere auch sämtliche Gipfel und das N.-Gehänge bis
weit hinunter bildet, der Jura besonders an der Basis der S.-Seite, das Eocän als Saum der N.-Seite und zwar in breiterer Zone
längs dem Simmitobel, in schmälerem Streifen längs der Thur und des Leistbachs bis in die Amdener Mulde
erscheint.
Die Schichten sind von N. nach S. aufgerichtet, so dass die Gehänge der N.-Seite aus den Schichtflächen bestehen und sanft
ansteigen, die S.-Seite dagegen die Schichtköpfe weist und demgemäss in steil abgebrochenen kahlen Felsstufen abfällt,
das Ganze also einen typischen Monoklinalkamm bildet. Im Weitern sei zur Geologie dieses schönen Gebirgszuges
noch einiges bemerkt, ohne auf Einzelheiten näher einzugehen. Schon von der Eisenbahnlinie am Walensee kann man bei einiger
Aufmerksamkeit leicht einige hübsche geologische Beobachtungen machen. An dem Wechsel der Böschungen und Farben der Felswände
erkennt man den Wechsel der Gesteine.
Vom ö. Teil des Sees aufsteigend gegen eine der ö. Churfirstenzacken trifft man da in normaler Lagerung unten bis ziemlich
weit hinauf den Malm oder obern Jura, als Hochgebirgskalk ziemlich hohe, kahle Felsmassen, als Balfriesschiefer sanfter geneigte,
beraste und zum Teil bewaldete Terrassen bildend. Darüber folgen die Kreidestufen des Neocom, Schrattenkalk,
Gault und Seewerkalk. Die obersten Spitzen bestehen fast durchweg aus hellfarbigem Seewerkalk, der aber nirgends in grösserer
Mächtigkeit, sondern überall nur noch in Form von kleinen Kappen den Gipfeln aufgesetzt ist.
Darunter zieht sich ein schmales dunkles Gaultband hin, das aber am Scheibenstoll und Zustoll, die ihre
Seewerkalkkappen verloren haben und darum auch etwas niedriger sind als ihre nächsten Nachbarn, den Scheitel bildet. Die
hohen, schroffen, wieder hellfarbigen Wände bestehen aus Schrattenkalk und die erste grössere Rasenterrasse aus Neocom.
Der untere Rand derselben liegt in einer Höhe von 1500-1600 m (oder 1100-1200 m über dem See). Nach O.
sinkt er aber beträchtlich, so dass er über Walenstadt nur noch etwa 1200 m hoch ist.
Die darunter folgende Wand ist Malm (Hochgebirgskalk), und
dieser hält dann bis fast zum Seespiegel an, wo noch etwas Dogger
zum Vorschein kommt. Da der Malm neben harten Kalksteinschichten auch weichere schieferige und mergelige
Schichten, wie die Balfriesschiefer, enthält, so können sich in seinem Gebiet neben steilen Felsbändern auch sanftere
Vegetationsterrassen bilden, wie eine solche in grösserer Ausdehnung durch die schönen Wiesenhänge der WalenstadterBerge
dargestellt wird.
Weiter w., etwa im Profil von Quinten nach dem Leistkamm, sind die Verhältnisse komplizierter, indem sich
die Kreideschichten wiederholen und zwischen den beiden Kreidekomplexen ein Eocänband sich in etwa halber Höhe der Wand hinzieht.
Das Profil zeigt also folgende Schichtenanordnung: unten am See Malm (Hochgebirgskalk), dann die Kreideschichten Neocom, Schrattenkalk,
Gault und Seewerkalk, darauf ein Eocänband und nun noch einmal die Kreideschichten von Neocom bis Seewerkalk
und zwar wieder in normaler Reihenfolge.
Das Ganze bildet eine sog. Faltenverwerfung, das heisst eine liegende Falte, deren Mittelschenkel mit der umgekehrten Schichtenfolge
durch Auswalzung verschwunden und durch eine blosse Rutschfläche ersetzt ist, so dass der Gewölbeschenkel direkt auf den
Muldenschenkel zu liegen kommt. Die untere Schichtenreihe vom Malm bis zum Eocän repräsentiert also
den Muldenschenkel, die obere Reihe vom Neocom bis zum Seewerkalk den teilweise abgetragenen Gewölbeschenkel.
Auf der N.-Seite der Churfirsten ist von allem dem nichts zu sehen. Dieselbe bildet eine sanft geneigte Rasenfläche, deren
Untergrund aus Gault und am untern Saum aus Eocän besteht. Nur in der Gipfelregion findet sich auch noch
der Seewerkalk. Ursprünglich war aber das Ganze eine zusammenhängende Platte von Seewerkalk, unter welcher die übrigen
Kreideschichten in normaler Ordnung folgten. Diese Platte wurde allmählich durch Erosion zerstückelt. Indem diese von unten
nach oben immer mehr vorrückte und die einmal entstandenen Schluchten immer mehr vertiefte und erweiterte,
wurde die zusammenhängende Gesteinsdecke in eine Anzahl breiter Rücken zerteilt, die sich dann mit der Zeit verschmälern
mussten. Der darauf lagernde Seewerkalk wurde immer mehr abgetragen, so dass jetzt nur noch einzelne Streifen und Fetzen
davon übrig sind. So wie der N.-Abhang in Rücken, so wurde der Kamm, als die Schluchten diesen erreichten,
in einzelne Zacken zerschnitten, die nun die schöne Gipfelreihe der Churfirsten bilden. Die Furchen oder Schluchten sind
natürlich nicht völlig gleichen Alters und darum
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auch ungleich tief eingeschnitten. Zwar haben am Nordabhang alle den Seewerkalk schon vollständig durchschnitten und sind
tief in den Gault eingedrungen, ohne jedoch bis jetzt irgendwo den Schrattenkalk erreicht zu haben. Aber am Grat ist die Schartung
ungleich weit vorgerückt. Zwischen Käsernruck und Hinterruck, den zwei östlichsten Gipfeln der Churfirsten,
hat die Schlucht von N. her den Kamm nur eben erreicht, aber noch keine Scharte in denselben eingeschnitten und darum auch den
Seewerkalk noch intakt gelassen.
Aber weiter w. schneiden die Scharten alle mindestens in den Gault, zum Teil auch schon in den Schrattenkalk ein. Wie viele
solcher Scharten und damit wie viele Gipfel man zählen soll, ist etwas unbestimmt. Wer an den 7 Kurfürsten
festhält, wird als solche bezeichnen die Reihe: Selun (2208 m), Frümsel (2268 m), Brisi (2280 m), Zustoll (2239 m), Scheibenstoll
(2238 m), Hinterruck (2309 m) und Käsernruck (2267 m), von denen also keiner unter 2200 m sinkt, aber
auch keiner wesentlich über 2300 m steigt.
Ebenso kommen sich die zwischenliegenden Scharten an Höhe sehr nahe. Eine einzige, die zwischen Zustoll und Scheibenstoll, sinkt
auf unter 2000 m, nämlich auf 1957 m. Die übrigen bewegen sich zwischen 2012 und 2038 m, abgesehen von dem Sattel
zwischen Hinterruck und Käsernruck, der eben noch keine Scharte ist. Es ist bezeichnend, dass zwischen den niedrigsten Gipfeln
(abgesehen vom Selun) auch die tiefste Scharte, zwischen den höchsten Gipfeln auch die höchste Scharte (zwischen Brisi und
Frümsel), resp. gar keine Scharte sich findet. Es zeigt dies im kleinen wie die Erniedrigung der Gipfel
im allgemeinen Schritt hält mit dem Einschneiden der Scharten. Zu den sieben Fürsten, den stolzen Häuptern des ganzen Zuges,
gesellen sich ein paar Trabanten. Es sind nach W. hin der Wart (2068 m), die Scheere (2187 m), der Nägeliberg (2165 m), der
vordere und hintere Leistkamm (2106 und 2105 m); nach O. der Tristenkolben (2179 m) sö. vom Käsernruck
und mit diesem durch den breiten Rücken des Rosenboden verbunden, dann der schöne breite Gamserruck (2072 m) ö. vom Käsernruck
und von diesem getrennt durch eine breite Senke, auf deren Grund die wunderlichen Karrenbildungen des Schrattenkalks zum Vorschein
kommen, während die gebänderten Wände zu beiden Seiten die Gault- und Seewerschichten etagenförmig aufweisen.
Der Gamserruck ist der einzige Churfirstengipfel, der vom Walensee aus nicht sichtbar ist, da er hinter der breiten Wand des
Rosenboden verborgen bleibt. Er nimmt aber auch sonst eine Sonderstellung ein. Dem geologischen Bau nach stimmt
er zwar
durchaus mit den Churfirsten überein, nach seinen orographischen Formen weicht er aber wesentlich von diesen ab.
Mit seinem breiten Rücken aus einer dicken Lage von Seewerkalk, mit seiner schweren massigen Gestalt scheint er gegenüber
den eigentlichen Churfirsten aus der Art gefallen zu sein. In Wirklichkeit repräsentiert er aber nur
ein früheres Stadium in der Formenentwicklung derselben.
Auch bei diesen muss es einmal, als die zwischenliegenden Schluchten u. Scharten noch weniger tief u. weniger zahlreich waren,
solche breite Rücken à la Gamserruck gegeben haben. Ein weiteres Stadium in dieser Formentwicklung zeigt uns die Gruppe Rosenboden-Käsernruck-Hinterruck,
wo die Rücken von Seewerkalk zwar noch vorhanden, aber doch schon wesentlich verschmälert sind. Noch
weiter vorgerückt in dieser Entwicklung sind der Brisi, Frümsel und Selun, wo die Seewerkalkdecken noch mehr reduziert sind
und teilweise nur kleine Kappen bilden.
Das bisher erreichte Schlussstadium endlich stellen Scheibenstoll und Zustoll dar, die im Kampf ums Dasein
auch die Seewerkalkmützen verloren haben und nun den weniger widerstandsfähigen Gaultscheitel dem Zahn der Zeit ausgesetzt
sehen, dessen Wirkung in der stärkern Erniedrigung und scharfen Zuspitzung dieser zwei Gipfel zu erkennen ist. So steht
denn der breite Gamserruck am Anfang, der spitze Zustoll am Ende einer morphologischen Entwicklungsreihe, und was
rein äusserlich sich so verschieden darstellt, erscheint genetisch und nach der innern Verwandtschaft eng verbunden.
[Dr E. Imhof.]
Am S.-Hang der Churfirsten treffen wir eine Reihe von Pflanzenarten, die dem N.-Hang des Gebirges fehlen; solche sind z. B.
Oxytropis campestris, Petasites niveus, Artemisia Mutellina, Gentiana obtusifolia, Rumex nivalis,EriophorumScheuchzeri, Carex lagopina, Elyna scirpina. Charakteristische Voralpenpflanzen sind hier Polygala alpestre, Sedum villosum,Crepis succisæfolia, Sweertia perennis, Eriophorum alpinum, Carex tenuis. Die untern Teile der S.-Hänge sind ausserdem
reich an Fönpflanzen: Prunus Mahaleb, Cyclaminus europaeus, Lilium croceum, Asperula taurina, Sedum hispanicum, JuniperusSabina, Alnus incana v. sericea. Am N.-Hang erreicht ihren westlichsten Standort der sonst in der Schweiz
nirgends anzutreffende Ungarische Enzian (Gentiana pannonica). Die eben genannten Arten ausgenommen, zeigt die Flora der
Churfirsten allgemein den Charakter derjenigen der n. Voralpenzone. Vergl. die wichtige Arbeit: Baumgartner, Glieb. Das Curfirstengebiet;in seinen Pflanzengeograph. u. wirtschaftl. Ver-¶