Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03303.jsonl.gz/1369

M.Sc. in Business and Economics der Universität Basel, Praktikantin bei iconomix.
Peter Kugler, Professor für Ökonomie und Leiter der Forschungsstelle Geld- und Währungsgeschichte an der Universität Basel, beleuchtet in einem Artikel in der Märzausgabe des NZZ Folios (Abonnement benötigt) die abwechslungsreiche Geschichte des Sparens. Ein ähnlicher Artikel vom selben Autor ist zudem in der Volkswirtschaft erschienen.
Begonnen hat das Sparen bei den Jägern und Sammlern: Sie legten Vorräte an, um auch im Winter Nahrung zu haben. In Babylon wurde Getreide verliehen und mangels Geld als Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel wurden auch die Zinsen in Getreide zurückbezahlt. Das war möglich, weil das geliehene Getreide gesät wurde, und so die Getreidemenge erhöht werden konnte.
Die Römer nutzen Geld und konnten dank ihrem stabilen System, das Spezialisierung und Handel begünstigte, ihren Wohlstand stark ausbauen. Phasenweise lagen die Zinsen bei äusserst tiefen 4%, was aber trotzdem kein grosses Wachstum von Banken und Kreditmärkten nach sich zog. Das lag daran, dass die Ersparnisse vor allem zum Erwerb von Ackerland und zum Anhäufen von Schätzen verwendet wurden und kaum etwas davon als Kredit vergeben oder tatsächlich gebraucht wurde.
Erfolgsfaktor Klima
Dank landwirtschaftlichen Innovationen und guten klimatischen Verhältnissen wuchsen die Städte im Hochmittelalter stark an. Dadurch stieg auch der Handel und bezahlte Arbeit wurde wichtiger. Das äusserte sich unter anderem darin, dass Ritter vermehrt durch Söldner ersetzt wurden. Italienische Handelshäuser und Banken entstanden und expandierten nach ganz Europa.
In dieser Zeit wurden aufgrund des nun steigenden Wohlstands neue Anlagemöglichkeiten gesucht – so wurden Kredite verschiedenster Art und Buchgelder ins Leben gerufen. Nicht nur Kaufleute, auch Fürsten und Könige nahmen nun vermehrt Kredite auf – allerdings oft, ohne sie zurückzuzahlen. Das führte zu mehreren Konkursen von Bankhäusern, so beispielsweise 1340, als der Staatsbankrott des englischen Königs Edward III. die Banken der Bardi und Peruzzi mitriss.
Nach der Entdeckung Amerikas verloren die italienischen Händler und Banken an Bedeutung. Dafür wurde Holland wichtiger und in Antwerpen entstand die erste permanente Börse. Amsterdam lief Antwerpen dann den Rang ab und es folgten einige Neuerungen, die auf Amsterdamer Boden gediehen.
Die industrielle Revolution und ihre Folgen
Sparen wurde für die breite Masse erst mit der industriellen Revolution möglich. Im 19. Jahrhundert wuchsen die Einkommen und Ersparnisse stark an, dadurch erhöhten sich die Bankeinlagen.
Die industrielle Produktion war deutlich kapitalintensiver als die Handarbeit davor, das führte dazu, dass die externe Finanzierung durch Bankkredite, Aktien und Obligationen wichtiger wurde. Damit verbunden wurden die voll haftenden Privatbanken durch neue Aktienbanken verdrängt.
Dank den festen Wechselkursen im Goldstandard und technologischen Entwicklungen in der Kommunikation und im Transportwesen nahm die internationale Spezialisierung zu. Zur gleichen Zeit begannen die Finanzmärkte, sich internationaler auszurichten. Sparer legten ihre wachsenden Ersparnisse nun vermehrt im Ausland an. Diese Globalisierung fand mit dem Ersten Weltkrieg ein jähes Ende.
Nach dem Krieg wurde erfolglos versucht, den Goldstandard wieder einzuführen. Das Papiergeld ohne Golddeckung war anfällig für Hyperinflationen, in diesen wurden viele der Vermögen, die nicht bereits im Krieg verloren gingen, endgültig zerstört.
1944 wurde das Abkommen von Bretton Woods abgeschlossen. Damit begann die Reglobalisierung, sie erreichte aber lange Zeit nicht mehr das Niveau von vor 1914. Mit der Öffnung von Planwirtschaften wie China in den letzten zwanzig Jahren wurden die Finanzmärkte wieder globaler.
In China besteht momentan ein grosser Sparüberschuss, der mitverantwortlich für das tiefe Zinsniveau ist. Allerdings gibt es auch in China die Überalterung, die gemäss Kugler zu einem Aufbrauchen der Ersparnisse führen wird. Dadurch dürften die weltweiten Verhältnisse in Zukunft wieder ausgeglichener werden.
Lesen Sie auch
- Vom Ursprung des Geldes (22.01.2017)
Blog abonnieren
Sie möchten regelmässig über neue Blogbeiträge informiert werden?
Registrieren Sie sich hier.