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Kein erhöhtes Risiko für Rheumatoide Arthritis durch antihormonelle Brustkrebs-Therapie
Brustkrebs-Patientinnen haben kein erhöhtes Risiko, an Rheumatoider Arthritis (RA) zu erkranken. Zu diesem Schluss kommt eine schwedische Kohortenstudie1. Die antihormonelle Therapie mit Tamoxifen oder Aromatasehemmern, die für die Behandlung eines hormonsensitiven Mammakarzinoms eingesetzt wird, stand im Verdacht, das Risiko für RA zu erhöhen. Dieser Zusammenhang konnte durch die Studie widerlegt werden. Die Wissenschaftler des Karolinska Institutet Stockholm bestätigen ausserdem frühere Studien, dass bei Frauen mit RA das Risiko reduziert ist, später an Brustkrebs zu erkranken.
Patientinnen äussern immer wieder die Sorge, dass Medikamente gegen Rheuma die Entstehung von Brustkrebs begünstigen könnten. Bei einer entzündlichen Autoimmunerkrankung wie der Rheumatoiden Arthritis (RA) greift das Immunsystem körpereigene Strukturen an. Durch die Einnahme von Immunsuppressiva soll dies verhindert werden, denn diese unterdrücken Teile der körpereigenen Immunabwehr. Ein potenzieller Nachteil: Die Schwächung der Abwehr des eigenen Körpers macht ihn auch anfälliger für aufkommende Krebszellen. Frühere Studien berichten daher von einem erhöhten Krebsrisiko bei rheumatischen Erkrankungen.
Frühere Studien haben gezeigt, dass die antihormonelle Therapie mit Tamoxifen oder Aromatasehemmern, die bei Frauen mit Brustkrebs eingesetzt wird, mit einem häufigeren Auftreten von Gelenkschmerzen einhergeht. Ob sie jedoch auch zu einer eindeutigen RA führen können, blieb umstritten.
Geringeres Brustkrebsrisiko bei Patientinnen mit Rheumatoider Arthritis
In einer schwedischen Kohorten-Studie sind Wissenschaftler nun der Frage nachgegangen, ob es einen Zusammenhang zwischen Brustkrebs, einer antihormonalen Therapie und RA gibt. Hjalmar Wadström, Doktorand am Karolinska Institutet Stockholm, hat dazu 15 921 Frauen identifiziert, bei denen zwischen 2006 und 2016 RA diagnostiziert wurde. Die Daten wurden mit Brustkrebsrisikofaktoren in Verbindung gebracht und das Risiko von Brustkrebs bei Frauen mit RA und das RA-Risiko bei Frauen mit Brustkrebs wurde untersucht. Diese wurden dann mit einer von Alter und Geschlecht gleich strukturierten Kontrollgruppe verglichen. Das Ergebnis: Das Brustkrebsrisiko für Frauen mit RA war geringer als für Frauen mit gesunden Gelenken. Ausserdem wurde kein Zusammenhang zwischen einer antihormonalen Brustkrebsprophylaxe und späterer RA gefunden.
«Unsere Untersuchungen zeigen, dass das Brustkrebsrisiko bei RA zwar verringert ist, dieser Zusammenhang jedoch nicht ohne weiteres durch herkömmliche Risikofaktoren für Brustkrebs erklärt werden kann», fasst Erstautor Wadström die Ergebnisse der Kohortenstudie zusammen. «Auch der Einsatz einer antihormonellen Therapie bei Brustkrebs scheint das Risiko für eine RA nicht zu erhöhen.»
«Wir wissen jetzt, dass Brustkrebs bei Patientinnen mit RA seltener vorkommt und dass Tamoxifen- und Aromatasehemmer im Hinblick auf das Risiko einer zukünftigen RA zumindest in dem ersten beobachteten Zeitraum sicher zu sein scheinen – das sind wichtige Informationen für die Patientenberatung«, erklärt EULAR Scientific Chair Professor Dr. John Isaacs von der Newcastle University, UK. «Trotzdem sollten sich alle Patienten mit einer symptomatischen Rheuma-Erkrankung regelmäßig einem ihrem Alter angemessenen Tumorscreening unterziehen.»
Bibliografie
- Wadström H, et al.: Risk of breast cancer before and after rheumatoid arthritis, and the impact of hormonal factors. Ann Rheum Dis 2020; 79 (5): 581-586.