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Das Thema der Sommerakademie ist der Untersuchung der verschiedenen Aspekte eines komplizierten Transformationsprozesses in dieser kleinen südkaukasischen Republik gewidmet, die sich aufgemacht hat, den Anschluss an Europa zu schaffen. Dabei wird auch die Rolle der EU, der USA und Russlands in der Region und v.a. bei der Lösung der Konflikte in Abchasien und Südossetien zu betrachten sein.
Vor viern Jahre, kurz vor der “Rosen-Revolution“, wurde Georgien noch als korrupter Staat im Niedergang betrachtet. Nach dem Machtantritt einer westlich und reformorientierten Regierung unter dem Präsidenten Michal Saakashvili hat das Land, das geostrategisch eine wichtige Position einnimmt, beeindruckende Fortschritte im wirtschaftlichen und politischen Bereich gemacht. Die junge Reformelite um Präsident Saakashvili hat dem Land einen Modernisierungskurs verpasst, der das Land zum Standard europäischer Länder aufschliessen lassen sollte. Die Wirtschaft zeigt hohe Wachstumsraten, der Staat ist effizienter geworden, aber auf der Strecke geblieben ist der Demokratisierungsprozess. Das Regime rückt immer mehr in die Nähe eines Super-Präsidialregimes mit autoritären Zügen, dem eine schwache Opposition und eine schwache Zivilgesellschaft gegenüberstehen. Die wirtschaftliche Liberalisierung hat auch zu einer starken Polarisierung zwischen reich und arm geführt. Erschwerend kommt der Konflikt mit Russland hinzu, das über die “abtrünnigen” Provinzen Abchasien und Südossetien die politische Entwicklung bei seinem südkaukasischen Nachbarn zu beeinflussen sucht. Die Existenz von “frozen conflicts” ist eine Hypothek, die den Demokratisierungsprozess in Georgien bedrängt. Sowohl Russland wie Georgien überzeichnen sich gegenseitig mit Feindbildern, die innen- wie aussenpolitisch benutzt werden, aber einer friedlichen Beilegung der bestehenden Konflikte im Wege stehen. Wie in anderen osteuropäischen Ländern, die sich wie die Ukraine in einem komplizierten Transformationsprozess befinden, fehlt es an einer demokratischen Konflikt- und Streitkultur. Das hat sich auch in den Ausschreitungen und im von Saakashvili verhängten Ausnahmezustand im November 2007 gezeigt.
Leiter:
Prof. Dr. Nicolas Hayoz (Universität Freiburg Schweiz)
Teilnehmende: Studierende aller Fachrichtungen
Literatur: Den Teilnehmern wird ein Reader zur Verfügung gestellt.