Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03615.jsonl.gz/1256

"Manche sagen, die grossen Ideologien seien im Absterben begriffen, während andere meinen, sie überschwemmten uns mit ihrer Monotonie. Aber in der heutigen Welt wimmelt es von Ideen, die entstehen, sich bewegen, verschwinden oder wieder auftauchen und den Menschen wie auch den Dingen Stösse versetzen. Und das nicht nur in intellektuellen Kreisen oder in den Universitäten Westeuropas, sondern überall in der Welt unter anderem auch bei Minderheiten oder Völkern, die in ihrer Geschichte bislang noch nie daran gewöhnt waren, das Wort zu ergreifen oder sich Gehör zu verschaffen."
Im Herbst 1974 hielt Michel Foucault mehrere Vorlesungen am Institut für Sozialmedizin in Rio de Janeiro. Der Titel der ersten lautete "Krise der Medizin und der Anti-Medizin". Der historischen Ideenreporterin gibt sich diese Vorlesung als faszinierende Momentaufnahme von Ideenbewegungen zu lesen. Nicht nur werden darin zum ersten Mal Konzepte eingeführt, die in den darauf folgenden Jahren in Foucaults Arbeiten und deren Rezeption zentral wurden. Auch zeichnet sich auf diesem Schnappschuss der historische Kontext ab, vor dem sich diese Bewegungen vollzogen.
(0 comments)
Drei Augenpaare blicken auf einen menschlichen Körper, der auf einem Operationstisch liegt, drei Paare weiss behandschuhter Hände fixieren und bearbeiten ihn mit medizinischen Instrumenten. Die Haut des Patienten ist schwarz. Wie die des einen Arztes. Der andere, deutlich ältere Arzt und die Operationsschwester sind weiss. Die Augen des Patienten sind weit aufgerissen. Er blickt zurück: zu den Ärzten, zu den Fotographen, zu dessen Betrachter_innen. Aufgenommen wurde die Fotographie, die ich in meinen Händen halte, in den 1940er oder 50er Jahren in der spanischen Kolonie Äquatorialguinea. Kein Schnappschuss, sondern eine sorgfältige Inszenierung franquistischer Kolonialpolitik durch ein staatlich finanziertes Fotographenteam.
(1 comments)