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Ungleiche Geschlechterverteilung:
804 Männer und lediglich 44 Frauen erhielten bisher einen Nobelpreis. Das krasse Missverhältnis lässt sich indes gesellschaftlich erklären: Viele der prämierten Forscher gehören Generationen an, in denen die Naturwissenschaften als Männer-Bastion galten. Auch fällt das Geschlechterverhältnis bei den Friedens- und Literatur-Auszeichnungen ausgeglichener aus.
Von Alt bis Jung
Die ältesten Preisträger wurden beide 2007 ausgezeichnet: Mit 90 Jahren erhielt der US-Wirtschaftswissenschaftler Leonid Hurwicz den Nobelpreis. Bei den Frauen ist die britische Schriftstellerin Doris Lessing (87) die älteste unter den Prämierten. Mit geradezu jugendlichen 25 Jahren wurde dagegen der britische Physiker William Lawrence Bragg ausgezeichnet (1915).
Der Nobelpreis als US-Domäne:
Im Länder-Ranking führen die USA unangefochten mit 254 Preisträgern – mit Ausnahme der Literatur sind sie in allen Kategorien führend. Böse Zungen begründen dies mit der besten Lobby-Arbeit – tatsächlich trugen dazu aber auch die weltweit führenden Universitäten und die grosse Zahl an europäischen Exilanten in den Kriegsjahren bei. Obwohl die Schweiz (24) seit 2002 keine Auszeichnung mehr holte, braucht sie den internationalen Vergleich nicht zu scheuen: Kein anderes Land zählt gemessen an der Bevölkerungszahl mehr Nobelpreisträger.
Produktive Eheleute:
Am Montag wurde das norwegische Forscherehepaar May Britt und Edvard Moser mit dem Nobelpreis in Medizin ausgezeichnet. Zuvor bewiesen bereits vier andere Ehepaare, dass sich Privat- und Arbeitsleben bestens vereinen lassen. Prominentestes Beispiel: Marie und Pierre Curie (1903). Letzterer überzeugte das Nobelpreiskomitee erst mit einem Schreiben vom Anteil seiner Frau an der bahnbrechenden Arbeit mit radioaktiven Substanzen.
«Verhinderte» Preisträger:
Mit seiner Erkenntnis, dass die DNS Träger der Erbinformation ist, begründete Oswald T. Avery (USA), die moderne Genetik. Die Jahrhunderterkenntnis von 1944 blieb unbelohnt, erst posthum wurde ihm die verdiente Anerkennung zuteil. Auch der designierte Preisträger Mahatma Gandhi erlebte die Ehrung nicht mehr – er wurde 1948 erschossen. Der Friedensnobelpreis wurde schliesslich nicht vergeben – es gebe «keinen geeigneten lebenden Kandidaten», schrieb das Komitee.
Politische Verstimmungen:
Jüngst sorgte etwa der Friedensnobelpreis für US-Präsident Barack Obama (2009) für geteilte Reaktionen. Doch der Unmut hat Tradition: In den 1930er-Jahren reagierte das Nazi-Regime scharf auf die Auszeichnung für den KZ-Häftling und Pazifisten Carl von Ossietzky; auch der chinesische Menschenrechtler Liu Xiaobo erhielt 2010 als politischer Gefangener den Friedensnobelpreis. Der Russe Boris Pasternak verzichtete gar auf den Literaturnobelpreis – aus Angst vor Repressalien durch das Sowjet-Regime, das seine Prosa für nicht linientreu befand.
«Alternative» Nobelpreise:
Die düpierten Regimes reagierten mitunter mit alternativen Prämierungen: Hitler richtete 1937/38 den «Deutschen Nationalpreis für Kunst und Wissenschaft» ein; China vergibt nach dem Eklat von 2010 den Konfuzius-Friedenspreis. Der «Right Livelyhood Award», der «Alternative Nobelpreis» existiert seit 1980 – eben erst wurde der «Whistleblower» Edward Snowden prämiert.
Weniger ernst nimmt sich der Ig-Nobelpreis: Der «Anti-Nobelpreis» prämiert wissenschaftliche Leistungen, «die Menschen zuerst zum Lachen, dann zum Nachdenken bringen.» Preisträgerin ist etwa die deutsche Biologin Sabine Begall – sie fand heraus, dass Hunde ihre Position beim Urinieren nach dem Magnetfeld der Erde ausrichten.
Über 100-jährige Tradition
Die ersten Preise wurden 1901 in der Kategorien Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Friedensbemühungen vergeben. Neben den eigentlichen Nobelpreisen wird seit 1969 eine Ehrung für Wirtschaftswissenschaften in Gedenken an Alfred Nobel verliehen – obwohl der Erfinder des Dynamits kein ausgesprochener Freund der «weichen Wissenschaften» war.