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Grundlagen
Der August 2022 war der zweitwärmste seit 1864. Die Durchschnittstemperatur lag um 1,9 Grad über der Norm 1991-2020. Nur im Jahr 2003 war der August mit 3,5 Grad über der Norm noch deutlich wärmer. Ab dem 15. August gab es in mehreren Regionen der Schweiz endlich Schauer, vielerorts waren dies die ersten relevanten Niederschläge seit anfangs Juli. In der zweiten Augusthälfte gab es teilweise massive Niederschläge mit regional hohen Tagessummen. Gebietsweise litten vor allem Gras- und Maisbestände stark unter der Trockenheit. Teilweise wurde Silomais schon im August geerntet. Nach 4374 Schadenmeldungen im Juni sind diese im Juli auf 1790 Meldungen gefallen (Tabelle 1.5). Die Schadenlage war damit im Juli 2022 im Vergleich zu früheren Jahren insgesamt durchschnittlich. Auch bei den Elementarschäden war dies mit 327 Meldungen der Fall (Tabelle 1.6).
Pflanzenbau
Die Gemüseproduktion lag im Juli mit 45 232 Tonnen auf dem Niveau des Jahres 2020 und damit um 24,5 % höher als 2021 (Tabelle 2.2). Beim Mostobst wird mit insgesamt 79 330 Tonnen eine mittlere Ernte geschätzt. Unterdurchschnittlich ist die geschätzte Menge an Mostbirnen mit 5356 Tonnen (Tabelle 2.4). Insgesamt wird 2022 eine gute Obsternte erwartet (Tabelle 2.5). Hoch sind die erwarteten Mengen bei Äpfeln, Tafelkirschen und Aprikosen.
Milchwirtschaft
Die Milchproduktion nahm im Monat Juni im Vergleich zum Vorjahr um 6,3 % ab (Tabelle 3.1). Der negative Trend verstärkt sich damit. Die Menge über 12 Monate kumulierte Menge lag im Juni um 2,4 % tiefer als im Vorjahr. Gründe für diese Entwicklung dürften Probleme im Futterbau infolge der Trockenheit und die aktuell hohen Kraftfutterpreise sein. Es ist zu erwarten, dass sich diese Faktoren auch in den nächsten Monaten weiterhin negativ auf die Milchproduktion auswirken werden. Entsprechend floss weniger Milch in die Verwertung und die Mengen gingen in fast allen Bereichen zurück. Im laufenden Jahr war dies erstmals seit längerer Zeit auch bei der Käseproduktion der Fall (Tabelle 3.2). Im ersten Semester 2022 gab es nur beim Gruyère AOP, Tête de Moine AOP und Frischkäse eine nennenswerte Zunahme der Produktion (Tabelle 3.4). Die Konsummilchproduktion ging im ersten Semester 2022 gegenüber dem Vorjahr um 5,6 % zurück (Tabelle 3.3). Der Boom der Corona-Jahre 2020/21 ist damit endgültig vorbei. Die Konsumenten kaufen wohl wieder vermehrt im Ausland ein und verpflegen sich häufiger ausser Haus wie vor der Corona-Krise. Die regional schwierige Situation im Futterbau macht sich offensichtlich auch mit eher tiefen Milchgehalten bemerkbar. Der starke Rückgang des Milchgehalts könnte aber auch mit den hohen Sommertemperaturen in Zusammenhang stehen (Tabelle 3.7).
Viehwirtschaft
Der Rindviehbestand lag Ende Juli weiterhin leicht höher (+10 071 Tiere bzw. +0,7 %) als im Vorjahr (Tabelle 4.1). Der Milchkuhbestand nahm im Jahresvergleich weiter ab. Es kommen zwar vermehrt junge weibliche Tiere nach, es ist jedoch nicht klar, welcher Anteil in die Grossviehmast geht und welche Anteile aus Zuchttieren für den Milch- bzw. Mutterkuhbestand bestehen (Tabelle 4.2). Zudem führt die laufende Zunahme des Spermasexings zu einer Zunahme der weiblichen Tiere auf Kosten der männlichen. Im Juli wurde ausser bei den Kühen weniger Klein- und Grossvieh geschlachtet als im Vorjahr (Tabelle 4.5). Die Steigerung bei den Kuhschlachtungen (+696 Kühe bzw. +6,4 %) dürfte eine Folge der Trockenheit sein. Das durchschnittliche Schlachtgewicht der Schweine ist im Juli deutlich gesunken, da erstmals in grösserem Umfang leichte Spanferkel (ca. 4550 Stück) geschlachtet wurden, um den Markt zu entlasten (Tabelle 4.4). Die Inlandproduktion von Fleisch nahm im Juli entsprechend für alle Kategorien ab: Rindfleisch -0,5 %, Kalbfleisch -6,3 %, Schweinefleisch -1,6 % und Schaffleisch -5,6 % (Tabelle 4.8). Im Juli ging die Produktion von Schlachtgeflügel um 2,8 % zurück (Tabelle 4.10). Kumuliert ergibt sich jedoch weiterhin eine Zunahme von 1,7 %. Die Produktion von Eiern nahm im Juli gegenüber dem Vorjahr leicht ab um 0,3 % (Tabelle 4.11). Deutlich zugenommen haben im laufenden Jahr bisher die Importe von Bruteiern (kumuliert +17,5 %).
Aussenhandel
Die Käseexporte lagen im Juli um 3,0 % tiefer als im Vorjahr. Kumuliert ergibt sich im laufenden Jahr eine Abnahme um 7,0 % (Tabelle 5.6). Aber auch die Importe gingen zurück, im Juli um 6,6 % und kumuliert um 5,6 %. Bei den Käsesorten legte der Emmentaler AOP (+124,9 Tonnen bzw. +15,9 %) gegenüber dem Vorjahr am deutlichsten zu (Tabelle 5.8). Mengenmässig wurden im laufenden Jahr bisher mehr Produktionsmittel als im Vorjahr eingeführt (Tabelle 5.15). Nur die importierte Düngermenge ging um 23,8 % zurück. Die Importe von Maschinen und Geräte gingen wertmässig bisher um 9,0 % zurück. Es scheint, dass die Landwirte in Anbetracht der gestiegenen Preise - soweit dies möglich ist - weniger Produktionsmittel zukaufen. Die Grunddüngung kann allenfalls für eine Saison reduziert und Investitionen können teilweise hinausgeschoben werden.
Preise
Die Preise für Muni, Ochsen und Rinder nahmen im August geringfügig zu. Die Preise für Verarbeitungstiere RV und VK gingen leicht zurück, konnten sich aber über dem Vorjahresniveau halten (Tabelle 6.3). Bei einem Importanteil beim Rindfleisch von 25 % (Tabelle 4.8) sollte der Markt auch bei leicht zunehmenden Kuhschlachtungen aufnahmefähig bleiben. Die Preise für Schlachtkälber stiegen im August an und lagen um 50 Rappen/kg SG über dem Vorjahresniveau (Tabelle 6.4). Die Preise für Tränkekälber bewegten sich leicht unter dem Niveau des Vorjahres und haben wohl das saisonale Maximum erreicht (Tabelle 6.5). Die Preise für Schlachtschweine sanken auf einen Basispreis von 3.00 CHF/kg SG (Tabelle 6.6). Ähnlich desaströs war die Situation bei den Ferkeln. Die Preise für Schlachtlämmer und -schafe waren im August stabil oder gingen minim zurück (Tabelle 6.7). Nur die Preise für Weidelämmer gingen deutlich zurück und sanken unter das Vorjahresniveau. Die Produzentenpreise für Milch sind im Juli weiter und deutlich angestiegen (Tabelle 6.8). Offensichtlich reichte der Preisanstieg bisher jedoch nicht aus, um den Rückgang der Milchproduktion zu bremsen (Tabelle 3.1). Die Produzentenpreise entwickeln sich zurzeit nur bei den Schlachtschweinen und beim Frischgemüse negativ. Deshalb steigt der Produzentenpreisindex Landwirtschaft im Juli gegenüber dem Vorjahr um 1,0 % an. Aktuell konnten jedoch viele Preise im Pflanzenbau noch nicht für das laufende Jahr aktualisiert werden. Der Einkaufspreisindex landwirtschaftlicher Produktionsmittel lag im Juli um 10,9 % höher als im Vorjahr (Tabellen 6.14 und 6.15). Gegenüber dem Vormonat ging der Indexstand erstmals seit längerem minim zurück. Auf dem Weltmarkt entwickeln sich die Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe und Produktionsmittel sehr variabel (Tabellen 6.22, 6.24 und 6.25). Für viele Pflanzenbauprodukte gingen die Preise in den letzten Monaten wieder etwas zurück. Bei den Düngemitteln ist die Preisentwicklung unterschiedlich. Die weitere Entwicklung auf den Weltmärkten ist nicht absehbar. Es sind sehr unterschiedliche Szenarien denkbar von einer weiteren Beruhigung bis zu einer Energiemangel-Lage im kommenden Winter mit einem weiteren Anstieg der Teuerung.