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Die Gattung Corvus innerhalb der Familie der Rabenvögel (Corvidae), zu der die Raben und Krähen gehören, umfasst weltweit 42 Arten. Aufgrund ihrer hohen Anpassungsfähigkeit besiedeln sie dabei die unterschiedlichsten Habitate – vom Dschungel bis ins Hochgebirge. Sie sind Allesfresser und ernähren sich von Insekten, kleinen Nagetieren, Samen, aber auch von Aas. Die meisten Arten tragen ein unscheinbares, graues bis schwarzes Federkleid und besitzen kräftige Schnäbel. Rabenvögel haben gute Augen, und Forscher gehen davon aus, dass die Tiere auch darüber nachdenken, was sie da sehen. Beobachtet man ausserdem das Brutverhalten von beispielsweise Saatkrähen, lässt sich schnell erkennen, dass Rabenvögel bei weitem keine “Rabeneltern” sind. Die ersten Tage wird der Nachwuchs durch ein Elternteil ständig bewacht und gewärmt. Später übernimmt sogar die gesamte Kolonie den Schutz der Jungtiere! Rabenvögel transportieren das Futter für ihre Jungtiere in den sogenannten Unterzungentaschen unter ihren Schnäbeln. Mehrere Monate werden die Jungtiere gefüttert, und oft bleiben die Familien bis in den Spätsommer zusammen.
Symbol für Weisheit oder Symbol für den Tod?
Während in der germanischen Mythologie die Rabenvögel noch als heilige Tiere und als Symbole für Weisheit und Gedächtnis galten, änderte sich die Beziehung zwischen Menschen und dem Tier im Mittelalter stark. Durch die langjährigen Kriege und Pestepidemien wuchsen Aberglaube und Vorurteile gegenüber den Rabenvögeln, und sie wurden als Verkünder und Verursacher des Bösen verschrien. Als Aasvögel galten sie dem christlichen Glauben als „unrein“, und dass sie sich zudem noch überwiegend in Schwarz gewandeten, half ihnen dann auch nicht. Aus dem ehemals verehrten Göttervogel wurde ein geächteter Galgenvogel, der gnadenlos verfolgt wurde. Auch heute noch haben viele Menschen Vorurteile gegenüber den scheuen Tieren. Wegen ihrer lautstarken Krährufe und der Verunreinigung von Parkbänken, Häusern und Strassen mit Vogelkot sind sie in menschlicher Siedlungsnähe nicht gern gesehen. Da sie teilweise Eier und Jungtiere aus Gelegen kleinerer Singvögel als Nahrung für ihre Aufzucht verfüttern, gelten sie zudem als Verursacher des Rückgangs dieser Vogelarten. Diesen Verdacht widerlegt eine Metastudie, die 42 Studien zum Thema zusammenfasst: Die Rabenvögel haben nur einen sehr geringen Einfluss auf das Vorkommen anderer Vogelarten. Andere Faktoren wie Lebensraumverlust, Glasfenster, aber auch Katzen spielen beim Verschwinden der Singvögel eine weit grössere Rolle. Weiterhin klagen Landwirte über Saatgut- und Ernteverluste durch die schlauen Tiere. Dem entgegengesetzt konnte von der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) in Zollikofen nachgewiesen werden, dass Saatkrähen nur einen geringen wirtschaftlichen Schaden verursachen. Denn Saatkrähen wurden in den letzten 100 Jahren so stark bejagt, dass sich ihre Population um 90% reduzierte.
Symbol für Intelligenz!
Glücklicherweise ändert sich nun langsam die Wahrnehmung der Tiere in der Öffentlichkeit. Sie sind dem Menschen ähnlicher, als wir denken. Dies belegen die zahlreichen wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Intelligenz und das Sozialverhalten der Rabenvögel. An der Universität Cambridge konnten Neukaledonische Krähen dabei beobachtet werden, wie sie Werkzeuge benutzen, um an Nahrung zu gelangen. Diese Fähigkeit wurde lange Zeit nur den Primaten zugesprochen. Forscher der Universität Wien erforschten in verschiedenen Tests die Koordination und Zusammenarbeit von Rabenvögeln. Die Ergebnisse sind verblüffend: Das Verhalten der Vögel legt nahe, dass die Tiere Zusammenhänge von Ursache und Wirkung erkennen und danach auch handeln: Dies verschiedentlich sogar dann, wenn sie die genaue Ursache nicht sehen, sondern aus ihrer Erfahrung schliessen müssen. Andere Studien zeigen, dass die Tiere auf Augenbewegungen sehr sensibel reagieren. Sie verstehen Handzeichen und erkennen auch, wohin eine ihnen bekannte Person ihren Blick richtet. In der Wissenschaft wird für solches Verhalten eine “Theory of Mind” vorausgesetzt: Die Fertigkeit, über die Intentionen und das Wissen anderer Individuen nachzudenken.
Das Futterangebot schafft neue Lebensräume
In der Schweiz kommen folgende Arten aus der Familie der Rabenvögel vor: Alpendohle, Alpenkrähe, Dohle, Saatkrähe, Aaskrähe (mit den beiden Unterarten Rabenkrähe und Nebelkrähe) und Kolkraben. Am häufigsten ist die Rabenkrähe anzutreffen, der grösste Rabenvogel ist der Kolkrabe. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 130 cm und einer Körperlänge von 65 cm sind die Tiere grösser wie als Mäusebussarde und damit die grössten Singvögel der Erde! In der Schweiz eher selten sind die geselligen Saatkrähen und Dolen, die beide in Kolonien leben. Auch Eichelhäher, Elstern und Tannenhäher gehören zu den Rabenvögeln. Die Populationen von Elstern, Raben- und Saatkrähen nehmen in der Schweiz deutlich zu, vermeldet die Vogelwarte Sempach. Dies, obwohl sich ihr Lebensraum immer stärker verändert oder verschwindet.
Durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung unserer Landschaften sind die Tiere gezwungen, sich neue Lebensräume und Brutplätze zu erobern. Dies geschieht immer mehr in städtischen Gebieten. Auch Müllhalden bieten ein grosses Nahrungsangebot. So werden die Populationen der Rabenvögel nicht nur grösser als normal, sie ziehen auch nicht mehr wie früher umher, um neue Nahrungsquellen zu erschliessen. Als anpassungsfähigen Kulturfolgern fällt ihnen das leichter als anderen Vögeln. Während etwa in den kalten Wintermonaten die meisten Tiere die Hochgebirgsregionen verlassen oder schlafend überwintern, erfreut sich nur der Mensch an diesen extremen Bedingungen und rückt zum Skifahren in die Berge aus. Indessen haben aber auch die schlauen Alpendolen das Nahrungsangebot auf den Sonnenterassen der Skigebiete für sich entdeckt und bleiben nun während der kalten Jahreszeit ebenfalls in diesen Höhen.
Quellen und weitere Informationen:
Vogelwarte Sempach: Missverstandene Singvögel
Vogelwarte Sempach: Probleme mit Rabenvögeln in der Landwirtschaft
Nature: Ravens attribute visual access to unseen competitors