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Unser Mond, der Erdmond, den wir in verschiedenen Phasen immer wieder beobachten können, ist kein Planet. Zu den Planeten, die auf elliptischen Bahnen um die Sonne, den zentralen Stern in unserem Sonnensystem, kreisen, gehören Merkur, Venus, die Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Unser Mond kreist auf einer ebenfalls elliptischen Bahn um die Erde und mit ihr um die Sonne.
Magischer Mond
Der Mond ist ein Trabant der Erde. Trabant heisst eigentlich «Krieger zu Fuss» oder «Leibwächter» oder «Satellit». Die Bezeichnung Leibwächter gefällt mir am besten, denn sie weist darauf hin, dass der Mond eine Schutzfunktion für unseren Hausplaneten erfüllt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass er schon seit Jahrtausenden eine magische Wirkung auf die Lebewesen der Erde ausübt. Sein kaltes Licht, seine Verwandlungskünste am Himmel machten ihn unantastbar. So glaubten unsere Vorfahren, dass der Mond Wohnsitz der Götter und Zufluchtsort für die Seelen von Verstorbenen sei.
Von diesem himmlischen Gebilde nahm man lange Zeit an, dass es glatt, rund und makellos sei. Als aber Galileo Galilei im 17. Jahrhundert das Fernrohr erfand und dieses neue Instrument in einer wolkenlosen Vollmondnacht auf den Erdtrabanten richtete, erschrak er. Er entdeckte nämlich Ebenen, Täler, Rinnen und Berge. Galilei schloss daraus, dass die Mondoberfläche eine ähnliche Gestalt haben müsse wie jene der Erde. Damit brachte er das bisherige Weltbild ziemlich durcheinander.
Einmalige Landschaft
Heute, 50 Jahre nach der ersten Mondlandung, wissen wir, dass die beiden Astronauten Armstrong und Aldrin feststellten, dass auf der Mondoberfläche «eine riesige Trostlosigkeit herrscht, die trotzdem einmalig und grossartig ist». Es präsentierte sich ihnen eine Wüstenlandschaft, die viermal so gross war wie die Wüste Sahara. Um den Mond gibt es keine Lufthülle. Knapp über dem Boden schwebt eine hauchdünne Gashülle, die 100 Milliarden Mal dünner ist als die Erdatmosphäre und zur Hauptsache aus Edelgasen besteht.
Da die Anziehungskraft sehr schwach ist, kann der Mond keine Lufthülle aus Stickstoff und Sauerstoff festhalten. Sein Magnetfeld ist ebenfalls schwach, so dass die Sonnenstürme mit ihren geladenen Teilchen eine permanente Zerklüftung der Gesteinsmassen des Mondes bewirken. Damit ist jede Form von Leben unmöglich, der Mond ist ein «toter Trabant».
Gegenseitige Anziehung
Als Leibwächter beeinflusst er aber viele Vorgänge auf unserer Erde direkt oder indirekt. Er hat für alle Formen von Leben eine wichtige Bedeutung. Sein Abstand von der Erde beträgt im Durchschnitt 380 000 Kilometer. Obwohl man 50 Erdmonde in die Erdkugel einfüllen könnte, hat die Erde einen vergleichsweise riesigen Mond. Erde und Mond ziehen sich durch die Gravitationskräfte gegenseitig an, was wir in unseren Meeren als Ebbe und Flut erkennen können. An der Nordsee zum Beispiel beträgt der Höhenunterschied zwischen Ebbe und Flut drei bis fünf Meter, an der kanadischen Atlantikküste bis zu 20 Meter. Das Festland der Kontinente wird durch diese Anziehungskräfte ebenfalls um 20 bis 40 Zentimeter angehoben und wieder gesenkt.
Die Luftmasse rund um die Erde, unsere Atmosphäre, müsste durch diese Gezeitenkräfte auch Druckunterschiede aufweisen. Das ist tatsächlich der Fall, aber die Druckunterschiede betragen am Äquator nur 0,07 Hektopascal (hpa). Auf 50 Grad nördlicher Breite, das heisst auf der Höhe von Frankfurt, sind es nur noch 0,02 hpa. Das ist so wenig, dass der Mond im Vergleich zur Sonne keinen Einfluss auf das Wetter nehmen kann. Um bei den Wetterabläufen eine aktive Rolle zu spielen, müsste der Druckunterschied Werte von 10 bis 30 hpa aufweisen, so wie das bei der Sonneneinstrahlung der Fall ist.
Falsche Annahmen
Die Strahlung des Mondes ist um das 100 000-Fache geringer als die der Sonne, und so kann die Mondstrahlung die Temperatur und den Energiehaushalt der Erdatmosphäre nicht beeinflussen. Die weitverbreitete Ansicht, dass das Wetter bei zunehmendem Mond schöner sei als bei abnehmendem Mond oder dass bei Vollmond ein Wetterwechsel unmittelbar bevorstehe, kann leicht widerlegt werden. Diese Mondphasen sieht man nämlich zur selben Zeit sowohl in Moskau als auch in Zürich, Madrid, London oder Rom, aber das Wetter ist nicht an all diesen Orten das gleiche.
Ein Trugschluss liegt auch in der Annahme, dass der Vollmond Frostwetter begünstige oder Wolken auflöse. Aber Achtung: Den Vollmond sieht man ja nur bei wolkenlosem Himmel, und im Winter kann in einer klaren Nacht Frost entstehen. Es gibt aber auch zutreffende Wetterregeln, in denen der Mond indirekt eine Rolle spielt, zum Beispiel, wenn es heisst: «Hat einen Hof der Mann im Mond, bleibst du vor Regen nicht verschont.»
Bei uns entsteht der Mondhof auf einer Höhe von sieben bis zehn Kilometern. Er wird durch Beugungs- und Brechungseffekte der Mondstrahlen an Eispartikeln in diesen Höhen erzeugt, und das deutet auf eine Anfeuchtung der Atmosphäre durch eine aufziehende Warmfront hin. Beginnt gleichzeitig der Luftdruck zu fallen, ist dieser Hof ein klares Zeichen dafür, dass innerhalb von sechs bis zwölf Stunden ein Landregen zu erwarten ist.
Wie der Mond das Klima auf der Erde beeinflusst, erfahren wir im nächsten Beitrag Ende April.
Mario Slongo ist ehemaliger DRS-Wetterfrosch. Einmal im Monat erklärt er in den FN spannende Naturphänomene. Weitere Beiträge unter: www.freiburger-nachrichten.ch, Dossier «Wetterfrosch».