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Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn sie das Wort Tohuwabohu hören? Nun, mich erinnert es an meine Kindheit, und zwar an die Rumpelkammer im Haus meiner Grossmutter, in der ein heilloses Durcheinander herrschte.
Der Begriff Tohuwabohu wird heute meistens als Synonym für ein Wirrwarr, Durcheinander oder Chaos verwendet. Eigentlich ist Tohuwabohu hebräisch und besteht aus zwei Worten: Nämlich tohu, was mit ‚Wüste‘ und wavohu, was als ‚Einöde‘ übersetzt werden kann. Berühmt ist die Redewendung, weil sie gleich zu Beginn der Bibel steht. Am ersten Tag erschafft Gott die Erde und den Himmel, doch die Erde ist noch tohu wabohu. So denken sich die biblischen Autoren die Welt vor ihrer Vollendung durch Gott: als ein ödes und verwüstetes Land, ohne jegliches Leben.
Dieselbe Wortkombination findet sich im Alten Testament nur noch an einer Stelle. Sie steht in einer Vision des Propheten Jeremia und schildert den Zustand eines Landes nach einem Krieg. Jeremia beschreibt die Erde als Tohuwabohu: Am Himmel sieht er kein Licht und keine Vögel mehr, die Städte sind zerstört und das Land ist verwüstet.
Es erhellte stets nur wenig Licht die Rumpelkammer meiner Grossmutter, in der sich Erinnerungen an ein halbes Jahrhundert Familiengeschichte mit nicht weniger als zehn Kindern auftürmten. Doch es sah in ihr nicht ganz so schlimm aus, wie man sich die Welt vor dem ersten Schöpfungstag vorstellt. Es war natürlich ein chaotisches Tohuwabohu, aber doch sehr spannend und geheimnisvoll.