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Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Lenzburg wurde 1864 eröffnet. Sie besteht aus der Strafanstalt und wurde 2011 mit dem Zentralgefängnis erweitert.
Auftrag
Wir erfüllen einen gesetzlichen und somit gesellschaftlichen Auftrag, der einerseits im StGB und andererseits in der Verordnung über die Organisation der JVA Lenzburg vom 21. Januar 2004 (Inkrafttreten: 1. März 2004 [SAR 253.331]) sowie in weiteren Erlassen (wie z. B. in der Verordnung über den Vollzug von Strafen und Massnahmen [Strafvollzugsverordnung, SMV] vom 9. Juli 2003; diese trat am 1. September 2003 in Kraft [SAR 253.111]) festgelegt ist.
Betreuung
Die Grundzüge des Straf- und Massnahmenvollzugsrechts sind in den Art. 74 bis 92 des Strafgesetzbuchs geregelt. Die Umsetzung dieser Grundsätze bleibt dagegen der Gesetzgebung der Kantone überlassen. Zahlreiche Regelungen finden sich damit in kantonalen Vollzugserlassen sowie in Vereinbarungen und Richtlinien der Konkordate. Die Kantone sind zur Vollstreckung der freiheitsentziehenden Urteile verpflichtet und haben die hierfür notwendigen Einrichtungen bereitzustellen (Art. 372 und 377 StGB).
Der Strafvollzug hat das soziale Verhalten des Gefangenen zu fördern, insbesondere die Fähigkeit, straffrei zu leben (Art. 75 StGB).
Aus diesem Vollzugsziel lässt sich die Aufgabe der Vollzugsbehörden ableiten, Angebote für soziale Lernprozesse zwecks Rückfallverhütung zu machen. Diese haben die intensive Auseinandersetzung mit der Tat und der Opferproblematik, die Wiedergutmachung und die Entwicklung von Strategien zur Rückfallprävention zu umfassen. Die künftige Legalbewährung hängt aber auch wesentlich vom sozialen Umfeld ab, weshalb die Pflege und der Ausbau wertvoller Kontakte zu Bezugspersonen ebenso wichtig sind wie die deliktpräventive Arbeit mit dem Gefangenen.
Die JVA Lenzburg sieht ihre Hauptaufgabe darin, dem Gefangenen zu einem künftig eigenverantwortlichen Lebensweg zu verhelfen, auf dem er die Rechte und die Würde seiner Mitmenschen achtet und respektiert. Als Wegleitung, das Leben in der Zwangsgemeinschaft auf menschliche Art zu regeln, dient die Hausordnung. Die in den Vollzugsplänen mit dem Gefangenen vereinbarten Ziele können nur dann erreicht werden, wenn auch er zu aktiver Zusammenarbeit bereit ist.
Der Resozialisierungsauftrag ist in den letzten Jahren insbesondere im geschlossenen Strafvollzug zunehmend in Widerspruch zum Schutz der Bevölkerung vor gefährlichen Straftätern geraten. Der Grund dafür liegt unter anderem in der stark gestiegenen Zahl von psychisch auffälligen Gefangenen. Von den Gefangenen sind rund 20 Prozent gemäss Gutachten und/oder aufgrund unserer Beobachtungen verhaltensgestört. Diese erzeugen vielfältige Konflikte und erfordern eine hohe Toleranz seitens der Betreuenden.
Die Anstrengungen sind gross, die Gefangenen auf ihr Leben ausserhalb der Gefängnismauern vorzubereiten. Kompetente Mitarbeitende in den Bereichen Gewerbe, Schule, Freizeit, Sozialdienst, Medizin/Psychiatrie bzw. Psychologie sowie Seelsorge begleiten und fördern den Gefangenen auf dem Weg zur Entlassung.
Durch interdisziplinäres Zusammenwirken werden personen- und zielbezogene Vollzugspläne (Risikoorientierter Sanktionenvollzug-ROS) erstellt, welche beispielsweise eine Suchttherapie, die Förderung der Sozialkompetenz, Teilnahme am allgemeinbildenden Unterricht (Bildung im Strafvollzug-BiSt) und/oder eine Berufsausbildung (interne Praxisausbildung) beinhalten können.
Ein wesentlicher Bestandteil unserer Wiedereingliederungsbemühungen ist das Freizeitangebot. Diesem liegt der Gedanke zugrunde, dass Delikte (häufig) in der freien Zeit, sprich Freizeit, begangen werden. Wenn also eine sinnvolle Freizeitgestaltung Teil des Alltages wird, verringert sich die Rückfallgefahr. Die klassischen Freizeitaktivitäten wie Basteln, Tiffany, Sprachkurse und Malen wurden in der Zwischenzeit durch Angebote im Bereich Informatik und Musik erweitert. Die Ausrichtung des Sportangebotes hat sich in den letzten Jahren vom eigentlichen Kraftsport tendenziell zum Fitness- und Gesundheitssport verlagert.
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Sicherheit
Die JVA Lenzburg hat im Laufe der letzten Jahre einen sehr hohen Stand an sicherheitstechnischer Ausrüstung erreicht. Doch trotz der vielen Technik- und Überwachungsmöglichkeiten ist nach wie vor ein gut ausgebildetes Personal das Mass aller Dinge.
Um den physischen wie auch psychischen Belastungen während der täglichen Arbeit gewachsen zu sein, werden die Mitarbeitenden laufend im fachlichen Bereich (Elektronik, Ausbildung zum dipl. Fachmann / zur dipl. Fachfrau für Justizvollzug etc.) geschult. Zudem besuchen die Dienstgruppen regelmässig stattfindende Supervisionen unter Leitung eines externen Psychologen.
Was bedeutet Sicherheit im Vollzug? Wie definiert sich der Sicherheitsbegriff im Strafvollzug?
Vorerst gibt es einmal den Standpunkt des externen Beobachters, mit anderen Worten der Bevölkerung. Diese erwartet vom Gefängnis resp. von der JVA die Gewissheit, dass die eingesperrten Gefangenen auch sicher untergebracht und von den Menschen draussen ferngehalten werden. Durch jeden Sicherheitsvorfall fühlt sich ein grosser Teil der Bevölkerung verunsichert, ganz besonders die früheren Opfer, welche den Vorfall als konkrete Gefährdung erleben.
Sodann gibt es zweitens auch den Standpunkt der Vollzugsangestellten, nämlich jener Männer und Frauen, die ihre ganze Arbeitszeit mit Gefangenen zusammen verbringen, mit Gefangenen, deren Sprache und Mentalität ihnen oft fremd sind, auch mit Gefangenen, die psychisch gestört sind, aber auch mit ganz normalen Straftätern. Täglich muss der Vollzugsangestellte selbstständig mehrere Entscheidungen treffen, die in direktem Zusammenhang mit Ruhe und Ordnung und somit mit der Sicherheit stehen.
Der dritte Aspekt der Sicherheit im Vollzug betrifft schliesslich die Sicherheit der Gefangenen vor- und untereinander.
Zusätzlich ist diese Vielfalt von Sicherheitsperspektiven durch die besondere Konstellation der Gefängnisinstitution im geschlossenen Vollzug geprägt. Denn kaum eine andere Institution oder Organisation muss Menschen mit derart verschiedenen Charakteren, Nationalitäten, Lebensgewohnheiten, Krankheiten und Veranlagungen zu einer Zwangsgemeinschaft zusammenführen.
SITRAK
Hochsicherheitstrakt
Der SITRAK I (Hochsicherheitstrakt) wurde 1995 in Betrieb genommen und kann maximal acht Gefangene aufnehmen. Der SITRAK II (erhöhte Sicherheit), im Zentralgefängnis seit Mai 2011 in Betrieb, kann maximal zwölf Gefangene aufnehmen.
Bei den im SITRAK eingewiesenen Straftätern handelt es sich um schwerstkriminelle, gefährliche Menschen mit schwerwiegenden Delikten und einem hohen Fluchtrisiko. Diese Männer stellen nicht nur für die Öffentlichkeit, sondern auch für das Vollzugspersonal sowie für die Mitgefangenen ein beträchtliches Gefahrenpotenzial dar.
Auffallend ist hier der hohe Anteil an psychisch kranken, unberechenbaren und deshalb äusserst gefährlichen Gefangenen, welche mangels geeigneter Strukturen in den psychiatrischen Kliniken im SITRAK geführt werden müssen.
Entsprechend der hohen Sicherheit ist auch eine besonders intensive Betreuung der Gefangenen gewährleistet. Ziel des Spezialregimes im SITRAK ist es, den Gefangenen wieder in den Normalvollzug übertreten zu lassen.
Personal
Die JVA Lenzburg verfügt über rund 209 Vollzeitstellen, die von 250 Mitarbeitenden besetzt sind. Darunter befinden sich sechs Stellen für Lernende und zwei für Praktikanten.
Arbeiten in der JVA
Der 24-Stunden-Betrieb bringt es mit sich, dass die Mehrheit der Mitarbeitenden in Vollzeitpensen arbeitet, weil die komplexen Betriebsabläufe eine andere Beschäftigungsart nicht gestatten. Teilzeitpensen versehen die Seelsorger, die Freizeitleitenden und Fachlehrer, die Mitarbeiter/innen vom Gesundheitsdienst sowie Bereiche der Verwaltung und der Kanzlei.
Rechnet man die Vollzeit- und Teilzeitarbeitenden zusammen, so ergibt dies einen Bestand von rund 250 Personen, wovon rund die Hälfte Vollzugsangestellte des Sicherheitsdienstes sind.
Anforderungsprofil Vollzugsangestellte/r
Alter: 30- bis 48-jährig
Berufliche Voraussetzungen:
- Abgeschlossene 3- oder 4-jährige Berufslehre im handwerklichen oder kaufmännischen Bereich
Körperliche Anforderungen:
- Robuste Gesundheit, sportliche Betätigung in der Freizeit
Persönlichkeitsbezogene Anforderungen:
- Menschliche Reife und Ausgeglichenheit
- Geordnete Familien- und Finanzverhältnisse
- Professionelle Handhabung von Nähe und Distanz
- Sachlichkeit, Zuverlässigkeit, Flexibilität
- Geduld und natürliche Autorität
- Durchsetzungsvermögen
- Mit Konflikten und Widersprüchen umgehen können
- Technisches Verständnis
Spezielles:
- Keine Vorstrafen, einwandfreier Leumund (aktueller Straf- und Betreibungsregisterauszug)
- Mündliche Fremdsprachenkenntnisse von Vorteil
- Wohnsitznahme im Kanton Aargau, Nähe Lenzburg erwünscht
- Bereitschaft Abend-, Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste zu leisten
Zivildienst
Das Zentralgefängnis ist ein anerkannter Einsatzbetrieb für Zivildienstleistende.
Leitbild
Dieses Leitbild entstand aus dem Gedankengut von Mitarbeitenden aller Stufen unserer Justizvollzugsanstalt. Es soll uns immer wieder daran erinnern, mit welchen Grundhaltungen wir unsere Aufgaben erfüllen wollen.
Externen Lesern soll es als Dokumentation unserer Leitgedanken dienen und Bewerbern als ganz persönliche Fragestellung, ob sie sich mit unseren Visionen, Werten und Zielen identifizieren wollen und identifizieren können.
Umfang
- Unser Leitbild kann nicht sämtliche Aspekte des geschlossenen Strafvollzuges umfassen, da verschiedenste Fachkräfte wie z. B. Vollzugsangestellte im Sicherheitsdienst, Werkmeister, Sozialarbeiter, Seelsorger, Psychologen, Ärzte, Juristen, Techniker etc. in der täglichen Vollzugsarbeit zusammen wirken müssen.
Auftrag
- Wir erfüllen einen gesetzlichen und somit gesellschaftlichen Auftrag, der einerseits im StGB und andererseits in der Verordnung über die Organisation der Strafanstalt Lenzburg vom 21. Januar 2004 sowie in weiteren Erlassen festgelegt ist.
Vision
- Weil unsere Arbeit ein wesentlicher Baustein der öffentlichen Sicherheit ist und somit auch ausserhalb der Mauern eine Wirkung entfaltet, ist es unsere feste Vorstellung, im weitesten Sinne Sorge zu tragen (”Sorg ha”) zu dem uns Anvertrauten, nämlich:
- zu den Sicherheitsbedürfnissen der Bevölkerung, damit sie sich sicherer fühle und auch sicherer sei;
- zu unseren Kolleginnen und Kollegen, damit ihre körperliche Sicherheit am Arbeitsplatz gewährleistet sei;
- zu den Gefangenen, damit sie in einem von gegenseitigem Anstand getragenen Vollzugsrahmen weder körperlich noch geistig Schaden erleiden.
Basiswerte
- Wir stellen unsere Arbeit auf die Basis der Menschenrechte, wobei Moral und Ethik die Wegweiser unseres Wirkens sind.
- Wir sind motiviert, belastbar und unser Denken ist positiv.
- Wir identifizieren uns mit unserer Arbeit und wir bemühen uns täglich, unserer Vorbildwirkung gegenüber den Gefangenen gerecht zu werden.
- All unseren Kolleginnen und Kollegen, egal ob sie im Sicherheitsdienst, im Sozialdienst, in der Therapie, in der Verwaltung oder in der Direktion arbeiten, sind wir zuverlässige und ehrliche Partner; Offenheit, Fairness, Hilfsbereitschaft und Rücksicht prägen unser Arbeitsklima.
- Wir können zuhören und sind offen für Neues, damit innovatives Gedankengut in unsere tägliche Arbeit einfliesst.
- Geht etwas wirklich schief, so suchen wir aufrichtig und selbstkritisch nach den Gründen.
- Bei all unserem Denken, Tun und Wirken ist Platz für Humor und Heiterkeit.
Ziele
Gesellschaftsbezogene Ziele
- Wir wollen Ausbrüche sowie Fluchten und andere Sicherheitsvorfälle mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln verhindern.
- Wir tragen zu den uns anvertrauten öffentlichen Geldern Sorge, indem wir sie kostenbewusst und effizient einsetzen.
- Im Sinne der Nachhaltigkeit tragen wir Sorge zur Umwelt und sind bestrebt, die Umweltleistungen kontinuierlich zu verbessern.
- Wir wollen nicht als Zielscheibe für extremes Gedankengut herhalten und wir setzen uns, wenn notwendig, dagegen zur Wehr.
Mitarbeiterbezogene Ziele
- Wir wollen Befriedigung in unserer Arbeit finden.
- Wir halten unser Fachwissen auf dem neuesten Stand, denken gesamtbetrieblich und wollen im Geist und im täglichen Einsatz flexibel sein.
- Wir setzen uns mit den architektonischen Gegebenheiten sowie dem dadurch bedingten Vollzug im Grosskollektiv auseinander, indem wir unsere Mittel optimal einsetzen, um einen geordneten Vollzugsablauf zu gewährleisten.
- Wir engagieren uns dafür, dass die strukturellen Voraussetzungen und die Mittel den uns gestellten Aufgaben entsprechen.
- Wir setzen uns für die Verwirklichung unseres Leitbildes ein.
Gefangenenbezogene Ziele
- Die Gefangenen können sich auf uns verlassen.
- Im Umgang mit den Gefangenen sind wir professionell in der Handhabung von Nähe und Distanz.
- Wir verhindern mit allen uns zur Verfügung gestellten Mitteln Gewaltakte unter den Gefangenen.
- Wir beschäftigen die Gefangenen soweit als möglich mit sinnvollen Arbeiten.
- Im Arbeits- und Freizeitbereich machen wir den Gefangenen Angebote, die ihre soziale Kompetenz fördern.
- Wir sind uns bewusst, dass es keine generelle Gerechtigkeit gibt und bemühen uns deswegen Gleiches gleich und Ungleiches ungleich zu behandeln.
- Sind unsere Erziehungs- und Behandlungsbemühungen erfolglos, verwarnen wir. Sind unsere Verwarnungen erfolglos, disziplinieren wir.
- Den uns anvertrauten verhaltensgestörten Gefangenen bemühen wir uns als medizinische Laien und im Rahmen unserer Mittel so gerecht wie nur möglich zu begegnen.
Organigramm
Geschäftsberichte
Geschichte
Die ganze Geschichte der Strafanstalt finden Sie in einem umfassenden Werk von Peter M. Schulthess, entstanden zu dem 150-Jahr-Jubiläum. "Damals in Lenzburg", Alltag in der Strafanstalt 1864 - 2014.
ISBN: 978-3-905731-06-4
Ein umfangreiches Wissen über die aktuelle Situation, aber auch den geschichtlichen Rückblick finden Sie in unserem Archiv 1864. Nebst Radio- und Fernsehsendungen finden Sie dort auch sehr viele andere interessante Berichte zum Thema Strafvollzug.