Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03099.jsonl.gz/685

Im Jahr 2014 gab es seitens des Kantons Bern wiederholt bewilligte Spezialabschüsse von geschützten Graureihern. Deshalb hatte der Verband Schweizerischer Vogelschutz (VSV) eine Beschwerde eingelegt und erhielt danach in einem Urteil des Bundesgerichts vom 17. April 2015 Recht. Das Bündner Amt für Jagd und Fischerei negierte noch im Jahr 2016 dieses Urteil und liess 2016 weitere 49 Graureiher im Kanton Graubünden abschiessen. Dies geht aus der Eidg. Jagdstatistik 2016 hervor.
Demnach müssten die kantonalen Behörden seit dem Bundesgerichtsurteil gemäss des Gegenstands „Eröffnung von Verfügungen über Einzelmassnahmen gegen Gänsesäger und Graureiher“ eine Verfügung ausstellen, um einen geschützten Vogel abschiessen lassen zu wollen. Dies, damit ornithologische Verbände eine Einsprachemöglichkeit gegen Abschussverfügungen betreffend geschützten Vögeln erhalten.
So heisst es im Bundesgerichtsurteil:
„…Zusammenfassend ergibt sich, dass die umstrittenen Abschussanordnungen als Verfügungen im Sinne von Art. 12 Abs. 1 NHG zu qualifizieren sind. Sie lösen damit das Verbandsbeschwerderecht der Beschwerdeführerin und als Korrelat dazu eine Publikations- oder Eröffnungspflicht aus. Die Beschwerde erweist sich in diesem Punkt als begründet…“ Quelle
Nun legt das Magazin „Wild beim Wild“ dar, dass es für eine Abschussverfügung nicht reicht, wenn ein Reiher nun regelmässig eine Fischzucht aufsuchen würde. Es müssten erst bauliche Massnahmen erfolgen, wie z.B. ein Spannen von Drähten über das Fischzuchtbecken. Das Bundesgericht würde auch nicht einen Spezialabschuss freigeben, wenn ein Graureiher an einem fischarmen Gewässer stehe.
„An kleineren Teichen hat sich zur Schadensabwehr die Überspannung mit Netzen bewährt. An größeren Teichen können Graureiher mit am unmittelbaren Uferrand gespannten Drähten abgehalten werden (verhindert das Schreiten vom Ufer ins Gewässer). … An natürlichen Gewässern sind meist keine erheblichen fischereiwirtschaftlichen Schäden zu beobachten, da der Reiher nur im Flachwasser seine Nahrung sucht und dort meist nur wirtschaftlich unbedeutende Fischarten erbeutet. “ (Quelle)
Vögel könnten auch nicht für „Schwall und Sunk“ oder die Fischarmut durch Einleitung von Pestiziden/Insektiziden durch die Landwirtschaft in Gewässer verantwortlich gemacht werden.
Laut „Wild beim Wild“ hat das Bündner Amt für Jagd und Fischerei sich über das Bundesgerichtsurteil hinweggesetzt und alleine im Jahr 2016 insgesamt 49 Graureiher (schweizweit 51 Graureiherabschüsse) abschiessen lassen; dies, ohne dass der Bündner Vogelschutz eine Verfügung zugestellt bekommen habe.
Auch im Kanton Bern wurden im Jahr 2016 2 Spezialabschüsse von geschützten Reihern verfügt. Die restlichen Kantone verzichteten auf diese Verfügungen. Im Kanton Graubünden seien 2013 bis 2016 einhundert Graureiher geschossen worden, ein „völlig unhaltbarer Zustand“ schreibt das Magazin.
Es seien Beratungen zwischen dem Verband Schweizerischer Vogelschutz und dem Amt für Jagd und Fischerei Graubünden im Gange. Auf der Meldeplattform ornitho.ch, zu deren Trägerschaft auch das Amt für Jagd und Fischerei Graubünden gehöre, seien auch versteckte Meldungen vom Amt einsehbar. Deshalb wünschen die Vogelschützer, dass auf der Meldeplattform ornitho.ch keine Graureiher-Beobachtungen mehr aus dem Kanton Graubünden gemeldet werden, da sonst weiterhin die Möglichkeit bestehe, dass „weitere Abschüsse anhand der Meldungen durchgeführt“ würden.
Dies sollte so lange praktiziert werden, bis die „Situation in Graubünden der schweizerischen Rechtslage entspricht“.
Zum Beitrag bei „Wild beim Wild“:
Exzessive, illegale Graureiherabschüsse in Graubünden