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Die Trauer der Mutter
Auf der Öle in Reiden lebte ein Ehepaar, das hatte zwei Kinder, einen Knaben und ein Mädchen. Die Mutter war Hebamme und daher von ihrem Beruf oft in Anspruch genommen. Sie empfahl die Obhut der Kinder dem Vater. Um sie bei der Hand zu haben, nahm der Vater die Kleinen mit in die Öle. Aber in einem unbewachten Augenblick verliess der Knabe das Haus, fiel in den nahen Teich und ertrank. Als die Mutter nach Hause kam, war sie ganz untröstlich und konnte sich nicht mit dem Verlust abfinden. Keiner konnte ihr Trost bringen. Immer jammerte und klagte sie. Nach einigen Tagen, mitten in der Nacht, war es ihr, als höre sie in der Nähe liebliche Musik. Sie öffnete ein Fenster, das gegen den Teich ging, und sah dort eine Schar Engel, die sich mit Musizieren erheiterten. Mitten unter den Engeln sass auch ihr Knabe, aber er war traurig und nahm keinen Anteil an der allgemeinen Seligkeit. Die Mutter sah lange auf das traurige Kind, und endlich begriff sie, dass der Schmerz des Verstorbenen von dem übergrossen Leid der Lebenden herrühre, und nun beherrschte sie ihre Trauer, um nicht die Freude des Abgeschiedenen zu stören.