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Als sich Rosa Luxemburg am 18. Februar 1889 in Zürich anmeldete – nein, im damals selbständigen Oberstrass! –, hätte sie bei einem anschliessenden Stadtspaziergang Gottfried Keller begegnen können, dessen Bücher sie gut kannte. Rosa war knapp achtzehn und nahm, wenn sie Keller las, nicht gerade das frischeste Leben wahr: «Immer nur Erzählung über längst vergangene tote Dinge und Menschen, aber ich bin nie dabei, wenn etwas geschieht, ich sehe immer nur den Erzähler, der schöne Erinnerungen auskramt, wie es alte Leute gern tun.» Obwohl Rosa später wie Keller in Hottingen wohnte, hat sie ihn wohl nie getroffen. Als sie zum Studieren nach Zürich kam, erst Botanik und Zoologie, dann Nationalökonomie, wartete der alte Dichter allein in seiner Wohnung auf sein Lebensende.
Für Rosa Luxemburg dagegen waren Leben, Denken und Handeln Bewegung. Wer am Kampf teilnahm, gehörte dazu, da fragte niemand nach Herkunft und Vermögen. Sie verliess Zürich nach acht Jahren – und mit einem überaus seltenen Doktortitel in Frauenhand – bewusst, weil sie eben nicht auf Ruhe und Sicherheit setzte, wie später Hannah Arendt über sie schreiben sollte. 1898 ging sie nach Berlin, um dort für das, was sie «Endziel» nannte, zu kämpfen: die politische Gleichstellung aller. In diesem Kampf blieb Rosa nichts erspart, sie gab dafür ihr Leben.
Mehr als zwanzig Jahre nach ihrer Abreise aus Zürich beschrieb Rosa ihre Keller-Lektüre im Zentralgefängnis Wronke in Posen, wo sie eine von vielen Freiheitsstrafen absitzen musste, als «Schutz-» oder «Ehrenhaft» für politisch Andersdenkende kaschiert. In einem Brief für Hans Diefenbach, den Rosa zärtlich «Hänschen» nannte, weil sie ihn liebte und er über zehn Jahre jünger als sie war. Der Arzt kam im Ersten Weltkrieg um, aber zuvor hatte er ihr 50 000 Mark vermacht, unter der Bedingung, dass nicht sie das Geld verwalte: Seine Freundin, schrieb Hans im Testament, sei «in der Privatökonomie vielleicht keine ganz so geniale Meisterin wie in der National-Ökonomie».
Rosa Luxemburg hütete ihre Erinnerungen an die Schweiz – an Landschaften (besonders Seen), an Menschen, an politische Strukturen und eben auch an Leseeindrücke – zeitlebens und frischte sie, wie das Keller-Beispiel zeigt, in Briefen immer wieder auf. Luxemburg und Keller hätten einander auf Augenhöhe begegnen können, beide klein von Wuchs, wortmächtig und unerschrocken, träumerisch in der Natur. Beide zeichneten, malten und waren frühe Tier- und Pflanzenschützer. Vielleicht hat Rosa diesen gemeinsamen Seelenkern auch gespürt, als sie Hans dann doch auch schreibt: «Trotzdem tut mir Keller immer wohl, weil er so ein Prachtkerl ist, und wen man lieb hat, mit dem sitzt man gern.»
Rosas Kuchen
Rosa Luxemburg, der die Verteilung des sozialen Kuchens von höchster Priorität war, widmen wir einen salzigen Pie, dem man auch einen bitteren Beigeschmack geben kann.
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Der Unterbau
300 g Mehl mit einem halben TL Salz mischen und mit 110 g kalter Butter von Hand zu einer gleichmässig krümeligen Masse verreiben. Dann 1,5 dl Wasser dazugiessen und rasch zu einem Teig zusammenfügen, nicht kneten. Teig flach drücken, zugedeckt ca. 30 Min. kühl stellen, dann zwei…