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Das architektonische Werk von Le Corbusier umfasst Entwürfe und Bauten aus den frühen 1920er Jahren ─ einer Pionierzeit der entstehenden Moderne ─ bis zur Mitte der 1960er Jahre, in denen erstmals breite Kritik an dieser Architektur geübt wurde, die vom Status der Avantgarde in den des weltweit dominierenden Baustils übergegangen war. Das Werk verkörpert so die Geschichte der Moderne über fünf Jahrzehnte hinweg und zeugt von einem radikalen Bruch mit Stilen, Entwurfsmethoden, Technologien und Bauweisen früherer Jahrhunderte.
Das architektonische Werk von Le Corbusier ist ein serielles Gut im Sinne von Artikel 137 der Richtlinien der Welterbekonvention. Der Eintrag umfasst 17 Elemente, die in sieben Ländern auf drei Kontinenten zu finden sind: in Argentinien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Indien, Japan und in der Schweiz. Zum ersten Mal seit der Verabschiedung der Welterbekonvention 1972 erstreckt sich ein Gut über die ganze Welt, was den tiefgreifenden Umbruch der zeitgenössischen Architektur und des Berufs des Architekten im 20. Jahrhundert veranschaulicht. Alle aufgenommenen Bauwerke sind Ausdruck der modernen Bewegung und gehören daher derselben historisch-kulturellen Gruppe an.
Das architektonische Werk von Le Corbusier zeugt von einem bisher einmaligen und außergewöhnlichen Austausch von Einflüssen und Ideen, welcher die Entstehung und die globale Ausbreitung der Moderne über einen Zeitraum von fünfzig Jahren hinweg begleitete. Angesichts eines damals weltweit vorherrschenden Akademismus revolutionierte Le Corbusier die Architektur. Sein Werk bricht mit der Vergangenheit und lässt auf außergewöhnliche und bahnbrechende Art und Weise die Entwicklung einer neuen Architektursprache erkennen. Es ist mit der Herausbildung dreier wichtiger Strömungen der modernen Architektur verbunden: des Purismus, des Brutalismus und der skulpturalen Architektur.
Die globale Dimension, die das architektonische Werk von Le Corbusier durch seine Präsenz auf vier Kontinenten erreicht, ist ein neues Phänomen in der Geschichte der Architektur und zeigt den zum damaligen Zeitpunkt einmaligen Einfluss dieses Werkes. Das architektonische Werk von Le Corbusier gewinnt zusätzlich an Bedeutung, weil es in zahlreichen Texten des Architekten verbreitet und schnell in viele Sprachen übersetzt und weltweit veröffentlicht wurde. Die einzigartige Verknüpfung von Bauten und Veröffentlichungen macht Le Corbusier zum wichtigsten Wortführer dieser neuen Architektur. Sein Werk wird weltweit beachtet, analysiert und kommentiert. Es ist sowohl Quelle der Inspiration als auch ständiger Kritik.
Das architektonische Werk von Le Corbusier ist unmittelbar und faktisch mit den Ideen der Moderne verbunden, deren Theorien und Bauten im 20. Jahrhundert eine außergewöhnliche und universelle Bedeutung haben. Das Werk verkörpert einen neuen Geist, einen „Esprit Nouveau", und strebt nach einer Synthese der Künste, welche Architektur, Malerei und Bildhauerei vereint. Es stellt einen außergewöhnlichen Beitrag zu den Lösungen dar, welche die Moderne angesichts der großen Herausforderungen des 20. Jahrhunderts sucht:
Im architektonischen Werk von Le Corbusier sind dessen Ideen verwirklicht, wie sie ab 1928 auch nachdrücklich von den Congrès internationaux d'architecture moderne (CIAM) vertreten wurden. Le Corbusiers Beitrag zur Bewältigung der großen Herausforderungen des 20. Jahrhunderts liegt nicht in einem einzelnen exemplarischen Bauwerk zu einem bestimmten Zeitpunkt, sondern in der Summe von Bauten und Texten, die in über fünfzig Jahren fortlaufend auf der ganzen Welt Verbreitung gefunden haben.
Chronologische Liste der Serienelemente
|1923||Doppelhaus La Roche und Jeanneret, París||Île-de-France||Frankreich|
|1923||Kleine Villa am Genfer See, Corseaux||Waadt||Schweiz|
|1924||Siedlung Frugès, Pessac||Aquitanien||Frankreich|
|1926||Haus Guiette, Antwerpen||Flandern||Belgien|
|1927||Häuser in der Weissenhofsiedlung, Stuttgart||Baden-Württemberg||Deutschland|
|1928||Villa Savoye und Unterkunft des Gärtners, Poissy||Île-de-France||Frankreich|
|1930||Gebäude Clarté||Genf||Schweiz|
|1931||Mietshaus an der Porte Molitor, Boulogne-Billancourt||Île-de-France||Frankreich|
|1945||Unité d'habitation, Marseille||Provence-Alpes-Côte d'Azur||Frankreich|
|1946||Fabrik in Saint-Dié, Saint-Dié-des-Vosges||Lothringen||Frankreich|
|1949||Haus von Doktor Curutchet, La Plata||Provinz Buenos-Aires||Argentinien|
|1950||Kapelle Notre-Dame-du-Haut, Ronchamp||Franche-Comté||Frankreich|
|1951||Cabanon von Le Corbusier, Roquebrune-Cap-Martin||Provence-Alpes-Côte d'Azur||Frankreich|
|1952||Regierungskomplex, Chandigarh||Punjab||Indien|
|1953||Kloster Sainte-Marie de La Tourette, Éveux||Rhône-Alpes||Frankreich|
|1955||Nationalmuseum für westliche Kunst, Taito-Ku||Tokio||Japan|
|1965||Haus der Kultur in Firminy, Firminy||Rhône-Alpes||Frankreich|
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