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Maël, 6 Jahre, will wissen…
Diese Frage hat es in sich. Sie klingt einfach – und doch gibt es keine simple Antwort darauf. Es wäre schön, wenn alle Menschen in einem einzigen grossen Land leben und keine Kriege gegeneinander führen würden. Denn meistens gibt es ja eben Krieg zwischen verschiedenen Ländern.
Ich war mit meiner Familie länger in den USA. Dort sprechen die Leute Englisch. In Frankreich sprechen die Leute Französisch. Für gewöhnlich umgeben wir uns mit Personen, die dieselbe Sprache sprechen. Wir verstehen sie im Alltag leichter, wissen, was sie wollen und was sie nicht wollen. Darum haben die Menschen schon vor ganz langer Zeit damit begonnen, sich mit denen zusammenzutun, die die gleiche Sprache sprechen. Sie haben Dörfer gebaut, Städte gebaut, sie sind zusammen zur Arbeit gegangen und haben dabei immer die gleiche Sprache gesprochen. Auch die Banken und die Postämter haben so funktioniert. Aus den Sprachen sind so Länder geworden.
Sag mir was du trinkst
Die Menschen sprechen aber nicht nur viele verschiedene Sprachen. Sie benehmen sich auch verschieden. Wir tragen Hosen und Schuhe. In Indien oder am Amazonas, wo es sehr heiss ist, tragen die Leute eher luftige Gewänder und laufen barfuss. Was hast Du am liebsten an? In Deutschland trinken die Leute Bier, in Frankreich eher Rotwein. In Irland trinken sie dunkles Bier. Brrr, da schüttelt es mich.
Money, money, money
Die Menschen hatten Fürsten und Könige, Präsidenten und Minister, und die brauchten alle für ihre Arbeit viel Geld. Das bekamen sie von den Steuern, die alle Leute bezahlten. Und wie das so ist, brauchten die Könige immer mehr Geld. Daher haben die Könige irgendwann gesagt, bis hierhin kannst du deine Steuern haben und ab da bekomme ich meine Steuern. So sind die Grenzen zwischen den Ländern entstanden. Noch später mussten dann die Leute ihre Pässe vorzeigen, wenn sie von einem Land in das andere gegangen sind. Und es ist noch gar nicht so lange her, da haben einige Länder andere überfallen, um ihnen alles wegzunehmen.
Viele Menschen wollen wandern und in ein anderes Land gehen. Das ist heute leichter möglich als früher. Es gibt aber leider auch jene Menschen, die in ein anderes Land gehen müssen, weil es ihnen zu Hause nicht gut geht, weil sie verfolgt werden und nichts zu essen haben. Dann suchen sie eine neue Heimat. Manche nehmen sogar etwas Erde von zu Hause mit, weil sie ihr eigenes Land so liebhaben. In dem neuen Land müssen sie sich alles neu aufbauen und das ist oft sehr, sehr schwer. Die Menschen, die im neuen Land wohnen, wollen nicht teilen. Und dabei sind es doch auch nur Menschen, die einfach nur eine andere Sprache sprechen. Zum Glück kann man Sprachen lernen. Meine Kinder haben in Amerika Englisch gelernt, weil sie auf dem Spielplatz mit anderen Kindern aus Südkorea und Brasilien gespielt haben. Alle haben Englisch gesprochen. Dann sind alle wieder nach Hause in ihr Land gegangen. Aber jetzt wissen sie, wie leicht es ist, mit einem Kind aus einem anderen Land zu spielen.
Siegfried Weichlein ist Professor für Zeitgeschichte.
Maël Brülhart besucht den Kindergarten
der Au-Schule in der Stadt Freiburg.