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"Schere" zwischen dem Effektivbestand der Armee und dem Bestand an WK-Leistenden öffnet sich
Bern, 09.11.2020 - Während der personelle Effektivbestand der Armee in den nächsten Jahren vorübergehend leicht zunimmt, nimmt gleichzeitig die Zahl der noch ausbildungsdienstpflichtigen Armeeangehörigen weiter ab. Dies ist eine der Kernaussagen der Armeeauszählung 2020.
Die jährliche Armeeauszählung spiegelt die personelle Situation der Armee wider. Die Ausgabe 2020 (Datenstand 01.03.2020) fokussiert sich insbesondere auf die Analyse der Bestände, der Bestandesentwicklung (besonders der Frauen) und die Frage, wie sich die 2018 eingeleitete Weiterentwicklung der Armee auf das Personal auswirkt.
Eine Haupterkenntnis der Armeeauszählung 2020 ist die weitere Öffnung der "Schere" zwischen dem Effektivbestand der Armee (143'372) und dem Bestand der Armeeangehörigen (AdA), welche noch ausbildungsdienstpflichtig sind (100'372) und damit Wiederholungskurse leisten müssen. Knapp ein Drittel der heute in der Armee eingeteilten AdA (43'045) können somit zwar noch für Einsätze im Assistenz- oder Aktivdienst aufgeboten werden, leisten aber keine Wiederholungskurse mehr. Die Prognose bis 2035 zeigt auf, dass diese "Schere" in den nächsten Jahren eher noch grösser wird. Mit der Konsequenz, dass das Training in den Wiederholungskursen mit zu tiefen Beständen – bei knapp mehr als der Hälfte aller Truppenkörper erreichten 2018 und 2019 die Bestände in ihren Wiederholungskursen weniger als 80% des Sollbestandes – nicht unter reellen Bedingungen stattfinden kann und die Bereitschaft der betroffenen Truppenkörper mittelfristig sinkt.
Medizinische Abgänge reduziert
Die Analyse der Bestände ergibt weiter, dass die Massnahmen zur Reduktion von medizinischen Abgängen Wirkung zeigen. Zwischen 2011 und 2019 konnte diese Zahl um 48% verkleinert werden. Die Zahl der Abgänge in den Zivildienst blieb nach einem kontinuierlichen Anstieg zwischen 2011 und 2017 in den Jahren 2018/2019 auf leicht tieferem Niveau stabil. Am Beispiel des Jahres 2019 zeigt sich, dass zwischen der Rekrutierung und dem Ende der Militärdienstpflicht nur rund die Hälfte der AdA im System bleibt.
Die Bemühungen zur Gewinnung von mehr Frauen für die Armee zeigen erste Wirkungen, so stieg der Anteil der Frauen am Effektivbestand der Armee im März 2020 auf 0,9% (1'253) an. Zudem konnte 2019 die Anzahl der Teilnehmerinnen an den Orientierungstagen der Kantone im Vergleich zu 2017 um rund 30% erhöht werden. Die Orientierungstage gelten als wesentlicher Faktor, um langfristig einen Frauenanteil von zehn Prozent zu erreichen.
Abschlussbericht erscheint 2023
Die Armee befindet sich mitten in der Umsetzung der Weiterentwicklung der Armee (WEA), die 2018 begonnen und Ende 2022 abgeschlossen wird. Für eine umfassende Beurteilung der personellen Massnahmen der WEA ist es deshalb noch zu früh. Der Abschlussbericht zur Weiterentwicklung der Armee, der voraussichtlich Ende 2023 erscheint, wird sich auch mit der Alimentierung befassen. Klar ist, dass längerfristig weitere Massnahmen zur Bestandessicherung von Armee und Zivilschutz notwendig sind. Ein Bericht des Bundesrates ist in Erarbeitung und soll bis Mitte 2021 vorliegen.
Nicht erfasst in der Armeeauszählung 2020 sind die Effekte, welche die Assistenzdiensteinsätze dieses Jahres im Rahmen der Bekämpfung des Coronavirus auf die Armee haben. Diese werden frühestens in der Armeeauszählung 2021 thematisiert werden können.
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Stefan Hofer
Armeesprecher
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