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Entstehung
Der Zürcher Lindenhof Hügel
"Vom Altertum bis heute war und ist der Lindenhof die höchste Erhebung im Raum der Zürcher Altstadt links der
Limmat. Auf diesem „Höhepunkt“ von Zürich steht das Logenhaus der Zürcher Freimaurerloge Modestia cum
Libertate. Die Geschichte des Lindenhof Hügels ist bemerkenswert."
In vorgeschichtlicher Zeit war die Lindenhofmoräne eine Art Insel. Sie wurde im Süden, in der Gegend des heutigen Münsterhofs, und nördlich davon, auf dem jetzigen Hauptbahnhofareal, von der Sihl umflossen. Der damals nicht gestaute, oft vielWasser führende Fluss ergoss sich an diesen beiden Stellen in die Limmat.
Der See reichte in der römischen Zeit bis zum Rathaus. Auf dem Areal des heutigen Weinplatzes endigte er in einer Bucht. An dieser Stelle legten die von Süden kommenden Schiffe an und hatten der hier und auf dem Lindenhof postierten römischen Verwaltung den zwischen den beiden Provinzen Rätien und Obergermanien erhobenen Zoll zu bezahlen. Er betrug 2 Prozent des Warenwertes.
Den wirklichen Namen des römischen Städtchens, „Turicum“,und weitere Angaben kennen wir von einem Grabstein, der 1747, auf dem Bauch liegend, in der Bodenpflästerung des Lindenhofs gefunden wurde. Der Stein wird auf etwa 200 n. Chr. datiert. Eine exakte Kopie steht heute in der Mauer oben in der Pfalzgasse, genau gegenüber dem Aufgang zum Logengebäude.
Zur Römerzeit
Der Zürcher Lindenhof Hügel
Nachdem die Römer die Grenze an den Rhein zurückgenommen hatten, wurde Zürich als militärischer Stützpunkt wichtiger.
Zurzeit von Kaiser Diocletian , gegen das Jahr 300, wurde der Lindenhof zum befestigten Ort ausgebaut. Eine mächtige steinerne Mauer umgab den Platz ungefähr in seiner heutigen Ausdehnung. Sie war verstärkt durch zehn Türme, wovon zwei da, wo heute die Hauptzugänge zum Lindenhof liegen, Tortürme waren.
Von Diocletian befohlen, setzte nach 300 die letzte Christenverfolgung ein. Eine christliche Legion aus Ägypten, die ins Wallis geschickt worden war, um gegen die Christen im Rhonetal zu kämpfen, verweigerte den Gehorsam.
Mit ihrem Anführer Mauritius wurde die ganze Einheit zur Strafe niedergemacht. Zwei Versprengte dieser Schar, der Legionär Felix und dessen Schwester Regula, gelangten auf abenteuerlichem Weg nach Zürich und predigten hier das Evangelium. Empört bestellte der Statthalter Decius die Flüchtigen auf den Lindenhof, wo sie für ihr verbotenes Tun Red und Antwort zu stehen hatten. Als sie sich auch nach Misshandlungen weigerten, den römischen Göttern und dem Kaiser zu opfern, wurden sie auf dem Platz der heutigen Wasserkirche enthauptet.
Der Zürcher Lindenhof Hügel
Sowohl im Grossmünster wie in der Fraumünsterabtei wurden Reliquien der Zürcher Stadtheiligen aufbewahrt und sehr verehrt.Jährlich fanden von beiden Seiten her auf den Lindenhof Prozessionen zum Gedenken an die Märtyrer statt; auch andere kirchliche Anlässe wie Auffahrt und ein Fest am Mittwoch nach Pfingsten wurden hier gefeiert. Für die Bürger war der „Hof“ als einziger grosser Platz innerhalb der Stadtmauern Treffpunkt und Tummelplatz; seit dem 15. Jahrhundert war er mit Linden bepflanzt.
Nach der Eroberung der nördlichen Schweiz durch die Alemannen wurden die Mauern als Steinbruch für die umliegenden Häuser verwendet und vor allem zum Bau der auf der Limmatseite des Lindenhofs plazierten königlichen Pfalz, wo die fränkischen und ottonischen Kaiser abstiegen, wenn sie in Zürich Station machten.
Wie die Innerschweiz hatte sich auch die freieReichsstadt Zürich gegen das machtgierige Habsburg zu wehren. Als die Stadt 1292 jeder Verteidigung beraubt war, weil die Mannen gegen Herzog Albrecht im Feld standen, bewaffneten sich die Frauen im Zeughaus, wie die Sage berichtet, mit Hellebarden, Spiessen, Helmen, Rüstungen und stellen sich in langer Reihe auf die Mauer des Lindenhofs. Angeführt wurden die Zürcherinnen von der wohl adeligen Hedwig ab Burghalden.
Als die Österreicher diese schimmernde Wehr auf der Mauer sahen, glaubten sie, die Zürcher hätten Verstärkung erhalten und brachen die Belagerung ab.
In Erz gegossen, steht die Eiserne Lady von 1292 heute auf dem Lindenhofbrunnen, etwas entfernt, gegenüber dem Eingang zum Logenhaus.
Mittelalter
Der Zürcher Lindenhof Hügel
Ein anderes Denkmal hatte in seinem Bestand weniger Glück. Zur Verschönerung des Platzes hatten die Bürger 1780 auf dem Lindenhof eine Tellfigur aufgestellt.
Im Sommer 1798 mussten die Bürger unter den Augen der französischen Besatzung auf dem Lindenhof die neue Helvetische Verfassung beschwören. Um die Bildsäule Tells, der jetzt als Bringer neuer Freiheit propagiert wurde, war ein kleiner Tempel errichtet worden. Im Winter 1800 war dieser Tell plötzlich verschwunden. Es müssen wohl patriotische Anhänger des Ancien régime gewesen sein, die ihn weggeräumt hatten. Die Franzosen ärgerten sich und verfügten, dass der Sockel an seiner Stelle bleibe, bis Wilhelm Tell zurückkehre. Auf diese Zukunft wartend, liegt der Steinquader noch heute auf der Rennwegseite des Lindenhofs.
Im 19. Jahrhundert krönte die Modestia cum Libertate die traditionsreiche Höhe der Zürcher Altstadt links der Limmat mit ihrem Logenhaus, das in der Schweiz und wohl weit über sie hinaus als einer der schönsten Logensitze der Freimaurer gelten kann.
A.B.