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Zinsdifferenzen in den verschiedenen Währungen müssen aufgrund von Wechselkursbewegungen ausgeglichen werden, dies besagt die Zinsparität. Studien haben jedoch bestätigt, dass sich in der Praxis die Währungspreise nicht schnell genug bewegen, um die gesamte Zinsdifferenz zu kompensieren. Währungsterminkurse neigen dazu, die zukünftigen Veränderungen der Kassakurse zu überschätzen. Diese Arbitragemöglichkeiten können mittels Carry-Trade ausgenutzt werden.
Der klassische Carry-Trade
Ein Carry-Trade ist ein Devisengeschäft, in welchem man sich in einer tiefverzinslichen Währung verschuldet (z.B. Fr., JPY), um dann in einer hochverzinslichen anzulegen (z.B. AUD, NZD). Durch solche Carry-Positionen versuchen Investoren, Zinsgefälle zwischen zwei Währungen auszu- nutzen. Bewegt sich als Beispiel der Ein-Monats-JPY-Geldmarktsatz um 1% jährlich und der Ein-Monats AUD-Geldmarktsatz um 7%, ergibt dies eine Rendite von 6%. Diese ist jedoch nicht risikolos erwirtschaftet, ist doch der Anleger den Wechselkursschwankungen ausgesetzt. Wertet sich die hochverzinsliche gegenüber der tiefverzinslichen Währung auf, erwirtschaftet der Anleger zusätzlich zu der oben erwähnten Rendite einen Kursgewinn. Verliert aber die hochverzinsliche Währung um mehr als 6% an Wert, resultiert ein Kursverlust.
Immer wieder kommt es bei dieser Anlagestrategie jedoch in Phasen von Marktunsicherheiten oder Turbulenzen zu heftigen Korrekturen, da viele Marktteilnehmer ihre Positionen schliessen und zum Beispiel in Anlagen wie Geldmarktgeschäfte verschieben, die in so einem Umfeld als sicherer gesehen werden.
Zur Vermeidung solcher Verluste ist ein Anleger gut beraten, eine Strategie zu verfolgen, welche die Auflösung der Hochzinswährung-Long-Position vorsieht, sobald sie sich zuungunsten der Position des Anlegers ändert. In einigen Fällen kann es sogar vorteilhafter sein, die Positionen umzukehren und eine Long-Position in der Niedrigzinswährung zu halten, die durch ein teures Darlehen in der Hochzinswährung finanziert wird. Dies würden wir als typische Short-Carry-Situation bezeichnen. Eine viel versprechende Strategie besteht daher darin, geschickt zwischen Carry-Positionen, neutralen Positionen und Short-Carry-Positionen zu wechseln. Eine solche Strategie kann entweder durch fallweise Entscheide des Anlegers bzw. eines Investment Managers oder per Programmhandel betrieben werden. Wird das Wechseln von Long auf Short und umgekehrt zum Beispiel systematisch durch einen Handels-Algorithmus betrieben, entfällt jegliche menschliche Intervention. Erhöht sich die Volatilität am Markt sehr schnell, deutet dies auf eine hohe Risikoaversion und Unsicherheit hin, worauf eine Short-Carry-Position eingegangen wird. Beruhigt sich danach der Markt, fällt die Unsicherheit der Marktteilnehmer, und somit wird sich auch die Volatilität zurückbilden. Dies initiiert ein Signal, um die Position der Strategie auf Long-Carry zu wechseln.
Verfeinerte Strategien
Während der letzten Monate kristallisierte sich ein klarer Trend in Richtung verfeinerter Carry-Strategien mit oftmals Long-Short-Mustern heraus, welcher wohl auch anhalten wird, da über eine längere Beobachtungsperiode eine Outperformance zum «normalen» Carry-Trade erwirtschaftet werden kann, ohne eine erhöhte Volatilität in Kauf nehmen zu müssen. Diese Tendenz zur Verfeinerung zeigt sich auch klar an den immer öfters verfügbaren Indizes von Emittenten wie UBS, Deutsche Bank oder Barclays, welche als Basis für strukturierte Produkte dienen.