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Der Internationale Luftverkehrsverband IATA, der weltweit etwa 290 Fluggesellschaften vertritt, arbeitet mit der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammen, um skalierbare, erschwingliche und schnelle Testsysteme einzurichten, sagte Conrad Clifford, IATA-Vizepräsident der IATA für den asiatisch-pazifischen Raum.
«Wir brauchen Tests, weil wir die Quarantäne aufheben müssen», sagte Clifford am Montag in einem Interview mit Bloomberg Television. «Was wir bisher gesehen haben, ist, dass eine 14-tägige Quarantäne dasselbe ist wie die Schliessung der Grenzen».
Die IATA befürworte stattdessen Corona-Tests vor der Abreise. Im Falle von Ländern mit einem ähnlich niedrigen Covid-Risiko wie Singapur und Hongkong sollten weitere Tests dann nicht mehr notwendig sein.
Beide Stadtstaaten vereinbarten letzte Woche, ihre Grenzen erstmals seit fast sieben Monaten wieder zu öffnen und die Bevölkerung beider Städten von der obligatorischen Quarantänepflicht auszunehmen, um die Verbindungen zwischen den beiden wichtigsten Finanzzentren Asiens wieder herzustellen. Einzelheiten zu dieser Vereinbarung, die in wenigen Wochen beginnen soll, sind noch nicht bekannt.
Infektionsgefahr im Flugzeug sehr gering
IATA-Vertreter Clifford empfiehlt, dass die Test weniger als zehn Dollar kosten sollten. Zudem sei das Risiko, dass Passagiere infiziert werden, «sehr gering», da die Fluggesellschaften die Flugzeuge gründlicher desinfizieren und die Bordverpflegung und die Zeitschriften während des Fluges einschränken.
Seit Anfang des Jahres habe es 44 potentielle Infektionsfälle an Bord von Flugzeugen gegeben. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Passagiere mit dem Virus infizieren, liege daher etwa bei 1 zu 27 Millionen – eine geringere Chance als von einem Blitz getroffen zu werden. «Die Fluggesellschaften haben eine Menge Massnahmen ergriffen, um diese Wahrscheinlichkeit so weit wie möglich auf Null zu senken. Es ist also in der Tat eine sehr sichere Umgebung», sagt Clifford.
Die IATA hatte im Juni prognostiziert, dass die Airlines in diesem Jahr insgesamt Verluste von 84 Milliarden Dollar machen. Clifford geht nun allerdings von noch grösseren Einbussen aus, da der Markt für Flugreisen nicht wie erhofft geöffnet wurde. Der Verband erwartet, dass sich die Reise-Nachfrage erst 2024 auf das Niveau von vor der Pandemie erholen wird.
Frachtverkehr mehr als verdoppelt
Der Frachtverkehr sei für die Branche «ein kleiner Silberstreif am Horizont», der teilweise durch den gestiegenen Online-Handel angeheizt wurde. Clifford rechnet damit, dass sich dies im kommenden Jahr fortsetzt. Voraussichtlich wird die Luftfracht in diesem Jahr etwa 26 Prozent der Einnahmen der Fluggesellschaften ausmachen – 2019 waren es 12 Prozent.
Nachdem im Frühjahr Tausende von Passagierflugzeugen, die mehr als die Hälfte der Luftfracht befördern, aufgrund der Reisebeschränkungen am Boden blieben, stellten viele Airlines Passagierflugzeuge auf den Gütertransport um.
(bloomberg/mlo)