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Wo? Wo? Wo? Alle Taschen werden durchwühlt, einmal, zweimal, dreimal - ohne Erfolg." "Ich komme später", sagt der Kondukteur verständnisvoll. Das Kollektivbillett findet sich dann im Portemonnaie. Befreiendes Gelächter - eine passende Einstimmung für den ersten Teil der Wanderung, denn die einheimische Wanderleiterin, die Agnes engagierte, bringt uns immer wieder zum Lachen. Hier eine zusammenfassende Beschreibung dieses ersten Teils: Von der Träne der Lucretia über die Weide zu den Rebleuten, dann über das Bärenloch zur Birne der Maria. Alles klar? Falls jemand noch Fragen haben sollte, hier einige Erklärungen: Es geht um eine Führung durch eine Stadt, deren Kanton es schaffte, bis 1925 autofrei zu bleiben. Grund: die rhätische Bahn und die Fuhrleute wollten keine Konkurrenz." Träne der Lucretia" ist der Name eines Brunnens an der Bahnhofstrasse, in Erinnerung an Jürg Jenatsch's Geliebte, die den Tod ihres katholischen Vaters beweint, der vom reformierten Liebhaber ermordet wurde. Weide heisst auf romanisch Salis. Der Diplomat Peter von Salis baute sich 1727 eine riesige Villa an der Poststrasse. Sein Lustgarten ist heute der Fontanapark. Seine Frau von Salis fand ihren Mann unausstehlich und suchte bei einem Mönch Rat. Dieser gab ihr ein Fläschchen mit Heilwasser, sagte, sie solle einen Schluck davon nehmen, wenn ihr Mann aufbegehre; wichtig sei aber das Wasser im Mund zu bewahren. Frau von Salis war verblüfft über den Erfolg und wollte Nachschub holen. Der Mönch sagte, sie brauche es nicht mehr. Sie wisse jetzt, was zu tun sei: (das Wasser im) Mund halten, statt kontern. Weitere Höhepunkte der Führung: das Zunfthaus der Rebleute, die engen Gässchen der Altstadt mit dem gedeckten Durchgang, Bärenloch genannt, dann die imposante Kathedrale mit der Maria mit der Birne, Birne als Symbol für den Uterus, um daran zu erinnern, dass Gott durch eine Frau zum Mensch wurde. Dies einige Kostproben der Führung.
Nach der Stadt geht es hinaus aufs Land. Von der Bushaltestelle Fürstenwald führt ein wunderschöner Wanderweg über Trimmis nach Zizers. Er führt durch Mischwälder, Felder, an Rebhängen entlang. Immer wieder staunen wir über die vielen Farben. Vieles ist am Blühen, zum Beispiel der Quittenbaum, der wilde Ginster, die Frühlingsblatterbse. Fremdklingende Namen wie "Üsser Tschalärweg" "Molinära (Mühle)" erinnern daran, dass hier früher romanisch gesprochen wurde.
Herzlichen Dank, Agnes (Zimmermann); es war ein herrlicher, abwechslungsreicher Tag.
Text: Catherine Lieberherr
Fotos: Hilly Schreiber