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Schweizer Medien berichten nur selten über Stellungnahmen des Presserats. Betrifft ein Entscheid das eigene Medium, steigt dagegen die Wahrscheinlichkeit einer Veröffentlichung. Dies zeigt eine Untersuchung von zwei Studenten des Instituts für Angewandte Medienwissenschaft IAM.
Rund 50-mal berichteten schweizerische Medien von Oktober 2009 bis September 2010 über Entscheide des Presserates. Im selben Zeitraum veröffentlichte der Presserat 40 Stellungnahmen. Lediglich 50 Publikationen also, bei Hunderten von Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen in der Schweiz. Der Grossteil davon entfällt auf die Deutschschweiz, keine einzige Berichterstattung verzeichnet die italienischsprachige Schweiz.
Welche Stellungnahmen schaffen es ins Blatt?
Stellungnahmen ohne grosse Tragweite, wie etwa die Abweisung von offensichtlich haltlosen Beschwerden, werden in ein oder höchstens zwei Medien publiziert, wenn überhaupt. Bei den untersuchten Publikationen konnte festgestellt werden, dass selten in mehr als einem Medium über die gleiche Stellungnahme berichtet wurde. Betrifft die Stellungnahme das eigene Blatt hat sie grössere Chancen in diesem publiziert zu werden. Wurde die Beschwerde gegen das eigene Blatt abgewiesen, steigt die Chance einer Publikation weiter.
Ausnahmen gibt es
Im Untersuchungszeitraum schaffte es die Stellungnahme des Falls Martin Suter gegen den Blick in ausserordentlich vielen Medien publiziert zu werden. Zu ganzen fünf Publikationen kam es in diesem Fall, die Agentur SDA verschickte eigens eine Nachricht. Bei dieser Stellungnahme schien die Prominenz der involvierten Person zu einem regelrechten Publikationsschub zu sorgen. Das wäre eine naheliegende Erklärung, wieso sich so viele Redaktionen für den Fall interessiert haben. Dieses Verhalten wird durch Ergebnisse aus anderen Forschungen bestätigt. Die Medienforscherin Maja Malik beispielsweise stellte 2005 in ihrer Untersuchung fest, dass „die Themenselektion im Medienjournalismus prinzipiell genauso funktioniert wie in jeder anderen Journalismus-Sparte“. Die Selektion erfolgt klassisch nach den altbekannten Nachrichtenwerten.
Stellungnahmen attraktiver vermitteln
Damit Medien den Stellungnahmendes Presserates mehr Beachtung schenken, gäbe es einen gangbaren Weg: Der Presserat könnte die Veröffentlichung seiner Stellungnahmen attraktiver gestalten und den Journalisten schmackhaft machen. Nebst dem Faktor „Prominenz“ wie im Falle Martin Suters gibt es zig weitere Kriterien wie Überraschung, Negativität, Konflikthaltigkeit und räumliche oder kulturelle Nähe, von denen sich mehrere in fast jedem Presseratsentscheid finden und entsprechend präsentiert werden können. Der Presserat sollte sich aktiv um eine Berichterstattung bemühen. Das blosse Versenden der Entscheidung reicht offensichtlich nicht.
Der Autor ist an dieser Untersuchung beteiligt. Die Untersuchung wird im Rahmen des Seminars Medienkritik im Frühlingssemester 2011 am Institut für Angewandte Medienwissenschaften IAM durchgeführt.