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gewölbt (den Graten) sich aber selbst stützte, ein freieres Gestalten zu. Durch Ausführung der Längen- und Quergurte, sowie der Rippen (an den Graten) aus sehr festem Stoffe (Hausteinen) wurde es möglich, die Gewölbe-Kappen der Wölbung leichter zu bauen, die Stützen zu entlasten und an Stelle der zuerst nötigen dicken, plumpen Pfeiler und Säulen solche von leichteren und zierlicheren Formen zu geben.
Die Fenster. Die Fenster der älteren Bauten sind im Allgemeinen meist klein und deshalb, um genügend Licht einzulassen, in größerer Zahl vorhanden. Ihre Anlage geschah in zwei Reihen: einer unteren in der Wand des Seitenschiffes, und einer oberen, welche die Obermauer des Mittelschiffes durchbrach. Die Form des Fensters ist die eines länglichen, oben mit einem Halbkreis abschließenden Rechtecks. Nach außen und innen schrägt sich die Leibung stark ab, um dem Licht leichteren Durchgang zu verschaffen.
An der Schauseite über dem Hauptthore wurde oft ein kreisrundes Fenster in der Form eines Wagenrades (daher Rad- oder Katharinen-Fenster genannt) angebracht.
Das Innere. Das Innere stellt sich also etwa so dar: Das Mittelschiff, welches durch die Arkaden von den Seitenschiffen getrennt wird, leitet den Blick auf das Allerheiligste in der Mitte des Chores. Das Hauptlicht fällt durch die Fensterreihe der Oberwand über den Arkaden (den «Lichtgaden») ein und wird im Chore durch die frei ins Innere führenden Unterfenster verstärkt, so daß hier die größte Lichtfülle herrscht und der Blick deshalb auch auf die Chornische und das Allerheiligste gezogen wird. Das Licht der Unterfenster des Langhauses wird hauptsächlich von den Seitenschiffen beansprucht.
Die Strenge der einfachen Formen wird durch reichen Schmuck der Kapitäle, durch Friese und Gesimse, welche sich an den Wänden entlangziehen, und durch gefällige Gliederung der Pfeiler und der Gewölbegurten gemildert.
Der Chor. Den Abschluß nach hinten bildet die runde Chornische. Der Chor ist meistens über den Boden der übrigen Kirche um einige Stufen erhoben und wird in größeren Kirchen mitunter durch eine bühnenartige Scheidewand mit schmalen Durchgängen vom Schiffe getrennt. Das ist der Lettner, von welchem herab Evangelium und Epistel verlesen wurden.
Die Krypta. Die Erhöhung des Chores hat ihre Ursache in der unter ihm eingebauten Krypta, einem gewölbtem Raume, in welchem die Gebeine des oder der Heiligen beigesetzt wurden, denen die Kirche geweiht war. Die Krypta, welche sich zuweilen bis unter das Querschiff erstreckte, nimmt noch deshalb unser Interesse in Anspruch, weil in ihr die Wölbung der Decke zuerst zur Anwendung kam.
Das Aeußere. Der Aufbau des Inneren kommt auch beim Aeußeren zum Ausdruck, nur werden die wagerechten Linien stärker betont. Dadurch, daß das Mittelschiff über die Seitenschiffe emporragt, die Querschiffe an den Stirnseiten Giebel enthalten, auch die halbrunde Chornische meist noch neben den Fenstern eine Reihe Blendfenster besitzt, ergiebt sich eine ausgesprochene Gliederung in Stockwerke. Um den ganzen Bau läuft in der Regel noch ein Fußgesimse (Sockel).
Die Lisenen. Die senkrechte Gliederung geschieht durch schmale, wenig erhabene Mauerstreifen, die Lisenen, welche auch die Gebäudekanten einfassend vom Sockel aufsteigen und zwischen denen unter dem Dachgesimse ein Rundbogenfries sich hinzieht.
Den einfachsten Eindruck macht das Langhaus, dessen Mauern meist nur durch die Fenster und die Lisenen belebt werden. Die letzteren entsprechen bei gewölbten Basiliken den Gewölbestützen des Innern. Bei reicheren Bauten treten dann noch Reihen von Blendbogen hinzu, welche sich arkadenartig an den Wänden entlang ziehen. Auch die Seitenwände des Querschiffes weisen keinen reicheren Schmuck auf, während dessen Giebelseiten, welche die Nebeneingänge enthalten, durch gekuppelte Fenster hervorgehoben werden.
Die Chorseite ist entsprechend ihrer Wichtigkeit am reichsten bedacht. Zuweilen wird ihre Wand von zwei, dicht übereinander liegenden Reihen Fenster durchbrochen, zu welchem sich bei großen Bauten noch oben ein offener Bogen-Gang gesellt. ¶
Das Portal. Die Vorderseite erhält ihren Hauptschmuck durch das Portal, auf dessen reiche Durchbildung die größte Sorgfalt verwendet wird. Die Thüröffnung ist in der Regel rechtwinklig mit einem geraden Sturz und einem halbkreisförmigen Bogenfeld (Tympanon) darüber. Die dicken Mauern werden gegen die Oeffnung zu abgeschrägt, so daß nach Außen zu das Portal breiter erscheint. Diese geschrägten Seiten sind dann wieder in rechtwinkligen Stufen gebrochen und die dadurch entstehenden Winkel werden mit Säulen und Halbsäulen, mit meist sehr reichen Kapitälchen, ausgefüllt.
Die Deckplatten derselben sind untereinander zu einem Gesimse verbunden, welches dem Zickzack des Grundrisses folgt; auf diesem ruhen die Bogen, welche das Portal nach oben einfassen. Dieselben erscheinen als Fortsetzungen der Säulen und zeigen deshalb die gleiche oder doch sehr ähnliche Verzierungen wie die zugehörigen Säulen. Diese ist meist eine wechselnde und zwar so, daß häufig die Säulen auf einer Seite verschieden sind, aber mit den entsprechenden der anderen Seite übereinstimmen. Später tritt dann noch reicher figürlicher Schmuck hinzu.
Die Türme. Der größte Schritt in der Umgestaltung des Kirchenäußeren war die Eingliederung des Turmes in den Kirchenkörper. Bisher wurde er, einzeln stehend, nur als Träger der Glocken verwendet; jetzt als Teil des Ganzen wird er diesem noch dadurch nutzbar, daß er die Treppen zu den Galerien aufnimmt. Bald trat zu dem einen Turme, welcher über der Mitte der Frontseite stand und so nicht nur das Mittelschiff verdeckte, sondern auch die ohnehin niedrigen Seitenschiffe noch kleiner erscheinen ließ, ein zweiter.
Die beiden Türme wurden nun vor die Seitenschiffe gestellt und verdeckten deren schräge Pultdächer, ließen dafür aber den Blick auf den Giebel des Mittelschiffes mit dem steilen Satteldache frei und gaben so dem Ganzen ein wohlgefälligeres Aussehen. Die Grundform der Türme ist viereckig und geht bisweilen nach oben in das Achteck über. Die Turmseiten tragen entweder Giebel, über welche sich der schlanke, meist achteckige Turmhelm erhebt; oder sie werden durch ein Gesimse flach abgeschlossen und der Turmhelm vierkantig darüber errichtet, oder durch ein flacheres Zwischendach in die schlanke acht- oder mehreckige Spitze übergeleitet.
Zahlreiche Gesimse mit Rundbogenfriesen darunter teilen die Türme in Geschosse, jedes mit mehreren meist gekuppelten (unter sich verbundenen) Fenstern. Zwischen den Fen-
^[Abb.: Fig. 247. Vorhalle (Paradies) des Klosters zu Maulbronn.] ¶