Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03533.jsonl.gz/320

Je technischer die Mühlen wurden, desto romantischer gestaltete sich ihr Ruf. Die als "seelenlos" empfundene Technik erzeugte und tradierte die bis heute üblichen Stereotypen über die "klappernde Mühle am rauschenden Bach" oder "die schöne Müllerin". Wie aber sah der Lebensalltag, das Sozialgefüge und die Beziehung zur Obrigkeit während der Industrialisierung für die Landmüller wirklich aus? Diese Untersuchung zeigt am Beispiel der fränkischen Schwabachmühlen die Alltagspflichten der Bewohner, den äusserst streitbaren Umgang der Müller mit Nachbarn und Berufskollegen, die harten Arbeitsbedingungen und die Unfähigkeit des alten Handwerks die wirtschaftlichen und technischen Neuerungen des 19. Jahrhunderts in die Mentalität des "ganzen Hauses" zu integrieren. Erstmalig entsteht ein strukturgeschichtliches Gesamtbild des bis heute von Märchen und Liedern umrankten Müllerhandwerks.
Dr. Martina Switalski, Jg. 1969; Schauspielstudium in Köln; Studium der Geschichte, Germanistik und Ethnologie in Köln und Erlangen-Nürnberg; seit 1996 Leitung der Kulturagentur Artista; Promotion in Volkskunde an der Universität Augsburg 2004; Staatsexamen an der Universität Erlangen-Nürnberg 2005; unterrichtet Deutsch und Geschichte am Melanchthon-Gymnasium Nürnberg; lebt mit ihrer Familie in Forth.