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Hamburg ist die Stadt, aus der im Moment guter,
klassischer Metal im Stile von Bands wie Helloween
kommt. Wie auch nachzulesen in meinen Review haben sich
Tragedian, speziell Mastermind Gabriele Palermo (GP),
dieser Stilrichtung verschrieben. Da die Band
hierzulande noch relativ bis gänzlich unbekannt ist,
habe ich ein paar Fragen nach Hamburg geschickt. Somit
kann Gabriele gleich selbst seine Combo der Schweizer
Metalszene etwas näher bringen. (Gabriele Palermo=GP)
MF: Moin Moin nach Hamburg.
GP: Guten tag.
MF: Erstmals Gratulation zum Debut-Album. Hat mir sehr
gefallen.
GP: Vielen Dank, es war eine wahre
Herzensangelegenheit
MF: Deinem Namen nach hast Du italienische Wurzeln, aber
arbeitest von Hamburg aus. Bist Du jetzt zum kühlen
Nordländer geworden, oder schlägt dein Herz nach wie vor
für die italienische Wärme?
GP: Mein Vater ist Italiener, aber ich bin in
Amerika geboren und aufgewachsen. Ich lebte an der
Ostküste, wo die gleichen vier Jahreszeiten wie in
Hamburg herrschen. Ich mag jedoch auch das warme,
europäische Wetter. Wenn ich mal wieder merke, dass ich
das warme Wetter brauche, fahre ich nach Italien - etwa
zwei Mal im Jahr.
MF: 2002 hast Du die Band gegründet aber jetzt erst, 6
Jahre später, erscheint euer Debut. Warum hat das so
lange gedauert?
GP: Schlechte Bandchemie! Als wir zum ersten Mal in
der Szene auftauchten, mochten alle die Musik, aber
hassten die Stimme unseres ersten Sängers. Zuerst dachte
ich, die Band würde zusammenwachsen und der Sänger würde
sich entwickeln… Doch zu dieser Zeit traf er seine
Freundin, und sie wurden die neuen „John und Yoko“. Nach
der Hälfte der Aufnahmen im Februar 2004 war klar, dass
das nicht der Typ Sänger war, der die Lieder so singen
konnte, wie sie gesungen werden sollten. Als er in
beiderseitigem Einvernehmen die Band verlassen hatte,
lag erstmal alles auf Eis, so dass ich in dieser Zeit
alle Songs überarbeiten konnte. Im Oktober 2004 habe ich
Patrick Van Maurick (Ex-Montany) kontaktiert. Nach dem
er die Vorproduktion gehört hatte, war er einverstanden,
auf der CD zu singen. Wegen schlechtem Timing haben wir
es leider nur geschafft, die beiden Songs für die
Tribute To-Sampler für Saxon und Running Wild
aufzunehmen. Eine Woche, nachdem Patrick die Band
verlassen hatte (März 2005), habe ich in einer Bar Timo
getroffen. Als ich ihn mit seiner Coverband singen
hörte, wusste ich, dass das die Stimme für die Band war.
Nach ein paar Wochen hat er bei mir zu Hause die
Vorproduktion gehört, und das war genau die Art Musik,
die er machen wollte. Nachdem er der Band beigetreten
war, haben wir noch mal alles überarbeitet, um seinen
Stil hineinzubringen. Es hat dann bis August 2007
gedauert, bis wir komplett mit dem Ergebnis zufrieden
waren. Als die CD fertig war und gerade herausgebracht
werden sollte, hat uns in letzter Minute die
Plattenfirma fallen gelassen. Bis ich den neuen Deal mit
Musicbuymail ausgehandelt hatte, sind weitere sechs
Monate ins Land gegangen.
MF: Du hast alle Saiteninstrumente selbst eingespielt.
Hat das einen bestimmten Grund?
GP: Es wurde gar nicht alles von mir selbst
gespielt. Ausser der Gitarre habe ich die meisten
Bass-Tracks und zwei Intros auf dem Keyboard gespielt.
Den Rest haben entweder Gastmusiker oder die
Bandmitglieder selber eingespielt.
MF: Produziert hast Du auch selbst. Aus welchem Grund
hast du keinen professionellen Produzenten genommen?
GP: Wenn du willst, dass was richtig läuft, musst du
das schon selber machen! Nachdem ich so lange an diesen
Songs gearbeitet und sie gespielt habe, wusste nur ich
genau, in welche Richtung das gehen sollte. Ich habe
sogar eine aussenstehende Person gebeten, mir bei der
Produktion zu assistieren, aber offensichtlich kam da
nichts Gutes bei raus. Ich wollte, dass der Sound so ‚old
school’ wie möglich wird, und diese Person hat das ganze
Ding nur modernisiert. Nach dieser Erfahrung habe ich
beschlossen, dass alle Produktionen 100%ig von mir
gemacht werden, bis auf das Mischen und Mastern.
MF: Beschreib bitte den Inhalt, oder besser gesagt deine
Songtexte etwas.
GP: Der Inhalt der Lieder ist eine Mischung von
Fiktion und Nicht-Fiktion. Historische, wahre
Lebenserfahrung, mit einem Hauch Fantasie. Mein liebster
Lyrikstil lehnt sich an die Texte folgender Bands an:
John Arch in seiner Fates Warning- Ära, Dream Theater
und Dio.
MF: Woher nimmst du die Inspiration für deine Lyrics?
GP: Das alles hängt davon ab, in welcher Stimmung
ich mich befinde. Oder auch, was auch immer ich im
Moment lese, inspiriert mich, Texte zu schreiben. Auch
Geschichte, Programmieren und Dokumentationen sind gut
für neue Ideen.
MF: Was inspiriert dich zu Deinen Songs?
GP: Das hängt davon ab, ob die Texte oder die Musik
an erster Stelle steht. Ich habe bemerkt, dass, wenn ich
schnelle Songs schreibe, die Musik an erster Stelle
steht und ich mir schnelle, komplexe Gitarrenriffs zu
spielen versuche auszudenken. Wenn ich mehr im Mid Tempo
oder balladenartige Lieder schreibe, hängt es von meiner
momentanen Stimmung ab, wie sich die Musik oder Texte
entwickeln werden.
MF: Wie entsteht ein Tragedian-Song?
GP: Ganz einfach: Eine Idee,wird von Musik und Text
komplettiert, und mein Computer und Cubase erledigen den
Rest.
MF: Gibt es irgendwelche Pläne, das Album „Dreamscape“
live zu promoten?
GP: Ja, wir sprechen darüber, wir proben und
arbeiten an unserer Live-Show. Nachdem alles, was es zu
besprechen gibt, festgesetzt ist, werden wir wieder
anfangen, live zu spielen. Im März 2009 werden wir in
Finnland mit unseren Freunden von Burning Point spielen,
und auch Auftritte auf Festivals im nächsten Jahr sind
im Gespräch.
MF: Wirst du die Band live mit einem Session-Gitarristen
verstärken?
GP: Nein, das erste und letzte Mal, dass ich mit
einem zweiten Gitarristen spielte, war in meiner ersten
Band, als ich 15 war. Ich war mehr durch
Gitarre/Keyboard-Bands wie Deep Purple, Rainbow, Yngwie
Malmsteen und House Of Lords beeinflusst als von Bands
mit zwei Gitarristen. Für mich ist ein Keyboard nicht
nur ein Rhythmus-Instrument, sondern vielseitiger und es
erlaubt mir mehr Kreativität.
MF: Du lässt den Spirit von Bands wie Helloween wieder
aufleben. Ist das auch die Musikrichtung, die du privat
im CD Player hast?
GP: Nicht so oft, wie man denken könnte. Als ich
jünger war, hab ich nur Metal gehört, 24 Stunden am Tag.
Und dann kam die Entwicklung als Musiker, so habe ich
gelernt, dass alle Musik im Zusammenhang, wie die
Menschen eben sind, steht. Wenn man nur einen bestimmten
Musikstil hört, ist es wie mit einem Gespräch mit nur
einem Menschen vergleichbar. Als ich „Dreamscape“
geschrieben hatte, habe ich keine solche Musik mehr
gehört, um meinen Geist davon frei zu kriegen. Wenn ich
privat Musik höre, geniesse ich neben Rock und Metal
auch massentaugliche Party-Musik.
MF: Wo siehst du dich und/oder deine Band in 10 Jahren,
und wie sehen deine Pläne aus?
GP: Hoffentlich werde ich dann immer noch Musik
machen, denn neben dem Musizieren weiß ich nicht, was
ich noch anderes tun sollte. Wenn aus irgendeinem Grund
Tragedian nicht mehr existieren sollten, schaut euch um,
ich werde bestimmt einen anderen Weg finden, meine Musik
und meine Ideen zum Ausdruck zu bringen.
MF: Möchtest du eine Botschaft an die Schweizer
Metalfans und Leser von Metal Factory richten?
GP: Zunächst möchte ich für das Interesse an dem,
was ich und Tragedian zu sagen haben, danken. Dann
möchte ich allen Metal-Fans für das Lesen dieses
Interviews und die noch CDs kaufen für die Unterstützung
der Szene und der Künstler danken. Besucht uns auf
unserer Website
www.tragedian.com für mehr Infos, und wir
hoffen, dass wir bald in die Schweiz für ein Konzert
kommen können.
MF: Ich danke dir für das Interview und wünsche dir viel
Erfolg für deine Band.
GP: Kein Problem, es war mir ein Vergnügen. Und
danke auch euch allen nochmals.