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Ein «Chas nöd» wurde bei ihm daheim nicht akzeptiert. Es hiess stets: «Klar, chasch es!» Schon als Elfjähriger zieht Ernst Aebi mit seinem neunjährigen Bruder erstmals in die grosse, weite Welt. Die beiden Buben reisen per Autostopp bis nach Brüssel und wieder zurück nach Zürich Wiedikon. «Wir hatten praktisch kein Geld, schliefen in Telefonkabinen und unter Tischen von Gartenwirtschaften.» Und mit 17 ist Ernst Aebi bereits überall in Europa gewesen, ausser in Portugal, Irland und Griechenland.
Mit 200 Franken im Sack begibt er sich nach bestandener Lehre und Matur auf Weltreise. Bringt sich durch als Strassenmaler, verkauft seine ersten Bilder in Beirut und Tokio. Wieder in Zürich, studiert er Wirtschaft – obwohl er sich für die Kunst entschieden hat und mehr in Paris als im Hörsaal sitzt. Mit dem lic. oec. publ. in der Tasche geht er nach New York und wird zum gefragten Künstler.
Weniger Glück hat er in seiner Ehe: Aebi wird nach der Scheidung zum alleinerziehenden Vater von vier Kindern im Alter von 7 bis 10 Jahren. Mit seinem Künstlerfreund Fritz Gross kauft er eine alte Fabrikhalle und baut sie zum Loft um. Der erste von insgesamt 49. Denn immer mehr Betuchte und Kreative erobern SoHo und den West Broadway. Der Boom macht den Wahl-New-Yorker reich und zum Begründer des hippen Künstlerviertels.
Doch seine wahre Leidenschaft ist das Abenteuer. Und so lässt er sich 1986 von einem Kollegen überreden, bei Paris–Dakar mitzufahren. «Ich schämte mich. 50 000 Dollar für so einen Blödsinn. Ein Rennen durch die Wüste …» Aebi war das Ganze zu oberflächlich. «Ich wollte die Menschen kennenlernen, sie nicht mit Staub bedecken.» 1989 bricht er auf nach Timbuktu, «weil es so exotisch klingt». Mit einer Karawane stösst er in Mali auf die Wüstenoase Araouane, die im Sand zu versinken droht. «Ich sah, dass die Bewohner hungerten und wollte ihnen zeigen, wie man in der Sahara überleben könnte.» Ausgerechnet er, das Greenhorn aus der Grossstadt!
Zuerst plant Aebi, nur ein paar Bäume und etwas Samen zu bringen. Aber die Menschen hatten noch nie eine Frucht oder Gemüse gesehen. Und so bleibt er. Aus einem Monat werden drei Jahre. «Es war schliesslich ein viel grösserer Aufwand, die Menschen auf den Geschmack des Gepflanzten zu bringen als die Pflanzen zum Wachsen.» Er baut auch eine Schule und ein Hotel.
Aber dann kommt der Krieg, und Aebi muss seinen blühenden Garten zurücklassen. Für den Dokumentarfilm «Barfuss nach Timbuktu» ist er nach Araouane zurückgekehrt. Filmautorin Martina Egi zeichnet ein starkes Porträt von einem Mann, der das Unmögliche wahr macht. Überlebenskünstler Ernst Aebi: «Je schwieriger die Reise, je schöner die Ankunft.»
Barfuss nach Timbuktu
Länge: 86 Min., Regie: Martina Egi. Start 29. Oktober.
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