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Unser Mitglied Ivo Chiavi hat netterweise einen Bericht über das 24h-Rennen in Grenchen geschrieben. Viel Spass beim Lesen!
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Es ist nur ein Hobbyrennen, es ist nur ein Hobbyrennen. So begrüsste uns Steven Jonckheere zum 24-Stunden-Rennen im Velodrôme in Grenchen. Steven, ein ehemaliger KuZ-Kurier, jetzt Sports Marketing Manager bei BMC Schweiz hat dieses Rennen in Grenchen auf den Rennkalender gebracht, nachdem das Vorbildrennen im UCI-Velodrôme in Aigle die letzten zwei Jahre nicht durchgeführt worden war. Selbst fünffacher Teilnehmer in Aigle, dachte er sich, dass dieses Hobbyrennen auf der Bahn, das einzige in der Schweiz, wieder stattfinden soll. Im Vierer- oder Fünfer-Team gilt es einen ganzen Tag zu fahren, die Dauer der Schichten ist dabei den Teams überlassen. Der in Grenchen gefahrene Modus irritierte erst einige Teilnehmer: Nicht die gefahrenen Kilometer zählten, sondern die Runden wurden per Sender erfasst und mit 250 (250 m = Bahnlänge) multipliziert. Dies bedeutet, dass es von Vorteil ist, die schwarze Linie (kürzeste Strecke auf der Bahn) möglichst nur für kurze Zeit zu verlassen, weil man sonst zuviel Weg für eine Runde fährt. Dieses Szenario drohte dazu zu führen, dass aggressiv überholt wird und es so zu einem permanenten Gedränge am unteren Rand der Bahn kommen wird. Die Teams wurden von Steven dann aber gezielt auf diesen Modus vorbereitet: Die langsamen Teams sollten die schwarze Linie nehmen, die schnellen die rote, was nur 9m Mehrdistanz ausmache.
Dieser Modus hat sich in der Praxis dann als unbedenklich erwiesen, ja, im Verlaufe des Rennens erwuchs daraus eine gehörige Spannung, da man zu jeder Zeit wusste, wieviele Runden Vorsprung oder Rückstand man auf die direkten Konkurrenten aufwies. Die Folge davon waren gezielte Versuche, Rundengewinne herauszufahren, die Gegner liessen sich ja leicht identifizieren und so kontrollieren oder demontieren. Ich sage nur Lampre-Rosa
Vor dem Start sah es allerdings für einige Zeit nicht nach einem erfolgreichen Auftritt des VC Peloton-Teams aus: Stau brachte eine sehr späte Ankunftszeit der Teammehrheit mit sich; dabei auch unser Startfahrer mit der meisten Bahnerfahrung: Mischka Baer Korm. Unter erheblichem Zeitdruck bauten wir die Räder zusammen. trieben noch einen Miche-Konterring auf, denn Konterringe waren obligatorisch, und richteten unseren Teamplatz ein; von Minute eins an zeigte unser Auftritt also typische Kuriereigenschaften auf, leicht chaotisch, permanent unordentlich, aber nicht aus der Ruhe zu bringen. Mischka legte nämlich vor und wie: Nach 50 Minuten zierte der VC Peloton den ersten Rang.
Nicht für lange leider, denn eine, wohl vom wie ein Hornochse an den Radmuttern drehenden Radkontrolleur verursachte technische Panne, zwang meine Wenigkeit, gleich zweimal von der Bahn. Erst dachte ich, es hätte sich nur der Speichenmagnet verschoben, es klang jedenfalls so, wurde runtergewinkt, der Bahnchef fummelte erneut am Hinterrad, ich wurde wieder auf die Bahn geschickt, nur um wenige Runden später von hinten zugeschrien zu bekommen, dass mein Hinterrad sich in arger Schräglage befinde. Diesmal gings sogar in die Werkstatt, wo mir, der ich genervt und schon schwer schnaufend daher kam, Teamkollege Dani O’Mara das Rad aus der Hand nahm und schnell für Abhilfe sorgte. Der schöne Platz war dahin, wir reihten uns auf Rang 12 ein.
Der Reihe nach warfen sich nun Daniel O’Mara, Fabian Gasser und Daniel Meyer für jeweils für 50 Minuten ins schnelle Rund ab. Als letzterer die Bahn verliess, drohte uns neues Ungemach. Der Sattel des vom Sportchef ausgeliehenen Bahnrades (der Grund dafür: Das Velodrôme veranschlagte eine Mietgebühr von 300.- für ein hauseigenes Bahnrad) hatte ganze Arbeit geleistet: Mit schmerzverzerrtem Gesicht versuchte Daniel auf der freien Rolle auszufahren, musste dieses Unterfangen aber bald schon abbrechen. Auf die Schnelle musste ein anderer Sattel her und montiert werden, die Sitzhöhe neu eingestellt werden. In der Zwischenzeit holte Mischka mal wieder Runde für Runde auf, wir pendelten uns nun so rund um den zehnten Platz ein. Ein merkwürdiges Geduldsspiel etablierte sich: Alle warteten immer mehr oder weniger beschäftigt darauf, sich wieder in den Sattel zu schwingen, um für 50 Minuten hochkonzentriert schnelle Runden zu drehen. Dazwischen wurde getrunken, gegessen und man konnte sich massieren lassen (Contrex-Elektrostimulation). So richtig zu schlafen, traute sich niemand, dieses Wachbleiben war dann auch eine grosse Herausforderung.
Je länger das Rennen dauerte, desto besser sah es für unser Team aus. Rang für Rang hat es uns nach vorne gespült. Als wir schliesslich, im Vergleich zu den anderen Teams etwas spät, dazu übergegangen sind, die Fahrzeiten so anzupassen, dass wir nie in die Säure fahren mussten, und damit die Kontrahenten besser kontrollieren und so auch eher mit den angreifenden Gruppen mitgehen konnten, verbesserte sich unsere Bilanz weiter. In Mischka wurde nun der Trainier geweckt, lautstark hat er uns hilfreiche Anweisungen zugerufen, Schritt für Schritt seine Teamkollegen in die Geheimnisse des effizienten, weil kraftsparenden Verhalten auf der Bahn eingeführt. Sein Ehrgeiz wuchs genauso wie unserer. Ein konkurrierendes Team hatte sich herauskristallisiert, Gelati-Ü73 lag nur noch ein paar Runden vor uns, gut zu erkennen an den rosaroten Lampre-Trikots, die das Team netterweise konsequent zur Schau getragen hat. Der Feind hatte also auf Tarnung verzichtet: Von nun hiess es, „klemmet euch hinter dä in Rosa, uf diä sicher kai Rundi meh verlieren und wenn immer möglich, ab die Post.“
In den letzten Stunden spitzte sich dieser Kampf mehr und mehr zu, mal waren sie vorne, mal wir. Zugute kam uns dann ein technischer Defekt beim Kontrahenten, was uns endgültig nach vorne spülte. Durch die Aufgabe/des Ausschlusses (ich weiss es nicht so genau, aber eins ist klar, die Italiener haben gefeiert und dabei wohl auch das eine oder andere bicchiere runtergespült) der Confraternita di Bici aus dem Veneto, schien plötzlich der siebte Rang in Reichweite, es blieben aber an die fünf Runden aufzuholen. Als letzten Fahrer schickten wir deshalb erneut unser Ass ins Rennen und es stach und wie. Mischka schnappte sich, zusammen mit zwei sehr schnellen Mitfahrern, Runde um Runde. Am Schluss hatte er zwei Runden Vorsprung auf den BMC-Concept Shop herausgefahren (mit den uns bekannten Instruktoren drin) und wir lagen sogar in Rundendistanz zu Rang 5 und 6. Ein hocherfreulicher Ausgang für uns!
Viel Zeit zu Feiern oder Geniessen blieb uns allerdings nicht, wollten doch alle möglichst bald ins Bett fallen, um in den wohlverdienten, aber in den letzten 24 Stunden mühsam verdrängten, Schlaf zu fallen. Daniel O’Mara entschloss sich, als er bemerkte, dass er sich nicht mehr in der Lage sah, alleine im Auto nach Hause zu fahren, ein Hotelzimmer in Grenchen zu nehmen, was zur Folge hatte, dass er überraschend zum offiziellen Bahntraining des VC Peloton am Sonntagmorgen erschienen ist. Wobei für mich bis heute nicht klar ist, wie er es so schnell wieder auf den Sattel geschafft hat. Für uns alle war es ein tolles Erlebnis und ich möchte hiermit für diesen Anlass Werbung machen, der wohl nächsten Februar wieder, nachdem der VC Peloton wieder einige Male auf der Bahn trainiert haben wird, stattfindet. Wäre toll, wenn wir ein, zwei weitere Teams an den Start schicken können, denn es ist ein spannender Teamanlass. Bericht von Ivo Chiavi