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Who’s Life is it Anyway? basiert auf einem Fernsehdrehbuch für die BBC, das erst Jahre später als Theaterstück in London Premiere feierte – John Badham sah das Stück bei Aufnahmen zu Dracula in London. Der 1980 produziete Kinofilm setzte auf Richard Dreyfuss als charismatischen Lead. Dreyfuss war zu jener Zeit und mit seinen grossen Erfolgen mit Jaws und Close Encounters of the Third Kindeiner der gesuchtesten Stars des amerikanischen Films, trotzdem war dem Film kein grosser Erfolg beschieden. Regisseur John Badham sollte fortan und nach dem vorangegangenen Flop mit Dracula (1979) vermehrt auf Action setzen – und dies oft gemeinsam mit Arthur B. Rubinstein, seinem ehemaligen Studienkollegen, mit dem er hier eine schöne Serie beginnen sollte.
Rubinsteins Score beginnt mit dem auffällig beschwingten Stück Main Titles. Das barocke Ambiente ist ein wichtiger Teil von Who’s Life is it Anyway? und unterstreicht einerseits den mit den Händen arbeitenden Künstler des von Dreyfuss gespielten Harrison und auch seine Affinität zu dieser Musik (Jeremiah Clarkes „Trumpet Voluntary“, als source music auch auf der CD enthalten, hört sich Dreyfuss im Spital über Kopfhörer an), andererseits die lebensfrohe und vitale Manier, die er vor seinem Unfall an den Tag legte. Diese frohe Seite der Musik wird dann schnell mal verlassen, wenn Rubinstein den bitteren Kampf des vom Hals abwärts gelähmten Bildhauers wiedergibt. In kurzen Momenten und Flashbacks (Montage-Sculpting Pad) wird dieser fröhlichere Stil jedoch wieder aufgenommen und in Stücken wie Dialysis fortgeführt. Mit seinem bösen Witz und den zynischen Bemerkungen, mit denen er die Krankenhauscrew (und auch seine Partnerin) ärgert, verdrängt Harrison sein verlorenes Leben und Rubinstein hängt sich da mit den barocken Motiven an, die gleichzeitig lebhaft und ernst erscheinen können.
Einer der intensivsten Tracks ist The Parting, in dem Rubinstein die Trennung des Verunfallten von seiner Lebenspartnerin untermalt. Hier ist die tiefe Ernsthaftigkeit in der Musik zu spüren und mit der sich Rubinstein um die Situation Harrisons und seiner Umgebung auseinandersetzt. Diese bedrückende Atmosphäre umgibt viele der Cues, so auch im Verlauf von Nice Breasts und dem ereignisreichen Find a Judge, die allerdings mit einer weitaus optimistischeren Note enden – als Hinweis des Komponisten auf den Wunsch Harrisons so nicht weiterleben zu wollen und, dass die Erlösung für ihn nicht ein Ende sondern ein Neuanfang bedeuten könnte. Denn Harrison wünscht sich freiwilig aus dem Leben zu scheiden, da es für ihn keine positive Diagnose gibt je wieder seine Gliedmassen bewegen zu können.
Es ist bemerkenswert wie Rubinstein auf rührselige Tränendrückerei verzichtet – der Stoff gäbe dazu wahrlich genügend Anlass. Sicher hat Harrisons Thema einen schwermütigen und ernsthaften Charakter und weiss Rubinstein den Ernst der Lage in Harrisons depressven Momenten zu packen, doch der Score umschifft geschickt die Untiefen, die ein Drama um einen gelähmten Patienten filmmusikalisch mit sich bringen könnte. Kein seuselndes Klavier, keine triefenden Streicher. Und so endet die Musik denn auch in der lebendigen Art und Weise, mit der sie begonnen hat. Konsequent.
Who’s Life is it Anyway? ist, das zeigt diese CD, unberechtigterweise eine wenig bekannte Filmmusik eines ebenfalls (ebenfalls unberechtigterweise) nicht übermässig beachteten Komponisten. Da der Film wie erwähnt nicht besonders erfolgreich war, wurde es auch nichts mit einem geplanten Soundtrackalbum. Umso schöner, dass sich FSM diesem Score angenommen hat und eine gelungene Dreiviertelstunde Score präsentiert. Zusätzlich befinden sich 10 Minuten source music als Bonustracks, ans Ende der CD gesetzt, auf der Scheibe, begleitet von einem wiederum gelungenen Booklet mit Liner Notes von Andrew und Jonathan Z. Kaplan.
WHO'S LIFE IS IT ANYWAY? Arthur B. Rubinstein FSM Silver Age Classics Vol. 12 No. 11 57:35 Min. / 25 Tracks