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Kinder ohne angemessene elterliche Fürsorge sind eher von Missbrauch oder Vernachlässigung betroffen. Ingrid Johansen, die Geschäftsführerin von SOS-Kinderdorf International spricht auf Devex.com über die Fortschritte des Aktionsplans zur Stärkung des Kinderschutzes und wie SOS-Kinderdorf mit Vorfällen in der eigenen Organisation umgeht.
SOS-Kinderdorf verbessert Massnahmen zum Schutz der Kinder
Im Oktober 2021 wurde der Aktionsplan zur Stärkung des Kinderschutzes initiiert, nachdem Keeping Children Safe, eine von SOS-Kinderdorf International beauftragte renommierte Kinderschutzorganisation, bei einer externen Überprüfung feststellte, dass es trotz der umfassenden Bemühungen zu Versäumnissen im Bereich Kinderschutz gekommen ist.
Devex.com, eine globale Plattform für Entwicklungszusammenarbeit, sprach mit Ingrid Johansen, der Geschäftsführerin von SOS-Kinderdorf International, über die Fortschritte bei der Umsetzung des Aktionsplans und darüber, wie sich die Organisation verändern müsse, um vergangene Missbrauchsfälle aufzuarbeiten und zukünftige zu verhindern.
Ingrid Johansen betont im Interview, dass frühere Versäumnisse beim Schutz der Kinder allem widersprächen, wofür SOS-Kinderdorf stehe. Es sei wichtig, den Opfern zuzuhören, um sicherzustellen, dass die richtigen Schritte unternommen würden. Dies habe SOS-Kinderdorf geholfen, die Präventionsarbeit zu verbessern und das System und die Vorgehensweise grundlegend zu ändern. Die wichtigste Erkenntnis sei, dass die Ursachen angegangen werden müssten, die zu diesen Fehlern geführt hätten. Der Schutz von Kindern, Erwachsenen und Vermögenswerten habe in den mehr als 130 Ländern, in denen SOS-Kinderdorf tätig sei, höchste Priorität.
Um diese Veränderung anzugehen, war ein kultureller Wandel nötig. Dazu sagt Ingrid Johansen: «Wir mussten nicht nur die einzelnen Fälle der Vergangenheit aufarbeiten, sondern auch erkennen, dass wir uns als Organisation verändern müssen, um zukünftige Fälle zu verhindern.» Es sei wichtig, eine Kultur zu schaffen, die gegen hierarchische Normen ankämpfe und dafür zu sorgen, dass die Menschen sich sicher fühlen, wenn sie ihre Meinung äussern. Als Führungskraft sei man dafür verantwortlich, eine offene Kultur und die Meinungsfreiheit zu fördern.
Für die Veränderung der Unternehmenskultur gebe es jedoch keine schnelle Lösung. Der Transformationsprozess sei jedoch bereits seit einiger Zeit im Gang. «Wir haben einen klaren Fahrplan, und wir sind dabei, die dringendsten Probleme anzugehen. Wir haben einen auf vier Jahre angelegten Aktionsplan für den Schutz von Kindern aufgestellt und nutzen diesen für die nächste Phase unserer Transformation.» Dazu gehört das Programm zum Aufbau eines weltweiten Netzes von Ombudsstellen sowie die Unterstützung einzelner Missbrauchsopfer, die sich gemeldet haben. Mehr als 500 Personen haben Unterstützung erhalten oder werden sie demnächst bekommen. Ingrid Johansen betont, dass SOS-Kinderdorf die Menschen ermutige, sich zu melden, damit die Organisation Wiedergutmachung leisten und Gerechtigkeit schaffen könne und sagt: «Es ist eine grosse Herausforderung, die Vergangenheit so aufzuarbeiten, wie wir es getan haben, aber es ist das Einzige, was wir tun können, um unseren Ansprüchen gerecht zu werden. Letztendlich macht es uns zu einer besseren Organisation.»
Das in Englisch geführte Interview können Sie in voller Länge hier lesen.
Den aktuellen Fortschrittsbericht zum Aktionsplan zur Stärkung des Kinderschutzes finden Sie auf unserer Seite zum Thema Kinderschutz.