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Eines Abends erzählte ein alter Cherokee-Indianer seinem Enkelsohn am Lagerfeuer von einem Kampf, der in jedem Menschen tobt.
Er sagte:
„Mein Sohn, der Kampf wird von zwei Wölfen ausgefochten, die in jedem von uns wohnen.
Einer ist böse.
Er ist das Ärgern, der Zorn, der Neid, die Eifersucht, die Sorgen, der Schmerz, die Gier, die Arroganz, das Selbstmitleid, die Schuld, die Vorurteile, die Minderwertigkeitsgefühle, die Lügen, der falsche Stolz und das Ego.
Der andere ist gut.
Er ist die Freude, der Friede, die Liebe, die Hoffnung, die Heiterkeit, die Demut, die Güte, das Wohlwollen, die Zuneigung, die Großzügigkeit, die Aufrichtigkeit und das Mitgefühl.“
Der Enkel überlegte eine Minute und fragte dann:
„Welcher der beiden Wölfe gewinnt?“
Der alte Cherokee antwortete:
„Der, den du fütterst.“
“Versäumt nicht zu üben die Kräfte des Guten!”
Johann Wolfgang von Goethe
“Gut sein heisst mit sich selber im Einklang sein”
Oscar Wilde
Kommentar:
Es ist ein Dilemma. Gerade in schwierigen Zeiten ist es nicht einfach, positiv zu sein, obwohl dies der Moment ist, wo es am wichtigsten wäre.
Wann haben Sie sich das letzte Mal über jemanden geärgert, und zwar so, dass Sie Ihren Blutdruck- und Adrenalin-Level gleichzeitig im Hals spürten?
War’s der Typ der Ihnen die Vorfahrt genommen hat oder Ihr Partner, der Ihnen mitteilte, dass Ihr Verhalten eine Katastrophe war?
Eines der wichtigsten Erkenntnisse für mich ist, dass es immer nur einen Menschen gibt, der mich ärgern kann:
Ich selbst!
Schwer erkältet, die Nase tropfte, als ich im Auto auf dem Weg zur Apotheke war, um Nasentropfen zu besorgen. Rückwärts will ich bei strömendem Regen in den letzten Parkplatz vor der Apotheke einparken, als der Idiot mir vorwärts den Parkplatz wegnahm. „Ich war eher da!“ dachte ich, und war stinksauer. Wenn ich den erwische, dem sage ich meine Meinung, und zwar richtig.
Klatschnass, 200 Meter ohne Schirm durch den Wolkenbruch, knallt genau der Park-Typ mir die Apothekentüre an die Schulter und rennt zu seinem Auto. Am liebsten wäre ich ihm hinterher gerannt und hätte ihn zur Rede gestellt. Gott sei Dank habe ich das unterlassen.
Zur Apothekerin sagte ich: “Was ist denn das für einer…“ als sie mir ins Wort fiel: „Der Herr Doktor holte nur mehr Verbandsmaterial, weiter vorne gab`s einen schweren Unfall mit mehreren Verletzten…..“
Autsch.
Mit unseren Emotionen ist es so eine Sache. Die kommen plötzlich, und haben ihren Ursprung in unserem limbischen System im Hirn. Die Sprache dort, in der Amygdala, ist einfach: „Kampf, Flucht oder Erstarren.“
Da ich kein Neurowissenschaftler bin, empfehle ich, falls Sie das Thema mehr interessiert, David Rock‘s Buch „Brain at Work“.
Wenn das Adrenalin steigt, dann ist der erste Schritt, zu erkennen, dass wir unsere Gedanken und unsere Emotionen beobachten können, genau so, als ob Sie sich im Kino sähen.
Wir könnten, bevor wir unserem Gegenüber aus Ärger eins auf die Mütze geben, feststellen, dass wir uns ärgern.
Achtsamkeit in diesem Moment bedeutet, zu erfassen, dass wir in der Tat spontan aber oft unbewusst eine Entscheidung treffen.
Dies willentlich zu empfinden erfordert Disziplin.
Wenn uns jemand Ärger bereitet, ist es allein unsere Entscheidung, dass wir uns ärgern. Wir bewerten die Aussage des anderen auf der Basis unserer Werte und Lebenserfahrung.
Die Neurowissenschaft hat durch wissenschaftliche Tests (James Gross, Stanford University) herausgefunden, dass vor dem Auftreten einer Emotion verschieden Entscheidungen getroffen werden können:
Auswahl der Situation, Modifikation der Situation und Einsatz der Aufmerksamkeit.
Die beste Art um mit negativen Emotionen umzugehen besteht aus:
1. Die Gefühle nicht unterdrücken – das macht es nur schlimmer
2. Labeling (Benennung) – die Situation wahrnehmen und dem Gefühl einen Namen geben
3. Neubewertung – die persönliche Interpretation des Ereignisses verändern
Meine Art damit umzugehen, klappt nicht immer, aber immer häufiger, ist mich spontan zu fragen, ist „heitere Gelassenheit“ oder „gelassene Heiterkeit“ gefragt.
Aufgabe ist es, sich mit sich selbst auseinander zu setzen und sich und seine Umwelt zu beobachten und achtsam sein.
Achtsamkeit ist eine Form der Aufmerksamkeit, die absichtsvoll ist, sich auf den gegenwärtigen Moment bezieht (statt auf die Vergangenheit oder Zukunft) und nicht wertend ist.
Wann haben sie sich das letzte Mal Zeit für sich genommen und waren achtsam mit sich selbst?
Darf ich Sie um Ihre Aufmerksamkeit bitten:
Wir haben nur den Moment – und nur den einen – und dann den nächsten, dann den übernächsten……
Die Emotion, die wir spüren, haben wir auch nur im Moment und dann, wenn wir die Emotion manifestieren und mit Erfahrungen aus der Vergangenheit oder mit Ängsten in der Zukunft koppeln, dann sind wir wertend.
Vorteilhafter ist es, zu fragen:
Was müsste anders sein, damit ich mich besser fühle?
Warum fühle ich mich so, wie ich mich fühle?
Was fehlt mir?
Hatte ich etwa eine Erwartung, die nicht erfüllt wurde?
Ist das, was ich fühle wirklich wahr?*
Kann ich mit absoluter Sicherheit sagen, dass es wahr ist?*
*Byron Katie
Das klingt alles einfacher als es im täglichen Leben ist.
Beginnen Sie in kleinen Schritten, ihre Aufmerksamkeit zu beobachten. Essen Sie die nächsten Trauben, als ob sie noch nie eine gegessen hätten. Zählen sie zum Spass die Wasserhydranten, an denen Sie auf dem Weg zur Arbeit vorbeikommen.
Halten Sie ab und zu mal inne und überlegen Sie, was so alles in einem Moment um Sie herum und in Ihnen passiert.
Stellen Sie sich vor, sie müssten bewusst atmen. Oops, das war so interessant, habe doch glatt das Atmen vergessen.
Sie atmen, Ihr Herz schlägt, tausend Dinge geschehen um Sie herum und es liegt an Ihnen, worauf Sie Ihre Aufmerksamkeit richten. Um achtsam mit Emotionen umzugehen, den eigenen und denjenigen der anderen, gilt es, diese zu hinterfragen.
Das tägliche Üben führt von bewusster zu unbewusster Kompetenz.
„Ich lasse meine Überzeugungen nicht los – ich hinterfrage sie –dann lassen sie mich los.“
(Byron Katie)
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