Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/88901

<h2>SubmittedText<h2><p>Bundespräsident Pascal Couchepin hat kürzlich die Türkei besucht und hat dabei seinem türkischen Amtskollegen den Tisch geschenkt, an dem 1923 der Vertrag von Lausanne unterzeichnet worden war. Dieser Vertrag hat zwar die Geburt der modernen Türkei besiegelt, er hat aber auch dazu geführt, dass zahlreiche Minderheiten des Osmanischen Reiches - namentlich die armenische und die kurdische, aber auch die griechische - die Rechte einbüssten, die ihnen noch 1920 im Vertrag von Sèvres zugebilligt worden waren. Ist sich der Bundesrat bewusst, welches symbolische Gewicht ein solches Geschenk für die Minderheiten haben kann, die ihrer Rechte beraubt und/oder Opfer von Massakern wurden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Beim Besuch von Bundespräsident Pascal Couchepin handelte es sich um den ersten offiziellen Besuch eines Schweizer Bundespräsidenten in der Türkei. Die Übergabe des Tisches, auf welchem der Lausanner Vertrag vom 24. Juli 1923 unterzeichnet wurde, war der Bedeutung dieses erstmaligen Besuches angemessen. Lausanne und Montreux (Standort der Unterzeichnung des internationalen Vertrages, welcher seit 1936 den Verkehr durch die Meeresenge regelt) sind Begriffe für das türkische Geschichtsbild. Durch den Lausanner Vertrag konnte die moderne, laizistische Türkei ihre internationale Existenz nach Westen sichern. Später ist die Türkei dem Europarat, noch im Jahre seiner Gründung 1949, und kurz danach, 1952, der Nato beigetreten. Sie steht jetzt bekanntlich mit der EU in Beitrittsverhandlungen. Sie ist zudem bestrebt, ihre Beziehungen zu allen Nachbarn spannungsfrei zu gestalten. Die Schweiz, welche z. B. in den Anfängen der türkischen Republik das Modell für das moderne türkische Zivilgesetz lieferte, möchte ihre Verbindung zur türkischen Geschichte nicht verheimlichen, sondern an die Fakten erinnern. Es ist die an diesem Tisch entstandene, laizistische und demokratische Türkei, die heute, auch mithilfe unterstützender, befreundeter Staaten, den Weg zum Dialog über die eigene Vergangenheit und zur Respektierung von Staatsangehörigen anderer Nationen und von Minderheitenrechten beschreitet. Gleichzeitig erinnert dieser Tisch in der Türkei daran, dass der Vertrag, der in Lausanne abgeschlossen wurde, wie andere internationale Verträge auch, für unzählige Menschen in der damaligen Türkei grosses Leid verursacht hat.</p>  Antwort des Bundesrates.