Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03127.jsonl.gz/574

E-Mail-Adresse für den Newsletter
Die beiden vorliegenden Bände der Finanzwirtschaft (engl. Originaltitel: "Corporate Finance") beleuchten die wichtigsten Bereiche der Unternehmensfinanzierung und der Bewertung von Investitionen. Bei dem Autorenduo handelt es sich um renommierte Professoren für Finanzwirtschaft an der Graduate School of Business, Stanford University (USA), die darüber hinaus auch als wissenschaftliche Mitarbeiter am National Bureau of Economic Research (NBER), einer renommierten Forschungsinstitution, welche sich dem Studium von Theorie und Empirie der Ökonomik widmet, tätig sind. Jonathan Berk und Peter DeMarzo wurden in den vergangenen Jahren für ihre wissenschaftlichen Arbeiten mit einer Reihe von Preisen und Auszeichnungen geehrt.
Bereits der Titel des Lehrbuchs mit dem dreigeteilten Untertitel lässt erahnen, dass hier ein Werk von außerordentlicher Tiefe und Breite vorliegt. Orientierung und Rezeption werden durch die klare Gliederung in acht Teile mit präzisen Kapiteln und Unterkapiteln erleichtert, welche sich mit folgenden Schwerpunkten befassen:
Teil I (Einleitung) legt die Grundlagen für das Studium der Finanzwirtschaft. Zuerst werden die wichtigsten Unternehmensformen, insbesondere die Aktiengesellschaft, vorgestellt und die Rolle der Finanzmanager und der externen Investoren bei der Entscheidungsfindung für das Unternehmen untersucht. Dabei wird auch auf Aktienbörsen sowie auf das Zusammenspiel finanzieller und technischer Innovationen (Fintech) eingegangen. Um optimale Entscheidungen treffen zu können, benötigt man Informationen. Deshalb folgt in einem weiteren Kapitel eine Einführung in die Analyse von Finanzberichten. Es werden die vier Hauptarten des Finanzberichts mit typischen Beispielen und einigen Finanzkennzahlen sowie abschließend zwei Missbrauchsfälle hierzu aus den letzten Jahren betrachtet.
Teil II (Instrumente) widmet sich vor allem der Bewertung finanzieller Entscheidungen. Zuerst wird erörtert, dass ein Finanzmanager bei der Bewertung eines Projekts dessen Ein- und Auszahlungen vergleichen muss und es wird gezeigt, wie der Barwert einer Investition ermittelt werden kann. In diesem Zusammenhang wird das Gesetz des einheitlichen Preises zur Ableitung des Zeitwerts herangezogen. Bei der Bestimmung der angemessenen Abzinsungssätze steht das Konzept der Kapitalkosten im Mittelpunkt. Da die (kapitalmarktorientierten) Unternehmungen das Kapital, das sie für die Investitionen benötigen, durch die Ausgabe von Wertpapieren aufbringen, wird in einem weiteren Kapitel die Bewertung von Anleihen erklärt.
Teil III (Grundlagen der Bewertung) behandelt eine der wichtigsten Entscheidungen, mit denen ein Finanzmanager konfrontiert ist, nämlich die Auswahl der Investitionen, welche ein Unternehmen realisieren sollte. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht deshalb die Kapitalwertregel, eine Entscheidungsregel, mit welcher Manager den Unternehmenswert maximieren können. Hinzu kommen die häufig komplementär angewandte Amortisationsdauerregel sowie die Regel des internen Zinsfußes. Weitere Schwerpunkte der Betrachtung sind die Grundlagen der Investitionsplanung, einschließlich der Cashflow-Prognosen sowie der Sensitivitäts- und Szenarioanalysen. Da sich viele Unternehmen das für ihre Investitionen benötigte Kapital durch die Ausgabe von Aktien beschaffen, widmet sich ein eigenes Kapitel der Bewertung von Aktien und schließt mit der Erörterung der Rolle des Wettbewerbs bei der Bestimmung der in Aktienkursen enthaltenen Informationen sowie deren Bedeutung für Anleger und Manager von Unternehmen ab.
Teil IV (Risiko und Ertrag) geht davon aus, dass zur richtigen Anwendung des Gesetzes des einheitlichen Preises Investitionsmöglichkeiten verglichen werden müssen, die ein gleichwertiges Risiko aufweisen. Infolgedessen wird in diesem Teil erklärt, wie Risiken über Anlagemöglichkeiten hinweg gemessen und verglichen werden können. Nach einer Einführung in Risiko und Ertrag werden u. a. das Risiko eines einzelnen Wertpapiers vom Risiko eines aus ähnlichen Wertpapieren bestehenden Portfolios unterschieden und danach die Diversifikation von Aktienportfolios, die Messung des systematischen Risikos, das Beta und die Gleichung zur Schätzung der Kapitalkosten (CAPM) thematisiert. In drei weiteren Kapiteln werden die optimale Portfolioallokation und das Capital-Asset-Pricing-Modell, die Schätzung der Kapitalkosten sowie das Anlegerverhalten und die Kapitalmarkteffizienz untersucht.
Teil V (Kapitalstruktur) geht zuerst von der Betrachtung der Kapitalstruktur anhand eines vollkommenen Marktes aus. Dabei wird deutlich, dass der Wert des Unternehmens, d. h. der Gesamtwert der im Umlauf befindlichen Wertpapiere, von der Kapitalstruktur unabhängig ist, solange sich die Cashflows, die von den Vermögensgegenständen des Unternehmens erwirtschaftet werden, nicht ändern. Anschließend werden Änderungen des Cashflows des Unternehmens infolge von wichtigen Marktunvollkommenheiten und im Kontext hierzu die Rolle des Fremdkapitals bei der Minderung der Steuern sowie die Kosten einer finanziellen Notlage und die Veränderungen der Managementanreize, die aus der Verschuldung entstehen, behandelt. Des Weiteren wird der Frage nachgegangen, von welchen Determinanten die (optimale) Ausschüttungsstrategie eines Unternehmens abhängig ist.
Teil VI (Die Bewertung) führt die wesentlichen Erkenntnisse über Risiko, Rendite und Wahl der Kapitalstruktur eines Unternehmens zusammen und entwickelt die drei Hauptmethoden der Investitionsplanung bei Verschuldung und Marktunvollkommenheiten: die Methode des gewichteten Durchschnitts der Kapitalkosten (WACC), die Adjusted Present Value Methode (AVP) und die Flow-to-Equity-Methode (FTE). Dabei wird vor allem herausgearbeitet, welches Verfahren – die bei richtiger Anwendung die gleiche Schätzung des Wertes einer Investition oder eines Unternehmens ergeben – unter welchen Bedingungen am einfachsten anzuwenden ist.
Teil VII (Optionen) wendet sich den Situationen zu, in denen das Unternehmen oder ein Investor die Möglichkeit hat, eine zukünftige Investitionsentscheidung zu treffen. Zu Beginn erfolgt eine Einführung in Finanzoptionen, welche Anlegern das Recht einräumen, ein Wertpapier in Zukunft zu kaufen oder zu verkaufen. Solche Optionen sind für Finanzmanager in den Unternehmen ein wichtiges Instrument, Risiken zu managen oder zu bewerten. Schließlich ist seit ihrer Einführung in den 1970er-Jahren ein enormes Wachstum auf den Märkten für derivative Wertpapiere, insbesondere auf den Optionsmärkten, zu verzeichnen. In einem weiteren Kapitel werden die für die Berechnung von Optionspreisen meistgenutzten Methoden erläutert, um zu zeigen, wie Aktienoptionen bewertet und wie ihr Risiko und ihre Rendite quantifiziert werden können. Es wird auch gezeigt, wie die Black-Scholes-Formel genutzt werden kann, um das Beta von Kreditrisiken zu bestimmen. Ein abschließendes Kapitel wendet die Realoptionstheorie auf zukünftige Entscheidungsfindung von Unternehmen an.
Teil VIII (Langfristige Finanzierung) setzt sich zuerst mit den alternativen Möglichkeiten auseinander, wie Unternehmen Eigenkapital beschaffen können. Schwerpunkte sind der Börsengang, die Auffälligkeiten bei Neuemissionen und die Aktienemissionen börsennotierter Unternehmen. In zwei weiteren Kapiteln wird die Nutzung von Fremdkapitalmärkten zur Kapitalbeschaffung beschrieben und das Leasing als Alternative zur langfristigen Finanzierung analysiert.
In der vorliegenden neuesten Auflage wurde eine Reihe von Aktualisierungen vorgenommen, u. a. der Steuersätze, Daten zum Finanzmarkt und der Unternehmensbeispiele, einschließlich deren Finanzberichte. Des Weiteren wurde die Bearbeitung des Schwerpunkts "Optionen" durch zwei neue Kapitel ergänzt, um die Anwendungen des Optionsgeschäfts noch tiefergehender zu vermitteln. Berücksichtigt wurden auch die Behandlung negativer Zinsen, die Schuldenkrise in Europa sowie die Themen Fintec und Kryptowährungen. Für die deutschsprachige Ausgabe wurde an den erforderlichen Stellen auf die deutschen bzw. europäischen Rechtsverhältnisse eingegangen, so dass sich das Buch für Interessenten in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleichermaßen gut eignet. Die insgesamt umfangreiche und durchgehend anspruchsvolle Materie wird anhand von zahlreichen Abbildungen, Beispielen und Fallstudien mit Szenarien methodisch geschickt aufbereitet und nachvollziehbar vermittelt. Excel-Infokästen enthalten auch Excel-Screenshots und geben praktische Anleitungen, wie finanz- bzw. investitionswirtschaftliche Aufgaben mit Excel gelöst werden können. Darüber hinaus enthält das Buch erstmalig einen Zugang zu MyLab / Grundzüge der Finanzwirtschaft mit Lösungen zu den Aufgaben aus dem Lehrbuch, vielen Übungsaufgaben, Excel-Modellen, Annuitätenkalkulator, einem Lexikon der Finanzwirtschaft u. v. a. m.
Eine aufgabenorientierte Vorbereitung ist für das Bestehen von vielen Klausuren im Bereich der Wirtschaftswissenschaften unerlässlich. Dies gilt nicht zuletzt auch für die Kurse bzw. Studienmodule im Bereich der Corporate Finance. Hier knüpft das vorliegende Übungsbuch an, das sich eng am Aufbau des Lehrbuchs orientiert, und unterstützt den studentischen Leser effektiv, das erlangte Wissen zielgerichtet zu vertiefen und anzuwenden. Dieser gleichermaßen aktualisierte und vor allem um den Themenbereich "Bewertung von Optionen" und "Realoptionen" erweiterte Übungsband enthält eine Vielzahl von Aufgaben und Rechenbeispielen mit gut nachvollziehbaren Lösungen.
Den fortgeschrittenen BWL-Studierenden mit dem Vertiefungsschwerpunkt Corporate Finance können beide Bände sehr gut empfohlen werden. In gleichem Maße ist das Lehrbuch auch als Nachschlagewerk für Praktiker geeignet, die sich für die aktuellen Entwicklungen des Finanzmanagements mittlerer und großer Unternehmen im internationalen Kontext interessieren.