Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03260.jsonl.gz/1933

Ändern sie die horizontalen und vertikalen Proportionen mit dem Regler.
Das quadratische Feld enthält 64 repetitive Module mit vier verschiedenfarbigen quadratischen Elementen und zeigt in Anlehnung an Spot 04 einen sogenannten Farbklang, welcher sich dramatisch verändert, sobald die Elemente entweder horizontal oder vertikal verzerrt werden.
Ein physikalisches Auge könnte im ganzen Bild nur Schwarz, Cyanblau, Gelb und Rot feststellen. Das Sehorgan des Menschen hingegen sieht beispielsweise ein Violettrot anstelle von Rot, wenn die Grenzlinie zu Cyanblau verlängert wird und ein scheinbares Orangerot, wenn die Grenzlinie zu Gelb dominiert. Die Farbnachbarschaft bleibt bei diesem Experiment konstant.
Der folgende interaktive Bildgenerator ist eine Ergänzung zu Spot 08 und thematisiert die zweite Ursache der Bezold Täuschung: Die Elementgeometrie wird konstant gehalten und die Farben der Nachbarelemente werden permutiert. Ein weiteres Beispiel einer solchen Manipulation ist das Bildpaar (19, 20) in den Ergänzungen zu Spot 01.
Klicken Sie die Buttons wiederholt um die Farben der einzelnen Module zu ändern.
Falls die Farben Schwarz, Cyanblau, Gelb und Rot gewählt werden, erkennt man in den 6 generierten Feldern mit 36 repetierten Modulen leicht verschiedene Schwarz-, Cyanblau-, Gelb-, und Rottöne. Die Farbtäuschungen sind nicht mehr so dramatisch, wie bei Spot 08, jedoch nicht weniger interessant: In allen Feldern wurde der schwarze Akteur im Vierermodul oben links platziert. Dem zweiten Akteur Cyanblau bleiben noch 3 verschiedene Positionen, dem Akteur Rot nur noch 2, nachdem der zweite gesetzt wurde. Dem vierten Akteur Gelb wird der letzte Platz im Modul aufgezwungen. Daraus ergeben sich 6 verschiedene Module. Damit werden 6 verschiedene Felder generiert.
Es fällt auf, dass sich drei von diesen quadratischen Feldern relativ stark unterscheiden und die restlichen drei wie Zwillinge aussehen. Diese Eigenschaft ist leicht zu erklären: Die beiden dunklen Elemente Schwarz und Rot können im Modul entweder diagonal oder nebeneinander resp. untereinander liegen. Das hellste Element Gelb kann diagonal zum dunkelsten oder nicht diagonal sein. Das sind drei stark unterschiedliche Feldvarianten. Zu jeder dieser drei existiert ein Zwilling, bei dem nur die horizontale Elementnachbarschaft mit der vertikalen vertauscht wurde. Diesen schwachen Effekt nennen wir die Horizontal- Vertikal-Täuschung, welche in Spot 01 in der Besprechung des Bildpaares (17, 18) bereits definiert und gedeutet wurde: Einerseits existieren im Gehirn verschiedene Schnell-Leseprogramme für Horizontal- und Vertikalstrukturen*), und andererseits ist bei den meisten Augen die Hornhaut leicht verkrümmt (Astigmatismus), was ebenfalls Bildverzerrungen bewirkt.
Die Farbstichänderungen bei den drei stark unterschiedlichen Feldern bezeichnen wir als Bezold-Effekt in Reinkultur, welcher bis heute ein neurologisches Rätsel darstellt. Eine Voraussetzung dieses Effektes ist, dass die Farbelemente genügend gross auf die Netzhaut projiziert werden, so dass die Farbverunreinigungen an den Elementgrenzen infolge des begrenzten Auflösungsvermögens nicht die Ursache der Täuschung sein können. Im letzten Fall spricht man vom Assimilationseffekt, den wir in Spot 09 präsentieren.
*) Vertikalstrukturen werden stereografisch gelesen und erlauben lebenswichtige Distanzangaben. Strukturlose horizontale Elemente werden wegen der horizontalen Anordnung der Augen nicht räumlich gesehen. Die Wahrnehmung von horizontal präsentierten Bildern ist anders als bei vertkaler Präsentation. Man vergleiche dazu zwei identische Bilder, wenn sie um 90 Grad verdreht sind (z.B. Bilder 17 und 18 im Anhang zu Spot 01).