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In seiner Dorfchronik über Gurbrü legt Urs Dick den Schwerpunkt auf die Zeit von 1750 bis 1900. Diese Zeit sei gut dokumentiert und von grossen Umwälzungen geprägt, deren Auswirkungen auf die Geschichte des Dorfes jedoch wenig bekannt seien, schreibt Dick im Vorwort. Bei seinen Recherchen hat sich der Autor vor allem auf Protokolle und Rechnungsbücher aus dem Gemeindearchiv gestützt. Entstanden ist ein 100-seitiges Werk, das interessante Einblicke in die Geschichte Gurbrüs und den Alltag der Bewohner bietet, gleichzeitig aber auch Einzelschicksale und die Auswirkungen der Weltgeschichte auf ein kleines Dorf beleuchtet.
Einmarsch der Franzosen
So widmet sich ein Kapitel dem Einmarsch der Franzosen, die am 5. März 1798 nach der Schlacht bei Neuenegg einmarschierten. Die französischen Truppen verbreiteten Angst und Schrecken und brachten den Leuten der Gegend viel Leid und erdrückende Lasten. Die Abgaben für die Bezahlung der Kriegskosten und der Armenunterstützung stiegen stark an. Dokumente zeigen, dass der Dorfmeister immer wieder Kriegskosten verbuchte, welche Gurbrü den Franzosen abgeben musste.
Es gab aber auch menschliche Tragödien. So wurde bei unehelichen Kindern, die auf Schandtaten der französischen Soldaten zurückgingen, die ganze Schuld und damit auch die finanzielle Last der Frau zugeschoben, da die Täter ohnehin nicht zur Verantwortung gezogen werden konnten.
Die Auswanderer
Zwischen 1850 und 1890 war in Gurbrü die Auswanderung nach Amerika ein wichtiges Thema, mit dem sich auch Gemeinderat und Gemeindeversammlungen befassen mussten. In vielen Fällen hoffte die Gemeinde, mit einem einmaligen Beitrag an die Reisekosten die langjährige Unterstützung verarmter Familien einsparen zu können. Das gelang jedoch oft nicht, wie das Beispiel von Jakob Hurni aus dem Jahr 1853 zeigt: Der damals 37-Jährige erhielt ein Reisegeld von 98 Franken. Ein Vogt begleitete den «liederlichen Kerl» bis nach Basel und händigte ihm dort das Geld aus. Den Zug, der ihn zum Schiff bringen sollte, verliess Hurni aber bereits in Mülhausen. Später kehrte er in Polizeibegleitung nach Gurbrü zurück.
Es gibt aber auch Beispiele, bei denen die Auswanderung gelang. Johann Hurni liess 1851 seine schwangere Frau mit fünf kleinen Kindern «hülflos und trostlos» zurück, um in Amerika sein Glück zu versuchen. Später verlangte er mittels Brief bei der Gemeinde den Nachzug seiner Familie. Hurni steuerte per Wechsel 245 Franken für die Überfahrt bei. Weil die Kosten aber bei 950 Franken lagen, steuerten auch die Armenkasse und die Burgergemeinde etwas bei. Letztere verkaufte zur Finanzierung gemäss Gemeindeprotokoll vier Eichenstämme für 149.50 Franken. Eine Sammlung von Haus zu Haus ergab einen zusätzlichen Betrag, der Rest von 188 Franken wurde nach Steuerkraft bei 57 Haushaltungen eingezogen.
Die Postablage im «Rössli»
Am 1. März 1871 wurde in Gurbrü in der Wirtschaft «Zum Rössli» die erste Postablage eingerichtet. Der Wirt Johann Hurni amtete als Ablagehalter und Briefträger für die Gemeindebezirke Gurbrü, Wileroltigen und Golaten und erhielt dafür einen Jahreslohn von 300 Franken.
In weiteren Kapiteln beschreibt Dick unter anderem die Landwirtschaft, die Organisation der Einwohner- und Burgergemeinde oder die Entwicklung wichtiger Institutionen wie der Kirche oder der Schule. Wie der Autor im Vorwort festhält, beschreiben Dokumente aus Archiven naturgemäss eher negative, traurige oder problematische Vorkommnisse. «Erfreulichere Angelegenheiten sind selten dokumentiert.» Man müsse versuchen, sie beim Lesen zwischen den Zeilen zu erkennen. Als Beispiele nennt er einen guten Rechnungsabschluss, einen hohen Erlös aus dem versteigerten Heu- und Emdgras oder die freiwillige Aufnahme eines armen Kindes durch eine Pflegefamilie.
Ausstellung: Alte Fotos und Pläne
A m Samstagabend stellt Urs Dick im Gemeindehaus von Gurbrü die neue Dorfchronik (siehe Haupttext) vor. Als Sekretär der Burgergemeinde hat Urs Dick in den letzten drei Jahren über 1000 Seiten aus alten Protokollen und Rechnungsbüchern durchstöbert und damit auch die unveröffentlichte Vorarbeit fortgesetzt, die sein vor 20 Jahren verstorbener Vater begonnen hat.
Gleichzeitig mit der Präsentation der Chronik wird auch eine Ausstellung zur Geschichte des Dorfes eröffnet, die bis zum 16. März dauert. Zu sehen sind alte Fotos, Pläne und Karten, unbekannte Gebrauchsgegenstände aus früheren Zeiten und die ältesten Dokumente aus dem Gemeindearchiv. luk
Gemeindehaus, Gurbrü. Eröffnung: Sa., 8. März, 20 Uhr (Türöffnung 18 Uhr). Ausstellung: So., 9. März, 10 bis 18 Uhr; Mo., 10., bis Fr., 14. März, 18 bis 20 Uhr; Sa., 15., und So., 16. März, 14 bis 18 Uhr.