Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03310.jsonl.gz/664

Die Forschungsarbeit beschäftigt sich mit Alltagserzählungen und mit der Frage, welchen Beitrag Rezipienten zur Einschätzung des Erzählten und zur Erweiterung von Handlungsmöglichkeiten des Erzählers leisten können. Im Zentrum steht die Vorstellung und Erläuterung „narrativer Erwartungen“. Der Begriff „narrative Erwartungen“ bezeichnet die Konzeption eines vom Erzählbeginn ausgehenden Erwartungshorizontes, den der Erzählbeginn Rezipienten sprachlich unter Bezugnahme auf Formen der Lebenspraxis vermittelt. Wie könnte aus Sicht von Rezipienten die Geschichte maximal positiv in einem Happy-End oder maximal negativ in einem Fiasko enden? Für die Operationalisierung „narrativer Erwartungen“ gilt es das Bedingungsgefüge der zu Beginn in Szene gesetzten Figuren, Aktionen, Kulissenelementen und Requisiten lexikalisch zu analysieren. Dann kann schrittweise angeleitet der Erfüllungs- und Katastrophenhorizont rekonstruiert werden, den der Erzählanfang in Aussicht nimmt. Die so erzählanalytisch konzipierten „narrativen Erwartungen“ der Rezipienten entwerfen im therapeutischen oder beraterischen Dialog einen systematisch bestimmbaren und lebenspraktischen Möglichkeitsraum alternativer Erzählverläufe. Als Gewinn daraus eröffnen sich ressourcenorientiert andere als die bisherigen problembelasteten Zugänge zur Lebenspraxis des Ratsuchenden. Neue, erwünschte Geschichten können erprobt werden, die alltagsnah Impulsgeber für die zukünftige Handlungsplanung und Beziehungsgestaltung sind.
Eigene Bewertung schreiben