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1.2.2010
Ein neues Hemd
Der Winter ist lang und Hans hätte genug Zeit, um mit Berta zu sprechen, aber er weiss nicht was er sagen soll, denn sie weiss schon alles über ihn.
Hans schaut nie in den Spiegel er kennt sich ja. Neue Kleider braucht er nicht und Berta auch nicht.
Er wurde dick und phlegmatisch, dabei steht er, wie sein Vater sagen würde in der Blüte des Lebens.
Doch eines Tages las er in einer Zeitung ein Inserat. Es erzählte von Aufbruch, Widerstand, Opposition.
Er besuchte die im Inserat angepriesene Tagung.
Ohne Berta.
Solche Tagungen sollen viel bringen, sagte man ihm.
In einem dunklen Bunker wurde die Tagung abgehalten. Sogar die Polizei war anwesend, nicht an der Tagung, aber vor dem Bunkereingang stand sie. Scharen von Männer und auch zwei Frauen strömten mit Hans in den Bunker.
Als er wieder ans Tageslicht kam, war er ein anderer.
Er kam mit einem neuen Hemd aus dem Bunker, es wurde ihm geraten es so oft als möglich zu tragen.Es stärke das Selbstbewusstsein.
Er nahm Berta nicht mehr recht wahr.
Jeden Tag stieg er mit einem strammen Schritt in den Keller seines Hauses, hielt seinen Körper kerzengerade und übte vor dem Spiegel.
Zuerst zaghaft mit einem Finger, dann schneller und schneller bis er ganz übermütig die Faust mit Schwung in die Luft streckte und seine Gesichtsmuskeln anspannte. Auch legte er sich einen viereckigen Haarschnitt zu.
Er bekam immer öfters Besuch von einem Mann, der denselben Haarschnitt trug und eine Mappe unter dem Arm eingeklemmt hatte, ja er trug sogar dasselbe Hemd wie Hans.
Wenn es regnete, übten sie gemeinsam im Keller, sonst hinter dem Haus vor einem Spiegel.
Die Stimme von Hans veränderte sich stark und schon bald kam der Mann nicht mehr, sondern Hans ging zu einem andern Mann.
Dieser war so schüchtern und unauffällig wie damals vor ein paar Monaten Hans.
Schon nach dem ersten Treffen veränderte auch dieser den Haarschnitt und gemeinsam marschierten sie von jetzt an durch die Gegend. Es waren vier oder fünf oder fünfzig oder noch mehr, so genau wusste es eigentlich niemand.
Im Dorf feierten sie immer öfters Gemeinsamkeiten.
Leute, die hinter den Vorhängen standen und die Männer beobachteten, getrauten sich nicht mehr vor die Häuser, ausser wenn sie dasselbe Hemd anzogen, was immer mehr taten. Denn es machte das Leben einfacher.
Als Berta das nicht mehr aushielt, ging sie weg und wusste nicht wohin.