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Die
Akropolis soll von
Kekrops
[* 12] gegründet worden sein und daher in der mythischen Geschichte den
Namen Kekropia geführt haben.
Auf einem steilen, bis 156,6 m ü. M. und etwa 90-100
m über die Stadt sich erhebenden
Felsen ruhend, bildete sie eine natürliche
Festung
[* 13] und war außerdem
durch eine
Mauer geschützt, welche, von
Pelasgern aus der Nordseite angefangen, von
Kimon (461
v. Chr.) um die Südseite herumgeführt
wurde. Die
Burg schloß eine
Menge der ausgezeichnetsten
Kunst- und Bauwerke ein.
Den Eingang bildeten auf der Westseite die berühmten
Propyläen, ein Prachtthor mit 9 m hohen
Säulen,
[* 14] welches
Perikles 436-431 mit einem Aufwand von 2012
Talenten
(ca. 9½ Mill. Mk.) von
Mnesikles aus weißem
Marmor errichten ließ.
Von der Stadt aus führte zu denselben (an
Stelle des alten schmalen, durch neun
Thore verteidigten Burgweges, des sogen. Enneapylon)
eine breite, gewundene, mit durch Querrillen für
Pferde
[* 15] und
Wagen gangbar gemachten Marmorplatten belegte
Fahrstraße, auf welcher der panathenäische Festzug zum
Tempel der Schutzgöttin der Stadt hinaufstieg.
Dem gegenüber, der nördlichen Mauer nahe, links beim Eintritt in den Burghof, befand sich das uralte kombinierte Heiligtum
der Athene Polias und des PoseidonErechtheus, an welches sich die ältesten Zeremonien, Mythen und Erinnerungen knüpften. Nachdem
es im Perserkrieg zerstört worden, wurde es im ionischen Stil erneuert, und noch 401 n. Chr. ward daran
gebaut. Hauptteile des Tempels waren die beiden mit der Rückseite aneinander stoßenden Cellen, die eine (westliche) das Erechtheion
genannt, die andre (östlich daran stoßende) der Athene geweiht; von beiden getrennt war eine Kapelle gegen W.,
das Pandroseion.
Nach der einen jener Cellen wird auch oft das Ganze Erechtheion benannt (s. Tafel »Baukunst IV«,
[* 18] Fig. 7). In der christlichen
Zeit wurde es als Kirche, von den Türken als Kriegsmagazin benutzt; erst in der neuesten Zeit ist das Innere vollständig aufgeräumt
und von allen modernen Zuthaten gesäubert worden. Das Hauptgebäude mißt 20,03
m in der Länge und 11,21 m in der Breite. Übrigens weicht es hinsichtlich seiner Konstruktion wesentlich von der bei den griechischen
Tempeln üblichen ab. In der Nähe dieses Tempels stand auch der der Athene geheiligte Ölbaum.
Mächtige Felsblöcke bilden den Unterbau des großen, in den Fels gehauenen Halbzirkels, der an der Südwestseite durch eine
hohe, lange, glatt gehauene und steil aufsteigende Felswand geschlossen wird. In der geradlinigen Felsenwand
sind noch Spuren eingehauener Stufen zum Sitzen sichtbar, und in der Mitte der Wand springt ein Felswürfel hervor, zu welchem
zwei Treppen
[* 29] hinaufführen, und worin man die Rednerbühne hat erkennen wollen, während dort gefundene Weihgeschenke mit
Inschriften ihn unzweifelhaft als Altar
[* 30] darthun.
An der steilen Felswand hatte Meton eine großartige natürliche Sonnenuhr
[* 31] angebracht, zu deren Sonnenzeiger
der gegenüber nordöstlich von der Stadt liegende BergLykabettos diente. Westlich von diesem Heiligtum finden sich Spuren
von in den Felsen gehauenen Häusern, Zisternen, Gräbern, Treppen etc., die Reste der ältesten Ansiedelungen im ganzen Stadtgebiet.
Uralt müssen dieselben sein, weil Gräber und Häuser sich dicht nebeneinander befinden, was schon Solon
aus gesundheitspolizeilichen Gründen verbot.
Man hat gemeint, diese Wohnungen seien im Peloponnesischen Krieg entstanden, als sich die Bewohner Attikas zwischen den langen
Mauern (s. unten) zusammendrängten; allein solcher provisorischen Anlage widerspricht schon die sorgfältige Bearbeitung der
Fundamente. Am südöstlichen Ende dieser ältesten Stadt liegt der Felshügel Museion (147,4
m) mit dem noch erhaltenen Monument des Philopappos, eines Nachkommen des letzten Königs von Kommagene, gegen 114 n. Chr. unter
Trajan erbaut.
Zuletzt erreichte sie die Agora, einen länglich-viereckigen, von mehreren nicht zusammenhängenden Hallen begrenzten Platz
im N. der Akropolis und des Areopags, von wo der innere Kerameikos, eine große, breite Straße, nordwestlich
zum ThorDipylon führte. Vor letzterm befand sich der äußere Kerameikos, eine Vorstadt, wo die gefallenen Krieger nach den
Schlachtfeldern geordnet bestattet wurden. Dort wurde in neuerer Zeit bei der heutigen Kirche Hagia Triada ein großer Teil
der an Architektur und Plastik reichen Gräberstraße frei gelegt.