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Was hat euch zu diesem Projekt inspiriert?
In Tansania können es sich die meisten Frauen in ländlichen Gebieten nicht leisten, jeden Monat Hygieneartikel zu kaufen. Somit sind sie dazu gezwungen, Alternativen wie alte Kleidung, Stoffreste oder Blätter während ihrer monatlichen Blutung zu verwenden. Diese Situation wirkt sich auf verschiedene Aspekte aus:
- Zugang zu Bildung: In Tansania gehen rund 48 % der jungen Frauen während ihrer Menstruation nicht zur Schule, weshalb sie etwa ein Viertel ihrer gesamten Ausbildung verpassen. Dies wirkt sich stark auf ihre Leistungen und somit auf ihre Berufsmöglichkeiten nach ihrem Abschluss aus.
- Gesundheit: Die oben genannten alternativen «Hygieneartikel» und der Mangel an sanitären Einrichtungen führt leider häufig zu vaginalen Infektionen oder anderen Krankheiten.
- Wirtschaftswachstum des Landes: Bildung ist stark mit der Wirtschaft eines Landes verknüpft. Wenn ungefähr die Hälfte der Bevölkerung aufgrund der monatlichen Menstruation nur teilweise Zugang zu Bildung hat, hemmt dies auch das Wirtschaftswachstum.
- Die Schädigung der Umwelt: Aufgrund mangelnder Prävention, Aufklärung und sanitären Anlagen gibt es kaum Möglichkeiten, die Abfälle richtig zu entsorgen. Laut den Zahlen von UNICEF sind 63 % der Toiletten an Schulen nicht mit Mülleimern ausgestattet, um Binden und Tampons zu entsorgen. Daher entsorgen die Mädchen ihre Einlagen oftmals in Toiletten oder in der Natur, was zu einer erhöhten Umweltverschmutzung und einer Verschlechterung der sanitären Infrastruktur beiträgt.
Im Rahmen des Studiums der Betriebswirtschaftslehre verbrachte Aurélie Monnier von März bis August 2022 ein Semester in Tansania. In ihren Gesprächen mit dem Programmleiter sprachen sie über die Problematik der prekären Menstruation vor Ort. Davon berührt, beschloss sie, das Projekt KaribuPads ins Leben zu rufen, um jungen Mädchen zu helfen, sich während ihrer Menstruation wirksam zu schützen.
Welche Vision habt ihr für das Projekt?
Die prekäre Menstruationssituation junger Mädchen in ländlichen Gebieten von Iringa, Tansania durch die Herstellung und Spende von wiederverwendbaren Damenbinden zu verringern. Weiter möchten wir durch Näh- und Unternehmerschulungen zu ihrer finanziellen Unabhängigkeit beitragen.
Was ist die genaue Projektidee?
Um die Situation der prekären Menstruation in Tansania zu verbessern, sind dies die Hauptziele unseres Projekts:
- 15 junge Frauen zwischen 18 und 25 Jahren (Waisen und/oder aus prekären Verhältnissen) drei Wochen lang in der Produktion von wiederverwendbaren Damenbinden und den Grundlagen des Unternehmertums auszubilden.
- 3'000 Menstruationssets (4 wiederverwendbare Binden in 2 wasserfesten Beuteln und in einer kleinen Tasche) herzustellen.
- Die Binden kostenlos an 3’000 Mädchen zwischen 10 und 18 Jahren in ländlichen Gebieten der Region Iringa zu verteilen.
- Begleitet werden diese Verteilungen mit Aufklärungsmaßnahmen zu Menstruationshygiene und Sexualerziehung, die sich an Jugendliche aller Geschlechter richten.
- Begleitung der 15 Mädchen, um ihnen mittelfristig finanzielle Unabhängigkeit zu ermöglichen.
In Tansania gibt es mehrere Initiativen, die darauf abzielen, die prekäre Menstruationssituation zu verringern. Unser Projekt unterscheidet sich jedoch in folgenden Aspekten:
- Unsere wiederverwendbaren Binden werden aus reiner Baumwolle hergestellt und somit sind sie hautfreundlich und ohne Chemikalien. Bei richtiger Handhabung können die Binden zudem für etwa 2 Jahre lang wiederverwendet werden.
- Wir verschenken die Binden in kleinen Täschchen, sodass der Inhalt für Außenstehende nicht ersichtlich ist und die Mädchen ihre Hygieneartikel jederzeit und vorallem unauffällig transportieren können.
- Wir verwenden einige Stoffe, die eigentlich als Wegwerfprodukte gelten, zeitgleich aber noch immer von höchster Qualität sind. So versuchen wir, auch während der Produktion den Umweltaspekt im Auge zu behalten.
- Die Herstellung der wiederverwendbaren Binden ist Teil der Schneiderei-Ausbildung für Jugendliche, die ohne die Unterstützung ihrer Eltern aufwachsen müssen und sich eine Ausbildung oftmals nicht leisten könnten.
- Die Ausbildung in Unternehmertum wird nach dem pädagogischen Modell der Team Academy (learning by doing, Lernen im Team und durch Spiele) durchgeführt.
Wie wird/wurde das Projekt umgesetzt?
- Spenden Sammeln – April bis Mai 2022 - Schweizer Team: Wir haben in der Schweiz über Crowdfunding, eine private Stiftung und einen Projektaufruf rund 30'000 CHF gesammelt.
- Nähausbildung - Juni 2022-NGO-Team: Lehrpersonen, die bei unserer Partner-NGO angestellt waren, bildeten über 30 Jugendliche in der Herstellung von wiederverwendbaren Damenbinden aus.
- Ausbildung in Unternehmertum - Juni 2022 - Team aus Tansania: Student*innen der Iringa-Universität, Mitglieder*innen des tansanischen Teams gaben 17 jungen Frauen auf interaktive und spielerische Weise eine viertägige Schulung in Unternehmertum.
- Produktion – Juli bis Dezember 2022 - Supervision durch das NGO-Team: Etwa 30 ausgebildete Jugendliche produzieren 12'000 Damenbinden, um Erfahrungen zu sammeln.
- Verteilung der Binden – August 2022 bis März 2023 - Supervision durch das NGO-Team: Die Mitarbeiter*innen unserer Partner-NGO verteilten ein Set mit vier Binden an 3.000 Mädchen in 64 Dörfern.
- Aufklärung über Menstruation und Sexualerziehung – August 2022 bis März 2023 - Supervision durch das NGO-Team: Die Mitarbeiter*innen unserer Partner-NGO werden rund 3.000 Mädchen und 3.000 Jungen über Menstruation und Sexualerziehung aufklären.
- Evaluation – März 2023 bis Juni 2023 - Wir werden Daten sammeln, um die Auswirkungen des Projekts zu bewerten und das Feedback der Mädchen zu sammeln. Dies wird uns helfen zu verstehen, ob die Binden, die wir verteilt haben, auch wirklich eine geeignete Lösung sind. Danach werden wir weiterhin einmal jährlich die Auswirkungen des Projekts evaluieren.
Was ist für die Zukunft des Projekts geplant?
Unser Projekt wird hoffentlich folgende Auswirkungen haben:
- Verbesserung des Alltagslebens von 3000 Mädchen während ihrer Menstruation.
- Besseres Verständnis für Sexualität, sexuell übertragbare Krankheiten und Fruchtbarkeit in 64 Dörfern in der Region Iringa.
- Verbesserung der Nähkenntnisse von 30 Jugendlichen und Empowerment von 15 jungen Fraue.n
- Aneignung von Wissen im Zusammenhang mit den gesammelten Daten einer Stichprobe von 3000 Mädchen.
Die nächsten Schritte sind die Fortsetzung der Produktion und die Verteilung der Binden bis März 2023. Anschließend folgt die jährliche Bewertung der Auswirkungen des Projekts. Wir denken derzeit darüber nach, ein Sozialunternehmen für diese Binden zu gründen, indem wir sie verkaufen und einen Teil des Gewinns dazu verwenden, unsere Sets weiterhin kostenlos an Bedürftige zu verteilen. Dies wäre eine nachhaltige Möglichkeit, das Projekt fortzuführen, ohne auf externe Gelder angewiesen zu sein.
Was ist ein Highlight des Projekts?
Die erste Verteilung der wiederverwendbaren Binden war ein voller Erfolg, nachdem vor allem eine Sensibilisierung durch das Ansprechen eines Tabu-Themas stattgefunden hat. Interesse und große Dankbarkeit seitens der Mädchen war spürbar.
Weitere Infos über das Projekt:
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