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Warum hat ausgerechnet das fortschrittliche Land Dänemark eine der höchsten Vergewaltigungsraten in Europa? Amnesty International veröffentlicht schockierenden Bericht. Was ändert sich, wenn ein Filmemacher plötzlich mit einem Budget arbeiten kann? Der Berner Regisseur Jeshua Dreyfus über seinen neuen Film «Sohn seines Vaters». Sei ein Held, sei eine Aussenseiterin, sei Robert Walser? Thomas Hirschhorn über seine neue Skulptur für Biel.
Dänemarks hohe Vergewaltigungsrate schockiert
Laut einem Bericht von Amnesty International werden in Dänemark überdurchschnittlich viele Frauen vergewaltigt. Dass ausgerechnet im fortschrittlichen Dänemark zwischen 5’000 und 25’000 Frauen jährlich vergewaltigt und deswegen nur gerade mal knapp 100 Täter verurteilt werden, hange mit der Gesetzgebung zusammen, sagt Noëmi Grütter von Amnesty International gegenüber RaBe:
In Dänemark, aber auch in der Schweiz, ist körperliche Gewalt Voraussetzung dafür, dass jemand wegen Vergewaltigung verurteilt werden kann. Andere sexuelle Handlungen, die nicht auf ein gegenseitiges Einverständnis beruhen, bleiben oft straffrei. Dass soll sich ändern, wenn die Istanbul Konvention gegen Gewalt an Frauen und häusliche Gewalt umgesetzt wird. Diese wurde sowohl von der Schweiz als auch von Dänemark ratifiziert, die komplette Umsetztung ist aber noch nicht passiert.
Verzwicktes Familiendrama
2013 schickte er fünf junge Menschen in ein abgelegenes Bergtal und liess sie dort miteinander lieben und zanken, wobei allerlei Verborgenes an die Oberfläche drang. «Halb so wild» hiess der erste Langspielfilm des jungen Berner Filmemachers Jeshua Dreyfus, eine Low-Budget-Produktion, die mit gerade mal 30’000 Franken gedreht wurde.
Nun legt Jeshua Dreyfus mit «Sohn seines Vaters» seinen zweiten Spielfilm vor. Darin bildet Dreyfus eine verzwickte Familengeschichte ab, in deren Zentrum ein polyamouröser jüdischer Psychiater (Dani Levy) steht. Weil dessen Frau (Sibylle Canonica) die kränkelnde Ehe retten will, soll Sohn Simon (Dimitri Stapfer) für sie an einem Buchprojekt weitearbeiten, und zwar ausgerechnet mit Sonja (Katja Kolm), der Geliebten des Vaters. Seiner Mutter zuliebe übernimmt Simon den Job und vernachlässigt darob seine eigene Comic-Ausstellung, welche er mit seiner Freundin Fabienne (Miriam Joya Strübel), hätte aufgleisen wollen. Stattdessen beginnt er ein seltsames und wunderliches Verhältnis mit Sonja.
«Sohn meines Vaters» läuft ab dem 14. März in Schweizer Kinos – heute Abend findet im CinéClub die Berner Vorpremiere in Anwesenheit von Schauspieler*innen und Crew statt. Vor Ort wird auch Regisseur Jeshua Dreyfuss sein. Er habe schon als junger Bursche gewusst, dass er Filmregisseur werden wolle, sagt er. Und trotzdem hat der heute 33-jährige dann zuerst Philosophie, Germanistik und Wirtschaft studiert. Im RaBe-Interview spricht Dreyfus unter anderem über die Gründe für diesen Umweg und darüber, warum absolute Ehrlichkeit in Beziehungen nicht funktioneren kann:
Der Trailer zum Film:
Be a hero, be an outsider, be Robert Walser
Unter diesem Motto verwandelt der bekannte Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn diesen Sommer den Bieler Bahnhofplatz in eine grosse Skulptur zu Ehren des Schriftstellers Robert Walser, welcher 1878 in Biel zur Welt kam und viele Jahre seines Lebens in dieser Stadt verbrachte. Walser gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts. Die „belebte“ Skulptur soll die Themen rund um Robert Walser und dessen Werk reflektieren: die Randständigkeit, das künstlerische Scheitern und das Verstummen vor dem Druck des Lebens. Das Werk Thomas Hirschhorns richtet sich an ein nicht-exklusives Publikum: Er möchte einen Begegnungsort im öffentlichen Raum schaffen, der allen kostenlos zugänglich ist und bewusst auch ein Publikum ansprechen, das sich normalerweise nicht mit Kunst beschäftigt. Der aktive Miteinbezug der Bieler Bevölkerung ist ein zentrales Element des Projekts. In den letzten zwei Jahren ist Thomas Hirschhorn regelmässig nach Biel gereist um in so genannten Fieldworks Menschen und Gruppierungen aller Art für seine Idee zu gewinnen. So sind nun über 200 Bieler*innen an der Robert Walser-Skulptur beteiligt; Vereine und Institutionen von der Gassenküche über den Bieler Wanderverein zum Robert Walser Zentrum tragen mit ihrer Präsenz und ihrem Wirken vor Ort zum Projekt bei. Der Künstler selbst wird übrigens während 86 Tagen vom 15. Juni bis zum 8. September rund um die Uhr in der Skulptur anzutreffen sein – dies verlangt sein Konzept „Präsenz und Produktion“, welches er schon in anderen Städten umsetzte, so beispielsweise mit dem Gramsci-Monument in der New Yorker Bronx.