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Bruder Franz-Xaver Wangler
Einmal mehr haben wir Abschied von einem Mitbruder genommen und seinen Leichnam in den Schoss der Erde gelegt – in die Erde jener von Gott geschaffenen Welt, die nach einem Wort des Apostels Paulus in Geburtswehen liegt. Es ist ein Abschied auf Zeit, nicht auf ewig. Ein Abschied von unserem Bruder Franz-Xaver Wangler, dessen Lebenszeit am vergangenen Sonntagabend zu Ende gegangen ist.
Br. Franz-Xaver wurde am 3. Mai 1948 in Steinach (Deutschland) geboren und ein paar Tage später in der dortigen Pfarrkirche auf den Namen Franz-Xaver getauft. Er war das dritte von insgesamt sechs Kindern, die dem Ehepaar Josef und Theresia Wangler-Neumaier in den Jahren von 1943 bis 1958 geschenkt wurden. Nach den Kinder- und Schuljahren, konnte Franz-Xaver 1963 im Elektrofachgeschäft Walter Armbruster während drei Jahren den Beruf des Elektroinstallateurs erlernen und parallel dazu in Wolfach die Berufsfachschule besuchen. Bis 1976 arbeitete Franz-Xaver in verschiedenen Unternehmen, bis er sich ab August desselben Jahres auf die Meisterprüfung vorzubereiten begann, die er im Januar 1978 erfolgreich abschloss.
In dieser Zeit verstarb ganz unerwartet seine Mutter, und da sein Vater immer mehr Pflege benötigte, begann sich Franz-Xaver ganz um ihn zu kümmern. Dies tat er fast zwei Jahre lang, bis schliesslich auch sein Vater Anfang März 1979 in dieser Welt seine Augen schloss, um sie in der Ewigkeit wieder zu öffnen.
Franz-Xaver war sich offensichtlich der Notwendigkeit der ständigen Fort- und Weiterbildung gerade in einem stark sich entwickelnden technischen Beruf bewusst. Ein weiterer Lehrgang bereitete ihn auf seine dann insgesamt 14-jährige Tätigkeit als Industrie-Elektroniker in einem Unternehmen in Hornberg im Schwarzwald vor.
Mit all dieser Berufserfahrung zählte Franz-Xaver freilich nicht mehr zu den jüngsten, als er am 4. März 1995 ins Kloster Einsiedeln eintrat. Dessen war er sich wohl auch selber bewusst. Getrieben von der Sehnsucht nach einer innigeren Gottesbeziehung und davon überzeugt, dass er nach Einsiedeln gehöre, schrieb er kurz vor Weihnachten 1994 fast flehentlich: «Ich bitte Sie von ganzem Herzen, nehmen Sie mich auf!». Tatsächlich gab es auch seitens der Verantwortlichen im Kloster anfänglich Bedenken. Franz-Xaver lebte sich aber auf seine Art so ein, dass er schliesslich am 8. September 1996 zusammen mit zwei weiteren Mitbrüdern die zeitliche und drei Jahre später am Fest des Heiligen Benedikt die ewige Profess feiern konnte.
Dass Franz-Xaver seinen Weg der Gottsuche in einem Kloster, das zugleich ein nicht unbedeutender Wallfahrtsort ist, als Bruder Franz-Xaver fortsetzte, passt zu ihm: Br. Franz-Xaver hat verschiedenste Wallfahrtsorte vor allem in Europa besucht und dafür unzählige Kilometer mit dem Auto zurückgelegt. Den Weg nach Medjugorje entlang der kroatischen Adriaküste konnte er genaustens beschreiben. Zeugen seiner Wallfahrten sind auch die zahlreichen Andenken in seinem Zimmer, die er von den verschiedenen Orten mit nach Hause gebracht hat. Zu seinem 70. Geburtstag vor zwei Jahren, wollte ihm das Pflegeteam des Klosters nochmals eine Wallfahrt nach Lourdes ermöglichen. Doch die damit verbundene Anstrengung war ihm zu gross.
Sein umfangreiches berufliches Fachwissen und seine jahrelange Berufserfahrung konnte Br. Franz-Xaver auch in der klösterlichen Elektrowerkstatt zur Zufriedenheit seiner Vorgesetzten und der Gemeinschaft einbringen. Für jedes Zeichen der Wertschätzung seiner Arbeit war er sehr dankbar. Sicher genoss er es dann und wann, wenn er so manch einen gebildeten Mitbruder an die Grenzen seines Verstehens brachte, wenn er von seiner Arbeit erzählte. Und ein verschmitztes Lächeln konnte er sich nicht verkneifen, wenn es seinem Gegenüber nur schon vom Zuhören den Schweiss ins Gesicht trieb, wie sich Br. Franz-Xaver hoch oben auf den Simsen den Leuchtern für die Beleuchtung der Klosterkirche annahm – und dies mit einer nicht ganz Suva-konformen Sicherung oder besser: Nicht-Sicherung.
Allzu früh – mit knapp 60 Jahren – hatte Br. Franz-Xaver mehr und mehr mit gesundheitlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Auch war er zunehmend auf pflegerische Hilfe und Unterstützung angewiesen, so dass er für die letzten Jahre seines Lebens ein Zimmer auf der klösterlichen Pflegestation bezog. Er, der seine Eltern gepflegt und betreut hat, durfte nun selbst Pflege und Betreuung annehmen. Er, der während Jahren für elektrischen Stromfluss sorgte, nahm sich als stiller und zurückgezogener Beter nun noch mehr des göttlichen Gnadenstromes an. Kam man nachmittags in sein Zimmer, traf man ihn immer mit dem Rosenkranz in der Hand an. Und mit dem Rosenkranz in den Händen starb er. Erst im Himmel – dann, wenn wir durch und durch erkennen, wie es der bereits eingangs zitierte Apostel Paulus nennt – werden wir wohl sehen, welcher Heilsstrom durch Br. Franz-Xavers Beten in das Kloster und die Welt geflossen ist.
Dass Br. Franz-Xaver die vor ein paar Wochen erfolgte Infektion mit dem Coronavirus letztlich nicht überleben würde, hatten wir aufgrund des Verlaufs bis vor wenigen Tagen nicht gedacht. Aber auch wenn dieses Virus dazu führte, dass Br. Franz-Xavers Lebenszeit nun zu Ende ging – über diese Lebenszeit verfügen kann es nicht. Das kann nur der, dem Br. Franz-Xaver sein Leben in der Profess bewusst übergeben hat: Der Kyrios, der auch der Grund unserer Überzeugung ist, dass Br. Franz-Xavers Gebetsstrom nun erst recht fliessen kann – vereint mit dem Gebetsstrom seines Namenspatrons, dessen Gedenktag wir morgen feiern.
2. Dezember 2020
P. Daniel Emmenegger