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Die beiden Psychiater Arnold Weber und Walter Züblin untersuchten im Berner Neuhaus zwischen 1937 und 1985 Tausende von verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen. Sie gehören zu den Pionieren der Kinderpsychiatrie, einer Disziplin, welche die Lösung gesellschaftlicher Probleme versprach.
Wann ist ein Kind noch normal und wann schon anormal? Die Frage treibt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Politiker, Lehrerinnen und Ärzte um. Sie wünschen sich ein «gesundes Volk» und eine «Gesellschaft ohne Kriminelle und Asoziale». Dafür aber braucht es Prävention. Die junge Disziplin Kinderpsychiatrie verspricht die Lösung des Problems. Sie testet, triagiert und therapiert in den neuen «Beobachtungsstationen» auffällige Kinder und Jugendliche, die mehrheitlich aus den Unterschichten kommen. Das Berner Neuhaus ist eine der ersten dieser Stationen. Es wird 1937 auf dem Areal der psychiatrischen Klinik Waldau in Bern eröffnet.
Der Leiter ist der Psychiater Arnold Weber, der auch für die städtische Erziehungsberatung tätig ist und an der Universität Vorlesungen hält. Wie seine Kollegen bedient Weber sich unterschiedlicher Methoden, favorisiert aber die freudsche Psychoanalyse. Sein Nachfolger Walter Züblin ist auch Eklektiker, setzt aber, ebenfalls wie seine Kollegen, vermehrt auf Medikamente und lokalisiert die Störungen im Hirn.