Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03153.jsonl.gz/38

Nach dem rekordverdächtigem Föhnsturm haben feuchte Luftmassen auf der Alpensüdseite zwischen Weihnachts- und Stephanstag ergiebige Niederschläge verursacht. In einigen Ortschaften im Tessin wurden neue Rekorde für die 24-Stunden-Summen im Monat Dezember gemessen.
Die Niederschläge auf der Alpensüdseite lassen im Laufes des heutigen Tages nach. Dementsprechend wurden die Warnungen der Stufe 4 aufgehoben. Auf der Alpennordseite lassen die Niederschläge nur langsam nach. Bis Mitternacht werden in den gewarnten Regionen am Alpennordhang 20 bis 30, lokal bis 40 cm Neuschnee erwartet.
Neue Schneefallrekorde für die Alpensüdseite
Zwischen dem Morgen des 25. Dezembers und dem Morgen des 26. Dezembers 2013 sind im Nordtessin und im Misox oberhalb von 1500 m zwischen 80 und 120 cm Neuschnee gefallen. Gemäss Angaben des Schweizerischen Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) wurden in San Bernardino (1639 m ü.M.) 120 cm Neuschnee gemessen. Dies entspricht dem Höchstwert seit Messbeginn im Jahr 1952. Die vorherigen Rekorde aus den Jahren 1955 und 1978 lagen bei deutlich tieferen 95 cm.
In Bosco Gurin (1530 m ü.M.) wurden heute Morgen 110 cm Neuschnee gemessen. Dies entspricht dem drittheftigsten Schneefall seit Messbeginn. In den Jahren 1965 sowie 1992 wurden in Bosco Gurin jeweils 115 cm und 111 cm Neuschnee an einem Tag gemessen. Auch auf dem Malojapass (1800 m ü.M.) wurde mit 86 cm die dritthöchste Neuschneemenge gemessen, nach dem Jahr 1975 mit 97 cm und dem Jahr 1992 mit 87 cm.
In den angrenzenden Regionen im Wallis, in den Bündner und in den Urner Alpen wurden Neuschneemengen zwischen 30 und 60 cm gemessen. Da der Schnee in einer relativ milden Luftmasse entstanden ist, war er in den tieferen Lagen ?schwer? mit einer hohen Dichte. Dies erklärt beispielsweise die Schäden an den Stromleitungen im Tessin.
Grosse Regenmengen im Mittel- und Südtessin
Die Niederschläge sind in relativ milder Mittelmeerluft entstanden (Scirocco), deswegen blieb die Schneefallgrenze im Mittel- und Südtessin längere Zeit über 1200 Metern. Die Niederschläge fielen in Form von Regen und führten zu erhöhten Wasserpegeln in den Fliessgewässern sowie in den Seen (Lago Maggiore und Lago di Lugano). Die gesamten Niederschläge innerhalb der vergangenen 24 Stunden waren für den Monat Dezember ausserordentlich. Solche Mengen sind eher im Herbst üblich.
In Locarno-Monti wurden im Zeitraum vom 25. Dezember bis 26. Dezember 2013 (Vormittag) 129.6 l/m2 gemessen. Dieser Wert übertrifft jenen vom 9. Dezember 1954 mit 105.4 l/m2, seit Messbeginn im Jahr 1901. Ebenfalls verzeichnete die Messstation Stabio einen Rekordwert mit 106.6 l/m2. Auch die Stadt Lugano, die die längste Messreihe der Südschweiz besitzt (seit 1863), verzeichnete mit 83.7 l/m2 den zweithöchste Wert seit Messbeginn (bisheriger Dezemberhöchstwert: 86.3 l/m2 am 12.12.1957).
Wetterberuhigung in Sicht - Ausblick für die nächsten Tage
Mit aufkommendem Nordwind lassen die Niederschläge nun rasch nach.
Gestern und in der Nacht haben die intensiven Schneefälle auch über den Alpenhauptkamm nach Norden übergegriffen. In den gewarnten Regionen sind bis heute Morgen 20 bis 40, im südlichen Mittelbünden teils bis 60 cm Neuschnee gefallen. Dabei ist die Schneefallgrenze auf 600 bis 900 Meter gesunken. Bis Mitternacht werden noch einmal 15 bis 25 cm, in den gewarnten Regionen am Alpennordhang 20 bis 30, lokal bis 40 cm Neuschnee erwartet. Nach Mitternacht erfolgt eine rasche Abtrocknung.
In der Nacht auf Freitag klart es von Westen her auf, deshalb ist auf den Strassen verbreitet mit Eisglätte zu rechnen. Morgen Freitag bestimmt ein Zwischenhoch das Wettergeschehen, damit wird es in der ganzen Schweiz zunehmend sonnig. Auf Samstag folgt nach einer Föhnphase aus Westen die nächste Störung. Sowohl der Föhn als auch die Niederschläge werden deutlich weniger intensiv ausfallen als über die Weihnachtstage.
Unwetterbulletin
Kontakt
- Wetterdienst Zürich, Tel +41 44 256 92 85
- Kommunikation, Tel +41 44 256 93 51 oder +41 79 321 52 93, <email-pii>