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Inspiriert von Reformbestrebungen in der Sowjetunion, in Polen und Ungarn, erwuchs im Frühling 1989 in Peking aus anfänglichen Studentenprotesten eine echte Demokratiebewegung, bis die Regierung Soldaten in die Hauptstadt schickte und den Aufstand blutig niederschlagen liess; in Europa wurde zur gleichen Zeit der Eiserne Vorhang löchrig, Tausende flüchteten aus der DDR, Massendemonstrationen folgten, bis am 9. November in Berlin schliesslich die Mauer fiel. In diesem Jahr sorgten gleich zwei US-amerikanische Independent-Filme für Furore: Spike Lees Do the Right Thing, die engagierte Auseinandersetzung mit der Problematik des zeitgenössischen Rassismus in Amerika, wurde Auslöser hitziger politischer Debatten und hat bis heute nichts von seiner aufwühlenden Kraft eingebüsst.„DAS ERSTE JAHRHUNDERT DES FILMS: 1989“ weiterlesen
1969 war aufregend: Nixons Antritt seiner Präsidentschaft, die Mondlandung, die Manson-Morde, Woodstock, die Vietnamkrieg-Proteste. In den US-Kinos starteten Dennis Hoppers Motorradfilm Easy Rider, der mit seiner Thematik der rebellierenden Jugend den Nerv der Zeit traf, und John Schlesingers grandioser Abgesang auf den American Way of Life Midnight Cowboy. Eine weitere filmische Sensation war Z, mit dem Costa-Gavras das Genre des Politthrillers begründete. Derweil gelang Toshio Matsumoto in Japan mit Funeral Parade of Roses ein Queer-Cinema-Klassiker und Ken Loach etablierte sich mit Kes als führende Kraft des britischen Sozialrealismus.„Das erste Jahrhundert des Films: 1969 & 1979“ weiterlesen
Während das Jahr 1959 weltpolitisch geprägt war vom Sieg der kubanischen Revolutionäre und der Machtübernahme Fidel Castros, bedeutete dieses Jahr für das Kino ebenfalls eine Revolution: François Truffaut reflektierte mit seinem Debütfilm Les quatre cents coups (den wir als Teil der Truffaut-Reihe zeigen) seine Jugend und feierte in Cannes einen bahnbrechenden Erfolg. Der Film läutete die Nouvelle Vague ein, die weitreichende Auswirkungen auch ausserhalb von Frankreich hatte. Immens einflussreich war ebenfalls Robert Bressons Pickpocket – das Werk gilt als Schlüsselfilm des modernen Kinos und als einer der besten Nachkriegsfilme Frankreichs.„Das erste Jahrhundert des Films: 1959“ weiterlesen
1949 ist das Jahr, in dem die unmittelbare Nachkriegszeit endet, der Kalte Krieg die Welt in zwei Lager spaltet – und in dem ein Film mit einer Zither-Melodie, mit Orson Welles’ «Kuckucksuhr-Rede» und mit einer Verfolgungsjagd durch die Wiener Kanalisation für Furore sorgt: Dem Briten Carol Reed gelingt mit The Third Man eine höchst authentische Momentaufnahme der geteilten und besetzten Stadt Wien und damit einer der besten britischen Filme des ganzen Jahrhunderts. Eine der brillantesten britischen Komödien inszeniert dagegen in diesem Jahr Robert Hamer mit Kind Hearts and Coronets, wo mit tiefschwarzem Humor durch familiäre Reihen gemordet wird; alle acht Opfer werden von Alec Guinness verkörpert, der damit seinen Weltruhm begründet.
Während die Welt am Vorabend eines weiteren Krieges in Europa stand, wurde in Hollywood gezaubert. Mit The Wizard of Oz erstrahlte ein Märchen auf der Leinwand, das bis heute zum festen, unzählige Male zitierten Bestandteil des popkulturellen Inventars gehört, dessen Requisiten Fetischcharakter haben und bis heute für Schlagzeilen sorgen: Erst kürzlich wurden Judy Garlands rote Glitzerschuhe, die vor Jahren gestohlen worden waren, von FBI-Agenten sichergestellt. MGM produzierte 1939 einen weiteren Film, der zu einem Mythos werden sollte, wiederum unter der Regie von Victor Fleming (u. a.) und wiederum in «glorious Technicolor»: Das opulente Südstaatenepos Gone with the Wind faszinierte über Generationen hinweg die Zuschauer und bleibt einer der grössten Kassenerfolge der Filmgeschichte. John Fords Stagecoach, der dritte legendäre US-amerikanische Film aus diesem schicksalhaften Jahr, lancierte die Renaissance des Western und machte John Wayne zum Star.„Das erste Jahrhundert des Films: 1939“ weiterlesen
Ein Jahrhundertangebot: Rund 60 Filme für 50.–
Für unsere Reihe «Das erste Jahrhundert des Films» können Studierende und alle anderen in Ausbildung auch im Kalenderjahr 2019 wieder von einem neuen Spezial-Abo profitieren: Das Abo für 50 Franken gewährt freien Zutritt zu den rund 60 Filmen dieser Reihe. Das Jahrhundert-Abo ist gegen entsprechenden Ausweis an der Kinokasse erhältlich.
Einzelne Filme (siehe untenstehende Liste) werden durch Mitarbeitende und Studierende des Seminars für Filmwissenschaft der Universität Zürich eingeführt; die Termine werden laufend in der untenstehenden Liste nachgetragen.
Für das detaillierte Programm mit allen Spieldaten (2 Wochen vor Start der jeweiligen Reihe): www.filmpodium.ch „Das erste Jahrhundert des Films: 1909 – 1999 im Überblick“ weiterlesen
Kurz vor Ende des letzten Jahrtausends erobert unser heutiges, von Stress geprägtes Lebensgefühl die Leinwand: Gerade mal 20 Minuten bleiben Tom Tykwers Lola, um ihren Freund zu retten – dreimal rennt sie los, dreimal nimmt das Schicksal seinen Lauf. Lola rennt ist nicht nur ein rasanter Actionfilm, sondern auch ein Essay über das Wesen des Kinos. Tykwer und seine Hauptdarstellerin Franka Potente machen damit international Furore. Eine ruhigere Kugel schiebt derweil in Joel und Ethan Coens The Big Lebowski der abgehalfterte Alt-Hippie Dude, der sich zwischen Bowlingrunden bei Joints, White-Russian-Cocktails und Walgesängen entspannt – ein Lebenskünstler, der zu einer viel zitierten Kultfigur avanciert. Relevanter als je zuvor wirkt heute Peter Weirs The Truman Show, in dem Jim Carrey als Truman Burbank Star und Opfer einer Fernsehshow ist und von Millionen sensationssüchtiger Zuschauer rund um die Uhr beobachtet wird. „DAS ERSTE JAHRHUNDERT DES FILMS: 1998“ weiterlesen
Das Filmjahr 1988 wird durch zwei Werke geprägt, die entscheidend zum Boom des dokumentarischen Kinos beigetragen haben: Im monumentalen Hôtel Terminus: The Life and Times of Klaus Barbie zeichnet Marcel Ophüls nicht nur das Lebens eines NS-Kriegsverbrechers nach, sondern fragt nach den Bedingungen, unter denen eine solche Figur mächtig und nach dem Krieg als Agent für den US-Geheimdienst und die Diktatur Boliviens tätig werden konnte. Seine filmische Abrechnung hat bis heute nichts von ihrer Kraft und Relevanz verloren. Zwiespältige Menschen hat auch Errol Morris immer wieder porträtiert. In The Thin Blue Line vermischt er virtuos Interviewmaterial mit inszenierten Sequenzen. Es gelingt ihm, die Hintergründe eines Justizskandals blosszulegen und die Unschuld eines vermeintlichen Mörders zu beweisen; der Fall wird erneut aufgerollt und der zu Tode Verurteilte freigesprochen. Damit stellt Morris eindrücklich die Wirkungsmacht eines Films unter Beweis. Weniger an der dokumentarischen Richtigkeit, sondern am Prozess des Erinnerns interessiert ist der britische Ausnahmeregisseur Terence Davies, der im poetischen Distant Voices, Still Lives Bilder seiner eigenen Kindheit im Liverpool der 40er- und 50er-Jahre heraufbeschwört. „DAS ERSTE JAHRHUNDERT DES FILMS: 1988“ weiterlesen
Der Krieg in Vietnam, das blutige Ende des Prager Frühlings, die Exekution Che Guevaras, die Ermordung Martin Luther Kings – 1968 überstürzten sich die Ereignisse; die Jugend rebellierte gegen verkrustete Strukturen und träumte von einer besseren Welt. Das politische und geistige Klima der Zeit lässt sich an den Filmen dieses Jahres ablesen: George A. Romeros Night of the Living Dead traf mit der direkten Gewaltdarstellung und der Kritik am Vietnamkrieg und am Alltagsrassismus den Nerv der Zeit; in Lindsay Andersons If …. zündete der revolutionäre Geist inmitten eines britischen Internats, Sergio Corbucci widmete Il grande silenzio dem Andenken an Guevara und King, während Pier Paolo Pasolini in Teorema seine persönliche Vision vom Ende der Bourgeoisie umsetzte. Konrad Wolf verfilmte in Ich war neunzehn seine eigenen Kriegserlebnisse von 1945; sein Antikriegsfilm wurde zum DDR Klassiker. In Kuba hatte die Revolution das Land bereits im vorangegangenen Jahrzehnt erreicht; in Erinnerungen an die Unterentwicklung blickte Tomás Gutiérrez Alea auf die ersten Castro-Jahre zurück. 1968 putschte sich in Mali das Militär an die Macht, woraufhin Souleymane Cissé in den Widerstand ging; 1978 analysierte er in Baara scharfsinnig die malische Gesellschaft. In den USA gelang derweil dem Afroamerikaner Charles Burnett mit Killer of Sheep ein zeitloses humanistisches Dokument, während Terrence Malicks Days of Heaven mit Bildern von unvergleichlicher Schönheit beeindruckte. „DAS ERSTE JAHRHUNDERT DES FILMS: 1968 & 1978“ weiterlesen
Auf dem ersten Platz der bedeutenden «Greatest Films of All Time»-Liste der britischen Filmzeitschrift «Sight & Sound» steht aktuell Vertigo – kaum zu glauben, dass der virtuos inszenierte Hitchcock-Thriller, der heute als einer der einflussreichsten Filme überhaupt umschwärmt wird, in seiner Zeit unverstanden war und lange ein Schattendasein führte. Ein anderer Regisseur, dessen Filme auch nach sechzig Jahren zu den ewig Besten zählen, ist Orson Welles. Sein Touch of Evil ist ein vielschichtiges Porträt menschlicher Beweg- und Abgründe, das nicht zuletzt wegen der verblüffenden Eröffnungssequenz in die Filmgeschichte eingegangen ist. Während Welles Vertigo gehasst haben soll, war Hitchcock von Touch of Evil so beeindruckt, dass er dessen Darstellerin Janet Leigh umgehend für Psycho (1960) engagierte. „DAS ERSTE JAHRHUNDERT DES FILMS: 1958“ weiterlesen