Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/104973

<h2>SubmittedText<h2><text><p>Die Schweiz verfügt mit ihren vier Landessprachen über einen grossen sprachlichen Reichtum; diese Sprachen gestatten es, die eigene Kultur auch mittels sprachlicher Feinheiten und Schattierungen auszudrücken. Nun erleidet unser Land eine Invasion der Anglizismen ("managed care", "new green deal", "win/win", "coaching", um nur ein paar Begriffe zu nennen). Diese Invasion ist ein Ausdruck der Kolonisierung von Kultur und Politik. Verfügt der Bundesrat über eine Liste mit unentbehrlichen englischen Wörtern, die weder in die französische, die deutsche, die italienische noch die rätoromanische Sprache übersetzt werden können? Ausgehend von dieser Minimalliste könnte sich das Parlament dazu verpflichten, keine neuen englischen Wörter mehr zu verwenden und systematisch sprachliche und kulturelle Präferenzen zu pflegen.</p></text><h2>FederalCouncilResponseText<h2><text><p>Es ist unbestritten, dass die zunehmende Verwendung von Anglizismen dem Bestreben zuwiderläuft, in einer angemessenen, klaren, einfachen und allgemeinverständlichen Sprache zu kommunizieren und damit eine möglichst grosse Zahl von Menschen zu erreichen.</p><p>Die Bundeskanzlei ist sich dieser Problematik bewusst; bereits 2001 hat sie eine interdepartementale Arbeitsgruppe damit beauftragt, die Verwendung von Fremdwörtern in der Behördenkommunikation zu untersuchen. Die Tätigkeit dieser Arbeitsgruppe hat unter anderem zur Schaffung einer Anglizismenliste geführt, in der die französischen, italienischen und deutschen Entsprechungen zu einem bestimmten englischen Ausdruck aufgeführt sind (http://www.bk.admin.ch &gt; Dienstleistungen &gt; Datenbanken &gt; Anglizismen &gt; Glossar). Die auf dem Internet zugängliche Datenbank wird beständig erweitert; ferner gibt sie auch Empfehlungen zum Umgang mit diesen Fremdwörtern (http://www.bk.admin.ch &gt; Dienstleistungen &gt; Datenbanken &gt; Anglizismen &gt; Empfehlungen). Diese Empfehlungen können von Sprache zu Sprache variieren, da die verschiedenen Sprachgemeinschaften gegenüber Fremdwörtern nicht zwingend in gleicher Weise sensibilisiert sind.</p><p>Dort, wo dies möglich ist, kann durch die besonnene Verwendung von Entsprechungen zu englischen Ausdrücken in den Schweizer Landessprachen die Zahl der Anglizismen in der Kommunikation zwischen dem Staat und den Bürgerinnen und Bürgern gesenkt werden; gleichzeitig wird damit eine grössere sprachliche Kohärenz amtlicher Texte gewährleistet.</p><p>Am 15. Dezember 2009 hat die Bundeskanzlei zudem einen halbtägigen Anlass organisiert, der für die in der Interpellation angesprochene Thematik sensibilisierte und Gelegenheit bot, sich damit auseinanderzusetzen. Der Anlass richtete sich an Linguistinnen und Linguisten aus der Bundesverwaltung, der Post und der SBB, aus den kantonalen Verwaltungen und aus den Parlamentsdiensten, und ihm war ein grosser Erfolg beschieden.</p><p>Die Bundesverwaltung hat somit das Anliegen des Verfassers der Interpellation bereits aufgegriffen. Sie wird weiterhin tätig bleiben und dabei die Information und das Schaffen von Anreizen dem Zwang vorziehen. Schliessen sich das Parlament, seine Mitglieder und seine Dienste den in diesem Bereich unternommenen Anstrengungen an, werden die Wirkungen und Erfolgschancen der getroffenen Massnahmen noch gesteigert.</p></text>