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Cowboy Junkies - The Nomad Series
Cowboy Junkies grosser Wurf
Cowboy Junkies wurde 1985 in Toronto gegründet. Die Familienband besteht aus dem Michael Timmins (Gitarre, Gesang), seiner Schwester Margo Timmins (Gesang) und seinem Bruder Peter Timmins (Schlagzeug). Bassist Alan Anton ist zwar kein Familienmitglied, jedoch ein Freund der Geschwister aus Kindertagen. Der Bandname macht neugierig, hat aber nach Angaben der Band keine weitere Bedeutung. Die Band war und ist Vorbild für den Alternative Country Stil. Er vereint Elemente des Country, Blues, Folk und Rock und führt weg vom Mainstream der Nashville-dominierten Musikindustrie.
Ihr erstes Album, Whites Off Earth Now!! (1986), setzte sich, mit einer Ausnahme, aus Blues- und Rockcovers zusammen, die in einer völlig neuen Art dargeboten wurden und grosse Aufmerksamkeit erregten. Das Album wurde mit dem Ambisonics Verfahren in der Garage aufgenommen. Mit ihrem zweiten Projekt, dem Album The Trinity Session, mit dem gleichen Verfahren in der «Holy Trinity Kirche» in Toronto aufgenommen, erreichten sie Platin Status in den USA und in Kanada und etablierten sich definitiv. Die Arrangements der Gruppe sind aus wesentliche reduziert, sie erzeugen eine eher dunkle und unbehagliche Stimmung. Darüber liegt die entspannte, zuweilen fast schläfrige, sinnliche Stimme Margo Timmins, welche Texte vorträgt, die weit über das yippie ki-yay des Country Genres und die Wok up this morning Poesie hinausgehen. Manchmal sind sie schwer zu verstehen, in der Art wie Leonard Cohens Poesie. Die Musik ist meist beunruhigend, manchmal bedrohlich. In jedem Fall lässt sie niemanden kalt, ist interessant und fordernd.
Nach einer Reihe von teilweise ebenfalls mehr oder weniger erfolgreichen CDs begannen sie 2010 mit dem ambitionierten Projekt «Nomad Series», das nun mit dem vierten Album The Wilderness abgeschlossen ist. Die Serie wurde in nur 18 Monaten fertig gestellt und demonstriert eindrücklich, dass die Band auch nach über 25 Jahren weit davon entfernt ist, ihre alten Erfolge zu recyceln, sondern kreativ und produktiv bleibt. Ein starkes Stück Musik!
Nomad Series erste CD Renmin Park (Volkspark) wurde inspiriert durch Michael Timmins' Chinaaufenthalt anlässlich einer Adoption zweier chinesischer Kinder durch seine Familie. Hier mischt sich der unverkennbare Cowboy Junkies Sound mit Texten, die vom chinesischen Alltag und der jüngeren Geschichte handeln und lässt chinesische Klänge aufblitzen (Titelsong Renmin Park, A Few Bags Of Grain und der einzig chinesisch gesungene Titel A Walk In The Park). aber auch zwei adaptierte chinesische Popsongs (My Fall, I Cannot Sit Sadly By Your Side) Im Album gibt es allerlei ungewöhnliche Geräusche zu hören, die Michael Timmins während des Aufenthaltes aufgenommen hatte. Im Titel Sir Francis Bacon At the Net zum Beispiel dient das Geräusch eines Federballspiels als Element der Perkussion. Inspiriert wurde Michael Timmins dazu durch sein Badminton Spiel mit einem 80(!) jährigen chinesischen Freund, der auch durch seine Erzählungen die Texte beeinflusst hat.
Cowboy Junkies - Renmin Park 2010, Proper Records, UK
1. Intro
2. Renmin Park
3. Sir Francis Bacon At The Net
4. Stranger Here
5. A Few Bags Of Grain
6. I Cannot Sit Sadly By Your Side
7. (You've Got To Get) A Good Heart
8. Cicadas
9. Interlude
10. My Fall
11. Little Dark Heart
12. A Walk In The Park
13. Renmin Park (Revisited)
14. Coda
Weniger exotisch ist die zweite CD, Demons. Sie enthält elf Songs von Vic Chesnutt, der in den zehn Jahren vor seinem Tod gelegentlich mit der Band auf Tour war. Was ursprünglich als eine Zusammenarbeit gedacht war, wurde nach Vic Chesnutt Tod kurz vor Aufnahmebeginn zu einem Tribute Album für einen Freund, den man verloren hat. Kein Easy Listening. Der Titel ist Programm. Vic Chesnutts Texte sind düster und verstörend. Sie handeln von der Sinnlosigkeit des Lebens, von Depression, Alkoholismus, Einsamkeit, Leiden und Tod. Sie können hier nachgelesen werden. Trotzdem ist das Album erstaunlicherweise keineswegs trostlos oder deprimierend, im Gegenteil. Aber es vermag intensive Gefühle zu wecken. Der Song Flirted With You All My Life aus Chesnutts letztem Album ist ergreifend und erschütternd. Er beschreibt die Nähe von Todessehnsucht und Lebenswille und kündigt seinen Entschluss an, seinem Leben ein Ende zu setzen. Margo Timmins singt es wie eine Beschwörung mit dem Ziel, Chesnutts zurückholen zu können. Ein grossartiges Album.
Unterstützt werden die Junkies von einer Reihe von Musikern: Joby Baker (Piano, Orgel und Wurlitzer), Jeff Bird (Mandoline), Dave Henry (Cello), Tania Elizabeth (Geige), Aaron Goldstein (Gitarre), Henry Kucharzyk (Holzbläser), Alfons Fear, Nick La Riviere, Roy Styffe (Bläser), Bob Stevenson (Klarinette) und Andy Maize (Gesang).
1.Wrong Piano
2. Flirted With You All My Life
3. See You Around
4. Betty Lonely
5. Square Room
6. Ladle
7. Supernatural
8. West of Rome
9. Strange Language
10. We Hovered With Short Wings
11. When The Bottom Fell Out
In nur vier Tagen wurde das dritte Album, SingIn My Meadow fertig gestellt. Es ist das kantigste der vier Alben. Das Cover, das die vier Alben ziert, zeigt immer das gleiche Mädchen mit dem geschulterten Leoparden vor unterschiedlichem Hintergrund. Bei Sing in My Meadow ist es, wie zu erwarten, eine üppgie Blumenwiese. Die Musik klingt freilich diametral anders, als diese Frühlingidylle suggeriert. Sie ist teilweise psychedelisch und experimentell, eine Art «Frank Zappa goes Pink Floyd». (It's Heavy Down Here und Late Night Radio), oder grungy (I Move On), in jedem Fall üppig und angefüllt mit allerlei Verzerrtem und was die Elektronik sonst so her gibt. Rohe und düstere, teilweise zornige Songs. Als Gast ist Jeff Bird an der Harmonika und der elektrischen Mandoline zu hören.
Cowboy Junkies - Sing In My Meadow 2011, Proper Records, UK
1. Continental Drift
2. It's Heavy Down Here
3. 3rd Crusade
4. Late Night Radio
5. Sing In My Meadow
6. Hunted
7. A Bride's Price
8. I Move On
Eine Winterlandschaft bildet den Hintergrund des Covers. Diesmal stimmt die Erwartung. The Wilderness ist ein ruhiges Album mit zauberhaften, romantischen Melodien. Nach dem Ritt durch die Jahreszeiten ist die Band wieder in ihrer musikalischen Heimat gelandet. Der Ausflug tat offensichtlich gut. Jedenfalls sind alle Songs des Albums gut komponiert, sorgfältig arrangiert und perfekt gespielt. Die «Wilderness» meint nicht die Serengeti, sondern das Ausgeliefert sein in Einsamkeit, Zwängen. Ängsten, Verlust. Wiederum lassen die Texte jede Menge Spielraum für eigene Gedanken und wiederum haben sie diese typische Poesie. Die Arrangements sind sparsam, fast geizig, gelegentlich mit subtilen Soli gewürzt.
Als Gäste spielen mit: Jeff Bird (Mandoline), Joby Baker (Piano, Orgel und Wurlitzer), Miranda Mulholland (Violine), Michael Davidson (Vibraphon), Jesse O'Brian (Orgel, Piano, Wurlitzer) und Matt Bailey (Gitarre)
Cowboy Junkies - The Wilderness 2012, Proper Records, UK
1. Unanswered Letter
2. Idle Tales
3. We Are The Selfish Ones
4. Angels In The Wilderness
5. Damaged From The Start
6. Fairytale
7. Staring Man
8. The Confession of Georgie E
9. I Let Him In
10. Fuck, I Hate The Cold
Ein grossartiges Projekt, das die Kanadier hier vorgelegt haben. Sie nehmen uns mit auf ihre Reise an die Grenzen ihres musikalischen Terrains und geben uns vier Alben, die wir lange Zeit immer wieder hören und dabei Neues entdecken können.
Die 4 CDs sind einzeln erhältlich, oder als Gesamtpaket. Letzteres enthält noch Bonus Goodies. Die Cowboy Junkies bieten ihre gesamte Diskographie auf ihrer Website zum Anhören und Download an. Bei vielen CDs ist auch eine Album History zu finden. Eine ziemlich vollständige Sammlung der Texte findet sich auf dieser Website.