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Augusto ist weg, abgefahren mitsamt dem Möbelanhänger. Als wir vor dem Haus miteinander sprachen über Rom und die Kreuzung bei der Quo Vadis Kapelle dünkte mich so klar wohin er ging. Ebenso klar, dass wir uns dort an eben dieser Kreuzung sicher über kurz oder lang begegnen würden, wie man sich immer über kurz oder lang wieder begegnet war durch die vergangenen Jahre, und die Namen Cesti Pyramide, Via Appia Antica, le mura machten Rom so nah und waren Adresse genug.
Aber wie Augusto weg war, war auch Rom wieder weit weg, selbst für Neujahrswünsche unerreichbar weit. Hätte denn die Anschrift genügt: Augusto in einem Gärtnerhaus an einer der südlichen Ausfallstrassen Roms, vor nicht allzu langer Zeit dorthin zurückgekehrt?
Nochmals später, Augusto war schon lange weg, kam ich wieder nach Rom, war auch wieder in der Piramide Bar und im Biondo Tevere an der südlichen Strasse Richtung Ostia, und sah auf dem Stadtplan die Chiesa Domine Quo Vadis und das Gewirr der Strassen rundum. In unseren Gesprächen vor dem Möbelanhänger damals gab es eine Strasse, dann die Kirche und vor ihr die Teilung in die vier Gabelungen, weiter nichts, ausser Augustos Gärtnerhaus irgendwo dort.
Aus der Weite war alles so klar und einfach gewesen!
Hätte ich Anwohner nach Augusto fragen sollen, in einem Gebiet, das sich über Kilometer erstreckt? Hätte ich ihn beschreiben sollen: Nicht sehr gross, buschige Augenbrauen und füllige Locken, immer fröhlich gestimmt, grüsst mit winkender Hand, spricht deutsch, wenn auch nicht so gut wie italienisch? Nicht sehr spezifische Suchbegriffe diese Locken und seine Körpergrösse, und warum hätte ihn hier denn schon jemand deutsch sprechen gehört?
Genaueres, Nachname beispielsweise.
Augusto, ich weiss nicht mehr, das hatte immer genügt, er war nicht ein Signor così e così.
Klappentext
Die Künstlerin schrieb Musik für grosses Orchester, für den intimen Klang des Streichquartetts, für Solisten, erschuf ein umfangreiches Kompositionswerk, das sich in ihrem Archiv wandhoch stapelte, in Konzertsälen aller Kontinente gespielt wird. Sie dirigierte Orchester und Opern, über deren Librettos sie meinte, man könne jeden Tag bessere Liebesgeschichten erleben, als was da drin vorkäme. Zur Pianistin ausgebildet in Paris, lebte sie dann in Bern, unterrichtete am Tag, schrieb durch die Nacht. Von ihrem Kopf hat sie immerfort die Fähigkeit der Nachtarbeit abverlangt, was dieser nach Jahrzehnten seiner Ausbeutung zunehmend zu leisten verweigerte.
Ein volles Leben, getrieben durch Schönheit und Ästhetik, geschmückt mit Liebschaften zu Männern der Fremde, bewusst geführt - und selbst heute, gegenüber der lächelnden, zur Musik mitschwingenden alten Frau im Heim für Demenzkranke, hat man die Idee, sie habe sich bloss tief in ihren Kopf zurückgezogen, sei in ihrer Musik und auf ihren Reisen, in einer fernen Fremde.
Eine Hommage an die Berner Komponistin Margrit Zimmermann - eine Interpretation.
'Kunst kommt von Müssen, das Können ist Bedingung, diesem Müssen gerecht zu werden. Ein Trieb, das eigene Werk vorwärts zu bringen, eine Rastlosigkeit. Nach dem Schlussstrich des abgeschlossenen Streichquartetts noch ein Datum setzen und sofort auf einem neuen Bogen Notenpapier mit der Ausarbeitung der Orchestersuite nach den bereits skizzierten Akkorden weiterzufahren. So ein Trieb ist das. Andere sagen dem Kunst.'
Buchvernissage am 29. März 2011 um 19.30 Uhr im Künstlerhaus Postgasse 20 3011 Bern