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Datierung
1961/2014
Bildmasse
100 x 100 cm
Technik/Material
Klebefolie auf Acryl auf Leinwand
Nennung
Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung des Künstlers, Gründer der Konkreten Poesie 1953, erste Anthologie, Bern 1953
Inv.-Nr.
SK14015
baumwind
windbaum
Eugen Gomringer (1925, Cachuela Esperanza, BO) initiierte die konkrete Poesie im deutschsprachigen Raum und modernisierte damit die Lyrik nach dem Zweiten Weltkrieg nachhaltig. Bekannt wurde Gomringer sowohl durch programmatische Verlautbarungen über den Zweck und die Form der neuen Dichtung als auch durch die poetische Sprengkraft seiner Arbeiten. In seiner konkret-visuellen Poesie spielt er mit der Materialität der Sprache und mit ihrem Schriftbild.
Gomringer studierte Nationalökonomie und Kunstgeschichte in Rom und Bern, war Sekretär von Max Bill an der Hochschule für Gestaltung Ulm. Gemeinsam mit Marcel Wyss und Dieter Roth gründete er 1953 die Zeitschrift «Spirale». Er ist Herausgeber und Autor zahlreicher Künstlerbücher und Essays über die konkrete Kunst und Poesie sowie Leiter des im Jahr 2000 eröffneten «Institut für konkrete Kunst und Poesie» in Rehau. Wichtige künstlerische Kontakte knüpfte Gomringer zu Malern, Architekten und Schriftstellern wie Josef Albers, Walter Gropius oder Max Bense. Mitgeprägt hat er die – Ende der 1950er Jahre von avantgardistischen Künstlern und Literaten ins Leben gerufene – Stuttgarter Gruppe, deren literarische Experimente die konkrete Poesie etablierten. Die Bezeichnung lehnt sich zum einen an dieselbe Ausrichtung der Noigandres-Gruppe in São Paulo an, mit der Gomringer in Kontakt stand, zum anderen an den Begriff der «konkreten Kunst».
Der Sprachkünstler Eugen Gomringer führt in seinen Gedichten weg vom bedeutungsträchtigen Vers hin zu Konstellationen einzelner Sätze, Wörter oder Buchstaben. Die Konstellation oder das Ideogramm sind gemäss Gomringer die einfachsten Gestaltungsprinzipien der Dichtung. Diese Prinzipien sind nicht zuletzt als eine Antwort auf die Reduktion von Sprache in einem von beschleunigter Kommunikation geprägten Jahrhundert zu verstehen.
In der Arbeit «baumwind» führt Eugen Gomringer innerhalb eines Quadrates 13 unterschiedliche Ansichten des titelgebenden Wortes vor und verleiht dieser traditionellen Form so eine neue Gestalt. Der Begriff wird variantenreich in einzelne oder kombinierte Buchstaben aufgespalten, welche die Eckpunkte und das Zentrum des Quadrats formen. Die Quadrate aus Buchstaben korrespondieren wiederum miteinander und bilden so ein Ganzes auf einer weisse Fläche, in der über Zwischenräume Assoziationen möglich sind, ohne dass sich Bedeutungen einstellen müssen. Die einzelnen Buchstaben wirken noch konkreter als in einem wörtlichen oder syntaktischen Gefüge. Gomringer verweist so auf den Zeichencharakter der Sprache und hinterfragt damit ihren Nutzen für die Gesellschaft.
Ursula Meier