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Nr. 1: Die scheinbare Null-Inflation ist eine Illusion
Seit Jahren bewegen wir uns in Sphären ohne Teuerung – zumindest wenn man dem Landesindex der Konsumentenpreise trauen würde. Dieser enthält allerdings einen Preistreiber par excellence nicht, nämlich die Krankenkassenprämien. Hier nur noch ein weiterer Einwand: Ist denn der Warenkorb vor einem Vierteljahrhundert mit heute überhaupt vergleichbar? Nein, denn es gab 1988 weder Handys noch Internet, und ein Olivetti-PC wurde mir für 12 000 Franken angeboten (ich behalf mir mit einem Schreibgerät Brother WP-1 für einen Zehntel des PC-Preises). Im Folgenden weise ich auf ein weiteres Phänomen hin, das im Landesindex nicht berücksichtigt wird: die Vermögenspreisinflation.
Bis zu meinem 20. Geburtstag im Jahr 1959 hatte sich der Wert des Schweizerfrankens, gemessen am Landesindex, halbiert. Das war übrigens ein Glanzresultat. Andere Währungen hatten schliesslich im Zweiten Weltkrieg das Zeitliche gesegnet oder durch eine Hyperinflation ihren Wert eingebüsst. An meinem 40. Geburtstag dann aber dasselbe Bild – wieder eine Halbierung, selbst ohne Krieg. Das heisst, der Franken von 1939 war 1979 noch 25 Rappen wert. Ich halte deshalb die Besteuerung von Zinserträgen als Einkommen für einen Betrug des Staates an seinen Bürgern, von der Vermögenssteuer gar nicht zu reden!
Nun zum Stichwort Vermögenspreisinflation an einem Beispiel: 1981 kauften meine Frau und ich ein Einfamilienhaus in Lugano-Castagnola. 1989 verkauften wir es, um nach Frankreich auszuwandern. Wir lösten fast den doppelten Preis innert nur acht Jahren. Interessanter noch ist die Preissteigerung seit 1948, als unser Vorgänger das Bauland erworben hatte. Sie erreichte in diesen 41 Jahren eine Versiebzigfachung. Man könnte auch sagen, der „Liegenschaftenfranken“ von 1948 auf diesem Grundstück habe sich auf den 70. Teil eines Franken entwertet, also auf 1,43 Rappen. Zu präzisieren ist, dass nicht etwa unser Haus gekauft wurde, sondern der Boden in der Mehrfamilienhauszone. Heute stehen dort Luxuseigentumswohnungen.
Ein zweites, diesmal aktuelles Beispiel: Vor der Volksabstimmung Ende 2012 über die Erweiterung des Zürcher Kunsthauses wurde bekannt, dass ein Gemälde von Claude Monet 1940 den Besitzer für 30‘000 Franken gewechselt hatte. Dieser verkaufte es wenig später an Emil G. Bührle für 35‘000 Franken. Der heutige Wert wird auf 25 Millionen Franken geschätzt, 714mal mehr als seinerzeit…
Vor diesem Hintergrund und der Preisentwicklung auf dem Immobilienmarkt erscheint die vermeintliche Null-Teuerung als Illusion.