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Der Antrag
Ende der 1870er Jahre befand sich das schweizerische Gewerbe in einer Krise. Es herrschte ein Mangel an gut ausgebildeten Fachleuten, und der ausländische Konkurrenzdruck war gross. Nach intensiver Lobbyarbeit durch den Architekten Ad. Thièche und Schuhmachermeister Jakob Scheidegger reichte deshalb Stadtrat A. Vogt am 5. März 1886 im Berner Stadtrat einen Vorstoss zur Schaffung von Lehrwerkstätten ein. Gut zwei Jahre später war es bereits so weit. Rat und Volk der Stadt hatten den Segen gegeben und nach einer kurzen Organisationsphase von zwei Monaten wurde am 1. Mai 1888 der Schulbetrieb mit einer Schreiner- und Schuhmacherklasse aufgenommen.
Die Pionierzeit
Die ersten Jahre der neu gegründeten Lehrwerkstätten der Stadt Bern waren, auch wegen der kurzen Vorlaufzeit, keine einfachen. So dauerte es sieben Jahre bis der erste offizielle Direktor, Victor Haldimann, gewählt werden konnte. Das lokale Gewerbe feindete den vermeintlichen neuen Konkurrenten an, und die Schuhmacherabteilung offenbarte sich als Fehlbesetzung. Zunehmend maschinelle Herstellung liess den Traditionsberuf für damalige Junge unattraktiv erscheinen, Lehrlingsklassen konnten kaum gefüllt werden. So beschloss man 1900 diese Abteilung zugunsten des Mechanikerberufs zu schliessen. Von der Schuhmacherei blieb nur noch die umgangssprachliche Bezeichnung «Lädere» für die Lehrwerkstätten übrig. Weiter hatte die Schulleitung mit der Raumproblematik zu kämpfen, ein Thema das sie für die nächsten 100 Jahre immer wieder beschäftigte. Mit den 1894 eröffneten zusätzlichen Abteilungen Schlosserei und Spenglerei wurde es am ursprünglichen Standort an der Predigergasse zu eng. Die erste «Züglete» 1895 führte in den grosszügigen «Palast Rabbenthal», ein ehemaliges Blindenheim in der Lorraine.
Trotz diesen Anfangsschwierigkeiten hatten sich die Lehrwerkstätten Bern in der ersten Phase ihrer Geschichte etabliert und wurden auch dank der neuen Berufszweige bald ein wichtiger Teil der gewerblich-industriellen Berufsbildungslandschaft.
Die Zwischenkriegszeit
Die Jahre während der Zwischenkriegszeit waren für die Lehrwerkstätten Bern sehr bewegt. Nebst dem unerwarteten Tod des langjährigen Direktors Victor Haldimann und dem Neubau der Gewerbeschule, brachte die Umsetzung des ersten eidgenössischen Berufsbildungsgesetzes unter dem neuen Schulleiter Hans Aeby frischen Wind und zugleich Unruhe in das eingespielte System.
Auch die Lehrwerkstätten Bern blieben von der Wirtschaftskrise nicht verschont. Dies führte dazu, dass sie keine Kundenaufträge mehr annahm. Die Lehrwerkstätten Bern schufen ein bisher unbekanntes Angebot für Weiterbildungswillige und Arbeitslose.
Wachstum in den 50-er Jahren
Das Angebot der Institution wurde im Zeichen der boomenden Fünfziger- und Sechzigerjahre stetig ausgebaut. Unter der Leitung von Ernst Schürch, dem Nachfolger von Hans Aeby, entstanden drei neue Berufe in der Grundbildung, vier neue Meisterkurse und eine Unzahl von Lehrlings- und Weiterbildungskursen. Die Schülerzahl stieg auf das Sechsfache der Zwischenkriegszeit an, was wiederum zur Folge hatte, dass der Standort Lorraine aus allen Nähten platzte, und man mangels Alternativen ab Ende der Sechzigerjahre über die ganze Stadt Bern verteilt Filialen eröffnete. Willy Schärer, der fünfte Direktor, musste mit dieser verzettelten Situation klarkommen.
Die Neustrukturierung
Während der Neustrukturierung erlebten die Lehrwerkstätten unter den Direktoren Bernhard Eichenberger und Peter Scheidegger die turbulentesten Jahre. Die Schule mit ihren allzu breiten, marktfernen Angeboten musste sich einer staatlichen Rosskur unterziehen. Im Sinne des «New Public Management» wurden viele einschneidende Veränderungen vorgenommen. Die grundlegendsten waren die Konzentration des Angebots auf die zweigleisige Grundbildung, der Patronatswechsel von der Stadt zum Kanton auf Anfang 2001 und die darauf einsetzenden kantonalen Sparübungen. Aus heutiger Sicht waren die Massnahmen jedoch überlebenswichtig, sie machten die Institution fit für die Zukunft.
In dieser Ära fand auch das Raumproblem eine nachhaltige Lösung. Die acht Filialen wurden in den zwei heutigen Standorten «Felsenau» und «Lorraine» konzentriert.
Heute und die Zukunft
Nach den turbulenten Jahren stehen die Lehrwerkstätten Bern im Jubiläumsjahr gefestigt da. Die Standortfrage ist heute kein Thema mehr, einzig der Turnhallenmangel bereitet den Verantwortlichen noch Kopfzerbrechen. Das zweigleisige Bildungsangebot entspricht den Kantonsvorgaben für Lehrwerkstätten, denn alle fünf Bereiche bieten Abschlüsse auf Niveau des Eidgenössischen Fähigkeitszeugnisses EFZ und des Eidgenössischen Berufsattests EBA an. Zudem kostet die Institution den Steuerzahlen heute deutlich weniger als vor der Kantonalisierung. Die grösste Legitimation erfährt die Schule jedoch durch ihre zufriedenen Lernenden. Sie erhalten an der «Lädere», wie in den 124 Jahren zuvor, eine solide Grundlage für ihre weitere berufliche Zukunft.
Neuer Name «Technische Fachschule Bern»
Seit dem 1. August 2014 haben die Lehrwerkstätten Bern ihren Namen zu «Technische Fachschule Bern» geändert.