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1947 übersiedelt die 1920 in Frauenstein geborene Marlen Haushofer mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen von Graz nach Steyr in die Stadt ihrer Großeltern mütterlicherseits. Ihr Mann leitet das Steyrer Zahnambulatorium und richtet sich ab 1951 eine Zahnarztpraxis in der Berggasse ein. Marlen assistiert ihrem von ihr inzwischen (seit 1950) geschiedenen Mann, versorgt die Familie und ist Mutter. Sie muss sich einreden, dass Schreiben etwas Ordentliches ist und keine – wie sie es nennt – »bürgerliche Ausschweifung«. Ab 1948 fährt sie oft nach Wien zur Szene junger österreichischer Nachkriegsautoren ins Cafe Raimund. Zu ihren Förderern und zeitweiligen Liebhabern zählen neben anderen Literaten Herman Hakel und Hans Weigel. 1953 zieht sie probeweise nach Wien, der Ausbruchversuch aber misslingt. Statt dessen verbringen jetzt das geschiedene Ehepaar mit der neuen Freundin des Ex und dem jüngeren (ehelichen) der beiden Söhne gemeinsame Urlaube im Süden: Ein spätbürgerliches Sittenbild der 1950er Jahre, von Haushofer portraitiert unter anderem in der Novelle ›Wir töten Stella‹ (1958). Im gleichen Jahr heiraten die Haushofers zum zweiten Mal. Dass sie seit acht Jahren geschieden waren, hatte in Steyr niemand gewusst, nicht einmal die eigenen Kinder.
Ihr immer mehr auf Verdrängung basierendes Leben macht Marlen Haushofer schwer depressiv, lähmt aber nicht ihre schriftstellerische Kraft. Sie schreibt in den frühen Morgenstunden vor 7:00 früh und überarbeitet das Geschriebene am frühen Nachmittag (am Küchentisch), ansonsten kümmert sie sich um Familie, Haushalt und ist die Bürokraft des Zahnarztes, »eine unauffällige, so bescheidene Frau« die – so ihre Selbstaussage – » mit großem Genuss utopische Schundhefte« liest.
Mit der Verleihung des kleinen österreichischen Staatspreises für Literatur 1953 für die Erzählung ›Das fünfte Jahr‹ muss auch die Familie das Hobby der schreibenden Zahnarztgattin ernst nehmen. Mitte der 1950er Jahre etabliert sich Marlen Haushofer im österreichischen Literaturbetrieb, ihre Werke erscheinen bei Zsolnay in Wien, später in Deutschland bei Mohn und schließlich (bis heute) bei Claassen. Seit Beginn der 1990er Jahre sorgt der deutsche Taschenbuchverlag aber auch Fischer zur unübersehbaren Verbreitung von Titeln wie ›Die Wand‹ ›Himmel der nirgendwo endet‹ oder ›Die Mansarde‹. Außerdem ist Marlen Haushofer allen österreichischen Schulkindern der 1960er bis 1980er Jahre als Kinderbuchautorin bekannt.
Leider ist sie viel zu früh bereits 1970 an Knochenkrebs verstorben.
So wie ihre Geburtsortgemeinde Molln gedenkt auch Steyr seiner großen österreichischen Erzählerin posthum seit Jahrzehnten.
Ein Manifest, geschlossen im Jahr 1982 im BG-Werndlpark (Prof. Preyer) mit Hans Weigel, den Claassenverlag in die Pflicht zur Neuauflage der Werke der Autorin zu nehmen, leitete eine ungeahnte Haushofer-Renaissance ein, die bis heute anhält. Buchauflagen in einer Höhe, von der Marlen Haushofer nie zu träumen gewagt hätte.
1990 – anlässlich des 20. Todestages und 70. Geburtstages – startete Till Mairhofer seine Haushoferwanderungen ins Effertsbachtal auf den Spuren von ›Himmel der nirgendwo endet‹ und ›Die Wand‹.
Anlässlich des Jahres 2000 wurde auf Initiative Michaela Frechs das Marlen Haushofer Literaturforum gegründet, das sich seither vermehrt um unterschiedlichste Zugänge zum Werk der Schriftstellerin bemüht, dabei feder-führend der Zeichner Grafiker und Galerist Erich Fröschl (Galerie Steyrdorf) mit zum Beispiel ›M.H. – Versuch eine Visualisierung‹
Schließlich erschien, kurz vor dem 90. Geburtstag der Autorin, Marlen Krispers Essay ›Das ordentliche Leben der Marlen Haushofer‹ im Steyrer Verlag Ennsthaler.
Der 50. Todestag im Jahr des 100. Geburtstages Marlen Haushofers führt nun zu einer ganzjährigen Veranstaltungsreihe des Marlen Haushofer Literaturforums in Kooperation mit der Marlen Haushofer Bücherei der Stadt Steyr, dem AKKU und der Galerie Steyrdorf, den Mittleren und Höheren Steyrer Schulen sowie dem Citykino in Steyr.
Till Mairhofer
Veranstaltungsprogramm zum Jubiläumsjahr
Das sehr ansprechend gestaltete Programm enthält alle Veranstaltungen des Marlen Haushofer Literaturforums anlässlich des Jubiläumsjahres 2020. Klicken Sie hier, um das Veranstaltungsprogramm zu öffnen.
Der Text von Till Mairhofer sowie das Veranstaltungsprogramm wurden freundlicherweise von Michaela Frech (Marlen Haushofer Literaturforum) zur Verfügung gestellt.