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Die Florence Foster Jenkins des Rock’n’Roll
Man kennt die Zahl der Elvis Imitatoren nicht mal annähernd, es dürften aber mehrere Zehntausend sein. Sie sind in TV-Sendungen zu sehen, treten in Filmen auf, es gibt sogar eigene Radiosender. Manche sehen dem King äusserlich verblüffend ähnlich, andere haben seine Bewegungen perfekt drauf, einige können sogar ähnlich singen wie ihr Vorbild, kaum einer vereint alle drei Fähigkeiten. Eine besonders schräge Ausgabe in diesem Klon-Pool kommt aus Schweden. Er heisst Eilert Dahlberg und nennt sich Eilert Pilarm. So stimmt wenigstens eines mit dem Original überein: die Initialen.
Er sieht nicht im Entferntesten aus wie Elvis Presley, wenn man von einer leicht adipösen Figur mal absieht. Er singt auch nicht, wie sein Vorbild. Er hat offensichtlich keinerlei Gefühl für Rhythmus und Timing. Er hat eine eigene Auffassung, was die Sprache angeht. Kurz gesagt, er ist Elvis etwa so ähnlich, wie du und ich, wenn wir das Pech haben, an einem Kompanieabend spontan und unvorbereitet zu einer Elvis Imitation gedrängt zu werden. Dennoch zog er zehn Jahre durch die Lande und legte an die 150 Shows auf die Bühne. Pro Jahr! Er erschien im Fernsehen und war ein gefragtes Gesicht in der Werbung. 1999 trat er für die BBC live auf und wurde von zehn Millionen Zuschauern gesehen.
Geboren wurde er am 4. April 1953 in der Gemeinde Anundsjö im Norden Schwedens. Prominentester Sohn der Gegend war bis dahin der Naturforscher Peter Artedi (1705 – 1735), der als «Vater der Ichthyologie» bekannt geworden ist. Eilert arbeitete in der Holzwirtschaft, wie es bei den Dahlbergs üblich war. An eine musikalische Karriere dachte niemand, zumal der Schüler Eilert im Fach Musik die schlechtesten Noten nach Hause brachte. Trotzdem coverte er Johnny Cash, die Beach Boys und – natürlich – Elvis Presley. 1990 trat er zum ersten Mal als Presley Imitator auf und empfing begeisternden Applaus.
Landesweit bekannt wurde der Sänger 1992 durch Morgonpasset, einem nationalen Vormittagsmagazin des Schwedischen Radios. Sein Debutalbum veröffentlichte er 1996 unter dem Titel Greatest Hits. Mit Eilert Is Back folgte 1998 sein zweites Album. Bis 2002 trat er mehr als 600 mal auf und produzierte weitere vier Alben, darunter die Greatest Hits, die 10’000 mal verkauft wurde. 2002 beendete er seine Karriere, weil der «. . . spirit ihn verlassen hat und er keinen Sinn mehr in Auftritten sieht». Er nannte sich fortan auch wieder Dahlberg
Es stellte sich heraus, dass er seit seinem sechzehnten Lebensjahr in der Illusion lebte, er SEI Elvis Presley. «Wir waren ein und dasselbe» erzählte er der Zeitung «Afterbladet». «Ich fühlte, wie Elvis in meinem Körper ein- und ausging. Er verschwand, als ich das letzte Mal in Amerika war. Ich bin nun wieder ich selbst und das ist besser so»
2005 gab es ein kurzes Comeback, als Eilert an der Weltmeisterschaft der Elvis Imitatoren in den USA teilnahm und immerhin einundzwanzigster wurde. Dazu sagte er: «Elvis is Elvis, I cannot imitate that voice. I did my own interpretation. I’m no Elvis copy, I am and want to be Nils Roland Eilert Dahlberg.»
Irwin Chusid schrieb 2000 ein Buch mit dem Titel Songs In The Key Of Z, in dem er 20 solche Aussenseitermusiker beschreibt, darunter auch Eilert Pilarm. Dazu gibt es auch eine CD mit Hörbeispielen.
Diskographie
1996 – Greatest Hits
1998 – Eilert Is Back
2000 – Eilert Pilarm & Partybandet – Live In Stockholm
2001 – Eilerts Jul
2003 – Eilert Forever
2006 – Best Of Elvis
«Jailhouse Rock» von Eilert Pilarm
Pilarms Teleprompter Text zu«Jailhouse Rock»
«In The Ghetto» von Eilert Pilarm
Eilert Pilarm auf der Bühne