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Die Gemeinde Mergoscia ist, vom restlichen Verzasca-Tal durch den Lago di Vogorno getrennt, nur über eine schmale Strasse von Tenero-Contra her zu erreichen. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Bergdorfes lebten früher grösstenteils von der Landwirtschaft. Diese profitierte von der klimatisch günstigen Lage an einem Südhang, die beispielsweise die Kultivierung von Weinreben auf bis zu 800 Meter Höhe erlaubte. Wie so oft im Tessin ist das Gelände jedoch ausgesprochen steil und steinig, so dass es über die Jahrhunderte in mühsamer Kleinarbeit terassiert und urbar gemacht werden musste. Die resultierende Kulturlandschaft mit ihren Trockenmauern und den lichten Wäldern ähnelnden Kastanienselven bot Lebensraum für eine grosse Zahl seltener Tier- und Pflanzenarten.
Die industrielle Revolution brachte ab dem 19. Jahrhundert zahlreiche Arbeitsplätze im Industrie- und Dienstleistungssektor ins Tessin. Vor allem in den Berggebieten gaben viele Leute die mühsame und unrentable Landwirtschaft auf und zogen in die stetig wachsenden Ballungsgebiete. In Mergoscia sank im Zuge dieser Entwicklung die Bevölkerung von fast 600 Personen um 1850 auf heute noch etwas mehr als 200. Die Nutzung der meisten Landwirtschaftsflächen wurde aufgegeben, der Wald hat sie sich einverleibt und reicht heute wieder bis an die Grenzen des Siedlungsgebiets.
Zum Schutz und zur Förderung der verbleibenden einzigartigen Kulturlandschaft der Gemeinde wurde 2003 der Verein Pro Mergoscia gegründet. Dieser realisierte seither zahlreiche Projekte, wie den Bau eines Kultur- und Naturwegs, die Restaurierung von Trockenmauern oder die Rekultivierung und Pflege von Kastanienselven. Vor zwei Jahren wurde zudem ein verwaldetes Gebiet bei Bresciadiga gerodet mit dem Ziel, das ursprüngliche wervolle Hangmoor mit dem umliegenden Trockenrasen wiederherzustellen. Eine solche Rekultivierung braucht einige Zeit, in der Gehölze regelmässig zurückgedrängt werden müssen, damit sich die gewünschte krautige Vegetation wieder etablieren kann. Diese soll dann durch Beweidung mit Ziegen des nahegelegenen Maiensäss erhalten werden.
Die arbeitsintensive Übergangsphase ist ein ausgezeichnetes Einsatzgebiet für Zivis. Dieses Jahr war das Naturnetz zum ersten Mal mit den Mäh- und Entbuschungsarbeiten betraut. Im Frühjahr und Herbst verluden wir Motorsensen, Rechen und Heugabeln auf die Lastenseilbahn und machten uns mit unseren Rucksäcken an den knapp einstündigen Aufstieg zum Maiensäss, wo wir jeweils eine Woche lang lebten und arbeiteten. Mähen und rechen am steilen Hang, duschen im Garten, übernachten im natursteingemauerten Maiensäss, heizen mit Holz und dabei immer ein toller Ausblick auf die Berge - für uns ein willkommener Tapetenwechsel und ein spezielles Erlebnis! Wir freuen uns auf weitere Einsätze und hoffen, dass wir den Ziegen ihre Weide bald übergeben können.
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