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«Klimakrise», «Klimanotstand», «Klimakatastrophe», «Klimaerhitzung» – diese Begriffe sind sehr treffend bei der gegenwärtigen Beurteilung des von Menschen gemachten Klimawandels. Es braucht «schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft» (Weltklimarat IPCC 2018) – die schweizerische Politik muss dazu eine «Gletscher-Initiative PLUS» beschliessen.
Die 2019 lancierte und eingereichte Gletscher-Initiative ist der Versuch, in der Politik der Schweiz plausible Schritte zur Umsetzung des Pariser Klimaschutz-Übereinkommens aus dem Jahr 2015 zu etablieren.
Gemäss Wikipedia-Beschreibung haben die Staaten im Dezember 2015 vereinbart, «die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 °C, möglichst 1,5 °C im Vergleich zu vorindustriellen Levels» zu begrenzen.
Die Berichte des Weltklimarates IPCC von Oktober 2018 und August 2021 zeigen deutlich auf, dass – im Sinne der Lebensqualität und der nachhaltigen Entwicklung – alles daran zu setzen ist, «die globale Erwärmung auf … möglichst 1,5 °C im Vergleich zu vorindustriellen Levels» zu begrenzen ist.
Was heisst dies konkret? Indirektes Zitat eines Tages-Anzeiger-Artikels von August 2021: Wenn die Absicht besteht, die globale Erwärmung auf höchsten 1.5 °C gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu beschränken, dürfen global betrachtet noch rund 400 Gigatonnen CO2 aus den fossilen Rohstoffen ausgestossen werden, bei derzeit rund 40 Gigatonnen jährlichem Ausstoss – wenn es so weitergeht, würde somit in etwa zehn Jahrendie 1.5-Grad-Grenze erreicht. Ende indirektes Zitat
Als relativ einfache Botschaft: wenn auch die Schweiz das Pariser Klimaschutz-Übereinkommen beachtet, darf aufsummiert noch höchstens das Zehnfache des aktuellen jährlichen Ausstosses an Treibhausgasen erfolgen.
Zu möglichen Absenkpfaden:
- Wenn wir ab sofort einen linearen Absenkpfad umsetzen würden, um dies zu erreichen, müsste innerhalb von 20 Jahren – also allerspätestens 2041 – auf den Einsatz fossiler Energien verzichtet werden. Die Klimagerechtigkeit würde einen steileren Absenkpfad verlangen.
- Wenn mit einem linearen Absenkpfad wie vom Bundesrat geplant 2050 eine fossile Null erreicht werden soll, würden fast 50 Prozent mehr Treibhausgase ausgestossen, als zur Einhaltung der 1.5 °C-Grenze zugelassen wäre.
Wir alle wollen eine «Gletscher-Initiative PLUS»!
Eine ernsthafte und glaubwürdige Klimapolitik hat dafür zu sorgen, dass die Schweiz in etwa 15 oder wenig mehr Jahren eine fossile Null erreicht, und dies auf einem mindestens linearen Absenkpfad. Dazu gehört die vollständige Umstellung auf dezentral genutzte erneuerbare Energien – und damit ein möglichst schnell angesetztes Verbot zum Verbrauch von fossilen Energieträgern.
Zur Umsetzung braucht es eine klare und eindeutige Gesetzgebung mit stark wirkenden Vorschriften. Da damit ein rechts- und lastengleicher Einbezug aller Akteur*innen erreicht wird, entspricht dies einem optimalen liberalen Ansatz.
Dies entspricht der IPCC-Vorgabe von «schnellen, weitreichenden und beispiellosen Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft». Gerade ein reiches Land wie die Schweiz hat eine ethische und moralische Verpflichtung, eine glaubwürdige und ernsthafte Klimapolitik umzusetzen.
Einfach noch dies: eine «Gletscher-Initiative PLUS» hat in einer Volksabstimmung mit Sicherheit bessere Chancen als das völlig ungenügende CO2-Gesetz, dem die Stimmberechtigten am 13. Juni 2021 nicht zugestimmt haben.
Geschichte und Gegenwart – lügende Preise bei fossilen und nuklearen Energieträgern
Eigentlich ist seit der Erdölpreis-Krise 1973 (mit autofreien Sonntagen Ende 1973 in der Schweiz!) klar, dass so rasch als mögliche auf fossile Energieträger zu verzichten ist. Es gibt nämlich bei den erdöl-produzierenden Ländern zahlreiche despotisch geprägte Länder, die das Angebot an fossilen Energieträgern mit eigenen Zielvorgaben beeinflussen. Gerade der Herbst 2021 zeigt, wie abhängig diverse Länder etwa in Mitteleuropa von möglichst billigen und möglichst vielen fossilen Energieträgern sind. Dazu kommt, dass in vielen Ländern fossile Energieträger direkt oder indirekt subventioniert werden, was zu völlig falschen Signalen durch lügende Energiepreise führt. Indirekte Subventionen bestehen etwa dann, wenn die durch den Energieverbrauch entstehenden Kosten – zum Beispiel Lärm- und Luftbelastung, Klimawandel-Folgen und Klimawandel-Anpassungsmassnahmen – nicht gemäss Verursacher*innen-Prinzip, sondern durch öffentliche oder private Gelder bezahlt werden. Absurd ist auch, dass etwa der Tages-Anzeiger behauptet, die gegenwärtige Preisentwicklung bei den fossilen Energieträgern würden die Klimaziele gefährden. Oder ist es tatsächlich so, dass Politik, Gesellschaft und Wirtschaft nicht gelernt haben aus den Abhängigkeit von lügenden Energiepreisen? Da bietet in der NZZ immerhin Gastautor Prof. Dr. Reto Knutti eine zukunftsgerichtetere Perspektive: Das Teuerste beim Klimaschutz ist es, nichts zu tun!