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Europas Flugverkehr soll sicherer, pünktlicher und umweltfreundlicher werden. Darum werden die Flugstrassen über der Schweiz entflochten. Das wirkt sich auch auf die Abflüge ab dem Flughafen Basel-Mulhouse aus. Die Regierungen der beiden Basel sind enttäuscht.
«Es geht um Sicherheit, es geht um Pünktlichkeit, es geht um Umweltverträglichkeit.» So fasst Marcel Zuckschwerdt, Vizedirektor des Bundesamtes für zivile Luftfahrt, kurz BAZL, die Gründe zusammen, weshalb die Flugverkehrsstrassen in Europas Herzen neu gelegt werden. Am Dienstagvormittag wurden die Medien dazu informiert.
Europas Himmel ist in Regionen aufgeteilt, die Schweiz gehört dem sogenannten Fabec an: Functional Airspace Block Europe Central. Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg und die Niederlande gehören auch dazu. Fabec umfasst eine Fläche von 1,7 Millionen Quadratkilometern, 5,5 Millionen Flugzeuge durchpflügen ihn pro Jahr. Er sei, sagt Marcel Zuckschwerdt, einer der komplexesten Blöcke weltweit.
Fabec wiederum ist in drei Projekte unterteilt. «South-East» umfasst das Grenzgebiet von Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Hier führen zwei Luftverkehrsstrassen in einem schmalen Korridor von Nord nach Süd und umgekehrt, eine zweispurige Autobahn sozusagen, auf der täglich 1000 Flugzeuge verkehren. Das Problem ist, dass sich diese beiden Spuren zweimal kreuzen, einmal südlich, einmal nördlich der Schweiz.
Gemeinsame Trainingszonen
Am 31. März 2016 führen die beteiligten Staaten ein überarbeitetes Netz von Flugrouten in grosser Höhe ein, betroffen ist auch besagte «Autobahn» zwischen Brüssel und Genf. «Die beiden Routen werden entflochten. Das führt zu einem sichereren und umweltfreundlicheren Luftverkehr und erhöht die Pünktlichkeit», so BAZL-Vizedirektor Zuckschwerdt: «Konkret werden dadurch 1,5 Millionen Flugkilometer und 15’000 Tonnen Kohlendioxid eingespart.» Denn die Flugstrecken verkürzen sich. An der Realisierung des Projekts sind neben dem BAZL die französische Luftfahrtbehörde DGAC, Skyguide sowie die Flughäfen Basel-Mulhouse und Genf beteiligt.
Auch die militärischen Trainingszonen werden neu definiert, was eine Steigerung der Effizienz militärischer Übungsmissionen mit sich bringen soll. Die gemeinsame Zone von Schweiz und Frankreich, die seit dem vergangenen Frühling existiert, hat bereits vor zwei Wochen von sich reden gemacht, als eine F/A-18-Maschine der Schweizer Armee in Frankreich abstürzte. Auch Deutschland und Frankreich werden künftig gemeinsame Trainingszonen entlang ihrer gemeinsamen Grenze bewirtschaften. Vorerst noch getrennt, werden ab 2018 Armeeflugzeuge Frankreichs über deutschem Boden üben können und umgekehrt.
Die Entflechtung der Luftverkehrsrouten führt zwangsläufig zu Anpassungen der An- und Abflugrouten an den Flughäfen Basel-Mulhouse, Genf und Strassburg. Zuckschwerdt bleibt beim Bild der Autobahn und spricht von Auffahrten respektive Zubringern, die verlegt werden. In Basel sind konkret 20 Abflüge in Richtung Süden und sechs in nördlicher Richtung betroffen. Für die Fluggäste ändert sich nichts.
Regionale Interessen vernachlässigt
Und auch für die Anwohner soll sich nichts ändern. «Die Veränderungen bringen keine zusätzlichen Kapazitäten, auch die Lärmbelastung verändert sich nicht», verspricht Zuckschwerdt. Anders sehen das die Regierungen der Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt. In einer Medienmitteilung am Dienstagmittag verkündeten sie, dass sie über die vom Bund beschlossene Umsetzung enttäuscht seien.
Konkret kritisieren sie eine Verlagerung des Flugverkehrs über die Stadt und die Agglomeration Basel, was unnötigerweise zu Mehrbelastungen für die Bevölkerung führe. Dies betrifft die Abflüge in südlicher Richtung, also mit Destinationen in Südwesteuropa und Nordafrika. Die Regierungen werfen den Bundesbehörden vor, die Beteiligung an der Gestaltung des internationalen Luftverkehrs über regionale Interessen zu stellen und die Balance zwischen dem Schutz der Anwohnerschaft vor Fluglärm und den Entwicklungsinteressen des EuroAirports unnötig zu gefährden. Darum fordern sie von ihnen bis zur Inkraftsetzung im März 2016 Massnahmen, um «die lärmmässigen Auswirkungen auf die betroffene Bevölkerung bestmöglich» zu dämpfen. Unterstützung erhalten die beiden Basler Regierungen auch aus dem Kanton Solothurn, der sich ebenfalls gegen höhere Lärmbelastungen wehrt.
BAZL-Vizedirektor Marcel Zuckschwerdt kündigt ein Monitoring und jährliche Berichterstattung an. Sollten sich die Lärmemissionen zuungunsten der Basler Bevölkerung entwickeln, wird man beim BAZL über die Bücher gehen. Denn trotz seiner zuversichtlichen Äusserung, Basel werde nicht mehr Fluglärm abbekommen, verhehlt er nicht: «Das neue Flugroutennetz wird auch auf den Boden Auswirkungen haben.»