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Was ist das für eine Farbe: Reseda. Bei einer Diskussion darüber hatten fast alle eine andere Vorstellung davon.
A.
Antwort: Vielleicht ist zum Einstieg in dieses interessante Thema ein Kapitel Botanik das Gelbe vom Ei, weil sich der Begriff Reseda auf eine Pflanze bezieht, die seit eh und je zum Färben benutzt wurde:
Die ganze Resedapflanze (Reseda luteola L., Färberwau, Färber-Resede), eine zweijährige Blütenpflanze, die vielfach an Bahndämmen anzutreffen ist, trägt kleine gelbe Kristalle in sich, die im Wasser schwer, in Soda, Pottasche und Ammoniaklösung aber leicht löslich sind: Die Lösung erscheint in sattem Gelb. Der grösste Teil des aus dieser Pflanze gewonnenen Farbstoffs, der auch als Luteolin oder Flavon[1] (lateinisch flavus = gelb) bezeichnet wird, befindet sich in den Samenhülsen.
Diese Pflanze wurde schon von den alten Römern zum Färben von Textilien verwendet; man mischte etwas Kalk bei. Dabei erfolgte die Färbung auf vorgebeizter Wolle, weshalb man Reseda den Beizenfarbstoffen zuordnet. Zum Einsatz kamen Beizmittel wie Alaun oder Weinstein, wie heute noch, wenn mit dieser modulierbaren Naturfarbe gearbeitet wird. Erst nach einem Bad in einer entsprechenden heissen Lösung ist die Wolle für den Farbstoff empfänglich. Heute werden auch die gelben Farbstoffe vor allem synthetisch hergestellt; wer das als Naturschutzbeitrag betrachten will, mag es tun, falls umweltschonende Produktionsmethoden zum Zuge kommen.
Das Gelb ist eine heitere Farbe, laut Johann Wolfgang von Goethe die nächste Farbe am Licht. Als der Maler des Gelbs gilt Vincent van Gogh; er nutzte gelben Ocker als aggressive, die Seele verbrennende Farbe, als Sonne des Südens und drückte damit Heiterkeit, Freundschaft und Liebe aus. In der Natur gilt das Gelb als Lockfarbe. In China ist es die Farbe, die am meisten verehrt wird. Im Strassenverkehr besitzt Gelb eine ausgezeichnete Fernwirkung; Gelbes ist auch bei schwierigen Sichtverhältnissen zu erkennen.
Im Farbspektrum ist Gelb ein schmaler Streifen zwischen Rot und Grün; mit diesen beiden Farben steht es also in einer engen Beziehung. Das Zinnobergrün (Zinkgrün, Laubgrün, Seidengrün, Englischgrün, Russischgrün, Lackgrün, Chrome Green, Cinnabar Green, Vert de Chrome, Vert de cinnabre) wird auch als Resedagrün bezeichnet. Es ist ein Grün mit gelben Anteilen, genau dem Aussehen der Pflanze entsprechend, die ihm den Namen gegeben hat. Ich habe auch schon gelesen, es handle sich um ein Blaugrün, was mit den individuellen Wahrnehmungen (Farbempfindungen) zusammenhängen mag. Viele Sprachen haben übrigens nur einen einzigen Ausdruck für Blau und Grün - sozusagen ein Blün…
Nach der aus dem Bereich der Psychologie stammenden Theorie der Gegenfarben lassen sich Grün und Blau zusammenfassen, nicht aber z.B. Grün und Rot oder Gelb und Blau. Diese Paare können niemals in Kombination gesehen werden, wenn sie von ein und demselben Punkt im Raum ausgehen. Es lässt sich also kein rötliches Grün und kein bläuliches Gelb wahrnehmen. Falls im Resedagrün mit seinem Gelbanteil auch etwas Blau vorhanden sein sollte, was anzunehmen ist, kann dieser neben dem Gelb kaum wahrgenommen werden. Naturfarben sind immer Mischfarben, was ihnen zu der wohltuenden, mit synthetisch hergestellten Farben niemals zu erreichenden Harmonie verhilft.
Das grösste Werk der Farbnamenforschung ist der "World Color Survey", ein Weltfarbenprojekt, das von Paul Kay und Brent Berlin geleitet wird. Es deckt 110 Sprachen aus allen Erdteilen ab (www.icsi.berkeley.edu/~kay/) . Dabei beschränken sich die Untersuchungen auf die Grundwörter, mit denen Farben bezeichnet werden, ansonsten sich eine thematische Ausuferung ins Unendliche ergäbe.
Im alltäglichen Sprachgebrauch reicht es nicht aus, einfach von Rot, Gelb, Blau, Grün zu sprechen; die unzähligen Farbnuancen müssen durch Vergleiche näher umschrieben werden; der Farbwortschatz ist riesig. Man kann der Vereinfachung halber aber auch Kombinationen machen: Schwarz-blau-grün, Rotgelb usw. Orange und Violett sind bereits Mischfarben.
In der Natur ist die Farbmischungsvielfalt enorm einfallsreich, nuanciert, und das ist das Grossartige daran. Diese macht die treffende Farbbezeichnung aber auch entsprechend schwierig. Das Wort für eine Naturfarbe würde bei einer Aneinanderreihung der darin enthaltenen Nuancen sehr lang und deshalb vor allem zur Verwirrung beitragen ein Anklang an den Inhalt einer Künstlerfarben-Farbkarte.
wh.
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[1] Flavone kommen auch in Birkenblättern, Ginster, Hirtentäschel, Holunderblüten, Lindenblüten, Weissdorn und vielen anderen Heilpflanzen vor.
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