Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03392.jsonl.gz/2484

Eine kurze Einführung in die Funktion unseres Immunsystems
Was ist ein Erreger?
Bakterien sind Organismen, die aus einer Zelle bestehen (Grösse im Mikrometer-Bereich; 1 µm = ein Millionstel Meter) und wachsen und sich vermehren können. Viren sind kleiner (Grösse im Nanometer-Bereich; 1 nm = ein Milliardstel Meter) und bestehen aus einer Hülle, in die einige Proteine und Erbmaterial eingeschlossen sind. Um sich fortpflanzen zu können, müssen Viren in eine Zelle eindringen und sich deren Mechanismen bemächtigen. Viele Mikroorganismen leben einträchtig mit uns zusammen (sogenannte Kommensalen); einige können jedoch unser Gewebe schädigen und dadurch zu Krankheitserregern werden.
Was genau ist das Immunsystem?
Das Immunsystem besteht aus vielen verschiedenen Zellen (weissen Blutkörperchen = Leukozyten), Mechanismen und Molekülen, die unseren Körper bei der Bekämpfung von Fremdkörpern wie Viren, Pilzen oder Bakterien unterstützen. Unser Immunsystem reagiert aber auch bei anderen schädlichen äusseren Einwirkungen auf unsere Zellen (Stösse, Giftstoffe, Säuren, Staub etc.).
Erstens: Hautbarriere
Unser erster Schutzwall ist mechanischer Art und wird insbesondere durch Haut, Schleimhäute und Verdauungstrakt gebildet. Eine gegebenenfalls vorhandene Schleimschicht, eine gesunde Bakterienflora sowie bestimmte Moleküle wie Enzyme und antimikrobielle Peptide haben ebenfalls eine Abwehrfunktion. Über einige unserer Organe können wir Krankheitserreger auch direkt ausstossen: durch Husten und Niesen mithilfe der Lungen, über die Harnwege, mit der Tränenflüssigkeit über die Augen etc.
Zweitens: angeborene Immunität
Dann gibt es die in unserem Körper verstreuten Immunzellen, die unsere Gewebe schützen. Wenn es also einem Erreger gelingt, in unseren Körper einzudringen und er beginnt, sich zu vermehren, wird er in vielen Fällen rasch von unseren Immunzellen erkannt und bekämpft. Diese erste Verteidigungslinie wird als angeborene Immunität bezeichnet. Die Zellen des angeborenen Immunsystems (Makrophagen, Neutrophile, NK-Zellen, dendritische Zellen etc.) greifen sofort unspezifisch ein, indem sie schädigende Moleküle ausschütten und sich die Erreger einverleiben (phagozytieren). Die Zellen, die bereits vor Ort sind, ziehen weitere Zellen an; dazu setzen sie chemische Mediatoren (Zytokine, Chemokine etc.) frei und signalisieren so dem Körper, wo sich die Infektionsstelle befindet. Dies setzt einen Entzündungsprozess in Gang, bei dem es durch gesteigerte Durchblutung und Einwanderung von Immunzellen in das angegriffene Gewebe zu den typischen Symptomen Rötung, Wärmeentwicklung, Schmerzen und Schwellung kommt. Die Entzündung ist in diesem Zusammenhang durchaus vorteilhaft, weil sie uns bei der Bekämpfung des Erregers hilft und das angeborene Immunsystem aktiviert (problematisch sind lediglich chronische Entzündungen, häufig als Folge unseres Lebensstils oder als Komponente einer chronischen Erkrankung, weil unser Körper diese ununterbrochen bekämpfen muss).
Warum kommt es dabei bisweilen zu Fieber?
Unser Körper kann seine Temperatur erhöhen und auf diese Weise versuchen, die oft hitzeempfindlichen Krankheitserreger zu neutralisieren. Leichtes Fieber stellt daher in der Regel kein Problem dar und kann sogar vorteilhaft sein. Das Beste, was Sie tun können, ist, sich auszuruhen und auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Bei Fieber über 38 °C ist jedoch eine Überwachung erforderlich; in diesem Fall sollten Sie sich zur Abklärung der Infektionsursache an Ihren Arzt wenden und eventuell fiebersenkende Mittel einnehmen.
Drittens: adaptive Immunität
Einige der vor Ort vorhandenen Zellen* verleiben sich den Erreger rasch ein (Phagozytose) und bauen ihn zu kleineren Strukturen ab. Anschliessend wandern sie zum nächstgelegenen Lymphknoten oder zur Milz, um die restlichen Instanzen des Immunsystems über die Art der Infektion zu informieren. Auf diese Weise wird eine für den eindringenden Erreger spezifische Reaktion, die sogenannte adaptive Immunantwort, in die Wege geleitet. Für diese Art der Immunantwort sind hauptsächlich die Lymphozyten zuständig. Wir verfügen über zwei Unterformen von Lymphozyten: T-Zellen, die auf Probleme im Zellinneren spezialisiert sind (zum Beispiel bei virusinfizierten Zellen oder Krebszellen) sowie B-Zellen, die sich in der Regel um Erreger in unseren Körperflüssigkeiten kümmern (häufig Bakterien). Lymphozyten sind in grosser Anzahl in unserem Körper vorhanden, und jeder einzelne unterscheidet sich ein wenig von den anderen. Das ermöglicht es unserem Körper, auf alle Arten von Erregern zu reagieren. Alle zirkulieren in unserem Lymphsystem und passieren dabei die Lymphknoten. Wenn unsere Phagozyten (Fresszellen)* im Lymphknoten ankommen, präsentieren sie kleine Strukturen des zerstörten Erregers auf ihrer Oberfläche und testen jeden Lymphozyten, um genau denjenigen zu finden, der dagegen reagieren kann. Sobald der entsprechende Lymphozyt gefunden ist, wird er vermehrt und aktiviert. Wenn es sich bei dem Erreger um ein Bakterium handelt, so ist dies ein Fall für die B-Zellen (humorale Immunität). Diese vermehren sich und reifen zu Plasmazellen heran, die dann in der Lage sind, Antikörper freizusetzen. Die Antikörper lagern sich an die Erreger an, immobilisieren sie und ermöglichen es anderen Zellen, z. B. den Makrophagen, den eindringenden Erreger abzutöten. Wenn es sich bei dem Erreger um ein Virus handelt, wandern ausgewählte T-Zellen zum Thymus, einem Organ, in dem sie sich vermehren und aktiviert werden (zellvermittelte Immunität). Einige dieser T-Zellen sind dann in der Lage, sich an die infizierten Zellen zu binden und Moleküle freizusetzen, die diese abtöten. Eine weitere Gruppe von T-Zellen stimuliert andere Immunzellen und verstärkt damit deren Aktivität, während wieder andere eine regulierende Funktion auf sie ausüben, um Schäden an den gesunden Geweben zu vermeiden.
Wichtig zu wissen ist, dass bis zur Wirksamkeit dieser spezifischen adaptiven Immunantwort fast eine Woche verstreicht.
Nach der Infektion: besserer Schutz beim nächsten Mal dank Gedächtnis-Lymphozyten
Wenn die Infektion niedergerungen ist, normalisiert sich alles wieder, doch der Körper merkt sich mithilfe der Gedächtnis-Lymphozyten diese Infektion. Daher kann unser Körper beim nächsten Kontakt mit demselben Erreger viel schneller und effizienter reagieren. Bei der Impfung macht man sich dieses Prinzip zunutze, um den Körper auf die Bekämpfung eines bestimmten Erregers hin zu «trainieren» und ihn so in die Lage zu versetzen, diesen im Fall einer echten Infektion schnell abzutöten.
Aushebelung der Immunantwort
Leider verändern sich manche Krankheitserreger im Laufe der Zeit und können auf diese Weise der Erkennung durch unser Immunsystem entgehen, unsere Immunantwort neutralisieren oder sie sogar zu ihrem eigenen Vorteil nutzen.
Was tun im Fall einer Infektion?
Der Körper braucht viel Ruhe und muss gut hydriert bleiben. Wenden Sie sich an Ihren Arzt, um eine genaue Diagnose und Behandlung zu erhalten. Seien Sie vorsichtig, vermeiden Sie Selbstmedikation, Antibiotika wirken gegen einige Bakterien, aber niemals gegen Viren.
Bitte beachten Sie, dass es viele andere Zellen gibt, die ebenfalls an unserer Immunantwort beteiligt sein können, und dass die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Mechanismen unendlich komplex sind. Dieses Dokument soll Ihnen lediglich die wichtigsten Phasen der Immunantwort auf eine Infektion näherbringen.
Dieser Artikel soll die Grundlagen der Funktionsweise eines Teils des menschlichen Körpers zusammenfassen, ersetzt jedoch in keiner Weise die medizinische Diagnose und Behandlung.
Haftungsausschluß:
Die auf www.swiss-alp-health.ch veröffentlichten Informationen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und sind kein Ersatz für eine individuelle medizinische Beratung oder Behandlung. Die genannten Informationen können nicht als eigenständige Diagnose oder zur Auswahl, Anwendung, Änderung oder Beendigung der Behandlung einer Krankheit verwendet werden. Bei gesundheitlichen Problemen empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen. Jeder Zugriff auf www.swiss-alp-health.ch und deren Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung des Nutzers.
a
- Aeberli, I. et al. Low to moderate sugar-sweetened beverage consumption impairs glucose and lipid metabolism and promotes inflammation in healthy young men: A randomized controlled trial. American Journal of Clinical Nutrition 94, 479–485 (2011).
- Joseph, S. v., Edirisinghe, I. & Burton-Freeman, B. M. Fruit Polyphenols: A Review of Anti-inflammatory Effects in Humans. Critical Reviews in Food Science and Nutrition 56, 419–444 (2016).