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Bottled Life: Nestle's Business with Water (2012)
Bottled Life - Das Geschäft mit dem Wasser
Bottled Life: Nestle's Business with Water (2012) Bottled Life - Das Geschäft mit dem Wasser
Oder: Schwer zu schlucken
Der Lebensmittelgigant Nestlé vergrösserte in den letzten Jahren systematisch seinen Anteil im Flaschenwasser-Markt, indem er Marken aufkaufte und selber welche, etwa "Pure Life", kreierte. So hat sich der Multi einen hochprofitablen Zweig geschaffen, der anhand der Unabdingbarkeit von Wasser nicht austrocknen wird: Jetzt schon setzt Nestlé pro Jahr neun Milliarden Franken damit um.
Über die Geschäfte mit Wasser will Nestlé jedoch nicht reden. Selbst Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck, seines Zeichens auch Botschafter der kostbarsten Flüssigkeit der Welt, verweigert sich den Anfragen der Dokumentarfilmer Urs Schnell und Res Gehriger kategorisch. Nur ein anonymer Nestlé-Mann überliefert Klartext: Dies sei der falsche Film zur falschen Zeit.
Währenddessen der Multi mauert, schicken sich Schnell und Gehriger an, Ungereimheiten aufzudecken: Da ist das Projekt in Äthiopien, das entgegen Nestlés Website-Statement nicht mehr gefördert wird. Da ist das Abpumpen von drei Milliarden Litern Wasser pro Jahr im amerikanischen Bundesstaat Maine - zu Dumpingpreisen und mit entsprechenden ökologischen Konsequenzen. Da ist das geschaffene Abhängigkeitsverhältnis in Ländern wie Pakistan oder Nigeria, wo das Grundwasser abgezapft und teuer an die Bevölkerung verkauft wird. Wasser ist Leben - für Nestlé ist es eine Goldgrube.
Film-Rating
Der Dokumentarfilm Bottled Life entspringt der unversiegbaren Themenquelle namens "Missstände in der heutigen Welt". Immer wieder im Mittelpunkt stehen dabei die natürlichen Ressourcen, und pikant wird es bei einem so lebenswichtigen Gut wie dem Wasser. Nicht dass Nestlé Menschen verdursten lässt oder sich offensichtlich kriminell verhält. Doch die Aggressivität ihrer Expansionsstrategie sowie die Ausreizung der gesetzlichen Grenzbereiche bei der Sicherung neuer Wasserreservate lassen die Sympathien für den Konzern nicht gerade übersprudeln.
Filmisch umgesetzt wurde diese Enthüllungswerk, indem Urs Schnell seinem Kollegen Res Gehriger über die Schulter schaut. Im Michael-Moore-Stil also, aber ohne Unterhaltungsanspruch oder Selbstdarstellertum. Stattdessen geben eine eindrückliche Ansammlung an Interviews und Schauplätzen den Film seine inhaltliche Form, ohne dabei in ein simples Nestlé-Bashing einzustimmen.
Erstaunlich sind in dieser Doku zwei Dinge: dass sich ein geschliffener Redner wie Peter Brabeck tatsächlich nicht auf ein Interview einlässt (eine Konfrontation hätte ihm und Nestlé grundsätzlich Goodwill eingebracht), und wie vier Frauen eines kleines Ortes in Maine erfolgreich den Lebensmittel-Multi in die Knie zwingen, als er ein nahegelegenes Naturschutzgebiet anzapfen will. Es ist eine Episode, die zeigt, dass die kleinen Leute keineswegs chancenlos einem Grosskonzern gegenüberstehen. Jedenfalls nicht die kleinen Leute der ersten Welt.
Ist Wasser ein Grundrecht? Mehr und mehr scheint es zu einer handelbaren Ware zu verkommen, und es bedarf keiner wilden Fantasie, sich aufgrund dieser Entwicklung ein dystopisches Szenario ausdenken. Dies auch, weil Schnell und Gehriger in ihrem aufschlussreichen Film durchblicken lassen, dass nicht alleine Nestlé ein solches Gebaren an den Tag legt. Schöne neue Welt.
OutNow.CH:
24.01.2012 / uas
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