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Etwas oberhalb der Grimselpass-Strasse bei Handegg beginnt die Gelmerbahn. Die elektrisch betriebene Windenbahn mit einem Wagen ist im Rahmen der Bauarbeiten des Grimselwerks der Kraftwerke Oberhasli (KWO) entstanden. In einer ersten Etappe wurde zwischen 1925 und 1932 das Kraftwerk Handegg 1 erbaut, zu dem auch der Gelmersee gehört.
Die von der Firma Von Roll 1926 erstellte Bahn diente zum Materialtransport von der Handegg zur Baustelle der Gelmer-Staumauer. Die leicht gekurvte Linie der Bahn folgt einem in der Fallline verlaufenden Grat. Der anspruchsvolle Unterbau besteht aus Mauerwerk. An einer Stelle verläuft die Strecke über eine 41 m lange Fachwerkbrücke. Wegen der Steilheit der Linie steht im unteren Teil ein Seil-Niederhalter-Joch.
Die offene Talstation besteht aus einer Plattform mit beigestelltem Kassenhaus von 1948. Eine ebenfalls offene Plattform bildet die Bergstation. Das stufig angeordnete Einstell- und Antriebsgebäude in markantem Granitsteinmauerwerk entstand nach einem Entwurf von Jacques Wipf (1888-1947).
Die Bahn wurde so konzipiert, dass sie bei einer Maximal-Steigung von 106 % Lasten bis zu 10 t befördern konnte. Der mit automatischen Zangenbremsen versehene Wagen wird von einer Winde in der Bergstation bewegt.
Im Jahr 2001 wurde die Bahn durch die Firma Doppelmayr umgebaut. In der Bergstation wurde die gesamte Antriebsgruppe (Motor, Getriebe, Betriebs- und Sicherheitsbremse) ersetzt. Gleichzeitig erhielt das Von Roll-Fahrgestell von 1926 einen neuen, nur teilweise überdachten hölzernen Aufbau mit 24 Sitzplätzen. Die ebenfalls neue Steuerung und Überwachung werden durch den Fahrzeugbegleiter bedient.
Seit der Umrüstung bietet die Standseilbahn-Betreiberin KWO atemberaubende Fahrten zum Gelmersee an, dem Ausgangspunkt für Wanderungen und Klettertouren.
Mit 106 % maximaler Steigung ist die Gelmerbahn die steilste Standseilbahn der Schweiz. Die elektrisch betriebene Windenbahn mit einem Wagen ist eine technikgeschichtlich bedeutende Anlage der Firma Von Roll. Errichtet zum Materialtransport im Zusammenhang mit dem Kraftwerkbau ist die Anlage Bestandteil der ausgedehnten Kraftwerksanlage Grimsel. Linienführung, Unterbau, Fahrgestell und das stufig angeordnete Antriebsgebäude aus markantem Granitsteinmauerwerk sind original erhalten. Die zweckdienliche Nachrüstung von 2001 erfolgte im Hinblick auf die Neunutzung der Bahn für den öffentlichen Personenverkehr.
|Konzeption|
|Erschliessungsidee (Vision)||ausgehend vom Standort der Zentrale Handegg Erschliessung des Wasserspeichers Gelmersee für Schwertransporte u. Montage der Rohrleitung|
|Linienführung: Planung, Umsetzung||einem Grat folgende, leicht gekurvte Linie, mit sorgfältig gefügtem Mauerwerks- bzw. Betonschwellenunterbau; mehrere Abschnitte mit grossen vertikalen Ausrundungen (Wannenform)|
|Seilbahntechnik|
|besondere oder typische tech. Konstruktion, Ausführung, Lösung, Materialien||elektrisch betriebene, äusserst steile Windenbahn (Schrägaufzug); Seil-Niederhalter-Joch (Wannenform); spezielle Wagenform (Cabrio) für aufregendes Fahrerlebnis|
|seilbahntechnische Bedeutung: Prinzip, Hersteller||mit 106% maximaler Steigung steilste Standseilbahn der Schweiz u. daher technikgeschichtlich bedeutende Werkbahn aus dem Hause Von Roll|
|Baukunst: Streckenbauwerke, Hochbauten|
|Ingenieurbau||aufgrund der Steilheit der Linie anspruchsvoller Unterbau|
|Architektur||offene Talstation: Plattform mit beigestelltem Kassenhaus (dat. 1948); Bergstation mit offener Aussteigestelle (Plattform) u. dreistufigem Einstell- u. Antriebsgebäude|
|besondere oder typische arch. Konstruktion, Ausführung, Lösung, Materialien||Antriebsgebäude in der gleichen qualitätvollen Formensprache wie die übrigen, von Jacques Wipf entworfenen Kraftwerksbauten: monumentale Architektur in schwer zu bearbeitendem lokalem Granitgestein|
|bautypologische Bedeutung||formal u. funktional integraler Bestandteil der Kraftwerksanlage Grimsel|
|Authentizität: materielle, ideelle Überlieferung|
|Umfang und Qualität der ursprünglichen Komponenten||ansehnlicher Umfang an Bahnkomponenten aus der ursprünglichen Bauzeit: Linienführung, Unterbau u. Fahrgestell einschliesslich Fangbremsen sowie Teil der Hochbauten (Antriebsgebäude) |
|Qualität der Nachrüstungen||zweckdienliche, insbesondere auf die wichtige Neunutzung des öffentlichen Personentransports ausgerichtete Nachrüstungen u. Ersatz von Komponenten im Bereich des Antriebs- u. Bremswerks, der Steuerung u. Überwachungsanlagen|
|funktionale Unversehrtheit||wichtiges Element des professionell betriebenen Tourismussegements der KWO (Erlebniswelt Grimsel)|
|Kulturgeschichte|
|Personen, Firmen, Institutionen||BKW (urspr. Vereingte Kander- u. Hagneck-Werke), KWO (1925 gegründet); erste Etappe des ausgedehnten u. weitläufigen Kraftwerksystems|
|Wirtschaft, Tourismus, Verkehr, Militär||im Umfeld eines historischen Passübergangs; KWO als wichtiger Akteur der schweizerischen Stromproduzenten; seit jüngstem Ausnützung des touristischen Potenzials (Label: "Grimselwelt"); technikgeschichtlich höchst interessanter Gesamtkomplex, in dem die vielfältigen Aufzugsanlagen gepflegt u. kultiviert (vermarktet) werden|
|Räumliche Situation|
|Berücksichtigung der Landschaft, der natürlichen Umgebung, des urban. Kontexts||auf die topografischen Gegebenheiten achtend; kaum Kunstbauten|
|Infrastruktur|
|touristische/betriebliche Infrastruktur||Kraftwerksanlagen; Hotel Handegg; Grimsel Hospiz; "Kraftwerk-Lehrpfad"; Wanderwege; Handeggfall-Brücke; KWO-eigene Tourismusangebote|
|Verkehrsnetze||an der Grimselpass-Strasse (Postauto, Individualverkehr); Meiringen-Innertkirchenbahn MIB|