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"Ein sogenanntes Kreditereignis ist ein etwas eleganteres Konzept, wenn der Schuldner einer bestimmten Verpflichtung nicht nachkommt", sagte Analyst Alejandro Guilarte vom Finanzdienstleister Rendivalores der Zeitung "El Nacional". "Es stellt zwar fest, dass eine bestimmte Forderung nicht erfüllt wurde, lässt aber die Möglichkeit offen, dass das Problem noch gelöst wird."
Die Entscheidung, ein Kreditereignis festzustellen, sei in dem relevanten Gremium mit 15 zu null Stimmen gefallen, teilte der Verband mit. Der Beschluss folgte auf Entscheidungen zwei führender Rating-Agenturen, die jeweils einen Zahlungsausfall Venezuelas festgestellt hatten.
Über die genauen Konditionen will das ISDA-Gremium am kommenden Montag entscheiden. Die Kreditausfallversicherungen, im Fachjargon CDS (Credit Default Swaps) genannt, betreffen venezolanische Staatsanleihen und Schuldpapiere der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA. Das Gesamtvolumen liegt laut ISDA bei fast 1,6 Milliarden Dollar (1,36 Mrd Euro). 1,34 Milliarden Dollar entfallen auf Staatsanleihen, 250 Millionen Dollar auf PDVSA-Schulden.
Der Ökonom und Abgeordnete Ángel Alvarado warnte vor den Folgen eines Totalausfalls. "Die Gläubiger könnten sich organisieren und beispielsweise Öllieferungen beschlagnahmen lassen. Das könnte die Probleme von Venezuela verschärfen und die Portokasse leeren", sagte der Parlamentarier.
Venezuela steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise. Wegen jahrelanger Misswirtschaft, Korruption und des niedrigen Ölpreises verfügt das einst reiche Land kaum noch über Devisen, um Lebensmittel, Medikamente oder Dinge des täglichen Bedarfs zu importieren. Präsident Nicolás Maduro will die Verbindlichkeiten nun neu strukturieren.
Der jüngste Versuch, mit Gläubigern einen Nachlass bei den Staatsschulden von insgesamt über 140 Milliarden US-Dollar (120 Mrd. Euro) zu verhandeln, blieb allerdings ergebnislos. Immerhin gewährt Russland als grosser Gläubiger bei Schulden über 3,15 Milliarden US-Dollar eine längere Rückzahlungsfrist von bis zu zehn Jahren.
In den Zeiten der hohen Ölpreise hatte Venezuela sich einseitig auf diesen Sektor konzentriert. Allerdings versäumte der Staatskonzern PDVSA, in moderne Förder- und Raffinerietechnik zu investieren. So sanken die Öleinnahmen von 39,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2014 auf zuletzt 5,29 Milliarden Dollar. "Es ist dieses gescheiterte Wirtschaftsmodell, das das Land ruiniert hat", sagte der Leiter des Beratungsunternehmens Ecoanalítica, Alejandro Grisanti./bgf/jkr/oca/DP/bgf
(AWP)