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Jan Ullrich stand heute Donnerstag nochmals vor Gericht, weil er vor drei Jahren in Mattwil TG betrunken und mit weit übersetzter Geschwindigkeit einen schweren Verkehrsunfall verursacht hatte. Die Staatsanwaltschaft beantragte eine bedingte Freiheitsstrafe von 17 Monaten und eine Busse von 10 000 Franken. Diese Strafe ist leicht tiefer als die im abgekürzten Verfahren vorgeschlagene.
Das Urteil fiel höher aus als von Staatsanwaltschaft sowie Verteidung verlangt. Das Gericht wollte damit nochmals unterstreichen, dass es die Tat als sehr schwerwiegend einstuft. Ullrich kann das Urteil innert zehn Tagen anfechten.
Das sagt Ullrich zum Urteil:
Raser oder nicht?
Das Bezirksgericht Weinfelden TG wies diesen Urteilsvorschlag zwischen der Staatsanwaltschaft und Ullrich vor zwei Jahren zurück und verlangte eine nochmalige Untersuchung. Das Gericht liess prüfen, ob Ullrich möglicherweise ein Raser-Delikt begangen haben könnte.
Die Geschwindigkeit vor dem Aufprall auf ein Auto, das vor der Unfall-Kreuzung bei Mattwil stand, betrug laut dem Staatsanwalt 132 km/h. Es handle sich deshalb auf der mit Tempo 80 limitierten Strecke nicht um ein Raserdelikt, sondern «nur» um einen Geschwindigkeitsexzess.
«Fühlte mich fahrtüchtig»
Zudem wurde untersucht, ob der Ex-Radrennfahrer wegen Medikamenten nicht fahrtüchtig war. Bei der Befragung gab Ullrich zu, dass er an jenem Alkohol konsumiert hatte. Laut Untersuchung hatte er bei der Fahrt mindestens 1,8 Promille Alkohol im Blut.
«Ich fühlte mich fahrtüchtig», sagte der Beschuldigte auf die Frage der Richterin, weshalb er sich in diesem Zustand ans Steuer gesetzt habe. Es sei spontan ein Freund auf Besuch gekommen, und mit ihm zusammen habe er mehrere Flaschen Weisswein getrunken. Dann habe ihn sein Handy an einen Termin erinnert, den er wahrnehmen musste.
Ullrich verdient 6,5 Millionen Franken pro Jahr
Weiter wurden verschiedene Medikamente im Blut des Ex-Radprofis nachgewiesen. Er habe damals einen Bandscheibenvorfall gehabt, weshalb er Valium einnahm. Weil er nicht habe schlafen können, habe er viel mehr Valium geschluckt als empfohlen. «Aber am Tag des Unfalls nahm ich keine Medikamente», sagte Ullrich vor Gericht.
Ullrich lebt seit Anfang Jahr auf der Mittelmeerinsel Mallorca und als selbständiger Unternehmer. Laut Staatsanwaltschaft verdient der 43-Jährige 6,5 Millionen Franken pro Jahr.So berichtete TVO über den Prozess am Donnerstag in Weinfelden: