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Eine engagierte «Kämpferin» für Gerechtigkeit
17. März 2023
Am 26. Februar ist in Genf Pfarrerin Roswitha Golder plötzlich und unerwartet zu Hause verstorben, nachdem sie am Morgen in der methodistischen Gemeinde Onex noch am Gottesdienst der lateinamerikanischen Gemeinde teilgenommen hatte.
Roswitha Golder wurde 1938 in Bern als älteste von sechs Geschwistern geboren. Die Familie gehörte der Darbystischen Brüderbewegung an. Als sie 1959 einen Mann heiratete, der zur katholischen Kirche gehörte, kam es zum Bruch mit der Brüderbewegung. Mit ihrem Mann wanderte sie nach Laredo in Peru aus. Das Paar hatte drei Söhne.
Als Familie verbrachten sie viele Jahre in Peru, den USA und Mexiko. Roswitha Golder liess sich als Übersetzerin und Dolmetscherin ausbilden und wurde Lehrerin für englische Sprache. Sie beherrschte neben Schweizerdeutsch und Deutsch auch Englisch, Spanisch und Französisch.
Als Roswitha Golder 1981 in die Schweiz nach Genf zurückkehrte, schrieb sie sich an der Theologischen Fakultät ein. Eine tiefe und gefestigte Suche nach der Einheit der unterschiedlichen Kirchen und Gemeinschaften bestimmte ihren weiteren Weg, auf dem sie sich sowohl in den Dienst der reformierten Kirche in Genf stellte wie auch der lateinamerikanischen christlichen Gemeinschaft, die mit der Evangelisch-methodistischen Kirche in Onex verbunden ist.
1991 wurde sie zur Seelsorgerin im Hôpital de Loëx ernannt und 1992 ordiniert. 1994 erlebte sie die Tragödie und den Schmerz des Verlustes ihres Sohnes Christoph. Ausserdem durchlebte sie eine schwere Ehekrise in deren Folge sie wieder ihren Mädchennamen annahm. 1997 wurde Roswitha Golder nach nur sechs Jahren im Amt der reformierten Kirche in Genf frühpensioniert, zusammen mit einer ganzen Reihe anderer Kollegen. Dies löste in ihr eine grosse Wut und ein Gefühl der Ungerechtigkeit aus.
Da öffnete sich für sie die Tür zur lateinamerikanischen Gemeinschaft in Onex, die mit der Evangelisch-methodistischen Kirche verbunden ist. Dort konnte sie ihre Qualitäten und Kompetenzen als interkulturelle, mehrsprachige und vielseitige Pfarrerin einbringen. Als Frau des Friedens gelang es ihr, eine Brücke zwischen der Eglise protestante de Genève (EPG) und der aufnahmebereiten Gemeinschaft zu schlagen. Sie wurde von der EPG als Pfarrerin in diese Gemeinschaft aus Menschen entsandt, die Verfolgung, Exil und Entwurzelung erlitten haben.
Darüber hinaus arbeitete sie weiterhin in einer beeindruckenden Anzahl von kirchlichen Kommissionen, im SEK (heute: EKS), im Ökumenischen Forum Christlicher Frauen in Europa, in der Theologischen Kommission BfA, bei den Evangelischen Frauen Schweiz, im Asylbereich, in der Agora, mit inhaftierten Frauen, die ihr schon immer am Herzen lagen, und in vielen anderen Organisationen.
Roswitha Golder war eine wahre «Kämpferin», eine energische Frau, die von einem lebendigen Glauben, der Liebe zu allen Menschen und einem ausgeprägten Gemeinschaftssinn getragen wurde. Sie machte keinen Hehl aus ihren Überzeugungen, war von Leidenschaft und Enthusiasmus durchdrungen und hatte ein ausgeprägtes Bewusstsein für Gerechtigkeit gegenüber den am meisten Benachteiligten.
Ihre grosse ökumenische Offenheit und ihre Fähigkeit, Brücken zu bauen, waren wertvoll und bemerkenswert. Manchmal wurde sie von ihrem starken Temperament und ihrem unbändigen Willen mitgerissen, aber sie war in der Lage, sich selbst in Frage zu stellen und ihr ganzes Leben lang zu lernen.
Roswitha Golders Lebens- und Glaubensweg bezeugen, dass Gottes Ruf viel umfassender und weitreichender ist als menschliche und kirchliche Institutionen, die oft fehlbar sind, und dass, wenn Mauern das Leben einschränken, der Heilige Geist Wege findet, um sie zu durchbrechen und einzureissen.