Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03408.jsonl.gz/1610

Eine verzögerte Pubertätsentwicklung kann eine Störung der Geschlechtsdrüsen als Ursache haben, sie kann aber auch einfach die Folge einer Verzögerung als Normvariante sein. Bei Jungs wie auch bei Mädchen gibt es «Spätzünder» oder «Spätentwickler», die später in die Pubertät kommen (oft berichten die Eltern ähnliches von sich selbst, siehe auch Pubertät). Durch eine körperliche Untersuchung inklusive Röntgenbild der Hand und je nach Situation auch eine Blutuntersuchung können wir klären, welche Ursache zugrunde liegt und ob eine Therapie notwendig ist.
Je nach Geschlecht ist zu unterscheiden zwischen
Die Geschlechtsdrüsen beim Knaben, die Hoden, besitzen Samenkanälchen zur Bildung von Samenzellen (Spermien) sowie spezielle Zellen (Leydig Zellen) zur Bildung des männlichen Geschlechtshormons (Testosteron). Beides geschieht unter dem Einfluss der übergeordneten Steuerhormone LH und FSH aus der Hirnanhangsdrüse.
Testosteron braucht man(n) vor allem in der Pubertät zur Entwicklung der männlichen Geschlechtsmerkmale, für den Wachstumsschub, den Stimmbruch, die Entwicklung von Scham-, Achsel- und Bartbehaarung, das vermehrte Wachstum der Muskulatur sowie Förderung der Samenbildung.
Störungen der Hodenfunktion können die Bildung der Spermien, die Produktion von Testosteron oder beides betreffen. Je nachdem kann es dann zu einer unvollständigen Ausbildung der männlichen Geschlechtsmerkmale, zu einer Störung der Pubertätsentwicklung und zur Unfruchtbarkeit kommen.
Ursachen können direkte Hodenschädigungen, angeborene Enzymdefekte oder wiederum eine gestörte Ausschüttung der Steuerhormone aus der Hirnanhangsdrüse sein (vgl. Klinefelter-Syndrom, Kallmann-Syndrom). Therapeutisch müssen die männlichen Geschlechtshormone ersetzt werden, um den Heranwachsenden eine normale Pubertätsentwicklung zu ermöglichen.
Beim Mädchen bestehen die Geschlechtsorgane aus zwei Eierstöcken (Ovarien, ein Ovar im roten Viereck), den Eileitern, der Gebärmutter (Uterus) und der Scheide (Vagina). Bereits bei Geburt befinden sich in den Eierstöcken des neugeborenen Mädchens hunderttausende von Ei-Anlagen, die dann in der Pubertät heranreifen. Eine wichtige Rolle für die Pubertätsentwicklung spielen die stimulierenden Gonadotropine (LH, FSH) aus der Hirnanhangsdrüse und die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron aus den Eierstöcken.
Auch Testosteron wird in geringen Mengen in den Eierstöcken (und in den Nebennieren) produziert. Neben der Pubertätsentwicklung sind die weiblichen Geschlechtshormone auch für das Wachstum und die Knochengesundheit wichtig.
Bei einer gestörten Funktion der Ovarien kommt es je nach Ausprägung zu einer unvollständigen oder fehlenden Pubertätsentwicklung, die unbehandelt zu Unfruchtbarkeit führen kann. Damit in diesem Fall die Pubertätsentwicklung normal verläuft, müssen in der Regel die weiblichen Geschlechtshormone nach einem genau auf das Alter abgestimmten Schema eingenommen werden (vgl. dazu Turner-Syndrom).