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Im Rahmen der Studie wurden insgesamt 390 Pestizide der EU-Pestiziddatenbank angeschaut und bewertet, darunter:
Für die Bewertung und den Vergleich wurden einerseits die Gefahren-Klassifizierungen gemäss dem UN-System «Globally Harmonized System of Classification and Labelling of Chemicals (GHS)» und andererseits die gesundheitlichen (ernährungs- und arbeitsmedizinischen) Richtwerte aus dem EU-Zulassungsverfahren herangezogen.
Die Auswertungen ergaben, dass Pestizid-Wirkstoffe, die für den Einsatz in der konventionellen und integrierten Landwirtschaft zugelassen sind, gefährlicher für Mensch und Umwelt sind als die natürlichen Wirkstoffe, die in der ökologischen Landwirtschaft eingesetzt werden dürfen. So zeigte sich, dass ein deutlich höherer Anteil der nur in der konventionellen Landwirtschaft verwendeten Pestizid-Wirkstoffe mit Angaben zu Gesundheits- oder Umweltrisiken bzw. mit Umweltgefahrenhinweisen versehen waren als bei den für den ökologischen Landbau zugelassenen Wirkstoffe.
Die Gefahren-Klassifizierungen werden von den Zulassungsbehörden vorgenommen. Entsprechende Gefahrenhinweise, auch H-Sätze (von engl.: Hazard Statements) genannt, sind auf Packungen und Sicherheitsdatenblättern zu finden. Mit diesen H-Sätzen wird auf physikalische Gefahren (z.B. Explosionsgefahr), Gesundheitsgefahren (z.B. akute Toxizität oder Kanzerogenität) und Umweltgefahren, darunter akute und chronische Gewässertoxizität, aufmerksam gemacht.
Hinsichtlich der akuten aquatischen Toxizität sind 39,8 Prozent (102 Wirkstoffe) der konventionellen Pestizide als sehr giftig für Wasserorganismen eingestuft, aber nur 1,5 Prozent (2 Wirkstoffe) der biologischen Pestizide, nämlich die beiden Insektizide Pyrethrine und Spinosad. Was die chronische aquatische Toxizität betrifft, so sind 49,6 Prozent (127 Wirkstoffe) der konventionellen Pestizide als schädlich, giftig oder sehr giftig für Wasserlebewesen mit langfristiger Wirkung klassiert, während wiederum nur 1,5 Prozent (2 Wirkstoffe) der biologischen Pestizide als sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung eingestuft sind. Bei den zwei Wirkstoffen handelt es sich ebenfalls um die beiden Insektizide Pyrethrine und Spinosad.
Die Unterschiede im Gefahrenprofil der biologischen und konventionellen Pestizide werden von den Studienautoren auf unterschiedliche Wirkungsweisen zurückgeführt:
Fast alle synthetischen Pestizid-Wirkstoffe, die in der Studie angeschaut wurden, entfalten ihre Wirkung durch Beeinflussung biochemischer Prozesse in den jeweiligen Zielorganismen. Sie wirken als Single-Site-Inhibitoren von Enzymen oder Rezeptoren, die für den Zellstoffwechsel und für die Kommunikation innerhalb der Zelle und zwischen verschiedenen Zellen wesentlich sind. Unerwünschte Schadwirkungen in Nicht-Zielorganismen sind dabei nicht ausgeschlossen. Unter den biologischen Pestiziden der Studie hingegen fanden sich nur drei Insektizide (Azadirachtin, Pyrethrine und Spinosad) mit solch einem Wirkmodus als Single-Site-Inhibitoren.
Publikation der Studie in Toxics
Die gesamte Studie kann in der frei zugänglichen Zeitschrift Toxics nachgelesen werden:
Helmut Burtscher-Schaden, Thomas Durstberger, Johann G. Zaller (2022): Toxicological Comparison of Pesticide Active Substances Approved for Conventional vs. Organic Agriculture in Europe. Toxics 10, 753. https://doi.org/10.3390/toxics10120753 (Toxics | Free Full-Text | Toxicological Comparison of Pesticide Active Substances Approved for Conventional vs. Organic Agriculture in Europe (mdpi.com))
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