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Geschichte
Hall of Fame
Von der Pfarrkirche zum Kulturzentrum
Bereits im Mittelalter errichteten die Ritter von Boswil auf dem Moränenhügel am Dorfrand eine Fluchtburg, die später durch eine romanische Kirche erweitert wurde. Die Grundmauern sind noch heute im Bereich des Foyers der Alten Kirche zu sehen. 1483 ging der Besitz an das Kloster Muri über. Die Alte Kirche im barocken Stil, wie wir sie heute kennen, wurde 1664 fertiggestellt. Um das Jahr 1700 entstand das Sigristenhaus. Dies ergaben dendrochronologische Untersuchungen, die 2018 im Rahmen der geplanten Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes gemacht worden waren. Das mächtige Pfarrhaus, unser heutiges Haupthaus, kam 1757 hinzu. Nachdem Boswil und Bünzen grössere Kirchbauten erstellt hatten, wurde die Alte Kirche 1890 profanisiert. In der Folge diente sie dem Glasmaler Richard Nüscheler 40 Jahre lang als Atelier.
Unterstützung bedeutender Künstler
1953 gründeten Willy Hans Rösch und Albert Rajsek eine Stiftung mit dem Ziel, die Alte Kirche und das alte Pfarrhaus Boswil vor dem Abbruch zu retten und hier ein Heim für betagte und mittellose Künstler zu schaffen. Renommierte Künstler wie Pablo Casals, Clara Haskil, Wilhelm Backhaus, Geza Anda, Yehudi Menuhin, Edzard Schaper und Maria Becker trugen in der Folge mit Benefizveranstaltungen zur Tragfähigkeit der Stiftung bei.
1960 zogen die ersten Pensionäre ins renovierte Pfarrhaus, unter ihnen die Maler Carl Zürcher und Walter A. Steffen, der Regisseur Kurt Früh und die Tänzerin Stefanie Darras. Zur selben Zeit begann der neu gegründete Verein Künstlerhaus Boswil mit der Organisation von Veranstaltungen; später kamen Kurse, Symposien und Tagungen hinzu: der Meisterkurs von Marcel Moyse, der Internationale Kompositionswettbewerb (begründet von Klaus Huber), das Symposium «Musik in dieser Zeit» (Kurt von Fischer). Im 1970 erworbenen Atelierhaus erhielten KomponistInnen und bildende KünstlerInnen aus den damaligen Ostblockländern vorübergehend Arbeitsmöglichkeiten.
Vom Künstlerheim zum Künstlerhaus
Mit dem Tod der letzten Pensionärin 1991, begann eine Neuorientierung: Willy Hans Rösch, der Mitbegründer und langjährige Leiter, trat zurück, der Stiftungszweck wurde neu definiert. Das Künstlerheim wurde zum Künstlerhaus. Boswil profilierte sich in der Folge als Kulturzentrum, das in öffentlichen Veranstaltungen, in Weiterbildungsangeboten und Atelieraufenthalten Impulse und Akzente in einem breiten kulturellen Spektrum (klassische Musik, Jazz, Literatur, Bildende Kunst, Tanz, Theater) setzte.
Ort der Musik
Seit 2006 widmet sich das Künstlerhaus Boswil als Kulturleuchtturm mit kantonalem Leistungsauftrag ausschliesslich der Musik. Im Zentrum steht die klassische Musik. Wir gestalten verschiedene Konzertreihen (Boswiler Meisterkonzerte, Kinderkonzerte) und das Festival Boswiler Sommer. Die Boswiler Akademie bietet ein breites Spektrum im Bereich der musikalischen Aus- und Weiterbildung für Profis und Amateure. Am Künstlerhaus sind zudem eigene Ensemble- und Orchesterprojekte beheimatet, wie das Ensemble Boswil, das Jugend-Sinfonieorchester Aargau, das Jugendorchester Freiamt und die Boswiler Orchesterakademie für Amateure. Zusätzliche Akzente setzen einmalige Events: 2009 formierten sich im Rahmen der «Boswil Show 09» 640 Mitwirkende zum «Largest Cowbell Ensemble» der Welt und erreichten einen Eintrag im Guinness-Buch der Weltrekorde. 2011 erklang erstmals überhaupt, in Kooperation mit murikultur, eine Gesamtaufführung von Franz Schuberts Werk für Klavier vierhändig. Und im gleichen Jahr realisierte das Künstlerhaus während des Boswiler Sommers die Schweizer Erstaufführung von Karlheinz Stockhausens Helikopter-Streichquartett.