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Bromelien werden in der Trockenperiode zu wahren Zisternen.
Die Beziehungen zwischen den Lebewesen sind stets intrigant. Je länger wir das Verhalten der verschiedenen Spezies beobachten, umso sicherer werden wir, dass das Wort Abhängigkeit eine Konstante in jeder Beziehung ist. Manche Verbindungen zwischen den Lebewesen sind offensichtlich, andere nicht so sehr. Es genügt, zu leben, um von etwas abhängig zu sein. Nichts, was lebt, kann unabhängig überleben. Nur wir Menschen, obwohl im Bewusstsein dieser Abhängigkeit, tun so, als ob es nicht notwendig sei, das Leben in seinen vielen verschiedenen Formen zu erhalten.
Ich habe mal etwas über die “Erva-de-passarinho“ (im Volksmund wörtlich: Vogelkraut) geschrieben – aus der Familie der Riemenblumengewächse (Loranthaceae) – und der interessanten Strategie verschiedener Vögel, mit diesem Kraut, das als Halbparasit auf Bäumen und Sträuchern wächst, sich einen Nahrungsvorrat für den Winter anzulegen. So wie wir uns manchmal daran erinnern, die Baumarten in den Grünanlagen der Stadt zu variieren, um die Vögel während des ganzen Jahres mit Nahrung zu versorgen, legen sie in unseren Bäumen hängende Gärten an. Für uns bestehen diese Gärten aus Parasiten – für die Vögel sind es Restaurants.
Wenn die “Erva-de-passarinho” nur die Vögel begünstigen würde, könnte man von einer egoistischen – obgleich gerechten – Überlebensstrategie sprechen. Wenn wir jedoch einmal das Wirken der Vögel als “Waldarbeiter“ aus der Nähe betrachten, entdecken wir Beispiele von Dienstleistungen, welche die verschiedensten Arten begünstigen. Betrachten wir einmal die “Saíras“ (volkstümlicher Name für verschiedene Singvögel) und der “Bromélias“ (Bromelien) – in diesem Fall nicht hinsichtlich ihres bunten Gefieders und ihrer dekorativen Formen als ornamentale Pflanzen – sondern, um eine bedeutende Beziehung zwischen zwei Lebewesen kennenzulernen.
Während der Trockenperiode (Winter) verwandeln sich die Bromelien in kleine Zisternen – in Wasserreservoirs, durch die sie das Überleben unzähliger Arten garantieren, mikroskopisch kleine, winzige Amphibien, Schlangen, Vögel und Säugetiere, wie die Nasenbären und die Affen. Die Bromelien speichern das Regenwasser in ihrem Inneren, und selbst wenn es nicht regnet fangen sie den Tau auf, dessen Tropfen zur Basis ihrer Blätter herunterrinnt – dort verbleibt das gespeicherte Wasser zur Verfügung diverser Tiere, um ihren Durst zu stillen.
Viele dieser Reservatorien werden von den “Saíras“ in den Baumkronen gepflanzt. Der Agraringenieur und Ex-Präsident der Brasilianischen Bromelien-Gesellschaft, erzählte einmal, dass die Saíras ihre Schnäbel an Baumzweigen säubern, nachdem sie von den Früchten der Bromelien gefressen haben, oder sie hinterlassen Samen derselben in ihrem Kot und “pflanzen“ auf diese Weise ihre hängenden Gärten im Wald. “Bromelien der Gattungen Aechmea, Nidularium, Billbergia und Neoregelia liefern den verschiedensten Vögeln Früchte zur Ernährung“, bestätigte er. Und sie werden zu einer Oase zu Zeiten der allgemeinen Trockenheit.
Aus unserer Sichtweise sind die Bromelien lediglich dekorative Pflanzen, und weil sie Wasser speichern, verwandeln sie sich in potenzielle Brutstätten der Dengue-Moskitos, unter anderen, und gefährden daher unsere Gesundheit. Es gibt sogar Kampagnen, die darauf hinweisen, die Bromelien aus dem Garten zu entfernen. Und da ist sie wieder: unsere extrem egoistische Sicht der Dinge! Wahrscheinlich werden sie einwenden, dass es wichtiger ist, die Brutstätten der Moskitos zu eliminieren, als einer Laune nachzugeben, Bromelien im Garten zu kultivieren. Leider wissen nur wenige Menschen, dass beides möglich ist: Es genügt nämlich ein Löffelchen voll Kaffeesatz im gespeicherten Wasser der Bromelie, und schon ist es für die Moskitos “off limits“ – für ihre Reproduktion unbrauchbar.
Wenn die “Saíras“ Bromelien im Wald “pflanzen“, leisten sie zahllosen Arten einen grossen Dienst. Und das ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich die Diversifikation der Spezies niemals von der Einheit des Ganzen entfernt. Die Lebewesen hängen nicht nur von einander ab, sondern sie kooperieren auch miteinander. Diese Kooperation mag keine Absicht sein, aber sie ist natürlich und real.
Wir Menschenwesen reagieren in den meisten Fällen nur intentional. Einige korrekt und gut, andere egoistisch und wenig lobenswert. Ich denke, das die Beispiele in der Natur eine Einladung sind, eine Haltung ohne gute oder schlechte Absichten einzunehmen – einfach eine natürliche Haltung. Eine Pflanze zu kultivieren, die Nahrung für die Vögel produziert, ist eine solche Haltung, eine Geste der Kooperation mit dem Leben. Und wenn Sie bemerken, dass andere Lebewesen von ihrer Haltung profitieren, betrachten sie es als eine natürliche Konsequenz aus ihrer Gesinnung. Denn wer Leben sät, der wird auch nichts anderes ernten.