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Wie in Paris das Hôtel de Crillon und das Ritz, so steht in Nancy das Grand Hôtel de la Reine ebenfalls in einem ehemaligen Adelspalast. Und alle drei Häuser befinden sich an einem für ihren Ort bedeutenden Platz. In Nancy verdichtet sich in den Mauern des Grand Hôtels nicht nur Architektur-, sondern auch Stadtgeschichte.
Die Schlacht bei Nancy im Jahr 1477 verleiht der Stadt grosse Aufmerksamkeit. Karl der Kühne wird mit Hilfe der Habsburger und der Eidgenossen vor den Toren der Stadt hingemetzelt. Darauf Bezug nehmend kennen in der Schweiz viele folgenden Spruch: „Karl der Kühne verlor bei Grandson das Gut, bei Murten den Mut, bei Nancy das Blut.“
In der Folge wird Nancy Hauptstadt des Herzogtum Lothringen und erhält einen Herzogspalast. Es findet eine rege Bautätigkeit im Auftrag von Adligen, Beamten und Bürgern statt. So entsteht im 16. Jahrhundert eine Neustadt im Schachbrettmuster. Da die Befestigungsmauern der Altstadt zur Neustadt nicht geschleift wurden, besteht Nancy bis ins 18. Jahrhundert aus zwei getrennten Hälften.
Erst mit dem Erscheinen von Stanislas Leszcynski (1677-1766), der 1737 zum Herzog von Lothringen und Bar ernennt wird, erhält die Stadt ihr einheitliches Erscheinungsbild, wie wir es heute kennen. Stanislas bewegtes Leben wäre wohl nur noch für Historiker von Interesse, wenn er nicht seine letzten dreissig Jahre in Lothringen verbracht und Nancy zur Königsstadt umgebaut hätte. Er wird in Lemberg, heute Lwów in der Ukraine, geboren. Sein Schicksal ist es, zwei Mal zum polnischen König gewählt zu werden. Der polnische Thronfolgerkrieg beendet seine Karriere als König und er flieht zusammen mit seiner Frau, Gräfin Catharina Opalinska, nach Lothringen. Ihre Tochter Maria Leszcynska ist seit 1725 mit König Louis XV verheiratet. Dank der finanziellen Unterstützung durch den prominenten Schwiegersohn kann Stanislas eine rege Bautätigkeit entwickeln.
Er versammelt ein Team aus Kunsthandwerkern und dem Architekten Emmanuel Héré (1705-1763) um sich, das zuerst in der Region Schlösser und Adelshäuser baut. Doch mit dem Place Royale, dem heutigen Place Stanislas in Nancy, gelingt ihnen das Meisterstück. Dieser neue Platz ist das verbindende Glied zwischen Alt- und Neustadt, auf das Nancy so lange warten musste. Der rechteckige Platz wird im Süden vom Rathaus beherrscht. Im Osten und Westen stehen je zwei ähnliche Gebäude, wobei sich das erste Haus im Osten Pavillon Alliot nennt und heute das Grand Hôtel de la Reine beherbergt. Die Gebäude sind aus hellem Kalkstein gebaut und im Louis XIV-Stil gehalten.
Dem Rathaus gegenüber rahmen flache Gebäude den Triumphbogen ein.
Dieser führt in nördlicher Richtung auf den Place de la Carrière, der mit dem Gouverneurs-Palast seinen Absschluss findet.
Kolonaden bilden den Eingang zum Gouverneurs-Palast, der ebenfalls von Emanuel Héré erbaut wurde.
Als Dank an seinen Schwiegersohn beherrscht die Platzmitte eine Bronzestatue von Louis XV, die bei der französischen Revolution zerstört wird und später durch die heutige Stanislas-Statue ersetzt wird. Der Königsplatz ist 1755 fertig gestellt. Seit 1831 nennt er sich Place Stanislas, seit 1983 ist er UNESCO-Kulturerbe und seit 2005 glänzt er nach einer Renovation wieder in alter Pracht.
Zu den Schönheiten des Platzes gehören die goldenen Tore und Bögen von Kunstschmied Jean Lamour (1686-1771), der auch die Treppengeländer des heutigen Grand Hôtels gefertigt hat.
Von der Platzmitte sieht man zwischen den zwei seitlichen Palais sowohl in östlicher wie in westlicher Richtung je ein Stadttor, die das ganze Ensemble in diese Richtungen abschliessen.
Östlich liegt der Stadtpark Pépinière mit seinem alten Baumbestand.
Südöstlich verströmt der Place d’Alliance mit seinem Brunnen, auf dem ein Putto des Ruhms die Trompete bläst, Ruhe.
Im Pavillon Alliot wohnte der Gutsverwalter des Königs, Monsieur Alliot. Es dient aber schon damals auch als Gästehaus des Herzogs. Vom 9. auf den 10. Mai 1770 übernachtet Marie-Antoinette, die zukünftige Frau von Louis XVI, mit grossem Brautzug darin. Die vierzehnjährige befindet sich auf dem Weg von Wien nach Paris, wo am 16. Mai im Schloss Versailles die Vermählung stattfindet. 1889 wird aus dem Pavillon Alliot endgültig ein Haus für Gäste und Reisende: Das heutige Grand Hôtel de la Reine richtet sich darin ein. Der Name des Hotels nimmt natürlich Bezug auf die eine Nacht, die Marie-Antoinette als zukünftige Königin hier verbracht hat.
Das Grand Hôtel de la Reine wird als Vier-Sterne-Haus betrieben. Während im Restaurant Le Stanislas die Gourmet-Küche zelebriert wird, kommt die Bar Le Stan einfacher daher. Eine sehr kleine Karte bietet ein paar Cocktails zur Auswahl, die dann auch sehr gut zubereitet werden.
Cocktails, die nicht auf der Karte stehen, können nicht hergestellt werden. Selbst der Martini-Klassiker kann nicht bestellt werden. Wir haben keine Bar in Nancy gefunden, die den Martini mixt. Chips oder Nüsschen werden keine aufgetischt. So begnügen wir uns zum Aperitif mit Pastis (EUR 4.- / 4cl).
Das Personal ist zurückhaltend freundlich. Bei schönem Sommerwetter sitzen die Gäste des Restaurants und der Bar alle draussen auf dem Place Stanislas.
Mein Namensvetter Larry Hagman alias J.R. aus Dallas wohnt im Jahr 2003 im Grand Hôtel de la Reine. Er weilt in Nancy, um die „World Transplant Games“ mit seiner Anwesenheit zu unterstützen.
Restaurants: Le Stanislas - Gourmetrestaurant, Bar Le Stan; Zimmer: 46 Zimmer & Suiten; Adresse: Grand Hôtel de la Reine, 2 place Stanislas, 54000 Nancy / http://www.hoteldelareine.com