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Novak Djokovic nimmt den nächsten Anlauf, das French Open zu gewinnen und damit seine Grand-Slam-Pokalsammlung zu vervollständigen. Zu den gefährlichsten Herausforderern des Serben gehört Titelverteidiger Stan Wawrinka.
Erstmals seit dem Australian Open 2005 steht nur ein Schweizer im Männer-Haupttableau eines Grand-Slam-Turniers. Die Absage von Roger Federer nach 65 bestrittenen Majors in Serie war die erste grosse Schlagzeile beim diesjährigen French Open. Der frühere Profi Mardy Fish fordert im Spass gleich die Absage des Turniers. Ein French Open ohne Federer gab es letztmals 1998, Rekordsieger Rafael Nadal war damals erst zwölf Jahre alt.
An der Ausgangslage ändert das Forfait von Federer wenig. Der Baselbieter hatte wegen seinen diversen körperlichen Rückschlägen in den letzten Wochen und Monaten keine realistischen Chancen auf den zweiten Triumph an der Porte d'Auteuil nach 2009. Erster Profiteur von Federers Verzicht ist Nadal, der dadurch in der Setzliste auf Platz 4 vorrückte und erst ab dem Halbfinal auf seine stärksten Widersacher treffen würde.
Novak Djokovic, Andy Murray und Stan Wawrinka bilden neben Nadal den engsten Favoritenkreis. Es ist bezeichnend für die Stärke des Schweizer Tennis in den letzten Jahren, dass wie 2005 beim Australian Open der einzige Schweizer auch Titelverteidiger ist. Damals in Melbourne war es Federer, ab Sonntag in Paris strebt Wawrinka die Wiederholung seines letztjährigen Coups an, den er mit dem überragenden Finalsieg gegen Djokovic abgeschlossen hatte.
Die Resultate seit seinem Turniersieg in Dubai Ende Februar waren bei den grossen Turnieren eher enttäuschend. «Er hat schwierige Wochen hinter sich», gibt sein Coach Magnus Norman zu. «Aber er macht im Training die ganze Zeit Fortschritte. Die Richtung stimmt.» Der Schwede machte eine mentale Verwundbarkeit seines Schützlings für die Baisse verantwortlich. Wichtig sei, dass Wawrinka seinen Rhythmus finde.
Bei den Grand-Slam-Turnieren gelang es Wawrinka zuletzt immer, sich kontinuierlich zu steigern. Der 31-Jährige aus Lausanne hat bei den zweiwöchigen Events im Normalfall einen leichteren Einstieg und kann sich über mehrere Tage in Form spielen. Seit seinem ersten Grand-Slam-Triumph beim Australian Open 2014 verpasste Wawrinka den Einzug in die zweite Woche eines Majors nur einmal: 2014 beim French Open. In diesem Jahr trifft er in der 1. Runde auf den Tschechen Lukas Rosol (ATP 68), dem er am Freitag auch in Genf gegenüber stand. Im Viertelfinal könnte er mit Milos Raonic (ATP 9) auf den ersten Top-10-Spieler stossen. Raonic schlug ihn zuletzt beim Australian Open.
Während Wawrinka die untere Tableauhälfte zusammen mit Andy Murray anführt, sind im oberen Teil Novak Djokovic und Rafael Nadal topgesetzt. Im Halbfinal könnte es zum 50. Duell zwischen den beiden kommen. In den letzten drei Jahren standen sie sich in Roland Garros jeweils immer gegenüber, 2013 und 2014 siegte Nadal, im letzten Jahr konnte Djokovic triumphieren. Obwohl Nadal beim French Open nur 2 von 72 Partien verloren hat und mit neun Erfolgen Rekordsieger ist, trägt Djokovic die grosse Favoritenbürde.
Djokovic, der am Sonntag seinen 29. Geburtstag feiert, ist die klare Nummer 1 der Weltrangliste, Sieger von fünf der letzten sieben Grand-Slam-Turnieren und auch in diesem Jahr mit einer Bilanz von 37:3 Siegen der Dominator. In der laufenden Saison bietet sich dem Australian-Open-Sieger sogar die Möglichkeit, den «Golden Slam» zu gewinnen, die vier Grand-Slam-Turniere plus olympisches Gold. Zudem kann er mit dem Vorstoss in den French-Open-Halbfinal als erster Spieler die Marke von 100-Millionen-Dollar Preisgeld knacken.
Bloss: Bislang brachte ihm das French Open kein Glück. Seit 2012 verlor er dreimal im Final. Der Druck, der nun auf ihm lastet, ist gross. Mit Boris Becker, Stefan Edberg, Pete Sampras und Jimmy Connors scheiterten andere grosse Namen beim Versuch, ihre Grand-Slam-Trophäensammlung in Paris zu vervollständigen. Die Aufgabe scheint für Djokovic in diesem Jahr schwieriger als noch 2015.
Nadal hat wieder zu einer ansprechenden Form gefunden und die Sandturniere in Monte Carlo und Barcelona gewonnen. Andy Murray siegte zuletzt in Rom dank dem Finalsieg gegen Djokovic. Kei Nishikori und Nick Kyrgios, die beide im gleichen Tableauviertel wie Murray sind, ist am ehesten eine Überraschung zuzutrauen. (pre/sda)
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