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«Mieux vaut être petit et voir grand, qu’être grand et voir petit.»
Gabriel Duc war ein Pionier der Neonatologie. Er setzte sich in Klinik, Forschung und Lehre für die Kleinsten ein und verhalf damit diesem Fach in der Schweiz und international zu grosser Anerkennung.
Der Wegbereiter kam am 18. Januar 1932 in Chermi- gnon (VS) zur Welt, studierte Medizin in Lausanne und bildete sich in Bern zum Pädiater weiter. Seine Leidenschaft für Neugeborene führte ihn 1967 ans berühmte Babies Hospital der Columbia University in New York. Dort erhielt er von seinem Mentor, Prof. William A. Silverman, prägende Impulse.
1970 berief ihn der Zürcher Regierungsrat auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Neonatologie an der Universität Zürich, einen der ersten in Europa. Gleichzeitig wurde er Leiter der Neugeborenen-Abteilungen am Universitätsspital und am Kinderspital Zürich. Von der Eröffnung der Klinik für Neonatologie 1978 bis zu seiner Emeritierung 1997 war er deren umsichtiger Direktor.
Gabriel Duc stiess zahlreiche Neuerungen in der Behandlung von Neugeborenen an. Er kämpfte dafür, dass Neugeborene, die seit jeher von den Geburtshelfern versorgt wurden, ab Geburt von Neonatologen in eigener Verantwortung betreut wurden. Gegen anfänglich starken Widerstand öffnete er die traditionell verschlossenen Säuglings- zimmer für die Eltern und bezog diese bewusst in die Pflege ihrer kranken Neugeborenen ein. Er setzte sich dafür ein, dass Mütter mit drohender Frühgeburt oder fetalen Problemen in ein Perinatalzentrum verlegt wurden. Dort konnten Mutter und Kind(er) vor, unter und nach der Geburt multidisziplinär optimal betreut werden.
All diese Neuerungen führten nachweisbar zu einer Senkung der Mortalität und Morbidität von Neugeborenen. Dieses Ziel erreichte er mit Beharrlichkeit, diplomatischem Geschick, und nicht zuletzt mit seinem Charme.
Gabriel Duc hatte ein breites Forschungsinteresse und konnte dieses zahllosen Schülern weitergeben. Er befasste sich mit dem Sauerstofftransport im menschlichen Körper und konnte zeigen, dass dieser wie ein Medikament dosiert werden muss: Bei Frühgeborenen führt zu wenig Sauerstoff zu Hirnschäden und zu viel zu Blindheit. Er war Mitinitiant für erste randomisierte, kontrollierte, multizentrische Studien und förderte nicht-invasive Methoden wie die transkutane Sauerstoffmessung, die 133-Xenon Clearance, die Nahinfrarot-Spektroskopie, die Sonographie und die Magnetresonanz-Tomographie.
Als Dozent verstand es Gabriel Duc, Generationen von Studierenden für die kleinsten Patienten zu begeistern. Sein Credo war: Kinder haben ihre eigenen physiologischen Gesetze und sind nicht einfach kleine Kopien von Erwachsenen. Gabriel Duc war gesellig und pflegte mit Mitarbeitenden aller Funktionen einen Umgang auf Augenhöhe. Er konnte gut zuhören und sich in die Lage seiner Gesprächspartner versetzen. Manche heikle Situation konnte er durch sein Mitgefühl und seinen Humor entschärfen. Grosse Empathie brachte er auch den Eltern kritisch kranker Kinder entgegen, nicht zuletzt wegen schmerzhafter Erfahrungen in der eigenen Familie.
Er erkannte früh die Grenzen einer Intensivbehandlung bei Neugeborenen und stiess eine bis heute anhaltende Diskussion um medizinisch-ethische Entscheidungen in der Intensivmedizin bei extremen Frühgeborenen an. Er wurde zu Beginn stark kritisiert, weil er eine medizinisch-ethische Güterabwägung befürwortete, die bei Kindern mit sehr ungünstiger Prognose der Unterlassung oder dem Abbruch lebenserhaltender Therapiemassnahmen den Vorzug vor einer Maximalbehandlung gab.
Nach seiner Emeritierung nahm er weiter Anteil an der Entwicklung seines Faches, ohne sich aufzudrängen. Seine zahlreichen Schüler und Nachfolger erinnern sich gerne an sein grosses Engagement für die Allerkleinsten, seine Visionen, seinen kritischen Geist und seinen Humor.
Hans Ulrich Bucher, Diego Mieth, Jean-Léopold Micheli, Gregor Schubiger, Christian Kind, Romaine Arlettaz, Riccardo Pfister, Jean-Claude Fauchère, Dirk Bassler
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