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2. Juni bis 14. Oktober 2007
Das fotografische Werk von Barnabás Bosshart, 1947 in Herisau geboren, zeichnet sich durch persönliches Engagement, thematische Konzentration sowie durch eine direkte, expressive Bildsprache aus. Nach seiner Ausbildung an der Fotoklasse der Kunstgewerbeschule Zürich avancierte Bosshart in kurzer Zeit zum gefragten Modefotografen in der Fashionmetropole London. Aber schon in den siebziger Jahren kehrte er der Scheinwelt der Modebranche den Rücken, um nach anderen Lebensformen zu suchen. Nach längeren Reisen liess er sich 1980 in Brasilien nieder. Seit jener Zeit setzte er sich in verschiedenen Projekten mit der Wirklichkeit seiner Wahlheimat auseinander.
João do Gilo (Kauar), Maranhão 2005
© Barnabás Bosshart / Fotostiftung Schweiz
In der Samba-Schule Mangueira, Rio de Janeiro 1992
© Barnabás Bosshart / Fotostiftung Schweiz
Maísa Pereira, Alcântara 1984
© Barnabás Bosshart / Fotostiftung Schweiz
Die Fotostiftung Schweiz präsentiert in einer Ausstellung und einem Buch die drei wichtigsten und umfangreichsten Brasilien-Arbeiten, in denen Bosshart unterschiedliche fotografische Ansätze verfolgte. In "Alcântara do Maranhão", entstanden in den achtziger Jahren, schuf er eine eindrückliche Porträtserie, um die magische Atmosphäre und das melancholische Lebensgefühl der ehemaligen, dem Untergang geweihten Kolonialstadt im Nordosten Brasiliens einzufangen. Mit "Rio Exposto" (1991-93) stellte sich Barnabás Bosshart die Aufgabe, die Lebensbedingungen in den Vorstädten von Rio de Janeiro zu erkunden. Er zeichnet das Bild einer entwurzelten und entfesselten Gesellschaft, in welcher Normalität und Wahnsinn, Hoffnung und Verzweiflung, Brutalität und Sinnlichkeit unvermittelt aufeinander prallen. Das dritte grosse Projekt, abgeschlossen im Jahr 2005, widmete Barnabás Bosshart schliesslich den Nachfahren der ursprünglichen Bewohner Brasiliens, indem er in die kaum erforschte Welt der Canela-Apanyekra-Indianer im Bundesstaat Maranhão eintauchte. Seine Fotografien erzählen vom Stolz und von der ungebrochenen Vitalität einer kleinen, isolierten Schicksalsgemeinschaft. Sie geben Einblick in eine verwirrende Vielfalt von Ritualen und Zeremonien, ohne das Exotische zu überhöhen oder das Ursprüngliche zu verklären. Und sie bezeugen den Reichtum einer Kultur, welche von den letzten 800 Mitgliedern eines einst grossen Volkes in unsere Tage hinübergerettet wurde.