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«Starke Zürcherinnen: Wie sie vor 1971 Einfluss nahmen»
Ein Rückblick auf die Ausstellung in der Schatzkammer
Am 7. Februar 1971 beschloss die männliche Bevölkerung der Schweiz in einer Volksabstimmung die Einführung des Frauenstimmrechts auf eidgenössischer Ebene, womit auch im letzten europäischen Land der Ausschluss der Hälfte der Bevölkerung von der politischen Partizipation beendet war. Obwohl den Schweizer Frauen bis vor 50 Jahren keine direkte Mitbestimmung an den politischen Entscheidungen zugestanden wurde, waren viele von ihnen aktive Gestalterinnen der politischen, kulturellen und sozialen Entwicklungen der vergangenen Jahrhunderte: Sie führten erfolgreiche Unternehmen, setzten sich für ein Recht auf Bildung ein, engagierten sich für verbesserte Arbeitsbedingungen oder prägten den politischen Diskurs. Gerade im Gebiet des heutigen Kantons Zürich gibt es zahlreiche Beispiele solcher Frauen, die aktiv handelnd das letzte Jahrtausend prägten. Diesen «Starken Zürcherinnen» widmete die Zentralbibliothek anlässlich des Jubiläums «50 Jahre Frauenstimmrecht» eine Ausstellung. Die internen Kuratorinnen und Kuratoren Anita Gresele, Dorothee Ryser, Franziska Lombardi, Gunnar Dalvit, Roberto Alliegro und Stefanie Ehrler begaben sich dafür auf eine Spurensuche und entdeckten zahlreiche Manuskripte, Drucke, Objekte und Bilder, die faszinierende Geschichten erzählen. Daraus entstand eine umfangreiche Ausstellung, die sowohl in den Räumlichkeiten der Schatzkammer als auch im Themenraum Turicensia zu sehen war und am 2. September 2021 von der Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner eröffnet wurde. In der Schatzkammer wurden ausgewählte Themen aus 1’000 Jahren Zürcher Frauengeschichte präsentiert. Das Publikum konnte hier beispielsweise erfahren, wie die Äbtissinnen des Fraumünsters im Mittelalter die Stadtherrschaft ausübten, wie Susanna Gossweiler und andere Pädagoginnen im 18. und 19. Jahrhundert ein international beachtetes Bildungssystem für Mädchen schufen, wie sich die erste Schweizer Ärztin Marie Heim-Vögtlin anfangs des 20. Jahrhunderts für die Verbesserung des Gesundheitswesens einsetzte oder wie Lotte Hümbelin, Emmy Rudolph und andere Aktivistinnen für die rechtliche Gleichstellung der Frauen kämpften.
Im Themenraum Turicensia lag der Fokus ganz auf Zürcher Architektinnen. Hier wurde gezeigt, wie Frauen auf die lange Zeit von Männern dominierte Architekturwelt Einfluss nahmen und das Erscheinungsbild der Stadt veränderten. Unter anderen wurde Lux Guyer vorgestellt, die mit ihren unkonventionellen städtischen Siedlungsbauten und Wohnheimen für Aufsehen sorgte. Auch das Werk der Annemarie Hubacher-Constam, die als Chefarchitektin der SAFFA 58 die Uferlandschaft am linken unteren Zürichsee nachhaltig veränderte, war Thema der Schau.
Für das Rahmenprogramm konnte die Zentralbibliothek den «Frauenstadtrundgang Zürich» als Kooperationspartner gewinnen. In einem zwei Mal durchgeführten Workshop erhielten die Teilnehmenden anhand von Originaldokumenten aus den Beständen der Zentralbibliothek eine Einführung in die Arbeitsweisen der Frauengeschichtsforschung. In drei Stadtspaziergängen vermittelten die Historikerinnen vom Frauenstadtrundgang dem Publikum vertiefte Einblicke in die Lebenswelten von Frauen aus Zürichs Vergangenheit. Daneben führten auch die Kuratorinnen und Kuratoren zahlreiche interessierte Personen durch die Ausstellung.
Gunnar Dalvit
Wissenschaftlicher Mitarbeiter Handschriftenabteilung
«Starke Zürcherinnen – Wie sie vor 1971 Einfluss nahmen»
Schatzkammer der Zentralbibliothek Zürich & Themenraum Turicensia
3. September 2021 - 11. Dezember 2021