Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03420.jsonl.gz/540

Die Lebensqualität von MS-Betroffenen kann nebst sichtbaren Symptomen wie Gangstörungen auch von «stillen Symptomen» stark beeinträchtigt werden. Eine kürzlich veröffentlichte Studie des Schweizer MS Registers hat gezeigt, dass beispielsweise Fatigue bei drei von vier Betroffenen zeitweilig auftritt.
Depression – eine mögliche Begleiterscheinung
Auch Depressionen wurden häufig als Begleiterscheinung der MS genannt, nämlich von 31 Prozent aller Betroffenen. Gemäss dieser Studie sind Depressionen mit der höchsten Einbusse an Lebensqualität verbunden. Wenig sichtbare Begleiterscheinungen sind auch deshalb belastend, weil es für Aussenstehende oft schwierig ist, nachzuvollziehen, wie sich diese Symptome äussern und wie sich Betroffene dabei fühlen. Dies führt gerade bei Angehörigen zu Schwierigkeiten im Umgang mit der Erkrankung.
Fachpersonen verstehen unter einer Depression Beeinträchtigungen in der Stimmung, im Antrieb oder im Denken. Auch körperliche Beschwerden können hinzukommen. Da diese den typischen MS-Symptomen ähneln, können sie bei einer ärztlichen Untersuchung unter Umständen unentdeckt bleiben. Depressionen treten in höchst unterschiedlichen Ausprägungen auf. Deshalb wurde im Rahmen einer Spezialbefragung des Schweizer MS Registers auf die Depressions-Symptome ein besonderes Augenmerk gerichtet. Die Fragen betrafen stille Symptome wie Traurigkeit, Energieverlust, Pessimismus, Versagensgefühle, Verlust an Freude, Selbstablehnung und Selbstkritik.
Wie zeigt sich eine Depression?
Die Auswertung der 500 Fragebögen in der Befragung zeigte, dass etwa ein Drittel der befragten Personen mit MS von stillen Symptomen im Bereich der Depression betroffen war, die sich beispielsweise durch ein Traurigkeitsgefühl äussern. Wie in der Grafik dargestellt, gaben 29 Prozent an, oft oder ständig traurig zu sein, und bei einer Gruppe von 0.4 Prozent wird die Traurigkeit sogar besonders intensiv wahrgenommen. Auch Pessimismus wurde oft (35 Prozent) als eine Ausprägung von Depression beschrieben (nicht grafisch dargestellt). Etwas weniger häufig (22 und 26 Prozent) wurden Versagensgefühle und Selbstablehnung erwähnt, wohingegen der Verlust an Freude sehr ausgeprägt ist: 47 Prozent gaben an, die Dinge nicht oder kaum mehr so geniessen zu können wie früher. Selbstkritik wurde ebenfalls häufig genannt: 39 Prozent stimmten der Aussage zu, sich selber mehr als sonst oder für alle Mängel und Unzulänglichkeiten zu kritisieren.
Eine Unterscheidung nach MS-Verlaufstyp brachte zudem zum Vorschein, dass nicht nur Personen mit einem fortgeschrittenen Verlauf einen höheren Schweregrad in einigen Depressions-Symptomen aufwiesen, sondern insbesondere auch Personen, die sich in einem Übergang zwischen den Verlaufstypen befinden. Möglicherweise begünstigt die Unsicherheit, die mit solchen Übergangsphasen und einem unklaren Verlauf einhergeht, den Schweregrad einer Depression.
Stille Symptome bekannter machen
Diese Ergebnisse sind sehr wichtig, denn sie geben einen Einblick in das Empfinden von MS-Betroffenen, die sich auf Stimmungsveränderungen und deren Begleiterscheinungen in ihrem Alltag einstellen müssen. Die Angaben des MS Registers können Angehörigen, Fachpersonen und der Öffentlichkeit ein Stück weit näherbringen, dass stille Symptome und Begleiterscheinungen eine grosse Belastung darstellen können. Probleme zu benennen und zu beschreiben kann ein erster Schritt zu individuellen Hilfestellungen und mehr Toleranz sein.