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Häufige Fragen zur Menschenrechtsbildung
Die folgenden Antworten sind kurz, sie beantworten aber hoffentlich einige Fragen, die am Anfang oft gestellt werden, wenn Menschenrechtsbildung in die eigene Arbeit einbezogen werden soll.
Sollten junge Menschen nicht eher etwas über ihre Pflichten lernen als über ihre Rechte?
Antwort: KOMPASS stellt sowohl die Rechte als auch die Pflichten heraus. Die Übungen sollen zeigen, dass das Verhältnis zwischen den eigenen Rechten und denen anderer nicht immer eindeutig ist und dass alle Menschen verpflichtet sind, die Rechte anderer zu respektieren.
Was ist, wenn Teilnehmer/innen eine Frage stellen, die ich nicht beantworten kann?
Antwort: Niemand sollte von irgendjemandem erwarten, auf alles eine Antwort geben zu können! Es ist ganz selbstverständlich zu sagen, dass Sie bestimmte Fakten nicht wissen, um dann zusammen mit den Teilnehmenden nach Antworten zu suchen. Sie sollten immer versuchen, die Frage an die Gruppe zurückzugeben: Wie denkt ihr darüber?
Es sollte auch nicht vergessen werden, dass die Antworten auf Menschenrechtsfragen selten einfach sind. Komplexe moralische Fragen sind nicht mit „ja“ oder „nein“ zu beantworten. Vom pädagogischen Standpunkt aus gesehen ist es ebenso wichtig, eine Frage zu stellen, wie eine Antwort zu geben. Eine gemeinsame Annäherung mit jungen Menschen an komplexe Themen vermittelt ihnen das Wissen, die Fertigkeiten und Einstellungen, im späteren Leben eigenständig an solche Fragestellungen heranzugehen.
Was tun, wenn wir kein Kopiergerät oder nicht genug Material haben?
Antwort: Für viele Aktivitäten in KOMPASS wird weder teures Material noch ein Kopiergerät benötigt. Hin und wieder müssen Sie vielleicht Rollenkärtchen oder Informationsblätter für die Gruppenarbeit von Hand kopieren oder sich mit Kohlepapier behelfen. Sie sollten kreativ sein und eigene Lösungen finden.
Werden nicht Eltern, Schulleitung und andere Autoritätspersonen die Menschenrechtsbildung bekämpfen, da sie dahinter politische Indoktrination vermuten, die zu rebellischem Verhalten führt?
Antwort: Menschenrechtsbildung trägt zur Bildung von verantwortungsbewussten Menschen bei, die an der Gesellschaft und der Entwicklung ihres Landes partizipieren können. Hier besteht eine Verbindung mit der politischen Bildung, denn sie befähigt dazu, die Zusammenhänge zwischen Menschenrechten, sozialen Fragen, Bildung und Politik zu erkennen. Infolgedessen kann es vorkommen, dass sich junge Menschen auf kommunaler oder nationaler Ebene in politischen Parteien engagieren – weil sie das Recht auf politische Partizipation, Gedanken-, Vereinigungs- und Redefreiheit wahrnehmen wollen. Dies muss aber ihre freie Entscheidung bleiben!
Ist nicht die Regierung dafür zuständig, dass Menschen die Möglichkeit haben,
etwas über Menschenrechte zu lernen?
Antwort: Mitgliedsländer der Vereinten Nationen sind verpflichtet, Menschenrechtsbildung in jedem Lernkontext zu fördern, in der formalen, non-formalen und informellen Bildung. Dennoch haben viele Regierungen sehr wenig getan, um dem nachzukommen und die Menschenrechte in die Lehrpläne zu integrieren. Einzelne Lehrende und Nichtregierungsorganisationen können viel tun, um die Entwicklung der Menschenrechtsbildung in schulischen und außerschulischen Programmen voranzutreiben oder Druck auf ihre Regierungen auszuüben, dass diese ihren Verpflichtungen nachkommen.
Was ist, wenn es in meinem Land keine Menschenrechtsverletzungen gibt?
Antwort: In der Menschenrechtsbildung geht es nicht nur um Menschenrechtsverletzungen, sondern vor allem darum, die Menschenrechte als universellen Wert zu verstehen, der allen Menschen zusteht, und zu erkennen, dass dieser geschützt werden muss. Im Übrigen kann kein Land von sich behaupten, es gebe innerhalb seiner Grenzen keine Menschenrechtsverletzungen. Ein Blick in die eigene unmittelbare Umgebung genügt, um zu sehen, wer sozial ausgeschlossen ist. Wer lebt in extremer Armut? Welche Kinder kommen nicht in den Genuss ihrer Rechte? Oder sehen Sie sich an, wie Ihr eigenes Land die Menschenrechte in anderen Ländern verletzt oder fördert (z.B. die Umwelt und das Recht auf Entwicklung, den Waffenhandel, die weltweite Armut etc.).