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Warum Belinda Bencic nach ihrer Operation am Handgelenk besser gleich ein halbes Jahr pausiert.
Wer während längerer Zeit verletzt ist und deswegen in der Weltrangliste zurückfällt, wird von der Profi-Vereinigung WTA geschützt, indem die Klassierung unmittelbar nach dem letzten gespielten Turnier eingefroren wird. Das erleichtert Spielerinnen wie Belinda Bencic nach ihrer Rekonvaleszenz die Rückkehr, weil sie dadurch Aufnahme in die Hauptfelder grösserer Turniere erhalten.
Um von der «Special Ranking Rule» zu profitieren, die im Regelbuch auf vier Seiten abgehandelt wird, muss die Athletin der WTA eine umfangreiche Dokumentation der Krankengeschichte zur Verfügung stellen. Inhalt: Diagnose, sämtliche Notizen des behandelnden Arztes, Bestätigung des Klinikbesuchs, Labortests und Rapporte der operativen Eingriffe.
Werden die Auflagen erfüllt, kann Bencic bei acht Turnieren das auf Position 129 eingefrorene Ranking nutzen. Im Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers findet sie damit nicht Aufnahme. Und beim in der kommenden Woche ausgetragenen Turnier in Madrid, das der Premium-Kategorie angehört, könnte sie damit nicht einmal die Qualifikation bestreiten.
Doch das Special Ranking birgt noch weitere gefährliche Fallen. Zur Anwendung kommt es nur dann, wenn die Ostschweizerin während mindestens sechs Monaten aussetzt. Das bringt sie in ein zusätzliches Dilemma. Kehrt sie vor Ablauf dieser Frist zurück, muss sie sich mit guten Resultaten bei kleineren Turnieren für höhere Aufgaben empfehlen.
Weil Bencic nach ihrer Operation am linken Handgelenk die gesamte Rasensaison verpasst, fallen ihr weitere 210 Punkte aus der Wertung, darunter jene aus Rosmalen, wo sie im letzten Jahr die Halbfinals erreichte. Die Folge: Die 20-Jährige fällt in der Weltrangliste aus den Top 200. Der Weg zurück an die Spitze wird für sie damit immer steiniger.
Mit einer längeren Pause, wie sie beispielsweise Roger Federer im Vorjahr nach zahlreichen Blessuren eingelegt hat, gäbe Bencic ihrem Körper nicht nur die Möglichkeit, vollständig zu genesen, sondern könnte sich mit Hilfe des Special Rankings auch ohne unmittelbaren Resultatdruck wieder nach vorne arbeiten.
Wann sie auf das geschützte Ranking zurückgreift, kann sie selber entscheiden. Geschehen muss dies innerhalb einer Zeitspanne von zwölf Monaten. Selbst der Fall, dass sich Bencic in dieser Zeit erneut verletzt, ist geregelt. Sie könnte dann einen «Freeze» beantragen, der den Ablauf der Schonfrist unterbricht.
Auch zwei Tage nach der Verlautbarung, sie habe sich operieren lassen, wollten weder Bencic noch ihr Umfeld die Diagnose und deren Konsequenzen, die sich daraus ergeben, präzisieren. Auch die Formulierung, sie falle «mehrere Monate» aus, lässt Spielraum für Interpretationen. Sicher ist, dass Bencic mit Mai bis Ende Juli die drei wichtigsten Monate im Tenniskalender verpasst.
Anfang Jahr erinnerte sie an die Geschichte von Angelique Kerber. Die Deutsche hatte während ihrer ersten Jahre im Tennis-Zirkus mit Schulterproblemen zu kämpfen und musste sich operieren lassen. Heute ist sie zweifache Grand-Slam-Siegerin, die Nummer 1 der Welt und gilt als beste Athletin im Frauen-Tennis.