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Publikationen in Vorbereitung
Leitung
Karoline Beltinger
Team
Philipp Hitz (bis 29.2.2020), Stefan Schreier, Nadim C. Scherrer, Carolina Zanchet Guerra (bis 31.10.2020)
Partner
Hochschule der Künste Bern HKB, naturwissenschaftliches Labor des Fachbereichs Konservierung und Restaurierung; Universitätsbibliothek Heidelberg
Reihe
«Kunstmaterial», Band 6
Projektbeschrieb
Der Ausgangspunkt des Forschungsprojekts ist ein Notizbuch, das der Innerschweizer Maler Hans Emmenegger (1866–1940) im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts systematisch mit maltechnischen Informationen füllte. Von besonderem Interesse sind vor allem jene 150 Seiten, auf denen der Künstler zwischen Februar 1901 und Juni 1905 den oft langwierigen Entstehungsprozess seiner Gemälde, seine diesbezüglichen künstlerisch-technischen Überlegungen, seine maltechnischen Erfolge, aber auch Misserfolge dokumentierte. Auf der letzten Seite kompilierte er eine kurze Liste seiner Malmaterialien. Es sind im Handel erworbene Produkte bekannter und unbekannter Hersteller, wie fertig grundierte Malleinen, Tubenfarben (Öl und Tempera), diverse Malmittel, Sikkative, Fixative und Firnisse.
Emmeneggers Listen und tagebuchartigen Einträge sind nicht nur in Bezug auf sein eigenes Schaffen, sondern auch in Bezug auf den grösseren Kontext der Maltechnik zu Beginn des 20. Jahrhunderts von ausserordentlicher Aussagekraft. Im Rahmen des Forschungsprojekts werden sie wissenschaftlich ausgewertet. Gleichzeitig werden ausgewählte Gemälde des Künstlers aus der Zeit zwischen 1901 und 1905 mit bildgebenden Verfahren und materialanalytisch untersucht und mit den sie betreffenden Notizbucheinträgen verglichen.
Die untenstehende Bilderfolge vermittelt einen Eindruck dieser Forschungsarbeit.
Das Notizbüchlein von Hans Emmenegger, das den Ausgangspunkt bildet für das kunsttechnologische Forschungsprojekt von SIK-ISEA, befindet sich heute im Handschriftenarchiv der ZHB Luzern.
Dieser Seite des Notizbuchs ist zu entnehmen, dass der Künstler vom 12. bis zum 14. Februar 1902 an der Unterzeichnung («Aufzeichnung») des Gemäldes Solitude (hier bezeichnet als Nummer «37») arbeitete und am Tag darauf mit der Untermalung begann. Im März war Solitude vollendet.
Hans Emmenegger, Solitude, 1902–1904, Ölfarbe auf Leinwand, 96,5 x 130 cm, Kunstmuseum Solothurn, Foto: SIK-ISEA, Zürich (Philipp Hitz). Emmenegger malte Solitude im Atelier nach einer Studie, die er im Herbst davor unter freiem Himmel am Gardasee geschaffen hatte.
Im Rahmen des Forschungsprojekts von SIK-ISEA wird der Aufbau und die Zusammensetzung der Malschicht von Solitude – sowie der Malschichten weiterer ausgewählter Gemälde – anhand von winzigen Materialproben untersucht und mit Emmeneggers Aufzeichnungen verglichen.
Nachdem der Künstler Solitude im Sommer 1902 in Paris ausgestellt hatte, überarbeitete er es im Dezember 1902 zum ersten Mal. Diesen späteren Eingriff und weitere spätere Überarbeitungen dokumentierte er ebenfalls im Notizbuch.
«Schlagschatten auf der mittleren Zypresse links oben verbreitert», vermerkte Emmenegger im Dezember 1902, als er Solitude zum ersten Mal überarbeitete. Die Infrarot-Reflektografie (IRR) zeigt den früheren, schmaleren Schatten, heute ist er breiter.
Das Röntgenbild zeigt die Wolken, die der Maler im Dezember 1902 hinzufügte, aber im Februar 1904 im Zuge der letzten Überarbeitung wieder zudeckte.
Die Ergebnisse werden als 6. Band der Reihe KUNSTmaterial und online publiziert. Das Notizbuch selbst wird online herausgegeben; hinsichtlich der Online-Edition wurde eine Zusammenarbeit mit arthistoricum.net, dem kunstwissenschaftlichen Fachinformationsdienst der Partnerbibliotheken UB Heidelberg und SLUB Dresden, in die Wege geleitet, siehe www.arthistoricum.net
Das Projekt wird unterstützt von:
- Landis & Gyr Stiftung, Zug
- Swiss Re, Zürich
- Unterstützung von öffentlichen und privaten Sammlungen durch die Leihgabe von Gemälden sowie von H. Schmincke & Co., Erkrath (D), durch die Leihgabe von Farbreferenzen