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Nach der Einführung des Bessemerverfahrens, welches flüssiges Schmiedeeisen liefert, kam Bessemer auf seine Erfindung zurück,
und es gelang ihm sehr schnell die Herstellung eines vortrefflichen zähen Eisenblechs ohne Schlacke und
Oxydation. Trotzdem geriet das Verfahren, da der Bessemerprozeß anfangs große Mühe hatte, sich einzubürgen ^[korrekt: einzubürgern],
in Vergessenheit und wurde erst in neuester Zeit so weit vervollkommt, daß an eine Verwertung in der Praxis gedacht werden
kann.
Der Erfolg ist wesentlich abhängig von der gleichmäßigen Zuführung des geschmolzenen Metalles, welche
namentlich dann in Betracht kommt, wenn Tafeln von stets gleichbleibender Breite u. frei von mitgerissenen Schlacken erhalten
werden sollen. Man legt deshalb über den Walzen ein Geleise an und transportiert auf diesem die Wagen, welche das geschmolzene
Metall enthalten. Letzteres fließt in die rinnenförmige Gießpfanne
[* 7] und aus Löchern im Boden der letztern
zwischen die gekühlten Walzen.
Die Drehungsgeschwindigkeit der Walzen kann so reguliert werden, daß das Metall gerade erstarrt ist, wenn es unten heraustritt.
Das B.wird dann von einer Führungsebene aufgefangen und durch zwei Walzenpaare von größerer Umdrehungsgeschwindigkeit
noch etwas zusammengedrückt. Von hier gleitet das Blech als endloses Band
[* 8] heraus, falls es nicht schon vorher durch eine Metallschere
in Tafeln von gewünschter Breite zerschnitten wurde. Als besondern Vorteil dieser Methode hebt Bessemer hervor, daß das Metall
bei seiner raschen Abkühlung verhindert wird, eine grobe kristallinische Struktur anzunehmen; es wird
also auch das größte Maß seiner Kohäsionskraft bewahren. Daß die neue Methode außerdem eine enorme Ersparnis an Zeit,
Arbeit und Materialaufwand repräsentiert, liegt auf der Hand.
[* 9] Ein Walzwerk
[* 10] mit einem PaarWalzen von 4 FußDurchmesser und 18 ZollBreite vermag nach Bessemer 1 Tonne in 7,5 Min. zu produzieren.
(franz. plaque, feuilles: engl. plate, sheets).
Die Metallbleche sind Halbfabrikate und bilden einen bedeutenden Handelsartikel. Die dünnsten aus Edelmetallen.
Zinn, Tombak u. s. w. hergestellten Bleche führen die Bezeichnung Blätter oder Folie; alle Bleche stärker als 25 mm werden
Platten genannt. - Das B. wird entweder durch Ausschmieden von Stäben oder Platten unter Wasser- und Dampfhämmern oder
durch Ausstrecken unter Walzen hergestellt. Die erstere älteste Fabrikationsweise liefert das geschlagene
Blech.
Sie wird jetzt nur ausnahmsweise noch geübt, da die Herstellung ebener und glatter Bleche dabei sehr schwierig ist. Gegenwärtig
ist fast alles im Handel befindliche B. Walzblech. Zur Herstellung desselben dienen zwei genau cylindrische in einem Gerüst
untergebrachte Walzen, welche durch Dampfmaschine in Drehung versetzt werden. Die Unterwalze kann ihre
Höhenlage nicht ändern; die Oberwalze wird gegen dieselbe nach Bedarf
durch das Stellzeug angestellt, so, daß der verbleibende
Zwischenraum immer von zwei Parallellinien begrenzt ist.
Schiebt man einen Stab in natürlichem Zustande dehnbaren oder durch Erhitzung dehnbar gemachten Metalles zwischen
die umlaufenden Walzen, so wird derselbe gefaßt und hindurchgeführt, wobei er eine starke Streckung in der Bewegungsrichtung
erfährt. Die Streckung nach der Breite (Breitung) ist im Verhältnis dazu sehr gering. Werden die Walzen vor einem zweiten
Durchgange des Arbeitsstückes einander genähert, so findet eine abermalige Streckung statt. Durch mehrfache Wiederholung
geht die dicke Schiene in Blech über.
Die Arbeitsbreite oder Länge der Blechwalzen ist eine sehr verschiedene. 0,5 bis 1 m für kleinere Blechsorten; 1 bis 2 m
für größere; 2,5 m für die größten Kesselbleche. Diesen gegenüber stehen die kleinen von Gold- und Silberwarenfabrikanten
benutzten Walzwerke mit Walzen von 80 bis 150 mm, ja selbst von 30 bis 50 mm Länge. Diese Walzen dienen
zum Ausstrecken dünnen Bleches oder zum Plattwalzen von Drähten und führen letzterer Verwendung wegen den Namen Plättwerke.
Die größeren Walzen sind aus Gußeisen hergestellt und meist an der Arbeitsfläche hart gegossen, wodurch eine größere
Widerstandsfähigkeit der Walze und bessere Glätte des B. erzielt wird; die Walzen der Plättwerke werden
aus Stahl angefertigt, gehärtet, genau cylindrisch mit der Schmirgelscheibe bearbeitet und dann poliert. - Aus gutem Materiale
und mit der nötigen Sorgfalt hergestelltes Blech muß folgende Eigenschaften besitzen: vollkommen ebene d. h. beulen- und
faltenfreie Oberfläche;
durchaus gleiche Dicke;
große Glätte;
Risse, Löcher, oder unganze (durch
eingesprengte Schlacke oder Oxyd entstandene) Stellen dürfen nicht vorhanden sein;
Zähigkeit (das Blech muß sich, ohne
zu brechen, biegen lassen). - Eisenblech: Das weichste und zäheste Schmiedeeisen (Schweiß- und Flußeisen) findet in Form
breiter wenig dicker Stäbe zur Blechdarstellung Verwendung. Diese werden in Stücke (Stürze), deren
Länge nahezu gleich der Breite der herzustellenden Blechtafel ist, geschnitten. Die glühend gemachten Stürze schiebt man
so zwischen die Walzen, daß ihre Breite schließlich zur Länge des B. wird.
Hat der Sturz nach mehrmaligem Durchgang durch immer enger gestellte Walzen Blech-form angenommen, so faltet man
denselben in der Mitte zusammen, steckt zwei oder mehrere ineinander und walzt dies Packet nach erneuter Erhitzung fertig.
Damit die aufeinanderliegenden Bahnen nicht zusammenschweißen, wird jede Tafel vor dem Glühen in Lehmwasser getaucht. Die
beschriebene Fabrikation wird meist in zwei Walzwerken ausgeführt; das erste dient zum Auswalzen der einzelnen Stürze
(Sturzwalzwerk), das zweite zum Fertigwalzen der ineinander geschobenen (Schichtwalzwerk). Die Stürze werden nach jedem
Glühen, bevor sie unter die Walzen kommen, mit Holzhämmern sorgfältig von dem Glühspan (Zunder) gereinigt. Geschieht
dies nicht, so walzt sich der Zunder ein, springt bei der späteren Verarbeitung des B. ab und läßt eine
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mehr
rauhe, narbige Oberfläche zurück. Die fertigen B. werden unter großen Scheren auf Format geschnitten, dann nochmals geglüht,
um alle vom Walzen etwa vorhandenen inneren Spannungen zu beseitigen, und unter mächtigen Pressen gepreßt, wenn völlige
Ebenheit noch nicht erreicht war. Etwas abweichend hiervon gestaltet sich die Herstellung dickerer Bleche (zu Dampfkesseln
etc.). Hier wird jede Tafel für sich aus einem entsprechend dicken Stabe (Bramme) ausgewalzt.
Starke Bleche (Panzerplatten) entstehen durch Zusammenschweißen von schwächeren Blechen unter den Walzen. - Das Eisenblech
kommt als Schwarzblech oder Weißblech in den Handel.
Letzteres ist Eisenblech mit einem Überzug von Zinn. A. Schwarzblech. Je nach der Dicke werden hier folgende
Sorten unterschieden. Sturz- oder Schloßblech: Kleinere Tafeln von 0,5 bis 4 mm Dicke. Doppelblech: von gleicher Dicke aber
doppelter Größe. Verwendung zu den verschiedensten Schlosserarbeiten. Rohrblech: 0,5-0,7 mm dick; Verwendung zu Ofenröhren.
Die verschiedenen Dickenabstufungen der B. werden durch Nummern bezeichnet. Die deutsche Blechlehre hat 26 Nummern.
Von Blech Nr. 1 wiegt 1 □m bei einer Dicke von 5,50 mm 44 kg; von Blech Nr. 26 bei
0,37 mm Dicke 3 kg. Kesselblech (zu Dampfkesseln, Salzpfannen, Malzdarren), 6 bis 18 mm dick,
bildet das stärkste Schwarzblech. Die dünnsten Schwarzblechsorten, welche nur zur Herstellung von Weißblech verwendet
werden, führen die Handelsbezeichnungen Kreuzblech, Vorder- oder Forderblech, Senklerblech. Die Dicke ist bei allen geringer
als bei Schloßblech. - B. Weißblech: Die Sorten führen mit der dünnsten beginnend folgende Bezeichnungen: Tellerblech,
Schüsselblech, Tassenblech, Pontonblech.
Die Tafeln sind meist kleiner als bei Schloßblech. Das Verzinnen der Schwarzbleche ist ziemlich umständlich. In
England, welches Weißblech von großer Schönheit fabriziert, wird folgender kurz skizzierter Weg eingeschlagen. Die Schwarzblechtafeln
werden, nachdem sie mit verdünnter Salzsäure blankgebeizt sind, in einem Flammofen geglüht und nach dem Erkalten durch
Überhämmern mit einem Holzhammer vom Glühspan befreit. Durch Überwalzen (kalt) erhalten sie Glätte und werden eben.
Dann folgt Abbeizen in Kleienbeize und verdünnter Schwefelsäure, Scheuern mit Werg und Sand und Aufbewahrung
unter reinem Wasser bis zum Verzinnen. Eine Stunde vor dem Verzinnen stellt man die abgetrockneten Bleche in einen Trog mit
geschmolzenem Talg. Das Verzinnen erfolgt zuerst durch 1½ bis 2stündiges Einstellen in einen Kessel mit flüssigem stark
erhitzten Zinn, welches durch eine Talgschicht vor Oxydation geschützt wird. Die herausgenommenen Tafeln läßt man abtropfen
und taucht sie sogleich in einen mit möglichst reinem Zinn gefüllten zweiten Kessel.
Ist die Verzinnung hier vollendet, so nimmt man die Tafeln heraus, wischt sie auf beiden Seiten rasch mit Werg ab, um
das Zinn gleichmäßig zu verteilen, und taucht sie hierauf nochmals kurze Zeit in Kessel Nr.
2, um die durch das Abwischen entstandenen
Streifen zu beseitigen. Hierauf kommen die Tafeln in ein Bad von geschmolzenem
Talg. Die Zinnschicht breitet sich gleichmäßig aus und wird stark spiegelnd; der Überfluß schmilzt ab. Die
aus der Talgpfanne genommenen Bleche stellt man zum Abtropfen und Erkalten auf. Dabei bildet sich an der Unterkante jeder
Tafel aus Zinn die wulstartige Abtropfkante, welche entfernt wird durch Eintauchen derselben in geschmolzenen Talg. Gibt man
der Tafel einen leichten Schlag, sobald die Zinnwulst geschmolzen ist, so fällt dieselbe ab und hinterläßt
nur am Rande der Tafel einen schmalen nicht spiegelnden Streifen. Reibt man die Bleche zur Entfernung des Talges noch mit
Kleie ab und sortiert sie, so sind sie für die Verpackung fertig. - Verpackung der Eisenbleche: Kesselbleche etc., die stärkeren
Schloß- und Doppelbleche werden unverpackt in den Handel gebracht;
die dünneren Bleche vereinigt man
durch Binden mit Bandeisen oder Holz zu Bunden von 25 oder 50 k. Ganz dünne B. werden in Fässer oder wie das Weißblech
in Kisten verpackt. - Stahlblech.
Herstellung wie bei Eisenblech. Hauptsächliche Sorten sind Kesselblech aus zähem Stahl
zu Dampfkesseln. Uhrfederblech in sehr langen höchstens 100-150 mm breiten Streifen; Stahlfederblech
in Streifen von 60-70 mm Breite; Blech zu Stahldruckplatten. Nummern und Größen der Stahlbleche sind sehr wechselnd. -
Bleche, welche durch Zusammenschweißen einer Stahlblech- mit einer Eisenblechtafel entstanden und auf der Stahlseite sehr
hart sind, werden neuerdings in den Handel gebracht und dienen zur Panzerung der Geldschränke. - Kupferblech
entsteht durch Auswalzen gegossener Platten.
Man walzt Kupferblech so viel als möglich kalt; dadurch wird dasselbe dichter und die durch den beim Glühen entstehenden
Abbrand unvermeidlichen Verluste an wertvollem Material sind geringer. Flickkupfer- und Zündhütchenblech bilden die dünnsten
nur 0,2-0,5 mm dicken Kupferbleche, welche gerollt in den Handel kommen (Rollkupfer). Dann folgen Dachblech
0,7-2 mm dick (zu Dacheindeckungen) Rinnenblech, Schiffblech zum Kupfern der Seeschiffe 0,5-1,5 mm stark; Emaillierblech;
Münzblech. Kupferbleche von 15-25 mm Dicke werden verwendet zu den Feuerbüchsen der Lokomobil- und Lokomotivkessel. - Kupferblech
wird häufig auf einer oder beiden Seiten mit einem dünnen Silber- oder Gold- oder Platinblech belegt
(PlattiertesKupfer) und dient zur Herstellung von Gefäßen, Leuchtern etc. Die Vereinigung beider Metalle
geht in der Hitze unter Druck bei metallisch reinen Oberflächen so vollkommen vor sich, daß die anfänglich dickeren Platten
ausgewalzt werden können. Die Stärke der Plattierung bezeichnet man durch die Angabe, den wie vielsten
Teil des Gesamtgewichtes das Edelmetall ausmacht. Silberplattierung 1/20 heißt also: 1/20 des Totalgewichtes ist Silber;
gleichgültig ob der Belag auf einer oder beiden Seiten erfolgt ist. Ein Schluß auf die Dicke der Edelmetallschicht ist
hieraus nur mit Berücksichtigung
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mehr
der verschiedenen spezifischen Gewichte möglich. - Zinkblech, zu Dacheindeckungen 1-1,5 mm dick und zu den verschiedensten
Klempnerarbeiten 0,3-3 mm dick. Blankes Zink oxydiert rasch, aber die entstandene Schicht schützt äußerst wirksam vor weiterer
Oxydation; Zinkblech ist deshalb vorzüglich zur Herstellung von Wassergefäßen geeignet. - Zinnblech. Die mit wenig Ausnahmen
sehr dünnen Zinnbleche führen den Namen Stanniol oder Zinnfolie. Verwendung zu Flaschenkapseln, zum
Einwickeln von Seife, Chokolade, Thee, Tabak etc.; zum Belegen der Spiegel (Spiegelfolie).
Bei Herstellung der Folien werden dickere gegossene Platten zunächst zu dünnen Blechen ausgewalzt. Eine große Anzahl dieser
schichtet man aufeinander und streckt den Stoß unter Hämmern aus bis zu einer Dicke von 0,01 mm.
Durch fortgesetztes Schlagen lassen sich die Blätter bis auf 0,00066 mm Dicke bringen (Unechtes Blattsilber). Für Kartonage-
und Luxus-Papeterie-Arbeiten erhält das Stanniol vielfach einen Überzug von gefärbtem Hausenblasenleim, welcher durch
eine dünne Kollodiumhaut luftbeständig gemacht wird. - Dickere Z. finden zuweilen Verwendung zu Gefäßen
für Färbereien, Apotheken, Spirituosenhandlungen, endlich im Notendruck. - Bleiblech; durch Auswalzen von Platten erhalten.
Die dickeren Sorten (bis 8 mm dick) finden Verwendung zu chemischen Apparaten, Dachdeckungen. Sie kommen in Rollen in den
Handel (Rollblei). Die dünnen Sorten, welche hauptsächlich zum Verpacken des Schnupftabaks verwendet werden, führen die
Bezeichnung Tabakblei und werden in Buschen oder Päcken verkauft. Da das reine Blei der Einwirkung der im Schnupftabak enthaltenen
Beizen unterliegt und die Bleisalze alle sehr giftig sind, so verzinnt oder plattiert man die Bleiplatten vor dem Auswalzen
mit Zinn. Der Zinnüberzug schützt das Blei vor rascher Zerstörung. - Silber-, Gold-, Platinblech.
Silber- und Goldbleche von größerer Dicke werden fast nur zur Münz- und Medaillenfabrikation hergestellt durch Auswalzen
flacher gegossener Stäbe (Zaine). Die von Silber- und Goldwarenfabrikanten verwendeten Bleche sind meist unter 1 mm dick
und werden durch Ausschmieden und Glattwalzen gegossener Stäbe erzielt. Die feinsten Gold- und Silberbleche (Geschlagenes
Gold und Silber, Blattgold, Blattsilber) entstehen durch Schlagen mit Hand- oder mechanischen Hämmern. Feinstes Blattgold
0,000125 mm dick; feinstes Blattsilber 0,0002225 mm dick. Verwendung derselben zum Vergolden und Versilbern von Leisten,
Bilder- und Spiegelramen etc. Platinablech, ebenfalls durch Schmieden und Walzen hergestellt,
findet in chemischen Industrien und Laboratorien vielseitige Verwendung zu Koch- und Glühgefäßen.
Silber- und Goldbleche werden zuweilen damit plattiert. - Messing- und Tombakblech.
Bei dem Verlassen der letzten Walzen haben beide Bleche grauschwarze Farbe, welche in vielen Fällen verbleibt (Schwarzes
M. oder T.). Durch Beizen und Schaben auf einer oder beiden Seiten entsteht das hohen Glanz besitzende geschabte
M. oder T.
An die Stelle des Schabens tritt häufig trockenes Abschmirgeln. Die stärksten Bleche kommen in ebenen Tafeln
in den Handel (Tafel-M. oder T.); die schwächsten werden dicht zusammengerollt (Roll-M. oder T.), stärkere einige Male
umgebogen und flach zusammengelegt (Bug-M.).
Die dünnste Sorte (Rauschgold 0,011-0,0154 mm dick) entsteht durch Auswalzen, Abbeizen und Schlagen
wie bei Blattgold. Schiffblech, aus schmiedbarem Messing glühend ausgewalzt, dient zum Beschlagen der Seeschiffe. Tombakblech
wird vielfach mit Goldblech plattiert oder vergoldet zur Herstellung unechter Schmucksachen. Argentanblech-, Pakfongblech-,
Neusilberblech findet ausgedehnte Verwendung zu Eß- und Trinkgeschirren etc. Es ist dem Silber in Farbe sehr ähnlich und
läßt sich sehr gut versilbern. Verschwindet bei Abnutzung das Silber, so kommt die nicht auffallende Farbe des A. zum Vorschein;
die Gegenstände werden nicht wie bei versilbertem Kupfer schamrot. Das feinste Argentanblech führt die Bezeichnung Rauschsilber.
- Britanniametallblech; ebenfalls vielfach benutzt zur Herstellung gedrückter Eß- und Trinkgeschirre, Leuchter etc.
Dient auch zur Herstellung der Meßtrommeln in den Gasuhren. Desgl. Nickelblech (s. d.)
- Zoll: Schwarzblech aus Eisen, Stahlblech s. Tarif im Anh. Nr. 6
c 1;.
bezeichnet im allgemeinen aus Metallen sowie aus Legierungen derselben durch Hämmern oder Walzen hergestellte
plattenförmige Fabrikate, die im Verhältnis zu Länge und Breite sehr dünn sind. Nach dem Material
unterscheidet man Gold-, Silber-, Eisen-, Kupfer-, Zinkblech u. s. w., nach der Verwendung Kessel-, Schloß-, Röhrenblech u. s. w.
– Von allen Arten des Blech wird das Eisenblech am meisten und in den verschiedensten Qualitäten, Größen und Stärken angewendet.
Aus den stärksten Sorten des Eisenblechs (bis 150 mmDicke) werden die Panzerplatten hergestellt; die mittlern
(bis 18 mmDicke) werden ihrer hauptsächlichsten Verwendung zufolge als Kesselblech bezeichnet; die dünnsten Sorten (bis 5 mmDicke), Sturzblech oder Schwarzblech (nach der schwarzgrauen Farbe der durch das Glühen oxydierten Oberfläche so genannt), werden
je nach der Verwendung Schloß-, Dach-, Rohren-, Rinnenblech u. s. w.
genannt. Oxydrein gebeizte und luftdicht ausgeglühte Schwarzbleche werden dekapierte oder zunderfreie Blech genannt; dieselben
besitzen eine hellgraue oder stahlblaue innere Blechfläche und nur einen schmalen Glührand.
Andererseits sucht man auf russ. Eisenwerken durch ein besonderes Arbeitsverfahren bei gewissen
Blechsorten, den sog. Glanzblechen, die Oxydhaut möglichst haltbar zu machen und zu verstärken, um damit
einen Schutz der Oberfläche vor schnellem Rosten zu gewinnen. Diese Blech zeichnen sich durch einen eigentümlichen
Fettglanz aus und sind ansehnlicher als gewöhnliche Schwarzbleche. Weißblech, verzinntes Eisenblech, wird, da es nicht leicht
rostet, außer für verschiedenartige technische Zwecke in ausgedehntester Weise zu Küchengeräten verarbeitet.
Die der Dicke nach abgestuften Hauptarten des Weißblechs führen im Handel die Namen Pontonblech, Kreuzblech,
Vorder- oder Förderblech und Senklerblech; letzteres ist das dünnste. (S. auch Weißblechfabrikation. ÜberWellblech
[* 13] s. d.)
Stahlblech bildet ein wichtiges Material für die Herstellung der Dampfkessel,
[* 14] während es andererseits in verschiedenen
Sorten zur Erzeugung von Uhrfedern, Stahlfedern, Stahldruckplatten u. s. w. dient. Die meiste Verwendung
nächst dem Eisenblech findet seiner vorzüglichen Haltbarkeit wegen das Kupferblech, das daher gleichfalls in sehr verschiedenen
Stärken (von 0,3 bis 15 mm dick) vorkommt. Dies wird besonders zu Brau- und Destillierapparaten, Kesselböden, Bedachungen,
Schiffsbeschlägen, zu den Feuerbüchsen der Lokomotiven, zu Rinnen u. s. w. verarbeitet; die dünnsten
Sorten, von 0,6 mm abwärts (Zündhütchenblech u. s. w.), werden des bequemern Transports wegen aufgerollt als Rollkupfer
in den Handel gebracht; vergoldetes und versilbertes Kupferblech (plattiertes Kupferblech) findet in der Knopffabrikation
Anwendung.
Aus Zink werden in neuerer Zeit
zahlreiche Blechsorten (Zinkblech) hergestellt, die zu Dachdeckungen, Dekorationen für Bauwerke
(Gesimse, Bekrönungen), Schiffsbeschlägen, Badewannen, Eimern, Regenfässern und andern Wassergefäßen,
nach Mustern durchlöchert zu Jalousien u. s. w., Verwendung finden; die gewöhnlichsten
Stärken sind hier 0,3‒5 mm. (Vernickeltes Zinkblech s. Nickelblech.) – Zinnblech dient in den stärkern Sorten zu Gefäßen
für Färbereien und Apotheken sowie beim Notendruck; eine viel größere Bedeutung hat es jedoch in den
durch Schlagen mit dem Hammer
[* 15] erzeugten äußerst dünnen Blättern, die Zinnfolie, Stanniol genannt, und zum Belegen der Spiegel,
[* 16] sowie verschiedener elektrischer Apparate, zur Anfertigung von Flaschenkapseln, als Einhüllungsmaterial für feine Seifen,
Parfümerien, Thee, Schokolade u. s. w. benutzt werden, während aus den allerfeinsten Sorten das
unechte Blattsilber (s. Blattgold) erzeugt wird. – Bleiblech wird in den stärksten Sorten zu chem. Apparaten
(Kohlensäure-Entwicklungsgefäßen, Kammern der Schwefelsäurefabriken), zu Accumulatorenplatten, außerdem für Bauzwecke
(als Isolierschicht), in den schwächsten Sorten (0,05 mm) als sog. Tabaksblei zur Umhüllung von Schnupftabak verwendet und
aufgerollt als Rollblei in den Handel gebracht.
Die gangbarsten Sorten der Bleibleche haben 1‒3 mmStärke: doch werden auch solche von 8 mmStärke gefertigt.
Die Verwendung des Tabakbleies zum Verpacken von Schnupftabak kann, wegen der Giftigkeit des Bleies, leicht nachteilige Folgen
für die Gesundheit der Schnupfer haben. Aus diesem Grunde wird verzinntes Tabaksblei hergestellt, indem man eine dicke Bleiplatte
zwischen zwei dünnen Zinnplatten auswalzt, wobei sie sich durch den Druck vereinen. – Aus Bronzeblech
werden sehr dauerhafte Schiffsbeschläge hergestellt. – Messing- und Tombakblech kommen ihrer außerordentlich mannigfaltigen
Verwendung zufolge in sehr verschiedenen stärken (von 17 mm abwärts bis 1/90 mm) vor; die stärksten derselben werden in
Tafelform als Tafelmessing und Tafeltombak, die minder starken umgebogen und flach zusammengelegt als
Bugmessing (Bugtombak), die dünnsten aufgerollt als Rollmessing (Rolltombak) in den Handel gebracht.
Aus dem feinsten Tombakblech wird unechtes Blattgold erzeugt; das dünnste Messingblech wird, da es infolge seiner Härte in
bewegtem Zustande rauscht oder knittert, Rausch- oder Knittergold genannt. – Sehr dünnes Neusilberblech (Argentan-, Packfongblech)
wird zu Rausch- oder Knittersilber sowie zu unechtem Blattsilber verarbeitet. – Britanniametallblech wird zu den Drehtrommeln
von Gasuhren, außerdem öfters, vergoldet oder versilbert, zu allerlei zierlichen Gebrauchsgegenständen (Salzfässern,
Leuchterfüßen u. s. w.) verwendet. – Gold- und Silberblech werden in den stärksten Sorten fast nur zu Münzen
[* 17] und Medaillen
ausgeschnitten und geprägt, in geringen Stärken zu Schmuck- und Luxusgegenständen, in den geringsten
Stärken als echtes Blattgold (s. d.) und Blattsilber zur Vergoldung oder Versilberung sowie zur Plattierung benutzt. – Das
Platinblech kommt fast nur für die Zwecke chem. und pharmaceutischer Laboratorien in Betracht. In neuester Zeit
findet auch Aluminiumblech vielfach Verwendung.
Die Fabrikation des Blech richtet sich in ihrer besondern Ausführung nach der Art des verwendeten
Materials. Insbesondere ist die Festigkeit
[* 18]
¶
und Zähigkeit der zur Blechfabrikation benutzten Metalle auf den Gang
[* 21] der Herstellung beeinflussend. Nur wenige Metalle,
wie Zinn und Blei,
[* 22] besitzen auch im kalten Zustande dauernd eine solche Dehnbarkeit und Weichheit, daß die Streckung der
durch Guß hergestellten Rohstücke zu Blech mit der erforderlichen Sicherheit und unter Aufwand verhältnismäßig
geringer Betriebskraft möglich ist. Die meisten andern Metalle, z. B.
Kupfer,
[* 23] Messing, Tombak sowie die Edelmetalle, verlieren bei der mechan. Bearbeitung sehr rasch ihre ursprüngliche
Zähigkeit und werden stark elastisch und hart, sodaß sie während der Streckarbeit zeitweilig durch Ausglühen wieder erweicht
werden müssen.
Die große Festigkeit des Eisens und Stahles endlich läßt die Bearbeitung dieser Metalle im glühenden
Zustand zweckmäßig erscheinen, während das leicht schmelzbare, in der Kälte aber sehr spröde Zink eine Bearbeitung bei
einer mäßigern Temperatur, etwa bei 100° C. erheischt. Die mechan. Bearbeitung der durch Gießen
[* 24] oder
Verschmieden erzeugten Rohstücke zum Zweck des Streckens derselben zu Blech erfolgte in früherer Zeit ausschließlich
mit Hilfe von Hammerwerken.
Geschlagene Eisenbleche wurden in England bis ins 18., in Deutschland
[* 25] bis ins 19. Jahrh. allgemein hergestellt. Erst nach
und nach vermochte das 1728 von John Payne in England eingeführte Walzen des Blech die ältere Arbeitsmethode zu verdrängen.
Heute kommen ausschließlich gewalzte Blech auf den Markt. Während die durch Hämmern erzeugten
Blech mehr oder minder ungleiche Dicke und infolge der schwierigen Handhabung nur eine beschränkte Flächenausdehnung besaßen,
werden in der Gegenwart beispielsweise 16‒17 mm starke Kesselbleche bis zu 2 m Breite und 7 m Länge, Schwarzbleche von 1 bis
1,5 m Breite, 2‒3 m Länge und von 0,07 bis 0,25 mmDicke, kleinere sogar bis zu 0,016 mmDicke herab, in
größter Vollkommenheit und ohne Schwierigkeit ausgewalzt.
Auch die Leistungsfähigkeit der Walzwerke ist gegen früher beträchtlich gestiegen; denn während beispielsweise zur Zeit
der Einführung des Walzprozesses in die Blechfabrikation ein Walzwerk mit zwei Walzgerüsten (Vor- und
Fertigwalze), das mit drei Öfen
[* 26] Tag und Nacht arbeitete, wöchentlich kaum etwa 1000 kg Blech herzustellen vermochte, liefert
jetzt ein Triowalzwerk der Amerikaner Lauth und Deby bei gleicher Ofenzahl wöchentlich 138000 kg Schwarzblech oder bis zu 300000
kg Kesselblech.
Die einzelnen Walzgerüste eines Blechwalzwerks enthalten zwei oder drei übereinander liegende etwa 500 mm
starke und bis 2 m lange Hartgußwalzen, die genau cylindrisch abgedreht und geschliffen sind. Dieselben werden durch Preßschrauben
oder bei sehr großen Walzwerken, wie sie bei der Herstellung von Panzerplatten Anwendung finden, auch durch hydraulischen
Druck gegen das zwischen ihnen durchgeführte Arbeitsstück gepreßt. Sämtliche Walzen werden durch einen
Motor, meist eine Dampfmaschine,
[* 27] in Drehung versetzt und erteilen dabei dem eingeführten Arbeitsstück durch Reibung
[* 28] eine
fortschreitende Bewegung.
Die geforderte Verdünnung des Blech wird durch mehrmaliges Auswalzen erzielt. Zum Heben und Senken des Blech nach
jedem Walzendurchgang, behufs dessen Zurückführung, dienen bei schweren Arbeitsstücken große, zuweilen
durch Preßwassermaschinen bewegte Rollentische, die zu beiden Seiten der Walzen angeordnet sind. Die Triowalzwerke, in denen
drei Walzen übereinander liegen, zeichnen sich gegenüber den Duowalzwerken durch
größere Leistungsfähigkeit aus, indem
auch während des Zurückführens des Arbeitsstückes zwischen der mittlern und obern Walze das Auswalzen erfolgt. Bei Walzwerken
mit zwei Walzen erreicht man das gleiche Ziel durch Wechsel des Drehungssinnes der Walzen mit Hilfe von
Reibungsgetrieben, die zwischen den Motor und das Walzwerk eingeschaltet sind (Kehrwalzwerke).