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Vor dem 19. Jahrhundert deckten wir den Energiebedarf in der Schweiz mit den vorhandenen Mitteln. Holz diente zum Heizen, Wasser und Wind trieben die Mühlen an und Nutztiere lieferten die Antriebskraft auf dem Acker oder in der Mobilität. Doch bereits in dieser Zeit – bevor die Schweiz eine richtige Energiepolitik kannte – hatte man mit Nachschubproblemen zu kämpfen. Um den Rohstoff Holz zu schützen, wurden Einschränkungen oder gar Rodungsverbote verhängt. Mit dem Take-off der Industrialisierung erlebte dann auch die Energiewirtschaft einen explosionsartigen Aufbruch. In den letzten hundert Jahren ist der Energieverbrauch in der Schweiz in die Höhe geschossen. Lag der Verbrauch im Jahr 1910 noch bei 100 Petajoule (bereits eine ansehnliche Menge; ein Petajoule sind 1015 Joule), so sind es heute 800 Petajoule. In einem Jahrhundert hat sich unser Bedarf an Energie also verachtfacht. Ein Rückblick auf diese Zeitspanne zeigt, dass die Energiepolitik der Schweiz drei Phasen durchlief.
Kohlenschwarzer Aufbruch
Mit der Industrialisierung entstand ein erhöhter Energiebedarf. Die Schweiz begann mit der Eisenbahn – die symbolisch für die Industrialisierung steht - Steinkohle zu importieren. Mit diesem neuen Energieangebot konnten verschiedenste neue Industriezweige entstehen. Nach 1860 spricht man von einem Kohleregime. Damit einher gingen aber auch Benachteiligungen für die Schweiz. Mit dem Einstieg in die Kohle machte man einen Umstieg auf einen nichterneuerbaren Energieträger, der zudem noch importiert werden musste. Somit wurde die Schweizer Energiewirtschaft von einer enormen Abhängigkeit überschattet. Dies konfrontierte das Alpenland dann vor und während dem ersten Weltkrieg mit Problemen. Als es erstmals zu Lieferengpässen kam, begann man in die Wasserkraft zu investieren. Der Bau von Staudämmen, hohe Investitionen und eine vernetzte Infrastruktur ermöglichten eine Elektrizitätswirtschaft, die zunehmend auf der inländischen Wasserkraft basierte.
Ölige Angelegenheit
Mit dem zweiten Weltkrieg fand das Kohlezeitalter sein Ende. Bisher hatte der Energieverbrauch der Schweiz einen gemächlichen Anstieg zu verzeichnen. Nach 1945 explodierte er. Geschuldet war dies einer einzigen Energiequelle, die schon vordem langsam Einzug gehalten hatte: Dem Erdöl. Die energiepolitische Abhängigkeit, die wir bereits kannten, wurde damit nicht aufgelöst, sondern weitergeführt. Seit 1920 fand das Erdöl zunehmend Einsatzbereiche. Zentralheizungen, aber auch die gesamte Automobilbranche wurden auf den fossilen Rohstoff ausgelegt. Während dreissig Jahren befand sich die Energiewirtschaft dann auf einem rasant aufsteigenden Ast. Bis zum Höhepunkt des Erdölregimes 1970 hatte sich der Energieverbrauch gegenüber 1910 versechsfacht. Gedeckt wurde dieser Bedarf zu fast vier Fünfteln mit Erdöl. Parallel zu dieser Ära wurde die Wasserkraft weiter ausgebaut, trug allerdings erst einen geringen Anteil zum Energiemix der Schweiz bei. Die Erdölkrise 1973 schnitt zäsurartig in den Verlauf der Energiegeschichte ein. Das Jahr markiert das Ende des Erdölregimes.
Nuklearer Ausweg
Ab 1945 trieb die Schweiz die Nutzung von Atomenergie voran. Zunächst galten Atomkraftwerke als Lösung für alle energiepolitischen Probleme. Es kursierte gar das Gerücht – das bis heute nicht vollständig aus den Köpfen verschwunden ist – die Atomenergie wäre eine umweltfreundliche Option. Dabei gehen zentrale Faktoren vergessen: Das hohe Risiko, die gefährliche Strahlung, die Umweltschäden des Uranabbaus oder auch die hochradioaktiven Abfallprodukte, für die sich bis heute kein sicheres Endlager fand. 1959 erliess der Bund mit der Einführung der Atomenergie ein Atomgesetz. In den Jahren, die auf die Erdölkrise folgten, wurde versucht einen ganzheitlichen Energieplan für die Schweiz auszuarbeiten, die sogenannte Gesamtenergiekonzeption (GEK).
Die Erinnerung an die Erdölkrise hatte noch Jahre später Auswirkungen auf energiepolitische Entscheidungen. Dieses Mahnmal aus der Vergangenheit in Kombination mit der zunehmenden Umweltdebatte und den Bedenken rund um die Atomenergie fachte die Diskussion um eine nachhaltige Energielandschaft entscheidend an. Die Forderung nach Energieeffizienz, Energieeinsparungen und alternativen bzw. erneuerbaren Energieträgern gewann an Gewicht und Lautstärke. In Zukunft müssen zielgerichtete Massnahmen durchgesetzt werden, damit die Umweltverträglichkeit der Schweizer Energiewirtschaft gesteigert werden kann. Ein Dreh- und Angelpunkt für diese Zeiten des Wandels ist die Energiestrategie 2050 des Bundesrates. Diese Strategie soll für die Schweiz eine Möglichkeit bieten, die Ausgangslage optimal auszunutzen und den hohen Versorgungsstandard zu erhalten. Parallel will die Energiestrategie dazu beitragen, die energiebedingte Umweltbelastung der Schweiz einzudämmen.
Quellen und weitere Informationen:
Republik: Eine kleine Energiegeschichte
Admin: Energie in der Schweiz - Woher wir kommen, wohin wir gehen
Historisches Lexikon der Schweiz: Energiepolitik
Bundesamt für Statistik: Energiestrategie 2050