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In einem Video-Meeting mit ihren Mitarbeitern fragt die Moderatorin der Sitzung zu Beginn Anette Bronder, was als Kind ihr „Dream job“ gewesen sei. Diese zögert kurz, schaut nach unten auf den Tisch, meint dann ernst:
„I wanted to become a racing child.“ „Wow“, entfährt es der Moderatorin. Darauf die Swiss Re-Spitzenfrau, jetzt lächelnd, so wie fast alle anderen Teilnehmer des Chats:
„Yes. Because I have a … I have a … five brothers. So I always have cars around me. And, ah, with all these boys around me it was all about automotive and cars and … and … so from the beginning ah … ah … I tried to … to be a little bit faster than my brothers (lacht)“.
Dann schlägt die Süddeutsche, welche einst gross war im Frauenhandball, die Brücke zu ihrer Karriere im Business.
„Yes, this was ah … always a good … I want to say a life competition for me and otherwises I was not visible in this nice boys‘ group, so it was always helpful for me to try to … to … to be part of the club. So to say.“
Das Problem: Anette Bronder hat keine fünf Brüder. Nicht einmal einen. Sondern eine Schwester. Dies soll sie auch einmal an einem internen Townhall des Rückersicherers gesagt haben.
Ein Sprecher der Swiss Re meinte am Freitag in einem Telefongespräch: „Frau Bronder hat sicher nicht gesagt, sie habe fünf Brüder. Sie hat eine Schwester.“
Was sie allenfalls gesagt habe sei, dass sie in einem männlichen Umfeld aufgewachsen sei. „Sie hat viele Cousins“, so der Sprecher.
Nur: Die Aussage mit den fünf Brüdern war explizit. Die Spitzenfrau der Swiss Re machte damit Werbung für sich.
In der Swiss Re gibt das zu reden. Bronder hat in der IT viele Leute abgebaut; dies im Rahmen eines 100-Millionen-Sparprogramms. Dieses hat sie zusammen mit einem US-Beratungsbüro erarbeitet und umgesetzt.
Die Beratungsfirma habe für ihre Arbeit einen zweistelligen Millionenbetrag eingestrichen, sagt eine Quelle. Die Swiss Re will keine Zahlen nennen.
Jüngst wurde bekannt, dass die ChainIQ, eine Insourcerin für die Einkaufstätigkeiten grosser Firmen, im Auftrag von Bronder das „Procurement“ der Swiss Re unter die Lupe nahm.
Bronders Umbau-Initiativen werden kritisch beäugt. Eine Umfrage unter drei Dutzend Mitarbeitern, darunter sowohl Spezialisten als auch Manager, hat zu ihrem „Agile“-Vorhaben gemischte Feedbacks hervorgebracht.
Laut dem Insider hätten sich 80 Prozent der Befragten kritisch geäussert. „Agile“ bringe ihnen nichts im Alltag, so das vernichtende Fazit.
Laut dem Swiss-Re-Sprecher seien die 80 Prozent nicht zum Nennwert zu nehmen.
„Die Zahl beinhaltet viele, welche noch nicht ‚agile’ arbeiten.“ Nehme man als Basis nur jene, die bereits auf die dynamische Arbeitsweise umgestellt hätten, dann sei die Zustimmung überwältigend.