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12 Dez 2014 17:57 - 06 Jan 2015 06:44#361 von Yo El Mismo
Yo El Mismo erstellte das Thema Johann Sebastian Bach komponiert Zeit
Wer sich quasi sein Leben lang mit Johann Sebastian Bach und seinem Werk befaßt, ist vor Überraschungen nie sicher. Sei es, daß plötzlich ein sogenannter Wissenschaftler aus dem fernen Australien behauptet, die Cello-Suiten seien nicht von Johann Sebastian sondern von Anna Magdalena Bach komponiert worden oder – wie ich heute lesen konnte – ein ebenso unbekannter Autor (Ulrich Siegele) glaubt exakt nachweisen zu können, wie lang denn die Spieldauer der einzelnen Bachwerke sei. Da lese ich dann „Für Musiker, Musikwissenschaftler und Komponisten bietet "Johann Sebastian Bach komponiert Zeit" einen einmaligen Einblick in Bachs Kompositionswerkstatt: Die Goldberg-Variationen belegen sein kompositorisches und formales Denken sowie die sorgfältige Anlage seiner Werke in genauen zeitlichen Dispositionen und gewähren zugleich Einblick in seine eigene Aufführungspraxis. Zusätzlich zur Analyse der einzelnen Stücke werden die Goldberg-Variationen in den politischen und gesellschaftlichen Kontext ihrer Entstehung eingeordnet. Dadurch erhält der Leser nicht nur Einblick in das kompositorische Denken Johann Sebastian Bachs, sondern auch in Beziehungen, die er zu führenden politischen Persönlichkeiten seiner Zeit unterhielt.“
Das ist ja interessant. Wieso bloß ist bis jetzt noch kein anderer der sehr viel prominenteren Bachforscher auf diese These gekommen? Forscher Siegele stellt dann auch gleich mal fest, wie lange denn die Aufführung der Goldberg-Variationen BWV 988 zu dauern hat: „Die Analyse von Bachs Werken zeigt, daß sich jede Komposition einem Satztypus zuordnen läßt, der wiederum in Verbindung zu absolut fixierten Tempostufen steht. Bei den Goldberg-Variationen sah Bach als Dauer der Aria und der 30 Variationen mit allen Wiederholungen genau 90 Minuten vor, geteilt in zwei Hälften von je 45 Minuten.“
Es trifft sich gut, daß ich die Goldberg-Variationen als Einspielung von nahezu allen Größen der Bach-Interpretation besitze. Also fangen wir mal an:
Glenn Gould 1955: Spieldauer 38:11 Minuten (na ja, er war damals erst 23 Jahre alt)
Glenn Gould 1981: Spieldauer 51:10 Minuten. Diese Einspielung kommt sehr getragen daher.
Evgeni Koroliov: Spieldauer 86:02
Murray Peraiha: 73:13 Minuten
András Schiff: 72:15 Minuten
Auch die anderen bekannten Interpreten, schon gar nicht Stadtfeld, schaffen nicht die vorgegebenen 90 Minuten. Wahrscheinlich haben sie das tolle neue Buch von Herrn Siegele noch nicht gelesen.