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Zehnmal schon wurde die The Transat von einem Franzosen gewonnen. Am 2. Mai 2016 startet in Plymouth im Anschluss an ein Warm-up in St. Malo die 14. Ausgabe dieser Solo-Regatta. Der dreifache Sieger Loïck Peyron geht mit der Pen Duick II an den Start. Er will damit die 1964 von Tabarly begonnene Legende weiterleben lassen.
Mit seinem Sieg an der zweiten Austragung von The Transat im Jahr 1964, damals noch OSTAR (Observer Single-handed Trans-Atlantic Race), legte Tabarly den Grundstein für seinen eigenen Mythos. Er setzte sich mit seiner Pen Duick II knapp gegen die Engländer Chichester und Howells durch und erinnerte die Briten schmerzhaft daran, dass Frankreich eine Segelnation ist.
The Transat war schon immer eine Art Schlachtfeld der jahrhundertealten Rivalität zwischen den beiden Ländern. Zehn der bisher 13 gesegelten Regatten wurden von Franzosen gewonnen, was den Briten als historisches Seefahrervolk natürlich ein Dorn im Auge ist. Die Engländer hatten bisher erst einmal Gelegenheit, ihre geliebten Erzfeinde zu demütigen, nämlich an der allerersten Austragung. Damals kam der einzige französische Vertreter nach 76 Tagen als 5. und letzter ins Ziel, 35 Tage nach dem Sieger Chichester. Nach dieser Schmach waren die Franzosen natürlich mächtig stolz auf Tabarly, der gefeiert wurde wie ein Nationalheld.
Auf die harte Tour
Ein Faktor, der The Transat so berühmt gemacht hat, ist auch der Kurs. Die Nordatlantik-überquerung von Ost nach West stellt eine gewaltige Herausforderung dar. Saisonbedingt müssen die wagemutigen Solisten auf der gesamten Strecke gegen die entfesselten Elemente kämpfen. Tabarly erzählte nach seiner siegreichen Zieleinfahrt im Jahr 1976, dass er fünf Tiefs durchquert habe, bevor er endlich in den USA eintraf. Ein Grossteil der Strecke wird bei Starkwind am Wind gesegelt und es ist auch schon vorgekommen, dass die Teilnehmer vor Neufundland Eisberge umfahren mussten. Im Gegensatz zu vergleichbaren Regatten führt The Transat nie durch sonnige Regionen mit Rückenwind. Doch obwohl das knüppelharte Solorennen nur etwas für Hartgesottene ist, stösst es auf reges Interesse. Zweimal schon waren über 100 Boote am Start. 1976 umfasste das Feld 125 Einhandsegler, 1980 waren es 110.
Gefeiertes Revival
Seit 2004 wird The Transat von der Offshore Challenges Group organisiert. 2012 wurde allerdings wegen einer Terminkollision mit anderen grossen Regatten und aufgrund der ungünstigen Wirtschaftslage auf eine Durchführung verzichtet. Die Gruppe von Mark Turner hatte das Rennen ohne genauere Angaben „auf später“ verschoben. Angesichts dieser vagen Aussage waren die Befürchtungen gross, dass The Transat keine Fortsetzung finden würde. Zusätzlich geschürt wurde diese Sorge durch ein vom Royal Western Yacht Club, dem Gründerclub von The Transat, in den Jahren 2005, 2009 und 2013 veranstaltetes Amateurrennen auf dem gleichen Kurs mit einer Wertung in berechneter Zeit. In Grossbritannien ist dieses Format noch immer sehr gefragt.
Entgegen aller Befürchtungen gab Hervé Favre, der Genfer Event Manager für Hochseeregatten bei OC Sport, an der Pariser Bootsmesse das Comeback von The Transat bekannt. Es findet zum gewohnten Zeitpunkt und somit im Vorfeld der Vendée Globe statt, was auch die Teilnahme von sechs Open-60-Jachten erklärt. Gestartet wird in Plymouth, Ziel ist New York und nicht mehr Boston. Aufgrund der hohen Anzahl französischer Teilnehmer und um den zahlreich erwarteten Zuschauern etwas zu bieten, findet ein „Warm-up“ statt, das von St. Malo nach Plymouth führt. Vom 20. bis 24. April können die segelnden Geschosse in der Korsarenstadt bewundert werden, bevor sie sich zum rund 130 Seemeilen entfernten englischen Hafen aufmachen. Bei diesem Prolog könnten durchaus auch einigen Gäste an Bord sein. Maximal werden an The Transat 40 Skipper zugelassen, gerechnet wird mit rund dreissig. In der Class 40 sind auch drei Frauen vertreten.
Prominente Beteiligung
Für diese 14. The Transat können sich die Organisatoren über ein hochkarätiges Teilnehmerfeld freuen. Die Startliste liest sich wie ein Who’s Who der Einhandszene. François Gabart und Armel Le Cléac’h sind ebenso dabei wie Jean-Pierre Dick, Vincent Riou, Thomas Coville, Sébastien Josse und Yves Le Blevec. Zugelassen sind die gleichen Bootsklassen wie an den anderen französischen Transatlantikrennen, das heisst die Class 40, die Multi 50, die Open 60′ und die Ultimes. Einige trauern möglicherweise den bunt gemischten Flotten der grossen Jahre nach, denen The Transat ihren Ruhm verdankt, aber eigentlich sind diese vier Klassen vielfältig genug, um es den meisten recht zu machen. IRC und andere komplexe Rankingsysteme, die bei den Briten sehr beliebt sind und an Regatten wie der Sydney-Hobart und am Fastnet Race noch immer zur Anwendung kommen, wurden aufgegeben. Wer dennoch Rennen in berechneter Zeit vorzieht, kann nächstes Jahr an der Amateurversion der Transat starten.
Ausnahmeregelung für die Pen Duick
Ehrengast ist dieses Jahr die Pen Duick II. Für die 13,60 Meter lange Ketsch, der das Solorennen über den grossen Teich sein Ansehen verdankt, machen die Organisatoren eine Ausnahme, denn regeltechnisch wäre sie eigentlich nicht zugelassen. Sie sorgt aber dafür, dass der Mythos weiterlebt. Gesteuert wird sie von Loïck Peyron, dem Gewinner der letzten Route du Rhum und dreifachen Sieger von The Transat. Peyron startet ausser Konkurrenz und segelt mit dem gleichen Navigationsmaterial und der gleichen Ausstattung wie Tabarly. „Ich hoffe, dass das Ölzeug von damals noch vorhanden ist“, scherzte der Franzose bei der Präsentation seines Projekts. Mit einer Persönlichkeit wie Peyron wird The Transat ihren Platz unter den wichtigsten Regatten bestimmt zurückerobern. In New York wissen wir mehr.
Die Sieger von The Transat
1960 Francis Chichester (GBR) in 40 Tagen und 12 Stunden
1964 Éric Tabarly (FRA) in 27 Tagen und 3 Stunden
1968 Geoffrey Williams (GBR) in 25 Tagen und 20 Stunden
1972 Alain Colas (FRA) in 20 Tagen und 13 Stunden
1976 Éric Tabarly (FRA) in 23 Tagen und 20 Stunden
1980 Phil Weld (USA) in 17 Tagen und 23 Stunden
1984 Yvon Fauconnier (FRA) in 16 Tagen und 6 Stunden
1988 Philippe Poupon (FRA) in 10 Tagen und 9 Stunden
1992 Loïck Peyron (FRA) in 11 Tagen und 1 Stunde
1996 Loïck Peyron (FRA) in 10 Tagen und 10 Stunden
2000 Francis Joyon (FRA) in 9 Tagen und 23 Stunden
2004 Michel Desjoyeaux (FRA) in 8 Tagen und 8 Stunden
2008 Loïck Peyron (FRA) in 12 Tagen und 11 Stunden
Der Rekord wurde 2004 von Michel Desjoyeaux auf einer Open 60‘ (18,28 m) in 8 Tagen, 8 Stunden und 29 Minuten aufgestellt.