Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/24235

<h2>SubmittedText<h2><p>Vor kurzem beschloss der Kanton Bern, auf das obligatorische Lehrlingsturnen zu verzichten; ebenso will der Kanton Solothurn künftig das Lehrlingsturnen nur noch in einzelnen Regionen anbieten. Andere Kantone, z. B. der Kanton Wallis, haben dieses Turnen gar nie richtig eingeführt.</p><p>Im Rahmen des Spardruckes, dem einzelne Kantone ausgesetzt sind, werden Kantone künftig vermehrt gezwungen sein, von Bundesaufträgen abzusehen. Dies vor allem auch dann, wenn Aufwand und Ertrag, wie das beim Lehrlingsturnen offensichtlich der Fall ist, in keinem Verhältnis stehen.</p><p>Ich frage den Bundesrat:</p><p>1. Ist er bereit, die Kantone in ihren Sparanstrengungen zu unterstützen und das Vorgehen einzelner Kantone (Verzicht auf das obligatorische Lehrlingsturnen) zu tolerieren?</p><p>2. Ist er nicht auch der Meinung, dass beim Lehrlingsturnen Aufwand und Ertrag nicht mehr übereinstimmen oder gar nie übereinstimmten?</p><p>3. Sind Jugendliche in diesem Alter nicht selber in der Lage, verantwortungsbewusst zu handeln und zu entscheiden, wann sie sich sportlich betätigen sollten?</p><p>4. Ist er bereit, die nötigen Gesetzesänderungen zum Verzicht auf das obligatorische Lehrlingsturnen einzuleiten, wenn er von den eidgenössischen Räten dazu aufgefordert wird?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Der Bundesrat begrüsst einerseits die Sparanstrengungen der Kantone, hält aber andererseits am Grundsatz des obligatorischen Turn- und Sportunterrichtes an den Berufsschulen fest. Kantone, welche die gesetzlichen Vorschriften missachten, verstossen gegen gültiges Bundesrecht und müssen deshalb mit Beitragskürzungen und -rückzahlungen rechnen.</p><p>2. Nach der Einführung des Obligatoriums hat der Bund das Seine zum Ausbau der Infrastruktur beigetragen und damit gemeinsam mit den Kantonen die Voraussetzungen für den Turn- und Sportunterricht ständig verbessert. Daher ist es nicht vertretbar, jetzt vom Obligatorium abzuweichen. Beim Turn- und Sportunterricht spielen pädagogische Anliegen eine Rolle, die weit über das Abwägen von Aufwand und Ertrag hinausgehen: Förderung und Erhaltung der Gesundheit sowie die spielerische Schulung von Team- und Integrationsfähigkeit. Letztere gehören zusammen mit Sozial-, Eigen- und Methodenkompetenz zu den fachunabhängigen Fähigkeiten, die in einem modernen Bildungsverständnis unverzichtbar sind.</p><p>3. Jugendliche sind sehr wohl in der Lage, auch in Fragen der Gesundheit und des Sports eigenverantwortlich zu entscheiden und zu handeln. Jedoch ist eine fachgerechte Anleitung in der Ausübung sportlicher Tätigkeiten unabdingbar. Für ein entsprechendes Training und zur Vorbereitung auf das selbstständige Ausüben solcher Sportaktivitäten ist der schulische Turn- und Sportunterricht ein wichtiges Mittel.</p><p>4. Aus den geschilderten Gründen sieht der Bundesrat nicht vor, selber eine Gesetzesänderung einzuleiten.</p>  Antwort des Bundesrates.