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Filmkritik: Castel del Monte sehen... und sterben?
Jack (George Clooney) ist ein routinierter Auftragskiller und kennt die goldene Regel: Freunde dich mit niemandem an! Trotzdem bricht er diese Regel, indem er sich während eines Auftrags in Schweden in eine Frau verliebt. Nach einem unglücklichen Zwischenfall liegt sie zusammen mit zwei anderen Männern tot im Schnee.
Jack muss fliehen und taucht auf den Rat seines Auftraggebers Pavel (Johan Leysen) hin in einem kleinen italienischen Dorf unter. Dort freundet er sich wider Willen mit Priester Benedetto (Paolo Bonacelli) und der Prostituierten Clara (Violante Placido) an. Doch bald trifft sein neuer Auftrag ein: Er muss für die Killerin Mathilde (Thekla Reuten) eine besonders ausgefeilte Waffe bereitstellen.
Mit seinem Kinodebüt Control ist Starfotograf Anton Corbijn einer der besten britischen Filme der letzten Jahre gelungen. Die Erwartungen an seinen zweiten Film waren dementsprechend gross. Verständlich also, dass sich Corbijn nicht auf ein Genre festlegen lassen wollte und mit dem Roman A Very Private Gentlemen einen Thriller verfilmte. Die Adaption mit dem Titel The American ist dennoch viel weniger Actionfilm, als es uns der Trailer glauben machen will. Es ist schon angenehm, in den Zeiten von The Bourne Ultimatum wieder einmal einen Hitman-Film zu sehen, der ohne ultrahektische Handkamera und Schnittfrequenz von drei Sekunden auskommt. The American ist vielmehr ein Film mit klassischer Handlung, der ebenso klassisch inszeniert wurde. Das Tempo des Filmes ist ruhig, beinahe meditativ, und die Aufnahmen bestechen vor allem durch Atmosphäre und Farbgebung.
Der Film handelt zwar von einem Auftragskiller, dessen Alltag besteht jedoch weniger aus Schiessereien und Verfolgungsjagden denn aus viel Einsamkeit, unterbrochen von kurzen, heftigen Gewaltausbrüchen. Damit liegt Corbijn vermutlich näher an der Realität als die erwähnten Bourne-Filme, wenn man in diesem Genre überhaupt von "realistisch" sprechen kann. Es dürfte sich auch eher eine Zielgruppe mit Alter über 30 vom Film angesprochen fühlen, nicht zuletzt dank der Besetzung der Hauptrolle durch den Mr. Nespresso. Dennoch stellt sich das Problem, dass das gemächliche Erzähltempo ideal für ein Arthouse-Drama - wie etwa Control - sein mag, nicht aber für einen Thriller. Somit schleppt sich The American teilweise dahin, ohne dass dem Zuschauer viel geboten wird.
Die Ausgangslage des Filmes - ein mysteriöser Fremder kommt in eine kleine Stadt und stellt sich als Killer heraus - erinnert stark an einen Western. So zollt Corbijn seinen Vorbildern ganz unverblümt Respekt, indem er in einer Szene im Hintergrund Spiel mir das Lied vom Tod im Fernseher laufen lässt. Auch die Verschlossenheit und den grimmigen Blick teilt George Clooneys Rolle mit Figuren wie denen von John Wayne. Dass sein Spiel dennoch nicht wirklich herausragt, liegt daran, dass es sich nicht gross unterscheidet von Clooney in anderen Filmen wie Michael Clayton. Die restlichen Darsteller überzeugen, aber ebenfalls ohne wirklich im Gedächtnis zu bleiben, da ihre Figuren schlussendlich nicht besonders interessant ausfallen. Erwähnenswert ist einzig Thekla Reuten, welche man möglicherweise aus In Bruges kennt, als Jacks "Arbeitskollegin".
Interessant ist übrigens der Vergleich zwischen letzterem und The American. Beide haben eine ähnliche Grundidee - untergetauchte(r) Killer in einem kleinen Kaff am Arsch der Welt - doch die beiden Filme könnten unterschiedlicher nicht sein. Im Vergleich zu Martin McDonaghs genialem Gespür für schwarzen Humor bleibt Corbijns Film eher fad und eintönig, auch wenn er überaus stilvoll fotografiert ist.
Hat mir gut gefallen. Clooney spielt die Figur sehr überzeugend. Man spürt stets seine Ängste und Einsamkeiten als Auftragskiller. Dies macht The American packend. Es benötigt nicht mal unbedingt viel Action oder Spannung.
The American ist in der Tat kein Actionfilm, viel mehr eine dramatische One-Man-Show eines ziemlich paranoiden Profikillers, sehr schön in Szene gesetzt, aber ohne jegliche Höhepunkte. Trotzdem macht Clooney Vieles richtig. Seine Mimik ist zwar nicht gerade vielseitig, dafür kann man aber seine Unsicherheit und Aengste wunderbar nachempfinden.Violante Placido ist zudem eine wunderschöne Frau und die Erotik kommt auch überhaupt nicht zu kurz. Was mich aber an The American am meisten gestört hat, ist die Auflösung. Es gab nämlich keine. Der eigentliche Auftrag wurde zur Nebensache und der Schluss wurde einfach mal so in fünf Minuten völlig überhastet reingehauen. Alles in allem dankt man hier vor allem dem schönen Italien, der Erotik und der gut gespielten Paranoia Clooney's, dass der Film nicht zur Trägheitsnummer verkommt. Action, intelligente Twists oder eine starke Auflösung sucht man leider vergebens.