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Die Befragten entsprechen Alter, Region und Nationalität. Quelle: Bundesamt für Statistik, BFS 2002
Die Befragten entsprechen Alter, Region und Nationalität. Quelle: Bundesamt für Statistik, BFS 2002
Die Forschung schätzt, dass weltweit 3% der männlichen Bevölkerung homosexuell sind. Der Anteil ist in den Städten höher, weil viele junge Gays im Erwachsenenalter in die Städte ziehen, um besser am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können und dem Risiko der Diskriminierung weniger ausgesetzt zu sein. Das soziodemografische Profil unserer Teilnehmer zeigt eine Bevölkerung aus mehrheitlich jungen Erwachsenen mit einer höheren Bildung als der Schweizer Durchschnitt. Nach allem, was über die Gesundheitsdeterminanten bekannt ist, müssten sie also bei besserer Gesundheit sein als der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Dies ist aber nicht der Fall, was auf spezifische Vulnerabilitäten, d.h. Gefährdungen und Anfälligkeiten, hinweist.
Das Alter spielt für die Gesundheit eine wichtige Rolle. Je nach Alter variieren die Gesundheitsrisiken. Es gibt Kinderkrankheiten und Krankheiten, an denen eher ältere Menschen leiden. Die schwulen und bisexuellen Männer zwischen 20 und 44 Jahren sind in unseren Befragungen stark übervertreten. Das ist die logische Folge der angewandten Stichprobenmethode, da die Teilnehmer in der Gay Szene rekrutiert wurden. Die jungen Männer zwischen 15 und 24 Jahren sind gut vertreten, nicht aber die Männer über 50, da sie die Treffpunkte weniger regelmässig aufsuchen und ihre Homosexualität häufig im Verborgenen leben. Die Männer zwischen 20 und 40 gehören zu Altersgruppen, die generell eigentlich bei sehr guter Gesundheit sind. Das gilt für viele schwule Männer aber nicht.
Lieber jung, reich und gesund als arm, alt und krank. So heisst es. Gesundheitsexperten nennen das die sozialen Determinanten der Gesundheit. Sie wissen, dass Elemente wie sozialer Status, Armut und Bildungsstand eine sehr wichtige Rolle für die Gesundheit spielen. Die Zahl der Teilnehmer mit einem höheren Bildungsabschluss (Hochschule, Universität) ist viel höher als in der Schweizer Gesamtbevölkerung. Schon der Kanton Genf weist einen höheren Anteil Einwohner mit universitärer Bildung auf, aber diese Verschiebung gilt auch für die Mehrheit der Untersuchungen über schwule Männer weltweit. Man kann ausserdem die Annahme treffen, dass die Treffpunkte der Schwulenszene hauptsächlich von Männern der Community aufgesucht werden, die der Mittelschicht angehören.
Der Kanton Genf grenzt an den Kanton Waadt und an die beiden französischen Departemente Ain und Haute-Savoie. Viele Waadtländer und französische Grenzgänger pendeln zum Arbeiten und für ihre Freizeit nach Genf. Viele Genfer Gays sind auch in schwulen Treffpunkten in Lausanne, dem Hauptort des Kantons Waadt, unterwegs. So wurden denn auch schwule Treffpunkte in Lausanne für die Umfrage ausgesucht. Diese Situation schlägt sich in der Grafik sichtbar nieder. Die Forschungsergebnisse stellen demnach den Gesundheitszustand schwuler Männer in Genf und am Genferseebogen dar.
Fast 60% der schwulen Männer leben in einer Grossstadt. Viele junge Gays ziehen im Erwachsenenalter in die Stadt, um hier die Treffpunkte zu nutzen, ein grösseres soziales Netz zu knüpfen und mehr Anonymität zu geniessen.
Genf ist ein internationaler Kanton mit einem hohen Anteil ausländischer Bewohner (ca. 40% der Bevölkerung). In unseren Befragungen waren 32 Nationalitäten vertreten, 36% der Befragten waren Nichtschweizer. Die grössten Gruppen waren dabei die Franzosen (17.6%) und Italiener (6.5%), was in Genf der jeweils zweit- und drittgrössten Gruppe von Ausländern nach den Portugiesen entspricht.
Fast 60% der schwulen und bi Männer leben allein und weniger als 20% leben mit einem männlichen Partner zusammen. Mit seinem Partner zusammen zu leben ist nicht unbedingt die beste Lösung für den Aufbau einer dauerhaften Beziehung, aber alleine leben bedeutet hohe Risiken für die physische und psychische Gesundheit, vor allem bei Krankheit oder Unfall. Alleine leben kann auch die Kontrolle über ein Suchtverhalten erschweren, z.B. Tabak- und Alkoholkonsum, aber auch andere Drogen oder Computersucht.
Obwohl der Bildungsstand im Durchschnitt höher ist, liegt der Anteil der Führungskräfte (28%) praktisch gleich hoch wie in der restlichen Schweiz.
Obwohl die Löhne in Genf zu den höchsten in der Schweiz gehören, liegt 2002 der Medianlohn der schwulen und bisexuellen Männer (5’000 CHF/Monat) unter demjenigen der Männer in der Schweiz (5‘500 CHF/Monat).
Die für die Umfrage gewonnen Männer mussten sich selbst als schwul/Gay/homosexuell, bisexuell oder als Männer definieren, die Sex mit Männern haben. Auf die Frage nach ihrer sexuellen Orientierung haben sie sich wie oben definiert. Die 1% Teilnehmer, die sich als heterosexuell bezeichnen, gehören wahrscheinlich zu der Gruppe der Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), die sich aber nicht als schwul, Gay oder bisexuell sehen.