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Der in Irland geborene und zwischen Paris und Genf pendelnde Künstler Eric Linder alias Polar hat drei erfolgreiche englische Alben aufgenommen, bevor eine Zusammenarbeit mit dem bekannten Chansonnier Miossec dazu führte, dass er sich entschloss, eine rein französischsprachige Platte aufzunehmen. Beeinflusst vom amerikanisch geprägten Songwriting von Neil Young, Nick Drake und Tim Buckley, hat er sich daran gemacht, die Liedermacher-Kunst der frankophonen «Singer/Songwriter» tiefer zu ergründen und in seinen eigenen Kosmos einzubinden. Für das «Saint Ghetto» hat Polar ein rein französischsprachiges Programm zusammengestellt.
Mit der Pariserin Hermine Demoriane (*1942) kommt eine Figur nach Bern, die es nie über eine kultische Verehrung im Untergrund hinaus geschafft hat. Sie war und ist Sängerin, Schriftstellerin, Schauspielerin und Seiltänzerin. Ihre Laufbahn begann bei der Performance-Truppe Coum Transmission (die kurze Zeit später zur Industrial Band Throbbing Gristle wurde), dann stand sie mit den Popstars Adam And und Toyah Willcox für Derek Jarman’s Kunstpunk-Film «Jubilee» vor der Kamera. Parallel dazu baute sie eine beeindruckende Seiltanz-Karriere auf, die sie in ihrem Buch «The Tightrope Walker» niederschrieb. Vielen Musikhörern bleibt sie aber als eine Art New Wave-Diva in Erinnerung. 1982 und 1984 erschienen zwei wundervolle Alben mit eigenen Stücken und Interpretationen von Liedern von Roy Orbison, Nick Lowe oder Yoko Ono. Das eine – «World On My Plates» – wurde auch seines Coverartworks wegen zur Kultplatte: man sieht wie Hermine in der Küche Schallplatten in eine Geschirrspühlmaschine einsortiert. Unvergesslich bleibt jedem der ihre Platten gehört hat Hermines unvergleichlicher (Anti)-Gesangsstil: eine rauchige, markante Stimme, welche die meist englischen Texte ihrer Lieder mit einem verstörend ehrlichen französischen Akzent vorträgt. Man denke an eine französische Ausgabe von Nico. Live trat sie mehrmals als Support der Einstürzenden Neubauten auf, einmal aber auch vor der Frauen-Heavy Metal-Band Girlschool. Nun erschien anfang Jahr unerwartet ein drittes Album mit neueren Aufnahmen aber auch solchen die zum Teil schon vor zwanzig Jahren entstanden sind. Beteiligt sind etliche Schweizer Musik, bei einem Stück treten Les Reines Prochaines als Chor auf. So entstand die Idee Hermine für ein Konzert am «Saint Ghetto» in die Dampfzentrale zu holen. Sie hat sich mit ein paar ihrer alten Weggefährten aus England – Leute die u.a. bei den Mekons und This Heat spielten – kurzgeschlossen und wird zum ersten mal seit 20 Jahren wieder in Bern auftreten.
Das französiche Quartett Lapin Machin spielt eine unterhaltsame, manchmal hörbar von den Violent Femmes beeinflusste Mischung aus Garage Rock, LoFi-Folk und Pop, und eröffnet den vielseitigen Freitag Abend des «Saint Ghetto» im Foyer. Thomas Bohnet ist ein grosser Kenner der französischen Musik und hat sich als Herausgeber der CD-Reihe «Le Tour» (soeben erschien der 4. Teil) mit ausschliesslich aktueller französischer Musik und als Veranstalter der «Tour de France»-Clubnächte in München und Berlin einen Namen gemacht.