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Die erste Hälfte des Dezembers war geprägt von zwei Niederschlagsperioden mit kräftigem Wind aus West und Nordwest. Nach der ersten Niederschlagsperiode (1) mit einer Nullgradgrenze zum Schluss knapp unter 2000 m (bis Dienstag, 04.12., Schneefallgrenze 1400 bis 1700 m) kletterte sie bis am Freitag, 07.12. nochmals auf rund 3000 m (2). Der anschliessende Kaltlufteinbruch mit Sturm und Niederschlag brachte ergiebig, verbreitet und – nach einem erneuten Anstieg der Nullgradgrenze auf knapp 2000 m (Schneefallgrenze 1500 bis 1800 m) – zum Schluss bis in tiefe Lagen Schnee (bis Montag, 10.12) (vgl. Abbildung 1) (3). Die letzten zwei Tage waren mehrheitlich sonnig, aber kalt (4).
Im Folgenden sind die Perioden (1) bis (4) (vgl. Abbildung 1) beschrieben.
Auf einen meist sonnigen Samstag, 01.12. folge die erste, sehr dynamische Wetterphase. Im Norden war es stark bewölkt, am Montag tagsüber im Tessin und in Graubünden, am Dienstag ganz im Süden teils sonnig. Der Westwind blies mässig bis stark. Von der Nacht auf Sonntag bis am Mittwochmorgen, 05.12. fiel der, in Abbildung 2 dargestellte flüssige Niederschlag. Entsprechend können die Millimeter Regen oberhalb von rund 2500 m als Zentimeter Neuschnee angenähert werden. Die grössten Niederschlagsmengen fielen am grossflächigsten in den Gebieten östlich der Reuss (in den Schwyzer, Glarner und St. Galler Alpen). Vom mittleren und südlichen Tesssin über das Moesano und Bergell bis ins Puschlav waren die Niederschlagsmengen gering oder es blieb sogar trocken.
Die Schneefallgrenze lag im Norden zunächst zwischen 2000 und 2400 m, im Westen zeitweise sogar noch höher. Am Alpensüdhang lag sie mit 1200 bis 2000 m etwas tiefer. Erst am Dienstag sank die Schneefallgrenze im Norden auf 1400 bis 1700 m. Damit schneite es oberhalb von rund 2500 m:
Vom Mittwoch bis zum Freitag war es teilweise sonnig und allmählich wieder wärmer (vgl. Abbildung 3). Am Mittwoch und Donnerstag überwogen im Norden Wolken, im Süden war es bereits sonniger. Am Freitag war es dann tagsüber auch im Norden meist sonnig und mild mit einer Nullgradgrenze bei 3000 m. Der Wind kam in der Höhe allerdings nicht zur Ruhe und blies vor allem am Alpennordhang an exponierten Lagen immer mal wieder stark.
Bereits am Freitagnachmittag näherte sich die nächste Kaltfront und bildete den Auftakt dieser sehr dynamischen Periode. Am Samstag blieb es nur noch im Engadin sowie im mittleren und südlichen Tessin ziemlich sonnig, am Sonntag und Montag dann nur noch ganz im Süden. Sonst war es stark bewölkt. Der Wind blies stark bis stürmisch aus westlichen Richtungen mit der intensivsten Phase am Sonntag, 09.12. (vgl. Abbildung 4), und griff bis in mittlere oder sogar tiefe Lagen durch. Im Mittelland wurden in der Nacht von Samstag auf Sonntag oder am Sonntagvormittag verbreitet Böen zwischen 80 und 100 km/h, in einigen Alpentälern gar bis knapp 120 km/h gemessen. Auf den Berggipfeln erreichten die Böenspitzen 130 bis 165 km/h (Quelle: MeteoSchweiz). In der Nacht zum Montag drehte der Wind auf Nordwest und zog sich in die höheren Lagen zurück. Etwas verschont vom Sturm blieben, wie üblich bei Westlagen, bis am Montag das Tessin und Graubünden.
Zur Freude aller Schneefans und Wintertourismusdestinationen hatte der Sturm auch eine ordentliche Ladung Schnee im Gepäck. Am Samstag lag die Schneefallgrenze bei rund 1000 m, stieg dann aber auf den Sonntag nochmals auf 1500 bis 1800 m an. Im Tagesverlauf sank sie dann aber wieder und fiel ab dem Montag unter 1000 m. Damit konnte sich nicht nur in hohen, sondern auch in mittleren Lagen eine Schneedecke bilden. Über das ganze Niederschlagsereignis vom Freitagabend bis Dienstagmorgen fielen oberhalb von 1800 m die in Abbildung 5 dargestellten Neuschneemengen. Am meisten Schnee fiel im nördlichen und westlichsten Unterwallis sowie vom Reusstal bis in die St. Galler Alpen und im Samnaun mit 100 bis 160 cm. Sonst fielen am Alpennordhang , im nördlichen Oberwallis, im Gotthardgebiet, in Nord- und Mittelbünden und in den nördlichen Teilen des Unterengadins verbreitet 75 bis 100 cm. Im übrigen Wallis fiel verbreitet ein guter halber Meter Schnee, im Tessin und im Engadin nahm die Neuschneemenge nach Süden hin markant ab.
Die intensivste Phase war vom Sonntag auf den Montag (vgl. Abbildung 6).
Am Mittwoch war es in den Bergen sonnig (vgl. Abbildung 7), am Donnerstag nur noch nördlich des Alpenhauptkammes. Im Tagesverlauf zogen aus Westen Wolken auf. Im Süden war es am Donnerstag bedeckt mit wenig Niederschlag. Am Donnerstag wehte der Wind zeitweise mässig bis stark aus südlichen Richtungen.
Anfangs Dezember lag am Alpenhauptkamm vom Matterhorn bis ins Berninagebiet und südlich davon oberhalb von rund 2000 m eine schon dicke, meist gut verfestigte und stabile Schneedecke (vgl. Abbildung 11 im Monatsbericht November). Vor allem an windgeschützten Nordhängen war die Schneeoberfläche teils aufbauend umgewandelt. Dasselbe galt für die Nordhänge oberhalb von rund 2400 m bis 2700 m der anderen Gebiete, wo erst in dieser Höhenlage eine zusammenhängende Schneedecke vorhanden war. In Höhenlagen darunter ebenso wie an Südhängen bis in hohe Lagen lag dort nur sehr wenig oder kein Schnee. Entsprechend war die Lawinensituation mehrheitlich günstig und Gefahrenstellen lagen vor allem an Nordhängen oberhalb 2400 m oder noch höher (vgl. Gefahrenentwicklung unten).
Weil erst verhältnismässig wenige Personen im Schnee unterwegs waren (Skitourenmöglichkeiten noch sehr eingeschränkt, nur wenige Bergbahnen offen) standen dem Lawinenwarndienst erst wenige Informationen aus dem Gelände zur Verfügung, was sowohl die Prognose als auch deren Überprüfung erschwerte. Darauf wurde in den Lawinenbulletins zum Monatswechsel aufmerksam gemacht mit dem Hinweis, die Situation vor Ort besonders gründlich zu überprüfen. Umso erfreulicher war es, dass wegen dieses Hinweises zusätzlichen Informationen über das Rückmeldetool in der WhiteRiskApp resp. Webseite eingingen - herzlichen Dank dafür ! Generell ermöglichen uns Rückmeldungen zur Schneedecke, Schneequalität oder zu Lawinenabgängen ein besseres Bild der aktuellen Situation. Diesmal war unter den Meldungen sogar ein Extra-Schneeprofil dabei (vgl. Abbildung 8).
Schneedeckenuntersuchungen mit Stabilitätstests im Raum Davos im Rahmen eines SLF-Kurses Schnee und Lawinen am Dienstag, 04.12. und Donnerstag, 06.12. zeigten in Nordhängen oberhalb von etwa 2400 m zum Teil eine hohe Auslösebereitschaft am Übergang von den älteren Schneeschichten zum Neuschnee oder innerhalb der Neu- und Triebschneeschichten (vgl. Abbildung 9). Zudem wurden häufig Wummgeräusche beobachtet. Diese Resultate passten gut zum oben beschriebenen Zustand der Schneedecke anfangs Dezember, insbesondere auch an Nordhängen.
Vom beschriebenen Schneedeckenzustand ausgehend erfolgte dann für die zwei, gebietsweise ergiebigen Niedeschlagsperioden mit Sturm ein prognostizierter, markanter Anstieg der Lawinengefahr (vgl. Gefahrenentwicklung unten). Aufgrund der bis am Donnerstag, 13.12. zur Verfügung stehenden Informationen zu schliessen:
Des weiteren hat sich die Situation dadurch eher günstig entwickelt, als die Temperatur während dem Hauptniederschlag allmählich abgenommen hat und die jüngsten Schichten trotz starkem Wind locker abgelagert wurden.
Während und nach dem Starkschneefall wurden Lawinen künstlich ausgelöst. Dabei entstanden oft grosse oder sogar sehr grosse Lawinen (vgl. Abbildung 10), häufig waren die Sprengungen aber auch erfolglos.
Nach der zweiten Sturm- und Niederschlagsperiode waren oberhalb der Waldgrenze Kuppen, Grate und Rücken oft abgeblasen, in windgeschütztem Gelände lag viel Schnee. Die mächtigen Neu- und Triebschneeschichten setzten und verfestigten sich. Schwächere Schichten, welche vor allem an Nordhängen oberhalb von rund 2400 m in der Schneedecke eingelagert und in Abbildung 11 rot dargestellt sind, waren vor allem bei dünner Überdeckung noch als ungünstig zu beurteilen.
Am Donnerstag, 13.12. lag auf 2000 m in den meisten Gebieten ein halber Meter oder mehr Schnee, vom Bedretto bis in die Urner und Glarner Alpen sogar 120 bis 200 cm. Im Vergleich zum langjährigen Mittel schnitten die Waadtländer und Freiburger Alpen und Teile des Unterwallis sowie Nord- und Mittelbünden sowie das Unterengadin am besten ab. Dort waren die Schneehöhen für die Jahreszeit deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.
In dieser Berichtswoche wurden dem SLF bis Redaktionsschluss zwei Lawinen mit einer erfassten Person gemeldet:
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.