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Dezember 2009 / Januar 2010
Von Buenos Aires, Argentinien reiste ich weiter nach Kolumbien. Der Teil des Landes mit den grossen Städten Bogota, Medellin und Cali ist auf verschiedenen Hochplateaus zwischen 2‘800 (Bogota) und 1‘000 (Cali) Meter über Meer. Deshalb sind die Temperaturen trotz der Nähe zum Äquator angenehm früh-sommerlich. Nur im Küstenstreifen, wo die Bevölkerung mehrheitlich dunkelhäutig ist, ist es heiss.
Medellin
Erstes Reiseziel in Kolumbien war Medellin, wo ich einem ehemaligen Arbeitskollegen eine Woche lang mit der Umstellung vom kolumbianischen Buchhaltungsstandard auf den internationalen Standard half.
Medellin ist über die Landesgrenzen hinaus für seine Weihnachtsbeleuchtung bekannt.
Viele Berühmtheiten Kolumbiens kommen von hier. Neben Pablo Escobar, dem ehemaligen Drogenkönig, ist unter anderem der Maler und Plastiker Fernando Botero sehr bekannt. Viele seiner Plastiken, die immer beleibte Menschen darstellen, stehen auf einem nach ihm benannten Platz in der Altstadt. Es fällt einem auf, wie sauber und organisiert die Medellin ist.
Da die Frauen um die Hüfte oft gut gebaut sind sind, sind Brustvergrösserungen üblich, um die von den Kolumbianerinnen angestrebten Proportionen wieder herzustellen. Wer sich die 2-3‘000 Dollar leisten kann, macht die Operation schon mit sechzehn. Spasseshalber werden die Täler von Cali und Medellin deshalb Silicon-Valleys genannt. Ich habe mich manchmal gefragt, ob alles echt ist. Im Zweifelsfalle wohl eher nicht.
Zona Cafetera – Salento
Als nächstes machte ich einen Ausflug in die Zona Cafetera, wo ich exzellenten Kaffee genoss und alles über die Aufzucht bis zur Verarbeitung erfuhr.
In dieser Gegend wachsen auch die weltgrössten Wachs-Palmen, die bis zu 60 Meter hoch werden können.
In den umliegenden verwunschenen Urwäldern ist das Wandern ein besonderes Erlebnis.
Ich verbrachte Weihnachten in der reizvollen Kleinstadt Salento.
El Peñón de Guatapé
Zurück in Medellin stellte ich fest, dass ich einen Zusatztag in dieser Stadt verbringen werde, da der Arbeitskollege meines Kollegen – sein Name ist Giovanni – mich nicht informiert hatte, dass wir erst einen Tag später an die Küste fahren. Ich fuhr an diesem Tag zu einem riesigen, 137 Meter hohen Findling, El Peñón de Guatapé genannt, der eine fantastische Aussicht auf die umliegende Hügel- und Seenlandschaft bot.
Fahrt an die Küste nach San Antera
Giovanni hat mich eingeladen, mit ihm und seiner erweiterten Familie an die Küste zu fahren. Er hat dort ein Haus direkt am Meer gemietet. Um 5 Uhr morgens ging’s los, denn die Fahrt dauert 12 Stunden. In den Gegenden mit Rebellensympathisanten stand alle 200 Meter ein Soldat am Strassenrand. Gegen Mittag hatte sein Auto – der Kilometerzähler blieb schon vor längerem bei 145‘000 km stehen – eine Panne. Nach 4 Stunden war das Auto wieder fahrbereit. Doch nach einer halben Stunde ging wieder nichts mehr. Mit dem wichtigsten Gepäck hielten wir daraufhin einen Bus an. In der Umsteigestadt fuhr der nächste Bus nicht ab, da der Fahrer den Alkoholtest nicht bestanden hatte. Da wir auf diesen Bus angewiesen waren, um noch vor Mitternacht beim Ferienhaus anzukommen, fuhr schlussendlich Giovanni den Bus, nachdem er den Alkoholtest erfolgreich bestanden hatte. Aus dem Bus ausgestiegen, waren es noch einmal ein paar Kilometer bis zum Strand und weit und breit war kein weiteres Verkehrsmittel zu finden. Zum Glück war die Polizei zur Stelle. Sie kam mit einem Einsatzfahrzeug zurück und fuhr uns zum Haus. War das eine ganz normale kolumbianischer Reise?
San Antera
Ein Sanitätsboot
Leider stellte sich heraus, dass viele Versprechungen Giovanni’s so stark von der Realität abwichen und ich einen grösseren Teil der Ferienkosten für die ganze Familie berappen sollte, dass ich keine Lust mehr hatte, mit diesen Leuten meine Zeit zu verbringen und ich von einem Tag auf dem anderen nach Cartagena weiter reiste.
Cartagena
Cartagena war einer der kolonialen Haupthäfen der Spanier. Hier wurden die Sklaven aus Afrika an Land gebracht und grosse Mengen Gold nach Spanien verschifft. Kein Wunder, wurde die Stadt immer wieder angegriffen. Die Spanier reagierten mit umfangreichen Festungsbauten, die heute noch zu sehen sind. Das gesamte Zentrum besteht aus den ursprünglichen, kolonialen Häusern. Es war ein besonderes Erlebnis, die Silvesternacht in dieser Stadt zu verbringen. Da Cartagena ein internationales Touristenziel ist, gibt es auch viele gute Restaurants und Open-Air Cafes.
Bogotá
Als letzte Station in Kolumbien habe ich die Hauptstadt Bogotá besucht. Beim Einchecken im Hotel erhielt ich eine Liste mit Warnungen, wie in der Nacht nicht zu Fuss zu gehen, nicht mit Fremden zu sprechen oder von ihnen Esswaren und Getränke anzunehmen etc. Wenn man dann sieht, dass die Wäscherei, wo ich meine Kleider zum Waschen brachte, komplett vergittert war und nur für meinen Wäschesack das Schloss aufschloss, weiss man, dass die Warnungen ernst gemeint sind. Wie in Medellin gibt es in der Stadt einige sichere Strassenzüge, wo sich die, die es sich leisten können, in trendigen Bars und Restaurants treffen. Diese sind teilweise wirklich gut, mit Restaurants auf Gault Millau Level und natürlich einiges billiger als in der Schweiz. Auch Bordeaux Grands Crus Weine werden ausgeschenkt. In diese Zonas und zurück fährt man mit dem Taxi.
Monte Monserrate
Aussicht vom Monte Monserrate über die Stadt
Gold-Museum
Gäbe es das Gold-Museum nicht, wäre Bogota keine Reise wert. In diesem Museum werden die Gold-Arbeiten der vor-kolonialen Kulturen Kolumbien‘s ausgestellt. Diese wendeten bereits alle heute bekannten Goldschmiedetechniken an. Auch diese Kulturen schätzten das Gold mit seinem Glanz und der Unverwitterbarkeit hoch ein und der Besitz von möglichst viel Gold war schon damals ein Status-Symbol. Zudem wurde es auch für religiöse Zwecke benutzt. Obwohl das Museum etwa 50‘000 Gold-Austellungsstücke hat, ist der grösste Teil der von den verschiedenen Stämmen gefertigten Kunstwerke unwiderbringlich verloren, denn die Spanier, denen es einzig um das Metall Gold ging, schmolzen vor dem Transport nach Spanien alles ein.
Die Salz-Kathedrale von Zipaquirá
Ein Ausflug in eine Salzmine, wo die Arbeiter unter Tag eine Kathedrale zu Ehren der Patronin der Salzmineure aus dem Salzgestein gemeiselt hatten, rundete den Bogota-Besuch ab.
Nach einem Monat in Kolumbien flog ich nach Buenos Aires zurück. Welch ein Unterschied! Am selben Abend genoss ich wieder einmal eines der weltbesten Steaks, wie es sie nur in Argentinien gibt.
Die nächsten drei Tage verbrachte ich in Uruguay.