Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03174.jsonl.gz/1333

Mit den ersten Takten von «Better Git It in Your Soul» hatten sie mich gleich in der Tasche, die beiden Altsaxofonisten Nat Su und Gabriel Dalvit. Gemeinsam spielen sie das Intro zur Komposition des Bassisten, Pianisten und Bandleaders Charles Mingus (1922–1979). Er hatte sie erstmals 1959 auf «Mingus Ah Um» veröffentlicht. Meine Lieblingsfassung der gospelgetränkten Nummer stammt aber von der vier Jahre später mit einer Grossformation eingespielten LP «Mingus Mingus Mingus Mingus Mingus». Hier spielt Mingus das Intro auf dem Bass, bevor die Big Band mit Wucht zum Höhenflug ansetzt.
Die Gruppe Straymonk – in Anlehnung an Billy Strayhorn und Thelonious Monk – spielt nach ihrem Erstling «Strayhornmonk» von 2006 nun ein Tributalbum für den Exzentriker Mingus ein. Su und Dalvit tun dies in einer knappen Quartettform ohne Harmonieinstrumente. Mit Andreas Zitz und Michi Stulz haben sie sensible Musiker am Bass und am Schlagzeug zur Seite.
Straymonk klingen auf ihrer rasanten Reise durch die Mingus-Landschaft wie eine Grossformation. Sie erzählen von der «Reincarnation of a Lovebird» oder erinnern mit «Fables of Faubus» an Gouverneur Orval E. Faubus, den berüchtigten Gouverneur von Arkansas, der 1957 in Little Rock (Arkansas) die Nationalgarde aufbot, um die Integration von neun afroamerikanischen Teenagern in die Schule und die Aufhebung der Rassentrennung zu verhindern. Zum Schluss geht es noch in den «Tijuana Gift Shop»; ein Titel, den Mingus nach einer Reise in die mexikanische Grenzstadt für das Konzeptalbum «Tijuana Moods» 1957 einspielte. Die tänzerische Fassung von Straymonk lässt uns mit einem aromatischen Hauch von Zartbitterschokolade und einem Schuss Tequila zurück.
Straymonk spielen am 21. Dezember 2012 in der Schaffhauser Kulturbeiz Nudel 26.
Straymonk: Straymonk Plays Mingus. Unit Records / Musikvertrieb