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Die Erdstösse erreichten die Stärke 6,4 und überraschten die Menschen am frühen Morgen um 3.57 Uhr Ortszeit im Schlaf. In der Zwei-Millionen-Metropole Tainan bebte die Erde so stark, dass mehrere höhere Häuser schwer beschädigt wurden oder komplett einstürzten. Ein 16-stöckiges Wohngebäude kippte komplett auf die Seite. Bis zum Abend wurden dort 13 Tote gefunden. Unter ihnen ist ein neugeborenes Mädchen. Es wurde nur zehn Tage alt.
Die Mehrheit der verschütteten Bewohner konnte lebend aus den Trümmern geborgen werden. Doch noch immer werden über 100 Menschen vermisst. Von den 500 Verletzten konnte ein Grossteil nach der Behandlung im Spital wieder nach Hause gehen, berichteten die Behörden.
Mit Einbruch der Dunkelheit gestalteten sich die Bergungsarbeiten schwieriger. Auch wurde es empfindlich kalt für Taiwan, das sonst eher wärmere Temperaturen gewohnt ist. 1200 Feuerwehrleute und Rettungskräfte waren mit Baggern, 23 Suchhunden und Spürgeräten im Einsatz, um Verschüttete zu finden und zu bergen.
Die Suche werde auch in der Nacht fortgesetzt, versicherte der Bürgermeister von Tainan, Lai Ching-te. Das Militär baute an vier Orten der Stadt Lager mit 1200 Betten für Obdachlose auf. Präsident Ma Ying-jeou flog sofort ins Erdbebengebiet.
Das Epizentrum des Erdbebens lag in Meinong nahe der Hafenstadt Kaohsiung. Die Region ist dicht besiedelt. Allein in der südlich von Tainan gelegenen Stadt Kaohsiung leben 2,8 Millionen Menschen. Zeitweise war die Strom- und Wasserversorgung für Hunderttausende unterbrochen. Das Beben war auf der ganzen Insel zu spüren.
Die Erdstösse überraschten auch Superstar Madonna und ihre Musiker, die auf ihrer Rebel Heart Tour in Taiwan sind. Ihr Manager Guy Oseary schrieb aus dem 350 Kilometer entfernt gelegenen Taipeh auf Instagram: «Erdbeben hier in Taipeh. Vier Uhr früh...Wir sind alle OK... Hoffe, dass es vorbei ist.» Heute Abend ist ein zweites Konzert von Madonna in Taiwans Hauptstadt geplant.
Das Beben ereignete sich nur einen Tag vor dem traditionellen chinesischen Neujahrsfest, das von Sonntag auf Montag beginnt. Es weckte schlimme Erinnerungen an das Beben von 1999, als 2400 Menschen ums Leben kamen. Damals wurde eine Stärke von 7,3 erreicht. (lex/SDA)Publiziert am 06.02.2016 | Aktualisiert am 06.02.2016