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17. März 2022
Wie hat die Regierung des Kosovo auf die Auswirkung von COVID-19 auf das Leben von Frauen reagiert?
COVID-19 verstärkte das Konzept, dass Frauen zu Hause bleiben; das Konjunkturpaket bot keine Lösung an
Autorin Riola Morina
Fakultät für politische Wissenschaften
University for Business and Technology – UBT
Universität für Wirtschaft und Technik
Die COVID-19 Pandemie und ihre Auswirkungen haben den Fortschritt, den Frauen über die Jahre erzielt haben, zunichte gemacht. Mehr als zwei Jahre nach der Pandemie hat sich die Gleichstellung bzw. Gleichberechtigung der Geschlechter am Arbeitsplatz nur verschlechtert, was dazu führt, dass Frauen unter unverhältnismäßig hohen Beeinträchtigungen leiden. Solche Beeinträchtigungen sind die Folge der Strukturen und gesellschaftlichen Normen, die bereits vor besagter Pandemie bestanden. Die Rückkehr von Frauen ins private Umfeld im Kosovo ist hauptsächlich auf 2 Gründe zurückzuführen: die Blockaden, die den Produktions- und Dienstleistungsbereichen auferlegt wurden, in denen Frauen übermäßig stark vertreten sind und in denen sie oft unter formlosen Arbeitsverträgen arbeiten, und aufgrund der Schließung von Kindertagesstätten, die die Frauen in den meisten Fällen dazu zwang, den Arbeitsplatz zu verlassen und ihre Kinder zu betreuen. Trotz allem bot das Konjunkturpaket keine Unterstützung basierend auf echter und gesetzmäßiger Geschlechterpolitik/Gleichstellungspolitik.
Weltweit fiel die Beschäftigungsquote von Frauen zwischen 2019 und 2020 um 4,2%, was dem Verlust von 54 Millionen Arbeitsplätzen entspricht. Andererseits fiel die Beschäftigungsquote von Männern um 3%.[1] Das gleiche Phänomenon trat im Kosovo auf; es trat in einem weit größeren Maßstab auf. Arbeitsplätze mit einem hohen Anteil an weiblichen Mitarbeitern sind im Kosovo geprägt durch Faktoren wie geringe Löhne, lange Arbeitsstunden, eingeschränkte Karrierechancen, Gewalt und Belästigung. Laut dem Statistikamt des Kosovo beträgt die Beschäftigungsquote bei den Frauen im erwerbsfähigen Alter nur 14,1%, im Vergleich zu 44% bei den Männern. Als die Pandemie zuschlug, führte die Schließung vieler Arbeitsplätze dazu, dass arbeitende Frauen dem Risiko ausgesetzt waren, ins private Umfeld zurückkehren. Seit der Zeit, als die Pandemie begann, haben 8% der kosovarischen Frauen ihren Job verloren.[2] Es gibt aber auch Ungleichheit in einer aus Frauen bestehenden Arbeitnehmerschaft. Wie jeder Wirtschaftsabschwung hat die COVID-19 Pandemie hauptsächlich die Frauen am unteren Ende der Lohnskala getroffen. Diese Tatsache wurde beim im Juni 2021 bekanntgegebenen Konjunkturpaket des Kosovo nicht berücksichtigt. Klausel 1.3. dieses Pakets besagt, dass jede Frau, die in den letzten 3 Monaten seit Bekanntgabe des Pakets nicht beschäftigt war, und die später beschäftigt ist, einen Zuschuß von 50% des Gehalts für die ersten 3 Monate, bis zu einem Höchstbetrag vom 150 Euro pro Monat, erhält. Diese Klausel kann als Anregung für Frauen verstanden werden, ins Arbeitsleben einzutreten, doch es dient nicht als konkretes Instrument zur Erreichung dieses Ziels.
Ein weiterer offensichtlicher Grund dafür, warum Frauen dem Arbeitsmarkt fernbleiben, ist, dass sie einer Überbelastung durch unbezahlte Arbeit ausgesetzt sind. Zwar haben überproportional viele Frauen ihre Jobs verloren, doch die Hauptantriebskraft dafür, dass sie sich ins private Umfeld zurückgezogen haben, ist der Anstieg ihrer unbezahlten Arbeitsstunden. Zu dieser Arbeit gehört die Betreuung ihrer Kinder, das Homeschooling ihrer Kinder, die Betreuung von älteren Menschen und viele andere Tätigkeiten, die der Rest der Welt für selbstverständlich hält. Während der Pandemie berichteten ca. 42% der Frauen, dass sie zuviel Zeit auf unbezahlte Arbeit verwendet haben, im Vergleich dazu nur 19% der Männer.[3] Mit dem Wissen, dass in den meisten Fällen die Frauen die Betreuung von Kindern übernommen haben, hatte die Schließung von staatlichen und privaten Kindergärten einen unmittelbaren Einfluß auf die Zunahme der Belastung durch die Kinderbetreuung für sie. Anstatt mit Klauseln zu reagieren, die diesem Problem in gleicher Weise Rechnung tragen, hat die Regierung des Kosovo die Klausel 3.5 über Mutterschaftsgeld eingebracht. Diese Klausel stellt einen Rückschritt dar, insbesondere für die feministische Perspektive, die Elternzeit/Erziehungsurlaub als essentiell in der Kritik an unbezahlter Arbeit und deren Auswirkungen auf das Leben von Frauen betrachtet.
All diese Faktoren unterstreichen die Notwendigkeit einer geschlechtergerechten Wiederbelebung als Antwort auf die unverhältnismäßige Beeinträchtigung, die die COVID-19 Pandemie den Frauen beschert hat. Die Annahme, dass nur Frauen für Betreuung der Familie und die Hausarbeiten verantwortlich sind, hat zu Grundsätzen geführt, die hohe Geburtenraten als Stärkung und Unabhängigkeit betrachten. Die Nichtberücksichtigung von Frauen am unteren Ende der Lohnskala hat zu Grundsätzen geführt, die eine inklusive Integration nicht als notwendig erachten. Das Gesetz zur Gleichstellung der Geschlechter im Kosovo verpflichtet die Regierung des Kosovo dazu, eine Geschlechterperspektive bei der Politikgestaltung mit einzubeziehen. Es scheint jedoch so, als ob die Regierung eine solche Verpflichtung beim Entwurf des Konjunkturpakets nicht umgesetzt hat. Für die Rückkehr von Frauen in den Arbeitsmarkt und die Stärkung ihrer Rechte braucht es einen langfristigen Plan, der den Herausforderungen Rechnung trägt, die die COVID-19 Pandemie darstellt.
[1]Internationale Arbeitsorganisation, Politik Übersicht: Building Forward Fairer: Women’s rights to Work and at work at the core of the COVID-19 recovery, Juli 2021
[2]Statistikamt des Kosovo, Arbeitskräfteerhebung, 2020
[3] UNDP, Rasche Beurteilung der sozioökonomischen Auswirkungen von COVID-19 im Kosovo, Juni 2020.