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Beschreibung
Rolf Kamm: Glarner Burgen
Thomas Bitterli: Burgruine Benzigen bei Schwanden (GL) – Ergebnisse der Sondierungen 2005 und 2008
Jakob Obrecht: Die Letzimauern von Näfels und Beglingen
Glarner Burgen
Schriftliche Hinweise aus der Zeit, als die Burgen im Glarnerland noch bewohnt waren, fehlen weitgehend, ausser für Näfels und Windegg. Im Fall der Windegg-Burgen bleibt aber oft unklar, um welche Ruine es sich handelt. Aegidius Tschudi (1501–1572) gab den Ruinen zwischen Schwanden und Niederurnen ein historisches Gesicht. In seinen erfundenen Ergänzungen des Säckinger Urbars (um 1350) wies der Chronist jeder Glarner Burgstelle eine Familie aus säckingischem Dienstadel zu.
Die Burgen nehmen aber in der Glarner Historiografie eine Nebenrolle ein: Im Gegensatz zur Schlacht bei Näfels 1388, der Letzimauer oder dem «Beitritt zum Bund der Eidgenossen» 1352, stehen sie nicht für die traditionelle Befreiungsgeschichte, sondern für den «finsteren» Feudalismus.
In der älteren Glarnergeschichte folgte der germanischen Urfreiheit die habsburgische Unterdrückung und dieser wiederum die Befreiung und die Bildung eines republikanischen Staatswesens.
Für Ritter und Burgen war da – ausser als habsburgische und säckingische Amtleute beziehungsweise Verwaltungssitze – kein Platz. Interessanterweise stellte man dieses auf Tschudi zurückgehende Geschichtsbild auch im 20. Jh. kaum in Frage, obwohl man sich der Zweifelhaftigkeit von Tschudis Überlieferung schon im 19. Jh. bewusst war.
Nachdem wesentliche Teile von Tschudis Überlieferung als Fälschungen entlarvt wurden, ist mit einem Male den Glarner-Burgen ihre Geschichte abhanden gekommen. Die Ruinen gaben nun Rätsel auf und Antworten erhoffte man sich vor allem von der Archäologie. Trotzdem blieben die Ausgrabungen auf Sola (1927–29) bis 2005 (Sondierungen auf Benzigen) die einzigen Ausgrabungen auf einer Glarner Burgstelle.
Glarus war im Hochmittelalter schwach feudalisiert, aber keinesfalls «adelslos». Der lokale Adel wurde vor und um 1300 von der sich ausbreitenden habsburgischen Landesherrschaft verdrängt, weshalb der Abgang einiger Glarner Burgen und das Auftreten von Leuten mit glarnerischen Namen in Zürich in diese Zeit fallen.
Der Niedergang des lokalen Adels war eine Folge der habsburgischen Expansion, nicht eines bäuerlichen Burgenbruchs. Lokale Adlige und Burgen überlebten das 14. Jh. nur in habsburgischen Diensten.
Vertiefte Kenntnisse über die Glarner Burgen könnten helfen, die Zeit vor der Festigung der habsburgischen Landesherrschaft besser zu verstehen. Diese Jahre zwischen 1200 und 1330 sind auch für die spätere Entwicklung von Interesse: Wahrscheinlich ging das Lenzburger, Kyburger und Rapperswiler Erbe im Glarnerland nur zum Teil an die Habsburger. Viele Rechte gelangten in die Hände bäuerlicher Aufsteiger, der Kirchgemeinden oder der verschiedensten Personenverbände, woraus der Landesherrschaft neue Konkurrenz erwuchs.
Aus diesem Grunde sind die Glarner Burgen wieder etwas mehr in den Fokus verschiedener Interessengruppen und der Öffentlichkeit geraten. Das Bestreben, durch archäologische Grabungen mehr über die Burgen zu erfahren, steht dabei im Zentrum.
Burgruine Benzigen bei Schwanden (GL) – Sondierungen 2005 und 2008
Die Burgruine Benzigen befindet sich nördlich von Schwanden (GL) auf einem bewaldeten Sporn über der Talstrasse und der Linth. Von der Burg sichtbar ist ein Mauerwinkel aus grossen Blöcken (Megalith-Mauerwerk) und mit einem sorgfältig aufgebautem Eckverband.
Der bekannte Glarner Chronist Aegidius Tschudi (1501-1572) ordnet diese Burg den Freiherren von Schwanden zu und erwähnt mehrere Mitglieder dieser Familie, die für die Glarner Geschichte von Bedeutung gewesen sein sollen.
Die Geschichtsforschung hat inzwischen zahlreiche Stellen in Tschudi Werk als Fälschung erkannt. So ist z.B. von den Burgherren von Benzigen lediglich ein «Heinrich von Schwanden» (1242) ohne jedliche Adelbezeichnung übriggeblieben.
Es stellte sich also die Frage, wie alt diese Burg Benzigen sei und wie ihr Grundriss etwa ausgesehen haben könnte. Zwei Fragen die mittels einer Sondierung 2005 und 2008 geklärt werden sollten.
Die Bauzeit der Burg ist nach den beiden Sondierungen weiterhin nur vage ins 13. Jh. zu datieren, weil keine datierbaren Funde zum Vorschein kamen. Hingegen wurde ein mächtigen Turm von 18×18 m Grundfläche und eine weitläufige Ringmauermauer von über 90 m Länge freigelegt. Der Turmstumpf ist noch gut 4 m hoch erhalten und auf zwei Seiten vollständig mit Mauerschutt zugedeckt.
Ende des 19. Jh. hat der damalige Grundbesitzer das Burggelände grossflächig verändert. Die Mauern der Vorburg wurden weggeräumt und der Schutt beim Turm aufgehäuft. Danach wurde der noch hervorragende Teil des Turmes abgebrochen und zum Schluss der so entstandene Schutthügel mit Erde überdeckt.
Der massive Turmrest und die weitläufige Umfassungsmauer deuten darauf hin, dass der Burgherr vielleicht doch eine gewisse Bedeutung hatte und dass die Aussagen von Aegidius Tschudi doch nicht ganz so falsch sein können. Weitere Sondierungen, die auf diese Fragen eine Antwort geben könnten, sind geplant.
Die Letzimauern von Näfels und Beglingen
Die Letzimauern von Näfels und Beglingen sind nach 1351 errichtet worden. Sie sperrten nördlich von Näfels in der Talebene am Rautibach den Zugang ins Glarnerland; der Teil von Beglingen lag am Zugangsweg von Sargans gegen Glarus.
Da an der Letzi von Näfels 1388 die bekannte Schlacht von Näfels stattfand, hatten die Mauerreste immer eine gewisse Bedeutung für die Bewohner von Glarus. 1970 wurde bei der Kirche und beim Schlachtdenkmal ein Stück der Letzimauer archäologisch untersucht und danach rekonstruiert. 2009 wurden an einer anderen Stelle die Letzimauer freigelegt und dokumentiert.
Die rund 1,2 m starke Letzimauer ist auf der Feindseite (gegen Norden) rund 3 m hoch und besteht aus grossen Steinen. Auf der Freundseite (gegen Süden) war die Mauer angeschüttet und mit einem Rondenweg versehen. Die jüngsten Sondierungen zeigen, dass die Mauerkrone mehrmals rekonstruiert wurde. Wann dieser Wiederaufbau aber stattfand, konnte nicht ermittelt werden.
Die Letzimauer steht an der taktisch richtigen Stelle im Tal, so dass die Festungs-Ingenieure des 20. Jh. zum Schutz des Linthtales ihre neue Verteidigungslinie nur etwa 100 m nach Norden verschoben errichteten. Sichtbar sind davon der Tankgraben (1941 erbaut), mehrere Bunker und die Scharten der Artilleriewerke Niederberg und Beglingen (beide 1943 schussbereit).