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Plauderei über Künstler, denen ich begegnet bin
In jenen Jahren, als ich als Pianist von und mit Lale Andersen auf Tournee war, habe ich sehr viele populäre Künstler kennengelernt und dies meist bei Proben oder nach gemeinsamen Bühnenauftritten. Aber wo sind sie alle? Z.B. Roy Black, Freddy Quinn, Rex Gildo, Zarah Leander, Magda Schneider, Josephine Baker, Maurice Chevalier, um nur einige zu nennen? Auch viele berühmte Kabarettisten waren darunter, z.B. Voli Geiler, Walter Morath, Margrit Rainer und Ruedi Walter. Alle waren sie oft bei uns zu Gast, im Zolliker Garten, zum Kaffee.
Marthely Mumenthaler und Vrenely Pfyl durchsuchten oft stundenlang meine Neukompositionen, die auf meinem Klavier lagen. Lieder, die sie gerne zusammen singen wollten. Dabei wurde auch an gewissen Liedern und Texte gearbeitet, geändert, umgeschrieben. Ich empfand meine fertig geschriebenen Lieder immer als Entwürfe, die ich später für die jeweiligen Sänger noch individuell anpassen konnte. Die Lieder für Vico Torriani und Lys Assia wurden meistens bei Direktor Rosengarten (Musikvetrieb) bei ihm im Büro ausgesucht, wo ja auch ein Klavier stand.
Ich möchte auch das damalige Texas Duo (Richtiger Name: Furrer) nicht unerwähnt lassen. Die Beiden erlebten mit Cowboy-Liedern grosser Erfolge. Es sei hier nur mein erfolgreichstes genannt: „Die blauen Berge von Gina Valley“.
Ich schrieb aber auch Underground-Melodien, ohne Text, für amerikanische Grosskaufhäuser. Auch ein paar Auftragslieder, z.B. für die Firma „Borgward“ (Deutscher Automobilhersteller von 1929-1961), oder ein Lied für die Werbung eines süssen Likörs. Auch meiner Kinderschulmesse für Willerzell am Sihlsee will ich hier gedenken. Sie wurde von den Kindern sehr gerne gesungen.
Was mich sehr interessierte, waren Begegnungen mit Filmkomponisten, wie Peter Kreuder, der auch jedes Mal bei mir in Zollikon zu Gast war, wenn er im Corso ein Konzert gab. Ich besuchte auch den Komponisten Werner Bochmann in Schliersee, der viele schöne Hits geschrieben hat, wie „Heimat, deine Sterne“ für Wilhelm Strienz, „Gute Nacht, Mutter“ oder die bekannten Pfeif-Lieder für Ilse Werner.
Im Tessin unterhielt ich mich oft mit dem populären Filmschauspieler Gustav Fröhlich, ein Top-Star jener Zeit.
Bei mir in Zollikon waren auch berühmte Musikverleger, wie Ralph Maria Siegel, Rolf Marbot aus Paris, die alle gerne Lieder von mir in ihren Verlag nehmen wollten. Fast hätt ich den Operettenkomponisten Ludwig Schmidseder vergessen, der ebenfalls oft bei uns war („I‘ hab‘ die schönen Maderl’n net erfunden“, „Frauen im Metropol“ und weitere diverse Operetten im Berliner Scala).
Auch die bekannte Schauspielerin Annie Rosar, die hie und da im Bernhard Theater in Zürich auftrat und die gerne ihr Mittagsschläfchen bei mir in Zollikon auf meinem breiten, weichen Bett machte, auch sie mochte ich sehr gerne als Gast.
Evelyn Künneke, Tochter und Sängerin des bekannten Operettenkomponisten Eduard Künneke (Der Vetter von Dingsda), gehörte ebenfalls zum damaligen Freundeskreis. Leider hat Evelyn ihr Lampenfieber stets mit zu viel Alkohol verdrängen wollen. Einmal hatte sie einen Auftritt in Zürich. Als sie dort nicht erschien, versuchte man sie bei mir zu finden. Dem war aber nicht so. Evelyn wurde schliesslich in ihrem Hotel, vom zu vielen Cognac eingeschlafen, unter der dem Tisch aufgefunden. An einen Auftritt war da nicht mehr zu denken. Sie war aber als Frau eine sehr liebenswerte Person und überaus natürlich. Ich kannte leider viele Künstler, die vor ihrem Auftritt jeweils zur Flasche griffen, was meistens nicht beruhigend wirkte, sondern eher das fatale Gegenteil…
Sicher vergass ich hier einige Persönlichkeiten. Es waren damals sehr viele, wovon leider bereits schon die meisten gestorben sind.
Über Hans Albers und Michael Jary habe ich bereits ausführlich geschrieben. Eben denk ich an den österreichischen Liederkomponisten Hans Lang, der uns damals besuchte. Sein grösster Erfolg war „Mariandl“. Viele bekannte Komponisten, die ich sehr schätzte und ihre Musik liebte, meist jüdischer Abstammung, sind während der Hitlerzeit umgebracht worden. Ich nenne hierbei nur Franz Doelle („Wenn der weisse Flieder wieder blüht“) und viele andere bekannte Namen.
Nachfolgend noch eine Begebenheit, welche mein Leben hätte nachhaltig verändern und in eine völlig andere Bahn hätte lenken können: Als „Nach em Räge schint Sunne“ in vielen Ländern ein grosser Erfolg wurde, hat mich der Direktor vom Casino de Paris angefragt, ob ich mich für drei Jahre verpflichten und auf ihrer Bühne an einem weissen Flügel mein Lied, vom Orchester begleitet, spielen würde. Das sehr schöne Bühnenbild hiess „Nach Regen scheint Sonne“ und wurde vom ganzen Ballett getanzt. Erst in dunkeln Mänteln am Boden, die sich beim Aufgang der Sonne in wunderschöne Rosen verwandelten. Diese Anfrage hatte mir natürlich sehr geschmeichelt, doch ich konnte mir nicht vorstellen, für eine solch lange Zeit meinem geliebten Haus, meiner geliebten Heimat fern zu bleiben. Auch hatte ich zu viele andere Verpflichtungen. Selbstverständlich habe ich es mir dennoch nicht nehmen lassen, die Revue anzuschauen. Es war umwerfend, einmalig, unvergesslich – auch ohne mich!
© 04/2008 Artur Beul, Zollikon.