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Archiv für die Kategorie „Regelrecht“
Milde Strafe für Jordan Dunn.
Der 22-Jährige wurde zum Saisonauftakt der Premier League berühmt. Tottenham schickte sich gerade an, einen Freistoss gegen West Ham zu vollstrecken, als Dunn den Platz stürmte und den Freistoss frech über die Mauer schoss - der Ball landete in den Armen des gegnerischen Goalies. Dann kriegten die Sicherheitskräfte den Eindringling zu fassen.
Dunn drohte eine Busse bis zu 5000 Pfund und ein 10-jähriges Stadionverbot. Doch er fand einen milden Richter, wie die BBC berichtet.
Bezirksrichter Gareth Branston sagte dem Sünder: "Sie haben Alkohol konsumiert und Ihr Schrittrthythmus war etwas unregelmässig, aber Sie haben sich wohl gesagt: Bend it like Beckham! Der Schuss war nicht allzu gut und konnte vom Goalie der Hammers leicht pariert werden. Aber der nachfolgende Freistoss von Christian Eriksen war nicht viel besser. Ausserdem möchte ich mich bei Ihnen bedanken, dass Sie gänzlich angezogen auf dem Spielfeld erschienen."
Der Richter verzichtete darauf, ein Stadionverbot zu verhängen. Die Busse legte er auf 305 Pfund fest. Dunn lancierte im Internet eine Sammelaktion und hat das Geld nach einem Tag schon praktisch beisammen.
Soeben erreicht uns folgende Anfrage:
Guten Tag Herr Rüdisühli, ein Freund von mir weilt momentan auf den Färöern und hat mit Erstaunen festgestellt, dass dort bei einem Elfmeter ein dritter Spieler zu Hilfe kommen darf, um den Ball festzuhalten, damit dieser bei hohen Windstärken auf dem Elfmeterpunkt liegen bleibt. Nun meine Frage: Gilt das auch bei europäischen Wettbewerben? Mit freundlichen Grüssen, Ihr Forza Juve
Lieber Herr Forza Juve, erst einmal: Doktor Rüdisühli. So viel Präzision muss sein. Dann zu Ihrer Frage: Richtig, das ist auf den Färöer Inseln erlaubt. Die Inselgruppe im Nordatlantik wird immer wieder von starken Windböen heimgesucht; der Ball bliebt dann bei einer Spielunterbrechung kaum liegen. Auf Naturrasen könnte man den Ball allenfalls noch in einer Delle fixieren, doch mit zwei Ausnahmen gibt es auf den Faröern nur Kunstrasen.
Die FIFA hat deshalb vor einigen Jahren ihre Zustimmung zur Sonderregelung geben: Der Schiedsrichter darf erlauben, dass beim Penalty ein Mitspieler des Schützen neben dem Punkt kniet, eine Hand auf den Ball legt und diesen so lange festhält, bis der Kollege schiesst. Diese Regelung gilt auch bei internationalen Spielen.
Anderswo ist das natürlich nicht erlaubt. Obwohl zum Beispiel Kasachstan gelegentlich auch froh darum wäre. Herzlich, Ihr Dr. Rüdisühli
Wer zuallerletzt lacht, lacht am besten.
Podbrezova empfing in der slowakischen Super Liga das Team von Spartak Myjava. Die Gäste gingen nach 30 Minuten durch Peter Sladek in Führung und feierten ihr Tor ausgiebig an der Seitenlinie. Im Jubel bemerkten sie nicht, dass der Schiedsrichter bereits wieder angepfiffen hatte. Podbrezova nutzte die Gelegenheit und glich postwendend aus.
Regulär? "Ja", sagt Lukas die schwarze Instanz, der bewährte Schiedsrichter-Experte des Runden Leders auf Anfrage - "vorausgesetzt, dass der Schiedsrichter das Spiel tatsächlich freigegeben hat."
Gästestürmer Peter Sladek: "So etwas habe ich in meiner ganzen Karriere noch nicht gesehen. Das ist eine unverschämte Bevorzugung des Heimteams. Wir waren danach sehr wütend."
Und die Wut zahlte sich aus: Sladek traf zum Siegestreffer für die betupften Gäste - in der Nachspielzeit.
"20 Minuten" lüftet eines der letzten Geheimnisse des Schweizer Fussballs.
Dieser "Capo" ist also Luzerner! Das überrascht uns jetzt ein wenig, weil bisher dachten wir, dieser "Capo" stehe in der Wankdorf-Ostkurve. Einerseits. Andererseits gibt es in Bern mehrere "Capos", wobei unklar ist, ob es sich dabei um Namensvetter oder sogar um eineiige Zwillinge handelt.
Denkbar ist auch, dass dieser "Capo" früher YB-Fan war und dann zum FCL überlief. Auf jeden Fall hat er noch Stadionverbot bis Ende Jahr. Mit anderen Worten, bis zur Rückrunde gibts in der Super League leider keine Pyro-Shows.
Neymar hat den verpönten Paradinha perfektioniert - die FIFA schweigt.
Pelé hat diese Form des Elfmeters im Jahr 1962 erfunden: In einem Spiel mit Santos gegen River Plate lief er kraftvoll Richtung Elfmeter, täuschte einen Schuss ins Eck vor, stoppte dann abrupt ab und schaute, wohin der Torwart springt. Erst als sich dieser für eine Ecke entschied, schob er den Ball genau in die andere.
Der Schiedsrichter annullierte den Treffer wegen unsportlichen Verhaltens und gab Freistoss für River. Pelé fand später mildere Schiedsrichter und verwandelte noch einige Penaltys mit Zwischenstopp beim Anlauf.
Nach seinem Rücktritt geriet der Paradinha in Vergessenheit, wurde aber immer mal wieder aus der Mottenkiste geholt. Cristiano Ronaldo verschoss so 2008 einen Penalty im Champions League Final. Anderthalb Jahre später, am 7. Februar 2010, probierte ihn Neymar als 18-Jähriger erstmals mit Erfolg aus. Der geschlagene Torhüter Rogerio Ceni war reichlich sauer: "Neymar soll diesen Trick anwenden, solange er noch in Brasilien spielt. In Europa ist das nicht erlaubt."
Neymar perfektionierte darauf seine Technik, sein Paradinha ist nun weniger plump, wie sich beim verwandelten Elfmeter gegen Chile zeigte (unser Bild). Er startet, bricht den Lauf ab und macht eine kleine Zwischenschritte, dann nimmt er nochmals deutlich Tempo auf und schiesst. Das Verwirrspiel bleibt im Grundsatz aber dasselbe.
Gestern hat Neymar den Paradinha bereits im Training geübt - vielleicht wirds heute abend gegen Kolumbien von Nutzen sein.
Urs Meier schenkte Basel 1993 einen Penalty. Jetzt hat er es endlich gestanden.
Im Interview mit der "SonntagsZeitung" sagte Meier, das sei der "schlimmste Fehlentscheid" seiner Karriere gewesen. "Als ich ganz neu in die Nationalliga A raufgekommen bin und ein Cupspiel gepfiffen habe. Basel gegen Xamax. Ich hatte das erste Mal so viele Zuschauer, über 20'000. Der Druck war für mich zu gross. Ich konnte damit nicht umgehen. Ich gab einen Elfmeter für Basel, vor der Muttenzer Kurve, der keiner war."
Nach dem Spiel sei es ihm "hundemies" gegangen, sagt Meier. "Ich habe mir damals geschworen, wenn mir das noch einmal passiert, wenn ich noch einmal schwach werde, höre ich auf."
Wir erinnern uns, als wäre es gestern gewesen. Meier spricht vom Viertelfinal Basel-Xamax am 20. April 1993. Die NZZ schrieb schon damals, das sei "ein geschenktes Penaltytor" gewesen. Die offizielle Zuschauerzahl betrug übrigens nur 13'000, allerdings gab es Gerüchte, dass der FCB wegen des Einnahmen-Teilers bei Cupspielen flunkerte.
Bevor Sie jetzt die an sich völlig berechtigte Forderung nach einer Wiederholung des Spiels erheben: Xamax gewann 3:2. Siteks Penalty vier Minuten vor Schluss war bloss der zweite Ehrentreffer der Basler.
Erneut führte eine Schwalbe zum Elfmeter. Im Penaltyschiessen!
Wer an eine WM reist, will dort die K.O.-Runde erreichen. Da heisst es dann Schluss mit Taktieren, Sieg oder Heimreise. Trotzdem wird oft darauf geachtet, möglichst keinen Treffer zu erhalten. Was danach kommt, kennen Sie alle: hier blank liegende Nerven, dort weich gekaute Fingernägel. Zur optimalen Vorbereitung eines Turniers gehört also auch das Üben des Penaltyschiessens. Wer schiesst, wer wehrt ab und vor allem wie?
Wir erinnern uns gerne an die "Spaghetti-Beine" der beiden Liverpool-Goalies Bruce Grobbelaar und Jerzy Dudek aus den Endspielen des Meistercups bzw. der Champions League der Jahre 1984 und 2005, welche die gegnerischen Spieler in deren Konzentration derart zu stören vermochten, dass der Pokal mit den langen Ohren jeweils nach Anfield reiste.
Warum soll nur der Goalie zu solchen Mitteln greifen dürfen? Die Schlussmänner können beim Nervenkrieg Elfmeterschiessen sowieso nur gewinnen, während auf den Schützen ein immenser Druck, die Angst vor dem Versagen, lastet. Laut Regelwerk darf sich der Torhüter auf der Linie bewegen, in welcher Form auch immer. Der Schütze wiederum darf den Anlauf solange unterbrechen, bis ein Fuss neben dem Ball platziert wird und der andere zum Schuss ansetzt. Der Anlauf zum Punkt muss somit nicht aus einem Guss erfolgen.
Beim Penaltyschiessen im Spiel um den dritten Platz des AFC Challenge Cups gegen Afghanistan zeigte der Spieler Adubarey von den Malediven eine interessante Variante, wie man einerseits den Torhüter irritieren und andererseits den Druck im wahrsten Sinn des Wortes von sich abfallen lassen kann. Film ab!
Wohl kaum – Sie sollten sich weiterbilden. Ja, auch im Fussball!
Die Fussball-WM steht vor der Tür, höchste Zeit also, sich auf den neuesten Stand des Fussballwissens zu bringen! Bitte besuchen Sie alle die Ringvorlesung König Fussball regiert die Welt der Volkshochschule Zürich. An fünf Abenden erfahren Sie, was wichtig ist. Start ab heute Abend, es hat noch freie Plätze:
08.05. Die Erfindung des modernen Fussballs, Prof. Dr. Christian Koller
15.05. Die Fifa als globales Unternehmen, Walter De Gregorio
22.05. Die Ästhetik des Fussballs, Prof. Dr. Hans Ulrich Gumbrecht
05.06. Das Fussball-Business und seine Eigenheiten, Dr. Bernhard Heusler
12.06. Fussballfans und Fangewalt – Innensichten, Prof. Dr. Roland Seiler
YB ist die Nummer 1 der Super League. Bei den Platzverweisen.
Dank den beiden roten Karten am Wochenende übernehmen die Berner mit vier direkten Platzverweisen den Spitzenplatz von Luzern und Zürich, bei den gelb-roten Karten führt YB mit fünf Stück schon länger. Mit nun neun Platzverweisen führt YB vier Spiele vor Saisonende zwei vor dem FC Luzern.
Hier noch einmal die Liste sämtlicher Berner Platzverweise der Saison 2013/14:
21.09.2013: YB-FC Luzern 0:1. Bei seinem ersten Saisoneinsatz ist für Marco Bürki nach 83 Minuten Schluss. Er bringt Winter im Strafraum zu Fall und lässt Schiri Amhof keine andere Wahl.
29.09.2013: YB-FCZ 0:1. Alain Rochat fliegt nach 64 Minuten mit gelb-rot vom Platz. In der 24. Minute zeigt ihm der österreichische Ref Harkam die erste Karte nach einem Foul an Schönbächler, die zweite gibts für ein Foul am selben Spieler.
03.11.2013: GC-YB 0:1. Beim Auswärtssieg geht Dusan Veskovac mit gelb-rot in der 90. Minute als erster unter die Dusche. In der 50. Minute reklamiert der Serbe zu heftig bei Referee Pasche und in der 90. checkt er Caio vor dem Strafraum weg.
08.12.2013: FC Thun-YB 1:0. In der 91. Minute brennen bei Renato Steffen die Sicherungen durch. Schiedsrichter Graf kann nicht anders, als ihn mit der direkten roten Karte vor den Thuner Rachegefühlen zu schützen.
15.03.2014: FCSG-YB 1:1. Nach 80 Minuten kassiert Moreno Costanzo die 2. gelbe Karte. In der 78. Minute holt der Ostschweizer den Luxemburger Mutsch von den Beinen, zwei Minuten später zog Ref Studer den roten Karton.
23.03.2014: YB-GC 0:4. Dank Verwarnungen in der 10. und 43. Minute erarbeitet sich Renato Steffen noch in der ersten Hälfte den Platzverweis. Die erste gibt's für ein Foul an Michael Lang, die zweite zückt Adrien Jacottet, weil Steffen den Abstand bei einem Freistoss nicht einhält.
23.03.2014: YB-GC 0:4. In der 83. Minute ist der Arbeitstag von Michael Frey mit der 2. gelben Karte beendet. Ein harmloses Foul an Salatic in der 17. Minute bringt die gelbe Karte durch Schiedsrichter Jacottet, die zweite erhält der Münsiger für einen Rempler am Münsiger GC-Hüter Bürki.
04.05.2014: GC-YB 5:0. Gonzalo Zárate in der 34. Minute mit einer Tätlichkeit an Gashi - Schiedsrichter Erlachner hat keine andere Wahl.
04.05.2014: GC-YB 5:0. Alain Rochat sieht nach 40 Minuten die rote Karte für ein Trikotziehen als letzter Mann gegen Ngamukol. Hart, aber regelkonform.
Soeben erreicht uns folgende Anfrage:
Sehr geehrter Dr. Rüdisühli, ich bin Barca-Fan und nage immer noch an der Niederlage im Cupfinal. Und ich frage mich, ob das Siegestor von Real regulär war. Hatte Bale eigentlich die Erlaubnis vom Schiri erhalten, das Spielfeld wieder zu betreten, nachdem er es verlassen hatte? Visca el Barca, M., Z.
Lieber Marc, im Kommentar zur Regel 3 "Zahl der Spieler" hält die FIFA fest:
"Überschreitet ein Spieler zufällig eine Begrenzungslinie des Spielfelds, gilt dies nicht als Vergehen. Das kurzfristige Verlassen des Spielfelds kann als Teil der Spielbewegung betrachtet werden."
Das absichtliche Verlassen des Spielfelds ohne Erlaubnis des Schiedsrichters wird zwar mit Gelb geahndet (Regel 12). Aber das kann man Bale beim besten Willen nicht unterstellen, zumal er ja von Bartra abgedrängt wurde. Mit sportlichen Grüssen, Ihr Dr. Rüdisühli
PS: Gareth Bale hat ein fast identisches Tor übrigens schon einmal geschossen.