Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03215.jsonl.gz/2854

Othering und Selbstaffimierung in der europäischen Musikgeschichte: Das "Wilde" und das "Weibliche" in der Musik
Thema des Projektes ist die Analogie des "Wilden" und des "Weiblichen" sowie auch des "Kindlichen" in musikästhetischen Diskursen an den historischen Schnittstellen, die das "lange 19. Jahrhundert" begrenzen. Ziel ist es, die bereits von May Horkheimer und Theodor W. Adorno festgestellte Bedeutung dieser Analogie für die Konstituierung des europäischen Subjektes in ihrer musikhistorischen und musikästhetischen Dimension zu untersuchen.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden ästhetische Konzepte wirksam, die sich an der Idee der "Natürlichekeit", dem "natürlichen Sprechen" und der Vorstellung einer unmittelbaren und körperlichen Ausdruckskraft orientierten. Diese Charakteristika, die auch den Mythos der Instrumentalmusik deutscher Prägung als national nicht markierter Universalmusik bestimmten, wurden im selbsen Zeitraum sowohl den Frauen, den Kindern als auch den "wilden Völkern" zugeschrieben. Zeitgleich entstanden mediale Konzepte, die dieses "Wilde" der Kontrolle unterwarfen; die Repräsentation von Musik durch die Schrift, die Idee des musikalischen Originalgenies sowie der Gedanke des musikalischen Fortschritts. Zu Beginn der Moderne gewannen die Diskurse nicht zuletzt durch die Verfügbarkeit von Klangartefakten aus den kolonialisierten Kulturen neue Dynamik: im musikalsichen Primitivismus, in musikhistoriographischen Entwürfen und im Wissenssystem der jungen akademischen Disziplin der Musikwissenschaft. Das Projekt will die ästhetischen und wissenschaftshistorischen Diskurse im Blick auf die darin virulenten Kategorien Gender, Ethnizität und Klasse untersuchen und auf die verwandten Diskurse "um 1800" rückbeziehen.
Das SNF-Projekt ist Teil einer Kooperation zwischen dem zentrum Gender Studies und dem Musikwissenschaftlichen Seminar und zielt mittelfristig auf einen national und international breit vernetzten Schwerpunkt "Musik & Geschlecht", der seit dem Frühjahrssemester 2011 von der Mariann-Steegmann-Foundation sowie von der Freien Akademischen Gesellschaft finanziert wurde.
Im Projekt Musik und Gender wurden regelmässige Lehrveranstaltungen angeboten.
|Projektleiter||Matthias Schmidt|
|Mitarbeitende||Cornelia Bartsch|
Tagung: "Life Is a Composite Affair". Ethel Smyth – Musik, Kritik, Politik
Am 15. Februar findet am Luzerner Theater die Premiere von Ethel Smyths komische Oper The Boatwain's Mate (1914) statt. In der Ouvertüre erklingt der March of the Women, den Smyth für die engliches Suffragettenbewegung komponiert hatte. Weiterhin werden in der Oper irische Balladen zitiert und es sind Stilzitate aus Richard Strauss' Rosenkavalier u.a. zu hören. Obwohl Ethel Smyth behauptete, Musik und Politik seien nicht vereinbar und sie habe zwei Jahre ihres Lebens nicht komponiert, um mit den Suffragetten für das Frauenwahlrecht zu kämpfen, wurde die Oper immer wieder als "feministisch" bezeichnet. Mit der Frage nach der Politik und Kritik in Smyths Musik befasst sich eine Veranstaltungsreihe, die vom Porjekt "Musik und Gender" (Cornelia Bartsch) und dem Projekt "Musikpädagogik und Heterogenität" der Hochschule Luzern – Musik (Blanka Šiška) konzipiert wurde.