Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03635.jsonl.gz/2208

Zucker hat heutzutage keinen guten Ruf, und viele Leute greifen lieber zu künstlich gesüssten Lebensmitteln – sei es, weil sie hoffen, dank der kalorienärmeren Zuckerersatzstoffe abnehmen zu können, sei es, weil sie diese Süssmittel für weniger gesundheitsschädlich als Haushaltszucker halten. Leider dürfte es sich dabei um eine Illusion handeln: Es gibt bisher keine Beweise, dass künstliche Süssstoffe beim Abnehmen effektiv helfen.
Im Gegenteil: Eine Übersichtsstudie im «Canadian Medical Association Journal» legt den Schluss nahe, dass sie langfristig eher zu einer Gewichtszunahme und den damit verbundenen Gesundheitsrisiken wie Bluthochdruck oder Diabetes Typ 2 führen können.
Ein Forschungsteam der englischen Anglia Ruskin University hat nun nachgewiesen, dass einige der am häufigsten verwendeten künstlichen Süssstoffe – Saccharin, Aspartam und Sucralose – Gesundheitsprobleme verursachen können, indem sie die Bakterienschicht in unserem Darm, die sogenannte Darmflora, beeinflussen.
Die Biomedizinerin und Studienleiterin Havovi Chichger erklärte, die Studie, die im «International Journal of Molecular Sciences» erschienen ist, habe erstmals gezeigt, dass diese Süssmittel zwei Typen von Darmbakterien – Escherichia coli und Enterococcus faecalis – dazu bringen können, sich gesundheitsschädlich zu verhalten. Bei den pathogenen Veränderungen in der Darmflora handle es sich zum einen um eine stärkere Bildung von Biofilmen und zum anderen um eine erhöhte Adhäsion und Invasion von Bakterien in menschliche Darmzellen.
Alle drei Süssstoffe führten dazu, dass sich verstärkt Biofilme bildeten. Dies sind Schleimschichten, die von Mikroorganismen gebildet werden, die selbst in diese Schleimschicht eingebettet sind. Da diese Biofilme die darin eingebetteten Bakterien vor dem Immunsystem schützen und unempfindlicher gegen Antibiotika machen, stellen sie ein gesundheitliches Problem dar.
Sucralose und Aspartam brachten die Darm-Bakterien zudem dazu, sich an bestimmte Zellen anzuheften, die die Darmwand auskleiden. Die Mikroorganismen infiltrierten dann diese Zellen und töteten sie ab. Dadurch konnte beispielsweise E. faecalis in die Lymphknoten und in Leber und Milz vordringen und sich dort ansammeln, was zu Infektionen und selbst zu einer Sepsis (umgangssprachlich «Blutvergiftung») führen kann.
Bereits die Menge an Süssstoffen, die in zwei Dosen von künstlich gesüssten Soft Drinks vorhanden ist, kann laut der Studie zu einer Veränderung der Darmflora führen. Die Wissenschaftler unterstreichen, dass wir vieles über diese Süssmittel, die zahlreichen Lebensmitteln zugesetzt werden, noch nicht verstehen. Weitere Forschung sei hier dringend erforderlich. (dhr)