Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03411.jsonl.gz/2632

Wenn es um Kräuter, Gewürze und andere Aromastoffe aus Asien geht, dann ist «Fāmíng yuán» an der Rue Pavot (auf Karte anzeigen) im Quartier Herbes sicher die erste Adresse von Port-Louis. Das Geschäft wurde 1999 von Madame Fleur Tù und ihrem Ehemann Amédée Robin gegründet. Schon die Eltern von Fleur Tù, die in den 50er Jahren aus dem Süden von Taiwan nach Santa Lemusa gekommen waren, führten drei Jahrzehnte lang ein Kräuter- und Tee-Geschäft an der Rue des Tanneurs. Fleur hatte eigentlich nicht die Absicht, in ihre Fussstapfen zu treten und liess sich stattdessen zur Psychotherapeutin ausbilden. Dann aber traf sie den auf Chinesische Kräuterkunde spezialisierten Franzosen Amédée Robin, sie heirateten 1996 und beschlossen zwei Jahre später, das Geschäft der Eltern weiterzuführen – unter neuem Namen und an einer neuen Adresse. 发明园 Fāmíng yuán bedeutet etwa «Erfindung»-«Garten» – also Garten der Erfindungen, vielleicht aber auch erfundener Garten.
Der grosse Laden liegt zwar nur einen Steinwurf vom Quartier Vapeur entfernt, dem traditionellen Chinesen-Viertel von Port-Louis, behauptet sich jedoch in der wesentlich europäischer geprägten Umgebung des südlichen Quartier Herbes. «Wir haben die Lage bewusst gewählt, um so die Hemmschwelle für westliche Köche heruntersetzen», erklärt Amédée – und die Rechnung ist aufgegangen: «Heute stammt etwa die Hälfte unserer Kunden aus einem nicht-asiatischen Umfeld».
Sicher spielt dabei auch der Umstand eine wichtige Rolle, dass Amédée Robin die potenziellen Käufer auf Französisch beraten kann, sind doch manche Dinge hier für den an europäische Traditionen gewöhnten Koch ziemlich fremd – nicht nur die Haifischflossen oder Seegurken, sondern ebenso die getrockneten Kräuter und Rhizome, Pilze und Meeresfrüchte aller Art, die in grossen Gläsern Flanke an Flanke in den Regalen stehen.
Unterdessen lässt «Fāmíng yuán» verschiedene Aromastoffe auf Santa Lemusa anbauen und verarbeitet sie in der Regel selbst. So zum Beispiel die schwarzen fermentierten Bohnen oder diverse Mischungen wie das berühmte Fünf-Gewürze-Pulver oder Ròu gǔ chá. Speziellere Dinge wie Seepferde oder getrocknete Geckos werden allerdings immer noch aus Asien importiert.
Fleur hat über dem Laden ihre psychotherapeutische Praxis eingerichtet. «Zu Beginn fürchtete ich, die immer wieder anderen Gerüche aus dem Parterre könnten meine Patienten stören – unterdessen aber habe ich gemerkt, dass diese Düfte ihnen im Gegenteil sogar oft den Einstieg in ihre eigenen Geschichten erleichtern, vor allem wenn es um Erinnerungen geht.»
Im Jahr 2003 stiess der auf Heilkräuter-Küche spezialisierte Bruder von Fleur zu dem Team. Noch im selben Jahr konnten sie zufällig das Haus auf der gegenüberliegenden Strassenseite erwerben und eröffnete wenige Monate später das Restaurant «Fāmíng yuán».
HOIO bezieht verschiedene asiatisch Aromastoffe von «Fāmíng yuán» und packt sie in der Schweiz für den Detailhandel ab.
First Publication: 24-1-2016
Modifications: