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Lichttherapie gegen Winterdepression
Wenn die Tage länger werden, wenn die Uhren wieder auf Winterzeit umgestellt sind, dann ist es soweit. Ein nicht zu unterschätzender Anteil von etwa 3% der erwachsenen Bevölkerung entwickelt in dieser Zeit eine SAD (Seasonal Affected Disease) oder wie im Volksmund bekannt, eine sogenannte Winterdepression.
Winterdepression SAD
Die SAD äussert sich wie eine normale Depression mit Symptomen wie Schlafstörungen, Antriebslosigkeit, schlechte Laune, ungutes Gefühl, fehlende Motivation etc. Am häufigsten betroffen sind Menschen, die an Orten mit Kunstlicht (z.B. in Einkaufscentern) arbeiten und den ganzen Tag ohne natürliches Licht auskommen müssen. Am Morgen ist es draussen noch dunkel, am Abend ist es schon dunkel und über den Mittag geht man in die Kantine. Das Wochenende unter der grauen Nebeldecke trägt auch nicht zur Verbesserung der Situation bei. Die Personen leiden an einem Mangel natürlichen Sonnenlichts.
Dabei spielt das (Glückshormon) Serotonin eine entscheidende Rolle. Bei allen Formen der Depression ist eine zu geringe Konzentration des Serotonins (rote Punkte) im synaptischen Spalt, also zwischen Nervenzelle und End-Organ, nachweisbar (siehe Abbildung 1).
Behandlung der Winterdepression
Hier ist auch der Ansatzpunkt für die Behandlung zu suchen. Moderne Medikamente (schwarzer Pfeil) verhindern die Rückführung von Serotonin in die Nervenzelle, Sonnenlicht (roter Pfeil) hingegen stimuliert die Freisetzung, in beiden Fällen steigt die Konzentration von Serotonin im synaptischen Spalt an.
Die beiden Behandlungsmethoden sind in der sogenannten CAN-SAD Studie mit 96 Patienten in zwei Gruppen untersucht worden. Die eine Gruppe musste sich dabei eine halbe Stunde einem schwachen Licht aussetzen und bekam Fluoxetin, eben ein Medikament, das die Wiederaufnahme des Serotonins verhindert. Die zweite Gruppe erhielt eine Lichttherapie über 30 Minuten mit 10?000 Lux und dazu eine Plazebotablette (ohne Wirkstoff). Vor Beginn der Behandlungen, nach 1, 2, 4 und 8 Wochen wurde dann der Schweregrad der Depression mit einem standardisierten Fragebogen (Hamilton Depression Scale) erfasst und die Resultate verglichen (siehe Abbildung 2).
Die Untersuchung hat gezeigt, dass die beiden Behandlungsmethoden eine absolut vergleichbare Wirkung haben, die Lichttherapie war sogar nach einer Woche etwas besser, alle anderen Unterschiede waren nicht signifikant. Im Gegensatz zur Behandlung mit Fluoxetin waren unter der Lichttherapie kaum unerwünschte Wirkungen zu beobachten. 1.)
Auf Grund dieser Resultate hat das BSV (Bundesamt für Sozialversicherungen) die Lichttherapie in den Katalog der Grundversicherung der Krankenkassen aufgenommen. Bei ärztlicher Verschreibung übernimmt die Kasse einen maximalen Betrag von CHF 720.- für die Kosten einer Therapieleuchte.
Bei der Behandlung wird (wie auch in der Studie) empfohlen, die Lampe am Morgen jeweils eine halbe Stunde einzuschalten, das kann während Frühstück und Zeitungslesen gemacht werden. Eine weitere klinische Untersuchung hat nämlich gezeigt, dass die Zahl der Responder (Patienten, die auf die Therapie reagieren) am Morgen höher ist, als wenn die Behandlung am Abend durchgeführt wird. 2.)
Bei der Auswahl der Lampe ist darauf zu achten, dass sie den Anforderungen, wie sie in den klinischen Studien angewendet wurden, entspricht. Sie sollte in 50cm Entfernung eine Lichtstärke von mindestens 10?000 Lux entwickeln und helles (?Bright Light?) und nicht gelbes Licht enthalten. Da als Ursache der Winterdepression ein Mangel an natürlichem Sonnenlicht vermutet wird, dürfte es Sinn machen, ein Leuchtmittel zu wählen, dass dem Sonnenlicht möglichst nahe kommt.
1.) Lam R W et. al.: The Can-SAD Study: A Randomized Controlled Trial of the Effectiveness of Light Therapy and Fluoxetine in Patients With Winter Seasonal Affective Disorder; Am J Psychiatry 163 (805-812) 2006
2.) Eastman C I et. al.: Bright light Treatment of Winter Depression: A Placebo controlled Trial; Arch Gen Psychiatry Oct; 55 (10) (883-889) 1998
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