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Die Wolfspopulation in Frankreich soll wachsen: Bis 2023 will Frankreich einen Bestand von 500 Wölfen zulassen, wie ein Aktionsplan der Regierung vorschlägt. Eine Schätzung vom März 2017 hat ergeben, dass damals 265 bis 402 Wölfe auf französischem Gebiet lebten.
Was ist das Ziel der französischen Regierung? Sie habe versucht, einen Kompromiss zu finden, der es allen Seiten recht mache, sagt Rudolf Balmer. Der in Paris lebende Journalist sagt weiter, dies werde aber nicht möglich sein, denn wie auch in der Schweiz «sind die Wölfe für die einen geschützte Tiere, deren Anwesenheit wünschenswert scheint. Für die anderen sind sie ‹Schädlinge›, die jedes Jahr 12'000 Schafe reissen.»
Bedeuten mehr Wölfe in Frankreich auch mehr Wölfe in der Schweiz? «Ja, das kann man sich durchaus vorstellen», sagt Balmer. Frankreich werde nichts tun, um zu verhindern, dass die Wölfe sich bewegten. Die Wölfe könnten beispielsweise aus den Südalpen im Hinterland der Côte d’Azur entlang der Route Napoléon bis ins Wallis gelangen. «Das wird auch in der Schweiz die einen freuen und die anderen zutiefst empören», sagt Balmer.
Warum braucht es Lebensraum für mehr Wölfe? Letztlich habe es in Frankreich schon Wölfe gegeben, bevor Schafherden, Schafzüchter und deren wirtschaftliche Interessen überhaupt existiert haben, argumentieren die französischen Tierschützer. Die Schafzüchter hingegen sagen, 25 Jahre Experimente mit dem Wolf hätten ergeben, dass eine Koexistenz unmöglich sei.
«Das macht uns keine Sorgen»
Peter Scheibler, der obersten Walliser Jagdchef, glaubt nicht, dass der Entscheid der französischen Regierung, die Wolfspopulation wachsen zu lassen, grossen Einfluss auf die Population in der Schweiz haben wird. Grundsätzlich sei es so, dass sich Wolfsrudel nicht als Ganzes verschieben würden. «Dort, wo schon reproduzierende Rudel vorhanden sind, wandern Wölfe nicht hin.» Solange in Frankreich nicht aktiv Wölfe umgesiedelt würden – was nicht geplant ist – «macht uns das keine Sorgen», sagt Scheibler.
40 Wölfe pro Jahr dürfen abgeschossen werden: Die Natur- und Tierschützer sind mit dem Vorschlag der Regierung nicht einverstanden. Denn es könnten unter Umständen viel mehr Abschüsse werden. Im Plan der Regierung sind nämlich Ausnahmesituationen vorgesehen: Wenn Schafe in bestimmten Zonen besonders gefährdet sind, können zusätzliche Abschüsse erlaubt werden.
Die französische Regierung will die Schafzüchter für gerissene Tiere entschädigen: Trotz versprochener Entschädigung sind auch die Schafzüchter mit dem Vorschlag der Regierung nicht einverstanden. Vor allem mit den Bedingungen, die daran geknüpft sein werden. Die Regierung verlangt von den Züchtern, dass sie zusätzliche Schutzmassnahmen ergreifen sollen: Sie sollen Hirtenhunde oder Herdenschutzhunde anschaffen oder wo möglich, elektrische Zäune errichten, um ihre Herden zu schützen. Das komme für die Schafzüchter überhaupt nicht in Frage, sagt Balmer. Sie haben deshalb ein Treffen mit Regierungsvertretern boykottiert.