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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

5. Vortrag.
2.
[S. 69] Hat Johannes dies gehört, damit er den erkenne, den er nicht kannte, oder damit er den vollständiger erkenne, den er bereits kannte? Denn hätte er ihn gar nicht gekannt, so würde er nicht zu ihm, als er an den Fluß kam, um sich taufen zu lassen, gesagt haben: „Ich muß von Dir getauft werden, und Du kommst zu mir?“1 Er kannte ihn also. Wann aber ist die Taube herabgestiegen? Erst als der Herr getauft war und aus dem Wasser stieg. Aber wenn der, welcher ihn gesandt hat, sprach: „Über welchen du den Geist herabsteigen siehst, wie eine Taube, und auf ihm ruhen, der ist es, welcher tauft im Heiligen Geiste“, und er ihn noch nicht kannte, sondern ihn erst beim Herabkommen der Taube erkannte, die Taube aber dann herabkam, als der Herr aus dem Wasser stieg, Johannes aber schon damals den Herrn erkannt hatte, als der Herr zu ihm an das Wasser kam, so erhellt daraus für uns, daß Johannes den Herrn in einer Beziehung kannte, in anderer noch nicht kannte. Wenn wir es aber nicht so verstehen, war er ein Lügner. Wie war er wahrhaft, da er, ihn erkennend, sagt: „Du kommst zu mir, um Dich taufen zu lassen, und ich muß (doch) von Dir getauft werden“? Ist er wahrhaft, da er dies sagt? Und wie hinwieder ist er wahrhaft, da er sagt: „Ich kannte ihn nicht, aber der mich gesandt hat, im Wasser zu taufen, der sprach zu mir: Über welchen du den Geist herabsteigen siehst, wie eine Taube und auf ihm bleiben, der ist es, welcher tauft im Heiligen Geiste“? Erkannt wurde der Herr durch die Taube, aber nicht von dem, der ihn überhaupt nicht kannte, sondern von dem, der an ihm etwas erkannte, etwas aber nicht. Es ist also unsere Sache, zu untersuchen, was Johannes an ihm noch nicht kannte und durch die Taube erst kennen lernte.
1: Matth. 3, 14.