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Basler Fasnacht aus Muttenz
Der Baselbieter Maler Karl Jauslin war als Fasnachtsdesigner ein gefragter Mann – auch wenn sein Fasnachtsträmli nicht über das Entwurfsstadium hinauskam.
Der Muttenzer Maler Karl Jauslin (1842–1904) war ein äusserst produktiver Künstler. Jauslin schuf Illustrationen für Zeitungen, gestaltete historische Umzüge,
zeichnete Szenen aus der Ur- und Frühgeschichte und malte heroische Schlachtengemälde.
Neben all dem fand Jauslin auch noch Zeit, ab 1884 jeweils den Basler Fasnachtscortège in Bilderbogen festzuhalten.
Jauslins Beitrag zur Basler Fasnacht beschränkte sich allerdings nicht darauf, das Basler Fasnachtstreiben zeichnerisch zu dokumentieren.
Wie in der 2014 neu gestalteten Ausstellung seiner Werke im Muttenzer Ortsmuseum zu sehen ist, steuerte Jauslin auch einiges zum Erscheinungsbild der Basler Fasnacht bei.
Das Tram wird elektrisch
Den hier abgebildeten Entwurf einer «elektrischen Strassenbahn» schuf Jauslin 1891 für den Verein junger Kaufleute. Damit griff er ein Thema auf,
das in Basel im Gespräch war, nachdem ein Konsortium im Januar 1890 ein Projekt für ein Basler Tram vorgestellt und ein entsprechendes Konzessionsgesuch eingereicht hatte.
Damit sollte der Personentransport in der Stadt auf eine moderne Grundlage gestellt werden. «Die Projektverfasser», schreibt Stephan Appenzeller in seinem Buch über die Basler Verkehrs-Betriebe,
«liebäugelten mit dem elektrischen Betrieb. Weil sie elektrische Oberleitungen aus ästhetischen Gründen ablehnten, propagierten sie die Akkumulatorentechnologie.»
Regierung und Grosser Rat teilten diese Vorbehalte nicht. Das im März 1894 gutgeheissene Projekt sah ein Tram mit elektrischer Oberleitung vor.
Jauslins für die Basler Fasnacht entworfenes Tram ist ein hybrides Gefährt.
Wie beim Basler Rösslitram, das von 1881 bis 1895 den Badischen Bahnhof mit dem Centralbahnhof verband, kommen Pferde als Zugtiere zum Einsatz.
Ein Kamin legt die Annahme nahe, dass eine Dampfmaschine für zusätzliche Zugkraft sorgt.
Und irgendwo dürfte auch noch ein Elektromotor surren, handelt es sich doch gemäss Aufschrift um eine «elektrische Strasenbahn».
Zur Umsetzung des Entwurfs gab Jauslin folgende Erläuterungen: «Die Maschine tragen 2 Mann, dieselbe ist ein leichtes Gestell mit Papir oder besser Leinwand überzogen,
sie kann unter Umständen auch Räder haben zum schieben.
Der Tramwagen wird von sechs Mann getragen oder auch geschoben von innen, so ob alles mit Tampf oder Elektrizität ginge.
Basilea trägt die Städtekrone und ist in den Basler Farben gekleidet mit vergoldetem Brustharnisch, sämtliche Teilnehmer haben gebudertes Haar mit Zopf und gewaltige Halskrausen.
Ausgenommen Basilea, die kaum Kragen aber graue lange Haare hat. Bitte genau so durchzuführen.»
Eine Pickelhaube und Meernixen
1891 war Jauslin auch für die Vereinigten Kleinbasler (V.K.B) tätig. Für sie gestaltete er das Thema «Die Abtretung Helgolands».
Die Hochseeinsel war im Jahr zuvor von England an Deutschland übergegangen.
Jauslins Fasnachtsträmli kam nicht über das Entwurfsstadium hinaus, lediglich die Kostüme wurden schliesslich angefertigt.
Das Helgoland-Sujet dagegen wurde umgesetzt. Die «Basler Nachrichten» bemerkten dazu: «Die Erwerbung Helgolands durch die Deutschen war ein nicht minder hübscher Zug.
Derselbe führte ausser einer schön bemalten Pickelhaube auch einen riesigen Leuchtthurm mit. Die Zugsteilnehmer waren in die verschiedensten Kostüme gekleidet:
Kamerunermiliz, deutsche Matrosen, Schotten, Meernixen und Gnomen, kurz ein vielfarbiges Bild;
auch die hohe Diplomatie, die das Zeug zusammengefädelt hatte, fuhr in einem Landauer dem Zug nach, der von einem deutschen Reichsherold eröffnet wurde.»
Tages Woche 19.02.2015
Foto:
«Elektrische Strasenbahn» 1891: «Der Tramwagen wird von sechs Mann getragen oder auch geschoben, als ob alles mit Tampf oder Elektrizität ginge.» (Bild: Ortsmuseum Muttenz)