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Willi Bürgis Roman über LouGuts Leben und das Buch mit dessen Gedichten über den Sempachersee fanden über die Region hinaus grosse Anerkennung. Damit setzte er dem von seinen Zeitgenossen verkannten Poeten ein literarisches Denkmal.
Vor rund 16 Jahren – kurz nach seiner Pensionierung als Redaktor bei der «Neuen Luzerner Zeitung» – entdeckte Willi Bürgi den schriftlichen Nachlass von Louis Gut (1886–1957): Eine Kartonkiste mit sechs dicken Tagebüchern aus den Jahren 1919 bis 1957, dem Briefverkehr zwischen Gut und seiner späteren Frau Waldburga Heusser sowie einem Stoss von Gedichten, Erzählungen, Zeitungsartikeln und Vorträgen aus Guts Feder.
Dass Willi Bürgi auf diesen Fundus stiess, ist dem Umstand zu verdanken, dass just jenes Haus, das er seit 1993 mit seiner Frau Marietheres bewohnt, 1923 von Louis Gut als erstes weit und breit auf der Endmoräne Mariazell in Sursee erbaut worden war. Als Kind kam Marietheres Bürgi mit ihrem Vater Hans Schwegler, der in der Surenstadt als «Professor Schwegler» ein Begriff war, und dessen Familie in dieses Haus, wo sie Louis Gut kennen und schätzen lernte. Ihre Mutter pflegte die erkrankte Ehefrau Guts bis zu ihrem Tod, und Louis Gut selber fühlte sich bei Schweglers so gut aufgehoben, dass er ihnen das Haus mit der traumhaften Aussicht auf den Sempachersee und das Alpenpanorama 1950 verkaufte.
Erbe eines «Bürgers im Abseits»
Das literarische Erbe Louis Guts also, das einen «Bürger im Abseits» zeigt, «der sich in einer unwirtlichen Zeit den Weg sucht», begann Willi Bürgi zu sichten – und herauszufiltern, was für eine allfällige Veröffentlichung relevant sein könnte. Aus der Aufarbeitung der Tagebücher und der Briefwechsel Louis Guts entstand in jahrelanger akribischer Recherchierarbeit der Roman «Kaltbach – Jeder Tag hat seine Nacht», der vor etwas mehr als einem Jahr erschien und an der Vernissage im Sankturbanhof in Sursee grosse Beachtung fand. Willi Bürgi schuf damit einen «Roman über Sursee» – mehr noch, wie ein Schriftstellerkollege von ihm vor Kurzem feststellte, einen «Schweizerspiegel» der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts.
Warum lud sich Willi Bürgi diese Arbeit auf, wo er doch einfach seinen Ruhestand auf diesem schönen Fleckchen Erde hätte geniessen können? Er ist um eine Antwort auf diese Frage nicht verlegen: «Aus Dankbarkeit, dass Gut nicht stumpf durch seine Zeit tapste, sondern diese Zeit reflektierte und versuchte, mit seiner Sprache und Erfahrung ein Bild von ihr zu vermitteln.» Literarisch nicht gebildet, habe Gut sein sprachliches Talent genutzt und damit gemacht, was jeden Menschen spannend mache, der sein eigenes Talent mit Begeisterung und Langmut nutze.
Journalist von der Pike auf
Diese Aussage trifft nicht nur auf den Protagonisten Louis Gut zu, sondern in gleichem Masse auch auf seinen «literarischen Anwalt» Willi Bürgi. 1935 in Feusisberg SZ geboren und – wie Gut – auf einem Bauernhof aufgewachsen, besuchte er die Stiftsschule Einsiedeln und absolvierte ein Studium mit Schwerpunkt «deutsche Sprache». Danach stieg er bei den «Luzerner Neusten Nachrichten» in den Journalismus ein – Willi Bürgi nennt es «learning by doing» –, wo er die Kulturredaktion übernahm und sich unter anderem als Theaterkritiker in Luzern einen Namen machte.
Nach 16 Jahren wechselte er zur «Schweizer Familie», ebenfalls mit Schwerpunkt im Ressort Kultur. Wieder 14 Jahre später kehrte Willi Bürgi zurück zur LNN und erlebte kurz darauf den Zusammenschluss mit der «Luzerner Zeitung» zur «Neuen Luzerner Zeitung». Dort war er bis zu seiner Pensionierung Leiter, später Redaktor der Beilage «Apéro». Auch danach blieb er der journalistischen Schreibe treu und stellte sein Können bis heute in den Dienst diverser Zeitungen, so auch der «Surseer Woche» und des «Willisauer Boten». «Die zahlreichen Porträts von Menschen, die ich für die beiden Zeitungen schreiben konnte, waren eine intensive, aber zugleich äusserst dankbare Aufgabe, erlaubten sie mir doch, ähnlich wie beim Roman in die Tiefe zu gehen», so der Autor. Dank verschiedener Engagements, sei es als Mitorganisator der Kulturwochen in den Neunzigerjahren oder als OK-Mitglied des Stadtrechtsjubiläums 1999, wurde er mit der Surenstadt und ihren Bewohnern schnell vertraut.
Louis Gut quasi rehabilitiert
«Kaltbach» ist nicht das erste Buch aus Willi Bürgis Feder. 2003 erschien «Rosenmeer», in dessen Mittelpunkt eine schwerstbehinderte Frau mit Knocked-in-Syndrom steht, die von einer Minute auf die andere weder sprechen noch essen noch sich überhaupt bewegen konnte. Schon in diesem Werk stellte der Autor seine Einfühlsamkeit Menschen gegenüber unter Beweis. Das zweite Buchprojekt indessen, jenes über die letzten Jahre der alten Dame Anastasia, blieb bis heute ein Projekt. Es rückte durch die Recherchen zu Louis Gut in den Hintergrund.
Im Laufe der Recherchen kam Willi Bürgi dem Wesen Guts immer näher, wozu freilich auch seine Frau Marie-
theres beitrug. «Ich stand Louis Gut schon als Kind sehr nahe. Er verfasste Gedichte für mich und weckte in mir die Liebe zu Poesie, Literatur und Theater», erinnert sie sich. Diese Liebe zu den schönen Künsten teilt sie seit Jahrzehnten mit ihrem Mann. «Ich bin ihm sehr dankbar, dass er sich so intensiv mit Louis Guts Leben und Werk auseinandersetzte», so Marietheres Bürgi. Durch seine Arbeit sei es ihm gelungen, das Bild von Louis Gut in der Öffentlichkeit zu verändern, ohne es zu verfälschen.
Weitere Projekte in der Pipeline
In diese Richtung wirkte Willi Bürgi auch im Verlauf des zu Ende gehenden Jahres weiter. Im Eigenverlag veröffentlichte er unlängst unter dem Titel «Mein stiller See» jene Gedichte Louis Guts, die dem Sempachersee gewidmet sind, und reicherte diese mit Schwarz-Weiss-Bildern Guts an, die dieser eigenhändig fotografiert und im hauseigenen Fotolabor entwickelt hatte. Auch dieses Buch fand an der Vernissage in der Buchhandlung Untertor grosse Beachtung. «Wir steckten viel Geduld in dieses Buch, aber dieses Zeichen des Dankes hat Louis Gut verdient», so Willi Bürgi.
Wenn er die Kraft und die Mittel dafür zusammenbringe, sei es nicht ausgeschlossen, dass es auch noch ein drittes Buch zu Louis Gut gebe – gewissermassen ein «Best of» seiner Gedichte ausserhalb des Themas Sempachersee, wie sich der Autor in die Karten blicken lässt. Ein zweites Projekt wäre die Vollendung des Buchs über die alte Dame Anastasia. «Weitere Ideen kommen oder kommen nicht – ich nehme es, wie es kommt», schaut der 83-Jährige gelassen in seine Schriftsteller-Zukunft. Vorerst jedoch sorgt er dafür, dass sich die Kunde über seine beiden Louis-Gut-Bücher weiter verbreitet. So am kommenden 7. Januar um 17 Uhr in St. Urban an einer Lesung in der Reihe «Lyrik im Kloster».