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Stress betrifft den gesamten Organismus. Es ist erwiesen, dass durch eine chronische Stressbelastung Herzbeschwerden früher auftreten können. Gefässe blockieren, zudem wird nahezu jedes Organ bei dauerhaftem Stress belastet.
Jedoch ist noch nicht gut erforscht, wie psychische Belastungen den Körper schädigen. Die Süddeutsche Zeitung berichtet nun, dass Harvard-Mediziner im Fachmagazin Lancet aufgezeigt haben, wie chronischer Stress vom Hirn gesteuert in der Folge Herz und Blutgefäßen zusetzt.
Dabei wurden fast 300 Erwachsene mittleren Alters untersucht. Die Forscher stellten fest, dass bei Probanden, die über starken Stress klagten, die Adern der gestressten stärker verhärtet und weniger durchlässig waren. Die viel wichtigere Erkenntnis ist jedoch, dass bei Stress die Nervenaktivität der tief im Hirn gelegenen Amygdala erhöht war. Dieser Bereich wird auch als Mandelkern bezeichnet.
Der Mandelkern wird auch als Teil des emotionalen Gehirns beschrieben. Dort werden Gefühle wie Angst und Ärger verarbeitet. Steht ein Mensch unter Stress, werden von hier Signale an das Knochenmark und andere Körperregionen ausgesendet, dass vermehrt weiße Blutkörperchen und weitere Entzündungsstoffe produziert werden sollen.
Stress führt zu der vermehrten Produktion von Entzündungsstoffen
Durch diese Produktion werden chronische Entzündungen im Körper angeregt. Ohne dass dazu ein Keim oder eine Infektion notwendig wäre. Die Schulmedizin spricht dabei von Inflammation. Dieser Vorgang ist ein steter und allgegenwärtiger Aggressionsherd im Körper.
Durch die ständige Entzündung kann menschliches Gewebe und besonders die Wände von Arterien angegriffen werden. Die Reaktion: Die Arterien werden rigider und dicker. Dies kann zur vorzeitigen Gefäßverengung führen. Und somit Krankheiten wie Angina Pectoris, Herzinfarkt oder Schlaganafall Tor und Tür öffnen.
Die Forscher konnten durch Scans des Gehirns und anderer Körperregionen nachweisen, dass die erhöhte Aktivität der Amygdala zu einer erhöhten Konzentration von Substanzen führt, die wiederum Entzündungen aufrechterhalten. Zur Erinnerung: Stress erhöht die Aktivität der Amygdala. Und fördert somit Entzündungen im Körper!
Exkurs: Viele Menschen leiden unter Stress
- Mehr als 60 Prozent der Deutschen haben das Gefühl, zu viel zu tun zu haben.
- Männer nennen ihren Beruf am häufigsten als Stressauslöser
- Frauen sagen überdurchschnittlich oft, dass sie die Ansprüche an sich selbst unter Druck setzen
- Die Fehlzeiten aufgrund psychischer, vor allem auch stressbedingter Erkrankungen wie Depressionen, Angst- und Belastungsstörungen sind in den vergangenen 15 Jahren um etwa 90 Prozent gestiegen
- Von den 15 Tagen, die jeder Berufstätige 2015 in Deutschland im Durchschnitt krankgeschrieben war, entfielen 2,5 Tage auf psychische Diagnosen
- Die Weltgesundheitsorganisation prognostiziert, dass im Jahr 2020 jede zweite Krankmeldung auf Stress zurückzuführen sein wird
Quelle: Stressstudie der Techniker Krankenkasse
Infarktrisiko steigt durch Stress
Auch in klinischen Studien konnte nachgewiesen werden, dass die Blutgefäße bei gestressten Menschen stärker beeinträchtigt waren und ihr Infarktrisiko um nahezu 60 Prozent erhöht war.
Ein Forscher, welcher die Entdeckung machte empfiehlt daher, dass bei Herzkreislaufleiden nicht nur nach gängigen Risikofaktoren sondern auch nach chronischem Stress gefragt werden sollte. Umso die Behandlung danach auszurichten: „Werden psychische Belastungen gezielt reduziert, dient das nicht nur dem Wohlgefühl, sondern hat handfeste Auswirkungen auf die Gesundheit.“
In früheren Studien hatten Ärzte aus Großbritannien bereits nachweisen können, dass psychischer Stress und negative Gefühle das Risiko für Infarkt und Schlaganfall fast so sehr erhöhen wie das Rauchen. Chronischer Stress trägt somit stärker zu einer lebensbedrohlichen Krankheit bei als Risiko-Klassiker wie Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin und Diabetes.
Weitere Symptome bei chronischem Stress
- Herz- und Kreislaufbeschwerden wie Bluthochdruck, Schwindelgefühle, Herzrasen und Atembeschwerden
- Kopf-, Nacken-, Rücken- und Gelenkschmerzen
- Magen-Darm-Erkrankungen wie Durchfall, Verstopfung, Reizdarm und Sodbrennen
- Hautreizungen
- unkontrollierbare Symptome wie Zuckungen und Muskelkrämpfe
- Schlafstörungen, chronische Müdigkeit, Erschöpfung
Was sind Auslöser für Stress
Seit dem letzten Jahrzehnt zeigt sich, dass immer mehr Menschen über täglichen Stress klagen. Die Gründe liegen oft in vermehrter Arbeitsbelastung, Jobunsicherheit oder schwierigen Lebenssituationen. Dies gilt es in den täglichen medizinischen Routinen zu berücksichtigen.
Die Arbeit ist bei Männern der grösste Stressor. Die Sorge, im Job bald nicht mehr mithalten zu können, betrifft überdurchschnittlich Beschäftigte, die älter als 50 Jahre sind. Allerdings hat auch jeder Zehnte, der jünger als 30 Jahre ist, davor Angst. Fast 30 Prozent der Erwerbstätigen sagen, dass sie auch nach Feierabend und im Urlaub für den Arbeitgeber erreichbar sein müssen. Ein nicht zu unterschätzender Auslöser für Stress.
Während Männer ihren Beruf am häufigsten als Stressauslöser nennen, sagen Frauen überdurchschnittlich oft, dass sie die Ansprüche an sich selbst unter Druck setzen.
Männer und Frauen haben unterschiedliche Auslöser für Stress
Es ist nicht nur der Anspruch, in allen Lebenslagen gute Ergebnisse abzuliefern, welcher die Geschlechter im Stressempfinden unterschiedet. Sondern auch die ständige Erreichbarkeit, welche Männer mehr stresst als Frauen. Nachvollziehbar, sind doch nach wie vor mehr Männer in leitenden Positionen beschäftigt.
Im Gegensatz dazu scheinen Konflikte im sozialen und familiären Umfeld Männer weniger zu stressen als Frauen. Auch hier kann ein Grund in der Arbeitssituation gefunden werden: Noch immer arbeiten mehr Frauen in Teilzeit und übernehmen die Hauptlast der Familien- und Hausarbeit. daher nenen 28 Prozent der Frauen Kochen, Putzen, Einkaufen und Kinderbetreuung als wesentlichen Stressfaktor.