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Gazprombank-Prozess
Angestellte der Gazprombank sollen ungenügend geprüft haben, woher das Millionenvermögen eines russischen Cellisten und Putin-Freunds stammte.
8. März 2023 • Beat Schmid
Vier Angestellte der Gazprombank Schweiz (Bild) standen am Mittwoch vor dem Bezirksgericht in Zürich. Sie werden beschuldigt, ungenügende Prüfungen bei den Geschäftsbeziehungen zu Sergej Roldugin durchgeführt zu haben, einem Vertrauten des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Die Bank soll nicht ausreichend geprüft haben, woher Roldugins Vermögen stammt. Die Beschuldigten, von denen drei noch immer für die Gazprombank arbeiten, haben am Mittwochmorgen vor Gericht kaum Aussagen gemacht. Das Institut befindet sich in Auflösung. Die Verteidiger argumentieren, dass die Vorwürfe ungenügend und verjährt seien, während der Staatsanwalt forderte, dass alle Beschuldigten bedingte Freiheitsstrafen von sieben Monaten erhalten sollten.
"Wie ist so etwas möglich?"“Obwohl nicht erwiesen ist, dass die falsche Person als wirtschaftlich Berechtigten identifiziert wurde, wirft die Staatsanwaltschaft meinem Mandanten vor, den falschen wirtschaftlich Berechtigten identifiziert zu haben,” sagte ein Anwalt eines Beschuldigten vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft konnte tatsächlich keine Namen nennen, die als wirtschaftlich Berechtigte infrage kämen. Deshalb appellierte die Anklage an den gesunden Menschenverstand: “30 Millionen Franken gingen über die Konten eines Cellisten, obwohl er keine Geschäftstätigkeit hatte. Er war einer der engsten und ältesten Freunde des russischen Staatsoberhaupts. Er erhielt aus ungeklärten Gründen Millionendarlehen und besitzt 20 Prozent eines russischen Konzerns mit Einfluss auf die Medien des ganzen Landes.” Wie also sei so etwas möglich? Das müsse sich doch jeder objektive Betrachter fragen.
Steinreicher Valerie GergievTatsächlich ist es so, dass Musiker in Russland zum Teil sehr grosse Vermögen anhäufen können. Bestes Beispiel ist der Stardirigent und Putin-Freund Valery Gergiev. Allein als Intendant des Petersburger Mariinski-Theaters kassiert er ein Gehalt von mehreren Millionen Dollar. Schon vor 10 Jahren soll er mit einem Jahressalär von insgesamt 16,5 Millionen laut "Forbes" zu den Grossverdienern im Musikgeschäft gezählt haben. Zudem besitzt Gergiev Anteile an einem der grössten Geflügelbetriebe Russlands. Kürzlich sorgte er für Schlagzeilen, als er Liegenschaften in Italien im Wert von 150 Millionen Euro verkaufte. Diese wurden ihm von einer japanischen Kunstmäzenin vererbt. Weil Gergiev den Krieg in der Ukraine nie verurteilt hat, haben viele westliche Bühnen die Zusammenarbeit mit ihm gekündigt. Allerdings spielt Valerie Gergiev künstlerisch in einer ganze anderen Liga als Sergej Roldugin und besitzt, so weit bekannt, auch kein komplexes Offshore-Firmengeflecht.
Seit 2009 betreibt die Gazprombank (Schweiz) AG vor allem Trade-Finance-Geschäfte in der Schweiz. Damit ist jetzt Schluss. Die Suche nach einem Käufer ist gescheitert.
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