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Die Entstehung des Hochhausbaus
Prof. Tom F. Peters
Moderne Grossstädte sind durch Hochhäuser gekennzeichnet. Diese eminent urbane Bauform hat die Entwicklung des modernen städtischen Lebens in seiner Funktion und in seinem visuellen Bild erheblich bestimmt, zuerst in Nordamerika, dann zu einem geringeren Grad und weniger rasch in Europa, und heute ganz entscheidend und virulent im ostasiatischen Raum. Der Werdegang dieses Bautyps ist beispielhaft für die komplexe Entstehungsgeschichte neuer technischen Modelle und für die Entwicklung des technischen Denkens, welches heute alle Aspekte des Lebens durchdringt.
Die Meisten Hochhausbauten werden von Stahlrahmen getragen. Sogar Stahlbetonkonstruktionen stehen nur dank dem Baustoff Stahl. Erst durch das Eindringen dieses neuen Materials in das Bauwesen wurde eine Grundlage für die Hochhausentwicklung geschaffen. Daher verfolgt diese Veranstaltung das Eisen als grundlegendes Konstruktionsmaterial von der Industrialisierung im späten 18. und beginnenden 19. Jahrhundert, durch die Entwicklung der neuen Eisentechnologien mit einem Seitenblick auf die Entstehung des Stahlbetons.
Jedoch macht eine Konstruktionstruktur noch kein Hochhaus aus. Die Entwicklung der Ingenieurtheorie und der Ausbildung von Baufachleuten, die Wandlung der Stadtbaugesetze als Reaktion auf die Entfaltung des neuen Bautyps, die Entstehung von immer komplexeren vertikalen und horizontalen Transportsystemen und die Erfindung von Dienstleistungen, wie Energiezufuhr, Informationstransfer, Wasserversorgung und Abfallentsorgung, bilden integrale Teile der Hochhausgeschichte. Sogar der Begriff der monolithischen Bauweise musste erst auf dem Hintergrund eines Systemdenkens erfunden werden. Alle diese Komponenten führten schlussendlich zur Entstehung des Hochhauses und zur Veränderung unseres urbanen Lebensraumes. Sie führten auch zu neuen Problemen, die wir heute mit "sustainability" überschreiben. Darunter sind Probleme wie die Erhaltung einer wünschenswerten Umweltqualität, die Grenzen der Rohstoff- und Energieproduktion, die Bevölkerungsdichte und unsere problematischen Symbiose mit anderen Lebewesen.
Der Aufbau der Veranstaltung wird vom Konzept einer "technologischen Konstruktion der Gesellschaft" geleitet. Die Technologie wird in den Vordergrund gehoben und die gesellschaftliche Komponente wird über sie eingebunden. Die gegenteilige "gesellschaftliche Konstruktion der Technologie" wird sekundär beleuchtet, damit die Entwicklung nicht als deterministisch verstanden wird, sondern als "critical path" oder Entscheidungsnetz eines Problemlösungsprozesses. Indem sie die Entstehung eines charakteristischen Elements unserer Umweltsveränderung eingehend untersucht, liefert diese Veranstaltung Stoff zu einer soberen Diskussionsbasis unserer heutigen urbanen Probleme.