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Buckelwale sind für ihre ausgeklügelten Jagd- und Fressstrategien bekannt. Vor allem das Setzen von Netzen aus Luftblasen, um Fische einzufangen und an die Oberfläche zu treiben, gehört zu den interessantesten Strategien der riesigen Meeressäuger. Ein anderes Merkmal, welches Buckelwale besonders macht, sind ihre mächtigen Brustflossen. Bisher dachte man, dass diese bis zu 5 Meter langen Gliedmassen dem Antrieb dienen. Doch eine Forscherin hat in Alaska beobachtet, wie die Wale ihre Flossen zum Jagen und Fressen nutzen.
Die Aufnahmen, die Madison Kosma, eine Studentin der Universität von Alaska, Fairbanks, im Frühling 2018 mit Hilfe einer Drohne erstellt hatte, zeigt klar und deutlich, wie ein Buckelwal seine mächtigen Brustflossen als Barriere und Löffel verwendete, um junge Lachse in sein aufgerissenes Maul zu bringen. Dabei nutzte der Wal zuerst die sogenannte «Bubblenet feeding» – Strategie. Dabei tauch der Wal in einem Kreis um den Fischschwarm ab und entlässt seinen Atem, so dass die Luftblasen ein Netz um den Schwarm bilden. Die verwirrten Fische drängen statt durch die Blasen nach oben und der Wal muss von unten her nur noch mit geöffnetem Maul in den Schwarm schwimmen.
Kosma beobachtete, dass kurz bevor der Wal an die Oberfläche kommt, seine Brustflossen wie eine Barriere ausbreitet und den Schwarm umschliesst. Sie hatte dieses Verhalten bereits zwei Jahre zuvor an einer Lachsaufzuchtstation bei der Insel Baranof in Alaska beobachtet, hatte aber nie einen guten Blick darauf, was tatsächlich passiert. Erst 2018 mit der Nutzung einer Drohne konnte die Studentin von oben einen klaren Blick auf das Verhalten werfen. «Zum ersten Mal haben Wissenschaftler richtige Aufnahmen eines sehr komplexen Ablaufs der Wale beim Fischen beobachten können», schreibt Kosma in ihrer Arbeit, die diese Woche in der Fachzeitschrift «Royal Society Open Science» erschienen ist.
Kosma und ihre Kollegen entdeckten auch, dass die Wale zum einen an der Stelle alleine jagen und Netze bilden. Dies ist ungewöhnlich, da die Netzbildung eigentlich als Kooperationstechnik bekannt ist. Zum anderen beobachtete Kosma auf den Aufnahmen, dass die Wale nicht nur steil von unten in den Schwarm stossen, sondern auch seitlich die Flossen nutzen. Genauere Untersuchung der Bedingungen zeigte, dass die Lichtmenge und die Sicht unter Wasser wohl dabei eine Rolle spielen. Der vertikale Aufstieg wurde bei direkter Sonneneinstrahlung angewendet, die seitliche Nutzung nur bei Schatten auf dem Wasser oder bei der Umgehung eines Hindernisses. Die Forscher vermuten, dass die Fische durch die helle Unterseite der Flossen verwirrt werden, die Flossen eine Strömung in Richtung Mund, der dunkel ist und Sicherheit signalisiert, bildet und die Fische «freiwillig» dorthin schwimmen. Doch die Wissenschaftler heben hervor, dass ihre Beobachtungen nur für die Wale in dieser Region gelten. Hier werden jedes Jahr Millionen von jungen Lachsen aus der Aufzuchtstation in die Freiheit entlassen und die Wale haben dies wohl gelernt. Richard Connor, ein Walexperte der Universität von Massachusetts, der die Aufnahmen gesehen hat, meint, dass Buckelwale ihre Brustflossen für viele Verhalten nutzen. Er vermutet aber, dass die Nutzung zur Jagd die Entwicklung zu solch langen Flossen begünstigt hatte. «Es ist wahrscheinlich, dass der Jagderfolg ein Hauptfaktor der Selektion ist, der die Tiere mit längeren Brustflossen bevorzugt hat. Die Wale haben schon lange auf diese Art gefischt. Jetzt haben wir endlich Luftaufnahmen, die uns das auch sehen lassen.» Ob aber andere Buckelwalpopulationen eine ähnliche Nutzung der Flossen beim Fressen verwenden, wird sich wohl zeigen.
Buckelwale sind in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte Tiere. Sie wandern jedes Jahr tausende von Kilometern von den Fortpflanzungsorten in den warmen und tropischen Zonen zu den Fressgebieten in der Arktis und Antarktis; Sie haben eine ausgeprägte Kommunikation und Gesänge, die sie variieren und auch neu erlernen können; Die Kälber lernen von den Müttern die Routen und Rastplätze während der Wanderung; Jungtiere bleiben nach der Entwöhnung einige Jahre in der Antarktis entlang der Packeisgrenze; Von allen Walarten, die gejagt wurden, haben sich die meisten Buckelwalpopulationen am besten erholt; Sie zeigen verschiedene Verhalten wie Springen, Flossenzeigen, Fluking und Spyhopping, die noch nicht vollkommen erklärt werden können. Die Forschung hat noch einiges zu lernen über diese riesigen Meeressäugetiere.