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Was ist ein Neovaskularisationsglaukom?
Für das Entstehen eines Neovaskularisationsglaukoms sind krankhafte Gefäss-Neubildungen im vorderen Augenbereich – vor allem auf der Iris und im Kammerwinkel – verantwortlich.
Das Neovaskularisationsglaukom (Neovascular glaucoma) ist keine primäre Augenerkrankung. Es entsteht als Folge – also sekundär – einer bereits vorliegenden oder in der nahen Vergangenheit durchlebten Augenerkrankung.
In deren Folge kommt es durch akuten Sauerstoffmangel im Auge zu krankhaften Gefäss-Neubildungen. Diese schädigen das Auge. Die Primärerkrankung des Auges sollte als Verursacherin der Sekundärerkrankung mitbehandelt werden.
Was sind die Ursachen des Neovaskularisationsglaukoms?
Als häufigsten Ursache des Neovaskularisationsglaukoms wird die Diabetische Retinopathie genannt. Daher ist eine Überwachung der Augen bei Diabetikern ratsam. Ebenso oft führen venöse oder (seltener) arterielle Gefässverschlüsse, die sich im Auge manifestiert haben, zu einem Neovaskularisationsglaukom.
Zu den seltener auftretenden Ursachen eines Neovaskularisationsglaukoms werden Entzündungsprozesse an der Schläfenarterie, Entzündungen der Augenhaut oder der Regenbogenhaut (Uveitis), Engpässe oder Gefässverschlüsse in der Halsschlagader (Carotisstenose) oder vor Kurzem erlittene Verletzungen der Augen genannt.
Eine weitere, eher selten auftretende Ursache dieser Art des Glaukoms ist die Frühgeborenen-Retinopathie. Ausserdem können chronische Netzhautablösungen sowie Strahlentherapien im Kopfbereich als Verursacher genannt werden.
Klinischer Verlauf
Die Primärerkrankung des Auges sorgt für eine unzureichende Sauerstoffversorgung des Auges. Das führt zur Ausschüttung von Botenstoffen. Deren Aufgabe es ist, den Sauerstoffmangel durch die Bildung neuer Blutgefässe zu unterbinden. Eine besondere Rolle spielt dabei der „vascular endothelial growth factor“ (VEGF).
Die krankhaft entstehenden Blutgefässe dringen in Augenbereiche ein, wo sie Schaden anrichten. Das betrifft zum Beispiel im Augenhintergrund liegende Augenabschnitte sowie den Netzhautbereich oder den vorderen Augenbereich. Die krankhaften Gefäss-Neubildungen sind häufig nicht besonders stabil. Wegen ungenügender Wandstärke führen sie häufig zu Blutungen, beispielsweise in den Glaskörper-Bereich.
Die krankhaften Gefäss-Neubildungen hemmen den Kammerwasser-Abfluss. Dadurch erhöht sich der Augeninnendruck in beträchtlichem Umfang. Eine zusätzliche Abflussbarriere kann entstehen, wenn sich durch die Gefäss-Neubildungen im Kammerwinkel-Bereich eine fibrovaskuläre Membran ausgebildet hat.
Durch das Zusammenziehen der fibrovaskulären Membran erfolgt der komplette Verschluss des vorderen Augenkammer-Winkels. Das löst einen extrem hohen Augeninnendruck aus. Durch den mangelnden oder komplett blockierten Kammerwasser-Abfluss kann das betroffene Auge stark schmerzen.
Symptome
Beim Neovaskularisationsglaukom treten häufig massive Schmerzen und Druckgefühle im betroffenen Auge auf. Das Sehvermögen kann eingeschränkt werden. Es kommt oft zu verschwommenem Sehen. Das Auge kann stark gerötet sein. Der Krankheitsverlauf kann aber auch asymptomatisch bleiben.
Diagnostik des Neovaskularisationsglaukoms
Der Augenarzt stellt fest, dass sich wegen des erhöhten intraokularen Drucks ein Hornhaut-Ödem gebildet hat. Auf der Iris sind dünne Blutgefässe erkennbar, die nicht radial verlaufen. Die Tiefe der Vorderkammer fällt als ungewöhnlich auf. Die Kammer-Flüssigkeit zeigt eine leichte Opaleszenz. Gelegentlich sind Leukozyten festzustellen. Eine Gonioskopie mittels Kontaktglas dient der Untersuchung des betroffenen Kammerwinkels.
Befindet sich das Neovaskularisationsglaukom im Anfangsstadium, lässt sich im Vorderkammerwinkel ein vaskuläres Netzwerk erkennen. Entwickelt sich das Neovaskularisationsglaukom weiter, können periphere Synechien erkennen lassen, dass ein gravierender Teil oder der komplette Vorderkammerwinkel blockiert werden. Wenn Veränderungen am hinteren Pol erkennbar ist, sind diese der Primärerkrankung des Auges zuzurechnen.
Differentialdiagnosen
Um auf ein Neovaskularisationsglaukom schliessen zu können, müssen mittels differenzialdiagnostischer Methoden Abgrenzungen zu ähnlichen Erkrankungen – etwa dem akuten Winkelblockglaukom oder einem dekompensierten Offenwinkelglaukom – vorgenommen werden.
Behandlung des Neovaskularisationsglaukoms
Die symptomatische Therapie des Neovaskularisationsglaukoms verlangt nach einer umgehenden Absenkung des Augeninnendrucks. Zugleich muss die auslösende Grunderkrankung am Auge behandelt werden. Alle getroffenen Massnahmen gelten der Verbesserung der Sauerstoffzufuhr.
Mögliche Behandlungsoptionen sind
- eine Netzhautkryokoagulation mit Laser
- pan-retinale Laserkoagulation
- eine Gefäss-Abdichtung durch Steroide oder Zykloplegika
- eine Behandlung mit Medikamenten, die die Kammerwasserproduktion hemmen
- die Vereisung der betroffenen Kammerteile, um die Kammerwasserproduktion zu stoppen und eine Druckminderung im Innenauge zu erzielen
- oder der Versuch der Kammer-Dränage durch ein Implantat.
Meist sind medikamentöse Behandlungsversuche zur Regulierung des Augeninnendrucks nicht erfolgreich. Durch operative Massnahmen können entlastende Drainagen implantiert werden. Alternativ wird eine Trabekulektomie vorgenommen, um den intraokulären Druck zu mindern. Diese Operation wird mit antimetabolisch wirkenden Medikamenten-Gaben begleitet.
Die schnelle Behandlung von Neovaskularisationsglaukomen ist wichtig, um Dauerschmerzen zu verhindern. Wichtig ist, das Risiko einer Erblindung zu minimieren und eine Enukleation – die operative Entfernung des befallenen Augapfels – zu umgehen.
Prognose
Die Therapie des Neovaskularisationsglaukoms dient der Beseitigung der verursachenden Faktoren. Grundsätzlich ist es sinnvoll, bereits im Vorfeld mögliche Risikofaktoren für ein Neovaskularisationsglaukom zu verringern. Ohne die Grunderkrankung des Auges kann kein Neovaskularisationsglaukom entstehen.
Bei Diabetikern sollten vierteljährliche Kontrollen der Blutzuckerwerte, des Blutdrucks und der Blutfette vorgenommen werden. Die Werte sollten im Normbereich gehalten werden. Regelmässige Besuche beim Augenarzt stellen sicher, dass die Behandlung bereits beim Auftreten der ersten Anzeichen eines Neovaskularisationsglaukoms oder anderen Glaukoms einsetzen kann.
Ist das Neovaskularisationsglaukom bereits voll ausgebildet, ist die Behandlung schwierig und herausfordernd. Die Betroffenen müssen den Augenarzt unterstützen. Wenn die Senkung des Augeninnendrucks durch eine Glaukom-Operation erfolgt, besteht eine höhere Komplikationsrate. Die Prognose ist wegen der Gefäss-Neubildungen um einiges schlechter als bei Patienten mit primären Glaukomen.
Vielfach erblinden die Betroffenen auf dem erkrankten Auge, weil die medikamentöse Therapie keine entlastende Wirkung bei einem Glaukom zeigt. Der extrem hohe Augeninnendruck trägt zur Erblindung des Auges bei. Zudem ist der hohe Augendruck bei einem Glaukom schmerzhaft. Bei Dauerschmerzen ist trotz der Erblindung strikte Druckentlastung notwendig. Nützt auch das nichts, ist eine Entfernung des schmerzenden Augapfels sinnvoll. Sie verbessert immerhin die Lebensqualität.
Zusammenfassung
Das Neovaskularisationsglaukom ist bei voller Ausprägung nur schwer zu behandeln. Daher sind vorbeugende Massnahmen zu dessen Verhinderung sinnvoll, insbesondere bei Diabetikern. Je früher die Erkrankung erkannt wurde, desto besser ist es. Daher raten wir, dass Sie sich bei Ihrem Augenarzt eingehend untersuchen lassen sollten um frühstmöglich zu erkennen ob es sich um ein Normaldruckglaukom oder eine andere Art von Glaukom handelt und inwieweit der Sehnerv beschädigt ist. Bei einem Glaukom machen sich Sehstörungen erst dann bemerkbar, wenn schon viele Nervenfasern des Sehnervs beschädigt sind.
Quellen