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Smartphones als Datenerfassungsinstrumente wecken Emotionen. Das war eines der Ergebnisse des interdisziplinären Projekts «Youth@Night». Die Wirkung solcher Emotionen erfordert eine Überprüfung der Forschungsethik, zumal Smartphones zunehmend Teil des Forschungsdesigns werden.
Eine der Aufgaben für die Teilnehmenden der Studie bestand darin, dass sie die für die Studie entwickelte App nutzen, um 10-Sekunden-Videoclips von jedem neuen Ort zu machen, den sie während des Ausgangs am Wochenende besuchten. Sie wurden angewiesen, ein Panorama aufzunehmen, indem sie sich mit ihrem Smartphone langsam von links nach rechts drehten. Im Folgenden erklärte Lynn, warum sie es vermied, solche Videoclips in privaten Räumen zu machen:
"Bei Freunden fühlte ich mich wie blockiert, Videos zu machen. Die Fotos waren in Ordnung, sie sind schnell gemacht, ich brauche keine zwei Stunden, aber mit Videos musste ich drehen (die Kamera). Dann sehen die Leute dich an, als ob du was machst, du bist bei mir zu Hause, warum filmst du? Also fühlte ich mich unwohl. Ich fand es respektlos - Nun, ich hätte fragen müssen (um Erlaubnis zum Filmen). Deshalb habe ich mich entschieden, keine Videos (im privaten Bereich) zu machen."
Andere erklärten:
"Ich versuchte es zu vermeiden, Leute zu filmen"(Les), "Ich denke, ich habe darauf geschaut, dass ich keine Gesichter aufgenommen habe"(Vivien), "Ich denke, ich habe versucht, (nur) die Decke zu filmen" (Sam).
All diese Zitate stammen aus Interviews, die wir im Rahmen des interdisziplinären SNF-Forschungsprojekts "youth@night" geführt haben. Im Rahmen des Projekts haben wir eine Smartphone-App entwickelt und eingesetzt, um Daten über die Praktiken des Nachtlebens junger Menschen in Lausanne und Zürich zu sammeln. Mit 40 der Teilnehmenden, die die App mehrere Nächte lang genutzt haben, führten wir qualitative Interviews, um zu verstehen, was es für sie bedeutet, mit ihren Smartphones Daten zu sammeln.
Wir haben festgestellt, dass Smartphone-Kameras Misstrauen auslösen, wenn sie nicht für selbstverständlich Praktiken benutzt werden (z.B. für Selfies) oder wenn sie offensichtlich zum Sammeln von Fotos und Videos verwendet werden. Dies wirft die Frage auf, wie man mit den Gefühlen der Teilnehmenden umgeht, wenn sie Daten im Auftrag abwesender Forschenden sammeln. Eine Situation, die ja auch bei citizen science Projekten gegeben ist. Wir greifen bei dieser Frage auf den "verantwortungsvollen Blick" der Forschungsteilnehmenden zurück, der sich in unserer Forschung eindrücklich gezeigt hat. Ausgehend von dieser Studie plädieren wir dafür, Forschenden und Forschungsteilnehmenden - auch in citizen science Projekten - bei der Datenerhebung genug Zeit und Raum zu geben, um, im Sinne einer ethische Forschungspraxis, einen verantwortungsvollen Blick mit Smartphones zu entwickeln.
Truong, J., Labhart, F., Santani, D., Gatica-Perez, D., Kuntsche, E., Landolt, S. (2019). The emotional entanglements of smartphones in the field: On emotional discomfort, power relations, and research ethics. Area 2019; 00:1-8.