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Flexner Debunked!
Frau Koch lobt in ihrem Artikel den Einfluss des Flexner Reports auf die ärztliche Ausbildung und diskreditiert die damaligen Anbieter von privaten Medical Schools als profit-orientierte Verkäufer. Der Flexner Report ist in seiner Bedeutung für die USA, und wohl auch weltweit, tatsächlich kaum zu unterschätzen. Doch für geschichtliche Ereignisse gibt es retrospektiv immer unterschiedliche Versionen. Hier daher eine paar Gegenpunkte: Der Flexner Report dient als Paradebeispiel für das obskure Zusammenwirken von Interessengruppen und Kapital mit dem Ziel der Errichtung eines gesetzlich verankerten Monopols. Bereits die Tatsache, dass die American Medical Association (AMA) ihre Zusammenarbeit mit der Carnegie Foundation verheimlichte, sollte zu denken geben. Schliesslich hatte sie Eigeninteressen und wirkte erheblich bei der Entwicklung des Fragebogens und Reports mit. Flexner war nur der Strohmann.
Medizinprofessor I.A. Tauber der Boston University of Medicine fasste es wie folgt zusammen: «Flexner had another agenda than simply eliminating substandard institutions. The registration of medical schools with the Association of American Medical Colleges, the imposition of state licensing linked to such accreditation, the development of a model medical school at John Hopkins helped mould American medical standards closely to those advocated by Flexner.» Nur Mediziner, die ihre Ausbildung an AMA akkreditierten Institutionen absolvierten, sollten letztlich Berufsausübungslizenzen erhalten können. Damit wurde die Konkurrenz durch Medical Schools, die nicht den AMA-Kriterien entsprachen, effektiv aus dem Weg geräumt und ein Aus- und Weiterbildungsmonopol bei der AMA geschaffen.
Flexner selbst war ein einfacher Lehrer ohne medizinischen oder wissenschaftlichen Hintergrund. Er wurde kritisiert für seinen «superficial survey, cavalier Attitude (Hochmut), and narrow basis of what constituted appropriate standards». Bei seiner Rundreise zu 155 Ausbildungsstätten in acht Monaten verbrachte er bei den Ausbildungssttätten jeweils nur wenige Stunden, um sich ein Bild zu machen. Der amerikanische Medizinistoriker K. Ludmerer nannte den Bericht gar «Sensationsmacherei». William Osler, einer der Gründer der John Hopkins Universität und Wegweiser der modernen Medizin, lehnte den Bericht vollständig ab und warnte vor Interessenkonflikten zwischen Forschern und Klinikern. Als Konsequenz des Berichts wurden zahlreiche Medical Schools geschlossen, insbesondere in armen Gegenden, die sich keine Colleges nach dem John Hopkins Modell leisten konnten. Nur zwei von sieben Medical Schools für Afro-Amerikaner und nur eine Medical School für Frauen überlebten die Flexner Reform. Die Ausbildungsdauer wurde von 1–2 Jahren auf
6 Jahre erhöht. Die zuvor privat und freiwillig getragenen Ausbildungskosten wurden sozialisiert. Durch die Schliessung der Ausbildungsstätten und der dadurch verursachte Rückgang der Anzahl Ärzte (Angebotsrückgang), kam es zu einer dramatischen Preisinflation, weswegen 1925 sogar ein nationales Komitee zur Kostenkontrolle einberufen wurde.
Der AMA jedoch war der grosse Coup gelungen. Durch Lizenzzwang und Akkreditierungsaufsicht erhielt sie die Vormachtstellung auf dem amerikanischen Gesundheitsmarkt. Die grossen medizinischen Fortschritte davor hatten hingegen in einer Situation des freien Wettbewerbs verschiedener Formen medizinischer Versorgung stattgefunden.
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