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Sind die Blöden die Normalen?
Du bisch jo blöd», hat vor kurzem eine Frau zu mir gesagt, und ich fragte mich, ob sie vielleicht recht hatte.
Es ist nicht leicht, diese Frage zu beantworten, denn wie soll ich erkennen, ob ich blöd bin oder nicht? Ich kenne kein Messwerkzeug dafür. Zwar gibt es Leute, die ich für blöd halte, aber woher soll ich wissen, ob sie es wirklich sind?
Falls es die Gattung der Blöden als solche gibt, werden sich die Einzelnen ihres Blödseins kaum bewusst sein. Mir ist jedenfalls noch keiner begegnet, der gesagt hat: «Guten Tag, ich bin blöd.» Aber auch noch keiner, der gesagt hat: «Guten Tag, ich bin intelligent.»
Das Blödsein ist wahrscheinlich so relativ wie alles andere, wie schnell oder klein oder schön. Fast jeder Mann, der mit einer Schreckschraube von Frau liiert ist, sagt von ihr, sie sei die Schönste auf der Welt. Ich habe auch so eine, allerdings nur hobbymässig. Manchmal ist sie überirdisch schön, und manchmal sieht sie so blöd aus wie ein Gaul, der zu viele Micki Maus-Heftli gelesen hat. Zur Verteidigung meine Blödheit betreffend will ich festhalten, dass ich mich seit Jahrzehnten redlich um Abhilfe bemühe. So beschäftige ich mich zum Beispiel seit Anfang 1970 mit Don Fislers Schlüsselfrage «Was isch wo, wenn nüt niene-n-isch?» und habe diese sogar auf: «Warum isch was wo, wenn nüt niene-n-isch?» erweitert.
Das hat viel Schweiss gekostet. Herausgekommen ist nichts. Aber Charles Bukowski hat ja gesagt: «Fast jeder Mensch wird als Genie geboren und stirbt als Arschloch.» Je älter man wird, um so mehr ist man von Gleichgearteten umgeben. Das Blöde ist das Normale.
Kolumne im Baslerstab vom 13.08.2002