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Adieu 2021 (2/2)
Diese Politikerinnen, Schauspieler, Sportlerinnen und Kulturschaffenden haben den Lauf der Welt verändert und Grosses geleistet. Seit diesem Jahr sind ihre Stimmen verstummt. Ihre Taten und Werke leben weiter.
Michael Collins
Michael Collins war Pilot auf dem historischen Apollo-11-Flug im Jahr 1969. Dabei betraten seine Kollegen Neil Armstrong und Buzz Aldrin als erste Menschen den Mond, während er selbst an Bord der Raumfähre blieb und den Erdtrabanten umkreiste. Die Band Jethro Tull widmete ihm und seinen Gefühlen beim einsamen Umkreisen des Mondes den Song «For Michael Collins, Jeffrey and Me». Der Pilot, der aus einer Militärfamilie stammte, war der erste Mensch mit zwei Aussenbordeinsätzen, bewegte sich als Erster im All von einem Raumfahrzeug zu einem anderen und war der zweite Mensch alleine im Mondorbit. Ein Asteroid und ein Mondkrater sind nach ihm benannt. Michael Collins starb am 28. April 90-jährig in Florida.
Werner Kieser
Der ausgebildete Schreiner und später studierte Philosoph entwickelte das nach ihm benannte Rückentraining. 1966 eröffnete er sein erstes Fitnessstudio in der Schweiz, Mitte 2007 bestanden in Deutschland 118 und in der Schweiz 19 Trainingsbetriebe. Werner Kieser verstarb am 19. Mai 2021 mit 80 Jahren an Herzversagen.
Richard R. Ernst
Der Winterthurer ETH-Chemiker erhielt 1991 für seine bahnbrechenden Beiträge zur Entwicklung der hochauflösenden magnetischen Kernresonanz-Spektroskopie den Nobelpreis. Das Verfahren bildet die Grundlage für die moderne Magnetresonanztomografie. Er verstarb am 4. Juni 2021 87-jährig in Winterthur.
Libuse Safránková
«Drei Nüsse für Aschenbrödel» gehört zum weihnachtlichen Standard-Fernsehprogramm. Durch die Titelrolle des Aschenbrödel wurde die 20-Jährige Libuse Safránková 1973 zu einer der bekanntesten Schauspielerinnen in Tschechien. Sie wirkte danach in mehr als 80 Film- und Fernsehproduktionen mit. 2017 war sie als Erinnerung an ihre Rolle als Aschenbrödel in «Sám doma s Donaldem Trumpem», einer Filmkomödie über den 45. US-Präsidenten zu sehen. Seit einigen Jahren litt sie an Lungenkrebs und starb am 9. Juni 2021 zwei Tage nach ihrem 68. Geburtstag.
Kurt Westergaard
Zwölf Mohammed-Karikaturen machten den dänischen Zeichner 2005 schlagartig weltbekannt. Die Zeichnungen lösten Mordanschläge, diplomatische Konflikte und Krawalle aus. Der Zeichner verteidigte seine Werke unter Verweis auf die Meinungsfreiheit und hielt eine Entschuldigung nicht für erforderlich. Auf seine Tötung war ein Kopfgeld von mehreren Millionen ausgesetzt, lange Zeit lebten er und seine Frau unter Polizeischutz an geheimen Orten. Kurt Westergaard war Atheist, wuchs aber in streng christlichen Verhältnissen auf, die er selbst als «fundamentalistisch» bezeichnete. 2010 gab er seinen Posten als Karikaturist für die Jyllands-Posten altershalber auf. Am 14. Juli 2021 starb er einen Tag nach seinem 86. Geburtstag.
Alfred Biolek
Alfred Franz Maria Biolek, genannt Bio, schaffte seinen beruflichen Durchbruch 1974 mit der Sendung «Am laufenden Band» mit Rudi Carrell. Mit «Alfredissimo», wo er mit Prominenten kochte, machte er ab 1994 das Format der Kochsendung in Deutschland bekannt. Er gilt als Vorreiter der Talkshow und war mit seiner offenen, humorvollen Art über 30 Jahre im TV präsent, etwa mit Sendungen wie «Bio’s Bahnhof» oder «Boulevard Bio». Selbst wurde er in der RTL-Talkshow «Explosiv – der heisse Stuhl» unfreiwillig als homosexuell geoutet. Seit einem schweren Sturz 2010 lebte der gebürtige Tscheche zurückgezogen in Köln, wo er am 23. Juli 2021 kurz nach seinem 87. Geburtstag verstarb.
Gerd Müller
«Bomber der Nation» nannte man den Fussballer, der in der Bundesliga-Saison 1971/72 vierzig Tore schoss – ein Rekord, den Robert Lewandowski erst dieses Jahr knackte. Mit 365 Toren in 427 Partien ist Gerd Müller Rekordtorschütze der Bundesliga und war einer der besten Stürmer weltweit. Mit der Nationalmannschaft wurde der FC-Bayern-Star 1972 Europameister und erzielte im Weltmeisterschaftsfinal 1974 das Siegestor für Deutschland gegen die Niederlande. Sein Spiel lebte von seiner unberechenbaren Raffinesse, sein Markenzeichen war die schnelle Drehung auf engstem Raum und die Fähigkeit, aus den unmöglichsten Positionen Tore zu schiessen, auch «müllern» genannt. Gerd Müller wurde 75 und starb am 15. August 2021.
Don Everly
«Wake Up Little Suzie», «All I Have To Do Is Dream» oder «Bye Bye Love»: Mit diesen Songs sangen sich die Everly Brothers in den 1950er und 1960er-Jahren in die Hitparaden. Mit seinem jüngeren Bruder Phil gehörte Don Everly zu den erfolgreichsten Gesangsduos der Musikgeschichte. Die beiden traten bereits als Kinder mit ihren Eltern in «The Everly Family Show» auf. Als Duo mischten sie Folk- und Hillbilly-Musik mit zeitgenössischem Rock’n’Roll und schufen mit ihrem zweistimmigen Gesang einen Popsound, der viel spätere Band beeinflusste, so die Beatles, die Beach Boys oder Simon & Garfunkel. Die Everly Brothers gaben bis zum Tod von Phil Everly vor sieben Jahren Konzerte. Am 21. August 2021 starb nun auch Don Everly 84-jährig an einem Herzinfarkt.
Charlie Watts
Charlie Watts war das dienstälteste Mitglied der legendären Rolling Stones, die 2022 ihr 60. Jubiläum feiern. Aus medizinischen Gründen hatte er dieses Jahr auf die USA-Tournee verzichtet. Der Londoner entdeckte seine Leidenschaft für amerikanischen Jazz bereits als Zehnjähriger und bastelte sich aus einem alten Banjo seine erste Trommel. Später war er für seinen eleganten Kleidungsstil bekannt. In den 1980er-Jahren hatte der Musiker Drogen- und Alkohol-Probleme, die er später überwand. Zusammen mit seiner Frau betrieb er in Devonshire ein Vollblut-Araber-Gestüt. 2004 erkrankte der langjährige Raucher an Kehlkopfkrebs, genas und ging 2005 mit den Rolling Stones auf Welttournee. Nun starb er am 24. August mit achtzig Jahren in London im Kreis seiner Familie.
Heide Keller
Auf dem «Traumschiff» war sie zuerst Hostess, dann Chefhostess Beatrice. Diese Rolle spielte die Theater- und TV-Schauspielerin 38 Jahre lang in rund 80 Folgen sowie 27 Folgen des Ablegers «Kreuzfahrt ins Glück». Die Schauspielerin verliess die Fernsehreihe auf eigenen Wunsch. Zuletzt trat sie in der 80. Folge in Los Angeles auf, ausgestrahlt am 1.1.2018. Heide Keller verfasste auch Drehbücher und schrieb am Drehbuch von «Traumschiff» mit. Sie starb am 27. August 2021 mit 81 in einer Bonner Seniorenresidenz an Leukämie.
Mikis Theodorakis
Der bekannteste griechische Komponist des 20. Jahrhunderts war auch Schriftsteller, Dirigent und Politiker. Schon als Kind faszinierte ihn die Musik und er schrieb erste Lieder. Später kämpfte er im Widerstand gegen die deutsche Besatzung im zweiten Weltkrieg und gegen die griechische Militärdiktatur, wurde mehrfach verhaftet und schwer gefoltert. In Griechenland wurde er zur Symbolfigur und als Volksheld verehrt. Seine bekanntesten Werke sind die Filmmusik zu «Alexis Sorbas» sowie sein Album «Canto General» nach Versen von Pablo Neruda. Am 2. September starb Mikis Theodorakis mit 96 in Athen. Ihm zu Ehren wurde eine dreitägige Staatstrauer angeordnet.
Jean-Paul Belmondo
Ob Komödie oder Action-Film: Jean-Paul Belmondo war einer der erfolgreichsten Stars im europäischen Kino und spielte in rund 80 Filmen mit. Als junger Schauspieler wurde dem Sohn eines Bildhauers und einer Malerin wegen seines Aussehens von einer Kinokarriere abgeraten. 1959 gelang ihm in der Hauptrolle von «Ausser Atem» von Regisseur Jean-Luc Godard der Durchbruch. Der Film wurde zu einem Klassiker des internationalen Kinos und Jean-Paul Belmondo als moderner Antiheld zur Identifikationsfigur des jungen Publikums. Seit einem Schlaganfall 2001 war er gesundheitlich beeinträchtigt. Er starb am 6. September 2021 im Alter von 88 Jahren in Paris. An der offiziellen Trauerfeier nahm auch der französische Staatspräsident teil.
Frederik Willem de Klerk
Der Rechtsanwalt war von 1989 bis 1994 Staatspräsident der Republik Südafrika. Er reformierte das System der rassistischen Apartheid und schaffte es schliesslich ab. Zusammen mit Nelson Mandela erhielt er dafür 1993 den Friedensnobelpreis. Ein Jahr später fanden in Südafrika die ersten freien Wahlen statt, bei denen alle Bevölkerungsgruppen das Wahlrecht ausüben konnten, auch die bis anhin von der Mitbestimmung ausgeschlossene Mehrheit der schwarzen Stimmbürgerinnen und Stimmbürger. Mit grossem Vorsprung siegte der African National Congress. Frederik Willem de Klerk amtierte unter dem neuen Präsidenten Nelson Mandela als Vizepräsident. Kurz vor seinem Tod entschuldigte er sich öffentlich für den Schmerz, den die Apartheid für Millionen Schwarzer bedeutete. Er starb am 11. November 2021 85-jährig in Kapstadt an Krebs.
Desmond Tutu
Mit Desmond Tutu verstarb am 26. Dezember 90-jährig einer der Letzen aus der Generation der grossen Kämpfer gegen die Apartheid in Südafrika. Tutu war zuerst Lehrer, gab seinen Beruf aber auf, weil schwarze Kinder in Südafrika gesetzlich verordnet eine schlechtere Bildung erhielten als weisse Kinder. Er studierte in Johannesburg und London Theologie, wurde Priester und später Erzbischof von Kapstadt. Desmond Tutu forderte die Welt zum Boykott des Apartheid-Regimes auf und hatte nach dem Ende der Rassentrennung grossen Anteil daran, dass es nicht zum Bürgerkrieg kam. Der für seinen Humor bekannte Tutu stand auch der Wahrheits- und Versöhnungskommission vor, welche die Verbrechen des Regimes aufarbeitete, und prägte den Begriff der Regenbogennation, in der alle Hautfarben friedlich zusammenleben. Wie Nelson Mandela erhielt er für sein Engagement den Friedensnobelpreis. Später kämpfte er gegen Bandenkriminalität und Korruption sowie für die Rechte von Homosexuellen in Südafrika. Über sich selbst sagte er einmal: «Ich wünsche manchmal, ich könnte die Klappe halten, aber ich kann es nicht und werde es nicht.»