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Erst als die Bauarbeiten der Anlagen bei Airolo dem Ende entgegen gingen, befasste sich die Befestigungskommission vertieft mit dem Raum Andermatt. Die Konzeption sah vor, dass
Andermatt den Kern eines "verschanzten Lagers" bilden sollte. Von dieser Basis aus - man sprach auch von der Zitadelle Andermatt - sollten die Passsperren am Furka, Oberalp und
St. Gotthard als Aussenpositionen lediglich offen gehalten werden, damit schweizerische Angriffskräfte diese überschreiten konnten und den bedrängten Punkten zu Hilfe eilen konnten.

Ein neues Konzept entsteht
Entsprechend dieser Konzeption wurde im Mai 1887 am Ostende des Oberalpsees eine Sperre mit zwei flankierenden Artilleriewerken sowie ein Barackenlager am Westufer geplant. Aus
Kostengründen stellte man sich auch die Frage, ob nicht ein einfaches armiertes Blockhaus genügen würde. Nachdem auch ein Projekt einer Art mobiler Verteidigung mit 5.3 cm Fahrpanzern
fallen gelassen wurde, entwickelte Oberstleutnant Robert Weber eine völlig neue Idee. Diese sah vor, hinter den Pass zurück zu gehen und auf dem Grossbodenplateau Verteidigungsstellungen
zu errichten. Der grosse Vorteil dieser Lösung war, dass nicht nur die Oberalpstrasse beherrscht werden konnte, sondern auch die Zugänge zum Gütsch gesichert wurden. In Bezug zur
Zitadelle Andermatt war dies äusserst wichtig, da der Gütsch als Achillesferse der Anlagen von Andermatt grösste Beachtung verdiente.
Der Gedanke, mit einer Anlage zwei Aufgaben zu lösen, war naheliegend und hatte vieles für sich. Die Grossbodenstellung überwachte alle Aufstiege zum Gütsch. Zwar konnte von hier keine
Offensive ins Rheintal vorgenommen werden, jedoch bot sie genügend Raum zur Konzentration von grossen Artilleriemassen, mit deren Hilfe eine Öffnung des Passes erzwungen werden konnte.
Darum wurde zur Erschliessung der Stellung als erstes bei Nätschen ein Fahrweg in Richtung Gütsch gebaut und ein Barackenlager auf dem Grossboden erstellt.
Das Fort Stöckli entsteht
Es ist heute nicht mehr ganz ersichtlich, warum in der Folge 1893 mit der Errichtung der permanenten Befestigung auf dem linken Flügel auf über 2400 Meter Höhe am Fuss des Stockes
begonnen wurde. Das hier gebaute Fort Stöckli war eine ähnliche Anlage wie das missglückte Redoute auf dem Gotthard Hospiz mit viel Unterkunft. Einzig die beiden 12 cm Panzerhaubitzen
erreichten mit ihrem Feuer den Oberalppass. Damit war es nicht möglich, mit Artilleriefeuer die Passöffnung zu erzwingen. Zur Nahverteidigung waren zwei 5.3 cm Fahrpanzer eingebaut und
Gewehrstellungen für die verteidigende Infanterie errichtet.
Das Stöckli schützte nur noch den Gütsch und war somit nur noch ein Sicherheitselement der Zitadelle Andermatt. Das Werk lag einerseits hoch genug, um die tiefer liegenden Stellungen
zu beherrschen, jedoch nicht hoch genug, um in seiner Selbstverteidigung begünstigt zu sein. Sein offener Innenhof und die Gewehrstellungen wären feindlichem Feuer vom Stock ausgesetzt
gewesen. Wie bei der Furka war das Fazit nach Abschluss der ersten Etappe wenig erfreulich. Es war weniger das Werk, das Beachtung verdiente, als vielmehr die Fahrstrasse und die
Unterkunftsanlagen, welche die geforderten Voraussetzungen für eine bewegliche Verteidigung schufen.
Umbauten, Ausbauten
In einer späteren Bauetappe holte man das Versäumte nach und baute auf dem Grossboden anschliessend an das Fort die geforderten Stellungen für die Artillerie. Diese wurden durch eine
offene Infanterielinie mit dem Werk verbunden. Das Werk verstärkte man mit einer Beobachtungs-Panzerkuppel, Kasematten für Beobachtung und Verteidigung und neuen Hindernisgräben.
Ebenso erweiterte man die Kaserne und baute einen Unterstand für einen fahrbaren Scheinwerfer ein. 1905 erstellte man noch eine erste drahtlose Funkstation (System Telefunken), welche
mit einer Gegenstation auf der Rigi-Scheidegg Kontakt aufnehmen sollte. Als die Versuche noch im Gang waren, knickte jedoch ein Schneesturm einen der beiden 50 Meter hohen Maste, an
denen die Antenne angebracht war. Es zeigt sich aber, dass für die Funkverbindung vom Gotthard in das Landesinnere fahrbare Stationen ausreichend waren. Also gab man das Projekt auf
und nutzte die Gebäude der Station anderweitig.
Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurden die Werke rund um den Gütsch und Stöckli ergänzt. Auf dem Gütsch errichtete man ein geschlossenes Infanteriewerk und eine Stellung für eine
Halbbatterie von zwei 12 cm Kanonen mit Schussrichtung Reuss- und Unteralptal. Auch bei Platten erstellte man behelfsmässige Artilleriestellungen mit Feuerrichtung Tavetsch. Die
unmittelbar an das Stöckli angrenzende Höhe des Stocks wurde 1915 mit einer 200 Meter langen gedeckten Infanterielinie, welche an den Flanken jeweils eine MG Kasematte enthielten,
ergänzt. Eine direkte gedeckte Verbindung mit dem Fort bestand aber nicht. Das Werk war auch ohne wesentliche Ausbauten noch im Zweiten Weltkrieg aktiv, spielte aber keine wichtige
Rolle mehr, da man auf dem Gütsch ein neues Turmartilleriewerk errichtete und der Übergang am Oberalppass inzwischen mit vier Bunkern gesichert wurde.
Das Fort Stöckli erwies sich in mancher Beziehung als eine verfehlte Anlage. Wegen der exponierten Lage und der damit verbundenen rauhen Witterung, litt die Anlage. Absenkungen im
Fundament erforderten laufend Reparaturen. Es erwies sich auch als schwierig, in den Unterkunftsräumen für einigermassen hygienische Verhältnisse zu sorgen. Ausserdem zeigte sich auch
hier, dass faktisch günstig scheinende hochgelegene Anlagen kaum technisch befriedigend zu bauen waren. So entstanden Aufwendungen für den Unterhalt, die mit dem Kampfwert in keinem
Verhältnis standen. Dies war auch der Grund, warum man bereits 1947 das Fort Stöckli als eine der ersten Anlagen der ersten Generation ausmusterte.

Kapitel Hauptseite
Ansicht vom Stöckli
und Zufahrt
Gebäude und Kaserne
Panzertürme und Kuppeln
Waffenstellungen
Gewehrgallerie 1917
Waffenstellungen beim
Gütsch