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Nach langwierigen Auseinandersetzungen zwischen der Gemeinde Riehen und dem Kanton Basel-Stadt erzwang dieser 1912 mit dem ‹Gesetz betreffend die Kanalisation im Kantonsgebiet› den Ausbau der Kanalisation in Riehen.
1886 nahm Riehen eine eigene Wasserversorgungsanlage in Betrieb, welche die Haushalte mit Trinkwasser belieferte. Das Abwasser floss jedoch weiterhin direkt auf die Strasse und in die angrenzenden Bäche. Insbesondere die dicht bebaute Baselstrasse verschlammte immer wieder.
In den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts kam es zu ersten politischen Diskussionen über den Bau einer Kanalisation in Riehen. In Basel hatte man 1880 mit dem Bau einer Kanalisation begonnen, um Typhus- und Choleraepidemien entgegenzuwirken. In Riehen hingegen war der Bau einer Schwemmkanalisation nicht nur der hohen Kosten wegen umstritten, sondern wurde grundsätzlich in Frage gestellt, denn die Landwirtschaft nutzte das Abwasser als Dünger. 1895 beschäftigte man sich auf Gemeindeebene mit dem Projekt einer kleinen Kanalisation im Dorfkern der Baselstrasse entlang. Der Kantonsingenieur arbeitete das Gemeindeprojekt aus, das die Kanalisierung von Abwasser aus Küchen, Waschküchen und Badezimmern vorsah. Der Inhalt der Abtrittgruben sollte der Landwirtschaft weiterhin als Dünger zur Verfügung stehen. Aus der Riehener Bevölkerung wurden jedoch Einwände gegen dieses Projekt laut, verbunden mit der Forderung, das Abwasser in den Alten Teich abzuleiten. Dieser lag näher am Dorf und wurde zum Bewässern von Gärten und Landwirtschaftsland benutzt. Letztlich brachten die hohen Kosten das Projekt zu Fall. Der Gemeinderat beschloss 1897 auf die Frage des Kanalisationsprojekts nicht einzutreten.
Erst beim Neubau des Diakonissenspitals 1904 kam das Thema wieder auf. Die Erteilung der Baubewilligung war mit der Forderung verbunden, das Spital an die städtische Kanalisation anzuschliessen. 1907 baute der Kanton in Riehen einen Kanal von der Fasanenstrasse in Basel bis zur Verzweigung Burgstrasse in Riehen und die Diakonissengemeinschaft verlängerte diesen bis zur Kreuzung Schützengasse / Spitalweg.
Der weitere Verlauf des Kanalisationsbaus war mit dem Ausbau der städtischen Trinkwassergewinnungsanlagen in den Langen Erlen verknüpft. Basel hielt ein umfassendes Kanalisationsnetz in Riehen für dringlich, um das Grundwasser in den Langen Erlen vor einer möglichen Verschmutzung durch Riehener Abwasser zu schützen. Im Mai 1905 wurde der Riehener Gemeindeversammlung ein Kanalisationsprojekt zur Genehmigung vorgelegt, auf das diese nicht eintrat. Die Gemeindeversammlung wehrte sich auch gegen weitere Versuche des Kantons, den Bau einer Kanalisation zu erzwingen.
Nach 18 Jahre andauernden Verhandlungen einigten sich die Basler Behörden dann 1911 mit Lörrach, das Lörracher Abwasser in den Rhein abzuleiten und die Kanalisation gemeinsam zu finanzieren: Den Bau der Sammelkanäle von Lörrach und Stetten bis zur Landesgrenze übernahm die Stadt Lörrach, den Kanalisationsbau von der Landesgrenze bis zum bereits vorhandenen Kanal in der Äusseren Baselstrasse in Riehen der Kanton Basel-Stadt.
Vor diesem Hintergrund wurde die Einführung einer Kanalisation in Riehen so dringend, dass die Kantonsregierung 1912 ein ‹Gesetz betreffend die Kanalisation im Kantonsgebiet› erliess, um sie zu erzwingen. Die Anschlusspflicht der Häuser an die Kanalisation wurde milde gehandhabt: Nur Neubauten mussten angeschlossen werden. Erst mit Ablauf der Übergangsfrist des 1972 in Kraft gesetzten Bundesgesetzes über den Gewässerschutz mussten bis 1987 auch die letzten Häuser in Riehen an die öffentliche Kanalisation angeschlossen werden.
Autorin / Autor: Luzia Knobel | Zuletzt aktualisiert am 8.1.2023
Riehener Kanalisation: RIE A.1 453.1/ A.1 453.2.
Bolliger, Peter: Das Riehener Quellwassersystem. In: Jahrbuch z’Rieche 1984. S. 151–161.
Jaquet-Anderfuhren, Nicolas: 100 Jahre Verkehrsverein. Wegbereiter für ein modernes Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 1999. S. 78–107.
Kaufmann, Gerhard: Die lange Leitung. Vom Känel zum Hauptsammelkanal. In: Jahrbuch z’Rieche 1982. S. 124–141.