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GRAU-Index 56-R-327
Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges brachten sowjetische Waffenkonstrukteure erstaunliche Designs hervor. Während des Krieges wurden beispielsweise die Selbstladebüchsen von Tokarev, die PPSh 41 und PPD-Maschinenpistolen in riesigen Mengen hergestellt. Gleichzeitig waren andere Konstruktionsteams bereits daran, die nächste Generation Militärwaffen zu entwickeln und so wurden kurz nach Kriegsende diese, damals neue Generation militärischer Handwaffen, eingeführt. Als Beispiele dieser Generation seien hier Simonovs SKS und Kalaschnikows AK genannt.
Das Rushnoi Pulemet Degtjarowa (RPD) wurde in den frühen 50er Jahren als standardisiertes leichtes Maschinengewehr in den Schützengruppen der Roten Armee eingeführt. Als Evolution aus seinen früheren Konstruktionen entwickelte Wassily Degtjarjow das RPD als zuschiessenden Gasdrucklader mit Stützklappenverschluss. Er legte das Gewehr auf die damals neue Gewehrpatrone M43 in 7.62x39mm aus. Die Wahl des Kalibers ist wohl auf die Erfahrungen mit dem deutschen Kaliber 8x33mm kurz zurückzuführen. Die Entwicklung des RPD war ursprünglich noch während des „Grossen Vaterländischen Krieges“ geplant, wurde aber zugunsten anderer Modelle von Degtjarjow zurückgestellt. So wurden zunächst die bereits im Einsatz stehenden DP-28 zum DPM weiterentwickelt und noch kurz vor Kriegsende 1945 an die Truppen ausgegeben. Das erste RPD wurde 1953 an die Infanterie der Roten Armee ausgegeben. (Krott, et al., 2001)
Während der langen Dienstzeit des RPD bei der Roten Armee wurden fünf Evolutionsstufen entwickelt. Die erste Version verfügte über eine tassenstösselförmige Gasstange, einen rechtsliegenden Knauf zur Höhenverstellung des Visiers und einen gerade zurücklaufenden Ladegriff. Die Zweite Version wechselte zu einer kolbenförmigen Gasstange, wechselte die Höhenverstellung von der rechten auf die linke Seite. Das dritte Modell wurde zusätzlich mit Staubdeckeln versehen und der zurücklaufende Ladegriff wurde mit einem klappbaren und nicht-zurücklaufenden Ladegriff ersetzt. Die vierte Version ist als RPDM bekannt. Dabei wurden umfassende Verbesserungen eingeführt. Signifikanteste Änderung war dabei eine Verlängerung des Gassystems und eine zusätzliche Führung der Gasstange. Die fünfte Generation ist gegenüber dem RPDM nahezu unverändert. Es wurde ein zusätzlicher Staubschutzdeckel für die Magazine und ein Putzstock im Schulterkolben angebracht.
RPD Trommel Magazine
Das RPD wird über ein 100-schüssiges Trommelmagazin mit einem Gurt gefüttert. Der Gurt ist ähnlich den Trommelmagazinen des deutschen MG 34 und MG 42 aufgerollt und wird durch das Gewehr aus dem Magazin gezogen. Das Bestücken des Magazins mit dem Gurt braucht viel Übung. Deshalb wurde ein Gurtapparat entwickelt, der die Magazine mit dem Gurt füllen kann. (Krott, et al., 2001) Der Gurt liegt lose im Magazin, was sich mit deutlichem Scheppern bemerkbar macht. Während des Vietnamkrieges wurden gelegentlich US Navy SEALs beobachtet, die das Magazin des RPD in Kombination mit dem leichten Maschinengewehr Stoner 63 benutzten. (Krott, et al., 2001).
Funktionsweise
Das RPD ist zuschiessend, was eine wichtige Funktion für Maschinengewehre ist, da durch den entstehenden Kamineffekt im Lauf eine selbständige Zündung aufgrund überhitzen Patronenlagers (Cook-Off) vermieden werden kann. Das Verschlusssystem ist sehr ähnlich dem bei den DP/DPM-Modellen verwendeten Stützklappenverschluss. Das RPD funktioniert folgendermassen:
Wenn bei geladenem Gewehr der Abzug betätigt wird, löst sich die Haltung des Verschlusses in seiner hinteren Position und die Schliessfeder kann der Verschluss nach vorne bewegen. In dieser Bewegung wird eine Patrone nach vorne aus dem Gurt geschoben und ins Patronenlager eingeführt. Die Bewegung des Verschlusses wird mit an der Patrone angelegter Auszieherklaue beendet. Gleichzeitig mit dem Anhalten der Verschlussbewegung werden die beiden Stützklappen kurvengesteuert ausgefahren, um den Verschluss nach hinten zu verriegeln und den Zündstift springt nach vorne, um die Patrone zu zünden. Die folgende Verschlussbewegung nach hinten wird durch die ausgefahrenen Stützklappen gehemmt und verzögert. Erst bei genügend grosser Kraft kann die Verriegelung gelöst werden und der Verschluss bewegt sich nach hinten. Dabei wird die Patrone aus dem Patronenlager ausgezogen und ausgeworfen.
Ersatz durch das RPK
Das letzte Maschinengewehr von Degtjarjow RPD wurde durch die folgende Konstruktion Kalaschnikows, das RPK (Rushnoi Pulemet Kalaschnikowa) in der Rolle des leichten Maschinengewehrs der Roten Armee abgelöst.
Obwohl das RPD in den ehemaligen Warschauer Pakt-Staaten als obsolet angesehen wurde, wird es immer wieder in den heutigen Konflikten gesichtet. Das RPD hatte auch ausserhalb des Ostblockes seine Benutzer. So sind Einsätze mit RPDs von den US Navy SEALs und den rhodesischen Selous Scouts belegt. Eine grosse Anzahl erbeuteter RPDs fand ebenfalls Verwendung in den Kommandos der südafrikanischen und rhodesischen Streitkräften. Die Israelis verwendeten von Ägypten erbeutete RPDs in grossen Mengen in der Israel Defensive Force. RPDs werden heute noch – speziell in Afrika – an reguläre Truppen ausgegeben, sowie von allen möglichen Guerilla-Kräften weltweit verwendet. Der Einsatz von RPDs im Krim-Konflikt durch pro-russische Separatisten wurde 2014 belegt. (Ferguson, et al., 2014)

Literaturverzeichnis
Ferguson, Jonathan und Jenzen-Jones, N.R. 2014. Raising Red Flags: An Examination of Arms & Munitions in he Ongoing Conflict in Ukraine. s.l. : Armament Research Service, 2014. ISBN 978-0-9924624-3-7.
Krott, Rob und Shea, Dan. 2001. RPD: THE LAST DEGTYAREV. Small Arms Review. 2001, V5N3.