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Die europäische Herkunft des Gattungsnamens «Cinnamomum» basiert auf dem griechischen «kinéin» (bewegen) und «a momos» (ohne Tadel). Übersetzt heisst der Name «zusammengerolltes, tadelloses Gewürz». Eine andere Erklärung bezieht sich auf eine indonesisch-malaysische Quelle, die «Cinnamomum» aus dem Wortstamm «kayu manis» ableitet, zu Deutsch «süsses Holz».
Der Frauenmantel ist der Inbegriff für die Bejahung der weiblichen Rhythmen und das Frauendasein. Gemäss der von Paracelsus formulierten Signaturenlehre wird er dem Planeten Venus zugeordnet. Die Venus ist das Symbol für Weiblichkeit, die das Urmysterium der Fruchtbarkeit und der Geburt widerspiegelt. Lange vor den Alchemisten, denen der Frauenmantel seinen botanischen Namen «Alchemilla» verdankt, wussten «Kräuterweiber» von den besonderen Kräften des Frauenmantels. Sie nannten ihn «Sinau», die Pflanze mit dem ewigen Wasser (sin = immer; au = Wasser). Das kommt vom Wassertropfen, der im Blattgrund des Frauenmantels ruht und an den weiblichen Geburtsschoss erinnert. Dieser Wassertropfen besteht nicht nur aus Morgentau. Die Alchemilla behält ihre Wasserperle selbst dann noch, wenn der Tau verdunstet ist. Wer die Pflanze aufmerksam beobachtet, kann erkennen, dass sich an den Zähnchen des Blattrandes kleine Drüsen befinden. Diese funktionieren wie Überdruckventile, die in Abhängigkeit der Luftfeuchtigkeit überschüssiges Wasser ausperlen lassen – die botanische Physiologie spricht von «Guttationstropfen». Unter Kräuterheilkundigen gilt der Frauenmantel deshalb auch als die Alchemistin der Frauenkräuter, die alles auffängt und zum Guten wandelt.
Der Wassertropfen im Blattbecher der Alchemilla beflügelt die Phantasie der Menschen schon lange. Nach dem germanischen Mythos symbolisiert er die Tränen Friggas, der Königin des Himmels, die ihrem zu oft in die Ferne schweifenden Gatten Odin nachgeweint hat. Den Alchemisten wiederum wird nachgesagt, dass sie die Wasserperlen früh morgens einsammelten, um damit den sagenumwobenen Stein der Weisen herzustellen.
Für die weiblichen Kräuterheilkundigen ist der Frauenmantel selber der Stein der Weisen, da mit ihm zahlreiche Frauenleiden erfolgreich gelindert werden können. Er stärkt die Gebärmuttermuskulatur, wirkt bei Menstruationsbeschwerden krampflösend, lindert Brustspannungen, stoppt übermässige Monatsblutungen und erleichtert den Geburtsvorgang. Da der Frauenmantel ähnlich wirkt wie Gestagene, eine wichtige Klasse der weiblichen Geschlechtshormone, lindert er das prämenstruelle Syndrom, reduziert Reizbarkeit und Hungerattacken und macht die Gebärmutter fruchtbarer. Äusserlich im Sitzbad angewendet wirkt er bei Ausfluss und bei Juckreiz. Frauenmantel nimmt auch die Berührungsempfindlichkeit der Brüste, weicht Verhärtungen auf und unterstützt den Heilungsprozess bei Brustkrebs. Er beugt Ernährungsfehlern vor, indem er Entzündungen der Darmschleimhaut nimmt und Durchfall stoppt. Ihm wird auch nachgesagt, dass er sich wie ein schützender Mantel um die Frau legt. Deshalb soll ihn jede Frau nach der Geburt sechs Wochen lang als Tee trinken.
Soll das Frausein neuen Boden gewinnen, sind drei Monate Teekur empfehlenswert. Dabei soll morgens und abends eine Tasse eingenommen werden. Im Akutfall wirkt die Urtinktur – dreimal täglich – meist schneller. Steht eine seelische Wandlung im Vordergrund, ist die spagyrische Essenz als Arzneiform die erste Wahl.
Steckbrief
Blütezeit
Der Frauenmantel blüht von Mai bis Juli. Gesammelt wird das blühende Kraut idealerweise im Venusmonat Mai. Die Pflanze ist mehrjährig und winterhart. Im Frühjahr bedeckt sie den Boden mit einer Blattrosette und stängelt gegen Sommer bis zu 30 cm auf. Der Frauenmantel hat winzige gelbgrüne Blüten in Knäuelform. Seine Blätter sind hingegen gross, handförmig und in sieben bis elf Lappen unterteilt. Auf den Blattzähnen perlen morgens Wassertropfen und verzaubern so die Wiesen.