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Böcklin,
Arnold, berühmter Maler, geb. 1827 zu Basel. Durch Absolvierung des Gymnasiums seiner Vaterstadt erlangte er gründliche Kenntnisse des klassischen Altertums, die nachher so sehr auf seine künstlerische Richtung einwirkten. Seine früh sich offenbarende Neigung zur Kunst stieß anfangs bei dem Vater auf großen Widerstand, bis er dem Sohn gestattete, 1846 die Akademie in Düsseldorf zu beziehen, wo dieser sich zunächst unter Schirmer der Landschaft widmete und später die sorgfältigsten Naturstudien machte.
Auf Schirmers eignen Rat wandte er sich dann in dem realistischen Brüssel zur Figurenmalerei. Doch schon nach kurzer Zeit trieb ihn seine Rastlosigkeit nach Paris, wo er zur Zeit der Februarrevolution ankam und Greuelscenen derselben erlebte, denen man wohl das bisweilen in seinen Bildern auftauchende Element des Schauerlichen und der Dissonanzen in Stoff und in Form zu verdanken hat. Aus Mangel an Mitteln konnte er zu jener Zeit der Unruhen sich in Paris nicht lange halten; er ging über Basel nach Rom und malte hier um des Broterwerbs willen für die Kunst; Händler des Korso Veduten, schloß sich aber zugleich an andre talentvolle Leidens- und Fachgenossen an, z. B. an die verstorbenen Dreber und Feuerbach, und schwelgte im Entzücken über den klassischen Boden der Kunst.
Mit Dreber und Thiersch zog er nach Olevano und schweifte schauend in der Natur umher. Trotz seiner bedrängten Lage heiratete er 1853 eine Italienerin, fand jedoch in Rom keine ihm zusagende Beschäftigung und kehrte in der Hoffnung auf reichere Unterstützung nach Basel zurück. Sie erfüllte sich aber nicht, denn die für einen Kunstfreund in Hannover gemalten Landschaften (jetzt in einer Villa bei Kassel) wurden wegen ihres absonderlichen Inhalts vom Besteller anfangs ¶
forlaufend
verweigert und zogen ihm manche Verdrießlichkeiten zu. Besser ging es ihm in München, wo durch Paul Heyse der Baron v. Schack ihn kennen lernte und mehrere Bilder bei ihm bestellte, die unsern Künstler von verschiedenen Seiten charakterisieren. Es war zunächst ein sich geißelnder Anachoret in wild-phantastischer Gebirgsgegend und später ein vor dem Gott Pan fliehender Hirt. Eine günstige Wendung seines Schicksals brachte ihm das Jahr 1858: er wurde an die Kunstschule zu Weimar berufen und schuf dort unter anderm sein berühmtes Schloß am Meer, das von Piraten überfallen und in Brand gesteckt wird (dasselbe Motiv öfter wiederholt), und eine kolossale herrliche Jagd der Diana mit ihren Nymphen (Museum in Basel). Indessen vermochte ihn Weimar auf die Dauer nicht zu fesseln, er fühlte sich beengt und beschränkt. Er wanderte daher wieder nach Rom und schuf hier zuerst das Porträt seiner Gattin als Muse, das 1863 alle Welt entzückte, und dann die noch bedeutendere Villa am Meer (Schacksche Gallerie), die durch ihre Melancholie ebenso tief ergreifend wirkt, wie die bald nachher entstandenen Daphnis und Amaryllis (nach Theokrit) durch ihre bezaubernde Heiterkeit und wiederum in andrer Weise der Bacchus als Patron einer Weinwirtschaft, der freilich schon die grellen Farben in der Vegetation zeigt, wie sie damals unter dem Einfluß der antiken Malereien in Neapel und Pompeji bei ihm zur förmlichen Leidenschaft wurden. In dieser Weise malte er z. B. die Bilder: ein Liebespaar, die Faunenfamilie und sogar eine Pietà mit lebensgroßen Figuren, die durch ihre «sieben Regenbogenfarben» in ihrer Art 1873 in Wien ebenso großes Entsetzen erregte wie eine Kleopatra.
Dergleichen Extravaganzen brachten ihn in Rom wiederum in Not. Er vertauschte daher die Tiberstadt abermals mit seiner Vaterstadt und führte hier im Treppenhaus des Museums 1869 die drei zum Teil sehr barocken und unschönen, aber mit genialer Kühnheit und Großartigkeit gedachten Fresken aus: die schaffende Kraft auf einer von Tritonen getragenen Muschel, die Blumen streuende Flora mit ihren Kindern und Apollon mit dem Viergespann. Ähnliche teils abschreckende, von dämonischem Humor erfüllte, teils poetisch-reizende Fresken führte er für einen dortigen Privatmann aus. 1871 trieb es ihn wieder nach München, wo man, wie er glaubte, seine Kunst besser zu würdigen verstand als in Basel. Hier malte er zunächst sein wiederum höchst phantastisches Selbstporträt, auf dem er als leidenschaftlicher Musikfreund, mit dem Tod hinter sich, erscheint, sodann den schaurigen Kentaurenkampf (im Privatbesitz zu Worms), aber auch die für einen Speisesaal bestimmten reizenden Gestalten: Ceres und Bacchus und eins seiner berühmtesten Bilder: die Meeresidylle, die das originellste, koloristisch größte Meisterwerk der Schackschen Gallerie ist und den genialen Künstler nach seiner guten Seite ebenso treffend charakterisiert, wie umgekehrt nach seiner krassen, völlig unschönen, abschreckenden Seite die große Kreuzabnahme, die er in Florenz ausführte, wo er sich 1876 niederließ. 1878 malte er dort auf Bestellung für die Berliner Nationalgallerie die Insel der Seligen, die durch ihre rücksichtslose Verachtung der Form eine nicht geringere Entrüstung hervorrief als jene Kreuzabnahme; 1880 einen an seine Meeresidylle erinnernden Triton, der auf einem Felsblock im Meer in sein Muschelhorn stößt. B. ist jedenfalls einer der am meisten gepriesenen, aber auch am meisten getadelten Sensationsmaler, dessen bisheriges Leben ein Zickzack von Wanderungen war wie seine Kunstschöpfungen ein Hin- und Herschwanken zwischen genialer Meisterschaft und absichtlicher Vernichtung alles Schönen.