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Im letzten Beitrag zum Thema Hundezucht haben wir uns mit der Entstehung der Rassenhundezucht, der Zuchtpraxis und der Probleme, die bei der Zucht entstehen können, befasst. Nun stellen wir Ihnen drei verschiedene Zuchtprojekte vor, die alle zum Ziel haben, gesündere Hunde hervorzubringen.
Text: Anna Hitz
Auszuchtprogramm
Auszucht bedeutet, dass Hunde verpaart werden, die nachweislich über mindestens fünf Generationen keine gemeinsamen Vorfahren haben (siehe SHM 3/14). Auszuchtprogrammen wird heute mit grossem Misstrauen begegnet. Dabei war es bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts normal, Auskreuzungen zu machen und die rückgekreuzten Nachkommen aus diesen Würfen ab der dritten Generation wieder als reinrassig zu registrieren. Heute wird Auszucht von den kynologischen Verbänden kaum zugelassen, obwohl viele Rassen mit grossen gesundheitlichen Problemen kämpfen. Trotzdem oder deswegen wagen es immer wieder Züchter, neue Wege zu beschreiten, um die Gesundheit ihrer geliebten Rassehunde zu verbessern.
LUA-Dalmatiner
Der Dalmatiner hat eine Veranlagung zu einigen gravierenden Erbkrankheiten. So die einseitige oder zweiseitige Taubheit, die Dalmatiner-Leukodystrophie, die Hüftdysplasie und der generalisierten, erblichen Demodikose (Demodex canis). In unserem Fall interessieren wir uns speziell für das «Dalmatiner-Syndrom»: die sogenannte Hyperurikosurie (ein überhöhter Wert von Uricase). Diese Erkrankung wird autosomal-rezessiv weitervererbt und führt zur Bildung von Harnsteinen meist in der Blase, aber auch in den Nieren oder im Harnweg. Diese Harnsteine sind schwer wasserlöslich und neigen zur Kristallisierung. Um den Harnsteinen entgegenzuwirken, müssen die betroffenen Hunde immer eine speziell purinarme Diät zu sich nehmen. Denn alle auf der ganzen Welt getesteten Dalmatiner sind Träger des «Dalmatiner-Syndroms», doch nicht alle erkranken. Betroffen sind aufgrund der Anatomie meist Rüden, bei denen die Steine operativ entfernt werden müssen. Geschieht das nicht, kann die Krankheit einen tödlichen Verlauf nehmen, der mit grossen Schmerzen verbunden ist.
Dieses Problem ist schon lange bekannt, und 1973 wollte der amerikanische Genetiker und Dalmatinerzüchter Robert Schaible dieses Leiden beenden. Dazu deckte er eine seiner Dalmatiner-Hündinnen mit einem Pointerrüden, der, wie die meisten anderen Rassen, nicht an Hyperurikosurie litt. Für den Pointer entschied sich Schaible, da sie nahe mit den Dalmatinern verwandt sind.
Sieben Jahre und fünf Generationen von Rückkreuzungen später hatte Schaible Hunde gezüchtet, die genetisch betrachtet zu 99% Dalmatiner und zu 1% Pointer waren und einen normalen Uricasewert aufwiesen. Diese sogenannten LUA-Dalmatiner (Low Urinary Acid: niedriger Harnsäurespiegel) stellte er dem American Kennel Club (AKC) vor. Nach eingehender Begutachtung des Zuchtprojekts und der Hunde wurden diese im AKC registriert. Zusätzlich wurde ein Artikel in der Zeitschrift des AKC darüber veröffentlicht. Dieser Artikel führte zu einem Aufruhr unter den Züchtern, die darauf bestanden, dass keine weiteren Nachkommen von diesen Linien registriert werden durften. Dieser Protest verhinderte von 1981-2011 die Registrierung von weiteren LUA-Dalmatinern. Doch Schaible züchtete seine Hunde weiter, auch mit Hilfe von anderen Züchtern. 2005 wäre seine Zucht dennoch fast zusammengebrochen.
Lesen Sie den ganzen Artikel von Anna Hitz im Schweizer Hunde Magazin 4/2014.