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Blindenführhunde sieht man immer häufiger in der Stadt und auch auf dem Land. Sie gehen aufmerksam an der Seite eines blinden oder sehbehinderten Menschen und zeigen ihnen Treppen, Bordsteine und Strassen an. Ein solcher Hund braucht eine lange und klare Ausbildung, um in jeder Situation seinen Menschen sicher leiten zu können. Im heutigen Blog geht es darum, was die blinden Menschen selbst an diesen Hunden so sehr schätzen, wie diese Hunde ausgebildet werden und welche Hunderassen sich für diese Aufgabe am Besten eignen und warum. In der Schweiz gibt es mehrere Blindenführhundeschulen und Vereine, eine davon ist zum Beispiel die Ostschweizerische Blindenführhundeschule in Goldach oder der Unabhängige Blindenführhunde Verein in Engi. Alle diese Stiftungen und Vereine arbeiten, unterstützt von freiwilligen Helfern, Spenden und Sponsoren, an einer Verbesserung der Lebensqualität blinder Menschen. Ein Blindenhund gibt einem sehbehinderten Menschen die Möglichkeit, sich selbständig und unabhängig von anderen Menschen draussen zu bewegen und so seinen Alltag zu meistern.
Welche Hunderassen eignen sich für die Aufgabe als Blindenführhund?
Am beliebtesten und weltweit am meisten trainiert ist für diese Aufgabe eindeutig der Labrador Retriever. Es eignen sich aber auch einige andere Rassen für diese Zwecke, so gelten zum Beispiel der deutsche und der belgische Schäferhund, der Golden Retriever, der Grosspudel, der Flat Coated Retriever, der Curly Coated Retriever und der Airedale Terrier ebenfalls als gute und fähige Blindenführer.
Der Labrador Retriever - Der beliebteste unter den Führhunden
Der Labrador erfüllt das Idealbild eines Führendes, indem er eine sehr angenehme Grösse aufweist, leicht zu trainieren ist und ein sehr pflegeleichtes Fell besitzt. Dieser arbeitsfreudige Hund hat einen freundlichen und lieben Charakter und ist deshalb auch für weniger Hundebegeisterte Blinde eine gute Wahl. Der Labrador wird sehr schnell als Familienmitglied aufgenommen und erfreut durch seinen Gehorsam und den Willen seinem Menschen zu gefallen. Die einzige negative Eigenschaft, die die Ausbildung des Labradors erheblich erschwert ist seine Verfressenheit. So muss besonders auf das Gewicht dieser Rasse geachtet werden, da Labradore dazu neigen alles zu fressen und dadurch schnell zu zu nehmen. Gerade blinde Menschen haben nicht so eine starke Kontrolle, wenn sie den Hund einmal frei laufen lassen und deshalb ist es umso wichtiger diese Hunde korrekt zu erziehen.
Der Grosspudel - Der Allergikerfreundliche Führhund:
Da der Grosspudel keine Haare verliert, ist er besonders für Menschen mit einer Allergie gegen Hundehaare gut geeignet. Leider hat dieses Hundefell aber nicht nur Vorteile: Da die Hundehaare nicht von alleine ausfallen, muss regelmässig ein Hundefrisör aufgesucht werden, sofern der Blinde die aufwendige Pflege des Felles nicht selber durchführen kann. Diese Pflege ist ziemlich teuer und braucht Zeit, was nicht jeder sich leisten kann oder will. Der Grosspudel ist in der Körpergrösse ideal und sowohl ein lernwilliger als auch verspielter Hund. Im Vergleich zum Labrador stellt er etwas höhere Anforderungen an die Aktivität des Hundehalters.
Der Deutsche oder Belgische Schäferhund - Ein intelligenter Helfer:
Der Schäferhund gilt als der beste Hund in Punkten wie Intelligenz, Führigkeit und Arbeitsbereitschaft, weshalb er natürlich auch in diesem Bereich sehr gefragt ist. Vom Wesen her ist er sehr klug und treu. Da er sehr menschenbezogen ist, braucht er bei der Übergabe an seinen Menschen eine Zeit, bis sich die Vertrautheit der Beziehung festig, ist dies aber dann soweit, lässt der Schäferhund seinen blinden Menschen nie mehr im Stich. Der Schäferhund ist allerdings mit seinem langen Fell nicht der pflegeleichteste und durch seinen starken Charakter auch nichts für totale Hundeanfänger geeignet. Die belgischen Schäferhunde mit ihrem weissen Fell sind zudem noch pflegeintensiver, da man jeden Dreckspritzer auf dem Hundefell sofort sieht, was für den Sehbehinderten natürlich schwierig ist.
Der Airedale Terrier - Ein Führhund für Allergiker:
Der Airedale Terrier ist kein Blindenführhund für Anfänger. Er ist sehr mutig und unerschrocken, braucht aber eine sehr konsequente und klare Erziehung von Anfang an. Oft hat dieser Hund auch seinen eigenen Kopf und braucht deshalb einen erfahrenen Besitzer, der ihn auch dann noch im Griff hat. Dafür ist der Airedale Terrier sehr kinderfreundlich und belastbar und bringt seinen Führer überall hin wo er hin möchte. Sein Fell ist wie das des Grosspudels sehr gut für allergische Menschen geeignet, da es nicht haart, braucht aber intensive Pflege, die ein Blinder eventuell von einem Hundefrisör machen lassen muss.
Der Golden Retriever - Der gemütliche Führhund:
Der Golden Retriever ist ein sehr gutmütiger, intelligenter Hund, der vor allem durch seine gelassene, ruhige Art auffällt. Auch mit fremden Menschen und anderen Hunden verträgt sich der Goldie sehr gut. Diese Hunderasse wird sehr oft an ältere sehbehinderte oder blinde Personen abgegeben, weil er sehr anpassungsfähig und von Natur aus gemütlich ist. Das lange Fell des Golden Retrievers benötigt zwar ein bisschen Pflege, diese kann aber vom Besitzer selbst ausgeführt werden, da mehr als das Bürsten des Felles meistens nicht anfällt.
Der Flat Coated und der Curly Coated Retriever - Der Führhunf mit Temperament:
Dieser apportierfreudige Hund ist sehr lernwillig, aber auch temperamentvoll. Trotzdem besitzen diese beiden Hunderassen ein sehr sanftes Wesen und sind freundlich, brauchen aber ausreichend Beschäftigung, da sie ansonsten sehr übermütig werden können. Das Fell der beiden Retriever Rassen braucht nicht übermässig viel Pflege, weshalb es die meisten Blinden zuhause selber erledigen können.
Die Ausbildung eines Blindenführhundes:
Bereits bei einem Wurf Welpen wird schon aussortiert, ob ein Junghund später einmal die Aufgabe eines Blindenführhundes übernehmen kann oder nicht. Welpen die folgendes Verhalten zeigen, haben gute Chancen mal einen guten Führhund abzugeben: Die Welpen sollen im gewohnten Umfeld nicht schreckhaft sein, freudig die Kontaktaufnahme mit dem Menschen suchen und neugierig auch ungewohnte Umgebungen erkunden. Pro Wurf werden diese Welpen in die Ausbildung aufgenommen, die anderen Hundewelpen werden verkauft. Die Junghunde werden meistens in Patenfamilien ausgebildet, die mit dem Hund zu regelmässigen Treffen kommen, wo sie selbst lernen, was sie dem Hund alles beibringen müssen. Die wichtigsten Dinge, die einem Junghund gelernt werden sind das an der Leine laufen, auf den Namen hören, Treppen steigen, Einsteigen in Zug, Auto, Lift und so weiter. Im Alter von neun Monaten bekommt der junge Hund ein Ausbildungsgeschirr, von da an heisst es für ihn: Sobald er im Geschirr ist, wird gearbeitet, trägt er das Geschirr nicht, kann er einfach Hund sein. Mit zwei Jahren kommt der Junghund zu einem professionellen Ausbilder, der ihm in weiteren sechs Monaten die letzten Arbeitseinweisungen gibt. Die schwierigeren Aufgaben wie das Erkennen von Einstiegsmöglichkeiten in die öffentlichen Verkehrsmittel, das selbständige Erkennen von Strassenübergängen und das Umgehen von Hinternissen im Bewegungsfeld des Blinden werden jetzt erst beigebracht und zum Schluss an einer Prüfung getestet. Der Hund wird von einem qualifizierten Führhundeprüfer, welcher selbst blind ist, getestet. Hat der Hund die Prüfung bestanden, zieht er zu seinem neuen Besitzer, einem sehbehinderten oder blinden Menschen, den er bis zu seiner Pensionierung begleiten wird.
Was bedeutet ein Blindenführhund für seinen blinden Besitzer?
Blinde Menschen und Menschen mit einer Sehbehinderung merken schnell, dass der Alltag ohne Hilfsmittel sehr anstrengend zu bewältigen ist. Der Hund als lebendiger Helfer, ist unbestritten die beste Hilfe um diesen Menschen eine selbständigere, schnellere Fortbewegung zu ermöglichen und fördert die unfallfreie Mobilität. Weitere positive Punkte sind die grössere körperliche Betätigung der Menschen, die ansonsten aus Unsicherheit oft nicht gerne vor die Haustür gehen. Auch die Kontaktaufnahme mit Mitmenschen, die für blinde Personen oft nicht einfach ist, wird durch den Hund erleichtert. So ist der Hund oft Grund für einen Einstieg ins Gespräch und sorgt oft für spannenden Gesprächsstoff. Auch sozial gibt der Hund natürlich nicht nur uns sehr viel sondern auch den blinden Menschen, die sich vielleicht noch öfter als wir alleine fühlen und froh sind dann den vierbeinigen Freund um sich zu haben.
Ich hoffe dieser Blog hat Dich gut über die Arbeit der Blindenführhunde informiert und die wichtigsten Punkte der Ausbildung angesprochen. Ich lege Dir nahe solche Vereine zu unterstützen, damit diese schöne Methode der Hilfestellung auch weiterhin bestehen bleibt. Leider ist es immer noch ein grosses Verlustgeschäft für die Vereine, die nach wie vor mehr Ausgaben zu verzeichnen haben, als dass die davon auch leben könnten. Natürlich muss es nicht immer Geld sein, womit man hilft! Auch Patenfamilien, die die Junghunde bis zu ihrem zweiten Lebensjahr aufziehen und mit ihnen diese Ausbildung beginnen sind gesucht! Wenn Du also interessiert bist, einen Junghund auf seiner Ausbildung zum Blindenführhund zu begleiten, melde dich bei einem Verein oder einer Stiftung in Deiner Nähe :).