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Brücke zwischen Ost und West: Shiatsu-Meister Wataru Ohashi
Wataru Ohashi ist einer der berühmten japanischen Meister, die Shiatsu in der ganzen Welt verbreitet und das moderne Shiatsu massgeblich beeinflusst haben. In diesem Zusammenhang ist er eine wichtige Persönlichkeit in der Geschichte des Shiatsu, weshalb wir hier ein Interview mit ihm veröffentlichen.
1944 in Japan geboren, wanderte er 1970 in die USA aus, wo er das Ohashi Institute gründete. Herr Ohashi unterrichtet Shiatsu-TherapeutInnen rund um die Welt und kommt diesen Frühling auch in die Schweiz.
Herr Ohashi, Sie praktizieren Shiatsu nun schon seit über 50 Jahren. Führen Sie immer noch regelmässig Behandlungen durch? Wie viele ungefähr pro Woche?
Ja, natürlich gebe ich immer noch Behandlungen, wann immer ich verfügbar bin. Ich liebe immer noch, was ich tue. Allerdings lebe ich jetzt in einem kleinen Dorf und habe keinen Raum mehr, wo ich Behandlungen geben kann. Manchmal besuche ich meine KlientInnen persönlich zu Hause. Das bedeutet, dass ich nicht regelmässig Sitzungen abhalte und manche Leute lange warten müssen.
Warum werden Sie nicht müde davon?
Ich habe meine eigene Methode, Ohashiatsu®, entwickelt, um nicht müde zu werden, um meinen Körper nicht zu verletzen. Ich bin 1,59 Meter gross, der «durchschnittliche» Amerikaner ist etwa 1,80 Meter gross und wiegt . Ich musste einen Stil entwickeln, der meinen Körper schont, und ich suche mir meine KlientInnen aus. Mit anderen Worten, ich behandle niemanden, den ich nicht mag. Das bedeutet, dass ich Spass an dem habe, was ich tue; das ist der Grund, warum ich nie müde werde.
Hatten Sie «typische» KlientInnen in Ihrer Anfangszeit?
Ich hatte mich anfangs nur auf Probleme im unteren Rückenbereich spezialisiert – vor allem bei TänzerInnen. Um mich auf die Behandlungen vorzubereiten, habe ich mir ihre Auftritte angesehen, Dann begann ich sie bei den Proben zu beobachten und dann nahm ich selbst klassischen Ballettunterricht, um noch besser zu verstehen was mit ihren Körpern passiert.
Seither hat sich meine Technik stark verändert, weil sich auch meine KlientInnen verändert haben. Heutzutage sind die Beschwerden komplexer geworden, vor allem im psychologischen Bereich. Ich bin glücklich, dass ich östliche Medizin und Diagnostik studiert habe, das Meridiansystem und die Fünf Elemente, Ki und die Yin-Yang-Theorie. Insbesondere in der heutigen Zeit finde ich den Einbezug der Sichtweise der östlichen Medizin wichtig
Behandeln Sie Krankheiten, oder arbeiten Sie eher mit den gesunden Aspekten?
Natürlich behandle ich Krankheiten, vor allem bei Menschen, die mir nicht glauben. Zum Beispiel bei Problemen im unteren Rücken: Nachdem die Betroffenen zu einem Arzt, einem Physiotherapeuten, Heilpraktiker usw. gegangen sind, ist es nicht besser geworden und sie haben das Gefühl, dass sie noch etwas mehr brauchen. Als ihre letzte Hoffnung kommen sie vielleicht ins Shiatsu. Ich muss auf jeden Fall eine grossartige Behandlung durchführen, um ihre Schmerzen zu lindern, wenn auch nur vorübergehend. Nur wenn ich meine Fähigkeit, die Schmerzen zu lindern, unter Beweis stellen kann, werden sie mir glauben und vertrauen. In diesem Fall bitte ich sie, regelmässig wiederzukommen, um ihre Rückenprobleme in Zukunft zu vermeiden und ihre Gesundheit zu verbessern.
Kultureller Hintergrund
Inwieweit sollten Shiatsu-TherapeutInnen den kulturellen Hintergrund von Shiatsu verstehen, um gute Praktizierende zu sein? Was ist mit den KlientInnen, müssen sie etwas von diesem Hintergrund verstehen?
TherapeutInnen können gute Shiatsu-Behandlungen ohne östlichen kulturellen Hintergrund geben, denn Shiatsu ist «Körperarbeit». Auch die Empfangenden brauchen keinen kulturellen Hintergrund von Shiatsu. Wenn jedoch der Hintergrund des Shiatsus verstanden wird, wird die Praxis bereichert und ein breiteres Spektrum an KlientInnen wird sich einfinden. Wenn die Empfangenden mit dem kulturellen Hintergrund von Shiatsu oder der östlichen Medizin vertraut sind, verstehen sie vielleicht besser, was angeboten wird. auf beiden Seiten führt zu mehr Vertrauen und Respekt.
Selbstfürsorge
Wie beziehen Sie Ihre KlientInnen in ihren Heilungsprozess mit ein?
Sie fragen mich, ob ich in den Heilungsprozess eines Klienten eingebunden bin. Dies ist eine schwer zu beantwortende Frage. Meine Therapie, meine Arbeit ist sehr subjektiv. Ich führe eine Behandlung mit einem Ziel durch − ich möchte der Person helfen, ihre Schmerzen lindern, und sie verdient meine beste Behandlung. Am Ende kann ich die Person vielleicht nicht heilen, aber sie kommt wieder, weil sie meine Fürsorge spürt. Ich denke, ich lege meinen Schwerpunkt eher auf «Pflege» als auf «Heilung». Mit anderen Worten: Ich habe mich für eine «gesellschaftliche» Welt (Heilung) entschieden, bin aber in einer «gemeinschaftlichen» Beziehung (Pflege).
Gesunde Ernährung, guter Schlaf, nährende Beziehungen, Bewegung, Selbstfürsorge… Wenn wir wählen müssten, welchem Faktor sollten wir am meisten Aufmerksamkeit schenken und warum?
Keinem dieser Faktoren. Wenn ich meine Behandlung durchführe, achte ich am meisten auf die «Hingabe» der KlientInnen für ihr Leben. Wenn eine Person keine Hingabe hat, dann führt auch die Anwendung anderer Gesundheits-Methoden zu keinen guten Ergebnissen. Ich versuche vor allem diese Hingabe zu spüren und ob die Person in die Zukunft blickt. Egal, wie gut die Behandlung ist, die man gibt, es hilft nichts, wenn die Person keine Begeisterung für ihr Leben hat.
Welche Empfehlungen geben Sie Ihren KlientInnen am häufigsten?
KlientInnen brauchen verschiedene Modalitäten – Shiatsu, Bewegung, Ernährung, Meditation, etc. Ich muss die richtige Empfehlung zum richtigen Zeitpunkt wählen.
Therapierende müssen sich daran erinnern, sondern das, was der Empfangende empfangen möchte, und dafür muss man ein Gespür entwickeln. Sie müssen fortwährend lernen, sich mehr Techniken anzueignen und jahrelang zu praktizieren. In vielen Jahren Praxiserfahrung, können TherapeutInnen diese Art von Sensibilität entwickeln.
Interview: Andrea Pfisterer
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