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Die aus einem Stück Aluminium gepresste Sigg-Flasche wurde in den 1920er-Jahren als Bettflasche entwickelt, gesellte sich mit dem neuen Tragverschluss zu den Campingartikeln und wurde ab 1980 als Trinkflasche für Sportler verkauft. Ein Beispiel dafür, wie eine konstante Form über 100 Jahre unterschiedlich genutzt werden kann.
1908 in Biel vom Metalldrücker Ferdinand Sigg gegründet, produzierte die Firma Sigg einfache Haushaltsgeräte, ab 1917 am neuen Standort in Frauenfeld auch Feldgeschirr fürs Militär. Für die Entwicklung neuer Produkte war ein sogenannter Mustermacher verantwortlich, bis die Firma 1965 den an der Kunstgewerbeschule Zürich ausgebildeten Johann Munz (geb. 1939) als Designer verpflichtete. Er vereinheitlichte das Sortiment, das in den 1950er-Jahren auf über 10.000 Artikel angewachsen war, und verfolgte eine klare Linie. Als langlebigstes Produkt erwies sich die Sigg-Bettflasche. Ihre einfache, fliessgepresste Form konnte aus einem Stück gefertigt werden – ein Vorteil gegenüber Eisen- und Kupferbettpfannen mit korrosionsanfälligen Schweissnähten. Unifarben lackiert, glatt oder gerippt behauptete sie sich auch nach dem Aufkommen von Kunststoff-Bettflaschen. 1968 entwarf Munz einen neuen Kunststoff-Drehverschluss, der an den Deckelgriff der Sigg-Bratpfanne aus dieser Zeit erinnert. Möglicherweise verleitete das praktische Tragloch dazu, die Bettflasche auch als Trinkflasche zu benutzen. Für den Export wurde sie zuerst als Campingflasche verkauft, ab 1980 als einfarbige Trinkflasche für Bergsteiger und Sportler. 1989 bis 1994 entwickelte der an der Schule für Gestaltung Basel ausgebildete Kurt Zimmerli (geb. 1946) die Trinkflaschen der Firma Sigg weiter. Diversifiziert in unterschiedliche Volumina, mit Sportverschluss und vielfältigem Dekor mauserte sich die Bettflasche in den 1990er-Jahren zum international bekannten Accessoire. (Renate Menzi)