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Chicago Blues pur
Der 73 jährige Magic Slim gehört zu den letzten Vertretern der Chicago Shuffle-Kings der alten Schule. Er stammt aus der Generation von Bluesmusikern, die im Delta geboren und aufgewachsen sind, bevor sie nach Chicago zogen um dort Karriere zu machen und er gilt bis heute als einer der besten Vertreter des Westside Chicago Blues. Seine Diskographie ist beträchtlich, obwohl er ja erst Mitte der siebziger Jahre erste Alben einspielte. Der Preisträger von 6 Handy Awards tourt noch bis im Mai durch Europa und spielte am zweiten Abend am Bluesfestival 2010 in Basel vor praktisch ausverkauftem Haus. Vertreter seiner Generation können genauso gut überraschen, wie enttäuschen, wenn sie nicht mehr auf der Höhe ihrer Form sind. Man konnte also gespannt sein.
Ursprünglich Pianospieler, verlor er in einer Egreniermaschine (Cotton Gin), die in der Baumwollernte verwendet wird, einen kleinen Finger und wechselte zur Gitarre. So richtig los ging seine Karriere beim zweiten Anlauf in Chicago ab 1965 mit seinen Brüdern Nick und Lee «Baby» unter dem Namen Teardrops. Während 13 Jahren war John Primer Mitglied der Band. Am Festival trat er mit seinem inzwischen langjährigen Gitarristen und Sänger: John McDonald auf, dazu André Howard (Bass) und Brian Jones (Schlagzeug).
Die Band spielte zunächst 3 Songs ohne den Meister, wobei John McDonald demonstrierte, dass auch er selbst in die Riege der grossen Vertreter des Chicago Blues gehört. André Howard, der auch mit eigener Band unterwegs ist, spielt soliden Bass und Brian Jones gehört zu den Drummern, die auch singen können. Nach Junior Wells‘ Come on in This House schliesslich kam Magic Slim auf die Bühne, ein mächtiger Mann mit einem mächtigen Stetson und mächtigem Gitarrenspiel, von «Slim» keine Spur, dafür aber umso mehr «magic», denn er brachte die Magie des Blues auf die Bühne des Volkshauses, übrigens sein erster Auftritt in Basel. Aber worin liegt diese Magie? Blues hat viel mit Gefühl zu tun und er kann glaubhaft Gefühl ausdrücken, sowohl mit der Gitarre, als auch mit der Stimme. Dazu versteht er es, das ursprüngliche des erdigen Delta Blues mit dem Chicago Stil zu verweben, womit eine eigenartige Stimmung erzeugt. In der Summe entsteht beim Zuhören ein wohliges Gefühl und man fühlt sich ein bisschen verzaubert – magisch eben!
Dabei spielt er seine Les Paul unspektakulär. Er spielte die ganze Zeit sitzend, das hat natürlich mit seinem Alter zu tun. Keine komplizierten Licks, sparsam und eher zurückhaltend. Dafür sind die Klänge, die er seinem Instrument entlockt umso eindrücklicher. Mal roh und schneidend, mal zärtlich, mal glockenklar oder schmutzig. Das alles ohne technische Hilfsmittel. Blues pur.
Die Band überzeugt in den langsamen Nummern genauso, wie in den treibenden, kraftvollen Titeln. Magic Slims mal schneidende, mal klagende, immer noch aber kraftvolle Stimme geht unter die Haut.
Im letzten Drittel des Auftritts taute er vollends auf. Die Magie erfasste das Publikum, überall wurde getanzt. Blues ist eben auch Unterhaltung und schliesslich stand der Saal zu The Blues is Alright auf und begleitete die Band mit Händen und Füssen, wollte Magic Slim nicht gehen lassen und sang den Refrain solange, bis zur Zugabe. Den Abschluss bildete – wie passend – Sweet Home Chicago.
Alles in allem ein grossartiger Abend für alle Freunde dieser speziellen Form des Chicago Blues, die im Grunde genommen nur von Musikern mit dieser Biographie eines Magic Slim dargeboten werden kann. Leider gibt es davon jedes Jahr weniger. . .
Das Konzert wurde von Tele Basel aufgezeichnet. Wer keine Gelegenheit hatte, Magic Slim live zu erleben, kann es sich also im TV ansehen. Sendetermine sind:
Samstag, 27.3.2010 20.00h
Sonntag, 28.3.2010 10.00h und 14.00h