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So lebten, feierten und arbeiteten sie immer weiter, bis eines Tages ein buntgekleideter Narr kam. Groß und nicht sehr schlank, trug er schreiend bunte, enganliegende Hosen und darüber einen weiten, schwarzen Kittel. Sein Gesicht hatte er mit einer Narrenkappe zu verstecken versucht, doch man sah, dass er große, braune Augen und eine zarte Haut hatte.
Er war einfach mit einem großen Wanderstab hereingesprungen, über den er ständig hin und her hüpfte. Lachend näherte er sich den beiden Thronen und verbeugte sich tief vor der Gräfin. Dabei zog er seine Narrenkappe ab und streckte seine rechte Hand mit der Kappe weit von sich, so dass sein volles, lockiges, dunkelbraunes Haar zu sehen war.
Den Narr befragt, was denn sein Begehr sei, meinte dieser nur, er habe von diesem Zauberschloss gehört und sei gekommen, um sie alle zu unterhalten mit mancherlei Possen und Späßen. Er hatte sich in der Zwischenzeit wieder aufgerichtet und blickte den beiden Herrschaften jeweils tief in die Augen. Diese nahmen das Anerbieten mit Dankbarkeit an. Und weil in wenigen Tagen wieder einmal Vollmond war, kündigten die Zinnen, die eigentlich Marshallboxen waren, überall in der Grafschaft die Neuigkeit an.
Diesmal war das Hoffest noch besser besucht, als der Narr zu später Stunde auftrat. Er sang eine possierliche Arie mit komischer, hoher Stimme, äffte den König des benachbarten Menschenlandes perfekt nach, erzählte Reime und Witze und sorgte mit allerlei kuriosen Sprüngen und Tänzchen für große Heiterkeit. Kaum war der Mond aufgegangen, verschwand der Narr aber und blieb unauffindbar.
Am nächsten Tag darüber befragt, gab er keine Auskunft, war aber trotzdem freundlich und charmant. Er durfte bei freier Kost und Logis am Hofe bleiben, solange er wollte. Und er wollte.
Über ihn selbst jedoch erfuhr niemand etwas, da er seine Kleidung sowie seine Kammer stets persönlich pflegte. Alle schätzten seinen schrägen Humor, Geist, seine Bildung und Freundlichkeit.
Die Gräfin war sich sicher, dass er ein tiefes Geheimnis barg, und sie glaubte, in seinen braunen Augen, weit hinter seinen Gaukeleien, etwas zu sehen, weiter kam sie jedoch nicht. Noch nicht einmal ihr schwarzes Bakelittelefon, das sonst immer alles wußte, konnte einen Rat geben.
Nur der ungewöhnlich klare, zart türkisfarbene Aquamarin, den er als Ring an der rechten Hand trug, fiel allen auf. So freuten sie sich über seine Anwesenheit und genossen die Unterhaltung. Eines Tages war erneut Vollmond angekündigt. Diesmal sollte er, nach Vorhersage des Hofastrologen besonders groß und beinahe golden, direkt über dem Schloss aufgehen. Die Gräfin nahm sich vor, den Narr zu locken und davon abzuhalten, gleich nach dem Mondaufgang wieder zu verschwinden.
Lesen Sie hier nächste Woche den 3. und letzten Teil von „Der seltsame Hofnarr“