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| Cyprian von Karthago († 258) - Leben des Cäcilius Cyprianus von Diakon Pontius (Vita Caecilii Cypriani)

18. Der Vollzug der Hinrichtung.
Und als er nun durch die Türen des Prätoriums herauskam, war er von einer ganzen Schar von Soldaten begleitet; und damit ja nichts bei seinem Leiden fehle, schritten auch Hauptleute und Tribunen als Bedeckung ihm zur Seite. Der Platz, wo er den Märtyrertod erleiden sollte, ist ganz eben1 und auf allen Seiten von Bäumen dicht umgeben, so daß er einen herrlichen Schauplatz bietet. Weil man aber bei der weiten Ausdehnung des großen Platzes nicht gut sehen konnte oder weil sich eine gar zu gewaltige Menge angesammelt hatte, waren einige Freunde von ihm auf die Äste der Bäume geklettert, damit auch ihm die Auszeichnung zuteil werde, daß man, wie Zachäus2, von den Bäumen herab auf ihn sah. Schon aber hatte er sich mit eigener Hand die Augen verbunden und versuchte den noch zögernden Henker, der das Richtschwert zu führen hatte, zu größerer Eile anzutreiben. Mit der Rechten faßte er das Schwert und fuhr mit kaum zitternden Fingern daran entlang3, bis die Stunde seiner [S. 31] Verherrlichung gekommen war und bis er (durch seine Berührung) den Arm des Hauptmanns mit der von oben verstatteten Kraft stärkte und ihm endlich die Macht verlieh, dem unvergleichlichen Manne den Tod zu geben. Selig das Volk der Kirche, das mit solchen Blicken und Gefühlen und, was noch mehr ist, ganz offen mit lauter Stimme4 das Leiden seines Bischofs teilte und, wie es stets (in der Predigt) aus seinem eigenen Munde gehört hatte, von Gott dem Richter gleichfalls gekrönt wurde! Denn wenn auch unmöglich, wie es der allgemeine Wunsch gewesen wäre, das ganze Volk zusammen wirklich den Märtyrertod erleiden und den gleichen Ruhm erringen konnte, so hatte jetzt doch jeder, der unter den prüfenden Augen Christi und vor den Ohren des Priesters aufrichtig mitzuleiden wünschte, für seinen Wunsch einen geeigneten Zeugen, den er gewissermaßen als seinen Stellvertreter mit seiner Willensmeinung zu Gott sandte.
1: So nach der Lesart 'aequalis' (statt 'convallis').
2: Vgl. Luk. 19, 2.
3: Die Darstellung erinnert hier an eine Stelle in den Akten [S. 31] der heiligen Perpetua und Felicitas (Kap. 21): „Perpetua führte die unsichere Hand des noch unerfahrenen Gladiators an ihre Kehle.“
4: Durch den Ruf: „Auch wir wollen mit ihm enthauptet werden!“ (Vgl. die Akten!)