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Unser blauer Planet ist einzigartig. Seine Oberfläche besteht zu 70% aus Wasser, so wie unser Körper. Es erstaunt nicht, dass wir Menschen heute immer stärker mit Giften belastet sind – denn genauso steht es um unsere ganze Erde. Das Wasser wird nicht nur immer mehr verschmutzt, sondern zu einer immer knapperen Ressource. Im 20. Jahrhundert wurden Kriege um Erdöl geführt. Im 21. Jahrhundert könnten uns Kriege ums Wasser drohen; ja in vielen Ländern ist die Krise längst da (1).
Zu großer Fußabdruck
Der ökologische Fußabdruck eines Menschen gibt Auskunft darüber, wie viel Land- und Wasserfläche eine Person benötigt um ihren Bedarf an Ressourcen zu decken und ihre Abfälle zu neutralisieren. Zurzeit ist der ökologische Fußabdruck der Menschheit so groß, dass wir flächenmäßig 1,5 Erden benötigen. Wenn alle so leben würden wie die USA und die Vereinigten Arabischen Emirate bräuchten wir gar 4,6 Planeten; und auch der Ressourcenverbrauch der Schweiz liegt mit 2,4 Planeten viel zu hoch (2).
Der Wasser-Fußabdruck ist ein Mass für die Wassernutzung und lässt sich für einzelne Personen, Unternehmen, Städte und Länder berechnen. Er deckt die direkte Wassernutzung (beispielweise zum Trinken und Waschen) sowie die indirekte Nutzung ab (Wasser, das für die Erzeugung von Waren und Dienstleistungen erforderlich ist). Diese indirekte Wassernutzung wird mit dem Begriff «virtuelles» Wasser umschrieben. Blaues Wasser ist der Flächen- und Grundwasserverbrauch als Resultat der Produktion; Grünes Wasser bezieht sich auf das konsumierte Regenwasser. Graues Wasser ist das Wasser, das nötig ist um die durch die Produktion gemachte Verschmutzung, in der Landwirtschaft zum Beispiel durch Dünger, wieder in die Standardwerte zu bringen.
Der gesamte Wasser-Fußabdruck der Schweiz beläuft sich auf 11’000 Mio m3 pro Jahr. Ein beeindruckender Anteil von 82 Prozent des Wasserverbrauchs entfällt auf Wasserressourcen ausserhalb der Landesgrenzen – durch den Import von virtuellem Wasser in Konsumgütern und Dienstleistungen. Dies steht in krassem Gegensatz zu der Bezeichnung der Schweiz als «Wasserschloss» Europas (3).
Müllkippe
Die oben dargestellte Wassernutzung verbraucht nur einen Teil des Wassers, der Rest wird mehr oder weniger verschmutzt wieder in den Wasserkreislauf zurückgeleitet. Wasser diente immer schon auch dazu, Abfälle wegzuspülen. Solange die Zahl der Menschen gering und die eingebrachten Stoffe biologisch abbaubar waren, war dies auch kein Problem; mit steigender Bevölkerung und der Industriellen Revolution änderte sich das jedoch. Heute gehören zu den größten Wasserverschmutzern immer noch die Städte; wir in der westlichen Welt können das kaum glauben, aber weltweit verfügt die Hälfte der Stadtbevölkerung über keine Abwasserreinigung. Auch hierzulande ist das Grund- und Trinkwasser „angereichert“ mit einer bunten Mischung aus dem Medikamentenschränkchen: Synthetische Hormone der Anti-Baby-Pille, Blutfettsenker, Schmerzmittel, Antirheumatika, diverse Analgetika und Röntgenkontrastmittel. Der im Wasser vorhandene Mix aus Hormonrückständen hat bereits dazu geführt, dass die Fische in den Seen und Flüssen immer mehr verweiblichen. Sogar in den abgelegensten Hochgebirgsseen sind sie einer dauerhaften Belastung an Umweltchemikalien (Endokrindisruptoren) ausgesetzt – welche übrigens genauso auf den Menschen wirken, dessen Hormonsystem dem der Fische sehr ähnlich ist.
In Entwicklungs- und Schwellenländern ist auch die industrielle Wasserverschmutzung dank älterer Technologie und mangels Abwasserreinigung noch weit schwerer: In China sind 80 Prozent der großen Flüsse so belastet, dass darin keine Fische mehr leben; an den Ufern liegen “Krebsdörfer” – so genannt, weil hier viele Menschen vorzeitig sterben. In Afrika und Indien ist die Situation kaum besser; nicht nur der heilige Ganges ist eine offene Kloake.
Kunstdünger aus der Industriellen Landwirtschaft fließt in großen Mengen von den Feldern und Weiden in die Gewässer, zusätzlich zu den riesigen Mengen konzentrierer tierischer Dünger: 600 Rinder erzeugen eine organische Belastung des Abwassers wie 1000 Menschen, ihr Abwasser wird jedoch in der Regel nicht durch eine Kläranlage gereinigt. Die Kuhdichte sollte eigentlich um einiges geringer sein als die Menschendichte, dann wäre auch das Abwasser kein Problem, weil der Dünger vom Boden direkt aufgenommen werden könnte – mehr als 1-2 Kühe pro Hektar tun der Umwelt nicht gut. Seit über dreißig Jahren müssen die so idyllischen Innerschweizer Seen wegen der hohen Dichte von Schweinezuchten in der Gegend für teures Geld künstlich beatmet werden, sonst würden darin schon längst keine Fische mehr leben. Ein weiterer Aspekt der Wasserverschmutzung durch die Landwirtschaft sind Pestizide: Weltweit werden etwa 10’000 verschiedene verwendet.
All das fließt natürlich weiter bis in die Ozeane, welche auch noch mit Erdöl und Schwermetallen belastet sind. Besonders kritisch ist Quecksilber, das zu großem Teil aus den Emissionen von Kohlekraftwerken stammt – und dessen Gehalt mit dem Kohleboom vor allem in Asien wieder ansteigt. Raubfische am Ende der Nahrungskette wie Schwert- und Thunfische sind stark betroffen; in den USA stammen 40 Prozent des Quecksilbergehalts im menschlichen Körper aus Thunfisch. Dort rät die Lebensmittelbehörde Schwangeren und Frauen im gebärfähigen Alter mittlerweile, den Verzehr von fettem Fisch einzuschränken (4).
Das werden wir aber sowieso alle müssen, denn im Jahr 2050 könnte es mehr Plastik als Fisch in den Weltmeeren geben. In einigen Meeresregionen sammelt sich der Müll in gewaltigen Strudeln, so groß wie Mitteleuropa, und tötet die Meeresbewohner: Sie ersticken oder verhungern, da Plastik ihre Mägen verstopft. Weltweit sterben jährlich eine Million Vögel und 100’000 Meeressäuger daran. Sogar in Muscheln, die Planktonfiltrierer sind, konnte man schon kleine Plastikteilchen nachweisen. An manchen Stellen befindet sich heute sechsmal mehr Plastik als Plankton im Meerwasser und auch das Plankton selbst reichert feinste Plastikteilchen in sich an. Eine Plastikflasche braucht etwa 400 Jahre, um abgebaut zu werden. Überall ist Plastik, in den Muscheln, im Bio-Bienenhonig (5), ja jeder Mensch hat heute bereits Plastik im Blut (6, 7).
Immer knappere Ressource
Drei Viertel des weltweiten Wasserverbrauches geht in die Industrielle Landwirtschaft. Für ein Kilogramm Fleisch werden 15‘500 Liter Wasser verbraucht – die Menge, mit der man ein Jahr lang täglich duschen kann. Doch auch viele pflanzliche Produkte – wie Baumwolle, Reis, Zuckerrohr oder Weizen – benötigen im Anbau besonders viel Wasser. Beispielsweise sind bis zu 11’000 Liter Wasser nötig, um ein Kilogramm Baumwolle anzubauen. Weniger als die Hälfte dieser Wassermenge wird tatsächlich von den Pflanzen aufgenommen, der Rest verdunstet oder versickert aus undichten Kanälen. Die Wahl der Feldfrüchte wird eher von ökonomischen Überlegungen und nicht aufgrund klimatischer Bedingungen getroffen. Die Folge sind hohe, aber vermeidbare Wasserverluste. Leere Stauseen und ausgetrocknete Flächen sind nicht nur die Auswirkungen des Klimawandels, sondern auch ganz stark auf menschliches Verhalten zurückzuführen. Niedrige Wasserpreise sowie EU-Subventionen für wasserintensive Früchte wie Mais oder Zuckerrüben fördern eine Landwirtschaft, die auf Kosten der Natur geht (8). Wasser wird inzwischen sogar schon als Kriegswerkzeug missbraucht: Im Irak und in Syrien kontrollieren die Dschihadisten strategisch wichtige Staudämme – und besitzen damit eine mächtige Waffe (9).
Kein Menschenrecht?
Wasser ist zu einem Handelsgut verkommen, mit dem sich viel Geld verdienen lässt. Multinationale Konzerne wie Nestlé, Danone oder Coca Cola besitzen viele der besten Trinkwasserquellen der Welt und erwirtschaften damit täglich ein Vermögen auf Kosten der lokalen Landwirtschaft und Bevölkerung, der der freie Zugang zu diesem Wasser genommen wird. Nestlé-Verwaltungsratschef Peter Brabeck macht kein Geheimnis daraus, dass Wasser in seinen Augen kein öffentliches Gut sein sollte, sondern auch einen Marktwert wie jedes andere Lebensmittel benötige. 20 Liter Wasser brauche ein Mensch, den Rest (alles was er mehr verbraucht) solle er kaufen. Für ihn bestünde die Gefahr der gedankenlosen Wasserverschwendung, wenn es keinen ökonomischen Wert hätte. Kritiker sehen in dieser Argumentation einen Widerspruch zu dem Grundrecht der Menschen auf sauberes Trinkwasser. Nach Schätzungen des UN-Entwicklungsprogramms besitzen weltweit über 1 Milliarde Menschen diesen Zugang nicht. Die UN wollte diese Zahl bis 2015 halbieren. Dieses Ziel wiurde nicht erreicht; das Recht auf Wasser wird nur als „Menschenrecht der 3. Generation“ betrachtet, u. a. weil zahlreiche globale Konzerne auf eine verstärkte Privatisierung im Wasserbereich drängen. Dies und der Siegeszug des Flaschenwassers führen dazu, dass Wasser für die Armen immer unerschwinglicher wird (10).
Grün ist die Hoffnung
Gibt es noch Hoffnung für unseren blauen Planeten? Es gibt auf jeden Fall Menschen mit innovativen Ideen. Der 19-jährige Erfinder Boyan Slat aus Holland hat eine Methode entwickelt, um auf einfache Art mit riesigen schwimmenden Filtern das Plastik aus dem Meer zu filtern (11). Und die Pflanzenanlagen des Professors für Ökologische Wirkungsforschung und Ökotoxologie Stephan Pflugmacher können Seen, Teiche und Flüsse, aber auch Regenwasser reinigen: Wasserpflanzen wie Hornkraut, Tausendblatt und Wasserpest filtern Schwermetalle, verschiedene chemische Verbindungen, Pharmazeutika und einige Pestizide heraus. Das, was in den Wasserpflanzen stattfindet, ähnelt der menschlichen Entgiftung – quasi eine „grüne Leber“ (12). Sie soll in China den Chaosee, den fünftgrößten See des Landes aus einer hochtoxischen Blaualgenbrühe wieder in ein natürliches Gewässer verwandeln (13) und auch in Bolivien, Argentinien und Brasilien werden Seen und Regenwasser entgiftet. Für den Taihu, den drittgrößten See in China, existiert ein ähnliches Säuberungsprojekt. Das International Water Management Institute forscht zur nachhaltigen Wasserversorgung der Landwirtschaft (14) und das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik erprobt in der vietnamesischen Stadt Da Nang eine Abwasserbeseitigung der Zukunft mit wassersparenden Vakuumtoiletten (wie im Flugzeug), Vakuumkanalisation und modernen Kläranlagen die neben sauberem Wasser Dünger und Biogas produzieren, mit dem der Energiebedarf gedeckt wird (15).
Wir können alleine nicht die ganze Welt retten – aber wir haben es in der Hand, täglich neue Entscheidungen zu treffen, zum Beispiel in dem, was wir konsumieren.