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Charles Aznavour lebte ab 1972 in der Schweiz, eine Entscheidung, die nicht nur durch die anhaltende Aufmerksamkeit der französischen Steuerbehörden begründet war. "Die Schweiz ist ein Zufluchtsort", sagte der Chansonnier, dessen Eltern vor einem Jahrhundert vor dem Völkermord an den Armeniern geflohen waren, 2011 gegenüber swissinfo.ch.
"Die Schweiz ist ein Zufluchtsort. Alles ist viel leiser, bescheidener, selbst rote Lichter brauchen viel Zeit, um grün zu werden und umgekehrt! Es ist ein Land, das ich sehr respektiere und liebe. Ich habe meine Kinder einbürgern lassen", antwortete Charles Aznavour 2011 auf die Fragen von Bernard Léchot, damals Journalist bei swissinfo.ch.
Der Künstler der Worte und Melodien fügte hinzu: "Aber ich wollte mich aus Gründen der Treue nicht selbst einbürgern lassen. Frankreich gab meinen Eltern die Möglichkeit, ein normales Leben zu führen und die Kinder grosszuziehen. Das konnte ich nicht verraten. Ich hatte Frankreich wütend verlassen. Das Land hatte mich sehr verletzt. Ich war Opfer einer Lynchjustiz."
1972 zog Aznavour mit seiner Familie in die Schweiz, zuerst ins Wallis. Der "Aznavour-Block", wie er in der Tribüne de Genève sagte, zog dann in den Kanton Genf an den Genfersee. 2012 liess er sich in Saint-Sulpice im Kanton Waadt nieder, ebenfalls am Genfersee.
Botschafter Armeniens in der Schweiz
Im vergangenen April hatte er seinen letzten öffentlichen Auftritt in der Schweiz.
In Genf nahm Aznavour – Botschafter in der Schweiz und bei der UNO – an der Einweihung der "Lichter der Erinnerung" (Réverbères de la mémoire) teil, einer Gedenkstätte für die vor einem Jahrhundert in der Türkei massakrierten Armenier und die vielen Schweizer, die sich für diese engagierten.
"Ich fand es wunderbar. Eher schweizerisch als armenisch, obwohl es von einem jungen Armenier konzipiert wurde. Es ist kein Kriegsdenkmal, es ist ein wunderbarer Ort: Es sieht aus wie eine Rambla, wo man eine zukünftige Braut treffen würde…", sagte er 2011 gegenüber swissinfo.ch.
Ein Projekt, das auf Druck der türkischen Regierung grosse Schwierigkeiten bei der Realisierung hatte.
Welche Verbindung stellte er in seinen Liedern zur Tragödie der Armenier her? "Was mich den Sorgen der Menschen näherbrachte, ist Folgendes: Der Schmerz des Lebens ist da. Er findet sich unter den Armeniern, aber auch unter Spaniern, Juden, den schwarzen Amerikanern, den heutigen Nordafrikanern. Ich habe Gedichte armenischer Frauen gelesen, anonyme, und es ist sehr nahe an meiner Schreibweise", sagte er in dem Interview mit swissinfo.ch.
Charles Aznavour war ein populärer Chansonnier. Er hatte die Fähigkeit, Worte und Melodien zu finden, um den manchmal dramatischen Alltag der einfachen Menschen zu besingen.
Im Interview mit swissinfo.ch im Jahr 2011 sagte er: "Ich habe gerade einen Song über die Shoah geschrieben. Aber es ist ein Liebeslied. Warum? Weil ich einmal jemanden traf, der seiner späteren Frau im Konzentrationslager begegnet war und dort seine Liebe gefunden hatte. Darum geht es in meinem Chanson. Die Liebe wurde an einem Ort geboren, der eine Katastrophe, ein Horror war."
Dank seines ausgeprägten Einfühlungsvermögens fiel es Aznavour leicht, eine enge Beziehung zu seinem geliebten Publikum zu pflegen: "Ich treffe mein Publikum regelmässig abseits der Bühne: Ich bin jemand, der selbst einkauft, ich habe keinen Bodyguard, ich führe ein normales, freundliches Leben. Da ich mehrere Sprachen spreche, kann ich auch mit Menschen unterschiedlicher Herkunft kommunizieren. Indem wir uns auf dieses Publikum abstützen, dem wir im Alltag begegnen, sind wir am nächsten, um für dieses zu schreiben."