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-186, 186-197) anerkannt worden ist, darzustellen.
I. Was den Sinn dieser Lehre anlangt, so glaubt die lutherische Kirche, daß im h. A. eine wahre, wesentliche oder reelle, substantielle Mittheilimg des Leibes und Blutes J. C. geschehe, auf eine übernatürliche, unsichtbare und unbegreifliche Weise. Diese Mittheilung geschieht mittelst des mündlichen Empfanges von Brod und Wein, nicht so, als ob die höhere Substanz in diesen äußeren Zeichen eingeschlossen oder mit denselben verschmolzen sei, was durchaus geleugnet wird; sondern in sofern der Genuß von Brod und Wein die von Christo verordnete Bedingung, unter welcher, oder das von ihm gewählte Mittel ist, wodurch der Leib und das Blut Christi uns mitgetheilt werden soll. Es leuchtet ein, daß ein solches äußeres Mittel an sich nicht nöthig wäre, daß Christus seinen Leib oder dasselbe uns mittheilen könnte; daß wir aber ohne ein solches Zeichen nie wissen könnten, ob und wenn Christus uns jenes Gut mittheilen wolle, hingegen durch das äußere Zeichen die Versicherung oder Vergewisserung davon erhalten; daß wir also glauben dürfen, so gewiß wir das Brod und den Wein empfangen, so gewiß empfangen wir auch den Leib und das Blut Christi. [Eine deutliche Erklärung Luther's gegen die Meinung von der Impanatio steht in der Schrift: Daß die Worte Christi: «das ist mein Leib» noch feste stehen, Werke XX. 1011. 12. §. 119.] Es ist oft, namentlich von Leibnitz,
(Œuvres Philosophiques, par Raspe. Amst. et Leipz. 1765. S. 482.) und von Hoffmann, (Materialien zur Erklärung seines Katechismus der christl. Lehre 2te A. L. 1837. S. 440-463. besond. S. 447 ff.) behauptet worden, daß von dieser Lutherischen Lehre im Wesentlichen die Calvinische nicht abweiche. Dagegen ist von Gerhard Loc. Theol. ed. Cotta. Tom. X. 184 sq. und von Ernesti (Theolog. Bibliothek V. 235 f. VI. 706.) erinnert worden, daß die reformirte Kirche ausdrücklich die wahre Gegenwart des Leibes Christi nur im Himmel anerkenne, und die Möglichkeit einer Gegenwart auf Erden leugne, wie es Beza am stärksten aussprach, (s. Gerhard 1. c. S. 180.) Die Erhebung der Seele in den Himmel, um da den Leib Christi zu empfangen, ist entweder etwas ganz Transcendentes und auf kein Schnriftwort Gegründetes, (s. Gerhard 1. c. S. 187. not.) oder sagt nur aus, daß der Glaube sich Christum vergegenwärtige, in der Andacht sich erhebe, was auch außer dem h. A. geschehen kann; - besonders aber verräth die Behauptuug, daß der Genuß des Leibes und Blutes Christi nicht mit dem Munde, sondern nur mit dem Glauben geschehe, und daher, ganz consequent, nur den Gläubigen zu Theil werde, den Sinn, daß nur ein Genießen der Frucht des Leibes und Blutes Christi, oder der Kraft seines Leidens und Sterbens gemeint sei; - woraus denn folgt, daß dies auch außer dem Abendmahl geschehen könne, und daß der Gläubige in demselben nicht specifisch Verschiedenes von dem empfange, was er bei jeder, die Gemeinschaft mit Christo fördernden Andacht empfängt; woraus eigentlich die Entbehrlichkeit dieses Sacraments folgen würde *). Höchstens könnte von einem graduellen, nicht von einem wesentlichen Unterschiede zwischen dem im Abendmahle Statt findenden und dem zu aller Zeit möglichen Genusse Christi die Rede sein.
Deutlich erhellt dies aus der Erklärung des Ursinus in den Explicationibus catecheticis ed. Parei 1607. S. 526. Manducare carnem Christi est 1. credere, 2. fide accipere remissionem peccatorum, 3. uniri Christo, 4. participem fierei vitae Christi. Den Einwurf, daß es sich nicht begreifen lasse, wie es möglich sei, daß alle Communicanten den Leib Christi empfingen, und am Wenigsten, wie die Apostel bei der Einsetzung des h. A. ihn empfangen konnten, hätten sich die Gegner ersparen können, weil es nie Jemandem eingefallen ist, jenen Genuß in die sinnliche Welt herabzuziehen, und zu einem grobfleischlichen zu machen, da er, wenn gleich reell und substantiell, doch ganz übersinnlicher Art, uns unbegreiflich ist. S. Luther's Werke IX. 1037. XX. 2200. Ernesti Opusc. S. 176. 147. 178. und im Anti-Muratorius S. 66.
II. Gründe für diese Lehre. Christus sagt nicht: «das bedeutet meinen Leib», sondern «das ist mein Leib». Einen Tropus anzunehmen, ist gerade hier hart und wider den allgemeinen Sprachgebrauch, da von einem Gleichniß hier gar nicht die Rede sein kann, und da, wenn man Jemandem etwas zum wirklichen Genusse, zum Nehmen und Essen hinreicht, und die Worte hinzufügt: «es ist das oder das», man auch das Genannte selbst, und nicht ein bloßes Bild davon meint, der Andere auch das Genannte wirklich zu empfangen erwarten wird. - «Mein Leib! mein Blut!» «Diese Worte waren für Luther zu gewaltig, sie drängten sich stets in ihrem eigentlichen, buchstäblichen Sinne seinem Gemüthe auf - und ich gestehe, daß es mir ebenso ergeht.» Theremin 1. c. S. 167. Ein nicht geringes Gewicht giebt auch dieser Erklärung die Uneinigkeit der Gegner, die in sehr viele und abweichende Meinungen zerfallen sind, s. Gerhard ed. Cotta 1. c. S. 130. col. 2. 133-42., sowie die Ungewißheit, die sie bisweilen verrathen, wovon eine merkwürdige Erzählung über Oekolompadius sich findet in Daniel Greser's Leben. Dresd. 1587. Bog. D. I. II. - Dazu kommt das Zeugniß des Apostels Paulus, 1 Cor. 10, 26. wo er den Genuß des Brodes und Weines die Gemeinschaft des Leibes und Blutes oder das Mittel nennt, wodurch wir dieser Gaben theilhaftig werden, (panis eucharisticus in usu sacramentali est organum, medium et ^[siehe Bild] per quod distribuitur rt communicatur corpus Christi, Gerhard 1. c. S. 172.) was nach Ernesti 1. c. S. 150. 151. nicht auf den geistlichen Genuß Christi gehen kann, weil er diesen Genuß von Allen, auch den Unwürdigen, behauptet, bei welch letzteren kein geistlicher Genuß Statt findet.
Auch kann der Leib Christi hier nicht die Gemeine, als der geistliche Leib Christi sein, weil dazu das hinzugesetzte: «Gemeinschaft des Blutes» nicht paßt;
daher Zwingli hier ins Gedränge kam. (S. Planck Geschichte, II. 271 ff. not. 120.) Wenn ferner Paulus 1 Cor. 11, 27. sagt, daß der unwürdige Communicant an dem Leibe und Blute des HErrn schuldig sei, oder sich an demselben versündige, ihn entweihe, violati et propris profanati corporis Christi reus est, (Ernesti S. 151.) so setzt dies die Gegenwart des Leibes Christi voraus, und es ist hart und gezwungen, dies nur von einer Entweihung des
*) (Spener I. e. S. 614. «Ich begreife nicht, was man nach der reformierten Lehre in dem Sacramente mehr empfinge, als außer demselben in der täglichen geistlichen Genießung, woraus aber folgte, daß das Sacrament in gewisser Maße ohne Nutzen wäre, wenn wir einerlei auch außer demselben genießen.») ¶
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Zeichens des Leibes zu verstehen; was man doch so wenig sagen kann, als daß der, der das Kreuzeszeichen einmal gedankenlos macht, den Gekreuzigten selbst entweihe. Der entscheidendste Grund liegt nach Ernesti S. 152 ff. in 1 Cor. 11, 29.,. wo es heißt, daß der Unwürdige den Leib des HErrn nicht unterscheide. Dies heiße soviel als: den Leib Christi genießen, wie eine unheilige und gemeine Speise: corpus Christi ita edere, ut cibum profanum et vulgarem. Denn der Ausdruck «Nichtunterscheiden» geht nicht auf ein Urtheil des Verstandes, sondern auf die Handlung des Essens, wo man Alles ohne Unterschied ißt: illud non discernere non ferertur at judicium animi sed ad ipsum actum edendi promiscue;
er hat seinen Ursprung im Mosaischen Gesetze, wo er von denen gebraucht wurde, die ohne Unterschied reine und unreine Speisen aßen;
und so folgt, daß der Leib Christi wirklich müsse genossen werden, weil, wenn er gar nicht empfangen würde, er weder als eine heilige noch als eine gemeine Speise könnte empfangen werden.
Zu diesen exegetischen Gründen kommt der gewichtige historische Grund, daß die alte christliche Kirche von Anfang an in der Feier des h. A. keineswegs ein bloßes nacktes Gedächtnißmahl Christi, sondern cin hochheiliges Geheimniß, ja das höchste Mysterium des ganzen christlichen Cultus erkannt hat, weil in demselben eine geheimnißvolle Verbindung Christi mit uns durch die Gegenwart und Genießung seines Leibes Statt findet, daher auch kein Profaner Zutritt hatte.
Dafür sprechen unverwerfliche Zeugen. Inatius, der Johanneischen Schule angehörig, in Kleinasien lebend, das als Schauplatz der Wirksamkeit der Apostel Paulus und Johannes, als Vewahrerin der ältesten reinsten Urform des Christenthums in besonderem Ansehen stand, (Irenaeus adv. Haeres. III. c. 3.). nennt in seinen kürzeren Briefen, die das Gepräge der Aechtheit (Rothe, Anfänge der chr. K. I. 713 ff.) und ihres hohen Alters (f. Münscher, Dogmengesch. II. 411 ed. 2.) an sich tragen, das Abendmahl eine Arznei zur Unsterblichkeit, ein Gegengift gegen den Tod, um immerdar in Christo zu leben. Er warnt ad. Ephes. c. 20. Coteler. II. S. 17. 54. ed. 1.), und (ad. Smyrn. c. 7. S. 37.) vor Doceten, welche sich des Abendmahls enthalten, weil sie nicht bekennen, daß das Abendmahl das Fleisch unseres Erlösers Jesu Christi sei. - Justinus der Märtyrer (Apolog. II. S. 98. Col.) sagt vom Abendmahle: Wir empfangen es nicht als gemeines Brod, oder gemeinen Trank, sondern sowie der durch Gottes Wort menschgewordene Heiland I. C. um unseres Heils willen Fleisch und Blut hatte; so sind wir anch belehrt, [es war also Glaube und Bekenntniß der Kirche, was hier Justinus ausspricht,] daß die durch das Gebet des V. U. geweihete Speise Mod und Wein,) wodurch mittelst der Verdauung unser Fleisch und Blut genährt wird*), das Fleisch und Blut jenes Menschgewordenen Jesus sei. - Irenäus adv.
Haer. IV, 34. S. 327. ed. Grab. sagt: Das irdische Brod, wenn es durch die Anrufung Gottes geweiht ist, ist nicht mehr gemeines Brod, sondern die Eucharistie, die aus zwei Bestandtheilen besteht, einem irdischen und einem himmlischen, und er daraus die künftige Auferweckung des Leibes her, weil durch Christi Leib der Keim der Unverweslichkeit in uns gelegt ist. Gerade diese drei Kirchenlehrer sind die wichtigsten Zeugen, theils weil sie die ältesten sind, bei denen wir das Abendmahl erwähnt finden, theils in kirchlich-geographischer Hinsicht.
Ignatius war ein Freund des Polycarpus und dieser nach altkirchlicher Tradition ein Schüler des Johannes. Irenäus, auch aus Kleinasien stammend, hatte ebenfalls den Polycarpus gekannt und gehört, und Justinus hatte auf seinen Reisen ebenfalls die berühmten Gemeinen in Kleinasien kennengelernt. Ihre Uebereinstimmung mit einer sonst seltenen Gleichförmigkeit in Wort und Sache, ist wichtig, und muß uns überzeugen, daß wir hier die älteste, von den Aposteln selbst ausgegangene Lehre vom h. A. finden.
Unter den späteren Zeugen sind besonders zu beachten: Cyrillus Hierosolymitanus, welcher in der vierten Katechese sagt: Unter dem Zeichen des Brodes wird dir der Leib, und unter dem Zeichen des Weines wird das Blut gegeben, damit du theilhaftig wirst des Leibes und Blutes I. C., mit ihm zu Einem Leibe und Blute vereinigt (ina gene metalabôn somatos kai aimatos Xriston syssomos kai synaimos auton ^[ινα γενη μεταλαβων σωματοσ και αιματοσ Χριστον συσσωμοσ και σναιμοσ αυτον] ). -
Chrysostomus in dem Briefe an den Cäsarius Montf. III. 737 ff.), dessen Echtheit von Neander K. G. II. Abth. 3. S. 1397. bestritten, aber von Cramer (Uebers. des Chryst. X. nach d. Vorr. S. 85-106.) vertheidigt ist, sagt: Wir nennen das Brod, ehe es geheiligt wird, Brod;
nachdem es aber durch die Vermitteluug des Priesters die göttliche Gnade geheiligt hat, heißt es nicht mehr Brod, sondern ist würdig geachtet, der Leib des Herrn zu heißen, obgleich die Natur des Brodes in ihm zurückgeblieben ist. (Vgl. Cramer's Uebers. VII. 654. 55., wo er bemerkt, daß diese Stelle ebenso wider die Katholiken, als wider die Reformirten streite.) - Weniger bekannt ist der griechische Hieronymus, wahrscheinlich Presbyter zu Jerusalem im 4ten oder 5ten Jahrh., dessen Duo Dialogi graeci qui supersunt, Joh. Benj. Carpzov Altenb. 1772. herausgegeben;
welcher in s. philoponia ^[φιλοπονια], od. Abhandlung über das innere Gefühl des Christenthums, sagt: (bei Fabric. Biblioth. Graec. Vol. 8. S. 381.) Diese Wirkungen des h. Geistes empfinden auch viele gemeine Christen, wenn sie zum Altar treten, um der Mysterien Christi theilhaftig zu werden.
Denn sie werden plötzlich mit Thränen, mit Freude und Heiterkeit erfüllt. Ebendaher hat auch der Christ die volle Zuversicht, nicht bloßes Brod und Wein zu empfangen, sondern wahrhaft den durch den h. G. geheiligten Leib und Blut Christi [hoden kai plêrophoreitai o Christianos ou philon arton kai oinon metalambanein, alla soma halethôs kai haima tou uiou tou theon, pneumati agio hegiasmenon] ^[siehe Bild]. Denn wir empfinden nie etwas Aehnliches, eine solche Freude, Anregung, Süßigkeit oder Rührung, wenn wir gemeines Brod und Wein auf unserm Tische genießen; wobei Fabricius 1. e. sagt: Nota Veritatem corporis et sanguis Christi in S. Eucharistia. Was Tertullians streitige Lehre anlangt, so ist mit Neander, welcher im Antignosticus S. 517-525. ihm die reformirte Ansicht zuschreibt, zu vergleichen Nudelbach, welcher m: Refor-
*) Münscher I. o. S. 368. 383. hat dieß auffallend mißverstanden, indem er das auf den Leib und das Blut Christi bezieht, was nur vom Brod und Wein gesagt ist. Ernesti l.c. 66. Christi corpus et sanguinem descendere in ventriculos et concoqui, non erit ita insanus quisquam, ut dicat. Aber gegen die Lehre von der Transsubstantiation ist es ein unbesiegbares Zeugniß. ¶