Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03644.jsonl.gz/2311

Erst seit kurzem sucht man nach Möglichkeiten, um den Knorpel im Sport lange gesund zu erhalten. Einer der Bausteine für die Proteoglykane im Knorpel ist das Glucosamin.
Die Funktion einiger Gewebe in unserem Körper, wie die Skelettmuskulatur oder die Knochen, kann durch gezielte Nahrungszufuhr beeinflusst werden. Ist dies auch für das Knorpelgewebe der Fall und gibt es spezifische Supplemente, die den Knorpel besonders gut unterstützen? Probleme mit dem Knorpel tauchen meist in den Gelenken auf, wo er als permanenter Gelenkknorpel die Enden der Knochen bedeckt. Dadurch ermöglicht der Knorpel eine reibungsarme Bewegung und das Aneinandervorbeigleiten zweier Knochen. Knorpel besteht aus einem komplexen, gelartigen Grundgerüst und den Knorpelzellen. Neben rund 70 bis 80 Prozent Wasser enthält der Knorpel eine ganze Reihe an Substanzen, die mitunter aus der Werbung für straffe Haut bekannt sind: Hyaluronsäure, Kollagene und Proteoglykane. Die Kollagene sind die mengenmässig bedeutendsten Proteine des Grundgerüsts. Auch wenn der Gelenkknorpel eine zentrale Rolle bei jeder sportlichen Aktivität spielt, ist er in der Forschung im Vergleich zur Skelettmuskulatur lange stiefmütterlich behandelt worden.
Erst seit kurzem sucht man vermehrt nach Möglichkeiten, um den Knorpel im Setting des Sports möglichst lange gesund zu erhalten. Einer der Bausteine für die Proteoglykane im Knorpel ist das Glucosamin. Es wurde zu Beginn der 2000er-Jahre als nichtmedikamentöse Behandlung bei Osteoarthritis propagiert, einer entzündlichen Störung der Gelenkfunktion. Die Hoffnung war, dass man den Verlauf der Osteoarthritis positiv beeinflussen kann. Dies hat sich aber nicht bestätigt, und diverse medizinische Gesellschaften empfehlen daher keinen Einsatz von Glucosamin als Therapie bei Osteoarthritis. (1,2) Hingegen scheint Glucosamin den Schmerz bei Osteoarthritis etwas zu lindern (3) und gleiches kann von Chondroitin gesagt werden. (4) Im Setting des Sports gibt es nur wenig gute Forschung mit Glucosamin. Ihre Ergebnisse an insgesamt knapp 200 Athleten sind zumindest nicht negativ. In zwei Studien mit Radrennfahrern und Fussballspielern beobachtete man einen etwas geringeren Gehalt einer Substanz, die den Abbau von Kollagen widerspiegelt. (6,7) Aber in zwei anderen Studien gab es kaum positive Effekte. (8,9) Eine definitive Beurteilung ist daher nicht möglich und vor einem Einsatz muss man zwingend die individuelle Situation beurteilen. In mancher Küche nutzt man Gelatine bei der Herstellung von Gelees oder Torten. Gelatine wird aus kollagenhaltigen Materialien produziert und enthält somit die Aminosäuren, die auch im Kollagen vorkommen. Es dürfte daher eine ähnliche Wirkung wie Kollagenhydrolysate haben. Gelatine gilt eigentlich als minderwertig, da es nur eine bescheidene Proteinqualität aufweist. Dies bedeutet aber nur, dass Gelatine nicht die einzige Proteinquelle in der Nahrung sein darf (was eh nie der Fall ist). Eine solche Beurteilung berücksichtigt zudem nicht, ob ein bestimmtes Protein für eine spezielle Körperfunktion, wie die Gelenkfunktion, trotz bescheidener Qualität dennoch etwas taugt. Letztes Jahr wurde zum ersten Mal die Frage untersucht, ob ein Gelatinesupplement die Bildung von Kollagen nach einer sportlichen Aktivität erhöht. (5) Da Vitamin C an der Kollagenbildung beteiligt ist, hat man neben der Gelatine auch Vitamin C supplementiert. Während drei Tagen hüpften junge Männer insgesamt neun Mal während sechs Minuten mit dem Seil, und immer vor dem Seilhüpfen erhielten sie das Gelatine-Vitamin-C-Supplement in zwei Dosierungen (5 Gramm und 15 Gramm Gelatine). Bei der 15-Gramm-Dosierung fand man im Blut bereits nach 24 Stunden mehr als doppelt so viele Vorstufen für eine Substanz, die eine erhöhte Kollagensynthese in den Knochen widerspiegelt. Ob es deshalb auch zu mehr funktionsfähigem Kollagen im Knorpelgewebe kommt und inwiefern bei einer längerfristigen Supplementierung ein permanent besserer Zustand vorliegen würde, kann man nach dieser Studie unmöglich voraussagen. Aber das Ergebnis ist sicherlich interessant und öffnet die Türen für eine neue Forschungsrichtung mit grossem Umsetzungspotenzial.
Die Wirksamkeit von Supplementen ist bei Gelenkproblemen nicht zweifelsfrei belegt. Auch wenn es zu einer Schmerzlinderung kommen kann, wird der Fortgang des Problems höchstwahrscheinlich nicht gross beeinflusst. Daher sind Supplemente immer nur begleitend einzusetzen. Es gibt zurzeit nur einen wirklich gesicherten Tipp bezüglich Supplemente und Knorpelfunktion: Besprechen Sie mit Ihrem Arzt eine an Ihre persönliche Situation angepasste Therapie.
Literatur
1. Nahin RL et al. Mayo Clin. Proc., 2016; 91: 1292–306
2. Nelson AE et al. Semin. Arthritis Rheum., 2014; 43: 701–12
3. Kongtharvonskul J et al. Eur. J. Med. Res., 2015; 20: 24
4. Singh JA et al. Cochrane Database Syst. Rev., 2015; 1: CD005614
5. Shaw G et al. Am. J. Clin. Nutr., 2017; 105: 136–48
6. Yoshimura M et al. Int. J. Mol. Med., 2009; 24: 487–94
7. Momomura R et al. Mol. Med. Rep., 2013; 7: 742–6
8. Ostojic SM et al. Res. Sports Med., 2007; 15: 113–24
9. Eraslan A, Ulkar B. Res. Sports Med., 2015; 23: 14–26
Werbung