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Erneut senden wir Euch aus der Ostschweiz ein Grußwort an die Hiroshima-Gedenkveranstaltung in Wien, dies durch den Schweizerischen Friedensrat (SFR) und die ÄrztInnen zur Verhütung des Atomkrieges (IPPNW-CH). Vorab müssen wir Euch informieren, dass sich die Hoffnung nicht erfüllt hat, wir könnten dieses Jahr den Beitritt der Schweiz zum Atomwaffenverbots-Vertrag (TPNW) vermelden. Die Stilllegung des internationalen Konferenzlebens durch die Corona-Epidemie – und damit die Verschiebung der 10. Überprüfungskonferenz des Atomsperrvertrags (NPT) – dient der Schweizer Regierung als Vorwand für das Hinausschieben der Ratifikation des TPNW. Diese Konferenz werde ihr Aufschluss geben, ob die Atommächte den Verbotsvertrag für eine Schwächung des Atomsperrvertrags halten würden. Dementsprechend werde der Bundesrat sein weiteres Vorgehen beschliessen. Mit dieser Haltung ist es ihm gelungen, die Mehrheit des Parlaments hinzuhalten, obwohl die beiden Kammern ihm schon 2018 den verbindlichen Auftrag zur Ratifikation erteilt hatten.
Dies ist leider aber nicht die einzige unerfreuliche Entwicklung in unserem Land in Bezug auf die Atomthematik. Ausgerechnet 35 Jahre nach Tschernobyl und 10 Jahre nach Fukushima verlangt die grösste Partei der Schweiz, die rechtsnationale SVP, der Entscheid zum Ausstieg aus der Atomenergie müsse umgestossen und ein neues Atomkraftwerk gebaut werden. Wie wenn die Schweiz nicht eines der ersten Länder gewesen wäre, welches 1969 in der Nuklearanlage in Lucens einen schweren Unfall erlebte. Dieser wurde nur deshalb nicht zur weltweiten Katastrophe, weil die gesamte Anlage in einer Felsenkaverne gebaut worden war, weshalb der Austritt von Radioaktivität in Grenzen gehalten werden konnte. Allerdings tritt dort seit einiger Zeit zunehmend radioaktiv verseuchtes Wasser in die Umgebung aus, mit nicht absehbaren langfristigen Folgen. Die aktive Unterstützung des Atomausstiegs der Schweiz ist weiterhin eine unserer Hauptaufgaben.
Aber selbstverständlich gibt es auch positive Entwicklungen bei uns. Die Gemeinde Heiden als Ort, wo der Rotkreuzgründer Henry Dunant seine letzten Lebensjahre verbrachte, wurde vor zehn Jahren von Nagasaki mit einer Peace-Bell geehrt. Die «Angelus-Glocke», die 1945 den Atombombenabwurf beinahe unbeschädigt überstanden hatte, ist als Kopie Mahnmal vor unserm Dunant-Museum und Ort unserer alljählichen Gedenkfeier am 9. August. Heiden ist auch Mitglied bei «Mayors for Peace». Gemeinsam mit der Vorarlberger Gemeinde Lustenau – ebenfalls Mitglied der «Mayors of Peace» – wurden in diesem Jahr gemeinsame Veranstaltungen durchgeführt, wie eben an unserem Nationalfeiertag ein Friedenslauf von Lustenau nach Heiden. So wird ein deutliches Zeichen gesetzt für den gemeinsamen, grenzüberschreitenden Einsatz für den Frieden, das wir mit diesem Grußwort gerne verstärken wollen.
Unterschrieben von:
Ruedi Tobler, Präsident des Friedensrates
ÄrztInnen für soziale Verantwortung und zur Verhütung eines Atomkrieges (PSR/IPPNW Schweiz),
Dr. med. Urs-Peter Frey, Delegierter der Regionalgruppe Ostschweiz