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Schlaganfall:
Ursachen, Symptome und Behandlung
Starke Kopfschmerzen, plötzliche Lähmungen und Schwierigkeiten beim Sprechen oder Sehen gehören zu den typischen Anzeichen eines Schlaganfalls. Ein solcher Hirnschlag tritt meist völlig unerwartet auf und erfordert schnelle Hilfe. Wie ein Schlaganfall entsteht, welche Risikofaktoren Sie meiden können und welche Therapiemöglichkeiten es gibt, erfahren Sie hier.
Ein Schlaganfall ist die abrupt auftretende Unterversorgung von Teilen des Gehirns mit Blut. Durch die fehlende Blutzufuhr erleiden die betroffenen Nervenzellen (Neuronen) einen Sauerstoffmangel und können absterben. Jeder Schlaganfall ist ein Notfall. Wird er nicht schnell genug behandelt, kann er zu Behinderungen führen, oder sogar zum Tod.
In der Schweiz erleiden jedes Jahr rund 20'000 Menschen einen Schlaganfall. Bei Männern kommt er etwas häufiger vor, als bei Frauen. Mehr als drei Viertel aller Betroffenen sind älter als 60 Jahre, doch in seltenen Fällen kann ein Schlaganfall sogar bei Kindern auftreten.
Ein Schlaganfall wird auch als Hirnschlag, Hirninfarkt, Insult oder Apoplex bezeichnet. International sind ausserdem die englischen Begriffe Stroke sowie Cerebrovascular Insult (CVI) gebräuchlich.
Ein Hirnschlag tritt meistens unerwartet und plötzlich auf. Nur gelegentlich gibt es Vorboten für einen Schlaganfall. Zu diesen Vorzeichen gehört eine kurzzeitige Durchblutungsstörung im Gehirn (transitorische ischämische Attacke, kurz TIA).
Anzeichen für eine TIA sind zum Beispiel plötzliche Sprach- oder Sehstörungen oder Lähmungserscheinungen. Einer TIA folgt nicht immer ein Schlaganfall. Und wenn, dann oft erst nach Wochen oder Monaten. In seltenen Fällen kann auch ein Hörsturz einen Insult ankündigen.
Die Anzeichen, die ein Hirnschlag hervorruft, hängen von der Region des Gehirns ab, in dem er stattfindet. Die Symptome erscheinen in den meisten Fällen plötzlich und betreffen häufig das Gleichgewicht, die Sprache oder das Sehen. Typische Beeinträchtigungen sind:
- Lähmungserscheinungen (meist auf einer Körperseite)
- Taubheitsgefühl
- Schwindel, Unsicherheit beim Gehen
- Sehstörungen (zum Beispiel Doppelbilder)
- Sprachstörungen (zum Beispiel undeutliches Sprechen)
- Schluckstörungen
- Schwächegefühl, Verlust der Muskelkraft
- Benommenheit, Verwirrtheit
- starke Kopfschmerzen
- Erbrechen
Man unterscheidet zwei Hauptursachen für einen Schlaganfall:
- In etwa acht von zehn Fällen entsteht ein Schlaganfall durch ein Blutgerinnsel, das die Blutzufuhr zu Gehirnzellen durch das Verstopfen von Blutgefässen stoppt. Oft ist das Gerinnsel die Folge einer Arteriosklerose ("Gefässverkalkung"). Diese Schlaganfall-Form wird ischämischer Schlaganfall genannt.
- Seltener ist die Ursache eine Hirnblutung, oft als Folge von stark erhöhtem Blutdruck, der Einnahme von Gerinnungshemmern, oder einer angeborenen Missbildung der Blutgefässe. Diese Form des Schlaganfalls, die Hirnblutung, heisst hämorrhagischer Schlaganfall und führt ebenfalls zu einer Minderversorgung der hinter der Blutung liegenden Regionen. Auch kann durch den entstehenden Druck das Gehirn geschädigt werden.
Verschiedene Faktoren können einen Hirninfarkt begünstigen. Solche Schlaganfall-Risikofaktoren sind zum Beispiel:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen (etwa Arteriosklerose oder Vorhofflimmern), bei denen sich Blutgerinnsel bilden können
- höheres Lebensalter
- Bluthochdruck
- Gerinnungshemmer (Blutverdünner) – sieh Vermindern das Risiko eines Blutgerinnsels, erhöhen aber das Blutungsrisiko
- genetische Veranlagung
- Rauchen
- übermässiger Alkoholkonsum
- Diabetes
- Fettstoffwechselstörungen
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
- häufiges Schnarchen mit Atempausen (Schlafapnoe)
- Migräne mit Aura
- Anti-Baby-Pille
Viele dieser Faktoren lassen sich aktiv beeinflussen. Durch den Verzicht auf das Rauchen sowie eine gesunde Lebensweise mit viel Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung können Sie Ihr Risiko für einen Schlaganfall senken.
Mit einem Schlaganfall beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit: Jeder Hirnschlag ist ein Notfall. Möglichst sofort muss deshalb der Rettungsdienst (Telefonnummer 144) alarmiert werden. Bis zu seinem Eintreffen sollte der oder die Betroffene liegen, ohne die Beine hochzulagern, und keine Medikamente erhalten.
Die erste Schlaganfallbehandlung erfolgt im Idealfall schon kurz nach dem Anfall in einer spezialisierten Behandlungseinheit (Stroke Unit), die zu einem Spital gehört, oder in einem grösseren Stroke Center. Hier arbeiten Neurologen und andere medizinische Spezialisten für die Schlaganfallversorgung zusammen.
Eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) kann zeigen, welche Art des Schlaganfalls vorliegt.
- Wird ein ischämischer Schlaganfall diagnostiziert, muss die unterbrochene Blutzufuhr zum betroffenen Gehirnbereich wiederhergestellt werden – zum Beispiel durch ein Medikament, das Blutgerinnsel auflöst. Dieser Vorgang heisst Thrombolyse. Eine weitere Behandlungsmethode ist die Thrombektomie: Hierbei wird ein dünner Draht (Katheter) bis ins Gehirn vorgeschoben, um das verschlossene Blutgefäss vom Blutgerinnsel zu befreien.
- Liegt ein hämorrhagischer Schlaganfall vor, muss verhindert werden, dass die Hirnblutung andauert und weitere Hirnteile schädigt. Um das Gehirn von Überdruck zu entlasten, kann eine Durchbohrung oder Öffnung des Schädels notwendig sein.
Wenn Betroffene schnell ärztliche Hilfe erhalten und nur kleine Gehirnbereiche verletzt sind, können Folgeschäden weitgehend oder ganz ausbleiben. Häufig entstehen aber Funktionsstörungen, die die Lebensqualität beeinträchtigen, etwa Sprachstörungen oder Lähmungen. Hier kann eine Rehabilitation bewirken, dass die Beeinträchtigungen nachlassen oder verschwinden. Die Reha-Massnahmen (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie) sollten früh beginnen.
Viele Patienten bekommen Medikamente gegen einen erneuten Anfall. Dazu gehören Gerinnungshemmer, blutdrucksenkende Arzneimittel und Medikamente zur Blutfett-Reduzierung. Mancher Patient wird trotz therapeutischer Massnahmen pflegebedürftig.
Weitere Informationen und unterstützende Angeboten finden Sie bei:
- Universitätsspital Zürich: Schlaganfall, unter: www.usz.ch (Abrufdatum: 12.11.2022)
- Bundesamt für Statistik: Herz- und Kreislauf-Erkrankungen, unter: www.bfs.admin.ch (Abrufdatum: 12.11.2022)
- Schweizerische Hirnschlaggesellschaft: Stroke Units und Stroke Centers in der Schweiz: Richtlinien und Anforderungsprofil, unter: www.neurovasc.ch (Abrufdatum: 12.11.2022)
- Statista: Todesfälle aufgrund von Schlaganfällen in ausgewählten Ländern Europas nach Geschlecht im Jahr 2013, unter: de.statista.com (Abrufdatum: 12.11.2022)