Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03652.jsonl.gz/1497

Obschon sich bereits die klass. Ökonomen wie Adam Smith für die P. interessierten, verbreiteten sich die Theorien dazu erst in den 1950er Jahren in Europa. Im Zuge des Marshallplans, der auf den Grundsätzen der P. basierte, sowie dem Wohlstand der Nachkriegszeit betrachteten die Wirtschaftswissenschaften den Produktivitätsgewinn als Schlüssel zum Wirtschaftswachstum.
Gemäss den ersten modernen Definitionen (1957 Jean Fourastié, OEEE) ist die P. das Verhältnis des Produktionsergebnisses (Output) zu einem oder mehreren Produktionsfaktoren (Input) in einheitl. Grössen. Zunächst wurde sie für die Faktoren Arbeit und Kapital berechnet, später ausgeweitet auf andere, immer schwieriger zu messende Werte, die einen Einfluss auf diese beiden Faktoren haben (Bildung, Qualifikation, Technischer Fortschritt durch neuere Geräte). Diese Werte werden in der sog. Totalen Faktorproduktivität zusammengefasst.
Für die Schweiz lässt sich aufgrund des Fehlens von detaillierten Daten keine langfristige Entwicklung der mittleren P. bestimmen. Zumindest gelang für einige Perioden und Branchen die Berechnung der mittleren Arbeitsproduktivität, welche die einfachste Anwendung des Prinzips darstellt (Produktion oder Mehrwert dividiert durch die Anzahl Arbeitskräfte oder, um einen exakteren Wert zu erhalten, durch die geleisteten Arbeitsstunden). Ausser Zweifel steht jedoch, dass die Produktivitätssteigerung und das wirtschaftl. Wachstum in der Schweiz im 20. Jh. aufgrund der Verbesserung der Arbeitsqualität (Humankapital), des techn. Fortschritts (Forschung und Entwicklung) und der Entwicklung von Organisationssystemen und der Rationalisierung der Arbeit (Taylorismus und ähnl. Ansätze) erfolgten.
Es gibt keine Gründe für die Annahme, dass die Entwicklung in der Schweiz anders als in anderen Ländern verlief. Zwischen 1913 und 1973 steigerte sich die P. bedeutend stärker als in den Jahrzehnten zuvor (1870-1913); 1950-73 näherten sich die Produktivitätsniveaus Europas und der Vereinigten Staaten an; es folgte 1973-92 eine stark verlangsamte Zunahme der P., die paradoxerweise in die Phase einer beschleunigten technolog. Entwicklung fiel. Gemäss einer in 18 Ländern durchgeführten OECD-Studie von 1997 geriet die Schweiz, deren BIP pro Kopf weltweit zu den höchsten zählt, trotz einer Steigerung ihrer P. in den 1990er Jahren ins Hintertreffen. Die im Vergleich mit anderen starken Volkswirtschaften der OECD geringe P. der Schweiz, insbesondere in den vor Konkurrenz geschützten Branchen, wurde 2009 in einer OECD-Studie über die Schweizer Volkswirtschaft bestätigt.
Literatur
– F. Schaller, La notion de productivité, 1975
– B. Mordasini, Die Arbeitsproduktivität in der Schweiz 1960-1979, 1980
– F. Kneschaurek, P. Meier, Der sektorale Strukturwandel in der Schweiz von 1960 bis 1980, 1983
– A. Maddison, L'économie mondiale: 1820-1992, 1995, 80
– NZZ, 21.2.2001
Autorin/Autor: Béatrice Veyrassat / ASCH