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Ein rezeptfreies chemisches Schmerzmittel gibt es wahrscheinlich in fast jeder Hausapotheke. Ob gegen Kopf- oder Zahnschmerzen, den Brummschädel nach einer Partynacht oder den verstauchten Fuss: Tablette oder Salbe helfen rasch.
Analgetika
Analgetika (griechisch analgetos = schmerzfrei) sind Arzneimittel, die Schmerz stillen oder dämpfen. Sie greifen über verschiedene Mechanismen in die Entstehung, Weiterleitung oder Verarbeitung des Schmerzes ein. Es gibt:
Die Wirkstoffe Paracetamol und Metamizol haben eine schmerzstillende Wirkung, wobei die Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), zu denen zum Beispiel Diclofenac, Acetylsalicylsäure, Ibuprofen gehören, noch zusätzlich entzündungshemmende Wirkung hat. Medikamente mit den Wirkstoffen Ibuprofen, Acetylsalicylsäure, Paracetamol sowie Salben mit dem Wirkstoff Diclofenac sind in der Drogerie erhältlich.
Opioide (z. B. Morphin) sind nicht in der Drogerie erhältlich. Sie werden bei mittelstarken bis starken Schmerzen eingesetzt.
Ausserdem gibt es noch sogenannte Co- und adjuvante Analgetika (einige Antidepressiva und Antiepileptika), die ebenfalls nicht in der Drogerie erhältlich sind. Das sind Wirkstoffe, die überwiegend nicht zur Behandlung von Schmerzen entwickelt wurden. Sie wirken dennoch entweder an den Schmerzbahnen im Rückenmark und im Gehirn, führen zur Entspannung schmerzhaft verkrampfter Muskulatur oder hemmen die schmerzauslösenden Entzündungsvorgänge in den Körperregionen.
Drogist HF Manfred Meier: «Chemische Schmerzmittel sollten grundsätzlich zweite Wahl sein. Sie sind erst dann sinnvoll, wenn beispielsweise Wassertrinken, frische Luft, Bewegung oder Ähnliches nicht gegen die Kopfschmerzen helfen.» Und: Sie sollten nur kurzfristig eingenommen werden. «Schmerzmittel bekämpfen nämlich nicht die Ursache des Schmerzes. Wer über längere Zeit oder wiederkehrend den gleichen Schmerz hat, sollte unbedingt abklären lassen, woher er kommt. Und dann die Ursache behandeln.»
Schlucken oder salben
Schmerzmedikamente können oral, also über den Mund, aufgenommen werden. Dazu zählen Tabletten, Kautabletten, Sirup, Tropfen, Granulat oder Brausetabletten. Diese Produkte helfen in der Regel beispielsweise gut bei Kopf- oder Zahnschmerzen oder gegen Schmerzen ausgelöst durch grippale Infekte.
Schmerzmittel können aber auch topisch, also äusserlich, angewendet werden. Hierzu zählen Salben, Gels oder Pflaster. Topische Schmerzmittel helfen gut bei Schmerzen und Entzündungen von Gelenken, Muskeln, Bändern und Sehnen, aber auch Rückenschmerzen oder Muskelverspannungen sowie bei stumpfen Verletzungen wie Verstauchungen oder Zerrungen.
Lassen Sie sich in der Drogerie beraten, welches Mittel für Ihre Bedürfnisse am besten geeignet ist.
So wirken Schmerzmittel
In der Drogerie gibt es verschiedene rezeptfreie Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Paracetamol, Ibuprofen und Acetylsalicylsäure. Mittel mit Diclofenac bekommt man ebenfalls in der Drogerie, aber nur zur äusseren Anwendung. Alle diese Wirkstoffe lindern Schmerzen, sind fiebersenkend und teilweise entzündungshemmend.
Ibuprofen, Acetylsalicylsäure und Diclofenac sind sogenannte Cyclooxygenase(COX)-Hemmer. Verletzt man sich, bildet das Enzym COX den Botenstoff Prostaglandin. Dieses dockt an die Schmerzrezeptoren an, die dem Gehirn melden, dass es Schmerzempfinden auslösen soll. Ibuprofen, Acetylsalicylsäure und Diclofenac blockieren das Enzym, das Gehirn bekommt kein Signal zur Schmerzauslösung. Resultat: Es ist kein Schmerz zu spüren. Wie Paracetamol genau funktioniert, weiss die Wissenschaft hingegen bis heute nicht, sie hat lediglich Hypothesen.
Schmerzmittel für Kinder
Auch Kinder haben Schmerzen, doch nicht jedes Schmerzmittel sollte Kindern verabreicht werden. Im Zweifelsfall fragen Sie eine Fachperson. Drogist HF Manfred Meier: «Grundsätzlich ist Paracetamol für Kinder gut geeignet. Die Dosierung hängt vom Körpergewicht ab. Es gibt ausserdem einen speziellen Sirup für Kinder ab 6 Monaten mit dem Wirkstoff Ibuprofen.» Nichts für Kinder ist hingegen Acetylsalicylsäure, sie kann das gefährliche Reye-Syndrom auslösen. Diese seltene, potenziell tödlich verlaufende Erkrankung schädigt vor allem die Leber und das Gehirn.
Schmerzmittel können Kinder als Tabletten, Kautabletten, Schmelztabletten, Pulver, Tropfen, Zäpfchen, Sirup oder auch als Granulat im Sachet zum Auflösen in Wasser bekommen. Grundsätzlich sind Zäpfchen, Sirup oder Granulat für Kinder besser geeignet als Tabletten, da sie sich leichter dosieren lassen. Es gibt spezielle Dosierungen für Babys und Kinder, Ihr Drogist hilft Ihnen gerne weiter.
Die richtige Wahl treffen
Nicht all diese Wirkstoffe helfen gegen alle Schmerzen gleich gut. Darum ist es wichtig, immer das passende Mittel zu wählen. Am besten lässt man sich vor dem Kauf in der Drogerie beraten.
Oft liegen in der Hausapotheke aber bereits mehrere verschiedene Produkte. Manfred Meiers Tipp: Immer gleich nach dem Kauf auf der Packung notieren, wogegen das Mittel bestimmt ist. Dank der Notizen ist es später leicht, das richtige Medikament zu finden. «Wer trotzdem unsicher ist, welches Mittel er nehmen soll, fragt am besten in der Drogerie nach.»
- Paracetamol
Drogist HF Manfred Meier: «Wer Schmerzen hat, die nicht von Entzündungen ausgelöst werden wie beispielsweise klassische Spannungskopfschmerzen, ist mit einem Mittel mit dem Wirkstoff Paracetamol am besten bedient.»
Eigenschaften: Schmerzlindernd, fiebersenkend, nicht entzündungshemmend. Greift als einziges rezeptfreies Schmerzmittel die Magenschleimhaut nicht an.
Für die symptomatische Behandlung unter anderem von leichten bis mittelstarken Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Schmerzen und Fieber bei Erkältungskrankheiten, Muskel- und Gelenkschmerzen, Menstruationsschmerzen.
Nebenwirkungen: Kann die Leber angreifen.
Nicht anwenden bei bekannter Leberschwäche oder bei erhöhtem Alkoholkonsum. Nicht geeignet für Kinder unter einem bestimmten Alter.
- Ibuprofen
Drogist HF Manfred Meier: «Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Ibuprofen sind die meistverkauften rezeptfreien Schmerzmittel. Ibuprofen ist gut verträglich und führt bei gelegentlicher Einnahme bei den wenigsten Menschen zu Problemen.»
Eigenschaften: Schmerzlindernd, entzündungshemmend, fiebersenkend.
Für die Behandlung von Fieber, entzündlichen Erkrankungen. Hilft innerlich unter anderem bei Schmerzen im Bereich von Gelenken und Bändern, Schmerzen nach (Sport)verletzungen, Rückenschmerzen, stärkeren Zahnschmerzen. Äusserlich bei Sport- und Unfallverletzungen wie Verstauchungen, Prellungen und Zerrungen. Als unterstützende Massnahme bei rheumatischen Beschwerden des Bewegungsapparates.
Nicht anwenden bei vorbestehenden Magenbeschwerden.
- Acetylsalicylsäure
Drogist HF Manfred Meier: «Acetylsalicylsäure ist eines der ältesten Schmerzmittel überhaupt und war lange die Nummer eins auf dem Schmerzmittelmarkt. Wegen der blutgerinnungshemmenden Wirkung eignet es sich aber nicht für alle Schmerzen und nicht für alle Patienten.»
Eigenschaften: Schmerzlindernd, entzündungshemmend, fiebersenkend, hemmt die Blutgerinnung (Thrombozytenaggregation).
Zur Behandlung von migräneartigen Kopfschmerzen, Rückenschmerzen. Zur symptomatischen Behandlung von Schmerzen und Fieber bei grippalen Infekten, Fieber.
Nebenwirkungen: Kann Beschwerden im Magen-Darm-Trakt auslösen, Magenblutungen sind möglich.
Nicht anwenden bei Menstruationsbeschwerden, vor und nach Operationen oder wenn blutverdünnende Medikamente eingenommen werden.
- Diclofenac
Drogist HF Manfred Meier: «In der Drogerie gibt es nur Mittel zur äusserlichen, also topischen, Anwendung mit dem Wirkstoff Diclofenac.»
Eigenschaften: Schmerzlindernd, fiebersenkend, entzündungshemmend.
Zur Behandlung von Schmerzen bei Verstauchungen, Prellungen oder Zerrungen sowie bei Rückenschmerzen.
Nebenwirkung: Manchmal treten bei äusserlicher Anwendung Hautausschläge auf, besonders dann, wenn man eine Hautstelle sehr regelmässig mit einer Salbe behandelt.
Nicht anwenden bei Hautbeschwerden, offenen Wunden oder einer sehr sensiblen Haut.
Grundsätzlich gilt für alle Schmerzmittel: Treten Nebenwirkungen auf, das Medikament nicht mehr einnehmen, den Zeitpunkt der letzten Einnahme notieren und sich von einer Fachperson, zum Beispiel einer Drogistin oder einem Drogisten, beraten lassen.
Umfrage
- Quellen
Drogistenstern
Drogist HF Manfred Meier
Hartmut Derendorf, Ralf Wemhöner, Anne Julia Schrank: «Arzneimittelkunde», Deutscher Apotheker Verlag, 2011
pharmawiki
oesg.at, Österreichische Schmerzgesellschaft