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Harnwegsinfektionen
Unter «Harnwegsinfektionen» (HWI) fassen Fachleute alle Entzündungen zusammen, die in den ableitenden Harnwegen auftreten. Dazu gehören die Nierenbecken, die Harnleiter, die Harnblase und die Harnröhre. Die meisten HWI äussern sich durch Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen, erschwertes Wasserlassen und häufigen, verstärkten Harndrang. Seltener erscheinen Schmerzen in der Nierenregion und Fieber. Die Symptome können in ihrer Stärke und Art unterschiedlich ausfallen, je nachdem welche Organe betroffen sind. Danach unterscheiden Fachleute manchmal Infektionen der oberen Harnwege (Nierenbecken, Harnleiter) von solchen der unteren (Harnblase, Harnröhre).
Frauen sind deutlich häufiger von HWI betroffen. Bei Männern nehmen die Infektionen im Alter stark zu, was meistens mit gutartigen Vergrösserungen der Vorsteherdrüse (Prostata, benigne Prostatahyperplasie, BPH) zusammenhängt.
In grosser Mehrheit verursachen Bakterien die Infektionen. Unkomplizierte HWI verlaufen üblicherweise harmlos und klingen nach wenigen Tagen ab. Bei komplizierten HWI sind problematische Verläufe dagegen vergleichsweise häufig. Sie erfordern eine medizinische Behandlung.
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Symptome
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HWI können verschiedene Beschwerden auslösen. Solche, die als häufig und typisch gelten, heissen Leitsymptome. Jedes davon kann für sich allein oder in Kombinationen mit anderen auftreten. Deshalb bieten sie Betroffenen manchmal nur schwache Anhaltspunkte dafür, woher ihre Beschwerden stammen. Zudem gibt es HWI, die ohne Symptome verlaufen (asymptomatische Bakteriurie) und erst bei Urinuntersuchungen ans Licht kommen. Die Tests sind wichtig in der Schwangerschaft (siehe «Behandlung»). Mediziner unterscheiden unkomplizierte, komplizierte, wiederkehrende, obere und untere HWI. Jeweils eigene Namen gibt es für Formen, bei denen nur einzelne Organe des Harntrakts betroffen sind.
Leitsymptome bei Harnwegsinfektionen
- Schmerzen beim Wasserlassen (Algurie), die sich oft als Brennen äussern und gleich am Anfang (häufig bei Harnröhrenentzündungen) oder eher gegen Ende (häufig bei Blasenentzündungen) auftreten können.
- Schmerzhafter Harndrang und erschwerte Entleerung (Strangurie). Die Blase verkrampft sich vor dem Wasserlassen. Dadurch verstärkt sich und schmerzt der Harndrang (Tenesmus). Er wird so drängend, dass man den Gang zur Toilette nicht aufschieben kann (imperativer Harndrang). Viele Betroffene können sich nur um kleine Harnmengen erleichtern und müssen deshalb häufiger auf die Toilette (Pollakisurie).
- Schmerzhafter Harndrang, erschwerte Entleerung und Schmerzen beim Wasserlassen (Dysurie) – Algurie und Strangurie in Kombination. Dysurie geht häufig auf akute und chronische Infektionen der Harnblase und/oder der Harnröhre zurück. Seltener stammen die Beschwerden von anderen Ursachen wie beispielsweise von Steinen oder Verletzungen in der Harnröhre, Entzündungen und Steinen in den oberen Harnwegen, Krebserkrankungen und Störungen im Nervensystem.
- Häufiges Wasserlassen von kleinen Harnmengen (Pollakisurie). Betroffene müssen öfter auf die Toilette als sonst, weil sie Harndrang spüren, obwohl ihre Blase nicht voll ist. Sie lassen nur geringe Mengen Harn ab. Über 24 Stunden hinweg ist die Harnmenge nicht erhöht. Anderenfalls sprechen Fachleute von Polyurie, einer krankhaft erhöhten Urinausscheidung. Pollakisurie ist häufig Folge von HWI, kann aber auch bei einer überaktiven Blase erscheinen, bei Östrogenmangel (z.B. nach den Wechseljahren), in der Schwangerschaft oder bei Stress. Andere Auslöser gelten als eher selten (z.B. Harnröhrenverengung, Blasensteine oder Störungen im Nervensystem). Bei Diurie, einer Unterform der Pollakisurie, müssen Betroffene nur tagsüber öfter Wasser lassen.
- Vermehrtes nächtliches Wasserlassen (Nykturie), weil Harndrang besonders in der Nacht stark wird und vermehrt rasche Gänge zur Toilette erzwingt. Dadurch wird nicht nur der Schlaf ständig unterbrochen, auch die Gefahr von Stürzen steigt. Ältere Personen mit Nykturie haben eine höhere Sterblichkeit als gesunde Senioren. HWI, besonders solche an den unteren Harnwegen, führen häufig zu Nykturie. Ebenso auftreten kann das Symptom beispielsweise bei erhöhter Harnproduktion (Polyurie), Reizblase (überaktive Blase), durch die Einnahme bestimmter Medikamente (z.B Diuretika) und bei Männern mit gutartiger Vergrösserung der Prostata (benigne Prostatahyperplasie, BPH).
- Unfähigkeit, Wasser zu lassen(Harnverhalt, Harnverhaltung, Harnretention, Ischurie). Trotz gefüllter Blase können Betroffene sich nicht erleichtern. Teilweise, aber nicht immer, treten heftige Schmerzen auf. Ursache sind häufig Entzündungen von Harnblase und/oder Harnröhre und bei Frauen auch Organsenkungen (z.B. von Gebärmutter oder Scheide). Auch Verletzungen, Tumore und Steine, die den Harnabfluss behindern, können Harnverhalt auslösen. In seltenen Fällen geht er auf nervliche Störungen (z.B. bei multipler Sklerose, nach Querschnittslähmung) oder psychische Ängste zurück. Alkohol, speziell Bier, kann vorübergehend das Wasserlassen erschweren oder sogar verhindern. Ein akuter kompletter Harnverhalt gilt als Notfall, weil Harn sich bis zu den Nieren hinauf stauen und dort Gewebe zerstören kann. Beim akuten Harnverhalt schmerzt die Blase in der Regel stark und reagiert schmerzhaft auf Druck. Dagegen spüren Betroffene mit chronischem, inkomplettem Harnverhalt nichts oder nur wenig. Sie können kleine Harnmengen ablassen, sodass sich erst mit der Zeit ein gefährlicher Harnstau entwickelt. Der Druck durch den angesammelten Harn übersteigt irgendwann die Kraft der Schliessmuskel. Dann verlieren Betroffene unbemerkt und unwillkürlich tropfenweise Harn (Inkontinenz bei chronischem Harnverhalt, «Überlaufinkontinenz»).
- Unkontrollierter Abgang von Harn (Inkontinenz) kann gelegentlich bei HWI auftreten, etwa wenn sie die Fähigkeit zum Wasserlassen stören (Inkontinenz bei chronischem Harnverhalt) oder Entzündungen mit sehr starkem Harndrang verbunden sind (Dranginkontinenz, Urgeinkontinenz). Personen, die unter wiederkehrenden HWI leiden, haben ein erhöhtes Inkontinenzrisiko.
Weitere, verbreitete Symptome bei HWI sind beispielsweise auch Ausfluss, Trübungen des Harns, Geruchsveränderungen des Harns. Bei schweren Verläufen und besonders bei Beteiligung der Nierenbecken können Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, Schmerzen oberhalb der Blase, etwa an den Körperseiten (Flankenschmerzen), und allgemeines Krankheitsgefühl dazukommen.
Unkompliziert oder kompliziert?
Als unkompliziert gelten HWI, wenn keine Fehler im Aufbau des Harntrakts und seiner Funktion bestehen. Die Nieren müssen einwandfrei arbeiten, und es dürfen keine anderen Erkrankungen vorliegen, die HWI begünstigen. Bei folgenden Patientengruppen bewerten Mediziner HWI als unkompliziert:
- Gesunde, nicht schwangere Frauen vor und nach den Wechseljahren
- Gesunde Schwangere
- Gesunde jüngere Männer
- Gesunde Personen mit Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und stabiler Stoffwechsellage
Schwangere und Diabetiker sollten dennoch immer ärztlichen Rat einholen, weil bei ihnen das Risiko für Komplikationen generell etwas erhöht ist.
Von komplizierten HWI gehen die Fachleute grundsätzlich in allen anderen Fällen aus, wobei die Gründe dafür unterschiedlich sind. Personen, auf denen eines der aufgeführten Kriterien zutrifft, sollten bei jeder HWI einen Arzt aufsuchen und die Ursache klären lassen. Zur Behandlung sind in der Regel Antibiotika notwendig. Als kompliziert stufen Mediziner HWI ein bei:
- Kindern, weil hier oft angeborene Fehlbildungen der Grund sind.
- erwachsenen und älteren Männern, weil HWI hier ungewöhnlich sind und im Alter oft durch Veränderungen der Prostata entstehen.
- Schwangeren mit Begleiterkrankungen und Diabetikern mit instabiler Stoffwechsellage.
- Abwehrschwäche (z.B. durch Diabetes, Medikamente nach Transplantation, HIV-Infektion).
- Störungen in Funktion oder Aufbau des Harntrakts wie etwa Abflussbehinderungen (z.B. durch Verengungen der Harnröhre, Harnsteine, Operationsnarben, Tumore, Blasenentleerungsstörung, vergrösserte Prostata), Harnstau oder Harnrückfluss aus der Blase in die Harnleiter.
- vorhandenen Rückzugsbereichen für Keime wie z.B. Harnsteinen, Katheter und anderen Fremdkörpern oder Tumoren.
- Erkrankungen der Nieren oder des Stoffwechsels wie beispielsweise Gicht.
Wann zum Arzt?
- Schwangere, Diabetiker, Kinder und Männer und andere Personen, die zu einer der oben genannten «komplizierten» Patientengruppen gehören, sollten besonders vorsichtig sein und eher einmal zu viel als einmal zu wenig ärztlichen Rat in Anspruch nehmen. Manchmal können HWI zu Nierenschäden oder lebensbedrohlichen Blutvergiftungen (Urosepsis) führen.
- Bei Fieber, Schüttelfrost, deutlichem Krankheitsgefühl, Flankenschmerzen, (Druck-)Schmerzen in der Nierenregion, Rückenschmerzen: Diese Zeichen sprechen in der Regel für eine Beteiligung der Nieren. Die Organe können Schäden erleiden, und in ungünstigen Fällen können sich lebensbedrohliche Komplikationen entwickeln (Urosepsis).
- Bei rötlich verfärbtem oder rotem Urin: Eine solche Farbveränderung kann auf Blut im Urin (Hämaturie) hinweisen. Die Ursache von Einblutungen in den Harn muss nicht ernst sein, sollte aber immer abgeklärt werden.
- Bei Beschwerden, die drei Tage anhalten: Wegen der ungewöhnlichen Länge ist es ratsam, die Ursache zu klären. Damit sich die Infektion nicht ausweitet, kann eine Erregerbestimmung mit Antibiotikaempfindlichkeit (Urinkultur mit Antibiogramm) zur gezielten Behandlung notwendig sein.
- Bei wiederkehrenden HWI: Hier sollte untersucht werden, ob körperliche Umstände (z.B. Veränderungen der Scheidenflora oder vaginalen Schleimhäute) für die häufige Rückkehr der Infektionen verantwortlich sind. Falls ja, setzt eine Behandlung hier an. Anderenfalls empfiehlt sich eine Bestimmung der Erreger und ihrer Antibiotikaempfindlichkeit (Antibiogramm), um die Ursache gezielt zu beseitigen.
Unterteilung nach betroffenen Organen
- Entzündung der Harnröhren (Urethra) – Urethritis, meist verursacht durch Bakterien, aber es gibt auch nicht-infektiöse Formen. Als Symptome zeigen sich besonders Brennen beim Wasserlassen, starker und häufiger Harndrang, jucken oder Schmerzen an der Harnröhre, gerötete Harnröhrenöffnung, Ausfluss.
- Entzündung der Harnblase (Vesica urinaria) – Zystitis (Cystitis, Blasenkatarrh, Blasenentzündung). In rund neun von zehn Fällen sind Darmbakterien die Erreger. Blasenentzündung zeigt sich oft durch Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen (Dysurie), starken Harndrang und kleine Harnmengen (Pollakisurie) sowie durch Schmerzen im Unterbauch (Blasenkrämpfe). Manchmal trübt sich der Harn und/oder ändert seinen Geruch.
- Entzündung der Harnleiter (Ureter) – Ureteritis. Sie entwickelt sich, wenn Entzündungen aus den unteren Harnwegen in die Harnleiter aufsteigen. Bei den Beschwerden stehen Schmerzen im Mittelpunkt, die oft von der Nierenregion in Bauch oder Rücken ausstrahlen. Die Symptome ähneln denen einer Nierenbeckenentzündung.
- Entzündung der Nierenbecken (Pyelos, Pelvis renalis) – Pyelitis oder Pyelonephritis, wobei die Entzündung im Fall der Pyelonephritis noch auf Gewebe der Nieren selbst, das Nierenparenchym, übergegriffen hat. Bei Pyelitis sind nur die Nierenbecken betroffen, die trichterförmigen Enden der Harnleiter an den Nieren. Die Entzündungen entstehen wie bei Harnleiterentzündungen durch Bakterien, die aus der Blase aufgestiegen sind. Zu den Beschwerden, wie sie bei Harnleiterentzündungen auftreten, können auch Druckempfindlichkeit der Nieren, Flankenschmerzen, Fieber, Übelkeit und allgemeines Krankheitsgefühl hinzukommen.
Mediziner unterscheiden neben Infektionen einzelner Organe zum Teil auch untere von oberen HWI. Obere gehen fast immer aus unteren hervor, sodass bei oberen HWI vielfach auch Entzündungen in den unteren Harnwegen vorhanden sind.
- Untere HWI: Entzündungen der unteren Harnwege betreffen meistens die Harnblase (Blasenentzündung/Zystitis, Blasenkatarrh). Selten ist zusätzlich die Harnröhre betroffen, noch seltener nur die Harnröhre allein (Urethritis). Typisch für untere HWI sind neu erscheinende, akute Schmerzen beim Wasserlassen sowie starker und häufiger Harndrang (Dysurie), erschwertes Wasserlassen mit kleinen Harnmengen (Pollakisurie) und teilweise Schmerzen im Unterbauch, wo die Blase liegt. Oberhalb davon sind normalerweise keine Beschwerden zu spüren. Die Erkrankungen klingen üblicherweise nach wenigen Tagen ab, ohne dass Medikamente nötig wären. In der Mehrheit der Fälle genügt es, viel zu trinken, um Erreger fortzuspülen.
- Obere HWI: Hier spielt sich die Entzündung üblicherweise in den Nierenbecken ab (Nierenbeckenentzündung, Pyelitis/Pyelonephritis), den trichterförmigen Erweiterungen am oberen Ende der Harnleiter. Die Harnleiter selbst sind nur manchmal zusätzlich betroffen (Ureteritis). Obere HWI entwickeln sich fast immer aus unteren HWI. Dann sind Erreger von der Blase in die Harnleiter und Nierenbecken aufgestiegen. Als typische Anzeichen gelten Schmerzen an der Körperseite unterhalb der Rippen (Flankenschmerzen) und in der Nierenregion, wenn man dort drückt. Nicht selten tritt auch Fieber auf. Übelkeit mit Erbrechen ist möglich. Obere HWI können ernste Komplikationen nach sich ziehen. (Urosepsis/Blutvergiftung durch Bakterien aus den Harnwegen), weshalb in der Regel eine Behandlung mit Antibiotika stattfindet. Zu den genannten Symptomen können solche auftreten, die für untere HWI typisch sind. In einigen Fällen verlaufen Entzündungen mit Beteiligung der Nieren allerdings ohne besondere Beschwerden und können lange unbemerkt bleiben.
Wiederkehrende Harnwegsinfektionen
Leider kommen HWI gerade bei Frauen recht oft und teilweise regelmässig zurück. Komplikationen sind dennoch keine zu befürchten, sofern sich die Infektionen nur auf die unteren Harnwege und besonders die Blase beschränken. In den meisten Fällen liegen Störungen der schützenden Scheidenflora vor. Sie können etwa durch Antibiotikabehandlungen, häufigen Geschlechtsverkehr oder Östrogenmangel (z.B. nach den Wechseljahren) entstehen. Diese Umstände erleichtern es Erregern, sich zu vermehren. Auch körperliche Ursachen (z.B. unerkannte Fehlbildungen, Zuckerkrankheit) können dazu führen, dass sich HWI ständig wiederholen. Wenn HWI-Beschwerden trotz üblicher, richtiger Behandlung nicht verschwinden oder ständig wiederkehren, muss ihre Herkunft geklärt werden. Zunächst erfolgt oft ein Antibiogramm. Das ist eine Urinkultur, mit der sich die Art der Erreger, ihre Zahl und ihre Empfindlichkeit für bestimmte Antibiotika feststellen lässt. Bei einem Verdacht auf körperliche Ursachen erfolgen meist andere Tests wie Ultraschalluntersuchungen und andere. Neben den allgemeinen Massnahmen zur Vorbeugung (siehe «Ursachen, Risikofaktoren und Vorbeugung») empfehlen Fachleute gegen wiederkehrende HWI noch diese Möglichkeiten:
- Medikamente, Arzneien. Wenn körperliche Ursachen ausgeschlossen sind, können betroffene Frauen zur Vorbeugung drei bis zwölf Monate bestimmte Antibiotika in niedriger Dosierung einnehmen (z.B. Trimethoprim, Nitrofurantoin). Auch Scheidenzäpfchen mit Östrogen (Estriol) senken die Rückfallgefahr. Für Extrakte aus Cranberrys gibt es schwache Wirkungsnachweise.
- Impfung und Immunstimulation. Es gibt Bakterienextrakte aus den fünf häufigsten Verursachern, die gegen wiederkehrende HWI helfen sollen. In vorläufigen Studien erkrankte nur noch weniger als die Hälfte der Anwenderinnen im ersten Halbjahr an HWI. Bei anderen sank die Zahl der Entzündungen, und sie dauerten kürzer. Als Nebenwirkungen traten teilweise Fieber und Schmerzen auf. Bei dem Extrakt, das in Muskeln gespritzt wird, erschienen auch Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle. Ein anderes Extrakt nehmen Anwenderinnen ein wie bei einer Schluckimpfung.
- Entspannt Wasser lassen. Betroffene sollten nicht mit der Bauchmuskulatur pressen oder in angespannter Haltung Wasser lassen.
- Intimzone nur mit Wasser reinigen. Auf Seifen, andere säubernde oder duftende Zusätze sollten Betroffene beim Duschen und Baden verzichten. Für die Intimhygiene reicht es aus, die Hände und warmes Wasser zu verwenden, das anschliessend abgetupft wird.
- Verstopfung und harten Stuhl vermeiden. Beide stehen im Verdacht, die Entwicklung von HWI zu begünstigen. Faserreiche Nahrung (Obst, Gemüse) macht den Stuhl weich.
- Ein paar Tage Pause beim Sex. Geschlechtsverkehr ist ein Risikofaktor für HWI. Ein paar Tage Enthaltsamkeit können dazu führen, dass Infektionen nicht zurückkehren oder zumindest ihre Häufigkeit sinkt. Wenn Frauen jedes Mal nach Geschlechtsverkehr eine HWI bekommen, sollten ihre Partner eine urologische Untersuchung machen lassen. Verengungen der Vorhaut des Penis oder Entzündungen im Bereich der Eichel können dazu beitragen, dass bei Partnerinnen häufig HWI wiederkehren. Männer sollten ihre Eichel täglich und vor jedem Sex bis zur Kranzfurche reinigen.
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Behandlung
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Entscheidend für die Behandlung ist, ob eine unkomplizierte HWI, eine Nierenbeteiligung oder eine komplizierte HWI vorliegt.
Die meisten unkomplizierten HWI verschwinden nach wenigen Tagen von allein, besonders wenn sich die Entzündungen auf die Blase beschränken. Viele Fachleute glauben, dass sich nahezu alle unkomplizierten HWI durch reichlich Flüssigkeit heilen lassen. Andere Mittel halten sie hier für unnötig, weil keine Gefahr für die Gesundheit besteht. Sicher ist, dass viel Flüssigkeit die Heilung erheblich unterstützt. Betroffene sollten mindestens zwei Liter pro Tag trinken, gerne auch drei. Sie sollten täglich auf jeden Fall anderthalb Liter Harn ausscheiden und immer zur Toilette gehen, sobald sich Harndrang meldet – selbst wenn Wasserlassen wehtut. Bei bestimmten Erkrankungen (z.B. Herzschwäche, eingeschränkte Nierenfunktion) können hohe Trinkmengen ungünstig sein. Im Zweifel verschafft eine fachliche Beratung Sicherheit. Antibiotika können die Genesungszeit bei HWI oft ein bisschen verkürzen.
Wärme lindert oft die krampfartigen Schmerzen an der Blase. Auch Medikamente, die Krämpfe lösen (z.B. mit dem Wirkstoff Scopolaminbutylbromid/Butylscopolamin), und einfache Schmerzmittel (z.B. Paracetamol, Ibuprofen) können helfen. Weiter gibt es einige pflanzliche und alternativmedizinische Mittel (z.B. Schüssler-Salze, Homöopathie), die nach Überzeugung der Anwender Blasenkrämpfe abschwächen.
Pflanzliche Mittel (z.B. Nieren- und Blasentees) sollen die Wirkung verstärken, die sich mit viel Flüssigkeit erreichen lässt. Einige Inhaltsstoffe aus Pflanzen wirken entzündungshemmend, harntreibend oder antibakteriell.
Antibiotika bei Harnwegsinfektionen
Bei unkomplizierten HWI können Antibiotika sinnvoll sein, wenn Entzündungen ungewöhnlich lange dauern oder oft wiederkehren. Bei oberen HWI, besonders solchen mit Nierenbeteiligung, und komplizierten HWI führt kaum ein Weg um diese Medikamente herum. Meist verordnen Ärzte Wirkstoffe (z.B. Fosfomycin, Nitrofurantoin oder Trimethoprim), die bekanntlich aktuell kursierende Erreger bekämpfen. Die Erreger- und Resistenzlage kann sich von Region zu Region unterscheiden und sich mit der Zeit ändern. Optimal sind daher Urinuntersuchungen mit Antibiogramm. Dabei werden die Arten der Erreger bestimmt, die tatsächlich vorhanden sind, und ihre Empfindlichkeit gegen einige Antibiotika. Die Wirkstoffe haben einen Nachteil: Sie erhöhen selbst das Risiko für HWI, gegen die sie eingesetzt werden. Rund zwei bis vier Wochen nach der Behandlung treten vielfach erneute HWI auf. Wahrscheinlich verändern Antibiotika die Scheidenflora so, dass sie Infektionen vorübergehend nicht mehr so gut abwehren kann.
Diagnose und Therapie in der Schwangerschaft
Es gibt Hinweise darauf, dass HWI die Gefahr von Komplikationen in und um die Schwangerschaft herum erhöhen können (z.B. Schwangerschaftsbluthochdruck, Frühgeburt, verringertes Geburtsgewicht, geburtsnaher Säuglingstod). Ausserdem ziehen Harnwegsentzündung ohne Symptome (asymptomatische Bakteriurie) in der Schwangerschaft häufiger Probleme nach sich: Bei bis zu zwei von fünf Schwangeren entwickelt sich eine Nierenbeckenentzündung. Schon wenn nur ein geringer Verdacht besteht, raten Fachleute zu Ultraschalluntersuchungen. Ausserdem werden Schwangere routinemässig auf Bakterien im Urin untersucht. Bei positivem Ergebnis ist die Einnahme von Antibiotika angebracht. Zur Wahl des richtigen Wirkstoffs sollten vorher im besten Fall eine Urinkultur und Antibiogramm stattfinden. Nach der Behandlung ist es vorteilhaft, mit weiteren Urinkulturen zu klären, ob die Erreger tatsächlich beseitigt sind.
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Ursachen, Risikofaktoren und Vorbeugung
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Die weitaus meisten HWI gehen auf das Konto von Bakterien, die aus dem Darm stammen (Escherichia coli), selten sind andere Bakterienarten, Viren und Pilze die Erreger. Frauen leiden von der Geschlechtsreife bis zu den Wechseljahren viermal häufiger an HWI als Männer. Das liegt an Risikofaktoren wie Geschlechtsverkehr und Verhütung sowie Unterschieden im Körperbau. Die weibliche Harnröhre endet näher am Anus und ist noch dazu erheblich kürzer als die männliche. Daher haben es Darmbakterien bei Frauen leichter, in die Harnröhre zu gelangen und von dort in die Blase aufzusteigen – oder im Fall von oberen HWI noch weiter hinauf in die Harnleiter und das Nierenbecken.
Männer leiden besonders im Alter häufig unter HWI. Ursache ist, dass sich die Vorsteherdrüse (Prostata) bei vielen älteren Männern vergrössert (benigne Prostatahyperplasie, BPH). Dann kann sie den Abfluss des Harns stören und selbst Beschwerden beim Wasserlassen verursachen, die sich wie eine HWI anfühlen. Ebenso kann eine vergrösserte Prostata den Harnabfluss so behindern, dass nach dem Wasserlassen etwas Harn in der Blase zurückbleibt (Restharn). Darin können sich Bakterien gut vermehren, sodass die HWI-Gefahr zunimmt.
Beeinflussbare Risikofaktoren und Vorbeugung
Fachleute raten Frauen, zur Vorbeugung gegen HWI besonders auf drei Dinge zu achten: Sie sollen Bakterien den Eintritt in ihre Harnröhre erschweren, die natürliche, schützende Beschaffenheit ihrer Scheidenflora erhalten und ausreichend trinken. Dazu dienen folgende Tipps, die noch weitere Massnahmen zum Schutz gegen HWI umfassen:
- Intimhygiene nicht übertreiben und richtig durchführen: Frauen sollten ihren Intimbereich immer «von vorn nach hinten» säubern und abtrocknen – von der Scheide her zum After hin. So verschleppen sie keine Keime vom Darmausgang zur Harnröhre. Bei der umgekehrten Richtung besteht diese Gefahr. Intimsprays, Scheidenspülungen, parfümierte oder basische Seifen können die Scheidenflora angreifen, sodass sie schlechter vor Infektionen schützt.
- Ausreichend trinken: Je mehr Flüssigkeit durch die Harnwege strömt, desto besser werden Erreger fortgeschwemmt.
- Häufig Wasser lassen und die Blase vollständig entleeren: In stehendem Harn können sich Keime besser vermehren. Das gilt umso mehr für Restharn, der nach dem Wasserlassen in der Blase zurückbleibt. Es ist ungünstig Toilettengänge hinauszuzögern und die Blase nicht komplett zu entleeren. Selbst wenn das Wasserlassen gerade wegen einer HWI schmerzt, sollten Betroffene es nicht aufschieben, sondern regelmässig ihre Blase leeren.
- Östrogenmangel örtlich ausgleichen: Nach den Wechseljahren kursiert im weiblichen Körper weniger Östrogen. Der Mangel kann die Häufigkeit von HWI erhöhen. In diesem Fall helfen lokal angewandte Hormonpräparate (z.B. entsprechende Scheidencremes oder -zäpfchen). Sie wirken auch, wenn aus anderen Gründen Östrogenmangel vorliegt.
- Unterkühlung am Unterbauch vermeiden: Kälte schwächt örtlich das Immunsystem, weil sich die Blutgefässe in Haut und Schleimhäuten zusammenziehen. Dorthin gelangen dann weniger Immunzellen und Keime können sich leichter festsetzen. Frauen, die sich untenherum warm einpacken, verhindern das. Sie sollten etwa nasse (Bade-)Kleidung schnell ablegen und kalte Sitzgelegenheiten ebenso meiden wie Unterkühlung ganz allgemein.
- Aufgepasst beim Sex: Bei Geschlechtsverkehr tauschen Partner Bakterien aus und verteilen sie – daher auch der Ausdruck «Honeymoon-Zystitis» für Blasenentzündungen nach Sex. Die Infektionen entwickeln sich zudem leichter, weil Sex die Harnröhre der Frauen mechanisch reizt. Fachleute raten ihnen, in der ersten Viertelstunde nach dem Geschlechtsverkehr Wasser zu lassen, um Keime fortzuschwemmen. Intensiver Sex und Praktiken wie ungeschützter Analverkehr erhöhen das Infektionsrisiko weiter. Direkt auf Anal- oder Oralverkehr sollte kein ungeschützter Sex folgen.
- Geeignete Verhütungsmittel wählen: Spermien tötende Scheidendiaphragmen (Pessare), Scheidenzäpfchen, Cremes oder Gele können wie Hygienemittel die schützende Scheidenflora nachteilig verändern. Anwenderinnen leiden häufiger unter HWI als andere Frauen. Auch Kondome mit Spermiziden haben dieselbe ungünstige Wirkung. Alternativen können Intrauterinpessare («Spirale»), Kondome für die Frau (Femidom) oder Portiokappen ohne Spermizide sein.
- Stress vermeiden oder abbauen: Dauerstress und andere psychische Belastungen können wahrscheinlich die Scheidenflora ungünstig verändern; bei Schwangeren ist das erwiesen. Weil anhaltender Stress der Gesundheit auch anderweitig schadet, sind Stressvermeidung und Entspannung nie falsch.
Nicht beeinflussbare Risikofaktoren
- In der Schwangerschaft bewirken Hormone, dass sich die Harnwege weiten und sich Eigenschaften des Harns verändern. Im Unterleib entstehen zudem neue Druckverhältnisse, die fördern, dass sich Harn in den Nieren staut. Dadurch wächst das Risiko von Komplikationen. Eine von drei HWI bei Schwangeren führt zur akuten Nierenbeckenentzündung. Die Behandlung (siehe «Behandlung») muss das berücksichtigen.
- Nach den Wechseljahren (Postmenopause) schwächt sich die Schutzfunktion der vaginalen Schleimhäute und der Scheidenflora ab. Ursache ist der Rückgang an Östrogenen. Lokale Hormonbehandlungen können die Folgen des Mangels oft ausgleichen.
- Wenn in der Familie häufig HWI auftraten und -treten, haben alle Mitglieder ein erhöhtes Risiko.
- Durch zurückliegende HWI und besonders solche, die bereits in der Jugend auftraten, steigt das Risiko. Ähnlichen, aber schwächeren Einfluss haben spätere HWI oder Funde von Bakterien im Harn, ohne dass Beschwerden auftraten (asymptomatische Bakteriurie).
- Erkrankungen, Medikamente und operative Eingriffe können ebenfalls eine Rolle für das HWI-Risiko spielen. Harnabflussstörungen (z.B. durch Blasensenkung, Harnsteine, Tumore, Verengungen der Harnröhre, gutartige Prostatavergrösserung sowie andere Erkrankungen oder Fehlbildungen) können zu Restharnbildung und Harnrückfluss in die Harnleiter führen. Häufig steigt durch Stoffwechselerkrankungen die Anfälligkeit für HWI. Beispielsweise erhöht Gicht das Harnsteinrisiko, während der Urin von Diabetikern Zucker enthält, der Bakterien als Nahrung dient. Zudem neigen Menschen mit Diabetes zu komplizierten HWI. Bei ihnen ist auch das Immunsystem geschwächt, weshalb sich leichter Keime ansiedeln. Denselben Effekt haben auch andere chronische Krankheiten und manche Medikamente (Immunsuppressiva, z.B. Kortison). Bei Säuglingen, Kleinkindern und älteren Menschen ist die Körperabwehr ohnehin vergleichsweise schwach. Antibiotika können die Scheidenflora nachteilig verändern und so das HWI-Risiko steigern. Andere Medikamente (z.B. Betablocker, Herzglykoside) können den Harndrang verstärken, also Beschwerden auslösen, die an HWI erinnern. Operationen und kleine Eingriffe an den Harnwegen (z.B. Blasenspiegelungen, Blasenkatheter) ermöglichen nicht selten Erregern den Eintritt in den Körper. In Spitälern ziehen sich viele Patienten eine HWI zu.
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Wirkstoffe
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