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Ein epileptischer Anfall ist eine zeitlich begrenzte Funktionsstörung der Hirnnervenzellen. Während des Anfalls kommt es zwischen Millionen von Hirnnervenzellen zu elektrischen Entladungen, durch die sie unkontrolliert „Befehle“ an den Körper weitergeben, die sich bei der betroffenen Person im Anfall zeigen.
Epileptische Anfälle können bei jedem Menschen und in jedem Lebensalter auftreten. Ein einzelner Anfall bedeutet jedoch noch keine Epilepsie. Erst wenn sich die Anfälle wiederholen, spricht man von einer Epilepsie.
Die Medizin kennt viele verschiedene Begriffe, um verschiedene Arten von Anfällen zu unterscheiden. Zentral ist der Unterschied zwischen sogenannt fokalen Anfälle (Anfälle, die an einer bestimmten, lokalisierbaren Stelle im Gehirn ausgelöst werden) und generalisierten Anfällen (Anfälle, an denen das gesamte Gehirn beteiligt ist). Zudem wird auch unterschieden zwischen Krampfanfällen und Absenzen. Unter „Epilepsie“ erfahren Sie noch mehr, in welchen Formen sich Anfälle zeigen.
Nein, Epilepsien können in jedem Lebensalter auftreten. Es gibt allerdings eine statistische Häufung bei Kindern unter einem Jahr und dann wieder bei älteren Menschen über 65 Jahren.
Epilepsie ist gut therapierbar. Mehr als 70% der Betroffenen werden mit Medikamenten anfallsfrei. Für einen weiteren Teil der Betroffenen kommen epilepsiechirurgische Eingriffe, spezielle Diäten oder auch ein sogenannter „Hirnschrittmacher“ (Vagusnervstimulation) als mögliche Behandlung in Frage, um Anfallsfreiheit zu erreichen oder zumindest die Zahl der Anfälle zu reduzieren. Insgesamt leben aber rund ein Drittel der Betroffenen mit Anfällen.
Die Diagnose Epilepsie beschreibt eine ganze Gruppe von Erkrankungen, deren Hauptmerkmal ist, dass ab und zu epileptische Anfälle auftreten. Allerdings können Grunderkrankungen vorliegen, die zu einer geistigen Behinderung führen. So ist eine schwere geistige Behinderung in etwa 50% der Fälle mit einer Epilepsie verknüpft.
Ein epileptischer Anfall an sich ist nicht gefährlich, das Gehirn beruhigt sich in der Regel nach wenigen Minuten wieder und stoppt den Anfall selbstständig. Gefährlich kann der Anfall sein, wenn der Betroffene im Anfall das Bewusstsein oder teilweise das Bewusstsein verliert und er sich zu diesem Zeitpunkt im Strassenverkehr, auf einer Leiter, in abschüssigem Gelände, umgeben von Gefahrenquellen und ähnlichem befindet.
Es gibt bestimmte Arten von Epilepsien (z.B. juvenile myoklonische Epilepsie), die sich auswachsen mit zunehmender Hirnentwicklung. Die betroffenen Kinder müssen keine Medikamente mehr nehmen und leben anfallsfrei. Dies gilt aber nicht grundsätzlich für alle Formen von Epilepsien.
Epileptische Anfälle oder Epilepsien führen nicht zu einer Intelligenzminderung oder Schädigungen am Gehirn. Manchmal sind Epilepsien ein Symptom für eine bestehende Schädigung des Gehirns, wodurch erst Anfälle ausgelöst werden. Unfälle mit Kopfverletzung, Hirnschläge oder Tumore zählen zu den möglichen Ursachen von Epilepsie.
In sehr seltenen Fällen sind Epilepsien bei Kindern mit einem sehr schweren Verlauf von einem zunehmenden geistigen Abbau begleitet. Vielfach ist aber unklar, inwieweit die Epilepsie zur Gehirnschädigung führt.
Das wichtigste ist, dass die Medikamente regelmässig und in der korrekten vom Arzt vorgeschriebenen Dosierung eingenommen werden. Damit man stets einen guten Überblick über die Einnahme hat, gibt es Hilfsmittel wie Dosetten.
Nehmen Sie Kontakt mit Ihrem Neurologen/Ihrer Neurologin auf oder melden Sie sich im Schweizerischen Epilepsie-Zentrum der Klinik Lengg und verlangen Sie den Tagesarzt/die Tagesärztin. Die Mediziner können Sie beraten, ob Sie die vergessene Dosis „nachnehmen“, oder Teile davon oder ob ein ganz anderes Vorgehen nötig ist.
Früher hat man epilepsiebetroffenen Frauen vom Kinderkriegen ganz abgeraten, heute aber weiss man, dass die meisten Schwangerschaften problemlos verlaufen. In der Mehrheit der Fälle hat die Schwangerschaft keinen Einfluss auf die Epilepsie. Dennoch sollten Sie das Thema Kinderwunsch mit Ihrer Neurologin/Ihrem Neurologen besprechen. Es gibt Medikamente, die bei Kindern zu Missbildungen führen können, weshalb man frühzeitig für eine mögliche Umstellung der Medikamente sorgen muss. Die Schweizerische Epilepsie-Liga hat hierzu einen Flyer herausgegeben, der auch die Themen Gefahr für das Kind bei Anfällen, Geburt und Stillzeit berücksichtigt.
Epilepsien sind keine Erbkrankheiten, doch haben Kinder von Eltern mit Epilepsie ein erhöhtes Risiko Epilepsie zu bekommen (ca. 5% der Fälle). Das Risiko hängt von der Art der Epilepsie ab.
Nach einem epileptischen Anfall (Gelegenheitsanfall) gibt es eine Karenzfrist von wenigen Monaten, in der man nicht fahren darf. Bei einer diagnostizierten Epilepsie, die mit Medikamenten gut eingestellt ist, ist Autofahren möglich, je nach Führerausweis-Kategorie gibt es aber Einschränkungen. Auf unserer Seite Alltag mit Epilepsie finden Sie zum Thema noch mehr Informationen.
Die meisten Berufe lassen sich trotz einer Epilepsie ausüben, allerdings gibt es Einschränkungen in Berufen, in denen man sich selber oder andere bei einem Anfall in Gefahr bringen kann. Nicht zwingend aber muss in diesen Fällen der Beruf aufgegeben werden. Manchmal reichen Schutzmassnahmen, die man treffen kann. Dies muss im Einzelfall geprüft werden. Sie finden hier weitere Informationen zum Thema „Beruf und Epilepsie“.
Epilepsien sind noch immer mit vielen Vorurteilen behaftet. Darum ist korrekte und sachliche Information sehr wichtig. Die Beschreibung der jeweiligen Anfälle und die Aufklärung über das richtige Verhalten bei einem Anfall, kann dem Gegenüber die Angst nehmen, falsch zu reagieren. Zudem kann über Epi-Suisse kostenlos Informationsmaterial bezogen werden, das man auch im Umfeld verteilen kann [Link auf 2.5.2. Infomaterial].
Wenn die epileptischen Anfälle in irgendeiner Weise Einfluss auf die Arbeitsleistung haben können oder eine Selbstgefährdung bei einem Anfall besteht, ist es sinnvoll, die Epilepsie gegenüber dem (künftigen) Arbeitgeber zu erwähnen. Neben der Schwere der Epilepsie, der Häufigkeit, der Regelmässigkeit, ist auch die Tageszeit der Anfälle zu berücksichtigen. Ein allgemein gültiges Patentrezept gibt es nicht.
Eine Krankheit bringt leider häufig auch finanzielle Sorgen mit sich. In der Schweiz besteht ein breites Netz an Versicherungen, das Betroffene auffangen sollte. Zudem gibt es auch auf Behördenseite Anlaufstellen bei finanziellen Sorgen. Wir haben auf unserer Seite zu Finanzen und Recht die wichtigsten Infos zusammengetragen.
Je nachdem, ob es sich um ein sozialversicherungsrechtliches, arbeitsrechtliches, finanzielles oder anders gelagertes Problem handelt, sind unterschiedliche Beratungsstellen einzuschalten. Epi-Suisse kann Sie unterstützen und Ihnen Kontakte zu den Beratungsstellen vermitteln, die Ihnen helfen können. Wenden Sie sich hierfür an unsere Beratung.