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Eine Momentaufnahme der künstlerischen Praxis um 1938: die mukanda-Masken der Yaka
Nanina Guyer
17.03.2023
Bereits zu Beginn seiner Reise durch die damalige Kolonie Belgisch Kongo im Jahr 1938 traf Himmelheber östlich von Kinshasa auf die Tänze, die im Zusammenhang mit dem mukanda-Lager der Yaka aufgeführt wurden. In diesen Lagern durchliefen Knaben während eines Jahres ihre Initiation und wurden dabei zu vollwertigen Männern. Sie lernten handwerkliche Fertigkeiten und übten sich im Tanzen und Singen. Der Künstler kalaueni stellte für jedes Lager drei bis elf Masken her, die danach mit Ausnahme des Anführers immer paarweise auftraten. Getanzt wurden sie von Neuinitiierten mit privilegiertem Status. Himmelheber konnte nicht nur eine dichte Fotodokumentation dieser Tänze aufnehmen, sondern auch Maskenensembles erwerben. Diese bestanden aus ganz unterschiedlichen Masken, von gesichtslosen, die vollständig aus Raffia gearbeitet waren, über solche mit geschnitzten Holzgesichtern und einfachem Kopfschmuck wie antennenartigen Fortsätzen und Federn bis hin zu gehörnten Masken. Als Kostüm trugen die Maskengestalten Tanzhemden aus Schnurgeflecht. Bei den Tänzen traten zuerst diese schlichteren Masken auf. Die grösste und schönste Maske mbala erschien zum Schluss des Auftrittes und war die Maske des Anführers. Mbala waren die absoluten Publikumslieblinge und sollten die Zuschauer durch überraschende Szenen, die mit Marionetten auf dem Kopfteil nachgestellt waren, verblüffen. Dabei liessen sich die Künstler von Sex, Humor und dem aktuellen Zeitgeschehen inspirieren. Himmelheber erwarb beispielsweise Masken, die ein Paar beim Liebesspiel zeigt. Auch moderne Sujets waren beliebt und Himmelheber fotografierte auch eine Maske mit Velofahrer. Humor spielte bei der Auswahl der Sujets für mbala-Masken eine grosse Rolle. Beliebt waren Parodien von Kolonialbeamten, wie ein agent sanitaire auf seinem Motorrad, ein Krankenpfleger am Mikroskop oder ein anderer Arztgehilfe, der eine Frau auf einem Gynäkologenstuhl untersucht.1 Eine Entdeckung stellt die Maske mit seitlich am Gesichtsstück geschnitzten Vögeln dar, die der Maske die Augen auspicken. Dieses Motiv war bis anhin noch nicht für die Yaka beschrieben worden und zeugt vom Erfindungsreichtum der Künstler. Die Yaka-Künstler erschufen für jedes mukanda-Lager neue Masken; insofern stellen die von Himmelheber erworbenen Maskenensembles eine Momentaufnahme des künstlerischen Schaffens im Jahre 1938 dar.
Quelle:
Guyer, Nanina: Eine Momentaufnahme der künstlerischen Praxis um 1938: die mukanda-Masken der Yaka. in Nanina Guyer und Michaela Oberhofer (Hg.): Fiktion Kongo. Kunstwelten zwischen Geschichte und Gegenwart. Zürich: Museum Rietberg / Scheidegger & Spiess, 2019
1
Himmelheber, 1939a, S. 11.