Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03122.jsonl.gz/2547

Bildstöcke in Ermensee
Definition von Kleinbauten im öffentlichen Raum
(Quelle: Merkblätter des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz, Kulturgüterschutz)
Als Kleinbau kann man im weitesten Sinne ein Gebäude oder Objekt mit beschränkter Dimension verstehen. Es handelt sich in der Regel um eingeschossige, freistehende Bauten, die jedoch auch in Kombination mit anderen Kleinbauten auftreten können, z.B. Toilettenhäuschen, Wettersäule, Kiosk, usw. Äusserlich sind sie dem Wandel der Zeiten und bestimmten Moden unterworfen. Die historischen Kleinbauten, einst in grosser Zahl anzutreffen, sind heute bedroht. Die Objekte müssen oft neuen Einrichtungen weichen oder werden gar ersatzlos entfernt.
Es wird unterschieden in Kleinbauten des städtischen Raumes (z.B. Telefonzellen, Kioskbauten, Toilettenhäuschen), in Kleinbauten der dörflichen Gemeinschaft (z.B. Backhäuser, Milchsammelstellen) sowie in sakrale Kleinbauten wie z. B. Wegkapellen, Wegkreuze und Bildstöcke. Im Weiteren geht es nur noch um die sakralen Kleinbauten, die im Gegensatz zu obengenannten Kleinbauten meist nicht einfach so ersatzlos entfernt wurden.
Bildstöcke von Ermensee im Speziellen
Ermensee ist im Besitze von fünf solcher Bildstöcke. Aus dem 6. Band von «Die Kunstdenkmäler des Kantons Luzern» von Adolf Reinle (Birkhäuser Verlag Basel 1963) ist Folgendes zu entnehmen:
«Ermensee liegt in der weiten Talsohle zwischen Baldegger- und Hallwilersee, an dem beide verbindenden Aabach. Wesentlich zum Charakter gehören die weit ins Mittelalter zurückweisenden Mühlen. Baudenkmäler sind die Kapelle St. Jakob und die Obere Mühle. Die an den drei Ortseingängen stehenden, steinernen Bildstöcke bezeichnen ohne Zweifel die Grenze des Gerichtskreises, indem seit 1415 das Weichbild des Dorfes zum luzernischen St.-Michels-Amt, die weitere Umgebung zu den von sieben eidgenössischen Orten verwalteten Freien Ämtern gehörte.»
Und weiter beschreibt er:
«Die Bildstöcke finden sich an den drei Dorfausgängen. Der reichste davon, an der Stelle, wo heute die Landstrasse die Bahnlinie überquert, ist 2m hoch. Er trägt das Datum 1825, die Initialen CA : LA und Müller-Embleme, ein Mühleisen über halbem Mühlrad. In der Nische eine hölzerne Statuette des hl. Nikolaus, 17. Jahrhundert.»
Geschichte sakraler Kleinbauten
Sakrale Kleinbauten nehmen in der Regel einen markanten Standort ein und prägen das Landschaftsbild: Wegkapellen, Bildstöcke, etc. sind an Weg- und Strassenverzweigungen sowie auf Anhöhen anzutreffen. Häufig zeichnen sie alte Wallfahrtswege oder Prozessionsrouten aus. Sie sind Zeichen christlichen Glaubens, insbesondere in einer katholischen Tradition, und laden die Vorbeigehenden zum Gebet und zur Besinnung ein. Vielfach handelt es sich bei den Kleinbauten um private Stiftungen, die zur Erfüllung eines Gelübdes, zum Gedenken an Verstorbene oder als Zeichen der Dankbarkeit aufgestellt wurden. Vor allem im Zusammenhang mit den Kreuzzügen und dem Pilgerwesen ins Heilige Land (11. bis 14. Jahrhundert) erfuhr die Errichtung von Gedenkstätten in der eigenen Heimat eine starke Belebung.
Eine starke Verbreitung der Bildstöcke erfolgte dann im 16. Jahrhundert. Sie sind in der Regel freistehend und präsentieren einen mehrteiligen Aufbau, bestehend aus Sockel, Schaft, Aufsatz und Überdachung. Mit der Zeit entstanden vielfältige Varianten. Die Bildstöcke sind vornehmlich aus Stein oder Holz errichtet. Sie sind mit gemalten, reliefierten oder plastischen religiösen Darstellungen geschmückt, die meistens in den Nischen des Bildstockaufsatzes eingelassen sind. Vielfach verfügen sie zusätzlich über Inschriften. Indem die Bildstöcke oder auch Wegkreuze häufig auf den Wanderkarten eingetragen sind, dienen sie heute auch als Orientierungshilfe im Gelände.
Standorte der fünf Bildstöcke
Die Bildstöcke befinden sich auf privaten Grundstücken und sind im Grundbuch verbucht. Sie werden in der Regel vom Besitzer oder Bewohner des jeweiligen Grundstückes gepflegt und gehegt. Selbst die beiden Stöckli am Hang der Erlose werden seit jeher ehrenamtlich von verschiedenen Personen gepflegt. Frische Blumen oder Kerzen sind keine Seltenheit, auch bei den abgelegenen Stöckli.
Es besteht ein Standortrecht, das entweder der Einwohnergemeinde Ermensee oder der Römisch katholischen Kirchgemeinde gehört. Die Unterhaltspflicht im Sinne von Restaurieren oder Renovieren (Bäume fällen oder setzen) obliegen der Einwohnergemeinde Ermensee oder der Kapellenstiftung Ermensee.
Dieses von Adolf Reinle oben beschriebene sogenannte «reichste» Bildstöckli steht am Ortsausgang Richtung Hitzkirch, wo die Ermenseerstrasse in die Kurve der Luzernerstrasse mündet. Es wird im Volksmund auch schlicht «de Samichlaus» genannt.
Das Marien-Stöckli steht Richtung Retschwil im Rank.
Das dritte Stöckli, welches am Ortsausgang Richtung Mosen gebaut wurde, ist das Verenen-Stöckli.
Sowohl das Älteste, das Jakobs-Stöckli und das Jüngste, das Wendelin-Stöckli, stehen an der Erlose, an zwei verschiedenen Fusswegen, welche Richtung Beromünster bzw. Schwarzenbach führen.
St.-Nikolaus-Bildstock
Erbaut um 1828
Mit einem kleinen Kreuzchen bekrönter Bildstock. In der Nische eine farbige gefasste Holzstatuette des hl. Nikolaus aus dem 17. Jahrhundert mit einem Tablett in der linken und einem Stab in seiner rechten Hand.
Schaft mit Datum, Stifterinitialen und einem Müller-Emblem, ein Mühleisen über halbem Mühlrad.
Inschrift am Sockel: C A / L A / 1828
An der Rückseite des Tabernakels: Trigramm Christi
St.-Verena-Bildstock
Erbaut um 1854
Weissgetünchter Bildstock, bekrönt mit einem kleinen schmiedeeisernen Metallkreuz. In der Nische sind zwei neue Holzstatuetten. Der hl. Jakobus mit einem Stock in der rechten Hand und einem Krug in seiner Linken; rechts von ihm steht die hl. Verena.
Inschrift am Schaft: 1854 / I E I
St.-Wendelin-Bildstock
Erbaut um 1898
Aus Sandstein gehauener Bildstock über breitem, abgestuftem Sockel. Aufgesetztes Metallkreuz. In der flachen, vergitterten Nische volkstümliches Bild des hl. Wendelin vor dem Gekreuzigten. An seiner rechten Seite ist ein Schaf dargestellt und in der Hand hält der hl. Wendelin eine Jakobsmuschel.
Inschriften: unterhalb der Nische: ST. WENDELIN und am Schaft: 1898
Mutter-Gottes-Stöckli oder Marien-Bildstock
Erbaut um 1853
Aus zwei Teilen gefertigter Bildstock, mit aufgesetztem Metallkreuz. In der Rundnische eine industriell gefertigte Marienstatuette mit Kind.
Am Sockel eine Inschrift: 1853 / H M
St.-Jakob-Bildstock
Erbaut um 1685
Restauriert um 2005
Dieser in Sandstein gehauene Bildstock ist das älteste Flurdenkmal dieser Art im Einzugsgebiet der Kirchgemeinde Hitzkirch. Der erhabene Schild am Schaft des Bildstockes enthält über dem Emblem in der Form eines halben Mühlerades eine Inschrift des Stifterpaars. Der Schaft wird von einer Ädikula (kleines antikes Bauwerk oder Bauteil) mit geschweiftem Abschluss bekrönt. Die vergitterte Nische enthält eine derbe Statuette des hl. Jakobus aus dem 20. Jahrhundert.
Inschrift am Sockel: ZUREHR GOTES / HATMACHENLASE / JACOBMULERDER / SPILHOFERUNDSE / INEHIWIBANA / ELMIGERINZVO / ERMENSEE / 1685
Im Restaurierungsbericht von 2006 steht beschrieben, dass der vorhandene Bildstock mit Abstand der Älteste und der Wertvollste sei. Durch seine Ursprünglichkeit und die spezielle Gestaltung mit der Inschrift auf dem Wappenschild ist er ein wichtiges und seltenes Zeitzeugnis.
Die heutige Jakobus-Figur wurde von dem einheimischen Zimmermann Jakob Müller-Schilter ca. 1960 geschnitzt.
Die Geschichte sagt, dass der Erbauer ein gewisser Iacob Müler sei, der laut Überlieferung an der heutigen Aabachstrasse 13 wohnte. Das Wohnhaus hat eine sehr schöne Eingangstüre mit einem ähnlichen Wappen und der Inschrift Iakob Mnler, evtl. Müler.