Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03516.jsonl.gz/2421

Biografie
Franz Schnyder wurde am 5. März 1910 in Burgdorf geboren. Mit Filmen wie «Gilberte de Courgenay» oder «Ueli der Knecht» wurde er zum erfolgreichsten Schweizer Fimregisseur.
Die Anfänge als Theaterregisseur
Franz Schnyder, geboren am 5. März 1910 im bernischen Burgdorf, liess sich in Köln und Düsseldorf zum Schauspieler und Regisseur ausbilden und arbeitete ab 1937 an Theatern in Berlin und in München. Vor Kriegsbeginn kehrte er in die Schweiz zurück, leistete Militärdienst und erhielt bald Regieverträge am Schauspielhaus Zürich und am Basler Stadttheater, wo er vorwiegend politische Stücke inszenierte.
Blütezeit des Filmregisseurs
1941 engagierte Lazar Wechsler von der Praesens-Film den jungen Mann als Regisseur für die Produktion «Gilberte de Courgenay». Sein erster Spielfilm wurde ein riesiger Erfolg und machte die junge Schauspielerin Anne-Marie Blanc zum Star. Es folgten die Komödie «Das Gespensterhaus» (1942)und das Drama «Wilder Urlaub», das im Kino floppte. Zehn Jahre war es ruhig um Schnyder.
1954 schlug Schnyders grosse Stunde: Zum 100. Geburtstag von Jeremias Gotthelf brachte der Regisseur aus dem Emmental für die Zürcher Gloriafilm den Roman «Uli der Knecht» auf die Leinwand. Eineinhalb Millionen Kinobesucher waren begeistert, und zwei neue Filmstars (Hannes Schmidhauser und Liselotte Pulver) strahlten am Schweizer Kinohimmel. Zwischen 1954 und 1968 drehte Schnyder insgesamt zehn Spielfilme, darunter fünf nach Vorlagen von Jeremias Gotthelf. Ab 1957 war er auch Produzent.
Generationenwechsel im Schweizer Film
Sein letztes Werk, die Adaption des Kinderbuchklassikers «Die sechs Kummerbuben» (1968), wurde von der Kritik verrissen und vom Publikum gemieden. Im Auftrag des Schweizer Fernsehens hatte Schnyder allerdings gleichzeitig eine 13-teilige TV-Version gedreht, die bei der Erstausstrahlung 1969 zum Quotenknüller avancierte. Das Kino aber gehört endgültig der jungen Generation. Schnyder zog sich in sein Elternhaus zurück, schrieb mehrere Drehbücher und konnte nicht akzeptieren, dass die gerade gegründete Filmförderung des Bundes seine Eingaben immer wieder ablehnte, darunter auch sein lebenslang vorbereitetes «Pestalozzi»-Projekt.
1984 drehte der Jungfilmer Christoph Kühn einen einfühlsamen Dokumentarfilm über Schnyder und sein Werk."FRS: Das Kino der Nation" versöhnte den inzwischen 75-jährigen vorübergehend mit dem neuen Schweizerfilm. In den folgenden Jahren kämpfte der zornige alte Mann aber mit verbalen und schriftlichen Attacken weiter gegen die Obrigkeit und für eine nationale Filmpolitik nach seinen
Vorstellungen. Die letzten Monate seines Lebens verbrachte Franz Schnyder in der Klinik Münsingen, wo er am 8. Februar 1993 starb.
Radiobeitrag: Franz Schnyders Mann für fiese Rollen
Pierre Tagmann alias Peter Markus wirkte in verschiedenen Filmen von Franz Schnyder mit. Und immer spielte er unsympathische Typen: einen hinterhältigen Melker in «Ueli der Knecht» oder einen geldgierigen Garagier in «Die 6 Kummerbuben». Im Emmental denkt Tagmann an die Dreharbeiten zurück.
Schnyders Tod bewegte die Schweiz
Am 8. Februar 1993 starb der erfolgreichste Regisseur des Schweizer Films. Ein trauriger Tag in der Geschichte der Schweizer Volkskultur. Hier finden Sie Texte zum Tod Franz Schnyders.
- Mit freundlicher Genehmigung der Espace Medien AG (Der Bund)
- Mit freundlicher Genehmigung der Neuen Zürcher Zeitung