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Marc Potterat Überraschungssieger am 14. Engadiner Pfingstopen
Vom 27. bis 29. Mai 2023 fand im Hotel a la Staziun in Zernez das 14. Engadiner Pfingstopen statt. Mit einem neuen Spiellokal und angenehmen Bedingungen bot das Turnier einen grossen und schönen Spielsaal sowie eine freundliche und kollegiale Atmosphäre. Die Organisation lag in den Händen des Schachclubs Engadin, mit dem Turnierorganisator David Weisstanner und dem Schiedsrichter Toni Paganini. Aufgrund der Corona-Pandemie konnte das Turnier in den Jahren 2020, 2021 und 2022 nicht stattfinden.
Das Teilnehmerfeld war vielfältig und bestand aus 26 Spielern. Unter ihnen befand sich ein Internationaler Meister (IM), Alexander Belezky aus München, mit einer Elo-Zahl von 2320. Mit einer durchschnittlichen Elo-Zahl von über 1820 war es ein starkes Teilnehmerfeld. Es gab jedoch auch einige Spieler ohne Wertungszahl, wie zum Beispiel Rainer Bürki, der teilweise in Madulain wohnt und seine ersten Turnier-Erfahrungen sammelte. Die jüngsten Teilnehmer waren Juri Fürrer und Simon Hottinger, beide 15 Jahre alt, während der älteste Teilnehmer Göri Klainguti 77 Jahre alt war. Unter den Teilnehmern befanden sich auch fünf Engadiner Spieler: Andri Arquint aus Samnaun, Göri Klainguti aus Samedan, Adrian Lips aus Samedan, Andri Luzi aus Cinuos-chel und Christoph Moggi aus La Punt Chamues-ch.
Der Turnierverlauf zeigte zu Beginn einen überwiegenden Erfolg der Favoriten, doch es kam immer wieder zu überraschenden Ergebnissen. Eine Überraschung lieferte beispielsweise der junge Teilnehmer Simon Hottinger aus Zürich, der zwei höher eingestufte Spieler besiegte und am Ende den Titel als bester Junior gewann. In der dritten Runde musste auch der Turnierfavorit, IM Alexander Belezky, ein Unentschieden gegen Marc Potterat aus St. Gallen hinnehmen. In der vierten Runde verlor Niklas Wunder, die Nummer zwei der Turnier-Startliste, gegen Thomas Näf aus Flawil. Näf, ein regelmässiger Teilnehmer am Engadiner Schachturnier, ging als einziger Spieler mit der maximalen Punktzahl von 4 aus 4 Punkten in die Schlussrunde. In dieser Runde geriet Näf jedoch in eine Eröffnungsfalle gegen Potterat, und somit überholte der St. Galler seinen Gegner und sicherte sich den Sieg. IM Belezky gewann seine Partie in der Schlussrunde und erreichte ebenfalls 4.5 von 5 möglichen Punkten. Aufgrund der Punktgleichheit und des Unentschiedens in der Direktbegegnung zwischen Potterat und Belezky musste die «Buchholz-Wertung» entscheiden. Diese bewertet die Stärke der Gegner, die den Spielern zugelost wurden. Dank der etwas besseren Wertung landete Potterat auf dem ersten Platz und gewann damit bei seiner zweiten Teilnahme am Engadiner Pfingstopen zum ersten Mal das Turnier.
Auch die Engadiner Spieler zeigten gute Leistungen. Nach drei von fünf Runden befanden sich vier Engadiner mit jeweils zwei Siegen unter den führenden Teilnehmern des Turniers. In der vierten Runde kam es zum Spitzenduell zwischen den Engadiner Spielern Andri Arquint aus Samnaun und Adrian Lips aus Samedan. Arquint zeigte in einer engen Partie Kampfgeist und lehnte drei Remis-Angebote von Lips ab. Am Ende gelang es dem 27-jährigen Lips jedoch, seinen Gegner zu überspielen und die Partie zu gewinnen. Lips gewann auch seine Partie in der Schlussrunde und belegte mit einem hervorragenden Ergebnis von 4 aus 5 Punkten den vierten Platz, was ihn zum besten Engadiner Spieler machte. Arquint, dem in der dritten Runde trotz Verlust der Dame und Zeitnot eine mirakulöse Rettung gelang, beendete das Turnier auf dem 13. Platz. Christoph Moggi aus La Punt, der auf dem Papier als bester Engadiner eingestuft war, startete mit zwei souveränen Favoritensiegen. Danach hatte er jedoch kein Glück bei der Auslosung und verlor gegen den Topgesetzten IM Belezky sowie gegen den Drittplatzierten Näf. Mit einem Sieg in der Schlussrunde erreichte er den zweiten Platz unter den Engadiner Spielern und den starken sechsten Platz insgesamt. Auch Andri Luzi aus Cinuos-chel zeigte eine gute Form. Er erzielte zwei überzeugende Siege und zwei Unentschieden, darunter auch gegen den auf dem Papier deutlich besser eingestuften Niklas Wunder in der Schlussrunde. Mit 3 Punkten beendete er das Turnier auf dem 10. Platz. Göri Klainguti aus Samedan präsentierte gewohnt fantasievolles Angriffsschach und erreichte insgesamt 1.5 Punkte, was ihm den 21. Platz einbrachte.
Die nächste Ausgabe des Engadiner Pfingstopens findet vom 18. bis 20. Mai 2024, voraussichtlich erneut im Hotel a la Staziun in Zernez statt.
Die Rangliste, Resultate und eine Bildergalerie finden sich unter www.pfingstopen.schach-engadin.ch. Dort besteht auch die Möglichkeit, ausgewählte Partien nachzuspielen.
Autor: David Weisstanner, Schachclub Engadin, Turnierorganisation