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Moss, Katze und Süsserbsen, ca. 1907, Autochrom, 16,4 x 11,9 cm, Gift of Robert Hershkowitz, in memory of Samuel J. Wagstaff Jr., 1987, The Metropolitan Museum of Art, New York.
Als Autochrom bezeichnet man eine frühe Farbfototechnik, die mit eingefärbten Kartoffelstärkekörnchen arbeitet und Glas als Bildträger hat. Das Autochrom war das erste erfolgreiche und gewinneinbringende Fotofarbverfahren, das von den französischen Brüdern Auguste Lumière (1862–1954) und Louis Lumière (1864–1948) ab 1893 entwickelt, 1903 als Erfindung rechtlich geschützt und von 1907 bis in die 1930er-Jahre in Fabriken massenweise hergestellt wurde. Mit der Einführung des Autochroms gab es erstmals einen Durchbruch für die Farbfotografie.
Ein Autochrom besteht aus einer Schicht von Kartoffelstärkekörnern, die rot, grün und blau eingefärbt sind. Mit einem durchsichtigen Kleber werden diese Körnchen einlagig auf eine Glasplatte aufgetragen. Die in den additiven Grundfarben Rot, Grün und Blau eingefärbten Körnchen werden zu einer einheitlichen grauen Farbe vermischt. Die Lücken auf der Glasplatte zwischen den einzelnen Körnchen werden mit Russ geschwärzt, damit kein Licht durchscheinen kann. Im Anschluss wird die Platte unter starkem Druck gepresst. Auf diese Weise werden die Farbkörnchen platter und somit durchsichtiger. Über die Glasplatte wird Lack als Trennschicht aufgetragen, um die wasserlöslichen Farbkörnchen zu schützen. Schliesslich kommt auf die Glasplatte ein lichtempfindlicher Belag, die sogenannte Emulsion, die aus Gelatine und Silberbromid besteht und daher auf die Wellenlängen des Lichts reagiert. Um diese empfindliche Schicht gegen Berührungen und Kratzspuren zu schützen, legt man auf diese ein weiteres Glas.
Janke, Mikoaufnahme von einer Autochromplatte, 2014
Die Platten werden in die Fotokamera eingelegt und jeweils mit der Farbseite zum Motiv belichtet. Die Stärkekörnchen funktionieren nun wie ein Filter, wenn Licht auf sie trifft. Die Lichtwellen können nur durch die Körnchen in derselben Farbe durchdringen. Gleichzeitig wird die Emulsion belichtet. Würde man also den blauen Himmel fotografieren, kommen die blauen Lichtwellen durch die blaugefärbten Stärkekörnchen zum Vorschein und hinter diesen wird die Emulsion belichtet. Die roten und grünen Körnchen werden dabei kaum belichtet. Nach der Belichtung wird zunächst das Silber herausgewaschen, worauf das Negativ entsteht. Dieses wird durch die sogenannte Umkehrentwicklung gebleicht und wiederentwickelt, sodass ein positives Schwarzweissbild erstellt wird. Das Autochrom ist ein Diapositiv und stellt als solches ein Unikat dar.
Alfred Stieglitz, Kitty Stieglitz, 1902–1907, Autochrom, 12 x 9 cm, Alfred Stieglitz Collection, Art Institute Chicago
Nathalie Boulouch und Arno Grisinger, «‹Der grosse Erfolg der Autochrome-Platten liegt in ihrer Projektion›. Das projizierte Bild als privilegierte Präsentationsform früher Farbfotografie», in Fotogeschichte 74 (1999), 45–58.
Brian Coe, Colour Photography. The First Hundred Years 1840–1940 (London: Ash & Grant, 1978).
Caroline Fuchs, Das Autochrom in Grossbritannien. Revolution der Farbfotografie. Studies in Theory and History of Photography, Vol. 9 (Berlin: De Gruyter, 2017).
Bertrand Lavédrine und Jean-Paul Gandolfo, unter Mitarbeit von Christine Capderou und Ronan Guinée, L’autochrome Lumière. Secrets d’atelier et défis industriels (Paris: CTHS, 2009).
Auguste Lumière und Louis Lumière, La photographie des couleurs et les plaques autochromes (Lyon-Monplaisir: Société A. Lumière & ses Fils, 1908).
Pamela Roberts, 100 Jahre Farbfotografie (Berlin: Nicolaische Verlagsbuchhandlung, 2007).