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Nach jahrelangen praktischen Erfahrungen mit der Homöopathie stellte Hahnemann fest, dass bestimmte chronische Krankheitsverläufe homöopathisch nicht zu heilen waren. Während zwölf Jahren erforschte und verglich Hahnemann daraufhin penibel die Krankengeschichten seiner Patienten und ihrer Familienangehörigen und erkannte dabei Zusammenhänge zwischen den scheinbar unterschiedlichsten Krankheitssymptomen. So kam er zu dem Schluss, dass eine grundlegende Schwäche bestimmte Menschen anfällig mache für bestimmte Krankheiten. Nach seiner Theorie lag diesen chronischen Krankheiten ein „Miasma“ zugrunde, was auf Griechisch so viel wie „Verunreinigung, Befleckung“ bedeutet .
Hahnemann definierte drei Miasmen, die er Psora, Sykose und Syphilinie nannte. Die Psora (griech. Juckreiz) stellte er in Zusammenhang mit der Krätze, die Sykose mit dem unterdrückten Tripper und die Syphilinie mit der unterdrückten Syphilis. Die Psora bezeichnete er als das „Ur-Übel“, die Mutter aller Miasmen und grundlegende Ursache aller akuten und chronischen Krankheiten. Zwischenzeitlich wurde noch ein viertes Miasma, die Tuberkulinie als Folge von unterdrückter Tuberkulose, mitaufgeführt. Die Tuberkulinie ist eine Kombination aus der Psora und der Syphilinie.
Schon vor über 200 Jahren, ohne die heutigen Kenntnisse der Genetik, erkannte Hahnemann also, dass jeder Mensch eine Disposition für gewisse Symptomenkomplexe hat, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Hahnemann geht es dabei nicht um Krankheitsnamen selbst, sondern um die Symptome: so wird z.B. die Neigung zur Geschwulstbildung weitergereicht (Sykose) oder die Disposition für Krankheiten mit Strukturzerstörung (Syphilinie).
Mittlerweile ist die Forschung so weit fortgeschritten, dass Hahnemanns Gedanken bestätigt werden können. Durch z.B. Cortison oder Zink unterdrückte Hautausschläge können im Körper weiterwandern und mit der Zeit Neurodermitis, Asthma bronchiale oder Allergien hervorrufen. Oberflächlich betrachtet sind dies unterschiedliche Krankheiten, die aber alle zum sogenannten atopischen Formenkreis gehören und sich auch abwechseln können.
In der Miasmenlehre bedeutet dies z.B., dass ein Kind einen Heuschnupfen entwickeln kann, wenn ein Elternteil eine starke Hautallergie hatte; es hat die Disposition dazu, und eine Schwächung der Lebenskraft reicht, dass der Heuschnupfen plötzlich ausbricht.
Die Arzneimittellehre beinhaltet auch das Studium der Miasmen. Jedes homöopathische Arzneimittel ist bezüglich der verschiedenen Miasmen unterschiedlich stark ausgeprägt. Der Homöopath hat das aktive und das latente Miasma des Patienten zu erkennen und in seinen Überlegungen zur Arzneimittelwahl mit einzubeziehen.
Für weitere Informationen empfehle ich Ihnen Dr. Mohinder Singh Jus‘ verständlich geschriebenes Buch „Die Reise einer Krankheit“, im Homöosana Verlag erschienen, ISBN-13:978-3-906407-03-6.