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Dass Jean-Marie João Faustin Goedefroid de Havelange, der seit längerer Zeit in seinem Zuhause in der Nähe von Rio de Janeiros Ipanema-Strand Tag und Nacht betreut wurde, ausgerechnet während der Olympischen Spiele in Rio verstarb, ist eine traurige Laune des Schicksals. Er starb, während im Olympiastadion, das seinen Namen trägt, die Leichtathletik-Wettbewerbe durchgeführt wurden. Als IOC-Mitglied hatte Havelange erfolgreich Lobbying betrieben und die Spiele nach Rio gebracht.
Havelange hat ein Vierteljahrhundert lang den Weltfussball geprägt. Zwischen 1974 und 1998 war er Präsident der FIFA, ehe er seinem Zögling Sepp Blatter Platz machte. Später blieb Havelange dem Weltverband als Ehrenpräsident erhalten, doch 2013 ist auch Havelange im Korruptionssumpf stecken geblieben. Darauf gab er sein Ehrenamt ab.
Unter Havelange hatte die Fussball-Bewegung einen ersten grossen Schritt hin zur globalen Geld-Maschine gemacht. Er vergrösserte das Teilnehmerfeld zunächst von 16 auf 24 (1982), dann auf 32 Mannschaften (1998). Zudem wurden die diversen Entwicklungsprojekte der FIFA schon unter Havelange angestossen. Mit der Umsetzung betraute er den damaligen Generalsekretär Sepp Blatter.
Im Widerspruch zu diesen Entwicklungsprojekten steht die Kritik, wonach Havelange die Nähe zu diktatorischen Regimes suchte. Diese Kritik begleitete den Brasilianer Zeit seiner Präsidentschaft. Ob sie gerechtfertigt war, blieb ungeklärt. Sicher ist jedoch, dass unter Havelanges FIFA-Führung die WM-Endrunde 1978 in Argentinien stattgefunden hatte – in einer damals brutalen Militärdiktatur.
Doch es gibt auch ein Sport-Leben von Havelange neben beziehungsweise vor seinem umstrittenen Wirken als mächtiger Sportfunktionär. Zur olympischen Familie gehörte er nicht nur während den 42 Jahren als IOC-Mitglied. Havelange, der 1916 als Sohn eines belgischen Waffenhändlers aus Lüttich in Rio de Janeiro geboren wurde, nahm zweimal an Olympischen Sommerspielen teil. 1936 in Berlin als Schwimmer, 1952 in Oslo als Wasserballer.
(SDA)