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Trotz, oder vielleicht gerade wegen des Vietnamkrieges entstand in der südvietnamesischen Hauptstadt Saigon eine einzigartige Musikszene. Mit der ersten Landung von US-Amerikanischen Militärs im Südvietnam 1965 gelangten auch zahlreiche amerikanische Schallplatten in den Vietnam. Diese neuartigen Klänge aufnehmend schufen Vietnamesische Künstler*innen eine eklektische Form des Pops, die auch schnell bei den amerikanischen Militärangehörigen auf Anklang stiess.
Schon im späten 19. Jahrhundert kam Vietnam in den Kontakt einer fremden Grossmacht. Nämlich war der Vietnam zusammen mit Laos und Kambodscha bis ins Jahr 1954 Teil vom französischen Koloniestaat Indochina. Schon während dieser Zeit kam der Vietnam in Kontakt mit Musik aus Frankreich und seinen Kolonien. So kamen viele karibische Einflüsse nach Vietnam, die auch noch Jahrzehnte später spürbar waren.
Durch die Genfer Konferenz von 1954 wurde der Vietnam nicht nur als Land in Süd und Nord aufgeteilt, sondern auch die Musik polarisierte sich. Im Norden fokussierte sich die Musik vor allem auf die Werte der kommunistischen Revolution. Künstler*innen der sogenannten Nhạc đỏ (dt. rote Musik) sangen über die Vorteile eines Lebens frei vom kapitalistischem Kolonialismus und für eine grenzenübergreifende Arbeiter*innenbewegung. Im unter starkem westlichen Einfluss stehenden Süden entwickelte sich hingegen Musik, die instrumental und lyrisch näher am anglophonen Pop-Mainstream bewegte, ohne dabei ihre ausgeprägte vietnamesische Identität einzubüssen. Diese so entstandene Nhạc Vàng (dt. Goldene Musik) wurde ausgesprochen populär nicht nur unter der Südvietnamesischen Bevölkerung, sondern auch unter den amerikanischen Militärs, die ab 1965 in Vietnam stationiert waren. So wurden auch im Süden Sänger*innen zu Propagandazwecken eingesetzt und wurden auf Militärstützpunkte geschickt, um die amerikanischen Soldat*innen mit ihrer Musik zu unterhalten.
Mit dem Fall vom Südvietnam 1975 endete auch das Zeitalter der Nhạc Vàng. Viele der Musiker*innen flüchteten ins Exil nach Kalifornien, wo sich eine grosse Diaspora von Vietnames*innen bildete. In Vietnam selber wurde die Musik des Südens verneint und als ideologisch verwerflich denunziert. Mit strengen Zensurregeln versuchte man westliche Tendenzen aus der Musiklandschaft zu verdrängen. Auch heute noch müssen Musiker*innen in Vietnam zuerst die Einwilligung vom Ministerium für Kultur und Information bekommen, bevor sie ein Song herausgeben.
Die gesamte Musik aus der heutigen Ausgabe stammt aus drei Compilations mit dem Namen "Saigon Supersound". Hinter dieser Albumreihe steckt der deutsche Produzent und DJ Jan Hagenkötter. Aus unzähligen physischen und digitalen Musikträgern aus dem Südvietnam der 1960er und 70er kuratierte und remasterte er eine Selektion von über 50 Songs.
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