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Über 450 Bücher. Das bietet der Bücherladen auf dieser Website an. Liebevoll oder ärgerlich beschrieben und kommentiert. Zum Beispiel dieses
Darf man das wirklich nicht? Der aktuellste Knigge der Welt. Herausgegeben von Roger Köppel. Residenz Verlag. Salzburg 2007. 142 Seiten. Gebunden, Kleinformat.
Der Herausgeber muss es natürlich wissen. Er hat eine Karriere daraus gemacht, das zu tun, was man angeblich nicht tun darf, bevor er eine Karriere daraus gemacht hat, das zu tun, was bestimmte andere wollen. Hier handelt es sich um die Sammlung einer Kolumne aus der Weltwoche, und das ist halt wie bei all diesen leichtgewichtigen Dingen: Kaum geschrieben, sind sie überholt (zuweilen sind sie auch schon überholt, bevor sie geschrieben sind). Man kann dann einen Zeitgeist eruieren, in diesem Fall einen Zeitgeist der Weltwoche von 2007, als sie erst halb verbissen war. Zuweilen ja ganz amüsant.
Oder dann dieses
Homme de lettres et Angelus tutelaris. Festgabe für Adolf Frisé. Ahlhorn: Geest-Verlag 2000. 524 Seiten, kartoniert.
Natürlich lässt sich dieses Buch nicht lesen. Es ist ein Backstein aus 520 Seiten, in einer Typografie, die an Selbstverlage erinnert, und der herausgebende Verlag scheint auch so etwas wie ein Selbstverlag zu sein. Nehmen wir den Backstein also als faszinierendes Produkt verschiedenster Materialien (um die Metapher halbwegs konsequent zu halten). Adolf Frisé (1910–2003) wurde bekannt als erster Herausgeber von Robert Musil nach dem Zweiten Weltkrieg. Aber er war auch sonst vielseitig tätig als Lehrer, Journalist und Schriftsteller. Dieses Buch ist die zweite Festschrift, zum 90. Geburtstag, und sie versammelt Forscher und Freunde und Schüler. Es gibt wissenschaftliche Aufsätze zu Musil und anderen Autoren, es gibt kulturelle Reflexionen und belletristische und lyrische Arbeiten; dabei fällt auf, wie viele Musil-ForscherInnen belletristische Ambitionen hegen (eine, Sibylle Mulot, ist sogar zu einer Bestsellerautorin geworden). Es gibt Seriöses, Ironisches, Konservatives bis Reaktionäres, und Verspieltes; einige Musil-Gedichte und Kurztexte werden in rund 20 Sprachen übersetzt. Beiläufig wird versucht, durch verschiedene Unterteilung in Abteilungen wird versucht, eine gewisse Ordnung ins Buch zu bringen, nicht sehr erfolgreich. Wer sich dem Kuriosen aussetzen will, dem ist diese Materialsammlung durchaus zu empfehlen.
Aber auch
Ganz Burgos. Covarrubias und Santo Domingo de Silos. Deutsch (Ganz Spanien Nr. 20). Barcelona: Editorial Escudo de Oro 1983. 5. Ausgabe. 94 Seiten, mit 128 Farbbildern. Kartoniert.
Viel Kunst, prachtvoll golden, Kirchen, Klöster, Stadtgebäude, Türme, Tore, Kapitelle, Säle; insgesamt 9 Bilder mit Menschen drauf (wenn man auch dasjenige mit den drei Knaben ganz in der Ferne berücksichtigt, nicht aber die sieben Fotos des burgalesischen Folkloreumzugs), dazu eines vom Hauptplatz mit recht vielen, eher beschaulichen Autos.
Oder sogar
Pierre du Bourdel: Mademoiselle und ihre Freundinnen. Deutsch von Sara Pitti. Reinbek/Hamburg: Rowohlt Taschenbuchverlag 1982. 92 Seiten, kartoniert.
Eines dieser französischen Werke, die meinen, Erotik und Sex philosophisch aufbauschen zu müssen, und entsprechend wird die Sprache ziemlich verquast. Sogar ein Lord oder zumindest ein Sir taucht auf (im anglophoben Frankreich!), und der bringt die frühreife Lucette von den hübschen, aber beschränkten lesbischen Freuden zur wahren Erfüllung durch den Mann oder dessen besten Teil. Dazu passt ein Titelbild mit einer nackten Frau, die einem bekleideten Jüngling im Heu den Gurt löst; dafür liegt letzterer ziemlich unbequem mit dem Kopf neben zwei gröberen Steinen. In einem Nachwort von Pascal Pia wird das Werk auf 1911 datiert und der Name als Pseudonym für Pierre Mac Orlan und dieses wiederum für Pierre Dumarchey aufgelöst, und Pia erklärt die als Auftragsarbeiten geschriebenen erotischen Romane zur kulturpolitischen Tat gegen die Atmosphäre in der Dritten Republik. Tatsächlich erzielte Mac Orlan, wie sich Wikipedia entnehmen lässt, etliche Berühmtheit als Romancier (Quai des Brumes), Liederschreiber, Fotograf und Kritiker; aber die Bewunderung durch den unvermeidlichen Guy Debord und der vorliegende Roman zeigen bloss, dass der Libertinismus ebenso langweilig ist wie die sexualpolitische Repression.
Alle diese und noch etwa 453 andere Bücher können preisgünstig erworben werden. Samt Kommentar. Siehe auf der Auftaktseite unter bookcase, oder direkt auf http://www.stefanhowald.ch/bookcase. Stöbern, lesen, staunen und bestellen.