Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03608.jsonl.gz/1456

Spülgeräusche am stillen Örtchen
Beim Benutzen einer öffentlichen Toilette in Japan erfüllt beim Berühren der Klobrille zeitgleich ein lautes Spülgeräusch das WC. Dieses Geräusch, das aus einem sogenannten «Otohime» kommt, hängt entweder an der Wand oder ist als Teil in der Toilette selber integriert und soll peinliche Toilettengeräusche übertönen.
Mai 2020 – Dieser Blog kann ohne die Unterstützung der Leser nicht überleben. Mit einem freiwilligen Abo tragen Sie dazu bei, dass dieses tägliche Stück Japan auch nach 11 Jahren weiterexistiert – unabhängig, kostenlos und frei von Google-Werbungen. Herzlichen Dank! Ich bleibe täglich dran, bis diese Krise überstanden ist und darüber hinaus.
Das «Otohime», was übersetzt soviel wie «Geräusch-Prinzessin» heisst, wurde erstmals 1988 vom Toiletten-Hersteller Toto produziert. Das Gerät ermöglicht, dass Toilettenbesucher in aller Ruhe und ohne Rücksicht auf selbstverursachte Geräusche ihrem Geschäft nachgehen können.
Hauptanstoss dieser Erfindung soll eine grosse Trockenperiode in Fukuoka im Jahr 1978 gewesen sein, als man versuchte Wasser zu sparen. Dabei stellte Toto fest, dass weibliche Toilettennutzer die Angewohnheit haben zweimal zu spülen – um ihre körpereigenen Geräusche zu übertönen.
«Unannehmlichkeiten verhindern»
Warum Frauen (und auch 36% der Männer) Toilettengeräusche überspielen wollen, begründet eine 22jährige Studentin folgendermassen: «Ich mache mir eher Gedanken darüber, was ich den anderen mit meinen Geräuschen für Unannehmlichkeiten bereite, als darüber, dass es mir peinlich wäre, dass die anderen mich hören könnten.»
Gemäss Shigenori Yamaji, Experte der Toilettenkultur an der Osaka Universität, kann die «Otohime»-Kultur bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Die Residenz einer wohlhabenden Familie in Yakage in der Präfektur Okayama, die zugleich als Unterkunft von Fürsten diente, war mit einem sogenannten Otokeshi-no-Tsubo (Topf zur Geräuschseliminierung) ausgestattet.
Der Topf, der nun im Lager des Yakage Volksmuseum liegt und wohl in nächster Zeit ausgestellt wird, hat einen Wasseraustritt in Form eines Drachenkopfes mit geöffnetem Mund. Der Topf wurde in die Nähe der Gästetoilette platziert und diente ausschliesslich adeligen Besuchern. Bei Benutzung der Toilette, so vermutet Yamaji, hat ein Diener den Topfdeckel geöffnet und Wasser durch den Drachenmund fliessen lassen, um die Geräusche des Adligen zu übertönen
Fortgeschrittene WC-Technologie
Die japanischen Toiletten sind heute kleine Technologiewunder. So beinhaltet eine moderne WC-Ausstattung vollautomatische Toilettendeckel und -spülungen, die sich bei Annäherung von alleine öffnen und beim Aufstehen von alleine spülen. Auch vollautomatische Bidet-Funktionen, bei denen man die Stärke und Temperatur des Wasserstrahls selbst einstellen kann, und beheizte Sitzdeckel dürfen ebenso wenig fehlen.
Selbst das iPhone trägt diesem Bedürfnis Rechnung mit einer rege benutzten Spülgeräusch-App. Auch der Spielzeughersteller Takara Tomy Arts hat das Potential entdeckt und eine portable «Geräusch-Prinzessin» entwickelt. Seit November wurden 30’000 Stück davon verkauft. sb
Folgen Sie Jan Knüsel und Asienspiegel auf YouTube, Instagram und Facebook:
LIEBE LESERIN, LIEBER LESER
Mai 2020 – Ich schreibe diesen Blog seit 2009. Die über 4000 Artikel, Tipps, Filme und Inspirationen waren stets kostenlos zugänglich. Durch die Coronakrise ist mein Geschäft jedoch zum Erliegen gekommen. Meine Einnahmen aus Vorträgen, Reiseberatungen und Reisebüchern, die diesen Blog vollständig getragen haben, sind weggebrochen. Eine Erholung ist 2020 nicht in Sicht. Kein Erdbeben, Taifun oder Tsunami hat dies bislang geschafft.
Freiwilliges Abo
Aufgeben werde ich nicht. Ich bleibe täglich dran, bis diese Krise überstanden ist und darüber hinaus. Doch hierfür brauche ich Ihre Hilfe. Rund 15 Prozent der Leser unterstützen inzwischen diese Arbeit freiwillig und nachhaltig. Diesen Menschen, die die Zukunft dieses Blogs sichern, bin ich zu grossem Dank verpflichtet. Mit einem freiwilligen Abo tragen auch Sie dazu bei, dass dieses tägliche Stück nach 11 Jahren weiterexistiert – unabhängig, kostenlos und frei von Google-Werbebannern. Herzlichen Dank!
- Zahlungsmittel: Master, Visa, PayPal
- Apple Pay und Google Pay (nur via Smartphone)
- Banküberweisung / Einzahlungsschein hier klicken