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Fast alle Kinder fangen ganz von selbst an zu singen, ebenso wie sie anfangen zu sprechen. Singen ist also ein ganz natürlicher Bestandteil der Entwicklung. Trotzdem glauben viele Menschen, dass sie nicht singen können. Dies liegt wohl daran, dass nicht jedes Kind die Chance bekommt, auch diese Fähigkeit in gleichem Maße zu trainieren wie sprechen oder laufen, da vielen Erwachsenen nicht mehr bewusst ist, wie wichtig singen ist.
Wir haben darüber mit Ana Patricia Lardi Bonilla gesprochen. Die 62-Jährige wurde, gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Gabriela, in Lima, in Peru geboren und hat noch 3 weitere Geschwister. Ihr Vater stammt aus Huancayo, ihre Mutter aus Lima. Im Haus ihrer Familie spielte Musik schon immer eine wichtige Rolle. Schon ihre Mutter liebte es zu singen, so dass Ana Patricia viel von ihr lernen konnte.
Nach der grundschulischen Ausbildung hat sie eine dreijährige Ausbildung als Innenarchitektin absolviert und parallel dazu Gitarrenunterricht (Folk) genossen und an diversen Musik-Work-Shops teilgenommen.
1983 heiratete sie ihren Mann, einen Schweizer, der für ein Projekt drei Jahre in Peru als Ingenieur arbeitete und zog anschließend mit ihm nach Zürich. Später führte der Beruf ihres Mannes sie aber nochmals weg aus der Schweiz. 2 Jahre lebten sie in Südafrika, wo auch ihr erster Sohn, Riccardo, zur Welt kam. Zurück in Zürich, bekamen sie ihren zweiten Sohn, Carlo. Seit 32 Jahren lebt Ana Patricia nun schon mit ihrer Familie in Chur, Hauptstadt des Kantons Graubünden.
Aus verschiedenen Gründen, hauptsächlich familiärer Art, konnte sie ihren Beruf als Innendekorateurin in Chur nicht ausüben. Dagegen wurde sie immer wieder zu Gesangsauftritten eingeladen, sei es in den Schulen ihrer Gegend, aber auch zu privaten Anlässen, bei Freunden. Und dies nicht nur in ihrer unmittelbaren Umgebung, sondern auch in anderen Schweizer Städten.
Daraus entstand ihr Projekt, die südamerikanische und die italienisch-schweizerische Kultur, woher ihr Ehemann stammt, zu verschmelzen. Ihre Liebe und Leidenschaft zum Gesang und zum Gitarrenspiel hat ihr viele Tore zur Künstlerwelt geöffnet. Im Jahr 1998 konnte sie ihr Album «Note incantate» publizieren, mit Songs in spanischer und italienischer Sprache. Bei den ersten 6 Songs handelt es sich um Volkslieder aus Südamerika, die restlichen 6 Songs sind Eigenkompositionen, von denen sie die Musik schrieb, basierend auf Texten des Autors Livio Zanolari, der wie ihr Ehemann aus Poschiavo stammt.
Nach der Veröffentlichung dieses Albums wurde sie zu vielen musikalischen Veranstaltungen innerhalb und ausserhalb der Schweiz eingeladen, unter anderem auch zu Auftritten bei Sendungen des RTSI, dem Fernsehen der italienischen Schweiz, beim Radio sowohl in der Schweiz wie auch in Mailand. Dort nahm sie zudem an Gesangswettbewerben teil, zum Beispiel im Teatro Nazionale di Milano, wo sie auch Songs im Idioma meneghino, dem mailänder Dialekt, gesungen hat.
So entwickelte sie sich zu der unabhängigen Künstlerin, die sie heute ist und greift, je nach Gelegenheit und Budget, auf eine Vielzahl guter Musiker zurück, die sie begleiten. Leider residieren diese nicht in ihrer Gegend, sondern eher weit weg in Zürich, Bern und Genf. Daher tritt sie oft allein mit ihrer Gitarre auf.
Da sie ihre Erfahrung, ihr Können und vor allem ihre Liebe und Leidenschaft zur Musik gern weitergeben möchte, erteilt sie Gitarren- und Gesangsklassen auf Improvisationsbasis. Dieser Unterricht erfolgt privat bei ihr zu Hause, wo sie ein Musikatelier eingerichtet hat. In der Regel erledigt sie alle Arbeiten, wie Auftragsentgegennahme, Vorbereitung der Auftritte selbst. Bei Bedarf kann sie sich aber immer auf die Hilfe ihres Mannes verlassen.
Ich singe seit ich ca. 3 Jahre alt war. Vor grösserem Publikum sang ich seit der Kindheit bei Gesangswettbewerben, in der Familie und im Kreise von Freundschaften. Ich liebe die südamerikanische, traditionelle Musik, sowie auch die italienische Musik. Ich liebe ebenfalls die klassische lyrische Musik. Mich inspirieren sehr das Gefühl, das die Songs übertragen können, wie auch die Energie und die Ausdrucksstärke. Auch die Botschaft, welche ein Song geben kann.
Idealerweise lernt man als Kind, unter Freunden, in der Familie, in spontaner Form, ohne besondere Ansprüche. Tanzend und singend gleichzeitig, wie wenn das ein Spiel wäre. Während man Musik und Songs hört, die einem gut gefallen, indem man diese auch interpretiert.
Die weiblichen Stimmen werden als Soprano, Mezzosoprano und Contralto eingeteilt. Die Lieder, die man am Einfachsten lernt, sind diejenigen mit einem Contraltoregister oder mit einem Mezzosopranoregister. Die männlichen Stimmen werden in Controtenore, Tenore, Baritono und Bass eingeteilt. Am Einfachsten zu erlernen dürften der Tenore Lirico leggero und der Baritono leggero sein.
Für Anfänger eignen sich zu Beginn einfache Lieder mit wenig Text und bekannter Melodien zum Lernen (Ohrwürmer). Lieder, die man einfach memorisiert und einfach zu singen sind.
Am liebsten singe ich romantische Songs mit einer klaren Botschaft, wie zum Beispiel Boleros, Tangos, sowie Balladen, wie zum Beispiel den mexikanischen Guapango «deja que salga la luna», wegen ihrer Liebesbotschaft und Dankbarkeit an die geliebte Person. Auch der peruanische Huayno “el condor pasa”, für seine grosse Hoffnungsbotschaft und die liebe zur Natur. Die peruanischen Walzer erinnern mich sehr an mein Land und an mein Volk. Ich singe sie mit grosser Melancholie.
Nach meiner Meinung und Konzept muss man mit körperlichen Entspannungsübungen starten, dabei die Aussenwelt vergessend. Darauf folgen Übungen für die Erwärmung der Stimme, das heisst Übungen zur Vokalisation, Gesichts-Gymnastik, danach Übungen zur richtigen Tonlage. Es sind keine Vorkenntnisse in theoretischer Musiklehre erforderlich, da man die Musiknoten mit der Improvisation erlernt, nach Gehör, wie ein Spiel.
Es ist wichtig, die lernende Person zu motivieren, sie von der Angst und dem Respekt zu befreien, von der Unsicherheit zu lösen, da vielfach eine Person aufwächst im Glauben nicht singen zu können und eine unschöne Stimme zu haben, mit entsprechenden Komplexen. Alle werden mit speziellen Gaben geboren, es ist unsere Pflicht, diese zu entdecken und der lernenden Person zu helfen, diese richtig zu entwickeln.
Singen macht nicht einfach nur Spaß und ist auch nicht nur eine Ausdrucksform, sondern trainiert zum Beispiel auch ganz natürlich die Lunge, was allgemein die Leistungsfähigkeit des Körpers fördert und tut einfach der Seele gut. Somit ist Singen auch für Menschen wichtig, die nicht auf die Bühne streben, um mit ihrem Gesang zu unterhalten. Wir danken Ana Patricia Lardi Bonilla für ihre Zeit und dieses informative Gespräch.