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Situationen neu deuten (Reframing)
Die Behauptungen „Frauen wollen nicht“ bzw. „Frauen kennen sich inhaltlich zu wenig aus“ neu interpretieren
Oft wird argumentiert, dass Frauen deshalb so wenig in landwirtschaftlichen Organisationen aktiv seien, weil es ihnen an Selbstvertrauen fehle und sie zu wenig Wissen hätten. Diese Begründung ist aufgrund der Erfahrung mit den Pilotmassnahmen im Bereich Bildung kritisch zu beurteilen.
Es scheint, dass die Begründung heissen müsste: Es gibt auch deshalb einen verhältnismässig geringen Anteil von Frauen in der landwirtschaftlichen Vertretungsarbeit, weil Frauen die Zuversicht fehlt, dass sie die notwendige Begleitung und Unterstützung bekommen. Die Beobachtungen im Projekt PFO deuten nämlich darauf hin, dass Frauen besonders dann bereit sind, sich zu engagieren, wenn sie davon ausgehen können, die passende Unterstützung für die Ausübung der vorgesehenen Funktion zu erhalten.
Unterstützung ist dabei umfassend zu verstehen: von der Unterstützung beim Weiterentwickeln ihrer Kompetenzen, über die Vertiefung inhaltlicher Fragen bis hin zur Berücksichtigung der zeitlichen und örtlichen Verfügbarkeit der Frauen und zur Anpassung der Rahmenbedingungen, um Frauen eine bessere Teilnahme zu ermöglichen, wobei hier auch die Verpflichtungen der Frauen in Betrieb und Familie oder für andere berufliche Aufgaben zu berücksichtigen sind.
Falls die neue Begründung zutrifft, verschiebt sich der Fokus weg vom Persönlichen (die Frauen müssen halt mehr Rücksicht nehmen, sich anders organisieren, sich vorgängig weiterbilden) hin zu den Strukturen der Organisationen: Was tun Organisationen, um eine Funktionsübernahme für Frauen attraktiv zu machen? Die mangelnde Zuversicht ist dabei nicht erneut als ein persönliches Problem von Frauen, genauer der spezifischen Frau, zu behandeln, sondern als Resultat von gemachten Erfahrungen zu begreifen; persönlichen Erfahrungen zwar, die selbstverständlich subjektiv eingeschätzt werden können, die aber in der Summe doch als strukturelle Phänomene untersucht werden sollten:
- Was bieten Organisationen an Unterstützung und Begleitung?
- Wie berücksichtigen Organisationen die Ansprüche anderweitiger Aktivitäten ihrer Funktionsträgerinnen und -träger?
- Wie sorgen Organisationen dafür, dass „neuen“ Funktionsträgerinnen und -trägern Lösungen angeboten werden, die ihren Bedürfnissen entgegenkommen?
- Wie kommunizieren Organisationen dies – wann, wo, an wen, mit welchen Wirkungen?