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Die US-Aktienmärkte weisen für die letzten zwölf Monate eine wesentlich bessere Performance aus als viele andere Börsenplätze. Der breit gefasste US-Aktienindex S&P 500 hat seit Ende April 2013 über 17 Prozent zugelegt. Der Swiss Market Index (SMI) kommt für denselben Zeitraum auf eine Rendite von 6 Prozent. Seit dem Beginn der Kursrallye im März 2009 ist der S&P 500 gar um über 170 Prozent gestiegen.
"Wir befinden uns prozentmässig in der zweithöchsten Haussephase in der Geschichte des S&P 500, und wir sind bei relativ hohen Bewertungen angekommen", sagt Marc Faber im cash-Börsen-Talk. Mit Blick auf die kriselnden Schwellenland-Börsen und die haussierenden US-Aktienmärkte kommt Faber zum Schluss: "Es ist zu früh, Aktien von Schwellenländern zu kaufen und zu spät, US-Aktien zu kaufen."
Der 67-jährige Faber, der im Norden Thailands wohnt und in Hongkong sein Büro hat, ist der bekannteste Schweizer Börsenexperte weltweit. Er ist regelmässiger Interview-Gast bei TV-Sendern wie CNBC, BBC, Fox News oder Bloomberg TV. Diese Woche war er auch bei cash zu Besuch.
Faber, der auch Mitglied des bekannten Anlegerrates "Barron's Round Table" ist, hatte im Jahr 1987 den Börsencrash - den so genannten Black Monday - vorausgesagt. Faber verwaltet für Kunden Vermögen von etwa 300 Millionen Franken.
Im Web-TV-Studio von Ringier: Marc Faber (rechts) mit cash-Chefredaktor Daniel Hügli.
Faber geht allerdings kaum davon aus, dass es an den Börsen demnächst zu einem Crash kommt. Wohl müssten "im Prinzip" die Börsen nun korrigieren, sagt Faber, wenn man davon ausgeht, dass Phasen von Börsenanstiegen zwischen vier und fünf Jahren dauern. Und wenn man bedenkt, dass die US-Zentralbank (Fed) mit der Eindämmung der US-Anleihenkäufe und der Ankündigung von möglichen Zinserhöhungen die Rückkehr zur normalen Geldpolitik eingeläutet hat.
Handkehrum gibt Faber zu bedenken: "Es ist gar nicht sicher, dass die Fed ihre unkonventionelle Geldpolitik zurücknehmen wird", so Faber im Börsen-Talk weiter. Dies wäre durchaus möglich, wenn der S&P 500 zehn oder gar 20 Prozent fiele. Dann würde laut Faber der Druck auf die US-Zentralbank nochmals steigen, "die Fed würde nochmals Geld drucken, und die Börsen würden nochmals steigen".
Daher geht Faber von weiterhin sehr aktiven Zentralbanken aus, die das makroökonomische Umfeld auch in den nächsten Jahren prägen werden. "Es müsste in den nächsten zehn Jahren alles schieflaufen, wenn man mit Aktien eine tiefere Rendite hätte als mit Staatsanleihen und mit Bargeld". Allerdings würde er jetzt vor die Wahl gestellt, auf Sicht von zehn Jahren, lieber Aktien aus Schwellenländern als solche aus den USA kaufen.
Kaum Wirtschaftskrieg zwischen dem Westen und Russland
Aufgrund der internationalen Börsenentwicklung der letzten Monate hat Faber den Aktienanteil in seinem Portfolio "ein wenig zurückgenommen." Dieses besteht traditionsgemäss aus 25 Prozent Aktien, 25 Prozent Bargeld oder Anleihen, 25 Prozent Gold und 25 Prozent Immobilien. "Tendenziell habe ich den Immobilien-Anteil in Asien erhöht. Aber natürlich nicht in Hongkong oder Singapur, sondern in Gegenden, in denen ich das Gefühl habe, dass sich die Preise nach oben entwickeln können."
Seit einigen Wochen belastet die Ukraine-Krise die Stimmung vor allem an den Börsen Europas. Angesichts der Verschleppung mehrerer Militärbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) durch pro-russische Separatisten verschärfte der Westen jüngst seine Sanktionen gegen Russland.
Laut Faber dürften die Geschehnisse in der Ukraine die internationale Grosswetterlage kaum nachhaltig beeinflussen. "Ich habe nicht das Gefühl, dass es zu einem Wirtschaftskrieg kommen wird zwischen dem Westen und Russland."
Im cash-Börsen-Talk sagt Marc Faber zudem, weshalb ihm die Wirtschaftsentwicklung in China und die zunehmende Einkommenskluft Sorgen bereitet und weshalb er in europäische Versorger- und Telecom-Aktien investiert ist.