Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03341.jsonl.gz/1716

Auch Schweizer Unternehmer haben von der Sklaverei profitiert und im 18. Jahrhundert riesige Vermögen verdient.Dieser Inhalt wurde am 31. Oktober 2005 - 11:49 publiziert
Dies zeigt das Buch "Reise in Schwarz-Weiss" des St. Galler Historikers Hans Fässler, der die Geschichte aufgearbeitet hat.
Diese Geschichte, die in vielen Köpfen das historische Weltbild total durcheinander wirbeln wird, hat Hans Fässler, Historiker, Kantonsschullehrer und Kabarettist, in 19 Kapiteln minutiös aufgearbeitet.
Kein Hinterland der Sklaverei
Die Geschichte der Schweizer Kaufleute, Bankiers, Financiers, Siedler, Reisenden und Offiziere zeigt auf, dass der Slogan der antikapitalistischen Bewegungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts "There is no hinterland" schon für die atlantische Welt der Sklaverei des 18. und 19. Jahrhunderts galt.
Das legt der Ur-Urenkel eines Sklaven, Joseph Philippe Antonio, im Vorwort zu "Reise in Schwarz-Weiss" dar. Der 66-Jährige war 2001 bis 2004 haitianischer Aussenminister in der Regierung von Präsident Aristide.
Und in Haiti begann für Hans Fässler die Spurensuche: Während seiner Arbeit am Kabarettprogramm "Louverture stirbt 1803" zum 200-Jahr-Jubiläum des Kantons St. Gallen stiess er auf St. Galler Familien, die im 18. Jahrhundert Plantagen mit Sklaven besassen.
St. Galler Soldaten auf Haiti
Dass 1803 St. Galler Soldaten auf Haiti für die Wiedereinführung der Sklaverei kämpften, passte nicht in sein Weltbild. Aus der Irritation wurde Neugier: Fässler begann, Material zu den Schweizer Beziehungen zur Sklaverei zu sammeln.
Bald war klar: Was der Schweizer Menschenrechtsvertreter bei der UNO auf die in Durban formulierten afrikanischen Entschädigungsforderungen an die Adresse Europas erklärt hatte, stimmte nicht. Er hatte behauptet, die Schweiz habe "mit Sklaverei, Sklavenhandel und Kolonialismus nicht zu tun gehabt."
Profite
Vielmehr waren nicht nur das ökonomische Kapital aus den Sklavereibeziehungen - die Profite aus Handel, Versicherung, Bankgeschäften und Investitionen - in den Reichtum der modernen Schweiz eingegangen, sondern auch das kulturelle Kapital, die Bildung, Weltläufigkeit und die Beziehungsnetze.
Dabei ging es um Dreieckshandels-Expeditionen, Versicherungsgeschäfte, Investitionen in Kolonialgesellschaften und Sklavenhandel, Spekulation mit von Sklaven produzierten Gütern, Besitz von Plantagen mit versklavten Arbeitskräften und Teilnahme an militärischen Operationen zur Sicherung von Kolonien und Sklaverei.
Industrielle Revolution erst ermöglicht
Sklaverei war ein komplexes Wirtschaftssystem, das den ganzen Atlantik umspannte. Der karibische Historiker Eric Williams argumentierte am Beispiel Englands, der Sklavenhandel habe durch seine Profite, Kenntnisse und Techniken die Entwicklung im 18. und 19. Jahrhundert wesentlich geprägt und die industrielle Revolution erst ermöglicht.
Auf die Schweiz übertragen heisst dies, dass sie allgemein an jenem Aufschwung von Produktion und Handel teilhaben konnte, der wesentlich auf der atlantischen Sklavereiwirtschaft beruhte. Im 18. Jahrhundert importierte die Schweiz sogar mehr von Sklaven produzierte Baumwolle als England.
Von Rorschach bis Genf
Die leichten, bunt bedruckten Baumwollgewebe, die "Indiennes", aus der Schweiz waren bei den schwarzen Sklavenhändlern der afrikanischen Küstenstaaten so beliebt, dass sie dort als Rechnungseinheit galten.
In Rorschach SG, Trogen AR, St.Gallen, Näfels GL, Bürglen TG, Bäretswil ZH, Neuhausen SH, Basel, Fieschertal VS, Hasle-Rüegsau BE, Bern, Les Verrières NE, Marin-Epagnier NE, Neuchâtel, Vevey VD, Genf, Morges VD und Bussigny-Près-Lausanne hat Hans Fässler Schweizer Investoren, Sklavenbesitzer, Sklavenhändler und Soldaten gefunden, die Sklavenrevolten niedergeschlagen hatten.
swissinfo und Margrith Widmer (sfd)
In Kürze
Das Buch "Reise in Schwarz-Weiss" berichtet in 19 Kapiteln über die Schweizer Beziehungen zur Sklaverei.
Es macht deutlich, dass auch Schweizer Unternehmen mit der Skaverei Profite machten.
Hans Fässler, "Reise in Schwarz-Weiss", Rotpunktverlag, Zürich, 2005.
Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: <email-pii>