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Beim Jahreskongress 2007 der US-amerikanischen Krebsgesellschaft ASCO in Chicago wurden auch Studien aus dem Bereich der Komplementärmedizin vorgestellt. Ermutigende Ergebnisse brachten zum Beispiel eine Untersuchung, in der es um den Effekt von Leinsamen auf das Wachstum von Prostata-Krebs ging.?
In die Studie wurden 161 noch nicht operierte Tumorpatienten aufgenommen und in vier Gruppen aufgeteilt. Patienten der Gruppe 1 nahmen täglich 30 Gramm Leinsamen ein, Gruppe 2 verminderte die tägliche Kalorienaufnahme um 20 Prozent, Gruppe 3 wendete beide Strategien an und Gruppe 4 diente als Kontrolle. Primärer Endpunkt der Untersuchung war das Tumorzellwachstum in den operativ entfernten Prostatadrüsen. Operiert wurde nach durchschnittlich 30 Tagen.
Patienten beider Leinsamen-Gruppen zeigten ein um etwa 40 Prozent reduziertes Tumorzellwachstum im Vergleich zu Männern, die Placebo erhielten oder mit alleiniger kalorienreduzierter Diät. Am wirksamsten war offenbar die Kombination aus Leinsamen plus Diät.?Das Wissenschaftlerteam von der Duke University in Durham im US-Staat North Carolina will nun prüfen, ob Leinsamen mit oder ohne Diät das Rückfallrisiko von Männern mit operiertem Prostata-Karzinom verringern kann. Leinsamen ist reich an Omega-3-Fettsäuren und zeigt antioxidative und proliferationshemmende Effekte.
Quelle: Aerzte Woche Nr. 24 /2007
Kommentar:
Die Studie scheint mir sehr interessant. Leinsamen wird bisher wie andere schleimhaltige Heilpflanzen vor allem als mildes und unschädliches Abführmittel verwendet. Mit dem Thema Prostatakrebs zeigt sich hier möglicherweise ein neues Anwendungsfeld. Allerdings braucht es zu den Informationen aus der “Aerzte Woche” noch ein paar Ergänzungen:
1. Ich würde davon ausgehen, dass die Leinsamen geschrotet eingenommen worden sind. Aus ganzen Leinsamen werden nämlich keine Inhaltsstoffe in den Organismus aufgenommen.
2. Leinsamen enthalten relativ hohe Mengen an Phytoöstrogenen. Das macht die Beurteilung einer Leinsamen-Therapie bei Prostatakrebs ziemlich komplex. Es gibt zum Beispiel einige Hinweise dafür, dass ein hoher Gehalt an Phytoöstrogenen in der Nahrung einen gewissen vorbeugenden Effekt auf die Entstehung von Prostatakrebs hat – allerdings langfristig gesehen. Es gibt aber auch Hinweise darauf, dass Östrogene bei aggressiven Formen von Prostatakrebs wachstumsfördernd wirken könnten (http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/krebs/news/prostatakrebs-oestrogen-foerdert-aggressive-tumore_aid_304767.html).
Ich selber würde wohl bei einem nicht-aggressiven Prostatakrebs Leinsamen einnehmen. Aber es wäre wohl klug, dies mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin zu besprechen, damit die jeweilige Situation berücksichtigt werden kann.
3. Das in den Leinsamen enthaltene Leinöl ist tatsächlich reich an Omega-3-Fettsäuren, denen ein positiver Effekt bei Prostatakrebs zugeschrieben wird.
4. Die Studie aus Durham ist klein und in ihrer Qualität nicht zu beurteilen, solange sie nur an einem Kongress vorgestellt wurde. Sie müsste dazu vollumfänglich in einer Fachzeitschrift veröffentlicht werden. Ob das inzwischen geschehen ist, entzieht sich meiner Kenntnis.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch