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Welcher Haarschnitt ist im Moment angesagt?
Die jungen Leute, speziell die Latinos, wünschen kurze Schnitte mit scharf konturierten Linien. Die Älteren bevorzugen den «New York Business Style»: an den Seiten längeres Haar, das sie kämmen können.
Haben Sie eine spezielle Methode?
Ich benutze Scheren und Rasierapparate. Mir sind die Scheren lieber. Das ist die alte Schule. Es gefällt mir, weil das Hantieren mit den Scheren mehr Geschick braucht.
Warum sind Sie Coiffeur geworden?
Meine Tätigkeit in der Stahlindustrie war sehr dreckig, dazu kam die Kälte Minnesotas. Ich beschloss, mit meiner Jacht die Welt zu umsegeln, auf den Spuren Jacques Cousteaus. Als ich mit meinem Schiff auf Key West ankam, bin ich dort hängen geblieben.
Wie haben Sie Ihr Handwerk erlernt?
Einer meiner Onkel war Coiffeur. Er sagte, ich solle eine Barber-School besuchen. Ich entschied mich für Tallahassee in Florida, sieben Monate Theorie und Praxis. Ich liebe meinen Beruf wie am ersten Tag.
Was sind Ihre Zukunftspläne?
Solange ich in der Lage bin, mache ich weiter. Meine Stieftochter begann die Ausbildung als Coiffeuse, aber schloss nicht ab. Ich werde den Salon verkaufen müssen.
Haben Sie viele Stammkunden?
Ja, es sind Hotelbesitzer, Geschäftsleute, Studenten, Köche, Kellner. Und Leute aus der Unterhaltungsbranche, die schätzen meine Perückensammlung. Zudem gibt es die «Snowbirds», Menschen von allen Kontinenten. Sie verbringen die Hälfte des Jahres auf Key West, wenn es anderswo zu kalt wird.
Welche Art Kunde ist die grösste Herausforderung für Sie?
Die Jungen kommen oft mit neuen Wünschen. Ihr letzter Schrei ist eine Frisur, die ich «Flowhawk» getauft habe. Es ist eine Mischung aus dem Irokesenschnitt eines Mohawk-Indianers und einer normalen Frisur. Die Jungen sind sehr kritisch.
Haben Sie prominente Kunden?
Ich hatte den amerikanischen Schauspieler Kurt Russell auf meinem Stuhl. Er drehte einen Film in der Gegend. Er kam fast jeden Tag und bezahlte mich jeweils am Freitag.
Wann ist eine Frisur aus Ihrer Sicht gelungen?
Wenn ich die Leute auf dem Stuhl umdrehe, sie sich im Spiegel die neue Frisur ansehen und mir sagen: «That’s perfect!»
Haben Sie sich schon einmal geweigert, einen Wunsch auszuführen?
Was die Frisur betrifft, nicht. Aber ich habe schon Alkoholisierte abgewiesen, von denen es in der Duval Street einige gibt.
Was gefällt Ihnen an Ihrer Stadt?
Es lebt sich sehr entspannt hier. Wir sind über 100 Kilometer vom US-Festland entfernt. Auf den Strassen sind stets mehrere Sprachen zu hören.
In Ihrem Coiffeursalon befindet sich ein Waffengeschäft. Wieso?
Das war schon dort, als ich den Salon kaufte. Ich bin auf einer Farm aufgewachsen, meine Eltern haben mich früh mit dem Schiessen und dem Jagen vertraut gemacht. Es war klar, dass ich den Waffenladen weiterführen würde. Zum Glück ist nie etwas Ernsthaftes vorgefallen. Manche Kunden kommen zum Haareschneiden und kaufen auch gleich eine Waffe.
Wohin gehen Sie, wenn Sie ausgehen?
Ich gehe mit meiner Frau zu Hochzeits- oder Geburtstagsfeiern.
Wo machen Sie Ferien?
Mein Haus ist mein Ferienresort, und mein Hobby ist Malen. Das kann ich zu Hause gut pflegen. Aber vor kurzem bin ich immerhin für ein Klassentreffen meiner High School nach Minnesota gereist, zum 60-Jahr-Jubiläum. Wir waren noch zu neunt.