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Zahlreiche Schweizer Sammlungen - private und öffentliche - sowie der Kunstmarkt haben von deutschen Kunstsammlungen, die zwischen den 1920er und 1950er Jahren in die Schweiz transferiert wurden, wichtige Impulse erhalten. In dieser Dissertation geht es einerseits darum, das Exil dieser deutschen Sammlungen darzulegen - seien es solche, die in den „golden twenties“ in der Schweiz angesiedelt wurden, seien es solche, die erst mit der Krise von 1929 in die Schweiz kamen, seien es dem Nationalsozialismus nahe stehende Sammler oder Sammler jüdischer Herkunft, die infolge der nationalsozialistischen Vertreibungs- und Vernichtungspolitik in die Schweiz flohen. Es ist dabei zu unterscheiden, ob die Sammlungen integral oder nur in Teilen in die Schweiz verbracht wurden, ob sie temporär oder permanent ein neues Zuhause gefunden haben. Es geht darum, einzelne Sammlungen zu rekonstruieren und das spezifische Schicksal der Sammlung und des Sammlers bzw. der Sammlerin im Zusammenhang mit der Schweiz problemorientiert aufzuzeigen. Dies heisst, dass Entscheidungsfindungen der Museen, Sammler und Händlern anhand von zum Teil kaum ausgewertetem Archivmaterial untersucht und die Motive für Verkauf, Weiterreise, Schenkung oder Rückzug von Leihgaben herauskristallisiert werden. Die Verquickung mit den Schweizer privaten und öffentlichen Sammlungen ist dabei vorrangig von Interesse, weil der Arbeit die These zugrunde liegt, dass die Schweizer Museumslandschaft durch diesen Kulturtransfer profitiert hat und weiterhin nachhaltig von diesem Transfer geprägt ist.

Das Dissertationsvorhaben befasst sich also mit deutschen Sammlungen in der Schweiz, mit deren Eingang in Schweizer öffentliche und private Sammlungen (als Fluchtgut oder Raubgut oder als „entartete Kunst“) und mit dem Kunstmarkt. Es geht dabei um die Darlegung der vielschichtigen Motive für den (Kultur-)Transfer der fraglichen Kunstsammlungen, um das Spannungsfeld zwischen Finanzplatz und Kunsthandelsplatz in der Schweiz sowie um das Verhalten der Schweizer Museen und Sammlungen in Jahren des Wachstums, der Krise, des Krieges und der „Wiedergutmachung“.
Das Ziel ist es, die Schweizer Forschung im Bereich des Kunstmarktes, der Kunstsammlungen und der Museen zwischen 1920 und 1950 mit der internationalen Forschung verstärkt zu vernetzen und die Schweiz dem internationalen Trend der Provenienzforschung durch dieses Forschungsprojekt anzuschliessen. Die Dissertation leistet somit Grundlagenforschung für die Provenienzforschung. Die Bedeutung der Schweiz für den internationalen Kunstmarkt ist noch heute sehr gross. Die Grundlage für die aktuelle Entwicklung wurde bereits in den 1920er Jahren gelegt. Nach den 1950er Jahren explodierte der Kunstmarkt und nahm umfangreiche Dimensionen an, weshalb mit der unmittelbaren Nachkriegszeit und der Frage der „Wiedergutmachung“ das zeitliche Ende des Dissertationsthemas gesetzt wird.