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Autor: Arthur Zurkinden
«Ja, ich liess mich vor 30 Jahren in den Generalrat von Estavayer-le-Lac wählen. Ich erwartete mein drittes Kind und wollte mich für den Erhalt der Kinderkrippe einsetzen», sagte Thérèse Meyer gestern vor den Medien. «Eigentlich wollte ich gar keine politische Karriere anstreben, aber ich habe halt immer Ja gesagt», fuhr sie fort.
«Ich liebe es zu handeln und schätze den Kontakt mit den anderen Menschen. Während den 30 Jahren habe ich mich stets für ausgeglichene Projekte eingesetzt. Mir war die Verantwortung des Einzelnen wichtig, ich wollte aber auch ein soziales Netz für die Benachteiligten unserer Gesellschaft spinnen», sagte sie weiter. Und ihr Anliegen war es auch, sich für die Unternehmer einzusetzen, die Arbeitsplätze schaffen. «Das braucht viel Energie», meinte sie. «Aber das habe ich an meiner Arbeit geschätzt.» Und im Nachhinein müsse sie sich auch nicht vorwerfen lassen, Entscheide getroffen zu haben, die sie heute bereue.
Den Jüngeren Platz machen
Auch wenn ihr die Arbeit in Bern gefalle, so sei sie nun doch zum Entschluss gekommen, der Jugend Platz zu machen und im Herbst 2011 nicht mehr als Kandidatin für den Nationalrat anzutreten.
Höchste Schweizerin im Jahre 2005
Höhepunkt ihrer politischen Karriere in Bern war sicher das Präsidium des Nationalrates im Jahre 2005. Sie übernahm dieses Amt am 8. März vom Genfer Nationalrat Jean-Philippe Maître, der dieses aus gesundheitlichen Gründen abgeben musste. So beschränkte sich das Präsidium von Thérèse Meyer auf neun Monate. «Als Präsidentin durfte ich an der Weltversammlung der Parlamentspräsidenten am Sitz der Uno in New York teilnehmen und diese Versammlung teilweise präsidieren», erinnerte sie sich gestern mit Stolz.
Einsatz für die Familie
Thérèse Meyer hat sich in Bern für das Wohlbefinden der Menschen eingesetzt, vor allem für die Familie, wie sie selber sagte. Dabei achtete sie aber auch darauf, dass die Unterstützung der Familie finanziell tragbar war, insbesondere für die kleinen und mittleren Betriebe. Den grössten Erfolg konnte sie feiern, als ihre parlamentarische Initiative für einen Mutterschaftsurlaub von 14 Wochen vom Parlament überwiesen wurde. Das Gesetz konnte rasch ausgearbeitet werden und nach der gewonnenen Volksabstimmung in Kraft treten. Erreichen konnte sie aber auch eine Reduktion der Krankenkassenprämien für Kinder. Das Impulsprogramm zur Schaffung von Kinderkrippen, die Integration von Kindern mit Behinderung oder zuletzt die nichtbiometrische Identitätskarte für alle Schweizer Bürger kann sie als Erfolg in ihrer Bilanz aufführen.
Noch dauert ihre Karriere in Bern ein Jahr lang an. Und als Präsidentin der nationalrätlichen Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit will sie sich voll engagieren.