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Dystopien, Negativ-Utopien oder Anti-Utopien erleben spätestens seit dem Erscheinen der Romantrilogie The Hunger Games der us-amerikanischen Autorin Suzanne Collins eine Hochzeit. Umso erstaunlicher ist es, dass die Kinder- und Jugendliteraturforschung sich bislang hinsichtlich der Untersuchung der Texte zurückhält.
Dystopien der aktuellen Jugendliteratur orientieren sich an klassischen Dystopien von Huxley, Orwell, Bradbury und Atwood, greifen Aspekte aus den Texten auf, verweisen auf diese Texte und ergänzen sie. Doch anders als die Klassiker der dystopischen Literatur schreiben die Autoren/innen für ein jugendliches Publikum und greifen somit auch Aspekte aus der Adoleszenzliteratur, dem Liebes-, Entwicklungs- und Abenteuerroman auf. Ein dystopischer Gesellschaftsentwurf kann dazu dienen, Gesellschaften zu kritisieren, aber er kann auch die adoleszenten Problemfelder der jugendlichen Protagonisten/innen aufgreifen. Tatsächlich bietet die Dystopie als mahnende Literatur viele Ansatzpunkte, die Probleme Heranwachsender zu thematisieren und kann somit nicht nur als eine Warngeschichte verstanden werden , sondern auch als Adoleszenzliteratur. Im Mittelpunkt der Romane stehen Jugendliche, die sich nicht nur gegen das Regime erheben, nach alternativen Gesellschaftsformen streben, sondern auch eine eigene Identität entwickeln, sich gegen ihre Familien stellen und letztendlich im Laufe der Handlung erwachsen werden. Somit erhalten Dystopien als Lektüre unterschiedliche Bedeutungen: Einerseits lassen sie sich trotz aller Kritik als gesellschaftskritische Texte lesen, andererseits ermöglichen solche literarischen Texte „ihren Lesern Erfahrungen, die für seine persönliche Entwicklung und seine Interaktion mit der Gesellschaft von hoher Bedeutung sein können.“
Die BZL-Bibliothek bietet nebst den erwähnten Titeln von Suzanne Collins, Bradbury und Huxley viele weitere Jugendbücher dieser Art: allen voran natürlich J. K. Rowlings „Harry Potter“-Bände, dann sind Neil Shustermans „Vollendet“-Trilogie, Veronica Roths „Die Bestimmung“ in drei Bänden, Ursula Poznanskis Reihe „die Verratenen; Die Verschworenen; die Vernichteten“ verfügbar. Eine soeben fertig erschienene vierteilige Dsytopie ist von T. Cooper und Allison Glock: „Changers“. Der dritte und der vierte Band sind seit 1. Mai zur Ausleihe bereit.