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Mir ist eine webmässige Unsitte aufgefallen, von der ich den Eindruck habe, dass sie in letzter Zeit um sich greift. Ich kann zwar nicht mit harten Daten belegen, dass sie früher weniger verbreitet war. Aber mein subjektiver Eindruck ist eindeutig: Immer mehr Leute verwenden noreferrer.
Und an dieser Stelle wird sich die Leserschaft dieses Blogposts in zwei Gruppen aufspalten: Die eine Gruppe wird wissend nicken. Und die andere sich fragend am Kopf kratzen.
Also, noreferrer ist eines jener Attribute, mit denen man Links im Internet näher spezifiziert. Leute, die mit den technischen Grundlagen und der Web-Ausszeichnungssprache HTML vertraut sind, kennen den <a>-Tag aus dem Effeff: Er definiert einen Hyperlink. Das Ziel zum Link steckt im href-Attribut.
Es ist nun möglich, einem Link noch weitere Informationen mitzugeben. Das Attribut rel definiert die Beziehung zwischen dem Dokument, das den Link enthält und dem verlinkten Ziel. Man kann beispielsweise darauf hinweisen, dass ein Link auf eine vorherige (prev) oder nachgelagerte (next) Seite verweist.
Ein beliebter Wert für das rel-Attribut ist nofollow. Er fordert eine Suchmaschine auf, dem Link nicht zu folgen. Da sich die meisten Suchmaschinen, namentlich die grossen wie Google und Bing, brav an diesen Appell halten, sieht es für die Suchmaschine so aus, als ob man den Link nicht gesetzt hätte.
Das ist dann angebracht, wenn man mit seinem Link der verlinkten Website nicht zusätzliche Popularität verleihen will. Denn auch wenn wir nicht genau wissen, wie der PageRank-Algorithmus von Google funktioniert, so wissen wir doch, dass Suchmaschinen eine Website als höher gewichten, wenn viele Links aus möglichst unterschiedlichen Quellen auf sie verweisen.
Diese Beobachtung hat zum lästigen Kommentarspam geführt: Bots schreiben irgendwelchen Mist unter Blogbeiträge wie diesen hier, bloss um noch einen Link auf eine Website zu platzieren, deren Popularität bei den Suchmaschinen gesteigert werden soll. Mit nofollow wird den Kommentarspammern die Suppe versalzen: Da die Suchmaschinen angewiesen werden, diese Links unberücksichtigt zu lassen, bleibt die Wirkung aus. (Man könnte nun denken, das wäre ein guter Grund, die Kommentarspammerei bleiben zu lassen. Doch leider ist das lästige Phänomen nicht verschwunden.)
Aber zurück zu noreferrer. Dieser Wert fürs rel-Attribut gibt an, dass der Referrer unterdrückt werden soll. Dieser Referrer weist gegenüber der Ziel-Website aus, woher ein Besucher kommt. Diese Information taucht in der Statistik des Webservers bzw. des Content-Management-Systems aus. Als Betreiber erhält man wertvolle Informationen über die Besucherströme und sieht, auf welchen anderen Sites auf die eigenen Beiträge Bezug genommen wurde.
Mit noreferrer fällt diese Information weg: Für den Webbetreiber der angeklickten Website ist nicht ersichtlich, dass der Besucher über einen Link auf die eigene Seite gekommen ist und die Adresse nicht selbst eingetippt hat.
Für mich gibt es nur wenige Gründe, diese Information zu verweigern. Das könnte dann der Fall sein, wenn man eine Website mit einer privaten Linksammlung verwendet, die man intensiv verwendet, deren Existenz man aber nicht an die grosse Glocke hängen möchte – was ein ziemlich an den Haaren herbeigezerrtes Beispiel ist.
Abgesehen davon gibt es hervorragende Gründe, die Referrer-Informationen mitzugeben:
- Ehre, wem Ehre gebührt: Wenn eine Website einer anderen Leute zuführt, dann macht sie sich als Publikumslieferant verdient. Dafür zeigen sich viele Betreiber früher oder später erkenntlich. Noreferrer kann daher sogar zum Bumerang werden.
- Die Information schadet nicht – es sei denn, wenn es das oberste Ziel einer Website ist, nicht aufzufallen (?).
- Das Internet lebt von Links. Und es wird für besser, wenn wir die Publikumsströme im Web besser verstehen.
Mir fällt in letzter Zeit immer mal wieder auf, dass es in den Statistiken meiner Website unerklärliche Spitzen gibt. Das kann so weit gehen, dass während eines halben Tages oder so mehr als zehnmal so viele Leute hier eintreffen wie an einem normalen Tag.
Und das passiert nicht einfach so: Ein solcher Ausschlag nach oben ist nur so zu erklären, dass irgendwo auf einem grösseren Portal einer meiner Artikel verlinkt worden ist, aber eben leider mit unterdrücktem Referrer.
Klar, es wäre natürlich auch möglich, dass meine Website im Radio oder Fernsehen erwähnt worden ist und Hunderte Leute sofort die Adresse eingetippt haben. Aber das ist eher unwahrscheinlich – und im Fall des neuen CMS der Tamedia-Newssites habe ich schon herausgefunden, dass es in der Tat an noreferrer liegt.
Also ein Aufruf an alle Webseiten-Betreiber da draussen: Verzichtet auf noreferrer! Lasst die Leute wissen, wenn ihr auf sie verlinkt – denn alle haben etwas davon, wenn sie mehr über ihr Publikum wissen. Und falls ihr noreferrer bereits verwendet habt, löscht das Attribut aus euren Links. Das ist leider nicht immer einfach; aber bei WordPress gibt es immerhin ein Plugin dafür.
Ich denke, die zunehmende Verwendung hat damit zu tun, dass viele Leute nicht wissen, was noreferrer eigentlich tut. Beim Öffnen eines Links auf einer neuen, leeren Seite kann das Attribut die Sicherheit erhöhen. Doch meines Erachtens würde noopener völlig ausreichen. (Details dazu im Beitrag What rel=”noreferrer” Does and How to Remove It).