Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03496.jsonl.gz/126

Mit Louis Palmer am Steuer, einem 35-jährigen Schweizer Idealisten, hat der mit Solarbatterien angetriebene Zweiplätzer seine erste Etappe hinter sich. Am 9. Juli wurde er in Berlin vorgestellt.Dieser Inhalt wurde am 13. Juli 2007 - 10:28 publiziert
Ziel ist es, in 16 Monaten 60'000 km zurückzulegen und zu zeigen, dass man Alternativenergien nutzen kann, um die Auswirkungen des Klimawandels zu vermindern.
Das Auto startete am 3. Juli in Luzern und setzt seine Reise nach der ersten Etappe in der deutschen Hauptstadt Richtung Osteuropa fort. Danach führt die Reise nach Asien, den USA und Nordafrika, um über Spanien, Grossbritannien, die Niederlande und wiederum Deutschland in die Schweiz zurückzukehren.
"Südamerika ist von meinen Reiseplänen nicht ausgeschlossen", sagte Louis Palmer zu swissinfo an der Pressekonferenz auf der Schweizer Botschaft in Berlin.
"Dass die Inkas den Sonnengott verehrt haben, ist für mich Grund genug, diese Gegend zu bereisen. Ich bin äusserst interessiert, dorthin zu gelangen", fügte er hinzu.
"Peru, Bolivien und Chile stehen noch nicht auf meiner Reiseroute. Da ich aber den abschliessenden Teil meiner Route unterwegs festlegen werde, würde ich hinfahren, wenn ich übers Internet (www.solartaxi.com) eingeladen würde. Anstatt zwei würde ich dann drei Jahre unterwegs sein", meinte Louis Palmer begeistert, während er den Journalisten die Einzelheiten seines Solarautos erklärte.
Das Auto
Die Autobatterien werden mit Sonnenenergie aufgeladen. Das sehr einfach gebaute Armaturenbrett enthält die notwendigsten Kontrolleinrichtungen für die Sicherheit: Lichter, Hupe, Kontrolle des Stromsystems, Scheibenwischer und Anzeige des Batteriestandes. Es verfügt sogar über einen Anschluss von 220 Volt, um den Rasierapparat, Staubsauger oder, falls nötig, den Bohrer anzuschliessen.
Haus mit Sonnenenergie
Auch in seinem eigenen Haus benützt Palmer Sonnenenergie und gibt sogar Strom ans öffentliche Netz ab. Dieser visionäre Schweizer hat ausgerechnet, dass er während seiner Reise soviel Strom benötigt, wie seine Solarzellen jährlich abgeben: 6000 Kw/h. Mit dieser Energie lud er einen Teil seiner Autobatterien auf. Der Rest wird unterwegs direkt mit Sonnenenergie gespiesen.
"Dies entspricht einem Benzinkonsum von 0,8 Liter /100 km eines konventionellen Auos, das mit fossilen Brennstoffen angetrieben wie", erläuterte Palmer.
"Auf dieser Reise will ich beweisen, dass es möglich ist, mobil zu sein, ohne das Erdklima zu beeinträchtigen. Ich bin bereit, alle Länder (Regierungen und Institutionen) zu besuchen, die diesen Fortschritt kennenlernen wollen", bestätigte der Schweizer Ökologe.
Unterstützung von Deutschland
Palmers Projekt wurde von der deutschen Regierung umgehend unterstützt. Die Staatssekretärin des Umweltministeriums, Astrid Klug, begleitete Palmer als erste auf einer Rundfahrt durch das Regierungsviertel.
"Der elektrische Antrieb wird in Zukunft eine grosse Rolle spielen", sagte Klug. "Einerseits ermöglicht er, ohne Abgasemissionen mit Treibhauseffekt zu fahren. Andererseits gewinnt man beim Bremsen einen relativ hohen Energieanteil zurück. Zudem können sämtliche erneuerbaren Energiequellen verwendet warden, und nicht nur Biomasse wie im Falle des Explosionsmotors", hob die Staatssekretärin hervor.
Aufsteigende Wirtschaftsmächte überzeugen
Deutschland, welches dieses Jahr der G-8 vorsteht (die 7 westlichen Industriestaaten und Russland), will mit guten Beispiel vorausgehen und aufsteigende Wirtschaftsmächte wie China und Indien überzeugen, dass "wir für den Umweltschutz mehr tun müssen, wenn wir die Treibhausgase in den kommenden Jahrzehnten auf die Hälfte vermindern wollen", schloss Klug ab.
Sollten China und Indien den heutigen Stand der Industrieländer von 600 Autos pro 1000 Einwohner erreichen, würden sich die Emissionen in Kürze verdoppeln.
In 20 Jahren
"Fortschritte wie das Solartaxi von Palmer sind immer notwendig, um die Leistungsfähigkeit alternativer Antriebssysteme unter Beweis zu stellen", sagte Matthias Scheffer, Ingenieur im Umweltministerium.
"Diese Automodell ist nicht für einen grossen Markt bestimmt, aber es bestätigt, dass Mobilität auch umweltschonend sein kann. Es kann den grossen Autofirmen zeigen, dass man alternative Antriebssysteme benützen kann und ermuntert sie, in diesem Bereich zu investieren, damit sie in 20 Jahren Autos für ein Massenpublikum herstellen können. In diesem Zeitraum ist es machbar, Autos mit allen Sicherheitseinrichtungen und Bequemlichkeit herzustellen, wie wir sie heute kennen, aber mit alternativem Antrieb", prophezeit Scheffer.
Die Reise im Internet verfolgen
Nach einer Vorstellung an der Technischen Universität von Berlin fuhr Palmer weiter nach Dresden und Leipzig, um dann seine Reise nach Prag fortzusetzen.
Danach geht´s nach Brünn (Tschechien), Budapest (Ungarn), Wien (Österreich) und Belgrad (Serbien), um über Istanbul (Türkei) nach Asien zu gelangen und dann weiter nach Pakistan, Indien, Australien, Singapur, China, Japan, Kanada und in die USA.
swissinfo, Juan Carlos Tellechea, Berlin
(Übertragung aus dem Spanischen: Regula Ochsenbein)
In Kürze
Louis Palmer wurde vor 35 Jahren in Luzern geboren.
Er hat an verschiedenen technischen Universitäten der Schweiz gearbeitet, um sein Projekt zu verwirklichen.
Die deutsche Solarzellenfirma Q-Cells , der Technologiepark in Luzern, sowie die Firmen Schindler (technische Ausbildung), Rockwell Automation, Ruthishauser Autopolsterei und Alu Menziken (Aluminiumprofile) gehören zu den Sponsoren des Projekts.
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards