Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03536.jsonl.gz/2171

Die 24jährige Slowenin Veronika beschließt, sich das Leben zu nehmen nicht weil sie an einer tödlichen Krankheit, sondern vielmehr an tödlicher Langeweile leidet und es nicht schafft, dieser zu entfliehen und ihrem Leben einen Sinn zu geben. Doch nach der Einnahme einer Überdosis Schlaftabletten wacht sie in Villete auf, einer psychiatrischen Anstalt unter der Leitung von Frankenstein lässt grüßen Dr. Igor. Ihr wird nach wochenlangem komaähnlichen Dämmerschlaf eröffnet, dass sie nur noch wenige Tage zu leben habe, da ihr Herz durch die Einnahme der Überdosis Schlaftabletten unwiderbringlich geschädigt sei. Statt elegant ohne viel Aufsehen aus dem Leben zu scheiden sieht sich Veronika nun mit äußerst unangenehmen Herzanfällen konfrontiert und lernt in der Anstalt diverse Personen kennen, die sie sich selbst und ihr Leben wieder zu lieben lehren.
Paulo Coelho zeigt in seinem Roman auf, dass Dinge wie unerfüllte Liebe, der Wunsch nach Selbstverwirklichung, Angst vor dem eigenen Versagen und der Zukunft von den Menschen unterschiedlich verarbeitet werden. Manche finden ihren Weg und wollen möglichst hoch hinaus (Dr. Igor mit seinen Studien, deren Opfer auch Veronika wird), manche schwimmen mit dem Strom und sind mit sich und ihrem Leben zufrieden (die Krankenschwester, die nur ihre Arbeit tut), andere scheitern und kommen unter die Räder (wie der Diplomatensohn Eduard mit seinem Wunsch Künstler zu werden).
Ich habe das Buch als Plädoyer dafür empfunden, dass das Leben lebenswert ist, wenn man sich nach Kräften bemüht, seinen Weg zu finden und darum kämpft, einen Platz zu finden, an dem man sich wohlfühlt. Wie ein toter Fisch mit dem Strom zu schwimmen führt früher oder später zu der Erkenntnis, dass es das nicht sein kann siehe Seite 212:
Das Leben hier drinnen (Anm.: in der Anstalt) ist genauso wie das Leben draußen. Dort wie hier finden sich die Menschen in Gruppen zusammen, richten ihre Mauern auf und lassen nicht zu, dass etwas Fremdes ihr mittelmäßiges Leben stört. Sie machen Dinge aus Gewohnheit, gehen nutzlosen Problemen auf den Grund und amüsieren sich, weil sie verpflichtet sind, sich zu amüsieren, und was den Rest der Welt betrifft, so soll er zum Teufel gehen und sehen, wie er klarkommt.
Schön ist zu sehen, dass Veronikas erwachender Lebenswille auch einen Teil der anderen Insassen aufrüttelt und motiviert, ihr Leben wieder selbst bestimmen zu wollen. Selbst wenn einem nicht sofort der Ausbruch aus den eigenen Zwängen und Verhaltensmustern gelingt, wachen häufig Mitmenschen in der eigenen Umgebung auf und entwickeln ebenfalls - meist positive - Aktivitäten.
Aufgrund der heiklen Themen Selbstmord und Psychiatrische Anstalt fühlt man sich beim Lesen nicht so recht wohl in seiner Haut, doch wenn der Autor jemanden der im Mittelmaß dahinschwimmt oder gar ganz unten ist erreichen und aufrütteln will, dann gelingt ihm das sicher mit diesem Werk man muss sich nur auch darauf einlassen und den Wunsch nach Veränderung bzw. das Verständnis dafür haben wollen...
Hat Ihnen diese Empfehlung geholfen?