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Trezzini Domenico
Biographie
Domenico Andrea Trezzini (* um 1670 in Astano; † 19. Februarjul./ 2. März 1734greg. in Sankt Petersburg) war ein Schweizer Architekt; sein russischer Name war Andrej Jakimowitsch Tresin oder auch Andrej Petrowitsch Tresin.
Domenico Trezzini wurde in Astano geboren, einem kleinen Dorf im Schweizer Kanton Tessin, und hat wahrscheinlich in Rom studiert. Er war drei Mal verheiratet, was u. a. dazu führte, dass nicht nur die Geburtsjahre seiner Kinder weit auseinanderliegen, sondern einige Unklarheiten bestehen hinsichtlich der verwandtschaftlichen Beziehungen einiger Personen in dieser adligen Familie.
Die Anfänge von St. Petersburg
Der aus dem Tessin stammende Domenico Trezzini gilt als der erste Architekt der vor 300 Jahren von Zar Peter dem Grossen gegründeten Stadt St. Petersburg. Russische Dokumente, die vom Archivio Cantonale in Bellinzona erworben wurden, geben Einblicke in das Leben auf der «Baustelle St. Petersburg». Ausserdem zeigen sie Trezzini als Arbeitgeber, Künstler und als Neuerer der Architektenausbildung in Russland.
Die ausländischen Besucher, die in den ersten Jahrzehnten nach der Gründung von St. Petersburg im Mai 1703 die Stadt an der Newa besuchten, sprachen mit Bewunderung von den gestalterischen Fähigkeiten des Stadtarchitekten Domenico Trezzini. In der zunächst ohne Masterplan entstandenen Neugründung bestimmte er das Strassen- und das Kanalnetz, leitete er den Festungsbau, entwarf er Gärten und die «Kunst am Bau». Zudem prägten seine öffentlichen Gebäude das Bild der werdenden Stadt.
Ein Konvolut von Dokumenten, das heute im Archivio Cantonale in Bellinzona aufbewahrt wird, gibt Einblick in die Umstände, unter denen Trezzini arbeitete. Als durchaus selbstbewusster Untertan beglückwünscht Trezzini 1709 im ältesten erhaltenen Schriftstück Zar Peter den Grossen, seinen «allergnädigsten Herrscher», zum Sieg über die Schweden bei Poltawa mit den Worten: «Ich gratuliere Eurer Majestät zum grossen Sieg... Durch Euer grosses Glück ist jetzt ein fester Stein in das Fundament der Festung Piterburch gelegt worden.»
Das letzte Schriftstück berichtet 1739, fünf Jahre nach Trezzinis Tod, über dessen Nachlass, der «Modelle, Zeichnungen, Pläne und verschiedene Dokumente» enthält und dessen Spur sich nach wenigen Jahren verliert.
Aspekte der Fürsorge
Die neu geschaffene St. Petersburger Baukanzlei beschäftigte unter Trezzinis Leitung über 2000 Mitarbeiter, darunter schwedische Kriegsgefangene, zu deren Gunsten Trezzini 1717 verfügte: «Der Lohn seiner kaiserlichen Majestät ist auszuzahlen für den vergangenen September, Oktober, den laufenden November und den kommenden Dezember an die unten aufgeführten Gefangenen, gemäss ihnen zustehendem Lohn. Sie erstellen und kopieren verschiedene Zeichnungen, die für die Bauten ihrer Majestät nötig sind...» Abgesehen von den Kriegsgefangenen waren der Baukanzlei auch auf dem freien Arbeitsmarkt verpflichtete Handwerker unterstellt.
In einem Schreiben an die Baukanzlei setzte sich Trezzini 1723 für ihre medizinische Betreuung ein: «Da die von der Baukanzlei geführten, umgesiedelten Maurer, Zimmerleute und sonstige Handwerker zum Teil an verschiedenen Krankheiten erkrankt sind, ... von den Ärzten nicht behandelt werden und daher krank bleiben, bitte ich gnädigst zu befehlen, dem im Bataillon für die Soldaten bestimmten Arzt den Befehl zu erteilen, kranke Handwerker zu empfangen und zu behandeln, wenn sie im Stande sind, ihn aufzusuchen, um Arznei zu bekommen. Diejenigen hingegen, die wegen ihrer schweren Krankheit nicht zu ihm kommen können, möge er in ihren Unterkünften aufsuchen und die ihm von einem Vorarbeiter Bezeichneten behandeln.»
Entlassungen und ein Streik veranlassten Trezzini 1728, beim zuständigen Beamten der Baukanzlei zu intervenieren: «Nachdem wir... die Besichtigung gemacht hatten, gehen die Maurer... auch bis heute nicht zur Arbeit mit der Begründung, dass kein Beschluss gefasst wurde, wer angestellt bleibt und wer entlassen wird. Geruhen Sie zu befehlen, wer nach wie vor zur Arbeit gehen muss.» Und weiter: «Eben bekomme ich den Brief..., dass 20 Zimmerleute wegen Nichtauszahlung des Lohns geflüchtet sind und auch die anderen die Arbeit verlassen. Deswegen ist die Arbeit an den Mühlen stillgelegt. Befehlen Sie, bei der Geldauszahlung, ihnen wenigstens die Hälfte auszuzahlen, damit die Arbeit nicht aus diesen Gründen stillgelegt wird...»
Kunst am Bau
Trezzinis Einfluss ging so weit, dass er - obwohl nicht der russisch-orthodoxen Kirche zugehörig - die Bebilderung der Ikonostase seines Hauptwerks, der Kathedrale in der Peter-und- Pauls-Festung, bestimmte.
Im März 1726 hielt die Baukanzlei in einem Protokoll fest, der Architekt Trezzini möge «der Baukanzlei die Zeichnung der Ikonostase schicken... und darin die Grösse der Heiligenbilder angeben...». Daraufhin unterbreitete er der Baukanzlei zur Bestätigung zwei Listen von insgesamt dreissig biblischen Sujets aus dem Neuen Testament für die Gemälde in der Kathedrale, «sechzehn in der Kirche unter dem Gewölbe über dem grossen Gesims und vierzehn innerhalb der Kuppel». Zwei Jahre danach fragte er bei der Baukanzlei an, «ob es genehmigt ist, die Bilder nach diesen Listen zu malen, oder ob zuerst dem heiligen Synod darüber zu berichten ist».
Schon früher, 1722, hatte Trezzini verfügt: «Es ist nun entsprechend vorliegendem Modell und Zeichnung ein fliegender Engel aus Kupferblech herzustellen, der auf die Kugel der Turmspitze der Peter-und-Pauls- Kathedrale gesetzt wird und in den Händen ein Kreuz hält...»
Porta di Pietro, in der Festung der Heiligen Peter und Paul von Domenico Trezzini
Domenico Trezzini, Festung der Heiligen Petrus und Paulus, St. Petersburg, Anfang der Arbeiten von 1706
Architektenausbildung
In der Architektenausbildung war Trezzini in Russland der unbestrittene Neuerer. Ab 1707 nahm er in seinem Haus Jünglinge auf, um sie in einer bis zu fünfzehn Jahre dauernden Meisterlehre in allen Fertigkeiten auszubilden, die Voraussetzung des Gesellen- sowie des Architektentitels waren. Trezzini rapportierte im Jahre 1724, seit wann er seine einzeln genannten Lehrlinge ausbildete und «welche Fächer sie bei mir erlernen». Diese Lehrtätigkeit wurde bei der Festlegung seines Jahresgehalts besonders betont.
Stipendiaten des Zaren, die im Ausland Architektur studierten, unterzog Trezzini nach ihrer Rückkehr einer Fachprüfung. So befragte er 1724 «die Angehörigen der russischen Nation» Timofej Usow und Petr Eropkin, die «in Italien in Rom und in anderen Staaten Architektur studiert hatten». Zunächst ging es in der von Trezzini vorgenommenen Prüfung um die Kenntnisse der Säulenordnungen nach Vignola, insgesamt waren sechzehn Fragen schriftlich zu beantworten.
«Ausserdem gab ich ihnen einen massstabslosen, unvermessenen Grundriss einer Kirche, wonach sie selber den Grundriss vermassen und die Fassade mass- und massstabgerecht entwarfen, mit entsprechenden Ornamenten.» Beide bestanden die Gesellenprüfung und ein Jahr danach auch die Architektenprüfung. Das Schicksal des Kandidaten Petr Eropkin ist bemerkenswert.
Die Zarin Anna Iwanowna gründete für den Wiederaufbau des 1736-37 grösstenteils abgebrannten St. Petersburg eine Baukommission. Zu deren Aufgaben gehörte das Verfassen eines verbindlichen Baureglements zuhanden der Baupolizei von St. Petersburg. Mit dessen Abfassung war der Oberst und Architekt Eropkin beauftragt. Doch als das «Pflichten des Architekturamts» genannte Reglement Ende 1740 im Kabinett eingegeben wurde, war er nicht mehr dabei. Weil er sich am politischen Kampf gegen von Biron, den Günstling der Zarin, beteiligt hatte, war er am 27. Juni 1740 hingerichtet worden.
Das Collegio dei dodici von Domenico Trezzini in einem Stich von 1751
Sommerpalast von Peter dem Großen, Aquarell von 1810, Eremitage, St. Petersburg