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Als ich mich an den Schreibtisch setzte, um diesen Artikel zu schreiben, musste ich sogleich innehalten: Es ist ungemein schwierig, die passenden Wörter zu finden. Man möchte aber auch keinen sprachlichen Fauxpas begehen. Im Deutschen (und gewiss auch in anderen Sprachen) ist es schwierig, die richtigen Wörter zu finden. Macht beispielsweise die englische Sprache einen Unterschied zwischen «gender» (dem sozialen Geschlecht) und «sex» (dem biologischen Geschlecht), bleibt es im Deutschen beim Geschlecht. «Sprache ist aber kein Natur-, sondern ein historisch-gesellschaftliches Phänomen und als solches auch kritisier- und veränderbar», schreibt Luise F. Pusch in ihrem Buch «Deutsch als Männersprache». In der deutschen Sprache werden also neue Begriffe benötigt, die den alteingesessenen «Wahrheiten» entgegenwirken.
Institution Patriarchat
Doch wann und warum gewann in unserer Gesellschaft eine patriarchale Kultur die Oberhand, die stark zwischen Weiblichem und Männlichem unterscheidet? «‹Patriarchal› bedeutet in erster Linie eine Stratifikation entlang des Geschlechts, wo Männer generell über den Frauen stehen beziehungsweise einen einfacheren Zugang zu gesellschaftlich wertvollen und knappen Ressourcen haben», erklärt Monica Budowski, Professorin für Gender Studies an der Universität Freiburg. Dieses Phänomen der Stratifikation (Schichtung) komme in allen Gesellschaften vor. «Verschiedene anthropologische und feministische Texte sehen die Entstehung der patriarchalen Kultur in der Zeit des Übergangs von Jäger- und Sammlergesellschaften zum Ackerbau. Jäger und Sammler waren kleine Gruppen mit geringer Hierarchie, die umherwanderten, um sich ihre Existenz zu sichern. Ackerbau ist demgegenüber charakterisiert durch die Nutzung des Pflugs, Landbesitz, die Möglichkeit, Erträge aufzubewahren. Mit dem Ackerbau beginnen sich Funktionen auszudifferenzieren und zu hierarchisieren», erläutert Budowski. Das Patriarchat habe sich schliesslich im Römischen Reich mit der Organisation des Haushalts und der Besitzverhältnisse etabliert und die Macht der männlichen Familienoberhäupter gegenüber den anderen, abhängigen Haushaltsmitgliedern verfestigt. Das Patriarchat wurde institutionalisiert.
Gleichstellung nicht erreicht
«Die mittelalterliche adelige Frau sah ihre Identität in ihren Siegeln, in ihren Stickereien und anderen Ziergegenständen widergespiegelt, in den Wappensymbolen ihrer Herkunftsfamilie, in der Vereinigung dieser Symbole mit jenen ihrer angeheirateten Familie oder auch, vor allem im städtischen Milieu, in der Ersetzung der eigenen durch die des Mannes», schreibt Leah Otis-Cour in «Lust und Liebe, Geschichte der Paarbeziehungen im Mittelalter». Frauen wurden sehr lange als unmündig angesehen, als «Gehilfin» des Mannes, wie es in der Bibel steht.
Die Gleichstellung sei noch nicht verwirklicht, konstatiert Budowski: «Studien zeigen, dass Frauen und Männer immer noch von Stereotypen geprägt sind, mit denen sie aufgewachsen sind. Allerdings ist die Gesellschaft auch wesentlich reflexiver geworden, das heisst, es wird mehr hinterfragt, und damit werden auch Stereotypen und das, was als «natürlich» empfunden wird, konstant hinterfragt. Dies ermöglicht es, Stereotypen auf die Spur zu kommen und sie aufzubrechen.»
Entscheidendes Verständnis
Schlussendlich beschreibt Simone de Beauvoir, dass es entscheidend ist zu verstehen, «dass nicht die Unterlegenheit der Frauen ihre historische Bedeutungslosigkeit bedingt hat, sondern dass es ihre historische Bedeutungslosigkeit war, die sie zur Unterlegenheit verurteilt hat».