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Text: Fabian Kern, Illustration: Dieter Stocker, Foto: Alamy/Shutterstock
Der treuste Gast ist 007. Bisher turnten vier verschiedene Bonds in bisher fünf Filmen durch die Schweizer Berge. Den Anfang machte Ur-Bond Sean Connery, der seinen Aston Martin in «Goldfinger» (1964) über den Furkapass und durch den Simplontunnel steuerte. Fast komplett im Berner Oberland spielte «Im Geheimdienst ihrer Majestät» (1969), dem einzigen Film mit George Lazenby als 007. Bösewicht Blofeld (Telly Savalas) baute sein Hauptquartier auf dem Schilthorn, im Film «Piz Gloria» genannt. Danach war gleich zweimal Roger Moore mit Ski-Verfolgungsjagden in der Bernina-Region im Oberengadin dran: in «Der Spion, der mich liebte» (1977) und «Im Angesicht des Todes» (1984). Den vorläufigen Abschluss machte Pierce Brosnan, der dem Tessin mit seinem 220-Meter-Bungee-Sprung von der Verzasca-Staumauer in «GoldenEye» (1995) einen touristischen Goldesel bescherte, der bis heute die Massen anzieht.
Nicht nur James Bond entdeckte die Schönheit der Schweizer Berge. Im Bergsteiger-Thriller «Im Auftrag des Drachen» (1975) stahl die Eigernordwand Clint Eastwood die Show. Zwar wurde auch in den USA gedreht, die beeindruckendsten Szenen entstanden aber auf der Kleinen Scheidegg und am Eiger. Dreissig Jahre später tauchte die Bergwelt um Grindelwald BE in einer weit, weit entfernten Galaxis auf: als Panorama von Alderaan, dem Heimatplaneten von Prinzessin Padmé (Natalie Portman) in «Star Wars Episode III: Die Rache der Sith» (2005). Spektakuläre Felsformationen gibts jedoch nicht nur im Hochgebirge. Die markanten Churfirsten zwischen Walensee und Toggenburg waren Schauplatz eines Stunts in «Point Break» (2015): Eine Gruppe krimineller Extremsportler stürzt sich in Wingsuits von der Felsenkette und fliegt zwischen den Zacken hindurch.
Er könnte James Bond den Rang als häufigster Schweizer Film-Gast noch ablaufen. Matt Damons On-off-Beziehung mit unserem Land begann mit «Die Bourne Identität» (2002). Als Jason Bourne jagt er in Zürich seiner vergessenen Identität nach. Seine Flucht aus der amerikanischen Botschaft mit Klettereinlage an der Hauswand wurde tatsächlich in Zürich gedreht. Die Aussenszene auf der Bahnhofstrasse war aber zu teuer, weshalb sie spontan nach Prag verlegt wurde – zu erkennen am tschechischen «Züri-Tram». Nach einem Abstecher ins Genfer Hotel President Wilson in «Syriana» (2005) kehrte Matt Damon nach Zürich zurück: In «Der Informant!» (2009) geht er über die Gemüsebrücke ins Rathaus am Limmatquai. Zwei Jahre später filmte er auch zum zweiten Mal in Genf. Im Pandemie-Thriller «Contagion» (2011) spielt der Hauptsitz der WHO eine wichtige Rolle.
Neben den Bergen sind die Schweizer Städte am beliebtesten bei den Touristinnen und Touristen. Ebenso bei den Filmemacherinnen und -machern – allerdings mit anderen Präferenzen. Nicht etwa das meistfotografierte Luzern ist hoch im Kurs bei den Drehorten der internationalen Blockbuster, sondern die beiden grössten Städte. Genf und Zürich kamen neben den beiden Filmen mit Matt Damon (Box links) noch je ein drittes Mal zum Zug. In «Illuminati» (2009), der Verfilmung von Dan Browns Verschwörungsthriller, ermittelt Tom Hanks als Robert Langdon am CERN in Genf. Und Daniel Craig – nein, nicht als James Bond – beehrt in «Verblendung» (2011) das Grand Hotel Dolder in Zürich. Die eidgenössische Hauptstadt wurde aber dennoch nicht ganz vergessen: In «Iron Man 3» (2013) kommt das Bundeshaus ganz am Anfang zu einem Blitzauftritt.
Welche Szene in «Sherlock Holmes – Spiel im Schatten» (2011) wurde in der Schweiz gedreht? Die spontane, weil logische Antwort wäre wohl: das Finale an den Reichenbachfällen im Kandertal. Falsch! Der Kampf von Robert Downey Jr. aka Sherlock Holmes mit Professor Moriarty entstand weit weg von der Schweiz. Dafür wurde jene Zugszene, die eigentlich in England spielt, bei Triengen LU gedreht. Das hat einen bestimmten Grund: Die Sursee-Triengen-Bahn fährt auf einem Gleis, dessen Breite genau jener von historischen Dampfloks entspricht. Und so wird das unscheinbare Luzerner Surental immer mal wieder von Filmproduktionen besucht, bei denen solch alte Züge vorkommen. Zuletzt war dies bei «Mord im Orient-Express» (2017) der Fall, Kenneth Branaghs Remake des Agatha-Christie-Klassikers. Es dürfte nicht das letzte Mal gewesen sein.
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