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Neues von ECTRIMS / ACTRIMS über Multiple Sklerose
19.09.2014 – Mehr als 8.500 MS-Spezialisten aus Europa und Amerika trafen sich Mitte September auf dem weltweit grössten MS-Kongress in Boston. In über 1000 Vorträgen und Postern wurden die neuesten Erkenntnisse aus Klinik und Forschung vorgestellt. Folgend eine kleine Auswahl der Präsentationen.
Neue Therapieansätze
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Daclizumab:
Professor Ludwig Kappos vom Universitätsspital Basel stellte die Ergebnisse einer Phase III Studie mit DAC HYP, einer hochkonzentrierten Form von Daclizumab, vor. Bei Daclizumab handelt es sich um einen monoklonalen Antikörper, welcher die immunologischen Prozesse beeinflusst, die bei der Multiplen Sklerose eine Rolle spielen. In der Phase III Studie DECIDE wurde an mehr als 1800 Patienten mit schubförmiger MS untersucht, ob hochkonzentriertes Daclizumab mehr Schübe über 2 Jahre verhindert als Interferon-beta-1a (Avonex®). DAC HYP reduzierte die jährliche Schubrate um 45% im Vergleich zu Avonex®. Nach 144 Wochen waren noch 67% der mit DAC HYP behandelten Patienten schubfrei, aber nur 51% der mit Avonex® behandelten Patienten. Auch im Hinblick auf radiologische Parameter war DAC HYP mit einer Reduktion von 54% neuer bzw. vergrösserter T2 Läsione Avonex® überlegen. Eine Behinderungsprogression war nach 3 Monaten um 16% und nach 6 Monaten um 27% reduziert. Die Abnahme des Hirnvolumens über 2 Jahre war signifikant geringer mit DAC HYP im Vergleich zu Avonex®. Im Hinblick auf die Therapiesicherheit bestätigte sich das bekannte Nebenwirkungsprofil von DAC HYP mit schwerwiegenden Infektionen, Leberenzymanstiegen und Hautreaktionen, welche aber gut zu behandeln waren. Die Einreichung zur Zulassung von DAC HYP ist von Biogen Idec und ABB Vie für 2015 geplant.
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Glatirameracetat:
Um die Gleichwertigkeit von generischem Glatirameracetat (GTR) hergestellt von Synthon mit dem Original Glatirameracetat Copaxone® von Sanofi-Aventis zu testen, nahmen 735 Patienten mit schubförmiger MS an einer Studie teil. Die Studienteilnehmer injizierten 9 Monate lang täglich entweder GTR 20mg, Copaxone® 20mg oder Placebo subkutan. Die Krankheitsaktivität im MRI wurde mit GTR gleichwertig wie mit Copaxone® reduziert. Sowohl die klinische Wirksamkeit, als auch die Sicherheit und Verträglichkeit war für Copaxone® und generisches Glatirameracetat sehr ähnlich.
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Fingolimod-Modulator - RPC1063:
Der Fingolimod Modulator RPC1063 von Receptos, Inc. ist ein klinisches Prüfpräparat welches dem zugelassenen Fingolimod (Gilenja®) sehr ähnlich ist. Es hemmt selektiv den Eintritt von Immunzellen über die Blut-Hirnschranke ins zentrale Nervensystem. In einer Phase II Studie erhielten 258 Patienten mit schubförmiger MS entweder RPC1063 (0.5 mg), RPC1063 (1 mg) oder Placebo oral. Es zeigte sich für die beiden Wirkstoffkonzentrationen eine Reduktion der aktiven MRI Läsionen um 86% im Vergleich zu Placebo. Die Studie war nicht dazu ausgelegt eine Schubreduktion oder Verminderung der Behinderungsprogression zu zeigen. Die Nebenwirkungen von RPC 1063 schienen vertretbar zu sein. Infektionen der Atemwege, Kopfschmerzen und Harnwegsinfektionen wurden am häufigsten berichtet. Es wurde keine nennenswerten Herz-, Lungen-, Augenprobleme oder Krebserkrankungen festgestellt. Eine Phase-3-Studie mit Vergleich zu Interferon beta-1a läuft.
Progression verstehen
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Körpertemperatur: ein Hinweis auf MS-Progression?
In einer Studie des Manhattan Memory Centers wurde bei 111 Patienten mit schubförmiger MS und 85 Teilnehmern ohne MS die durchschnittliche Körperkerntemperatur verglichen. Es zeigte sich, dass Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose durchschnittlich eine höhere Körpertemperatur hatten, als diejenigen ohne MS. Ebenfalls zeigte sich, dass die Körpertemperatur bei Patienten mit einer sekundär-progressiven MS niedriger war, als bei Patienten mit schubförmiger MS. Die Untersucher vermuten, dass die erhöhte Temperatur dem Entzündungsprozess bei aktiver MS im Gehirn zu Grunde liegt. Möglicherweise ist die Körpertemperatur ein nützliches Hilfsmittel, um den Übergang vom schubförmigen zum progredienten Verlauf zu erkennen.
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MS und Begleiterkrankungen:
Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Herzerkrankungen können auch neben einer Multiplen Sklerose Erkrankung auftreten. Möglicherweise haben sie aber auch einen Einfluss auf den Erkrankungsverlauf bei MS Patienten. Im NARCOMS Patientenregister wurden fast 9‘000 Patienten untersucht und es zeigte sich, dass diese und andere Begleiterkrankungen mit einem stark erhöhten Risiko für eine Behinderungsprogression verbunden waren. Im Umkehrschluss heisst dies aber auch, dass durch die adäquate Behandlung von Begleiterkrankungen, die Möglichkeit bestehen kann, den Verlauf der Erkrankung zu beeinflussen.
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Cholesterin: Ein Verlaufs-Marker bei Multipler Sklerose?
Cholesterin ist ein wichtiger Bestandteil des Myelins, welches bei MS Erkrankungen geschädigt wird. Niederländische Forscher haben nach Hinweisen gesucht, ob Cholesterin als nützlicher Indikator zur Bestimmung einer MS Progression verwendet werden könnte, wenn man in Betracht zieht, dass hohe Cholesterinwerte mit klinischen Anzeichen einer Progression verbunden sein können, wie zum Beispiel einer verringerte Dicke der Sehnervenfasern. Das Abbauprodukt von Cholesterin 24S-Hydroxycholesterol und dessen Werte, welche im Zusammenhang mit Veränderungen von Hirnvolumen und bei der Erkrankungsprogression stehen können, sollen untersucht werden. Die Serumspiegel ändern sich in Mausmodellen sogar vor dem Auftreten von klinischen Anzeichen einer MS.
Wiederherstellung der Funktion - Myelin-Reparatur
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Phase I Studie
Dr. Jeffrey Cohen von der Cleveland Klinik präsentierte erste Ergebnisse einer kleinen Phase I Studie bei Patienten mit schubförmiger MS. In dieser Studie sollte die Sicherheit von Patienten, die mit eigenen Knochenmark-Stammzellen zur Unterdrückung der Immunantwort und Verbesserung des natürlichen Reparaturprozesses behandelt wurden, überprüft werden. Nach Züchtung der Stammzellen und deren Injektion konnten keine schwerwiegenden Sicherheitsbedenken oder eine Zunahme der Krankheitsaktivität festgestellt werden. Eine größere, kontrollierte Studie ist in Planung.
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Umwandlung von Hautzellen zu Stammzellen
Zellbasierte Therapien stellen einen vielversprechenden Bereich in der Forschung, sowohl in der Verlangsamung der Krankheitsaktivität, als auch bei der Reparatur von Myelin im Gehirn von Multipler Sklerose Patienten, dar. Ein Ansatz ist, Hautzellen oder andere erwachsene Zellen zu entnehmen und diese in Stammzellen (sogenannte pluripotente Stammzellen) umzuprogrammieren. Ein Wissenschaftlerteam unter der Leitung von Dr. Stefano Pluchino beschrieb nun eine neue schnellere Methode Stammzellen herzustellen. Bei diesem neuen Prozess, konnten Hautzellen einer Maus in einem Schritt direkt in Gehirn-Stammzellen umgewandelt werden.
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Reparaturzellen direkt zu Läsionen führen
Dr. Catherine Lubetzki vom Salpetriere Hospital in Paris beschrieb die notwendigen chemischen Faktoren, um die sich im Gehirn befindenden unreifen Myelin-Reparaturzellen (Oligodendrozyten-Vorläuferzellen) zu aktivieren und diese direkt zu den MS-Läsionen zu transportieren. Dort sollen sie dann direkt die Myelin-Reparatur verbessern. Potenzielle Strategien zur Myelin-Reparatur werden nun für die Prüfung am Menschen vorbereitet.
Wiederherstellung der Funktionen – Rehabilitation
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Bewältigung kognitiver Probleme:
Mittels Videospielen und interaktive Videokonsolen können kognitive Fähigkeiten von Menschen mit Multipler Sklerose verbessert werden. „Dr Kawashima’s Brain TrainingTM“ z.B. erhöhte die Aufmerksamkeit, die Verarbeitungsgeschwindigkeit und das Arbeitsgedächtnis bei Patienten mit MS. Nun zeigten italienische Forscher, dass auch die "Vernetzung" zwischen Gehirnarealen verbessern wird und konnten dies auch mittels MRI-Aufnahmen nachweisen. Grösser angelegte Studien sind in Planung.
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Aerobe Fitness und das Gehirn
Neue Untersuchungen zeigen einen Zusammenhang zwischen der aeroben Fitness und dem Hippocampus-Volumen bei MS Patienten. Der Hippocampus ist ein wichtiger Bereich im Gehirn, der sowohl zuständig für die Kognition als auch für die Gedächtnisleistung ist. Er spielt eine Rolle bei der Übertragung neuer Information in das Langzeitgedächtnis. Aerobes Fitnesstraining könnte also die Schrumpfung des Hippocampus bei Multipler Sklerose verzögern und damit die Gedächtnisleistung verbessern.
Suchen und verstehen von MS-Risiko-Genen
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The big picture - Das grosse Ganze
Dr. David Hafler von der Yale Universität gründete gemeinsam mit Kollegen das International MS Genetics Consortium, welches die Erforschung und das Verständnis der MS-Genetik revolutioniert hat. Hafler berichtete, dass es wahrscheinlich hunderte von bisher nicht entdeckten MS-Risikogenen gibt. "Jedes einzelne Gen hat eine kleine Auswirkung auf das Krankheitsrisiko; aber jedes Gen interagiert mit seiner Umgebung", sagte er. "Dies sind per se keine schlechten Gene und es ist keine schlechte Umgebung an sich – aber es kommt zu einer schlechten gegenseitigen Beeinflussung."
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Neueste Ergebnisse aus der Genforschung
Das Internationale MS Genetics Consortium berichtet, dass es aus verschiedenen Studien mit über 80‘000 Menschen mehr als 159 genetische Variationen, die in Zusammenhang mit der Erkrankung an einer Multipler Sklerose stehen, identifiziert hat. Unterdessen haben die Forscher begonnen, die beteiligten spezifischen Immunzellen und Proteine zu identifizieren und in ihrer Bedeutung als Risikofaktor für die Entstehung einer MS- Erkrankung einzuordnen. Dies sind Voraussetzungen für die Entwicklung neuer Wirkstoffe, welche die Multiple Sklerose lindern, stoppen oder gar verhindern können.
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Gen-Studie bei Afroamerikanern
Das internationale MS Genetics Consortium und Dr. Isobe der University of California in San Francisco untersuchten den genetischen Unterschied zwischen Afroamerikanern und Kaukasiern mit MS. Bei Afroamerikanern mit MS wurden 7 neue Gene identifiziert, die bisher bei größeren Gen-Scans nicht aufgedeckt worden waren. Durch diese Entdeckung erhofft man sich ein besseres Verständnis darüber, warum eine MS bei Afroamerikanern oft schwerwiegender ist, als bei der weissen Bevölkerung. Ausserdem können diese Ergebnisse möglicherweise dazu beitragen, die wichtigsten MS-Risiko Gene zu identifizieren.
Lifestyle Faktoren
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Vitamin D und Gene
Dr. Graves und das Netzwerk pädiatrischer MS Zentren berichteten aus einer noch laufenden Studie, welche Auslöser einer MS bei Kindern vorhanden sind. Sie zeigten, dass ein niedriger Vitamin D Status bei Kindern nur mit einem MS Schub assoziiert war, wenn die Kinder ein spezifisches Immunrelevantes Gen (HLA-DRB1*15:01/03) haben. Diese Daten unterstützen frühere Erkenntnisse aus Studien mit Erwachsenen, dass der HLA-DRB1*15 Status den Zusamcmenhang zwischen Vitamin D Werten und der Entwicklung von neuen MRI Läsionen beeinflusst.
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Vitamin-D-Supplementierung als Teenager?
In welchem Alter kann eine Vitamin-D-Supplementierung das Risiko an einer MS zu erkranken möglicherweise reduzieren? Norwegische Wissenschaftler befragten hierzu 953 Patienten mit MS und 1717 Personen ohne MS. Es zeigte sich, dass Personen, welche im Alter von 13 bis 18 Jahren Dorschleberöl (Lebertran) eingenommen hatten, im Vergleich zu denjenigen, die nie oder in einem anderen Lebensabschnitt Dorschleberöl einnahmen, ein halb so grosses Risiko aufwiesen an einer MS zu erkranken.
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Ernährung und MS
Forscher der Harvard Medical School in Bosten gingen der Frage nach, ob unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten die Entstehung einer MS beeinflussen können. Hierzu wurden 5 bekannte Diäten, wie zum Beispiel die Mittelmeer-Diät und deren Einfluss auf die Entwicklung einer MS untersucht. Es zeigte sich, dass keins der untersuchten Ernährungsmuster mit einem grösseren oder kleineren Risiko an einer MS zu erkranken, assoziiert war.