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»The Good, the Bad and the Ugly« ist mein Lieblingswestern.
Die für mich bewegendste Szene ist jene, die mit Ennio Morricones »Story of a soldier« unterlegt ist. In meinem Roman »Der Bankier Gottes« habe ich ihm eine Hommage gewidmet. Nachstehend die beiden kurzen Textstellen.
SIZILIEN Seite 140 / Der Mafiosi Furio wirft den sterbenden Programmierer Bohne zum Auto raus.
Die Straße endete abrupt in einem abgestorbenen Olivenhain. Die Türen von Furios Auto waren weit geöffnet. Furio saß quer auf dem Fahrersitz. Zu seinen Füßen im Staub lag Frank Bohne. Er krümmte sich, stöhnte und presste die Hände gegen die heftig blutende Wunde. Aus dem CD-Spieler drang »The Story of a Soldier«. Ein Trauermarsch.
»Ich muss immer weinen, wenn ich das Stück höre«, sagte Furio leise. Er schaute über die Felder. Irgendwo musste das Meer sein.
»Die Musik stammt von Ennio Morricone. Hast du ›The Good, the Bad and the Ugly‹ gesehen? Von 1966. Mein Jahrgang. Ich habe alle Filme gesehen, die 1966 in die Kinos kamen. Aber nur bei diesem Film musste ich weinen. Nur bei dieser Szene. Immer wenn die Musik einsetzt. Sie ist so traurig.«
»Ich brauche einen Arzt«, wimmerte Bohne. Tränen rannen ihm über die Wangen.
»Pass auf, jetzt kommt der Chor.« Furio sang leise mit:
»Blue grass and cotton. Burnt and forgotten. All hope seems gone. So soldier march on to die.«
Furio seufzte: »Das stammt aus dem amerikanischen Bürgerkrieg. Im Film müssen die Gefangenen die Musik spielen. Und immer, wenn sie diese Nummer spielen, wissen wir, drüben in der Holzbaracke foltert der Captain wieder einen Gefangenen. Dann gibt’s ein paar harte Schnitte. Faust ins Gesicht, Blut spritzt. Schnitt. Dann draußen der Chor in den grauen Uniformen, abgemagert, verzweifelt, und sie spielen mit Gefühl den Trauermarsch. Dann wieder Cut.«
»Meine Mutter …«, keuchte Bohne, doch die Tränen erstickten seine Stimme, und der Weinkrampf, der ihn übermannte, verstärkte die Schmerzen. Frisches Blut rann über seine Hände.
»Was soll ich deiner Mutter sagen? Wie du gestorben bist? Meinst du, das wird ihr gefallen? Keine Mutter will das hören. Ich bin sicher, du magst nicht mal Oliven.«
Seite 422
Die Mafiosi Furio und Francesco mit dem entführten Albertini
»Kennen Sie die Filme von Sergio Leone?«
»Ja.« Albertini schüttelte genervt den Kopf. Was soll die Frage?
»›The Good, the Bad and the Ugly‹, 1966. Mein Geburtsjahr. Ich habe alles gesehen, was damals in die Kinos kam.«
Francesco atmete tief durch und schaute durch das Panoramafenster in den Garten hinaus. Er kannte Furios Part auswendig.
»Es gibt da eine Szene im Strafgefangenenlager der Nordstaatler. Die gefangenen Südstaatler müssen draußen Musik spielen, ›The Story of a Soldier‹, während drinnen in der Holzbaracke Duco gefoltert wird.«
»Geht’s nicht etwas kürzer?«, unterbrach ihn Francesco.
»Writing is re-writing, ich finde, die Szene wird jedes Mal besser.« Furio wandte sich wieder Albertini zu, der sich allmählich unwohl fühlte.
»Eli Wallach wird in der Holzhütte zusammengeschlagen, gefoltert, der arme Kerl verliert sogar einen Zahn … und am Ende, und genau darauf will ich hinaus, gesteht er doch alles. Gesteht, wo der Goldschatz vergraben liegt. Und da fragt sich der Zuschauer, wieso zum Teufel hat der arme Kerl nicht früher gestanden? Dann hätte er noch all seine Zähne, hm?«
Furio grinste breit. Francesco zuckte die Schultern. Er gab Furio recht. Das war eine neue Wendung. Eine eindeutige Verbesserung.
»Aber dann holen sie Clint Eastwood rein«, sagte Francesco und setzte die Erzählung fort, »weil Eli Wallach gesagt hat, der Goldschatz ist auf dem Friedhof begraben, aber nur der Blonde weiß, in welchem Grab. Und es gibt Tausende von Gräbern da draußen. Also holen sie den Blonden rein. Clint Eastwood. Er sieht das Blut am Boden. Und erneut beginnt die Musik zu spielen …«
»Ja, und jetzt machen wir uns Sorgen«, brummte Francesco wie zu sich selbst.
Furio fuhr fort: »Und Clint Eastwood sagt: Wollen Sie mir die gleiche Behandlung zukommen lassen … Dabei wäre es schöner, wenn er sagen würde: Spielt die Musik für mich? Stellen Sie sich das mal vor. Clint Eastwood kommt rein. Die Musik beginnt zu spielen und er fragt: Spielt die Musik für mich?«
Schweigen.
Furio nahm einen Schluck Wasser und wischte sich die Lippen ab.
Nach einer Weile sagte Luigi: »Ich habe den Film gesehen, ich kenne die Musik, ich erinnere mich an die Szene. Worauf wollen Sie hinaus?«
»Wir werden dir sehr wehtun, Luigi. Und dann wirst du uns alles erzählen.«
Luigi wollte aufspringen, aber er sah, dass Furio bereits seine Waffe auf ihn gerichtet hatte.
»Nicht bewegen«, sagte Furio, »wir wollen damit sagen … nein, wir wollen dir die Chance geben, uns alles zu erzählen, bevor du einen Zahn verlierst. Am Ende wirst du uns eh alles erzählen.«
»Am Ende quasseln sie alle, sie reden sich um den Verstand, weinen, flehen, wimmern, während ihnen das Blut wie Ketchup aus dem Mund läuft«, ereiferte sich Francesco.
»Ich mach’s nicht gerne, ich bin ein Hygiene-Freak, nicht wahr, Francesco?«
Francesco schaute Albertini freundlich an, als wolle er sagen: Mach es uns doch nicht so schwer.