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Am 21. Januar 1969 konnte die Versuchsanlage von Lucens definitiv anfahren. Um 4.23 Uhr morgens wurde der Reaktor kritisch. Anschliessend erhöhten die Experten dessen Leistung schrittweise.
Um 17.14 Uhr waren 12 MW erreicht. Sechs Minuten später wurde die Bedienungsmannschaft im abgeschirmten Kontrollraum von einer automatischen Schnellabschaltung des Reaktors überrascht, die mit einer Abschottung der Lüftungsschläuche der Reaktorkaverne nach aussen einherging. Wenige Sekunden später strömte aus dem Reaktor ein Gemisch mit stark radioaktiv kontaminiertem CO2 in die Reaktorkaverne, in der sich zu dem Zeitpunkt kein Personal aufhielt.
Der Ausströmungsvorgang dauerte rund 15 Minuten. Danach war so viel Kühlmittel aus dem bei 50 bar betriebenen Primärkreislauf in die Reaktorkaverne ausgeströmt, dass der gemeinsame Ausgleichsdruck von 1,2 bar erreicht war.
In der Reaktorkaverne erreichte die Strahlung 100 R/h (1 Sv/h), vor allem aufgrund kurzlebiger Radionuklide wie Rubidium-88 und Krypton-88. Über eine undichte Stelle an einer Kabeldurchführung und über eine Leitung zur Abfuhr kleiner Kühlgasverluste drangen radioaktive Stoffe durch das Containment nach aussen und teilweise durch den umgebenden Fels in die Umwelt.
Um dies zu unterbinden, schalteten die Operateure die Lüftung um 17.58 Uhr auf das mit Jodfiltern ausgerüstete Notabluftsystem um, um 18.20 Uhr stellten sie die Ventilation ab. Ab 18.15 Uhr schützte sich das Bedienungspersonal im Kommandoraum mit Schutzmasken.
Geringer Anstieg der Radioaktivität
„Die Schichtgruppe hat innerhalb der ersten Minuten einen grösstenteils zutreffenden Gesamteindruck der Vorkommnisse gewonnen, sich richtig verhalten und die im Notfallplan für einen Zwischenfall dieser Art vorgeschriebenen Handlungen ausgeführt.
Ebenfalls bewährt hat sich die damals noch nicht voll entwickelte schweizerische Notfallorganisation“, schrieb Roland Naegelin, KSA-Mitglied von 1970 bis 1980 und HSK-Direktor von 1980 bis 1995, in seiner 2007 erschienenen Monographie über die Tätigkeit der Schweizer Nuklearsicherheitsbehörden rückblickend.So habe der Alarmausschuss der Eidgenössischen Kommission für die Überwachung der Radioaktivität (KueR) kurzfristig aufgeboten werden können.
Unter dessen Führung unternahmen Equipen der Betreiberin und des Eidgenössischen Instituts für Reaktorforschung EIR Messfahrten in der Umgebung. Sie stellten nur einen sehr geringen Anstieg an Radioaktivität fest, der weit unter den entsprechenden Grenzwerten lag.
Diese Havarie war entscheidend für den weiteren Verlauf des Projektes Versuchsatomkraftwerk Lucens. Im Nachgang wurden die Ereignisse vom 21. Januar 1969 ausführlich analysiert.