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Der 90-jährige J.D. Salinger wehrt sich vor Gericht gegen eine Fortsetzung seines Erfolgsromans «Der Fänger im Roggen». Der in totaler Anonymität lebende Autor hat bislang jede Bearbeitung seines Buchs verhindert.
Wenn es ein Buch gibt, für welches man den abgedroschenen Begriff «Kult» verwenden kann, dann ist es «The Catcher in the Rye» («Der Fänger im Roggen») von Jerome David Salinger. Titelheld des 1951 veröffentlichten Romans ist der 16-jährige Holden Caulfield, der sich gegen eine verständnislose Erwachsenenwelt auflehnt. Dabei bedient sich der US-Autor einer für jene Zeit gewagten Sprache (laut Wikipedia kommt 44-mal das Wort «fuck» vor).
Bei seinem Erscheinen verursachte das Buch einen Skandal, in verschiedenen Ländern wurde es verboten. Generationen von Jugendlichen aber konnten sich mit Holden Caulfield identifizieren. Bald 60 Jahre danach ist der Roman längst ein Klassiker, der sich nach wie vor gut verkauft. Für seinen Schöpfer aber wurde er zur Belastung. Der heute 90-jährige J.D. Salinger schrieb nie wieder einen Roman, seine letzte Kurzgeschichte erschien 1965. Seit Jahrzehnten lebt er zurückgezogen im US-Bundesstaat New Hampshire.
Von sich reden machte er nur, wenn er vor Gericht zog, und das war häufig der Fall. Bis heute gibt es keine Verfilmung und keine Bühnenfassung von «Der Fänger im Roggen», Salinger lehnte selbst Angebote von Hollywood-Grössen wie Steven Spielberg und Harvey Weinstein ab. 2003 verhinderte er eine von der britischen BBC geplante Fernsehproduktion.
Nun haben seine Anwälte erneut Klage eingereicht. Es geht um eine Art Fortsetzung des Klassikers, die unter dem Titel «60 Years Later: Coming Through the Rye» erschienen ist. Sie handelt von einem 76-jährigen Mann, der gemäss der Nachrichtenagentur AP stark an Holden Caulfield erinnert und aus einem Altersheim abhaut. Das Buch sei Salinger gewidmet, der Autor tritt sogar darin auf.
Die Umstände des Sequels sind mysteriös: Geschrieben wurde sie von einer anonymen Person, die sich hinter dem Pseudonym John David California versteckt, und erschienen ist das Buch in einem bislang unbekannten britischen Verlag. Für Salinger ist es gemäss der Klage «schlicht und einfach ein Abklatsch» des Originals. Dessen Rechte gehörten einzig dem Autor, und der habe sich «eindeutig entschieden, sie nicht zu vergeben».
Bei «John David Califonia» handelt es sich gemäss Medienberichten um einen schwedisch-amerikanischen Autor. Die AP konnte ihn in Schweden kontaktieren. Er lebe in der Nähe von Göteborg, wolle aber seinen richtigen Namen nicht nennen, sagte «California». Salingers Klage bezeichnete er als «ein wenig verrückt». Der Autor besitze die Kontrolle über die Namen der Charaktere, nicht aber über den Stil oder die Perspektive des Buchs.
Verdammt sei das Recht auf Geistiges Eigentum! Nehmt Salinger die Rechte weg und lasst uns lesen, was John David California geschrieben hat! Hört auf Zensur zu betreiben um der Selbstbeweihräucherung und dem Kontrollzwang eines alten Knackers – der das Gefühl hat einmal im Leben Rebell zu sein reiche voll und ganz – Recht zu geben! Dass uns die Spielberg-Verfilmung erspart geblieben ist, halte ich in Ehren, aber dass längst geschriebene Worte hinter Schloss und Riegel liegen, nur weil es Parallelen gibt, nur weil der Autor so ehrlich war und keinen Hehl daraus gemacht hat, welches Werk ihn dazu inspirierte. Schade.