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(frz., spr. klaw’ßäng), s.
Clavicembalo. – Clavecin brisé, niedrig gebautes Klavicymbel ohne Füße, in drei Teile geteilt, die so verbunden sind, daß man
das Instrument zu einem leicht transportablen Kasten zusammenklappen kann;
erfunden wurde es von Marius in Paris
[* 3] zu Anfang
des 18. Jahrh. Ein Clavecin brisé führte Friedrich d. Gr. mit sich auf Reisen (jetzt in der königl. Musikinstrumentensammlung
zu Berlin).
[* 4]
Die vertikale Stellung der Besaitung, wie sie dem heutigen Pianino eignet, wandte man gleichfalls schon
im 16. Jahrh. (beim Klavicitherium) und später beim Giraffenklavier an. Der Flügel wird jetzt in verschiedenen Größen gebaut:
als Konzertflügel, der die größte Länge hat, und als (kreuzsaitiger) Stutzflügel, der bedeutend kürzer als jener ist;
eine Mittelgröße bildet der sogen. Salonflügel. E. Kaps in Dresden
[* 7] baut Flügel von besonders kleinem
Format mit dreifacher Saitenkreuzung.
Wie bei allen Saiteninstrumenten, so ist auch beim Klavier der Resonanzboden (s. d.)
der wichtigste Teil; er ist eine unter den Saiten liegende dünne, geradfaserige Tannenholzplatte, deren untere Seite in Zwischenräumen
von ungefähr 5-6 cm mit Rippen (Berippung) besetzt ist, Holzleisten, welche, die Fasern rechtwinkelig durchschneidend, den
Zweck haben, die Bildung von Transversalschwingungen zu verhindern. Bei den alten Klavieren war der Resonanzboden
an mehreren Stellen durch eine sogen. Rose durchbrochen, wie bei der Laute, Guitarre, dem Hackbrett und andern aus Nachhallen
des Tons berechneten Instrumenten.
Vorn, am nächsten der Klaviatur, sind die Saiten mittels angedrehter Schlingen um die im Stimmstock eingefügten Stimmnägel
gewunden. Der klingende Teil wird durch eine gleich hinter den Stimmnägeln befestigte schmale Leiste, auf welcher die Schrägstifte
sich befinden, abgegrenzt; bei neuern Instrumenten sind die Schräg- oder Schränkstifte auch durch einen
festen Metallstock (capotasto) vertreten, der quer über die Saiten gelegt und am Stimmstock fest angeschraubt ist.
In das schnabelförmige Ende des Hammerstiels greift der Auslöser, ein knieartig ausgeschnittenes
Hölzchen. BeimDruck auf die Taste hebt sich das Hebelende mit dem Hammer, dieser drückt gegen das Knie des Auslösers und schnellt
den Hammerkopf gegen die Saite, worauf derselbe sofort in seine Ruhelage zurückfällt, soweit die noch gehobene Taste das
gestattet. Gleichzeitig mit dem Hammer hebt sich ein auf jedem Saitenchor befindliches Polsterchen, die
Dämpfung, welches erst zurückfällt, wenn der Druck auf die Taste aufhört.
Mittels des Hauptpedals (s. unten) kann man auch die Dämpfer
[* 15] von allen Saiten zugleich entfernen. Bei der englischen Mechanik
befindet sich der Hammer unabhängig vom Tastenhebel an einer besondern Leiste (Hammerstuhl), in einer
Achse sich bewegend; der Hammer wird durch eine auf dem Ende des Tastenhebels befindliche Stoßzunge, die zugleich Auslöser
ist, in die Höhe an die Saite geschnellt. Dadurch hat der Hammer den Vorzug, immer genau an derselben Stelle der Saite anzuschlagen,
während er bei der deutschen Mechanik
sich oft beim starken Anschlag nach vorn schiebt und bei Tafelinstrumenten,
namentlich beim Staccatospiel, wohl gar noch eine Saite des nächsten, höher liegenden Tons berührt. Im allgemeinen hat die
englische Mechanik den Vorteil der größern Präzisionvor der deutschen voraus, dagegen ist die deutsche Mechanik ihrer größern
Einfachheit wegen dauerhafter und weit leichter zu reparieren.
Ein wesentlicher Bestandteil der Hämmer ist die Belederung (Befilzung), welche weder zu dick und weich noch zu hart sein darf,
weil in jenem Fall der Klang matt und dumpf, in diesem spitz und scharf wird. Die Klaviatur scheidet sich in Ober- und Untertasten;
erstere sind jetzt durchweg schwarz (aus Ebenholz oder schwarz gebeizt), letztere weiß (mit Horn oder
Elfenbein belegt), während man früher auch Instrumente mit schwarzen Untertasten und weißen Obertasten baute.
Die Reihenfolge der Untertasten ist die der C dur- Tonleiter, während die Obertasten die übrigen Töne: cis-des, dis-es, fis-ges,
gis-as und ais-b angeben. Ihr Umfang war zu Beethovens Zeit vom Kontra-E bis zum viergestrichenen f, während
sie sich jetzt vom Doppelkontra-A bis zum fünfgestrichenen c erstreckt. Neuerdings ist auf Anregung J. H. ^[Heinrich Josef]
Vincents in Czernowitz
[* 16] die schon früher (z. B. von Klavier Henfling 1708, J. ^[Johann] Rohleder 1792, B. Schumann 1859 u. a.)
angewandte, aber wieder verschwundene chromatische Klaviatur wieder hier und da gebaut worden, welche aus dem ununterbrochenen
Wechsel von Ober- und Untertasten besteht.
Eine geistreiche Weiterbildung derselben ist Paul v. Jánkos Terrassenklaviatur (1884), die jetzt einiges Aufsehen macht, aber
auch schwerlich die alte Klaviatur verdrängen wird. Die beiden Messing- oder Holztritte beim Flügel und
Pianino, durch welche man mit den Füßen die Dämpfung (Fortezug) und Verschiebung (wodurch die Klaviatur etwas beiseite geschoben
wird, so daß der Hammer nur an eine oder zwei Saiten schlägt) regiert, nennt man Pedal. Verbesserungen der Fortepedals wurden
unter andern versucht von E. Zachariä (Kunstpedal), Steinway u. Söhne (Tonhaltungspedal) und Ehrbar (Prolongement),
deren gemeinsames Ziel ist, die Dämpfung einzelner Töne oder ganze Teile der Besaitung gehoben zu erhalten, während die
übrigen gedämpft bleiben.
Das jetzt wie kein andres Instrument über die ganze Welt verbreitete Klavier hat eine verhältnismäßig
kurze Geschichte. In seiner heutigen Gestalt, als Hammerklavier, ist es nicht älter als 1½ Jahrhundert; aber auch in seinen
Uranfängen als Saiteninstrument mit Tastatur reicht es nur bis ins Mittelalter zurück. Sehen
[* 21] wir dagegen von der Klaviatur
ab, welche ja das Klavier erst zum Klavier macht (clavis = Taste), so müssen wir als Vorläufer desselben
¶
mehr
schließlich alle mit einem Plektron oder mit den Fingern gespielten Saiteninstrumente ansehen, d. h. sein Ursprung verliert
sich dann in die ältesten Zeiten. Die Tradition führt das auf das Monochord zurück, jenes uralte, der theoretischen Bestimmung
der Tonverhältnisse dienende Instrument, welches an einer einzigen Saite durch Verschiebung eines Stegs die
Saitenlängenverhältnisse der Töne der Skala demonstrierte. Auf die Idee der Klaviatur führte zuerst die Orgel (s. d.). Die
Übertragung derselben auf das Monochord als ein System in ihren Abständen geregelter Stege, welche einzeln durch Niederdruck
der zugehörigen Tasten sich soweit hoben, daß die Saite fest auf ihnen auflag, war nicht gerade ein naheliegender
Gedanke; das Organistrum (s. Drehleier) beweist aber, daß man spätestens im 8.-9. Jahrh., d. h.
in der Zeit ihn faßte, wo die Orgel anfing, sich als Lehrinstrument in den kirchlichen Sängerschulen einzubürgern.
Das Klavichord hatte, nach der Abbildung bei Virdung zu schließen, noch im Anfang des 16. Jahrh.
viel weniger Saiten als Tasten; die primitiven hölzernen Stege des Organistrums (und ältern Monochords) hatten sich zu Metallzungen
(Tangenten) fortentwickelt, welche, auf den hintern Tastenenden befestigt, durch diese gehoben wurden und nicht nur als
Stege die Saiten teilten, sondern sie auch zugleich zum Tönen brachten, wozu es beim alten Monochord erst
noch des Reißens mit einem Plektron oder dem Finger bedurft hatte.
Die Saiten liefen quer wie beim heutigen Tafelklavier, der klingende Teil derselben war der vom Spieler aus rechts gelegene;
die Dämpfung des links liegenden Teils geschah vermutlich mit der linken Hand,
[* 24] oder man flocht schon
damals Tuchstreifen ein. Ein vollstimmiges Spiel, das beide Hände erfordert hätte, war bei diesen primitiven Instrumenten
schon darum unmöglich, weil mehrere Tasten dieselbe Saite regierten. Der Tonumfang war anfänglich wohl der des GuidonischenMonochords, d. h. von G-e'' ohne andre Obertasten als b und b'; doch finden wir bereits um 1500 die Klaviatur
voll entwickelt mit zwölf Halbtönen und im Umfang von über drei Oktaven. Füße hatten diese Instrumente noch nicht, sondern
sie wurden wie ein Kasten auf den Tisch gestellt.
Nicht viel später als das Klavichord hat sich das Klavicimbal (Clavicembalo) entwickelt. Virdung meint,
daß dasselbe aus dem Psalterium (einer Art dreieckiger kleiner Harfe) hervorgegangen. Der NameKlavicimbal deutet aber darauf
hin, daß man es als ein Cymbal (Hackbrett) mit Klaviatur ansah; der Kasten des Instruments war viereckig, der Saitenbezug wies
aber die dreieckige Form auf wie bei allen unsern heutigen Klavieren. Der Hauptunterschied zwischen Klavichord
und Klavicimbal
war, daß letzteres für jede Taste eine besondere auf den betreffenden Ton gestimmte Saite hatte, also keines
teilenden Stegs (Bundes) mehr bedurfte; das Klavicimbal, wie wir es bei Virdung zuerst abgebildet finden, ist also das älteste
»bundfreie« Klavier. Dasselbe erheischte natürlich eine ganz
andre Art des Anschlags; statt der Tangenten des Klavichords führte man hölzerne Stäbchen (Döckchen) ein, die am obern Ende
kleine, zugespitzte Stückchen harten Federkiels (Rabenkiel) trugen, mittels deren sie die Saiten rissen.
Das »Bekielen« war eine Arbeit, welche jeder Cembalist verstehen mußte, da Reparaturen sehr oft nötig wurden. Klavichord
und Klavicimbal hielten sich nebeneinander, bis zu Ende des vorigen und im Anfang unsers Jahrhunderts das
Hammerklavier sie gänzlich verdrängte; sie entwickelten sich aber schon im 16. Jahrh.
zu größern Dimensionen. Das Klavichord behielt durchaus seine viereckige Form, wurde aber bald auf eigne Füße gestellt und
erhielt einen ähnlichen Saitenbezug wie das Klavicimbal, d. h. nach der Höhe hin kürzere und dünnere
Saiten. Auch reduzierte man die gemeinsame Benutzung der Saiten durch mehrere Tasten immer mehr; doch scheinen bundfreie Klavichorde
erst zu Anfang des 18. Jahrh. gebaut worden zu sein. Eine Klaviermusik wie die J. S. Bachs wäre freilich auf nicht bundfreien
Klavieren unausführbar.