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Mit einer immer besseren Gesundheitsversorgung werden wir älter und bleiben länger fit. Gleichzeitig treten weniger junge Menschen ins Berufsleben ein, als ältere austreten, weshalb unsere Rentensysteme langfristig gezwungen sind, das Pensionierungsalter anzuheben. Aus arbeitspsychologischer Sicht stellt sich dabei die Frage, welche persönlichen und sozialen Faktoren für ältere Beschäftigte wichtig sind, um länger aktiv und engagiert im Berufsleben zu bleiben, und welche Rahmenbedingungen Unternehmen dazu schaffen müssen.
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Michela Vignoli von der Universität Trient in Italien ist dieser Frage nachgegangen und hat untersucht, wie die körperliche und geistige Fähigkeit, eigene Arbeitsaufgaben erfolgreich zu bewältigen, mit vorhandenen Vorurteilen gegenüber Älteren interagiert. Etwa jenem, dass ältere Mitarbeitende gegenüber technologischen Veränderungen nicht offen seien. Das Forscherteam untersuchte, wie sich diese Faktoren auf das angestrebte Pensionierungsalter und Arbeitsengagement auswirken. Dazu wurden 563 über 50-jährige Beschäftigte aus einer öffentlichen Organisation in Italien befragt.
Die Ergebnisse der Feldstudie zeigten Folgendes:
- Bei Beschäftigten mit einer hohen Arbeitsfähigkeit ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie länger arbeiten wollen.
- Altersstereotypen beeinflussen die persönliche Arbeitsfähigkeit bezogen auf das Pensionierungsalter. Unter niedrig ausgeprägten Stereotypen wollen Arbeitnehmende mit einer hoch ausgeprägten Arbeitsfähigkeit zwei Jahre länger im Unternehmen verbleiben. Bei stark negativ wahrgenommenen altersbedingten Stereotypen ist zwischen Personen mit niedriger und solchen mit hoher Arbeitsfähigkeit fast kein Unterschied ersichtlich.
- Waren die eigene Arbeitsfähigkeit und das angestrebte Pensionierungsalter höher, zeigten die Beschäftigten mehr Engagement bei ihrer Arbeit.
Demnach ist also nicht das Alter ausschlaggebend für die Motivation, wie lange jemand noch arbeiten will: Vielmehr kommt es auf persönliche und soziale Faktoren an. Unternehmen können versuchen, die Arbeitsfähigkeit zu fördern und existierende negative altersbezogene Stereotypen abbauen, indem sie beispielsweise mit Mentoring-Programmen einen intergenerationalen Austausch zwischen den Beschäftigten fördern.
Quelle:
- Vignoli, M., Zaniboni, S., Chiesa, R., Alcover, C.-M., Guglielmi, D., & Topa, G. (2019): Maintaining and engaging older workers at work: the trigger role of personal and psychosocial resources. The International Journal of Human Resource Management, 1–23.