Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03638.jsonl.gz/2541

Im letzten Beitrag vom 24. Juni 2020 haben wir uns Gedanken gemacht über Hinweise auf einen beginnenden Klimawandel in unserer Region. Als Grundlage dienten die meteorologischen Messdaten der Wetterstation Tafers (655 m ü. M.).
Diese Station ist keine voll automatisierte Wetterstation, so wie wir sie in Plaffeien antreffen. Es ist eine Regenmessstation im offiziellen Regenmessnetz von Meteo Schweiz. Der Beobachter hat aber auch eine allseits gut durchlüftete Wetterhütte zur Verfügung, die zwei Meter über dem Boden steht. In dieser Wetterhütte werden täglich die Temperatur, die Luftfeuchtigkeit und der Luftdruck registriert. Dazu kommen noch zwei Thermometer. Ein Maximum-Thermometer misst die wöchentliche Höchsttemperatur, ein Minimum-Thermometer die wöchentliche Tiefsttemperatur.
Trends erkennbar
Mit den ausgewerteten Aufzeichnungen dieser Station kann man nach dreissig und mehr Jahren bereits gewisse Trends erkennen. Wir befinden uns zurzeit mitten im Hochsommer 2020 und haben auch schon einige Sommer-, aber noch keine Hitzetage erlebt. Da stellt sich die Frage, ob man aus den Aufzeichnungen der Station Tafers Veränderungen in der jährlichen Anzahl Sommer- und Hitzetage erkennen kann.
Immer mehr Sommertage …
Schauen wir uns die Abbildung 1 an, die Anzahl Sommertage. Ein Sommertag ist definiert als ein Tag, an dem die Höchsttemperatur über 25 Grad Celsius beträgt. Für Tafers kann man im Durchschnitt aller Messjahre 40 Sommertage pro Jahr erwarten (das entspricht dem Normwert). Diese Sommertage können sich von Ende April bis Anfang Oktober erstrecken.
Die punktierte Trendlinie zeigt, dass mit der allgemeinen Erwärmung, also mit dem Klimawandel, die Anzahl Sommertage zunimmt. Sommertage sind angenehm, sie werden allseits akzeptiert.
… und immer mehr Hitzetage
Aber wie steht es mit den Hitzetagen (siehe Abbildung 2)? Das sind Tage, an denen das Thermometer über 30 Grad Celsius klettert. Solche Tage können für ältere Menschen und auch für Kleinkinder zur thermischen Belastung werden. Hitzetage sind aber für eine Region, die auf einer Höhe von über 650 Metern über Meer liegt, schon eher selten.
In Tafers und Umgebung rechnet man im Durchschnitt mit fünf Hitzetagen pro Jahr (das entspricht dem Normwert). Die Trendlinie zeigt auch hier eine deutliche Zunahme der Hitzetage und in den letzten Jahren sogar eine Verdoppelung. Das bestätigt die Aussagen des internationalen Klimarats, dass wir im Klimawandel heissere und trockenere Sommer erwarten müssen.
Deutlich weniger Nebeltage
Die allgemeine Klimaerwärmung müsste sich im Winterhalbjahr auch auf die Anzahl Nebel-, Schnee- und Eistage auswirken. Bezüglich Nebeltagen (siehe Abbildung 3) liegt der Normwert bei 23 Tagen im Jahr. Die Trendlinie deutet auf eine Abnahme der Anzahl Nebeltage hin, obwohl in den Jahren 2016 und 2018 wieder eher ein Anstieg zu verzeichnen war.
Im Vergleich zu den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts haben aber die Nebeltage deutlich abgenommen, was mit der Erwärmung der Atmosphäre gut zu erklären ist. Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte Luft, und das hemmt die Nebelbildung.
Eistage nehmen ab
Angesichts dieser Feststellung müsste auch die Anzahl der Eistage abnehmen. Die Abbildung 4 zeigt die Aufzeichnung der jährlichen Eistage. Eistage sind definitionsgemäss Tage, an denen das Thermometer nie über null Grad Celsius klettert. In Tafers wird der Normwert mit 36 Eistagen pro Jahr festgelegt, und diese stellen sich vorwiegend in den Wintermonaten Dezember bis Februar ein.
Der Winter 2010 war mit 74 Eistagen eine sehr kalte Zeit, trotzdem zeigt die Trendlinie deutlich in Richtung weniger Eistage. Wärmere Winter wird man zuerst am Zustand der Strassen erkennen, weil viel weniger Streusalz eingesetzt werden muss.
Schneefallgrenze steigt
Zum Schluss werfen wir noch einen Blick auf die Schneeverhältnisse bei einer Höhe von 650 Metern über Meer. Wichtige Angaben darüber gibt uns die Abbildung 5 mit der Anzahl der Schneetage pro Jahr. Ein Schneetag ist ein Tag, an dem mindestens ein Zentimeter Schnee fällt. Man misst die Schneehöhe auf einem Schneebrett, das waagrecht auf dem Boden liegt.
Für Tafers und Umgebung ergibt die Norm 33 Schneetage. Die Trendlinie zeigt auch hier eine Tendenz zu deutlich weniger Schneetagen, was zwar nicht heisst, dass es nie mehr Schnee bis in die Niederungen geben wird. Die Schneefallgrenze wird aber insgesamt steigen. So sind die kleinen «Hubel», auf denen die Kinder im Winter erste Schlittel-, Bob- oder Skifahrversuche machen können, nicht mehr regelmässig mit Schnee bedeckt.
Klima geht jeden an
Die präsentierten Diagramme zeigen, dass es auch in Zukunft immer wieder Jahre geben wird, die in beide Richtungen ausscheren können – entweder kalt und nass oder dann heiss und trocken. Vergessen wir aber nicht, dass der Klimawandel voll angelaufen ist und eindeutig in Richtung höhere Temperaturen zeigt. Es hängt von jedem Einzelnen von uns ab, ob wir gegen diese Erwärmung etwas unternehmen wollen oder ob wir warten, bis wir am Fuss des Matterhorns Palmen pflanzen können! Dieser Klimawandel wäre jedoch mit unvergleichbar hohen Wirtschafts-, Sozial- und Gesundheitskosten verbunden.
Mario Slongo ist ehemaliger DRS-Wetterfrosch. Einmal im Monat erklärt er in den FN spannende Naturphänomene. Weitere Beiträge finden Sie unter: www.freiburger-nachrichten.ch, Dossier «Wetterfrosch».