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Ich möchte Dir die Geschichte einer erstaunlichen Person erzählen. Ihr Name war Kinga Choszcz, aber besser bekannt war sie als Kinga Freespirit. Und ein Freigeist war sie! Sie wäre heute so alt wie ich, doch sie hat einen ganz anderen Weg gewählt. Nicht den von sicherer Ausbildung und Job. Kinga reiste gerne, wie ich auch. Sie war am liebsten auf eigene Faust unterwegs (auch mit ihrem Freund Chopin). Und weil sie nur wenig Geld hatte, reiste sie als Backpacker, als Rucksacktourist. Sie verliess sich auf sich selbst und auf die Güte und Grosszügigkeit der Menschen, die sie traf. Sie machte Autostop, reiste, indem sie Gelegenheitsjobs annahm, auf Schiffen arbeitete und übernachtete oft im Freien oder bei Menschen, die sie am Tag vorher noch nicht einmal kannte. Sie hatte ein unglaubliches Vertrauen in die Menschen und einen ungebrochenen Optimismus. Und sie wurde darin nicht enttäuscht.
Diese winzige Frau reiste zusammen mit ihrem Freund Chopin in 5 Jahren um die Erde. Sie starteten mit nur ein paar Hundert Dollar und dem Flugticket nach New York. Von dort aus reisten sie durch Kanada, die USA, Mexico, ganz Zentral-Amerika bis Panama, Kolumbien, Venezuela, Brasilien, Bolivien, Peru, Chile, Argentinien, dann mit dem Flugzeug nach Neuseeland, als Jacht-Crew nach Australien, gelegentlich arbeitend, dann weiter nach Asien: Taiwan, wo sie Kindern als Lehrer Englisch beibrachten, dann Japan, mit dem Frachtschiff auf Russland, China, Vietnam, Kambodgia, Thailand, Singapur, Malaysia, Laos, wieder China, Tibet, Nepal, Indien. Usw. usw. Info und ein paar ihrer grossartigen Fotos über diese unglaubliche Reise findet man hier: http://www.hitchhiketheworld.com/
Über diese Reise hat sie ein Buch geschrieben; „Led by destiny“, das sie nach Ihrer Rückkehr vertrieb. Natürlich um Geld zu verdienen für die nächste Reise: Ihr grosser Traum Afrika!
Auf diese Reise konnte Ihr Freund Chopin nicht mitkommen (er hatte inzwischen einen Job). Das hielt sie nicht auf.
Mit der Fähre setzte sie nach Morocco über. Von dort aus trampte sie durch Mauretanien, Mali, Burkina Faso, Niger, Gambia, Senegal, Guinea Bissao, Guinea, Sierra Leone, Elfenbeinküste nach Ghana.
Sie erlebte vieles auf dieser Reise, auch gefährliche Zwischenfälle blieben nicht aus, aber immer fand sie mit ihrem Optimismus und Anpassungsfähigkeit und dank der Hilfe anderer Wege um weiterzukommen. Sie erfüllte sich ihren Traum, auf einem weissen Kamel zu reisen… und mehr.
Sie half aber unterwegs auch den Menschen, die noch viel ärmer waren als sie. In Ghana kaufte sie ein Kind frei, versorgte ein halbes Dorf mit Schulmaterial. Sie war ebenso gütig wie freundlich.
Aber dann wurde sie krank. Malaria.
Ihre spontane Art und ihre Grundeinstellung, dieses „was auch immer kommt, ich nehme es an und mache das Beste daraus“ erwies sich dafür als schlechte Einstellung. Denn sie hat es versäumt Malaria-Prophylaxe einzunehmen, oder Medikamente mitzunehmen, fü
r den Fall, dass sie es bekam. Sie bekam Hirn-Malaria, das heisst, die Malaria Erreger gingen durch die Blut-Hirn Schranke. Das ist ausgesprochen schlecht. Und das in einem Land, in dem die Gesundheitsversorgung alles andere als optimal war. Sie fiel ins Koma. 5 Tage später, am 9. Juni 2006 starb sie in einem Militärkrankenhaus in Ghana. Unter Beisein ihres Freundes und betrauert von den Leuten, die ihre Reise durch ihre emails verfolgten (mich einbegriffen).
Ich bin heute noch traurig – und etwas wütend. Denn diese wunderbare Person lebt nicht mehr – und das wäre relativ einfach zu verhindern gewesen. Es war ihre eigene Entscheidung keine Malariamedikamente mitzunehmen.
Bitte, bitte: wenn Du in ein Malariagebiet gehst: dann nimm die richtigen Medikamente mit und ein!