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"Es wäre der Traum aller Träume, allein von der Schreibmaschine leben und weiter schreiben zu können, was und wie ich will – und darunter werde ich es nicht tun." Das A-Z von Frank Schäfer über Charles Bukowski, der dieses Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, ist keine klassische Biographie. Der Autor benutzt als Quellen vor allem die Texte Bukowskis (Notes of a Dirty Old Man oder auf Deutsch Aufzeichnungen eines Außenseiters) aber auch ausreichend Sekundärliteratur und natürlich sein eigenes Bezugssystem zum Dirty Old Man.
Dieses wurde im deutschsprachigen Raum vor allem durch seinen kongenialen Übersetzer, Carl Weissner, geprägt, dem es vor allem um die Authentizität Bukowskis gegangen sei. Aus diesem Grund wurden den Erstveröffentlichungen bei Melzer und Maro auch gerne Fotos beigefügt, um zu zeigen, dass der, der da schreibt, auch wirklich der ist, der er vorgibt zu sein. Wieviel allerdings Fiction davon ist und wieviel Fact beantwortet Schäfer mit einer einfachen Lösung: Bukowskis Literatur ist Faction, also Facts und Fiction. Neben einer Aufschlüsselung der Frauenfiguren in Bukowskis Romanen mit den Damen im wahren Leben des Autors erwarten den Leser vor allem kurzweilige Eintragungen zu bestimmten Stichworten aus dem Bukowski-Kosmos, aber auch ein vom Herausgeber eigens für diese Zweitausendeins-Publikation aus Textquellen zusammengestelltes Interview. Frank Schäfer sieht Bukowskis Verdienst in der Literatur vor allem darin, dass er sie auch Menschen zugänglich gemacht hat, die ihr eigenes Leben darin repräsentiert sehen wollen. Der "deutsche Plebejer aus dem L.A. Underground" hat sie (die Literatur) quasi jenen zurückgegeben, die in der (bourgeoisen) Literatur unterrepräsentiert sind. Bukowski war einer von ihnen, denn seine Gelegenheitsjobs-Liste ist beinahe eine Aufzählung aller unterbezahlten McJobs die der Spätkapitalismus überhaupt zu bieten hat. Die "poetische Revolution" Bukowksis habe die Muse den "Tellerwäschern, Tankwarten, Bauern, Betrügern, Traubenpflückern, Landstreichern und Fabrikarbeitern" (Aufzählung von Schäfer) losgelassen. Eine Mimeo-Revolution.
Gegen Ende seines Lebens strich Bukowski immerhin 7'000.- Dollar an Tantiemen ein und kam auf einen Jahresverdienst von 90'000 Dollar. Aber natürlich hatte er dafür einen hohen Preis gezahlt, authentisch zu sein und bis zuletzt zu bleiben. Am 9. März 1994 verstarb Bukowski nach Hautkrebs, Tuberkulose und Leukämie an einer Lungenentzündung im Alter von 73 Jahren. Frank Schäfer hat nicht nur eine detailversessen exakte Zeitleiste mit den biografischen Daten Bukowskis verfasst, sondern auch ein unlexikographisches Lexikon, eine Bukowskipedia, die in Feuilletons, Zitatcollagen, Interviews etc. den heutigen Stand der Bukowski-Forschung präsentiert. Wer sich für noch mehr Details interessiert, folge der Deutschen Bukowski-Gesellschaft, die die 100 Jahre Bukowski-Geburtstagsfeier mit internationalen Stargästen (draunter Bukowskis Tochter) aufgrund von Corona auf 2021 verschoben hat. Dennoch jetzt schon ein herzliches "Alles Gute zum Hundertsten, Buk"!