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Der FC Sevilla greift am Freitag (21.00 Uhr) im Final gegen Inter Mailand in Köln nach seinem sechsten Titel in der Europa League. Für einmal stehen die Andalusier im Blickpunkt von ganz Spanien.
In dieser Saison wirft nichts und niemand in Spanien einen Schatten auf den bevorstehenden Auftritt des FC Sevilla. Ausnahmsweise spielen weder Real Madrid noch der FC Barcelona in der Champions League eine wichtige Rolle. Alle spanischen Augen können sich also auf den kleinen Europacup richten, der den FC Sevilla in den letzten Jahren gross gemacht hat.
Innerhalb von 15 Jahren hat sich Sevilla zum Rekordsieger des Wettbewerbs gemacht. Eine Auszeichnung, die natürlich nicht jeden Klub mit Stolz erfüllen würde, schliesslich gibt es in der Europa League viel weniger Geld zu verdienen als in der Champions League. Und auf dem Weg in den Final muss man irgendwann gescheitert sein, entweder in der Gruppenphase der Champions League (wie Inter Mailand) oder zuvor in der heimischen Meisterschaft (wie Sevilla).
Für Sevilla, das mit viel weniger finanziellen Mitteln auskommen muss als Real Madrid oder Barcelona, ist die Europa League aber ein Paradies, wie die Zeitung «El Pais» schreibt. Der Aufstieg des Klubs ist eng mit diesem Wettbewerb verbunden, der ihm ermöglicht hat, ein Palmares aufzubauen, das er in der Heimat nicht erlangt hätte. Einmal, vor 74 Jahren, war Sevilla spanischer Meister, fünfmal gewann es den Cup. Zudem hilft die Europa League den Andalusiern ihre Spieler zu präsentieren, die dann immer wieder mit viel Gewinn verkauft werden können.
Vor einem Jahr gab Sevilla seit langem wieder einmal mehr Geld auf dem Transfermarkt aus, als er einnahm. Nach dem Ende seines misslungenen, zweijährigen Intermezzos bei der AS Roma kehrte Sportchef Monchi zurück und krempelte das Kader um. Der 51-Jährige ist abgesehen von seinem Abstecher nach Italien seit 2000 bei Sevilla für die Transfers zuständig und präsentierte fast Jahr für Jahr eine positive Bilanz. Zahlreiche Coups sind ihm gelungen, etwa die Verpflichtungen von Dani Alves oder Ivan Rakitic für einen Bruchteil dessen, was sie beim Weiterverkauf einbrachten.
Auch die Trainer konnten sich unter Monchi einen Namen machen: Juande Ramos trainierte nach den Europa-League-Titeln 2006 und 2007 Tottenham Hotspur und Real Madrid. Die weiteren drei Finals bestritt Sevilla unter Unai Emery, der dann zu Paris Saint-Germain und Arsenal ging. Derzeit führt der als spanischer Nationalcoach und Trainer von Real Madrid glücklose Julen Lopetegui die Mannschaft, deren bekannteste Spieler der Argentinier Ever Banega und Captain Jesus Navas sind. Der Ex-Basler Tomas Vaclik ist nur als Ersatzgoalie vorgesehen.
Wie Sevilla, das in dieser Saison in Spanien den 4. Platz belegt hat, ist auch Inter Mailand für die kommende Spielzeit bereits für die Champions League qualifiziert. Für die Mailänder soll die Europa League, die sie in den Neunzigerjahren dreimal gewonnen haben, nur ein Abstecher sein. Der Zweite der Serie A sieht sich in Zukunft als Kandidat für den Champions-League-Sieg – und gemessen an den letzten Leistungen zu Recht. Beim 5:0 im Halbfinal gegen Basels Bezwinger Schachtar Donezk spielte die Mannschaft von Antonio Conte gross auf. Inter Mailand gewann die Champions League zuletzt 2010 – seither hat kein italienisches Team mehr einen TItel im Europacup gewonnen.
«Es ist ein Team, das für die Champions League gemacht ist und nur einen Punkt hinter Juventus landete. Sie haben herausragende Spieler und einen erfahrenen Trainer», lobte Lopetegui. Conte wird es gerne hören, aber sich kaum einlullen lassen. Das seit 20 Spielen ungeschlagene Sevilla hat im Achtelfinal die AS Roma, im Viertelfinal Wolverhampton Wanderers sowie im Halbfinal Manchester United ausgeschaltet und damit auch in der diesjährigen Europa League schon sein Revier markiert. (zap/sda)