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Aktualisiert: 12. Nov. 2021
UND ANDERE HERSTELLER VON WOLLISHOFER ANSICHTSKARTEN
Im Blog «Wollishofen um 1900» haben Sie einen Ausschnitt aus einer wunderbaren Ansichtskarte aus der Papeterie Fritz Fischer bewundern können. Der Ausschnitt zeigt eine pittoreske farbige Zeichnung Wollishofens an der Wende zum 20. Jahrhundert. Diese Karte gefällt mir sehr, weshalb ich auf die Idee kam, der Papeterie Fritz Fischer in Wollishofen nachzugehen, und mir auch sonst einige Gedanken zur Produktion und Verwendung von Postkarten in unserem Quartier zu machen.
«Friedrich Fischer» hatte im Jahr 1900 seine Buchbinderei mit «Schreibmaterialien-handlung» an der Albisstrasse 3. Er produzierte offensichtlich auch Karten, beschriftete sie mit «Frd. Fischer, Papeterie, Wollishofen» bzw. «Papeterie Fritz Fischer» oder eben mit «Verlag F. Fischer» (siehe unten). Fischer scheint um 1892 nach Wollishofen gezogen zu sein. Ob er Sohn eines Friedrich Fischers, Buchbinder, wohnhaft an der Sihlstr. 2 in der Stadt (1890) war, wissen wir nicht. In Wollishofen wohnte er zunächst an der Kirchgasse 195, dann an der Albisstrasse 10 und später eben an der Albisstr. 3, um um 1910 an die Mutschellenstrasse zu wechseln. 1915 finden wir ihn an der Mutschellenstrasse 95, mit seinem gleichnamigen Sohn, der ebenfalls als Buchbinder genannt ist. Den Sohnemann finden wir 1930 dann als Buchbinder «Fischer-Steinauer» an der Mutschellenstrasse 70.
Die Postkartenproduktion Fischers war prächtig. Ob sie sehr erfolgreich war, wissen wir nicht. Im Postkartenhandel finden sich allerdings immer wieder mal sehr schöne Exemplare. So auch die folgende:
Gruss aus Wollishofen (Zürich). Friedrich Fischer, Papeterie Wollishofen.
Sammlung MZ, Gelaufen 12. März 1901.
Der «Gruss aus Wollishofen» zeigt jenen Teil von Wollishofen, der sich erst mit der Industrialisierung so richtig entwickelt hat: das Quartier in der Nähe des Bahnhofs, die Seestrasse mit hohen Nummern über 300, später durch die Bahnlinie und noch später durch die Unterführung unter der Bahn hindurch stark im Erscheinungsbild verändert. Vor der grossen Entwicklung hiess das kleine Viertel «am Bach» bzw. «Bachstrasse» – gegen den Hang hin «Rumpump». Erst der Bau der «neuen» Kantonsstrassen, der Seestrasse und der Albisstrasse, die sich in Wollishofen trennen, brachte dann ein kleines Zentrum an diese Stelle, und es entstand eine Reihe kleinerer Häuser mit Läden, aus denen sich dann das Zentrum um die heutige Post herum entwickelte.
Fischers Spezialität scheint die frühe Kolorierung gewesen zu sein. Schon die im Blog «Wollishofen um 1900» gezeigte Karte, aber auch die hernach folgende, sind farbenfroh und etwas «heimatstilig». Die Karte unten weist das gleiche Strukturprinzip auf, zeigt aber eine Sicht Wollishofens vom See her; die Detailaufnahme ist der Mutschellenstrasse (heute Quartier um Migros-Markt) gewidmet.
Gruss aus Zürich-Wollishofen. Verlag F. Fischer Wollishofen.
Sammlung MZ. Gelaufen am 30. Juli 1901.
Wichtig für die Produktion von Wollishofer Ansichtskarten waren auch die Firmen Wehrli AG in Kilchberg, J. Gaberell in Thalwil, später in Zürich sowie Beringer und Pampaluchi (Enge). Ein «Nachfolger» Fischers als Wollishofer Kartenspezialist war in den Nachkriegsjahren Ernst Furter, der sein Geschäft «Kartenverlag» nannte. Er begann 1950 an der Albisstrasse 29, und wechselte dann an die Heinrich-Federer-Strasse, wo wir ihn bis nach 1965 finden. Ein Beispiel aus seinem Hause: Die Karte «Neunerblock» im gleichnamigen Blog stammt von Furter.
(SB)