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Die Anfänge des Pfarrhauses liegen im Dunklen. Bekannt ist aber, dass sich das dem Pfarrer als Wohnung dienende Haus 1537 in einem sehr schlechten baulichen Zustand befand. Damals lag das Pfarrhaus im Besitz des ehemaligen Klosters Gottstatt bei Orpund, dessen Güter und Kirchensätze mit der Reformation 1528 an Bern übergegangen waren. Kurze Zeit später, im Jahr 1539, gelangte das Pfarrhaus in den Besitz des St.-Ursen-Stifts in Solothurn. In der Folge kam es in den Jahren 1541 bis 1543 zu einem Neubau des Pfarrhauses, das im 17. Jahrhundert bereits wieder einem Neubau weichen musste. Sein heutiges, vom Klassizismus geprägtes Erscheinungsbild erhielt das Haus im Zusammenhang mit den Ende des 18. und vor allem Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgten umfangreichen Umbau- und Sanierungsarbeiten, die gleichzeitig auch den Neubau einer Scheune sowie die Neugestaltung des Gartens mit einem Springbrunnen mit sich brachten. Nach Übernahme des Pfarrhauses durch die 1899 neu konstituierte römischkatholische Kirchgemeinde Selzach kam es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und dann wieder 1990 erneut zu kleineren und grösseren Renovationen.
Gleichzeitig mit der Erneuerung des Pfarrhauses Mitte des 19. Jahrhunderts entstand auch die westlich an das Pfarrhaus angebaute und in ihrer Substanz noch heute erhaltene Scheune. Sie ersetzte damals eine ältere, zu klein gewordene Pfarrscheune, deren ursprünglicher Standort zwar nicht genau bekannt ist, aber mit Sicherheit in unmittelbarer Nähe zum Pfarrhaus lag.
Ein kleiner Kirchenbezirk
Weil die Pfarrscheune bereits um 1800 zu klein geworden und ein Neubau nicht sogleich realisierbar war, suchte das St.-Ursen-Stift nach einer Pfarrhaus Übergangslösung. Deshalb kaufte das Stift 1804 von Niklaus Amiet dessen Hofstatt westlich der Dorfgasse, bei der Einmündung des Strässchens zum Pfarrhaus. Als dann die neue Scheune Mitte des 19. Jahrhunderts schliesslich realisiert war, erfolgte der Abbruch des 1804 erworbenen Hauses. Damit wurde ganz bewusst ein direkter Sichtbezug vom Pfarrhaus zur Kirche und damit ein kleiner Kirchenbezirk im Zentrum des Dorfes geschaffen. Dieser erhielt in den 1970er Jahren durch den Bau des Pfarreizentrums eine zusätzliche Akzentuierung.
Schlichter Klassizismus
Der kompakte klassizistische Baukörper des Pfarrhauses erhebt sich über einem längsrechteckigen Grundriss und besitzt mit leicht angeböschten Ecklisenen instrumentierte Fassaden, die ein überstehendes Walmdach tragen. Die Südfassade wird von fünf regelmässigen Fensterachsen gegliedert, wohingegen die Nordfassade eine spärliche Befensterung zeigt. Der dreigeschossige Bau, dessen Erdgeschoss als Keller ausgebildet ist, wird heute durch eine erhöht liegende zweiarmige Treppe an der Ostseite des Hauses erschlossen. Während Erd- und Obergeschoss rechteckige Fenster besitzen, hebt sich das Kellergeschoss durch halbrunde Fenster- und Türgewände davon ab. Sämtliche Gewände sind in Solothurner Stein geschaffen und mit dem seit dem Barock üblichen Ladenfalz versehen.
Die westlich gelegene ehemalige Scheune ist direkt an das Pfarrhaus angebaut, setzt sich aber von diesem durch einen tieferliegenden First ab. Sie besitzt im Norden und Süden ein mächtiges rundbogiges Scheunentor, wobei dasjenige nach Süden heute vollständig verglast ist. Im Süden liegt ein grosser Nutz- und Ziergarten.
Das Pfarrhaus wird heute nicht mehr als Unterkunft des Pfarrers genutzt. Nebst dem Büro der Kirchgemeinde wird das Gebäude als Kindertagesstätte und Hort benutzt.