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Was wäre, wenn François Hollande Schweizer wäre? Einfach: die Auserwählte, mit der er wilde Nächte geniesst, hiesse nicht Julie Gayet, sondern etwa Barbara Moser. Und die Filme, in denen sie mitspielte, hätten nicht so verführerische Titel wie «Un baiser s’il vous plaît», sondern vielleicht «Missen-Massaker». Hollande müsste sich auch nicht in einer Undercovermission auf der Vespa durch Metropolen schlängeln, sondern könnte sich im Schatten der Berner Lauben herumdrücken.
Bekäme ein «Blick»-Reporter dennoch von seinen nächtlichen Ausflügen Wind, würden diese aber auch hier die Titelseiten der Klatschpresse füllen. Bestimmt würde sich auch der Schweizer Magistrat bald auf seine Privatsphäre berufen, Aussagen zur Affäre verweigern und mit rechtlichen Schritten drohen. Hüben wie drüben stellt sich aber die Frage, ob sich ein Politiker in einem solchen Fall tatsächlich auf seine Privatsphäre berufen kann.
Klar: grundsätzlich steht jeder Person – auch Politikern – der Schutz des Privatlebens zu. Eingriffe müssen sie sich nur gefallen lassen, wenn die Enthüllungen mit ihrer politischen Funktion zusammenhängen und diese deshalb von öffentlichem Interesse sind. Das lässt sich bei nächtlichen Eskapaden nun schwerlich begründen – ausser sie wären so leidenschaftlich, dass sie dem Volksvertreter sämtlichen Schlaf rauben und deshalb seine Regierungsfähigkeit hemmen. Das ist wohl eher selten der Fall, weswegen Hollande sich (auch als Schweizer) weder öffentlich rechtfertigen noch eine intime Berichterstattung tolerieren müsste.
Bundesrat Hollande und seine Moser dürften also unbewegte Miene zum bewegenden Spiel machen – und warten, bis der mediale Sturm vorbeigezogen ist. Anders sähe es bloss aus, wenn Hollande US-amerikanischer Präsident wäre. In Amerika könnten seine nächtlichen Amüsements nämlich durchaus Anlass für ein Amtsenthebungsverfahren sein.