Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03454.jsonl.gz/2183

Ein ganz grosser der amerikanischen Wissenschaft ist gestorben: Henry Rosovsky, ein Holocaust-Überlebender, dessen Wirkungsstätte seit 1965 die Harvard-Universität war, ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Im heutigen Gdansk geboren, kam Henry mit seinen Eltern über eine abenteuerliche Flucht via Frankreich, Portugal, Spanien und Belgien in die USA. Dort schloss er sich der US-Army an, kämpfte im Zweiten Weltkrieg und später auch im Korea-Krieg. In Harvard promovierte er in Wirtschaftswissenschaften, spezialisierte sich auf die asiatische Wirtschaft und kehrte als Professor 1965 nach Harvard zurück. Zwei Amtszeiten fungierte Rosovsky auch als Präsident der Universität. Er entwickelte einen damals sensationellen Lehrplan für das College of Arts and Sciences in den Jahren 1973 bis 1991. Besonders stolz aber war er auf die Einführung des Programms zu Afrikanischen und Amerikanisch-Afrikanischen Studien. Ihm war es zu verdanken, dass der grossartige Historiker Henry Louis Gates Jr. auf diesen Lehrstuhl berufen wurde. Als Vorsitzender des Strategischen Planungsausschusses der Boston Jewish Federation in den 1990er Jahren nutzte er seine analytische Expertise und seine Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen, um so den Kurs für die jüdische Gemeinde in Boston festzulegen. Ein säkularer Jude, machte Rosovsky nie viel Aufhebens um seine jüdische Identität, versteckte sie aber nie. Er hinterlässt seine Frau, die viele Jahre die Kuratorin des Semitischen Museums in Harvard war, seine drei Kinder, vier Enkel und ein Urenkelkind.
Henry Rosovsky 25. Nov 2022
Verlust
Redaktion