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Mit dem Abschluss eines Werbevertrages mit Interdiscount im Dezember 2001 für die ab Mai 2002 stattfindende schweizerische Landesausstellung «expo02», setzte sich die Skyship Cruise AG gewaltig unter Druck. Kurz vor Ende 2001 wurde der Kaufvertrag für das Skyship 600 unterzeichnet. Der Hersteller hatte nun die Aufgabe, das Luftschiff innert dreier Monate aufzubauen. Dies geschah in Cardington (UK), in einem der beiden altehrwürdigen Hangars aus der Zeit des ersten Weltkriegs.
Danach musste das Schiff über den Ärmelkanal und Frankreich nach Neuenburg an die expo02 überflogen werden. Grosszügigerweise gewährten der Flugplatz und die Gemeinde Colombier der Firma Gastrecht für die Dauer der Landesausstellung im Sommer 2002. Mit dem Aufbau der Operationsfähigkeit war die SCL aufs Höchste gefordert. Dennoch konnte das Schiff pünktlich, genau auf den Eröffnungstag der expo02 von England überführt und der Passagierbetrieb aufgenommen werden.
in Frankreich
Für die Firmenleitung stellte sich schon sehr schnell die Frage, wie und wo es im Jahre 2003 weitergehen könnte. Während das Skyship für die Jahreswartung und die Überwinterung nach Brand in den riesigen Cargolifter-Hangar überflogen wurde, suchte die Administration eine permanente Basis für den Rundflugbetrieb in der Schweiz. Dies, so war der Plan, würde es der SCL ermöglichen, das Skyship schweizerisch zu immatrikulieren. Denn bis anhin fuhr es unter US-Registration.
Die Suche über Herbst und Winter hinsichtlich Standort für das kommende 2003 war herausfordernd. Einzig Dübendorf verfügte noch über genügend Fläche und wäre auch bestens geeignet gewesen. Aber der historische Flugplatz von Zürich war seit den späten Vierzigerjahren eine Militärbasis und es galt für die Anliegergemeinden Dübendorf, Wangen-Brüttisellen und Volketswil aus politischen und Präzedenzgründen unbedingt keine zivile Nutzung zuzulassen. Begründet wurde die Verweigerung hingegen mit Umwelt- und Lärmschutzgründen.
Es blieben nun noch zwei Möglichkeiten: Interlaken und Buochs, beides ehemalige Militärflugplätze.
Interlaken reagierte negativ, der Platz sei für anderweitige Pläne reserviert, nämlich für den «Mystery Park». Eigentlich wäre ein Nebeneinander möglich gewesen, aber man erwartete, dass die grosse Zukunft des Parkes dies nicht zulassen würde.
Auf dem Flugplatz Buochs wurde SCL schliesslich fündig. Ein Standplatz bei Ennetbürgen konnte dank Entgegenkommen der Genossen-Korporation, dem Gemeinderat, sowie der Unterstützung von Regierungsrat und Volkswirtschaftdirektion des Kantons Nidwalden eingerichtet werden.
Somit hatte SCL also eine Basis für den Luftschiffbetrieb gefunden – wenn auch wieder nur temporär als Versuchsbetrieb. Der Standplatz auf dem Gebiet der Korporation von Ennetbürgen war für einen Rundfahrtbetrieb in vielerlei Hinsicht optimal: Ohne lange Anfahrten, am Fusse der Alpen mitten in den attraktivsten Landschaften der Schweiz, war der Ort ein eigentlicher Touristenmagnet, was sich in begeisterten Kommentaren im Gästebuch niederschlug.
Der Sommer war erfolgreich und verging viel zu schnell, da die Luftschifffahrten vertrags- und wetterabhängig nur bis längstens Oktober durchgeführt werden konnten.
Ein zweites Mal überwinterte das Schiff N-605SK in Berlin zusammen mit seinem Schwesterschiff N-601SK, welches von SCL der Cargolifter AG in der Zwischenzeit abgekauft wurde.
Wie schon im Jahr zuvor, war auch für 2004 zu erwarten, dass die Betriebsbewilligung vom BAZL (Schweizerisches Bundesamt für Zivilluftfahrt) erst im letzten Moment gegen Ende Mai erteilt würde. Das war insofern für einen kommerziellen Betrieb ein Problem, als einerseits aus rechtlichen Gründen kein Vorverkauf stattfinden durfte (z.B. Weihnachtsgeschäft) und andererseits die Saison viel zu kurz war.
Um die finanzielle Lage zu verbessern, entschied sich SCL dafür, mit beiden Schiffen an der Olympiade in Athen Aufträge anzunehmen, denn so konnten beide Schiffe an einem Ort gleichzeitig eingesetzt werden, das erste Schiff für die Sicherheitskräfte und das zweite für den Sender NBC als TV-Plattform.
Gleichzeitig hegte SCL die Hoffnung, den Bekanntheitsgrad damit zu steigern. Rückwirkend muss gesagt werden, dass der Entscheid politisch falsch war und man sich besser auf den kontinuierlichen Aufbau des Standortes Ennetbürgen konzentriert hätte.
Die Überfahrt nach Athen war eine logistische und operationelle Herausforderung für SCL mit ihren begrenzten Ressourcen. Unter anderem war es das erste Mal, dass ein Luftschiff den Gotthardpass überquerte.
Weil aber im Voraus niemand wusste, ob der Alpen-Überquerungsmission Erfolg beschieden sein würde, wurde medienmässig alles auf kleiner Flamme gekocht. Einzig das US-Magazin «Flying» bekam Wind von der Sache und war mit von der Partie. Es hat die Fahrt in der Ausgabe vom 24. Dez. 2004 dokumentiert, wenn auch mit vielen Übertreibungen:
Der Einsatz an der Olympiade in Athen war ein schöner Erfolg und löste viel internationales Interesse aus, bis nach China sogar. Aber die Resonanz in der Schweiz blieb eher bescheiden.
Einsatz:
Nach den Spielen, für den Winter 2004 wurde aus Kostengründen die Gelegenheit genutzt, Schiff 605 inklusive Crew in Griechenland zu belassen und dort die Jahreswartung zu machen. Schiff 601 hingegen wurde in einem Hangar der griechischen Luftwaffe demontiert und eingelagert, denn zun grossen Leidwesen von SCL wurde nicht erlaubt ein zweites Schiff in Buochs zu stationieren, um den Betrieb rentabler zu gestalten und die Firma weiter zu entwickeln.
Im Frühling kehrte 605 wieder über Italien und den Gotthard zurück, den Pass diesmal in nördlicher Richtung überquerend, um im Mai den Passagierbetrieb auf dem Flugplatz Buochs wieder aufzunehmen. Erst gegen Ende Mai deshalb, weil mit den Bauern vereinbart war, dass sie jeweils die erste (und offenbar auch beste!) Heuet vor dem Skyship-Betrieb einbringen könnten.
Als Bekenntnis zum Standort Schweiz wurde das Schiff am 2. Mai 2005 als HB-QIZ unter schweizerischer Flagge registriert. Zudem durfte die Skycruise Switzerland einen Sponsoring Beitrag des renommierten Schweizer Büromöbelherstellers «Girsberger» entgegennehmen, im Gegenzug für ein Branding des Schiffes mit dem roten Firmenschriftzug.
Wiederum fanden die Flüge grossen Anklang, bewirkten aber auch – wie schon in den Vorjahren – Kritik und Klagen aus verschiedensten Kreisen.
Die grösste Überraschung aber kam 2005 seitens BAZL: es wurde für einen Rundflugbetrieb nun zusätzlich zur Betriebsbewilligung verlangt, einen Unterhaltsbetrieb nach JAR-145 auf die Beine zu stellen. Das entsprach zwar formaljuristisch den damals gültigen europäischen Vorschriften, war aber absolut nicht adäquat: Die entsprechenden Vorschriften waren erlassen worden für «komplexe Flugzeuge» über 5,8 Tonnen. Das Luftschiff war zwar gross wie ein Jumbojet und 7,2 t schwer, die Geschwindigkeit beträgt aber maximal 99 km/h und es fasst 12 Passagiere. Die Komplexität entspricht lediglich einem viel leichteren zweimotorigen Kolbenmotorflugzeug, während der Passagierjet über 300 t schwer ist, mit knapp 1000 km/h Geschwindigkeit in über 10’000 m Höhe fliegt und bis zu 660 Passagiere transportiert.
Man muss davon ausgehen, dass bei der Erarbeitung dieser Regeln Luftschiffe recht eigentlich vergessen wurden, da sie lange Zeit nicht mehr existierten und somit auch keine Lobby hatten. Analog wäre etwa, vom Käufer eines Taxis die Erstellung einer eigenen Autoreparaturwerkstätte zu verlangen.
Dies und die Ende 2006 auslaufende provisorische Bewilligung für die Basis in Ennetbürgen auf dem Flugplatz Buochs, ohne Aussicht auf eine definitive, liessen nun keine andere Wahl mehr zu, als HB-QIZ über den Winter wieder in das US-Register überzuführen. Durch all dies wurde, trotz eigentlich erfolgreichem Passagierbetrieb, das finanzielle Polster immer mehr strapaziert.
Um zu überleben, galt es nun dringend, alternative Einnahmequellen zu finden. Über die renommierte Werbe-Agentur Saatchi & Saatchi in London, kam ein Vertrag für einen Werbeeinsatz für «Globacom» zustande, einer afrikanischen Telekommunikationsfirma. Die Zeit drängte sehr, um im ersten Halbjahr 2006 mit einem entsprechend gebrandeten Schiff in Nigeria vor Ort sein zu können. Dank einer geforderten grösseren Anzahlung von Globacom konnte alles bereits in Bewegung gesetzt werden, um die Vertragserfüllung sicherzustellen.
Auch im Jahr 2006 nahm die Pechsträhne kein Ende. Im März 06 beschloss Globacom den Vertrag aufzukündigen. Zwar hielt sich der Verlust aufgrund der Vorauszahlung einigermassen in Grenzen, aber «Skyship» hatte nun keine Einnahmen. Zum Glück konnte kurzfristig ein Ersatzvertrag mit «Škoda» für eine Europa Tournee abgeschlossen werden. Diese sollte von Juli bis Oktober dauern.
Im Einvernehmen mit dem BAZL wurden Mai und Juni dafür genutzt, in Ennetbürgen möglichst alle noch offenen Tickets und Gutscheine abzufliegen und bereits im Juni wurde 605 bereits wieder nach Friedrichshafen überführt, um das Schiff neu zu branden. Trotz aller Widrigkeiten gelang es, die Škoda-Werbe-kampagne wiederum auf den Tag genau in Prag zu eröffnen und erfolgreich durchzuführen.
Und nochmals Glück und Pech zugleich: Für den Winter gelang es einen Anschlussvertrag abzuschliessen. Das Skyship sollte nach Dubai zur Einweihung von «Palm Island» fahren.
Ausgehend von London, sollte 605 via Paris, Rom, Griechenland und Ägypten Dubai im Frühling 2007 erreichen.
Die Überfahrt des Skyship fand plangemäss statt bis nach Heraklion auf Kreta.
Dort musste die Fahrt unterbrochen werden, weil Ägypten die Überflugbewilligung verweigerte.
Das ägyptische Militär verdächtigte das Schiff, ein amerikanisches Spionagevehikel zu sein, was in keiner Weise der Wahrheit entsprach.
Der unausgesprochene eigentliche Grund dürfte eher in innerarabischen politischen Gegensätzen der damaligen Zeit zu suchen sein.
Somit war das Luftschiff in Kreta blockiert, denn eine Rückkehr nach Mitteleuropa war des Winterwetters wegen nicht mehr möglich. Der Flugplatz Heraklion tolerierte grosszügigerweise den Verbleib samt Crew den Winter über, trotz den beachtlichen Ausmassen des Schiffes.
Schmerzhaft für SCL war die Einstellung der Vertragszahlungen, obwohl der Partner bei Vertragsabschluss das Vorliegen aller Überflugsbewilligungen bestätigt hatte.
Zu Jahresbeginn gelang es SCL noch ein letztes Mal, das Skyship einzusetzen. Diesmal für die Dauer von vier Monaten für «Allegro» in Polen (ein Onlineverkäufer analog zu «ebay» und «Ricardo»).
Sobald der Frühling dies zuliess, kehrte das Schiff, von Kreta via Italien und den Gotthard zurück.
Im Bild rechts Schiff 605 nördlich des Gotthard-Pass unmittelbar nach dessen Überquerung
Und weil sämtliche Schweizer Zollflugplätze nördlich der Alpen eine Landung verweigerten, gestattete die eidg. Zollverwaltung eine Landung auf freiem Feld.
Im April 2007 fand der Weiterflug nach Friedrichshafen mit anschliessender Umrüstung statt und bald darauf setzte das Schiff Kurs in Richtung Nordenund verliess die Zeppelinhauptstadt nach Polen.
Zwar war der Allegro-Einsatz, nur schon der Sprache wegen, nicht immer einfach für die Besatzung, aber ein sehr interessantes Unternehmen und für Allegro eine gelungene Kampagne.
Als Winterquartier nach diesem Einsatz wurde diesmal Cardington gewählt. Der Hangar hatte den Besitzer gewechselt, es wurde über einen Abbruch spekuliert und das ermöglichte ein günstiges Unterkommen. Der Firma gelang es ab hier leider nicht mehr, einen weiteren Werbepartner zu finden. Überall wurden infolge der flauen Wirtschaft die Budgets heruntergefahren.
So begann das Jahr 2008 ohne Werbevertrag und ohne Einnahmen. Es war eine Frage der Zeit, bis die finanziellen Reserven aufgebraucht waren. Um einer Beschlagnahmung des Schiffes wegen Zahlungsunfähigkeit für den Hangarplatz zuvorzukommen, reifte der Entschluss nach Friedrichshafen auszufliegen und das Schiff dort abzubauen. Mit den letzten finanziellen Mitteln und privaten Einschüssen erreichte das Skyship im August, von England aus, Lindau in der Schweiz, den administrativen Sitz der Firma SCL. Ein benachbarter Bauer erlaubte das Schiff auf seinem Feld am Dorfeingang an den provisorischen Mast zu binden. Die Belegschaft musste nun auf ein Minimum reduziert bzw. entlassen werden. Einige Angestellte fühlten sich der Firma und dem Schiff so verbunden, dass sie ohne Salär rund um die Uhr am Schiff Wache hielten, sowohl technisch wie sicherheitsmässig.
Am 24. September 2008 wurde die Bilanz deponiert. Nach schweizerischem Recht muss in einer AG jederzeit 50% des Aktienkapitals als Asset ausgewiesen werden können. Der Revisor legte den Wert des Schiffes auf CHF 1 fest (Liquidationswert anstelle von Fortführungswert, da es nicht sofort verkauft werden konnte), das brach der Skyship Cruise AG endgültig das Genick
Am 27. Okt. 2008 fand der letzte Flug des immer zuverlässigen Skyships nach Friedrichshafen statt, wo es später abgebaut und dank grosszügigem Entgegenkommen der ZLT eingelagert werden konnte. Damit fanden sechs Jahre unfallfreier Betrieb ein Ende.
Am 31. März. 2009 wurde der Konkurs eröffnet. Seither befindet sich die Firma in der Liquidation.