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| Chrysostomus († 407) - Vom jungfräulichen Stande (De virginitate)

43. Was Paulus unter der bevorstehenden Noth versteht.
Was ist aber das für eine Noth, von welcher Paulus hier redet? Jene, welche von der Natur ausgeht? Keineswegs. Denn erstens würde er, wenn er von dieser spräche, durch ihre Erwähnung das Gegentheil von dem bewirken, was er beabsichtigte; denn diejenigen, welche heirathen wollen, führen ja diese fortwährend im Munde. Zweitens würde er sie nicht „bevorstehend“ nennen; denn sie ist nicht erst jetzt, sondern schon längst dem Menschengeschlechte eingepflanzt und war früher heftiger und ungezähmt, aber durch Christi Ankunft und die vermehrte Kraft ist sie leicht überwindlich geworden. Er redet daher nicht von dieser Noth, sondern spielt auf eine andere vielgestaltige und vielfach wechselnde an. Was ist das für eine? Die Zerstreuung durch die weltlichen Geschäfte. Denn so groß ist die Verwirrung, so stark die Tyrannei der Sorgen, so zahlreich die Menge der Gefahren, daß der Verheirathete oft gegen seinen Willen in vielen Dingen zu irren und zu sündigen genöthiget wird.