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Die NHL bekommt keinen Dollar für die Olympia-Freigabe ihrer Stars. Weil der Schweizer Dr. René Fasel einer der grössten Sportdiplomaten aller Zeiten ist.
Die National Hockey League (NHL) setzt im Jahr rund 3,5 Milliarden Dollar um. Mehr als doppelt so viel wie die KHL (rund 1,5 Milliarden). NHL-General Gary Bettman (Jahreslohn rund 9 Millionen Dollar) ist ein hartgesottener Kapitalist. Es ist einfacher, einer hungrigen, gereizten Löwin ein Junges zu entreissen als der NHL einen Cent.
Seit 1998 stoppt die NHL ihre Milliarden-Geldmaschine, macht Olympiapause und erlaubt ihren Stars die Teilnahme an den Spielen. René Fasel, IOC-Vizepräsident, Präsident der olympischen Wintersportverbände und des Internationalen Hockeyverbandes (IIHF) hat Gary Bettman die Olympiapause abgerungen. Dabei galt es als völlig ausgeschlossen, dass die NHL je eine Olympiapause machen wird.
Noch erstaunlicher: Gary Bettman ist mit allen Geldforderungen beim IOC abgeblitzt. Die Argumentation des Anwaltes aus Manhattan war richtig: Mit den NHL Stars wird das olympische Eishockeyturnier stark aufgewertet und es gilt als sicher, dass wegen der NHL-Stars die TV-Rechte der Spiele teuerer verkauft werden können. Das IOC hat die TV-Rechte für Sotschi 2014 und Rio 2016 für total 4,1 Milliarden Dollar verkauft.
Das IOC hat sämtliche Forderungen der NHL ignoriert. «Die NHL wird nie einen Dollar vom IOC bekommen», sagt René Fasel gegenüber watson. «Wir kommen für die Kosten, die eine Teilnahme verursacht, im gleichen Rahmen wie bei anderen Sportverbänden auf. Darüber hinaus wird es nie eine Zahlung an die NHL geben. Wenn wir beispielsweise jedem der 30 NHL Klubs zwei Millionen Dollar zahlen, so hat das auf deren Budgets kaum Einfluss. Für das IOC aber wäre es eine Summe von 60 Millionen.» Die Budgets der NHL-Klubs liegen bei etwas mehr als 100 Millionen Dollar.
Die olympische Bühne ist inzwischen so wichtig geworden, dass es sich nicht einmal mehr die NHL leisten kann, darauf zu verzichten. René Fasel sagt: «Es wäre schade, wenn die NHL ihren Spielern die Teilnahme nicht ermöglichen würde. Aber es wäre kein Unglück für die Spiele. Die Hockeypartien wären trotzdem ausverkauft …»
Die Olympiapause ist nicht Bestandteil des neuen Gesamtarbeitsvertrages zwischen der NHL und der NHL-Spielergewerkschaft. Sie muss zwischen dem IOC, dem Internationalen Eishockeyverband und der NHL jedes Mal neu verhandelt werden. «Das ist kein Problem», sagt René Fasel. «Verhandlungen sind schliesslich ein Teil unserer Arbeit.»
Die NHL-Spielergewerkschaft befürwortet die Olympiapause. Die Stars wollen die Spiele. Einige russische NHL-Stars hatten im Vorfeld von Sotschi, als die NHL-Freigabe noch nicht ausgehandelt war, unverhohlen damit gedroht, dann halt eine Saison in der KHL zu spielen um in Sotschi dabei zu sein. Die NHL-Stars wohnen in Sotschi ausnahmslos alle im olympischen Dorf.
Die unentgeltliche Freigabe der NHL-Stars für die olympischen Spiele ist auch deshalb bemerkenswert, weil es in der Schweiz einen durchaus ähnlich gelagerten Fall gibt.
Der Spengler Cup ist für das Schweizer Eishockey eine ähnliche TV-Bühne wie das olympische Turnier für die NHL. Aber die Schweizer Klubs verlangen für die Spengler-Cup-Pause eine finanzielle Entschädigung: Der HC Davos muss Jahr für Jahr durchschnittlich 800'000 Franken ins Unterland überweisen. Für die einzelnen Klubs ist der Spengler Cup-Batzen nicht von existenzieller Bedeutung. Die Gesamtsumme von 800'000 Franken ist hingegen für den HC Davos eine erhebliche finanzielle Belastung.