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Es sind Bilder, die niemand gerne sieht. Als Tua Tagovailoa zurückfällt, um einen freien Passempfänger zu suchen, aber keinen findet, stürmt ein Gegenspieler auf ihn zu und reisst ihn zu Boden. Der Quarterback der Miami Dolphins schlägt hart auf. Am Boden liegend, hält er seine Hände vors Gesicht, die verkrampften Finger in alle möglichen Richtungen gestreckt. Es ist gleich klar: Irgendetwas stimmt nicht. Zuschauerinnen und Zuschauer sind besorgt.
Nicht aber Tua Tagovailoa. Der 24-jährige Hawaiianer erzählt Wochen später: «Ich würde nicht sagen, dass ich Angst hatte. Denn an einem Punkt war ich bewusstlos, ich wusste nicht wirklich, was passiert.» Ab dem Tackle wisse er nicht mehr viel von dem, was an dem Abend passierte. «Ich kann mich nicht daran erinnern, wie ich vom Feld gefahren wurde.»
Die Aussage erinnert an jene von Hall-of-Fame-Quarterback Brett Favre, der im Sommer sagte: «Ich habe bestimmt tausende Gehirnerschütterungen erlitten.» Wie die NFL mit diesen Fällen umging, sorgte auch in der Vergangenheit immer wieder für Kritik. Der Fall von Tagovailoa hat jetzt aber tatsächlich zu einem Umdenken geführt. Vor allem, weil er für viele gegen die Cincinnati Bengals gar nicht hätte im Einsatz stehen dürfen.
Denn wenige Tage zuvor hatte Tagovailoa bereits eine Gehirnerschütterung erlitten. Im Spiel gegen die Buffalo Bills schlug er ebenfalls mit dem Kopf auf dem Rasen auf. Als er aufstand, hatte er wacklige Beine und ging dann gar noch einmal zu Boden. Der Quarterback verliess das Spiel, um das sogenannte «Concussion-Protocol» zu durchlaufen. Nach diesem soll bestimmt werden, ob ein Spieler mit Verdacht auf Gehirnerschütterung («Concussion») aussetzen muss oder wieder ins Spiel zurückkehren kann.
Tagovailoa durfte ins Spiel zurückkehren und führte sein Team tatsächlich noch zum Sieg über Buffalo. Später berichtete ESPN aber davon, dass der Doktor dabei «mehrere Fehler» gemacht habe. Die Spielervereinigung NFLPA entliess den Doktor, der Tagovailoa freigegeben hatte. Trotzdem stand der Quarterback vier Tage später im Donnerstagsspiel der NFL gegen Cincinnati bereits wieder im Einsatz.
Dies kritisierte Doktor Chris Nowinski, der sich für einen sichereren Umgang mit Gehirnerschütterungen einsetzt, wenige Stunden vor dem Spiel gegen Cincinnati auf Twitter: «Wenn Tua heute aufs Feld geht, ist es ein massiver Rückschritt für den Umgang mit Gehirnerschütterungen in der NFL.» Alle hätten gesehen, was im letzten Spiel geschehen war, und wüssten, dass es nicht richtig sei, Tagovailoa spielen zu lassen.
In der Folge gaben die Spielervereinigung und die NFL gemeinsam eine Überprüfung der geltenden Regeln in Auftrag. Diese ergab, dass der Arzt, der Tagovailoa im Spiel gegen Buffalo untersuchte, dem Protokoll gefolgt sei. Er habe keine Symptome gehabt, die auf eine Gehirnerschütterung hinwiesen, vielmehr soll eine verschlimmerte Rückenverletzung für die wackligen Beine verantwortlich gewesen sein, wie die «New York Times» schreibt. Dennoch wurde das «Concussion-Protocol» angepasst, um die Spieler besser zu schützen.
Nun gilt, dass ein Spieler, der Probleme mit dem Gleichgewicht hat, in jedem Fall das Spielfeld verlassen muss. Allen Sills, Chefarzt der NFL, sagt dazu: «Wir wollen noch vorsichtiger werden. Denn, falls wir einmal falschliegen, nehmen wir lieber einen Spieler ohne Gehirnerschütterung aus dem Spiel, als einen mit einer solchen wieder ins Spiel zu schicken.»
Damit reagierte die NFL auf Kritik von Spielern, Fans und Gesundheitsexperten gleichermassen. Eine Folge der neuen Regelung kommt aber nicht überall gut an. Einige American-Football-Experten vermuten einen Zusammenhang zwischen den zuletzt häufig kritisierten Schiedsrichterentscheidungen und dem neuen «Concussion-Protocol».
Demnach soll verhindert werden, dass die Quarterbacks bei ersten Anzeichen einer Gehirnerschütterung gleich aus dem Spiel genommen und durch ihre schwächeren Ersatzmänner ersetzt werden müssen. Deshalb wollten die Schiedsrichter und die NFL sie zusätzlich schützen und würden schon bei harmlosen Tackles gegen Tom Brady und Co. mit einer Flagge für «Roughing the Passer» (in etwa grobes Vorgehen gegen den Quarterback) reagieren. Die NFL dementierte aber einen solchen Zusammenhang.
Für Tua Tagovailoa sind diese Regelungen aber vorerst kein Thema – und dabei wird es hoffentlich auch bleiben. Denn am Sonntag steht er nach dreieinhalb Wochen Pause wieder im Einsatz. Seine Verletzung ist überstanden und er hat seine Lehren daraus gezogen, wie er sagt: «Ich muss einen Spielzug auch mal aufgeben und den Ball wegwerfen, wenn sich nichts ergibt.» Dabei gehe es auch um die Langlebigkeit als Quarterback. Etwas, das sich nicht nur der 24-Jährige wünscht, sondern worauf auch NFL und deren Fans hoffen.
Schlaue Taktik? Bessere Ausländer? Ja, das spielt bei Klotens wundersamer Rückkehr auf die grosse nationale Bühne auch eine Rolle. Wenn es nicht nur die Taktik und die guten Ausländer sind, was ist dann eine weitere Erklärung für die erstaunliche Performance des Neulings? Klotens Erfolgsgeheimnis ist auch eine neue Kultur. Ein neues Denken. Eine neue Mentalität. Wunderbar zu erkennen bei der Derby-Niederlage (1:3) am Mittwoch in Zürich.