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Unter dem Pseudonym Pius XII. hatte er die Stellvertretung Christi auf Erden fünfzehn Jahre lang gewissenhaft ausgeübt, als Eugenio Maria Giuseppe Pacelli zunehmend unter Erschöpfungszuständen und beständigem Druck in der Magengegend zu leiden begann. 1953 war das Oberhaupt der katholischen Kirche einem erschöpfungsbedingten Zusammenbruch gefährlich nahe: Pius XII. war bis aufs Skelett abgemagert und litt unter hartnäckiger Schlaflosigkeit. Zu allem Elend befiel ihn auch noch ein Schluckauf, der wochenlang nicht mehr aufhören wollte. In dieser prekären Notlage riefen die Helfer des Papstes den Schweizer Paul Niehans zu Hilfe, einen evangelischen Arzt und Theologen, der die so genannte Frischzellen-Therapie entwickelt hatte. Nachdem es Niehans gelungen war, die Magenprobleme des Heiligen Vaters medikamentös unter Kontrolle zu bringen, überzeugte er ihn von den Vorteilen einer Frischzellenkur. In der Folge bekam der Papst Plazenta-Zellen von Schweinen injiziert – eine Kur, die in seinem Fall auch tatsächlich anzuschlagen schien. Jedenfalls konnte das Kirchenoberhaupt bald wieder essen und schlafen und nahm endlich auch wieder an Gewicht zu.
Methoden wie dieser nicht abgeneigt, war der Papst kurz vor seinem Quasi-Zusammenbruch auf das Römer Istituto Farmacologico Serono aufmerksam geworden. Um die Firma an den Vatikan zu binden, hiess er 1952 seinen Neffen Don Giulio Pacelli, seinerzeit bei Serono in leitender Stellung tätig, 40 Prozent des Firmenkapitals von Institutsgründer Cesare Serono zu erwerben. Und so dauerte es in der Folge auch keine zwei Jahre, bis der Heilige Vater über sein Istituto per le Opere Religione (IOR) die Mehrheit an Serono kontrollierte.
Als die Steuerprivilegien des Heiligen Stuhls, was Dividenden und Profite aus inländischen Beteiligungen anging, 1969 von Italiens Regierung beschnitten wurden, beschloss Pius’ Nachfolger, Papst Paul VI., einen Teil des Vatikanvermögens ausser Landes zu schaffen. Damals schlug die Stunde von Geschäftemachern wie Michele Sindona, eines Steueranwalts aus Sizilien, der in Rom über beste Verbindungen verfügte, in dubiose Waffengeschäfte verwickelt war und auch Mafia-Gelder aus dem Heroinhandel wusch.
Um der Kurie behilflich zu sein, gründete Sindona damals eine Reihe von Auslandsniederlassungen und beteiligte sich an Instituten wie der Banque de Financement de Genève (kurz: Finabank). Seine verschlungenen, oft illegalen Deals im Auftrag der Kirche bestanden typischerweise in der Übernahme von Aktien zu einem künstlich aufgeblähten Kurs – Titel, die alsdann möglichst günstig an die Vatikanbank IOR weiterverkauft und dann von der Finabank übernommen wurden.
1980 wurde Sindona in den USA in 65 Fällen des Betrugs für schuldig befunden und nach Italien ausgeliefert, wo er «umfassende Geständnisse» ankündigte und 1986 in seiner Gefängniszelle vergiftet wurde. Seinen langjährigen Kontaktmann beim Vatikan, Roberto Calvi, hatte das Schicksal derweil schon früher ereilt: Im Juni 1982 wurde Calvis Körper am Londoner Themseufer gefunden; aufgeknüpft an einem Pfeiler der Blackfriars Bridge.