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Das Wichtigste in Kürze
- Neun Formel-1-Piloten konnten mit der Scuderia Ferrari den Fahrer-WM-Titel gewinnen.
- Zwischen 1979 und 2000 musste das Springende Pferd eine 21-jährige Durststrecke hinnehmen.
- Seit 2007 wartet man in Maranello nun schon auf einen Weltmeistertitel.
Fünfzehn Fahrer-Weltmeistertitel holte die Scuderia Ferrari in ihrer Geschichte. Kein anderes Team in der Formel 1 war erfolgreicher. Aber die Titel sind auf gerade einmal neun Fahrer verteilt. Und: Nur drei Piloten konnten mit der Scuderia mehr als einen WM-Titel holen.
Alberto Ascari – 1952, 1953
Die italienische Motorsport-Legende wurde zwar nur 36 Jahre alt, ist aber noch heute einer der erfolgreichsten Ferrari-Piloten. Ascaris Vater Antonio war ebenfalls Rennfahrer – auch sein Unfalltod hielt Alberto nicht vom Motorsport ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann Ascari seine Grand-Prix-Karriere, zunächst für Maserati.
Ab 1950 startete Ascari für Ferrari in der Formel-1-WM, verpasste aber 1951 noch knapp den Titel. Im Jahr darauf hatte Ferrari mit der Umstellung auf das Formel-2-Reglement jedoch das überlegene Auto. Ascari nutzte den Vorteil und wurde überlegen Weltmeister. Im Folgejahr verteidigte er seinen Titel erfolgreich.
Während seines zweiten Weltmeisterjahres zerstritt sich Ascari mit Enzo Ferrari über sein Gehalt und verliess das Team. Dennoch trat er 1954 beim Italien-GP für Ferrari an, startete zudem auch für Maserati und Lancia. 1955 wollte er mit dem neuen Lancia D50 einen erneuten Angriff auf den Titel starten.
Zunächst überstand er jedoch nur knapp einen Unfall beim Monaco-GP, als sein Auto ins Meer stürzte. Ascari wurde geborgen und überlebte den Unfall mit einer gebrochenen Nase. Vier Tage später testete er in Monza einen Ferrari-Sportwagen und verunglückte dabei tödlich. Jene Stelle auf dem Kurs im königlichen Park trägt seither den Namen Variante Ascari.
Juan Manuel Fangio – 1956
Der Argentinier vollbrachte in seiner Formel-1-Karriere das Kunststück, für vier Teams Weltmeister zu werden. Schon 1950, im ersten Jahr der Formel-1-WM, verpasste er den Titel nur knapp. 1951 holte er sich mit Alfa Romeo die Krone, 1954 und 1955 mit Mercedes. Zur Saison 1956 wechselte Fangio zu Ferrari, wo er den von Lancia übernommenen D50 pilotierte.
Der D50 war vor allem eines: Zuverlässig – nur ein Ausfall, das sicherte Fangio in seinem einzigen Ferrari-Jahr den Titel. Sein Rivale Stirling Moss musste vier Ausfälle hinnehmen (bei zwei Rennen kam er im Auto eines Teamkollegen in die Wertung). Zudem war Fangio der einzige Fahrer in dieser Saison, der drei Rennen gewinnen konnte. Letztendlich lag er in der Gesamtwertung drei Punkte vor Moss.
Als Weltmeister verliess Fangio die Scuderia wieder und holte im Folgejahr mit Maserati noch einen fünften Titel. Danach beendete der Argentinier seine Vollzeit-Formel-1-Karriere – als Rekordweltmeister. Diese Bestmarke sollte bis 2003 Bestand haben – und damit ihren Inhaber überleben. Fangio verstarb 1995 im Alter von 84 Jahren an den Folgen eines Nierenversagens.
Mike Hawthorn – 1958
Schon Anfang der 1950er Jahre war Mike Hawthorn für Ferrari gefahren, wechselte jedoch zwischenzeitlich zu britischen Sportwagen. 1957 kehrte er zur Scuderia zurück und profitierte im Folgejahr von der Überlegenheit des Tipo 246. Zwar gelang ihm nur ein Sieg, aber das genügte, um vor Stirling Moss Weltmeister zu werden. Allerdings war die Saison von Tragödien geprägt.
Hawthorn und sein Landsmann Peter Collins waren Ferrari-intern in eine Rivalität mit dem Italiener Luigi Musso verstrickt. Die Rivalität hatte Folgen: Im Juli verunglückte Luigi Musso tödlich, im August Hawthorns enger Freund Collins. Auch deshalb erklärte der Le-Mans-Sieger von 1955 nach dem WM-Gewinn seinen Rücktritt.
Allerdings konnte Hawthorn seinen Ruhestand nicht lange geniessen. Anfang 1959 verunglückte er nahe Guildford auf der Autobahn tödlich. Der Rennteam-Manager Rob Walker gestand Jahrzehnte später, sich mit Hawthorn ein illegales Rennen geliefert zu haben. Erst nach dem Tod des Ex-Weltmeisters wurde bekannt, dass er an einer schweren Krankheit litt und keine hohe Lebenserwartung hatte.
Phil Hill – 1961
Drei Siege bei den 24 Stunden von Le Mans und ein Formel-1-WM-Titel – die Karriere von Phil Hill ist beeindruckend. Bis heute ist Hill der einzige US-amerikanische Formel-1-Weltmeister. Von 1958 bis 1962 startete das Sportwagen-Ass für Ferrari in der Königsklasse.
In seinem ersten Jahr hatte er zudem Anteil an Hawthorns WM-Titel, den er im entscheidenden Rennen vorbeiliess. 1961 war dann Hills Stunde gekommen: In sieben Rennen stand er sechsmal auf dem Podest. Allerdings hat sein Titel einen bitteren Beigeschmack. Der Tod seines Teamkollegen und Rivalen Wolfgang Graf Berghe von Trips in Monza sicherte Hill die Krone.
Am Ende der Saison 1964 beendete Hill seine Formel-1-Karriere und konzentrierte sich wieder auf Sportwagenrennen. Drei Jahre später hängte er den Rennhelm endgültig an den Nagel. 2008 verstarb der US-Amerikaner an den Folgen seiner Parkinson-Erkrankung.
John Surtees – 1964
1960 war der Engländer John Surtees schon fünffacher Weltmeister – auf zwei Rädern. Drei Titel in der 500-ccm-Klasse und zwei in der 350-ccm-Klasse waren ihm jedoch nicht genug. Parallel zur Motorrad-WM startete der Brite 1960 nämlich auch noch in der Formel 1 (und holte erneut beide Motorrad-Titel). Gleich in seinem zweiten Formel-1-Rennen, dem Grand Prix von Grossbritannien, stand er als Zweiter auf dem Podest.
Der Durchbruch kam jedoch erst mit dem Wechsel zu Ferrari 1963. Surtees feierte in Deutschland seinen ersten Grand-Prix-Sieg, am Jahresende wurde er Gesamtvierter. 1964 stand er in jedem Rennen, das er beendete, auch auf dem Podest – und wurde Weltmeister. Und vollbrachte dabei das Kunststück, einen blauen Ferrari zu fahren – weil Enzo Ferrari sich mit dem italienischen Verband stritt.
Surtees gewann den Titel mit einem Punkt Vorsprung auf Graham Hill, dank dessen Streichresultaten. Nur die besten sechs Ergebnisse zählten zur die WM, sodass Hill zwei Punkte gestrichen wurden. Surtees 40 Zähler resultierten aus nur sechs Zielankünften – die damit alle zur Gesamtwertung zählten.
Surtees setzte seine Formel-1-Karriere bis 1972 fort, seinen letzten GP-Sieg feierte er 1966 für das britische Cooper-Team. Sein Sohn Henry verunglückte 2009 beim Rennen der Formel 2 in Brands Hatch tödlich. John Surtees starb 2017 im Alter von 83 Jahren in London.
Niki Lauda – 1975, 1977
Nicht viele Formel-1-Fahrer haben die Ehre, in einem Hollywood-Streifen verewigt zu werden. Aber das Comeback von Niki Lauda im Jahr 1976 zählt zu den grössten Geschichten, die die Formel 1 geschrieben hat. 42 Tage nach seinem beinahe tödlichen Unfall auf dem Nürburgring sass der Österreicher bereits wieder am Steuer. Er kämpfte um seinen zweiten WM-Titel mit Ferrari – verlor diesen letztlich aber knapp an James Hunt.
Den ersten hatte er bereits ein Jahr zuvor gewonnen: 1975 fuhr er mit dem neuen Ferrari 312 T2 zum Triumph. Er beendete damit auch die elf Jahre andauernde Durststrecke der Scuderia. Bis dahin war das die längste Zeit für Ferrari ohne Titel in der Formel 1 gewesen. 1976 war er bis zum Unfall in Deutschland auf Kurs zur erfolgreichen Titelverteidigung.
Trotz der lebensgefährlichen Verletzungen verpasste der Österreicher nur zwei Grands Prix, ehe er zurückkehrte. Er wurde beim Comeback in Italien Vierter und hatte vor dem letzten Saisonrennen drei Zähler Vorsprung auf Hunt. Im strömenden Regen von Fuji gab Lauda jedoch vorzeitig auf. Hunt wurde Dritter und gewann den Titel mit einem Punkt Vorsprung.
1977 holte sich Lauda den im Vorjahr verlorenen zweiten WM-Titel, überwarf sich aber en route zum Triumph mit Ferrari. Schon während der Saison kündigte er seinen Abschied von der Scuderia an. Nachdem er beim Grand Prix der USA vorzeitig den Titel fixierte, verliess er das Team. Zwei Jahre später hängte er den Helm an den Nagel – Begründung: «Ich habe keine Lust mehr, blöd im Kreis zu fahren.»
Drei Jahre nach dem Karriereende liess sich Lauda von McLaren mit einem nie dagewesenen Millionengehalt zurücklocken. Mit einem halben Punkt Vorsprung holte er 1984 seinen dritten WM-Titel, ein Jahr später hörte er endgültig auf. 2019 verstarb Lauda 70-jährig nach einer Lungentransplantation.
Jody Scheckter – 1979
Von Beginn seiner Formel-1-Karriere an hatte Jody Scheckter den Ruf eines hochriskanten Piloten. Emerson Fittipaldi sagte einmal: «Dieser Verrückte ist eine Gefahr für sich selbst und gehört nicht in die Formel 1.» Trotzdem verpflichtete Ferrari den Südafrikaner nach erfolgreichen Jahren bei McLaren, Tyrrell und Wolf zur Saison 1979.
Im Stallduell mit dem pfeilschnellen Gilles Villeneuve setzte sich Scheckter überraschend durch. Mit drei Siegen und konstant guten Ergebnissen sicherte er sich den WM-Titel. Nur einmal landete er 1979 – abgesehen von zwei Ausfällen – nicht in den Punkterängen. So wurde er am Saisonende der erste Formel-1-Weltmeister aus Afrika.
Nach einer enttäuschenden Saison 1980 beendete Scheckter seine Formel-1-Karriere. Mittlerweile lebt er als Bio-Bauer auf einer Farm in Hampshire westlich von London. Sein WM-Titel 1979 sollte für 21 Jahre der letzte für die Scuderia Ferrari bleiben.
Michael Schumacher – 2000, 2001, 2002, 2003, 2004
1996 holte Jean Todt den damals gerade zweifachen Weltmeister Michael Schumacher von Benetton zu Ferrari. Die Scuderia befand sich da auf einem Tiefpunkt in ihrer Geschichte – anderthalb Jahrzehnte war der letzte Titel her. Schumacher hatte bei Benetton gemeinsam mit Ross Brawn ein Spitzenteam gebildet. Genau das suchte man in Maranello.
In seiner ersten Saison holte Schumacher mit Ferrari drei Siege. Das war einer mehr, als den Roten in den fünf Jahren zuvor insgesamt gelangen. Um den Titel konnte man da aber noch nicht mitreden, zu überlegen war Williams. Im Folgejahr sollte das anders aussehen.
1997 ging Schumacher als WM-Führender ins letzte Rennen in Jerez, hauchdünn vor Jacques Villeneuve. Als der Kanadier aber zum Angriff auf die Führung ansetzte, rammte der Deutsche seinen Kontrahenten. Das Resultat: Schumacher schied aus, Villeneuve fuhr zum WM-Titel. Der Ferrari-Star wurde nachträglich von der Saison ausgeschlossen.
Im Jahr darauf musste sich der Deutsche knapp gegen Mika Häkkinen geschlagen geben. 1999 verlor er jegliche Titelchancen beim Grossbritannien-GP. Nach einem Bremsdefekt schlug Schumacher mit Höchstgeschwindigkeit in die Reifenstapel ein. Mit einem Beinbruch verpasste er sechs Rennwochenenden.
Nach der Jahrtausendwende begann unter dem Trio Schumacher/Brawn/Todt jedoch die goldene Ära des Cavallino Rampante. Von 2000 bis 2004 dominierte Ferrari die Formel 1 nach Belieben. Nach 21 Jahren ohne einen Fahrer-WM-Titel holte Schumacher deren fünf en suite. 2006 nahm der Deutsche seinen Abschied von Ferrari und der Formel 1.
Drei Jahre später feierte Schumacher noch einmal ein Comeback in der Königsklasse. Mit Mercedes fuhr der siebenfache Weltmeister aber meist nicht um die Spitzenplätze mit. Nur einmal, in Valencia 2012, stand der Deutsche noch auf dem Podest. 2012 trat er endgültig zurück, seit seinem schweren Skiunfall 2013 ist es still geworden um den Rekordweltmeister.
Kimi Räikkönen – 2007
Als Michael Schumacher der Scuderia nach der Saison 2006 den Rücken kehrte, musste Ersatz her. Gefunden war er schnell – in Gestalt des flotten Finnen, der Ferrari zuvor so oft ins Schwitzen brachte. Kimi Räikkönen schloss sich dem Team zur Saison 2007 an und siegte gleich bei seinem Debüt in Australien.
Allerdings sah sich Ferrari in dieser Saison mit einem blitzschnellen McLaren-Duo konfrontiert. Der amtierende Weltmeister Fernando Alonso duellierte sich silberpfeil-intern mit einem schnellen Rookie namens Lewis Hamilton. Der Brite beendete seine ersten neun (!) Formel-1-Grands-Prix allesamt auf dem Podest, zweimal sogar als Sieger.
Der Zweikampf der beiden McLaren-Piloten dominierte den Grossteil der Saison. Zwei Rennen vor Schluss lag Räikkönen bereits 17 Punkte zurück – 20 waren noch zu vergeben. Dass der Finne noch realistische Titelchancen hatte, dachte da niemand mehr.
Aber WM-Leader Hamilton patzte in China und schied aus, und Sieger Räikkönen reduzierte seinen Rückstand auf sieben Zähler. Mit einem weiteren Hamilton-Patzer und einem Sieg in Brasilien krönte sich Räikkönen zum neunten Ferrari-Weltmeister. Bis heute ist der jetzige Alfa-Romeo-Sauber-Fahrer der letzte Titelträger der Scuderia.