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Der Wind hat gedreht, mich zieht es weg. Fort von hier. Seit Anfang von Corona hat mich Sani, eine Freundin, die in Frankreich ein Guesthouse betreibt, eingeladen, bei ihr zu wohnen. Während des Lockdowns war das natürlich nicht möglich und auch danach traute ich mich noch nicht, ins Ausland zu fahren. Aber jetzt scheint mir der richtige Moment da zu sein. Sofern man mich überhaupt über die Grenze lässt. Ich packe also meinen Koffer und belade mein Auto. Weil ich auch weiterhin schreiben will, lade ich auch meinen Drucker ein. Ziemlich exotisch, mit nur einem Koffer, dafür aber mit einem schweren Drucker zu reisen. Das mit dem einen Koffer habe ich übrigens noch nicht ganz geschafft. noch immer schleppe ich eine zusätzliche Reisetasche und eine Papiertasche mit den Schuhen mit. In dieser Beziehung gibt es noch Verbesserungspotential. Aber nicht jetzt. Mein Reisebegleiter ist Eugène. Er ist ein älterer Teddybär, der meine ganze Aufräumaktion irgendwie überstanden hat und immer noch hier ist. Also kommt er mit, als Copilot. Er kontrolliert, dass ich das erste Reiseziel richtig eingebe: Besancon. Die Stadt kenne ich nicht. Nach einer gemütlichen Fahrt erreiche ich am Nachmittag mein Ziel und beziehe ein einfaches Zimmer in einem kleinen Hotel. Das Hotel Regine steht im Hinterhof mitten in der City. Die Wirtin steigt mit mir hinauf in den 4. Stock und zeigt mir mein Zimmer. Und dann führt sie mich in ihren verwunschenen Garten, der auf der Höhe des 1. Stockwerks liegt. Über die Mauer kann ich hinunter in die Hinterhöfe der Nachbarn sehen. Warum hinter der hohen Mauer hier ein Garten ist, kann ich nicht erkennen, scheint mir ziemlich speziell zu sein. Leider ist die Verstädigung etwas schwierig, weil ich sie zwar knapp verstehe, aber kaum zusammenhängende französische Sätze zustandebringe und sie kein englisch spricht. "Das habe ich in meiner Jugend verpasst," bedauert sie. "Wenn ich zurück komme, werde ich 'meilleur' sprechen", verspreche ich. 'Mieux' korrigiert sie mich. Sie drückt mir einen Stadtplan in die Hand und ich erkunde die Stadt. Schlendere zum Quai Vauban, wo lange Häuserreihen mit Lauben stehen. Hier am Fluss Doubs herrscht eine Leichtigkeit. Mitten auf der Brücke steht einer und guckt der Studentin über die Schulter, die auf den Stufen vor ihm sitzt. Ich muss zweimal hinsehen, um sicher zu sein, dass es sich um eine Bronzestatue handelt und nicht um eine lebende Figur, die ihre Stellung verändert, wenn man ihr eine Münze zuwirft. Später steht sie noch immer da, inzwischen hat sie eine Maske auf, so wie viele Menschen, die unterwegs sind. Ich habe unterdessen in einem grossen Strassencafe ein Glas Wein genossen und den Leuten zugesehen. Auch den nächsten Tag, den Sonntag verbringe ich in Besancon. Ich bummle durch die gepflästerten Strassen. Durch schmale Gassen, in Fussgängerzonen auf völlig leeren gepflegten Strassen. Durch stille Parks. Irgendwo trinke ich einen Cappuccino. In Restaurants ist Maskenpflicht, jedenfalls bis man an einem Tisch Platz genommen hat. Das Servierpersonal versteckt sich ebenfalls hinter Masken. Das ist für mich ziemlich ungewohnt, aber ich glaube, ich werde mich langsam daran gewöhnen müssen. Am Abend steige ich hinauf zur Zitadelle. Sie hat schon vor zwei Stunden geschlossen und der Ausblick über die Stadt wird von hohen Bäumen verdeckt. Auf dem Rückweg kehre ich in einem indischen Restaurant ein und geniesse ein feines Curry. Die meisten Restaurants sind heute geschlossen, oder sie haben keinen Tisch mehr frei. Man hätte reservieren müssen. Am Montag-Morgen gebe ich mein neues Ziel ein: Kurnia www.kurnia.fr in der Nähe von Vichy. Hier werde ich erwartet. Sani und Roland freuen sich auf mein Kommen und haben meinen Bungalow bereits hergerichtet. Dies wird jetzt also mein Heim sein für einen Monat. Ich fühle mich sofort wohl. Zwei Zimmer mit Wohnraum, Bad und Küche. Etwas separat, aber immer in Reichweite vom Haupthaus. Zum Nachtessen bei Sonnenuntergang laden mich Sani und Roland zum Nachtessen ein. Roland hat ein paar Pouletschenkel auf seinen imposanten Grill gelegt. Sani hat den Tisch draussen gedeckt und serviert einen wunderbaren Tomatensalat mit Blaukäse. Dazu ein feines Glas Weisswein und gute Gespräche. Eugène nippt derweil an seinem Wein und lässt sich die Chips schmecken. Wir sind angekommen und ich freue mich auf die nächsten Wochen in Frankreich.