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Das Gejammer über die angeblich extremen Belastungen für die Vorsorgeeinrichtungen wegen der Revision des Vorsorgeausgleichs, welche am 1.1.2017 in Kraft treten wird, macht weiterhin die Runde. Die Frage ist: Ist das Gejammer berechtigt? Wer profitiert von der Revision?
Nehmen wir als Beispiel einen pensionierten Mann, der bloss im Rahmen des BVG-Obligatoriums versichert ist, aber dort die Maximalrente von rund Fr. 1’980 pro Monat hat. Die Witwenrente nach BVG davon beträgt Fr. 1’188 pro Monat (60% von Fr. 1’980).
Nach bisherigem Recht konnte bei der Scheidung nach der Pensionierung wegen bereits eingetretenem Vorsorgefall die Rente nicht mehr geteilt werden und es wurde stattdessen der Frau eine angemessene Entschädigung in Form einer lebenslangen Rente zugesprochen, die mit dem Tod des Mannes oder der Frau erlischt. Nehmen wir an, diese betrage die Hälfte der Rente des Mannes, also Fr. 990 pro Monat. In dieser Situation erhält die langjährige Ex-Frau die Fr. 990 auch nach dem Tod des Ex-Mannes weiterhin, da die Scheidungsrente in diesem Fall durch die Witwenrente des BVG-Obligatoriums abgedeckt ist. Hat der Rentner nach der Scheidung wieder geheiratet, erhält die zweite Frau eine Witwenrente von Fr. 1’188 pro Monat. Die Kasse muss also zwei lebenslange Witwenrenten von Fr. 990 und Fr. 1’188 pro Monat bezahlen. Das macht Fr. 2’178 pro Monat.
Mit der Revision des Vorsorgeausgleichs sieht unser Fallbeispiel nun anders aus. Neu wird die Rente des Rentners bei der Scheidung geteilt. Der Rentenanteil an die Ex-Frau wird versicherungsmathematisch auf das Alter der Frau und auf ihr Geschlecht angepasst. Frauen sind oft jünger als ihre Ehemänner und haben dazu noch eine höhere Lebenserwartung. Die Frau in unserem Beispiel wird neu bei der Scheidung wohl also etwas schlechter wegkommen. Sie erhält allerdings ihren Rentenanteil nach der Scheidung direkt von der Pensionskasse des Ex-Mannes, anstatt von diesem. Die Kasse ist der bessere Schuldner. Nehmen wir an, die umgerechnete, lebenslange Rente der Frau betrage Fr. 900 pro Monat. Der Rententeil des Mannes beträgt nach der Scheidung noch Fr. 990 pro Monat. Solange beide leben, bezahlt die Pensionskasse zwei Renten in der Höhe von total Fr. 1’890 (Fr. 90 weniger als vor der Scheidung). Heiratet der Mann nach der Scheidung wieder, bezahlt die Pensionskasse der zweiten Frau nur noch eine Witwenrente von Fr. 594 pro Monat (60% von Fr. 990). Die Pensionskasse muss also in diesem Beispiel zwei lebenslange Renten von Fr. 900 und Fr. 594 pro Monat bezahlen. Das macht Fr. 1’494 pro Monat. Das sind Fr. 684 weniger als vor der Revision!
Da kann man sich fragen: Was gibt es da auf Seiten der Pensionskassen zu jammern? Am administrativen Aufwand bei der Umrechnung des Rententeils bei der Scheidung kann es auch nicht liegen, denn das wird trivial sein: Das Bundesamt für Sozialversicherungen wird ab 1.1.2017 ein Umrechnungsprogramm zur Verfügung stellen, mit dem die versicherungsmathematische Umrechnung des Rentenanteils durchgeführt werden kann. Das Tool berücksichtigt die aktuellen technischen Parameter gemäss der Verordnung des Bundesrates.
Das Jammern scheint in erster Linie von Seiten der (pensionierten) Männer zu kommen, da deren zweite Frau neu nur noch eine deutlich reduzierte Witwenrente erhält.
Im Gegensatz zur Witwenrente der Pensionskasse, erlischt übrigens der Rententeil der geschiedenen Frau neu nicht mehr, wenn sie sich – wie ihr verstorbener Ex-Gatte – wieder verheiratet. Eine zusätzliche Witwerrente wird ihr neuer Gatte deswegen allerdings nicht erhalten, weil sie die bei der Scheidung als Ausgleich zugesprochene lebenslange Rente nicht mehr in ihre eigene Vorsorge wird einbauen können.