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Der Goldschakal in der Schweiz: Ein willkommener Neubürger
Der Goldschakal breitet sich in Europa aus. Die Art war auf dem europäischen Subkontinent in historischer Zeit nur in Südosteuropa verbreitet, dringt jedoch aus eigener Kraft nach Mitteleuropa vor. Es handelt sich somit um eine natürliche Ausbreitung. Die Gruppe Wolf Schweiz (GWS) vertritt deshalb die Ansicht, dass der Goldschakal grundsätzlich willkommen ist und als Teil der Fauna zu akzeptieren ist. Entsprechend ist ihm rechtlicher Schutz zu gewähren.
Fakten zum Goldschakal:
- Der Goldschakal ist ein naher Verwandter des Wolfes und sieht ihm ähnlich, ist aber deutlich kleiner und leichter. Grösse und Gewicht liegen zwischen Wolf und Fuchs.
- Wie der Wolf, lebt der Goldschakal in kleinen territorialen Familiengruppen (Rudeln) und pflanzt sich nur in stabilen Verpaarungen fort. Junge Goldschakale müssen diese Familiengruppe verlassen und abwandern. Sie sind es, die nun vermehrt in Mitteleuropa auftauchen.
- Der Goldschakal ist ein Carnivore (Fleischfresser), der sich aber auch omnivor (Allesfresser) ernähren kann. Er ist spezialisiert auf die Erbeutung von Kleinsäugern, hauptsächlich Mäuse. Feldstudien aus europäischen Ländern mit etablierten Goldschakalpopulationen zeigen aber, dass er auch grössere Säuger bis aufwärts zum Reh erbeuten kann. Es ist auch nachgewiesen, dass er vereinzelt Schafe reissen kann.
- Die Ausbreitung des Goldschakales begann bereits vor einigen Jahrzehnten auf dem Balkan, in Osteuropa und in Österreich. Als Grund für die plötzliche Ausbreitung gilt die grossräumige Ausrottung des Wolfes. Dieser war sein grösster Feind und dessen Ausrottung eröffnete dem Goldschakal die Möglichkeit, sich in Europa auszubreiten. Im historischen Verbreitungsgebiet des Goldschakales entlang des Schwarzen Meeres fehlten Wölfe offenbar bereits früher natürlicherweise weitgehend.
- Der Goldschakal ist eine Art der Subtropen und der gemässigten Zonen. Kalte Winter mit hohen Schneelagen setzen ihm zu. Auch dadurch war sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet in Europa begrenzt und ist es im Alpenraum wohl noch heute. Die Klimaveränderung begünstigt aber seine Ausbreitung merklich. Gerade in den tieferen Lagen der Schweiz dürfte er geeignete Lebensräume vorfinden. Als Kulturfolger stellt es für ihn kein Problem dar, sich in vom Menschen genutzten Landschaften anzusiedeln.
- Die ersten Nachweise eines Goldschakals in der Schweiz gelangten Ende 2011 im Rahmen des Luchsmonitorings in den Nordwestalpen (Kantone Bern und Freiburg). Weitere Nachweise erfolgten im Dezember 2015 und Januar 2016 in der Surselva im Kanton Graubünden, im März 2016 im Kanton Schwyz und im Juli 2017 im Linthgebiet im Kanton St. Gallen. Ebenfalls 2017 wurde im Schanfigg im Kanton Graubünden ein Goldschakal nachgewiesen. Seit Ende 2017 werden im Chablais südlich des Genfersees sowohl in Frankreich als auch im Wallis einzelne Goldschakale nachgewiesen.
- Grosse Populationen des Goldschakals gibt es in Europa auf dem Balkan. Besiedelt werden weite Teile des Gebietes zwischen Adria und Schwarzem Meer. Die westlichsten bzw. nördlichsten Vorkommen mit Reproduktion (Rudeln) befinden sich zurzeit im Friaul in Italien, im östlichen Österreich (Neusiedlersee und nördlich von Graz) und in Tschechien. Regelmässige Nachweise des Goldschakales werden auch in Deutschland, Polen und dem Baltikum erbracht. Im Herbst 2017 erfolgte der Erstnachweis der Art in Frankreich.
Unsere Positionen:
- Der Goldschakal wandert natürlicherweise in die Schweiz ein und ist deshalb als einheimische Art zu betrachten und respektieren.
- Der Goldschakal soll sich selbstständig ausbreiten können. Wir erwarten aufgrund der naturräumlichen Gegebenheiten der Schweiz aber keine flächendeckende Ausbreitung. Aus klimatischen Gründen dürfte in der Schweiz vor allem das Mittelland und das Tessin für den Goldschakal geeignet sein.
- Die aktuelle Seltenheit der Art in der Schweiz rechtfertigt einen umfassenden gesetzlichen Schutz.
- Da Goldschakale nachweislich kleinere Nutztiere wie Schafe und Ziegen reissen können, ist es folgerichtig, dass diese Schäden entschädigt werden und das Herdenschutzprogramm des Bundes auch zur Vermeidung von Schäden durch Goldschakale zur Anwendungen kommen kann.