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Das Geschlecht der Seele - Transmenschen in der Schweiz
E2 • Mann - Frau - Mensch
Dokumentation
2018
Schätzungen zufolge leben an die 40 000 Transmenschen in der Schweiz. Davon haben aber längst nicht alle eine Hormontherapie, eine Namensänderung oder eine geschlechtsangleichende Operation hinter sich. Diesen Schritt haben hierzulande nur ein paar Tausende vollzogen.
Transmenschen fühlen sich nicht dem Geschlecht zugehörig, dem sie bei der Geburt zugeordnet wurden. Sie identifizieren sich aber entweder als das andere Geschlecht, als zwischen den Geschlechtern oder als ein bisschen von allem. Transmenschen sind überzeugt: Was zur Identität zählt, ist die Seele. Nicht der Körper.
Nico Gaspari, 43, ist ein Transmann. Er wurde bei der Geburt dem weiblichen Geschlecht zugeordnet und spritzt sich seit 16 Jahren regelmässig Testosteron. Er trägt einen dichten Bart und hat eine tiefe Stimme. Nico liess sich damals seine Brüste, die Gebärmutter und die Eierstöcke entfernen. Heute arbeitet er als Pflegefachkraft in einem Altersheim. Von seiner Transidentität wussten seine Mitarbeitenden lange nichts. Er wollte dies am Arbeitsplatz nicht zum Thema machen. Rechtlich gesehen ist Nico Gaspari dazu nicht verpflichtet. Und rein äusserlich weist nichts darauf hin.
Transfrauen haben es diesbezüglich oft schwerer: Caroline Schürch, 55, ist in einem biologisch männlichen Körper geboren. Sie ist gross gewachsen, mit breiten Schultern und einer tiefen Stimme. Daran ändern auch die Hormone nichts, die sie seit ein paar Jahren einnimmt. Früher war sie verheiratet und Vater dreier Kinder. Mit der Transition brach die Familie auseinander und Caroline verlor ihre Arbeit. Seither ist sie auf Stellensuche.
Eine vom Transgender Network Switzerland durchgeführte Befragung aus dem Jahre 2012 zeigt Erschreckendes: Während der Transition, dem Übergang vom Leben als Mann zu jenem als Frau oder umgekehrt, verlieren viele ihre Arbeitsstelle. Die Suizidrate ist bei Transmenschen 40-mal höher als im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung.
Blickt man Simon und Renja Kägi, 22, in die Augen, sieht man einen Bruder und eine Schwester, die sich sehr ähnlich sehen. Was kaum jemand vermutet: Die beiden wurden als eineiige Zwillingsschwestern geboren. Noch heute kann sich Simon an den Ekel erinnern, den er damals als junges Mädchen vor sich selbst hatte: vor den eigenen Brüsten, der Menstruation. In der Schule wurde Simon oft gehänselt, weil er seine Beine nicht rasieren wollte. Noch heute sieht sich Simon als Einzelgänger. Doch er fühlt sich glücklich. Seine männliche Identität gibt ihm Kraft, Schutz und Selbstsicherheit.
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