Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03188.jsonl.gz/1927

Lead
Die Annahme, dass wir ein literarisches Werk aufgrund seiner ästhetischen Eigenschaften schätzen scheint ebenso plausibel zu sein wie die Annahme, dass wir von Literatur etwas lernen können. Das Projekt gibt eine Antwort auf die Frage, wie beides miteinander zusammenhängt.
Lay summary
Wenn wir davon ausgehen, dass wir Literatur zumindest teilweise aufgrund von ästhetischen Eigenschaften schätzen und dass wir ausserdem von Literatur lernen können, dann stellt sich die Frage, inwiefern beides miteinander zusammenhängt. Eine weit verbreitete These besagt, dass die Tatsache, dass wir von Literatur lernen können, wesentlich zum künstlerischen Gehalt von Literatur und damit zu unserer ästhetischen Erfahrung beiträgt. In diesem Projekt wird die entgegengesetzte Erklärungsrichtung untersucht und verteidigt. Die Hauptthese des Projekts besagt, dass die ästhetischen Eigenschaften eines literarischen Werkes wesentlich dazu beitragen, dass wir Wissen von Literatur gewinnen können. Die Idee ist, dass ästhetische Erfahrungen beim Lesen es uns ermöglichen, bestimmte Arten von Vorstellungen zu haben. Diese Vorstellungen wiederum ermöglichen es uns, gewisse Dinge von einem literarischen Werk zu lernen. Zum Beispiel, so besagt die These, können wir uns dank der ästhetischen Qualitäten eines Werks vorstellen, wie es ist, sich in einer bestimmten Situation zu befinden. Diese Vorstellung wiederum kann dazu führen, dass wir lernen, wie es wäre, sich in einer solchen Situation zu befinden. Gegenstand der Untersuchungen wird einerseits sein, welche Arten von Vorstellungen durch ästhetische Erfahrung ermöglicht wird und andererseits, welche Arten von Wissen wir auf diese Weise von Literatur gewinnen können.