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1977 veröffentlicht der 1947 in Payerne geborene Schriftsteller Etienne Barilier den Roman Le Chien Tristan, in dem sich die Geschichte eines zweifachen Mordes am Schweizerischen Institut in Rom mit allgemeinen Gedanken über die Kunst, die Suche nach der Schönheit und die Ästhetik verbindet. Vom Elan der Musik der deutschen Romantik erfasst, fühlen sich die Doktoranden im Institut so sehr den grossen Komponisten verbunden, dass sie schliesslich deren Identität übernehmen. In einer Intrige voller überraschender Wendungen, die vom Hund Tristan aufmerksam registriert werden, suchen Schumann, Wagner und Liszt in ihrer usurpierten künstlerischen Existenz erfolglos nach der Liebe, in der sich der tiefere Sinn ihres Daseins bestätigen würde.
Etienne Barilier verfasst den Roman während seines Aufenthalts am Schweizerischen Institut in Rom zwischen 1973 und 1975, wo er gleichzeitig seine Dissertation über Albert Camus beendet. Die 1946 von der Gräfin Carolina Marini-Sommaruga der Eidgenossenschaft vermachte Liegenschaft ist die wichtigste Kulisse des Romans; das Institut wird als „Mauerwerk“ beschrieben, das in der ewigen Stadt die gleiche Stellung einnimmt wie die Schweiz in Europa:
Umgeben von Meisterwerken, ist es selbst nicht unbedingt ein Meisterwerk. Errichtet auf einem alleinstehenden Hügel, gekrönt von einem Turm, dessen Höhe nur noch von der Kuppel von Sankt Peter überragt wird, ist es die Frucht der Liebe eines Tessiner Industriellen zu Runkelrüben. Wie im Fall vieler anderer junger Künstler erweist sich der Aufenthalt Bariliers am Schweizerischen Institut in Rom trotzdem als bereichernde Erfahrung, die nicht ohne Folgen für seinen literarischen Werdegang bleibt.
1976 erhält der Autor erstmals einen Werkauftrag von Pro Helvetia, der ihm das Verfassen des Romans Journal d’une morte. 1978 berücksichtigt ihn die Kulturstiftung für eine Vortragsreise nach Grossbritannien und Irland, die dem Platz der schweizerischen Literatur in Europa gewidmet ist. Diese Initiative ist Teil einer regelmässigen Zusammenarbeit zwischen der Botschaft in London und Pro Helvetia zur Verstärkung der kulturellen Präsenz der Schweiz auf den britischen Inseln.
1982 setzt sich Etienne Bariliers Karriere als „Kulturbotschafter“ in Brasilien und Argentinien fort, und 1986 stellt er die Schweizer Literatur in Spanien vor. 1990 schliesslich nimmt der Autor am Swiss writer-in-residence-Programm in Los Angeles teil, ein Aufenthalt, der 1994 im Roman Un rêve californien ein gewisses Echo findet.
Trotz der regelmässigen Beteiligung Bariliers an Projekten der Schweizer Kulturpolitik im Ausland sind die Vorträge des Autors in den leitenden Organen von Pro Helvetia nicht unumstritten. Als Autor bedeutender Werke über den französischen Schriftsteller Albert Camus und den österreichischen Komponisten Alban Berg behandelt Barilier im Ausland oft Themen, die keinen direkten Bezug zur Schweiz aufweisen. Obschon es sich die Kulturstiftung seit den 1960er Jahren zum Ziel gesetzt hat, zum Austausch und zum Dialog beizutragen, bleibt die nationale Zugehörigkeit weiterhin eine wichtige Referenz in ihrer Politik. 1982 lehnt es Pro Helvetia beispielsweise ab, eine englische Übersetzung des Werks von Barilier über Alban Berg zu finanzieren, weil dieses kein Schweizer Thema behandelt. (tk)
Archivbestände
SLA, Nachlass Etienne Barilier
Literaturhinweise
Etienne Barilier, Quarto, Zeitschrift des Schweizerischen Literaturarchivs Nr. 24, 2007