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Topologie als Textologie und Raum und Zeit als variable Formen. Felix Hausdorffs Schöpfungen zwischen Mathematik und Philosophie. Begonnen 2020 im Rahmen der Internationalen Nietzsche-forschungsgruppe Stuttgart.
Paradox und Ausdruck in Spinozas Ethik. Dissertation bei Prof. Dr. Michael Hampe (ETH Zürich), verteidigt am 15. 07. 2019
Das Projekt geht von der Frage nach dem Verhältnis von Metaphysik und Ethik bei Spinoza aus. Einerseits ist die im ersten Teil seiner Ethica dargelegte Metaphysik Grundlage und Rahmen für „ethische“ Überlegungen in nachfolgenden Teilen. Andererseits aber ist, so die erste These, diese Metaphysik bereits in ethischen Hinsichten angelegt. Methodisch wird dies hier durch einen problemgeschichtlichen Zugang aufgewiesen, der Konzepte als Antworten auf bestimmte Problemlagen versteht. So erfolgt etwa die Definition des Gottesbegriffs vor dem Hintergrund des Problems der anthropomorphen Gottesvorstellungen und den damit verbundenen dogmatisch-religiösen Machtansprüchen. So erweisen sich Metaphysik und Ethik als zirkulär.
Spinoza löst die metaphysischen und theologischen Probleme um den Substanz- und Gottesbegriff derart „konsequent“, dass in der Folge eine Reihe von Paradoxa auftritt, in denen traditionelle Unterscheidungen wie Substanz-Gott, Gott-Natur, Allgemeines-Besonderes, Ewigkeit-Zeitlichkeit, Ganzes-Teil, Freiheit-Notwendigkeit kollabieren. Ein Beispiel ist das Paradox der Individuation im Begriff des conatus (Streben), sofern dasjenige, was ein Körper ist, nicht mehr durch Substanzialität, sondern durch Bewegungsverhältnisse bestimmt wird, diese Bewegungen aber von anderen Körpern herrühren.
Diese Zirkularitäten und Paradoxien sind im ursprünglichen Begriff der causa sui, der allerersten Definition der Ethica, angelegt. Denn eine Wirkung, die selber ihre Ursache ist, ist zugleich von ihr unterschieden und nicht unterschieden. Nun lassen sich Paradoxien, die hier als Symptome eines Kollapses gedeutet werden, durch das Treffen neuer Unterscheidungen entparadoxieren. Die Termini dieser neuen Unterscheidungen können dann, so die weitere These, durch die Ausdrucksrelation bzw. Expression aufeinander bezogen werden.
Diese Paradoxien werden auch in die praktischen Begriffe wie Wille, Handlung und Freiheit hineingetragen, die ihrerseits auf bestimmte Probleme (etwa die Teleologie oder die Wirksamkeit von Finalursachen) antworten. Und auch sie können in bestimmten Hinsichten entparadoxiert werden. Einer Ethik nach Spinoza, so die dritte These, kann es vor diesem Hintergrund nicht um die Herleitung universalistischer Normen gehen. Sie ist im Gegenteil eine Kritik an der Vorstellung, menschliches Handeln könne überhaupt durch vorgegebene Ziele und vorgesetzte Regeln bestimmt werden. Vielmehr geht es um prozessuale Transformationen von Individuen im Durchgang durch ein paradoxiertes Denken.