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Der Name Paul Weier ist untrennbar mit dem Pferdesport verbunden. Als Olympiareiter, Parcoursbauer, Ausbildner und Berater hat er tiefe Spuren hinterlassen. Er war der erste Schweizer, der die Grossen Preise in Aachen und Rom gewann und bis heute der Einzige, der Schweizer Meister in allen drei olympischen Disziplinen wurde. Heute Mittwoch, den 3. Dezember, feiert er bei bester Gesundheit seinen 80. Geburtstag.
Der frühere Kavallerie-Offizier aus dem zürcherischen Elgg war nicht nur ein exzellenter Reiter und in allen Sätteln zu Hause, er ist auch heute noch mit seinen 80 Jahren ein weltweit angesehener Experte und geschätzter Berater in den verschiedensten Bereichen des Pferdewesens. Es gibt kaum ein Metier, das er nicht aus eigener Erfahrung kennt. Sei es als Reitlehrer, Trainer, Coach, Parcoursbauer, Steward, Organisator und Pferdeausbilder. Selbst für die Gründung der Reitermusik Elgg, die er während Jahrzehnten kommandierte, war er verantwortlich.
In Reiterkreisen war der Name Weier aber schon vor Pauls grossen sportlichen Erfolgen ein Begriff. Sein Vater Ernst war Landwirt und ein angesehener Pferdehändler, der aus ganz Europa Vierbeiner importierte. Zu seinen Kunden zählte auch sein Freund Fredy Knie senior. In den Elgger Stallungen standen jeweils bis über 120 Reit- und Fahrpferde.
Seine Mutter Maria ritt als eine der ersten Frauen der Schweiz Pferderennen und wechselte später zum Dressursport. Sie arbeitete mit renommierten Trainern wie Oskar Frank, dem damaligen Chefreitlehrer der Eidgenössischen Militärpferdeanstalt EMPFA, zusammen und gewann zwei Mal die Schweizer Meisterschaft. In den 50er- und 60er-Jahren machte sie Elgg zum Zentrum des Dressursports. Maria Weier wurde auch zu einer prägenden Figur in der Ausbildung ihres Sohnes. Parallel und später profitierte er auch von den berühmten Lehrmeistern Fred Roschmann, Waldemar Seunig und Agoston Endrödy. Der ehemalige Kommandant der Kavallerieschule in Budapest weilte von 1949 bis 1952 in Elgg. Danach zog er ins englische Badminton, wo er die Geländestrecke baute. Endrödy machte sich auch einen Namen als Autor. Nach Meinung von Paul Weier gehört sein Buch «Give your horse a chance» in die Bibliothek eines jeden Reiters.
GP-Siege in Rom und Aachen
Paul Weier genoss eine vielseitige Ausbildung, die ihn zum Spitzenreiter in allen drei olympischen Pferdesportdisziplinen machte. Zwischen 1956 und 1975 sammelte er nicht weniger als die Rekordzahl von 15 nationalen Meistertiteln. Sechs Mal gewann er das Championat im Springen, zwei Mal in der Dressur und sieben Mal im Concours Complet. Eine einmalige Bilanz, die bis heute kein anderer Reiter vorweisen kann.
Monica und Paul Weier 1970 in Aachen.
Paul Weier gewann mit Junker den Grossen Preis von Rom (ITA).
Während dieser Zeit lancierte er auch seine internationale Karriere im Springsattel. Er bestritt vier Olympische Spiele. In Rom 1960, Tokio 1964, Mexiko 1968 und München 1972 zählte er zur Schweizer Equipe. Geschichte schrieb er auch, als er 1966 mit Junker und 1973 im Fink als erster Schweizer die Grossen Preise von Rom und Aachen gewann. Ebenfalls als erster Eidgenosse eroberte er 1971 in Aachen im Sattel von Wulf mit Bronze eine Einzelmedaille bei Europameisterschaften. Vier Jahre später in München erweiterte er die Sammlung der ungezählten Auszeichnungen mit Teamsilber. Eine Goldmedaille fehlte nur, weil die Europameisterschaften 1966 in Luzern offen ausgetragen wurden und Weier hinter drei Süd- und Nordamerikanern als bester Europäer den vierten Rang erzielte.
Parcoursbauer und Stewarding
Schon während seiner Aktivkarriere als Reiter startete der Elgger seine Laufbahn als Parcoursbauer. Seine Begabung beschränkte sich nicht lange auf Tätigkeiten an nationalen Turnieren. Schon bald standen die von ihm konstruierten Kurse an grossen internationalen Veranstaltungen. Paul Weier war bei drei Weltcupfinals und vier Europameisterschaften für die Konstruktion der Hindernisbahnen verantwortlich. Der Parcoursbau wurde zu seiner zweiten Leidenschaft, die zu unzähligen Verpflichtungen auf 125 Plätzen in 42 Ländern führte. «Es war eine faszinierende Aufgabe, immer wieder neue Kurse zu bauen, die Pferde zu fordern, aber nicht zu überfordern», meint Paul Weier rückblickend. Er übernahm auch jahrelang die Verantwortung auf nationaler und internationaler Ebene für die Ausbildung in dieser Sparte.
Paul Weier – der anerkannte Parcourschef.
1988 beschloss die FEI im Vorfeld der Olympischen Spiele in Seoul die Einführung des Stewardings. Die damalige Präsidentin Prinzessin Anne beauftragte Paul Weier mit der Ausarbeitung eines Reglements. Dieses hat bis heute Gültigkeit und die Aufgabe als Chief Steward führte ihn weiterhin an die weltweit wichtigsten Pferdesportevents.
Ausbildner und Reitsportzentrum
Vielseitigkeit ist und war eine der grossen Stärken des Pferdemannes. Polyvalenz prägte auch seine Ausbildungsphilosophie. Diese Eigenschaft forderte er stets von seinen Pferden und auch von seinen Schülern. Vielseitig war auch seine berufliche Ausbildung. Nach der Matura studierte er mehrere Semester Veterinärmedizin und später auch noch Rechtswissenschaft. Das Studium führte er nicht zu Ende, denn nach einem Herzinfarkt des EMPFA-Kommandanten wurde er nach Bern gerufen und stieg innerhalb von nur zwei Jahren zum Reitlehrer I auf. Elf Jahre dauerte diese Tätigkeit. 1968 nach den Olympischen Spielen in Mexiko kehrte er nach Hause zurück und übernahm das elterliche Gasthaus Löwen und später den Reitbetrieb seines Bruders Ernst.
1971 heiratete der am 3. Dezember 1934 geborene Paul Weier die ebenfalls erfolgreiche internationale Spitzenreiterin Monica Bachmann. In diese Zeit fiel der Neubau einer weiteren Reithalle mit zusätzlich 55 Boxen. Elgg war damit definitiv zu einem der wichtigsten Reitsportzentren der Schweiz geworden. Nebst der Ausbildung von Reitschülern auf allen Stufen fanden regelmässig Kadertrainings, internationale Lehrgänge und bedeutende Reitsportanlässe in den drei olympischen Disziplinen auf der Anlage statt.
Die ausgezeichnete Infrastruktur stand während fast 30 Jahren auch für die Kurse und Schlussprüfungen der eidgenössisch diplomierten Reitlehrer zur Verfügung. Weier hatte wesentlichen Einfluss und Anteil an dem seit 1966 staatlich anerkannten Berufsbild.
Weltweit gefragt
Den Ruhestand kennt der Elgger trotz seines Alters und dem Verkauf des «Löwen» und der Verpachtung des Reitsportzentrums immer noch nicht. Angetrieben von der Motivation, den Pferdesport weiterzubringen, reist er nach wie vor um die ganze Welt. Besonders viele Mandate hat er derzeit in Asien. Seine Dienste sind aber auch in Mexiko, Südafrika und im arabischen Raum gefragt. Seine Reisen führen ihn regelmässig von Ägypten über China, Korea bis nach Japan. Den Gedanken des Horsemanships hat er tief in sich verinnerlicht. «Die Pferde haben mir so viel gegeben, da möchte ich etwas zurückgeben», begründet er sein unermüdliches Schaffen.
Heute feiert der renommierte Pferdemann bei bester Gesundheit und Verfassung – natürlich im Ausland – seinen 80. Geburtstag.
Paul Weier (l.) als Co-Kommentator des legendären TV-Mannes Hans Jucker am CSI Zürich.
Paukist und Kommandant der Reitermusik Elgg.
(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 48/2014)
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