Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03359.jsonl.gz/1314

Die Magen Bypass Operation ist ein fester anerkannter Bestandteil in der Therapie der schweren Adipositas. Mittlerweilen ist Adipositas als Erkrankung anerkannt. Diese hormonelle Erkrankung kann in den meisten Fällen nicht auf konservativen Weg behandelt werden. Das Potential der Operation in der Therapie von Diabetes mellitus Typ 2, aber auch Typ 1, Schlafapnoe, Hyperlipidämie, Niereninsuffizienz und andere Erkrankungen, wird unterschätzt. Neue Guidelines empfehlen eine Operation bei Diabetes mellitus Typ 2 ab einem BMI von 30 kg / m2. Die Mortalitätsrate an kardiovaskulären Erkrankungen und an Karzinomen kann durch eine Operation erheblich gesenkt werden.
50jähriger, männlicher Patient stationär aufgenommen zur Amputation des Vorfusses nach bereits mehrfachen Amputationen von Zehen und Os metatrasale. Indikation : Chronischer Infekt des Fusses (Abbildung 1), welcher nicht abheilt. Co-Morbiditäten: Inslinpflichtiger Diabetes mellitus Typ 2, Adipositas mit BMI 42,9 kg / m2 (150 kg / 1,87 m), obstruktive Schlafapnoe unter CPAP Therapie, Hyperlipidämie, dies alles trotz intensiver Therapie und hoch motiviertem Patienten. Nach interdisziplinärer Besprechung erfolgte die Durchführung einer Sleeve resection anstatt einer Amputation. Eine Amputation konnte abgewendet werden und der Infekt heilte ab (Abbildung 2), auch zwei Jahre später keine Infekte am Fuss, die Co-Morbiditäten inklusive dem Diabetes mellitus Typ 2 verbesserten sich erheblich (Tabelle 1).
Für einen Chirurgen, welcher aktiv ist in der metabolischen Chirurgie, ist die Reduktion des Übergewichtes nur ein Teil des Therapiezieles. Wichtig ist auch die Behandlung der Co-Morbiditäten, welche direkt oder indirekt mit der Adipositas zusammenhängen.
Aus den Erkenntnissen der bariatrischen Chirurgie hat sich ein komplett neues Konzept ergeben zur Therapie des Diabetes mellitus Typ 2. Am 2nd Surgery Summit (DSS-II) 2015 sind neue Guidelines1 zur Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 durch Diabetologen und metabolische Chirurgen verschiedener Gesellschaften beschlossen worden. Eine Operation ist somit ein Bestandteil der Therapie ab einem BMI von 30 kg / m2. Der wissenschaftliche Nachweis der Überlegenheit der Chirurgie in der Kontrolle des Diabetes und gar der Remission ist eindeutig.
Eine Metaanalyse von 19 Studien an 4070 Patienten zeigt eine Remission des Diabetes mellitus Typ 2 von 78 % nach Chirurgie.2 Remission ist definiert als normaler HbA1c ohne jegliche Medikamente. In der Swedisch Obesity Study (SOS) lag die Remissionsrate bei 72 % nach 2 Jahren und bei 36 % nach 10 Jahren.3 Eine Remission nach metabolischer Chirurgie hält nicht unbedingt ein Leben lang an, somit ist eine erneute medikamentöse Therapie nach gastric bypass Operation im Durchschnitt nach 8,3 Jahre wieder notwendig.4 Dieses Intervall kann dennoch einen positiven Langzeiteffekt haben. Diesen memory effect zu untersuchen ist Teil laufender Studien.
Für die Überlebenszeit sind auch andere kardiovaskuläre Erkrankungen ausschlaggebend. Eine Metaanalyse von 73 Studien an 19543 Patienten zeigte nach einem follow-up von 57,8 Monaten eine Reduktion des Übergewichtes um 54 %, Remission oder Verbesserung des Hypertonus in 63 %, Remission des DM2 in 73 %, und 65 % der Hyperlipidämie.5 Die STAMPEDE Studie zeigt eine signifikante Verbesserung der Albuminurie und der Nierenfunktion.6 All diese Daten waren einigen Kritikern am 1nd Surgery Summit (DSS-II) in Rom 2007 nicht ausreichend.
Zwischenzeitlich haben nun 11 randomisierte kontrollierte Studien7 im Vergleich zwischen Chirurgie (verschiedenen Verfahren) und der besten mögliche konservative Therapie die Ergebnisse bestätigt und zu der Einigung am 2nd Surgery Summit (DSS-II) 2015 in London geführt. Exemplarisch zeigt Migrone8,9 in seiner Studie nach 60 Monaten eine Remission des Diabetes mellitus Typ 2 (HbA1c < 6,5 % ohne Medikamente) nach Gastric bypass von 42 % und nach Biliopancreatischer Diversion von 68 %. Die Kontrollgruppe erreichte eine Remissionsrate von 0 %. Die Erfolgsrate der Remission ist aber sehr abhängig von der Dauer des bereits bestehenden Diabetes mellitus. Eine späte Zuweisung zur Operation hat schlechtere Ergebnisse.6,9
Aus statistischen Gründen können diese Studien keine Aussage machen bezüglich der verlängerten Überlebenszeit aufgrund von kardiovaskulären Ereignissen. In früheren Beobachtungsstudien ist der Effekt der Chirurgie bezüglich Mortalitätsrate bereits nachgewiesen. Nach 7,1 Jahren ist die Mortalität an Kardiovaskulären Ereignissen um 56 % und Mortalität an Karzinomen um 60 % gesenkt.10 Die Mortalität lag nach 5 Jahren aufgrund aller möglichen Ursachen bei Menschen mit Morbider Adipositas in Kanada bei 6.17 %, im gleichen Zeitraum von 5 Jahren lag die Mortalitätsrate der bariatrisch / metabolisch operierten Patienten bei 0.68 %.11 Aber nicht nur die Verbesserung der Mortalitätsrate aber auch Besserung von Co-Morbiditäten, wie das Abwenden von Amputationen von Beinen, ist eine tägliche Erfahrung in Nachkontrollen in unseren Adipositaszentren.
Das Potential der bariatrischen oder besser der metabolischen Chirurgie wird unterschätzt. Der Fokus auf das Gewicht allein wird den therapeutischen Möglichkeiten der Operation nicht gerecht. Insbesondere der Diabetes mellitus Typ 2 kann durch eine Operation auch langfristig in Remission gebracht werden, ein Therapieziel, welche konservative Therapie kaum erzielen kann. Somit liegt die Empfehlung vor einen metabolischen Eingriff ab einem BMI von 30 kg / m2 bei Diabetes mellitus Typ 2 zu überlegen oder gar primär zu empfehlen.