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In Pocahontas 2 setzt Klaus Theweleit die Geschichte der Königstöchter fort. Nach Pocahontas, der Algonkin-Indianerin, die dem europäischen Eroberer John Smith anvertraut und von ihm getraut wurde, geht es dieses Mal um Medea, Kleopatra, Dido und La Malinche. Aber eigentlich geht es noch um viel mehr.
Die Kunstgeschichte der Kolonisation zum Beispiel. Wie kein anderer schafft es Klaus Theweleit zum Beispiel in seinem Kapitel "Aztekengold und Frauenschoss" Zusammenhänge herauszuarbeiten, die so noch nicht gedacht wurden. Während sich nämlich europäische Fürsten und Imperatoren ihre Tizians mit Themen zur griechischen Antike in ihre Paläste hängten, passierte deren Inhalt gerade in einer der Kolonien: ein Polizeipräfekt von Mexiko-Stadt, der sich einer weitgehend entkleideten aztekischen Kazikentochter ebenso annähert, wie Zeus als nackter Stier sich der schlafenden Europa präsentierte. Die "mediale Frau", wie sie KT schon in Pocahontas 1 beschrieb, funktioniert dabei als "technische Verlängerung". "Jede hingestreckte Frau dieser Bilder, Königstochter, ist wie ein erobertes Stück Land", so Theweleit und präziser noch: "Das antike Mythos-Modell der Landnahme über Königstöchter überträgt sich in der Renaissance voll auf die Landnahme über `Häuptlingstöchter'; dargestellt über den Körper von Renaissance-Models, die – in der Bibelbenennung – die Namen antiker Königstöchter tragen, die von superben griechischen Göttern, Zeus, Poseidon, Apoll mit Nachwuchs versehen werden; (…)". Klaus Theweleit hat einen ebenfalls sehr spannenden Teil vorliegender Ausgabe auch dem Verhältnis zwischen Hernán Cortés und La Malinche gewidmet, die einerseits als Verräterin an ihrer Kultur verunglimpft wird, andererseits aber auch für ihre bewusste Entscheidung gegen ihre eigene Unterwerfung ihrer Kultur gegenüber, sich als Frau emanzipierte und so bis heute gefeiert wird.
Somit geht es also auch um den "Gebrauchswert der Bilder" (ein marxistischer Ansatz eigentlich), der über den bloßen Tauschwert hinausgeht. Denn die Bilder waren manifestierte Herrschaftsideologie, deren praktische Seite stets die Gewalt war. Die Schönheit der Bilder enthalte dabei die Gewalt, die sie verdecken soll. Gleichzeitig zeigen sie aber auch einen Teil der Gewalt, der ihre kulturellen Errungenschaften zugrunde liegen. Der gute Künstler würde diese Gewalt aber in Schönheit umwandeln, während Kitsch nichts anderes als unbeholfener und ungeschickter Umgang mit der Gewalt in den Dingen sei, die dann durchscheine und deswegen übertüncht werden müsse, meist geschieht dies mit untauglichen Mitteln. Der echte Künstler hingegen leide, wenn er stellvertretend für tausende gekreuzigte oder ermordete Indios, auf seinem Bild Jesus ans Kreuz nagelt.
Klaus Theweleit hat mit Pocahontas 2 ein weiteres faszinierendes Werk geschaffen, das, reich bebildert (diesmal sogar in Farbe!) neue Aufschlüsse über die weltweiten kolonialen Zusammenhänge gibt und dabei die griechische Mythologie als Blaupause für die spätere Landnahme der Kolonialherren charakterisiert. Aber dies gelingt ihm – in einer lässigen, alltagstauglichen und oft saloppen Ausdrucksweise voller Referenzen an die Popkultur des 20. Jahrhunderts – vortrefflich und überzeugend.