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Die russische Avantgardekünstlerin Alexandra Exter (1882–1949) fasste ihre Marionetten für einen Film als bewegliche Skulpturen auf. Die Kontraste in der strukturellen Beschaffenheit der Oberflächen zielten auf ästhetische Reize ab, während die beweglichen Metallteile im Licht kinetische Effekte erzeugen sollten.
Die Handlung des nicht realisierten Films des Dänen Peter Urban Gad war wechselweise im Venedig des 17. Jahrhunderts und im New York der 1920er-Jahre angesiedelt. Alexandra Exter erhielt den Auftrag für ursprünglich 40 Marionetten als erfolgreiche Malerin des Kubofuturismus und erfahrene Bühnen- und Kostümdesignerin. Nach langen Jahren des Pendelns zwischen den Kulturen liess sie sich 1924 definitiv in Paris nieder, wo sie in Fernand Légers Akademie für moderne Kunst unterrichtete. Die acht im Museum für Gestaltung Zürich vorhandenen Charaktere stehen in der Tradition der Commedia dell’Arte und zeichnen sich durch groteske Helme sowie tiefschwarze Gesichtsmasken aus, wie sie Exter in den Karnevalsszenen des venezianischen Malers Pietro Longhi fand – daher leitet sich auch der Name der Figuren ab. Die Puppenspielerin Nechama Szmuszkowicz (1895–1977) setzte Exters Entwürfe unter Verwendung alltäglicher Materialien in dreidimensionale Figuren um. Die Gelenke überbrückte sie in grösstmöglicher Beweglichkeit mit Kugeln und textilen Verbindungen, beabsichtigte Exter doch ein gesteigertes kinetisches Erlebnis durch die Kombination geplanter Bewegungsimpulse durch den Puppenspieler und die zufälligen Bewegungen der frei hängenden Elemente. In ihren Marionetten manifestiert sich zudem die Lust am Experimentieren mit Farbe, Volumen und Licht, während ihr das schlichte Nacheifern einer Illusion der Realität gänzlich abging. (Sabine Flaschberger)