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Ich lache also bin ich: Subjektives Wohlbefinden und Humor
Wo Menschen involviert sind, ist auch eine psychologische Studie nicht weit. Amjad und Dasti untersuchten (2020) genau das, was die Überschrift verspricht: Die Beziehung zwischen unterschiedlichen Humorstilen, Emotionsregulation und subjektivem Wohlbefinden bei jungen Erwachsenen.
Humor umfasst mehr Facetten als das Lachen über einen Witz oder uns geläufige Methoden des Humorvollen wie beispielsweise ironische Aussagen. In der Literatur ist Humor ein Sammelbegriff für alle Phänomene des Komischen. Wie genau untersucht die Psychologie etwas so schwierig Greifbares (in der Wissenschaft: latentes Konstrukt) wie Humor und Wohlbefinden?
In der wissenschaftlichen Psychologie wird insbesondere auf Fragebögen oder Tests zurückgegriffen. Diese Verfahren dienen der Erhebung von verschiedenen Konstrukten, in unserem Beispiel Humor und Wohlbefinden: Welchen Humorstil verwenden Personen und wie schätzen sie ihre allgemeine Lebenszufriedenheit ein?
Amjad und Dasti haben in ihrer Untersuchung insgesamt vier Fragebögen verwendet, um verschiedene Aspekte zu erfassen. Erstens wurde der Humorstil der Teilnehmenden analysiert, um herauszufinden, wie sie Humor in ihrem alltäglichen Leben nutzen. Zweitens wurden allgemeine Coping-Strategien erfasst: Wie „denkt“ jemand über positive/negative Erfahrungen? Eine Coping-Strategie ist zum Beispiel die persönliche (Um-)Bewertung von herausfordernden Lebensumständen. Drittens wurde die allgemeine Lebenszufriedenheit der Teilnehmenden gemessen. Dabei geht es um das Vorhandensein positiver und die Abwesenheit negativer Emotionen im Gesamten, nicht nur um die Zufriedenheit in einem bestimmten Bereich (zum Beispiel Finanzen, Beziehungen). Und schließlich wurden die unterschiedlichen Empfindungen und Gefühle einer Person (positiver und negativer Affekt) als Bestandteil der individuellen Persönlichkeit erhoben.
Das Ziel ihrer Auswertung ist die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Konstrukten zu untersuchen und zu sehen, ob ein signifikanter Zusammenhang zwischen einem bestimmten Humorstil, einer Coping-Strategie und des Wohlbefindens existiert. Signifikant ist ein Ergebnis dann, wenn die Ergebnisse überzufällig häufig in Kombination miteinander auftreten. Dazu haben die Forschenden im Vorfeld Vermutungen aufgestellt (Hypothesen) und können diese nach der Analyse verwerfen oder beibehalten. Plakativ gesagt: Entscheiden, ob sie recht hatten oder nicht.
Eine der Hypothesen: Ein Humorstil, der sich entsprechenden Situation anpassen kann (zum Beispiel über sich selbst lachen können), weist einen positiven Zusammenhang mit dem subjektiven Wohlbefinden auf, wohingegen sich ein destruktiver Humorstil (aggressiv, selbst-vernichtend) negativ auf das subjektive Wohlbefinden auswirkt. Anders ausgedrückt: Je eher sich Personen einen auf die Situation angepassten Humorstil bedienen, desto höher ist das selbstberichtete Wohlbefinden. Ein destruktiver Humorstil führt jedoch eher zu niedrigeren Werten des Wohlbefindens. Diese Hypothese konnte bestätigt werden. Aber wie kommen wir zu diesem Ergebnis?
Mittels multivariater Modelle, welche die Zusammenhänge zwischen allen untersuchten Konstrukten darstellen. In multivariaten Modellen werden die einzelnen Fragen zu Konstrukten zusammengefasst und die Beziehungen zueinander dargestellt. Aber Vorsicht: Ein bestimmter Humorstil ist nicht zwingend für einen bestimmten Wert im Wohlbefinden verantwortlich. Vielleicht ist auch umgekehrt und ein hohes Wohlbefinden ist dafür verantwortlich, dass Personen über sich lachen können. Bei einem signifikanten Ergebnis besteht eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass beide Phänomene miteinander zusammenhängen.
Was bedeutet das für uns? Auch wenn die Wirkrichtung nicht abschließend geklärt ist: Ein positiver Humorstil kann bei der Bewältigung von Stress im Alltag nicht schaden. Mit zynischem Sarkasmus gewinnt man ohnehin selten Freundschaften. Über sich selbst lachen zu können (positiv) sollte nicht dazu dienen, eine Situation ins lächerliche (negativ) zu ziehen. Humor bedeutet nicht, eine Situation nicht ernst zu nehmen. Ein humorvoller Perspektivwechsel hilft auch, die Situation in einem anderen Licht zu sehen oder gar eine „neutrale“ Situation zu einer mit positiven Gefühlen zu wandeln. Damit ist Humor eine sinnvolle Strategie, Emotionen zu regulieren.
Amjad, A., & Dasti, R. (2022). Humor styles, emotion regulation and subjective well-being in young adults. Current Psychology, 41(9), 6326–6335. https://doi.org/10.1007/s12144-020-01127-y
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