Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03337.jsonl.gz/831

Etwa Mitte März verlassen die ersten Männchen ihre Winterquartiere und setzen sich der Sonne aus. Etwa zwei Wochen später folgen die Weibchen. Die Smaragdeidechse ist tagaktiv und in ihrem Aktivitätsrhythmus stark temperaturabhängig.
Während den heissesten Tagen ist sie nur morgens aktiv, oft noch vor den Mauereidechsen, mit einem Maximum zwischen 9 und 11 Uhr. Am Nachmittag bleibt die Aktivität eingeschränkt. Die Art bewegt sich bevorzugt am Boden, klettert bei kühler Witterung zum Sonnenbaden aber auch auf niedere Zweige. Nach Sonnenuntergang beobachtet man sie nicht selten auf noch warmen Steinen. Die ausserhalb der Schlupfwinkel tolerierte Minimaltemperatur liegt bei 15 °C, der bevorzugte Bereich zwischen 32 und 33 °C. Die Winterquartiere werden etwa Mitte Oktober aufgesucht, zuerst von den Weibchen, gefolgt von den Männchen und den Jungtieren.
Smaragdeidechsen sind standorttreu und die Männchen verteidigen oft ein Territorium, das 200 bis 1'200 m2 umfassen kann. Im Wallis haben wir in optimalen Lebensräumen bis 45 ausgewachsene Tiere pro Hektare gezählt, was etwa 220 m2 pro Echse entspricht. Mit zwei Jahren sind die meisten Individuen geschlechtsreif. Die Fortpflanzungsperiode erstreckt sich vom April bis Mitte Juni. Die Männchen jagen sich geräuschvoll in der Vegetation. Ihre Balzkämpfe sind heftig. Der Sieger jagt den Verlierer oft über grössere Strecken. Auch unter den Weibchen existiert eine Hierarchie.
Der Beginn der Paarung ist ritualisiert: Das Männchen beisst das Weibchen in die Schwanzwurzel und anschliessend in die Flanken und hält es schliesslich mit den Vorderbeinen fest. Ein Männchen kann mehrere Weibchen befruchten, und letztere verpaaren sich ebenfalls mehrmals vor der Eiablage. Ein Weibchen kann jährlich zweimal Eier legen. Die erste Ablage findet meist Ende Mai, die zweite Ende Juni statt.
Die 5 bis 15 Eier werden wenig tief in lockeren Sand-, Lehm- oder Lössboden vergraben, oft am Abend oder sogar nachts. Je nach Wetterbedingungen schlüpfen die 3 bis 4.5 cm langen Jungtiere nach 50 bis 100 Tagen und fallen dann oft den Erwachsenen zum Opfer. Die Lebensdauer der Art beträgt 5 bis 15 Jahre.
Die Nahrung der Smaragdeidechse ist vielfältig, besteht aber im Wesentlichen aus Gliederfüsslern wie Käfern, Heuschrecken, Raupen, Asseln und Spinnen, ferner aus Schnecken mit dünnwandigen Häuschen und reifen Beeren, deren Saft die Tiere auflecken. Gelegentlich werden auch neugeborene Eidechsen und Mäuse verzehrt. Die Smaragdeidechse trinkt oft, in Form von Tautropfen oder im Sommer aus Wasserlöchern. Sie hat zahlreiche Feinde. Im Wallis haben wir Turmfalken beobachtet, die sich auf Eidechsenfang spezialisiert und die Tiere oft ans Nest gebracht haben. Um Genf und im Tessin macht vor allem die Zornnatter Jagd auf Smaragdeidechsen. Jungtiere werden von jungen Vipern gefressen. Im Siedlungsbereich ist die Hauskatze der Hauptfeind. Deren Geduld wird selbst mit den aufmerksamsten Individuen fertig.