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Zu Hunderttausenden kamen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts Einwanderer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in die USA. Sie alle waren auf der Suche nach einer neuen Heimat – und brachten ihre Sprache, ihre Kultur und ihre Musik mit.
Jodel-Tour durch 38 Bundesstaaten
Schweizer und Deutsche zog es in den Mittleren Westen, vor allem nach Wisconsin – «Swissconsin» wie der «deutscheste» aller Bundesstaaten auch gerne genannt wurde. Österreicher liessen sich in Chicago nieder und bildeten dort die grösste österreichische Gruppe im Ausland.
August 1927: Im Rice Lake Dance Pavilion in Wisconsin stehen die Scheidegger Seven in Berner Tracht auf der Bühne, vor einem grossen Bild der Alpen. Die Gruppe war zwei Jahre zuvor aus Huttwil (Kanton Bern) in die USA übergesiedelt, wo Vater Fritz Scheidegger und seine Töchter schon als «Flühjodler vom Emmental» aufgetreten sind.
In den USA tourten sie zwei Jahren durch 38 Bundesstaaten, spielten in New York und Chicago und nahmen mehrere Schellackplatten auf. Die Scheidegger Seven sind nur ein Beispiel einer lebendigen deutschsprachigen Musikszene in den USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Bekannt und gefragt für zünftige Feste
Neben zahlreichen eingewanderten Musikern gingen auch Künstler aus der alten Heimat in Übersee auf Tour. Auch wenn die Konzerte meist nur in deutschen und Schweizer Clubs stattfanden, war die deutschsprachige Musik doch ein wichtiger Teil des frühen amerikanischen Musikgeschäfts.
Die Deutschen, so werden in den USA alle Deutschsprechenden genannt, waren bekannt für ihre zünftigen Feste: für viel Bier, Tanz und Musik. So wurden sie gerne für Feste, Hochzeiten und andere Veranstaltungen angefragt.
Plattenfirmen erkannten Einwanderer als Kunden
Als die Aufnahmetechnik kommerziell nutzbar wurde, merkten die Plattenfirmen schnell, dass die Einwanderer eine grosse Zielgruppe waren – und damit eine zahlungskräftige Kundschaft. Die Columbia Phonograph Company reagierte bereits 1909. Sie schrieb ihren Handelsvertretern, dass sie auch die Immigranten beachten sollten, die «sich in der Sprache ihres Heimatlandes verständigen. Auf diese Leute üben Schallplatten in ihrer eigenen Sprache eine unwiderstehliche Attraktion aus und sie werden sie bereitwillig kaufen.»
Im Zeitraum von 1908 bis 1923 veröffentlicht allein die Columbia Phonograph Company mehrere tausend Schellackplatten in ihrer E-Serie – «E» stand für die Sprachen Europas.
Bis heute Spuren in der Rootsmusic
Doch die «Deutschen» in den USA waren nicht nur Konsumenten. Sie prägten mit ihren Jodlern und Instrumenten die Volksmusik Amerikas, die sogenannte Rootsmusic: Das Jodeln aus der Alpenregion beeinflusste die frühe Hillbilly und Country Musik.
Die Konzertina, eine kleine, in Chemnitz gebaute Ziehharmonika, wurde zum Hit in Übersee. Sie ist noch heute in der amerikanischen Polka-Szene zu finden. Auch das deutsche Akkordeon der Firma Monarch hat sich in der US-amerikanischen Musik gehalten, besonders in der Cajun-Musik, die frankophone Einwanderer in die USA gebracht haben. Die Mundharmonika aus dem Hause Hohner wurde sogar zu einem Exportschlager in die USA.
Im Melting Pot USA haben sich die Spuren deutschsprachiger Musik im Laufe der Jahre mit vielen anderen musikalischen und instrumentalen Einflüssen aus anderen Kulturen vermischt. Doch kann man sie immer noch finden, zum Beispiel im Country, in der Polka und der Cajun Musik.