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- 2. Oktober 2016
Ein Reader zu Entwicklungslinien und Perspektiven.
Ein spannendes Buch: Gemeinwesenarbeit ist Anfang 1900 entstanden, um Menschen in ihren Wohnquartieren so weit zu Selbstorganisation zu verhelfen, dass sie in der Lage sind, ein gutes Leben zu führen. Sie kam via Arbeit in Entwicklungsgebieten, Kolonien, zerbombten Städten und Armenvierteln zu uns. Sie wurde damit auch politisch und auf diesem Hintergrund von Dieter Olschlägel entwickelt und methodisch konzentriert. Sie wurde wegen der politischen Haltung eher gemieden, was für Wolfgang Hinte – der vorher mehr im kirchlichen Bereich Gruppenarbeit machte – die Chance eröffnete, Gemeinwesenarbeit verwaltungskompatibel zu adaptieren; so ist sie in Zürich z.B. in der städtischen Soziokultur aufgegangen. Gemeinwesenarbeit hat damit viel Potential aber wenig Farbe. Diese beiden Vertreter verschiedener Linien werden nun durch M. Lüttringhaus einander gegenübergestellt, teilweise wie in einem Hahnenkampf.
Wenn man nicht viel über Gemeinwesenarbeit weiss, werden mit diesem Buch einige Grundzüge und viele Hinweise auf Vertiefungsliteratur vermittelt. Leider entsteht daraus aber keine Synthese; es fehlt die Perspektive, die Transformation dieser beiden Pole in die heutige Zeit – so bleibt das immense Potential der Gemeinwesenarbeit verdeckt. Damit ist das Buch auch Ausdruck des Standes der Disziplin, da die Entwicklung seit der Entzweiung dieser zwei Haupttendenzen stockt. Man erahnt manchmal, was daraus noch werden könnte.