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Lebewesen, Lebensräume und Lebensgemeinschaften sind in einem dauernden Wandel. Die meisten Veränderungen werden nicht wahrgenommen, weil sie sehr langsam vor sich gehen. Einzelne Veränderungen passieren jedoch so rasch, dass sie innerhalb von wenigen Jahren zu einem deutlichen Wechsel der Artenzusammensetzung führen. Die Auswirkungen dieser Veränderungen auf die Entwicklung der Natur und der Menschheit werden momentan heftig diskutiert.
Wandel als Lebensprinzip
Im 19. Jh. wurde erstmals erkannt, dass der Wandel ein Grundprinzip des Lebens darstellt. Darwin hatte in seiner Abstammungstheorie die dauernde Entwicklung der Lebewesen beschrieben. Bei allen Pflanzen und Tieren treten anlässlich der Fortpflanzung zufällige Veränderungen der Erbeigenschaften auf, die anschliessend im Leben «getestet» werden. Diese auch Selektion genannte Bewährungsprobe entscheidet, ob diese Veränderungen beibehalten und weiter vererbt werden oder ob sie kein erfolgreiches Leben ermöglichen. Mit dieser sogenannten Evolution erklärte Darwin die Anpassung der Organismen an sich verändernde Lebensbedingungen und die Entstehung neuer Arten.
Kurzfristige Veränderungen – Sukzession
Im 20. Jh. entdeckten die Vegetationskundler, dass kurzfristige und langfristige Veränderungen des Pflanzenkleids auftreten. Innerhalb von Jahren oder wenigen Jahrzehnten können sich Pflanzengemeinschaften auf kleineren Flächen stark verändern. So entwickelt sich beispielsweise auf einer Kiesbank in einer Flussaue, sofern sie nicht von einem Hochwasser überflutet wird, zuerst eine krautige Pioniervegetation. Anschliessend führen die Zwischenstadien über Trockenrasen, Hochstauden und Gebüsche zu einem Wald als mehr oder weniger stabilem Endstadium. Diese Sukzessionsprozesse setzen sowohl nach natürlichen Änderungen der Lebensräume als auch nach Störungen durch den Menschen ein und führen zu einer neuen, optimal an die geänderten Umweltverhältnisse angepassten Lebensgemeinschaft.
Langfristiger Wandel der Gemeinschaften
Ende des 19. Jh. fanden Forscher heraus, dass grosse Gebiete Mitteleuropas einst von einer dicken Eisschicht bedeckt waren. In der Folge interessierten sie sich für die Pflanzenbesiedlung auf den vom Eis gegen Ende der letzten Eiszeit allmählich freigegebenen Flächen. Mit Hilfe von Pollenkörnern aus See- und Moorsedimenten gelang der Nachweis einer Abfolge unterschiedlicher Vegetationstypen von der Nacheiszeit bis heute. Der Wandel der Vegetation in Mitteleuropa von einer arktischen Tundra über die Entwicklung von Nadelwäldern und die Ausbildung von wärmeliebenden Eichenwäldern zu den heutigen Buchenwäldern wurde von klimatischen Veränderungen verursacht.
Nur scheinbare Stabilität – Nutzung der Kulturlandschaft
Durch die Nutzung der Kulturlandschaft ändert sich die Lebensgemeinschaft dauernd. Zwischenstadien der Sukzession bleiben nur erhalten, wenn regelmässig Eingriffe stattfinden. So wären die farbenprächtigen Magerrasen im Jura nicht denkbar ohne mässige Beweidung durch Rinder oder regelmässiges Mähen. Bleibt jedoch die Beweidung aus oder wird die Nutzung intensiver, entwickelt sich die Lebensgemeinschaft innert weniger Jahre zu einem anderen Stadium weiter.
Lebensraumzerstörung
Durch die intensive Landnutzung und die Ausdehnung seiner Siedlungen hat der Mensch viele Lebensräume stark zurückgedrängt oder vollständig zerstört. Er hat auf diese Weise einen grossen Teil der Landschaft stark verändert und zahlreiche Arten regional oder gar global zum Aussterben gebracht.
Invasive Arten – Unklare Ursachen des Wandels
Verschiedene Lebensgemeinschaften sind momentan grundlegenden Veränderungen unterworfen. In einzelnen Lebensräumen breiten sich innerhalb weniger Jahre Neuankömmlinge aus der Tier- und Pflanzenwelt aus, die erst vor kurzer Zeit eingewandert sind oder eingeschleppt wurden. Diese invasiven Arten können in kurzer Zeit die angestammte Lebensgemeinschaft verdrängen.
Im Moment sind sich die Fachleute über die Ursachen dieser Prozesse nicht einig. Sind es Folgen des Klimawandels? Sind die Prozesse auf eine nur langsam erfolgende Wiederbesiedlung nach den Eiszeiten und viele freie ökologische Nischen zurückzuführen? Handelt es sich um Auswirkungen einer zu intensiven Nutzung der Landschaft durch den Menschen? Sind es ganz natürliche Prozesse, die in längeren zeitlichen Abständen auftreten und bisher einfach zu wenig beachtet wurden? Obwohl eindeutige Antworten auf diese Fragen fehlen, wird klar: Die Lebensgemeinschaften wurden bisher als zu starr und unbeweglich angesehen. Sie sind viel beweglicher und dynamischer, als viele Fachleute angenommen hatten.
DK