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Nicht Butter, sondern Brot ist zu meiden
Wer Körpergewicht reduzieren und das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen minimieren will, vernimmt nicht selten den allgemein üblichen Rat, in der Ernährung auf vollfette Milchprodukte zu verzichten. Dieser Rat ist nachvollziehbar. Vor allem, wenn es darum geht, die Kalorieneinnahme mittels low-fat Produkte oder teilweise entfettete Milchprodukte einzudämmen.
Es ist jedoch unklar, ob eine so verminderte Kalorienaufnahme nicht einfach durch eine erhöhte Einnahme anderer Lebensmittel während des Tages kompensiert wird. Hinzu kommt, dass der Ratschlag höchstwahrscheinlich sinnlos ist, was den vermuteten gesundheitlichen Vorteil bezüglich Herz-Kreislauferkrankungen (HKE) angeht.
Aus der grossen, seit 1997 laufenden, Swedish-Mammography-Cohort-Study an ursprünglich 39‘000 Frauen, wurde eine 12-Jahres-Beobachtungsstudie publiziert, welche den Bezug zwischen Milchprodukte-Konsum und Herzinfarktrisiko in Frauen untersuchte (Patterson, J Nutr, 2012). Von den 33‘636 untersuchten Frauen ohne HKE, Krebs oder Diabetes, erlitten 1392 einen Herzinfarkt innerhalb der 12-Jahresperiode. Herzinfarkt ist immer noch die häufigste Todesursache in der westlichen Welt. Aber – Achtung Überraschung – im Vergleich der jeweils 20% Frauen mit dem höchsten und niedrigsten Konsum an Milch und Milchprodukten lag bei ersteren die Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarkts um 23% tiefer!
Runtergebrochen auf spezifische Milchprodukte wurde bei «Käse gesamt» (die «fetteste» Milchproduktgruppe) sogar eine inverse, um 26% reduzierte Infarktwahrscheinlichkeit festgestellt. Es wurden keine weiteren spezifischen Milchprodukt-Assoziationen gefunden, auch keine zwischen low-fat und high-fat Milchprodukten bzw. deren Konsum. Selbstverständlich wurden alle diese Resultate auf potentielle Störfaktoren korrigiert, wie Rauchen, Alkohol, Fitness, Frucht- und Gemüsekonsum, Blutdruck, Erziehung, Medikamente, etc.
Speziell interessant war eine Unteranalyse zum Butterkonsum. Wenn Butter zum Kochen benützt wurde, konnte ein Trend zu einem reduzierten Herzinfarktrisiko (odds ratio) beobachtet werden, im Vergleich zu keinem Butterkonsum. Aber dieser Zusammenhang drehte zu einem signifikant erhöhten Risiko (+34%), wenn Butter als Brotaufstrich benutzt wurde! Eine naheliegende Erklärung wäre nun, dass nicht Butter, sondern eben Brot das erhöhte Risiko verursacht. Brot bewirkt eine hohe glykämische Last in unserer Ernährung. Dieses Resultat wird durch kürzliche Meta-Analysen bestätigt, wo eine hohe glykämische Last als unabhängiger Risikofaktor für Herzinfarkt (Mirrahimi, J Am Heart Assoc, 2012), HKE (Ma, Atherosclerosis, 2012) und auch Diabetes (Dong, Br J Nutr, 2011) ermittelt wurde.
Zurückkommend auf den höheren Kaloriengehalt von high-fat im Vergleich zu low-fat Milchprodukten mag es beruhigen, dass normalgewichtige, aber untrainierte Männer ein fast doppelt so hohe krankheitsbedingte Gesamtsterblichkeit aufweisen wie übergewichtige oder gar adipöse, aber trainierte Männer! Das sind doch gute Neuigkeiten für diejenigen, welche eine Reduktion ihrer Fettdepots nur aus gesundheitlichen, aber nicht aus ästhetischen Gründen in Betracht ziehen. Die «schlechte» Nachricht ist, dass man sich trotzdem körperlich fit trainieren muss.