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«Dichter der Heimat und der Welt»: so wurde der aus Gersau am Vierwaldstättersee stammende Josef Maria Camenzind (1904–1984) bei der Verleihung des Innerschweizer Literaturpreises 1971 geehrt. Camenzinds Erzählungen knüpfen mit ihren Jugenderinnerungen an die Tradition der schweizerischen Dorfgeschichte des 19. Jahrhunderts an. Seine frühe, oft idyllische Heimatliteratur gehört in die Zeit der «geistigen Landesverteidigung», schliesst aber eine kritische Betrachtungsweise nicht aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg erzählt Camenzind, der nicht nur für die kleine Welt seines Dorfes einen Sinn hat, wie Fremde in Gersau und Gersauer in der Fremde bereits im 19. Jahrhundert eine Orientierung auch nach aussen, ins europäische Ausland, vermittelt haben. Diese Offenheit für die Welt lässt ihn zudem mit Sensibilität und Empathie in das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Kriegswirren, Banditen-unwesen und Naturkatastrophen heimgesuchte Nordostchina eintauchen, wo seine Mitbrüder der Missionsgesellschaft Bethlehem und Ingenbohler Schwestern seelsorgerlich und vorbehaltlos humanitär wirken.
Camenzind war einer der letzten Vertreter einer Erzähltradition, die sich noch an eine kirchlich verwurzelte, von hektischem, multi-medialem Literaturbetrieb nicht beeinflusste Leserschaft richtet. Seine Werke sind auch als historische Zeugnisse lesenswerte Zeitdokumente.
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