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Burning Memories
Regie: Alice Schmid
Die 1951 im Luzernischen geborene Alice Schmid hat ihr Leben lang Filme realisiert und Bücher geschrieben, die sich mit Kindern beschäftigen. Sie reiste unermüdlich, drehte in entlegenen Ländern TV-Filme über Kinder und mit Kindern, die Schlimmes erlebt haben: Kindersoldaten in afrikanischen Bürgerkriegsländern, junge Minenopfer in Kambodscha, Teppichknüpferinnen in Indien, Mädchen in einer Minenarbeitersiedlung in den bolivianischen Anden. Mit ihrem ersten abendfüllenden TV-Film «Sag nein» über sexuelle Ausbeutung von Kindern gelang ihr 1993 ein Quotenhit, der bis heute in Schulen und bei Lehrpersonen sehr gefragt ist. 2009 kehrte Alice Schmid in die Schweiz zurück, liess sich in Romoos im Luzernischen nieder und schuf 2011 mit ihrem Kinodebüt «Die Kinder vom Napf» einen der erfolgreichsten Schweizer Dokumentarfilme. 2016 folgte «Das Mädchen vom Änziloch», ein wie der Vorgänger in der Umgebung ihres Wohnortes gedrehtes Dokudrama. Als sie 2018 auf einer Reise in Oslo im Munch Museum erstmals das Bild «Pubertät» von Edvard Munch sah, das ein nacktes, ausgeliefert wirkendes Mädchen zeigt, stieg in ihr eine fünfzig Jahre lang verdrängte Missbrauchserfahrung hoch. Plötzlich erinnerte sie sich, wie sie als Sechzehnjährige in einem Zeltlager in Belgien vergewaltigt worden war. Und plötzlich wurde ihr auch klar, warum sie all die Jahre Filme über Kinder und Gewalt gemacht hatte. So begann sie einen Film, bei dem sie erstmals nicht nur hinter, sondern auch vor der Kamera stand. Sie reiste nach Afrika, ging zu Fuss viele Kilometer durch die Wüste, besuchte die Frauen, die damals vor fünfzig Jahren mit ihr im Internat in Belgien waren. Entstanden ist so ein schmerzhafter und radikal persönlicher Film über Schweigen, Traumata und wiedergefundene Sprache. Mit den berauschend schönen Bildern der drei Kameraleute Karin Slater, Aurelio Buchwalder und Kaleo Labelle und mit sparsamen, von ihr selbst intonierten Akkordeonklängen, für die sie im vergangenen März den Schweizer Filmpreis «Quartz» für die beste Filmmusik erhielt, hat Alice Schmid ein Werk geschaffen, das nicht nur emotional erschüttert, sondern das auch auf visueller und akustischer Ebene brennend intensive Erlebnisse vermittelt.
Die Premiere am 4. November findet in Anwesenheit der Regisseurin Alice Schmid statt. Das Gespräch führt Silvia Vetsch, Leiterin Frauenhaus St.Gallen.