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Mini-Informationsarchitekturen: Informationen zu einem Thema gliedern
In einer Mini-Informationsarchitektur werden Inhalte zu einem einzelnen Thema in Abschnitte unterteilt, die durch eine einfache Navigation verbunden sind.
by Jakob Nielsen (deutsche Übersetzung) - 21.06.2011
In unserem Seminar "Informationsarchitektur 1: Strukturieren und Organisieren von Internet-basierten Informationen" gibt es das Thema Mini-Informationsarchitektur (Mini-IA). Es wird nicht oft behandelt und ich wurde mehrfach gefragt, was wir unter diesem Begriff verstehen.
Die Definition der Mini-Informationsarchitektur ist einfach: Gliederung von Informationen zu einem einzelnen Thema, Konzept, Produkt oder Artikel. Zum Beispiel hat die Kolumne, die Sie gerade lesen, die einfachste Mini-Informationsarchitektur, die es gibt: eine einzelne Seite mit linearer Präsentation der Informationen.
Wenn etwas auf einer einzelnen Seite behandelt wird, halten wir die Art der Präsentation nicht sofort für "Informationsarchitektur". Tatsächlich wird diese Informationsgliederung normalerweise in unserem Seminar "Schreiben fürs Internet 2: Die spannende Präsentation von Inhalten" behandelt. Allerdings ist schon allein die Entscheidung für das Einzelseitenformat eine Frage der IA.
Oftmals ist es besser, die Informationen in einzelne Einheiten aufzuteilen, anstatt sie in langen linearen Texten darzustellen. Man kann die einzelnen Einheiten dann über mehrere Seiten hinweg präsentieren oder eine seiteninterne Navigation erstellen, beispielsweise mithilfe von Tabs oder Karussellen.
Lineare Seitenabfolgen sind meist schlecht
Lassen Sie mich zunächst eine beliebte Form der Mini-IA in die Wüste schicken, weil sie in der Regel schlecht für die Usability ist: Es ist so gut wie nie eine gute Idee, einen langen Artikel in eine lineare Abfolge von Seiten aufzuteilen. Wenn die einzige Navigationsmöglichkeit der Link "Weiter" oder "Nächste Seite" ist, ist es normalerweise besser, alles in einer Einzelseite und die Leute scrollen zu lassen. (Die Ausnahme bilden hier Inhalte, die auf Tablet PCs wie dem iPad präsentiert werden, da hier das "Wischen" ein Standard-Befehl zum Wechsel von Seiten ist.)
In vielen Situationen ist es die beste Alternative, die Informationen in einzelne Häppchen aufzuteilen und dabei auf den logischen Zusammenhang zu achten; man kann jedes Häppchen entsprechend beschreiben und die Nutzer direkt zu dem Abschnitt navigieren lassen, der gerade ihren Bedürfnissen entspricht. (Anmerkung: "Seite 3 von 5" ist weder beschreibend noch ein Thema für eine eigene Seite.)
(Für Interaktionen im "Wizard"-Stil, wie beispielsweise beim Zur-Kasse-Gehen im Online-Handel, ist eine lineare Abfolge der Seiten sinnvoll, da jeder Schritt logisch auf den vorherigen folgt und im Workflow der Anwendung liegt. Man kann dort nicht zu Schritt 3 gehen, ohne zuvor Schritt 2 abgeschlossen zu haben.)
Beispiel einer nutzungsrelevanten Gliederung
Um eine nutzungsrelevante Gliederung zu illustrieren, sehen wir uns zwei Fitness-Apps, die Informationen zu Übungen anbieten, als Beispiele an.
Liste der Übungen in zwei iPhone-Apps: You Are Your Own Gym (links) und Full Fitness (rechts)
You Are Your Own Gym (links) verwendet eine Mini-IA für Liegestütz-Übungen. Alle Übungen werden in einer Liste zusammengefasst, die von der leichtesten bis zur schwierigsten Übung sortiert ist. Im Gegensatz dazu sind die Übungen bei Full Fitness (rechts) alphabetisch sortiert, was meist schlecht ist.
Der Bildschirm von Full Fitness zeigt nur einen Teil der vollständigen Liste an, unter anderem den "ansteigenden Liegestütz", den "abgewandelten Liegestütz" und den "klassischen Liegestütz". Woher soll man wissen, welchen man auswählen soll, wenn man eine Variation sucht, die etwas schwieriger ist als die letzte Übung? Bedeutet "abgewandelt" schwierig oder leicht?
"Abgewandelt" hat eine schwache Informationsfährte - das Wort sagt eher, was die Übung nicht ist, als was sie ist. "Ansteigend" ist schon aussagekräftiger, aber immer noch nicht so gut wie das Äquivalent der anderen App: "mit erhöhten Händen". Könnten Sie auf Anhieb sagen, was der Unterschied zwischen ansteigendem und abfallendem Liegestütz ist? Ich wette, Sie könnten das nicht so schnell (und sicher) beantworten, wie Sie die Bezeichnungen "mit erhöhten Händen" und "mit erhöhten Füssen" entschlüsseln können. Einfachere Worte sind eben meistens die besten. (Es sei denn, Sie schreiben für ein Expertenpublikum. Aber fortgeschrittene Fitness-Enthusiasten, die die Bezeichnung "ansteigender Liegestütz" verwenden, müssen wohl kaum irgendwo nachsehen, wie man das macht.)
Die Gestalter von Full Fitness hätten sicherlich von dem Seminar "Schreiben für mobile Nutzer" profitiert. Ihr Hauptproblem ist allerdings struktureller Natur. Selbst mit verbesserten Bezeichnungen wäre das aktuelle Full Fitness-Schema weniger nutzbar als die Lösung von You Are Your Own Gym, denn diese weist den Liegestütz-Varianten eine eigene Mini-IA zu, die die Übungen so gliedert, wie man auch trainiert: aufsteigend von leichten zu schwereren Übungen.
Nur nebenbei: beide Apps verwenden Vorschaubilder, die die Übungen demonstrieren und den Nutzern helfen, die richtige auszuwählen. Und beide haben Probleme bei der Usability. Die Bilder von You Are Your Own Gym haben zu viele Details im Hintergrund, um bei der geringen Grösse noch gut erkennbar zu sein. Die Fotos von Full Fitness sind klarer und fast so gut zu begreifen wie die You Are Your Own Gym-Bilder, obwohl sie noch kleiner sind. Normalerweise kritisiere ich winzige Vorschaubilder, aber die meisten der Bilder bei Full Fitness sind klar genug, um ausreichend zwischen den Übungen unterscheiden zu können (ausser bei zwei Übungen an Geräten). (Für mehr Informationen darüber, wie man geeignete Bilder für kleine Bildschirme auswählt, verweise ich auf das Seminar "Visuelles Design für mobile Geräte und Tablet-PCs".)
Nutzungsgesteuertes Gliedern
Wenn Sie viele Informationen zu einem Thema vermitteln wollen, gibt es drei Wege, diese zu präsentieren:
- Eine lange Seite ist eine einfache Option, aber für die Nutzer ist es schwieriger, auf einzelne Unterthemen zuzugreifen. Man riskiert Informationsermüdung, wenn die Nutzer sich durch die ganze Seite bis zum bitteren Ende durchschlagen müssen (und vielleicht aufgeben, bevor es zu bitter wird).
- Mit Hilfe einer Mini-IA kann man die Informationen in angemessene Häppchen aufteilen. Das gestattet direkten Zugriff auf die Unterthemen, die von Interesse sind und gibt den Nutzern eine bessere Übersicht über das Thema, als wenn sie sich durch die endlos lange Seite scrollen müssen.
- Verteilte Informationen erlauben es, Untergebiete mehrerer Themen zu vermischen, wie bei den Liegestütz- und Expander-Übungen im Abschnitt "Brustübungen" von Full Fitness.
Ich argumentiere hier, dass die Usability durch den mittleren Weg verstärkt wird. Eine Mini-IA ist aber nur sinnvoll, wenn sie den Informationsraum so strukturiert, dass er den Aufgaben und mentalen Modellen der Nutzer entspricht.
Seit den Anfängen des Internet war eine an internen Vorgängen orientierte Gliederung der Fehler schlechthin, der die Nutzer abgestossen hat. Unsere Recherche zur Intranet-IA hat zum Beispiel wiederholt ergeben, dass Intranet-Nutzung und Produktivität der Arbeitnehmer in die Höhe schnellen, sobald die Abteilungs-orientierte IA von der Aufgaben-orientierten IA abgelöst wird.
In ähnlicher Weise wird auch die Mini-IA nicht helfen können, wenn ihr ein internes Organigramm zugrunde liegt oder ein anderes zum Scheitern verurteiltes Prinzip, das nicht dazu passt, wie die Nutzer auf Informationen zugreifen wollen. Aber wenn man die Mini-IA gut umsetzt - und dafür eine nutzungsbasierte Gliederung entwickelt, die die Basis für eine klare und einfache Navigation bildet - hat man auf das richtige Pferd gesetzt.
© Deutsche Version von Jakob Nielsens Alertbox. Institut für Software-Ergonomie und Usability AG. Alle Rechte vorbehalten.