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Der seit dem 30. Dezember 2009 wegen Korruption und Geldwäscherei-Verdachts inhaftierte Ex-Präsident Taiwans, Chen Shui-bian, will sich offenbar freikaufen.
In einem Hearing am vergangenen Freitag in Taipeh erklärte der frühere Präsident Taiwans, dass er weitere private Vermögen mobilisieren wolle, um gegen Kaution freizukommen.
Der 59-jährige Chen Shui-bian (Bild) wird seit Ende letzten Jahres wegen Verdachts auf Korruption und Geldwäscherei während seiner Amtszeit festgehalten.
Konti bei Merrill Lynch, RBS und Wegelin
Nachdem er bereits angeboten hatte, 21 Millionen US-Dollar von Konten bei Merrill Lynch und der Royal Bank of Scotland in der Schweiz nach Taiwan zurückzuzahlen, ist nun von einem weiteren Konto bei der Ostschweizer Privatbank Wegelin die Rede.
Auf diesem Konto soll Chen gemäss eigenen Angaben umgerechnet 20,27 Millionen Franken (570 Millionen Neue Taiwan Doller, NTD) haben, die er nun ebenfalls nach Taiwan zurückführen will, sofern er danach freigelassen wird. Dies schreibt das Newsportal «Focus Taiwan».
Keine Beziehung zu Chen Shui-bian
Die Bank Wegelin teilte auf Anfrage von finews.ch mit, dass diese Information schlicht falsch sei. Die Bank habe keinerlei Geschäftsbeziehungen mit Herrn Chen Shui-bian jemals gehabt. Es gebe weder ein Konto auf seinen Namen, noch habe er eine Vollmacht auf ein Konto oder sei ein wirtschaftlich Berechtigter einer Kontobeziehung.
Über die Ausssagen Chens kann somit nur gemutmasst werden. Denkbar wäre, dass der frühere Staatspräsident über andere Personen Beziehungen zur Schweiz unterhielt. Doch davon ist bis jetzt nicht die Rede.
Kaution möglich
Offenbar schliesst das Gericht eine Kaution nicht aus, sofern Chen genügend Geld in die Heimat repatriiert. Das Gericht will noch vor dem 23. Juni über die weitere Inhaftierung Chens entscheiden. Dann läuft die Untersuchungsperiode ab. Sie kann jedoch um zwei Monate verlängert werden.
Chen Shui-bian war vom 20. Mai 2000 bis zum 20. Mai 2008 Präsident und Staatsoberhaupt der Republik China auf Taiwan. Er war Mitglied der Demokratischen Fortschrittspartei (DPP), deren Vorsitz er zwischen Oktober 2007 und Januar 2008 innehatte. Am 15. August 2008 trat er aus der Partei aus, um einem Ausschluss zuvorzukommen.
Ehefrau im Rollstuhl
Am 11. November 2008 wurde Chen wegen des Verdachts der Korruption und Geldwäsche vorläufig festgenommen. Am 11. September 2009 wurden er und seine Frau Wu Shu-chen von einem erstinstanzlichen Gericht in Taipeh unter anderem wegen Korruption und Veruntreuung von Wahlkampfspenden in zweistelliger Millionenhöhe zu lebenslänglichen Freiheitsstrafen verurteilt, wobei Frau Wu Shu-chen, die im Rollstuhl und auf ständige Hilfe angewiesen ist, die Strafe als Hausarrest verbüssen kann.
Zusätzlich wurden Chen und seine Frau zu hohen Geldstrafen verurteilt. In einer zweiten Instanz wurde Chen am 8. Juni 2010 nun von den Vorwürfen der Veruntreuung von Staatsgeldern freigesprochen. Offen ist der Richterspruch bezüglich der anderen beiden Anklagen: Geldwäscherei und Korruption.