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Zwischen glitzernden Wolkenkratzern - Teil 3
Von Peter HürzelerSamstag 1.10.2022
Wie gestern genehmigten wir uns auch heute wieder in einem nahen Diner was vernünftiges zum Frühstück. Danach liefen wir rüber zur Millenium Park Station des Electric District. Ziel für heute Morgen war das bekannte Museum of Science and Industry. Diese ist von unserem Hotel aus am Besten mit der METRA erreichbar. Da unser Ticket nur für die CTA galt, mussten wir dazu noch zwei Tickets kaufen. Mit 4$ pro Person für Hin- und Rückfahrt lag das aber in vertretbarem Rahmen. Schon bald sassen wir in im Gallery-Deck eines Highliner II Triebwagen und gondelten die paar Meilen bis zur Station 55th-56th-57th Street, wo wir dann noch zu Fuss die paar Meter zum Museum liefen.
Das aus Eisenbahnersicht bekannteste Museumsstück ist zweifellos der Pioneer Zephyr der CB&Q, welcher im Eingangsbereich aufgestellt ist. Dies leider in einer recht dunkel gehaltenen Ecke, was das Fotografieren nicht einfacher macht:
Durchaus eine Ikone der Amerikanischen Züge: der Pioneer Zephyr der CB&Q, welcher ab 1934 mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 110 mph (~180km/h) auf dem Netz der Bahngesellschaft verkehrt und der Urahn aller nachfolgenden Zephyr Züge war, darunter auch den noch heute verkehrenden California Zephyr. Der Zug steht heute als Ausstellungsstück im Museum of Science and Industry in Chicago
Durchaus eine Ikone der Amerikanischen Züge: der Pioneer Zephyr der CB&Q, welcher ab 1934 mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 110 mph (~180km/h) auf dem Netz der Bahngesellschaft verkehrt und der Urahn aller nachfolgenden Zephyr Züge war, darunter auch den noch heute verkehrenden California Zephyr. Der Zug steht heute als Ausstellungsstück im Museum of Science and Industry in Chicago
Sonst aber waren wir vom restlichen gebotenen eher ein bisschen enttäuscht. Einige der Bereiche sind nur mittels zusätzlich zu bezahlenden Tickets zugänglich, der allgemein zugängliche Teil eher eine Aufstellung von eher wenig, eher mässig interessanten Ausstellungsstücken. Das interessanteste Objekt (nebst dem Pioneer Zephyr natürlich) ist zweifellos U-505, ein Typ IX C U-Boot, welches die USA im zweiten Weltkrieg erbeutet haben. Der Rundgang durch das Boot bleibt aber dem Zusatzzahler vorbehalten. Uns war es zuwieder da noch einen Zusatzbetrag zu löhnen (wie auch bei all den anderen "Attraktionen" die gesondert Eintritt brauchen - und davon gibt es viel zu viel...)
Wir hatten uns beide mehr versprochen. So waren wir kurz nach dem Mittag schon wieder auf dem Weg zurück in die Stadt. Irgendwie war bei uns beiden gerade etwas die Luft draussen, so dass wir in Richtung Hotel liefen. Beim passieren der L sahen wir dann aber darauf verkehrende Fahrzeuge die so gar nicht dem üblichen Bild entsprachen. Es waren historische Züge unterschiedlicher Baureihen der L unterwegs auf dem Loop. Während Desi im Hotel blieb, lief ich mal rüber zur bekannten Kreuzung der L bei der Ecke Wells/Lake. Via angrenzendes Parkhaus lässt sich diese recht gut fotografieren (mit der üblichen Licht-/Schattenthematik in den Häuserschluchten). Beim wechsel vom Hotel zur Stelle sah ich, dass zumindest einer der historischen Züge den Loop auf der Brown Line nach Norden verlassen hatte. Ich hoffte entsprechend mal, dass der wieder zurück kommt.
Es war Weekend und damit gab es auf den Linien nur einen 20min Takt. Dennoch kam durch die hier verkehrenden 4 Linien keine Langeweile auf und ich konnte vom Parkhaus aus einige Fotos machen:
Wohl die bekannteste Stelle der "L" - das Gleiskreuze Ecke Wells/Lake Street, wo die Linien in den Chicago Loop verteilt werden. Der Zug der Brown line wird in ein paar Minuten nach einer kompletten Umrundung des Loops wieder nach rechts abbiegen und so wieder an seinen Startpunkt zurückkehren.
Wohl die bekannteste Stelle der "L" - das Gleiskreuze Ecke Wells/Lake Street, wo die Linien in den Chicago Loop verteilt werden. Der Zug der Brown line wird in ein paar Minuten nach einer kompletten Umrundung des Loops wieder nach rechts abbiegen und so wieder an seinen Startpunkt zurückkehren.
Von den historischen L Zügen war aber leider nichts mehr zu sehen. Im Nachgang fand ich dann auch heraus was da genau los war: es wurde 75 Jahre Chicago Transit Authority gefeiert. Und anhand der im Nachgang auf Railpictures.net aufgetauchten Fotos habe ich die Züge wirklich gerade knapp verpasst und die Fahrt nordwärts auf der Brown Line führte wieder zurück zum Depot. Schade!
So ging es zurück zum Hotel. Kurze Zeit später waren wir wieder auf Achse. Es ging in Richtung des United Center. Am einfachsten gelangten wir da wieder mit der L hin. Die Green Line und die Purple Line führten beide zur Station Ashland in der Nähe (ein paar Blocks entfernt) des Stadions. Der Loop der L kann aber für ungeübte wie uns echt verwirrend sein und prompt erwischten wir einen Green Line Zug in die falsche Richtung, zumal dessen Endstation natürlich auch Ashland/63rd hiess... Wir merkten es schon bald und konnten so in einen Zug der Gegenrichtung wechseln, welcher uns dann nach Ashland und eben nicht Ashland/63rd brachte.
Wir hatten schon im Vorfeld der Reise Tickets für das heutige Pre-Season NHL Spiel zwischen den Chicago Blackhawks und den Detroit Red Wings besorgt. Wenn es schon mal passt mit einem NHL Match und die Tickets auch im bezahlbaren Rahmen liegen: wieso nicht. Und immerhin spielt bei beiden Teams je ein Schweizer mit. Wir hätten im Mai 2018 mal in Las Vegas an ein Spiel der Vegas Golden Knights gehen können: Stanley-Cup Halbfinal. Die Ticketpreise jenseits von $300.- pro Person (billigste Variante) waren uns dann aber damals schlicht zu teuer.
Aufgrund "Oktoberfest" wurden die schon gebuchten Tickets dann a) billiger und b) erhielten wir erst noch eine bessere Sitzplatzkategorie.
Oktoberfest stellte sich dann als eine blau/weiss verzierte Bühne im Eingangsbereich heraus, auf welcher eine Band in Lederhosen und mit Geige bewaffnet (dafür ohne Tuba und sonstige Blasinstrumente...) irgendwelche Schlagersongs trällerte. Dazu gab es natürlich viel Bier. Im Stadion trällerte dann DJ Ötzi seine Version vom "s'Vogellisi vo Adelbode" ( https://de.wikipedia.org/wiki/Vogel-Lisi ), worauf wir beide dann - zur Belustigung der Sitznachbarn - lautstark mitgrölten - ist ja schliesslich ein Berner Oberländer Volkslied. Adelboden liegt nur etwa 30km Luftlinie von unserem Zuhause entfernt.
Wir waren beide etwas erstaunt wie denn "Oktoberfest" hier ausgelegt wird, aber egal. Der Match war dann unterhaltsam, wenn auch nicht für die Heimmannschaft verlaufend: Detroit gewann 3:0.
Zurück ging es wieder zu Fuss zur Haltestelle Ashland und dann mit der L bis in die Innenstadt, wo dann kurz vor Mitternacht Feierabend war.
Sonntag 2.10.2022
Unser letzter Tag in Chicago. Es war gestern spät geworden. Auch war ich irgendwie etwas am kränkeln und hatte sehr schlecht geschlafen, so dass wir es heute extrem ruhig angehen liessen. Schlussendlich checkten wir kurz vor Mittag aus dem Hotel aus. Erster Anlaufpunkt war dann mal ein Walgreens - mit etwas "Drogen" intus ging es einem doch bald einmal besser ;)
Nächstes Ziel war eine Poststelle wo wir noch einige Postkarten zu versenden hatten, bevor wir uns dann daran machten unser Loch im Magen zu füllen.
Wo kann man das besser als bei einem Italiener? Wir fanden ein passendes Lokal ganz in der Nähe, welches wohl fast sämtliche Klischees bezüglich italienischen Restaurants in Chicago erfüllte. Rot/weiss karierte Tischdecken an eckigen 4er Tischchen, entsprechendes Ambiente das fast aus einem Al Capone Hollywood-Streifen stammen konnte, dazu ein Kellner welcher mit seiner schwarzen Kleidung und den Hosenträgern perfekt dazu passte. Und was isst man dann da? Natürlich Spaghetti mit Tomatensauce und einem Meatball obendrauf. Klischee endgültig erfüllt - wer es nachmachen möchte: Maggiano's Little Italy heisst der Schuppen.
Frisch gestärkt verzogen wir uns dann an den Chicago River, wo wir in einem Coffee House entlang des Riverwalk noch gemütlich ein Espresso schlürften.
Auf dem Weg in Richtung L gab es dann noch einen kurzen Halt für ein Foto derselben:
Chicago - Stadt der Klapp-Brücken. Auch die "L" ist für die Überquerung des Chicago River auf Klappbrücken angewiesen wie hier bei der Wells Street.
Das war es dann aber endgültig gewesen und wir verschwanden anschliessend im Untergrund um den nächsten Zug der Blue Line in Richtung Flughafen zu nehmen. Eine Dreiviertelstunde später waren wir im O'Hare International Airport, wo wir dann im Terminal 3 eincheckten. Der Flug nach Heathrow war unspektakulär. Dank der gekauften Medis konnte auch ich ein bisschen Schlafen und hustete nicht den ganzen Flieger voll. Das erledigten zuverlässig ein paar andere Kandidaten weiter hinten im Flieger. In Heathrow landeten wir dann fast 30min zu früh, was uns aber genau nichts brachte. Wir standen diese 30min + weitere 15min dann auf dem Flugfeld herum, da unser Gate noch nicht frei war. Die 3h in Heathrow wurden mit einem Terminalwechsel 3->5, einer erneuten Sicherheitskontrolle, sowie etwas Shopping und einem kleinen Mittagessen durch gebracht, bevor uns dann BA noch nach Zürich brachte. 2h später waren wir dann auch zu Hause.
Wir waren uns beide einig: Chicago lohnt sich definitiv für ein paar Tage. Die Stadt bietet doch viel reizvolles in Bezug auf Architektur, wie auch Kulinarisch. Und für den Bahnfan würde sie noch viel mehr bieten als da was wir die Tage alles gemacht haben. Ich hätte noch einige weitere Stellen gesehen die ein Foto wert wären. So etwas z.B. müsste immer noch gehen (Bild aus dem Jahr 2003):
MP36PH-3C #409 mit einem Commuter Zug beim Verlassen der Chicago Union Station (Foto: John Feild / Slg. P. Hürzeler)
Vielleicht irgendwann einmal... ;)