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Im Mai 1938 besuchte Adolf Hitler seinen italienischen Kollegen Benito Mussolini. Der Staatsbesuch wurde in bewährter faschistischer Manier unglaublich pompös und bombastisch inszeniert. Natürlich wollte man dem befreundeten Diktator neben der Armee auch die Kunstwerke und Baudenkmäler in Rom und Florenz zeigen. Der Archäologe Ranuccio Bianchi Bandinelli fungierte dabei als „Führer-Fremdenführer“.
Eben dieser Ranuccio Bianchi Bandinelli führte damals ein Tagebuch, in dem er sehr deutlich formuliert, was er von den beiden Tyrannen hält: „Mario [Mussolini] und Silla [Hitler] gesehen. Erster und befremdlicher Eindruck von Mario: grotesk und sehr hässlich. (…) [Silla ist] eine Persönlichkeit von untergeordnetem Rang: jemand wie ein Strassenbahnkontrolleur.“ Jedes Mal, wen Bandinelli etwas erklärte, „übersetzte“ Hitler dies für sein Gefolge in nazikompatible Sprache, und Mussolini sah sich immer verzweifelt nach Hilfe (sprich nach Bandinelli) um, wenn er in der kulturellen Konversation nicht mithalten konnte. Ihr Fremdenführer scheute sich nicht, für die beiden Besucher (den grossspurigen Angeber und das substanzlose Würstchen, einer so dämlich wie der andere) spontan Auskünfte zu erfinden, falls er etwas gerade nicht wusste. Bandinelli entlarvt auch den völligen Dilettantismus des Möchtegern-Künstlers Hitler.
In seinem Buch Hitler, Mussolini und ich gibt Bandinelli auch andere Erinnerungen wieder, zum Beispiel an seinen Besuch bei Ex-Kaiser Wilhelm II. in Doorn.