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Autor: Janine Jungo
Im Rahmen des Studiums musste ich eine Seminararbeit zum Thema Journalismus schreiben. Ich nahm mir vor, die Kriegsberichterstattung zu beleuchten. Im Zentrum meiner Arbeit stand der Begriff «embedded Journalism», der eine neuere Art der Kriegsberichterstattung darstellt.
Früher bestand Kriegsberichterstattung überwiegend aus Propaganda. Jede Kriegspartei versuchte, so den Kriegsverlauf zu beeinflussen. So neigte man während des Ersten und Zweiten Weltkrieges oft dazu, den Gegner zu entmenschlichen, ihn als Dämon darzustellen. So wurde die Motivation der Soldaten gefördert. Nur über Siege wurde berichtet, nicht aber über verlorene Schlachten und Opferzahlen. Mit all diesen Tricks wollte man aus dem Gegner den «Bösen» machen.
Berichterstattung ändert
Mit der Zeit ändert sich die Kriegsberichterstattung. Doch in welche Richtung? Mit dem Einmarsch der amerikanischen Truppen im Irak fängt eine neue Ära in der Kriegsberichterstattung an. Zum ersten Mal wurden Journalisten mit den Truppen mitgeschickt. Dies nannte das Pentagon «embedded Journalism» oder auf Deutsch «eingebetteter Journalismus». Die Journalisten sollten dauerhaft an der Seite der Truppen sein und somit das Kriegsgeschehen hautnah miterleben. Dadurch sollte sich die Qualität der Kriegsberichterstattung verbessern.
Kritik kommt auf
Doch mit dem Aufkommen dieser neuen Art des Journalismus wurde auch die erste Kritik laut, insbesondere über den eingebetteten Journalismus während des Irak-Krieges. Ulrich Tilgner, langjähriger Auslandkorrespondent des Schweizer Fernsehens, klärt mich darüber auf, dass es verschiedene Arten von eingebettetem Journalismus gibt. So kann es sein, dass ein Journalist bei den Aufständischen oder in eine der Kriegsparteien eingebettet ist. Wie man am Beispiel des Irak-Krieges sieht, kann es auch sein, dass ein Journalist in die Truppen eingebettet ist. 2003 stellte sich die Frage, ob das neue System wirklich das war, wofür es die Regierung ausgab, oder ob es vielleicht eher eine neue Art der Kontrolle der Berichterstattung war.
Es gibt Befürworter und Gegner dieser Art von Journalismus. Die Frage stellt sich, wieso so viele an diesem System zweifeln. Kritiker stellen infrage, dass diese Journalisten noch neutral berichten können. Wie kann ein Journalist, der mit den Soldaten durch die Schrecken des Krieges geht, noch objektiv bleiben? Kritiker sind der Meinung, dass der eingebettete Journalist im Verlauf des Krieges seine Objektivität einbüsst und befangen wird.
Den Überblick bewahren
«Je komplexer die Situation ist, desto schwieriger wird es, neutral zu berichten. Eine eigentlich neutrale Berichterstattung ist nur in Annäherungen möglich, weil man ja den Überblick über das Gesamtbild nicht hat. Neutral können sie ja nur berichten, wenn sie die Gesamtsituation beurteilen können», sagt Ulrich Tilgner.
Es gibt einen Regelkatalog
Kritiker nennen als weiteren Nachteil die Kontrolle der Medien. So mussten Journalisten einen Regelkatalog unterschreiben, in welchem sie sich bereit erklärten, nur vom Militär abgesegnete Inhalte zu veröffentlichen. Die Medien stehen also unter der Kontrolle des Militärs, und da das Militär für die Regierung arbeitet, könnte man sagen, dass die Regierung die Medien kontrolliert und steuert. Auch Ulrich Tilgner ist nicht überzeugt vom eingebetteten Journalismus, insofern dieser unter dem Militär praktiziert wird.
Viele Journalisten sind der Meinung, dass sich die amerikanische Kriegsberichterstattung, vor allem nach den Ereignissen des 11. Septembers 2001, sehr verändert hat. In einer Arbeit von Sabine Eva Eigenmann wird dies untersucht. Sie befragte Schweizer Journalisten, welche 2003 im Irak stationiert waren, nach ihrer Meinung zur amerikanischen Kriegsberichterstattung nach 9/11. Alle zeigten sich enttäuscht von dieser. Die Medien in Amerika hätten nach dem 11. September weniger regierungskritisch berichtet.
Ulrich Tilgner ist zwar nicht der Meinung, dass sich mit 9/11 viel in der amerikanischen Berichterstattung geändert hat, räumt aber einen anderen Punkt ein, den Einfluss amerikanischer Medien. «Global stimmt das sicherlich, dass die Amerikaner den grössten Einfluss hatten, weil sie ja riesige Kontingente von Journalisten nach Katar gebracht haben.»
Als Journalist aus dem Krieg zu berichten ist nicht einfach, das System des eingebetteten Journalisten, insbesondere wenn es unter dem Militär durchgeführt wird, macht es dem Journalisten aber noch schwieriger, neutral und wahrheitsgemäss zu berichten.
Ulrich Tilgner hat der Typisch-Jung-Redaktorin Janine Jungo am Telefon Fragen zum Thema «eingebetteter Journalismus» beantwortet.Bild Bildarchiv Tilgner