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Wer “Wirtschaftswachstum” sagt, meint in der Regel das Wachstum des Bruttoinlandproduktes (BIP) eines Landes. Das Wirtschaftswachstum wird meist als prozentuale Veränderung gegenüber dem Vorjahr gemessen. Gebräuchlich sind aber auch Vergleiche zwischen Quartalen. Bei US-Daten ist es dabei üblich, dass diese annualisiert werden, in Europa nicht. Dies ist bei Vergleichen quartalsweiser Daten zu berücksichtigen – bei Jahresdaten spiel es natürlich keine Rolle.
Die Messung des BIP ist eine komplizierte Angelegenheit – und das Resultat wird nie ganz korrekt sein. Daher werden BIP-Daten häufig im nachhinein (auch noch nach Jahren) revidiert, wenn genauere Messdaten zur Verfügung stehen. Dasselbe gilt für allfällige saisonale Korrekturen, wie sie bei quartalsweisen Daten häufig verwendet werden. Dementsprechend kann es sich auch beim BIP-Wachstum nur um eine Schätzung, und nie um eine genaue Messung handeln.
Haupteinflussfaktoren
Das BIP eines Landes wird von vielen Faktoren beeinflusst, wobei die folgenden die Wichtigsten sind:
- Produktivität: Steigt die durchschnittliche Produktivität der Arbeitskräfte in einem Land, so steigt auch das BIP. Die Produktivität lässt sich beispielsweise steigern durch bessere Hilfsmittel, bessere Ausbildung oder bessere Organisation.
- Arbeitslosenrate: Sinkt die Arbeitslosenrate – also der Anteil der nicht Erwerbstätigen an der Erwerbsbevölkerung – so steigt das BIP. Die Erwerbsbevölkerung stellt dabei jene Personen dar, welche als erwerbsfähig betrachtet werden; häufig werden darunter die 15-64 jährigen verstanden. Diese Definition wird man mit dem steigenden Rentenalter anpassen müssen.
- Erwerbsquote: Steigt die Erwerbsquote – also der Anteil der Erwerbsbevölkerung an der Gesamtbevölkerung – so steigt das BIP. Die Erwerbsquote lässt sich beispielsweise über eine Erhöhung des Rentenalters steigern, oder durch die bessere Integration bestimmter Bevölkerungsgruppen in die Arbeitswelt. Dabei ist natürlich darauf zu achten, dass eine erhöhte Erwerbsquote nicht zulasten der Arbeitslosenrate geht.
- Schliesslich lässt sich das BIP (bei konstanter Erwerbsquote und Arbeitslosenrate) auch einfach über einen Bevölkerungszuwachs steigern. Dies bedingt allerdings auch die gleichzeitige Ausbildung und Ausrüstung dieser zusätzliche Arbeitskräfte, da sonst die Produktivität sinkt.
Das BIP lässt sich aber auch solcherart steigern, dass (fast) niemand etwas davon hat:
- Das nominale BIP steigt mit der Inflation an, im Gegensatz zum realen BIP (siehe hierzu auch Inflation). Hiervon profitiert jedoch der normale Arbeiter nicht: Zwar verdient er bei 10% Inflation nach einem Jahr vielleicht 10% mehr – jedoch sind auch die Waren und Dienstleistungen, welche er konsumiert, durchschnittlich 10% teurer.
- Auch durch einen Auto-Unfall steigt das BIP in der Regel, da die Reparatur des Wagens in die BIP-Messung mit einfliesst. Ausser dem Automechaniker hat hier aber niemand profitiert und es ist im Vergleich zur Situation vor dem Unfall kein Mehrwert geschaffen worden.
BIP-Wachstum pro Kopf
Während für Staaten, respektive Regierungen, das absolute BIP eine sehr wichtige Grösse darstellt (schliesslich werden auf praktisch allen Komponenten des BIP Steuern erhoben), zählt für die meisten Menschen das “BIP pro Kopf” wesentlich stärker. Es wird durch die Division des BIP durch die Gesamtbevölkerung berechnet und drückt wesentlich besser den Wohlstand des einzelnen aus. Während durch eine Steigerung der Produktivität, eine tiefere Arbeitslosenrate und eine höhere Erwerbsquote auch das BIP pro Kopf gesteigert wird, ist dies bei einer wachsenden Gesamtbevölkerung nicht automatisch der Fall.