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Ein Kommentar zum Artikel “Die Weiterentwicklung der Armee und die Infanterie” von Eugen Thomann, Redaktor der Allgemeinen Schweizerischen Militärzeitschrift, Oberstlt a D, zuletzt Chef eines Armeestabsteils im Militärischen Nachrichtendienst.Auch wer hinter der Weiterentwicklung der Armee (WEA) steht, will auf die Verteidigungsfähigkeit der Infanterie nicht verzichten. Trotz vordergründiger Übereinstimmung bleiben Zweifel: Wie soll die auf Unterstützungsoperationen ausgerichtete Territorialdivision diese neue Aufgabe gleichsam nebenher erfüllen? Sie bekommt keinen grösseren Stab, keine Feuerkoordinationsmittel, keine Artillerie, keine Genietruppen. Von einem “Kampf der verbundenen Waffen” keine Rede.
Zugegeben, das Infanteriekader qualifiziert sich heute – viel gründlicher als früher – auf den Stufen der Gruppe, des Zuges und der Kompanie im Einsatz verschiedenster unterstellter Mittel und beweist diese Fähigkeit regelmässig in den Gefechtsausbildungszentren. Reicht das wirklich? Zu messen ist das nicht an irgendwelchen überholten Bildern von Panzerschlachten auf weiten Ebenen, sondern beispielsweise an den bitteren Erfahrungen der ukrainischen Armee, die auf Präzisionsartillerie angewiesen wäre und statt dessen überbaute Gebiete mit Flächenfeuer eindeckte, vielleicht eindecken musste. Hier erweist sich die Verteidigungsaufgabe als brandaktuell.
Das Parlament berät einen bundesrätlichen Antrag, der sämtliche (Gebirgs-) Infanteriebrigaden unwiederbringlich auflösen möchte, und das gleich mit Gesetzeskraft; weil er die Struktur der Armee im Militärgesetz festschreiben will – anstelle des heutigen einfachen Parlamentsbeschlusses. Das würde eine wichtige Weiche stellen, und niemand weiss, was das letztlich bedeutet.
Die Territorialdivisionen werden gegenüber den heutigen Territorialregionen verstärkt. Sie sind weiterhin Bindeglied der Armee zu den Kantonen. Bei Einsätzen zur Unterstützung der zivilen Behörden planen und führen sie Katastrophenhilfe-, Sicherungs- und Unterstützungseinsätze; bei der Verteidigung nehmen sie Schutz- und Sicherungsaufgaben im rückwärtigen Raum wahr. […] Neu werden jeder Territorialdivision vier Infanteriebataillone, ein Geniebataillon und ein Rettungsbataillon unterstellt; zudem kann jeder Territorialdivision für Einsätze ein Militärpolizeibataillon zugewiesen werden. Im Gegenzug werden die Infanterie- und Gebirgsinfanterie-Brigaden aufgelöst. Weil die Infanteriebataillone in erster Linie auf die Erfüllung von Sicherungsaufgaben ausgerichtet werden, wäre ihre Zusammenfassung in Brigaden und eine Führung über zwei Stufen (Territorialdivisionen und Brigade) nicht zweckmässig; zudem würden dadurch mehr Stäbe notwendig. — Schweizerische Bundesrat, “Botschaft zur Änderung der Rechtsgrundlagen für die Weiterentwicklung der Armee”, 09.03.2014, S. 21.
Dem vorzuziehen wäre eine Zwischenlösung. Sie könnte mindestens einen Infanteriebrigadestab beibehalten, samt Führungsunterstützung, Feuerkoordination, Artillerie und Genie, indes ohne fest unterstellte Infanterie. Dieser “Rahmen” würde den neuerdings den Territorialdivisionen unterstehenden Infanteriebataillonen im Turnus den praktischen Schliff der Verteidigungsaufgabe vermitteln und im Einsatz die Führungsstrukturen wertvoll ergänzen. Das wäre neu, würde indes an dem Modell der Reserve- oder “Kaderbrigade” anknüpfen, welches, eingeführt mit der Armee XXI, nach wenigen Jahren eindrückliche Ausbildungsleistungen vorzuweisen hat.
Was wäre mit der für die bundesrätliche Vorlage genauestens berechneten Personaldecke? Ja, ohne eine neue Bilanz ginge es nicht. Sie vor einem entscheidenden Kurswechsel zu fordern, darf man dem Parlament wohl kaum verwehren.