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Nick Moss & the Flip Tops haben seit den späten 90er Jahren CDs veröffentlicht, ihre Diskographie umfasst sechs Alben, und 2006 haben sie dieses Live-Album Live At Chan's veröffentlicht. Es ist die Wiedergabe eines Konzerts vom 14. Juli 2005, gespielt in Rhode Island, namentlich in «Chan's Eggroll & Jazz» in Woonsocket, RI. Die CD beinhaltet den Mitschnitt eines Konzerts mit 11 Titeln, auf vier davon kriegt Multi-Talent Nick Moss (in Personalunion Komponist, Arrangeur, Bandleader Sänger, Gitarrist, und Harp-Player) noch Unterstützung von «Monster» Mike Welch.
Wer Nick Moss noch nicht kennt, hat wirklich etwas verpasst. Nicht nur der grosse Jimmie Rodgers, Freund und Mentor von Moss, war der Meinung, dass diese Junge ganz speziell tief in den Blues eingetaucht ist, auch bei den Redakteuren von Bluesnews.ch laufen die Scheiben sehr häufig. War er vielleicht noch vor wenigen Jahren ein Geheimtipp, so ist Nick Moss nun der «torchbearer», wie das immer genannt wird, also der Fackelträger (wir würden vielleicht eher «Fahnenträger» sagen) des Chicago Blues. Er spielt Blues in der Chicago-Tradition mit einem Quartett, und er spielt ihn so, wie sich das gehört, authentisch und doch modern. Nun, da die alten Chicago-Blueser zum grossen Teil bereits das Zeitliche gesegnet haben (Jimmie Rodgers, Junior Wells, Luther Allison), bzw. da sie sich zusehends ihren musikalischen Horizont erweitern und sich anderer Musik zuwenden (Buddy Guy) ist es schön, wenn es noch Traditionalisten gibt, die klassischen Chicago-Blues spielen möchten. In dieser Form, an Jimmie Rodgers, Michael Bloomfield, Elvin Bishop oder Hubert Sumlin orientiert und natürlich auch an den klassischen Chess-Aufnahmen der 50er und 60er Jahre, hat bekanntlich die Harmonika eine tragende Rolle in der Musik, ferner gibt es noch weniger ausgedehnten Gitarren-Soli über sechs oder sieben Chorus-Wiederholungen. Da auf den klassischen Aufnahmen manchmal kein Bass verfügbar war, übernahmen zwei Gitarren teilweise die Aufgaben des Basses. Wenn einer der Musiker ein Solo hat, halten sich die anderen zurück, aber jedes Solo steht im Dienste des Songs. Chicago-Blues ist Teamarbeit in höchster Vollendung und halt auch heute noch unglaublich fetzig.
Es ist schön, dass jemand diese Musik weiterträgt und am Leben erhält. Noch schöner ist sogar, dass Nick Moss & the Fliptops dies Musik nicht museal zitieren, sondern sie natürlich wieder zum Leben erwecken. Diese CD ist ein schönes Zeugnis ihrer Künste.
Neben den normalen Musikern der Fliptops, Bassist (und zeitweise Gitarrist) Gerry Hundt, Drummer Victor Spann und Piano Willie Oshawny, wird die Band hier bei den Stücken One Eyed Jack, Your Red Wagon, Just Like That und End von «Monster» Mike Welch begleitet, dem Nick Moss so seine eigene Beteiligung auf Welchs Cryin' Hey vergilt. Die CD dauert satte 76 Minuten und ist durchgehend eine tolle Sache. Das Album hat musikalisch Biss, geht enorm in die Füsse, die Band ist gut eingespielt und die Abmischung ist tadellos. Zumindest kommt ein gutes Live-Feeling auf, wenn auch das Piano mitunter nicht so gut zu hören ist. Die Rhythm-Section bringt die Lieder voran mit stetem Puls, insbesondere Victor Spann weiss genau, was ein Blues-Schlagzeug braucht. Seine ausgezeichnete, laid-back Art des Schlagzeugs lässt stets Freiraum für Moss‘ Gitarre.
Der Einsteiger Eggroll Strull, eine Verbeugung vor dem Konzertveranstalter John Chan ist ein Schaustück, in dem die Band für sich selbst einheizt. Check My Pulse ist ein rasanter Standard der Band, wie alle Stücke anscheinend selbst geschrieben (auch The End ist nur vom Titel dem Stück der Doors ähnlich). Danach geht es mit dem Slow Blues I Love the Woman weiter, es folgt der Shuffle I Never Forget, in dem Moss eine böse ins Ohr stechende Gitarre spielt. Sein Solo knattert in perfekter Weise, stets fröhlich und mit elegant fliessenden Soloparts. Schnörkellos und doch phantasievoll ist seine Musik, und diese Mischung macht seine Magie aus.
Mit One Eyed Jack beginnt der Teil mit dem Gast-Auftritt von Welch. Der Song ist eine klassische Chicago-Nummer, bei der Nick Moss die Gitarre gegen die Harp austauscht und entsprechend gibt es reichlich Mundharmonika, und das Stück zieht sich über gemächliche sieben Minuten hin. Auch die anderen Songs mit Welchs Unterstützung klappen gut, die Zusammenarbeit harmonierte an diesem Abend offenbar ausgezeichnet. Willie Oshawny hat zum Schluss nach dem Eröffnungsstück erneut die Gelegenheit, mit Wine-O-Baby Boogie noch mal zu zeigen, was er kann - und das ist nicht von schlechten Eltern. Er legt wirklich gut los, und wie sich das für eine Band im Chicago-Stil gehört, tritt die Gitarre dabei dezent in den Hintergrund. Zum Schluss gibt es mit Move Over Morris ein weiteres Instrumental-Stück.
Die Ganze CD ist fröhlicher, lebendiger Blues, eine CD die man immer wieder hört, sei es am Morgen, weil sie einen mit Energie auflädt und Schwung gibt für den Tag oder sei es durch den Tag, um Druck abzulassen oder um einen Sound auf den Ohren zu haben beim Sport. Schliesslich kann man sie am Abend einlegen, um sie jemandem vorzuspielen, sie einfach nur zu geniessen oder selbst dazu zu dudeln.
Wie gesagt, die ganze Band ist grossartig und die CDs haben ihren jeweils eigenen Charme. Aber da es hier um Live-CDs geht, sei diese ans Herz gelegt.