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Es war im April 1968: Mehrere Mitglieder des Freiburger Studententheaters beschlossen, Freiburg müsse ein richtiges Theater haben. Eines, dessen Bühne für alle Stücke geeignet ist. Eines, das auch für ein nicht-bürgerliches Publikum erschwingliche Preise bietet. Und vor allem eines, das nicht den Restriktionen der Universitätsleitung unterworfen ist. «Wir fanden im Stalden einen erschwinglichen Keller», erinnert sich Gründungsmitglied Joseph Bix Schärmeli, und so entstand es, das Theater am Stalden.
45 Jahre später dient der Keller immer noch dem Theater, seit 1992 ist es aber das Kellerpoche, welches die Räume für seine Inszenierungen benutzt. Dieses hat letztes Jahr sein 20-jähriges Bestehen gefeiert, heute Abend gedenkt es seiner Wurzeln (siehe Kasten)–des Theaters am Stalden.
Vielseitiges Programm
Zunächst nur von deutschsprachigen Studenten geführt, kamen zum Theater im Stalden schnell eine französischsprachige, später sogar eine englischsprachige Schauspieltruppe hinzu. Zudem organisierten die Verantwortlichen regelmässig Gastspiele: Kammerorchester, Jazzbands, Theater- oder Cabaretgruppen kamen zu Besuch. «Wir hatten kaum Geld», sagt Max Jendly, Jazzmusiker und während mehreren Jahren Leiter der französischsprachigen Truppe. Trotzdem habe man es immer wieder geschafft, talentierte Leute nach Freiburg zu holen, sagt Jendly und zählt stolz einige der Künstler auf, welche im Kellertheater gastiert haben: Emil Steinberger, Franz Hohler, Maurice Chappaz und schliesslich auch Mummenschanz. «Die hatten einen ihrer ersten Auftritte bei uns», sagt Jendly und schwärmt: «Es war wunderbar: Die Poesie, die neuen Ideen–jede Szene war ein Bild.»
Hilfe vom Staatsrat
Dass die knappen Finanzen viel freiwilliges Engagement erforderten und manchmal auch Probleme boten, merkte Joseph Bix Schärmeli schnell, beispielsweise als das Theater einen Flügel kaufen wollte. Da der Flügel nicht durch den engen Eingang zum Keller passte, beschlossen Schärmeli und seine Kollegen, die Bretter im Abstellraum über der Bühne herauszusagen, um so das Instrument abseilen zu können. Da das Theater nicht 5000 Franken zur Verfügung hatte, sollte der Flügel in Raten abbezahlt werden. «Die Lieferfirma befürchtete jedoch, dass sie das Instrument nicht mehr aus dem Keller brächte, und wollte deshalb eine sofortige Bezahlung», erzählt Schärmeli. Dank der Mithilfe des Staatsrats, welcher das benötigte Geld vorübergehend zur Verfügung stellte, konnte die Truppe das Instrument doch noch behalten.
Von der Bühne gefallen
Mit diesem Flügel sind auch weitere Anekdoten verbunden, die Schärmeli und Jendly zu berichten wissen. Einmal habe das Theater einen amerikanischen Boogie-Pianisten eingeladen, erzählt Jendly. «Als er–eine halbe Stunde zu spät–endlich aufgetaucht ist, war er so blau, dass er von der Bühne gefallen ist.» Mit einiger Mühe hätten es die Verantwortlichen schliesslich geschafft, ihn ans Klavier zu setzen. «Dort hat er zwei falsche Akkorde gespielt, dann ist er eingeschlafen», so Jendly.
Kein Aprilscherz
Positiver ist die Erinnerung an den Besuch des Pianisten Roman Rudnytsky. Seine Freunde vom Konservatorium hatten ihn überzeugt, nach Freiburg zu kommen. Da ihre Säle jedoch zu klein für ein solches Konzert waren, fragten sie das Theater am Stalden an. «Unser Klavierstimmer dachte zunächst, es sei ein Aprilscherz. Als er gemerkt hat, dass Rudnytsky tatsächlich kommt, hatte er beinahe einen Nervenzusammenbruch und verbrachte den restlichen Tag mit dem Stimmen des Flügels», sagt Schärmeli.
Auch wenn die Geschichten schon lange vorbei sind und das Theater am Stalden nicht mehr existiert: Sobald die Ehemaligen zu erzählen beginnen, scheint es, als wäre es erst gestern gewesen.
Nostalgie: Bilder, Dokumente, Anekdoten und ein roter Stuhl
M it Bildern, Schriften und Anekdoten die Zeit vor dem Kellerpoche entdecken – dies ist das Ziel der heutigen Veranstaltung an der Samaritergasse. «Wir holen Anlauf in der Vergangenheit, um mit neuem Elan vorwärtszugehen», sagt Nadine Sauterel, Presseverantwortliche. Eine Rückbesinnung auf das mehrsprachige Theater am Stalden sei auch deshalb sinnvoll, weil sich das deutschsprachige Kellerpoche zunehmend zweisprachig präsentieren wolle.
Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr mit einem Apéro. Danach folgen Ansprachen von Klaus Hersche, langjähriger Direktor des Theaters am Stalden, sowie Hans Aebersold, Vorstandsmitglied des Kellerpoche. Anwesend sind auch die ehemaligen Mitglieder Max Jendly und Joseph Bix Schärmeli. Wer das Theater am Stalden selbst miterlebt hat, kann seine Geschichten und Anekdoten im «Raum der Erinnerungen» zum Besten geben. Während des Abends gibt es einige Darbietungen mit Ehemaligen, am Schluss folgen ein Konzert und Musik von DJ Karl und DJ Valentin.
Zudem sind Fotos, Dokumente und Originalrequisiten ausgestellt, beispielsweise der Stuhl aus dem Stück «Die Kleinbürgerhochzeit». rb
Kellerpoche, Samaritergasse 3, Freiburg. Sa., 4. Mai, 18.00 Uhr.