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1758: Bau der Gnadenkapelle für die Heiligblutreliquie
Das Wunder der Heiligbluthostie führte zum Bau einer Kapelle
1758 wurde unter der Äbtissin Maria Angela Katharina von Hermanin zu Reichenfeldt die heutige Gnadenkapelle für die Verehrung der Heilig-Blut-Hostie errichtet. Diese Hostie geht auf ein wundersames Ereignis im 13. Jahrhundert zurück und begründete die Wallfahrt nach Müstair. 1767 schenkten Wohltäter zwei neue Altäre zu Ehren dieses Wunders. Einer steht heute noch an der Ostwand der Kapelle.
Die Reliquie geht verloren, das Gnadenbild findet seinen Platz in Müstair
1799, 41 Jahre nach dem Bau der Kapelle, wurde die Heiligblutreliquie während des zweiten Koalitionskrieges von den Franzosen geraubt. Es ist anzunehmen, dass dabei auch die Kapelle Schaden erlitt. Erst 1838 mit der Überführung des Gnadenbildes von Santa Maria konnte die Wallfahrt neu entfacht werden. Das Altarretabel wurde an das Gnadenbild von 1621 angepasst.
Votivgaben und bunte Papierrosen
An der Westwand hängen die Votivgaben, religiöse Weihgaben, die entweder die Bitte um eine Gnade oder den Dank für Empfangenes ausdrücken. Die Besucher können auf einem Blatt Papier, das mit einer Papierrose verziert ist, ihre Bitte oder Danksagung, ihr Gebet oder ihre Fürbitte aufschreiben und an die Votivtafel hängen. Die Nonnen von Müstair nehmen diese Bitten und Danksagungen regelmässig von der Votivwand ab, um sie dann in ihre Gebete einzuschliessen.
Restaurierungen im 20. und 21. Jahrhundert
1904 musste das Kapelleninnere erneut ausgemalt werden. Herabstürzende Schneemassen hatten 1902 das Dach eingedrückt. 1938, anlässlich der 150 Jahr-Feier der Überführung des Gnadenbildes nach Müstair, wurde die Kapelle erneut verschönert. Josef Malin versah sie mit Stuckaturen und montierte die karolingische Marmorplatte als Antependium vor den Altarstipes.
1949-1951 wurden die aktuellen Südfenster mit den Heiligen Placidus und Nikolaus von Flüe angebracht, der Boden mit Granitplatten abgedeckt und Strom zu den Wandlampen gelegt. Im Winter 1994/1995 schädigte durch Eis zurückgestautes Schmelzwasser die Stuckaturen erheblich. 2006 wurde das Dach erneuert und 2010 das Innere restauriert.