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Im Schatten der US-Wahlen stand gestern Swiss Banker Christos B. vor dem Richter in Florida. Nach fast 2 Jahren Zwangsaufenthalt ist B. geständig und darf jetzt heim zu Frau und Kindern.
Gratis erfolgt die Rückkehr nicht. Sie wird vor allem für eine der Schweizer Kantonalbanken zur grossen Gefahr.
Die enge Verflechtung zu einem Staatsinstitut kommt erst allmählich zum Vorschein. Offiziell war der Verurteilte zuerst lange Jahre für die UBS und ab 2009 für die CS tätig.
Seine Steuertaten hatte B. nicht in CS-Diensten begangen, sondern zuvor im Sold der UBS.
Zuerst war B. jahrelang US-Offshorebanker und tat, was alle taten. Er half vermögenden Amerikanern beim Geldverstecken auf Schweizer Bankkonten.
Als der Steuerkrieg im 2008 mit Wucht ausbrach, empfahl B. seinen US-Kunden eine „Cantonal Bank“, um dort ihr Schwarzgeld in Sicherheit zu bringen.
Dies gibt B. in seinem Geständnis zu. Demnach habe B. seinen Kunden empfohlen, „they could transfer the undeclared account at UBS AG to a new undeclared account at a Swiss cantonal bank because the cantonal banks do not do business in the United States“.
Hinter der „Cantonal Bank“ könnten mehrere Kantonalbanken stehen.
Es droht ein zweiter Fall Wegelin. Die St. Galler Privatbank hatte sich Anfang 2012 in Not verkauft, weil eine US-Anklage drohte. Wegelin lief Gefahr, vom Dollar-Verkehr abgeschnitten zu werden.
Der gestern verurteilte Banker B. musste weitreichende Bedingungen akzeptieren.
B. „agrees that he shall cooperate fully with the United States“, steht in seiner Übereinkunft. Die USA können zudem „documents, records and other evidence“ von B. einfordern und ihn an „grand jury proceedings“ aussagen lassen.
Damit sind die USA für einen allfälligen Prozess gegen eine Schweizer Bank gerüstet. Die Amerikaner haben in Banker B. einen Kronzeugen.
Das Muster ist bekannt. Für den Vorstoss gegen Wegelin hatten die USA ebenfalls ein Geständnis in der Tasche.
Daniel S., ein Ex-.Kadermann von Wegelin, war in den USA Ende 2010 verhaftet worden und musste für seine Freilassung kooperieren.
Im Fall UBS war Generaldirektor Martin L. entscheidend. Der Topmanager war den Amerikanern im Frühling 2008 ins Netz gegangen und soll im Gegenzug für seine Kooperation eine Garantie auf Straffreiheit erhalten haben. Offiziell bestätigt wurde das nie.
Das blinde Vertrauen von gewissen Kantonalbanken auf externe Vermögensverwalter könnte den Staatsinstituten zum Verhängnis werden.
Damit wäre auch der jeweilige Kanton in der Pflicht.
Banker B. war mit Renzo G. eng befreundet. Die Zwei waren zu UBS-Zeiten ein eingespieltes Team.
Ende 2008 war Schluss bei der UBS. What’s next?, fragten sich die zwei Freunde.
Der Eine – es war Banker B. – ging zur CS, der Andere – Renzo G. – machte sich selbstständig. Er sass ins Büro seines früheren Chefs.
Dieser Ex-Chef hatte viele US-Kunden seit Jahren bei einer Kantonalbank verbucht. Renzo G. tat nun das Gleiche mit seinen Klienten.
Was war naheliegender, als dass Christos B. seinen verbliebenen US-Kunden ebenfalls eine Konto bei einer Kantonalbank empfahl?
Die USA sprechen immer nur von „Cantonal Bank“. Derzeit sind zwei Kantonalbanken offiziell im Visier der USA.
Ins Spiel kommt die ebenfalls gejagte Neue Zürcher Bank (NZB). Diese existiert nicht mehr.
Bei der NZB war Hansruedi S. der wichtige Mann für die US-Geschäfte. S. war einst grosser Chef aller US-Offshore-Banker bei der UBS. Er ist einer von vielen Angeklagten im US-Steuerkrieg.
Die Berater schufen für ihre US-Kunden offenbar zwei Welten: eine versteuerte und eine unversteuerte.
Das weisse Vermögen lagerten sie bei der UBS und der CS, die mit ihren Ablegern in den USA das Schwarzgeld-Risiko zunehmend scheuten.
Das unversteuerte Vermögen lagerte via externe Verwalter bei weniger exponierten Banken.