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Ist die Sorge um die Zukunft der pazifischen Lachsarten, die bereits jetzt mit den Auswirkungen des Klimawandels kämpfen, möglicherweise unbegründet? Ein Forschungsteam der University of Alaska Fairbanks beobachtete in zwei Flüssen in Alaskas North Slope Gebiet im vergangenen September laichende Ketalachse — ein Zeichen der Anpassung an die globale Erwärmung?
Während etablierte Lachspopulationen wie diejenigen in Kalifornien rückläufig sind, werden in arktischen Flüssen immer mehr Lachse beobachtet. Im Rahmen eines von der University of Alaska Fairbanks (UAF) geleiteten Projekts entdeckte das Forschungsteam etwa 100 Ketalachse (Chum salmon, Oncorhynchus keta) in den Flüssen Anaktuvuk und Itkillik, die in den Colville River münden, in Alaskas North Slope Borough. Alle Lachse, die die Forschenden fingen, waren entweder gerade am Laichen oder hatten ihren Laichvorgang abgeschlossen.
Die Forschenden sind zwar nicht die ersten, die laichende Ketalachse in den Flüssen in Alaskas North Slope Borough entdeckt haben — die Fische werden regelmäßig gesichtet und gefangen —, aber in den letzten Jahren steigt ihre Zahl. Ketalachse sind die im Nordpazifik am weitesten verbreiteten Lachse. Sie kommen im gesamten Nordpazifik vor und sind in ganz Alaska zu finden. Allerdings ging ihre Zahl in den südlicheren Yukon- und Kuskokwim-Flusssystemen in den Jahren 2020 und 2021 zurück, was die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) auch auf die steigenden Temperaturen zurückführt.
Peter Westley zufolge, außerordentlicher Professor am College of Fisheries and Ocean Sciences der UAF und Leiter des Projekts, stimmt ihre Entdeckung mit der Hypothese überein, dass die Lachse nach Norden gedrängt werden, weil sich ihr traditioneller Lebensraum verändert. In einer Pressemitteilung der Universität erklärte er, dass es den Lachsen in den meisten Teilen ihres Verbreitungsgebiets zu warm geworden ist und sie beginnen abzusterben. «In der Arktis wird das Wasser warm genug und sie fangen an, sich zu etablieren», so Westley.
Bereits im vergangenen Dezember befassten sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Gemeindemitglieder und indigene Fischer in einem Workshop des Alaska Sea Grant Programms mit der zunehmenden Anzahl von Lachsen, die im Arktischen Ozean beobachtet wurden, und deren möglicher Herkunft. Die Forschenden wurden auch aufgrund dieses Workshops auf das Wassereinzugsgebiet des Colville River südwestlich von Prudhoe Bay aufmerksam.
«Ein zentrales Thema war, dass es am North Slope schon immer Lachse gegeben hat, dass sie aber in den letzten Jahren zunehmen», sagt Elizabeth Mik’aq, Studentin an der UAF, die bei der Organisation des Workshops half. «Ich möchte unsere Entdeckung nicht als die allererste darstellen. Das würde voraussetzen, dass noch nie jemand so etwas gesehen hat, obwohl die Menschen schon seit Tausenden von Jahren dort leben.»
Ob die Fortpflanzung der Ketalachse in den arktischen Flüssen erfolgreich sein wird, ist noch ungewiss. Sollten die Flüsse über den Winter vollständig gefrieren, haben die sich entwickelnden Embryos keine Chance. Daher platzierte das Forschungsteam in einigen der Lachsnester Temperatursensoren.
Im Herbst 2024 wollen die Forschenden zurückkehren, um nach Junglachsen und neuen laichenden erwachsenen Lachsen zu suchen. Darüberhinaus wird das Team Lachsknochen und -gewebe analysieren, um herauszufinden, ob die Lachse ihr ganzes Leben in arktischen Gewässern verbracht haben.
Ketalachse sind mit einer Länge von bis zu 100 Zentimetern die zweitgrößten pazifischen Lachse, nur der Königslachs (Chinook salmon, Oncorhynchus tshawytscha) wird größer. Wie alle Lachse ist der Ketalachs anadrom, d.h. erwachsene Tiere wandern von ihrem marinen Lebensraum in Süßgewässer, um zu laichen. Junge Ketalachse bleiben anders als die anderen pazifischen Lachse nur relativ kurz in den Flüssen und wandern bald nach dem Schlüpfen den Fluss hinab in die Mündungen und marine Gewässer. Wenn sie größer werden, wandern sie in den offenen Nordpazifik. Im Alter von drei bis sechs Jahren kehren sie in das Gewässer zurück, in dem sie zur Welt gekommen sind, um selbst zu laichen. Meist laichen sie im Unterlauf von Flüssen und Bächen und wandern nicht weiter als etwa 100 Kilometer vom Ozean entfernt. Nach dem Ablaichen sterben alle Ketalachse und bilden so die Nährstoffgrundlage für ihren Nachwuchs.
Julia Hager, PolarJournal