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Kann ein Slam-Poet sich einfach hinsetzen und ein Theaterstück in die Tasten hauen? Nein, erklärt Gabriel Vetter und beschreibt: «Unter Angstschweiss musste ich mich am Anfang fragen, wie man eigentlich ein Theater schreibt». Als Slam-Poet sei er es gewohnt gewesen, kurze zu schreiben. «Und dann musste ich plötzlich ein 1,5-stündiges Werk schreiben», so Vetter.
Die Schweiz als Vergnügungspark
Das Stück «Der Park» widmet sich einem Thema, das Gabriel Vetter schon lange beschäftigt. «Es geht um die Disneyifizierung eines Landes. Ein privater Unternehmer kauft die Schweiz und macht aus ihr eine VIP-Lounge», beschreibt der junge Autor. Es dürften nur noch reiche Menschen in die Schweiz einreisen, die sich hier erholen wollen. Die Schweiz als Erholungsressort, als Natur-Oase für Gutbetuchte. «Die Klischees sind gewollt», meint Vetter.
Die Idee für dieses Stück hat er der Realität entnommen. Auch in Basel erkenne er eine Disneyifizierung. Der Novartis-Campus sei ein gutes Beispiel für ein Stück Land, das Privaten gehört und als abgeschottetes Land existiert. «Das Unternehmen macht sich einen Teil der Stadt zu eigen.»
Stein am Rhein als Modell
Der eigentliche Novartis-Campus befinde sich jedoch gar nicht in Basel, so Gabriel Vetter. «In Stein am Rhein, wo ich aufgewachsen bin, gibt es die Jakob und Emma-Windler-Stiftung. Diese Stiftung basiert auf Sandoz-Gründeraktien. Seit der Fusion mit der Ciba-Geigy ist diese Stiftung unglaublich reich. Mit diesem Geld wurde Stein am Rhein renoviert und zu einem künstlichen mittelalterlichen Dorf herangezüchtet.» Es sehe aus wie ein Freilicht-Museum, wie ein folkloristischer Novartis-Campus.
Der Rythmus ist wichtig
Seine Wurzeln als Slam-Poet lasse er in das Theaterstück einfliessen. «Ich schreibe sehr rythmisch. Ich sehe mich eher als Schlagzeuger denn als Schreiber», beschreibt Vetter. Am Verfassen von längeren Texten habe er Freude bekommen. «Es ist ein tolles Jahr hier am Theater». Er könne sich gut vorstellen, weiterhin lange Sachen zu schreiben. Und er will die Verbindung zum Theater aufrecht erhalten.
Zu hohe Eintrittspreise
Wie erlebt er denn die Stimmung am Schauspielhaus? Das Schauspielhaus, das sich bemüht, mehr und vor allem auch jüngere Zuschauer anzuziehen? Er sei gut integriert, so Gabriel Vetter, der sonst in der freien Theaterszene zu Hause ist. Und er spüre das Bemühen der neuen Schauspiel-Leitung, junge Formate auszuprobieren und das Theater zu öffnen. Seiner Meinung nach aber müsste vor allem eines verändert werden: «Ein Theater kann nicht Teil einer Stadt werden, wenn durch die Eintrittspreise bereits 50 Prozent der Bevölkerung ausgeschlossen wird. Kein Wunder kommt niemand, wenn der Eintritt 60 Franken kostet.»