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Alt Regierungsrat Samuel Brawand wird 100 jährig
13. Mai 1998 Medienmitteilung
Als am 31. August 1947 Samuel Brawand in einer Ersatzwahl für den im Amt verstorbenen Regierungsrat Ernst Reinhard gewählt wurde, stellte in einer Oberländerzeitung einer seiner ehemaligen Schüler fest, ?Eines ist sicher: Der Kanton Bern verliert mit der Wahl von Sämi Brawand einen ausgezeichneten Lehrer, gewinnt jedoch einen hervorragenden Regierungsrat?.
In Grindelwald geboren und aufgewachsen, holte er sich im Seminar Hofwil/Bern das Rüstzeug zum Primarlehrer, um dann in seinem Heimatdorf seit 1918 als Lehrer und - wie sein Vater - seit 1919 als Bergführer zu wirken. Sein Engagement für die notleidenden Bergbauern öffnete dem Sozialdemokraten bald einmal den Weg zu einer markanten politischen Laufbahn: 1933 Eintritt in den Grossen Rat, 1935 Wahl in den Nationalrat, dem er bis 1947 und dann wiederum ab 1955 bis Ende 1967 angehörte.
Während der Dauer seines Wirkens in der bernischen Kantonsregierung (1947 bis Ende Mai 1962) führte Samuel Brawand die Direktion der Bauten und Eisenbahnen. Seine Amtszeit fiel in die Nachkriegsjahre, als eine Fülle von Bau- und Verkehrsbedürfnissen, die in den Kriegsjahren hatten zurückgestellt werden müssen, der endlichen Realisierung harrten. In seiner Abschiedsrede vor dem Grossen Rat, am 19. Februar 1962, gab der heutige Jubilar einen Ueberblick: ?Ich selbst war erstaunt, als ich hörte, dass ich ungefähr 700 Kreditvorlagen vor den Rat gebracht habe ... Das gibt zusammen rund 740 Millionen Franken ... Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie nicht einen einzigen Kredit, soviel ich mich erinnern kann, zurückgewiesen haben?.
Vergessen wir nicht, dass neben all den Universitätsbauten (die Veterinär-medizinische Fakultät verlieh ihm den Ehrendoktor), Verwaltungsbauten, Strassenbauten, Eisenbahn-Sanierungen, Wasserkraft-Anlagen usw., die zum Geschäftsbereich seiner Direktion gehörten, Samuel Brawand als Präsident der Kommission für die Planung des schweizerischen Nationalstrassen-Netzes auch der eidgenössischen Verkehrspolitik den Stempel aufdrückte. Die Einweihung des ersten richtigen Nationalstrassenabschnittes in der Schweiz, der Grauholz-Autobahn, am 10. Mai 1962, war gleichsam Krönung und Abschluss von Brawands Lebenswerk als Strassenbauer.
Vom Juli 1962 bis Ende Juni 1968 wirkte Samuel Brawand hierauf als Direktor der BLS/BN sowie der mitbetriebenen Linien, wobei in dieser Zeit noch jedes Jahr von der Zunahme der Frequenzen im Personen- und Güterverkehr und damit von steigenden, positiven Betriebsergebnissen berichtet werden konnte. In dieser Zeit wurde auch der Vertrag betreffend einer Uebernahme der BLS durch den Bund ausgearbeitet (September 1966), der dann aber vom Bund nicht mehr weiterverfolgt worden ist.
Seit Mitte 1968 konnte sich der Jubilar dem dritten Lebensabschnitt, dem wohlverdienten ?otium cum dignitate? widmen. Nicht nur die Grindelwaldner Bevölkerung konnte sich an heimatkundlichen Arbeiten Brawands erfreuen, seine sprachkundlichen Beiträge im ?Stübli? des Berner ?Bund? legten auch im weiteren Bernbiet davon Zeugnis ab, dass der Grindelwaldner Bergführersbub trotz seiner beeindruckenden Karriere die Verwurzelung in seinem Heimatdorf, in das er zu-ückkehrte, nie verloren hat.
Die Berner Regierung - und mit ihr das Bernervolk - wünschen dem Jubilar ein gesegnetes und glückhaftes Geburtstagsfest und für die weitere Zukunft von Herzen alles Gute!
Elisabeth Zölch-Balmer, Regierungspräsidentin