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Wie Migros die Konsumenten tuscht: Migros Tierquler-Produkte (3. Teil)
[VN 3/97 Migros: Tierqulerischer Verkauf
von lebenden Speisefischen]
[VN 4/97 Wie Migros die Konsumenten tuscht, 5. Teil]
von Erwin Kessler
Die Migros hat mich wegen Ehrverletzung eingeklagt, weil ich ihr vorgeworfen habe, Tierqulerprodukte zu verkaufen und die Konsumenten zu tuschen. Hier die Fortsetzung aus dem umfangreichen Wahrheitsbeweis.
Irrefhrende Etiketten
Im Frhjahr 1996 entdeckte ein Konsument, dass er durch Etiketten auf einer Poulet-Packung im Migros, welche Hhner im Freien zeigen, entuscht worden war In Tat und Wahrheit verbringen diese Hhner ihr ganzes Leben in tierqulerischer Intensivhaltung in geschlossenen Hallen. Auf der Etikette heisst es "Aargauer Gggeli, M-Qualitt, Qualit Kneuss Geflgel AG, 5506 Mgenwil", dazu eine Abbildung einer Schar Hhner bestehend aus vier Hennen und einem Hahn, im Hintergrund offene Landschaft: Berge, Wolken, Sonne. Diese Abbildung vermittelt den Eindruck einer buerlichen Hhnerschar, angefhrt von einem Hahn, die sich glcklich im Freien tummelt.Wie kommt Migros dazu, Poulets aus Intensivhaltung mit einem solchen Etikett zu versehen, wenn nicht mit der Absicht, die Konsumenten zu betrgen?
Tierqulerische Intensivmast
Die Intensivmast von Poulets (Hhner) und Truten, wie sie von der Migros-Tochter "Optigal" betrieben wird, ist ein typisches Beispiel fr Massentierhaltung und Entwrdigung des Tieres zum blossen Produktionsmittel. In artgerechtem Umfeld werden die Hhner von einer brtigen Glucke ausgebrtet und dann als Kken noch ca fnf Wochen lang gefhrt und behtet. Die Kken finden im Gefieder der Glucke Geborgenheit. So werden die Jungen von Geburt an in die Gruppe, bestehend aus ein paar Dutzend erwachsenen Hennen und einem oder mehrerer Hhne, eingegliedert. In der Gruppe besteht eine ausgeglichene soziale Ordnung. Der Tagesablauf beginnt frhmorgens bei Tagesanbruch mit Futtersuche. Dieses Futtersuchverhalten, verbunden mit fleissigem Scharren und Picken, zeigen die Hhner auch dann, wenn sie reichlich gefttert werden. Die Umgebung Erkunden, Scharren und Picken sind angeborene arttypische Verhaltensweise, die auch dann ausgefhrt werden mssen, wenn das objektiv zur Futterbeschaffung gar nicht ntig ist. Werden diese angeborenen Verhaltensweisen durch die knstliche, naturentfremdete und eintnige Umgebung einer Masthalle verunmglicht, ergibt sich ein Triebstau - Aggressionen und Verhaltensstrungen sind die Folge die Tiere leiden Diese Tatsachen sind heute gut erforscht und knnen in der nutztier-ethologischen Literatur nachgelesen werden. Fr Truten ist die Situation weitgehend hnlich.
In der auch von Migros betriebenen Poulet- und Trutenmast werden Hochzuchttiere zur Mast verwendet, die allein schon infolge ihrer extremen berzchtung stark leiden: Das Wachstum ist derart extrem auf raschen Fleischansatz gezchtet, dass das Skelettwachstum nicht mithalten kann. Die Tiere leiden hufig an Skelettdeformationen und Beinschden. Viele knnen kaum mehr richtig gehen und verbringen deshalb den grssten Teil der Zeit artwidrig im Liegen auf dem Boden. Sitzstangen fr ein artgerechtes Sitzen fehlen oder knnen infolge der berzchtung gar nicht mehr angeflogen werden. Die Tiere werden in Brutschrnken ausgebrtet, dann werden die Kken zusammen mit 5000 gleichaltrigen Leidensgenossen in eine Migros-Optigal-Masthalle eingestallt - mutterlos, ohne erwachsene Leittiere. Ein unendliches Meer von kleinen, mutterlosen Kken. Innert der Rekordzeit von 45 Tagen erreichen sie die Grsse erwachsener Hhner und ein Schlachtgewicht von 1,5 bis 2,0 kg - hilflose, leidende Riesenbabies. Wenn sie diese Grsse erreicht haben, ist der Hallenboden nahezu bedeckt, Tier an Tier - Massentierhaltung.Im Schlachthof werden die Hhner aus den engen Transportkisten gerissen und bei vollem Bewusstsein mit den Fssen - Kopf nach unten - an ein Transportband gehngt. Daran schweben sie langsam dem Elektrobetubungsbad entgegen, nach einiger Zeit ihr panikartiges Flgelschlagen erschpft aufgebend In der Werbung bezeichnet Migros diese Tierqulerprodukte dann als "Poulets von glcklichen Hhnern" oder als "einheimisches Frischgeflgel, das unter natrlichen Bedingungen aufgewachsen ist".
Belege fr die in der Trutenmast hnlich wie in der Pouletmast praktizierte rcksichtslose Tierausbeutung und Tierqulerei - K-Tip Nr 14/95: Knochenharte Qulerei. Brutale Zucht: Gemstete Truten sind krank, aggressiv und viel zu schwer... Diese Zucht ist eine Tierqulerei. Doch der Bund schaut zu.
- K-Tip Nr 17/95): Glckliche Truten? Der Gegflgelproduzent Optigal
Migros reagiert abwiegelnd auf den Trutenreport des 'Kassensturz'. Nach dem Bericht ber die Qulereien in den Trutenstllen haben sich Konsumentinnen beim grssten Schweizer Trutenproduzenten Optigal beschwert Ein Antwortschsreiben der Migros-Tochter liegt nun vor. Darin schiesst Optigal gegen den Kassensturz: Optigal-Truten htten - entgegen den Aussagen im Bericht - keine Fortbewegungsprobleme... Sind Optigal-Truten also glcklicher als andere? Schn wr's... Auch Optigal-Truten sind aufs belste berzchtet und leiden an Beinproblemen. Eine Studie an der Uni Bern ergab: 97 Prozent der untersuchten Optigal-Truten haben Schden an den Beinknochen. - Zeitschrift "Prf mit" des Konsumentinnen Forums vom 7.11.94: Alles ber Truten - nichts fr schwache Nerven. Trutenmasthallen: die amtlich bewilligte Tierqulerei.
Pseudo-Freiland-Poulets
Der Alibiauslauf der M-Sano-"Freiland"-Poulets dient weniger den Tieren, als der Tuschung der Konsumenten und der Erschleichung von Direktzahlungen des Bundes fr "Freiland"-Tierhaltung. Die Konsumenten werden gleich doppelt betrogen: Einmal beim Einkauf solcher Produkte und ein zweites mal als Steuerzahler durch zweckentfremdete Landwirtschaftssubventionen. Der Kassensturz des Schweizer Fernsehens hat am 8.10.96 einen Bericht ber diese tuschende Pseudo-Freiland-Pouletmast der Migros gesendet. Im begleitenden Bericht im "K-Tip" vom 16.0.96 heisst es dazu: Unglckliche M-Glucken: Die vierfarbigen Anzeigen, die fr die "glcklichen" Optigal-Hhner werben, versprechen zuviel. Die Recherchen des Kassensturz zeigen: Die Freilandhhner der Migros halten sich kaum im Freien auf. In ganzseitigen Inseraten preist der Grossverteiler seine Mre-Josephine-Poulets aus "kontrollierter Freilandhaltung" als "glcklich gackernde Freilandhhner" an....
Der Kassensturz hat fnf Stlle aufgesucht. Die glcklich gackernden Hhner im Freiland fand das Reporterteam allerdings kaum. Von den 4500 Tieren pro Herde waren auf einem Betrieb nur wenige hundert im Freien. Auf den anderen gleich grossen vier Betrieben bewegten sich sogar deutlich weniger als 100 Hhner im Freien - und dies trotz schnstem Herbstwetter.
Hans-Ulrich Huber, der Geflgelexperte des Schweizer Tierschutzes (STS), ist darber nicht erstaunt. "Die Masthhner der Migros sind massiv berzchtet." Folge: Die Tiere sind gesundheitlich angeschlagen. Sie neigen zu Leberverfettung, Kreislaufkollaps und vor allem zu Trgheit. 80 Prozent ihres Lebens verbringen die Tierchen liegend. Sie knen sich mehrheitlich gar nicht mehr ins Freie begeben. Und: Fr eine echte Freilandhaltung sind die Hhnerherden viel zu gross. Fr viele Tiere ist der Weg ins Freie versperrt. Denn im Stallinnern drngt sich Huhn an Huhn, rund 4500 insgesamt. Die Ausgnge auf die Wiese befinden sich aber nur auf einer Seite des Stalles. Oft haben die Hhner auch Angst, ihr Futter unter dem freien Himmel zu picken. Denn vor den Stllen fehlen Bume, die ihnen Schutz vor Raubvgeln bieten. Der Geflgelexperte Hans-Ulrich Huber spricht deshalb von Etikettenschwindel. "Das ist eine Alibi-Freilandhaltung. Der Konsument stellt sich unter Freilandhaltung Hhner vor, die sich ber lngere Zeit whrend mehreren Stunden pro Tag im Freien aufhalten." Das sei bei den Mre-Josphine-Hhnern der Migros-Tochter Optigal klar nicht der Fall und deshalb eine Tuschung des Konsumenten. Dass die Mre-Josephine-Freilandhhner der Migros in der Tat kaum mehr ins Freie gehen, besttigt eine Untersuchung des renommierten staatlichen Instituts fr Umweltschutz und Landwirtschaft in Liebefeld BE: Wissenschaftler fanden in Bodenproben, die sie im Freien genommen hatten lediglich ein bis zwei Prozent Hhnerkot. Verrechnet mit einem 40-tgigen Hhnerleben bedeutet das: Ein Mre-Josphine-Freilandhuhn verbringt maximal einen Tag seines Lebens im Freien. Damit nicht genug: Mre-Josphine-Poulet-Mster kassieren fr die kontrollierte Freilandhaltung auch noch Geld vom Staat - ber 4500 Franken pro Betrieb und Jahr.
Schweizer Poulets-Schnitzel aus China
Die folgenden Beobachtungen sind im Zeitraum September/Oktober 1996 gemacht worden: "Schweizer-Produkt" steht auf der Migrso-Geflgel-Schnitzel-Packung. Nur wer das Kleingedruckte sehr genau lies,t merkt schliesslich, dass das Geflgelfleisch aus China kommt. Das Bestreuen mit Schweizer Paniermehl gengt offenbar bei Migros, um aus chinesischem Geflgel ein Schweizerprodukt zu machen. Hans Heinzelmann, stv Direktor und Leiter des Marketing Fleisch beim MGB erklrte im Brckenbauer vom 21. Juni 1995: ... Wir haben 1982 ein erstes Tierschutzleitbild erstellt. In diesem haben wir unsere Mitverantwortung fr eine tiergerechte Nutztierhaltung und den Respekt vor dem Tier festgehalten. Dieses Leitbild wurde 1990 berarbeitet und beinhaltet als Kernaussage, dass wir fr Lieferanten aus dem Ausland die gleichen Anforderungen an Tierhaltung und Tiertransporte stellen wie in der Schweiz.
Wenn Heinzelmann mit "gleichen Anforderungen" die gleiche Tierqulerei wie in der Schweiz meint, kann man ihm vielleicht keine Lgenhaftigkeit vorwerfen. Eine Tuschung der Konsumenten ist es allemal, berhaupt von "Respekt vor dem Tier" und entsprechenden "Anforderungen" zu reden. Wenn das wahr wre, mssten die Tiere in China ja besser gehalten werden als die Menschen! Kritische Konsumenten, die kein chinesisches Pouletfleisch mchten (zB angesichts der Unterdrckung Tibets durch China), werden mit sturmem Kopf vom Einkaufen im Migros zurckkommen: Das Lesen des Kleingedruckten ist oft schon rein physisch ein schwieriges Unterfangen, und wer sich bemht, sich an der kleingedruckten Deklaration zu orientieren, wird sich bald desorientierter als vorher fhlen: Da gibt es nicht nur Schweizer Poulet-Schnitzel aus China, sondern auch solche, die offenbar nirgendwoher kommen: jedenfalls kann man die Packungen hundert mal drehen und wenden und alles nochmals auf Deutsch, Franzsisch und Italienisch durchgehen: nirgends ein Hinweis auf die Herkunft, obwohl die Herkunftsdeklaration gesetzlich vorgeschrieben ist. Teilweise ist gar nichts oder einfach "Schweizer-Produkt" aufgestempelt, aber was das wert ist, zeigen die Schweizer China-Poulets Was wohl auch die wenigsten Konsumenten wissen: Gemss eidgenssischer Zollstatistik sind im letzten Jahr folgende Mengen an Geflgel aus China importiert worden:
-Brste von Hhnern: 92 Tonnen,
-andere Stcke von Hhnern: 25 Tonnen,
-Stcke und Schlachtnebenprodukte (ohne Lebern) gefroren, von Hhnern: 938 Tonnen,
-gefrorene Brste von Hhnern: 1899 Tonnen,
-andere Stcke und Schlachtnebenprodukte: 24 Tonnen,
-Brste von Truthhnern: 24 Tonnen,
-Stcke und Schlachtnebenprodukte von Enten: 11 Tonnen.
En Guete!
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