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Ob NLA oder NHL ist einerlei: Wenn der Erfolg ausbleibt, wird der Trainer gefeuert. Inzwischen scheitern die Trainer in der NHL aus den gleichen Gründen wie bei uns.
Paul MacLean stiess die Faust triumphierend in die Höhe. Seine Ottawa Senators hatten gegen Vancouver soeben 4:3 in der Verlängerung gewonnen. Nach einem 0:3-Rückstand. Am nächsten Tag ist Paul MacLean gefeuert worden – nur elf Monate nachdem er zum NHL-Trainer des Jahres gewählt worden war. Selbst ein Sieg konnte ihn nicht mehr retten. Ottawa droht die Playoffs zu verpassen und die jungen Spieler machten keine Fortschritte mehr.
Die NHL ist hoch professionell. Es ist Big Business mit 3,5 Milliarden Dollar Umsatz pro Saison. In einem über 700 Seiten langen Gesamtarbeitsvertrag sind alle Rechte und Pflichten der Spieler aufgelistet, die im Schnitt mehr als 2,5 Millionen Franken verdienen. Aber die Trainer sind so ohnmächtig wie bei uns. Die Nordamerikaner wissen schon, weshalb sie sagen, dass die letzte Entscheidung immer in der Kabine fällt. Durch die Spieler.
Der «Fall MacLean» ist deshalb besonders interessant, weil er Erinnerungen an den gescheiterten Meistertrainer Antti Törmänen beim SC Bern weckt. Wie Törmänen ist auch McLean als eher antiautoritärer, moderner Trainer geschätzt, gefeiert und nun doch gefeuert worden. Er sei klug, spreche viel mit den Spielern und akzeptiere deren Meinung. Ottawa gewann zwar keinen Stanley Cup, schaffte aber die Halbfinals und Paul MacLean wurde Trainer des Jahres.
Aber das antiautoritäre Experiment ist in Ottawa ebenso gescheitert wie in Bern. Ein paar Transfers und Lottergoalies kosteten letzte Saison Ottawa die Playoffs. Die ungenügende Defensivleistung brachte Paul MacLean dazu, autoritärer zu werden, um Disziplin durchzusetzen. Nun wird von den Spielern hinter vorgehaltener Hand gejammert, der Trainer habe zu allem, was man vorgebracht habe, nur noch «No» gesagt. Und vor der Saison hatte Ottawas Bandengeneral offiziell verlauten lassen, er werde die Schraube anziehen.
Nun ist Paul MacLean gefeuert worden. Der Stilwechsel von antiautoritär auf autoritär hat nicht funktioniert. Der Unterschied zu Antti Törmänen ist bloss, dass der Finne gar nie versucht hat, seinen Stil zu ändern.
In der NHL gibt es allerdings in den Medien viel weniger offene Kritik am Trainer. Nur in absoluten, ganz seltenen Fällen sägt ein Chronist am Stuhl des Trainers. Solches Tun verbietet der Respekt vor der Autorität. Trainer des Amtes zu entheben ist immer noch Sache des General Managers und nicht der Medien. Aber intern aber läuft es genau gleich wie in der NLA. Wenn die Spieler einen Trainer nicht mehr wollen, dann ist er verloren.
Interessant ist, dass sich die an und für sich allmächtigen NHL-Bandengeneräle an die neue Zeit anpassen. Die neue Spielergeneration lässt sich nicht mehr einfach herumkommandieren wie ihre Väter. Der Führungsstil beginnt sich zu ändern. Spieler haben Fragen und bekommen Antworten. Die Zeiten der «Einweg-Kommunikation» sind auch in der NHL vorbei.
Diesen Lerneffekt gibt es offensichtlich bei Bob Hartley. Er hat Calgary wieder konkurrenzfähig gemacht. Es ist aufschlussreich, wie ein hoher NHL- Bürogeneral, dessen Name mir gerade entfallen ist, die Wandlung des ZSC- Meistertrainers von 2012 beurteilt. Bob Hartley hat 2001 bereits den Stanley Cup gewonnen, später ist er in Atlanta gefeuert worden. «Die Saison in Zürich hat seinen Horizont erweitert und ihn noch besser gemacht», sagte mein Gesprächspartner.
Will heissen: Bob Hartley, den sie wegen seiner grimmigen Art auch schon Bob Heartless (herzlos) nannten, ist umgänglicher, kommunikativer, moderner geworden. Was bei ihm auffällt: Er ist im Training emotionaler als andere NHL-Cheftrainer. Kommandiert hier, korrigiert da, wirft beim Bully die Scheibe ein, feuert die Spieler an. «Eishockey ist ein Spiel und soll Spass machen, sonst ist der Erfolg nicht möglich», sagt er dazu.
Die NLA als «Weiterbildungsliga» für NHL-Trainer? Wahrscheinlich schon. Marc Crawford hat in Zürich etwas von seiner Verbissenheit verloren und ist, ähnlich wie Bob Hartley, offener und umgänglicher geworden, ohne seine Prinzipien zu verraten. Seit Guy Boucher seinen taktischen «Tunnelblick» erweitert hat, funktioniert er in Bern. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sind Crawford und Boucher in der NLA bessere Trainer geworden.
Ob autoritär oder antiautoritär – das Leistungsprinzip wird in Nordamerika unerbittlich durchgesetzt. Und da gibt es schon einen Unterschied zur NLA. In der Schweiz ist das Spielerreservoir nicht unerschöpflich. Ein Trainer muss mehr Rücksicht auf einen Spieler nehmen und ihm eine zweite oder dritte Chance geben. In der NHL ist die sportliche Autorität eines Trainers bis zur Stunde seiner Entlassung uneingeschränkt. Er kann Spieler einsetzen oder eben nicht einsetzen wie er will – solange er nicht gerade einen Superstar verärgert.
Wer als Spieler einmal in Ungnade gefallen ist, hat bei einem NHL-Coach kaum mehr eine Chance. Dafür gibt es den schönen Ausdruck, ein Spieler stecke «in the coach's dog house» («in der Hundehütte des Trainers»). Wer einmal in der Hundehütte drin ist, bleibt dort. Trainer neigen in der NHL noch mehr dazu, Spieler in Schubladen zu stecken. Das erfährt in diesen Tagen Sven Bärtschi. Er steckt in Bob Hartleys «Dog House» und ist wieder ins Farmteam geschickt worden. Auch wenn Bob Hartley umgänglicher geworden ist – unter diesem Trainer hat er kaum mehr eine Chance