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Wer kennt es nicht: Man sollte sich schon lange wieder anderen Sachen widmen, doch die Person, mit der man gerade ein Telefongespräch führt, will einfach nicht aufhören zu reden. Zumindest Schweizer versuchen dann meist, ein vorsichtiges «Sooo...» oder ein eher dezidiertes «demfall» einzuschieben, um dem Freund, der Freundin oder dem Arbeitskollegen zu signalisieren: «Ich muss jetzt aufhängen.»
Die britische Tageszeitung «The Guardian» berichtet unter Berufung auf eine Studie aus den USA, dass Telefongespräche meist nie dann beendet werden, wenn beide Gesprächsteilnehmer das auch wollen. Sprich: Den einen geht das Gespräch zu lang, den anderen zu kurz. Ebenfalls nur in Einzelfällen kam das Gespräch dann zu einem Ende, wenn lediglich einer der Teilnehmenden sich das wünschte.
Fast 1000 Telefonate analysiert
In der grossangelegten Studie untersuchten die Forscher fast 1000 Telefongespräche zwischen Familienmitgliedern oder Freunden, aber auch zwischen Fremden. Keine Rolle spielte dabei die Länge oder die Art der Konversation. Analysiert wurden demnach zärtliche Gespräche unter Verliebten, lustige Diskussionen unter Freunden und geschäftliche Telefonate. Die Wissenschaftler kommen zum Schluss: «Wenn zwei Personen miteinander reden, will eine davon praktisch immer früher aufhören zu reden als die andere.»
Die Lösung ist (fast) zu einfach
Die Forscher bemerkten, dass die Menschen offenbar nicht gelernt haben, ehrlich über ihre Erwartungen und Wünsche zu Dauer und Art eines Gesprächs zu sprechen. Doch was tut man, wenn nach zehn Minuten langsam die Langeweile einsetzt? Der «Sooo...»-Trick funktioniert nicht bei allen, das wissen wir. Was tut man, wenn man nach zehn Minuten merkt, dass jemand gelangweilt ist? Aus Höflichkeit aufhängen?
Paul Dolan, Professor für Verhaltensforschung an der Londoner Schule für Wirtschaft, sagt: «Sich über die eigenen Erwartungen Gedanken zu machen, ist meist der Schlüssel für die eigene Zufriedenheit.» Oftmals sei jemand enttäuscht, wenn das Telefonat zu lang oder zu kurz dauerte. Das liege daran, dass man mit dem Gegenüber nicht bereits im Vorfeld über Erwartungen und Wünsche gesprochen hat.
Ein Grossteil der Bevölkerung habe Skrupel, zu sagen: «Ich kann jetzt genau 20 Minuten mit dir telefonieren.» Man möchte ja nicht unhöflich klingen. Doch laut Dolan ist genau diese Offen- und Ehrlichkeit der Schlüssel zu einem Telefongespräch, nach dem sich beide Teilnehmer zufrieden zurücklehnen können. Dann wird endlich auch das «Sooo» überflüssig.