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Im Dezember 2011 hielt ein großangelegter Bio-Skandal Europa in Atem. Es wurde bewiesen, dass grosse Mengen an Mais, Soja, Weizen und weiteren Produkten aus konventionellem Anbau als „bio" verkauft worden waren. Die wichtigsten Akteure waren damals eine italienische Zertifizierungsstelle und italienische Händler. Mitte 2012 wurden die ersten Urteile verkündet. Anfang dieses Jahres deckte eine Sonderarbeitsgruppe weitere Zusammenhänge von einer Sonderarbeitsgruppe auf, und es kam zu weiteren Urteilen. Die neuen Beweise belegen, dass es einer Bande Krimineller über mehrere Jahre hinweg möglich war, Gesetze und das Zertifizierungssystem zu untergraben. Trotz etlicher Warnungen handelte das italienische Landwirtschaftsministerium damals nicht. Nach Informationen der italienischen Bio-Organisation FederBio ging es um 17.000 Tonnen Ware. Die betrügerischen Handlungen erfolgten zwischen Oktober 2007 und August 2008.
Bei den Produkten, die vom Skandal um die fehlerhafte Kennzeichnung betroffen waren, handelte es sich um 1.361 t Äpfel für Apfelmus, 80 t Gerste, 4.613 t Mais, 4.246 t Sojabohnen, 2.066 t Sonnenblumenkerne und 2.066 t Weizen. 2012 wurden Urteile über insgesamt 9 Jahre und 4 Monate Haft für drei Männer ausgesprochen (jeweils mindestens 3 Jahre) sowie über 2 Jahre und 3 Monate Bewährung für zwei weitere Personen.
Operation Vertical Bio
Vertical Bio heisst die Operation der Anti-Betrugs-Arbeitsgruppe - ein Spezialteam (Zentralinspektion zum Schutz von Qualität und Ahndung von Betrug für landwirtschaftliche Produkte und Lebensmittel) des Landwirtschaftsministeriums und der Guardia di Finanzia (Italienische Finanzpolizei) gegen eine internationale kriminelle Verschwörung. Mit Hilfe von gefälschten Bio-Zertifikaten wurde Getreide für Tierfutter aus Nicht-EU-Ländern importiert.
Ergebnisse und rechtliche Konsequenzen
Im Zuge der Ermittlungen wurde Ende Januar 2014 eine Reihe von gerichtlichen Verfügungen gegen Personen angeordnet: neun stehen unter Hausarrest, vier wurden mit einer Sperre für sämtliche Geschäftsaktivitäten belegt; es kam zur Pfändung von Eigentum, Liegenschaften, Unternehmensinvestitionen und Konten im Wert von insgesamt 35 Mio. Euro. Unter den Betroffenen finden sich nicht nur einige angesehene Namen von wichtigen Importeuren und Verarbeitern von Getreide und Ölsaaten, sondern auch Personen im Management der Kontrollstelle Biozoo. Die Lizenz von Biozoo wurde am 24.2. 2014 entzogen. Es geht unter anderem auch um die Bestechung von Staatsbeamten unter anderem in Moldawien und in der Ukraine. Die Operation Vertical Bio scheint nun endlich den kriminellen Machenschaften ein Ende zu bereiten. Die italienische Bio-Dachverband FederBio reichte im juristischen Verfahren Zivilklage gegen die Straftäter ein.
Wachsamkeit weiterhin angesagt
Nach Informationen von FederBio kommen weiterhin potentielle "Bio-Produkte" von Odessa über das Schwarze Meer. Diese landen nun z.B. in niederländischen Häfen, wo die Zollbeamten anscheinend nicht immer nach Kontrollbescheinigungen fragen, sagt ein Sprecher von FederBio. Es wird angenommen, dass Rohstoffe aus der Ukraine und aus Kasachstan mit großen Mengen an chinesischen Produkten vermengt werden, deren Zertifikate gründlich untersucht werden müssten.
Ernüchterndes Resümee: Die von italienischen Ermittlern aufgedeckten verdächtigen Lieferketten konnten jahrelang von Teilen der Futtermittelindustrie genutzt werden. Nun scheint, als würden diese billigen Lieferketten durch andere ersetzt, die genauso kostengünstig und unklar sind.
Quelle und vollständiger Beitrag: Bio-Markt.Info