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Viktorija Tokarjewa, 1937 in St. Petersburg geboren, ausgebildete Konzertpianistin und Drehbuchautorin, arbeitete als Gesangslehrerin und Fernsehredakteurin, bevor sie 1964 ihre erste Erzählung veröffentlichte. Sie bezeichnet Anton Tschechov als ihren literarischen Lehrer. Heute gehört sie selbst zu den Klassikern der russischen Literatur. Viktorija Tokarjewas Geschichten sind meist kurz und von elementarer Wucht. Der Stil knapp, gnadenlos heiter, von sarkastischer Lakonie – Slapstick. In MARA beschreibt Tokarjewa mit subversivem Humor das Leben zweier Frauen, in denen sich jeder zu erkennen mag: «Freud und Leid trifft jeden Menschen gleich!»
Die Geologin Larissa, die Maras Geschichte erzählt, ist eine linientreue und angepasste sowjetische Durchschnittsbürgerin. Sie bewundert ihre Freundin Mara und ist gleichzeitig von ihrem Treiben abgestossen. Die beiden Frauen sind im 2. Weltkrieg geboren. Mara verliert ihren Vater im dritten Kriegsjahr. Nach Kriegsende ziehen Mutter und Tochter nach Leningrad. Mara ist viel allein und lernt schon in der Schule den Geschmack der Macht über Andere kennen. Sie hält sich für auserwählt. Ihr Ehrgeiz gilt einem Ziel: Macht. Macht über ihre Freunde, über Männer. Es treibt sie von Liebschaft zu Liebschaft. Bis sie sich in einen jungen Musiker verliebt, der ihre Liebe ausnutzt. Jetzt kennt sie keine Grenzen mehr. Sie wird berechnend, skrupellos, kalt – benimmt sich aber in der Öffentlichkeit als «Grande Dame». Sie macht Karriere. Aber Mara ist einsam, gierig auf der Suche nach Leben, das mehr und mehr geprägt ist von Kränkungen und Niederlagen. Eine tragikomische Figur, eine russische «femme fatale», die, wie es sich in der Literatur gehört, ein böses Ende ﬁndet. Ein meisterhaftes Frauenportrait der grossen russischen Erzählerin Viktorija Tokarjewa.