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Gestern war ein komischer Tag. Irgendwie ist man unter dieser Hitze streitsüchtig. Von C. bekam ich ein Mail, indem er mich mitteilte, dass er sich von unserem Lehrer in Taipei trennt. Schwach konnte ich mich erinnern, dass unser Lehrer sich über ihn beschwerte. C ist ein eigenwilliger Mensch, der gerne Geheimnisse für sich behält, gerne untertaucht, gerne diskutiert. Manchmal meldet er sich Wochenlang nicht, manchmal verschwindet einfach bei einem Meeting, manchmal wechselt einfach seine Handynummer. Er will nicht gefasst werden. Er sagte mir, dass ein Mann sein, bedeutet, frei und abenteuerlustig, wie der Hemingway. Wir kommen miteinander ausgesprochen aus, denn wir sind ähnlich. Er sagte mir, dass er so eine Frau wie mich nicht kennt. Klar, ich bin ja zum Glück nur mit ihm befreundet. Anscheinend hat unser Lehrer allen anderen mitgeteilt, dass er die Handynummer Cs gelöscht hat und seine Teetasse weggeschmissen hat. Den Grund könnte ich mir sehr wohl vorstellen, dass C sich wieder unsichtbar und unverbindlich machte und mein Lehrer seine Geduld verlor und ihm seine letzte Lektion erteilte.
Eigentlich war ich nicht in der Stimmung mich um Gelegenheit des anderen zu kümmern. Aber die zwei Stunde einfach am Rhein zu sitzen, tat mir sehr gut. Ich rief ihn an und dachte, dass der Kosmos sich entscheidet, ob C zu retten ist, oder nicht. Er nahm das Telefon ab, was für eine Überraschung! Ich fragte ihn, weshalb er für seinen Stolz einen teueren Preis bezahlen will. Er verstand nicht. Was könnte denn für ihn wichtig sein: sein Leben, das durch Tee bereichert werden kann; sein Stolz, das immer sein Problem ist; oder seine Gewohnheit, sich selber als Zentrum der Welt zu betrachten? Er fühlte sich außerordentlich provoziert und sagte mir, ob ich Spion von unserem Lehrer sei. Mich bewegt seine Provokation nicht. Ich tat es für mich, weil ich ihn gerne habe. Er sagte, dass er viele Literatur hat und davon ganze Menge lernen kann und außerdem gibt es überall Teelehrer. Ich fragte ihn einfach, ob er sicher ist, wieder so einen Lehrer begegnen zu können – das muss er selbst wissen. Mich interessiere sein Leben nicht, ich bin froh, ihn aus der Konkurrenz als Teekenner zu haben. Er hing das Telefon ab.
Zwei Stunde später rief er an. Ich war cool und distanziert. „Was nun?“ fragte er „Ich gehe sicher nicht zu ihm zu knien.“ „ Ein guter Lehrer erwartet es von niemandem. Gebe einfach Deine Handynummer noch einmal. Bringe Deine neue Teetasse wieder in den Regal zurück.“ „Was mache ich vor anderen Leuten, die alles davon wissen?“ „Gar nichts. Du hast alles vergessen.“ „Was denken denn andere über mich?“ „Ein ganz toller Typ, der sich selbst bezwingt!“ „Woher weiß Du denn über solche Tricks?“ „Ich bin ja eine Frau, die ihr Gesicht verlieren kann.“ Er lachte. „Aber“, ich warnte ihm, „Du kannst nicht mehr derselbe sein, der nach dem selben Muster handelt, wenn Du wieder hingehst.“ Ich hörte nur Schweigen. „Also ich weiß.“
Ob er das macht, geht mir nicht mehr an. Schlussendlich ist es sein Karma, sein Glück, wie er sein Leben führt. Auch ich muss ähnliche Schläge schlucken. Vielleicht sind diese Dinge sehr kulturell geprägt. Im Westen bezahlt man Studiengebühr und die Sache ist damit geregelt. In unserer Gesellschaft regelt das Geld nicht die Entwicklung eines Schülers, sondern die Will oder die Liebe des Lehrers, ob er mit seinem Schüler damit auseinandersetzen will. Manchmal dient ein Bruch als eine Hilfe, damit der Schüler von sich aus bereit ist, sein Leben zu verändern. Ohne Schmerzen, passiert gar nichts. Aber es könnte sehr delikat sein. Jedenfalls musste ich auch schlucken, als Meister Sun verweigert, mich Kalligraphie zu unterrichten. Aber ich kenne eine ganze Menge Schwäche von ihm. Ich bin zudem noch eine Frau, die in der chinesischen Kultur als hinterlistig und dumm gilt. Das ist gut so. Ich brachte ihm dem „besten“ Alderholz und den „besten“ Sandelholz. Er hat gerne heitere Frauen, die ihm zuhören. Also, es ist nicht schwer, Meister Sun zu bewegen. Er hat Freude und ich habe einen guten Lehrer.
Es ist mir sehr wichtig, bei einem guten Lehrer zu sein. Wer tapert denn gerne in der Dunkelheit? Und die Verletzung des Eogs, das Stolz und das Gesicht? Chinese sagen es gut: „Damit kann ich doch nicht essen!“
Die süße japanische TV-Werbung, die ich schon Mal postete, stammte von C. Ein vielseitiger, interessanter Teefreund, ihm wünsche ich das Beste für seinen Weg!