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Giampiero Deidda, Simaxis, Sardinien
Sardinien (Sardegna)
ist nach Sizilien mit fast 24'000 km2 die zweitgrösste Insel Italiens. Sie ist über 270 km lang und im Mittel 110 km breit, im Westen des Tyrrhenischen Meeres gelegen. Sie umfasst die Provinzen Sassari, Nuoro, Cagliari und Oristano. In der Regionshauptstadt Cagliari lebt fast ein Siebentel der gut 1,5 Millionen Inselbewohner. Sardinien gehört zwar politisch als eine autonome Region zu Italien, ist aber in jeder anderen Hinsicht im wahrsten Sinne eine Insel für sich, mit einer eigenen Sprache, mit einem eigenen Brauchtum und vielleicht auch mit einem eigenen ungeschriebenen Recht. Die Sarden sind anerkannter Weise die stolzesten, zugleich auch die arbeitsamsten unter den Volksstämmen Italiens. Sie sind höflich, grosszügig, aber äusserst reserviert.
Sardiniens Weine sind so individuell wie Sardinien selbst
Sardinien gleicht in nichts Italien. Die Verschiedenheit Sardiniens gegenüber Italien erkennt man auch deutlich an seinen Weinen. Sie sind so zahlreich und unterscheiden sich von den übrigen italienischen Weinen derart, dass der Schriftsteller Waverley Root sich zu der Bemerkung veranlasst sah: "Sardiniens Weine sind so individuell wie Sardinien selbst." Vom Typ her sind sie roh und ungeschliffen bis hochelegant, fruchtig bis sherry- oder portweinartig, trocken bis süss, alkoholleicht bis -schwer. In Sardinien werden noch alkoholreichere Weine hergestellt als in Sizilien oder im übrigen Italien. Viele von ihnen sind fast schon likörartig und haben einen Alkoholgehalt von über 15 Grad. Dieses Verschiedene, Ueberraschende und Unerwartete kommt auch in der Farbe und Verwendung zum Ausdruck. Die Weissweine Sardiniens sind nahezu roséfarben, die Rotweine wiederum haben eine fast schwarze Farbe, weshalb sie nicht ganz zu Unrecht auch "vini neri" genannt werden. In Sardinien werden trockene Weine als Dessertweine getrunken, süsse Weine hingegen als Apéritif oder Tischwein. Uebrigens ist in ganz Sardinien ein Weisswein verbreitet, der aus roten Trauben erzeugt wird. Er wird als offener Wein angeboten, ist stark ätherhaltig und schmeckt - fast könnte man sagen - wie Honigwasser mit darin aufgelösten Fruchtbonbons. Es empfiehlt sich, in Sardinien immer nur Flaschenweine zu trinken.
Die Weinproduktion Sardiniens liegt mit einem Anteil von ca 3,5 % an der italienischen Gesamterzeugung bei 2,5 Millionen Hektoliter, wovon mehr als ein Drittel auf Weissweine entfallen. Die meisten sardischen Weine sind einfach, überwiegend alkoholreiche Tischweine. Zahlreich sind aber schon die sardischen Qualitätsweine, von denen einige bereits die DOC-Bezeichnung erhalten haben, anderen diese Klassifizierung noch bevorsteht. Einige Aperitif- oder Dessertweine sind von einer ausserordentlich hohen Qualität wie beispielsweise die portweinähnlichen Rotweine Girò, Monica und Sangiovese oder die Weissweine Vernaccia, Moscato, Nasco, Torbato und ganz besonders der Malvasia di Bosa, einer der grössten und zugleich merkwürdigsten Weine Sardiniens. Gegenüber den normalen Tischweinen zeichnen sich diese meist likörartigen Weine oft durch ein ausgeprägtes Bukett und durch grössere Feinheit im Geschmack aus. Wegen ihres allgemein hohen Alkoholgehaltes sollen sie immer recht kühl, normalerweise bei einer Temperatur von 8 Grad getrunken werden.
Weinanbau und Weinerzeugung im Wandel der Zeit
Der Weinanbau und die Weinerzeugung selbst haben auf Sardinien in den letzten Jahrzehnten eine grosse Wandlung durchgemacht. Viel Geld, das die Römer Zentralregierung und die Regionalregierung in die sardische Landwirtschaft pumpten, kam den Winzergenossenschaften Sardiniens zugute, die sich neue Maschinen und neues Gerät für den Anbau und für moderne Kellereimethoden anschafften. Es kommen aber auch über 80 % der auf Sardinien erzeugten Weine aus Genossenschaften. So wurde auch viel zur Verbesserung der verwendeten Rebsorten getan. Die Reben werden jetzt im Gegensatz zu früher in grösseren Höhen angepflanzt, so dass die Trauben nicht von der grossen Sommerhitze des Südens verbrannt werden und dadurch besser frisch erhalten bleiben. Auch die Traubenverarbeitung erfolgt heute mit modernen Kellereimethoden, um möglichst das Aroma der Trauben und ihrer spezifischen Eigenheiten erhalten zu können. Die wichtigsten für die Weinerzeugung Sardiniens verwendeten Rebsorten sind:
Azienda Deidda aus Simaxis, Provinz Oristano, Sardinien,
Heute Abend wurden den Teilnehmern die Weine von der Azienda Deidda aus Simaxis, Provinz Oristano, Sardinien, vorgestellt. Diese wurde 1998 von Giampiero Deidda gegründet und wird heute noch von ihm geführt. Er hat sich auf Spumante metodo classico spezialisiert, wie z.B. den Marzani Brut. Er hat seine Produktepalette erweitert mit mindestens drei verschiedenen Rotweinen sowie 2 Weissweinen, welche wir an diesem Abend auch zusammen mit einem speziell für uns ausgesuchten und von Peter Wyss, dem grossen Küchenchef des Palace Hotels Gstaad, zusammengestellten, sardischen Menu degustieren durften. Die meisten, der dazu gebrauchten Lebensmittel wurden von Mitarbeitern des Palace Hotel Gstaad aus Sardinien direkt mitgebracht.
Für seinen Vermentino di Sardegna, Jahrgang 2009, "Baguas" erhielt Giampiero Deidda im Jahre 2011 einen Preis des berühmten "Gambero Rosso", (Einkaufsführer/Bibel des italienischen Weines). Er ist einer der 1000 besten Weinproduzenten Italiens gemäss "Vini Buoni d'Italia", ausgesucht aus über 16'000 verschiedenen Weinen.
Franco Paloschi zusammen mit Martin Riedi stellen uns die Weine von Signor Deidda vor
Leider konnte Signor Deidda nicht persönlich seine Weine im Palace Hotel in Gstaad vorführen. Dazu hatten wir aber vor allem Franco Paloschi, ein längjähriger Mitarbeiter des Palace Hotel. Er verbringt seine Zeit in Sardinien, wenn er nicht in Gstaad arbeitet. Er kennt den Weinbauern Deidda persönlich und hat auch praktisch sämtliche, der benötigten Lebensmittel, wie z.B. den speziellen Schinken und die Salami fürs Apéritiv, aber auch den Käse oder den Honig persönlich aus Sardinien mitgebracht. Gleichzeitig war es ihm ein Vergnügen, zusammen mit Martin Riedi, die einzelnen Gänge des Menus, aber auch die Weine selbst zu kommentieren. Die nötigen Fachkenntnisse und die Erfahrung bringt er jedensfalls mit. Die beiden führten uns Weinfreunde ausgezeichnet und mit sehr viel Enthusiasmus durch den Abend. Der Kommentar zu den verschiedenen Weinen war absolut ebenbürtig zu dem eines Weinbauern. Dazu kamen aber noch die uns vermittelten Informationen zu den mit jedem Gang servierten Spezialitäten aus Sardinien. Wir hatten die Gelegenheit, die Weine des oben erwähnten Produzenten im Restaurant Gildo des Palace Hotels in Gstaad bei einem 7-Gang Menu geniessen zu dürfen. Durch den Abend geleiteten uns, wie bereits erwähnt, Martin Riedi und Franco Paloschi, mit wirklich hervorragenden , ja vielfach sensationellen Fachkenntnissen. Die noch notwendige Uebersetzung aus dem Italienischen respektive dem Sardischen, wurde von Martin Riedi zur Befriedigung aller -29- Teilnehmer übernommen.
Die diesmal wieder überaus zahlreich erschienen Teilnehmer konnten wie immer, einen ausgezeichnet gelungenen Abend im Palace Hotel in Gstaad verbringen. Die Kontakte wurden von unserem Vorstandsmitglied, Martin Riedi, Ristorante La Vinoteca, Schönried, vermittelt, welcher im Hintergrund unauffällig durch den ganzen Abend dirigierte.
Apéro auf der Terasse
Der Apéro wurde dieses Jahr bei schönstem Sommerwetter auf der Terrasse des Hotels Palace in Gstaad serviert. Dazu präsentierte uns Franco den Spumante Marzani Brut, Metodo Classico, ohne Jahrgang, von Giampiero Deidda mit Salumi, formaggi, olive, struzzichini tipici sardi, pane Carasau (Fladenbrot) und sardischem Schinken von einer einheimischen Schweinerasse (diese sind freilebend und ernähren sich vor allem von Eicheln). Der Spumante wurde in ganz normalen Weissweingläsern serviert. Der Grund ist einfach: Dieser Schaumwein hat zwar eine ganz feine Perlage, was auf höchste Qualität schliessen lässt, wurde aber nach dem System Metodo Classico (Vini Buoni d'Italia/Weine aus autochthonen d.h. lokalen Traubensorten) hergestellt. Der erste Eindruck der Teilnehmer war denn auch eine Art Schock in der Nase, hatte er fast faulige Noten (acidité volatile, zu deutsch fliegende Säuren), schmeckte wie Brotrinde. Eigentlich heisst das: Die beiden Traubensorten sind wohl kaum geeignet, einen guten Schaumwein zuzubereiten (klassische Sorten : Chardonnay Pinot Noir und Pinot Meunier.) Die autochtonen d.h. lokalen Weissweinsorten Nuragus und Vernaccia besitzen relativ wenig Säure, was heisst der Wein oxydiert. Er kommt mit zuviel Sauerstoff in Berührung, verliert an Frische und verändert seine Farbe. (gelbliche Farbe); der Wein "altert".
Sardische Weine und dazu feine abgestimmte Speisen
Der restliche Abend fand traditionsgemäss in der "Bar au Grill" statt, d.h. im Restaurant "Da Gildo", von welchem wir mit seinem Team wie üblich überaus stark verwöhnt wurden. Die einzigartige Atmosphäre in diesem Restaurant trägt immer wieder zu einem denkwürdigen "Dîner" bei. Wie üblich freuten sich die Weinfreunde auf das von Küchenchef, Peter Wyss zusammengestellte Menu. Die Weine sind immer auf die Speisen abgestimmt, dieses Jahr vor allem von Franco Paloschi zusammen mit Peter Wyss. Dazu kommen Martin Riedi und der Sommelier Andrea Maffei.
Die Weine und Spezialitäten aus Sardinien haben uns beeindruckt
Im Übrigen möchte ich hier erwähnen wie sagenhaft heute Abend das ganze 7-gängige Menu mit Spezialitäten aus Sardinien für die meisten Teilnehmer des Anlasses gewesen ist. Auch für ein Spitzenküchenteam wie es das Palace Hotel in Gstaad besitzt, ist es nicht alltäglich solche Kreationen mit dem üblichen Qualitätsstandard zuzubereiten. Wir waren aber begeistert und möchten hiermit allen Beteiligten, d.h. zuerst einmal Franco Paloschi, Peter Wyss, Gildo, Andrea Maffei, Martin Riedi und allen beteiligten Mitarbeitern des Palace Hotels herzlich für die wiederum perfekte Leistung gratulieren.
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