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Die Burgstelle Strassberg oberhalb von Büren an der Aare (Kt. Bern)
oder: die Lösung des Rätsels, weshalb die Alten Büren auch PYRENESTICA nannten
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Plan der Burgstelle Strassberg bei Büren an der Aare (Kanton Bern)
Planskizze: Autor, 5/2011
Lage und Beschreibung
Die Burgstelle Strassberg liegt etwa 100 Meter südwestlich oberhalb des Städtchens Büren an der Aare, auf einem Schloßhubel genannten Sporn im Nordosten des bewaldeten Städtibergs. Jener Berg zwischen Dotzigen und Büren hieß früher Bürenberg. Auf der höchsten Stelle ist ein Schalenstein bemerkenswert (Koordinaten 593939/219390).
Weshalb der Burgplatz den Namen Straßberg trägt, ist wahrscheinlich der erfundenen Geschichte geschuldet: Ein Graf von Straßberg tritt in der erfundenen Befreiungsgeschichte Berns und nachher der Waldstätte als Gegner auf.
Eine Burgruine Strassberg gibt es auch bei Malix GR, auf der Strasse zwischen Chur und der Lenzerheide.
Strassberg ist auf einem gegen Nordosten gerichteten Sporn angelegt. Die Anlage besteht zuerst aus einem imposanten, gegenüber der Grabensohle auf drei Seiten gut zehn Meter hohen länglich-ovalen Burghügel. Dieser ist gegen die Bergseite durch einen breiten und tiefen Halsgraben abgetrennt. Ein halbkreisförmiger Wall mit einem kleineren Graben schützte die Burg zusätzlich.
Gegen Norden und Nordosten schützten zwei gesonderte Wälle den Graben zusätzlich. Der Burghügel hat also auf drei Seiten einen Graben und drei Wallstücke.
Die zwei nördlichen Wallstücke haben eine Fortsetzung in einem in geschwungener Form nach Nordosten laufenden Hohlweg. Dieser beginnt mit einem Ende am Westende des mittleren Walls, mit dem anderen Ende zwischen dem zweiten und dritten Wall. - Nach einem kurzen Wegstück kommen die beiden Runsen zusammen um sich dann noch etwa hundert Meter hinabzuziehen. Der östlich des Hohlwegs sich hinabziehende Bergrücken ist dem Wegsystem dazuzurechnen.
Im Osten ist unterhalb des Burghügels eine Geländezunge zu bemerken.
Strassberg war sicher als Erdburg angelegt. Aber sie wurde in späterer Zeit zu einer Steinburg ausgebaut. Auf dem Burghügel legte eine Ausgrabung von 1948 den Grundriß eines rechteckigen Berings und eines nahezu quadratischen Bergfrieds frei. Letzterer ist an der höchsten Stelle im Nordosten des Burgplateaus zu setzen.
Die eigentliche Burg, also der Burghügel mit dem Wall gegen die Bergseite und dem Graben auf drei Seiten, stellen keine Probleme. Fragen tauchen auf zu den an zwei Stellen unterbrochenen Wällen und zu dem nach Nordosten gerichteten Hohlweg-System. Sicher brauchte jede Wehranlage einen Zugang. Aber derjenige von Strassberg ist ausgesprochen monumental gestaltet. Einzelfall oder Absicht?
In den Grundrissen alter Burgen und Städte, aber manchmal ganz einfach in das Terrain, sind häufig Figuren eingezeichnet.
Auch bei Strassberg zwingt das merkwürdige Hohlwegsystem, das sich von der eigentlichen Burganlage nach Nordosten hinabzieht, zu figürlichen Überlegungen.
Nach langen Überlegungen ist der Autor sicher, daß die Gesamtanlage der Burgstelle südwestlich oberhalb von Büren an der Aare ein Füllhorn darstellt. - Ein solches ist nach den bisherigen Forschungen noch nirgends aufgetaucht - weder im Bernbiet noch anderswo.
Nun aber ist die Figur des Füllhorns sicher. Den Beweis dafür liefern die Nachrichten von alten Chroniken über Büren an der Aare.
Büren – Pyrenestica – Praeneste - Palestrina
Hier ist vorauszuschicken, daß es im Südosten neben dem "mittelalterlichen" Städtchen Büren an der Aare im Weiler Oberbüren einen bedeutenden Wallfahrtsort gegeben hat. Von diesem ist nichts mehr zu sehen. Doch fanden in den 1990er Jahren umfangreiche archäologische Sondierungen statt, die es erlaubten, den Grundrisse des Kirchenbezirks zu rekonstruieren.
Oberbüren hatte zeitweise europaweite Bedeutung, als Ort, an dem man totgeborene Kinder zum Leben erwecken oder wenigstens vor der ewigen Verdammnis retten wollte. - Die Reformation beendete diese Wallfahrten. Die Kirche wurde abgerissen und eingeebnet.
Die ältesten eidgenössischen Chroniken, vor allem Johannes Stumpf, erwähnen Büren an der Aare im Zusammenhang mit der erfundenen Geschichte. Es wird gesagt, Büren liege zwei (wohl eher zwanzig) Meilen von Bern entfernt und werde auch PYRENESTICA genannt.
Der antikisierende Ortsname ist nicht zufällig und einsichtig: Pyrenestica, das ist PRAENESTE, heute Palestrina, jener antike Wallfahrtsort 37 km östlich von Rom. Im Städtchen hat man die Reste des weitläufigen Heiligtums der Fortuna Primigenia freigelegt.
Das Orakel von Praeneste galt zu einer gewissen Zeit sehr viel. Der Wallfahrtsort war aber auch umstritten, wurde angefeindet. Sowohl Sulla, aber auch der "mittelalterliche" Papst Bonifaz VIII. sollen aus Hass den Kultort zerstört haben, desgleichen der biblische Saul das Höhenheiligtum NOB.
Beiläufig ist zu erwähnen, daß Palestrina als Höhenort dem heiligen Land PALESTINA als Land der Höhenheiligtümer den Namen gegeben hat.
Was für Palestrina - Praeneste gilt, ist auch bei Büren an der Aare, beziehungsweise Oberbüren, zu sehen: ein berühmter, aber umstrittener Kultort.
Die Göttin Fortuna von Praeneste hat als Attribut ein Füllhorn.
Also ist es nicht verwunderlich, daß die Burg von Büren - Pyrenestica in ihrem Grundriß ein Füllhorn darstellt.
Die Erdburgen waren vielleicht mehr Kultorte denn Wehranlagen. Strassberg bei Büren an der Aare muß demzufolge ein bedeutender Wallfahrtsort gewesen sein.