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Frauen haben bei einem Herzinfarkt geringere Überlebenschancen als Männer. Zudem erleiden Frauen schwerere Langzeitfolgen beim Herzinfarkt und sind seelisch stärker belastet als Männer, so dass ihre Lebensqualität stärker beeinträchtig bleibt.
Die Ursachen für diese Unterschiede sind vielfältig. Frauen sind bei einem ersten Herzinfarkt durchschnittlich zehn Jahre älter als Männer und haben mehr Begleiterkrankungen wie z. B. Diabetes oder Bluthochdruck, was die Überlebenschancen verringert. Zudem zögern Frauen bei einem Herzinfarkt länger, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, wollen oft „niemandem zur Last fallen“. Daher erreichen Frauen mit Herzbeschwerden im Durchschnitt die Klinik 30-60 Minuten später als ihre männlichen Leidensgenossen und werden dann häufig auch nicht gleich konsequent behandelt wie Männer. Studien lassen den Schluss zu, dass dies an der schwierigen Diagnosestellung bei den Patientinnen liegen könnte. Während Männer mit einem Herzinfarkt oft über ein Engegefühl bzw. einen Druck auf der Brust klagen, leiden Frauen öfters an unspezifischen Symptomen, die die Diagnose Herzinfarkt erschweren: Abgeschlagenheit, Oberbauchbeschwerden, Rückenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Schweissausbrüche. Die Zuordnung dieser Symptome zu einem Herzinfarkt ist deutlich schwerer, was zu gefährlichen Verzögerungen führt. Auch leben viele ältere Frauen meist alleine, was die Chance auf schnelle Hilfe, insbesondere bei einer plötzlichen Bewusstlosigkeit, reduziert. Erschwerend kommt hinzu, dass die typischen Infarktzeichen im EKG und die Laborwerte bei Frauen regelmässig viel geringer ausgeprägt sind als bei Männern. Besteht der Verdacht auf eine akute Durchblutungsstörung der Herzkranzgefässe sollte unverzüglich eine invasive Abklärung mittels Kathetertechniken durchgeführt werden, um bei verengten oder verschlossenen Gefässen mittels Stent oder Bypass-OP eine Verbesserung der Durchblutung des Herzmuskels zu erreichen. Aufgrund dieser Unterschiede zwischen Mann und Frau, ist die Rate an Herzkatheteruntersuchungen bei Frauen geringer. Auch der Entstehungsmechanismus eines Herzinfarkts unterscheidet sich in bestimmten Altersklassen bei Frauen und Männern deutlich. Durch Cholesterin und Verkalkungen entstehen bei Männern am häufigsten Ablagerungen («Plaques») in den Herzkranzgefässen, die bei einem Herzinfarkt aufreissen («Plaqueruptur»). Bei Frauen treten häufiger Gefässverkrampfungen, Einrisse der Gefässwand oder Erkrankungen der kleinsten Blutgefässe am Herzmuskel auf. Auch spielen bei Frauen seelische Strapazen und Stress eine grössere Rolle für das Herzinfarktrisiko als bei Männern. Eine bestimmte Untergruppe von Herzinfarkten betrifft sogar überwiegend Frauen: die sogenannte stress-induzierte akute Herzerkrankung, auch bekannt als ‘Broken-Heart-Syndrom’ oder ‘Takotsubo-Kardiomyopathie’, die in Folge eines emotional sehr belastenden Ereignisses bei vorwiegend postmenopausalen Frauen auftritt.
Weitere Informationen zum Herzinfarkt bei Frauen können Sie hier (medical-tribune.ch) nachlesen.