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| Ephräm d. Syrer († 373) - Das Leben des heiligen Ephraem des Syrers (Vita)

Version 1
13.
Jetzt erhob sich der heilige Basilius, bestieg die Kanzel und begann dem Volke über Epiphanias und über die Hoheit des Festes zu predigen. Der heilige Ephraem blickte auf ihn und lauschte der göttlichen Worte, die aus seinem Munde strömten, und es schien ihm, als redete der heilige Geist in Gestalt einer Taube durch seinen Mund. Da erstaunte der heilige Ephraem und erkannte nun wohl die Grösse [S. 20] des heiligen Basilius. Bei Allem, was der erhabene Mann redete, gab die Gemeinde leise ihren Beifall kund, der heilige Ephraem aber pries ihn doppelt. Da offenbarte denn endlich der heilige Geist dem erhabenen Basilius, dass der heilige Ephraem da sei. Der rief seinen Archidiaconus und sprach zu ihm: "Gehe dort nach jener Stelle hin, und du wirst einen Mönch in einem dürftigen und geflickten Gewande erblicken und bei ihm einen andern Mönch, der sein Schüler ist; sprich zu ihm: "Unser Vater Basilius lässt dich rufen."["] Sogleich ging der Archidiaconus mitten durch die dichtgedrängten Schaaren, bis er zu der Stelle kam, wo der heilige Ephraem stand, er trat demüthig zu ihm heran und sprach: "Unser Vater lässt dich rufen, komm mit mir, dass ich dich zu ihm bringe." Da erwiederte der Heilige dem Archidiaconus durch seinen Dolmetscher: "Du irrst dich, Herr; wir sind Fremde, kommen aus ferner Gegend hierher und sind dem Erzbischofe nicht bekannt." Da verachtete ihn der Archidiacon, kehrte zurück zu dem heiligen Basilius und sprach: "Mein Vater, ich habe da nur einen verächtlichen, fremden Mönch gesehen." Da erwiederte Basilius dem Archidiacon: "Gehe wieder hin, und wenn er inzwischen an eine andre Stelle gegangen ist, so gehe dahin, wo er steht, und rufe ihn bei seinem Namen und sprich zu ihm: "Ephraem, Ephraem, der Erzbischof lässt dich rufen, wohlan höre und komme schnell zu ihm."["] Da ging der Archidiacon zu dem Orte hin, wo der heilige Ephraem stand, that einen Fussfall vor diesem, nannte ihn bei Namen und sprach: "Dein Vater, der Erzbischof lässt dich rufen." Als der heilige Ephraem das hörte, stutzte er und war verwundert, dass man ihn bei Namen rief; dann erwiederte er vermittelst seines Dolmetschers: "Wenn der Erzbischof den Gottesdienst beendet hat, so will ich zu ihm kommen, damit er mich segne am Altare." Dann kehrte der Archidiacon zu dem Erzbischofe zurück und meldete ihm die Antwort Ephraem's. Der heilige Ephraem aber sprach zu seinem Schüler: "Wahrhaftig der heilige Basilius ist die Feuersäule; [S. 21] ich sahe, wie der heilige Geist ihm die Worte eingab." Als der Gottesdienst beendigt war, ging der Heilige mit seinem Schüler in das Allerheiligste, wo sich der Erzbischof befand. Sobald dieser den heiligen Ephraem erblickte, stand er freudig auf von seinem Sitze, umarmte ihn, und sie gaben einander den Friedenskuss des heiligen Geistes. Er sah aber die Demuth des heiligen Ephraem und seine Dürftigkeit, sein trübes Antlitz und sein geflicktes Kleid. Da begann er heftig zu weinen über ihn und sprach: "Komm in Frieden, Vater der Einsamkeit, ich freue mich, dass du hier bist; gesegnet sei deine Ankunft, du Erwählter Gottes, der du die Zahl der Jünger Christi gemehret, der du vernichtet hast alle die unreinen Secten, besiegt und vereitelt alle List der Feinde, der du Viele bekehret hast zum Wege der Wahrheit. Weil du aber so viel gelitten und einen so mühvollen Weg gemacht, um einen sündigen Mann zu sehen, so spende dir Christus, der Sohn Gottes, den Lohn deiner Arbeiten und den Sold deiner Qualen. Ο wärst du, der ich bin, Basilius, ich aber Ephraem!" Da sprach der heilige Ephraem zum heiligen Basilius: "Vergieb mir, ο Vater, mir, der ich ja ein Sünder bin und nicht werth alles dessen, was du sagst." Darauf führte der wahre Hirte den heiligen Ephraem und seinen Schüler zum heiligen Altare und spendete ihnen die geweihten Gaben, den Leib und das Blut Christi, unseres Heilandes. Dann unterhielten sie sich mit einander in göttlichen Gesprächen, indem sie sich des Schülers als Dolmetschers bedienten. Dann fragte der heilige Basilius den heiligen Ephraem: "Sage mir, ο Vater der Einsamkeit, warum du, der du nur Syrisch sprichst und der griechischen Sprache unkundig bist, mir zweimal deinen Beifall kund thatest, als ich auf der Kanzel stand und der Gemeinde predigte." Da erwiederte der heilige Ephraem dem heiligen Hirten des Gesalbten: "So mein Vater ist es; in Wahrheit den heiligen Geist habe ich gepriesen, der durch deinen Mund redete." Da sprach der heilige Basilius: [S. 22] "Wahrlich ich sage, wäre ich Sünder doch auch der Gnade würdig, mit der Gott dich geschmückt hat!"