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Sanierung und Erweiterung Schulhaus Langwiesen, Winterthur
Projetktwettbewerb im offenen Verfahren 2022, 1. Rang
Realisierung 2025-2028
Die von 1971-1973 erstellte Schulanlage Langwiesen befindet sich mit ihren Aussenräumen im kommunalen Inventar der schutzwürdigen Bauten der Stadt Winterthur. Mit einer grosszyklischen Sanierung und Erweiterung soll die Kapaziät erhöht und die Bausubstanz für die nächsten 30 Jahre ertüchtigt werden.
Als später Vertreter der pavillonartigen Schulbauten der 1950-er und 1960-er Jahren, resp. der Nachkriegsmoderne, zeigt die Schule noch die typischen Merkmale einer campusartigen Komposition. Mit der Anordnung der Gebäudetrakte zu einer Hofsituation wurde eine präzise auf den lärmbelasteten Ort ausgerichtete Antwort gefunden, welche eine hohe atmosphärische Stimmung vermittelt.
Die einzelnen Gebäudetrakte sind je nach deren Nutzung mal mehr, mal weniger zueinander versetzt. Das Spiel von Vor- und Rücksprüngen wurde charakteristischerweise nicht nur im Grundriss, sondern auch im Schnitt angewendet, wodurch eine gelungene Verzahnung zwischen den auf zwei Niveaus angeordneten Hofräumen und in der Folge den angrenzenden Grünflächen entstand. Konsequenterweise wurde dieses Gestaltungsprinzip der Verzahnung zusätzlich auch durch den Split Level-Versatz zwischen Zugang der zweibündigen Schulräumen und den Eingängen sowie durch die Anordnung von zweiseitigen, differenzierten Fensterbändern der Räume unterstrichen.
Bemerkenswert ist auch das Erschliessungskonzept der Anlage. Eine Aula im Innern sucht man vergebens. Alles ist aus dem umlaufenden Portikus erschlossen, der Zugang zu den Klassenzimmern direkt aus dem Erschliessungskern gelöst, welcher als Kupplungsstück gleichzeitig eine adäquate Durchlässigkeit erzeugt.
Städtebau
Die in der Analyse identifizierten Gestaltungsprinzipien des Bestandes werden aufgegriffen und weiterentwickelt. Im nordöstlichen Perimeter wird eine in der Höhen- und Grundrissentwicklung dreifach gegliederte Gebäudekomposition erstellt. Ein schlanker, zweigeschossiger Gebäudekörper mit Schul- und Kindergartenräumen wird fluchtbündig zur südöstlichen Querscheibe der bestehenden Turnhalle den beiden Bestandesturnhallen gegenübergestellt. Durch den nordwestlichen Rücksprung entsteht eine selbstverständliche Zugangssituation mit einem eingeschossigen Eingangshallenkörper, welcher in den erhöhten und um ein Geschoss abgesenkten Dreifachturnhallenbereich überleitet und die Schulanlage gegen Nordosten abschliesst. Durch das angewendete Gestaltungsprinzip der Gliederung, entsteht eine aus dem Bestand entwickelte Verzahnung mit der Umgebung und verspielte Höhenentwicklung der Gebäudekörper. Dabei werden die komponierten Gebäudevolumen architektonisch an den Bestand angeglichen: Die Seitenwände der Gebäudekörper werden als geschlossene Wandscheiben ausgebildet, währenddem die Längspartien der Fassaden als «weiche» Füllungen mit grosszügigen Befensterungen erstellt werden.
Bestand
Der Konzeptionelle Ansatz unseres Beitrages basiert auf der Maxime, den Bestand so geringfügig wie notwendig anzutasten und wo immer möglich alle strukturellen Elemente, sowie die Originalbausubstanz zu erhalten. Diese Vorgehensweise beinhaltet folgerichtig die Erhaltung der beiden Einfachturnhallen, welche wir als qualitätsvollen Teil der gesamten Gebäudekomposition betrachten.
Im Sinne der Reversibilität werden in die bestehenden Turnhallen je drei, respektive vier atelierartige Maisonetten für die zusätzlichen, schulischen und Kindergarten-Betreuungsangebote eingebaut. Die Eingriffe sind nach dem Prinzip «Haus im Haus» gestaltet, wobei die ehemaligen Einfachturnhallen in Ihrer Dimension, also Länge wie Höhe erkennbar bleiben sollen. Daher werden die einzelnen Partitionen über Faltschiebewände geöffnet und räumlich verbunden. Die Ausbildung einer Galerie macht die Höhe der Turnhalle weiterhin erlebbar und lässt die bestehende Tageslichtführung intakt. Der Mitteltrakt mit dem ehemaligen Aussengeräteraum beinhaltet nach unserem Verständnis grosses Potential. Wir schlagen daher vor, die Küche im Split-Level nach unten beim Souterrain anzuordnen und ein halbes Geschoss erhöht neu eine Pausenhalle anzubieten. Je nach Jahreszeit kann die Halle komplett geöffnet und möbliert werden. Damit entsteht eine qualitätsvolle Verbindung zum neuen Gebäudetrakt und in der Folge ein aussenräumliches Kontinuum der Wegführung durch die ganze Schulanlage.
Die restlichen Gebäudetrakte 1 bis 4 werden wieder wie ursprünglich gesamthaft als Klassenzimmer genutzt. Die zusätzlich benötigten Gruppenräume werden im Bereich der Erschliessungszwischenkörper angeordnet.
Neubau
Im nordwestlich angeordneten, zweigeschossigen Gebäudekörper werden auf dem Erdgeschossniveau drei Kindergärten samt Nebenräumen angeordnet. Die Adresse und Anbindung ans Wegnetz erfolgt direkt von aussen über die Aussenspielbereiche der Kindergärten. Eine vorgelagerte Laube ermöglicht den gedeckten Zugang und zitiert die Portikus-Situation des Innenhofes. Damit bildet der Kindergarten als eigenständige Funktionseinheit.
Im Obergeschoss sind drei Handarbeitsräume und die Bibliothek angeordnet. Drei rhythmisch angeordnete, einläufige Treppen verbinden die Zugangsebene mit den Schulräumen. Dieses Erschliessungsprinzip soll verschiedene pädagogische Konzepte ermöglichen. So lassen sich die Handwerksräume über einen Sekundärausgang auch von den Kindergärten aus nutzen, oder die einzelnen Treppenbereiche werden über Schiebewände unterteilt und lassen die Clusterbildung von je zwei Doppel- Klassenzimmern zu. Räumlich entsteht in beiden Szenarien eine qualitätsvolle Verbindung zwischen dem Hallenkörper und der Erschliessung. Da der Bereich nicht der Entfluchtung dient, lässt sich die gesamte Zone vielfältig bespielen und nutzen. Im Untergeschoss sind alle Nebenräume der Dreifachhallen angeordnet.
Visualisierungen: Tom Schmid