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English review
«Was war zuerst, die Fabrik oder die Landschaft darum herum? Solche Fragen stellen sich die Kinder einer Familie aus dem Arbeitermilieu. Ihr Vater ist in der Fabrik beschäftigt und empfindet diese wie ein Gefängnis; seine Frau fühlt sich im Haushalt eingesperrt. Die Grosseltern halten Rückschau auf eine politisch aktive Vergangenheit.
Godard (...) empfindet sein Schaffen selbst als Fabrik, ist aber Chef und Arbeiter in einer Person. In seiner fiktiven Familie wiederum betrachtet sich die Frau als blosse Maschine in einem Haushalt, der ihr als Fabrik erscheint. (...)
Die Entfremdung, die Godard in diesem Haushalt beobachtet, ist für ihn repräsentativ für die Auswirkungen des kapitalistischen Systems. Ohne in platte Propaganda zu verfallen, porträtieren Godard und Anne-Marie Miéville die Frau als ‹Landschaft›, die man zur ‹Fabrik› gemacht hat. Die Darsteller müssen sich in verschiedener Hinsicht entblössen. Sie verleihen ihren Figuren eine Menschlichkeit, die sie über blosse Illustrationen Godard’scher Thesen hinaushebt.
Godard selbst tritt auf als souveräner, selbstbespiegelnder Cineast in seiner eigenen Filmfabrik. Mit seinem verspielten Umgang mit Schrift und Video nimmt der Avantgardist in diesem essayistischen Werk viele Experimente vorweg, die er selbst – und diverse Epigonen – später aufgegriffen und nachgeahmt haben.» (srf.ch)
«Numéro deux ist schwieriger zu beschreiben, als zu geniessen. Es ist weniger ein Film als ein Essay, eine Untersuchung auf zwei Ebenen über die Besonderheiten des Kino-Video und des Lebens, vor allem über die Rolle der Frau innerhalb der Familie. Obwohl er als ein Remake von À bout de souffle angekündigt wurde, ist die einzige wirkliche Assoziation von Numéro deux zu À bout de souffle, dass er einen Neuanfang für Godard markiert.» (Vincent Canby, New York Times, 19.6.1981)
Drehbuch: Jean-Luc Godard, Anne-Marie Miéville
Kamera: William Lubtchansky
Musik: Léo Férre
Mit: Sandrine Battistella (Frau), Pierre Oudry (Mann), Alexandre Rignault (Grossvater), Rachel Stefanopoli (Grossmutter), Jean-Luc Godard (er selbst)
88 Min., Farbe, 35 mm, F/d