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Reiseprogramm
1. Tag: Anreise Schweiz – Ukraine
Flug Zürich–Lemberg, Ankunft in Lemberg am Nachmittag. Zwei Übernachtungen.
2. Tag: Lemberg, Lemberg, das Martin Buber seine Wahlheimat nannte, steht als ehemalige Hauptstadt Galiziens und heute kulturelle Hauptstadt der Westukraine am Anfang unserer Reise. Die Liste mit Personen, die in Lemberg geboren sind und die Welt der Wissenschaften, der Literatur und Kultur in Europa geprägt und namentlich beeinflusst haben, ist lang.
3. Tag: Lemberg – Brody – Butschatsch
Brody ist als Geburtsort von Joseph Roth bekannt, aber auch als ehemalige Zollfrei-Stadt und Warenumschlagplatz an der russischen Grenze mit einem einstigen jüdischen Bevölkerungsanteil von bis zu 80 Prozent. Im 18. Jahrhundert gehörte die vom polnischen Adel als Idealstadt geplante Grenzstadt zu den reichsten und bedeutendsten Städten Polen-Litauens. Brody war ein Zentrum der «jüdischen Orthodoxie» und lehnte somit die
beiden populär-reformistischen Strömungen – den Chassidismus und den Frankismus – ab. Brody galt im 19. Jahrhundert vor allem für die jüdische Bevölkerung als Bildungszentrum. Noch 1910 wurde im hiesigen Staatsgymnasium auf Deutsch unterrichtet, während im restlichen Galizien bereits Polnisch vorherrschte. Nach einer frühen prosperierenden Entwicklung, die bis ins 19. Jahrhundert anhielt, geriet Brody mit der Aufhebung des Freihandelsabkommens 1879 sowie aufgrund fehlender Industrie in eine unaufhaltbare Krise. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt größtenteils zerstört und anschließend fast komplett neu besiedelt. Wir erkunden Brody auf den literarischen Spuren von Joseph Roth (Der Leviathan, Radetzkymarsch) oder auch Isaak Babel (Die Reiterarmee) und besuchen unter kundiger Führung den jüdischen Friedhof am Stadtrand, der einer der größten Galiziens darstellt und eine besondere Grabsteinkunst aufweist.
4. Tag: Butschatsch – Czernowitz
Zuerst sind wir in Butschatsch auf den Spuren von Jakob Frank, einem jüdischen Schwärmer und Gründer des «Frankismus», sowie des namhaften hebräischen Schriftstellers und Nobelpreisträgers Samuel Agnon unterwegs.
Über Sadagora, dem einstigen «Gartenberg» und der Residenz des Bukowiner Zaddiks, deren Ruinen seit 2010 im Wiederaufbau begriffen sind, gelangen wir an die Sholem Alejchem-Gasse in Czernowitz. Dort haben wir die Gelegenheit, an den Häusern von Rose Ausländer, Aharon Appelfeld, Paul Celan, Selma Meerbaum-Eisinger oder Moses Rosenkranz die Geschichten einer teils untergegangenen, teils in den fernsten Winkeln der Welt noch immer vernehmbaren deutsch-jüdischen Literaturspur zu folgen. Zwei Übernachtungen.
5. Tag: Czernowitz
Czernowitz wartet mit einer Vielzahl spannender Erinnerungsorte und Museen auf. Aber auch die Vereinshäuser, das deutsche, das jüdische, rumänische, polnische und ukrainische Kulturhaus interessieren uns. Denn darin zeigt sich nicht nur das bunte Sprach- und Völkergemisch dieses stolzen Kleinwiens im Osten, sondern auch die politische Brisanz, die aus dem bunten intellektuellen Milieu der östlichsten Stadt des k.u.k-Reiches am Anfang des 20. Jahrhunderts hervorging. Was in den Straßen und an den Fassaden nicht mehr ablesbar ist, bleibt in den Inschriften auf dem jüdischen Friedhof erhalten. Hier erfahren wir noch einen kleinen Teil jener unglaublichen Ereignisgeschichte, welche Fabrikanten, Industrielle und Märchendichter im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs– oder bereits mitten drin– zum Erhalt der Menschenwürde geleistet haben.
6. Tag: Czernowitz –Wyschnyzja (Karpaten)
Wir reisen weiter nach Wyschnyzja (Wischnitz) an die Grenze zwischen der einst rumänischen Nordbukowina und dem polnischen Galizien. Wyschnyzja war bis zum Ersten Weltkrieg ein Zentrum des «Wischnizer Chassidismus» und ist heute ein typisches Provinzstädtchen der Westukraine am Fuss der Waldkarpaten. Geblieben sind faszinierende Reste jüdischer Bet- und Wohnhäuser sowie mehrerer Synagogen, deren pompöser Stil von der Bedeutung des hiesigen Wunderrabbis zeugt; aber auch eine von der Natur gebildete Mikwa, die bis heute für jüdische Touristen als Tauchbecken zur rituellen Reinigung dient. Übernachtung in einem schönen Waldhotel inmitten der Karpaten.
7. Tag: Wyschnyzja – Ivano Frankivsk
Mit Oleg Ljubkiwskij erkunden wir die vielkulturellen Karpatendörfer und kommen mit alten Menschen ins Gespräch, die sich noch an viele Geschichten erinnern. Wir haben hier auch die Möglichkeit, die wunderschönen Buchenwälder zu erleben, die Teil eines der vielen Nationalpärke der Westukraine sind. Weiterreise nach Ivano Frankivsk. Übernachtung
8. Tag: Ivano Frankivsk – Drohobycz – Lemberg
Ivano-Frankivsk ist in der Ukraine für seine lebendige, junge Kulturszene bekannt, manche sprechen vom so genannten «Stanislauer Phänomen» der ukrainischen Literatur. Es ist der Herkunftsort vieler bedeutender Gegenwartsautoren, wie: Jurij Andruchowytsch, Taras Prochasko oder Halyna Petrosanjak. Nach der Führung durch die Stadt fahren wir weiter nach Drohobytsch. Am Ort, wo eine der letzten Holzkirchen der Ukraine aus dem 16. Jahrhundert erhalten geblieben ist, wo sich Erdölmagnaten ihre Villen bauten und der ukrainische Nationalheld Iwan Franko zur Schule ging, unterrichtete in den 1930er Jahren Bruno Schulz. Der Universalkünstler, der heute durch seine Erzählsammlung „Die Zimtläden“ bekannt ist, hat sich in seiner Heimatstadt auch als Denker und Mathematiklehrer einen Namen gemacht. Seine Zeichnungen, vor allem aber seine poetische Sprache sind bis heute einzigartig geblieben. Künstler von New York über Israel bis Tokio lassen sich von ihm
inspirieren (z.B. Jonathan Safran Foer, David Grossman). Hier befindet sich das einzige Schulz-Museum in der Welt und wird auch das Bruno-Schulz-Festival organisiert, zu dem regelmäßig Gäste aus der ganzen Welt anreisen. Übernachtung in Lemberg.
9. Tag: Lemberg–Zürich
Vormittags individuelle Stadtbesichtigung möglich, am Nachmittag Rückreise.
Bemerkung: Kleinere kurzfristige Programmänderungen müssen vorbehalten bleiben.
|Über die Reise||Preise||Datum||Literatur|
|jüdische Welten||Preise und Leistungen||07. -15. 09. 2018||Artikel zur Reise|