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Kategorie 4: Reportagen, Biographien, Rezeptionsgeschichte
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Die Geschichte des modernen Körperyogas
Die Yogapraktiken, die die moderne Yogaszene dominieren sind in den allermeisten Fällen bei weitem nicht so alt und traditionsreich, wie sie angepriesen werden, sondern gehen auf das zwanzigste Jahrhundert zurück, als in Indien unter dem Eindruck der Übungen der englischen Soldaten, dem westlichen Bodybuilding und der Gymanstik neue Trainingsformen entstanden. Mark Singletion zeichnet in seiner wissenschaftlich gut fundierten Arbeit die Stationen nach, die wesentlich für die Herausbildung der modernen Asanapraktiken im zwanzigsten Jahrhundert waren.
Theos Bernard
Um das Jahr 1920 ist der Amerikaner Theos Bernard in seiner Heimat Arizona auf Yoga gestossen und hat sich die Grundlagen weitgehend im Selbststudium angeeignet. Da es damals im Westen kaum möglich war, Yogaunterricht zu nehmen, fuhr er nach Indien und hat dort unter einem Lehrer eine Praxis auf höchsten Niveau aufgenommen. Später reiste er weiter nach Tibet und wurde dort als Wiedergeburt eines wichtigen Religionsstifters des Mittelalters angesehen, so dass ihm alle Möglichkeiten gewährt wurden sein Wissen über den tantrischen Buddhismus Tibets zu vertiefen. Zurück in den USA verfasste er mehrer Bücher worunter wohl die explizitesten modernen Werke zum Hatha Yoga. Zwei in neuerer Zeit erschienene wissenschaftlich recherchierten Biographien zum aussergewöhnlichen Leben von Theos Bernard liegen dem nachstehenden Artikel zugrunde.
Selvarajan Yesudian
1948 kam der junge Inder Selvarajan Yesudian zusammen mit der Ungarin Elisabeth Haich nach Zürich, wo sie die erste Yogaschule der Schweiz eröffneten. Später kamen andere Unterrichtsorte sowie die Sommerschule im Tessin dazu. Selvarajan Yesudian unterrichtete während fünfzig Jahren bis kurz vor seinen Tod im Jahr 1998. Zeitweilig besuchten wöchentlich bis zu 1'000 Personen sene Lektionen, ein Phänomen das es seither in der Schweiz nie mehr gegeben hat. Aufgrund seiner Bücher, darunter "Sport und Yoga", eines der weltweit auflagenstärksten Yogabücher überhaupt, war er weitherum bekannt und seine Sommerschule wurde von Gästen aus allen fünf Kontinenten besucht. Sein Yogastil war sehr meditativ, auf die Spiritualität hin angelegt und sollte den Menschen seelisch stärken.
Die Europäische Yoga Union und die Kongresse von Zinal
1972 wurde die Europäische Yoga Union (EYU) als erster Yoga-Dachverband im Westen gegründet. Wichtigste Person aus der Ursprungszeit war Gérard Blitz, der als Gründer des erfolgreichen Touristikunternehmens "Club Méditerannée" weiteherum bekannt war und der während etwa fünfzehn Jahren als Präsident der EYU wirkte. Mit der Zeit schälten sich vor allem zwei Aktivitätsfelder für die Union heraus und zwar die Organisation der Europäischen Yoga Kongresse im Ort Zinal/VS und die Ausarbeitung von sogenannten "Minimalstandards" für die Ausbildung von Yoga-Lehrpersonen verbunden mit einem aufwändigen Zertifizierungsverfahren. Heute sind europaweit rund zwanzig grosse Yogaverbände, worunter auch der Schweizer Yogaverband der EYU angeschlossen. Die Yoga University Villeret mit ihrem vierjährigen Ausbildungsgang ist berechtigt, die Anerkennung durch die EYU an ihre AbsolventInnen zu verleihen.
Yoga auf dem Weg nach Westen
In seiner als Buch veröffentlichten Dissertation geht Dr. Karl Baier der Frage nach, wie das Abendland im Laufe der Zeit zu ersten Eindrücken indischer Philosophie und spritueller Praxis gekommen ist. Er beginnt im Altertum u.a, mit philosophischen Begegnungen am Rande der Feldzüge Alexanders des Grossen nach Indien, geht weiter über die Begegnung von Yogis mit Sufis in Indien und Sufis mit Christen der Ostkirche im vorderen Orient. Näher an der Gegenwart und damit auch greifbarer spricht er über die Rezeption durch Arthur Schopnehauer, die frühen Theosophen und die aufkommende Psychoanalyse (vor allem C.G.Jung). Ebenfalls von Bedeutung sind die Reiseberichte aus Indien des 19. und 20. Jahrunderts (vor allem Paul Brunton) und die aufkommende universitäre Indologie. Das Buch endet ungefähr in den vierziger Jahren des 20. Jahrunderts mit den Yogawerken von Wilhelm Hauer und Mircea Eliade.
Die Theosophische Gesellschaft
1875 wurde die Theosophische Gesellschaft in New York gegründet. Hauptperson, war Helena Blavatska die "Sphinx des Neunzehnten Jahrhunderts". Die frühen Theosophen waren die erste westliche Menschengruppe, die sich dem hinduistischen und buddhistischen Gedankengut zuwandten und zwar nicht nur zwecks Studium sondern um die spirituellen Übungen - also die Yogawege - zu praktizieren. Im Westen waren sie Pioniere nicht nur in Bezug auf die Yogapraxis sondern auch den Vegetarismus oder z.B. die heute weit verbreitete Feuerbestattung. In Indien, wo sie in Adyar (bei Madras) ihren Hauptsitz errichteten, setzten sie sich für die Unabhängikeit ein und im nahe gelegenen Ceylon bildeten sie ein Gegengewicht zu den christlichen Missionen, um den Buddhismus vor Ort zu schützen. Aus diesen Gründen wird das Andenken an die Theosophen der ersten und zweiten Generation bei geschichtsbewussten indischen Intellektuellen noch heute hoch gehalten. Aus der Theosophie sind im Laufe der Zeit viele Abspaltungen hervorgegangen, die bekannteste davon die Antroposophie Rudolf Steiners.
Inhalt und Bedeutung spirituelelr Praktiken in ausgewählten Gruppen
Im Jahr 2004 hat Claude Alain Humbert nach umfangreichen Recherchen den "Religionsführer Zürich" herausgebracht. Darin werden 370 religiöse Gruppen beschrieben, die in Zürich vorzufinden sind, wobei es sich meist um grössere Bewegungen handelt, die praktisch weltweit ihre Niederlassungen haben. Damit ist Zürich einnfach ein Beispiel für die religiöse Gegenwart ohne grundlegenden Unterschied zu anderen westlichen Grossstädten. In einem Vortrag, den der Autor in an der Yoga University Villeret gehalten hat und auf dem der nachfolgende Artikel basiert, konzentriert er sich vor allem auf östlich inspirierte Gruppierungen und beschreibt insbesondere, die religiösen Praktiken, die von den Mitgliedern ausgeübt werden.
Swami Sivananda und seine Bewegung
Selten ist die Ausbreitungsgeschichte einer Yogabewegung so gut untersucht worden, wie es Sarah Strauss in Bezug auf die Sivananda-Bewegung gemacht hat. Swami Sivananda selbst hatte nach der Gründung seines Ashrams n Rishikesh zwar erste westliche Schüler, doch er selbst hat Indien nie mehr verlassen. Besonders nach seinem Tod sind jedoch einige sehr rührige Schüler auf den Plan getreten. Neben anderen Swami Vishnudevananda, dem es gelang im Laufe der Zeit unglaubliche Donationen zu generieren und weltweit einige grosse Zentren aufzubauen, Swami Sathyananda der die Bihar School of Yoga gründete, die auch eine internationale Wirksamkeit anstrebte, Swami Satchidananda, der das "Yoga Village" in Virginia (USA) gründete, sowie der in der Schweiz recht zwiespältig bekannt gewordene Swami Omkarananda. Daneben wurde auch das Ursprungsashram in Indien weitergeführt. Obwohl inzwischen auch all die genannten Nachfolger nicht mehr leben, entfalten die von Ihnen geschaffenen Organisationen auch heute noch ihre diversen Aktivitäten.
Sri Satchitananda Yogi
Sri Satchidananda Yogi, der Schweigende Yogi von Madras (1910-2006), ein traditioneller Yogi asketischer Prägung, hatte für den Yoga in der Schweiz insofern eine nicht unerhebliche Bedeutung, als er den Aufbau der Yoga University Villeret unterstütze und in den ersten sieben Jahren ihres Bestehens in allen damaligen Ausbildungsgängen für YogalehrerInnen direkt mitwirkte. Der Artikel zeichnet das Leben des Schweigenden Yogis nach und erzählt einige Anektoten, die einerseits einige Spezifika der Yogamystik verdeutlichen und andererseits auch Schlaglichter auf die Interaktion des Yogis mit seinen westlichen SchülerInnen werfen.
Die Anfänge des Yoga in der Schweiz
Basierend auf eine Studie von Martin Merz hat Reinhald Palm die Anfänge des Yoga in der Schweiz nachgezeichnet. Bevor Selvarajan Yesudian 1948 damit anfing systematisch Yoga zu unterrichten, war das Thema Yoga hier und dort bereits zu Tage getreten, z.B. in der Reformbewegung, einer Art Gegenbewegung zur Industrialisierung und modernen Zivilisation mit dem Ruf: "Zurück zur Natur". In der bekanntesten Kolonie der Reformbewegung der Schweiz, die im Jahr 1900 auf dem Monte Verità gegründet wurde, wurde, das ist verbürgst, bereits punktuell Yoga praktiziert. Weiterhin zu nennen sind die frühen Theosophen in der Schweiz jedoch auch Einzelpersonen, wie der Schriftsteller Hermann Hesse oder der Psychologe C.G. Jung, die geistig das Terrain für Yoga bereiteten. Ebenfalls bekannt ist dass der Alternativartzt Dr. Bircher-Benner für die Bücher Vivekanandas schwärmte und in seiner Klinik yogaähnliche Übungen in die Kurprogramme integrierte. Sein Sohn veröffentlichte im Jahr 1932 eine Art Yogabuch; man darf es als das erste seiner Art in der Schweiz bezeichnen. Ein weiterer Pionier, der allerdings nur Personen bekannt sein dürfte, die sich näher mit dem Thema beschäftigt haben, war Werner Zimmermann, Reformpädagoge und Autor zahlloser Schriften zu Gesundheit, Hygiene etc. der selbst u.a. Mitbegründer des ersten Nudistengeländes der Schweiz in Thielle war, wo seit Beginn und bis heute Yogalektionen zum allgemeinen Programm gehören.
Die Eranos Tagungen in Ascona
Wenigen bekannt sind die Eranos Tagungen von Ascona, wo sich ab den frühen dreissiger Jahren in jährlichem Rhytmus hochkarätge Persönlichkeiten trafen, um sich Themen an der Schnittstelle von Wissenschaft, Mythologie und Religion zu widmen. Initiiert durch die Holländerin Olga Fröbe-Kaptein und später stark geprägt von C.G. Jung trafen sich Philosophen,, Natur und Geisteswissenschaftler und auch spirituelle Lehrer: Neben Vorträgen und Austausch wurden jeweils auch geistliche Übungen abgehalten. Gelegentlich wurden Swamis aus Indien eingeladen.Mehrmals besuchte der bekannte Meditationslehrer Daisetz Teitaro Suzuki die Tagungen. Mircea Eliade, Autor des Werkes „Yoga - Unsterblichkeit und Freiheit“ gehörte ab den 50er Jahren zu den regelmässigen Gästen und schrieb: „Der Geist von Eranos ist eine der schöpferischsten Kulturerfahrungen in der modernen westlichen Welt. An keinem anderen Ort findet man ein vergleichbares anhaltendes Bemühen von Gelehrten, den Fortschritt, der auf den verschiedenen Fachgebieten errungen wird, in eine umfassende Perspektive zu integrieren.“
Die Geschichte der Yoga University Villeret
Im Jahr 1994 wurde die Yoga University als erstes residenzielles Yogazentrum der Schweiz gegründet mit dem Ziel der Ausbildung einer neuen Generation von YogalehrerInnen. Aus den anschliessenden Aktivitäten heraus ist sowohl der Schweizer Yogaverband als auch das Yoga Journal entstanden. Heute bietet die Yoga University Villeret sowohl weiterhin die vierjährige Grundausbildung für YogalehrerInnen als neu auch eine Berufsausbildung zum/zur YogatherapeutIn an. Daneben haben die Weiterbildungsaktivitäten für die AbsolventInnen sowie weitere Mitglieder des Verbandes einen grossen Stellenwert eingenommen. Der Artikel zeigt die Stationen der Entwicklung der Yoga University Villeret von den Anfängen bis in die Gegenwart.
Yoga in modern India - The Body between Science and Philosophy
Ausgangspunkt für das dem Artikel zugrunde liegende Buch bildet die spannende Frage, wie es eigentlich möglich ist, dass Yoga gleichzeitig sowohl eines der sechs antiken Philosophie-Systeme Indiens als auch eine moderne Freizeitbeschäftigung und Naturopathie-Richtung sein kann. Der Anthropologe Joseph Alter beginnt bei Vivekananda, der als erstes versuchte seinem, westlichen Publikum Yoga wissenschaftlich rational zu erklären. Weiter wird der Bogen zu Swami Kuvalayanada gespannt, der damit angefangen hat physiologische und medizinische Untersuchungen mit Yoga-Probanden anzustellen, bis hin zum Maharishi Mahesh Yogi, der seine Meditation immer wieder mit wissenschatlichen Theorien und Experimenten untermauern wollte. Als Konklusion findet Joseph Alter, dass sich mit Wissenschaft und Yoga zwei Mythen verbunden haben und zwar der Mythos von Yoga als einem uralten von den Rishis oder den Göttern geoffenbarten, vom Wandel der Zeiten unberührten indischen Erbe und der Mythos von Wissenschaft das heisst von Autorität, Legitimität und Macht. Die Verschmelzung dieser beiden Mythen war attraktiv und ist es bis zum heutigen Tag geblieben.
Yoga im Gefängnis
Seit längerer Zeit gibt es Initiativen, Yoga ins Gefängnis zu bringen und dort wo es gelingt, sind die Ergebnisse grundsätzlich positiv. Allerdings sind nicht alle Institutionen offen für einen derartigen Ansatz, so dass Yoga im Gefängnis nach wie vor die Ausnahme geblieben ist. Im Beitrag werden von Marcel Friedli etliche Personen interviewt die in Gefängissen Yoga unterrichten oder unterrichtet haben. Eine Yogalehrerin sagt: "Das Gefängnis ist der ideale Ort für Yoga; man befindet sich hinter dicken Mauern, verschlossenen Türen, ist voll und ganz auf sich selber zurückgeworfen. Zudem hat man viel Zeit; Zeit, die man nutzen kann, einen anderen Zugang zu sich selber und zur Mitwelt zu suchen – und vielleicht zu finden. Zeit, sich mit dem inneren Kern zu verbinden."
Das Kaivalyadhama Yoga Samit in Lonavla
Das Kaivalyadhama Yoga Samiti, ein Yogazentrum in der Region von Mumbai, darf als einer der Hauptorte gesehen werden, an dem das moderne Yoga seine Form fand. Gegründet von Swami Kuvalayananda, wollte er hier vor allem die gesundheitlich-medizinischen Wirkungen von Yoga studieren und einen Ort für yogatherapeutische Behandlungen schaffen. Bald interessierte sich sogar Gandhi für seine Initiative, weil er selbst immer bestrebt war original indische Traditionen zu beleben und fand, dass im Yoga vielleicht eine Alternative zur westlich dominierten Schulmedizin liegen könnte. Die Aktivitäten am Yogazentrum weiteten sich kontinuierlich aus. Es wurde eine philosophisch-literarische Forschungsstelle mit einer umfassenden Bibliothek in Leben gerufen, Yogabücher sowie die erste wissenschaftliche Zeitschrift für Yoga weltweit, das "Yoga Mimamsa" publiziert. Ein Ziel war es auch YogalehrerInnen auszubilden, die in Schulen, ähnlich wie Schulsport, Yoga unterrichten könnten. In all diesen Bereichen war das Zentrum sehr erfolgreich, besonders auch, weil Kuvalayanandas Nachfolger, Swami Digambarji, allgemein angesehen war und die Geschäfte glücklich weiterführte. Nach dessen Tod schlitterte das Kaivalyadhama dann aber in eine Krise und konnte später nicht mehr zum Glanz von einst zurückfinden.
Paul Brunton
Paul Brunton, englischer Journalist mit grossem Interesse an orientalischen Wesiheistlehren, bereiste Indien anfangs der Dreissiger Jahre auf der Suche nach Begegnungen mit erwachten Personen. Nach seiner Rückkehr verfasste er das Buch "A Search in Secret India" (deutscher Titel: Von Yogis Magiern und Fakiren), das millionenfach gelesen wurde und im englischen Sprachraum bis zum heutigen Tag immer wieder aufgelegt wurde. Das Buch überstrahlt die gesamte Gattung der indischen Reiseliteratur seiner Epoche und hat in Tausenden von Personen das Interesse an der indischen Spiritualität geweckt. Nicht zuletzt ist durch Paul Brunton der indische Weise Ramana Maharshi im Westen bekannt geworden.
Krishnamacharya im Lichte seine Anhänger
Viele Schüler der heutigen, besonders der amerikanischen, Yogaszene berufen sich auf T.Krishnamacharya und er wird von ihnen als mehr oder weniger alleiniger Erfinder des modernen Yogas dargestellt, was historisch jedoch nicht haltbar ist. Der Film "Der atmende Gott", der um Krishnamacharya kreist, ist ganz in diesem Stil angelegt, womit er, obwohl er durchaus auch sehenswerte Passagen hat, wohl nur die direkten Anhänger des Protagonisten befriedigen kann.
Yoga in der Ashtanga City
Professor Maya Burger von der Universität Lausanne hat im Rahmen eines grossen Studienprojektes die Yogaszene in der Stadt Mysore untersucht. In einem Vortrag an der Yoga University Villeret hat sie einige ihrer Beobachtungen und Ergebnisse vorgestellt.