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Transurethrale Resektion (TURP)
Bei der Operation führt der Arzt ein Instrument durch die Harnröhre bis zur vergrösserten Prostata. Über eine eingebaute Optik kann er das die Harnröhre einengende Prostatagewebe lokalisieren und mithilfe einer elektrischen Schlinge abtragen. Entfernt wird das Gewebe über die Harnröhre. Durch den Einsatz elektrischen Stroms ist bei diesem Eingriff eine Spülflüssigkeit notwendig, die frei von mineralischen Substanzen ist. Das Hauptproblem besteht im Risiko, dass durch die Eröffnung von grösseren Venen innert kurzer Zeit erhebliche Mengen an Spülflüssigkeit in den Kreislauf gelangen. Dadurch entsteht ein Verdünnungseffekt und damit die Gefahr, dass der Natriumgehalt im Blut in lebensbedrohlicher Art absinkt, was als Einschwemmsyndrom bezeichnet wird. Um dieser Gefahr vorzubeugen, wird die Operationszeit in der Regel auf eine Stunde beschränkt. Das bedeutet, dass Organe von über 100 Gramm Gewicht nur von sehr geübten Operateuren behandelt werden können. Kommentar Dr. Ruedi Ausfeld: Die TURP ist das, was die Amerikaner als Goldstandard bezeichnen, das heisst, sie ist ein weitgehend problemloses Verfahren für Normalpatienten mit einer mittelgrossen Prostatadrüse. Alle Verfahren müssen sich an der TURP messen, und keine Methode – mit Ausnahme der offenen Operation – ist ihr überlegen, wenn man die Restharnmenge und die Harnflussmessung als Kriterien heranzieht. In einem grossen Prozentsatz kommt es allerdings zu einer retrograden Ejakulation, was nur wenige Männer ernsthaft stört, da der Orgasmus unverändert erlebt wird. Impotenz ist, sofern vor der Operation alles funktioniert hat, selten ein Problem. Der mit der retrograden Ejakulation verbundene Verlust der Fruchtbarkeit ist für die allermeisten Männer, die sich ja meist im letzten Drittel ihres Lebens befinden, praktisch nie Anlass für Reklamationen. Reoperationen kommen aber vor, vor allem, weil es am Blasenhals, wie auch in der Harnröhre, gelegentlich zu Stenosen kommen kann.
Bipolare TURP
Die bipolare Resektion ist eine Weiterentwicklung der konventionellen TURP. Dabei platziert man zusätzlich eine Elektrode, sodass keine elektrolytfreie Spülflüssigkeit benötigt wird. Stattdessen dient eine physiologische Kochsalzlösung als Spülflüssigkeit. Da Salz physikalisch ein Leiter zweiter Klasse ist, fliesst der Strom besser.
Kommentar Dr. Ruedi Ausfeld: Der Unterschied zwischen der konventionellen TURP und dem bipolaren Verfahren liegt im Wesentlichen darin, dass bei der bipolaren Methode Natriumchlorid als Spülflüssigkeit verwendet werden kann. Diese Flüssigkeit ist zur Visualisierung während der Operation unbedingt nötig. Der Strom fliesst nur innerhalb des Schneideinstruments von einem Pol zum andern, wird also nicht durch den ganzen Körper geleitet. Bei der bipolaren Methode ist das Einschwemmsyndrom viel seltener, weil der Natriumgehalt im Blut nicht absinkt, obwohl ebenfalls grosse Flüssigkeitsmengen in den Kreislauf gelangen können.
Ob die bipolare oder die monopolare Technik favorisiert wird, hängt von den Vorlieben des Operateurs ab. Meines Erachtens ist das bipolare Verfahren eher bei der Entfernung von Blasentumoren vorzuziehen, weil damit unterwünschte Muskelkontraktionen, die zu Zuckungen im Operationsgebiet führen können, wegfallen.
Transurethrale Inzision (TUIP)
Bei diesem Eingriff ist die Entfernung der Prostata nicht das Ziel. Die Vorsteherdrüse wird bei der TUIP nur eingeschnitten, sodass der Auslasswiderstand reduziert wird.
Kommentar Dr. Ruedi Ausfeld: Diese Methode wird vor allem bei jüngeren Männern mit einer relativ kleinen Prostata angewendet.
Photoselektive Laservaporisation
Der Eingriff erfolgt durch die Harnröhre. Zum Abtragen des überschüssigen Prostatagewebes wird Laserlicht mit einer bestimmten Wellenlänge verwendet. Die Verengung kann sofort lokal beseitigt werden.
Kommentar Dr. Ruedi Ausfeld: Das Verfahren eignet sich für Patienten unter blutverdünnenden Medikamenten. Bei dieser Methode fällt kein Gewebe an, das auf möglichen Prostatakrebs untersucht werden kann.
Holmium-Laser-Enukleation
Die Operation erfolgt durch die Harnröhre. Mit dem Laser trennt der Urologe das gesamte überschüssige Gewebe in mehreren Arbeitsschritten ab. Das Prostatagewebe wird in der Harnblase nochmals zerkleinert und danach durch die Harnröhre abgesaugt. So besteht die Möglichkeit, das entfernte Gewebe nachträglich auf Prostatakrebs zu untersuchen.
Kommentar Dr. Ruedi Ausfeld: Ein gutes Verfahren, vor allem für Patienten, die eine grosse Prostata haben und unter blutverdünnenden Medikamenten stehen. Technisch ist dieses Verfahren sehr anspruchsvoll, vor allem, weil die Operation von unten nach oben durchgeführt wird und am Schluss das entfernte Gewebe, das sich als grosser Knoten in der Blase befindet, verkleinert werden muss, damit man es durch die Harnröhre entfernen kann. Es gibt zudem keine Garantie, dass nicht doch ein Blutverlust entsteht.
Offene Adenom-Enukleation
Die offene Operation der Prostata-Hyperplasie ist die älteste Methode. Der Zugang zur Prostata erfolgt bei diesem Verfahren durch die Blase oberhalb des Schambeins. Die Vorsteherdrüse wird dabei manuell vom umgebenden Gewebe gelöst und entfernt. Diese Methode eignet sich vor allem bei sehr grosser Prostata sowie bei gleichzeitigen Blasensteinen oder -divertikeln.
Kommentar Dr. Ruedi Ausfeld: Alle bis hierher beschriebenen Methoden sind mittelgrosse respektive grosse Operationen und sollten nur in Kliniken durchgeführt werden, in denen die Möglichkeit einer postoperativen Überwachung gegeben ist.
Transurethrale Mikrowellen-Thermotherapie (TUMT)
Bei diesem Verfahren wird das Gewebe der Prostata mittels eines speziellen Katheters erhitzt. Ziel der Behandlung ist die Schrumpfung der Prostata. Die Harnröhre wird während des Eingriffs durch einen speziell eingeführten Katheter gekühlt.
Kommentar Dr. Ruedi Ausfeld: Der Eingriff kann ambulant und unter lokaler Betäubung durchgeführt werden. Allerdings muss man dieses Verfahren häufig wiederholen.
Transurethrale Nadelablation (TUNA)
Bei der TUNA wird das Prostatagewebe mittels Radiofrequenzwellen erhitzt und zum Absterben gebracht. Das geschieht über feine Nadelantennen, die durch die Harnröhre im Gewebe platziert werden. Der Eingriff erfolgt ohne Narkose. Das Blutungsrisiko ist gleich null, und auch andere Komplikationen sind selten. Erektion und Ejakulation bleiben unbeeinträchtigt.
Kommentar Dr. Ruedi Ausfeld: Bei dieser Methode muss sich fast jeder vierte Betroffene nach einigen Jahren einer erneuten Therapie unterziehen.
Über eines muss man sich bei allen Verfahren im Klaren sein: Es bleibt bei sämtlichen Methoden Prostatagewebe zurück, und dieses kann wieder nachwachsen oder zu einem späteren Zeitpunkt entarten. Bei der TURP werden die entfernten Gewebestücke zur histologischen Untersuchung eingesandt. Bei den weniger invasiven Verfahren müssen alle Patienten mit einer verbleibenden Lebenserwartung von über zehn Jahren zusätzlich zum geplanten Prozedere eine Prostata-Biopsie durchführen lassen. Vor allem Patienten, bei denen eine familiäre Belastung durch ein Prostatakarzinom bekannt ist, sollten sich weiterhin regelmässig von ihrem Hausarzt oder Urologen untersuchen lassen.
CHECK
Das müssen Sie wissen
- Das kleine Prostata-Lexikon
- Die Prostata oder Vorsteherdrüse produziert ein Sekret, das für den Transport der Samenzellen verantwortlich ist.
- Bei jüngeren Männern hat sie die Grösse und Form einer Kastanie. Im Alter und bei Erkrankungen kann sie bis auf die Grösse eines Pfirsichs anwachsen.
- Die gutartige Vergrösserung beginnt ab dem 45. Lebensjahr.
- Die ersten Anzeichen einer Prostatavergrösserung sind Probleme beim Wasserlassen.
- 50 bis 60 Prozent aller Männer über 50 zeigen Anzeichen einer gutartigen Vergrösserung.