Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03475.jsonl.gz/443

Beckenried entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einer beliebten Sommerfrische. Anders als in den teuren Grand-Hotels wie etwa auf dem Bürgenstock verbrachten hier Leute aus dem Mittelstand in kleineren Pensionen und Gasthäusern ihren Urlaub. Ihre Zahl nahm dank verbesserter Feriengesetzgebungen stetig zu.
Um 1900 war die Sommerfrische in Beckenried derart beliebt, dass private Haushalte mangels ausreichender Hotelbetten dazu übergingen, ihre Häuser an Gäste zu vermieten, während sie selber auf der Alp waren, und sich so ein Zubrot zu verdienen. Beckenried investierte früh in Infrastrukturen, die den Bedürfnissen der Gäste entsprachen. Nebst einer Promenade am See hatte das Dorf als eines der ersten am Vierwaldstättersee seit 1897 auch eine elektrische Beleuchtung. Und mit der Klewenalpbahn nahm man 1933 eine der ersten Seilbahnen der Schweiz in Betrieb und öffnete damit den Ort frühzeitig für den Wintertourismus.
Am zweiten Sonntag im November findet in Beckenried die traditionelle Älplerchilbi statt. Sie verläuft nach einem vorgegebenen Muster: auf den Erntedank-Gottesdienst in der Kirche folgt ein Umzug der festlich gekleideten Älpler mit ihrem Vieh, begleitet von verkleideten Wildleuten und Fahnenschwingern.
Wie bei jeder Chilbi verbinden sich auch in Beckenried religiöse und bäuerliche Elemente. Ursprünglich ein kirchliches Fest am Jahrestag zur Einweihung der Dorfkirche, entwickelte sich die Kirchweihe in Verbindung mit bäuerlichen Festen wie dem Erntedank oder der Alpabfahrt zur heutigen Chilbi. Mit Tanz und Unterhaltung bot sie früher eine willkommene Abwechslung im bäuerlichen Alltag. Die Chilbi ist in den katholischen Gebieten der Innerschweiz besonders präsent geblieben. Vielerorts wird sie von Sennenbruderschaften organisiert, die sich seit Jahrhunderten der Wahrung des Hirtenbrauchtums widmen.