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Das Wort zum Sonntag: Postfaktisch
Postfaktisch (abgeleitet vom englischen post-truth) beschreibt einen Vorgang, bei welchem Fakten nicht mehr im Mittelpunkt stehen. Die Relevanz der Fakten ist nicht wesentlich für das Zielpublikum. Wichtig ist, dass die Erwartungshaltung erfüllt wird.
Die Wahl von Postfaktisch zum „Wort des Jahres“ durch die Experten vom Verlag Oxford Dictionaries wirkt wie ein Kommentar zur Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA. Die Karriere von post-truth und seiner deutschen Entsprechung postfaktisch ging einher mit dem Aufstieg jenes Mannes, dem Fakten scheinbar niemals etwas anhaben konnten. „Angetrieben von dem Aufstieg der Sozialen Medien als Nachrichtenquelle und einem wachsenden Misstrauen gegenüber Fakten, die vom Establishment angeboten werden“, habe das Konzept des Postfaktischen seit einiger Zeit an Boden gewonnen, sagte Oxford-Dictionaries-Chef Casper Grathwohl zur Begründung.
Gemäss Frau Merkel bedeutet es: „Das soll wohl heissen, die Menschen interessieren sich nicht mehr für Fakten, sie folgen allein den Gefühlen.“ Mit anderen Worten, die Wahrheit einer Aussage tritt hinter den Effekt der Aussage auf die eigene Klientel zurück.
Vor allem im Zusammenhang mit dem Referendum über einen Austritt Grossbritanniens aus der EU und den Präsidentschaftswahlen in den USA hat der Begriff einen Höhepunkt erlebt. Schauen wir mal, wie es mit diesem Begriff weitergeht. Wann bricht er wohl in Frankreich, Deutschland und bei uns durch? Oder werden wir Fakten einen höheren Wert geben, als der Erwartung des Publikums?