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Schnitzer,
Eduard (Emin Pascha), Afrikareisender. In Bezug auf die Zurückführung Emin Paschas aus der Äquatorialprovinz durch Stanley sind gegen letztern inzwischen viele Zeugen aufgetreten, die im Verein mit den Aussagen Emin Paschas behaupten, daß Stanley (s. d.) Emin Pascha durch Vorspiegelung falscher Thatsachen und zuletzt durch Androhung von Gewalt zur Aufgebung seines durchaus nicht gefährdeten Postens in der Äquatorialprovinz gezwungen habe. Zu den gegen Stanley sprechenden Veröffentlichungen der Tagebücher von Barttelot (s. d.) und des Reisewerks von Casati (s. d.) ist neuerdings eine Veröffentlichung der Briefe und Tagebücher des verstorbenen James S. Jameson, der die Stanleysche Expedition als Naturforscher begleitet hat, unter dem Titel: »Story of the rear column of Emin Pasha relief expedition« (in deutscher Ausgabe: »Forschungen und Erlebnisse im dunkelsten Afrika«, [* 2] Hamb. 1891) hinzugekommen, woraus hervorgeht, daß die Darstellung von E. M. Barttelot auf Wahrheit zu beruhen und die Verteidigung Stanleys hinfällig zu sein scheint. Über die Gründe der Zurückberufung Emin Paschas (s. Deutsch-Ostafrika, S. 201) ergibt sich aus den Berichten des Reichskommissars v. Wissmann (s. d.), die teils im »Deutschen Reichsanzeiger«, teils in den dem deutschen Reichstag zugegangenen Weißbüchern mitgeteilt worden sind, daß Emin Pascha seine Befugnisse überschritten und die ihm von seinem Vorgesetzten gegebenen Befehle mißachtet, besonders daß er gegen Wissmanns ausdrückliche Warnung nach Tabora gegangen sei und dort die deutsche Flagge geheißt habe.
Außerdem habe sich Emin Pascha entgegen der ihm zu teil gewordenen Instruktion in kriegerische Unternehmungen eingelassen, die zwar anfangs zum Siege geführt, durch die er sich aber den Stamm der Watuta oder Wangoni verfeindet habe. Die nächste Folge dieses übereilten Vorgehens war denn auch, daß Leutnant Langheld, der im Auftrag Emins den Zug gegen die Watuta unternommen, Anfang Oktober 1890 in Usongo in einen Hinterhalt fiel und sich nur mit Mühe retten konnte.
Daraufhin erteilte v. Wissmann Emin Pascha 6. Dez. eine neue Instruktion, in der als Hauptzweck seiner Thätigkeit die Errichtung einer Station am Nyanzasee möglichst südlich, die gleichzeitig als Hafenstation für einen Dampfer zu betrachten ist, und ein gutes Einvernehmen mit Mr. Stokes, der die Verbindung zwischen dem See und Mpwapwa aufrecht zu erhalten hat, gefordert wird. Der letzte Auftrag an Emin Pascha ging dahin, daß er die Station am Nyanzasee bis gründen sollte, wo die Kolonie in eine Kronkolonie umgewandelt werden würde.
Nach der definitiven Regelung der Verhältnisse in Ostafrika soll Emin Pascha als Kommissar zur Verfügung des Gouverneurs v. Soden für ein Gebiet am Victoria [* 3] Nyanzasee angestellt werden. Inzwischen hat Emin Pascha auch seine auf materielle Erträge abzielende Thätigkeit begonnen, da im März 1891 seine erste Elfenbeinsendung im Werte von 80,000 Mk. in Bagamoyo eingetroffen ist.
Vgl. Staby, Emin Pascha (Stuttg. 1891);
Kirchhoff, Stanley und Emin nach Stanleys eignem Werke (Halle [* 4] 1890);
Volz, Emin Paschas Entsatz und Stanleys Zug durch das dunkelste Afrika (Leipz. 1891), und die weitern Litteraturangaben in dem Artikel Geographische Litteratur, S. 346.