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Flimser Bergsturz im Bodensee nachgewiesen
Eine neue gemeinsame Publikation von neun Forschungsinstituten aus der Schweiz und Deutschland, darunter sieben Forscher der Universität Bern, zeigt spannende Zusammenhänge zwischen dem Flimser Bergsturz und den Sedimentschichten im Untergrund des Bodensees. Die neu datierten Schichten sind rund 9500 Jahren alt und passen zu bereits bestehenden Datierungen des grössten Bergsturzes der Alpen im UNESCO-Weltnaturerbe Tektonikarena Sardona.
Vor rund 9’500 Jahren ereignete sich oberhalb von Flims im heutigen UNESCO-Weltnaturerbe Tektonikarena Sardona der bis heute grösste bekannte Bergsturz der Alpen. In einer kürzlich publizierten Studie konnten nun Auswirkungen des Flimser Bergsturzes im 100 Kilometer entfernten Bodensee nachgewiesen werden. Bei der Aufsehen erregenden Studie wirkte auch Prof. Flavio Anselmetti von der Universität Bern mit. Anselmetti ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirates der Tektonikarena Sardona.
Der heute über 250 m tiefe Bodensee liegt in einem 400 m tiefen Felstal. Diese viel tiefere Felsoberfläche schufen Gletscher durch ständiges Vorstossen und Abschmelzen über die letzten 1.5 Millionen Jahre. Die maximale Vergletscherung der letzten Eiszeit war vor rund 22’000 Jahren. Die Gletscheroberfläche war damals auf rund 800-1200 m ü.M., was etwa 300-600 m Eisdicke über dem heutigen Bodensee-Wasserstand entspricht.
An der Gletscherbasis festgefrorene Steine und Schmelzwasser mit hohem Druck haben langsam den Felsuntergrund abgeschliffen. So entstand nach mehreren Vorstössen das tiefe Felstal. Dieses Felstal reicht im Untergrund weit ins heutige Rheintal hinein, ist aber nun mit Sedimentgesteinen gefüllt. Neue seismische Analysen im Bodensee haben eine über 150 m dicke Sedimentfüllung zwischen Felsoberfläche und Seegrund nachgewiesen. Eine 24 m tiefe Bohrung wurde am Seegrund durchgeführt, deren Sedimentkerne decken die letzten 13’500 Jahre ab. Sie dokumentieren den kontinuierlichen Prozess des Abschmelzens der Gletscher im Rheintal und das darauffolgende Umlagern von Sedimentgesteinen Richtung Bodensee.
Im Rahmen der aktuellen Studie konnte folgende Erkenntnis gewonnen werden: Die Forscher haben den Flimser Bergsturz, welcher auf rund 9500 Jahre datiert wurde, auch in den Sedimenten des Bodensees nachgewiesen und passend datieren können. Es handelt sich um eine einige zentimeterdicke Lage, die aus Material besteht, welches als Folge des grössten Bergsturzes der Alpen vom Rhein zum Bodensee-Flussdelta transportiert und dann mit Unterwasserströmungen bis in die tiefsten Abschnitte des Sees geschüttet wurde.
Diese spezielle Karte des Bodensees zeigt die Wassertiefe farblich abgestuft. Ein Tal im Felsuntergrund, in welchem die Sedimente des Sees heute liegen, ist nochmal 150 m tiefer.
So sehen die Folgen des Flimser Bergsturzes in Sedimentschichten des Bodensees aus. Links ein Photo des Sedimentkerns, rechts das Computertomogramm des glei-chen Kerns. Der umgelagerte Schutt des Flimser Bergsturzes ist von 8.89 bis 9.03 Meter Kerntiefe deutlich zu erkennen.
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