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Moskau und Petersburg

Moskau und Petersburg sind zwei alte Dorfteile der Gemeinde Ramsen im Kanton Schaffhausen, die rund fünfzehn respektive zehn Häuser umfassen. Wer kennt sie, gelegen an einer alten Völkerstrasse, welche von der Donau durch den Hegau an den Rhein führte?
Wie die meisten Grenzorte weist auch Ramsen eine sehr bewegte Geschichte auf. Wie ist Ramsen zu den Weilern mit russischen Namen gekommen? Sicher ist, eine Revolution gab es keine. Es handelt sich nicht etwa um Gründungen der russischen Zaren oder gar um Stützpunkte der Revolution von einst.
Um 1798 bis 1800 besetzten und plünderten österreichische, russische und französische Heeresteile das damals noch zu Zürich gehörende Dorf. Die Russen errichteten in der Gegend ein Heerlager. Verständlich, dass die fremdländischen, buntgekleideten Krieger, unter ihnen Kalmücken, Kirgisen und Kosaken, von der einheimischen Bevölkerung mit besonders grossem Interesse und Neugier betrachtet wurden. Im Andenken an die Russen taufte bald darauf ein Bauer namens Peter seinen Hof „Petersburg“. Das Haus stand etwas abseits des Dorfes allein inmitten von Feldern und wurde vom Volksmund auch bald nur noch „Petersburg“ genannt. Ein anderer Landwirt fand dort, wo er seinen Betrieb einrichten wollte, einen Haufen Hufeisen, die offenbar von den Pferden der Russen stammten. In der Folge liess auch er sich „russisch“ inspirieren und taufte seinen Besitz „Moskau“.
|Später kamen weitere Häuser hinzu, und mit der Zeit bildeten sich richtige Weiler um die beiden Höfe, die noch heute ihren Namen haben. Auch jetzt gibt es noch ein „Haus zur Krim“, wie es früher das „Restaurant zur Moskau“ gab. Dieses Restaurant zur Moskau hat eine besonders aufregende Geschichte hinter sich, befindet es sich doch fast unmittelbar an der Landesgrenze.|
Während der dreissiger Jahre waren kommunistische Propagandaschriften und anti-nationalsozialistische Literatur gebracht und verschickt worden. Viele „Rote“ vermuteten hinter dem Restaurantnamen offensichtlich eine prorussische Organisation. In Deutschland glaubte man dasselbe, ja fürchtete gar, in der „Moskau“ werde ein bolschewistischer Überfall auf das Dritte Reich vorbereitet. Jedenfalls marschierte eines Nachts die deutsche SS über die Grenze ins Restaurant ein und verschleppte einen tschechischen „Schmuggler“, der auf dem Heustock des Restaurants geschlafen hatte. Trotz seinem Versteck war er verraten und über die Landesgrenze geholt worden. Die Schweiz protestierte in Deutschland und erhielt den verschleppten Tschechen wieder zurück. Später allerdings soll er in Frankreich doch noch aufgegriffen worden sein.
Jedenfalls fanden es damals die Wirtsleute der „Moskau“ klüger, ihr Restaurant im Jahre 1934 umzubenennen. Und so ist es bis heute geblieben. Heute stellen die beiden russischen Namen eine Kuriosität dar, und so sind diese „russischen“ Weiler im Schaffhausischen längst zu einer kleinen Attraktion geworden. Nicht nur die Gemeindebewohner sind stolz auf ihre Weiler, jeder Besucher ist mindestens so erfreut und überrascht, ohne ein Visum in Moskau und Petersburg zu verweilen.