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Segu
(S.-Sikoro), Hauptstadt eines jetzt verfallenen, aber ehemals mächtigen Reichs in Senegambien, das sich von der Kaarta bis Wassulu und von Dschallonke-Dugu bis Massina über einen Raum von 500,000 qkm (9000 QM.) erstreckte, jetzt aber auf einen schmalen ebenen Strich am rechten Ufer des obern Niger zwischen diesem und dem Bakhoy zusammengeschrumpft ist. Doch ist die Lage der Stadt an dem schiffbaren Fluß gerade da, wo sich mehrere bedeutende Handelsstraßen vereinigen, eine so glückliche, daß sie trotz aller Wandlungen ihre kommerzielle Bedeutung bewahrt hat.
Von den Verwüstungen, welche Religionskriege in diesen Gegenden seit der Mitte des 19. Jahrh. angerichtet haben, sind S. und seine Umgebung durch die bereitwillige Unterwerfung der heidnischen Bewohner (Bambara und Soninke) unter die erobernden mohammedanischen Toucouleurs verschont geblieben. Die Bevölkerung [* 2] der Stadt wurde 1865 von Magé auf 36,000 Seelen, die des ganzen Distrikts auf 100,000 Seelen geschätzt. Mit S. hängen die auf beiden Ufern auf einer 15 km langen Strecke schnell aufeinander folgenden Orte: S.-Koro, S.-Bugu, S.-Kura am rechten, Farakko und Kalabugu am linken Stromufer eng zusammen. Seiner Bauart nach muß S. eher Marokko [* 3] zugerechnet werden als dem Sudân, der Handel aber bewegt sich ganz in den Formen des letztern. Man rechnet nach Kauris für kleine Beträge, während für größere der Sklave als Werteinheit gilt. Seitdem aber der Sklavenhandel mit den Weißen aufgehört hat, töten die Toucouleurs alle Gefangenen, deren Größe eine ¶
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Flintenlänge übersteigt; Frauen und Kinder verkauft man in der Nachbarschaft. Der mohammedanische Sultan wird nur von Frauen bedient, welche goldene Kürasse auf der Brust tragen; einige derselben versehen sogar die höchsten Staatsämter. In neuester Zeit sind die Toucouleurs wieder aus ihrer dominierenden Stellung durch die Bambara verdrängt worden. Die letztern sind gute Landbauer und erzeugen viel Getreide, [* 5] Reis, Mais, Yams, Kassawa, Tabak, [* 6] die Frauen weben schöne, mit dem einheimischen Indigo [* 7] gefärbte Stoffe, auch hübsche Arbeiten in Gold [* 8] und Eisen [* 9] werden angefertigt.
Der Handel ist aber in den Händen der wie in allen Nigerstädten, so auch hier zahlreichen Araber. An einigen Plätzen haben sich Fulbe niedergelassen, welche Viehzucht [* 10] treiben. Der größte Teil des ehemaligen Reichs gehört jetzt den Franzosen, welche durch einige Forts und kleine Kanonenboote den Niger beherrschen, u. denen in nicht ferner Zeit das bereits als ihrer Interessensphäre angehörig beanspruchte Land einmal zufallen dürfte.
Vgl. Mage, Voyage dans le Soudan occidental (Par. 1868);
Gravier, Voyage à Ségou (das. 1887).