Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03258.jsonl.gz/2259

Wer war zuerst, die Science Fiction oder die Wissenschaft? Das ist im Falle von Strahlenwaffen nicht einfach zu entscheiden. Schon Archimedes soll die Idee gehabt haben, gebündelte Lichtstrahlen als Waffen gegen Angreifer einzusetzen. H. G. Wells hat die Vorstellung von „Todesstrahlen“ Ende des 19. Jahrhunderts fest etabliert. Allerdings lagen damals neuartige Strahlen und ihre Anwendungsmöglichkeiten durch die Entdeckung der Röntgenstrahlen und der Radioaktivität gewissermaßen in der Luft.
Als Theodore Maiman 1960 den ersten Laser präsentierte, schien er die ideale Inkarnation der bis dahin fiktiven Todesstrahlen zu sein. Im Laufe der Jahre eroberte der Laser daher auch seinen Platz in der Science Fiction, wie in der Juli-Ausgabe des Physik Journals nachzulesen ist. In Forschung und Industrie erwies sich der Laser dagegen als friedliches Universalwerkzeug aus Licht. Ein Ende seiner Erfolgsgeschichte ist auch heute noch nicht in Sicht.
Mit dem US-amerikanischen SDI-Programm („Star Wars“) Anfang der Achtzigerjahre kam allerdings die Möglichkeit, Laser als Waffen einzusetzen, wieder ins Blickfeld. Die gewagten Pläne eines Raketenabwehrschilds aus Röntgenlasern im Weltall haben sich zwar als unrealistisch erwiesen, doch noch immer forschen Militärs an der „dunklen Seite“ der Lasertechnologie, wie jüngste Entwicklungen zeigen.
–
Weitere Infos:
Alexander Pawlak: Zwischen Fakt und Fantasie. Physik Journal, Juli 2010, S. 53
Edward Teller und Richard L. Garvin: Physikalische und technische Aspekte von Teilchenstrahl- und Laserwaffen. Physikalische Blätter, August 1986, S. 289 bis 297 (PDF, 6 MB)
Kleine Chronologie der fiktiven und realen Strahlenwaffen:
–
212 v. Chr Archimedes wird die wohl früheste Idee für eine Strahlenkanone zugeschrieben. Angeblich soll er Bronze- oder Glasspiegel konstruiert haben, mit denen sich das Licht so stark bündeln ließ, dass damit Schiffe in Brand gesetzt werden konnten:
1624 In Francis Bacons Utopie „Nova Atlantis“ findet sich ein bemerkenswerter Absatz, der sich als Vorahnung des Lasers interpretieren lässt:
„Wir haben auch optische Werkstätten, wo wir Versuche mit sämtlichen Strahlen und Lichtarten sowie mit allen Farben anstellen. Aus durchsichtigen und farblosen Körpern erzeugen wir die einzelnen Farben, nicht nur in Form eines Regenbogen schillernd, wie es in Brillanten und Prismen geschieht, sondern durch sich selbst, einfach und selbständig, Außerdem bringen wir jede Vielfalt von Strahlen hervor, so dass wir Licht auf große Entfernungen aussenden und ihm solche Kraft und Stärke verleihen, dass man bei dieser Art Licht die zartesten Linien und Punkte erkennen kann…“
http://www.gutenberg.org/etext/2434
1898 H. G. Wells ersinnt die Hitzestrahlen der kriegerischen Marsianer in „Krieg der Welten“
1964 Im James Bond-Film „Goldfinger“ bedroht der gleichnamige Bösewicht (gespielt von Gert Fröbe)das Leben von Agent 007 mit einem überdimensionierten Industrielaser. In der Romanvorlage (1961) von Ian Fleming begnügte er sich Auric Goldfinger mit einer Kreissäge.
1965 In der Fernsehserie „Mein Onkel vom Mars“ („My Favourite Martian“) baut Tim Bixby, der junge Held der Serie, unter anleitung seines marsianischen Onkels mit einem Rubinring und einem Diaprojektor einen Laser:
1966 Gene Roddenberry konzipiert für seine Fernsehserie “Star Trek” den Phaser (PHASed Energy Rectification) als Kombination aus Laser und Teilchenstrahl-Waffe mit vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten:
1967 In der Fernsehserie „Mit Schirm, Charme und Melone“ spielt ein Laser eine Rolle, der völlig unnötigerweise lautstarke Geräusche von sich gibt, die teilweise aus dem rückwärts abgespielten Geräusch des Querschläger einer Gewehrkugel bestehen:
1977 Der Film „Star Wars“ von George Lucas wartet mit spektakulären Laser-Innovationen auf: dem handlichen Lichtsäbel der Jedi-Ritter und Darth Vaders Todesstern, der mit seinem Superlaser ganze Planeten zerstören kann: