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Spionagekamera F-21
In Zeiten des Kalten Krieges waren die Geheimdienste auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs mächtige Organisationen mit grossem Einfluss, nicht zuletzt auf die technische Entwicklung. Eine dieser Entwicklungen war die Spionagekamera F-21, die während vielen Jahren vom KGB und anderen Ostblockdiensten verwendet wurde. Erfahren Sie hier etwas zur Geschichte, zur Technik und zu den Anwendungen dieser interessanten Kamera.
Zur Geschichte
Die Vorgänger der F-21 wurden zwischen 1945 und 1951 unter den Bezeichnungen "Ajax 8" bis "Ajax 11" in Laboren des KGB entwickelt, die man korrekter wohl als "technisch-operative Abteilung des Ministeriums für Staatssicherheit der UdSSR" bezeichnen könnte. Ziel war es, über eine möglichst kleine, robuste und leise Kamera für die Observation zu verfügen, die sich für den verdeckten Einsatz eignet. Diese Modelle waren stark von den deutschen "Robot"-Kameras beeinflusst und wurden in diesen Jahren laufend weiterentwickelt, wie G. Abramov hier beschreibt.
Die F-21 - auch als "Ajax 12" bezeichnet - wurde ab 1951 bzw. 1952 von Krasnogorski Mekhanicheskii Zavod (KMZ), bzw. einer Abteilung dieser bekannten Kameraschmiede, den geheimen Diensten der damaligen Sowjetunion ausgeliefert. Das "21" im Namen dürfte übrigens von der Breite des verwendeten Films, 21mm, herrühren. Vom Hersteller dieser Kamera werden keine Produktionsdaten zur Verfügung gestellt, aber man darf auf Grund der bekannten Seriennummern davon ausgehen, dass bis etwa 1995 einige Zehntausend dieser Spionagekameras hergestellt wurden.
Bei den meisten F-21 waren die Seriennummern an der Front oberhalb des Objektivs eingeprägt. Eine Ausnahme bilden offenbar Kameras, welche ab dem Jahr 1994 produziert wurden, was auch für die zivile Zenit MF-1 gilt. Deren Seriennummern waren an der Rückseite rechts oben graviert. Bei einigen Kameras wurden die Seriennummern aber auch entfernt, was eine eindeutige Identifikation erschwert. Es sei an dieser Stelle jedoch darauf hingewiesen, dass auf der Innenseite der Rückwand links oft die letzten drei Stellen der Seriennummer mit Bleistift notiert wurden, wohl damit das Gehäuse und die zugehörige Rückwand identifiziert werden können. Dadurch lassen sich die Seriennummern unter Umständen auch teilweise rekonstruieren, besonders wenn die Seriennummer an der Front noch bruchstückhaft vorhanden ist.
Man darf davon ausgehen, dass die Seriennummern der ausgegebenen F-21 registriert oder sogar personalisiert waren. Das könnte auch erklären, wieso gelegentlich F-21-Modelle mit herausgeschliffenen Seriennummern auftauchen. Eine andere Erklärung für entfernte Seriennummern ist, dass nicht nur die Gerätschaften geheim waren, sondern ganz besonders die Produktionsmengen derselben, und aus den Seriennummern lassen sich selbstverständlich Rückschlüsse darauf ziehen.
Die Seriennummern der frühen F-21 sind wahrscheinlich in Gruppen fortlaufend numeriert worden, wobei es auch Anzeichen dafür gibt, dass in den allerersten Jahren tatsächlich noch das Jahr zweistellig vorangestellt worden ist, zumindest 1951. Diese Beobachtung könnte aber auch trügen. Mir ist jedenfalls frühe keine F-21 mit einer Nummer kleiner als 51xx bekannt geworden, während meinen Recherchen. Fünfstellige Nummern sind wie angemerkt in Gruppen mit 3xxxx, 7xxxx und 8xxxx bekannt. Möglicherweise gibt es aber noch andere Gruppen, denn meine Aufzeichnungen weisen keine allzu grosse Menge an beobachteten Seriennummern auf.
In den Siebzigerjahren wurde die Modellreihe "T" eingeführt, welche sich von der früheren Produktion durch ein der Seriennummer vorangestelltes "T" unterscheiden. Man darf davon ausgehen, dass die Seriennummern ab diesem Zeitpunkt immer eine zweistellige Jahreszahl der eigentlichen laufenden Nummer vorangestellt wurde. Die früheste mir bekannte Nummer ist dabei T72xxx, die späteste T94xxx, wobei letztere wie bei den zivilen MF-1 auf der Rückseite angebracht worden ist. Seriennummern auf der Rückseite dürften erst etwa ab 1994 eingeführt worden sein. Die Bedienungsanleitung zur F-21, die hier vorgestellt wird, spricht auch von einem "T"-Modell und ist laut Datumsvermerk aus dem Jahr 1975 (das zugrundeliegende Originalhandbuch im PDF-Format ist hier zu finden).
Ganz wenige F-21 besitzen auch ein "P" (П) vor der Seriennummer. Nach Abklärungen bei russischen Spezialisten dürfte das "P" für "Polar" stehen und besonders für den Einsatz bei tiefen Temperaturen einsetzbaren F-21 kennzeichnen. Es ist mir allerdings erst ein einziges solches Modell begegnet, bei meinen Nachforschungen.
Aus Gründen der Geheimhaltung sollen beim Fall der Sowjetunion grosse Mengen F-21 beim KGB zerstört worden sein. Nähere Angaben dazu sind mir allerdings nicht bekannt.
Diese Kameras waren im Westen in Sammlerkreisen bis etwa 1990 unbekannt. Bei einer der ersten Auktionen erzielte so eine Kamera damals einen Preis von rund DM 6000.-. In den letzten Jahren sind die Preise auf bis zu 200 US$ gefallen, für eine F-21 Kamera, je nach Zustand bzw. Alter und ohne weiteres Zubehör.
Seit etwa 1980 wurde auch eine "F-21 Elektronik" oder richtiger "Apparat Nailon" (Nailon = Nylon in russisch, gelegentlich auch "Neylon" oder "Neilon" geschrieben) produziert, die über einen CdS-Belichtungsmesser und eine Zeitautomatik verfügt. Sie ist gut am Batteriefach zu erkennen, das rechts neben dem Aufzugsknopf angeordnet ist und zwei wiederaufladbare Knopfzellen enthält. Sie besitzt nur drei Blendeneinstellungen. Produktionszahlen sind auch hier nicht bekannt, sie dürften aber deutlich kleiner sein, als die der F-21.
1985 stellte KMZ den Nachfolger der F-21 mit dem Namen "Apparat Neozit" vor, natürlich nicht der Öffentlichkeit, sondern wohl eher den auf das Bespitzeln spezialisierten Diensten. Die inoffizielle, hauptsächlich im Westen gebräuchliche Bezeichnung lautet "F-27", was wie bei der F-21 auf die verwendete Filmbreite zurückzuführen ist. Bei der "F-27" handelt es sich um eine motorisierte Kamera im Plastikgehäuse mit einem Bildformat von 24 x 24mm auf unperforiertem 27mm-Film. Die Filmempfindlichkeit wird, wie schon bei der elektronischen F-21 "Nailon", im Gehäuse auf einen Wert zwischen 65 und 500 GOST (russische ASA-Variante) eingestellt. Die ebenfalls sucherlose Kamera hat eine Grösse von 75 x 54 x 33mm (ohne Objektiv) und wird über einen elektrischen Kabelfernauslöser bedient.
Die F-21 und ihre Nachfolger wurden sicher bis Ende der Neunzigerjahre von Diensten der vormaligen UdSSR, den Staaten des ehemaligen Warschauer Pakts und befreundeten Staaten für die Observation im In- und Ausland verwendet.
1989, oder je nach Quelle 1994, brachte KMZ eine zivile Variante der F-21 unter dem Namen Zenit MF-1 auf den Markt, welcher aber kein grosser Erfolg beschert war. Etwa 1998 stellte KMZ eine Weiterentwicklung unter der Bezeichnung Zenit MA-2 bzw. für die westlichen Märkte Zenit RA-2 vor, die als geeignet zur Mikroverfilmung beworben wurde und elektronisch auf der "F-27" aufbaute.
Die Technik
Bei der F-21 handelt es sich um eine sucherlose Miniaturkamera mit Federwerk, welches bis zu zwanzig Bilder in Folge aufzunehmen erlaubt. Die Abmessungen sind derart gering, dass die Kamera problemlos in jeder noch so kleinen Hemd-, Jacken- oder Hosentasche verschwinden kann.
Technische Daten
Folgende technische Daten liegen mir zur F-21 vor:
Diese Angaben wurden von einem F-21 Modell von 1994 entnommen. Ich kann nicht ausschliessen, dass einige Werte bei früheren Varianten leicht abweichen.
Bedienungselemente
Folgende Bedienungselemente sind an der F-21 zu finden:
Bemerkungen
Der Auslöser (1) besitzt ein Aussengewinde, an dem ein spezieller Kabelauslöser angeschraubt werden kann.
Die Zeiteinstellung (2) erfolgt über ein Hebelchen, das zwischen den drei Position von 1/10 bis 1/100 Sekunde verschoben werden kann. Um die Langzeitbelichtung ("B") einzustellen, ist der Griff dieses Hebelchens leicht anzuheben, da die "B"-Position etwas erhöht liegt.
Eine Drehung am Aufzugknopf (3) ermöglicht etwa zwei Auslösungen über das Federwerk. Insgesamt kann die Feder normalerweise so weit aufgezogen werden, dass bis zu zwanzig Auslösungen möglich sind.
Um das Bildzählwerk zurückzustellen, kann der entsprechende Knopf (4) heruntergedrückt und gleichzeitig gedreht werden. In einem halbrunden Fenster rund um diesen Knopf ist eine Nadel zu sehen, welche im Uhrzeigersinn um eine Position weiter rückt, bei jeder Aufnahme. Insgesamt können 20 Aufnahmen so angezeigt werden.
Um die Rückwand zu entriegeln, sind die beiden Drehverschlüsse (6) im Boden auszuklappen und um knapp 180° gegen die Pfeilrichtung zu verdrehen. Danach kann die Rückwand nach unten abgezogen werden. Das Filmmagazin liegt dann frei und kann ebenfalls nach unten herausgezogen werden.
Links und rechts am Gehäuse finden sich zwei auffällige "Nasen", deren Sinn sich nicht auf den ersten Blick erschliesst. Sie dienen der Befestigung der Kamera in den diversen Verstecken, die über die Jahre entwickelt und eingesetzt wurden.
Objektive
Je nach Modell besitzen die F-21 verschiedene Objektive mit 28mm Brennweite und Lichtstärken von 2.0, 2.8 oder 2.9. Üblich ist das vergütete OF-28T 28mm/2.8. Da eine Fokussierung üblicherweise nicht möglich ist, sind die Konstruktionen fest auf eine Fokusdistanz von typischerweise 3 oder 5m eingestellt. Über eine Schraube am Objektiv kann der Fokus bei gewissen Modellen gelöst und justiert werden.
Die Objektive - hier gemessen am 28mm/2.8 - besitzen ein aussenliegendes Gewinde mit etwa 14mm Durchmesser, an dem beispielsweise Knöpfe zur Tarnung vorgeschraubt werden können.
Filmkassette und -zuschnitt
Die F-21 verwendet unperforierten Film mit einer Breite von 21mm, die Länge wird oft mit 60cm angegeben und die Zahl der nutzbaren Bilder mit 15. Diese Angaben sind aber lediglich Richtwerte und können in der Praxis durchaus nach oben differieren. Der entsprechend zugeschnittene Film wird in eine Kassette eingelegt, wie sie hier abgebildet ist:
Wie zu sehen ist, bestehen beide Kammern der Kassette aus einem Aussenteil, welche über einen Steg verbunden sind und so den Filmwechsel vereinfacht. Darin findet sich jeweils eine innere Kammer, welche die Lichtdichtheit nach aussen sicherstellt. In deren Innern schliesslich ist eine frei drehbare Spule enthalten, auf die der unbelichtete Film aufgewickelt ist bzw. während dem Fotografieren der belichtete Film aufgewickelt wird.
Mit einer speziellen manuell zu bedienenden Zuschnitteinheit kann normaler, perforierter 35mm-Film (135er-Film) auf das von der F-21 verwendete 21mm-Format geschnitten werden.
Das Zuschnittgerät ist über eine Kurbel einfach zu bedienen und verfügt über eine zusätzliche Schneidevorrichtung, um das Filmende sauber abzuschneiden. Bedenken Sie, dass diese Zuschnitteinheit ausschliesslich im Dunkeln, sprich in der Dunkelkammer verwendet werden darf, um den unbelichteten Film nicht einer Lichtquelle zu exponieren. Zudem wird berichtet, dass der übliche 35mm-Film etwas zu dick für die kleinen Kassetten wäre und lediglich sehr dünnes Filmmaterial verwendet werden könne. Dieser Hinweis ist allerdings schon ein paar Jahre alt und deshalb ist zu vermuten, dass modernes Filmmaterial diesen Anspruch erfüllen dürfte.
Die Anwendung
Die Welt der Spione ist nicht die, die wir aus James Bond-Filmen und dergleichen kennen, sie ist lange nicht so möderisch und explosiv, aber sie ist keinesfalls weniger bedrohlich und gegen jede Menschlichkeit gerichtet. Deshalb habe ich lange gezögert, mir überhaupt eine Kamera aus dem militärischen Bereich zuzulegen, wie es eine Spionagekamera es zweifellos ist.
Werkzeuge wie Spionagekameras wurden nicht nur zum Ausspähen militärisch relevanter Ziele verwendet, sondern auch gegen (eigene) Politiker, Journalisten, Regimekritiker und ganz allgemein Andersdenkende eingesetzt. Wir Schweizer haben anlässlich der "Fichenaffaire" Ende der Achtzigerjahre im letzten Jahrhundert selber unsere "Stasi" aufgedeckt und mit demokratischen Mitteln in die Schranken verwiesen. Dabei sollten wir aber nicht vergessen, dass in der Blütezeit des Kommunismus im Ostblock eine ungleich brutalere und rücksichtslosere Geheimmacht herrschte, wie sie sich nun seit 2001 im Westblock ebenfalls zu etablieren beginnt.
Aber das ist nicht das Thema dieses Artikels, sondern nur ein - sicher nicht unwichtiger - Aspekt, der im Zusammenhang mit derlei Kriegsgerät immer bedacht werden muss. Nun aber zum eigentlichen Inhalt dieses Kapitels, den Anwendungen der F-21:
Allein schon durch die Dimensionen der F-21 lässt sie sich bequem in einer Hand verstecken, um bereits so unbemerkt Aufnahmen zu machen. Daneben wurde auch eine Vielzahl von "Verkleidungen" für die F-21 und andere Spionagekameras entwickelt, auf die ich im Folgenden beispielhaft eingehen will:
Knopflochkamera F-21
Recht verbreitet und auch heute noch für rund 100 US$ neu im Set erhältlich ist eine Sammlung von Knöpfen, die an ihrer Rückseite über ein Gewinde verfügen, mit dem sie mit dem Objektiv der F-21 verbunden werden können. Damit konnte die F-21 vergleichsweise unbemerkt unter einem Mantel getragen werden, um durch den falschen Knopf im Knopfloch zu fotografieren. Diese Technik gehört zu den frühsten, bei der die F-21 zum Einsatz gekommen ist.
Das folgende Bild zeigt eine F-21 mit Frontdeckel und Auslöseeinheit, die über einen Kabelzug verfügen, mit dessen Hilfe die F-21 zum Beispiel aus der Manteltasche heraus ausgelöst werden kann:
Agenten, die die F-21 im Einsatz benutzten, genossen eine spezielle Ausbildung, die ihnen nicht nur den technischen Umgang mit den Gerätschaften vermitteln sollte, sondern auch die fotografischen Grundlagen. Bei falscher Anwendung standen die Chancen gut, allenfalls Füsse und abgeschnittene Köpfe auf den Film zu bannen, erst mit der richtigen Technik konnten zuverlässig brauchbare Portraits der zu observierenden Personen mit ihren Kontaktpersonen gewonnen werden.
Die F-21 hinter der Gürtelschnalle
Eine besondere Variante der Knopfloch-Technik bilden Gürtelschnallen, hinter denen sich eine F-21 samt Auslösemechanismus versteckt. Dabei wurden anfänglich halbdurchlässige Spiegel, später ein Gitter zum Verdecken des Objektivs verwendet.
Es wird die Geschichte erzählt, dass der Agent für die Verwendung der Kamera mit dieser Tarnung akkurat mit Krawatte gekleidet, sich für die Aufnahme etwas zurücklehnen musste, um die Krawatte vor dem Objektiv hochzuziehen, damit ein Bild gemacht werden konnte. Zudem seien nur ausgesprochen schlanke Agenten ausgewählt worden, da ansonsten die vor den Bauch gebundene Kamera bestimmt aufgefallen wäre.
Kameratasche mit eingebauter F-21
Ein umgehängter Fotoapparat in seiner Tasche fällt üblicherweise nicht weiter auf. Wenn allerdings in dieser Tasche, die für eine Zenit C gedacht ist, eine F-21 versteckt ist, ist dies sicher mehr als unauffällig. Die F-21 belichtet dabei seitlich aus der Kameratasche hinaus, die Öffnung für das F-21-Objektiv findet sich im Bereich des Anschlusses des Tragegurts.
Filmkamera mit eingebauter F-21
Ein trickreiches Versteck für die Mini-Kamera F-21 ist eine normal erscheinende 8mm-Filmkamera, in die die Spionagekamera so eingebaut ist, dass sie im 90°-Winkel aus der Filmkamera hinaus fotografieren kann. Die Filmkamera, eine Quarz 1x8S-2 Super-8 Filmkamera von KMZ, ist mit einem Geräuschgenerator ausgerüstet, der die Aktivität der Filmkamera vorgaukeln soll, während über einen zweiten Knopf vorne am Gehäuse die eingebaute F-21 ausgelöst werden kann.
Koffer- und Taschenverstecke für die F-21
Bekannt auch für andere Spionagekameras, gab es für die F-21 ebenfalls präparierte Aktenkoffer, Handtaschen oder andere Gebrauchsgegenstände, in denen eine F-21 eingebaut war, die über einen Mechanismus von aussen ausgelöst werden konnte.
Die hier gezeigte Handtasche verfügt in ihrer Schmalseite über ein Fensterchen, welches sich beim Druck auf den Auslöser am Taschenboden öffnet und gleichzeitig ein Bild mit der dahinter eingebauten F-21 gemacht wird:
Die F-21 beim MfS in der DDR
Auch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in der ehemlaigen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) setzte die F-21 für Observationen ein. Der Tarnname der F-21 war damals "Ammer". Oft kamen auch modifizierte Varianten der F-21 zum Einsatz:
Auch in der ehemaligen DDR entwickelte man verschiedene Verstecke für die F-21, die gelegentlich als "Neuerervorschläge" (NV, vgl. Begriffserklärung) von Kollektiven ausgearbeitet wurden. Ein Beispiel dafür ist der NV "Wiese" von 1985, wo eine F-21 in einen Büstenhalter eingearbeit wurde:
Eine sehr ähnliche Entwicklung ist im NV "Tell" von 1987 beschrieben. Weitere Neuerervorschläge, in denen eine "Ammer" (F-21) benutzt werden, sind der im NV "Schwarz" (1985) beschriebene Handschuh oder die Lederjacke im NV "Eis" (1984).
Ein ebenfalls aus der DDR stammendes Versteck findet sich in einem Radio-Kassetten-Recorder "Anett", wo die F-21 in der Rückseite des Gerätes so eingebaut wurde, dass nach hinten heraus unbemerkt fotografiert werden konnte:
Die zivile Variante: Zenit MF-1
Mitte der Neuzigerjahre des letzten Jahrhunderts - G. Abramov schreibt allerdings von 1989 - versuchte KMZ, eine zivile Variante der F-21 unter dem Namen Zenit MF-1 am Markt zu etablieren. Der Preis war jedoch deutlich zu hoch und die Nachfrage nach einer sucherlosen, rein manuellen Fixfokus-Kamera vernachlässigbar.
Mit der MF-1 erschien erstmals auch das Logo von KMZ auf einer F-21-Kamera, was vorher wohl aus Gründen der Geheimhaltung immer tunlichst vermieden worden ist.
Der Preis von Euro 800.- bzw. 1000.- US$ für diese Kamera, wie er heute noch von www.lomography.com verlangt wird, macht die Beschaffung nicht wirklich attraktiv, selbst wenn drei Magazine, ein einfacher Kabelauslöser und ein ebenso einfacher Filmschneider beiliegen.
Weitere Informationen
Folgende zusätzliche Dokumente zur F-21 sind hier erhältlich:
Es finden sich im Internet nur vergleichsweise wenige Seiten zur F-21. Hier eine unvollständige Auswahl:
Es sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass der Hersteller KMZ auf seinen Seiten mit keinem Wort auf die F-21 eingeht, obschon sie während vierzig Jahren dort produziert worden ist. Lediglich die Zenit MF-1 wird in einer Produktliste erwähnt.
Zum Schluss
Ich möchte all jenen herzlich danken, die mir Bilder und Informationen von und zu dieser seltenen Kamera zur Verfügung gestellt haben. Sollten Sie Hinweise, Anregungen oder Fragen haben, nehmen Sie bitte Kontakt mit mir auf.
02.06.2008, letzter Update: 05.01.2010

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