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Ada ist von einem Streifzug zwei Tage lang nicht mehr nach Hause gekommen. Der Besitzer findet sie eines Morgens wieder im Gras vor dem Haus liegend und bemerkt bestürzt, dass die Katze nicht mehr gehen kann. Ausserdem setzt Ada stark blutigen Urin ab, und so wird sie uns als Notfall frühmorgens vorgestellt.
ADA, Hauskatze, weiblich, 5 Monate alt
Diagnostik und Problemstellung
Ada ist apathisch und kann in der Hinterhand nur schlecht stehen, das linke Hinterbein wird komplett entlastet. Im Zuge der Abklärung wird eine Schienbeinfraktur links sowie Beckenfrakturen, Lungenblutungen und ein Lungenriss diagnostiziert.
Ada sollte aufgrund ihrer wohl durch einen Autounfall bedingten Verletzungen umfassend betreut werden: Mit einer intravenösen Infusion muss der Schock bekämpft werden, das Tier müsste auseichend Schmerzmittel erhalten, und nach Abheilung der Lungenverletzungen sollte zumindest der Schienbeinbruch (und idealerweise auch die Beckenfraktur) chirurgisch versorgt werden.
Leider ist der Besitzer finanziell sehr stark eingeschränkt und vermag kaum die Notfallkonsultation und die beiden zur Diagnose nötigen Röntgenbilder zu bezahlen. Eine Behandlung der Katze ist für den Besitzer völlig unmöglich.
Problemlösung und weiterer Verlauf
Die Verletzungen von Ada sind allesamt nicht tödlich. In der Regel verheilen Lungenrisse und -blutungen nach einigen Tagen vollständig. Obwohl die Beckenfraktur idealerweise chirurgisch behandelt würde, ist eine konservative Behandlung (Ruhigstellung) bei dieser jungen Katze mit ihrer schnellen Knochenheilung durchaus eine erfolgsversprechende Lösung. Allerdings sollte die Schienbeinfraktur chirurgisch therapiert werden, da eine konservative Behandlung mittels Verbänden wenig erfolgsversprechend ist.
Die fehlenden finanziellen Möglichkeiten des Besitzers stellen allerdings ein grosses Problem dar, weil sie keinerlei Behandlung zulassen; andererseits ist eine Euthanasie der Katze aus ethischen Gründen auch keine Option. Schlussendlich findet sich eine für alle Seiten akzeptable Lösung: Der Besitzer unterschreibt eine Verzichtserklärung und gibt die Katze in unsere Obhut, während wir im Gegenzug eine adäquate Behandlung der Katze zusichern und versprechen, der Katze nach der Heilung ein gutes Plätzchen zu verschaffen.
In der Folge operieren wir die Schienbeinfraktur der Katze mittels Fixateur Externe, pflegen das Tier während total 2 Monaten in der Praxis, nehmen mit fortgeschrittener Heilung eine Grundimmunisierung vor und kastrieren die Katze. Schlussendlich sind Schienbein- und Beckenbruch gut verheilt, und Ada kann mit einer leichten Lahmheit an eine Familienangehörige eines Praxisteam-Mitglieds weitervermittelt werden. Heute zeigt Ada keinerlei Lahmheit mehr, geniesst die Freiheit des Landlebens und veranstaltet Hindernisrennen mit den Kindern ihrer neuen Halterfamilie.
Ethische und wirtschaftliche Aspekte des Falles "Ada"
Als Tierärzte bewegen wir uns bei unserer Arbeit in einem sehr emotionalen und ethisch komplexen Umfeld. Unsere Hauptaufgabe ist die Wahrung des Tierwohles: Dies kann einerseits eine umfangreiche, aufwendige medizinische Betreuung und Zusammenarbeit mit Spezialistenzentren beinhalten, wenn eine solche Behandlung ethisch verantwortbar und für die Besitzer finanziell verkraftbar ist. Alternativ kann die beste Lösung für ein Tier auch in einer schonenden Euthanasie bestehen.
Schwierig wird die Situation immer dann, wenn die Besitzer keine Möglichkeit haben, die "beste Lösung" zu finanzieren oder (wie bei Findel- und Wildtieren) gar keine Besitzer vorhanden sind. In diesen Fällen versuchen wir stets, eine akzeptable Lösung zu finden: Findel- und Wildtiere werden für die Überbringer in aller Regel ohne Kostenfolge therapiert, die entstehenden Kosten werden zum grössten Teil von der Praxis übernommen und zum kleineren Teil aus unserem Spendenkonto gespiesen.
In Fällen wie bei Ada konnte mittels Verzichtserklärung das Überleben des Patienten sichergestellt werden - zum Wohl der Katze brachten sowohl der Besitzer (durch den Verzicht auf das Tier) als auch unsere Praxis (durch Übernahme von 60% der Behandlungskosten) ein Opfer. Der Beitrag aus dem Spendenkonto deckte zumindest einen Teil der für die Praxis entstandenen Kosten. Obwohl wir als Tierärzte gleichzeitig auch Tierliebhaber sind und das Tierwohl als unser höchstes Gut betrachten, hat unsere Arbeit auch eine harte wirtschaftliche Realität: Bei aller Tierliebe müssen Löhne und Miete bezahlt, Lieferantenrechnungen beglichen, die Altersvorsorge geäufnet und Gerätschaften amortisiert werden. Wir sind infolgedessen darauf angewiesen, dass wir bei wirtschaftlich schwierigen Fällen eine gewisse Unterstützung durch Beiträge aus dem Spendenkonto erhalten dürfen und nicht den gesamten Aufwand an Material und Zeit selbst tragen müssen.
Wir freuen uns über jede noch so kleine Spende auf unser Konto bei der Postfinance, IBAN <iban-pii>, welche die Behandlung von Findel-, Wild- und Verzichtstieren mit ermöglicht und versichern, die gespendeten Geldern sorgfältig und pflichtbewusst zu verwalten.
Weitere Informationen zu Spenden finden Sie hier.