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Wälder, die regelmässig alle 10 bis 30 Jahre einzelstammweise oder in Parzellen geschlagen werden, bezeichnet man als Niederwälder. Ihre Verjüngung geschieht ausschliesslich durch Stockausschlag, bei dem die Neubildung von Sprossen aus Stümpfen gefällter Bäumen hervorgeht. Ebenso können junge Sprosse aus flach unter der Erdoberfläche wachsenden Wurzeln entstehen, als sogenannte Wurzelbrut.
Diese Nutzung wirkt selektiv auf die Baumartenzusammensetzung, weil sie ausschlagfähige Arten fördert. Deshalb findet man im Niederwald keine Nadelbäume. Auch Buchen ertragen das «Auf-den-Stock-setzen» schlecht; sie verkrüppeln und verkümmern. Arten mit guter Ausschlagfähigkeit sind Hagebuche, Linde, Eiche, Ahorn, Ulme, Grauerle und Kastanie. Der Niederwald wurde bis ins 19. Jh. intensiv für Brennholz genutzt. War er früher weit verbreitet, findet man ihn heute nur noch in Ost- und Südeuropa häufig, in der Schweiz jedoch fast nur noch im Tessin.
Mischpflanzung Mittelwald
Im Mittelwald werden auf einer Fläche zwei Bewirtschaftungsformen miteinander kombiniert. Das Unterholz besteht aus Hagebuche, Bergahorn oder anderen Arten. Es entwickelt sich aus der niederen Hauschicht, die vergleichbar dem Niederwald periodisch auf den Stock gesetzt wird. Die Umtriebszeiten sind kurz; alle 30 Jahre wird das Unterholz flächig als Brennholz geerntet. Im Gegensatz dazu hat die Oberschicht lange Umtriebszeiten. Diese Schicht besteht meist aus Lichtbaumarten wie Eiche, Esche oder Pappel, die manchmal über Jahrhunderte stehen bleiben und wertvolles Bau- und Möbelholz liefern.
Die im Kronbereich freistehenden Eichen steuerten im Mittelalter die Eicheln zu einer erfolgreichen Schweinemast bei. Heute unternimmt der Kanton Basel-Landschaft wieder grosse Anstrengungen, um die Mittelwaldreste zu erhalten. Dank steigendem Brennholzbedarf kann die Hauschicht dieser Waldform wieder sinnvoll genutzt werden. Auch sollen Tier- und Pflanzenarten, die viel Licht brauchen, wie der Mittelspecht (Dendrocopus medius) und die Borstige Glockenblume (Campanula cervicaria) gefördert werden.
Dominierende, hohe Bäume: Hochwald
Unter Hochwald versteht man eine Waldbetriebsform, bei welcher der Baumbestand vor allem durch Naturverjüngung vermehrt wird. Der überwiegende Teil des Bestandes wird erst beim Erreichen der angestrebten Dimensionen, meist nach 80 oder mehr Jahren (Hiebsreifealter), genutzt.
Diese Betriebsform wird in der Schweiz seit gut hundert Jahren bevorzugt. Der Hochwald entspricht einerseits der heutigen Nachfrage nach qualitativ gutem Starkholz und andererseits dem Prinzip des naturnahen, nachhaltigen Waldbaus am besten. Fast 70% der Schweizer Waldfläche ist heute gleichförmiger Hochwald, seien dies Buchen- und Eschenwälder oder künstlich begründete Fichten(misch)bestände. 10% werden von relativ naturnahen Nadel- und Tannen-Buchenwälder besetzt.
Vom Hochwald über den Mittel- zum Niederwald
Nach dem Rückzug der Gletscher bedeckte ein nahezu geschlossenes Waldkleid, ein Urwald, die Schweiz. Schon im Neolithikum
begannen die Pfahlbauer den Wald zu roden. Im Mittelalter spielte der Wald in ganz verschiedenen Bereichen des Lebens und der damaligen Wirtschaft eine äusserst wichtige Rolle. Wälder wurden planlos ausgebeutet, ohne etwas für das Nachwachsen des Holzes zu tun.
Der Rat der Stadt Basel erliess nach Mitte des 17. Jh. in immer kürzeren Abständen Waldmandate und Dekrete. Durch Sparsamkeit im Holzverbrauch und Einschränkungen des Weidganges sollte der Raubbau am Wald aufgehalten werden. 1760 wurde aus Liestal berichtet, dass die Umtriebszeiten immer kürzer würden. Hätte man noch vor 25 Jahren für die Jahresgaben zwanzigjähriges Holz bekommen, so sei dies heute dreizehnjähriges Holz. So wurden aus Hochwäldern Mittelwälder und aus diesen wiederum Niederwälder.
Nieder- und Mittelwälder werden wieder Hochwälder
Die Waldordnungen von 1758 und 1781 zeigten nur geringe Erfolge und wurden in den Jahren um die Kantonstrennung 1831 bis 1833 vollständig in den Wind geschlagen – Waldverwüstungen folgten. Die Kantonstrennung 1833 hatte zudem zur Folge, dass der Wald wieder an die Gemeinden ging und die «Loskaufsumme» zum Teil durch ausgedehnte Holzschläge finanziert wurde. Der Wald wurde wieder sorglos und willkürlich ausgebeutet.
In der zweiten Hälfte des 19. Jh. verhinderte das Volk des Kantons Basel-Landschaft eine Ordnung der verwahrlosten Forstwirtschaft. Es verwarf gleich zweimal Vorlagen für ein Forstgesetz. Damals wurde in der Region Basel mehr als die Hälfte der Waldfläche im Mittel- und Niederwaldbetrieb bei einer Umtriebszeit von etwa 25 Jahren bewirtschaftet.
Für den Bau der Eisenbahnlinie Basel–Läufelfingen–Olten wurde viel Schwellenholz benötigt. Diesem Unternehmen fielen die Eichenwälder von Pratteln, Füllinsdorf und Bubendorf zum Opfer. Erst der Anschluss an das europäische Eisenbahnnetz brachte die Wende. Weil durch den Import von Steinkohle der Bedarf an Brennholz zurückging, liess der Nutzungsdruck auf die Wälder langsam nach. Das erste eidgenössische Forstgesetz von 1876 unterstützte die Umwandlung oder Überführung der Nieder- und Mittelwälder in Hochwälder. Das Prinzip der Nachhaltigkeit wurde langsam umgesetzt. Es wurde nur noch soviel Holz genutzt, wie nachwachsen konnte.
Das neue Waldgesetz von 1991 behält das Prinzip der Nachhaltigkeit bei, eröffnet den Kantonen aber neu die Möglichkeit, Waldreservate auszuscheiden. Durch die Brennstoffverknappung und den weltweit hohen Bau- und Industrieholzbedarf nimmt die Waldnutzung wieder zu. Ob und wie dieser Aspekt mit den ökologisch wohlbegründeten Forderungen nach einer naturnahen und nachhaltigen Waldnutzung zu vereinbaren ist, wird die politische Diskussion in Zukunft zeigen.
EB