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«Ich beschreibe es nicht, ich tue es»von Katja Zellweger «Cunningham» ist ein Tanzfilm über den Tänzer und Choreografen Merce Cunningham, der das Tanzschaffen des 20. Jahrhunderts geprägt hat. In 3D fokussiert sich der Film auf seine Choreografien der 40er bis 70er-Jahre, die für die Filmaufnahmen neu inszeniert wurden.
Eine Ballerina beschreibt in einer alten Filmsequenz Merce Cunningham so: «Nie habe ich jemanden so tanzen sehen – mit so einem ruhigen Zentrum, animalischer Autorität und menschlicher Leidenschaft». Barfuss huscht, tänzelt, springt und hüpft er über die Bühne. Der 2009 gestorbene Tänzer und Choreograf mit Jahrgang 1919, der in New York tätig war, gilt als der Erneuerer des Tanzes. Auf die Frage, ob er sich Avantgardist nenne, antwortete er mit «Ich bin einfach Tänzer, ich beschreibe es nicht, ich tue es».
180 Stücke in einem Leben
So kreierte er – der schon in jungen Jahren mit seinem Lebens- und Arbeitspartner, dem Komponisten John Cage, zusammenkam – bis zu seinem Lebensende mit 90 Jahren 180 Stücke. In einer Art Ganzkörperleggings, oft in knalligen Farben, erkundete er den Tanz ganz ohne Schuhwerk, mit dem Wunsch, dem tanzenden Menschen Platz einzuräumen. Und er erkundete auch den Tanz im Verhältnis zur Zeit. So trainierte er etwa mit der Stoppuhr. Die Musik liess er dann erstmals während der Vorstellung laufen. «Ein Spiel mit Zufälligkeit und Möglichkeit», wie Cunningham sagt.
Tanz aus allen Perspektiven
Der Film «Cunningham» von Alla Kovgan nähert sich diesem unermüdlichen, hingebungsvollen und entdeckungsfreudigen Tänzer und Choreografen mit Archivmaterial und für den Film neu getanzten Stücken aus seinem Repertoire von 1942 bis 1972. Es ist der einzige Film in seiner Art, der vom Cuningham Trust Genehmigung erhielt. Der Film fokussiert auf die kreativen Anfänge und die Arbeit in einer familienartigen Bande noch vor dem grossen Erfolg.
Visuelles Erbe Cunninghams
Kovgans 3D-Film beleuchtet Cunninghams Tanz aus allen Perspektiven und es haben auch teils kritische Aussagen aus der Company Platz. So etwa diejenige der Tänzerin Sandra Neels: «Leider wissen wir nicht, warum wir in einem Tanz dabei sind oder nicht. Wir sind wie seine Farben, mit denen er malt. Er ist der Maler.» Wer ein klassisches Biopic erwartet, der kommt zu kurz. Der Dokumentarfilm «Cunningham» von Alla Kovgan ist vielmehr ein Tanzfilm, der sich klar auf das Visuelle von Cunninghams Erbe fokussiert.
Spezialvorstellung mit Claudia Rosiny (BAK Sektion Kulturschaffen Tanz), Johanna Hilari (Uni Bern)
und Joshua Monten (Tänzer): CineBubenberg, Bern
So., 25.10., 11 Uhr