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Fallbeispiel Depression
Rita M. ist 38 Jahre alt und gelernte Verwaltungsfachangestellte. Sie ist seit 15 Jahren verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von 11 und 13 Jahren. Seit einiger Zeit bemerkt sie, wie ihr nicht nur die Arbeit in ihrer Teilzeittätigkeit mit einem Pensum von 60% zunehmend schwer fällt, sondern es ihr auch nicht mehr gelingt, sich an den Wochenenden und in den Ferien ausreichend zu erholen.
Nicht nur die Hausarbeit und die Versorgung der Kinder stellt eine zunehmende Last für sie dar. Ihr bereiten auch immer weniger Dinge Freude, die ihr sonst die Gelegenheit boten, wieder Kraft für den beruflichen und privaten Alltag zu sammeln. Beispielsweise treibt sie kaum noch Sport, sagt zunehmend Verabredungen mit Kolleginnen und Familie ab und hat vor kulturellen Aktivitäten sogar Angst entwickelt.
Ihr Mann und ihre Kinder zeigen Verständnis, zumal sie vor knapp zehn Jahren eine ähnliche Phase erlebt hat, umso grösser ist allerdings ihr schlechtes Gewissen, der Familie nicht mehr genügen zu können. Bei der Arbeit bekommt sie zwar keine negativen Rückmeldungen, hat aber auch dort Angst, möglicherweise Fehler zu machen, da sie sich immer schlechter konzentrieren kann und schnell müde wird. Mit am schlimmsten ist, dass sie kaum noch erholsam schlafen kann. Sie sieht kaum noch einen Ausweg aus der momentanen Situation, hat Sorge, möglicherweise nicht mehr gesund werden zu können, obwohl sie mit einer ambulanten psychotherapeutischen Behandlung und der vom Hausarzt bei ihrer ersten depressiven Episode verschriebenen Medikamente sehr gute Erfahrungen machen konnte.
Schliesslich erlebt Rita M. am Arbeitsplatz einen Zusammenbruch, woraufhin sie Arbeitgeber und Familie ermuntern, sich professionelle Hilfe zu suchen. Ihr langjähriger Hausarzt nimmt sich der Situation vertrauensvoll an, stellt eine mittelschwere depressive Episode fest und vermittelt Rita eine stationäre Behandlung in der psychosomatischen Abteilung der Klinik Gais, der sie zunächst ambivalent entgegensieht.
Nachdem Rita M. die stationäre Behandlung angetreten hat, verfliegen in den ersten Tagen ihre anfänglich grossen Ängste und Zweifel. Sie bemerkt, wie entlastend es ist, aus den beruflichen und privaten Verpflichtungen herausgenommen zu sein und sich in Ruhe mit ihrer Erkrankung auseinandersetzen zu können. In den psychotherapeutischen Gesprächen lernt Rita Zusammenhänge zwischen Krankheitssymptomen, eigenen Verhaltensmustern, Einflüssen aus ihrer privaten und beruflichen Umwelt und mögliche Behandlungsformen kennen, der Austausch mit ähnlich betroffenen Patienten macht ihr Mut, mit ihrer Erkrankung nicht alleine zu sein. In den Bewegungstherapien gelingt es ihr, wieder langsam Vertrauen in sich selbst und ihre Leistungsfähigkeit zu gewinnen, die Entspannungstechniken helfen ihr, sich in belastenden Situationen abzugrenzen und wieder besser zu schlafen.
Nach einigen Behandlungswochen fühlt sich Rita M. wieder deutlich besser. An den letzten Wochenenden, die sie zu Hause verbracht hat, merkt sie, wie ihr bereits vieles wieder leichter fällt, aber auch, dass es manches zu beachten gilt, um nicht wieder zu rasch in eine Überforderung zu geraten. Ihr behandelnder Psychologe und Arzt haben deshalb mit ihr besprochen, dass es zunächst Sinn macht, in einem reduzierten Pensum, aber wieder zeitnahe nach der Entlassung aus der Klinik mit der Arbeit zu beginnen. Ihr Ehemann wurde in einem gemeinsamen Gespräch informiert, wie er seine Frau daheim unterstützen und auf eine möglicherweise wieder eintretende Zustandsverschlechterung aufmerksam machen kann.