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Nelson Paco Chipana erhält wie seine Schwester Margot Unterstützung von der Stiftung Conrado Kretz, um in Arequipa zu studieren. Er berichtet für die Stiftung Conrado Kretz regelmässig von seinem Leben in Peru.
Peru ist ein Land mit einer sehr vielfältigen Landschaft und Fauna und Flora. Ausserdem hat Peru eine der besten Gastronomien der Welt. Auch wenn wir diese guten Dinge haben, gibt es auch Sachen, die nicht so gut sind: Es gibt immer noch eine chronische Unterernährung bei den Minderjährigen (INEI, 2017), nicht alle Jugendliche können mit 15 Jahren lesen und schreiben (INEI, 2017), wir haben eine korrupte Regierung… Aber in den vergangenen Jahren haben sich viele dieser Dinge verändert, dank der neuen Generation, die sich Jahr für Jahr verbessert.
Ohne fliessendes Wasser aufgewachsen
Mein Name ist Nelson Broyer Paco Chipana, ich bin 24 Jahre alt und studiere an der Universität Santa Maria in Arequipa den Beruf Mechatroniker. Meine Schwester heisst Margot Ines Paco Chipana, ist 22 Jahre alt und studiert an der gleichen Universität Biotechnik. Unsere Eltern sind Pascual Paco Huanco und Inesma Chipana Mamani. Beide kommen aus ländlichen Gegenden im Bezirk Puno. Puno ist bekannt dafür, den höchsten See der Welt zu besitzen, den Titicaca-See.
Wir sind in einem ärmlichen Quartier in der Stadt Juliaca aufgewachsen. In meiner Kindheit habe ich viel Fussball gespielt, mich mit Kreiseln und Murmeln unterhalten und ich habe mit dem Fahrrad die Stadt erkundet. Eines der grössten Probleme in unserem Quartier ist, dass es bis heute weder eine Wasserversorgung noch eine Entwässerung gibt, wir haben Wasser aus dem Brunnen getrunken.
Die Mutter als Heldin
Mein Vater hat sein linkes Bein verloren, diese Behinderung hat ihn aber nie eingeschränkt. Er hat trotzdem gearbeitet, um uns Bildung, Nahrung und ein Zuhause zu ermöglichen. Mit zunehmendem Alter fällt es ihm aber immer schwieriger, Dinge zu tun, die vorher noch ohne Schwierigkeiten funktioniert haben. Meine Mutter ist die unglaublichste Person, die ich kenne. Sie hat sich um alles gekümmert, damit es uns gut geht. Ich glaube, manchmal hat sie es auch übertrieben, aber was weiss ich schon davon, wie es ist, Mutter zu sein…. Sie hat nicht nur uns geholfen, sondern auch unserem Papa, sie ist unsere Heldin.
Der Traum: Grosse Wissenschaftler werden
Seit wir Kinder sind, wollten meine Schwester und ich grosse Wissenschaftler werden, auch wenn wir damals die exakte Bedeutung dieses Wortes gar nicht gekannt haben. Für mich war ein Wissenschaftler jemand, der irgendetwas erfinden konnte, um ein Problem zu lösen. Er trug immer einen weissen Kittel, der gut zur grossen Brille passte. Für meine Schwester war ein Wissenschaftler jemand, der die DNA kannte. Aber als wir älter wurden, wurde uns immer mehr bewusst, welche Probleme unsere Familie hatte (vor allem die finanziellen) und wir haben diese Träume vergessen. Meine Schwester hatte allerdings immer noch Hoffnung.
Mit 17 weg von zu Hause
Als ich 17 Jahre alt war, habe ich unser Zuhause verlassen, um bessere Möglichkeiten in Arequipa zu suchen. Ich lernte viel, als ich zum ersten Mal allein auf mich gestellt war und sah die Welt von einem anderen Blickwinkel als zuvor bei meinen Eltern. Ich muss zugeben, dass es am Anfang sehr hart war und ich habe viele Schwierigkeiten durchgemacht wie beispielsweise Hunger, ich verirrte mich in der Stadt und fühlte mich oft sehr alleine, weil ich niemanden kannte. Auf diesem Weg merkte ich, dass mir die Robotik gefällt und ich entschied mich deshalb, Mechatronik zu studieren. Die katholische Universität Santa Maria war die einzige, an der dies möglich war, und so begann ich dort mein Studium. Als meine Schwester 16 Jahre alt war, beschloss sie, auch zu mir zu kommen um bessere Möglichkeiten zu haben, sie beendete die Mittelschule in Arequipa. Sie wusste, dass sie auch studieren wollte, etwas mit der DNA (Genetik, habe ich ihr gesagt). Wir fanden heraus, das die einzige Universität mit dieser Möglichkeit in Arequipa die UCSM war. So haben wir beide unsere Studien begonnen. Wir wussten, dass es schwierig werden würde, unsere Pension zu bezahlen, weil wir auch an der Universität eine gute Leistung abliefern mussten, aber wir hatten die Unterstützung unserer Eltern. Alles wurde jedoch komplizierter, als unseren Eltern gesundheitliche Probleme zu schaffen machten. Wir haben jede Arbeit angenommen, um in Arequipa zu bleiben, aber es wurde immer schwieriger. Aber jetzt wird alles besser.
In die wissenschaftliche Arbeit involviert
Aktuell bin ich in zwei wissenschaftliche Projekte involviert, die bereits finanziert sind durch einen Wettbewerb an meiner Universität. Bei einem Projekt geht es um den Entwurf eines virtuellen Operationssimulators um die zukünftigen Ärzte unserer Universität auszubilden. Das andere Projekt ist ein Entwurf und die Erarbeitung eines Kinderspieltisches, mit dem wir das Konzentrationsniveau bei Kindern messen und verbessern können. Ich bin zurzeit daran, mein Studium abzuschliessen, gleich wie meine Schwester. Sie ist Teil des Forschungszentrums für Molekularbiologie der UCSM und untersucht den Aufbau von Kraftfeldern ionischer Flüssigkeiten und deren Bewertung durch Computerchemie, ebenfalls macht sie Untersuchungen zur Gewinnung von Lutein (Carotinoid) aus der Mikroalge Muriellopsis sp. in Photobioreaktoren. Dazu stehen ihr im Labor für Mikrobiologie und Biotechnologie der nationalen Universität San Augustin in Arequipa optimale Bedingungen zur Verfügung.
Bild: Nelson und Margot