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Grand Canyon war die erste Zusammenarbeit zwischen Regisseur Lawrence Kasdan und James Newton Howard. Sie stiess auf fruchtbaren Boden und hat bis heute fünf weitere Filme im Teamwork hervor gebracht: Wyatt Earp (1994), French Kiss (1995), Mumford (1999), Dreamcatcher (2003) und Darling Companion (2012).
Grand Canyon erzählt parallel die Geschichten von sechs Menschen, die nicht unterschiedlicher sein könnten und die im frühen 90er Jahre Los Angeles doch so einiges verbindet – vor allem schicksalshafte Ereignisse. Die Besetzung kann sich sehen lassen: Kevin Kline, Steve Martin (in einer seiner wenigen ernsten Rollen), Danny Glover und Mary McDonnell (damals bekannt aus Dances with Wolves).
James Newton Howard setzt auf einen elektronisch dominierten Sound wie er ihn anfangs der 90er oft anwendete. Perkussive oder perkussiv eingesetzte Samples, elektronische Flöten, E-Gitarre, Schlagzeug und diverse andere Sounds sind zu vernehmen, zumeist für sich alleine, seltener verbunden mit dem Orchester oder in einer kleinen Kombo.
„The Baby“ erinnert mit seinem Eröffnungsrhythmus deutlich an The Fugitive, den Howard zwei Jahre später erfolgreich vertonen sollte. Überhaupt beinhalten spannend anmutende Tracks à la „Claire and Davis Talk/Jons Market“ und „Otis Comes Back“ einige Ähnlichkeiten zur Oscar nominierten Harrison Ford Fluchtmusik. Im selben Track, „The Baby“, ist das vom Sopransax gespielte Baby- bzw. Familienthema zu hören (kurz danach in „Claire Returns the Baby“ taucht es erneut auf, ebenso in „Keep the Baby“ und „Coming Home from the Camp“). Immer wieder prägt ein spirituell-dramatischer Orchester-/Choreinsatz den ein oder anderen Track, wie etwa auch den Beginn von „Don’t Want Out“ – ein Stück, das fast alles beinhaltet, was Grand Canyon klanglich ausmacht: Pulsierende Rhythmen, jazzig rauchiges Saxophonambiente (das Thema für den Charakter Dee), rockiges -Gitarrensolo (spielt hier das 3-Noten Hauptmotiv des Scores). Es fehlen nur noch die sphärischen Synthiepassagen aus „Mack Gets Lost“, „Mack and Claire’s Dream“ oder vom Beginn von „Mack Cuts Himself“.
Unvergessen bleibt die gloriose Fanfare, die in die Schlusstitel überleitet „Grand Canyon Fanfare/End Titles“. Einerseits, weil sie sich so deutlich vom Rest des Scores abhebt und andererseits, weil Kasdan sie über Bilder des Grand Canyons legt und so ein beeindruckendes Ausrufezeichen für seinen gelungenen Film setzt.
Fans von Musiken wie Falling Down und The Fugitive werden an Grand Canyon sicher Gefallen finden, ein „richtiger“ früher 90er Jahre Score und ganz zweifellos eine sehr charakteristische James Newton Howard Musik aus dieser Phase – im selben Jahr erhielt er übrigens eine Oscarnomination für seinen replacement score zu Prince of Tides.
Vom 1991 erschienen Milanalbum unterscheidet sich die La-La Land CD in einer zusätzlichen Laufzeit von 25 Minuten und 12 abseits des Films bisher nicht gehörten Tracks, wovon deren vier alternative Stücke und ein source music Stück sind. Der auf der Milan CD zu hörende Song „Searching for a Heart“ ist auf der neuen Scheibe nicht enthalten. Ausserdem ist ein recht ausführliches Booklet anbei.
Phil, 30.4.2013
GRAND CANYON James Newton Howard La-La Land Records LLLCD 1251 67:44 Min. / 28 Tracks Limitiert auf 2000 Stück