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1. Diese Stiche entstammen einer Beilage zur Studer-Chronik[1] von 1870. Ihr Verfasser, Pfarrer Julius Studer (1839-1920), war von 1867-1870 Pfarrgehilfe in Bäretswil und lernte so die Gemeinde kennen. Von seinen 13 bekannten Werken schrieb er u.a. auch über die Schweizer Ortsnamen (1896) sowie über die Edeln von Landenberg (1904). Für Guyer-Zeller soll er ein vaterländisches Festspiel verfasst haben, das an der grossen 600-Jahrfeier der Eidgenossenschaft 1891 auf dem Greifenberg aufgeführt wurde. Beruflich war Studer lange Zeit Spitalpfarrer in Zürich. Die Gemeinde zählt zurzeit dieses Stichs nur noch 2877 Einwohner, wovon lediglich gut 25% im Dorf wohnen.
Studers Blick vom Gryffenberg
2. Die Dorfkirche auf dem Bild ist die dritte bekannte aus dem Jahr 1827, die unter der Leitung von Dekan Waser gebaut wurde. Mit den überschüssigen Steinen erstellte die Gemeinde im selben Jahr auch noch den «Ochsen» als Gemeindehaus und Metzg. Die erste Kirche auf diesem Platz bauten die Rapperswiler samt ihrer Burg auf dem Greifenberg ums Jahr 1220. Damit begann auch die Gemeinde Bäretswil in ihren heutigen Grenzen (plus ein Teil von Bauma). Die zweite Kirche 1502/04 wurde durch die Bäretswiler Bauern als Jahrhundertwerk selbst gebaut. Der heutige Turm geht im Kern auf 1220 zurück, wurde aber 1504 zur heutigen Form neugestaltet. Parallel dazu baute die Gemeinde in der Gupf auch den alten Bären samt einer Metzg; jedenfalls trugen die Dachbalken die Jahreszahl 1504. Der Bären blieb aber vorerst unter der Familie Bosshart noch eine Winkelwirtschaft, da die Gemeinde seit dem Mittelalter bereits das alte Gasthaus «Zum Goldenen Löwen» in Adetswil besass. Erst 1591 wird Rudolf Bosshart als Bärenwirt genannt.
4. Prägend im Bild steht die von Caspar Spörri-Dolder[2] 1858 über dem jungen Aabach errichtete Weberei mit 260 Webstühlen. Das junge Ehepaar Spörri-Dolder aus dem Fischenthal pachtete schon in den 1840er Jahren den «Ochsen» und führte daneben noch eine Ferggerei mit Bunt-Tüchern. Im Verein mit Caspar Honegger (Rüti) kann Spörri auf der alten Schmittenwiese am östlichen Dorfrand seine Fabrik errichten, die endlich Verdienst in die Gemeinde bringt. Leider verunglückt Spörri, der auch Dirigent des Männerchor war, schon 1871 tödlich, als ihm im Kemptnerholz bei eisig-glatter Strasse das Pferd durchbrennt[3].
A.Sierszyn, Okt. 2020
Die Studer Chronik ist bei der Bayrischen Staatsbibliothek (BSB, einst Bibliotheca Regia Monacensis) digital vollumfänglich zugänglich.
Zum Inhaltsverzeichnis (Transkription PB, 6.12.2020)
Auf den ersten Seiten seiner Chronik beschreibt Studer die Umstände der ersten Erwähnung von Bäretswil anno 741.
Literatur
1 - A. Sierszyn, J. Albrecht: Bäretswil. Ein Heimatbuch. Hrsg. Pol. Gem. Bäretswil 2015, Inhaltsverz. S.120ff, 194ff
Einzelnachweise
[1]Julius Studer: Die Geschichte der Kirchgemeinde Bäretswil. Zürich 1870, Digitalisat
[2]Gustav Strickler: Chronik der Familie Spörri. Orell-Füssli, Zürich 1915, Digital-Auszug
[3]Gustav Strickler: Chronik der Familie Spörri. Orell-Füssli, Zürich 1915, Digital-Auszug S.105