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Robert Cantarella, Leiter des Master-Studiengangs Schauspielkunst, Fachbereich Regiearbeit
„Ich habe bereits bei meinem ersten Spaziergang zwischen dem Lausanner Bahnhof und der Manufacture eine seltene und kostbare Verbindung zwischen Natur und Kultur gespürt.“
Warum haben Sie Lausanne für Ihre Tätigkeit gewählt?
RC | Meine Entscheidung, in Lausanne zu unterrichten, fiel nach einem persönlichen Gespräch mit dem Direktor der Manufacture, Frédéric Plazy. Er bot mir zunächst die Teilnahme an einigen Workshops an. Mit der Zeit haben mich dann die Kenntnis aller Besonderheiten dieser Hochschule und die Fähigkeiten aller involvierten Personen überzeugt, mich an der Manufacture niederzulassen, um einen geliebten Beruf – Unterrichten – und eine geliebte Kunstform - das Schauspiel – auszuüben.
Was waren Ihre ersten Eindrücke bei Ihrer Ankunft in Lausanne?
RC | Ich habe bereits bei meinem ersten Spaziergang zwischen dem Lausanner Bahnhof und der Manufacture eine seltene und kostbare Verbindung zwischen Natur und Kultur gespürt. Die Koexistenz zwischen Stadtlandschaften und von der Natur geprägten Ausblicken, Gerüchen und Perspektiven erschien mir erstaunlicherweise völlig logisch. Dann kamen mir ganz schnell gewisse Filmszenen in den Sinn, doch das ist eine andere Geschichte...
Mit welchen drei Begriffen würden Sie das Studienumfeld in Lausanne beschreiben?
RC | Fröhlich, ernst, respektvoll.
Können Sie uns etwas über Ihren Werdegang vor Übernahme Ihrer Stelle als Lehrer erzählen?
RC | Zunächst machte ich eine Ausbildung in höherer Mathematik, die jedoch nichts von meinem weiteren Werdegang ahnen liess, dann folgte Darstellende Kunst (Les Beaux-Arts) in Marseille, Begegnung und Ausbildung bei Antoine Vitez, Entdeckung der zeitgenössischen Literatur – Lagarce, Loher, Mayenburg, Minyana, Renaude, Vinaver – Regieführung bei klassischen und zeitgenössischen Stücken, Aufbau einer Schauspieltruppe, Leitung eines nationalen Theaterzentrums, Aufbau eines Regiezentrums, Kino, Dokumentarfilme, Schriftstellerei und schliesslich Herausgabe einer Theaterzeitschrift. All dies, überall und immer, mit der Notwendigkeit der Weitergabe.
Was charakterisiert Ihrer Meinung nach Ihre Arbeit in Ihrem Studienbereich in Lausanne?
RC | Theaterregiearbeit ist ein relativer neuer Studiengang. Es dauerte einige Zeit, bis klar war, dass es sich hierbei um eine Kunstform und einen Beruf handelt, denn der Beruf des Theaterregisseurs wurde erst vor gut 100 Jahren offiziell anerkannt. Das charakteristische Merkmal dieser Ausbildung ist die Tatsache, dass sie noch flexibel genug bleiben muss, um sie entsprechend der Kultur, der Region und der Sprache anpassen zu können.
Können Sie uns ein herausragendes Ereignis während Ihrer Karriere als Lehrer hier in Lausanne erzählen?
RC | Die erste Begegnung bei einem Workshop mit 6 jungen Regiestudenten. Das Gefühl von kollektiver Energie, die die Forschungsstudenten in ihrer Ausbildung ausstrahlten.
Was bringt Ihnen Ihre Lehrtätigkeit?
RC | Ein unendliches und unerschöpfliches Hinterfragen der Formen, welche die vorübergehend gebildeten Gemeinschaften annehmen, mit den Studenten, rund um meine Leidenschaft für Theater und all seine Formen. In anderen Worten also "Ewiges Lernen".
Was ist Ihr schönstes Andenken an Lausanne?
RC | Ein Praktikumsende vergangenen Herbst mit dem Theaterautor Michel Vinaver. Wir warteten beide auf den Bus Nr. 17 und mussten vor einem plötzlich einsetzenden Gewitter Schutz suchen. Wie so oft in derartigen Situationen tauschten wir uns über grundsätzliche Dinge aus, die für mich unvergesslich bleiben werden.
Interview von | Tom Crawford