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«Mit Knall und Rauch haben am Mittwoch um 11 Uhr 32 die ersten offiziellen Sondierbohrungen für die Neue Eisenbahn-Alpentransversale (Neat) begonnen», meldete die Schweizerische Depeschenagentur (heute: Keystone-SDA) am 22. September 1993. An der symbolischen Sprengung nahmen unter anderem Bundespräsident Adolf Ogi und der gesamte Tessiner Staatsrat teil.
Die Sondierbohrungen fanden zufälligerweise in etwa dort statt, wo im letzten August im Basistunnel ein Güterzug entgleiste. Damals waren aber noch nicht mögliche Unfälle im Tunnel das grosse Thema (der Brand im Gotthardstrassentunnel ereignete sich erst 2001), sondern die Frage, ob überhaupt mit einem vernünftigen Aufwand der Basistunnel in diesem Gebirge realisiert werden kann.
Heikelste Stelle
Das nördlich von Faido gelegene Gebiet, die Piora-Mulde, galt als eine der heikelsten Strecken des künftigen Gotthard-Basistunnels. Sie besteht aus Dolomit-Anhydrit-Marmor, ein Gestein, das zuckerförmig zerfallen kann und in diesem Zustand den Tunnelbau erheblich erschwert hätte.
Im März 1996 stiessen die Arbeiter bei den Sondierbohrungen 300 Meter oberhalb des geplanten Tunnelniveaus tatsächlich auf eine Schicht zuckerförmigen Dolomit. Drei Stunden ergossen sich Wasser und Gestein in den Stollen, die Tunnelbohrmaschine wurde eingesandet.
Die weiteren Untersuchungen zeigten dann aber, dass das gefürchtete Gestein auf Tunnelniveau trocken und fest und nur in den höheren Regionen zuckerförmig ist. Die Bohrmaschinen konnten 2008/2009 tatsächlich die rund 150 Meter lange Piora-Mulde sowohl in der West- wie in der Oströhre ohne Probleme überwinden.
2010 feierten die Mineure am Gotthard den Durchstich. Ende 2016, 23 Jahre nach dem Beginn der Sondierbohrungen, wurde der fahrplanmässige Betrieb durch den 57 Kilometer langen Gotthard-Basistunnel aufgenommen.