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Die Bedeutung des Schweizer Finanzplatzes war vor und während des Zweiten Weltkriegs gross. Banken verwalteten Geld von Tätern und Opfern des Nationalsozialismus und auch solches der Alliierten. Die Kriegswirtschaft kümmerte sich derweil von 1939 bis 1945 um die Zuteilung der Rohstoffe und rationierte Waren und Nahrungsmittel.
Fluchtgelder, Raubgut und nachrichtenlose Vermögen
Die Bedeutung des Schweizer Finanzplatzes nahm im Zuge der Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren kontinuierlich zu: Schweizer Banken wurden zu einem «sicheren Hafen» von Vermögen sowohl von Opfern als auch Tätern des Nationalsozialismus. Die Alliierten benutzten die Schweiz ebenfalls als Drehscheibe, zum Beispiel für die Finanzierung des Widerstands in den von Nazi-Deutschland besetzten Ländern.
Die Schweizer Diplomatie befasste sich bereits in den ersten Jahren nach 1945 – etwa im Zuge des Washingtoner Abkommens von 1956 – wiederholt mit deutschen Vermögen in der Schweiz. Unterlagen dazu sind in den Beständen der Abteilung für Auswärtiges im Zeitraum 1927-1936 und 1937-1945 sowie in den Beständen der Abteilung für politische Angelegenheiten im Zeitraum 1950-1973 abgelegt. Ergänzend dazu geben die Handakten von Verhandlungsführer Walter Stucki (1915-1962) und Bundesrat Max Petitpierre (1914-1983) Auskunft.
In den 1960er-Jahren beschäftigte sich der Bund mit den nachrichtenlosen Konten auf Schweizer Banken. Mit einem Beschluss von 1962 richtete er die Meldestelle für Vermögen verschwundener Ausländer ein. In der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre wuchs sich die Weltkriegsdebatte unter anderem auf internationalen Druck zu einer eigentlichen Staatskrise aus. Das Parlament beauftragte die Unabhängige Expertenkommission Schweiz – Zweiter Weltkrieg (UEK) im Dezember 1996, Umfang und Verbleib von Vermögenswerten abzuklären, «die infolge der nationalsozialistischen Herrschaft» in die Schweiz gelangt waren.
Kriegswirtschaft
Angesichts der Weltwirtschaftskrise gingen immer mehr Länder zur Bewirtschaftung ihrer Devisen über. Dieser gebundene Zahlungsverkehr («Clearing») wurde von der Schweizerischen Verrechnungsstelle (1929-1978) betreut. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges dehnten die Behörden Planung und Kontrolle auf immer mehr Wirtschaftsbereiche aus. Im kollektiven Gedächtnis verblieb vor allem die «Anbauschlacht». Das Programm zur Förderung des inländischen Lebensmittelanbaus wurde nach ihrem Verantwortlichen im Bundesrat auch «Plan Wahlen» genannt; die Handakten von Friedrich Traugott Wahlen (1942-1968) befinden sich im Bundesarchiv. Trotz diesem Versuch, die nationale Selbstversorgung sicherzustellen, blieb die Schweiz in den meisten Bereichen auf Importe aus dem Ausland angewiesen.
Die Kriegswirtschaft organisierte und verwaltete von 1939 bis 1945 zentral die Beschaffung und Verwendung von Ressourcen in der Schweiz. Das heisst: Die Kriegswirtschaftsämter organisierten den Import, kontrollierten die Zuteilung von Rohstoffen und rationierten Waren und Nahrungsmittel für die Schweizer Bevölkerung. Die Unterlagen zur Kriegswirtschaft, der auch andere Bereiche des wirtschaftlichen Lebens unterstanden, sind sehr umfangreich. Sie finden sich in den Beständen der Kriegswirtschaftsämter, in den zentralen Ablagen der Handelsabteilung (1872-1995) sowie in den Handakten von deren Chefbeamten (1908-1972). Auch das Privatarchiv des Diplomaten Robert Kohli (1938-1956) enthält wichtige Unterlagen zu den Wirtschaftsverhandlungen mit dem Ausland. Weitere Unterlagen zu Exporten und Importen während des Zweiten Weltkriegs sind in den Beständen der Aussenwirtschaft abgelegt.
Tipps zur weiteren Recherche
- Historisches Lexikon der Schweiz mit Artikeln u.a. zur Anbauschlacht oder zur Kriegswirtschaft.
- Schweizerisches Wirtschaftsarchiv: Archive von Banken, Handelshäusern, industriellen Betrieben und Privatiers, vorab aus dem Raum Basel.
- Archiv für Zeitgeschichte: Unterlagen des Schweizerischen Handels- und Industrieverbands.
Publikationen des Bundesarchivs
Letzte Änderung 17.12.2015