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Johann Jacob Bodmer wurde am 19.7.1698 in Greifensee bei Zürich als Sohn eines Pfarrers geboren. Er besuchte die Lateinschule des Collegium Carolinum in Zürich, brach die Ausbildung jedoch 1718 ab und unternahm zahlreiche Reisen. In dieser Zeit entdeckte Bodmer sein Interesse für die Literatur. Nach Zürich zurückgekehrt hatte er zunächst eine Stelle in der Staatskanzlei inne und wurde anschliessend Stadtverweser. Von 1731 bis 1775 lehrte er als Professor für Helvetische Geschichte am Carolinum. Seit 1737 war der überzeugte Republikaner Mitglied des Grossen Rates.
Seine dichterischen Werke, religiöse Epen und politische Schauspiele, wurden schon zu Lebzeiten äusserst kritisch betrachtet und blieben ohne grosse Resonanz. Mit den theoretischen Schriften hatte Bodmer aber grossen Erfolg. Sein Haus galt bis zu seinem Tod als ein Zentrum für die jüngere Dichtergeneration um Klopstock, Wieland, Goethe, Heine, Lavater und anderen.
1721-1723 zeichnete Bodmer zusammen mit seinem Mitarbeiter und Freund J.J. Breitinger als Herausgeber der ersten moralischen Wochenschrift in deutscher Sprache, der Discourse der Mahlern, verantwortlich, in der er Gottsched verwandte Ziele vertrat und die Nachahmungstheorie der rationalen Leipziger Schule unterstützte. Ab 1740 gerieten die beiden Zürcher in Fragen der Poetik aber in offenen Widerspruch zu Gottsched, in dem sie die produktive Funktion der Einbildungskraft (Phantasie) als poetische Grundkraft und Moment schöpferischer Freiheit definierten.
Bodmer war auch der erste bedeutende Wiederentdecker der mittelalterlichen deutschen Dichtung und veröffentlichte das vergessene Nibelungenlied und die Manessesche Liederhandschrift. Zudem machte er sich mit Übersetzungen einen Namen. Hervorzuheben ist seine Übertragung von Miltons Epos Paradise Lost ins Deutsche, welche er in immer wieder überarbeiteten Ausgaben besorgte.
Johann Jacob Bodmer starb am 2. Januar 1783 auf dem Gut Schönenberg bei Zürich.

Parte di testo da "Betrachtungen über die Poetischen Gemählde der Dichter", Zürich 1741
Da diese gegenwärtige Welt nicht nothwendig so ist, wie sie jetzo eingerichtet ist, dass sie nicht anderst könnte (...) seyn, (...) so sind eben so viele andre Welten möglich, als vielmahl die Beschaffenheit, und Ordnung des gegenwärtigen Zusammenhanges kann geändert werden. Nun stehen alle diese unzehligen möglichen Welt-Systemata unter der Bothmässigkeit der Einbildungskraft. (...) sie zieht (...) mit einer mehr als zauberischen Kraft das, so nicht ist, aus dem Stande der Möglichkeiten hervor (und) theilet ihm dem Scheine nach eine Würklichkeit mit.