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Wenn wir heute an Sklaverei denken, dann denken viele von uns an Menschen, die sehr schlecht behandelt und von ihren Herren als ihr Eigentum gesehen werden. In der Heiligen Schrift ist Sklaverei geduldet und erlaubt. Aber was für eine Sklaverei? Es gibt wichtige Unterschiede im Status der Sklaven und im vorherrschenden Umgang mit ihnen vor mehr als 2'000 Jahren in Israel und in der Zeit vor dem amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865). Ausserdem wurden Sklaven in Israel zu alttestamentlichen Zeiten auf eine Art behandelt, die sich stark von anderen Nationen im antiken Nahen Osten unterschied und in vielerlei Hinsicht deutlich besser war.
Im Kontrast zu anderen Zeitepochen dienten Sklaven im antiken Israel nicht auf Lebenszeit ihren Herren. So mussten Sklaven alle sieben Jahre aus ihrem Dienst entlassen werden, sogar dann, wenn sie immer noch verschuldet waren.Ihren Herren war es nicht erlaubt, sie ohne Geschenke gehen zu lassen (Deut 15:13-14). Ein Sklave konnte sich aber auch dafür entscheiden, im Haus seines Herrn zu bleiben, etwa weil seine Familie auch dort wohnte und diente (Ex 21:5).
Eigentümer von Sklaven durften nicht über sie verfügen, wie sie wollten. Wenn jemand zum Beispiel seinen Sklaven tötete, dann musste er selbst mit der Todesstrafe rechnen (Ex 21:20). Aus diesem Grund sollte man nicht an eine elitäre Klasse denken, deren Macht nicht durch das Gesetz begrenzt war und die mit ihren Sklaven tun und lassen konnten, was sie wollten. Des Weiteren musste ein Sklave freigelassen werden (Ex 21:26-27), wenn sein Herr ihn stark verletzte (dazu gehörten Verletzungen an Auge, Zahn, usw.).
Es kam auch vor, dass sich einzelne Sklaven dazu entschlossen, für den Rest ihres Lebens bei ihren Herren zu bleiben. Wenn Sklaven zu Zeiten des Alten Testaments schlimme Misshandlungen erlitten hätten, wäre ein Szenario, wie es in Exodus 21:5 beschrieben wird, undenkbar gewesen: «Falls aber der Sklave sagt: Ich liebe meinen Herrn, meine Frau und meine Kinder, ich will nicht als Freier ausziehen!». Wenn diese Bestimmung Sinn ergeben soll, dann muss es Herren gegeben haben, die ihre Sklaven mit Milde und Respekt behandelt haben.
Der Hauptgrund aber, weshalb Sklaven in Israel respektiert und gepflegt wurden, liegt darin, dass sie, wie jeder andere Mensch, im Imago Dei (Gen 1:26-27) geschaffen sind. Weil sie im Bild Gottes geschaffen sind, haben auch sie Würde und Rechte. Dies stand damals im starken Kontrast zu den Gesetzen anderer Nationen, wie Dandamayevs beobachtet, «die Vorstellung eines Sklaven, der exklusive Rechte besitzt … war den Gesetzen im [restlichen] Nahen Osten fremd.»
Auch heute gibt es schätzungsweise noch 40 Millionen Sklaven.Das ist mehr als es je in der gesamten Menschheitsgeschichte gegeben hat. Mehr als 4 Millionen davon (darunter auch Kinder) werden sexuell ausgebeutet. Vor etwa zweihundert Jahren wurde eine britische Bewegung lanciert, die später zur Aufhebung des Sklavenhandels geführt hat. Einer der Hauptakteure war William Wilberforce, ein christlicher Denker und Politiker. Nach einer langen Zeit der Selbstreflektion und des Gebets kam er zur Schlussfolgerung, dass «Gott [ihm] zwei grosse Ziele bestimmt hat: die Unterdrückung des Sklavenhandels und die Reformation der Umgangsformen.»
Angesichts der gegenwärtigen Situation haben sowohl Christen als auch Juden jeden Grund, sich den bedauerlichen Tendenzen entgegenzustellen und für die Würde und Rechte dieser Menschen einzustehen, weil Gott alle Menschen gleichwertig geschaffen hat. Insofern es um die Gleichwertigkeit der Menschen geht, gilt dies auch für die derzeitige «Black Lives Matter»-Bewegung», die ausgehend von den USA mittlerweile ein weltweites Ausmass genommen hat. Dabei sollte allerdings darauf geachtet werden, dass dadurch nicht neue Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten entstehen.