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vorhergehenden Halle [* 2] wahrscheinlich gegenüber. Nördlich davon stand die Stoa des Attalos (Reste davon erhalten), südlich der Tempel [* 3] des Apollon [* 4] Patroos mit mehreren Bildsäulen dieses altionischen Stammgottes. Oberhalb der Königshalle, höher hinauf am Berg, wird uns ein Tempel des Hephästos [* 5] angegeben und in der Nähe ein Tempel der Aphrodite [* 6] Urania. Einen großen Teil von der Nordhälfte der Westseite des Marktes nahm die bunte Halle (Pökile) ein, deren drei Wände von Panänos, Polygnotos und Mikon mit großen Gemälden aus der Sage und Geschichte Griechenlands geschmückt waren (daher der Name); zur Zeit des Lukian war sie der Versammlungsort der stoischen Schule.
Vor ihr stand eine Erzstatue des Solon, zu der später die des Seleukos Nikator kam; zwischen der Königshalle und der Pökile die eherne Statue des Hermes [* 7] Agoräos sowie ein kleines, mit einem Siegeszeichen geschmücktes Thor, vielleicht das erste Vorbild der römischen Triumphbogen. Von hier lief eine doppelte Reihe Hermen, zum Teil mit Sinnsprüchen versehen, über die ganze Breite [* 8] der Agora. Wahrscheinlich der königlichen Halle gegenüber lag das Heiligtum der Göttermutter Kybele, [* 9] das Metroon, und das Buleuterion, wo der Rat der Fünfhundert seine Sitzungen hielt.
Jetzt ist dieser Platz, wie überhaupt die ganze Agora, mit modernen Gebäuden bedeckt. Das Metroon enthielt die Statue der Göttin von Phidias und diente zur Aufbewahrung der Volksbeschlüsse, der Gesetze und gesetzlichen Dokumente. In der Nähe des Buleuterion war die Tholos, ein Rundgebäude mit Kuppel, zu Staatsopfern und Mahlzeiten bestimmt, zu denen sich die Prytanen täglich versammelten. Etwas höher nach der Akropolis [* 10] zu war der Markt mit Bildsäulen geziert, namentlich mit denen der Stammheroen, der sogen. Eponymoi, von welchen die zehn attischen Phylen ihre Namen hatten.
Auch die Statuen der Staatsmänner Lykurg und Kallias, des Demosthenes, des Pindar und der Tyrannenmörder Harmodios und Aristogeiton standen hier. Südlich davon, in der Einsattelung zwischen Akropolis und Areopag, lag der heilige Bezirk der Eumeniden mit des Ödipus Grab sowie wahrscheinlich der vom jüngern Pisistratos errichtete Altar [* 11] der zwölf Götter, und südöstlich davon, am Abhang des Burgfelsens, war der Tempel der Aphrodite Pandemos. Die Agora diente übrigens nicht nur für Handel und Wandel, sondern auch zu politischen Versammlungen und als Spaziergang für die Bürger; auch die besuchtesten Läden der Gewerbtreibenden lagen an ihr oder doch in ihrer nächsten Nähe. Für den Handel waren besondere Abteilungen bestimmt, in denen Lebensmittel aller Art, mit Ausnahme des Fleisches, besonders Fische, [* 12] Geräte, auch Kleidungsstücke etc. feilgeboten wurden. - Nordwestlich vom Markt erhebt sich ein wüster Hügel mit einem alten, gut erhaltenen Tempel, der noch unlängst als Kirche des heil. Georg diente, das berühmte Theseion, das die Gebeine des Theseus, welche Kimon von der Insel Skyros nach Athen [* 13] gebracht hatte, umschloß und seit 465 v. Chr. erbaut wurde.
Der Tempel, mit 6×13 Säulen [* 14] von 5,7 m Höhe, ist im reinsten dorischen Stil aus pentelischem Marmor gebaut und bis auf einen kleinen Teil des Portikus und das Dach [* 15] der Cella wohlerhalten. Auch von den Skulpturen aus der Schule des Phidias, mit denen der Tempel geschmückt war, haben sich sehr wertvolle Überreste, namentlich einige von den Metopen, [* 16] Thaten des Theseus und Herakles [* 17] darstellend, nebst dem Fries der Schmalseiten der Cella erhalten. Der Umfang des Tempels beträgt nur 30,3×12,5 m, die Höhe 10,3 m. Das nächste bemerkenswerte Gebäude östlich der Agora war das Gymnasion des Ptolemäos (ungewisser Lage) mit den Bildsäulen des Ptolemäos, des Libyers Juba und des Stoikers Chrysippos. Es enthielt außer den Räumen für gymnastische Zwecke zahlreiche kleinere Gemächer für wissenschaftliche Unterhaltung und Unterricht sowie eine Bibliothek.
Auf der Nordseite der Akropolis stand ferner die ausgedehnte sogen. Stoa des Hadrian, deren Nordhälfte zum Teil erhalten ist; südlich davon ein Heiligtum der Athene [* 18] Archegetis (Reste vorhanden) und südöstlich der wohlerhaltene Turm [* 19] der Winde, [* 20] welchen Andronikos aus Kyrrhos in Syrien als Horologium um 35 v. Chr. errichten ließ (s. Tafel »Baukunst [* 21] IV«, [* 22] Fig. 10). Seine acht Seiten sind den Hauptwinden zugekehrt und stellten diese in trefflichen Reliefs symbolisch dar.
Auf der Spitze des Turms war ein Triton [* 23] angebracht, dessen Stab [* 24] sich nach dem Wind wendete und also die Stelle einer Windfahne vertrat. Außen am Turm befand sich eine Sonnenuhr, [* 25] im Innern eine Wasseruhr, der eine Leitung das nötige Wasser aus der brackigen Quelle [* 26] Klepsydra am Nordabhang der Akropolis zuführte. Auf der Nordseite der Burg lag auch das Prytaneion, wo die auswärtigen Gesandten und um den Staat wohlverdiente Männer auf öffentliche Kosten zu speisen pflegten.
Hier stand der geweihte Staatsherd, auf welchem ein immerwährendes Feuer unterhalten wurde. Daneben die Bilder der Hestia [* 27] und der Irene, an den Wänden zahlreiche Statuen von Männern, die sich als Feldherren und Staatsmänner oder als Sieger in Kampfspielen einen Namen erworben hatten. Nicht weit vom Prytaneion entfernt stand das erst in der Ptolemäerzeit errichtete Heiligtum des Serapis und mehr gegen N. hin das Diogeneion genannte Gymnasion. In der Gegend des Prytaneion scheint die Tripodenstraße ihren Anfang genommen zu haben, deren Richtung durch mehrere hier vorhandene kleine, wahrscheinlich an die Stelle der Tripodentempel getretene Kirchen sowie durch die choragischen Denkmäler des Lysikrates (s. Tafel »Baukunst IV«, [* 22] Fig. 8) und Thrasyllos auf der südöstlichen Seite der Burg, bei welchen sie wahrscheinlich ihr Ende erreichte, kenntlich ist.
Diese Straße war eine der prächtigsten in von ehrgeizigen und untereinander wetteifernden Choragen mit zahlreichen kleinen Rundtempelchen aus Marmor und herrlichen Kunstwerken aller Art aufs glänzendste ausgeschmückt. Am Ende der Tripodenstraße, unter dem südöstlichen Ende der Akropolis, befand sich der heilige Bezirk des Dionysos [* 28] (Lenäon), welcher zwei Tempel des Gottes, die Gebäude für die dramatischen und musikalischen Aufführungen und Weihgeschenke choragischer Sieger umschloß.
Von allen diesen Bauten läßt sich nur noch die Lage des Theaters des Dionysos, die Stätte, wo Äschylos, Sophokles und Euripides ihre Triumphe feierten, genau bestimmen. Es lag westlich von dem Ende der Tripodenstraße, am Südabhang der Akropolis und ist, durch die halbkreisförmige Anlage deutlich erkennbar, 1862-65 durch Ausgrabungen frei gelegt worden. Sein Bau wurde 496 v. Chr. zur Zeit des Äschylos begonnen, aber innen obern Teilen erst um 340 vollendet. Von den Grundmauern des Bühnengebäudes sind nur die ¶
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unterirdischen Teile, von den terrassenförmig sich erhebenden, in den natürlichen Felsen gehauenen Stufen, auf welchen die Sitze des schauenden Publikums waren, die untern erhalten. Im Zuschauerraum, der durch 14 aufsteigende Treppen [* 30] (von ca. 0,70 m Breite) in 13 Keile zerlegt wird, fanden etwa 27,000 bis 30,000 Menschen Platz. Östlich in der Nähe des Theaters hat man das Odeion des Perikles, ein kleineres, für musische Wettkämpfe bestimmtes Gebäude, zu suchen.
Die das Dionysion unmittelbar umgebenden Gebäude und Hallen boten für die zusammenströmende Menge und besonders für den Chor einen bequemen Aufenthalt dar, so namentlich die Stoa Eumenia, die Säulenhalle des Eumenes, der die Bogen [* 31] an der westlichen Seite des Theaters angehören, und die sich von diesem bis zum Odeion des Herodes erstreckt. Letzteres, ein ansehnliches, besonders im Innern mit großartiger Pracht ausgestattetes Theatergebäude, wovon noch beträchtliche Überreste am südwestlichen Ende der Akropolis unweit der Propyläen sichtbar sind, wurde erst zwischen 160 und 170 n. Chr. von dem reichen und baulustigen Marathonier Herodes Atticus zur Einnerung ^[richtig: Erinnerung] an seine Gemahlin gegründet. Oberhalb der Stoa Eumenia, unmittelbar am Fuß des Burgfelsens, lag der Tempel des Asklepios [* 32] (seit 1876 durch die Archäologische Gesellschaft von Athen aufgedeckt) mit Statuen des Gottes und seiner Söhne, Gemälden und einem Tempelbrunnen; ferner der Tempel der Themis und der Ge Kurotrophos, lauter Kultstätten, deren Stiftung in die ältesten Zeiten der Stadt hinaufreicht.
In dem Quartier Kydathenäon, einem der ältesten Athens, südlich der Burg, scheinen meist Privatgebäude gestanden zu haben; wenigstens ist uns kein öffentliches Gebäude bekannt, das mit einiger Sicherheit hier sich befunden haben könnte. Ein Thor führte dort im SO. zum Ilissos und der Quelle Kallirrhoë (Enneakrunos) hinaus. Dieselbe, aus dem felsigen rechten Ufer des Ilissos entspringend, war die einzige mit trinkbarem Wasser, trotzdem aber nicht mit von der Ringmauer umschlossen.
Nördlich der Quelle Kallirrhoë, am rechten Ufer des Ilissos, erhob sich das Olympieion, der größte athenische und überhaupt griechische Tempelbau, der dem olympischen Zeus [* 33] geweiht war. Heute steht von demselben auf einer aus Quadern aufgeführten, 668 m im Umfang haltenden Plattform noch eine Gruppe von 13 riesenhaften Säulen mit den Architraven und nicht weit westlich davon noch zwei einzelne. Eine dritte hat im Oktober 1852 ein furchtbarer Orkan, der auch am Erechtheion großen Schaden anrichtete, umgestürzt.
Diese Säulen (gewöhnlich »Säulen des Hadrian« genannt) sind korinthischen Stils, kanneliert und aus parischem Marmor gefertigt, über 20 m hoch und von fast 2 m Durchmesser, die größten in Europa. [* 34] Aus ihrer Stellung hat man den Grundriß des Tempels entworfen. Es war ein über 110 m langer, 54 m breiter Dipteros dekastylos korinthischer Ordnung mit dreifachen Säulenreihen am Pronaos und Hinterhaus (im ganzen mit etwa 120 Säulen). Dieser Tempel gehörte zu den ältesten athenischen Denkmälern, denn seine Gründung reicht noch in die mythische Zeit zurück.
Deukalion soll den Grund dazu gelegt haben; die Peisistratiden übertrugen den Ausbau vier Künstlern, Antistates, Kalaischros, Antimachides und Porinos, welche ihn nach einem großartigen Plan in dorischer Form anfingen, aber nicht vollendeten. Mehr als 300 Jahre später, um 165 v. Chr., nahm König Antiochos Epiphanes von Syrien den Plan der Pisistratiden wieder auf, ohne ihn jedoch zu Ende zu führen. Dieses gelang erst 131 n. Chr. dem Kaiser Hadrian, dem der Tempel auch eine kolossale Statue des Gottes verdankte.
Die Ringmauer, mit Statuen angefüllt, maß 4 Stadien (740 m) und schloß außer einem Tempel des Kronos und der Rhea [* 35] auch ein heiliges Feld der Ge Olympia in sich. Von hier gegen NO. lag Neu-Athen, der südöstliche Teil der Stadt, den Kaiser Hadrian, der die griechische Kunst wieder zu heben bemüht war, mit weitern Prachtgebäuden schmückte (daher auch Hadriansstadt genannt). Zu denselben gehörten ein Heräon, ein Pantheon, ein Tempel des Zeus Panhellenios, ferner die Stoa aus phrygischem und das Gymnasion mit Säulen aus numidischem Marmor.
Das Hadriansthor im korinthischen Stil steht noch in der Richtung von SW. nach NO., am nordwestlichen Ende der Umfassungsmauer des Olympieion. Unweit des letztern weiter nach S. (nach neuester Annahme außerhalb der Stadtmauer, aber noch diesseit des Ilissos) lagen zwei Heiligtümer des Apollon, das Delphinion und das Pythion, beide getrennt durch eine Mauer, auf der sich der Altar des Zeus Astrapäos befand, von wo aus die Priester des Pythion die Blitze zu beobachten pflegten.
Dies mußte immer im Anfang des Frühlings drei Monate und in jedem Monat drei Tage und drei Nächte lang geschehen, bevor die heilige Gesandtschaft nach Delphi vom Tempel abging; denn sie wurde erst dann unternommen, wenn man günstige Zeichen geschaut hatte. Das Pythion, eine Anlage der Pisistratiden ^[richtig: Peisistratiden], war ein bloßes Temenos (heiliger Bezirk) mit einer Bildsäule des Gottes, das Delphinion ein Tempel, in welchem ein Raum mit Schranken umschlossen war, um als Gerichtsstätte zu dienen über Mörder, deren That erwiesen, aber durch Umstände gerechtfertigt war, außer dem Areopag unter den vielen Gerichtsstätten, deren Namen uns überliefert sind, allein mit einiger Sicherheit topographisch zu bestimmen.
Von der Kallirrhoë aus weiter stromaufwärts ist die Gegend zu setzen, welche »die Gärten« hieß, und wo sich ein Heiligtum der Aphrodite Urania befand. Jenseit des Ilissos lag die Vorstadt Agrä mit den beiden Tempeln der Demeter [* 36] und Kore und des Triptolemos, wo die kleinen Mysterien gefeiert wurden. Ferner lag dort, wahrscheinlich südwestlich vom Demetertempel, ein solcher der Artemis [* 37] Eukleia, zur Erinnerung an die Perserkriege errichtet; nordöstlich aber das große Panathenäische Stadion, dessen Höhlung im Fuß des Hymettos noch deutlich erkennbar ist. Vom Redner Lykurgos erbaut, wurde es von Herodes Atticus, der dort ehrenhalber sein Grab fand, prächtig ausgeschmückt. Die Höhen nordöstlich davon trugen Tempel der Tyche [* 38] und der Artemis Agrotera. - Gegen O. führte das Diocharesthor nach dem Gymnasion Lykeion, wo Aristoteles zu lehren pflegte; am Fuß des Lykabettos lag das Gymnasion Kynosarges, der Sammelplatz der Cyniker.
Die alte Stadtmauer Athens war 478 v. Chr. auf des Themistokles Rat von den Athenern in aller Eile ausgeführt worden. Sie maß 60 Stadien (11,100 m) im Umfang. Ihre Richtung läßt sich im W. noch in deutlichen Spuren auf dem Rücken des Museion und der Pnyx nebst ihren nördlichen Fortsetzungen bis zur jetzigen Kapelle der Hagia Triada, im S. vom Museion herab in ziemlich gerader östlicher Richtung bis zu den niedrigen Anhöhen oberhalb des rechten Ufers des Ilissos, welche ¶