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Vergangene Woche veröffentlichte das «Wall Street Journal» einen Bericht, wonach IBM jetzt mit einer freundlichen Übernahme von Sun Microsystems liebäugelt. IBM wollte 6,5 Mrd Dollar auslegen, das doppelte der Marktkapitalisierung von Sun, bevor diese Nachricht publik wurde. Ob dem Computer-Service- und Softwarekonzern IBM der Kauf des Computerkonzerns Sun gelingt, ist noch offen. «Der Ausbau des IBM-Softwareportfolios wäre ein plausibler Grund für eine Übernahme, aber nur, wenn bei Sun weitere Stellen abgebaut werden», meint Ben Reitzes, Analyst bei Barclays Capital. Zusätzlich zum Ende 2008 verkündeten Abbauplan, der bei Sun die Kürzung von 5000 Stellen, etwa jeder sechster, vorsieht, müssten noch einmal so viele Stellen gestrichen werden, wenn die Übernahme gelingt.
Laut dem Bericht hatte sich Sun auch Hewlett-Packard (HP) angeboten, HP soll aber abgewunken haben. «Wir hatten innert Minuten nach der Meldung bereits eine interne Stellungnahme bekommen», sagt ein HP-Insider, «ich gehe deshalb davon aus, dass etwas dran ist.
«Sun liefert nur ein schwaches Umsatzwachstum und das dürfte die bereits trudelnde Systems and Technology Group (STG) bei IBM zusätzlich belasten», heisst es bei HP. «Das sieht aus wie ein verzweifelter Versuch von IBM, das Geschäft nach zwei Quartalen mit Umsatz- und Marktanteilsverlusten wieder anzukurbeln.» Jetzt müsste IBM das nicht gerade überwältigende Produkteportfolio, das sie jahrelang kritisiert hatte, übernehmen. Das wäre auch eine riesige Übung mit überlappenden Produktreihen, Stellen und Jobs und damit eine massive Integrationsherausforderung. Das IBM-Portfolio ist für die Sun-Kunden gar nicht attraktiv und umgekehrt. Es besteht aus zwei angejahrten und konkurrierenden Unix-Betriebssystemen, zwei proprietären Chiparchitekturen, zwei konkurrierenden Blade-Serverdesigns und zwei konkurrierenden Serviceorganisationen.
Wer wird sich durchsetzen – die Solaris- oder AIX-Variante von Unix? IBM hat bereits einen Vertrag unterzeichnet, um Solaris auf IBM-Plattformen zu unterstützen, aber bisher hatte IBM immer AIX und Linux gefördert. Mit dem IBM-Programm «Migration Factory» hatte man betont, 500 Kunden von Solaris zu AIX oder Linux gebracht zu haben.
Wer wird sich durchsetzen – der Sparc- oder Power-Chip? Die Industrie geht Richtung offene Standards, das ist die einzige Serverkategorie, die noch wächst. Es ist zudem sehr kostenintensiv, gleich zwei Chipreihen weiterzuentwickeln. Wahrscheinlich wird man dem Power-Chip den Vorzug geben und Sparc-Kunden müssten dann entweder wechseln, einen Emulationmodus verwenden oder sie stünden vor stark anziehenden Servicekosten.»
HP dürfte bei dieser Einschätzung aus dem reichlich vorhandenen eigenen Erfahrungsschatz geschöpft haben (siehe die Transaktionen von HP und Compaq, Compaq und Digital Equipment usw.). Hinzu kommen die sehr gemischten Erfahrungen in der Industrie mit grossen, schlecht geplanten Übernahmen (so gibt es bei Symantec noch Jahre nach der Fusion mit Veritas mehrere ERP-Systeme, die nicht kompatibel sind). EMC kaufte ebenfalls einige Softwarehäuser und verbesserte die Integration mit jedem weiteren Zukauf. Das Gleiche gilt für Brocade, das McData gekauft hatte, das wiederum zuvor CNT übernommen hatte, das zuvor bereits Inrange gekauft hatte .... Und auch die Integration von PeopleSoft in Oracle war nicht ganz einfach und verlief nicht ohne Nebengeräusche. Erst bei den weiteren grossen Käufen (wie Siebel oder Hyperion) kam eine gewisse Routine in den Vorgang – und die Kunden konnten erfolgreich bei der Stange gehalten werden.