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São Cristóvão ist ebenfalls ein historischer Stadtteil von Rio de Janeiro. Er befindet sich bereits in der Nordzone der Stadt, und seine Bewohner gehören hauptsächlich zur Mittel- bis Unteren Mittelklasse.
Historisches
Das 15. und 16. Jahrhundert: An der Stelle des gegenwärtigen Stadtteils, der damals offiziell “Bairro Imperial De São Cristóvão“ hiess, befand sich zu jener Zeit ein Dorf der Tamoio-Indianer, und sie waren Verbündete der Franzosen und wurden während der Vertreibungs-Kampagne 1567 niedergemetzelt oder vertrieben. An ihrer statt setzten sich dort die Temiminó-Indianer fest, unter ihrem Häuptling Arariboia, der ein Portugiesenfreund war. Sie errichteten ein neues Dorf und gaben ihm den christlichen Namen ihres Anführers: Martinho.
Die Kolonisierung des Gebiets fand im Verlauf des 17. Jahrhunderts statt, mit der Gründung der Kirche “São Cristovão“ im Jahr 1627, damals noch am Meeresufer. Es wird berichtet, dass die Fischer zu jener Zeit ihre Boote vor den Toren der Kirche festbanden, um zur Messe zu gehen. Eine weitere Achse der Integration war der “Caminho de São Cristóvão“ – ein primitiver Weg, der die Stadt Rio de Janeiro mit den Zuckerfabriken und Plantagen des Interiors verband. Das Wachstum des Handels zwischen dem Ankerplatz und der antiken Strassenverbindung führte zur Gründung einer kleinen Kommune, die sich nach dem Heiligen der Kirche ebenfalls “São Cristóvão“ nannte.
Das 18. Jahrhundert: Im Jahr 1759 ordnete der Marquês de Pombal die Ausweisung der Jesuiten an – daraufhin konfiszierte der Gouverneur der “Capitania do Rio de Janeiro“ die Ländereien der Jesuiten in São Cristóvão. Die Fazendas der Region wurden unterteilt in “Quintas“ und kleinere Besitze, unter ihnen auch die bekannte “Quinta da Boa Vista“. Der Sitz der “Fazenda São Cristóvão“ wurde in ein Spital verwandelt – das “Hospital dos Lazarós“ (1765), welches bis heute existiert.
Das 19. Jahrhundert: Der Stadtteil begann sich ab 1810 dem Mittelpunkt der Carioca-Szene zu nähern, als der Prinzregent Dom João den Palast der Quinta da Boa Vista zu seiner offiziellen Residenz erklärte. Jedoch störten ihn das Meer, und der Mangrove-Dschungel und die Sumpfgebiete, welche sich in dieser Region ausgebreitet hatten. Also baute man rund um den Palast neue Gebäude, pflasterte die Wege und installierte eine öffentliche Beleuchtung.
Der ganze Adel zog in den Stadtteil (die Marquesa de Santos besass dort eine Residenz, welche inzwischen in ein Museum verwandelt wurde). Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde das Meeresufer um mehrere Meter mit Erde zugeschüttet (jetzt konnte man zur Kirche “São Cristóvão“ zu Fuss gehen, anstatt ein Boot benutzen zu müssen) – die Sumpfgebiete wurden ebenfalls trockengelegt.
Die portugiesische Königsfamilie residierte im “Paço de São Cristóvão“ bis zur Rückkehr des Dom João VI. nach Portugal. Sein Sohn, Pedro I. von Brasilien, begab sich auf die Reise vom “Largo da Cancela“ aus – der sich vor der “Quinta“ befindet – eine Reise, auf der er die Unabhängigkeit Brasiliens im Jahr 1822 erklärte. Sein Erbe, der zukünftige Kaiser Pedro II., wurde im Stadtteil São Cristóvão geboren und wuchs auch dort auf – und von dort aus regierte er Brasilien während beinahe einem halben Jahrhundert.
Während der Regierung von Dom Pedro II. – von São Cristóvão aus – begann man mit der Entwicklung der Industrie und der Modernisierung der Stadt mittels einer Telefonzentrale (die erste Telefonleitung Südamerikas führte zum Palast in São Cristóvão) und einem Netz von Lichtmasten mit einer elektrischen Strassenbeleuchtung. Der Kaiser weihte auch das “Observatório Nacional do Rio de Janeiro“ ein, ein Forschungszentrum der Astronomie, welches noch heute zu den bedeutendsten Forschungszentren Brasiliens in dieser Wissenschaft zählt. Die Industrialisierung veränderte das Gesicht des Stadtteils – jetzt war er kein ruhiger Ort für die Spaziergänge der Familien mehr – und gegen Ende des 19. Jahrhunderts fing man damit an, die ältesten Gebäude abzureissen. Der Sturz des Imperiums begründete die Verwandlung des Palastes in ein Museum – hier installierte sich das “Museu Nacional“.
Vom 20. Jahrhundert bis in unsere Zeit: Während des 20. Jahrhunderts gaben die Industrieaktivitäten den Ton an in São Cristóvão. Im Jahr 1940 weihte man die neue “Avenida Brasil“ ein, bedeutendste Achse zur Abfuhr der Produktion aus diesem Stadtteil. Mit der Industrieausweitung waren Emigranten aus allen Teilen Brasiliens angekommen, auf der Suche nach einer Anstellung. Ein Prozess ungeregelter und unkontrollierter Besetzung des Umfeldes durch diese Menschen fand statt – eine Favelisierung rund um die Fabriken – wobei der “Morro da Mangueira“ (Berg) eine besondere Rolle spielte.
Im gleichen Rhythmus der Emigranten und ihrer Stadtteilbesetzung, bewegte sich die Mittelklasse in Richtung der Stadtteile in der Südzone. Die antiken Villen und doppelstöckigen “Sobrados“ wurden in kleine Geschäfte oder Pensionen umfunktioniert. Zwischen 1966 und 67 konstruierte man den “Pavilhão de São Cristóvão“, ein Zentrum für Ausstellungen auf dem Gelände “Campo de São Cristóvão“ – Bühne auch für Zelebrierungen der Nordost-Kultur (denn von dort waren die meisten Emigranten gekommen) – bis er dann Mitte der 80er Jahre wieder geschlossen wurde.
Kulturelle Sehenswürdigkeiten
Ausser seinen im gesamten Stadtteil verteilten historischen Gebäuden, finden in São Cristóvão verschiedene kulturelle Aktivitäten statt, besonders in seinen zahlreichen historischen Museen, wie zum Beispiel dem “Museu do Primeiro Reinado“, dem “Museu Militar Conde de Linhares“ und dem “Museu de Astronomia e Ciências Afins“. Die “Quinta de Boa Vista“ beherbergt das “Museu Nacional“ und seine berühmte Bibliothek, ausserdem befindet sich hier der Zoologische Garten von Rio de Janeiro.
Die “Igreja de São Cristóvão“ (jene schon erwähnte antike Kirche) teilt sich heute mit den Kirchen “Santa Edwiges“ und “Santo André“ die Position eines Zentrums der Katholiken des Stadtteils.
Der Bezirk “Campo de São Cristóvão“ präsentiert den neuen “Pavilhão de São Cristóvão“, eingeweiht im Jahr 2003 als “Centro de Tradições Nordestinas Luiz Gonzaga“ (Zentrum Nordöstlicher Traditionen “Luiz Gonzaga“). An diesem Ort findet von Dienstags bis sonntags ein grosser, volkstümlicher Markt statt – hier kann man die typische Musik, die Tänze, die Küche und das Kunsthandwerk des brasilianischen Nordostens kennenlernen.
Und direkt vor diesem populären Platz befindet sich der Sitz der Samba-Schule “Paraíso do Tuiuti“.