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Gibt Google Android auf?
Google ist dasjenige Unternehmen, welches am stärksten mit dem Betriebssystem «Android» verbunden ist. Gemäss AppleInsiders Daniel Dilger könnte Google nun aber darauf hinarbeiten, die Abhängigkeit vom «offenen» Betriebssystem zu verringern. Obwohl das Unternehmen kein Interesse hat, solche Pläne zu veröffentlichen, soll es doch diverse Hinweise darauf geben, dass sich Googles Fokus bei den Betriebssystemen verschiebt. In Zukunft könnte das Unternehmen mehr Ressourcen in die Entwicklung des eigenen Betriebssystems «Chrome OS» investieren, anstatt weiterhin voll auf Android zu setzen.
Ein wichtiger Grund für die sinkende Unterstützung des erfolgreichsten mobilen Betriebssystems sollen die diversen Patentstreitigkeiten sein, mit welchen sich Google mit Android konfrontiert sieht. Beispielsweise sorgte die Implementierung von Oracles Java in Android für einen Rechtsstreit zwischen Google und Oracle. Andererseits investiert Google enorme Summen, um Android vor Angriffen der Konkurrenz zu schützen. Beispielsweise wurde im Jahr 2011 die Mobiltelefon-Sparte von Motorola — «Motorola Mobility» — von Google übernommen. Googles Bemühungen, mit den Patenten von Motorola Geld zu verdienen, haben sich im letzten Jahr ebenfalls nicht bewahrheitet.
Verfechter der Theorie, nach welcher Google die Abhängigkeit von Android verringern will, verweisen auf die Veröffentlichung von «Chromecast». Mit diesem HDMI-Stick ist es dem Nutzer möglich, Videos, Musik und Fotos drahtlos von einem mobilen Gerät auf den Fernseher zu übertragen. Anders als «Google TV», welches bisher als Speerspitze für Googles Angriff auf das Wohnzimmer betrachtet wurde, nutzt «Chromecast» aber nicht Android als Betriebssystem, sondern «Chrome OS». Damit ist es Google möglich, die Hardware-Anforderungen zu minimieren und so Kosten zu sparen.
Allerdings beinhaltet die in Chromecast integrierte Software sehr viele Bestandteile von Android, welche für das TV-Projekt optimiert worden sind. Anstelle von Dalvik-VM und der Bionic-Library wird zum Beispiel eine gemeinsame Binary für Chromecast verwendet. Mit dieser Massnahme optimiert Google Android mehr als es aufgegeben wird.
Eine grosse Problematik von Android ist die starke Fragmentierung bei den Geräten. Noch sehr viele Smartphones nutzen veraltete Versionen des Betriebssystems, während beispielsweise bei Apple die Adaptionsrate für ein neues Betriebssystem sehr hoch ist. Aufgrund der starken Fragmentierung hat Google auch damit begonnen, die Anzahl der neuen Android-Versionen zu verringern. Bei Chrome OS wiederum kann Google viele kleine Updates veröffentlichen, welche vom System automatisch installiert werden könnten.
Anders sieht das Ganze jedoch Killian Bell von Cult of Android. Er widerlegt Dilgers Argumente — beginnend mit den Rechtsstreitigkeiten, welche sich Google mit Android einfing. Solche Rechtsstreitigkeiten seien «normal» wenn man gross werde, die Konkurrenz versuche dann alles um einen fertig zu machen. Gleiches würde demnach auch mit Chrome OS passieren. Google soll überdies bewiesen haben, dass es gegen diese Klagen anhalten könne — gegen Apple, Microsoft, Oracle, BT und andere grosse Firmen habe Google gekämpft, und Android werde trotzdem immer stärker.
Als weitere Argumente führt Bell die immense Verbreitung von Android im Smartphone- und Tablet-Markt von je nach Studie über 70% und dessen Einsatz in diversen anderen Geräten wie Notebooks, Smartwatches, Settop-Boxen etc. zum Gefecht. Auch sei Googles App-Store für Android, «Google Play», mit aktuell ca. einer Million verfügbarer Apps und bisher 50 Milliarden Downloads der grösste App-Store auf dem Markt. Google könne deshalb nicht einfach diesem immens erfolgreichen Produkt den Rücken zukehren.
Dass Google mit dem Betriebsystem «Android» selbst nicht gross Geld macht, sieht Bell nicht als grosses Problem. Bell weisst dafür darauf hin, dass es sehr viele Android-Apps gibt, die sich durch Googles Werbe-System finanzieren — hier verdient Google mit. Auch führe die Nutzung von Android nicht selten dazu, dass Android-Nutzer auch auf Google-Dienste wie Gmail, Google Drive, Google Docs und Google Music umsteigen.
Die Zukunft wird zeigen, ob Google die zweigleisige Betriebssystem-Strategie weiterführen wird, ob die Systeme früher oder später zu einem einzigen zusammenfliessen oder ob Google auf die Dauer auf eines der beiden Systeme verzichten wird.