Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03280.jsonl.gz/831

Die FDP ist «Panaschier-König»
Zum Erfolg der SVP an den Thurgauer Grossratswahlen 2008 trug unter anderem eine bemerkenswerte Parteidisziplin der eigenen Wählerschaft bei. Die Rangliste der Panaschierköniginnen und -könige wurde hingegen durch die FDP angeführt.
Dies geht aus der Analyse der Panaschierdaten der Thurgauer Grossratswahlen 2008 hervor.
Durch Panaschieren haben die Wählerinnen und Wähler die Möglichkeit, Stimmen an Kandidierende anderer Listen zu vergeben. Jede Partei hat ein Interesse daran, möglichst viele Panaschierstimmen von Listen anderer Parteien zu holen. Umgekehrt sollen aber möglichst viele eigene Wähler vom Panaschieren «abgehalten» werden. Wem gelang dies an den Grossratswahlen 2008 am besten?
Überparteiliche Attraktivität
Wie viele Panaschierstimmen eine Partei von anderen Listen holte, ist ein Indikator für die überparteiliche Attraktivität ihrer Kandidierenden. In den Bezirken Arbon, Bischofszell und Diessenhofen legte die FDP die Liste vor, die am meisten Panaschierstimmen von anderen Parteien gewann. Demgegenüber war in den Bezirken Frauenfeld, Steckborn und Weinfelden die Liste der SVP besonders attraktiv für Wählerinnen und Wähler anderer Parteien. Der CVP gelang es in den Bezirken Kreuzlingen und Münchwilen, am meisten Panaschierstimmen von anderen Parteien zu ergattern.
In fünf der acht Bezirke belegten die FDP, die SVP und die CVP bezüglich überparteilicher Attraktivität ihrer Kandidierenden die Podestplätze. Nur in drei Wahlkreisen – Arbon, Diessenhofen und Frauenfeld – gelang es der SP, in die «Top Drei» vorzustossen. In den übrigen Wahlkreisen bewegte sich die SP, ebenso wie die Grüne Partei, im Mittelfeld der Attraktivitätsskala. Verhältnismässig wenige Panaschierstimmen pro kandidierende Person erzielten – immer bezogen auf 1000 parteifremde Wahlzettel – die EVP und die EDU.
Grösste Parteisdisziplin bei der SVP-Wählerschaft
Welcher Partei gelang es am besten, möglichst viele eigene Wählerinnen und Wähler vom Panaschieren «abzuhalten»? In fast allen Wahlkreisen zeichneten sich die Wählenden der SVP durch die höchste Parteidisziplin aus. Einzig im Bezirk Diessenhofen war es die SP, welche die eigene Wählerschaft am besten bei der Stange zu halten vermochte. Auch in den meisten anderen Bezirken zählte die SP zu den Parteien, die am wenigsten Panaschierstimmen an andere Parteien abgeben mussten. Die CVP und die FDP lagen bezüglich Parteidisziplin im Mittelfeld der Parteien, wobei die CVP meist besser abschnitt als die FDP. Bei der Parteidisziplin der EDU-Wählenden zeigte sich ein durchzogenes Bild. In einigen Bezirken fiel die EDU durch eine hohe Parteidisziplin auf, in anderen lag sie hingegen in einem mittleren Bereich. Eine vergleichsweise geringe Parteidisziplin legten die Wählerinnen und Wähler der Grünen an den Tag, ebenso wie vielerorts jene der EVP.
Panaschierstimmentausch zwischen Parteien
Unter welchen Parteien wurden besonders viele Stimmen ausgetauscht? Die FDP verlor in den meisten Bezirken viele Panaschierstimmen an die SVP, während in umgekehrter Richtung etwas weniger häufig, aber ebenfalls kräftig panaschiert wurde. Nennenswerte Panaschierstimmenströme flossen auch von der FDP zur CVP; in den Bezirken Kreuzlingen, Münchwilen, Steckborn und Weinfelden zeigte sich im Panaschierverhalten eine grössere Parteiaffinität zwischen der FDP und der CVP als zwischen der FDP und der SVP.
Die SP verlor hauptsächlich Panaschierstimmen an die GP. In umgekehrter Richtung – also von der GP zu der SP – war die Panaschierneigung sogar noch ausgeprägter. Am zweitschwersten wogen aus Sicht der SP in den meisten Bezirken die Stimmenverluste an die CVP.
Hohe Parteiaffinitäten zeigten sich im Panaschierverhalten ferner zwischen der EDU und der EVP. Von den Wählerinnen und Wählern der Grünliberalen wurde sowohl auf die GP als auch auf die CVP, die FDP und die SP nennenswert panaschiert.
Panaschierköniginnen und -könige: FDP vorne
Welche Kandidatin oder welcher Kandidat war am populärsten? Besser als mit den erzielten Kandidatenstimmen wird die Popularität der Kandidierenden mit den Panaschierstimmen gemessen. Wer panaschiert, lässt seine Stimmen bewusst einzelnen Kandidatinnen und Kandidaten zukommen.
Eindeutiger Panaschierkönig wurde Max Vögeli (FDP, Bezirk Weinfelden). Aber auch Hansjörg Lang (FDP, Bezirk Steckborn) und Christian Lohr (CVP, Bezirk Kreuzlingen) vermochten die Wählerschaft über die eigenen Parteigrenzen hinaus zu mobilisieren. Insgesamt zeigt die Liste der Panaschierköniginnen und -könige ein parteimässig ausgeglicheneres Bild als jene der Kandidierenden mit den höchsten Kandidatenstimmenzahlen, wo die SVP klar dominiert.
Weitere Informationen
Die Analyse des Panaschierverhaltens ist als Statistische Mitteilung Nr. 2/2008 «Grossratswahlen 2008» erschienen und kann auf www.statistik.tg.ch heruntergeladen werden. Auf www.statistik.tg.ch (-> «Themen und Daten» / «Politik» / «Grossratswahlen» anwählen) findet sich zudem eine Vielzahl weiterer Informationen, u.a. Panaschierstatistiken auf Gemeindeebene und Karten zu den Parteistärken auf Gemeindeebene.