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Salix purpurea ssp. purpurea Linné 1753 -- Purpurweide
Feine Binde- und Flechtweide
Purpurweiden wachsen als kleinere bis mittelhohe Sträucher. Sie bilden sehr schlanke, biegsame und zähe, stets kahle Ruten aus. Die Blätter sind ebenfalls völlig unbehaart, schmal geformt und oberhalb der Mitte am breitesten. Oft sind sie an der Spitze der Rute beinahe gegenständig angeordnet.
Dank dem hohen Gehalt an Gerbstoffen und der damit verbunden Bitterkeit werden Purpurweiden von Wild, Mäusen und Weidevieh gemieden.
--> ZUR WILDART Salix purpurea
Purpurweiden werden wegen ihrer feinen, dünnen, dabei aber zähen, sehr biegsamen Ruten in der Fein-Flechterei und als Bindeweiden im Gartenbau, besonders aber im Weinbau sehr geschätzt.
Schmidt (1937) meint dazu:
"Diese äusserst dünne, zähe Weidenart eignet sich auch ganz besonders zum Anbinden von Weinreben und Obstbäumen. Es dürfte sich aber empfehlen, das Wein- und Obstgärtner den Bedarf für Weinbergplantagen und Obstbaumschulen selbst anpflanzen, weil durch die Frachtkosten das an sich geringere Gewicht der Bindeweiden in vielen Fällen unnötig verteuert wird."
Für die Naturschäle sind Purpurweiden nicht geeignet. Die Rinde löst sich schlecht und das Holz ist selten reinweiss. Allenfalls ist Kochschälung dienlich, allerdings meist mit gelblich verfärbtem Holz. Nachträgliches Räuchern oder Färben kann hierbei in Erwägung gezogen werden (Ulbrich 1949).
DIE 'DICKS'
Salix purpurea 'Dark Dicks'
Salix purpurea 'Dicky Meadows'
Salix purpurea 'Green Dicks'
Salix purpurea 'Light Dicks'
Kultursorten GB ca. 1908 -- (Richard Meadows) GB-Lancashire
Verwendung: Flechtweide, (Grünholz-)Bindeweide
Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert war die Grafschaft Lancashire im Nordwesten von England bekannt für ihr Korbflechtgewerbe und die ausgedehnten Flechtweidenkulturen. Namentlich die Ortschaft Mawdesley mit ihren eher trockenen Ackerböden brachte besonders hochwertiges und zähes Flechtmaterial auf den Markt. So wurden auch die meisten Flechtweidensorten zuerst in Mawdesley auf ihre lokale Passung erprobt, um dann grossflächig in der Grafschaft angebaut zu werden.
Für die Feinflechterei wurden häufig Sorten der Purpurweide angebaut. Diese 'Dicks' gründen auf der legendären Sorte 'Red Bud' oder 'Old Dicks', welche auf 'Old Dick Meadow's Willow' zurückgeführt werden kann. Dick bzw. Richard Meadows lebte im frühen 19. Jahrhundert und war ein Mitarbeiter des Earl of Lathom. Zu seinen Aufgaben gehörte die Fertigung von grün verflochtenen Körben als Verpackungsmaterial für den Warenversand. Bei einer Pflanzenanlieferung fiel im eine funktionale, dünne Bindeweide um das Importgut auf. Er bewurzelte Steckhölzer jener Bindeweide und konnte alsdann Ruten mit den vorzüglichsten Bindeeigenschaften ernten (Dallimore 1908): 'Old Dick Meadow's Willow' war erschaffen!
Dünne Ruten von Purpurweiden für Binde- und Flechtarbeiten (engl. withies) werden im Nordwesten von England seit daher gemeinhin als 'Dicks' bezeichnet.
Kulturen der 'Dicks' sind eher moderat wüchsig und wenig konkurrenzfähig in Bezug auf die Unterdrückung von Beikräutern. Ellmore (1919) bemerkt dann auch die aufwändige Reinhaltung vor störenden Begleitpflanzen.
Wie alle Purpurweiden sind auch diese Kultursorten vor Wildverbiss und Mäusefrass gefeit.
Salix purpurea 'Dark Dicks' -- Dunkel violett gefärbte Ruten
Geschlecht: weiblich
Diese Sorte liefert bei jährlichem Rückschnitt reichlich violett überlaufene, dünne Ruten für die Gewinnung von feinem Flechtmaterial.
Salix purpurea 'Light Dicks' -- Blass violett gefärbte Ruten
Geschlecht: männlich
Auch diese Sorte liefert bei jährlichem Rückschnitt sehr viele schlanke Ruten, aber mit weniger auffälliger Färbung. Dafür werden im Frühling zahlreiche, äusserst dekorative Kätzchen entwickelt, was diesen männlichen Klon durchaus auch als kompakten Zierstrauch für kleinere Gärten interessant macht.
Salix purpurea 'Uralensis' -- Uralweide
Kultursorte D/A ca. 1880
Syn.: S. purpurea L. var. uralensis hort.
Syn.: Kordelweide, Spagatweide
Geschlecht: weiblich
Verwendung: (Grünholz-)Bindeweide, Flechtweide
Alte Kultursorte zum Binden und Flechten
Der Ursprung der Uralweide als Sorte ist Österreich und Schlesien zuzuschreiben. Die echte Form liegt im 1. Jahr nach der Pflanzung sternförmig auf dem Boden und strebt erst im zweiten Jahr in die Höhe. Der Ertrag an Masse ist eher gering ausfallend, dafür wächst sie auch auf eher trockneren Böden und liefert zahlreiche feine, äusserst zähe Ruten (Dochnahl 1887). Die Uralweide war deshalb eine sehr beliebte Bindeweide der Gärtnereien, Baumschulen und Weinberge; dies besonders in Westdeutschland und im Rheinland.
Baumschulist Gold aus Karstadt am Main (1937) unterstreicht die Eigenschaften dieser vorzüglichen Bindeweide:
"Wer längere Jahre in Baumschulbetrieben tätig war, weiss, was gute Weiden und ein guter Binder in der Versandzeit für Bedeutung haben. <...> Die dünnsten Bindeweiden erhält man von S. purpurea uralensis, sie wird nur 1 m hoch, bleibt sehr dünn und ist sehr zäh."
Eintrag erstellt: 14.07.2016/züm - Letzte Aktualisierung: 07.06.2017/züm