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| Augustinus (354-430) - Ausgewählte Briefe (Erster Teil)

Zweites Buch.
Briefe von Augustins Erhebung zur Bischofswürde bis zu seiner Disputation mit den Donatisten und der Entdeckung der pelagianischen Irrlehre in Afrika (396—410).
XLVIII. (Nr. 110.) An Severus
6.
Du willst nämlich, daß ich an dich einen ausführlichen Brief schreibe. Und ich muß gestehen, daß ich hierzu verpflichtet bin, da ich es deiner so freundlichen, aufrichtigen, unverfälschten Gesinnung schulde. Da du aber ein so großer Liebhaber der Gerechtigkeit bist, so bitte ich dich, es mir nicht übel zu nehmen, wenn ich dir von dieser deiner Geliebten etwas berichte. Du wirst einsehen, daß, was ich dir und anderen schulde, den Vorrang hat vor dem, was ich dir allein schulde. Die Zeit aber reicht mir nicht zu allem aus, bisweilen nicht einmal zu dem, was den Vorrang hat. Deshalb werden alle, die mir lieb und teuer sind — und unter ihnen nimmst du im Namen Christi eine der ersten Stellen ein —, sehr wohl daran tun, wenn sie nicht nur selbst mich nicht mit anderen Schreibereien belasten, sondern mit allem Ernst, der ihnen zu Gebote steht, und mit heiliger Liebe andere davon abhalten. Denn ich möchte mir nicht gern den Schein der Unfreundlichkeit zuziehen, indem ich die Wünsche einzelner unbefriedigt lasse, da mir mehr daran liegt, meine Pflicht gegen alle zu erfüllen. Da endlich, wie wir hoffen und wie uns versprochen ist, euer Ehrwürden zu uns kommen wird, so wirst du sehen, in welchem Maße ich mit wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt bin; um so angelegentlicher wirst du dann meine Bitte erfüllen, nämlich nach Kräften andere mir fernzuhalten, die mir noch mehr zu schreiben aufbürden wollen. Der Herr, unser Gott, erfülle dein so großes und heiliges Herz, das er selbst geschaffen hat, in seiner ganzen Tiefe, heiligster Herr!