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Klinik Schlosstal/ehemals Spinnerei im Schlossstil
Wieshofstrasse 102
8408 Winterthur
Anfangs 2005 wurde die Klinik Schlosstal nach einer längeren Umbauphase eingeweiht und wieder in Betrieb genommen. Die Gebäulichkeiten gegen auf Johannes Beugger zurück. Der Mechaniker, zuvor in der Spinnerei Hard beschäftigt, versuchte 1818 sein eigenes Glück. Er konzipierte eine Grossspinnerei als symmetrisches Schloss, dem er einen Park nach französischem Vorbild vorlagerte.
Bis 1871 wurde das Gebäude von Johannes Beugger als Spinnerei und Stickerei genutzt. 1833 ist Johannes Beugger mit einem Steuerbetrag von 187 Franken der grösste Steuerzahler der Gemeinde Wülflingen. 1855 bestand die Belegschaft in der Spinnerei aus 21 Knaben und 20 Mädchen unter 16 Jahren, 29 Männern und 35 Frauen sowie aus 5 Mechanikern. Der Tageslohn einer Spinnerin betrug 75 Rappen, der eines Kindes 40 Rappen. Ein Arbeitstag dauerte 13,5 Stunden. Der Beginn der Mechanisierung stürzte das Spinnereigewerbe in die Krise. Nach dem Tod von Johannes Beugger sen. übernahm dessen Sohn, Johannes Beugger jun. das Gewerbe. 1888 mussten die Industriellen, gezeichnet durch die damalige Wirtschaftskrise, den Konkurs anmelden. Der Staat Zürich übernahm die Liegenschaft und liess zuerst Wohnungen einrichten.
1892 teilte die Direktion der öffentlichen Arbeiten dem Gemeinderat Wülflingen mit, dass die ehemalige Spinnerei zur Pflege- und Versorgungsanstalt umfunktioniert werde. Die Stimmbürger des Kantons Zürich bewilligten einen Kredit von 610‘000 Franken. 1894 kamen die ersten 74 Patienten nach Wülflingen. Ende des Jahres zählte die „Kantonale Pflegeanstalt“ bereits 238 Patientinnen und Patienten. Im Volksmund spricht man noch lange von der „Anstalt“. 1955 zählte die Pflegeanstalt 310 Betten. 1965 wurde der Betrieb in „Kantonales Krankenheim Wülflingen (KHW)“ umbenannt. 1974 begannen die Arbeiten für einen Erweiterungsbau. Die Stimmbürger hatten hierfür einen Kredit von 27‘180‘000 Franken bewilligt. Die Erweiterung diente zur Aufnahme von weitern Betten, der Aktivierungstherapie, Wäscherei, Glätterei und einer Werkstatt sowie einer Cafeteria und eines grossen Unterhaltungssaals. 1978 wurde der Betrieb im Erweiterungsbau aufgenommen.
Bis Ende der 1990-er Jahre weisen immer mehr Bewohnerinnen und Bewohner nicht nur körperliche sondern auch psychische Krankheiten auf. 1998 verabschiedet der Zürcher Regierungsrat ein neues Psychiatriekonzept, das auf einer integrierten und vernetzten Psychiatrie basiert. Winterthur wird Modellregion für die Reorganisation. Das Krankenheim in Wülflingen wird zu einer psychiatrischen Klinik umfunktioniert.
Anfangs 2005 wurde die Klinik Schlosstal nach einer längeren Umbauphase in Betrieb genommen. Das ehemalige Krankenheim Wülflingen ist nun eine akutpsychiatrische Klinik. Der Umbau wurde nötig, da der Bettentrakt von 1975 den funktionalen, räumlichen und atmosphärischen Anforderungen der neuen Klinik nicht mehr genügt haben. Neu ist das Haus Rot, das in einen Aufenthalts- und Schlafbereich aufgeteilt ist. Der Schlafbereich mit den Patientenzimmern wurde belassen, jedoch saniert. Alle Räume sind so konzipiert, dass sie eine flexible Nutzung der Stationen ermöglichen. Die Bauarbeiten des Hauses Rot haben von Februar 2003 bis September 2004 gedauert und 16,1 Millionen Franken gekostet. Von Juli bis Dezember 2004 wurde das Haus Grün für die Bedürfnisse der Pflege und der behandelnden Ärzte umgebaut und saniert. Der Kredit von 2,85 Millionen Franken konnte eingehalten werden.
Das schöne Gebäude der heutigen Klinik Schlosstal, das nach aussen unverändert geblieben ist, erinnert weiterhin, wo vor 130 Jahren mit wagemutigem Unternehmergeist und unter grossen Schwierigkeiten Industrie-Geschichte geschrieben worden ist.
Die Integrierte Psychiatrie Winterthur bietet als einzige Klinik im Kanton Zürich ein spezifisches Betreuungsangebot für junge Erwachsene an. Dieses hilft 18- bis 25-Jährigen, den Schritt in die Unabhängigkeit zu schaffen. Mit ihrem Angebot nimmt die Klinik eine Vorreiterrolle ein.
Denn in diesem Alter sind die jungen Erwachsenen an einem wichtigen Punkt im Leben: Sie bauen sich ihre berufliche Identität auf, lösen sich von ihren Eltern und finden ihren Platz in der Gesellschaft. Gleichzeitig manifestieren sich in dieser Lebensphase viele psychiatrische Krankheiten. Trotzdem fehlt an vielen Orten die spezifische Betreuung. Die IPW hat seit sechs Jahren ein stationäres Programm speziell für junge Erwachsene aufgebaut. Auf der Psychotherapiestation hat es Platz für 16 Patienten. In diesem Alter ist meistens die letzte Chance, die Weichen nochmals neu zu stellen. Um die jungen Erwachsenen bestmöglich zu begleiten, bleiben die Patienten zwei bis drei Monate in der Klinik.
Um diesen Aufgaben weiterhin gerecht zu werden, soll die Klinik erweitert werden. Im Mai 2017 wurde bekannt, dass ein Neubau mit 124 Patientenbetten erstellt werden soll. Das St. Galler Architekturbüro Bollhalder Eberle hat den Projektwettbewerb mit einem Kostendach von 62 Million Franken gewonnen. Der Bezug wird 2022 möglich sein.