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Zuweiser
Im Jahre 1877 sah es im Spitalwesen Graubündens noch recht kümmerlich aus. Das einzige, was man hatte, war das Churer Stadtspital, das alte Kreuzspital des Paters Theodosius Florentini und das Benersche Krankenasyl «auf dem Sand». Das Ehepaar Planta gründete im Jahr 1877 das Planta-Spital in Fürstenau. Leider sahen sich die Gründer im Herbst 1895 wegen mangelhafter Frequenzen gezwungen, den Betrieb einzu-stellen. Doch der Gedanke an ein ländliches Spital war in der Region geweckt und schlief nicht mehr ein.
Die Initianten der Errichtung eines Spitals in Thusis waren Dr. iur. J. Danuser, J.P. Hunger und Joh. Donatz, die mit den damaligen Thusner Ärzten Dr. med. E. Schreiber und Dr. Jul. Gilli zu Rat gingen, wie der Gedanke der Gründung eines Spitals in die Tat umzusetzen wäre.
Unter den Talgemeinden am Hinterrhein wurde ein Konsortium gegründet. Die erste konstituierende Generalversammlung fand am 22. März 1911 statt. Am 1. November 1912 konnte das neue Krankenhaus in Betrieb genommen werden.
Das neue Krankenhaus wurde von der Bevölkerung sofort rege in Anspruch genommen. Der Platz wurde schon bald knapp und eine Erweiterung der bestehenden Gebäude musste geplant werden.
Kurz vor Weihnachten 1930 konnte der neue Anbau dem Betrieb übergeben werden. Die Patientenzimmer verfügten erstmals über fliessendes Kalt- und Warmwasser. Dazu konnten die ersten Patienten-telefone in Betrieb genommen werden. Doch auch mit diesen neuen räumlichen Verhältnissen kam das Spital rasch an seine Kapazitäts-grenzen.
Von 1948 bis 1957 wurde etappenweise ein Neubau erstellt und in Betrieb genommen. Dieser Neubau enthielt eine neue Wäscherei und Lingerie, eine neue Röntgenabteilung, eine neue Operationsabteilung, eine Wöchner-innenabteilung, eine Spezialabteilung für Tuberkulose-Patienten, ein Laboratorium und Räume für physikalische Therapie. So war man gut gerüstet für die vielen zusätzlichen Patienten aus den etlichen Kraftwerk-baustellen in der Region.
Bis im Jahre 1938 wurde der Betrieb des Spitals von Thusner Hausärzten und von Ordensschwestern geführt und geleitet. Der erste Chefarzt, Dr. P. Steiner, nahm Anfangs 1939 seine Tätigkeit auf und blieb bis 1962 in seinem Amt. Erst danach kam ein Arzt der Inneren Medizin dazu – jedoch vorerst nur konsiliarisch. Bis dahin wurde die Verwaltung durch den Chefarzt und die Oberschwester geführt.
Erst im Jahre 1963 wurde der erste Verwalter angestellt. Kurze Zeit später, im Jahre 1968, trat S. Zuccolini seine Tätigkeit an, welche er als Spitaldirektor und Baudelegierter bis ins Jahr 2008 fortführen sollte. Seit 2009 ist Reto Keller Spitaldirektor.
Im Jahre 2002 endete auf der Inneren Medizin die Ära von Dr. Urs Peter Veragut. Auf Dr. Urs Peter Veragut folgte Dr. Renato Cantieni. Fast 20 Jahre lang hat er das Spital Thusis als Chefarzt und Mitglied der Geschäftsleitung mitgeprägt. Nach der Pension von Dr. Renato Cantieni im April 2021 übernahm Dr. Annett Schiefer seine Tätigkeit als Chefärztin Innere Medizin und Kardiologie.
1990 wurde dem damaligen Chefarzt Dr. Domenic Scharplatz ein zweiter Chirurge, Dr. Jonas Barandun zur Seite gestellt. 2006 folgte auf Dr. Domenic Scharplatz Dr. Jonas Barandun als Chefarzt Chirurgie und 2016 Dr. Dirk Mewes auf Dr. Jonas Barandun.
Anfangs der Achtzigerjahre hatte sich der medizinische Fortschritt so weit entwickelt, dass das Spital Thusis die Bedürfnisse von Patienten und Personal nicht mehr vollumfänglich erfüllen konnte. Es brauchte von allen Beteiligten enorm viel Geduld und Durchhaltewillen, um das längst fällige Bauprojekt verwirklichen zu können.
Zwischen 1991 und 1996 wurde das Gebäude an der Front entlang der Alten Strasse umgebaut und beherbergte neu die Notfallabteilung, die Gebärabteilung, den Wachsaal, die Apotheke und verschiedene Büros. Dahinter wurde ein neues Gebäude in V-Form angebaut. Dort wurden die Bettenstationen, die Operationsabteilung, Röntgen, Labor, Physiotherapie, Cafeteria und technische Räume untergebracht. Unterhalb des Parkdecks wurde ein Geschütztes Notspital erstellt.
Der Um- und Neubau kann auch heute noch als äusserst gelungen betrachtet werden. Die Bezeichnung Jahrhundertbauwerk war sicher nicht übertrieben. Freundliche und funktionelle Räumlichkeiten bieten seither Patienten und Mitarbeitenden eine angenehme Atmosphäre im Spital.
Im Jahre 2010 wurde dank eines Computertomographen eine noch exaktere Röntgendiagnostik möglich. Als erstes Bündner Regionalspital konnte eine Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital Graubünden in Chur im Bereich Computertomographie vereinbart werden. Seither werden die Aufnahmen vom Röntgeninstitut des Kantonsspitals ausgewertet. Anfangs 2019 wurde der Computertomograph durch ein Gerät der neuesten Generation ersetzt. Im August 2020 wurde zusätzlich ein MRT in Betrieb genommen, womit sich das Spital verstärkt im Bereich Orthopädie und Sportmedizin positionieren konnte.
Die Geburtsabteilung des Regionalspital Thusis erfreute sich einer grossen, stetig wachsenden Beliebtheit und wurde 2012 modernisiert. Die Hebammen umsorgen, beraten und begleiten Mutter und Kind kompetent während der Schwangerschaft, Geburt und auch im Wochenbett. Die Geburtsabteilung hat sich über die Region hinaus einen Namen gemacht. Die persönliche Atmosphäre wird von werdenden Eltern sehr geschätzt.
Im Jahre 2015 wurde der Operationsbereich komplett umgebaut und ein neuer Operationssaal integriert. Gleichzeitig wurden die Patientenzimmer im 3. Stock sanft renoviert.
Nachdem der bisherige Helikopterlandeplatz am Boden direkt neben dem Spital den Anforderungen des Bundesamtes für Zivilluftfahrt und der Schweizerischen Rettungsflugwacht (Rega) nicht mehr entsprach, musste ein neuer Landeplatz projektiert werden.
Die Verantwortlichen entschieden sich für eine Stahlplattform oberhalb des bestehenden Parkdecks des Spitals. Im Dezember 2017 konnte der neue Landeplatz in Betrieb genommen werden. Drei Jahre später, im Dezember 2020, wurde der Raum unterhalb des Heliports umfunktioniert in den Stützpunkt der Rettung Mittelbünden und in dringend benötigte zusätzliche Räumlichkeiten für das Spital.
Im 2018 wurde das Angebot der Physiotherapie durch eine medizinische Trainingstherapie (MTT) ergänzt. Das MTT erfreut sich seither stets steigender Beliebtheit und wird dementsprechend rege genutzt, sei es zur Therapie oder auch zur Prävention.
Die politisch gesteuerte Verlagerung vom stationären in den ambulanten Bereich hatte auch Konsequenzen für die sowieso schon engen Platzverhältnisse im Spital Thusis. Die erbrachten ambulanten Leistungen hatten sich in den vorangegangenen Jahren mehr als verdoppelt. Im Dezember 2018 wurde die neuorganisierte Notfallstation mit integrierter Tagesklinik eröffnet. Seither ermöglichen neue Strukturen die Betreuung von Patienten und Angehörigen in privater Atmosphäre, resp. in zehn grosszügigen, hellen Patientenkojen mit Sicht- und Hörschutz sowie multifunktionalen Behandlungsräumen.
Im Sommer 2019 fusionierten die Spitex Viamala und das Spital Thusis. Der operative Betrieb startete am 01. Januar 2020.
Im November 2019 haben sich die Rettung Surses des Centers da Sanadad Savognin und der Rettungsdienst Spital Thusis zusammengeschlossen. Durch diesen Zusammenschluss ist die «rettung mittelbünden» entstanden, welche für das grösste Gebiet im Kanton Graubünden zuständig ist und in Savognin, Tiefencastel, Lenzerheide und in Thusis einen Stützpunkt hat.
Der Bereich Orthopädie wurde in Thusis lange Jahre durch externe Ärzte abgedeckt. Seit 2020 verstärkt Dr. Martin Maleck als Chefarzt Orthopädie und Sportmedizin das Ärzteteam. Im selben Jahr wurde das Zentrum für Leistungsdiagnostik und Sportmedizin (Zels) im Spital Thusis eröffnet. Es ist die erste Anlaufstelle für Breiten-, Nachwuchs- und Spitzensportler – sei es zur professionellen Leistungssteigerung, zur gesundheitlichen Vorsorge oder zur Behandlung und Betreuung nach einer Sportverletzung.
Gesunde Menschen besuchen das Zels zur Prävention, zum Check-Up, für die Leistungsdiagnostik, zur Trainings- oder Ernährungsberatung. Verunfallten bietet das Zels eine erstklassige Primärversorgung, Untersuchungen, Diagnostik, Sportorthopädie, Rehabilitation und die Rückführung in den Sport.
Der Exekutivrat von Swiss Olympic hat dem Spital Thusis und dem Zels (Zentrum für Leistungsdiagnostik und Sportmedizin) das Label «Sport Medical Base approved by Swiss Olympic» per 1. Januar 2023 für 4 Jahre bis am 31. Dezember 2026 zugesprochen.
Durch die Fusion mit der Spitex Viamala, dem Zusammenschluss der Rettungsdienste Center da Sanadad Savognin SA und Spital Thusis zur rettung mittelbünden und den neu durch die Stiftung geführten Arztpraxen Spada Andeer und Kinderarztpraxis Feldstrasse Thusis wurde die Stiftung Spital Thusis deutlich grösser und vielfältig.
Im Juni 2022 wurde der Stiftungsname von «Spital Thusis» in «Gesundheit Mittelbünden» geändert. Die bestehenden Marken werden beibehalten, resp. als «Angebote der Stiftung Gesundheit Mittelbünden» geführt.