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Wenn Sie eine Flora-Reise im Atlantischen Regenwald vom Nordosten bis zum Süden Brasiliens machen würden – entlang der Küste und über die Hochebenen des Interiors – dann würden Sie nicht nur die schöne Landschaft des Atlantischen Regenwaldes bewundern, sondern auch eine Reihe von Varianten, die unter solchen Bezeichnungen wie “Ombrófila Densa” (dichter Wald mit permanenter Belaubung), “Ombrófila Mista” (Mischwald mit permanenter Belaubung), “Estacional Semidecidual” (Montaner Wald, der in der Trockenperiode die Hälfte seiner Blätter abwirft), “Estacional Decidual” (Montaner Wald, der alle Blätter abwirft) bekannt sind – und desweiteren Ökosysteme, die assoziiert sind mit Bergsavannen, Mangrovewäldern, Restingas, Inlandssümpfen und Meeresinseln.
Solche Vielfalt erklärt sich aus einer grossen Zahl verschiedener Ökosysteme, die innerhalb seiner riesigen Ausdehnung existieren, deren ökologische Prozesse miteinander verlinkt sind und sich den klimatischen Charakteristika der Regionen angepasst haben, in denen sie vorkommen – gemeinsam sind ihnen die feuchten Winde, die vom Meer herauf wehen. Und die öffnen den Tieren die Wege, favorisieren den genetischen Fluss der Spezies und provozieren die ökologischen Spannungen dort, wo die unterschiedlichen Ökosysteme aufeinander treffen und sich verändern.
Es ist nicht schwer zu verstehen, warum sich der Atlantische Regenwald in so unterschiedlichen floristischen Strukturen und Kompositionen präsentiert. Als einer der an Biodiversifikation reichsten Waldgebiete der Erde, hält dieses Biom den Weltrekord an verholzenden Pflanzen (Angiospermas) pro Hektar (450 Arten im Süden Bahias), zirka 20.000 vegetative Arten – davon sind 8.000 endemisch. Und um eine ungefähre Vorstellung davon zu bekommen, was diese Zahlen bedeuten: Man schätzt die Arten ganz Nordamerikas auf 17.000 – ganz Europas auf 12.500 – und ganz Afrikas auf 40.000 bis 50.000.
Als Mitwirkende an der hochgradigen Zerstörung des Atlantischen Regenwaldes – heute reduziert auf 7% dws ursprünglichen Bestandes – sind ausserdem zu nennen: die Expansion der Industrie, der Landwirtschaft, des Tourismus und der Urbanisation, die nicht auf die Erhaltung der Natur abgestimmt sind, sondern die Verschmutzung und Entstellung weiter Flächen an Biodiversifikation und einen möglichen Verlust bekannter und wissenschaftlich noch unbekannter Arten verursachen, die die Qualität und Quantität des Wassers von Quellen und Flüssen beeinflussen, die Fruchtbarkeit des Bodens, und sogar die Charakteristika des Mikro-Klimas – und tragen so ihren Teil zum Problem der gobalen Erwärmung bei. Die beschämenden Zahlen der Zerstörung des Atlantischen Regenwaldes demonstrieren deutlich die Defizienz der brasilianischen Politik zur Erhaltung der Natur sowie die prekäre Situation entsprechender Überwachungs- und Kontrollsysteme.
Eine definitive Einstellung sämtlicher Entwaldung des Bioms würde die Einführung von Naturschutzkriterien in allen Bereichen humaner Aktivitäten voraussetzen – eine kollektive Anstrengung der Industrie, des Handels, der Landwirtschaft und des Energiesektors hinsichtlich der Einführung neuer Produktionsmodelle, die der Umwelt weniger Schaden zufügen – aber auch die Beteiligung der Regierung durch den Einsatz einer effektiven ambientalen Kontrolle und der Erarbeitung und Erfüllung entsprechender Gesetze – und schliesslich wäre auch die Mitarbeit der Bürger unumgänglich, indem sie den Regierenden mit ihren Naturschutzforderungen in den Ohren liegen, sich mobilisieren zur Erhaltung des Waldes und der Wiederaufforstung der zerstörten Areale.
Übrigens bietet der Atlantische Regenwald Möglichkeiten zu wirtschaftlichen Aktivitäten, ohne umweltzerstörende Konsquenzen – und und einigen Fällen können sie auch Gewinne für lokale und traditionelle Kommunen einbringen. Beispiele sind die Nutzung von Pflanzen zur Produktion von Heilmitteln, Rohstoffe zur Herstellung von Bekleidung, Farbstoffe, Parfum-Essenzen, Säfte für die Nährmittelindustrie, und auch die Fällung von Bäumen nach der selektiven Methode zur Produktion von zertifizierten Möbelstücken, der Ökotourismus und in jüngster Zeit auch der “Mercado de Carbono“ (Emissionsrechte-Handel – ein umweltpolitisches Instrument, das darauf abzielt, Schadstoffemissionen (CO2) weltweit zu reduzieren – nach dem Kyoto-Protokoll von 1997).
Die Anstrengungen, Regionen wieder aufzuforsten, die ehemals vom Atlantischen Regenwald bedeckt waren, werden von der Abteilung zur Förderung des Waldes der Stiftung “SOS Mata Atlântica“ angeführt. Gegenwärtig sind die Programme “Clickarvore“ und “Florestas do Futuro“ im Umlauf, sowie die Implantierung von Baumschulen in den einzelnen Kommunen.