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Zum Sozialverhalten von Hunden in einem Tierheim mit Gruppenhaltung unter spezieller Berücksichtigung des Eingliederungsprozesses
Diplomarbeit von Sonja Sonderegger
Zoologisches Institut der Universität Zürich
Abteilung Ethologie und Wildforschung
Winterthurerstrasse 190
CH - 8057 Zürich
ausgeführt unter der Leitung von Dr. D. C. Turner, bei Prof. Dr. H. Kummer, August 1994
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Die Diplomarbeit kann bei
Sonja Doll Hadorn unter <email-pii> bestellt werden; sie kostet sFr. 30.— zuzüglich sFr. 5.— Versandspesen (für Lieferungen in der Schweiz; andere europäische Länder: Versandspesen sFr. 10.—).
Zum Inhalt der Arbeit
Mit ethologischen Methoden wurde die Einführung von 68 Hunden in die gemischtgeschlechtliche Großgruppe eines Hundeferienheimes sowie ihr späteres Verhalten im Auslauf untersucht. Von primärem Interesse war hierbei, a) ob anhand von Verhaltensänderungen während der 1. Woche des Heimaufenthaltes ein Eingliederungsprozess nachgewiesen werden kann, und b) ob das von den Hunden unmittelbar nach ihrem Eintritt ins Heim gezeigte Verhalten eine Prognose bezüglich ihres Verhaltens während des anschließenden Eingliederungsprozesses zulässt. Letzteres würde dem Pfleger ein frühzeitiges Ergreifen geeigneter Maßnahmen ermöglichen, um den Eingliederungsprozess der Tiere zu verkürzen und ihr Sozialverhalten in vom Heim erwünschte Bahnen zu lenken.
Des weiteren wurden Faktoren behandelt, welche das Eingliederungsverhalten der Hunde beeinflussen könnten, wie c) das Geschlecht und das Alter, oder d) die Heimerfahrung.
Da bei der Gruppenhaltung dem Verhalten des Pflegers beim Überwachen der Hunde im Auslauf eine sehr hohe Bedeutung zukommt, wurde mittels eines Experimentes untersucht, inwiefern das Verhalten des Pflegers das Verhalten der Hunde beeinflusst.
a) Anhand der am 7. Tage des Heimaufenthaltes gefundenen Verhaltensänderungen gegenüber dem Verhalten am Eintritts- und am darauf folgenden Tag konnte ein Eingliederungsprozess bestätigt werden. Sowohl Hündinnen wie Rüden empfingen eine Woche nach ihrem Eintritt von ihren Artgenossen deutlich seltener Sozialverhalten und richteten tendenziell öfter interaktionsinitiierende Verhaltensweisen an den Menschen. Hündinnen waren deutlich bewegungsaktiver geworden und initiierten signifikant mehr Interaktionen mit Artgenossen. Dem gegenüber zeichnete sich bei Rüden eine signifikante Abnahme der Bewegungsaktivität ab, ebenso sank die Zahl der durch sie initiierten Interaktionen mit anderen Hunden.
b) Zur Beantwortung dieser Frage wurden die 68 beobachteten Hunde qualitativ aufgrund ihres Interaktionsverhaltens während der ersten 2 Tage des Eingliederungsprozesses in 4 Kategorien eingeteilt. Diese hießen "Hunde-orientiert", "Menschen-orientiert", "Hunde- & Menschenfreundlich" und "Asozial".
Davon unabhängig erfolgte eine analoge Gruppierung der Hunde aufgrund der statistischen Analyse ihres Verhaltens während der ersten 10 min ab Eintritt in den Auslauf des Heimes. Für jedes Tier wurde die aus der Analyse resultierende Gruppenzugehörigkeit mit der qualitativen Kategorieeinteilung verglichen.
Während der Minuten 0-5 ab Eintritt wurden die Hunde vom Pfleger an der Leine geführt. Die das Verhalten dieser Zeit bearbeitende Analyse führte zu einer Gruppeneinteilung, welche mit der Kategorieeinteilung zu 78% übereinstimmte.
Während der Minuten 6-10 ab Eintritt konnten sich die Hunde frei bewegen. Die aus der 2. Analyse resultierende Gruppeneinteilung ergab eine Übereinstimmung mit der Kategorieeinteilung von 82%.
Etwa die Hälfte der aus den Analysen hervorgegangenen Fehlzuordnungen liessen sich auf den Ablauf des statistischen Testverfahrens zurückführen, die restlichen Fälle waren verhaltensbegründet. Fehlzugeordnet wurden vor allem Tiere aus der Verhaltenskategorie "Hunde- & Menschenfreundlich", jener Kategorie also, die für das Heim ohnehin unproblematisch ist. Das Einschätzen von Hunden aufgrund ihres Verhaltens während der Eintrittssequenz scheint demnach eine durchaus praktikable Methode.
c) Des Weiteren wurde untersucht, ob sich bezüglich der vier Verhaltenskategorien geschlechts- oder altersspezifische Verteilungsmuster erkennen ließen. Dabei zeigte sich, dass die größte Kategorie, "Hunde-orientiert", fast alle intakten Rüden der Stichprobe, aber nur sehr wenige weibliche Tiere umfasste. Dem gegenüber standen die etwa gleich starken, zur Hauptsache aus intakten und kastrierten Hündinnen bestehenden Kategorien "Menschen-orientiert" und "Hunde- & Menschenfreundlich". Die Kategorie "Asozial" war am schwächsten vertreten und beinhaltete keinen einzigen intakten Rüden.
Daraus lässt sich schließen, dass intakte Rüden zu Beginn ihres Eingliederungsprozesses sehr stark auf ihre Artgenossen fixiert sind, wohingegen sich weibliche Hunde mehr an den Pfleger halten oder sich sozial ganz zurückziehen. Ein altersabhängiges Verteilungsmuster der 68 Hunde auf die 4 Verhaltenskategorien konnte nicht nachgewiesen werden.
d) Ein qualitativer Vergleich zwischen erstmaligen Besuchern des Ferienheimes und Tieren mit Heimerfahrung über die Minuten 11-15 der Eintrittssequenz ergab, dass "Erfahrene" in ihrem Verhalten weniger Anzeichen von Stress erkennen ließen, mehr Sozialkontakte mit Artgenossen initiierten und mehr Erkundungsverhalten zeigten als "Neulinge". Dies spricht dafür, dass sich Hunde, welche die Einführung in die Großgruppe des Heimes nicht zum ersten Mal erleben, rascher eingliedern.
In einem Experiment wurden die an den Menschen gerichteten sozialen Verhaltensweisen der Hunde während zwei, sich im Verhalten der Pfleger unterscheidenden Testsituationen erfasst ("Neutral versus Normal"). Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass interaktionswillige Hunde, welche bei ihren ersten Interaktionsversuchen vom Pfleger ignoriert wurden, zu einem späteren Zeitpunkt eine erneute Begegnung mit dem Pfleger suchten und dabei zu intensiveren Formen der Kontaktaufnahme neigten.
Es wurden mehrere zusätzliche Untersuchungen zu Geschlechtsunterschieden durchgeführt.
Im qualitativen Verhaltensvergleich zwischen intakten und kastrierten Hündinnen wirkten die intakten Tiere aktiver und selbstsicherer im Umgang mit Artgenossen und wurden von den Rüden intensiver umworben und bewacht. In der auf den Eintritt folgenden sozialen Stresssituation schienen sie etwas erregter als die Kastratinnen. Durch die Kastration scheint eine Hündin also allgemein ruhiger und sozial passiver, für Rüden aber auch weniger attraktiv zu werden.
Im Vergleich zu Hündinnen zeigten sich Rüden signifikant bewegungsaktiver und inter-aktionsfreudiger, richteten ihr Sozialverhalten aber deutlich seltener an den Menschen. Sie waren signifikant seltener Empfänger sozialer Verhaltensweisen von Artgenossen als weibliche Tiere. Diese Befunde decken sich weitgehend mit den Ergebnissen bezüglich des geschlechtsspezifischen Verteilungsmusters auf die Verhaltenskategorien. Die unterschiedliche soziale Situation der Geschlechter in der Gruppe erklärt auch, weshalb sie beim Eingliederungsprozess verschiedene soziale Verhaltensmuster zeigten.
Ein weiterer Geschlechtsunterschied konnte beim Einfluss des Alters auf die Zahl der Sozialkontakte nachgewiesen werden. Während Hündinnen mit zunehmendem Alter sowohl weniger Sozialkontakte von Artgenossen empfingen als auch selbst initiierten, konnte bei älteren Rüden gegenüber ihren jüngeren Geschlechtsgenossen lediglich ein signifikanter Rückgang beim Empfangen von sozialen Verhaltenselementen verzeichnet werden. Die trotz zunehmendem Alter hohe Motivation der Rüden, Sozialkontakte zu initiieren, könnte allerdings in der Anwesenheit läufiger Hündinnen im angrenzenden Gehege begründet sein.