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| Augustinus (354-430) - Ausgewählte Briefe (Erster Teil)

Zweites Buch.
Briefe von Augustins Erhebung zur Bischofswürde bis zu seiner Disputation mit den Donatisten und der Entdeckung der pelagianischen Irrlehre in Afrika (396—410).
XLIII. (Nr. 95.) An Paulinus und Therasia
7.
Da aber auch du eine Frage an mich gerichtet hast, was ich über die Auferstehung der Körper und über den Gebrauch der Glieder in jenem zukünftigen Leben der Unsterblichkeit und Unverweslichkeit meine, so vernimm in Kürze, was ich hierüber denke; es wird sich, wofern dies nicht genügt, mit Gottes Hilfe noch weiter hiervon reden lassen. Vor allem muß man festhalten, daß nach der wahrhaften und klaren Darstellung der Heiligen Schrift1 die sichtbaren und irdischen Körper, die man jetzt tierische nennt, bei der Auferstehung der Gläubigen und Gerechten geistige sein werden. Da wir aber über die Beschaffenheit eines geistigen Körpers keine Erfahrung besitzen, so sehe ich nicht ein, wie man sie sich vorstellen oder begreiflich machen kann. Sicherlich wird da keine Verwesung mehr sein, und deshalb werden diese geistigen Leiber auch der verweslichen Speise nicht bedürfen, die sie jetzt nötig haben. Jedoch werden sie nicht unfähig sein, solche zu sich zu nehmen und in Wahrheit zu verzehren; sie werden hierzu befähigt, aber nicht genötigt sein. Sonst hätte auch der Herr nicht nach seiner Auferstehung Speise zu sich genommen und uns so ein Vorbild der leiblichen Auferstehung gezeigt, weshalb der Apostel sagt: „Wenn die Toten nicht auferstehen, so ist auch Christus nicht auferstanden“2. Da er mit allen Gliedern erschien und von ihnen Gebrauch machte, so hat er auch seine Wundmale gezeigt. Ich habe darunter immer die Narben, nicht die Wunden selbst verstanden und immer geglaubt, daß er sie tragen konnte, nicht tragen mußte. Mit welcher Leichtigkeit er über seinen Leib gebot, hat er besonders bewiesen, als er in fremder Gestalt erschien und den bei verschlossenen Türen im Hause befindlichen Jüngern wahrhaft erschien.
1: 1 Kor. 15, 44.
2: Ebd. 15, 16.