Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03512.jsonl.gz/1673

Meine Ehefrau
Trudi Jäger 21-jährig
Trudi kam 1951 in der elterlichen Wohnung zur Welt, als 3. von fünf Kindern, am Zehntenhausplatz in Zürich, im Haus neben dem Restaurant Löwen im 2. Stockwerk. In der Dreizimmer-Wohnung lebten ihre Eltern, die Eltern ihrer Mutter (sie 75, er 79), die 10 Jahre ältere Schwester sowie der 8 Jahre ältere Bruder. Die beiden Ehepaare belegten je ein Zimmer, die Schwester schlief in der Nachbarwohnung, für den Bruder war im Wohnzimmer eine ausziehbare Couch und Trudi kam ins Kinderbettchen im Eltern-Schlafzimmer. Im Erdgeschoss war ein Detailhandel-Ladengeschäft ohne Frischprodukte. Im Ersten Stockwerk wohnte die Gotte von Trudi.
Gekocht wurde mit Gas, die Küche noch ohne Kühlschrank. Zum Heizen mit Holz und Briketts stand ein Ofen im Wohnzimmer zur Verfügung. Die eigene Toilette war im Treppenhaus. Im Keller befand sich eine Waschküche mit Holzfeuer, in einem kleinen Nebenraum stand eine Badewanne mit Füssen.
Der Vater arbeitete als Lastwagenfahrer bei der Holz- und Kohle-Handlung Humm gleich nebenan, die Mutter hatte eine Zeitungs-Verteil-Tour frühmorgens. 1953 verstarb der Grossvater in der Wohnung an einem Herzschlag. Nach der Geburt einer weiteren Schwester erfolgte 1957 der Umzug in eine 4-Zimmerwohnung einer Baugenossenschaft in Zürich-Affoltern. Drei Jahre später kam noch eine dritte Schwester dazu. Die Grossmutter war inzwischen in der pflegenden Obhut einer anderen Tochter an der Limmatstrasse in Zürich, wo sie 1961 verstarb.
Nach der Schule begann Trudi eine Lehre als Damen-Schneiderin in einem Atelier für Haute Couture am Zeltweg in Zürich-Hottingen bei einer alleinstehenden älteren Frau, bis sie deren Willkür nicht mehr ertrug und der Ausbildung fernblieb. Durch eine Schulkollegin wurde sie in die Kinderabteilung vom Warenhaus Globus vermittelt und erhielt einen Vertrag. Dort, an der Bahnhofstrasse im Neubau am Löwenplatz konnte sie nebst dem Verkauf auch in der internen Schneiderei mitarbeiten.
Der 55-jährige Vater der 17-jährigen Trudi verstarb 1968 nach kurzem Spitalaufenthalt an einem Krebsleiden. Trudi, welche seit ihrer Kindheit für die Familie kochen musste, hatte schon früh einen Mutter-Pflichten für die beiden jüngeren Schwestern übernehmen müssen. Fünf Jahre später erlitt die Mutter während der Arbeit beim Putzen von Büros einen leichten Schlaganfall, wurde hospitalisiert an anschliessend zur Kur geschickt. Die beiden minderjährigen Schwestern kamen während dieser Zeit je zu den älteren Geschwistern, die bereits verheiratet und ausgezogen waren.
Weil Trudi anders wie im Verkauf am Samstag frei haben wollte, besuchte sie einen Schreibmaschinenkurs und kam 1970 durch eine Stellenvermittlung an eine Bürostelle in einer amerikanischen Firma, die aber ein Jahr später ihre Niederlassung schliessen liess. Von einer ehemaligen Arbeits-Kollegin wurde sie 1971 ohne Unterbruch nach Schlieren zur Helvetia-Unfall geholt als Sachbearbeiterin.
1972 heiratete Trudi ihren Schulfreund, wollte sich aber bereits nach einem Jahr wieder scheiden lassen, was dann 1975 auch der Fall war, kinderlos und in gegenseitigem Einvernehmen. Er arbeitete damals, bevor er später Taxihalter in der Stadt Zürich wurde, bei Autozubehör Derendinger als Chauffeur und vermittelte Trudi die selbständige Führung vom Rechnungsbüro dieses Betriebes in Zürich-Oerlikon. 1973 wurde sie von dort durch ihre Schwägerin zum doppelten Lohn zur Wirtschafts- und Privatbank beim Stauffacher in Zürich geholt, wo auch ich arbeitete und wir uns kennen lernten.