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Der Fax war an die WoZ adressiert und wurde von der WoZ an die Schweizer Medien weitergeleitet: Der ehemalige jüdische Flüchtling Joseph Spring in Melbourne teilte der Öffentlichkeit mit, er sei «erstaunt und gerührt», «dass eine Anzahl von Schweizern so entrüstet über das Urteil des Bundesrates in meinem Fall sind, dass sie aus eigener Tasche Spenden für mich gesammelt haben». Trotzdem, «und in aller Dankbarkeit», schrieb Spring, «möchte ich ausdrücklich erklären, dass es mir darum geht, Gerechtigkeit zu erwirken. Ich bin, Gott sei Dank, nicht auf Spenden angewiesen, so sehr mich die Gesten der Schweizer Bevölkerung auch berühren. Ich bitte darum, die für mich gesammelten Spenden jemandem zukommen zu lassen, der sie wirklich braucht.»
Joseph Spring, der in Melbourne mit seiner Frau ein kleines Reisebüro betreibt, war im November 1943 zusammen mit zwei Cousins von Schweizer Beamten an die Nazis übergeben und als Jude denunziert worden. Er überlebte Auschwitz und andere Lager, seine Cousins wurden ermordet. Im Januar 1998, nachdem die WoZ im Bundesarchiv einen schriftlichen Beweis für die Ausschaffung gefunden hatte, verlangte Spring über seinen Anwalt, den St. Galler SP-Nationalrat Paul Rechsteiner, vom Bundesrat eine finanzielle Wiedergutmachung von 100000 Franken. Am 22. Mai lehnte der Bundesrat mit vier gegen drei Stimmen jede Zahlung ab.
Zwei Tage nach diesem Regierungsentscheid organisierten die NationalrätInnen Lili Nabholz und François Loeb im Bundeshaus eine Spendensammlung, die sich zwar des Namens Spring bediente und auf seinen Fall bezog, doch die Spenden – Taggelder von rund 100 RätInnen – sollten nicht etwa an Spring selber überwiesen werden, sondern an die Stiftung «Fonds für Menschlichkeit und Gerechtigkeit» des Basler SP-Ständerates Gian-Reto Plattner. Spring, so hiess es in der Erklärung der ParlamentarierInnen, könne dann «bestimmen, wem diese Mittel zukommen», und er solle – «sofern möglich» – die Spende «persönlich überbringen». Ob ihm das passe, wurde er gar nicht erst gefragt. Eine Woche nach dieser Aktion, die rund 30 000 Franken einbrachte, richtete auch die Freiburger Tageszeitung «Liberté» ein Spendenkonto ein – diesmal allerdings wirklich für Joseph Spring; Leute aus dem Volk, so ein Aufruf in der «Liberté», sollten freiwillig bezahlen, was der Bundesrat dem ehemaligen Flüchtling verweigere.
Nach Springs Fax an die Schweizer Medien ist die Freiburger Sammlung abgebrochen worden. Auch die ParlamentarierInnen erhielten eine Absage aus Melbourne. Seine Teilnahme bei der Verteilung des Geldes würde nur Verwirrung darüber stiften, was er wirklich wolle, schrieb Spring an Gian-Reto Plattner, daher müsse er sie «mit allem Respekt» ablehnen, und: «Als Mitglied des Fonds für Gerechtigkeit und Menschlichkeit werden Sie, so hoffe ich, mit mir übereinstimmen, dass aus der Gerechtigkeit für das Individuum die Gerechtigkeit für die Allgemeinheit entsteht.» Spring wird die Schweizer Regierung vor Bundesgericht verklagen.