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|Abt Gozbert (816-837)

Abt Gozbert
Gozbert, 816-837. Gozbert entstammte wahrscheinlich einem Geschlecht aus dem Thurgau. Als Mönch von St. Gallen ist er urkundlich 798 als Diakon, 811 als Priester und zwischen 813 und 816 als Dekan belegt. Als Abt urkundet er erstmals im Mai 816. Er wurde wohl kurz vorher gewählt. Es gelang Gozbert, die Abhängigkeit des Klosters vom Bistum Konstanz zu lockern. Am 3.6.818 erhielt er von Kaiser Ludwig dem Frommen ein Immunitätsprivileg. Ludwig der Deutsche bestätigte am 19.10.833 die Immunität und die freie Abtswahl. Bis 854 mußte das Kloster zwar noch einen jährlichen Zins von einer Unze Gold und einem Pferd im Wert von einem Pfund an Konstanz bezahlen. Gozberts Sorge galt vor allem dem Grundbesitz. Während seiner Regierungszeit stieg die Zahl der Schenkungen stark an.
Er war bestrebt, entfremdeten Klosterbesitz zurückzugewinnen, wozu er auch Reisen an den Kaiserhof, beispielsweise im Jahre 821, nicht scheute. Er begann, die Verwaltung der Klostergüter zu zentralisieren und sie durch vermehrte Reisetätigkeit selbst oder durch seine Offizialen zu kontrollieren. Er reformierte auch das Urkundenwesen, fortan waren nur mehr wenige Urkundenschreiber tätig: es läßt sich feststellen, daß mit diesem Amt öfters der Aufstieg innerhalb der Klosterhierarchie begann. Unter Gozbert wird St. Gallen ein hervorragendes kulturelles Zentrum, wie die zahlreichen, gepflegten Codices, die damals entstanden, erkennen lassen. Besondere Förderung ließ er der Bibliothek zukommen, zählte sie doch um die Mitte des Jahrhunderts laut dem erhaltenen Katalog 426 Bände. Gozbert war der Empfänger des berühmten St. Galler Klosterplanes. Ob und wieweit er nach diesem Idealplan seinen Neubau aufgeführt hat, ist eine erst teilweise beantwortete Frage. 83o begann er mit dem Neubau der Gallusbasilika. 835, möglicherweise 837 oder erst 839, wurde sie im Beisein der Bischöfe Wolfleoz von Konstanz und Ulrich von Basel und von Abt Erlebald von Reichenau geweiht'. Bei diesen Um- und Erweiterungsbauten wurden für Schule, Scriptorium und Bibliothek eigene Räume geschaffen. Im Mai 837 trat Gozbert von seinem Amt zurück, wohl wegen der schwierigen Lage während der Kämpfe unter den Söhnen Ludwigs des Frommen, in die das Kloster als inzwischen wichtige politische Größe in Alemannien hineingezogen wurde. Wie lange Gozbert nach seiner Amtsniederlegung noch gelebt hat, ist unbekannt, er starb an einem 2. April.
(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)