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Der Nachlass bei Patchworkfamilien
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Von Alessandro Miano, Vorsorgespezialist beim VZ VermögensZentrum in Basel
Warum es ein wichtiger Schritt sein kann, Vor- und Nacherben im Testament festzulegen
Immer öfter bringt mindestens ein Partner Kinder aus früheren Beziehungen in eine neue Partnerschaft oder Ehe ein. In so einem Fall ist eine Nachlassplanung besonders wichtig. Denn die gesetzliche Erbfolge ist auf klassische Familienverhältnisse ausgerichtet, also auf ein Ehepaar mit gemeinsamen Kindern. Der überlebende Ehepartner und die leiblichen Kinder sind die Haupterben. Sie erhalten je die Hälfte des Nachlassvermögens.
Für Patchworkfamilien hingegen gibt es keine eigenen Regelungen. Das heisst: Die Kinder erben immer nur von dem Elternteil, mit dem sie biologisch oder durch Adoption verwandt sind. Beim Tod des Stiefvaters oder der Stiefmutter besteht daher kein gesetzlicher Erbanspruch. Die gesetzliche Aufteilung lässt sich jedoch mit einem Testament oder einem Erbvertrag abändern. Darin kann man zum Beispiel regeln, dass der Ehepartner mehr bekommt, als ihm mit der gesetzlichen Erbfolge zusteht. Zudem besteht die Möglichkeit, auf diese Weise Vor- und Nacherben einzusetzen.
Ein Beispiel: Ein Mann mit zwei Kindern aus erster Ehe hat zum zweiten Mal geheiratet. Seiner neuen Partnerin steht die Hälfte seines Nachlasses zu, seinen Kindern die andere. Möchte er seine Ehefrau finanziell besser absichern, kann er seine Kinder auf den Pflichtteil von drei Achteln setzen. Die Pflichtteile der Kinder müssen stets gewahrt werden. Währenddessen steht seiner Frau ein Pflichtteil von zwei Achteln zu. Damit bleiben schliesslich drei Achtel als freie Quote übrig. Diese Quote darf der Erblasser an eine Auflage oder Bedingung knüpfen, sprich, für diesen Anteil kann er seine Frau als Vorerbin und seine Kinder als Nacherben einsetzen. Zudem kann er festlegen, ob seine Frau die freie Quote aufbrauchen darf oder einen Teil davon für die Kinder sicherstellen muss.
Steuerliche Vorteile
Sobald die Frau verstorben ist, geht die freie Quote beziehungsweise das, was davon übrig ist, zurück an die Kinder. Mit einer Vor- und Nacherbeneinsetzung wird sichergestellt, dass ein sogenannter Überrest des Vermögens an die eigenen Kinder fliesst. In der Regel wird die Vorerbschaft beim Tod des Vorerben, in diesem Fall der Frau, ausbezahlt. Der Erblasser kann aber auch andere Kriterien festlegen, die die Ausbezahlung der Vorerbschaft auslösen. Mögliche Ereignisse sind zum Beispiel: wenn der überlebende Ehegatte wieder heiratet, die Schweiz verlässt oder Ähnliches.
Eine Nacherbschaft ist auch steuerlich interessant: Für die Erbschaftssteuer ist das Verwandtschaftsverhältnis zum ursprünglichen Erblasser entscheidend, nicht das zum Vorerben. Die meisten Kantone haben die Erbschaftssteuer für direkte Nachkommen abgeschafft. Dort gehen Kinder steuerfrei aus, wenn der Vater seine Lebenspartnerin als Vorerbin und Kinder aus erster Ehe als Nacherben einsetzt.
Sieht hingegen die Lebenspartnerin die leiblichen Kinder ihres verstorbenen Mannes als Erben vor, fallen in fast der Hälfte aller Kantone die Erbschaftssteuern für Stiefkinder an, die teilweise sehr hoch ausfallen können.