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Im Sommer 2013 ereigneten sich gleich zwei stärkere Gewitterstürme: Der eine am 18.Juni und der andere am 6.August. Letzterer brachte schwere Sturmböen zwischen 85 und 100 Km/h und ist damit als markanter Gewittersturm, aber nicht als aussergewöhnliches Ereignis einzustufen. Viel heftiger war der vom 18.Juni.
Es war einer der heissesten Tage des Sommers 2013. Meine Wetterstation registrierte mit 35.6°C die zweithöchste Temperatur von 2012 bis 2014. Der Himmel war meist wolkenlos, ein richtig sommerlich heisser Tag, der sich von seiner sonnigsten Seite zeigte. Nichts liess ein Gewitter erahnen, zwar war die verfügbare Energie sehr hoch, doch häufig wird sie bei sommerlichen Hochdrucklagen gar nicht aktiviert.
Spänachmittags änderte sich das Bild rasch. Innert Minuten schossen Quellwolkentürme in die Höhe, vorerst blieb es aber noch trocken. Bald erschien auf dem Radar die erste heftige Gewitterzelle im Graubünden. Sie bewegte sich nach Nordwesten und brachte Starkregen, Hagel, sowie einen massiven Temperatursturz. Rasch entwickelten sich weitere Zellen. Ich weiss noch, wie ich irgendwann zwischen 18 und 19 Uhr auf das Radarbild blickte und eine heftige Zelle über dem nördlichen Rheintal entdeckte. Ich schätzte sie als unwetterartig ein mit heftigem Starkregen, Sturmböen und Hagel. Soweit ich weiss, sah ich ein solches Gebilde noch fast nie bei uns. In Altenrhein wurden schon schwere Sturmböen bis 96 Km/h gemessen! Sie zog rasch nach Osten und es kam eine halbe Stunde später eine bedrohliche Wolke bei uns an. Der Himmel verdunkelte sich und Minuten später setzten Sturmböen ein. Sie kamen ausnahmsweise aus Südost und da die Bäume sich daran nicht angepasst haben, flogen bald Zweige und Blätter durch die Luft. Später begann es auch noch zu hageln. Er war zwar zumindest in Mörschwil mit einem Zentimeter nicht gross, doch trotzdem der grösste bisher seit Messbeginn.
Nach dem Sturm schaute ich mir die Auswirkungen an: Viele abgebrochene, meist kleine Äste, teils aber auch grössere, sowie einige umgestürzte Obstbäume. Insgesamt sah es gar nicht so schlimm aus, im Vergleich zu den Bildern aus anderen Gemeinden.
In Goldach wurde eine sehr sturmresistente Pappel am Seeufer umgeworfen und eine weitere sah ziemlich „zerfetzt“ aus.
Am gesamten Seeufer bis nach Horn wurden zum Teil grosse Bäume entwurzelt oder gebrochen. Der Sturm muss dort viel heftiger gewütet haben, als in Mörschwil. Die Böenspitzen sind aber schwierig einzuschätzen, da die Bäume bei Böen aus Südosten schneller brechen, als beim üblichen Süd- bis Westwind. Würde man dies ausser Acht lassen, ist von Böen zwischen 110 und 130 Km/h auszugehen! Das entspricht einer orkanartigen Böe oder sogar einer mit voller Orkanstärke. Meteomedia hat an der Wetterstation Horn eine Böe von 106 Km/h gemessen, wobei sie eher am Rand des Bereichs stand. Dazumals mass ich in Mörschwil den Wind noch auf dem Balkon, der gegen Osten komplett abgeschirmt ist, die Daten sind leider unbrauchbar. Ich gehe aber von etwa 90 Km/h aus.
Dies waren mit Abstand die grössten Sturmschäden in der Umgebung seit mindestens 2012! Bei den anderen Sturmereignissen wurden nur einige Bäume entwurzelt.
Weitere Informationen finden Sie im schweizer Sturmarchiv: http://www.sturmarchiv.ch/index.php?title=20130618_01_Downburst_Goldach
Dort gibt es eindrückliche Bilder und Videos, die die Heftigkeit des Sturms zeigen.
Wie ensteht ein solcher Sturm?
Zuerst muss man die Entstehung eines Gewitters begreifen. Durch starke Sonneneinstrahlung erhitzt sich der Boden und die darüberliegende Luft an einigen Stellen stärker, als an anderen. Luftblasen die wärmer sind, als ihre Umgebung beginnen aufgrund der geringeren Dichte aufzusteigen. Beim Aufstieg kühlt sie sich zuerst mit 1°C pro 100 Meter ab. Da warme Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann als kältere, erreicht sie irgendwann die Temperatur, beider der in ihr enthaltene Wasserdampf kondensiert – es bildet sich eine Wolke. Danach kühlt sich die Luft beim weiteren Anstieg nur noch um 0.6°C pro 100 Meter ab, da bei der Kondensation Wärme frei wird. Nimmt die Temperatur mit der Höhe genug stark ab, dann kann die Luft immer weiter aufsteigen, bis sie gleich hoch ist wie die der Umgebungsluft. Bei Gewittern steigen die Luftblasen in Höhen um 10 Kilometer oder mehr auf. Es bilden sich Regentropfen, die durch nachströmende Luft noch in der Wolke gehalten werden. Wenn sie dann sehr zahlreich werden und/oder der Auftrieb nachlässt, fallen sie als Platzregen zu Boden. In der Wolke können sich auch Hagelkörner bilden. Durch die Reibung zwischen den Hagelkörnern und Tropfen entsteht Elektrizität, die sich irgendwann als Blitz entlädt.
Bei einem heftigen Gewittern ist vor Allem der Auftrieb viel stärker. Dann werden Hagelkörner und Regentropfen lange in der Wolke gehalten. Dadurch werden die Körner immer grösser und die Regentropfen zahlreicher. Normalerweise schneidet der fallende Niederschlag der Gewitterwolke die Warmluftzufuhr ab, da er die Luft abkühlt – sie löst sich rasch wieder auf. Wenn aber ein starker Höhenwind vorherrscht, wird der Niederschlag aus dem Aufwindbereich geblasen. Dann kann die Gewitterzelle lange bestehen und heftige Wettererscheinungen hervorrufen.
Die Sturmböen entstehen durch die kühle Luft, die der fallende Niederschlag aus der Wolke mitreisst. Sie „stürzt“ zur Erdoberfläche, da sie deutlich kühler als die Umgebungsluft ist und damit eine höhere Dichte besitzt.