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Das Erdsystem ist ein komplexes, integriertes Ganzes, das die verschiedenen Sphären und Prozesse umfasst, die auf der Erde auf verschiedenen zeitlichen und räumlichen Ebenen vonstattengehen. Das System ist in vier Hauptsphären unterteilt, die sich vom Kern des Planeten bis zur oberen Atmosphäre erstrecken – die Lithosphäre (Land), die Hydrosphäre (Wasser), die Atmosphäre (Luft) und die Biosphäre (Leben). Die Prozesse innerhalb dieser Sphären können physikalischer, chemischer oder biologischer Natur sein; sie beeinflussen sich gegenseitig und gehen oft in komplexere Prozesse, etwa die Geobiochemie, über. Beispiele für Erdsystemprozesse sind Fotosynthese, Nahrungskette, Stickstoffkreislauf, Klimawandel, Wetter, Konvektionsströme, Erosion, tektonische Ereignisse, Gletscheraktivitäten und Gezeitenrhythmen. Variabilität, Leben, Konnektivität und Nichtlinearität sind die vier Hauptmerkmale, die das Erdsystem charakterisieren, das auch durch menschliche Aktivitäten geprägt ist.
Menschliche Vorrangstellung ist eine weitverbreitete Überzeugung, derzufolge sich der Mensch vom Rest der natürlichen Welt abhebt, nicht zu den Tieren zählt und anderen Tieren oder Lebensformen nicht gleicht. Als bestimmendes Leitbild der Menschheit im Laufe der Geschichte war diese Vorstellung sowohl im religiösen Denken als auch in wissenschaftlichen, säkularen Theorien verankert. Die Auffassung spiegelt sich nicht nur in einem instrumentalisierenden Umgang mit natürlichen Ressourcen und der Ausbeutung von Tieren als Rohstoff, sondern auch in der vordergründig ökologischen Idee, der Mensch sei Hüter über den Rest des Planeten. Die Ausnahmestellung des Menschen ist jedoch in den letzten Jahrzehnten von Wissenschaftlern und Philosophen kritisch hinterfragt worden.
Der 1996 von David Abram geprägte Begriff „more-than-human“ (mehr-als-menschlich) wird in Umweltwissenschaft, Kunst und Philosophie häufig verwendet. Zwar spielt der Begriff „nicht-menschlich“ schon seit längerer Zeit in Philosophie und Politik eine wichtige Rolle – dabei prägt ihn jedoch die Verneinung, mit einer Betonung auf dem „nicht“. Das Mehr-als–Menschliche hingegen ist ausdrücklich additiv und meint ein Neben- und Miteinander. Es erlaubt ausserdem, nicht-belebte Materie auf einer gleichberechtigteren Ebene mit Menschen und anderen belebten Wesen zu berücksichtigen. Während manche Diskurse den Blick auf Fragen und Krisen im Miteinander verschiedener Spezies richten, stellt das Mehr-als-Menschliche alle auf eine gleichberechtigte Ebene und schließt Objekte, Landschaften ebenso wie nicht-belebte Naturphänomene mit ein; es rückt alle in eine auf Fürsorge und Gegenseitigkeit basierende Sphäre und löst Diskurse vom Biozentrismus. Mit anderen Worten: Das Mehr-als-Menschliche ist ein Dachbegriff für das Unbelebte und Anorganische, Seite an Seite mit dem Lebendigen. Es zeigt, dass auch das Nicht-Belebte, ob Winde, Felsen oder komplexe Flusssysteme, ein bedeutender Akteur in den gesellschaftlichen und politischen Verflechtungen der Welt ist. Ohne das Mehr-als-Menschliche ist der Mensch fraglos weniger.
Multispezies-Ansätze „berücksichtigen die Rolle anders-als-menschlicher Spezies, egal ob es sich um Pflanzen, Tiere, Pilze, Bakterien oder sogar Viren handelt, die das Spezies-Konzept infrage stellen“. Sie sind „Teil einer umfassenderen Suche innerhalb der Sozial- und Geisteswissenschaften […] nach Relationsperspektiven im Bestreben, den Anthropozentrismus zu überwinden, indem sie auf die herausragende Bedeutung der nichtmenschlichen Anderen hinweisen“.1 Während sich Multispezies-Ansätze auf die relationale Dynamik von Lebewesen konzentrieren, gehen Mehr-als-menschlich-Perspektiven über diesen Bereich hinaus, indem sie unbelebte Akteure einbeziehen und deren komplexes Zusammenwirken untersuchen.
Welten-Machen („worlding“) ist ein Verb, das dem Substantiv „Welt“ eine prozessuale, zeitliche Note verleiht. In Donna J. Haraways Verwendung des Begriffs ist seine Bedeutung eng mit Subjektivität, Erzählung und „situiertem Wissen“ verbunden. „Worlding“ ist ein Prozess des Werdens und des Existierens, der verkörpert und inszeniert wird und sich jeder Vorstellung von Universalität widersetzt. Es ist die Art und Weise, wie Akteure – organische oder anorganische, belebte oder unbelebte – Perspektiven schaffen, indem sie ihre jeweils eigenen Kontexte und Beziehungen leben.2