Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03267.jsonl.gz/2376

|Wohlstand

Wohlstandsmessung

Das Volkseinkommen
Alle Einkommen, die in einer bestimmten Zeitperiode (in der Regel in einem Jahr) als Entschädigung für geleistete Arbeit und für die Nutzung von Kapital und Boden in der Form von Lohn, Zins, Gewinn und Renten an die Bewohner eines Landes bezahlt werden, bilden das Volkseinkommen dieses Landes. Das Volkseinkommen ist also die Summe aller Erwerbs- und Vermögenseinkommen, die Inländern letztlich zugeflossen sind.
So ist die Summe aller Einkommen, die den Einwohnern der Schweiz in einem Jahr zugeflossen sind, das Volkseinkommen der Schweiz in diesem Jahr. Es wurde für das Jahr 2000 auf 368,1 Milliarden Franken, für das Jahr 2005 auf 405,7 Milliarden Franken geschätzt.
In der Verteilungsrechnung des Volkseinkommens werden drei wichtige Einkommensarten unterschieden, nämlich die Einkommen aus unselbständiger Arbeit, das Einkommen aus Unternehmenstätigkeit und das Einkommen aus Vermögen.
Das Arbeitnehmerentgelt umfasst sämtliche Geld- und Sachleistungen, die von einem Arbeitgeber an einen Arbeitnehmer erbracht werden, und zwar als Entgelt für die von diesem im Darstellungszeitraum geleistete Arbeit. Es ist dies die Summe der Bruttolöhnen und der Sozialversicherungsbeiträgen der Arbeitgeber. Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen enthalten die Einkommen der privaten Haushalte und des Staates aus Kapitalanlagen, Mieten, Pachten, Lizenzen und andern immateriellen Werten, sowie Dividenden und sonstige Ausschüttungen der Unternehmen. Dazu kommen die unverteilten Gewinne der Unternehmen. Das Einkommen aus Unternehmenstätigkeit ist somit gleich der Summe der Nettobetriebsüberschüsse der Wirtschaftsbereiche oder der institutionellen Sektoren. Es umfasst das Selbständigeneinkommen und die Unternehmensgewinne.
Zwischen 1990 und 2007 machte das Arbeitnehmerentgelt in der Schweiz immer mehr als 60% des Bruttoinlandproduktes aus. Auch in anderen europäischen Ländern sind die Arbeitnehmerentgelte die gewichtigste Rubrik am BIP gemäss Einkommensansatz. Allerdings ist der Anteil am gesammten Volkseinkommen in andern Ländern nicht so hoch wie in der Schweiz. So beträgt der durchschnittliche Anteil zwischen 1990 und 2008 (1. Quartal) in Grossbritanien 55%, in Deutschland 52.7%, in Frankreich 51.9% in Österreich 51.9% und in Italien lediglich 41.3%. Es ist zudem auffällig, dass der Anteil des Arbeitnehmerentgelts am BIP in der EU über die betrachtete Zeitperiode sinkt. Insbesondere in Deutschland, Österreich, Spanien und in den Niederlanden ist diese Tendenz zu beobachten. Für die Schweiz trifft diese Entwicklung nicht zu. Dagegen ist der Anteil des Nettobetriebsüberschusses, der das Selbständigeneinkommen enthält, in der Schweiz im Vergleich zu anderen europäischen Ländern klein. Im Durchschnitt beträgt dessen Anteil zwischen 1995 und 2007 in Frankreich 32% und in Italien 22%. Für die Schweiz liegt der durchschnittliche Anteil in der selben Periode bei 18%.
Das Volkseinkommen lässt sich aus dem Bruttonationaleinkommen ermitteln. Reduziert man das Bruttonationaleinkommen um die Abschreibungen, erhält man das Nettonationaleinkommen. Korrigiert man dieses durch Abzug der Nettoproduktionsabgaben ergibt sich das Volkseinkommen zu Faktorenkosten.
Die Primäreinkommen der Kapitalgesellschaften umfasst die Nettobetriebsüberschüsse und Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen der Kapitalgesellschaften inklusive öffentliche Spitäler, Pensions-, Kranken- und Unfallversicherungskassen. Erwerbs- und Vermögenseinkommen der öffentlichen Hand und der öffentlichen Sozialversicherungen abzüglich der Zinsen für die öffentliche Schuld ergeben die Primäreinkommen des Staates.
Das Primäreinkommen ist mit dem verfügbaren Einkommen nicht gleichzusetzen.
Das verfügbare Bruttoeinkommen ist gleich dem Bruttonationaleinkommen zuzüglich Transfers aus der übrigen Welt abzüglich Transfers an die übrige Welt.
Die Anteile der Sektoren am Volkseinkommen enthalten einerseits noch die aus den Einkommen zu leistenden direkten Steuern, derjenige der privaten Haushalte ausserdem die Sozialbeiträge; andererseits sind die von den privaten Haushalten empfangenen Renten und übrigen laufenden Uebertragungen noch nicht einbezogen. Nach Hinzurechnung der empfangenen laufenden Uebertragungen von anderen Sektoren und von der übrigen Welt (ohne Subventionen) und nach Abzug der geleisteten laufenden Uebertragungen an andere Sektoren und an die übrige Welt (ohne indirekte Steuern) erhält man die Summe der verfügbaren Einkommen der Volkswirtschaft, das heisst aller Sektoren.
Erhöht man den Anteil der privaten Haushalte (und privaten Organisationen ohne Erwerbszweck) am Volkseinkommen um die Renten, Pensionen, Unterstützungen und ähnliches, die die privaten Haushalte vom Staat und von den anderen Sektoren sowie von der übrigen Welt bezogen haben, und zieht man von dieser Summe die von ihnen an den Staat geleisteten direkten Steuern sowie die an alle Sektoren und die übrige Welt geleisteten Sozialbeitrage und sonstigen laufenden Uebertragungen ab, ergibt sich das verfügbare Einkommen des Haushaltssektors.
Das Einkommen ist ein Indikator, der zeigt, wie es mit dem materiellen Wohlergehen steht. Um den Wohlstand zu verschiedenen Zeiten zu messen oder den Wohlstand von Ländern zu vergleichen, wird in der Regel das Pro-Kopf-Einkommen herangezogen.
Wohlstand = Volkseinkommen / Bevölkerungszahl = Y / B
Für internationale Vergleiche werden Pro-Kopf-Einkommen in eine einheitliche Währung umgerechnet. Häufig wird dafür der US-Dollar oder der Euro verwendet. Da dies die unterschiedliche Kaufkraft in den verschiedenen Ländern nicht angemessen berücksichtigt, folgt oft eine Umrechnung mit Hilfe von Kaufkraftparitäten. Gemäss einer Studie des deutschen Marktforschungsinstituts von 2005 liegt die Schweiz mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 25'700 Euro (rund 39'600 Franken) in Europa auf dem zweiten Platz. Spitzenreiter sind Liechtensteins Einwohner mit einem hoch gerechneten Pro-Kopf-Einkommen von 42'000 Euro. Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Preisniveaus in den einzelnen Ländern, also gemessen an der Kaufkraft, fällt die Schweiz mit 19'700 Euro auf Platz 3 zurück. Angeführt wird diese Rangliste von Liechtenstein und Luxemburg mit 32'200 und 22'300 Euro. Die Weltbank schätzte das Bruttonationaleinkommen der Schweiz für das Jahr 2008 auf 65'330 US-$. Die Schweiz ist gemäss dieser Studie vom Juli 2009 weltweit an 6. Stelle. Mit Hilfe von Kaufkraftparität umgerechnet sinkt dieses Pro-Kopf-Einkommen der Schweiz für 2008 auf 46'460 internationale Dollars. Die Schweiz rangiert dann in dieser Auflistung nur noch auf dem 12. Platz.
Je höher der Anteil je Kopf an der Güterproduktion ist, desto grösser ist der Wohlstand.
Kaufkraft
Unter Kaufkraft versteht man die Menge an Gütern und Dienstleistungen, die man mit einem bestimmten Einkommen kaufen kann. Sie ist abhängig von den Preisen. Die Kaufkraft nimmt daher zu, wenn die Preise sinken; sie nimmt ab, wenn die Preise steigen.