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Lebensraum Wüste – eine Herausforderung für Pflanzen, Tiere und Menschen
Pflanzen, Tiere, Menschen – sie alle brauchen Wasser, um zu überleben. Allen Wüstengebieten gemeinsam ist, dass es dort sehr wenig Niederschlag gibt. Und trotzdem findet man in der Wüste Leben. Wer die Wüste als Lebensraum nutzen, hier wachsen und sich fortpflanzen will, muss aber über eine Reihe von Anpassungen verfügen.
Extreme Temperaturen und Trockenheit
Etwa ein Fünftel der Landoberfläche der Erde besteht aus Wüsten. Sie ziehen sich wie ein Gürtel um den Äquator (Hitze- und Trockenwüsten) und bedecken den Südpol und Grönland (Kälte- und Eiswüsten). Teilt man die Wüsten nach der Beschaffenheit der Erdoberfläche ein (geomorphologische Einteilung), gibt es Sandwüsten, Kieswüsten, Stein- oder Felswüsten, Salzwüsten und Eiswüsten. Sie alle teilen das Merkmal, dass es dort sehr trocken ist. Während es zum Beispiel in der Schweiz im Tessin in einem Jahr durchschnittlich etwa 2000 mm Niederschlag gibt (Regen, Tau, Schnee), müssen Wüstengebiete mit 250 mm oder weniger auskommen.
In vielen Wüsten herrschen zudem extreme Temperaturen:
In Eis- oder Kältewüsten beträgt die Jahresdurchschnitts- temperatur -30 °C, in Trockenwüsten kann die Temperatur an einem Tag zwischen 0 °C und 60 °C schwanken.
Verschiedene Lebewesen haben Strategien entwickelt, um trotz dieser extremen Bedingungen in der Wüste überleben zu können.

Wenn du mehr über gefrorene Böden erfahren möchtest, schau dir den Artikel Was ist Permafrost? an.
Von Wurzeln, Dornen und wunderlichen Blättern
Auch wenn die meisten Menschen bei dem Begriff “Wüste“ als erstes an Sand denken, gibt es in Wüsten dennoch verschiedene Pflanzenformen, die sogenannten Eremophyten (Wüstenpflanzen). Allein in der Sahara findet man über 1400 verschiedene Pflanzenarten.
Einjährige Pflanzen nutzen die seltenen Regenfälle für sich. Ihre Samen keimen schnell und auch für Wachstum und Fortpflanzung benötigen diese Pflanzen nicht viel Zeit. Wenn die neuen Triebe kurz darauf wegen Wassermangels wieder absterben, bleiben im Boden robuste Samen zurück, die bis zum nächsten Regenschauer überleben können.
Viele mehrjährige Pflanzen können im Stamm, in den Blättern oder in Wurzeln und Knollen Wasser speichern. Man nennt diese Pflanzen auch Sukkulenten. Andere Wüstenpflanzen besitzen ein spezielles Wurzelsystem, um trotz des Wassermangels nicht zu vertrocknen. Einige haben ein grosses Wurzelnetz direkt unter der Oberfläche, sodass sie bei Regenschauern schnell viel Wasser aufnehmen können. Ein Beispiel dafür ist der Kreosotbusch. Seine feinen Wurzeln saugen das gesamte Wasser in der direkten Umgebung auf, so dass dort keine anderen Pflanzen überleben können. Gewisse Pflanzen haben so tiefe Wurzeln, dass diese sogar das Grundwasser erreichen. Ein Beispiel dafür sind Akazien, deren Wurzeln bis zu 40 m in die Tiefe reichen können.
Eine weitere Strategie hat sich über Jahrtausende bei den Kakteen als erfolgreich erwiesen. Sie haben ihre Blätter zu Dornen umgewandelt. So reduzieren sie ihre Oberfläche und damit auch die Verdunstung. Ausserdem speichern sie Wasser in ihren Stämmen.
Grosse Ohren und lange Beine
"Kamele!“, denken viele Leute als erstes, wenn man sie nach einem Tier der Wüste fragt. Und tatsächlich hat das grosse Säugetier einige erstaunliche Anpassungen entwickelt, die ein Leben unter den extremen Bedingungen der Wüste ermöglichen. Kamele können nach grossem Flüssigkeitsverlust sehr viel Wasser in sehr kurzer Zeit aufnehmen, welches sie im Magensystem speichern. Dazu braucht es speziell aufgebaute rote Blutkörperchen (Erythrozyten), denn die Blutkörperchen anderer Lebewesen würden bei so rascher, grosser Wasserzufuhr platzen. Ausserdem verlieren Kamele im Vergleich zu anderen Säugetieren weniger Wasser über Urin und Kot, und durch das Anpassen der Körpertemperatur schwitzen sie weniger.
Auch andere Tiere der Wüste haben sich an das Leben hier angepasst. Sie sind oft nachtaktiv, um der Tageshitze zu entgehen, und ihre Körper sind im Vergleich zu ihren Verwandten aus unseren Regionen meist deutlich kleiner. So ist zum Beispiel der Fennek, der Wüstenfuchs, kleiner gewachsen als unser heimischer Rotfuchs. Grössere Tiere haben einen kleineren Wärmeverlust, was ihnen in den kälteren Regionen zugutekommt
(„Bergmannsche Regel“).
Die grossen Ohren von Wüstenhasen und Wüstenfüchsen dienen der raschen Wärmeabgabe.
Viele Wüsteninsekten haben sehr lange Beine, wodurch sie weit genug vom bis zu 80°C heissen Boden entfernt sind, um der schlimmsten Hitze zu entgehen.
Die Wüsten-Hornviper wiederum hat eine spezielle Art der Fortbewegung entwickelt: Beim sogenannten Seitengleiten berührt sie nicht mit ihrem ganzen Körper den Sand, sondern immer nur mit zwei Stellen. So vermeidet sie den Kontakt mit dem heissen Boden.
Viele Nagetiere, Echsen- oder Spinnenarten haben sich an das Leben unter dem Boden angepasst. Sie leben in unterirdischen Bauten oder graben sich während der heissesten Stunden ein.

Mehr über Kamele und Co. erfährst du im Artikel Kamel, Lama, Alpaka – Alles eine Familie?.
Die Tuareg – ein Volk ohne eigenes Land
Anders als Tiere und Pflanzen, die ihren Organismus an die Bedingungen der Wüste angepasst haben, besitzt der Mensch weder Wurzeln, die das kostbare Wasser aus der Tiefe saugen können, noch kann er Wasser im Übermass aufnehmen und im Körper speichern oder die Körpertemperatur anpassen. Er ist auf Hilfsmittel angewiesen, um in der Wüste zu überleben. Kleidung schützt vor Sand und Austrocknung, tiefe Brunnen stellen die Wasserversorgung sicher, und Kamele oder Geländefahrzeuge kommen bei der Fortbewegung zum Einsatz.
Ein bekanntes Wüstenvolk sind die Tuareg, die in der Sahara leben. Sie haben kein eigenes Land, sondern bewohnen Gebiete, die zu Mali, Tunesien oder Marokko gehören. Es handelt sich um ein sehr altes Volk, dessen Geschichte bis ins 11. Jahrhundert zurückreicht. Die Tuareg entwickelten ein grosses Wissen über die Wüste und die Astronomie, das notwendig ist, um in der Sahara navigieren zu können. Nomadische Tuareg ziehen umher und leben für gewöhnlich in Zelten aus Palmwedeln oder Viehleder. Sie betreiben Viehzucht und handeln mit Salz und Datteln. Da das nomadische Leben sehr hart ist, werden immer mehr Tuareg sesshaft. Sie leben in Oasen, wo sie Ackerbau betreiben, oder lassen sich in den grossen Städten nieder, wie zum Beispiel in Agadez (Niger in Westafrika). Sollte die nomadische Lebensweise einmal aussterben, ginge damit auch das wertvolle Wissen um die Geheimnisse des Lebens in und mit der Wüste für immer verloren.
Zusammengefasst sind Tiere und Pflanzen, die in der Wüste leben, anatomisch optimal an die dort herrschende Trockenheit und die extremen Temperaturen angepasst. Der Mensch hingegen hat nicht seinen Körper an die Bedingungen angepasst, sondern hat sich ein Überleben in der Wüste durch den Einsatz von verschiedenen Hilfsmitteln ermöglicht.

Mehr über Klima und Landschaften unserer Erde gibt es im (englischen) Artikel Changing landscapes.