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Niklaus Manuel und die Reformation in Bern
«Söldner, Bilderstürmer, Totentänzer»: Die grosse Ausstellung im Bernischen Historischen Museum zeigt den Umbruch vom Mittelalter in die Neuzeit am Weg und an den Werken von Niklaus Manuel. Sie wirft grelle und feine Lichter auf die Stadt, das spätmittelalterliche Lebensgefühl und die Verlockungen nach den Burgunderkriegen. Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 17. April.
Niklaus Manuel (1484–1530) ist die schillerndste Gestalt der Reformationszeit in Bern. Er war Maler, Zeichner, Söldner, Dichter, Politiker und Diplomat. Wie die meisten prägenden Männer der Berner Reformation stammte er nicht aus der Stadt oder dem Umland. Der Grossvater von Niklaus Manuel, Jakob Alamand, hatte sich, aus dem Piemont kommend, 1460 in Bern niedergelassen. Er betrieb an der Kreuzgasse eine Apotheke.
Rascher sozialer Aufstieg
Niklaus‘ Vater Emanuel heiratete die uneheliche Tochter des Berner Stadtschreibers Thüring Fricker. Der Sohn vermählte sich mit der sechs Jahre jüngeren Katharina Frisching, deren Vater in die Führungsschicht aufgestiegen war. Manuel wurde selbst kurz nach der Heirat 1510 in den Grossen Rat gewählt. Ein Sohn des Schwiegervaters fiel 14-jährig in Marignano, ein anderer wurde als Söldnerführer reich und mächtig und lebte bis 1559.
Der grosse Umbruch
Im grossen kulturellen Umbruch (Buchdruck, Renaissance, Entdeckung Amerikas) zerbrachen in Europa um 1500 alte Gewissheiten. «Existentielle Themen wie Liebe, Gewalt und Tod erhalten eine neue Dringlichkeit», schreiben die Ausstellungsmacher. Berns Bevölkerung schrumpfte durch drei Pestepidemien 1478-1493, die 2000 Menschen das Leben kosteten; sie lag zeitweise wohl unter 5000.
Andererseits galten die Eidgenossen nach den sensationellen Siegen in den Burgunderkriegen als die besten Krieger. Sie waren einer irren Versuchung ausgesetzt: dies auf den Schlachtfeldern der Nachbarländer gegen Geld unter Beweis zu stellen und weiteren Ruhm einzuheimsen. Die Pensionen gefährdeten die Eidgenossenschaft; die Ausstellung zeigt das Abkommen der Orte von 1503, das Einzelpersonen die Annahme von Pensionen untersagte.
Beobachten und entlarven
Lockungen, Erschütterungen und kirchliche Missstände provozierten den vielseitig begabten, weit gereisten Niklaus Manuel. Pracht und Elend der Menschen schärften seinen Sinn für Wichtigtuerei. Der Totentanz, in der Ausstellung in einem langen Raum zu sehen, zeigt die feine Beobachtungsgabe des Malers und sein Mitgefühl für Arme und Bedürftige. Der Tod geht den Reichen und Mächtigen an den Kragen, so selbstsicher und behäbig sie sich geben.
Manuel malte den Totentanz 1516/17. An der Umfassungsmauer des Dominikanerklosters waren auf einer Länge von 80 Metern in 24 lebensgrossen Bildern die Vertreter aller Stände, Berufe und Lebensalter dargestellt, vom Kaiser und Papst bis zum Bettler und zur Dirne. Alle zwingt der Tod musizierend zum letzten Tanz.
Das Motiv des Totentanzes war während der schrecklichen Pestzüge in der Mitte des 14. Jahrhunderts entstanden. Manuel nahm im Frühjahr 1516 am Feldzug in die Lombardei teil und sah auf dem Schlachtfeld von Marignano die Leichen von vielen getöteten Eidgenossen liegen. Die 24 erhaltenen Bilder sind Kopien, die Albrecht Kauw 1649 vor dem Abbruch der Mauer machte.
Einblicke ins Spätmittelalter
Mit den wenigen Altarbildern, die die Reformation überstanden (allein das Münster hatte vorher 25 Altäre), vermittelt die Berner Ausstellung auch Grundzüge der spätmittelalterlichen Frömmigkeit. So ist ein Ablassbrief von sieben römischen Kardinälen zu sehen; sie gewährten 1463 denen Erlass der Sündenstrafen, die zum Fest des Stadtheiligen Vinzenz das im Bau befindliche Münster besuchten und für Kirchenschmuck spendeten.
Die Ausstellung folgt der Biografie Niklaus Manuels vom Söldner zum Staatsmann, vom Künstler zum Bilderstürmer. Hochkarätige Gemälde und unbekannte Zeichnungen (auch von Urs Graf, Hans Baldung Grien und anderen), Holzschnitte und Texte von Manuel sowie Bücher, Waffen, Kostüme, Bildteppiche, Glasmalereien und Skulpturen aus den Sammlungen des Bernischen Historischen Museums und von mehr als dreissig Leihgebern aus der Schweiz und Europa lassen die Epoche lebendig werden.
Ausstellung bis zum 17. April, Dienstag bis Sonntag 10-17 Uhr, im Bernischen Historischen Museum, Helvetiaplatz 5, Bern, <email-pii>