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Vor Jahren schenkte mir Friedrich Kappeler zwei Fotografien, aufgezogen auf Karton in dunklen Passepartouts: Die eine zeigte Max Frisch in New York, die andere Ludwig Hohl in Genf. Den Schriftsteller Frisch sah man zügig ausschreiten vor einem Backsteingebäude, an dem hoch oben eine Hand mit Zeigefinger hing, wohl eine Werbetafel, die klar in die Gegenrichtung wies. Schriftsteller Hohl sass in seinem legendären Arbeitskeller mit zwei vollen Flaschen Whisky vor sich und einem Buch in der Hand. Fritz schenkte mir diese Bilder einfach so, weil sie mir gefielen. Er hatte sie bei Dreharbeiten für Filme von Richard Dindo und Alexander J. Seiler, bei denen er mitwirkte, fotografiert.
Friedrich Kappeler, geboren 1949, wurde diesen Montag beerdigt. Er war Fotograf und Regisseur. Sein berühmtestes Werk ist das postume Porträt des Liedermachers Mani Matter, «Warum syt dir so truurig?» (2002), das zu den erfolgreichsten deutschschweizerischen Dokumentarfilmen zählt. Vielleicht noch etwas näher an Fritz und seinem eigenen Leben sind Filme über die beiden Maler Adolf Dietrich (1991) und Varlin (2000). Zwei Filme hat er über den Schriftsteller Gerhard Meier und dessen Frau Dorli gedreht. Den ersten (1995) vor und den zweiten (2007) nach dem Tod von Dorli.
Kappeler war ein bedächtiger und poetischer Dokumentarist, poetisch sowohl was seine Bilder als auch die Sprache seiner Protagonist:innen und Zeitzeug:innen betraf. Bei «Varlin» ist beispielsweise dessen wunderbar kluge und beredte Tochter ein Glücksfall, die den Nachlass im Bergeller Dorf Bondo verwaltet und Auskunft gibt. Beim sogenannt naiven Thurgauer Adolf Dietrich sind es dessen weibliche Modelle aus den zwanziger oder dreissiger Jahren, die bäurischen Nachbar:innen am Bodensee, der industrielle Arbeitgeber des Kunstmalers und Heimarbeiters, die im hohen Alter und in einem bereits anachronistischen Dialekt von ihrer versinkenden Welt erzählen.
Fritz Kappeler stammte aus einer der angesehensten Thurgauer Familien. Er hätte auch Direktor einer Lederfabrik werden können. Die Finanzierung für einen letzten Film, den er über das Dienstmädchen seiner Kindheit drehen wollte, ist leider gescheitert. Fast das ganze Leben verbrachte er in Frauenfeld. Die Welt, so kann man lernen, lässt sich sehr gut auch aus der Provinz erzählen.