Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03345.jsonl.gz/1786

Eine "verwegen kühne" Burg am Steilufer der Albula: Das Schloss Baldenstein in Sils i.D. besitzt eine lange und wechselvolle Geschichte.
Das Schloss Baldenstein, vom Mittelhochdeutschen übersetzt mit „verwegen kühne Burg“, macht seinem Namen alle Ehre. Die Anfänge der Burg lassen sich zwar nicht genau erhellen, doch lässt sich der Burgturm ins 12. Jahrhundert datieren. 1246 erscheint in den Urkunden mit Ebo de Baldenstein erstmals ein Herrschaftsinhaber.
In einer Fehde zwischen den Freiherren von Rhäzüns und denen von Löwenstein, die mit dem bekannten Oberländer Geschlecht derer von Castelberg/Überkastel stammverwandt waren, wurde Baldenstein durch einen Handstreich Beute des Rhäzünsers, musste aber im Frieden von 1289 wieder herausgegeben werden.
Um die Mitte des 16. Jahrhunderts erwarb der aus dem Veltlin stammende Adelige Jakob Ruinelli die Burg. Sein gleichnamiger Enkel gehörte in den Bündner Wirren zur Gesellschaft der „Gutherzigen“, die 1621 unter Führung von Georg Jenatsch auf Schloss Rietberg Pompejus von Planta umbrachten. Nachdem dieser letzte Baldensteiner Ruinelli 1627 als Beteiligter an einer Keilerei zwischen weinseligen Offizieren von Jörg Jenatsch erstochen worden war, gelangte der Sitz durch Heirat von Ruinellis Schwester Perpetua an Oberst Christoph Rosenroll von Thusis, von dessen Sohn er an einen Zweig der gleichnamigen Familie kam, der 1758 erlosch.
Die Schwester des letzten Rosenroll von Baldenstein brachte dann das Schloss 1716 durch Heirat an Vincenz von Salis, Hauptmann in spanischen Diensten, dessen Sohn es 1782 an Francesco Conrado aus Chiavenna veräusserte. Die Nachkommen dieses Conrado bewohnen und pflegen ihren Familienbesitz noch heute. In der Ahnentafel der Familie finden sich eine Reihe von bedeutender Persönlichkeiten, von denen hier lediglich der Ornithologe Thomas Conrad genannt sei, der als Begründer der alpinen und bündnerischen Vogelkunde europäisches Ansehen erlangte.
Der Familiensitz der Conrad hat sein heutiges Aussehen durch die Erneuerung nach dem Brand von 1877 erhalten, der grosse Teile des Schlosses zerstört hatte. Das Pyramidendach auf dem Bergfried wurde 1999 erstellt. Im Inneren beeindruckt auch heute der grosse Saal im Erdgeschoss durch sein festliches Gesicht, das er seiner sauberen Stukkatur und den Deckengemälden verdankt, in denen Sonne, Mond und Tierkreiszeichen neben antiken Gottheiten als Personifikationen der vier Elemente sowie weitere allegorische Figuren erscheinen.
Zugang
Baldenstein befindet sich in Privatbesitz und ist nicht öffentlich zugänglich. Die Anlage liegt direkt am Burgenweg Domleschg.