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Die Begriffe beziehen sich auf eine abnorme Blutungsbereitschaft. Betroffene Menschen bluten schon nach geringer Verletzung häufiger und länger als gewohnt, oder es kommt spontan zu Blutungen unter die Haut, in die Harnwege oder andere innere Organe. Nach Operationen oder Zahneingriffen besteht ein erhöhtes Risiko für Nachblutungen. Ursache aller dieser Erscheinungen ist eine Störung im Ablauf der Blutgerinnung, so dass ein beschädigtes Gefäss nicht in nützlicher Frist abgedichtet wird und die Blutung stoppt.
Nur wenn das in den Arterien und Venen zirkulierende Blut flüssig bleibt, kann es seine Aufgabe erfüllen, nämlich das Versorgen der Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen. Entsteht ein Leck in einem Blutgefäss, versucht der Organismus, den Blutverlust möglichst einzudämmen, indem ein wenig Blut am Ort der Verletzung eindickt (gerinnt) und damit das Leck abdichtet. Bei Eröffnung einer grösseren Arterie sind diesem natürlichen Vorgang Grenzen gesetzt; es braucht hier einen Verband oder eine Naht.
Kleine Wunden wie ein Schnitt oder eine Schürfung hören nach wenigen Minuten spontan auf zu bluten. Damit dies geschehen kann, greifen Systeme ineinander, die auf verschiedenen Ebenen vorbereitet sind.
Durch Defekt oder Ausfall eines der oben angeführten Systeme allein oder in Kombination mit anderen ist die Gerinnung verzögert (Koagulopathie, hämorrhagische Diathese). Entsprechend lassen sich die Gerinnungsstörungen nach ihren überwiegenden Ursachen einteilen:
Bestimmte Gerinnungsfaktoren fehlen im Plasma, sind nicht in genügender Menge vorhanden oder nicht ausreichend reaktionsfähig.
Es entstehen zu wenige Blutplättchen, sie werden vermehrt verbraucht oder sie sind nicht genügend funktionsfähig (Qualitätseinbusse). Dadurch besteht eine erhöhte Blutungsbereitschaft.
Abnorme Durchlässigkeit, erhöhte Verletzlichkeit oder entzündliche Gefässwanderkrankungen können genetisch bedingt sein; sie führen zu kleinflächigen oder sogar nur punktförmigen Blutungen in die Haut. Die dünne Haut alter Menschen mit aus geringfügigem Anlass entstehenden blauvioletten Flecken ist ein Beispiel. Andere angeborene oder erworbene Gefässwandveränderungen sind selten.
Je nach Ursache entstehen verschiedene Blutungsformen, die teils spontan, ohne erkennbare Ursache auftreten. Aus dem Aspekt der Blutung lässt sich nur bedingt auf deren Ursache schliessen.
Auf die Ursachen kann man kaum selbst Einfluss nehmen. Ist eine Gerinnungsstörung nachgewiesen, gilt es Situationen mit Verletzungspotential möglichst zu meiden. Der Zahnarzt muss informiert sein, wenn eine verstärkte Blutungsneigung besteht.
Wer antikoaguliert ist, sollte beim Auftreten von wiederholten oder unerklärlichen Blutungen die Einnahme des Präparates stoppen und sogleich den Arzt aufsuchen. Die Antikoagulation könnte zu massiv ausgefallen sein. Gegebenenfalls muss man an eine Nebenwirkung von anderen Medikamenten denken und diese absetzen.
Personen mit Gerinnungsstörung und solche, die mit Antikoagulantien („Blutverdünner“) behandelt sind, sollten keine Medikamente einnehmen, welche die Blutgerinnung zusätzlich beeinträchtigen.
Der Verdacht auf erhöhte Blutungsneigung ist abklärungsbedürftig. Auch hinter harmlos erscheinenden Blutungen in die Haut kann eine ernsthafte Ursache stecken.
Merkpunkte für den Arztbesuch sind:
Manchmal besteht eine erhöhte Blutungsneigung lediglich vorübergehend und bedarf „nur“ einer besonderen Achtsamkeit vor Verletzungen.
Die genetisch oder durch Krankheit bedingte hämorrhagische Diathese lässt sich mit Präparaten behandeln. Dabei werden fehlende Eiweisse, Faktoren oder Zellen zugeführt oder in ihrer Funktion stabilisiert.
Beruht die Blutungstendenz auf Medikamenteneinnahme, zum Beispiel Antikoagulation, wird das Arzneimittel rechtzeitig vor einer allfälligen Operation abgesetzt und erst danach wieder gegeben.