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Steffisburg
Dorfkirche
Auf einer kleinen Nagelfluhrippe über dem Oberdorf steht die Dorfkirche Steffisburg. Sie wurde 1681 unter Verwendung von Mauerteilen des Vorgängerbaus wohl unter Abrahmam I Dünz errichtet. Es ist ein schmuckloser, im Osten dreiseitig geschlossener, barocker Predigtsaal. Der hochaufragende nachromanische Glockenturm mit einem Spitzhelm aus dem Jahr 1740 ist sowohl räumlicher Abschluss gegen Südosten wie Dominante des gewachsenen oberen Ortskerns. Der grosszügig angelegte Kirchhof mit grosser Rasenfläche und altem Baumbestand lädt zum Verweilen ein.
Archäologische Grabungen anlässlich einer Gesamtrestaurierung in den Jahren 1980-1982 zeigten, dass an dieser Stelle bereits im 7. oder 8. Jahrhundert das erste christliche Gotteshaus errichtet wurde. Die dabei gefundenen Strukturen eines wahrscheinlich profanen Baus sind sogar noch älter. Im 10. oder 11. Jahrhundert stand am selben Ort eine Kirche in der Form einer dreischiffigen romanischen Dreiapsidenbasilika, die in der Art der sogenannten «zwölf Thunerseekirchen» (bspw. Amsoldingen) errichtet wurde. Diese Kirche wird in einer Urkunde von 1224 erstmals erwähnt. Sie gehörte in vorreformatorischer Zeit dem Bistum Konstanz an und war dem Hl. Stephan geweiht.
Die heutige Dorfkirche wurde 1681 in Form eines längsgerichteten, schlichten Predigtsaals mit schlanken Rundbogenfenstern und einem abgewalmtem Satteldach erbaut. Als Projektverfasser wird der Münsterbaumeister Abraham Dünz I., damaliger Werkmeister am Berner Münster, vermutet.
Die Süd- und Westwände bestehen grösstenteils aus den Originalmauern der romanischen Basilika. Das rund 1000-jährige Mauerwerk mit dem intakten Rasa-Pietra-Fugenverputz der Südfassade ist eine Kostbarkeit. Der um 1320 entstandene Glockenturm an der Südwand des Chors setzt mit seinem spitz auslaufenden Helm einen markanten vertikalen Akzent in die eher massige Architektur des Kirchensaals.
Im Inneren befinden sich Ausstattungen aus verschiedenen Epochen. Aus der Bauphase von 1681 stammen die Holzkanzel und die Holzdecke mit Grisaillemalereien (1983 restauriert bzw. wiederhergestellt) sowie das 1682 datierte Moses-Gemälde von Christian Stucki. Der achteckige, neugotische Taufstein aus St.-Triphonkalk stammt von 1875. Die jetzige Orgel mit 29 Registern und einem offenen Prospekt kam 1933 zur Aufstellung über dem Haupteingang. Die konvex-konkav geschwungene Balustrade wurde aber bereits 1797 für die Orgelempore im Chor erbaut und später versetzt. Das Chorgestühl aus dunklem Eichenholz wie auch die graue Wandtäfelung im Schiff sind Neuschöpfungen von 1983 in starker formaler Anlehnung an barocke Beispiele des 17. Jahrhunderts. Die Glasfenster im Chor mit den Darstellungen der Geburt, Kreuzung und Auferstehung Christi sind von 1963 und stammten aus der Hand vom Steffisburger Glasmalers Robert Schär (1894-1973). Die 16 gemalten Kabinettscheiben sind teilweise jüngere Kopien, die älteste stammt jedoch von 1570.
- Kunstführer durch die Schweiz, hg. von Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2006-2012, Bd. 3, S. 440-441.
- Eggenberger, Peter, Susi Ulrich-Bochsler et al., Steffisburg Reformierte Pfarrkirche. Die Ergebnisse der archäologischen Forschungen von 1980 und 1982, Bern/Stuttgart: Staatlicher Lehrmittelverlag, 1994.
- Würsten, Hans Peter, Dorfkirche Steffisburg BE. Kanton Bern [Schweizerische Kunstführer GSK, 443], Bern: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, 1989.