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Ueli Seiler-Hugova : Leben und Werk
Ueli Seiler-Hugova ist am 19. April 1942 in Kleindietwil, Kanton Bern, Schweiz geboren. Sein Taufname ist Ulrich Seiler. Der Name Ulrich wird im Berndeutschen Ueli genannt. Der Zusatzname Hugova ist der ledige Name seiner zweiten Frau. Ueli ist Reform-Pädagoge. Er während 34 Jahren (1972 – 2006) die anthroposophischen Bildungsstätte Schlössli Ins geleitet. Seine Eltern, Robert und Ruth Seiler, Aetti und Müeti genannt, waren die Gründer dieser Institution. Ueli war bildungspolitisch tätig. Er lancierte im Kanton Bern 1980 eine Volksinitiative für freie Schulwahl, die einen Bildungsgutschein für die obligatorische Schulzeit forderte. Später war er massgeblich beteiligt an der Gründung und Führung einer Grünen Partei (Freie Liste) im Kanton Bern. Von 1994 bis 2000 war er Gastprofessor für Pädagogik an der lettischen Universität in Riga. Seit 2002 ist er Dozent an der Fachhochschule für künstlerische Sozialtherapie in Prag. Er ist Autor von Fachbüchern über Farben, Integrale Sternenkunde und über den Gralsmythos Parzival.
Kindheit und Jugend
Kleindietwil, wo Ueli geboren wurde und seine ersten Jahre verbrachte, liegt in der Nähe von Langenthal. Seine Grossmutter war Hebamme. Seine Mutter brachte im Elternhaus des Vaters Zwillinge zur Welt. Uelis Zwillingsbruder Hans starb aber wenige Tage nach der Geburt. Im Jahr darauf kam bereits die Schwester Katharina zur Welt. In den Kriegsjahren arbeiteten seine Eltern in einer Gärtnerei. Sie lernten sich in der kommunistischen Bewegung kennen, die vor allem antifaschistisch agierte. Im Hause Seilers verkehrten viele Flüchtlinge aus Deutschland. Nach dem Krieg distanzierten sich die Eltern von der kommunistischen Ideologie. Der Vater übernahm eine staatliche Gesamtschule im Berner-Oberland in Reust. Dort gingen Ueli und seine Schwester in der Unterstufe zum Vater in die Schule. Diese naturhafte Umgebung mit tiefen Wildbächen und hohen Bergen prägte die frühe Kindheit. In Reust kamen 1949 und 1950 noch die Brüder Michel und Beat zur Welt.
1953 gründeten die Eltern die anthroposophische Heimschule Schlössli Ins. Ueli Seiler-Hugova besuchte mit seiner Schwester die Rudolf Steiner Schule in Bern. Ueli verband sich schon früh mit der Initiative seiner Eltern und hatte schon als Kind das Ziel, einmal das Werk seiner Eltern fortzuführen. Er besuchte nach der obligatorischen Schulzeit das staatlich anerkannte Evangelische Lehrerseminar Muristalden und bildete sich zum Primarlehrer aus. Darauf folgend übernahm er, wie schon sein Vater, eine Gesamtschule (1.-9. Klasse) am Brienzersee in Ebligen.
Bildung
Primarlehrerausbildung in Bern, Studium am Sekundarlehramt der Universität Bern. Heimleiterausbildung am Institut für Psychologie in Zürich, verschiedenste Weiterbildungen für Waldorfpädagogik in Stuttgart und Dornach. Ueli Seiler-Hugova hat sich weiter hauptsächlich autodidaktisch gebildet. Er hat sich z.B. Goethes Farbenlehre angeeignet, die Integrale Sternenkunde, die Bewusstseinsstufen Jean Gebsers, die Kunst- und Kulturgeschichte, das Werk Parzival (Wolfram von Eschenbach Willehalm) und die Sinneslehre von Rudolf Steiner und Hugo Kükelhaus u.v.m.
Ueli Seiler-Hugova beschäftigte sich schon früh mit dem Werk Rudolf Steiners (1861 -1925). Mit 18-jährig las er die Philosophie der Freiheit und später vor allem die pädagogischen Schriften und Vorträge. Es beeindruckte ihn auch das Werk Erich Fromms (1900 – 1980). Die wichtigsten Bücher waren für Ueli Furcht vor der Freiheit, Kunst des Liebens und Haben oder Sein. Jean Gebser (1905 – 1973) war ein weiterer wichtiger Autor. Vor allem „Ursprung und Gegenwart“ wurde häufig zitiert in Uelis Veröffentlichungen. Durch die Farbenlehre J. W. Goethes (1749 – 1832) bildete er sich eine wichtige Grundlage für seine eigene Farbenlehre. Johann Heinrich Pestalozzis (1746 – 1827) Ideen der Menschenbildung wiederspiegeln sich überall in Uelis Veröffentlichungen. Die wichtigsten Impulse erhielt Ueli später aus der pädagogischen Praxis selbst. Er veranstaltete jeden Sommer pädagogische Tagungen mit namhaften Pädagog/innen. Die selber gehaltenen Vorträge und Kurse im In- und Ausland, nicht zuletzt die Gastprofessur in Riga, forderten ihn fortwährend heraus, neue Erkenntnisse zu erarbeiten.
Schlössli Ins
Als 21-jähriger (1963) trat er in die Institution seiner Eltern ein. Das Schlössli war zu dieser Zeit 10-jährig. Es hatte zur Aufgabe, Kinder und Jugendliche zu beherbergen und zu schulen, die aus vielerlei Gründen nicht mehr zuhause oder in einer Schule sein konnten. Schon die Eltern vom Schlössli-Gründer Aetti waren Verdingkinder gewesen und öffneten später das eigene kleine Heim für Kinder, die kein richtiges Zuhause hatten oder in der staatlichen Schule versagten. Dieses Schulinternat Schlössli Ins, das dann bis zu über hundert Kinder und Jugendliche und ebenso viele MitarbeiterInnen zählte, entwickelte sich mit den Jahren zu einem pädagogischen Ort mit überregionaler Ausstrahlung und wurde von Interessierten aus dem In- und Ausland häufig besucht.
Zusammen mit Aetti gründete Ueli 1963 das Freie heimpädagogische Seminar Schlössli Ins, ein dreijähriges Erzieher/innen-Seminar. Ueli übernimmt die Leitung. 1972 übernimmt Ueli die Leitung der ganzen Institution Schlössli. Er versucht die Bildungsstätte in sozialen Bereichen weiter zu entwickeln. Ende der Achzigerjahre erfährt das Schlössli eine tiefe Krise erfährt. Überarbeitete Konzepte lassen das Schlössli 1990 wieder aufblühen und Ueli Seiler-Hugova leitet es als Heimschule erfolgreich und mit fester Hand bis 2006.