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Elisabeth Charlotte von der Pfalz (1652-1722), genannt Liselotte, war eine deutsche Prinzessin, die 1671 den Herzog Philippe von Orléans, Bruder des französischen Königs Ludwigs XIV., heiratete – gezwungenermassen natürlich, aus politischen und familiären Gründen. Von ihrem Ehemann ignoriert (obwohl sie drei Kinder hatten) und nach anfänglicher enger Freundschaft bei ihrem Schwager, dem Sonnenkönig, in Ungnade gefallen, war Liselotte einsam und unglücklich. Sie schrieb daher oft und gern Briefe an ihre Verwandten in Deutschland (besonders ihre Tante Sophie, Kurfürstin von Hannover) und äusserte sich darin recht unverblümt über das Leben und die Leute am Hof von Versailles.
„Monsieur ist mehr auf die Buben erpicht, als nie, nimbt laqueyen aus den antichambren„, so kommentiert Elisabeth Charlotte in einem Brief vom 16. März 1698 die homosexuellen Eskapaden ihres Gatten. Über die Marquise de Maintenon (siehe Blog vom 1. September 2015) schreibt Liselotte am 10. Dezember 1689: „…ich glaube nicht, dass ein böserer teufel in der welt kann gefunden werden als sie ist mit aller ihrer devotion und heucheley… Alles unheil kompt von dieser zot.“ Ihre eigene Schwiegertochter, so schreibt die Herzogin am 10. Oktober 1693, gleiche „einem ärschen wie 2 tropfen wasser„. Am 1. Oktober 1687 beklagt Liselotte sich darüber, „…dass der hof jetzt so langweilig wird, dass man schier nicht mehr dabey dauern kann, denn der König bildt sich ein, er seye gottesfürchtig, wenn er macht, dass man nur brav langeweile hat und gequälert ist„. Dass menschliche Bedürfnisse auch bei Hoheiten eine Rolle spielen, beweist ihr Schreiben vom 6. Juli 1710 anschaulich: „Der König ist allezeit gar scrupulos gewesen, winde gehen zu lassen, aber mons. le dauphin und ich haben oft in die wette geschossen, wer am meisten winde lassen könnte, und uns gar wohl darbey gefunden.“
Madame, wie die Duchesse d’Orléans bei Hofe allgemein genannt wurde, schrieb ziemlich eigenwillig – und ohne Furcht vor Kraftausdrücken! Jetzt bei buchplanet.ch: Briefe der Liselotte von der Pfalz, herausgegeben von Helmuth Kiesel.