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Mammographie-Screening: Falsch-positive Befunde häufig
Mammographien werden seit vielen Jahren zur Brustkrebsvorsorge angeboten. In Amerika wurde 1994 das Mammographie-Screening für Frauen ab 40 empfohlen. Heute ab 50, da die höhere Röntgendichte des Brustdrüsengewebes vor der Menopause eine Krebserkennung erschwert und häufig zu falsch-positiven Befunden führt. Doch auch bei Frauen ab 50 sind Fehlalarme relativ häufig, wie eine prospektive Kohortenstudie in den Annals of Internal Medicine belegt.
Die Kohortenstudie beruht auf den Daten von sieben Mammographieregistern des amerikanischen Breast Cancer Surveillance Consortium. Diese Datenbank enthält Informationen von 169'456 Frauen, die im Alter von 40-59 mit dem Mammographie-Screening begonnen hatten; davon wurde bei 4'492 Frauen zwischen 1996 und 2006 ein Brustkrebs diagnostiziert.
Die erste Mammographie ergab bei 16.3% einen falsch-positiven Befund, der zur erneuten Einbestellung der betroffenen Frauen führte. In 2.5% der Fälle wurde eine Biopsie empfohlen. Bei den nachfolgenden Mammographien halbierte sich die Rate falsch-positiver Befunde aufgrund der Vergleichsmöglichkeit mit den Vorbildern auf 9.6%. In der Gruppe der Frauen, die mit 40 Jahren das jährliche Screening begonnen hatten, mussten 61.3% innerhalb der ersten 10 Jahre mit einem falsch-positiven Befund rechnen. Immerhin 7% dieser Frauen unterzogen sich einer Biopsie, bei der sich der Malignomverdacht aber dann letztlich als unbegründet herausstellen sollte. Der Wechsel auf ein zweijährliches Screening senkte die Rate falsch-negativer Befunde auf 41.6% und die Biopsierate auf 4.8%. Ähnliche Raten falsch-positiver Befunde und Biopsien wurden für Frauen ermittelt, die erst mit 50 das Mammographie-Screening begonnen hatten. Das zweijährliche Intervall führte zu keinem signifikanten Nachteil hinsichtlich der Rate bei Intervall-Tumoren, die erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt wurden: Der Anteil fortgeschrittener Tumoren stieg bei Frauen, die ab 40 gescreent wurden, nicht-signifikant um 3.3 Prozentpunkte und bei den Frauen, die ab 50 gescreent wurden um 2.3 Prozentpunkte.
Konklusion der Autoren: Mehr als die Hälfte aller Frauen, die im Alter von 40-50 Jahren mit einem jährlichen Mammographie-Screening beginnen, müssen in den ersten zehn Jahren mit einem falsch-positiven Befund rechnen. 7 bis 9% dieser Frauen müssen sich dem Stress einer unnötigen Biopsie aussetzen. Mit dem zweijährigen Intervall (wie dies in der Schweiz auch empfohlen ist) wird die Rate falsch-positiver Befunde gesenkt, bei einem gleichzeitig etwas erhöhten Risiko, dass Intervallkarzinome erst in einem bereits fortgeschrittenen Stadium entdeckt werden.
Link zur Studie
Ann Intern Med 2011;155:481-492 - Hubbard RA et al.
19.10.2011 - gem