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Zwei Kaderleute der Genfer Kantonalbank (BCGE) haben in den 1990er Jahren bei der Vergabe von Krediten an einen Immobilienhändler keine unrechtmässige Bereicherungsabsicht gehabt. Zu diesem Schluss ist das Genfer Polizeigericht gekommen.
Der sogenannte Lavizzari-Prozess hat am Freitag, zehn Jahre nach Beginn des Verfahrens, zu einem Freispruch für alle drei Angeklagten geführt. Auf der Anklagebank sassen der Immobilienhändler Carlo Lavizzari, der ehemalige Verwaltungsratspräsident der BCGE, Dominique Ducret, und der frühere Direktor der Bank, Marc Fues.
Die Genfer Staatsanwaltschaft warf den drei Männern unter anderem Betrug und ungetreue Geschäftsbesorgung vor. Die drei Angeklagten sollen die Verschuldung von Lavizzaris Unternehmen gegenüber der Genfer Kantonalbank vertuscht haben. Dadurch konnte die Kantonalbank ein besseres Jahresergebnis vorweisen.
Als Gegenleistung erhielt Lavizzari zinslose Darlehen, Darlehen ohne die Fälligkeit einer Rückzahlung sowie einen Kredit von 20 Millionen Franken für seinen persönlichen Aufwand.
Die Angeklagten bestritten die Vorwürfe allerdings vehement. Es habe weder Bevorteilungen noch Geschenke gegeben, und sie hätten nichts anderes im Sinn gehabt, als die Bank zu retten.
Appellationsprozess im Frühjahr
Das Gericht kommt in seinem Urteil zum Schluss, dass die Banker und der Immobilienhändler nicht in der Absicht gehandelt haben, sich unrechtmässig zu bereichern. Ausserdem hätten sie der Bank keinen finanziellen Schaden zugefügt.
Die genaue Urteilsbegründung wird den Parteien erst später mitgeteilt. Von Seiten der Genfer Kantonalbank, die auf der Klägerseite stand, scheint ein Rekurs nicht aktuell.
Staatsanwalt Daniel Zappelli will erst nach Vorliegen der Urteilsbegründung entscheiden, ob er gegen das Urteil rekurrieren wird. Zappelli hatte für Lavizzari und Fues eine Gefängnisstrafe von je zwölf Monaten auf Bewährung gefordert, während er für Ducret einen Freispruch beantragt hatte.
Ducret und Fues standen bereits letzten Frühling vor Gericht. Sie mussten sich wegen Milliardenverlusten bei der BCGE verantworten. Während Ducret freigesprochen wurde, erhielt Fues eine Geldbusse. Das Urteil wurde jedoch angefochten. Der Appellationsprozess findet voraussichtlich noch in diesem Frühjahr statt.
(tno/vst/sda)