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Ausgestattet mit einer fantastischen, durchdringenden Bariton-Stimme und einem einzigartigen Gefühl für Lyrik, ist der Sänger und Komponist Zé Ramalho verantwortlich für eins der aufsehenerregendsten Kapitel der brasilianischen Volksmusik mit nordöstlichen Wurzeln. Beeinflusst von der Poesie der Beatles und der Rolling Stones, durchdrungen von den absurden Refrains der “Repentistas“, wie zum Beispiel Zé Limeira und Pinto do Monteiro, füllte der aus dem Bundesstaat Paríba stammende Künstler seine Texte mit dem fantastischen Realismus, der typisch ist für die Vorstellungswelt der Menschen des brasilianischen Nordostens. Heraus kam eine moderne Verbindung von Rock mit “Xaxado“, “Galope“ und “Beira-Mar“.
Wie Alceu Valença, Lula Côrtes, Fagner und die Gruppe der “Leute aus Ceará“, nutzte Zé Ramalho die elektrische und elektronische Instrumentierung, um seiner Musik einen universellen Anstrich zu geben. Ausserdem verstand er es meisterhaft, auf seinen Platten aus diesen Innovationen das Timbre der Viola hervorzuheben.
Geboren am 03. Oktober 1949 im Städtchen Brejo da Cruz – im tiefsten “Agreste” von Paraíba, verlor José Ramalho Neto (Zé Ramalho) seinen Vater, einen Dichter, und seinen Grossvater, einen Steuereintreiber, und wuchs auf in dem verschlafenen kleinen Ort mit den wenigen Strassen und einem enormen Felsen, der die Szene beherrscht und ihr eine fremdartige, aber sehr eindrucksvolle, Atmosphäre gibt. Nachdem er seinen Vater verloren hatte als er zwei Jahre alt war, ertrunken in einem See, übernahm der Grossvater seine Erziehung. Noch im Kindesalter begann er, sich für die Bibel zu interessieren, für die griechisch-römische Mythologie und die “Literatura de Cordel“ (wörtlich: Schnur-Literatur – Heftchen, ähnlich den amerikanischen Gibis, in denen aktuelle Ereignisse aus der Politik, zum Beispiel, in Bildern dargestellt wurden, da das Gros der Menschen im Nordosten damals nicht lesen konnte). Noch als Kind im Alter von 10 Jahren verliess er seinen Geburtsort, um in Campina Grande zu wohnen, dem industriellen Zentrum von Paraíba, wo in kultureller Hinsicht mehr los war – mehr sogar als in der Hauptstadt João Pessoa – dort stellte er seine erste Band zusammen, “Os Jets“.
Die “JUNGE GARDE“ aus dem Nordosten
Mit 15 zieht er in die Hauptstadt João Pessoa um, wo er seine musikalische Ausbildung fortsetzt. Seine Beziehung zur Musik prägt diese Periode seiner Jugend, und er macht als Gitarrist bei verschiedenen lokalen Gruppen der Jungen Garde mit – wie zum Beispiel bei den “Os Quatro Loucos“ (den vier Verrückten), “Os Gentlemen“ (die Gentlemen) und bei “Elis e os Demônios (Elis und die Dämonen). Im Kopf des jungen Zé Ramalho hatte sich ein Sammelsurium nordöstlicher Kultur angelagert, die in einem latenten Stadium der Ruhe ihren Ausbruch vorbereitete. Wie die Mehrheit der Jugendlichen, war er mehr interessiert an den Beatles und an der Bewegung der “Jovem Guarda“, die, geführt vom Idol Roberto Carlos, auch manchmal in João Pessoa und der Umgegend präsentierte.
Esotherische Reisen im “Sertão“
Zé Ramalho studierte Medizin in João Pessoa, liess das Studium aber saussen, weil ihn der Anblick von Blut zutiefst abstiess. Also folgte er ein für alle Mal seiner Berufung: der Musik. Allein zieht er los zur Achse Rio-São Paulo, es gelingt ihm aber nichts, und er kehrt ein Jahr später wieder zurück. In Recife lernt er Alceu Valença kennen, und Lula Côrtes, mit ihnen teilt er ästhetisch-musikalische Identitäten, welche sich aus einem gemeinsamen Lebensraum ergeben, in dem sie aufgewachsen sind: dem “Sertão“ des Nordostens. Mit ihnen nimmt er sein erstes Doppelalbum “Paêbirú“ auf – der Titel bedeutet “Der Weg des Sonnenberges“. Herausgegeben Anfang 1975, lässt es eine breite Palette von nordöstlichen Rhythmen und progressiven Rock wieder aufleben. An der Platte sind als Musiker auch Geraldo Azevedo, Ivinho, Zé da Flauta und Paulo Rafael beteiligt.
Der Text der Platte basiert auf Legenden, welche in der Gegend von “Ingá do Bacamarte“, (Paraíba) im Umlauf sind. Zé Ramalho und Lula Côrtes wollten die Geheimnisse von “Sumé“ aufdecken, einem Zauberer, der vor langer Zeit von den Sternen herabgestiegen sein soll, um den Indianern sein Wissen zu übergeben. Bis zum heutigen Tag streiten sich die Wissenschaftler über die nicht zu entziffernden Felsinschriften, die man in der Gegend gefunden hat – ob oder nicht, diese das Werk von Ausserirdischen seien. Historiker behaupten, die Zeichen seien phönizischen Charakters und Ursprungs.
Das Doppelalbum mit einer “Mystischen Handschrift“ hat keinen Erfolg und Zé Ramalho verbleibt in Recife bis zum Jahr 1975, als Alçeu Valença ihn um die Begleitung seiner Viola in der Show “Vou Danado pra Catende“ ersucht. Zé erreicht eine gewisse Aufmerksamkeit des Publikums durch seine Begleitung der Band von Alçeu Valença, und als er allein den “Jaquarepagá Blues“ singt. Aus dieser Show geht das Album “Ao Vivo“ (Live) von Alçeu Valença hervor (1976).
Im folgenden Jahr wird Zé Ramalho von der Filmemacherin aus São Paulo, Tânia Quaresma, eingeladen, mit ihr das Hinterland von Paraíba, Ceará und Pernambuco zu bereisen, um dort Sänger, Repentistas, Gitarristen und andere Volks-Künstler vor die Kamera zu bekommen – wie zum Beispiel Pedro Bandeira, Otacílio Batista und Zé Olho de Gato. Später im Film, schlüpft Zé Ramalho persönlich in die Figur des legendären Zé Limeira, einem paraibanischen “Violeiro“, der als „Poet des Absurden“ bekannt war. Die Frucht diese Arbeit war der Film “Nordeste, Repente e Canção“. Dieses Experiment hat den Künstler tief geprägt und sein „genetisches“ Erbe als Bänkelsänger und “Violeiro“ aufgefrischt.
Und dann geht sein Stern auf
Weil er sich in der Show von Alceu Valença hervorgetan hatte – wo er solo einige seiner “gereimten Verse“ (repentes) zum besten gegeben hatte – wird er vom Plattenverlag CBS unter Vertrag genommen. Seine erste LP, “Zé Ramalho“, kommt Anfang 1978 auf den Markt und hat sofort im ganzen Land Erfolg – der Song “Vila do Sossego“ (Dorf der Ruhe), mit psychodelischem Anstrich – der die ganze existenzielle Verzweiflung des Künstlers reflektiert – ist sofort ein Riesenerfolg von einer Ecke des Landes zur andern. Einen Nachruf zu Ehren seines Vaters und des Grossvaters hat er im Song “Avôhai“ verarbeitet – und zwar unter Einwirkung eines haluzinogenischen Gebräus aus Pilzen. Er behauptet, dass eine mystische Stimme ihm den Text dazu ins Ohr geflüstert habe.
Die LP entstand unter Mitwirkung des Schweizer Keyboard-Spielers Patrick Moraz (ex-YES), ein musikalisches Werk des progressiven Rock, was die Sorge von Zé Ramalho demonstriert, möglichst “universal“ zu klingen, obwohl er mit seinen Füssen fest im kulturellen Kessel des brasilianischen Nordostens steht. “Der Tanz der Schmetterlinge“, gespielt von ihm und Alceu Valença (schon einmal von letzterem auf der LP “Espelho Cristalino“ von 1977 aufgenommen), begeistert durch ihr wunderbares Gitarrenspiel – Beitrag des ewigen “Mutanten“ Sérgio Dias Batista, vor einem nordöstlichen Percussions-Background. Fortan kultiviert Zé Ramalho seine sonore Ästhetik basierend auf einer Fusion von Rock mit dem Sound der Violas der “Repentistas“ und den Ziehharmonikas der Forrós der inneren Nordostens.
Im zweiten Album, „A Peleja do Diabo contra o dono do céu“ (Die Auseinandersetzung des Teufels mit dem Herrn des Himmels), vertieft Zé Ramalho seine ästhetische Reise. Er elektrifiziert eine antike Tradition der Kulturgeschichte des Nordostens, die Begegnung zwischen Gott und dem Teufel. Dazu bediente er sich des traditionellen Universums der “Pelejas“ (Zwist, Streit, Wettkampf) in der “Schnur-Literatur“, welche zur Basis jener Wettstreite zwischen den “Repentistas“ fahrende Bänkelsänger, die mit ihren “Repentes“ = provozierenden Versen, gegeneinander antreten – zur Gaudi der Zuschauer) geworden sind. Es zirkuliert eine alte Legende in der nordöstlichen Vorstellung, die von jenen “Repentistas“ das Beste verlangt, was sie zu geben imstande sind – nicht nur in den schnellen und gereimten Versmassen, sondern auch aus religiöser Überzeugung: denn eines Tages wird jeder Sänger einmal dem Teufel persönlich gegenüber stehen. Und, damit er ihn nicht mitnimmt in die Hölle, wird er den Teufel mit seinem Können begeistern müssen. Zé Ramalho sich jener arkaischen Form der poetischen Komposition bedient und die Moderne in den Sertão getragen – und seine Musik mit antiken Mythen und der nordöstlichen Kultur verwoben.
Der Karneval von Bahia verdankt Zé Ramalho die Einführung einer neuen rhythmischen Ordnung: die “Galopes“ (Galopp). Der Karnevals-Galopp, eine Abwandlung des Frevo, wurde erstmals von dem Song “Frevo Mulher“ präsentiert, erfolgreich mit den Stimmen seiner Frau Amelinha und seiner eigenen. Die Musik ist einer der Hits des zweiten Albums von Zé Ramalho und dem ersten von Amelinha – beide herausgegeben im Jahr 1979.
Prophet der Apokalypse
Bei der dritten LP, “A Terceira Lâmina“ (Die dritte Klinge), erschienen 1981, hat sich Zé Ramalho bereits mit Frau und Kindern in Fortaleza niedergelassen, wo er Sänger aus dem gesamten Nordosten zusammentrommelt, um die nordöstliche Kultur zu zelebrieren.
Auf der “Dritten Klinge“ gelingt ihm die Vertiefung der Idee einer Apokalypse, welche die Repentistas beherrsche – und er erweitert sie auf eine weltweite Perspektive. Als populärer und klassischer Figur gelingen Zé Ramalho Mitwirkungen berühmter Künstler, wie zum Beispiel der Sopranistin Mária Lúcia Godoy. Zé Ramalho wählte Songs aus, welche die Freiheit des Menschen behandeln und die Schöpfung. Auch im Fall der “Filhos de Câncer“ (Kinder des Sternzeichens “Krebs“) – unter Mitarbeit des Sängers und Komponisten aus Ceará, Fagner – einem Song, der den Praktikanten des Drachenflugs gewidmet ist: “Sie lösen die Schlingen / tun was für ihr Freiheit /“ – und derselbe poetische Appell wiederholt sich in “O Pequeno Xote“: “Jeder Mensch verdient Glück . . .“.
Die Überschrift der LP löste damals eine Polemik aus, wegen der in gewisser Weise alarmierenden Vision des Autors hinsichtlich einer möglichen Explosion eines Dritten Weltkrieges. Die Rückseite der “Dritten Klinge“ zeigt eine Atomexplosion, und die Titelseite Zé Ramalho selbst in einer betenden Haltung, was den Eindruck vermittelt, das er darum betet, es nicht geschehen zu lassen. Im Text schickt er seine mystisch-prophetische Botschaft: “Und sie kommt als Krieg / die dritte Botschaft / in den Kopf des Menschen / Unruhe und Courage“.
Im darauf folgenden Jahr, nachdem er drei Alben mit einem Durchschnitt von 150.000 Kopien verkauft hatte, die ihm drei Goldene einbrachten, behandelt Zé Ramalho im Album “Força Verde“ (1982) verschiedene Themen aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, illustriert mit diversen Gravuren. Zu der Platte mit Basis auf den nordöstlichen Rhythmen, umgab sich der Künstler mit Saiten- und Metallinstrumenten, rundete einige Teile sogar mit einem Choral ab, dirigiert vom Maestro Walter Branco.
Der Titelsong der LP ist eine Klage, welche mit elektronischer Verzerrung seiner Stimme neu aufgenommen wurde, was ihn von der Originalversion von Fagner distanziert. Der Baião “Banquete dos Signos“ (Bankett der Sternbilder) präsentiert ein Gesangsduo mit der Sängerin Marinês und einem Hintergrund von Saiteninstrumenten: 12 Geigen, vier Violas (Bratschen) und Cellos. Die Mehrzahl der Songs hat narrative Texte mit kaleidoskopischen Bildern und Zitaten, wie bei “Visões de Zé Limeira sobre o final do século XX“ (Visionen von Zé Limeira über das Ende des 20. Jahrhunderts), wo er wieder Kontakt mit dem Bild seines Idols aufnimmt, dem verstorbenen paraibanischen Viola-Spieler Zé Limeira: eine mythologische Figur des Nordostens. Die LP präsentiert auch die medievale Musik der “Cristais do Tempo“ (Kristalle der Zeit), punktiert von einem Fagott. Zur selben Zeit widmet sich Zé Ramalho seinen schriftstellerischen Ambitionen.
Der Tournées müde, entschliesst er sich zu einem weiteren Album im folgenden Jahr, aber er reist nicht herum. Schliesst sich ein in Rio de Janeiro und macht eine gut erarbeitete Platte mit mehr Zeitaufwand als sonst. Das daraus hervorgehende Album “Orchídea Negra“ (Schwarze Orchidee) leitet einen neuen Zyklus im Leben des Künstlers ein und bringt ihm neue Partnerschaften, wie: A Cor do Som, Trio Dodô, Osmar e Armandinho, Maria Lúcia Godoy, Egberto Gismonte, Fagner, Robertinho do Recife, Alceu Valença und Capinam.
Der Titelsong ist einer der Hits des Albums, er enthüllt in epischem Ton die kataklistische Vision von Jorge Mautner: “Du bist die schwarze Orchidee / Knospe der wilden Maschine / Engel des Unmöglichen / gepflanzt als neue Landschaft“. Die Mitwirkung des Trios Dodô, Osmar e Armandinho und seinen bahianischen Gitarren beim Song “Dominó“ ist eine wunderschöne ästhetische Fusion. Der Text von Zé Ramalho ist, wie immer, voller abstrakter Bilder: “Nimm das Schicksal und stell es zur Reise / und die Reise stell zum Schicksal / den Sakristan stell zur Glocke . . .“. Da Album endet mit in triumphaler Form mit er Komposition “O Xote dos Poetas“, präsentiert vom bahianischen Dichter Capinam und verschiedenen Absätzen in Spanisch: “A las cinco em punto de la tarde/ las seis grandes bascas/ em siete estrelas tornaram/ ocho novias brasileñas/ nueva puñales, diez varandas/ sangre nel mural de la tarde/ la palabra libertad“.
Kokain, Dekadenz und Depression
Im nächsten Jahr kommt das Álbum „Pra não dizer que eu não falei de rock ou…por aquelas que foram bem amadas ou…“ (Um nicht zu sagen, dass ich nicht über Rock spreche, oder… für jene, die geliebt worden sind, oder…“, was bereits einen Kreativitätsschwund der Sängers und Komponisten andeutet, denn er verliert sich hier in Songs des Formats “Pop-Rock“, ohne grösseren Eindruck zu machen.
Die Frauen sind das Thema in “Mulheres”, unter Mitwirkung des Sängers und Komponisten aus Rio de Janeiro, Jards Macalé, ausserdem wirken mit die Sängerinnen Wanderléia und Zezé Mota. Er nimmt die Gelegenheit war, den Jacarepaguá-Blues und andere Songs, wie “Made in PB” (Paraíba), “Fragil” und “Beijo do Cruz”, einzubinden, Songs, die eher mit der Essenz des Rock verbunden sind. Ausserdem packt er noch eine Version des Beatle-Songs “Fool on the Hill” dazu – mit Erasmo Carlos im vokalen Duett.
Seine kreative Krise spiegelt auch das Ende seiner Ehe mit Amelinha wider – er kehrt nach Rio de Janeiro zurück, nachdem er 1984 bereits Fortaleza verlassen hatte. Er fängt im nächsten Jahr ein neues Verhältnis mit der Fachfrau für Wirtschaft, Roberta Fontenele, an – 15 Jahre jünger als er. Und 1985 bringt er die LP “De gosto de água e de amigos“ (Vom Geschmack des Wassers und dem der Freunde) heraus, der Titelsong ist eine Ballade, in der sein Partner aus besseren Tagen, der Pernambukaner Lula Cortes, die Suche seines Freundes Zé Ramalho nach einem neuen “sicheren Hafen” seiner Existenz beschreibt: “Nichts hat Geschmack / von dem was niemals endet /es ist als ob man Wasser trinkt / im Haus seiner Freunde / es ist, wie sich verbergen / vor dem Wind / und den Gefahren / es ist… als ob man am Boden liegt / und gut verborgen…“.
1996, beeinflusst von dem alten Lied “Mere-Mere Mar”, bringt Zé Ramalho die LP “Opus Visionário” heraus, die voll und ganz seine kreative Krise wiedergibt, welche vom Kokain-Missbrauch des Künstlers in den 80er Jahren verursacht wurde. 1987 brachte er die Platte “Décimas de um cantador” heraus und erneuerte seinen Ruf als Poet mit typischen Versen der fahrenden Sänger aus dem Nordosten. Als sein Vertrag ausläuft, erneuert ihn die multinationale CBS nicht – er wird gefeuert wegen zu niedriger Verkaufszahlen seiner letzten drei Alben.
Nachdem er sich mit Hilfe seiner Frau einer hausgemachten Entzugsbehandlung unterworfen hat, um die Kokainsucht loszuwerden, wird Zé Ramalho von der SONY MUSIC zu Aufnahmen eingeladen, um zu Anfang ein Album mit volkstümlichen Kompositionen und traditionellen Sängern des nordöstlichen Sertão zusammenzustellen. Im gleichen Jahr 1992, noch bei der SONY, scheint sein Album “Frevoador” endlich wieder das Format seiner Arbeit in reinster nordöstlicher Tradition anzunehmen.
Rückkehr in den 90er Jahren
Zé Ramalho reist wieder mit Shows durchs ganze Land und fängt an, wegen seiner mystischen und apologetischen Inhalte seiner Songs, als der Nachfolger jenes in Brasilien hochverehrten bahianischen Rockstars Raul Seixas eingestuft zu werden. 1996, bei einer Show in Vitória da Conquista (Bahia), erklimmen Repräsentanten der “Sociedade Maluco Beleza” die Bühne und werfen Zé Ramalho eine Tunika über, mit der sie ihn als Nacheiferer der Ideen von Raul Seixas betiteln.
Nachdem er bei einer Show im Duett mit Geraldo Azevedo gesungen hat (1995) und eine grosse Tournée mit diesem, sowie Alceu Valença und Elba Ramalho hinter sich gebracht, und aus diesem kollektiven Projekt zwei CDs hervorgegangen sind, ist er wieder da! 1996 wird sein Song “Admirável Gado Novo“ neu aufgenommen von Cássia Eller. Die Originalaufnahme wird in die Begleitmusik der Novela “O Rei do Gado“ von der TV-Globo integriert, womit Zé Ramalho die Aufmerksamkeit des jüngeren Publikums für seine Musik gewinnt.
Er schliesst einen neuen Vertrag mit der BMG ab und nimmt die CD “Cidades e Lendas“ (Städte und Legenden) auf – Zé Ramalho als Autor und Sivuca als Co-Produzent. Das Timbre seiner tiefen Stimme – des poetischen, symbolischen, prophetischen und apokalyptischen Zé Ramalho – manchmal pausierend und wieder emphatisch, wirkt besonders ergreifend im Titelsong “Cada um da o que tem“ (Jeder gibt das, was er hat), in “Die Letzten Tage“ (Últimos Dias) und in “Um Lugar para Sonhar“ (Ein Ort zum Träumen). Im Titelsong wird seine poetische Ader besonders im Refrain unterstrichen: “Toda cidade é uma lenda/tendas de ferro e cristal/ ruas de luz e de penas/ cenas de fogo e jornal“ (Jede Stadt ist eine Legende / Zelte aus Eisen und Kristall / Strassen von Licht und Strafen / Szenen von Feuer und Zeitung).
Seine künstlerische Karriere wird von zwei Grossverlagen dargestellt: der eine ist die SONY MUSIC mit (“20 anos de carreira de Zé Ramalho“ – 20 Jahre Karriere von Z.R.) und die andere, publiziert von der BMG (“20 anos, Antologia Acústica“ – 20 Jahre, eine akustische Anthologie). Die letztere ist eine Doppel-CD, produziert von dem Gitarristen Robertinho do Recife, und enthält akustische Neuaufnahmen von 19 Zé-Ramalho-Kompositionen, sowie die Version einer Komposition von Bob Dylan “Knocking on heaven’s door“. Mit einem extremen akustischen Aufwand hergestellt, verkaufte das Album 500.000 Kopien in ganz Brasilien (eigentlich 1 Million, den es ist eine Doppel-CD).
Und Zé Ramalho hat weiterhin grossen Erfolg auf der nationalen Bühne – einen Haupttreffer landet er mit der CD “Eu sou todos nós“ (Ich bin wir alle) – wieder produziert von Robertinho do Recife – mit 10 bisher unveröffentlichten Kompositionen und zwei Neuaufnahmen. Zé Ramalho betrachtet dieses Werk als sein Manifest zum Ausklang unseres Jahrhunderts. Der Titelsong hat einen Text, der sich bemüht, den Inhalt der Brüderlichkeit von “Imagine“ (John Lennon) wieder aufleben zu lassen. Ein anderer Hit ist eine neue Version des Albums “Peleja do Diabo com o Dono do Céu“, präsentiert von einem Chor allein, ohne Instrumente.
Zé Ramalho, dessen Image oft mit der Bewegung “Sem Terra“ in Einklang gebracht wird – besonders nach der Novela “O Rei do Gado“ (Der Rinder-König), komponierte daraufhin einen Song, den er tatsächlich “Sem Terra“ (Ohne Land) nannte – und in dem er der Bewegung ihre Berechtigung bescheinigt, wenn sie den friedlichen Demonstrationsweg wählt. 1998 präsentierte er sich mit seinem Lied “Admirável gado Novo“ während einer Manifestation der Sem-Terra-Bewegung in Brasília – mitten auf der Esplanade der Ministerien – und verliess sie unter riesigem Applaus.
Das Dritte Jahrtausend – gegenwärtig
Sein erstes Werk im 21. Jahrhundert war das Album “Zé Ramalho Canta Raúl Seixas“ (Zé Ramalho singt Kompositionen von Raúl Seixas) – mit Neuaufnahmen von Songs des bahianischen Musikers. Zé teilte sich die Bühne mit Elba Ramalho beim “III. Rock in Rio“. Im Jahr 2002 bringt die Plattenfirma “Song Livre“ eine CD mit seinen grossen Erfolgen auf den Markt, mit dem Titel “Perfil“ (Profil). Ebenfalls im Jahr 2002 erscheint das 17. Album “O Gosto da Criação“ (Gefallen an der Kreation).
2003 “Estação Brasil“ (Station Brasilien), ein Album mit verschiedenen Neuaufnahmen brasilianischer Songs, sowie einem unveröffentlichten. Zé partizipierte als Gast in der Komposition “Sinônimos“ des Albums “Aqui o Sistema é Bruto“ von Chitãozinho & Chororó.
2005 nahm er sein einziges Solo-Album life auf: “Zé Ramalho ao Vivo“. Sein neuestes Album unveröffentlichter Kompositionen “Parceria dos Viajantes“ kam im Jahr 2007 auf den Markt und wurde für den “Latin Grammy der besten brasilianischen Volksmusik“ vorgeschlagen.
2008 erschien ein Album von Raritäten unter dem Titel “Zé Ramalho da Paraíba“ beim Verlag “Discoberta“, gefolgt von einem neuen Cover-Album “Zé Ramalho canta Bob Dylan – Tá tudo mudando“ zu Ehren des amerikanischen Musikers.
2009 wurde ein weiteres Cover-Album aufgenommen: “Zé Ramalho Canta Luiz Gonzaga“ zu Ehren jenes verstorbenen aber unvergessenen Musikers mit dem Akkordeon aus Pernambuco.
Diskographie Zé Ramalho
- ZÉ RAMALHO CANTA LUIZ GONZAGA (2009)
- ZÉ RAMALHO CANTA BOB DYLAN (2008)
- ZÉ RAMALHO DA PARAÍBA (2008)
- PARCERIA DOS VIAJANTES (2007)
- AO VIVO (2005)
- DUETOS (2004)
- ESTAÇÃO BRASIL (2003)
- O GOSTO DA CRIAÇÃO (2002)
- ZÉ RAMALHO CANTA RAUL SEIXAS (2001)
- O GRANDE ENCONTRO III
- ELBA RAMALHO, GERALDO AZEVEDO E ZÉ RAMALHO (2000)
- NAÇÃO NORDESTINA (2000)
- EU SOU TODOS NÓS (1998)
- 20 ANOS DE CARREIRA DE ZÉ RAMALHO (1997)
- ANTOLOGIA ACÚSTICA ACÚSTICAO (1997)
- O GRANDE ENCONTRO 2 – GERALDO AZEVEDO E ELBA RAMALHO (1997)
- CIDADES E LENDAS (1996)
- FREVOADOR (1992)
- BRASIL NORDESTE (1992)
- DÉCIMAS DE UM CANTADOR (1987)
- OPUS VISIONÁRIO (1986)