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Alexander Lukaschenko ist der Schurke der internationalen Politik, ein grosser Hockey-Fan und ein Freund von WM-Schirmherr René Fasel. Was, wenn im Rahmen der Hockey-WM in Riga Sanktionen gegen Weissrussland gefordert werden?
Die Bilder gehen um die Welt und bescheren René Fasel (71) mehr Medienpräsenz als all sein Tun und Lassen in den vorangegangenen 25 Jahren als Obmann des Internationalen Eishockeyverbandes IIHF und als eines der führenden IOC-Mitglieder: Er umarmt Anfang Januar Alexander Lukaschenko im Rahmen eines Treffens in Minsk. Bildermaschinen halten den Augenblick fest.
René Fasel war im Zusammenhang mit der Eishockey-WM 2021 in die weissrussische Hauptstadt gereist. Weissrussland hätte eigentlich die diesjährigen Titelkämpfe gemeinsam mit Lettland durchführen sollen. Die Schweiz war in die Gruppe eingeteilt, die in Minsk gespielt hätte. Wegen der zunehmenden politischen Isolierung Alexander Lukaschenkos, politischen Protesten und Rückzugsdrohungen von Sponsoren wird die WM nur noch in Lettland ausgetragen. 2014 hatte Weissrussland die Eishockey-WM höchst erfolgreich organisiert
Die Frage geht deshalb an René Fasel: Können Sie Ihre langjährige Bekanntschaft mit Alexander Lukaschenko nicht dazu nützen, um mässigend auf ihn einzuwirken und vielleicht gar eine Freilassung des Oppositionellen Roman Protassewitsch erreichen? «Nein», sagt René Fasel und nur sein charmantes, freundliches Wesen verbietet es ihm, auf seine solche polemische Frage unwirsch zu reagieren. «Die politische Lage ist, wie sie ist. Eishockey ist unpolitisch.» Der Internationale Eishockeyverband mische sich nicht in politische Angelegenheiten ein.
René Fasel kann als IIHF-Vorsitzender in der Sache nicht losgelöst vom Amt als Privatperson seine Meinung vertreten. Und wer weiss: Nachdem sein Treffen im Januar mit Alexander Lukaschenko ohne sein Wissen in Bildern festgehalten worden ist – müsste er dann nicht fürchten, dass ein Telefonat mit dem weissrussischen Staatsoberhaupt heimlich auf Band mitgeschnitten und dann in der Welt verbreitet würde? Und ein charmant gemeinter Spruch, unerlässlich, um das Eis zu tauen, zu einem «Shitstorm» führt? Eben.
In Riga wehen an verschiedenen öffentlichen Plätzen die Flaggen der 16 an der WM teilnehmenden Länder plus die IIHF-Flagge. Zu den 16 WM-Teilnehmern gehört auch Weissrussland. «Wir können es uns nicht leisten, im städtischen Umfeld von Riga eine Flagge zu hochzuhalten, die ein Regime symbolisiert, das faktisch Staatsterrorismus gegen die Menschen in seinem Land ausübt», erklärte Bürgermeister Martins Stakis.
René Fasel hat als Schirmherr dieser WM umgehend per Brief gefordert, wieder die echte Weissrussland-Fahne anzubringen oder die IIHF-Flagge zu entfernen. Der Aufforderung ist Martins Stakis nachgekommen: «Wir müssen uns jetzt also entscheiden zwischen einem Volk, das um Freiheit kämpft und einem Diktator. Wir werden die IIHF-Flaggen abhängen.»
«Wir sind eine unpolitische Organisation» sagt René Fasel. Deshalb dürfe die IIHF-Flagge nicht in eine politische Aktion einbezogen werden. Bei der WM gebe es keine politischen Spannungen und der Austausch zwischen den Vertretern der verschiedenen Länder, auch jenen aus Weissrussland sei in Riga freundschaftlich und entspannt. In zwei Wochen sind in Riga Wahlen. René Fasel sieht diese «Flaggen-Aktion» des Bürgermeisters als einen Teil des Wahlkampfes. Irgendwelche Massnahmen gegen Weissrussland im Rahmen dieser WM seien völlig ausgeschlossen.
Zum bisher letzten Mal ist die Eishockey WM vor 59 Jahren durch die Politik stark beeinträchtigt worden: 1962 wurde das Turnier in Denver und Colorado Springs ausgetragen und die gastgebenden Amerikaner verweigerten den Spielern und Funktonären aus der DDR wegen des Mauerbaus in Berlin die Einreise-Visa. Aus Solidarität mit ihren sozialistischen Brüdern blieben die UdSSR und die CSSR – die beiden grossen Favoriten – dem Turnier fern. Schweden kam zu einem «billigen» WM-Titel.
Die WM in Riga dauert noch bis zum 6. Juni und soll unbehelligt von der Weltpolitik über die Bühne gehen.