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BURGDORF: Die Erinnerung an Johann August Sutter, Gründer von «Neu-Helvetien», sorgt in Sacramento, Hauptstadt von Kalifornien, für Diskussionen. zvg
Seit dem Tod von George Floyd kommt es in den USA zu unzähligen Demonstrationen gegen Rassismus. In diesem Zusammenhang ist auch eine Debatte um historische Statuen aufgeflammt. Ins Visier der Protestierenden geraten insbesondere Denkmäler von Kolonialherren und Sklavenhändlern. In der kalifornischen Hauptstadt Sacramento wurde vor Kurzem ein Farbanschlag auf die imposante Statue des Schweizers Johann August Sutter (1803–1880) verübt, welcher vor der Auswanderung nach Übersee mehrere Jahre lang in Burgdorf lebte. Eine Sprecherin der amerikanischen Ureinwohner erklärte gegenüber dem Fernsehsender ABC, Sutter sei die falsche Person, um mit einer Statue geehrt zu werden: «Grosse Männer und Helden machen nicht Frauen, Kinder und Minderheiten zu Opfern.»
Gründer von «Neu-Helvetien»
Sutter wuchs in der Region Basel auf. Nach der Absolvierung einer kaufmännischen Lehre zog er in den 1820er-Jahren nach Burgdorf. Hier vermählte er sich mit Anna Dübeld und kaufte ein Haus in der Schmiedengasse. Er gründete ein Tuch- und Garngeschäft, geriet allerdings schon bald in finanzielle Schwierigkeiten. Um dem Konkursverfahren und einer drohenden Haftstrafe zu entgehen, floh er 1834 in die USA und liess Frau und Kinder, die ihm Jahre später nachreisten, vorerst in der Zähringerstadt zurück.
Nach diversen geschäftlichen Miss-
erfolgen in der «Neuen Welt» gründete er um 1840 im noch weitgehend unerschlossenen Sacramento Valley auf einer Landfläche von rund 200 km2
im damals noch mexikanischen Kalifornien die Privat-Kolonie «Neu-Helvetien». Er baute ein Handels- und Landwirtschaftsimperium auf und vergrösserte sein Herrschaftsgebiet stetig.
«Goldrausch» von 1848
Ein spektakulärer Goldfund auf seinen Ländereien löste 1848 einen regelrechten «Goldrausch» aus. Für Sutter erwies sich das Goldfieber allerdings als verhängnisvoll. Zwar steigerte sich der Wert seiner Grundstücke, aber immer mehr Abenteurer und Goldsucher stiessen auf sein Territorium vor, beschädigten Gebäude und Plantagen und okkupierten seine Besitzungen. Die herrschende Gesetzlosigkeit, aber auch Misswirtschaft, Verschwendungssucht und Betrug durch Mitarbeiter und Geschäftspartner leiteten schliesslich den Zerfall von «Neu-Helvetien» ein. Ein jahrelanger Rechtsstreit Sutters mit den Vereinigten Staaten um seine Landzuweisungen und deren teilweiser Entzug führte zu keinem Ergebnis. 1865 bis 1875 erhielt er von Kalifornien eine Rente. Sutter starb im Jahre 1880 in
Washington.
Kontroverse Beurteilung Sutters
In der historischen Literatur wird Sutter kontrovers beurteilt. Während er teilweise als tragischer Vorzeigepionier dargestellt wird, der massgeblich an der Besiedlung des amerikanischen Westens beteiligt war, betont etwa die Luzerner Historikerin Rachel Huber die dunklen Seiten in seiner Biografie. Der Schweizer Auswanderer sei, schreibt Huber, «eine zentrale Figur in den Verfolgungs- und Dezimierungsvorgängen der indigenen Bevölkerung Kaliforniens gewesen». Um sein Imperium zu errichten, habe er ein Zwangsarbeitssystem eingeführt und Handel mit Kindern von amerikanischen Ureinwohnern betrieben.
Markus Hofer