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Ziel dieses Projekts ist die historisch-kritische Überarbeitung des Erdbebenkatalogs der Schweiz für die vorinstrumentelle und die frühe instrumentelle Periode der systematischen Erdbebenüberwachung (1878–1963). Entscheidend für eine möglichst korrekte Interpretation der Informationen aus verschiedenartigen Quellen ist, dass diese mittels geschichtswissenschaftlicher Methoden in ihren soziokulturellen Produktionskontext gestellt werden.
Kern der Arbeiten bildet die Aufarbeitung der Überlieferung von Erdbebenereignissen und die Einschätzung der Zuverlässigkeit der Informationsquellen. Weiter werden die makroseismischen Intensitätsfelder für mittelstarke Erdbeben, d. h. Ereignisse mit Epizentral-Intensitäten von IV bis VI auf der 12-stufigen Europäischen Makroseismischen Skala (EMS-98), rekonstruiert. Daraus lassen sich mittels einer in diesem Projekt weiterentwickelten kalibrierten Methode die Ereignisparameter, wie Magnitude, Lokalisierung und Herdtiefe, ableiten. Diese Ergebnisse werden zudem mit der Auswertung historischer Seismogramme abgeglichen.
Die mittelstarken Erdbeben des 19. und 20. Jahrhunderts sind von besonderer Relevanz. Da sie in der Schweiz vergleichsweise häufig auftreten und die Produktion verwertbarer Quellen in dieser Zeitperiode stark zunimmt, ergibt sich ein grosser Datensatz. Dieser erlaubt uns, unseren Kenntnisstand der Seismizität in der Schweiz zu verbessern und die Unsicherheiten zukünftiger Gefährdungs- und Risikostudien zu verkleinern. An der Schnittstelle zwischen Natur- und Geisteswissenschaft ist die Untersuchung der wissenschaftlichen Praktiken zur Produktion von Erdbebendaten auch von Interesse für diverse anderer Forschungsfelder, wie etwa die Wissens-, Umwelt- und Technikgeschichte oder die Risikosoziologie.