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Veröffentlichung: 29.05.13; Aktualisierung: 25.04.14
Herkunft des Weizens
Die geschichtliche Entwicklung der Getreidenahrung ist eng mit der Kulturgeschichte der Menschheit verbunden. Archäologische Funde haben ergeben, dass Getreide bereits vor über 10’000 Jahren in den Randgebieten des heutigen Irak (Mesopotamien) gesät und geerntet wurde.
In Mitteleuropa erst vor etwa 7’000 Jahren, in der Zeit als die Menschen begannen sesshaft zu werden.
Die vorderasiatischen Wildpflanzen (Wildemmer, wilde Gerste, Wildeinkorn) waren Vorläufer unserer heutigen Getreidearten. Hirse, Gerste und Weizen, Roggen und Hafer stammen aus dem Norden und wurden etwa zweitausend Jahre v. Chr. im Zuge alter indogermanischer Völkerwanderungen über Südwestasien nach Mitteleuropa gebracht. Der Mais, die einzige amerikanische Getreideart, wurde erst im 16. Jahrhundert nach der Entdeckung Amerikas in Europa bekannt.
Dinkel, Emmer und Einkorn waren damals die Hauptgetreidearten und entsprechend weit verbreitet. Durch ihre besonderen Eigenschaften konnten sie lange gelagert werden, was den Menschen über lange und karge Winter hinweg half. Zudem konnten Emmer und Einkorn auch an vorwiegend schlechten Standorten kultiviert werden.
Der heutige Saatweizen ging aus der Kreuzung mehrerer Getreide- und Wildgrasarten hervor. Die ersten angebauten Weizenarten waren Einkorn und Emmer. Ihr Herkunftsgebiet ist der vordere Orient.
Die ältesten Nacktweizenfunde stammen aus der Zeit zwischen 7800–5200 v. Chr., damit ist Weizen nach der Gerste die zweitälteste Getreideart. Die ältesten Funde von Nacktweizen (Triticum vulgare) in Europa stammen aus dem westmediterranen Raum. Im Endneolithikum war der Nacktweizen nach zwischenzeitlichen Ausbreitung über Mitteleuropa auf eine Region beiderseits des Oberrheins und der Schweiz reduziert.
Lange Zeit blieb der Nacktweizenanbau hinter dem der Getreidearten Einkorn, Emmer und Gerste zurück, im Hochmittelalter wurden diese dann aber durch den Dinkel verdrängt, der sich als Seitenzweig des Emmers als tauglicher Hartweizen seit der Steinzeit bewährt hat.
Erst durch das Weissbrot, das ab dem 11. Jahrhundert in Mode kam, etablierte sich der Weizen.
Alle Weizensorten gehören zur Gattung Triticum. Innerhalb dieser Gattung kann Weizen auf der Grundlage seiner Chromosomenzahl in drei Gruppen gegliedert werden.
– Die Einkornreihe, sog. Diploider Weizen, einfacher Chromosomensatz, 14 Chromosomen stellt die älteste Gruppe dar, Einkorn (Triticum monococcum) hat unter den gängigen Weizenarten keine näheren Verwandten und wird heute kaum mehr angebaut.
– Die Emmerreihe, sog. Tetraploider Weizen, zweifacher Chromosomensatz, 28 Chromosomen ist wesentlich gebräuchlicher, dieser Reihe gehören der Emmer (Triticum dicoccum) sowie der Hartweizen (Triticum durum) und der Kamut (Triticum turanicum) an.
Die Entwicklungsreihe führt über die diploide, spindelbrüchige Form des Kultur-Einkorns Triticum monococcum und die tetraploide, spindelbrüchige Form des Kultur-Emmers Triticum dicoccum zu der hexaploiden Weizenform mit zäher Spindel und nacktem Korn.
Einkorn und Emmer
Einkorn und Emmer gehören wie auch der Dinkel zu den Spelzgetreiden, d.h. die Getreidekörner sind von einer fest umhüllenden Spelze (Hülle) eingeschlossen, die in dünnen Grannen von einigen Zentimetern Länge auslaufen. Die Spelze schützt das wertvolle Korn von schädlichen Umwelteinflüssen und sorgt gleichzeitig für eine längere Haltbarkeit des Getreides. Durch die Spelze ist die Verarbeitung des Getreides aufwendiger, weil das Korn in einem zusätzlichen Arbeitsschritt aus seiner Hülle gelöst werden muss. Das Korn muss in der Röllmühle vom Spelz getrennt (geröllt) werden. An der Einkornähre reift aus jedem Absatz der Ährenspindel nur ein Korn, bei der Emmerähre sind es deren zwei. Der Emmer wird deshalb auch Zweikorn genannt. Emmer hat dickere Halme, breitere Blätter und schwerere Ähren als Einkorn. Von Emmer und Einkorn kennt man eine Vielzahl verschiedener Landsorten. Da beide Weizenarten nie züchterisch bearbeitet wurden, handelt es sich um eigentliche Populationen (Varietäten) mit einer breiten genetischen Variabilität.
Einkorn und Emmer wurden vorwiegend an schlechteren Standorten kultiviert. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft ab dem 18. Jahrhundert, die Züchtung ertragreicher Hart- und Weich-Weizensorten (Saatweizen) und die sich ändernden Ernährungsgewohnheiten der Menschen wurden Einkorn und Emmer zunehmend vom Weichweizen verdrängt. Der Anbau von Einkorn und Emmer ist in der Schweiz schliesslich gegen Ende der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts völlig erloschen und beide alten Weizenarten gerieten in die Vergessenheit. Seit 1994 werden vereinzelt wieder ursprüngliche Landsorten in der Schweiz, aber auch in Italien und Tschechien angebaut.
Dinkel
Dinkel ist eine sehr alte Urform des gemeinen Weizens (Triticum vulgare).
In Ägypten, bei den Hebräern, den Griechen sowie Römern ist von Dinkel keine Spur zu finden. Nur aus der Bronzezeit sind Funde von Dinkel bekannt. Daraus lässt sich schliessen, dass der Dinkel während dieser Zeit seltener gewesen sein muss. Es ist sogar möglich, dass es sich um eine „Einschleppung“ mit fremdem Saatgut handelte. Die Schweizer Pfahlbauer standen nachweisbar in Beziehungen zum Süden, wo Weizen der Emmerreihe und der gemeine Weizen nebeneinander und durcheinander angebaut wurden.
Dinkel ist eine aus dem Norden nach Italien kommende Getreideart, ebenso wie Roggen. Die Ausbreitung dieser Pflanze beschränkt sich auf die Siedlungsgebiete der Alemannen.
Die Ausbreitung des Weizens
Man kann davon ausgehen, dass wesentliche Impulse zum Ackerbau und zahlreiche pflanzenbaulich genutzte Kulturarten entweder über die nordafrikanischen Küstengebiete bis nach Spanien oder über die Türkei, Griechenland und den westlichen Rand des Schwarzen Meeres sowie die fruchtbaren Ebenen am östlichen Rand der Alpen bis nach Europa vorgedrungen sind.
Die modernen Weizenformen stammen von ausgelesenen Weizenarten der frühen Kulturvölker des Mittelmeerraumes sowie vor allem des Gebietes um Euphrat und Tigris ab.
Zucht und Zuchtziele
Der Beginn der systematischen Weizenzüchtung geht in das Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Während früher eine Verbesserung der Sorten durch Selektion aus einheimischen Landsorten angestrebt wurde, erfolgt nun eine gezielte Kreuzung ausgewählter Eltern. Erste wesentliche Erfolge wurden durch die Kombination mit Weizenformen verschiedener Anbaugebiete erzielt.
Die moderne Weizenzüchtung bedient sich aller züchterischen Methoden, die bei einer selbstbefruchtenden Art angewandt werden können. Neben der Kreuzung und Rückkreuzung bestimmter Elternformen werden teilweise auch Mutationen durch Behandlung des Saatgutes ausgelöst darüber hinaus versucht man die Erkenntnisse moderner Zellkulturforschung in der Weizenzüchtung anzuwenden.
Heute stehen im Gegensatz zu früher ganz andere Anforderungen an die Sorten im Vordergrund, so bevorzugte man früher langhalmige Weizensorten, weil das Stroh für die Tierfütterung wie auch als Isolierungsmaterial genutzt werden konnte, heute stehen vor allem hohe Ertragsleistung und –sicherheit sowie gute Verarbeitungseigenschaften vorneweg.
Derzeit ist Weizen in der Schweiz mit einer Anbaufläche von rund 82’000 Hektaren die am häufigsten angebaute Getreideart. Auch weltweit ist Weizen neben Mais das am meisten angebaute Getreide.