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Man nimmt an, dass die Römer das lateinische Alphabet durch die Etrusker, welche aus Kleinasien kommend und sich im 9. Jahrhundert v. Chr. im Gebiet der Toskana ansiedelten, übernommen haben. Möglicherweise übernahmen die Römer das Alphabet jedoch auch direkt von griechischen Kolonialisten in Süditalien.
Die älteste lateinische Inschrift aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. ist linksläufig, um 600 v. Chr. ist sie furchenwendig. Die Gestalt der Buchstaben ist zu dieser Zeit noch wenig ausgeprägt, die Formen wirken etwas zufällig und die Zeichen sind noch nicht in ein festes 2-Linien System (Grundlinie und Versalhöhe) eingebunden. Die geometrischen Grundformen Quadrat, Dreieck und Kreis sind in den einzelnen Schriftzeichen ausgprägt. Erst ca. 450 vor Beginn der Zeitrechnung wurde die lateinische Schrift rechtsläufig.
In der Zeit 600 bis ca. 200 v. Chr. wurden die römischen Schriften auf einfachste Art in Stein geritzt. Diese Schriften nennt man Lapidarschriften.
Lapidar kommt vom lateinischen Wort lapis = Stein. Lapidar heisst auch "kurz und bündig" und "in gedrängter Ausdrucksweise".
Die römische Steininschrift erreichte nach einer fast 500jährigen Entwicklungszeit in der Regierungszeit des Kaisers Augustus (63 v. Chr. bis 14 n. Chr.) ihre höchste Vollendung (Augusteisches Zeitalter). Die römischen Inschriften aus dieser Zeit sind Vorbild und Massstab für Schriftdesigner von der Renaissance bis hinein in unsere Gegenwart. Man geht davon aus, dass die Steinmetze die Inschriften mit einem Flachpinsel vorgeschrieben hatten, bevor sie sie einmeisselten.
Ab Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. gab es eine neue und aufwendigere Technik des Keilschnitts. Eine spitz in den Stein zulaufende Dreiecksfurche entstand. Der für die römische Monumentalschrift durch den Flachpinsel tydivische Rhythmus dicker und dünner Strickstärken tritt ungefähr zur Zeit von Cäsars Tod, d.h. ab 44 v. Chr., in Erscheinung. Der Winkel zwischen Flachpinsel und Schreibrichtung schwankt zwischen 6-30 Grad. Mit der Variation der Strichstärke wurde gleichzeitig auch die Furchentiefe und der damit verbundene Schatteneffekt des dreidimensionalen Buchstabens geändert. Die Inschriften erhielten eine mit dem Sonnenstand wechselnde Schattenwirkung. In römischen Inschriften tauchen vollausgebildete Serifen als Abschluss von Vertikalen, Horizontalen und Diagonalen erst um 180- 150 v. Chr. auf. Erst in der Augustus-Periode wurden die Serifen grundsätzlich parallel zur oberen und unteren Schriftlinie eingemeisselt.
Die Cadivitalis Monumentalis ist der Prototyp unserer heutigen Grossbuchstaben, genauer unserer Antiqua-Versalien. Bereits in der flavischen Periode ab 69 n. Chr. kam es zu einem Rückgang der Monumentalschriftkunst. Im 3. Jahrhundert n. Chr. ist ein konstanter Verfall des Steinmetzhandwerks im Inschriftenbereich festzustellen.
Vom 1. Jahrhundert v. Chr bis ins 6. Jahrhundert n. Chr. ist die Capitalis Rustica/Actuaria eine enggestellte, aus der Capitalis Monumentalis und der Scirptura Actuaria entwickelte Schriftform. Sie ist eine wichtige Bücherschrift. Die Hauptmerkmale sind leicht geschwungene Hauptstriche, die Waagrechte ist fetter als die Senkrechte.
Werkzeuge: Mit steil gehaltener Rohr- oder Kielfeder, oft wurde sie auch mit Pinsel sehr flüssig geschrieben. Die Capitalis Rustica kommt auch in Stein gemeisselt vor.
Eleanora
Die Capitalis Quadrata wurde mit der Breitfeder der Capitalis Monumentalis nachgebildet. Sie ist sehr breit, fast quadratisch und weniger geschwungen, die Senkrechten sind dicker als die Waagrechten. Die wichtige Bücherschrift wurde bis ins 10. Jahrhundert auch als Auszeichnungsschrift verwendet.
Die Römische Majuskelkursive ist eine leicht schrägliegende Majuskelschrift, zum Teil ist sie verbunden. Erstmals tauchen einzelne Ober- und Unterlängen auf.
Werkzeuge: Rohrfeder auf Pergament und Papyrus. Stilus auf Wachs und Ton oder eingeritzt auf Schiefer.
Auf die Römische Majuskelkursive folgt die Jüngere Römische Minuskelkursive mit vielen und ausgeprägten Unter- und Oberlängen. Es sind eigentlich von Grossbuchstaben abgewandelte Minuskeln.
Werkzeuge: Rohrfeder auf Pergament und Papyrus. Stilus auf Wachs und Ton oder eingeritzt auf Schiefer.
Eine aus der älteren Römischen Kursive, der Capitalis Rustica und Capitalis Quadrata entwickelte Buchschrift, vor allem für frühchristliche dive. Sie ist von runden Formen geprägt, Ober- und Unterlängen sind ansatzweise vorhanden (D, H, L, F, G, P, Q). Als Titel- und Auszeichnungsschrift ist sie bis ins 12. Jahrhundert verwendet worden, als Initialschrift bis ins 15. Jahrhundert.
Sie ist aus der Unziale unter Einfluss der Römischen Majuskelkursive entwickelt. Ansätze zu Minuskelformen sind deutlich erkennbar. Die Grossbuchstaben gab es teilweise auf Mittellängenhöhe und Kleinbuchstaben vor allem am Wortanfang mit Ober- bzw. Unterlängen. Schriftlinie, Mittellänge, Ober- und Unterlängen werden noch nicht einheitlich eingehalten.