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Gift, oder Toxin, ist eine Substanz in der Lage zu töten oder einen Organismus zu schädigen. Alle Schlangen produzieren Gift – auch die nicht giftigen, welche allerdings keine Fangzähne entwickeln, um das Gift in die Beute zu injizieren – stattdessen dient es ihnen zur Verdauung ihrer Nahrung.
Die so genannten Giftschlangen, in der Lage, ihr Gift in die Opfer zu injizieren, besitzen ein Paar ausgeprägter Giftdrüsen, die sich auf den beiden inneren Seiten des Kopfes, hinter und unter den Augen, befinden. Es handelt sich dabei um im Lauf der Evolution modifizierte Speicheldrüsen, die jetzt Toxine produzieren. Man nennt sie auch „Duvernoy-Drüsen“ – sie sind von Pressmuskeln umgeben und mittels Kanälen mit den hohlen Giftzähnen verbunden. Im Moment des Zubeissens spannt die Schlange die Muskulatur der Drüsen und entleert so das Gift durch die Fangzähne.
Diese Giftdrüsen können eine Giftmenge für mehrere Bisse in Folge speichern. Wenn man zur Herstellung von Schlangenserum diese Drüsen vollkommen entleert, braucht die Schlange mindestens zwei Wochen, um sie wieder ganz aufzufüllen. Das Gift selbst ist eine etwas schleimige Flüssigkeit, weiss (leicht trüb) oder gelb, Resultat einer Mischung von vielen Protiden – toxische und andere unschädlich – bestehend aus organischen und unorganischen, mikromolekularen Substanzen.
Das Schlangengift ist besonders reich an toxischen und proteinen Enzymen und seine Zusammensetzung unterscheidet sich nicht nur von einer Spezies zur andern, sondern auch innerhalb der einzelnen Exemplare derselben Familie – das hängt vom Alter und dem metabolischen Zustand des jeweiligen Exemplars ab. Das Gift gewisser Spezies enthält Proteine, die man zur Krebs- und Trombosebekämpfung, sowie bei hohem Blutdruck, einsetzt.
Die Funktion des Giftes ist in erster Linie eine digestive: es agiert bei der Auflösung von organischer Substanz, mittels äusserst aktiver Verdauungssäfte, noch bevor die Beute von der Schlange verschlungen wird (die Verdauung wird durch das injizierte Gift beschleunigt).
Das Gift wird aber auch zur Jagd und zur Verteidigung eingesetzt. Die paralisierende Funktion des neurotoxischen Bisses vieler Schlangen ist ein Mittel um die Bewegungen des Beutetieres zu lähmen, damit es sich nicht mehr entfernen kann. Auf diese Weise kann die Schlange, die ja in ihrer Mobilität vergleichsweise behindert ist, den Tod des Beutetieres abwarten, um es dann langsam zu verschlingen – ausserdem mindert sie dadurch auch das Risiko, vom Beutetier verletzt zu werden.
Die verschiedenen Schlangengifte werden entsprechend ihrer Aktion im Organismus des Opfers klassifiziert:
Diverse Proteine des Giftes sind in der Lage, das Gewebe zu schädigen oder gar aufzulösen. Sie greifen Gewebe und Muskeln des gesamten Körpers an, zerstören den Zusammenhalt der Gefässwände, bewirken jedoch in erster Linie lokal begrenzte Schäden mit intensiver Entzündung.
Sie verursachen Schmerzen, Ödeme, Blasen, Blutungen, bis zu Gewebeauflösung rund um die Bissstelle. Das Gift der „Jararacas“ und „Surucucus“ ist typisch für diese proteolytische Wirkung.
Das Gift beeinträchtigt das sensible Gleichgewicht des Blutes in unseren Venen, es hat gleichzeitig eine eine gerinnende wie eine die Gerinnung verhindernde Wirkung. Es beginnt eine Gerinnung des Blutes in der Mikrozirkulation auszulösen, blockiert so den Blutfluss und erschwert die Sauerstoffversorgung bestimmter Gewebe, zum Beispiel dem der Nieren. Im Lauf der Zeit verringern toxische Enzyme die Menge und schädigen die Qualität des Fibrins (ein fundamentales Protein zur Bildung von Blutgerinnseln) – auf diese Weise verhindern sie die Blutgerinnung schliesslich ganz. Es treten Blutungen an den verschiedensten Stellen des Körpers auf, und die lassen sich nicht mehr stillen. Das Gift der Klapperschlangen und der „Sururucu“ hat eine solche blutgerinnende und hämoragische Wirkung.
Potentielle Neurotoxine greifen das Nervensystem an und bewirken eine muskulare Paralyse. Die Übertragung nervlicher Impulse zu den Muskeln geschieht mittels so genannter Sinapsen. Das Neurotoxin der Klapperschlange wirkt pré-sinaptisch (es verhindert die Bildung von Acetylcolin durch nervliche Impulse).
Das Neurotoxin der Korallenschlange hat eine pos-sinaptische Wirkung, es blockiert den nikotinischen Rezeptor des Acetylcolins (das gebildete Acetylcolin ist in seiner Einwirkung auf die pos-synaptischen Rezeptoren blockiert, denn die sind vom Gift besetzt).
Bei beiden Situationen erreicht kein Nervensignal den Muskel, der in einem paralisierten Zustand verharrt. Das Gift bewirkt, dass man alles doppelt sieht, Fehlen jeglicher motorischer Koordination und totale Paralyse.
In diesem Fall bewirkt das Gift eine skelettierende Schädigung der Muskelfasern (Rabdomiolyse) mit gleichzeitiger Entsendung von Enzymen und Mioglobin ins Blutserum, die später mit dem Urin ausgeschieden werden. Es bewirkt Muskelschmerzen am ganzen Körper. Es greift auch die Herzmuskeln an und kann einen Herzstillstand verursachen. Das Gift der Klapperschlange hat eine solche miotoxische Wirkung.