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Laut der neusten Auswertung des Bundesamts für Statistik (BfS) verdienen Männer im Privatsektor durchschnittlich CHF 1’530.00 oder 19.6% mehr als Frauen.
Laut der neusten Auswertung des Bundesamts für Statistik (BfS) verdienen Männer im Privatsektor durchschnittlich CHF 1’530.00 oder 19.6% mehr als Frauen.
Artikel 8 der Bundesverfassung lautet: “Mann und Frau haben Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit”. Leider sieht das aber in der Realität häufig anders aus. Laut der neusten Auswertung des Bundesamts für Statistik (BfS) aus dem Jahr 2016 verdienen Männer im Privatsektor durchschnittlich CHF 1’530.00 oder 19.6% mehr als Frauen.
57% von diesem Unterschied lassen sich mit Aspekten wie der Ausbildung, der Berufserfahrung oder der beruflichen Stellung erklären. Die restlichen 43% der Differenz (CHF 657.00 pro Monat) lassen sich nicht mit objektiv messbaren Kriterien begründen. Es bleibt also ein unerklärter Lohnunterschied von 8,4% zwischen Männern und Frauen.
Studie mit knapp 2’600 ETH-Abgängern
Eine gängige Erklärung, wie dieser unerklärte Lohnunterschied zusammenkommt, ist die so genannte “Theorie der kompensierenden Lohndifferentiale”. Laut dieser Theorie werden Arbeitnehmer für schlechte Arbeitsbedingungen in Form eines besseren Lohnes kompensiert. Wer z.B. unflexible Schichtarbeitszeit leistet, darf gemäss dieser Theorie mit einem besseren Lohn rechnen als jemand in der gleichen Funktion, der oder die aber flexible Arbeitszeiten hat. Im Umkehrschluss besagt die These, dass man für gute Arbeitsbedingungen, die eine gewisse Bequemlichkeit ermöglichen, mit einem tieferen Lohn rechnen muss. In Bezug auf die Unterschiede zwischen den Geschlechtern ist in der Forschungsliteratur die Rede davon, dass Frauen eher auf gute Arbeitsbedingungen achten als Männer, die mehr Wert auf den höheren Lohn legen.
Eine neue Studie der Konjunkturforschungsstelle (KOF) an der ETH Zürich lässt beträchtliche Zweifel an dieser Theorie aufkommen. Die Ökonomen Daniel Kopp, Masha Khoshnama und Michael Siegenthaler haben dazu die Antworten von 2’583 ETH-Abgängern aus einer Online-Umfrage aus dem vergangenen Winter ausgewertet. 1’835 Männer und 748 Frauen haben teilgenommen.
Jobzufriedenheit hat wenig mit Lohn zu tun
“Gemäss unseren Resultaten sind für Männer und Frauen grösstenteils die gleichen Faktoren entscheidend, ob sie mit ihrem Job zufrieden sind oder nicht”, so Studienautor Daniel Kopp. Am wichtigsten für die Zufriedenheit im Beruf sind bei den ETH-Absolventen nichtmonetäre Faktoren. Bei beiden Geschlechtern hängt die Zufriedenheit am stärksten damit zusammen, ob sie im Rahmen ihrer Arbeit interessante Aufgaben haben. An zweiter Stelle kommt der Faktor, ob eine gute Kommunikation innerhalb des Unternehmens herrscht.
Ausserdem spielen das Verhalten der Vorgesetzten, Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten und die Arbeitsplatzatmosphäre eine grosse Rolle. “Im Gegensatz dazu gibt es nur einen schwachen Zusammenhang zwischen der Jobzufriedenheit und dem Lohn sowie der Zufriedenheit mit dem Lohn”, heisst es in der Studie.
Die Auswertung liefere keinen Hinweis darauf, dass Frauen nichtmonetäre Faktoren insgesamt höher gewichten als Männer und dafür der Lohnhöhe weniger Bedeutung zumessen, sagt Daniel Kopp. Zwar gebe es vereinzelt kleine Unterschiede zwischen den Geschlechtern bei den Faktoren, die für die Jobzufriedenheit verantwortlich sind, doch diese fielen insgesamt klein aus, erläutert Kopp.
Für Männer ist der Umgang mit Älteren im Betrieb wichtiger für die Jobzufriedenheit als für Frauen. Auch die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben ist für Männer wichtiger als für Frauen. Im Gegenzug ist den Frauen die empfundene Gleichberechtigung der Geschlechter im Betrieb wichtiger als den Männern.
“Weiche“ Faktoren nicht für Gehaltunterschied verantwortlich
Die befragten Frauen sind insgesamt mit allen Aspekten ihres Jobs unzufriedener als die befragten Männer. Am grössten sind die Unterschiede beim Gehalt und bei der Gleichstellung der Geschlechter. Zumindest für das Gehalt gibt es zu einem gewissen Grad messbare Gründe: Die Männer in der Stichprobe verdienen im Schnitt zwischen 16 und 17% mehr als die Frauen. Berücksichtigt man dabei die am Anfang erwähnten Faktoren wie Alter, Ausbildung, Berufserfahrung oder Position innerhalb des Unternehmens, bleibt immer noch ein unerklärter Lohnunterschied von 7% bestehen.
Die Zahlen lieferten keinen Hinweis darauf, dass “weiche Faktoren” wie z.B. Arbeitsbedingungen, die Arbeitsatmosphäre oder das Verhalten der Vorgesetzten für diesen Unterschied die Verantwortlichkeit tragen: “Wir finden keine Evidenz, dass Männer mit höheren Löhnen für schlechtere Arbeitsbedingungen kompensiert werden.”
“Lohnunterschiede lassen sich nicht wegerklären”
Natürlich sei das untersuchte Gebiet nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung, räumt Studienautor Daniel Kopp ein. Es handle sich ohne Ausnahmen um Hochschulabgänger und deren Medianlohn liege mit CHF 10’000.00 deutlich über dem gesamtschweizerischen Medianlohn von CHF 6’538.00. Es sei beispielsweise gut möglich, dass bei Berufen im Tieflohnsektor die Höhe des Lohnes eine wichtigere Rolle bei der Jobzufriedenheit spiele, als die Frage, ob im Beruf interessante Aufgaben erledigt werden können.
Trotzdem lassen sich laut Kopp Erkenntnisse aus der Studie ziehen, die über das Gebiet der Befragten hinaus plausibel und relevant sind: “Die immer noch bestehenden Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau lassen sich nicht einfach mit dem Hinweis auf unterschiedliche Arbeitsbedingungen wegerklären. Frauen verdienen nicht weniger, weil ihnen softe Faktoren wichtiger sind.”
Kategorie
News
Publiziert am
07.10.2020
Hashtag
#diewirtschaftsfrau #politik