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Das Tote Meer ist wohl eines der bekanntesten Gewässer der Erde. Der stark salzhaltige See liegt in einer Senke des Jordangrabens und grenzt an Israel, Jordanien und das unter palästinensischer Verwaltung stehende Westjordanland. Das Tote Meer ist das tiefst gelegene Gewässer weltweit, sein Wasserspiegel liegt mittlerweile 427 m unter dem Meeresspiegel. Der Salzgehalt liegt bei rund 28 %, da es keinen Abfluss gibt und große Wassermengen natürlich verdunsten (ca. 8 Mio. m³ Wasser pro Jahr).Im Jahr 1976 sank der Wasserspiegel des Toten Meeres unter eine von Osten nach Westen verlaufende Erhöhung, sodass sich der See in ein tiefes nördliches Becken und ein flaches südliches Becken teilte. Im nördlichen, größeren Becken, das vor allem durch den Jordan Fluss gespeist wird, sinkt der Wasserpegel seit Jahrzehnten dramatisch ab. Das flache südliche Becken wäre schon ausgetrocknet, würde die Mineralgewinnungsindustrie nicht weiterhin Wasser aus dem nördlichen Becken hineinpumpen. Kurioserweise steigt dadurch im südlichen, kleineren Becken der Wasserstand. Die dort angesiedelte Industrie gewinnt in Verdunstungsbecken Mineralien, die dabei ausfallenden, nicht kommerziell genutzten Salze lagern sich am Boden ab und heben den Wasserspiegel an.Tier- und Pflanzenwelt im EinzugsgebietIn den Bergen um das Tote Meer, in Oasen, Sümpfen und in zeitweise Wasser führenden Bächen leben viele Pflanzen und Tiere, darunter sind Leoparden, die Antilopenart Steinböckchen und Gänsegeier. Das Jordantal und das Seebecken liegen auf einer Zugroute von Weiß- und Schwarzstorch sowie vielen anderen Vögeln von ihren Brutgebieten in Osteuropa in den Nahen Osten und nach Afrika.Die Landschaft ist einerseits durch karges Felsmassiv geprägt, subtropische Vegetation findet man hingegen in der Oase Ein Gedi am Westufer des Toten Meeres, wo Bananen, Datteln und Trauben angebaut werden. Hier leben viele Vogelarten, unter anderem Borstenrabe (Corvus rhipidurus), Wüstenrabe (Corvus ruficollis), Moabsperling (Passer moabiticus) und Steinlerche (Ammomanes deserti).Das Tote Meer trocknet ausDer Wasserspiegel des Toten Meeres sinkt in einem alarmierenden Tempo. Im Jahr 1970 lag der Wasserspiegel noch rund 389 m unter dem Meeresspiegel, im Jahr 2012 bereits 426 m. In den letzten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts hat sich die Oberfläche des Sees um ca. ein Drittel verkleinert und jedes Jahr sinkt der Wasserstand um 1,1 Meter. Diese Entwicklung hat zahlreiche negative Auswirkungen:Verlust von Flussmündungsökosystemen und die Bildung von SchlammflächenMit dem Rückgang des Toten Meeres verschwinden auch die Ökosysteme an den Flussmündungen. In den letzten 50 Jahren wurden über 300 km2 des Seebodens freigelegt, welche zu salzhaltigen Schlammflächen wurden.Verlust endemischer ArtenDer verminderte Zufluss von Süßwasser in das Tote Meer führt zu einem erhöhten Salzgehalt des Wassers, wodurch sogar die dort ansässigen salztoleranten Lebensformen gefährdet sind. Das Tote Meer könnte seinem Namen somit gerecht und wirklich tot werden.Absinken des GrundwasserspiegelsDurch den Rückgang des Wasserstands kommt es zu einem Druckverlust, der dazu führt, dass das Grundwasser aus den umliegenden Gebieten in Richtung des Toten Meeres fließt. Durch dieses Phänomen verschärft sich die Wasserknappheit in der Region.Bildung von SenklöchernÜber 3.000 Senklöcher haben sich in den letzten Jahren in der Gegend um das Tote Meer gebildet. Diese Senklöcher sind unterirdische Krater, die entstehen, wenn unterirdische Salzschichten durch Süßwasser, welches dem zurückweichenden salzigen Seewasser folgt, aufgelöst werden. Sie können jederzeit und ohne Vorwarnung zusammenbrechen und haben bereits Gebäude, Straßen und landwirtschaftliche Flächen zerstört. Die abrupten Erdeinstürze behindern nicht nur die Entwicklung der Infrastruktur vor Ort, sondern stellen auch eine Bedrohung für jeden Wanderer in der Gegend dar.Rückgang des TourismusIn den letzten Jahren gab es einen Rückgang der internationalen Besucherzahlen, welche unter anderem auf den sinkenden Wasserspiegel zurückzuführen sind. Der Tourismus sichert vor Ort Tausende von Arbeitsplätzen, die nun durch die schweren Umweltschäden des Toten Meeres bedroht sind.Ursachen für den Rückgang des Toten MeeresDer Hauptgrund für den Rückgang des Toten Meeres ist der abnehmende Zufluss von Süßwasser in den See, welcher von 1950 bis 2010 von rund 1.250 Millionen m3 Wasser pro Jahr auf knapp 260 Millionen m3 Wasser zurückgegangen ist. Die primäre Wasserquelle des Toten Meeres ist der Untere Jordan. Von den 1,3 Milliarden m3 Wasser, die unter natürlichen Umständen in dem Fluss fließen würden, werden über 96 % von den Anrainerstaaten für die Landwirtschaft und den häuslichen Gebrauch umgeleitet, sodass nur noch sehr geringe Wassermengen das Tote Meer erreichen. Hinzu kommt, dass die Mineralgewinnungsindustrie Wasser aus dem nördlichen Becken des Toten Meeres in das südliche Becken ableitet, um Salze und Mineralien in großflächigen Verdunstungsbecken zu gewinnen.Neben dem drastischen Rückgang des Wasserpegels fließt industrielles, landwirtschaftliches und häusliches Abwasser in See, welches dem See und seinem einzigartigen Ökosystem zusätzlichen Schaden zufügt. Im Jahr 2006 erklärte der Global Nature Fund das Tote Meer zum „Bedrohten See des Jahres“, um das Bewusstsein über den kritischen Zustand des Sees zu erhöhen.Rettungsansätze für das Tote MeerDas Tote Meer kann nur durch gemeinsame Bemühungen der Anrainerstaaten gerettet werden. Unsere Partnerorganisation Friends of the Earth Middle East (FoEME) wurde 1994 von Naturschützern in Israel, Jordanien und Palästina gegründet. Neben ihrem Einsatz für die nachhaltige und gerechte Nutzung der gemeinsamen Wasserressourcen bemüht sich FoEME vor allem um die Rettung des Unteren Jordan und des Toten Meeres. Bereits im Jahr 2009 setzten GNF und FoEME ein gemeinsames Projekt zur Renaturierung des Flusssystems am Unteren Jordan um. Derzeit ist der GNF an der Erarbeitung des ersten grenzüberschreitenden NGO Masterplans zur Rettung des Unteren Jordan beteiligt.Um das Tote Meer vor dem Austrocknen zu bewahren, überlegen die Regierungen aus Israel und Jordanien einen Kanal zwischen dem Roten Meer und dem Toten Meer zu bauen. Vor kurzem veröffentlichte die Weltbank eine Studie zu diesem Kanal, die bestätigt, dass das Projekt ökonomisch, ökologisch und sozial verträglich sei.