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Komplementärmedizin nach Transplantation?
Über die Nutzung von Komplementärmedizin bei Transplantierten gibt es kaum Untersuchungen. In einer europäischen Untersuchung bei Nierentransplantierten haben 12% der Teilnehmer angegeben, Komplementärmedizin zu nutzen, davon am häufigsten Homöopathie und Traditionelle Chinesische Medizin. Vor diesem Hintergrund und aus Anlass eines Minisymposiums zum Thema Komplementärmedizin und Transplantation haben wir im Oktober 2013 eine Umfrage zur Nutzung von Komplementärmedizin bei den deutschsprachigen Mitgliedern des Schweizerischen Transplantierten Vereins STV durchgeführt.
Anfangs Oktober 2013 sind per Email 267 Mitglieder des STV kontaktiert und um die Teilnahme an der Online-Umfrage gebeten worden. 123 (48%) haben an der Umfrage teilgenommen, 117 (46%) Fragebogen konnten ausgewertet werden. Von diesen Teilnehmern waren 54 (46%) weiblich, 65 (54%) männlich bei einem durchschnittlichen Alter von 56 Jahren.
Um detaillierter Angaben zur Nutzung von CAM zu erhalten, haben wir fünf verschiedene Krankheitsphasen unterschieden. Insgesamt haben über alle fünf Phasen 64 (54.7%) der Teilnehmern CAM angewendet. Die am häufigsten verwendeten Methoden waren Homöopathie (bis 45%), Nahrungsergänzungen/Vitamine (bis 42%), Massage (bis 37%) , Phytotherapie (bis 35%), homöopathische Medikamente aus der Apotheke (bis 33%), Ernährungsumstellungen (bis 28%), Traditionelle Medizin/Akupunktur (bis 27%) und Meditation (bis 26%).
Wichtigste Informationsquelle zu CAM waren Freunde und Familienangehörige gefolgt von den Hausärzten. Die angewendeten Therapien sind mehrheitlich ergänzend zur konventionellen Therapie durchgeführt worden. Generell war die Hauptmotivation zur Anwendung von CAM die Verbesserung des Allgemeinbefindens. Die weiteren Erwartungen waren je nach Krankheitsphase unterschiedlich: Während der Grunderkrankung und der Phase vor der Transplantation sollten die Heilungschancen verbessert und das Immunsystem gestärkt werden. Zudem gaben ein Drittel der Teilnehmern als Grund an, jede Therapiemöglichkeit versucht zu haben. Nach der Transplantation führte vor allem der Wunsch nach Linderung von Medikamentennebenwirkungen zur Anwendung von CAM.
Die subjektive Wahrnehmung der Wirksamkeit der angewendeten Methoden war vor allem bei Behandlungen wegen Transplantationsfolgen am grössten mit verbessertem Allgemeinbefinden und der Linderung von Medikamentennebenwirkungen. Die Behandlungen sind zu je einem Drittel von qualifizierten Ärzten, Naturheilpraktiker und nicht-ärztlichen Therapeuten durchgeführt worden.
In der Umfrage sind alle Teilnehmer auch gefragt worden, weshalb sie CAM nicht genutzt haben. Der am häufigsten genannte Grund (45%) war die Unsicherheit betreffend möglicher Interaktionen mit der konventionellen Therapie, gefolgt von fehlenden Informationen zur Möglichkeit einer ergänzenden komplementärmedizinischen Behandlung (28%). Weitere Gründe waren Angst vor Nebenwirkungen, der zusätzliche Zeitaufwand und das Abraten von solchen Behandlungen durch die behandelnden Spezialärzte. Lediglich 15% gaben an CAM nicht genutzt zuhaben, weil sie unwirksam sei.
Je nach Krankheitsphase haben zwischen 48% und 67% die behandelnden Ärzte über ergänzend durchgeführte CAM-Therapien informiert. Die Reaktion der Spezialärzte war mehrheitlich zur Kenntnis nehmend, die Hausärzte haben mehrheitlich zustimmend reagiert.
Zusammenfassend können aus dieser Umfrage folgende Schlussfolgerungen gezogen werden:
- In den verschiedenen Krankheitsphasen haben jeweils ca. 30% der Teilnehmenden CAM angewendet.
- Auch während der Phase der Transplantation haben 10% der Transplantierten CAM angewendet.
- Die wichtigsten Gründe um CAM anzuwenden waren Verbesserung des Allgemeinbefindens und Linderung von Medikamentennebenwirkungen.
- Die wichtigsten Gründe um CAM nicht anzuwenden waren Angst vor Interaktionen mit der konventionellen Therapie und Unkenntnis dieser Möglichkeit.
- Die Mehrheit der CAM-Nutzer berichtet über positive Wirkungen der angewendeten Methoden und würde diese weiterempfehlen.
Die Umfrage zeigt, dass auch bei Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen vor, während und nach Organtransplantationen ein Bedürfnis nach CAM besteht. Die Information für diese Patientengruppe zu den Möglichkeiten und Grenzen der einzelnen CAM-Therapien sollte verbessert werden.
Um einen Dialog mit den Teilnehmern der Online-Umfrage zu ermöglichen, haben wir am Ende des Fragebogens die Möglichkeit angeboten, Fragen zur Komplementärmedizin zu stellen.
Neben Fragen zur Diskrepanz zwischen Einnahme von Immunsuppressiva und der Stärkung des Immunsystems durch gewisse CAM-Therapien sowie Fragen zur fehlenden Information durch Spezialärzte über ergänzende CAM-Methoden sind weitere Informationen gewünscht worden,
welche therapeutischen Möglichkeiten für Transplantierte bestehen. Eine wissenschaftliche Evaluation, welche der vielen komplementärmedizinischen Methoden und Therapien bei Transplantierten nützlich sind, gibt es aufgrund der geringen Anzahl klinischer Studien nicht. Pragmatisch können harmlose Therapien und Therapien mit Vorbehalt unterschieden werden, dies immer aufgrund der individuellen gesundheitlichen Situation des Patienten. Grundsätzlich besteht bei Einnahme von Nahrungsergänzungen oder pflanzlichen Medikamenten ein potentielles Risiko von relevanten Wechselwirkungen mit Immunsuppressiva sowie bei asiatischen Arzneigemischen das Risiko von Leber- und Nierentoxizität.
Sichere Anwendungen von pflanzlichen Arzneimittel sind:
- Wallwurzsalbe bei Gelenkschmerzen
- Ringelblumencrème bei Hautverletzungen oder -entzündungen
- Arnikacrème bei Prellungen
- Gingkotropfen bei Konzentrationsstörungen
- Lavendelöl äusserlich zur Entspannung
- Avena sativa-Tropfen (Hafer) bei Schlafstörungen
Weitere gut verträgliche Behandlungen sind Haferkleie als tägliche Nahrungsergänzung zur Verbesserung von Blutfetten und Diabetes und Autogenes Training oder Tai Chi zur Blutdrucksenkung.
Zusammenfassung
Um potenziell gefährliche Situationen zu vermeiden kann folgende einfache Faustregel dienen: Alle Therapien mit Einnahme von Medikamenten oder Manipulationen am Körper sind mit mehr Risiko verbunden als Methoden der Mind-Body-Medizin.
Wichtig ist eine offene transparente Kommunikation zwischen Patienten und behandelnden Ärzten über die ergänzend eingesetzten komplementärmedizinischen Therapieverfahren. Vorsicht ist geboten bei Selbstmedikation mit Nahrungsergänzungen und pflanzlichen Medikamenten inklusive Teemischungen. Abzuraten ist von der Bestellung solcher Produkte über das Internet oder am Telefon. Die gewählten Verfahren sollten durch qualifizierte Personen durchgeführt werden.
Wir bedanken uns herzlich bei allen Mitgliedern des STV, die an dieser Umfrage teilgenommen haben. Ihre Angaben und die gestellten Fragen haben uns wichtige Hinweise gegeben, in welchen Bereichen die die Informationen zur Komplementärmedizin verbessert werden können.