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Alle Welt redet vom postfaktischen Zeitalter, meine Damen und Herren, und hierzu hat neulich der Psychoanalytiker und Kulturkritiker Slavoj Žižek, Sloweniens berühmtester Export gleich nach Melania Trump, etwas sehr Interessantes gesagt, nämlich: Er, Žižek, könne dem Begriff der Postfaktizität nicht viel abgewinnen, nicht zuletzt weil dieser impliziere, es hätte irgendwann ein Zeitalter der Wahrheit und Wahrhaftigkeit gegeben. Das Problem, so Žižek weiter, sei vielmehr: der Verfall von Sittlichkeit, die Erosion von Werten.
Werte sind wieder wichtig, Werte sind wieder in der Diskussion, eine kleine Welle von Büchern zum Thema hat uns bereits überrollt, gute und weniger gute, und eins der besseren ist «Werte. Warum man sie braucht, obwohl es sie nicht gibt» des Kulturphilosophen Urs Andreas Sommer. Und so, sagt Sommer, funktionieren Werte: Sie setzen Lebensentwürfe gleich, die ungleich sind und zunächst nichts miteinander zu tun haben; sie machen Perspektiven vergleichbar und austauschbar. Werte (wie zum Beispiel Aufrichtigkeit, Konsequenz, Authentizität) lassen Sphären, die an sich getrennt scheinen, miteinander konvertibel werden (beispielsweise die ökonomische Sphäre mit der politischen oder der ästhetischen) und brechen damit die überbordenden Geltungsansprüche einzelner Sphären und ihrer Leiturteile. Im Falle der spätmodernen Marktgesellschaft heisst das: Werte können zum Beispiel das Überwuchern eines allenthalben verbreiteten ökonomistischen Optimierungskalküls und seiner trivialen Zweckrationalität eingrenzen.
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