Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03521.jsonl.gz/123

Nachts, anstatt zu schlafen, lausche ich dem Regen, der immer wieder kurz oder länger auf das Dach prasselt. Bergen ist die regenreichste Stadt von ganz Norwegen. Nachdem ich nach langem Lauschen endgültig eingedöst bin, werden wir beide sehr unsanft geweckt. Ein gewaltiger Donnerschlag reisst uns brutal aus dem Schlaf und ein mächtiges Gewitter entlädt sich genau über uns. Um 9h sind wir abfahrbereit. Es regnet nicht mehr. Heute geht es zurück, Richtung Oslo. Unterwegs kommen wir an Fjorden, Seen und reissenden Flüssen vorbei. Überall schiessen, nach den starken Regenfällen, viele kleinere und einige grössere Wasserfälle über die steilen Felswände herab. Um die Mittagszeit passieren wir den längsten Strassen-Tunnel der Welt.
Der Lærdalstunnel in Norwegen ist mit 24,51 km der längste Strassentunnel der Welt. Mit seinem Bau wurde am 15. März 1995 begonnen, am 3. September 1999 erfolgte der Durchstich und am 27. November 2000 die Verkehrsübergabe am Lærdal-Portal. Die Baukosten beliefen sich auf 930 Millionen NOK, (96‘671900 €) das entspricht rund 38.000 NOK (3950 €) pro Tunnelmeter. Im Jahresdurchschnitt wird der Lærdalstunnel von 1000 Fahrzeugen pro Tag befahren.
Der Tunnel ermöglicht – im Gegensatz zum Weg über das Gebirge – auch im Winter eine Verbindung zwischen zwei Gemeinden. Die Alternative war früher eine Fähre auf dem Sognefjord. Für die Durchfahrt wird keine Maut erhoben. Das entspricht der norwegischen Regionalpolitik, die abgelegene Regionen besonders fördert. Dabei ist der Lærdalstunnel auch ein zentral bedeutsamer Bestandteil der ganzjährig befahrbaren Strassenverbindung Oslo–Bergen im Zuge der E 16.
Besonderheiten an diesem Tunnel sind die innovative Art der Beleuchtung sowie die absichtlich leicht kurvige Streckenführung, die die Fahrer vor Ermüdung schützen und die Konzentration fördern sollen, wodurch auch die Verkehrssicherheit erhöht wird. Ausserdem gibt es im Tunnel mehrere Halteplätze.
Am Nachmittag ist es, nach dem wir die hohen Berge hinter uns gelassen haben, sonnig und leicht bewölkt Wir investieren unser letztes Norwegisches Geld in Diesel. Jetzt haben wir keine einzige Norwegische Krone mehr. Um 17h15 finden wir einen schönen, sonnigen Platz am Wald, wo wir die Nacht verbringen wollen. Abendessen: Spaghetti mit Bolognesesauce.