Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/145897

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, einen Bericht vorzulegen, in welchem er eine Reihe von Massnahmen zur besseren Ausnützung bestehender Gebäude untersucht und vorstellt. Insbesondere soll er darin untersuchen, wie der modulare und evolutive Wohnraum gefördert werden könnte, sei es im Rahmen von Neubauten oder, wenn immer möglich, durch Anpassungen bestehender Bauten.</p><p>Der Wohnraum wächst unaufhaltsam. Die durchschnittliche Wohnfläche pro Person hat in jedem der letzten beiden Jahrzehnte um 5 Quadratmeter zugenommen und betrug im Jahr 2012 45 Quadratmeter. Diese Entwicklung ist problematisch, denkt man an den harten Wettbewerb um die Bodennutzung und an den Kampf gegen die Zersiedelung. Sie ist aber schwierig zu bekämpfen, ist sie doch wesentlich durch die wachsende Zahl von Kleinhaushalten sowie von Scheidungen bedingt, nach denen jeweils zwei Haushalte Platz für die Kinder haben müssen. In diesem Zusammenhang sind "negative" Anreize wie eine Wohnflächensteuer ungeeignet, da sie unwirksam, ja sogar kontraproduktiv sein können. Im Übrigen funktioniert der Preismechanismus ja insofern richtig, als Wohnungen umso teurer sind, je grösser sie sind. Hinzu kommt, dass die Preise in gewissen Regionen allgemein sehr hoch sind. Es braucht also andere Instrumente, um "ohne zusätzliches Bauen zu verdichten". Die Förderung modularen und evolutiven Wohnraums ist ein Weg, den es zu prüfen gilt. Unsere Bedürfnisse nach Fläche und Zusammensetzung unseres Wohnraums wandeln sich im Laufe des Lebens. Ältere Personen finden sich plötzlich allein in zu gross gewordenen Wohnungen, an denen sie jedoch hängen. In der Schweiz gibt es Pionierprojekte für evolutives Wohnen, beispielsweise das Projekt YOUR+ aus dem Departement Technik &amp; Architektur der Hochschule Luzern, das am internationalen Architekturwettbewerb Solar Decathlon vorgestellt wird. Es handelt sich um einen Prototyp modularen Wohnraums, der namentlich gemeinsam genützte Räume umfasst, die so auf optimale Weise ausgenützt werden können. Diese Methode sollte gefördert werden, bei Neubauten, aber auch bei bestehenden Bauten. Letztere könnten in diesem Sinne umgebaut werden, wenn ihre Eigentümerinnen und Eigentümer gewillt sind, sie intensiver zu nutzen. Der Bundesrat wird deshalb aufgefordert, denkbare Massnahmen in dieser Richtung zu prüfen.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat teilt die Auffassung, dass eine Anpassung der Wohnsituation an die jeweiligen Lebensphasen mit ihren unterschiedlichen Wohn- und Flächenbedürfnissen massgeblich zu einer effizienten Flächennutzung und damit zur Erhaltung der Landschaft und des Kulturlandes beitragen kann. Grundvoraussetzung dafür ist ein funktionierender Wohnungsmarkt, der nicht nur ein mengenmässig ausreichendes, sondern hinsichtlich Grösse, Typologie, Eigentumsform und Preis auch vielfältiges Angebot hervorbringt und den Wohnungssuchenden für jede Lebensphase Wahlmöglichkeiten offeriert. Deren Wahrnehmung muss nicht unbedingt mit einem Wohnortswechsel verbunden sein: Verschiedene innovative Überbauungen, insbesondere im gemeinnützigen Sektor, weisen einen Wohnungsmix auf, der von der individuellen Kleinwohnung über zumietbare Einzelzimmer bis zur gemeinschaftlichen Grosswohnung ("Clusterwohnung", so beispielsweise in der Genossenschaft Kalkbreite, Zürich: www.kalkbreite.net) reicht. In der Folge kann mit Wohnungswechseln innerhalb der jeweiligen Überbauung auf veränderte Bedürfnisse reagiert werden.</p><p>Darüber hinaus gibt es eine breite Palette von architektonischen und bautechnischen Konzepten und Ideen, die auf die Anpassbarkeit der Wohnungen an den Lebenszyklus und sich ändernde Bedürfnisse abzielen. Einige sind erprobt, andere noch im Entwicklungs- oder Prototypstadium. Beispielhaft erwähnt sei bezüglich Geschosswohnungsbau eine Grundrissgestaltung, welche mit "Schaltzimmern" eine Anpassung der Wohnungsgrössen ermöglicht (siehe "Die Wohnsiedlung Davidsboden in Basel", Schriftenreihe Wohnungswesen, Bände 57 und 71). Auch Konzepte und Beispiele für die Anpassung von Einfamilienhäusern liegen vor (Mariette Beyeler, Weiterbauen. Wohneigentum im Alter neu nutzen, Basel 2010, franz.: Métamorphouse. Transformer sa maison au fil de la vie, Lausanne, 2014). Verschiedene modulare und entwicklungsfähige Neubaukonzepte privater Anbieter haben ein marktfähiges Niveau erreicht, beispielsweise die Typen "Pile UP" und "Stack Up" eines Basler Architekturbüros. Im Forschungsbereich ist die Weiterentwicklung der modularen Bauweise nicht nur wie im Postulat erwähnt ein Schwerpunkt des Kompetenzzentrums Typologie &amp; Planung in Architektur (CCTP) der Hochschule Luzern - Technik &amp; Architektur. Modulares Bauen und Wohnen sind auch Kernanliegen des bei der Empa angesiedelten Projekts NEST (Next Evolution in Sustainable Building Technologies), zu dessen Trägerschaft der Bund (SBFI, BFE) gehört. Zusammen mit Wirtschaftspartnern wird in diesem Projekt eine modulare Bauweise erforscht und umgesetzt, welche Antworten auf den demografischen und sozialen Wandel und auf die ökologischen Herausforderungen liefern soll. Gerade dieses Projekt belegt, dass die Anliegen des Postulates bereits berücksichtigt werden, weshalb sich ein zusätzlicher Bericht erübrigt.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.