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Was bedeutet „Freinet“? Woher kommt der Name?
Der Name geht auf Célestin Freinet (1896-1966) zurück.
Célestin Freinet war ein Lehrer in Südfrankreich, der im Ersten Weltkrieg verwundet wurde. Nach dem Krieg begann er als Lehrer zu arbeiten. Er konnte einerseits wegen seiner Verletzung nicht laut und lange reden. Andererseits suchte er nach einer Schule, die zur Verhinderung weiterer Kriege beitragen könnte, einer Schule, die von den Interessen der Kinder ausgeht, einer Schule der Selbsttätigkeit.
Was ist typisch für die Freinet-Pädagogik?
Es gab nach dem ersten Weltkrieg in ganz Europa viele Bemühungen um eine Schule der Selbsttätigkeit. Meistens waren private Schulen das Praxisfeld. Freinet wollte aber an der öffentlichen Schule eine andere Pädagogik entwickeln, eine Pädagogik der kooperativen Klasse.
Eine andere Charakteristik von Freinets Vorgehen war das Prinzip des „schulischen Materialismus“. Das ist ein umfassender Begriff, der aber im Werkzeug der Druckerei zum Symbol der ersten Jahrzehnte der Freinet-Pädagogik wurde.
Im gleichen Atemzug muss erwähnt werden, dass Freinet mit seinen Bestrebungen nicht allein blieb. Von Anfang an war seine Pädagogik ein kooperatives Werk:
Mit dem Einsatz der Druckerei im Unterricht und der Klassenkorrespondenz begann eine kontinuierliche Veränderung der Praxis. Weitere „Schuldrucker“ bildeten in wenigen Jahren eine Bewegung von Lehrerinnen und Lehrern, die an der öffentlichen Schule eine alternative Pädagogik erarbeiteten.
In Élise Lagier-Bruno fand Célestin Freinet eine Partnerin, die seine Ideen unterstützte und vor allem im gestalterischen Bereich einen grossen Beitrag leistete.
Früher Ausdruck der Bewegung sind das erste Treffen der Schuldrucker 1927 in Tours und die Gründung der „Coopérative de l’Enseignement Laïc“ 1928. Schon wenige Jahre danach entstanden Ansätze einer Freinetbewegung in Spanien und in Belgien. Am französischen Kongress in Nantes wurde 1957 die FIMEM gegründet, die „Fédération Internationale des Mouvements de l’École Moderne“.
Gibt es in der Schweiz eine Freinetbewegung?
In den frühen Fünfzigerjahren bildete sich in der Romandie erstmals eine Freinetbewegung. 1952 wurde die „Guilde du travail, pédagogie Freinet“ gegründet. Rund 100 Lehrerinnen und Lehrer kamen in diesem Rahmen in mehreren Arbeitsgruppen zusammen.
Ab 1972 wurde die Guilde in „Groupe Romand de l’École Moderne“ (GREM) umbenannt, während sich in Genf nach 1968 eine eigene Gruppe als „Groupe Genevois de l’École Moderne“ (GGEM) formierte.
1977 wurde in Zürich unter dem Namen „Arbeitsgruppe Freinet-Pädagogik“ erstmals eine Freinetgruppe in der deutschsprachigen Schweiz gegründet.
Es wurde auch eine Zusammenarbeit über die Sprachgrenze hinaus gepflegt.
Im Mai 1983 wurde der erste „Schweizerische Freinetkongress“ in Bern durchgeführt.
Am Kongress in Yverdon 1998 erfolgte der Zusammenschluss der schweizerischen Freinetgruppen zur FGS/GSEM (Freinet Gruppe Schweiz/Groupe Suisse de l’École Moderne).
In der Romandie gibt es heute keine Freinetbewegung mehr.
In der deutschsprachigen Schweiz sind einzelne Regionalgruppen aktiv.
Ist damit erklärt, was „Freinet-Pädagogik“ ist?
Nein, bei weitem nicht.
Wir verweisen auf unsere Beiträge auf dieser Website und auf die Publikationen zur Freinet-Pädagogik.
Wer Französisch kann, ist eingeladen, französischsprachige Literatur zu lesen, da in diesem Sprachbereich die Freinet-Pädagogik in einem anderen Ausmass entwickelt werden konnte.