Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03487.jsonl.gz/752

Mit anderen Worten: Es wurde den Mitarbeitern mit Nachdruck erklärt dass jeder rausfliegt der das Maul aufmacht.
Gegen Elon Musks Neurotechnologie-Unternehmen Neuralink werde in den USA wegen möglicher Verstösse gegen das Tierschutzgesetz ermittelt, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Demnach haben sich Angestellte beschwert, dass Tierversuche übereilt und teils fehlerhaft durchgeführt wurden, was unnötiges Leid verursacht habe. Dies geht aus internen Dokumenten hervor, die von Reuters eingesehen wurden.
Neuralink entwickelt ein Gehirnimplantat, das gelähmten Menschen helfen soll, wieder zu gehen und andere neurologische Leiden zu heilen. Die Firma wurde von Musk und acht weiteren Investoren 2016 gegründet.
Musks Druck auf die Angestellten, die Entwicklung zu beschleunigen, habe zu Pfusch bei Tierexperimenten geführt, berichtet Reuters. Der Bericht stützt sich auf Dutzende von Neuralink-Dokumenten (Tonaufnahmen, E-Mails, Präsentationen) und Interviews mit mehr als 20 derzeitigen und ehemaligen Angestellten.
Musk habe seine Mitarbeiter mehrmals aufgefordert, sich vorzustellen, eine Bombe am Kopf zu haben, um sie zu schnelleren Resultaten anzuspornen. Er soll auch angedeutet haben, das Unternehmen zu schliessen, wenn sie keine raschen Fortschritte erzielten.
Reuters zufolge starben bei Neuralink-Experimenten seit 2018 rund 1500 Tiere, darunter mehr als 280 Schafe, Schweine und Affen. Wichtig: Die Zahlen bedeuten nicht automatisch, dass Neuralink gegen das Gesetz verstösst, und Musks Unternehmen hat bislang alle behördlichen Inspektionen seiner Einrichtungen bestanden.
Ehemalige und derzeitige Mitarbeiter erklärten jedoch gegenüber Reuters, dass der massive Zeitdruck zu fehlerhaften Experimenten und in der Folge wegen notwendiger Wiederholungen zu einer höheren Sterblichkeitsrate geführt habe, als es sein müsste. Zu den vermeidbaren Pannen, die zum unnötigen Tod von Tieren geführt haben, gehört ein dokumentierter Fall im Jahr 2021, als 25 von 60 Schweinen ein Brain-Computer-Interface in der falschen Grösse im Kopf implantiert wurde.
In einer von Reuters eingesehenen Nachricht schrieb ein Mitarbeiter Anfang des Jahres eine E-Mail an seine Kollegen, in der er auf die Notwendigkeit hinwies, die Art und Weise, wie das Unternehmen Tieroperationen organisiert, zu überarbeiten, um Pfusch zu verhindern. Der überstürzte Zeitplan führe dazu, dass überlastete Mitarbeiter um die Einhaltung von Fristen ringen und vor Operationen an Tieren Änderungen in letzter Minute vornehmen würden, was die Risiken für die Tiere erhöhe.
Fünf Personen, die an den Tierversuchen von Neuralink mitgewirkt haben, erklärten gegenüber Reuters, sie hätten intern Bedenken geäussert. Im September reagierte das Unternehmen auf die interne Kritik mit einem Mitarbeiter-Meeting, an dem die Prozesse erläutert wurden.
Neuralink steht unter Erfolgsdruck, da bereits mehrmals Etappenziele, etwa Versuche an Menschen, verpasst wurden. Während das Konkurrenzunternehmen Synchron bereits eine Zulassung für Versuche am Menschen hat, muss Neuralink immer noch mit Tierversuchen auskommen. Ein Gründungsmitglied und mehrere Führungskräfte sollen das Unternehmen laut Medienberichten zuletzt verlassen haben.
Anfang dieses Jahres habe Musk seinen Mitarbeitern morgens um 6.37 Uhr eine E-Mail mit einem Artikel über Schweizer Forscher geschickt, die ein Implantat entwickelt hatten, das einem Gelähmten wieder zum Gehen verhalf, so Reuters. «Im Allgemeinen bewegen wir uns einfach nicht schnell genug. Das macht mich wahnsinnig», soll er in einer weiteren E-Mail geschrieben haben, die er zehn Minuten später verschickte.
Musk dementierte kürzlich Vorwürfe einer Tierschutzorganisation, Neuralink hätte bei Experimenten mit Affen gepfuscht. Neuralink bestätigte aber, dass es nach einer gemeinsamen Studie mit einer kalifornischen Universität sechs Affen aufgrund von Problemen, die durch die Experimente verursacht worden waren, getötet habe.
Musk sagte, dass die Operationen nur als letztes Mittel und in einem späten Stadium eingesetzt würden, um zu bestätigen, dass das Implantat funktioniere, und nicht, um frühe Hypothesen zu testen. Reuters fand jedoch Aufzeichnungen von Neuralink aus mehreren Jahren mit zahlreichen Verweisen auf «Erkundungsoperationen».
Im Oktober, einen Monat vor Musks Äusserungen, habe Autumn Sorrells, die Leiterin der Tierpflege, die Mitarbeiter angewiesen, den Begriff «Erkundung» rückwirkend aus den Studientiteln zu streichen und ihn künftig nicht mehr zu verwenden.
Musk und Neuralink haben auf die Vorwürfe von Reuters zunächst nicht reagiert.
Neuralink hat vor wenigen Tagen an einem Event angekündigt, dass es innerhalb der nächsten sechs Monate mit Versuchen am Menschen beginnen könne. Noch fehlt allerdings die Genehmigung und die laufende Ermittlung könnte diese weiter verzögern. Ursprünglich waren entsprechende Versuchsreihen bereits für 2020 und später für 2022 angekündigt worden. Jetzt sollen sie in der ersten Hälfte des Jahres 2023 stattfinden.
Das langfristige Ziel von Neuralink ist es, ein Hirnimplantat zu entwickeln, das eine Verbindung zum Computer ohne den Umweg über Eingabegeräte wie Maus, Tastatur oder Monitor ermöglicht. Ausserdem soll die dafür notwendige Hirnoperation automatisiert werden, sodass sie auch für Normalverdiener erschwinglich wird.
Das ist allerdings Zukunftsmusik. Im Rahmen eines Show-Events zeigte Neuralink Ende November Videos von Affen, denen eine frühe Version des Implantats eingepflanzt wurde. Sie konnten anscheinend per Gedankenkraft markierte Buchstaben auf einer Bildschirmtastatur ansteuern und auswählen.
Diese Form der Gedankensteuerung soll es bereits in naher Zukunft vollständig gelähmten Menschen ermöglichen, ihr Smartphone schneller zu bedienen, als dies Menschen per Hand könnten, versprach Musk. Ausserdem wolle man recht bald in der Lage sein, blinden Menschen ihr Sehvermögen zurückzugeben. Ob er die kühnen Versprechen wird halten können, ist derzeit völlig unsicher.
(oli)
Ein internationales Team von Astronomen aus Montreal und Indien hat ein Radiosignal eingefangen, das vor der unvorstellbar langen Zeit von 8,8 Milliarden Jahren ausgesendet wurde. Die extrem schwache Strahlung konnten sie mithilfe des Giant Metrewave Radio Telescope (GMRT) im indischen Pune auffangen, dem weltgrössten Radioteleskop für Wellenlängen im Meterbereich. Sie geht von neutralem Wasserstoff aus; jedes Wasserstoffatom sendet zwar nur verschwindend wenig Strahlung aus, aber die riesigen Wasserstoffwolken im All glimmen dadurch. Neutraler Wasserstoff leuchtet nicht im sichtbaren Licht, seine Strahlung kann aber mit Radioteleskopen aufgefangen werden.