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| Eusebius von Cäsarea († um 340) - Kirchengeschichte (Historia Ecclesiastica)

Sechstes Buch
3. Kap. Schon in seiner Jugend verkündet Origenes das Wort Christi.
3. Während dieser seiner Tätigkeit kamen, wie er selbst irgendwo in seinen Schriften erzählt, einige Heiden zu ihm, um das Wort Gottes zu hören. Denn da alle vor der drohenden Verfolgung geflohen waren, war sonst niemand in Alexandrien, der (christlichen) Unterricht erteilt hätte. Der erste von ihnen war, wie er berichtet, Plutarch, der nach einem tugendhaften Leben auch mit herrlichem Martyrium ausgezeichnet wurde, der zweite Heraklas, der [S. 267] ein Bruder Plutarchs war und, nachdem er ebenfalls im Verkehr mit ihm reichliche Beweise eines philosophischen Lebens und Entsagens gegeben hatte, gewürdigt wurde, nach Demetrius Bischof von Alexandrien zu werden. Origenes stand im 18. Lebensjahre, als er Vorsteher der Katechetenschule wurde. Hier erzielte er zur Zeit der Verfolgungen des Aquilas, des Statthalters von Alexandrien, große Erfolge und erwarb sich durch seine Freundlichkeit und seine Gefälligkeit, die er gegen alle heiligen Märtyrer, unbekannte und bekannte, bewies, bei allen Gläubigen einen sehr gefeierten Namen. Er stand nämlich den heiligen Märtyrern nicht nur zur Seite, solange sie noch im Gefängnis waren und das Endurteil noch nicht über sie gesprochen war, sondern auch nachher, wenn sie zum Tode geführt wurden, freimütig und geradewegs den Gefahren entgegengehend. Er wäre auch, wenn er so mutig zu den Märtyrern trat und sie offen und frei mit einem Kusse begrüßte, oftmals von dem herumstehenden wütenden Pöbel fast gesteinigt worden, wenn er nicht ein für allemal unter dem Schutze der göttlichen Rechten gestanden und so stets auf wunderbare Weise entkommen wäre. Dieselbe göttliche und himmlische Gnade beschützte ihn auch sonst, wenn man ihm wegen seines großen Eifers für die Lehre Christi und seiner Freimütigkeit damals nachstellte, immer und immer wieder in den vielen Fällen, die nicht aufgezählt werden können. Die Ungläubigen setzten ihm in einer Weise zu, daß sie sich zusammenrotteten und mit Soldaten das Haus umstellten, in dem er wohnte, wegen der Menge, die von ihm in der heiligen Religion unterrichtet wurde. Die Verfolgung entbrannte gegen ihn von Tag zu Tag mehr, so daß er in der ganzen Stadt keinen Platz mehr fand, immer wieder die Wohnung wechseln mußte und überall vertrieben wurde wegen der Zahl derer, die durch ihn der göttlichen Lehre zugeführt wurden. Vor allem deshalb, weil sein sittliches Leben die herrlichsten Früchte echtester Philosophie zeitigte, sein Leben, wie [S. 268] man sagt, der Lehre und seine Lehre dem Leben entsprach, veranlaßte er mit Hilfe der göttlichen Kraft Unzählige, ihm nachzueifern. Wie Origenes sah, daß ihm immer mehr Schüler zuströmten, da er allein mit der religiösen Unterweisung von Demetrius, dem Vorsteher der Kirche, betraut war, und erkannte, daß sich mit der Pflege göttlicher Wissenschaften der grammatikalische Unterricht nicht verbinden lasse, gab er unbedenklich den Unterricht in der Grammatik als wertlos und der heiligen Wissenschaft widersprechend auf und verkaufte in weiser Berechnung, um nicht von fremden Händen unterstützt werden zu müssen, alle Werke alter Schriftsteller, mit welchen er sich früher eifrig beschäftigt hatte, und war zufrieden damit, täglich von dem Käufer der Werke vier Obolen zu erhalten. Sehr viele Jahre führte er so das Leben des Philosophen, jeglichen Reiz zu jugendlicher Ausschweifung von sich ferne haltend. Den ganzen Tag nahm er die nicht geringen Mühen des Unterrichtes auf sich, den größeren Teil der Nacht widmete er dem Studium der göttlichen Schriften. Er führte ein möglichst entsagungsvolles Leben bald durch Fastenübungen, bald durch Beschränkung des Schlafes, dem er sich absichtlich keineswegs in einem Bette, sondern auf bloßer Erde hingab. Vor allem glaubte er jene evangelischen Worte des Erlösers1 beachten zu müssen, die da fordern, nicht zwei Röcke zu haben und keine Schuhe zu benützen und sich nicht von Sorgen für die Zukunft beängstigen zu lassen. Mit einem Eifer, den man bei seinem Alter nicht hätte erwarten mögen, hielt er in Kälte und Entblößung aus und ging in seiner übertriebenen Anspruchslosigkeit bis zum Äußersten, wodurch er seine Umgebung in Staunen setzte. Mochte er auch Unzählige beleidigen, die den Wunsch gehabt hätten, ihm etwas von ihrem Besitze mitzuteilen, weil sie sahen, welche Mühen ihm der Unterricht kostete, er blieb gleichwohl fest. Wie erzählt wird, ging er mehrere [S. 269] Jahre barfuß, ohne je einen Schuh zu tragen, und enthielt sich während sehr vieler Jahre auch vom Genuß des Weines und der übrigen zum Leben nicht notwendigen Speisen, so daß er schließlich in Gefahr kam, zu erschlaffen und krank zu werden. Bei solchen Proben philosophischen Lebens, wie sie Origenes vor seiner Umgebung ablegte, versteht es sich, daß sich sehr viele Schüler zu ähnlichem Streben angespornt fühlten. Es kamen daher selbst Gebildete und Gelehrte von den ungläubigen Heiden zu seinem Unterricht. Auch diese haben sich, wenn sie aufrichtig in der Tiefe ihres Herzens den Glauben an das göttliche Wort von Origenes entgegennahmen, in der damaligen Verfolgung ausgezeichnet, so daß manche von ihnen gefangengenommen und gemartert wurden.
1: Matth. 10, 10; 6, 34.