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Nostalgie 13.11.2022, 11:47 Uhr
Was hat die Barbie mit WordStar zu tun?
Wühlen wir wieder einmal in der Geschichte von Computersoftware. Kennt noch jemand WordStar, eins der ehemals meistgelobten Textverarbeitungsprogramme? Seine Geschichte liest sich abenteuerlich.
Das erste Textverarbeitungsprogramm, mit dem ich Mitte der Achtzigerjahre in Kontakt kam, hiess WordStar, stammte von MicroPro und lief auf einem DOS-PC von IBM.
Das Unternehmen MicroPro ging danach durch eine (hauptsächlich nach unten) bewegte Geschichte. Laut einem Chronisten (engl.) hat sich MicroPro im Jahr 1989 in WordStar International umbenannt, wohl in der Hoffnung, den Namen WordStar in der Branche wieder in Erinnerung zu rufen.
Fünf Jahre später fusionierte WordStar International mit Spinnaker Software und SoftKey Software Products. Das neue Unternehmen hiess SoftKey International und vermarktete preisgünstige Software für Endverbraucher. Im selben Jahr erschien noch WordStar für Windows 2.0.
SoftKey hat sich kurze Zeit später (Ende 1995) offenbar im Rahmen einer feindlichen Übernahme ein Unternehmen namens «The Learning Company» (kurz TLC) einverleibt, ein Hersteller von Lernsoftware für Kinder. Kurz darauf hat das Unternehmen auch gleich dessen Namen übernommen und fortan benutzt. Eine letzte WordStar-Version erschien 1998, wurde aber nicht mehr aktiv beworben.
WordStar geht zu Barbie
Und dann im selben Jahr, im Dezember, folgte die Überraschung: Spielzeughersteller Mattel, bekannt für die Barbie-Puppe, übernahm TLC, zu deren Portfolio WordStar theoretisch immer noch gehörte, für ungefähr 4 Milliarden Dollar.
Mattel hatte grosse Pläne mit TLC, die nun in «Mattel Interactive» integriert wurde. Es wurde allerdings zu einem riesigen Verlustgeschäft, weshalb Mattel sich von diesem Klotz am Bein schon zwei Jahre später wieder trennte.
Ende 2000: The Learning Company wurde von Gores Technology übernommen.
August 2002: Gores Technology stösst TLC wieder ab, welches von der ursprünglich irischen Firma Riverdeep übernommen wird (die inzwischen «Houghton Mifflin Harcourt Learning Technology» heisst). Und dort liegen jetzt offenbar immer noch die Rechte an der WordStar-Software.
Im Zuge all dieser Umwege, Fusionen und Firmensitzverlegungen, in denen WordStar selbst keine Rolle mehr spielte, sollen laut den Chronisten von WordStar.org die Archive und Quellcodes der einst so gelobten Software in einem der vielen Lagerräume verschollen sein.