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Der Chor ist um eine Stufe erhöht gegenüber dem saalartigen Schiff. Kanzel und Taufstein sind in der Längsachse symmetrisch organisiert, vergleichbar mit dem Innern der fast gleichzeitig entstandenen Kirche von Gränichen. Die polygonale, reich geschnitzte Sandsteinkanzel mit Schmiedeisengitter beim Aufgang stammt aus dem Baujahr, der Taufstein aus geflecktem Marmor von 1730.
Die oktogonale, reichverzierte Kanzel aus Sandstein erhebt sich über einer Mittelstütze.
die prachtvolle, reichverzierte Kanzel
die reiche Verzierung des Kanzelkorpus, die in goldenen Ziffern die Jahrzahl des Baujahres der Kirche trägt: 1675
Der Taufstein, ein Kelch und achteckig wie die Kanzel, besteht aus geschliffenem, geflecktem dunklen Marmor; er stammt aus dem Jahre 1730.
der Taufstein von 1730
Über beiden Eingangsportalen findet sich je eine querovale Spruchkartusche aus Sandstein. Die in der südlichen Wand trägt die Inschrift:
«Psal: LXXXIV.
Wie Lieblich Sind deine Wohnungen
Herr Zebaoth. Meine Seele Verlanget
Und sehnet sich Nach den Vorhöffen
deß Herren: Mein Hertz Und
Mein fleisch Jauchtzet Nach
dem Lebendigen Gott.»
Wie Lieblich Sind deine Wohnungen
Herr Zebaoth. Meine Seele Verlanget
Und sehnet sich Nach den Vorhöffen
deß Herren: Mein Hertz Und
Mein fleisch Jauchtzet Nach
dem Lebendigen Gott.»
In der Rocailleform zuoberst ist die Darstellung eines Berner Bären zu erkennen.
Die hölzerne Empore wurde 1909 neu erbaut.
die Empore mit Orgel an der Westseite
Die Wandfresken wurden 1927 des Lenzburger Künstlers Werner Büchli (1871–1942) gestaltet. Büchli hat im Aargau weitere Kunstwerke am Bau geschaffen, so unter anderem für die Krematorien Aarau und Brugg und für das Pestalozzi-Denkmal in Birr.
Die Fresken in der Kirche Othmarsingen zeigen in dunkel gehaltenen Farbtönen monumentale biblische Figuren: Mose und Hiob, den Propheten Jesaja und Johannes den Täufer. Die Fresken sind in einer Art Grisaillemalerei gehalten, das heisst, es gibt kaum Farben ausser einem durchgängigen Gelb, das Licht symbolisieren soll.
Mose (links) und der Prophet Jeremia (rechts)
Die Fresken zeigen die biblischen Protagonisten durchgehend monumentalisiert, heroisch, in einsamer Pose, ihrer schweren Mission bewusst, in einem schweren archaisierenden Stil. Für heutige Betrachter mögen sie teilweise eher schwer verdaulich wirken.
Das Mose-Fresko zeigt Mose in monumentalisierter Grösse, in der Rechten die Gesetzestafel tragend, mit der Linken segnend/ermahnend. Auffällig ist die Darstellung des Mose mit Hörnern (wie bei Michelangelos berühmtem Mose, der für dieses Fresko Pate gestanden haben dürfte), einer früheren Mose-Ikonographie entsprechend, die auf einem früheren Übersetzungsfehler beruht: «gehörnt» statt «strahlend».
Bei der Darstellung dieses Mose soll es sich um ein Porträt des ersten Pfarrers von Othmarsingen, Pfarrer Jacob Heiz (1851–1930) handeln. Die in Othmarsingen geborene, bekannte Schweizer Mundartdichterin Sophie Haemmerli-Marti schrieb über Pfarrer Heiz, den sie persönlich gekannt hatte: «Wenn di höch Prophetegstalt mitem schneewysse Bart und em vergrüeblete Glehrtegsicht langsam mit niedergschlagnige auge uf d Chanzle ue goht..., denn bruuchtis scho fascht ekei Predig meh...» (aus: 300 Jahre Kirchenneubau Othmarsingen, Seite 20) Ein Foto des alten Pfarrer Heiz zeigt einen weisshaarigen Herrn mit langem weissen Bart. Gut möglich also, dass diese Mose-Darstellung tatsächlich Pfarrer Heiz porträtiert!
Bemerkenswert sind in allen vier Fresken die bedeutungsgeladenen Handhaltungen der Protagonisten!
Das Mose-Fresko von Werner Büchli, darunter die Bibelverse:
«Der Herr unser Gott hat einen Bund
mit uns gemacht zu Horeb. Höret seine
Gebote und Rechte, dass ihr darnach tut.
5. Mose 5,1-2»
Gebote und Rechte, dass ihr darnach tut.
5. Mose 5,1-2»
Im Zusammenhang mit der Restaurierung der Wandfresken (2001) kam es auch zu einem amüsanten Antrag an den federführenden Ansprechpartner in der Denkmalpflege Aargau, Jürg Andrea Bossardt (der für unseren Internetauftritt die Kirche auf dem Staufberg bearbeitet hat), und zwar wurde für den Bibelvers unter der Jeremia-Darstellung gewünscht, «dafür zu sorgen, dass das Wort: Weiber in Hiob 2,10, durch das Wort: Frauen ersetzt wird.» Dies mit folgender Begründung: «Die Frauen in Othmarsingen lehnen das Wort: Weiber wehement (sic!) ab, sie fühlen sich dadurch gekränkt u. beleidigt.» Dem wurde offensichtlich Rechnung getragen, und so erscheint Hiob 2,10 seither in einer politisch korrekten Fassung! Ob «Weiber» oder «Frauen» weniger kränkt, wenn sie mit dem Adjektiv «töricht» versehen werden, bleibe dahingestellt...
«Du redest wie die törichten Frauen reden.»
Ein Blick in den Dachstock der Kirche zeigt die innere Form des Walmdaches und die Zimmermannskunst von früher.
Das ovale Schild auf einem Mittelbalken des Dachstockes enthält folgende Inschrift:
«Kirche Othmarsingen
Erbaut 1675
von Abraham Dünz, Bern
Kirchturm
Erbaut 1896
von Karl Moser, Baden»