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Urvolk Balten - Abstammung und Herkunft
Die baltischen Sprachen
Die baltischen Sprachen werden meist in zwei Gruppen unterteilt:
- Die ostbaltischen Sprachen: zu ihnen gehören Litauisch, Lettisch, Nehrungskurisch, Lettgallisch, Selonisch, Schemaitisch und Semgallisch.
- Die westbaltischen Sprachen: zu ihnen gehören Altpreußisch, Jatwingisch (Yatwigisch, Jatwigisch, Yotwingisch, Sudauisch, Sudovisch), Galindisch und Altkurisch.
Die Pruzzen sind der einzige historisch faßbare Stammesverband der Westbalten. Die übrigen baltischen Völker sind solche der ostbaltischen Gruppe.
Bis auf das in seiner Sprachentwicklung konservative Litauische und das entwicklungsmäßig progressive Lettische sind alle diese Sprachen im 16. und 17. Jahrhundert ausgestorben.
Die im nördlichen Baltikum gesprochenen Sprachen Estnisch und Livisch gehören nicht in diese Gruppe, sondern sind Zweige der finno-ugrischen Sprachen, sind also Verwandte des Finnischen und Ungarischen.
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Entstehung
Die Ausgliederung eines baltischen Kulturkomplexes aus dem Kontinuum indogermanischer Populationen begann bereits im 2. Jahrtausend v. Chr. Seit dieser Zeit haben die Balten in der Region gesiedelt, das nach ihnen benannt ist, im Baltikum, in einem Gebiet, das weit über das Kernland moderner baltischer Völker hinausreichte. Bis ins Mittelalter bewohnten Balten weite Teile Ostpreußens, des nordwestlichen Rußland und des nördlichen Weißrußland.
Bis ins 5. Jahrhundert verlief die kulturelle Entwicklung der Balten gemeinsam, dann gliederte sich der ostbaltische Komplex aus. Im Verlauf des 7. Jahrhunderts bildeten sich Regionalkulturen aus.
Von den baltischen Völkern leben nur die Litauer und Letten weiter.
Die Vorgeschichte der Balten
Zu der Memelland-Kultur zählten unter anderen auch die zu den indogermanischen Baltenstämmen zählenden Kuren, die sich etwa ab 2500 v. Chr. entlang der Ostseeküste ansiedelten.
Im 4. Jahrhundert v. Chr. wurde das Memelland besiedelt. Archäologische Funde belegen Verbindungen mit damaligen Kulturen in der heutigen Dnjepr-Region in Weißrußland.
Etwa vom 2. bis zum 5. Jahrhundert n. Chr. spricht man vom „Goldenen Zeitalter der Balten“, denn während dieser Periode wird eine langwährende ungestörte Besiedlung durch etwa 1000 Gräberfelder nachgewiesen, weil die Bestattungsriten während dieser Zeit unverändert geblieben sind. Auch gab es keinerlei Anzeichen von Abwanderungen, Bevölkerungsverschiebungen oder von Invasionen fremder Stämme.
In der mittleren Eisenzeit, der Zeit zwischen dem 5. und dem 9. Jahrhundert, veränderten sich die Lebensbedingungen der baltischen Stämme, denn von Osten und Süden her wurden sie durch die Expansion der Slawen unter Druck gesetzt, und von der Ostsee drängten Schweden und Wikinger ins Land. Die pruzzischen und kurischen Stämme spielten während dieser Periode die führende verteidigende Rolle unter den Baltenstämmen.
Ab dem 5. Jahrhundert sind Burgberge belegt. Diese Hügelburgen wurden bevorzugt auf Steilufern oder in Gewässern auf Landzungen errichtet und mit Wällen aus Baumstämmen und gestampftem Lehm befestigt. Der Innenraum einer solchen Burg betrug zwischen einem halben und einem ganzen Hektar.
Kuren
Die Kuren sind am nächsten mit den Stämmen verwandt, die an der Ethnogenese der Letten beteiligt waren. Hierzu gehörten u.a. die Lettgallen, Semgallen und Seler.
Aus mittelalterlichen Urkunden geht hervor, daß die Kuren ein selbständiger baltischer Volksstamm waren. Das geschichtliche Siedlungsgebiet der Kuren erstreckte sich westlich der Rigaer Bucht und auch weiter südlich davon. Dies war die Übergangszone zwischen den baltischen Stämmen Lettlands und Litauens. Seit dem 14. Jahrhundert waren die Kuren auch als Bewohner von Fischerdörfern an der Küste Ostpreußens bekannt. Nach ihnen sind die Halbinsel Kurland und die Kurische Nehrung benannt. Aus der Wikingerzeit noch stammt die Tradition des Bootshauses bei den Kuren („Kurenkahn“).
Seit dem Frühen Mittelalter waren die Kuren am Ostseehandel beteiligt.
Im Verlauf des 16. Jahrhunderts hat sich die kurische Bevölkerung in Litauen vollständig assimiliert. Auf der Kurischen Nehrung in Ostpreußen dagegen hielten sich die Kuren bis ins 20. Jahrhundert: Kurz vor der Vertreibung der deutschen Bevölkerung im Jahre 1945 wurde in den Fischerdörfern noch vereinzelt kurisch gesprochen. Heute sind keine lebenden Sprecher des Kurischen mehr bekannt.
Über die Zuordnung des Kurischen zur west- oder ostbaltischen Gruppe besteht keine Einigkeit. Eine Lehrmeinung sieht sie als westbaltische Sprache, die sich unter dem Einfluß ostbaltischer Sprachen zum ostbaltischen Typus wandelte. Das Nehrungskurische, de facto ein lettischer Dialekt und nicht mit dem Kurischen zu verwechseln, stirbt zur Zeit aus (aktuell weniger als zehn Muttersprachler).
Pruzzen
Die Vorfahren dieser westlichen Balten waren sehr wahrscheinlich die Aestier, die in der Germania des Tacitus (um 100 n. Chr.) erstmals erwähnt werden. Der gotische Geschichtsschreiber Jordanes beschrieb dieses Volk an der Ostseeküste als friedfertige Bauern, die vom Fischfang und Bernsteinhandel lebten und mit Keulen bewaffnet seien.
Trotz der Ähnlichkeit des Namens mit dem der Esten, einem finnougrischen Volk, paßt die Beschreibung des Tacitus über die Wohnsitze und die Lebensgewohnheiten der Aestier nicht zu den Ostseefinnen.
Wegen des anhaltenden Widerstandes der Pruzzen gelang die Eroberung Ostpreußens durch den Deutschen Orden erst im Jahre 1283. Das Siedlungsgebiet der Pruzzen wurde in ihr Territorium eingegliedert. Bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts war die Christianisierung der Westbalten im wesentlichen abgeschlossen.
In den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten förderte der vom Deutschen Ritterorden gegründete Ordensstaat den Zustrom deutscher Ritter, aber auch von Bauern und Bürgern aus aller Herren Länder, wodurch die altpreußische Sprache immer mehr verdrängt wurde. Spätestens gegen Ende des 17. Jahrhunderts haben sich die Pruzzen vollständig an das umgebende Deutschtum akkulturiert, und ihre Sprache wurde im Laufe der Generationen zugunsten des Deutschen aufgegeben. Von den letzten Sprechern des Pruzzischen wird um 1700 berichtet.
Christliche Masowier wanderten in die Landesteile ein, die an das Herzogtum Masowien grenzten, und zwar teilweise vor, aber hauptsächlich während der Reformationszeit. Nach ihnen wurde ab dem 18. Jahrhundert das südliche Preußen inoffiziell als Masuren bezeichnet. In das nur noch spärlich besiedelte Gebiet der Schalauer, Nadrauer und Sudauer wanderten ab dem Ende des 15. Jahrhunderts Litauer ein.
Die Sprache der Pruzzen, das Pruzzische oder Altpreußische, ist nur fragmentarisch aus Textsammlungen und Glossaren des 16. Jahrhunderts benannt. Das westbaltische Altpreußisch gilt als besonders archaisch. Neben seiner Verwandtschaft mit den ostbaltischen Sprachen zeigte es viele Besonderheiten, die im Lettischen und Litauischen nicht vorhanden sind.
Von den Pruzzen her stammt der Name Preußen.
Litauer
Die Ethnogenese der Litauer als Ethnie mit kulturell-sprachlichem Eigenprofil setzte im 7. Jahrhundert n. Chr. ein. Im Jahre 1251 wurde Fürst Mindaugas getauft. Im 13. Jahrhundert bildete sich durch die Fusion verschiedener lokaler litauischer Stämme, ein Staatswesen, das beständig an Macht und Einfluß gewann. Die Entstehung dieses Staates, der erstmals 1219 erwähnt wird, fand seine Motivation im Widerstand gegen die Ausdehnungsbestrebungen des Deutschen Ritterordens.
Seit 1386 gab es eine Personalunion des Großfürstentums Litauen mit dem Königreich Polen, die 1569 erneut bestätigt wurde. Als Amts- und Urkundensprache diente zunächst das Lateinische, später das Weißrussische. Nach der Umstellung auf Polnisch machte sich dessen Einfluß auf die litauische Kultur und Sprache im 17. und 18. Jahrhundert deutlich bemerkbar. 1795 wurde Litauen durch das zaristische Rußland annektiert. Von 1918 bis 1940 und erneut seit 1991 ist Litauen wieder souverän.
Letten
Die lettische Regionalkultur bildete sich während des 7. Jahrhunderts aus. Zwischen ca. 1000 und 1550 akkulturierten sich etliche lokale Stämme an das Lettentum. Auch fast alle Liven haben sich ans Lettische assimiliert. Seit dem 16. Jahrhundert wird die lettische Sprache geschrieben.
Seit dem Mittelalter hat das deutsche Bürgertum in den Städten die lettische Kultur beeinflußt. Den deutschen Kaufleuten und Missionaren folgte der Schwertritterorden, der Anfang des 13. Jahrhunderts das bis dahin von lokalen Fürstentümern beherrschte Siedlungsgebiet der Letten eroberte. 1201 wurde Riga gegründet. Später schlossen sich die Schwertritter mit dem Deutschen Ritterorden zum Liwonischen Orden zusammen. Im Jahre 1290 wurden die Semgallen unterworfen.
Bis 1561 stand Lettland unter der Kontrolle des Liwonischen Ordens, danach wurde das Herzogtum Kurland von Polen regiert, bis es 1737 unter russischem Einfluß geriet.
1721 fiel der größte Teil Lettlands an Rußland. Bis 1918 verblieb das lettische Siedlungsgebiet territorial beim Zarenreich. Von 1918 bis 1940 und erneut seit 1991 ist Lettland wieder souverän.
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