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Oscar-Preisträger Kevin Macdonald («One Day in September», «The Last King of Scotland») ist ein Regisseur, dessen Dokumentarfilme wohl ebenso bekannt sind wie seine Spielfilme. Mit «Life in a Day» (2011), in dem Menschen aus aller Welt am selben Tag filmten, was ihnen wichtig ist, hat er versucht, die beiden Genres zu vermählen – und hat darüber hinaus den Film via Crowdfunding finanziert.
«Marley», sein neuster Film, ist nun wieder ein traditioneller und perfekt gemachter Dokumentarfilm über Bob Marley (1945–1981) – seine Musik, sein Leben, sein Sterben. Als Schlüssel zum Verständnis von Leben und Werk des jamaikanischen Musikers bezeichnet Macdonald dessen gemischte ethnische Wurzeln – Marleys Vater war ein Weisser, seine Mutter eine Schwarze –, im Film kommen Verwandte von beiden Seiten zu Wort.
Zwar wird in «Marley» immer wieder klar, wie die Grenzen zwischen Schwarz und Weiss konstruiert werden, doch wird auch nicht verschwiegen, dass in der Familie eine Art Apartheid herrschte. Die äusserte sich darin, dass Bob Marleys Vater keinerlei Beziehungen zu Sohn und Kindsmutter pflegte. Auch später suchte Bob Marley vergeblich Kontakt zu einem weissen Onkel.
Neben dem Labelboss Chris Blackwell haben auch der Halbbruder und ehemalige Bandkollege Bunny Wailer sowie Sohn Ziggy Marley den Film mitproduziert; die Familie hat darüber hinaus dem Filmemacher ihre Archive zur Verfügung gestellt. Kevin Macdonald hat zahlreiche Interviews geführt, das Dorf besucht, in dem Bob Marley auf die Welt gekommen ist – und zeichnet so Bob Marleys Leben auch geografisch nach, bis zu dessen Tod in einer bayrischen Klinik.
Am Schluss sehen wir Menschen aus aller Welt, die Bob Marleys Songs (mit-)singen – der Film fokussiert so nicht zuletzt auch auf Bob Marleys Status als Ikone.
Niklaus Schäfer