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Kurze Geschichte der Gemeinde und Herrschaft Worb

Generalansicht von Worb im 19. Jahrhundert.

Aufgrund der wenigen archäologischen Funde ist nicht gesichert, ob auf dem heutigen Gemeindegebiet bereits in der Jungstein- und Bronzezeit (ca. 5500–800 v.Chr.) Menschen lebten. Deutlichere Spuren haben in Worb die Kelten hinterlassen, wie Gräber aus der Eisenzeit (800–50 v.Chr.) belegen. Ein Grab am Worbberg, die Grundmauern eines Gutshofs in der Sonnhalde aus dem 2./3. Jahrhundert n.Chr. und weitere Einzelfunde sowie galloromanische Ortsnamen (z.B. Rüfenacht) zeugen von der römischen Besiedlung. Zahlreiche Flurnamen mit deutschen Wurzeln erinnern heute noch daran, dass nach den Römern im 5. und 6. Jahrhundert Alemannen nach Worb zogen.|
Erste schriftliche Zeugnisse von Worb stammen aus dem Hochmittelalter. Erstmals wird Worb im Zusammenhang mit den Freiherren de Worwo 1130 erwähnt. Im Spätmittelalter war Worb eine Twingherrschaft, die anfänglich aus nur einem grundherrlichen Niedergerichtsbezirk, dem Twing Worb, bestand. 1398 kam von Walkringen der Twing Wikartswil, 1498 der zuvor eigenständige Twing Trimstein dazu. Der Twingsherr von Worb vereinigte in seiner Hand Herrschaftsrechte in diesen drei Bezirken. Er erliess Gebote und Verbote, besass die niedere und mittlere Gerichtsbarkeit, die Verwaltungshoheit sowie die Schirmgewalt über die Herrschaftsleute, d.h. er gewährte die Rechtssicherheit und verteidigte sie gerichtlich nach aussen. Als Grundherr konnte er ehrhafte Gewerbe (wie Mühlen, Gasthäuser) konzessionieren und besass die Oberhoheit über einige Bauerngüter. Der Twing Worb umfasste das Dorf Worb, Richigen, Wattenwil und Enggistein. Vielbringen-Rüfenacht dagegen unterstand dem Stadtgericht Bern, während Ried bei Richigen gerichtlich zur Herrschaft Wyl, dem heutigen Schlosswil, gehörte. Die Hochgerichtsbarkeit in der Herrschaft Worb besass ab 1406 die Stadt Bern.
Die meisten Worber Herrschaftsleute waren Bauern. Insbesondere das Dorf Worb verfügte auch über ein bedeutendes Handwerk. Am Schlossstalden entstand nach der Ableitung des Enggisteinbachs durch einen Kanal nach Worb in der Mitte des 14. Jahrhunderts eine Gewerbesiedlung. Das Wasser trieb eine Mühle, Schmieden, eine Sägerei, Schleifen und Walken an. Zahlreiche weitere Handwerker wie Weber, Schuhmacher, Schneider, Sattler, Zimmerer, Tischler, Küfer, Wagner und Drechsler waren ebenfalls in Worb vertreten.
In jedem Viertel der Kirchgemeinde Worb (Worb, Rüfenacht-Vielbringen, Richigen mit Ried und Wattenwil-Enggistein) bildeten die Grundbesitzer eine Gemeinde, die über die Nutzung von Feld, Weide und Wald bestimmte und Verstösse gegen die Flurordnung sanktionierte. Die Viertelsgemeinden nahmen ausserdem Aufgaben in den Bereichen Schule, Armenfürsorge, Brandschutz und Unterhalt der Infrastruktur wahr. Bereits im 17. Jahrhundert gab es Schulen in Worb, ab 1700 hatten alle Viertel ein Schulhaus.
Die dem heiligen Mauritius geweihte Worber Kirche ist eine frühromanische Saalkirche. Sie wurde im 11. Jahrhundert an der Stelle eines möglicherweise spätrömischen oder frühmittelalterlichen Vorgängerbaus errichtet und im 19. und 20. Jahrhundert viermal renoviert. Nach der Reformation wurde in der Kirchgemeinde Worb, wie in anderen Berner Gemeinden auch, ein Chorgericht eingesetzt, das für die Einhaltung der christlichen Ordnung zu sorgen hatte und über Sittenvergehen der Bevölkerung urteilte. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstand in Worb die katholische Pfarrei St. Martin.
1834 konstituierte sich die Einwohnergemeinde Worb. Sie übernahm die Verwaltung des Kirchen- und Armenguts, die Versorgung der Armengenössigen, das Vormundschaftswesen und wählte die kommunalen Amtsträger. Die Viertelsgemeinden blieben aber bis zur Zentralisation 1920 als Körperschaften mit eigenen Aufgaben bestehen. Mit der Zentralisation wurden auch die Urnenwahl und das Proporzsystem für die Wahl des Gemeinderats eingeführt. 1968 nahm die Gemeinde das Frauenstimmrecht an. 1972 trat der erste hauptamtliche Gemeindepräsident, der gleichzeitig Verwaltungsvorsteher und Leiter von zwei der zehn neu gebildeten Verwaltungsdepartemente war, sein Amt an. 1973 ersetzte der Grosse Gemeinderat die Gemeindeversammlung. Die Volksinitiative zur Wiedereinführung der Gemeindeversammlung scheiterte 1993. Mit der Gemeindeverfassung von 2000 wurden die Volksrechte um das konstruktive Referendum, die Volksmotion und das Volkspostulat erweitert. Seit 1995 politisieren Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren im Worber Jugendrat (Jugendparlament).
1837 wurde im Dorf Worb eine private Sekundarschule gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlangten steigende Schülerzahlen in Worb und Rüfenacht nach neuen Schulhausbauten (z.B. 1968 Eröffnung der Primarschulanlage Rüfenacht, 1975 des Sekundarschulzentrums Worbboden). In den Aussenbezirken gefährdete die demografische Entwicklung ab 2004 den Betrieb der dortigen Schulen.
Die Landwirtschaft mit den von ihr abhängigen Gewerben war bis Mitte des 20. Jahrhunderts der vorherrschende Wirtschaftssektor. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts drängte die Milchwirtschaft den Ackerbau zurück. Ab den 1950er Jahren wurde die Landwirtschaft mechanisiert. Zahlreiche Industriebetriebe siedelten sich im 19. und 20. Jahrhundert in Worb an, so 1863 die Bierbrauerei Egger, 1872 die Sägerei von Gottlieb Gfeller (heute Olwo), 1881 die Buchbinderei Christian Aeschbacher, 1882 die Bauholzsägerei und Schreinerei der Brüder Könitzer und 1884 die Schlosserei G. Sägesser, aus der die Verzinkerei hervorging. Die Hammerschmiede Ott spezialisierte sich im 19. Jh. auf die Produktion von Pflügen. 1904 entstanden aus einer Fusion die Vereinigten Leinenwebereien (heute Scheitlin+Borner AG). Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen in Maschinen- und Apparatebau, Elektronik, Feinmechanik, Möbel- und Küchenbau tätige Betriebe sowie die bernische Grossmosterei (später Pomdor, 1994 geschlossen) dazu.
Der Eisenbahn standen die Worber anfänglich skeptisch gegenüber. Der SBB-Bahnhof wurde an den Rand des Gemeindegebiets gedrängt. Dank des Orangen (Worb Dorf–Worblental–Bern 1913) und Blauen Bähnlis (Worb–Muri–Bern Helvetiaplatz 1898) fand Worb um 1900 dennoch den Anschluss an Bern. Mit dem Bau des Bahnhofs und des ihn umgebenden Quartiers erlebte Worb eine erste Siedlungserweiterung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Worb von einer regen Bautätigkeit, v.a. in Worb Dorf und Rüfenacht, erfasst und die Bevölkerung stieg durch Zuzüger rasant an. Worb wandelte sich zu einer Agglomerationsgemeinde der Stadt Bern, was sich auch in urbanen Bauten wie dem Bärenareal (2000) und dem neuen Bahnhof (2003) niederschlug.