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Zeichen des Wohlgeruchs ChristiWeihrauch löst Husten aus - Weihrauch löst Begeisterung aus. Weihrauch im Gottesdienst lässt nicht gleichgültig. Das sollte er auch nicht, denn Weihrauch ist Ausdruck von Würde.
Weihrauch als Gabe der Sterndeuter
Ich habe schon erlebt, dass Menschen reflexartig husten müssen, wenn sie ein Weihrauchfass sehen, auch wenn überhaupt noch kein Weihrauch eingelegt worden ist. Obwohl wir Weihrauch als Gabe der Sterndeuter für das Kind in der Krippe kennen, „sie brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar" (Mt 2,11), können manche mit dem gottesdienstlichen Gebrauch des Weihrauchs nicht viel anfangen und fragen nach der Bedeutung der rauchenden Weihrauchfässer in der Liturgie.
Die Verwendung von Weihrauch ist bereits aus dem 3. Jh. vor Christus in Ägypten und im Orient bekannt. Weihrauch wird auch heute noch aus getrocknetem Harz des Weihrauchbaumes gewonnen, der vor allem im äthiopischen Hochland, aber auch in Oman und Jemen wächst. Wenn Weihrauchkörner auf glühende Kohle gelegt werden, setzt sich ein aromatischer Duft frei. Dem Weihrauch wurde eine beruhigende Wirkung zugeschrieben. Die ersten Christen waren gegenüber der Verwendung des Weihrauchs jedoch eher skeptisch. Der Weihrauch erinnerte zu sehr an den heidnischen Kult. Besonders noch während der Zeit der Christenverfolgung wurden Weihrauchkörner vor Götterbildern verstreut und einen solchen Brauch wollten die Christen nicht übernehmen.
Erste Verwendung im christlichen Gottesdienst
Im 4. Jahrhundert, die Zeit der Christenverfolgung war vorbei, wurden Weihrauchgefässe beim Altar aufgehängt um den Kirchenraum mit Wohlgerüchen zu erfüllen. Dies sollte der Luftverbesserung dienen, war aber auch Ausdruck der Festlichkeit. In der römischen Antike wurde vor wichtigen Persönlichkeiten eine Weihrauchschale vorausgetragen. Dieser Brauch übertrug sich auch auf die Ehrung des Papstes und der Bischöfe. Und in diesem Sinne kam diese Ehrerbietung auch Christus selber zu. Bald setzte sich die symbolische Bedeutung des Weihrauchs durch, die auch auf biblische Quellen zurückgeführt wird. Der Weihrauch gilt als Zeichen der Verehrung (Huldigung der Sterndeuter, vgl. Mt 2,11), als Zeichen der Reinigung (vgl. Lev 16) und als Zeichen des Gebetes (vgl. Offb 8,4; Psalm 141,2).
Heutige Verwendung in der Liturgie
In unserer Liturgie wird der Weihrauch bei der Einzugs- und der Evangelienprozession mitgetragen. Jeweils als Zeichen der Ehrerbietung gegenüber Christus werden der Altar und das Evangelienbuch sowie der Priester und die mitfeiernde Gemeinde beräuchert (inzensiert). Diese Ehrerbietung kommt dem Priester und den Mitfeiernden zu weil sie als Getaufte in einer besonderen Beziehung zu Gott und Christus stehen. Ebenso werden Kreuz, Osterkerze, die Gaben von Brot und Wein sowie das eucharistische Brot im Tabernakel oder in der Monstranz inzensiert. Bei einer Altarweihe werden auf der Altarplatte Weihrauchkörner verbrannt und in die Osterkerze können fünf Weihrauchkörner, die an die fünf Wundmale Christi erinnern, eingefügt werden. Wir kennen die Verwendung von Weihrauch auch bei Segnungen und beim Begräbnis.
Zeichen des Gebets und der Gegenwart Gottes
Der Weihrauch symbolisiert unser Gebet, das zu Gott aufsteigt: „Wie ein Rauchopfer steige mein Gebet vor dir auf." (Psalm 141,1) Die aufsteigende Rauchwolke erinnert auch an die Wolke als Zeichen der Gegenwart Gottes: „Der Herr zog vor ihnen her, bei Tag in einer Wolkensäule, um ihnen den Weg zu zeigen; bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten." (Exodus 13,21) Wenn der Priester bei der Gabenbereitung Brot und Wein mit einem Rauchkreis „umräuchert", wird gezeigt, dass diese Gaben aus ihrem normalen Alltagsgebrauch nun ausgesondert werden.
Das Rauchfass als Symbol für Christus
Im Mittelalter sah man im Rauchfass ein Symbol für den Menschen Christus, aus welchem während seines Erdenlebens der Wohlgeruch versöhnender Gebete und guter Werke zu Gott emporstieg. Durandus († 1296) schreibt: „Das Rauchfass stellt den Leib Christi dar, in ihm ist Feuer, d. h. der Heilige Geist, von ihm geht der Wohlgeruch aus, den jeder der Auserwählten an sich zu ziehen wünscht. Der nämliche Wohlgeruch zeigt auch, dass aus Christus jene Tätigkeit hervorging, welche ein jeder, der leben will, in sein Herz aufnimmt." Man sah im Rauchfass aber auch das menschliche Herz, in der Glut der Kohle die Liebe und im Rauch das Gebet.
Damit die feiernde Gemeinde sich am Weihrauch erfreuen kann, ist es nötig, entsprechend auch einen wohlduftenden Weihrauch zu verwenden. Wenn jemand mal trotzdem husten muss, kann das getrost als Zeichen gedeutet werden, dass sich im gottesdienstlichen Feiern manches auf dem Weg der Erlösung „lösen" darf und der Weihrauch „Anreiz" zum Gebet sein will. Denn wie auch die brennende Kohle im Weihrauchfass durch das Schwingen Sauerstoff erhalten muss, um nicht zu erlöschen, bleibt unsere Liebe zu Christus glühend und brennend, wenn wir uns in der Gemeinschaft der Kirche durch das Wehen des heiligen Geistes und Taten der Nächstenliebe „in Schwung" halten und in Bewegung bleiben.
Jürg Stuker

Lesetipp
Michael Pfeifer, Der Weihrauch. Geschichte, Bedeutung, Verwendung. Regensburg 1997