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Die grossen Automarken – Mercedes-Benz
Sie waren die Pioniere der Automobilgeschichte und legten den Grundstock für ein Unternehmen, das bis heute zu den erfolgreichsten der Welt im Sektor Auto gehört. Kurioserweise haben sie nie ein Wort miteinander gewechselt. Die Rede ist von Gottlieb Daimler (1834-1900) und Carl Benz (1844-1929).
Unabhängig voneinander bauten die beiden Ingenieure im Jahr 1886 zeitgleich die ersten Autos der Welt, deren Grundprinzipien bis heute gleichgeblieben sind. Benz in Mannheim war etwas schneller als Daimler, allerdings hatte sein Fahrzeug, der Benz Patent-Motorwagen Nr. 1, lediglich drei Räder. Das hatte einfache Gründe: Benz konnte weder auf bestehende Arbeiten zurückgreifen, noch gab es bis zu diesem Zeitpunkt auch nur annähernd eine Lösung für die Lenkung eines Fahrzeugs mit vier Rädern.
Kurze Zeit später stellte Daimler der Öffentlichkeit seinen Motorwagen vor – in Cannstatt bei Stuttgart, nur 100 Kilometer entfernt. Obwohl es sich dabei im Grunde nur um eine modifizierte, leichte Kutsche handelte, gilt das Fahrzeug als erstes vierrädriges Auto der Welt. In den nächsten zwei Jahren arbeitete Benz ständig an Verbesserungen seiner Erfindung, aber der wirtschaftliche Erfolg blieb aus. Es war seine Ehefrau Bertha Benz, die ihn immer wieder ermutigte weiterzumachen und auch Kapital in das Unternehmen einbrachte.
Bis heute legendär ist die Probefahrt mit dem Benz Patent-Motorwagen Nr. 3, die Bertha Benz zusammen mit ihren Söhnen im Jahr 1888 unternahm. Ohne ihren Mann zu informieren, machte sie sich nach Pforzheim auf, um ihre Mutter zu besuchen. Unterwegs stellte sich heraus, dass keiner der drei Insassen den schnellsten Weg nach Pforzheim kannte. Das Benzin – damals unter dem Namen Ligroin geläufig – war mit 4,5 Litern knapp bemessen, ebenso das Kühlwasser. Aber trotz aller Widrigkeiten gelang Bertha Benz mit dieser Tour die erste Fernfahrt in der Geschichte des Automobils, immerhin eine Strecke von 180 Kilometern hin und zurück. Die Zeitungen berichteten ausführlich über die Pioniertat, und in der Folge setzte der wirtschaftliche Erfolg der Firma ein.
Daimler verfügte mit seiner Daimler Motorengesellschaft (DMG) im Gegensatz zu Benz schon früh über vielfältige Kontakte ins Ausland, so nach Grossbritannien, Frankreich, den USA und Kanada. Ausserdem hatte er in Wilhelm Maybach einen kongenialen Partner, der die Entwicklung der Verbrennungsmotoren entscheidend vorantrieb, z.B. mit der Erfindung des Spritzdüsenvergasers. Um die Jahrhundertwende baute Maybach im Auftrag des Österreichers Emil Jellinek einen Rennwagen, der bahnbrechend für die Zukunft des Automobils werden sollte.
Jellinek benannte den Wagen nach seiner Tochter Mercedes. Durch die Erfolge bei verschiedenen Rennen wurde der Name so bekannt, dass die DMG ihn 1902 schliesslich gesetzlich schützen liess. 1909/10 folgte die Eintragung des Mercedes-Sterns als Warenzeichen und seine Nutzung als Kühlersymbol. Auf Grund der wirtschaftlichen Situation nach dem Ersten Weltkrieg fusionierten die DMG und Konkurrent Benz & Cie. unter Mitwirkung der Deutschen Bank 1926 zur Daimler-Benz AG. Als Markenname wurde „Mercedes-Benz“ eingetragen, der bis heute Sinnbild für das Unternehmen und seine Qualität ist.
In den 1930er Jahren feierte Mercedes-Benz grosse Rennerfolge mit den legendären Silberpfeilen und festigte damit sein Image. Hinzu kam eine Spitzenstellung in den Pkw-Segmenten Ober- und Luxusklasse. Parallel wurden während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland und im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht sowie im Zweiten Weltkrieg aber auch Panzer und Militärfahrzeuge sowie Motoren für Flugzeuge und Schiffe entwickelt.
Die herben Kriegsverluste liessen den Wiederaufbau in den Jahren 1945 bis 1949 zunächst schleppend verlaufen. In den 1950ern ging es dann steil bergauf. Das deutsche Wirtschaftswunder trug wesentlich dazu bei, dass Mercedes-Benz schnell an alte Erfolge anknüpfen konnte, sowohl bei den Pkw als auch im Segment Nutzfahrzeuge. Alle Lkw erhielten Dieselaggregate, und das Unternehmen hatte in dem Jahrzehnt fast das Monopol auf Dieselmotoren.
Zum positiven Image von Daimler-Benz trug seit 1951 auch der Unimog bei, ein Allzweckfahrzeug mit Eigenschaften, die weltweit einmalig sind. Er wird bis heute weiterentwickelt und gebaut und kommt wegen seiner überdurchschnittlichen Geländegängigkeit in der Land- und Forstwirtschaft, bei Feuerwehren, Technischen Hilfwerken, beim Militär sowie auf Expeditionen zum Einsatz.
1955 stellte Mercedes-Benz sein Engagement im Rennsport ein, nachdem der bisher schwerste Unfall in Le Mans 84 Menschenleben gekostet hatte. Ein Wagen des Mercedes-Teams war wesentlich an dem Unfall beteiligt. Später hiess es allerdings, der Entschluss zum Ausstieg sei vom Vorstand schon früher gefällt worden. Seit 1988 ist die Marke wieder im Rennsport vertreten, in der Formel 1 seit 1995 zusammen mit McLaren, seit 2010 mit eigenem Team. In der Zeit mit McLaren errang Mercedes zweimal die Fahrer- und einmal die Konstrukteursweltmeisterschaft.
Kein besonderes Ruhmesblatt war die Fusion mit dem amerikanischen Autohersteller Chrysler zur DaimlerChrysler AG im Jahr 1998. Die Werte beider Unternehmen sanken in der Folgezeit um viele Milliarden Euro, die Kritik am Zusammenschluss wurde immer heftiger. 2007 verkaufte Daimler seine Chrysler-Anteile. Seitdem heisst das Unternehmen schlicht Daimler AG. Der Imageschaden für die Kernmarke Mercedes-Benz war nach diesen Jahren beträchtlich.
Mittlerweile ist Mercedes wieder auf dem Weg zu alter Stärke. Auch die Weltwirtschaftskrise 2008/09 wurde überraschend gut gemeistert. Entscheidend für den Publikumserfolg sind weiterhin die hochwertigen Limousinen und Sportwagen von Mercedes-Benz. Kaum ein anderes Unternehmen der Automobilbranche kann so viele wichtige Innovationen vorweisen, wie sie die Marke mit dem Stern im Laufe ihrer Geschichte hervorgebracht hat.
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