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Hochzeit,
ursprünglich jede hohe oder Festzeit des Jahres, z. B.
Weihnachten,
Ostern,
Pfingsten u. s. w., dann vorzugsweise
das Fest mit seinen Gebräuchen, das bei der Schließung der
Ehe (s. d.) begangen wird und je nach den
Zeiten und Völkern sehr verschieden ist. Im
Deutschen hat das Wort
Hochzeit das alte
Brautlauf (s. d.) verdrängt.
Bei den alten
Hebräern
bereitete man am Vorabend der
Hochzeit im Hause des Bräutigams ein festliches
Mahl. Inzwischen wurde die
Braut von den Brautjungfern
mit Ceremonien in ein
Bad
[* 2] geführt, dann gesalbt und ihr der Gürtel
[* 3] umgeschürzt, der nur von der
Hand
[* 4] des ihr angetrauten Gatten gelöst werden
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durfte. Zum bräutlichen Schmuck gehörte, daß sie verschleiert und mit dem Myrtenkranze geziert war. Die
Hochzeit selbst
wurde mit einem Gastmahl, durch Gesang, Musik und Tanz gefeiert und dauerte bei den Reichen gewöhnlich sieben Tage. Verließ
die Braut ihren bisherigen Aufenthaltsort und geschah dies in der Dämmerung, so begleiteten sie unter
dem Klange vieler Instrumente die Brautjungfern, von denen einige brennende Fackeln, die andern aber die Kleider und den Schmuck
der Neuvermählten trugen.
Auch noch gegenwärtig ist es bei den Juden Sitte, daß die Braut vor der
Hochzeit ein Bad nimmt; doch geschieht dies gewöhnlich in
aller Stille. Am
Hochzeitstage selbst streut man dem Brautpaar im Vorhofe der Synagoge Weizenkörner und
Geldmünzen auf das Haupt mit den Worten: «Seid fruchtbar und mehret euch!» - Die ältesten
Hochzeitsgebräuche bei den Griechen
beschreibt Homer. Diese begannen mit Heimführung der verschleierten Braut bei Fackelschein unter Flöten- und Harfenspiel
und rauschenden Gesängen und endeten mit einem Festmahle, worauf die Neuvermählten nach dem Brautgemach
geleitet wurden. In späterer Zeit war es bei den Griechen Sitte, daß sich die Verlobten am Tage vor ihrer Vermählung eine
Locke abschnitten, die sie dem Zeus,
[* 6] der Hera,
[* 7] der Artemis
[* 8] und den Parzen weihten, als den Gottheiten, welche Neuvermählte
besonders in Schutz nahmen.
Auch schlachtete man Opfertiere, aus deren Eingeweiden die Wahrsager den Verlobten die Zukunft eröffneten, nachdem man zuvor zum Sinnbild ewiger Eintracht sorgfältig die Galle entfernt hatte. In der ersten Abendstunde holte der Bräutigam die verschleierte Braut in Begleitung eines vertrauten Freundes oder Verwandten der letztern mit Fackelträgern aus dem Hause der Eltern in das seinige ab. War der Bräutigam schon einmal verheiratet, so wurde die Braut durch einen Verwandten in seine Wohnung gebracht.
Hier wurde das Brautpaar zum Zeichen der Fruchtbarkeit mit Blumen und Kornähren überschüttet. Die Achse des Wagens, in dem die Braut gefahren war, warf man ins Feuer, zum Zeichen, daß sie nimmer zurückzukehren gedenke. Hierauf folgte ein Mahl. Nachdem ein Knabe die Füße der Braut gewaschen, genoß das Brautpaar eine Quitte oder einen Granatapfel. Endlich übergab die Mutter die Braut dem mit Blumen geschmückten Lager; [* 9] die Gäste stimmten Epithalamien an und zogen sich zurück. Bei den Spartanern war die Feier weit einfacher. Das Mädchen wurde nach alter Sitte, wenigstens der Form nach, geraubt, doch erfolgte nicht unmittelbar darauf die Verehelichung. Oft lebte das Brautpaar jahrelang zusammen, und die diesem Umgange entsprossenen Kinder hießen jungfräuliche.
Bei den Römern wurde die
Hochzeit mit einer Menge symbolischer Gebräuche und Ceremonien gefeiert.
Nachdem bei der Verlobung der
Hochzeitstag festgesetzt worden war, teilte man das Haar
[* 10] der Braut nach Art der Matronen, und
zwar mit einer Lanze, zur Erinnerung an den Sabinerraub, zog ihr die Toga
[* 11] praetexta (das jungfräuliche Kleid) aus, opferte
der Juno als der Göttin der Ehe, und weihte die Kleider, Kleinodien und Spielsachen der Braut der Venus
oder einem Hausgotte. Zum bräutlichen Schmuck gehörten noch eine Stirnbinde nebst Blumenkranz und der jungfräuliche Gürtel,
den der Mann seiner jungen Gattin am
Hochzeitstage löste.
Derselbe bestand aus Lammwolle und war mit einer besondern Schleife zugeknüpft, die man die Herculesschleife nannte. Nach Auspizien und Tieropfern, wobei man die Galle entfernte, setzte sich das Paar auf ein Lammfell zur Erinnerung an die Bekleidung ihrer Vorfahren. Dann ging es, von Fackelträgern und Flötenspielern begleitet, nach dem mit Blumengewinden verzierten Wohnhause, wo die Braut über die der Vesta geheiligte Hausschwelle gehoben wurde. Zum Zeichen der Keuschheit hing hier die Braut, die Nocken, Spindel und Wolle bei sich führte, einige wollene Binden auf; zur Abwendung böser Genien bestrich sie die Thürpfosten mit Schweins- oder Wolfsfett, und sinnbildlich ihre innigste Verbindung andeutend, berührten Bräutigam und Braut Feuer und Wasser. Auch trug die Braut drei Asse bei sich. Das erste gab sie gleichsam als Kaufschilling dem Bräutigam; das zweite legte sie auf dem Herde der neuen Heimat nieder; das dritte warf sie auf einen Kreuzweg. Nach beendigtem Festmahl führten Matronen die Neuvermählten in das Brautgemach, wobei Jungfrauen Epithalamien sangen, Knaben dagegen leichtfertige Gesänge anstimmten. - Bei den in Polygamie lebenden Orientalen giebt es so viele Gebräuche als Stämme.
Bei den Germanen scheint in ältester Zeit der Brautraub Sitte gewesen zu sein, wie das bei allen german. Stämmen erhaltene Wort Brautlauf und die Volksgebräuche der Gegenwart bezeugen. Auch später war die Vermählung eigentlich nur ein rechtlicher Akt, doch fanden dabei auch religiöse Gebräuche statt. Nachdem der Vater oder der Vormund des Mädchens dieses zugesagt hatte, kaufte der Bräutigam seine Auserkorene durch den Mundschatz (Rindergespann, Pferde, [* 12] Schild, [* 13] Waffen) [* 14] aus der Vormundschaft des Vaters und erhielt dadurch den rechtlichen Besitz des Mädchens.
Die Braut wurde dann ausgestattet mit einer Mitgift, die in beweglicher oder liegender Habe bestand. Die
Ehe wurde durch Donars Hammer
[* 15] geweiht, und man trank dabei die Minne des Gottes der Liebeslust und der Fruchtbarkeit; Gebete
wurden für das Glück der Neuvermählten gesprochen und Opfer dargebracht, woran sich das feierliche Mahl schloß. (Vgl. Weinhold,
Die deutschen Frauen im Mittelalter, 2. Aufl., Wien
[* 16] 1882.) Manches erinnert noch jetzt bei an altheidn.
Gebräuche, so die fries. Sitte, der Braut ein Schwert vorzutragen, in Bayern
[* 17] der Johannissegen, der nach der Trauung zuerst
den Neuvermählten und alsdann allen
Hochzeitsgästen gereicht wird; auch die Polterabendscherze, die Beschenkung der Braut
mit einem Pantoffel u. a. reichen wohl in die frühesten Zeiten zurück.
Über weitverbreitete abergläubische Meinungen vgl. Wuttke, Der deutsche Volksaberglaube
der Gegenwart (Berl. 1869). Rücksichtlich des Aufwandes, der bei
Hochzeit gemacht werden
durfte, wurden im Mittelalter und später die
Hochzeitsordnungen erlassen, die indessen durch ihre ungemein häufige Wiederholung
sich als fruchtlos kennzeichnen. Der Luxus, selbst im Bürger- und Bauernstände, war bei dieser Gelegenheit
in der That unglaublich. Das Brautbad mit feierlichem Aufzuge, das sog. Umbitten (d. h. Einladen der Gäste) und
die sog. Einholung, wenn Braut und Bräutigam nicht in demselben Orte wohnten, vollzogen sich unter eigentümlichen Gebräuchen.
Am Tage nach der
Hochzeit erschienen die jungen Eheleute in der Kirche, um sich einsegnen zu lassen; diese Sitte
ist jetzt in Wegfall gekommen.
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In neuerer Zeit ist es üblich geworden, unmittelbar nach der
Hochzeit eine Hochzeitsreise anzutreten.
Falls beide Gatten noch leben, wird der 25. Jahrestag der als silberne
Hochzeit, der 50. Jahrestag als goldene (meist
mit kirchlicher Einsegnung verbunden), der 70. eiserne und der 75. Jahrestag als diamantene
Hochzeit bezeichnet; bisweilen
wird auch schon der 60. Jahrestag diamantene Hochzeit genannt.
Geistliche Hochzeit wird das Fest genannt, das bei der ersten Messe, die ein neugeweihter Priester liest, oder bei der Einkleidung von Nonnen und Mönchen gefeiert wird. Der Luxus, der auch bei solchen Hochzeit getrieben wurde, veranlaßte frühzeitig obrigkeitliche beschränkende Anordnungen. An manchen Orten galten einfach die weltlichen Hochzeitsordnungen auch für geistliche Hochzeit.
Vgl. Gubernatis, Storia comparata degli usi nuziali (Mail. 1869);
Wood, The wedding day in all ages and countries (2 Bde., Lond. 1869);
Ida von Düringsfeld und O. Freiherr von Reinsberg-Düringsfeld, Hochzeitsbuch, Brauch und Glaube der Hochzeit bei den christl. Völkern Europas (Lpz. 1871).