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27. September 2020, Reformierte Kirche Stäfa
Play Bach - Play Jazz
Konzert mit Klavier und Orgel
Carla Deplazes, Klavier
Martin Heini, Orgel
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Concerto a-moll nach Antonio Vivaldi BWV 593
(Tempo ordinario) – Adagio – Allegro
Allegro
1. Satz aus dem Concerto Nr. 1 in d-moll BWV 1052
Präludium und Fuge d-moll BWV 539 („Geigenfuge“)
Liselotte Kunkel (*1975)
Badinerie nach BWV 1067
aus „Play Bach – Play Jazz“ (2008)
George Gershwin (1898-1937)
Rhapsody in Blue
Mit dem Klavier und der Orgel treffen zwei Tasteninstrumente aufeinander, die sich hinsichtlich ihrer Klangerzeugung stark voneinander unterscheiden. Beim Klavier werden Stahlsaiten in Schwingung versetzt werden, indem sie mit einer Hammermechanik angeschlagen werden. Bei der Orgel schwingt die Luft, im Fachjargon „Wind“ genannt, wenn sie durch die unzähligen Pfeifen geblasen wird. Beim Klavier handelt es sich also eigentlich um ein Schlaginstrument, bei der Orgel hingegen um ein Blasinstrument. Während der Konzertflügel in der Regel im Konzertsaal anzutreffen ist, hat die Orgel ihren Platz meist auf den Kirchenemporen. Darum sind die beiden Instrumente leider nur selten gemeinsam zu hören.
In diesem Programm kontrastieren und ergänzen sich die beiden Instrumente in Werken von Bach und Gershwin. Es handelt sich allesamt um Werke, die ursprünglich für eine andere Besetzung geschrieben wurden. Bereits zu Bachs Zeit war es jedoch gängige Praxis, früher entstandene Werke umzuarbeiten und für bestimmte Gelegenheiten neu zu instrumentieren.
Anfang des 18. Jahrhunderts kam in Italien die Form des Konzerts auf. Dass sich der junge Johann Sebastian Bach mit dieser neuen Form vertraut machte, hatte einen besonderen Grund: Der musikbegeisterte Prinz Johann Ernst brachte von einer Reise nach Holland (Amsterdam war das Mekka des Musikalienhandels) zahlreiche Partituren italienischer Meister mit nach Weimar. Er beauftragte Bach und dessen Weimarer Kollegen J.G. Walther damit, diese auf die Orgel zu übertragen, damit er sie selber spielen könne. So richtete Bach u.a. Vivaldis Concerto a-moll für Orgel solo ein.
Auch das Concerto d-moll BWV 1052 für Cembalo und Streicher ist geprägt von Bachs Beschäftigung mit den Werken italienischer Meister. Bei diesem Konzert, dessen erster Satz nun in einer Fassung für Klavier und Orgel erklingt, handelt es sich seinerseits bereits um eine Transkription: Bach hatte es ursprünglich als Violinkonzert komponiert. Das verschollene Werk diente ihm später mehrmals als Vorlage für Umarbeitungen. So verwendete er z.B. den ersten Satz in der Kantate BWV 146 „Wir müssen durch viel Trübsal in das Reich Gottes eingehen“ als Sinfonia, bei der die Orgel den Solopart übernimmt.
Auch mit der Fuge d-moll BWV 539 illustriert Bach aufs Beste, dass er oft eigene Werke auf andere Instrumente adaptierte. Die Vorlage liefert der zweite Satz der 1720 entstandenen Sonate g-moll für Violine solo BWV 1001. Das manualiter auszuführende Präludium wiederum könnte ebenso gut für Cembalo geschrieben worden sein. So ähnelt es stark der für Cembalo geschriebenen Fantasie a-Moll BWV 904.
Einen Schritt weiter geht Liselotte Kunkel rund 300 Jahre später: Sie überträgt Bachs Musik nicht bloss auf die Orgel, sondern kleidet sie gleichzeitig in ein neues stilistisches Gewand: Bachs vom Generalbass geprägte Musik scheint den Keim des Jazz bereits in sich zu tragen. So swingt und groovt die Badinerie, als sei sie schon immer so gedacht worden...
Dieses jazzige Intermezzo leitet über zum Hauptwerk des heutigen Abends, zur Rhapsody in Blue. Es ist die wohl bekannteste Komposition des US-amerikanischen Komponisten George Gershwin, der darin den Jazz und die konzertante Sinfonik miteinander verband. Die Uraufführung fand 1924 statt und wurde unter dem Titel An Experiment in Modern Music angekündigt. Es handelt sich dabei um ein eigentliches Klavierkonzert. Wie die verschiedenen Werke Bachs in diesem Konzertprogramm, erklingt auch dieses Werk in einer neuen Instrumentierung: Während der Solopart für Klavier unverändert bleibt, übernimmt die Orgel den Orchesterpart und bringt dabei ihre sinfonischen Qualitäten ins Spiel.