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Die Sympathie im Land für das Rätoromanische war am 10. März 1996 gross: Ganze 76 Prozent der Schweizer Stimmberechtigten sprachen sich für den neuen Artikel 116 in der Schweizer Verfassung aus. Dieser erhob das Romanische in den Rang einer teilweise offiziellen Sprache der Eidgenossenschaft.
Als eine der vier Landessprachen gilt das Rätoromanische zwar schon seit 1938. Doch erst seit 1996 ist festgeschrieben, dass «im Verkehr mit Personen rätoromanischer Sprache auch das Rätoromanische Amtssprache des Bundes ist».
Für die Förderung des Romanischen sei seither viel unternommen worden, anerkannte die Lia Rumantscha, die Dachorganisation der romanischen Sprachvereine, anlässlich des Jubiläums.
So übersetze der Bund Dokumente besonderer Tragweite, etwa Erläuterungen zu Abstimmungen, ins Romanische. Und wenn eine Bürgerin oder ein Bürger sich auf Romanisch an die Bundesverwaltung wendet, antwortet diese ebenfalls auf Romanisch.
Viersprachige Beschilderung gefordert
Dennoch ist die Lia Rumantscha mit der mehrsprachigen Kommunikation des Bundes nicht zufrieden. Sie fordert anlässlich des 25-Jahre-Jubiläums eine konsequentere Verwendung der romanischen Amtssprache: Das Parlament, die Bundesverwaltung sowie bundesnahe Betriebe wie SBB, Post und Swisscom sollen das Rätoromanische vermehrt in ihrer Kommunikation einsetzen.
Konkret fordert die Lia Rumantscha, dass das Romanische landesweit bei Beschriftungen und Schildern aller Art verwendet wird - immer dann, wenn die weiteren drei Amtssprachen der Schweiz aufgeführt werden.
«Wenn das Romanische im nationalen Kontext nicht verwendet wird, gerät es zunehmend in Vergessenheit», sagt Andreas Gabriel, Generalsekretär ad interim der Lia Rumantscha.
Im romanischen Sprachgebiet, einem Teil Graubündens, müsse das Romanische zudem prioritär eingesetzt werden, fordert der Sprach-Dachverband. Geschehen soll das bei Informationen an die Bevölkerung und auf allen Kommunikationskanälen.
Als Beispiel dafür, wo die Mehrsprachigkeit in die falsche Richtung läuft, verweist die Lia Rumantscha auf ein SBB-Schild am Bahnhof Chur. Das grosse Schild zwischen den Perrons verbietet das Überschreiten der Geleise in vier Sprachen: Deutsch, Französisch, Italienisch - und Englisch. Das Rätoromanisch fehlt in der Hauptstadt des Heimatkantons der Rätoromanen.
Keine Arbeitssprache in der Bundesverwaltung
In der Bundesverwaltung habe es das Rätoromanisch mit seinen fünf Idiomen tatsächlich nicht einfach, bestätigt die Delegierte des Bundes für Mehrsprachigkeit, Nicoletta Mariolini, gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA die durchzogene Jubiläums-Bilanz. Das Rätoromanisch sei in der Verwaltung eben keine Arbeitssprache.
Der Handlungsbedarf sei aber erkannt. Der Bundesrat habe die verwaltungsinterne Förderung der vierten Landessprache zu den Prioritäten der Legislatur erklärt.
Jetzt will die Bundesverwaltung ihre Angestellten für die rätoromanische Sprache und Kultur sensibilisieren. Zusammen mit der Lia Rumantscha hat sie dazu eine mehrjährige Kampagne aufgegleist. Die teilnehmenden Verwaltungsangestellten sollen an verschiedenen Anlässen die Hintergründe der romanischen Sprache und Kultur kennenlernen und auch ein paar Sprachbrocken aufschnappen.
Als ersten Schritt auf diesem Weg wünscht sich die Lia Rumantscha von der Bundesverwaltung und von bundesnahen Betrieben, dass sie auf eine korrekte Begrifflichkeit achten. «Die Schweiz ist viersprachig oder auch vielsprachig, jedoch nicht dreisprachig», resümiert Generalsekretär Gabriel das Anliegen.
Zahlenmässig nicht einfach zu erfassen
Die Frage, wie viele Rätoromaninnen und Rätoromanen in der Schweiz leben, ist derweil nicht so einfach zu beantworten. Die kleinste Sprachgruppe wurde letztmals bei der Volkszählung im Jahre 2000 umfassend durchleuchtet. Rund 60'000 Rätoromaninnen und Rätoromanen lebten damals gemäss der Erhebung in der Schweiz. 2017 notierte das Bundesamt für Statistik schweizweit 44'354 Personen mit der Hauptsprache Rätoromanisch.
In einer unlängst von der Bündner Regierung herausgegebenen Broschüre heisst es, im Kanton würden insgesamt 199'500 Personen leben. 76 Prozent sprächen Deutsch, 14 Prozent Rätoromanisch und 10 Prozent Italienisch. Graubünden ist der einzige dreisprachige Kanton.