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der bedeutendste der afrikanischen
Ströme, nicht nur
weil er der längste von allen, sondern auch
weil er der historisch
wichtigste ist. Unter den großen
Strömen der
Erde überhaupt steht
er anLänge nur dem
Missouri-Mississippi
nach; während dieser 7050 km
Länge hat, mißt der Nil, soweit wir nach unsrer jetzigen Kenntnis eine Berechnung aufstellen
können, 7000, der
Amazonenstrom
[* 2] 6000 km. Die
Frage nach seinem Ursprung beschäftigte bereits die alten Griechen und
Römer,
[* 3] und »caput Nili quaerere« (»die
Quelle
[* 4] des
Nils suchen«) war zu einer sprichwörtlichen Redensart geworden.
Zahlreiche Reisende suchten seitdem vergeblich das alte Rätsel zu lösen, bis es 1863 den Engländern Speke und Grant gelang,
die großen Nilseen zu entdecken, welche als die Ursprungsstätte des Stroms angesehen wurden, bis Stanley 1876 die
Flüsse
[* 7] fand, welche dem umfangreichsten dieser Seen, dem Ukerewe (s. d.), zuströmen. Als den größten derselben nimmt er den
auf der Westseite einmündenden Kagera (auch Alexandra-Nil genannt) an, der den Abfluß des Akenjaru oder Alexandrasees (unter
2½° südl. Br.) aufnimmt.
Aber ebensogut könnte man den Isanga, der von S. her in den Ukerewe eintritt, und dessen Quelle unter
5° südl. Br. liegt, als den Quellfluß ansehen. Aus dem Ukerewe ergießt sich am Nordrand ein großer kataraktenreicher Strom,
Kivira genannt, der zuerst die Riponfälle, dann den See Gita Nzige und gleich darauf den großen Sumpf Kioga
oder Kodscha bildet und nun unter dem NamenSomerset-Nil in zahlreichen Fällen (darunter die mächtigen Murchisonfälle), so
daß er auf 150 km nicht weniger als 695 m fällt, zuerst nach Norden,
[* 8] dann in scharfer Biegung bei Fauvera westwärts fließt
und bei Masungo am Nordostende des Mwutan Nzige in diesen See sich ergießt, der durch den Dueru oder Kakibbi
mit dem südwestlich gelegenen Muta Nzige verbunden sein soll.
Nun durchfließt der Strom eine sumpfige Waldlandschaft, die zur Regenzeit von unzähligen Flußbetten durchzogen
ist. Unter 7½° nördl. Br. teilt er sich in zwei Hauptadern, von denen die kleinere, östlichere, der Bahr es Seraf, einen
direktern Weg nach Norden einschlägt, wo unter 9½° nördl. Br. eine lange westöstliche Senke alle südlichen Flußadern
aufnimmt. Hier wie auf den von W. her kommenden Zuflüssen wurden schon die von Nero ausgesandten Forschungsreisenden
durch die kolossalen Ansammlungen von Grasmassen aufgehalten, welche die Flußläufe oft auf Jahre verstopfen und sie zwingen,
sich ein andres Bett
[* 10] zu suchen. So war der Bahr elDschebel 1870-77 völlig gesperrt, und alle Schiffe
[* 11] hatten
den Weg des Bahr es Seraf zu nehmen. Einige von ihnen sind wochen-, ja monatelang auf den durch die Verwesung der Pflanzenteile
dann todbringenden Gewässern eingeschlossen gewesen, so Gessi 1880 drei Monate auf dem Bahr el Gazal mit 500 Soldaten und
vielen
befreiten Sklaven, von denen die meisten (wie er selbst) sogleich oder später an den Folgen starben.
In der genannten Senke strömt dem Bahr elDschebel von W. her derBahr el Gazal zu, der selbst von S. kommt, aber eigentlich
als eine Fortsetzung des aus zahllosen Flußläufen in Dar Fur
[* 12] und Dar Fertit entstandene Bahr el Arab erscheint.
Während Zuflüsse von Norden her ganz fehlen oder zur Klasse der periodisch fließenden Wadis gehören, sind die von der Wasserscheide
zwischen Nil und Congo herabströmenden außerordentlich zahlreich. Die bedeutendsten sind der Rol, welcher in den Bahr el Gazal
mündet, der Dschau, welcher sich mit dem Tondj zum Apabu vereinigt, der Dschur, der wasserreichste von
allen, mit dem Wau, der Dembo, im Oberlauf Pango genannt, Kuru, Sabu u. a.; dem Bahr el Arab geht von S. her derBahr el Fertit
zu, an dessen Ufer die Kupferminen von Hofrah en Nahas liegen.
Von der Mündung des Sobat bis Chartum empfängt der Nil keinen einzigen Nebenfluß, nur die periodisch gefüllten Rinnsale mehrerer
»Chor« ziehen ihm zu. Von Faschoda ab setzt er, weit ausgebreitet, mit vielen Flußarmen und Inseln und
oft mit ganzen Bänken von Wasserpflanzen
[* 13] überzogen, seinen langsamen Lauf zwischen schlammigen Ufern fort. Erst vom 14.° nördl.
Br. treten Hügelreihen an sein linkes Ufer heran, die dasselbe dann bis Chartum einfassen. Bis zu dieser Stadt (388 m ü. M.)
beträgt das Gefälle vom Mwutan ab 312 m. Bei Chartum mündet rechts der Bahr el Azrak oder BlaueFluß, der
früher als der zweite ebenbürtige Quellfluß des Nils bezeichnet zu werden pflegte, während er jetzt, wo man den WeißenFluß bis über den 5.° südl. Br. verfolgt hat, nur noch als ein Nebenstrom des letztern erscheint, welcher
infolge der ausgleichenden Thätigkeit der großen Seen und Sümpfe weit geringere Schwankungen im Wasserstand hat als der
Weiße Nil. Nach Linant de Bellefonds ist die Wassermenge des Bahr el Abiad bei Chartum in der Sekunde bei Hochwasser 5005, bei
Niedrigwasser 297 m, bei dem Bahr el Azrak sind die Zahlen 6014 und 159. Der Weiße Nil unterhalt den Wasserlauf
bis zum Meer, der Blaue Nil bringt die befruchtende Überschwemmung, ohne den erstern gäbe es kein Ägypten,
[* 14] ohne den zweiten
entbehrte dies Land seiner wunderbaren Fruchtbarkeit.
Von Chartum ab beschreibt der Nil einen gewaltigen S-förmigen Bogen,
[* 17] dessen Krümmungen durch Karawanenwege abschnitten werden,
und schlägt dann jenseit des Wendekreises zuerst eine nördliche, dann eine nordwestliche und schließlich
abermals eine nördliche Richtung ein, bis er sich, ein großes Delta
[* 18] bildend, in zahlreiche Arme spaltet. Dieser Teil des Nillaufs
läßt sich in zwei Abteilungen scheiden, entsprechend der uralten Teilung seiner Uferlandschaften in die beiden LänderNubien
und Ägypten.
Innerhalb Nubiens nimmt der Nil einen einzigen Nebenfluß auf, überhaupt den letzten, den Atbara nämlich,
der in Abessinien, nicht weit vom Nordende des Tanasees, entspringt und rechts den Setit oder Takazzé mit zahlreichen Zuflüssen
empfängt, welche vom östlichen Randgebirge abfließen. Der Atbara erreicht den Nil oberhalb Berbers, aber nur periodisch;
häufig schrumpft sein Unterlauf zu einer Kette von größern und kleinern Teichen zusammen. Von ihm, dem
Nil und dem Bahr el Azrak fast inselartig umschlossen, breitet sich eine weite Steppe aus, wie Senaar in der Regenzeit ein grünes
Grasmeer.
Das ist die InselMeroe der Alten, der Sitz eines bis in die Zeit der Ptolemäer hineinreichenden Priesterstaats.
Innerhalb Nubiens hat der Nil viele Stromschnellen, welche die Schiffahrt in der trocknen Jahreszeit an einigen Stellen ganz unmöglich
machen. Man zählt deren im ganzen sechs Gruppen. Bei dem nördlichsten Katarakt unter 24° nördl. Br., etwas südlich von
Assuân (104 m ü. M.), überschreitet der Nil, zwischen granitischen
Felswänden hinfließend und zahlreiche Inseln bildend, die ägyptische Grenze und fließt in ruhigem Lauf
und als segenbringender Fluß über 700 km weit gerade nordwärts fort.
Bei Theben hat er eine Breite von 400, bei Siut von 800 m. Sein fruchtbares Thal,
[* 19] das Tell, von einer mittlern Breite von 15 km,
wird durch zwei Höhenzüge begrenzt, von denen der östliche das ganze Land bis zum RotenMeer anfüllt,
der westliche aber von Libyen aufsteigt, wie ein oder Damm den Nil entlang hinzieht und in schräger Böschung in das Nilthal
abfällt, während die östliche Begrenzung senkrecht abstürzt und daher Dschebel Mokattam (»steile Felswand«) genannt
wird. Am schmälsten ist das Thal in Oberägypten (Said), in der alten Thebais; an einer der breitesten Stellen füllen hier
die Ruinen von Theben dasselbe von O. nach W. aus. In Mittelägypten erweitert sich das Thal, doch wird es an der breitesten
Stelle nur 22 km breit.
Aber von hier an zieht sich die libysche Hügelkette immer mehr nach W. zurück, während die östliche
bei Kairo in
[* 20] die Ebene des Delta abfällt. Unterhalb Kairo teilt sich der nun an 3 km breite Strom in zwei Hauptarme, von denen
der eine geradeaus nordwärts bei Damiette sich ins Meer ergießt, der andre, kürzere und schwächere,
aber sich nach W. wendet und bei Rosette seine Mündung hat. Beide Arme schließen das sogen. Delta ein, ein Dreieck,
[* 21] dessen
Basis an der Meeresküste eine Länge von 113 km hat, während der westliche Schenkel ungefähr 148, der östliche 155 km lang
ist (s. auch Karte bei »Suez«).
Der Nilarm von Damiette hat wenige Inseln und ein enges Bett von 100-700 m Breite; er ist jetzt der einzige stets schiffbare
Arm des Stroms, der aber auch mehr und mehr versandet. Beide Arme waren im Altertum weniger bedeutend als die pelusische Mündung
im O. und die kanobische im W., zwischen denen in der Ordnung
von O. her noch die tanitische, mendesische,
phatnische (oder bukolische), sebennytische und bolbinitische Mündung genannt werden. Alle diese Arme sind gegenwärtig völlig
versandet, wie der Nil überhaupt auf seinem Unterlauf mehrfache Veränderungen erlitten hat.
Auf dieser Höhe verharrt der Fluß 2-3 Wochen. Ende Oktober beginnt er zu fallen, anfangs schnell, dann
langsamer, gerade umgekehrt wie beim Steigen. Das Sinken währt bis in die zweite Hälfte des Mai. Während dieser Zeit ist
das Wasser zuerst grünlich gefärbt von den verwesenden Pflanzenresten des WeißenNils, dann rötlich infolge der feinen Erdteile,
die es aus den abessinischen Bergen
[* 24] mit sich führt. Durch die hieraus sich bildenden Niederschläge wird der Boden erhöht,
das Thal flacher, das Land immer mächtiger.
Steigt es höher, so richtet es Verwüstungen an; bleibt es darunter, so genügt die Feuchtigkeit nicht, um alle Felder zu
bewässern. Man hat bezüglich des Delta berechnet, daß die durch den Schlammniederschlag hervorgerufene Erhöhung desBodens
auf ungefähr 10 cm in einem Jahrhundert anzunehmen ist. Bei fortwährend steigender Erhöhung würde die
Bewässerung immer schwieriger werden, wenn nicht gleichzeitig das Nilbett selbst sich entsprechend erhöhte.
Anderseits scheint aber auch eine säkulare Senkung des Bodens stattzufinden. Der Unterschied zwischen dem niedrigsten und
höchsten Wasserstand bei Kairo beträgt gewöhnlich 7¾ m, bei Theben 12, bei Assuân sogar 16 m. Durch
den bei Keneh (26° nördl. Br.) abzweigenden und am westlichen Rande des Nilthals sich hinziehenden Josephskanal (BahrJussuf)
wurde ehemals der Möris (s. d.) gespeist und wird heute das Fayûm (s. d.) bewässert und schließlich noch der Überschuß
in den schwachsalzigen Birket el Kurn abgeführt. - Nicht nur für die Bebauung des Bodens, sondern auch
für die staatliche Organisation des Volkes war der Nil von jeher von der größten Wichtigkeit. Da die Fruchtbarkeit nur so
weit reichte als sein Wasser, so waren die
¶
einer der längsten Ströme der Erde, in Afrika, der heilige FlußÄgyptens, kommt aus dem Victoria-Njansa;
als Quellfluß wird jetzt allgemein der Kagera oder Alexandra-Nil (s.d.) betrachtet. Aus dem Victoria-Njansa fließt nach Nil der
Kivira oder Somerset-Nil, der zunächst die Riponfälle bildet und dann die beiden Seen Gita Nsige und Kodscha durchströmt;
bei Mruli, wo der Strom bei einer durchschnittlichen Tiefe von 3 bis 5 m eineBreite von 900 bis 1000 m erlangt
hat, wendet sich derselbe scharf nach Nil und behält 80 km lang, bis Fauvera, diese Richtung bei.
Hier wendet er sich nach W. und stürzt in einer mit den Karinafällen beginnenden Reihe von zwölf Stromschnellen,
deren letzte die 36 m hohen Murchisonfälle sind, die zweite Hochlandstufe zum Albertsee hinab, den er bei Magungo erreicht.
Von S. her führt der Issango oder Semliki dem Albert-Njansa die Gewässer des dritten Nilquellsees, des Albert-Eduard-Sees,
zu. Am Nordende des Albertsees, unter 2,5° nördl. Br., fließt der 400–1500 m breite Strom als Bahr
el-Djebel aus dem See nach Nil In dem ersten Teile dieser Strecke bis Dufilé ist er, durch Bergketten eingeengt, schiffbar;
hinter Dufilé beginnt der Durchbruch durch die Randgebirge der zweiten Hochlandstufe in neun Stromschnellen, die die Schiffahrt
unmöglich machen; bei Ladò, der Hauptstadt der ehemaligen Äquatorialprovinz, tritt der Strom, nachdem
er von Dufilé 200 m gefallen ist, in das ostsudanische Flachland und verliert seinen Charakter als Bergstrom.
Von Nebenflüssen hat er auf dieser Strecke den Assua und eine Reihe von Bergströmen aufgenommen. In der nur von niedrigen
Erhebungen unterbrochenen Ebene bildet er Inseln, Nebenarme und Kanäle; in unzähligen Windungen strömt
er zwischen flachen Ufern träge nordwärts bis 9° 29' nördl. Br., wo er nach der Vereinigung mit dem Bahr el-Ghasal (s. Gazellenfluß),
der von W. kommt, nach O. umbiegt. Zur Regenzeit verwandelt der mächtig angeschwollene Strom die Niederung nördlich von
Ghaba-Schambeh in einen bis 100 km breiten See, nach dessen Verschwinden der Nil, durch Grasbarren,
Setts genannt, gezwungen, oft seinen Lauf verändert; das ganze Terrain zwischen dem Nil und seinem Parallelarm, dem Seraf,
bildet die eigentliche Sumpfregion des obern Nilsystems.
Nach einem 150 km langen, östlich gerichteten Laufe, auf dem er sich wieder mit dem Seraf verbindet,
nimmt der Strom den ihm fast entgegengerichteten Sobat
auf, der ihn nach NO. drängt, und heißt von hier ab Bahr el-Abiad, d.
i. WeißerNil (eigentlich klarer Nil), im Gegensatz zum trüben, Bahrel-Asrak oder BlauenNil, mit dem sich jener nach einem 845 km
langen, nordwärts gerichteten Laufe bei Chartum (in 15° 36' nördl. Br.) verbindet. Dieser entspringt
als Abaï in 10° 55' nördl. Br. in Abessinien in 2800 m Höhe, ergießt sich in den Tanasee (1755 m), verläßt ihn, 200 m
breit und 3 m tief, an der Südseite, beschreibt einen Halbkreis um das Gebirgsland Godscham und fließt
vom 10. Breitengrade nach NW.; auf dieser Strecke nimmt er links den Djemma und Didessa, rechts den 560 km langen Dinder und
den Rahat auf.
Der sog. sechste Katarakt oberhalb Schendi vermag selbst bei niedrigem Wasserstande der Schiffahrt
keine ernstlichen Hindernisse zu bereiten; erst jenseit Ed-Damer (17° 40' nördl. Br.), wo der Nil seinen letzten Nebenfluß,
den 1230 km langen Atbara, aufnimmt, beginnt die Reihe der Stromschnellen, die sich bis Assuan hinziehen
und die Schiffahrt auf 1800 km seines Laufes unterbrechen: die drei Katarakte zwischen Schendi und El-Kab, gewöhnlich als
fünfter Katarakt bezeichnet;
sieben Katarakte, 75 km lang, zwischen der Insel Mograt und dem Berge Barkal, genannt die vierten;
neun Katarakte zwischen der InselDal und Wadihalfa, die
man gewöhnlich als den zweiten und großen Katarakt bezeichnet, und endlich der erste Katarakt zwischen der InselPhilä und
Assuan;
die Niveaudifferenz, die der Strom auf dieser ganzen Strecke überwindet, beträgt 250 m;
bei Assuan fließt der Nil in 101 m
Meereshöhe, so daß auf die letzten 1125 km von hier bis zur Mündung 101 m Gefälle kommen.
Die Breite
wechselt auf dieser Strecke häufig; bei Schendi ist er 165 m, oberhalb der Atbaramündung 320 m und unterhalb des fünften
Katarakts 460 m breit; nördlich von Wadihalfa verbreitert er sich und zwischen Esneh und Kairo ist er
500–2200 m breit. Die Breite des Flußthales schwankt zwischen Abu-Hammed und Edfu zwischen 500 und 1000 m; nördlich von
Edfu verbreitert es sich auf 3 km und behält bis Kairo eine wechselnde Breite von 4 bis 28 km. In der S-förmigen Krümmung,
die der Nil bei Damer beginnt, umfließt er bis Ambukol auf drei Seiten die Bajudasteppe und durchbricht
bis Korosko die Bergzüge der Nubischen Wüste; die bisweilen scharfen Biegungen des Stroms oberhalb Korosko sind durch die
gegenseitigen Lagerungs- und Streichungsverhältnisse des Sandsteins und seiner krystallinischen Unterlage bedingt.
Von 27,5° nördl. Br. an begleitet den Nil links der Jussuf-(Josephs-)Kanal, ein Rest altägypt. Wasserbauten,
mit zahlreichen Verbindungsarmen, und bewässert das zwischen beiden liegende Land; im Norden endet der Kanal
[* 26] im Fajum, dessen
Wasserüberfluß der 40 m unter dem Meeresspiegel liegende Birket¶
mehr
375 el-Kerun aufnimmt. Für die geregelte Wasserverteilung des Nilwassers ist dieses natürliche Reservoir von der größten
Bedeutung. Im NW. von Kairo, 19,7 km davon entfernt, in 10,7 m Meereshöhe, beginnt das am Meere 270 km breite Delta, durch
welches zahllose Wasserarme und Kanäle das Nilwasser zum Meere führen. Der 1000 m breite Strom teilt sich
unterhalb Schubra in verschiedene Arme, deren die Alten sieben zählten (der pelusische, tanitische, mendesische, bukolische
oder phatnitische, sebennytische, bolbitinische und kanopische), während jetzt nur zwei wirkliche flußartige Mündungsarme
vorhanden sind, nämlich der von Rosette oder Raschid und der von Damiette oder Damyat.
Der kanopische und pelusische, ganz am Ost- und Westrande des Deltas mündend, waren im Altertum die Hauptmündungen,
ihre Wasser haben sich aber neue Betten gesucht; der pelusische mündet jetzt durch den phatnitischen bei Damiette, und der
kanopische durch den von Menschenhand gegrabenen bolbitinischen. Der bedeutendste Kanal ist der dem alten kanopischen Laufe
ähnlich gehende Mahmudijehkanal, welcher 77,7 km lang und 30 m breit, den Rosettearm mit Alexandria verbindet;
der kurze Menufkanal (Bahr el-Farunije) verbindet im S. den Rosette- und Damiettearm;
der tanitische Arm ist in den Muis, der pelusische in den Abu el-Menegge-Kanal umgewandelt. Im ganzen wird
das 22194 qkm große Delta von 13440 km langen Kanälen durchzogen, welche die Hochwasser aufnehmen können.
Die Gesamtlänge
des Stroms ist, wenn der Alexandra-Nil als Hauptquellfluß angenommen wird, 5940 km, der direkte Abstand zwischen Quelle und
Mündung 4120 km. Sein Stromgebiet bedeckt 2810300 qkm. (S. die Karten: Deutsch-Ostafrika, Äquatorial-Afrika
[* 28] [beim ArtikelAfrika] und Ägypten.) Die Nilerde (Gef) oder der getrocknete Nilschlamm, welcher in Ägypten überall auf Meeressand,
also dem Boden eines alten Ästuars, ruht, überragt in steilen Uferwänden bei niedrigstem Wasserstande den Fluß in Oberägypten
um 8 m, bei Kairo um 4,5 m. Die Mächtigkeit der Alluvionen beträgt in Ägypten 10–12 m, an der Spitze
des Deltas aber 13–16 m. Die Breite des kulturfähigen Schwemmlandes im eigentlichen Nilthal übersteigt nirgends 15 km.
In postpliocäner Zeit stellte das heutige Nilthal einen weit landeinwärts sich erstreckenden schmalen Meeresgolf dar, dessen
Höhenmarken sich durch Bohrmuschellöcher und Konchylienlager aus jener Zeit in der heutigen Höhenzone
von 70 m ü.d.M. an beiden Rändern der das Nilthal begrenzenden Felsabstürze erhalten haben.
Der Nil überschwemmt nicht direkt seine Thalebene, sondern das kulturfähige Land ist durch Dämme in Bassins zerteilt, in
die das Wasser durch Kanäle geleitet wird; sind sie gefüllt, so wird es zu dem unterdes niedriger gewordenen
Strome oder zu niedriger gelegenen Abteilungen abgelassen. Das für die Kultur günstigste Mittel des höchsten Wasserstandes
(zu Herodots Zeiten 18 Ellen) ist jetzt nach langjährigen Beobachtungen eine Höhe von 7½ bis 8 m am Nilmesser (s. d.) von
Roda, die eintritt, wenn das Maximum der Flußschwelle des Weißen und Blauen Nil zusammenfällt.
An der südlichsten Spitze des Deltas ist der Barrage du Nil gebaut, ein Stauwerk in Form von Brücken
[* 29] über die beiden Nilarme,
von Mougel, dem franz. Ingenieur MehemedAlis, ausgeführt. Dieser jetzt Kanâtir (d. i. Brücken) genannte Bau sollte die Wasser
zu allen Jahreszeiten
[* 30] aus
gleicher Höhe erhalten und die Schöpfmaschinen überflüssig machen. Doch
auch nach der Vollendung durch den Engländer Scott 1890 kann das Bauwerk bei weitem nicht das Verlangte leisten. Deshalb
beschloß die ägypt. Regierung, durch den Bau eines großen Sammelbeckens oberhalb des ersten Katarakts eine Niveauerhöhung
des Nil herbeizuführen; doch scheiterte dieser Plan an dem Einsprüche Deutschlands
[* 31] und Frankreichs.
Der Nil hieß bei den alten Ägyptern in der heiligen Sprache
[* 32] Jeter-o («Der große Fluß»),
koptisch Jero, Jaro, daher auch
hebräisch Jeôr. Der griech. Name Neilos ist wahrscheinlich von dem semit. Nahal («Fluß») durch phöniz. Vermittelung hergeleitet
worden; wenigstens stammt er ebensowenig aus dem Ägyptischen wie die dem Lande gleichnamige Bezeichnung
des FlussesAigyptos bei Homer. Die heutigen Araber nennen ihn Bahr, wie jedes große Wasser, oder auch el-Nil; die anwohnenden
Nubier nennen ihn Tossi oder auch Nil-tossi, worunter vornehmlich der volle, überfließende Strom verstanden wird.
Der Nil wurde von den Ägyptern, später auch von Griechen (Neilos) und Römern (Nilus)
[* 33] göttlich verehrt.
Von den erstern wurde er mannweiblich mit Bart und weiblichen Brüsten dargestellt und von blauer Hautfarbe. Man pflegte den
obern Nil von dem untern durch besondere Blumensymbole zu unterscheiden. Er hatte einen eigenen Tempel
[* 34] zu Nilopolis, und sein
Hauptfest wird unter dem Namen Niloa erwähnt. In der griech.-röm. Kunst ist er in der Gestalt eines
liegenden Flußgottes bekannt, um welchen 16 Kinder spielen, die 16 Ellen der Nilschwelle symbolisch bezeichnend (die berühmte
Kolossalgruppe im Vatikan;
[* 35] s. Flußgötter und Tafel: Griechische Kunst II,
[* 27]
Fig. 10).
Nach der ältesten Nachricht, welche wir durch Eratosthenes (200 v.Chr.) haben, kommt der Nil aus Seen
im S., unter dem Namen Asta-Pus (Weißer Nil);
Ptolemäus, ohne Zweifel auf arab. Nachrichten fußend, teilt mit, daß das Wasser aus zwei
Seen komme, welche einige Grade südlich vom Äquator liegen;
die Abflüsse beider vereinigen sich in 2°
nördl. Br. in einem See;
aus diesem fließt der Asta-Pus nach Nil, welcher sich in 12° nördl. Br. mit dem Nil (d. h. offenbar
mit dem Strome aus Abessinien) vereinigt.
Die arab. Geographen des Mittelalters nennen als Quellgegend der Nilwasser
die Komr-Berge. Komr heißt damals die von dem aus Ostasien stammenden Komr-Volke bewohnte, sehr große Komr-Insel, welche
östlich zur Seite Afrikas liegt, ein Name, der noch in dem der Comoren erhalten ist. Dieser Insel gegenüber liegt das Komr-Gebirge,
und zwar in 2,5° südl. Br. zunächst das Almolattham (jetzt Kilima-Ndscharo oder nach Stanley der Ruwenzori).
Die Wasser aus diesen Bergen gehen nach zwei Seen im S. des Äquators; die aus diesen abfließenden vereinigen sich in einem
nördlich vom Äquator gelegenen See, und aus ihm kommt der Nil. Jetzt, wo die Frage nach dem «Haupte
des Nil», die jahrtausendelang Gegenstand des Erforschens gewesen ist, endgültig gelöst
ist, zeigt sich, daß diese ältern Vorstellungen wenig von der Wirklichkeit abweichen, über die neuern Forschungsreisen
und die Lösung des Nilproblems s. Afrika (Bd. 1, S. 190).
Vgl. Klöden, Das Stromsystem des obern Nil (Berl. 1856);