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Die Arktis ist eine unbarmherzige und unerbittliche Umwelt mit harschen Bedingungen, aber auch ein reiches Futtergebiet im Sommer. Viele Seevögel verbringen die Sommermonate in der Arktis, um zu brüten und zu fressen, angelockt von den nährstoffreichen Gewässern entlang der Küste Alaskas. Doch seit letztem Jahr haben Forscher ein massives Vogelsterben besonders unter den Trottellummen (Uria aalge) beobachtet. Zuerst noch als ein einmaliges Ereignis abgetan, wurden an immer mehr Stellen entlang der Küste tote Vögel gefunden. Das neueste Gebiet, das betroffen wurde, ist der Katmai National Park in der Südwestecke von Alaska. Die Wissenschaftler haben keine Erklärung für das Massensterben.
Bundesbiologen haben letzte Woche 19 Meeresstrände im Katmai National Park abgesucht und fanden 2‘000 tote Meeresvögel. Die meisten davon waren Trottellummen, ein pinguin-ähnlicher Vogel, der in den subarktischen Regionen häufig zu sehen ist. Zwei Lummen waren wahrscheinlich innerhalb der letzten 24 Stunden verendet, erklärt Robb Kaler von der US-amerikanischen Fischerei- und Wildtierbehörde. Die anderen waren bereits zerfleddert oder angefressen von Adlern, Füchsen oder Wölfen, was darauf hinweist, dass sie vor einem Monat oder mehr bereits verstorben waren. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch eine grosse Zahl von wahrscheinlich verhungerten Lummen im Prince William Sound östlich von Anchorage entdeckt. Kaler nannte die Zahl von Katmai „sehr, sehr konservativ“. Mit so viel Zeit vorbei, meint er, sei es sehr wahrscheinlich, dass die anderen Kadaver weggetrieben oder von Aasfressern weggetragen worden seien. „Wir sprechen hier über Zurückhalten und Ablagern an den Stränden. Was wir jetzt noch finden, ist wahrscheinlich nur die Spitze des Eisberges, “ erklärt Kaler.
Die Alaska Population von Trottellummen beträgt rund 2.8 Millionen. Sie tauchen bis zu 200 Meter auf der Jagd nach Krebsen und Fisch und leben im Winter auf der offenen See. Seit März 2015 werden abnormale Mengen von toten Lummen, die Anzeichen von Verhungern aufweisen, an die Küsten von Alaska angeschwemmt. Im Verlauf des Jahres 2015 stiegen die Zahlen immer weiter an. Die Zahl von toten Lummen nach Stürmen im späten Dezember stieg auf alarmierende Mengen an. Ein pensionierter Vogelexperte der US Geological Survey, David Irons, fand im Januar tausende von Kadavern in der Nähe der Ortschaft Whitthier im Prince William Sound, östlich von Anchorage. Bis Mitte März wurden mehr als 36‘000 tote Vögel gezählt. Forscher haben noch keine Todesursache ausmachen können und bis anhin fanden sie keine Verbindung zu Giften oder Schadstoffen. Das dritte aufeinanderfolgende Jahr mit hohen Wassertemperaturen im Pazifik könnte eine Rolle gespielt haben, entweder direkt oder als Grund für den Rückgang der Lummennahrung. Schwere Stürme könnten auch die geschwächten Vögel getötet haben.
Massensterben bei Lummen sind nicht ungewöhnlich. Aber keine waren über eine so lange Zeit und ein so grosses Gebiet beschrieben worden. Der Vorfall bei Katmai fügt sich nahtlos ein in das Phänomen. „Die Nachricht ist, dass an jedem untersuchten Strand tote Vögel zu finden waren, schön gleichmässig verteilt“, erklärt Kaler. Er und der pensionierte Biologe Tony DeGange vom US Geological Survey untersuchten rund 17 Kilometer Strände innerhalb des 110 Kilometer langen Strandes des Nationalparks. Kadaver wurden bis zu 70 Meter weit vom Meer entfernt gefunden. Kelp, Strandgut und Sand hatten die meisten bereits begraben. „Ich bin mir sicher, dass wir viel mehr gefunden hätten, wenn wir Harken mit dabei gehabt hätten,“ erklärt DeGange. Die beiden Forscher begleiteten ein Serviceteam des Nationalparks, die eine Erhebung über die lebenden Meeressäugetiere und Vögel in Strandnähe vornahmen. Ähnliche Zählungen im März 2009 und 2012 ergaben einmal 0 und einmal 14 tote Lummen, erklärt Heather Coletti, eine Meeresökologin des Parks. Letzte Woche zählte sie hunderte von toten Vögeln. „Das ist ein riesiger Einschnitt in ihre Population“, meint sie.
In der Kukak Bay zählte die Erhebung gleichzeitig 12 – 15 Buckelwale, 200 Stellersche Seelöwen, Eismöwen und hunderte von lebenden Lummen, die alle eigentlich weit draussen auf dem Meer hätten sein sollen. „es gibt klare Anzeichen für genügend Futter im Wasser und viele Tiere kommen hierher“, erklärt Coletti. „Ich weiss nicht, ob das normal ist oder nicht. Aber es war auf jeden Fall ein einzigartiges Schauspiel.“
Quelle: Dan Joling, Associated Press / Alaska Dispatch News
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