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Postmenopausale Osteoporose
Die Osteoporose ist eine systemische Erkrankung des Skeletts, die durch eine verminderte Knochenmasse und eine Verschlechterung der Knochenstruktur charakterisiert ist. Die Folge der Abnahme der Knochenmasse und der Zerstörung der Struktur führt dazu, dass Frakturen (Knochenbrüche) auftreten können, häufig schon bei geringen Belastungen oder sogar spontan. Die am meisten betroffenen Skelettregionen für osteoporotisch bedingte Frakturen sind die Wirbelkörper, der Oberschenkelknochen, der Vorderarm und der Oberarmknochen. Die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens eine osteoporotische Fraktur zu erleiden beträgt im Alter von 50 Jahren für die Frau ca. 50% und für den Mann ca. 20%. Diese osteoporotischen Frakturen gehen bei Frauen und Männern mit einer Einschränkung der Lebensqualität, Alltagsfähigkeit (Pflegebedürftigkeit, auf fremde Hilfe angewiesen) sowie erhöhter Sterblichkeit einher.
Die aktuelle Knochenfestigkeit und Knochenmasse wird durch zwei Einflussgrössen bestimmt: einerseits durch den Knochenaufbau während der Adoleszenz und dem frühen Erwachsenenalter; andererseits durch das Ausmaß des sich anschließenden, alters-bedingten Knochenmassenverlustes. Die maximale Knochenmasse („peak bone mass“), die in der Regel gegen Ende des zweiten Lebensjahrzehntes erreicht wird, wird durch eine Vielzahl von Faktoren wie Vererbung (genetische Faktoren), hormonelle Veränderungen, Ernährung und körperliche Aktivität (mechanische Belastung), sowie das Vorhandensein von Risikofaktoren, bestimmt. Der genetische Einfluss spielt beim Erreichen der maximalen Knochenmasse die grösste Rolle.
Ursachen
Die hauptsächlichen Ursachen für den Knochensubstanzverlust in der zweiten Lebenshälfte ist der nach der Menopause einsetzende Hormonmangel (Östrogenmangel) bei der Frau, Alter, Lebensstil (Rauchen, Alkohol), Mangel- und Fehlernährung, Umweltfaktoren, sowie Krankheiten, die zu einem vermehrten Knochensubstanzverlust führen. Mit dem Älterwerden steht eine Unterversorgung mit Calcium und Vitamin D im Vordergrund.
Die Hormone (Oestrogene, weibliches Geschlechtshormone) spielen nicht nur beim Erreichen der maximalen Knochenmasse in der Jugend sondern auch für die Erhaltung der Knochenmasse im Erwachsenenalter eine wesentliche Rolle. Oestrogene beeinflussen praktisch alle Aspekte des Knochen- und Kalziumstoffwechsels. Oestrogene halten den Knochenumbau im Gleichgewicht und die Koppelung zwischen Knochenanbau und Knochenabbau aufrecht. Der Oestrogenmangel, infolge Menopause oder anderer Ursache, hat häufig einen akkzelerierten Knochensubstanzverlust zur Folge und stellt damit einen der Hauptfaktoren für die Entstehung der Osteoporose bei Frauen dar. Die Oestrogene beeinflussen aber auch den Kalziumstoffwechsel, indem sie die Kalziumaufnahme im Darm und auch die Kalziumrückresorption in der Niere fördern. Dies hat zur Folge, dass bei Oestrogenmangel eine höhere Kalziumzufuhr notwendig ist für eine ausgeglichene Kalziumbilanz. Der Wegfall dieses «Kalzium-sparenden» Effektes kann den Knochensubstanzverlust beschleunigen.
Die Bedeutung der Oestrogene auf den Knochenstoffwechsel und das Auftreten der Osteoporose wird auch dadurch unterstrichen, dass eine Hormonersatztherapie als Vorbeugemassnahme (Women’s Health Initiative, WHI-Studie) das Auftreten von osteoporotischen Frakturen signifikant zu senken vermochte. Die Studie zeigte aber auch Risiken der Hormonersatztherapie auf, sodass beim Einsatz einer Langzeithormonersatzbehandlung das Nutzen-Risiko-Verhältnis individuell evaluiert werden sollte.
Vorbeugung der Osteoporose
Die Vorbeugung der Osteoporose sollte alle Massnahmen umfassen, die verhindern, dass die Krankheit Osteoporose auftritt, insbesondere, dass Knochenbrüche durch diese Erkrankung entstehen. Sie umfasst Massnahmen, die dahin zielen, den grösstmöglichen Wert für die maximale Knochenmasse im jugendlichen und jungen Erwachsenenalter zu erreichen oder den natürlichen Abbau des Knochens nach der Menopause und im Alter zu verlangsamen sowie den durch Krankheiten und andere Faktoren bedingte Knochenverlust und das Auftreten von Frakturen zu verhindern. Allgemeine Empfehlungen beinhalten eine genügende Kalziumzufuhr (1000-1500 mg/Tag), genügende Vitamin D-Versorgung (800-1200 E/Tag, ev. Vitamin D-Supplementation bei Mangelernährung bzw. verminderter Sonnenexposition), ausgeglichene Ernährung mit genügender Eiweisszufuhr, regelmässige körperliche Aktivität, Vermeidung von Risikofaktoren wie Rauchen, übermässiger Alkoholkonsum und Einnahme von Medikamenten, welche den Knochenstoffwechsel beeinflussen (Glukokortikoide, Antiepileptika, suppressive Schilddrüsenhormontherapie) und ev. eine Hormonersatztherapie bei postmenopausalen Frauen unter spezieller Berücksichtigung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses.
Eine grosse Herausforderung in der Behandlung von Patienten mit Osteoporose ist, diejenigen Personen mit erhöhtem Frakturrisiko zu erkennen und einer Abklärung bzw. Behandlung zuzuführen. In der Diagnostik und Therapie der Osteoporose findet nun ein Paradigmenwechsel statt, weg von der Überbetonung der Knochendichte als alleinigem Gradmesser der Therapiebedürftigkeit hin zu einer umfassenderen Risikobewertung aller Komponenten eines erhöhten Frakturrisikos, sodass die Abklärung und Behandlung gezielter erfolgen kann.
PD Dr. med. Marius Kraenzlin
Facharzt FMH für Innere Medizin und Endokrinologie
Missionsstrasse 24
CH-4055 Basel