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Elemente
Bodenbearbeitung
(Ackerbau im engern Sinn), der Inbegriff aller Thätigkeiten des Menschen, welche auf die Herstellung, Erhaltung oder Verbesserung der physikalisch-chemischen, dem Gedeihen der Pflanzen notwendigen Eigenschaften des Bodens gerichtet sind. Noch unkultivierter Boden muß von allen der Ausbreitung der Kulturpflanzen entgegenstehenden Hindernissen befreit und entsprechend gemischt und bearbeitet (Urbarmachung), der urbar gemachte Boden regelmäßiger Kultur unterworfen (Bestellung oder Bearbeitung im engern Sinn) und möglichst verbessert werden (Bodenmelioration). Zu allen diesen Arbeiten bedient man sich einer Fülle von Geräten und Maschinen bis zum Dampfpflug. [* 2] Die Urbarmachung umfaßt die Umwandlung von Unland und die von Wald oder Wiese zu Ackerland (Gartenland); das urbar gemachte Land heißt Neubruch, Rodland, Rottland, Reutfeld, Reute, Neureude oder Rode. Waldboden macht man urbar
1) durch einfaches Niederbrennen (Abbrennen) mit darauf folgendem Ebnen des Bodens, wobei man die Wurzelstöcke allmählich abfaulen läßt und sofort einsäet;
2) durch Schwenden, d. h. Abschälen der Rinde am Fuß der Bäume, um sie zum Absterben zu bringen, wobei alles Unterholz und Gestrüpp entfernt, der Boden als Weide [* 3] benutzt oder besäet, der Stockausschlag immer wieder entfernt und der Zeit das Niederwerfen der Bäume überlassen wird;
3) durch kahlen Abtrieb, d. h. Absägen der Baumstämme mit Belassung der Wurzelstöcke im Boden, und endlich
4) durch das eigentliche Baumroden, wobei auch die Wurzelstöcke mit ausgegraben werden; der Boden wird dann planiert, wo nötig zugleich drainiert, vollständig gereinigt, zunächst, weil noch roh, mit Hafer [* 4] und Hackfrüchten bestellt, tüchtig mit dem Waldrodepflug durchgearbeitet und so allmählich in Artland umgewandelt.
Das Verbrennen des Astholzes, Laubes und der Grasnarbe nach dem Baumroden dient oft als wirksamstes Verbesserungsmittel des Bodens und zugleich zur Vertilgung von Ungeziefer. Fels-, Kies- und Geröllboden wird durch Entfernung der größern Steine (mittels Versenkung, d. h. Untergrabens, oder Sprengens mit Pulver oder Ausgrabens) und durch Rigolen (s. d.) urbar gemacht. Sandboden, besonders Flugsand, so gefährlich für die Umgebung, weil diese versandend, kann durch Erdmischung, wozu Thon, Bauschutt, Mergel und torfiger Boden am besten dienen, am gründlichsten urbar gemacht werden.
Niederlegen zur Weide, Anpflanzung mit Holz-, Baum- und Strauchwerk, Belegen mit Rasen, wenn Wässerung gegeben werden kann Anbringung von Hecken in gewissen Entfernungen, streifenweises Bedecken mit Reisern, Heidekraut u. dgl., Belegen mit Deck- und Querstangen zum Schutz der Anpflanzungen oder auch Bedecken mit Moos und Nadelstreu zum Schutz der Saaten sind die hier anzuwendenden Mittel (vgl. Flugsand und Dünen). Heideboden (s. d.) wird, wie der Wiesenboden, entweder nur durch tüchtiges Bearbeiten vor Winter mit Skarifikatoren, Pflügen und Eggen urbar gemacht, oder dadurch, daß man die Narbe in Streifen oder Quadraten mittels besonderer Werkzeuge [* 5] (Plaggenhaue, Plaggenschaufel) abschält, den Boden dann tüchtig durcharbeitet und die abgeschälte Narbe, Plaggen, entweder mit Mist zu Kompost durchschichtet, oder zum Trocknen aufstellt und dann verbrennt (Rasenbrennen), um mit der Asche das Feld zu bedüngen (vgl. Betriebssystem, S. 829). In einzelnen Gegenden (Hannover, [* 6] Holstein, Jütland), wo Heidekulturen von besonders großem Umfang auszuführen sind, hat man Genossenschaften gebildet, welche auf gemeinsame Kosten, zuweilen mit staatlicher Beihilfe, die Kultivierung in die Hand [* 7] nehmen und sich meist der Fowlerschen Dampf-Heidekultivatoren bedienen.
Torflager und Bruch- oder Moorböden werden in Quadrate abgeteilt, um welche man Gräben aushebt, wobei die ausgehobene Erde zur Erhöhung dient; in den Gräben wird das Wasser bis zu gewünschter Höhe gespannt erhalten und dann der Torf angezündet (s. Moor). Nach dem Brennen bearbeitet man entsprechend, kalkt oder mergelt und bestellt zunächst mit Buchweizen, Hafer oder Roggen. Manche Brüche werden alljährlich gebrannt (s. auch Herauch) und mit Buchweizen bestellt, andre nur zeitweise, wieder andre überhaupt nur einmal.
Durch das Brennen wird der Boden fester, das Unkraut verschwindet, und die Asche liefert eine bessere Mischung als die vorhergehende mit Überschuß von organischen und Mangel an mineralischen Nährstoffen. Urbarmachung des Sumpfbodens s. Entwässerung. Neuerdings liebt man für Moorboden die sogen. Rimpausche Dammkultur, s. Entwässerung (Bruch- und Moorboden) und Moor. Unland, welches trocken, aber sehr verunkrautet ist, wird in einigen Gegenden oberflächlich abgebrannt, um vor der Bearbeitung die Unkrautnarbe zu zerstören (Abbrennen des Bodens).
Die regelmäßige Bestellung umfaßt die Wiederherstellung der Wachstumsbedingungen nach der Ernte [* 8] und die Vorbereitung des Bodens für eine neue Saat: Herbst- und Frühjahrsbestellzeit. Die einjährige Vorbereitung geschieht durch die reine oder schwarze Brache (s. d.), die halbjährige durch die halbe oder Hegebrache. Neuerdings sucht man das Land regelmäßiger zu benutzen, beschränkt die Brache auf das Minimum und betrachtet sie mehr als eine einmalige, durchgreifende Melioration verwahrlosten Landes. Im Herbst wird nach der Ernte das Feld (die Stoppel) mit dem Pflug [* 9] (Schälpflug) geschält, um die Unkräuter zu zerstören. Man schält so seicht wie irgend möglich (3-4 cm), am besten mit dem vierscharigen Schälpflug, welcher die kleinen Furchen nicht wenden, sondern behufs besserer Abtrocknung und schnellern Absterbens des Unkrauts thunlichst auf die hohe Kante stellen soll.
Nach wenigen Tagen mit trocknen Winden [* 10] kann die Egge [* 11] folgen, um die Unkräuter bodenfrei zu machen; nach einigen weitern trocknen Tagen kann die eigentliche Pflugfurche zur vollen Tiefe gegeben werden. Je nach der Frucht, welche der Boden tragen soll, und der Art des Bodens ist diese Furche die letzte vor der Saat, wie bei nachfolgender Winterhalmfrucht, während auf tiefgrundigem und auf schwerem Boden, falls eine Mistdüngung gegeben werden soll, noch eine Saatfurche zu folgen hat, da auf diesen Boden der Dünger nie zur vollen Tiefe untergebracht werden darf, in welcher die Zersetzung des Düngers verlangsamt oder verhindert werden würde. Bessern ¶
forlaufend
Böden, welche durch Trockenheit im Frühjahr nicht zu leiden haben, und schweren Böden pflegt man im Frühjahr die Saatfurche für Sommerfrüchte zu geben. In den meisten Fällen wird, besonders für Hackfrüchte, ein Lockern des Bodens durch einen Grubber, Exstirpator (sogen. Maschine), [* 13] statt einer Pflugfurche, genügen. Abgesehen von der schnellern Ausführbarkeit dieser Arbeit, hat sie häufig den Vorteil, bei vollkommener Vernichtung der keimenden Samenunkräuter ein bei weitem wünschenswerteres Saatbett herzustellen, als es der Pflug vermag.
Die eigentliche Furche bedarf längerer Zeit, sich »zu setzen«, d. h. in den Grad der Bindigkeit zurückzukommen, welchen die junge Pflanze verlangt, um »festen Fuß fassen« zu können. Ferner werden sich die Feuchtigkeisverhältnisse des leichtern Bodens durch eine Grubber-Saatfurche im Frühjahr günstiger gestalten, da die Kapillarität der untern Bodenschicht in keiner Weise irritiert wird und die flache gegrubberte Schicht sich leichter in diesen Zustand der wünschenswerten Kapillarität zurückbegibt und so im stande ist, die von untern, selbst tiefen Bodenschichten heraufsteigende Feuchtigkeit der jungen Pflanze jederzeit zur Disposition zu stellen.
Der Empiriker nennt dies mysteriös »die Erhaltung der Winterfeuchtigkeit«, ausgehend von unrichtigen Voraussetzungen. Sehr vollkommene Bearbeitung liefert das Umgraben mit dem Spaten, im großen nicht anwendbar und für manche Zwecke nicht tief genug zu ermöglichen; die Grabgabel läßt rascher fördern. Das Pflugspaten ist die Verbindung von Pflügen und Spaten in der Art, daß hinter einem Pflug eine Anzahl Arbeiter in jeder oder in einer Furche um die andre mit dem Spaten den Boden auswerfen oder mit der Grabgabel nur lockern, um ihn zu vertiefen.
Die eigentliche Pflugarbeit zerfällt in Glatt- oder Ebenpflügen, wenn eine Feldfläche ohne durch Furchen begrenzte Beete gepflügt wird. Man fängt entweder in der Mitte oder an einer Seite an und legt Furche an Furche, so daß das Ganze eine glatte Fläche bildet, im Gegensatz zum Beetpflügen, bei welchem schmale und breitere Ackerbeete mit dazwischen liegen bleibenden tiefern Furchen geackert werden; ganz schmale, hoch gewölbte Beete (Bilon, Bifänge) sind an den meisten Orten das Zeichen unrationellster Kultur (in Belgien [* 14] vielfach angewandt und für Bewässerung eingerichtet).
Dem Pflügen folgt, wie dem Spaten der Rechen, das Eggen; man unterscheidet Langziehen, Schräg- oder Querziehen, Schlangenziehen und Rund- oder Volteeggen, dieses, im Trab, als das wirksamste. Nach dem Eggen folgt die Walze. Reihensaaten werden behackt mit besonders dazu geeigneten Hand- und Spannwerkzeugen (Pferdehacken, s. d.) und behäufelt mit dem Häufelpflug, um die Erde an die Pflanzen dichter heranzubringen. Diese Arbeiten werden öfters wiederholt.
Die Bodenmelioration (s. auch den Spezialartikel) umfaßt die Entwässerung (Drainage, [* 15] s. d.), die Bewässerung (s. d.), die Tiefkultur, die Erdmischung und die Ebnung. Das Vertiefen des Bodens gewährt allein die Möglichkeit, das verfügbare Areal zu vermehren. Es ist erwiesen, daß im vertieften Boden die Pflanzen vor Austrocknung geschützter sind und ausreichendere Mengen von Nährstoffen finden; das Vertiefen kann aber nicht willkürlich geschehen, da der »tote« Untergrund, besonders der stark thonhaltige, erst der Atmosphäre ausgesetzt werden muß oder, falls er gleich mit der Krume vermischt werden soll, tüchtiges Kalken und starke Gaben von Mist verlangt.
Man vertieft mittels Rigolens (s. oben) oder Pflugspatens oder Tiefpflügens in der Art, daß hinter dem gewöhnlichen Pflug ein zweiter, mehr nur lockernder geht, oder mittels besonderer sogen. Untergrundpflüge, welche nur die tiefern Schichten lockern, ohne die Krume zu untergraben. Immer muß diese wieder obenauf bleiben, wenn der Untergrund nicht unbedenklich damit vermischt werden kann. Neuerdings liefern die Dampfpflüge die beste Arbeit der Art. Die Erdmischung bezweckt die Korrektur der gegebenen Bodenzustände.
Normale Mischungen sind die, in welchen alle Bestandteile vertreten sind, aber keiner zu sehr vorherrscht; da, wo solches der Fall, muß also mit dem fehlenden Bestand so lange ergänzt werden, bis durch annähernd normale Mischung das richtige Verhältnis zwischen Feinerde und Skelett [* 16] gegeben ist. Derartige Operationen sind besonders dann sehr kostspielig, wenn das entsprechende Material weit hergeholt und durch Zugvieh und Menschenarbeit aufgebracht werden muß, minder kostspielig, wenn es sich im Untergrund findet oder durch Wasser angeschwemmt werden kann.
Bei der Kultur wertvoller Handelspflanzen, z. B. Hopfen, [* 17] gibt man die Mischung nur zu den einzelnen Pflanzen als Lochdüngung und spart wesentlich an Transport und Material. Die Ebnung endlich ist da anzuwenden, wo das Land zu hügelig ist und die Bestellung hindert. Man trägt die kleinen Erhöhungen ab und füllt die Vertiefungen aus unter Beobachtung gleicher Vorsicht wie beim Tiefpflügen in Bezug auf die Krume. Bei allen diesen Operationen müssen die Erdtransporte möglichst vermieden werden, genaue Berechnungen vorher über die Rätlichkeit der Ausführung entscheiden und nach der Operation mehrmals tüchtigste Durcharbeitungen mit Pflug, Egge und Walze stattfinden, ehe Dünger aufgebracht und der Boden bestellt werden kann.
Vgl. v. Rosenberg-Lipinsky, Der praktische Ackerbau in Bezug auf rationelle Bodenkultur (2. Aufl., Bresl. 1866, 2 Bde.);
Blomeyer, Die mechanische Bearbeitung des Bodens (Leipz. 1879).