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Kopplung von anthropogenen und ökologischen Netzwerken für eine nachhaltige Landschafts- und Verkehrsplanung.
Einführung
Anthropogene Netzwerke, bestehend aus Siedlungen und Strassen, beeinträchtigen vielerorts ökologische Netzwerke, die natürliche Lebensräume miteinander verbinden. Gut vernetzte ökologische Netzwerke sind unabdingbar, um Biodiversität zu erhalten und funktionierende Ökosysteme zu gewährleisten. Einerseits können die meisten Ökosysteme anthropogene Veränderungen bis zu einem bestimmten Schwellenwert absorbieren und ihre Funktionsweise so erhalten, andererseits können menschliche Gesellschaften ihre Landnutzung oder ihr Verhalten anpassen, um ein Überschreiten dieser Schwellenwerte zu verhindern. Auf Grund der komplexen Wechselwirkungen und Trade-offs in und zwischen anthropogenen und ökologischen Netzwerken ist es schwierig zu bestimmen, wie Veränderungen in Landnutzung und Transport die Biodiversität beeinflussen und welche Veränderungen einen Biodiversitätsverlust verhindern können.
Ziel
Daher hat das CHECNET-Projekt zum Ziel, Schwellenwerte von Landnutzungs- und Verkehrsveränderungen in ökologischen Netzwerken zu ermitteln sowie zu erwartende Folgen von Biodiversitätsschutzmassnahmen in einem anthropogenen Netzwerk zu bestimmen. Dazu werden anthropogene und ökologische Netzwerke im dicht besiedelten Schweizer Mittelland in einem neu entwickelten Vorgehen gekoppelt. Das Projekt besteht aus drei Workpackages.
Vorgehen
Im ersten Workpackage wird basierend auf Habitatmodellen und räumlichen Netzwerkanalysen ein Verfahren entwickelt, um aus leicht verfügbaren Tierbeobachtungsdaten ökologische Netzwerke zu konstruieren. Variablen aus dem anthropogenen Netzwerk (z. B. Verkehrsintensität, Abstand zu Siedlungen) dienen dabei als erklärende Variablen in den ökologischen Netzwerken. Dadurch kann untersucht werden, wie die ökologischen Netzwerke auf Veränderungen im anthropogenen Netzwerk reagieren.
Im zweiten Workpackage führen wir eine Umfrage unter der Schweizer Bevölkerung durch, um gesellschaftliche Kompromisse zwischen Biodiversitätsschutzmassnahmen und Wohn-, Transport- und Routenwahl zu ermitteln. Die Ergebnisse der Umfrage werden in das Landnutzungs- und Transportmodell FaLC implementiert, um räumlich explizite Änderungen in der Siedlungsentwicklung und in Verkehrsströmen als Folge von Massnahmen zum Schutz der Biodiversität zu prognostizieren.
Im dritten Workpackage werden die Ergebnisse der ersten beiden Arbeitsschritte kombiniert und die ökologischen und anthropogenen Netzwerke vollständig gekoppelt. Durch iteratives Schalten zwischen den Modellen können wir eine Kette von Aktionen und Reaktionen zwischen den Netzwerken abbilden. Mit dieser Abfolge von Modellläufen kann dann geprüft werden, ob das anthropogene Netzwerk sich soweit anpassen kann, dass ein Überschreiten der Schwellenwerte in den ökologischen Netzwerken verhindert wird.
Dieses Projekt wird nicht nur wichtige wissenschaftliche Fortschritte in der räumlichen Ökologie sowie Landschafts- und Verkehrsplanung erzielen, sondern ist auch von hoher Relevanz für den kürzlich lancierten Prozess zur Umsetzung ökologischer Infrastruktur in Schweizer Landschaften.
Kontakt
Beteiligte
Maarten van Strien
Adrienne Grêt-Regamey
Amin Khiali-Miab
Rolf Holderegger (Eidg. Forschungsanstalt WSL)
Damian Ortiz Rodríguez (Eidg. Forschungsanstalt WSL)
Kay W. Axhausen (ETH Zürich)
Ilka Dubernet (ETH Zürich)
Antoine Guisan (Universität Lausanne)
Finanzierung
Swiss National Science Foundation – Interdisciplinary projects
Publikationen
Van Strien, M.J., Grêt-Regamey, A. (2016) How is habitat connectivity affected by settlement and road networkconfigurations? Results from simulating coupled habitat and humannetworks. Ecological Modelling, 342, 186-198 Download
Projektlaufzeit
01.2016 – 01.2019
Status
Laufendes Projekt