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Zürich gilt gemeinhin als Limmatstadt. Doch vor 750 Jahren gab es am Fluss einen Ort, der Zürich diesen Titel streitig machen wollte. Um 1240 wurde auf dem Gebiet der Gemeinde Unterengstringen das Städtchen Glanzenberg gegründet, mit dem Ziel, etwas vom florierenden Handel über den Gotthard abzubekommen. Doch der erhoffte Erfolg blieb aus und nur kurze Zeit später verschwand das Städtchen von der Landkarte. Heute zeugen nur noch ein paar wenige Ruinen von seiner Existenz.
Über das Gebiet der heutigen Gemeinde Unterengstringen herrschten vor rund 900 Jahren die Freiherren von Regensberg. Unter anderem gehen die Gründungen des Klosters Fahr und Rüti sowie der Städte Regensberg und Grüningen auf sie zurück. Sie standen in Konkurrenz mit der Stadt Zürich und wollten dieser den Handel in der Region streitig machen. Dazu bauten die Freiherren in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts unterhalb des Klosters Fahr zunächst eine Burg, beziehungsweise bauten eine bestehende Holzburg aus. Heute zeugen ein Doppelgraben und ein Teil der Ringmauer aus mächtigen Findlingen, die das Burgplateau mit dem Wohnturm umschlossen, vom Bauwerk.
Um 1240 gründeten die Freiherren von Regensburg 300 Meter westlich von der Burg in den Limmatauen die Stadt Glanzenberg. Der Platz wurde strategisch gewählt - die Stelle war für den Bau einer Brücke über die Limmat gut geeignet. Man konnte so den Handel über die Limmat kontrollieren.
Um die Brücke zu bauen, benötigten die Freiherren von Regensberg jedoch die Unterstützung der Ritter von Schönenwerd, deren Burg am gegenüberliegenden Limmatufer stand. Die Stadt Zürich, der die Brücke ein Dorn im Auge war, übte jedoch Druck auf die Herren von Schönenwerd aus, die sich 1257 in einer Urkunde verpflichteten, kein Land für den Bau einer Brücke zur Verfügung zu stellen. Damit war der Traum einer Konkurrenz zu Zürich schon kurz nach der Gründung wieder ausgeträumt.
Über das Ende der Stadt ist wenig bekannt. Laut zeitgenössischen Chronisten soll die Stadt 1267 durch die Zürcher unter der Führung von Graf Rudolf IV. von Habsburg zerstört worden sein. In der sogenannten Regensberger Fehde 1267/68 sollen die Zürcher neben Glanzenberg auch weiteren Besitz der Freiherren zerstört haben. Doch an den Überresten der angeblich zerstörten Burgen, konnte bisher keine gewaltsame Zerstörung nachgewiesen werden.
Es scheint wahrscheinlicher, dass Glanzenberg gar nie wirklich fertiggestellt worden war. Damit wäre es nicht die einzige Stadt in der Schweiz. Die misslungenen Stadtgründungen haben gemein, dass sie kleinflächig waren und oft in direkter Konkurrenz zu bestehenden Städten gegründet wurden.
Die Freiherren von Regensburg scheinen im Machtkampf mit Zürich und seinen Habsburger Verbündeten den Kürzeren gezogen zu haben. Denn gegen Ende des 13. Jahrhunderts verkaufte das Adelsgeschlecht gleich mehrere Besitzungen. Bereits 1269 wurde Grünigen, eines ihrer wertvollsten Güter, an Habsburg verkauft. 1302 musste sie sogar ihre erst 1244/48 fertiggestellte Stammburg sowie das Städtchen Regensberg an den Konkurrenten verkaufen. Auch Glanzenberg wurde zu dieser Zeit verkauft und die Stadt verschwand in der Bedeutungslosigkeit.
Archäologische Funde deuten darauf hin, dass die Burg bis ins 14. Jahrhundert bewohnt war. Danach wurde die Ruine als Steinbruch genutzt. Vom nie fertiggestellten Städtchen sind heute nur noch Reste der Stadtmauer erhalten. Auch Teile des Wassergrabens sind schwach erkennbar. Zudem sind einige Holz- und Steinbauten nachgewiesen.