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|EDITIONSPROJEKT

Alexander von Humboldt, Sämtliche Schriften (Aufsätze, Artikel, Essays). Berner Ausgabe
Neben seinen zwei Dutzend Büchern in 50 Bänden veröffentlichte Alexander von Humboldt (1769–1859) in den sieben Jahrzehnten seiner wissenschaftlichen und publizistischen Tätigkeit mehrere hundert Essays, Aufsätze in Zeitschriften, Artikel in Zeitungen und Beiträge zu Bänden anderer Autoren. Dieses ebenso vielfältige wie umfangreiche Werk ist noch nicht erschlossen, in Bibliotheken nur schwer zugänglich und selbst der Forschung kaum bekannt.
Dass Humboldts verstreute Schriften weder vollständig ermittelt noch ediert sind, ist umso erstaunlicher, als sie wissenschaftsge- schichtlich eine große Bedeutung haben. Sie leisten Beiträge zu diversen Forschungsgebieten: von der Anthropologie über die Archäologie, Botanik, Chemie, Geologie, Kartographie, Klimaforschung Kunstgeschichte, Linguistik, Mathematik und Physik bis zur Zoologie. Sie entwerfen Modelle, die Disziplinen bestimmt haben – etwa die „isothermen Linien“ als innovative Methode zur Dar- stellung empirisch erhobener Daten oder die „Geographie der Pflanzen“ als transdisziplinäre Migrationskunde. Sie berichten von Forschungsreisen durch die spanischen Kolonien (1799–1804) bzw. durch das zaristische Russland (1829) und beleuchten Begeg- nungen mit fremden Kulturen, exotischen Landschaften oder unbekannten Tierarten. Sie nehmen Stellung zu politischen und öko- nomischen Themen, etwa zu Kolonialismus und Sklaverei, zur Zukunft des Welthandels und zur Idee eines Panama-Kanals. Und nicht zuletzt haben sie literarische Qualitäten. Alexander von Humboldts kreatives, flexibles, offenes Denken kommt in kürzeren Arbeiten besonders zur Geltung. In der freien Gattung des Essays findet es seinen idealen Ausdruck. Der Autor von Großwerken wie dem fünfbändigen Kosmos war ebenso ein Meister der ‚kleinen Formen‘.
Die Berner Ausgabe der Aufsätze, Artikel und Essays wird sämtliche zu Humboldts Lebzeiten unselbständig veröffentlichten Dru- cke umfassen: rund 1000 Texte zwischen 1788 und 1859. Sie erschließt das weitgehend unerforschte Corpus seiner verstreuten Schriften – Humboldts anderen „Kosmos“. Als erste Gesamt-Edition einer Werkgruppe schafft sie eine neue Grundlage für die internationale Humboldt-Forschung und zugleich für die interkontinentale Wissenschafts-, Reise- und Kulturgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts. Erste Forschungsarbeiten werden innerhalb des Projekts verwirklicht.
Die Erfassung der historischen Textzeugen erfolgt gemäß aktuellen editorischen Standards in XML nach TEI-Format, wodurch textkritische Präzision, Nutz- und Anschlussfähigkeit sowie Interoperabilität der Daten gewährleistet sind. Die digitalen Transkriptio- nen sowie weitere elektronische Erschließungsinstrumente (Volltextsuche, Fassungsvergleiche, Register-Verlinkung, Analyse- und Visualisierungswerkzeuge) sollen auf diesem Portal künftig zur Verfügung gestellt werden.
Die Berner Ausgabe besteht aus sieben Textbänden, die Humboldts sieben Jahrzehnte umfassende Publikationstätigkeit chronologisch abdecken, sowie aus vier Ergänzungsbänden: Ein Kommentarband bietet Einführungen und Erläuterungen zu jedem Text; ein Apparatband enthält Personen- und Ortsregister, Glossare, die Gesamtbibliographie und systematische Verzeichnisse; ein Forschungsband vereint Transversalkommentare, die thematische Linien durch das gesamte Corpus sichtbar machen; und ein Übersetzungsband enthält deutsche Übertragungen der noch nie auf Deutsch erschienenen Texte.
Sämtliche Bände sollen zu Humboldts 250. Geburtstag am 14. September 2019 vorliegen.
Das Projekt wird gefördert vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF).