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Das Sar, der Sarren
Ein Plädoyer für ein schweizerisches Wort!
Erschienen in «wasser, energie, luft eau, energie, air», Heft 1/2 1998; der Redaktion zu-gestellt von Dr. Richard und Renate Schwertfeger-Löser Vielen Dank!Am 15. August 1997 wurde Sachseln von einem Hochwasser heimgesucht. Dabei verteilten die durch das Dorf führenden Wildbäche ihr Geschiebe auf Gärten und Wiesen, ja sogar in mehrere Häuser. Einige Obwaldner, die ich darüber berichten hörte, fassten das Geschehen kurz und bündig zusammen: «Sachseln wurde eingesart!» Damit verwendeten sie ein Wort, das in gewissen Gegenden der Schweiz nicht mehr bekannt ist, nämlich Sar oder Sarren für Geschiebe sowie Einsaren für die Ausbreitung desselben ausserhalb eines Bach- oder Flusslaufs. Als Synonym dafür wird auch etwa der Ausdruck Übersaren verwendet; eine Übersarung meint also eine Überdeckung von Land mit Geschiebe (Schweizerdeutsch Übersarig, Versarig oder Sarete).
Selbstverständlich finden sich alle diese Worte im Schweizerischen Idiotikon. Sie haben im Hochdeutschen ganz einfach keine Entsprechung, weil norddeutsche Flüsse praktisch nur überschwemmen, aber nicht übersaren. Das liess sich gerade kürzlich wieder bei den Ausuferungen der Oder feststellen. Kaum verlief sich die Flut, wurden die Wiesen wieder grün. Das bisschen Schlamm, das sich dort ab-gelagert hatte, wirkte sozusagen als Dünger. Am meisten verwandt mit dem Einsaren ist noch das Wort Einschottern. Doch suggeriert es eine Ablagerung von einigermassen sauberem Sand und Kies. Unter Sar oder Sarren versteht man aber eine ziemlich schmutzige Mischung von Geröll, Schlamm und allenfalls Holz, ja sogar schlicht Dreck. Im Idiotikon wird nicht nur darauf hingewiesen, dass der Karpfe «särelet», weil sein Fleisch eben nach Schlamm schmeckt, sondern auch auf zahlreiche Flur-und Gewässernamen, die den Stamm Sar (oder Saar, Sarr) enthalten: Sargraben, Sarboden, Sarweid, Sarried usw. Erwähnt wird ausdrücklich das Flüsschen Saar bei Sargans sowie interessanterweise der Hauptort von Obwalden, Sarnen. Vielleicht hat auch der Flussname Sarine im Kanton Freiburg etwas damit zu tun.
Ich plädiere dafür, dass das Wort Sar oder Sarren und insbesondere die von ihm abgeleiteten Eigenschafts- und Tätigkeitswörter wie-der durchwegs verwendet werden. Sie sind kurz, einprägsam und klar!
Daniel Vischer