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Das Kunstmuseum Basel | Gegenwart zeigt anlässlich des Manor Kunstpreises 2021 die Einzelausstellung Post-Truth von Dorian Sari (*1989 in Izmir, Türkei, lebt und arbeitet in Basel).
Post-Truth zeigt neue Videoarbeiten und Skulpturen von Dorian Sari in zwei Räumen des Kunstmuseum Basel | Gegenwart und im Bach, der das Museum durchfliesst. Der Ausstellungstitel zitiert ein Adjektiv, welches das Oxford Dictionary zum Wort des Jahres 2016 wählte. Post-truth wurde als Adjektiv definiert, das «sich auf Umstände bezieht, in denen Menschen mehr auf Gefühle und Überzeugungen als auf Fakten reagieren». Der Begriff wird häufig im politischen und gesellschaftlichen Kontext verwendet, um beispielsweise die öffentlichen Willensbildungsprozesse um den Brexit oder die Wahl Donald Trumps zu beschreiben.
Für Dorian Sari fasst der Begriff Post-Truth eine Vielzahl von Themen zusammen, die aktuell intensiv diskutiert werden. Der Künstler hinterfragt die Entwicklung, dass wissenschaftlich fundierte Fakten und Analysen an sich nicht mehr als wertvoll erachtet werden. Sie machen einem Gefühl der kollektiven und individuellen Unsicherheit Platz, das heute trotz oder gerade wegen der allgegenwärtigen Verfügbarkeit und des Umfangs von Informationen besteht. Die Norm der Wahrhaftigkeit als ethisches Ziel befindet sich in der Krise. Es geht nicht um die Suche nach Wahrheit, um Schlussfolgerungen zu ermöglichen, sondern oftmals mehr um die Bekräftigung bestehender Interessen und Überzeugungen, die heterogene politische und wirtschaftliche Hintergründe haben.
In seiner Ausstellung untersucht Dorian Sari empirische und künstlerische Facetten der Post-Truth. Er beschreibt einen Zustand, der Emotionen von Verunsicherung und radikaler Dissoziation hervorruft und unsere persönlichen Vertrauenssysteme in Frage stellt, und führt aus, wie durch diesen Zustand sozialer Wandel verhandelt oder Polarisierung verstärkt wird. Mit einer dreiteiligen Videoinstallationen und mehreren skulpturalen Arbeiten weist Sari auf diese dringlichen Fragen der Gegenwart hin. Erörtert werden die Themen darüber hinaus in einer zur Ausstellung erscheinenden Künstlerpublikation mit Texten des Künstlers und von Alice Wilke.
Ein wichtiger Bezugspunkt für Dorian Sari ist das Werk und das Denken der Philosophin und Publizistin Carolin Emcke (* 1967, lebt in Berlin). Emcke studierte Philosophie, Politik und Geschichte in Frankfurt a.M., London und Harvard. Sie hält regelmässig Vorträge und Seminare zu Themen wie Globalisierung, Gewalttheorie, Zeugenschaft, Fotografie und kulturelle Identitäten. Neben zahlreichen Auszeichnungen für ihre langjährige journalistische Arbeit für den Spiegel und die Zeit wurde Emcke 2016 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für ihren publizistischen Beitrag zum gesellschaftlichen Dialog ausgezeichnet. Emcke wird für ein öffentliches Gespräch im Rahmen der Ausstellung nach Basel kommen.
Dorian Sari studierte in Genf, Neapel und Paris und absolvierte 2019 seinen Master am Institut Kunst an der Hochschule für Gestaltung und Kunst der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW in Basel.
Der Manor Kunstpreis fördert seit 36 Jahren junge Schweizer Künstlerinnen und Künstler im Bereich der visuellen Kunst: Malerei, Skulptur, Fotografie, Videokunst und Installationen. Er gilt als einer der wichtigsten Förderpreise des zeitgenössischen Kunstschaffens in der Schweiz.