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Die chinesische Regierung hat angeordnet, dass zukünftig alle Websites, die Musik aus dem Ausland anbieten, vor deren Verbreitung die Erlaubnis eines Zensors einholen müssen. Betroffen sind davon unter anderem auch Google und Baidu. Die Massnahme ist der neueste Versuch der Regierung, das Internet zu zensieren, das in China gut 338 Mio User hat - mehr als in jedem anderen Land. Begründet wird der Schritt damit, dass man versuche, «die Vermischung von guten und schlechten Inhalten» und «die grosse Menge ungenehmigt importierter Musik» in den Griff zu bekommen, aber auch auf Copyright-Verletzungen achten wolle. Sprecher der Musiklabels sagten, sie erhofften sich nun ein energischeres Vorgehen gegen Piraterie, die in China extrem verbreitet ist. Die Internationale Vereinigung der Phonoindustrie schätzt, dass der Musikverkauf in China im Vorjahr 82 Mio Dollar ausmachte und 99% davon unlizenziert verkauft wurden.
Die neue Vorschrift des Kultusministeriums erfordert einen enormen Verwaltungsaufwand, denn sämtliche Musikstücke ausserhalb Chinas, auch aus Hongkong und Taiwan, müssen bis Jahresende beim Ministerium eingereicht werden. Online-Anbieter müssen alle Texte schriftlich und in chinesischer Übersetzung vorlegen und nachweisen, dass sie kein fremdes geistiges Eigentum verletzen.
«Der Zeitaufwand ist enorm, aber diejenigen, die es richtig machen, werden am Markt gute Chancen haben. Also lohnt sich der Aufwand wahrscheinlich», sagt Matthew Daniel, Vizepräsident des in Peking ansässigen Musikanbieters R2G.net.
Bisher zensierte die Regierung importierte Filme und Bücher und überprüfte die Setlisten ausländischer Bands, die im Land Konzerte geben. Doch angesichts Hunderttausender Songs von Künstlern ausserhalb von Festland-China - Musik aus Taiwan und Hongkong ist dort besonders populär - ist es unklar, wie das Ministerium das in weniger als vier Monaten bewältigen will.
Von offizieller Seite wird betont, dass die neuen Regeln für Suchmaschinen wie Baidu und Yahoo China gelten, die Links zu Musikseiten anbieten, aber selbst keine Musik auf ihren Servern haben. Neal Turkewitz, Executive Vice President bei der Recording Industry Association of America, sagt: «Hoffentlich gilt die neue Vorschrift für alle Anbieter und nicht nur die wenigen, die legales Material anbieten.» Baidu - von der Musikindustrie seit langem kritisiert wegen der Links zu unlizenzierter Musik - «ist eine Suchmaschine, natürlich fällt sie auch unter die Regel», sagt ein Ministeriumssprecher. Eine Sprecherin von Baidu meint, der Musikservice habe «bereits eine behördliche Genehmigung». Alibaba Group, der Betreiber der Yahoo-Seiten in China, lehnt genau wie Google einen Kommentar ab. Branchensprecher betonen die Vorteile eines entschlossenen Vorgehens gegen Piraterie, auch wenn dafür viel zusätzliche Arbeit erforderlich wird. «Endlich besteht eine Behörde darauf, dass bei der Suche nur lizenzierte Musik gefunden werden darf», so Gary Chen, CEO von Orca Digital. Dem Unternehmen gehört Top100.on, eine Website, die sich mit Google zusammengetan hat und freie, lizenzierte Musikdownloads in China anbietet.