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Eine Buchhandlung, die im digitalen Zeitalter massenhaft Besucher anzieht? Es gibt sie: "Wir haben dieses 100-jährige Theater in einen Bücherladen umgewandelt. Seither kommen jährlich eine Million Besucher aus aller Welt hierher", sagt Ricardo Arturo Grüneisen, argentinisch-schweizerischer Doppelbürger, in seinem "El Ateneo Grand Splendid" in Buenos Aires.
Im Jahr 2000 beschloss die Familie Grüneisen, den Kurs des architektonischen Bauwerks zu ändern. Seither erscheint das ehemalige Theater in Blogs und Reiseführern an erster Stelle der schönsten Buchhandlungen der Welt. 2019 widmete National Geographic ihm den Artikel "Dies ist die schönste Buchhandlung der Weltexterner Link".
Ricardo Arturo Grüneisen, Präsident der ILHSA-Verlagsgruppe, führt uns an die Stelle, an der Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vor einem Jahr für Aufsehen sorgte. Er blickt zurück ins Jahr 2000, als dieses Kapitel der Grüneisen-Geschichte begann: "Kurz vor der Schliessung dieses Gebäudes beschlossen wir es zu mieten und umzubauen."
Seit 1902 in Argentinien
Die Familie ist relativ neu in der Verlagswelt. Ihre Anfänge in Argentinien waren – wie die vieler Einwanderer in dem Land – von der Suche nach Land geprägt, um Agrarwirtschaft zu betreiben.
"Mein Grossvater Karl Otto kam 1902 im Alter von 25 Jahren aus der Schweiz nach Argentinien. 1908 kaufte er Land, um den Wald in El Chaco, 1200 Kilometer nördlich von Buenos Aires, zu nutzen", erzählt Grüneisen.
Dort gründete Karl Otto zusammen mit einem weiteren Schweizer, Jules-Ulysse Martin, die Stadt Villa Ángela und die Firma La Chaqueña, die sich der Herstellung von Gerbstoffen für die Lederindustrie widmete.
Vom Land zum Erdöl
Der unternehmerische Weg von Karl Otto endete nicht dort. "1928 rettete er Argentiniens erste Ölgesellschaft Astra, 1800 Kilometer südlich von Buenos Aires. Sie befand sich in finanziellen Schwierigkeiten. Mein Grossvater wurde Vizepräsident des Unternehmens", erinnert er sich.
"Wir haben 25'000 Aktionäre in Genf und Buenos Aires. Die politische und wirtschaftliche Situation war aber schwierig. Von 1944 bis in die 1990er-Jahre hatten wir 20 Regierungen, vier davon waren Militärregierungen – eine Demokratie mit Unterbrüchen. Und immer wieder erlebten wir Inflationsraten im dreistelligen Bereich", so Grüneisen.
1996 entschieden die Grüneisens, Astra zu verkaufen. Mit dem Kauf der ILHSA-Gruppe stieg die Familie in den Verlagssektor ein. ILHSA umfasst heute 54 Buchhandlungen, darunter auch die im ehemaligen Theater, Ateneo Grand Splendid.
"Das Theater stand vor der Schliessung, und wir beschlossen, eine Buchhandlung zu eröffnen. Um mit den drei Unternehmen – La Chaqueña, Astra und jetzt die Buchhandlungen – vorwärtszukommen, führten wir in diesem atypischen Land eine Politik sehr niedriger Dividenden und grosser Vorsicht", sagt der 68-Jährige.
Besuch in Diemtigen
Heute gehen 25% des Umsatzes des argentinischen Büchermarkts an die Familie Grüneisen. Die Jüngsten der Familie setzen aber wieder auf den Agrarsektor, während sich das Land in einer neuen Wirtschaftskrise befindet.
"Wir machen das Gleiche wie damals mein Urgrossvater. Wir sind stolz darauf, all dies fortzusetzen, sagt Felipe Grüneisen, ein Sohn von Ricardo Arturo Grüneisen.
Vor fünfzehn Jahren unternahm die Familie eine Reise, "um unsere Wurzeln, unser Heimatdorf kennenzulernen, wie es in unseren Pässen steht: Diemtigen, im Kanton Bern", so Felipe Grüneisen. Er interessiert sich sehr für seine Schweizer Herkunft und hat unzählige Stunden am Stammbaum geforscht.
Vor drei Jahrzehnten hat die Familie Grüneisen ihre Schweizer Pässe zurückerhalten. Sie nimmt aus der Ferne am politischen Leben des Alpenlandes teil.
Was ist das Vermächtnis ihres Urgrossvaters Karl Otto? "Im Grunde genommen Arbeit, Mühe, Hingabe und Ernsthaftigkeit", antwortet der andere Sohn Ricardo Gabriel, ebenfalls Mitglied der vierten Generation der Familie Grüneisen in Argentinien, während er durch "die schönste Buchhandlung der Welt" führt (siehe Video oben).
Schweizer auf der ganzen Welt
760'200 Schweizer und Schweizerinnen leben im Ausland. In Argentinien sind es 15'000.Infobox Ende
(Übertragung aus dem Spanischen: Kathrin Ammann)