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Ethische Grundsätze des Bahá'i-Glaubens
Im Jahr 1912 stellte 'Abdu'l-Bahá in seinen Ansprachen in Paris sowie 1919 in einem Brief an die Zentralorganisation für einen dauerhaften Frieden in Haag wesentliche, ethische Grundsätze aus den Lehren Bahá'u'lláhs besonders heraus. Einige dieser zentralen Lehrsätze des Bahá'i-Glaubens werden in Kurzfassung sinngemäss wie folgt aufgeführt:
Aus dem Bahá'i-Schrifttum: Ansprachen in Paris, Kapitel 40
Das erste Prinzip Bahá'u'lláhs ist:
Selbstständiges Suchen nach Wahrheit
Der Mensch muss sich von allen Vorurteilen und von den Ergebnissen seiner eigenen Einbildung trennen, so dass er zum ungehinderten Suchen nach Wahrheit fähig werde. Die Wahrheit ist e i n e in allen Religionen, und durch sie vermag die Einigkeit der Welt zur Tat zu wer-den.
Alle Menschen haben einen gleichen Glaubensuntergrund. Da er nur e i n e r ist, kann auch die Wahrheit nicht gespalten werden, und die Unterschiede, die offensichtlich zwischen den Nationen herr-schen, entspringen lediglich ihrer Bindung an das Vorurteil. Würden die Menschen nur nach Wahrheit suchen, so würden sie sich einig finden.
Das zweite Bahá'i-Prinzip ist:
Die Einheit der Menschheit
Der eine alliebende Gott schenkt Seine göttliche Gnade und Gunst der ganzen Menschheit. Einer und alle sind Diener des Höchsten, und Seine Güte, Barmherzigkeit und Gnade ergiessen sich über alle Seine Geschöpfe. Der Glanz des Menschentums ist eines jeden Erbteil.
Alle Menschen sind die Blätter und Früchte des gleichen Baumes, sie alle sind Zweige des Baumes Adams und haben alle gleichen Ursprung. Der gleiche Regen ist auf alle herniedergegangen, die gleiche warme Sonne lässt sie wachsen, sie alle werden durch den gleichen Wind erfrischt. Der einzige Unterschied, der in der Tat besteht und Trennung bringt, ist der, dass es Kinder gibt, die einer Führung bedürfen, Unwissende, die Belehrung und Kranke, die Pflege und Heilung brauchen. Darum sage ich, dass die ganze Menschheit in die Barmherzigkeit und Gnade Gottes eingetaucht ist, wie uns die Heiligen Schriften sagen: alle Men-schen sind gleich vor Gott. Er sieht nicht die Person an.
Das dritte Prinzip Bahá'u'lláhs lautet:
Religion sollte Liebe und Zuneigung hervorrufen
Die Religion sollte alle Herzen vereinen und Krieg und Streitigkeiten auf der Erde vergehen lassen, Geistigkeit hervorrufen und jedem Herzen Licht und Leben bringen. Wenn die Religion zur Ursache von Abneigung, Hass und Spaltung wird, so wäre es besser, ohne sie zu sein, und sich von einer solchen Religion zurückzuziehen, wäre ein wahrhaft religöser Schritt. Denn es ist klar, dass der Zweck des Heilmittels die Heilung ist, wenn aber das Heilmittel die Beschwerden nur verschlimmert, so sollte man es lieber lassen. Jede Religion, die nicht zu Liebe und Einigkeit führt, ist keine Religion. Die heiligen Propheten waren waren alle gleichsam Seelenärzte, sie gaben Rezepte, um die Menschheit zu heilen. Darum stammen alle Mittel, die zu Erkrankungen führen, nicht vom grossen und höchsten Arzte.
Das vierte Prinzip Bahá'u'lláhs ist:
Die Einheit von Religion und Wissenschafft
Wir mögen die Wissenschaft als einen Flügel und die Religion als einen anderen Flügel betrachten. Der Vogel braucht zwei Flügel, um Fliegen zu können, einer allein wäre zwecklos. Jede Form von Religion, die der Wissenschaft nicht entspricht oder sich zu ihr im Gegensatz befindet, ist gleichbedeutend mit Unwissenheit, den Unwissenheit ist der Gegensatz von Wissen.
Eine Religion, die nur aus vorurteilsvollen Riten und Bräuchen besteht, ist nicht die Wahrheit. Lasst uns ernstlich danach streben, zu Werkzeugen der Vereinigung von Religion und Wissenschaft zu werden.
'Ali, der Schwiegersohn Muhammads, sagte: "Was mit der Wissenschaft übereinstimmt, ist auch mit der Religion in Einklang." Was immer die Intelligenz des Menschen nicht zu begreifen vermag, sollte auch von der Religion nicht agenommen werden. Die Religion geht mit der Wissen-schaft Hand in Hand, und jede Religion, die der Wissenschaft wider-spricht, ist nicht die Wahrheit.
Das fünfte Prinzip Bahá'u'lláhs lautet:
Vorurteile der Religion,
der Rasse oder der politischen Zugehörigkeit
zerstören die Grundlagen der Menschheit
Alle Spaltungen in der Welt, Hass, Krieg und Blutvergiessen, werden durch das eine oder andere dieser Vorurteile hervorgerufen.
Die ganze Welt muss als ein einziges Land betrachtet werden, alle Völker als e i n Volk und alle Menschen als Angehörige e i n e r Rasse. Religionen, Rassen und Nationen sind alle nur Trennungen, die der Mensch gemacht hat, und nur in seinem Denken vorhanden. Vor Gott gibt es weder Perser, noch Araber, Franzosen oder Engländer, denn Gott ist ihrer aller Gott, und für Ihn gibt es nur e i n e Schöpfung. Wir müssen Gott gehorchen und danach streben, Ihm zu folgen, indem wir alle unsere Vorurteile hinwegtun und der Erde Frieden bringen.
Das sechste Prinzip Bahá'u'lláhs ist:
Gleiche Daseinsmöglichkeiten
Jedes menschliche Wesen hat das Recht zu leben, alle haben ein An-recht auf Ruhe und auf ein gewisses Mass von Wohlstand. Wenn ein Reicher auf seinem Schloss in Ueppigkeit und grösster Behaglichkeit zu leben vermag, so sollte auch der Arme so viel erhalten können, dass er leben kann. Niemand dürfte Hungers sterben, jeder müsste ausreichende Kleidung haben. Es dürfte keiner im Uebermass leben, während ande-re keine Daseinsmöglichkeit besitzen.
Lasst uns mit unserer ganzen Kraft versuchen, bessere Verhältnisse zu schaffen, so dass keine einzige Seele hilflos ist.
Das siebte Prinzip Bahá'u'lláhs ist:
Die Gleichstellung der Menschen - Gleichheit vor dem Gesetz
Das Gesetz muss herrschen und nicht der einzelne. Dadurch wird die Welt zu einer Stätte der Schönheit werden und wahre Bruderschaft zustande kommen. Wenn die Menschen Zusammengehörigkeitsgefühl erlangt haben, werden sie zur Wahrheit hingefunden haben.
Das achte Prinzip Bahá'u'lláhs ist:
Der Weltfrieden
Die Völker und Regierungen aller Länder müssen einen obersten Gerichtshof wählen, in dem Mitglieder der einzelnen Länder und Regierungen in Einigkeit tagen. Alle Streitfragen sollen vor dieses Gericht gebracht werden, dessen Aufgabe die Verhütung von Kriegen ist.
Das neunte Prinzip Bahá'u'lláhs lautet:
Dass sich die Religion
nicht mit politischen Fragen befassen sollte
Die Religion befasst sich mit geistigen Fragen, die Politik mit weltlichen Angelegenheiten. Die Religion hat es mit der Gedankenwelt zu tun, während das Gebiet der Politik zum Bereich der äusseren Gegebenheiten gehört.
Das zehnte Prinzip Bahá'u'lláhs ist:
Bildung und Erziehung der Frauen
Die Frauen sind mit den Männern auf Erden gleichberechtigt. Für die Religion und die Gemeinschaft stellen sie einen sehr wichtigen Bestandteil dar. Solange den Frauen die höchsten Möglichkeiten verschlossen bleiben, werden sie ausserstande sein, die Bedeutung zu erlangen, zu der sie fähig wären.
Das elfte Prinzip Bahá'u'lláhs bezieht sich auf
Die Macht des Heiligen Geistes,
durch den allein eine geistige Entfaltung möglich ist
Nur durch den Odem des Heiligen Geistes ist geistige Entfaltung möglich. Wie sehr die materielle Welt sich auch entwickeln und wie prächtig sie sich schmücken mag, so wird sie doch stets leblos bleiben, solange nicht die Seele in ihr ist; denn es ist die Seele, die dem Körper Leben gibt. Der Körper an sich hat keine wirkliche Bedeutung. Ohne die Segnungen des Heiligen Geistes hätte der stoffliche Körper keine Regung.
Das sind, ganz knapp erläutert, einige Grundsätze Bahá'u'lláhs.
In den Heiligen Schriften Bahá'u'lláh's heisst es:
"Die Zeit muss kommen, da die gebieterische Notwendigkeit für die Abhaltung einer ausgedehnten, allumfassenden Versammlung der Menschen weltweit erkannt wird. Die Herrscher und Könige der Erde müssen ihr unbedingt beiwohnen, an ihren Beratungen teil-nehmen und solche Mittel und Wege erörtern, die den Grund zum Grössten Weltfrieden unter den Menschen legen ..." (20)
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