Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03121.jsonl.gz/553

- Kein Top-Manager kann so viel Wert sein, wie er heute verdient.
- Die zweite Linie kann den Job eines Top-Managers genauso gut machen, wie die Nr. 1.
Wenn das stimmt, können Sie ohne Probleme der 1:12 Initiative zustimmen. Was aber, wenn diese zwei Behauptungen nicht stimmen? Youtube ist eine gute Sache, da kann man zurückblicken, was Leute gesagt haben und ich habe Ihnen so ein Beispiel von Steve Ballmer.
Steve Ballmer ist der erste Angestellte von Microsoft. Er war jahrelang die Nr. 2 hinter Bill Gates und hat einen hervorragenden Job gemacht. Als Bill Gates zurücktrat, übernahm Steve Ballmer das Ruder und lenkt seit da die Geschicke von Microsoft. Microsoft beschäftigt über 90'000 Mitarbeiter und ist der mit Abstand grösste Steuerzahler in Seattle. Von Microsoft hängen 100'000 Jobs von Zulieferern ab - auch in der Schweiz. Und Microsoft war lange Jahre das wertvollste Computer-Unternehmen der Welt.
2007 präsentierte Apple das iPhone und Steve Ballmer nahm im TV Stellung dazu.
Ein paar Auszüge:
- Er lachte über das iPhone. $500? Das ist das teuerste Telefon der Welt.
- Das iPhone ist für Geschäftsleute nutzlos, weil es keine Tastatur hat.
- Wir verkaufen Millionen von Millionen Telefone. Apple verkauft 0.
- Wir haben unsere eigene Strategie und ich bin sehr zuversichtlich.
Heute liegt der Marktanteil von Windows Phone bei 2.3%. Und noch schlimmer für Microsoft, weil sie auch den iPad Trend verschlafen haben (obwohl sie unter Bill Gates einmal führend waren), verliert Windows auch bei den Seitenaufrufen im Internet ständig an Markt. Als hauptverantwortlicher Manager hat Steve Ballmer versagt. Seine falsche Einschätzung kostete die Firma die Leaderposition und den Aktionären Milliarden. Darunter sind auch viele Pensionskassen.
Ja, mancher Manager ist nicht einmal den Lohn eines Lehrlings wert, wenn er Milliarden an den Börsen der Welt verzockt und der Staat im schlimmsten Fall die Firma retten muss. Gleichzeitig kann der richtige Managemententscheid für 100'000e von Menschen die Zukunft sichern, eine Region zum blühen bringen und Arbeitsplätze auf Jahre sichern. Steve Jobs war so einer, als er 2007 das iPhone präsentierte. Er hat gesehen, was die anderen Manager von Microsoft, Nokia, Motorola und Co. nicht sahen. Und er konnte seine Vision erfolgreich umsetzen.
Auf den Bauch zu hören, ist eine gute und wichtige Sache. Das hat Steve Jobs von Apple oft gemacht. Dem Bauch aber auch kritische Fragen zu stellen, ist die Aufgabe eines jeden guten Entscheiders. Hätte Steve Ballmer von Microsoft doch nochmals kritisch überlegt, ob das mit dem iPhone nicht doch eine gute Idee ist. Seine über 90'000 Mitarbeiter hätten es ihm bestimmt gedankt.
Auch wir als Wähler sind Entscheider. Wir sind quasi der versammelte Verwaltungsrat und legen die Weichen für die Zukunft unseres Landes fest.
Ich bin mir bewusst, es ist stossend, wenn eine UBS 2.5 Milliarden Verlust macht und sich 2.5 Milliarden Boni auszahlt. Es ist aber auch eine wichtige Frage, ob wir wegen der Fehler der UBS einen Radikalumbau der Schweiz zulassen. Ob in Zukunft die Chefinnen der Swatch und der EMS, die Chefs von Syngenta und Roche keinen Rahmen anbieten können, der die besten Manager der Welt in der Schweiz behält. Wollen wir jenen Firmen die Möglichkeiten einschränken, die Gewinne erwirtschaften, Steuern bezahlen und Jobs sicher. Geben wir uns in der Schweiz mit der zweiten, dritten oder gar vierten Reihe zufrieden. Es führt alles zur Frage: wollen wir Steve Ballmers an der Spitze oder Steve Jobs?
Und ja, Steve Jobs war ein hervorragender Manager, als Apple in der Krise steckte, arbeitete er für 1 Dollar im Jahr. Mit 1:12 ist das nicht mehr möglich, denn kein Familienvater kann von 12 Dollar im Jahr leben. Aber hat Steve Jobs gratis gearbeitet? Nein, als es mit der Firma aufwärts ging, war eingeschnappt, als ihm das Board keinen Flieger für 12 Millionen Dollar gab. Er fühlte, dass seine Arbeit nicht wertgeschätzt wird. Auch wenn er sich locker mit seinem Vermögen einen Flieger für den doppelten Betrag hätte leisten können. Apple musste ihm anschliessend ein weiteres happiges Aktienpaket geben.
Steve Jobs hatte jedes Anrecht viel Geld zu verdienen. Weil er Verantwortung vorlebte und seine Firma auf den Weg in eine goldene Zeit brachte. Auch unsere Manager müssen das deutliche Zeichen der Schweizer Wähler und Wählerinnen verstehen und entsprechend handeln. So wie es bis heute ging, kann es nicht weitergehen. Das funktioniert nicht mehr. Wenn eine Firma in der Krise steckt, kann niemand zig Millionen und mehr kassieren. Da sollte und muss der Verwaltungsrat einen Riegel schieben.
Gleichzeitig müssen aber auch wir Wähler uns unserer Verantwortung stellen. Die Geschichte der Unternehmen beweist seit Jahrzehnten, es macht einen grossen Unterschied, wer an der Spitze eines Unternehmens steht.
Nehmen wir ebenfalls unsere Verantwortung war und ermöglichen wir den Schweizer Unternehmen auch in Zukunft, die Besten der Besten hier zu behalten. Das sind nicht immer die, die den höchsten Lohn verlangen, aber es ist auch klar, das wird mit 1:12 nicht mehr möglich sein. Das schleckt keine Geiss weg. Und wenn Ihnen jemand etwas anderes erzählt und lachend behauptet, jeder kann einen Managerposten gut ausfüllen, seien Sie kritisch und fragen Sie hartnäckig nach. So wie ein Steve Jobs kritisch war und das bestehende immer in Frage stellte. Lassen Sie sich nicht vom eigenen Erfolg blenden, so wie es Steve Ballmer von Microsoft zuliess.
Uns geht es heute gut. So soll es uns auch morgen noch gut gehen. Wir sind in der Verantwortung, haben wir den Mut, nein zu 1:12 zu sagen.