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Nach einer anstrengenden Arbeitswoche empfinde ich es sehr entspannend, in einem Schwimmbad das Wasser zu geniessen. Sich etwas treiben lassen, dann wieder schwimmen und sich etwas anstrengen. Muskel bewegen und Verspannungen lösen. Und natürlich andere Menschen zu beobachten.
Durch laute, relativ schnelle Musik wurde ich aufmerksam auf eine Gruppe Frauen, welche sich in Wassergymnastik übte. Die Leiterin ein absoluter Hingucker; eine Männergruppe hätte sie vermutlich keinen Augenblick aus den Augen gelassen; jedes Zeichen von den Lippen abgelesen und alle Anweisungen genau abgeschaut … aber sie hatte eine Frauengruppe …
Diese konnte man in drei Kategorien einteilen: die unter vierzig, die über vierzig und die über siebzig.
Die Untervierzigdamen, es waren zwei, schwammen richtig gut. Ich wusste nicht, ob sie Synchronschwimmen übten oder Wassergymnastik; oder gar Synchronsprechen? Jedenfalls drehten sie ihre Runden, ohne die Leiterin eines Blicks zu würdigen. Aber gegenseitig liessen sie sich nicht aus den Augen und redeten ununterbrochen.
Die Übervierzigdamen hatten es da ganz anders: Sie waren eine Mehrheit. Sie versuchten zumindest, die Anweisungen der Leiterin zu befolgen; ablenken konnte nur der junge Bademeister in seinen kurzen Hosen oder das anschliessende Zusammenprallen mit der Nachbarin.
Bei manchen habe ich mich auch gefragt: Wird man ab vierzig generell bewegungsunfähig und verliert die Kontrolle über die eigenen Gliedmassen oder stellten sich diese Damen einfach unmöglich an? Haben Sie gewusst, dass es mindestens 12 verschiedene Varianten gibt, den linken Arm im Uhrzeigersinn kreisen zu lassen? In der Musik würde man dieses Verhalten wohl Free Jazz nennen; jeder spielt für sich, aber gleichzeitig mit den anderen …
Die Übersiebzigerdamen waren eine kleine Gruppe (manchmal befürchtete ich gar, dass nach der Wassergymnastik wieder eine fehlen würde …) Nicht der Bademeister lenkte sie ab und die Hauptsorge galt nicht den Bewegungsabläufen oder dem Blickkontakt mit der Leiterin … Es ging ums nackte Überleben! Die Damen rangen zuerst mit den Schwimmhilfen und dann nach Luft; immer wieder kippte eine von der Schaumstoffröhre und versuchte, nicht zu weit davongetrieben zu werden.
Wenn ich mir das recht überlege: die Übersiebzigerdamen haben sich viel aktiver bewegt als alle anderen – ich denke, die haben wirklich etwas für ihre Gesundheit getan!