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Frei nach Stefan Zweigs Text Maria Stuart erzählt Thomas Imbach nach eigenwilligen und auch persönlicheren Filmen wie Lenz oder Day is Done in dem Historienfilm Mary, Queen of Scots die Geschichte der unglücklichen schottischen Königin Mary, die Opfer der politischen Ränkespiele ihrer Zeit wurde. In prächtigen und manchmal sparsamen, doch ausnehmend präzise inszenierten Bildern (die Kamera führte Rainer Klausmann, der u. a. schon mit Werner Herzog oder Fatih Akin gearbeitet hat) entwickelt sich hier die bekannte historische Tragödie. Das Mädchen Mary wird nach Frankreich geschickt, wo sie bald schon mit dem etwas beschränkten, nämlich ganz auf Waffen und Jagd fixierten François II. verheiratet wird. Nach seinem frühen Tod, zurück in Schottland, wird Mary zum Spielball der verhärteten Fronten zwischen Katholiken und Protestanten; sie heiratet Lord Darnley, der sich als radikaler Hetzer gegen die Protestanten entpuppt, und verliebt sich in den Earl of Bothwell, mit dem sie eine zuerst heimliche Beziehung zu führen beginnt – bis Bothwell ihren Mann umbringen lässt und als ihr rechtmässiger Ehemann auftreten kann. Doch bald schon zieht sich die Schlinge des Schicksals zu. Um sich der gefährlichen Rivalin endlich entledigen zu können, bewirkt Elisabeth, dass Mary – nach bis dahin langer Gefangenschaft – geköpft wird.
Historische Frauenschicksale, basierend auf literarischen Vorlagen, filmisch aufbereitet, haben im Laufe der letzten ein bis zwei Jahrzehnte im Kino ihren festen Platz gewonnen; man denke nur etwa an die Elizabeth-Filme von Shekhar Kapur, Justin Chadwicks The Other Boleyn Girl, Taverniers La Princesse de Montpensier, Wuthering Heights-Interpretationen oder die zahlreichen Jane-Austen-Filme. Imbachs Fokus auf die historischen Einschränkungen, denen Frauen unterworfen waren, weist diesbezüglich keine besonders innovative Stossrichtung auf. Und auch manche visuelle Effekte oder besondere szenische Momente – beispielsweise die dramatische Enthüllung von Marys hellem Nacken bei feuerrotem Unterkleid vor ihrer Enthauptung – erinnern wie Zitate an eben diese jüngere Filmgeschichte. Ein Fest der Sinne ist Mary, Queen of Scots deshalb nicht weniger, angefangen bei der Farbstimmung von Landschaft oder Innenräumen über die Gestaltung der Kostüme und die Lichtinszenierung von Gesichtern bis hin zum Rhythmus der Montage und der üppigen Musik der russischen Erfolgskomponistin Sofia Gubaidulina. Dennoch spürt man angesichts der ganzen Perfektion nicht wirklich, warum sich Thomas Imbach dieses Stoffs angenommen hat. Eine gewisse besondere Eigenwilligkeit des Zugriffs zeigt aber die Figur des katholischen Puppenspielers Rizzio (Mehdi Debhi) auf – historisch verbürgt als Marys italienischer Privatsekretär –, der, von Darnley ermordet, mit seinen Puppen die von Gewissensbissen geplagte Mary selbst noch in ihren Träumen heimsucht.