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Elisabeth und Victor
BRIEF AUS DEN USA
Elisabeth begrüsst uns jeweils mit einem warmherzigen Lächeln. Sie wohnt zusammen mit ihrer Familie am Ende unserer Strasse in einem schmucken Backsteinhaus mit einem piekfeinen weissen Zaun. Elisabeth betonte bei unserem ersten Treffen, dass sie nicht aus Mexiko, sondern aus El Salvador stammt.Alanis, ihre Tochter mit leuchtenden Knopfaugen und einem dunkelbraunen Lockenkopf, lächelt mit ihrer Mutter um die Wette. Alanis spricht fliessend Englisch. Elisabeth’s Englisch ist mangelhaft. Das hindert sie aber nicht daran, ein Interesse an unserer Familie und meinen Schweizer Wurzeln zu zeigen. Wir sitzen jeweils an ihrem Küchentisch, während unsere Töchter mit Barbies spielen.
Bei unserem letzten Besuch bat sie mich, ihr mehr Englisch beizubringen. Sie würde mir als Gegenleistung mit meinen Spanischkenntnissen helfen. Elisabeth zog vor 14 Jahren aus Kalifornien nach Colorado. Die Verwandtschaft ihres Mannes lebt nach wie vor in Kalifornien. Sie würde gerne eine Stelle innerhalb des Schulsystems finden, ist sich aber bewusst, dass sie zuerst ihr Englisch aufbessern muss.
Über ihrem Küchentisch hängen schmucke Porzellanbilder mit bunten Häusern. Sie erzählte mir, dass sie regelmässig nach San Salvador reisen. Das Haus ihrer Schwiegermutter sei etwa zwei Stunden vom Flughafen entfernt und sieht genauso aus wie die bunten Häuschen auf den Bildern.
Ihr Ehemann Victor arbeitet sechs Tage in der Woche auf dem Bau. Er verlässt das Haus um fünf Uhr morgens und kommt erst um 19 Uhr abends heim.
Ein weiterer Bekannter, ebenfalls Victor genannt, stammt auch aus El Salvador. Auch er rackert sich für seine Familie ab und arbeitet zum Mindestlohn. Am Wochenende nimmt er verschiedene Handwerksarbeiten an, um seine Familie über Wasser zu halten. Victor Nummer zwei, welcher in den USA offiziell Miguel heisst, erzählt uns, dass die Situation in El Salvador unsicher sei. Er spricht von Gewalt, Drogenhandel und Korruption.
Er erzählt uns auch ansatzweise von seinem langen Marsch durch Guatemala und Mexiko und über die amerikanische Grenze. Und er erzählt uns auch von den Immigrantenströmen und wie alle versuchten, mit möglichst wenig Wasser in der Wüste zu überleben. Als Beweis, dass er nun legal in den USA lebt, zückt er stolz seine Arbeitsbewilligung und den Führerschein hervor.
Regula Grenier * Die Einsiedlerin Regula Grenier Flückiger (*1973) zügelte 2007 nach Denver im amerikanischen Bundesstaat Colorado, am Fusse der Rocky Mountains. Seit 2011 wohnt sie im Nachbarort Thornton. Dort kamen 2011 Sohn Cody Frederick und 2015 Tochter Stephanie Nova zur Welt.