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genwärtig ist die Katze [* 2] im europäischen Süden und Osten und im Morgenland viel beliebter als bei den germanischen Völkern. In Ägypten [* 3] genießt sie besonders große Achtung und wird in Kairo [* 4] auch öffentlich verpflegt. Sie wurde früh nach Amerika [* 5] verpflanzt, kam auch nach Australien [* 6] und ist auf Neuseeland verwildert. Erst vor 20 Jahren verbreitete sie sich am Amur. Sie hat sich durch die Zähmung viel weniger verändert als der Hund und läßt die Stammart immer noch deutlich erkennen.
Auch ihr Verhalten ist ein wesentlich andres als das des Hundes. Sie bewahrt stets eine gewisse Selbständigkeit, zeigt, auch wo sie wenig Pflege findet, mehr Anhänglichkeit an das Haus als an die Familie, entweicht selbst vollständig in den Wald und kehrt, obwohl stark verwildert, im Herbst zu demselben Haus zurück; vollständig verwildert sie nicht leicht. Sie ist stets reinlich und zierlich, geht gemessen und lautlos, bewegt sich aber auch in schnell fördernden Sätzen oder Sprüngen, wobei sie freilich von jedem Hund eingeholt wird.
Sie springt 2-3 m hoch, klettert sehr geschickt durch Einhäkeln ihrer Krallen und weiß, wenn sie fällt, stets den Boden mit den Füßen zuerst zu berühren. Wasser meidet sie, doch schwimmt sie im Notfall recht gut. Zum Schlaf legt sie sich zusammengerollt am liebsten auf Heu. Ihre an und für sich rauhe Stimme ist ungemein biegsam. Unter ihren Sinnen ist das Gehör [* 7] und Gefühl am schärfsten entwickelt. Sie besitzt großen Mut und bewährt ihn im Kampf mit den stärksten Hunden, sie ist aber auch rauflustig und balgt sich besonders mit andern Katzen [* 8] zur Nachtzeit.
Sie schmeichelt gern und läßt sich schmeicheln, sie befreundet sich auf das innigste mit ihrem Pfleger; aber sie ist nicht gutmütig wie der Hund und beißt und kratzt oft, wenn man es gar nicht vermutet. Sie paart sich Ende Februar oder Anfang März und Anfang Juni. Nach 55 Tagen wirft sie 5-6 blinde Junge, welche am neunten Tag sehen lernen. Die Alte hält die Jungen namentlich vor dem Kater möglichst lange verborgen und verteidigt sie mit größter Tapferkeit, zeigt aber, während sie säugt, großes Mitleid auch gegen andre Tiere, nimmt kleine Hunde, [* 9] Hasen, Ratten, Mäuse etc. als Pfleglinge an und widmet ihnen dieselbe Sorgfalt wie den eignen Jungen.
Sie zeigt überhaupt eine überraschende Mutterliebe und widmet sich den Jungen mit vollkommenster Hingebung. Die Hauptnahrung der Katze bilden Mäuse;
an Ratten wagt sich nicht jede, Spitzmäuse bleiben von ältern Katzen meist unbehelligt;
Eidechsen, [* 10] Schlangen, [* 11] Frösche [* 12] werden nur gelegentlich von der Katze gefressen;
sie fängt aber auch Vögel, [* 13] wagt sich an ziemlich große Hasen und legt sich sogar auf den Fischfang. Im Haus plündert sie den Speiseschrank.
Die Hauskatze hat wenig Spielarten, ihre Färbungen erben nicht fort und haben keinen zoologischen Wert. Die hellgrauen, mit schwarzen Fußballen und an den Hinterfüßen schwarzen Sohlen, heißen Cyperkatzen. Eine schöne Rasse ist die sogen. Angorakatze (F. domestica angorensis, s. Tafel), mit langem, seidenweichem, weißem, gelblichem oder gräulichem Haar, [* 14] auch bunt, mit fleischfarbenen Lippen und Sohlen. Sie gilt als faul, aber auch als besonders klug und anhänglich.
Über ihre Abstammung ist nichts Sicheres bekannt. Die Katze ist im ganzen denselben Krankheiten unterworfen wie der Hund. Relativ häufig kommt der infektiöse Katarrh der Kopfschleimhäute (Schnupfen) und die Krätze (Räude) vor. Leicht wird die Katze auch von dem Rotz des Pferdes und von der Tollwut des Hundes angesteckt. Außerdem ist dieselbe das Wohntier für einige parasitäre Bandwurmlarven (Blasenwürmer), durch welche aber keine erheblichen Störungen veranlaßt werden.
Von den sporadischen Krankheiten sind Darmkatarrhe nicht selten. Da der Katze die Medikamente nicht gut eingegeben werden können, so ist die Behandlung auf die diätetische Pflege zu beschränken. Am besten bewährt sich die Verabreichung von frischem, nahrhaftem Fleisch. Vegetabilische Nahrungsmittel, [* 15] welche leicht der Gärung verfallen, sind beim Darmkatarrh zu vermeiden. Vom Ungeziefer wird sie nicht sehr geplagt. Man benutzt von der Katze das Fell als Pelzwerk [* 16] und züchtet sie zu diesem Zweck an mehreren Orten; das weiße Fleisch ist zart und erinnert im Geschmack einigermaßen an Kalbfleisch. Früher benutzte man verschiedene Teile der Katze medizinisch.
Vgl. Michel, Das Buch der Katzen (Weim. 1876);
Martin, Das Leben der Hauskatze und ihrer Verwandten (2. Aufl., das. 1883).