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Jedermann weiß, daſs es genau derſelbe vokaliſche Laut iſt, welchen wir in Ställe und Stelle, Wälle und Welle das einemal mit ä, das andremal mit e bezeichnen. Und nicht immer iſt es für den Schreibenden ſo leicht und einfach ſeine Wal zu treffen wie in dieſen Beiſpielen, wo Stall und Wall den Dienſt eines Wegweiſers verſehn. Ob man z. B. Eltern oder Ältern, Ermel oder Ärmel, Seckel oder Säckel ſchreiben ſoll, iſt bis auf den heutigen Tag eine ungelöſte Streitfrage.
ä
ä, Ä, a-umlaut
- entstehung
- Unter bestimmten umständen gab es einen lautwandel, eine aufhellung von a zu e, z. b. bei der mehrzahl: althochdeutsch *gasti zu gesti (gäste).
- probleme
-
- Der lautwandel schlug sich in der schreibung nicht konsequent und nicht immer korrekt nieder. (Siehe zitat Lötzsch.)
- Unterschiedliche aussprache des grafems <e>: [vɛk] (weg = engl. away), [ve:k] (der weg = engl. way). Dieses problem stellt sich bei <o>/<ö> und bei <u>/<ü> nicht.
- Analog beim umgelauteten diftong: <eu>/<äu>.
- verweise
-
de.wikipedia.org/wiki/Ä
de.wikipedia.org/wiki/Umlaut
- leipziger plan von 1931
-
Vorschlag des leipziger lehrervereins, III. stufe: keinerlei stammsilbenschreibung mehr: statt ä nur noch e, statt äu nur noch oi — auch eu wird zu oi — ei wird zu ai
- neuregelung von 1996
- Ausdehnung der stammsilbenschreibung: bändel, stängel, überschwänglich (letzteres auch vorher bei der NZZ praktiziert).
Zitate
T. Kerkhoff, Die amtliche Rechtschreibung und eine deutsche Volksorthographie, 1929, s. 9
Neben e haben wir dann noch den Umlaut ä. Ich gebe von vornherein zu, dass ſich beide (e und ä) lautlich nicht immer decken, aber die Unterschiede ſind ſo gering, dass ſie in einer Volksorthographie keine Berückſichtigung finden ſollten. In vielen Fällen klingen ſie auch vollständig gleich: Felder, Wälder und Gelder ſind gute Reime, und verschiedene Wörter, die dem Herkommen gemäß ä haben ſollten, schreiben wir mit e: besser, Eltern, edel, Henne, behende, Stengel, Schelle u. a. So wäre es ſicher für die Geſamtheit der Kinder unſeres Volkes wünschenswert, den Buchstaben ä fallen zu lassen.
Dabei wird merkwürdigerweise überhaupt nicht thematisiert, daß die Begründer der angeblich historisch gewachsenen deutschen Rechtschreibung im 17. und 18. Jh. in einigen Fällen völlig willkürliche Festlegungen getroffen haben. So hat der Wortstamm Bär nie ein /a/ enthalten, während heutiges Beere mit gotischem -basi (bezeugt in weinabasi ›Weinbeere‹) verwandt ist, das ee geschriebene /e:/ also auf Umlaut zurückgeht.
Eine Problemzone erkenne ich in der Ausweitung der ä-Schreibung. Dort, wo Sprachgeschichte und Sprecherintuition am selben Strang und in die gleiche Richtung ziehen, hat die Reform Verbesserungen gebracht: überschwänglich gehört zu Überschwang, und auch die Orientierung von Gämse an Gams mag durchgehen.
Wolfgang Ullrich Wurzel, Neues Deutschland, 3. 11. 1995
Im Deutschen wird der kurze e-Laut teils als e, teils aber als ä geschrieben. Die e-Schreibungen überwiegen bei weitem, die ä-Schreibungen bilden die Ausnahmen. Entsprechend sollte die Schreibung zugunsten des e vereinheitlicht werden, wenn die betreffenden Wörter nicht von Wörtern mit einem a abgeleitet sind wie Bälle und Bällchen von Ball. Doch das Reformkonzept sieht gerade eine Ausdehnung der ä-Schreibung vor […]. So soll zum Beispiel statt Gemse künftig Gämse geschrieben werden, weil.es daneben ein oberdeutsches Wort Gams gibt, von dem Gemse aber gar nicht abgeleitet ist.
Klaus Bartels, Neue Zürcher Zeitung, 12. 2. 2020
Ursprünglich allerdings hat das Quentchen alias Quäntchen nichts mit dem lateinischen Quantum zu schaffen […]. Schade, dass der neue Duden diese falsche Fährte jetzt rot ausgeschildert und damit die richtige Fährte zu dem alten Quent vollends verwischt hat. Und geradeso schade, dass diese Flurbereinigung zwischen «e» und «ä» nun umgekehrt eine andere falsche Fährte hat bestehen lassen und nicht aus dem pedantischen Pädagogen einen bezüglich sprechenden pädantischen gemacht hat. Tatsächlich ist der Pedant ein naher Sprachverwandter […] des Pädagogen.