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Seit heute morgen gibt es drei Kronfavoriten für die goldene Palme. Hier erstmal die bisherigen:
«4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage» von Cristian Mungiu war der erste (siehe hier). Der zweite ist der Film von den amerikanischen Coen-Brüdern. «No Country for Old Men», kein Land für alte Männer, basiert auf dem Roman von Cormack Mc Carthy und erzählt von zähen Männern im heutigen Westen der USA. Tommy Lee Jones spielt einen alten Sheriff, Josh Brolin einen Vietnamveteranen, der neben einem Haufen toter Drogenkuriere in der Wüste einen Koffer mit zwei Millionen Dollar findet. Er nimmt ihn mit und schickt zur Sicherheit seine Frau erst mal zu ihrer Mutter.
«Wie lange muss ich weg? Was soll ich meiner Mutter denn sagen?» fragt sie. «Stell dich hin und rufe Mama Mama», sagt er: «Pack deine Sachen».
Die sprachliche Lakonie, der trockene Witz der Dialoge und die gelegentliche Brutalität des Films erinnern an den Coen Film «Fargo»; was damals im Schnee ablief, spielt jetzt in der Hitze von New Mexiko. Der Spanier Javier Bardem spielt einen jener irren Killer, die man bei den Coen-Brüdern lieben gelernt hat. Mit Vorliebe lässt er eine Münze via Kopf oder Zahl über Leben und Tod entscheiden und die Szene, in der ein Tankstellenwart sehr viel Glück hat, ist eines von vielen Kabinettstückchen in dem Film.
«No Country for Old Men» hat die Kritiker in zwei Lager gespalten. Den einen ist der Film, der einmal mehr die Gewalt als integralen Teil der amerikanischen Kultur begreift zu geschwätzig, während die anderen gerade die meisterliche Balance zwischen Dialog und Lakonie, Bildwitz, grandiosem Thrill und perfekter Cinematographie begeistert. Ich bekenne mich ganz klar zum begeisterten Lager. Mit «No Country for Old Men» haben die Coen-Brüder Stil perfektioniert, und gleichzeitig Neuland betreten.