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Der Bienenforscher Thomas D. Seeley untersucht in seinem neuesten Buch den Vorgang des Schwärmens und stellt fest, dass die Bienen ihre neue Wohnung durchaus demokratisch wählen. Die Königin spielt dabei keine Rolle, wohl aber erfahrene Sammlerinnen. Akribisch hat er über Jahre Bienenschwärme untersucht und Experimente konstruiert, dazu mehrere Sommer auf einer kleinen Insel im Atlantik verbracht, und in diesem Buch beschreibt er sehr detailliert, aber allgemein verständlich und mit Humor, was genau passiert vom Moment an, wenn der Schwarm den Bienenstock verlässt, bis er eine neue Wohnung gefunden hat.
Wenn Sammlerinnen ihren Nektar nur schlecht loswerden, weil sich die Stockbienen aufs Schwärmen vorbereiten, fangen sie an, statt Nektar und Pollen geeignete Wohnungen zu suchen, in der Natur meist hohle Bäume, bei Seeley auch immer wieder verschieden präparierte Kasten. Wenn sich der Bienenschwarm dann an einem Schwarmsammelplatz besammelt, teilen sie ihren Schwestern ihre Fundstellen mittels Schwänzeltanz mit und animieren so weitere Bienen, die potenziellen Wohnungen zu untersuchen.
Finden sich dann ca. 20 Bienen gleichzeitig an einer geeigneten Stelle ein, ändern sie ihr Verhalten und veranlassen die Schwarmbienen durch Tonsignale (wie das Quaken der jungen Königinnen) dazu, ihre Flugmuskulatur aufzuwärmen. Sind alle Bienen bereit, fliegen sie auf, und die Scouts zeigen durch schnelles Durchfliegen der Schwarmwolke, in welche Richtung sie fliegen wollen, bis sie endlich am neuen Ort angekommen sind.
Seeley zieht aus dem Verhalten der Bienen sogar Schlüsse, die es einer Gruppe von Menschen erlauben soll, bessere Entscheidungen zu fällen. Als echter Naturwissenschaftler hat er sie in seiner Rolle als Vorsteher eines Departements an der Cornell University in der Praxis getestet.
Ist dieses Buch ein Muss für den Schwarmimker? Praktische Anweisungen enthält es kaum, allenfalls findet man heraus, welche Bienenbehausungen die Bienen selber bevorzugen. Wer aber mehr über die faszinierende Welt der Bienen und die Mechanik eines Bienenschwarms herausfinden möchte, wird grosse Freude dran haben.
Mathias Schenker