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Wacholder - Juniperus communis
Juniperus communis; Wacholder (syn. Machandel, Kranewitt).
VORKOMMEN
Der Gemeine Wacholder ist das am weitesten verbreitete Nadelgehölz, zumindest wenn man die Unterarten bzw. Varietäten mit einbezieht. Das Verbreitungsgebiet des Gemeinen Wacholders erstreckt sich in der biogeographischen Region der Holarktis von Nordamerika über Südgrönland, Nordafrika, Europa, Vorderasien, Nordasien und Zentralasien bis nach Ostasien. Selbst in den nördlichsten Randgebieten Südasiens ist er anzutreffen und besiedelt mit seinen sieben Varietäten Lebensräume bis zu 4.050 m Höhe.
MERKMALE
Der Gemeine Wacholder wächst als aufrechter bis kriechender Strauch oder
kleiner Baum, der Höhen bis zu 12 Meter, maximal bis zu 18,5 Meter und
Stammdurchmesser von 0,9 Meter erreicht und ein tiefreichendes
Wurzelsystem ausbildet. Je nach Standort hat der Wacholder einen sehr unterschiedlichen Wuchs. Er kann bis zu 600 Jahre alt werden. Der Stamm
besitzt eine grau- bis rotbraune Borke. Der Wacholder bildet in der
Regel eine schmale kegelförmig bis ovale Krone. Die nadelförmigen
Blätter sitzen am Zweig mit einem Gelenk an. Die zu dritt in Quirlen
angeordneten Nadeln sind stechend spitz und 1 bis 2 Zentimeter lang.
Ihre Oberseite weisen helle Stomatastreifen und Wachsstreifen auf.
Männliche Exemplare kann man zur Blütezeit von April bis Juni gut an den gelblichen Blüten erkennen. Die Zapfen besitzen einen Stiel und werden im Herbst angelegt. Weibliche Blütenzapfen bestehen aus drei Zapfenschuppen.
Die Entwicklung zum reifen beerenförmigen Zapfen dauert 3 Jahre. Im ersten Jahr nach der Bestäubung ist der Zapfen noch grün, im dritten Jahr wird er schliesslich schwarzbraun, bläulich bereift (Wachsschicht). Die holzigen Samen sind 4 bis 5 mm gross mit knochenharter Schale.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
1. Juniperi aetheroleum (syn. Aetheroleum Juniperi, Oleum Iuniperi;
Wacholderbeeröl (syn. Ätherisches Wacholderöl, Wacholderöl), das aus den reifen Beerenzapfen durch Wasserdampfdestillation gewonnene ätherische Öl.
2. Juniperi fructus (syn. Baccae Juniperi, Drupae Juniperi, Fructus Juniperi); Wacholderbeeren (syn. Kaddigbeeren), die reifen, getrockneten Beerenzapfen.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
1. Juniperi aetheroleum
Hauptbestandteile des ätherischen Öls sind:
- Terpenkohlenwasserstoffe wie α-Pinen, β-Pinen, Myrcen, Sabinen, Thujen, Limonen.
- Sesquiterpenkohlenwasserstoffe wie β-Caryophyllen, Cadinen, α-Cadinol, Elemen.
- Terpenalkohole wie Terpinen-4-ol.
2. Juniperi fructus
In den Beerenzapfen 0.8 - 2.0 % ätherisches Öl (Zusammensetzung siehe Juniperi aetheroleum). Im Weiteren Catechingerbstoffe, wenig Flavonoide und Biflavone, Invertzucker, Leucoanthocyane und Diterpene.
Im Holz: Etwa 0.1 % ätherisches Öl, vorwiegend mit Sesquiterpenen wie Thujopsen (etwa 37 %), Cadinen und Tropolone (α- und β-Thujaplicin). Im Weiteren ungewöhnliche Diterpene wie Sugiol, und Xanthoperol; Lignane unter anderem Podophyllotoxin (siehe Maiapfel) und Savinin, Catechin-Gerbstoffe.
PHARMAKOLOGIE
Für die Wirksamkeit bestimmend ist der Terpenalkohol Terpinen-4-ol. Für diese Substanz wurde ein diuretischer Effekt festgestellt. Für den innerlichen Gebrauch sind Öle zu bevorzugen, die reich an Terpinen-4-ol sind und wenig nierenreizende Pinene enthalten.
ANWENDUNG
Anerkannte medizinische Anwendungen (Kommission E, für Wacholderbeeren):
- Wirkungen: Tierexperimentell ist eine vermehrte Harnausscheidung nachgewiesen sowie eine direkte Wirkung auf die Kontraktion der glatten Muskulatur.
- Anwendungsgebiete: Dyspeptische Beschwerden.
- Gegenanzeigen: Schwangerschaft und entzündliche Nierenerkrankungen.
- Nebenwirkungen: Bei langdauernder Anwendung oder bei Überdosierung können Nierenschäden auftreten.
- Wechselwirkungen: Keine bekannt.
- Dosierung: Soweit nicht anders verordnet: Tagesdosis: 2 g bis maximal 10 g der getrockneten Wacholderbeeren, entsprechend 20 bis 100 mg ätherisches Öl.
- Art der Anwendung: Ganze, gequetschte oder gepulverte Droge für Aufgüsse und Abkochungen, alkoholische Extrakte und weinige Auszüge.
Ätherisches Öl: Flüssige und feste Darreichungsformen ausschliesslich zur oralen Anwendung.
- Hinweis: Kombinationen mit anderen pflanzlichen Drogen in Blasen- und Nierentees und entsprechenden Zubereitungen können sinnvoll sein.
Die ESCOP schreibt: Verbesserung der renalen Wasserausscheidung und bei dyspeptischen Beschwerden inklusive Appetitlosigkeit.
Wacholderbeeren und Wacholderöl wurden vom HMPC als traditionelle pflanzliche Arzneimittel eingestuft.
Volksmedizinische Anwendung:
Wacholderbeeren und ihr ätherisches Öl werden zur Durchspülungstherapie bei Infekten der ableitenden Harnwege verwendet, auch bei rheumatischen Erkrankungen sowie als "Blutreinigungs- und Entfettungsmittel" werden Wacholderbeeren und Wacholderöl angewendet.
Für solche Anwendungen als Tee, Tropfen, Kräuterpulver unsw. werden Wacholderbeeren gerne Gemischt mit z.B. Anis, Tausendgüldenkraut, Fenchel, Gelber Enzian, Wermut, Kamille, Melisse, Fieberklee, Rosmarin und Baldrian.
Der hohe Zuckergehalt der Beerenzapfen ermöglicht eine Vergärung mit anschliessender Destillation für dir Herstellung von Wacholderschnäpsen (Steinhäger, Gin, Genever u.a.). Auch die Verwendung als Gewürz ist gebräuchlich.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Bei Fertigarzneimittel siehe Packungsbeilage.
Teebereitung: Etwa 2 g frisch gequetschte Wacholderbeeren werden mit einer Tasse kochendem Wasser übergossen und nach 10 Min. abgeseiht.
STATUS
- Kommission E: - positive Bewertung
- ESCOP: - positive Bewertung
- HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
HOMÖOPATHIE
1. Juniperus communis HAB1; Wachholder, die frischen, reifen Samenzapfen. Anwendungsgebiet: Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes.
2. Juniperus communis fructibus siccatis; die reifen, getrockneten Beerenzapfen. Anwendungsgebiet: anthroposophische Therapierichtung.
WACHOLDER IM GARTEN
Der Wacholder gedeiht gut auf trockenen kalkreichen Böden. Er liebt
einen hellen Standort in der Sonne. Die robusten Wacholdersträucher
benötigen keinen Winterschutz.
Wacholder wird von Gärtnereien meist als Ballenpflanze angeboten. Zur Pflanzung muss die ausgehobene Erde mit feuchtem Torf vermischt werden, nicht jedoch mit Kompost. Die Pflanzung des Wacholders empfiehlt sich im April.
Der Wacholder benötigt fast keine Pflege oder Düngung. Er verträgt auch längere Trockenperioden, jedoch keine Staunässe und muss nicht zusätzlich gedüngt werden. Selten wird der Wacholder von Birnengitterrost (Pilzkrankheit) befallen. Kleine Befallsstellen werden zurückgeschnitten, zusätzlich wird ein Fungizid verwendet.
Der robuste Wacholder ist gut schnittverträglich, so lässt er sich als Skulptur gut in Form bringen. Auch alte Exemplare lassen sich bis ins alte Holz zurückschneiden. Im Stadtgarten ist der Wacholder wegen seiner Resistenz gegen Luftverschmutzung sehr beliebt.
SONSTIGES
An den Weihnachtstagen wurden Zweige über die Stalltüren geheftet, um Druden und Hexen fernzuhalten. Der Gemeine Wacholder war der Baum des Jahres 2002.
Letzte Änderung: 03.02.2017 / © W. Arnold