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Teilprojekt 1: Die neurobiologischen, kognitiven und emotionalen Ursachen von Vertrauen (Leitung: Prof. Dr. Ernst Fehr)
Teilprojekt 1.1 /1.2 Jan B. Engelmann, PhDDie emotionalen und neurobiologischen Ursachen von Vertrauen
In diesen Teilprojekten sollen die neurobiologischen, kognitiven und emotionalen Grundlagen von Vertrauen mit Hilfe des Vertrauensspiels experimentell untersucht werden. Dieses Spiel ermöglicht es, anhand der Entscheidungen der Probanden, Vertrauen quantitativ zu messen. Um den Einfluss von Emotionen auf vertrauendes Verhalten zu erforschen, werden wir Emotionen direkt beeinflussen, z.B. durch die Präsentation von subliminalen affektiven Stimuli und andere, in der Psychologie häufig angewandte Emotionsinduktionstechniken. Wir erwarten, dass Emotionen, ausgelöst durch unsere experimentellen Manipulationen, das Vertrauensverhalten unserer Probanden beeinflussen werden. Neuronale Netzwerke, die an den durch Emotionen ausgelösten Verhaltenänderungen beteiligt sind, werden wir mit Hilfe der funktionellen Kernspintomographie erforschen. Insbesondere erwarten wir, dass subkortikale Areale wie die Amygdala und das dorsale Striatum an der Modulierung der Vertrauens-entscheidungen beteiligt sind.
Teilprojekt 1.3 Thomas Epper, PhD Die emotionalen und neurobiologischen Ursachen von Vertrauen
Dieses Teilprojekt untersucht die neurobiologischen und verhaltensbezogenen Grundlagen von Risikobereitschaft und Vertrauen in sozialen und nicht-sozialen Situationen. Mit Hilfe ökonomischer Experimente können individuelle Risikoneigungen (Interaktion mit Computer) und Vertrauen (Interaktion mit anderen Subjekten) quantifiziert werden. Um die Determinanten individuellen Verhaltens besser zu verstehen, sollen Emotionen direkt beeinflusst werden. Es wird beispielsweise erwartet, dass Individuen in angstvollen Situationen weniger Vertauen zeigen.
Teilprojekt 1.4 Thomas Epper, PhDDer kausale Effekt der Gesellschaft auf individuelles Vertrauen
In diesem Teilprojekt soll die Auswirkung gesellschaftlicher Interaktion auf individuelles Verhalten untersucht werden. Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Effekt von Gemeinschaftsstrukturen auf das Vertrauen und die Vertrauenswürdigkeit des Einzelnen. Zur Untersuchung dieser Fragestellung werden Mitglieder eines Onlineauktionshauses zur Teilnahme in einem Gemeinschaftsforum eingeladen. Eine Kontrollgruppe erhält diese Einladung nicht. Nach einiger Zeit wird ein Teil der beiden Gruppen an einem Vertrauensexperiment teilnehmen. Es wird erwartet, dass ein grösserer Anteil der ersten Gruppe in den Gemeinschaftsforen partizipiert und dieser aktive Austausch mit anderen Mitgliedern direkten positiven Einfluss auf das Vertrauen und die Vertrauenswürdigkeit dieser Subjekte haben wird.
Teilprojekte 3: Die Rolle von Vertrauen in Kreditbeziehungen und Bankensystemen im diachronen Vergleich (Leitung: Prof. Dr. Jakob Tanner)
Teilprojekt 3.1 lic. phil. Mischa Suter "Rechtstrieb": Schulden und Zwangsvollstreckung in der Schweiz des 19. Jahrhunderts
Das Dissertationsvorhaben leistet einen Beitrag zur Kulturgeschichte des Ökonomischen im 19. Jahrhundert, indem es den Wandel von rechtlichen Verfahren der Schuldbetreibung und des Konkurses, die zeitgenössisch "Rechtstrieb" genannt wurden, untersucht. Verschuldung und Insolvenz werden als soziale Beziehungen in den Blick genommen, und es wird gefragt, wie juristische Kategorien der Zwangsvollstreckung in Erfahrungen und Subjektivierungsweisen von GläubigerInnen und SchuldnerInnen eingingen. Damit werden die subjektive ebenso wie die gesellschaftliche Bedeutungsdimension von Verschuldung und Insolvenz im Zeitalter des liberalen Kapitalismus fokussiert.
Die Schweiz zwischen 1830 und 1870 ist ein hervorragendes Beispiel des ökonomischen und politischen Liberalismus. In dieser Periode wurden der moderne Rechtsstaat und ein liberaler Eigentumsbegriff akzentuiert. Diese Konzepte trafen aber – so die leitende Annahme des Projekts – auf Personen, deren Alltagswirtschaft aus hochgradig sozial eingebetteten Verhältnissen bestand. Das Zwangsvollstreckungs-
recht war ein Faktor in diesem bruchstückhaften, widersprüchlichen Wandel, wie auch ein Ausdruck dieses Wandels. Das Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs von 1889, welches die Vielzahl der kantonalen Zwangsvollstreckungsrechte aufhob, stabilisierte wirtschaftliche Tauschbeziehungen. Den Weg zu diesem Gesetz nachzuvollziehen, erfordert eine komplexe Genealogie. Das Dissertationsprojekt behandelt diese Vorgeschichte zum Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs, indem es das Recht mit seinen alltäglichen Gebrauchs- und Wirkungsweisen in Beziehung setzt. Rechtlicher Wandel wird demnach im Forschungsprojekt nicht als ein Vorgang zunehmender Rationalisierung oder Modernisierung aufgefasst, sondern als ein anhaltender Prozess sozialer Aushandlung und alltäglicher Vorgänge genommen. Es wird gezeigt, wie die Verfahren der Pfandbetreibung und des Konkurses Prozesse intensiver sozialer Klassifikation waren, in denen etwa die Einsperrung insolventer SchuldnerInnen oder der Verlust der Bürgerrechte männlicher Konkursiten besonders hervorstechende Momente bildeten, in denen ökonomische Evaluation und moralische Bewertung verbunden waren.
Die Gebrauchs- und Wirkungsweisen des Zwangsvollstreckungsrechts werden in verschiedenen sozioökonomischen Kontexten untersucht. Archivquellen aus dem landschaftlichen und protoindustriellen Kanton Zürich werden kontrastiert mit den merkantilen, urbanen Verhältnissen der Stadt Basel. Neben Verwaltungsschriftgut und Rechtstexten werden exemplarisch imaginative Literatur und Selbstzeugnisse in das heterogene Quellenkorpus einbezogen.
In seinen theoretischen Bezügen greift das Vorhaben auf die Kulturanthropologie von Schulden, Kredit und Wissen zurück, die seit den klassischen Beiträgen von Marcel Mauss eine facettenreiche Tradition theoretischer wie auch ethnographischer Reflexion zu diesem Problemkomplex aufweist. Methodisch sind Ansätze der Neuen Kulturgeschichte und der anthropology of law massgebend.
Teilprojekt 3.2 Dr. Barbara GrimpeDie Expansion von Mikrofinanzen aus den ökonomischen Nischen der Entwicklungszusammenarbeit der 1970er-Jahre in die heutige Wall Street Finance
Das Postdoc-Projekt untersucht auffällige diskursive und praktische Umschwünge im Mikrofinanzwesen von den 1970er-Jahren bis in die Gegenwart. Im Zentrum steht das Vordringen von Mikrofinanzen in die heutigen globalen Finanzmärkte, das sich in Expertendiskursen und in der Investitionspraxis seit wenigen Jahren abzeichnet. Dies ist ein bemerkenswerter Wandel: Mikrofinanzinstitutionen wurden in den 1970er-Jahren von vielen Experten gerade nicht als Banken, sondern als soziale Wohlfahrtsorganisationen angesehen; die Zielgruppen von Mikrofinanzen schienen gerade nicht formal kreditwürdig und die Kriterien der Kreditvergabe gerade nicht universell vergleichbar zu sein; so schien das Mikrofinanzwesen eben auch nicht global Rating-fähig zu sein. Das soziologisch und kulturanthropologisch ausgerichtete Projekt untersucht, inwieweit und wie genau Mikrofinanz-Investitionen dennoch den Rang marktfähiger Assets erlangen konnten, bzw. wie sich dieser Umdeutungsprozess gegenwärtig genau vollzieht. Wie ist es zu diesem hochgradig von Marktterminologie durchsetzten Diskurs und zur Investitionsbereitschaft globaler Geschäftsbanken gekommen? Welche ökonomischen Begriffe und Bewertungsverfahren, welche Konzepte von Geschlecht kamen und kommen dabei ins Spiel? Wie wird, wenn überhaupt, bei privaten Anlegern über grosse räumliche und kulturelle Distanzen hinweg Vertrauen in Mikrofinanz-Investitionen aufgebaut? Diesen und weiteren Fragen wird mittels Diskursanalyse und qualitativen Experteninterviews nachgegangen
Teilprojekte 4: Lebensformen und Grenzen unbedingten Vertrauens (Leitung: Prof. Dr. Ingolf U. Dalferth)
Teilprojekt 4.1 lic. theol. Andrea Lassak Grundloses Vertrauen. Eine theologische Studie zum Verhältnis von Grund- und Gottvertrauen
Dieses theologische Teilprojekt ist der Verhältnisbestimmung von Grenzphänomenen gewidmet. In den Fokus genommen werden das sog. ‚Grundvertrauen‘ und christliches Gottvertrauen. Den Ausgangspunkt dieser Problemstellung bildet Wolfhart Pannenbergs theologische Vertrauenskonzeption. Mit seinen anthropologischen Beiträgen war er es, der Erik H. Eriksons entwicklungspsychologische Studien zum Basic Trust als erster innerhalb der deutschsprachigen Theologie des 20. Jahrhunderts aufnahm und davon ausgehend ein prägnantes transformatives Verhältnis zwischen frühkindlichem ‚Grundvertrauen‘ und religiösem Gottvertrauen vorschlug.
Diese Dissertation setzt sich zunächst intensiv mit der Argumentation Pannenbergs auseinander. Sie sichtet aber auch vielfältige andere theologische Bezugnahmen auf ‚Grundvertrauen‘ und versucht letztlich eine eigenständige, von den erarbeiteten Einsichten geleitete alternative Bestimmung. Auf dem Weg dahin werden zudem verschiedene Modelle grundlegenden Vertrauens analysiert und hermeneutische Klärungen in dieses schillernde Phänomen zu bringen versucht
Teilprojekt 4.2 lic. theol. Marcel Egli Vertrauen und geschenkte Identität. Vertrauen in theologischer Perspektive im Anschluss an die Versöhnungslehre Karl Barths
Dieses Promotionsprojekt untersucht, wie das Phänomen Vertrauen im Rahmen eines strikt theologischen Wirklichkeitsverständnisses zu beschreiben ist. Exemplarisch wird dazu die Lehre von der Versöhnung, wie sie der reformierte Schweizer Theologe Karl Barth (1886–1968) im Rahmen seiner 'Kirchlichen Dogmatik' darstellt, nach Gesichtspunkten abgefragt, die der Beschreibung von Vertrauen dienen können. Die Untersuchung folgt der Annahme, dass sich Barths christologisch geprägte Theologie als konkrete Anthropologie interpretieren lässt. Das versöhnende Handeln Gottes ist dem Menschen durch Gottes Wort vermittelt, das keine zurechtweisende Fremdbestimmung, sondern eine Ermächtigung ist, sich im Hören dieses Wortes selber hinreichend bestimmen zu können. Von den dogmatischen Grundannahmen Barths hängen entscheidend seine theologisch-anthropologischen Folgerungen ab. Die Wechselbeziehung zwischen normativen Grundannahmen und praktischen Folgerungen ist – so versucht die geplante Studie zu zeigen – nicht nur für die Theologie von Relevanz, sondern für sämtliche explizit oder implizit mit dem Verständnis des Menschen beschäftigten Disziplinen. Am Beispiel des Vertrauensthemas leistet das Projekt einen Beitrag dazu, nachzudenken, eine wie geartete Beschreibung des Tuns und 'Da- und Soseins' des Menschen diesen nicht vereinnahmt, sondern sich lebenspraktisch bewährt.
Teilprojekt 4.3 M.A. Rel.wiss. Arnd BrandlZwischen Versöhnungsauftrag und Skandalen – Die Bemühungen der katholischen Kirche Nordirlands um Vertrauen
Jede Nachkonfliktgesellschaft sieht sich vor die Notwendigkeit gestellt, Frieden zu sichern, indem Versöhnung ermöglicht und Vertrauen zwischen den (ehemaligen) Gegnern aufgebaut wird. Häufig spielen religiöse Institutionen bei dieser Aufgabe eine wichtige Rolle. Diese Arbeit möchte einen Beitrag dazu leisten, die Grenzen und die Möglichkeiten dieser Aufgabe einschätzen und handhabbar machen zu können. Das unmittelbare Ziel dieser Arbeit ist ein dreifaches: Nach der Ausarbeitung eines begriffstheoretischen Gerüsts, das auch Hinweise zu Genese und Umsetzbarkeit von Vertrauen bereitstellt, soll die aktuelle gesellschaftliche Situation Nordirlands als Vertrauensproblem reformuliert und schliesslich die vertrauensbildenden Massnahmen eines bestimmten Akteurs, der Katholischen Kirche, hinsichtlich ihrer Chancen und Grenzen analysiert werden.
Teilprojekt 4.4 Dr. Johannes Corrodi KatzensteinVertrauen, Normativität, Orientierungswissen – Auf dem Weg zu einer Sozialontologie des Vertrauens
Dieses Teilprojekt stand vorwiegend im Zeichen der wissenschaftsphilosophischen Reflexion auf das Vertrauensthema. Sie wurde dazu benutzt, den spezifischen Ausgangspunkt des gewählten Denkansatzes, der sich an H. Dooyeweerd et al. orientiert, ins Gespräch mit ähnlich umfassenden Vertrauenskonzeptionen zu bringen. Die leitende Fragestellung, an der gearbeitet wurde, lässt sich folgendermassen auf den Punkt bringen: Wie gewinnen wir einen nicht-reduktiven, interdisziplinären Begriff von Vertrauen, ausgehend von der Annahme, dass sich Vertrauen einem fachwissenschaftlich-methodisch kontrollierten Zugriff immer analytisch-perspektivisch und nicht in seiner ungebrochenen, vortheoretischen Fülle erschliesst? Wie können wissenschaftlich-methodisch abstrahierte Aspekte von Vertrauen als interdisziplinär anschlussfähig gedacht werden anstatt sich gegenseitig auszuschliessen? Wenn unterschiedliche wissenschaftliche Fachdisziplinen ihren besonderen Gegenstandsbereich allein durch methodisch-systematische Ausblendung anderer wissenschaftlicher Zugänge zum selben Phänomen gewinnen, dann ergibt sich unweigerlich die Gefahr, dass die Begrifflichkeit einer bestimmten Disziplin mit „der Sache selbst“, d.h. mit dem „eigentlichen“ Vertrauen oder mit dem „Wesen“ von Vertrauen verwechselt wird. Die Frage stellt sich, inwiefern in den verschiedenen Wissenschaften oder Teildisziplinen einer Wissenschaft überhaupt dasselbe Phänomen untersucht oder von derselben Sache gesprochen wird, wenn der theoretische Rahmen der jeweiligen Disziplin die Identität des begrifflich-systematisch abstrahierten Gegenstandes diesen mitkonstituiert.
Das gezielte Verfolgen dieser Fragestellung hat sich für das Teilprojekt als sehr fruchtbar erwiesen. Gleichzeitig hat sich aber auch gezeigt, dass der offene Charakter des Projektthemas oftmals zu Verständigungsschwierigkeiten mit Vertretern und Vertreterinnen anderer Disziplinen führte. Ein Grund dafür scheint darin zu bestehen, dass Vertrauen einerseits allgemein-menschlichen Charakter hat, zugleich aber immer nur in partikularen und kulturspezifischen Beziehungs- und Handlungskontexten auftritt. Vertrauen ist zugleich universal und partikular, abstrakt und konkret. Somit stellt sich die Frage, wie wir beiden Dimensionen gerecht werden können. Oft geht die Spannung verloren, indem das konkrete Phänomen dem systematisch-theoretischen Begriff oder der Begriff dem Phänomen geopfert wird. Die einschlägige Literatur macht deutlich, wie gross die Versuchung ist, einen konkreten Vertrauenstypus (z.B. Ich-Du Vertrauen oder Kontraktvertrauen) zum grundlegenden Vertrauen oder zum vermeintlichen Vertrauen schlechthin zu stilisieren. Mit dieser Selektion einer begrenzten Vertrauenskonstellation geht aber unweigerlich auch die arbiträre Favorisierung einer bestimmten wissenschaftlichen Herangehensweise einher (z.B. geisteswissenschaftlich-hermeneutische vs. mathematisch-statistische Verfahren).
Im Gegensatz dazu wurde im vorliegenden Teilprojekt der Versuch unternommen, die Spannung anhand der ontologischen Unterscheidung von universalen „Strukturgesetzen“ von Vertrauen und konkreten Vertrauenssubjekten bzw. -objekten aufrechtzuerhalten. Auch wenn das Vertrauensthema in bestimmten lebenspraktischen Situationen und gesellschaftspolitischen Konstellationen besonders salient wird, erschöpft es sich doch keineswegs in den jeweils hervorgehobenen Kontexten. Zwar ist es so, dass ein Fokus auf den Bereich interpersonaler Beziehungen („Ich-Du“- Beziehungen) in grösserem Mass geeignet ist, Vertrauen und Misstrauen „fassbar“ werden zu lassen als etwa die Beschäftigung mit einem kollektiv-anonymen Vertrauen in religiöse Dogmen, wissenschaftliche Theorien oder strukturell-institutionelle Prozesse und Handlungsnormen in Politik und Wirtschaft. (Es sei denn, dass unser Vertrauen in solche Dogmen, Theorien und Prozesse durch ideologisch motivierte Fehlhaltungen oder gezielte Manipulationsversuche verantwortlicher Akteure aus der Bahn gerät und diese Dinge gerade dadurch ein affektives „Gesicht“ bekommen.) Dennoch ist in der vorliegenden Untersuchung deutlich geworden, dass Vertrauen in allen Lebensbereichen eine konstitutive Rolle spielt. Die sprachliche Unterscheidung zwischen Vertrauen und Vertrauenswürdigeit bzw. Sich-Verlassen-können hat sich in diesem Zusammenhang als von eher geringem Wert erwiesen, da die beiden Relata sachlich nicht unabhängig von einander thematisiert werden können.
Teilprojekte 5: Hermeneutik des Vertrauens (Leitung: Prof. Dr. Ingolf U. Dalferth)
Teilprojekt 5.1 Prof. Dr. I. U. Dalferth / PD Dr. Simon Peng-Keller Fiducia als ökumenische Quaestio disputata
Nach Martin Luther und Philipp Melanchthon erfüllt sich die fides in der fiducia. Glauben bedeutet, der göttlichen Verheissung zu vertrauen bzw. sich Gott anzuvertrauen. Aus dem Vertrauen in die Gegenwart des Heils, erwächst die Hoffnung auf die endgültige Befreiung: „Fides est fiducia praesentis promissionis, spes est expectatio futurae liberationis“. Das Konzil von Trient kritisierte an dieser Bestimmung die Gefahr, zu einem „eitlen Vertrauensglauben“ zu verleiten (DH 1533), und betonte den kognitiv-voluntativen Charakter des Glaubensaktes. Die konfessionelle Differenz in der Glaubensanalyse gehörte über Jahrhunderte zu den zentralen Streitpunkten lutherisch-katholischer Kontroverstheologie, der im Zusammenhang mit der Frage nach der Glaubensgewissheit auch im Vorfeld der Gemeinsamen Erklärung für Diskussionen sorgte. Das Teilprojekt „Glaube, Hoffnung, Vertrauen“ widmet sich auf diesem Hintergrund den folgenden Fragen: Kann der traditionelle Gegensatz inzwischen als gelöst betrachtet werden? Welche Punkte sind bleibend strittig? Wie ist das Verhältnis zwischen Glauben, Vertrauen und Hoffnung im Rahmen heutiger evangelischer oder katholischer Theologie zu bestimmen? Tragen Einsichten aus der aktuellen philosophischen, psychologischen und sozialwissenschaftlichen Beschäftigung mit Vertrauensphänomenen zur theologischen Klärung bei?
Teilprojekt 5.2 Prof. Dr. Ingolf U. Dalferth / PD Dr. Simon Peng-Keller / lic. phil. Petra Meibert Grundvertrauen verstehen
Der Begriff des ‚Grundvertrauens‘ gehört zu den populärsten und zugleich schwierigsten Konstrukten der Psychologie, Soziologie und Philosophie der Gegenwart. Analytisch und auch begriffsgeschichtlich lässt sich zwischen einem psychologischen, einem kommunikativen und einem existentiellen Grundvertrauen unterscheiden. Weder die Unterschiede zwischen diesen drei Dimensionen von Grundvertrauen noch die Beziehungen zwischen ihnen wurden in der bisherigen Forschung und hermeneutischen Reflexion ausreichend beachtet. Das vorliegende Projekt geht davon aus, dass durch eine hermeneutische Klärung bzw. eine empirische Überprüfung des Konstrukts ‚Grundvertrauen‘ eine bedeutsame Lücke in der bisherigen Vertrauensforschung geschlossen werden kann.
lic. phil. Petra Meibert Förderung von Grundvertrauen durch achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie bei Patienten mit Generalisierter Angststörung
Dieses Projekt ist als Beitrag zu dem Teilprojekt „Grundvertrauen verstehen“ konzipiert. Es verfolgt drei Ziele: 1. Das Hauptziel des Projektes ist es, die empirischen Grundlagen für das Konzept des Grundvertrauens zu erforschen. Dazu müssen zunächst Instrumente zur empirischen Erfassung von Grundvertrauen entwickelt werden. Die Entwicklung dieser Instrumente geschieht im interdisziplinären Gespräch mit Teilnehmern des SNF-Forschungsprojektes. 2. In einem zweiten Schritt soll in einer größeren randomisierten Studie die Wirksamkeit der Achtsamkeitsbasierten kognitiven Therapie (englisch Mindfulness-based cognitive therapy, MBCT) bei der Behandlung von Generalisierter Angststörung (GAS) untersucht werden. MBCT wurde vor allem deswegen gewählt, da aufgrund der therapeutischen Prinzipien dieses Ansatzes davon ausgegangen werden kann, dass neben Veränderungen auf der Symptomebene auch signifikante Veränderungen bezüglich des Grundvertrauens gefördert werden, die besonders im Rahmen der Behandlung der GAS von wichtiger Bedeutung sein dürften. 3. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen in einem dritten Schritt in der interdisziplinären Forschungsgruppe diskutiert werden. Inbesondere sollen sie mit den hermeneutischen Forschungsbeiträgen des Teilprojektes ‚Grundvertrauen verstehen‘ ins Gespräch gebracht werden.
Treilprojekt 5.3 Prof. Dr. Ingolf U. Dalferth / PD Dr. Simon Peng-Keller / Dr. Regula Gasser Kommunikation des Vertrauens in der Seelsorge und anderen professionellen Feldern
Das Projekt möchte erhellen, wie Vertrauen in spezifischen professionellen Beziehungen kommuniziert wird. Untersucht werden sollen fünf Berufsfelder, in denen der Aufbau und die Aufrechterhaltung von Vertrauen in je besonderer Weise von zentraler Bedeutung ist: Psychotherapie, Medizin, Pädagogik, Unternehmensführung und Seelsorge. Gefragt werden soll sowohl nach den Voraussetzungen und Faktoren gelingender Kommunikation des Vertrauens in den jeweiligen Bereichen als auch, im fächerübergreifenden Vergleich, nach Gemeinsamkeiten und bereichsspezifischen Differenzen und Eigengesetzlichkeiten. Ein besonderes Augenmerk soll dabei erstens auf die Dialektik von Vertrauen und Sicherheit(sverlangen) gelegt werden; zweitens auf das Verhältnis zwischen somatisch-symbolischer und verbaler Kommunikation; drittens auf die Rolle von metakommunikativen Sequenzen. In einer qualitativ-empirischen Studie wird untersucht, wie Vertrauen in der seelsorglichen Trauer-begleitung kommuniziert wird.