Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03482.jsonl.gz/1782

Seit einigen Wochen(Monaten?) sind Atomkraftwerke mithilfe der Kernspaltung wieder Salonfähig und es gibt Parteien, welche in diesen eine Lösung für die Energiekrise sehen. In der Schweiz ist die Atomkraft über Kernspaltung jedoch ein totes Pferd und kann keine Probleme lösen. Dies jedoch nicht aufgrund technischer oder sozialen Gründen.
Es ist nicht die Gesellschaft
Zumindest aus technischer Sicht hört es sich einfach an: AKW planen, bauen und anschliessen und schon ist die verfügbare Leistung um eine Zahl Megawattbereich gestiegen. Aber das Problem erkennt, wer den Zeitplan begutachtet: Im Median dauert das Bauen eines Nuklearreaktors 91 Monate pro Reaktor. Oder mit intuitiveren Einheiten: 7.58 Jahre pro Reaktor. Wenn also alle begeistert von einem neuen Reaktor wären und es somit keinen Widerstand gäbe, geht der also in etwa im Jahr 2030 ans Netz! Das heisst bis ins Jahr 2030 müsste das Netz aber ohne diese Leistung betrieben werden. Nur wie alle jeder Boulevardpresse entnehmen können, könnte die verfügbare elektrische Energie nicht einmal für den Winter 2022/2023 reichen. Wie die aktuelle Krise jedoch zeigt, können Gaskraftwerke dieses Problem auch nicht lösen. Und wie die aktuelle Krise zeigt, dürften auch alle anderen fossilen Brennstoffe nicht in Frage kommen, aufgrund von einer Abhängigkeit gegenüber anderen Ländern. Daraus resultiert, dass es nur noch wenige Energiequellen gibt, die die Anforderungen nach Unabhängigkeit erfüllen. Und dies sind:
- Wasserkraft
- Windkraft
- Photovoltaik
Wie lässt sich also genügend Energie gewinnen für alle, für diese acht Jahre? Die Lösung liegt auf der Hand: Es wird begonnen auf jedem Haus/Dach eine Photovoltaikanlage zu installieren. Die Umweltkommission des Ständerats beschloss, dass ab 2024 Naubauten mit einer Photovoltaikanlage ausgerüstet werden sollen. Aber wenn jedes Dach mit einer eigenen Solaranlage ausgerüstet ist, wird das Gross der benötigten Energie an Ort und Stelle produziert und verbraucht. Die Krise hat bereits die Nachfrage nach Solaranlagen massiv gesteigert und diese wird bleiben. Dies resultiert im folgenden:
- Die Nettonachfrage nach Strom von woanders wird verringert.
- Jedoch wird durch die Elektrifizierung auch mehr Strom verbraucht.
- Angebot und Nachfrage sind im Stromnetz nicht gleichzeitig im Grundsatz
Da Solaranlagen somit gebaut werden und je länger je mehr des Strombedarfs decken werden, werden die Anforderungen ans Stromnetz im Jahr 2030 eine andere sein als sie heute sind. Das Stromnetz wird nämlich mehr die Funktion einer Batterie/eines Stromspeichers haben und nicht mehr wie heute die Produktion und Belieferung der Kunden mit Strom.
Nur ein Stromspeicher muss geladen und entladen werden können. Dieses Kriterium erfüllt ein Atomkraftwerk nicht. Einige denken sich jetzt, aber die Photovoltaik alleine produziert nicht genügend Strom, es sei festzuhalten, dass es in der Schweiz noch einige klassische Staudämme gibt und einige Windkraftanlagen die sicherlich auch noch ein bisschen helfen. Ganz abgesehen, dass bereits bei einem Wirkungsgrad von 20% das Potential bei 45.6 TWh pro Jahr liegt. Mit einer verviereinhalbfachung des Wirkungsgrades, könnte man den gesamten Energiebedarf(Den gesamten Energiebedarf der Schweiz nicht nur den Strombedarf) decken! Aber es muss nicht alles in Form von Strom gewonnen werden, es reicht auch wenn ein Teil in Wärme oder so umgewandelt wird. Für das Speichern von Strom sind aktuell Pumpspeicherkraftwerke am geeignetsten.
Vielleicht doch ein bisschen…
Wie im vorherigen Kapitel gezeigt wäre ein AKW nicht vor 2030 am Netz, jedoch das Problem des Strommangels muss dann für 8 Jahre gelöst werden. Neue Solarpaneele haben zur Zeit eine Garantie von 25 Jahren, d.h. ihre Leistung beträgt mindestens 80% ihrer ursprünglichen Leistung nach 25 Jahren. Da nicht alle Solarpaneele gleichzeitig ersetzt werden, sondern wahrscheinlich noch viel länger verwendet werden und die später eingebauten Paneele einen höheren Wirkungsgrad haben, dürfte sich dies zu einem Selbstläufer entwickeln. Oder mit anderen Worten: Die Produktionsleistung ist monoton steigend.
Erst recht wird dem geneigten Leser jedoch klar, dass ein Atomkraftwerk keine Lösung ist, wenn die Gesellschaft einbezogen wird. Da es einige vehemente Gegner der Atomkraft in der Bevölkerung und dem Parlament gibt, wird der Prozess alleine zum kreieren der nötigen rechtlichen Grundlagen Jahre dauern. So sagt Herr Albert Rösti (SVP) gegenüber der NZZ, dass ein neues Werk frühestens 2040 in Betrieb gehe. Herr Roger Nordmann(SP) spricht im selben Artikel sogar vom Jahr 2060.
Mit einigen Gedanken und der Berücksichtigung, dass bis ins Jahr 2040 der Wirkungsgrad von Solarpaneelen wahrscheinlich massiv erhöht wurde und diese alte Paneele ersetzen(„Gratis Strom“ oder so), wird sofort klar, dass ein AKW dann gar nicht benötigt wird. Es darf nicht vergessen werden, dass das Netz sich bis dann auch an die oben skizzierten neuen Begebenheiten angepasst hat.
Fazit
Die Kernkraft ist tot und dies ohne die Berücksichtigung von irgendwelchen technischen Aspekten sondern alleine aufgrund der Bauzeit und die gesellschaftlichen Aspekte wirken hier nur verstärkend. Dies resultiert in einem nicht existierenden Bedarf nach einem Atomkraftwerk.