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Crashkurs zur Schweizerfahne
«Das Wappen der Eidgenossenschaft ist im roten Felde ein aufrechtes, freistehendes weisses Kreuz, dessen unter sich gleiche Arme je einen Sechstel länger als breit sind.» So steht es im Bundesbeschluss von 1889. In einer Erklärung hielt der Bundesrat dazu fest: «Wir haben uns […] an das alte Herkommene gehalten, wonach unser Wappenkreuz nicht eine mathematische Figur, sondern das christliche Kreuzsymbol […] darstellt.» Von der Form her ist das Schweizerkreuz ein griechisches Kreuz – auch als gekürztes oder gemeines Kreuz bekannt – und als solches eine Variante des lateinischen Kreuzes (auch Passionskreuz genannt), bei welchem der Längsbalken länger als der Querbalken ist. Die Schweizer Fahne zeigt folglich das Hauptsymbol des Christentums. Als leeres Kreuz weist es auf die Auferstehung Christi hin, im Unterschied zum Kruzifix, das an Christi Opfer erinnert.
Fahnen waren immer schon identitätsstiftende Erkennungs-, oft auch Siegeszeichen. Anlässlich der Schlacht bei Laupen im Jahr 1339 ist das weisse Kreuz erstmals bezeugt. Die Eidgenossen trugen das «Zeichen des heiligen Kreuzes», wie es in einem zeitgenössischen Bericht heisst, aufgenäht auf Brusthöhe. Noch ein wenig älter ist die Fahne der Schwyzer. Sie war anfänglich einfach rot, blutrot, und dürfte in Anlehnung an die Blutfahne des Heiligen Römischen Reiches gehalten worden sein, da Kaiser Friedrich II. den Schwyzern bereits 1240 die Blutgerichtsbarkeit, also das Recht zu Bestrafungen, bei denen Blut floss, zugestand.
Das menschliche Auge reagiert auf die Farbe Rot besonders empfindlich. Ihr eignet einerseits Warn- und Signalcharakter, anderseits zählt sie zu den warmen Farben, die beim Betrachter angenehme Gefühle auslösen. So wie «Blut ein ganz besondrer Saft ist» (Mephisto), so ist Rot eine ganz besondere Farbe, erst recht in Kombination mit Weiss, der Farbe der Unschuld und der Reinheit. Die beiden Farben harmonieren und kontrastieren zugleich, ob bei Schneewittchen oder beim Propheten, durch den Gott sein Volk wissen lässt: «Wenn eure Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiss werden.» Weiss auf rot als Kennzeichen für den, der unschuldig gekreuzigt wurde, uns aber durch sein «teures Blut gemacht vor Gott gerecht und gut», wie es in einem alten Kirchenlied heisst.
Im Mittelalter war das weisse Kreuz auf den Feldzeichen der Eidgenossen noch durchgehend und die sich daraus ergebenden vier Felder unterschiedlich gemustert, in späteren Jahrhunderten häufig geflammt. Nur zur Zeit der Helvetik verschwand das Schweizerkreuz kurzzeitig. In Anlehnung an die französische Tricolore beschloss das helvetische Direktorium 1799 die Einführung einer Grün-Rot-Gelben-Fahne. Doch bereits vier Jahre später fand der revolutionäre Spuk wieder ein Ende. Im 19. Jahrhundert war es dann vor allem General Dufour, der sich für eine eidgenössisch verbindliche Fahne einsetzte. Neben der Flagge des Vatikanstaates ist die Schweizerfahne die einzige quadratische Nationalflagge der Welt. Sie ist zudem symmetrisch und kann deshalb im Unterschied zu anderen Fahnen unmöglich verkehrt gehisst werden.
Pfr. Claudio Jegher, Interlaken