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Ich habe mich in letzter Zeit etwas mit Advanced Analytics beschäftigt. Ich bin sicher noch kein Experte auf dem Gebiet, finde das Konzept aber sehr spannend und denke, dass es durchaus spannende Aspekte hervor bringt, die dem blossen Auge verschlossen blieben.
Tyler Dellow hat auf seinem Blog (http://www.mc79hockey.com) vor Kurzem eine Analyse zu diversen Verteidigern durchgeführt, um zu messen, wie stark sie zum Erfolg und Puckbesitz ihres eigenen Teams beitragen. Er hat dabei als Messgrössen die Corsi% des Teams gemessen und dann verglichen, ob mit dem entsprechenden Verteidiger auf dem Eis grundsätzlich das Spiel in die offensive Richtung geht oder das Team Schüsse kassiert. Als Basis dafür hat er jeweils die Daten bei 5 gegen 5 Spielern verglichen.
Wer mit dem Konzept nicht vertaut ist: Corsi misst alle Schüsse, welche Richtung Tor abgegeben werden. Dazu zählen: Schüsse aufs Tor, geblockte Schüsse, Schüsse neben das Tor, Schüsse an Pfosten/Latte. Stellt man diese Statistik für beide Teams gegenüber, erhält man die Corsi%.
Dazu gibt es noch CorsiRel. CorsiRel misst, wie der Einfluss eines jeweiligen Spielers auf das Team Corsi ist. Also wie stark er sich vom Team unterscheidet. Hat ein Team ein Corsi% von 46% und der Spieler von 49%, heisst das, dass das Team mit diesem Spieler auf dem Eis grundsätzlich mehr Schüsse aufs andere Tor abgibt, als wenn er nicht auf dem Eis ist.
The question is then this: how do we do any evaluation of a defenceman by way of Corsi%? We know that it’s fraught with problems. Most obviously, some guys play on good teams and some guys don’t play on good teams. I’ve suspected for a long time that the league, as a whole, doesn’t do a very good job of dealing with defencemen who play on bad teams unless it’s painfully obvious that they’re really good but being held back. Even then, these guys tend to get tagged as being problems.
The intuitive way to go about doing this is to look at CorsiRel, which looks at how a player’s team does with and without him on the ice. When I write about guys like Tom Gilbert and Anton Stralman, the basic premise of my argument is pretty much always that they seem to make things better when they’re on the ice. Players like that should be players that you want because they make your team better.
http://www.mc79hockey.com/2014/05/evaluating-defencemen-with-corsirel/
Diese Statistik hilft letztlich, den Puckbesitz in einem Hockeyspiel zu eruieren. Um Schüsse aufs Tor abzugeben, bedingt dies, dass man schon mal den Puck hat. Wer den Puck öfter hat, schiesst auch öfter aufs andere Tor.
Tyler Dellow hat dazu eine Serie von mehreren Posts geführt, welche hier, hier, hier und hier alle nachzulesen sind. Darin zeigt er anhand von Grafiken aus, welche Verteidiger den Puck vom eigenen Drittel/Tor fernhalten und welche eher Schwachstellen sind. In seinen Posts fehlt leider die Berücksichtigung der Schweizer, weshalb mich dies veranlasst hat, diese nun selbst zu untersuchen und hier zu posten. Nachfolgend die Grafiken. Die blaue Linie zeigt jeweils, wie das Team performt. Die rote Zeigt das CorsiRel des Spielers an. Liegt die rote Linie über der blauen, heisst das, dass das Team mit diesem Spieler mehr Schüsse („driving the play“) abgibgt und eine höhere Puck-Possession aufweist.
X-Achse = Spielzeit
Y-Achse = Corsi% bzw. CorsiRel
Bei Mark Streit zeigt sich, dass er sich im Schnitt seines Teams befindet. Unabhängig davon, ob nun in Montreal, bei den Islanders oder nun in Philadelphia: Streit ist in Einklang mit dem Team. Das positive daran: Er fügt dem Team keinen Schaden zu. Das negative: Philly bezahlt ihm 21 Mio (4 Jahre), damit er kein offensichtlicher Difference-Maker ist. Ist ja aber auch nicht so schlimm, schliesslich verusacht Andrew MacDonald 30 Mio Fehler.
Das Jahr 2009-10 war jenes, in welchem Streit aufgrund einer Schulterverletzung kein einziges Spiel bestritt. Interessanterweise stieg das Corsi der Islanders sogar ohne ihren designierten No. 1 Verteidiger sogar leicht an.
Oops! Das dachte ich in etwa, als ich diese Auswertung sah.
Mit Sbisa auf dem Eis kann man sich darauf einstellen, dass das Spiel in der eigenen Zone statt findet. Sein CorsiRel ist in jedem Jahr seit seiner Rookie-Season negativ. Einzige Ausnahme ist die Spielzeit 2011-12. Da erreichte er genau eine 0.
Auf Josi war ich sehr gespannt. Wird er allgemein ja sehr gelobt als Zweiweg-Verteidiger, welcher grosse Schritte vorwärts macht. Den Fortschritt sieht man in dieser Grafik auch sehr deutlich. Die Lernkurve steigt an und dieses Jahr lag er leicht über dem Team. Hier bin ich sehr gespannt, ob er die aufsteigende Tendenz in die Saison 2014-15 weiterführen kann.
Wie bei Josi stehen auch hier erst wenige Daten zur Verfügung. Die ersten zwei Jahre war er klar einer der Schwachpunkte in Montreal. Im dritten NHL-Jahr hat er insgesamt ein höheres Rating erreicht. Allerdings ist die Statistik bei ihm etwas verfälscht: 3 Teams, 3 Coaches, das lässt sich schwer einteilen, wie gut er nun wirklich ist. Betrachtet man seine drei Stationen, erreichte er allerdings durchwegs ein positives Rating.
Diaz ist nun UFA und daher bin ich sehr gespannt, wie er sich in einem neuen Team einbringt. In Montreal war er bei 5vs5 klar kein Difference-Maker und wurde dann wohl auch deshalb getauscht, da mit Subban und Markov zwei Leute fürs Powerplay gesetzt waren und man für Diaz wenig Verwendung sah. Spannend hingegen der Trade weg aus Vancouver. Diaz hatte nach den 6 Spielen das beste CorsiRel aller Spieler Es ist allerdings auch zu erwähnen, dass 58.3% seiner Shifts in der offensiven Zone begonnen haben. Da gelingt es über eine kurze Dauer durchaus ein positives CorsiRel zu erreichen.
Weber ist wohl der interessanteste Case aller Schweizer Verteidiger. In seinen ersten Jahren hatte er ein positives CorsiRel, danach brach er komplett ein und ist ein Schwachpunkt in seinen Teams. Zumindest die Zahlen aus den Jahren 2008-09 und 2009-10 sind mit sehr grosser Vorsicht zu geniessen. Wie bei Diaz‘ Canucks-Abenteuer fehlt hier eine aussagekräftige Anzahl Spiele. Weber bestritt in den zwei Saisons zusammen gerade mal 8 NHL-Spiele für Montreal. Ebenfalls ist auch 2012-13 sehr verfälscht, weil Weber da nur 6 Spiele bestritt.
Mich nahm aber dennoch Wunder, woher dieses spezielle Bild bei Weber kam und habe ein paar Daten rausgesucht:
Hier sieht man, wie Weber über die Jahre immer schwierigere Assignemts erhalten hat. Die Qualität seiner Gegner nahm also zu. QualComp +/- vergleicht dabei Webers +/- mit derjenigen seiner Gegner. CorsiRel QoC vergleicht Weber mit dem CorsiRel-Rating seiner direkten Gegner auf dem Eis (QoC oder QualComp = Quality of Competition). Ebebfalls habe ich hinzugefügt, wie viele seiner Shifts in der offensiven Zone begonnen und wie viele in der offensiven Zone endeten.
Am spannendsten ist die Betrachtung der Saisons 2010-11 und 2011-12. Hier haben wir zweimal das gleiche Team und eine angemessene Anzahl Spiele. Auch die Stärke der Gegner ist in etwa gleich und die offensiven Starts/Finishes weichen nicht sehr stark voneinander ab. Was wir oberflächlich sicher mal sagen können: Am 17.12.2011 wurde Jacques Martin als Coach entlassen und durch Randy Cunneyworth ersetzt.
Ich habe daher mal untersucht, was wohl weitere Gründe sein könnten: 2010-11 spielte Weber am meisten mit Jaroslav Spacek (168:51 Minuten) und Alexandre Picard (164:24 Minuten) zusammen. Spacek hatte ein Corsi von 51.3 (CorsiRel -0.3), Picard eines von 58.4 (CorsiRel +6.8). Hier kann also der Schluss gezogen werden, dass Picard sicher geholfen hat, Webers Corsi etwas nach oben zu pushen.
Betrachten wir die Saison 2011-12, sehen wir, dass Weber mit folgenden Leuten am häufigsten auf dem Eis war: Alexei Emelin (156:43), Hal Gill (137:35), Spacek (107:22). Spacek hatte über die ganze Saison ein CorsiRel von +2.3. Emelin war über das ganze Jahr -0.8 und Gill -2.9. Hier ist anzunehmen, dass Spaeck und Weber getrennt wurden, als Cunneyworth als Coach angestellt wurde. Die Trennung war allerdings zu Recht, da die beiden als Paar ein Corsi von 45.0 erreichten und somit 4 Punkte hinter dem Wert der ganzen Saison lagen. Danach mit Emelin und Gill konnte Weber den Wert allerdings auch nie mehr korrigieren.
Was bei Webers Vancouver Saison auch ins Auge sticht: Er hatte noch nie derart starke Gegner wie in diesem Jahr. Allerdings hatten unter den Verteidigern der Canucks trotzdem nur Alberts und Corrado noch schwächere Gegner. Was dies aufzeigt ist, dass Weber in seiner Zeit bei Montreal von seinen Coaches jeweils extrem stark isoliert wurde und ihm möglichst wenig starke Gegner zugemutet wurden. Auch in Vancouver wurde er noch sehr isoliert, hatte aber anscheinend öfter Shifts gegen die gegnerischen Topspieler.
Fazit:
Unter dem Strich kann gesagt werden, dass die Schweizer Verteidiger defensiv keine Bank sind sich Coaches daher teilweise zu Recht hüten, diese Spieler in engen Spiele am Ende noch einzusetzen oder 5vs5 gegen die gegnerischen Top-Lines Head-To-Head laufen zu lassen.
Streit besticht durch seine Konstanz und fällt gegenüber dem Team nicht ab, Josi ist sicher im Aufwind und seine Lernkurve bestätigt. Ansonsten würde ich mich als GM am 1. Juli allerdings hüten, viel Geld für einen Schweizer Verteidiger in die Hand zu nehmen.