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Hugo Ball war Wortführer jener jungen Künstler und Literaten, die beim Wirt des Restaurants Meierei nachfragten, ob sie den seiner Holländischen Weinstube angegliederten Saal als «Sammelpunkt künstlerischer Unterhaltung und geistigen Austauschs» nutzen könnten. Sie sahen ihre Bühne als Gegengewicht zu den Amüsieretablissements, die in Hochkonjunktur standen. Das Lokal war den Dadaisten durch Zürichs erstes literarisches Cabaret, Pantagruel, bekannt, das ebenfalls hier eingemietet war. Für den Auftakt überliess der erprobte Bühnen- und Theatermann Ball nichts dem Zufall und rührte mit Pressemitteilungen, Plakat, Einladungskarten und persönlichen Briefen die Werbetrommel. Die dadurch entstandenen Unkosten sollte die Garderobengebühr von 50 Rappen decken.
Die von Ball an seine in Rheinland Pfalz wohnhafte Schwester Maria Hildebrand-Ball persönlich adressierte Einladungskarte wurde vermutlich nie abgeschickt, jedenfalls nahm seine Lieblingsschwester nicht an der Eröffnung teil. Zeichnung und Gestaltung der Karte stammen von Karl Schlegel, der auch für die Ausstellung im Cabaret Voltaire Beiträge zur Verfügung stellte. Die drei modernen Frauen könnten dem Dada-Publikum entstammen, wie es in der Presse beschrieben wurde, «Frauen in stramm anliegenden Kleidern mit kurzgeschnittenen Haaren und männlichen Zügen» (Zürcher Morgenzeitung). Schlegel gehörte zu einem kleinen Kreis von ortsansässigen Künstlern, die nur kurz und am Rande dem Mouvement Dada angehörten. Der Schriftsteller und Cabaret-Gast Klabund reimte: «Ein deutscher Dichter seufzt französisch. / Rumänisch klingt an siamesisch. / Es blüht die Kunst Hallelujah. / ‘s war auch schon mal ein Schweizer da.» Ball hatte Beziehungen zu den heterogensten Gruppierungen und hoffte «gerade dadurch etwas zu erreichen». Seine Kritik, dass die Schweizer zu bedächtig fürs Cabaret seien, galt wohl analog auch für einige Künstler. Jedenfalls nahm Schlegels Laufbahn eine ebenso spezielle Wende wie die des im Dada-Kreis engagierten Schweizer Komponisten und Pianisten Hans Heusser: Heusser ging als preisgekrönter Komponist von Marschmusik in die Geschichte ein, Schlegel als wichtiger Designer des Grossverteilers Migros.
Auflage: unbekannt. Festes graues Papier. Vorderseite: Die handschriftlichen Eintragungen in Tinte stammen von Hugo Ball. Rückseite: In Tinte datiert «8. II. 1916». Provenienz: Geschenk der Erben von Peter Schifferli, Zürich, 1984.