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Projektmanagement-Standards sind wie Werkzeugkästen, die uns helfen sollen, unsere Ziele mit einer gewohnten Auswahl an Werkzeugen (Tools) möglichst optimal zu erreichen.
Indem wir diese Werkzeuge regelmässig anwenden und stetig verbessern, werden die Resultate mit der Zeit immer besser.
International anerkannt sind drei Standards, die sich vor allem in der Herangehensweise und in Art und Umfang der geforderten Kompetenzen unterscheiden.
Der Standard des Project Management Institute (PMI®), der Standard der International Project Management Association (IPMA), sowie PRINCE2® des englischen Cabinet Office of Government Commerce.
Alle drei Organisationen haben sich an der Entwicklung des Projektmanagement-ISO-Standards 21.500 beteiligt, welcher 2012 eingeführt wurde. Dieser ISO-Standard bietet ein Vorgehensmodell, das unabhängig von der vorhandenen Zertifizierung eingesetzt werden kann und das sich auch in den Strukturplänen der drei massgeblichen Standards wiederfindet.
PMI: Prozessorientierung im Vordergrund
Die Grundlage für die verschiedenen PMI-Zertifizierungsstufen ist der PMBOK Guide (A Guide to the Project Management Body of Knowledge). Darin beschrieben sind Input, Output, Werkzeuge und Verfahren für 47 Prozesse in einer Matrix von fünf Prozessgruppen und zehn Wissensgebieten.
Diese gelten für jedes Projekt, unabhängig davon, wo auf der Welt und in welcher Branche es stattfinden. Ein Projekt wird dabei nicht als in sich abgeschlossen gesehen, sondern in Beziehung zur Umwelt gesetzt, vom Lieferanten über die Mitarbeitenden bis hin zu den Eigentümern eines Unternehmens.
PMI ermöglicht es Projektmitarbeitern, ein unbekanntes Projekt in einzelne Prozesse und Wissensgebiete aufzulösen, die jedem bekannt sind und die zu jedem Projekt gehören, vom Zeitmanagement über das Kostenmanagement bis hin zum Risikomanagement oder der Einsatzplanung. Das nimmt die Angst vor dem Unbekannten und erleichtert den Einstieg.
Im Vordergrund steht dabei stets der Prozess und das praxisorientierte Wissen, das ein Mitarbeiter braucht, um ihn durchführen zu können.
IPMA: Handlungskompetenzen statt Vorgehensmodell
Der IPMA-Standard soll eine individuellere Herangehensweise an Projekte ermöglichen, indem er kein Vorgehensmodell festlegt. Man geht davon aus, dass es sowohl nationale Unterschiede als auch branchenspezifische Vorgehensweisen in Projekten gibt und Unternehmen daraus einen Wettbewerbsvorteil generieren können, indem sie individuelle Vorgehensweisen entwickeln.
Im massgeblichen Regelwerk, der IPMA Competence Baseline 3.0, sind 46 Kompetenzelemente in den drei Kompetenzfeldern „Technische Kompetenz“, „Verhaltenskompetenz“ und „Kontextabhängige Kompetenz“ definiert, die das notwendige Können beschreiben, aber kein an einen Prozess gebundenes Tun vorgeben.
Es gibt 4 Zertifizierungs-Stufen, wobei die Anforderungen an die jeweils nächsthöheren Stufen mit mehrjähriger praktischer Tätigkeit, ausführlichen Berichten und Experten-Interviews belegt werden müssen.
Die Projektleiter sollen sich auf Basis ihrer theoretischen Kompetenzen und einer Analyse des Umfelds und der Stakeholder in eine Situation hineindenken können und für eine Vorgehensweise entscheiden. Eine wichtige Rolle spielen Soft Skills wie Führungskompetenzen, Kommunikation und Konfliktbearbeitung.
Aus meiner Sicht eignet sich der IPMA-Standard am besten für Projekte, welche ausserhalb der IT/Technik-Branche stattfinden, da er eine gute Portion Flexibilität zulässt.
PRINCE2: Kombination von Methoden- und Führungskompetenzen
Der aus England stammende PRINCE2-Standard (Projects in Controlled Environments) kombiniert Methoden- und Führungskompetenzen. Ursprünglich als Vorgehensmodell für IT-Projekte und zur Überwachung öffentlicher Projekte gedacht, gilt die Methode heute branchenübergreifend als anerkannter Einstieg ins Projektmanagement und als gut kombinierbar mit dem PMI– oder IPMA-Standard.
Die Rahmenstruktur von PRINCE2 erfasst alle internen und externen Projektbeteiligten und hat mit konkreten Handlungsempfehlungen für das Management, die Sicherung und die Lenkung von Projekten einen hohen Praxisbezug. Im Vordergrund steht die angemessene und flexible Anwendung auf das jeweilige Projektumfeld.
PRINCE2 ist eine produktbasierte Planungstechnik, das heisst, sämtliche im Rahmen eines Projekts zu erstellenden Dokumente oder Meilensteine werden als Produkt bezeichnet. Gleich zu Beginn eines Projektes werden messbare Merkmale und Kriterien definiert und damit der Projektablauf laufend verbessert.
Neuere Ansätze: Scrum und Co.
Neben den erwähnten 3 klassischen Projektmanagement-Standards haben sich in letzter Zeit immer mehr neuere Ansätze herausgebildet wie beispielsweise Scrum. Diese oft als „Agiles Projektmanagement“ bezeichneten Ansätze wollen die Flexibilität im Projektmanagement erhöhen.
Fazit
Aus meiner Sicht müssen sich die angewendeten Standards situativ an der Problemstellung, dem Unternehmen und den Zielen orientieren. Idealerweise hat man einen erfahrenen Projektleiter, der einen breiten Background hat und nicht dogmatisch an „seiner Lieblingsmethode“ festhält. Dann steht dem Projekterfolg nicht mehr viel im Weg.