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Wissenswertes zu Spam
Es ist nachgewiesen, dass Spamversender und Virenprogrammierer Hand in Hand arbeiten – eine (kriminelle) Hand wäscht also die andere. Der renommierte IT- und Mailserver-Experte Peer Heinlein hat in einer Publikation zum Betrieb sicherer Mailserver aufgezeigt, dass das Programmieren von Viren oftmals ein ebenso einträgliches Geschäft ist wie das Versenden von SPAMs. Viren dienen oftmals dem Zweck, die Kontrolle über ein Rechnersystem zu erlangen. Diese ohnehin bereits unerwünschte Absicht ist mitnichten zweckfrei - vielmehr geht es meistens darum, aus einer Vielzahl von infizierten Rechnern eine Art Cluster, einen Verbund vieler (in diesem fall: infizierter) Rechner zu bilden und dann zu einem bestimmten Zeitpunkt einen koordinierten Angriff gegen ein Opfer zu fahren. Zumeist handelt es sich dabei um Serversysteme, die entweder lahm gelegt werden sollen oder über die ein Angreifer die Kontrolle erlangen will. Heinlein verweist in der im Anhang erwähnten Publikation darauf, dass sich mit Spam viel Geld verdienen lässt.
E-Mails – eine aussterbende Gattung?
Es handelt sich bei Spams und Viren also mitnichten um harmlose Begleiterscheinungen des weltumspannenden Kommunizierens via E-Mail, Dumme-Jungen-Streiche oder um ein Kavaliersdelikt. Spam- und Virenversand ist unbedingt dem Bereich der organisierten Kriminalität zuzuordnen. Bedeutet dies aber zwangsläufig das Ende des sinnvollen Kommunizierens per E-Mail? Und ist nicht E-Mail heutzutage, in Zeiten neuer Plattformen der Kommunikation wie Facebook, Twitter, Xing und so weiter, ohnehin obsolet?
Tatsächlich ging das E-Mail aufkommen etwa in den USA in den letzten Monaten um einige Prozentpunkte zurück - und es wird gelegentlich gerne behauptet, dass das Kommunizieren per E-Mail bei Jugendlichen und bei Menschen unter 30 - um einmal eine willkürliche Grenze zu ziehen - ähnlich unbeliebt sei wie das Verfassen eines förmlichen Briefs in Zeiten des Schriftverkehrs vor Einführung von E-Mail bei den damaligen Kommunikationspartnern (weswegen ja auch, wer es sich leisten konnte, eine Sekretärin dafür beschäftigte). Und der Informationsaustausch über den ohnehin ständig auf PC, Laptop, Smartphone oder Tablet-PC geöffneten Browser erscheint in der Tat effektiv, schnell und reibungslos. Mit dem Medium SMS muss der gestresste Geschäftsmann, der auf Mobilität angewiesene Aussendienstler oder der Auszubildende im Freizeitstress ja ohnehin bereits eine zweite Applikation geöffnet haben und bedienen - weshalb also nicht ganz auf das mühselige Öffnen, Beachten und Bearbeiten eines dritten Mediums, nämlich der E-Mail, ganz verzichten?
Nun, zum Einen haben es die elektronischen Medien bisher noch nicht einmal geschafft, das Medium Brief abzuschaffen. Abgesehen von den höchst menschlichen und sozialen Gefühlsregungen beim Erhalt eines Briefs oder einer Urlaubskarte in Papierform (oder mögen Sie sich vorstellen, ein Kondolenzschreiben oder die Einladung zu Hochzeit, Konfirmation oder Ähnlichem per Facebook, Twitter oder als an ein E-Mail angehängtes PDF zu erhalten oder zu versenden?) gibt es einfach auch praktische und rechtliche Gründe, bestimmte Dokumente in Papierform zu versenden. So schreibt zwar das schweizerische Obligationenrecht die Form eines Vertrages nicht vor - womit prinzipiell Vertragsabschlüsse per E-Mail möglich sind und auch rechtlich bindend sein können. Ebenso könnten Sie sich per Chat auf einen Vertragsabschluss einlassen. Es gilt hier aber immer noch, dass Papierformen den Vorteil besserer Belegbarkeit aufweisen. Eine E-Mail muss, wenn sie bindenden Charakter haben soll, nachweisbar vom Sender an den Empfänger übermittelt werden. In der Regel geschieht dies per digitaler Signatur - dabei wird zugleich der Aspekt der nachweisbaren Zustellung berührt. Ersterer Punkt stellt ein eigenes Thema für sich dar, und gerade der zweite Punkt hat im Zusammenhang mit der SPAM-Abwehr und der Einrichtung eines (eigenen) Mailgateways Bedeutung.
Geschäftliche Kommunikation ≠ soziale Kommunikation
"This golden age of communication means everyone talks at the same time."
Obwohl es bereits mehr als 20 Jahre alt ist, hat der britische Musiker und Poet Justin Sullivan mit diesem schönen Bonmot ein wesentliches Merkmal heutiger Kommunikation pointiert beschrieben: es wird ständig und überall kommuniziert, per (stationäres und mobiles) Telefon, Chat, E-Mail, Facebook, SMS. Untersuchungen zum sozialen Austausch von Jugendlichen, die das Internet mehrere Stunden am Tag nutzen, zeigen ebenso auf, dass diese Jugendlichen keineswegs sozial vereinsamen - nur finden ihre Unterhaltungen und "Treffen" überwiegend über elektronische Medien statt, es wird dabei gerne von einer virtuellen Welt gesprochen.
Nun ist aber Kommunikation nicht auf ein bestimmtes Medium beschränkt – so soll die Entstehung des Jodelns ja darauf zurückzuführen sein, dass die Bergbewohner, die aufgrund räumlicher Gegebenheiten nicht zueinander konnten, per Jodelruf quasi "fernmündlich" kommuniziert haben. Sehr frühe virtuelle Welten also, wenn man so will ...
Geht es aber um gezielte Kommunikation, wie sie für den Unternehmensbereich typisch ist, spielt das Medium E-Mail wiederum seine Stärke aus. Nicht jeder hat oder nutzt einen Facebookaccount, zudem gibt es auch noch weitere, konkurrierende soziale Netzwerke und Plattformen - aber über eine E-Mail-Adresse verfügt praktisch jeder Internetnutzer. Dabei bleiben viele Nutzer ihrer eigenen E-Mail-Adresse oftmals über einen langen Zeitraum treu - wenn diese irgendwann einmal gewechselt wird, geschieht das oftmals deswegen, weil die Adresse seit langem im Internet verbreitet und Ziel übermässig vieler Spamzusendungen geworden ist - das Postfach quillt dann über vor Spam, und zwischen dutzenden unerwünschter E-Mails die wenigen gewünschten herauszusuchen, ist viel zu aufwändig. Grundsätzlich ist die Erreichbarkeit über E-Mail aber sicher bei einem höheren Prozentsatz gegeben als diejenige über eines der sozialen Netzwerke. Und zu guter Letzt: auch eine E-Mail lässt sich im Browser öffnen, Stichwort Webmailer ...
Beeinträchtigung der E-Mail-Kommunikation durch Spam und dessen Abwehr
Übrigens gibt es neben dem Umstand, dass das Sichten des Posteingangs auf eventuelle Spams eine lästige und zeitraubende Angelegenheit ist und Spamabwehr und -bearbeitung Kosten verursachen, einen weiteren Aspekt, der E-Mail als Grundlage heutiger Kommunikation beeinträchtigen kann: durch irrtümlich als Spam abgewiesene oder markierte ("getaggte") Mails können möglicherweise eigentlich auch korrekt versendete E-Mails abgewiesen, gelöscht oder schlicht nicht beachtet werden. Dass gerade die beiden letzten Punkte nicht nur für Unseriösität im E-Mail-Verkehr, sondern schlimmstenfalls sogar für geschäftlichen Schaden sorgen können, wollen wir Ihnen weiter unten aufzeigen.
E-Mail: immer noch vorherrschend
Es bleibt festzuhalten, dass E-Mail im Moment immer noch das vorherrschende Medium vor allem der geschäftlichen und innerbetrieblichen (elektronischen) Kommunikation ist. Viele Unternehmen verlangen von ihren Mitarbeitern, dass sie an dem jeweiligen innerbetrieblichen Kommunikationssystem teilnehmen, und das baut verständlicherweise auf populäre Groupwaresysteme wie Lotus Notes, Groupwise, Kolab oder Outlook/Exchange, die im Unternehmen betrieben werden. Im Moment ist es noch schwer vorstellbar, dass sämtlicher Informationsaustausch, Terminabsprachen und die Bearbeitung womöglich auch noch vertraulicher Dokumente via Facebok geschieht ... Und der freie Mitarbeiter, der mit Sicherheit bereits über eine seit Jahren genutzte E-Mail-Adresse verfügt, kann seitens des Unternehmens, für das er tätig ist, einfach eine Weiterleitung, ein Mail-Alias zugewiesen bekommen, sodass er nicht mit einer Vielzahl unterschiedlicher E-Mail-Adressen hantieren muss. Urs Meier bekommt dann die Adresse eingerichtet, alle Mail wird aber an seine private Mailadresse <email-pii> umgeleitet. Wie das geht, werden wir weiter unten noch sehen.
Spam erreicht Facebook und Co.
Ein letzter Punkt, der zunehmend an Bedeutung gewinnt: da das Versenden von Spams und Viren mit dermassen viel Energie betrieben wird und offensichtlich einigen - wenn auch wenigen - nützt, hat diese Belästigung und Bedrohung bisher vor keinem elektronischen Medium Halt gemacht - und somit auch nicht vor den sozialen Netzwerken. Dazu zwei Beispiele; so heisst es in einem recht aktuellen Newsblog:
"Bei XING kommt man langsam um vor Spam Bestimmt kennen Sie auch die Funktion, mit der Sie Ihre Kontakte auf XING ganz einfach zu einem Termin einladen können (...) leider missverstehen viele Nutzer die Funktion und sehen diese als einfache Möglichkeit, Werbung zu machen (...) Und schwupps erhalten Sie am Tag eine Reihe von Einladungen zu Online-Workshops oder Veranstaltungen, zu denen Sie im Leben nicht gehen. Und das alles nur, weil die Einladenden nicht in der Lage sind, ihre Kontakte vernünftig zu kategorisieren oder sich die Richtlinien von XING zum Thema Spam einmal genauer anzusehen. Schade, denn insgesamt verstopft das, wie anderswo auch, meinen Posteingang und wirklich wichtige Termine nehme ich dann schon gar nicht mehr wahr."
Stephan Lamprecht, Ahrensburg; http://news.lamprecht.net/
Und auf www.spiegel.de/ konnte man unlängst in der Netzwelt Folgendes lesen:
"Neue Spam-Welle erfasst Facebook Abermals hat es eine Spam-Software geschafft, eine Vielzahl von Facebook-Mitgliedern in die Falle zu locken (...) Während die Facebook-Entwickler ständig neue Funktionen in das soziale Netzwerk einbinden, werden auch die Spam-Programmierer immer kreativer. Nun schwappt eine neue Spamwelle über Facebook hinweg. "Wow, jetzt kannst du sehen, wer sich dein Profil ansieht", verspricht wieder einmal ein Facebook-Fake. Doch wie immer handelt es sich dabei nicht um eine offizielle Funktion, sondern um einen Wurm. Wer sich damit infiziert, verteilt die nervigen Statusmeldungen selbst im Netz - ganz automatisch ... "
Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Viren und Spams bei Facebook und Co. - hier sind natürlich andere Abwehrtechniken als bei der klassischen E-Mail-Kommunikation gefragt. Und was aus Sicht des um die Sicherheit seines Netzwerks besorgten Admins oder IT-Verantwortlichen besonders bedenklich ist: die klassischen Abwehrmassnahmen mittels Mailgateway, Firewall oder Contentfilter greifen hier prinzipbedingt gar nicht oder nur sehr beschränkt - wenn das Unternehmen seinen Angestellten nicht die Nutzung der sozialen Plattformen und Netzwerke ganz verbieten will. Die Abwehr solcher Spams fällt in den Zuständigkeitsbereich der Facebookadministratoren und entzieht sich somit unserer Kontrolle - nun denn, wer als Datenschützer damit leben kann ... Zitieren wir abschliessend noch einmal die Spiegel-Netzwelt:
"In Zukunft werden sich die Mitglieder sozialer Netzwerke wohl daran gewöhnen müssen, dass Spam immer häufiger aus dem E-Mail-Postfach auf die Pinnwände wandert. Erst kürzlich erklärte Tom Gillis, Security-Experte bei Cisco, dass sich binnen fünf Jahren das Hauptgeschäft der Spammer auf Social Networks wie Facebook und auf Smartphones verlegt haben werde. Nicht immer laufen Spamangriffe (...) harmlos ab (...) Vor knapp zwei Jahren nutzte der Wurm Networm.Win32.Koobface soziale Plattformen wie Facebook und MySpace als Verbreitungskanal."
Die Frage ist jedenfalls: wenn wir uns bei Facebook und Twitter inzwischen auch mit unerwünschten Nachrichten und realen Gefahren durch Viren herumschlagen müssen, könnten wir natürlich auch gleich bei unserem E-Mail-Postfach bleiben. Hier sind die Möglichkeiten der Spam- und Virenabwehr inzwischen nämlich sehr gut und die Chancen auf ein spamfreies Postfach recht gross.