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Ingeborg Bachmann – Reise in die Wüste
Regie: Margarethe von Trotta
Darst.: Vicky Krieps, Ronald Zehrfeld, Tobias Resch, Basil Eidenbenz, Luna Wedler, Marc Limpach, Renato Carpentieri, Katharina Schmalenberg, Martin Vischer u.a.
1958 begegnen sich in Paris zwei Schwergewichte der deutschsprachigen Literatur: die umschwärmte österreichische Lyrikerin Ingeborg Bachmann und der verheiratete Schweizer Schriftsteller Max Frisch. Die anfängliche Romanze wird rasch zur Amour fou und bald zur toxischen Beziehung. Sie zieht zu ihm nach Zürich, später nach Rom, sie zerstreiten sich, finden wieder zusammen, trennen sich erneut. Eigentlich wollen beide eine offene Beziehung – was nicht funktioniert. Max Frisch, verkörpert von Ronald Zehrfeld, ist im Herzen ein Macho alter Schule und furchtbar eifersüchtig. Ingeborg Bachmann (brennend intensiv: Vicky Krieps) flüchtet wiederholt vor ihm und unternimmt schliesslich mit ihrem neun Jahre jüngeren Liebhaber Adolf Opel eine längere Reise nach Ägypten in die Wüste. Die 81-jährige Altmeisterin Margarethe von Trotta, spezialisiert auf Biopics berühmter Frauen wie Hannah Ahrendt, Rosa Luxemburg und Hildegard von Bingen, schafft in ihrem neuesten Film eine so bildstarke wie vielfältig schillernde Darstellung des wohl prägendsten Lebensabschnitts einer literarischen Jahrhundertfigur. Lee Marshall schreibt in Screen Daily: «Margarethe von Trottas Film ist eine bewegende Hommage einer kreativen Frau an eine Schriftstellerin, die nach ihrem Tod zu einer feministischen Ikone wurde (…). Ihre Auferstehung wird von einer starken Vicky Krieps verkörpert, die in ihrer nuancierten Darstellung der kettenrauchenden Bachmann eine faszinierende Gratwanderung zwischen Stärke und Zerbrechlichkeit vollzieht. Bachmann wird hier als freie Seele dargestellt, die den radikalen Wunsch, alles infrage zu stellen, gegen die bequemen Gewissheiten der sie umgebenden Männer ausspielt. Was dabei überrascht, ist die Pracht, mit der all das geschieht: die Abfolge wunderschöner Kleider, die Krieps trägt, das Licht der goldenen Stunde, wenn sie Rom vom Pincio-Hügel aus überblickt, ein ägyptisches Riad-Interieur, das wie ein orientalistisches Gemälde von Rudolf Ernst beleuchtet ist, ein üppiger orchestraler Soundtrack – all dies scheint weit entfernt von der kantigen Natur von Ingeborg Bachmanns literarischem Werk jener Zeit.»