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«Angefangen hat es an der Uni», erzählt Roger Izzy, «ich habe Alkohol zur Selbstmedikation genutzt, etwa in Seminaren oder Prüfungssituationen.» Nach drei bis fünf harten Drinks «funktionierte» er normal. So betäubte er jene Depressionen, Ängste und Zwänge, die zu seiner komplexen Psychopathologie gehören, aber noch nicht diagnostiziert waren. Während manischer Phasen war und ist er ein sehr kreativer Autor, der seine Texte auch publiziert. «In dieser Zeit bräuchte ich keinen Alkohol», sagt er, «aber bei mir wechseln die Phasen schnell. Der Alkohol nimmt ihnen die Spitzen.»
Nach dem Studium ergriff Izzy den Beruf des Oberstufenlehrers und ging darin auf. «Im Arbeitsalltag brauchte ich nie Alkohol. Die Interaktion mit meinen Schülerinnen und Schülern hat mich gestärkt», erzählt er. Er habe aber bis zur Erschöpfung gearbeitet, sei für seine Schüler rund um die Uhr erreichbar gewesen, «und das wurde auch genutzt». Im Übrigen lebte er allein. Seine Begründung ist so hart wie verständlich: «Wie ich bin, das wäre doch für jede Frau viel zu schmerzvoll.» Die Trinkexzesse am Wochenende plus das grosse berufliche Engagement führten Mitte dreissig in eine Erschöpfungsdepression. Zwar stiess Izzy auf Verständnis der Schulleitung, zwar wurde ihm eine Auszeit gewährt, doch sobald er wieder arbeitete, trank er wieder «bis kurz vor die terminale Sedierung», wie er es selber formuliert. Die folgenden Jahre waren geprägt von Aufenthalten in der Psychiatrie und unzähligen Alkoholentzügen mit all ihren Nebenwirkungen. Am liebsten waren ihm die Entzüge allein zuhause: «Da kommt das Zwanghafte in meinem Wesen zum Vorschein», sagt er nüchtern, «wenn ich allein in selbstbestimmter Isolation in meinem Setting bin, habe ich die ungetrübte Kontrolle und das Bewusstsein über mein werdendes Sein in der somatischen und psychischen Krise – den Prozess der Genesung.».
Im Exzess war Izzys Leben mehr als einmal akut gefährdet. Er hatte Atemlähmungen, war orientierungslos oder stürzte. Ein einschneidendes Erlebnis vor einem knappen Jahrzehnt brachte jedoch eine Wende: «Ich stürzte eine Treppe hinunter, landete verletzt im Spital, haute von dort ab und wollte mit dem Tram einen Freund besuchen. Nach dem Aussteigen erwischte mich das Tram, weil ich auf die Schiene stürzte. Auf der Intensivstation wurde ein massives Schädelhirntrauma festgestellt, ich hatte mehrere Hirnblutungen.» In der Folge entwickelte Izzy eine Epilepsie, hinzu kamen Schwindel und Koordinationsschwierigkeiten. In dieser Zeit sei ihm klargeworden, was ihm bevorstünde, wenn sich nichts änderte, erzählt er. «Ich habe realisiert, was das Trinken aus dem Menschen macht, wo es hinführt.»
Ohne Alkohol lebt Izzy auch heute nicht. Die Behandlung durch eine Ärztin des Clienia Psychiatriezentrums Wetzikon hält ihn aber stabil. Von ihr fühlt er sich sehr gut und empathisch betreut. «Sie ist eine hervorragende Psychiaterin», sagt er. Den Exzess, wenn er passiert, betrachtet Izzy nun als Preis für seine Kreativität. Er sagt: «Der Exzess mit Alkohol geht mit meiner unbändigen Fülle der Kreativität einher.» Totalabstürze passieren ihm nicht mehr.