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Migros ist es wichtig, dass ihre Produkte unter guten Arbeitsbedingungen hergestellt werden. Deshalb verlangt sie von ihren Lieferanten, dass diese Sozialstandards einhalten. Bei den Textil-Eigenmarken fordert sie von allen Lieferanten die Einhaltung der Eco-Richtlinien. Bei der Herstellung von Produkten durch die M-Industrie achtet sie darauf, dass diese zu einer ausgewogenen Ernährung beitragen.
Im Bereich der Sozialstandards orientiert sich Migros an den UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, die für Unternehmen einen Rahmen definieren, um Menschenrechte und Arbeitsbedingungen in den Lieferketten zu respektieren. Mit der Mitgliedschaft im UN Global Compact und als Gründungsmitglied der Business Social Compliance Initiative (BSCI) nimmt Migros ihre Verantwortung bei der Einhaltung von Sozialstandards wahr.
Auf der Grundlage der BSCI verlangt Migros von allen Lieferanten und Produzenten, soziale Mindestanforderungen gemäss dem BSCI-Verhaltenskodex oder gleichwertige Anforderungen einzuhalten. Dies ist Teil der Basisanforderungen und wird schrittweise in allen Unternehmen der Migros-Gruppe umgesetzt. Sie integriert ihre Geschäftspartner aufgrund einer Risikobeurteilung bezüglich Art der Lieferkette, Herstellungsland, Branche oder Umsatzgrösse in den BSCI-Prozess.
Eine zentrale Forderung aus den UNO-Leitprinzipien ist die Sorgfaltspflicht im Bereich der Menschenrechte. Im Genossenschaftlichen Detailhandel wird diese im Rahmen der Strategie Nachhaltigkeit in den Geschäftsprozessen verankert. 2016 hat Migros die Wertschöpfungsketten verschiedener Rohstoffe nach ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten analysiert. Die identifizierten Berührungspunkte mit Menschenrechten fliessen in die Sortimentsentscheidungen ein; verschiedene Standards und Labels federn allfällige negative Aspekte ab. Neben dem Hauptsozialstandard BSCI zählen dazu Labels wie UTZ, Max Havelaar oder FSC.
BSCI-Audits: Ergebnisse im Branchenschnitt
2016 führten Unternehmen der Migros-Gruppe insgesamt 713 BSCI-Audits (2015: 425) durch, die Mehrheit davon in Indien und China. 86 Betriebe (12%) haben bei den Audits ein gutes Resultat erzielt, 526 Betriebe (74%) wiesen kleinere Mängel auf und 101 Betriebe (14%) müssen grössere Mängel beheben. Diese Zahlen liegen im Branchenschnitt. Im Berichtsjahr wurden die Betriebe erstmals differenzierter bewertet; die neue Skala kennt fünf Bewertungsstufen A bis E.
BSCI-Audits
|Ergebnisse BSCI-Audits Migros-Gruppe: Erstaudits und Folgeaudits 1||2012||2013||2014||2015||2016|
|Gut||18%||29%||15%||13%||12%|
|Verbesserungsbedürftig||31%||29%||51%||66%||74%|
|Nicht erfüllt||51%||42%||34%||21%||14%|
|Anzahl Audits absolut||246||206||294||425||713|
1 Seit 2015 wird ein neues Auditsystem auf Basis des BSCI-Verhaltenskodex Version 2014 angewendet mit den Bewertungen A bis E. Die Auditresultate vom Jahr 2015 und 2016 wurden in das vorgängige Auditsystem umgerechnet: A und B entsprechen der Bewertung 'Gut', C entspricht der Bewertung 'Verbesserungsbedürftig', D und E entsprechen der Bewertung 'Nicht erfüllt'.
Zahlreiche Fabriken wurden 2016 nicht nur durch BSCI-Audits geprüft, sondern auch durch interne Fabrikkontrollen. So wurden in Indien 37 Fabrikkontrollen von Migros-Spezialisten durchgeführt. Neben BSCI-Audits und Fabrikkontrollen nutzt die Detailhändlerin auch andere anerkannte Sozialstandards wie SA8000, Sedex und SIZA, um korrekte Arbeitsbedingungen in den Lieferketten sicherzustellen.
Insgesamt führte Migros 77 Fabrikkontrollen weltweit durch. Zudem hat sie in diversen BSCI-Gremien und Arbeitsgruppen aktiv dazu beigetragen, die Systemintegrität von BSCI zu stärken. So beteiligte sie sich an der Entwicklung von Richtlinien, um passive Mitglieder aus der BSCI-Gemeinschaft auszuschliessen. Ebenfalls stand Migros dem Schweizer Netzwerk von BSCI-Mitgliedern vor.
Im Berichtsjahr haben die Mitglieder des Consumer Goods Forum (CGF), darunter Migros, das Global Social Compliance Programme (GSCP) als strategischen Fokus in die Arbeit des CGF integriert und Schwerpunkte gesetzt, um Zwangsarbeit in den Lieferketten zu beenden. Bei der Umsetzung dienen die Vorgaben von GSCP als Orientierungshilfe.
Durch die Umsetzung der BSCI in den Risikoländern geht Migros das Thema Zwangs- und Kinderarbeit ebenfalls aktiv an. Mängel in den beiden Bereichen sind heute selten, im Berichtsjahr gab es von allen Audits sieben Fälle (Zwangsarbeit) bzw. zwei Fälle (Kinderarbeit). Sieben von neun Fabriken, in denen 2015 diesbezüglich Mängel festgestellt wurden und mit denen Migros weiterhin zusammenarbeitet, erfüllten im Berichtsjahr die Anforderungen. Die meisten Mängel bei den Migros-Lieferanten finden sich in den Bereichen Höchstarbeitszeiten und Managementsystem.
BSCI-Audits: Verteilung der Verstösse
|BSCI-Audits: Verteilung der Verstösse nach Auditkapitel||2012||2013||2014||2015 1||2016|
|Höchstarbeitszeiten||92||50||65||57||450|
|Managementsystem||12||8||18||69||360|
|Arbeitssicherheit (OHS)||27||50||59||96||176|
|Sozialpartnerschaft||-||-||-||47||88|
|Entlohnung||82||54||69||51||32|
|Umweltanforderungen||6||3||7||13||18|
|Geschäftsethik 2||-||-||-||7||18|
|Zwangsarbeit||8||1||3||3||7|
|Diskriminierung||5||1||2||6||4|
|Prekäre Arbeitsbedingungen||-||-||-||2||3|
|Kinderarbeit||3||4||1||5||2|
|Jugendliche Arbeiter||0||0||0||2||2|
|Recht auf Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen||3||1||0||3||1|
|Frühere Kapitel aus Version 2009||31||31||37||8||-|
|Gesamtanzahl Verstösse 3||269||203||261||369||1'161|
|Gesamtanzahl der ausgeführten Audits bei Migros-Produzenten||246||206||294||425||713|
1 Die Daten von 2015 wurden im M15 aufgrund der Umstellung zum neuen Auditsystem (Version 2014) nur teilweise ausgewiesen. Im aktuellen Bericht sind sie vollständig, weshalb sie von den publizierten Zahlen des letzten Geschäftsberichts abweichen.
2 Die Auditkapitel Dokumentation, Arbeitsbedingungen, Gesundheit & soziale Einrichtungen sowie Unterkünfte werden in der Version 2014 nicht mehr als separate Kapitel geführt. Die Daten 2011 bis 2014 dieser Kapitel wurden unter 'Frühere Kapitel aus Version 2009' zusammengefasst.
3 Pro durchgeführtem Audit können mehrere Verstösse festgestellt werden.
|BSCI-Audits: Verteilung der Verstösse 2016||Anzahl Verstösse 2016||Anteil an der Gesamtanzahl Verstösse|
|Managementsystem||360||31%|
|Sozialpartnerschaft||88||8%|
|Entlohnung||32||3%|
|Höchstarbeitszeiten||450||39%|
|Arbeitssicherheit (OHS)||176||15%|
|Zwangsarbeit||7||1%|
|Umweltanforderungen||18||2%|
|Geschäftsethik||18||2%|
|Weitere 1||12||1%|
|Total||1'161||100%|
1 Umfasst folgende BSCI-Auditkapitel: Recht auf Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen, Diskriminierung, Kinderarbeit, Jugendliche Arbeiter, Prekäre Arbeitsbedingungen
Migros steht in engem Dialog mit ihren Stakeholdern, darunter zahlreiche NGOs und Hochschulen. So wurde sie 2016 auf Missstände bei der Produktion von Pfannen in China hingewiesen. Ein Spezialist des Migros-Beschaffungsbüros in Hong Kong und ein unabhängiger Vertreter der BSCI besuchten die betroffenen Fabriken und stellten Probleme in der Dokumentation und bei unklaren Prozessen fest wie etwa die korrekte Erfassung von Arbeitsstunden. In Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung der Fabriken wurden Massnahmen definiert, deren Umsetzung in den nächsten Audits geprüft wird.
Capacity Building: Lieferanten schulen und befähigen
Als Teil des Entwicklungsansatzes unterstützt der Genossenschaftliche Detailhandel seine Lieferanten durch Schulungen, Fabrikbesuche und Trainings bei der Umsetzung von Sozialstandards. 2016 fanden 85 Workshops statt. Als Ergänzung zum persönlichen Austausch prüft Migros im laufenden Jahr technische Lösungen, mit denen sich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer direkt über relevante Themen wie Sicherheit, Gesundheitsschutz und Arbeitszeiten informieren können. Sie erhalten damit die Möglichkeit, sich individuell Wissen anzueignen.
Transparentere Lieferketten
Um die Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten zu überprüfen, muss Migros wissen, wo die Produkte hergestellt werden. Da in der Lieferkette oft mehrere Zwischenhändler mitwirken, die ihre Produzenten nicht immer bekannt geben wollen, ist eine vollständige Transparenz nur schwer zu erreichen. Zudem ändert sich das Lieferantenportfolio laufend: Neue Lieferanten kommen hinzu, bestehende werden ausgelistet. 2016 ist es der Migros-Gruppe gelungen, den Anteil der intransparenten Lieferketten auf 22.5% (2015: 34.0%) zu senken. Insgesamt arbeitete sie mit 8'702 Lieferanten zusammen. Davon verfügen 3'210 Lieferanten (36.9%) ihrerseits über Lieferketten mit Risikopotenzial.
Von Lieferketten mit Risikopotenzial spricht man vor allem, wenn sich die Produktionsstätte in einem Risikoland wie Indien, China oder in Osteuropa befindet und viel Handarbeit im Fertigungsprozess steckt. Die Definition eines Risikolandes stützt sich auf die World Wide Governance-Indikatoren der Weltbank, die Aspekte wie Korruption, Rechtsstaatlichkeit und die Umsetzung von Gesetzen in einem Land berücksichtigen.
Das Eco-Label, 1996 von Migros entwickelt, steht für eine lückenlose Dokumentation und Rückverfolgbarkeit über alle Stufen der Textilproduktion und stellt sicher, dass keine gesundheits- oder umweltkritischen Substanzen verwendet werden.
Ende 2016 trugen 74.8% aller Bekleidungsartikel im Genossenschaftlichen Detailhandel das Eco-Label. Im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsversprechen hat Migros sich zum Ziel gesetzt, bis Ende 2017 alle Textilien der Eigenmarken ökologisch, sozialverträglich und rückverfolgbar nach den Richtlinien des Eco-Labels zu produzieren.
Der aktuelle Stand liegt unter den geplanten Zwischenzielen, weshalb dieses Versprechen nicht auf Kurs ist. Da Textilien mit einer langen Vorlaufzeit bestellt werden, zeichnet sich bereits jetzt ab, dass das ehrgeizige Ziel innerhalb des verbleibenden Zeitfensters nicht erreicht werden kann. Obwohl die Migros innerhalb der Branche zu den Pionieren gehört und die Anforderungen an ihre Lieferanten bereits heute über dem Branchenschnitt liegen, wird sie ihr ambitioniertes Ziel weiter vorantreiben. Deshalb hat sie sich dazu entschieden, ab 2018 die internationalen Textilstandards GOTS, Bluesign, Oeko-Tex Made in Green sowie IVN Best als äquivalent zu den eigenen Richtlinien anzuerkennen. Die Migros ist davon überzeugt, mit diesem Vorgehen eine schnellere Umsetzung erzielen zu können.
Die Einhaltung der Eco-Vorgaben wird durch unabhängige Dritte im Auftrag von Migros kontrolliert. Alle Akteure der textilen Wertschöpfungskette sind bekannt. Der Standard sieht vor, dass alle Produktionsschritte vom Garn bis zur Konfektion unter Angabe der eingesetzten chemischen Produkte und der Produktionsprozesse dokumentiert, bewertet und auf die Einhaltung der Migros-Anforderungen kontrolliert werden. Mittels Befähigung der Lieferanten zu Aspekten wie Schadstoff- und Chemikaliennutzung sowie durch Mitarbeiterschulungen trägt Migros dazu bei, die Beziehungen zu Lieferanten zu stärken und die Rückverfolgbarkeit sicherzustellen.
Migros verbessert ihre Produkte laufend. Gemeinsam mit den Lieferanten bringt sie optimierte Produkte auf den Markt, um zu einer ausgewogenen Ernährung beizutragen. Dank der Eigenindustrie kann sie direkt Einfluss auf die Rezepturen nehmen.
Bis Ende 2018 möchte Migros über 150 Produkte mit weniger Zucker, Salz und Fett, aber mehr Nahrungsfasern anbieten. Seit 2013 hat sie 210 Produktrezepturen optimiert, vor allem bei Fertiggerichten, Milchprodukten, Suppen und Müesli. Da das Ziel bereits erreicht wurde, konnte das Versprechen frühzeitig per Ende 2016 abgeschlossen werden.
Über Massnahmen der Lebensmittelsicherheit (Food Safety) wird sichergestellt, dass Lebensmittel für den Endverbraucher zum Verzehr geeignet sind und von ihnen keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen ausgehen.
Um einwandfreie Lebensmittel zu gewährleisten, setzen die Unternehmen der Migros-Gruppe in der Qualitätssicherung unter anderem auf die von der Lebensmittelhändler- und Herstellerorganisation Global Food Safety Initiative (GFSI) zertifizierten Standards. So sind die meisten in- und ausländischen Drittlieferanten von verarbeiteten Lebensmitteln sowie die Unternehmen der M-Industrie nach einem von der GFSI anerkannten Standard zertifiziert.
Bei den übrigen Lieferanten führt Migros risikobasierte Inspektionen durch. Die von GFSI anerkannten Standards und die Inspektionsvorgaben von Migros umfassen Bereiche wie Hygiene in der Produktion und Produktsicherheitsvorgaben zur Einhaltung der Lebensmittelsicherheit. 2016 lag der Umsetzungsgrad in der Eigenindustrie bei 94.7%, im Handel bei 92.4% und im Genossenschaftlichen Detailhandel bei 94.8%.
Zudem lassen Migros und ihre Lieferanten die Produkte bei der Einführung und während des Verkaufs laufend überwachen. Im Auftrag von Migros unterzieht die Swiss Quality Testing Services (SQTS) die Produkte im Rahmen von Selbstkontrollen einer risikobasierten Überprüfung. Mittels moderner Analyseverfahren prüft SQTS die Produkte auf Qualität, Produktsicherheit und beurteilt sie auf Konformität mit der aktuellen Gesetzgebung.
2016 hat der Genossenschaftliche Detailhandel insgesamt etwa 18'000 Produktprüfungen vorgenommen. 29 Produkte mussten aufgrund von Mängeln zurückrufen werden; darunter Gorgonzola, bei welchem der Grenzwert für Listerien überschritten war, und Marzipan-Rum-Sultaninen mit Schokolade, da bei diesem Produkt Milchbestandteile nicht deklariert waren.
Forschungsprojekte für mehr Lebensmittelsicherheit
Neben Forschungsprojekten im ökologischen Bereich unterstützt Migros auch Projekte zur Verbesserung der Produktsicherheit. Im Berichtsjahr lief am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) ein Projekt, das die Ursachen von Tropan-Alkaloiden in der Getreideproduktion untersucht und Gegenmassnahmen erforscht.
Ein weiteres Projekt befasste sich mit der Erforschung von unterschiedlichen Krankheitserregern. Ziel ist es, die Bewertungsgrundlage und entsprechende Massnahmen in der Qualitätssicherung für roh zu konsumierende Lebensmittel tierischen und pflanzlichen Ursprungs zu erweitern. Erste Ergebnisse erwartet Migros im laufenden Jahr.