Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03256.jsonl.gz/1255

Mannitol Arzneimittelgruppen Osmotische Diuretika / AbführmittelMannitol ist ein natürlicher Zuckeralkohol, der als Arzneimittel peroral, als Infusion und Inhalation verabreicht wird. Er wird unter anderem für die Behandlung einer Verstopfung, bei einem akuten Nierenversagen, einem akuten Glaukom, bei einem Hirnödem und einer zystischen Fibrose eingesetzt. Des Weiteren spielt Mannitol eine wichtige Rolle als pharmazeutischer Hilfsstoff bei der Herstellung von Kapseln und Tabletten und wird als Süssungsmittel und Lebensmittelzusatzstoff verwendet. Bei einem übermässigen Verzehr oder einer erhöhten Empfindlichkeit können Magen-Darm-Beschwerden und Durchfall auftreten.ProdukteStruktur und Eigenschaften
D-Mannitol (C6H14O6, Mr = 182.2 g/mol) liegt als weisse Kristalle oder weisses Pulver vor, das sich in Wasser leicht löst. Mannitol ist ein sechswertiger Zuckeralkohol und kommt in der Natur unter anderem in Pflanzen, Algen und Flechten vor. Es hat einen süssen Geschmack und ist geruchlos. Mannitiol zeichnet sich auch durch seine geringe Hygroskopie aus. Industriell wird es aus Fruchtzucker (Fructose) hergestellt, kann aber auch aus organischem Material isoliert werden.
Wirkungen
Mannitol (ATC A06AD16 , ATC B05BC01 , ATC B05CX04 ) hat einerseits harntreibende (diuretische) Eigenschaften. Intravenös verabreicht wird es an der Nieren filtriert, im Nephron kaum reabsorbiert und führt so zu einer osmotischen Diurese.
Andererseits ist Mannitol auch abführend wirksam, wenn es beispielsweise in Wasser gelöst eingenommen wird. Es wird wenig absorbiert und erhöht aus osmotischen Gründen den Wassergehalt im Dickdarm. Dadurch stimuliert es die Darmbewegungen und macht den Stuhl weicher und gleitfähiger.Anwendungsgebiete (Auswahl)
Orale Verabreichung:
- Für die Behandlung einer Verstopfung.
Parenterale Verabreichung:
- Förderung der Diurese bei Oligurie und akutem Nierenversagen, bevor eine irreversible Niereninsuffizienz auftritt.
- Herabsetzung des intraokulären Drucks und Behandlung des Hirnödems, bei intakter Blut-Hirn-Schranke.
- Bestimmung der glomerulären Clearance.
- Förderung der Eliminierung von harnfähigen toxischen Substanzen bei einer Vergiftung.
Inhalative Verabreichung:
- Zystische Fibrose, zur Verflüssigung des Schleims.
- Mannitol-Provokationstest auf eine bronchiale Hyperreagibilität.
- Als Hilfsstoff wird Mannitol unter anderem als Füllstoff für die Herstellung von Kapseln (z.B. Magistralrezepturen) und für die Herstellung von Tabletten und Schmelztabletten verwendet.
- Als Süssungsmittel (Zuckeraustauschstoff).
Weitere Verwendung:
- Als Lebensmittelzusatzstoff (E 421).
- Für Bakteriennährböden.
Als Steckmittel zum Verdünnen von Rauschmitteln.Kontraindikationen
Die Vorsichtsmassnahmen sind vom Anwendungsgebiet abhängig.Unerwünschte Wirkungen
Bei der oralen Verabreichung, bei einem übermässigen Verzehr oder bei empfindlichen Personen (FODMAP-Konzept) können Magen-Darm-Beschwerden wie Völlegefühl, Blähungen, Übelkeit und Durchfall auftreten.
Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören bei einer Infusion beispielsweise Wasser- und Elektrolytstörungen, Verwirrung und Reizungen und Entzündungen der Venenwand.siehe auchLiteratur
- Arzneimittel-Fachinformation (CH, UK)
- Europäisches Arzneibuch PhEur
- Handbücher der pharmazeutischen Technologie
- Lexika der Pharmazie und der Lebensmitteltechnologie
- Ohrem H.L., Schornick E., Kalivoda A., Ognibene R. Why is mannitol becoming more and more popular as a pharmaceutical excipient in solid dosage forms? Pharm Dev Technol, 2014, 19(3), 257-62 Pubmed
- Wakai A. et al. Mannitol for acute traumatic brain injury. Cochrane Database Syst Rev, 2013, CD001049 Pubmed
Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.