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Ein metabolisches Syndrom ist keine eigenständige Krankheit. Vielmehr beschreibt der Begriff das Zusammentreffen mehrerer Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Zu diesen Risikofaktoren zählen Übergewicht, Bluthochdruck, schlechte Fettwerte im Blut und hoher Blutzucker. Umgangssprachlich heisst das metabolische Syndrom auch «Wohlstandssyndrom».
Wer sich falsch ernährt und sich wenig bewegt, läuft Gefahr, übergewichtig zu werden und ein metabolisches Syndrom zu entwickeln. «Metabolisch» bedeutet: den Stoffwechsel betreffend. Stark vereinfacht ausgedrückt, hängt das metabolische Syndrom mit Übergewicht beziehungsweise Fettleibigkeit (Adipositas) und Diabetes wie folgt zusammen: Übergewicht ist zentrales Kennzeichen für ein metabolisches Syndrom. Etwa jede zweite Person mit Übergewicht erkrankt im Laufe ihres Lebens an Diabetes mellitus, einer Störung des Zuckerstoffwechsels.
Die Zahl der Menschen, die übergewichtig oder fettleibig sind, nimmt stetig zu – damit einhergehend steigt die Zahl der Diabetiker. In der Schweiz betrifft Diabetes etwa 300'000 Menschen.
Nach einer der gängigen Definitionen (IDF, 2005) liegt ein metabolisches Syndrom vor, wenn ein Mensch neben starkem Übergewicht (vor allem am Bauch) zumindest zwei der folgenden vier Eigenschaften aufweist:
Wenn ein metabolisches Syndrom besteht, heisst dies nicht automatisch, dass die Person krank ist oder eine Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems erleiden wird. Vielmehr geht es darum, das individuelle Risiko eines Menschen zu ermitteln. Wie aussagekräftig ein metabolisches Syndrom für die Gesundheit und etwaige Folgekrankheiten ist, vermag derzeit noch niemand abschliessend zu beurteilen.
Wissenschaftler streiten darüber, ob die Bezeichnung und Definition als metabolisches Syndrom sinnvoll ist. Dies zeigt sich auch in den unterschiedlichen Auffassungen, welche und wie viele Kriterien erfüllt sein müssen, um von einem metabolischen Syndrom sprechen zu können. Eine Streitfrage: Warum werden nicht weitere oder andere Merkmale herangezogen (z.B. das Alter), um ein metabolisches Syndrom zu definieren? Die wissenschaftliche Diskussion der kommenden Jahre wird sich weiter um diese Fragen drehen.
Ein metabolisches Syndrom können Sie durch eine gesunde Lebensweise abwenden: Wer sich ausgewogen ernährt, Sport treibt, nicht raucht, keinen oder Alkohol nur in Massen konsumiert und Stress meidet, tut seiner Gesundheit etwas Gutes. So lassen sich Übergewicht, hoher Blutdruck und schlechte Blutwerte in vielen Fällen verhindern. Damit einhergehend sinkt auch die Wahrscheinlichkeit, an Diabetes Typ 2 zu erkranken.
Für den Begriff metabolisches Syndrom gibt es nicht nur eine Definition. Vielmehr existieren unterschiedliche Ansichten, welche Kriterien eine Person erfüllen muss, um von einem metabolischen Syndrom sprechen zu können. Schon in den 1920er-Jahren beschrieben Ärzte eine Ansammlung von Risikofaktoren für das Herz-Kreislauf-System mit einem ähnlichen Begriff.
Bei einem metabolischen Syndrom liegen mehrere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes vor. Um ein metabolisches Syndrom festzustellen, zieht der jeweilige Arzt die Definition heran, die seiner Ansicht nach am besten geeignet ist. Im Kern geht es in allen Bestimmungen darum, ob und in welcher Konstellation folgende Merkmale bei einer Person vorhanden sind:
Im Einzelnen unterscheiden sich die Kriterien nur in Details, etwa im geforderten Bauchumfang oder den exakten Grenzwerten für die Fettkonzentration im Blut. Ob ein metabolisches Syndrom nach einer dieser Definitionen besteht, richtet sich danach, wie viele Kriterien erfüllt sein müssen und ob ein bestimmtes Kriterium zwingend vorhanden sein muss (Pflichtkriterium).
Als metabolisches Syndrom bezeichnet die Definition der International Diabetes Federation (IDF, 2005) folgendes Zusammentreffen von Merkmalen:
Weitere Organisationen fordern für ein metabolisches Syndrom in ihrer jeweiligen Definition leicht abweichende Parameter oder Werte, so zum Beispiel die Weltgesundheitsorganisation (WHO):
Der Body-Mass-Index (BMI) ergibt sich aus dem Quotienten aus dem Körpergewicht in Kilogramm und der Körpergrösse in Metern zum Quadrat. Ab einem BMI von 25 kg / m2 besteht definitionsgemäss Übergewicht – ab einem BMI von 30 kg / m2 eine krankhafte Fettsucht (Adipositas).
Die unterschiedlichen Definitionen des metabolischen Syndroms erschweren es, die exakte Häufigkeit zu ermitteln. Je nachdem, welche Definition angesetzt wird, erfüllt eine Person bereits die Kriterien für ein metabolisches Syndrom oder nicht. Die Häufigkeit steigt mit zunehmendem Alter – vor allem Personen über 60 Jahre sind betroffen.
Ein metabolisches Syndrom kann unterschiedliche Ursachen haben. Wesentliche Komponente ist ein zu hohes Körpergewicht. Mit dem Übergewicht sind die weiteren Merkmale des metabolischen Syndroms meist eng verknüpft. Hierzu zählen:
Lebensgewohnheiten wie zu wenig Bewegung – also ein eher geringer Energieverbrauch – oder zu fettes beziehungsweise kalorienhaltiges Essen begünstigen, dass Übergewicht entsteht. Nimmt eine Person über längere Zeit mehr Energie (Kalorien) auf, als sie verbraucht, bezeichnet man dies als positive Energiebilanz. Die Folge: Das Plus an Energie lagert sich in Form von Fettpolstern ab, der Körper legt Reserven an.
Kennzeichen des metabolischen Syndroms ist das bauchbetonte Übergewicht («Apfelform» des Körpers), von Experten «abdominelle Adipositas» genannt. Mit dem Übergewicht verändert sich der Stoffwechsel des Menschen. Der Körper bekommt Probleme, den Zucker aus dem Blut in die Zellen zu schleusen – eine sogenannte Insulinresistenz entwickelt sich und der Blutzuckerwert steigt. Zu viel Zucker im Blut schädigt die Gefässe und führt auf lange Sicht zu Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems.
Auch die Konzentration der Fette im Blut hängt mit Ernährung, Bewegung und Übergewicht zusammen. Zudem gibt der Körper in gewissen Grenzen vor, wie es um die Zusammensetzung der Fette bestellt ist.
Vierter Bestandteil des metabolischen Syndroms ist Bluthochdruck. Für ihn kommen verschiedene Auslöser infrage – oftmals lässt sich keine exakte Ursache ermitteln. In vielen Fällen gilt aber: Je schwerer ein Mensch ist, desto höher steigt in der Regel auch sein Blutdruck. Ein zu hohes Körpergewicht spielt daher auch für die Blutdruckwerte eine Rolle.
Auch die Gene können zur Entwicklung eines metabolischen Syndroms und der damit verbundenen Krankheiten beitragen: Eltern mit Diabetes Typ 2 vererben die Krankheit mit fünfzigprozentiger Wahrscheinlichkeit an ihre Kinder.
Ein metabolisches Syndrom verursacht lange Zeit keine Symptome oder Beschwerden im engeren Sinn. Dies ist zugleich das Tückische. Zwar ist das Übergewicht – beispielsweise in Form eines stattlichen Bauches – sichtbar. Die drei weiteren Komponenten des metabolischen Syndroms machen sich indes oft lange Zeit nicht bemerkbar. Es handelt sich um:
Wer deutlich zu viel auf die Waage bringt, erfüllt streng genommen schon einen Risikofaktor für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und des Stoffwechsels. Dies gilt vor allem für Menschen, die einen Body-Mass-Index (BMI) über 30 haben, die laut Definition also adipös beziehungsweise fettleibig sind (es sei denn, es handelt sich um sehr muskulöse Menschen).
Starkes Übergewicht, das vor allem auf einem dicken Bauch beruht, kann auf ein metabolisches Syndrom hinweisen. Ein Besuch beim Arzt klärt, ob Blutdruck, Fett- und Blutzuckerwerte noch im Rahmen liegen. Zu hoher Blutdruck bleibt oftmals jahrelang unerkannt, da er keine Beschwerden verursacht. Nicht selten fällt der erhöhte Wert zufällig bei einer Routineuntersuchung erstmals auf. Auch die Störungen des Fettstoffwechsels (hohe Triglyzeride, niedriges «gutes» Cholesterin) nimmt der Betroffene häufig lange Zeit nicht wahr, ebenso wenig die erhöhten Zuckerwerte.
Es ist durchaus möglich, dass ein metabolisches Syndrom so lange keine Symptome verursacht, bis die Vorboten einer Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems – etwa eines Herzinfarkts oder eines Schlaganfalls – auftreten. Die Betroffenen erfahren erst durch ein solches Ereignis, dass neben ihrem Übergewicht weitere Risikofaktoren bestehen.
Umso bedeutsamer ist es, Symptome wie Luftnot, Angina pectoris (Brustenge) oder Brustschmerzen ernst zu nehmen und zeitnah ärztlich abklären zu lassen. Stellt der Arzt solche Risikofaktoren oder bereits bestehende Veränderungen an den Gefässen und Organen fest, können eine rechtzeitig beginnende Therapie und ein gesünderer Lebenswandel helfen, weitere Folgekrankheiten zu vermeiden.
Ein metabolisches Syndrom kann zudem Symptome verursachen, die auf den hohen Blutdruck oder den langfristig zu hohen Blutzuckerwert zurückzuführen sind: So kann es zu Kopfschmerzen und übermässigem Schwitzen kommen, Betroffene verspüren stärkeren Durst und fühlen sich abgeschlagen und müde.
Etwa jeder Dritte vom metabolischen Syndrom Betroffene leidet unter dem Schlafapnoesyndrom, nächtlichen Atemaussetzern, die gesundheitsschädlich sein können.
Die Diagnose «metabolisches Syndrom» lässt sich ohne grösseren Aufwand stellen: Ein Gespräch, eine körperliche Untersuchung mit Messung des Blutdrucks und eine Blutabnahme reichen in der Regel aus. Der Arzt fragt den Betroffenen nach seiner Vorgeschichte und erkundigt sich nach eventuell bestehenden Beschwerden und Krankheiten.
Zudem wird der Betroffene gewogen, sein Bauchumfang gemessen und sein Body-Mass-Index (BMI) und der Blutdruck ermittelt. Durch die Blutentnahme lässt sich die Konzentration der Fette und des Zuckers im Blut bestimmen (meist Nüchternwerte).
Eventuell ist zusätzlich ein Test auf Diabetes beziehungsweise eine gestörte Zuckerverwertung nötig: der sogenannte Glukosetoleranztest. Er ermittelt, wie schnell der Körper mit der Nahrung (Zuckerlösung) zugeführte Glukose vom Blut in die Körperzellen transportiert.
Zudem wird der Arzt fragen, ob man bereits Medikamente gegen zu hohen Blutdruck, Diabetes oder einen gestörten Fettstoffwechsel nimmt. Trifft dies zu, liegt meist eine der Komponenten des metabolischen Syndroms vor, die bereits behandelt wird.
Unter Wissenschaftlern ist die Bezeichnung und Definition als metabolisches Syndrom durchaus umstritten. Es existieren unterschiedliche Angaben, welche und wie viele Kriterien erfüllt sein müssen, um von einem metabolischen Syndrom sprechen zu können. Mediziner diskutieren fortwährend darüber, warum nicht weitere oder andere Merkmale herangezogen werden (z. B. das Alter), um ein metabolisches Syndrom zu definieren. Solange keine Klarheit herrscht, erfolgt die Diagnose anhand einer der derzeit gültigen Definitionen.
Wer ein metabolisches Syndrom hat, sollte eine Therapie beginnen. So lässt sich das Risiko für Diabetes und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems senken. Besteht bereits eine dieser Krankheiten, ermöglicht eine Behandlung, das Risiko für weitere, schwerere Folgekrankheiten zu verringern.
Wichtiger Ansatzpunkt ist das Übergewicht: Ein metabolisches Syndrom benötigt eine Behandlung, die die Ernährung und den meist bestehenden Bewegungsmangel angeht. Kernelemente sind Sport, eine Ernährungsumstellung, der Verzicht aufs Rauchen und Stressabbau. Alkohol sollten Betroffene nur in geringen Mengen konsumieren.
Eine sogenannte negative Energiebilanz hilft dabei, das Übergewicht abzubauen: Der Betroffene muss über längere Zeit mehr Energie verbrauchen, als er mit der Nahrung aufnimmt. Dies gilt unabhängig davon, was und wann er isst.
Wer abnehmen oder Übergewicht vorbeugen will, fährt in der Regel mit einer Doppelstrategie am besten. Einerseits gilt es, sich gesund und ausgewogen zu ernähren, andererseits fördern Sport und Bewegung neben dem Energieverbrauch das Wohlbefinden und tun Herz und Gefässen gut. Essen Sie viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukte – sie enthalten reichlich gesunde Nährstoffe und sättigen bei verhältnismässig geringem Kaloriengehalt.
Ein metabolisches Syndrom erfordert eine Ernährung, bei der pro Tag mindestens 500 Kilokalorien weniger aufgenommen als verbraucht werden. Dies ist wichtig, um die bei verminderter Nahrungsaufnahme einsetzende Reaktion des Stoffwechsels auszugleichen: Dieser beantwortet die Diät mit einem Sparprogramm – er fährt den Energieverbrauch herunter. Um nicht bei null herauszukommen, muss der Betroffene diesen Effekt auffangen und täglich zumindest den Betrag von 500 Kilokalorien «sparen».
Setzt der Gewichtsverlust ein, sinkt in aller Regel auch der Blutdruck und die Fettwerte im Blut verbessern sich. Zudem profitiert der Zuckerhaushalt: Die Zellen werden empfindlicher für das Hormon Insulin und nehmen den Zucker besser aus dem Blut auf – der Blutzuckerspiegel sinkt.
Gegen den hohen Blutdruck, die ungünstigen Fettwerte und die erhöhte Zuckerkonzentration im Blut (ggf. Diabetes Typ 2) helfen im Bedarfsfall Medikamente. Sie kann der Betroffene nach erfolgreicher Gewichtsabnahme in Rücksprache mit dem Arzt eventuell geringer dosieren oder ganz absetzen. Voraussetzung ist allerdings, dass von den Werten kein Risiko mehr für die Gefässe und somit für Herz, Hirn, Nieren und andere Organe ausgeht.
Es braucht ein wenig Geduld und Ausdauer, um ein bestehendes metabolisches Syndrom in den Griff zu bekommen. Die Behandlung entspricht zumeist einer langfristigen Umstellung bisheriger Gewohnheiten. Auch wenn es anfangs schwer fallen mag: Wer regelmässig und bewusst daran arbeitet, kann das metabolische Syndrom in den Griff bekommen und Folgeerkrankungen aktiv vorbeugen!
Ein metabolisches Syndrom nimmt von Mensch zu Mensch einen unterschiedlichen Verlauf. Dieser hängt massgeblich davon ab, wie gut eine Person die einzelnen Risikofaktoren, die mit dem metabolischen Syndrom zusammenhängen, ausschaltet oder minimiert.
Verliert ein Mensch mit starkem Übergewicht an Pfunden, weil er seine Ernährung umstellt und sich mehr bewegt, wirkt sich das in vielerlei Hinsicht positiv aus: Der Blutdruck sinkt, der gestörte Fettstoffwechsel normalisiert sich und der Zucker kann wieder besser aus dem Blut in die Zellen gelangen. Allerdings lässt sich schwer vorhersagen, wie stark diese Effekte bei unterschiedlichen Personen ausfallen.
Auch wer an Diabetes Typ 2 («Altersdiabetes») oder Bluthochdruck leidet, trägt mit Sport und einer gesunden Ernährung dazu bei, gesünder zu werden. Grundsätzlich gelten dabei für die einzelnen Komponenten des metabolischen Syndroms – Übergewicht, hoher Blutdruck, gestörter Fettstoffwechsel, zu hoher Blutzucker – ganz ähnliche Empfehlungen.
Ziel ist es, zu verhindern, dass ein metabolisches Syndrom die Gefässe schädigt und somit die Grundlage für Krankheiten etwa des Herzens (Herzinfarkt) oder des Gehirns (Schlaganfall) bildet.
Bringt die Veränderung des Lebensstils nicht das erwünschte Ergebnis, kommen bei stark Übergewichtigen unter Umständen Medikamente, die beim Abnehmen unterstützen, oder eine chirurgische Therapie infrage («Magenband»).
Die gute Nachricht gleich zu Beginn: Einem metabolischen Syndrom können Sie gut vorbeugen! Wer gesund lebt, auf seine Ernährung achtet und sich viel bewegt, leistet dazu einen wichtigen Beitrag.
Wem es gelingt, schlank oder normalgewichtig zu sein, der schaltet einen wichtigen Risikofaktor für die Entstehung des metabolischen Syndroms aus: das Übergewicht. Lassen Sie Ihren Blutdruck regelmässig kontrollieren und bei Bedarf den Blutzuckerwert bestimmen. So erfahren Sie rechtzeitig, falls bei Ihnen gesundheitlich etwas aus dem Lot gerät.
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