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Auch wenn das Mittelmeer nicht das am stärksten belastete Meer ist (das ist nämlich die Ostsee), ist die jährliche Belastung mit Plastik, Müll und Öl wirklich erschreckend.
Zahlen und Fakten zur Verschmutzung des Mittelmeeres
Auch wenn die Werte in Bezug auf Plastikmüll im Mittelmeer sehr stark (je nach Quelle) voneinander abweichen, ist selbst der kleinste Wert Grund zur Sorge. Die Angaben über den jährlich in das Mittelmeer eingeleitete Plastikmüll schwanken zwischen 17.600, 230.000 und 500.000 Tonnen. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo in der Mitte.
Der höchste Wert wird von der anerkannten WWF Organisation angegeben. Würde dieser stimmen, entspräche das einer Belastung mit 33.800 Plastikflaschen in jeder einzelnen Minute. Man geht davon aus, dass knapp 20 % des Plastiks auf den Meeresboden sinkt und 80 % an den Stränden rund um das Mittelmeer angespült werden.
Eine andere Studie des WWF besagt, dass sich im Mittelmeer Rekordmengen an Mikroplastikteilen befinden. Pro Quadratkilometer wurden hier Werte von bis zu 1,25 Millionen Teile festgestellt. Das entspricht der vierfachen Menge des bekannten “Plastikwirbels” im Nordpazifik. Insgesamt besteht der im Mittelmeer vorhandene Müll zu 95 % aus Plastik.
Warum ist das Mittelmeer so stark mit Plastikmüll belastet?
Wenn man in die Ursachenforschung geht, stösst man auf viele mögliche Gründe für die enorme Verschmutzung des Mittelmeeres. Die wohl entscheidendste Ursache ist die besondere geografische Lage des Mittelmeeres. Schauen wir uns die Ursachen im Einzelnen an:
- Das Mittelmeer ist ein fast geschlossenes Meer, welches nur durch die enge Strasse von Gibraltar mit dem Atlantik verbunden ist. Dies hat zur Folge, dass es einen nur sehr geringen Wasseraustausch gibt.
- Nicht unterschätzen darf man auch die Tatsache, dass der Nil in das Mittelmeer mündet und den Müll von an diesen angrenzenden Nationen in Afrika mitbringt.
- Am Mittelmeer angrenzend befinden sich besonders viele Industrienationen, bei denen der meiste Teil des Plastikmülls anfällt.
- Das Mittelmeer ist bei Touristen sehr beliebt und so belasten zusätzlich zu den Anwohnern noch 320 Millionen Touristen jährlich die Region.
|Wusstest du schon?|
Im Laufe der Jahrmillionen trocknete das Mittelmeer mehrfach (fast) komplett aus – zuletzt vor rund 6 Millionen Jahren, da es zu einer “Verstopfung” an der Strasse von Gibraltar kam. Forscher haben dies eindeutig nachweisen können, da sie im gesamten Mittelmeer 100 Meter unter dem heutigen Meeresboden eine Schicht aus Salz fanden. Das Wasser verdunstete demnach und hinterliess nur noch das Salz, welches eine feste Kruste bildete.
Welche Folgen hat die enorme Verschmutzung des Mittelmeers mit Plastikmüll?
Die Auswirkungen und Folgen der Verschmutzung des Mittelmeeres mit Plastikmüll sind ebenso vielfältig wie die Ursachen. Manche Folgen sind dabei klar erkennbar, andere nimmt man eher wenig wahr und wieder andere sind Folgen der Folgen.
Der Plastikmüll wird an den Stränden angespült
Zu den offensichtlichsten Auswirkungen zählen sicherlich die unzähligen Plastikteile, die an den Stränden rund um das Mittelmeer angeschwemmt werden. Wie bereits erwähnt, geht man dabei von rund 80 % des gesamten Aufkommens aus. Bei einem Mittelwert von 250.000.000 kg pro Jahr (das entspricht dem Gewicht von 50.000 Elefanten). Würden sich diese 50.000 Elefanten in einer Reihe aufstellen, könnten sie übrigens (fast) die gesamte Küstenlinie der Insel Ibiza abdecken.
Der Plastikmüll bedroht die Tierwelt am Mittelmeer
Auch für die Tiere ist die Verschmutzung des Mittelmeeres mit dem vielen Plastik sehr nachteilig und teilweise lebensbedrohlich. Immer öfter verwechseln Seevögel Plastikteile mit Fischen, die sie dann herunterschlucken und die Verdauung erschweren oder zum Erliegen bringen.
Schildkröten verwechseln Plastiktüten schnell mit Quallen, die zu ihrer Lieblingsnahrung gehören. Auch hier setzt sich das Plastik im Magen-Darm-Trakt ab und lässt die Tiere daran elendig zugrunde gehen.
Am Ende landet das Plastik in unserer Nahrung
Fische, Garnelen, Krabben und Muscheln nehmen Mikroplastik auf. Am Ende landen diese Fische und Meeresfrüchte dann auf unseren Tellern und wir essen das Mikroplastik automatisch mit. Es gibt Studien, die besagen, dass Menschen, die Meeresfrüchte essen, jedes Jahr rund 11.000 Mikroplastik-Partikel mit der Nahrung zu sich nehmen. Na dann, Guten Appetit.
Auch wenn noch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Auswirkungen auf unseren Körper vorliegen, kann das ganz sicher nicht gesund für uns sein – so viel verrät einem bereits der gesunde Menschenverstand.
Was können wir gegen diesen Plastikmüllwahnsinn tun?
Natürlich ist der Plastikmüll nur ein Teil des Problems. Auch die Klimaerwärmung setzt dem Mittelmeer stark zu. Da man jedoch nicht alles auf einmal angehen kann, wollen wir uns hier auf die Möglichkeiten in Bezug auf den Plastikmüll und die direkte Verschmutzung des Mittelmeeres begrenzen. Hier einige Lösungsansätze:
Reduzierung von Plastikmüll
In erster Linie muss es natürlich darum gehen, Plastikmüll von vorneherein zu vermeiden. Hier auf einfachweniger findest du viele Produkte, die dir dabei helfen. Auch im Urlaub kannst du weitestgehend auf Plastikmüll verzichten, indem du z. B. kein Wasser in (kleinen) Plastikflaschen kaufst. Leider wird es sich vielfach nicht vermeiden lassen, Wasser in Plastikflaschen zu kaufen, aber dann kaufe bitte nur grosse Flaschen.
Vielleicht kannst du diese dann irgendwo nachfüllen und am Ende sogar mit in die Schweiz nehmen, wo du dir sicher sein kannst, dass sie ordentlich recycelt werden. Trockne die Flaschen gut und trete ein paar mal auf ihnen herum. Die Flaschen sind dann so klein, dass sie im Koffer kaum Platz wegnehmen.
Strand Clean ups
Überall rund ums Mittelmeer organisieren die Anwohner Strand Clean ups. Schau doch einfach mal während deines Urlaubs – vielleicht läuft eine solche Aktion gerade an deinem Urlaubsort und du kannst einfach mitmachen. Anlässlich des Klimatags 22 haben wir eine Strandsäuberungs-Aktion ins Leben gerufen. Schau doch mal rein und mach mit. Hier gehts es gleich zur Anmeldung.
Auf der anderen Seite brauchst du natürlich gar keine organisierte Aktion, um etwas zu tun. Schnapp dir die Familie und einige Jutesäcke oder Körbe und sammelt gemeinsam Müll vom Strand auf. Ihr seid an der frischen Luft, könnte die wunderbare Umgebung geniessen und gleichzeitig etwas Gutes tun. Am Ende des Tages werdet ihr euch sicher verdammt gut fühlen.
Aufklärungsarbeit leisten
Gerade die einfache Landbevölkerung kennt sich mit den Problemen rund um Plastikmüll oft nur sehr wenig aus. Vielleicht ergibt sich stellenweise die Möglichkeit, diese Menschen besser aufzuklären und ihnen das Problem bewusster zu machen. Dabei solltest du natürlich nicht oberlehrerhaft vorgehen, sondern auf das gemeinsame Problem und die Verschmutzung des Mittelmeeres hinweisen und Lösungen geben.
Lasst uns mit den Worten des Meeresbiologen Marco Affronte enden:
«Ein Meer, das nur aus Wasser besteht, ohne eine lebendige Flora und Fauna, ist kein Meer, sondern ein Schwimmbad. Das dürfen wir nicht zulassen. Denn wenn das Meer stirbt, sterben auch viele andere Lebensformen – und wir gefährden unser eigenes Überleben.»