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Einer Darmreinigung werden viele Effekte zugesprochen. So soll sie unter anderem das Wohlbefinden verbessern oder beim Abnehmen helfen. Aber was genau versteht man eigentlich unter einer Darmreinigung? Und wann ist diese sinnvoll?
Wer von Darmreinigung spricht, kann damit unterschiedliche Dinge meinen, so etwa:
Eine Darmreinigung kommt häufig im Bereich von Alternativmedizin oder Wellness zum Einsatz, so zum Beispiel im Rahmen von Fastenkuren. Meist stehen hierbei Aspekte wie eine «innere Reinigung» oder das sogenannte Entschlacken im Vordergrund.
Medizinisch notwendig ist eine Darmreinigung jedoch nur in bestimmten Situationen – so zum Beispiel vor einer Darmspiegelung (Koloskopie): Damit der Arzt eine gute Sicht auf die Darmwände hat, muss der Darm vollkommen entleert sein.
Solch eine medizinische Darmreinigung beginnt meist am Vortag der eigentlichen Untersuchung. Der Betroffene erhält hierfür vom Arzt eine abführende Lösung, die er in bestimmten Zeiträumen trinken muss. Je nach Art des Präparats schwanken die zu trinkenden Flüssigkeitsmengen zwischen circa zwei bis vier Litern.
Im medizinischen Bereich gibt es vor allem zwei Gruppen von abführenden Präparaten – sie basieren entweder auf
PEG (Polyethylenglykol) wird nicht in den Körper aufgenommen, sondern wirkt rein physikalisch im Darminneren und wird mit dem Stuhl wieder ausgeschieden. Wenn der Nahrungsbrei aus dem Magen in den Darm gelangt, enthält er auch Wasser, das normalerweise während der Darmpassage entzogen und vom Körper aufgenommen wird. PEG wirkt abführend, indem es einen Teil dieses Wassers im Darm bindet, wodurch der Stuhl flüssiger bleibt und rascher durch den Darm wandert. Durch das Mehr an Flüssigkeit vergrössert sich zudem das Volumen des Stuhls, was die Darmwände dazu anregt, für stärkere Darmbewegungen (Peristaltik) zu sorgen. Oft enthalten PEG-Lösungen zusätzlich abführende Stoffe, in der Regel entweder Natriumsulfat (Glaubersalz) oder hohe Konzentrationen von Ascorbinsäure (Vitamin C): Beide Substanzen bewirken, dass Wasser aus der Darmwand ins Darminnere gelangt und verflüssigen so den Stuhl.
Natriumphosphat veranlasst den Körper, grosse Mengen Wasser ins Darminnere abzugeben. Das macht den Stuhl ebenfalls flüssiger und voluminöser, sodass es auch hier zu vermehrter Darmbewegung kommt. Im Unterschied zu PEG bindet Natriumphosphat jedoch nicht das Wasser, das sich bereits im Darm befindet, sondern zieht Wasser aus den Körperzellen.
Sowohl bei einer Darmreinigung mit PEG als auch mit Natriumphosphat kann es zu Nebenwirkungen kommen, wie zum Beispiel:
Je nach Präparat unterscheidet sich das Prozedere bei einer Darmreinigung etwas:
Generell ist es wichtig, während einer Darmreinigung viel zu trinken. So lassen sich der Flüssigkeitsverlust, der durch das Abführen entsteht, und damit einhergehende Verschiebungen im Elektrolyt-Gleichgewicht ausgleichen.
Am Ende der Darmreinigung sollte der Stuhl ähnlich aussehen wie Kamillentee: hell, klar und flüssig. Dann kann die Darmspiegelung ohne Probleme stattfinden.
In der Alternativmedizin und im Wellness-Bereich versteht man unter einer Darmreinigung in der Regel eine Darmspülung. Ihr kommt vor allem als Teil sogenannter ausleitender Verfahren eine grössere Rolle zu – zum Beispiel für eine Art innere Reinigung oder als Vorbereitung auf eine Fastenkur. Einer Darmspülung schreiben viele Menschen gesundheitsfördernde Effekte zu. Wissenschaftliche Belege dafür gibt es nicht.
Bei einer Darmspülung leitet man mit einem Schlauch rektal Wasser in den Darm ein, um den Darm zu entleeren. Das abfliessende Wasser samt Darminhalten wird über einen zweiten Schlauch abgeleitet. Je nach gewählter Variante können die Wassermengen bei einer Darmspülung deutlich variieren: Bei einer Darmspülung fliessen in der Regel grössere Mengen Wasser durch den Darm – teilweise bis zu 60 Litern.
Beim klassischen Einlauf mit Klistier gelangt dagegen nur eine kleinere Menge Wasser in den Darm. Hierbei werden mit dem Klistier, also einem kleinen, flüssigkeitsgefüllten Plastikbehälter mit Einführvorrichtung, höchstens 5 bis 200 Milliliter Flüssigkeit rektal in den Darm «gespritzt». Diese müssen (wenn möglich) vom Betroffenen aktiv für kurze Zeit im Darm gehalten werden, ehe die Flüssigkeit wieder ablaufen kann.
Anwendungsbeispiele gibt es im alternativmedizinischen Bereich viele. Oft unter der Annahme, dass eine Darmreinigung Krankheitsbilder (z.B. Arthritis, Allergien, Asthma, Kopfschmerzen) bessern kann, das Immunsystem stärkt oder auch einfach nur das Wohlbefinden positiv beeinflusst. Zwar berichten manche Betroffene, dass sie sich nach einer Darmspülung besser fühlen. Wissenschaftlich Beweise für diese Wirkungen gibt es bislang nicht.
Weit verbreitet ist die Annahme, dass sich im Darm «Schlacken» oder Giftstoffe ansammeln, die auf Dauer zu gesundheitlichen Problemen führen und deshalb mit einer Darmreinigung entfernt werden müssen. Aus medizinischer Sicht ist dieses «Entschlacken» jedoch unnötig. Mithilfe der normalen Darmtätigkeit entledigt sich der Körper bereits ganz natürlich der Stoffe, die er nicht gebrauchen kann.
Je nach Art der Darmspülung enthalten die eingenommenen abführenden Präparate oder das per Darmspülung zugeführte Wasser Stoffe wie:
Als Folge der Darmspülung kann es zu Nebenwirkungen kommen, wie etwa:
Wissenschaftlich gesehen gibt es keine Gründe, die für eine Darmreinigung sprechen – ausser zum Beispiel im Rahmen einer Darmspiegelung oder einer Darm-OP.
Unsachgemäss durchgeführt kann eine Darmreinigung zu Verletzungen oder gesundheitlichen Beschwerden führen, so zum Beispiel:
Während einer Darmreinigung verlieren Sie viel Wasser, achten Sie deshalb darauf, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen!
Insbesondere für Menschen mit Vorerkrankungen besteht ein erhöhtes Risiko für schwere, zum Teil lebensbedrohlich Nebenwirkungen. Betroffene sollten deshalb von einer Darmreinigung absehen, sofern diese nicht medizinisch notwendig ist. Zu solchen Erkrankungen zählen unter anderem:
Von einer Darmreinigung aus Wellness-Gründen absehen sollten ausserdem alle, die erst vor kurzem eine Darmoperation hatten.
Um sicherzugehen, dass keine gesundheitlichen Gründe gegen eine Darmreinigung sprechen, ist vorab ein Gespräch mit dem Hausarzt sinnvoll. Er kann abschätzen, ob eventuell Risikofaktoren bestehen. Ohnehin ist es empfehlenswert, bereits bestehende gesundheitliche Beschwerden vor der Darmreinigung vom Arzt abklären zu lassen.
Auf den Menschen bezogen gibt es die Begriffe Entschlacken beziehungsweise Schlacken noch nicht sehr lange. Erst 1935 führte Otto Buchinger (1878-1966) diese Begrifflichkeiten ein. Der deutsche Arzt wurde vor allem durch seine Konzepte zum Thema Heilfasten bekannt.
Buchinger stellte sich vor, dass sich im Darm schädliche Stoffe ablagern, die regelmässig entfernt werden müssten. Ähnlich wie Hochöfen oder Feuerkessel von Dampflokomotiven immer wieder eine Reinigung brauchten, weil sich auf Dauer Schlacke (Verbrennungsrückstände) ansammelte.
Dass sich im Darm oder in anderen Körperbereichen sogenannte Schlacken ablagern, konnte jedoch bislang nicht nachgewiesen werden. Verwertbare Stoffe werden vom Köper aufgenommen – nicht verwertbare Substanzen über die Nieren und den Darm ausgeschieden.