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Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Basel ist die zweitjüngste der insgesamt sieben Basler Fakultäten und wurde 1995 gegründet. Das Fach Ökonomie konnte zu diesem Zeitpunkt jedoch schon auf eine fast 150jährige Tradition in Basel zurückblicken.
Der Status einer eigenständigen Fakultät hatte in den jüngsten Jahren einen rasanten Ausbau des Angebots und eine deutliche Profilierung zur Folge. Typisch für Basel ist dabei das Ziel, in Forschung und Lehre die beiden Disziplinen Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre zu integrieren. Seit dem Umzug ins Jacob Burckhardt- Haus Anfang 2009 sind auch erstmals alle Abteilungen der Fakultät unter einem Dach vereint.
Die Nationalökonomie als Ausgangspunkt einer 150jährigen Geschichte
Die Anfänge der Nationalökonomie in Basel waren durch personelle Diskontinuitäten geprägt. Vierzehn Namen umfasst die Liste der Professoren für Nationalökonomie der Jahre 1855-1936. Hinzu kamen mehrere, teils langjährige Vakanzen. Auch die institutionelle Einordnung des Fachs war kompliziert. Versuche einer Eingliederung in die Juristische Fakultät scheiterten ebenso wie die Gründung einer eigenen «Staatswissenschaftlichen» Fakultät.
Der Beginn des 20. Jahrhunderts stellte für die Nationalökonomie eine Phase der Stabilisierung dar. Der 1899 auf eine außerordentliche Professur berufene Stephan Bauer knüpfte von Basel aus ein enges Kooperationsnetzwerk: neben seiner Lehre an der Universität übernahm er das Generalsekretariat der Internationalen Vereinigung für gesetzlichen Arbeitsschutz und leitete das in Basel ansässige Internationale Arbeitsamt. Darüber hinaus war er Mitbegründer der Zeitschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, die spätere Vierteljahrsschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte.
Außerhalb der Universität war das Interesse an wirtschaftswissenschaftlichen Fragestellungen gestiegen: Die Basler Banken und Handelsgesellschaften forderten ein Verstärkung der handels- und finanzwissenschaftlichen Ausbildung. Das große Ziel, die Gründung einer eigenen Handelshochschule scheiterte, jedoch konnte eine zweite Professur für Nationalökonomie und Statistik geschaffen werden. Diese wurde durch die Stiftung des Schweizerischen Bankvereins finanziert und 1909 mit Julius Landmann besetzt. In die gleiche Zeit fiel die Gründung des Schweizerischen Wirtschaftsarchivs in Basel.
In dieser Phase der Konsolidierung lassen sich auch die Anfänge für die in Basel lange Zeit prägende, enge Verbindung zwischen Nationalökonomie und Soziologie erkennen. Edgar Salin, der 1927 auf die Professur für Nationalökonomie und Statistik berufen wurde, führte dieses Zusammenspiel beider Fachrichtungen in den folgenden dreieinhalb Jahrzehnten zu einem bedeutenden Höhepunkt.
1952 wurde von Per Jacobsson das Basle Center for Economic and Financial Research gegründet. Im Centre beschäftigten sich Studierende an Problemen der Stabilisierungspolitik und arbeiteten schwerpunktmässig über afrikanische Entwicklungsländer. Die Verbindung zwischen dem Basle Center for Economic and Financial Research und der Universität Basel war stets eng. Mehrere Habilitationen sind aus dem Centre hervorgegangen.
Eine grundlegende Veränderung im Profil der Basler Wirtschaftswissenschaften markiert die Berufung Gottfried Bombachs (1957), der erstmals in Basel eine angelsächsisch und mathematisch orientierte Ökonomie vertrat und die mathematische Statistik und Betriebswirtschaft stärkte.
Reformen und Umgestaltungen
In dieser Zeit gab es noch kein Abschlussexamen (Lizentiat) im heutigen Sinne, wodurch ein neuer Ansporn gefunden werden mussten, wie der wissenschaftliche Nachwuchs in jener Epoche seinen Weg finden konnte. Durch diese organisatorischen ‹Lücken› kamen in den Jahren darauf schwierige Aufgaben auf die Ökonomie in Basel zu. Einerseits verlangte das Anwachsen des Fachs die Errichtung eines Instituts mit den für die Forschung und die Schreibarbeiten notwendigen Einrichtungen und eine personelle Aufstockung. Andererseits brauchte es eine neue Prüfungsordnung mit einem Abschlussexamen vor dem Doktorat.
Salin befürwortete das Lizentiat nicht; er befürchtete eine Verschulung der Ökonomie. Auch stand er nicht hinter dem Wort «Institut»; dieses hielt er für Naturwissenschaften oder die Medizin als angebracht. Gleichwohl einigte man sich letztlich nach 1960 für das „Institut für Sozialwissenschaften", was der engen Verbindung zur Soziologie Ausdruck verlieh. Bei dieser Beizeichnung blieb man ein ganzes Vierteljahrhundert, auch nachdem sich die Soziologie schon längst verselbständigt hatte und ausgezogen war. Die Bezeichnung Sozialwissenschaften blieb bis zur Gründung des WWZ im Jahr 1988 als ‹Firmenname› erhalten.
Nach dieser ersten Blütezeit der Ökonomie folgte eine zweite mit den Nationalökonomen René L. Frey (Professur für Nationalökonomie 1970-2004), Peter Bernholz (ab 1971 ordentlicher Professor für Nationalökonomie, insbesondere Wirtschaftspolitik, Geld und Aussenwirtschaft) und Silvio Borner (ab 1978, bis 2009 ordentlicher Professor und Dekan des wirtschaftswissenschaftlichen Zentrums).
Aufstieg der Betriebswissenschaften
Die Betriebswirtschaften erhielten ihren Einzug in die Universität erst im Jahr 1965 mit dem ersten betriebswirtschaftlichen Lehrstuhl «Wirtschaftslehre der Unternehmung». Damals konzentrierte sich die Lehrtätigkeit auf die drei Bereiche Marketing, Personalwesen und Finanzierung. Die eher methodisch-technischen Disziplinen wie die mathematische Entscheidungsforschung (Operations Research) und Rechnungswesen sowie die Unternehmensführung kamen erst später dazu.
Dieser erste betriebswirtschaftliche Lehrstuhl wurde 1965 mit Wilhelm Hill besetzt. Ab den 70er Jahren folgten auf Wilhelm Hill Tobias Studer und Werner Müller. Der eigentliche Ausbau der Betriebswirtschaften in Basel folgte jedoch erst nach der Gründung des Wirtschaftswissenschaftlichen Zentrums (1988). So erfolgte 1995 mit Manfred Bruhn die eigentliche Übernahme des Lehrstuhls Hills. Bruhn führt bis heute einen im In- und Ausland bekannten und renommierten Lehrstuhl «Marketing und Unternehmensführung».
Erfolgreiche Insitutionalisierung
1987 wurde das Institut für Volkswirtschaft gegründet, das ein Zusammenschluss des Insituts für Angewandte Wirtschaftsforschung und des Insituts für Sozialwissenschaften war. Zur gleichen Zeit nahmen Pläne Gestalt an, alle wirtschaftswissenschaftlichen Lehrstühle und die dazugehörenden Einrichtungen unter einem Dach zusammenzuführen. Seit 1988 war die Ökonomie in neu gebauten Rosshof als Wirtschaftswissenschaftliches Zentrum (WWZ) vereint. 1995 folgte die Gründung einer eigenen Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät und mit dem Umzug in das neue Gebäude am Peter-Merian Weg fand die institutionelle Konsolidierung ihren vorläufigen Höhepunkt und Abschluss.