Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03525.jsonl.gz/2811

Wir freuen uns mit jedem Paar, welches im ersten Behandlungszyklus die erträumte Schwangerschaft erzielt. Statistisch gesehen sind aber im Durchschnitt mehrere Versuche nötig. Die renommierte Forschergruppe von IVI Valencia hat anhand eigener Zahlen berechnet, wieviele Embryonen notwendig sind, um eine Lebendgeburt zu erzielen (pro Versuch werden durchschnittlich zwei Embryonen eingesetzt):
(Garrido et al., Fertility and Sterility 2011)
Dabei zeigt sich (Grafik oben) die eklatante Abhängigkeit vom Alter der Frau. Nach zehn Embryonen beträgt die Wahrscheinlichkeit für ein Kind bei unter 35jährigen Frauen 70%, zwischen 35 und 37 Jahren 65%, zwischen 38 und 40 Jahren 60% und jenseits von 40 Jahren bloss 30%.
(Garrido et al., Fertility and Sterility 2012)
Im Gegensatz dazu besteht bei der Eizellspende (Grafik oben) überhaupt kein Zusammenhang zwischen Alter der Frau und Erfolgswahrscheinlichkeit. Dies zeigt, dass allein die Eierstöcke vorzeitig altern, während der übrige Organismus bis 45 oder maximal 50 Jahre durchaus in der Lage wäre, ein Kind auszutragen.
Viele Frauen zweifeln nach ein oder zwei IVF-Fehlversuchen sehr schnell an ihrem Körper und nehmen an, dass dieser die Embryonen «nicht angenommen» oder gar «abgestossen» habe. Weltweit werden viel zu früh und viel zu viele Tests auf sogenannte Einnistungsprobleme (repeated implantation failure) durchgeführt. Die untenstehende Tabelle zeigt, dass unter 35jährige Frauen erst nach sechs, 40jährige Frauen erst nach über zehn nicht eingenisteten Embryonen gewisse Abklärungen durchführen lassen sollten.
(Juan Garcia Velasco / Tin-Chiu Li
Jahreskongress ESHRE 2012, Istanbul)
Wahrscheinlichkeit eines Misserfolgs je nach Anzahl transferierter Embryonen. Rote Spalte = Frischzyklen bei Frauen unter 35, blaue Spalte = Auftauzyklen bzw. Frischzyklen bei Frauen über 40 Jahre. Nur bei Prozentzahlen unter 30% könnte man von einem Einnistungsproblem ausgehen.
Gesichert ist lediglich die Bauchspiegelung mit Entfernung von Einnistungshindernissen (Myome, Polypen) und verstopften wassergefüllten Eileitern. Sehr umstritten ist der Nutzen von Blutgerinnungs- und Immunabklärungen; lassen Sie sich bei uns beraten.
Die obigen Statistiken zeigen, dass die Betroffenen nach ein oder zwei Fehlversuchen weder am eigenen Körper noch am betreuenden Team zweifeln sollten. Man sollte sich für ein Zentrum entscheiden, in welches man Vertrauen hat, und dann eine Anzahl Versuche durchführen, ohne ständig alles zu hinterfragen.