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Meine ModellpilotenlaufbahnVersion 5, 17.12.2007
Keine Angst ich will hier nicht meinen ganzen Lebenslauf veröffentlichen, es geht hier wirklich nur um meine modellfliegerische Laufbahn. Ich denke dass es für den einen oder anderen Einsteiger nützlich ist, wenn er schon mal ein paar Modellpilotenlaufbahnen gesehen hat. Und vielleicht hat auch der eine oder andere alte Hase ein bisserl Freude an meinem Beschrieb .
Inhalt
1 Die Vorgeschichte
... begann 1994 mit meinem ersten Graupner-Katalog. Es Folgten in der 6. Klasse ein Holzsegler ein Skyflex sowie ein Styropordelta. Richtig eingestiegen bin ich damals allerdings nie, einerseits konnte ich mich noch nicht für ein Hobby entscheiden, andererseits fehlte mir die Fähigkeit, angefangene Sachen zu Ende zu führen. Der Skyflex absolvierte damals Knapp eine halbe Flugstunde, der Holzsegler knapp 15 Minuten. Die Landungen endeten jeweils fast ausnahmslos mit der Beschädigung der Modelle. Ich wusste damals schlicht nicht wie man Modelle flog, ich kam auch nicht auf die Idee mir Hilfe zu holen und wollte sowieso ums Verrecken alles selber machen . Der fliegerische Lerneffekt dieser ersten Versuche war minimal, ich war nachher im Prinzip gleich schlau wie vorher. Noch Schlimmer war das beim Styropordelta, das habe ich damals ausschliesslich an einem leichten Abhang von einer Strasse aus geworfen. 20m hangabwärts war jedoch bereits ein Bach, so dass ich jeweils relativ früh abdrehen musste und meine Flüge jeweils ca. 10-15 Sekunden dauerten. Das ging sicher eine ganze Flugstunde so, bis ich es schliesslich aufgegeben habe. Fliegerisch hat das genau gar nichts gebracht.
2 Der Einstieg
... begann mit dem Kauf des "Microsoft Flight Simulator 95" als Restposten, irgendwann ums Jahr 2000 herum. Wenig später kam ein gebrauchter Joystick von einem Gamer-Kollegen dazu und ich begann, in unregelmässigen Abständen und ohne irgendein Konzept zu fliegen. Anfangs Verfolgerperspektive, später auch Tower-Perspektive. Irgendwann war ich dann soweit, dass ich in der Tower-Perspektive einen Doppeldecker mit Zweibeinfahrwerk mehrmals hintereinander auf einer Mini-Piste in Chicago bruchfrei landen konnte. Wie viele Stunden Training dafür nötig waren weiss ich nicht, einige Dutzend wahren es wohl schon, ich bin im Bewegungslernen eher langsam .
In der "Modell"-Ausgabe vom Februar 2000 stellte Dieter Meier eine fliegende Scheibe unter dem Namen "Herrgottskäfer" vor. Das Ding gefiel mir auf Anhieb, allerdings waren meine Flugfertigkeiten damals noch nicht vorhanden, das Projekt landete in der Schublade. Im Sommer 2002 fühlte ich mich fliegerisch weit genug um die Scheibe in Angriff zu nehmen. Heraus kam schliesslich eine Scheibe aus einem 3mm dicken, Depron-ähnlichen Material mit 60cm Durchmesser und 560 (!) Gramm Masse. Als Versteifung dienten vier 3mm CFK-Stäbe, mit Klebeband auf die Unterseite geklebt. Die Komponenten stammten von einer nie fertiggestellten "Microbe" von Hoellein: Motor Speed 400 7.2V (Später 6V), Regler Kontronik Rondo, Getriebe 1:1.83, Luftschraube APC Klappluftschraube 8x4, Akku 10x 500mah NiCd, Empfänger Graupner R700 sowie zwei 19g euroline-Servos und ein elektronischer V-Mischer von GWS. Als Sender diente eine Skysport four von Futaba.
Der Erstflug fand auf einer Wiese mit hohem Grass statt und bestand aus einer weiten Linkskurve mit anschliessender kontrollierter Landung. Nachdem ich mich von dem Erstflugschock (jawohl, ich war 10min lang fix und fertig ) erholt hatte folgte sogleich der Zweit- und Drittflug, diesmal jeweils ca. 2 Minuten, dann war der Akku leer.
Mit der Scheibe flog ich von Sommer 2002 bis Winter 2002/2003 regelmässig, Abstürze waren immer auf eigene Dummheit (Übermut ) und nie auf fliegerische oder technische Probleme zurückzuführen. Die Flugeigenschaften und die Flugleistungen der übergewichtigen Scheibe waren aber eher bescheiden. Senkrechtes steigen war auch bei Vollgas nicht möglich, die Flugeigenschaften scheibentypisch eierig. Der Einstieg mit der Scheibe war mir aber geglückt und ich hatte ab da die beruhigende Gewissheit, jedes einigermassen einfach zu fliegende Modellflugzeug irgendwie in der Luft halten zu können.
Mein Einstieg mittels Flugsimulator und 3D-Modell entspricht in etwa dem im Kapitel Modellreihe auf der Seite Mein Vorschlag für den Einstieg beschriebenen Einstieg. Er ist ein schönes Beispiel, wie diese Methode auch unter verschärften Bedingungen (bescheidener Flugsimulator und nicht wirklich ideales Modell) funktionieren kann. Das soll jetzt kein Aufruf dazu sein, mit einem Spielzeugsimulator und einer übergewichtigen Scheibe anzufangen, es ist lediglich ein Beispiel welches zeigt, was die Variante 1 alles erträgt .
3 Segelflug
Nach der Scheibe pausierte ich eine Weile und widmete mich anderem. Im Sommer 2004 sah ich dann in der FMT Spezial Segelflug einen HLG namens "EON- HLG". Das "Haben-wollen"-Gefühl war wieder da und ich beschloss, das Ding zu bauen. Also, Plan bestellt und im Herbst 2004 mit dem Bau begonnen. Dieser Bau stellte für mich eine wichtige Premiere dar. Ich beschloss vorgängig, mich haarklein an den Plan zu halten und sämtliche Änderungsideen und "selber gross"-Aktionen zu unterdrücken. Das habe ich auch effektiv geschafft.
Der Erstflug verlief dann wirklich bilderbuchhaft, das nach Plan eingestellte Modell aufbauen, Ruderchek, werfen und das Ding fliegt, wie wenn es noch nie etwas anderes getan hätte. Genial .
Auf den Erstflug folgten 2 Wochen intensives HLG-Fliegen, dort erwischte ich auch meine erste richtig fette Thermikblase. Nach 2 Wochen und langsam schmerzendem Wurffinger beschloss ich, mir eine Hochstarteinrichtung zuzulegen. Also, ab ins Modellbaugeschäft, Graupner-Gummihochstartset gekauft. Ob des Preises von fast 90 CHF musste ich mich doch kurz festhalten, aber ich kaufte das Ding schliesslich.
Diese Hochstarteinrichtung bedeutete den Durchbruch in meiner Modellsegelfluglaufbahn. Die erreichbaren Starthöhen von 80m erlaubten ausgedehnte Thermikflüge, einfachen Kunstflug und eine Menge anderer Spässchen. Von Herbst 2004 bis Herbst 2005 absolvierte ich etliche Flugstunden mit meinem Zweiachssegler, entwickelte ihn weiter und baute neue Varianten. Die so entstandene Seglerfamilie finden sie auf der Seite Meine Modellsegelflugzeuge . Die Thermikflüge waren zwar nie wirklich lang (der längste glaub knapp 20min) aber ich war glücklich.
Das einzige wirkliche Problem an der Seglerei war neben dem Platzbedarf (das Fluggelände muss doch recht weitläufig sein und eine Landefläche bieten) die Wetterabhängikeit, wirklich gutes Flugwetter gabs nicht so oft, und mir passierte es allzu oft dass ich eigentlich Zeit gehabt hätte aber wegen Wind oder Hochdrucklage einfach nichts ging.
4 Kunstflug
Im Herbst 2005, dem Kontostand gings durch einen Ferienjob im Sommer wieder sehr gut, beschloss ich, mir ein Schaum-Kunstflugmodell samt Sender zuzulegen. Der Sender sollte auch mit einer F3J-Vierklappenfläche noch klarkommen, und da das Geld halt da war wurde es nach einwöchigem Suchen und Vergleichen eine MC22 samt Senderpult und Alukoffer. Für eine Schauwaffel natürlich völlig oversized, aber eben, ich wollte damals auch noch in Richtung F3J.
Ich hatte damals schon ein bisserl im RC-Line-Forum rumgelesen und war gerade an dem Punkt, wo die Verwirrung über Modelle, Motoren, Akkus und Servos maximal war. Mein Weg aus dem Schlamassel war erneut eine Premiere, ich bat nämlich einen slowflyererfahrenen Modellflugkollegen, mir einen Slowflyer samt Antrieb und Elektronik zusammenzustellen. Das Resultat war ein Music-Bubble . Dieses Modell baute ich brav nach Plan auf, der Kollege übernahm den ersten Flug, trimmte die Kiste ein und drückte mir nach der Landung den Sender in die Hand. Mein erster Flug verlief zwar mit zittrigen Händen, aber bruch- und problemlos. Dabei waren die gelegentlichen Anweisungen von meinem Fliegerkollegen (etwas mehr Gas ... nicht so langsam ... ok, nicht derart viel Gas ...) sehr hilfreich.
Die weiteren Flüge machte ich alleine, ging eigentlich alles problemlos, es hat zwar einige Male geknallt, aber das nur wegen eigenem Übermut und wegen dem Unwissen über den Umgang mit der Sicherheitshöhe. Den Bubble und seine Nachfolger (Meine Modellkunstflugzeuge ) bin ich ein Jahr lang intensiv geflogen.
Im Frühling 2006 Kaufte ich mir den AFPD und konnte im folgenden meine Trainingszeiten erheblich steigern. Im Winter 2006 beherrschte ich meine damalige Yak 55 bereits sehr gut, ich flog auch in engen Umgebungen mit einer Sicherheit, die ich mir vor einem Jahr nicht hätte träumen lassen. Einfach wunderbar .
5 Die Grossen
Der Traum von einem 1.5m-Elektrokunstflugmodell geisterte nun schon ein Jahr in meinem Kopf herum. Neben dem ETH-Studium arbeitete ich bei der UNI-Bern, mit dem verdienten Geld konnte ich einen Teil meines Lebensunterhalts bezahlen. Das restliche Geld landete auf meinem Konto, und da ich keine Zeit hatte, irgendwas auszugeben (ETH eben ) sammelte sich mit der Zeit ein ordentlicher Betrag.
Am Donnerstag vor den Weihnachtsferien rechnete ich dann mal zusammen, was mich eine 1.5m Fliton-Extra von Slowflyer.ch mit allem drum und dran kosten würde....
Nachdem ich mich von dem Schock wieder erholt hatte beschloss ich, mich nach etwas kleinerem umzusehen. Vor allem der Akkupreis in der 1.5m-Klasse und die damit verbundenen Kosten pro Flugstunde sowie die nötige Anschaffung eines neuen Ladegerätes versetzten dem Projekt 1.5m den Todesstoss.
Auf der gleichen Seite fand ich jedoch die 1.28m Extra von Fliton, und nach 2 Flugvideos und einer kurzen Überschlagsrechnung war die Sache geritzt. Am Samstag habe ich die ganze Chose bei Slowflyer.ch gekauft (und damit hoffentlich beiden Seiten ein Weihnachtsgeschenk bereitet ). Weiteres zu diesem Modell können sie auf der Seite Fliton AJ Extra 330s nachlesen.