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Die Sammler
Dr. Josef Dolder-Stocker · Dr. Edmund Müller-Dolder · Dr. Edmund Müller jun.
Dr. Edmund Müller-Dolder wurde am 26. Juli 1870 als Sohn des Lehrers Blasius Müller-Albisser in Luzern geboren. Der Vater war damals Buchhalter der Firma Räber. Ein halbes Jahr später zog die Familie nach Beromünster, wo der Vater Stiftsverwalter wurde und fortan den Lütishofer Chorhof am Bärengraben bewohnte. Die Gymnasialjahre in Beromünster, Einsiedeln und Luzern schloss Edmund Müller 1891 mit der Matura ab. Das Medizinstudium absolvierte er in Bern, mit kurzen Studienaufenthalten an der Universität Würzburg und an der medizinisch-chirurgischen Poliklinik in Genf. Dem Staatsexamen am 10. Dez. 1896 folgte eine Weiterbildung an der Universität Zürich.
Am 17. Mai 1897 heiratete er Hedwig, die älteste Tochter von Josef Dolder, und übernahm zwei Wochen später die Arztpraxis seines Schwiegervaters im Haus zum Dolder. 1905 erhielt er die Doktorwürde mit der Dissertation «Beiträge zur Kenntnis der Verletzungen der untern Extremitäten hinsichtlich ihrer Folgen für die Erwerbsfähigkeit».
Mehr als 30 Jahre wirkte Edmund Müller-Dolder als pflichtbewusster und menschenfreundlicher Arzt im Michelsamt. Fast täglich besuchte er auch seine Patientinnen und Patienten zu Hause. So lernte er die Sorgen und Nöte der Michelsämter kennen wie kein zweiter. Seine Fürsorge ging dabei weit über die Heilung der Krankheit hinaus.
Bei diesen Krankenbesuchen sah Edmund Müller in den Stuben und Kammern aber auch viele altüberlieferte regionale Kunstschätze und Zeugnisse der Volkskultur und des Volksglaubens. Zeit seines Lebens setzte er sich für die Erhaltung dieser Schätze ein. Unzählige Objekte kultureller und volkskundlicher Art sammelten sich in seinem Haus im Flecken. Sein Hauptinteresse galt der religiösen Volkskunde, dem lokalen Brauchtum und Handwerk und der Druckgrafik. Seine Frau Hedwig Müller-Dolder (1874-1956) widmete sich ebenfalls mit grosser Liebe der Sammlung und ganz besonders dem Trachtenwesen und der Heraldik.
Edmund Müller-Dolder war Gründer und Präsident des Vereins Heimatmuseum Beromünster, ein eifriges Mitglied und später Präsident des örtlichen Geschichtsvereins, Mitbegründer und Präsident der Luzerner Trachtenvereinigung. Insgesamt wirkte Edmund Müller-Dolder in über 30 Organisationen und Vereinen sanitären, erzieherischen, karitativen und kulturellen Charakters mit, häufig als Präsident. In diesen Bereichen konnte er auch in den 24 Jahren als Grossrat des Kantons Luzern vieles bewirken.
Neben diesem schier unglaublichen Engagement fand Edmund Müller-Dolder auch noch Zeit, Aufsätze zu volkskundlichen Themen zu veröffentlichen. Daneben notierte er seine Gedanken in unzähligen kleinen Wachstuchheftchen, und während dreier Jahrzehnte hielt er beinahe jeden Tag die wichtigsten Ereignisse seines Umfeldes in seiner «Chronik von Beromünster» fest – eine in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommene Arbeit. Sie wurde lediglich im Nachruf von Josef Wallimann erwähnt: Seine seit Jahrzehnten geführte Ortschronik wird einst für spätere Generationen eine reiche und zuverlässige Fundgrube sein («Heimatkunde des Michelsamtes», 1946, Nr. 5/6).
Als er Ende 1929 die Praxis an seinen Sohn Edmund Müller jun. weitergab, wirkte er zwar vorerst noch in einem kleinen Pensum weiterhin als Arzt, erhielt aber für seine ausserberuflichen Engagements einen grösseren Freiraum. Mit 75 Jahren, noch mitten in seinem unermüdlichen Schaffen, starb Edmund Müller-Dolder am 12. Juni 1945.