Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03419.jsonl.gz/1950

Chevrolet Camaro vor dem Ende?
Die Verkaufszahlen des Chevrolet Camaro sind erschreckend. Kommt er bald rein elektrisch?
Ford hatte mit dem Mustang, der am 17. April 1964 erstmals auf den Markt kam, gewaltigen Erfolg. Zwar wurde der Mustang auch mächtig aufgedonnert – Shelby! –, doch eigentlich war der Ford im Vergleich zu den «muscle cars» mehr ein Pferdchen, oder eben ein «pony car», wie später das gesamte Segment genannt werden sollte. GM und AMC und Chrysler blickten trotzdem neidisch nach Dearborn, und es war klar, dass auch die Ford-Konkurrenten unbedingt so ein Pony im Stall haben mussten.
Zwar war Chrysler mit dem Plymouth Barracuda (der eigentlich hätte Panda heissen sollen) noch zwei Wochen vor Ford am Start, doch die erste Barracuda-Generation war wenig aufregend, ein fristierter Valiant reichte halt nicht gegen den Mustang. Der Javelin von AMC kam 1967, und das war dann schon ein ziemlich heisses Teil, doch der Konzern war eindeutig auf dem absteigenden Ast, was die Chancen des Javelin nicht gerade verbesserte. Doch da war dann noch GM, damals der mit Abstand grösste Hersteller der Welt.
Am 28. Juni 1966 veranstaltete GM einen Anlass in Detroit – und an 14 Orten in den USA, alle live miteinander verbunden für die welterste Presse-Konferenz. Die Ansprache hielt Pete Estes (den kennen wir noch vom Pontiac GTO), der eine neue Modellreihe ankündigte, dann sogar noch den Namen verriet: Camaro. Als die Journalisten dann nachfragten, was das denn bitt’schön sein soll, Camaro, antworteten die Chevrolet-Mitarbeiter: «Ein kleines, böses Tier, das Mustangs frisst.»
Der Chevrolet Camaro war ein Erdbeben
Die ersten Camaro standen am 29. September 1966 bei den Händlern, grobe zweieinhalb Jahre nach dem Mustang. Auch wenn der neue Wagen gewisse technische Verwandschaften hatte mit dem eher öden Chevy Nova, so war doch extra für den Camaro (und den ein Jahr später folgenden Pontiac Firebird) eine komplett neue Plattform entwickelt worden, der so genannte F-Body. Basis-Motorisierung war ein 3,8-Liter-Sechszylinder (230 ci), doch es gab von Anfang an richtig böse Geräte, etwa den SS, für den ein 6,5-Liter-V8 (396 ci) erhältlich war.
Es war nichts weniger als ein Erdbeben, das der Camaro unter den «pony cars» verursachte: 221’306 Exemplare wurden schon im ersten Jahr abgesetzt. 1968 kam es noch besser, 235’147 Camaro wurden verkauft. Und jetzt? Im zweiten Quartal 2021 waren es - weltweit! - noch 2792 Stück, mehr als 50 Prozent weniger als im zweiten Quartal 2020 (6675 Exemplare).
Ganz schwache Verkaufszahlen
Zum Vergleich: Vom Dodge Challenger wurden in Q2/21 satte 15'052 Exemplare abgesetzt, vom Ford Mustang auch immerhin 14'676. Der Marktanteil des Camaro unter den den aktuellen amerikanischen «muscle cars» beträgt noch müde 9 Prozent. Das Problem ist: GM will den Chevrolet Camaro in dieser Form eigentlich noch bis 2026 laufen lassen.
GM, hört man sagen, schaut genau hin, ob das Spiel von Ford mit dem Mustang Mach-E funktioniert. Und hat einen rein elektrischen Camaro E wohl schon mal parkiert. Dass dieser mit erheblicher Verspätung kommen würde, das war beim Camaro ja schon in der Vergangenheit so. Und auch Volkswagen hat ja genau damit Erfolg.