Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03364.jsonl.gz/1127

Häufig gestellte Fragen zur Leber (FAQ)
Die Leber ist eine Art Überwachungs- und Logistikzentrum für viele grundlegende Funktionen des Körpers und funktioniert als moderne Fabrik und Kläranlage. Nachfolgend sind die Hauptfunktionen der Leber aufgeführt:
- Entgiftung (z.B. Alkohol, Medikamente, Fremdstoffe). Diese werden abgebaut und über die Galle oder via Blutbahn und über den Urin ausgeschieden.
- Stoffwechselregulation – die Leber ist essentiell für den Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel. Sie ist die Stoffwechselfabrik des Körpers und koordiniert mehrere chemische Reaktionen, welche die Energieverfügbarkeit auch in Zeiten hoher Beanspruchung (z. B. beim Sport) stabil halten.
- Produktion von Eiweissstoffen – unter anderem: Gerinnungsfaktoren, Albumin (Eiweiss) Komplementproteine und Akute-Phase-Proteine
- Gallenproduktion (1 - 1.5 Liter pro Tag!)
- Aktivierung und Abbau von Hormonen – z.B. Schilddrüsenhormone, Vitamin D, Geschlechtshormone, Zucker-regulierende Hormone wie Insulin und Glukagon
- Filter – die Leber verhindert die Ausbreitung von schädlichen Mikroorganismen und hat eine immunologische Kontrollfunktion.
Die Lebererkrankung kann im Frühstadium völlig symptomlos sein, kann aber bei veränderten Blutwerten vermutet werden. Zudem sind die Beschwerden am Anfang häufig sehr unspezifisch und es wird lediglich über eine vermehrte Müdigkeit oder allgemeine Abgeschlagenheit berichtet. Eine Gelbfärbung der Haut und der Augen sowie Flüssigkeit im Bauchraum sind oft die ersten offensichtlichen Symptome einer schweren Lebererkrankung, treten aber erst spät auf.
Lebererkrankungen können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Die häufigsten werden durch folgende Faktoren verursacht:
- übermässiger Alkoholkonsum
- nichtalkoholische Fettleber
- leberspezifische Viren:
- akute und chronische Hepatitis B, C und D
- akute Hepatitis A und E
- andere Viren: Epstein-Barr-Virus, Cytomegalovirus, Herpesvirus
- genetisch bedingte Krankheiten (u.a. Anhäufung von Eisen oder Kupfer oder abnormalen Proteine wie alpha-1 Antitrypsin)
- medikamentös-toxische Ursache (z.B. Paracetamol-Vergiftung)
- autoimmune Ursache
- Verschlüsse der Lebergefässe (Pfortader, Lebervenen)
Fettleber (auch als Lebersteatose bekannt) bezeichnet eine übermässige Ansammlung von Fett in den Leberzellen. Die meisten Fälle sind auf Stoffwechselstörungen zurückzuführen, die mit Fettleibigkeit, Diabetes oder dem sogenannten metabolischen Syndrom einhergehen.
Leberfibrose ist die Vernarbung, die als Folge einer länger andauernden Entzündung in der Leber auftritt. Eine leichte Fibrose beeinträchtigt die Leberfunktion nicht, während eine schwere Fibrose die Architektur der Leber zerstört und somit eine normale Leberfunktion verunmöglicht.
Die Leberzirrhose ist das fortgeschrittene Stadium der Lebererkrankung, dann, wenn Bindegewebe innerhalb der Leber die Leberzellen vollständig umgibt. Die Leber wird meistens kleiner und ist deutlich verhärtet und steif. Ausführlichere Informationen hierzu finden Sie in unserer Broschüre.
Die wichtigsten Folgen sind:
- eine Verringerung der verschiedenen Funktionen der Leber
- der Teint der Haut wird gelblich
- die Muskelmasse nimmt ab
- Flüssigkeit kann sich in den Knöcheln und im Bauch ansammeln
- Es kann zu schweren Infektionen und einer Verschlechterung der Aufmerksamkeitsspanne kommen.
- eine Erhöhung des Drucks in der Pfortader (der Vene, die das Blut aus dem Verdauungssystem in die Leber leitet). Der Blutrückstau führt zum Auftreten abnormaler Venen in der Speiseröhre und im Magen, sogenannte Krampfadern der Speiseröhre und des Magens (auch als Ösophagus- oder Magenfundusvarizen bekannt). Diese Umgehungskreisläufe sind sehr fragil und können bei einer Ruptur zu schweren Magendarmblutungen führen.
- ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Leberkrebs
Die Diagnose kann mit bildgebenden Verfahren: Kontrastmittel verstärkter Ultraschall, Schnittbilder wie die Computertomographie (CT) oder mittels Magnetresonanztomographie (MRT/MRI) gestellt werden und wird gegebenenfalls durch eine Gewebsprobegewinnung, einer Biopsie (direkte Punktion des Tumors durch die Haut) bestätigt. In der Regel verursacht der Leberkrebs keine spezifischen Beschwerden oder Schmerzen.
- Die Behandlung des Leberkrebs hängt von folgenden Faktoren ab:
- Allgemeinzustand des/der Patienten:in
- Leberfunktion
- Grösse, Anzahl und genaue Lokalisation des Tumors oder der Tumore
Einzelne Lebertumore werden in der Regel mittels sogenannten lokalen Therapien behandelt. Das kann eine sogenannte Mikrowellenablation beinhalten (Zerstörung des Tumors mittels Hitze), eine Embolisation (Verödung der Gefässe, welche den Tumor mit Blut versorgen) oder die chirurgische Entfernung des Tumors mittels einer minimal-invasiven oder offenen Leberteilentfernung. Es gibt auch die Möglichkeit, den Tumor mittels einer inneren Bestrahlung, einer sogenannten SIRT-Therapie zu behandeln. Hat es gleichzeitig mehrere Tumore oder qualifiziert der Patient oder die Patientin nicht für eine lokale Therapie, kommen sogenannte Systemtherapien zum Zuge. Hier werden mit Medikamenten oder Immuntherapien die Tumore behandelt.
Die hepatische Enzephalopathie ist eine reversible Funktionsstörung des Gehirns, die in der Regel durch eine unzureichende Entgiftungsfunktion der Leber entsteht. Ausführlichere Informationen hierzu finden Sie in unserer Broschüre.
Die am häufigsten verwendeten Blutwerte sind:
- Transaminasen (AST, ALT, in den Leberzellen enthaltene Enzyme)
- Cholestase-Indikatoren (Alk. Phosph., GGT, Bilirubin)
- Lebersynthese-Indikatoren (Albumin, INR).
Erhöhte Transaminasen und Cholestase-Werte weisen auf eine Schädigung der Leber bzw. der Gallenzellen hin. Umgekehrt kann ein Rückgang der von der Leber synthetisierten Proteine auf eine unzureichende Leberfunktion hinweisen.
Die Hepatitis, also Leberentzündung, kann unterschiedliche Ursachen haben. Für die durch Hepatitis-B- und -C-Viren ausgelöste Virushepatitis gibt es wirksame antivirale Medikamente, die die Infektion kontrollieren oder vollständig heilen können. Im Falle einer Autoimmunhepatitis sind immunsuppressive Medikamente erforderlich, Medikamente die das Immunsystem kontrollieren.
Eine Leberteilentfernung kann notwendig sein, um einen bösartigen Tumor (z.B Leberkrebs oder Ableger von Dickdarmkrebs) zu entfernen. Da eine normale Leber grosses Regenerationspotential hat und nachwachsen kann, kann bei entsprechender Vorbereitung auch relativ viel Lebergewebe operativ entfernt werden. Heutzutage werden viele Leberoperationen auch mittels minimal-invasiver Chirurgie (Stichwort 'Schlüsselloch-Chirurgie') durchgeführt. Die Entfernung gutartiger Lebertumore ist eher selten notwendig. Auch bei einer Leberverletzung, z.B. im Rahmen eines Unfalles, kann meistens eine Operation vermieden werden.
Ist die Leber irreversibel geschädigt, zum Beispiel auf Grund einer schweren langbestehenden fortgeschrittenen Zirrhose kann eine Lebertransplantation unumgänglich sein. In ausgewählten Situationen ist eine Lebertransplantation auch bei Leberkrebs die beste Therapieoption. Das sehr selten auftretende akute Leberversagen kann in einigen Patienten auch zur Transplantation führen
Alkohol wird nach der Aufnahme über den Verdauungstrakt in der Leber abgebaut. Beim Abbau des Alkohols werden Substanzen freigesetzt, welche die Leber schädigen können. Je höher und häufiger der Alkoholkonsum, desto grösser ist der Leberschaden. Bei Leberschäden welche durch den Alkoholkonsum verursacht wurden, kann die Leber ihre Funktionen noch eine Weile aufrechterhalten, da sie sich von leichteren Schädigungen erholt. Die Leber funktioniert zudem normal weiter, auch wenn bis zu 80 Prozent von ihr beschädigt sind. Wird jedoch weiterhin Alkohol getrunken, schreitet die Leberschädigung fort und kann zum Tod führen.
Zuviel Alkohol kann zu folgenden Lebererkrankungen führen:
- Fettansammlung (Fettleber bzw. hepatische Steatose): Diese Schädigung ist am ungefährlichsten und kann bisweilen rückgängig gemacht werden. Sie tritt bei über 90 Prozent der Menschen auf, die zu viel Alkohol trinken
- Entzündung (alkoholische Hepatitis): Bei etwa 10 – 35 Prozent der Betroffenen entzündet sich die Leber.
- Zirrhose: Bei etwa 10-20 Prozent von Personen mit einem zu hohen Alkoholkonsum kommt es zu einer Leberzirrhose. Die Leberzirrhose ist das fortgeschrittene Stadium der Lebererkrankung, dann, wenn Bindegewebe innerhalb der Leber die Leberzellen vollständig umgibt. Die Leber wird dann meistens kleiner und ist deutlich verhärtet und steif. Ausführlichere Informationen hierzu finden Sie in unserer Broschüre. Eine Zirrhose kann nicht mehr vollständig rückgängig gemacht werden.
Paracetamol kann zu einer Leberschädigung führen, wenn mehr als 4 g pro Tag eingenommen werden, oder auch bei kleineren Mengen, wenn sie zusammen mit anderen Medikamenten während mehreren Tagen eingenommen werden, oder falls eine Lebererkrankung bereits besteht. Paracetamol sollte zudem an das Körpergewicht angepasst eingenommen werden. Wiegt man <50kg können bereits kleinere Mengen zu einem Leberschaden führen. Fragen Sie immer Ihren Hausarzt oder Ihren behandelnden Arzt, ob Sie Paracetamol einnehmen dürfen.
Eine ausgewogene Ernährung (Mittelmeerdiät), der Verzicht auf Alkohol und körperliche Bewegung/Sport helfen der Leber, gesund zu bleiben.
Unser Zentrum verfügt über ein multidisziplinäres Team von international anerkannten Spezialisten in den Bereichen Hepatologie, Leber- und Lebertransplantationschirurgie, Leberonkologie, Hepatobiliäre Interventionen und Bildgebung der Leber und der Gallenwege. Wir beteiligen uns an zahlreichen internationalen Studien mit neuen Medikamenten und Geräten, die modernste Diagnosestellungen- und Therapien ermöglichen. Darüber hinaus legen wir ein besonderes Augenmerk auf die zwischenmenschlichen Beziehungen zu unseren Patienten und Patientinnen, denn wir wollen sie umfassend unterstützen und ihnen eine möglichst hohe Lebensqualität ermöglichen.
Für einen Termin an unserem Leberzentrum in Bern erreichen Sie uns wie folgt:
Tel.: +41 31 632 59 00
Email (<email-pii>) oder Kontaktformular
Bitte haben Sie Verständnis, dass wir telefonisch oder per E-Mail keine verbindlichen Diagnosen stellen können.
Gerne vereinbaren wir für Sie einen Termin im Bauchzentrum. Beachten Sie bitte, dass wir nur direkt Termine an Patienten und Patientinnen mit freier Ärztewahl vergeben können. Patienten und Patientinnen mit einer Krankenversicherung mit Hausarztmodell oder HMO-Modell müssen für einen Termin über ihren Hausarzt, bzw. Gruppenpraxis angemeldet werden.