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Pompeji: Das Haus der Vermesser
Ohne sie wäre die Architektur des alten Rom undenkbar: die Vermesser oder vielmehr die Agrimensores oder Gromatici. Sie ermöglichten so spektakuläre Bauten wie das Pantheon oder das Kolosseum. Dennoch ist wenig über ihre Arbeit bekannt. Kürzlich untersuchte Mosaike in Pompeji geben nun Einblicke.
Ob gigantisches Viadukt wie der Pont du Gard in Südfrankreich, mehrstöckige Mietshäuser – sogenannte Insulae – oder Verkehrswege wie die Via Appia – die Baukunst der Römer ist legendär. Möglich machten die teils spektakulären Projekte die Vermesser oder vielmehr die Agrimensores oder Gromatici. Als Werkzeug diente ihnen die Groma: ein Kreuz mit vier senkrechten Armen, die jeweils mit einem Lot versehen waren. Mit seiner Hilfe konnte man präzise rechte Winkel abstecken.
So sah eine Groma aus. Nachbildung eines Fundstücks von Pompeji. (Illustration auf einer Informationstafel.)
Allerdings gibt es keine vollständig erhaltenen Gromae, das einzig bekannte Werkzeug dieser Art ist bei Ausgrabungen in Pompeij zu Tage gefördert worden. Auch Darstellungen, wie man es konkret nutzt, sind kaum aus der Zeit vorhanden. Und Abbildungen, die den Einsatz der Gromae zeigen, finden sich lediglich noch in mittelalterlichen Handschriften, sie stammen somit aus einer Epoche, in der diese Vermessungstechnik nicht mehr aktuell war.
Mosaike mit abstrakten Darstellungen
Nun sind bei archäologischen Untersuchungen im Rahmen des von der EU finanzierten Projekts „Great Pompeii“ weitere Hinweise auf die Arbeit der Vermesser aufgetaucht.
Im Innern des Hauses „Orion“ haben Archäologen Böden mit gut erhaltenen Mosaiken frei gelegt, sie zeigen abstrakte Darstellungen. Eine davon zeigt ein Quadrat, das von einem Kreis umschlossen wird. Der Kreis weist acht gleichmässige Sektoren auf und erinnert damit an eine Windrose. Er wird von zwei senkrechten Linien durchschnitten, die mit der Längsachse des Atriums des Gebäudes zusammenfallen.
Dieses und die übrigen Bilder sind nun von Massimo Osanna, Direktor der archäologischen Stätte, sowie Luisa Ferro und Giulio Magli vom Polytechnikum Mailand haben analysiert worden.
Das Bild ähnle auffallend Darstellungen mittelalterlicher Illustrationen, die zeigten, wie die Gromatici einen Raum teilten, heisst es dazu in der Medienmitteilung des Polytechnikums. - Ein weiteres Bild stellt einen Kreis mit einem darin eingeschriebenen orthogonalen Kreuz dar, das an eine Groma erinnert.
Versammlungsort oder Wohnhaus?
Die Wissenschaftler vermuten, das Vermesser das Gebäude als Versammlungsort nutzten, oder aber, dass sein Eigentümer selbst Vermesser war. Doch letztlich wisse man es nicht, hält das Polytechnikum in seiner Medienmitteilung fest. Auf jedenfall lieferten die Mosaike aber „unschätzbare“ Hinweise für das Verständnis von Schlüsselaspekten römischen Lebens und der römischen Zivilisation. (mai)