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Die Häuser des heutigen „Landgut Pfyn“ erinnern an das verschwundene Dorf Pfin. Laut einer Volkszählung aus dem Jahre 1798 bestand diese einst stattliche Siedlung aus 18 Häusern, 19 Kornspeichern und 15 Scheunen. In einem älterem Dokument wird auch eine Heilig-Kreuz Kapelle erwähnt. Auf der 1802 erstellten Karte der Region ist zu erkennen, dass zur Siedlung das eigentliche Dorf und ein Nebenweiler gehörten.
Das Dorf Pfin säumte die wichtige Handelsstrasse, welche die Märkte im Norden über den Simplon mit Mailand verband. Diese Route auf dem linken Rottenufer ist seit Ende des 12. Jh. belegt. Sie war schneller aber weniger sicher als der Weg auf der gegenüberliegenden Talseite, der über Salgesch, Varen und Leuk führte.
Das Dorf Pfin erlangte eine gewisse Bekanntheit anlässlich der Schlacht im Pfynwald. Im Mai 1799 schlugen hier die französischen Truppen den Oberwalliser Widerstand nieder. Das Pfyndenkmal erinnert heute noch an diese Schlacht.
Während der Wirren wurde das Dorf sicher stark beschädigt, denn auf einer Karte von 1813 erscheint es kleiner als noch zehn Jahre zuvor, und der Nebenweiler ist verschwunden. Das Dorf wurde aber nicht verlassen. 1905 zählt es noch 10 Häuser und 70 Einwohner. Die Gründung des „Landgut Pfyn“ hat später der Region neuen Aufschwung verliehen. Hiervon zeugt heute der moderne landwirtschaftliche Betrieb.
Ein Gutshof um das Jahr 1000
In der Nähe des Weilers wurden die Reste eines veralteten Gebäudes (3) entdeckt, das zu einem älteren Gutshof gehörte. Es handelt sich um das steinerne Auflager eines Stadels. Dieser auf Stelzen stehende Speicher diente zum Aufbewahren und Dreschen von Getreide. Zu diesem Ökonomiegebäude gehörten auch ausgedehnte Felder, die sich zwischen den 9. Und 12. Jh. datieren lassen. Stadel und Ackerspuren zeugen von der Existenz eines weitläufigen Gutshofs, der für die Ernte eine dezentralisierte Infrastruktur benötigte. Diese traditionelle Art der Feldbewirtschaftung hat sich in unsere Gegend bis in jüngste Zeit gehalten. Die verstreuten Stadel prägen noch heute das Landschaftsbild des Oberwallis.
Die Stallscheune des Weilers Pfyn um 1500
Die hier im „Landgut Pfyn“ rekonstruierte Bodenpflästerung gehörte einst zu einer kleinen Stallscheune, die in leichter Hanglage stand. Durch die talseitige Türe (a) betrat man einen gepflästerten Raum, der Platz bot für ein Lager Grossvieh. Der Futtertrog (b) an der gegenüberliegenden Wand lässt sich anhand eines verkohlten Brettes und der gradlinigen Ausspannung in der Steinsetzung rekonstruieren. Er war seitlich mit kräftigen, tief in den Boden gerammten Pfosten fixiert. Der Schorgraben (c) in der Raummitte erlaubt den Mist zu entsorgen. Die Rinne bestand aus einem Bodenbrett und zwei seitlichen Balken, die an den Enden mit einem Stein verkeilt waren. Über dem Stall dürfte ein weiteres Geschoss aus Holz existiert haben, in dem das Heu aufbewahrt wurde. Das Dach war mit Steinplatten gedeckt. Reste dieser Konstruktion lagen im Brandschutt des Gebäudes.
Der Weiler Pfyn
Gegen Ende des Mittelalters werden in Pfyngut die Felder durch bewässerte Wiesen ersetzt. Im Zusammenhang mit der Entwicklung dieser Weiden entsteht vermutlich etwa 150m nordöstlich des alten Dorfs Pfin ein kleiner Weiler. Der Abgang des Weilers von Pfyngut steht wohl mit der Schlacht im Pfynwald im Jahre1799 im Zusammenhang. Häuser sind zwar auf der Karte von 1802 noch zu erkennen, sie fehlen aber auf derjenigen von 1813.
Die Auswertung der Kleinfunde wurde auf die eindeutig stratifizierten Objekte beschränkt (M.-A. Haldimann und A. Antonini). Der Korpus umfasst Keramikgeschirr, Glasfragmente, Gürtelschnallen, ein Spinnwirtel, sowie Geräte und Bauteile aus Metall. Die meisten Objekte lagen im jüngsten Bauschutt des Weilers. Sie zeugen von der Nutzung der Gebäude während des 17. und 18. Jahrhunderts. Das Studium der tierischen Knochen (Cl. Olive) beschränkt sich auf zwei Komplexe: der eine stammt aus der Verfüllung des Silos (Zustand r), der zweite aus einer Planie, die mit dem letzten Umbau des Gebäudes im Zusammenhang steht (Anfang Zustand IV).
Der Flurnamen Pfin tritt bereits auf den Karten des 16. Jh. auf, zunächst um den Wald zu bezeichnen, danach auch als Ortsnamen (A. Antonini). Den ersten genaueren Plan der Ortschaft verdanken wir dem französischen Ingenieur Ceard und datiert von 1802. Die Besitzer der Bauten sind zum Teil bekannt und in den verschiedenen Volkszählungen erwähnt. Die älteste Zählung registrierte der Leuker Priester Johann Inderkummen während der Wintermonate 1703-1704 in den libri status animarum.
Im Jahre 1806 kauft die Walliser Adelsfamilie von Werra aus Leuk die sogenannte Pfyndomäne welche bis zu Beginn des 20 Jahrhunderts in ihrem Besitz bleibt. Sie umfasste neben Wald, Kultur – und Auenlandschaft zwischen Illgraben und Rhôhne die beiden Weiler Pfyn und Millieren, gelegen auf dem Gebiet der Gemeinde Leuk (rund 1500ha). Das Pfyndorf bestand 1903 aus 10 Wohnhäusern mit 70 Bewohnern und hatte bis 1910 eine eigene Schule. 1913 wurde die Pfyndomäne im Rahmen eines umstrittenen Konkursverfahrens gegen die Adelsfamilie von Werra im Auftrag von drei Westschweizern Gläuberbanken durch George Arnold Guye ersteigert.
Auszug aus: Cahiers d’Archéologie Romande 121 / Archeologia Vallesiana 4
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