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Biografisches:
Rebecca Maeder (*1978 Biel CH) studierte Keramik bei Jacques Kaufmann an der Ecole d’Arts Appliqués in Vevey. Seit 2003 arbeitet sie als freischaffende Künstlerin und nimmt weltweit an Ausstellungen und Keramiksymposien teil. Sie wurde international für ihr Werk ausgezeichnet, erhielt u.a. 2010 den NASPA Förderpreis “Mixed Media - Keramik Plus“ (D) und 2007 Bronze an der World Ceramic Biennale in Korea sowie den ersten Preis an der IV Bienal de Cerámica de El Vendrell (E). Die Werke R. Maeders finden sich weltweit in öffentlichen und privaten Kunstsammlungen. Die Künstlerin wohnt und arbeitet in Martinsegg im Emmental und hat ihr Studium an der Seoul National University in Korea abgeschlossen.
Material und Technik:
Die Berufung zur Künstlerin fand in einer der Natur eng verbundenen Kindheit ihren Ursprung, während der Kreativität und Experimentierfreude gefördert wurden. Die Faszination für Keramik kam dem Bedürfnis entgegen, während des künstlerischen Schaffensprozesses einen direkten Kontakt mit der zu bearbeitenden Materie einzugehen. Die Künstlerin formt Sphären oder gefässförmige Keramikobjekte, deren Oberfläche sie mit Vorliebe mit den Fingern oder mit Holzstöcken von innen oder aussen bearbeitet, so dass sich Kraterlandschaften oder bläschenartige Verformungen bilden. Um interessante Farb- und Struktureffekte zu erzielen mischt die Künstlerin Terracotta mit Steinzeug oder schichtet unterschiedliche Tonarten übereinander. Die Keramikobjekte werden im traditionellen Gruben- und Rauchbrand zur Vollendung gebracht und erhalten so die charakteristischen grau-schwarzen Farbnuancen. Gelegentlich setzt die Künstlerin auch die Engobe-Technik zur Oberflächengestaltung ein.
Ihre Auseinandersetzung mit Porzellan ermöglicht R. Maeder die Herausarbeitung feiner Details und den experimentellen Umgang mit Giess- und Fliesstechniken. Anstatt Porzellan traditionsgemäss in Formen zu giessen, schüttet die Künstlerin die Porzellanmasse über Ballone, mit der Absicht eine Verbindung von Luft und fliessender Materie zu ermöglichen. Sie integriert in die viskose Masse Styroporkügelchen, Watte und andere Materialien, die beim Brand verschwinden, im Kunstobjekt jedoch ihre Spuren hinterlassen.
Bildsprache und künstlerische Aussage:
Die Künstlerin schafft evokative Grundformen, welche die Gestalt von Lebewesen, von organischer oder anorganischer Materie in Erinnerung rufen. Man glaubt in ihnen Planeten und Monde, porösen Bimsstein, Korallen und Seeanemonen, gar Kugelfische zu erkennen. Die Künstlerin zeigt, wie sich in den kleinen Strukturen der Natur die Formen des Grossen und umgekehrt widerspiegeln. Die belebten, oft stark durchwirkten, verwittert oder verbrannt erscheinenden Oberflächen regen die Fantasie an und erzählen Geschichten.
Das Werk der Künstlerin zeichnet sich durch eine Faszination mit dem Ursprung allen Seins aus und mit der bis ins Mittelalter gehegten Auffassung der Urzeugung, entsprechend derer Lebewesen aus zuvor unbelebter Materie entstehen. Der künstlerische Arbeitsprozess wiedergibt, auf die vier Grundelemente Wasser, Luft, Erde und Feuer gestützt, den Schöpfungsprozess. Doch bestimmen nicht die Gesetzmässigkeiten der Natur die Entstehung der Form, sondern die Eigenarten der Materie, der Gestaltungswille der Schöpferin und eine gute Prise Zufall, die der letzte Brand bewirkt. R. Maeder bezeichnet ihre Objekte als ‘Körper’, die während des künstlerischen Prozesses geboren werden.
Die Porzellanobjekte bilden einen reizvollen Kontrast zu den verwitterten Keramikobjekten und werden von R. Maeder mit Vorliebe in Installationen präsentiert. Wie fragile Eierschalen scheinen sie Leben in sich zu bergen. Auch sie visualisieren das subtile Herantasten an die Vieldeutigkeit von Formen im Alltag. So kann ein dünn umhüllter Leerraum bei R. Maeder für Eros stehen oder für das Nichts, ohne welches nach Lao-Tse alles Existierende ohne Nutzen und Bedeutung ist; oder er kann den Hohlraum in Nesseltieren repräsentieren, wo Verdauung und Gasaustausch stattfinden.