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Schauplatz dieses leisen Romans ist ein altes Patrizierhaus im multikulturellen, heruntergekommenen Hafenviertel von Cagliari auf Sardinien. Das ehemals hochherrschaftliche Haus ist in unterschiedlich große Wohnungen aufgeteilt. Und genauso unterschiedliche Menschen leben hier. Doch eins ist allen gemeinsam: sie träumen alle auf ihre Art von der großen Liebe .
In der Mitte wohnt die Ich-Erzählerin, eine Literaturstudentin, die nach einer schwierigen Kinder- und Jugendzeit hier gestrandet ist. Diese junge Frau bleibt den ganzen Roman über, bis kurz vor dem Ende namenlos. Erst fast am Schluss erfährt man lediglich ihren vermeintlichen Vornamen.
Die Signora von unten, Anna, bewohnt zusammen mit ihrer Tochter Natascha die ehemalige, dunkle und eher bescheidene Dienstbotenwohnung. Um ihren Unterhalt so halbwegs bestreiten zu können, hat die herzkranke, schon nicht mehr ganz junge Frau gleich mehrere Jobs zu bewältigen.
Die komplette obere, luxuriöse und lichtdurchflutete Etage wird von dem alternden Ehepaar Johnson in Anspruch genommen. Die langjährige Ehe steht vor dem Zerbrechen. Mr. Johnson ist ein zerstreuter, älterer, aber dennoch liebenswerter, ehemals berühmter Violinist, der heute sein Geld mit Auftritten auf Kreuzfahrtschiffen verdient. Mrs. Johnson ist gebürtige Sardin, die aber lieber Amerikanerin sein möchte und ihren Mann nicht mehr richtig versteht. Diesen Haushalt komplettieren noch Sohn und Enkel.
Nach und nach lernen sich die Nachbarn immer besser kennen und verstehen und bilden schließlich eine feste Gemeinschaft, in der irgendwie jeder jeden braucht.
Und so erhält man auch als Leser einen tiefen Einblick in die Schicksale dieser Menschen. Mit leichten und schnörkellosen Worten gelingt es der Autorin, die Hausatmosphäre intensiv und eindringlich einzufangen. Was auf den ersten Blick beinahe alltäglich erscheint, entpuppt sich bald als eher ungewöhnlich. Fast nichts ist hier so, wie es eigentlich sein sollte : alte Menschen entdecken die Liebe und die Leidenschaft, ein berühmter und begabter Musiker, möchte lieber nicht berühmt sein, ein Kind ist weiser und vernünftiger als so mancher Erwachsene , Homosexuelle zeugen ein Kind usw. Kurz gesagt, die Welt steht hier eben auf dem Kopf. Was eigentlich unmöglch scheint, wird auf einmal durchaus vorstellbar. Und am Ende bleibt beim Leser das Gefühl zurück, dass im Grunde genommen doch auch hier alles ganz " normal " ist.
Die einzelnen Charaktere sind zum größten Teil sehr eigenwillig und exzentrisch, ja fast schon kauzig dargestellt, aber alle sind auf ihre Art sehr liebenswert und man schließt sie unwillkürlich ins Herz. Man wünscht allen einfach nur, dass sie glücklich sind.
Obwohl diese Geschichte mit nur knapp 200 Seiten recht kurz ist, bietet sie viel Potential zum Nachdenken und hallt auch nach der Lektüre noch nach.
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