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Wilder Westen
Der amerikanische Wilde Westen ist eine geschichtliche und mythische Gegend. Im 19. Jahrhundert wurden der Midwest, die westlichen Prärien und die Rocky Mountains bis nach Kalifornien systematisch besiedelt. Diese Erschliessung des amerikanischen Westens brachte Frontier-Gesellschaften hervor, in denen Siedler (Pioniere, Abenteurer, arme Schlucker, Prediger, Eisenbahnbauer) auf eine native Bevölkerung stiess. Das Grenzland und seine Pionier-Gesellschaft heisst historisch «Frontier» und wird in den Populären Künste als «Wilder Westen» mythologisiert. Der Wilde Westen ist sowohl ein imaginärer Sehnsuchtsort als auch ein utopisches Experimentierfeld («ein Ort, an dem sich politisch-soziale Utopien verwirklichen liessen» – Ursula Lehmkuhl).
Manifest Destiny
Der New Yorker Publizist John L. O’Sullivan verfasste 1845 in der Zeitschrift «Democratic Review» einen Text, in dem er die Expansion in den Westen als gottgewollt und zwingend charakterisierte. Auf ihn geht die Idee oder Lehre der «Manifest-Destiny» zurück. Es sei das US-amerikanische Schicksal, die göttliche Bestimmung, dass Amerika sich vom Atlantik bis zum Pazifik auszubreiten hat.
Besiedelt wurden nach 1750 das Gebiet zwischen Atlantikküste und Appalachen, um 1800 die Gegenden zwischen Appalachen und Missisippi, nach 1850 die Prärien westlich vom grossen Fluss. Die Grenze der Frontier, die Kontaktzone zwischen den Siedlern und dem wilden Land mit der «unzivilisierten» Bevölkerung verschob sich in diesen Jahren stetig gegen Westen. Der Pazifik bildete den «final frontier».
Technologisierung der Wildnis
Die Infrastruktur, die in den unbesiedelten Raum gebaut wurde, waren «Towns» und Strassen, dann folgten Eisenbahn- und Telegrafenlinie. 1860 war das Schienennetz der USA so gross wie das gesamte Netz der restlichen Welt. Mit der «Pacific Railroad» konnte man 1869 für $65 in sieben Tagen die USA durchqueren. Die Schienen wurden vor allem in Norden gebaut und verliefen in Richtung Ost-West. Die Industrialisierung erfasste die Südstaaten weit weniger als den Norden. Strassen wurden meist entlang der Telegraphenlinien gebaut und dienten dem Unterhalt der Kommunikationsverbindung.
Bedeutung
Die Erschliessung des Westens prägt die amerikanische Gesellschaft bis heute. Den Zusammenhang hat zum Beispiel Frederick Jackson Turner 1893 in seinem Essay «The Significance of the Frontier in American History» festgestellt: Individualismus und Gewaltbereitschaft sind das Produkt der Frontier und sie würden die spezifisch amerikanische Demokratie prägen. Die Vorstellungen, dass jeder es mit Fleiss und Geschick schaffen kann und dass Menschen auch ohne staatliche Kontrolle überleben, lassen sich von der Frontier-Gesellschaft her verstehen.
Querverweise
– Western
– Goldrausch ab 1849
Links
– Ursula Lehmkuhl: Die Erschließung des amerikanischen Westens (FU Berlin, 10. Juni 2009)
– Frederick Jackson Turner: The Significance of the Frontier in American History, Essay von 1893 (Wikipedia)
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