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<h2>SubmittedText<h2><p>In der Covid-19-Pandemie sind nicht alle gleich. Seit Beginn der Pandemie haben Frauen öfters ihre Arbeit verloren als Männer, weniger gearbeitet, als sie wollten, oder ihre Erwerbstätigkeit ganz aufgegeben, meist um sich um Kinder oder ältere Personen zu kümmern.</p><p>Besonders dramatisch ist die Situation im Tessin, das einen traurigen Rekord aufstellt: Ein Viertel der in der Schweiz seit Beginn der Pandemie gestrichenen Arbeitsplätze sind in diesem Kanton zu verzeichnen (-4200 Stellen bei einem Gesamtverlust von 16 800 Stellen in der Schweiz). Im Kanton Tessin sind auch Frauen, die Teilzeit arbeiten, im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen am häufigsten von Entlassungen betroffen (-3,4 Prozent bei den Frauen und +0,5 Prozent bei den Männern).</p><p>Diese Zahlen zeigen, dass der tertiäre Sektor auf nationaler Ebene besonders stark von der Krise betroffen ist und darauf mit einem Abbau von Stellen, die von Frauen besetzt sind, reagiert hat: -0,4 Prozent bei den Frauen gegenüber +0,2 Prozent bei den Männern. Der Sektor hat sich ausgedünnt, angefangen bei jenen mit prekären Arbeitsverträgen, Arbeitnehmerinnen im Stundenlohn oder auf Abruf sowie Putzfrauen und Pflegefachfrauen. Was noch schlimmer ist: Der tertiäre Sektor hat Frauen durch Männer ersetzt, obwohl die Kurzarbeitsentschädigung und andere Hilfen des Bundes an Unternehmen die Menschen diskriminierungsfrei unterstützen sollten.</p><p>Vor diesem Hintergrund bitte ich den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Die Beschäftigungsstatistik ist nur nach Grossregionen, nicht aber nach Kantonen verfügbar. Wäre es nicht sinnvoll, die Arbeitsmarktstatistiken auf schweizweiter Ebene und nach Kantonen zu verfeinern, um eine mögliche geschlechterspezifische Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt zu überwachen, indem beispielsweise weitere Kategorien, wie Alter, Beschäftigungsgrad, Ausbildungsniveau oder die Existenz von Kindern, hinzugefügt werden? Junge Menschen sind ebenfalls betroffen und verdienen unsere volle Aufmerksamkeit.</p><p>2. Ist der Bundesrat bereit, eine schweizweite Analyse dieses Phänomens, das die weibliche Erwerbstätigkeit betrifft, durchzuführen, um herauszufinden, ob das Problem regionaler oder systematischer Natur ist?</p><p>3. Die Wirtschaft dürfte wieder an Schwung zulegen, sobald die Impfkampagne Wirkung zeigt. Welche Massnahmen ist der Bundesrat bereit zu ergreifen, damit die Frauen nicht von der wirtschaftlichen Erholung ausgeschlossen und bei der Rückgewinnung von Arbeitsplätzen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen ein weiteres Mal benachteiligt werden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Es stimmt, dass die Beschäftigungsstatistik keine Daten nach Kanton bereitstellt (mit Ausnahme der Kantone/Städte, die ihre Stichprobe aufgestockt haben). Hingegen können beispielsweise folgende Statistiken mit nach Kanton und Geschlecht aufgeschlüsselten Daten sowie wertvollen Informationen zum Arbeitsmarkt herangezogen werden:</p><p>- Die Arbeitslosenzahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) geben Auskunft über die Zahl der registrierten Arbeitslosen, über die Arbeitslosenquote sowie über die Zahl der gemeldeten Stellensuchenden (www.seco.admin.ch &gt; Arbeit &gt; Arbeitslosenversicherung &gt; Arbeitslosenzahlen).</p><p>- Die Statistik der Unternehmensstruktur des Bundesamtes für Statistik (BFS) macht Angaben zur Anzahl Beschäftigte nach Wirtschaftszweig (auch umgewandelt in Vollzeitäquivalente) (www.bfs.admin.ch &gt; Dienstleistungen &gt; GEOSTAT &gt; Geodaten der Bundesstatistik &gt; Arbeitsstätten und Beschäftigung &gt; Statistik der Unternehmensstruktur ab 2011).</p><p>- Die Strukturerhebung der Volkszählung des BFS liefert Daten zur Bevölkerung nach Erwerbsstatus (www.bfs.admin.ch &gt; Statistiken finden &gt; 01 Bevölkerung &gt; Grundlagen und Erhebungen &gt; Erhebung &gt; Strukturerhebung). </p><p>Auf nationaler Ebene ist ausserdem die Schweizerische Arbeitskräfteerhebung des BFS zu erwähnen (www.bfs.admin.ch &gt; Statistiken finden &gt; 03 Arbeit und Erwerb &gt; Grundlagen und Erhebungen &gt; Erhebungen &gt; Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE)), die eine Reihe von Arbeitsmarktindikatoren mit Informationen zu Geschlecht, Beschäftigungsgrad, Vorhandensein von Kindern und Bildungsniveau kombiniert. Der Bundesrat ist der Meinung, dass die Schweiz über eine genügend breite Palette an Informationen verfügt und dass es nicht angebracht wäre, die Bevölkerung und die Unternehmen mit neuen Erhebungen noch stärker zu belasten.</p><p>2. Auf nationaler Ebene gibt es kaum Beweise für geschlechterspezifische Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Beschäftigung. Die Daten der SAKE (www.bfs.admin.ch &gt; Statistiken finden &gt; 03 Arbeit und Erwerb &gt; Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit &gt; Erwerbspersonen &gt; Erwerbsquote) zeigen, dass die Erwerbstätigenquote (Anteil der 15- bis 64-jährigen Beschäftigten) bei beiden Geschlechtern eine ähnliche Entwicklung aufweist. Zwischen dem zweiten Quartal 2019 und dem zweiten Quartal 2020 ist die Quote sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern um 1,5 Prozent zurückgegangen. Danach erholten sich die Quoten und fielen im vierten Quartal 2020 gegenüber dem vierten Quartal 2019 nur noch um 0,1 Prozent bei den Frauen und 0,7 Prozent bei den Männern. Auch die Entwicklung der geleisteten Arbeitsstunden pro beschäftigte Person fiel zwischen 2019 und 2020 für beide Geschlechter nahezu gleich aus (-3,9 Prozent bei den Frauen gegenüber -3,8 Prozent bei den Männern). Der Bundesrat wird die Geschlechterfrage bei seinen weiteren Analysen zur Auswirkung der Covid-19-Pandemie auf den Arbeitsmarkt weiterverfolgen.</p><p>3. Der Bundesrat hat zahlreiche Massnahmen verabschiedet, um die wirtschaftlichen Folgen der Covid-19-Pandemie aufzufangen. Dazu zählen die Ausweitung der Kurzarbeitszeitentschädigung, die Verlängerung der Taggeldbezugsdauer für arbeitslose Personen, einschliesslich der aktiven Arbeitsmarktmassnahmen sowie der Erwerbsausfallentschädigung für Selbstständige und für Härtefälle. Diese Massnahmen stützen und erhalten die Kaufkraft der Arbeitnehmenden, indem die Beschäftigung stabilisiert und die Löhne erhalten werden, gewährleisten die Liquidität der zahlungskräftigen Unternehmen und stärken so für beide Geschlechter die Bedingungen für eine schnelle Erholung nach der Gesundheitskrise. Der Bundesrat hat im April 2021 zudem eine nationale Strategie für die Gleichstellung von Frauen und Männern verabschiedet, die namentlich darauf abzielt, die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frauen zu stärken und Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf festzulegen. Darüber hinaus hat das Parlament den Bundesrat beauftragt, im aktuellen Legislaturprogramm in Zusammenarbeit mit den Kantonen eine nationale Strategie sowie eine Botschaft zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verabschieden.</p>  Antwort des Bundesrates.