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Das Jahr 2021
Die 19 Kantonalen Gebäudeversicherungen verzeichneten im Jahr 2021 rund 9'000 Fälle von Schäden an Gebäuden, welche durch Brände verursacht wurden. Deren Schadenssumme beträgt gesamthaft 270.5 Millionen Franken. Hochgerechnet auf die ganze Schweiz – also inklusive sämtlicher Kantone ohne obligatorische Gebäudeversicherung – führten Brände im Jahr 2021 zu schätzungsweise 11'000 Fällen von Schäden an Gebäuden. Deren Schadenssumme beträgt über 340 Millionen Franken.
Die langjährige Perspektive
Rückblickend auf die letzten zehn Jahre und hochgerechnet auf die gesamte Schweiz ergibt sich folgende Schätzung: Von 2012 bis 2021 ereigneten sich durch Brände schweizweit im Jahresschnitt 10'000 Fälle von Schäden an Gebäuden. Dabei entstanden Schäden im Wert von rund 310 Millionen Franken pro Jahr.
Trotz mehr Gebäuden weniger Schäden
Zwischen 2002 und 2021 stieg bei den 19 Kantonalen Gebäudeversicherungen der Gebäudebestand von 2'06 auf 2'31 Millionen. Dies entspricht einer Zunahme von 12 %. Trotz dieser klaren Zunahme ist bei den kantonalen Gebäudeversicherungen ein leichter Rückgang der Schadenssumme ersichtlich. Diese positive Entwicklung ist wesentlich auf die wirksamen Brandschutzvorschriften der VKF zurückzuführen.
Jedes Jahr sterben bei Gebäudebränden zwischen 13 und 36 Personen. 2021 mussten in der Schweiz 17 Todesfälle verzeichnet werden. In mehr als 90 % der Brände mit Todesfolge stirbt nur eine Person. Brände mit zwei oder mehr Todesopfern sind in der Schweiz äusserst selten. Brandfälle mit Todesfolge werden am häufigsten (in absteigender Reihenfolge) verursacht durch:
- Rauchzeug oder Kerzen, Zündhölzer usw.
- Elektrische Geräte oder elektrische Installationen
- Explosionen
- Brandstiftungen
- Feuerungsanlagen
Aus medizinischer Sicht sind Rauchgasvergiftungen (alleine oder in Kombination mit Verbrennungen) die mit Abstand häufigste Todesursache. Funktionierende Rauchmelder können die Häufigkeit von Todesfällen durch Brände in Wohngebäuden etwa um die Hälfte reduzieren.
Mehr als die Hälfte der Opfer sterben in jenem Raum oder Bereich, in welchem das Feuer ausgebrochen ist. Ein noch grösserer Anteil der Opfer war direkt an der Brandentstehung beteiligt (z.B. Kochherd nicht ausgeschaltet).
Im Vergleich zu anderen Ländern ist das Risiko, in der Schweiz bei einem Gebäudebrand zu sterben, eher niedrig. Die Schweizer Brandschutzvorschriften haben auch bei der Anzahl Brandtoten dazu beigetragen, dass in den letzten 20 Jahren deren Quote um 50 % gesunken ist.
Risikofaktoren bei Bränden
Die meisten Brände mit Todesfolge sind auf Unachtsamkeit oder Fahrlässigkeit zurückzuführen. Technische Defekte spielen eine kleinere Rolle. Folgende Faktoren führen bei Wohnungsbränden vermehrt zu Todesfällen: Probleme im Zusammenhang mit der Flucht des Opfers wie z.B. durch Feuer oder Rauch, unpassierbare Fluchtwege oder beeinträchtigte Sicht, verstellte Treppenhäuser, blockierte Notausgänge oder beeinträchtigte körperliche Mobilität.
Die wichtigsten opferspezifischen Risikofaktoren sind:
- Schlafen (zum Zeitpunkt der Brandentstehung) – siehe Rauchmelder retten Leben
- Mobilitätseinschränkungen (Das Risiko, bei einem Gebäudebrand zu sterben, steigt mit zunehmendem Alter markant an)
- Alkoholeinfluss (wobei Männer stärker betroffen sind als Frauen)
Als brandbedingte Todesfälle registriert, werden Personen, die vor Ort (im / beim Gebäude) als Folge eines Gebäudebrandes gestorben sind. Darunter fallen nicht:
- Personen, die auf dem Weg ins Spital oder während der Hospitalisation verstorben sind
- Angehörige der Feuerwehr, die beim Einsatz gestorben sind
- Personen, die durch Suizid mittels Verursachung eines Brandes oder eine Explosion gestorben sind.
Weitaus häufiger als zu Todesfällen führen Brände bei den Opfern zu Verletzungen. Infolge Verbrennungen unterschiedlicher Ursachen müssen sich in der Schweiz jedes Jahr über 8’000 Personen in ärztliche Behandlung begeben. Rund 290 Schwerverletzte müssen in einem Brandverletztenzentrum behandelt werden.
Hinzu kommen die vielen Verletzten mit Rauchvergiftungen. Denn die grösste Gefahr für Menschen geht nicht vom Feuer selbst aus, sondern vom Rauch.
Rückblickend auf die Jahre 2002 bis 2021 waren folgende drei Ursachen verantwortlich für über 75 % der Schäden:
1: Blitzschläge
Rund ein Drittel aller Schäden haben ihren Ursprung bei Blitzschlägen.
2: Elektrizität
Diese Schäden beinhalten elektrische Installationen und elektrische Geräte als Brandursache. Meist sind solche Brände auf Unachtsamkeit und Fehlverhalten der Benutzer und weniger auf technische Defekte zurückzuführen. Vielfach haben diese Brände ihren Ursprung in der Küche (Kochherd nicht abgestellt, Essen auf der Herdplatte vergessen usw.).
3: Rauchzeug, Kerzen usw.
Auf Platz drei der häufigsten Brandursachen folgen Brände, primär ausgelöst durch Rauchzeug. Auch Kerzen, Zündhölzer oder Feuerarbeiten als Brandursache sind darin enthalten. Diese Kategorie verzeichnet gleichzeitig die höchste Todesrate.
Diese nachstehende Grafik der VKG zeigt auf, welchen Anteil die verschiedenen Ursachen an der gesamten Schadenssumme aufweisen. In Bezug auf die Schadenssumme liegt die Elektrizität mit 26.1 % klar an der Spitze der erkannten Ursachen. Der hohe Anteil «unbekannter Ursachen» an der Schadenssumme rührt daher, dass grosse, schadenintensive Brandfälle oftmals weniger Spuren zur Brandursache hinterlassen und daher der Grund des Brandes besonders schwierig zu eruieren ist.
Rund die Hälfte aller Brände ereigneten sich in Wohngebäuden, welche den Grossteil der Gebäudenutzungsarten ausmachen. In Wohngebäuden werden auch die meisten Todesfälle verzeichnet. In der Schweiz sind dies mehr als 80 % der Brandtoten.
Quellen:
Diagramme und deren Erläuterungen: Schadenstatistik der VKG
Alle übrigen: Schlussbericht Personenrisiken aus Brand: Recherche für die Spurgruppe BSV 2025 der VKF