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Hinter Sibirien liegt Kamchatka...
...das Reich des Bären und die letzte grosse Herausforderung.
Koordinaten:
53° 01' nördliche Breite
158° 39' östliche Länge
Stimmung: ähnlich wie im Jahr 1900 in Alaska.
Der Flug von Moskau bis Petropavlovsk (11’900 km) führt durch 11 Zeitzonen und dauert rund 9 Stunden und ist gleichzeitig ein Flug in die Vergangenheit. Dies ist die gleiche Entfernung wie von Petropavlovsk nach New York.
Lokale Zeit: GMT + 11 Stunden
Zur Einreise wird ein Visum der russischen Botschaft (Kosten ca. CHF 160) benötigt und es wird eine Umwelttaxe von US-$ 10 erhoben.
Der Name Petropavlovsk-Kamtschatkly1) steht offiziell für 2 Städte, eine zivile Hauptstadt am nördlichen Rand der Avatcha-Bucht und gegenüberliegend, auf der Landkarte inexistent, ein Marinestützpunkt mit eben so grossem Siedlungsgebiet und dem Heimathafen der russischen Pazifik-U-Boot-Flotte. Der wirtschaftliche Niedergang seit Perestroika ist besonders im Norden und fernen Osten Russlands spürbar.
Der Hausvulkan von Petropavlovsk ist der „Avatcha“ (bedeutet im Dialekt der Kamtschadalen „Frau“). Daneben steht ein erloschener Kegel mit weisser Schneekuppe „Konjak“, der Mann.
1)benannt nach den beiden Schiffen „St. Peter“ und „St. Paul“ mit denen Vitus Bering 1741 bei der ersten Nordischen Expedition nach Alaska gefahren ist
Kamtschatka zählt zu den wenigen Gebieten der Erde, die man bis vor kurzem noch als „weisser Flecken“ bezeichnen konnte. Seit 1697 gehört Kamtschatka zu Russland und die Landessprache ist russisch. Die Halbinsel Kamtschatka2) ist über 1’200 Kilometer lang und hat eine Fläche von 470’000 km2. Sie ist somit grösser als Grossbritannien, Portugal, Belgien und Luxembourg zusammen, aber dreimal kleiner als Alaska. Von den total 400'000 Einwohnern leben rund 350'000 in Petropavlovsk. Kamtschatka ist vor rund 10'000 Jahren von den Vorfahren der Eskimos, Aleuts und Itelmenen besiedelt worden. Die Ureinwohner (heute noch ca.1’450 Itelmenen und 390 Aleuts) leben seit Jahrtausenden auf Kamtschatka. Unverkennbar ist die Verwandtschaft der Itelmenen mit den nordamerikanischen Indianern, die Asien über die Beringstrasse verlassen haben, bevor die Kontinente auseinander drifteten. Die Korjaken und Evenen kamen erst 1830 nach Kamtschatka (heute noch ca. 1'490 Evenen, 7'200 Korjaken, 1'530 Tschuktschen). Sie sind mongolischer Abstammung und leben hauptsächlich vom Fischfang und der Rentierzucht. Übrigens heisst das Zelt der Rentierzüchter „Jurte“ .Der Anteil all dieser Gruppen beträgt an der heutigen Bevölkerung nur noch 3 %. Im Westen der Halbinsel liegt das Zentrum der itelmenischen Bevölkerung und im Norden dasjenige der Koriaken. Bei den Korjaken gibt es auch ein paar Küstengruppen, wie die Nymylanen, Oljutoren und Čavčuvenen.
Kamtschatka, einst verbotenes Land3), hat sich ab 1991 geöffnet und bietet vor allem unverdorbene Natur.
2) liegt zwischen dem 50 bis 60 Breitengrad (zum Vergleich: Vancouver 50. und Anchorage 60. Breitengrad)
3) nicht nur für Ausländer, sondern auch für Sowjetbürger sofern diese nicht zum Militär gehörten
Der eigentliche Herrscher auf Kamtschatka ist der „Mejdwed“, der Braunbär. An die 10'000 bevölkern die Halbinsel. Sie werden bis zu 3 m gross und 800 kg schwer und sind dadurch mit den Kodiakbären vergleichbar. Man trifft sie überall: von der Küste des Ozeans bis in die Bergtundren, an Seen und Flüssen. Im Sommer und Hebst kommt es zur mörderischen Begegnung mit den Lachsen. Diese kehren zu Millionen aus dem Ozean zurück in die Heimat zum Laichen. Dann lauern ihnen die Bären an Flüssen und Seen auf.
Das Hauptverbreitungsgebiet des sibirische Tiger (grösste Katze, übertrifft sogar den majestätischen Löwen) liegt heute im fernen Osten Russlands, ist aber in Kamchatka nicht anzutreffen. Dank der langen Abgeschlossenheit ist das Land weitgehend so erhalten, wie vor Hunderten von Jahren.
Das Klima ist rauh. Nach einem harten Winter aber erwacht die Vegetation zu umso üppigerem Leben. Die Temperaturen liegen im Juni tagsüber zwischen 10 - 25°C, nachts bis unter 0°C. Das pazifische Passatklima sorgt für häufigen Wetterwechsel wie Sturm, Nebel, Regen und Morgen- frost (auch im Sommer muss damit gerechnet werden).
Von den über 300 Vulkanen sind deren 29 noch aktiv und insgesamt gibt es 414 Gletscher. Im Zentrum Kamtschatkas (Naturschutzgebiet Nalytschewo) liegt das Dorf „Esso“, das zum grössten Teil von Evenen bewohnt wird. Mitten im Dorf gibt es ein grosses Schwimmbecken, in dem die Wassertemperatur das ganze Jahr über etwa 37°C beträgt. Dafür sieht man in Esso nicht einen einzigen Schornstein; das gesamte Dorf wird gratis von der Natur mit heissem Wasser versorgt. Trotzdem sehnt sich die Bevölkerung manchmal nach Kaltwasser, denn sogar in den Toiletten fliesst heisses Wasser.
Die Ureinwohner glaubten, dass auf den Gipfelkratern die Berggeister, die Gomulen, hocken und nachts gefangene Wale braten. Deshalb sind die Vulkane in der Nacht erleuchtet.
Gegen 90 Geysire (Tal der Geysire*) speien heisses Wasser bis in 30 Meter Höhe. Ihre Namen sind selbstredend: der Riese, der Zuckrige, der Perlende, die Fontäne. Weil das Wasser sehr mineralhaltig ist, bilden sich Ablagerungen in den verschiedensten Farben, die im Wasser noch intensiver leuchten.
* Wurde am 03. Juni 2007 durch einen Erdrutsch mit 5 Millionen Kubikmeter Geschiebe (Schlamm, Erde, Steine) verschüttet. Laufs 2009 sind wieder einige Geysire zum Vorschein gekommen. Die Natur wird ihre Wunden selbst heilen und sich wiederherstellen.
In der Nähe von Petropavlovsk befinden sich die drei Vulkane „Avatcha, Mutnovsky und Gorely“, die „The Fire Ring“ genannt werden.
Da und dort sprudelt kochendes Wasser aus der Erde und vermengt sich mit eiskalten Gebirgsbächen.
Das Land mit menschenleeren Weiten und unberührter Natur weist zwei Gebirgszüge, weite Tundren und Wälder auf. 100'000 einsame und malerische Seen, 10'000 reissende Flüsse und die karge Küste des Ozeans prägen die geographische Gestalt.
http://kamtschatka2006.flyfishingteam.org/Fluesse.htm gibt Auskunft über Angelmöglichkeiten
Wichtigstes Exportgut ist der Lachs. Jährlich werden rund 1,5 Millionen Tonnen exportiert. Unter der Erde Kamtschatkas soll viel Gold und Erdöl liegen, das bisher mangels Geld nicht abgebaut werden konnte.
Wenn man in Kamtschatka Top-Sport erleben möchte und auch noch sicher reisen will und zudem nicht aus dem Napf (pardon) fressen will, dann muss man doch viel Geld hinlegen (1 Stunde Helikopter-Flug kostet US-$ 1'200). Ansonst kann es einen himmeltraurig ergehen. Besonders wenn Leib und Leben in Gefahr sind, hört der Spass endgültig auf.
Kommt mit einer gesunden Portion Humor, innerer Ruhe, Gelassenheit und der Einsicht, dass sich die Welt nicht überall nach dem gleichen Schema dreht.
Reisen abseits touristisch erschlossenen Regionen erfordert von den Teilnehmern Flexibilität, Teamgeist, Toleranz und die Bereitschaft auf Komfort zu verzichten.
Quelle Bildmaterial (zu Illustrationszwecken)
Explora.ch (Romano Schenk)
Kamchatka Travel Group, Petropavlovsk
Wikipedia.de