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Die Spielweise dieser alten Musikanten unterscheidet sich stark von dem Spiel- und Klangideal, das die wenigen heutigen Volksmusikgeiger hierzulande pflegen, weil diese sich vornehmlich am „klassischen“ Klangideal orientieren. Dies sicher auch, weil man heute ein Streichinstrument an der Musikschule lernt, unterrichtet von einer klassisch ausgebildeten Fachperson. Im Gegensatz dazu erfolgte der Unterricht früher durch die ältere Musikantengeneration oder gar autodidaktisch, womit ein gewisser Personalstil fast notgedrungen die Folge war. Im Laufe des 20. Jahrhunderts hielten Aspekte aus der „klassischen“ Praxis, wie etwa der angestrebte „Schönklang“ oder eine für Volksmusik unübliche und untypische (man könnte auch sagen harmlose) Notentreue, Einzug in unsere Volksmusik. Die Praxis der Variation, die die Volksmusik eigentlich charakterisiert, sowie Verzierung und Improvisation sind fast gänzlich „eingefroren“. Das Spiel der alten Schweizer Fiedler klingt anders und erinnert an die ungebrochenen Fiedeltraditionen anderer Länder. Da werden zur Melodie oft leere Saiten angestrichen oder Doppelgriffe verwendet, um auch alleine als Tanzmusikant „orchestral“ zu klingen. Der Takt wird heftig mit den Füssen geklopft und der Rhythmus („groove“) steht klar im Vordergrund. Auf Wohlklang wird weniger Rücksicht genommen. Es geht eben darum, die Zuhörer nicht zum Träumen, sondern zum Tanzen zu verleiten.
Auch das Violoncello hat in verschiedenen Formen und Abwandlungen in der Schweiz als Begleitinstrument eine Rolle gespielt. Als Bassinstrument oder Bassett wurde es, - in der Form oft etwas umgewandelt (z.B. nur drei Saiten, ein etwas grösserer Korpus, etc.) - vermutlich deshalb eingesetzt, weil es leichter zu tragen war als der Kontrabass. Verständlicherweise, denn die Musikanten mussten oft lange Strecken zu Fuss zurücklegen. Besonders originelle Anfertigungen solcher Bassette zeigen die Fotos aus dem Safiental. Auch auf Bildern aus dem Appenzell vor 1900 ist das Violoncello zuerst als Bassinstrument (oder ev. Bass und Nachschlag) zu sehen. Später, in Kombination mit dem Kontrabass, übernahm es dann in erster Linie die Funktion des Nachschlags oder einer Begleitstimme.
Mit unserem Duo versuchen wir der urtümlichen Spielpraxis auf diesen Feldaufnahmen nachzuspüren. Und mit unseren Arrangements möchten wir diese Musik in eine aktuelle Form bringen. Beim Entwickeln und Erforschen unseres Repertoires, eine Arbeit, die etwa ein Jahr in Anspruch nahm, war es uns ein besonderes Anliegen den Schweizer „Ton“ zu suchen. D.h. nicht einfach Spielweisen anderer Fiedeltraditionen auf unsere Musik zu stülpen, sondern von den Feldaufnahmen ausgehend, den Stücken eine ganz eigene helvetische und alpenländische Note zu geben. Um die Farbpalette noch zu erweitern, spielen wir einige Stücke auf Darmsaiten und in alter Stimmung (Kammerton A 415 Hz).
In unserem Programm sind viele Tanzmelodien zu hören, die wir für wahre „Meisterwerke“ halten. Und genauso fasziniert sind wir auch von den Muotathaler «Jüüzli». Wir versuchen diese so original wie möglich zu spielen; eine Originalität, die heute von vielen Menschen als vollkommen exotisch empfunden wird. Die besondere Mehrstimmigkeit dieser normalerweise gesungenen Naturjodel, sowie das Intonieren auf der Naturskala machen diese Musik zu einem klingenden «Naturwunder», über dessen phantasievolle Variationen-Vielfalt man nur staunen kann.
Wir hoffen, mit unserem Projekt dazu beizutragen, dass die Fiedel in der Schweizer Volksmusik wieder einen gebührenden Platz bekommt und dass der helvetische Himmel bald wieder voller Geigen hängt.
Andreas Gabriel & Fabian Müller