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Geschichte
Von Diana zu JagdSchweiz – Geschichte des nationalen Jagdverbandes
Vor mehr als 125 Jahren – am 15. April 1882 – gründeten erfahrene Jäger in Genf den Schweizerischen Jäger- und Wildschutz-Verein unter dem Zunamen Diana. Diana galt bei den Römern als Tochter Jupiters, des höchsten Gottes, und wurde als Mond-, Jagd- und Fruchtbarkeitsgöttin verehrt. Wie der Wirkungskreis der Göttin nicht allein auf die Jagd an sich fixiert war, so fassten die Initianten des ersten Schweizerischen Jagdvereins auch die Ziele nicht allein auf die Jagd als Selbstzweck ins Auge. Den Wildschutzcharakter des neuen Vereins bewies die Zweckumschreibung in den Statuten eindeutig: „das Studium, den Schutz und die Vermehrung des Jagdwildes, Studien über Jagdgesetzgebung, Unterdrückung des Wildfrevels, Vervollkommnung des waidmännischen Jagdbetriebs und Entwicklung interkantonaler und internationaler Jagdverhältnisse“.
Mitglieder aus der ganzen Schweiz
Die Idee zur Gründung eines nationalen Jagdvereins war 1881 im Genfer „Cercle des Artistes“ entstanden. Unter der Federführung ihres Mitglieds Edmond Eynard aus Rolle, der Gründungspräsident der Diana wurde, erarbeitete dieser Club die ersten Grundlagen für den Schweizerischen Jägerverein.
Ein Hauptziel der Initianten war es, die Jagdgruppierungen aus der ganzen Schweiz zu vereinen und einen breit abgestützten nationalen Verein zu gründen. Der erste „Central-Vorstand“ bestand denn auch aus Jägern der Kantone Genf, Waadt, Freiburg, Luzern und Graubünden. Die Bemühungen zur Rekrutierung der Mitglieder fruchteten anfänglich. Zu Beginn des Jahres 1883, also nur ein Jahr nach der Gründung, zählte der Verein bereits 285 Mitglieder. Im Jahr 1890 waren über 1’000 Jäger Mitglieder der Diana. Sie waren in 23 Sektionen in mehreren Kantonen organisiert.
Als ein frühes Bekenntnis zur Förderung des nationalen Zusammenhalts wurde ab dem Jahr 1883 die Vereinszeitschrift „Diana“ herausgegeben, die bis zum Jahr 1915 zweisprachig erschien. Im textlichen Teil erfolgte eine konsequente gleichwertige Berücksichtigung der französischen und der deutschen Sprache, nicht identisch in der Thematik, aber voll ausgeschöpft im Gesamtumfang.
Aufgeklärte Jäger für Nachhaltigkeit: die Anfänge der Diana
In seiner Eröffnungsrede anlässlich der ersten Generalversammlung der Diana unterbreitete Präsident Eynard eine interessante Übersicht über die verschwundenen Wildtiere in der Schweiz (Biber, Steinbock), über die graduell verschwindenden Arten (Luchs, Wolf) und über das seltene noch verbleibende und eigentliche Jagdwild (Gemse, Murmeltier, Schneehase und gemeiner Hase). Er kam auch auf jagdbare Vögel zu sprechen. Interessant sind insbesondere Eynards Ausführungen über die Hauptgründe für den Rückgang des Wildes: in der Schweiz seien die Regierungseinrichtungen und die Besitzesverhältnisse der Hauptgrund für den Schwund des Wilds. Die freie und teils leidenschaftlich ausgeübte Volksjagd habe in der Schweiz in der Vergangenheit, zusammen mit dem Schwinden der Wälder, zu gewaltiger Dezimierung bis teilweiser Ausrottung des Wildes geführt. Mit Ausnahme von Aargau und Baselland, die das Reviersystem kannten, wurde zur Gründungszeit der Diana in allen anderen nach dem Patentsystem gejagt. Wie es sich nun zeige, stelle das Revierjagdsystem eine sehr wirkungsvolle Einrichtung zur Erhaltung des Wildes dar. Wenn man verhindern wolle, so fuhr Eynard abschliessend fort, dass unsere jagdbaren Tiere gänzlich von unserem Territorium verschwänden, sei es notwendig, sich entschieden mit der Erhaltung, mit dem Schutz und der Propagierung zu beschäftigen.
Zwei Hauptaufgaben: mehr Wild, mehr Disziplin
Im Rahmen der in den Vereinsstatuten gesteckten Ziele gelte es, vordringlich zwei Aufgaben anzupacken:
Erstens: Die Schweiz wieder mit mehr Wild zu bevölkern, um die Jagdfreiheit überhaupt geniessen zu können. Da die politischen Behörden bisher aber sehr wenig für die Wiedereinbürgerung des Wildes getan hätten, sei es Aufgabe der Jäger aller Landesteile, auf die Dringlichkeit des Vorhabens hinzuweisen und die Behörden zu ermuntern, mit den Jägern zusammen den Weg des Schutzes und der Vermehrung des Wildes zu beschreiten.
Zweitens gelte es, auf die strenge Durchsetzung des eidgenössischen Jagdgesetzes zu drängen. Denn in manchen Kantonen sei die Polizei entweder wenig effizient und ungenügend oder sie werde vernachlässigt. Auch würden zum Teil kantonale Gerichte den Sinn strenger Strafmassnahmen für Gesetzesübertreter nicht erkennen. Darum wolle Diana sich entschieden für eine Verbesserung des schweizerischen Jagdgesetzes einsetzen, für eine bessere Jagdpolizei und für einen unbarmherzigen Kampf gegen die eingefleischten Frevler und Wilddiebe.
Bemühungen um Revision des Jagdgesetzes
Zwischen 1885 und 1889 ersuchte der Schweizerische Jagdverein in mehreren Eingaben den Bundesrat, das Jagdgesetz von 1875 zu revidieren. Trotz seiner Bemühungen gelang es der Diana vorerst jedoch nicht, die Revision durchzusetzen. Der Bundesrat handelte zwar rasch und unterbreitete den eidgenössischen Räten im Jahr 1891 einen Revisionsentwurf. Dieser sah die folgenden Neuerungen vor: Anordnung einheitlicher Jagdzeiten; die Jagdbanngebiete verkleinern, aber mit längerfristigem Bann und verbesserter Wildhut ausstatten; die Kantone zur Vertilgung von Raubtieren verpflichten; das System der Strafbestimmungen verschärfen und in die Bundeskompetenz verlegen. Die Diskussionen in den beiden Räten verliefen aber harzig. Der Nationalrat erörterte über die Hauptpunkte des Gesetzesentwurfs hinaus auch die Frage des absoluten Verbots der Sonntagsjagd und des Verbots des Giftlegens. Von diverser Seite wurde die Wiedereinführung der Frühlingsjagd und des Reviersystems postuliert. Da über solche Fragen grosse Unsicherheit herrschte und auch die Meinungen der Jäger darüber stark auseinander gingen, beschloss der Nationalrat als Zweitrat, einstweilen auf die Vorlage nicht einzutreten und weitere Abklärungen abzuwarten. So blieb die Revisionsabsicht fast zehn Jahre lang pendent.
Kantonalvereine und lokale Dianas
Der Schweizerische Jäger- und Wildschutz-Verein war ursprünglich eine nationale Vereinigung aus Einzelmitgliedern. Erst allmählich organisierten sich die Jäger in lokalen oder kantonalen Vereinen. Erste Kantonalvereine waren jene von Glarus (1882), Freiburg und Genf (1883), Bern (1889), St. Gallen (1890) und Appenzell Innerrhoden (1891). Im Waadtland hingegen schlossen sich die Jäger vorerst im Rahmen von lokalen Dianas zusammen, etwa jene von Lausanne (1882), La Côte (1883), La Broye (1886) und der Alpes vaudoises (1887). Lange vor einem formellen Zusammenschluss im kantonalen Rahmen trafen sich die Vertreter dieser waadtländer Dianas jährlich, um ihre Positionen im Hinblick auf die Generalversammlung des Schweizerischen Jäger- und Wildschutz-Vereins abzustimmen. Erst viel später, im Jahr 1914, organisierten sich die dazumal neun bestehenden Dianas zur Fédération des sections vaudoises de la Diana.
"Gibt es auf der ganzen Welt eine Kaste, die weniger homogen ist und die man am schwierigsten unter einen Hut zusammen bringen kann wie die Jäger, ganz besonders die Jäger aus der Schweiz?"
Henry Vernet, Zentralpräsident der Diana, 1892
Auflösungserscheinungen bei der nationalen Diana
Unmittelbar nach den Misserfolgen im Rahmen der angestrebten Revision des eidgenössischen Jagdgesetzes um 1891 zeigten sich beim nationalen Jägerverein erste auseinandertreibende Kräfte. Die Berner und die Bündner Jäger verliessen bereits um 1893 die Diana. Eine bedeutende Rolle dabei spielten vermutlich die unterschiedlichen Ansichten zum Jagdsystem.
Im Jahr 1894 zählte der Verein nur noch 838 Mitglieder in 17 Sektionen. Um 1895 betraten dann die Tessiner Jäger die nationale Bühne und schlossen sich dem Schweizerischen Jäger- und Wildschutz-Verein an. Nach und nach kündigten aber sämtliche Jäger aus der Deutschschweiz und dem Tessin ihre Mitgliedschaft bei der Diana. Nur die Jäger aus der Romandie hielten der Jagdgöttin Diana bis heute die Treue; aus dem ehemals nationalen Jagdverein Diana ist der Regionalverband der welschen Jäger Diana Suisse hervorgegangen.
In den Kantonen ging unterdessen der Zusammenschluss der Jäger weiter. In der Deutschschweiz schlossen sich die Kantonalvereine allmählich auf regionaler Ebene zusammen. Dies vor dem Hintergrund der verschiedenen sprachlichen Kulturen und der unterschiedlichen Jagdsysteme.
Gründung von Regionalverbänden
Der Allgemeine Schweizerische Jagdschutz-Verband (ASJV) wurde am 5. Juli 1909 in Olten gegründet. Er entsprang dem Bedürfnis, auf eidgenössischem Boden die jägerischen Belange besser zur Geltung zu bringen. Die Anregung zur Gründung erfolgte im Schosse des Aargauischen Jagdschutzvereins im Herbst 1908. Bei der Gründung waren die Sektionen Aargau, Baselland, Hubertus Basel, Uri, Zürich, Bern und Solothurn vertreten. Der erste Zentralpräsident wurde Otto Meyer. Die Richtung des ASJV wandte sich später ganz dem Reviersystem zu. Es gelang im Laufe der Jahre, neben den alten Revierkantonen Aargau (1803) und Baselland (1876), die Revierjagd in folgenden Kantonen einzuführen: Schaffhausen (1921), Zürich (1929), Luzern (1930), Thurgau (1930), Solothurn (1931) und St. Gallen (1938).
In den Patentkantonen führte die Revierjagd-Bewegung dazu, dass sich die Jäger enger zusammenschlossen, um die freie Volksjagd zu erhalten und zu verteidigen. Im Jahr 1915 gründeten die Jägervereine von acht Kantonen des deutschen Sprachgebietes, die alle damals noch das Patentsystem kannten (Bern, Graubünden, Luzern, Neuchâtel, St. Gallen, Thurgau, Uri und Zürich), den Schweizerischen Jägerverband zur Hebung der Patentjagd und des Wildschutzes (SJHPV). Erster Präsident des zweiten Regionalverbandes der Deutschschweiz wurde Edouard Steiner.
Neben Diana Suisse mit ihren rund 5’000 Mitgliedern bestehen heute zwei weitere Regionalverbände. Auch der SJHPV wurde umgetauft; seit 1977 heisst der Verband der Patentjäger in der Deutschschweiz Schweizerischer Patentjäger- und Wildschutzverband (SPW). Dieser Verband ist der grösste und zählt etwa 16'000 Mitglieder. Der Verband der Tessiner Jäger, die Federazione dei cacciatori ticinesi (FCTI), zählt rund 3'000 Mitgliedern.
Der im Jahr 2003 von ASJV zu RevierJagd Schweiz umgetaufte Verband hat sich im Jahr 2010 aufgelöst und ist nun als IG organisiert. Diese Region zählt rund 12'000 Jägerinnen und Jäger in neun Revierkantonen.
Die Zusammenarbeit auf nationaler Ebene
Mit der Gründung und Stärkung der regionalen Verbände ging der nationale Zusammenschluss der Jäger mehr und mehr verloren. Bereits früh jedoch, am 25. März 1933, beschlossen der SJHPW und die nunmehr auf die Romandie zusammengeschrumpfte Diana Suisse eine engere Zusammenarbeit. Eine dauernde, enge Kooperation ist daraus aber nicht entstanden. Gleichwohl wurde damit die Basis für eine Zusammenarbeit zwischen den Regionalverbänden gelegt. Um sich in Fragen von nationaler Bedeutung auszutauschen und abzusprechen, trafen sich seit Mitte der 1960er Jahre in loser Folge – auf Initiative des ASJV – die Präsidenten der vier regionalen Jagdverbände (SPW, ASJV, Diana Suisse und FCTI). Besonders erwähnenswert sind die gemeinsamen Bemühungen zur Einführung der eidgenössischen Jagdstatistik, die eine unverkennbare Verbesserung der Bewirtschaftung der Wildbestände brachte.
Bereits im Jahr 1973 schufen die vier Jagdverbände gemeinsam die Schweizerische politische Korrespondenz (SPK), ein nationaler jagdlicher Pressedienst. Nach Unstimmigkeiten löste sich dieser im Jahr 1974 bereits wieder auf. Zwei Jahre später gründeten der SPW und der ASJV dann die Pressestelle Wild und Umwelt. Seit 2004 wird die daraus entstandene Medienstelle Wildtier und Umwelt (MEWU) wieder auf nationaler Ebene betrieben.
Im Jahr 1980 unterzeichneten die vier regionalen Verbände eine Grundsatzerklärung zu verschiedenen jagdlichen Aspekten. Fünf Jahre später, am 6. Juni 1985, hielten die vier Verbände auf Einladung des ASJV eine Sitzung in St-Saphorin-sur-Morges. An diesem Tag wurde der Dachverband der Schweizerischen Jagdverbände (CHJV) als lose Zusammenführung der regionalen Jagdverbände gegründet. Dieses Zusammenrücken muss vor dem Hintergrund der Totalrevision des eidgenössischen Jagdgesetzes gesehen werden, das im Jahr 1986 in Kraft trat. Erster Vorsitzender des CHJV wurde Paul Gwerder (SPW). In diesem Gremium wurden Fragen von nationaler Bedeutung besprochen. Bald wurde der Jagdverband aber auch international verankert: Auf Antrag von Diana Suisse trat der CHJV im Jahr 1990 der FACE bei, dem Zusammenschluss der Verbände für Jagd und Wildtiererhaltung in der Europäischen Union.
Der Vorsitzende des CHJV und damit das Zentralsekretariat wechselten im Turnus von zwei bis vier Jahren nach dem Prinzip des Vorortes. Bereits im Jahr 1991 fragte sich der SPW deshalb, „ob es gelingen würde, ein professionelles schweizerisches Jagdsekretariat für Revier und Patent zu gründen“. Die fehlende Kontinuität in den Organen des CHJV war eine Schwachstelle des damaligen nationalen Dachverbandes.
Die Schaffung und Weiterentwicklung von JagdSchweiz
Es war somit bloss eine Frage der Zeit, bis der CHJV umstrukturiert wurde. Mit der Unterzeichnung der Statuten von JagdSchweiz am 26. März 2004 in Utzenstorf besiegelten die Präsidenten der vier Regionalverbände zwei Neuerungen beim nationalen Jagdverband: Die Einführung der Präsidentenversammlung der Kantonalverbände und –vereine sowie die Errichtung eines permanenten Sekretariats. Grund für die Schaffung der Präsidentenversammlung war es, die Basis der Jägerschaft besser mit einzubeziehen. Anlässlich der ersten Versammlung am 27. März 2004 wählten die Kantonalpräsidenten den JagdSchweiz-Vorstand mit Jon Peider Lemm als ersten Präsidenten. Bereits ein Jahr später wurde JagdSchweiz auf Antrag der FCTI Mitglied des Conseil international de la chasse et de la conservation du gibier (CIC). JagdSchweiz bekräftigte damit den Willen, die Jagd, Wild- und Naturschutzanliegen auf der lokalen, nationalen und internationalen Ebene zu unterstützen.
Die Zusammenarbeit der Regionalverbände auf nationaler Ebene war stets anspruchsvoll. Die unterschiedlichen Sprachen und Jagdkulturen sowie die geografische Entfernung sind für eine spontane, auf gesundem Vertrauen basierende Kooperation dann und wann hinderlich. In einer dynamischen Phase, mit einer keineswegs definitiven Struktur, feierte 2007 JagdSchweiz – zusammen mit Diana Suisse – das 125-jährige Jubiläum.
Am 28. März 2008 verabschiedete der Vorstand in Unterägeri die neuen Statuten von JagdSchweiz. Damit wurde der Weg für einen Direktanschluss von Kantonalverbänden und –vereinen geebnet. Die Delegiertenversammlung ist seit diesem Zeitpunkt das höchste Organ des Verbandes. Der Vorstand richtete eine Geschäftsstelle als Anlaufstelle des Verbandes ein, welche für die operativen Aufgaben zuständig ist.
Die erste Delegiertenversammlung von JagdSchweiz fand am 20. Juni 2009 in Zofingen statt. Diese nahm alle Kantonalverbände und –vereine, die Mitglieder des SPW und von RevierjagdSchweiz sind, sowie den Verband der Freiburger Jäger, den kantonalen Walliser Jägerverband und den Verband der Tessiner Jägerschaft als A-Mitglieder auf. Diana Suisse, und mit ihr vier weitere Kantonalverbände, ist als Teilverband ebenfalls A-Mitglied von JagdSchweiz. Möglich wurde auch die Aufnahme von B-Mitgliedern.
An der am 1. Mai 2010 in Zuoz abgehaltenen zweiten Delegiertenversammlung des nationalen Jagdverbandes übergab Jon Peider Lemm das Präsidium von JagdSchweiz an den St. Galler Hanspeter Egli.