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|Christoph Keller

The Interpreters
Die Simultan-Dolmetscher legen immer viel Wert auf ihre Berufsbezeichnung, weil sie sich eben nicht als Übersetzer sehen, die ja Zeit haben, einen Text von einer in eine anderen Sprache zu transferieren. Die Dolmetscher "interpretieren" in ihrer Arbeit den originalen Sprecher während dieser spricht und müssen sich daher in den Gedankenfluss des Sprechers hineinversetzen - ein Wort das oder ein Satz der gesagt ist, kann nicht mehr zurückgenommen, sondern nur durch die nachfolgenden Formulierungen wieder korrigiert werden.
Mich hat immer schon dieses Durchfliessen der Sprache eines Anderen durch den Körper der Dolmetscher fasziniert und ich habe sie oft in ihren Kabinen beobachtet. Man kann auch gut an dem körperlichen Ausdruckes der Dolmetscher erkennen, daß es eben ein perfomativer Akt ist, ein Sprechen und nicht bloss ein Übersetzen. Der Dolmetscher spricht nicht für sich selbst, sein Sprechen ist das eines Anderen, den er interpretiert.
Die individuelle Identität einer Person, das Ich, vermittelt sich ja normalerweise durch die Gedanken, die im Sprechen ihren stimmhaften Ausdruck finden. Der Dolmetscher aber "leiht" sein Ich gewissermaßen einer anderen Person. Dazu muss er sich selbst zum Medium machen können und das ist eine besondere Gabe.
Die Arbeit handelt von diesem Bereich des Sprechenden Ichs zwischen Körper und zur Sprache werdenden Gedanken.
Ich habe zunächst Interviews mit Simultandolmetschern geführt und diese Interviews dann zusammengeschnitten und kompiliert. Was man in der Arbeit sieht sind aber nicht die Interviews selbst, sondern wiederum deren simultane Übersetzung:
In einem zweiten Schritt habe ich die kompilierten Interviews meist den selben Dolmetschern als Video vorgeführt und sie gebeten, diese simultan zu dolmetschen. Was man in der Installation sieht, sind also Dolmetscher, die teilweise ihre eigenes Sprechen simultan dolmetschen.
Dolmetschen erfordert das sich Hineinversetzen in eine andere Person. Sich selbst zu dolmetschen ist daher eigentlich tautologisch, weil der Andere man selbst ist...
In der Installation kehre ich die Positionen der Interpretation nocheinmal um, invertiere sie, sozusagen. Der Dolmetscher, der eigentlich in der Kabine sein sollte, befindet sich als Video-Projektion außerhalb, und der Zuhörer/ Betrachter ist in der Kabine.
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