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1969 wurde an der UNESCO-Konferenz in San Francisco erstmals Konzept und Name dieses Gedenktags vorgeschlagen und 1970 vom damaligen UNO-Generalsekretär zum weltweiten Aktionstag proklamiert. Seit 1990 -damals als Vorbereitung auf die Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung von 1992 in Rio de Janeiro- wird dieser Tag international begangen. Auf Vorschlag der bolivianischen Regierung wurde 2009 der 22. April von der Generalversammlung der UNO zum Internationalen Tag der Mutter Erde erklärt. Als Tag der Schöpfung soll er auf die Probleme der Umweltverschmutzung aufmerksam machen und die Menschen zum Überdenken ihres Verbrauchs anregen.
Auf einer -nach der gescheiterten UN-Klimakonferenz von Kopenhagen 2009- nach Bolivien 2010 einberufenen „Weltkonferenz der Völker über den Klimawandel und die Rechte von Mutter Erde" wurde das kapitalistische System als Hauptursache für das Ungleichgewicht auf der Erde geortet, da der Planet und die Menschen unter dem grenzenlosen Wachstumszwang zu leiden hätten. Dabei wird als einer der Hauptverursacher des Klimawandels der Agrar(industrie)sektor bezeichnet, der Lebensmittel für den Markt, aber nicht für die Ernährung aller Menschen produziere. Die Industrieländer wurden aufgefordert, ihren CO2-Ausstoss bis 2020 zu halbieren und darüber hinaus sechs Prozent ihres jährlichen Haushalts in einen Weltklimafonds einzuzahlen. Vor einem Weltklimagerichtshof sollen Regierungen und Unternehmen verklagt werden können.
Da davon bis heute wenig umgesetzt worden ist, erhebt sich die berechtigte Frage nach der Wirkung dieses Gedenktags. Den vielen schönen und guten Vorsätzen scheint es genauso zu ergehen, wie unseren Neujahrsgelübden. Ein Tag des Gedenkens zur Beruhigung unseres Gewissens also?
Dabei ist es doch sehr einfach, sich Gedanken über unser Konsumverhalten zu machen, sowohl was die Kleider als auch die Ernährung betrifft. Davon hängen nämlich sehr grosse Umweltbelastungen, Ressourcenverbrauch und Emissionen ab. Brauchen wir wirklich Früchte und Gemüse, die nicht saisonal und nicht regional sind? Müssen wir wirklich soviele Lebensmittel einkaufen, um letztlich durchschnittlich die Hälfte verderben zu lassen und wegzuwerfen? Könnten wir unseren Fleischkonsum wirklich nicht reduzieren?
„Was wir essen und wie wir es zubereiten, hat nicht nur einen bedeutenden Einfluss auf unsere Gesundheit, sondern auch auf das Klima. Nachhaltiger Konsum wird oft mit Verzicht in Verbindung gebracht. Doch eigentlich hat nachhaltiger Konsum nichts mit Verzicht zu tun, sondern mit einer Umstellung auf eine ressourcenschonendere Lebensweise.“
www.earthday.de
Wir essen pro Jahr durchschnittlich 500 kg Lebensmittel und produzieren dadurch etwa 2 t Kohlendioxid. Etwa die Hälfte entsteht bei der Erzeugung vom Acker bis zum Supermarkt, die andere Hälfte bei Einkauf, Lagerung und Verarbeitung. Dabei spielt der Einsatz fossiler Energien eine bedeutende Rolle.
„Die Ära des Konsums ohne Konsequenzen ist vorbei!“
Ban Ki Moon, UN-Generalsekretär
Trotz Klimakonferenzen und nationalen Beteuerungen steigt der CO2-Gehalt der Atmosphäre weiter an, und zwar schneller als je, wie die amerikanische Wetterbehörde NOAA vermeldet.
Dagegen haben sich alle Staaten am Weltklimagipfel 2015 in Paris verpflichtet, alles zu unternehmen, dass der damit zusammenhängende Temperaturanstieg auf maximal 2°C, nach Möglichkeit sogar auf 1,5°C begrenzt werden soll. Extreme Klimaereignisse lassen diese Notwendigkeit als dringend erscheinen.
Trotzdem ist es den einzelnen Staaten überlassen, ihre Reduktionsziele selbst festzulegen. Ein Weltklimagerichtshof und ein Weltklimafonds als Mittel zur Durchsetzung sind in weite Ferne gerückt.
„Das Ende des Einsatzes fossiler Energieträger ist gekommen. Eine massive Veränderung ist nötig.“
Leonardo DiCaprio, UN-Friedensbotschafter
Immerhin erfährt der diesjährige Tag der Mutter Erde eine besondere Bedeutung durch die Unterzeichnung des in Paris ausgehandelten Weltklimavertrags in New York durch 175 Staaten. Er tritt aber erst in Kraft, wenn er von 55 Staaten ratifiziert worden sein wird, die 55% der globalen Emissionen abdecken.... -und das dürfte noch einige Zeit dauern!