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Bericht Shark Info
Santiago, Chile, 15. November 2002
Am letzten Tag der 12. CITES Konferenz entschieden sich die
Delegierten mit überwältigender Mehrheit für die Aufnahme der Wal-
und Riesenhaie in Anhang II (siehe Kasten) der Konvention. Der
globale Schutz der zwei grössten Haiarten ist äusserst wichtig, denn
diese Plankton fressenden Arten legen auf ihren Wanderungen sehr
weite Strecken zurück und schwimmen über diverse Landesgrenzen.
CITES, die Konvention über den internationalen Handel mit bedrohten
wilden Tier- und Pflanzenarten, regelt den grenzüberschreitenden
Handel mit Produkten geschützter Arten. CITES setzt sich aus 160
Mitgliedsstaaten und verschiedenen Naturschutzorganisationen sowie
Regierungsabteilungen zusammen.
Seit 1994 sind Haie ein Thema bei CITES. An der 11. Konferenz in
Nairobi, Kenia, scheiterte der Vorschlag von Australien, England,
den USA und verschiedener Umweltschutzorganisationen, Weisse-, Wal-
und Riesenhaie in Anhang II aufzunehmen ganz knapp an der
erforderlichen Zweidrittel Mehrheit (siehe
Shark Info News).
Dieses Mal stimmten 81:37 Delegierte für den Schutz des Walhaies und
82:36 für den Riesenhai.
Der äusserst positiv zu wertenden Entscheidung für die Wal- und
Riesenhaie gingen jahrelange Verhandlungen voraus. Vor allem das
massive Lobbying der Haifang-Nationen und Fischereiverbände
verhinderte bis anhin den Schutz der gefährdeten Haiarten. Die
Argumente, die von der Haifang-Lobby angeführt wurden waren immer
dieselben. Es lägen zu wenig wissenschaftlich fundierte
Informationen vor, um die Haiarten zu schützen. Diese Argumente
konnte Steven Broad, Direktor von TRAFFIC, entkräften.
„Es besteht kein Zweifel, dass die Arten (Wal- und Riesenhai; Anm.
d. Red.) die Kriterien für Anhang II erfüllen. Es gibt klare
historische Beweise, dass die Populationen deshalb zurückgehen, weil
sie für den internationalen Handel befischt werden.“ sagte Board.
Die Vertretung der Philippinen konkretisierte diese Aussage.
Zwischen 1994 und 2000 wären die weltweiten Walhaibestände drastisch
zurückgegangen: in den Philippinen um 60 – 70%, in Indien um 48% und
in Südafrika sogar um 99%.
TRAFFIC, eine Organisation des WWF, die den weltweiten Handel mit
bedrohten Arten überwacht, hatte grossen Anteil an der positiven
Entscheidung für Haie. Nach Ansicht von TRAFFIC ist der Wechsel der
Politik bezüglich Haien ein Meilenstein für die Parteien von CITES.
CITES scheint nicht mehr nur als naturschützerisches
Regulationsorgan des grossangelegten internationalen Handels
betrachtet zu werden. Der Artenschutz, den CITES anstrebt, wird viel
mehr als ein Mittel zur Erhaltung der natürlichen nationalen
Ressourcen betrachtet.
Die IUCN, die Internationale Union für die Erhaltung der Natur,
führt die Wal- und Riesenhaie bereits auf ihrer Roten Liste der
gefährdeten Arten (siehe
Shark Info 2/1996).

Bedeutung des Anhangs II von CITES
In Anhang II sind Arten aufgeführt, die zwar im Moment noch nicht vor der
Ausrottung stehen, die aber aussterben werden, wenn der Handel mit ihnen
oder Produkten, die aus ihnen hergestellt wurden, nicht streng kontrolliert wird.
Internationaler Handel mit Arten aus Anhang II kann mittels Export-Bewilligungen
oder Zurückexport-Zertifikaten erlaubt werden. Es werden keine Import-Bewilligungen
benötigt. Bewilligungen und Zertifikate sollten nur dann erteilt werden, wenn die
entsprechenden Behörden ausreichend sicher sind, dass bestimmte Bedingungen, primär
das Überleben der Art in der Freiheit, erfüllt sind.
Veröffentlichung nur mit Quellenangabe: Shark Info

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modifiziert: 04.06.2016 11:48