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Zusammenhänge zwischen dem Erbgut und den Alkoholproblemen
Es gibt kein spezifisches Gen der Alkoholabhängigkeit, aber man nimmt an, dass mehrere Gene für die Risiken - vor allem was die Kodierung der Enzyme, die den Alkohol aus dem Körper abbauen – verantwortlich sind.
Zudem spielen Umweltfaktoren in der Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit eine wesentliche Rolle (z.B. die Familie, die Verfügbarkeit des Alkohols, Faktoren wie Stress, Gewalt oder Depressionen).
Gibt es eine genetische Veranlagung den Alkoholproblemen gegenüber ?
Wenn von Erbkrankheiten gesprochen wird, bezieht man sich auf das Vorhandensein von mehreren defekten Genen, die von den Eltern übertragen werden und schwere oder weniger schwere Fehlfunktionen mit sich bringen. Es kann sein, dass die Krankheit von einem klar definierten Gen abhängt, wie z.B. bei der Mukovizidose (einer Stoffwechsel- störung) oder dass die Krankheit von der Interaktion zwischen mehreren Genen und dem Einfluss von Umweltfaktoren abhängt, wie dies beim Diabetes der Fall ist.
Die Alkoholabhängigkeit gehört zur zweiten Kategorie, das heisst, es gibt kein identifiziertes Gen für die Alkoholabhängigkeit. Jedoch hat man eine gewisse Anzahl Gene identifiziert, die hier eine Rolle spielen. Das Gen ADH1B, z.B. ist beteiligt an der Herstellung eines Leberenzyms, das für den Alkoholabbau zuständig ist. Und das Gen DRD2, das an die Dopaminrezeptoren (Neurotransmitter im Gehirn) gebunden ist, beeinflusst die Verletzlichkeit gegenüber der Abhängigkeit. Diese Genvarianten verändern unsere Anfälligkeit gegenüber dem Alkohol. Es ist also die komplexe Interaktion zwischen mehreren Genen, die die Risiken einer Abhängigkeit in sich tragen.
Eine neuere amerikanische Studie hat gezeigt, dass ein Defekt im Gen CREB mit Angst und Verhalten von Alkoholikern – vor allem bei Jugendlichen - in Verbindung gebracht wird.
Um den Einfluss der Genetik gegenüber der Umwelteinflüsse zu bestimmen (Lebensbedingungen, Verfügbarkeit des Alkohols, Stabilität in der Familie etc.), stützen sich die Forscher auf echte und unechte Zwillingspaare. Die echten Zwillinge haben dasselbe Erbgut und wenn die Krankheit ausschliesslich genetisch ist, bricht sie zu 100 % bei beiden Zwillingen aus.
Die Zwillingsstudien zeigen, dass das Risiko eine Alkoholabhängigkeit zu entwickeln, zu 35 bis 40 % Prozent genetisch bedingt ist (2) (3). Der Rest ist auf Umwelteinflüsse zurückzuführen. Wir stellen also fest, dass die Umwelteinflüsse zum grossen Teil für die Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit verantwortlich sind.
|Das Auftreten der Abhängigkeit|
Zudem hätten Kinder, deren Eltern ein Alkoholproblem haben, ein vierfach erhöhtes Risiko alkoholabhängig zu werden gegenüber der Normalbevölkerung (4). Diese Angaben müssen differenziert betrachtet werden, denn es muss verschiedenen Faktoren Rechnung getragen werden:
- den Auswirkungen der Alkoholkonsumation der Eltern auf die Kinder
- ob das Alkoholproblem einen oder beide Elternteile betrifft
- der Dauer der Alkoholkonsumation der Eltern (stetiger Konsum oder nur zu gewissen Zeiten)
- des Vorhandenseins anderer psychischer oder sozialer Probleme (Depression, Gewalt, Armut etc.)
Die für den Alkoholabbau verantwortlichen Enzyme sind ein Faktor, der die Risiken eine Abhängigkeit zu entwickeln, modifiziert. Ethanol (Alkohol) wird zuerst durch das Enzym Alkohol Dehydrogenase (ADH) in Acetaldehyd umgewandelt. Acetaldehyd ist giftig für den Organismus (krebsfördernd: es kann das Auftreten von Krebs begünstigen). Eine Anhäufung kann ebenfalls Symptome wie Gesichtsrötung, Brechreiz und einen Anstieg der Herzfrequenz auslösen. Das Acetaldehyd wird durch das Aldehyd Dehydrogenase in Acetat umgewandelt; dieses wiederum wird in Wasser und Kohlendioxid umgewandelt.
Diese Enzyme finden wir in verschiedenen Formen beim Menschen; so besitzen z.B. gewisse Asiaten eine Variante des Enzyms ADH, welches den Alkohol schneller in Acetaldehyd umwandelt und so die unangenehme Wirkung des Alkoholkonsums erhöht. Diese Enzymvariante ist ein Schutzfaktor gegen die Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit. Aber nochmals, die Umweltfaktoren spielen eine wichtige Rolle und die Enzymvarianten sind nur ein Faktor nebst andern [5].
Fazit: wenn die genetischen Komponenten eine Abhängigkeit vom Alkohol und andern Substanzen beeinflussen, so ist diese auch und vor allem abhängig von der Umwelt und den Gegebenheiten. Das Erbgut eines Menschen kann eben so gut einen Schutz wie eine Anfälligkeit für das Auftreten einer Abhängigkeit darstellen. Die genetische Disposition ist aber weder eine notwendige noch eine hinreichende Bedingung zur Entwicklung einer Abhängigkeit. Die Untersuchung der genetischen Faktoren, gebunden an die Entwicklung einer Abhängigkeit, ist eines der Mittel um ein besseres Verständnis der Risikofaktoren diese Abhängigkeit zu entwickeln, zu bekommen. Die Studie muss im grösseren Rahmen betreffend des Verständnisses der Alkoholabhängigkeit betrachtet werden. Diese ist, wie wir gesehen haben, vor allem von der Umwelt/Umgebung der betroffenen Menschen und deren psychischen Problemen abhängig. Zum heutigen Zeitpunkt gibt es noch keine Screening-Methode oder eine Behandlung, die auf genetische Verfahren in der gängigen medizinischen Praxis zurückgreifen könnten.
|Entzugssyndrom|
Quellen
- WardenA.S Mayfield R.D.Gene expression profiling in the human alcoholic brain. Neuropharmacology Volume 122, 1 August 2017, Pages 161–174
- Heath AC, Bucholz KK, Madden PA et al. Genetic and environmental contributions to alcohol dependence risk in a national twin sample: consistency of findings in women and men. Psychol Med. 1997 Nov;27(6):1381-96. PMID: 9403910 [PubMed - indexed for MEDLINE]
- Kaprio J, Koskenvuo M, Langinvainio H et al. Genetic influences on use and abuse of alcohol: a study of 5638 adult Finnish twin brothers. Alcohol Clin Exp Res. 1987 Aug;11(4):349-56.
- Merikangas KR, Leckman JF, Prusoff BA, et al. Familial transmission of depression and alcoholism. Arch Gen Psychiatry. 1985 Apr;42(4):367-72. PMID: 3977554 [PubMed - indexed for MEDLINE]
- Alcohol metabolism : an update : Alcohol alert. National institute on alcohol abuse and alcoholism, 2007 Apr, 72.