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BFS. Die provisorischen Ergebnisse der Todesursachenstatistik 2020 decken nun den Zeitraum Januar bis September 2020 ab. Die Tabellen werden fortlaufend entsprechend dem Fortschritt der Todesursachenkodierung aktualisiert. Eine zusammenfassende Publikation der endgültigen Todesursachenstatistik 2020 ist für Ende August 2022 geplant.
Corona
SDA. Während die Sterblichkeit im Jahr 2020 aufgrund der Corona-Pandemie in der Schweiz im Vergleich zum Jahr 2019 um rund 9% zugenommen hat, liegt sie im 1. Halbjahr 2021 unter dem Niveau von 2019. Das geht aus einer Studie des Universitätszentrums für Allgemeinmedizin und öffentliche Gesundheit in Lausanne (Unisanté) hervor. Die Studie basiert auf vorläufigen Daten des Bundesamts für Statistik (BFS). Die Sterblichkeit sank demnach im 1. Halbjahr 2021 gegenüber 2020 um etwa 10.8%. Sie lag damit niedriger als in den sechs vorangegangenen Jahren, mit Ausnahme der ersten vier bis sechs Wochen des Jahrs 2021, die durch das Ende der zweiten Corona-Welle gekennzeichnet waren. 2021 sei zudem das zweite Jahr in Folge, in dem die Influenza keine Spuren in der Sterblichkeit hinter- lassen habe. Auch habe sich die dritte Corona-Welle nicht sichtbar auf die Gesamtmortalität niedergeschlagen. Damit sei die Sterblichkeit im Jahr 2021 die bisher niedrigste, die in der Schweiz je verzeichnet wurde.
BFS. Im von der Covid-19-Pandemie geprägten Jahr 2020 sank die Lebenserwartung bei Geburt gegenüber dem Vorjahr bei den Männern um 0,9 auf 81,0 Jahre und bei den Frauen um 0,5 auf 85,1 Jahre (2019: Männer 81,9; Frauen 85,6). Eine solche Abnahme wurde gemäss den Sterbetafeln des BFS bei den Männern seit 1944 und bei den Frauen seit 1962 nicht beobachtet.
Zwischen 2019 und 2020 ging die Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren aufgrund der pandemiebedingten Todesfälle um 0,7 Jahre bei den Männern und um 0,5 Jahre bei den Frauen zurück. Die Lebenserwartung der Männer im Alter von 65 Jahren sank zwischen 2019 und 2020 von 20,0 auf 19,3 Jahre. Jene der Frauen verringerte sich von 22,7 auf 22,2 Jahre.
Während bei den Männern noch nie ein so starker Rückgang beobachtet wurde, war die Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren bei den Frauen im Jahr 1944 infolge eines besonders harten Winters noch stärker gesunken. Auf kantonaler Ebene liessen sich die stärksten Abnahmen der Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren für die Männer in den Kantonen Schwyz (–2,1 Jahre), Genf (–1,8 Jahre) und Tessin (–1,8) bzw. für die Frauen in den Kantonen Jura (–1,8), Obwalden (–1,7), Waadt (–1,4) und Tessin (–1,4) beobachten.
Zwischen 2019 und 2020 nahm die Sterblichkeit in den Kantonen im Westen und Süden der Schweiz stärker zu. Der Anstieg bewegte sich in Genf, im Jura und im Tessin zwischen +25% und+27%. In den Kantonen Obwalden, Schwyz, Waadt und Freiburg lag die Zunahme ebenfalls über 20%. In Nidwalden ging die Anzahl Todesfälle dagegen leicht zurück (–0,3%) und in den Kantonen Graubünden, Glarus, Basel-Stadt und Schaffhausen nahm sie um weniger als 5% zu. So fiel der Anstieg der Todesfälle in den Kantonen im Norden und Osten der Schweiz weniger stark aus.
Forscher um den Historiker Kaspar Staub von der Universität Zürich und den Epidemiologen Marcel Zwahlen von der Universität Bern haben in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Statistik BFS über 140 Jahre zurückgeblickt: Sie verglichen monatsweise und aufgeschlüsselt nach Altersstruktur die tatsächlichen mit den erwarteten Todesfällen, die sich aus der Entwicklung der jeweils fünf vorangegangenen Jahre ergaben.
Das Resultat: Gemäss den Berechnungen lag die Übersterblichkeit 1890 übers ganze Jahr gesehen bei 6 Prozent, 1918 bei 49 Prozent, im 2020 bei 14 Prozent.
In einer der kontroversesten juristischen Fragen der Corona-Pandemie ist ein erster Gerichtsentscheid gefallen. Das Zürcher Mietgericht kommt im Fall eines Modegeschäfts zu dem Schluss, dass kein rechtlicher Anspruch auf eine Mietzinsminderung besteht. Andrea Martel schreibt in der NZZ dazu:
Was rechtlich tatsächlich gilt, war bisher unklar. Denn dafür braucht es konkrete Gerichtsentscheide, und solche lagen bis jetzt nicht vor. Nun aber hat das Zürcher Mietgericht am 2. August ein erstes Urteil gefällt. Dieses kann zwar noch angefochten und von einer höheren Instanz auch wieder umgestossen werden, aber es liefert doch einen Eindruck, wie die Justiz die Sache sieht.
In dem Entscheid, der noch nicht öffentlich kommuniziert wurde und der NZZ vorliegt, gibt das Gericht der Vermieterin recht. Diese hatte ein bei ihr eingemietetes Modegeschäft verklagt, weil dieses den Mietzins während der Pandemie ohne Rücksprache nur noch teilweise bezahlt hatte. Die Mieterin muss der Vermieterin nun den fehlenden Betrag von rund 26’000 Fr. nachzahlen und für einen Teil der Zeit auch noch Verzugszinsen von 5% entrichten. (…)
Im beurteilten Fall hatte die Vermieterin mehrfach ein Entgegenkommen angeboten, unter anderem einen 60%igen Mietzinserlass im ersten Lockdown oder eine Lösung im Rahmen des Modells der Stadt Zürich, bei dem Mieter, Vermieter und Stadt für je einen Drittel der Miete aufkommen. Dies allerdings immer unter der Voraussetzung, dass die Mieterin ihr das Gesuch und den Entscheid betreffend Kurzarbeit, den letzten Geschäftsabschluss sowie allfällige Dokumente betreffend den Covid-19-Überbrückungskredit zustelle, was die Mieterin ablehnte.
SRF schreibt auf ihrer Website: Boris Zürcher, der Leiter der Direktion Arbeit des Seco, zieht die Corona-Bilanz: «Im Vergleich zum Vorkrisen-Niveau hat sich die Langzeitarbeitslosigkeit mehr als verdoppelt. Und auch der Anteil der Langzeitarbeitslosen ist auf über ein Viertel gestiegen.» Waren vor der Pandemie rund 14’000 Personen langzeitarbeitslos, sind es momentan gut 34’000.
Die Ursachen für den markanten Anstieg sind für Zürcher indes klar: «Im Lockdown wurden keine Leute angestellt. Dadurch verblieben die Leute in der Arbeitslosigkeit. Zum anderen wurde der Taggeldbezug deutlich ausgeweitet, wodurch die Arbeitslosen über neun Monate zusätzlich Taggeld erhalten. Das alles wirkt sich dann auf die Langzeitarbeitslosigkeit aus.»
Jérôme Cosandey von Avenir Suisse empfiehlt, dass die Pensions-kassen sich finanziell verstärkt an den Aufwendungen für das Case Management beteiligen, nachdem sie von der massiven Zunahme psychischer Erkrankungen aufgrund der Corona-Massnahmen und der absehbaren Zunahme von IV-Leistungen ebenfalls betroffen sind und entsprechend auch von Massnahmen zur Linderung profitieren.
Gemäss der Swiss Corona Stress Study der Universität Basel ist der Anteil von Menschen mit schweren depressiven Symptomen zwischen der ersten und der zweiten Corona-Welle im Jahr 2020 von 3% auf 18% angestiegen. Diese Entwicklung stellt für die IV und damit auch für die von deren Rentenentscheiden abhängigen Pensionskassen eine doppelte Herausforderung dar: einerseits wegen der gestiegenen Rentengesuche, andererseits, weil sich in Krisenzeiten eine Eingliederung der Betroffenen viel schwieriger gestaltet. (…)
Obwohl die Arbeitgeber eigentlich verpflichtet sind, Langzeiterkrankungen ihren Pensionskassen frühzeitig zu melden, sind es oft die Kranken Taggeld-Versicherer, die als erste davon erfahren. Doch für Letztere beschränkt sich die Rendite einer «Investition» in einen Case Manager lediglich auf die Einsparungen, die während der maximalen Leistungsdauer von 730 Tagen möglich sind, während die IV und die Pensionskasse noch während Jahren oder gar Jahrzehnten die Kostenfolgen einer nicht gelungenen Eingliederung zu tragen haben. Obwohl das System in seiner Gesamtheit von einem Case Manager profitieren würde, rechnet sich dessen Einsatz für den KTG-Versicherer oft nicht.
Frank Scheffold, Professor am Physik-Departement der Universität Freiburg und ehemaliges Mitglied des Nationalen Forschungsrats beim Schweizerischen Nationalfonds, hat die Sterblichkeitszahlen im Coronajahr 2020 einer kritischen Analyse unterzogen. Seine Resultate überraschen.
Eine Arbeit der Universität Lausanne, unter der Leitung von Isabella Locatelli, vergleicht die Sterblichkeit in der Schweiz im letzten Jahr mit jener in den Vorjahren. Aus der Studie ergeben sich mehrere interessante Schlussfolgerungen. Erstens ist die Übersterblichkeit etwas geringer als die Zahl der gemeldeten Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 – was darauf hindeutet, dass es in der Schweiz, im Gegensatz zu einigen anderen Ländern, keine grosse Dunkelziffer an Pandemieopfern gibt.
Bezüglich der standardisierten Sterblichkeit, welche die Veränderungen in der Alters- und Geschlechterverteilung einer Bevölkerung berücksichtigt, stellen die Autoren eine etwas geringere Sterblichkeit im Vergleich zum Grippejahr 2015 fest. Da die Sterblichkeit in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gesunken (und die Lebenserwartung gestiegen) ist, lag sie im Jahr 2020 sogar um sieben Prozent niedriger als im Jahr 2010.
Inwieweit die Covid-19-Todesfälle im Jahr 2020 durch die Corona-Massnahmen begrenzt werden konnten, ist unklar, und die Autoren lassen diese Frage offen. Verglichen mit dem Vorjahr reduzierte sich die Lebenserwartung im Jahr 2020 um knapp acht Monate. Im Vergleich dazu sank die Lebenserwartung durch die Spanische Grippe im Jahre 1918 um fast zehn Jahre bei einer damals ohnehin schon viel geringeren Lebenserwartung von um die Mitte fünfzig. Die Auswirkungen der Spanischen Grippe waren ungleich dramatischer als jene von Covid-19.
Sollen oder müssen Vermieter von Geschäftsliegenschaften während des Lockdowns die Mieten reduzieren oder ganz aussetzen? lautete eine im letzten Jahr vieldiskutierte Frage. Sie betraf auch Pensionskassen als wichtige Immobilienbesitzer. Jetzt wird das Thema aus grösserer Perspektive wieder aktuell. Die SonntagsZeitung schreibt:
Es war einer von vielen Streitpunkten im vergangenen Jahr, der sich nun weiterzieht. Die zentrale Frage: Haben Geschäftsmieter Anrecht auf Reduktionen, wenn sie ihr Geschäft zwangsschliessen müssen? Das Mietrecht bleibt hier eine Antwort schuldig und die Meinungen unter Experten gehen auseinander. Zu einer Lösung kam es bisher nicht.
Jetzt nehmen Geschäftsmieterinnen die Sache selbst in die Hand, wie Armin Zucker, Rechtsanwalt und Vizepräsident des Verbands der Geschäftsmieter bestätigt. Wer seinen Vertrag neu verhandelt, wolle sich gegen unvorhersehbare Ereignisse absichern. «Pandemieklausel» nennt sich der Zusatz, der Einzug in die Mietverträge halten soll.
Susanne Kapfinger: Was sind die kurzfristigen Konsequenzen der Covidkrise?
Einerseits dürfte 2020 die Sterblichkeit der Rentner aus- geprägter sein als in früheren Jahren – insbesondere bei Pensionskassen mit einem hohen Durchschnittsalter des Rentnerbestandes. Das könnte zu einem Risikogewinn bei den Rentnern führen. Andererseits könnte bei manchen Pensionskassen die Sterblichkeit bei den aktiven Versicherten höher als erwartet ausfallen. Das würde zu einer höheren Schadenbelastung durch Todesfälle und allenfalls zu einem Risikoverlust bei den aktiven Versicherten führen. Wir erwarten allerdings keine wesentlichen finanziellen Auswirkungen auf die Pensionskassen, da die älteren Rentner weniger Kapital benötigen als die jüngeren.
Was geschieht, wenn sich die Übersterblichkeit fortsetzt?
Vergangene Phasen von Übersterblichkeit haben gezeigt, dass auf diese oft eine Phase der Untersterblichkeit folgt. Es ist also nicht auszuschliessen, dass die von Covid-19 verursachte Übersterblichkeit zu einer etwas geringeren Sterblichkeit in den Folgejahren führen wird.
Wird die aktuelle Situation in der Rentenberechnung nicht berücksichtigt?
Die Übersterblichkeit im Jahr 2020 ist nicht in den im Dezember 2020 publizierten technischen Grund- lagen BVG 2020 berücksichtigt, da sich die Grundlagen BVG 2020 auf die Sterblichkeitsdaten der Jahre 2015 bis 2019 beziehen. Dafür wird die Übersterblichkeit im Jahr 2020 in den kommenden technischen Grundlagen BVG 2025 mit der Beobachtungsperiode 2020 bis 2024 berücksichtigt.
Man tut also als wäre nichts geschehen?
Kurzfristige Schwankungen der Sterblichkeit können Konsequenzen für Pensionskassen haben. Für die Festlegung ihrer Leistungen und Finanzierung sollten sich Pensionskassen aber auf die mittel- und langfristigen Sterblichkeitsprognosen stützen und nicht auf kurzfristige Schwankungen in der Vergangenheit.
Michael Ferber schreibt in der NZZ über die absehbar steigende Belastung der Sozialversicherung durch psychische Störungen, ausgelöst durch die Pandemie und insbesondere die damit verbundenen Massnahmen.
Es kommen auf die IV massive neue Belastungen zu. Eine Anfang April publizierte wissenschaftliche Studie im Fachmagazin «The Lancet» deutet darauf hin, dass die Folgen einer Corona-Infektion für die Psyche nicht unterschätzt werden sollten. Von 236 000 vor allem in den USA untersuchten, mit Covid-19 infizierten Patientinnen und Patienten litt nach sechs Monaten rund ein Drittel unter einer Hirnerkrankung oder psychischen Störung.
Wie es in der «Swiss Corona Stress Study» der Universität Basel heisst, hat sich die Zahl der Menschen in der Schweiz mit Symptomen einer schweren Depression, die an der nicht repräsentativen Studie im Zeitraum März bis November 2020 teilgenommen haben, mehr als verfünffacht – von 3,4% auf 18,4%. Dies lasse sich durch Perspektivlosigkeit, Vereinsamung und soziale Isolation sowie Unsicherheiten über die Arbeitsmarktentwicklung erklären, heisst es in einer neuen Studie von Avenir Suisse zum Thema Invalidität in der Schweiz. «Mit einer gewissen Verzögerung, wohl in den Jahren 2022 und 2023, wird man diesen Anstieg auch in den Invaliditätsstatistiken sehen», sagt Jérôme Cosandey, Directeur romand und Forschungsleiter Sozialpolitik bei dem Think-Tank.
Ein weiteres Alarmsignal der «Swiss Corona Stress Study» ist, dass neben Personen mit finanziellen Einbussen durch die Corona-Krise vor allem junge Leute von schweren Depressionen betroffen waren. Aus Sicht der IV sind junge IV-Rentner besonders teuer, da sie ihre Rente über mehrere Jahrzehnte hinweg erhalten – und psychische Erkrankungen sind nun einmal altersunabhängig. Laut Daten des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV) stellen 20- bis 29-Jährige 11% der neuen IV-Renten, sind aber für 20% der kumulierten Kosten bis zur Pensionierung verantwortlich.
Bruno Parnisari und Valérie Ruffieux untersuchen in CHSS 1/21 die Folgen der Pandemie auf die Sozialversicherung. Sie schreiben u.a.
Wie ist diese Grafiken (…) zu interpretieren? Zunächst widerspiegelt die anteilmässige Zunahme der Sozialversicherungsausgaben am BIP seit der Finanzkrise vor allem eine strukturelle Entwicklung (ausgabenseitig: insbesondere die Folgen der demografischen Alterung und der vermehrten Inanspruchnahme hochwertiger Güter und Dienstleistungen im Gesundheitsbereich; einnahmen- und BIP-seitig: vor allem Verlangsamung des Produktivitätswachstums). Die Pandemie wird diese Diskrepanz zwischen den Einnahmen und den Ausgaben im Bereich der sozialen Sicherheit zumindest vorübergehend noch vergrössern.
BFS. Die methodischen Erläuterungen rund um die öffentlichen Statistiken zu Todesfällen, Übersterblichkeit, Todesursachen und meldepflichtigen Erkrankungen wurden aktualisiert und um Angaben zum Thema Covid-19 ergänzt.
Darin abgehandelt werden die vier verschiedenen öffentlichen Statistiken, welche Rückschlüsse auf die Anzahl von Todesfällen in der Schweiz über eine bestimmte Zeitspanne hinweg zulassen.
Diese sind:
- Das Mortalitätsmonitoring des Bundesamtes für Statistik (BFS) mit den Zahlen zur Übersterblichkeit,
- Die Todesursachenstatistik des BFS mit den Angaben zu den Todesursachen,
- Die Statistik des Meldesystems für meldepflichtige Krankheiten des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) mit den Zahlen zu den klinischen Meldungen nach Tod, darunter auch die Todesfälle von Covid-19-infizierten Personen,
- Die Statistik der natürlichen Bevölkerungsbewegung (BEVNAT) des BFS mit den Zahlen zu den insgesamt vorgefallenen Todesfällen, ohne Spezifizierung der Todesursachen.
pw. Während sich die Zweifel an Sinn und Zweck des bundesrätlich und gegen den Willen der Kantone durchgesetzten zweiten Lockdowns exponentiell mehren, werden die in Kauf genommenen Kollateralschäden zunehmend erkennbar.
Der Detailhandel und die Gastbetrieben, welche vielfach den Grossteil ihrer Reserven bereits in der ersten Runde im Frühjahr verbrauchten, plagen Existenzsorgen.
Der Arbeitgeberverband, noch bis gestern in Nibelungentreue hinter dem Bundesrat stehend und alle Massnahmen treuherzig akzeptierend, macht sich auf Druck der Mitgliederverbände erstmals Gedanken um die wirtschaftlichen und menschlichen Konsequenzen der Massnahmen und äussert zaghaft erste Forderungen nach einer Lockerung. Und er spricht – welche Überraschung – von Selbstverantwortung.
Und unweigerlich kommt jetzt die Frage der Gewerbemieten wieder aufs Tapet. Das überrascht nicht, weil auf Seite der Vermieter die Lust merklich geschwunden ist, Kosten für die staatlichen Ad hoc-Massnahmen zu übernehmen. Das Parlament hat seinerseits mit den wirren und unhaltbaren Projekten für erzwungene Mietreduktionen seinen Teil zu den Problemen beigetragen.
Die geplagten Mieter suchen sich zu wehren und der “Blick” ist dafür eine beliebte Plattform. Dass die Zeitung an vorderster Front steht wenn es gilt, harte Massnahmen zu fordern, steht für einmal im selben Blatt.
Wie schon im Frühjahr sieht sich die Zürcher BVK in der Schusslinie. In der Abwägung zwischen den Eigeninteressen, der sozialen Verantwortung und der öffentlichen Wahrnehmung muss sie einem schmalen Pfad folgen. Steht man aber einmal in der Schusslinie der Medien, sind Schusswunden wohl unvermeidlich.
Der Bundesrat und auch kantonale Regierungen (zuvorderst jene von Basel-Stadt mit ihrem unsäglichen bis skandalösen Verhalten) verlieren an Glaubwürdigkeit. Absehbar ist eine unfruchtbare Schuldzuweisung hüben und drüben. Wenn nicht sehr rasch Lockerungen in Kraft treten, dürfte sich eine hässliche Diskussion entwickeln. Die Pensionskassen als grosse Immobilienbesitzer und Vermieter dürften ihren Teil davon abbekommen.
BFS.Die Übersterblichkeit entwickelt sich wie die Epidemie regional unterschiedlich. Während der zweiten Welle von Covid-19 zeigen sich gegenüber den erwarteten Werten erhöhte Todesfallzahlen in den Wochen 44-51, 2020 in der Genferseeregion, von Woche 43, 2020 bis Woche 01,2021 im Espace Mittelland, seit Woche 43, 2020 in der Zentralschweiz, in den Wochen 45 sowie 47, 2020 bis 1, 2021 in der Nordwestschweiz, seit Woche 45, 2020 im Kanton Zürich, seit Woche 44, 2020 in der Ostschweiz, sowie seit Woche 44, 2020 im Kanton Tessin.
In der ersten Welle von Covid-19 zeigte sich 2020 die Übersterblichkeit in der Genferseeregion in den Wochen 11-18, im Espace Mittelland in den Wochen 14 und 16, in der Nordwestschweiz in den Wochen 13 und 14, in Zürich und der Ostschweiz in Woche 14, in der Zentralschweiz in Woche 16 sowie im Tessin in den Wochen 11 bis 16.
Zu einem bestimmten Zeitpunkt kann sich eine stark erhöhte lokale Sterblichkeit unter Umständen im gesamtschweizerischen oder regionalen Durchschnitt verbergen. Aus technischen Gründen werden nur die Daten der 18 grössten Kantone in der CSV-Tabelle dargestellt.