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Das Skelett
Zum Skelett gehören der Schädel, die Vorder- und Hintergliedmasse und die Wirbelsäule.
Die Vordergliedmasse des Hundes setzt sich aus dem Schulterblatt, dem Oberarm, Speiche und Elle, den Vorderfusswurzelknöchelchen, den Mittelhandknochen und den Zehenknochen zusammen. Die Verbindung mit dem Brustkorb ist nicht gelenkig, das Vorderbein ist gewissermassen nur durch Muskeln und Faszien am Rumpf aufgehängt. Dies steht im Zusammenhang mit der Biomechanik der Fortbewegung, indem der Antrieb allein aus der Hintergliedmasse kommt und die Vordergliedmasse den von hinten kommenden Schub möglichst dynamisch auffangen sollte. Dass das Vorderbein in erster Linie statische Aufgaben zu Erfüllen hat zeigt sich auch in der Anordnung der Gelenke: Vom Ellbogen abwärts ist die Vordergliedmasse gestreckt.
Der Schultergürtel ist bei Hund und Katze, die die Vordergliedmasse nur zum Gehen und nicht wie wir Menschen für gezielte Aktionen gebrauchen, reduziert. So fehlt das Schlüsselbein und das Rabenschnabelbein. Zwischen Schulterblatt und Oberarm liegt das Schultergelenk. Dieses Gelenk wird nicht durch Seitenbänder geführt, an ihre Stelle treten Muskeln mit ihren Endsehnen. Diese Muskeln verhindern Seitwärtsbewegungen im Schultergelenk. Der Oberarm ist ein kräftiger Knochen, der beim Dackel und bei kurzbeinigen Terriern stark gebogen ist.
Der Unterarm besteht aus Speiche (Radius) und Elle (Ulna). Bei Hund und Katze kreuzen sich diese zwei Knochen, so dass ähnlich wie beim Menschen noch ein leichtes Drehvermögen des Unterarms vorhanden ist. Im Ellbogen weist die Elle nahe der Gelenksfläche zum Oberarm verschiedene Fortsätze auf (Abb. 3): den Processus anconaeus und innen und aussen einen Kronenfortsatz (Processus coronoideus). Bei der Ellbogengelenksdysplasie macht meistens ein fragmentierter Proc. anconaeus Probleme. Der bis zur 11. Lebenswoche rein knorplige Proc. anconaeus hat ein eigenes Verknöcherungszentrum. Verknöchert seine Wachstumsfuge im Alter von 18-24 Wochen, verliert der Proc. anconaeus an Elastizität und kann durch einwirkende Kräfte abreissen. Auch am Proc. coronoideus findet man häufig krankhafte Veränderungen.
|Abbildung 3:

Der Ellbogen mit Oberarm, Elle (Ulna) (mit Proc. anconaeus und Proc. coronoideus) und Speiche (Radius)
Die Knochen des Vorderfusses entsprechen der Hand des Menschen. Das Vorderfusswurzelgelenk setzt sich aus 7 Einzelknochen zusammen, was vor allem bei Röntgenaufnahmen zu beachten ist. Der Hund hat 5 Mittelhandknochen und 5 Zehen, wobei der Daumen viel kürzer ist.
Im Gegensatz zum Vorderbein ist das Hinterbein durch das Kreuzdarmbeingelenk mit der Wirbelsäule verbunden. Dadurch erfolgt eine direkte Kraftübertragung vom "Heckmotor" Hinterbeine auf die Wirbelsäule und nach vorne. Das Becken besteht aus der Verwachsung von Darmbein, Schambein und Sitzbein.
Zwischen Beckenpfanne und dem Oberschenkelkopf ist das Hüftgelenk (Abb. 4) ausgebildet. Der Rand der Beckenpfanne ist dabei durch Faserknorpel vergrössert, so dass der Oberschenkelkopf besser in der Pfanne hält. Die Beckenpfanne umgreift so den Oberschenkelkopf mehr als zur Hälfte. Beim Hund sind recht grosse Bewegungen im Hüftgelenk möglich, im Gegensatz z.B. zum Pferd, welches das Hüftgelenk nur Strecken und Beugen kann. Die Beweglichkeit wird dann v.a. durch die Gesäss- und Oberschenkelmuskeln eingeschränkt. Bei der Hüftgelenksdysplasie (HD) ist die Beckenpfanne zu flach und es kommt zu Instabilitäten und Arthrose.
|Abbildung 4:

Das Hüftgelenk mit Becken, Beckenpfanne und Oberschenkelkopf
Das Kniegelenk (Abb. 5) besteht genau genommen aus zwei Gelenken: nämlich dem Gelenk zwischen Oberschenkel und Schienbein (Kniekehlgelenk) und dem Gelenk zwischen Oberschenkel und Kniescheibe (Kniescheibengelenk). Da die Gelenkflächen von Ober- und Unterschenkel nicht genau aufeinanderpassen, ist als Puffer auf jeder Seite ein faserknorpliger Meniskus zwischengelagert. Die Menisken haben die Form von Mandarinenscheiben. Sie sind durch Bänder am Schienbein und am Oberschenkel fixiert. Der innere Meniskus ist auch noch mit dem Seitenband verwachsen. Wegen der stärkeren Befestigung ist seine Verletzungsgefahr grösser als die des äusseren Meniskus. Das Kniegelenk wird aussen durch Seitenbänder stabilisiert, innen durch die Kreuzbänder. Eine häufige Lahmheitsursache beim erwachsenen Hund ist ein Kreuzbandriss, eventuell begleitet von einer Meniskusverletzung. Kreuzbandrisse führen zu Instabilität und, falls nicht behandelt, zu Arthrose im Kniegelenk. Einem Kreuzbandriss beim Hund gehen aber meist Degenerationen des Kreuzbandes durch übermässige Belastung, Übergewicht, Fehlstellungen oder Alter voraus. Dann braucht es nur noch ganz kleine Einwirkungen von aussen, bis das Band reisst.
|Abbildung 5:

Knochen des Kniegelenks:
Oberschenkel, Kniescheibe, Unterschenkel aus Schienbein und Wadenbein
Der Unterschenkel wird durch das dickere Schienbein (Tibia) und das dünne Wadenbein (Fibula) verkörpert.
Im Sprunggelenk sind 7 einzelne Knöchelchen ausgebildet. Bei Hund und Katze sind prinzipiell 5 Hintermittelfussknochen und Zehen ausgebildet, wobei die "grosse Zehe" bei der Katze meist fehlt, beim Hund ist sie gelegentlich als Wolfskralle ausgebildet.
Zum Skelettsystem gehört auch die Wirbelsäule. Sie dient als tragendes Element für Kopf, Rippen und innere Organe und bildet den Schutz für das Rückenmark und die daraus weggehenden Nerven. Ebenso ist sie für die Schubübertragung in der Vorwärtsbewegung verantwortlich.
Jeder Abschnitt der Wirbelsäule besteht aus einer Kette von Wirbeln, die untereinander durch Gelenke und Bandscheiben verbunden sind: Hals- (7 Wirbel), Brust- (13 Wirbel), Lendenwirbelsäule (7 Wirbel), Kreuzbein (3 verschmolzene Wirbel) und Schwanzwirbelsäule (bis 20 Wirbel). Jeder Wirbel besteht aus einem Wirbelkörper, einem Wirbelbogen und verschiedenen Fortsätzen. Wirbelkörper und Wirbelbogen begrenzen zusammen das Wirbelloch, diese formen aneinandergereiht den Kanal für das Rückenmark. Die das Rückenmark verlassenden Spinalnerven treten in den Löchern zwischen zwei benachbarten Wirbelbogen aus.
Die Beweglichkeit der Wirbelsäule nimmt von vorne nach hinten ab. Es gibt aber Stellen mit erhöhtem Bewegungsvermögen, so die Übergänge Hals-/Brustwirbelsäule, Brust-/Lendenwirbelsäule, Lendenwirbelsäule/Kreuzbein). Die besonders hohe Beweglichkeit am Übergang Brust-Lendenwirbelsäule ermöglicht dem Hund, im Galopp die Beine weit nach vorne zu bringen.
Zwischen zwei Wirbelkörpern ist als Stossdämpfer eine Bandscheibe eingelagert.
Die Bandscheiben bestehen aus einem bandartigen Teil (Anulus fibrosus), der eine straffe Verbindung zwischen zwei Wirbelkörpern schafft. Der Kern der Bandscheibe (Nucleus pulposus) wirkt als Stossdämpfer und wird vom bandartigen Teil in Position gehalten. Nach der Geburt kommt es zu einem Wasserverlust der ganzen Bandscheibe, die Elastizität nimmt mit zunehmendem Alter ab. Die gelatinöse Beschaffenheit des Kerns der Bandscheibe bleibt aber bis ins Erwachsenenalter erhalten. Erst im Alter kommt es zu einer allmählichen Fibrosierung und die Bandscheiben werden spröd. Allerdings scheinen bei gewissen Individuen Degenerationen schon früher aufzutreten und Voraussetzungen für Bandscheibenschäden zu schaffen.
Bei chondrodystrophen Rassen können Alterungsprozesse der Bandscheiben bereits im ersten halben Lebensjahr auftreten und bei 1-2 jährigen Hunden findet man teilweise schon spröde Bandscheiben. Eine erbliche Prädisposition findet man beim Dackel und es wird auch bei anderen Rassen (Pekingese, Franz. Bulldogge, Cocker Spaniel, Zwergpudel, Beagle) eine genetische Komponente vermutet.
Bei starkem Druck kann ein durch Degeneration oder Verkalkung spröde gewordener Anulus fibrosus einreissen, meist erfolgt dies im oberen Bereich, wo er dünner ist. Dadurch kann der Bandscheibenkern in Richtung Rückenmarkskanal vorfallen und auf das Rückenmark selber oder die Spinalnerven drücken.
48% aller Bandscheibenvorfälle findet man am Übergang Brust-/Lendenwirbelsäule, 38% innerhalb der Lendenwirbelsäule, 10% der Fälle betrifft die Halswirbelsäule und die hintere Brustwirbelsäule. Im Bereich der vorderen Brustwirbel kommt es praktisch nie zu Bandscheibenvorfällen, weil dieser Teil der Wirbelsäule durch den Brustkorb am stabilsten ist. Zudem bietet hier ein Band, das von den Rippenköpfchen einer Seite über die Bandscheiben hinweg zu den Rippenköpfchen der andern Seite zieht, eine Verstärkung.
Das aktive System des Bewegungsapparates, die Muskulatur (Abb. 6), arbeitet eng mit dem passiven Teil des Bewegungsapparates zusammen. Ein Muskel besteht aus vielen Muskelfasern, die kontraktile Elemente besitzen. Ziehen sich diese Elemente auf einen Nervenimpuls hin zusammen, kommt es zu einer Verkürzung des Muskels. Da die Muskelfasern stets an Knochen entspringen und enden, wird durch den Muskelzug auch der Knochen mitbewegt. So kommt es zu einer Vergrösserung (Strecken) oder Verkleinerung (Beugen) des Gelenkwinkels und zur Fortbewegung. Der Muskelursprung liegt immer näher beim Körperschwerpunkt als der Muskelansatz. Muskeln gehen im allgemeinen vor ihrem Ansatz am Knochen in eine Sehne über. Kein Muskel arbeitet alleine, eine Bewegung ist immer das Resultat von mehreren aktiven Muskelbäuchen. Dabei gibt es Muskeln, die miteinander arbeiten und Muskeln, die gegenteilig wirken, sogenannte Antagonisten. So gibt es genau wie beim Mensch den Beuger des Ellbogens (Biceps) und den Strecker des Ellbogens (Triceps).
|Abbildung 6:

Die oberflächliche Muskulatur des Hundes
Muskelgewebe ist im Gegensatz zum Sehnengewebe sehr gut durchblutet. Sehnen sind überall da, wo sie erhöhtem Druck ausgesetzt sind oder wo sehr starke Kräfte einwirken, von Sehnenscheiden eingehüllt oder von Schleimbeuteln unterlagert.
Dieser Artikel ist erschienen im Schweizer Hundemagazin Ausgaben 1/2002 und 2/2002
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Autorin:
Dr. med. vet. Cornelia Z'berg