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Zürich (awp/sda) - Der Handel mit Gütern zwischen Deutschland und der Schweiz hat sich nach der Finanzmarktkrise wieder erholt. Nachdem es 2009 einen der stärksten Einbrüche seit dem Zweiten Weltkrieg gab, wurde im vergangenen Jahr wieder mehr exportiert und importiert.
2010 wurden für 94,9 Mrd CHF Güter gehandelt. Der Vorjahreswert wurde damit um 5,8 Mrd CHF oder 6,5% übertroffen. Das hohe Niveau der Zeit vor der Krise sei aber noch nicht erreicht worden, sagte Eric G. Sarasin, Präsident der Handelskammer Deutschland-Schweiz, am Freitag vor den Medien in Zürich.
Nach dem dramatischen Rückgang 2009 habe der Konjunkturaufschwung den Handelsbeziehungen zwischen der Schweiz und Deutschland wieder bedeutende Impulse gegeben. Die "kräftige Erholung" sei Ausdruck einer immer engeren Verflechtung der Wirtschaft in den beiden Ländern.
Schweizer Unternehmen verkauften 2010 Waren im Wert von 37,7 Mrd CHF nach Deutschland - 6,8% mehr als im Vorjahr. Mit einem Exportanteil von 19,5% blieb der nördliche Nachbar wiederum der wichtigste Zielmarkt der Schweizer Exportwirtschaft.
Umgekehrt bezog die Schweiz Waren im Wert von 57,2 Mrd CHF aus Deutschland. Das sind 3,4 Mrd CHF oder 6,3% mehr als im Vorjahr. Mit 32,9% Importanteil blieb Deutschland der wichtigste Beschaffungsmarkt für die Schweiz. Für Deutschland ist die Schweiz mit einem Anteil von 4% der Gesamtimporte der neuntwichtigste Lieferant.
Rund zwei Drittel der schweizerischen Ausfuhren nach Deutschland entfielen auf die drei Warengruppen Chemikalien, Maschinen/Apparate/Elektronik und Metalle/Metallwaren. Bei den Importen aus Deutschland machten diese Warengruppen rund die Hälfte aus.
Die deutschen Direktinvestitionen in der Schweiz stiegen im vergangenen Jahr um 1,9 Mrd EUR. Die Schweizer Unternehmen zogen dagegen Nettokapital von 77 Mio Euro aus Deutschland ab. Im Vorjahr hatte die Schweizer Wirtschaft noch Direktinvestitionen in Höhe von 23,4 Mrd CHF getätigt.
Als "nicht verhältnismässig" erachtet die Handelskammer die neuen zolltechnischen Hürden, die mit der Zoll-Sicherheitsinitiative der EU geschaffen wurden. Die administrativen Belastungen beidseits der Grenze wirkten sich kostensteigernd aus und führten dazu, dass sich Betriebe vermehrt auf dem EU-Markt eindeckten, erklärte Ralf J. Bopp, Direktor der Handelskammer.
"Erhebliche administrative und finanzielle Belastungen" drohten deutschen Entsendebetrieben zudem durch die neue Kautionspflicht, sagte Marion Hohmann-Viol, stellvertretende Direktorin der Handelskammer. Je nach Auftragsgrösse müssten Gewerbebetriebe vor der Ausführung Kaution von bis zu 10'000 CHF hinterlegen.
Diese Kautionen dürften nicht zu Marktzugangsbeschränkungen werden und kleinere Aufträge verunmöglichen, sagte Hohmann-Viol. Die für einzelne Branchen bereits eingeführten Kautionen müssten deshalb überdacht und auf weitere geplante Kautionen müsse verzichtet werden.
Auf eine baldige Lösung hofft die Handelskammer beim Streit über die Lärmbelastung des Flughafens Zürich, der sei über zehn Jahren die Atmosphäre in beiden Ländern belaste. "Wir erwarten von der deutsch-schweizerischen Arbeitsgruppe, dass sie nicht nur bis Ende Jahr ihre Verhandlungen abschliesst, sondern auch konkrete Vorschläge unterbreitet", sagte Bopp.
Schnell beendet werden müsse der Steuerstreit zwischen der Schweiz und Deutschland. Mit Blick auf die Verhandlungen über die grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Steuerbereich befürworte die Handelskammer ein Verbot für den Ankauf von Steuerdaten als auch einen gegenseitigen Marktzutritt für Finanzinstitute, hiess es an der Medienkonferenz.
mk
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