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Nach den Nationalratswahlen sprachen nahezu alle Schweizer Medien von einem Rechtsrutsch. Eine Langzeitanalyse des Nationalrates zeigt, dass sich die grosse Kammer seit Jahren nach rechts bewegt. Kurzfristig war die Wahl vom 18. Oktober aber dennoch ein aussergewöhnliches Ereignis.
Die Grafik zeigt die ideologische Ausrichtung des Nationalrates in den vergangenen Jahrzehnten. Auf Basis der Selects-Befragung von 2011 wurde jeder Partei ein Wert zwischen 0 (links) und 10 (rechts) zugewiesen. Dieser Wert basiert auf den gemittelten Antworten aller Befragten. Daher reflektiert er die Wahrnehmung der Parteien in der Schweizer Bevölkerung relativ gut. Für die Analyse wurde der Wert anschliessend nach Parteistärke im Nationalrat gewichtet. Die Positionen wurden folgendermassen eingeschätzt: SVP 8.2, MCR 7.5, Lega 7.4, FDP 6.0, BDP 5.7, CVP 5.2, GLP 4.6, Grüne 3.2, SP 3.0. Für die kleinen Parteien waren nur Experteneinschätzungen verfügbar: EDU 8.7, FPS 8.1, LPS 7.3, EVP 4.9, PdA 0.5.
Die Grafik zeigt einen langfristigen Rechtstrend. Während der Nationalrat 1975 einen Wert von 5.04 auf der links-rechts Achse erzielte, waren es 2015 5.72. Im Durchschnitt bewegte sich der Nationalrat pro Legislatur also 0.07 Punkte nach rechts. Die Wahlen von 1995 und 2011 waren in dieser Hinsicht aussergewöhnlich. In beiden Fällen verschob sich das Gewicht nach links.
Obwohl die Wahl von 2015 damit einem generellen Trend nach rechts folgt, ist sie dennoch besonders und verdient zu Recht das Prädikat „Rechtsrutsch“. Auf der links-rechts Skala ergab sich eine Veränderung von über 0.2 Punkten. Dies ist eine aussergewöhnlich starke Veränderung welche historisch noch nie beobachtet werden konnte.
Mit dieser Analyse sind zwei Einschränkungen in der Interpretation verbunden. Erstens, im Durchschnitt wird nur die Ideologie von 190 der 200 Nationalräte abgebildet. Es fehlen insbesondere einzelne kleinere Parteien des linken (POCH, FGA) und rechten Lagers (SD / Rep.) in der Periode 1975 bis 1991. Zweitens, für die gesamte Untersuchungsperiode werden stabile Parteipositionen angenommen. Das heisst die Parteien erhalten 1971 die gleiche links-rechts Position wie 2015. Dies ist eine starke Vereinfachung der Realität. Verschiedene Analysen haben gezeigt, dass die SVP im Verlauf der letzten Jahre nach rechts und die linken Parteien (SP und Grüne) nach links gerutscht sind. Insgesamt wird die Periode vor 1999 daher vermutlich etwas zu „links“ geschätzt.