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Auf die so vorbereitete Platte wird die Zeichnung entworfen und zwar verkehrt, d. h. als Spiegelbild davon, wie sie beim Abdruck
erscheinen soll, oder sie wird vermittelst der Photographie auf den Stockübertragen, wobei gewöhnlich
eine andre Grundierung vorgenommen wird. Aus der Hand
[* 5] des Zeichners oder Photographen kommt der Stock in die des Holzschneiders,
welcher mit dem (früher allein üblichen) Schneidemesser oder dem (jetzt fast ausschließlich gebrauchten) Stichel
alle von
dem Zeichner unberührt gelassenen Stellen bis zu einer gewissen Tiefe sauber ausschneidet, so daß nach
vollendetem Schnitt nur noch die Zeichnung und zwar erhaben von der frühern Oberfläche übrigbleibt.
Von großer Wichtigkeit ist bei der Arbeit des Holzschneiders die Lage des Stockes, welche zwei einander sich widerstrebende
Anforderungen erfüllen muß, nämlich zugleich Festigkeit
[* 6] und leichte Beweglichkeit: die erstere, damit
das Schneidinstrument bei der Arbeit einen sichern Gegenhalt habe, weil sonst leicht Fehlschnitte entstehen;
die zweite, damit
der Holzschneider je nach der Wendung des Schnittes den Stock leicht drehen kann. Um dies zu erreichen, hat man verschiedene
Vorkehrungen getroffen: entweder wird der Holzstock in einen auf einer wagerecht liegenden Drehscheibe
befestigten Rahmen eingespannt, oder auf einen mit Sand gefüllten Sack gelegt.
Außer der nur durch lange Übung zu gewinnenden
Handfertigkeit muß der Holzschneider auch einen gewissen Grad künstlerischen Gefühls besitzen und selbst ein fertiger Zeichner
sein, namentlich wenn es sich um die Holzschnittwiedergabe von Zeichnungen handelt, die nicht aus Strichen
bestehen, sondern die, wie es bei den Vorlagen für illustrierte Blätter meist zu geschehen pflegt, getuscht oder gewischt
sind. Hier muß der Xylograph die zarten Töne des Tuschpinsels entweder in seine Technik übersetzen, oder dieselben getreulich
nachbilden (Faksimileschnitt, Tonschnitt).
In der Technik des Holzschnitts ist zwischen dem ältern und dem neuern zu unterscheiden. Vom 15. bis 18. Jahrh.
und auch noch später brauchte man nur Langholz, d. h. Platten, deren Oberfläche parallel mit der Holzfaser lief, meist aus
Birnbaum- oder Apfelbaumholz gefertigt, und schnitt darin mit dem Schneidemesser; heute bedient man sich nur des Hirnholzes,
d. h. solcher Platten, deren Oberfläche die Holzfaser quer durchschneidet, und zwar ausschließlich von
Buchsbaumholz, welches die gleichartigste Textur besitzt.
Statt des Messers wendet man, wie bei der Kupferplatte, den Stichel an, von dem es eine große Anzahl verschieden gestalteter
Arten gibt, je nachdem Umrisse oder Kreuzlagen (Schraffierungen) oder Tonschnitte ausgeführt werden sollen. Der Stichel besteht
aus einer mehrere Zentimeter langen, vierkantigen Stahlklinge, welche vorn schräg abgeschliffen ist, so daß eine trianguläre
Schneide entsteht, deren Winkel
[* 7] mehr oder weniger spitz ist. Er ist in einen Griffel eingelassen, welcher die Form eines Pilzes
hat. Auf der einen Seite ist dieser Griff abgeflacht, damit er bei niedriger Haltung die Fläche des Stockes
nicht berühre. Bei technischen Schnitten, namentlich wenn die Schraffur derselben aus geraden, parallelen oder regelmäßig
geschwungenen Linien besteht, wendet man auch Maschinen an, welche mit größerer Genauigkeit und Schnelligkeit arbeiten als
die freie Hand. Besondere Manieren des Holzschnitts¶
Die früher mit Heftigkeit besprochene Frage, ob die Maler nur die Zeichnungen auf den Holzstock entworfen oder selbst auch
geschnitten, läßt sich mit Wahrscheinlichkeit dahin entscheiden, daß sie vielleicht hin und wieder zur Korrektur das
Schneidemesser in die Hand nahmen, ja wohl mitunter auch selbst ein Blatt
[* 20] ausführten, im großen und ganzen aber mehr als
Zeichner für den Holzschnitt denn als Holzschneider selbst betrachtet werden müssen. Was die Gegenstände der Darstellungen
betrifft, so bestanden sie, außer den zahlreichen Illustrationen zu religiösen Werken, besonders in Porträten,
selbst in Lebensgröße, Triumphzügen, Städteansichten (Prospekten), Genealogien, Landkartensammlungen, Abbildungen zu klassischen
und andern wissenschaftlichen Werken, Reisebeschreibungen und Chroniken.
Seit der Mitte des 16. Jahrh. begann der Holzschnitt bereits wieder seine künstlerische Bedeutung einzubüßen; namentlich
trug hierzu die rasche Entwickelung des Kupferstichs bei, dessen gefährliche Rivalität bisher nur durch die größere Popularität
niedergehalten war, welche der Holzschnitt aus seiner illustrativen Eigenschaft schöpfte. Zwar wurde gerade
jetzt massenhaft produziert: die Maurer, Stimmer, J. Amman, V. Solis lieferten zahllose Zeichnungen dafür, und es gab auch noch
tüchtige Formschneider, wie A. Andreani in Italien, Chr.
Der Charakter seiner Schnitte besteht, ganz abweichend von dem der ältern Holzschneidekunst, in einer Nachahmung des Metallstichs, d. h. in
einer Verdrängung des Naturschnitts durch seine malerische Ausführung des Stofflichen. In Frankreich machte die Revolution
von 1789 auf längere Zeit zwar dem Holzschnitt ein Ende; aber im dritten Dezennium des gegenwärtigen
Jahrhunderts wurde derselbe durch den ausgezeichneten SchülerBewicks, Charles Thompson, wieder eingeführt und schnell zu einer
hohen Ausbildung in technischer wie in künstlerischer Beziehung gebracht. In Deutschland, wo der Holzschneidekunst bis gegen die Mitte des 18. Jahrh.
durch einzelne Künstler, wie Milchram, Prestel, Holtzmann, sodann durch Seltsam, Wucherer, Rupprecht, das
Leben gefristet worden war, begann sie sich im Anfang des 19. Jahrh. ebenfalls wieder
etwas zu heben, besonders durch die beidenUnger, welche jedoch nebst einigen andern Holzschneidern dieser Zeit noch der Übergangsperiode
angehören.