Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03449.jsonl.gz/2987

Die Vorgeschichte der UNO begann bereits vier Jahre vor der Gründungskonferenz vom 26. Juni 1945. Sie war wie diese Konferenz ganz wesentlich von den Interessen und Vorstellungen der USA geprägt, die nach ihrem Eintritt in den 2. Weltkrieg im Dezember 1941 und mit dem Sieg über Nazideutschland und Japan im April und August 1945 zur unangefochten stärksten Weltmacht aufgestiegen war. Am 14. August 1941 einigten sich US-Präsident Franklin Roosevelt und der britische Premierminister Winston Churchill in ihrer «Atlantik Charta» auf gemeinsame «Prinzipien zur Erhaltung von Frieden und Sicherheit».
USA und Grossbritannien wollten die Rolle der Weltpolizisten
Auf Druck der übermächtigen USA stimmte Churchill dabei auch dem Prinzip des «Selbstbestimmungsrechts aller Völker» zu, was auf die Auflösung des weltweiten britischen Kolonialreiches hinauslief. In einem künftigen «dauerhaften System der allgemeinen Sicherheit» wollten die USA und Grossbritannien die Rolle der Weltpolizisten übernehmen. Im Januar 1942 stellten sich 26 weitere am Krieg gegen die «Achsenmächte» Deutschland, Italien und Japan beteiligte Staaten in einer gemeinsamen Erklärung hinter diese Prinzipien der Atlantik Charta. Ihre Erklärung begann mit den Worten: «Wir, die Vereinten Nationen…. »
Bei einem Treffen in Moskau im Oktober 1943 forderten die Aussenminister der Sowjetunion, der USA und Grossbritanniens sowie der Botschafter von China «die Schaffung einer «ständigen internationalen Organisation für Sicherheit und Frieden». Im Dezember 1943 legte das State Department in Washington Präsident Roosevelt einen Plan für den Aufbau einer Weltorganisation vor. Der Plan sah bereits drei der Kerninstitutionen der späteren UNO vor: den Sicherheitsrat, die Generalversammlung und den Internationalen Gerichtshof.
Rund um die Uhr vom US-Geheimdienst abgehört
Auf einer Expertenkonferenz im amerikanischen Dumbarton Oaks erarbeiteten die USA, Grossbritannien und die Sowjetunion im Sommer 1944 einen ersten Entwurf für das Statut der künftigen UNO. Und im Februar 1945 beschlossen Roosevelt, Churchill und Stalin in Jalta, «eine allgemeine, internationale Organisation zur Erhaltung von Frieden und Sicherheit einzurichten», und luden zur Gründungskonferenz nach San Francisco ein. In Jalta einigten sich die «Grossen Drei» auch darauf, bei der Konferenz für sich selber und für China einen ständigen Sitz im künftigen UNO-Sicherheitsrat sowie das Vetorecht durchzusetzen.
Nachdem die Alliierten im August 1944 Paris von der deutschen Besatzung befreit hatten wurde als fünftes Mitglied auch Frankreich in den Kreis der privilegierten Mitglieder der künftigen Weltorganisation aufgenommen. Zur am 2. Juni 1945 eröffneten Gründungskonferenz in San Francisco reisten die 49 ausländischen Delegationen sämtliche mit dem Schiff über New York an und weiter mit der Eisenbahn an die Westküste. Sie wurden bereits in den Zügen sowie während der 25 Konferenztage in ihren Hotels rund um die Uhr vom US-Geheimdienst abgehört. So war die US-Delegation in San Francisco zu Beginn jedes Verhandlungstages immer bestens über die vorherigen internen Diskussionen und die sich daraus ergebenen Verhandlungspositionen der anderen 49 Delegationen informiert.
USA wollte Zoll- und Handelsabkommen ausserhalb der UNO
Zwei Jahre nach der Konferenz in San Francisco beschlossen die Gründungsstaaten der UNO auf einer Konferenz in Bretton Woods nicht nur die Schaffung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF), sondern auch die Errichtung einer «Internationalen Handelsorganisation» (ITO), die – wie die Internationale Arbeitsorganisation oder die Weltgesundheitsorganisation – integraler Bestandteil des UNO-Systems werden und nach den Regeln der UNO funktionieren sollte. Die Schaffung der ITO wurde von der USA in der Folge jedoch verhindert. Staatdessen betrieb Washington die Vereinbarung des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens (GATT), Vorläufer der heutigen Welthandelsorganisation (WTO) ausserhalb der UNO.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine. Andreas Zumach ist spezialisiert auf Völkerrecht, Menschenrechtspolitik, Sicherheitspolitik, Rüstungskontrolle und internationale Organisationen. Er arbeitet am europäischen Hauptsitz der Uno in Genf als Korrespondent für Printmedien, wie beispielsweise die tageszeitung (taz), Die Presse (Wien), die WoZ und das St. Galler Volksblatt, sowie für deutschsprachige Radiostationen und das Schweizer Fernsehen SRF. Bekannt wurde Zumach 2003 als Kritiker des dritten Golfkrieges. Im Jahr 2009 wurde ihm der Göttinger Friedenspreis verliehen.