Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03193.jsonl.gz/1265

Im Herzen von Burgund an der Saône in der Stadt Tournus besuchten wir die romanische Kirche Saint Philibert. Ursprünglich war hier ein Benediktinerkloster. Es wurde 875 als Saint Valérien Kloster gegründet (von Karl dem Kahlen), weil der Heilige Valerian hier an dieser Stelle bestattet war. Er hatte im Jahre 178 das Martyrium für den Christusglauben erlitten.
Die Mönche kamen vom Kloster Noirmoutier. Sie wurden dort von den Normannen vertrieben und brachten die Reliquien des Heiligen Saint Philibert mit. Die Reliquien hatten schon eine grössere Reise hinter sich mit den Stationen: um 819 in Déas - das heutige Saint-Philbert-de-Grand-Lieu - , dann in Cunault - das heutige Chênehutte-Trèves-Cunault -, weiter in der Gegend von Neuville-de-Poitou, dann in der Auvergne. Endlich gelangten sie im Jahre 875 ins Kloster Saint-Valérien in Tournus, das später nach Saint-Philibert benannt wurde.
Die bestehende Kirche von Tournus wurde damals für das neue Kloster vergrößert. 937 wurden das Kloster und die Kirche jedoch zerstört und nach 949 wiedererbaut. Im Jahr 1007 brannten große Teile des Klosters nieder, die Klosterkirche wurde etwa ab 1020 erneut errichtet. 1120 wurde das neue Kirchengebäude durch Papst Calixt II. geweiht.
1627 wurde das Benediktinerkloster aufgelöst und durch ein Kanoniker-Stift ersetzt. Dieses wurde 1785 ebenfalls aufgelöst. 1790 fiel der Besitz durch die Französische Revolution (1789–1799) an die Stadt Tournus. Ab 1802 konnten in der Kirche wieder Gottesdienste abgehalten werden. 1841–1851 wurde die Kirche restauriert.
Vom finsteren Narthex (Vorkirche) mit den dicken, festen Säulen tritt der Besucher in das helle Langhaus. Sicher waren hier ursprünglich überall Fresken. Bescheidene Überreste sind erkennbar.
Das schlichte
Langhaus. Interessant sind die quer gestellten Tonnengewölbe über dem
Hauptschiff.
Die Seitenschiffe sind von Kreuzgewölben gedeckt.
Seit dem Mittelalter wird im südlichen Seitenschiff die Madonna Notre Dame la Brune (die braune Madonna) verehrt.
Die Statue ist aus Zedernholz und stammt aus dem frühen 12. Jahrhundert. Wie in der Romanik üblich präsentiert Maria ihren Sohn, der wie ein kleiner Erwachsener aussieht.
Erst im 20. Jahrhundert wurden im Chorumgang Mosaike entdeckten. Sie stammen aus dem 12. Jahrhundert und zeigen Tierkreiszeichen und Monatsarbeiten.
Philibert war der Sohn des Bischofs und ehemaligen königlichen Hofbeamten Filibald aus einer romanischen Familie. Er wuchs in Paris am Hof von König Dagobert I. auf und wurde Mönch, dann Abt in Rebais. Wegen Unstimmigkeiten im Kloster legte er dieses Amt nieder und bereiste Klöster wie Luxeuil - das heutige Luxeuil-les-Bains - und Bobbio, die nach der Regel des Kolumban geordnet waren, sowie andere Klöster in Gallien, Burgund und Italien. Er gründete 655 das Kloster Jumièges auf ihm von Chlodwig II. geschenktem Land, dann das Nonnenkloster Pavilly, wobei er vom Bischof von Rouen, Audeoenus, und von Königin Bathilde gefördert wurde. Nach einem Zerwürfnis mit Ebroin, dem Hausmeier von Neustrien, wurde er verbannt und verbrachte sein Exil bei Bischof Ansoald von Poitiers. In der Verbannung gründete er 677 das Kloster Noirmoutier auf der Insel Heriou an der Atlantikküste. Nach Ebroins Tod kehrte er nach Jumièges zurück und söhnte sich mit Audoenus aus. Um 684 gründete er das Kloster Montivilliers westlich von Pavilly und das Kloster St. Benoît in Quinçay bei Poitiers.
Die Verehrung von Saint Philibert verbreitete sich nach seinem Tod im Jahre 685 ziemlich schnell.
Quelle: ökum. Heiligenlexikon
Über der Vorkirche befindet sich die dem Erzengel Michael geweihte Kapelle . Der Raum ist dreischiffig angelegt und im Mittelschiff 12 m hoch. Die drei Schiffe sind von Längstonnen überwölbt. Seit der Anbringung der Orgel im 17. Jh. ist der Durchblick in die Kirche verstellt. Nur kleine Glasfenster erlauben einen Blick ins Gewölbe von Saint Philibert.

An der Arkade zur Hauptkirche befindet sich eine Relieffigur eines bärtigen Mannes mit einem Hammer, daneben eine Inschriftplatte mit dem Namen des Gerlannus, der als Abt oder Baumeister der Kirche gedeutet wird. Der Text der beschädigten Inschrift lautet wahrscheinlich: "Gerlannus Abate Isto Moneteium e ile". Mit einer weiteren Reliefplatte des Bogens mit einem Gesicht gehört die Figur zu den ältesten erhaltenen Werken romanischer Bauplastik.
Der Kreuzgang wurde leider grossteils zerstört. Doch auch der Rest ist beeindruckend.