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| Augustinus (354-430) - Ausgewählte Briefe (Erster Teil)

Zweites Buch.
Briefe von Augustins Erhebung zur Bischofswürde bis zu seiner Disputation mit den Donatisten und der Entdeckung der pelagianischen Irrlehre in Afrika (396—410).
XXXIII. (Nr. 55.) Antwort auf die Fragen des Januarius. Zweites Buch.
VIII. 14.
Auch gibt niemand von uns darauf acht, daß zur Zeit, da wir Ostern feiern, die Sonne sich im Zeichen des Widders befindet, worunter die Astrologen einen gewissen Platz am gestirnten Himmel verstehen, an dem sich wirklich die Sonne im Monate der Erneuerung1 befindet. Mögen sie nun aber diesen Himmelsstrich mit dem Namen Widder oder mit irgendeinem anderen Namen bezeichnen, so haben wir aus der Heiligen Schrift gelernt, daß Gott alle Gestirne erschaffen und ihnen am Himmel den Platz angewiesen hat, der ihm wohlgefiel. Mögen sie nun den Himmelsraum nach den Sternen in verschiedene Bezirke einteilen und ordnen und ihnen nach Belieben Namen geben: wo immer sich die Sonne im Monate der Erneuerung aufhalten würde, von eben diesem Punkte aus würde sie dieses Fest beleuchten, weil dieser Monat das Geheimnis der Lebenserneuerung versinnbildet, von dem schon die Rede gewesen ist. Könnte aber auch diese Himmelsgegend wegen der Ähnlichkeit des Sternbildes den Namen Widder tragen, so brauchte auch in diesem Falle die christliche Lehre sich nicht zu scheuen, daraus ein geheimnisvolles Symbol abzuleiten, wie sie ebenso Gleichnisse für sinnbildliche Darstellung auch ableitet von anderen erschaffenen Dingen, nicht bloß am Himmel, sondern auch auf der Erde, zum Beispiel vom Orion und von den Plejaden, von den Bergen Sion und Sinai, von den Flußnamen Geon, Phison, Tigris und Euphrat und von dem in den heiligen Schriften so oft genannten Jordanflusse.
1: Mensis novorum; vgl.S. 222 Anmkg. 2. Es ist der Nisan.