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Die Schweizer Grossbanken bereiten sich auf eine Serie möglicher Gerichtsverfahren vor. Hunderte wütender Investoren haben sich gegen Credit Suisse zusammengeschlossen, UBS erwartet wegen des Madoff-Skandals Klagen von institutionellen Anlegern.
Eine Gruppe von rund 380 Personen, die nach dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers rund 21 Millionen Franken mit Produkten der Credit Suisse (CS) verloren haben, will ihr Geld zurück.
Die Anleger behaupten, Opfer der aggressiven CS-Verkaufstaktik zu sein. Die Bank habe sie insbesondere schlecht über die Risiken beraten.
"Uns wurde gesagt, dass wir im schlimmsten Fall alle Kapitalgewinne verlieren könnten, unsere Investitionen aber einen hundertprozentigen Kapitalschutz geniessen würden", sagte Gabriela Fischer, Sprecherin der Gruppe, gegenüber swissinfo.
Die Bank hat denjenigen Anlegern, die am 31. August 2008 weniger als 500'000 Franken bei der CS und mindestens die Hälfte davon in kapitalgeschützte Lehman-Brothers-Produkte investiert hatten, die Rückerstattung der Verluste angeboten.
Gemeinsames Vorgehen
Credit Suisse betonte, dieses Angebot gemacht zu haben, auch wenn die Investoren für das Risiko solcher Produkte "allein verantwortlich" seien.
"Während der letzten Wochen haben wir diesen Kunden eine faire Lösung angeboten. Die grosse Mehrheit hat dieses Angebot akzeptiert", schrieb die Bank in einer Mitteilung.
Doch laut Fischer haben nur etwa fünf Prozent der knapp 400 Kunden ein solches Angebot erhalten. Die andern seien an eine dicke Mauer geraten, als sie sich an die Bank gewandt hatten.
Viele der geschädigten Kunden haben sich an den Zürcher Anwalt Daniel Fischer (nicht verwandt mit Gabriela Fischer) gewandt, um ihre Interessen zu vertreten.
Kürzlich hat dieser eine Sammelklage vorbereitet, die er der Bank übergeben will, falls die CS den Forderungen der Kunden nicht vor der jährlichen Aktionärsversammlung im April nachkommt.
"Über 80 Prozent der Opfer haben durch die Machenschaften von Lehman Brothers wesentliche Teile ihrer Pensions- oder der Ausbildungsgelder für ihre Kinder verloren", sagte der Seniorpartner im Wirtschaftsanwaltsbüro Fischer und Partner gegenüber swissinfo.
Fischer zerstreute Bedenken, dass es in der Schweiz keine Basis für Sammelklagen gebe. Er ergänzte, dass eine Gruppe von Klägern "signifikant mehr Glaubwürdigkeit" vor Gericht habe.
Madoff-Prozesse
Derweil sieht sich auch die UBS, die andere Schweizer Grossbank, im Zusammenhang mit dem 50-Milliarden-Fiasko um den Ex-US-Börsenchef Bernard Madoff mit möglichen Klagen konfrontiert.
Der Vermögensverwalter Madoff hatte viele der weltweit vermögendsten Personen dazu gebracht, in ein mutmasslich betrügerisches System zu investieren, das letzten Monat aufgeflogen war.
Die Bank hatte in Luxemburg Investment-Fonds gegründet, durch die das Geld in Madoffs Taschen gelenkt wurde. Kürzlich hat ein Luxemburger Richter Anlagen in Luxalpha, einem dieser Fonds, blockiert.
Die französische Finanzgruppe Oddo & Cie will die UBS im Zusammenhang mit diesem Fonds verklagen. Oddo behauptet, einen Monat vor Bekanntwerden des Madoff-Skandals Beteiligungen an diesem Fonds verkauft, aber das Geld nie erhalten zu haben.
Eine weitere europäische Aktionärsgruppe, Deminor, hat gedroht, im Namen von Investoren, die in Madoff-Papiere investiert hatten, gegen die Banken UBS und HSBC vorzugehen.
Die UBS sagte, sie habe den Luxalpha-Fonds auf Wunsch ihrer Kunden angeboten und keine Madoff-Produkte an Kunden verkauft.
swissinfo, Matthew Allen, Zürich
(Übertragen aus dem Englischen: Christian Raaflaub)
Madoff-Skandal
Mehrere Schweizer Privatbanken haben eingeräumt, dass sie wegen der Madoff-Pleite Kundengelder verloren haben.
Zu ihnen gehören Reichmuth Matterhorn aus Luzern, die Vermögensverwalterin Bank Bénédict Hentsch sowie die Union Bancaire Privée, beide aus Genf.
Madoff, ein früherer Chef der New Yorker Börse, betrog mutmasslich zahlreiche Vermögende rund um den Globus um Milliardenbeträge.
Er versprach ihnen hohe Renditen, bezahlte diese aber mit den Investments der Neuanleger.
Madoff war im Dezember nach dem Kollaps seines 50-Mrd.-Imperiums verhaftet worden.
Die Schweizer Privatbankiers befürchten, dass der Skandal in der Branche zu einem Stellenabbau führen könnte.