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Karl Bartos (Jahrgang 1952) studierte von 1970 bis 1976 an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf Klavier, Vibraphon und Schlagzeug. Ab 1975 war er ein Bandmitglied bei Kraftwerk, wo er auch als Co-Autor von mehreren Titeln (u.a. „Tour de France“ oder „Das Model“) seinen Beitrag leistete. 1990 verliess er die Band.
1993 veröffentlichte er unter dem Projektnamen Elektric Music, zusammen mit Lothar Manteuffel (Rheingold), ein Album mit dem Titel „Esperanto“. Ein Jahr später arbeitete Bartos mit Bernard Sumner (New Order) und Johnny Marr (The Smiths) an dessen Projekt Electronic und ihrem zweiten Album „Raise The Pressure“. 1998 erschien unter dem Namen Electric Music ein Soloalbum von Bartos.
Zum ersten Mal unter eigenem Namen veröffentlichte er 2003 das grossartige Album „Communication“. Es folgten Touren und Festivalauftritte. Ich durfte seine Show 2004 am WGT in Leipzig und ein Jahr später im Zürcher Kaufleuten bewundern und geniessen. Seit Sommer 2004 ist Bartos Gastprofessor an der Universität der Künste in Berlin.
Die Ideen zum neuen Album „Off The Record“ hat sich Karl Bartos aus seinem Archiv geholt. Dieses besteht aus musikalischem Material von 1975 bis 1993. Er hat es chronologisch geordnet und dann auf einen Computer kopiert. Dieser Prozess dauerte fast zwei Jahre, weil natürlich viele unterschiedliche Tonträger (u.a. Tonbandkassetten, Viertel Zoll Bänder oder Beta Videotapes) zuerst digitalisiert werden mussten.
Die Basis von „Atomium” ist auf einer eingängigen Bassline/Rhythmus Kombination aufgebaut, dazu gesellen sich eine Computerstimme und Fairlight-typische Strings. „Nachtfahrt” klingt geschliffener und ist in Deutsch gesungen. Mir gefallen die Klangfarben der Sounds und das subtile Spiel damit im Mittelteil des Songs. Fast schon als Classic Meets Electro würde ich „International Velvet” bezeichnen, weil u.a. auch richtige Violinen zum Einsatz kommen. Die Melodie dazu entstand 1981 auf der Tour beim Soundcheck im Hammersmith Odeon in London.
„Without A Trace Of Emotion” besticht durch seinen harmonischen Verlauf, eindrückliche Melodieteile und leicht unterkühlter Gesang verschmelzen zu einem exzellenten Stück Electropop. Bei „Musica Ex Machina” mag ich den Klang des Rhythmus und die Dub-Spielerei zum Ende des Tracks hin. Eine hübsche Ballade getragen von einem elektronischen Arpeggio und spacigen Gesang ist Bartos mit „The Tuning Of The World“ gelungen. Schwermütig und geheimnisvoll schallt mir „Instant Bayreuth” entgegen, in meinen Gedanken schweifen Bilder aus dem unendlichen Weltall an mir vorbei.
Karl Bartos war schon immer von Rhythmusmaschinen fasziniert, im Track „Vox Humana“ integriert er die Maestro Rhythm King mit verschiedenen Rhythmen. Wer es genau wissen möchte: Im mehrseitigen Booklet zur CD ist beschrieben welche Rhythmen bei welchem Tempo er verwendet hat. Die ersten 8 Sekunden von „Rhythmus” werden jedem Musikinteressierten sofort bekannt vorkommen, die Rhythmussequenz hatte Bartos zum ersten Mal beim Track „Nummern“ auf dem Album „Computerwelt“ (1981) verwendet.
Die CD kann ich allen Musikgeschicht-Interessierten empfehlen. Die englischen Ausführungen von Bartos im Booklet zu den einzelnen Songs sind unterhaltsam und sehr informativ. Ich freue mich schon heute auf die neue Show, die hoffentlich auch in unseren Breitengraden zu sehen sein wird. 🙂
Tracklist:
1. Atomium
2. Nachtfahrt
3. International Velvet
4. Without A Trace Of Emotion
5. The Binary Code
6. Musica Ex Machina
7. The Tuning Of The World
8. Instant Bayreuth
9. Vox Humana
10. Rhythmus
11. Silence
12. Hausmusik
Bandmitglieder:
Karl Bartos – Musik und Gesang
Gründung:
2000