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Das einzige Mittel, welches immer radicale Hulfe gewährt, besteht in der Abtragung der äussern Kante des Augenliedrandes, wobei die Cilien nebst ihren Wurzeln entfernt, der Tarsus, die - Meibom’schcn Drüschen mit ihren Ausführungsgängen, die Thränenpünktchen und Kanälchen geschont werden. Ist das Uebel nur parciell, so beschränkt sich die Operation auf die fehlerhaft gerichteten Cilien, erstreckt es sich über die ganze Länge des Augenliedrandes, so muss auch die Abtragung alle Cilien befassen ). Nachdem der Kranke verlässig gesetzt, und wie bei der Staaroperation gehalten ist, spannt der Gehülse mittelst des Zeige- und Mittelfingers das Augenlied, zieht es etwas nach oben, wenn es das obere, nach unten, wenn es das untere ist, Der Wundarzt schiebt nun eine löffelförmige hornene Platte unter das Augenlied, so dass die Wölbung des Augapfels der Aushöhlung der Platte entspreche *); auf dieser wird nun das Augenlied mit der linken Hand ausgebreitet festgehalten. Sollte das Tiefliegen des Auges, die zu enge Spaltung der Augenlieder, oder die Unruhe des Pa– tienten das Einlegen der Platte erschweren, so
Stelle der Ausmündung des Haares nicht der Wurzel nahe genug liege, um letztere durch Cauterisiren der Ausmündungsstellen zerstören zu können. Bei Trichiasis uud Entropium, gesetzt durch Verschrumpfung des Tarsus, kann die Abtragung einer Hautfalte nützen; allein nur auf kurze Zeit, und bald wird wieder Recidive des Uebels folgen ( Hosp, im a. W. S. 19). ) Vor Jäger hat man öfters Vorschläge zur Abtragung des Augenliedrandes gemacht, da aber der Tarsus, die Meibom'schen Drüschen nicht geschont wurden, so musste immer eine grössere Entstellung folgen. Jäger hat zuerst ein Verfahren aufgestellt, welches mit Nutzen angewendet wird. - - 2) In Zang's Lehre der blutigen heilkundigen Operationen, j Ausg. 2. B. T. 2, findet sich eine Zeichnung dieser alte» .
A. 331 wird dieses durch das vorläufige Hinaufziehen des obern Augenliedes mittelst des Richter'schen Augenliedhalters erleichtert. Der Wundarzt kann ohne diese Platte die Operation verrichten. Mit einem convexen Messerchen werden nun, ungefähr eine Linie oberhalb der fehlerhaft ausmün– denden Cilien, ganz nahe oberhalb der Wurzeln derselben, die Haut, das Zellgewebe, die Fasern des Orbicularis bis zur Entblösung des Tarsus, am rechten Auge vom äussern, am linken vom innern Augenwinkel her, nach der Richtung des Augenliedrandes, durchschnitten. Sobald die untergeschobene Platte entfernt ist, und das Blut mittelst eines mit kaltem Wasser getränkten Schwammes abgewischt wurde, fasst der Operateur mit einer eigens hiezu verfertigten Pincette ") den untern Wundrand, zieht denselben an, während der Gehülfe das Augenlied spannt, um die Wunde zum Klaffen zu bringen, und entfernt durch vor– sichtig geführte Messerzüge, die äussere Kante des Augenliedrandes, mit dieser die Cilien sammt ihren Wurzeln. Der Tarsus, die Thränenpünkt– chen und die Ausführungsgänge der Meibom'schen Drüschen werden geschont. Die Blutung wird mittelst des kalten Wassers gestillt, und dann untersucht, ob nicht einige fehlerhaft stehende Cilien zurückgeblieben sind, welche dann mit ihren Wurzeln entfernt werden müssten. Man macht Umschläge von kaltem Wasser über das Augenlied, und fährt damit bis zur Heilung der Wunde, welche in wenigen Tagen ohne alle Zufälle ver– narbt, fort. Wurde eine oder die andere Haar– wurzel bei Verübung der Operation übersehen, und zurückgelassen, so erscheint am dritten oder
vierten Tage nach der Operation das nachwachsende Augenliedhaar in Form eines schwärzlichten Pünktchens. Diese Stelle wird dann mit einem zugespitzten Stückchen Aetzstein berührt, und dadurch die zurückgebliebene Wurzel zerstört ). Von der Phthisis und Atrophie des Auges. Diese krankhaften Zustände beschränken sich auf die Hornhaut, oder verbreiten sich über den ganzen Augapfel. Unter Phthisis der Hornhaut versteht man den undurchsichtigen, mit Narben bedeckten und abgeflachten Zustand derselben, der in Folge der Entzündung und Vereiterung der Hornhaut erscheint, mehrentheils durch tiefgreifende Geschwüre, durch Fisteln und Abscesse derselben verursacht ist. Bei Phthisis des Augapfels ist durch einen vorausgegangenen Entzündungsund Eiterungsprocess der ganze Augapfel zerstört, in einen in die Augenhöhle zurückgezogenen mit Stricturen versehenen Klumpen umgewandelt, an welchem die individuelle Bildung der einzelnen Theile nicht mehr wahrzunehmen ist. Die intensiv und extensiv heftigen Entzündungen können dieselben durch Erweckung eines allgemeinen Eiterungsprocesses hervorrufen. Bei der Atrophie der Hornhaut, Rutidosis, erscheint dieselbe trocken, schmutzig, undurchsichtig, abgeflacht und verkleinert. Sie wird vorzüglich durch einen langen anhaltenden, durch Wunden oder Geschwüre veranlassten Ausfluss der wässerichten Feuchtigkeit, und durch Abnahme
“) Jäger hat durch viele gelungene Fälle bewiesen, dass durch dicse Operation mit Gewissheit die Heilung bedingt werde. Ich glaube, dass dieser Operation ein einziger Vorwurf vielleicht gemacht werden dürfte, dass die entstehende den Augenliedrand bedeckende Narbe Reibung und Reiz auf dem Auge bewirken könnte.
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der Ernährung bedingt. Von dieser muss die Corrugatio Corneae, die Zusammenrunzlung der Hornhaut, unterschieden werden, welche durch den Ausfluss der wässerichten Feuchtigkeit entsteht, sich aber verliert, sobald die Wunde, wodurch jene Feuchtigkeit ausgeflossen, geheilt, und die wässerichte Feuchtigkeit ersetzt ist “). Bei der Atrophie des Augapfels ist der Ernährungspro– cess vermindert, die Resorptionsthätigkeit aber gesteigert. Die Glasfeuchtigkeit, die wässerichte Feuchtigkeit werden allmählig resorbirt, und die einzelnen Gebilde ziehen sich in dem Grade zusammen, als die Quantität der Feuchtigkeiten des Auges sich vermindert. Das Sehvermögen wird voli kommen vernichtet, die Iris verändert ihre Farbe, die Pupille schliesst sich, alle Theile zei– gen noch deutliche Spuren ihrer ehemaligen Struc
tur. Der Bulbus zieht sich immer mehr in die
Augengrube zurück, und zeigt sich endlich als einen mit Stricturen versehenen Klumpen, welcher sich nicht mehr verkleinert, sondern in diesem Zustande verharrt. Die Atrophic scheint mit krank– haften Veränderungen des Glaskörpers gewöhnlich verbunden zu seyn, und wird daher durch jene Ursachen, welche Krankheiten des Glaskörpers bedingen, vorzüglich durch die arthritische Ophthalmie, gesetzt. Traumatische Ursachen können zur Entstehung derselben Anlass geben.
Alle diese Zustände sind unheilbar. Die Atrophie scheint durch zweckmässige Behandlung der Gicht zuweilen im Fortschreiten gehemmt zu wer– den. Die Kunst muss hier ihre Hülfe auf das Einlegen eines künstlichen Auges beschränken, um die bestehende Difformität zu decken. Diese Art der Prothesis ist eine der ältesten Erfindungen. Die Griechen hatten Echlephari, nämlich künstliche Augen aus Stahlplatten, die mit einer fein
. “) Beer, im a. W. 2. B. S. 269. .
bemalten Haut überzogen wurden, geformt; sie wurden in jenen Fällen angewandt, in welchen keine Augenlieder, und kein hinlänglicher Stumpf des Augapfels vorhanden waren. Die Hypoblephari wurden unter die Augenlieder geschoben, und hatten die Form der jetzt gebräuchlichen künstlichen Augen. Die künstlichen Augen, die man jetzt gebraucht, haben die Form convexer Tellerchen, welche den vordern Theil des Augapsels vorstellen. Man verfertiget sie entweder aus Glas, oder aus dünnen Goldblättchen, welche emaillirt werden. Mauchard und Bell ziehen die gläsernen vor, weil sie wohlfeiler sind, weniger reiben und beschweren. Richter und Beer geben den goldenen den Vorzug, da sie täuschender, schöner, weniger zerbrechlich sind, und sich, wenn sie nicht ganz passen, abschleifen oder abfeilen lassen. Das künstliche Auge verliert mit der Zeit Glanz und Politur; es muss dann mit einem andern vertauscht werden, indem dadurch das gute Ansehen des Auges verliert, die Augenlieder aber durch den Reiz der rauhen Stellen gerieben und entzündet werden. Auf der convexen äussern Fläche des künstlichen Auges wird die Hornhaut, die Pupille, die Iris, aufs ähnlichste mit dem noch gesunden Auge, jedoch so gemalt, dass der Durchmesser der Pupille nicht mehr beträgt, als er bei mässiger Beleuchtung zu betragen pflegt. Nicht nur in Hinsicht der Farbe, sondern auch der Grösse und Convexität muss das künstliche Auge mit dem gesunden übereinstimmen. Der Horizontaldurchmesser des Auges bei einem Erwachsenen beträgt gewöhnlich 9 bis 1o Linien, der Verticaldurchmesser 7, 9 bis 11 Linien. In der Mitte ist das Tellerchen 1 % Linien dick, im Umfange darf es kaum eine Linie betragen; das Gewicht eines glä– sernen Auges soll nicht über 28 Gran, eines gol