Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03264.jsonl.gz/2494

Seine Eltern hätten ihm die Freude am Bauern weitergegeben, erklärt der heutige Meisterlandwirt, der den gemischten Betrieb bereits in dritter Generation führt. Als Kurt Henauer nach der üblichen Ausbildung und der Meisterprüfung im Jahre 1984 während sechs Monaten in verschiedenen Landwirtschaftsbetrieben in Australien und Neuseeland jobbte, merkte er, dass er hierher gehörte. Hierher, das heisst in einen Betrieb, in eine Dorfgemeinschaft und in ein Landwirtschaftsgebiet mit überschaubaren, familiären Verhältnissen.
Pionierarbeit geleistet
Von den 18,5 ha Nutzfläche bearbeitet Kurt Henauer zusammen mit seinem Lehrling 5,5 ha Ackerfläche, eine drei ha grosse Intensiv-Obstanlage sowie zehn ha Wiesland, die auch seine 20 Milchkühe ernähren. Schon jahrelang auf dem elterlichen Hof aktiv, übernahm Kurt Henauer den Betrieb 1987 als Pächter und 1993 in Eigentum. Seit 1990 sammelt er als Pilotbetrieb Daten für ein gesamtschweizerisches Projekt im Bereich der Integrierten Produktion (IP).
Obstbaulich sei er schon früher, nämlich 1984, in die IP eingestiegen und habe so ein wenig Pionierarbeit geleistet, verweist Henauer auf einen entsprechenden Zusammenarbeitsvertrag mit der kantonalen Zentralstelle für Obstbau.
Obstbau im Sommer aktuell
Wenig spektakulär sieht Henauers Alltag aus, der in der Regel morgens um Viertel vor sechs beginnt, wenn er mit dem Füttern und Melken und anderen Stallarbeiten bis gegen neun Uhr beschäftigt ist, dazwischen, so um halb acht, das Morgenessen einnimmt und schliesslich die Kühe bis zur Mittagszeit auf die Weide auslässt.
Dann stehen je nach Witterung Hof- oder Feldarbeiten auf dem Programm. Im Sommer ist der Obstbau aktuell, wobei Kurt Henauer vor allem mit dem "Ausdünnen" beschäftigt ist, einer leichten, aber zeitraubenden Arbeit, die der Obstbauer aber oft nutzt, um mit seinem Lehrling über Gott und die Welt, aber auch über Fachliches und Persönliches zu reden.
Witterungsabhängig
"Wir müssen unsere Arbeit weitgehend der Witterung anpassen", unterstreicht Henauer. Viele Faktoren müssten im Bauernalltag beachtet werden, damit die Wirkung von Hilfsstoffen wie Düngern oder Pflanzenschutzmitteln die Umwelt nicht über Gebühr belasteten. Alle Bauern müssten darauf achten, nicht nur IP- Betriebe, verweist er auf die komplexen, natürlichen Zusammenhänge.
Professioneller bauern
Mit Milch, Acker und Obst findet Henauer einen Ausgleich, der ihm besonders Freude macht. Anders als jener Bauer, der den ganzen Winter lang nur Bäume schneidet, habe er viel Abwechslung. Dies verlange aber auch mehr Professionalität, stelle zusätzliche Herausforderungen an die Betriebsführung. Dass diese häufiger als früher hinterfragt und wieder verbessert werden muss, dessen ist sich Kurt Henauer ganz klar bewusst.
Zeit für die Familie
Auch wenn er sich am liebsten mit dem Pflanzenbau beschäftigt, etwa 120 Hochstämme pflegt und eine kleine Baumschule betreibt, legt Henauer Wert darauf, Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Ab und zu geht er mit seinen drei Kindern im nahen Bodensee baden, denn sie seien nur einmal klein, meint der bald vierfache Vater.
Ökologie und Ökonomie
Neben seinen beruflichen und familiären Verpflichtungen ist Henauer als örtlicher Feuerwehrkommandant tätig. Ausserdem arbeitet er auf kantonaler Ebene in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe des Bauernverbandes und des Naturschutzbundes mit. Dabei geht es vor allem darum, ökologische Fragen in Verbindung mit der Ökonomie zu lösen und das gegenseitige Verständnis zu fördern. Dafür engagiere er sich besonders, auch wenn diese Arbeitsgruppe nur einen beschränkten Einfluss haben könne.
"Etwas musste geschehen"
Trotz der Einkommenseinbussen, die auch Henauer spürt, sieht er die neue Agrarpolitik in ihren Grundzügen als richtig an. "Etwas musste geschehen, musste sich vor allem in Richtung Ökologie verändern", befürwortet der Landwirt die neue Verfassungsgrundlage und die Bestimmungen im Landwirtschaftsgesetz für die Direktzahlungen.
Doch die neue Agrarpolitik werde zu rasch umgesetzt, und die Macht und der Einfluss der Grossverteiler seien dabei grösser, als sie es zugeben würden, wendet Henauer ein. Viele Bauern hätten früher Investitionen getätigt und seien heute nicht in der Lage, sich erneut umzustellen. Seine vorsichtige Investitionspolitik und die Ausrichtung auf verschiedene Produktionsstandbeine komme ihm aus dieser Sicht jetzt zugute.
Gegen Pauschalurteile
Mühe macht ihm auch, wenn die Bauern in der Öffentlichkeit pauschal als Nutznies-ser, Profiteure, als die Sündenböcke für Umweltprobleme oder sogar für den Rinderwahnsinn angefeindet würden. Sicher habe jeder Berufsstand seine schwarzen Schafe, aber Medien und viele Konsumenten würden zu wenig zwischen Bauer und Bauer unterscheiden, bedauert Henauer. Dies umso mehr, als die Bauern in den letzten Jahren allgemein einen grossen Bewusstseinswandel in Richtung mehr Ökologie und naturnahes Bauern durchgemacht hätten.
Einheimische Qualität
Angesichts der häufigen Kritik, welche die Landwirtschaft in letzter Zeit einstecken müsse, habe er oft an der Zukunft gezweifelt, gesteht Henauer. Doch er lasse sich die Freude an seinem Beruf nicht nehmen. Zwar laufe der Strukturwandel jetzt zu schnell und zu hart, doch später werde die Bedeutung der Landwirtschaft, besonders der Produktion vor Ort, wieder zunehmen.
"Die Konsumenten werden dann wieder vermehrt auf die einheimische Produktion zurückkommen und nicht mehr nur die Preis-, sondern auch die Qualitätsunterschiede im Vergleich zu ausländischen Lebensmitteln in ihre Kaufüberlegungen einbeziehen". In diesem Sinn glaubt Henauer an eine bessere Zukunft für die Schweizer Bauern. LID