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Châtillon-sur-Glâne, das sind heute ein paar Strassen, Wald und eine Kiesgrube zwischen Grangeneuve und Villars-sur-Glâne. Vor 2600 Jahren war das ganz anders. Damals war Châtillon-sur-Glâne nämlich das Zentrum des Gebietes des heutigen Kantons Freiburg. Dort residierte ein Fürst, und es gab eine Siedlung mit zwischen 200 und 300 Häusern – fast eine Stadt zu damaligen Massstäben. Die Strassen, die zur Siedlung führten, säumten imposante Grabhügel, mit denen die Fürsten ihre Ahnen ehrten. Manche besassen einen Durchmesser von bis zu 80 Metern und waren 12 Meter hoch.
«Wir haben fast keine Spuren von kleineren Siedlungen oder Bauernhöfen aus dieser Zeit.»
Michel Mauvilly
Archäologe
Es war die Zeit der Hallstatt-Kultur, mit der Archäologen die Periode von 800 bis etwa 450 vor Christus in Mitteleuropa bezeichnen. Sie gehört zur Älteren Eisenzeit, weil damals Eisen als neues Material aufkam (siehe Kasten). Es war eine gute Zeit für die Freiburger. Und nicht nur sie: Der Name stammt vom österreichischen Ort Hallstatt, wo die Menschen in jener Periode in grossem Stil Salz abbauten, exportierten und damit einigen Wohlstand erreichten. «In der Hallstatt-Zeit gab es erstmals so etwas wie eine Globalisierung. Europa war zu jener Zeit stark vernetzt, der Handel lief von West nach Ost und von Süd nach Nord und umgekehrt», sagt Archäologe Michel Mauvilly. «Es gab eine einheitliche Kultur in ganz Mitteleuropa.»
Warentransport auf der Saane
Vom Handel profitierten die Freiburger, wie Michel Mauvilly erklärt. Sie kontrollierten die Route, die über die Alpen und das Greyerzerland und danach der Saane entlang führte. «Wir vermuten, dass die Ware bis Châtillon zu Fuss und mit Maultieren transportiert wurde», sagt Mauvilly. «Danach wurde sie wohl auf Boote auf der Saane umgeladen, die ab da schiffbar war.» Von dort gelangte die Ware über die Aare und den Rhein bis nach Süddeutschland. Gehandelt wurde etwa Zinn aus Nordwesteuropa für die Herstellung von Bronze, Bernstein aus Nordeuropa sowie Luxusgüter wie Wein oder Schmuck aus Südeuropa. «Dazu kommen wahrscheinlich Waren, von denen wir heute keine Spuren mehr finden, etwa Tiere.»
«In der Hallstatt-Zeit gab es erstmals so etwas wie eine Globalisierung. Ganz Europa war zu jener Zeit stark vernetzt.»
Michel Mauvilly
Archäologe
Während in Châtillon-sur-Glâne ein Fürst mit grösserer Macht sass, gibt es entlang dieser Route ungefähr alle zwanzig Kilometer Spuren von Siedlungen und Grabhügel aus der Hallstatt-Zeit, zum Beispiel in Matran und Düdingen. «Dort residierten wahrscheinlich Herren, die dem Fürsten unterstellt waren», vermutet der Archäologe. Meist waren sie an strategischen Punkten wie Furten. So konnten sie kontrollieren, wer durch ihr Gebiet kam und die Gewässer überquerte – und sie konnten eine Art Zölle erheben, was sie denn auch so reich machte.
Schwerter und Wein
Ihren Reichtum und auch ihren Anspruch über die Kontrolle eines Gebietes zeigten die Menschen mit üppigen Grabhügeln, welche die Landschaft damals prägten. In diesen Hügeln waren ihre Vorfahren bestattet, mit Grabbeigaben wie Schmuck oder Waffen. Manche dieser Grabhügel sind noch heute sichtbar, zum Beispiel in Düdingen. Dort haben die Archäologen prachtvolle Schwerter gefunden. «Die Zahl der Waffen in den Grabhügeln deutet darauf hin, dass Krieger damals eine wichtige Stellung in der Gesellschaft einnahmen», erklärt Michel Mauvilly.
Schwerter und Schmuck waren aus einem neuen Material, dem Eisen. Dieses war aufwendiger herzustellen als Bronze, die der Vorgängerperiode, der Bronzezeit, ihren Namen gegeben hatte. «Es brauchte spezialisierte Handwerker für die Produktion von Eisen.» Die Menschen entwickelten zudem Geschmack für ein weiteres Luxusprodukt, nämlich Wein aus Griechenland. Die Archäologen fanden Amphoren, in denen der Wein aus dem Süden transportiert wurde, und reich dekorierte griechische Trinkgefässe.
Nicht von Dauer
So viel die Archäologen über die Fürsten und reichen Herren dieser Zeit herausgefunden haben: Über die normalen Leute, zum Beispiel Bauern von damals, wissen sie sehr wenig. «Wir haben fast keine Spuren von kleineren Siedlungen oder Bauernhöfen aus dieser Zeit», sagt Michel Mauvilly.
Der Reichtum war nicht von Dauer. Um 450 vor Christus kam es zum Bruch. «Wir wissen nicht genau, was passiert ist, aber das europaweite Handelssystem scheint zusammengebrochen zu sein», sagt Michel Mauvilly. Die Hallstatt-Kultur ging zu Ende.
In einer losen Serie blicken die FN mit Archäologe Michel Mauvilly zurück in die Frühgeschichte. Wir beleuchten, wie die Menschen in früheren Epochen auf dem Gebiet des heutigen Kantons Freiburg lebten.
Chronologie
Die ältere Eisenzeit
Die Eisenzeit charakterisiert sich durch den Gebrauch von Eisen als neuem Material. Das Eisen wurde zunächst für Waffen und Schmuck verwendet, später auch für Werkzeuge. Die Eisenzeit datiert in unterschiedlichen Regionen zu unterschiedlichen Zeiten: Im südlichen Europa ging sie zum Beispiel viel früher zu Ende als in Nordeuropa. In Mitteleuropa dauerte die Eisenzeit von 800 bis ungefähr 30 vor Christus. Sie wird in zwei verschiedene Epochen unterteilt: Die erste Epoche oder die ältere Eisenzeit umfasst die Hallstatt-Kultur, welche von 800 bis 450 vor Christus in Mitteleuropa vorherrschte. Sie charakterisiert sich durch einen europaweiten Handel und eine einheitliche Kultur. Ihr Name kommt vom österreichischen Ort Hallstatt, in welchem damals in grossem Stil Salz abgebaut wurde. Gleichzeitig blühte in Griechenland die antike Kultur auf: Homers Ilias und Odyssee wurden um 800 vor Christus niedergeschrieben. In Mitteleuropa folgte auf die Hallstatt-Kultur die La-Tène-Kultur, welche ihren Namen von einem Ort am Neuenburgersee hat. Sie dauerte von 450 vor Christus bis rund 30 vor Christus, als die Römer die Region besiedelten. Dazu nächstes Mal mehr.