Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03611.jsonl.gz/210

die Gesamtheit der technischen Arbeiten, die zur genauen Ermittelung der Länge einer
geodätischen Basis (s. d.) ausgeführt werden: Auswahl der zu messenden Linie in möglichst
ebenem und nötigenfalls vorzubereitendem Gelände;
Bezeichnung und astron.
Bestimmung der beiden Endpunkte;
Ausführung
der Messung selbst mit Hilfe des Basisapparats (s. d.);
Reduktion der gemessenen Längen auf den Horizont
[* 3] der Meeresfläche;
rechnerische Ausgleichung der gefundenen
Ergebnisse.
Vgl. Zeitschrift für Vermessungswesen, Bd. 9 (1880):
Die Basismessung bei Göttingen.
[* 4]
Unter einer Basis versteht man diejenige auf die Projektionsfläche projizierte Entfernung von Punkten,
die der folgenden Bestimmung der Entfernung aller Punkte voneinander als Grundlage dient. Die Länge der Basis beträgt im allgemeinen
3-5 km und ihre Lage wird so ausgesucht, daß sie die Vergrößerung der Seiten ermöglicht und das Terrain zwischen
ihren Endpunkten nicht Unebenheiten bietet, die nicht durch den Basismeßapparat überwunden werden könnten.
Der Wichtigkeit der Basis für die folgende Triangulation entsprechend, muß man die Basis mit der größten Sorgfalt und mit einem Apparat
messen, der die Garantie möglichst kleiner Fehler bietet. Die verschiedenen Basismeßapparate schließen sich im wesentlichen
dem von Bessel 1834 zu der Gradmessung
[* 8] in Ostpreußen
[* 9] konstruierten und später verbesserten an. Der Basismeßapparat
besteht aus Meßstangen, Glaskeilen u. Zubehör. Die Meßstangen a a
[* 5]
(Fig. 1, S. 824), 3-5 an der Zahl, sind von Eisen
[* 10] u. etwa 4 m
lang. Auf ihnen liegen Zinkstangen b b von der halben Breite
[* 11] und der ganzen Dicke. An dem einen Ende c
sind diese Stangen durch Schrauben
[* 12] u. Lötung fest miteinander verbunden; sonst nicht weiter vereinigt, berühren
sie sich der ganzen Länge nach. An beiden Enden der Zinkstange d und e sind Stücke von Stahl aufgelötet, deren
¶
forlaufend
Enden horizontal abgeschrägt sind. Die Eisenstange trägt dagegen nur auf dem einen Ende f ein Stahlstück, welches auch keilförmige
Abschärfungen hat, deren Schneiden aber senkrecht zur Ebene der Stange stehen. Aus der ungleichen Ausdehnung
[* 14] von Eisen und Zink
folgt, daß die Entfernung e f mit der Temperatur der Meßstangen variiert. Aus der Größe e f ist daher
auf diese Temperatur zu schließen, und da die Länge der Stangen bei einer gewissen Normaltemperatur durch vorangegangene Untersuchung
bekannt ist, so ist unter fernerer Berücksichtigung des Ausdehnungskoeffizienten des Eisens die jedesmalige Länge der Stangen
zu bestimmen. Um die Biegung der Meßstange zu verhüten, liegt dieselbe mittels der Rollenpaare g g
[* 2]
(Fig. 2) auf einer eisernen Stange h, die auf dem Boden eines Holzkastens iiii befestigt ist, der die Meßstange der Länge
nach einschließt.
Auf den Ruhepunkten ist die Stange mittels Mikrometerschraube
[* 15] k beweglich, die auf einer Seite aus dem Kasten heraustritt.
Zur Horizontallegung der Stange, resp. zur Ablesung des Winkels, um welchen diese von der horizontalen
Lage abweicht, befindet sich auf ihr eine Libelle l mit graduierter Schraube. In der obern Fläche des Kastens sind ein oder zwei
mit Glas
[* 16] geschlossene Einschnitte angebracht zur Ablesung der Stangentemperatur an einem auf den Meßstangen ruhenden
Thermometer.
[* 17]
Der Basismessung gehen die Planierungsarbeiten des Basisterrains voraus, um Unebenheiten des Terrains über 3° Böschung, die
durch den Apparat nicht überwunden werden können, durch Abkämmen, resp. Aufführung von Pfahlrosten etc.
zu entfernen. Ist dieses geschehen, so werden bei einer langen Basis mittels eines über einem Endpunkt aufgestellten Theodolits
(s. d.) in der Richtung nach dem andern Endpunkt Zwischenpunkte bestimmt und diese durch feine Stifte markiert.
Von dem einen Endpunkt anfangend, werden dann so viel Böcke aufgestellt, daß auf diese sämtliche Meßstangen
hintereinander gelegt werden können.
[* 2]
(Fig. 2 zeigt eine auf zwei Böcke gelegte Meßstange.) Das vorderste Ende der ersten
Meßstange wird mit dem ersten Endpunkt der Basis in Verbindung gebracht und diese Stange wie auch alle andern mittels Theodolits
so eingerichtet, daß sie genau in der Richtung der Basis liegen. Es werden dann mittels der Glaskeile
die Entfernung e f
[* 2]
(Fig. 1) sowie die Zwischenräume zwischen je zwei Meßstangen gemessen; endlich
wird an den Libellenschrauben die Neigung der Meßstange abgelesen.
Ist eine Stange entweder zu nahe oder zu weit von der vorliegenden gelegt worden, so daß der Gebrauch
der Glaskeile nicht durchführbar, so muß vorher die Stange mittels Mikrometerschraube in den nötigen Abstand gebracht werden.
Sind die Ablesungen gemacht und notiert, so wird die erste Stange in die Verlängerung
[* 21] der letzten gebracht und die Messung
in derselben Weise fortgesetzt. Da die Messung einer Basis mindestens 14 Tage angestrengter Thätigkeit
erfordert, die Arbeit mithin öfters unterbrochen und wieder angeknüpft werden muß, so sind provisorische Festlegungen erforderlich,
die mit größter Genauigkeit ausgeführt werden müssen und besondere Maßregeln erfordern, damit bei Wiederaufnahme der
Messung auch die kleinsten
Fehler vermieden werden. Die bei der Messung ausgeführten Beobachtungen geben das Mittel, die Länge der Basis zu berechnen
und auch ferner den wahrscheinlichen Fehler in Bezug auf die Länge zu bestimmen (im allgemeinen kaum ein Milliontel der ganzen
Länge). Die Endpunkte der Basis werden behufs späterer Wiederbenutzung sehr fest im Terrain markiert.
Der beschriebene Basismeßapparat ist der Reichenbachsche oder Besselsche »Keilapparat«,
derselbe wird in Preußen,
[* 23] Bayern
[* 24] und Italien
[* 25] gebraucht, Rußland und Schweden
[* 26] benutzen den »Fühlhebelapparat« (s. d.),
Ist die Länge der Basis durch Messung und nachherige Berechnung bekannt, so ist es möglich, in einem Umkreis von 200 km Halbmesser
beliebig viele Punkte zu bestimmen. Dieses geschieht wie folgt:
1) Die Basis A B
[* 22]
(Fig. 3) wird bis zu einer Entfernung G H von 40-100 km Länge auf die in der
[* 22]
Figur veranschaulichte Weise vergrößert.
In jedem der vorhandenen Dreiecke brauchen nur je zwei Winkel gemessen zu werden, um demnächst die Seiten
C B, C A und D A, D B, dann C D, darauf E C, E D, F C, F D etc., endlich G H zu berechnen.
4) In die unter 2 und 3 aufgeführten Dreiecke werden Dreiecke eingeschaltet, deren Seitenlängen bis zu 10 km
herabsteigen.
5) In letztere Dreiecke werden endlich solche eingeschoben, deren Seitenlängen sich bis zu 2 km vermindern. Alle Messungen,
die sich auf 1 und 2 beziehen, umfassen die Triangulation erster Ordnung, die auf 3 bezüglichen die sekundäre Triangulation erster Ordnung, die
auf 4 bezüglichen die Triangulation zweiter Ordnung, die auf 5 bezüglichen die Detailtriangulation oder Triangulation dritter
Ordnung.
Die Triangulation erster Ordnung gibt die Grundlage zu allen folgenden Triangulationsarbeiten; sie erfordert daher die Anwendung der
vorzüglichsten 10-15zölligen Theodolite (s. d.) sowie die größte Sorgfalt bei den Messungen. Die Arbeiten beginnen mit
der Rekognoszierung des Terrains und der Auswahl der Punkte, welche behufs Ausführung der Beobachtungen
namentlich in waldigem und etwas koupiertem Terrain durch Aufführung von bedeutenden Bauten (Signalen) sichtbar gemacht werden
müssen.
Die Höhe der Signale variiert je nach den Hindernissen, welche die Durchsicht von einem Punkt zum andern decken, von 3-30 m.
Die Signale werden aus starkem Holz
[* 30] so errichtet, daß sie bei heftigem Wind nicht erschüttert werden,
und daß derjenige Teil, auf dem das Instrument zu stehen kommt, vollständig isoliert ist von demjenigen Teil, auf dem sich
der Beobachter befindet. Dies erreicht man durch zwei ineinander stehende, völlig getrennte Bauten.
Statt der Holzsignale
werden bei geringern Höhen Steinpfeiler errichtet (1 m hoch), bei Kirchtürmen auf deren Plattform.
Sind die wahrscheinlichsten Werte der Richtungen hiernach korrigiert, so folgt die Ausgleichung der Kette. Da nämlich in jedem
Dreieck
[* 35] sämtliche Winkel gemessen werden und es unmöglich ist, dieselben absolut richtig zu messen, so
folgt, daß die Summe der gemessenen Winkel nicht gleich sein wird 180° + dem sphärischen Exzeß (d. h. der Zusatz an Winkelgröße
über 180° an der Summe der Winkel eines Kugeldreiecks). Außerdem folgt aus der nicht absoluten Richtigkeit der Winkel, daß
bei der Berechnung der Dreiecksseiten stets verschiedene Werte gefunden werden müssen,