Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03636.jsonl.gz/733

Kleine Engel – kleine Harfe
Das tönt doch logisch. Für die grossen Engel wären dann die grossen Harfen, die mit den vielen Saiten und Pedalen. So einfach ist es jedoch nicht…
Ich werde oft nach Konzerten oder beim Musizieren auf der Strasse darauf angesprochen, wenn ich auf der kleinen Bardenharfe spiele. «Was ist das für ein Instrument? Echt – eine Harfe? Aber Harfen sind doch gross...»
In der Antike hatten Harfen vielleicht acht bis zehn Saiten, also etwas mehr als eine Oktave. Bis ins späte Mittelalter hatte man sie so weit entwickelt, dass sie mit etwa 28 Saiten vier Oktaven umfassten und man teilweise mit Haken die Halbtöne einstellen konnte. Dann kam die Zeit der grossen Komponisten. Nun wollte man auch auf der Harfe Orgel- oder Klavierwerke spielen, was mit den kleinen Harfen kaum ging. Also wurde geforscht und entwickelt, bis die grosse «Konzertharfe» erfunden war: Gross, schwer, mit etwa 45-48 Saiten und einer Pedalmechanik zum Einstellen der Halbtöne.
Trotzdem sind kleine Harfen immer noch sehr beliebt, denn sie lassen sich leicht transportieren, kosten kein Vermögen und halten ihre Stimmung etwa so gut wie eine Gitarre.
Ich persönlich liebe meine kleinen und mittleren Harfen – für mich ist eine «Konzertharfe» diejenige, die an Konzerten gespielt wird, also auch meine Kleine. Vor anderthalb Jahren habe ich eine elektrische Harfe entwickelt und gebaut, mit der ich nun Blues, Rock oder auch Jazz spielen kann.
Vielleicht ist die nicht für Engel gedacht, sondern eher für Bengel.
Norbert Ardioli
Klangbildhauer, Reigoldswil
3. Dezember 2020
Bild: Norbert Ardioli