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Einleitung
Der Heiland wird uns im Lukas-Evangelium als Sohn des Menschen vorgestellt, der inmitten von Menschen die Macht des Herrn in Gnade offenbart. Es ist wahr, dass wir Ihn zuerst in Verbindung mit dem Volk Israel finden, dem Er verheissen worden war. Aber später werden moralische Grundsätze herausgestellt, die sich an den Menschen als solchen richten, wo immer er auch sein mag.
Was den Bericht von Lukas über unseren Herrn kennzeichnet und unser besonderes Interesse für dieses Evangelium hervorruft, ist, dass es uns Christus selbst vorstellt. Wir finden hier nicht seine offizielle Herrlichkeit als König wie in Matthäus, noch seinen Auftrag oder Dienst wie in Markus, noch die einzigartige Offenbarung seiner göttlichen Natur wie in Johannes. Er selbst steht vor unseren Augen, so wie Er war: ein Mensch auf der Erde, der sich Tag für Tag unter Menschen bewegte.
Die Verheissungen Gottes
Verse 1-4. Viele haben es unternommen, nach der Erzählung von Augenzeugen, einen Bericht über das, was die Christen historisch empfangen haben, zu verfassen. Die Absichten dazu mögen gut gewesen sein, und doch war es ein von Menschen begonnenes und durchgeführtes Werk. Lukas war mit allem von Anfang an bestens vertraut, und er fand es gut, dies Theophilus zu schreiben, damit er die Zuverlässigkeit der Dinge, in denen er unterrichtet worden war, erkenne. Auf diese Weise sorgte Gott für seine ganze Versammlung, und zwar durch die Belehrung, die in der lebendigen Schilderung von Jesus enthalten ist, die wir diesem Mann verdanken. Denn Lukas, obwohl er von christlichen Beweggründen geleitet sein mochte, war natürlich vom Heiligen Geist inspiriert, um dies alles niederzuschreiben.
Der Vorläufer
Verse 5-17. Die Geschichte stellt uns mitten in jüdische Einrichtungen, Gefühle und Erwartungen hinein. Zuerst sehen wir einen Priester aus der Abteilung Abias (eine der 24 Abteilungen aus 1. Chronika 24) mit seiner Frau, die von den Töchtern Aarons war. «Beide aber waren gerecht vor Gott und wandelten untadelig in allen Geboten und Satzungen des Herrn.» Aus jüdischer Sicht war bei ihnen alles in Übereinstimmung mit dem Gesetz; aber sie befanden sich nicht im Genuss des Segens, der von jedem Juden so sehnlich herbeigewünscht wird: Sie waren kinderlos. Dennoch entsprach es den Wegen Gottes, sein Werk des Segens auszuführen und gleichzeitig die Schwachheit des Werkzeugs, das Er dazu gebrauchte, kundzutun.
Doch jetzt soll dieser lang erbetene Segen nicht länger zurückgehalten werden. Als Zacharias sich nähert, um den Weihrauch zu räuchern, erscheint ihm der Engel des Herrn. Durch den Anblick eines so herrlichen Wesens wird er bestürzt; aber der Engel spricht zu ihm: «Fürchte dich nicht, … denn dein Flehen ist erhört, und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Johannes heissen.» Die Bedeutung dieses Namens ist: Der Herr ist gütig. Und nicht nur werden sich die Herzen vieler über ihn freuen, sondern er wird auch gross sein in den Augen des Herrn und mit Heiligem Geist erfüllt sein. «Viele der Söhne Israels wird er zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren. Und er wird vor ihm hergehen in dem Geist und der Kraft Elias …, um dem Herrn ein zugerüstetes Volk zu bereiten.» Der «Geist des Elia» war ein starker und brennender Eifer für die Ehre des Herrn und für die Wiederherstellung der Beziehungen Israels zu Ihm durch Buße und Reue. Das Herz von Johannes klammerte sich an diese Verbindung des Volkes mit Gott, und wegen der moralischen Kraft seines Aufrufs zur Buße wird er hier mit Elia verglichen.
Verse 18-23. Aber ach – und wie oft ist dies der Fall –, der Glaube des Zacharias ist nicht so gross wie seine Bitte. Er ist unfähig, in den Fusstritten Abrahams zu wandeln, und er fragt nochmals, wie eine solche Sache möglich sein könne. Die Güte Gottes wandelt dann den Unglauben seines Knechtes in eine für ihn lehrreiche Züchtigung um, die dem Volk zugleich als Beweis dient, dass er aus der Höhe besucht worden ist. Zacharias bleibt stumm, bis sich das Wort des Herrn erfüllt hat.
Verse 24.25. Elisabeth, feinfühlig wie es zu einer heiligen Frau passt, verbirgt sich. Die Güte des Herrn, die ihr zuteilgeworden ist, lässt sie nicht vergessen, was in Israel eine Schande für sie gewesen ist (die Spuren davon wurden durch die übernatürliche Segnung, die ihr nun gewährt wurde, umso deutlicher zum Vorschein gebracht). Doch das, was uns vor den Augen der Menschen verbergen mag, hat grossen Wert vor Gott.
Maria, die Mutter Jesu
Verse 26-38. Nun wechselt der Ort der Handlung, um den Herrn selbst auf diesem wunderbaren Schauplatz einzuführen, der sich vor unseren Augen entfaltet. In dem verachteten Ort Nazareth befand sich eine ganz unbekannte Jungfrau mit Namen Maria. Sie war mit Joseph, einem Mann aus dem Haus Davids, verlobt. Aber in Israel war alles so aus den Fugen geraten, dass dieser Nachkomme des Königs ein Zimmermann war. Stellte dies ein Problem für Gott dar? Nein! Maria war ein auserwähltes Gefäss; sie hatte Gnade gefunden in den Augen Gottes.
Wir müssen die Bemerkung anfügen, dass es hier um die Geburt des Kindes Jesus geht, das von Maria geboren wird. Es geht nicht so sehr um seine göttliche Natur als das Wort, das Gott war und Mensch wurde (obwohl hier natürlich derselbe wunderbare Erlöser vorgestellt wird wie im Johannes-Evangelium), sondern es geht um Jesus als wirklichen und wahren Menschen – geboren von einer Jungfrau. Sein Name sollte Jesus sein, das heisst: Der Herr ist Rettung. «Er wird Sohn des Höchsten genannt werden; und der Herr, Gott, wird ihm den Thron seines Vaters David geben» – wobei Er immer noch als ein in diese Welt hineingeborener Mensch betrachtet wird. Doch Er war sowohl Gott als Mensch. Empfangen durch die Kraft Gottes, heilig bei seiner Geburt, sollte dieser Gesegnete – von Dem, obwohl von Maria geboren, Lukas als «dem Heiligen» spricht –«Sohn Gottes» genannt werden.
Darauf erzählt der Engel der Maria vom Segen, den Gott Elisabeth gewährt hat. Das wunderbare Eingreifen Gottes macht Maria demütig und nicht hochmütig. In dem Geschehenen sieht sie Ihn und nicht ihre eigene Person. Sie bleibt im Verborgenen, weil Gott so nah vor sie gestellt worden ist, und sie beugt sich seinem heiligen Willen.«Mir geschehe nach deinem Wort.»
Heilige Frauen
Verse 39-45. Wir sehen dann, dass Maria hingeht, um Elisabeth zu besuchen, denn ihr Herz freut sich, die Güte des Herrn zu sehen und zu bestätigen. Elisabeth, die durch den Heiligen Geist spricht, erkennt Maria als die Mutter ihres Herrn und verkündet die Erfüllung von Gottes Verheissung. «Glückselig die, die geglaubt hat, denn es wird zur Erfüllung kommen, was von dem Herrn zu ihr geredet ist!»
Verse 46-54. Marias Herz ist voll Freude, und sie bricht in einen Lobgesang aus. Sie anerkennt, dass ihr diese Gnade, die sie mit solcher Freude erfüllt, von Gott, ihrem Heiland, geschenkt wurde. Gleichzeitig gesteht sie ihre völlige Niedrigkeit ein. Denn, wie gross auch die Heiligkeit des von Gott gebrauchten Werkzeugs sein mochte, was bei Maria wirklich der Fall war, bestand ihre Grösse doch nur so lange, wie sie ihr eigenes Ich in den Hintergrund stellte. Dann war nämlich Gott alles! Sobald sie etwas aus ihrer Person gemacht hätte, hätte sie ihren Platz verloren. Doch sie tat dies nicht. Gott bewahrte sie, damit seine Gnade vollkommen offenbart werden konnte.
Die Gedanken, die Marias Herz erfüllen, haben jüdischen Charakter. Sie erinnern uns an Hannas Lied in 1. Samuel 2, das prophetisch vom gleichen gesegneten Eingreifen Gottes spricht. Doch Maria geht bis zu den Verheissungen zurück, die den Vätern gegeben worden waren, und schliesst ganz Israel darin ein.
Vers 56. Nachdem sie drei Monate bei Elisabeth geblieben ist, kehrt Maria nach Hause zurück. Demütig geht sie ihren Weg, damit Gottes Wege erfüllt werden können. Nichts ist schöner in seiner Art als der Bericht über den Umgang dieser heiligen Frauen. Die Welt kannte sie nicht, doch sie waren die Werkzeuge der Gnade Gottes, um seine herrlichen Pläne auszuführen. Sie bewegten sich in einem Umfeld, wo nur Frömmigkeit und Gnade herrschten. Doch Gott selbst war dort, von der Welt ebenso ungekannt wie diese armen Frauen, und Er bereitete das vor und führte es aus, in das Engel hineinzuschauen begehrten.
Die Geburt von Johannes
Verse 57-80. Doch das, was nur dem Glauben im Verborgenen bekannt ist, wird schliesslich vor allen Menschen offenbart und erfüllt. Der Sohn von Zacharias und Elisabeth wird geboren, und der Vater, der nicht länger stumm ist, spricht die gesegneten Prophezeiungen aus, die wir in den Versen 68-80 haben. Der Besuch Israels durch den Herrn, den er erwähnt, umfasst die ganze Glückseligkeit des Tausendjährigen Reichs, die mit der Gegenwart des Herrn auf dieser Erde verbunden ist. Alle Verheissungen sind in Ihm Ja und Amen. Alle Prophezeiungen umgeben Ihn mit der Herrlichkeit, die dann verwirklicht werden wird. Weil Er verworfen worden und jetzt abwesend ist, wissen wir, dass die Erfüllung dieser Dinge notwendigerweise bis zu seiner Wiederkehr aufgeschoben ist.