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Meere und Ozeane – tot oder lebendig?
Am diesjährigen Welt-Umwelttag am 5. Juni, ausgerufen 1972 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), beteiligten sich weltweit rund 150 Staaten. Aber laut UNEP-Chef Klaus Töpfer gabs nicht viel zu feiern: Die Meere, die 70 Prozent der Erdoberfläche ausmachen, sind ernsthaft bedroht durch Überfischung, Verschmutzung und andere negative Umweltfaktoren.
Klipp und klar erläutert UNEP einige Hintergründe der besorgniserregenden Lage:
- Meere beinhalten 90 Prozent der irdischen Biomasse, vom Seetang bis zum Blauwal.
- Ungefähr 3,5 Milliarden Menschen (die Zahl könnte sich in den nächsten 20 Jahren noch verdoppeln) sind auf die Meere angewiesen.
- Mehr als 70 Prozent des Fischbestandes werden über das nachhaltige Mass hinaus entnommen. Allein die Vorräte an Thunfisch, Kabeljau, Schwertfisch und Marlleine sind im letzten Jahrhundert um 90 Prozent reduziert worden.
- 80 Prozent der Meeresverschmutzung entstehen schon jetzt an Land. Die Situation wird sich noch verschlimmern, wenn, wie geschätzt wird, im Jahr 2010 achtzig Prozent der Weltbevölkerung in Küstennähe (Radius 100 km) leben.
- Durch verunreinigte Küstengewässer verursachte Todesfälle und Krankheiten kosten jährlich 12,8 Milliarden Dollar.
- Plastikmüll tötet jährlich bis zu einer Million Seevögel, 100000 Meeressäuger und unzählige Fische.
- Enorme Mengen an Öl belasten alljährlich die Meere durch unbeabsichtigtes Einsickern, illegale Verschmutzung durch den Schiffsverkehr und durch Unglücksfälle in der Seefahrt.
- Der Meeresspiegel hat sich in den letzten 100 Jahren um 10–25 cm angehoben und könnte weiter ansteigen und niedrig gelegene Länder überfluten.
- Von den vor 109 Nationen liegenden tropischen Korallenriffen sind 93 schon durch die wirtschaftliche Entwicklung der Küstenregionen und wachsenden Tourismus stark beschädigt. Korallenriffe bedecken zwar nur 0,5 Prozent des Meeresbodens, aber mehr als 90 Prozent der Arten hängen direkt oder indirekt von ihnen ab.
Schon auf dem Weltgipfel 2002 in Johannesburg bestand im Prinzip Einigkeit darüber, dass bis 2012 marine Schutzgebiete zu schaffen und bis 2015 die belasteten Fischbestände wieder aufzufüllen seien. Zur Vermeidung weiterer Überfischung wurde auch die Abschaffung von Subventionen gefordert, die mit einem Umfang von geschätzten 15 bis 20 Milliarden Dollar allein schon 20 Prozent der Einkünfte aus der Fischereiindustrie ausmachen.
Aber wie so oft in solchen Fällen: Die Umsetzung all der vernünftigen Vorschläge lässt auf sich warten und wird immer wieder behindert durch egoistische nationale Forderungen und kommerzielle Interessen. Kofi Annan, Generalsekretär der Vereinten Nationen, hat nun erneut eindringlich gewarnt, dass es sich die Gesellschaft nicht länger erlauben kann, die Ozeane als Müllkippen oder als unerschöpfliche Vorratskammer auszubeuten.
Trotz aller Behinderungen scheint es mittlerweile doch zögerlichen Fortschritt zu geben. Nach den Meldungen der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) vom 8.Juni 2004 setzt eine zunehmende Anzahl von Regierungen einige der empfohlenen Massnahmen zum Schutz der Meere um.
Herma Caelen
Quellen:
Reuters/UN/FAO