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Der Bau der Gotthard-Eisenbahnlinie war eine der grössten Ingenieur-Leistungen des 19. Jahrhundets.Dieser Inhalt wurde am 17. August 2002 - 11:43 publiziert
Sie produzierte ihre Helden, ihre Verlierer und gigantische Kostenüberschreitungen.
Der Held war Alfred Escher, Bankier, Millionär und Zürcher Regierungsrats-Präsident. Er wird Chef der 1863 von 15 Kantonen und zwei Bahngesellschaften gegründeten "grossen Gotthard-Vereinigung".
Mit fremden Geld gebaut
Erst 1869 ist das Kapital zusammen. Italien beteiligt sich mit 45 Mio. Franken am Bau, Deutschland und die Eidgenossenschaft mit je 20 Mio. Franken. Den Auftrag, den Tunnel zu bauen, gibt Escher an den Verlierer: Louis Favre.
Favre akzeptiert ruinöse Bedingungen; vor allem eine vorgegebene Bauzeit von 8 Jahren. Im September 1872 beginnen die Bauarbeiten; von Anfang an kämpfen die Arbeiter mit technischen Problemen. Durchschnittlich 5472 Mann auf allen Baustellen. Deren Arbeitsbedingungen sind unerträglich. Es gibt Unfälle; Hunderte Arbeiter sterben. 1875 kommt es in Göschenen zu Arbeiterunruhen; die Armee erschiesst vier Arbeiter.
Kostenüberschreitung: 100 Millionen
Abklärungen 1876 ergeben, dass der Bau mindestens 100 Mio. Franken teurer kommt als angenommen. Es folgt die Gotthardkrise. Die Kurse der Firmen stürzen ab, der ganze Bau ist in Frage gestellt. Italien und Deutschland retten das Projekt mit einer Nachfinanzierung.
1879 stirbt Louis Favre, stark angeschlagen, an einem Herzversagen. Er erlebt den Durchbruch nicht mehr. Dieser geschieht 223 Tage später. Der Gotthard wird als der längste Tunnel der Welt gefeiert. 1882 nimmt die Bahn ihren Verkehr auf. Noch heute gelten Linienführung und Ingenieur-Leistung als perfekt.
Rente für die Tochter
In einer Prozessflut wird die Firma Favres liquidiert. Favres Tochter wird eine Pension von 10'000 Franken zugestanden. Tausende verkrüppelte, an Lungenkrankheiten leidende Arbeiter werden nicht berücksichtigt.
1909 übernehmen die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) die Gotthardbahn-Gesellschaft.
Philippe Kropf
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