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| Gregor v. Nazianz († 390) - Reden

IV. Rede
43.
Seine Lehrer waren die Anhänger Platos und Chrysipps, sowie die berühmte Peripatetikerschule und die angesehene Stoa und die schöngeistigen Schwätzer. Ferner beeinflußten ihn die Geometrie mit ihrer Anschauung über Gleichheit1, die Lehren über [S. 96] Gerechtigkeit und der Grundsatz: „Es ist notwendig, daß man lieber Unrecht leidet, als Unrecht tut2.“ Er lernte von vornehmen Lehrern und von Beamten und Gesetzgebern seines Reiches, die er sich von den Straßenecken und aus Löchern geholt hatte, und die er nicht wegen ihres Charakters pries, sondern wegen ihrer schönen Phrasen bewunderte, ja vielleicht nicht einmal deswegen, sondern nur wegen ihrer Gottlosigkeit, welche er nicht zur Lehrerin, sondern zur tüchtigen Gehilfin für seine Unternehmungen brauchte.
1: Von dieser Geometrie spricht Gregor im folgenden Kapitel noch einmal, wenn er die Lehre erwähnt, daß alles von den dem Zwange unterworfenen, von irgendeiner unbekannten Person oder Kraft geleiteten Formen abhänge.
2: Dieser Satz wird im Sinne eines ungesunden Pazifismus gelehrt worden sein, vielleicht auch um damit das scharfe Verhalten des Konstantius gegen Gallus zu kritisieren.