Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03303.jsonl.gz/1760

Panama ist als interozeanisches Kanal-Banken- und Offshore-Zentrum internationalen Anfeindungen ausgesetzt. Nils Petterson, der Schweizer Honorar-Konsul in Panama, sagt, warum das Land im Isthmus seine Sonderstellung trotzdem halten kann.
Das Schweizer Konsulat hat an einem kleinen Ort Platz. Es ist am Firmensitz des Grupo-Simplex von Nils Petterson an der Balboa-Strasse in Panama-Stadt untergebracht.
Mehr Raum und Infrastruktur für die Betreuung der Schweizergemeinde in Panama scheint es nicht zu brauchen.
"Es gibt in Panama rund 300 Schweizer Familien, die sich nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg vor allem im Landwirtschaftsgürtel im Norden des Landes niedergelassen haben", erklärt Nils Petterson, der Schweizer Honorarkonsul gegenüber swissinfo.ch in seinem Büro. Dessen Wände sind mit technischen Diplomen tapeziert.
In den letzten Jahren hätten sich auch mehr als zwei Dutzend Rentner aus der Schweiz in Panama niedergelassen, die sich neben dem milden Klima auch durch die Befreiung von Einkommenssteuern angezogen fühlten, weiss Nils Petterson. "Panama gewährt älteren Menschen weitere Privilegien, wie 25% Rabatt auf Flüge, Übernachtungen in Hotels und Essen in Restaurants."
Panama hat viele Trümpfe
Panama stützt sich in seiner Wirtschaftsstrategie nicht auf Rentner aus dem Ausland ab, die an den Gestaden des Pazifiks oder des Atlantiks ihren Lebensabend verbringen. Panama lebt von Investitionen, lateinamerikanischen Bankiers, den Freihandelszonen und vom Kanalgeschäft.
Erstaunlich ist, dass der Bankplatz Panama trotz Druckversuchen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit keinem einzigen Staat auf der Welt bisher ein Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen hat und deshalb auf deren schwarzen Liste geführt wird.
Der Bankplatz Panama hat unter der aktuellen Finanzkrise vergleichsweise wenig gelitten. Honorar-Konsul Petterson glaubt, die Gründe dafür zu kennen: "Panama kennt mit der Superintendenz und der Bankier-Vereinigung eine doppelte und strenge Aufsicht. Die Bankiers kennen ihre Kunden genau. Das System hat wenig Spielraum für Risiken."
Doppelbesteuerungsabkommen Schweiz-Panama?
Panama wird sich der Schwerkraft des internationalen Bankengeschäfts auf die Länge kaum entziehen können, muss sich mit den Forderungen der OECD beschäftigen. Konsul Nils Petterson weiss, dass sich zwischen der Schweiz und Panama etwas bewegen könnte.
"Die neue Regierung, welche diesen Sommer unter Präsident Ricardo Martinelli ihr Mandat begonnen hat, erwägt, Doppelbesteuerungsabkommen mit Drittstaaten zu schliessen, unter anderem auch mit der Schweiz."
Eile kennen die panamaischen Bankiers nicht. Das bestätigt gegenüber swissinfo.ch auch Nicolas Bray, ein Sprecher der OECD in Paris: "Wir müssten dafür sorgen, dass Panama pro Woche einen Anruf mit folgendem Inhalt bekommt:
Wir von der OECD brauchen ein Abkommen. Das Problem ist zur Zeit: Wir wissen nicht, ob auf der anderen Seite der Telefonlinie jemand antwortet."
Woher nimmt Panama die Nonchalance gegenüber der internationalen Finanzwelt? Worauf stützt sie ihre Unnachgiebigkeit ab? Konsul Petterson weist darauf hin, dass Panama geo-strategisch gut aufgestellt ist, den wichtigen Panama-Kanal kontrolliert, der zur Zeit verbreitert und erneuert wird. Das ist aber nicht alles.
Goldesel Glasfaserkabel im Panama-Kanal
Vielleicht weit wichtiger als die Wasserstrasse sind die fünf internationalen Glasfaserkabel, die durch die Kanalzone führen. Davon ist Konsul Petterson überzeugt: "Diese Kabel sind weltweit von enormer strategischer Bedeutung. Ohne die Kabel in Panama wäre zum Beispiel die interkontinentale Kommunikation nach den Terroranschlägen (2001) in New York zusammengebrochen."
Konsul Petterson weiss, wovon er spricht. Er war mittels seiner Firma Simplex Group als Partner von Alcatel direkt an der Verlegung der Glasfaserkabel in der Kanalzone beteiligt. Die neuen Infrastrukturen stärken das Selbstbewusstsein von Panama.
Jahrzehntelang war das Land eine Art Protektorat der USA, die auch bis zur Jahrhundertwende die Kanalgeschäfte führten und die ganze umliegende Zone mit Militärbasen belegten.
Nach der historischen Übergabe des Kanals im Jahre 2000 ist Panama jetzt kaum bereit, seine dazu gewonnene Souveränität wieder abzugeben – auch auf die Gefahr hin, dass man sich mit der OECD und mit der internationalen Finanzwelt anlegt.
Panama gilt als terrorresistent
Konsul Petterson schliesst auch nicht aus, dass Panama einst nicht nur für die Durchfahrt der Schiffe durch den Panama-Kanal gutes Geld verdienen wird, sondern auch mit den in der Kanal-Zone liegenden Glasfaserkabel.
"Panama ist für den internationalen Terrorismus ein schwieriges Pflaster. Die Wege sind kurz, und deshalb ist Panama im strategischen Bereich relativ sicher. Jetzt verdienen mit den Glasfaserkabel andere Länder der Region Geld, nicht Panama."
Konsul Petterson hat konkrete Vorstellungen, wie seine Wahlheimat die Glasfaserkabel in Goldesel verwandeln könnte: "Wenn Panama in Informations- und Internet-Zentren investiert, internationale Firmen wie Yahoo oder Microsoft anzieht, könnte das Land mit den Glasfaserkabeln, die durch das Nadelöhr des Kanals führen, sehr viel Geld verdienen."
Wohin der Schweizer Konsul in seinem Büro auch blickt, immer fällt der Blick auf eines der unzähligen Diplome, die er als Kommunikationsspezialist im Verlauf von Jahrzehnten erworben hat.
"Das wichtigste Diplom, das ich erworben habe, hat jedoch nichts mit meinem Fachwissen zu tun. Das wichtigste Diplom an der Wand ist das gerahmte Bild meiner Familie. Darauf bin ich stolz."
Erwin Dettling, Panama, swissinfo.ch
Vergleich Panama-Schweiz
In der Kanalrepublik sind rund 90 nationale und internationale Banken tätig, die rund 70 Mrd. US-Dollar an Aktiven verwalten.
Zum Vergleich: Der Finanzplatz Schweiz verwaltet 60 Mal mehr Vermögen – nämlich rund 4000 Mrd. US-Dollar.
Die panamaische Finanzindustrie beschäftigt rund 40'000 Personen. In der Schweiz sind es rund fünf Mal mehr. Nach Brasilien und Chile gilt Panama als das drittwichtigste Bankenzentrum Lateinamerikas.
Bankvertretungen
In Panama sind die lateinamerikanischen Bankiers weitgehend unter sich. Europäische Banken haben sich zum grossen Teil aus der Kanalrepublik zurückgezogen.
Nur wenige haben noch eine Voll-Lizenz; unter ihnen der Banco Bilbao Vizcaya und Paribas. Mit Repräsentations-Büros begnügen sich unter anderen die Credit Suisse, die UBS und die Commerzbank aus Deutschland.
Diktatur, Geld und Banken
Als General Omar Torrijos 1968 in Panama die Macht übernahm, störte dies die Bankgeschäfte nicht. Im Gegenteil: Während der Torrijos-Diktatur vervierzigfachten sich die verwalteten Vermögen von 850 Mio. Dollar auf fast 40 Mrd. Dollar.
Der Niedergang begann, als General Noriega 1983 an die Macht kam und das Land mit Drogengeschäften und Geldwäscherei in Verruf brachte.
Die Kanal-Republik schlitterte unter Noriegas Herrschaft in die finanzielle und politische Katastrophe. Als Noriega 1989 von den US-Streitkräften weggeputscht wurde, verwaltete der Bankplatz Panama nur noch 11 Mrd. Vermögen.
So souverän wie noch nie
Panama ist heute ein souveräner Kleinstaat, der seit zehn Jahren die gesamte Kontrolle und Hoheit über die territoriale Zone des Panama-Kanals ausübt.
Die USA haben das militärische Südkommando in Panama aufgelöst und in Florida angesiedelt.
Der Zugewinn an staatlicher Souveränität wirkt sich bis heute auf das Banken- und Off-Shore-Zentrum aus. Noch nie waren die verwalteten Vermögen grösser