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Der vielseitige Künstler Daniel Spoerri, der sich selbst auch schon als "Universaldilettanten" bezeichnet hat, feiert am 27. März seinen 70. Geburtstag. Das neueste Projekt des Künstlers ist ein im Juli 1998 eröffneter Skulpturenpark.Dieser Inhalt wurde am 26. März 2000 - 17:31 publiziert
Der vielseitige Künstler Daniel Spoerri, der sich selbst auch schon als "Universaldilettanten" bezeichnet hat, feiert am 27. März seinen 70. Geburtstag. Das neueste Projekt des Künstlers ist ein im Juli 1998 eröffneter Skulpturenpark bei Seggiano in der Toskana.
In seinem "Giardino" hat Spoerri bis anhin rund 60 Skulpturen versammelt. Neben eigenen Werken sind auch solche von befreundeten Kunstschaffenden wie Eva Aeppli, Arman, Alfonso Hüppi, Bernhard Luginbühl, Meret Opppenheim, Dieter Roth, Paul Talman, André Thomkins oder Jean Tinguely zu sehen. In seiner Vielfalt und Qualität erweist sich der Park als zentrales Werk Spoerris, als Hommage an die internationale Nachkriegskunst.
Fallenbild: Fixierung des Alltags
Die Verbindung von Zufall und Ewigkeit, die Verewigung des zufälligen Moments oder eines Zeitabschnitts sind prägen alle Werke Spoerris. Es sind insbesondere die Fallenbilder (Tableaux-piège), mit denen er - erstmals in Paris um 1960 als Mitbegründer der Nouveaux Réalistes - zufällig entstandene
Alltagssituationen fixiert.
Seine mit Tellern, Gläsern, Besteck, Speiseresten und vollen Aschenbechern beladenen Tische, die er nach beendeten Mahlzeiten mit Kunstharz verklebt und in die Vertikale zu reliefartigen Realstilleben kippt, begründen denn auch seinen internationalen Ruhm.
Hotelzimmer in Bronze
Bis heute entwickelt Spoerri die Fallenbilder weiter. Die neueste Variante, Zeit(en) zu fixieren, sind die Bronzen, die den "Giardino" in Seggiano bevölkern: "Die Tasse" (1992), "Die Grazierinnen" (1992) oder - besonders eindrücklich - sein original nachgegossenes "Zimmer Nr. 13 im Hotel Carcassonne in Paris" (1998), das er von 1959 bis 1965 bewohnte.
Bewegtes Leben
Bewegung und Veränderung prägen Spoerris Leben. 1930 als Sohn eines rumänischen Juden und einer Schweizerin in Rumänien geboren, floh er 1942 zusammen mit seiner Mutter und den fünf jüngeren Geschwistern nach Zürich
Nach Tanzstudien und einem Engagement als Erster Tänzer am Stadttheater Bern widmete sich Spoerri dem Theater und inszenierte neue Stücke von Ionesco und Picasso.
Ende der 50-er Jahre gründete Spoerri in Paris die Edition MAT ("multiplication d'art transformable") und vertrieb zum Einheitspreis von 200 Francs vervielfältigte Werke von Künstlern wie Man Ray, Arnulf Rainer oder Victor Vasarely.
Ende der 60-er Jahre eröffnete Spoerri in Düsseldorf ein Restaurant, in dem er unter anderem Elefantenrüssel, Ameisen und Tigerfilet servierte.
Nach Film- und Theaterarbeiten mit Peter Zadek und Kurt Hübner übernahm Spoerri 1978 eine Professur an der Fachhochschule für Kunst und Design in Köln, wo er mit Hilfe von Studierenden mit Objekten und Relikten der Stadtgeschichte das "Musée sentimental" realisiert.
In den 80-er Jahren entwickelte Spoerri vor allem seine plastische Arbeit weiter und organisierte verschiedene Ausstellungen.
1996 schenkte Spoerri sein umfangreiches Archiv mit Briefen, Fotos, Publikationen, Kunstwerken und Filmen der Schweizerischen Landesbibliothek.
Bis heute ist der Künstler stets in Bewegung geblieben, der Ruhe will er nicht in die Falle gehen. Mit dieser grundlegenden Einstellung hat er in breiten künstlerischen und wissenschaftlichen Kreisen grossen Einfluss gewonnen.
swissinfo und Agenturen
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