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Django Unchained (2012)
Django Unchained (2012)
Oder: Leichen pflastern seinen Weg
Texas, 1858: Früher war er mal Zahnarzt, heute ist ein Papp-Zahn auf seiner Kutsche das einzige, was noch an die einstige Profession von Dr. King Schultz (Christoph Waltz) erinnert. Mittlerweile geht der Deutsche nämlich der lukrativeren Beschäftigung als Kopfgeldjäger nach. Auf dem Weg zu seinem nächsten Auftrag befreit er den dunkelhäutigen Django (Jamie Foxx) von zwei Sklavenhändlern, damit ihm dieser seine nächsten Opfer identifizieren kann.
Da Django ein bemerkenswertes Talent im Umgang mit Schusswaffen an den Tag legt, beschliesst Schultz, den Ex-Sklaven zu seinem neuen Schützling zu machen. Der Deal: Django unterstützt Schultz einen Winter lang bei seinen Aufträgen, danach machen sie sich gemeinsam auf die Suche nach Djangos Ehefrau Broomhilda (Kerry Washington). Diese wird ebenfalls als Sklavin gehalten, und zwar vom unberechenbaren Grossgrundbesitzer Calvin Candie (Leonardo DiCaprio), dessen Hobby es ist, mit seinen Sklaven eine Art private Gladiatoren-Kämpfe zu veranstalten. Um Candies Aufmerksamkeit zu gewinnen, geben sich Schultz und Django als interessierte Käufer aus. Candie beisst an, doch dessen treu ergebener Haussklave Stephen (Samuel L. Jackson) ist misstrauisch...
Film-Rating
"Django" - richtig, das war Franco Nero als schweigsamer Kopfgeldjäger in Sergio Corbuccis Italowestern-Klassiker aus dem Jahr 1966. Und das waren auch zwei Fortsetzungen sowie unzählige Abklatsche, die zumindest in der deutschen Übersetzung ebenfalls mit dem populären Namen hausierten. So ist dieser mittlerweile sozusagen zum Synonym für das Genre geworden, das Quentin Tarantino schon in diversen Filmen zitiert hat. Django Unchained ist nun so was wie die logische Weiterführung. Es ist aber nicht nur ein Italowestern, sondern auch eine unverkennbare Hommage an die Blaxploitation-Movies der Siebziger.
Doch in erster Linie ist es einfach ein Tarantino; ein Tarantino, der sich durch die Attribute auszeichnet, die die meisten seiner Filme prägen: starke Dialoge mit makabrem Humor, stimmig eingesetzte Musik, zahlreiche Referenzen, comichaft überzeichnete Brutalität und natürlich exzellente Schauspieler. Sei es ein finsterer Jamie Foxx als rächender Titelheld (man kann sich nur schwerlich Will Smith in der Rolle vorstellen, obwohl sie eigentlich für ihn geschrieben wurde); sei es Christoph Waltz, der auch diesmal wieder sein charmantes Haifischlächeln mehrsprachig in Szene setzt; sei es Leonardo DiCaprio, der mit sichtlichem Genuss die Rolle des brutalen Fieslings verkörpert; oder sei es schliesslich ein ungewohnt auf alt und zittrig getrimmter Samuel L. Jackson, der hier sozusagen die Antithese zu seinem Shaft gibt.
Auch die Nebendarsteller wie der sonst häufig so nervige Jonah Hill oder Don Johnson vermögen Akzente zu setzen. Der Regisseur beweist wieder einmal, dass er ein feines Näschen fürs Casting hat. Schade nur, dass die Frauen im Cast diesmal nicht ganz mithalten können: Kerry Washington ist in erster Linie ein schönes Opfer und somit weit entfernt von einer Pam Grier in Jackie Brown, einer Uma Thurman in Kill Bill oder auch einer Mélanie Laurent in Inglourious Basterds. Immerhin geht aber ihre Wiedersehens-Szene mit Django durchaus ans Herz - was man von nicht allzu vielen Szenen in Tarantino-Filmen behaupten kann.
Ebenfalls ins Herz, aber in etwas anderem Sinne, geht die letzte halbe Stunde, in der mächtig geballert wird. Das vermeintlich finale Shootout erweist sich nicht als das letzte, stattdessen wird noch ein weiterer Handlungsstrang angefügt. Dort gönnt sich Tarantino in seinem obligaten Cameo zwar einen spektakulären Abgang, doch zieht dies den Film, der bis dahin trotz stolzer Spielzeit kaum gelangweilt hat, unangenehm in die Länge.
Apropos Cameo: Natürlich wäre Tarantino nicht Tarantino, wenn er nicht auch dem Original-Django Franco Nero einen Gastauftritt gewähren würde. Der Genre-Kenner schmunzelt wissend, wenn die beiden Djangos kurz aufeinandertreffen. Zum Schusswechsel zwischen den beiden kommt's allerdings nicht, aber was nicht ist, kann ja noch werden. So oder so - mit Django Unchained darf sich Quentin Tarantino wohl endgültig seinen Platz im Spaghettiwesternhimmel reservieren. Än Guete!
OutNow.CH:
28.12.2012 / ebe
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