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Der Kapitalismus ist eine leere Religion, die vollständig auf Glauben – also Kredit – beruht. So das Ergebnis der Analyse von Giorgio Agamben. Als Richard Nixon im Jahre 1971 die Golddeckung des Dollars aufhob, entlarvte er das Geldsystem vor aller Augen: Es ist auf nichts gebaut. Die kapitalistische Spektakel-Gesellschaft feiert sich seither erfolgreich selbst.
Der christliche Glaube steht dem Kapitalismus nicht äußerlich wie eine moralische Korrektur bei unmoralischen Exzessen gegenüber. Christen wissen um die religiöse Grundfrage und beantworten sie fundamental anders als der Kapitalismus, insofern er zu Religion wird: Worauf setzen wir unser Vertrauen? Wem gewähren wir "Kredit"?
Deshalb sollte Agambens Bilanz Christen aufrütteln: "Manchmal frage ich mich, wie die Leute nur so hartnäckig ihren Glauben an die kapitalistische Religion bewahren können. Denn es ist klar: Sobald die Leute ihren Glauben an den Kredit einstellen und aufhören, auf Kredit zu leben, würde der Kapitalismus sofort zusammenbrechen. Allerdings zeichnen sich, wie mir scheint, Hinweise auf einen beginnenden Atheismus im Hinblick auf Gottes Kredit ab."