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Nicht die Starken bedürfen des Arztes, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder. Markus 2,17
Der sagenumwobene griechische Philosoph Diogenes von Sinope (404–333 v. Chr.) soll von den Spartanern eine höhere Meinung gehabt haben als von den Athenern. Einmal habe ihn ein verärgerter Bewohner Athens gefragt, warum er dann hier und nicht dort wohne. Darauf habe Diogenes geantwortet: «Der Arzt, der seinen Patienten hilft, hält sich auch nicht bei den Gesunden auf.»
Es ist nicht anzunehmen, dass Jesus diese Worte des Diogenes kannte. Vielmehr sind beider Worte aus demselben Geist entstanden. Der eine lebte in einem Fass, der andere sagte, dass Füchse ihre Höhlen haben, er selber aber keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen könne (Matthäus 8,20). Die Freiheit von allen – materiellen und geistigen – Bindungen machte die beiden zu Heilern. Durch sie wirkte die ursprüngliche Kraft unverstellt.
Die Kraft ist universal. Was Jesus sagt, richtet sich nicht gegen «Starke» und «Gerechte». Aber allemal: Sein Kommen aus dem göttlichen Ursprung gilt jenen, die aus diesem Ursprung hinausgefallen sind. Sie gilt es heimzuholen. Zu heilen. Und selber zu Heilern werden zu lassen. Sie sind dafür besonders geeignet. Denn sie haben nichts zu verlieren – weder Gesundheit noch Gerechtigkeit – und sind also, auch sie, frei von allen Bindungen.
Von Andreas Fischer