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Vor den Parlamentswahlen im Oktober erwacht das Umweltbewusstsein der Auslandschweizer. Gemäss neuestem Wahlbarometer wird deren Wahlverhalten ökologischer ausfallen. Auf nationaler Ebene sind die Grünen auch auf dem Vormarsch. Sie könnten der Christlichdemokratischen Volkspartei als viertgrösste politische Kraft den Platz im Parlament streitig machen.
Die globale Klimadebatte ist den Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern ein besonderes Anliegen. Eine Umfrage zu ihren Abstimmungsabsichten zeigt, dass die Grünen bei der Auslandgemeinschaft an den Eidgenössischen Wahlen vom 20. Oktober das beste Resultat erzielen dürften.
23% der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer, die am letzten SRG-Wahlbarometer des Instituts Sotomoexterner Link teilnahmen, geben an, Kandidierende der grünen Parteien zu wählen, 18% wollen ihre Stimme den Freisinnigen (FDP.Die Liberalen), 16% der Schweizerischen Volkspartei (SVP) und 16% der Sozialdemokratischen Partei (SP) geben.
Dieses Ergebnis zeigt, dass die Wahlabsichten der Fünften Schweiz ökologischer geworden sind. Das letzte Wahlbarometer vom vergangenen Juni hatte ergeben, dass sie eher für die SVP, die SP und die Freisinnigen stimmen würden.
Die Position der Fünften Schweiz ist derzeit deutlich grüner als jene der Stimmberechtigen im Inland: "Generell ist klar, dass die im Ausland lebenden Wählerinnen und Wähler deutlich weniger nationalkonservativ denken als die in der Schweiz lebenden", stellt Sotomo fest. "Sie sind traditionell linksgerichteter und umweltfreundlicher. Aber es handelt sich eher um eine grünliberale als um eine grünsoziale Position."
Wahlbarometer
Das vierte Wahlbarometer 2019 wurde vom Forschungsinstitut Sotomo im Auftrag der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG SSR) durchgeführt, der swissinfo.ch angehört. Die Umfrage wurde vom 19. bis 25. August unter 17'128 Stimmberechtigten durchgeführt, einerseits auf den Internetportalen der SRG SSR und andererseits auf der Website von Sotomo. Die Zahl der Auslandschweizer, die geantwortet haben, betrug 356. Die Fehlerquote für die Umfrage beträgt +/- 1,2 Prozentpunkte.
Da die Umfrageteilnehmer sich selbst rekrutieren, repräsentiert die Zusammensetzung der Stichprobe die Bevölkerung nicht genau. So nehmen beispielsweise Männer in der Regel häufiger an politischen Umfragen teil als Frauen. Die Verzerrungen der Stichprobe werden durch statistische Gewichtungsverfahren korrigiert.Infobox Ende
Die Grünen überholen die CVP
Der Vormarsch der Grünen zeigt sich auch innerhalb der nationalen Grenzen. Gemäss der jüngsten Erhebung erreichen sie einen Wähleranteil von 10,5%. Das bedeutet, dass sie die Christlichdemokratische Volkspartei (CVP), von ihrer Position als viertgrösste politische Kraft des Landes überholen könnten. Die CVP verliert 1,4 Prozentpunkte und kommt auf einen Wähleranteil von 10,2%.
"Wenn es den Grünen gelingt, einen solchen Sprung nach vorne zu machen, dürfte dies eine Veränderung in der Rangliste der stärksten Parteien zur Folge haben", hält Sotomo fest. Das Institut präzisiert aber, dass "sich die hier vorgestellten Wähleranteile lediglich auf den Nationalrat [grosse Parlamentskammer] beziehen. Mit ihren mächtigen regionalen Hochburgen dürfte die CVP in der kleinen Parlamentskammer [Ständerat] weiterhin eine wichtige Kraft darstellen."
Auch die Grünliberale Partei (GLP) ist mit 6,9% der in der Umfrage erhobenen Stimmen auf dem Vormarsch. Die beiden Parteien, die sich als grün bezeichnen aber sich in vielen Fragen unterschiedlich verhalten, machen zusammen 17,5% des Wähleranteils aus.
Die SVP ist die Partei mit den grössten Verlusten. Sie dürfte gegenüber 2015 rund 2,6 Prozentpunkte einbüssen. Trotzdem wird sie voraussichtlich mit einem Wähleranteil von 26,8% stärkste Partei bleiben. "Die SVP befindet sich derzeit nicht in ihrer besten Form. Trotz der erwarteten Verluste bleibt die Partei aber mit Abstand die stärkste und verliert derzeit weniger als einen Zehntel ihrer Wählerschaft", schreibt Sotomo.
Das jüngste Wahlbarometer bestätigt eine generelle Verschiebung des Kräfteverhältnisses nach links: Das rot-grüne Lager gewinnt derzeit 3,3 Prozentpunkte.
Beziehungen zur EU beunruhigen Fünfte Schweiz
Die wichtigsten politischen Herausforderungen in den Augen der befragten Auslandschweizer bleiben weitgehend die gleichen wie bei früheren Wahlbarometern: Krankenkassenprämien, globale Erwärmung, Beziehungen zur EU und Rentenreform.
Die Anliegen der Auslandschweizer unterscheiden sich etwas von jenen der Schweizerinnen und Schweizer im Inland. Für die Fünfte Schweiz ist das Thema, das ihr Wahlverhalten am meisten beeinflusst, das Verhältnis zur EU. "Viele von ihnen leben in der EU und sind direkt betroffen", stellt Sotomo fest.
Die zweite grosse politische Herausforderung für die Auslandschweizer ist das Klima. Es folgen Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaft, die Reform der Altersvorsorge, Natur- und Landschaftsschutz sowie Krankenkassenprämien. Die Gewichtung dieser letzten Sorge ist laut Sotomo überraschend, denn die Auslandschweizer sind in der Regel nicht in der Schweiz krankenversichert und somit nicht direkt von den hohen Kosten betroffen.
Vertretung der Frauen wird wichtiger
In diesem letzten Wahlbarometer untersuchte Sotomo auch das Bild, das die Wähler von der Vertretung der Frauen im Parlament haben. 45% der Befragten glauben, dass der Anteil der Politikerinnen derzeit zu niedrig ist, und fast die Hälfte gibt an, für Kandidatinnen stimmen zu wollen.
Aber die Unterschiede sind je nach parteipolitischer Zugehörigkeit sehr gross: Eine Mehrheit der Wählerinnen und Wähler der Grünen, der SP, der Grünliberalen und der CVP plant, Frauen zu wählen. Bei der BDP, den Freisinnigen und der SVP ist es eine Minderheit.
(Übertragung aus dem Französischen: Peter Siegenthaler)