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Autor: Mireille Rotzetter
Im Rahmen von Handiflight (siehe Kasten) konnten sich die FN zu einem Gespräch mit Martin Cotting treffen. Martin Cotting ist 39 Jahre alt und wurde 1988 durch einen Mofaunfall zum Paraplegiker. Er ist Lehrer am Kollegium Heilig Kreuz und lebt mit seiner zukünftigen Frau in Giffers. Im Jahre 2006 erhielt er nach dreijähriger Ausbildung die Lizenz zum Segelfliegen.
Der Traum des Fliegens
Schon als Kind wollte Martin Cotting fliegen lernen. Nach seinem Unfall musste er diesen Traum jedoch vorerst begraben. In den 90er Jahren stellte er einen Antrag, um Motorflugzeuge fliegen zu können, dieser wurde jedoch abgelehnt. Später konnte er mit einem Freund einen Flug in Ecuvillens machen, wo er auch Segelflugzeuge sah. «Als ich diese Flugzeuge sah, dachte ich, dass segelfliegen auch für Behinderte möglich sein muss», erzählt Martin Cotting. Er kontaktierte daraufhin den «Club Aerodrome de la Gruyère», welcher ihn unterstützen wollte und Kontakt aufnahm mit dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL). Dadurch dass Michel Barras, Ausbildner beim Aerodrome, beim BAZL mitverantwortlich für das Segelfliegen war, wurden die Dinge erleichtert.
Die Ausbildung sei ähnlich verlaufen wie bei anderen Piloten. «Ich habe vielleicht etwas länger gebraucht, aber das hing auch mit dem Wetter zusammen», lacht der Pilot. Ausserdem müsse man bei gewissen Aktivitäten, wie zum Beispiel der Landung, mehrere Dinge gleichzeitig mit den Händen tun. Andere Piloten könnten dort mit den Füssen arbeiten.
Wie Martin Cotting erklärt, bräuchten mobilitätsbehinderte Piloten nicht viele zusätzliche technische Hilfsmittel, um fliegen zu können. «Anstatt eines Palloniers, ein mit den Füssen zu bedienendes Ruder, haben wir ein Mallonier, das wir mit den Händen steuern können.» Bedingung, um fliegen zu dürfen, sei ausserdem, selbständig ins Flugzeug ein- und aussteigen zu können. Martin Cotting nutzt jede Gelegenheit um fliegen zu können: «Ich fliege, sooft ich kann!»
Fliegen als Lebensschule
Als Nächstes möchte der Pilot eine Prüfung machen, um Passagiere mitnehmen zu können. «Und natürlich will ich mich ständig verbessern», betont Martin Cotting. Er sieht fliegen als Lebenschule. «Beim Fliegen macht man wichtige Erfahrungen, die für das ganze Leben wichtig sind», so Martin Cotting. Man lerne einen kühlen Kopf zu bewahren und sich voll auf eine Sache zu konzentrieren. Ausserdem biete das Fliegen einen Ausgleich zum stressigen Beruf als Lehrer. Auf die Frage, was er einem jungen Menschen mit einer ähnlichen Behinderung mit auf den Weg geben würde, antwortet Cotting: «Das Wichtigste ist die Lebensfreude. Man soll nur die Dinge tun, die einem Freude machen, und sich zu nichts gezwungen fühlen.»