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Im 18. Jahrhundert entwickeln europäische Staaten ein neuartiges Interesse an Gesundheit und Krankheit, da die Grösse der Bevölkerung als wichtiger Faktor für den Erhalt der politischen und wirtschaftlichen Macht gilt. Mit dem Konzept der «Medizinischen Policey» wird die Grundlage für eine öffentliche Gesundheitspflege gelegt. Mithilfe der Ärzte greifen die Machthaber der Aufklärung nun systematisch in das Gesundheitsverhalten ihrer Untertanen ein: Sie bauen Gesundheitsbehörden auf und regulieren die medizinischen Berufe.
Pest und Scharlatane
Die Berner Regierung trifft seit dem Mittelalter Vorkehrungen gegen Seuchen und positioniert «Pestwachen». Im 18. Jahrhundert nimmt das politische Interesse an der Gesundheit der Bevölkerung zu. So stellt Albrecht von Haller als Mitglied des Sanitätsrats 1765 in einem Bericht eine mangelhafte medizinische Versorgung fest und fordert eine Verbesserung der Ausbildung. Tatsächlich geht die Berner Obrigkeit im ausgehenden 18. Jahrhundert verstärkt gegen «Scharlatane» vor, doch erst im 19. Jahrhundert treibt der neu gegründete Kanton dann auch die Professionalisierung des Medizinstudiums voran, um so die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten.
Der talentierte Michel Schüppach
Der Wundarzt Michel Schüppach absolviert keine akademische Ausbildung, sondern lernt sein Handwerk in einer Lehre. 1727 übernimmt er eine chirurgische Praxis in Langnau. Ab 1768 führt er einen erfolgreichen Kurbetrieb und erarbeitet sich einen legendären Ruf. Kranke aus ganz Europa schätzen seine Diagnose mittels Harnschau – auch prominente Gäste wie Johann Wolfgang von Goethe pilgern nach Langnau. Weniger erfreut sind Haller und andere Ärzte: Für sie sind die Methoden Schüppachs der Inbegriff ungebildeter Kurpfuscherei und ein Grund für die schlechte Gesundheitsversorgung auf dem Land. Entsprechend stellen sie ihn als todbringenden Quacksalber dar.
Die erste Impfung
Die Pocken gehören jahrhundertelang zu den häufigsten Todesursachen. Ende des 18. Jahrhunderts präsentiert der englische Landarzt Edward Jenner die Vakzination (lat.: vacca – dt.: die Kuh). Diese ungefährliche Impfung mit Kuhpocken-Viren schützt die Menschen. Diese Technik beruht jedoch nicht auf Forschung, sondern auf Erfahrungswissen. Sie verbreitet sich schnell – auch in Bern setzt sich der Chirurg Rudolf Abraham von Schiferli bereits 1800 für eine unentgeltliche Impfung ein. Die Pockenimpfung markiert eine Wende der staatlichen Gesundheitspolitik: Erstmals lässt sich die breite Bevölkerung schützen, bevor eine Seuche ausbricht. Gleichzeitig formiert sich massiver Widerstand gegen die staatlichen Eingriffe.