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Ortsbauliches und architektonisches Konzept:
Die Schulanlage Erlen ist 1858 mit dem Bau des alten Schulhauses, als eine Art «Insel im Grünen», an der Hauptstrasse zwischen Erlen und Riet entstanden. In Schritten wurde die Schulanlage immer wieder erweitert, so dass heute Schulbauten aus den letzten 150 Jahren anzutreffen sind. Der 1938 erbauten Turnhalle kommt heute eine wichtige Funktion als östlicher Abschluss der Schulanlage zu. Das alte Schulhaus und die Turnhalle bilden ein stimmiges, bauliches Ensemble am Ostzugang in die Anlage. Als einzige Bauten der Schule sind diese mit ihren Zugängen repräsentativ auf die Hauptstrasse orientiert. Die nachfolgenden Erweiterungsbauten wurden im Westen und Norden, abgerückt von der Hauptstrasse platziert und liegen, mit Ausnahme der Dreifachturnhalle, an einem gemeinsamen, grossen Schulhof, auf welchen sich die Eingänge orientieren.
Ersatzbau und Einfügung in die ortsbauliche Umgebung:
Der Neubau besetzt den Ort der bestehenden Turnhalle. Er gliedert sich in ein höheres Hauptvolumen mit symmetrischem Giebeldach gegen den Schulhof, welches die Dimensionen der Turnhalle abbildet und ein niedrigeres Nebenvolumen mit Pultdach gegen die Einfamilienhaussiedlung. Zwischen den beiden Gebäudeteilen wird eine Fuge ausgebildet, welche die volumetrische Gliederung in den Stirnfassaden zusätzlich verdeutlicht.
Architektur:
Die neue Platzfassade des Hauptvolumens übernimmt wichtige Themen der ehemaligen Hauptfront der Turnhalle. Mit der dreiteiligen Fensterreihe im Obergeschoss wird der Bezug zur Ostseite des alten Schulhauses wieder hergestellt. Ein unverzichtbares Element für den Vorplatz ist die dreiteilige, gedeckte Vorhalle. Dieses Element wird mit dem Neubau wieder erstellt. Es markiert nun den Eingang in die familienergänzende Betreuung.
Die Nordfassade ist mit drei Vertiefungen profiliert und verweist, wie ehemals die Turnhalle auf die Dreiteiligkeit der gegenüberliegenden Platzfassade. Ein Nebenausgang führt direkt zum Aussenwerkplatz.
Das neue Kreativhaus bildet so, zusammen mit seiner Lage und volumetrischen Ausformulierung mit dem alten Schulhaus ein neues, stimmiges Ensemble.
Der Haupteingang ist auf den Schulhof orientiert. Eine kleine Rampe führt im gedeckten Teil des Eingangs in das etwas erhöht liegende Erdgeschoss. Diese Massnahme ermöglicht die Ausformulierung eines durchgehenden Gebäudesockels und einen einfachen Anschluss an das Terrain. Die darüber liegenden Fassaden sind fein profiliert und gegliedert. Im Gegensatz zum ehemaligen Hallenbau öffnet sich die Westfassade grosszügig zum Schulhof. Ein strenger, regelmässiger Raster, Brüstungen im Obergeschoss, vertikale Lamellen und Fensterausfachungen prägen das Bild. Die Ostfassade ist analog gestaltet. Wirkt aber ohne das offene Erdgeschoss etwas geschlossener, was der Lage gegenüber dem Einfamilienhausquartier angemessen ist. Es entsteht so trotz des hohen Glasanteiles eine Fassade mit materieller Substanz.
Das neue Gebäude manifestiert sich als nach dem heutigen Stand der Technik konstruierten Holzbau, welcher durch seine Gliederung und Farbigkeit die Nähe zum alten Schulhaus sucht und das Ensemble wieder herstellt.
Qualität der Innenraumgestaltung:
Das Gebäude ist einfach und übersichtlich organisiert. Die Nutzschichten sind vorwiegend auf die Längsfassaden orientiert und alle gleich tief ausgebildet. Mit dem regelmässigen Raster und dem statischen Aufbau der Nutzschichten ohne tragende Wände ergibt sich eine grosse Flexibilität in der Anordnung der Räume während der Planung und einer allfälligen späteren Umnutzung. Das Gebäude gliedert sich in einen West- und Ostflügel. Die beiden Gebäudeflügel sind halbgeschossig zueinander versetzt. Dazwischen angeordnet sind die nötigen Nebenräume, die Treppenanlagen und ein Lift. Die Korridorzonen weiten sich partiell aus. Mit dieser Raumdisposition ergeben sich für den Nutzer kurze Wege, sowie interessante Quer- und Durchblicke. Es entsteht so ein «Einraumgebäude», welches die unterschiedlichen Funktionen visuell und räumlich zu einem Ganzen kombiniert, was dem Ziel eines kreativen Miteinanders entspricht.
Qualität der Aussenraumgestaltung:
Mit der Anordnung je einer Baumgruppe seitlich des alten Schulhauses kann die nähere Umgebung auf einfache Weise und passend zur vorhandenen Symmetrie des Baus geklärt werden. Die Baumgruppen bilden zusammen mit dem alten Schulhaus und dem neuen Kreativhaus volumetrisch einen Winkel, welcher die Schulanlage südöstlich fasst und als Gegenwinkel zum Mittelstufenschulhaus von 1974 gelesen werden kann. Die Grünfläche im Schulhof übernimmt ihrer Tiefe die Länge der Schulhoffassade des Kreativhauses. Der Grünraum liegt als grosse Insel im Schulhof und wird von der vorhandenen Asphaltfläche umspült. Die vier Aussenecken werden zum Grünraum hin organisch geformt abgetrennt und mit einem Kiesbelag belegt. In den Ecken sind unter Anderem der Schülerkiosk, der Aussengeräteraum, ein gedeckter Pausenbereich oder ein Aussensitzplatz mit Tischen und Stühlen für das Essen im Freien angeordnet.
Im Sinne des Ortsbildschutzes schlagen wir, am heutigen Ort der Turnhalle, einen würdigen Ersatzbau vor, welcher die räumlichen und architektonischen Qualitäten des heutigen Ensembles wiederherstellt, die Gesamtsituation stärkt und sich gut einfügt. Das kreative-Haus zeichnet sich durch eine spannende Schnittfigur, vielfältige räumliche Bezüge und eine flexibel nutzbare Gebäudestruktur aus.