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Standortbeurteilung
Beurteilungsmerkmal Bebauung
Wenn an einer Strasse einzelne Gebäude mit Freiflächen, Ein- und Durchfahrten etc. dazwischen stehen, die einen Einblick in weiter von der Strasse entfernte Flächen gewähren, so handelt es sich um eine offene Bebauung. Die Notwendigkeit ihrer Erhaltung entscheidet über die Realisierbarkeit einer Lärmwand, da deren Bau zu einer geschlossenen Bebauung führt: die aneinandergrenzenden Grundstücke längs der Strasse sind auf voller Breite überbaut, Hinterhöfe u.ä. können nicht eingesehen werden.
Eine Lärmwand wirkt funktionell wie eine Einfriedung - es wird ein abgetrennter Raum geschaffen. Lärmwände sollte bevorzugt dort gebaut werden, wo dieser Raum einen Zusatznutzen erhalten kann, zum Beispiel die Einfassung eines Spielplatzes.
Ob bauliche Massnahmen oder Ersatzüberbauungen siedlungsverträglich sind, ist von der Baubehörde und unter Berücksichtigung der übergeordneten städtebaulichen Ziele zu beurteilen.
Beurteilungsmerkmal Aussenraum
Wie die Bebauung kann auch der Aussenraum zur Strasse hin offen oder geschlossen sein, und auch hier haben Lärmwände eine klare Trennwirkung, schliessen also Teile des Aussenraums voneinander ab. Die Beurteilung der Angemessenheit einer Lärmwand beinhaltet somit auch eine Abwägung von Vor- und Nachteilen für die Benutzer des Aussenraums.
Besonders zu bedenken ist dies in Fällen, in denen Aussenräume Strassenräume queren oder mit ihnen eine Einheit bilden, beispielsweise bei manchen Grünanlagen. Wenn in solchen Fällen dennoch Lärmwände errichtet werden sollen, muss dies so geschehen, dass der Grünraum weiterhin vom Strassenraum aus erkennbar bleibt. Pauschalaussagen sind hierzu jedoch nicht möglich, da eine Beurteilung von Fall zu Fall notwendig ist.
Beurteilungsmerkmal Strasse
Da die Wirkung auf den Fussgänger als massgebend gilt, sind Lärmwände umso unproblematischer, je mehr Raum diesem offensteht und je breiter die Strasse ist. Zusätzlich spielt die Typologie der Strasse eine Rolle – unterschieden wird zwischen siedlungs-und verkehrsorientierten Strassen. Erstere möchten dem Fussgänger eine besonders hohe Aufenthaltsqualität bieten, zugleich aber für alle möglichen Verkehrsteilnehmer zugänglich bleiben. Letztere hingegen sind auf Leistungsfähigkeit ausgerichtet und werden primär für den Motorverkehr gebaut. Hier sind Lärmwände grundsätzlich eher vertretbar, vor allem wenn eine solche Strasse in der Siedlungsperipherie liegt, somit weniger Fussgängerverkehr herrscht.
Generell ist der Strassenraum ein Ort der Begegnung und aufgrund der hohen Belastung vielerorts unattraktiv; Private schirmen ihren Aussenraum gerne ab. Vom Standpunkt der Siedlungsplanung her gesehen ist eine Abschottung jedoch auf jeden Fall zu vermeiden - beispielsweise sollte der Lärmschutz nur einseitig entlang der Strasse geführt werden.
Es gilt im Endeffekt, drei Kernfragen zu beantworten:
- Wie sieht die gegenüberliegende Strassenseite aus?
- Was schliesst links und rechts an diesen Strassenabschnitt an?
- Welche Mittel zur Gestaltung sind zu verwenden, um einen gesamthaft überzeugenden Strassenraum zu erreichen?
Beurteilungsmerkmal Topographie
Ob Hanglage, Einschnitt, Damm – die topografische Lage der Strasse hat einen grossen Einfluss auf die Möglichkeiten einer Lärmwand, sowohl was akustische Wirkung als auch was Gestaltung angeht. Pauschalaussagen sind auch hier angesichts der grossen Vielfalt an möglichen lokalen Gegebenheiten nicht möglich.
Beurteilungsmerkmal Verkehrsteilnehmer
Massgeblich zur Beurteilung von Lärmwänden sind Fussgänger, Velofahrer sowie Anwohner. Qualitätsmerkmale sind:
- Offenheit, Einsichtigkeit
- Durchgängigkeit, Fluchtwege
- Angenehme Beleuchtung
- Breite Gehbereiche
Dazu kommen Dinge wie die Sichtbarkeit von lokalen Merkpunkten: Kirchen oder ähnliche hohe Gebäude, Hügel, etc.