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In der letztjährigen Sommerausstellung habe ich versucht, den Weg der Abstraktion in der Schweiz aufzuzeichnen, das Thema dieser Ausstellung ist die Abstraction im west-europäischen Umfeld der Schweiz. Als Aufhänger habe ich „Abstraction-Création“ gewählt, die bedeutendste Demonstration abstrakter Kunst beziehungsweise die umfassendste Gruppierung von Künstlern, die sich – Anfang der 30er Jahre – mit der ungegenständlichen Malerei auseinandergesetzt haben.
Ein langer Weg führte vom Kubismus zur Abstraktion der 30er Jahre: In den 10er Jahren über Ophismus und „Section d’Or“ in Paris, Suprematismus und Konstruktivismus in Russland sowie „de Stijl“ in Holland. Die beiden letztgenannten Bewegungen sind mit ihren radikalen Lösungen die grossen Schrittmacher. In den 20er Jahren wirken die Ausstrahlungen des Bauhauses und des „Esprit Nouveau“, bis Ende der 20er Jahre Paris endgültig zum Zentrum der abstrakten Kunst wird.
1930 erfolgt die Gründung von „Cercle et Carré“, die Künstlervereinigung, der bereits zahlreiche Mitglieder der nachmaligen „Abstraction-Création“ angehörten.
„Abstraction-Création“ war eine wechselnde Vereinigung der wichtigsten Künstler, die sich mit gegenstandsloser, vorwiegend geometrischer und mit der im Entstehen begriffenen konkreten Kunst befasst haben. Sie umfasste gegen hundert Mitglieder und stellte ihr künstlerisches Programm in fünf Heften von 1932 bis 1936 vor. Schweizer Künstler waren aktive Mitgestalter der neuen bildnerischen Ausdrucksformen, ich nenne Bill, Sophie Täuber, Glarner, Erni, Le Corbusier, Brignoni (deren Arbeiten wir ja letztes Jahr vorgestellt hatten) sowie weitere wie Seligmann, Huf, Schiess, Fischli usw., von denen einige später mehr surrealistische Tendenzen verfolgten. Die gezeigten Werke sind, mit einer Ausnahme, alle von Mitgliedern der „Abstraction-Création“, darunter viele bedeutende Protagonisten dieser neuen Kunst. Es sind aber bei weitem nicht alle Namen vertreten; die wichtigsten Abwesenden sind wohl Kandinsky und Mondrian. Auch hielt ich mich bei den gewählten Werken nicht an die Entstehungszeit der kurzen Jahre von „Abstraction-Création“. Für viele der gewählten Künstlern gehören Bilder aus den 30er Jahren bereits zu den Raritäten. Trotzdem findet er Sammler in dieser Ausstellung verkäuflicher Werke recht zahlreiche aus den 30er Jahren!
Wir wünschen dem Besucher viel Freude an der Ausstellung.
Viktor Lüthy