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Bild
Titel:
Brauerei Krone Oberegg
Thema: Wirtschaft
Datum: --.10.1904
Masse: 27,9 x 36,7 cm
Standort: Sepp Koller, Stockstrasse, Appenzell
Urheber/-in: Fotostudio Hausammann, Heiden
Beschreibung:
Ehemalige Brauerei Krone in Oberegg im Oktober 1904. Rechts das 1900 erstellte, im historistischen Stil gehaltene Maschinenhaus mit seinen auffälligen Dachzinnen. Davor einige Braugesellen mit Bockbier-Fässern. Im Hintergrund das zum Betrieb gehörige Gasthaus zur Krone. Vor dem Fuhrwerk wohl der Braumeister und rund um den Tisch sitzend die Besitzerin, Witwe Magdalena Locher-Moser, mit ihren Kindern.
Geschichte:
In Appenzell Innerrhoden gab es einst zwei Brauereien, welche beide aus der Familie Locher hervorgingen. Bekannt und noch heute bestehend ist die Brauerei Locher in Appenzell mit ihrer Marke "Appenzeller Bier". Schon beinahe vergessen ist hingegen die Brauerei Locher in Oberegg mit dem ursprünglichen Markennamen "Kronenbräu". Die Oberegger Braustätte wurde 1852 von Johann Josef Locher (1803-1871), Wirt des benachbarten Gasthauses Bären, als Brauerei Krone gegründet. Dessen Sohn, Johann Christoph Locher (1837-1898), liess sich in Deutschland zum Bierbrauer ausbilden und übernahm nach dem Tod des Vaters den Betrieb. Als dieser 1880 durch einen Grossbrand vollständig zerstört wurde, baute ihn der tatkräftige Locher sofort wieder auf und kaufte bereits 1886 auch die Brauerei Fässler in Appenzell; die Basis des Appenzeller Unternehmens war damit gelegt.
Den Oberegger Betrieb übergab Johann Christoph Locher 1890 seinem ältesten Sohn Johann Locher (1865-1898). Dieser verstarb indes in jungen Jahren an den Folgen eines Unfalles. Seine Frau, Magdalena Locher-Moser (1864- ), führte das Unternehmen weiter. Sie liess im Jahr 1900 ein Maschinenhaus mit Dampfmaschine und Kühlanlage erstellen. Die Lochers wurden damit gleich wie im inneren Landesteil zu Pionieren der Elektrizität. Die Dampfmaschine lieferte nämlich auch Strom für die elektrische Beleuchtung von Brauerei, Wirtschaft und Wohnung. 1906 kam als weiterer Ausbauschritt ein turmartiges Sudhaus mit Schroterei, Sudwerk und Würzekühlung hinzu, das im Oberegger Dorfbild einen markanten Akzent setzte. 1918 trat der ältere Sohn Hans Locher (1894-1938) ins Geschäft ein und 1927 sein jüngerer Bruder Armin (1897-1967). Nach dem Tod von Hans Locher führte Armin Locher den Betrieb alleine weiter. Daneben wirkte er 1939 bis 1957 als Landammann und 1937 bis 1963 als Ständerat des Kantons Appenzell Innerrhoden. Nach seinem Tod wurde die Brauerei in eine Aktiengesellschaft unter dem Präsidium von Armin Locher jun. umgewandelt. Als zweites Standbein erhielt das Unternehmen ausserdem 1965 ein Mineralwassergeschäft angegliedert. Trotz dieser Massnahmen konnte sich die Oberegger Kleinbrauerei dem schweizweiten Konzentrationsprozess in der Brauereibranche nicht entziehen. 1972 erfolgte zur Überraschung der Öffentlichkeit die Übernahme durch die Calanda Bräu AG in Chur. Diese führte den Betrieb zwar noch einige Zeit weiter, der Markenname "Locher Bräu Oberegg" wurde jedoch sogleich durch das Label "Calanda Bräu Oberegg" ersetzt. Nachdem die Calanda-Führung den Oberegger Zweigbetrieb stillgelegt hatte, erfolgte 1992 die Auflösung der Firma. Die Betriebsgebäude wurden 1994 abgebrochen und hatten einer Mehrzwecküberbauung zu weichen, in der sich heute u.a. das Oberegger Postamt befindet.
Autor: Stephan Heuscher, Appenzell
Literatur:
Lehni, Franz Felix: Industrie in Appenzell Innerrhoden. Appenzell 1969, S. 55-58
Breitenmoser, Marius: Wir stellen uns vor ... .Die Handels- und Industriefirmen in Appenzell-Innerrhoden. Appenzell 1974, S. 29f.
Appenzell Volksfreund, Nr. 120, 1. August 1972
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