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Seit mehr als 4.000 Jahren lebt das Volk der Iñupiat an der Küste der Tschuktschensee in Alaska und ernährt sich von wild lebenden Pflanzen und Tieren. Die Landschaft ist geprägt von Lagunen, in denen es vor Leben nur so wimmelt. Zahlreiche Fisch- und Vogelarten nutzen die seichten Gewässer als Aufzucht- und Nahrungsgebiete. Die einzigartigen und dynamischen Küstenlagunen-Ökosysteme in der arktischen Beringia-Region könnten jedoch vom Klimawandel und dem menschlichen Fortschritt bedroht sein, wie aus einem Übersichtsartikel, der unter der Leitung der Wildlife Conservation Society (WCS) erstellt wurde, hervorgeht.
Die Lagunen, die 40 Prozent der Küstenlinie der Tschuktschensee in Alaska ausmachen, sind lebenswichtige Orte für die Iñupiat, die hier für ihren Eigenbedarf Pflanzen sammeln und Wildtiere jagen, um ihre Ernährungssicherheit zu gewährleisten. Darüberhinaus sind die Lagunen wichtige Bestandteile mehrerer Schutzgebiete wie dem Bering Land Bridge National Preserve, dem Cape Krusenstern National Monument und dem Alaska Maritime National Wildlife Refuge.
Der aktuelle Bericht der WCS, der in der Fachzeitschrift Arctic erschien, erfasst die vielfältige Tierwelt, die oder in der Nähe der Lagunen leben. Zu den häufigen Fischarten, von denen sich auch die Iñupiat ernähren, gehören Weißlachs (Stenodus nelma), Dolly-Varden-Forelle (Salvelinus malma) und Fernöstliche Navaga (Eleginus gracilis), kommerziell wichtige Ketalachse (Oncorhynchus keta) sowie in Beringia beheimatete Arten wie Bering Cisco (Coregonus laurettae) und Alaska Blackfish (Dallia pectoralis).
Vögel wie Pfeifschwäne (Cygnus columbianus), Raubseeschwalben (Hydroprogne caspia), Küstenseeschwalben (Sterna paradisaea), Kanadakraniche (Antigone canadensis), Falkenraubmöwen (Stercorarius longicaudus) und Eismöwen (Larus hyperboreus) suchen rund um die und in den Lagunen nach Nahrung und können auch beim Nisten beobachtet werden. Auch Säugetiere profitieren von dem reichhaltigen Nahrungsangebot der Lagunen und so halten sich Moschusochsen, Karibus, Grizzlybären, Biber und Meeressäuger wie Belugas und Bartrobben häufig in der Nähe oder entlang der Lagunen auf.
«Dieser Bericht ist der Höhepunkt eines Jahrzehnts der Fischerei-Überwachung und der Forschungsbemühungen, die von der WCS und ihren Partnern in diesen Lagunen durchgeführt wurden. Obwohl es noch viele Aspekte dieser einzigartigen und wichtigen Ökosysteme zu erforschen gibt, stellt der Artikel das bisher beste Verständnis der Struktur und Ökologie der arktischen Küstenlagunen dar», sagt Dr. Kevin Fraley, Hauptautor der Studie und Fischereiökologe des Arctic Beringia Program des WCS in Fairbanks, Alaska.
Als Grundlage für ihren Bericht dienten den Forschenden Ergebnisse langfristiger Fischereiüberwachung und Forschungsversuchen in mehreren Lagunen in den drei o.g. Schutzgebieten. Darüberhinaus stellten auch die Iñupiat ihr traditionelles ökologisches Wissen über die Ökologie der Lagunen und die Praktiken der Subsistenzwirtschaft zur Verfügung.
Eine ihrer wichtigsten Erkenntnisse war, dass die Wasserchemie, die physikalische Beschaffenheit, die Vielfalt der Wirbellosen und die Fischökologie (Artenvielfalt, Häufigkeit, Verhalten, Ernährung und Überleben) in den Lagunen von saisonalen Kanälen abhängen, die die Lagunen mit der Tschuktschensee verbinden.
Das Forschungsteam kommt zu dem Schluss, dass die Erschließung der Region durch den Menschen und der Klimawandel ungleichmäßige, negative Auswirkungen auf die Ökologie der Lagunen haben können, da die Kanäle schmal sind und somit anfällig für Störungen wie Küstenerosion, Stürme und die Neubildung von Strandkies durch natürliche und künstliche Einflüsse.
Auch in Zukunft will die WCS diese fragilen Lebensräume weiter überwachen, um etwaige Umweltveränderungen zu entdecken, die durch anthropogene oder natürliche Störungen verursacht werden.
Julia Hager, PolarJournal