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Rasputin Teufel oder Heiliger?
- Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe
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Der Bruder wird den Bruder töten, und die Erde wird zittern. Der Name Grigori Jefimowitsch Rasputin ist bis heute untrennbar mit dem letzten russischen Zarenpaar (Nikolaus und Alexandra) verbunden. In vielen Lieder besungen, sein Leben als Grundlage unzähliger Filme, sein Name betitelt Bars, Restaurants und vieles mehr. ... Der Bruder wird den Bruder töten, und die Erde wird zittern. Der Name Grigori Jefimowitsch Rasputin ist bis heute untrennbar mit dem letzten russischen Zarenpaar (Nikolaus und Alexandra) verbunden. In vielen Lieder besungen, sein Leben als Grundlage unzähliger Filme, sein Name betitelt Bars, Restaurants und vieles mehr. Seine Schlechtigkeit, so erzählte man sich, kenne keine Grenzen und sein Geschlechtstrieb lasse sich nicht stillen, ganz egal, wie viele Frauen er mit in sein Bett nehme. Rasputin galt als brutaler, trunksüchtiger Satyr mit den Manieren eines Stallburschen. Dank der den russischen Bauern angeborenen Gerissenheit wusste er ganz genau, wie er Zar und Zarin den einfachen Mann Gottes vorspielen konnte. Er brachte sie mit seinen Tricks dazu, zu glauben, er können ihren Sohn Alexei retten und mit jenem letztlich die Dynastie. Sie gaben sich und das Zarenreich in seine Hände, doch er verriet das Vertrauen, das sie in ihn setzten mit seiner Gier und Verderbtheit, zerstörte die Monarchie und trieb ganz Russland in den Ruin. So sagte man. (Seite 21) Der Autor, Douglas Smith, Historiker und Übersetzer, versucht mit dieser Monster-Biographie dem Mythos Rasputin auf den Grund zu gehen, neue Quellen zu ergründen und einfließen zu lassen. Seine Recherchen beeindrucken mich und ebenso seine Einwände, dass sich so manches historisch nicht mehr nachvollziehen lasse. Smith arbeitete für das U.S. State Department in der Sowjetunion, als Russisch-Dolmetscher für Ronald Reagan, erhielt etliche Auszeichnungen im Laufe seiner Berufslaufbahn. Doch wie viel Wahres steckt nun wirklich in diesem Mythos Rasputin? Welchen Einfluss hatte er tatsächlich auf die politischen Belange? Konnte er mit seinem hypnotisierenden Blick Menschen gefügig machen? Was er ganz sicher konnte Menschen analysieren, ihnen zuhören und erzählen, was sie hören wollten. Smith gelingt es aus einer Unmenge von Dokumenten ein ziemlich realistisches Bild zu schaffen, er widerlegt Gerüchte, erläutert Zusammenhänge und verbindet diese mit bereits bekannten Ereignissen. Immer bedacht, nicht alles vorweg zu nehmen sondern dem kritischen Leser zu ermöglichen, sich seine eigenen Gedanken zu machen und zu hinterfragen. Für mich war es eine großartige Erfahrung, dieses Buch zu lesen. Nachdem ich mich in letzter Zeit vermehrt mit dem Untergang der Romanows beschäftigt hatte, war Smiths Biographie eine Bereicherung. Viele Wissenslücken konnte ich füllen und trotz der enormen Seitenanzahl wurde es für mich nie langatmig oder gar langweilig. Oft stellte ich mir die Frage, wie es denn möglich war, dass ein einfacher Bauer solchen Status erlangen konnte, vielen Freunden aber natürlich auch einer Unmenge an Feinden begegnete. Dies hatte vermutlich weniger mit seiner Person und dem was er tat zu tun, sondern ist an einen Zeitgeist zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebunden. Viele Russen waren um die Jahrhundertwende auf der Suche nach spirituellen Anregungen, man wandte sich vom materialistischen Positivismus des 19. Jahrhundert ab und kehrte zu anderen Formen der Spiritualität zurück (Renaissance der Religion). Die Zeit von 1890 1914 ging als Silbernes Zeitalter in die Geschichte ein, die Oberschicht war von Mystik und Okkultismus fasziniert. Damit lässt sich der Aufstieg und Fall Rasputins ganz gut gleichsetzen. Smith schafft es, ein klares Bild über den Zeitgeist zu vermitteln, die Wichtigkeit des sozialen Status darzustellen, ein Netzwerk an Intrigen und Gerüchten aufzuarbeiten, gibt uns einen Einblick in ein politisches Pulverfass, die Vorboten der Revolution und das von langer Hand arrangierte Mordkomplott. Bilder wichtiger Wegbegleiter ergänzen dieses spannende und informative Werk. Smith wird mir als Autor in Erinnerung bleiben, man darf auf seine weiteren Werke gespannt sein. Auf jeden Fall kann ich hier eine absolute Leseempfehlung aussprechen und natürlich gibt es dafür auch 5 Sterne.