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Wenn die Lösung zum Problem wird.
Das Chaos bei der Benennung von Wettersystemen in Europa ist beispielhaft. Ab 2020 wird dieses Problem zum Glück der Vergangenheit angehören.
Chaos in der Namensgebung
Wie Sie sicher schon bemerkt haben, ist die Nomenklatur von Wettersystemen in Europa leider nicht einheitlich. Namen für Hoch- und Tiefdruckgebiete werden von verschiedenen Stellen vergeben, zum Beispiel von der Freien Universität Berlin, MeteoFrance oder dem MetOffice (Grossbritannien), um nur drei zu nennen.
Im Jahre 1953 begann man beim National Hurricane Centre in den USA, den tropischen Wirbelstürmen weibliche Namen zu verpassen. Dies wurde bereits während des zweiten Weltkriegs in der US Navy und in der US Air Force praktiziert. Die Idee dahinter: bei mehreren, gleichzeitig aktiven Stürmen das Risiko einer Verwechslung vermindern. Und die Offiziere wählten Frauennamen, da Stürme wie Frauen schwer berechenbar si…sein sollen.
Irgendwann im Laufe des vergangenen Jahrhunderts kam man dann offenbar zur Erkenntnis, dass Männer vielleicht etwas berechenbarer sind als Frauen, dafür oft zerstörerischer unterwegs sind. Somit passen auch die Männer ganz gut auf die Sturmliste. Ab dem Jahre 1978 kommen nun Frauen- wie Männernamen zum Zuge.
In Europa startete man 1954 an der Freien Universität in Berlin mit der Namensgebung von Hoch- und Tiefdruckgebieten. Seit 1998 gibt es auch hier Gleichberechtigung im jährlichen Turnus. Seit 2002 kann jeder als Wetterpate/-in für ein Entgelt den Hochs und Tiefs seinen persönlichen Namen geben.
Wenn die Lösung zum Problem wird
Im Laufe der Jahre kamen in den unterschiedlichen Sprachregionen Europas weitere Institutionen dazu, welche Wettersysteme taufen. Die ursprüngliche Idee, mit der Namensgebung Verwechslungen zu verhindern, ist zum Boomerang geworden. Zumindest in der Schweiz mit mehreren Sprachregionen und besonders bei gefährlichen Wettersystemen.
Denn im Vorfeld von aktiven Westwindlagen mit mehreren Sturmtiefs kam es bei den sogenannten Warnkonferenzen zwischen Zürich, Genf und Locarno bereits zu Verwechslungen oder Verwirrung, weil in den unterschiedlichen Sprachregionen gleiche Namen für verschiedene Sturmtiefs aktiv waren (oder umgekehrt). Nicht nur in der internen Kommunikation ist genau eine solche Situation gefährlich, sondern auch in der Kommunikation mit den Behörden verschiedener Kantone oder auch mit den Medien. Die aktuelle Situation ist unbefriedigend, und die Forderung nach einer Lösung wurde immer lauter.
Neue Namensgebung ab 2020
Nachdem das Problem nach Bern getragen wurde, fasste das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz 2016 von der Politik den Auftrag, eine Lösung des Problems zu finden. Dabei wurde schnell ersichtlich, dass eine gesamteuropäische Lösung aufgrund verschiedener Interessen utopisch ist. Somit kristallisierte sich schnell eine schweizerische Lösung heraus. Ab dem 1. Januar 2020 übernimmt nun MeteoSchweiz die Namensgebung von Hoch- und Tiefdruckgebieten, an welche sich vor allem die Meteorologen, aber auch Behörden und Medien in der Schweiz zu halten haben.
Wie es funktionieren wird
- Die ersten 5 Namen von Hoch- und Tiefdruckgebieten pro Jahr werden von der MeteoSchweiz festgelegt. Für jedes Jahr wird ein Themengebiet definiert, aus welchem Vornamen von bedeutsamen Personen gewählt werden.
- Weitere 5 Vornamen werden durch die Öffentlichkeit gewählt, dies aus einer Auswahl zum selben Themengebiet wie bei Punkt 1). Abgestimmt werden kann jeweils ab dem 1. Juni auf der MeteoSchweiz Website wie auch auf der App.
- Für die weiteren Namen können sich Interessierte als Wetterpate/-in engagieren und sich einen Namen kaufen (analog zur Praxis der Freien Universität Berlin). Dies läuft über die Website www.wetterpate.admin.ch, die Website wird am 1. Juni 2019 aufgeschaltet.
Preise: Hochdruckgebiet 300 CHF, Tiefdruckgebiet 200 CHF.
Das eingenommene Geld wird einer Organisation des jeweiligen Themengebiets gespendet.
Die Namen werden auf die tägliche Analysekarte von MeteoSchweiz übernommen, wie auch in der Abendsendung von SRF Meteo zu sehen sein.
Hoch- und Tiefdruckgebiete wechseln sich übrigens gendergerecht im jährlichen Turnus ab.
In der Spannung liegt die Würze
Um dem Ganzen noch etwas Spannung zu verleihen, gelten zusätzlich folgende Spielregeln. Führt das Tief mit dem von Ihnen gekauften Namen zu Sturmböen an mehr als 10 Flachlandstationen (und folglich wahrscheinlich zu Schäden), werden Ihnen nachträglich noch +100 CHF in Rechnung gestellt. Die Spende für ein Tief- ist dann also gleich hoch wie für ein Hochdruckgebiet. Aber, es gibt auch etwas zu gewinnen. Der Namensgeber des Tiefs, welches für die höchste Windgeschwindigkeit des Jahres an einer Flachlandstation besorgt ist, wird zum alljährlichen Grillfest der MeteoSchweiz eingeladen. Am selben Tag darf der Gewinner zudem den Direktor der MeteoSchweiz für einige Stunden bei seiner Arbeit begleiten und unsere tägliche Arbeit genauer kennenlernen.
Die Themengebiete bis 2024
- 2020 Sport ; Spende an Schweizer Sporthilfe
- 2021 Sprachenvielfalt der Schweiz; Spende an Schweizerischen Gehörlosenbund (Gebärdensprache)
- 2022 Schweizer Pioniere
- 2023 Politik
- 2024 Wissenschaft
Die ersten 5 Vornamen für 2020 und 2021
2020 Sport (Vornamen Sportler / Sportlerin des Jahres nach Häufigkeit der Wahl)
2021 Sprachenvielfalt, Namen der 4 Landessprachen und häufigste Fremdsprache (Portugiesisch)
Abstimmen und Vorschläge
Stimmen Sie also ab dem 1. Juni 2019 auf www.meteoschweiz.admin.ch für Ihre Favoriten der 5 weiteren Namen ab oder kaufen Sie auf www.wetterpate.admin.ch ihren persönlichen Namen für ein Hoch- oder Tiefdruckgebiet! Ebenfalls nehmen wir über die Kommentarfunktion auch Namensvorschläge für die jeweiligen Themengebiete entgegen.
Nochmal sonniges Wetter zum Aprilanfang
Trotz nachlassendem Hochdruck zeigte sich das Wetter nochmal von der sonnigen Seite. Die hohen Wolkenfelder am Nachmittag konnten den Sonnenschein nur stellen- und zeitweise dämpfen. Die Temperaturen stiegen dabei auf milde 15 bis 18 Grad auf der Alpennordseite und rund 20 Grad auf der Alpensüdseite. Dass der April auch anders kann, wird er diese Woche unter Beweis stellen. Vor allem vom Tessin bis zu den nördlich daran angrenzenden Gebieten auf der Alpennordseite dürften am Mittwoch und Donnerstag hohe Niederschlagsmengen fallen. Die Schneefallgrenze sinkt dann stellenweise bis in tiefe Lagen (vor allem in den Voralpen- und Alpentälern). Die mögliche Wetterwarnung für Mittwoch und Donnerstag finden Sie auf unserer Gefahrenkarte.