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Gurugubillis Eltern sind sehr arm und waren deshalb nicht in der Lage, ihrer Tochter eine „angemessene“ Mitgift zu bezahlen.
Die Praxis der Mitgift hat in Indien jahrhundertelange Tradition. Offiziell zwar seit 1961 verboten, ist sie aber nach wie vor gängig und weit verbreitet. Die Brautfamilie stattet ihre Tochter zur Hochzeit mit Schmuck oder anderen wertvollen Dingen aus, denn die Frau wird in den Haushalt der Schwiegereltern aufgenommen. Dementsprechend müssen die Brauteltern bei einer Heirat zahlen. Die Höhe der Mitgift richtet sich u.a. nach dem Aussehen und der Hautfarbe der Braut, ihrer Erziehung usw.
Da Gurubillis Eltern kaum Mitgift bezahlen konnten, suchten sie für ihre Tochter einen Mann, der nicht viel Mitgift verlangte. Sie entschieden sich für Murthy. Nach der Heirat begann Murthy jedoch, seine Frau und seine Schwiegereltern unter Druck zu setzen. Er forderte weitere Zahlungen und quälte seine Frau. Doch auch wenn er von Gurugubillis Eltern etwas Geld bekam, war er nie zufrieden, denn es reichte nicht aus, um seine Alkoholsucht zu finanzieren. Schließlich setzte er seine Frau eines Tages vor ihrem Elternhaus ab. Dies war für Gurubilli eine tiefe Demütigung. Noch hoffte sie darauf, ihr Mann würde sie wieder zu sich nehmen, doch dann erfuhr sie, dass er sich bereits mit einer anderen Frau verlobt hatte. Sie versuchte, mit ihrer Tochter zu überleben, doch schließlich konnte sie dem Druck nicht mehr standhalten und unternahm mehrere Selbstmordversuche.
Gurubilli erzählt: „Gott ließ mich nicht los, meine Eltern sorgten dafür, dass ich ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Während dieser schweren Zeit erzählte mir Ravi, ein Freund unserer Familie, von der Möglichkeit, einen Nähkurs zu absolvieren und sogar eine Nähmaschine zu erhalten. Ich bewarb mich um einen Platz und wurde tatsächlich am 22. August 2022 aufgenommen. Endlich erhielt ich eine Chance, um zu lernen und konnte meine Ausbildung erfolgreich abschließen. Was für eine Freude war es für mich, als ich auch eine Nähmaschine bekommen habe.
Nun kann ich auf eigenen Beinen stehen und mich und meine Tochter selbst versorgen. Es geht mir so viel besser – nicht nur in finanzieller Hinsicht, ich habe auch an Selbstvertrauen gewonnen und werde niemals mehr versuchen, mich selbst zu zerstören.
Ich habe eine kleine Schneiderei eröffnet und verdiene täglich einige hundert Rupien. (100 Rupien = 1,11 CHF, 1,14 Euro). Ich habe mir vorgenommen, viele Frauen in meiner Umgebung zu ermutigen, sich ausbilden zu lassen, damit sie in Zeiten der Not nicht in dieselben Schwierigkeiten geraten wie ich. Ich bin so dankbar, dass es mir wieder gut geht und blicke mit neuem Mut in die Zukunft. Danke an all die Sponsoren, die mir diese Möglichkeit eröffnet haben.“