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Der archäologische Sensationsfund gelang den österreichischen und britischen Wissenschaftlern im Rahmen des internationalen Projekts «Stonehenge Hidden Landscape Project». Durrington Walls zählt mit einem Durchmesser von 500 Metern (Stonehenge: 110 Meter) zu den grössten Henge-Monumenten.
Bei den sogenannten «Henges» handelt es sich um steinzeitliche Anlagen, die aus einem runden oder ovalen Erdwall und einem innen liegenden Graben bestanden. Auf der Fläche im Inneren standen oft Stein- oder Holzpfahl-Kreise. Die wohl bekannteste derartige Anlage ist Stonehenge.
Durrington Walls besteht aus einem 1,5 Kilometer langen, 30 Meter breiten und bis zu drei Meter hohen Wall und einem innenliegenden, knapp 18 Meter breiten Graben. Im Inneren wurden bei früheren Grabungen die Überreste von zwei Holzpfahl-Kreisen («timber circles») und Häusern gefunden.
«Wir haben Hinweise, dass die Anlage von Durrington Walls in ihrer westlichen Hälfte von zumindest 200 Steinen umgeben war, wodurch sie das grösste Steinmonument in Grossbritannien darstellen würde», sagte der Forscher Klaus Löcker der Nachrichtenagentur APA.
Tatsächlich vorhanden sind allerdings nur mehr rund 40 bis zu 4,5 Meter hohe Steine, sonst sind nur mehr die Gruben zu erkennen, in denen sie aufgestellt waren. Aufrecht steht laut Löcker kein einziger Stein mehr, sie dürften umgelegt worden sein, als der Erdwall darüber errichtet wurde.
In unmittelbarer Nähe zu den im Untergrund verborgenen Steinen befindet sich eine noch heute erkennbare halbkreisförmige Kreidegestein-Böschung, die von einem eiszeitlichen Fluss geformt wurde.
In dieser Böschung finden sich leicht abbaubare Feuerstein-Bänke - für die Forscher der Grund, warum sich hier Menschen angesiedelt haben. Offensichtlich würdigten sie diese damals so wertvolle Ressource mit dem nun entdeckten Steinmonument, so die Interpretation der Archäologen.
Wohin die im Untergrund nicht mehr vorhandenen Steine verschwunden sind, von deren Existenz nur mehr die Fundament-Gruben zeugen, ist unklar. Löcker hält es für «unwahrscheinlich, dass Steine, die in einer rituellen Landschaft wie Stonehenge schon einmal in Verwendung waren, nicht weiter genutzt wurden».
Aufgrund der Radardaten gehen die Forscher davon aus, dass es sich bei den Monolithen im Untergrund von Durrington Walls mit hoher Wahrscheinlichkeit um Sarsen-Steine aus der Region handelt. Diese wurden auch für die eindrucksvollen Konstruktionen mit zwei Trag- und einem Deckstein («Trilithen») von Stonehenge verwendet.
Dass es weitere Steinmonumente im Umkreis von Stonehenge gegeben hat, wusste man bereits. So wurde vor einigen Jahren am Ende der sogenannten Stonehenge Avenue, die den berühmten Steinkreis mit dem Fluss Avon verband, das sogenannte «Bluestonehenge» entdeckt - eine aus 27 Blausteinen bestehende Anlage.
«Mit den Steinen unter Durrington Walls haben wir also das erste grosse Steinmonument ausser Stonehenge in der ganzen Landschaft entdeckt», so Löcker. Die neu entdeckte Anlage ist nach Meinung Neubauers «mit grösster Wahrscheinlichkeit weit älter» als das 4000 bis 4500 Jahre alte Stonehenge. (SDA)Publiziert am 06.09.2015 | Aktualisiert am 06.09.2015