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Haute Couture, die hohe Schneiderkunst, ist im 19. Jahrhundert entstanden und war lange fast gleichbedeutend mit Mode. Heute ist die Haute Couture kein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Mode mehr, aber ein bedeutender Werbeträger, von dem das Renommée eines großen Modehauses abhängt. Nur noch etwa 5 % des Umsatzes, werden heute mit Haute Couture gemacht, der Rest wird mit Lizenzen oder Prêt-à-porter erwirtschaftet.
Um als Haute Couturier zu gelten, muss ein Modeschöpfer mindestens 20 Schneiderinnen beschäftigen sowie pro Jahr zwei Kollektionen mit mindestens 75 Modellen in Paris zeigen, die in Handarbeit und nach Maß gearbeitet sein müssen. Seit den 1960er Jahren war diese elitäre Mode kaum mehr gefragt und das Prêt-à-porter kam auf. Idee und Wort wurden entlehnt aus dem amerikanischen Vorbild des «ready to wear», das dort bereits in den 40er Jahren verbreitet war. Es stellt heute den wichtigsten Wirtschaftszweig der großen Modehäuser dar. Prêt-à-porter ist modische Kleidung, die zwar von Modeschöpfern entworfen, aber industriell und in großen Mengen hergestellt und vertrieben werden. Viele Modeschöpfer arbeiten heute von vornherein nur auf dem Gebiet des Prêt-à-porter, so etwa die Amerikaner Calvin Klein und Donna Karan oder die Engländerin Vivienne Westwood.
Prêt-à-porter ist der gehobene Luxus-Bereich der Konfektion. Diese wiederum umfasst ein breites qualitatives und preisliches Spektrum, zu dem auch die Kaufhausmode von der Stange gehört. Die Kunst des Entwurfs spielt hier kaum mehr eine Rolle; dieser muss vielmehr tragbar, in jedem Falle an modischen Linien orientiert und sehr gut verkäuflich sein.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war das Herstellen von Kleidung ein Handwerk. Es wurde ausgeübt von Schneidern für Herren und für die Damen von Näherinnen und Modistinnen, die jedes Kleidungsstück nach individuellen Massen und Wünschen anfertigten. Zudem konnte jede bürgerliche Frau nähen und für sich und ihre Familie notfalls die Kleidung selbst herstellen oder sie doch zumindest in Ordnung halten. In den ärmeren Familien waren solche Fertigkeiten lebenswichtig, denn man konnte es sich kaum leisten, Kleidung zu kaufen.
Die Konfektion kam Ende des 18. Jahrhunderts auf, als man begann, Capes, Mäntel und andere Kleidungsstücke, die der Trägerin nicht genau angepasst werden mussten, vorzufertigen. Die etwas wohlhabenderen Damen des Bürgertums konnten nun halbfertige Kleidungsstücke kaufen und sie zu Hause fertig nähen und dekorieren. Damit ersparten sie sich die Mühe des Zuschneidens, und der jeweilige Rock oder die Bluse konnten individuell variiert werden.
Mitte des 19. Jahrhunderts rief der gebürtige Engländer Charles Frederick Worth die Pariser Haute Couture ins Leben und veränderte damit die Mode grundlegend. Er nähte keine Kleidung nach den Wünschen der Kundin, sondern er entwarf einzelne Kollektionen, die er den Damen der Gesellschaft vorstellte. Lediglich die Auswahl des Stoffes aus der von Worth angebotenen Reihe von genau auf den Schnitt abgestimmten Qualitäten und Mustern blieb der Kundin überlassen. Worth's starke Visionen und der Sinn für Schönheit und Eleganz brachte es fertig, den Schneider zum Modeschöpfer, den Handwerker zum Künstler zu machen. Er nähte keine Kleider mehr, sondern machte Mode; er kleidete Königinnen und Fürstinnen, Schauspielerinnen und reiche Bürgersfrauen. Sein Geschmack wurde zum Massstab des Geschmacks der guten Gesellschaft. Seine Entwürfe, die stets zeitgemäß waren, blieben bis in die 20er Jahre tonangebend für die Haute Couture. Sein nachhaltiger Einfluss lässt sich selbst bei Kreationen jüngerer Modeschöpfer nachweisen.