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Geographische Gliederung und Landschaftskunde
Klimatische Verhältnisse
Bevölkerung und ihre Lebensgewohnheiten
Die Wirtschaft
Was sich der Mitteleuropäer angewöhnt hat, als Mittelmeer- und italienische Vegetation zu betrachten, ist vielfach eine subtropische Vegetation, die sich an Küstenstrichen entwickelt hat, deren Niederschlagsmengen das Mittel des mediterranen Raums oft nicht unbeträchtlich überschreiten, und die zum Teil von der eigentlichen und ursprünglichen Mittelmeerflora wesentlich abweicht. Dort gibt es dann Pflanzen, die das Urpflanzenbild verfälschen, wie die Agaven und die Palmen, aber diesen Gegenden die besondere Anziehungskraft verleihen. So ist das Pflanzenkleid der Riviera, das dem Süditaliens entspricht, und zum großen Teil aus eingewanderten Pflanzen besteht, die man sich heute gar nicht mehr fortdenken kann, von dem der Toskana, wo es keine Orangen, Palmen und Opuntienkakteen gibt, sehr unterschiedlich. An charakteristischen Pflanzen sind nur der Ölbaum und die Weinrebe überall Urbestand, außerdem Zypressen, gewisse Piniensorten, auch Lorbeer und Cyclamen. Sogar die dekorativen Mimosenarten, die der Botaniker Akazien nennt und die oft bis zu zehn Meter hoch werden, sind Fremdlinge.
Der Ölbaum, die Olive, ist wohl die charakteristischte Pflanze Italiens; er findet sich, wie bereits in anderem Zusammenhang betont, erst südlich der Apenningrenze, stellt an den Boden keine besonderen Ansprüche, und seine zahlreichen Kulturen müssen dem Nordländer weitgehend den gewohnten Wald ersetzen. Die Bäume werden meist uralt, und entwickeln sehr bizarre Formen. Das Holz wird viel für Schnitzereien verwandt und ist wegen seiner Maserung und Polierfähigkeit geschätzt; abgestorbene Äste liefern in dem holzarmen Land willkommenes Brennmaterial. Die Stämme sind leidet verwundbar, Wunden, z. B. durch Steinwürfe, fressen weiter, und solche Faulstellen müssen operiert werden, daher entstehen oft sonderbar geformte Exemplare, die aber, wenn auch fast ausgehöhlt, Hunderte von Jahren alt werden können; es gibt Ölbäume, die noch aus dem Altertum stammen. Keine andere Kulturpflanze erreicht den Ölbaum an unverwüstlicher Lebenskraft. Die silberglänzenden immergrünen Blätter sind an der Unterseite behaart, die unscheinbaren weißgelben Blüten entwickeln sich im späten Frühjahr. Die Früchte sind anfangs grün, werden dann blau bis schwarz und im Winter geerntet. Die Ölgewinnung erfolgt in den großen Ölmühlen durch zwei sogenannte kalte Pressungen und eine dritte unter starkem Druck (dieses so gewonnene Öl dient hauptsächlich der Seifenherstellung). Die Zentren der Ölgewinnung sind Imperia (Oneglia) und bei San Remo.
Neben dem Ölbaum ist der auffallendste Baum die Pinie, von der es zahllose Arten gibt (am meisten verbreitet die Aleppokiefer), wenn auch die eigenartig geformte, verhältnismäßig seltene Schirmpinie am bekanntesten ist; meist kommt sie nicht in geschlossenen Waldungen, sondern in Gruppen oder isoliert vor. Berühmt sind die großen Pinienhaine von Viareggio an der toskanischen Küste, mit dem gelben Stechginster als Unterholz; übrigens bildet sich die Schirmform erst in höherem Alter der Bäume aus. Die Samenkerne, die an Haselnüsse erinnern, werden vielfach verwendet, auch für den berümten pesto.
Die Edelkastanie ist für den vom Norden Europas Kommenden geradezu ein Kennzeichen des Südens und bildet stellenweise ausgedehnte Wälder. An manchen Stellen der Apenninhänge finden sich auch große Bestände verschiedener Tannenarten.
An sonstigen Bäumen spielt die Steineiche in allen Mittelmeerländern eine große Rolle, ferner der Maulbeerbaum, der auch in der Po-Ebene schon viel gebaut wird, die Magnolien, die Zypressen, besonders an Strandpromenaden und in Parkanlagen; an Obstbäumen die Feigen mit ihrem hollunderähnlich weichem Geäst und die Mandelbäume, die in der Blütezeit das Entzücken der Fremden bilden.
Wer an der Riviera die Orangenkulturen zum erstenmal sieht, wundert sich oft über die gleichzeitig Blüten und Früchte tragenden Bäume (die Haupterntezeit liegt im Winter, doch gibt es infolge vieler Zuchtversuche Bäume, die das ganze Jahr über Früchte tragen). Es gibt eine ganze Reihe von Arten in der Agrumenfamilie, wie man Orangen, Zitronen und Verwandte zusammenfassend nennt, doch ist das Hauptanbaugebiet z. B. der Zitronen, die über die Hälfte der Agrumenerzeugung Italiens ausmachen, Sizilien. An der Riviera fallen die niedrigen, nicht sehr alt werdenden Bäume zwar auf, haben zahlenmäßig aber wenig Bedeutung. Alle Agrumenarten benötigen viel Wasser, um zu gedeihen, und setzen daher künstliche Bewässerung voraus.
Die Palmen, die an der Riviera, vor allem bei Bordighera, ihre nördlichste Verbreitungszone haben, gedeihen nicht bis zur Fruchtreife, denn die eigentliche Dattelpalme ist gegen jede Luftfeuchtigkeit, sogar gegen Bewölkung, empfindlich. Meist sind es auch unechte Dattelpalmen oder andere Palmenarten, hauptsächlich Washingtoniapalmen.
An der Riviera liegt übrigens der schönste und interessanteste Pflanzengarten Italiens, der Giardino Hanbury am Kap Mortola bei Ventimiglia.
Im ganzen ist Italien gegenüber den Ländern nördlich der Alpen durch einen größeren Reichtum an Pflanzenarten ausgezeichnet, Farben und Gerüche vieler Arten sind bedeutend stärker als im Norden; neben dem Blau herrscht vor allem das leuchtende Goldgelb, und im Frühjahr und Herbst bedecken sich nach erfrischendem Regen Hügel und Felder wie mit einem bunten Teppich.
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