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Gesellschaft
Mehrere Studien im neurologischen und psychologischen Bereich liefern uns neue Erkentnisse über Psychopathen - und werfen die Frage auf, inwiefern die Welt in deren Händen ist.
Einer neuen, niederländischen Studie nach können Psychopathen ihre Empathie nur aktivieren, wenn man sie dazu auffordert. Der Leiter des Versuchs, der Neurologe Christian Keysers, hat dazu 21 Insassen einer Hochsicherheitsklinik mit einem Hirnscanner getestet. Die Spiegelneuronen der Psychopathen reagierten auf die Videos, die man ihnen zeigte nur, wenn man die Probanden vorher darauf aufmerkam machte. Ohne direkte Aufforderung gab es keine Reaktion auf die Filme, in denen zum Beispiel jemandem ein Finger verbogen wurde.
Dem Psychologen Kevin Dutton nach ist genau das das Geheimrezept für den Erfolg. In seinem im Oktober 2012 in Grossbritanien erschienen Buch “The wisdom of psychopaths” (dt.: Die Weisheit der Psychopathen) empfiehlt er den nach Erfolg trachtenden Menschen, sich ein Beispiel an Psychopathen zu nehmen. Seine zynische These ist, Psychopathen haben alle Leitpositionen inne; egal ob in der Wirtschaft, in der Kunst oder in der Wissenschaft, um erfolgreich zu sein, müsse man sich demzufolge, an ihre Attitüden anpassen. Was nicht gleich heissen solle, dass man zum Serienmörder mutieren muss. Kriminell würden seinen Studien zufolge nur die Psychpathen aus der armen Schicht.
Die prädestinierten Serienkiller der reichen Klasse werden hingegen erfolgreich. Den Erfolg erzielten sie mit der Fähigkeit, sich auf Knopfdruck in ihre Mitmenschen einzuleben; aber eben nur, wenn es ihnen selbst einen Vorteil bringt und sie die Empathie beziehungsweise ihre Spiegelneuronen aktivieren müssen, um sich in ihnen nützliche Personen einzuleben, um die Karriereleiter aufzusteigen.
Auf dem Weg zum Erfolg sei es aber eher von Vorteil, seine Empathie zu ignorieren, was normalen Menschen nicht gelingt. Besonders Frauen tun sich da schwer, was zur Folge hat, dass die Anzahl der Frauen in den Führungspositionen bekanntermassen mehr als gering ist. Gleichzeitig gibt es so gut wie keine weiblichen Psychopathen, wie der Kriminalpsychologen Dr. Hare bestätigt; der Verfasser des “Psychopath-Check” (ein Fragebogen zur Prüfung wie viel Psychopath in einem steckt) geht ausserdem von zwei bis drei Prozent Psychopathenanteil pro Stadt aus - jedoch drei bis vier Prozent in den Führungspositionen.
Einen weiteren Beweis für den Verdacht, dass Psychopathen die meiste Macht inne haben, liefert eine kanadische Studie vom Juni dieses Jahres. Darin wurden die Probanden beauftragt, einen Text zu schreiben. In einer Gruppe sollten sie darin eine Situation beschreiben, in der sie sich sehr mächtig gefühlt haben; in der zweiten eine Situation, in der Macht über sie ausgeübt wurde, und die dritte Gruppe sollte, zur Kontrolle, nur über die Erlebnisse vom Vortag schreiben.
Als man sie dann einen Film schauen liess und ihre Gehirnfunktionen betrachtete, zeigte sich, dass die Gruppe, die den Text über ihre mächtige Zeit verfasst hatte, im Bereich der Spiegelneuronen deutlich weniger reagierte als die zweite Gruppe. Daraus schliessen die Wissenschaftler, dass das Gefühl von Macht unsere Spiegelneuronenfunktion herabsetzt. Was wiederum heisst, dass sehr mächtige Menschen absolute Psychopathen sein müssen.
Es scheint als stünden Macht und psychopathisches Verhalten im reziproken Verhältnis zueinander. Man gelangt als Psychopath leichter zur Macht und gleichzeitig macht Macht einen zum Psychopathen. Wie auch immer man es dreht, diese neuen Erkenntnisse sagen nichts Gutes über unser bestehendes System aus. Dadurch sieht es sehr danach aus, als würde dessen hierarchische Struktur immer mehr Psychopathen heranzüchten und die verrücktesten sogar ganz nach oben befördern.
Quellen:
http://digitaljournal.com/article/356229
http://wisdomofpsychopaths.com/
Der Spiegel 29/2013 ”Die Magie des Mitgefühls”
3Sat/Kulturzeit 3.6.13 ”Der ganz normale Wahnsinn”