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Zusammenstellung von laufenden Untersuchungen in der Luftwaffe
Keywords : Presserohstoff, Untersuchungen in der Luftwaffe, LW,
(Ti) Zusammenstellung von laufenden Untersuchungen in der Luftwaffe
(Presserohstoff vom 15.02.96)
(Ld) Im Sinne einer offenen und transparenten Informationspolitik finden Sie
nachstehend eine Zusammenstellung der gegenwärtig laufenden Untersuchungen in
der Schweizer Luftwaffe:
(Tx) Verkauf Lear-Jet
Mit dem 9,6 Millionen Franken teuren Falcon 50, der ab 20. Februar 1996
operationell einsatzfähig sein wird, besitzt die Eidgenossenschaft seit kurzem
ein adäquates Flugzeug für den Einsatz bei friedenserhaltenden Operationen im
Rahmen von UNO- und OSZE-Missionen sowie für Bundesrats- und VIP-Reisen. Im
Gegenzug soll dafür einer der beiden im Bundesdienst stehenden Lear-Jets
verkauft werden. Die Verantwortung für diese Flugzeuge obliegt der Schweizer
Luftwaffe. Ohne Wissen des Kommandanten der Luftwaffe, Korpskommandant Fernand
Carrel, wurden Ende des letzten Jahres die beiden Triebwerke eines Lear-Jets
der Revision zugewiesen, die 920`000 Franken kostete.
Da für die besagten Triebwerke aufgrund von gültigen Sicherheitsvorschriften
tatsächlich eine Revision angestanden wäre, entschied sich der
Luftwaffen-Kommandant nur zu einer internen Untersuchung, von der er Aufschluss
auf Fragen in bezug auf Verantwortlichkeit und Kompetenzüberschreitung
erhoffte. Das Ergebnis der ersten internen Untersuchung war unbefriedigend.
Daraufhin ordnete Korpskommandant Carrel in Absprache mit dem EMD-Chef,
Bundesrat Adolf Ogi, und Generalstabschef Arthur Liener eine zweite interne
Untersuchung an. Diese wird nächstens vom Rechtsdienst des Generalstabs
aufgenommen.
Nachdem die Triebwerke eines Lear-Jets revidiert waren, stellte sich die Frage,
welches der beiden Flugzeuge nun zum Verkauf gelangen sollte. Die möglichen
Varianten wurden durchgerechnet, die für den Steuerzahler günstigste
schliesslich gewählt: Der bessere Flugzeugrumpf und die revidierten Triebwerke
werden behalten, der Rumpf in etwas schlechterem Zustand und die nicht
revidierten Triebwerke sollen verkauft werden. Dies hat zur Folge, dass zwar
für den zum Verkauf stehenden Lear-Jet ein nicht so hoher Preis verlangt werden
kann, dafür werden die mittelfristigen Unterhalts- und Folgekosten beim
weiterhin im Bundesdienst stehenden Flugzeug massiv tiefer sein. Dem Bund
entsteht somit kein finanzieller Verlust.
Unkontrollierte Aussenlandung einer Drohne
Eine Aufklärungsdrohne (ADS-90) der Schweizer Luftwaffe erlitt am 6. Februar
1996 über Illgau im Muotathal einen technischen Defekt. Die unbemannte Drohne
befand sich auf einem Werkflug und war auf dem Flugplatz Buochs-Ennetbürgen
gestartet. Am Fallschirm landete die Drohne ca 20 Meter neben einem Haus in
Illgau. Dabei entstand ein Schaden, der auf über Fr. 50000 geschätzt wurde. Zur
genauen Abklärung des Vorfalls wurde ein militärischer Untersuchungsrichter
eingesetzt. Die vorläufige Beweisaufnahme durch den Untersuchungsrichter ist
noch nicht abgeschlossen.
Gefährliche Annäherung zwischen Privat-Helikopter und Militärflugzeug
Am Freitag nachmittag, 19.1.1996, kam es zwischen einem zivilen Helikopter der
Air Glaciers und einem mit zwei Piloten besetzten Militärjet-Schulflugzeug des
Typs Hawk in der Kontrollzone des Flugplatzes Sion zu einer kritischen
Annäherung. Die beiden Militärpiloten waren über das Herannahen des zivilen
Helikopters im Bilde, erwarteten diesen allerdings auf einer in solchen Fällen
üblichen, viel tieferen Höhe. Die Piloten des Militärflugzeugs reagierten auf
die kritische Annäherung mit einer Ausweichbewegung nach oben. Die Distanz, mit
welcher sie schliesslich am zivilen Helikopter vorbeiflogen, kann nicht genau
ermittelt werden. Um die genaue Ursache des Vorfalls zu eruieren, wurde ein
Untersuchungsrichter eingesetzt. Die Untersuchung ist noch im Gange.
Pneu-Platzer am Bugrad einer Mirage
Am 5. Dezember 1995 erlitt eine Mirage der Luftwaffe bei der Landung in
Dübendorf einen Pneu-Platzer. Die Landung erfolgte mit 300km/h, als nach rund
100 Metern Ausrollstrecke plötzlich starke Vibrationen auftraten. Bei ca 220
km/h platzte dann der Pneu am Bugrad, wie der Pilot an den herumfliegenden
Gummiteilen und den weiter zugenommenen Vibrationen feststellen konnte.
Abgerissene Gummiteile gerieten in das Triebwerk und beschädigten dieses. Die
vorläufige Beweisaufnahme durch den herbeigezogenen Untersuchungsrichter ist
noch nicht abgeschlossen.
Kollision zwischen Militärflugzeug und Pinzgauer
Während eines Wiederholungskurses kam es auf dem Flugplatz Payerne im November
1995 zwischen einem fahrenden Pinzgauer und einem Tiger, der abgeschleppt
wurde, zu einer Kollision. Dabei gab es einen Verletzten und Sachschaden. Die
Untersuchungen durch den Richter sind noch nicht abgeschlossen.
Fehlende Munition
Nach einer WK-Übung in Payerne im November 1995 wurde das Fehlen einer
20mm-Patrone der Flugzeugmunition festgestellt. Die vorläufige Beweisaufnahme
durch den Untersuchungsrichter ist noch nicht abgeschlossen.
Vorschriftswidrige Montage eines Schleudersitzes in einem Tiger
Bei einer entsprechenden Kontrolle wurde im Juni 1995 festgestellt, dass in
einem Tiger-Doppelsitzer ein Schleudersitz funktionsuntüchtig war. Der Sitz war
vorschriftswidrig montiert worden. Der Fall wurde wegen krasser Verletzung von
Sicherheitsvorschriften strafrechtlich weiterverfolgt. Eine administrative
Untersuchung wurde schliesslich eingeleitet, die noch nicht abgeschlossen ist.
Tiger-Absturz bei der Axalp
Im Oktober 1994 ereignete sich im Gebiet der Axalp der Absturz eines Tigers.
Die vom damaligen EMD-Chef, Bundesrat Kaspar Villiger, angeordnete
Administrativuntersuchung hatte ergeben, dass wahrscheinlich ein bei
Wartungsarbeiten liegengebliebener Schraubenschlüssel den Ausklinkmechanismus
des Fahrwerks blockierte. Der Pilot verliess seine Maschine mit dem
Schleudersitz, der Tiger stürzte im Gebiet Axalp ab. Der EMD-Chef hatte
daraufhin, auf Antrag des Untersuchungsrichters, das Dossier der
Bundesanwaltschaft zugestellt. Das gleichzeitig beantragte Strafverfahren gegen
Unbekannt wurde eingeleitet. Die Untersuchung durch die Bundesanwaltschaft ist
noch im Gange.
Triebwerkschaden einer Mirage
Im Sommer 1994 erlitt eine Mirage über den Alpen einen Triebwerkschaden. Dank
dem grossen fliegerischen Können des Piloten gelang eine Notlandung in Sion.
Das wahre Schadenausmass wurde erst mit dem Fortgang der Untersuchungen, rund
drei Monate nach dem Ereignis, erkannt. Die Rundschau des Schweizer Fernsehens
DRS widmete dem Fall einen Beitrag im Dezember 1995. Die eingeleiteten internen
Untersuchungen sind mittlerweile abgeschlossen. Ein Entscheid, was mit der
Mirage geschieht, wurde noch nicht getroffen.
Fastkollision zwischen Tiger und Airbus
Am 5. März 1992 kam es im Luftraum über Delsberg zu einer Fastkollision
zwischen einem Airbus der Swissair und einem Tiger der Schweizer Luftwaffe. Die
Untersuchungen sind mittlerweile abgeschlossen, die Gerichtsverhandlung ist für
den 1. bis 22. Mai 1996 angesetzt.
Für weitere Auskünfte: Jürg Nussbaum, Informationschef Luftwaffe,
Tel. 031 324 15 50 oder 031 324 38 44