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Die Klimaerwärmung bringt den globalen Wasserhaushalt aus dem Gleichgewicht. Wegen der höheren Temperaturen verdunstet mehr Wasser, Wüsten breiten sich aus. Andernorts nehmen die Niederschläge zu. Extreme Wetterereignisse wie Stürme und ungewöhnliche Regenperioden werden häufiger. Steigende Meeresspiegel bedrohen die Küsten mit Überschwemmungen. Drei Viertel der globalen CO2-Emissionen kommen aus den Industrieländern, in denen nur ein Viertel der Weltbevölkerung lebt. Unter den Folgen des vom Menschen verursachten Klimawandels werden als Erstes und besonders stark diejenigen leiden, die nur wenig zu den Ursachen beigetragen haben und die sich kaum schützen können. Die Zahlen und Prognosen sind unterschiedlich. Nach Einschätzung der Vereinten Nationen gibt es derzeit weltweit 20 Millionen Klimaflüchtlinge. In den nächsten vier Jahren soll diese Zahl auf rund 50 Millionen ansteigen und bis 2050 eventuell auf bis 150 bis 200 Millionen.
Umweltflüchtlinge sind Menschen, die gezwungen sind, ihre traditionelle Umgebung zu verlassen, weil Umweltschäden ihre Existenz in Gefahr brachten oder ihre Lebensqualität schwerwiegend beeinträchtigen. Umweltzerstörung als Fluchtgrund ist kein neues Phänomen. Als Ursachen gelten übermässige Verschmutzung durch Schadstoffe wie Schwermetalle oder Radioaktivität, die schleichende Verschlechterung der Ressourcen, vor allem der Böden und des Wassers, oder Naturkatastrophen. Der Klimawandel verschärft und beschleunigt diese bereits bestehenden Probleme und Prozesse wie ein Katalysator vor allem dort dramatisch, wo Menschen in enger Abhängigkeit von der Natur leben.
Klimaflüchtlinge fliehen vor den direkten und indirekten Auswirkungen der Klimaveränderungen. So sind zum Beispiel steigende Meeresspiegel und der damit verbundene Landverlust eindeutig dem Klimawandel zuzuordnen. Wohl am häufigsten ausschlaggebend für Flucht oder Migration ist die globale Erwärmung dort, wo sie bestehende Umweltprobleme verstärkt: bei Ereignissen wie Dürre, Stürme und Überschwemmungen, wenn die Fruchtbarkeit der Böden sich zunehmend verschlechtert oder wenn Wasserknappheit zu Ernteeinbussen und Krankheiten führt. Die wirtschaftlichen Perspektiven verschlechtern sich, die Armut zwingt dazu, die Heimat zu verlassen. Viele suchen ihr Auskommen in den rasant wachsenden und von sozialem Elend geprägten Grossstädten. Der Bevölkerungsdruck und die zunehmende Landknappheit können zu Konflikten und Kriegen führen, welche bereits bestehende Entwicklungsprobleme nochmals verschärfen.
Entwicklungsländer sind verwundbarer als die reichen Industrienationen. Sie sind exponierter, liegen zumeist in subtropischen oder tropischen Breiten oder in Küstenregionen, wo sich der Klimawandel besonders auswirkt. Sie sind zudem sensibler, weil meist stark abhängig von der Landwirtschaft und von natürlichen Ökosystemen. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass die Ernten in Afrika und Westasien infolge des Klimawandels um 25 bis 35 Prozent sinken werden. Damit droht weiteren 250 bis 550 Millionen Menschen der Hunger. Aber auch indirekte Folgen der Klimaerwärmung wie der aktuelle Boom von Biotreibstoffen verschärft in vielen Regionen bereits heute die Nahrungsmittelknappheit. Der Klimawandel hemmt die Bekämpfung von Armut, Hunger, Wassermangel und Krankheiten. Und Armut erhöht die Verwundbarkeit gegenüber den Auswirkungen der globalen Erwärmung. Denn es fehlen die notwendigen Mittel für Gegenmassnahmen. Je geringer die Anpassungsfähigkeit, desto wahrscheinlicher ist es, dass Migration die einzige noch mögliche Anpassungsstrategie darstellt.
Im internationalen Recht ist der Begriff des Flüchtlings sehr eng gefasst. Die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 erkennt zerstörte Umwelt und fehlende wirtschaftliche Perspektiven aufgrund des Klimawandels nicht als Fluchtgrund an. Nur wer zusätzlich nachweisen kann, dass er oder sie wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität oder ihrer politischen Überzeugung verfolgt wird, kann auf Anerkennung als Flüchtling hoffen. Die Flüchtlingskonvention erfasst also nur die politischen Fluchtgründe. Es gibt Stimmen, die vor einer Ausdehnung des Flüchtlingsstatus auf Umweltflüchtlinge warnen. Dahinter steht die Angst, der Status der politischen Flüchtlinge könnte durch diese Erweiterung geschwächt werden. Einige AutorInnen bevorzugen deshalb den Begriff des Umweltmigranten oder der Umweltmigrantin. Diese Differenzierung ist ausschlaggebend für die Frage, wie die internationale Gemeinschaft auf dieses Problem reagieren muss. Soll die Flüchtlingskonvention mit einem Zusatzprotokoll erweitert werden (Anerkennung als Flüchtling) oder soll ein eigenständiges völkerrechtliches Instrument geschaffen werden, das den UmweltmigrantInnen gewisse Rechte gewährt und die internationale Gemeinschaft in die Pflicht nimmt (Anerkennung als UmweltmigrantIn)? Wie immer man die Auswirkung der Klimaerwärmung auch benennt – ob Flucht oder Migration – das Problem selbst kann nicht wegdiskutiert werden. Die internationale Staatengemeinschaft, die EU und die Schweiz sind verpflichtet, sich des Themas anzunehmen. Den Umweltflüchtlingen den Flüchtlingsstatus abzuerkennen respektive nicht anzuerkennen, ohne eine andere Lösung zu schaffen, führt nirgends hin. Spätestens wenn ganze Inselstaaten im Meer versinken, muss der rechtliche Status von Klimaflüchtlingen geklärt sein. Ein oft ausser Acht gelassener Aspekt ist die Migration, die nicht uns betrifft, sondern die armen Länder ausserhalb Europas. In Afrika gibt es mehr Flüchtlinge und intern Vertriebene als in Europa. Die Menschen, die aus Umweltgründen zum Verlassen ihrer Heimat gezwungen wurden, bleiben meist in der Nähe ihrer verlassenen Heimat. Spannungen aufgrund grösserer Migrationsbewegungen sind voraussehbar. Wenn sich diese Spannungen in Konflikten entladen, dann erst werden die Opfer dieser Konflikte vielleicht auch bei uns als Flüchtlinge anerkannt – wenn sie es bis zu uns schaffen.
Die Industrieländer als Verursacher dieser Misere sind angesichts des Ausmasses dieser sozialen Katastrophe gefordert: Sie müssen nicht nur aus wirtschaftlichen und ökologischen, sondern auch aus friedenspolitischen Gründen die radikale Energiewende einleiten. Die Erwärmung des globalen Klimas ist nicht mehr aufzuhalten. Wenn sie auf 2º Celsius begrenzt werden soll, muss der Ausstoss der Treibhausgase bis zum Jahr 2050 um 50 bis 80 Prozent reduziert werden. Zudem müssen im Sinne des Verursacherprinzips Ressourcen und Mittel für diejenigen Staaten zur Verfügung gestellt werden, welche die bereits heute notwendigen Anpassungsleistungen nicht aus eigener Kraft schaffen können."Regula Mosberger ist Geschäftsführerin der Liechtensteinischen Gesellschaft für Umweltschutz (LGU). Der Artikel ist zuerst im «Blickwechsel» 2/2007, der Zeitschrift des Liechtensteinischen Entwicklungsdienstes (LED), erschienen.
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