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Tanz & Musik
Die Kapverdischen Inseln haben eine einzigartige und tragische Geschichte mit der portugiesischen Kolonisierung und der Ankunft der afrikanischen Sklaven im 15. Jahrhundert und der vorhergehenden Unbewohntheit des Archipels.
Die kapverdische Geschichte der Kultur und Musik auf den Inseln ohne ursprüngliche Population, ist die Geschichte von der Verschmelzung verschiedener Herkünfte und Kulturen.
Diese Einzigartigkeit ist angereichert mit Emigration, einem nicht wegdenkbaren Element kapverdischer Geschichte: Schon immer herrschte ein reger Austausch zum Festland und Menschen emigrierten z.B. zur westafrikanischen Küste oder auf den amerikanischen Kontinent. Schon Ende des 20. Jahrhunderts lebten weit mehr Kapverdier im Ausland, als auf den Inseln selbst. Dies und die Lebensweise spiegelt sich in der Musik wieder. Der Einfluss von mehren Kulturen und Rhythmen. Batuko ist afrikanischen, Morna portugiesischen Ursprungs, Funana hat ebenfalls starke Einflüsse aus Portugal, so stammt zum Beispiel das charakteristische Funana-Instrument "Gaita" (Akkordeon) daher.
Natürlich haben auch die Inseln selbst einen grossen Einfluss durch ihre Klänge und ihre Materialien.
Die Inseln haben ihren eigenen Sound - Das Geräusch der See, Wasser, Vögel, Stimmen in der städtischen Umgebung, der Wind und das Echo der Berge. Materialien aus Eisen, Plastik, Glassflaschen und Büchsen dienen als natürliche Materialien für Instrumente, ebenso wie Holz, Muscheln, getrocknete Kürbis und Schoten.
Morna
Wohl ist auf Boavista entstandene, populärste und weit verbreiteste moll-lastige Musikrichtung Cabo Verdes in langsamem Tempo. Sie wird häufig mit dem portugiesischen Fado verglichen. Gespielt wird mit Gitarren, "Cavaquinho" (kleine 4-Saitige Gitarre), Geige und einer 10-saitigen Gitarre. Die Stimmung von Morna ist melancholisch und nachdenklich, die Texte sind voller Sehnsucht, Heimweh und Verlangen ("Sodade"). Die bekannteste Morna Sängering und zugleich bekannteste Sängerin der Kapverden ist zweifelslos Cécaria Evora, deren Geburtstadt Mindelo, auf der Insel Sao Vicente ist. Sie verstarb im Jahre 2011, doch die Klänge Ihrer Stimme sind noch längst nicht verstummt und auch international weitaus bekannt.
Vozes
Die Stimmen. Mehrstimmige A Capella Kompositionen mit afrikanischem Ursprung.
Batuko
Wahrscheinlich der erste auf den Kap Verden geborene Stil, stammt aus Santiago und ist ein Ritual-Tanz mit starkem afrikanischem Einfluss. Meist trägt eine Sängerin auf den Rhythmus der Trommlerinnen Geschichten, Neuigkeiten und Gerüchte vor, angereichert durch bekannte Phrasen und Themen, die oft vom Chor der Trommlerinnen wiederholt werden ("Finacon").
Man sagt der um die Hüften der Tänzerin gelegte Stoffgürtel symbolisiere die Fesseln der Sklaven.
Die Trommeln werden oft ersetzt durch Plastiktüten, gefüllt mit Stoffresten und Kleidungsstücken, die Zwischen die Schenkel der Trommlerinnen gepresst und geschlagen werden.
Finacon
Auf den Batuko-Rhythmus trägt ein Solist die täglichen Themen und News, Zitate, Philosophien, Ansichten sowie Ereignisse und Veranstaltungen vor.
Tabanka
Festival im Mai des Jahres mit afrikanischem Ursprung. Traditionell mit Seemuscheln und Trommeln gespielt.
Verbindung und Versammlung einer Gemeinschaft mit einer anderen (Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Tabanka ist "Kleines Dorf", heute steht es aber eher für "Brüderschaftlichkeit") zur Ehrung der Vorfahren, bei dem sich die Teilnehmer bunt verkleiden (häufig in Anlehnung an Kleidung der "Obrigkeit") und durch ihren Gesang, ihr Klatschen und Tanzen die Menge anheizen.
Jede Tabanka hat auch einen König, den "Rei Di Tanka", der oft ganz in weisser Uniform gekleidet seiner Tabanka vorangeht und das Emblem der Versammlung trägt.
Man sagt, das die Muscheln zu Zeiten der Sklaverei als Kommunikationsmittel unter den Sklaven gedient haben und die Trommeln symbolisch für die Spache "aller Menschen unter einem Gott mit einem Schicksal" stehen.
Funaná
Wird gespielt mit einem diatonischen Akkordeon und einem flachen geriffelten Eisenstab, der mit einem Messer gerieben wird als Percussion-Instrument. Entstanden auf Santiago, ist dies die schnellste Stilrichtung kapverdischer Musik, mit soviel Up-Tempo Energie und Ergriffenheit, dass sie die Kraft hat Menschen in Ekstase zu versetzen. Lange Zeit unter den Kolonialisten war die Aufführung dieser Musikform auf öffentlichen Plätzen verboten (Man fürchtete die Kritik der Texte an dem vorherrschenden System), erst mit der Unabhängigkeit von Portugal fand Funaná seinen verdienten Platz auf den Tanzflächen und in den Radios der Aluguer-Fahrer des Archipels.
Der dazugehörige Tanz ist eng und wird daher als sehr erotisch wahrgenommen. Aktuelle Funana Interpreten sind z.B. Ferro Gaita, Raizes, Amigos und viele mehr.
Cola
Erdfruchtbarkeits-Ritual im Juni des Jahres mit einer sehr variantenreichen Musik die mit Trommeln und Pfeifen gespielt wird.
Coladera
Hat sich aus Morna entwickelt, ist aber viel rhythmischer und tanzbarer. Die Texte sind lustig, humorvoll und sarkastisch. Coladera ist beeinflusst vom karibischen Zouk sowie von der brasilianischen Samba, so dass sehr oft auch Hörner und Keyboard-Klänge zu hören sind.
Kizomba
Der Tanz erinnert an den Tango Argentino von der Haltung und dem Führen-Folgen-Prinzip her: der Mann bestimmt in jedem Moment, wie er den nächsten Schritt gestalten möchte. Dazu kommen beim Kizomba die sinnlichen Hüftbewegungen, an denen klar der afrikanische Ursprung zu erkennen ist. Kizomba kann sehr individuell getanzt werden, er ist einfacher als Tango und ruhiger und sinnlicher als Salsa. Eine gute Wahl für Tanzinteressierte aller Altersstufen, die gemeinsame Musikinterpretation ohne grosse Anstrengung geniessen wollen. Auch Tanzerfahrene werden begeistert sein von der Raffinesse, mit der der Kizombero mühelos seine Partnerin mit Tricks überraschen kann. Kizomba ist kein Tanz, den man vor Publikum tanzt. Kizomba tanzt man für sich. Aus Freude an der Bewegung. Mit sich und dem Partner. Unterschiede zwischen verschiedenen Tanz-Niveaus fallen viel weniger ins Gewicht als bei anderen Tänzen. Die sehnsuchtsvoll-prickelnde Musik mit pulsierendem Beat reisst nur schon beim Zuhören mit.
Getanzt wird auf den Kapverden überall: an Festen wie dem berühmten Karneval in Mindelo, auf der Strasse oder am Abend in den Clubs. Die Welle des Kizomba-Fiebers ist mittlerweile auch auf die Schweiz übergeschwappt und die Tanzschulen haben den Kizomba-Tanz in ihr Angebot aufgenommen. Kizomba hat als neuer Mega-Trend-Tanz ganz Europa erobert.
Es ist nicht einfach, den Ursprung des Kizomba’s ausfindig machen zu können und aus welchen Musik- und Tanzrichtungen der Tanz effektiv entstanden ist.
Der Ursprung basiert auf den Tänzen "Souk“ und „Sambia“, welcher von Südamerika auf die Kapverden und Angola übergeschwappt ist. Auf den Kapverden wurden diese Tänze mit den Tanzstilen der Kapverden „Passada“, „Cabo Love (abgeänderter Souk)“ und dem „Ghetto-Souk“ abgeändert. Getanzt wurde zu den Musikstilen „Colaldeira“ und „Mazurka“. In Angola hingegen wurde „Kizomba“ als Begriff des „Feierns“ bezeichnet. Getanzt wurde „Tarraxinha“ zu den Klängen von „Semba“. Da geschichtlich bedingt im Jahre 1975 einige Kapverdier und Angolaner in Lissabon auf Portugiesen trafen, liessen die Portugiesen ebenfalls noch Ihre Form des Paartanz einfliessen und daraus entstand der „Kizomba“ als Tanz- und Musikrichtung.