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Seit den eidgenössischen Wahlen vom Herbst 2019 haben in acht Kantonen Wahlen stattgefunden: in der Ostschweiz (SG, TG, SH), in der Zentralschweiz (UR, SZ), im Aargau sowie im Jura und in Basel-Stadt. Mit insgesamt 23 bzw. 21 Mandatsgewinnen sind die Grünen und die Grünliberalen die klaren Siegerinnen. Sie legten fast in jedem Kanton zu, die Grünen namentlich im Thurgau (+5), in St. Gallen, im Aargau und in Basel-Stadt (je +4). Die Grünliberalen punkteten vor allem im Aargau (+6) und in Basel-Stadt (+4).
FDP, SVP und SP auf der Verliererstrasse
Der Aufschwung der FDP in der Mitte der 2010er Jahre ist definitiv weg. Bei sämtlichen Wahlen im Jahr 2020 büsste die FDP an Mandaten ein, insgesamt 17. Die grössten Verluste erlitt sie in St. Gallen (-4) und in Basel-Stadt (-3).
Auch bei der SVP hielten die Verluste an (-14). Abgesehen von den Kantonen Thurgau und Schwyz büsste sie überall Mandate ein, die meisten in St. Gallen (-5). Die SP verlor per Saldo zwölf Mandate, wobei die Verluste im Aargau und in Basel-Stadt (je -4) besonders stark ins Gewicht fielen.
Fast unbemerkt steigerte die kleine EVP ihre Mandatszahl (+6). Dagegen ist die einst hochgejubelte BDP in keinem dieser acht Parlamente mehr vertreten. Ihre mögliche künftige Partnerin, die CVP, vermochte ihre Verluste in Grenzen zu halten (-4).
Diese Veränderungen der Mandatszahlen sind zwar nur ein grober Indikator für die Veränderungen der Parteienlandschaft im Jahr 2020. Die dargestellten Trends bleiben aber im Grossen und Ganzen dieselben, wenn die kantonalen Werte entsprechend der Grösse der Kantone «gewichtet» werden, wie dies der Tages-Anzeiger machte.
Insgesamt nur leichter Vormarsch der Frauen
Anders als bei den eidgenössischen Wahlen, die wegen der massiven Steigerung der Frauenvertretung um je zehn Prozentpunkte im National- und Ständerat auch als «Frauenwahl» charakterisiert wurden, legten die Frauen nur in drei Kantonen markant zu: in Basel-Stadt (+10 Prozentpunkte auf 42%), in St. Gallen und im Thurgau (je rund +8 Punkte auf 27% bzw. 34%). In Schaffhausen und Uri stieg die Frauenvertretung um zwei bzw. drei Punkte auf 27 Prozent bzw. 25 Prozent und im Jura stagnierte sie bei 25 Prozent. In den Kantonen Aargau und Schwyz sank sie dagegen um fünf Punkte auf 31 Prozent bzw. neun Prozent.
Mit Blick auf die Frauenvertretung in sämtlichen Kantonen ist diese um knapp einen Prozentpunkt angestiegen und erreicht nun mittlerweile rund dreissig Prozent. Dabei sind die Frauen in keinem kantonalen Parlament paritätisch vertreten. Am grössten ist der Frauenanteil in Basel-Stadt (42%), am niedrigsten in Schwyz (9%).
Rotgrün mit den meisten Frauen
Wie seit Jahrzehnten sind die Frauen bei SP und Grünen am stärksten vertreten. In den acht Kantonen, in denen 2020 gewählt wurde, steigerten sie ihre Vertretung um fünf bzw. sieben Prozentpunkte auf 45 Prozent bzw. 46 Prozent. Bei den Grünliberalen machen die Frauen einen Drittel aus, bei der CVP 29 Prozent. Die FDP hat ihre Frauenvertretung im laufenden Jahr zwar insgesamt gesteigert. Der durchschnittliche Frauenanteil liegt aber in diesen acht Kantonen erst bei 22 Prozent. Bei der SVP haben die Frauen nur jedes sechste Mandat inne.
«Helvetia ruft!»
In den Kantonen Aargau und Basel-Stadt hat sich das zivilgesellschaftliche Projekt «Helvetia ruft!», wie schon bei den eidgenössischen Wahlen, öffentlichkeitswirksam in die Wahlen eingemischt und dafür gesorgt, dass das Thema der Frauenrepräsentation in der Politik nicht übergangen werden konnte. In Basel-Stadt hat sich wie bei den eidgenössischen Wahlen ein Erfolg eingestellt, im Aargau nicht. Dies zeigt, dass keine Massnahme eine 100%ige Erfolgsgarantie hat, weil immer auch noch andere Faktoren mitspielen. Aber Missstände aufzuzeigen und mit Kandidatinnenförderung konkret Gegensteuer zu geben, ist sicher ein wichtiger Weg zur Steigerung der Frauenrepräsentation.
FDP-Verluste auch in den Kantonsregierungen
In den Kantonen Jura und Basel-Stadt stehen zwar noch zweite Wahlgänge an, sodass keine abschliessende Einschätzung gemacht werden kann. Bei den Regierungswahlen in den sechs Kantonen verlor die FDP zwei Mandate, eines an die SP (SH) und eines an die SVP (UR). Im Kanton Jura erreichte niemand das absolute Mehr. Es könnte ein Mandat von den Christlichsozialen zur CVP wechseln. Für Basel-Stadt, wo noch drei Mandate besetzt werden müssen, ist die Ausgangslage offen.
Rückläufige Frauenvertretung
Mit Blick auf die Frauen bei den Regierungswahlen muss von einem Trauerspiel gesprochen werden: Im Jahr 2020 haben es die Parteien und die Wählenden in zwei Kantonen (UR, AG) nicht geschafft, wenigstens eine Frau in die Regierung zu delegieren.
Der Frauenanteil in sämtlichen Kantonsregierungen liegt nun bei rund einem Viertel.
Seit 2014 können bei den Wahlen in die Kantonsregierungen zwei gegenläufige Tendenzen festgestellt werden: 2014 war der Kanton Waadt der einzige mit einer Frauenmehrheit und es gab keinen Kanton ohne Frauenvertretung. Heute haben drei Kantone eine Frauenmehrheit in ihren Regierungen (ZH, TG, VD). Es gibt aber sechs Kantone, die sich den Anachronismus leisten, ohne Frauen zu regieren (LU, UR, AR, GR, AG, TI).