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Die Sportwelt trauert um eine Legende. Am Sonntag kam der 41-jährige Basketball-Star Kobe Bryant bei einem Helikopterabsturz in Kalifornien ums Leben. Er wird für immer unvergessen bleiben – als Sportler, als Idol, als Mensch.
Das Talent war Kobe Bryant in die Wiege gelegt. Sein Vater Joseph «Joe Jellybean» Bryant spielte bereits in der NBA für die Philadelphia 76ers. Seine Mutter Pamela Cox war Trainerin des WNBA-Teams Los Angeles Sparks. Die Inspiration für den Namen ihres dritten Kindes hatten die Eltern auf einer Speisekarte in einem Restaurant gefunden: Das Kobe Steak, welches wiederum nach der japanischen Stadt Kobe benannt worden war, diente als Namensgeber.
Als Kobe sechs Jahre alt war, zog die Familie nach Italien, da der Vater in der italienischen Basketball-Liga spielte. Kobe lernte fliessend Italienisch und wurde Fan des Calcio – seine Liebe galt der AC Milan. 1991, Kobe war 13, zog es die Familie zurück in die USA.
Kobe wurde im NBA-Draft 1996 an 13. Stelle gezogen – allerdings nicht von den Los Angeles Lakers, sondern von den Charlotte Hornets. Er wurde aber sofort mit Center Vlade Divac getauscht und machte in der Saison 1996/1997 seine ersten Spiele für die Los Angeles Lakers.
Der Shooting Guard blieb den Lakers während seiner 20-jährigen Karriere, die er 2016 beendete, treu, und führte sein Team zu fünf Titeln in der NBA. Bryant absolvierte 1346 Partien für die Lakers und liegt damit deutlich auf Rang 1 vor Kareem Abdul-Jabbar (1093).
Kobe spielte zu Beginn seiner Karriere mit der Nummer 8, später mit der 24. Beide Trikotnummern werden bei den Lakers nicht mehr vergeben.
In der Nacht auf den 26. Januar wurde Kobe Bryant von LeBron James auf Rang 3 der besten NBA-Punktesammler abgelöst. Im letzten Tweet vor seinem Tod würdigte Bryant ebendiesen LeBron James, der seit 2018 ebenfalls für die Lakers spielt, für dessen Leistung.
LeBron James zeigte sich in einem Interview nach der Partie gerührt, da er sein grosses Vorbild einholte, und erzählte eine berührende Anekdote, als er Bryant zum ersten Mal traf.
Am treffsichersten zeigte sich Bryant am 22. Januar 2006 in der Partie gegen die Toronto Raptors, als er 81 Punkte erzielte. Es ist die zweithöchste jemals erreichte Punktzahl in der NBA. Nur Wilt Chamberlain schaffte 1962 mehr (100), damals allerdings vor der Einführung der 3-Punkte-Linie.
Kobe Bryant war nicht nur unglaublich gut, er war auch ein Kämpfer. Gegen Ende seiner Karriere wurde er immer wieder von Verletzungen ausgebremst. Als er im April 2013 in sieben Partien in Serie jeweils über 40 Minuten auf dem Parkett stand, riss er sich in der Partie gegen die Golden State Warriors während des Spiels die Achillessehne.
Kobe liess es sich jedoch nicht nehmen, verletzt an die Freiwurflinie zu humpeln und die zwei Freiwürfe mit gerissener Achillessehne zu verwandeln.
In seinem letzten NBA-Spiel am 13. April 2016 holte er nochmals alles aus seinem ziemlich kaputten Körper. Ihm waren seine Schmerzen anzusehen, doch Kobe wollte es noch ein letztes Mal allen zeigen. Und das tat er – unglaubliche 60 Punkte erzielte er bei seiner Abschiedsvorstellung. Eine letzte Gala, mit 37 Jahren und 234 Tagen. Er wurde damit zum ältesten Spieler, der jemals 60 Punkte in einer NBA-Partie erzielte.
Kobe Bryant lernte mit 17 Jahren Vanessa Laine kennen, die er fünf Jahre später heiratete. Seine Eltern nahmen an der Hochzeit nicht teil, weil sie unter anderem mit der lateinamerikanischen Abstammung von Laine nicht einverstanden waren.
Kobe und Vanessa hatten zusammen vier Töchter: Natalia Diamante (17), Gianna (13) Bianka Bella (3) und Capri Kobe (7 Monate). Die zweitälteste Tochter Gianna (13) kam zusammen mit Kobe beim Helikopterabsturz ums Leben. Sie waren auf dem Weg an ein Basketballspiel von Gianna, die ebenfalls eine Basketballkarriere anstrebte.
Obwohl er ein Vorbild für so viele war – überall beliebt war Kobe Bryant nicht. Er ordnete alles dem Erfolg unter, sein Ehrgeiz war ungebrochen, er galt als Einzelgänger. Zusammen mit Shaquille O'Neal dominierte er von 2000 bis 2002 mit den Lakers die Liga – ehe O'Neal Los Angeles verliess, weil Kobe keinen zweiten Star im Team akzeptierte. Erst Jahre später haben sich die beiden versöhnt.
Der damalige Lakers-Trainer Phil Jackson, mit 11 Titeln der erfolgreichste Coach der NBA-Geschichte, schrieb in seinem Buch «The Last Season: A Team in Search of Its Soul» über Bryant: «Er ist extrem talentiert, zeigt aber einen befremdlichen Mix aus Arroganz, Borniertheit und Unreife.»
Selbst zu Wort kam Bryant in der Biografie von Basketball-Kollege Caron Butler, dort schrieb Bryant das Vorwort und erklärte, dass er in seiner 20-jährigen Karriere bloss vier Freunde hatte:
Und dann war da noch der Vergewaltigungsvorwurf, der 2003 gegen Kobe erhoben wurde. Verurteilt wurde der Superstar nicht, der Zivilprozess endete mit einer aussergerichtlichen Einigung. Kobe gestand damals jedoch, Ehebruch begangen zu haben.
Das Image des Superstars nahm Schaden, diverse Sponsoren kündigten die Verträge mit Bryant. Erst nach Einstellung des Prozesses 2005 machte auch sein Hauptsponsor Nike wieder Werbung mit ihm.
Nach seiner Karriere blieb Bryant im Basketball-Business, jedoch im nicht ganz gewöhnlichen Stil. Er schrieb das Drehbuch für den Animationsfilm «Dear Basketball». Und wie überall in seinem Leben hatte Bryant auch hier Erfolg. In der Kategorie «Bester Animationskurzfilm» gewann «Dear Basketball» 2018 einen Oscar. Einen Emmy gab es zudem in der Kategorie «Aussergewöhnliches post-produziertes Grafikdesign».
Kobe Bryant war weit über die Grenzen des Basketballs ein Idol für andere Sportler, die neben ihm selbst zu Fanboys wurden. Eine Anekdote von 2012 von Stan Wawrinka verdeutlicht das Ansehen des Kobe Bryant.
An den Olympischen Spielen in London – Wawrinka holte vier Jahre davor zusammen mit Roger Federer Gold im Doppel – traf der Schweizer im Olympischen Dorf auf Bryant. «Ich wollte ein Foto mit ihm machen, etwas, was ich normalerweise nicht tue. Ich bemerkte jedoch, dass mein Handy zu wenig Akku hatte für ein Foto. Wie zwei verrückte Kinder sind wir (zusammen mit Severin Lüthi) ins Hotelzimmer gerannt, haben das Handy einige Minuten aufgeladen und rannten zurück, um ein Foto zu machen.»
Kobe Bryant, dieser Ausnahmesportler, der sich in Anbetracht der Schnelligkeit und Präzision selbst den Spitznamen «Black Mamba» gab, war ein Vorbild für etliche Sportler. Sie alle schauen zu ihm auf – und das nicht bloss wegen seinen fast zwei Metern Körpergrösse.