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Niklaus von Flüe
Informationen aus dem Buch Nikolaus von Flüe vom Herder Verlag, ISBN 3-451-17538-X
Im Jahr 1417 erblickte Nikolaus von Flüe als Kind von Heinrich und Hemma Roberta von Flüe das Licht der Welt. Der Vater war wie damals üblich Bauer, und so wuchs Nikolaus schon in der Jugend in diese Arbeit hinein. Nikolaus ist so ein Bauernheiliger, der der Scholle treu geblieben ist. Um so mehr erstaunt die Entwicklung, die er in seinem Leben nahm. So berichtete ein ehemaliger Altersgenosse davon, dass er schon in jungen Jahren nebst der Arbeit lieber allein war und sich von den andern Kindern entfernte. So soll der junge Nikolaus sich jeweils allein an einen einsamen Ort zurückgezogen haben, um dort zu beten. Er liebte das Gefühl der Verborgenheit beim Gebet. Dies hat er auch als Familienvater beibe-halten, wo er sich nachts von seinem Bett erhob um in der Stube kniend zu beten. Nikolaus war schon als Kind ein grosser Beter und trug den Rosenkranz stets bei sich. Sonst ist von der Kinderzeit des Heiligen nur wenig bekannt. Nikolaus von Flüe erlebte schon früh Visionen. Sogar von vorgeburtlichen Visionen erzählte er, wie dies ja auch bei andern Heiligen vorkam. In einer Vision „sah er plötzlich aus seinem eigenen Munde eine weisse Lilie von wunderbarem Wohlgeruch empor-wachsen, bis dass sie den Himmel berührte.“ Die Lilie wurde dann durch ein wunderschönes weiden-des Pferd, vor dem sich die Lilie verneigte, gefressen. Nikolaus sah darin die Gefahr, dass sein nach dem Himmel strebendes Verlangen durch irdische Besitztümer gefährdet war. Auch sah er einmal eine Wolke vom Himmel herabschweben, aus der ihm eine Stimme sagte, er solle sich dem Willen Gottes ergeben. Jugendfreunde des Heiligen berichteten auch, dass Nikolaus nach seinen Aussagen vom Teufel täglich geplagt wurde. Später wurde Nikolaus einmal im Melchtal vom Teufel derart in ein Dornengestrüpp geworfen, dass der das Bewusstsein verlor. Nikolaus erkannte den Teufel als Urheber seines Unglücks und wusste, dass Gott es zuliess. Immer wieder versuchte er aber, sich durch Anrufung der Gottesmutter gegen den Teufel zu wehren. Nikolaus versuchte dann, den normalen Weg zu gehen. Er wollte nicht anders sein als die andern Menschen. So nahm er sich als Jüngling Dorothea Wyss zur Frau. Offenbar führte er mit ihr eine normale Ehe, in der sich sogar die Möglichkeit gab, mit seiner Frau zum Tanz zu gehen. Gemäss ersten Biographen hat sich Nikolaus nach „göttlicher Anordnung vermählt“. Die Eheleute von Flüe schenkten so zehn Kindern das Leben. Nikolaus erlebte auch als gewöhnlicher Eidgenosse seiner Zeit die Soldatenzeit. Als Fähnrich, Rottmeister und später Hauptmann nahm er an mehreren militärischen Aktionen teil. So am alten Zürichkrieg und an der Eroberung des Thurgaus. Nikolaus nahm aber nur auf Befehl der Obrigkeit an Kriegen teil. Als Freund des Friedens mahnte er immer, sobald eine Schlacht entschieden war, nachdrücklich zur Schonung. Immer sah er im Gegner vorwiegend den Menschen. Nikolaus sah seine Militärzeit als Vaterlandspflicht an. Der Heilige war auch politisch sehr aktiv. Er erklomm stufenweise immer höhere Positionen und wurde so vom Ratsherrn bis zum Tagsatzungsabgesandten. Einzig die Wahl zum Landammann lehnte er entschieden ab. Er sah in seinen politischen Ämtern keine Ehren, sondern wollte einfach seine Pflicht als Bürger erfüllen. Sein Interesse galt auch besonders dem Gerichtswesen. Er empfand Recht als eine grosse Sache und nicht als Kampf zwischen den Anwälten. In diesem Bereich erlebte er die grosse Enttäuschung seines Lebens. Bei einem Prozess zwischen einem Armen und einem Reichen liessen sich zwei Richter bestechen und verhalfen dem Reichen zum Sieg. Nikolaus legte sodann unter Protest alle seine öffentlichen Ämter nieder. Mit der Zeit reifte dann in Nikolaus ein ungewöhnlicher Entschluss. Die Abwendung von der Welt, die heute so unvorstellbar ist. Nach reiflicher Überlegung und viel Gespräch mit seiner Frau, die schliesslich die Einwilligung gab, verliess Nikolaus am Gallustag 1467 alles, was ihm köstlich, wert und lieb war. Ab diesem Tag nannte er sich Bruder Klaus und trug seinen einfachen, grauen Rock. Er strebte in Richtung Basel und wollte zu den elsässischen Gottesfreunden. Als er gegen Liestal kam sah er in einer Vision das Städtchen in hellen Flammen stehen. Ein Bauer in einem benachbarten Dorf, dem er seine Pläne anvertraute, riet ihm heimzukehren statt im Elsass andern, fremden Leuten zur Last zu fallen. Das würde Gott angenehmer sein. Beim Schlaf unter einer Hecke hatte er dann wieder eine Vision. „Ein Strahl vom Himmel umleuchtete ihn, der dabei einen Schmerz empfand, nicht anders, als ob ihm mit einem Messer der Leib aufgeschnitten wäre, und wie von einem Seil gezogen, mahnte es ihn, in die Heimat zurückzukehren.“ So stand Bruder Klaus am Morgen auf und machte sich auf den Heimweg. Um Mitternacht erreichte er wieder sein Haus. Er weckte aber seine Familie nicht auf, sondern legte sich im Stall auf das Stroh zum Schlafen. Vor Tagesanbruch machte er sich aber wieder auf und steig auf die Klisterlialp, wo er sich versteckte. Erst als der Winter kam begab er sich von der Klisterlialp in den Rafttobel, der zu seinem Heimwesen gehörte. Hier baute er sich aus Laubästen eine notdürftige Hütte. So lebte Bruder Klaus fortan als Waldbruder und führte das Dasein eines Einsiedlers. Hier versuchte er, seinen Gotteshunger zu stillen, den nur die völlige Einsamkeit zu stillen vermag. Nach zwei Jahren Leben in der Laubhütte beschloss die Landsgemeinde, ihm eine Klause mit angeschlossener Kapelle zu bauen. Diese wurde auf Wunsch von Bruder Klaus zu Ehren der heiligen Maria Magdalena geweiht, um auf sein Büssertum hinzuweisen. Hier in der Einsamkeit erhielt er auch immer wieder Besuch von seiner Frau Dorothe, die mit ihm häusliche Dinge und die Erziehung der Kinder besprach. In seiner Klause hatte der Heilige nur einen Sack, Asche, einen Bussgürtel und einen Stein als Kopfkissen. Bruder Klaus lebte ohne Nahrungsaufnahme – und dieses Fastenwunder machte ihn über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Dieses Fasten erschien vielen unglaubwürdig und so wurde die Klause auf behördliche Anordnung während einiger Wochen überwacht, um eventuelle Nahrungsbringer zu ertappen. Allein, es gab Niemanden, der Bruder Klaus Nahrung brachte. Schliesslich verlangte der Weihbischof von Konstanz, zu dem die Gegend damals gehörte, von ihm, dass er ein Stück Brot und einen Schluck Wein zu sich nahm. Als er die Schluckschwierigkeiten des Heiligen sah bestätigte er das Fastenwunder. Die Klause war immer mehr ein Ort, wo sich Menschenmassen einfanden um den Heiligen um Rat zu fragen oder einfach, um ihn zu bestaunen. So öffnete er manchmal das Fensterchen seiner Klause und begrüsste die Leute mit „Gott gebe euch einen guten seligen Morgen, ihr lieben Freunde und ihr liebes Volk“. Dann sprach er mit einzelnen Besuchern, die ihn mit „Vater“ ansprachen. Er war ein echter Volks-Vater. So gab er den Besuchern immer klare Antworten und man merkte, dass er mehr von den Ratsuchenden wusste als diese selber. Er war ein charismatischer Seelsorger mit der Gabe der Herzensschau ausgestattet. Im Ranft lebte Bruder Klaus nun offenbar abseits der grossen Welt und der Politik. Aus seiner mystischen Haltung heraus war er doch imstande, auch zum politischen Geschehen klärende Worte auszusprechen. Seine grösste politische Tat war sicher die Beilegung der Streitigkeiten an der Tagsatzung 1481, als es um die Verteilung der „Burgunderbeute“ ging und es fast zum Bürgerkrieg gekommen wäre. Unmittelbar vor Weihnachten konnten so die Kirchenglocken im ganzen Land den Frieden verkünden. Nach weiteren Jahren im Ranft durfte Bruder Klaus am 21. März 1487, siebzig Jahre nach seiner Geburt, seine Seele nach 8-tägigen körperlichen Qualen dem lieben Gott zurückgeben. Am 15. Mai 1947 wurde Bruder Klaus durch Papst Pius XII heiliggesprochen. Die Wunder, die ihm zugeschrieben werden, sind unzählbar und wir wollen ihn als Landespatron der Schweiz und als Tagesheiligen der Marienritter verehren. Hl. Bruder Klaus – bitte für uns! Mein Herr und mein Gott. Nimm alles von mir, was mich hindert zu Dir. Mein Herr und mein Gott. Gib alles mir, was mich fördert zu Dir. Mein Herr und mein Gott. Nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen Dir.