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Es war einst ein Müller, der jeden Tag mit seinem Eselchen durch die gleiche Strasse zur Mühle ging. Da sah er einen Mann auf einem Baum, wie er den Ast, auf dem er sass, durchsägte.
«O Ehrenmann», rief er ihm zu, «passt auf, dass der Ast, auf dem ihr sitzt, nicht mit euch herabfällt!»
Der Dumme aber wollte es ihm nicht glauben.
Doch krach! da brach der Ast entzwei, er fiel vom Baum herunter und streckte die Beine in die Höhe. Dann stand er auf und -dachte bei sich: «Potztausend, dieser Müller ist ein Wahrsager, ein Zauberer.» Er wartete auf ihn, bis er zurückkehrte und sprach zu ihm:
«O Müller, ihr habt wirklich recht gehabt. Ich bin wahrhaftig herabgefallen. Ihr seid in der Tat ein Zauberer. So sagt mir nun, wann ich sterben muss.»
Und der Müller entgegnete: «Wenn mein Grautier zum dritten Mal schreit, dann seid ihr tot.»
«O ich Armer», rief der Dummling aus. In diesem Augenblick hub der Esel an laut zu schreien, ohne lange zu fragen.
«O ich Armer», dachte der Dumme, «ach ich Armer, jetzt bleiben mir nur noch zwei übrig.»
So zogen sie ein Stück weit ihres Weges. Da plötzlich schrie der Esel zum zweiten Mal.
Der Dumme dachte: «O weh, jetzt bleibt mir nur noch einer übrig.»
Vor Angst hieb er mit seinem Sackmesser eine Rute ab, um damit dem Esel das Maul zuzubinden, damit er nicht mehr schreien könne, als das Saumtier plötzlich zum dritten Mal zu schreien begann. Da schnellte die Rute so heftig, dass der Dumme wie tot umfiel. Jetzt musste man ihn begraben. Sie legten ihn in einen Sarg und nagelten diesen gut zu. Dann hoben ihn vier Männer auf die Schultern und wollten ihn zum Friedhof tragen. Es führten aber zwei Wege dorthin. Und wie sie zum Scheideweg gelangten, sagte der eine zum andern: «Müssen wir jetzt hier durch gehen oder dort durch?» Da klopfte der Dumme an den Deckel und rief: «Als ich noch am Leben war, ging ich stets hier durch.»
Jetzt Hessen die vier Männer vor Schrecken den Sarg zu Boden fallen, ergriffen die Flucht, und der Dumme kehrte als ein Auferstandener wieder ins Leben zurück.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.