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Riehen, 1924
Künstler: Hans Frei (1868-1947)
Zinn, gegossen
Dm. 35,3 cm
Inv. 2008.58.
Um nicht weniger als die «Vortheile» für das «gemeinsame Vaterland» ging es der Schützengesellschaft Aarau, als sie im Frühjahr 1824 den Vorschlag zur Gründung einer «Eidgenössischen Schützengesellschaft» an alle bekannteren Schützenvereine des Landes richtete. Nach den Wirren des napoleonischen Zeitalters ging es in den eidgenössischen Landen um Einigung und Identitätsstiftung. Was bot sich für die Söhne Wilhelm Tells da besser an, als das Schiessen - ohnehin bereits ein Volkssport - zu einem überkantonalen Festanlass auszubauen. So fand das erste Eidgenössische Freischiessen vom 7. bis 12. Juni 1824 in Aarau statt. Bis zum Jahr 1830 wurde der Anlass alljährlich durchgeführt, danach bis 1892 alle zwei, von 1895 bis 1910 alle drei Jahre, und seither treffen sich die Schweizer Schützen alle fünf Jahre zum gemeinsamen Zielschiessen. War die Wahl des Austragungsortes für den Wettbewerb oftmals eine politische Angelegenheit, so lag 1924 die Stadt Aarau als Gastgeberin für die Jahrhundertfeier doch sehr nahe.
Für den Anlass, der vom 18. Juli bis 5. August dauerte, entwarf der Künstler Hans Frei die Medaillen, welche er wiederum als Vorlage für den Zinnteller verwandte. Das Flachrelief im Spiegel des Tellers zeigt zwei Männer, die sich über ein Quadrat mit Schweizerkreuz im Strahlenkranz hinweg die Hand reichen. Mit der anderen Hand stützen sich die spärlich bekleideten Schützen auf einen Karabiner und eine Büchse. Das Motiv orientiert sich an einer Bronzeplastik, die anlässlich des Jubiläums 1924 vom Bildhauer und Maler Julius Schwyzer (1876-1929) aus Zürich geschaffen wurde. Entstanden in der krisenhaften Zwischenkriegszeit, verweist die Plastik auf die Einheit der Nation und auf die Wehrbereitschaft von Volk und Armee. Sie zierte bis vor kurzem den Bahnhofsplatz in Aarau und wurde im Zuge von dessen Umgestaltung auf das Kasernenareal versetzt. 2010, wenn das Eidgenössische Schützenfest erneut in Aarau stattfindet, wird Schwyzers Werk eine kleine Renaissance feiern: Fotografien zweier Personen in der Pose von Schwyzers Schützen bilden das Festlogo. Die Inschriften auf dem Teller unterhalb der Figuren weisen auf die Urheberschaft hin: JVL. SCHWYZER INV.[ENTOR] (Erfinder) und HANS FREI SCVLP.[TOR] (Bildhauer), während die Umschrift im abgesetzten Steigbord Anlass und Zeitpunkt bezeichnet. Auf der Rückseite des Tellers zeigt ein hochovales Medaillon das Brustbild des Basler Künstlers im Dreiviertelprofil.
Der Medailleur und Bildhauer Hans Frei - am 30. April 1868 in Basel geboren - lernte sein Hand-werk in seiner Heimatstadt sowie in München und Wien. Nach Stipendien in Genf und Paris hatte sich Frei bis 1899 einen Ruf als international gefragten Medailleur erarbeitet und wirkte fortan in Basel. Sein Oeuvre umfasst über 450 Medaillen und Plaketten für Jubiläen, Anlässe und Schützenfeste sowie Schmuck, Zinnobjekte und nur wenige Vollplastiken. Rund 25 Reliefteller von Freis Hand, von denen fast zwei Drittel in den letzten vier Jahren in die Sammlung aufgenommen wurden, befinden sich im Historischen Museum Basel. Viele Medaillen und Plaketten, ein paar wenige Becher und ein riesiger Bestand an Prägeeisen dokumentieren seine künstlerische Tätigkeit. Letzterer gelangte 1950 aus dem Nachlass des Künstlers - drei Jahre nach dessen Ableben - in die Sammlung.