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Kyle Eastwood (bass, e-bass)Quentin Collins (trumpet)Brandon Allen (saxes)Andrew McCormack (piano)Chris Higginbottom (drums)
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Kyle Eastwood, Sohn von Dirty Harry – spätestens seit seiner Film-Musik zu Gran Torino selbst ein Star. Er ist ein talentierter Komponist, ein erfindungsreicher, weltoffener Jazz-Bassist und – Clint Eastwoods Sohn! Vor 15 Jahren betrat Kyle Eastwood mit seinem Debüt-Album die Jazz-Szene. Am Anfang waren die Medien mehr an seiner Herkunft als an seiner Musik interessiert. Das hat sich geändert: Mit den zwischenzeitlich veröffentlichten Alben hat der Kalifornier, der nun seit mehreren Jahren in Paris wohnt, ein beeindruckendes Œuvre geliefert und sich Anerkennung als Musiker und Komponist erspielt. Das Album «The View From Here» besticht durch energiegeladene, kraftvolle Grooves und innovative Melodien.
«Jedes Jahr gingen wir auf das Monterey Jazz-Festival. Das Gute daran, Clint Eastwood zum Vater zu haben ist, dass du in den Backstage-Bereich gehen darfst. Er hat mich mit Sarah Vaughan, Miles Davis und anderen Jazzlegenden bekannt gemacht.» Solche Erfahrungen prägen Kyle Eastwoods Kindheit, die er in Monterey, Kalifornien verbringt. Schon früh beginnt er, Gitarre zu spielen. «Nur zum Spass», wie er später resümieren sollte. Mit 18 wechselt er zum Bass und nimmt von nun an das Musikmachen etwas ernster.
1982 beginnt er zunächst eine Schauspielkarriere mit einer Hauptrolle (neben seinem Vater) in «Honkytonk Man». Kurzzeitig studiert er Film, spürt jedoch schnell, dass sein Herz für die Musik schlägt. Mit 23 geht er von der Schule ab und gründet das West Quintet. Dieser Schritt markiert seinen Einstieg ins professionelle Musikbiz.
In den Folgejahren spielt Eastwood, um Erfahrung zu sammeln, so ziemlich jeden Gig, den er kriegen kann. Lohn seiner Mühe ist 1998 das Debütalbum «From There To Here» (Sony), auf dem unter anderem Joni Mitchell als Gast zu hören ist. Zusammen mit seiner Frau, der spanischen Schauspielerin Laura Gomez, und seiner Tochter siedelt er bald darauf nach New York, um möglichst viele hochkarätige Musiker um sich herum zu haben. «New York bietet mir bessere Möglichkeiten zu spielen. Das ist der einzige Weg, weiter zu wachsen.» Das Eastwood Quintet hat in den letzten 4 Jahren 3 Alben veröffentlicht und trat auf den meisten grossen Festivals Europas auf. Eastwood hat 4 Topmusiker aus London in seiner Band … Ein Groove im Stile eines Cannonball Adderley-Quintets lebt wieder auf: jazzy, funky, expressiv und voller Spielfreude! Kyle Eastwood im TIS – von Feinsten!
«Cinematic» (Nov. 2019); «In Transit» (2017); «Time Pieces» (2015)
Interview Frankfurter Allgemeine Zeitung
Kyle Eastwood ist Jazzmusiker und macht Filmmusik. Im Interview äußert er sich zu den Ohren seines Vaters und erklärt, warum bei manchen Filmen die Musik genauso wichtig ist wie die Bilder.
Sie haben kurze Zeit Film studiert, das Studium aber abgebrochen, um Musiker zu werden. Wollten Sie etwas machen, bei dem Sie nicht im Schatten Ihres Vaters stehen?
Nein, mir gefiel das Studium einfach nicht. Außerdem war mir schnell klar, dass ich viel lieber Musik mache als irgendwas im Filmgeschäft. Das war der wahre Grund.
Welchen Job hätten Sie wählen müssen, damit Sie nicht ständig von Journalisten gefragt werden, ob es Ihnen etwas nützt, der Sohn von Clint Eastwood zu sein?
Das wäre schwer. Irgendetwas, was nicht im Entferntesten mit Unterhaltung oder Musik zu tun hat.
Stört es Sie, dass Sie immer wieder auf Ihren Vater angesprochen werden?
Es hat mir noch nie viel ausgemacht, darüber zu reden. Es ist ja auch nicht so, dass man nur Vorteile davon hat, einen berühmten Vater zu haben. Es gibt auch Nachteile.
Zum Beispiel?
Dass man immer wieder auf Leute trifft, die sich einbilden, genau zu wissen, wer du bist. Oder das Vorurteil, dass man zwar einen großen Namen, aber nur wenig Talent habe. Aber mit Musikern passiert einem so etwas nur ganz selten.
Wie kamen Sie zur Musik?
In meiner Familie ist Musik fast so wichtig wie Film. Meine Mutter und mein Vater spielen beide Klavier, meine Schwester singt. Schon die Mutter meines Vaters war ein großer Jazzfan. Die Jazz- und Klavierbegeisterung hat mein Vater von ihr. Den ersten Basslauf meines Lebens hat mir mein Vater gezeigt, als er mir am Klavier den Boogie-Woogie erklärte. Ich übernahm die linke Hand, er die rechte.
Deswegen sind Sie Bassist geworden?
Nein. Da lagen noch ein paar Jahre dazwischen. Mit dem Bassspielen fing ich erst auf der High School an. Da hatte ich Freunde, die Musik machten und auf ihren Instrumenten schon ziemlich gut waren. Viel besser als ich. Bei den Jamsessions fehlte immer ein Bassist. Eines Tages habe ich eben den Bass-Part übernommen und daran Gefallen gefunden.
Spielten Sie damals schon Jazz?
Eigentlich nicht. Eher Motown, Booker T. and the MGs, Blues – solche Sachen. Meine ersten Vorbilder waren James Jamerson, der großartige Motown-Bassist, und Carol Kaye, eine Studiomusikerin, die viel mit den Beach Boys gearbeitet hat. Auch Rock-Bassisten wie John Paul Jones von Led Zeppelin oder John Entwhistle von «The Who» haben mich interessiert. Auf Jazzbassisten und den Kontrabass bin ich erst später gekommen. Da hatte ich auch dann auch Lehrer, die mir Dinge wie Harmonielehre, Musiktheorie und so weiter beigebracht haben.
Spielen Sie eigentlich mit Ihrem Vater, wenn Sie ihn besuchen?
Das kommt vor. Er schaut auch gelegentlich vorbei, wenn ich im Studio aufnehme. Oder wenn wir sein Gästehaus in Kalifornien in ein Aufnahmestudio verwandeln, um dort an der Musik für einen seiner Filme zu arbeiten. Da kommt er gerne vorbei und setzt sich manchmal ans Klavier.
Wie würden Sie Ihren Vater als Pianisten charakterisieren?
Er ist ziemlich gut - vor allem, wenn man bedenkt, dass er nie Unterricht hatte und sich alles selbst beibringen musste. Angefangen hat er mit Boogie Woogie, danach war Fats Waller eines seiner Idole. Außerdem hat er verdammt gute Ohren.