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Die Havarie des Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia vor der Insel Giglio wurde jetzt sogar von einer ungarischen Familie zu einem Betrugsversuch verwendet. Die vor kurzem vermisst gemeldete Ungarin, die sich an Bord befunden haben sollte, jedoch nicht auf der Passagierliste verzeichnet war, sei bereits seit drei Jahren tot. Währenddessen gaben die Behörden grünes Licht zum Abpumpen des Schweröls und des Diesels aus den Tanks des Luxuskreuzers.
Diskussion über blinde Passagiere entfacht
Wie das ungarische Aussenministerium mitteilte, sei die betroffene Frau bereits seit drei Jahren tot, obwohl ihre Verwandten behauptet hatten, kurz vor dem Auflaufen auf das Felsenriff Le Scole bei Giglio noch mit ihr telefoniert zu haben. Eine äusserst dreiste Angelegenheit, sich an einem solchen Unglück bereichern zu wollen. Die Vermisstmeldung hatte eine Diskussion über womöglich blinde Passagiere auf der Costa Concordia entfacht, da es Usus ist, dass Kapitäne und Offiziere eine unbegrenzte Anzahl Freunde, Bekannte und Familenmitglieder an Bord der Luxuskreuzer bringen kann, ohne dass diese ihttp://caboruivo.ch/wp-admin/post.php?post=2137&action=editn den offiziellen Passagierlisten aufgenommen werden. Zudem waren Gerüchte Bestandteil der Diskussion, wonach sich zum Zeitpunkt des Unglücks unbefugte Personen auf der Kommandobrücke der Costa Concordia befunden haben, und Kapitän F. S: bei seinem halsbrecherischen Manöver abgelenkt gewesen sei.
Das Öl wird abgepumpt – bereits 16 Tote
Die italienische Küstenwache hat dem niederländischen Spezialunternehmen Smit grünes Licht gegeben, um mit dem Abpumpen der 2400 Tonnen Schweröl und der 200 Tonnen Diesel in den Schiffstanks zu beginnen. Das Wrack läge sicherer als auch schon auf dem seichten Plateau vor der Inselküste, die Wahrscheinlichkeit des Rutschens und dem damit verbundenen Abrutschen in tiefere Gewässer sei aufgrund der Wetteraussichten geringerer. Würde die Concordia abrutschen, würde eine Umweltkatastrophe drohen. Die Gegend rund um Giglio und der an der toskanischen Küste gelegenen Halbinsel Monte Argentario umfasst mehrere Naturschutzgebiete. Derweilen wurden bereits Ölflecken auf dem Meer rund um das Wrack gesichtet, es wird allerdings weiterhin in den Medien davon ausgegangen, dass diese von den Dieselbooten der Rettungsmannschaften stammen.
Bei ruhigem Seegang würden die Arbeiten des Abpumpens rund einen Monat umfassen.
Tagesschau am Mittag vom Schweizer Fernsehen zu den Abpumparbeiten am Wrack der Costa Concordia
Die Räumungs- und Bergungsarbeiten sind weiterhin in laufemdem Gange, Medienberichten zufolge wurde das 16. Todesopfer entdeckt. Es wird davon ausgegangen, dass im Schiffsrumpf weitere Leichen geborgen werden, Leichen von Reisenden, die nach dem Auflaufen hier festsassen. 16 weitere Personen werden noch vermisst.
Die Reederei hat die Costa Concordia noch nicht abandoniert, hat aber verkündet, dass es bis zum Ende des Betriebsjahres 2012 – Stichtag 30. November 2012 – nicht mehr in den Verkehr zurückkehren wird. Experten indes bezeichnen das Schiff als „verloren“, weil es ihrer Ansicht nach Totalschaden erlitten habe.
Sammelklage vorbereitet
Etliche Geschädigte haben sich zu einer Sammelklage gegen den Betreiber der Concordia, der Costa Crociere S.p.A. vereinigt, um auf den Ersatz ihres an Bord verloren gegangenen Hab und Guts zu pochen. Costa wurde als Ziel ausgewählt, da sie als Verantwortliche über ihren Kapitänen wachen muss und es zudem kein Geheimnis ist, dass solche so genannten „Verneigungen“ bereits an zahlreichen küstennahen Inseln gefahren wurden. Auch sonstigen Entschädigungsforderungen werden gute Chancen eingeräumt, weil die Ursache der Havarie menschliches Versagen war. In Italien sollte in finanzieller Hinsicht der grössere Erfolg zu erwarten sein, jedoch läuft die Frist auf dem Stiefel jeweils 10 Tage nach Reiseende ab – sprich, heute. Aus diesem Grund werden zur Zeit alle Türen bei Costa von Schadenersatzforderungen eingerannt.
Keine wirtschaftlichen Folgen für die Branche
Zwar müssen Costa Crociere und deren Konzernmutter Carnival aufgrund der Abschreibungen um das Wrack finanzielle Einbussen erleiden, dem Branchenhype wird diese Havarie aber keinen Abbruch bescheren. Zwar hat es kurzfristig ein paar wenige Stornierungen aufgrund des Unglücks gegeben, doch mittel- bis langfristig wird der Trend zu Kreuzfahrten weiterhin zunehmen. Die Kreuzfahrtschiffe wurden in letzter Zeit zu Superkreuzer mit einer Unterhaltungsmaschine an Bord entwickelt, trotzdem sinken die Preise für solche Ferien. Die Betreiber greifen so zu anderen Mitteln, um die Kosten zu decken. So ist es kein Wunder, dass sich auf fast jedem Kreuzfahrtschiff ein Casino findet, das den Passagieren die Kohle aus den Taschen zieht. Innert eines Jahres konnten in der Schweiz sowohl Costa als auch der Genfer Branchenführer MSC Cruises Buchungsanstiege von 30 bis 35 Prozent verbuchen. Sicherheitsbedenken scheinen die Buchenden keine zu haben, sie verweisen eher auf die „geringe“ Anzahl von sechszehn Todesopfern gegenüber 4200 Reisenden und Besatzungsmitgliedern.
Kreuzfahrtschiffe: Gefahr für die Umwelt?
Diesem Thema wird in der Medienwelt nur selten Beachtung geschenkt. Überall werden Richtlinien für Industrieunternehmen erlassen, Stadtzentren dürfen nicht mehr mit luftverpestenden Autos befahren werden, Kühlschränken muss eine gewisse Energieklasse zugeordnet sein, damit sie auf dem Markt verkauft werden können? Aber Kreuzfahrtschiffe? Richtlinien? Umweltbedenken?
Fehlanzeige. Obwohl Sorgen tatsächlich ihre Daseinsberechtigung haben: Man bedenke nur, wie viel CO2beim Verbrennen der 2400 Tonnen Schweröl und weiteren 200 Tonnen Diesel aus den Tanks der Costa Concordia entstanden wären? Und diese Vorgänge geschehen auf den Weltmeeren dutzende Male… Eine Umstellung auf Erdgas wäre beispielsweise eine Vorzeigeentscheidung nicht nur in der Branche der Seefahrt. Auf dem Vierwaldstättersee beispielsweise wurde im Jahre 2008 die von der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee (SGV) vorgesehene Umrüstung der Dampfschiffflotte von Erdöl auf Gas vom Bundesamt für Verkehr (BAV) abgelehnt, weil Gas für den Verkehr einen zu tiefen Flammpunkt besitze und so die Explosionsgefahr erheblich höher liege als beim Öl. Das Gegenargument der SGV lautete, dass ein einziges Dampfschiff pro Tag 2000 Liter Öl benötigt, um auf dem See hin und her zu fahren, und man sich auch aus Umwelt- und Klimaschutzgründen nach alternativen Energieformen umsehen möchte.
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