Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03410.jsonl.gz/2991

Erneut werden Lieferungen mit Schutzausrüstung in die Schweiz in Frankreich und Deutschland blockiert. Dies trotz der Weisung der EU, den Export von Schutzmaterial in die EFTA-Staaten von der Pflicht einer Exporterlaubnis auszunehmen.
Wie die Zeitungen von CH-Media am Mittwoch berichteten, teilte ein französischer Lieferant einer Schweizer Einkaufsgemeinschaft mit, der französische Export-Bann sei unverändert in Kraft, weswegen er im Moment keine Masken aus seinem Lager in Lyon liefern könne. Auch in Deutschland sei eine Lieferung mit Destination Schweiz nach zwei Wochen am Zoll wieder ins Hauptzollamt Mönchengladbach zurück geschickt worden, hiess es im Bericht.
Dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) seien die erwähnten Probleme mit den blockierten Lieferungen von Schutzausrüstung bekannt, schrieb es auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Sie stünden mit den betroffenen Unternehmen und Ländern in Kontakt und die Verwaltung arbeite "mit Nachdruck" an einer Lösung des Problems.
Die Schweiz sei "zwingend auf Importe unter anderem aus Deutschland und Frankreich angewiesen", hiess es weiter. Es sei für die Wirtschaft von höchster Bedeutung, dass der Handel weiterhin funktioniere. Grundsätzlich sei das "Einvernehmen zwischen der Schweiz und der EU in dieser schwierigen Situation gut".
Sonderregelung für Efta-Staaten
Erst vergangenen Freitag hatte Wirtschaftsminister Guy Parmelin einen "Durchbruch" bei der Lieferung von Schutzmaterial aus der EU für die Schweiz verkündet. Nach mehreren Kontakten mit EU-Handelskommissar Phil Hogan habe Brüssel die EU-Länder angewiesen, Exporte von Schutzmaterial in die Schweiz und andere Efta-Staaten nicht mehr zu blockieren.
Hogan bestätigte, dass ab dem 21. März "der Export von Schutzmaterial in die EFTA-Staaten" Schweiz, Norwegen, Liechtenstein und Island von der "Pflicht einer Exporterlaubnis für Exporte in Nicht-EU-Staaten" ausgenommen werde. Grund für die Ausnahmeregelung für die vier EFTA-Staaten sei "die tiefe Integration in den Binnenmarkt" sowie die "Integration der Wertschöpfungskette und Vertriebsnetze".
Zuvor hatte EU-Kommissionspräsidentin Von der Leyen mitgeteilt, Atemschutzmasken und andere zum Kampf gegen die Pandemie benötigte Produkte dürften nur noch mit ausdrücklicher Erlaubnis der jeweiligen Regierung in Nicht-EU-Länder exportiert werden.
NACHRICHTENÜBERBLICK NATIONAL
Intensivmediziner rufen zu Patientenverfügung auf
Durch das neue Coronavirus gefährdete Menschen sollen sich Gedanken darüber machen, ob sie bei einer schweren Erkrankung lebensverlängernde Massnahmen wie etwa künstliche Beatmung wünschen oder nicht. Das schreibt die Schweizerische Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI).
Es sei wichtig, dass sich die Menschen mit dieser Frage befassten um die Intensivstationen während der Corona-Pandemie zu entlasten, hielt die SGI in ihrer am Dienstagabend veröffentlichten neuen Stellungnahme zu Covid-19 fest.
Die SGI hat nach eigenen Angaben andere Fachgesellschaften, Verbände und Organisationen des Gesundheitswesens kontaktiert, um Risikopersonen gemeinsam auf die "grosse Bedeutung" von Patientenverfügungen hinzuweisen und Informationen bereitzustellen. Diese sollen das Verfassen einer Patientenverfügung erleichtern.
Die SGI weist ausserdem darauf hin, dass sie als Fachgesellschaft keine Pflegefachleute an Intensivpflegestationen vermitteln könne. Sie sei in den vergangenen Tagen mehrmals von ehemaligen Intensivpflegefachpersonen kontaktiert worden, die ihre Hilfe angeboten hätten, schreibt sie.
Ausgebildete Intensivpflegefachpersonen, die keiner Risikogruppe angehörten und während der Corona-Pandemie bei der Betreuung der kritisch kranken Patienten helfen wollten, sollten sich deshalb direkt bei den kantonalen Gesundheitsbehörden oder einem Spital melden. Landesweit gibt es 82 SGI-zertifizierte Intensivstationen.
Migros und Pro Senectute lancieren Lieferdienst für Risikogruppe
Der Detailhändler Migros und die Altersstiftung Pro Senectute haben einen temporären Lieferdienst für Menschen der Risikogruppe lanciert. Wer zuhause isoliert ist, kann sich Lebensmittel gratis nach Hause bringen lassen.
Als Überbringer der Waren fungieren gesunde Freiwillige, die gerne Nachbarschaftshilfe leisten. Sie können sich via "App" registrieren. Zudem würden Migros-Angestellte als Boten eingesetzt, die wegen der momentanen Ausnahmesituation ihrer reguläre Arbeit nicht nachkommen können, heisst es in einer Mitteilung der Migros vom Mittwoch.
Menschen der Risikogruppe, also über 65-Jährige oder Vorerkrankte, sowie Menschen in Quarantäne oder Selbstisolation können ihre Einkäufe online erledigen und werden dann von den freiwilligen Helfern ohne direkten Kontakt beliefert. Um die Übergabe von Bargeld zu vermeiden, können die Besteller allenfalls ein digitales Trinkgeld hinterlassen. Die Lieferung ist allerdings gratis.
Sowohl Bringer als auch Besteller müssten sich jederzeit an die Hygieneanweisungen des Bundesamtes für Gesundheit halten. Bringer würden nach der Registrierung via App explizit daraufhin geschult, heisst es im Communiqué weiter.
Das Projekt läuft gemäss Mitteilung bereits seit Dienstag und wird vorerst in der Region der Migros Genossenschaft Aare angeboten. Später soll es auf die gesamte Schweiz ausgeweitet werden.
Kantone stocken Personal auf, um Kurzarbeitsgesuche zu bearbeiten
Schweizweit haben 27'000 Unternehmen für 400'000 Angestellte Kurzarbeit beantragt: Es sind eindrückliche Zahlen, die das SECO veröffentlichte. Ein Blick hinter die Kulissen der Arbeitsämter zeigt, dass sogar noch mehr Gesuche eingegangen sein dürften.
Am Dienstagnachmittag präsentierte Boris Zürcher, der Leiter der Direktion für Arbeit des SECO, die aktuellen Kurzarbeitszahlen der Schweiz. In nur einem Tag nahm die Anzahl der Unternehmen, die Kurzarbeit beantragten, um 6000 zu.
Dabei verlässt sich der Bund auf die Angaben, die als Voranmeldungen im zentralen System des Bundes erfasst sind. Unternehmen, die Kurzarbeit einführen wollen, müssen sich beim zuständigen Arbeitsamt in ihrem Kanton melden. Bewilligt der Kanton die Kurzarbeit, wird das Unternehmen mit dem Status "vorangemeldet" in diesem System eingetragen. Die Abrechnung findet erst später statt, wenn feststeht, wie viele Arbeitsstunden tatsächlich ausgefallen sind.
"Bei den Zahlen ist nicht berücksichtigt, ob die Gesuche bewilligt wurden und es dürfte darunter auch präventive Anmeldungen geben", sagte Boris Zürcher beim Point de Presse am Dienstag und deutete damit an, wie schwierig genaue Angaben derzeit zu machen sind.
Weil sich Unternehmen nicht nachträglich für Kurzarbeit anmelden können, kann es vorkommen, dass sich einige vorsorglich anmelden, die Auszahlung aber am Ende nicht oder nur teilweise beanspruchen. Zudem gebe es erhebliche Verzögerungen bei der Erfassung der Voranmeldungen im System, sagte Zürcher. Das heisst: Im System sind noch lange nicht alle Anträge erfasst, die bei den kantonalen Amtsstellen eingegangen sind.
Ämter platzen aus allen Nähten
Denn auch die Kantone können die genaue Anzahl der eingegangenen Kurzarbeitsanträge häufig nicht beziffern. Sie kommen mit der Erfassung kaum nach und es kommen täglich hunderte neue Gesuche dazu. "Momentan ist es uns nicht mehr möglich, die Anzahl Kurzarbeitsgesuche und die Anzahl betroffene Mitarbeitende zu erheben", schrieb der Kanton Bern auf Anfrage. Ähnlich klingt es auch in Appenzell Innerrhoden, Basel-Stadt oder St. Gallen.
Andere schätzen die Zahlen nur, "da sich die Lage rasch verändert", wie es etwa beim zuständigen Amt im Kanton Wallis heisst. Wieder andere machen sehr genaue Angaben, wie beispielsweise der Kanton Schaffhausen. Doch auch da stimmt die Statistik nicht, denn es seien noch zahlreiche Gesuche hängig, die erst nach und nach erfasst werden.
Der Kanton Zürich wies die Zahl der eingereichten Voranmeldungen bis Montagabend täglich auf seiner Webseite aus. Derzeit werden die Angaben laut einer Meldung auf der Seite jedoch nicht mehr aktualisiert.
Die Ämter aller Kantone haben eine noch nie in diesem Masse dagewesene Monsteraufgabe zu bewältigen: "Pro Tag treffen ca. 400 Gesuche im zuständigen Amt für Wirtschaft und Arbeit ein, per Post und per Mail", schrieb der Kanton Basel-Stadt. In Zug seien in den letzten zehn Tagen rund 2000 Gesuche hereingekommen. "Das ganze 2019 hatten wir geschätzt ein Dutzend", liess das zuständige Amt verlauten.
Zusätzliches Personal soll helfen
Sämtliche Kantone haben beim Personal massiv aufgestockt. Allein in Basel-Landschaft arbeiten derzeit rund 40 zusätzliche Personen beim Arbeitsamt. In Solothurn wurde das ursprüngliche Viererteam auf 30 Leute aufgestockt. In Luzern arbeiten aktuell 14 Leute, wo sonst ein 20-Prozent-Pensum ausreicht. Im Kanton Jura wurde das Pensum versechsfacht.
In Obwalden beispielsweise hat das Amt für Arbeit laut Peter Wyler, dem kantonalen Volkswirtschaftsvorsteher, in anderen Jahren weniger als fünf Gesuche bearbeitet. Bis Montagabend seien es hingegen 340 gewesen. Jetzt setzt das Amt zum Beispiel auch Gymnasiallehrer zur Bearbeitung der Gesuche ein, sagte Wyler. Denn diese seien ohnehin vom Kanton angestellt und dürften derzeit nicht unterrichten.
Der Kanton Graubünden wiederum hat innerhalb einer Woche etwa 3800 neue Gesuche erhalten. Weil die Schulungszentren und Werkstätten der Weiterbildungs- und Beschäftigungskurse für Arbeitslose derzeit geschlossen sind, helfen bereits etwa 20 Mitarbeitende dieser Einrichtungen beim Arbeitsamt aus. In Kürze sollen weitere 20 Aushilfen dazukommen.
Sie betreuen unter anderem die Hotline und geben die eingegangenen Gesuche im System des Bundes ein. Der Aufwand für die Einarbeitung der temporären Mitarbeitenden ist gemäss Paul Schwendener, Leiter des Graubündner Arbeitsamts, nicht zu unterschätzen: "Das kann man nicht in einer Stunde lernen." Zudem brauche es zahlenaffines Personal, um die Glaubwürdigkeit der Gesuche zu überprüfen: "Diese Leute müssen relativ rasch feststellen können, ob ein gewisser Lohnbetrag bei einer bestimmten Anzahl Angestellter plausibel ist."
Die meisten Kantone können sich derzeit noch mit internem Personal aus anderen Abteilungen aushelfen. "Reicht das nicht mehr, suchen wir auch beim RAV nach Personal mit kaufmännischer Ausbildung", so Schwendener.
Wieder mehr Neuinfizierte im Tessin in den letzten 24 Stunden
Im Tessin haben sich in den letzten 24 Stunden 143 Personen neu mit dem Coronavirus infiziert. Sieben Personen sind in dieser Zeit an den Folgen der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben.
Insgesamt haben sich im Kanton Tessin bis Mittwochmorgen 1354 Personen mit dem Coronavirus infiziert. 60 Personen sind bisher an den Folgen von Covid-19 gestorben.
Von Montag auf Dienstag waren fünf Personen gestorben und 46 Menschen hatten sich in dieser Zeit neu mit dem Virus infiziert.
92-jährige Frau in Luzern an Folgen des Coronavirus gestorben
Der Kanton Luzern vermeldet einen zweiten Todesfall im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Eine 92-jährige Frau aus der Agglomeration Luzern, die an Covid-19 litt, ist verstorben.
Die Frau habe sich sich in Hospitalisation befunden und an Vorerkrankungen gelitten, teilte die Luzerner Gesundheitsdirektion am Mittwoch mit. Nähere Informationen zum Opfer machte sie aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht.
Im Kanton Luzern war am Wochenende ein erster Todesfall eines Mannes bekannt geworden, der am Coronavirus erkrankt war. Der 55-Jährige aus der Agglomeration Luzern litt ebenfalls unter Vorerkrankungen. Bis am Dienstagmittag wurden im Kanton Luzern 205 Personen positiv auf das Virus Sars-CoV-2 getestet.
Zwei weitere Corona-Todesfälle in Zürich
Auch im Kanton Zürich sind zwei weitere Patienten an den Folgen der Corona-Infektion gestorben. Damit gibt es in Zürich nun sieben Todesfälle. Die sieben Verstorbenen waren zwischen 78 und 97 Jahr alt.
Gemäss Angaben der Zürcher Gesundheitsdirektion vom Mittwoch sind bisher 1363 Personen positiv auf das Virus getestet worden.
Beim Rotkreuz-Fahrdienst fehlen derzeit freiwillige Fahrer zuhauf
Bei den Rotkreuz-Fahrdiensten fehlen aufgrund der Corona-Krise derzeit schweizweit 80 bis 90 Prozent der freiwilligen Fahrerinnen und Fahrer. Fahrten müssten priorisiert werden, heisst es beim Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) auf Anfrage.
In normalen Zeiten sind in der Schweiz rund 13'000 freiwillige Rotkreuzfahrerinnen und -fahrer mit ihren Privatfahrzeugen unterwegs, um ältere, beeinträchtigte oder kranke Menschen zu chauffieren, die nicht in der Lage sind, öffentliche Verkehrsmittel zu benützen und keine andere Transportmöglichkeit haben.
Rund 80 Prozent dieser Fahrerinnen und Fahrer sind zwischen 65 und 70 Jahre alt, wie SRK-Sprecherin Sabine Zeilinger auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA erklärt. Nur gerade mal 10 bis 20 Prozent der Freiwilligen gehörten nicht zur Risikogruppe und könnten aktuell eingesetzt werden. Im Kanton Bern stehen beispielsweise nur noch rund 10 Prozent der freiwilligen Fahrer zur Verfügung. Freiwilligen steht es ausserdem frei, einen Einsatz anzunehmen.
Junge Fahrer dringend gesucht
Die kantonalen Rotkreuzverbände sind daher, wie Zeilinger feststellt, mit grosser Energie daran, neue, jüngere Fahrerinnen und Fahrer zu gewinnen. Fahrer, die zu keiner Risikogruppe gehörten, würden dringend gesucht. Bereits hätten sich einige jüngere Freiwillige auf Aufrufe der Kantonalverbände hin gemeldet.
Zusätzlich zu den vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) geforderten Schutzmassnahmen werden jetzt nach Möglichkeit Schutzmasken getragen. Schwierig einzuhalten ist der geforderte soziale Abstand von zwei Metern, zum Beispiel im Fahrzeug selber oder wenn die Fahrgäste Hilfe beim Ein- oder Aussteigen brauchen, stellt Zeilinger fest.
Aktuell konzentriert sich der Rotkreuz-Fahrdienst auf Fahrten zu medizinisch-therapeutischen Zwecken, beispielsweise für nicht aufschiebbare Dialysen. "Die Fahrten werden priorisiert, das bedeutet, dass viele nachgefragte Fahrten nicht mehr gemacht werden können", sagt Zeilinger.
Doch auch die Nachfrage ist deutlich zurückgegangen. Ältere Fahrgäste bleiben lieber zu Hause oder sagen nicht notfallbedingte, aufschiebbare Termine ab. Teilweise übernehmen auch nahe Angehörige die Fahrten.
Dritter Rückholflug aus Kolumbien in der Schweiz angekommen
Das Schweizer Aussenministerium hat bisher rund 560 Schweizer Touristen aus dem Ausland zurück geholt. Am Mittwochmorgen landete die dritte Maschine mit 279 Schweizerinnen und Schweizern und 35 Staatsangehörigen aus Nachbarländern in Zürich.
Das Flugzeug kam aus der kolumbianischen Hauptstadt Bogotà, wie das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mitteilte. Am Dienstag waren bereits zwei Flüge aus Costa Rica und Marokko auf dem Flughafen Zürich gelandet. Alle Heimgekehrten müssen nun zehn Tage in Quarantäne.
Ein Flugzeug aus San José in Costa Rica hatte am Dienstagnachmittag die ersten 151 Personen zurückgebracht. Am Abend landete dann noch eine zweite Maschine in Zürich, die aus Casablanca in Marokko gekommen war. In der vom EDA gecharterten Maschine sassen rund 130 Schweizerinnen und Schweizer, wie das EDA bekannt gab. Es informiert unter dem Hashtag #flyinghome über die nach eigenen Angaben grösste Rückholaktion in der Geschichte der Schweiz.
Weitere Landungen von Rückholflügen erwartet das EDA am Donnerstagmorgen: Rückkehrerinnen und Rückkehrer aus Lima in Peru sollen um 9.20 Uhr in Zürich landen. Damit wären dann die ersten rund 750 in der Schweiz wohnhaften Personen nach Hause zurück geholt worden. Sie alle hatten wegen der Corona-Krise in Südamerika festgesessen.
Dutzende von Rückholflügen
In den kommenden Wochen plant das EDA Dutzende zusätzliche Flüge nach Lateinamerika, Asien und Afrika. Im Vordergrund stehen zunächst Destinationen auf diesen drei Kontinenten. Die entsprechenden Länder wird das EDA bekannt geben, sobald die Abklärungen mit den Airlines getroffen und die diplomatischen Vertretungen vor Ort Bescheid wissen.
Mehrere Tausend Reisende aus der Schweiz sind nach Schätzungen des EDA derzeit im Ausland. Der Bundesrat forderte sie vergangene Woche dazu auf, in die Schweiz zurückzukehren. Rund 17'000 registrierten ihre Reise bislang auf der Travel Admin App.
Umfassender Shutdown würde monatlich fast 30 Milliarden kosten
Ein umfassender Shutdown nach italienischem Vorbild würde in der Schweiz auf der Produktions- und Einkommensseite jeden Monat bis zu 30 Milliarden Franken kosten. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Denkfabrik Avenir Suisse.
Avenir Suisse hat darin gemäss eigenen Angaben "konservativ" berechnet, wie hoch die Kosten wären, wenn der Bundesrat jegliche nicht-essenzielle Produktion unterbinden und alle nicht lebensnotwendigen Betriebe hierzulande schliessen würde.
Für die Kurzarbeit und Überbrückungsliquidität würden monatliche Kosten von insgesamt 27,5 Milliarden Franken anfallen, wobei sich die Kosten gemäss der Mitteilung vermutlich irgendwo zwischen 27 und 30 Milliarden bewegen würden.
Gleichzeitig betrüge der monatliche Wertschöpfungsverlust, also die Einbussen auf Produktionsseite, etwa 28,8 Milliarden Franken. Das entspricht 4,3 Prozent des jährlichen Bruttoinlandprodukts der Schweiz.
SGB-Präsident Maillard will Sonderregelungen für Kantone erlauben
Gewerkschaftsbund-Präsident Pierre-Yves Maillard unterstützt die Schaffung einer Möglichkeit für einzelne Kantone, um gegen das Coronavirus besondere Massnahmen treffen zu können. Solche Krisenfenster sind beim Bund zurzeit in Prüfung.
Am Wochenende hatte die Tessiner Regierung wegen des Virus die vorübergehende Schliessung aller Industriebetriebe bis zum 29. März verfügt. Darauf folgte eine Rüge aus Bern: Die Massnahme sei nicht vereinbar mit Bundesrecht.
Am Dienstag hiess es dazu, der Bund prüfe so genannte Krisenfenster, während denen die Kantone in besonderen Lagen besondere Massnahmen treffen können. Das Tessin erwartet am Mittwoch eine Stellungnahme der Landesregierung.
"Wenn der Druck zu hoch wird, wie im Tessin, muss ein Kanton darauf eingehen dürfen", sagte Maillard in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der Zeitung "Blick". Dem Bundesrat müsse "eigentlich klar sein", dass er nicht gegen die Kantone regieren könne.
Einen Shutdown wolle niemand, stellte Maillard klar. Doch in gewissen Regionen brauche es wohl eine Pause. Vielleicht müsse die eine oder andere Baustelle ruhen, damit Massnahmen für den Schutz der Arbeiter getroffen werden könnten. Der Bundesrat müsse spüren "wie viel Gleichschritt es braucht und wo Unterschiede akzeptiert werden müssen".
Shoppingcenter verlieren pro Coronatag 39 Millionen Franken
Die Coronakrise führt bei den Schweizer Shoppingcentern zu happigen Umsatzeinbussen. Weil in den 191 Einkaufszentren des Landes der Grossteil der Läden und Restaurants geschlossen sind, verlieren sie schätzungsweise 39 Millionen Franken Umsatz pro Tag.
Dies hat das Beratungsunternehmen Stoffel berechnet, welches den Swiss Council Marktreport 2020 herausgibt. Wie stark die einzelnen Center betroffen seien, hänge aber vom Angebots- und Branchenmix ab, heisst es in einer Mitteilung vom Mittwoch.
Ungewiss sei zudem, wie sich die aktuelle Umsatzsituation auf den Jahresumsatz auswirken werde. Gegenwärtig boome der Online-Handel, und viele Neukunden machten erstmals Erfahrungen mit diesem Einkaufskanal. Es sei schwierig einzuschätzen, ob es dadurch einen Gewöhnungseffekt gebe und ob diese Kunden wieder zurück zum stationären Handel kämen.
Ansturm auf Goldbarren - Lieferengpass droht
Gold ist gefragt als "sicherer Hafen" in turbulenten Zeiten. Doch Kunden, die sich das gelbe Edelmetall wegen der Coronavirus-Pandemie und ihrer globalen Folgen in den Tresor oder unter das Kopfkissen legen möchten, braucht derzeit Glück und Geduld. Denn die Nachfrage nach Goldbarren und Münzen ist in den letzten Tagen und Wochen regelrecht explodiert.
Gleichzeitig stockt der Nachschub. "Bei uns hat sich das Volumen letzte Woche bereits verzehnfacht", sagt etwa Andreas Hablützel, Chef der zur Degussa-Gruppe der Familie von Finck gehörenden Degussa Goldhandel AG in Zürich.
Doch wie lange er seine Kunden noch beliefern kann, ist offen. Denn der Nachschub versiegt, weil Prägeanstalten etwa in Südafrika oder Kanada wegen der Virus-Pandemie und der Massnahmen zu ihrer Eindämmung nicht mehr liefern können. Zudem fallen im Schweizer Kanton Tessin seit Montag drei grosse Gold-Raffinerien für mindestens eine Wochen aus, nachdem die lokalen Behörden die Schliessung nicht lebenswichtiger Industriezweige angeordnet hatten, um die Ausbreitung des Erregers einzudämmen. "Das hat zusätzlich Stress in das gesamte System gebracht", erklärt Hablützel.
Schweiz als Gold-Drehscheibe
Die Schweiz ist eine globale Drehscheibe für die Raffination von Edelmetallen. Die drei Raffinerien im Tessin - Valcambi, Argor-Heraeus und PAMP - verarbeiten jährlich rund 1500 Tonnen Gold, entsprechend einem Drittel des gesamten weltweiten Jahresangebots, sowie andere Edelmetalle wie Silber. Valcambi und PAMP wollen den Betrieb vorerst bis zum 29. März aussetzen, Argor bis zum 5. April.
"Durch die zeitlich begrenzte Schliessung mehrerer Goldraffinerien in der Schweiz kommt es zu einem Mangel an physischem Investmentbarren für Privatanleger weltweit", sagt Andre Christl, Chef des deutschen Produzenten Heraeus Precious Metals.
Gekauft wird alles
Auch bei der Zürcher Kantonalbank spricht man von einem riesigen Interesse an Edelmetallen. "Die physische Nachfrage nach Gold bei der Zürcher Kantonalbank ist derzeit enorm", sagte eine Sprecherin der Bank. "Es werden sämtliche verfügbaren Produkte wie Barren, Münzen, etc. nachgefragt." Auch Silber, für die anders als für Anlagegold Mehrwertssteuer bezahlt werden muss, würde im grossen Stil gekauft. Doch auch die Züricher Staatsbank kämpft mit einem knappen Angebot. "Die Banken zehren von ihren Reserven und können derzeit nicht mit Nachschub rechnen", sagte die Sprecherin.
Degussa Schweiz kann dank grosser Lagerbestände vorerst weiterhin liefern, wie Firmenchef Hablützel sagte. "Wir haben ein Lager von mehreren 1000 Barren." Verkaufsrenner seien der 100-Gramm-Goldbarren und der Gold-Combibarren zu 50 Gramm - ein Barren in Form einer Schokoladetafel. Angeboten wird dieser spezielle Barren, der in Ein-Gramm-Stücke gebrochen werden kann, bei Degussa aktuell für 2927 Franken.
"In den vergangenen Tagen ist bei privaten Anlegern eine verstärkte Nachfrage nach Gold, von den kleinsten zu den grössten Goldbarren und Münzen feststellbar", erklärte Giovanni Staunovo, Rohstoffanalyst bei der UBS. "Dies ist eine Trendumkehr zur Vorwoche, in der Gold noch verkauft wurde, um Liquidität zu schaffen." Die aggressive Lockerung der Geldpolitik der wichtigsten Zentralbanken dürfte die weltweite Nachfrage nach realen Anlagen wie Gold auch in den kommenden Wochen weiter hochtreiben.
Am Weltmarkt wird Gold derzeit zu 1610 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) gehandelt, nachdem das gelbe Edelmetall jüngst ein Siebenjahreshoch von 1703 Dollar erklommen hatte.