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Mit unserer neusten Publikation in ZooKeys hat sich die Anzahl der Flohkrebsarten in der Schweiz erneut erhöht. In der Publikation beschreiben wir zwei neue Niphargus Arten (Niphargus luchoffmanni sp. n. und Niphargus tonywhitteni sp. n.), inklusive Zeichnungen und den formellen Beschreibungen. Zusätzlich stellen wir eine DELTA (DEscription Language for TAxonomy) Datenbank und BOLD barcodes zur Verfügung, wodurch die Bestimmung von Niphargiden aufgrund von verschiedenen morphologischen und molekularen Merkmalen ermöglicht wird.
Beide Arten sind geographisch eingeschränkt (Deutschland, Österreich, Schweiz), wobei eine Art (N. luchoffmanni) endemisch in den Schweizer Alpen vorkommt. Die Arten wurden nach Hans Lukas “Luc” Hoffmann (1923–2016), Naturforscher und Ökologe, Gründer der MAVA Stiftung und Mitgründer des World Wild Fund for Nature (WWF), und nach Tony Whitten (1953–2017), der sein Leben dem Naturschutz insbesondere jenem in Höhlen gewidmet hat und die Position des co-chair der Cave Invertebrate Specialist Group der IUCN inne hatte, benannt.
Mit dieser Publikation ist der nächste Schritt für die Monographie über die Amphipoden der Schweiz gemacht. Das Buch sollte zum Ende dieses Jahres erscheinen und durch das CSCF publiziert werden. Diese Homepage wird weiter darüber informieren. Über das Kontaktformular kann auch gewünscht werden, über die Publikation des Fauna Helvetica Bandes informiert zu werden.
Im kürzlich publizierten und frei zugänglichen Artikel in Ecosphere haben wir den Einfluss des Flussnetzwerkes auf unterschiedliche Diversitätsmasse der Flohkrebsvielfalt studiert. Erstmals wurde dabei die Unterscheidung zwischen einheimischen und nicht-einheimischen Arten innerhalb einer einzelnen Artgruppe und in einem grossen Gebiet gemacht. Die Studie deckte das 27,882-km2 grosse Einzugsgebiet des Rheins in der Schweiz ab und nutzte die Graphentheorie als theoretische Grundlage.
Muster der einheimischen und nicht-einheimischen Arten im Flussnetzwerk
Wie vermutet nimmt die Artenvielfalt entlang des Flussnetzwerkes zu, mit wenigen Arten in den Quellregionen und vielen Arten weiter unten im Netzwerk. Allerdings zeigen einheimische und nicht-einheimische Arten unterschiedliche Muster, wobei die oberen Regionen als Rückzugsgebiete für einheimische Arten dienen können und die grösseren Flüsse häufig bereits von nicht-einheimischen Arten besiedelt sind. Resultate zum Artenwechsel darauf hindeuten, dass die nicht-einheimischen Arten keine Anzeichen einer Ausbreitunslimitation zeigen. Die Flohkrebsgemeinschaften sind zudem innerhalb grösserer Teileinzugsgebiete ähnlicher zueinander, was den Einfluss der Vernetzung bestätigt.
Bedeutung für den Naturschutz
Unsere Resultate zeigen, dass Vernetzung eine wichtige Bedeutung bei der Zusammensetzung von Artgemeinschaften spielen, gerade auch auf regionaler Ebene. Flüsse und Bäche sind entscheidende Faktoren um biologische Invasionen erklären zu können.
Unsere neueste Publikation in Systematics and Biodiversity beschreibt drei neue und endemische Niphargus-Arten in der Schweiz. Sie wurden im Hölloch in der Zentralschweiz entdeckt und bisher an keinem anderen Ort gefunden. Damit verbessert sich der Wissensstand über Flohkrebse in der Schweiz erneut, insbesondere für die Gattung Niphargus.
Erfolgreiche Zusammenarbeit
Dank der Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Hölloch konnten wir an diese spannenden Proben gelangen. Zudem waren es die Mitglieder, welche die Namen für die neuen Arten vorgeschlagen haben. Ohne deren Wissen und Kenntnis des gigantischen Höhlensystems wären es uns nicht möglich gewesen, diese Resultate zu publizieren.
Zusammen mit Florian Altermatt und Cene Fišer, konnte ich in meinem neuesten Paper eine neue Amphipodenart beschreiben, die endemisch für die Alpen ist. Was aus dieser Region bisher als circumborealer Gammarus lacustris Komplex identifiziert wurde, entpuppte sich als markant divergierende Abstammungslinie. Innerhalb der Alpen handelt es sich um eine eigene Art. Aufgrund der natürlichen aber geographisch klar abgegrenzten Verbreitung haben wir die Art Gammarus alpinussp. nov. getauft.
Bereits bedroht?
In Bergseen der Alpen findet man die Art noch relativ häufig. Aber trotz der relativ weiten Verbreitung ist die Art durch invasive Arten und den anthropogenen Druck in den natürlichen Habitaten wohl schon unter Druck. Daher hilft die Einteilung als eigenen Art hoffentlich den Schutzbemühungen. Unsere Studie wurde im Zoological Journal of the Linnean Society publiziert. Die Arbeit untermauert die Bedeutung eines auf mehreren Methoden basierenden Ansatzes zur Auflösung von kryptischer Diversität. Hiermit möchte ich mich zudem bei den vielen Personen und Institutionen bedanken, die uns bei dieser Arbeit unterstützt haben.
Unsere Studie über Zuckmücken in alpinen und nicht-glazialen Bächen ist über Schweizerbart erhätlich. Wir fanden sehr diverse und räumlich strukturierte Gemeinschaften dieser ökologisch bedeutenden Makroinvertebraten. Die meisten Arten waren selten und nur an wenigen Beprobungsstandorten zu finden. Regionale Muster widerspiegelten die Verteilung der häufigeren Arten. Daher sind Vorhersagen über zukünftige und durch den Klimawandel bedingte Zuckmückengemeinschaften schwierig zu machen und der Schutz dieser Lebensräume wichtig.