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21. August 2020 – Policy Brief
Von den Dutzenden von Medikamenten, die derzeit gegen COVID-19 getestet werden, haben zwei eine Wirkung gezeigt. Dexamethason reduziert die Mortalität und Remdesivir verkürzt die Dauer des Spitalaufenthalts. Bis vollständigere Ergebnisse vorliegen, macht es Sinn, diese beiden Substanzen in die Behandlung einzubeziehen.
Hunderte von Studien sind im Gange, um die Wirksamkeit von Dutzenden von Arzneimitteltherapien gegen COVID-19 zu ermitteln. Bisher deuten die Daten darauf hin, dass zwei Medikamente eine gewisse Wirkung aufweisen.
Im Vergleich zur Standardtherapie senkt Dexamethason die Sterblichkeit während rund vier Wochen ab Beginn des Spitalaufenthaltes signifikant. Die Reduktion der Sterblichkeitsrate beträgt im Schnitt 17% (in einem Intervall von 8-26%). Diese Ergebnisse stammen aus der Recovery-Studie, die in Grossbritannien mit über 6000 Patienten durchgeführt wurde. Gross ist die Wirkung insbesondere bei schweren Verlaufsformen: dort sinkt die Sterblichkeit bei Patienten, die Sauerstoff erhalten, um 20 %, bei solchen, die mechanisch beatmet werden müssen, um 35 %. In den übrigen Fällen liegt die Wirkung im nichtsignifikanten Bereich. Dexamethason ist ein Kortikosteroid mit entzündungshemmender und immunsuppressiver Wirkung, das in der Schweiz bereits häufig verschrieben wird.
Remdesivir verkürzt die Dauer der Erholungszeit und des Spitalaufenthalts bei COVID-19-Patienten mit nicht-invasiver Sauerstoffbehandlung. Dies zeigt die in den USA mit über 1000 Patienten durchgeführte ACTT-1-Studie. Die behandelten Patienten konnten das Spital im Schnitt nach 11 Tagen verlassen (in einem Intervall von 9-12 Tagen bei 95 % der Patienten), während der durchschnittliche Spitalaufenthalt ohne Remdesivir bei 15 Tagen lag (in einem Intervall von 13 bis 19 Tagen). Die Wirkung auf die Sterblichkeit ist nicht klar. Zu beachten ist, dass der Einsatz von Remdesivir in der Schweiz inzwischen für die Behandlung von Covid-19-Patienten zugelassen ist, die Sauerstoff benötigen.
In klinischen Studien werden neue Medikamente evaluiert, namentlich Moleküle, die die Immunantwort regulieren (wie Tocilizumab) oder die Replikation von SARS-CoV-2 hemmen (wie Beta-Inferone).
Internationale Studien zeigen keine nennenswerte Wirkung einer Hydroxychloroquin- oder Lopinavir/Retonavir-Therapie bei hospitalisierten Coronakranken. Die Wirkung der Transfusion von Blutplasma bereits genesener COVID-19-Patienten ist noch immer ungewiss, trotz Notfallgenehmigung vom 23. August 2020 durch die US-amerikanische FDA.
Es ist zu beachten, dass diese Schlussfolgerungen mit Vorsicht aufzunehmen sind. Auf der einen Seite schmälern die methodologischen Schwächen zahlreicher Studien die Robustheit ihrer Resultate. Auf der anderen Seite scheint die Mortalität von COVID-19 in der Schweiz niedriger zu sein als in Grossbritannien oder den USA, wo die meisten dieser Studien durchgeführt wurden. In diesem Zusammenhang ist nicht klar, ob der Rückgang der Sterblichkeit in unserem Land mit dem in den internationalen Studien verzeichneten übereinstimmen würde.
Auf der Grundlage dieser Analyse erscheint es sinnvoll, Dexamethason hospitalisierten Patienten zu verabreichen, die Sauerstoff erhalten oder mechanisch beatmet werden, und Remdesivir bei Patienten einzusetzen, die keine mechanische Beatmung benötigen.