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Jede Woche wählt unsere Redaktion ein geschichtsträchtiges Foto aus. Diese Woche: Bern, Juli 1972.
Die zwölf Frauen sind so wichtig, dass ein Fotograf das Fotografieren fotografiert. Es sind die zwölf ersten Nationalrätinnen der Schweiz, die hier in der Nische einer Bibliothek posieren.
Nachdem die Schweizer Männer am 7. Februar 1971 dem Frauenstimmrecht zugestimmt hatten, wurden bei den Wahlen im Herbst zehn Frauen in den Nationalrat gewählt. Eine elfte rückte im Dezember nach, eine zwölfte im Sommer 1972.
Pionierinnen waren sie alle, viele später gleich mehrfach: Auf dem Bild stehen auch die erste Bundesratskandidatin Lilian Uchtenhagen (hinten, Dritte von rechts), die erste Nationalratspräsidentin Elisabeth Blunschy (hinten, Erste von links) oder die erste Ständeratspräsidentin Josi Meier (hinten, Zweite von rechts).
Tilo Frey (vorne, Erste von links) war die erste Nationalrätin mit afrikanischen Wurzeln, Hanna Sahlfeld-Singer (hinten, Erste von rechts) die erste Parlamentarierin, die während ihres Mandats Mutter wurde. Sie war auch die erste Pfarrerin (als Vertreterin des geistlichen Standes musste sie aber laut damaliger Verfassung ihren Beruf vor Amtsantritt aufgeben).
Parteipolitisch gehörten die Frauen zu FDP, CVP oder SP – ausser Nelly Wicky (vorne, Erste von rechts). Sie war ebenfalls doppelte Pionierin: als erste Kommunistin im Nationalrat.
Die zwölf Frauen blieben lange vergessen. Erst am 7. März 2019 wurden an den Pulten, an denen sie gesessen hatten, Plaketten angebracht, mit ihrem Namen und ihrer Amtszeit im Rat.