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Im ersten Blog der Reitbegleithund – Serie habt ihr ja bereits erfahren, wie wir unsere Hündin an die Pferde gewöhnten.
In diesem Teil möchte ich die zwei Tiergattungen (Pferd / Hund) noch etwas näher miteinander vergleichen.
Meine drei sind ein eingespieltes Tier und gehen zusammen durch dick und dünn (nicht nur wettertechnisch ;-))
Einige Unterschiede:
- Hunde sind jagende Raubtiere und Pferde (gejagte) Fluchttiere
- Hunde sind deutlich kleiner als Grosspferde
- Hunde sind oftmals etwas wendiger
- Die Hunde haben Krallen, was das Pferd akzeptieren / erdulden muss, falls der Hund auch mal „mitreitet“
- Pferde kommunizieren leiser als Hunde (sie benutzen ihre Stimme seltener, als Hunde bellen)
- Pferde sind sich ihrer Stärke oft nicht bewusst
- Pferde mögen tiefe Stimmlagen und Hunde hingegen eher hohe
Einige Gemeinsamkeiten:
- Sie sind beide sozial hoch entwickelt
- Hunde leben im Rudel / in der Familie
- Pferde in Herden, wobei diese auch gerne zu grösseren Gruppen zusammenfinden können.
- Sie streben beide ein friedliches Zusammenleben an
- Um Energie zu sparen
- Um Stress zu vermeiden
- Ausserdem benötigen Sie die Gemeinschaft, um zu überleben und um Ruhe / Schlaf zu bekommen
- Sie verständigen sich über die eigene Körpersprache und benutzen beide instinktiv Beschwichtigungssignale (sogenannte Calming Signals)
Kira wurde in die Herde eingegliedert und wird seitdem auch akzeptiert.
Doch vergleichen wir doch mal einige solche Calming Signals…
Beispiele Hund: lecken, gähnen, sich hinsetzen, blinzeln, den Kopf zur Seite drehen, wegschauen, sich hinlegen, so tun als man im Gras schnüffelt
Beispiele Pferd: lecken, kauen, blinzeln, den Kopf zur Seite drehen, wegschauen, die Ohren anlegen, so tun als ob man Grass frisst
Gemeinsamkeiten bei Gefahr
Droht eine Gefahr reagieren beide mit den gleichen vier (F-) Möglichkeiten:
- Freeze (erstarren)
- Flight (flüchten)
- Fight (angreifen)
- Flirt (kommunizieren)
Die Sinne im Vergleich
Geruchsinn: Pferd und Hund riechen ungefähr gleich gut.
Sehvermögen:
- Hunde haben ein Sichtfeld von ca. 240° und sehen in einem Bereich von 90° dreidimensional
- Pferde haben ein Sichtfeld von ca. 355° und sehen dafür „nur“ in einem Bereich von 70° dreidimensional.
- Beide können Farben erkennen, wobei sie manche Farben etwas schlechter sehen (rot- grün).
- Beide sehen eher unscharf aber nehmen die Bewegungen sehr gut wahr.
Gehör: Beide hören Töne im Ultraschallbereich
Die beste Voraussetzung für eine entspannte Zusammenführung
Am besten funktioniert die Zusammenführung natürlich, wenn beide Tiere noch jung sind.
Dabei haben beide (hoffentlich) noch keine schlechten Erfahrungen miteinander gemacht und dennoch sind sie bereit zu lernen, aufeinander zu achten.
Was jedoch unbedingt vermieden werden sollte, sind „Rennspiele“, denn diese wirken auf das Pferd schnell beängstigend und die Gefahr einer Überforderung (beiderseits) ist extrem gross.
Mit Gipsy hatten wir das Glück zwar eine dominante Leitstute zu besitzen, jedoch ist sie schwächeren gegenüber auch immer sehr feinfühlig und nimmt sie ihn ihren Schutz auf. (der sogenannte „Welpenschutz“ gilt also sowohl für Kira, wie auch für mich =)).
Die „gebrandmarkten“ Tiere
Natürlich besteht oftmals auch die Situation, dass die Tiere bereits schlechte Erfahrungen gemacht haben:
- Hund die gelernt haben Pferde zu jagen
- Aber es gibt auch Pferde, die gelernt haben gezielt auf Hunde loszugehen (beissen oder schlagen) um die Herde zu schützen.
- Manchmal reicht auch „nur“ eine negative Verbindung, um das Ganze zu erschweren:
- Hunde, die in leere Boxen eingesperrt werden
- Hunde, die gelernt haben stundenlang am Reitplatz abgelegt zu werden
- Hunde, die gelernt haben, dass der Mensch sich nicht mehr um sie kümmert, sobald man im Stall angekommen ist
- Hunde die mit dem Stromzaun in Berührung kamen
- Hunde, welche unter die Hufe geraten sind usw.
Wer traumatisierte Tiere besitzt, muss die Zusammenführung jedoch nicht gleich an den Nagel hängen, nein es wird einfach viel mehr Geduld benötigt um eine stressfreie Annäherung zu vollziehen.
Möglichkeiten einer stressfreien Annäherung:
Am Anfang sollten zuerst gemeinsame Spaziergänge geplant werden. Am besten mit einem erfahrenen Hund, Pferd und einem Helfer, damit die benötigte Distanz eingehalten werden kann. Der Hund sollte dabei vorerst angeleint bleiben. Nach und nach kann dann die Distanz verringert werden. Eine vorsichtige Annäherung sollte ausgiebig gelobt werden (jedoch besser nicht mit Futter, da sie schnell gierig oder neidisch werden könnten). Wenn das schon gut klappt, kann auch mal geritten werden und der Hund wird vom Helfer geführt. Sobald die nötige Vertrauensbasis gebildet worden ist, kann der Hund frei laufen gelassen werden, damit sich das Pferd auch an einen rennenden Hund gewöhnen kann. Mit traumatisierten Hunden sollten zudem vorerst Weidekoppeln gemieden werden, da die Gefahr eines Stromschlages (bei einer Unachtsamkeit) sehr gross ist. Wie immer im Umgang mit Tieren sollte nichts überstürzt werden, denn jedes Tier reagiert nun mal anders und braucht entsprechend etwas länger oder eben nicht. Und schliesslich ist es ja in unserem Sinne, dass wir noch viele gemeinsame, entspannte und schöne Stunden geniessen können.
Hund & Katze
Was ich dennoch erstaunlich finde, ist die Tatsache, dass sich Hund & Pferd besser (einfacher) verstehen (dank der ähnlichen Kommunikation) als es die Katze und der Hund tun, obwohl sie beide zu den Raubtieren zählen. Katzen heben beispielsweise meist die Pfote, wenn ein Hund sich nähert. Er empfindet das als herzliche Begrüssung und Aufforderung zum Spielen, auf „Kätzisch“ ist es aber das Signal für „Bleib mir vom Leib!“. Anderseits drückt die Katze ihr Wohlbefinden durch Schnurren aus, was die Hunde wiederum für ein Abwehrknurren halten. Nach einigen Fehlversuchen beiderseits ist dies aber meistens schnell überwunden und auch der Freundschaft zwischen Hund und Katze steht nichts mehr im Weg! Ausser sie sind unbelehrbar wie die zwei Katzen, mit welchen ich aufgewachsen bin, welche auch nach sieben Jahren immer noch nicht verstehen, dass sie lieber stehen bleiben würden, als immer vor Kira davon zu rennen. Mit den Stallkatzen klappt es nämlich auch bestens!
Auch mit der leider bereits verstorbenen Schnurrli, hatte sich Kira schnell angefreundet, weshalb die zwei friedlich ihre gemeinsamen Stunden geniessen konnten.
Die schon etwas ältere Katzen-Dame lernte schnell, dass Kira sie nicht mehr jagt, wenn sie nicht von ihr davon rennt. Unsere zwei anderen kleinen, haben dies leider bis heute nicht gelernt…
Hoffentlich konnte ich euch die Verhaltensweisen der verschiedenen Tiere etwas näher bringen, sodass geplante Zusammenführungen reibungslos ablaufen können. Bei Fragen stehe ich euch natürlich jederzeit zur Verfügung!