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“Expedicionários da Saúde“ nennt sich die Organisation, die 2003 von einer Gruppe von Freunden gegründet wurde. Dem voraus gegangen war eine Expedition auf den sagenumwobenen Pico da Neblina, dem mit seinen 2.995 Metern höchsten Berg Brasiliens.
Sechs Freunde, überwiegend Mediziner, hatten sich 2002 auf den Weg zum Gipfel dieses Berges gemacht. Im Gepäck hatten sie vorher gesammelte Medikamente und Erste-Hilfe-Kits, die sie der indigenen Bevölkerung übergeben wollten.
Die Idee einer Organisation zur medizinischen Versorgung der in den schwer zugänglichen Regionen des Regenwaldes lebenden Indios ist dabei schon auf dem Heimweg dieses Abenteuers gereift. Kurz später traf sich der Orthopäde Ricardo Affonso Ferreira dann mit dem Gründer des Institutes Socioambiental, dem Anthropologen Beto Ricardo, um die Initiative auf ein solides Fundament zu stellen.
Er vereinte zudem Freunde, Anwälte, Unternehmer und Geschäftsführer, holte Informationen über die bereits vorhandene Gesundheitsversorgung der Indigenen ein und gründete kurz später mit einer kleinen Gruppe von Enthusiasten die “Associação Expedicionários da Saúde”.
Diese hat sich zum Ziel gesetzt, das bereits vorhandene System mit spezialisierter Gesundheitsversorgung zu unterstützen und diese zur indegenen Bevölkerung zu bringen, die fernab von Siedlungen und Straßen im Amazonas-Regenwald lebt.
Zweimal im Jahr werden seitdem Expeditionen zu den entlegensten Indio-Dörfern unternommen. Unterstützt werden diese von verschiedenen öffentlichen Einrichtungen, etlichen Unternehmen, auch aus der Pharmaindustrie, und Privatleuten.
In den vergangenen zwölf Jahren sind auf diese Weise bei 34 Expeditionen mitten im tiefsten Regenwald 5.700 Operationen und 37.000 Behandlungen durchgeführt worden. Im Durchschnitt beteiligen sich daran 30 Ärzte, fünf Zahnärzte, 15 Krankenpfleger und ein logistisches Team – die meisten von ihnen ehrenamtlich.
Mit im Gepäck ist neben Medikamenten und Gesundheitsmitteln ein mobiles Krankenhaus, das aus mehreren miteinander verbundenen Zelten besteht. Für die Energie sorgen mehrere Stromgeneratoren. Etwa 15 Tonnen umfasst die notwendige Ausrüstung, die von Firmen von São Paulo nach Manaus und von dort vom Militär zu Land, Wasser und Luft bis zum Einsatzort gebracht wird.
In sieben bis 15 Tagen behandeln Augenärzte, Orthopäden, Zahnärzte, Gynäkologen und Fachärzte ihre isoliert lebenden indigenen Patienten und ersparen diesen eine umständliche und oft lange Reise in eine für sie ungewohnte Umgebung, wie es Städte und Siedlungen sind.
Kann eine Operation nicht vor Ort durchgeführt werden, wird der Patient von der Initiative nach Campinas gebracht und dort im Instituto Affonso Ferreira behandelt.
Derzeit bereiten sich Ferreira und seine Unterstützer auf die 35. Expedition vor, die im Juli stattfinden soll. Dieses Mal geht es in das Indio-Territorium der Sateré-Mawé, das über die Flüsse etwa vier Stunden per Boot von Parintins entfernt ist.
Erstmals wollen die “Expedicionários da Saúde“ dabei in Partnerschaft mit der Nichtregierungsorganisation “Renovatio“ ein Pilot-Projekt durchführen. “Renovatio“ hat sich der Versorgung von Bedürftigen mit Brillen verschrieben. So wird sich bei der nächsten Expedition der Schwerpunkt um die Sehkraft drehen.
Ziel ist es, bis zu tausend Indios zu behandeln und ihnen auch in Form von Brillen wieder zu mehr Sehkraft zu verhelfen.