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Über eine lange Zeit wurde die Allmend landwirtschaftlich genutzt. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich das Gebiet zu einem führenden Waffenplatz der Schweiz, musste gar als Flugplatz herhalten. Erst 100 Jahre nach ersten Anwohnerprotesten wurde der Schiessplatz verlegt und machte dem Sport Platz.
Nach dem Sonderbundeskrieg vereinte sich die Schweiz im Jahre 1848 und gründete den Bundesstaat der Schweiz. Dies führte dazu, dass man intensiv daran arbeitete, das Militär und die Soldaten zu zentralisieren und das Heer unter die Kontrolle des Bundes zu bringen. Viele Kantone sahen darin eine Chance und wollten dem neuen Heer Ausbildungsplätze bieten.
Auch Luzern war daran interessiert, Soldaten in der Zentralschweiz auszubilden. Weil viele militärische Strukturen in Luzern überholt, zu klein und baufällig waren, bedurfte es grosser Mühen, diese Strukturen aufzubauen und dieses Unterfangen zu verfolgen.
Von der Landwirtschaft zum Kampfplatz
Die vereinzelten Kasernen in der Stadt liessen kaum Platz für richtige Militärübungen und waren in hygienischer Hinsicht sehr bedürftig. Fehlende Duschen, Ungeziefer und baufällige Gebäude sorgten für betrübte Stimmung in den Kasernen. Deshalb wollten die Stadträte den Truppen in Luzern einen neuen Standort bieten. So nahmen sie 1850 die landwirtschaftlich genutzte Allmend in Augenschein.
Da diese den Ansprüchen genügte, schloss die Stadt schon kurz darauf Verträge mit der Korporationsgüterverwaltung ab, welcher das Land gehörte. Pachtweise wurde erst ein kleiner Teil, dann immer grössere Anteile der Allmend an die Stadt Luzern übergeben und vom Militär zu einem Exerzier- und Schiessplatz umfunktioniert.
Beginn vieler Streitereien
Der Standortwechsel war der Beginn vieler finanzieller Streitereien und weiterer Probleme. Nach einigen Monaten der Benützung der Allmend wurde dem Militär klar, dass der Boden solchen Übungen kaum standhalten konnte. Dieser war bereits nach wenigen Tagen Regen ein regelrechtes Sumpfgebiet und erforderte kostspielige Präparierungen und Drainagen. Auch die Gräben, die den Boden durchzogen, störten die Übungen und sorgten für unvorhergesehene Probleme.
Einwände der Anwohner
Durch die starke Zuwanderung in die Städte ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden viele neue Häuser erbaut und Gebiete ausserhalb der Stadt erschlossen. In dieser Zeit wurden auch die Gebiete rund um die Allmend, in der Nähe des Bireggwaldes oder in Richtung Kriens zugebaut. Die Anwohner störten sich an den täglichen Schiessübungen und dem dazugehörigen Lärm, den sie auch an Sonntagen erdulden mussten. Weiter musste jeweils die Horwerstrasse komplett gesperrt werden, weil von der Allmend in Richtung Biregg und Grünegg geschossen wurde.
Dass zwischen den Zielen noch ein Pulvermagazin stand, machte es den Anwohnerinnen nicht gerade leichter, die Schiessübungen zu dulden. Noch in den 1850er-Jahren kamen Diskussionen auf, die Schiessplätze zu verlegen. Zur Debatte standen der Schlund in Kriens, das Gebiet um den Rotsee oder das Tribschengebiet. Trotz der Einwände der Anwohner sollte es noch 100 Jahre dauern, bis der Schiessplatz ein neues Zuhause fand. Erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden alle Übungs- und Schiessplätze in das ruhige Eigenthal verlegt.
Das Militär wurde immer wichtiger
Nach und nach wurde das Personal und die Kapazitäten in der Allmend aufgestockt und so kam Luzern als Waffenplatz eine immer höhere Bedeutung zu. Zum Beispiel baute man im Murmatt das sogenannte «Laboratorium». Dort konnten in Ruhe und Sicherheit Munition, Granaten und weiteres produziert werden. Indes baute man die Kaserne am heutigen Kasernenplatz neu, welche dazu beitrug, Luzern schon bald zu einem offiziellen Divisionswaffenplatz der Schweiz zu machen.
Auf der Allmend übten grösstenteils die Infanterie und die Kavallerie. Einige Jahre lang wurde die Allmend sogar als Flugplatz genutzt.
Während viele Luzerner stolz auf die militärische Repräsentation waren, ging es den Kasernen und Magazinen immer schlechter. Neben dem Ungeziefer und den Flöhen erkrankten die auf engem Raum eingepferchten Soldaten immer wieder und sorgten für Unmut in der Stadt.
Der Erste Weltkrieg und Hitlers Machtübernahme beeinflussen das Militär
Der Erste Weltkrieg bremste den Stolz auf das Militär und zeigte auf, welch Leid der Krieg durch seine gräulichen Folgen in die Gesellschaft brachte. Zusätzlich sorgten Hunger und wirtschaftliche Probleme dafür, dass die Expansion des Militärs in den 1920er-Jahren gestoppt wurde. Doch schon kurz nach Hitlers Machtübernahme in den 1930er-Jahren begann man, das Militär wieder zu vergrössern und zu verstärken.
1935 wurde schliesslich beschlossen, eine weitere neue Kaserne in der Allmend aufzubauen. Der sogenannte Meili-Bau wurde schnell realisiert. Dieser stellt noch immer das Grundgebilde des heutigen Armeeausbildungszentrums dar. In den nächsten Jahrzehnten wurde die Kaserne im Sentimattquartier abgerissen und es wurden auch alle Pulvermagazine und Lager nach Sursee verlegt, um mehr Platz in der Stadt zu schaffen.
Links Sport, rechts Krieg
Die Verlagerung führte für viele Luzerner zu einem erfreulichen Übergang in der Nutzung der Allmend. Ab den 1930er-Jahren nahmen der Sport und die festlichen Aktivitäten auf der Allmend schleichend die Überhand. Pferderennen, Fussballspiele, Turnevents, Tennisspiele oder gar Hornussen erhielten immer mehr Aufmerksamkeit und so auch stetig mehr Platz. Schon im Jahr 1934 eröffnete man das Sportstadion Allmend.
Die vom Militär aufgebauten Stallungen und Pferdelaufbahnen wurden schon ab dem Jahre 1899 neben den militärischen Aufgaben, auch für internationale Pferderennen benutzt. 1904 wurde sie schliesslich auch zum Zuhause des Rennclubs Luzern. Weil der Stadtrat einen Teil des Gebietes an den Rennclub abtrat, konnte schon bald eine gedeckte Tribüne aufgebaut werden, auf der die Pferderennen mit Interesse verfolgt wurden.
FCL neben Soldaten
Auch der Fussball sah das Potenzial des neu erworbenen Landes der Stadt. Bereits 1897 erlaubte der Stadtrat die Nutzung der Allmend, unter der Voraussetzung, dass die Soldaten in Ruhe üben könnten. So entstand nach wenigen Jahren der heutige FC Luzern. Und auch weitgehend unbekannte Mannschaften sind in Quellen ersichtlich, wie zum Beispiel der «Foot Ball-Club» oder der «FC Helvetia». Ab den 1920er-Jahren erfolgte auch für die Fussballer ein Stadionbau, dem in den nächsten 50 Jahren ein Dutzend weitere Fussballfelder folgen sollten.
Grosse Menschenmengen auf der Allmend
Die militärische Nutzung nahm stetig ab und so wurden während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts viele Übungen, allen voran die Schiessübungen, ins Eigenthal verlegt. Bis 1999 fungierte die Allmend noch als Übungsplatz für das Militär. Seit dem Beginn des neuen Jahrhunderts wird die Kaserne als Armeeausbildungszentrum und als Zentrum für Führungsausbildung genutzt.
Weitaus bekannter ist die Allmend heute wegen ihrer zahlreichen Messen, Festlichkeiten und sportlichen Angebote. Beliebte Events wie die LUGA oder Aufführungen des Circus Knie finden jährlich statt und ziehen grossen Menschenmengen an. Die Zeiten, in denen auf der einen Seite noch der Fussball und auf der anderen Seite das Gewehr geschossen wurden, sind auf der Allmend passé.
- Werner Lustenberger, Der Waffenplatz Luzern im Bundesstaat, Luzern im Wandel der Zeiten, Heft 7, Luzern, 1993.
- Sandro Frefel, Die Ursprünge der Luzerner Allmend, Stadtarchiv Luzern, 2008.