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In Deutschland konnten die meisten Teams der GFL und GFL2 ihre Trainings unter Auflagen wieder aufnehmen. In Österreich wurden bereits mehrere Runden in der aktuellen Meisterschaft gespielt. In der Schweiz aber dürfen sich die Spieler der Nationalliga A Mannschaften nicht mit Vollkontakt-Training auf die Ende Mai startende Meisterschaft vorbereiten. Der Grund liegt zum grössten Teil darin, dass eine Expertengruppe aus verschiedenen Bundesbehörden den Antrag des SAFV auf einen semiprofessionellen Status für die NLA wiederholt abgelehnt hat.
Bemühungen werden abgeblockt
Der SAFV hat anfangs März die Anerkennung der NLA als „semiprofessionelle Liga“ beantragt. Was automatisch zur Freigabe des Trainings- und Wettkampfbetriebes zur Folge gehabt hätte. Der Antrag wurde von der erwähnten Expertengruppe abgelehnt. Zwar wurde zugestanden, dass Trainingsaufwand und Professionalität im Coaching für den semiprofessionellen Status der NLA im American Football sprächen. Die Ablehnung erfolgte, da zu wenige Spieler eine Elite-Card von Swiss Olympic hätten und für die Mehrheit der Spieler der wirtschaftliche Aspekt keine Rolle spiele. Diese beiden Punkte wurden vom SAFV in einem Wiedererwägungsgesuch detailliert widerlegt. Die Expertengruppe ging jedoch nicht auf die Ausführungen des SAFV ein. Sondern hielt in einer Nachricht an den Verband fest, dass „die vom SAFV vorgebrachten Argumente, weshalb die Expertengruppe ihre Beurteilung der NLA American Football ändern sollte, die Expertengruppe nicht überzeugt hätten. Sie bleibe bei ihrer Beurteilung, dass die Strukturen in der NLA des SAFV nicht semiprofessionell seien.“
Es bleibt jedoch die Frage: Was gilt als „semiprofessionell“? Sportarten wie Landhockey, Tischtennis oder Water Polo haben am 10. März die Freigabe sowohl für den Trainings- als auch für den Wettkampfbetrieb erhalten. Es ist unklar, wie sich die genannten Sportarten in punkto „Professionalität“ von NLA American Football unterscheiden.
Unverständliche Gleichsetzung von NLA-Teams mit reinen Amateurorganisationen
Etwas vereinfacht gesagt: Die Calanda Broncos, Rekordmeister in der Schweiz und Vize-Europacupsieger werden gleich behandelt wie beispielsweise die Glarus Orks, stellvertretend für einige NLC-Teams in der untersten Stärkeklasse. Während die Orks noch kaum einen Ernstkampf in der Liga absolvierten, gehören die Calanda Broncos zu den besten Teams in Europa. Würde man dies auf die Sportarten Fussball oder Eishockey übertragen, würde ein Schweizer Meister plötzlich mit dem Vorortsklub im Zürcher Oberland gleich gesetzt. Ein kaum vorstellbarer Gedanke.
Expertengruppe bleibt zurückhaltend
Die Begründung der Expertengruppe weiter:
„Naturgemäss ist es ein Stück weit Ermessensfrage, ob eine Liga semiprofessionell ist oder nicht. Generell ist die Expertengruppe angesichts der aktuellen epidemiologischen Situation der Auffassung, dass bei der Aussprechung einer Empfehlung für das Vorhandensein von semiprofessioneller Strukturen in einer Liga Zurückhaltung angebracht ist.“
Der Hinweis auf die epidemiologische Situation ist logisch und sehr wichtig. Wenig verständlich ist allerdings, weshalb diese Zurückhaltung für Sportarten wie z.B. NLB Handball, NLB Wasserball oder NLB Basketball offenbar nicht gilt – alles kontaktintensive Indoor-Sportarten, die gegenüber dem Outdoorsport American Football möglicherweise grössere Risiken bergen. Ueberdies haben auch die Football-Vereine gerade deshalb umfangreiche Schutzkonzepte erstellt. Es gibt Clubs, bei welchen regelmässige Tests eingeplant werden.
Auch Football braucht Planungssicherheit: Vorbereitungstraining jetzt freigeben
Der Start der Nationalliga A Saison wurde auf Ende Mai festgesetzt – also nach den nächsten Bundesratsentscheiden. Da man im American Football eine gewisse Vorlaufzeit benötigt um die Abläufe unter echten Bedingungen einstudieren zu können, benötigen die NLA Teams die Freigabe für das Kontakt-Training innerhalb der nächsten 7-10 Tage. So bliebe noch Zeit um sich auf einen Spielbetrieb Ende Mai oder Anfang Juni auszurichten. Erfolgt die Freigabe nicht, muss der Saisonstart um Wochen verschoben werden was eine Verkürzung der Saison zur Folge haben dürfte.
American Football fehlt die Lobby
American Football ist eine Randsportart. Aber eine Randsportart, welche sich auch in der Schweiz deutlich weiter entwickelt hat und insbesondere in der Nationalliga A die geforderten semiprofessionellen Strukturen aufweist. Deshalb ist nur schwer nachvollziehbar, weshalb man den Footballern nicht ermöglicht, eine seriöse Vorbereitung vorzunehmen wie dies bei anderen Sportarten möglich ist. Fehlt der Sportart auf nationaler Ebene die Lobby? Möglicherweise, denn viele Clubs melden aus ihren Standortgemeinden eine sehr gute Zusammenarbeit mit den lokalen und kantonalen Sportämtern. In vielen Ortschaften wurde dank dem Football-Boom in Infrastruktur investiert, den Clubs grössere Stadien zugewiesen und die Trainingsbedingungen konnten laufend verbessert werden. Es scheint offensichtlich, dass die Wahrnehmung bei den Bundesstellen noch nicht dieselbe ist wie man sich dies seitens der Football-Gemeinde wünscht.