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1888 bis 1904
Jugendjahre in der Ostschweiz
Augustin Meinrad Bächtiger zeichnete und malte schon seit seiner frühen Jugend gern und viel. Er verfügte über eine gute Beobachtungsgabe. Seine zeichnerischen Fähigkeiten wurden von seinen Eltern wahrgenommen und gefördert.
Als Augustin etwas älter war, konnte er sich zu Hause im Thurhof bei Oberbüren SG ein kleines Zimmer als Atelier einrichten.
Die erste pädagogische Ausbildung im Zeichnen erhielt Augustin von seinem Lehrer Ulrich Hilber an der Realschule in Wil SG. Nach seiner obligatorischen Schulzeit entschloss sich der 15-jährige Augustin, die Gewerbeschule in St. Gallen zu besuchen. Parallel dazu absolvierte er in der Gallusstadt ein Volontariat im Atelier für Dekorations- und Flachmalerei der Firma Berli & Thermann.
Albert Müller, der Augustins Zeichnungslehrer an der Gewerbeschule war, fiel das zeichnerische Talent und die künstlerische Begabung seines Schülers auf. Er riet ihm, sich an der Kunstakademie in München zum Kunstmaler ausbilden zu lassen.
1905 bis 1916
In der Kunstmetropole München
Augustin Meinrad Bächtiger studierte in der europäischen Kunstmetropole München an der dortigen Kunstakademie sowie an der privaten Kunstgewerbe-schule von Wilhelm Debschitz. Hier wurde ihm die Maltradition des ausgehenden 19. Jahrhunderts - der deutsche Impressio-nismus und der Jugendstil - vermittelt.
Von seinen drei Akademielehrern war Franz von Stuck der Angesehenste seines Fachs und der bedeutendste Maler des Jugendstils in der Isarstadt. Stuck nahm jeweils nur wenige Schüler pro Semester in seine Malklasse auf. Dabei traf er eine strenge Auswahl.
Bächtiger schloss sein Studium erst 1916 ab. Er unterbrach es zeitweise und kehrte in die Schweiz zurück, weil er die Rekrutenschule absolvieren musste und erste Aufträge bekam. Ferner nahm er an Wettbewerben und Ausstellungen teil und im Ersten Weltkrieg wurde er in den militärischen Aktivdienst einberufen.
In der Kunstmetropole München erhielt Bächtiger insgesamt eine profunde akademische Künstlerausbildung bei renommierten Künstlern seiner Zeit.
1917 bis 1922
Vom Engadin nach Paris
Das Engadin und seine Bergwelt lernte Augustin Meinrad Bächtiger in seinem Aktivdienst während des Ersten Weltkrieges kennen. Dort fühlte er sich wohl, so dass er nach dem Krieg privat nach Samedan zog und dort bis 1921 lebte und arbeitete. Bächtiger war nämlich ein begeisterter Berggänger. Er erlernte die räto-romanische Sprache und die Engadiner nannten ihn einfach nur "Pittur" - Kunstmaler.
Nach zwei Jahren Aufenthalt im Engadin unternahm er wieder eine Studienreise. Diese führte ihn zuerst einige Wochen nach Paris, dann reiste er in die Bretagne und anschliessend über Südfrankreich nach Spanien.
Vom Engadin nach Paris, das heisst von der Bergwelt in die Stadt, von der ruhigen Beschaulichkeit und Überblickbarkeit eines Bergtales mit seinen vertrauten Bewohnern in die Betriebsamkeit der französischen Metropole unter die Anonymität fremder Menschen: Das war sozusagen die "Sturm- und Drangzeit" in seinem jungen Künstlerleben!
Bächtiger suchte nach Anregung und neuen Inspirationsquellen für sein künstlerisches Schaffen. Er fand sie im Louvres in Paris und im Prado in Madrid, in den Kathedralen von Chartres und Barcelona, in den mediterranen Landschaften Südfrankreichs und Spaniens und im Kontakt mit den Menschen dieser Gegenden. Er setzte sich mit der Kunst der vergangenen Epochen und mit den neuen Kunstströmungen der Gegenwart auseinander. Das förderte seine künstlerische Entwicklung und unterstützte ihn bei der Konsolidierung seines eigenen Kunststils.
1923 bis 1971
Sesshaft in Gossau
Augustin Meinrad Bächtiger liess sich 1923 als junger freischaffender Künstler von 35 Jahren in Gossau nieder. Zu jener Zeit hatte er sich als Künstler bereits einen Namen gemacht. In Gossau lebte und arbeitete er nun während 48 Jahren bis zu seinem Tod im Jahr 1971. Von hier aus erlebte er die entscheidenden Jahre seines künstlerischen Schaf-fens, das weit über Gossau und die Region hinaus-reichte.
Im Dorf Gossau war Bächtiger ein geschätzter Mann. Unter den Einheimischen wurde er "Kunstmaler Bächtiger" genannt. Er war bescheiden, von ruhig besonnener Art und ein gläubiger Mensch, der die Natur liebte. Er war sehr belesen, besass eine umfangreiche Kunstbibliothek und schrieb gerne Gedichte und Kurzgeschichten für besondere Anlässe. In jungen Jahren pflegte er mit Freunden bei Gesang und Gitarrenspiel das gesellige Leben. Sein lebendiger Glaube und seine Familie waren für ihn die geliebte Mitte des Lebens.