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Von Kurt Kaiser
Im Archiv des VC Riehen, eine Trouvaille, finden sich auch alte Akten für den Bau einer Radrennbahn, die auf die Jahre 1922 zurückgehen. Schon damals hat man sich in Basel mit diesem Thema auseinander gesetzt. Wenn Basel genannt wird, so ist darunter insbesondere die Umgebung, d.h. Baselland, miteinzubeziehen. Denn offenbar war der vorgesehene Standort in Birsfelden, vermutlich Sternenfeld.
Vorauszuschicken ist allerdings, dass Basel bereits zu Beginn des 20.Jahrhunderts auf dem Landhof eine Radrennbahn hatte. Genaue Informationen sind leider keine Vorhanden und schon gar nicht im VC Riehen, wurde dieser doch erst 1934 gegründet.
In den ersten Monates des Jahres 1922 wurde eine ‚Vereinigung für den Bau einer Basler Radrennbahn‘ gegründet. Mitglied kann jedermann werden, der ein Eintrittsgeld von Fr. 2.- bezahlt und einen Anteilschein von Fr. 50.- (unverzinsbar) erwirbt. Gründungsdatum der Vereinigung: 05.03.1922. Als Bahnstandort wird Birsfelden als opportun erachtet, weil die dortigen Geschäftsleute sehr interessiert seien. Fragen sind zu klären, ob Holz- oder Cementbahn, ob 250 Meter oder 333 1/3 Meter. In der Vereinigung treten insbesondere die folgenden Herren auf: Stähelin (Präsident), Huber, Pfau, Gehrig, Wagner, Heinzelmann, Grecht.
An der Kommissionssitzung vom 11.04.1922 wird mitgeteilt, dass u.a. der ’Verein freier Radfahrer Basel‘ und auch der Velo-Club ‚Freie Radfahrer Birsfelden‘ der Vereinigung beigetreten sind. Im April folgt der Velo-Club Birsfelden.
Im Juni 1922 bringt eine negative Meldung in der Presse, über eine Liquidation einer Rennbahn in Genf, und etwa zur gleichen Zeit die Schliessung der Rennbahn Oerlikon und einer Bahn in La Chaux-de-Fonds, einige Unruhe und kommen für die Initianten zu einem ungünstigen Zeitpunkt.
Im Juli 1922 fährt man per Auto nach La Chaux-de-Fonds um sich das ‚Bähnchen‘ von 166 Meter anzusehen. Man kommt dann allerdings zum Schluss für einen Bahnbau von 200m oder 250m zu plädieren. Nebst dem Velo-Club Höllstein tritt auch der ‚Damen-Velo-Club-Basel‘ bei.
An einer Versammlung der Vereinigung, vom 9. Sept. 1922, im Bären in Birsfelden, werden die Mitglieder umfassend über den Stand der Realisierung einer Rennbahn informiert. Als Standort kommt Birsfelden in Betracht. Auch kam man zur Erkenntnis, dass die Rennbahn gedeckt sein soll. Dem liegen negative Erkenntnisse von der Oerlikoner Rennbahn und Genf zu Grunde. Es gilt insbesondere, die Kapitalacquisition voranzutreiben. In darauf folgenden Sitzungen bleibt das Hauptthema die Beschaffung von Kapital. Basler Firmen geben sich noch etwas verschlossen gegenüber dem Projekt. Die Bemerkung ‚die langsamen Basler seien ja bekannt‘, findet sich im Protokoll einer Kommissionssitzung vom 31. Oktober 1922.
An der Kommissionssitzung, 22. November, wird der RV Basilisk in die Vereinigung aufgenommen. Es wird ein Bürofräulein, zu einem Wochenlohn von Fr. 60.-, angestellt. Ein Meier, Liestal will sich mit Fr. 10‘000.- beteiligen, solange er auf der Rennbahn die Wirtschaft führen kann. Ein Herr namens Amsler interessiert sich für die Rennbahn und will gegen Lieferung von Massagemitteln Aktien zeichnen. Landeigentümer beteiligen sich mit Fr. 20‘000.-. Per 28. November belaufen sich die Zeichnungen auf Fr. 116‘000.-. Auf Sonntag, 3. Dezember, 10:30 Uhr, ist eine nochmalige Landbesichtigung angesetzt.
Anlässlich einer 1. Öffentlichen Versammlung, im Bären, Birsfelden, wird das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt und findet viel Interesse und Zustimmung. Die Kostenberechnungen sollen ergeben haben, dass mit der Bahn eine Rendite von 20 % erzielt werden kann!? Dies auch dank einer Überdachung, womit man wetterunabhängig wird.
Es überrascht, zu lesen, wieviel Leute sich für den Bau der Rennbahn interessierten und gewillt waren auch einen finanziellen Beitrag zu leisten. Insbesondere fällt auf, dass einige Birsfelder Wirte sich positiv einbringen. In den Protokollen findet sich allgemein keine Stellungnahme über den vorgesehenen Standort. In einem Protokoll wird das Sternenfeld kurz genannt. Wie man weiss wurde allerdings auf dem Sternenfeld der alte Flugplatz Basel erstellt, eingeweiht im Jahr 1920.
Am 19. Dezember wird an einer Kommissionssitzung der Velo-Club Liestal in die Vereinigung aufgenommen.
Im Januar 1953 wird an Sitzungen diskutiert, ob man eine AG oder eine Genossenschaft gründen soll. Man ist der Auffassung, dass die Bahn mit Fr. 300‘000.- realisiert werden kann. Der Finanzpräsident meint, dass er in 14 Tagen Mittel auftreiben könne, u.a.:
Fr. 20‘000.- Birsfelder Geschäftswelt
Fr. 10‘000.- Meier-Liestal & seinen Freunden
Fr. 20‘000.- durch Metzger etc.
Fr. 10‘000.- durch die Landverkäufer
Fr. 10‘000.- Einsparungen an Betriebskapital
Damit wäre ein Anfang gemacht, um eine Bahn mit Kosten von Fr. 300‘000.- erstellen zu können. Offensichtlich ist, dass insbesondere Birsfelder Belange angesprochen werden, was vermuten lässt, dass die Bahn auf Birsfelder Boden zu stehen kommen soll.
Am 22. Januar 1923 wird beschlossen eine Genossenschaft zu gründen. Auffallend auch, dass man sich immer wieder beklagt über schlechte Behandlung durch die Presse, insbesondere die National-Zeitung. So wird von einem Votanten gefordert, dass man mit dieser Zeitung Schluss macht.
Leider liegt die weitere Geschichte in der Entstehung der Basler Rennbahn nicht vor. Die Aufzeichnung aus Protokollen wurde deshalb möglich, weil die Advokatur Dr. jur. Walter Wellauer die Unterlagen, am 5. Februar 1951, an einen Hrn Oskar Stählin zurückgab. Von dieser Person gelangten die Unterlagen vermutlich an Otto Vogt resp. den VC Riehen in Anbetracht der Bemühungen seitens des VCR für die Erstellung einer Rennbahn.
Leider sind keine weiteren Aufzeichnungen im Zusammenhang mit dem Bau oder den Betrieb der Rennbahn in den 1920er Jahren vorhanden. Sicher ist allerdings, dass schlussendlich die Basler Rennbahn nicht in Birsfelden, sondern in Muttenz gebaut wurde. Auf der Webseite Online-Heimatkunde Muttenz ist zu lesen: Der Name „Rennbahn“ erinnert an die Radrennbahn aus Holz mit Tribüne, welche sich von 1927 bis 1936 an der Kreuzung befand. Die alte Wirtschaft „Zur Rennbahn“ wurde 1979 abgerissen und 1981 im neuen Gebäude wieder eröffnet.
Im Buch 100 Jahre Radsportgeschichten, SRB beider Basel, Autor Max Ackle ist über die Basler Radrennbahnen, u.a. zu lesen:
Misslungener Anlauf – Am 25. Februar 1923 wurde im Gasthof ‚Bären‘, Birsfelden, die Genossenschaft ‚Radrennbahn Basel-Birsfelden‘ gegründet. Die Bemühungen für eine Radrennbahn in Birsfelden endeten mit dem Konkurs der Genossenschaft. Mit Baubeginn Frühjahr 1927 wurde danach die 250m in Muttenz, mit einem Fassungsvermögen für 5000 Personen gebaut. 1934 musste ein Steherrennen mit Gilgen, Läuppi, Linart und Heiri Sutter abgebrochen werden. Auf der unter Witterungseinflüssen leidenden, ungedeckten Holzbahn, brach in der Ostkurve eine Latte ein. Es bedeutete dies das Ende der Rennbahn. (Quelle: 100 Jahre Radsportgeschichte von Max Ackle).
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