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Lectio IV
Als Thermen bezeichneten die Römer grosse Badeanlagen, von denen es in einer Stadt nur wenige gab, wohingegen kleinere Bäder in grosser Zahl vorhanden waren. Schon die Griechen kannten Bäder, doch erst bei den Römern wurde der regelmässige Besuch in den Bädern oder Thermen für alle Bevölkerungsschichten zur Gewohnheit — auch, weil ihn sich jeder leisten konnte.
Die Thermen dienten einerseits der allgemeinen Hygiene und damit auch der Gesundheitsvorsorge, andererseits waren sie ein Ort, an dem die Menschen ganz unabhängig von ihrem gesellschaftlichen Stand zusammentrafen, denn nur die reichsten der Reichen konnten sich private Bäder leisten.
Die grossen Thermenanlagen und die zahlreichen Bäder wären ohne eine zuverlässige Wasserversorgung in den Städten gar nicht denkbar gewesen.
Nach dem Betreten der Thermen begab man sich ins die Garderobe, um sich auszuziehen; die Kleider übergab man für ein kleines Trinkgeld dem dafür zuständigen Sklaven, der darauf aufpasste. Mit sich nahm man nur die Badeutensilien, wohl ein Tuch, ein Fläschchen mit Parfümöl, eine Schale zum Wasserschöpfen und ein Schabeisen, mit dem man das Öl und den Staub nach dem Sport wieder abschaben konnte.
Typisch für die Thermen ist, dass es einen Sportplatz unter freiem Himmel für Ballspiele, Gymnastik, Hantelheben und dergleichen gab. In dessen Nähe befand sich oft ein Schwimmbecken, in dem man planschen und schwimmen konnte. Der eigentliche Badegang bestand dann im Besuch verschiedener Baderäume in einer bestimmten Reihenfolge: Man begab sich von Warmbad ins Heissbad, danach in eine Art Sauna und ins Kaltbad.
Neben dem Sportplatz gab es auch verschiedene, oft beschattete offene Räume, in denen man sich wieder abkühlen bzw. trocknen konnte. Daneben gab es in den Thermen je nach Grösse zahlreiche Zusatzangebote, angefangen von Einkaufsläden für Verpflegung oder Badeutensilien bis zu Bibliotheken und Ruhe- oder Konversationsräumen.
Die warmen und heissen Räume der Thermen wurden durch ein sogenanntes Hypokaustsystem beheizt: Ihre Fussböden standen auf viereckigen Stützen aus Ziegelsteinen. Die so unter dem Fussboden entstehenden Hohlräume wurden mit Öfen beheizt, die heisse Abluft dieser Öfen heizte die Fussböden und zog dann durch Hohlziegel nach oben ab, so dass die Wände auch geheizt waren.
Der regelmässige Besuch in der Thermen war ein fester Bestandteil des römischen Lebens.