Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03323.jsonl.gz/1049

Pressespiegel.< zurück zur Übersicht
Badminton Swiss Open 2015, 26. Juni 2019
15.3.2015 / Tages Woche "Zum ersten Mal gewinnt ein Inder die Swiss Open"
Der Inder Kidambi Srikanth hat die 25. Badminton Swiss Open gewonnen. Viktor Axelsen konnte seinen Titel beim Jubiläumsturnier nicht verteidigen. Vor rund 3000 Zuschauern in der St. Jakobshalle unterlag er im Final in drei Sätzen. In den anderen vier Disziplinen gingen die Titel an China. Von Daniela Frahm
In den vergangenen beiden Jahren hatte sich Kidambi Srikanth jeweils schon in der ersten Runde aus dem Turnier verabschiedet. Diesmal lief es für die Nummer vier der Welt deutlich besser. Er sicherte sich den Titel und erhielt die Siegertrophäe von Pär-Gunnar Jönsson, dem ersten Gewinner der Swiss Open 1991. Als der Schwede in Basel das Einzel und das Herrendoppel gewann, war der 22-Jährige noch gar nicht geboren. «Ich bin sehr glücklich darüber, wie ich gespielt habe, vor allem nach den All England letzte Woche», sagte Srikanth. Da war er bereits in der ersten Runde gegen den Japanaer Momoto ausgeschieden.
Srikanth musste in Basel auf seinem Weg ins Finale zwei Mal über drei Sätze gehen, verlor gegen den Dänen Emil Holst und seinen Landsmann Ajay Jayram jeweils den ersten Satz. Gegen den Weltranglisten-Sechsten und Vorjahressieger Viktor Axelsen, der ohne Satzverlust in den Final einzog, startete der Inder deutlich konzentrierter.
Obwohl die beiden in der Weltrangliste nur zwei Plätze trennen, hatten sie noch nie gegeneinander gespielt. Bis zur Hälfte des ersten Satzes war das Spiel ausgeglichen, beide brillierten mit präzise gesetzten Schlägen, die für ihren Gegner unerreichbar waren. Mehr Konstanz zeigte zum Ende des Satzes aber Srikanth, der sich elegant und leichtfüssig über das Feld bewegte und trotz seiner eher schmächtigen Statur mit harten Schmetterschlägen beeindruckte. Mit 21-15 gewann er den ersten Satz.
Axelsen ärgert sich
Danach nahm sich der Inder eine kleine Auszeit. Zum einen machte er viele Fehler, zum anderen fand Axelsen seine Stärken wieder, zu denen ein harter Schmetterschlag aus der Rückhand-Ecke gehört. Auch am Netz bewies er zwischenzeitlich das bessere Händchen. Der Däne führte schnell und gab den Vorsprung nicht mehr her, gewann den zweiten Satz 21-12. «Da sind einige Sachen schief gelaufen und ich habe meine Strategie nicht weiter verfolgt», erklärte Srikanth.
Das änderte er zu Beginn des Entscheidungssatzes, in dem er zunächst zwar auch zurück lag, dann aber wieder zu seiner Schlagsicherheit fand und ausserdem von Fehlern seines Gegners profitierte, dessen Bälle gleich mehrfach an der Netzkante hängen blieben.
«Ich kann besser spielen und habe gestern auch besser gespielt», ärgerte sich Axelsen, «meine Schläge waren heute nicht platziert genug.» Deswegen verlor er den dritten Satz auch deutlich mit 14-21. «Es hat mir trotzdem Spass gemacht wieder hier in Basel zu spielen, die Leute haben mich super unterstützt.»
Die Sympathien der rund 3000 Zuschauer waren allerdings verteilt, denn es waren auch viele indische Badmintonfans darunter. «Es war toll so angefeuert zu werden, obwohl ich in Europa gespielt habe», freute sich Srikanth. Für seine Siegesfeier in Basel hatte er noch keine Pläne gemacht. «Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht.» Am Montag reist er weiter und hat dann eine Woche Pause bis zu seinem nächsten Turnier in der Heimat, den India Open.
Zugpferde fehlten
Für Christian Wackernagel, den OK-Chef der Swiss Open, hatte der Herreneinzel-Final gleich mehrere gute Aspekte. Die ohnehin grosse internationale Medienpräsenz wurde um das dänische Fernsehen erweitert, das sich kurzfristig zu einer Live-Übertragung am Wochenende entschloss. Und durch den ersten Sieg eines indischen Mannes bei den Swiss Open erhofft sich Wackernagel einen gestiegenen Bekanntheitsgrad für das Turnier und die Stadt Basel in dessen Heimat. Bisher hatte nur die Inderin Saina Nehwal in Basel gewonnen. Sie sagte ihren Start in diesem Jahr ab, genau wie weitere namhafte Spieler. «Vielleicht haben in diesem Jahr ein oder zwei Zugpferde gefehlt», gab Wackernagel zu, «aber der Nationen-Mix war gut und die Spiele auch.»
Ein spielerischer und stimmungsvoller Höhepunkt war am Sonntag der abschliessende Herrendoppel-Final. Die Malaysier V Shem Goh/Wee Kiong Tan erhielten in der St. Jakobshalle lautstarke Unterstützung, mussten sich im ersten Satz jedoch Olympiasieger Yun Cai und seinem Partner Kai Lu knapp mit 19-21 geschlagen geben. Den zweiten gewannen sie mit 21-14. Der dritte Satz in dem spannenden und hochklassigen Finale ging mit 21-17 an die Chinesen. Kai Lu sicherte sich damit gleich zwei Titel bei den Swiss Open. Zusammen mit Yaqiong Huang gewann er auch das Mixed.
Im rein chinesischen Finale musste er ebenfalls über drei Sätze gehen, obwohl es zwischenzeitlich gar nicht danach ausgesehen hatte. Cheng Liu und Yixin Bao, die am Vortag die topgesetzten Indonesier Ahmad/Natsir ausgeschaltet hatten, entschieden den ersten Satz 21-17 für sich und lagen auch im zweiten zur Pause mit vier Punkten in Führung. Dann kämpften sich Lu/Huang jedoch zurück. Lu holte teilweise Bälle, die kaum mehr erreichbar schienen, und seine Partnerin passte am Netz sehr gut auf. Mit 22-20 gewannen sie den zweiten Satz und brachten im dritten ihre Landsleute zur Verzweiflung. Mit 21-13 war die Entscheidung deutlich.
Neue Ideen für nächste Ausgabe
Auch im Damendoppel fiel die Entscheidung erst im dritten Satz. Yixin Bao konnte sich für die Niederlage im Mixed entschädigen und gewann mit Yuanting Tang 21-6 17-21 21-17 gegen die ungesetzten Japanerinnen Ayane Kurihara/Naru Shinoya, die eine Woche zuvor den Titel bei den Portuguise International geholt hatten. Bao hat damit ihren Vorjahreserfolg wiederholt, den sie mit einer anderen Partnerin errungen hatte. Das Dameneinzel war das einzige Zweisatz-Spiel und eine klare Angelegenheit. Die Thailänderin Busanan Ongbumrungpan, die im Viertelfinal die an Nummer eins gesetzte Chinesin Yihan Wang besiegte, hatte gegen die an sechs gesetzte Chinesin Yu Sun keine Chance und verlor mit 16-21 12-21.
Mit dem Jubiläums-Turnier war Wackernagel «grundsätzlich sehr zufrieden». Nur ein paar Zuschauer mehr hätte er sich erhofft. Rund 16’000 waren während der Turnierwoche in der Halle, etwas mehr als vergangenes Jahr. «Das Wetter ist gemein», sagte der OK-Chef. Das dauerhaft schöne Frühlingswetter habe den einen oder anderen wohl eher nach draussen gelockt. Die Bilanz fällt dennoch positiv aus, weil organisatorisch wieder alles geklappt habe und es viele gute Gespräche gegeben habe.
«Wir haben schon wieder einige neue Ideen», sagte Wackernagel und grinste. Und die Besetzung wird im kommenden Jahr auf jeden Fall namhaft sein. Dann sind die Swiss Open eines der letzten Turniere, die noch zur Olympia-Qualifikation zählen.