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Glasgemälde von Karl dem Grossen aus dem 16. Jahrhundert. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum
Karl im Schneesturm
Was macht ein König, wenn er in einen Schneesturm gerät? Er verspricht dem Allmächtigen ein Kloster, sollte er das Unwetter überleben. Genau dies tat Karl der Grosse – so die Legende – im Graubünden.
Der Sturm heulte und der Schnee peitschte über den Umbrail. König Karl und seine Leute mühten sich durch die eisigen Winde. Wo war der Weg? Und wie lange konnten sie diese Kälte noch durchstehen? Karl schickte ein Stossgebet zum Himmel: «Wenn Du mich das hier überleben lässt, Herr, dann gründe ich ein Kloster.»
Wie schon sein Vater Pippin hatte der Frankenkönig Karl Ärger mit den Langobarden. Diese lebten in Norditalien, drängten aber Richtung Süden und bedrohten damit den Papst in Rom. Und wie schon sein Vater kam auch Karl dem Papst zu Hilfe und besiegte die Unruhestifter. Im Gegensatz zu Pippin begnügte sich Karl aber nicht damit, den Langobardenkönig zur Anerkennung der fränkischen Oberhoheit zu zwingen. Vielmehr machte er sich selbst zum König der Langobarden.
Auf der Rückreise – so die Legende – geriet Karl jedoch im Jahr 774 auf dem Umbrailpass in einen fürchterlichen Schneesturm. In der Not gelobte er, ein Kloster zu gründen, falls er heil davonkomme. Karl überstand den Sturm unbeschadet und gründete an jener Stelle das Kloster St. Johann Müstair.
Blick auf das Kloster St. Johann in Müstair (GR). Foto: Schweizerisches Nationalmuseum / Georg Gerster-Colonder
Zwar zweifeln manche Historiker diese Legende an. Aus dem Frankenkönig wurde nämlich später Karl der Grosse, der erste römische Kaiser des Mittelalters und Herrscher über ein Gebiet, das grob umrissen das heutige Frankreich, Deutschland, Österreich, Slowenien, die Schweiz und halb Italien umfasste. Darum rühmten sich in der Folge viele Kirchen und Klöster mit fantasievollen Legenden, Gründungen Karls zu sein.
Manches davon muss stimmen, denn Karl hat tatsächlich Klöster gegründet und unterstützt und sich sehr für das klösterliche Leben eingesetzt. Teils aus religiöser Überzeugung, teils weil die Klöster als Bildungseinrichtungen und für die Verwaltung seines Reichs von Bedeutung waren.
Trotz der Zweifel an der Gründung des Klosters Müstair durch Karl den Grossen gibt es auch Indizien, die für die Legende sprechen. Müstair liegt in Churrätien, also damals fränkischem Gebiet, aber nah an der Grenze zu den von Karl neu eroberten Gebieten Bayerns und der Langobarden. Ein plausibler Ort für eine Gründung. Zudem wurde das älteste Bauholz, das in Müstair gefunden wurde, erwiesenermassen 775 gefällt. Und der bis heute erhaltene, eindrückliche Freskenschmuck deutet darauf hin, dass die besten Künstler des Reichs mit der Bemalung beauftragt worden waren. Was der Absicht Karls des Grossen entsprechen würde, Kunst, Wissenschaft und Klosterleben zu fördern.
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