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Der “Parque Nacional do Araguaia“, gegründet 1959, befindet sich im Südwesten des Bundesstaates Tocantins und erfasst einen Teil der Munizipien Pium und Lagoa da Confusão am mittleren Rio Araguaia, im extremen Norden der “Ilha do Bananal“. Diese Insel von der Grösse des brasilianischen Bundesstaates Sergipe, ist die grösste Flussinsel unseres Planeten – eine ausgedehnte sedimentäre Ebene, welche sich zur Zeit des Quartär gebildet hat, und die periodisch vom Hochwasser der Flüsse Araguaia und Javaés überschwemmt wird. Sie liegt im Südwesten des Bundesstaates Tocantins und ist ein lebendiges Beispiel für das fragile Ambiente zwischen den beiden grössten stark gefährdeten Ökosystemen Brasiliens: dem “Cerrado“ und dem “Amazonas-Regenwald“.
Gründungsdatum: Dezember 1959
Fläche: 562.312 Hektar
Ökosysteme: Cerrado und Regenwald
Aktivitäten: Wanderungen, Bootsfahrten, Vogelbeobachtung, Foto-Safari und Umwelterziehung.
Ort: Bundesstaat Tocantins – Lagoa da Confusão, in Cristalândia und Pium
Der Nationalpark befindet sich im nördlichen Teil jener Insel und bedeckt ein Viertel ihrer Gesamtfläche – 563.300 Hektar. Er wird von diversen Quellen, Flüssen und Lagunen bewässert, die periodisch über ihre Ufer treten und einen Grossteil der Insel überschwemmen – mit Ausnahme eines etwas höher gelegenen Gebiets, das man “Torrão“ nennt – dort befindet sich die Park-Administration. Das reichliche Wasservorkommen und die jährlichen Überschwemmungen verwandeln das Gebiet in ein drittes Ökosystem – ein “Pantanal“ mit einer exhuberante Biodiversifikation, einen privilegierten Ort um seltene Vögel, wie zum Beispiel den Tucanuçu – Riesentukan (Ramphastos toco), den Águia pescadora – Fischadler (P. haliaetus) oder den Uirapuru – Orpheus-Zaunkönig (Cyphorhinus aradus) – einen typischen Vogel Amazoniens – beobachten zu können.
Man weiss, dass die Carajá-Indianer die ersten Bewohner der Ilha do Bananal gewesen sind. Sie hatten erstmals mit Weissen um 1658 Kontakt – und zwar mit Jesuiten-Missionaren aus Pará. Ende des 18. Jahrhunderts bemerkte der Waldläufer José Pinto da Fonseca – der dieses Gebiet durchstreifte, um Indianer einzufangen – dass er dieselben Flüsse verschiedene Male überquerte. Und so entdeckte er, dass jene immense Ebene in Wirklichkeit eine riesige Insel war – und nannte sie “Santa Anna“.
Erst sehr viel später wurde dieser Name in “Ilha do Bananal“ geändert – wegen der zahlreichen ausgedehnten Bananenpflanzungen, die man dort überall entdeckte. 1959 nahm der damalige brasilianische Präsident Juscelino Kubitschek einen Vorschlag des Ingenieurs André Rebouças auf, der ihn auf die internationale Tendenz einer Gründung von Nationalparks hingewiesen hatte – und erklärte die gesamte Insel (2.100.000 Hektar) zur “Reserva ambiental“ (Umwelt-Reservat). Später reduzierte man das Reservat auf ein Viertel seiner ursprünglichen Fläche, weil es Probleme mit den dort lebenden Indianern gab. Gegenwärtig kreuzt sich das Reservat mit dem IT-Inawebohona der Javaé-Indianer – bekannt unter dem Namen “Boto Velho“ – und grenzt an den “Parque Indigena do Araguaia“, in dem Carajá, Javaé und Avá-Canoeiro coexistieren.
Abwechselnd zwischen Cerrado, Pantanal und Regenwald ist die Landschaft des Araguaia-Flusses bedeckt von periodisch überschwemmten Flächen, unterbrochen von Galeriewald und Hochwald der “Terra Firme“ (nie überschwemmte Teile). Während der Trockenperiode bilden sich ausgedehnte, einsame Strände mit hellem Sand am Ufer der Flüsse. Einige der überschwemmten Flächen werden begrenzt von Buriti-Palmen, bevorzugte Nistplätze der grossen Aras. In der Tupi-Indianersprache bedeutet “Araguaia“ Fluss der Aras.
Wegen ihrer Übergangscharakteristik zwischen den schon erwähnten beiden Ökosystemen, präsentiert die Flora in diesem Fall einen wahren Überfluss an Baum-Spezies – unter ihnen Canjerana (Cabralea canjerana Sald.), Maçaranduba (Manilkara bidentata), Ipê (Handroanthus heptaphyllus), Louro-preto (Cordia glabrata), Pau-terra (Qualea grandiflora Martius), Jenipapo (Genipa americana L.) – die Frucht von letzterem wird von den Carajá zum Bemalen der Haut (schwarz) anlässlich ihrer Rituale verwendet. Auf den Cerrado-Flächen sind bemerkenswert: Pequizeiro, Copaíba (Copaifera sp) und Pau-d’alho (Gallesia integrifolia). Weite Grasflächen, die “Veredas“, und viele Orchideen-Arten sind hier zu finden.
Sie ist weitgehend heterogen, es überwiegen Spezies, welche sich an Überschwemmungsgebiete angepasst haben, wie die “Wasserschweine“ Capivaras (Hydrochoerus hydrochaeris), der Cervo-do-Pantanal – Pantanal-Hirsch (Blastocerus dichotomus), die Garça real (Ardea cinerea). Unter den Säugetieren findet man den Lobo-Guará – Mähnenwolf (Chrysocyon brachyurus), Tamanduá-bandeira – Grosser Ameisenbär (Myrmecophaga tridactyla), Ariranha – Riesenotter (Pteronura brasiliensis) und Onça-pintada – Jaguar (Panthera onca) – Arten, die in anderen Gebieten vom Aussterben bedroht sind.
Der Park hat ebenfalls eine reiche Vogel-Fauna – nicht allein wegen ihrer Menge an Individuen, sondern auch wegen ihres Artenreichtums. Bemerkenswert sind: die Harpie – Harpyie (Harpia harpyja), der Gavião-real – Harpyie (Harpia harpyja), Emas – Strausse, Codornas – Buntfalke (Falco sparverius), Perdiz – Rothuhn (Alectoris rufa) und Arara-azul – Hyazinthara (Anodorhynchus hyacinthinus) – typische Vögel des Cerrado. Unter den Fischen schwimmen in den Flüssen grosse Exemplare, darunter auch der Pirarocu (Arapaima gigas), der Tucunaré (Cichla spp.), Curimatá (Prochilodus argenteus) und Surubim, ausserdem verschiedene Piranha (aus dem Tupi: “Zahn-Fisch”).
Nach Aussagen der lokalen IBAMA-Behörde gefährden verschiedene Probleme die zu schützenden Ökosysteme des Parks: Invasoren, die ihr Vieh auf die Grasflächen treiben und trockene Flächen periodisch abbrennen, illegaler Fischfang, das Sammeln von Schildkröteneiern zum eigenen Verzehr, Gruppen von Jägern und Konflikte mit den dort lebenden Indianern. Vor allem fehlen Gelder, um das Hauptproblem fehlender Beamter und technischem Gerät in den Griff zu bekommen und den Park so tatsächlich schützen zu können und Strafen gegen die Invasoren zu verhängen. Der Park ist von globalem ökologischem Interesse.
Der Park präsentiert sich mit warmem, halbfeuchten Klima, mit mittleren Jahrestemperaturen, die zwischen 18° und 21°C schwanken. Die heissesten Monate sind September und Oktober, und die kühlsten Juni und Juli. Der jährliche Niederschlag schwankt zwischen 1750 und 2000mm. Die Regenperiode konzentriert sich auf die Monate zwischen November und März.
Rio Araguaia
Der bedeutendste Fluss der Region nach dem der Park genannt ist. Er ist navigierbar fast in seiner gesamten Ausdehnung und bildet zwischen Juni und September herrliche Strände aus hellem Sand.
Der Rio Javaés
Auch bekannt unter dem Namen “Kleiner Arm des Araguaia“, begrenzt die Insel Bananal zur anderen Seite. In der Trockenzeit bildet er ebenfalls verschiedene Sandstrände, die zum Baden einladen.
Vogelbeobachtung
Eine der Aktivitäten, welche im Parque Nacional do Araguaia vielen Besuchern ganz besonderen Spass machen. Nur wer sich schon mal den “Birdwatchers“ angeschlossen hat, weiss diese Therapie inmitten einer exhuberanten Natur wirklich zu schätzen.
Ausflüge per Boot
Eine der bedeutendsten Aktivitäten in diesem Gebiet, während der man Gelegenheit hat, einen guten Teil der lokalen Biodiversifikation kennenzulernen – besonders die Vogelwelt. Am Ende eines Nachmittags kann man, darüber hinaus, Zeuge eines der schönsten Sonnenuntergänge Brasiliens sein, während man langsam durch das ruhige Wasser der Flüsse gleitet.
Der Araguaia-Indianerpark
Man verbringt einen Tag unter den lokalen Indianern und lernt ein Stück aus ihrem Leben kennen, ihre Sitten, ihre Rituale, ihren Glauben. In den Dörfern kann man auch Stücke ihres Kunsthandwerks erwerben – die Carajá-Puppen aus Keramik sind berühmt – es gibt auch Korbflechterei und Federschmuck. Zum Besuch der Indianer ist ein Permit der FUNAI (staatliche Indianerschutz-Organisation) notwendig.
Das “Projeto Quelônios da Amazônia“
Ein sehr bedeutendes Projekt zum Schutz der Amazonas-Schildkröten, die auf den Flussstränden der Region ihre Eier ablegen, wurde 1985 innerhalb des Parkareals installiert, am Zusammenfluss von Rio Araguaia und Javaés.
Foto-Trekking
So eine Foto-Safari sollte man am Araguaia nicht auslassen, denn sie kann extrem erfolgreich sein – nicht nur wegen der herrlichen Landschaften und der reichen Vegetation des Cerrado, sondern auch wegen der guten Chancen, auch einige grössere Tierarten anzutreffen, wie den Jacaré-açu (Kaiman), den Cervo-do-Pantanal (Pantanal-Hirsch) oder der Tamanduá-bandeira (Grosser Ameisenbär).
- Der Park bietet keine Infrastruktur für Besuche und es ist schwierig und kompliziert hinzukommen.
- Die beste Zeit für den Ökotourismus liegt in den Monaten zwischen Mai und August, in der Trockenperiode.
- Ein Boot oder Flussschiff ist das beste Transportmittel, um die Region zu erkunden.
- Alle Boote müssen ein Permit der IBAMA (staatliche Naturschutzbehörde) haben.
- Unter Begleitung eines Beamten des Parks kann man Strassen und Wege rund um die Administration befahren, Ausflüge zu Land und zu Wasser in den westlichen Teil des Parks unternehmen, unterschiedliche Landschaften und Tiergruppen erleben und fotografieren, sowie seltene Flora-Spezies.
- Sie sollten keine Pflanzen abreissen und keinerlei Tiere jagen.
- Sie sollten es vermeiden, beim Herumstöbern und Fotografieren Pflanzen zu zerstören oder Tiere zu belästigen.
- Und denken Sie daran, der Park steht in seinem Gesamt unter Naturschutz, deshalb ist es besonders wichtig, dass Sie ihre Abfälle einsammeln und wieder mit zurück nehmen.