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| Epiphanius v. Salamis († 403) - Gegen die Antidikomarianiten (Panarion Haer. 78.)

8.
Joseph zeugte den genannten Jakob, als er so um die vierzig Jahre alt war. Darnach wird ihm ein Sohn geboren mit Namen Jose, dann nach ihm Simeon, dann Judas und zwei Töchter mit Namen Maria die eine und Salome die andere. Nun starb sein Weib. Und nach vielen Jahren nimmt er Maria als Witwer, als ein Mann von achtzig Jahren und darüber. [Also, wie schon gesagt:] Hernach nimmt er Maria, wie es auch im Evangelium heißt: "als Maria verlobt war"1 , — dabei sagt die Schrift nicht, als sie verheiratet war; und wieder an anderer Stelle: "er erkannte sie nicht"2 . Da muß man sich nur wundern über alle, die auf Spitzfindigkeiten Jagd machen und Dingen nachgehen, deren Ursachen nicht zu erforschen sind, weil sie suchen, was nicht zu suchen ist, und dafür das Notwendige vernachlässigen, um törichten Fragereien nachzuhängen, woher es dann nicht anders kommen kann, als daß überall das Gespenst des Unglaubens und der Lästerung auftaucht wegen der Lästerung gegen die Heiligen. Nun, vor allem widerlegt solche schon so vollständig wie möglich die Natur der Sache selbst; denn fürs erste nahm er [Joseph] als Greis von mehr als achtzig Jahren die Jungfrau nicht zum ehelichen Verkehr, sie wurde ihm vielmehr zum Schütze anvertraut. Fürs zweite waren dann doch sicher auch sie selbst gerecht. Nachdem er nun gehört hatte, daß das, was aus ihr geboren werden sollte, vom Hl. Geiste sei, so wagte er es nicht, nach einem solchen Werke der Vorsehung das Gefäß zu gebrauchen, das gewürdigt worden war, den aufzunehmen, den Himmel und Erde nicht fassen konnten wegen der Fülle seiner Herrlichkeit. Wenn nämlich jetzt noch Jungfrauen in ihrem Namen sich bemühen, in ihrem Stande auszuharren, keusch und enthaltsam zu sein: Wie sollten nicht viel treuer sein Joseph und Maria selbst, die alles in ihrem Herzen bewahrte, wie geschrieben steht?3 Nein, nachdem er so Großes und Wunderbares in seinen Jahren die Vorsehung hatte wirken sehen, da sollte wohl der Greis wiederum ehelich verkehren mit der Jungfrau, der heiligen und hochgeehrten, dem Gefäße, das gefaßt hatte den Unfaßbaren und aufgenommen hatte ein so großes Geheimnis eines Zeichens vom Himmel, des Lebens für die Menschheit?
1: Matth. 1, 18.
2: Ebd. 1, 26.
3: Luk. 2, 10.