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Gaël Metroz ist mehr Reisender als Dokumentarfilmer. So sind seine Filme auch eher Reiseessays als informationsgeladene Dokumentationen. In Nomad’s Land (2008) begab sich Metroz – auf den Spuren jenes anderen grossen Westschweizer Reisenden, Nicolas Bouvier – alleine mit der Kamera in den Mittleren Osten. Dabei gelangte er über Nomadenpfade bis in die Vorläufe des Himalayas, wo er auch auf Sâdhus traf – hinduistische heilige Männer, die ab von der Zivilisation ein asketisches und scheinbar glückseliges Leben führen. Vom Wunsch getrieben, in seinem nächsten Film einem dieser «Wahrheitssuchenden» zu widmen, begab er sich ein paar Jahre später wiederum alleine zur Quelle des Ganges, um einen Sâdhu zu finden, der willens war, sich von ihm porträtieren zu lassen.
Der Film setzt kurz, nachdem der Regisseur Suraj Baba kennengelernt hat, ein. Suraj Baba ist ein eher atypischer Sâdhu: ursprünglich aus einer wohlhabenden Familie, bewandert in westlicher Literatur und Philosophie, mit einer Vorliebe für Rockmusik. Nachdem Metroz mehrere Monate mit ihm gemeinsam in seiner Grotte gelebt hat, beschliessen sie, gemeinsam eine Pilgerreise zur Kumbh Mela zu unternehmen, der grössten hinduistischen Zusammenkunft, die alle zwölf Jahre stattfindet. Dort gerät der überaus charismatische und überhaupt nicht weltfremde Suraj ob des allzu menschlichen Treibens der scheinbar Heiligen in eine Glaubenskrise. Er beschliesst, seine Pilgerreise nach Nepal fortzusetzen, um herauszufinden, ob er wirklich ein Heiliger bleiben will oder ob es vielleicht doch genügt, einfach ein «good guy» zu sein. Metroz begleitet Suraj auch auf dieser – spirituell noch bedeutsameren – Reise in den Tibet, wo sein endgültiges Askesegelübde abgelegt werden soll.
Durch den Umstand, dass ausser Regisseur und Protagonist niemand sonst zugegen ist, gelingt es Metroz, dem überaus menschlichen Heiligen äusserst nahezukommen und dabei stets einen Eindruck von hoher Authentizität zu wahren. Suraj Baba ist ein sehr unterhaltsamer und sympathischer Protagonist, und die Fragen, die er sich stellt, sind allgemeiner Art, wie sie sich nicht nur heiligen Männern in Indien aufdrängen.
Das eigenartigste an Sâdhu ist wahrscheinlich die Entscheidung des Regisseurs, sich selbst vollständig aus dem Film herauszuschneiden. Stets wird nur eine Seite des Dialogs gezeigt, und jegliche Verweise auf die Präsenz eines Filmemachers werden vermieden. Dadurch entsteht eine direkte Verbindung zwischen dem dokumentierten Subjekt und dem Zuschauer, der seinerseits in die Rolle des Dialogpartners versetzt wird. Die Objektivität, die der Film dadurch verliert, sowie die Funktion des Filmemachers als Vermittler werden durch den unmittelbaren Zugang, der aufgrund dessen zu dieser faszinierenden Persönlichkeit entstehen kann, mehr als wettgemacht.