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Sun stellt Java unter die GPL – mit einer für Entwickler wichtigen Einschränkung.
Sun will noch heute auf Java.net
den Quellcode von Java unter der "General Public License Version 2 (GPL v2)" freigeben. Dies beinhaltet sowohl die "Java Platform Standard Edition" (Desktops) und die "Java Platform Micro Edition" (Smartphones) als auch die "Java Platform Enterprise Edition". Letztere war bereits etwas früher, im Rahmen des Projektes "GlassFish" unter die Sun-eigene Open-Source-Lizenzvariante "Community Development and Distribution License (CDDL)" gestellt worden. Nun soll sie auch unter der GPL v2 erhältlich werden.
Entwickler und grosse Java-Partner von Sun wie IBM oder HP hatten schon seit Jahren gefordert, dass Java freigegeben werden sollte. Sun hatte sich aber bisher geweigert. Dies wurde früher von Sun damit begründet, dass man die Entstehung von verschiedenen, zu einander inkompatiblen Java-Varianten befürchte, wenn jedermann nach eigenen Gutdünken im Quellcode "herumpfuschen" könne. Die immense installierte Basis mache dies aber heutzutage wesentlich unwahrscheinlicher, so Sun. Der Schritt, Java freizugeben, erklärte Sun-CEO Jonathan Schwartz, "erlaubt es uns nun, die installierte Basis von einer Milliarde zu betrachten und ernsthaft daran zu gehen, die nächste Milliarde anzustreben."
Entscheidungsfreiheit für Entwickler
Sun hatte bereits im Mai dieses Jahres angekündigt
, dass Java gegen Ende dieses Jahres zur Open Source-Software werden solle. Für Spannung in der Java- und Open Source-Gemeinde hatte aber die Frage gesorgt, für welche Lizenz sich Sun entscheiden würde. Mit der GPL hat Sun nun am weitesten verbreitete und auch die "Linux-freundlichste" Variante gewählt. Da Linux ebenfalls unter der GPL steht, sollte es nun problemlos sein, integrierte Java- und Linux-Produkte zu vertreiben.
Dabei hat sich Sun aber für einen wichtigen Zusatz entschieden. Ein entscheidender Punkt, in dem sich die vielen verschiedenen Open Source-Lizenzen oft unterscheiden, sind die Pflichten, die sie Anwendern und Entwicklern auferlegen, die auf einer Open Source-Software basierende eigene Applikationen entwickeln. Die GPL, die im Prinzip besagt, dass auf Basis von GPL-Softawre entwickelte Applikationen wiederum unter die GPL gestellt werden muss, ist in dieser Beziehung vielen Unternehmen zu restriktiv. Sun hat aber nun einen in der GPL erlaubten Zusatz gewählt, die "Classpath Exeption". Dieser Zusatz macht es möglich – wenn wir die etwas komplizierten diesbezüglichen Erklärungen richtig verstanden haben – dass Programmierer für ihre Java-Applikationen auch eine andere Lizenzform als die GPL wählen können. Den Originaltext der "Classpath Exeption" findet man hier
.
Gemäss Sun keine Patentprobleme
Ein weiterer wichtiger Punkt bei Open Source-Software sind Patentfragen. Anwender und Programmierer wollen sich darauf verlassen können, dass sie nicht plötzlich von einer Drittfirma wegen Patentverletzungen auf Schadensersatz eingeklagt werden könnten. Auch wenn SCO mit seiner 2003 plötzlich erhobenen Forderung, Linux-Anwender müssten Unix-Lizenzen bezahlen, Schiffbruch erlitten hat und auch in seinem "Linux-Prozess" gegen IBM kaum mehr Chancen hat – der Schreck sitzt immer noch einigen Grossunternehmen in den Knochen.
In den Monaten seit dem Mai, so Schwartz habe Sun darum unter anderem viel Zeit dafür verwendet um sicherzustellen, dass Sun im Besitz aller Patentrechte sei, und Java-User damit vor Patentprozessen sicher seien. Sun wird ausserdem auch weiterhin "kommerzielle" Lizenzen der Java-Versionen vertreiben. Zu den Features der kommerziellen Java-Lizenzen wird neben der Garantie, dass dieses Java der Standard-Version entspricht, eine Versicherung gegen Patentansprüche von dritter Seite gehören. (Hans Jörg Maron)