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Ryuichi Sakamoto: Coda
Regie: Stephen Nomura Schible
Mitw.: Ryuichi Sakamoto u.a.
Der 1952 in Tokio geborene Ryuichi Sakamoto ist als Komponist, Musiker, Produzent und Umweltaktivist ein Künstler mit äusserst vielfältigen Seiten. Seine Karriere begann er als Keyboarder und Elektronik-Spezialist in den frühen 1970er-Jahren in der Tokioter Jazzszene. Einige Jahre später wurde er Mitglied der einflussreichen Elektropop-Band Yellow Magic Orchestra, einer Formation, die nicht nur in Asien stilbildend war, sondern auch international grosse Erfolge feierte. Seinen Einstand als Komponist von Filmmusik hatte Sakamoto 1983 in Nagisha Ôshimas Kriegsdrama «Merry Christmas Mr. Lawrence», in dem er an der Seite von David Bowie auch als Hauptdarsteller zu bewundern war. Danach schrieb er unter anderem die Filmmusik zu drei Werken von Bernardo Bertolucci: «The Last Emperor», «The Sheltering Sky» und «Little Buddha». Zu seinen neuesten Arbeiten gehören die Soundtracks zu Shirin Neshats «Women Without Men» und zu Alejandro González Iñárritus jüngstem Film «The Revenant». Nach der Katastrophe von Fukushima ist Sakamoto zu einem politischen Aktivisten geworden; er zählt zu den einflussreichsten Vertretern der japanischen Anti-Atomkraft-Bewegung. In einer der ersten Szenen von «Ryuichi Sakamoto: Coda» sieht man, wie er in Fukushima ein Benefiz-Konzert gibt und dabei auf einem Klavier spielt, das die Katastrophe überstanden hat. Drei Jahre nach Fukushima ereilt ihn eine persönliche Tragödie: Bei ihm wird Mundrachenkrebs diagnostiziert. Daraufhin sagte er alle laufenden Projekte ab und zog sich weitgehend zurück. Mittlerweile scheint es ihm wieder besser zu gehen, denn 2017 ist sein neues Album «Async» erschienen. Die Arbeit daran bildet den roten Faden in der vielschichtigen Dokumentation des in Japan aufgewachsenen US-Amerikaners Stephen Nomura Schible, der in faszinierender Weise Werk- und Rückschau, aber auch Momentaufnahmen eines Ausnahmekünstlers zusammenbringt. Rüdiger Suchsland schreibt auf Artechock: «Ein kluger und bewegender Film mit (…) Szenen voller Intimität und ernster Reflexionen über Leben, Tod und Sinn. ‹Künstler spüren Gefahren früher als andere›, sagt Sakamoto einmal im Film: ‹Wie Kanarienvögel in einer Kohlemine›. ‹Ryuichi Sakamoto: Coda› ist einer der sensibelsten und unerwartetsten Künstler-Dokumentarfilme seit langem.»
Weitere Vorstellungen im Oktober.