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Neuer Netflix-FilmFunktioniert der ESC auch als TV-Komödie?
US-Comedian Will Ferrell parodiert in «The Story of Fire Saga» den Eurovision Song Contest. Das ist gar nicht so leicht, denn die Veranstaltung operierte immer schon hart an der Grenze zur Selbstparodie.
Mit den Pimmelwitzen anzufangen, ist natürlich riskant, weil Pimmelwitz-Asketen auf die Idee kommen könnten, dieser Film sei nichts für sie. Aber es kann nun mal kein Komiker Pimmelwitze so genial vortragen wie Will Ferrell, mit dem Pathos eines grossen Tragöden. Auf die Frage, warum er sich Polstermaterial in den Schritt seines Kostüms stopfe, antwortet er mit einer aufrichtig ernsten Miene, als habe er gerade mindestens die schlauste Idee seit der Erfindung des Rads gehabt: «Weil ich möchte, dass mein Penis deutlich grösser aussieht, als er in Wahrheit ist.»
Ansonsten geht es in der Komödie «Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga», die auf Netflix zu sehen ist, weniger um Pimmel als um Musik. Denn der Amerikaner Will Ferrell ist mit einer Schwedin verheiratet, die ihn in die obskure Welt des Eurovision Song Contest einführte. «Diese Veranstaltung», sagt Ferrell, «erreicht ein Niveau an Camp, das mit nichts vergleichbar ist, was wir in den Staaten haben.» Also dachte er sich gemeinsam mit seinem Co-Autor Andrew Steele die Geschichte eines erfolglosen isländischen Musikers aus, der davon träumt, den ESC zu gewinnen.
Lars Erickssong (Will Ferrell) hatte sein Erweckungserlebnis als kleiner Junge am 6. April 1974, als er im Fernsehen sah, wie Abba mit «Waterloo» den Gesangswettbewerb gewannen und zu Weltstars aufstiegen. Lars' Leben hingegen blieb seit jenem Tag ein einziges Waterloo, weil er es nie aus dem kleinen Küstendorf Húsavík hinausgeschafft hat. Sein Vater, ein testosterongesteuerter Fischer, gespielt von Pierce Brosnan, schämt sich für die Glitzerkostümträume des Sohns. Und wenn Lars in der Kneipe vor der besoffenen Dorfgemeinschaft auftritt, wollen die nicht seine Eurovision-Kompositionen hören, sondern nur den alten Gassenhauer «Jaja Dingdong».
Conchita Wurst mit Gastauftritt
Aber Lars glaubt fest daran, dass das Schicksal für ihn noch mehr vorgesehen haben muss als «Jaja Dingdong». Mit seiner Kindheitsfreundin Sigrit (Rachel McAdams) hat er das Duo Fire Saga gegründet, das den ESC gewinnen will. Und durch einen Zufall bekommen sie tatsächlich die Möglichkeit, für Island zum Halbfinale nach Edinburgh zu fahren. Die ganze Geschichte ist natürlich nur ein laues Alibi, um den ESC zu parodieren, was gar nicht so leicht ist, weil die Veranstaltung selbst ja schon hart an der Grenze zur Selbstparodie operiert. Weshalb man sich besonders vor den Komponisten des Films verneigen muss, die Songs schreiben sollten, die so übertrieben sind, dass man sie neben den teils selbst schon sehr skurrilen ESC-Hits als liebevolle Karikatur verstehen kann.
Dafür haben sich die Filmemacher starke Unterstützung gesucht – zum Beispiel beim Songwriter und Produzenten Savan Kotecha, der schon für Ariana Grande und The Weeknd gearbeitet hat. Für den Film schrieb Kotecha Eurodance-Nummern mit Texten, die klingen, als habe man sie mit Google Translate ins Englische übertragen. Zum Beispiel die vollkommen irre Nummer «Lion of Love», mit der im Film der russische Bewerber ins Rennen geht. Natürlich gibt es auch Gastauftritte von echten ESC-Teilnehmern wie Conchita Wurst, John Lundvig und Anna Odobescu.
Und die beiden Helden von Fire Saga? Die stehen zum Schluss zwar wieder daheim im Pub auf der Bühne und trällern «Jaja Dingdong». Aber sie haben eine Seinsebene erreicht, auf die man nur kommt, wenn man vor 200 Millionen Fernsehzuschauern im Glitzerkostüm auf die Bühne gefallen ist von einem Seil, das einen in höchste Höhen hätte heben sollen.
«Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga», jetzt auf Netflix.