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Bei circa 30 Prozent aller Frauen mit Eierstockkrebs ist die Ausbreitung des Tumors auf das kleine Becken begrenzt (Stadium I und II). Ein Ovarialkarzinom zeigt im frühen Stadium oft keine Symptome. Daher werden circa 70 Prozent der Ovarialkarzinome erst in den fortgeschrittenen Stadien III und IV diagnostiziert. Bleibt der Tumor lange unentdeckt, kann er eine beträchtliche Grösse entwickeln. Die Krebszellen haben sich unter Umständen an den benachbarten Organen im Bauch-Becken-Raum angesiedelt – sogenannte Metastasen – und sind in diese eingewachsen.
Sicherung der Diagnose
Bei Verdacht auf ein Ovarialkarzinom wird zur Sicherung der Diagnose und zur Beurteilung der Tumorausbreitung eine offene Bauchoperation durchgeführt. Es erfolgt ein grosser Bauchschnitt vom Schambein bis zum unteren Rand des Brustbeines. Nur so kann der Operateur nach gründlicher Inspektion die Ausbreitung des Tumors erkennen. Anhand von Gewebeproben wird die Diagnose mittels Schnellschnittuntersuchung während der Operation gesichert. Liegt ein Ovarialkarzinom vor, wird eine komplette Tumorentfernung angestrebt.
Die Operation
Im frühen Stadium werden die Eierstöcke, die Gebärmutter und die Eileiter, das sogenannte Bauchnetz, der Blinddarm sowie die Lymphknoten herausgenommen. Liegt ein fortgeschrittenes Stadium vor, so muss eine sehr ausgedehnte Operation erfolgen, dabei können zusätzlich unter anderem die Milz, das Bauchfell oder auch Teile des Darms betroffen sein. Wichtig ist, dass nach der Operation augenscheinlich eine komplette Tumorfreiheit im Bauchraum gegeben ist.Ist auch der Darm betroffen, so werden Darmteilresektionen durchgeführt, wobei nur sehr selten ein künstlicher Darmausgang angelegt werden muss. «Selbst bei Tumoren, die nicht vollständig entfernt werden können, ist eine deutliche Verkleinerung des Tumors mit einer längeren Überlebenszeit verbunden – wobei der Allgemeinzustand der Patientin und das Alter ebenfalls mitentscheidend sind», so Professor Fink.
Weibliche Hormone und Fruchtbarkeit
Durch die Entfernung der Eierstöcke, die für die Bildung der weiblichen Hormone verantwortlich sind, werden Frauen vor der Menopause (in der Regel unter 50 Jahren) vorzeitig in die Wechseljahre versetzt. Die Folge sind typische Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen. Diese können jedoch durch die Einnahme von Hormonpräparaten gelindert werden.Bei jungen Patientinnen mit Kinderwunsch kann in seltenen Ausnahmefällen – in bestimmten Frühstadien – eine fertilitätserhaltende Operation erfolgen. Das bedeutet: Gebärmutter, Eileiter und der noch gesunde Eierstock werden nicht entnommen. Nach abgeschlossener Familienplanung sollten diese Organe dann in einer weiteren Operation entfernt werden.
Stadieneinteilung nach FIGO-Klassifikation
Stadium FIGO I
- Tumorbefund: Der Tumor befindet sich auf einem oder auf beiden Eierstöcken.
- Vorgehensweise des Operateurs: Komplette Entfernung der Eierstöcke sowie der Gebärmutter mit Eileitern. Entfernung des Bauchnetzes sowie der Lymphknoten. Entnahme von Gewebeproben in Becken- und Bauchraum.
Stadium FIGO II
- Tumorbefund: Der Tumor hat einen oder beide Eierstöcke und/oder die Gebärmutter und/oder die Eileiter und/oder andere Organe im Beckenbereich befallen.
- Vorgehensweise des Operateurs: Operative Entfernung beider Eierstöcke, der Gebärmutter und beider Eileiter sowie allen sichtbaren Tumorgewebes. Entfernung des Bauchnetzes sowie der Lymphknoten. Entnahme von Gewebeproben im Bauchraum.
Stadium FIGO III
- Tumorbefund: Der Tumor hat einen oder beide Eierstöcke sowie andere Gewebe und Organe ausserhalb des kleinen Beckens befallen und/oder Lymphknoten sind befallen.
- Vorgehensweise des Operateurs: Operative Entfernung beider Eierstöcke, der Gebärmutter, beider Eileiter und des Bauchnetzes sowie allen sichtbaren Tumorgewebes. Eventuell Entfernung der Lymphknoten.
Stadium FIGO IV
- Tumorbefund: Der Tumor hat einen oder beide Eierstöcke befallen und Fernmetastasen auf Organe oder Gewebe ausserhalb der Bauchhöhle, beispielsweise in der Lunge (Pleuraerguss), gebildet.
- Vorgehensweise des Operateurs: Wenn möglich: Operation, um möglichst viel Tumorgewebe zu entfernen.