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Leistenbruch
Schmerzen in der Leistengegend, schon beim Anheben einer leichten Kiste. Eine Leistenzerrung oder ein Leistenbruch (Leistenhernie)? Erfahren Sie, was Sie dagegen tun können und was der Arzt macht.
Sie tragen sonst schwere Lasten ohne Probleme, machen regelmässig Krafttraining, doch seit einigen Tagen verursacht schon das Anheben einer leichten Kiste Schmerzen in Ihrer Leiste (vereinfacht gesagt, ist das Ihre Genitalregion). Wenn Sie husten oder auf der Toilette pressen müssen, merken Sie auch einen leichten Druck in der Leistengegend. Zu sehen ist dort aber nichts. Vielleicht eine Überlastung (Zerrung) oder aber ein Leistenbruch (Leistenhernie)?
Bei Kindern tritt der Leistenbruch nicht durch Heben oder Bindegewebsschwäche auf, sondern ist im Fall der Fälle bereits angeboren. Er entsteht, wenn sich die Bauchwand während der Entwicklung des Fötus nicht vollständig geschlossen hat. In der Folge birgt die zu grosse Öffnung vom Leistenkanal zur Bauchhöhle die Gefahr, dass Organe (z. B. eine Darmschlinge oder ein Eierstock) durch diese Öffnung aus der Bauchhöhle in den sogenannten Bruchsack austreten. Ein angeborener Leistenbruch ist bei Jungen sehr viel häufiger als bei Mädchen. Meist fällt dem Kinderarzt ein angeborener Leistenbruch durch eine Vorwölbung oder aber eine Schwellung im Bereich der Leiste, des Hodensacks oder der Schamlippen auf.
DAS KÖNNEN SIE SELBST TUN
Vorbeugend kann es helfen, wenn Sie Ihre Bauchmuskeln trainieren, auf Ihr Gewicht achten und nicht zu schwere Lasten tragen. Müssen Sie beruflich häufig schwer heben und tragen, achten Sie besonders darauf, wie Sie Dinge heben und tragen – wenn möglich, sollten Sie eine Pressatmung vermeiden und versuchen, gleichmässig ein- und auszuatmen. Hilfsmittel wie Hebe- und Tragegurte können die Bauchwand beim Tragen entlasten. Diese Gurte sind nicht mit den nutzlosen Bruchbändern zu verwechseln. Die Bruchbänder wurden früher bei einem bereits vorhandenen Bruch getragen, um den Bruchsack zurückzuhalten. Ein Bruchband führt allerdings dazu, dass Sie die Behandlung verschleppen und damit auf Dauer erschweren. Ist der Leistenbruch schon da oder haben Sie aufgrund des Ziehens in der Leistengegend den Verdacht auf einen Leistenbruch, müssen Sie zum Arzt gehen. Vermeiden Sie bis dahin, wenn möglich, schweres Heben und Tragen.
DAS MACHT DER ARZT
Ist der Leistenbruch nicht deutlich ausgeprägt, ist die richtige Diagnose manchmal nicht so einfach. Auch Blinddarmentzündung, Hüftgelenkverschleiss oder Prostataentzündung können ähnliche Beschwerden verursachen. Aber durch eine gründliche Tastuntersuchung der Leistengegend kann in den meisten Fällen die Diagnose gesichert werden. Ihr Arzt fühlt in der Leiste eine «Lücke», durch die der dahinterliegende Darm drückt. Ist die Lücke gross, haben Sie eine sichtbare «Delle» (oder auch einen «Knoten», wenn der Darm nach aussen drückt). Manchmal ist eine Ultraschalluntersuchung nötig.
Grundsätzlich gilt, dass jede Hernie operativ wieder verschlossen werden sollte. Denn auch ein kleiner Bruch kann ein wachsendes Problem für Sie werden: Unter dem ständigen Druck Ihrer Eingeweide – Darmschlingen – gibt die Bauchwand weiter nach, und der Bruch wird grösser. Mit zunehmender Grösse steigt die Gefahr, dass ein Darmanteil durch den Bruch rutscht und dann dort die Blutversorgung abgeklemmt wird. Dies kann lebensgefährlich für Sie sein.
Also schieben Sie die notwendige Operation lieber nicht auf die lange Bank. Auch bei plötzlich einsetzenden Schmerzen im Bruchbereich sollten Sie schnell einen Arzt aufsuchen. Vielleicht hat sich dort schon ein Stück Darm eingeklemmt.
Es gibt verschiedene Operationsmethoden. Im Prinzip wird dabei die «Lücke» geschlossen, damit Sie wieder «dicht» sind: Entweder werden die auseinandergerissenen Körperschichten wieder zusammengezogen und vernäht, oder die Lücke wird mit einem Netz abgedichtet. Beide Operationsmethoden sind ungefährlich, und Sie können das Krankenhaus meistens schon am Tag nach der Operation verlassen – danach heisst es dann aber für Sie erst einmal: Finger weg von schweren Sachen! Achten Sie auf Ihre Ernährung. Sie sollten sich in der kommenden Zeit so ernähren, dass der Stuhl weich ist, damit Sie beim Stuhlgang nicht zu stark pressen. Auch bei Kindern wird der Leistenbruch schnell operiert, sind Organe eingeklemmt, sogar sofort. Im Allgemeinen ist eine ambulante Behandlung des Kindes möglich.
Reine Männersache?
Leistenbruch bei Frauen: Auch wenn der Leistenbruch fast reine Männersache ist, bleiben Frauen nicht komplett verschont. Hormonelle Umstellungen können zu Kollagen-Abbau führen und so die Bauchwand schwächen. Kommen körperliche Belastungen dazu, kann es zu einem Bruch kommen.
Nicht abwarten: Auch wenn es bei Frauen eher selten vorkommt: Bei Beschwerden in der Leistengegend sollte immer ein Leistenbruch bedacht und gegebenenfalls vom Arzt ausgeschlossen werden.