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,Via Media': Spiritualistische Lebenswelten und Konfessionalisierung
Das süddeutsche Schwenckfeldertum im 16. und 17. Jahrhundert
Beschreibung
Der Spiritualismus im 16. und 17. Jahrhundert ist in der Forschungsdiskussion um Reformation und Konfessionalisierung bislang weitgehend vernachlässigt worden. Thema des Buches von Caroline Gritschke ist daher eine der grössten spiritualistischen Gruppierungen im 16. und 17. Jahrhundert. Sie untersucht sowohl die internen Strukturen des Schwenckfeldertums als auch dessen Verbindungen zur Mehrheitsgesellschaft, die gerade ihr konfessionelles Profil entwickelte. Die Schwenckfelder im süddeutschen Raum bildeten keine fest zu umreissende sozio-religiöse Gruppe, sondern ein loses Netzwerk, das Beziehungen von unterschiedlicher Intensität zuliess. In dieser lockeren Organisationsform war das süddeutsche Schwenckfeldertum als religiöse Gemeinschaft bis ins 17. Jahrhundert hinein lebensfähig. Die Autorin analysiert die Selbstbehauptungsstrategien der Schwenckfelder, die den Kern ihrer Anliegen als "via media" bezeichneten. Dieses Konzept der Mitte und des Masshaltens bezogen sie auf theologische, lebensweltliche und religionspolitische Kontexte und umschrieben so ihre Bemühungen, gegensätzliche und widersprüchliche Aspekte ihres Lebens miteinander in Beziehung zu setzen. Die dissimulierenden Handlungsstrategien der Spiritualisten, die es ihnen ermöglichten, ihren Glauben gleichzeitig zu bekennen und zu verbergen, korrespondierten mit der dualistischen schwenckfeldischen Theologie. Das aktiv-teilnehmende Leben in der Welt einerseits und die schwenckfeldische Religiosität auf der anderen Seite, mittelalterliche Mystik und modern anmutender individuell erfahrbarer Glaube von Christi Wirken im Herzen wurden in der schwenckfeldischen "via media" ebenso möglich wie die Existenz zwischen den Konfessionen.
Mit Gritschkes sorgfältig erarbeiteter und gut lesbarer Studie darf das Schwenckfeldertum des süddeutschen Raumes als vorbildlich erforscht gelten. [...] Der Autorin ist für dieses wichtige Buch höchste Anerkennung zu zollen. Norbert Haag, in: Blätter für Württembergische Kirchengeschichte, 111 (2011), S. 275f. Gritschkes Buch besticht durch die systematische Breite, mit der sie ihr Thema bearbeitet hat. [...] Die Ergebnisse die [die Autorin] erzielt, gehen über eine blosse Frömmigkeitsstudie hinaus. Martin Gierl in: Zeitschrift für Historische Forschung, 37 (2010) Der Band gibt "einen detaillierten und differenzierten Einblick in die Welt spiritualistischer Gruppierungen [...]. Hanspeter Jecker in: Jahrbuch der Schweizerischen Vereins für Täufergeschichte "Mennonitica Helvetica", Nr. 32/33 (2009/2010) ... es gelingt der Verfasserin, den schwer fassbaren Vorgang der Vergesellschaftung einer religiösen Haltung sichtbar zu machen, für die der Verzicht auf institutionelle Strukturen Programm war. [...] eine ausgesprochen wichtige, innovative und lobenswerte Arbeit [...]. Martin Rothkegel in: Freikirchenforschung, Nr. 18 (2009) Gritschke schliesst mit dem vorliegenden Band eine Lücke, waren doch viele Aspekte des von ihr geschilderten und reich verzweigten süddeutschen Schwenckfeldertums bis anhin unbekannt. Besonders hervorgehoben sei ihr profundes Quellenstudium in verschiedenen Archiven. Urs Leu in: sehepunkte, 8 (2008) 5 [Wir haben] damit einen wesentlichen Beitrag zur schwäbischen Landes- und süddeutschen Kirchengeschichte von bleibendem Wert. Heinz-Peter Mielke in: Nassauische Annalen, 2007