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Entlang der chinesischen Küste, um Borneo, in der Sulu-See und der Strasse von Malakka tummelten sich Marodeure, Kidnapper, Mörder, die lose gesellschaftlich organisiert waren, aber keinerlei politischer Kontrolle unterstanden (kaizoku, wako) (S. 103). Die ursprünglich japanischen Piraten waren bald multinational zusammengesetzt, Mitglieder waren auch Chinesen, Koreaner, Personen aus ganz Südostasien. Neben Plünderungen waren viele auch im Sklavenhandel tätig. Seit den Zeiten von Zheng He gelang es China nicht mehr, seine Küsten wirksam zu schützen; das Verbot mit dem Ausland, speziell Japan Handel zu betreiben bewirkte wenig und bot Portugiesen und Holländern Möglichkeiten für den Zwischenhandel.
Auch die Philippinen als Ausgangspunkt des Galeonen-Handels waren unter Druck der Piraten, Zubringer mit Gewürzen von den Molukken und Lackwaren und Seide aus China waren willkommene Beute.
Taiwan, von den Portugiesen Formosa genannt, der ursprüngliche Ausgangspunkt der austronesischen Völkerwanderung war eine überlappende Zone von Piraten, Schmugglern, Händlern aus China, Japan und Europa. 1630 errichtete die VOC dort Fort Zeelandia, das ein wichtiger Handelsplatz mit Japan wurde, weil der Ming-Hof direkten Handel verboten hatte. Die Holländer begannen die Meerenge zu patrouillieren, aber gegen den mächtigen Clan von Zheng Zhilong hatten sie wenig auszurichten, so dass sie sich schliesslich mit ihm zusammentaten. Aber auch die chinesische Seite koalierte mit ihm und ernannte ihn zum «Patrouillierenden Admiral», so dass die Meere um Taiwan weitgehend unter seiner Kontrolle standen,
Sein Nachfolger Zheng Chenggong (Koxinga), der eine japanische Mutter hatte, blieb beim Machtwechsel zu den Manchus 1644 den Ming treu, besiegte die holländische Kolonie auf Taiwan und versuchte von dort aus, die Ming wieder an die Macht zu bringen. Heute wird er in Festland-China dafür verehrt, Taiwan zu chinesischem Territorium gemacht zu haben, auf Taiwan wird seine Herrschaft als Beweis für die frühe Unabhängigkeit Taiwans angesehen und in Japan bezieht man sich darauf, dass er halb Japaner war – eine Figur mit Hintergrund aus multiplen Welten, wie sie im Pazifik immer wieder vorkommt (S. 109).
Eine berühmte Piratin war auch Cheng I Sao, die sich ruchlos durchsetzte und es verstand, straflos und sehr reich alt zu werden.
Sehr viele Küsten- und Meeresbewohner wie das malaiische «Seevolk» der Orang Laut, lebte damals in ständiger Angst und marodierten im Dienste der lokalen Sultane ebenfalls. Die Holländer, die ständig unter Druck der Söldner des Sultans von Johor waren, sahen ihr Handelsnetz in Gefahr und attackierten die Region vom Meer aus. Thomas Stamford Raffles, der wenig später den Freihafen Singapur gründen sollte, schrieb, dass er sich nicht wundere, dass die unterdrückten Völker entweder apathisch oder zu ruchlosen Plünderern würden (S. 112).
Das Piratenwesen des 18. Jahrhunderts war Teil der damaligen globalen politischen Ökonomie. Es gab Küstenbewohnern die Möglichkeit, aus ihrem traditionellen Leben auszubrechen, gab den Handelmächten wie der VOC die Möglichkeit, noch mehr Zölle einzutreiben um Schutzpatrouillen zu finanzieren und führte dazu, dass – die Nachfrage nach Tee und damit Zucker war stark gestiegen – der Bedarf an Sklaven für die Zuckerrohrplantagen durch Iranunische Kidnapper in der Sulu-See und Mindanao bedient werden konnte.