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1993 kam in den USA der Film «Jurassic Park» in die Kinos. Dieser faszinierte das Publikum mit einer futuristischen Idee: John Hammond, ein Multimilliardär und Wissenschaftler, schafft es, ausgestorbene Dinosaurierarten wieder zum Leben zu erwecken. In einem Erlebnispark sollen diese ausgestellt und den Besuchern präsentiert werden.
Im bekannten Film endet das Experiment nicht gut – doch die Faszination, eine ausgestorbene Tierart zurückzubringen, ist bis heute geblieben. Immer wieder machen Meldungen die Runde, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein solches Projekt angehen wollen. Doch eines scheint nun besonders konkret zu sein: Das US-amerikanische Biotechnologie-Unternehmen Colossal und die Universität Melbourne wollen den Tasmanischen Tiger wieder zum Leben erwecken.
Der Tasmanische Tiger, auch Beuteltiger genannt, existierte im Gegensatz zu den Dinosauriern auch noch lange im Zeitalter der Menschheit. Ursprünglich lebte er in ganz Australien sowie in Neuguinea, im Laufe der Zeit ging die Verbreitung immer weiter zurück. Als die Europäer Australien erreichten, existierte er nur noch auf der Insel Tasmanien – daher auch sein Name. Er wurde bis zu 60 Zentimeter gross und 130 Zentimeter lang, womit er das grösste Beuteltier der Welt war.
Bei den Siedlern auf Tasmanien hatte das Tier schnell einen schlechten Ruf. Man vermutete, der Tasmanische Tiger habe zahlreiche Schafe auf der Insel gerissen, auch wenn heute vermutet wird, dass meistens verwilderte Haushunde dafür zuständig waren. 1830 setzte die australische Regierung ein Kopfgeld auf das Tier aus, in der Folge ging der Bestand immer weiter zurück. Zudem wird vermutet, dass das Aussterben durch eine Krankheit in dieser Zeit weiter vorangetrieben wurde.
In der Nacht auf den 7. September 1936 verstarb Benjamin, der letzte Tasmanische Tiger, im Zoo des tasmanischen Hauptorts Hobart. In der Folge wurde zwar immer wieder von Sichtungen berichtet, diese konnten aber nicht offiziell bestätigt werden. Seit den 80er-Jahren gilt das Tier deshalb als ausgestorben.
Dies soll sich nun wieder ändern. Denn laut Andrew Pask, Professor an der University of Melbourne, stehen die Chancen dafür gut. Das Projektteam habe von einem Museum im Bundesstaat Victoria das Genom eines jungen Exemplars bekommen. Damit habe man quasi «eine genaue Anleitung erhalten, wie man einen Tasmanischen Tiger baut», so Pask gegenüber dem «Guardian».
Folglich haben die Leiter des Projekts nun ambitionierte Pläne. Ben Lamm, der CEO von Colossal, sagte, es sei äusserst wahrscheinlich, dass der Tasmanische Tiger als erstes ausgestorbenes Tier wieder zum Leben erweckt werde. Der Prozess werde etwa sechs Jahre dauern, das offizielle Ziel liegt bei zehn Jahren. Und Pask sagte gegenüber dem «Sydney Morning Herald»:
Der Plan, wie der Tasmanische Tiger zum Leben erweckt werden soll, steht bereits. Eine wichtige Rolle spielt dabei eine Maus – die Dickschwänzige Schmalfussbeutelmaus. Diese wird zwar nur etwa elf Zentimeter lang, ist aber eng mit dem Tasmanischen Tiger verwandt. Von einem solchen Tier sollen Zellen entfernt und in der Folge anhand der Vorlage des Tasmanischen Tigers modifiziert werden.
«Wir nehmen lebendige Zellen der Schmalfussbeutelmaus und verändern dann die DNA in jedem Punkt, wo sie von derjenigen des Tasmanischen Tigers abweicht», so Pask gegenüber CNN. «Wir bauen quasi die Schmalfussbeutelmaus-Zelle um.»
Aus dieser Zelle soll dann ein Embryo entwickelt werden, der wiederum von einer Schmalfussbeutelmaus oder in einer künstlichen Gebärmutter ausgetragen werden soll. Ist das Tier dann mal geboren worden, soll es auf Tasmanien zuerst in einem sicheren Raum aufgezogen und im Optimalfall später ausgewildert werden. Sollte dies gelingen, wäre dies extrem wichtig für das tasmanische Ökosystem, so Pask.
Doch das Millionen-Projekt in Australien stösst nicht nur auf Begeisterung. So ist etwa Tom Gilbert, Professor an der Universität von Kopenhagen, skeptisch. Er beschäftigte sich einst mit dem Projekt, die ebenfalls ausgestorbene Maclear-Ratte zurückzubringen, und kennt somit die Schwierigkeiten einer solchen Idee.
«Es ist unwahrscheinlich, die genaue Genomsequenz eines solchen Tieres zu erhalten», so Gilbert gegenüber CNN. Folglich sei es kaum möglich, den Tasmanischen Tiger exakt nachzubauen. Er hält es zwar für möglich, dass man tatsächlich ein Tier züchten werde – nur halt keinen Tasmanischen Tiger. «Das Resultat wird ein Hybrid sein», so Gilbert.
Dies sei ein Problem: So könne es nicht ausgeschlossen werden, dass bei einem solchen Tier gesundheitliche Probleme auftreten werden und es nicht in freier Natur überleben kann. Zudem befürchtet Gilbert, viele Menschen könnten sich von der Wissenschaft betrogen fühlen, wenn am Ende ein Hybrid und kein «richtiger» Tasmanischer Tiger entsteht. Grundsätzlich sei es zwar gut, dass man durch ein solches Projekt Aufmerksamkeit generiere. Aber:
Auch Corey Bradshaw, Ökologie-Professor an der Flinders University im australischen Adelaide, äusserte Zweifel am Vorhaben. Er sieht selbst dann noch Probleme, falls es tatsächlich glücken sollte, einen gesunden Tasmanischen Tiger zu züchten – was er an sich schon bezweifelt. «Wie soll es gelingen, Tausende genetische Variationen zu kreieren, die es braucht, um eine gesunde Population entstehen zu lassen?», fragte er gegenüber «The Guardian».
Bis heute ist es noch nie geglückt, eine ausgestorbene Tierart wieder zum Leben zu erwecken. Versuche, dies zu tun, laufen aber schon seit geraumer Zeit. Auch Colossal, das beim Tiger-Projekt beteiligt ist, beteiligt sich schon länger als solchen Projekten. Das wohl bekannteste ist der Versuch, das Wollhaarmammut zurückzubringen. Bei diesem sind ebenfalls 15 Millionen Dollar im Spiel.
Alles nahm seinen Anfang mit einer harmlosen Schmeichelei. An der Fussball-Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko trifft der damalige FIFA-Präsident João Havelange auf Heinrich Röthlisberger, Präsident des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV), und sagt, wie toll es doch wäre, die WM in der Schweiz, der Heimat des Weltverbandes auszutragen. Damit setzt er Röthlisberger einen Floh ins Ohr, der dazu führen sollte, dass sich die Schweiz vor aller Welt zum Gespött machte.