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Dissertationsprojekt
In der Frage nach den grundlegenden Merkmalen von Revolutionen tritt die Soziologie seit geraumer Zeit auf der Stelle. Eine vielversprechende Möglichkeit, die soziologische Revolutionstheorie fortzuentwickeln, besteht darin, einen erneuten, genaueren Blick auf "die Ursachen" revolutionärer Umbrüche zu werfen, d.h. den Bedingungen nachzugehen, die eine revolutionäre Situation allererst erzeugen.
Ausgangspunkt bildet dabei die systematische Verknüpfung des Phänomens Revolution mit Fragen der (II-)Legitimität von Herrschaft. Thesenhaft formuliert: Prinzipiell wie in ihrer konkreten Form hängen Revolutionen ab von der legitimatorischen Struktur staatlicher Herrschaft. Das Konzept der Legitimität ist freilich theoretisch schärfer und anders zu differenzieren als in der Soziologie (oder der Politikwissenschaft) üblich.
Auf Basis eines nuancierten, mehrdimensionalen Legitimitätsbegriffs soll untersucht werden, (1) in welchen Hinsichten Herrschaft ihrer Legitimität verlustig gehen muss, damit sich eine revolutionäre Situation überhaupt einstellen kann, und (2) welche weiteren "legitimitätskritischen" Bedingungen erfüllt sein müssen, damit es tatsächlich zum Ausbruch einer Revolution kommt.
Ziel der Untersuchung ist nicht zuletzt die "Entpathologisierung" des Phänomens. Gefragt werden soll darum: (1) Ist die Revolution ein spezifisch neuzeitliches Phänomen? Wenn ja, warum und unter welchen Bedingungen tritt sie erstmals auf? Was sind ihre Vorläufer und worin unterscheiden sie sich von ihr? Vor allem: Wie hängt sie zusammen mit der Manifestation eines neuen Legitimitätsprinzips und dem Dreieck aus Ethnie, Staat und Nation? Und lässt sich aus dieser Perspektive ergründen, weshalb Revolutionen regelmäßig mit einer Stärkung - und nicht einer Schwächung, geschweige denn einem Fortfall - der Staatsgewalt einhergehen? (2) Haben sich für bestimmte (funktional differenzierte) Gesellschaftsordnungen Revolutionen erübrigt? Oder werden sie einfach nur erfolgreicher unterdrückt? Zu thematisieren sind in diesem Zusammenhang einerseits (die Möglichkeiten und Grenzen einer) Legitimation durch Verfahren und ein (vermeintlicher) Mangel an alternativen Legitimitätsprinzipien andererseits.
Um es aber nicht bei einer rein theoretisch begründeten Behauptung einer kausalen Beziehung zweischen Revolution und Illegitimität zu belassen, werden drei historische, aus europäischer Sicht indes eher randständige Revolutionen vergleichend analysiert: die mexikanische Revolution (1910-1920/40), die chinesische Revolution (1911-1949) und die iranische Revolution (1978/79). Fokussiert werden die je spezifisch lokalen Revolutionsursachen sowie ihre untergründige Systematik.