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Geschichte
Speisewirtschaft „Sonne“/ „Sunnestube“
In der Untervorstadt – die Bezeichnungen „Toggenburgerstrasse“ und „Grabenstrasse“ existierten damals noch nicht – wirtete im Jahre 1860 ein Franz Anton Sailer, ein Spross des alten Wiler Bürgergeschlechts der „Sailer“ auf der „Sonne“. Das Haus war damals im Besitz von Ignatz Rüthi zum „Stammbaum“, bis es 1856 aus der Erbteilung an die Mutter, Witwe Rüthi, geborene Osswald, ging. Die Wirtschaft bestand aus zwei Häusern, wobei er im Nebengebäude seine Bäckerei betrieb. Der Standort entspricht der heutigen Lage, nur an der Nordseite, gegen die Landstrasse zu stand, um einen Fuss zurückversetzt, seine Scheune. 1862 wurde die alte „Sonne“ abgebrochen und ein Neubau erstellt. Sailer bekam mit dem Gemeinderat Schwierigkeiten, da er unerlaubterweise an der Westseite eine Stiege anbringen liess. Prompt wurde er dem Bezirksamt zur Bestrafung überwiesen. Im gleichen Jahr stellte er das Begehren, seine Speisewirtschaft in eine Taverne umzuwandeln, fand aber beim Regierungsrat kein Gehör.
Die „Sonne“ wurde im April 1863 mit Hofraum, Keller und Scheune auf Fr. 26000.- geschätzt. Im Jahr 1865 bekam Franz Anton Sailer wieder Schwierigkeiten, indem er vor dem Gemeinde-rat zugeben musste, dass er bis nachts um 11 Uhr gewirtet habe. Ende des Jahres hatte Sailer genug, die „Sonne“ gelangte zur öffentlichen Gant und wurde von Franz Josef Peterli erworben. Am28. Februar 1866 begann Peterli zu wirten und Brot zu backen. Er verschmolz 1868 beide Häuser zu einem einzigen Gebäude. Er war ein Wirt mit originellen Einfällen. So lud er zum Beispiel auf Donnerstag, den 19. März 1874 morgens um 9 Uhr sämtliche „Josephen“ ein, um in der „Sonne“ gemeinsam ihren Namenstag feierlich zu begehen. Zu seinen Spezialitäten gehörten Lachs- und Hasenpfeffer, auch Fischotter, dazu wurde Wylberger Sauser kredenzt. 1878 erfolgte die Umwandlung in eine Taverne mit der Erlaubnis für Übernachtungen. Franz Josef Peterli veranstaltete alle Jahre an der Fastnacht Feste und Versammlungen „sämtlicher Schamäuche“ im oberen Lokal, auch die Musikgesellschaft „Mars-Verein Wyl“ hatte in der „Sonne“ ihr Stammlokal. 1881 trat der „stärkste Mann der Welt“, E. Bohlig aus New York hier auf und offerierte jedem Fr. 1000.-, der ihm an Kraft gleichkam.
Zum 6. St. Gallischen Sängerfest in Wyl im August 1882 schrieb Peterli unter seinen Torbogen:
„Bei der Sonne“
„Mein Herz thu‘ dich auf, so tönt der Sang,
Ergreife den Becher und lebe noch lang;
Das merkt Euch, ihr Sänger, erhebt Euren Muth,
Und tretet hier ein, die „Sonne“ meint’s gut.
Die untere Vorstadt grüsst Euch,
Ihr Sänger von Nah und Fern;
Denn ist sie auch nicht millionenreich,
So hat sie Euch doch gern.
Mag’s Euch hier wohl gefallen,
In unserem fröhlichen Kreise;
Doch geht Ihr wieder – dann allein,
Eine herzlich glückliche Reise.“
Am 31. Juli 1886 übernahm sein Sohn Alfred die Wirtschaft und kaufte das Nachbarhaus an der Grabenstrasse gleich dazu. Im selben Jahr empfahl er sein neuerstelltes, „vorzügliches“ Billard zur gefälligsten Benutzung. Es stand denn auch bis in die 70er-Jahre unseres Jahrhunderts als immer noch vornehmes Requisit im selben Raum! Um 1890 zog zusätzlich J. Ziegler, Schuhmacher, in die „Sonne“ ein, um seine Militärschuhe und Stiefel dort feil zu halten. Alfred Peterli baute sein Geschäft aus und übernahm im Juli 1891 das bis anhin von J. Gehrig geführte „Syphons- und Limonaden Geschäft“. Anfänglich fand das „süsse Wasser“ wenig Anklang und ein „geistesgewöhnter Kunde“ äusserte sich folgendermassen: „Lange Zeit war die Sonne der Inbegriff für „vornehme Gastlichkeit. Aber seit es diese Limonade gibt, pfui, die kann man nicht trinken, denn die ist dreimal dünner als Brunnenwasser! Die im ersten Stock abgehaltenen Fastnachtsanlässe, die am Fastnachtsdienstag zu den Wiler Höhepunkten gehörten, das Billiard, das traditionelle Stockfischessen am Aschermittwoch verpflichtete den alten Wiler Adel zur Teilnahme.“
Ab 31. Oktober 1906 wurde die „Sonne“ nur noch als Speisewirtschaft geführt, nicht mehr als Taverne. Von 1865 bis 1972 war sie im Besitz der Familie Peterli, die es immer wieder verstanden hat, aus dem Restaurant ein „geschliffenes Juwel“ zu machen. Das Verkaufslokal für Getränke, von Frau Melanie Peterli ab 1. Januar 1956 geführt, wurde auf Anfang 1969 aufgehoben.
Die „Sonne“ wurde verschiedene Male renoviert, zuletzt im November 1983, wo vor allem die „Sunnestube“ durch den heimeligen Stil sehr gefällt – und der Wirtschaft auch den neuen Namen „Sunnestube“ gab.
(Quelle: Olbrich, Willi; Gastliches Wil, Wil 1989)