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Im ersten Teil («Wandzeitung» vom 13.6.2015) habe ich auf die Vielfalt des Kantons Zürich hingewiesen – in politischer und landschaftlicher Hinsicht, aber auch bezüglich der Gemeinden. Diese Vielfalt birgt auch Risiken und Widersprüche: Während Zürich auf der einen Seite weltoffener Metropolitanraum, zukunftsgerichtete Grossstadt und Wirtschaftsmotor der Schweiz ist, ist der Kanton gleichzeitig durch die politische Dominanz der Gemeinden, seine Kleinteiligkeit und einen Strukturkonservatismus geprägt. Letzteres ist angesichts einer komplexer werdenden Welt und in einem sich immer rascher verändernden Umfeld Besorgnis erregend. Erschwerend kommt hinzu, dass die Gegensätze zwischen dem offenen, innovativen und zukunftsgerichteten Gesellschafts- und Wirtschaftsraum und dem bewahrenden und eher rückwärtsgewandten Politikgefüge zu einer Spaltung des Kantons führen können.
Eine zweite Gegensätzlichkeit in unserem Kanton lässt sich geografisch nachvollziehen, wenn man den Kanton, ähnlich dem Kantonswappen, mit einer Diagonale teilt. Die Diagonale geht, vereinfacht gesagt, von der Mündung der Töss in den Rhein, bei der Tössegg, zur Quelle der Töss im Oberland. Es ergibt flächenmässig ein Kantonsdrittel nordöstlich dieser Diagonale und in etwa die doppelte Fläche südwestlich davon. Die südwestliche Hälfte umfasst die Stadt Zürich, die Bezirke links und rechts des Zürichsees, das Glattal und das Limmattal sowie das Säuliamt, das Unterland sowie einen grossen Teil des Oberlandes. Das andere Kantonsdrittel umfasst die Bezirke Winterthur und Andelfingen, das Tösstal und einen kleineren Teil des Oberlandes sowie einige wenige zusätzliche Gemeinden.
Die Gegensätze sind signifikant. Lässt man die jeweiligen Zentren (Städte Zürich und Winterthur) weg, sind sämtliche weiteren Städte und Agglomerationsgemeinden im südwestlichen Teil zu finden – vielleicht abgesehen von Illnau-Effretikon, das etwa auf der Grenze, also besagter Diagonale liegt. Im ländlich geprägten nordöstlichen Teil befindet sich dagegen die überwiegende Anzahl der Kleingemeinden sowie der Kleinstgemeinden des Kantons.
Schaut man sich die finanzielle Situation der Gemeinden im Kanton an, gibt es anhand der berichtigten Steuerkraft 2012 folgende auffälligen Unterscheidungen zwischen den beiden Kantonsteilen. Knapp 140 von (2012 noch) 171 Gemeinden verfügen über eine Steuerkraft pro Kopf von weniger als 3500 Franken. Von den 34 Gemeinden, die über eine berichtigte Steuerkraft von über 3500 Franken pro Kopf verfügen, liegen 33 Gemeinden im südwestlichen Kantonsteil und lediglich eine (Gemeinde Andelfingen) im nordöstlichen Teil.
Wir stellen also fest, dass wir auch geografisch eine Teilung des Kantons aufweisen: In einen südwestlichen Teil, in dem sich praktisch alle Städte und wohlhabenden Gemeinden befinden, und in einen nordwestlichen Teil, der ländlich und von Klein(st)gemeinden geprägt ist und wo sich gemessen an der Steuerkraft weniger wohlhabende – oder umgekehrt gesagt: praktisch keine wohlhabenden – Gemeinden befinden. Was diese Spaltung des Kantons für Winterthur bedeutet, lesen sie demnächst im dritten Teil.
Nicolas Galladé,
13.7.2015, 114. Jahrgang, Nr. 194.
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