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Wie Jodi über sich hinauswuchs Review
Diese Romanze wird bei Teenagern gut ankommen, die sich ausgerechnet in dem Moment des Lebens anders fühlen, in dem es darauf ankommt, sich möglichst an die Norm anzupassen. Wie Jodi über sich hinauswuchs ist es ein relativ beeindruckendes Regiedebüt für Musikvideo- (Jay-Z, Kanye West) und TV- (Grey's Anatomy, Scandal) Regisseurin Nzingha Stewart - trotz einiger Einschränkungen des Drehbuchs. Fans von High-School-Geschichten und Romanzen diese Spitzfindigkeiten wahrscheinlich übersehen. Der grossartig zusammengestellte Cast macht viele der Genre-Plattitüden vergessen. Die wahrhaftigste und gleichzeitig unauffälligste Szene des Films: Jodis Vater (grossartig wie immer: Steve Zahn), der sich hilflos fühlt, wendet sich der Musik zu, die es ihm und seiner Tochter wortlos erlaubt, ihre Liebe zueinander auszudrücken. Ihre Probleme verschwinden nicht, und das ist okay, was sich viel wahrer anfühlt als das Ende des Allheilmittels.
Glaubwürdigkeit ist ein Problem. Ungewöhnlich gross zu sein, könnte sicherlich dazu führen, dass sich ein Teenagermädchen unwohl fühlt, aber der unerbittliche Spott, der sich gegen Jodi richtet, würde viel glaubwürdiger erscheinen, wenn sie noch näher an die 2 Meter-Marke herankäme. Heutzutage dominieren grosse Mädchen so sehr den Leistungssport und die Laufstege der Mode, dass es schwer fällt, sie als unterdrückte Minderheit zu betrachten - insbesondere in dem Ausmass wie es im Film dargestellt wird. In einer glaubwürdigeren alternativen Geschichte, könnte Jodi genauso gut für ihre Statur bewundert werden. Ausserdem lassen lange Sequenzen mit abfälligen Bemerkungen ihr gegenüber jeden Teenager in der Schule zu clever, zu gemein und zu schlagfertig erscheinen (in Mean Girls gab es zumindest auch ein paar unartikulierte Trottel). Und dann stören super schnulzige Momente mit überkitschiger Sentimentalität den Erzählrhythmus. Jodis wundersame und plötzliche Selbstakzeptanz, die quasi über Nacht stattfindet, kippt dann auch noch die vorherigen 70 Minuten des Films voller Kampf, kritischer Selbstwahrnehmung und kluger Bemerkungen auf den Kopf. Jugendliche wissen, dass sich Selbstvertrauen selten so schnell manifestiert. Schade auch, dass eigentlich wichtige Nebenfiguren kaum eine Backstory bekommen. So erfährt man beispielsweise, dass Jodis (weisser) bester Freund Jack (Griffin Gluck) eine schwarze Mutter hat. Eigentlich spannend, was jedoch dahintersteckt wird nicht erzählt. Jodis andere beste Freundin Fareeda hingegen, scheint sehr modeinteressiert zu sein und in einem kurzen Nebensatz, erahnt der Zuschauer, dass sie selber Kleider designt; und that's it! Sind hier wichtige Szenen der Schere zum Opfer gefallen, um die Laufzeit kürzer zu halten? Man wird es wohl nie erfahren.
Wie Jodi über sich hinauswuchs / Tall Girl (Kurzinhalt)
Jodi (Ava Michelle) war stets das größte Mädchen an ihrer Schule und hat immer darunter gelitten. Nach vielen Jahren ständiger Hänseleien ihrer Klassenkameraden trifft sie mit 16 auf Stig (Luke Eisner), einem offenbar perfekten schwedischen Austauschschüler, der sogar noch größer ist als sie. Jodis neuer Schwarm stellt ihre Welt auf den Kopf und sie landet in einer überraschenden Dreiecksbeziehung. Doch mit der Hilfe ihrer beiden besten Freunde (Griffin Gluck, Anjelika Washington) und ihrer Schwester, der Schönheitskönigin Harper (Sabrina Carpenter), wird ihr bald klar, dass sie viel mehr wert ist, als sie die Unsicherheiten wegen ihres Aussehens immer glauben machten. Regisseurin Nzingha Stewarts Spielfilm-Debüt „Tall Girl“ ist eine herzerwärmende und witzige Komödie über das Erwachsenwerden sowie die Entwicklung des Glaubens an sich selbst, um erhobenen Hauptes zu seiner Person zu stehen.
(Bild: Netflix)