Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03122.jsonl.gz/1169

Wer nicht erst gestern in die Reisebranche eingestiegen ist, mag sich sicherlich an diverse, früher recht grosse Airlines erinnern, welche heute komplett von der Bildfläche verschwunden sind. Klar, Swissair brennt immer noch im kollektiven Bewusstsein der Schweiz, doch da sind auch noch Crossair oder Hello oder TEA oder Air Engiadina (in der Schweiz), Pan Am, TWA, Northwest, Eastern Airlines oder Braniff (in den USA), Canadian Pacific in Kanada, BOAC oder BMI in Grossbritannien und… ach, kann man auch in Wikipedia nachlesen.
Manche dieser Airlines sind von Konkurrenten geschluckt worden, wurden fusioniert, oder gingen auch einfach ersatzlos Pleite. Gerade bei bekannten Markennamen ist dann die Versuchung gross, diese wieder auferstehen zu lassen – unter anderem, weil man damit Publicity und von Beginn weg einen gewissen Bekanntheitsgrad auf sicher hat. Allerdings geht das in der Regel schief.
In den letzten Jahren schien es aber eine Ausnahme zu geben: Eastern Airlines. Die ursprüngliche Pitcairn Aviation war von 1926 bis 1991 ab ihren Basen in Miami und New York recht erfolgreich unterwegs, musste dann aber doch angesichts der enormen Konsolidierung im nordamerikanischen Fluggeschäft kapitulieren. 18 Jahre später, also 2009, übernahm eine neue Eastern Airlines Group unter Führung von CEO Ed Wegel (der auch schon bei der früheren Eastern tätig gewesen war) die Namensrechte der Airline und schickte sich an, den Carrier auferstehen zu lassen. Nach langen Verhandlungen war es 2014 soweit und beim US Department of Transportation wurde ein AOC-Bewilligungsverfahren eingeleitet. Im April 2015 erhielt die neue Eastern denn auch das AOC – eine Airline war wiedergeboren! Die «Great Silver Fleet» war zurück in Miami!
Zum Start wurden ad-hoc Charterflüge zwischen Miami und Kuba durchgeführt. Eastern bestellte 10 B737-800 und 20 Mitsubishi MRJ90, baute einen eigenen Hangar in Miami, einen Simulator für die Pilotenschulung, und konnte lukrative Beförderungsverträge mit den Florida Panthers und den San Francisco Giants gewinnen.
Kuba als Stolperstein
Im Oktober 2016 begannen aber die Probleme. Zum einen trat unter bis heute nicht ganz geklärten Umständen CEO Ed Wegel Knall auf Fall zurück und hinterliess eine grosse Lücke. Zum anderen hatte Eastern immer noch keine Linienflüge anzubieten, währenddem die bislang erfolgreiche Kuba-Nische von immer mehr Linienflügen anderer amerikanischer Airlines bedrängt wurde. Die US-Luftfahrtbehörde FAA erteilte Eastern zudem keine Konzession für Linienflüge nach Kuba. Eastern begann, seine Flotte zu verkleinern, kam aber nicht aus den roten Zahlen raus und wurde schliesslich im vergangenen Juni an die in Phoenix (Arizona) beheimatete Swift Air verkauft. Eastern hat inzwischen auch das AOC freiwillig wieder abgegeben. Die Airline ist damit nach weniger als zwei Jahren «Revival» schon wieder Geschichte. Und der Beweis dafür, dass historische Erfolge und eine Marke allein heute nicht mehr ausreichen, um nachhaltigen Erfolg zu haben.
Doch Ed Wegel will es nochmals wissen, mit einer anderen Airline: Jetzt will er mit World Airways durchstarten. Die Airline war von 1948 bis 2014 in den Lüften. Die ehemals grösste Charter-Airline der Welt wurde von der Investmentfirma 777 Partners übernommen; Wegel sitzt nun dort als (Neu-)Gründer und CEO am Ruder. Basis wird wiederum Miami sein. Ob Wegel mit World Airways mehr Erfolg beschieden ist, wird sich weisen müssen.