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Petite messe solennelle
Die "kleine" Messe Rossinis dauert etwa eineinhalb Stunden, und klein nennt sie nur die ironische Bescheidenheit des Komponisten. Die Messe gehört neben dem Stabat mater zu den bedeutendsten kirchenmusikalischen Werken von Rossini. Er komponierte die Petite Messe solennelle im Alter von 71 Jahren als Auftragswerk für die Einweihung der Privatkapelle eines wohlhabenden Pariser Adligen im März 1864 und bezeichnete sie als "leider letzte Todsünde meines Alters". Die beengenden räumlichen Verhältnisse zwangen Rossini zu einer radikal kleinen Besetzung mit vier Gesangssolistinnen und -solisten, einem kleinen Chor, zwei Klavieren und einem Harmonium.
Drei Jahre nach der Entstehung arbeitete Rossini eine Orchesterfassung aus, hauptsächlich, um zu verhindern, dass die Messe durch die Bearbeitung eines Anderen entstellt werden könnte. Rossini selber schien die originale Klanglichkeit der Kammermusikfassung gegenüber der Orchesterfassung jedoch bevorzugt und höher eingeschätzt zu haben, wie ein Brief von ihm an Franz Liszt belegt.
Wie alle in seinen letzten Jahren entstandenen Kompositionen entzog Rossini die Messe bewusst einer Veröffentlichung. Erst nach seinem Tod konnte die Komposition gedruckt und der Öffentlichkeit übergeben werden. Dem Werk wurde sehr schnell grosser Erfolg zuteil. Im deutschsprachigen Kulturraum erfuhr die Messe neben viel Lob aber auch viel Ablehnung und hatte es lange Zeit schwer. Sie wurde oft als Schmachtfetzen oder Kitsch verunglimpft. Denn Rossinis Petite Messe solennelle sind schmelzender Belcanto, sinnlicher Klang, federnde Rhythmen und mediterrane Leichtigkeit eigen – eine der schönsten Komposition seiner späten Jahre.