Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03449.jsonl.gz/1464

Im Sommer 2017 brannte es in der Freiburger und Waadtländer Broye an zwölf Orten. Die Brände sorgten schweizweit für Aufsehen, denn dem Feuer fielen 85 Tiere zum Opfer. Auf dem Areal des privaten Nationalen Reitsportzentrums in Avenches (Iena) kamen in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2017 13 Pferde und 11 Ponys in einem Stall ums Leben. Der Schock in der Pferdeszene war gross. Auch zwei Landwirtschaftsbetriebe waren betroffen: In Domdidier und Payerne verendeten in der Nacht vom 28. auf den 29. Juli 36 Stiere, 19 Kühe und 6 Kälber in den Flammen. Weil sich der erste Brand auf Freiburger Boden ereignete, übernahm der Kanton Freiburg den Fall vollständig.
Raphaël Bourquin, stellvertretender Generalstaatsanwalt, leitete die Untersuchungen. Wie er gestern in einem Communiqué mitteilte, sind die Ermittlungen nun abgeschlossen. Die Anklageschrift gegen einen heute 25-jährigen Mann sei an das Bezirksstrafgericht Broye überwiesen worden. Die Vorwürfe lauten: Vorsätzliche Brandstiftung, Tierquälerei, Verleumdung, üble Nachrede und Irreführung der Justiz.
Zu den beiden letztgenannten Punkten schreibt die Staatsanwaltschaft, dass der Mann beim Versuch, sich selbst zu entlasten, Dritte fälschlicherweise im Namen der Feuerwehrkommission denunziert habe. Zudem habe er behauptet, Opfer von Drohungen geworden zu sein, die mittels anonymer Briefe gegen ihn ausgesprochen worden seien. «Der Angeklagte war kein Feuerwehrmann», erklärte Raphaël Bourquin gestern auf Anfrage. Während der Untersuchung habe der Mann jegliche Beteiligung an all diesen Taten, mit Ausnahme des Brands vom 5. August 2017 in Dompierre, bestritten.
Seit 2017 in Untersuchungshaft
Die Polizei verhaftete den Mann am 5. August 2017 nach einer Explosion in Dompierre. Er wies Verbrennungen auf. Zudem fand die Polizei Brandbeschleuniger auf seinen Kleidern und identifizierte seine DNA auf Kanistern, die sie im Keller des Gebäudes in Dompierre gefunden hatten. Seither befindet sich der Mann in Untersuchungshaft.
Bereits im Mai 2018 teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass Beweise vorliegen, die den Mann mit jedem der gelegten Brände in Verbindung bringen. Dabei handelte es sich um Informationen von Überwachungskameras und um die Auswertung der Daten auf dem Smartphone des Verdächtigen. Gemäss Kantonspolizei ist der Mann bereits wegen ähnlicher Taten verurteilt worden.
Wie die Staatsanwaltschaft nun in ihrer Mitteilung schreibt, verzögerten sich die Ermittlungen wegen eines psychiatrischen Gutachtens des Angeklagten. Raphaël Bourquin sagte gestern auf Nachfrage dazu, dass der Mann «grosse Probleme» hatte und Alkohol im Spiel gewesen sei. Nun wird sich das Bezirksstrafgericht in Estavayer-le-Lac mit dem Fall befassen.