Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03544.jsonl.gz/548

Sie ist klein, für den Tessin relativ hoch gelegen und bietet eine fantastische Aussicht auf die Brissago Inseln: die Gemeinde Ronco sopra Ascona. Ihr Zentrum liegt auf einer Felsterrasse von rund 360 Metern über Meer, doch das ganze Gemeindegebiet reicht auch noch ein kleines Stück ins Centovalli hinein. Denn den höchsten Punkt von Ronco sopra Ascona bildet mit rund 1375 Metern über Meer ein Bergrücken von der Corona die Pinci bis zum Pian Casone in der Nähe der schon zu Brissago gehörenden Alpe di Naccio.
Insgesamt umfasst das Gemeindegebiet eine Fläche von rund 5 Quadratkilometern, und bewohnt wird es heute von rund 600 Einwohnerinnen und Einwohnern. So kommt man auf eine Bevölkeerungsdichte von rund 120 Personen pro Quadratkilometer. In den Monti di Ronco liegen auf einer Höhe von 650 bis 1150 Metern zudem die Alpsiedlungen Puran, Casino, Puzzi, Calzo oder Purèra sowie gleich darüber die Monti die Schiavardo. Diese sind heute ausser über Fusswege auch mittels einer kurvenreichen Strasse erreichbar und bieten eine gute Fernsicht auf den Lago Maggiore und die Tessiner Berge.
Erstmals erwähnt wurde Ronco als «Rocho de Schona» als «Weinberg von Ascona» im Jahre 1264. Im Spätmittelalter bildete es dann mit Ascona zusammen eine Nachbarschaft mit eigenen Statuten von 1369. Neben mittelalterlichen Bauten und Elementen zeugen im 17. und 18. Jahrhundert erbaute und später renovierte Häuser, Fassadenmalereien, granitene Eingangsportale sowie zierliche Balkone oder schmiedeeiserne Gitter von einem relativen Reichtum, der mit der damaligen Emigration der Bevölkerung in Zusammenhang steht.
Heute ist Ronco sopra Ascona nebst Wohnort ein beliebtes Feriendorf und weist dementsprechend einen hohen Bestand an Zweitwohnungen auf. Vor ein paar Jahre betrug dieser Anteil gemäss Statistik knapp 70 Prozent. Das ursprüngliche Weinbau- und Viehzüchterdorf entwickelte sich so im frühen 20. Jahrhundert – ähnlich wie sein Nachbardorf Ascona – zu einem eigentlichen Künstlerdorf.
Herr über die Gemeinde ist – wassertechnisch gesehen – Brunnenmeister Michel Porroli Pastone. Der 49-jährige Vater von vier – zum Teil schon erwachsenen – Kindern ist in Ronco sopra Ascona geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen, lebt aber heute mit seiner Familie im Maggia-Tal, in der kleinen Gemeinde Moghegno mit ihren rund 380 Bewohnerinnen und Bewohnern. Fast täglich fährt er mit seinem Auto in das rund zwanzig Kilometer entfernte Ronco, trifft Verantwortliche der Gemeinde, pflegt den Kontakt zur Bevölkerung und schaut überall zum Rechten.
Ursprünglich hatte Michel Poroli Automechaniker gelernt, war daraufhin während vieler Jahre Gemeindearbeiter und seit ein paar Jahren ist er in Ronco sopra Ascona auch als Brunnenmeister tätig.
Sehr vielfältig sind dabei seine Aufgaben als Brunnenmeister: Er baut neue Transportleitungen, zum Teil mit dem entsprechenden Aushub des Bodens oder kontrolliert kleine, öffentliche Schwimmbäder in schönen Grünanlagen wie dasjenige auf dem Colle San Marco. Zudem kontrolliert er die gesamte Wasserversorgung von entlegene Bergquellen über topmoderne Pumpstationen bis hin zu einigen wichtige Reservoirs, Dorfhydranten oder privaten Hausanschlüssen.
«Brunnenmeister zu sein, ist meine grosse Leidenschaft», meint Michel Paroli Bastone, «ich setze mich sehr gerne für das Wohlergehen der Dorfbevölkerung ein. Und ich finde ich die unterschiedlichen Aspekte einer Wasserversorgung sehr faszinierend.» Besonders schön sei dabei, dass die Gemeindevertreter von Ronco sopra Ascona (inzwischen) seine Arbeit zu schätzen wüssten. «Das war nicht immer so», sagt der Brunnenmeister, «doch heutzutage spüre ich eine grosse Akzeptanz für meine Arbeit. Die Projekte in der Gemeinde, die eine Verbesserung der Leitungssysteme betreffen und die ich vorschlage, werden meistens gutgeheissen und ihre Finanzierung wird ohne grosse Widerstände bewilligt. Darüber freue ich mich sehr!»
Mit den Pumpsystemen, Leitungen und Reservoirs gab es in den letzten Jahren auch kaum Probleme. «Selbst in heissen Sommern wie in diesem Jahr oder 2003 klappt alles bestens!» Dies sei nicht nur seinen viel- und sorgfältigen Kontrollen zu verdanken, sondern sei auch darauf zurückzuführen, dass die Wasserversorgung von Ronco sopra Ascona gut mit derjenigen der Nachbargemeinden verbunden sei. In der heissen Jahreszeit, so erklärt der Brunnenmeister weiter, bräuchten die Leitungen zwar ab und zu «eine richtige Spülung», damit sich wegen der hohen Temperaturen in stehendem Wasser keine Bakterien ansammelten, doch ansonsten funktioniere auch in trockenen Sommern in Ronco sopra Ascona alles einwandfrei.» Gut ist es auch, so Michel Poroli Bastone, «wenn man bei den Brunnen in der Gemeinde das Wasser rund um die Uhr laufen lassen kann: Das verbessert die Trinkwasserqualität, und die Wanderer freuen sich über eine Erfrischung.»
Hoch zufrieden mit der Arbeit des Brunnenmeisters von Ronco sopra Ascona ist auch Matteo Negri, Präsident der Associazione Fontanieri Ticinesi (AFT), der für unseren Besuch in der Gemeinde eigens über den Ceneri herübergekommen ist. «Michel ist schon ein einzigartiger Brunnenmeister», lobt der Wasser- und Gasverantwortliche der Gemeinde Stabio seinen Kollegen: «Ich habe noch kaum jemanden getroffen, der sich in einer Gemeinde praktisch rund um die Uhr für eine reibungslose Wasserversorgung einsetzt.»
Schade findet der Präsident der AFT, dass die Akzeptanz für den Beruf des Brunnenmeisters im Kanton Tessin noch nicht da ist, wo sie sein könnte: «Oft kennt man noch gar nicht die Bezeichnung ‘Fontanieri’ in der Öffentlichkeit. Man unterschätzt ihre grosse Verantwortung gegenüber dem Gemeinwohl und unterstützt sie bei ihrer Arbeit nicht in dem Masse, wie sie es eigentlich verdient hätten.» Auch um eine gute Ausbildung müssten die Brunnenmeister im Tessin vielfach kämpfen: «Oft müssen Ferien geopfert werden, damit überhaupt Kurse absolviert werden dürfen, erklärt der Präsident der AFT: «Das macht uns ein wenig nachdenklich!» Die Akzeptanz für die wichtigen Aufgaben der ‘Fontanieri’ sei vielleicht noch in den Gemeinden vorhanden, sagt Matteo Negri, doch auf Ebene des Kantons müsse sich jedoch in Zukunft noch einiges verbessern. «Aber», so meint der Präsident der AFT optimistisch, «wir sind auf dem richtigen Weg!»
Mehr Informationen, Aktuelles sowie Meinungen und Standpunkte betreffend Associazione Fontanieri Ticinesi (AFT) gibt es unter www.fontanieri.ch !
Mit dem Online-Abo lesen Sie das «AQUA & GAS»-E-Paper am Computer, auf dem Smartphone und auf dem Tablet.
Mit dem Online-Abo lesen Sie das «Wasserspiegel»-E-Paper am Computer, auf dem Smartphone und auf dem Tablet.