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Der Weltbund der Bibelgesellschaften (UBS) gibt bekannt, dass Bibelgesellschaften aus der ganzen Welt die Bibelübersetzungen in 66 gesprochenen Sprachen von 707 Millionen Menschen trotz der Schwierigkeiten und Hindernissen des Covid-19 im Jahr 2020 zu Ende bringen konnten.
Dabei handelt es sich auch um Erst-Übersetzungen der Schriften in 46 Sprachen, die ein Publikum von 13 Millionen Menschen erreichen können. 5 Völkerstämme in Afrika sowie die Gemeinde der Hörbehinderten und Gehörlosen in den Vereinigten Staaten von Amerika, 408’000 Personen, haben die erste vollständige Bibel erhalten. Die amerikanische Zeichensprache ist die einzige von gut 400 Zeichensprachen in der Welt, in der jetzt die ganze Bibel existiert.
Erst-Übersetzungen des Neuen Testaments konnten ebenfalls in 11 Sprachen für 4 Mio. Menschen beendet werden.
«Dieses Neue Testament in unserer Muttersprache wird die Alphabetisierung erleichtern und unseren Jungen und anderen helfen, das Wort Gottes zu verstehen», sagte uns John Okolubo. Er spricht Ogbia, eine Sprache, die in Nigeria geläufig ist. «Ohne dieses NT hatten wir den Eindruck, keinen Zugang zu Gott zu haben. Dank ihm haben wir jetzt das versprochene Land erreicht.»
Eine Etappe in der weltweiten Bibelübersetzung ist erreicht
Zu Beginn 2021 war die ganze Bibel somit in 704 Sprachen übersetzt, die von rund 6,1 Milliarden Menschen gesprochen werden. Mehr als 70 % dieser Vollbibel-Übersetzungen wurden vom Weltbund der Bibelgesellschaften produziert. Weitere 889 Mio. Personen verfügen heute über ein Neues Testament in ihrer Sprache, und 484 Mio. haben wenigsten Ausschnitte aus der Bibel in ihrer Sprache.
Diese Zahlen basieren auf den Angaben von ethnologue.com, der zuverlässigsten Quelle für die Anzahl der Sprecher einer Sprache. Allerdings zählt diese Internetseite nur eine Gesamtheit von 7,2 Mrd. Sprechern weltweit, deutlich weniger als die zum 31.12.2020 ausgewiesene Zahl der Weltbevölkerung (7,8 Mrd.). Man kann jedoch davon ausgehen, dass sich die nicht erfassten Sprecher auf die verschiedenen Sprachen so verteilen, dass die Prozentzahlen im Wesentlichen zutreffen.
Die Situation der Bibelübersetzungen war ganz anders vor 75 Jahren, als der Weltbund der Bibelgesellschaften gegründet wurde, im Jahr 1946 kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Gemäss ProgressBible, der die Daten von Bibelübersetzern aus der ganzen Welt zusammenträgt, gab es damals Vollbibeln in weniger als 200 Sprachen, Neue Testamente in gut 230 und einzelne Bücher in 620 Sprachen. Seither wurde die Anzahl Sprachen, in die mindestens Teile der biblischen Texte übersetzt sind, mehr als verdreifacht.
Trotz dieser Fortschritte verfügen mehr als die Hälfte der auf der Welt erfassten ungefähr 7360 Sprachen auch heute über kein Buch aus der Bibel. Insgesamt betrifft das ca. 1,7 Mia. Menschen, die immer noch keine Bibel in ihrer Muttersprache haben.
«Im Gedenken an mehr als zwei Jahrhunderte bibelgesellschaftliche Arbeit und 75 Jahre gemeinsame Bibelmission im Weltbund der Bibelgesellschaften danken wir Gott, dass er unsere Mission segnet. Sie besteht darin, die Bibel allen zugänglich zu machen», erklärt Michael Perreau, Generaldirektor des UBS. «Jede fertige Übersetzung gibt mehr Menschen Zugang zu Hoffnung und Frieden, die in der Bibel enthalten sind. Das ist gerade in diesen weltweit schwierigen Zeiten nötig.»
Hochgesteckte Ziele
Um den Mangel an Bibeln zu bekämpfen hat sich der Weltbund der Bibelgesellschaften ein hochgestecktes Ziel gewählt. Seine Vision in 20 Jahren: 1200 Übersetzungen, die 600 Mio. Menschen einen ersten Zugang zur Bibel in ihrer Sprache ermöglichen. Die Arbeit an Übersetzungen ist schneller geworden, denn die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Organisationen, die übersetzen, ist enger geworden; die grosszügige Unterstützung durch Spender ist da, und die technische Entwicklung trägt das ihre bei. In 3 Jahren werden 80 Übersetzungen abgeschlossen sein, 312 sind in Arbeit und 808 Projekte werden beginnen.
«Das Übersetzen der Bibel bedeutet lange Jahre voller Einsatz und Grosszügigkeit. Es ist der erste Schritt für eine ethnische Gruppe auf dem Weg zum Wort Gottes, das ihr Leben verändert», erklärte Alexander M. Schweitzer, Leiter der weltweiten Bibelübersetzung beim UBS. «Wenn die biblischen Schriften in der Muttersprache eines Volkes existieren, können darauf Programme für die Bedürfnisse dieser Menschen aufgebaut werden, wie die Alphabetisierung oder die Heilung von Traumata. Eine Bibelübersetzung kann Leben verändern, deshalb sind wir entschlossen alles zu tun, um unsere Planung verwirklichen zu können.»
Besserer Zugang zu den Schriften dank neuen Übersetzungen und Revisionen
Sprachen verändern sich mit der Zeit, und für die jungen Generationen kann es schwierig werden, ältere Bibelübersetzungen zu verstehen. Letztes Jahr haben die Bibelgesellschaften neue Übersetzungen und Revisionen in 21 Sprachen für 694 Mio. Lesern publiziert, davon 9 Vollbibeln.
Unter diesen Bibelausgaben befindet sich eine neue Übersetzung in zwei der 11 offiziellen Sprachen in Südafrika: Isi Zulu wird von 12 Mio. Personen gesprochen, und Afrikaans von mehr als 7 Mio. Menschen.
Studienbibeln
Für Personen, die ihre Kenntnis der biblischen Schriften vertiefen wollen, haben die Bibelgesellschaften in drei Sprachen Studienbibeln veröffentlicht: in Chinesisch, in Kreolisch von Haiti und in Thai. Das hilft den Verantwortlichen der dortigen Kirchen in ihrem Amt, die biblischen Texte besser zu verstehen.
Das ist besonders in geprüften Ländern wie nach den Aufständen in Haiti wichtig; da ist das Bedürfnis nach Ausheilung und Antworten riesig. Deshalb erleben die Kirchen und Gemeinden einen Aufschwung, aber häufig verstehen die Verantwortlichen von Gemeinden die Bibeltexte nicht so gut. Die lokalen Bibelgesellschaften beobachten, dass Studienbibeln ihnen bei der Ausübung ihres Amtes helfen können.
Für spezielle Bedürfnisse
Ein erstes Buch oder weitere Bücher konnten in 16 Zeichensprachen für 2,1 Mio. Hörbehinderte im Laufe des Jahres 2020 aufgezeichnet werden.
Im Dezember hat die paraguayische Übersetzungsgruppe für Zeichensprache ihre Videofilme der Weihnachtsgeschichte mit der Geburt Jesu fertiggestellt und in den sozialen Medien verbreitet. Diese Videos wurden mit Begeisterung von den Hörbehinderten aufgenommen und von vielen Menschen geteilt.
Für 5 Sprachen wurde die ganze Bibel in Braille für Sehbehinderte publiziert, davon für 3 Sprachen zum ersten Mal. Einzelne Bücher konnten in zwei weiteren Sprachen in Braille-Schrift erstellt werden. Insgesamt gibt es die Vollbibel in Braille-Ausgaben in 48 Sprachen.
In der digitalen Bibliothek ist die Bibel mit einem Click erreichbar
Die digitale Bibliothek (DBL®) ist ein zentrales Element auf dem Weg zu unserem Ziel, die Bibel für alle zugänglich zu machen. In dieser Bibliothek werden alle Übersetzungen in allen möglichen Formen, von der UBS und von allen Bibelübersetzungsorganisationen aufbewahrt. So stehen alle zur Verfügung und können über digitale Zugänge konsultiert werden.
Zu Beginn des Jahres 2021 enthielt die DBL® insgesamt 2696 Texte in 1721 Sprachen, die von 6 Mia. Menschen verwendet werden. Davon waren 1112 Bibeln in 590 Sprachen. 70 % der deponierten Vollbibeln in dieser Bibliothek stammen von Bibelgesellschaften.
Die DBL® hütet auch Audio-Aufnahmen von Bibeltexten in den Sprachen für 5,6 Mia. Menschen. Video-Aufnahmen der übersetzten Bibeln gibt es in 13 Sprachen, produziert für 1,8 Mio. Personen.
2020 konnten die ersten Texte in Braille-Schrift aufgenommen werden, nach der Entwicklung eines neuen Programms für die Umsetzung von Texten in Braille-Schrift. Dank dieses neuen Programms und der Möglichkeit, Dateien in der DBL® aufzubewahren, können die Bibelgesellschaften viel einfacher und schneller biblische Texte in Braille übertragen, und in allen Sprachen, in denen es sie gibt. Die DBL® verfügt jetzt über 53 Braille-Dokumente in 41 Sprachen, wovon 33 Vollbibeln in 27 Sprachen.
Quelle: UBS
Die Schweizerische Bibelgesellschaft ist Mitglied des Weltbundes der Bibelgesellschaften, der grössten Übersetzungsagentur der Welt. Der Weltbund zählt 150 Bibelgesellschaften und ist in mehr als 240 Ländern und Territorien aktiv. Aufgaben sind die Übersetzung, Herstellung und Verbreitung der Heiligen Schrift: Der Weltbund hat drei Viertel der weltweit vollständig übersetzten Bibeln (Altes und Neues Testament) herausgebracht. Dabei gelten folgende Regeln: Es wird immer aus dem Urtext übersetzt. Ausgebildete Muttersprachler sorgen für die bestmögliche Übersetzung. Und es wird immer nur auf Wunsch und Initiative der Empfänger übersetzt. Um ein Buch der Bibel zu übersetzen, braucht es ein paar Monate; für die ganze Bibel braucht eine Übersetzergruppe rund zwölf Jahre.
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