Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03203.jsonl.gz/1323

Gedichte, 1897
Klimt: Studie, 1902.
Aquarell-Malerei, 1904.
Für die ausdrucksstarken Posen und Gesten seiner Figuren scheint Fidus kaum Anleihen bei der Kunstgeschichte zu machen. Dafür greift er regelmässig auf Motive zurück, die er selbst erarbeitet hat. So hat er für die junge Frau mit den vor dem Körper ausgestreckten Armen und sich fassenden Händen eine Figur variiert, die er 1897 für Karl Henckells Gedichte gezeichnet hat.
Dennoch ist es vorstellbar, dass Fidus mit der Figur bekannte Vorbilder zitiert oder sogar parodiert hat. Im Fall von Gustav Klimt kann sogar mit dem verwegenen Gedanken gespielt werden, dass dieser im Beethovenfries für die Ausstellung der Wiener Secession 1902 die Buch-Illustration von Fidus aufgenommen: Im Abschnitt Die Leiden der schwachen Menschheit finden sich gleich zwei nackte Figuren mit ausgestreckten Armen und verschränkten Händen.
Klimt: Beethovenfries, 1902.
Bei der Gegenüberstellung der Zeichnungen von Fidus mit Klimts Studie für den Beethovenfries und dessen Gruppe der Leidenden stellt sich die Frage, ob eine direkte Verbindung besteht.
Wie es scheint, ist die Illustration von Fidus im Sammelband der Gedichte von Karl Henckell, für die er sie gezeichnet hat, gar nicht erschienen. Dass Klimt sie als Illustration eines Beitrags von Wilhelm Spohr, der 1901 in der Berliner Zeitschrift Der Mensch erschienen ist, gesehen hat, ist eher unwahrscheinlich. Die grosse Fidus-Monographie von Spohr, in der sie ebenfalls reproduziert ist, ist zwar 1902 herausgekommen, im selben Jahr also, in dem Klimt am Beethovenfries arbeitete, aber erst gegen Ende des Jahres.
Umgekehrt dagegen ist es gut denkbar, dass Fidus Reproduktionen von Klimts Zyklus, der damals für Aufsehen und Kritik sorgte, zu Gesicht bekommen hat.
- Gedichte in der digitalen Sammlung der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf.
- Fidus, in: Der Mensch, 3. Jahrg., 1901, S. 292-298.
- Die 14. Ausstellung der Secession wurde vom 15. April bis 27. Juni 1902 gezeigt. Das Vorwort seines Werks hat Spohr mit "Friedrichshagen, Herbst 1902" datiert.
- Zum Beethovenfries etwa Stephan Koja (Hrsg.), Gustav Klimt - Der Beethoven-Fries und die Kontroverse um die Freiheit der Kunst, München 2006.
Letzte Bearbeitung: 21. Januar 2018.