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Der evangelische Pastor Rachid Seighir aus der westalgerischen Küstenstadt Oran erlebt schwere Zeiten. Am 2. Juni 2021 wurde seine Kirche geschlossen. Vier Tage später wurde er wegen «Schwächung des muslimischen Glaubens» zu einer Haftstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt. Unterstützen Sie unsere Protestaktion.
Die Oratoire-Kirche von Pastor Seighir ist eine von drei Kirchgebäuden in der Provinz Oran, bei denen am 2. Juni 2021 die Schliessung angeordnet wurde. Die anderen beiden betroffenen Kirchen befinden sich in El-Ayaid und Ain-Turk.
Doch die Schliessung seiner Kirche war nicht das einzige Schicksal, das den engagierten Pastor ereilte. Denn bereits vier Tage später erfolgte der nächste Dämpfer: Seighir, der in Oran auch einen Buchladen besitzt, wurde zusammen mit seinem Angestellten Nouh Hamimi zu einer einjährigen Bewährungsstrafe und einer Geldstrafe von umgerechnet 1400 Franken verurteilt. Dies wegen «Verbreitung von Publikationen und Propaganda, die den Glauben eines Muslims untergräbt.»
Das Urteil, das im Berufungsverfahren beschlossen wurde, fiel zwar milder aus als die ursprüngliche Verurteilung zu zwei Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von 3600 Franken, die am 27. Februar 2021 gegen die beiden ausgesprochen worden war. Dennoch betonte Farid Khemisti, der Anwalt der beiden Christen, dass sie diese Strafe nicht akzeptieren wollen und falls nötig beim Obersten Gerichtshof Berufung einlegen würden.
Für Pastor Seighir ist klar, dass die Verurteilung vom 6. Juni 2021 eine Vergeltungsmassnahme in einem Konflikt um den Bücherladen ist, der bis 2008 zurückreicht. Damals wurde er wegen der gleichen Anschuldigungen verurteilt und in der Berufung freigesprochen. 2017 ordnete der Gouverneur von Oran die Schliessung der Buchhandlung an. Doch im April 2018 entschied ein Gericht, dass diese Anweisung aufgrund von Verfahrensfehlern ungültig sei. Trotzdem verhinderten die zuständigen Behörden die Wiedereröffnung der Buchhandlung.
Auch die Schliessung von Seighirs Oratoire-Kirche hat eine längere Vorgeschichte. Am 28. Dezember 2017 teilte der damalige Gouverneur der Provinz Oran mit, dass der Betrieb der Kirche «nicht mit den geltenden Gesetzen übereinstimmt.» Gemeint ist hiermit ein Gesetz aus dem Jahr 2006, wonach nicht-muslimische Gotteshäuser lizenziert werden müssen. Doch bis heute ist die algerische Regierung auf keinen einzigen Antrag zur Lizenzierung durch nicht-muslimische Glaubensgemeinschaften eingegangen.
Dieser Missstand führt dazu, dass in Algerien laufend Kirchen per Regierungsbeschluss geschlossen werden. Pastor Rachid Seighir, der nun ebenso direkt betroffen ist, versteht die Welt nicht mehr. «Das ist ein reiner Angriff gegen uns algerische Christen und die Kirchen.»
Reto Baliarda
Quelle: msn