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A WIE ADAM
A WIE ABRAHAM
A WIE ALLAH
A WIE ALPHABET
ALLES FÄNGT MIT A AN.
Abraham ist der Vater vieler Völker. Für Juden, für Christen und für Muslime steht Abraham am Anfang ihrer Geschichte, der Geschichte Gottes mit uns Menschen. Abraham machte sich auf den Weg, ohne das Ziel zu kennen, aber im festen Vertrauen auf Gott, der ihm Land verheissen hatte, Kinder und Enkelkinder, eine grosse Nachkommenschaft, so zahlreich wie Sand am Meer. Abraham ist der erste Mensch in der Bibel, der sich allein auf Gottes Wort und Segen verlassen hat.
Abraham war ein reicher Scheich. Er lebte vor etwa 3000 Jahren. Er kam aus einem Land, in dem es heute noch Menschen gibt, die leben, wie er damals gelebt hat, als Beduinen und Scheiche. Grosse Sippen mit grossen Herden, die als Nomaden herumziehen, immer dorthin, wo ihre Tiere Weiden ﬁnden. Abraham aber brach auf, um in ein Land zu ziehen, das er noch gar nicht kannte. Das Land, das Gott ihm zeigen würde. Es ist das Land, in dem heute noch, oder besser, in dem heute wieder Juden leben, das Land Israel.
Abraham hatte eine sehr schöne Frau, die hiess Sara. Aber leider bekam Sara keine Kinder. Wie sollte Abraham so zum Vater vieler Völker werden, wenn er noch nicht einmal einen einzigen Sohn hatte? Das machte ihm lange Zeit grossen Kummer und hie und da, in der Nacht, wenn er nicht schlafen konnte, sass er vor seinem Zelt und betete zu Gott: «Wann endlich wirst du dein Versprechen wahr machen und mir ein Kind schenken?» Gott sagte dann einmal zu ihm: «Schau einmal den Himmel an und die Millionen Sterne. Es sind mehr, als du zählen kannst. So zahlreich sollen einst deine Nachkommen sein.»
Doch weil Abraham und Sara alt geworden waren, dachten die beiden, dass ihm vielleicht eine andere Frau ein Kind schenken könnte. In jener Zeit haben viele Scheiche mehrere Frauen gehabt. So nahm sich auch Abraham noch eine zweite Frau, die Dienerin von Sara, Hagar hiess sie. Hagar bekam bald schon ein Kind und erst noch einen Sohn. Sie nannten ihn Ismael. Das heisst: Gott erhört! Die Freude war gross, ausser bei Sara, denn begreiﬂicherweise war sie eifersüchtig.
Einmal, es war während der grössten Mittagshitze, sass Abraham im Schatten eines grossen Baums vor seinem Zelt und döste ein wenig vor sich hin. Da sah er in der ﬂimmernden Luft über dem Horizont drei fremde Männer auftauchen, die langsam näherkamen. Abraham stand auf und ging ihnen entgegen. Er begrüsste sie und sagte: «Seid meine Gäste. Ihr müsst müde und durstig sein.» Er holte einen Krug kühles Wasser, damit sie sich erfrischen konnten. Er rief nach seinen Knechten und liess ein Kälblein schlachten und zubereiten. Dann setzte er den drei Fremden ein wunderbares Essen vor. Nur das Beste war gut genug, und Abraham bediente sie persönlich, draussen, im Schatten des grossen Baums. So war das damals und so ist es in vielen arabischen Ländern auch heute noch: Gastfreundschaft ist eine heilige Pﬂicht. Und: Frauen zeigen sich nicht, wenn fremde Männer da sind. Sara blieb also im Zelt.
Als die drei gegessen hatten, bedankten sie sich für die Bewirtung und bevor sie aufbrachen, fragten sie Abraham: «Wo ist eigentlich deine Frau?» Abraham antwortete: «Sie ist im Zelt.» Da sagte einer von ihnen: «In einem Jahr, wenn ich wieder hier vorbeikomme, wird sie einen Sohn haben.» Sara, die im Zelt drinnen die Ohren gespitzt hatte, als die Männer draussen miteinander redeten, konnte das Lachen nicht unterdrücken. «Ich und ein Kind, das ist ja ein Witz», dachte sie, «jetzt, wo ich doch schon eine alte Frau bin. Ich könnte ja längst Grossmutter sein.» «Warum lacht sie?», fragte der Fremde. «Glaubt sie etwa, in ihrem Alter sei es nicht mehr möglich, Mutter zu werden? Ja, wenns nach menschlichem Ermessen ginge, wäre es unwahrscheinlich, aber für Gott ist kein Ding unmöglich. Ihr werdet sehen, in einem Jahr, wenn ich wiederkomme, wird Sara einen Sohn haben.» Da streckte Sara den Kopf aus dem Zelt heraus und sagte: «Ich habe ja gar nicht gelacht.» Es war ihr peinlich, denn man darf Gäste nicht auslachen. Der Gast aber sagte nur: «Doch, doch, ich habs gehört, du hast gelacht!»
Aber, was weder Sara zu glauben noch Abraham zu hoffen gewagt hatten, geschah. Sara bekam einen Sohn. Sie nannte ihn Isaak. Das bedeutet: Lachen! Jetzt konnte sie wieder lachen und auch zugeben, dass sie damals gelacht hatte. Sogar ertragen, dass andere lachten und sagten: «Das ist ja ein Witz, die könnte ja die Grossmutter ihres eigenen Sohns sein.»
Nur dass auch Hagar lachte, das konnte Sara nicht dulden. Sie war immer noch schrecklich eifersüchtig. Und sie ertrug es auch nicht, wenn die beiden Buben, Ismael und Isaak, miteinander stritten. Ismael war älter und stärker und sie hatte immer Angst, er könnte ihrem Isaak wehtun. Schliesslich musste Abraham seine zweite Frau Hagar fortschicken samt ihrem Sohn, um des Friedens in der Familie willen.
Das ist eine traurige Geschichte, die bis heute kein gutes Ende gefunden hat. Denn aus den beiden Söhnen von Abraham sind zwei grosse Völker hervorgegangen: aus Isaak die Juden und aus Ismael die Araber. Bis heute kommt es immer wieder zu feindlichen Auseinandersetzungen, vor allem wegen Gebietsansprüchen und um die alten Heiligtümer im heutigen Israel und Palästina, dem Land, das Gott Abraham einst verheissen hatte.
Nachzulesen in der Bibel sind diese und alle anderen Abrahamsgeschichten im Ersten Buch Mose, Kapitel 12–25.
Das Alphabet fängt mit A an.
Adam ist der erste Name in der Bibel für den ersten Menschen, den Gott erschaffen hat, und er fängt auch mit A an. Und der Name jenes Mannes, der Gott ganz bedingungslos vertraut hat, des Vaters aller Gläubigen ebenfalls: Abraham. Mit Adam und mit Abraham hat alles angefangen, das Leben und der Glaube.
Aber es ist so eine Sache mit den Anfängen. Man fragt sich doch manchmal, wer denn den allerersten Anfang gemacht hat. Wer hat die Erde gemacht und den Himmel, Sonne, Mond und Sterne? Wer hat das erste Wort gesprochen, den ersten Buchstaben geschrieben … Und was war vorher da, bevor die Welt entstand? War Gott ganz allein da, im grenzenlosen All, immer schon?
Auch was einen selbst betrifft, fragt man sich manchmal, wo das eigene Leben eigentlich seinen Anfang nahm. Man kennt den Geburtstag, den Tag, an dem man zur Welt kam. Aber hat das Leben nicht schon vorher angefangen? Ein Kind im Bauch seiner Mutter lebt doch auch schon! Und bevor es überhaupt entstanden ist, war es da nicht auch schon da, als Wunsch seiner Eltern vielleicht?
Natürlich, nicht jedes Kind ist ein Wunschkind. Und in der Regel gerät auch kein Kind ganz nach den Wünschen seiner Eltern. Gott sei Dank muss es das auch nicht und darf ein eigener Mensch sein. Aber kein Kind und kein Mensch kommt einfach so auf die Welt, per Zufall. Jeder Mensch und jedes Kind verdankt sein Leben dem Ursprung und Schöpfer allen Lebens. Als ein Gedanke seines Herzens war es immer schon da, längst bevor es zur Welt kam, ja vielleicht sogar noch bevor diese Welt entstanden ist.
Alles, was einen Anfang hat, hat auch ein Ende. Nur einer hat weder Anfang noch Ende. Er war vor aller Zeit und steht über aller Zeit. Das ist Gott. Mit diesem Wort benennen wir ein Geheimnis, das grösser ist als unser Verstand und alles, was wir erklären und begreifen können. In der Sprache der Bibel beginnt das Wort Gott übrigens mit dem ersten Buchstaben vom Alphabet. Denn er ist der Anfänger von allem. In ihm ist der Anfang allen Lebens und aller Liebe, aus dem sich alle Anfänge und Neuanfänge speisen. Natürlich kann das niemand beweisen. Niemand hat Gott je gesehen. Aber es kann auch niemand das Gegenteil beweisen, nämlich dass es diesen Anfänger aller Anfänge gar nicht gibt. Das Geheimnis bleibt bestehen. Die Antwort auf die Frage, warum überhaupt etwas ist und nicht vielmehr nichts, kann nur der Glaube geben.