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In den vergangenen Modulen haben wir einiges zur Anatomie, Neurologie, Pathologie und Chirurgie der Wirbelsäule gehört.
Meiner Meinung nach wurden aber wesentliche Zusammenhänge nicht explizit erläutert, weswegen ich diese hier vorstellen möchte. Hat man diese wirklich verstanden, werden viele Wirbelsäulenpathologien einfach und logisch verständlich.
Zum Begriff „Segmentum mobilitatis intervertebrale“
Dieser Begriff ist auch unter dem Namen „Junghanns’sches Bewegungsegment“ bekannt, welches nach seinem Erstbeschreiber – Herbert Junghanns (1902 – 1986) – benannt wird.
Junghanns war Schüler und Mitarbeiter von Georg Schmorl, welcher als der Pionier der Wirbelsäulenforschung gilt und er war auch Gründer (1955) und Herausgeber der Buchreihe „Die Wirbelsäule in Forschung und Praxis„, deren Herausgabe nach dem Tode von Junghanns noch bis zum Jahre 1990 weitergeführt wurde (ca. bis Band 110).
Band 75, der im Jahre 1977 erschien war der „Nomenclatura Columnae Vertebralis“ gewidmet, in welcher 209 Termini zum Thema Wirbelsäule vorgeschlagen werden und „in sechs lebende Sprachen“ übersetzt wurden.
„Mit der Aufstellung einer mehrsprachigen Terminologie macht das vorliegende Wörterbuch der Wirbelsäule den Anfang zu einer internationalen einheitlichen Benennung der Fachbezeichnungen mit dem Ziele, die Fachwörter auf einen unverwechselbaren Begriff von eindeutigem Sinngehalt festzulegen.“
Der Begriff „Segmentum mobilitatis intervertebrale“ erscheint als 157. Terminus und wird wie folgt definiert:
Bewegungsraum zwischen zwei Wirbeln. Dazu gehören das „Halbgelenk Zwischenwirbelscheibe“ (Gallertkern, Faserring, Knorpelplatten), beide Wirbelbogengelenke mit Gelenkkapseln und Menisci, die in der gleichen Bewegungsebene liegenden Raumanteile des Wirbelkanals sowie des rechten und linken Zwischenwirbelkanales, ferner die Räume zwischen den übereinander liegenden Wirbelbögen mit den Raumanteilen zwischen den Dornfortsätzen sowie zwischen den rechten und linken Querfortsätzen mit dem Ligamentum interspinale und em Ligamentum supraspinale: stark umrundeter Bezirk in Bildmitte.
Als zugehörig sind weiterhin zu rechnen die den Zwischenraum vorn und seitlich überspringenden Teile des Ligamentum longitudinale ventrale (Terminus 105), die an der Bandscheibenrückwand ansetzenden Abschnitte des Ligamentum longitudinale dorsale (Terminus 106 mit Bild), die Venengeflechte der Wirbelkanales, die Nerven und Gefässe in den beiden Zwischenwirbelkanälen, die Muskelansätze und die Bänder im Bereich der Dorn- und Querfortsätze.
Zur Bezeichnung eines bestimmten Bewegungsegmentes empfiehlt sich die Angabe der beiden angrenzenden Wirbelkörper, siehe Discus intervertebralis (Terminus 61).
Pathomechanik des Bewegungssegmentes
Die im folgenden geschilderten pathomechanischen Überlegungen lehnen sich an die Arbeiten von Junghanns und Benini an. Junghanns veröffentliche unter dem Titel „Die gesunde und kranke Wirbelsäule in Röntgenbild und Klinik“ ein Standardwerk zur Pathologie der Wirbelsäule, welches noch heute seinesgleichen sucht. Die erste Auflage erscheint 1932 – dem Todesjahr von Schmorl – und erschien das letzte Mal 1968 als 5. Auflage.