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Seit jeher praktiziert Sébastien de Ganay lustvoll den Grenzgang: Seine Werke sind zwischen den künstlerischen Medien Bild, Relief und Skulptur angesiedelt, flirten oft mit dem Metier Design und mit Figuration genauso wie mit minimalistischer Abstraktion. Wahrnehmungsprozesse und Kategorisierungen stellt er so spielerisch auf den Prüfstand.
Wie seine Kunst, so ist auch de Ganays Leben alles andere als konventionell: Der Franzose von adeliger Abstammung lebt heute im ländlichen Niederösterreich in einer früheren Radiostation, die er zum Wohn- und Atelierhaus umbauen liess. Davor hatte er an der New Yorker Columbia University Politikwissenschaft und Kunst im Studiengang «Cinema» studiert. Anfangs widmete er sich dann vorrangig einer fotorealistischen aber experimentellen Malerei. Seine Figuren wurden bald in einem grossflächigen Punktraster aufgelöst, was ihre illusionistische Darstellung unterwanderte. Daneben hat de Ganay seit Anfang der 2000er-Jahre ein vielfältiges, vorwiegend industriell produziertes skulpturales Œuvre entwickelt, das teils von Alltäglichem inspiriert ist und soziokulturelle, philosophische oder kunsthistorische Fragen streift. Post-it-Zettel etwa waren ausschlaggebend für die Folded-Flat-Reliefs, die entfernt an «Shaped Canvases» erinnern. Die Cartons, ebenfalls aus Aluminium, erproben die Verwandlungsmöglichkeiten einer Kartonbox und entwickelten sich zu mehreren Stuhl- und Tischserien. Auch die Werke in der Sammlung der Mobiliar sind künstlerische Gebrauchsgegenstände. Das einfache «Baukastensystem» der aus nur vier Teilen bestehenden Sessel und die kargen Materialien sind Programm. Einladend wirkt das Mobiliar dennoch, auch dank der Aufschrift «Please», die der international renommierte amerikanische Künstler John Baldessari (1931‒2020) beisteuerte. Zurückgelehnt auf einem der Objekte mag man darüber sinnieren, ob die Bitte mehr als eine blosse Aufforderung zum Sitzen ist …
Sébastien de Ganay ist seit den frühen 1990er-Jahren europaweit rege in Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten. Zudem engagiert er sich für das Kunstgeschehen auch als Mitbegründer des Verlags onestar press, der Kunstpublikationen und Editionen herausgibt.
Sébastien de Ganay, 1962 geboren in Boulogne-Billancourt (FRA), lebt und arbeitet in Bad Deutsch-Altenburg (AUT).Tätigkeitsbereiche: Malerei, Relief, Skulptur, Design