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23. Konrad II. von Gösgen
Konrad II. von Gösgen (1334-48)389. Abt Konrad entsproĂ dem freiherrlichen Geschlecht derer von Gösgen, Kanton Solothurn390. Nach einer Glosse bei Bonstetten wĂ€re sein Vater Gerhard v. Gösgen gewesen (S. 199). Beim Ăberfall von 1314 war er Subdiakon. Die Schwyzer fĂŒhrten ihn gefangen mit sich, doch gelang es ihm auf der Altmatt, als man ĂŒber die Freilassung der Klosterknechte verhandelte, zu entkommen. Er ging jedenfalls zu seinem Abte nach PfĂ€ffikon. Sonst hören wir aber nichts von ihm bis zu seiner 1334 erfolgten Wahl zum Abte; eine Glosse bei Bonstetten gibt als Wahltag den 18. April an, was kaum stimmen kann, da sein VorgĂ€nger erst am 21. Juli starb.
Unter Abt Konrad sollte der Marchenstreit neu aufleben; wenigstens deuten einige Vorkommnisse darauf hin. AnlĂ€Ălich der Kirchweihe 1338 waren in Einsiedeln Streitigkeiten zwischen Schwyzern und Leuten der Grafen von Habsburg-Laufenburg-Rapperswil ausgebrochen, die zu Totschlag fĂŒhrten. Am 1. Dezember desselben Jahres kam dann allerdings eine Einigung der Grafen mit den Schwyzern zustande391. Am 9. Januar 1342 aber versprach der Einsiedler Konventuale Markwart von Bechburg eidlich am Sattel, daĂ er auf einen Vergleich zwischen Einsiedeln und Schwyz hinwirken wolle; Bechburg war möglicherweise gefangen genommen worden. Ein gleiches Versprechen muĂte am 25. November 1344 auch ein anderer Konventuale, Rudolf von Zimmern, abgeben, und zwar geschah dies in Einsiedeln. Möglicherweise waren darum der Abt und die andern Konventualen geflohen und nur dieser in Einsiedeln zurĂŒckgeblieben392. Sichere Nachrichten haben wir indessen keine. Schlimmer waren die VorgĂ€nge, die sich in PfĂ€ffikon abspielten, wo Graf Johannes II. von Rapperswil in der Zeit zwischen dem 31. Juli 1347 und dem 26. Juni 1348 vereint mit den BĂŒrgern von Rapperswil die Feste PfĂ€ffikon ĂŒberfiel, sie vollstĂ€ndig ausraubte und den Abt, der sich gerade dort aufhielt, mit sich gefangen fortfĂŒhrte. Die Ereignisse hĂ€ngen jedenfalls zusammen mit den politischen UmwĂ€lzungen, die sich damals in ZĂŒrich abspielten. Dort hatte Brun 1336 eine VerfassungsĂ€nderung durchgefĂŒhrt. Der damit unzufriedene Ritteradel floh zum Grafen von Habsburg-Rapperswil. In der Folge entbrannte ein richtiger Kleinkrieg. Abt Konrad, mit Brun jedenfalls gut bekannt - einer seiner Söhne hatte die Stiftspfarrei Rued (Kanton Aargau) inne - anerkannte mit anderen Herren die getroffenen Ănderungen. Darum wohl lud der Abt den HaĂ des Rapperswiler auf sich. Graf Johann I. fiel am 21. September 1337 bei Grynau, sein Sohn Johannes II. aber fĂŒhrte die Fehde weiter und ĂŒberfiel, wie gesagt, PfĂ€ffikon, wobei ihm sogar der Abt in die HĂ€nde fiel. Wie lange Abt Konrad gefangen saĂ, ist nicht zu ermitteln; sicher war er am 26. Juni 1348 wieder frei und PfĂ€ffikon wieder in seinen HĂ€nden, denn unter diesem Datum kam durch Vermittlung einiger Herren eine Aussöhnung zwischen dem Abt und dem Rapperswiler zustande. Der Schaden muĂte ersetzt werden, wofĂŒr Abt Johannes die Wege zur Aufhebung des Bannes ebnete, der offenbar verhĂ€ngt worden war393. Graf Johann II. und seine BrĂŒder versprachen dafĂŒr, das Gotteshaus, seine Leute und GĂŒter in ihren besondern Schutz nehmen zu wollen394.
Diese Grafen von Habsburg-Laufenburg-Rapperswil gingen immer mehr ihrem finanziellen Untergang entgegen. Schon Johannes I. hatte 1335 den Einsiedler Lehenshof Erlenbach mit der Vogtei an seinen Oheim, Grafen Kraft von Toggenburg, Propst in ZĂŒrich, verpfĂ€ndet; die Söhne verĂ€uĂerten diese Vogtei 1345 an den Grafen Friedrich von Toggenburg395. Johann II. verpfĂ€ndete ca. 1342, nachdem 1340 mit ZĂŒrich ein Friede zustande gekommen war, die Vogtei ĂŒber die Höfe Bach, Wollerau und PfĂ€ffikon an den Bruder des BĂŒrgermeisters Brun396. Auch die Vogtei ĂŒber das Stift selber und die Waldstatt wechselten ihren Inhaber, denn die Herzöge von Ăsterreich verpfĂ€ndeten sie der MarkgrĂ€fin Maria von Baden; diese wiederum verlieh die daherigen EinkĂŒnfte auf gut 4 Jahre Abt Konrad gegen eine jĂ€hrliche Leistung von 50 Pfund ZĂŒrcher Pfennig397.
Ăhnlich wie sein VorgĂ€nger bemĂŒhte sich Abt Konrad, die finanzielle Lage des Gotteshauses zu bessern. Er lieĂ verschiedene Zinsrotel neu anlegen, hielt auch mit den AmmĂ€nnern fleiĂig Abrechnung. Ebenso konnte er einige Schulden tilgen398.
In Fahr fiel ein ProzeĂ mit dem Kloster Wettingen wegen Fischenzen vor, der ebenfalls unsern Abt beschĂ€ftigte399. Das Patronatsrecht ĂŒber Weiningen suchte Abt Konrad erneut an sich zu ziehen, aber auch diesmal ohne Erfolg400. FĂŒr die Propstei St. Gerold (bis dahin Friesen geheiĂen) erwarb der Abt den 29. November 1340 von Hug und Swigger, den Tumben von Neuburg, den halben Kirchensatz der Pfarrei Schnifis401. Diese beiden BrĂŒder hatten auch die Vogtei ĂŒber St. Gerold inne, seit 1348 nur mehr Swigger; die ersten Vögte waren wahrscheinlich die Grafen von Montfort gewesen402. Diese beiden BrĂŒder hatten dem Abt schon 1337 einen Sicherheitsbrief fĂŒr die Pilgerwege im Vorarlberg ausgestellt403. FĂŒr die Gnadenkapelle machte Königin Agnes von Ungarn um diese Zeit eine Stiftung404.
Urkundlich erscheint Abt Konrad II. das letzte Mal den 26. Juni 1348405. Sein Nachfolger aber erscheint erstmals den 14. Februar 1349406, daher muĂ der im Totenbuch der FraumĂŒnsterabtei ZĂŒrich erwĂ€hnte Todestag407 der 4. November 1348 sein. Sehr wahrscheinlich haben ihm die VorgĂ€nge und die Gefangennahme in PfĂ€ffikon so zugesetzt, daĂ er bald darauf starb. Unter ihm hören wir erstmals von einem Klosterarzt; denn in einer Urkunde vom 14. August 1340 erscheint als Zeuge sein Arzt, der Meister Ulrich von Isny408.
Von Abt Konrad haben sich zwei verschiedene Siegel erhalten, die von besonderer Bedeutung sind, weil auf ihnen erstmals das Familien- und das Klosterwappen erscheint. Das erste, spitzovale Siegel weist in gewohnter Weise den sitzenden Abt mit Buch und Stab auf, unten aber das Familienwappen der Gösgen, den schrĂ€grechts von Rot und Silber geteilten Schild. Die Umschrift lautet: « S. CHVNRAD1. DEI. GRA. ABBIS. MON. HEMITAR.» - Das zweite Siegel zeigt in gleicher Weise den sitzenden Abt, nur hĂ€lt er das Pedum hier mit der Linken, unterhalb aber ist das Klosterwappen, das indessen nur einen Raben aufweist. Die Inschrift deckt sich mit der des ersten Siegels409.- Wenn auch hier 1347 zum ersten Mal das Klosterwappen uns begegnet, so wissen wir doch, daĂ es schon ungefĂ€hr hundert Jahre frĂŒher im Gebrauch war, denn in der bekannten Wappen-Dichtung des Konrad von Muri aus der Mitte des 13. Jahrhunderts410 finden sich schon die Verse:
«Vult abbas Heremitarum ductu rationis Ferre duos corvos, quos pro signo sibi ponis. Wohl begrĂŒndet wĂ€hlte der Abt des Klosters der WĂŒste Sich zwei Raben als sinniges Zeichen des fĂŒrstlichen Wappens»411.