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Geschichte der Grabgestaltung
Den Brauch, Grabstellen zu errichten, gibt es nicht erst seit unserer Zeit. Schon vor Jahrtausenden wurden grosse, oft hohe Steinblöcke gruppiert und aufeinander gestellt, um die Bedeutung von Verstorbenen nach aussen hin sichtbar zu machen. Eine sehr bekannte Ansammlung solcher als Megalithen bezeichneten Blöcke liegt im bekannten Stonehenge in Südengland, wobei im Gegensatz zu ebenfalls sehr alten Hügelgräbern nicht zweifelsfrei geklärt ist, ob es sich in Stonehenge tatsächlich um Grabstätten handelt. Auf jeden Fall wurden im Altertum für bedeutende Persönlichkeiten mitunter monumentale Grabmale erstellt. So zum Beispiel Mausoleen, imposante Grabstätten in Gebäudeform oder zumindest grosse Grabkammern, in welchen kunstvoll verzierte Sarkophage beigesetzt waren. Etwas schlichter waren Turmgräber, grosse Statuen mit Bildnissen oder wuchtige Steinplatten mit Reliefs des Toten, die als Stelen senkrecht gestellt wurden. Grabsteine wie wir sie heute kennen, waren ursprünglich eher ein Denkmal für, meist in der Fremde, gefallene Soldaten.
Im Mittelalter begann man Heilige, später auch Leute mit Rang und Namen, hauptsächlich in der Kirche und zwar in einem Gewölbe unter dem Bereich des Altars oder Chors, auch Krypta genannt, beizusetzen. Kunstvolle Sarkophage, nicht selten mit steinernen Abbildern der Toten geschmückt und vor allem mit Zahlen und Wappen bezeichnete Grabplatten aus Stein oder Bronze in den Untergeschossen so mancher Kirche zeugen davon.
Die sterblichen Überreste wurden allerdings nicht immer beim Grabmal beigesetzt. Solche Scheinsärge werden Tumbas genannt. Über Sarkophage oder Tumbas gelegte Grabplatten, vielfach mit metallenen Reliefs versehen, hatten einen wesentlichen Nachteil: Sie waren nicht so gut sichtbar, weshalb die Platten mehr und mehr auch separat aufgestellt wurden.
In der Ritterzeit wurden oft Schilde oder Helme von Gefallenen in der Heimatkirche aufgehängt. Aus diesem Brauch heraus entstanden oft sehr aufwändig gestaltete Totenschilder aus Holz, die als Gedenktafeln an Kirchenwänden prangen. Selbstredend, dass derart aufwändige Kunstwerke das Privileg des Adels war.
Die leidvolle Pestwelle im 14. Jahrhundert hat den damaligen Menschen die Vergänglichkeit des Irdischen Lebens in einer äusserst drastischen Weise vor Augen geführt. Sie war denn auch Auslöser der Entwicklung, die Bildnisse der Verstorbenen nicht mehr oder nur als Lebende zu zeigen, sondern auch im Zustand des Todes: Skelette, Schädel oder Knochenteile wurden nicht mehr nur ins Grab gelegt, sondern ihre Darstellung diente auch als Personifikation des Todes und gleichzeitig Hoffnung auf Auferstehung. Kein Wunder, suchte man das Heil in der Auferstehung: etwa ein Drittel der Bevölkerung raffte der «Schwarze Tod» qualvoll dahin. Ab dem 18. Jahrhundert wurden die Skelette mehr und mehr durch Engelsdarstellungen abgelöst. Sie sollen zwischen Himmel und Erde vermitteln und sind nicht nur im Christentum verbreitet.
Es ist offensichtlich, dass die Grabgestaltung immer auch ein Ausdruck des Zeitgeistes war und auch heute noch ist. Hygienische Probleme bei der Erdbestattung und Platznot führten zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur in Europa bereits früher bekannten, aber wenig praktizierten Feuerbestattung. Dass sich diese durchsetzte, ist nicht selbstverständlich: sowohl die katholische als auch die reformierte Kirche widersetzte sich nämlich lange Zeit der Kremation. Ja sie galt gar als barbarische Sitte: an vielen Orten durften Eingeäscherte nicht kirchlich bestattet werden. Die Beisetzung von Urnen anstelle von Särgen ermöglichte jedoch andere Formen der Grabgestaltung. Neben den heute üblichen Reihengräbern und Urnennischen gibt es diverse andere Möglichkeiten.