Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03414.jsonl.gz/1746

Am 18. Juni 1953 wurde Johannes als zweites Kind seiner Eltern Willi und Emmi Bodmer in Uster geboren. Der Vater war Musiklehrer und Chordirigent und die Mutter Organistin und Klavierlehrerin. Zusammen mit seiner Schwester verbrachte er eine unbeschwerte Kindheit. Die Basis für den christlichen Glauben wurde durch die Eltern und ebenso durch die Grossmutter Ida gelegt.
Seine Freizeit verbrachte Johannes mit den Kindern des Quartiers mit Fussball oder Pfeiljagd usw. Auch die Pfadfinderzeit entsprach ihm sehr.
1970 trat er ins Evang.Lehrerseminar Zürich ein, welches er 1975 mit dem Primarlehrerpatent abschloss. Die folgenden zwei Jahre unterrichtete er an der Mittelstufe in Dübendorf, worauf er im Herbst 1977 mit dem Theologiestudium in Zürich begann. 1978 verheiratete er sich mit Margrit Frei aus Zofingen, die er am Lehrerseminar kennengelernt hatte. 1983 beendete er das Studium in Zürich mit dem Lizentiat und der Konkordatsprüfung. Das Vikariatsjahr in Gossau ZH (bei Daniel von Orelli und Fritz Rohrer) war für Johannes entscheidend prägend für die Ausrichtung als Verkündiger und Seelsorger.
1983 kam seine erste Tochter Mirjam zur Welt, 1984 folgte die zweite Tochter Rahel. 1985 zog die junge Familie nach Nordargentinien, zur Schweizer Kirche in der Provinz Misiones. Dort betreute Johannes für fünf Jahre eine geographisch sehr weiträumige Diasporagemeinde mit vier Gottesdienst-Orten. Dazu kam der Unterricht an einer schweizerisch/argentinischen Sekundar- und Berufsschule. Diese Zeit weitete seinen Blick für eine andere Kultur und ein einfaches und ruhiges Leben auf dem Lande mit kleinbäuerlichen Strukturen. Im Jahre 1986 kam die dritte Tochter Rebeca zur Welt.
Wieder zurück in der Schweiz trat Johannes 1990 in Weinfelden, einer Zentrumsgemeinde des Thurgaus, seine einzige Pfarrstelle in der Schweiz an.
Die pfarramtliche Tätigkeit wurde für ihn mehr und mehr zur Lebensberufung. Die grosse Anzahl an aktiven Mitgliedern liessen das Gemeindeleben blühen. Die Arbeit verlangte viel von ihm und erfüllte ihn gleichzeitig. Von der Kirchenvorsteherschaft fühlte er sich in den gesamten 27 Jahren stets unterstützt. Gemeinsam mit dem Kollegen-Team konnte er ermutigen, lehren, begleiten und Strukturen bieten. In den Sonntagspredigten, seiner liebsten Tätigkeit, hat er durch klare Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus die Menschen erreicht und sie im Glauben gefördert. In den zahlreichen Abdankungen traf er mit einfühlsamen Worten die Situation der Verstorben und Angehörigen. Dazu gab er Hoffnung und Bestärkung, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Die ökumenische Zusammenarbeit, aber auch gute Allianzbeziehungen waren ihm wichtige Anliegen. Seine Berufskollegen wählten ihn1993 zu ihrem Dekan im Dekanat Weinfelden. Dieses Amt hatte er bis 2008 inne.
Seine Familie war Johannes stets ein Herzensanliegen. Zitat aus der Abschiedsrede seiner Töchter: «Wir dürfen uns glücklich schätzen, dich als Vater gehabt zu haben. Du prägtest uns mit deinem fürsorglichen und friedliebenden Wesen und deinem Familiensinn. Du warst der Fels in der Brandung und für uns ein souveräner Vater. Bei dir fanden wir überzeugende und tiefgreifende Antworten auf wichtige Fragen des Lebens. Du nahmst dir, trotz deiner grossen beruflichen Beanspruchung, immer wieder Zeit für uns und hattest ein offenes Ohr für unsere Anliegen».
Im Jahr 2008 traf Johannes die grösste Zäsur seines Lebens, die Diagnose Fuchsbandwurm. Nach langem Spitalaufenthalt und ebenso langer Erholungszeit wurde ihm bewusst, dass er ein zweites Leben geschenkt bekommen hatte.
In den folgenden Jahren musste er mit mehreren gesundheitlichen Einbrüchen kämpfen, weshalb er sich im Juni 2017 mit 64 Jahren pensionieren liess.
Bei seinem Abschiedsgottesdienst am 27.Juni 2017 war die 800 Plätze fassende Kirche fast vollständig besetzt. Johannes Bodmer predigte über Ps.119,105 und legte seiner Gemeinde nochmals die Bibel ans Herz, und zwar nicht nur für die berühmte Insel, sondern überhaupt für ein gelingendes Leben. Der Gemeindepräsident, der kantonale Kirchenrat, katholische und freikirchliche Kollegen waren zugegen und würdigten die Verdienste und das integrative Wirken von Johannes Bodmer. Zum Schluss erhoben sich die Kirchgängerinnen und Kirchgänger und dankten ihrem langjährigen Pfarrer mit einem minutenlangen Applaus.
Aus dem Bericht zu seiner Pensionierung in der Thurgauer Zeitung: «Es gelang ihm, Ruhe und Kontinuität in die Kirchgemeinde zu bringen….Pfarrer Bodmer war geradlinig, klug und belesen, mit feinem Humor, wo es angebracht war. Kein Mann der grossen Worte, aber ein Mann der klaren und starken Worte. Er war ein guter Prediger. Weil er mit offenen Augen und Ohren durch die Welt ging, hat er viele Alltagssituationen notiert und sie dann später in einer Predigt aufgegriffen. Damit gab er vielen Weinfeldern eine Lebenshilfe.» Kein Wunder konnte er sich stets über einen guten Gottesdienstbesuch freuen.
Kurze Zeit später brachte ihn eine Nebennieren-Insuffizienz an den Rand seiner Kräfte. Mit Hilfe von Medikamenten gewann er für kurze zwei Monate neues Wohlbefinden. Mitte Dezember stellten die Ärzte die erschütternde und völlig unerwartete Diagnose Krebs. Bald darauf folgte eine äusserst komplizierte Operation mit schwerwiegenden Komplikationen. Von da an bangten wir Angehörige mit ihm um sein Leben.
Am Abend des 1.Januars 2018 wurde Johannes im Beisein seiner Familie von seinem schweren Leiden erlöst. Er ist uns vorausgegangen in die Herrlichkeit seines Schöpfers. Sein Kollege im Amt, Pfr.Richard Häberlin, hielt vor einer grossen Trauergemeinde eine bewegende Abdankungspredigt.
Zusammengestellt von Margrit Bodmer-Frei und Peter Keller
Margrit Bodmer-Frei und Peter Keller