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Das Leben des großen preußischen Staatskanzlers
Karl August von Hardenberg war preußischer Außenminister von 1804 bis 1806 und Staatskanzler von 1810 bis 1822. Er war einer der Initiatoren der so genannten „preußischen Reformen“. Diese Reformen waren eine Reaktion auf die verheerende Niederlage Preußens gegen Napoleon in der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806: Preußen war vor dem Hintergrund der überwältigenden Übermacht Napoleons gezwungen, sich entscheidend zu modernisieren – gesellschaftlich, politisch, militärisch und wirtschaftlich. Hardenberg lieferte zusammen mit Karl Freiherr vom Stein die Blaupause für diese Modernisierungen, die deshalb auch bis heute als „Stein-Hardenberg’schen Reformen“ bezeichnet werden. Sie beruhten auf den Ideen der Aufklärung und stellten eine wichtige Etappe der Entwicklung Preußens dar.
Viele der von Hardenberg eingeleiteten Reformen, etwa seine Verwaltungsreformen, prägen bis heute das Wesen eines modernen Staates, so dass er zu Recht als einer der großen Staatsreformer des 19. Jahrhunderts gilt, dessen Wirkung bis ins Ausland ausstrahlte. Hardenberg war eine widersprüchliche Figur: Er reformierte die Staatsfinanzen von Grund auf – war aber selbst chronisch überschuldet. Sein Geschick und seine Fähigkeiten führten ihn in das höchste preußische Staatsamt, seine zahlreichen Ehen und Liebschaften lassen ihn als Getriebenen auf der Suche nach Geborgenheit erscheinen: Seine erste Ehe mit Christiane von Reventlow hielt nicht lange - auch wegen einer Affäre, die Christiane mit dem Prinzen von Wales (dem späteren George IV.) hatte. Die Beziehung zu seiner zweiten Frau, Sophie von Lenthe, war ebenfalls von kurzer Dauer, und seine dritte Frau Charlotte Langenthal verließ ihn am Ende seines Lebens. Sein Weggefährte Freiherr vom Stein nannte ihn wegen seiner amourösen Eskapaden "halb Fuchs, halb Bock".
Lothar Gall, einer der großen deutschen Historiker, zeichnet in seiner Biografie das Bild eines großen Staatsmannes mit all seinen menschlich-allzumenschlichen Seiten.
»Lothar Gall, der Doyen der deutschen Historiografie, widmet ihm die erste Biografie seit Jahrzehnten - mit leichter Feder und nüchterner Eleganz.« NZZ am Sonntag