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„Die Schweiz soll in Zukunft so rauchfrei sein, dass niemand mehr unfreiwillig dem Passivrauch ausgesetzt ist“, fordert Simone Eigenmann-Schüttel vom Bundesamt für Gesundheit. In der Schweiz rauchen knapp 30 Prozent der Gesamtbevölkerung, in anderen Ländern liegt der Anteil der Raucher zum Teil noch höher. Um diese Zahl zu senken, sind seit einiger Zeit auf allen Zigarettenpackungen Warnhinweise abgedruckt. Doch zeigen diese überhaupt Wirkung? „In einer Studie gaben fast die Hälfte aller befragten Raucher an, dass ihre Motivation, mit dem Rauchen aufzuhören, durch die Warnhinweise gestiegen ist“, sagt Eigenmann-Schüttel weiter. Seit einigen Jahren nimmt die Zahl der Rauchenden in der Schweiz leicht ab und die Tendenz ist weiter sinkend.
Betreuung und Entwöhnungspräparat
Tabakraucher nehmen mit dem eingeatmeten Rauch kleine Mengen Nikotin auf und empfinden als Folge bestimmte körperliche Wirkungen. In geringen Dosen wirkt Nikotin als Nervenstimulans, indem es die Ausschüttung von Adrenalin und anderer Hormone fördert. Die Auswirkungen des Nikotins auf das Nervensystem sind von Mensch zu Mensch verschieden. Rauchen hat negative Auswirkungen auf die Gesundheit, etwa beim Herz, Kreislauf, den Lungen und verschiedenen anderen Organen. Krebs ist ein Thema, das Raucher besonders betrifft. Die Wahrscheinlichkeit, an Lungenkrebs zu erkranken, ist bei einem Raucher siebenmal höher als bei einem Nichtraucher. Das Rauchen aufzugeben stellt jedoch für viele Süchtige eine schier unlösbare Aufgabe dar. „Der Erfolg kann deutlich erhöht werden, wenn eine fachliche Betreuung und ein Entwöhnungspräparat kombiniert werden“, erklärt Simone Eigenmann Schüttel.
Grossen Einfluss auf die Wirtschaft
Die Gewohnheit des Rauchens entstand Mitte des 16. Jahrhunderts in England. Man nahm allgemein an, Rauchen baue Spannungen ab und habe keine Nebenwirkungen. Erst ab 1930 erkannte man, dass die chemischen Stoffe im Zigarettenrauch krebserregend sind und auch andere Krankheiten verursachen können. 1964 wurden angemessene Massnahmen gegen das Rauchen gesetzt. Erst im Jahre 1997 gestand ein amerikanischer Tabakkonzern öffentlich ein, dass Rauchen abhängig macht und gesundheitsschädlich ist. Medizinische Untersuchungen haben bewiesen, dass die Gesamtsterberate bei männlichen Rauchern mittleren Alters doppelt so hoch ist wie bei Nichtrauchern.
Gelöst und selbstbewusst
Alkohol, das am zweithäufigsten konsumierte Suchtmittel, wird oft eingenommen um sich in eine bessere Stimmung zu versetzten oder sich aufzumuntern. Man fühlt sich weniger gehemmt, gelöster und selbstbewusster. Diese positiv erlebten Wirkungen können aber mit steigender Alkoholmenge auch ins Negative kippen. „Risikoarmes Trinken ist auch ein jederzeit situationsangepasstes Trinken. Das heisst: kein Alkohol, beim Fahren, während der Arbeit, beim Sport und während der Schwangerschaft.“, weiss Simone Eigenmann-Schüttel vom BAG. „Die Schädlichkeit des Alkoholkonsums ist nicht nur vom konkreten Trinkmuster abhängig. Das konkrete Konsumumfeld oder die individuellen Reaktionsmuster unter Alkoholeinfluss sind ebenso von Bedeutung.“
Der Mann wird zur Frau und umgekehrt
Alkohol wird über die Leber abgebaut. Bei sehr häufigem Trinken von Alkohol kommt es in der Leber durch die Entgiftungsfunktion zum Teil zur Überlastung des Leberstoffwechsels und durch die hohe Alkoholkonzentration auch zur Zellschädigung. Auf Dauer entwickeln sich aus erhöhtem Alkoholkonsum eine vergrösserte Leber und eine Anhäufung von Fett, zur so genannten Fettleber. Eine Fettleber kann sich aber durch Abstinenz regenerieren. Wird weiter getrunken, kommt es zu einer dauerhaften Schädigung, denn zerstörtes Organgewebe regeneriert sich nicht mehr. Alkoholiker leiden im Gegensatz zu vielen Nichtalkoholikern viel häufiger an Hirnschrumpfungen. Bei extremem Alkoholkonsum stellt sich bei Männern zudem die männliche Hormontätigkeit langsam ein und die weiblichen Hormone können nicht mehr abgebaut werden. Das hat zur Folge, dass der Mann auf einmal Brüste bekommt und sich das Glied leicht zurück bildet. Die Frau entwickelt sich genau in die Gegenrichtung. In dem Fall sind verstärkter Haarwuchs an Beinen, Gesicht, sowie Körper und Muskelaufbau das Resultat.
Genussmittel gehören dazu
Die Statistik zeigt, dass in der Schweiz die Männer mehr rauchen als die Frauen und auch im Alkoholkonsum dem anderen Geschlecht weit überlegen sind. Bei den Jugendlichen ist die Unterschied allerdings nur gering. „Beide Substanzen können sowohl die eigene Gesundheit als auch diejenige von unbeteiligten Dritten gefährden“, beteuert Simone Eigenmann Schüttel. „Alkohol und Tabak sind aus Public Health-Sicht schädlich und für eine Vielzahl von Todesfällen und Krankheiten verantwortlich.“ Der Alkohol ist allerdings im Gegensatz zum Tabak nur in hoher Dosis gefährlich. Die Genussmittel sind aber ein Teil unserer Gesellschaft und gehören auch dazu. Jeder sollte selbst entscheiden können, ob er mal eine Zigarette oder ein Bierchen geniessen will, solange er nicht die Gesundheit der Menschen um sich herum gefährdet.