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Kirchgemeinde Surp Sarkis
anderer Name: Armenisch Apostolische Kirchgemeinde in der Deutschschweiz
Das armenische Wort „Surp“ bedeutet „heilig“, und „Sarkis“ ist der armenische Name von „Σέργιος“ (Sergios, Sergius), einem Offizier in einer römischen Grenztruppe, der wegen seines Glaubens um 303 in Refasa in Syrien das Martyrium erlitt. Oft wird er zusammen mit „Βάκχος“ (Bacchus) genannt.
Während vielen Jahren wurde in der kleinen und sehr zerstreuten armenischen Gemeinschaft in der Deutschschweiz der Wunsch nach einem Priester verspürt. Schliesslich richtete 1980 eine Gruppe Armenier und Armenierinnen aus den deutschschweizer Städten an den damaligen Archimandriten, Mons. Viken Aykazyan, den Bischof der Schweizer Diözese der Armenisch-Apostolischen Kirche in Genf, ein Gesuch um die Errichtung von Kirchgemeinden in der Deutschschweiz.
Im Einverständnis mit dem Bischof und dem Kirchenvorstand in Genf wurden Mitte 1993 vier Kirchgemeinden in der Deutschschweiz gegründet, die sich aber bald zu einer einzigen Kirchgemeinde unter dem Namen „Surp Sarkis“ vereinigten. Seit damals wirkt der gleiche Priester in der Kirchgemeinde, allerdings heute altershalber nur zu 50% (offiziell, in Wirklichkeit oft mehr).
Während all diesen Jahren bestanden Kontakte mit den reformierten, der katholischen und den orthodoxen Kirchen, die bei geeigneten Anlässen in Zusammenarbeit mündeten.
In der armenischen Kirche gibt es sieben Sakramente, welche zusammen mit ihrer Botschaft die Grundlage des Heilwerks von Jesus Christus bilden. Die Armenische Kirche kennt die gleichen Sakramente wie die katholischen und orthodoxen Kirchen: Taufe, Firmung, Beichte, Abendmahl (Eucharistie), Ehe und Trauung (Krönung), Ordination und Krankensalbung bzw. letzte Ölung.
Neugeborene sollten maximal 40 Tage nach ihrer Geburt getauft werden, einen bestimmten Tag dafür gibt es nicht. Allerdings müssen die Eltern selbst verheiratet, getauft und zumindest der Pate zusätzlich Mitglied in der Armenisch-Apostolischen Kirche sein. Bei der Taufe werden traditionell die Hände, Beine und der Kopf des Neugeborenen mit einem besonderen Tuch bedeckt. Dieses soll nach drei Tagen gewaschen und das Waschwasser unter einem Baum verschüttet werden, damit niemand es mit seinen Füssen berührt. Ausserdem soll das Neugeborene bei der Taufe einen armenischen Namen erhalten. Gleich anschliessend erhält das Kind auch seine erste Kommunion.
Um in der Kirchgemeinde Surp Sarkis getraut zu werden muss das Brautpaar getauft und bereits standesamtlich verheiratet sein. Vor der Trauung sollte das Paar die Kommunion empfangen.
Nur getaufte Verstorbene dürfen in einer kirchlichen Zeremonie beigesetzt werden. Dabei sollten die Angehörigen schon vor dem Tod einer Person dafür sorgen, dass diese noch eine Kommunion erhält. Nach dem Tod wird in einer Beisetzungsfeier der Verstorbene der Erde übergeben. Vom Todestag an beginnt dann für die Familie eine Trauerzeit von 40 Tagen. Diese Trauerzeit wird auch Karasunk oder Karsunk genannt und symbolisiert die Himmelfahrt Christi nach 40 Tagen. Am ersten Samstag nach der Beisetzung erfolgt der erste Gedenktag oder auch Seelenmesse genannt (Giramudk). Am ersten Jahrestag des Todes des Verstorbenen findet eine weitere Seelenmesse (Darelitz) statt, an welcher die Hinterbliebenen für die Armen Opfer darbringen oder andere Wohltaten ausüben.
Bei den Hochfesten können die Gläubigen die Eucharistie empfangen. Zuvor sollten sie allerdings fasten und sich mit ihren Feinden versöhnen. Frauen sollten mit einer Kopfbedeckung und ungeschminkt zur Kommunion kommen.
Wer die Kommunion empfängt spricht folgenden Satz: Megha Asdudzo (Ich habe gesündigt) und macht ein Kreuzzeichen. Der Kommunionsspender erwidert darauf: Sa yeghitsi kes i kawutyun yew i toghutyun meghats kots (Dies sei dir Sühne und Vergebung deiner Sünden).
Ein wichtiger Teil der Eucharistiefeier ist der Gruß: Woghutschuyn duk mimiants, Krisdos i metsch mer haydnetsaw (Grüsset einander, Christus ist unter uns erschienen). Die Antwort darauf lautet: Orhnyal e haydnutyunn Krisdosi (Die Erscheinung Christi ist gesegnet).
Neben den Sakramenten gibt es in der armenischen Kirche wie in anderen auch Hohe Feste und dazu eigene Traditionen. Über das Jahr verteilt werden den Jüngern und anderen Heiligen gedenkt, besonders den beiden Gründungsaposteln der armenischen Kirche, dem heiligen Thaddäus und dem heiligen Bartholomäus. Diese beiden brachten das Christentum nach Armenien.
Die Armenische Kirche feiert die Erscheinung Christi, also Geburt und Taufe zusammen, am 6. Januar. An diesem Tag wurde durch Christus Gott zum Menschen. Am Morgen des 6. Januars findet ein Gottesdienst statt, in dessen Anschluss gibt es eine Wasserweihe. Die Gemeinde nimmt Anteil an der Taufe Christi und kann sich etwas vom geweihten Wasser mit nach Hause nehmen. Die Feierlichkeiten zu Weihnachten dauern in der armenischen Kirche insgesamt acht Tage.
Eines der Hauptfeste der armenischen Kirche ist Wartawar, 14 Wochen nach dem Ostersonntag. Dieses Fest erinnert an die Ereignisse auf dem Gipfel des Berges Tabor, wo Jesus im Beisein von Petrus, Jakobus und Johannes verklärt wurde, indem er leuchtete und mit Moses und Elija sprach (Matthäus 14, 1-8; Markus 9, 1-7; Lukas 9, 29-36).
Dieses christliche Fest fand auf Anordnung des heiligen Gregor erstmals am früheren Neujahrstag der alten Armenier statt, weshalb viele Volkstraditionen, wie Wettkämpfe und Volksspiele, weiter zelebriert wurden. Heute ist es ein bewegliches Fest, abhängig von Ostern und fällt oft in den Juli.
In der alten armenischen Mythologie fand zu dieser Zeit ein Fest für die Liebesgöttin Asdghik statt, wovon heute einige Bräuche übriggeblieben sind. So ist es heute noch Tradition, an Wartawar Wettkämpfe zu veranstalten, einander mit Wasser zu bespritzen, Tauben auffliegen zu lassen, einander Rosensträusse zu schenken und vieles mehr.
Maria Himmelfahrt wird jedes Jahr am Sonntag zwischen dem 12. und dem 18. August gefeiert. Bei Marias Tod 15 Jahre nach der Kreuzigung Jesu sollen alle Apostel anwesend gewesen sein, ausser Bartholomäus. Deshalb schickte Maria ein Bild von ihr zu Bartholomäus, der daraufhin nach Jerusalem kam, um den Leichnam zu sehen. Doch Maria war nicht mehr da, sondern aufgefahren in den Himmel. Dieses Bild von Maria befindet sich traditionell im Nonnenkloster Darbnoz Kar in Armenien.
An Maria Himmelfahrt werden auch Weintrauben gesegnet. Die Trauben dienen als Symbol für die gesamte Ernte, die an diesem Fest gesegnet wird.
Der vollständige Name dieses Festes lautet: Fest unserer heiligen Lehrer (Vartabed) und Übersetzer, wie: Mesrop, Jeghisché, Mowses der Dichter (von Khoren), Davit der unbesiegbare Philosoph, Gregor von Nareg, Nerses von Gla (gen. Schnorhali „der Begnadete“), Nerses von Lambron und anderer heiligen Lehrer.
Das Fest findet jeweils am 2. Samstag im Oktober statt. Dabei geht es darum, all jene zu ehren, die bei der Entstehung der armenischen Kultur beteiligt waren. Nach traditionellen Vorstellungen beginnt die armenische Kultur mit dem Christentum.
Am Donnerstag vor Beginn der österlichen Fastenzeit wird das Fest zu Ehren des heiligen Vartan und seiner Kampfgenossen gefeiert.
Vartan Mamigonian war im Perserreich, zu dem damals (5. Jahrhundert) auch Armenien gehörte, der Oberkommandant der persischen Armee. Nachdem der Schah den Zoroastrismus zur Staatsreligion im Perserreich deklarierte, verliess der Christ Vartan die persische Armee und stellte sich an die Spitze der armenischen Rebellion, die die Beibehaltung des Christentums in der armenischen Provinz verlangte, wo das Christentum schon seit Beginn des 4. Jahrhunderts Staatsreligion war und durch die frühzeitige Übersetzung der Bibel in die armenische Sprache mit tiefen Wurzeln im Volk verankert war. Persien reagierte mit dem Entsenden einer Armee. In der Schlacht von Avarayr am 26. Mai 451 fiel Vartan zusammen mit den meisten seiner Offiziere. Das persische Heer siegte, doch der erbitterte Widerstand der zahlenmässig weit unterlegenen Armenier auch nach der verlorenen Schlacht bewog die Perser schliesslich, den christlichen Armeniern ihre religiöse Freiheit zuzugestehen. Sowohl die armenisch-apostolische wie die armenisch-katholische Kirche anerkennen Vartan als Heiligen.
Bei der Kirchengemeinde Surp Sarkis können Mitglieder ihre Kinder taufen lassen, es können Paare getraut werden. Bei einem Todesfall können Trauerfeiern abgehalten werden.
Die Hohen Feste des Christentums werden auch in der Kirche Surp Sarkis gefeiert. Da die Kirche jedoch keinen festen Sitz hat, finden verschiedene Gottesdienste in unterschiedlichen Kirchen statt, so in der katholischen Kirche Dübendorf, der katholischen Kirche Nussbaumen-Baden, der katholischen Kirche Bernrain in Kreuzlingen, der katholischen Kirche St. Maria in Schaffhausen, der katholischen Kirche Rheineck und in der reformierten Predigerkirche in Zürich.
Gefeiert werden Weihnachten, Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag, Ostern, Erinnerung an den armenischen Völkermord, Pfingsten, Maria Himmelfahrt und Vespergottesdienste im Advent.
Die Kirchengemeinde finanziert sich über Mitgliederbeiträge. Im Jahr 2020 beträgt der Jahresbeitrag 150 pro Person. Zusätzlich sind sie auf Spenden angewiesen.
Auf der organisatorischen Ebene ist die Kirchgemeinde Surp Sarkis Mitglied des Verbands orthodoxer Kirchen und der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen im Kanton Zürich.