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Im Rahmen der Ringvorlesung «Dürrenmatt von A – Z» beschäftigt sich Peter Rusterholz mit den Rätseln des Schauspiels «Der Meteor».
Ich werde ein neues Stück schreiben: Das Thema: der Tod. Im Mittelpunkt steht ein sterbender Mensch von heute. [...] Angesichts des Todes übersteigert sich sein Individualismus, jede gesellschaftliche Bindung fällt dahin. Ich zeige, daß Nihilismus keine Lehre, sondern eine Haltung des Menschen ist. Der Meteor heißt das Stück. (WA 9, 159)
Das Thema Tod und die zentrale Figur der Komödie Der Meteor – der Nobelpreisträger Schwitter – beschäftigten Dürrenmatt seit den 1950er Jahren. Schwitter ist ein moderner Mensch, der nicht sterben kann, der immer wieder aufersteht, aber nicht an seine Auferstehung glauben kann. Dieser Auferstandene ist ein doppeltes Ärgernis: für die Ungläubigen, weil er auferstanden ist, für die Gläubigen, weil er nicht an seine Auferstehung glaubt. Schwitter ist ein Paradox, komisch und tragisch zugleich, so dass das Komische durch das Tragische nicht gemildert, sondern verstärkt wird.
Die Uraufführung in Zürich am 20. Januar 1966 wurde zum grossen Bühnenerfolg als Schau-Spiel. Sehr unterschiedlich aber waren die Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Stücks und seiner Bedeutung: Nicht nur die Deutungen der Literaturkritik, auch die Deutungen der Forschung sind widersprüchlich und beziehen sich auf unterschiedliche Texte und auf unterschiedliche Voraussetzungen der Figuren. Der Meteor wurde sowohl als theologische Komödie wie als deren Parodie aufgefasst. Er wurde als Bild einer zwischen Chaos und Kloake hin- und hergezerrten Welt betrachtet. Ziel einer aktuellen Rezeption müsste sein, diese Möglichkeiten der Bedeutungsbildung zu beschreiben, sie mit Positionen des Autors und einiger Forschenden zu konfrontieren und zu überlegen, ob das Stück nicht nur ein Dokument einer zentralen Phase des Zweifels und der Krise Dürrenmatts wäre, sondern ob Der Meteor nicht gerade heute von besonderer Brisanz und Aktualität sei und was sein Glänzen erhelle.
Zur Person: Prof. em. Peter Rusterholz studierte Literaturwissenschaft, Philosophie und Geschiche in Zürich, war Professor für Literaturwissenschaft in Kassel, lehrte als Ordinarius von 1980 bis 2000 in Bern, wo er auch das Collegium Generale präsidierte. Publikationen zur Literatur der frühen Neuzeit, zur Theorie und Praxis der Interpretation, zur Literatur des 19. Bis 21. Jahrhunderts mit Schwerpunkten im Barock und der Gegenwartsliteratur, Mitherausgeber der Schweizer Literaturgeschichte bei Metzler, seine zahlreichen Publikationen sind versammelt im Band Chaos und Renaissance im Durcheinandertal Dürrenmatts. Er leitete die SNF Projekte am Nachlass Friedrich Dürrenmatts im SLA zum Spätwerk der Stoffe.
Besuch
Donnerstag, 19. November 2020, 18.15 – 20 Uhr.
Seit Montag 27.Oktober gelten für die Nationalbibliothek die verschärften Coronaregeln des Kantons Bern. Deshalb findet die Ringvorlesung bis auf Weiteres nur noch online statt.
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:
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