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Tagesweisheit
Papst Johannes Paul II
Enzyklika Ecclesia de Eucharistia
12.11.2021
Enzyklika ECCLESIA DE EUCHARISTIA von Papst Johannes Paul II. an die Bischöfe, an die Priester und Diakone, an die gottgeweihten Personen und an alle Christgläubigen über die Eucharistie in ihrer Beziehung zur Kirche
Vorwort zur Enzyklika „Ecclesiade Eucharistia“
Eingebettet in eine Menge theologischer und pastoraler Überlegungen ruft Johannes Paul II. den gläubigen Katholiken einige Grundwahrheiten im Zusammenhang mit der Eucharistie in Erinnerung, so wie sie von der Kirche gelehrt werden. Er unterstreicht die Bedeutung der Eucharistie als zentrales Sakrament, in dem Jesus Christus nach katholischer Auffassung «wahrhaft, wirklich und wesenhaft» in Form von Brot und Wein zugegen ist. Die Kirche, so der Papst, lebe von der Eucharistie, diese stelle Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens dar und berge das gesamte spirituelle Gut der Kirche in sich.
Laut dem Papst kann das «eucharistische Geheimnis», bei dem sich die Wandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi (Transsubstantiation) vollzieht, nur in und von einer Gemeinschaft gefeiert werden, der ein ordentlich geweihter Priester vorsteht. Von daher ergibt sich, dass er der da und dort geübten Praxis eines gemeinsamen Abendmahls von Katholiken und Protestanten, der sogenannten Interkommunion beziehungsweise Interzelebration, eine klare Absage erteilt. Nach katholischem Verständnis kann es kein gemeinsames Abendmahl geben, weil das Abendmahl der Protestanten in keiner Weise mit der Eucharistie der Katholiken gleichgestellt werden darf, da der protestantischen Feier das Mysterium der Transsubstantiation abgeht. Nach katholischer Lehre ist ein protestantischer Amtsträger ein Laie ohne priesterliche Weihen; wenn ein katholischer Priester an einer Konzelebration teilnimmt, leistet er der «Zweideutigkeit über die Natur der Eucharistie Vorschub» und macht sich eines schweren Vergehens gegen das kanonische Recht schuldig. Ferner erinnert Johannes Paul II. an eine rechtliche Norm über die Nichtzulassung zur Kommunion all derer, «die hartnäckig in einer offenkundig schweren Sünde verharren»; er liefert zu diesem Punkt zwar keine weiteren Präzisierungen, man darf aber davon ausgehen, dass er namentlich wiederverheiratete Geschiedene im Visier haben dürfte.
(„Neue Züricher Zeitung“ vom 19.04.2003)
14.12.2021
III. Kapitel
Die Apostolizität der Eucharistie und der Kirche (Teil VIII)
33. Wenn nichtgeweihte Gläubige wegen des Priestermangels mit der Mitarbeit an der Seelsorge einer Pfarrei betraut worden sind, sollen sie sich bewusst bleiben, dass – wie das Zweite Vatikanische Konzil lehrt – „die christliche Gemeinde nur aufgebaut wird, wenn sie Wurzel und Angelpunkt in der Feier der Eucharistie hat“. Sie müssen deshalb dafür sorgen, dass in der Gemeinde ein wahrer „Hunger“ nach der Eucharistie lebendig bleibt. Dieser „Hunger“ soll dazu führen, keine Gelegenheit zur Messfeier zu versäumen und auch die gelegentliche Anwesenheit eines Priesters zu nützen, der vom Kirchenrecht nicht an der Messfeier gehindert ist.
13.12.2021
III. Kapitel
Die Apostolizität der Eucharistie und der Kirche (Teil VII)
32. All das zeigt, wie schmerzlich es ist und wie weit man sich von der normalen Situation entfernt, wenn eine christliche Gemeinde sich zwar aufgrund der Anzahl und Vielfalt der Gläubigen als Pfarrei darstellt, aber keinen Priester hat, der sie leitet. Die Pfarrei ist nämlich eine Gemeinschaft von Getauften, die ihre Identität vor allem durch die Feier des eucharistischen Opfers ausdrücken und geltend machen.
Dazu aber ist ein Priester notwendig, denn nur ihm steht es zu, in persona Christi die Eucharistie darzubringen. Wenn einer Gemeinde der Priester fehlt, sucht man mit Recht nach einer gewissen Abhilfe, damit die sonntäglichen Gottesdienste weiterhin stattfinden. Die Ordensleute und Laien, die ihre Brüder und Schwestern im Gebet leiten, üben in lobenswerter Weise das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen aus, das in der Taufgnade gründet. Derartige Lösungen müssen aber als bloß vorläufig betrachtet werden, solange die Gemeinde auf einen Priester wartet. Die Tatsache, dass solche Feiern in sakramentaler Hinsicht unvollständig sind, muss die ganze Gemeinde dazu drängen, mit größerem Eifer zu beten, dass der Herr Arbeiter für Seine Ernte aussende (vgl. Mt 9,38), und muss auch dazu anspornen, alle anderen Grundaspekte einer angemessenen Berufungspastoral in die Tat umzusetzen. Dabei darf man nicht der Versuchung erliegen, Lösungen anzustreben, welche die Eigenschaften schwächen, die von den Priesteramtskandidaten in Bezug auf das sittliche Leben und die Ausbildung verlangt
werden.
12.12.2021
III. Kapitel
Die Apostolizität der Eucharistie und der Kirche (Teil VI)
31. Wenn die Eucharistie Mitte und Höhepunkt des Lebens der Kirche ist, so ist sie es in gleicher Weise für das priesterliche Dienstamt.
Mit einem dankbaren Herzen gegenüber unserem Herrn Jesus Christus unterstreiche ich deshalb von neuem, dass die Eucharistie „der wesentliche und zentrale Seinsgrund für das Sakrament des Priestertums ist, das ja im Augenblick der Einsetzung der Eucharistie und zusammen mit ihr gestiftet worden ist“.
Die pastoralen Tätigkeiten des Priesters sind vielfältig. Wenn man an die gesellschaftlichen und kulturellen Verhältnisse der gegenwärtigen Welt denkt, kann man leicht verstehen, wie groß und bedrohlich für die Priester die Gefahr ist, sich in einer Vielzahl verschiedener Aufgaben zu verlieren. Das Zweite Vatikanische Konzil hat in der Hirtenliebe das Band gesehen, das ihr Leben und ihre Tätigkeiten zur Einheit führt. Diese Hirtenliebe – so fügt das Konzil hinzu – „erwächst am stärksten aus dem eucharistischen Opfer. Es bildet daher Mitte und Wurzel des ganzen priesterlichen Lebens“. Man versteh so, wie wichtig es für sein geistliches Leben und darüber hinaus fürndas Wohl der Kirche und der Welt ist, dass der Priester die Empfehlung des Konzils, täglich die Eucharistie zu feiern, in die Tat umsetzt.
Denn „sie ist auch dann, wenn keine Gläubigen dabei sein können, ein Akt Christi und der Kirche“. Auf diese Weise kann der Priester jede zerstreuende Spannung in seinem Tagesablauf überwinden, weiler im eucharistischen Opfer, der wahren Mitte seines Lebens und Dienens, die notwendige geistliche Energie findet, um sich den verschiedenen seelsorglichen Aufgaben zu stellen. So werden seine Tage wahrhaft eucharistisch.
Von der zentralen Stellung der Eucharistie im Leben und Wirken der Priester leitet sich auch die zentrale Stellung der Eucharistie in der Pastoral zur Förderung von Priesterberufungen ab. Dies gilt vor allem deshalb, weil das Gebet um Berufungen in der Eucharistie ganz mit dem Gebet Christi, des ewigen Hohenpriesters, vereint wird. Die eifrige Sorge der Priester um das Mysterium der Eucharistie sowie die damit verbundene Förderung der bewussten, tätigen und fruchtbaren Teilnahme der Gläubigen an der Eucharistie ist zudem ein Beispiel und ein Ansporn für junge Menschen, großmütig auf den Ruf Gottes zu antworten. Oft bedient sich Gott der vorbildlichen und eifrigen Hirtenliebe eines Priesters, um im Herzen eines jungen Menschen den Keim der Berufung zum Priestertum auszusäen und zur Entfaltung zu bringen.
11.12.2021
III. Kapitel
Die Apostolizität der Eucharistie und der Kirche (Teil V)
30. Diese Lehre der katholischen Kirche über das priesterliche Dienstamt in seiner Beziehung zur Eucharistie wie auch die Lehre über das eucharistische Opfer waren in den letzten Jahrzehnten Gegenstand eines fruchtbaren Dialogs im Bereich der ökumenischen Bemühungen. Wir müssen der heiligsten Dreifaltigkeit danken, weil es zu bedeutsamen Fortschritten und Annäherungen gekommen ist, die uns auf eine Zukunft hoffen lassen, in der wir den Glauben voll und ganz teilen. Die Anmerkung des Konzils bezüglich der kirchlichen Gemeinschaften, die im Abendland im 16. Jahrhundert und danach entstanden und von der katholischen Kirche getrennt sind, bleibt noch immer voll zutreffend: „Obgleich bei den von uns getrennten kirchlichen Gemeinschaften die aus der Taufe hervorgehende volle Einheit mit uns fehlt und obgleich sie nach unserem Glauben vornallem wegen des Fehlens des Weihesakramentes die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt haben, bekennen sie doch bei der Gedächtnisfeier des Todes und der Auferstehung des Herrn im Heiligen Abendmahl, dass hier die lebendige Gemeinschaft mit Christus bezeichnet werde, und sie.erwarten Seine glorreiche Wiederkunft“.
Deshalb müssen die katholischen Gläubigen bei allem Respekt vor den religiösen Überzeugungen ihrer getrennten Brüder und Schwestern der Kommunion fernbleiben, die bei ihren Feiern ausgeteilt wird, damit sie nicht einer zweideutigen Auffassung über das Wesen der Eucharistie Vorschub leisten und so die Pflicht versäumen, für die Wahrheit klar Zeugnis abzulegen. Dies würde zu einer Verzögerung auf dem Weg zur vollen sichtbaren Einheit führen. Es ist auch nicht gestattet, die sonntägliche heilige Messe durch ökumenische Wortgottesdienste, durch gemeinsame Gebetstreffen mit Christen, die den genannten kirchlichen Gemeinschaften angehören, oder durch die Teilnahme an ihren liturgischen Feiern zu ersetzen. Bei geeigneten Anlässen sind derartige Feiern und Treffen in sich lobenswert, sie bereiten auf die ersehnte volle, auch eucharistische Gemeinschaft vor, können sie aber nicht ersetzen.
Die Tatsache, dass die Vollmacht zur Darbringung der Eucharistie ausschließlich den Bischöfen und Priestern anvertraut ist, stellt keine Herabsetzung des übrigen Gottesvolkes dar. Denn in der Gemeinschaft des einzigen Leibes Christi, der Kirche, nützt diese Gabe allen in überreichem Maß.
10.12.2021
III. Kapitel
Die Apostolizität der Eucharistie und der Kirche (Teil IV)
29. Der vom Zweiten Vatikanischen Konzil wiederholt gebrauchte Ausdruck, gemäß dem „der Amtspriester das eucharistische Opfer in der Person Christi vollzieht“, war im päpstlichen Lehramt bereits gut verankert. Wie ich bei anderer Gelegenheit klargestellt habe, bedeutet in persona Christi „mehr als nur ,im Namen‘ oder ,in Stellvertretung‘ Jesu Christi. In der Person, d.h. in der spezifischen, sakramentalen Identifizierung mit dem ewigen Hohenpriester, Der Urheber und hauptsächliches Subjekt dieses Seines eigenen Opfers ist, bei dem Er in Wahrheit von niemandem ersetzt werden kann“. Der Dienst der Priester, die das Sakrament der Weihe empfangen haben, macht in der von Christus bestimmten Heilsordnung deutlich, dass.die von ihnen gefeierte Eucharistie eine Gabe ist, die auf radikale Weise die Vollmacht der Gemeinde überragt. Das priesterliche Dienstamt ist unersetzlich, um die eucharistische Konsekration gültig an das Kreuzesopfer und an das Letzte Abendmahl zu binden.
Die Gemeinde, die zur Feier der Eucharistie zusammenkommt, bedarf unbedingt eines geweihten Priesters, der sie leitet, um wirklich eucharistische Versammlung sein zu können. Die Gemeinde kann sich aber nicht selbst einen geweihten Amtsträger geben. Dieser ist eine Gabe, die die Gemeinde durch die auf die Apostel zurückgehende Sukzession der Bischöfe empfängt. Es ist nämlich der Bischof, der durch das Sakrament der Weihe einen neuen Priester bestellt und ihm die Vollmacht überträgt, die Eucharistie zu feiern. Daher kann „das eucharistische Geheimnis in keiner Gemeinde gefeiert werden, es sei denn durch die Hände eines geweihten Priesters, wie das Vierte Laterankonzil ausdrücklich gelehrt hat“.
09.12.2021
III. Kapitel
Die Apostolizität der Eucharistie und der Kirche (Teil III)
28. Schließlich ist die Kirche in dem Sinn apostolisch, dass „sie bis.zur Wiederkunft Christi weiterhin von den Aposteln belehrt, geheiligt und geleitet wird – und zwar durch jene, die ihnen in ihrem Hirtenamt nachfolgen: das Bischofskollegium, dem die Priester zur Seite stehen, in Einheit mit dem Nachfolger des Petrus, dem obersten Hirten der Kirche“. Die apostolische Nachfolge in der pastoralen Sendung schließt notwendig das Sakrament der Weihe ein, also die ununterbrochene, auf die Anfänge zurückgehende Reihe gültiger Bischofsweihen. Diese Sukzession ist wesentlich, damit von Kirche im eigentlichen und vollen Sinn gesprochen werden kann.
Die Eucharistie bringt auch diesen Sinn der Apostolizität zum Ausdruck. Wie das Zweite Vatikanische Konzil lehrt, kommt es den Gläubigen zu, „kraft ihres königlichen Priestertums an der eucharistischen Darbringung mitzuwirken“. Es ist aber der geweihte Priester, der „in der Person Christi das eucharistische Opfer vollzieht und es im Namen des ganzen Volkes Gott darbringt“. Deshalb ist im Missale Romanum vorgeschrieben, dass es nur dem Priester zusteht, das eucharistische Hochgebet zu sprechen, während das Volk sich im Glauben schweigend damit vereint.
08.12.2021
III. Kapitel
Die Apostolizität der Eucharistie und der Kirche (Teil II)
27. Bei der Erklärung, wie die Kirche apostolisch, also auf die Apostel gegründet ist, weist der Katechismus der Katholischen Kirche auf einen dreifachen Sinn hin. Erstens „ist und bleibt sie ,auf das Fundament der Apostel‘ gebaut (Eph 2,20), auf die von Christus Selbst erwählten und ausgesandten Zeugen“. Die Apostel sind auch das Fundament der Eucharistie, nicht weil das Sakrament nicht auf Christus Selbst zurückgeht, sondern weil Jesus es den Aposteln anvertraut hat und weil es von ihnen und ihren Nachfolgern bis zu uns weitergegeben wurde. Die Kirche feiert die Eucharistie durch die Jahrhunderte hindurch, indem sie das Handeln der Apostel weiterführt, die dem Auftrag des Herrn gehorsam waren.
Der zweite Sinn, wie die Kirche nach dem Katechismus apostolisch ist, besteht darin, dass „sie mit dem Beistand des in ihr wohnenden Geistes die Lehre, das Glaubensvermächtnis sowie die gesunden
Grundsätze der Apostel [bewahrt] und sie weiter[gibt]“. Auch in diesem zweiten Sinn ist die Eucharistie apostolisch, weil sie in Übereinstimmung mit dem Glauben der Apostel gefeiert wird. Das kirchliche Lehramt hat bei verschiedenen Gelegenheiten in der zweitausendjährigen Geschichte des Volkes des Neuen Bundes die Lehre über die Eucharistie, auch hinsichtlich der genauen Terminologie,präzisiert, um dadurch den apostolischen Glauben an dieses erhabene Mysterium zu schützen. Dieser Glaube bleibt unverändert, und es ist wesentlich für die Kirche, dass er unverändert bleibt.
07.12.2021
III. Kapitel
Die Apostolizität der Eucharistie und der Kirche (Teil I)
26. Wenn die Eucharistie die Kirche auferbaut und die Kirche die Eucharistie vollzieht, wie ich eben in Erinnerung gerufen habe, so folgt daraus, dass es zwischen der Eucharistie und der Kirche eine sehr enge Verbindung gibt. Dies gilt in einem solchem Maß, dass wir auf das Mysterium der Eucharistie anwenden dürfen, was wir über die Kirche sagen, wenn wir sie im Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel als „die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“ bekennen. Eine und katholisch ist auch die Eucharistie. Sie ist auch heilig, ja sie ist das heiligste Sakrament. Unsere Aufmerksamkeit wollen wir nun aber vor allem auf ihre Apostolizität richten.
06.12.2021
II. Kapitel
Die Eucharistie baut die Kirche auf
(Teil V)
25. Der Kult, welcher der Eucharistie außerhalb der Messe erwiesen wird, hat einen unschätzbaren Wert im Leben der Kirche. Dieser Kult ist eng mit der Feier des eucharistischen Opfers verbunden. Die Gegenwart Christi unter den heiligen Gestalten, die nach der Messe aufbewahrt werden – eine Gegenwart, die so lange andauert, wie die Gestalten von Brot und Wein Bestand haben –, kommt von der Feier des Opfers her und bereitet auf die sakramentale und die geistliche Kommunion vor. Es obliegt den Hirten, zur Pflege des eucharistischen Kultes zu ermutigen, auch durch ihr persönliches Zeugnis, insbesondere zur Aussetzung des Allerheiligsten sowie zum anbetenden Verweilen vor Christus, der unter den eucharistischen Gestalten gegenwärtig ist.
Es ist schön, bei Ihm zu verweilen und wie der Lieblingsjünger, der sich an Seine Brust lehnte (vgl. Joh 13,25), von der unendlichen Liebe Seines Herzens berührt zu werden. Wenn sich das Christentum in unserer Zeit vor allem durch die „Kunst des Gebetes“ auszeichnen soll, wie könnte man dann nicht ein erneuertes Verlangen spüren, lange im geistlichen Zwiegespräch, in stiller Anbetung, in einer Haltung der Liebe bei Christus zu verweilen, Der im Allerheiligsten gegenwärtig ist? Wie oft, meine lieben Brüder und Schwestern, habe ich diese Erfahrung gemacht, und daraus Kraft, Trost und Stärkung geschöpft!
Von dieser Praxis, die das Lehramt wiederholt gelobt und empfohlen hat, geben uns zahlreiche Heilige ein Beispiel. In besonderer Weise zeichnete sich darin der heilige Alfons von Liguori aus, der schrieb: „Unter allen Frömmigkeitsformen ist die Anbetung des eucharistischen Christus die erste nach den Sakramenten; sie ist Gott am liebsten und uns am nützlichsten“. Die Eucharistie ist ein unermesslicher Schatz: Nicht nur ihre Feier, sondern auch das Verweilen vor ihr außerhalb der Messe gestattet uns, aus der Quelle der Gnade zu schöpfen. Wenn eine christliche Gemeinschaft noch fähiger werden möchte, das Antlitz Christi in jenem Geist zu betrachten, den ich in den Apostolischen Schreiben Novo millennio ineunte und Rosarium Virginis Mariae empfohlen habe, kann sie nicht darauf verzichten, den eucharistischen Kult zu pflegen, in dem die Früchte der Gemeinschaft am Leib und am Blut des Herrn fortdauern und sich vervielfachen.
05.12.2021
II. Kapitel
Die Eucharistie baut die Kirche auf
(Teil IV)
24. Die Gabe Christi und Seines Geistes, die wir in der eucharistischen Kommunion empfangen, erfüllt in überreichem Maß die Sehnsucht nach brüderlicher Einheit, die im menschlichen Herzen wohnt.
Zugleich hebt sie die Erfahrung brüderlicher Gemeinschaft, die der gemeinsamen Teilnahme am selben eucharistischen Tisch innewohnt, auf eine Ebene, die weit über der bloßen Erfahrung menschlicher Mahlgemeinschaft liegt. Durch die Kommunion am Leib Christi dringt die Kirche immer tiefer in ihr Wesen ein, „in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit“ zu sein.
Den Keimen der Entzweiung unter den Menschen, die – wie die tägliche Erfahrung zeigt – aufgrund der Sünde tief in die Menschheit eingegraben sind, stellt sich die schöpferische Kraft der Einheit des Leibes Christi entgegen. Die Eucharistie, die die Kirche auferbaut, schafft gerade dadurch Gemeinschaft unter den Menschen.
04.12.2021
II. Kapitel
Die Eucharistie baut die Kirche auf
(Teil III)
23. Mit der eucharistischen Kommunion wird die Kirche zugleich in ihrer Einheit als Leib Christi gefestigt. Der heilige Paulus bezieht sich auf diese einheitsstiftende Wirkung der Teilnahme am eucharistischen Mahl, wenn er an die Korinther schreibt: „Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi? Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot“ (1 Kor 10,16-17). Der heilige Johannes Chrysostomus kommentiert treffend und tiefsinnig: „Was ist denn das Brot wirklich? Es ist der Leib Christi. Was werden die, welche Ihn empfangen? Sie werden Leib Christi; aber nicht viele Leiber, sondern ein einziger Leib. In der Tat ist das Brot ganz eins, obgleich es aus vielen Körnern besteht, die sich in ihm befinden, auch wenn man sie nicht sieht und ihre Verschiedenheit zugunsten ihrer gegenseitigen vollkommenen Verschmelzung verschwindet. Ebenso sind auch wir auf die gleiche Weise untereinander geeint und alle miteinander mit Christus“. Die Argumentation ist überzeugend: Unsere Vereinigung mit Christus, die Geschenk und Gnade für jeden einzelnen ist, bewirkt, dass wir in Ihm auch zur Einheit Seines Leibes, zur Kirche, zusammengefügt werden. Die Eucharistie festigt die Eingliederung in Christus, die in der Taufe durch die Gabe des Geistes grundgelegt worden ist (vgl. 1 Kor 12,13.27).
Das geeinte und untrennbare Handeln des Sohnes und des Heiligen Geistes, das der Kirche, ihrem Entstehen und ihrem Fortdauern zugrunde liegt, ist in der Eucharistie wirksam. Dies ist dem Verfasser der Liturgie des heiligen Jakobus wohl bewusst: Denn in der Epiklese der Anaphora wird Gott Vater gebeten, dass Er den Heiligen Geist auf die Gläubigen und auf die Gaben herabkommen lasse, damit der Leib und das Blut Christi „all denen, die daran teilhaben, [...] zur Heiligung der Seele und des Leibes gereichen“. Die Kirche wird vom göttlichen Beistand gefestigt durch die Heiligung der Gläubigen in der Eucharistie.
03.12.2021
II. Kapitel
Die Eucharistie baut die Kirche auf
(Teil II)
22. Die Eingliederung in Christus, die in der Taufe verwirklicht wird, erneuert und festigt sich beständig durch die Teilnahme am eucharistischen Opfer, vor allem durch die volle Teilnahme am Opfer in der sakramentalen Kommunion. Wir können sagen, dass nicht nur jeder einzelne von uns Christus empfängt, sondern auch, dass Christus jeden einzelnen von uns empfängt. Er schließt Freundschaft mit uns: „Ihr seid Meine Freunde“ (Joh 15,14). Durch Ihn haben wir das Leben: „So wird jeder, der Mich isst, durch Mich leben“ (Joh 6,57). In der eucharistischen Kommunion verwirklicht sich in höchster Weise das „Innewohnen“ Christi im Jünger und des Jüngers in Christus: „Bleibt in Mir, dann bleibe Ich in euch“ (Joh 15,4).
Durch die Vereinigung mit Christus verschließt sich das Volk des Neuen Bundes keineswegs in sich selbst, sondern wird vielmehr zum „Sakrament“ für die Menschheit, zum Zeichen und Werkzeug des von Christus gewirkten Heiles, zum Licht der Welt und zum Salz der Erde (vgl. Mt 5,13-16) für die Erlösung aller. Die Sendung der Kirche führt die Sendung Christi weiter: „Wie Mich der Vater gesandt hat, so sende Ich euch“ (Joh 20,21). Aus der Fortdauer des Kreuzesopfers in der Eucharistie und aus der Gemeinschaft mit dem Leib und dem Blut Christi schöpft die Kirche die notwendige geistliche Kraft, um ihre Sendung zu erfüllen. So zeigt sich die Eucharistie als Quelle und zugleich als Höhepunkt der ganzen Evangelisierung, da ihr Ziel die Gemeinschaft der Menschen mit Christus und in Ihm mit dem Vater und mit dem Heiligen Geist ist.
02.12.2021
II. Kapitel
Die Eucharistie baut die Kirche auf
(Teil I)
21. Das Zweite Vatikanische Konzil hat daran erinnert, dass die Feier der Eucharistie im Zentrum des Wachstumsprozesses der Kirche steht. Nach der Aussage: „Die Kirche, das heißt das im Mysterium schon gegenwärtige Reich Christi, wächst durch die Kraft Gottes sichtbar in der Welt“, fügt das Konzil hinzu, als ob es auf die Frage „Wie wächst sie?“ antworten wollte: „Sooft das Kreuzesopfer, in dem Christus, unser Osterlamm, dahingegeben wurde (vgl. 1 Kor 5,7), auf dem Altar gefeiert wird, vollzieht sich das Werk unserer Erlösung. Zugleich wird durch das Sakrament des eucharistischen Brotes die Einheit der Gläubigen, die einen Leib in Christus bilden, dargestellt und verwirklicht (vgl. 1 Kor 10,17)“.
Ein ursächlicher Einfluss der Eucharistie zeigt sich am Ursprung der Kirche selbst. Die Evangelisten beschreiben genau, dass es die Zwölf, die Apostel, waren, die mit Jesus zum Letzten Abendmahl zusammenkamen (vgl. Mt 26,20; Mk 14,17; Lk 22,14). Dies ist ein Detail von beträchtlicher Bedeutung, denn die Apostel „bildeten die Keime des neuen Israel und zugleich den Ursprung der heiligen Hierarchie“. Indem Christus ihnen Seinen Leib und sein Blut zur Speise gab, bezog Er sie auf geheimnisvolle Weise in das Opfer ein, das wenige Stunden später auf Kalvaria vollbracht werden sollte. Analog zum Bundesschluss am Sinai, der durch das Opfer und die Besprengung mit Blut besiegelt wurde, legen die Handlungen und Worte Jesu beim Letzten Abendmahl das Fundament für die neue messianische Gemeinschaft, das Volk des Neuen Bundes.
Als die Apostel im Abendmahlssaal die Einladung Jesu „Nehmt und esst ... Trinkt alle daraus ...“ (Mt 26,26-27) annahmen, traten sie zum ersten Mal in sakramentale Gemeinschaft mit ihm. Von diesem Augenblick an bis zum Ende der Zeiten wird die Kirche durch die sakramentale Gemeinschaft mit dem Sohn Gottes auferbaut, Der Sich für uns geopfert hat: „Tut dies zu Meinem Gedächtnis! ... Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu Meinem Gedächtnis!“ (1 Kor 11,24-25; vgl. Lk 22,19).
01.12.2021
I. Kapitel
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Geheimnis des Glaubens (Teil X)
20. Eine bedeutsame Konsequenz der eschatologischen Spannung, die in die Eucharistie eingeschrieben ist, besteht auch darin, dass sie uns auf dem Weg durch die Geschichte einen Impuls gibt und in die tägliche Arbeit und Pflicht eines jeden einen Samen lebendiger Hoffnung legt. Wenn die christliche Sichtweise nämlich dazu führt, auf „einen neuen Himmel“ und „eine neue Erde“ zu blicken (vgl. Offb 21,1), so schwächt dies nicht, sondern fördert unseren Verantwortungssinn für die gegenwärtige Welt.
Ich möchte dies mit Nachdruck am Beginn des neuen Jahrtausends bekräftigen, damit die Christen sich mehr denn je angespornt fühlen, ihre Pflichten als Bürger dieser Erde nicht zu vernachlässigen. Es ist ihre Aufgabe, mit dem Licht des Evangeliums zum Aufbau einer menschenwürdigen Welt im vollkommenen Einklang mit dem Plan Gottes beizutragen. Viele Probleme verdunkeln den Horizont unserer Zeit. Es mag genügen, an die Dringlichkeit zu erinnern, für den Frieden zu arbeiten, solide und in Gerechtigkeit und Solidarität verankerte Voraussetzungen für die Beziehungen zwischen den Völkern zu schaffen, das menschliche Leben von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende zu verteidigen. Und was soll man zu den tausend Widersprüchen einer „globalisierten“ Welt sagen, in der die Schwächsten, die Kleinsten und die Ärmsten scheinbar wenig zu erhoffen haben? Gerade in dieser Welt muss die christliche Hoffnung aufstrahlen! Auch deshalb wollte der Herr in der Eucharistie bei uns bleiben; in Seine Gegenwart im Opfer und im Gastmahl ist die Verheißung einer Menschheit eingeschrieben, die durch Seine Liebe erneuert ist. Es ist bedeutungsvoll, dass das Johannesevangelium dort, wo die synoptischen Evangelien die Einsetzung der Eucharistie überliefern, den Bericht über die „Fußwaschung“ enthält, in der Jesus Sich zum Meister der Gemeinschaft und des Dienstes macht (vgl. Joh 13,1-20), um so die tiefe Bedeutung der Eucharistie zu erläutern. Der Apostel Paulus wertet seinerseits die Teilnahme der christlichen Gemeinde am Herrenmahl als „unwürdig“, wenn es in ihr Spaltungen gibt und sie den Armen gegenüber gleichgültig ist (vgl. 1 Kor 11,17-22.27-34).
Den Tod des Herrn verkünden, „bis Er kommt“ (1 Kor 11,26), bringt für alle, die an der Eucharistie teilnehmen, den Auftrag mit sich, das Leben zu „verwandeln“, damit es in gewisser Weise ganz „eucharistisch“ werde. Genau diese Frucht der Verwandlung der Existenz wie auch der Auftrag, die Welt nach dem Evangelium umzugestalten, lassen die eschatologische Spannung der Eucharistiefeier und des ganzen christlichen Lebens aufleuchten: „Komm, Herr Jesus!“ (Offb 22,20).
30.11.2021
I. Kapitel
Geheimnis des Glaubens (Teil IX)
19. Die eschatologische Spannung, die durch die Eucharistie wachgerufen wird, drückt die Gemeinschaft mit der himmlischen Kirche aus und stärkt sie. Es ist kein Zufall, dass die orientalischen Anaphoren und die eucharistischen Hochgebete des lateinischen Ritus das ehrfürchtige Gedenken Mariens, der allzeit jungfräulichen Mutter unseres Herrn und Gottes Jesus Christus, der Engel, der heiligen Apostel, der ruhmreichen Märtyrer und aller Heiligen enthalten. Dies ist ein Aspekt der Eucharistie, der es verdient, hervorgehoben zu werden:
Während wir das Opfer des Lammes feiern, vereinen wir uns mit der himmlischen Liturgie und gesellen uns zu jener gewaltigen Schar, die ruft: „Die Rettung kommt von unserem Gott, Der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm!“ (Offb 7,10). Die Eucharistie ist wirklich ein Aufbrechen des Himmels, der sich über der Erde öffnet. Sie ist ein Strahl der Herrlichkeit des himmlischen Jerusalem, der die Wolken unserer Geschichte durchdringt und Licht auf unseren Weg wirft.
29.11.2021
I. Kapitel
Geheimnis des Glaubens (Teil VIII)
18. Die Akklamation des Volkes nach der Wandlung endet treffend mit dem Bekenntnis der eschatologischen Perspektive, welche die Eucharistiefeier auszeichnet (vgl. 1 Kor 11,26): „... bis du kommst in Herrlichkeit“. Die Eucharistie bedeutet Spannung auf das Ziel hin, Vorgeschmack der vollkommenen Freude, die Christus versprochen hat (vgl. Joh 15,11); in gewisser Weise ist sie Vorwegnahme des Paradieses, „Unterpfand der künftigen Herrlichkeit“. In der Eucharistie drückt alles die vertrauensvolle Erwartung aus, dass „wir voll Zuversicht das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus erwarten“. Wer sich von Christus in der Eucharistie nährt, muss nicht das Jenseits erwarten, um das ewige Leben zu erlangen: Er besitzt es schon auf Erden als Erstlingsgabe der künftigen Fülle, die den ganzen Menschen betreffen wird. In der Eucharistie empfangen wir tatsächlich auch die Garantie der leiblichen Auferstehung am Ende der Welt:
„Wer Mein Fleisch isst und Mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und Ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag“ (Joh 6,54). Diese Garantie der künftigen Auferstehung kommt aus der Tatsache, dass das Fleisch des Menschensohnes, das uns zur Speise gereicht wird, Sein Leib im verherrlichten Zustand des Auferstandenen ist. Mit der Eucharistie nehmen wir sozusagen das „Geheimnis“ der Auferstehung in uns auf. Deshalb definierte der heilige Ignatius von Antiochien das eucharistische Brot zu Recht als „Medizin der Unsterblichkeit, Gegengift gegen den Tod“.
28.11.2021
I. Kapitel
Geheimnis des Glaubens (Teil VII)
17. Durch die Teilhabe an Seinem Leib und an Seinem Blut teilt Christus uns auch Seinen Geist mit. Der heilige Ephräm schreibt: „Er nannte das Brot Seinen lebendigen Leib, Er erfüllte es mit Sich Selbst und mit Seinem Geist. [...] Und der, der es mit Glauben isst, isst Feuer und Geist. [...] Nehmt davon, esst alle davon und esst mit Ihm den Heiligen Geist. Es ist wirklich Sein Leib und der, der ihn isst, wird ewig leben“. Die Kirche erbittet diese göttliche Gabe, die die Wurzel aller anderen Gaben ist, in der eucharistischen Epiklese. In der Göttlichen Liturgie des heiligen Johannes Chrysostomus heißt es zum Beispiel: „Wir rufen Dich an, wir bitten Dich und wir flehen Dich an: Sende Deinen Heiligen Geist über uns alle und über diese Gaben, [...] damit alle, die daran teilhaben, Reinigung der Seele, Vergebung der Sünden, Gemeinschaft des Heiligen Geistes erlangen mögen“. Und im Römischen Messbuch betet der Priester: „Stärke uns durch den Leib und das Blut Deines Sohnes und erfülle uns mit Seinem Heiligen Geist, damit wir ein Leib und ein Geist werden in Christus“. So lässt Christus durch die Gabe Seines Leibes und Seines Blutes in uns die Gabe Seines Geistes wachsen, der uns schon in der Taufe eingegossen und im Sakrament der Firmung als „Siegel“ geschenkt wurde.
27.11.2021
I. Kapitel
Geheimnis des Glaubens (Teil VI)
16. In Fülle verwirklicht sich die heilbringende Wirkung des Opfers, wenn wir in der Kommunion den Leib und das Blut des Herrn empfangen. Das eucharistische Opfer ist in sich auf die innige Gemeinschaft von uns Gläubigen mit Christus in der Kommunion ausgerichtet: Wir empfangen Ihn Selbst, Der Sich für uns hingegeben hat, Seinen Leib, den Er für uns am Kreuz dargebracht hat, Sein Blut, das Er „für viele“ vergossen hat „zur Vergebung der Sünden“ (Mt 26,28).
Erinnern wir uns an Seine Worte: „Wie Mich der lebendige Vater gesandt hat, und wie Ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der Mich isst, durch Mich leben“ (Joh 6,57). Jesus Selbst versichert uns, dass eine derartige Vereinigung, die Er in eine Analogie zur Einheit des dreifaltigen Gottes setzt, sich wahrhaft verwirklicht. Die Eucharistie ist ein wahres Mahl, in dem Sich Christus als Nahrung darbietet. Als Jesus zum ersten Mal diese Speise ankündigte, waren die Zuhörer erstaunt und verwirrt und zwangen den Meister, die objektive Wahrheit Seiner Worte zu unterstreichen: „Amen, amen, das sage Ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und Sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch“ (Joh 6,53). Es handelt sich nicht um eine Speise in einem bildhaften Sinn: „Mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und Mein Blut ist wirklich ein Trank“ (Joh 6,55).
26.11.2021
I. Kapitel
Geheimnis des Glaubens (Teil V)
15. Die sakramentale Vergegenwärtigung des durch die Auferstehung vollendeten Opfers Christi in der heiligen Messe beinhaltet eine ganz besondere Gegenwartsweise, die – um die Worte von Paul VI. aufzugreifen – „,wirklich‘ genannt wird, nicht im ausschließlichen Sinn, als ob die anderen Gegenwartsweisen nicht ,wirklich‘ wären, sondern hervorhebend, weil sie substantiell ist und infolgedessen den ganzen und vollständigen Christus, den Gottmenschen, gegenwärtig macht“. So wird die immer gültige Lehre des Konzils von Trient bekräftigt: „Durch die Konsekration des Brotes und Weines geschieht eine Verwandlung der ganzen Substanz des Brotes in die Substanz des Leibes Christi, unseres Herrn, und der ganzen Substanz des Weines in die Substanz Seines Blutes. Diese Wandlung wurde von der heiligen katholischen Kirche treffend und im eigentlichen Sinne Wesensverwandlung genannt“. Die Eucharistie ist wirklich mysterium fidei, ein Geheimnis, das unser Denken übersteigt und das nur im Glauben erfasst werden kann. Daran erinnern die Kirchenväter oft in ihren Katechesen über dieses göttliche Sakrament. Der heilige Cyrill von Jerusalem mahnt: „Schau in Brot und Wein nicht nur die natürlichen Elemente an, denn der Herr hat ausdrücklich gesagt, dass sie Sein Leib und Sein Blut sind: Der Glaube versichert es dir, auch wenn die Sinne dir anderes einreden“.
„Adoro te devote, latens Deitas“, singen wir immerfort mit dem heiligen Thomas von Aquin. Angesichts dieses Geheimnisses der Liebe wird die ganze Begrenztheit der menschlichen Vernunft erfahrbar.
Man versteht, wie diese Wahrheit im Laufe der Jahrhunderte die Theologie angeregt hat, durch harte Anstrengungen in ihr Verständnis einzudringen. Diese Anstrengungen sind lobenswert und um so nützlicher und fruchtbarer, je mehr sie den kritischen Einsatz des Denkens mit dem „gelebten Glauben“ der Kirche zu verbinden vermögen, der sich besonders zeigt im „sicheren Charisma der Wahrheit“ des Lehramtes und in der „inneren Einsicht […] aus geistlicher Erfahrung“, die vor allem die Heiligen erlangen. Paul VI. hat auf die Grenze hingewiesen, die bestehen bleibt: „Jede theologische Erklärung, die sich um das Verständnis dieses Geheimnisses bemüht, muss, um mit unserem Glauben übereinstimmen zu können, daran festhalten, dass Brot und Wein der Substanz nach, unabhängig von unserem Denken, nach der Konsekration zu bestehen aufgehört haben, so dass nunmehr der anbetungswürdige Leib und das anbetungswürdige Blut unseres Herrn vor uns gegenwärtig sind unter den sakramentalen Gestalten von Brot und Wein“.
25.11.2021
I. Kapitel
Geheimnis des Glaubens (Teil IV)
14. Das Pascha Christi umfasst mit dem Leiden und dem Tod auch Seine Auferstehung. Daran erinnert die Akklamation des Volkes nach der Wandlung: „Deine Auferstehung preisen wir“. Tatsächlich macht das eucharistische Opfer nicht nur das Mysterium vom Leiden und Tod des Erlösers gegenwärtig, sondern auch das Mysterium der Auferstehung, in der das Opfer seine Vollendung findet. Weil Christus lebt und auferstanden ist, kann Er Sich in der Eucharistie zum „Brot des Lebens“ (Joh 6,35.48), zum „lebendigen Brot“ (Joh 6,51) machen. Daran erinnerte der heilige Ambrosius die Neugetauften und wandte das Ereignis der Auferstehung auf ihr Leben an: „Wenn heute Christus dein ist, so steht Er für dich jeden Tag von den Toten auf“.
Der heilige Cyrill von Alexandrien unterstrich seinerseits, dass die Teilnahme an den heiligen Mysterien „ein wahres Bekenntnis und ein wahres Gedächtnis daran sind, dass der Herr gestorben und zum Leben zurückgekehrt ist für uns und für unser Heil“.
24.11.2021
I. Kapitel
Geheimnis des Glaubens (Teil III)
13. Kraft ihrer innigen Beziehung mit dem Opfer von Golgota ist die
Eucharistie Opfer im eigentlichen Sinn, und nicht nur in einem allgemeinen Sinn, als ob es sich um eine bloße Hingabe Christi als geistliche Speise an die Gläubigen handelte. Das Geschenk Seiner Liebe und Seines Gehorsams bis zur Vollendung des Lebens (vgl. Joh 10,17-18) ist in erster Linie eine Gabe an Seinen Vater. Natürlich ist es Gabe für uns, ja für die ganze Menschheit (vgl. Mt 26,28; Mk 14,24; Lk 22,20; Joh 10,15), aber dennoch vor allem Gabe an den Vater: „Ein Opfer, das der Vater angenommen hat, indem Er für die Ganzhingabe Seines Sohnes, Der ,gehorsam wurde bis zum Tod‘ (Phil 2,8), die Ihm als Vater eigene Gabe zurückschenkte, d.h. ein neues,.ewiges Leben in der Auferstehung“.
Indem Christus der Kirche Sein Opfer schenkte, wollte Er Sich auch das geistliche Opfer der Kirche zu eigen machen, die berufen ist, mit dem Opfer Christi auch sich selbst darzubringen. Das lehrt uns das Zweite Vatikanische Konzil im Hinblick auf alle Gläubigen: „In der Teilnahme am eucharistischen Opfer, der Quelle und dem Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens, bringen sie das göttliche Opferlamm Gott dar und sich selbst mit Ihm“.
23.11.2021
I. Kapitel
Geheimnis des Glaubens (Teil II)
12. Dieser Aspekt universaler Liebe des eucharistischen Sakramentes gründet in den Worten des Heilands Selbst. Als Er es einsetzte, beschränkte Er Sich nicht darauf zu sagen “Das ist Mein Leib”, “Das ist Mein Blut”, sondern fügte hinzu “hingegeben für euch...vergossen für euch” (Lk 22,19-20). Er bestätigte nicht nur, dass das, was Er ihnen zum Essen und zum Trinken gab, Sein Leib und Sein Blut war, sondern Er drückte darüber hinaus den Opfercharakter aus und lässt damit Sein Opfer, das einige Stunden später amKreuz für das Heil aller dargebracht werden sollte, auf sakramentale Weise gegenwärtig werden. “Die Messe ist zugleich und untrennbar das Opfergedächtnis, in welchem das Kreuzesopfer für immer fortlebt, und das heilige Mahl der Kommunion mit dem Leib und dem Blut des Herrn”. Die Kirche lebt unaufhörlich vom Erlösungsopfer, und ihm nähert sie sich nicht nur durch ein glaubensvolles Gedenken, sondern auch in einem aktuellen Kontakt, denn dieses Opfer kehrt als gegenwärtiges wieder. Es dauert auf sakramentale Weise in jeder Gemeinschaft fort, die es durch die Hände des geweihten Priesters darbringt. Auf diese Weise wendet die Eucharistie den Menschen von heute jene Versöhnung zu, die Christus ein für alle Mal der Menschheit zu jeder Zeit erlangt hat. Inder Tat: “Das Opfer Christi und das Opfer der Eucharistie sind ein einziges Opfer”. Das sagte wirkungsvoll bereits der heilige Johannes Chrysostomus: “Wir opfern immer das gleiche Lamm, und nicht heute das eine und morgen ein anderes, sondern immer dasselbe. Aus diesem Grund ist das Opfer immer nur eines. [...] Auch heute bringen wir jenes Opferlamm dar, das damals geopfert worden ist und das sich niemals verzehren wird”. Die Messe macht das Opfer des Kreuzes gegenwärtig, sie fügt ihm nichts hinzu und vervielfältigt es auch nicht. Das, was sich wiederholt, ist die gedenkende Feier, seine “gedenkende Darstellung” (memorialis de monstratio), durch die das einzige und endgültige Erlösungsopfer Christi in der Zeit gegenwärtig wird. Die Natur des Opfers des eucharistischen Geheimnisses kann deswegen nicht als etwas in sich selbst Stehendes verstanden werden, unabhängig vom Kreuz oder nur mit einem indirekten Bezug zum Opfer von Golgotha.
22.11.2021
I. Kapitel
Geheimnis des Glaubens (Teil I)
11. “Jesus, der Herr, in der Nacht, da Er ausgeliefert wurde” (1 Kor 11,23), hat das eucharistische Opfer Seines Leibes und Seines Blutes gestiftet. Die Worte des heiligen Apostels Paulus führen uns zu den dramatischen Umständen zurück, in denen die Eucharistie entstanden ist. In sie ist das Ereignis des Leidens und des Todes des Herrn unauslöschlich eingeschrieben. Sie ist nicht nur ein In-Erinnerung-Rufen, sondern die sakramentale Wieder-Vergegenwärtigung dieses Geschehens. Sie ist dasKreuzesopfer, das durch die Jahrhunderte fortdauert. Gut drücken die Worte, mit denen das gläubige Volk im lateinischen Ritus auf den Ruf des Priesters “Geheimnis des Glaubens” antwortet, diese Wahrheit aus: “Deinen Tod, o Herr, verkünden wir!”. Die Kirche hat die Eucharistie von Christus, ihrem Herrn, nicht als irgendeine Gabe erhalten, kostbar unter vielen anderen, sondern als die Gabe schlechthin, da es die Gabe Seiner Selbst ist, Seiner Person in Seiner heiligen Menschheit, und auch Seines Erlösungswerkes. Dieses beschränkt sich nicht auf die Vergangenheit, denn “alles, was Christus ist, und alles, was Er für alle Menschen getan und gelitten hat, nimmt an der Ewigkeit Gottes teil, steht somit über allen Zeiten und wird ihnen gegenwärtig”. Wenn die Kirche die heilige Eucharistie, das Gedenken des Todes und der Auferstehung ihres Herrn, feiert, wird dieses zentrale Geheimnis des Heils wirklich gegenwärtig gesetzt und es “vollzieht sich das Werk unserer Erlösung”. Dieses Opfer ist für die Erlösung des Menschengeschlechtes so entscheidend, dass Jesus Christus es erfüllt hat und erst dann zum Vater zurückgekehrt ist, nachdem er uns das Mittel hinterlassen hat, daran teilzunehmen, als ob wir dabei anwesend gewesen wären. Jeder Gläubige kann so daran teilhaben und daraus in unerschöpflichem Maße die Früchte erlangen. Das ist derGlaube, aus dem die christlichen Generationen im Laufe der Jahrhunderte gelebt haben. Diesen Glauben hat das Lehramt der Kirche unaufhörlich mit freudiger Dankbarkeit für das unschätzbare Geschenk bekräftigt. Ich möchte noch einmal an diese Wahrheit erinnern und mich mit euch, meine vielgeliebten Brüder und Schwestern, in Anbetung vor dieses Geheimnis begeben: das große Geheimnis, das Geheimnis der Barmherzigkeit. Was hätte Jesus noch mehr für uns tun können? Wahrhaftig, in der Eucharistie zeigt Er uns eine Liebe, die bis “zur Vollendung” (vgl. Joh 13,1) geht, eine Liebe, die kein Maß kennt.
21.11.2021
Einleitung (Teil X)
10. Dieser Verkündigungsdienst seitens des Lehramtes hat im inneren Wachstum der christlichen Gemeinschaft seine Antwort gefunden. Ohne Zweifel war die Liturgiereform des Konzils von großem Gewinn für eine bewusstere, aktivere und fruchtbarere Teilnahme der Gläubigen am heiligen Opfer des Altares. Des Weiteren findet die Anbetung des Allerheiligsten Sakramentes an vielen Orten einen weiten Raum im täglichen Leben und wird so zur unerschöpflichen Quelle der Heiligkeit. Die andächtigeTeilnahme der Gläubigen an der eucharistischen Prozession des Fronleichnamfestes ist eine Gnade des Herrn, die jedes Jahr diejenigen mit Freude erfüllt, die an ihr teilnehmen. Man könnte noch andere positive Zeichen des Glaubens und der Liebe zur Eucharistie erwähnen. Leider fehlt neben diesem Licht nicht der Schatten. In der Tat gibt es Orte, an denen eine beinahe völlige Vernachlässigung des Kultes der eucharistischen Anbetung feststellbar ist. Überdies gibt es in dem einen oder anderen Bereich der Kirche Missbräuche, die dazu beitragen, den rechten Glauben und die katholische Lehre über dieses wunderbare Sakrament zu verdunkeln. Zuweilen kommt ein sehr bedeutungsminderndes Verständnis der Eucharistie zum Vorschein. Einmal seines Opfercharakters beraubt, wird das eucharistische Geheimnisso vollzogen, als ob es nicht den Sinn und den Wert eines Treffens zum brüderlichen Mahl übersteigen würde. Darüber hinaus ist gelegentlich die Notwendigkeit des Amtspriestertums, das in der apostolischen Sukzession gründet, verdunkelt, und die Sakramentalität der Eucharistie wird allein auf die Wirksamkeit in der Verkündigung reduziert. Von da her frönen hier und da ökumenische Initiativen, obgleich edel in ihren Intentionen, eucharistischen Praktiken, welche der Disziplin, mit der die Kirche ihren Glauben ausdrückt, widersprechen. Wie sollte man nicht über all dies tiefen Schmerz zum Ausdruck bringen? Die Eucharistie ist ein zu großes Gut, um Zweideutigkeiten und Minimalisierungen zu dulden. Ich vertraue darauf, dass diese Enzyklika wirksam dazubeitragen kann, die Schatten inakzeptabler Lehren und Praktiken zu vertreiben, damit die Eucharistie weiterhin erstrahlen möge im ganzen Glanz ihres Geheimnisses.
20.11.2021
Einleitung (Teil IX)
9. Die Eucharistie, heilbringende Gegenwart Jesu in der Gemeinschaft der Gläubigen und ihre geistliche Nahrung, ist das allerwertvollste Gut, das die Kirche auf ihrem Pilgerweg durch die Geschichte haben kann. So erklärt sich die sorgsame Aufmerksamkeit, die sie dem eucharistischen Geheimnis stets entgegengebracht hat; eine Aufmerksamkeit, die sich in verbindlicher Form in den Werken der Konzilien und der Päpste zeigt. Wie könnte man nicht die lehramtlichen Darlegungen in den Dekreten über die Heiligste Eucharistie und über das hochheilige Opfer der Messe bewundern, die das Konzil von Trient promulgiert hat? Diese Seiten haben durch die nachfolgenden Jahrhunderte hindurch sowohl dieTheologie als auch die Katechese geleitet, und noch immer sind sie dogmatischer Bezugspunkt für die fortwährende Erneuerung und für das Wachstum des Volkes Gottes im Glauben und in der Liebe zur heiligen Eucharistie. Aus uns näheren Zeiten sind drei Enzykliken zu nennen: die Enzyklika Mirae Caritatis (28. Mai 1902) von Papst Leo XIII.,die Enzyklika Mediator Dei (20. November 1947) von Pius XII. und die Enzyklika Mysterium Fidei (3. September 1965) von Papst Paul VI. Das Zweite Vatikanische Konzil, obgleich es kein spezifisches Dokument über das eucharistische Geheimnis herausgebracht hat, erhellt dessen verschiedene Aspekte jedenfalls in der inneren Abfolge seiner Dokumente, in besonderer Weise in der dogmatischen Konstitution Lumen gentium und in der Konstitution über die heilige Liturgie Sacrosanctum Concilium. Ich selbst habe in den ersten Jahren meines apostolischen Dienstes auf dem Lehrstuhl Petri mit dem Apostolischen Schreiben Dominicae Cenae (24. Februar 1980) einige Aspekte des eucharistischen Geheimnisses und seines Einflusses im Leben derer, die seine Ausspender sind, behandelt. Heute nehme ich den Faden dieser Erörterung mit einem von Ergriffenheit und Dankbarkeit noch mehr erfüllten Herzen wieder auf, indem ich gleichsam die Worte des Psalmisten widerhallen lasse: “Wie kann ich dem Herrn all das vergelten, was Er mir Gutes getan hat. Ich will den Kelch des Heils erheben und anrufen den Namen des Herrn”(Ps 116,12-13).
19.11.2021
Einleitung (Teil VIII)
8. Wenn ich an die Eucharistie denke und dabei auf mein Leben als Priester, Bischof und Nachfolger Petri blicke, erinnere ich mich spontan an die vielen Momente und an die Orte, an denen es mir gegeben war, sie zu feiern. Ich erinnere mich an die Pfarrkirche von Niegowic, wo ich meine erste pastorale Aufgabe hatte, an die Kollegiatskirche St. Florian inKrakau, an die Kathedrale auf dem Wawel, die Peterskirche und die vielen Basiliken und Kirchen Roms und in der ganzen Welt. Ich konnte die heilige Messe in Kapellen an Gebirgspfaden zelebrieren, an Seeufern, an Meeresküsten; ich habe sie an Altären gefeiert, die in Stadien errichtet waren, auf den Plätzen der Städte... Diese so vielfältige Szenerie meiner Eucharistiefeiern lässt mich deutlich ihren universalen und sozusagen kosmischen Charakter erfahren. Ja, kosmisch! Denn auch dann, wenn man sie auf dem kleinen Altar einer Dorfkirche feiert, wird die Eucharistie immer, in einem gewissen Sinne, auf dem Altar der Welt zelebriert. Sie verbindet Himmel und Erde. Sie umfasst und erfüllt alles Geschaffene. Der Sohn Gottes ist Mensch geworden, um Dem, Der alles aus dem Nichts geschaffen hat, alles Geschaffene in einem höchsten Akt des Lobes zurück zu erstatten. Und so erstattet Er, der ewige Hohepriester, indem Er mittels des Blutes Seines Kreuzes in das ewige Heiligtum eintritt, dem Schöpfer und Vater die ganze erlöste Schöpfung zurück. Dies tut Er durch das priesterliche Amt in der Kirche zur Ehre der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Wahrhaftig ist dies das mysterium fidei, das sich in der Eucharistie vergegenwärtigt: die Welt, die aus den Händen Gottes des Schöpfers hervorgegangen ist, kehrt zu Ihm als eine durch Christus erlöste zurück.
18.11.2021
Einleitung (Teil VII)
7. Seit Beginn meines Dienstes als Nachfolger Petri habe ich dem Gründonnerstag, dem Tag der Eucharistie und des Priestertums, mit meinem Brief an alle Priester der Welt stets ein Zeichen besonderer Aufmerksamkeit vorbehalten. In diesem Jahr, dem fünfundzwanzigsten meines Pontifikates, möchte ich die gesamte Kirche in noch umfassenderer Weise an dieser eucharistischen Betrachtung beteiligen. Dabei möchte ich dem Herrn auch für das Geschenk der Eucharistie und des Priestertums danken: “Geschenk und Geheimnis”. In der Ausrufung des Rosenkranzjahres wollte ich eben dieses fünfundzwanzigste Jahr meines Pontifikates unter das Zeichen der Betrachtung Christi inder Schule Mariens stellen. Von daher möchte ich diesen Gründonnerstag 2003 nicht verstreichen lassen, ohne vor dem “eucharistischen Antlitz” Christi zu verharren und mit neuer Kraft die Kirche auf die zentrale Bedeutung der Eucharistie hinzuweisen. Aus ihr lebt die Kirche. Von diesem “lebendigen Brot” nährt sie sich. Wie sollte man da nicht das Bedürfnis spüren, alle aufzufordern, diese Erfahrung stets aufs Neue zu machen?
17.11.2021
Einleitung (Teil VI)
6. Dieses “Staunen” über die Eucharistie wünsche ich mit der vorliegenden Enzyklika wieder zu erwecken, in Fortsetzung jenes Erbes des Jubiläums, das ich der Kirche mit dem Apostolischen Schreiben Novo millennioineunte und mit seiner marianischen Krönung Rosarium Virginis Mariae übereignen wollte. Das Antlitz Christi zu betrachten und es mit Maria zu betrachten, ist dasv“Programm”, auf das ich die Kirche in der Morgenröte des Dritten Jahrtausends hingewiesen habe, indem ich sie einlade, mit Enthusiasmus für die Neuevangelisierung auf das Meer der Geschichte hinaus zu fahren. Christus zu betrachten bedeutet, Ihn erkennen zu können, wo immer Er Sich zeigt, in den vielfältigen Formen Seiner Gegenwart, vor allem aber im lebendigen Sakrament Seines Leibes und Seines Blutes. Die Kirche lebt vom eucharistischen Christus. Von Ihm wird sie genährt, von Ihm wird sie erleuchtet. Die Eucharistie ist Geheimnis des Glaubens und zugleich “Geheimnis des Lichtes”. Jedes Mal, wenn die Kirche sie feiert, können die Gläubigen in gewisser Weise die Erfahrung der beiden Emmausjünger erleben: “Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten Ihn” (Lk 24,31).
16.11.2021
Einleitung (Teil V)
5. „Mysterium fidei! - Geheimnis des Glaubens!“. Auf diese Worte, die vom Priester gesprochen oder gesungen werden, antworten die Mitfeiernden: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und Deine Auferstehung preisen wir, bis Du kommst in Herrlichkeit“. Mit diesen oder ähnlichen Worten weist die Kirche auf Christus im Geheimnis Seines Leidens hin und offenbart darin auch ihr eigenes Mysterium: Ecclesia de Eucharistia. Wenn die Kirche mit der pfingstlichen Gabe des Heiligen Geistes ans Licht tritt und sich auf die Straßen der Welt begibt, so ist ein entscheidender Moment ihrer Entstehung sicherlich die Einsetzung der Eucharistie im Abendmahlssaal. Ihr Fundament und ihre Quelle ist das gesamte Triduum paschale. Dieses aber ist in der eucharistischen Gabe gewissermaßen gesammelt, vorweggenommen und für immer „konzentriert“. In dieser Gabe übereignete Jesus Christus der Kirche die immerwährende Vergegenwärtigung des Ostermysteriums. Mit ihr stiftete Er eine geheimnisvolle „Gleichzeitigkeit“ zwischen jenem Triduum und dem Gang aller Jahrhunderte. Dieser Gedanke weckt in uns ein großes und dankbares Staunen. Im Ostergeschehen und in der Eucharistie, die es durch dieJahrhunderte hindurch gegenwärtig macht, liegt ein enormes „Potential“, in dem die ganze Geschichte als Adressat der Erlösungsgnade enthalten ist. Dieses Staunen muss die Kirche immer ergreifen, wenn sie sich zur Feier der Eucharistie versammelt. Aber in besonderer Weise muss es den Spender der Eucharistie begleiten. Dank der Gnade, die ihm durch das Sakrament der Priesterweihe verliehen wurde, kann er die Wandlung vollziehen. Er spricht mit der Vollmacht, die ihm von Christus aus dem Abendmahlssaal zukommt: „Das ist Mein Leib, der für euch hingegeben wird... Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, Mein Blut, das für euch vergossen wird...“. Der Priester spricht diese Worte und stellt seinen Mund und seine Stimme Jenem zur Verfügung, Der diese Worte im Abendmahlssaal gesprochen hat, und Der wollte, dass sie von Generation zu Generation von all denen wiederholt werden, die in der Kirche durch die Weihe an Seinem Priestertum teilhaben.
15.11.2021
Einleitung (Teil IV)
4. Die Stunde unserer Erlösung. Obgleich unsagbar geprüft, flieht Jesus nicht vor Seiner „Stunde“: „Was soll Ich sagen: Vater, rette Mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin Ich in diese Stunde gekommen!“ (Joh12,27). Er möchte, dass die Jünger bei Ihm bleiben, muss aber Einsamkeit und Verlassenheit erfahren: „Konntet ihr nicht einmal eine Stunde mit Mir wachen? Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet“ (Mt 26,40-41). Nur Johannes bleibt mit Maria und den frommen Frauen unter dem Kreuz. DieTodesangst in Getsemani hat die Todesangst des Kreuzes am Karfreitag eingeleitet: Die heilige Stunde, die Stunde der Erlösung der Welt. Wenn man die Eucharistie am Grab Jesu in Jerusalem feiert, kehrt man in fast greifbarer Weise zu Seiner „Stunde“ zurück, zur Stunde des Kreuzes und der Verherrlichung. An diesen Ort und in diese Stunde kehrt in geistlicher Weise jeder Priester zurück, der die heilige Messe feiert, und mit ihm die christliche Gemeinde, die daran teilnimmt. „Gekreuzigt,gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten“. Die Worte des Glaubensbekenntnisses finden ein Echo in den Worten der Betrachtung und der Verkündigung: „Ecce lignum crucis in quo salus mundi pependit. Venite adoremus“. Diese Einladung richtet die Kirche am Nachmittag des Karfreitags an alle Menschen. Während der Osterzeit nimmt sie ihren Gesang wieder auf und verkündet: „Surrexit Dominus de sepulcro qui pro nobis pependit in ligno. Alleluia“.
14.11.2021
Einleitung (Teil III)
3. Aus dem Ostermysterium geht die Kirche hervor. Genau deshalb steht die Eucharistie als Sakrament des Ostermysteriums schlechthin im Mittelpunkt des kirchlichen Lebens. Das sieht man bereits an den ersten Bildern für die Kirche, die uns in der Apostelgeschichte überliefert werden: „Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten“ (Apg 2,42). Im „Brechen des Brotes“ ist die Eucharistie angedeutet. Nach zweitausend Jahren verwirklichen wir noch immer dieses ursprüngliche Bild für die Kirche. Und während wir dies in der Eucharistiefeier tun, richten sich die Augen unserer Seele auf das österliche Triduum: auf das, was sich während des Letzten Abendmahls am Gründonnerstag ereignete, und was danach folgte. Die Einsetzung der Eucharistie nahm in der Tat auf sakramentale Weise die Ereignisse vorweg, die sich, beginnend mit der Todesangst in Getsemani, kurz darauf zutragen sollten. Wiederum sehen wir Jesus, der den Abendmahlssaal verlässt und mit Seinen Jüngern in das Tal hinabsteigt, um den Bach Kidron zu überqueren und zum Garten am Ölberg zu gelangen. In diesem Garten sind noch heute einige uralte Olivenbäume. Vielleicht waren sie Zeugen der Ereignisse, die sich an jenem Abend in ihrem Schatten zugetragen haben, als Christus im Gebet von Todesangst ergriffen und Sein Schweiß „wie Blut“ wurde, „das auf die Erde tropfte“ (Lk 22,44). Das Blut, das Er kurz zuvor im Sakrament der Eucharistie der Kirche als Trank des Heiles übergeben hatte, begann vergossen zu werden. Das Vergießen Seines Blutes sollte sich dann auf Golgota vollenden, um das Werkzeug unserer Erlösung zu werden: „Christus [...] ist gekommen als Hoherpriester der künftigen Güter; [...] Er ist ein für allemal in das Heiligtum hineingegangen, nicht mit dem Blut von Böcken und jungen Stieren, sondern mit Seinem eigenen Blut, und so hat Er eine ewige Erlösung bewirkt“ (Hebr 9,11-12).
13.11.2021
Einleitung (Teil II)
2. Während des Großen Jubiläums des Jahres 2000 durfte ich die Eucharistie im Abendmahlssaal in Jerusalem feiern, dort, wo sie nach der Überlieferung zum ersten Mal von Christus Selbst vollzogen wurde. Der Abendmahlssaal ist der Ort der Einsetzung dieses heiligsten Sakramentes. Dort nahm Christus das Brot in Seine Hände, brach es und gab es Seinen Jüngern mit den Worten: „Nehmet und esset alle davon: Das ist Mein Leib, der für euch hingegeben wird“ (vgl. Mt 26,26; Lk 22,19; 1 Kor 11,24). Dann nahm Er den Kelch mit Wein in Seine Hände und sagte zu ihnen: „Nehmet und trinket alle daraus: Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, Mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden“ (vgl. Mk 14,24; Lk 22,20; 1Kor 11,25). Ich bin dem Herrn Jesus dankbar, dass ich an diesem Ort in Gehorsam gegenüber Seinem Auftrag „Tut dies zu Meinem Gedächtnis!“ (Lk 22,19) die Worte wiederholen durfte, die Er vor zweitausend Jahren gesprochen hat. Haben die Apostel, die beim Letzten Abendmahl teilnahmen, den Sinn der Worte aus dem Mund Christi verstanden? Wahrscheinlich nicht. Diese Worte sollten erst am Ende des Triduum sacrum, des Zeitraums vom Donnerstagabend bis zum Sonntagmorgen, ganz klar werden. In diese Tage ist das mysteriumpaschale eingeschrieben, in sie ist auch das mysteriumeucharisticum eingeschrieben.
12.11.2021
Einleitung (Teil I)
1. Die Kirche lebt von der Eucharistie. Diese Wahrheit drückt nicht nur eine alltägliche Glaubenserfahrung aus, sondern enthält zusammenfassend den Kern des Mysteriums der Kirche. Mit Freude erfährt sie unaufhörlich, dass sich auf vielfältige Weise die Verheißung erfüllt: „Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20). In einzigartiger Intensität erfreut sie sich dieser Gegenwart jedoch in der heiligen Eucharistie, bei der Brot und Wein in Christi Leib und Blut verwandelt werden. Seitdem die Kirche, das Volk des Neuen Bundes, am Pfingsttag ihren Pilgerweg zur himmlischen Heimat begonnen hat, prägt dieses göttliche Sakrament unaufhörlich ihre Tage und erfüllt sie mit vertrauensvoller Hoffnung. Mit Recht hat das Zweite Vatikanische Konzil verkündet, dass das eucharistische Opfer „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ ist. „Die heiligste Eucharistie enthält ja das Heilsgut der Kirche in seiner ganzen Fülle, Christus Selbst, unser Osterlamm und das lebendige Brot. Durch Sein Fleisch, das durch den Heiligen Geist lebt und Leben schafft, spendet Er den Menschen das Leben“. Deshalb ist der Blick der Kirche fortwährend auf den Herrn gerichtet, Der gegenwärtig ist im Sakrament des Altares, in dem sie den vollkommenen Ausdruck Seiner unendlichen Liebe entdeckt.