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Schweizerischer Erdbebendienst (SED)
Der Schweizerische Erdbebendienst (SED) an der ETH Zürich ist die Fachstelle des Bundes für Erdbeben. In dessen Auftrag überwacht er die Erdbebenaktivität in der Schweiz sowie im grenznahen Ausland und beurteilt die Erdbebengefährdung in der Schweiz. Im Falle eines Erdbebens informiert der SED Öffentlichkeit, Behörden und Medien über den Ort, die Stärke und mögliche Auswirkungen. Die Aktivitäten des SED sind im Massnahmenprogramm des Bundes zur Reduktion des Erdbebenrisikos eingebunden.
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Erneutes Erwachen des Erdbebenschwarms bei Diemtigen (BE)
Erdbebenschwärme sind ein typisches Merkmal der Erdbebentätigkeit in der Schweiz und der SED registriert jedes Jahr mehrere davon. Diese Erdbebensequenzen zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht eindeutig in eine Abfolge von Vor-, Haupt- und Nachbeben eingeteilt werden können. Die Erdbeben eines Schwarms, deren Anzahl von einigen wenigen bis zu mehreren tausend Ereignissen variieren kann, treten zeitlich und räumlich in engem Zusammenhang auf und können von wenigen Stunden bis zu mehreren Jahren andauern. Da Erdbebenschwärme ausserhalb der Schweiz häufig in vulkanisch aktiven Gebieten mit magmatischer und hydrothermaler Aktivität auftreten, wird vermutet, dass sie mit der Wanderung von Fluiden (Gase und Flüssigkeiten) in der Erdkruste zusammenhängen.
Einer der aktivsten Erdbebenschwärme, den der SED seit seinem Bestehen registriert hat, ereignet sich derzeit bei Diemtigen im Berner Oberland. Zwischen April und Dezember 2014 wurden dort mehr als 144 Ereignisse mit Magnituden von 0.5 oder grösser registriert. Die drei stärksten Beben in diesem Zeitraum ereigneten sich am 10. Mai (Magnitude 2.7), am 25. Juni (Magnitude 2.7) und am 15. Oktober (Magnitude 3.2). Seit Januar 2015 ging die Schwarmaktivität deutlich zurück und verschwand in den Sommermonaten beinahe gänzlich, bis sie sich Mitte Juli erneut intensivierte. Seit dem registrierte der SED 21 Beben mit Magnituden von 0.5 oder grösste, das stärkste mit einer Magnitude von 2.7 ereignete sich am 15. August.
Um den "Diemtigen-Schwarm" genauer zu untersuchen, hat der SED zwischen Juni 2014 und April 2015 drei mobile Erdbebenstationen in der Region aufgestellt. Eine erste Analyse zeigt, dass die Beben in einer steilstehenden flächigen Zone mit einer Ausdehnung von 400 mal 700 Metern, in einer Tiefe von ca. 9 Kilometern, ereignet haben. Ausserdem konnte ein komplexes Verlagerungsmuster der seismischen Aktivität entlang dieser Zone festgestellt werden. Mit einem hochempfindlichen Verfahren konnten Erdbeben bis zu einer Magnitude von -1.5 detektiert werden. Zwischen Januar 2014 und September 2015 wurden so über 2‘300 Mikoerdbeben erkannt, die ein sehr detailliertes Abbild der Schwarmaktivität zeichnen (siehe dazu Abb. 1).
Eine erneute Zunahme der Bebenaktivität nach einer ruhigeren Phase ist nichts Aussergewöhnliches, lässt aber keine Schlüsse auf den weiteren Verlauf des Schwarms zu. Meistens enden Schwarmaktivitäten nach einigen Wochen oder Monaten, in seltenen Fällen nehmen die Beben mit der Zeit an Stärke und Anzahl zu.
04.09.2015

Erdbeben – eine ernstzunehmende Gefahr für die Schweiz
Der Schweizerische Erdbebendienst (SED) an der ETH Zürich hat nach zehn Jahren intensiver Forschung ein aktualisiertes Erdbebengefährdungsmodell erstellt. Dieses bestätigt: Erdbeben sind eine ernstzunehmende Gefahr für die Schweiz.
Abschätzungen zeigen: Erdbeben sind die Naturgefahr mit dem grössten Schadenspotential in der Schweiz. Im Auftrag des Bundes überwacht der SED die Erdbebentätigkeit und schätzt die Erdbebengefährdung in der Schweiz ein. In regelmässigen Abständen publiziert er zudem ein Modell, das mögliche künftige Erdbeben und die damit einhergehenden Bodenbewegungen beschreibt. Das nun veröffentlichte, aktualisierte Erdbebengefährdungsmodell basiert auf verbesserten Vorhersagemodellen, neuen und sehr viel genaueren Daten sowie überarbeiteten Einschätzungen historischer Quellen. Es löst das Modell aus dem Jahr 2004 ab und erlaubt eine wesentlich solidere Abschätzung der Gefährdung. Fachpersonen und Behördenvertretern dient das neue Modell als Grundlage, um Entscheide im Bereich der Erdbebenvorsorge und des Risikomanagements zu treffen.
Gesamthaft hat sich die Einschätzung der Gefährdung für einzelne Regionen seit 2004 nur leicht verändert: Das Wallis bleibt das Gebiet mit der höchsten Gefährdung, gefolgt von Basel, Graubünden, dem St. Galler Rheintal und der Zentralschweiz. Einzig der Kanton Graubünden, insbesondere das Engadin, ist gemäss der Einschätzung des SED stärker gefährdet als bisher angenommen. Diese leicht erhöhte Einstufung erklärt sich vor allem durch eine angepasste Beurteilung der vergangenen Beben.
01.09.2015
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