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Lindsey Jacobellis? DIE Lindsey Jacobellis? Ja. Sie fährt immer noch – und sie hat endlich, endlich die letzte Lücke in ihrem eindrücklichen Palmarès geschlossen.
«Ich fühlte mich schon als Siegerin, weil ich es in den Final geschafft habe», sagte Jacobellis nach ihrem Triumph. «Es war ein langer Weg mit Höhen und Tiefen und Verletzungen.»
Fünf Mal wurde die Amerikanerin Weltmeisterin im Boardercross, sie siegte 31 Mal im Weltcup und sammelte in Aspen an den X-Games reihenweise Goldmedaillen. Aber trotzdem war Jacobellis ausserhalb der Szene bis heute vor allem für ein Rennen bekannt, das sie nicht gewinnen konnte.
Vor sechzehn Jahren war es, an den Olympischen Spielen 2006 in Turin, als Jacobellis die sichere Goldmedaille wegwarf. Beim letzten Sprung versuchte sie – deutlich in Führung liegend – einen Trick, stürzte, und wie aus dem Nichts raste die bereits geschlagene Tanja Frieden an ihr vorbei zum Sieg. Die Berner Oberländerin wurde zur ersten Olympiasiegerin im Boardercross, Jacobellis blieb zum Trost wenigstens noch der silberne «Plämpu».
Es folgten weitere olympische Dramen für die ansonsten so erfolgsverwöhnte Athletin. Sie konnte gewinnen, was sie wollte – stand der Wettkampf im Zeichen der fünf Ringe, konnte sie es nicht mehr. 2010 in Vancouver belegte sie Rang 5. 2014 in Sotschi war es Rang 7. 2018 in Pyeongchang: Rang 4.
Nun also der fünfte Anlauf. In Peking sollte endlich Tatsache werden, was eigentlich schon in Turin hätte sein sollen. Die mittlerweile 36-jährige Jacobellis qualifizierte sich für den Final und ging in diesem gleich nach dem Start in Führung.
Dieses Gefühl kannte sie nicht nur aus dem Jahr 2006, sondern auch von 2018. Da lag sie ebenfalls lange in Front, ehe sie noch überholt wurde und das Podest im Fotofinish um drei Hundertstel verpasste.
Doch im Secret Garden Resort in Zhangjiakou, rund 100 Kilometer nordwestlich von Peking gelegen, passierte ihr kein weiteres Missgeschick mehr. Lindsey Jacobellis liess nichts anbrennen. Sie zog den Lauf durch und konnte endlich ihren Frieden mit den Olympischen Spielen schliessen.
Als sie die Ziellinie überquerte, strahlte sie über das ganze Gesicht und hielt sich die Hände vors Herz. Endlich passte es auch bei Olympischen Spielen von A bis Z. «Es gibt keine Worte, um das zu beschreiben», meinte Jacobellis Teamkollegin Stacy Gaskill.
«Mir ging es nie um Wiedergutmachung», sagte Lindsey Jacobellis, auf ihren schicksalhaften Tag 2006 angesprochen. «Ich wollte einfach Spass haben. Mein Gedanke war: Entweder passiert es oder eben nicht. Und dieses Mal standen die Sterne gut für mich und es wurde mein Tag.»
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