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Der weltweit steigende Bedarf an Nahrungsmittel war für chinesische Forscher Grund genug, sich näher mit dem ernährungsphysiologischen Wert von Kürbisblättern zu befassen.
Wer Kürbisse anpflanzt, weiß, dass nicht nur die Früchte groß sind, sondern dass die Pflanzen auch zahlreiche große Blätter bilden, die bisher jedoch weitgehend ungenutzt bleiben. Nur in China und einigen Ländern Afrikas werden junge Kürbisblätter als Gemüse genutzt. Über ihren ernährungsphysiologischen Wert und ihre Qualität war bisher allerdings nur sehr wenig bekannt.
Die chinesischen Wissenschaftler wollten nun herausfinden, ob die Kürbisblätter als Nahrungsmittel und insbesondere als Eiweißquelle geeignet sind. Die Untersuchungen zeigten, dass Kürbisblätter reich an Proteinen, essentiellen Aminosäuren sowie vielen Vitaminen und Mineralstoffen sind. Darüber hinaus fanden die Forscher signifikante Mengen an sekundären Pflanzenstoffen einschließlich Phenolen, Alkaloiden, Saponinen und Phytaten. Fütterungsversuche mit Mäusen ergaben, dass eine Kürbisblatt-Diät keine negativen Effekte hatte und die Mäuse länger lebten als die Vergleichsgruppe. Die chinesischen Forscher, über deren experimentelle Untersuchungen das „Journal of Food Safety and Food Quality“ berichtete, schätzen Kürbisblattpulver als nahrhaft und für den Verzehr sicher ein. Sie sprechen den Kürbisblättern ein großes Potenzial zu für die Nutzung als Eiweißquelle in der Futtermittel- und Lebensmittelindustrie, aber auch zum Direktverzehr als Grüngemüse.
Quelle:
https://www.bzfe.de/inhalt/kuerbisblaetter-33675.html
Kommentar & Ergänzung:
In der Phytotherapie werden nur die Kürbissamen verwendet als Mittel zur Linderung von Symptomen bei gutartiger Prostatavergrösserung (benigne Prostatahyperplasie).
Laut den Fachkommissionen von ESCOP und Kommission E eignen sich Kürbissamen bei Miktionsbeschwerden (schmerzhaftes Wasserlassen, häufige Blasenentleerung, nächtlicher Harndrang, Harnverhalten, Restharnbildung) im Zusammenhang mit benigner Prostatahyperplasie (BPH) im Stadium I bis II nach Alken oder Stadium II und III nach Vahlensieck; sowie zur Behandlung der Reizblase.
Von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Plattform medizin-transparent wird die Qualität der vorliegenden Studien allerdings kritisch beurteilt und die Wirksamkeit als nicht belegt eingestuft. Das gilt insbesondere für Studien mit Kürbiskern-Präparaten in Kapselform. Geringfügig besser war das Resultat bei Männern, die täglich 10 Gramm Kürbissamen essen sollten. Hier war der Unterschied zur Placebo-Kapsel-Gruppe messbar, aber nach Ansicht der Fachleute von medizin-transparent so gering, dass die Probanden ihn wohl nicht bemerkt haben. Ausserdem monieren die Forscher, dass die Studie von einem Hersteller von Kürbissamen-Produkten finanziert war (GlaxoSmithKline) und dass die Probanden wussten, dass sie Kürbissamen einnahmen, was durch eine Erwartungshaltung das Ergebnis verfälscht haben könnte. Diese Kritik ist zur Kenntnis zu nehmen.
Quelle:
Kürbissamen „leiden“ bezüglich Forschungsstand allerdings auch an zwei Schwachpunkten, für die sie quasi nicht schuld sind:
– Die fehlende Verblindung – also dass die Probanden wussten, dass sie Kürbissamen einnahmen, und nicht Placebo – liegt in der Natur der Sache selbst. Zu einer Tablette oder Kapsel kann man sehr einfach ein gleich aussehendes, wirkstofffreies Scheinpräparat (Placebo) herstellen. Bei Kürbissamen geht das nicht.
– Für nicht patentierbare Arzneipflanzen-Präparate wie Kürbissamen lohnen sich grössere Investitionen in die Forschung kaum. Im Rahmen der Phytotherapie lohnt sich Forschung im grösseren Stil nur für patentierbare Extrakte.
Auch wenn die Wirksamkeit der Kürbissamen bei benigner Prostatahyperplasie nicht mit soliden Studien belegt ist: Sie kosten wenig, sind ohne unerwünschte Nebenwirkungen und ein gesunder Bestandteil einer vielfältigen Ernährung. Und vielleicht sind sie darüber hinaus doch noch ein bisschen nützlich für die Prostata.
Nach schlechter untersucht und noch schlechter belegt ist die Empfehlung von Kürbissamen bei Reizblase. Hier gibt es meines Erachtens im Gegensatz zur gutartigen Prostatavergrösserung nicht einmal einen plausiblen Wirkungsmechanismus.