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Blues Masters from the Past: Leroy Carr & Scrapper Blackwell
Geschrieben von Marc Winter, Redaktion Musik
Pioniere des modernen Blues
Der Pianist
Leroy Carr 27. 3. 1905 - 29.
4. 1935) und der Gitarrist Francis
«Scrapper» Blackwell (21. 2. 1903-7. 10. 1962) bildeten in den 1920er und
1930er Jahren ein höchst erfolgreiches Duo, das viele Hits feierte, und
mithalf, den Blues vom Land in die Stadt zu bringen. Carr war der Komponist solcher Klassiker wie How Long Blues und Blues
Before Sunrise, Blackwell war
gemeinsam mit Robert Johnson Vorbild
und Idol der jungen britischen Blues-Gitarristen.
Die unangenehme Nachricht zuerst: es gibt leider keine
wirklich guten Aufnahmen des Duos, da Leroy
Carr bereits 1935 verstarb. Robert
Johnson und Leroy Carr sind also
beide nur in einer ähnlich schlechten Aufnahme-Qualität zu hören. Trotzdem hört
man aus diesen Aufnahmen, wie gut das Duo damals geklungen haben muss, wie sehr
Blackwell und Carr harmonierten. Es gibt eine 4-Cd-Box mit tollen Aufnahmen der
beiden Musiker unter dem Titel How Long Has That Evening Train Been Gone auf
das Oeuvre der beiden zu hören ist.
Blackwell aus
North Carolina und Carr aus Indiana
(wenn auch geboren in Nashville) sind Exponenten einer Bluestradition, welche
die dunkle Vergangenheit der Baumwollplantagen und der Sklaverei hinter sich
gelassen hat, und die nun in einem zusehends urbanen Publikum zum Tanz und zur
Unterhaltung aufspielen will. Blackwell
war ein traditioneller Fingerpicker, aber mit einer grossen Feinheit im Spiel
ausgestattet. Er kennt die leisen Zwischentöne, subtile Ergänzungsspiel zum Klavier,
das hier das hauptsächliche Instrument ist.
Carr und Blackwell waren es allem Anschein nach
gewohnt, in Mikrophone zu singen, sie sangen mit mehr Nuancen als
beispielsweise Robert Johnson. Doch
der deutlichste Unterschied zu anderen Bluesmen der 30er Jahre liegt in der
Feinheit, ja Virtuosität des Instrumentalspiels. Der Unterschied zwischen Carr und einem anderen Bluespianisten
der Zeit wie etwa Little Brother
Montgomery könnte grösser kaum sein: Bei Carr gibt es keinen Boogie-Woogie der linken Hand, die linke Hand
spielt eine Melodielinie, keinen Rhythmus. Sein Pianospiel ist ebenso modern
wie jenes von Memphis Slim oder Charles Brown.
Entsprechend waren die beiden relativ erfolgreich im Verkauf
ihrer Schallplatten, aber vor allem waren sie auch musikalisch einflussreich:
Zunächst einmal gab es einige Piano/Gitarren Duos, die den Katalog von Carr und Blackwell sangen, etwa das Chicago-Duo Bumble Bee Slim und Bill
Gaither. Count Basie nahm als
Solo-Pianost Coverversionen von Carrs Liedern
auf, aber vor allem ist sein Nachruhm durch seinen ersten und grössten Hit
gesichert: How Long Blues. Muddy Waters hat in Interviews gesagt,
dass dies das erste Lied sei, dass er je einstudiert habe, T-Bone Walker nahm seinen Stil nach Kalifornien und erfand dort einen
neuen urbanen Blues. Der Autor Arnold
Shaw macht Carrs Einfluss fest
bei Soul- und Jazzsängern wie Dinah
Washington, Sam Cooke oder Otis
Redding.
Leroy Carr starb viel
zu früh leider an den Folgen seines jahrelangen Alkoholmissbrauchs, und in der
Karriere Blackwells gibt es ein
schwarzes Loch in den 40er bis späten 50er Jahren, in denen er keine
professionelle Musik mehr machte. Erst im Folk Revival der 60er Jahre nahm er
die Gitarre wieder zur Hand und machte die erwähnten Aufnahmen für das Album Mr.
Scrapper's Blues, doch schon im
Folgejahr wurde Blackwell bei einem
Raubüberfall getötet.
Scrapper Blackwell
gehört neben Robert Johnson zu den
einflussreichsten Gitarristen für die Britische Blues-Szene, und nicht nur Eric Clapton hat sich in Interviews
explizit auf den Einfluss Blackwells berufen.
Aber eben, die soundtechnisch zufrieden stellenden Aufnahmen sind wenige, und
leider ist der geniale Partner Blackwells
darauf nicht mehr zu hören.
So bleibt nur die alte Musik, die noch dem Klischee entspricht,
Blues müsse traurig sein. Die Songs sind von einer schaurig-schönen
Trostlosigkeit und Einsamkeit, und der ausgezeichnete Gesang sowie die beiden
sich wunderbar ergänzenden Solisten kreieren ein Bild, dass nicht mehr die
Landarbeiter widerspiegelt, sondern das Leben als unterprivilegierter Schwarzer
in den 1930er Jahren, voller Existenzängste und Unsicherheiten, aber bereits
sicher, ihr eigenes Leben in die Hand nehmen zu können, wenn es denn nicht
immer so schwer wäre.
Mr. Scrapper's Blues, die Aufnahmen Blackwells aus dem Jahr 1961.