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Bild
Titel:
Geozentrisches Weltbild von Kaplan Konrad Schiegg
Thema: Land
Datum: --.--.1610
Masse: 21,8 x 16,4 x 3,3 cm
Standort: KBAI Pfarreibibliothek St. Mauritius SMA 277
Urheber/-in: Konrad Schiegg
Beschreibung:
Deckblatt in einem Studienheft des Appenzeller Kaplans Konrad Schiegg, 1610. Der nachfolgende 48-seitige handgeschriebene Text steht unter dem Titel "DISPUTATIO UNICA IN LIBROS DE COELO ET MUNDO (einzigartige Abhandlung über das Gleichgewicht von Himmel und Erde). Die Zeichnung zeigt das geozentrisches Weltbild. In der Mitte des Weltalls steht die Erde, um die sich alles dreht. Darüber die Luft "Aeter" und das Feuer "Ignis". Dann folgen die zehn Sphären,welche sich die Menschen jener Zeit als Glaskugeln vorstellten. Zu innerst die Sphäre des Mondes "Luna", dann Merkur, Venus und die Sonne "Sol". Auch sie dreht sich um die Erde! Anschliessend folgen gegen aussen Mars, Jupiter und Saturn, der wiederum an das Firnament grenzt. Auf dem Firnament hat Schiegg rundherum die Fixsterne eingezeichnet. Auf das Firnament folgt der neunte oder Kristallhimmel "nonum caelum", der Sitz der Seeligen und Heiligen, und schliesslich der zehnte Himmel "decimum caelum", der Ort, an dem sich die Engel aufhielten. Dann folgt ein weiterer Kreis der mit "primum mobile" beschriftet ist. Nach damaliger Auffassung handelte es sich dabei um einen beweglichen Ring, der die allmähliche Verschiebung von Frühlings- und Herbstpunkt in der - scheinbaren - Umlaufbahn der Sonne erklären sollte. Zu alleroberst befindet sich der Herrscherhimmel "caelum empyreum", der Ort, wo Gott sich aufhält.
Geschichte:
Das geozentrische Weltbild geht auf Aristoteles (384-322 v. Chr.) zurück. Er erkannte bereits die Kugelgestalt der Erde, sah sie jedoch als Mittelpunkt des Universums an. Seine Lehre galt fast 2000 Jahre lang als gültige Wahrheit und wurde namentlich von Ptolemäus (um 100-180) entscheidend weiterentwickelt, daher der Begriff ptolemäisches Weltbild. Die vorreformatorische Kirche übernahm diese Thesen aus dem Altertum, da sie die biblische Heilslehre aufs Beste ergänzten: die Erde und damit der Mensch als Mittelpunkt und Krone der Schöpfung und die göttliche Sphäre, welche das ganze Universum umfasst. Erst in der Renaissance kamen zunehmend Zweifel an der wissenschaftlichen Korrektheit des geozentrischen Weltbildes auf. Giordano Bruno (1548-1600) und Galileo Galilei (1564-1642) gehörten zu den bekanntesten Kritikern. Die römisch-katholische Kirche zwang sie zum Widerruf ihrer Thesen oder verbrannte sie als Ketzer. Ihre Veröffentlichungen wurden auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt. Erst 1741, hundert Jahre nach seinem Tod, durfte das Gesamtwerk Galileis gedruckt werden. 1822 erlaubte Papt Pius VII. erstmals die Veröffentlichung eines Buches, welches das heliozentrische Weltbild vertrat, also die Sonne in den Mittelpunkt des Universums stellte.
Konrad Schiegg (1591-1629), Sohn von Landammann Konrad Schiegg und mütterlicherseits ein Enkel von Landammann Joachim Meggeli, war ein Kind seiner Zeit, wenn er getreulich das kirchliche Weltbild kopierte. 1609-1614 studierte er am Mailänder Kollegium Helveticum Theologie und wurde gleich nach Studienabschluss zum Kaplan in Appenzell berufen. Er war der zweite Inhaber der 1611 gestiffteten Müllheimerschen Pfrund, die dem Lebensunterhalt der Appenzeller Kapläne diente. Aus seiner Studienzeit sind sieben Kolleghefte überliefert, darunter auch dasjenige mit dem Text über das geozentrisch Weltbild. Die Schieggschen Kolleghefte sind in Bücher gebunden und stellen wohl Reinschriften der Lehren dar, die er in Mailand vermittelt bekam.
Autor: Stephan Heuscher, Appenzell
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