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Gérald Roden, keine Unbekannter in der Uhrenbranche, wurde für den Turn around der Swiss Festina Group vom Spanier Miguel Rodriguez – alleiniger Inhaber der spanischen Festina Gruppe – Ende Mai 2013 angeheuert. Rodens Vita ist vielversprechend – sein Leistungsausweis auch. Er kam von DeGrisogono, wo er in drei Jahren als selbständiger Unternehmer, Strategic und Turn around Consultant die Aufgabenstellung verfehlte, ein neuer Investor – Isabel dos Santos, die Tochter des angolanischen Alleinherrschers – machte Roden über Nacht überflüssig.
Was mich interessiert, wo steht jedoch die Swiss Festina Group heute?
Die Festina Gruppe hat heute weltweit 2 000 Mitarbeiter und verkauft jährlich 5 Millionen Uhren. Die Gruppe ist auf Volumen Produktion ausgerichtet. Unter dem Dach H1 Festina Group Switzerland SA in Biel fasste Miguel Rodriguez die von ihm 2004 akqurierten Marken wie Berney Blondeau, Perrelet, Leroy und Joseph Chevalier zusammen.
Dringender Handlungsbedarf sah Miguel Rodriguez bei den Marken Leroy und Perrelet. In Leroy hatte er in den letzten Jahren 34 Mio. Schweizer Franken investiert und vom ROI fehlte bis heute jede Spur. Perrelet mit einer grossen Geschichte – Abraham Louis Perrelet war der Erfinder der automatischen Armbanduhr – wurde komplett falsch positioniert und fristet ein Doppelrotor Dasein unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Erster Akt: Bei Leroy wurde der damalige CEO Guillaume Tripet sofort geschasst und ein neuer rekrutiert. Oliver Ralph Müller hiess Roden‘s neue Geheimwaffe. Der gebürtige Vorarlberger Olivier Müller war zuvor Managing Director bei Laurent Ferrier.
Zweiter Akt: Umzug und Konzentration des Leroy Uhren-Assemblings von Bessancon nach Le Sentier nahe der MHVJ wo die Leroy Uhrwerke hergestellt werden. Ich kann mich noch gut erinnern, an die Baselworld wo mich Gérald Roden nach meiner Meinung fragte, was ich davon halte, wenn er das Uhren-Assembling von Leroy von Bessancon nach Le Sentier verlagere. Ich befürwortete die Konzentration aller Leroy workshops ins Vallee de Joux aus Kostengründen. Andrererseits war die Prüfung aller Leroy Chonometer durch das Observatorium in Bessancon ein wichtiger USP für die Marke mit französischen Wurzeln.
Dritter Akt: Ich hatte gerade den Leroy CEO Oliver Ralph Müller am Telefon, er verkündete mir, dass er das Unternehmen Leroy nach nicht einmal eineinhalb Jahren schon wieder verlassen hatte. Gerald Roden übernimmt neu das Ruder von Leroy selbst, denn er weiss es immer besser!
Ein ähnliches Szenario bei der Marke Perrelet, der Marke unter dem Dach der Swiss Festina Group, die auch nicht in die Gänge kommt. Man erinnere sich, Flavio Audemars, ein Unternehmer aus dem Tessin, dessen Audemars Holding akquirierte 1994 die Montres Perrelet SA.. Audemars sah ziemlich schnell ein, dass sein finanzielles Polster nicht ausreichte, um eine internationale Marktdurchdringung zu erreichen. Deshalb wollte er die Marke verkaufen. Er bot mir die Marke für 2,5 Mio Schweizer Franken an, ich lehnte dankend ab, später bot er die Marke Caroline Scheufele (Chopard SA) an, die jedoch kein Interesse zeigte. Hier kommt nun wieder Miguel Rodriguez wieder ins Spiel. Im selben Jahr als er Leroy akquirierte, übernahm er auch Perrelet. Das war im Jahr 2004. Herbert W. Arni wurde als Perrelet Statthalter eingesetzt, Arni wechselte damals von Eterna zu Perrelet, damals war Eterna noch im Besitze der PCW-Gruppe (DeSede und Charles Jourdan) unter der Leitung des Industriellen Franz Wassmer.
Arni schoss völlig am Ziel vorbei, lancierte eine verwirrende Kollektion von hunderten von Referenzen an der Baselworld, die Fachpresse schüttelte verwirrt den Kopf. Dies obwohl es eigentlich sehr einfach war, die Zukunft von Perrelet war in der Vergangenheit zu suchen. Abraham-Louis Perrelet, so steht es in allen Geschichtsbüchern, war der eigentliche Erfinder der automatischen Armbanduhr. Dann war da noch so eine Geschichte, der Ursprung war bei Flavio Audemars zu suchen: der Doppelrotor, der eigentlich nichts mit Perrelet zu tun hatte. Es war eine Spielerei des Managements.
Gérald Roden wechselte auch bei Perrelet sofort das Management aus – Fausto Salvi wurde auch fristlos geschasst – und Roden übernahm gleich selbst die Aufgabe als CEO. Mit 1. Dezember 2014 übernahm Tristan Boyer de Bouillane als Generaldirektor das Uhrenunternehmens Perrelet in Biel. Gleichzeitig übernahm die Berner Gretz Communications AG das PR Mandat von Montres Perrelet. Die Gretz Communications AG ist bestens bekannt, hat sie doch schon fast die gesamte Uhrenindustrie – jedoch immer nur von sehr kurzer Dauer – beraten. Gere Gretz war wahrscheinlich, so wird vermutet, Einflüsterer bei der Wahl von Tristan, der bis heute keine gute Figur machte. Sein bisheriger Leistungsausweis ist eher mangelnder Natur. Tristan Boyer de Bouillane setzt weiterhin auf die Doppelturbine bei Perrelet, es ist eine Frage der Zeit, bis auch er abgelöst wird.
Eine weitere Marke die auch im Portfolio von Swiss Festina Group zu finden ist, ist Joseph Chevalier, die schubladisiert wurde. Doch darüber sprechen wir ein ander Mal!