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Beschreibung
Armand Baeriswyl: Archäologische Untersuchungen im Schloss Köniz. Neue Erkenntnisse und Hypothesen zum Bau- und Funktionstyp der Ritterordenskommende
Dieter Barz: Ein «Badehaus» mit Heizungsanlage auf der Burgruine Schlössel bei Klingenmünster
Neue Ergebnisse und Hypothesen zum Bau- und Funktionstyp der Ritterordenskommende
Historischer Kern der Ortschaft Köniz (BE) ist ein mehrteiliger, streckenweise ummauerter Gebäudekomplex auf einem langgezogenen Moränenhügel. Er besteht heute aus der Pfarrkirche mit einem ehemaligen Friedhof, aus einem verwinkelten Gebäude – dem so genannten Schloss – und einem Landwirtschaftsbetrieb. Zur Vorbereitung einer Gesamtrenovation des Komplexes wurden 2000/01 archäologische und bauhistorische Untersuchungen vorgenommen.
Im 11./12. Jh. wurde eine frühmittelalterliche Kirche durch einen Neubau ersetzt. Diese Kirche diente auch einem Augustiner-Chorherren-Stift, das 1208 erstmals erwähnt wird. 1226 wurde das Stift dem um 1190 gegründeten Deutschen Orden geschenkt, der in Köniz um 1265 eine Kommende einrichtete.
Im so genannten Schloss, dem nördlich der Kirche vorgelagerten Gebäudekomplex sind nun Baureste zum Vorschein gekommen, die wohl einem ersten Gebäude des Deutschen Ordens entsprechen könnten. Es handelt sich um ein zweigeschossiges Gebäude mit einer Grundfläche von 16 × 9 m, das an der Ost- und Westseite je einen Eingang hatte. An der Nordostecke fanden sich die Fundamentreste eines Abortturmes.
Mit der Einrichtung der Kommende um 1265 wurde ein 25,5 × 11 m im Grundriss messendes Steingebäude an das bestehende Haus angefügt (1261/1262 dendrodatiert). Es war dreigeschossig und wies vermutlich einen Hocheingang im 1. Obergeschoss auf. Es handelt sich hierbei um ein so genanntes Saalgeschosshaus. Im nordseitig älteren Bau wurde im Erdgeschoss eine grosse Küche eingerichtet, die es erlaubte, auch eine grössere Versammlung von Ordensritter zu verköstigen.
In der selben Zeit wurde die ursprüngliche Ringmauer abgebrochen und durch eine weitläufigere ersetzt. Ebenfalls abgebrochen wurde der ursprüngliche Abortturm, der durch einen Neubau an der Ringmauer ersetzt wurde. Daraus entstand der für die Deutschen Ordensburgen in Ostpreussen so typische «Dansker».
Vermutlich im 14. Jh. entstand zwischen dem Saalgeschosshaus und der Ringmauer ein weiteres Gebäude, bei dem vorallem die Warmluftheizanlage bemerkenswert ist. Entdeckt wurde davon im Keller der Feuerraum (praefurnium).
Gemeinsam ist allen Ritterordens-Kommenden, dass sie in Form und Funktion zwischen dem Klosterbau und dem adligen Wohn- und Wehrbau stehen. Sie enthalten Elemente beider Bau- und Funktionstypen.
Die Burgruine Schlössel liegt bei Klingenmünster in der Pfalz (DEU). Seit 1988 werden in der Burg – deren Name nicht bekannt ist – Ausgrabungen durchgeführt. In eine ältere Befestigungsanlage wurde um 1030/1050 eine Adelsburg errichtet, die insgesamt dreimal zerstört wurde. Die Kernburg war von Anfang an durch eine Mauer in zwei Bereiche aufgeteilt und zwar dem «herrschaftlichen Bereich» mit Wohnturm, Vorbau und einem kleinen Innenhof («Oberhof») und dem sog. «Wirtschaftshof». In letzterem überwogen in der Phase 1 weitgehend handwerkliche Tätigkeiten.
Nach einer Zerstörung änderte sich in der Phase 2 die Bebauung in diesem Bereich. Bisher wurden neben einem Steinhaus zwei Gebäude, von denen als Fundamente die Schwellenbalken erhalten waren entdeckt. Diese Phase kann nach Münzfunden etwa in das letzte Drittel des 11. Jahrhunderts datiert werden.
Ein Badehaus mit Heizungsanlage auf der Burgruine Schlössel bei Klingenmünster
Das südliche Gebäude, mit einer Grösse von etwa 8 × 6.5 m steht frei im Hof und war in Fachwerkbauweise ausgeführt. In der Südwestecke lag ein Kamin. Das Kernstück des Gebäude bildet eine aufwendige Heizungsanlage mit gewölbtem Arbeitsraum, Ofen und einem Kanal. Zu dieser Anlage führte eine Steintreppe. Der Ofen bestand aus einem Feuerraum und einem Heissluftraum darüber. Ein Schornstein fehlt, so dass die Rauchgase durch das Gewölbe des Arbeitsraumes abziehen mussten. Vom Heissluftraum geht rechtwinklig der Kanal – ohne weitere Öffnungen – in der Längsachse des Gebäudes ab. Wir können hier wohl ein «Badehaus» annehmen. Die Heizungsanlage dient offenbar primär zu Dampfbädern, wobei durch Öffnen eines Verschlusses aus Stein die Raumtemperatur erhöht und durch Aufgüsse auf den heissen Kanal Dampf erzeugt wurde. Es ist nicht auszuschliessen dass dieser Raum auch zu Wannenbädern genutzt wurde; im Umkreis des Kamins wurden verbrannte Knochen gefunden, die darauf hinweisen, dass man beim Baden auch gegessen hat. In urkundlichen und literarischen Quellen werden spezielle Wannen- und Dampfbäder auf Burgen bereits im 11. und 12. Jahrhundert erwähnt. Bis ins Spätmittelalter waren diese Bäder wohl den Burgherren und ihren Familien vorbehalten.