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Gibt es Recht ohne Zwang?
Das Rechtssystem eines Staates geht üblicherweise mit einem Apparat an Zwangsinstrumenten einher, mithilfe derer der Staat jenem Rechtssystem Geltung zu verschaffen versucht, von Bussgeldern über Freiheitsentzug bis in manchen Ländern hin zur Todesstrafe. Doch wie ist das Verhältnis von Recht und Zwang aufzufassen? Ist Letzterer nur deswegen vonnöten, weil die Menschen nicht von sich aus gerecht handeln? Oder ist gar die Notwendigkeit des Rechts als solchem überhaupt nur unserer moralischen Fehlbarkeit geschuldet? Oder müssen wir stattdessen den Zwangscharakter des Rechts womöglich auf eine Art und Weise verstehen, welche mit einem Mangel an Moral unsererseits gar nichts zu tun hat? Dem hier angerissenen Fragenkomplex wurde am Ethik-Höck mit Dr. Micha Gläser nachgegangen.
Rückblick
Basis für die Diskussion am Ethik-Höck vom 14. Oktober 2019 mit Dr. Micha Gläser bildeten ausgewählte Zitate von Immanuel Kant, James Madison, John Locke und Aristoteles. Die Texte sind separat im Anhang zu finden. Um die Zusammenhänge mit den Aussagen der Alumni darzustellen, werden die Thesen im Bericht direkt eingebaut und als erstes dargestellt. Diese mehr grundsätzlichen und theoretischen Beschreibungen und Charakterisierungen von Recht und Zwang werden anschliessend in der Gruppendiskussion an Hand von Gedankenexperimenten und praktischen Situationen geprüft:
▪ Recht und Gerechtigkeit: Der berühmte Fall aus dem Dritten Reich, bei dem eine Ehefrau wegen eines Liebhabers den Ehemann durch Denunziation loswerden will
▪ Das Brett des Karneades: Darf ich jemanden töten, um mich selbst zu retten? Kann ich dafür bestraft werden?
▪ Rousseaus Volonté de tous: Das Problem des Prangers und der Social Media vor mehr als 250 Jahren
▪ Abtreibungsgesetze in Deutschland: "Der Sprung in der Logik" oder die Frage der Kohärenz eines straffreien Unrechts.
▪ Überforderte Gerichte: Wenn das Sparen das Recht aufhebt
▪ Billigkeit: Wenn das strengste Recht das grösste Unrecht ist
Mehr dazu im Bericht bzw. der Präsentation anbei.