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Novak Djokovic darf nach langem Hin und Her nun doch bei den Australian Open antreten. Obwohl eine Impfpflicht besteht und die Weltnummer 1 offensichtlich nicht geimpft ist. Warum darf Djokovic dabei sein, während andere ungeimpfte Spieler zu Hause bleiben müssen?
Was haben das australische Toptalent Olivia Gadecki, der US-Amerikaner Tennys Sandgren und Novak Djokovic gemeinsam? Sie würden alle gerne bei den Australian Open (Start am 17. Januar) antreten, gelten aber als Impfgegner. Gadecki, die Weltnummer 182 bei den Frauen, und Sandgren, die Weltnummer 96 bei den Männern, werden deshalb in Melbourne nicht dabei sein. Der Weltranglistenerste Djokovic hingegen schon.
«Wir würden Novak liebend gern hier sehen, aber er weiss, dass er geimpft sein muss, um zu spielen.» Das sagte Craig Tiley, der Turnierdirektor der Australian Open, noch im November. «Medizinische Ausnahmen sind kein Schlupfloch für privilegierte Tennisspieler», sagte auch James Merlino, der stellvertretende Ministerpräsident des Bundesstaates Victoria. Jetzt reist der Serbe doch nach Melbourne. Hat er sich nun doch impfen lassen?
Djokovic hatte stets ein Geheimnis aus seinem Impfstatus gemacht. Nun teilt er in den sozialen Medien mit, dass er dank einer Ausnahmebewilligung am ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres starten darf. Tennis Australia bestätigt dies und gibt bekannt, dass es sich eben doch um eine medizinische Ausnahmegenehmigung handele.
Welches Leiden hat Djokovic?
Was bedeutet das genau? Das australische Gesundheitsamt hat veröffentlicht, unter welchen Bedingungen man eine Befreiung von einer Corona-Impfung erhalte. Darunter fallen unter anderem akute medizinische Leiden, eine Covid-Erkrankung innerhalb der letzten sechs Monate oder starke Reaktionen auf eine bereits erfolgte Corona-Impfung – ohne die Möglichkeit eines Alternativ-Impfstoffs.
Soviel man weiss, hatte sich Djokovic auf seiner umstrittenen Adria-Tour im Sommer 2020 mit Corona infiziert – das ist nun schon anderthalb Jahre her. Akute medizinische Leiden wie eine entzündliche Herzerkrankung, rheumatisches Fieber oder eine andere schwere Krankheit können beim 20-fachen Grand-Slam-Sieger ausgeschlossen werden.
Die Frage des renommierten Tennis-Journalisten Ben Rothenberg kommt deshalb auch nicht von ungefähr: «Welche ‹akute schwerwiegende Erkrankung›, wie sie hier von den australischen Behörden aufgeführt ist, könnte ein gesunder Spitzensportler haben?»
Zwei Expertengremien erteilten Genehmigung
Zu Djokovics Verteidigung muss erwähnt werden, dass die Ausnahmeerlaubnis «nach strenger Überprüfung, an der zwei unabhängige Expertengremien beteiligt waren», erteilt worden sei, wie die Veranstalter mitteilen. Es seien faire und strenge Vorschriften für die Bewerbungen für medizinische Ausnahmen eingeführt worden, damit die Australian Open «sicher und angenehm für jeden seien», so Turnierdirektor Tiley. Zentraler Punkt sei, dass die Entscheidungen von unabhängigen Experten getroffen worden seien – und diese offenbar auch nicht wussten, wer der Beantragende ist.
So soll also ausgeschlossen werden können, dass der Aussie-Open-Rekordsieger (neun Titel) in Melbourne dabei sein darf, weil er eben Djokovic und nicht Sandgren oder Gadecki heisst. Zumal neben Djokovic ja auch andere Spieler Ausnahmebewilligungen erhalten könnten.
Doch warum darf denn etwa ein Sandgren nicht nach Australien reisen? Weil er gar nicht erst versucht hatte, eine medizinische Ausnahmegenehmigung zu beantragen. «Er sagte mir, dass er keines der dafür aufgeführten Kriterien erfülle», teilt Rothenberg mit.
Ein fahler Beigeschmack bleibt trotzdem, auch wenn man Djokovic nicht viel vorwerfen kann. Denn es stellt sich die Frage, aus welchen Gründen die beiden unabhängigen Expertengremien zum Schluss gekommen sind, dass sich der 34-Jährige nicht impfen lassen muss, um nach Melbourne zu reisen. Hat Djokovic tatsächlich ein Leiden, von dem die Öffentlichkeit nichts weiss?
Oder sind die Expertengremien dann doch nicht so unabhängig wie angenommen? Für die Turnierorganisatoren dürfte es jedenfalls eine Erleichterung sein, dass Djokovic nun doch dabei sein kann, nachdem mit Roger Federer ein anderes Aushängeschild – aus anderen medizinischen Gründen – längst abgesagt hat und hinter der Form von Rafael Nadal ein dickes Fragezeichen steht.