Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03341.jsonl.gz/96

Christian Renggli, Orgel
Schola Triengensis, Choralschola
“Ein himmlisches Theater “ von François Couperin, 1668-1733
Messe pour les Couvents (1690)
- Kyrie
- Gloria
- Offertoire sur les Grands Jeux
- Sanctus
- Elévation
- Agnus Dei
- Deo gratias
Zum Werk
François Couperin wurde am 10. November 1668 geboren. Er war der Sohn von Charles Couperin, der seit 1661 als Organist der Kirche St. Gervais wirke. Die Kirche steht noch heute im Zentrum von Paris, nahe beim heutigen Rathaus, dem Hôtel de Ville. Sein Vater weihte François natürlich ins Orgel- und Cembalospiel ein. Sein Tod im Jahre 1679 machte den damals elfjährigen Sohn zum Waisen. Die Kirchenvorsteher von St. Gervais waren jedoch darauf bedacht, den dritten Couperin in Folge zu verpflichten. Das gelang ihnen mit der Unterstützung von Michel-Richard de Lalande, der sich bereit erklärte, das Organistenamt so lange wahrzunehmen, bis François seine Volljährigkeit erreichte. In dieser Zeit vollendete der junge Couperin seine Ausbildung bei damaligen königlichen Organisten. 1685 wurde François Couperin in das Organistenamt an St. Gervais eingeführt und erhielt 1689 seine feste Anstellung.
Damals war zum Druck von Noten eine Bewilligung des französischen Königs notwendig. Am 2. September 1690 wurde dem 22jährigen François Couperin ein königliches Privileg erteilt, welches ihm erlaubte, Kopien seiner aus zwei Messen bestehenden Pièces d’orgue zu veröffentlichen.
Bei diesen Messen handelt es sich um eine, die Pfarrkirchen (Messe des paroisses) an hohen Festtagen verwenden können, und um eine weitere, die sich für Mönchs- und Nonnenklöster (Messe pour les couvents) eignet. Lalande lobte seinerzeit die Werke seines Schützlings wie folgt: „Ich bescheinige hiemit, dass ich die gegenwärtigen Stücke für die Orgel des Sieur Couperin examiniret habe … diese als sehr fein ansehe und für wert befinde, an die Öffentlichkeit gegeben zu werden.“ Mit diesem Werk begann die erfolgreiche Karriere eines Komponisten, der einer der berühmtesten Lehrer und Kompo-nisten des Königreiches werden sollte. Stilistisch und formal weicht Couperin in seinen beiden Messen nicht von dem Rahmen ab, den seine Zeitgenossen gesetzt hatten. Der Organist gehorcht damals dem Pariser Zeremoniale von 1662, das Regeln für die Abfolge der Gottesdienste und die Rolle der Orgel enthält. Orgel, Chor und Zelebrant wechseln einander ab oder verbinden ihre jeweiligen Beiträge im Verlaufe der Liturgie.
Genau dieses Wechselspiel von Orgel und Chor ist auch in Konzert zu erleben. Der ganze Text der Messe wird wechselweise von Chor und Orgel vorgetragen. Die Messe besteht aus je 21 Stücken, die einer vorgegebenen Ordnung folgen: Kyrie (5), Gloria (9), Offertorium (1), Sanctus und Benedictus (3), Agnus Dei (2) und Deo Gratias (1).
Typisch für die französische Orgelmusik ist, dass die Klangmischung für jedes Stück vom Komponisten vorgegeben wird. Dies ist auch bei der Messe pour les Couvents der Fall. Die Messe pour les couvents ist für ein kleineres Instrument mit zwei Manualen und Pedal gedacht. Die klare Tonart G-dur bietet eine schlichte Musik von bemerkenswert Frische und Inspiration. Wie seine Zeitgenossen sieht François Couperin in der Orgel ein Instrument der Synthese, das eine „Gemeinschaft im Himmel und auf Erden“ darstellt, vergleichbar dem Bühnenbild, welches eine Theaterszene bietet. Gleichermaßen lässt der Komponist Tanzrhythmen in die Kirche einziehen: In der Messe pour les couvents gibt es Menuette, Sarabanden und Gavotten. Kanons, Fugen und dissonante Wirkungen zeigen die große kompositorische Kunstfertigkeit des erst 22jährigen Komponisten.
1976 in Luzern geboren. Studium an der Musikhochschule Luzern in der Klasse von Monika Henking.
Seine Ausbildung hat er bei Guy Bovet und Rudolf Lutz an der Basler Musikhochschule fortgesetzt und mit dem Konzertdiplom im Jahr 2004 abgeschlossen.
Ein Stipendium ermöglichte ihm 2004 und 2005 einen einjährigen Aufenthalt in der Cité Internationale des Arts in Paris, wo er bei Pierre Pincemaille Improvisation studiert hat.
Sein besonderes Interesse gilt der französischen Musik.
Christian Renggli ist seit Januar 2006 als Kirchenmusiker in Baar und Steinhausen tätig.
Die Schola Triengensis mit ihrer langjährigen Tradition von ca. 60 Jah-ren ist eine der wenigen noch bestehenden Choralscholen. Als Folge der intensiven Auseinandersetzung ihres Leiters, Hermann Steffen, mit Choral, erfolgt dessen Interpretation nach den neuesten wissenschaft-lichen Erkenntnissen. Die Neumen von St. Gallen, datiert aus über tausend Jahren, spielen bei deren Umsetzung in die Choralpraxis eine bedeutende Rolle. Mehrere Male im Jahr trägt die Schola mit entspre-chenden Proprien wesentlich zur Gottesdienstgestaltung bei, so vor allem an kirchlichen Hochfesten, am Kirchweihfest, im Advent und in der Fastenzeit. Gelegentlich leistet sie auch ihren gesanglichen Beitrag in Konzerten, alternativ mit Choral und Orgel.