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Eggiwil, Freitag 13. Mai 1653
Die Bauern sind vor der Stadt Bern...
... und fordern bei den gnädigen Herren ihre aus früheren Jahren verbrieften Rechte ein. Angefangen hat dieses düstere Kapitel eidgenössischer Geschichte hier im Eggiwil.
Mitteleuropa im 17. Jahrhundert
Während der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts wird Mitteleuropa durch den Dreissigjährigen Krieg von 1618 - 1648 geprägt. Dieser Krieg verändert die europäische Welt: das stolze Deutsche Reich ist verwüstet, die Schweiz hat sich vom Reich gelöst, Schweden ist zu einer Grossmacht geworden und Frankreich hat sich zur führenden Macht Europas entwickelt.
Seuchen suchen ganze Landstriche heim und raffen jeweils bis zu zwei Dritteln der ansässigen Bevölkerung dahin.
Die Eidgenossenschaft um 1650
Die damalige Eidgenossenschaft ist ein loses Gebilde von 13 Orten, wobei Bern der grösste und einflussreichste ist. Jede Talschaft und Kilchöri hat ihre speziellen Rechte und Pflichten. Das passt den Gnädigen Herren in der Stadt immer weniger. Sie trachten, nach französischem Vorbild, die Rechte und Hierarchien zu vereinheitlichen und zu zentralisieren.
In der Eidgenossenschaft herrscht Frieden. Darum kommen reiche deutsche Flüchtlinge samt ihrem Vermögen ins Land, arme Schweizer verdingen sich als Soldaten ins Ausland. Landwirtschaftsprodukte finden ihren Weg und Absatz in darbende Kriegsgebiete.
Die Schweizerische Eidgenossenschaft wird im Westfälischen Friedensschluss von 1648 erstmals als eigenständiger Staat genannt. Damit beginnt die Geschichte um die schweizerische Neutralität.
Das Eggiwil 1652 / 53
Das Eggiwil gehört zum Amt Signau. Dort amtet der Landvogt Hansrudolf Zehnder, Schlossherr zu Worb. Kleinere Streitigkeiten werden vom Niedergericht Röthenbach beurteilt. Als Vertreter des Eggiwils sitzt seit vielen Jahren Ueli Galli vom Giebel zu Gericht.
Später wird er zum ersten Ursächer des Bauernaufstandes im Bernbiet.
Seit gut zwanzig Jahren verfügt das Eggiwil über eine eigene Kirche.
Eine Wirtschaft ist eröffnet und ein Pfarrhaus ist gebaut worden.
Die Menschen leben von der Landwirtschaft. Holzwirtschaft kommt dazu, wenig Kleingewerbe (Schmied, Glaser, Wirt).
Im Winter versucht der Schulmeister Ueli Schindler, den Kindern Lesen und Schreiben, sowie den Katechismus beizubringen.
Geprägt wird die Landschaft vom Wald, den Eggen und Höhen, aber auch von vielen Kornfeldern.
Verein Ueli Galli, Eggiwil
Eggiwil, 13. Mai 2005
Die Lage ist auch heute ernst. Wirtschaftlich, politisch...
... und kulturell sind die Zeiten schwierig.
Trotzdem oder gerade deswegen war im Winter 2003 für mindestens 211 Frauen und Männer sowie 27 Kinder das Stationentheater zum Bauernkrieg von 1653 wichtig geworden.
- Über Vereinsgrenzen, soziale Unterschiede und "allergattig" Parteicouleur hinaus haben sie sich zusammengetan, auf persönliche Weise ein Stück Geschichte aufgearbeitet, ohne dabei Gegenwart und Zukunft auszublenden.
- Dabei ist ihnen allen durch die Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart Beziehungsarbeit erwachsen: zur Landschaft, zu sich selber und zu solchen, denen man sonst kaum begegnet wäre.
- Das Stationentheater hat den über 6000 BesucherInnen von nah und fern in der Zeit vom 15. Januar bis 2. Februar 2003 ein gutes Stück emmentalisches Selbstverständnis gezeigt.
- Viele haben zum guten Gelingen dieses fürs Eggiwil einmaligen Erlebnisses beigetragen.
Alle zu erwähnen ist gar nicht möglich. Stellvertretend für sie an dieser Stelle:
- Urs Hostettler, „Erfinder“ und Drehbuchautor des Stationentheaters – Mathematiker, Historiker und Musiker
- Dominique Saner, Chefregisseur und verständnisvoller Begleiter aller Theaterleute
- Babu Wälti, Meisterhandwerker, Theateroriginal und Mann für alles
Homepage Urs Hostettler