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Medizinische Fakten zur Beschneidung
Zum Begriff: Eine operative Entfernung der Vorhaut nennt man umgangssprachlich Beschneidung, der Fachterminus lautet Zirkumzision (neue Schreibung) oder auch Circumcision.
Der folgende Text ist eine Zusammenfassung des Textes Zirkumzision, zu finden auf pflegewiki.de. Die Aussagen zur Zirkumzision sind im Originaltext auf pflegewiki.de mit über 150 Einzelnachweisen belegt. Diese Quellenangaben fehlen hier noch. Sie werden baldmöglichst nachgetragen.
1. Geschichte
Historiker sind sich darin einig, dass die Entstehung der Beschneidung nichts mit Gesundheit zu tun hat.
Moses Maimonides meinte im Mittelalter, dass die Geschlechtsorgane so verletzt und geschwächt werden sollen, dass sie zwar noch funktionieren, aber keine „überschüssige“ Lust mehr zulassen.
Im Jahr 1935 schrieb R. W. Cockshut: “Ich empfehle, dass alle männlichen Kinder beschnitten werden. Das ist “wider die Natur” aber das ist genau der Grund, warum es getan werden sollte. Die Natur sieht vor, dass der adoleszente Junge so oft und so proskuitiv wie möglich kopuliert und aus diesem Grund bedeckt sie seine Eichel, so dass sie immer fähig ist Reize zu empfangen. Die Zivilisation dagegen gebietet Keuschheit, und die Eichel des Beschnittenen nimmt schnell eine lederartige Textur an, die weniger empfindlich als Haut ist.”
Universelle Verbreitung hatte die routinemässige Zirkumzision in den 1940ern und 1950ern in den USA, aber auch Australien, den englischsprachigen Provinzen Kanadas und ganz Neuseeland erreicht. Diese Institutionalisierung glich einer beinahe schon Pflichtbeschneidung, bei der Eltern zum Eingriff gedrängt oder die männlichen Neugeboren gleich ohne Einverständnis der Eltern automatisch beschnitten wurden. Krankenhäuser führten die Routine-Zirkumzision ein, ohne dass in der Öffentlichkeit jemals eine Debatte darüber geführt wurde.
Die heutigen Gründe, welche von Beschneidungsbefürwortern angeführt werden, sind den aktuellen Ängsten und Befürchtungen angepasst. Die Anpreisungen der Zirkumzision als fragwürdiges Mittel im Kampf gegen AIDS erinnert verdächtig an die Befürwortung der Zirkumzision als Prophylaxe von Syphilis, dem “AIDS des 19. Jahrhunderts.”
Es ist eine medizinhistorische Tatsache, dass die Beschneidungspraxis immer zuerst da war, und die Begründungen dazu erst später nachgeliefert wurden.
Sobald Beschneidungen nicht mehr von den Krankenkassen bezahlt wurden, war die Beschneidungsrate stark rückläufig.
2. Indikation
98-99% der 18-jährigen Jungen haben eine vollständig zurückziehbare Vorhaut.
Früher wurden narbige Phimosen (Vorhautverengung) als absolute Indikation zur Zirkumzision angesehen.
Heute kann diese Hauterkrankung konservativ mittels Corticosteroid-haltiger Salben therapiert werden.
Die präventive Beschneidung bei Kindern und Neugeborenen ist sehr umstritten und wird von diversen ärztlichen Fachorganisationen weltweit als rein kosmetische beziehungsweise kulturelle Angelegenheit betrachtet.
3. Verbreitung der Zirkumzision
Die Zirkumzision wird in Europa, Südamerika, und in nicht-muslimischen Teilen Afrikas selten ausgeführt. Tatsächlich sind 15-25% der männlichen Bevölkerung weltweit beschnitten, die große Mehrheit davon ist muslimisch.
4. Industrielle Bedeutung der Zirkumzision
In den USA besteht grosse Nachfrage an Vorhäuten seitens einer Reihe von privatwirtschaftlichen Unternehmen. Das Marketing um die Vorhäute von Kindern und Säuglingen ist ein Wirtschaftszweig mit einem jährlichen Umsatz in mehrstelliger Millionen-Höhe. So nutzen Pharma- und Kosmetikunternehmen die menschliche Vorhaut von Kindern als Forschungsmaterial. Unternehmen wie Tissue Sciences, Organogenesis und BioSurface Technology nutzen die Kindervorhaut als Rohmaterial für eine Art atmungsfähige Bandage.
5. Säuglingsbeschneidung
Bis auf wenige Ausnahmen werden in den USA Beschneidungen bei Säuglingen ohne jedwede Form der Anästhesie durchgeführt.
Zwei beispielhafte Filme einer normalen routinemässigen Säuglingsbeschneidung:
Medizinische Gründe, die eine vorsorgliche Beschneidung rechtfertigen, bestehen nicht.
Zuerst muss die bei kleinen Jungen verklebte Vorhaut von der Eichel abgetrennt werden, wobei die empfindliche Eicheloberfläche erheblich verletzt werden kann. Scharten und Kerben in der Eicheloberfläche sind dann die Folge. Fast alle männlichen Babys haben eine natürliche Vorhautverengung. Daher lässt sich ihre Vorhaut auch nach Lösen der Verklebung nicht zurückziehen und die Vorhaut muss mit einem Skalpell oder einer Schere längs bis zum hinteren Eichelrand aufgeschnitten werden. Zuletzt wird die Vorhaut vollständig nach hinten gezogen und mittels spezieller Beschneidungsinstrumente abgeklemmt und abgeschnitten.
6. Die Vorhaut
Informationen über die Vorhaut selbst fehlen in der Diskussion über die Zirkumzision fast gänzlich. Unwissenheit und falsche Information sind eher die Regel als die Ausnahme sowohl in der amerikanischen als auch in der deutschsprachigen medizinischen Literatur und Praxis.
Die Vorhaut ist ein spezialisiertes, empfindliches und funktionales Organ. Sie enthält eine hohe Konzentration von Blutgefässen und Nervenenden. Sie bietet dem Harntrakt optimalen Schutz vor Schmutzstoffen und Keimen jeglicher Art. Die Vorhaut enthält ektopische Talgdrüsen, welche natürliche Emmolientien (weichmachende und feuchthaltende Sekrete), natürliche Gleitmittel, antivirale und antibakterielle Enzyme sowie Antikörper produzieren.
Bei der Geburt ist die Vorhaut mit der Eichel verklebt. Im Laufe von Jahren löst sich die Vorhaut von der Eichel und die Vorhautöffnung weitet sich. Der Penis entwickelt sich natürlich im Laufe der Kindheit. Es gibt keinen Anlass für Eltern oder Ärzte, den Penis des Kindes zu manipulieren. Die einzige Person, die die Vorhaut eines Kindes zurückstreifen soll, ist das Kind selbst, wenn es entdeckt hat, dass seine Vorhaut bereit dazu ist.
Der natürliche Penis bedarf keiner besonderen Pflege. Die kindliche Vorhaut ist, wie die Augenlider, selbst reinigend. Die beste Pflege für den Penis des Kindes ist ihn in Ruhe zu lassen.
Nach der Pubertät können Männer ihre Eichel und Vorhaut sanft mit warmem, klaren Wasser abspülen, nach ihrem eigenen, selbstbestimmten Bedarf.
7. Verluste durch die Zirkumzision
Die Vorhaut besitzt vielfältige schützende, sensorische und sexuelle Funktionen, welche durch die Zirkumzision irreversibel verloren gehen.
So wie die Augenlider die Augen schützen, schützt die Vorhaut die Eichel und hält ihre Oberfläche weich, feucht und empfindlich.
Die Schleimhäute, welche sich an allen Körperöffnungen befinden, bilden die vorderste Front der körpereigenen Immunabwehr, so auch die Schleimhaut der Vorhaut.
Die Vorhaut ist so empfindlich wie die Fingerspitzen, oder die Lippen des Mundes. Sie enthält eine reichhaltigere Vielfalt und eine grössere Konzentration von spezialisierten Nervenrezeptoren als jeder andere Teil des Penis.
Die Vorhaut ermöglicht es dem Penis reibungslos in die Vagina hinein und wieder heraus zu gleiten, in seiner eigenen Hülle aus beweglicher Haut. Der weibliche Partner wird so eher durch den Druck der Bewegung, als - wie nach der Zirkumzision - durch blosse Reibung stimuliert.
8. Nachteile der Zirkumzision
Abhängig von der Menge an Vorhaut, die abgeschnitten wird, beraubt die Zirkumzision den Mann um mehr als 50% seiner Penishaut. Abhängig von der Länge der Vorhaut, macht die Zirkumzision den Penis um mehr als 25% kürzer. Sorgfältige klinische Forschungen haben belegt, dass durch die Zirkumzision mehr als 1 Meter an Venen, Arterien und Kapillaren, mehr als 70 Meter an Nerven, und mehr als 20’000 Nervenenden irreversibel entfernt werden. Das Muskelgewebe, die Drüsen, die Schleimhäutchen und das epitheliale Gewebe der Vorhaut werden auch komplett zerstört.
Die Zirkumzision desensibilisiert den Penis. Die Amputation der Vorhaut bedeutet, dass das reichhaltige Netzwerk an Nerven und alle Nervenendigungen in der Vorhaut abgeschnitten und für immer verloren gehen. Die Zirkumzision schädigt oder zerstört fast immer auch das Frenulum (Vorhautbändchen). Zusätzlich zum Verlust der Nervenenden, desensibilisiert der Verlust der Vorhaut auch die Eichel und macht deren Nervenzellen zunehmend unbrauchbar. Da die Haut der nun permanent entblössten Eichel nun ständiger Reibung und Reizung ausgesetzt ist, keratinisiert (verhornt) sie und wird dadurch hart und trocken. Die Nervenenden in der Eichel, welche sich beim intakten Penis gerade unter der Schleimhaut des inneren Vorhautblattes befinden, werden nun unter einer stetig wachsenden Hornhautschicht begraben.
Die Amputation von zu viel Penishaut macht die verbleibende Haut bewegungsunfähig, und hindert sie daran frei über den Schaft und die Eichel zu gleiten. Dieser Verlust an Beweglichkeit zerstört den Mechanismus, durch den die Eichel normalerweise stimuliert wird.
Die chirurgisch entblösste Schleimhaut der Eichel besitzt keine schützenden, antiviralen oder antibakterielle Enzyme produzierenden Drüsen. Ohne den mechanischen und immunologischen Schutz und die Emollientia (Weichmacher) der Vorhaut, trocknet sie aus und wird anfällig für Risse und Blutungen.
Die Zirkumzision ändert die Erscheinung des Penis auf drastische Weise. Sie entblösst permanent die Eichel des Penis, die normalerweise ein inneres Organ ist. Die Zirkumzision hinterlässt eine grosse zirkumferenzielle Operationsnarbe auf dem Penisschaft. Da die Zirkumzision, insbesondere bei Kindern, es nötig macht die Vorhaut von der Eichel gewaltsam zu lösen, können Teile der Eichel mit abgerissen werden, wodurch diese schartig und vernarbt wird. Andererseits können Fetzen der Vorhaut an der wunden Eichel anhaften, so dass lose Hautfetzen oder Hautbrücken entstehen können.
Die Zirkumzision unterbricht die normale Blutzirkulation durch das Blutgefässnetzwerk sowohl der Penishaut als auch der Eichel.
Einer der am weitesten verbreiteten Irrtümer ist, die Zirkumzision mache den Penis sauberer oder vereinfache die Intimpflege. Diese Behauptungen gelten als widerlegt. Die künstlich entblösste Eichel und die Harnröhrenöffnung, des beschnittenen Penis sind ständig Reibung und Schmutz ausgesetzt, was den beschnitten Penis unsauberer werden lässt. Der Verlust der schützenden Vorhaut macht den Harntrakt empfindlich gegenüber eindringenden bakteriellen und viralen Krankheitserregern.
Die Zirkumzision insbesondere in jungen Jahren beeinflusst die Entwicklung des Gehirns. Studien belegen, dass die Zirkumzision langfristige negative Auswirkungen auf die Entwicklung des Gehirns hat, und die Wahrnehmungszentren des Gehirns nachteilig verändert werden. Beschnittene Jungen haben eine geringere Schmerzhemmschwelle als Mädchen oder intakte Jungen.
9. Risiken und Komplikationen
Die Zirkumzision ist mit einer signifikanten Komplikationsrate behaftet (2-10%).
In der medizinischen Literatur sind zahlreiche Fälle von Säuglingen und Kindern beschrieben, denen während ihrer Zirkumzision die Eichel ganz oder teilweise abgeschnitten wurde. Die Zirkumzision hat eine geschätzte Todesrate von 1/20’000.
Die Beschneidung birgt ein Risiko für bewusste oder unbewusste Operationstraumata. Behandlungen im Genitalbereich können bei Kindern beiderlei Geschlechts zu einer posttraumatischen Belastungsstörung (kurz: PTBS bzw. PTSD, im ICD-10 als F43.1 codiert) führen.
10. Einfluss auf die Sexualität
Die Vorhaut, nicht die Eichel, ist der empfindsamste Teil des Penis. Im Durchschnitt enthält sie über 73 Meter Nervenfasern und über 20’000 Nervenenden. Die Vorhaut ist damit sensibler als die Lippen oder die Fingerspitzen.
Eine US-Studie aus dem Jahre 1999, in der Frauen befragt wurden, die über Erfahrungen sowohl mit beschnittenen als auch unbeschnittenen Sexualpartnern verfügten, zeigte auf, dass die Teilnehmerinnen mehrheitlich Vaginalverkehr mit einem intakten (unbeschnittenen) Penis bevorzugten. Die Testteilnehmerinnen merkten ferner an, dass ihre intakten männlichen Sexualpartner den Geschlechtsverkehr mehr zu geniessen schienen als ihre beschnittenen Sexualpartner.
Die Studie, bei der über 5’000 Männer und Frauen untersucht wurden, fand heraus, dass die Beschneidung mit häufigen Orgasmus-Schwierigkeiten bei Männern und einer Vielzahl sexueller Schwierigkeiten bei Frauen in Verbindung gebracht wird, insbesondere mit Orgasmus-Schwierigkeiten, Schwierigkeiten mit der Penetration, schmerzhaftem Geschlechtsverkehr und einem “Gefühl der unvollständigen Erfüllung der sexuellen Bedürfnisse”.
11. Hygienische und gesundheitlich-präventive Motive
Jenseits medizinischer Indikationen werden von Beschneidungsbefürwortern eine Reihe gesundheitlich-präventiver Vorwände vorgebracht, die von medizinischen Studien mehrheitlich widerlegt werden.
Die Vorhaut schützt auf vielfältige Weise gegen Krankheiten und Infektionen. Die Vorhaut hält die Eichel des Penis auf natürliche Weise feucht, und hält so den optimalen Gesundheitszustand aufrecht um Infektionen abzuwehren.
Die Zirkumzision verhindert weder die Ansteckung noch die Übertragung von Geschlechtskrankheiten. Die USA hat sowohl den größten Prozentanteil von sexuell aktiven, beschnitten Männern in der westlichen Welt wie auch die höchsten Raten sämtlicher sexuell übertragbarer Krankheiten einschliesslich AIDS. Studien belegen, dass beschnittene amerikanische Männer ein höheres Risiko für bakterielle und virale sexuell übertragene Krankheiten haben, insbesondere Tripper, Harnröhrenentzündung, dem humanen Papillomavirus (HPV), Herpes-Simplex-Virus (HSV), und Chlamydien-Infektionen.
Die These, die Beschneidung senke das Risiko der Sexualpartnerin an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, ist wiederholt widerlegt worden.
Die Behauptung, die Beschneidung senke das Risiko an Peniskrebs zu erkranken, gilt als widerlegt. Die Peniskrebsrate in den USA ist höher als in Dänemark, wo die Zirkumzision sehr selten angewandt wird.
Die Behauptung, die Beschneidung senke die Wahrscheinlichkeit an Harnwegsinfektionen zu erkranken, ist widerlegt.