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Marktanalyse - Woche 40/2020
Aktualisiert: 4. Okt 2020
Präsidentschaftswahlen in den USA - Wird Nancy Pelosi die nächste und erste Präsidentin der USA? US-Aktienmärkte in Wahlkampfjahren, Handelskrieg der USA mit China.
Präsidentschaftswahlen in den USA
Die folgende Analyse haben wir geschrieben bevor bekannt war, dass Trump an Covid erkrankt ist. Solange Trump nicht ernsthaft erkrankt oder gar stirbt, wird dies wohl keinen grossen Einfluss auf das unten beschriebene Szenario haben. Wenn man die Beliebtheitswerte von Boris Johnson (England) und Jair Bolsonaro (Brasilien) anschaut, können diese für Trump durch die Erkrankung sogar steigen.
Die erste Fernsehdebatte der Präsidentschaftskandidaten ist vorüber. Wir haben die Debatte live geschaut. Es war sehr zäh, sich das 90 Minuten anzutun.
Biden ist schwach in die Debatte gestartet. Er liess sich von Trump provozieren und seine Reaktionen wirkten arrogant. In der Mitte der Debatte drehte sich aber das Blatt. Die ständigen Zwischenrufe von Trump nervten nur noch und Biden hat zu dem genialen Trick gegriffen, weder zum Moderator, noch zu Trump zu sprechen, sondern direkt zum Publikum.
Die meisten Beobachter sehen daher auch Biden als den Gewinner der Debatte:
Quelle: CBS News Battleground Tracker vom 30.09.2020
Beide Kandidaten hatten starke und schwache Phasen, das gibt dem Befürworter eines Kandidaten also genügend Argumente seinen Liebling als Gewinner zu sehen.
Die Wahlprognosen zeigen, dass Biden seinen Vorsprung etwas ausbauen konnte, aber Trump hat noch lange nicht verloren.
Hier sieht man den Durchschnitt aller Wahlprognosen für den 4. November 2020:
Blau: Biden, Rot: Trump
Quelle: Wikipedia
Eine gute Übersicht aller Umfragewerte zu den Wahlen findet man hier bei Wikipedia.
Die nächsten Termine der TV-Duelle sind: 16. Oktober, 3 Uhr Morgens und 23. Oktober um 3 Uhr Morgens.
Dynamik der US-Präsidentschaftswahl am Wahltag
Wichtig ist zu verstehen, wie genau der Wahltag ablaufen könnte. Die letzten drei Präsidentschaftswahlen liefen alle nach dem gleichen Muster ab: Die Republikaner sind stärker in den ländlichen Regionen, die schnell ausgezählt sind. Die Demokraten sind stark in den grossen Städten, wo eine Auszählung der Stimmen länger dauert. Das gilt insbesondere für die hart umkämpften Swing-States.
Die folge davon: Die Republikaner gehen kurz nach der Schliessung der Wahllokale stark in Führung. Wenn dann die Resultate der Städte reinkommen, schmilzt dieser Vorsprung dahin. Diese Mechanik ist auch in diesem Jahr zu erwarten. Dazu kommt aber noch die Komplexität der Briefwahlen.
Staaten in den USA in denen schon in früheren Wahlen eine Briefwahl möglich war:
Quelle: Youtube NZZ, Zeitstempel: 1.05
Staaten in den USA in denen neu für die Präsidentschaftswahlen eine Briefwahl möglich ist:
Quelle: Youtube NZZ, Zeitstempel: 1.20
Über den Vorwurf von Trump die Briefwahl würde zu einer Verfälschung der Wahl führen, wollen wir hier nicht eingehen. Wichtig sind aber die Auswirkungen und insbesondere die Taktik von Trump.
Aufgrund der Briefwahl und der Dauer der Auszählungen ist zu erwarten, dass erst 3-4 Tage nach dem Wahltag ein offizielles Wahlresultat vorliegt. Und das ist eine optimistische Schätzung. Wenn wir uns den oben beschriebenen Ablauf vor Augen halten, bedeutet dies, dass Trump wohl in den ersten 3-4 Tagen in Führung liegen wird.
Er wird sich frühzeitig zum Sieger ausrufen, und wird seine Unterstützer mobilisieren um auf die Strasse zu gehen.
Sollte Biden zu dem Zeitpunkt seine Niederlage eingestehen ist natürlich alles klar. Da die Wahrscheinlichkeit recht hoch ist, dass die Briefstimmen das Resultat drehen könnten, wird er das aber wohl nicht tun. Diese Grafik untermauert diese Vermutung:
Quelle: Youtube NZZ, Zeitstempel: 5.01
Die meisten Demokraten planen per Briefwahl abzustimmen und die meisten Republikaner planen die persönliche Stimmabgabe.
Sollten die Stimmen der Briefwahl dann das Resultat drehen, besteht eine grosse Wahrscheinlichkeit, dass Trump vor Gericht geht und schlussendlich das Bundesgericht entscheiden muss. Darum ist auch die zusätzliche Nominierung einer Nachfolgerin der verstorbenen Ruth Bader Ginsburg so eminent wichtig und könnte die Präsidentschaft entscheiden.
Was geschieht, wenn am 1. Februar 2021 noch kein Entscheid getroffen wurde, wer neuer Präsident wird? Das Gesetzt sagt klar, dass an dem Tag die Amtszeit des bestehenden Präsidenten endet. Ist noch kein Entscheid getroffen worden, so wird aus der Mitte des Parlaments ein Übergangspräsident nominiert. Dies könnte zum Beispiel die Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi sein. Die Chancen dazu steigen, wenn die Demokraten den Senat zurück erobern.
Was bedeutet ein solches Szenario für die Börse? Massive Unsicherheit. Dies führt zu sinkenden Aktienmärkten und wohl auch zu einem sinkenden USD, sollten die Notenbanken nicht massiv in die Märkte eingreifen.
Nicht ausser Acht zu lassen sind auch mögliche geopolitische Verwerfungen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Länder wie Russland, China oder Iran das Machtvakuum in den USA nutzen würden, um Gebietsansprüche geltend zu machen.
US-Aktienmärkte in Wahlkampfjahren
Die folgende Grafik zeigt die durchschnittliche Rendite des S&P 500 in der Zeit der Präsidentschaftswahlen in den USA seit 1948. Es ist üblich, dass die Börse einen Monat vor der Wahl sinkt:
Quelle: Markus Koch Wall Street Report, 28.9.2020, Zeitstempel 8.52
Aufgrund der Analyse der US-Wahlen und der üblichen Schwäche der Aktienbörse vor den US-Wahlen, erhöhen wir auf die Wahlen hin den Bargeldbestand in den Portfolios um nach der Unsicherheitsphase günstiger einzusteigen.
Handelskrieg USA - China
In Anbetracht der chaotischen Wahlen in den USA, könnte man die Meinung vertreten, dass der Handelskrieg der USA mit China in Vergessenheit geraten wird und/oder bei einem Sieg von Biden schnell gelöst werden wird.
Dem widersprechen wir. Nicht nur bei den Republikanern, sondern auch bei den Demokraten ist der Anti-China Kurs sehr beliebt:
Quelle: Oddo Bhf, Kapitalmarktausblick 2021, Seite 11
Die Schlussfolgerung daraus: Auch wenn die Demokraten die Wahl gewinnen sollten, wird sich zwar der Ton in den Verhandlungen ändern, nicht aber die Massnahmen.
Wir sind seit längerer Zeit in Asien untergewichtet. Dies aufgrund des Handelsstreits aber auch wegen der Covid-Krise, in der diskutiert wird, weniger in Asien herzustellen. Was wir aber aktuell am prüfen sind, sind Anlagen in China-A Shares mit einer Absicherung in CHF. China wird mehr auf den Heimmarkt setzen müssen und lokale Firmen in China könnten Marktanteile gewinnen.
Zusätzliche Bildquellen: Anfangsgrafik Designed by Freepik
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