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Lebenserinnerungen
In einem Schulheft in altdeutscher Schrift geschrieben und von seiner Tochter Emilie in die lateinische Schrift übersetzt.
Meine Jugend
Als Sohn des damaligen Gemeindeschreibers Johann Eduard Meier in Oberhof im Fricktal (Kanton Aargau), bin ich am 26. November 1868 geboren. Mein Vater (1818 geboren) bewirtschaftete mit meiner Mutter (Jahrgang 1820) nebst seinem Amt während 30 Jahren als Gemeindeschreiber, ein grösseres Landwirtschaftsgut und betrieb dazu Viehhandel.
Anmerkung: Diskrepanz mit den Registern in Oberhof. Der Vater hiess 'Johann Nepomuk' Meier.
Von meinen neun Geschwistern starb bald nach meiner Geburt, am 11. Dezember, der älteste Bruder im Alter von 22 Jahren. Nach kaum sieben Jahren riss Schnitter Tod unsern innig geliebte Vater aus dem Familienkreise. Ich erinnere mich noch gut, wie er Mutter und Kinder zu sich verlangte und allen zusprach.
Anmerkung: Roman Reinhard starb am 11. Dezember 1868 und war damals 20 Jahre und 4 Monate alt.
Mit 6 1/2 Jahren besuchte ich die Schule, im Winter 5 ganze und im Sommer sechs halbe Tage. Das Lernen kam mir etwas schwer vor, hatte dafür aber gute Ausdauer; mit 12 Jahren war ich schon allein bei meiner lieben Mutter. Meine Geschwister waren, bis auf den einten Bruder, der in Aarau auf einem Notarbüro lernte, verheiratet. Das Gemeindeschreiber-Amt übernahm nach dem Tode meines Vaters der älteste, resp. zweitälteste Bruder. Doch musste dieser erst 30jährig aus diesem Leben scheiden und hinterliess eine 25jährige Witwe mit 4 Kindern; sein Amts-Nachfolger wurde ein jüngerer Bruder von mir.
Anmerkung: Da Kaspar (der zweitälteste Sohn) im Alter von 14 Monaten starb, war Laurenz damals der älteste überlebende Sohn. Der "jüngere" Bruder (Adolf war das jüngste Kind) muss Joseph gewesen sein.
Von meinem 12. Altersjahr an musste ich schon schwer arbeiten, dazu bereitete mir das Kränkeln meiner Mutter erhebliche Sorgen. Die Mutter teilte die Liegenschaft unter die Geschwister auf, so dass es jedem einige Jucharten Land traf. Sie selber behielt Haus und Scheune mit einem Baumgarten nebst meinem Anteil Land. Die Liegenschaft ertrug noch 3 Stück Vieh nebst genügend Getreide und Kartoffeln für unseren Unterhalt. Besorgung des Viehstandes und die Feldarbeit beanspruchten meine ganze Zeit nebst der Schule. Grosse Freude bereitete mir immer (was auch die heutigen Gärten unserer Liegenschaften bezeugen) der Obstbau; schon früh wurden von mir junge Bäume gepflanzt und gepfropft.
Der Anfang meiner Selbständigkeit
1883 sagte die Mutter zu mir: "So Bub, du sollst nun etwas erlernen. Du kannst immer noch auf die Erde einschlagen". So nahm ich Fünfzehnjähriger an einem schönen Herbsttag den Stock in die Hand und ging auf die "Walz"; ich suchte nach einem Schreinerlehrmeister, den ich nach 3 1/2 stündigem Marsch in Gretzenbach (Solothum) fand.
Hier erwartete mich eine schwierige Lehrzeit. Während der täglichen Arbeitszeit von morgens 6 bis abends 8 Uhr gab es zum Znüni ein Glas Most und zum Zobig eine Tasse Kaffee. Ein halbes Jahr verwendete mich der Lehrmeister zur landwirtschaftlichen Arbeit, natürlich ohne "Trinkgeld", trotzdem das Lehrgeld 250 Franken war. Ausserdem hatte ich das "Vergnügen", 1885 im strengen Winter bei hohem Schnee während sechs Wochen im Wald mit des Meisters Sohn Holz fällen zu müssen.
Mein Schlafzimmer, direkt unter dem Dach, hatte ein "Fenster" aus Glasziegeln zum Durchlass der Helle, das eben nicht geöffnet werden konnte. Das Bett war mit einem Strohsack versehen, den ich selbst 4-5 mal erneuerte. Der gleiche Raum diente zugleich zum Aufbewahren von Korn und Speck. Dies war natürlich weder gesund noch angenehm, denn lüften konnte man ja nicht; liess man die Tür offen, so kamen die Katzen und wollten den Speck "versuchen" und da war der "Teufel" erst recht los.
Als ich im Frühjahr 1885 meinen Lehrmeister fragte, ob ich nach Aarau in die Handwerkerschule gehen könne, bekam ich die Antwort: Es nütze mir nichts, besser gesagt, es gebe nichts aus mir; schliesslich sei es ihm gleich, aber die versäumte Zeit müsse nachgeholt werden, was ich auch mit 3 Monaten tat. Nun alles geht vorüber, auch eine solche Lehrzeit.
Im Herbst 1886 ergriff ich den Wanderstab und den "Berliner", um jetzt als Berufsmann auf die Walz zu gehen. Nach drei Tagen fand ich in Dagmersellen Arbeit bei Schreiner Kreienbühl. Er zahlte mir anfänglich 6 Franken Wochenlohn mit Kost und Logis, um später auf Akkordarbeit überzugehen. Das war so gut bezahlt, dass man heute nur fürs Zuschneiden soviel rechnen muss. Ich verliess denn auch nach 2 Monaten die Stelle ohne Kündigung - nachts 9 Uhr.
Während vier Monaten haben unser drei Arbeiter in der Konservenfabrik Sursee angeschlagen. - So gings in meiner Wanderzeit von einem Ort zum andern, nirgends länger als ungefähr zwei Monate, bis ich jedes Mal sah, wie dies und jenes da und dort gemacht wurde. Ich schrieb die Masse und Zeichnungen, die mich interessierten aufs Papier.
Im Mai 1890 lud mich Robert Zimmermann, Zopfenberg zu einem Besuch nach Sursee ein; wir hatten uns als Arbeitskollegen in Biel kennen gelernt. Am 15. Juni in Sursee an einem Markttage angelangt, übernahm ich am andern Tage mit meinem neuen Kollegen eine Arbeit bei G. Muri, Mariazell. Es war das ganze Haus zu vertäfeln. Unser Ziel war, uns zu verassocieren und miteinander ein Haus zu erstellen, doch nach 8 Tagen entriss der Tod meinen Freund. Er zählte 12 Lenze mehr als ich, leider aber beschied ihn der Herr mit einer schwächlichen Natur.
Wieder ganz sich selbst überlassen, fasste ich den Entschluss, anderwärts Arbeit "aufzugabeln". Vorerst doch wurde am Bau des Herrn Muri weiter gearbeitet. Er übertat sich zwar nicht mit einer guten Kost und einem grossen Lohn und so kam es, dass ich ihm zweimal "untreu" werden wollte und nur auf sein Anhalten hin wieder ausharrte bis zur Vollendung des Baues.
Im September 1890 fand ich bei einem frommen, kinderlosen Ehepaar Gut in der Oberkircher Vorstadt ein neues Heim. Dazu erfreute mich eine liebe Stör-Kundschaft, deren Nachkommen heute noch zu meinen Kunden zählen.
Einen neuen Schritt zu meiner vollkommenen Selbständigkeit bedeutete die Miete einer Werkstatt auf 15. März 1891 von Herrn Weltert. Die Miete betrug 100 Franken pro Jahr. Durchs Unterschlagen mit spanischen Wänden wurde der ganze Raum in Schlafzimmer, Küche und Werkstatt geteilt. Der erste Auftraggeber war die Familie Meier-Huber, Spielwaren- und Kinderwagen-Handlung, am oberen Tor. Die Arbeit nahm zu, dass sich die Einstellung eines Arbeiters nötig erwies. Ein junger Bursche, namens Tanner aus Horgen wurde mein erster Gehilfe. Wir hatten Kost und Logis miteinander, selbst das Bett wurde geteilt; gekocht wurde abwechslungsweise.
Die zweite grössere Arbeit übernahm ich im Jahre 1892 im Töchter-Institut Marienburg bei Wikon. Hier harrte mir bei etwas magerer Kost (morgens, nachmittags 4 Uhr und abends himmelblauer Kaffee mit Brot; 9 Uhr ein Glas Most und ein Stück Brot; zu Mittag Gemüse ohne Fleisch, solches gab es nämlich nur, wenn Schwester Margeline von ihrem Vater, einem Metzgermeister, solches gratis bekam) schwere Arbeit. Es waren dort drei Schwestern, die alle so einfach lebten wie ich.
Anmerkung: Die Korporation Wikon kaufte 1801 das Schloss, die heutige 'Marienburg' mit Nebengebäuden. In dieser Burg entstand durch das Wirken von Gertrud Leupi dann ab 1891 das Benediktinerinnenkloster und Töchterinstitut Marienburg.
Nach meiner Verehelichung
Aufgemuntert durch meine stetigen Fortschritte, bekam ich allmählich das Gefühl, imstande zu sein, mir eine treue, liebe Lebensgefährtin wählen zu dürfen, ihr natürlich auch das Nötige zu einem gemeinsamen Leben bieten zu können. So kam es dann, dass mir 1892 Frl. Nina Brunner, Hebamme in Rothenburg, zur Zeit in Nottwil, die Hand zum Lebensbunde reichte, der sich heute noch des Eheglücks erfreut. Unsere Lebensweise war sehr einfach und sparsam gehalten. Nebst Milch, Brot und Eier als Hauptnahrung, gab' s jeweilen Sonntags Kalbsgerick und Donnerstag 1 Servela. 15 Franken Haushaltungsgeld pro Woche mussten ausreichen für die Kost von 6 Personen.
Im Juni 1893 wurden wir mit einem Knaben beschenkt, der wie sein Vater Adolf heissen musste. Die Arbeit nahm dermassen zu, dass ich bald zwei Arbeiter und einen Lehrbub beschäftigen konnte. So sorgte denn meine Frau, dass sie mit dem kleinen Betrag auskam; sie hat heute noch das Lob: gut und billig zu kochen. Im Jahr 1893 konnten wir bereits 300 Franken vorschlagen und in Aarau auf der Sparkasse einlegen.
Darauffolgenden Jahres erfreute mich der erste grosse Arbeitsauftrag. Ich übernahm teils in Akkord, teils im Taglohn den Neubau Restaurant Künzli in Nottwil und beschäftigte jetzt 4 Arbeiter nebst dem Lehrbuben. 3-4 mal in der Woche wurde bis nachts 12 Uhr gearbeitet und morgens 6 Uhr befand man sich gleich wieder in der Werkstatt. Im strengen Winter 94/95 "reiste" ich bei hohem Schnee fast täglich mit meinem Zweiradkarren morgens 6 Uhr von Sursee nach Nottwil. 1895 vergab mir Baumeister Galliker (Willimann) eine grosse Arbeit im Schulhaus Rüediswil.
Dass auch meine Frau nicht müssig war, beweist die Besorgung der grossen Haushaltung, trotzdem sie als Hebamme jährlich schon bei 30 Geburten ihre Hilfe bot. Sie bewältigte ihre Aufgaben alle allein und hatte keine Magd.
Im November anno 1896 bekamen wir einen zweiten Knaben, der aber ein Jahr später an einer Lungenentzündung starb, was uns viel Schmerz bereitete. Durch die Feuchtigkeit unseres Schlafzimmers über dem Surenkanal wurde meine Gattin mit einem Leiden befallen. So kamen wir dazu, dass uns Herrn Göldlin ein zweites Schlafzimmer im 1. Stock gab. Ein Jahr darauf (1898) beglückte uns denn auch schon ein dritter Knabe, mit Namen Albin.
Ein Jahr vor der Jahrhundertwende schaffte ich meiner Frau ein Velo an. Der Verkäufer desselben lernte sie auch fahren und sie war weit und breit die erste Hebamme mit einem Velo. In der Zeitung wurde denn auch geschrieben: der Storch komme jetzt per Velo.
Die Ankunft eines gesunden und munteren Emilie schloss die familiären Neuigkeiten des vorigen Jahrhunderts (15. Februar 1900).
Inzwischen wurde natürlich auch rege gearbeitet und "geschäftet". 1895 spekulierte ich auf das Mätteli und den alten Speicher bei Dr. Beck, sowie auf den bestehenden Fasspeicher mit Fasskeller und die alte Scheune. Doch fiel mein Plan ins Wasser infolge Mangels an Hilfe. Auf die Befragung meines Bruders Josef als Bürge, lautete die Antwort: es gehe nicht in einem andern Kanton bürgen zu können. Ich liess mich nicht entmutigen und dachte mir "ned logg loh, gwünnt". Nach meiner Uebersiedlung in die Grabenmühle hatten wir zwei Werkstätten und schon 5-6 Arbeiter.
Anmerkung: Bei der Grabenmühle errichtete der Bieler Uhrenfabrikant Edouard Heuer eine Uhrenfabrik. Nach nur fünf Jahren verkaufte der die Produktionsstätte an zwei Neuenburger Unternehmer, welche 1894 den Produktionsbetrieb ebenfalls gerne weiterverkauft hätten, jedoch keine geeigneten Käufer fanden. Daher vermieteten sie die Räumlichkeiten an einen Stroh- und Getreidehändler und 1896 schliesslich an Adolf Meier-Brunner.
Grosse und kleine Aufträge gaben reichlich Beschäftigung, so eine grosse Arbeit im Schulhaus Grossdietwil. Die Arbeit musste bald uns, und nicht wir sie suchen. Das Kinderasyl und der Weinhof wurden in diesem Jahr erstellt.
Im September 1899 erwarb ich meinem, mit viel Mühe zusammengesparten Geld, das Hetzelhüsli (bereits eine Ruine mit Schweineställen) zum Preise von 4700 Franken. 1901 bauten wir es um. Baumeister Galli machte daraus 3 Dreizimmerwohnungen und Magazin. Als der Bau fertig stand bis an die Maler-Arbeiten, traten wegen 500 Franken zur Anschaffung von Krallentäfer Zahlungsschwierigkeiten auf. Wir liessen für 12 000 Franken Glten anschreiben und konnten sie nicht ausfertigen lassen, da der Eigentümer die Kosten der Gebäudeschatzung tragen musste. Mit einem Bottenfreischein vom Stadtpräsident Bossart ging ich zur Bankverwalter Beck seI. und frug ihn, ob er mir nicht 500 Franken leihen könnte auf diese Gültenunterlagen. Dieser "Anlauf' war jedoch unnütz. Diese Meldung brachte ich dem Präsidenten zurück; er offerierte mir die 500 Franken zu verbürgen. Nun war Bankverwalter einverstanden - aber (nach langer Ueberlegung) ich nicht mehr.
Warum? Ich hatte als Minderjähriger durch Bürgschaft eines Bruders Geld verloren und so nahm ich mir vor, ich wolle keinen Bürgen und sei auch nicht Bürge und liess mich durch den Gemeinderat mit 19 Jahren volljährig erklären. Nun ging ich zum Hausherr mit der Frage, ob er bereit wäre, auf die Hinterlage von 2 Lebensversicherungen mir 500 Franken zu leihen. Er war sofort einverstanden und gab mir eine Gulden-Gült von 500 Gulden, also 950 Franken. Als ich mit genannter Gült kam, wurde eine Abrechnung vom Besitzer verlangt; ich meinte darauf, ich hätte dieselbe nicht gestohlen. Wenn ich Geld haben wollte, musste ich wohl oder übel diese Abtretung beibringen. Herr Güldlin gab mir dieselbe mit einem geheimen Lächeln und ich bekam auf diesen Werttitel 800 Franken, nicht nur 500, welchen Betrag ich sofort nach Fertigstellung der Gült zurückzahlte.
Die ersten Gülten behielt ich als Reserve und für 6000 Franken verkaufte ich solche, mit welchem Betrag ich Lieferanten bezahlte. 1901 wurde der Einbau des Landwirtschaftlichen Schulhauses gemacht. Im Februar des gleichen Jahres verkaufte ich meinen Neubau an einen alt Richter Gut im Betrage von 15 000 Franken mit Nutzen- und Schadenanfang auf 15. März. Herr Gut hatte das Nervenfieber und zur Vorbeuge gegen Übertragung verabreichte ich den 2 Arbeitern, die ihm zügeln mussten, bei jedem Fuder 1 Thee mit viel Träsch. Es gäbe noch viele Einzelheiten, so z.B. fehlten mir beim Nachzählen der 3000 Franken von Herrn Gut 50 Franken, als ich sie zwei Tage später auf die Kantonalbank bringen wollte. Wer sie nahm wurde uns erst nach einem halben Jahr bewusst und von da an trugen beide einen Sekretärschlüssel im Sack.
Im gleichen Jahr (1901) traf uns wieder ein harter Schicksalsschlag. Ich sollte am 15. Oktober in den Wiederholungskurs einrücken; da stürzte abends zuvor um 6 Uhr Albin in den Surenkanal und ertrank. So hat uns der Herr über Leben und Tod zwei liebe Knaben entrissen. Wir hatten nun kein Bleiben mehr an der Sure, was mich bewog, schon im gleichen Jahre an der Centralstrasse (neben der Landwirtschaftlichen Schule) einen Hausplatz zu erwerben. Der Neubau wurde im Frühjahr 1902 begonnen und anfangs Juni feierten wir "Ufrichti". Nun traf es zwei schöne Festchen auf den gleichen Tag; denn der Schöpfer schenkte uns eine Frieda, so dass das Freudenherz gleichentags doppelt hoch schlug.
Anmerkung: Gemäss Ortsbürgerregister Band II, Blatt 152 ist August Albin am 2. Oktober ertrunken.
Im September zogen wir gleich schon im neuen Heim ein. Der Parterre enthielt Magazin und Werkstatt, die drei Stockwerke, geräumige Wohnungen. Wir fühlten uns glücklich, nach zehnjährigem Ehestand eine 5-Zimmerwohnung behausen zu können.
Der Volksmund pflegt zu sagen: "Es wächst kein Baum in den Himmel hinauf". Es ist auch in der Tat so: Kaum wiegte sich unser Familienglück in ungetrübter Freude (auch hinsichtlich des flotten Geschäftsganges), stellte sich gewiss wieder ein harter Schicksalsschlag dazwischen. So kam denn schon wieder Schnitter Tod um uns das kleine Frieda zu entreissen. Diesen Verlust machte uns im Jahr 1905 Otto mit seiner Ankunft etwas erträglicher. Und erst noch der letzte Sprössling mit Jahrgang 1908, das dreipfündige Marie, mit 7 Monaten im Mutterschoss, beschied sein Elternhaus mit eitel Sonnenschein. Das kleine "Nesthöckerchen" verlangte viel Sorgfalt und wir waren froh damals eine gute Magd, (eine Tessinerin die deutsch lernte) zu haben, die ihren Schützling nach Weisungen unserer Mutter zu betreuen verstand.
Nun wieder etwas zurück in die geschäftliche Aera. Ein Jahr nach Otto's Geburt kaufte mir alt Sonnenwirt Künzli die Liegenschaft an der Centralstrasse ab.
Ich baute mir im Parterre eine Dreizimmerwohnung mit Küche ein, was genügte um 8 Personen zu beherbergen. Wir hatten damals nämlich noch ein Pflegekind mit 3 Jahren und eine Cousine als Magd.
Bald wäre ich jetzt wieder mit meinem Erzählen ins "Private" hinuntergerutscht. Also im gleichen Jahr (1906) wurde der Parterre der ehemaligem Uhrenfabrik gepachtet und zur Ausnützung der Wasserkraft ein Maschinenraum eingerichtet. Gleich im Jahr darauf erwarb ich sie mir, zwar nicht in einem löblichen Zustande; denn ich musste gleich anfangen um- und anzubauen vom Keller bis zum Dach, so dass ich bis heute ungefähr 50 000 Franken dafür verwendete, ohne viel davon zu sehen und das zu haben, was man gerne dafür hätte. Diesem Kaufe folgte sogleich (1907) der Neubau des angegliederten Wohnhauses mit Magazin und Schaufenster. Im November bezogen wir unser bleibendes Heim. Zwei Jahre später kaufte ich an einer Steigerung von Werner Göldlin die Grabenmühle-Scheune auf Abbruch um 1700 Franken, mit dem Zweck, den Platz aufzukaufen, dieser wurde aber durch Herrn Förster Schürch als Erbe weggekauft. 1910 erbaute mir Baumeister Estermann ein Doppelwohnhaus mit 8 Vierzimmerwohnungen, das ein Jahr später an Hans Steiner und Frau um 24000 Fr. wieder veräussert wurde. Das Haus hat heute noch den gleichen Besitzer.
Wegen eines Schuldbriefes musste ich im gleichen Jahr die Liegenschaft "Rasthüsli" in Grosswangen annehmen, die an einen Herrn von Moos verpachtet war. Hier lernte ich die Zahlungsbefehle kennen; sie kamen wie geschneit, etwa 25 an der Zahl - aber nur das erste Jahr. Die Liegenschaft wurde dann von mir anno an einen Herrn Anton Stalder aus Grosswangen um 24000 Franken verkauft, der sie dann zwei Jahre nachher um 46000 Franken veräusserte. Inzwischen erwarb ich in Mauensee um 1300 Franken ein Wäldli, das mir heute noch gehört.
Als im Mai 1914 die Liegenschaft Rohrhof in Oberhof (Fricktal) zur Steigerung kam, musste ich 1500 Franken fahren lassen. Im Juni darauf unternahm ich mit Herrn Spiess in Niederwetzwil einen Tauschhandel mit seiner Liegenschaft gegen das Dreifamilien-Wohnhaus "Biswindhüsli", das 1913 gekauft, von mir durch Baumeister Estermann um- und angebaut wurde. Nach 3 Monaten aber machten wir den Handel mit dem Wohnhaus wieder rückgängig, was mich 2-300 Franken kostete, den Spiess war an Konkurs. Die Liegenschaft dagegen war mir schon zugefertigt, worauf ich 5000 Franken bezahlt hatte.
Ein kleiner Schaden ist mir auch zugestossen durch meine Aufrichtigkeit und Offenheit gegenüber Witwen, da meine Mutter auch 15 Jahre alleinstehend war. 1914 am 1. August brach bekanntlich der Krieg aus. Im September darauf erwarb ich von Frau Mühli den Platz, worauf heute unser Geschäftshaus steht. Dieser Platz, samt dessen von Herrn Friebel, kaufte sie von Herrn Förster Schürch, was von diesen Beiden etwas wenig moralisch war, hatte mir doch Herr Schürch mündlich das Kaufsvorrecht bezüglich dieses Platzes gegeben.
Im Friedensjahr 1918 vertauschte ich die Liegenschaft Niederwetzwil mit der des Herrn Steiner im Geuenseerberg. 1918 -1920 bewirtschaftete ich das Landgütli selber, um hierauf wieder zu meinen lieben Angehörigen in Sursee zurückzukehren. Inzwischen hatten meine lb. Frau und die ältesten Kinder Adolf und Emilie Vieles gelernt und erfahren durch ihre Selbständigkeit. Nun kaufte ich von Frau Mühle noch 900 m2 Land zu dem schon erworbenen dazu, die (wie schon erwähnt) durch Schlauheit und Missbrauch meiner Aufrichtigkeit sich 7000 Franken erwerben konnte. Auf das Datum des Mai 1920 fallt auch die Erstellung der grossen Lädenhütte.
Kopiert vom Manuskript, beim Text und der Zeichensetzung habe ich mich möglichst an das Original gehalten.
07.02.03 s
Anmerkung: Das 's' steht hier für 'Sepp' (Josef Fischer).
Nachträgliche Ergänzungen
Nachträgliche Ergänzungen zum Heft der Lebenserinnerungen, von Adolf Meier selbst notiert anlässlich eines Aufenthaltes im Kurhaus Eigenthal am 20. Juli 1942 und von Adolf Meier-Bucher am 11. Januar 1966 auf Schreibmaschine übertragen.
1920
verkaufte ich die Liegenschaft Bruggacher (Gemeinde Geuensee) an Meierhans Leo vom Rain
1920
baute ich einen Lagerschuppen
1920
kaufte ich vom Keiser Zimmermeister an der Schellenrainstrasse eine Parzelle Bauland (heute Keiserhüser-Strasse)
1921
baute ich daselbst ein 3-Familienhaus
1922
baute ich daneben ein zweites 3-Familienhaus
1922
kaufte ich von Roos, Geuensee Berg, seine Liegenschaft Kraienmatt für Fr. 50.000.-
1923
kaufte ich einen Wald auf Berg Geuensee
1923
verkaufte ich das erstgebaute dieser beiden Wohnhäuser (Keiserhüser) an Arnold von Schenkon
1923
kaufte ich von Küng Schuhhaus (Vorarburg, alt Gemeindeammann, Kirchenpfrund Sursee) 3 Parzellen Land
1923
Umwandlung meiner Firma in Meier & CO
1924
kaufte ich die Liegenschaft Bruggacker Geuenseeberg (zurück) von Christen für Fr. 50.000.-
1924
kaufte ich an der Steigerung Blinn in Geuenseeberg einen Acker für Fr. 2.500.-
1924
kaufte ich die Liegenschaft von Bucher Hans in Ziswil für Fr. 48.000.-
1924-1925
baute ich das Geschäftshaus an der Bahnhofstrasse (Hausnummer 6)
1925
verkaufte ich das zweite Haus an der Schellenrainstrasse an Herrn Steiner, Privat
1927
Verkauf der Liegenschaft (Bucher, Ziswil) an Alois Meier zu Fr. 46.000.-
1927
Brand der Liegenschaft Bruggacker unter Pächter Christen
1928
Wiederaufbau derselben mit Fr. 10.000.- Mehrkosten
1929
baute ich ein Doppel-Wohnhaus mit je 3 Wohnungen in der Moosgasse Nr. 392 und 395
1932
kaufte ich von Küng Schuhhaus den Feldacker (Gemeinde Oberkirch)
1934
verkaufte ich an Hunkeler, Müningen (Oberkirch) 3 Jucharten Land vom Feld in Oberkirch für Fr. 16.000.-
1934
Umwandlung in Firma Meier & CO AG
1935
baute ich ein 3-Familienhaus im Feld Oberkirch, genannt Grünau, im Betrage von Fr. 50.000.-
1937
verkaufte ich die Liegenschaft Kräienmatt Geuenseerberg für Fr. 49.000.- mit Fr. 5.000.- Anzahlung an Banz-Kupper
1938
Bau der Garage mit Magazin und Werkstatt-Anbauten
1939
fiel mir die Liegenschaft Hübeli vom Konkursamt Schlierbach zu
Text in Kursiv-Schrift dient dem besseren Verständnis und ist von s
Anmerkung: Das 's' steht hier für 'Sepp' (Josef Fischer).
Zunft Heini
Heinipaar
Adolf und Nina Meier-Brunner vor dem Möbelhaus Meier (Bahnhofstrasse 8 in Sursee).
Die Heinikinder sind (von links beginnend):
Rechnung für 'Autofuhren nach Luzern'
Quittung / Empfangsbestätigung ('acquit') über CHF 70. Vermutlich einbezahlt von Emilie Fischer-Meier.
Tod