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400 Filme aus Asien, Lateinamerika und Afrika hat die Stiftung Trigon-Film in den 25 Jahren ihres Bestehens in die Schweizer Kinos gebracht. Jetzt bietet sie solche Filme auch zum Streamen an.
Wir schreiben das Jahr 1988. Michael Jacksons Hit «Dirty Diana» begeistert die RadiohörerInnen, die zwanzigjährige Céline Dion gewinnt für die Schweiz den Grand Prix Eurovision de la Chanson, und die US-amerikanischen Filme «Rain Man», «Who Framed Roger Rabbit» und «Twins» gehören in der Schweiz zu den meistgeschauten des Jahres. Weder lateinamerikanisches noch afrikanisches Filmschaffen wurde in den hiesigen Kinos gezeigt – das Schweizer Fernsehen DRS hatte bis dahin noch nie einen Film aus Schwarzafrika ausgestrahlt. Und aus Asien kannte man gerade mal Bruce Lee und Akira Kurosawa.
Dieser Missstand muss behoben werden – befand Bruno Jäggi. Es war ja nicht so, dass diese Filme nicht existierten. An Filmfestivals sah der Filmpublizist immer wieder spannende Filme aus diesen Regionen, für die sich jedoch kein Schweizer Verleiher interessierte. So gründete Jäggi 1988 die Stiftung Trigon-Film mit dem Ziel, pro Jahr drei bis sechs herausragende Filme aus der sogenannten Dritten Welt in die Schweizer Kinos zu bringen.
Es schien der richtige Moment dafür, da die Kinolandschaft im Umbruch war: Neue, nicht kommerzielle Studiokinos entstanden, in denen die Trigon-Filme programmiert werden konnten, und die aufkommende Videotechnik versprach neue Möglichkeiten.
Andere haben nachgezogen
Heute, ein Vierteljahrhundert später, ist Trigon-Film nicht nur ein fester Bestandteil der Schweizer Filmlandschaft. Der Name ist auch zu einem Label geworden. «Die Idee von Trigon vor 25 Jahren war es, sichtbar zu machen, dass es andere Filme gibt als US-amerikanische und westeuropäische. Das ist uns gelungen», sagt Walter Ruggle, der 1999 Jäggis Nachfolge antrat und seither als Direktor der Stiftung amtet. Zwar dominieren in den Schweizer Kinos noch heute westliche Produktionen, doch Filme aus Asien, Lateinamerika und Afrika finden regelmässig den Weg in die Kinos. Allein von Trigon-Film starten bis Ende dieses Jahrs noch drei Filme: «Workers» aus Mexiko (vgl. Kurztipp), «The Orator» aus Samoa und «Like Father, Like Son» aus Japan. Ausserdem bieten auch andere Verleiher Filme aus diesen Ländern an. Soeben ist der indische Film «Lunchbox» in den Kinos gestartet, der bei Filmcoopi im Verleih ist. Mitte Dezember bringt der Xenix-Verleih den mexikanischen Film «La jaula de oro» in die Kinos, und eine Woche später startet «Le Passé», der neue Film des iranischen Regisseurs Asghar Farhadi, der bei Frenetic im Verleih ist.
Die Aktivität der anderen mache Trigon-Film nicht überflüssig, im Gegenteil, findet Walter Ruggle: «Trigon braucht es heute noch aus demselben Grund wie in den achtziger Jahren: als Ergänzung zum bestehenden Angebot. Uns geht es in erster Linie um Vermittlung von kultureller Vielfalt, und bei dieser Arbeit steht nicht der kommerzielle Gewinn im Vordergrund. Das bedeutet, unsere Auswahl findet nach qualitativen Kriterien statt, die filmisch wie thematisch sein können.» Solange andere Verleiher die Filme, die sie einkaufen, auch in die Kinos bringen, habe er kein Problem damit. Ruggle ärgert sich jedoch, wenn Verleiher, die Filme in einem Gesamtpaket mit dreissig oder vierzig Titeln einkaufen, einzelne davon nie dem Publikum präsentieren.
Es kommt auch vor, dass FilmemacherInnen, die Trigon-Film entdeckt und während mehrerer Jahre begleitet hat, plötzlich gehypt werden. Dies passierte mit «Le Passé» von Asghar Farhadi. Mit seinem iranischen Film «A Separation» gewann Farhadi 2012 den Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Sein neuster Film ist eine französische Produktion, die auf dem Markt angeboten wurde, als noch nicht einmal ein Drehbuch vorhanden war; der Titel wurde zu einem Preis in die Schweiz verkauft, bei dem Trigon-Film bewusst nicht mitbieten möchte.
Zu sechzig Prozent muss sich Trigon selbst finanzieren, vierzig Prozent werden durch Subventionen und Mitgliederbeiträge gedeckt. Rund 400 Filme sind in den 25 Jahren seit der Gründung in die Kinos gebracht worden, der erfolgreichste war «La vida es silbar» des kubanischen Regisseurs Fernando Pérez von 1999.
Keine Angst vor neuer Technik
Mit der Digitalisierung haben sich die Arbeit und die Möglichkeiten der Verleiher wie auch jene der Kinos verändert – ausserdem sind Filme über neue Kanäle vermittelbar. Trigon-Film hat keine Berührungsängste gegenüber neuen technischen Entwicklungen: Als erster Schweizer Verleih bietet er auf seiner Website gegen Bezahlung Filme zum Streamen an. So hat man die Möglichkeit, Filme, die man im Kino verpasst hat, nachträglich anzuschauen.
Er sei überzeugt, dass die Faszination am bewegten und erzählten Bild bestehen bleibe, sagt Walter Ruggle. Die Frage sei jedoch, mit welchen technischen Mitteln die Vermittlung passiere: «Es wird neben dem Streaming bestimmt noch andere neue Formen geben.» Doch das werde Trigon-Film nicht unnötig machen: «Wenn ich mir die Medienlandschaft anschaue, die so einseitig orientiert ist und deren Blickwinkel auf die Welt nicht breiter, sondern eher enger wird, bin ich überzeugt, dass es Trigon noch weitere 25 Jahre geben wird.»