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Als Apple im Oktober 2001 seinen ersten iPod herausbrachte, änderte der damalige Chef Steve Jobs damit die Richtung des gesamten Unternehmens. Fortan war Apple nicht mehr nur Computerbauer, sondern brachte mobile Lifestyle-Geräte heraus, verdiente Geld mit dem Verkauf von Musik und revolutionierte ganz nebenher eine ganze Branche. Ohne den iPod hätte Apple zudem niemals das iPhone erfolgreich entwickeln können.
Der Produktmanager, der Steve Jobs zur Entwicklung des Geräts überredet hatte, war Tony Fadell. Er arbeitet inzwischen nicht mehr für Apple und kann deswegen relativ frei über die Zeit reden, die den Konzern prägte. Auf Twitter veröffentlichte Fadell nun eine ganze Reihe von Einblicken in die Entscheidungen, die den iPod so erfolgreich machten.
Exklusivrechte von Toshiba sicherten Apple einen komfortablen Vorsprung
Nachdem er Steve Jobs zu dem Konzept eines Musikabspielgerätes samt angeschlossenem Musikladen im Internet überredet hatte, benötigte Apple zunächst Bauteile für den iPod, die gerade erst im Prototypenstadium waren. Wichtigste Komponente war eine winzige Festplatte von Toshiba, für die Apple sich kurzerhand die Exklusivrechte sicherte.
«Wir kamen so drei Jahre eher an die Festplatte als unsere Konkurrenten», schreibt Fadell. Toshiba hatte schlicht das Potenzial seiner Entwicklung für Musikgeräte verkannt, Apple konnte jahrelang als einziger Anbieter einen MP3-Abspieler mit mehreren Gigabyte Speicherplatz – genug also für eine ganze Musikbibliothek – anbieten.
Dabei setzten sich die Entwickler teilweise auch gegen Steve Jobs durch, um den iPod massenkompatibel zu machen: Sie überredeten Jobs dazu, die iTunes-Software auch für Windows-PC herauszubringen und anstatt Apples proprietärer Firewire-Schnittstelle den weiter verbreiteten USB-Standard für die Datenübertragung einzusetzen.
Als sich der iPod als erfolgreich herausstellte, drängte Fadell auf die schnelle Weiterentwicklung der Geräte und setzte erneut auf eine Technologie, die noch in den Kinderschuhen steckte.
Der iPod Nano nutzte Flash-Speicherbausteine anstatt einer stromfressenden Festplatte, konnte damit kleiner und leichter gebaut werden als konkurrierende Geräte.
Die teuerste Einzelteilbestellung
Apple ging dabei mehrere grosse Risiken ein, etwa indem man kurzerhand fast alle verfügbaren Flash-Speicher auf dem Markt einkaufte und dabei vier Milliarden Dollar allein in den Einkauf der Chips investierte: «Ich erinnere mich an den Tag, an dem mich Steve Jobs in den Vorstandsraum rief, damit ich persönlich eine vier-Milliarden-Dollar-Order über Flash-Chips von Samsung für den Nano unterschreibe», schreibt Fadell.
Jobs fragte Fadell an dem Tag nur: «Du bist dir sicher, dass das die richtigen Teile sind, oder?» Apple hatte nie zuvor derart viel Geld in eine einzige Teilebestellung investiert.
Fadell schreibt weiter, seine grösste Sorge wäre nicht die eigene Entwicklung, sondern die Reaktion von Konkurrenten wie Sony gewesen. Der japanische Konzern war damals mit Geräten wie dem Discman Marktführer in mobiler Unterhaltungselektronik und besass zugleich mit seiner Tochter Sony Music einen der grössten Musikkataloge der Welt.
Microsoft dagegen sei kein ernst zu nehmender Gegner gewesen, dem Konzern fehlte damals das Hardware-Know-how.
Sony verpasste die Chance des Jahrzehnts
Bemerkenswert werden Fadells Äusserungen dadurch, dass auch andere Akteure der damaligen Zeit ihre Erfahrungen beitragen. So schreibt etwa der ehemalige Sony-Entwickler Elliott Noel, seine Kollegen und er seien damals völlig ratlos gewesen, wie man auf den iPod reagieren sollte.
Fadell analysiert daraufhin, dass Sony sich damals selbst blockierte, denn der Konzern hing an seinen Verkaufsumsätzen mit kompletten CD-Alben, fürchtete die Konkurrenz der MP3-Dateien und verpasste so die Chance des Jahrzehnts.
Fadells Rat an künftige Manager, die vor ähnlichen Entscheidungen wie er damals stehen, ist einfach: «Verberge deine Ängste nicht vor deinem Team. Rede darüber. Umarme sie. Und vergesse sie niemals, wenn du erfolgreich bist.»