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im Juli ins Leben unter dem Präsidium des Vizekönigs Amar, der jedoch bereits im August wegen seiner Napoleonischen Gesinnung vertrieben wurde. An eine Losreißung vom Mutterland dachte man damals noch keineswegs. Da über die Form der Vereinigung der verschiedenen Provinzen Streit entstand, so trat im Dezember 1810 zu Bogotá ein Kongreß zusammen, der sich für den Depositar der Nationalsouveränität erklärte, sich aber nur zwei Monate gegen den Widerstand der Provinzialjunten behauptete.
Die Junta von Bogotá proklamierte die Bildung eines neuen Staats, Cundinamarca, der unter Narinos Leitung sich im April 1812 auch von Ferdinand VII. lossagte und sich für eine Republik erklärte, während, die übrigen Provinzen einen Föderativstaat gründeten, der sich erst 1813 von Spanien [* 2] trennte. 1814 wurde Cundinamarca durch Bolivar zum Beitritt zu dem Bunde der Vereinigten [* 3] Provinzen von Neugranada gezwungen und vom Kongreß Camilo Torres zum Präsidenten mit diktatorischer Gewalt erwählt.
Jedoch unterwarf 1815-16 General Pablo Morillo an der Spitze einer überlegenen Kriegsmacht Neugranada wieder der spanischen Herrschaft und züchtigte es mit den entsetzlichsten Bedrückungen und zahlreichen Hinrichtungen. Erst 1819 begann Bolivar, nachdem er in Venezuela [* 4] die Spanier besiegt hatte, nach seinem berühmten Zug über die Andes mit seinem Sieg bei der Brücke [* 5] des Boyaca 7. Aug. die Wiederbefreiung des Landes, das er durch die Verfassung vom mit Venezuela und Quito zu der Republik Kolumbien vereinigte; das bisherige Neugranada bildete in derselben das Departement Cundinamarca.
Bolivars Unternehmen war anfangs von Erfolg begleitet. Im November 1821 räumten die Spanier Neugranada, und auch Panama [* 6] schloß sich dem neuen Staat an. Im Mai trat der konstituierende Kongreß desselben zu San Rosario de Cucuta an der Grenze von Venezuela und Neugranada zusammen, der nach dem Muster der nordamerikanischen Verfassung ein ausführliches Grundgesetz ausarbeitete und Bolivar zum Präsidenten, Santander zum Vizepräsidenten erwählte; doch ließ sich Bolivar auf die Zeit des Kriegs für das Heerwesen diktatorische Gewalt erteilen und hinderte die Befestigung des neuen Staatswesens dadurch, daß er sofort Kolumbien verließ, um auch Peru den Spaniern zu entreißen, sowie die Bildung einer großen Andeskonföderation plante, der auch Peru und Bolivia [* 7] angehören, und die unter seiner Leitung stehen sollte.
Während seiner Abwesenheit entstanden neue Parteiungen und heftige Streitigkeiten zwischen den Anhängern Bolivars und den Liberalen unter Santander, die 1828 auf dem zur Reform der Verfassung berufenen Kongreß zu Ocana zu dem Austritt der erstern und 1830 zum Abfall von Venezuela und Quito führten. Die mittlern Provinzen Kolumbiens konstituierten sich 1831 unter dem Präsidium Joaquin Mosqueras als ein eigner Staat, Neugranada, mit den Grenzen [* 8] des alten Vizekönigreichs; die neue Verfassung dieses Staats wurde verkündet.
Präsident desselben wurde General Santander, der Führer der Liberalen, dem 1837 und 1841 Konservative, Marques, Herran und Mosquera, 1849 wieder ein Liberaler, Lopez, folgten. Die Zustände waren im allgemeinen befriedigend; infolge des Gleichgewichts der Parteien herrschten Ruhe und Ordnung, und durch eine Verfassungsänderung 1843 wurde auch die vollziehende Gewalt verstärkt. Erst 1853 brachen nach der Verkündigung einer neuen streng föderalistischen Verfassung wieder Unruhen aus, infolge deren sich 1857 die Republik in acht nur locker verbundene Staaten auflöste (Panama, Antioquia, Santander, Cáuca, Cundinamarca, Boyaca, Bolivar, Magdalena) und den Namen »Granadische Konföderation« annahm; Präsident wurde Ospina.
Bereits 1860 brach der Bürgerkrieg wieder aus, da man sich über die Grundlagen des neuen Systems nicht einigen konnte. Mosquera, an der Spitze der Liberalen, riß den Staat Cáuca, dessen Diktator er wurde, vom Bund los, gründete mit dem Staat Bolivar die »Vereinigten Staaten von Neugranada« und errang die Oberhand über Ospinas Nachfolger Arboleda. Am zog er in Bogotá ein und berief dorthin einen außerordentlichen Konvent, den zunächst sieben Staaten (darunter der neue Staat Tolima) beschickten, und der für den neuen Staat den Namen »Vereinigte Staaten von Kolumbien« wählte. Panama schloß sich freiwillig an, nachdem es sich seine fast vollständige Unabhängigkeit ausbedungen; der letzte Staat, Antioquia, wurde 1862 mit Gewalt unterworfen. Der Krieg mit Ecuador, dessen Präsident Moreno Arboleda Hilfe geleistet hatte, wurde durch den Sieg Mosqueras bei Cuaspad ^[richtig: Cuaspud] beendet.
Der Kongreß von Rio Negro [* 9] brachte eine neue Verfassung zu stande, die sich als einen Bund der neun souveränen Staaten »zur Bildung einer freien, souveränen und unabhängigen Nation behufs äußerer Sicherheit und gegenseitiger Hilfe« darstellte. Die Generalregierung erhielt ziemlich ausgedehnte Befugnisse; jedoch wurde das Verhältnis derselben zu den einzelnen Staaten nicht bestimmt geregelt und den letztern sogar die Befugnis eingeräumt, sich der Zentralgewalt zu widersetzen. So fehlte es nicht an Handhaben für ehrgeizige Staatsmänner und an Anlässen zu Zwistigkeiten.
Trotzdem blieb Kolumbien im ganzen von Unruhen verschont; der Versuch des Präsidenten Mosquera 1867, gegenüber dem Kongreß eine militärische Diktatur zu errichten, wurde unterdrückt und Mosquera verbannt. Anderseits wurde eine Empörung, welche, angereizt durch den Zwiespalt der Liberalen, bei der Präsidentenwahl 1876 die Klerikalen (Godos) in den Staaten Antioquia und Tolima versuchten, von General Trujillo 1877 durch den Sieg bei Los Chaucos unterdrückt. Nach 19jähriger Herrschaft der Liberalen, welche trotz Einziehung der Kirchengüter und Kassierung der Staatsschuldverschreibungen die Finanzen doch nicht gebessert hatten, gelangten 1879 die Independientes, eine Abzweigung der Liberalen, unter dem Präsidenten Nunez zur Regierung, welche der katholischen Geistlichkeit großen Einfluß einräumten, aber nach Unterdrückung einiger Aufstandsversuche dauernde Zustände zu begründen vermochten. 1886 berief Nunez einen Nationalrat, aus 18 Bevollmächtigten der Provinzen bestehend, der die Einführung einer neuen zentralistischen Verfassung beschloß.
Durch dieselbe, welche verkündet wurde, ist in einen Einheitsstaat, der in neun Departements, die frühern Einzelstaaten, zerfällt, verwandelt und der Staat Cundinamarca, in dem Bogotá liegt, für Bundesland (Distrito Federal) erklärt worden. Nunez wurde auf sechs Jahre wieder zum Präsidenten gewählt.
Vgl. Restrepo, Historia de la revolucion de la republica de Colombia (Besançon [* 10] 1858, 10 Bde.);
Groot, Historia eclesiastica y civil de Nueva Granada [* 11] (das. 1869, 3 Bde.);
Acosta, Compendio histórico del descubrimiento y colonizacion de la Nueva Granada en el siglo XVI (Par. 1848);
Quijano Oteros, Compendio sobre la Historia de Colombia ¶
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(1882); Schumacher, Geschichte der Verfassung der Vereinigten Staaten von (in Sybels »Historischer Zeitschrift« 1875, Heft 2);
Cadena, Anales diplomáticos de Colombia (Bogota 1878);
Peralta, Costa Rica y Colombia de 1573 á 1881 (Par. 1886).