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In den letzten 20 Jahren sind in der ungarischen Landwirtschaft die Produktion und die Zahl der Beschäftigten stark
zurückgegangen.
Die Landwirtschaft spielt in der ungarischen Volkswirtschaft traditionell eine wichtige Rolle. Im Jahr1989 hatte die ungarische Landwirtschaft noch einen Anteil von13,7 Prozent am Bruttosozialprodukt (BIP). Aufgrund der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umwandlungen nach der Wende 1990 sowie der Umstrukturierung zwischen den Wirtschaftszweigen hat sich der Anteil am BIP in den letzten 20 Jahren auf 3,7 Prozent verringert. Der Rückgang des Gewichts der Agrarwirtschaft ist auchbei der Zahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft und beim starken Rückgang der Exporteinnahmen zu erkennen.
Doppelt so gross wie Schweiz
Doppelt so gross wie Schweiz In der Landwirtschaft, der Wildund Forstwirtschaft sowie der Fischerei arbeiteten 2008 noch 174 100 Personen oder 4,5 Prozent aller Beschäftigten. Flächenmässig ist Ungarn mit 93 028 Quadratkilometern mehr als doppelt so gross wie die Schweiz mit 41 285 Quadratkilometern. Das Klima für die landwirtschaftliche Produktion ist günstig, die Böden sind fruchtbar. 5,8 Millionen Hektaren oder fast zwei Drittel der Gesamtfläche werden landwirtschaftlich bewirtschaftet (Schweiz ein Viertel ohne die Alpweiden). Auf der Hälfte der landwirtschaftlichen
Nutzfläche wird Getreide angebaut. Von der landwirtschaftlichen Nutzfläche sind 78 Prozent Ackerfläche, 17 Prozent Grünland und 5 Prozent entfallen auf Gemüsegärten, Obstanlagen und Reben. Von der Getreideproduktion stammt mehr als die Hälfte vom Maisanbau.
Zuckerrüben-Fläche rückgängig
Der Anbau und die Verarbeitungvon Zuckerrüben hatte in Ungarn eine über 100-jährige Tradition.Vor der Wende bestanden in Ungarn14 Zuckerfabriken. Da Russland nach der Auflösung der Sowjetunion nicht mehr zahlen konnte, gingen die russischen Märkteverloren. Die Zuckerfabriken wurden bei Versteigerungen von westeuropäischen Firmen gekauft und danach geschlossen. Heute gibt es in Ungarn nur noch eine Zuckerfabrik. Die Anbaufläche von Zuckerrübenging auch wegen den Vorschriftender EU-Zuckermarktordnungstark zurück und beträgt nur noch rund 10 000 Hektaren. Ungarn kann sich mit Zucker nicht mehr selbst versorgen und importiert den grössten Teil des Bedarfs.
Die Umstrukturierungen in der Landwirtschaft nach der Wende haben auch zu einem starken Rückgang der Tierbestände geführt. Der Rindviehbestand beträgt noch rund 700 000 Tiere. Davon sind rund 240 000 Milchkühe und gegen 100 000 sonstige Kühe. Es wurde eine Milchmenge von 1,8 Milliarden Liter produziert. Davon wurden 1,43 Milliarden Liter als Verkehrsmilch verkauft. Der Schweinebestand hat sehr stark abgenommen. Vor der Wende wurden in Ungarn 12 bis 15 Millionen Schweine gehalten. Ende 2013 wurden nur noch 3,4 Millionen Schweine gezählt. Infolge mangelnder Rentabilität durch die Verteuerung der Futtermittel hatten viele Kleinbetriebe die Schweinehaltung aufgegeben.
Die guten News zum Schluss - Getreideernte in Ungarn legte 2013 um ein Viertel zu!
Das Statistische Zentralamt in Budapest, KSH, hat die ersten Zahlen zur Sommerernte, speziell Getreide herausgegeben. Wegen der lang anhaltenden Dürre im Vorjahr (siehe Link unter dem Text) und dem - relativ, es gab Binnenhochwasser und sehr schwankende Niederschlagsdaten - normalen Wetter in diesem Jahr konnten beachtliche Steigerungen erzielt werden, die sich auch auf die gesamte Wirtschaftsleistung im dritten Quartal auswirken werden. Nach jetzigem Stand wurden 2013 mit 7 Millionen Tonnen Getreide für die Lebensmittelproduktion rund 25% mehr erzeugt als im Vorjahr, bei fast gleichbleibender beackerter Fläche.* (Quelle: Pester Loyd)
Landwirschaft in Ungarn
Die Landwirtschaft in Ungarn im Umbruch
Aktuell - Neues Gesetz regelt Besitzrechte in der Landwirtschaft !
Mitte 2013 wurde mit dem neuen und stark umstrittenen "Gesetz über den Verkehr land- und forstwirtschaftlicher Nutzflächen" (Amtsblatt/Magyar Közlöny Nr. 111 vom 30.6.13) die Grundlage für die künftigen Eigentumsverhältnisse in der Landwirtschaft geschaffen. Nach den Vorstellungen des Gesetzgebers sollen in Ungarn ein Fünftel der landwirtschaftlichen Nutzfläche von rund 5 Mio. ha auf Großhöfe entfallen (über 1.200 ha). Nach Berechnungen des Verbandes der Agrargenossenschaften und Erzeuger, MOSZ, sind es gegenwärtig 700.000 bis 800.000 ha.
Das Gesetz ermöglicht ab 1.5.14, wenn das Moratorium abläuft, grundsätzlich auch Ausländern aus dem EU-Raum den Erwerb von Agrarflächen in Ungarn. Tatsächlich dürften diese aber nur schwer zum Zuge kommen, denn örtliche Agrarliegenschaftskommissionen müssen jedem Kaufvertrag zustimmen, wobei deren Urteil rechtlich nicht anfechtbar ist. Verpachtungen sind davon nicht betroffen. Der Staat hat zudem ein Vorkaufsrecht, das auf die ortsansässigen Landwirte übergeht, wenn er davon keinen Gebrauch macht. Kaufen darf nur, wer eine Ausbildung in der Landwirtschaft nachweisen kann, wobei die Anforderungen im Einzelnen noch unklar sind. Ferner können Personen, die mindestens drei Jahre Erfahrungen in einem landwirtschaftlichen Beruf mitbringen oder einen Anteil von mindestens 25% an einem Agrarunternehmen besitzen, Agrarflächen von über 1 ha bis maximal 300 ha in ihrem Eigentum haben. Diese Fläche erhöht sich auf 1.200 ha, wenn auch gepachtete Flächen berücksichtigt werden. In der Tierhaltung liegt diese Grenze bei 1.800 ha