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Kommode Hans Konrad Hofmann (1737-1808) restauriert
Wintherthur, Mitte 18. Jahrhundert
Hochbedeutende und sehr seltene Rokoko-Kommode des Hans Konrad Hofmann (1737–1808), Seen - Winterthur, circa 1760.
Nussbaum, massiv und furniert. Dreiseitig geschweiftes und fein profiliertes Blatt über passig geformtem und mehrfach bombiertem Korpus auf welliger Zarge und gelockten Füssen. Betonte Eckstollen, die Front mit zwei Schubladen und angedeuteter Traverse. Die konkav und konvex geschweiften Schmalseiten und die Schubladenflächen mit feinstem, geflammtem Nussfurnier gefriest und von gefriestem Bandwerk umrahmt. Sehr fein ziselierte und vergoldete Messingbeschläge in Form von Handhaben und Schlüssellochzierden.
Die hier angebotene Kommode gehört zu einer kleinen Gruppe von Kommodenmöbeln die als eigenhändige Arbeiten des Hans Konrad Hofmann (1734–1808) bestimmt werden können. Unsere Kommode ist in der Formgebung und Ausführung der von Hofmann signierten Kommode nächstens verwandt, die sich seit 1896 in den Sammlungen des Schweizerischen Landesmuseums in Zürich befindet und mit einer Kommode mit Aufsatz, ehemals Sammlung Otto Wessner, St. Gallen, welche sich heute im Besitze der Schweizerischen Stiftung für Kunst und Kultur befindet. Beide Möbel, die Aufsatzkommode aus St. Gallen und die Kommode im Landesmuseum sind neben der Signatur mit der Jahreszahl 1759 versehen, was eine Entstehung unserer Kommode in die Zeit um 1760 vermuten lässt. Unsere Kommode ist in der Formgebung mit den beiden genannten Möbeln fast identisch, die Furnierauswahl entspricht einer Kommode des Meisters, welche sich im Lindengut in Winterthur erhalten hat und in die Zeit um 1760–1765 zu datieren ist. Neben den Erzeugnissen der Funk in Bern und der Bachofen und Hirschgarten in Zürich, gehören die Kommodenmöbel des Hans Konrad Hofmann in Win- terthur zu den bedeutendsten Erzeugnissen der Schweizer Schreinerkunst in der zweiten Hälfte des 18. Jh. Wie bei Mathäus Funk ist auch bei Hofmann die ausgewählte Furnierwahl und die hohe Qualität der schreinerischen Ausführung seiner Möbel massgeblich. Mit ihren feinen Gürtlerarbeiten in vergoldetem Messing und den fein gelockten Füsschen, gehört unsere Kommode zu den besten Erzeug- nissen der berühmten Werkstatt und ist von allergrösster Seltenheit. Hans Konrad Hofmanns Geburtsdatum ist im Pfarrbuch von Seen mit dem 13. Januar 1734 vermerkt. Unbekannt ist, wo Hofmann seine Lehrzeit absolvierte, doch wissen wir, dass sein Sohn Johannes, aus erster Ehe mit Anna Margaretha Sigg, wie sein Vater, den Schreinerberuf erlernte, aber bereits 1787, mit nur 24 Jahren nach Arbeiten
in der Kirche von Elsau verstarb: Hans Conrad Hofmann, des Tischmachers Sohn zu Unter Seen 24. Jahr/7 Monat:, starb an einer gefährlichen Wunde, die er sich selbst an dem einten Schenkel ge- macht. Da er bei der Arbeit in der Kirch zu Elsau. Mit dem Schnitzer die Pulsader entzwei geschnitten und ungemein viel Blut verloren und ohngeachtet die abgeschnittene Ader mit aller Sorgfalt unterbunden ward, hatte es doch keinen Bestand, das Blut flosse zum öfteren wieder, da auch der Patient entkräftet worden und lebte noch 15 Tage. Die Möbel des Hans Konrad Hofmann und die Erzeugnisse des Zürcher Ebenisten Christoph Bachofen (1714–1783) gehören zu den bedeutendsten Schöpfungen des Zürcher Rokoko. Es ist davon auszugehen, dass die beiden signierten und 1759 datierten Möbel des Hans Konrad Hofmann anlässlich der Vermählung des Christoph Bachofen – seine Werkstatt befand sich an der Kuttelgasse in Zürich, im Haus «Zur Hobel- bank» – mit der Anna Hofmann von Seen, im Jahre 1759, vom Brautvater als Mitgift seiner Tochter in die Ehe mit dem vermögenden Zürcher Meister gegeben wurden. Neben den Kommoden mit niedrigen Zargen, wie wir sie an unserer Kommode, aber auch an den beiden signierten Arbeiten finden, hat sich von Hofmann mindestens ein hochbeiniges Kommodenmöbel, ehemals aus dem Talgut in Neftenbach stammend, erhalten, welches einem Typus entspricht, wie wir ihn, von Matthäus Funk in Bern kennen. Die Auffindung der hier angebotenen Kommmode ist ein grosser Glücksfall und bedeutet eine wichtige Ergänzung zum bekannten Werk des Winterthurer Meisters.
Vergleiche:
Thomas Boller/Werner Dubno, Zürcher Möbel, das 18. Jahrhundert, Zürich, 2004, S. 84.
|Gewicht||40 kg|
|Artikel-Nr.||M738|
|Masse||98x63x88 cm|
|Provenienz||Aus der Sammlung Walter Bloch (1883-1971)|
|Bemerkungen||Die Kommode wurde komplett durch CARMINE HOME restauriert und ist in tadellosem Zustand.|