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Das Autismus-Spektrum
Beim Autismus-Spektrum handelt es sich um eine Bezeichnung für bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, die als Einheit auftreten und auf einer neurobiologischen Grundlage beruhen. Zum Autismus-Spektrum gehören einerseits Merkmale des Sozialverhaltens und der sozialen Kommunikation, wie eine andersartige Verarbeitung sozialer Signale,
ungewöhnliche Arten der Kommunikation oder untypische soziale Bedürfnisse. Andererseits gehören zum Autismus-Spektrum intensive oder ausgewählte Interessen, wie z. B. Beschäftigung mit
einem Spezialgebiet, oder Rituale wie z. B. gleichförmige Abläufe im Alltag oder wiederholte Bewegungen zur Selbstberuhigung. Auch können Auffälligkeiten in der Art, wie Sinnesreize wahrgenommen werden, z. B. Geräuschempfindlichkeit und
häufiges Erleben von Reizüberflutung in reizintensiven Situationen, vorkommen. Dieses Muster von Autismus-Spektrum-Besonderheiten muss seit der frühen Kindheit vorhanden gewesen sein, um als
Das Autismus-Spektrum entsteht durch eine besondere neurobiologische Entwicklung, welche durch ein Zusammenspiel zwischen genetischen und Umgebungsbedingungen zustande kommt.
solches zu gelten. Einzelne Menschen auf dem Spektrum können sich stark voneinander unterscheiden, da die autismustypischen Eigenschaften vielfältig sind und diese nur einen Teil der Persönlichkeit ausmachen.
Gemäss dem Ansatz der sog. "Neurodiversität" (Blume 1998, Singer 2016) ist das Autismus-Spektrum ein Teil der natürlichen Form menschlicher Vielfalt in der Hirnentwicklung. Es wird davon ausgegangen, dass unterschiedliche Arten der Hirnentwicklung unterschiedliche Vor- und Nachteile mit sich bringen. Das Autismus-Spektrum ist somit keine "Störung", sondern eine untypische Art des Wahrnehmens, Denkens, Fühlens und Verhaltens, die sich in einigen Aspekten von den Eigenschaften der Mehrheit (den sog. "Neurotypischen") unterscheidet.
Autismus-Spektrum-Störung (ASS)
"Autismus-Spektrum-Störung" ist die Bezeichnung für eine psychiatrische Diagnose im Klassifikationssystem, in dem die aktuell verwendeten psychiatrischen Diagnosen zusammengefasst sind. Die Diagnose "Autismus-Spektrum-Störung" wird Menschen auf dem Autismus-Spektrum vergeben, welche die charakteristischen Merkmale seit der frühen Kindheit zeigen, und unter zumindest einigen Merkmalen oder deren Folgen leiden resp. in verschiedenen Bereichen des Lebens durch die Merkmale beeinträchtigt werden. Ob eine Beeinträchtigung durch das Autismus-Spektrum entsteht, hängt von der Ausprägung der Schwierigkeiten und Stärken, der Passung zwischen Person und Umfeld sowie dem Umgang der Gesellschaft mit dem Autismus-Spektrum ab. In Europa sind nach wie vor auch die Diagnosebezeichnungen "Asperger-Syndrom", "Atypischer Autismus" und "Frühkindlicher Autismus" in Gebrauch, welche unterschiedliche Arten einer Autismus-Spektrum-Störung bezeichnen.
Neurodiversität &
andere Neuro-Minderheiten:
ADHS und Hochbegabung
Neurodiversität bezeichnet den Umstand, dass Hirne verschieden sind. Der Neurodiversitäts-Ansatz heisst die Vielfalt menschlicher Hirnentwicklungen und Hirnfunktionsweisen gut. Untypische Entwicklungen und Funktionsweisen werden als Bereicherung statt Störung angesehen. Aufgrund des Zusammenspiels von Merkmalen der neurodivergenten Person und Merkmalen der Umgebung entsteht je nachdem Wohlbefinden und Erfolg oder Probleme und Behinderungen (Dwyer 2022) . Zu den sog. Neuro-Minderheiten werden neben Menschen mit AS u.a. auch Menschen mit ADHS und Hochbegabung gezählt. Manche Merkmale von verschiedenen Neuro-Minderheiten überschneiden sich. Neuro-Minderheiten treten zudem z. T. gemeinsam zusammen auf und es sind auch genetische Zusammenhänge bekannt.
In meiner Haltung und Arbeitsweise berücksichtige ich den Neurodiversitäts-Ansatz, indem ich den breiteren Fokus auf Neurodiversität in der Diagnostik, Therapie und Beratung zugrunde lege. Ich setze mich neben dem AS auch mit anderen Neuro-Minderheiten gründlich auseinander, insbesondere mit Hochbegabung und ADHS.
Autismus-Diagnostik
Die Diagnose einer Autismus-Spektrum-Störung erfordert, dass Fachpersonen mit Erfahrung im Gebiet eine spezielle Abklärung mit Gesprächen und Tests durchführen. Dabei wird die gesamte Entwicklung seit der frühen Kindheit untersucht, da ASS immer seit der Kindheit vorhanden ist. Ziel einer Diagnostik ist nicht, Menschen in defizitäre Beschreibungen zu pressen, sondern zu befähigen, eigene, nicht wertende, Beschreibungen für ihr Erleben zu finden, und zu prüfen, ob und wie diese mit dem gängigen medizinischen Klassifikationssystem übereinstimmen. Viele Betroffene berichten, dass die Diagnosestellung ihnen half, sich mit ihrem ganzen Selbst zu versöhnen, inklusive der autismusspezifischen Besonderheiten (wie eine Klientin formulierte: "Ich bin nicht komisch, als Autistin bin ich sogar völlig normal!"). Zudem kann die Kommunikation mit dem Umfeld erleichtert werden. Mit einer Diagnose können zudem Therapien wie Psychotherapie und ausbildungs-/ berufsbezogene Unterstützungsmassnahmen (z. B. Jobcoaching) sowie allenfalls wohnbezogene Unterstützungsmassnahmen (wie z. B. Wohncoaching) in Anspruch genommen werden.
Psychotherapie bei Autismus-Spektrum
Als eidgenössisch anerkannte Psychotherapeutin und Expertin für das Autismus-Spektrum biete ich Ihnen qualifizierte Psychotherapie bei Autismus-Spektrum und Autismus-Spektrum-Störungen (frühere Bezeichnung: Asperger-Syndrom, hochfunktionaler Autismus, frühkindlicher Autismus).
Meine therapeutische Haltung und Arbeitsweise basiert auf einem interaktionistischen Neurodiversitäts-Ansatz (Dwyer 2022). Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass neurologische Diversität wertgeschätzt werden soll und Menschen auf dem Autismus-Spektrum sowie andere Neuro-Minderheiten akzeptiert und geschätzt werden sollen, so wie sie sind. Heilung und Normalisierung von Autismus ist nicht möglich und nicht das Ziel. Verbergen und Maskieren autistischer Eigenschaften kann gemäss aktueller Forschungsbefunde mit Erschöpfung, Burnout, Angst und Depression der Betroffenen einher gehen. Typische Ziele einer Psychotherapie mit Menschen auf dem Autismus-Spektrum sind stattdessen je nach Wunsch und Bedarf die Stärkung der Fähigkeit, das eigene Erleben zu Beschreiben, eigene Gefühle und Bedürfnisse besser wahrzunehmen und die Selbstakzeptanz zu stärken. Womöglich kann es wichtig sein, Lebenserfahrungen zu verarbeiten, mit dem Wissen der neu gestellten Diagnose. Ausserdem ist oft ein besserer Umgang mit Stress ein Ziel, sowie den Umgang mit sozialen Situationen zu verbessern. Insgesamt wird auf die Verwendung einer respektvollen, befähigenden statt behindernden Sprache geachtet. Neben dem Stärken von Akzeptanz und dem Entwickeln von Fähigkeiten kann die Psychotherapie unterstützen, Umgebungsbedingungen zu verbessern und passendere Nischen zu finden, in welchen die Stärken und Fähigkeiten einer Person wertgeschützt werden und sich mehr entfalten können.
Da Menschen auf dem Autismus-Spektrum unter psychischen Folgeproblemen wie Depressionen, Burnout, Angststörungen, Essstörungen und Zwangsstörungen leiden können, ist eine Behandlung dieser Probleme oft auch Ziel der Psychotherapie.
Wie in jeder Psychotherapie werden die Ziele zu Anfang gemeinsam vereinbart, und während der Psychotherapie wird in strukturierter, transparenter Art und Weise gemeinsam an der Erreichung der Ziele gearbeitet.
Besonderheiten der Psychotherapie bei Autismus-Spektrum
Gemäss Forschungsbefunden und eigener praktischer Erfahrung muss der Rahmen der Psychotherapie an die Bedürfnisse von Menschen auf dem Autismus-Spektrum angepasst werden. So ist beispielsweise eine feste Struktur der Therapie (wie gleichbleibende Sitzungsabstände, Vorhersehbarkeit (wie Planung der Themen im Voraus), transparente und klare Kommunikation, eine Umgebung mit möglichst keinen Störgeräuschen, indirektem Licht und genügend Körperabstand sowie die Möglichkeit auch schriftlich (z. B. via E-Mail) statt nur mündlich kommunizieren zu können für viele Menschen auf dem Autismus-Spektrum hilfreich. Oft dauert eine Psychotherapie bei Menschen auf dem Autismus-Spektrum länger, weil Autist:innen häufig Themen vertieft behandeln möchten oder sich eine längerdauernde Begleitung wünschen. Wie in jeder Psychotherapie basiert eine gute Zusammenarbeit auch bei Menschen auf dem Autismus-Spektrum auf Vertrauen und Offenheit zwischen Patient:in und Therapeutin. Dabei passe ich mich als Expertin für Autismus-Spektrum an Ihre Art zu kommunizieren an, um eine gemeinsame Sprache zu entwickeln (z. B. ist die Art zu kommunizieren u. U. direkter, sachlicher, mehr auf den Inhalt als die Körpersprache ausgerichtet etc.). Wie bei jeder Psychotherapie baut die gemeinsame Arbeit zudem auf Ihre besonderen Stärken und Fähigkeiten auf. Menschen auf dem Autismus-Spektrum haben teilweise typische Stärken, wie ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, logisches Denken, Ausdauer und Beständigkeit.
Aufgrund meiner mehrjährigen Tätigkeit im Bereich Autismus-Spektrum kann ich auf ein sehr gutes Netzwerk zurückgreifen, und arbeite bei Bedarf gerne mit anderen Fachpersonen wie psychiatrischen, ausbildungsbezogenen oder berufsbezogenen Unterstützungspersonen (wie Jobcoachs oder Institutionen), wohnbezogenen Unterstützungspersonen, IV oder anderen Stellen zusammen, resp. kann ihnen helfen bei Bedarf die Kontakte aufzubauen und zu nutzen.
Beratung von Angehörigen bei
Autismus-Spektrum
Angehörige von Menschen auf dem Autismus-Spektrum sind auf besondere Weise gefordert. Dauerhaft Empathie aufrecht zu halten, praktische Unterstützung zu bieten und dabei oft wenig auf das Verständnis und die Hilfestellung des grösseren Umfelds zurück greifen zu können, ohne sich dabei selbst zu verleugnen und selbst vernachzulässigen, erfordert Kraft. Als Spezialistin für das Autismus-Spektrum kann ich Ihnen emotionalen Support bieten. Unter Umständen kann ich Ihnen ausserdem weitere Informationen und praktische Hilfestellungen zur Hand geben, um Sie als Angehörige zu stärken. Sind Sie Partner:in eines Menschen auf dem Autismus-Spektrum, können Sie auf meine Kompetenz im Bereich der Paartherapie und Paarberatung für Menschen auf dem Autismus-Spektrum zurück greifen.
Weiterbildung und Supervision bei Autismus-Spektrum
Mir ist es ein wichtiges Anliegen, das Wissen über Autismus-Spektrum in der Öffentlichkeit und unter Fachpersonen zu fördern. Darum führe ich regelmässig öffentliche Veranstaltungen für Betroffene, Angehörige und Fachpersonen sowie Weiterbildungen für Fachpersonen im Bereich Autismus-Spektrum durch.
Ebenfalls biete ich regelmässig autismusspezifische Supervision für Fachpersonen an. Ich bin kognitiv-verhaltenstherapeutische Supervisorin in Ausbildung (DAS Universität Zürich und SGVT). Die Supervision wird von der FSP als Supervision und von den kognitiv-verhaltenstherapeutischen Therapieausbildungsgängen sowie der Weiterbildung der Gesellschaft für klinische Hypnose Schweiz bei Weiterbildungsabsolvent:innen als Teil der innerhalb der Ausbildung zu leistenden Supervision anerkannt.
In meiner Praxis organisiere ich eine autismusspezifische Kleingruppensupervision für Psycholog:innen und Psychiater:innen. Zudem führe ich gerne auf Wunsch in Ihrer Institution autismusspezifische Gruppensupervision für Ihr Team durch. Meine Erfahrung umfasst beispielsweise Supervision zur Therapie und Diagnostik bei ASS in verschiedenen psychiatrischen Diensten im Kanton Bern.
Die Weiterbildung und Supervision kann auch als Videokonferenz erfolgen.
Meine Kompetenz für das Autismus-Spektrum
Seit 2015 vertiefe ich mich in das Spezialgebiet Autismus-Spektrum. Anlass waren persönliche Erfahrungen. Ich realisierte, dass es im Gebiet Autismus-Spektrum noch viel zu tun gibt. Obwohl seit einigen Jahren sehr viel zum Thema geforscht wird, es auch in der Öffentlichkeit z. B. den Medien immer mehr behandelt wird, mangelt es in der Schweiz an passenden Unterstützungsangeboten für die Betroffenen und ihre Angehörigen. Die Motivation, dies zu ändern, aber auch die Faszination am Thema, liessen es mich ab 2016 zum hauptsächlichen Schwerpunkt meiner Arbeit werden. Zwischen 2016 und 2021 arbeitete ich in der Autismusssprechstunde für Erwachsene an der Universitätsklinik Bern im interdisziplinären Team in der Abklärung, Einzel- und Gruppenpsychotherapie mit Menschen auf dem Autismus-Spektrum. Daneben unterstützte ich in der eigenen Praxis ab 2015 Menschen auf dem Spektrum und ihre Angehörigen.
Literaturhinweise
Eigene Veröffentlichungen:
Psychoscope 6/15 Gefühle im Verborgenen. Artikel zu Autismus-Spektrum-Störung
Psychoscope 6/15 Der Rosie-Effekt: Graeme Simsion. Buchrezension
Psychoscope 1/17 Verstörungstheorien: Marlies Hübner. Buchrezension
Ausgewählte Literaturempfehlungen:
Isabel Dziobek, Sandra Stoll: "Hochfunktionaler Autismus bei Erwachsenen". Kohlhammer 2019
Silke Lipinski: "Autismus: Das Selbsthilfebuch. " Balance-Ratgeber 2020
Steve Silberman: "Geniale Störung. Die geheime Geschichte des Autismus und warum wir Menschen brauchen, die anders denken." Dumont 2016
Spektrum Kompakt 22/2023: "Neurodiversität – Vielfalt im Gehirn"
Rückmeldungen von Patient:innen
"Ich schätze Frau Jaggis Fähigkeit, sich in beiden Denksystemen, dem von neurotypischen Personen und dem von Personen aus dem Autismus-Spektrum, so frei bewegen zu können."
Kontakt
Adresse
lic. phil. Verena Jaggi
eidg. anerkannte Psychotherapeutin
Fachpsychologin für Psychotherapie FSP
Postgasse 44
3011 Bern
Kontaktmöglichkeiten:
Mobiltelefon Praxis:
+41 78 641 43 31
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