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Historien-Liebesfilm.
Indien. Stummfilm
Alternative Titel Prapancha Pash; A Throw of Dice - Schicksalswürfel;
A Throw of Dice - A Romance of India
Regie Franz Osten
Drehbuch W.A. Burton nach einer Story von Niranjan Pal
Produktion Himansu Rai
Kamera Emil Schunemman
Darsteller Seeta Devi, Himansu Rai, Charu Roy, Modhu Bose, Sarada Gupta
Länge 74 Min.
Kinostart 1929
Molodezhnaja Altersempfehlung ab 6
|Humor||Spannung||Action||Gefühl||Anspruch||Erotik|
|.|
© Text Marco,
molodezhnaja 17.12.07
© Bilder Rapideyemovies, Screenshots molodezhnaja
STORY
Der böse König Sohat (Himansu Rai) will seinen Cousin, König Ranjit (Charu Roy), auf der Tigerjagd loswerden, indem er einen "Unfall" mit Pfeil und Bogen arrangiert. Doch Ranjit überlebt das Attentat und wird im Hause des Einsiedlers Kanwa (Sarada Gupta) geheilt. Während die Jagdgemeinschaft im Urwald residiert, verlieben sich beide Könige in Kanwas Tochter Sunita (Seeta Devi). Doch die verliert ihr Herz an Ranhit, was in Sohat noch mehr Eifersucht weckt. Als Sunita und Ranjit ihre Hochzeit planen, organisiert Sohat eine finstere Verschwörung.
REVIEW
Der bayrische Regisseur Franz Osten zog 1925 aus, um in Indien den religiösen Monumentalfilm "Die Leuchte Asiens" zu drehen. Das Werk entstand auf Anregung des bengalischen Rechtsanwalts Himansu Rai (1892-1940), dem späteren Gründer der Bombay Talkies, der bei der Bavaria-Vorgängerin Emelka nach Geldgebern für seine cineastischen Exkurse suchte und bei den bayrischen Brüdern Franz Osten und Peter Ostermayr fündig wurde. Rai und Osten harmonierten bei "Die Leuchte Asiens" so gut zusammen, dass sie drei Jahre später das Taj-Mahal-Epos "Shiraz" drehten, ebenfalls mit beachtlichem Aufwand. Doch den Höhepunkt ihres gemeinsamen Schaffens markierte "A Throw of Dice", eine reife Historienromanze, kurzweilig inszeniert und flott erzählt.
Die Handlung, basierend auf einer Geschichte des bengalischen Drehbuch- und Bühnenautors Niranjan Pal (1889-1959), die wiederum inspiriert ist vom Würfelspiel aus dem Versepos "Mahabharata". Die Story ist simpel gestrickt und bedient sich vorgefertigter Charaktere. Wer auf Figurenentwicklung aus ist, der findet hier wenig, denn von Beginn weg sind die Personen klassifiziert als böse und gut, als romantisch und aggressiv. Die Geschichte benötigt derartige Stereotypen für ihren moralischen Kern, einem Aufruf gegen das Glücksspiel und den sorglosen Umgang mit dem eigenen Glück. Mit den Figuren in "A Throw of Dice" mitzufühlen fällt angesichts des beinahe fatalistischen Abspulens der einfachen Moral etwas schwer. Sympathien entwickelt man am ehesten noch für Sunita, fast schon freizügig gespielt von Ostens Entdeckung Seeta Devi, die sich auf ihre Heirat freut, während der Gatte beim Würfelspiel ihre Zukunft riskiert. Doch all das geschieht fast schon mechanisch. Der Film bleibt oberflächlich.
Dafür funktioniert er als ein exotisches, aufwändiges Märchen. "Du sollst nicht Neid entwickeln". "Du sollst dich nicht dem Glückspiel hingeben" - von solchen einfachen Vorsätzen angetrieben entwickelt Osten die Handlung rasant voran, so dass er sein Werk in für einen stummen Historienfilm bescheidenen 70 Minuten erzählen kann. Diese Zeit füllt er mit eindrücklichen Naturaufnahmen, rascher Montage und Massenszenen mit mehreren Tausend Statisten. Visuell ist das alles überaus imposant, sei es wegen der reizenden Beleuchtung, den ansprechenden Kulissen oder dem Indien-Flair. Lob gebührt nachträglich auch dem Namesake-Komponisten Nitin Sawhney, der die vom britischen Filminstitut restaurierte Fassung mit einem westlichen und doch ab und zu sehr indischen Soundtrack unterlegte, der modernes Musikempfinden mit klassischem Stummfilm-Touch kombiniert. Irgendwo zwischen Chaplin, DeMille und Bollywood, wie der Komponist im Interview erklärt.
Der Soundtrack wird dem Film auf alle Fälle gerecht. Einem Film, der dem Zuschauer Schauwerte, Melodramatik und Exotik liefert, der flott und unbekümmert seine Moral vermittelt und gar nie langweilen kann, ja sogar frech noch zwei Leinwandküsse zum Besten gibt - in einer Zeit bevor der Sitten-Kodex sowohl Hollywood wie auch Bollywood im Griff hatte. Der Film mag etwas oberflächlich sein und das Dauergrinsen des späteren Regisseurs Charu Roy (dem schwächsten Schauspieler im Team) geht mit der Zeit auf den Keks - doch "A Throw of Dice" fasziniert durchs Band. Für Osten war es der vielleicht letzte grosse Film: Er kehrte in die Heimat zurück und drehte dort Heimatfilme, bevor er 1935 auf Rais Bitten den Bombay-Talkies-Studios beitrat und 16 weniger bekannte Bollywood-Filme inszenierte, meistens mit Rais Ehefrau Devika Rani (1908-1994) und Ashok Kumar in den Hauptrollen. Zu der Zeit war Osten bereits Mitglied der NSDAP und landete für diese Sympathien zu Kriegsbeginn 1939 im britischen Knast. Nach seiner Freilassung reiste er erneut nach Deutschland, wo er 1956 starb, ohne in der Heimat wieder einen Film gedreht zu haben.
MEINE DVD
Rapideyemovies (D), Code 2, PAL
Bild: 4:3
Ton: 2.0 mit deutschen Untertiteln.
Disk Rating * * * (Edle Verpackung, solides Bild nach der britischen BFI-Restauration mit der Musik von Nitin Sawhney)
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