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Wie unterscheidet sich der eine vom anderen?
Diese Ausgabe der CareNews widmet ihren Schwerpunkt dem Thema Stress und bietet dazu drei Beiträge: Psychologin Sabrina Alberti beleuchtet zuerst verschiedene Stresssituationen und definiert positiven und negativen Stress. Im zweiten Artikel analysiert sie Eigenschaften und Auswirkungen zweier Stresstypen und zeigt im dritten schliesslich Wege auf, wie sich negative Belastung abbauen lässt.
«Ich habe einen derartigen Stress erlebt und geglaubt, ich würde sterben! Uff, jetzt ist es vorbei!» Haben Sie schon selber so gedacht und gesprochen oder jemanden das sagen hören? Was für Situationen führen zu solchen Reaktionen? Es sind mindestens drei:
- Der Student, der zum Abschluss des Studiums gerade eine mündliche Prüfung abgelegt hat.
- Der Automobilist, der knapp einem Unfall entkommen ist, als ihm ein anderer Wagen den Weg abschnitt.
- Der Angestellte, der seine Stelle aufgegeben hat zu Gunsten einer neuen Position, die seinen Kompetenzen und Fähigkeiten besser entspricht und den Druck auf ein erträgliches Niveau reduziert.
Diese drei Situationen lassen sich so charakterisieren:
- Die Personen drücken ihre Reaktionen unmittelbar aus, nachdem sie eine Prüfung bestanden haben – ein Examen, eine Schrecksekunde, eine Entscheidung mit Tragweite.
- Sie haben es geschafft, im richtigen und wichtigen Moment alle persönlichen Ressourcen zu mobilisieren. Sie haben Lösungen gefunden, um die Situation auszuhalten oder sie zu umgehen.
- Diese Personen dürften ihr Leben nach diesem kurzen oder längeren Ereignis so natürlich wie möglich weiterleben. Sie werden einfach mehrmals davon erzählen.
Positiver Stress: beschützend und belebend
Der Stress ist ein lebenswichtiger Mechanismus. Welcher Künstler hat kein Lampenfieber, bevor er die Bühne betritt! Wer von uns kriegt vor einer Prüfung keinen trockenen Mund, beginnt nicht zu schwitzen oder zu zittern oder spürt vor dem Liebes-Rendezvous nicht das Herz bis zum Hals klopfen! Dieser Stress oder, um präziser zu sein, die durch die Situation verursachte Reaktion auf den Stress, ist Quelle für Erfolg, Leistung und Kreativität, und sie motiviert das Individuum – sofern sie sich in einem gesunden Mass hält. Sie ist das, was wir allgemein Adrenalin-Anstieg nennen, und dieser ist nichts anderes als eine ganz normale physiologische Aktivität des Menschen, um sich anzupassen und zu regulieren. Einfach ausgedrückt: Es ist normal zu schwitzen, wenn es heiss ist. Der Körper entlässt das Zuviel an Hitze durch die Poren der Haut. Wir können nicht beschliessen zu schwitzen! So ist es auch normal, dass sich das Adrenalin mit seinen hormonalen und verhaltensspezifischen Folgen zu dem Zeitpunkt bemerkbar macht, wo es notwendig ist: bei einem Schock und bei Stress.
Negativer Stress: zerstörerisch und lähmend
Es sind nicht die Reaktionen selber, sondern ihre ungewohnte Dauer oder Intensität, die anzeigen, dass etwas nicht richtig funktioniert. Die Person hat nicht mehr genügend Ressourcen, um die Lage zu bewältigen. Das nennt sich gemeinhin negativer Stress.
Der posttraumatische Stress entspringt einer Summe von Reaktionen, die verbunden sind mit Todeskonfrontation, extremer Angst und abgrundtiefem Schrecken, dem Gefühl der Machtlosigkeit, dem Eingriff in die körperliche Integrität. Dieser Stress und seine Reaktionen sind zu Beginn normal, werden aber auf Dauer zum negativen Stress.
Der posttraumatische Stress zieht die betroffene Person mit der Zeit in eine Spirale von Angst, von wiederholten Fehlern etwa im professionellen Bereich, von Ungeduld, Aggressivität, Launenhaftigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten sowie von anderen wirklichen oder vorgestellten Albträumen. Das Trauma ist wie ein Film, der sich mitten am helllichten Tag abspielt oder einen des Nachts aus dem Schlaf reisst. Betroffene Personen können auch an körperlichen Schmerzen wie Bauchweh leiden, Schwierigkeiten beim Essen und Einschlafen haben, passiv werden und überhaupt keine Gefühle mehr verspüren. Sie sind gegenüber anderen emotional kalt und wie betäubt. Die Fachleute sprechen von Alexithymie, wenn jemand unfähig ist, seine Gefühle auszudrücken. Wenn all diese Reaktionen mehr als einem Monat andauern und den üblichen Lauf des Lebens stören, sollte die betroffene Person psychologische Hilfe anfordern.
Lesen Sie mehr über die Eigenschaften und Auswirkungen zweier Stresstypen im nachfolgenden Artikel «Negativer Stress ist nicht immer gleich».
* Sabrina Alberti ist Psychologin FSP (Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen), zertifizierte Notfallpsychologin des NNPN (Nationales Netzwerk Psychologische Nothilfe), Physiotherapeutin und Erwachsenenbildnerin mit eidgenössischem Fachausweis. In ihrer Praxis kombiniert sie psychologische Beratung und Coaching mit körperlichen Entspannungstechniken. Dazu benützt sie gerne die Technik des Tai-Chi Chuan: Diese stärkt Gesundheit und körpereigene Abwehrkräfte und fördert die Selbstreflexion und die Lebensenergie. Für Carelink bildet Sabrina Alberti die Französisch sprechenden Freiwilligen aus.