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Seine geliebte Katze Girilla wird vergeblich auf ihn warten. Clay Regazzoni kehrt nicht mehr ins 3500 m2 grosse Paradies hoch über dem blauen Mittelmeer zurück.
Nach Menton.
Wenn der Tessiner von seinem französischen Besitz nach links schaute, sah er Italien, und rechts türmten sich die grauen «Wolkenkratzer» von Monaco. Dort hatte er seit 1976 Bürgerrecht – und bis letzten Freitag ein Büro…
Seit 1987 wohnte er in Menton und erklärte jedem Besucher am Telefon: «Mein Haus? Es liegt nur zwei Minuten von der Autobahn bei der Ausfahrt Menton. Colline de l’Annonciade…»
Selbst Clay hätte in seinen schnellsten Ferrari Zeiten mehr als zwei Minuten gebraucht – und er kannte den Weg durch die engen Gassen. Vorbei am Haus, wo eine Schwester von Bin Laden wohnt und öfters für einen Polizeieinsatz sorgt…
Nun, am Ende musste mich Regazzoni mit seinem Lancia Aurelia 1954 unten am Meer beim Spielcasino abholen. Er lachte. Wann habe ich Clay eigentlich mal nicht lachen gesehen?
Vielleicht war es sogar an jenem sonnenüberfluteten Januar-Tag 2006. Bei meinem letzten Besuch. Nach dem Kaffeetratsch im Garten sassen wir noch lange vor dem Kamin zusammen.
Es brannte kein Feuer, aber in Clays Herzen loderten die Flammen: «Ja, ich bin seit Jahren mit der Entwicklung der Formel 1 nicht mehr einverstanden. Da geht es doch nur noch um das Geld und nicht mehr um den Sport. Okay, die Sicherheit ist besser geworden, aber wo sind die echten Rennfahrer geblieben, die sich am Nachmittag auf der Piste keinen Zentimeter schenkten und am Abend trotzdem an der Bar zusammen ein Bier tranken?»
Ja, wo sind sie? Wir einigten uns schnell, dass früher die Zeiten nicht unbedingt besser, aber anders waren. Fröhlicher, lockerer.
So hatte Clay bald einmal zu seinem um zehn Jahre jüngeren Teamkollegen Niki Lauda gesagt: «Wenn du so verklemmt Auto fährst wie du dich gegenüber den Frauen benimmst, dann wirst du nie ein Grosser…»
Draussen im Garten ging langsam die Sonne unter. Und Clay sagte: «Den Weg zurück wirst du wohl finden. Es würde mich freuen, wenn du einmal wiederkommst...»
Clay, in Gedanken war ich nach der schrecklichen Nachricht bei dir und sass plötzlich allein vor dem Kamin…
Erst wenn man einen Menschen vergessen hat, ist er richtig tot!