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Der Wald dagegen liefert kaum die nötige MengeBau-, Brenn- und Werkholz; aber unverkennbar befindet sich die Waldkultur, gefördert
durch ein neues Forstgesetz, im Aufschwung. Im östlichen Kantonteil wird Schwabenvieh gehalten, im westlichen
eine Mittelrasse von Schweizer- und Schwabenvieh. Ziegen sind in Menge vorhanden, und sorgfältige Schweinezucht hat einen geschätzten
Schlag (KlettgauerRasse) erzeugt. Schleitheim versendet Gips;
[* 11] anderwärts bricht man Kalk- und Sandsteine (die Lithographiesteine
haben sich nicht bewährt), trefflichen Thon (»LohnerErde«) auf dem Reyat.
Das Bohnerz liegt unbenutzt. Nach Kochsalz wurde wiederholt gebohrt, aber immer ohne Erfolg. Über die Fabrikthätigkeit des
Kantons s. unten (Hauptstadt). Die Volksschule zerfällt auch hier in eine obligatorische, primäre und in eine fakultative,
sekundäre; ein Lehrerseminar besitzt der Kanton nicht, aber eine Kantonsschule (in der Hauptstadt), aus
einer humanistischen und realistischen Abteilung bestehend. Die öffentlichen Bibliotheken zählen über 51,000 Bände (die
Stadtbibliothek allein 27,000). Eine Rettungsanstalt für verwahrloste Kinder besteht in Friedeck (bei Buch).
Der Kanton hat sich eine neue Verfassung gegeben und ist damit von der Repräsentativdemokratie zu dem rein demokratischen
Wesen der Referendumskantone übergegangen. Demgemäß wählt sich das Volk eine Legislativbehörde, den GroßenRat, je auf 500 Seelen
ein Mitglied und zwar auf vier Jahre; die Gesetze unterliegen, sofern 1000 Bürger es verlangen, der Volksabstimmung. Ebenso
können sowohl Legislative als Exekutive abberufen werden, und das Volk entscheidet auch über größere
außergewöhnliche Ausgaben.
Die Hauptstadt S., Knotenpunkt der Nordostbahnlinie Winterthur-S. und der Badischen Staatsbahnlinie Waldshut-Konstanz,
in
tiefem Thalgrund am Rhein gelegen und mit dem zürcherischen Ort Feuerthalen durch eine Brücke
[* 12] verbunden, ist ein sehenswerter
Ort von mittelalterlicher Bauart, mit Erkern, bemalten Frontseiten und steinernen Stufengiebeln. Die gotische Hauptkirche St.
Johann und das Münster
[* 13] stammen aus dem 12. Jahrh. Auf dem freien Platz Herrenacker, dem
ehemaligen Schauplatz der Ritterspiele adliger Herren, steht das Imthurneum (1864 gestiftet von einem in London
[* 14] wohnenden Bürger
Imthurn zur Förderung ästhetischer und wissenschaftlicher Bildung).
Nachdem sich die Bürgerschaft allmählich von der Herrschaft des Abtes emanzipiert hatte, wurde die Stadt
von Ludwig dem Bayern
[* 17] 1330 an Österreich
[* 18] verpfändet, erlangte jedoch 1415 infolge der ÄchtungHerzogFriedrichs ihre Reichsunmittelbarkeit
wieder. Bedrängt vom österreichischen Adel, schloß S. 1454 ein 25jähriges Bündnis mit den Eidgenossen, das in
ein ewiges verwandelt wurde. Nach längerm Schwanken und heftigen Tumulten trat es 1529 zur Reformation
über und erwarb teils durch Abtretung der Besitzungen von seiten des Klosters und andrer Stiftungen, teils durch Kauf ein kleines
Gebiet auf dem rechten Rheinufer. 1799 zwangen die Österreicher die Franzosen durch mehrere Gefechte bei S. zum Rückzug, wobei
die letztern die berühmte, 364 Fuß lange hölzerne Rheinbrücke verbrannten. Die Mediationsakte gab
dem KantonS. eine Repräsentativverfassung, welche 1814 in aristokratischem, 1830-31 aber durch einen Aufruhr der Landschaft
in demokratischem Sinn modifiziert wurde. 1835 wurde durch eine Verfassungsrevision das Wahlvorrecht der Stadt beinahe ganz
beseitigt und 1852 Vertretung nach der Kopfzahl eingeführt. Durch das neue, 14. Mai
französisch Schaffhouse. Kanton der schweizerischen Eidgenossenschaft, der zwölfte in der offiziellen
Reihenfolge. Eintritt in den Bund 1501.
Lage und Grösse.
Schaffhausen
ist der nördlichste Kanton, die «Nordmark» der Schweiz. Sein N.-Punkt bei Oberbargen, Grenzstein Nr. 593, liegt in 47° 48'
30" NBr. und in 826 m Meereshöhe und ist gleichzeitig der nördlichste Punkt der Schweiz. Im S. reicht
der Kanton mit der Rüdlingerparzelle bis in das Rheinknie bei der Tössmündung unter 47° 33' 10" NBr., im O. mit der Steinerparzelle
bis zum Grenzstein Nr. 424 an der Strasse Stein
a. Rh.-Oehningen unter 8° 52' 41" OL. von Greenwich, im W.
bei der Wunderklingermühle in der Gemeinde Unterhallau bis zum Grenzstein Nr. 354 unter 8° 24' 25" OL. von Greenw.
Die grösste Länge von Oberbargen bis zum Rheinknie beträgt ungefähr 29 km, die grösste Breite vom W.- zum O.-Punkt ungefähr 35 km.
Die Stadt Schaffhausen liegt fast in zentraler Lage innerhalb dieser 4 Grenzpunkte. Mit einem Flächeninhalt
von 294,22 km2 (wovon 95,5% produktiver und 4,5% unproduktiver Bodenfläche) ist Schaffhausen
der siebentkleinste Kanton der Schweiz,
wenig grösser als Nidwalden
und Genf.
Die geschichtliche Entwicklung hat ihm ein in drei voneinander getrennte Teile zerfallendes Gebiet
und recht verwickelte Grenzverhältnisse verschafft.
1. Der Hauptteil des Kantons (251,14 km2), dehnt sich von der Rheinbiegung bei Schaffhausen
fächerartig nach W.,
N. und NO. über die breite Thalsohle des Klettgaus mit den sie einrahmenden Höhenzügen, über das Randengebiet und den
sog. Reiat aus; er schliesst zwei kleine badische Enklaven ein: das Dorf Büsingen am Rhein und den Verenahof
bei Büttenhard, einen vereinzelten, zur badischen Gemeinde Wiechs gehörenden Bauernhof. Fast auf allen Seiten ist dieser
Hauptteil vom Grossherzogtum Baden
umgrenzt, und nur auf der östl. Hälfte der S.-Grenze stösst er an die Kantone Thurgau
und Zürich
an. Nach langem
Rechtsstreit gegen den Kanton Zürich
ist dem Kanton Schaffhausen
durch bundesgerichtliches Urteil vom das Hoheitsrecht über
den ganzen Stromlauf des Rhein von der Büsingergrenze an bis zum Urwerf unterhalb der Stadt Schaffhausen zugeschieden worden;
die genaue Festsetzung dieser Kantonsgrenze ist durch Staatsvertrag zwischen den Kantonen Zürich
und Schaffhausen
vom erfolgt. Dagegen
ist der Grenzstreit über die Strecke vom Urwerf bis zur Landesgrenze unterhalb des Rheinfalles zur Zeit noch nicht erledigt.
2. Die Steiner Parzelle (31,36 km2) beginnt am Ausfluss des Rhein aus dem Untersee und umfasst den w. Teil des Schienerberges,
das untere Biberthal und den ö. Abfall des Staffelwaldes und Rauhenberges. Sie ist vom Hauptteil des
Kantons getrennt durch einen Fuss, den das Grossherzogtum Baden bei Gailingen gegenüber Diessenhofen
an den Rhein setzt. Mit dem Weiler
und der Kirche Burg gegenüber Stein
greift der Kanton Schaffhausen
auf das linke Rheinufer hinüber; dieses kleine linksufrige Gebiet zwischen den
thurgauischen Dörfern Untereschenz, Kaltenbach und Wagenhausen umfasst etwa 0,7 km2. Unterhalb dieser
Stelle bildet der Rhein die S.-Grenze gegen den Kanton Thurgau;
im W., N. und O. grenzt die Steiner Parzelle, in welcher ausser dem malerischen
Städtchen Stein
a. Rh. (mit Burg) die DörferHemmishofen, Ramsen und Buch liegen, an das Grossherzogtum Baden.
3. Die Parzelle Rüdlingen-Buchberg, der kleinste und abgelegenste Gebietsteil des Kantons (11,72 km2), liegt im Rheinknie
gegenüber der Tössmündung. Hier bildet der Rhein die Grenze im O. und SW., vom zürcherischen Dorfe Ellikon an der Thurmündung
bis zum WeilerOberried kurz oberhalb des Städtchens Eglisau; nach N. ist die Parzelle begrenzt durch das
zürcherische Rafzerfeld und eine kleine badische Strecke mit dem Dörfchen Nack gegenüber Ellikon. In ihr liegen die DörferRüdlingen und Buchberg und erheben sich die Höhen des Hurbig (548 m) und der Hohenegg (518 m). Bei dieser starken Zersplitterung
hat der kleine Kanton Schaffhausen
die verhältnismässig sehr lange Grenzlinie von gegen 200 km, die mit Ausnahme der
Wassergrenze des Rheinlaufes, einer Strecke an der Wutach im W. und des Kammes einiger Höhenzüge künstlich festgesetzt ist.
[Prof Dr. K. Henking.]
Orographie.
Den Grundstock des ganzen Gebietes bildet der dem Juragebirge angehörige Randen, der im O. und S. vom
schweizerischen Molasseland umsäumt ist. Sein Plateau erreicht im N. 914 m; von hier senkt er sich nach O. und S. mit mässigem
Gefälle, während er gegen das Wutachthal eine sehr steile Böschung bildet. Dieses einheitliche Gepräge wird vielfach
gestört durch verhältnismässig
¶
Aber auch das Molasseland im O. ist ganz erheblich zerschnitten. Während das flache Rheingelände bei
Stein und das untere Biberthal auf eine ziemlich weite Strecke eine Höhe von 410 bis 420 m einhalten, erhebt sich der prächtig
gelegene Hohenklingenberg auf 597 m, der Wolkenstein auf 592 m, und n. von Oberwald wird sogar eine Höhe
von 688 m erreicht. Dabei bricht dieser ganze, dem Schienerberg angehörige Molasseblock sehr scharf gegen die Thalsohle
des Rhein, der Biber und der Aach ab. An und auf einem ähnlichen Molassehügel liegt die Enklave RüdlingenBuchberg.
Sein Fuss ist am breitesten bei Rüdlingen; gerade hier hat aber die erodierende Tätigkeit des Rhein eingesetzt,
und nur durch umfassende Verbauungen wurde es möglich, die völlige Abtragung dieser Terrasse zu verhindern. Im Gebiet des
Jura bekommen die Geländeformen auch dadurch einen eigenartigen Charakter, dass die Thäler beim Austritt aus dem Randen oft
sich verzweigen. So werden jene wallartigen Höhen abgegrenzt, durch welche der Randen sich allmählig
gegen den Rhein abstuft, und so entsteht auch der mehr oder weniger deutliche Gefällsbruch der Thalsohle, wie er im Biberthal
bei Thaingen, im Merishauserthal bei der LängenbergerZiegelhütte und unten im Hemmenthalerthal (Hauenthal) vorhanden ist.
Geologie
Das alt anstehende Gestein ist grossenteils marines Sedimentgebirge; im O. und im S. kommt Sediment aus
süssem Wasser (Obere Süsswassermolasse) hinzu, und im Gebiet des Rheinthales bis zu Höhen von 500-600 m ist die heutige Beschaffenheit
der Bodenoberfläche das Werk glazialer Ablagerungen. Im W. setzt die Schichtenfolge mit der Trias und zwar mit der Anhydritgruppe
ein. Diese ist hier durch die ausgedehnten und mächtigen Gipslager von Schleitheim bekannt. Auch der
sie überdeckende Hauptmuschelkalk ist noch auf die Gemarkung Schleitheim beschränkt, während dem Keuper schon viel grössere
horizontale Ausdehnung zukommt, indem er auch am Hallauerberg noch vollkommen ausgebildet ist.
Die Juraformation weist im W. ihre sämtlichen Horizonte auf, während im Merishauserthal nur noch die
obern Schichten des Dogger und des Malm erscheinen und im Biberthal sogar nur der obere Malm zu Tage tritt. Wie überall
in der N.-Schweiz fehlt auch hier die Kreideformation. Somit bilden also Malmkalke die Bodenoberfläche des Randen, der auch
fetzenweise mit Tertiärgebilden von verschiedenem Alter und verschiedener Beschaffenheit überlagert
sein kann. So findet sich marine Molasse als Grobkalk (Muschelsandstein) bei Altorf (hart an der badischen Landesgrenze) und
eine gleichaltrige, wenig mächtige Ablagerung auf dem Buchberg bei Merishausen.
Auch Süsswassermolasse fehlt nicht ganz auf diesen Höhen und findet sich z. B. bei Büttenhard. In grösserer Mächtigkeit
werden anderwärts die Malmkalke von Bohnerz und Juranagelfluh überdeckt. Bohnerz und der zugehörige
Erzlehm finden sich auf den Höhen von Stetten und Lohn, sowie auf dem das Klettgau auf seiner S.-Seite begleitenden Hügelzug
(Laufenberg, Hemming,
Rossberg etc.). Ansehnliche Massen von teils loser, teils mehr oder weniger fest verkitteter Juranagelfluh
treten im obern Biberthal, auf dem Reiat selbst und stellenweise auch auf dem Hochranden auf.
Ist man nun schon geteilter Meinung darüber, ob diese Juranagelfluh aus dem Jura der W.-Schweiz stamme oder aber ein Abschwemmungsprodukt
einer einst den Schwarzwald überlagernden und heute dort vollständig verschwundenen Juradecke bilde, so weiss man noch
viel weniger über die Herkunft der sog. tertiären Quarzite. Diese erscheinen gewöhnlich erbsen-, bohnen-
bis nussgross, gleichmässig aufgestreut auf dem Klosterfeld, viel reichlicher und mit faustgrossen Knollen untermischt im
Klosterhau und auf dem Hägliloh. Besonders zahlreich finden sich aber grössere Gerölle derselben mit Malmbrocken vermengt
auf dem Reiat (so um Büttenhard), wo sie neuerdings zur Gewinnung eines ausgezeichneten Schottermaterials
gesammelt werden.
Dieses lange geologische Zeiträume repräsentierende gesamte Gesteinsmaterial hat nun selbstverständlich im Laufe der Zeit
ebenfalls an den Lagerungsänderungen teilnehmen müssen, die man von nähern und entferntere Partien der Erdkruste kennt.
Namentlich jene der mittlern Tertiärzeit angehörige mächtige Bewegung, die im S. zur Auftürmung der
Alpen und im W. zu den gewaltigen Schichtenstörungen im sogenannten Kettenjura führte, kann auch am Randen nicht spurlos
vorübergegangen sein.
Aber hier klingt sie förmlich aus und bewirkt blos ein ziemlich gleichmässiges Fallen des ganzen Schichtensystems gegen
SO. um einen Winkel von 3-10°. Im N. und O. kam es dagegen zu einem gewaltigen, von einem bedeutenden
Absinken des n. und ö. Flügels begleiteten Bruch, der sog. Biberthalverwerfung. Sie ist am leichtesten zu erkennen auf der
Strecke vom Kesslerloch bei Thaingen durch das Biberthal bis Opfertshofen. Weiter kann man sie dann über Bargen, den Klausenhof
etc. nordostwärts verfolgen, anderseits wird man mit ihr aber auch das Verschwinden des Malm ö. vom
Fulachthal in Verbindung bringen und ihre Fortsetzung s. bis in den Rhein unterhalb der Rheinbrücke bei Schaffhausen
und westwärts bis
gegen die Lägern annehmen müssen.
Jenseits dieser Verwerfungslinie tritt die Molasse an die Stelle der Juraformation des Randen und zwar
die Obere Süsswassermolasse vom Biberthal bis an den Schienerberg; bei Rüdlingen und Buchberg gesellen sich ihr auch noch
ältere Stufen bei. Für das ganze unterhalb 600 m gelegene Areal bildet alpines Gesteinsmaterial die Bodenoberfläche. Seine
Mächtigkeit schwankt von kaum 1 dm (Fulachthal ö. von Thaingen, Kleiner Buchberg) bis 100 und mehr Meter
(Emmersberg und Enge bei Schaffhausen).
Es besteht aus feinem Lehm (in der Thalsohle), Sand und Kies.
Der letztere schwankt ausserordentlich in der Grösse des Kornes und ist bald lose, bald mehr oder weniger fest verkittet.
Findlinge von 1 bis 60 m3 Grösse sind nicht selten. Nach Entstehungsweise und Alter bieten diese diluvialen
Ablagerungen eine Mannigfaltigkeit, wie sie auf einem Terrain von so geringer Ausdehnung nicht grösser sein könnte. Mächtige
Grund- und Endmoränen sind ebenso typisch ausgebildet wie vollkommen geschwemmter Flussschotter. Die erste (älteste)
Vergletscherung, die sonst nicht so leicht zu konstatieren ist, findet sich in ausgezeichneter Weise
vertreten auf dem Neuhauserwald (älterer Deckenschotter);
die dritte
oder grosse in der mit Löss bedeckten Terrasse, die sich von Beringen über Löhningen und den Schmerlat
¶
mehr
ins untere Klettgau erstreckt, sowie in der Nagelfluh am rechten Hang des Rheinfallbeckens bis gegen das Schlösschen Wörth;
die vierte oder letzte durch die übrigen diluvialen Sand- und Kiesablagerungen unterhalb 550 m Meereshöhe. Der letzten Interglazialzeit,
d. h. der eisfreien Zeit zwischen der dritten und vierten Vergletscherung, gehören die Kalktuffe bei
Flurlingen an. Sie liegen allerdings auf zürcherischem Boden, sind aber mit dem Diluvium Schaffhausens so eng verbunden, dass
man sie immer mit diesem erwähnen wird. Die Lehmaufschwemmungen im Biberthal, im untern Merishauserthal und im obern Klettgau
sind postglazial, ebenso die Schutthalden an den Randenhängen und die Schuttkegel, welche von Runsen
und Seitenthälern des Randen aus in die Hauptthäler eingebaut sind, sowie endlich auch die durch Abwitterung entstandenen
Haufen von Gesteinstrümmern am Fuss einzelstehender Felsen (Schweizersbild) und in der Sohle von Höhlen (Dachsenbühl, Kesslerloch).
Hydrographie.
Die grösste Bedeutung kam von jeher und kommt immer mehr dem Rhein zu. Als grossartige Naturschönheit
im Landschaftsbild, als billige Verkehrsstrasse und als ausgibige Kraftquelle kommt sein Einfluss zu vielseitiger Geltung.
Sein Wasser zeichnet sich durch einen hohen Grad von Reinheit aus; sein Kalkgehalt entspricht nur 12,5 Härtegraden, und seine
Temperatur schwankt zwischen 5° und 21° C. Seine Zuflüsse vom Schaffhauser Gebiet her sind naturgemäss
nur unbedeutend, da das Sammelgebiet bei übrigens vollkommen normaler Wasserzirkulation zu klein ist.
Das in den Boden eindringende meteorische Wasser erfährt überall vorzügliche Leitung und Filtration, und zwar sowohl in den
zerklüfteten Kalken des Malm als in den lockern Kiesen des Deckenschotters auf den Molassehöhen. Die beiden Leitgesteine
liegen auf undurchlässigem Mergel und Ton: jene auf Dogger und diese auf Molasse. So entstehen fast
für den ganzen Kanton geologisch scharf bestimmte Quellenhorizonte, die dann auch in den letzten Jahrzehnten sorgfältig
ausgenutzt wurden. Im leitenden Gestein selbst übte das Wasser stets eine beträchtliche lösende Wirkung aus, wodurch Spalten
zu Klüften und diese zu unregelmässigen Höhlen erweitert wurden.
Für gewöhnlich bleiben uns diese Hohlräume verborgen. Zur Eiszeit aber, als gewaltige Gletscherbäche die vorhandenen
Thäler vertieften und erweiterten und neue ausschwemmten, wurden manche dieser Höhlen freigelegt, so das Kesslerloch bei Thaingen,
der Dachsenbühl beim Schweizersbild, die Teufelsküchen im Mühlenthal und oberhalb Beringen. Auch bei Strassenbauten,
Wasserfassungen und dergl. können solche Höhlen angeschnitten werden (Wippel bei Thaingen, Büttenhard).
Beide, Grundwasser und Bach, bleiben den grössten Teil des Jahres neben einander bestehen. Wenn dann
aber im Hochsommer der Erguss des
Quellgebietes immer mehr abnimmt, so wird der Bach um so bälder verschwinden, je kleiner
sein Einzugsgebiet und je grösser die Schuttmasse in der Thalsohle ist. Es ist dann also nur noch Grundwasser
vorhanden, welches aber seiner Beständigkeit wegen vortreffliche Dienste leisten kann. Mit gutem Erfolg wird es benutzt
im obern Fulachthal bei Thaingen, im Merishauserthal, sowie im alten Rheinkies bei Schaffhausen
und Neuhausen (Rheinfall).
Auf diese Weise sind jetzt die meisten Gemeinden des Kantons, Schaffhausen
nicht ausgenommen, mit Quell- oder Grundwasser gut
versehen, während die Versorgung einiger hoch gelegenen Gemeinden des Reiat noch zu wünschen übrig lässt, da sie allzu
schwierig durchführbar ist. Vergl. Meister, J. Eine geolog. Skizze über denKanton Schaffhausen.
Schaffhausen
1892; Meister, J. Neuere Beobachtungen ausden glazialen und postglazialen Bildungen umSchaffhausen.
Schaffhausen
1898.
[Prof. J. Meister.]
Klima.
Das Randengebiet gehört trotz seiner nicht unbedeutenden Erhebung zu den niederschlagärmsten Gegenden der Schweiz, da es
im Regenschatten des höheren Schwarzwaldes liegt. Es betragen die jährlichen Niederschlagsmengen (1864-1903) für
Auch die Zahl der Tage mit Niederschlag ist relativ klein: Schaffhausen
144 im Jahr gegenüber 158 in Zürich.
Ueber die andern
klimatischen Faktoren geben Auskunft die meteorologischen Stationen Schaffhausen,
Unter Hallau und Lohn. Die Temperaturmittel (1864-1900)
derselben sind folgende:
Schaffhausen
ist verglichen mit anderen Stationen der gleichen Höhenlage im Sommer kühl; der tägliche Temperaturgang
zeigt, dass dies auf Rechnung der ausgedehnten Waldungen seiner Umgebung zu setzen ist. Die Temperaturmittel von Hallau lassen
eine ausgesprochene Begünstigung dieses durch die Produkte seines Weinbaues berühmten Ortes direkt nicht nachweisen; immerhin
kann man sagen, dass ausser dem dem Rebbau zusagenden Boden die Exposition der nach S. offenen Mulden
von Hallau von Bedeutung ist. Das auf einem Plateau gelegene Lohn ist - seine Seehöhe berücksichtigt - ziemlich mild; die
östl. Partien des Randen, der sog. «Reiat», erlauben, im Gegensatz zu den höheren, bewaldeten
Partien im W., den Ackerbau.
Kanton.Landwirtschaft. Der Kanton Schaffhausen
ist nun auch unter die Kantone getreten, die dem
landwirtschaftlichen Bildungswesen besondere Aufmerksamkeit schenken. Im
Herbst 1908 konnte in Schaffhausen
eine landwirtschaftliche Winterschule
mit 34 Schülern eröffnet werden. Sie hat den Anfangskurs gut bestanden, und es ist zu erwarten, dass durch sie erfüllt
werde, was der Regierungsrat in seinem Berichte über die Errichtung der Schule hoffnungsfreudig aussprach:
«Möge die Schule für unsern Staatsverband, wo derzeitig noch manche schwere
Sorge lastet, zu einem Segen werden, der tiefgehend für alle Generationen nachzuwirken vermag.»
Gewerbe und Industrie.
Am nahm das Volk des Kantons Schaffhausen
ein «Gesetz betreffend Beschaffung
und Verteilung elektrischer Energie» an, das die Regierung beauftragte, mit der A. G. Motor in Baden
einen Vertrag auf 10 Jahre
abzuschliessen, über Lieferung elektrischen Stroms und diesen durch ein Verteilungsnetz im ganzen Kanton abzugeben zur Erzeugung
von Licht und Kraft für Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft. Es wurde sofort ein «Elektrizitätswerk
des Kantons Schaffhausen"
gegründet und die Ausführungsarbeiten energisch gefördert. Am Galgenbuck bei Neuhausen entstand die Haupttransformatoren-
und Verteilungsstation, bis zu welcher der «Motor» den elektrischen Strom mit 25000 Volt Spannung liefert, und von wo er durch
verschiedene Hauptleitungen im ganzen Kanton verteilt wird. Bis jetzt sind, bis auf einige kleinere Dörfer
auf dem Reiath,
fast alle Gemeinden des Kantons an das Netz angeschlossen; dazu haben sich verschiedene Ortschaften im Thurgau,
besonders
aber das ganze benachbarte Gebiet des Grossherzogtums Baden
als Stromabnehmer aufgetan.
Die Landwirtschaft überwiegt, aber doch erreicht der in ihr tätige Teil der Bevölkerung nicht die Hälfte der Erwerbstätigen.
Von den Betrieben sind insgesamt 2163 Alleinbetriebe, und zwar entfallen davon nur 508 auf die Landwirtschaft, aber 1061 auf
die Industrie, 371 auf den Handel. Der Anteil der Frauen in den Betrieben beträgt 37,4%, d. h. verhältnismässig
weniger als in der gesamten Schweiz. Der Kanton weist auf 100 Ew. 58,2 Betriebstätige auf, also verhältnismässig viele
(der schweizer. Durchschnitt ist nur 53,5); eine Erscheinung, die auf die starke Verbreitung industrieller und landwirtschaftlicher
Tätigkeit zurückzuführen ist.
Man sieht sofort, dass die Metallindustrie stark hervortritt. Es verbergen sich in den Zahlen die Arbeiter der grossen Fabriken
in Schaffhausen-Neuhausen: 18 Fabriken mit 2680 Arbeitern in der Eisengiesserei und Maschinenfabrikation
und 7 Fabriken der Uhrenfabrikation mit 262 Arbeitern. In der Kleinmechanik gab es 6 Betriebe mit 158 Personen, in der Aluminiumindustrie 1 Betrieb
mit 225 Personen. Es entfallen ferner auf Drahtflechterei, Ketten- und Nägelfabriken und ähnliches 3 Betriebe mit 122 Personen,
auf Gold- und Silberarbeiten, Schmucksachen etc. 4 Betriebe mit 164 Personen, Waffenfabrikation 2 Betriebe
mit 257 Personen. Alles exportiert, sei es nach den übrigen Kantonen, sei es nach dem Ausland.
Die
übrigen Zweige gehen nicht über das normale Mass hinaus und dienen meist lokalem Bedarf. Textilindustrie. Auch hier
treten wenige, aber grosse Exportbetriebe hervor, so u. a. Baumwollspinnerei u. Wollefabrikation 7 mit 132 Personen (davon 102 weibl.);
Wollspinnerei und Weberei etc., 5 mit 655 Personen (davon 461 weibl.).
Kleidung und Putz. Die Besetzung ist die übliche. Es beschäftigen die
Es waren Erwerbstätige in der öffentlichen Verwaltung (soweit sie erwerbend ist) 17 Personen, in Rechtspflege 18,
Gesundheitspflege 166, Unterricht und Erziehung 34, in Künsten 22.
Heimarbeit. Die Zahl der Heimarbeiter ist gering: 97 in 83 Betrieben, alle tätig in den gewöhnlichen Erwerbsbranchen. Der
Kanton steht in dieser Beziehung im 23. Rang unter allen schweizer. Kantonen.
¶
mehr
Hausierhandel. In 51 Betrieben waren 54 Personen tätig.
Allgemeines. Von 100 Personen der Bevölkerung waren tätig
Die Einwohnergemeinde Schaffhausen
beschloss die Erweiterung der
Wasserwerke im Rhein in dem Sinne, dass ihnen eine hydraulische Akkumulatorenanlage angegliedert wurde. Zu Zeiten kleinen
Kraftbedarfes, namentlich bei Nacht, wird durch die verfügbaren Kräfte Rheinwasser in ein im Engewald, etwa 150 m über
dem Rhein gelegenes Hochreservoir gepumpt, das dann zu Zeiten grosser Kraftbedarfes auf Hochdruckturbinen geleitet
und nutzbar gemacht werden kann.
Ferner hat sie nordöstl. der Stadt eine Ebene, den «Ebnat» angekauft, die durch den bis jetzt
den Geschäften in Schaffhausen
vollkommen fehlenden Bahngeleiseanschluss in ein Industrie- und Handelsquartier umgestaltet werden soll.
Nach der Viehzählung von 1896 gab es 972 Pferde,
[* 28] 11654 Rinder,
[* 29] 11118 Schweine,
[* 30] 4505 Ziegen und 2427 Bienenstöcke. 1894 wurden
in der Fischzuchtanstalt des Kantons eingesetzt 631840
¶