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Ethos ist der Ansicht, dass sich der Klimabericht von Holcim so weit verbessert hat, dass er in diesem Jahr genehmigt werden kann. Das Unternehmen berücksichtigte im Wesentlichen die Kritik, die Ethos im vergangenen Jahr bei der gleichen Abstimmung geäussert hatte. Ethos wird ihren Standpunkt im nächsten Jahr neu festlegen, und zwar auf der Grundlage der Fortschritte, die das Unternehmen in Klimabelangen erzielt oder nicht. Hingegen empfiehlt Ethos, den Vergütungsbericht sowie die Vergütung der Geschäftsleitung abzulehnen.
Im Gegensatz zum letzten Jahr empfiehlt Ethos, den Klimabericht von Holcim an der Generalversammlung, die heute Donnerstag in Zug stattfindet, zu genehmigen (Traktandum 8). Zum zweiten Mal legt Holcim nun den Aktionärinnen und Aktionären seine Klimastrategie zur konsultativen Abstimmung vor. Mit dieser Strategie will das Unternehmen sein Netto-Null-Ziel für Treibhausgasemissionen erreichen, das es sich für 2050 gesetzt hat. Ethos hatte im Jahr 2020 eine entsprechende Forderung gestellt.
An der Generalversammlung 2022 hatte Ethos empfohlen, den Klimabericht abzulehnen. Ethos war der Meinung, dass die Reduktionsziele von Holcim für seine CO2-Emissionen nicht hinreichend ambitioniert und nicht auf eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5°C ausgerichtet waren. In diesem Jahr stellt Ethos fest, dass Holcim, der weltweit grösste Zementhersteller und einer der wichtigsten industriellen CO2-Emittenten, auf mehrere der im letzten Jahr geäusserten Anliegen eingegangen ist:
- Holcim verstärkte seine Reduktionsziele. Diese sind jetzt mit dem Szenario einer auf 1,5°C begrenzten globalen Erwärmung vereinbar und wurden von der «Science-Based Target initiative» validiert;
- Holcim veröffentlicht erstmals seine sämtlichen indirekten Treibhausgasemissionen (Scope 3). Diese stehen im Zusammenhang mit seinen Investitionen und Beteiligungen an Joint Ventures. Sie machen 17% der Gesamtemissionen des Konzerns aus;
- Ein wichtiger Teil der Klimastrategie von Holcim beruht auf Technologien zur Kohlenstoffabscheidung und -speicherung. Das Unternehmen veröffentlicht nun erstmals die bis 2030 in diesem Bereich geplanten Investitionen und das damit verbundene Abscheidungspotenzial (5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr);
- Auch weitere Informationen wurden in diesem Jahr zum ersten Mal offengelegt: zum Beispiel die Höhe der Scope-3-Emissionen für das Referenzjahr (2020), auf denen die Reduktionsziele beruhen, sowie eine Schätzung des Beitrags jeder umgesetzten Massnahme zur Reduktion der CO2-Emissionen.
Ethos ist sich der Affären und Umweltskandale bewusst, die dem Ruf des Konzerns in den letzten Jahren schadeten. Seit vielen Jahren führt sie einen regelmässigen Dialog mit Holcim, mit dem Ziel, das Unternehmen dazu zu bewegen, sich zu verbessern und die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Das Traktandum, das dem Aktionariat zur Genehmigung unterbreitet wird, betrifft jedoch die Zukunft und die Strategie von Holcim zur Erreichung seines Netto-Null-Ziels. Angesichts der Bemühungen um Transparenz und der Verbesserungen der Klimastrategie des Unternehmens ist Ethos der Ansicht, dass dem Klimabericht in diesem Jahr zugestimmt werden kann.
Im kommenden Jahr wird Ethos jedoch prüfen, ob das Unternehmen Fortschritte gemacht hat oder nicht und ihren Standpunkt entsprechend neu festlegen. Der Sinn der jährlichen Abstimmung besteht darin, den Aktionärinnen und Aktionären die Möglichkeit zu geben, jedes Jahr die Glaubwürdigkeit und Wirksamkeit der eingeführten Massnahmen zu überprüfen. So können sie auch gegebenenfalls den Druck auf die Führungsinstanzen des Unternehmens erhöhen, um diese dazu zu drängen, weitergehende Massnahmen zu treffen.
Ethos fordert Holcim insbesondere auf, sich Reduktionsziele für seine Emissionen im Zusammenhang mit seinen Joint Ventures zu setzen, namentlich mit Huaxin Cement. Ethos wird somit ihren Dialog mit dem Unternehmen fortsetzen und ihm weiterhin ihre Anliegen vortragen.
Zu hohe Vergütungen
Ethos empfiehlt hingegen, den Vergütungsbericht (Traktandum 1.2) und den für die Vergütung 2024 der Geschäftsleitung vorgesehenen Betrag abzulehnen (Traktandum 6.2). Ethos ist der Meinung, dass die Höhe der variablen Vergütung unangemessen ist. Für den CEO beträgt sie für das Jahr 2022 nämlich das 4,5-fache des Basislohns. Zudem vertritt Ethos die Ansicht, dass die ökologischen Leistungskriterien, die bei der Berechnung des Bonus berücksichtigt werden, nicht ausreichend ambitioniert sind.
Was schliesslich die Nachfolge für das Präsidium des Verwaltungsrats betrifft, so dankte Ethos heute dem scheidenden Präsidenten Beat Hess für den guten Dialog. Zudem hob Ethos die Verbesserungen hervor, die während seines Präsidiums bezüglich Corporate Governance sowie Umwelt- und Sozialverantwortung des Unternehmens erzielt wurden.
Ethos nahm die vorübergehende Kumulation der Ämter von Präsident und CEO zur Kenntnis. Diese werden ab heute von Jan Jenisch wahrgenommen. Ethos bedauert zwar diese Ämterkumulation, die auf eine unzureichende Planung durch den Verwaltungsrat schlies-sen lässt. Sie vermerkt aber, dass sich das Unternehmen verpflichtet hat, diese Ämterkumu-lation innerhalb der nächsten zwölf Monate aufzuheben, sobald ein neuer CEO ernannt wird. Daher konnte Ethos die Wahl von Jan Jenisch zum neuen Verwaltungsratspräsidenten unterstützen.