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Bière
(Kt. Waadt,
Bez. Aubonne).
705 m. Gem. und Pfarrdorf, 23 km w.
Lausanne und 6,5 km nw.
Aubonne auf einem bis
zum O.-Fuss des
Mont-Tendre reichenden
Plateau gelegen. Seit 1895 Endstation der Linie
Morges-Bière, Knotenpunkt der
Strassen
nach
Gimel,
Rolle,
Aubonne,
Morges und
L'Isle. Postwagen nach
Gimel und
Montricher. Wichtiger eidgenössischer Waffenplatz. Postbureau,
Telegraph, Telephon. Gemeinde: 201
Häuser, 1271 reform. Ew.; Dorf: 168
Häuser, 1089 Ew. Töpferei und
Ziegelei,
Sägen und
Mühlen. Kalksteinbrüche.
Ca. 60
Häuser gehören Ortsfremden. Altes
Schloss. 1705 grosse Feuersbrunst.
Der an den Jurahängen liegende Teil der Gemeinde ist mit
Weiden und
Wald bestanden, während das mit Moränen bedeckte
Plateau
Wiesen und Felder trägt. S. des Dorfes, zwischen dem
Toleure und der
Aubonne, die sogenannte
Champagne,
eine grosse, ebene und unfruchtbare Terrasse; dient schon seit langer Zeit als kantonaler, dann als eidgenössischer Waffenplatz.
Das erste Truppenlager sah
Bière 1822; die heutigen grossen Kasernenanlagen stammen aus den Jahren 1865/70. Das Exerzierfeld
umfasst 180 ha, wovon 3/5 der Gemeinde
Bière und 2/5 dem Staate Waadt
und der Eidgenossenschaft gehören.
Mit einer Schussweite von bis auf 4000 m bleibt man immer noch innerhalb der Grenzen des
Feldes. In seiner O.-Hälfte finden
sich kreisrunde Schlammsprudel, bonds genannt, die schlammiges
Wasser und im Frühjahr zuweilen auch eigentlichen Schlamm
ausstossen. Während der trockenen Jahreszeit sind die Ausgänge dieser intermittierenden Quellen mit einer Kruste von trockenem
Thonschlamm verschlossen. Zur Zeit der Schneeschmelze sprengt der Druck des unterirdischen Wassers diese Decken und die in
Thätigkeit tretenden Sprudel werfen ihr Schlammwasser aus, dessen getrockneter Absatz zur Ziegelfabrikation verwendet wird.
Nicht weit des Dorfes die Quelle der
Aubonne; der
Toleure schwillt zur Zeit der Schneeschmelze im
Jura,
durch
eine periodische Quelle verstärkt, zu einem wasserreichen
Wildbach an.
Bière, mittellatein. beria = Ebene, ist ein
ehemaliges Augustinerpriorat, das im 13. Jahrhundert gegründet und zur Reformationszeit von den Bernern aufgehoben wurde.
Das
Schloss gehörte im 15. und 16. Jahrhundert der Familie Mestral und zu Ende des 18. Jahrhunderts
dem
Baron
Necker von
Coppet. Nahe dem Dorfe sind Reste einer ehemaligen römischen Niederlassung gefunden worden (Mauern und
Ziegel); prähistorische Erdwälle, Burgunderfriedhof etc. Fund eines Schalensteins in der
Schlucht des
Toleure. Römische
Votivtafel der Caesia Vegeda auf Apoll. Der Weg nach L'Étraz ist eine alte
Römerstrasse. Auf dem
Crêt de
Ferney hat man schon im 18. Jahrhundert Steinplattengräber mit Skeleten, Schmucksachen,
Vasen und römischen Münzen entdeckt.