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Flusspferd
Hippopotamus amphibius
© 2007 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)
FDC Artwork © Owen Bell
Das gewöhnliche Flusspferd (Hippopotamus amphibius), auch «Grossflusspferd» oder «Nilpferd» genannt, und sein kleiner Bruder, das Zwergflusspferd (Hexaprotodon liberiensis), sind die beiden einzigen lebenden Vertreter der Familie der Flusspferde (Hippopotamidae). Sie stehen innerhalb der Klasse der Säugetiere (Mammalia) nicht - wie man aus ihrem Namen schliessen könnte - den Pferden nahe, sondern gehören zusammen mit den Schweinen, Kamelen, Hirschen, Antilopen, Rindern und weiteren Formen zur grossen Ordnung der Paarhufer (Artiodactyla).
Nach dem Afrikanischen Elefanten, dem Asiatischen Elefanten und dem Breitmaulnashorn gilt das gewöhnliche Flusspferd als das viertgrösste Landsäugetier unseres Planeten. Bei den erwachsenen Männchen bemisst sich die Kopfrumpflänge im Allgemeinen auf 320 bis 420, bei den Weibchen auf 280 bis 370 Zentimeter; das Gewicht beträgt bei den Männchen gewöhnlich zwischen 2 und 3, bei den Weibchen zwischen 1,5 und 2,5 Tonnen. Die Schulterhöhe liegt bei beiden Geschlechtern zwischen 130 und 160 Zentimetern.
Das Verbreitungsgebiet des Flusspferds erstreckt sich über weite Bereiche Afrikas südlich der Sahara. Zum Leben braucht es eigentlich nur zwei Dinge, allerdings ganzjährig: Gras zum Essen und Wasser zum Ruhen. Innerhalb seines Verbreitungsgebiets findet man es deshalb überall dort, wo Flüsse, Seen und Sumpfgebiete von Grasländern umsäumt sind, das heisst in mehr oder weniger offenen Savannenlandschaften. Die grössten Flusspferdebestände finden sich im Osten Afrikas - in Uganda, Kenia, Tansania, Mosambik und Sambia.
Von den übrigen Paarhufern unterscheidet sich das Flusspferd (wie auch das Zwergflusspferd) dadurch, dass es kein echtes Landtier ist, sondern einen beträchtlichen Teil seines Lebens im Wasser verbringt. An diese «amphibische» Lebensweise ist es in vieler Hinsicht gut angepasst. Beispielsweise vermag es seine Nasenöffnungen und Gehörgänge durch besondere Muskeln zu verschliessen, so dass beim Untertauchen kein Wasser eindringen kann.
Meistens verbringt das Flusspferd den ganzen Tag im Wasser und ruht. Erst nach Sonnenuntergang verlässt es das kühle Nass und wandert - oft mehrere Kilometer weit - auf gewohnten, ausgetretenen Pfaden zu seinen Weideplätzen. Dort verbringt es die Nacht gemächlich grasend und kehrt oftmals erst kurz vor der Morgendämmerung wieder zu seinem Gewässer zurück. Je Nacht nimmt ein erwachsenes Flusspferd ungefähr 30 bis 40 Kilogramm Gras zu sich. Dies ist im Verhältnis zu seinem Körpergewicht eine überraschend geringe Nahrungsmenge, reicht aber für seinen recht trägen, Energie sparenden Lebensstil offensichtlich aus.
Das Flusspferd lebt gewöhnlich gesellig in Gruppen von ein paar wenigen bis über hundert Individuen. Typischerweise setzen sich diese aus einem dominanten, territorialen Männchen und ein paar Weibchen mit ihren abhängigen Jungtieren zusammen. Es gibt aber auch gemischtgeschlechtliche Gruppen, Junggesellentrupps und Einzelgänger. Die Jungen kommen nach einer Tragzeit von etwa 230 Tagen zumeist als Einzelkinder zur Welt. Bei der Geburt, welche an Land wie im Wasser stattfinden kann, wiegen sie gewöhnlich zwischen 40 und 50 Kilogramm. Im Alter von vier bis sechs Monaten beginnen sie, feste Nahrung zu sich zu nehmen. In der freien Wildbahn können Flusspferde ein Alter von ungefähr vierzig Jahren erreichen.
Anlässlich einer 1993/1994 durchgeführten wissenschaftlichen Erhebung wurde die Grösse der Flusspferdpopulation im gesamten Verbreitungsgebiet auf ungefähr 160 000 Individuen geschätzt. 1996 wurde die Art darum von der Weltnaturschutzunion (IUCN) als nicht in ihrem Fortbestand gefährdet eingestuft. Lediglich zehn Jahre später (2003/2004), wurde anlässlich einer weiteren Erhebung festgestellt, dass der Gesamtbestand auf unter 150 000, möglicherweise sogar auf unter 130 000 Individuen gesunken war. Die IUCN setzte das Flusspferd darum 2005 als «Verwundbar» auf die Rote Liste.
Eine Hauptursache für den Bestandsrückgang ist die massive Bejagung des Flusspferds, um einerseits sein Fleisch für den Verzehr und andererseits sein Elfenbein (aus den dolchartigen Unterkiefer-Eckzähnen) für die Herstellung von Schmuck und Zierrat zu gewinnen. Die Nachfrage - vor allem aus Japan und China - nach Flusspferd-Elfenbein ist massiv gestiegen, seit 1989 der Export von Elefanten-Elfenbein afrikaweit unterbunden wurde.
Der andere hauptsächliche Faktor für den Schwund der Flusspferdebestände heisst Lebensraumverlust. Die Nutzung und Erschliessung der Süssgewässer nimmt in ganz Afrika ständig zu, führt unweigerlich zu Konflikten zwischen dem Menschen und den mächtigen Säugetieren, und hat deren Verdrängung zur Folge.
Grössere Flusspferdebestände überleben heute vornehmlich noch in Naturschutzgebieten. Wenn sich der WWF seit vielen Jahren unermüdlich für die Errichtung und den Unterhalt grossflächiger Reservate einsetzt, so kommt dies - neben vielen anderen Lebewesen - nicht zuletzt diesen imposanten Grosssäugern zugute.
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