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Die Massentierhaltung nutzt die natürlichen Ressourcen der Erde sehr ineffizient und verschmutzt Wasser und Atmosphäre. Die immensen Treibhausgasemissionen und die Rodung riesiger Waldflächen sind für den Klimawandel mitverantwortlich:
Die Welternährungsorganisation der UNO (Food and Agriculture Organisation, FAO) schätzt, dass die Massentierhaltung für 14,5 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Dies entspricht ungefähr den Gesamtemissionen des weltweiten Verkehrs. Das Treibhausgas Methan, das primär durch den Verdauungsprozess von Wiederkäuern wie Kühen, Ziegen und Schafen verursacht wird, ist dabei von besonderer Bedeutung. Einerseits verursacht es fast die Hälfte der Treibhausgasemissionen, die aus der Massentierhaltung resultieren. Andererseits ist seine erderwärmende Wirkung 25-mal stärker als diejenige von Kohlendioxid. Um die schlimmsten Auswirkungen der globalen Erwärmung zu verhindern, müssen die Treibhausgasemissionen ausgehend von den Emissionen im Jahr 2000 bis ins Jahr 2050 um mindestens die Hälfte reduziert werden. Die Verminderung der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung und die vermehrt pflanzliche Ernährung können einen erheblichen Beitrag zur Erreichung dieses Ziels leisten. Für die Schweiz haben Forscher der ETH ermittelt, dass die Verkleinerung der Tierbestände die Potenteste aller Massnahmen zur Reduktion der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen ist.
Die Überdüngung mit phosphorhaltigen Düngemitteln führte in verschiedenen Schweizer Seen zu einer starken Algenbildung und infolgedessen zum Tod vieler Fische aufgrund Sauerstoffmangels (“Fischsterben”). Zudem stammen die Hälfte aller Antibiotikarückstände und 37% der giftigen Schwermetalle aus der Nutztierhaltung. Die Wasserverschmutzung wird ausserdem durch die Futtermittelproduktion verursacht. Mehr als ein Drittel der Pestizide, die im Wasserhaushalt enden, kommen aus der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung.
Die landwirtschaftlich nutzbare Fläche, die für die Produktion einer Einheit Fleischprotein benötigt wird, ist 6 – 17 mal grösser als die Fläche für die Gewinnung einer Einheit Sojaprotein. Die Verfütterung von pflanzlichen Proteinen an Tiere zur Herstellung tierischer Produkte ist notwendigerweise ineffizient. Rund 70 % des gerodeten Regenwaldes im Gebiet des Amazonas werden aufgrund der Viehhaltung abgeholzt. Ein grosser Teil der übrigen 30 % dienen primär dem Anbau von Futtermitteln. Auch das in der Schweiz als Kraftfutter verabreichte Soja stammt zum grössten Teil aus dem Ausland. Insgesamt wird fast ein Drittel der Erdoberfläche für die Nutztierhaltung gebraucht. Das entspricht mehr als drei Vierteln des globalen Ackerlandes.
Die Produktion tierischer Produkte ist erheblich wasserintensiver als die Herstellung pflanzlicher Nahrungsmittel. Für die Produktion von 1 kg Rindfleisch werden im globalen Durchschnitt mehr als 15’000 l Wasser benötigt. Das entspricht fast 100 Badewannen. In niederschlagsarmen Regionen wird die Wasserknappheit durch die Produktion von Fleisch und Futtermitteln signifikant verschärft. Die Schweiz importiert pro Jahr rund eine Million Futtermittel und verschärft damit indirekt die Wasserknappheit in Entwicklungsländern.
Die Ressourcenineffizienz der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung ist nicht nur mit Blick auf den Klimawandel problematisch, sondern verursacht auch sozioökonomische Probleme, namentlich in den Bereichen Wasser- und Ernährungssicherheit. Als Folge davon verteuern sich die Weltmarktpreise für Grundnahrungsmittel. Der grossflächige Anbau von Futterpflanzen führt zudem zu einer Verdrängung kleinbäuerlicher Landwirtschaftsbetriebe. Diese Probleme scheinen besonders gravierend angesichts der weltweit nahezu 800 Mio. unterernährten Menschen, die fast ausschliesslich in sog. Entwicklungsregionen leben.
Die Berechnung des Selbstversorgungsgrades der Schweiz durch das Bundesamt für Statistik unterschlägt die enormen Futtermittelimporte der Schweiz. Der ausgewiesene Selbstversorgungsgrad reduziert sich ohne die importierten Futtermittel um fast 10 %, von 58% auf 50 %. Die Herstellung der 430’000 t Eiweissfuttermittel, die jährlich in die Schweiz importiert werden, beansprucht im Ausland eine Anbaufläche, die fast dem gesamten Schweizer Ackerland entspricht (250’000 ha bzw. 270’000 ha). Die Reduktion des Konsums tierischer Produkte kann die Versorgungssicherheit der Schweizer Landwirtschaft damit unmittelbar verbessern.
Der Verbrauch von tierischen Nahrungsmitteln hat in der Schweiz seit der Jahrtausendwende um etwa 60 % zugenommen. Um die Nachfrage zu decken, ist in derselben Periode (2000 – 2013) der Bestand der quantitativ bedeutendsten landwirtschaftlich gehaltenen Landwirbeltiere (Hühner, Rindvieh, Schweine, Schafe, Ziegen, Pferde) um fast die Hälfte gestiegen – Grund für den Gesamtanstieg ist das massive Wachstum des Hühnerbestandes, während alle anderen Tierbestände in der Tendenz abnehmen. Gleichzeitig ist die Anzahl der Landwirtschaftsbetriebe von ca. 70’000 auf etwa 55’000 zurückgegangen. Mithin werden heute pro Betrieb vielmehr Tiere gehalten als früher, was sich tendenziell zu Ungunsten des Tierwohls auswirkt. Bis zu 300 Mastkälber, 1’500 Mastschweine und 18’000 Lege- beziehungsweise (je nach Alter) rund 20’000 Mastpoulets dürfen in einem Betrieb gehalten werden.
Bestandsgrössen:
- Aktuell: Bis zu 18’000 Legehennen, bis zu 27’000 Masthühner, 17 Hühner pro Quadratmeter
Forderung: Starke Reduktion auf max. 2000 (KAG-Freiland-Standard)
- Aktuell: 10 je 100 kg schwere Mastschweine auf der Grösse eines Autoparkplatzes. Kastenstände während der “Deckzeit” für 10 Tage immer noch erlaubt. Der «Auslauf» ist und einer Eisenkette als meist nichts anderes als eine oft glitschige, verdreckte Betonfläche mit Gittern rund herum Beschäftigung. Künstliche Besamung mit Katheter.
Forderung: Komplette Abschaffung der Kastenstände; freie Bewegungsmöglichkeiten auf der Wiese und im Schlamm; Einstreu; natürliche Besamung
- Aktuell: Anbindehaltung von Milchkühen gestattet
Forderung: Verbot der Anbindehaltung
Dies führt zu Zuständen, die im Bereich der Tierversuche zu massivem Rechtfertigungsnotstand führen würden. Dort gelten die 3-R-Prinzipien: Replace, Reduce, Refine. In der Praxis bedeutet das, dass Tierversuche nur durchgeführt werden dürfen, wenn keine Alternativen zur Verfügung stehen (Replace). Ausserdem sind Tierversuche auf das absolute Minimum zu beschränken (Reduce) und die Tiere dürfen so wenig wie möglich belastet werden (Refine). Diese Prinzipien stehen in starkem Kontrast zu alltäglichen Zuständen in der Nutztierhaltung, wo Tiere viel grösseren Belastungen ausgesetzt sind, als dies in Tierversuchen ohne signifikanten medizinischen Nutzen erlaubt wäre. Belastungen dieses Schweregrades, wie beispielsweise in der konventionellen Hühnermast üblich, müssten medizinisch unverzichtbar sein, um den Versuch durchführen zu dürfen. Dies führt zu einem ethischen Widerspruch, insbesondere wenn die 3-R-Prinzipien in der Nutztierhaltung zur Anwendung kämen: Bereits das Prinzip “Replace” würde eine Abschaffung der sog. Nutztierhaltung fordern, da es sehr wohl gesunde Alternativen zu einer tierproduktebasierten Ernährung gibt. Spätestens das Prinzip “Refine” würde minimal den Forderungen der Initiative entsprechen: durch die Abschaffunge der Massentierhaltung würde man die Belastung der Tiere auf ein Minimum beschränken.
Im Bereich der landwirtschaftlichen Tierhaltung geschieht jedoch das Gegenteil: hier herrscht die Tendenz zu möglichst effizienter und intensiver Produktion vor mit dem Ziel der Ertragssteigerung. Diese Steigerung des aus der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung resultierenden Ertrags lässt sich aber nicht nur auf eine stärker konzentrierte und spezialisierte Tierhaltung zurückführen. Der wichtigste Faktor der äusserst produktiven industriellen landwirtschaftlichen Nutztierhaltung dürfte die Betrachtung des Tieres als zu optimierende ökonomische Ressource sein. Folgende Zustände sind in der Schweiz sowohl legal, als auch üblich:
- Die männlichen Nachfahren von Hühnern, die zur Eierproduktion gezüchtet wurden, werden gar nicht erst aufgezogen, sondern als Eintagsküken millionenfach maschinell getötet. Rund 2 Millionen Tiere erleiden dieses Schicksal jährlich in der Schweiz.
- Masthühner dürfen nur etwa 6 Wochen leben, dann sind sie schlachtreif – oft so schwer, dass ihre Beine sie kaum mehr tragen.
- Legehennen werden in der Regel nach etwa 15 % ihrer natürlichen Lebenserwartung spätestens im Alter von 18 Monaten “ausgestallt”, d.h. getötet, weil ihre Legeleistung nicht mehr den betrieblichen Anforderungen entspricht.
- Ähnlich wurden Milchkühe seit den 1960er-Jahren derart hochgezüchtet, dass sie heute nicht mehr 4’000, sondern etwa 8’000l, in hochintensiver Zucht sogar 10’000l Milch pro Jahr geben. Zweinutzungsrassen, die zur Milch und Fleischproduktion taugen, stellen eine Minderheit dar.
Der Konsum von zu vielen tierischen Nahrungsmitteln kann der Gesundheit abträglich sein. Eine vorwiegend pflanzliche Ernährungsweise ist gesund und verringert die Gefahr, an gewissen Krankheiten (insb. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, Übergewicht) zu erkranken.
Im Zusammenhang mit tierischen Nahrungsmitteln sind besonders auch Gefahren, die aus dem Antibiotikaeinsatz in der Massentierhaltung resultieren, relevant. In der Schweiz wurden im Jahr 2014 in der Nutztierhaltung mehr als 48’000 kg Antibiotika verkauft. Multiresistente Keime sind unter Nutztieren entsprechend weit verbreitet. Da sich multiresistente Bakterien auch auf den Menschen übertragen, vermindert die Antibiotikaabgabe an Tiere auch die Möglichkeiten, Menschen zukünftig erfolgreich mit Antibiotika zu behandeln. Jährlich sterben in der Europäischen Union schätzungsweise 25’000 Menschen an Infektionen durch resistente Keime. Die Schweiz liegt bezüglich der Anzahl resistenter Bakterienstämme etwa im europäischen Mittelfeld. Ein zusätzliches Problem der hohen Keimdichte in Massentierhaltungsbetrieben besteht in der Gefahr der Entstehung von Krankheiten wie der sog. Vogelgrippe (H5N1). Auch der Mensch kann an solchen Tierseuchen erkranken.
Massentierhaltung ist ein Phänomen, das in der Schweiz lange nicht üblich war. Laut Isopublic-Umfragen halten 87% der Bevölkerung das Tierwohl in der Landwirtschaft für “wichtig” oder “sehr wichtig”, zwei Dritteln der Bevölkerung liegt “artgerechte Tierhaltung“ am Herzen. Was die Schweizer Bevölkerung an der Landwirtschaft schätzt, sind die Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen, die Gestaltung des Landschaftsbildes und die Pflege der Alpweiden, die sonst kaum sinnvoll genutzt werden können. All diese Leistungen würden durch die Initiative „Keine Massentierhaltung in der Schweiz“ nicht tangiert.
Offene Fragen zur Umsetzbarkeit:
Kleinbauern und Alpbetriebe wären von den Änderungen nicht betroffen, da sie keine „Massentierhaltung“ betreiben. Betroffen wären nur die grossen industriellen “Fleischfabriken”.
Tiere sind keine Sache; sie verdienen aufgrund ihrer Würde und Empfindungsfähigkeit besondere Beachtung. Die Initiative fordert deshalb kein klassisches Verbot, sondern den Anspruch, in der Tierhaltung nicht geschädigt zu werden.
Die Definition der Massentierhaltung erfolgt über die Gruppengrösse sowie die systematische Missachtung der Grundbedürfnisse der Tiere.
Die Initiative soll völkerrechtskonform umgesetzt werden; der Bund erhält den dazu erforderlichen Spielraum. Importverbote sind dann WTO-konform, wenn die importierten Produkte der “öffentlichen Moral” eines Landes widersprechen. Die lange Tierschutztradition der Schweiz und die Annahme dieser Volksinitiative würden belegen, dass diese Bedingung erfüllt ist. Importbeschränkungen für Produkte aus Massentierhaltung sind deshalb völkerrechtskonform umsetzbar. Zur praktischen Umsetzung kann der Gesetzgeber auf bestehende ausländische Tierschutzstandards und -labels zurückgreifen; bei verarbeiteten Produkten kann man pragmatisch vorgehen.
Ja, da zahlreiche Tierhaltungsbetriebe umgebaut werden müssen, wird eine lange Übergangsfrist gewährt.
Die Betriebe müssten nicht schliessen, sondern müssten sich auf tiergerechtere Bedingungen ausrichten. Damit sie ausreichend Zeit haben, sich umzustellen, wird eine Übergangsfrist von max. 25 Jahren gewährt. Dass man ethisch verwerfliche Bedingungen nicht tolerieren muss, hat sich bereits an anderer Stelle gezeigt. So hat die Schweizer Bevölkerung unter anderem durch das Verbot der Käfighaltung von Hühnern und der Stopfleber bereits Massnahmen zum Wohl der Tiere ergriffen, obwohl sie einen gewissen Aufwand für die Betriebe bedeuten. Mit der langen Übergangsfrist sind die Umstände absolut zumutbar und rechtfertigen das Tolerieren von unzumutbarem Leid und massiven Umweltbelastungen nicht.
Da die Betriebe nicht schliessen, sondern nur die Anzahl Tiere pro Fläche reduzieren und weitere Bedingungen wie Einstreu und Auslauf sicherstellen müssten, würde das die Anzahl Arbeitsplätze kaum tangieren. Es ist sogar denkbar, dass mehr Jobs geschaffen würden, da beispielsweise weniger Arbeitsprozesse wie das Melken vollautomatisiert ablaufen würden.
Die Initiative soll völkerrechtskonform umgesetzt werden; der Bund erhält den dazu erforderlichen Spielraum. Im Initiativtext wird verlangt, dass der Bund Vorschriften über den Import von Tieren und Tierprodukten zu Ernährungszwecken erlässt, die dem Artikel Rechnung tragen. Importverbote sind dann WTO-konform, wenn die importierten Produkte der “öffentlichen Moral” eines Landes widersprechen. Die lange Tierschutztradition der Schweiz und die Annahme dieser Volksinitiative würden belegen, dass diese Bedingung erfüllt ist. Importbeschränkungen für Produkte aus Massentierhaltung sind deshalb völkerrechtskonform umsetzbar. Zur praktischen Umsetzung kann der Gesetzgeber auf bestehende ausländische Tierschutzstandards und -labels zurückgreifen; bei verarbeiteten Produkten kann man pragmatisch vorgehen. Selbst wenn das Importverbot nicht umsetzbar wäre, würde das Argument, dass dann umso mehr Fleisch aus schlechterer Haltung importiert würde, immer noch dadurch entkräftet, dass damit jeder gesellschaftliche Fortschritt verhindert würde. Im gleichen Stil könnte man auch gegen ein Verbot der Kinderarbeit argumentieren: “Wenn die Schweiz keine Kinderarbeit erlaubt, wird dafür umso mehr von Kindern produzierte Kleidung importiert.” Soll die Schweiz folglich wieder Kinderarbeit einführen?
Sämtliche verarbeitete Produkte müssen dahingehend optimiert werden, dass sie Tierprodukte enthalten, die dem neuen Verfassungstext entsprechend produziert wurden. Bereits heute arbeiten Grossverteiler wie Coop oder Migros intensiv daran, in ihren Fertigprodukten vermehrt Freilandeier und andere Bioprodukte zu verwenden (beispielsweise neuerdings bei der Mayonnaise).
Genau. Die Initiative gibt Kleinbauern die Chance, auf dem Markt zu bestehen und fairere Preise zu erzielen, indem Grossbetriebe mit immensen Tierbeständen diese reduzieren müssen. Ausserdem erhalten Bauern einen Vorteil, die bereits heute wenig Eiweissfuttermittel (Soja) importieren und vermehrt auf Weidehaltung setzen. Durch die Massentierhaltung und damit die Massenproduktion entstehen unrealistisch tiefe Preise für Tierprodukte, die Bauern unter Druck setzen und den Bund zur Ausschüttung enormer Landwirtschaftssubventionen bewegen. Diesem Problem würde mit der Initiative entgegengewirkt und Kleinbauern würden profitieren.
Das Bild, das wir mit der Identität der Schweiz verbinden, enthält friedlich grasende Kühe und glücklich scharrende Hühner im Freien. Genau diese Betriebe, die das Bild ausmachen und prägen, würden durch die Initiative gestärkt und die grossen Tierfabriken müssten sich wieder stärker in diese Richtung entwickeln. Das Landschaftsbild profitiert von Weiden, kleinen Betrieben und Alpwirtschaften, keineswegs von Fabrikhallengrossen Betonbauten ohne Weideflächen.