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Der erste Film
Lange bevor der Rollfilm von George Eastman auf den Markt kam, war ein Vorgänger während des deutsch-französichen Krieges von 1870 im praktischen Einsatz. Es wurden wichtige Dokumente fotografisch auf Kollodiumfilm verkleinert und Brieftauben mitgegeben, welche diese aus dem belagerten Paris zu den Widerstandskämpfern ausflogen.
Prudent René-Patrice Dagron, Chemiker und Fotograf, erfand um 1860 eine Spezialkamera, um solche Verkleinerungen mit weniger als 2 mm Seitenlänge herzustellen. Die Kamera war mit neun Objektiven ausgestattet, mit denen gleichzeitig die gewünschte Anzahl Reproduktionen auf einer lichtempfindlichen Platte angefertigt werden konnten. Die kleinen Abbildungen wurden ausgeschnitten und direkt in verschiedenen Gebrauchs- und Schmuckgegenstände eingesetzt, wie zum Beispiel Federhalter oder Souvenirgegenstände. In vielen Fällen wurden die Minibilder mit einem konischen Glaskörper verbunden, der als Lupe wirkte und so eine vergrösserte Betrachtung ermöglichte. Man nannte diese Anwendung «Stanhope».
Die Luftpost, die auf Initiative von Nadar realisiert wurde, erwies sich während des Krieges von 1870 als sehr nützlich. Die Meldungen und die Briefe wurden auf einen Kollodiumfilm aufgenommen. Um diesen herzustellen begoss man eine Glasplatte, die als Trägermaterial diente, verarbeitete diese und löste die Kollodiumschicht anschliessend von der Glasplatte ab. Das so gewonnene flexible Filmstück konnte nun zusammengerollt und in ein Röhrchen gesteckt werden, welche am Schwanz einer Brieftaube befestigt wurde. Diese konnte bis zu 18 Filmstücke in der Grösse einer viertel Spielkarte transportieren, von der jede bis zu 16 Seiten Informationen enthielt. Das Ganze wog weniger als ein Gramm! Damit war der erste flexible Film erfunden.
Illustration:
Erinnerungskarte „Die Post mit Brieftauben, andenken an die Belagerung der Stadt Paris (...)1870“ mit Einsatz eines Kollodium Films von 3x5 cm, 16 Seiten enthaltend, reduziert auf ein Achthundertstel „identisches Exemplar eines von Brieftauben getragenen Depeschenmeldungs-Film in Paris, fotografiert von Dagron (...)“