Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03598.jsonl.gz/1682

Dieses Bild aus einem Buch von 1573 zeigt eine Szene aus dem Bergbau. Ob zu dieser Zeit im Einzugsgebiet des Hinterrheins Bergbau betrieben wurde, lässt sich nicht mehr nachweisen. Erste urkundliche Erwähnung geht nämlich ins Jahr 1605 zurück.
Lesen Sie den Nachfolgenden Beitrag von unserem geschätzten Vereinsmitglied Hans Stäbler. Er hat die Ergebnisse seiner Nachforschungen in einem Buch veröffentlicht, "Bergbau im Schams, im Ferreratal und im vorderen Rheinwald", erschien 1981 im Verlag, Freunde des Bündner Bergbaus.
An dieser Stelle möchten wir Hans Stäbler recht herzlich danken für seine grossartige Arbeit. Recht herzlichen Dank auch, dass wir diese Zusammenfassung veröffentlichen dürfen.
In historischer Zeit, als Metalle noch keine Massenprodukte waren und die Verkehrsverbindungen und Transportmöglichkeiten den Austausch von Metallen über grössere Distanzen in engen Grenzen hielten, wurde versucht, aus den einheimischen Erzlagern die wertvollen Metalle zu gewinnen.
Das Gebiet des Schams, des Ferreratales und des vorderen Rheinwalds weist eine grosse Konzentration solcher Zeugen des ehemaligen Bergbaus auf.[1] (Abb.1)
16 Plan Tischdatscha
17 Haus Rosales
18 Schmelze Sufers
19 SchmelzeAusserferrera
20 Schmelze Innerferrera
21 Schmelze Sut Fuina
1 Erztransport
Der Transport der Erze innerhalb der Gruben erfolgte im Hinterrheingebiet ohne grossen Aufwand, da das Erz fast nur im Tagbau abgebaut oder aus Erzschlitzen gefördert werden musste. Ursera und in geringerem Umfang auch Taspegn bildeten mit ihren Stollen eine Ausnahme. Dort transportierte man das Erz im 19. Jahrhundert mit Hilfe von Stollenwagen, die auf Holzschienen liefen. In Ursera sind solche Holzschienen noch auf einer Strecke von 150 m sichtbar.
Schwieriger als der Transport unter Tag erwies sich der Taltransport der Erze aus den teilweise recht extrem gelegenen Gruben. Als einziger hinterlässt uns Pfarrer Pool bei der Beschreibung der Schmelze Ausserferrera einen schriftlichen Anhaltspunkt über diese mühsame und gefährliche Arbeit:
"...die Erze wurden des Winters, wenn der Schnee die Höhlungen der Felsen ausgefüllt, zwo Stunden weit vom Gipfel des Berges heruntergeführt, in Säcken, die mit Schweinshäuten belegt waren...." Auf diese Weise konnten gemäss der Überlieferung pro Fuhre 70 kg Erz ins Tal transportiert (gezogen) werden. Dass dieses Erzziehen nicht nur im Winter vorgenommen wurde, beweisen die heute noch sichtbaren, tief eingeschnittenen Grubenwege und die Erzstücke, die in der Umgebung dieser bis zu 1m tiefen Zugbahnen liegen.
Als jedoch der Umfang der Erzgewinnung zunahm, begann man, das Erz in Schlitten, die mit Kuhhäuten ausgespannt waren, ins Tal zu ziehen.
Im letzten Stadium des Bergbaus in unserem Gebiet kamen auch Seilbahnen beim Erztransport zum Einsatz. Die englische Gesellschaft "Val Sassam Mines Company" baute im Jahre 1864 von Ursera in die Schmelze Aussferrera eine Seilbahn, möglicherweise eine der ersten im ganzen Kanton. Die gleiche Gesellschaft transportierte auch die Erze von Taspegn aus dem Abbaugebiet zur 350 Höhenmeter tiefer gelegenen Erzpoch- und Erzwaschanlage auf der Plan Tischatscha mit Hilfe einer Seilbahn. Im Jahre 1920 errichtete die "Bergbau AG Chur" eine Seilbahn von der Grube Starlera nach Innerferrera. Dies aber erst, als einheimische Träger die anfallende Erzmenge in Ledersäcken nicht mehr ins Tal zu befördern vermochten.
Zu den zeitraubenden Taltransporten der Erze aus den abgelegenen Gruben kamen oft noch lange Fuhrwege zu den Verhüttungsanlagen hinzu. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts musste das vom Freiherrn von Haldenstein gewonnene Urseraerz in die Schmelze Filisur geführt bzw. gesäumt werden. Da damals durch die Schynschlucht zwischen Sils und Tiefencastel keine Strasse führte, erfolgte der umständliche Transport vermutlich über Zillis - Samest - Mutten - Tiefencastel - Filisur. Auch in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts führte man sämtliche Eisenerze aus dem Ferreratal in die Schmelze von Sils im Domleschg und musste dabei die gefährliche Viamala durchqueren. Die Erze, welche die "Bergbaugesellschaft Reichenau" in den Jahren 1805 bis 1812 in Taspegn abbaute, wurden sogar noch durch das ganze Domleschg zur Verhüttungsanlage in Reichenau transportiert. Auch um 1840, als unter del Negri und Rosales im Schams ein schwungvoller Eisenerzabbau betrieben wurde, bot der Transport der Erze vom Hochofen in Andeer und des verhütteten Eisens von dort zur Frischfeueranlage in Sufers willkommene Arbeit. Übertroffen wurden diese aufgezählten, ansehnlichen Transportdistanzen, die sicher am ungünstigen Abschluss vieler Schamser Bergbauunternehmungen mitverantwortlich waren, aber von der englischen Gesellschaft "Val Sassam Mines Company", die um 1865 die angereicherten Buntmetall-Erze in Fässer verpackt nach Basel und von dort per Schiff den Rhein hinunter und übern Kanal nach Swansea in Wales transportieren liess.
Im 17. und 18. Jahrhundert erlaubten die schlechten Wegverhältnisse in Graubünden nur Saumfuhren, während im 19. Jahrhundert teilweise auch mit Einachswagen Erz transportiert werden konnte.
Diese Fuhrarbeiten bildeten für die ortsansässige Bevölkerung eine willkommene Verdienstmöglichkeit. Es verwundert darum nicht, dass beinahe alle Bergwerkspachtverträge die Auflage enthalten, dass sämtliche Transporte nur von Einheimischen ausgeführt werden durften.
2 Verhüttungsanlagen
Die Verhüttung der Erze erfolgte im Hinterrheingebiet in kleineren Anlagen. Da für den Antrieb der Blasbälge Wasserkraft benötigt wurde, erstellt man die Anlagen in der Nähe von gefällstarken Wasserläufen, so dass der Grossteil dieser Anlagen spätestens nach ihrer Stilllegung Rüfenniedergängen oder der Zerstörung durch Hochwasser zum Opfer fielen.
Da die Hochöfen zur Eisenverhüttung im 18. und 19. Jahrhundert allmählich auch bei uns im Kanton Graubünden zu imposanten Schachtöfen "heranwuchsen" und diese Anlagen über längere Verhüttungskampagnen ununterbrochen Temperaturen von weit über 1000°C standhalten mussten, war eine sehr massive und präzise Bauweise notwendig.
Auf Grund ihrer Konstruktion wäre es darum ohne weiteres möglich, dass solche Anlagen bis in unsere Zeit in gutem Zustand erhalten blieben. Da sich die äusserst genau behauenen Steine der Öfen aber auch für andere Bauten gut verwenden liessen, fielen diese imposanten Bergbauzeugen grösstenteils dem Abbruch zum Opfer (10 m hoher Blashochofen in Bellaluna bei Filisur).
2.1 Blashochofen Rosales Andeer
Glücklicherweise blieb im Schams ein solcher Blashochofen von diesem Schicksal verschont. Im Haus Rosales in Andeer steht der einzige noch vollständig erhaltene Blashochofen des Kantons Graubünden und vielleicht auch der Schweiz. Der Ofen bildet nicht nur in seinen Ausmassen ein Prunkstück, sondern auch seine Lage mitten im Haus, von Zimmern umgeben, ist einzigartig!
Das Haus der Familie Rosales liegt in Andeer auf der linken Rheinseite unmittelbar nördlich des Kieswerkes. Der Grundriss des Hauses gliedert sich in vier Teile.
Der bemerkenswerteste Teil des Hauses ist das heutige Wohnhaus der Familie Rosales, in dessen Innern sich der Ofen befindet. Währen der Schmelztätigkeit waren die Räume dieses Gebäudes wegen der grossen Hitze wenn überhaupt nur für Knappen und Schmelzknechte "geeignet", gleich wie im Anbau, der sich auf der Nordseite des Hauses befindet. Marchese Rosales, der ursprüngliche Besitzer der Anlage, auf den im geschichtlichen Teil speziell eingetreten wird, wohnte im heutigen Pächterhaus an der Westseite des Hauptgebäudes. Das Westende des Gebäudekomplexes wird von einem heute zerfallenen Stall gebildet.
Obwohl am Ofengebäude beim Umbau in ein Landhaus bauliche Veränderungen vorgenommen worden sind, hat der Ofen dabei keinen Schaden genommen.
Der auffallendste Teil des Ofens bildet sicher der Ofenrost mit der Abstich- und Blasöffnung im Erdgeschoss des Hauses.
Die imposanten 2.1 x 1.7 x 3.7 m mächtigen Eckpfeiler aus grossen Granitquadern und die sauber gemauerten Rundbogen zwischen den Pfeilern sprechen für sich. Sie beweisen, mit welcher Initiative und mit welchem Aufwand Rosales den kränkelnden Schamser Eisenbergbau wieder zur Blüte bringen wollte und mit welchen Erwartungen er das Geschäft begann.
Die Öffnung auf der Nordseite des Ofens diente als Abstichloch, aus dem das flüssige Roheisen herausfloss, während auf der Ostseite die Blasbälge angesetzt waren.
Die Blasbälge wurden mit Wasserkraft bewegt. Die Öffnung für die Wasserradachse ist sowohl aussen wie auch im Innern der Wand noch deutlich sichtbar. Das nötige Wasser wurde beim Steinbruch Conrad dem Rhein entnommen und
durch einen 600 m langen Kanal zum Haus geleitet.
Im ersten Stock des Hauses, wo der Ofen mit einem Aussengrundriss von 7 x 6.3 m seine grössten Ausmasse besitzt, wird der Ofen im Innern nur durch die schrägen Zimmerwände verraten.
Einen weiteren eindrücklichen Ofenteil findet man dagegen im zweiten Stockwerk des Hauses, wo sich die Gichtbühne befand. Das Erz, die Kohle und der Zuschlag wurden dort durch ein 1.8 m breites und 3 m hohes aus Granitquadern gemauertes Tor auf der Südseite dem Ofen zugeführt. An den Aussenmauern des Hauptgebäudes sind heute auch noch die Lagersteine der Rampe sichtbar, über welche die Ofenbeschickung zum Gichtbühnentor transportiert wurde.
Der Schachtquerschnitt ist rund. Bei der Blas- und Abstichöffnung besitzt er einen Durchmesser von 1.6 m. Der Ofen erweitert sich und erreicht auf einer Höhe von 3 m mit 2.2 m seinen grössten Durchmesser. Nachher verengt sich der Schacht wieder auf 1.6 m. Die im Vergleich mit den Aussenmauern kleinen Innenmasse des Ofens zeigen die Mächtigkeit der ausschliesslich aus Garnitsteinen bestehenden Ofenwandung.
Neben den vielen Vorteilen, die der Blashochofen der Eisenerzeugung brachte, entstand leider auch ein grosser Nachteil. Während die kohlenstoffarmen Lupen der alten Rennfeuer direkt geschmiedet werden konnten, ermöglichte die höhere Arbeitstemperatur des Blashochofens eine Verbindung von bereits verhüttetem Eisen mit Kohlenstoff. Der Kohlenstoffgehalt des Eisens aus dem Blashochofen lag um ein Mehrfaches über demjenigen des Rennfeuers. Dieses kohlenstoffreiche Roheisen (Gusseisen) liess sich nicht mehr schmieden. Darum musste ihm in einem weiteren Arbeitsgang, dem sogenannten Frischen, der unerwünschte Kohlenstoff wieder entzogen werden.
Im Gegensatz zu den vielen Frischmethoden, die heute zur Anwendung gelangen, war früher nur das glühfrischen bekannt. Die kohlenstoffhaltigen, erbsengrossen Eisenstücke wurden auf einem besonderen Herd zur Gluthitze erwärmt und nachher mit viel Luft, die durch Düsen im Herdboden und in den Seitenwänden eintrat, intensiv durchblasen. Dabei verband sich der im Vergleich zum Eisen unedlere Kohlenstoff mit dem Luftsauerstoff und verliess in gasförmigem Zustand das Eisen. Das gleiche geschah mit weiteren unerwünschten Eisenbegleitern, wie Phosphor und Schwefel.
2.2 "Sufner Schmelzi"
Bis um das Jahr 1960 konnte in der Schmelze Sufers die zum Blashochofen in Andeer gehörende Frischfeueranlage studiert werden. Leider ist dieses einzigartige Beispiel durch den Bau der A13 und durch Verlegung der Pipeline Genua - Ingoldstadt zerstört worden, ohne dass ihr Aussehen wenigstens mit Hilfe von Plänen oder Fotos für die Nachwelt festgehalten worden wäre. Trotz verschiedener Versuche gelang es leider nicht mehr, das Aussehen der Anlage zu rekonstruieren.
Die Sufner Schmelzi lag äusserst günstig östlich von Sufers auf einer Ebene südlich der Einmündung des Surettabaches in den Hinterrhein. Der Surettabach mit seinem grossen Gefälle lieferte die nötige Wasserkraft, und auch das Holz konnte von den steilen, bewaldeten Hängen in der Umgebung verhältnismässig leicht zur Hütte transportiert werden. Neben einigen überwachsenen Gebäudegrundrissen der Unterkünfte, die auf einem Stich aus dem Jahre 1820 überliefert sind, verraten nur noch zwei 1.5 m hohe Granitböcke, die als Lager für einen ca. 400 kg schweren Schmiedehammer dienten, unter dem das gefrischte Roheisen bearbeitet wurde, die Schmelze.
2.3 Schmelze Ausserferrera
Die Verhüttung der Buntmetallerze erfolgte teilweise in kleinen, bis 2 m hohen Schachtöfen, die Silbergewinnung in Treibherden. Die Verhüttung der Buntmetallerze geschah nicht in so grossem Umfange wie die Eisenerzeugung. darum besassen die erforderlichen Anlagen nicht die Ausmasse und die Bauqualität der Eisenverhüttungsanlagen. Es ist darum nicht verwunderlich, dass Überreste dieser Einrichtungen nur noch spärlich und in schlechtem Zustand erhalten geblieben sind.
Trotzdem haben in der Schmelze Ausserferrera einige interessante Reste solcher Anlagen die Zeit überdauert. Die Schmelze von Ausserferrera liegt ähnlich wie die Sufner Schmelze auch in einem Mündungswinkel, der vom Averser Rhein und der Aua Granda gebildet wird, nördlich der Gemeinde Ausserferrera.
Die Anlage gliedert sich in drei Abschnitte. Im oberen Teil befanden sich die Knappenhäuser. Ihrem verwinkelten Bau nach zu schliessen waren sie in jeder Bergbauepoche wieder hergerichtet und teilweise erweitert worden. Heute sind nur noch zwei Kellergewölbe erhalten geblieben, der übrige Teil des Gebäudekomplexes ist zerfallen.
Die zu den Unterkünften gehörenden Verhüttungsanlagen dehnten sich unterhalb der Aua Granda entlang bis zum Averser Rhein aus. Aus den Mauerresten in diesem Gebiet und mit Hilfe der Schlackenfunde lässt sich ungefähr folgendes Bild der Schmelze rekonstruieren.
Im Gebiet zwischen den Knappenhäusern und der heutigen Kantonsstrasse stand die Eisenschmelze, in der das Eisenerz aus den zahlreich vorhandenen Eisenerzgruben des Ferreratals verarbeitet wurde. Von der bewegten Geschichte dieser Eisenschmelze zeugen viele Mauerreste. Heute lassen sich jedoch nur bei wenigen von ihnen Rückschlüsse auf ihre frühere Funktion ziehen. In einem Gebäudegrundriss stehen zwei gleiche, 1.5 m hohe Granitböcke wie in der Sufner Schmelze, die das Gebäude als ehemalige Schmiede ausweisen. Auch wurde der schwere Schmiedehammer vom Wasser der nahe vorbeifliessenden Aua Granda angetrieben. Der Wassergraben, dessen Reste man in der ganzen Schmelze finden kann, ist heute noch deutlich an der Südseite des Gebäudes sichtbar. An der Westseite des beschriebenen Gebäudes schliesst sich ein weiteres Gemäuer an, bei dem die leichte Einsackung in seiner Mitte und die fein verteilten Eisensplitterchen in der Erde der Gebäudeumgebung auf einen einfachen Eisenverhüttungsofen schliessen lassen. Schlacken- und Sandablagerungen sowie eine grosse Anzahl Mauerreste unterhalb dieses Gebäudekomplexes deuten auf weitere Waschanlagen, Pochwerke und Verhüttungsöfen hin, die heute jedoch nicht mehr rekonstruiert werden können.
Ein aufschlussreiches Bild der Eisenschmelze um 1780, die damals von der Eisenbergwerksgesellschaft Ferrera betrieben wurde, vermittelt Hacquet in seinem Bericht "Physikalische und politische Reisen aus den Dinarischen durch die Julischen, Carnischen, Rhätischen in die Norischen Alpen im Jahre 1781 und 1783":[1]
"... Sesam (Schams) oder Schmölz (Schmelze) wie die Teutschen zu sagen pflegen, ist nichts als ein einschichtiges Eisenwerk, wo ich einen Hohofen, ein paar Zerr- und andre kleine Feuer antraf. Da wir hier sehr abgemattet und unsere Pferde ohne Eisen hinkamen, so brauchten wir einige Hülfe, allein hier war ums Geld nichts zu haben. Ich wandte mich gleich zu dem Inhaber, der eben im Werke ankam, mit Erklärung, das ich ein Hüttenmann sey; auf dieses wurden wir alle drei wohl aufgenommen, und man führte mich gleich zu dem Hohofen, welcher Verbesserungen brauchte, man machte mir verschiedene Fragen, um zu wissen, ob mein Vorgeben wahr sey. Als ich nun den Inhaber briedigte, so wollte man auch haben, ich sollte sehen, wo es an dem Ofen gefehlt sey, dass er so schlecht gieng. Allein der Fehler war bald entdeckt, indem die Sturze mit dem Sumpf kein Verhältnis hatte, wo man dann sich vornahm, solches gleich abzuändern, allein der Hauptumstand war, einen guten feuerfesten Stein zu nehmen. Man hatte den Versuch mit vielen gemacht, allein keiner war tauglich, indem es lauter grober Granit war, und die Leute von Steinen nicht die geringste Kenntniss hatten. Indessen legte man mir doch einige andere Steinarten vor, womit sie Proben gemacht hatten, und nun sollte ich ihnen sagen, welchen ich am tauglichsten zu seyn glaubte. Da alles Granit war, aber einer aus mehr als zwei Drittel grünem Spekstein bestand, und das übrige klein weisskubischer Feldspath, etwas Glimmer und körnigter Quarz war, den man nur vom Feldspath ausnehmen konnte, wenn man den Stein nass machte, so griff ich zum letztern, das man diesen zum Ofenfutter anwenden solle. Dieses befriedigte den Inhaber sehr; obgleich ein junger Mensch einen schlechten Granit für den ganzen Ofen schon hatte zurichten lassen, so achtete er doch diese Unkosten nicht, indem er aus seinen kleinen Feuerproben, die er mit den Steinen gemacht hatte, für besser erkannt, und meine Bestätigung hierüber erhielt, alsogleich gab er den Gebrauch des erstern für diesen auf. Da ich an einem Sonntag hieher kam, so fand ich kein einziges Feuer, aber alle Vorkehrung schien mir so übel getroffen zu seyn, dass wenig oder kein Nutzen herauskommen kann.
[1] Hacquet P.: Physikalisch-politische Reise aus den Dinarischen durch die Julischen, Carnischen, Rhätischen in die Norischen Alpen im Jahre 1781 und 1783 unternommen, zitiert aus Carl Ulysses von Salis: Neuer Sammler, Jahrgang 1806.
Die Erzeugniss, vermöge der Menge der Erze, könnte auf ein paar tausend Zentner Gareisen des Jahrs gebracht werden, wohingegen die Inhaber solches nur auf einige hundert trieben. Alles ist auf Brescianische Art, auch selbst die Arbeiter sind von daher (Brescia), über welche man sich sehr beklagte. Der Hochofen wird ohne Bälge, sondern mit einer Wassertrommel getrieben, und so sind auch alle Feuer ohne gehörige Einschränkung."
Das Hauptproblem bei der Verhüttung bestand also im Fehlen eines feuerfesten Steines. Nicht viel weniger schwerwiegend wirkte sich das Fehlen eines im Bergbau und in der Verhüttung erfahrenen Meisters aus, der in einem Betrieb von solchem Umfang (100 Arbeiter) unentbehrlich war. Dies bestätigt auch die Beschreibung von Pfarrer Pool:
"An einem gehherabstürzenden Bache sind die Wasserschmidten angebaut. Es sind hier zwei Hämmer, einer zu groben, der andre zu dünnerm Eisen: Vier Schmide arbeiten noch: sonst beschäftigte dies Eisenbergwerk den Sommer über gewöhnlich 100 Arbeiter. Verschiedene Gebäude sind verfallen, der Ofen ist halb ruiniert. Nach dem Zeugniss unserer Schlosser übertrifft das Ferrera-Eisen an Dehnbarkeit, Zähigkeit und Geschmeidigkeit alle anderen Eisenarten, die vom Auslande her in Bünden eingeführt werden. Allein seit einigen Jahren ist kein Eisen hier geschmolzen worden, auch werden keine Anstalten zu neuen Schmelzungen gemacht. Die Erze wurden des winters, wenn Schnee die Höhlungen der Felsen ausfüllt, zwo Stunden weit vom Gipfel des Berges heruntergeführt, in Säkken, die mit Schweinshäuten belegt waren. Das Aussprengen, Stampfen, Erlesen, Herbeischaffen der Erze war so kostspielig, dass dies wahrscheinlich die Ursache des Verfalls der ganzen Unternehmung ist, denn an Holz zu Kohlen wäre kein Mangel."
Aus den Beschreibungen von Hacquet und Pool gewinnt man ein sehr gutes Bild über die unhaltbaren Zustände in allen Bereichen der Eisenschmelze. Die erwähnte Verhüttungsanlage stand zweifellos ausserhalb von Ausserferrera.
Das heutige Bild der Schmelze Ausserferrera wird jedoch nicht von der Eisenschmelze, die oberhalb der Kantonsstrasse teilweise im Wald versteckt liegt, geprägt, sondern vom Kamin, das zur Kupfer- und Silbergewinnung dienenden Anlage unterhalb der Strasse gehört. Dieser Teil der Anlage ist gesichert und unter Denkmalschutz gestellt worden. Das 10 m Kamin ist Bestandteil eines 13 x 11 m grossen, zweiteiligen Gebäudes, das um 1864 vermutlich von der englischen Gesellschaft "Val Sassam Mines Company" errichtet wurde und in dem neben den eigentlichen Verhüttungsanlagen auch noch Pochwerk und Waschanlage standen.
Die Innenmasse des Kamins betragen 0.7 x 0.7 m. Am Grunde auf der Südseite des Kamins im Gebäudeinnern befindet sich das Russloch. Auf der Nord- und Ostseite, 1.5 bzw. 2 m über dem Kamingrund sind zwei 0.6 m breite und 1.2 m hohe Rauchabzugsöffnungen ausgespart, an die je ein Flammofen angebaut war. Während die Spure desjenigen auf der Ostseite bis auf wenige unzusammenhängende Mauerreste zerstört sind, erkennt man 10 m neben der nördlichen Aussparung noch den gewölbten Eingang zum Feuerraum des Flammofens. Der grosse Abstand von 10 m zwischen Feuerungsraum und Rauchabzugsöffnung lässt auf eine ausserordentlich grosse Arbeitsfläche zum Ausbreiten der Erze schliessen. Vermutlich waren die beiden Öfen so gebaut, dass sie je nach Bedarf sowohl zum Rösten wie auch zum Verhütten verwendet werden konnten.
Von der Poch- und Waschanlage im Gebäudeinnern sind keine identifizierbaren Reste mehr vorhanden. Die Grösse der Waschsand- und Schlackenhalde unterhalb des Gebäudes lässt auf einen umfangreichern Verhüttungsbetrieb schliessen.
Unter dieser jüngsten Anlage der Schmelze ziehen sich, wie Schlacken und Erzbruchstücke verraten, noch weitere Mauerreste von Aufbereitungs- und Verhüttungsanlagen für die Erze von Ursera bis ans Ufer des Averser Rheins hin, die bedeutend älter sein müssen, deren Funktion im einzelnen aber nicht mehr ersichtlich ist.
Oberhalb der neuen Anlage, unmittelbar über der Kantonsstrasse, sieht man die Reste einer Rampe, hinter der sich eine Deponie leicht vererzten Gesteins aus den Gruben von Ursera ausdehnt. Möglicherweise bildete diese Rampe die Talstation der von der "Val Sassam Mines Company" erstellten Transportseilbahn.
2.3 Schmelze Innerferrera
Eine weitere wichtige Verhüttungsanlage liegt nördlich von Innerferrera auf der linken Seite des Averser Rheins unterhalb der Erzlagerstätte Martegn, unmittelbar südlich des Eingangs zur Kavernenzentrale der Kraftwerke Hinterrhein. Obwohl diese Schmelze nur zwischen 1806 und 1827 in Betrieb stand, wurde in den 21 Betriebsjahren wahrscheinlich mehr Eisen produziert, als die Schmelze von Ausserferrera in einer über 200 Jahre anhaltenden Geschichte geliefert hat, denn in den Jahren 1805 bis 1827 waren über 150 Mann im Eisenerzbergbau des Ferreratales beschäftigt, und das Zentrum dieses Bergbaus bildete die Schmelze Innerferrera.
Von den Ruinen der Schmelze sieht man heute nicht mehr viel Interessantes. Sie wurden wahrscheinlich beim Zentralenbau vernichtet. Auffallend sind nur die Eckpfeiler von vier Knappenhäusern oder Stallungen, die früher durch Strickwände miteinander verbunden waren. Abgesehen von einigen unbedeutenden Mauerresten, sieht man von den Ofenanlagen nichts mehr. Das einzige, was die Mauerreste verraten, ist, dass die Öfen direkt am Averser Rhein standen, der auch die nötige Wasserkraft lieferte. Mündlichen Überlieferungen zufolge sollen zwei grosse Blashochöfen bestanden haben. Dies wird durch das Auffinden von nicht schmiedbarem, grauem Roheisen innerhalb der Mauerruinen und durch die Ofendarstellung auf einer zeitgenössischen Bergwerkskarte bestätigt.
Neben den Überresten der Hochofenanlagen ist auch noch eine der bereits mehrfach beschriebenen Röstfeuergruben vorhanden. Weiter lassen einige Schlackenfunde vermuten, dass in der Schmelze ebenfalls eine geringe Menge Buntmetallerze verhüttet wurde.
Neben diesen Hauptverhüttungsanlagen existierten natürlich noch eine Anzahl Hüttenplätze, deren Bedeutung geringer war und die im Laufe der Zeit in Vergessenheit gerieten. So deutet der Alpname Sut Fuina (unter dem Herd) eine Ofenanlage an, die zu den gleichnamigen Erzlagern oberhalb der Alp gehörte. 100 m östlich der Alphütten konnten wirklich die von Gras überwachsenen Ruinen einer Verhüttungsanlage entdeckt werden, die wahrscheinlich dafür verantwortlich ist, dass in ihrer Umgebung heute kein Wald mehr vorhanden ist, obwohl die Höhenlage es erlauben würde.