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Ueber den
Dörfern erhebt sich die Schwandenfluh, ö. welcher sich die Wildbachtobel des
Schwandenbaches und des Lammbaches
öffnen.
Schwanden und seine Umgebungen hatten oft unter den Ausbrüchen dieser beiden bösen Wildwasser schwer zu leiden,
so schon im 15. Jahrhundert und dann besonders wieder 1797, in welchem Jahr in Schwanden und
Hofstetten 34
Häuser
zerstört wurden.
Ein sehr starker Ausbruch fand auch 1896 statt und hatte die teilweise Räumung von
Kienholz und Schwanden
zur Folge, da lange Zeit vom «Aegerti» her ein
Bergsturz auf die Gegend niederzugehen drohte.
Seither hat man die Verbauung
der beiden
Wildbäche energisch in Angriff genommen, wodurch die Gefahr voraussichtlich beschworen sein
dürfte.
Dorf: 436
Häuser, 2155 Ew. Schwanden besitzt eine reformierte und seit 1895 auch
eine katholische Kirche.
Zur reformierten Kirchgemeinde gehören ausser dem Dorf Schwanden noch die Ortschaften
Thon,
Schwändi,
Sool,
Haslen,
Nidfurn und ein Teil von
Leuggelbach. Schwanden ist keine selbständige katholische Kirchgemeinde,
sondern lediglich eine sogenannte Missionsstation. Die Katholiken der
Dörfer des
Linththales von
Mitlödi bis
Luchsingen, für
welche die katholische Kirche in Schwanden gebaut worden ist, gehören zur katholischen Kirchgemeinde Glarus.
Hydranten und Hauswasserversorgung.
Schwanden zeichnet sich durch eine sehr schöne Lage aus. Im W. und SW. wird das Landschaftsbild eingerahmt
durch die Felsmauern der Glärnischkette, durch die
Eckstöcke, den
Ortstock, die Claridenkette und den
Tödi; im S. und O.
ruht der Blick auf den dunkeln Tannenwäldern, welche die gleichförmigen Abhänge des Niederenthals und des
Sernfthals bekleiden.
Dicht n. vom Dorfe dehnt sich von der einen Thalwand bis zur andern der Trümmerstrom des grossen vorhistorischen
Bergsturzes von Guppen in Form einer 100-200 m hohen welligen Hügelmasse aus, die von
Wiesen und kleinen Wäldchen bedeckt
und von der
Linth in einer schmalen Thalrinne durchbrochen wird.
Der grösste Teil des gedrängt gebauten Dorfes liegt auf dem linken Ufer der
Linth, auf einem toten Schuttkegel
der
Guppenruns, der beweist, dass dieser
Wildbach einst in der Gegend des heutigen Schwanden in die
Linth mündete. Im N., beim
Bahnhof, liegt das neueste
Quartier des Dorfes. An seinem S.-Ende steht das im Jahr 1896 erbaute stattliche neue Schulhaus
mit grosser
Aula, die auch als Konzert- und Gesellschaftssaal dient. Ein Teil der Bevölkerung beschäftigt
sich mit Wiesenbau und Viehzucht; die Haupterwerbsquelle
Schwandens ist jedoch die Industrie. Es bestehen hier zwei Baumwolldruckereien,
eine Färberei mit Druckerei, eine grosse Baumwollspinnerei, eine
Mühle, eine Bierbrauerei, zwei
Sägen mit mechanischer Schreinerei
und Zimmerei, eine mechanische Glaserei, eine mechanische Werkstätte, eine
Fabrik elektrischer Koch-
und Heizapparate, eine Buchdruckerei und verschiedene kleinere gewerbliche Betriebe.
Grosses, von der Gemeinde errichtetes
Elektrizitätswerk am
Niederenbach, das ausser Schwanden
¶
mehr
auch die DörferMitlödi, Sool, Haslen, Nidfurn, Luchsingen und Hätzingen mit Licht und Kraft versorgt und selbst nach Glarus
Kraft abgibt.
Das gesellschaftliche Leben ist ziemlich lebhaft entwickelt. Die Gemeinde besitzt auch zahlreiche Wohlfahrtseinrichtungen,
so z. B. 8 Kranken- und Hilfskassen, eine Ersparniskasse, zwei freiwillige Hilfsvereine zur Unterstützung von Bürgern
und Niedergelassenen und mehrere Spezialfonds für Unterstützung von kranken und alten Bürgern.
Ausgedehnte Wälder und Alpweiden, namentlich im Gebiet des Niederenthales, sind Eigentum der Bürgergemeinde. Auf dem Hügel
Bänzigen, der sich n. vom Dorf über dem linken Ufer der Linth erhebt, stand im Mittelalter eine Burg, auf der die Herren
von Schwanden als Lehensleute des Klosters Säckingen sassen. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts starb diese Familie
aus, worauf die Burg in Trümmer fiel; heute sind kaum noch einige Spuren ihres Mauerwerks vorhanden.
Die Mitteilungen des Glarner Chronisten Aegidius Tschudi, wornach mehrere Glieder jener Familie als Aebte von Einsiedeln
und als Johanniterritter zu grossem Ansehen gelangt seien, hat sich durch die neuere Geschichtsforschung als Fälschung erwiesen;
die Stammburg jener Einsiedler Aebte und Ritter des Johanniterordens stand nicht im Kanton Glarus,
sondern zu Schwanden bei Frienisberg
im Kanton Bern.
1349 löste sich Schwanden von der Mutterkirche zu Glarus
ab und baute eine eigene Kirche, zu der ausser
den Ortschaften der heutigen Kirchgemeinde auch Luchsingen kirchgenössig war.
Die glarnerischen Landsgemeinden fanden im 15. und in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in der Regel in Schwanden statt.
Von 1623 bis 1836, während der Periode der konfessionell getrennten Verwaltung des Kantons Glarus,
war Schwanden,
ausnahmsweise auch der n. vom Dorf liegende Bauernhof Däniberg, der Versammlungsort der evangelischen Landsgemeinde, während
die katholische in Näfels, die gemeinsame Landsgemeinde in Glarus
stattfand. Bei Schwanden wurden Ende September 1799 Gefechte zwischen den
Franzosen und den Oesterreichern und am das letzte Gefecht zwischen den Franzosen und der über
den Panixerpass sich zurückziehenden Armee Suwarow's geliefert.
Unter den bedeutenden Männern, die Schwanden hervorgebracht hat, sind zu nennen Paulus Schuler (1508-1593), der als Landammann,
als Landvogt in Werdenberg und Sargans, als Gesandter der eidgen. Tagsatzung zur Zeit der konfessionellen Streitigkeiten und
als politischer Schriftsteller eine bedeutende Rolle spielte; ferner die beiden Pfarrer und Chronikschreiber
Johann Heinrich Tschudi (1670-1729) und Christoph Trümpi (1739-1781), deren Chroniken für die glarnerische Geschichte von
grosser Bedeutung sind. Vergl. Heer, G. Blätter aus der Geschichte der Gemeinde Schwanden.Glarus
1893.