Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03455.jsonl.gz/1641

Neue Namen für alte Wege
Franz Osswald
Von Zeit zu Zeit werden unsere alten Wege mit einem neuen Strassennamen versehen. Der revidierte Ortsplan der Schulen von Bettingen und Riehen zeugt davon: von Anna-Fischer-Wegli bis Zeigerweg. Einige andere ausgewählte Beispiele.
Weg von der Wettsteinanlage zur Baselstrasse über das Areal «Dreikönig» (Baselstrasse 20) und dasjenige der FischerHäuser (Baselstrasse 22 und 24): Er bekommt nach verschiedenen weiblichen Angehörigen der Familie Fischer, die sich zum Teil als Wohltäterinnen einen bekannten Namen schufen - z.B. Anna Fischer-Sulzer (1864-1934) und ihre Tochter Anna Fischer (1895-1972) - die Bezeichnung AnnaFischer-Wegli.
Weg vom obigen abzweigend, führt um das seinerzeitige Atelier von Jean Jacques Lüscher zur Baselstrasse. Dieser Weg am Südende der Wettsteinhäuser soll die Erinnerung an die mit dem grossen Bürgermeister in schwieriger Ehe verbunden gewesene Anna Maria Wettstein-Falkner (15891647) wach halten: Anna-Maria-Wettstein-Wegli. Sie war die «Gotte» vieler Riehener Kinder.
Weg in der südwestlichen Verlängerung der Wettsteinanlage, südlich von Baselstrasse 12 (Haus zur Waage) in diese einmündend. Dieser Weg soll nach der in seiner Nähe aufgewachsenen ersten Bürgerrätin der Schweiz, Gertrud Späth-Schweizer (1908-1990), benannt werden: Gertrud-Späth-Wegli.
Der Gemeinderat hat 1991 zwei neue Stichstrassen an der Gehrhalde nach zwei verdienten ärzten des Spitals, Ludwig Georg Courvoisier (1843-1918) und Emanuel Veillon (18711953), benannt. 1999 hob er diesen Beschluss wieder auf. Nun erhielt die Emanuel-Veillon-Strasse den Namen Obere Weid und die Ludwig-Courvoisier-Strasse den Namen Untere Weid. Diese Umbenennung stiess auf Widerstand. Für den in einem Bogen vom Gänshaidenweg ausgehenden und wieder in ihn mündenden namenlosen Weg - also in Spitalnähe - wurde 1965 die Bezeichnung nach Emanuel Veillon vorgesehen. Courvoisier ist allerdings der medizingeschichtlich Bedeutendere der beiden und an Veillon erinnert sein noch stehendes Wohnhaus Aeussere Baselstrasse 194. So hat sich der weltbekannte und in Riehen wohnhaft gewesene Chirurg Rudolf Nissen (1896-1981) im Jahre 1977 mit einem Brief an den damaligen Gemeindepräsidenten für eine Benennung nach Courvoisier eingesetzt. Aus diesen Gründen erhält die Verbindung den Namen Courvoisierwegli (siehe Bild links). Dazu sei aus dem ursprünglichen Gemeinderatsbeschluss vom 11. Juni 1991 wiederholt: Prof. Dr. Ludwig Georg Courvoisier war von 1871-1917 als Chirurg und als «Hausarzt» am Diakonissenspital Riehen tätig. Er war Spezialist auf dem Gebiet der Chirurgie der Gallenwege. Courvoisier hat sich um Riehen und sein Diakonissenspital, um Basel und um seine Medizinische Fakultät in hohem Masse verdient gemacht.
Der vom Moosweg ausgehende, östlich des Kugelfangs des Schiessstands Riehen vorbeiführende und in den Artelweg einmündende Weg erhält den Namen der Flur «In der Kalkdarre», die er westlich begrenzt, nämlich In der Kalkdarre. Darre ist die Bezeichnung einer Trocknungs- oder Röstvorrichtung. Der schon 1470 bezeugte Flurname hält die Erinnerung an einen einstigen Kalkofen wach; Kalk wurde zur Mörtelgewinnung gebrannt.
Im Wald des Mittelbergs benötigen noch zwei Wege einen Namen: Die vom Krummen Weg nach Süden abzweigende Achse, an der die Mittelberghütte liegt, erhält nach dem seit 1825 bezeugten Waldstück «Im Krebstäschenboden», in dem sie liegt, den Namen Im Krebstaschenboden. Nach GKR S. 174 weist diese Bezeichnung eventuell auf den in RiehenBettingen seit 1597 bezeugten Familiennamen Krebs und «Täsche» auf die Form des Bodens hin. Nach der Volksetymologie sind Krebstäschen Maserkröpfe an kranken Bäumen.
Der am Maienbühlsträsschen endende Maienbühlweg führt seit jeher zum Grenzstein Nr. 50, dann der Grenze entlang bis zum Stein Nr. 54 und quert den Herrenwald bis zum Grenzstein Nr. 68. Ein Problem besteht darin, dass der Zugang von Lörrach-Stetten bis zur Landesgrenze beim Grenzstein Nr. 49a ebenfalls Maienbühlweg heisst. Auf Schweizer Seite trägt diese Achse den Namen Maienbühlsträsschen und in Inzlingen Am Maienbühl. Das «Mulde» oder im Dialekt «Muelte» genannte Teilstück einer alten Verbindung von Stetten nach Inzlingen - vielleicht sogar ein Weg, auf dem Wallfahrerinnen und -fahrer nach St. Chrischona pilgerten - zwischen den Grenzsteinen 60 und 68 erhält den Namen In der Muelte (Iselin S. 46). Ausnahmsweise wird hier die Dialektschreibweise gewählt, weil das Wort «Muelte» vom Aussterben bedroht ist und ein «Muldenweg» dieses beschleunigen würde.
Unmittelbar westlich des Ausserbergwalds, aber bereits auf freier Flur befindet sich zwischen den Strassen Im Baumgarten und Rütiring ein ausdrücklich gekennzeichneter und begehbarer, aber nicht gebauter öffentlicher Fussweg als Grasfläche. Da er ungefähr in der Verlängerung der Strasse Am Hang verläuft, könnte man ihn als Hangwegli bezeichnen, und er weist denn auch eine beachtliche Höhendifferenz auf, aber das wäre nicht sehr fantasievoll. Nun bildet aber der Rütiring einen Teil des alten Bettingerwegs, d.h. der Verbindung Basel-Bettingen. Auf ihm pilgerte während Jahrzehnten Elias Weiss-Krebs (1834-1924), Landwirt, Naturarzt, Rosenzüchter, Zolleinnehmer - «höchster» Beamter im Kanton, Posamenter, Schulkommissionspräsident, Synodale, Strafrichter, Gemeindeschreiber und von 1870 bis 1920 (!) Bettinger Grossrat. Kaum ein zweiter Bettinger wird den Weg vom Bergdorf in die Stadt und zurück so oft begangen haben wie Elias Weiss. Als die Autonomie der Landgemeinden nicht mehr viel galt und von diesen beinahe geopfert worden wäre, setzte sich Weiss mit Bauernschlauheit erfolgreich für sie ein. Zu seiner Zeit verwendete man im dörflichen Alltag die Familiennamen nicht; Weiss war in Bettingen «dr Elias» (auf dem E und nicht auf dem i betont!). Als kleine Hommage an diesen hartnäckigen Autonomieverfechter soll der Fusspfad den Namen Eliaswegli erhalten. Allerdings wurde noch 1979 die Notwendigkeit einer Benennung verworfen.
Vom Punkt, in dem dieser Eboweg in die Bettingerstrasse mündet, führt eine Verbindung zum Wenkenmattweg und über diesen hinaus zum Reservoir. Es läge nahe, ihr den Namen «Reservoirwegli» zu geben. Allein es gibt eine Reservoirstrasse und sogar ein Reservoirweglein in Basel und noch andere Reservoirs in der Gegend. Darum liegt nahe, Ebos Frau zu verewigen, was Odalsindawegli ergibt.
Weg von der ßettingerstrasse zum Hellring entlang der Nordmauer des Wackernagelparks: Im Nachgang zur Feier der vor 1250 Jahren (751) erstmals geschehenen Erwähnung des Wenkens wird dieser Weg nach seinem damaligen Besitzer Ebo, vielleicht Graf im Breisgau, Ebowegli genannt.
Literatur: GKR = Gemeindekunde Riehen, Riehen 2. Auflage 1988 Iselin = L(udwig) Emil Iselin: Geschichte des Dorfes Riehen, Basel 1923 RGD = Riehen - Geschichte eines Dorfes, Riehen 1972 RJ = z'Rieche, Ein heimatliches Jahrbuch, Riehen 1961 ff.