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| Irenäus († um 200) - Gegen die Häresien (Contra Haereses)

Zweites Buch
19. Kapitel: Widersprüche in der Samenlehre
4.
Ganz ebenso töricht ist es, wenn sie sagen, durch die Einsenkung bekomme der Same Gestalt und Wachstum und werde fähig, die vollkommene Vernunft in sich aufzunehmen. Die Vermischung mit der Materie, die nach ihnen ihre Wesenheit aus der Unwissenheit und dem Fehltritt empfing, wird ihm also passender und nützlicher sein, als es ihr väterliches Licht war. Aus seiner Anschauung geboren, war es nämlich ohne Form und Gestalt; aus der Materie aber empfing es Form, Gestalt, Wachstum und Vollendung. Wenn nun für das geistige Wesen das Licht vom Pleroma die Ursache war, daß es weder Form noch eigene Größe hatte, die Herabkunft auf die Erde aber ihm alles dieses verlieh und es zur Vollendung brachte, dann war ihm anscheinend der Aufenthalt in der sogenannten Finsternis viel zuträglicher und nützlicher als das Licht ihres Vaters. Ist es aber nicht eine lächerliche Behauptung, daß ihre Mutter dermaßen in die Materie versunken war, daß sie fast erstickte und um ein Haar umgekommen wäre, wenn sie sich nicht kraft der Hilfe des Vaters emporgeschwungen und über sich selbst erhoben hätte, daß aber ihr Same in ebenderselben Materie Wachstum, Gestalt und die Fähigkeit erhalte, das vollkommene Wort in sich aufzunehmen, wo er doch in einem ungleichen und ungewohnten Elemente aufging, da nach ihnen das Irdische dem Geistigen und das Geistige dem Irdischen entgegengesetzt ist? Wie also konnte ein so kleiner Same in dem entgegengesetzten und ungewohnten Elemente wachsen, gestaltet werden und zur Vollendung gelangen?