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Die Via Appia, 312 v. Chr. erbaut, wird auch heute noch ausserhalb Roms von Grabfeldern gesäumt. Sie stammen noch aus der Zeit der Antike. Es war den Römern zu dieser Zeit verboten, innerhalb der Stadt die Verstorbenen zu bestatten. Gemeint war damit der sakrale Stadtbezirk, in dem nur den römischen Göttern gehuldigt werden durfte. Tempel anderer Gottheiten aus fernen Ländern durften in diesem Teil der Stadt nicht errichtet werden. Nur die Kaiser Trajan und Marc Aurel wurden im sakralen Stadtbezirk beerdigt, weil sie gleich nach ihrem Tod zu Gottheiten erhoben wurden. Die Stadt Rom wuchs in den Jahrhunderten immer weiter, so dass zahlreiche Friedhöfe doch in den sakralen Stadtbezirk (pomerium) aufgenommen wurden. Neue Friedhöfe wurden aber weiter vor der Stadt eingerichtet. Die Gräber wurden an viel befahrenden Strassen angelegt.
Die Friedhöfe waren aber nicht von Mauern oder Zäunen umgeben. Zahllose Grabinschriften forderten den Reisenden zum Verweilen ein und zum Gedenken an den Toten. Die Grabstellen an den Strassen waren bei den bedeutenden Familien der Städte sehr begehrt, weil man damit auf das eigene Ansehen hinweisen konnte. Die Friedhofsgrundstücke wuchsen deshalb nicht in die Breite; sie folgten der Strasse. Zwischen den Gräbern herrschte kein pietätvolles Schweigen. Hier boten Händler und Imbiss-Buden ihre Produkte an. Auch Prostituierte warteten hier auf ihre Kunden. Staatliche Friedhöfe schien es nicht gegeben zu haben. Grundbesitzer verkauften daher ihr Land an die Trauernden zum bestmöglichen Preis. Die Gräber an der Strasse waren die teuersten. Je weiter von der Stadt entfernt, desto preiswerter wurden die Gräber. Der Tod war in Rom allgegenwärtig.
Die Säuglingssterblichkeit lag bei 40 %, das Durchschnittsalter bis knapp über 42 Jahre. Der Anteil der über 60 Jährigen betrug nur etwa 6 %.
Wenn jemand im Sterben lag, versammelten sich enge Angehörige, um dem Sterbenden beizustehen. Der nächste Verwandte gab den Abschiedskuss und übernahm damit symbolisch den Geist des Verstorbenen. Der Tote wurde durch lautes Wehklagen betrauert, indem man seinen Namen rief. Danach wurde er eingekleidet, gewaschen und auf die Totenbahre gebettet. Die einfachen Bürger gaben dem Toten ein einfaches Geleit. Die Verstorbenen wurden im engsten Familienkreis in der Nacht beerdigt. Wohlhabende Familien dagegen bahrten den Verstorbenen bis zu sieben Tage im Atrium auf, damit sich Freunde und Verwandte verabschieden konnten. Nach griechischer Sitte wurde dem Verstorbenen eine Münze in den Mund gelegt. Sie war als Fährgeld für die Überfahrt ins Reich der Toten gedacht. Ein Bestattungsunternehmer übernahm in der Regel die Organisation des Begräbnisses. Sie meldeten den Tod auch im städtischen Sterberegister. Der Tod angesehener Personen wurde durch einen Herold bekanntgemacht, der den Termin des Trauerzuges (pompa funebris) verkündete. Der Tote wurde dann in einem Trauerzug zu einem Platz der Stadt geleitet. Ihn begleiteten neben Angehörigen zahlreiche Klageweiber, Musikanten und Schauspieler. Diese beklagten den Verlust, hielten auch Lobreden und führten kleine Szenen aus dem Leben des Verstorbenen auf, die auch mal deftige Scherze enthalten durften. Die trauernden Familienmitglieder trugen Masken der Ahnen mit, um damit auf die Bedeutung der Familie hinzuweisen. Vorangetragene Schilder würdigten in Bildern und Texten die Leistung des Verstorbenen. Hatte der Zug den Platz erreicht, wurde eine Trauerrede ( laudatio funebris) gehalten, die den Toten nochmals würdigte und der Selbstdarstellung der Familie dienen sollte. Diese Trauerreden wurden vom umstehenden Publikum aufmerksam beachtet. Eine der bekanntesten Trauerreden war die Rede des Marc Anton am Leichnam Caesars, in der er das Volk gegen die Mörder Caesars aufwiegelte. Nach der Trauerrede zogen die Trauernden vor das pomerium und bestatteten den Toten. Je nach Einkommen und sozialer Stellung erfolgte die Beerdigung.
Einfache Bürger und Kinder wurden in einem Holzsarg beerdigt. Mittellose und Sklaven wurden ohne Sarg begraben. Bis in die Zeit des Augustus war es üblich, verstorbene Sklaven und Arme in offene Gruben zu werfen. Dadurch wurde die umliegende Nachbarschaft von entsetzlichem Gestank belastet, auch zogen die Leichen Wölfe und Raubvögel in die Stadt. Die Gruben wurden deshalb von Maecenas geschlossen. Darüber wurde eine Parkanlage errichtet, die Gärten des Maecenas. Nicht alles Sklaven wurden so würdelos “beerdigt”. Viele Römer beerdigten ihre verstorbenen Sklaven in eigenen Gräbern bzw. bestatteten sie im Grab der Familie. Diese Ehre wurden Sklaven gewährt, wenn sie einen hohen Stellenwert in der Familie ihres Besitzers hatten. Vermögende Familien verbrannten ihre Toten. Dem Verstorbenen wurden Andenken, Lieblingsgegenstände, Weihrauch u.ä. beigelegt. Ein Familien-angehöriger öffnete dem Toten noch ein Mal die Augen, gab ihm einen Kuss und entzündete danach das Feuer. Nachdem das Feuer niedergebrannt war, sammelte man die Gebeine ein. Sie wurden in eine Urne gelegt und zum Grab gebracht. Den Abschluss der Trauerfeiern bildete der Leichenmaus.
Einfache Gräber wurden aus Dachziegeln gebaut und sahen wie ein Kartenhaus aus. Reiche Bürger beerdigten ihre Toten in Sarkophagen in ihren Familien-Mausoleen. Eine weitere Gräbereinrichtung waren die Columbara, die aus Wänden und Pfeilern bestanden, in den halbkreisförmige Nischen für jeweils zwei Urnen untergebracht waren. Die waren grosse Gemeinschaftsgräber, wie es sie nur in Italien gab. Bürger konnten sich schon zu Lebzeiten einen Grabplatz durch jährliche Zahlungen sichern. Die begehrtesten Grabstellen im columbarium waren die untersten Reihen, weil sich hier die Trauernden direkt an der Urne versammeln konnten. Kleine Plättchen unter den Urnen waren mit dem Namen des Toten versehen. Die Verehrung der Toten war ein wichtiger Bestandteil des römischen Lebens, so dass man im Jahr vier Mal ihrer festlich gedachte.