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Herdern liegt am Südabhang des Höhenrückens, der das mittlere Tal der Thur von demjenigen des Untersees trennt. Anlässlich einer Strassenanlage im Jahre 1855 von Herdern nach Kalchrain stiess man oberhalb der sogenannten Rappennester Reben auf ein Kohlenflöz. Das betreffende Land gehörte zum Berghofgut und wurde im folgenden Jahre samt dem Berghof von den Herren Landsmann und Duden in Zürich zum Zwecke der Kohlenausbeute erworben.
Die ersten Stollenanlagen wurden 1856 von den Ginsberg in Käpfnach ausgeführt. Dann liessen Landsmann und Duden durch einige Bewohner von Herdern weiter arbeiten. Die Kohlen lagen nur 2 — 3 m tief unter der Oberfläche und die darüber liegenden mergeligen Schichten waren durchweicht, sodass natürlich alles gesperrt und verschalt werden musste und beim Abbau musste das Dach durchwegs verschalt werden. Dieses Durchweichen war namentlich dadurch verursacht worden, dass infolge der konkaven Form des Bergabhanges oberhalb des Flözes eine grosse Menge Wasser seinen Weg über die das Flöz bedeckenden Schichten nahm. Man beutete dieser Schwierigkeiten wegen nicht das ganze Gebiet zwischen den beiden gezeichneten Hauptstollen a-b und c-d systematisch aus, sondern machte gegen die Mitte hin nur da und dort Löcher und nahm rings herum hervor, was man ohne besondere Vorrichtungen erreichen konnte. Nur der Streifen unter der Strasse blieb unangetastet, weil diese eben durch die Unterhöhlung zusammengestürzt wäre. Die horizontale Ausdehnung war gering, etwa 9000 m2. Sie ist aus unterstehender Skizze ersichtlich. Der abgebaute Mergel wurde zusätzlich als Düngemittel verkauft.
Das ganze Flöz fiel etwas gegen den Berg hinein. In SE Richtung schien es bei e-f schon sein Ende erreicht zu haben: „weder in den ostwärts befindlichen Weinbergen noch in der Ziegelhütte Wylen oder in Liebenfels, wo doch das Flöz ausbeissen sollte, ist eine Spur von Kohle oder nur bituminösen Schiefern oder von Kalkstein, gleich dem in der Grube bekannt.“ (Escher 1856/57). Das Flöz war bei e-f zwischen bräunlichen Mergeln eingeschlossen und noch etwa 60 cm mächtig, rostbräunlich bis schwärzlich, mergelig-schieferig und mit einigen etwa 1 — 2 cm dicken Kohlenlagen durchzogen. Zwischen c und a fiel das Flöz etwas westlich, im Stollen a-b dagegen östlich. Bei b-d schwand die kurz vorher noch 60 — 90 cm betragende Gesamtmächtigkeit auf einen dünnen, schwärzlichen Streifen von 3 — 6 cm zusammen, der bei b 20 ° N- fallen zeigte und 1 — 2 m abwärts verfolgt wurde.
Später machte man einen 9 m tiefen Schacht, ohne etwas zu finden. Diese Stelle war ungefähr da, wo der Wolfisberg auf einmal ansteigt. „Da der Abhang über dem Kohlenflöz eine Art Ausschnitt, eine Vertiefung in die allgemeine Kontur des Geländes bildet und das Flöz gegen Osten sich nicht weiter fand“, so vermutete Escher zuerst, dieses Stück Flöz gehöre eigentlich in ein höheres Niveau und sei durch eine „failleartige Bewegung“ hinabgesunken. „Diese Ansicht verliert indes umso mehr an Wahrscheinlichkeit, als eben in der ganzen Gegend von einem Kohlenflöz in höherem Niveau nicht eine Spur zu sehen ist.“ (Escher 1856/57). Das Flöz wäre in jenem Falle wohl auch nicht mehr so ganz unversehrt, wie es sich in der Tat zeigte. Unerklärlich waren Escher in diesem Gebiet die zahlreichen Rutschflächen des hangenden Mergelschiefers. Die ganze Bildung betrachtete er als Ausfüllung einer kleinen Mulde, einer Morastpfütze, „von Schildkröten, Planorbis und Limnaeus bewohnt“.
Die Zürcher Sammlung bewahrt Panzerüberreste auf, von einer hart- und einer weichgepanzerten Schildkrötenart, nämlich von Testudo Escheri Pict. et Humb. und Trionyx cf stiriaca Pict.
In der Frauenfelder Sammlung befinden sich einige unbestimmbare Knochenstücke, an Kohle hängend. Auch die Landschnecke Hélix Zellii Kurr. und Überreste von Feigenbäumen, z. B. von Ficus tiliuefolia A. Br. (Heer, Urwelt, pag. 479) wurden gefunden.
Über die Beschaffenheit der Kohle schrieb Bürgi: „Ihr Wassergehalt (das heisst in lufttrockenem Zustand) beträgt 19%, ihr spez. Gewicht 1,35 —1,4, ihr absolutes Heizvermögen 4900 — 4935 Wärmeeinheiten. Auf den Aschen- und Schwefelgehalt habe ich diese Kohlen nicht geprüft“.
Nach Pettenkofer (Asche abgerechnet) besass sie 66,41 °/o C, 5,46 °/o H und 28,13% 0. Sie stand also im Bezug auf C-Gehalt, spez. Gewicht und Wärmeeffekt unter der Elgger und Käpfnacher Kohle.
Die Ausbeutung hörte 1862 auf. Wie viel sie im ganzen ausmachte, konnte schon damals nicht mehr ermittelt werden. Escher berechnete seiner Zeit für das Gebiet zwischen Stollen a-b und c-d bei 15 cm Mächtigkeit verkäuflicher Kohle 34 713 Zentner und Prof. Deicke in St. Gallen führt für 1858 allein 23 000 Zentner an. Diese Zahl erscheint aber viel zu hoch zu sein.
Als man dann 1865 die Strasse 2 — 3 m tiefer und etwas bergabwärts verlegte, traf man natürlich auf einen Teil des genannten Streifens und beutete bei dieser Gelegenheit 750 — 800 Zentner aus, die man à 80 Cts. per Zentner nach Frauenfeld verkaufte. Auch 1893 wurden aus einem kleinen übrig gebliebenen Dreieck 80 Zentner hervorgeholt und zu 90 Cts. per Zentner verkauft. Danach war nur noch der übrig gebliebene Teil unter der früheren Strasse und was man durch die oben genannten Löcher nicht fand, unter dem Boden. Das betreffende Land gehört zu Kalchrain, ist also thurgauisches Staatseigentum.
B. Frei erzählte Letsch, dass gegen Ende der Fünfzigerjahre nur noch er und ein anderer Mann, von Beruf Schuhmacher, ausbeuteten und dass sie zwischen a-b und c-d einen Querstollen hätten treiben wollen. Sie seien aber nicht bis c-d gekommen, sondern in einem grossen Bogen fast wieder bei b hinaus. Bei einem nochmaligen Ansetzen hätten sie sich dann mehr rechts gehalten, aber, da beide eigentlich nichts von Zimmerung verstanden hätten, sei dann einmal während der Nacht alles zusammengestürzt und habe Karren, Schlägel etc. begraben. Das Geschirr liege jetzt noch dort.
Letsch 1899: Beiträge zur Geologie der Schweiz. Geotechnische Serie, I. Lieferung. Die Schweizerischen Molassekohlen. Kümmerly & Frey, Bern 1899
Der Bergbau während dem ersten Weltkrieg.
Nachdem der Bergbau seit 1862 geruht hatte, wurde die Ausbeutung im November 1916 durch die Firma Gustav Weinmann in Zürich wieder aufgenommen. Bis zum Frühjahr 1917 gewann man durch Tagebau unter einer Fläche von etwa 500 m2 einige Waggon Kohlen. Das Flöz lag auch hier in einer Tiefe von 2—3 m.
Später wurde das Bergwerk von der Firma H. Stromeyer, Lagerhausgesellschaft in Kreuzlingen, übernommen. Am 19. September 1917 begann man mit den Abdeckungsarbeiten. Zunächst wurde das schwach überlagerte Flöz mit einem Schlitz durchfahren und ebenfalls im Tagebau links und rechts davon abgebaut. Dabei wurden im Oktober und November zusammen 145 t Kohle gefördert. Ca. 30 m von der Strasse entfernt, ging man zum Stollenbetrieb über. Da der Hauptstollen vorwiegend im „alten Mann“ verlief, beschränkte sich die Ausbeutung auf einige stehen gelassene Sicherheitspfeiler. Später erschloss man durch einen nach SE vorgetriebenen Seitenstollen noch ein kleines unverritztes Feld, das abgebaut wurde. Sonst stiess man nach allen Richtungen auf „alten Mann“. Bei 72 m Länge traf der Hauptstollen auf eine W—E verlaufende Kluft, wo das Flöz rasch an Mächtigkeit abnahm, ein deutliches Umbiegen nach unten zeigte und mit 55° nach N einfiel. Das Flöz fiel nach SE etwa 20 m weit leicht ab und stieg dann wieder an (Profil C-D). Im Einzelnen war an der Kluft unregelmässiges Fallen und Streichen zu erkennen. Im Hangenden jenseits der Verwerfung trat geschichteter Mergel auf, während das Hangende des Flözes aus Sandstein bestand. Schon Arnold Escher v. d. Linth hatte 1857 auf dieses plötzliche Verschwinden und Umbiegen nach unten hingewiesen (siehe Schnitt durch das Flöz) und erwähnte, dass ein 9 m tiefer Schacht ergebnislos verlaufen sei. Doch glaubte man diesen Angaben nicht (Dr. Emil Lange, Gutachten vom 15. November 1917 und Prof. C. Schmidt, geologischer Bericht vom 20. November 1917), ermunterte zu neuen Grabungen und opferte noch einige tausend Franken, nur um die genannten Erscheinungen von neuem zu konstatieren. In der Annahme, dass die Störung auf eine Verwerfung zurückzuführen sei, verlängerte man den Stollen noch um 12 m. An seinem Ende wurde ein 4 m tiefes Gesenk abgeteuft und man bohrte noch zusätzlich 3,5 m tief, ohne aber das Flöz zu finden (Profil A-B). Die Aufschlüsse zeigten gleichbleibendes Gebirge, das aus Tonen und Mergeln bestand. Damit war erwiesen, dass das Flöz, falls man mit einer tieferen Bohrung noch fündig geworden wäre, nicht ohne eine Schachtanlage hätte abgebaut werden können. Eine Wiedergewinnung im gleichen Horizont schien wenig erfolgreich. Dr. Emil Lange sprach die Vermutung aus, dass hier keine Verwerfung vorliege, sondern die Störung auf einem Fazieswechsel des Gesteins beruhe: „Auch nach W hin habe ja der Tagebau ein plötzliches Auskeilen des Flözes dargetan“.
Sei es, wie es wolle, das praktische Ergebnis war das gleiche. Man hatte hier ein Flöz vor sich, mit allseitig ganz beschränkter, örtlicher Ausdehnung. In Anbetracht der begrenzten Abbauwürdigkeiten beschränkten sich die Konzessionäre darauf, nur die erschlossenen und noch nicht völlig abgebauten Gebiete auszubeuten und legten den Betrieb im Januar 1919 still.
Produktion.
Zu den durch Tagebau gewonnenen 145 t kamen 1917 noch 320 t unter Tag geförderte Kohle hinzu, während die untenstehende Tabelle Aufschluß über die Förderung im Jahre 1918 gibt.
Im Januar 1919 wurde der Betrieb eingestellt. Anfänglich waren 6 Arbeiter (deutsche internierte Bergleute) unter Tag in drei Schichten zu 8 Stunden beschäftigt und 8 über Tag mit 10-stündiger Arbeitszeit. Der Abtransport der Kohle fand mittels Fuhrwerk, der Verkauf derselben an kleine Verbraucher der Umgebung statt. Die Installationen zur Gewinnung der Kohle waren äußerst primitiv und bestanden nur aus einem 50 cm Spurgeleis, einer Feldschmiede und einer Membranpumpe. Für die Arbeiter war eine Ess- und Gerätebaracke errichtet worden.
Das Flöz und die Kohle.
Es liegt in der obern Süßwassermolasse. Über Lagerung, Mächtigkeit und Ausdehnung des Flözes, sowie über die Beschaffenheit der Kohle lassen sich nach Arnold Escher v. d. Linth und Bergingenieur Bürgi folgende Angaben machen:
Das Flöz selbst zeigte ähnliche Erscheinungen wie die Vorkommnisse an andern Orten. Es bildete nicht eine einzige zusammenhängende Kohlenmasse, sondern zerfiel gewöhnlich in drei, aber auch in weniger oder mehr Streifen, die durch hellbräunlichen, dünnschichtigen Süsswasserkalk (Stinkstein) oder kohligen Schiefer von einander getrennt waren. Dieser war sehr petrefaktenreich und zeigte namentlich an den Grenzflächen gegen die Kohle Lagen gepresster Planorbisschalen. Der gegenseitige Verlauf von Kohle und Kalkschichten war aber durchaus kein regelmässiger. Im Gegenteil, es zeigte sich selbst auf geringe Entfernung ein Auskeilen und Wiedereinsetzen der Kohle und der Zwischenlagen. „Überraschend war das so sehr häufige Auftreten kleiner isolierter Kalkpartien mitten in der Kohle und von schwarzer glänzender Kohle teils streifen- teils nestweise mitten in dem Kalkstein.“ (Escher 1856/57). Hilfreich ist auch die folgende Abb. mit acht neuen Flözprofilen. Es ist bereits erwähnt worden, daß das Flöz oberhalb der Straße allseitig auskeilte, also nur von geringer Ausdehnung war (zirka 9000 m2). Außer den Beobachtungen im Abbaufeld ist diese Tatsache noch durch vier Schürfungen im W und E desselben festgestellt worden. Abgesehen von den starken Schwankungen der Kohlenmächtigkeit, zeigte auch das Flöz, trotzdem es als Ganzes flach lag, viele Unregelmäßigkeiten: stellenweise lag es wagrecht, bergwärts fiel es um 23° nach N, näher der Straße gegen S.
Die Gesamtmächtigkeit des Flözes mag im Durchschnitt 60 — 90 cm betragen haben und die der Kohlenstreifen 9 — 15 cm. Gegen die Mitte zu zeigten sich auch lokale Anschwellungen einzelner Lagen bis zu 30 cm, dann waren aber gewöhnlich die begleitenden Kohlenstreifen verschwunden oder nur wenige cm dick, sodass sie beim Abbau verloren gingen oder dass deren Scheidung sich nicht gelohnt hätte. Die nutzbare Mächtigkeit war wohl mit 18 cm hoch genug bemessen. Das Liegende der Kohle war ein versteinerungsreicher bituminöser Mergelsandstein; darunter folgte der gewöhnliche tonige Sandstein der obern Süsswassermolasse. Das Hangende wurde gebildet durch einen sehr bituminösen schwarzen Tonmergel, 18 — 24 cm mächtig, der im hintern Teile des Abbaugebietes von zahlreichen, verschieden gerichteten, polierten Rutschflächen durchsetzt war. Letsch hatte im Juli 1898 an einer noch unverritzten Stelle einen Schurf ausführen lassen und dabei folgende Schichtfolge konstatieren können:
Humus, wenig,
Sandfelsen, weiss, glimmerreich, 2 m, übergehend in Molassemergel, gelb, sandig,Kohlenkalk mit Schneckenschalen, unten in etwas Kohle übergehend 3 — 4 cm
Süsswasserkalk, dunkel, stark bituminös, dann und wann
mit äusserst dünnen Kohlenschmitzen 7 cm
Kohle, beiderseits eingeschlossen von etwas Kohlenschiefer 4 cm
Stinkkalk, gelblichbraun, beiderseits dunkel werdend und durch
zusammengedrückte Schneckenschalen fein geschichtet und
übergehend in einen Streifen unreine Kohle 5 — 6 cm
Schiefriger Kohlenkalk, obere Lagen massenhaft mit Muschel-
und Schneckenschalen, unten übergehend in unreine
Kohle 2 — 3 cm
Kohle, schwarz glänzend, fein gebändert und geschichtet aus-
sehend durch zahlreiche, oft ganz dünne, stark glänzende
Partien; beiderseits einige mm erdig-schiefrig 15—16 cm
Kohlenschiefer, mergelig, ganz dunkel, auf den Schichtflächen
glimmerhaltig, Bruch sammtartig aussehend, durchzogen mit
äusserst dünnen Kohlenlamellen 2 — 3 cm
Tonmergel, ähnliche Beschaffenheit wie obiger Kohlenschiefer,
weich, mit dem Messer leicht schneidbar, mittlere Partien
fast kohlenartig aussehend, Schneckenschalen enthaltend,
unten sandig werdend, (ähnlich dem „Schrammberg“ von
Kapfnach) etwa 30 cm
Sandstein, blau,
Ganzes Flöz ungefähr 70 cm
Chemische Zusammensetzung der Kohle.
Über die Zusammensetzung der Kohle liegen einige Analysen der Prüfungsanstalt für Brennstoffe der Eidg. Technischen Hochschule in Zürich vor. Die ersten drei entsprechen der obern und untern Kohle in Profil 1, (22. November 1917), die vierte Analyse bezieht sich auf sortierte Verkaufskohle vom 21. Dezember 1917.
Stark kohlige Begleitgesteine wiesen pro kg Heizwerte von 2777 und 1857 Wärmeeinheiten auf und Aschenmengen von 42,4% und 58,2%- Der pulverige Koks enthielt nur 13,6% und 11,8% fixen Kohlenstoff.