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Das Jahr des Abschieds (1970)
Alles wird vergebens gewesen sein
Am 26. Februar 1970 verfasste Marlen Haushofer einen letzten Text, der als sowas gilt wie ihr literarisches Testament: (1)
Dieser Text wurde als Marlen Haushofers Vermächtnis das erste Mal in Jeannie Ebners Literatur und Kritik veröffentlicht, aber in verfälschter Form. Man liess einfach die zweite Hälfte des Satzes “Dafür sei Gott bedankt, den es nicht gibt” weg und stellte ihn so auf den Kopf. (2)
Am 6. März wurde Marlen Haushofer wieder in die Wiener Privatklinik eingeliefert. Ihre Schmerzen waren schier unerträglich geworden. In der Klinik entschloss man sich am 10. März für eine Operation des Rückenmarks, um die Hüfte versorgenden Nerven zu durchtrennen und damit die Schmerzbahn zu unterbrechen. Die Operation misslang, eine Infektion führte zur Gehirnhautentzündung. Marlen war nicht mehr ansprechbar, litt unter Krämpfen und fiel ins Koma. Als Hans Weigel ein letztes Mal bei ihr war, fragte er sie: “Was macht dein Seelenleben?” Sie antwortete lächelnd: “Ich hab’ überhaupt kein Seelenleben mehr.” (3)
Am 21. März 1970, drei Wochen vor ihrem fünfzigsten Geburtstag, starb Marlen Haushofer in der Wiener Privatklinik. Marlens Bruder verbrachte die Nacht an ihrem Bett, während der Ehemann und die Söhne draussen warteten. Über Jahre hinweg hat Marlen – wie es heisst – den Knochenkrebs mit grenzenloser Geduld ertragen. Nach ihrem Tod wurde Marlen Haushofer am 26. März 1970 in der Feuerhalle des Wiener Zentralfriedhofs eingeäschert. Die Kremation erfolgte auf ihren eindrücklichen Wunsch…Nichts sollte von ihr übrig bleiben.
In ihrem Testament setzte Marlen Haushofer Oskar Jan Tauschinski als ihren Nachlassverwalter ein. Ihrem Mann und ihren Söhnen traute oder mutete (?) sie die Sorge um ihr Werk offenbar nicht zu. (4)
Das Begräbnis Marlen Haushofers fand in kleinem Rahmen in Steyr statt. Die Medien berichteten meist in nur kurzen Mitteilungen, während zum 50. Geburtstag am 11. April 1970 insbesondere oberösterreichische Tageszeitungen ausführlichere Würdigungen der Schriftstellerin veröffentlichten.
Marlen Haushofer, meine Zwillingsschwester, hat sich zu einem langen Schlaf zurückgezogen und wir wollen ihn diesem schlafsüchtigen Wesen von Herzen gönnen. Da sie nichts von ihrem Glück weiss, wird sie es ja kaum geniessen können. (Aus Marlen Haushofers Nachruf zu Lebzeiten Für eine vergessliche Zwillingsschwester, den sie in den sechziger Jahren geschrieben hatte).
Quellhinweise
Daniela Strigl: “Wahrscheinlich bin ich verrückt” Marlen Haushofer – Die Biografie:
(1) Seite 325 f., (2) Seite 325 f., (3) Seite 328, (4) Seite 328