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Schweizermeister 2001
Saison 2000/01
Mit dem wieder engagierten Trainer Larry Huras sollte dem sogenannten Meisterblues entgegengewirkt werden.
Die Zuzüge Steck, Streit, Crameri und Mc Kim verstärkten den Kader erneut und ersetzten den zurückgetretenen Chrigel Weber und den zu Rapperswil abgewanderten Martikainen mehr als adäquat. Sportchef Schenk, seines Zeichens Architekt des Meisterteams, liess vor der Saison verlauten, dass diesmal der Abstand zu Lugano in der Qualifikation kleiner gehalten werden solle. Doch vor allem wolle er eines nicht mehr erleben: Pfiffe im Hallenstadion gegen das eigene Team.
Bereits im ersten Meisterschaftsspiel in Bern zeigte Streit seine Klasse und rettete mit seinem Tor zum 1:1 dem ZSC einen Punkt. Zeiter kassierte einen Stockschlag, brach sich dabei den Daumen und fiel über einen Monat lang aus. Im Gegensatz zur Vorsaison fiel der Saisonstart nicht gerade berauschend aus, stand doch aus den ersten fünf Partien lediglich ein Sieg gegen La Chaux-de-Fonds zu Buche. Auch zu Hause gegen Chur kam man lediglich zu einem höchst seltenen 0:0. Danach nahm der Zett aber allmählich Fahrt auf und blieb während einem Dutzend Spielen ungeschlagen.
Am 30. Oktober 2000 gastierte Rapperswil im Hallenstadion. 13 Spiele ohne Niederlage hatte seit Einführung der Playoffs noch niemand geschafft – Larry Huras warnte vor Überheblichkeit: vergeblich. Die meisten Akteure zeigten wenig Lust, zu arbeiten, nach dem meisterlichen Auftritt am Vorabend im Spitzenkampf in der Leventina. 2:3 lautete das Schlussresultat gegen die Rosenstädter. Einzig Sulander, der mit zahlreichen Paraden eine höhere Niederlage verhinderte, erreichte bei den mental müden Zürchern seine Normalform.
Nach 18 Spielen sah die Tabelle folgendermassen aus: 1. ZSC Lions, 18/26; 2. Davos, 16/21; 3. Ambri, 18/21. Lugano als Tabellenfünfter startete mit 18 Punkten aus 15 Spielen eher verhalten.
In dieser 18. Runde kam es zur Affiche ZSC Lions gegen den HC Davos. Das Spiel ging mit 4:3 an die Lions, wurde aber von einem Foul eines Davosers am Neueinkauf Andrew Mc Kim der überschattet. Ein Cross-Check ins Genick des unvorbereiteten Mc Kim lautete das Vergehen. In diesem Moment ahnte wohl noch niemand, dass dieses Foul noch eine lange Geschichte mit sich ziehen würde: Für McKim sollte es das letzte Spiel gewesen sein, denn eine Rückkehr aufs Eis gelang ihm leider nicht. Als Ersatz wurde dann ein alter Bekannter engagiert: Pat Lebeau.
Anfang Januar verlor man erneut gegen Rapperswil. Und als am Tag darauf auch das Heimspiel gegen Langnau mit 0:3 sang- und klanglos verloren ging, witterten einige bereits eine Krise beim Meister. Dies war notabene die erste Heimniederlage gegen diesen Gegner seit 14 Jahren! Keine guten Voraussetzungen für den im Hallenstadion stattfindenden Continental Cup.
Zu Beginn des Turniers konnten die London Knights 1:0 und die München Barons 4:1 geschlagen werden. Im dritten und letzten Spiel gegen Slovan ging der Zürcher Club mit 1:5 unter. Der Turniersieg ging dennoch an die Zürcher, da die punktgleichen Briten die Direktbegegnung gegen die Lions bekanntlich verloren hatten. Titel nehmen, Mund abwischen, weitermachen!
In den letzten sieben Qualifikationsspielen verlor der ZSC nur noch ein einziges Spiel, nämlich das letzte: Im Emmental musste sich der Löwe mit 0:3 geschlagen geben. Dadurch wurde der Qualifikationssieg in letzter Minute noch aus den Händen gegeben. Das wiedererstarkte Lugano setzte sich mit einem Punkt Vorsprung durch und sicherte sich das Heimrecht in den Playoffs in einem allfälligen Final. Ärgerlich!
Da Lebeau sich kurz vor den Playoffs verletzte, engagierte der ZSC den Schweden Morgan Samuelsson. Dieser führte sich glänzend ein und erzielte beim 3:1-Sieg in Davos sämtliche Tore.
Der Gegner in der ersten Playoffrunde hiess somit Rapperswil. Ungute Erinnerungen kamen auf, hatte man doch in der Qualifikation zweimal gegen den Gegner vom oberen Zürichsee verloren.
Nun denn, die Befürchtungen entpuppten sich als unbegründet. Die Zürcher Equipe zeigte sich von ihrer Schokoladenseite und schickte die Mannschaft aus dem «Lido» mit einem glatten 4:0 in die Ferien. Vom Halbfinalgegner Kloten hingegen erwartete man vorgängig schon etwas mehr Gegenwehr.
Im Hallenstadion, das vom ersten Spiel des Halbfinals an bis zum Ende der Saison jeweils ausverkauft war, wurde Kloten zweimal ganz knapp geschlagen. Nachdem die Stadtzürcher zwischendurch auch das zweite Spiel in Kloten nach Verlängerung gewannen, stand es aus Sicht der ZSC Lions schnell einmal 3:0 in der Serie.
Der zweite Auftritt in Kloten (Spiel vier) verlief dann überraschend einseitig – und zwar für Kloten. Betriebsunfall? Nervosität vor dem möglichen Final? Cleverer Schachzug, um weitere Einnahmen durch ein weiteres Heimspiel zu generieren? Die Meinungen waren gespalten und das Fachsimpeln in den Stammbeizen war nicht zu verhindern. Dennoch benötigten die ZSC Lions weiterhin nur einen Sieg, um erneut in den Final einzuziehen.
Dank einer hervorragend organisierten Defensive und einem klaren Vorteil bei den Special Teams wurde die Aufgabe souverän gemeistert und Kloten mit 4:1 geschlagen. Einen besonderen Moment an diesem Abend lieferte Micheli, bekannt als Filigrantechniker ohne eine einzige Disziplinarstrafe in über 500 NL-Schlachten: In der 31. Minute ging Brandon Convery auf eine nicht angebrachte Art auf den Zürcher Captain los. Das liess Micheli nicht auf sich sitzen und forderte sein Gegenüber heraus. Convery, wie es sich für einen Kanadier gehört, liess sich nicht zwei Mal bitten und nahm die Offerte Michelis ohne Handschuhe an. Was folgte, war eine nicht ganz jugendfreie Prügelei, wie sie das Hallenstadion seit Angehrn vs. Rocchigiani nicht mehr gesehen hatte. Schnell sahen die Zuschauer, dass Michelis letzter Boxkampf 15 Jahre zurücklag (St. Moritz vs. Faido) und er tatsächlich nicht der Mann fürs Grobe war. Ein Brummschädel sowie eine Matchstrafe waren die logischen Konsequenzen aus diesem ungleichen Duell.
Nun stand die Finalpaarung also fest: Wie im Vorjahr hiess der Gegner Lugano, und man musste auswärts in die Serie starten. Einen ersten Sieg landeten die Zürcher bereits vor dem ersten Puckeinwurf – Jan Alston zog das Angebot des Stadtclubs für die kommende Saison demjenigen der Tessiner vor.
Bereits in der zweiten Minute sorgte Fuchs für das erste Tor für die Einheimischen. Vergeblich rannten die Zürcher dem frühen Rückstand hinterher und mussten in den Schlussminuten gar zwei weitere Treffer und somit ein 0:3 hinnehmen.
Das nächste Spiel im Hallenstadion war hingegen eine einseitige Angelegenheit für den ZSC. Die Checker-Linie um Ouimet, Stirnimann und Schrepfer setzte der Seniorenverteidigung von Lugano bei jedem Einsatz massiv zu. Nur Torhüter Huet konnte den Schaden in Grenzen halten. Pat Lebeau, der den Vorzug vor Samuelsson erhielt, erzielte in der 28. Minuten den Führungstreffer für Blauweissrot. Diese knappe Führung hatte bis zur Schlussminute Bestand, ehe Zeiter und Salis den Sack endgültig zumachten.
In Spiel drei in Lugano musste Koleff seinen schwedischen Marathonmann Anderson wegen einer Sperre draussen lassen. Für ihn wurde Bozon, der die Playoffs bisher von der Tribüne aus beobachten musste, ins Spiel gebracht. Ausgerechnet dieser Bozon war an diesem Abend der einzige Torschütze Luganos. Unglücklich für die Zürcher, dass er gleich vierfach traf: 1:4-Niederlage, womit es in der Serie 2:1 für Lugano stand.
Im vierten Spiel stand das Team aus Oerlikon bereits mächtig unter Druck. Denn das Heimspiel musste unter allen Umständen gewonnen werden, sollte man nicht bereits vorzeitig mit dem Rücken zur Wand stehen. Positiv stimmte besonders die Statistik, gemäss welcher die Zürcher seit 13 Playoff-Partien im heimischen Hallenstadion ungeschlagen waren.
Nun ja, die Geschichte ist dann aber schnell erzählt: Konnte der Zett im ersten Drittel resultatmässig noch mithalten (0:1), so wurde die Partie, wenn nicht gar die Meisterschaft, innert sechs Minuten vermeintlich vorentschieden. In diesen zog Lugano davon und führte schnell 4:0. Die verloren geglaubte Meisterschaft bewog dann den militanten Anhang des ZSC nach Spielschluss, im «4. Drittel» mehr Emotionen zu zeigen als die eigene Mannschaft in den 60 Minuten zuvor. In der Presse wurden die ZSC Lions als «Plüschlöwen» bezeichnet und mit harter Kritik konfrontiert.
Am 3. April 2001 ging es bereits wieder nach Lugano – zu dessen Meisterfeier? Es schien auf alle Fälle so, denn dem Zürcher Anhang wurde der Zutritt in die Resega verwehrt. Dies bekam auch die Mannschaft mit, die sich von dieser Nachricht jedoch zusätzlich pushen liess. So kamen die Zürcher, um eine Floskel zu verwenden, wie die Feuerwehr aus der Kabine. Zeiter erzielte nach gerade mal 17 Sekunden die Führung für sein Team. Laurent Müller erhöhte auf Pass von Streit nach fünf Zeigerumdrehungen auf 2:0. Die Zürcher waren nicht wiederzuerkennen und vernaschten an diesem Abend das Team von Lugano regelrecht. Im Mitteldrittel erhöhten sie auf 4:0, und Lugano, nun stehend k. o., musste sein erstes Konzept der Meisterparty umschreiben.
Einzig Head Reiber hatte etwas dagegen und schickte nun einen Zürcher nach dem anderen in die Kühlbox. Lugano witterte eine kleine Chance auf ein Comeback und kam mit dem zweiten Pausenpfiff noch auf 2:4 heran. Der Zett liess sich jedoch die Butter nicht mehr vom Brot nehmen und siegte in einem der besten Playoffspiele seiner Geschichte mit 6:3. Kleine Notiz am Rande: Samuelsson wurde anstelle Lebeaus zum ersten Mal im Finale eingesetzt. Mit je einem Assist und Tor hauchte er dem ZSC neues Leben ein. Ein Schachzug, der sich bezahlt machte.
Schon 48 Stunden später wurde die Serie im Hallenstadion fortgesetzt. Lugano hatte trotz der vernichtenden Niederlage in der heimischen Resega noch immer zwei Matchpucks. Doch die Löwen überfuhren Lugano erneut. Christian Weber, der zwischenzeitlich den Rücktritt vom Rücktritt gegeben hatte, erzielte in der 6. Minute das 1:0 , womit die Partie lanciert war. Danach setzten die Zürcher zu einem Sturmlauf an, wie es das Hallenstadion in dieser Saison noch nicht gesehen hatte. Dieser mündete in einer 3:0-Führung zur ersten Pause.
Bereits diskutierte man die bevorstehende Finalissima und den Skandal, dass erneut keine Zürcher Fans zugelassen sein sollten.
Im Mitteldrittel ging es gleich weiter wie im ersten, stellten doch Seger und Micheli bis zur 25. Minute auf 5:0 – zu viel für die entzauberten Luganesi, bei denen einigen die Contenance verloren ging. Tschumi und Voisard wurden dann für ihre Vergehen vorzeitig unter die Dusche geschickt. Einen Wermutstropfen gab es dann aus Zürcher Sicht dennoch: Andreas Zehnder, Zesi-National, bestritt seine letzte von knapp 500 Schlachten für den ZSC vor eigenem Anhang. Das allerletzte Spiel seiner ZSC-Karriere folgte sogleich am 7. April 2001 in Lugano.
Die Finalissima: Tag der Entscheidung! Knapp 30 Zürcher schafften es trotzdem ins Stadion – unter ihnen auch Ernst Meier.
Schon früh (dritte Minute) verlor der ZSC Christian Weber aufgrund eines massiven Zahnschadens. Als dann auch noch Dubé in der siebten Minute zur Führung der Luganesi traf, schien das ZSC-Unheil seinen Lauf zu nehmen. Noch in jeder Finalpartie siegte die Mannschaft, die den Führungstreffer erzielen konnte. Doch Lugano strebte den zweiten Treffer, der die Meisterschaft wohl entschieden hätte, zu wenig entschlossen an. Voisard, bereits zwei Tage zuvor mit einem brutalen Foul negativ aufgefallen, brachte dann die Hoffnungen der Löwen zurück, indem er mit einem Cross-Check sein Team für fünf Minuten dezimierte. Die daraus folgende Überzahl nutzte Zeiter auf Pass von Samuelsson zum 1:1.
Zehn Minuten waren noch zu spielen, doch diese blieben torlos. Die 15-minütige Pause vor der Overtime kam vor allem Lugano zugute, das zum Schluss am Anschlag spielte. Die ZSC Lions hatten nun klar die Oberhand und in Michel Zeiter den dominierenden Spieler in ihren Reihen. Die Overtime war eine einseitige Angelegenheit. Dreifach scheiterten allein anstürmende Zürcher an Huet. Das Schussverhältnis von 9:1 für die Zürcher in der Verlängerung spricht Bände. Dennoch dauerte es bis in die 71. Minute, bis Lugano wieder mal mit 4 Spielern in der ZSC-Zone auftauchte. Samuelsson fing einen missratenen Querpass ab und lancierte den Konter. Micheli, der mitgelaufen war, brauchte nicht mehr einzugreifen und hatte so den besten Platz im Stadion gebucht: Samuelsson lief auf der Seite durch und zog entschlossen ab. Huet chancenlos, die Zürcher im kollektiven Jubel, der Titel im Sack und verteidigt.
Zuviel für den aufgeheizten Lugano-Anhang – eine angemessene Pokalübergabe konnte nicht stattfinden, da die Zürcher Helden vor dem wütenden Lugano-Mob (mittlerweile auch auf dem Eis) in die Katakomben flüchten mussten. Noch heute spricht man vom grössten Skandal in der Geschichte des Schweizer Eishockeys – mit süssem Nachgeschmack für die ZSC Lions.
Die Meistermannschaft:
Sulander, Kout, Streit, Salis, Plavsic, Seger, Samuelsson, Zeiter, Micheli, Della Rossa, Weber, Schrepfer, Jaks, Crameri, L. Müller, Baldi, Ouimet, Schnyder.
Gesperrt: Hodgson, verletzt: Stirnimann
Modus:
Qualifikation:
Spiele: 44 / Siege: 25 / Remis: 9 / Niederlagen: 10 / Punkte: 59
Playoffs:
Viertelfinal vs. Rapperswil, Serie 4:0
Halbfinal vs. Kloten, Serie 4:1
Final vs. Lugano, Serie 4:3