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Cologny GE, 4,5 Milliarden
Nein, Gennadi Timtschenko (60) hatte und hat keine Geschäftsbeziehungen zu Russlands Präsident Wladimir Putin. Er ist nur gut mit ihm befreundet. Oder gar nur lose mit ihm bekannt.
Das sagt der Pressechef von Timtschenkos Firma Gunvor jedem, der etwas anderes sagt. Aber auch Bekanntschaften können ganz nützlich sein. Jedenfalls hat sich Timtschenkos Aufstieg in bemerkenswerter Parallelität mit dem seines Bekannten Putin vollzogen, dessen Judoklub er einst sponserte. Innert fünfzehn Jahren, während deren Putin erst Ministerpräsident, dann unumschränkter Kremlherrscher wurde, stieg Timtschenko vom lokalen Unternehmer zu einem der führenden Ölhändler der Welt auf.
Seit 2004, als die renationalisierten russischen Energiekonzerne mit unabhängigen Firmen wie der Gunvor zusammenzuarbeiten begannen, hat sich deren Umsatz verzehnfacht. Mittlerweile ist die Gunvor der weltweit viertgrösste Öleinzelhändler mit einem Umsatz von sechzig Milliarden Dollar. Der Firmensitz liegt auf Zypern, einer Steueroase; im Genfer Büro arbeiten rund 200 der weltweit 500 Angestellten.
Ein Buch zweier russischer Soziologen identifiziert unter dem süffigen Stichwort «Politbüro 2.0» eine neue Machtstruktur in Russland. Sieben wichtige Personen mit unterschiedlichen Einflussbereichen gruppieren sich dabei um Putin. Zu den sieben gehört laut der Studie auch Gennadi Timtschenko. In den letzten zwölf Monaten gab es allerdings eher negative Schlagzeilen. Vor einem Jahr eröffnete die Schweizer Bundesanwaltschaft eine Untersuchung wegen Verdachts auf Geldwäscherei in Zusammenhang mit kongolesischem Öl und durchsuchte dabei auch die Genfer Räume der Gunvor. Die Firma kooperiere voll mit den Behörden, lässt diese verlauten, und die verdächtigen Transaktionen seien private Aktivitäten eines Angestellten, der mittlerweile nicht mehr für die Firma arbeite. Mitte des Jahres publizierten englischsprachige Wirtschaftszeitschriften Artikel über vermutete Preismanipulationen der Gunvor im russischen Raum und dramatische Rückgänge beim russischen Ölhandel. Ein Glück, dass die Gunvor seit einiger Zeit diversifiziert und Verladehäfen sowie Erdölraffinerien erworben hat und nun auch lukrative Geschäfte in Afrika betreibt.
Timtschenko wohnt in seiner im Jahr 2002 für achtzehn Millionen Franken erworbenen Villa in Cologny bei Genf, zahlt dort Pauschalsteuern und betreibt eine Stiftung zur Förderung der kulturellen Beziehungen zwischen Russland und der Schweiz. Seiner Tochter Xenia schenkte er 2008 zu deren 23. Geburtstag eine Villa für dreissig Millionen, und gleich vis-à-vis residiert sein langjähriger Geschäftspartner Torbjörn Törnqvist. Der besitzt wie Timtschenko 45 Prozent der Gunvor-Aktien, muss sich aber mit einem Vermögen von rund zwei Milliarden Franken begnügen, während dasjenige von Timtschenko wegen zahlreicher weiterer Beteiligungen auf 4,5 Milliarden geschätzt wird. «Dieser Anschluss ist nicht mehr in Betrieb», hiess es in Cologny.