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Medikamente
Medikamentöse Therapie der Grunderkrankung
Obwohl bis dato über 50 verschiedene Medikamente auf ihre Wirkung bei ALS getestet wurden, konnte ein deutlich lebensverlängernder Effekt bislang nur für Riluzol (Rilutek) [Lacomblez L et. all Amyotroph Lateral Scler Other Motor Neuron Disord 2002 Mar; 3 (1) 23-9] nachgewiesen werden.
Nicht rezeptpflichtige und gut verträgliche Substanzen wie Vitamin E, Kreatin und Co-Enzym Q 10 zeigten im Tierversuch (ALS-Maus) einen deutlich lebensverlängernden Effekt und wurden des Öfteren in der Hoffnung, auch beim Menschen zu wirken als zusätzliche Therapie zu Riluzol empfohlen. Die inzwischen abgeschlossenen klinischen Studien an ALS-Patienten konnten diesen Effekt (ausser beim Rilutek) aber leider nicht belegen.
Riluzol (Rilutek®)
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Ist ein Glutamat-Hemmstoff, der erstmals in einer Studie 1994 eine signifikant lebensverlängernde Wirkung bei ALS Patienten gezeigt hat. Vorangegangene Studien berichteten von einer um durchschnittlich 3 Monate verlängerten Lebenserwartung. In den nachfolgenden Studien konnte ein noch deutlicheres Ergebnis erzielt werden (bis zu einer Verdoppelung der Lebenserwartung). In der Regel wird das Medikament sehr gut vertragen.
Die häufigsten Medikamentennebenwirkungen sind Übelkeit, Mattigkeit, Schwindel, Hautausschläge, Appetitlosigkeit. In seltenen Fällen wurde auch eine vorübergehende Erhöhung der Leberwerte beobachtet.
Vitamin E
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Ist ein Radikalfänger (= Substanz, die im Körper anfallende Abbauprodukte und Schadstoffe abtransportiert und unschädlich macht) und wirkt indirekt neuroprotektiv (nervschützend). Vitamin E hat im Tierversuch einen positiven Effekt auf das Fortschreiten der Erkrankung, es wirkt jedoch nicht auf die Überlebenszeit. Dieselbe Wirkung konnte nach Anwendung auch am Menschen beobachtet werden [Desnuelle C et al. Amyotroph Lateral Scler Other Motor Neuron Disord 2001; 2: 9-18]. Vitamin E wird bereits weitverbreitet in der Geriatrie ( = Altersmedizin) verwendet, um den herkömmlichen Alterungsprozessen entgegenzuwirken.
Vitamin E ist nicht rezeptpflichtig und wird (von den meisten) Krankenkassen bezahlt. In der Schweiz sind nur Gelkapseln erhältlich. Vitamin E in Tropfenform ist in Deutschland und Österreich und über Versand in der Schweiz erhältlich.
Kreatin
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Ist eine körpereigene Substanz, die auch mit der Nahrung (Fisch und Fleisch) aufgenommen wird. Es spielt eine wichtige Rolle im Zellstoffwechsel und zeigte im Tierversuch einen signifikanten Effekt auf das Überleben. Beim Menschen konnte ein symptomatischer Effekt auf die Muskelkraft nachgewiesen werden [Mazzini L et. al. Journal of Neurological Sciences 2001; 191:139-144]. Jedoch konnte dieser Effekt in neueren Studien nicht reproduziert werden.
Diese Substanz ist in Pulverform rezeptfrei (Sportgeschäfte, Drogerien, Apotheken) erhältlich und sehr nebenwirkungsarm (gelegentlich Durchfall), wird aber leider nicht von der Krankenkasse bezahlt.
Coenzym Q10
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Gehört ebenfalls zu den Radikalfängern. Auch Coenzym Q 10 zeigt im Tierversuch eine deutliche Lebensverlängerung. Die Studien beim Menschen blieben aber negativ.
COX-II-Hemmer
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Gehören zu der neuen Generation der Analgetika (Schmerzmittel) und gelten als besonders magenschonend. Neben der schmerzlindernden Wirkung besitzt es auch einen deutlichen antiphlogistischen (entzündungshemmenden) Effekt. Entzündungen auf Zellebene - so wurde in histopathologischen Rückenmarksuntersuchungen in Tiermodellen nachgewiesen - spielen auch bei der ALS eine Rolle. Im Tierversuch konnte nach Gabe von Cox-II-Hemmer eine deutliche Lebensverlängerung nachgewiesen werden. Leider bestätigte sich diese Wirkung beim Menschen nicht!
Minocylin (Minocin®, Minostad®)
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Aus der Substanzklasse der Antibiotika, wird seit Jahren in der Akne Behandlung eingesetzt. In der Regel wird es gut vertragen, kann aber in seltenen Fällen zu einer Erhöhung der Leberwerte führen, daher sollten diese regelmäßig kontrolliert werden. Minocyclin brachte im Tierversuch in Kombination mit Riluzol und Creatin vielversprechende Ergebnisse. Allerdings zeigte eine kürzlich abgeschlossene Studie beim Menschen leider eher eine tendenzielle Verschlechterung gegenüber einer Behandlung mit einem Schein-Präparat (Placebo), sodass Minocyclin nicht mehr empfohlen werden kann.
Lithium
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Nach einer im Februar 2008 veröffentlichten italienischen Arbeit ergaben sich in einer kleinen klinischen Studie am Menschen Hinweise auf einen möglichen krankheitsverzögernden Effekt von Lithium bei ALS. Jedoch ist die Fallzahl (16 Patienten mit Lithium und Rilutek gegenüber 28 mit Rilutek alleine) zu klein, um zuverlässige Daten zu ergeben; hier könnten zufällig schlechtere Krankheitsverläufe in der Gruppe ohne Lithium zahlenmässig überwogen haben.
In den ersten Tierversuchen bei SOD-Mäusen fanden sich Hinweise auf einen krankheitsverzögernden Effekt von Lithium; dieses war aber auch bei mehreren anderen Wirkstoffen der Fall, wo bei der Prüfung am Menschen hingegen keine Wirkung nachweisbar war (siehe oben).
Neuere tierexperimentelle Studien bei ALS-Mäusen zeigten hingegen einen negativen Effekt durch Lithium. Ebenfalls beim Menschen scheint die Therapie mit Lithium nach aktuellen Ergebnissen eher einen negativen Effekt bei der Anwendung beim Menschen zu haben, weswegen wir die Anwendung nicht empfehlen.
Andere
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Weitere klinische Studien werden derzeit mit anderen Substanzen (Antiretroviral, Tamoxifen, IGF, THC) durchgeführt. Ob und inwieweit diese Medikamente bei ALS-Patienten zur Anwendung kommen, kann gegenwärtig noch nicht beurteilt werden.