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Autor: Emil Baschnonga, London
Der Titel dieses Blogs bezieht sich nicht auf eines der vielen Madonnenbilder aus der italienischen Renaissance, sondern auf das Pop-Idol Madonna – Sängerin, Tänzerin, Schauspielerin, Feministin – und seit kurzem ebenfalls Schriftstellerin.
Gestern Dienstag, 17. Oktober 2006, ist die 48-jährige Madonna mit „David“ und viel Pomp und Entourage aus Malawi nach London zurückgeflogen. Damit hat sie einen Media-Zirkus entfacht. Die grosslettrige Überschrift im gestrigen „Evening Standard“ lautete „SHE’S GOT HIM“ („Sie hat ihn“). Ihr „adoptierter“ Sohn ist 13 Monate alt und heisst David Banda. Sie konnte die bürokratischen Schranken, die normalerweise einer Adoption auferlegt sind, bisher mühelos überspringen. Jetzt liegt es an den englischen Behörden, ihren Segen dazu zu geben. Krass gesagt, kaufte sie das Halbweisenkind David (sein Vater lebt noch) mit einer versprochenen Zuwendung von 1,6 Mio. £ an die Waisen in Malawi. Ihre grosszügige Gabe wird von einem „Kabbalah"-Zentrum (das einem altjüdischen Mystizismus zugetan ist) in Los Angeles (Hauptsitz) bzw. London (Niederlassung) verwaltet. Madonna, eine gebürtige Katholikin italienischer Abstammung, hat den Glauben dieser jüdisch-mystischen Sekte angenommen. Sie spricht jetzt bereits davon, für David ein Schwesterchen, ebenfalls aus Malawi, zu importieren.
Wie aus www.madonna.com
ersichtlich, ist diese Madonna äusserst geschäftstüchtig. Ihrem Webauftritt ist ein Laden angeschlossen. In einem Blog schildert sie ihre Suche nach einem Waisenkind in Malawi, wo sie verschiedene Waisenhäuser aufgesucht hatte, um den schmucken und wohlgenährten David
zu entdecken. Ich habe Madonnas Laufbahn nicht verfolgt. Der interessierte Leser findet ihn u. a. im Wikipedia.
Malawi, ein dicht besiedeltes Armutsland mit 12 Millionen Einwohnern, ist in Südostafrika eingebettet. Das durchschnittliche Tageseinkommen beträgt weniger als US$ 1. Die Lebenserwartung hat sich innerhalb den letzten 50 Jahren um 5 Jahre vermindert. Die HIV/AID ist epidemisch auch in diesem afrikanischen Land. Die Folge davon: 700 000 Waisen. Hungersnöte suchen das Land heim.
Folgender Pressehinweis machte mich stutzig. Ich übersetze den englischen Text: „David ist kein Waise, sondern wurde von seinem Vater aufgegeben, weil er nicht in der (finanziellen) Lage war, sich um seinen Sohn zu kümmern, nach dem Tod von Davids Mutter, eine Woche nach der Geburt.“ Statt das Kind seinem Geburtsland zu entreissen, hätte die gutherzige Madonna ihrem Vater eine Summe zum Wohl des Kindes schenken können. Schliesslich bestehen enge Familienbande innerhalb der weitläufigen Verwandtschaft in Malawi.
Ich bin wohl falsch und unzeitgemäss gewickelt. Mit grosser Fanfare und von der Kamera begleitet ging Madonna auf die Suche nach einem geeigneten Kind. Dabei ging es ihr um ein gesundes Kind, nicht etwa eines kranken von HIV belasteten. Madonna als Wohltäterin? Mit der Zuwendung von £ 1,6 Millionen hat sie ihren Ablass erkauft und sich zugleich unzählige „photo opportunities“ gesichert. Sehr rührend äusserte sich Madonna: Sie wolle, dass David ein Bruder ihrer Kinder, die 9-jährige Lourdes und den 5-jährigen Rocco, sei. Was sonst? Für mich ist diese Madonna keine Madonna.
Hinweis auf weitere Madonna-Erwähnungen in Blogs
06.07.2005: „Londoner Pfefferschoten: Life-8, ,Make poverty history“
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