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Die Fotosammlung der Graphischen Sammlung der Schweizerischen Landesbibliothek zeichnet sich durch ihre Vielfalt aus und konzentriert sich vor allem auf die zwei Begriffe «Landschaft» und «Porträt». Thematisch beschränkt sich die Sammlung hauptsächlich auf das Gebiet der Schweiz im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Die Fotosammlung und insbesondere die der Landschaftsaufnahmen erfuhr im Rahmen des vorliegenden Publikations- und Ausstellungsprojekts zum ersten Mal seit ihrem Bestehen eine vertiefte Analyse.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war das Gebirge zu einem Bildmotiv geworden; von Flüssen und Strömen dagegen scheint keine besondere Faszination ausgegangen zu sein. Die technischen Grenzen, denen sie in ihren Anfängen unterworfen war, erlaubten es der Fotografie nicht, die Bewegungen des Wassers in all ihren Nuancen zu erfassen; die Unbeweglichkeit der Alpen entsprach ihr besser.
Im Gegensatz zu den Folgen der Kleinmeister sind die Fotografien, dieses Buches, keine Auftragsarbeiten. Sie gehören eher zur Gattung der «Reisefotografie»
Zwischen 1850 und 1885 waren die meisten dieser Reisefotografen mehr oder weniger Amateure, Künstler, Wissenschaftler oder Geschäftsleute in einem. Sie wählten oft dieselben Motive wie die Kollegen Bilderstecher. Bei dieser Art Fotografie überwogen die Architekturmotive, während die von der Zivilisation unberührten Landschaften in der Minderzahl waren.
Im Übrigen zog die Fotografie der «reinen» Landschaft zu dieser Zeit spektakuläre Motive wie Wasserfälle, Gletscher oder Berggipfel den friedlichen ländlichen Gegenden vor. Diese Fotografien waren nicht für jeden Geldbeutel erschwinglich, sondern richteten sich an jene, die auch die Mittel hatten, durch die Welt zu reisen; sie entsprachen den Bedürfnissen einer Gesellschaft, die nach Bildern und fernen Horizonten dürstete.
Der Fotograf wie der Tourist hielt vom Lauf des Rheins oft nur die markantesten Punkte fest: Basel, seine Brücken, sein Münster; den Rheinfall bei Schaffhausen, Stein am Rhein vielleicht; Bad Ragaz und seine Umgebung (Bad Pfäfers und die Tamina-Schlucht); schliesslich die Viamala.
Unter den verschiedenen Bildtypen lassen gerade die stereoskopischen und panoramischen Ansichten die Bemühungen und Spannungen erkennen, welche die Fotografie im 19. Jahrhundert belebten. Diese beiden Typen suchten die Grenzen des Mediums durch Vertiefung oder Verbreiterung des Gesichtsfelds zu erweitern und nahmen so das Bedürfnis des Bürgertums auf, die Welt in ihrer ganzen Ausdehnung, aber auch in ihren Einzelheiten visuell zu erobern.
Das Stereogramm auf der einen Seite stellt die äussere Wirklichkeit dar wie einen von ganz nahe beobachteten Mikrokosmos. Das Panorama andererseits will sie in ihrer Gesamtheit erfassen, indem es den Vordergrund überspringt und den Blick in die Weite lenkt.
Trotz ihrer ganz unterschiedlichen räumlichen Organisation verfolgen diese beiden Wiedergabeformen das gleiche Ziel: den Betrachter das Medium vergessen zu lassen, so dass er die Bilder geniessen kann, als handle es sich um die Wirklichkeit selbst.
Bevorstehende Veranstaltungen
Bibliographische Angaben
|Reihe||«Als regne es hier nie ...»|
|Seitenanzahl||136 arabisch|
|Abbildungen||38 s/w, 28 farbig|
|Format||18 x 23 cm|
|Bindung||Buch, Broschiert|
|ISBN||978-3-7965-2032-7|
|Erscheinungsdatum||01.09.2003|