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Beim Portwein muss man sich vor Augen halten, dass es sich um eine grosse Produktfamilie mit sehr unterschiedlichen Ausprägungen handelt. Die Basisdefinition ist bei allen gleich: Die Trauben dürfen nur von Reben in einem genau umgrenzten Gebiet im nordportugiesischen Douro-Tal geerntet werden. Er hat seinen Namen von der Hafenstadt Porto. Nach der Lese dieser Trauben (was noch heute von Hand geschieht) wird die Gärung des Weines durch Zugabe eines neutralen Wein-Alkohols (ca. 77% Alkoholgehalt) unterbrochen. Dieser Vorgang heisst «Benefício». So entsteht der eigentliche Portwein: ein natürlich süsser, verstärkter Wein. Der Wein verbleibt normalerweise ein Jahr im Douro-Tal und wird auf der Strasse (früher mit Schiffen, den Rabelos, die heute in Porto zu Dekorationszwecken vor Anker liegen) in die grossen Portweinkellereien nach Vila Nova de Gaia, am Ufer des Douro gegenüber von Porto gelegen, gebracht, wo der eigentliche Reifungprozess von mindestens 2 Jahren beginnt.
Die Süsse des jeweiligen Portweins wird durch den Zuckergehalt des Mosts und den Zeitpunkt bestimmt, zu dem hochprozentiger Brandy zugesetzt wird. Vintage Port wird üblicherweise in eigene Flaschen aus sehr dunklem bis hin zu schwarzem Glas mit einer Füllmenge von 0,75 Liter abgefüllt. Für Tawnys haben sich mittlerweile auch kleinere Füllmengen und hellere Flaschengläser durchgesetzt. Die Zone, in der heute die Trauben für Portwein wachsen, liegt von der Hafenstadt Porto aus betrachtet 80 Kilometer flussaufwärts entfernt. Sie erstreckt sich entlang des Flusses Douro und seinen Seitentälern hinauf Richtung spanische Grenze.
Jahrhundertelang spielte der Fluss Douro nicht nur für das spezielle Klima eine besondere Rolle, er war auch der einzige Verkehrsweg, auf dem man die Fässer mit dem Jungwein nach Porto oder besser gesagt nach Vila Nova de Gaia, eine kleine Stadt am Dourofluss, direkt gegenüber von Porto, transportieren konnte. Hier hatten sich die Portweinhäuser niedergelassen und ihre »Lodges« errichtet, in denen die Weine ihrer perfekten Reife entgegendämmern konnten. Mit der Errichtung einer Eisenbahnlinie konnten die beträchtlichen Risiken, die mit dem Transport der Weine auf den »Barcos Rabelos« verbunden waren, deutlich verringert werden.
Portwein gibt es von weissen und von roten Trauben, wobei die rote Variante den weitaus grösseren Anteil hat. Weisse Portweine sind in der Regel recht einfache Weine, die heute nicht allzu lange gelagert werden, bevor sie abgefüllt werden.
Rote Portweine werden grundsätzlich in die Kategorien »Ruby« und »Tawny« unterteilt. Der relativ junge Portwein, genannt »Ruby«, zeigt eine dunkle rubinrote Farbe, die sich mit zunehmender Alterung im Fass Schritt für Schritt in einen bernsteinfarbenen Ton verändert, der im englischen »Tawny« heisst (die Farbe einer Löwenmähne). Die Tawnys und gereiften Tawnys sind aromatischer, delikater und leichter im Stil als Rubys, was sie der längeren Verweildauer im Holzfass verdanken. Die klassische Einheit für ein Reifefass beträgt 630 Liter. Hier kommt ein elementarer Unterschied zum Vorschein. Tawnys reifen je nach Qualität für einen sehr langen Zeitraum im Holz, während der Vintage Port sehr früh auf die Flasche kommt und dort auf ganz andere Weise heranreift.
Ruby Port
Eine weitere Möglichkeit, Portweine einzuteilen, ist die nach dem Alter. Der mit Abstand grösste Teil kommt ohne Jahrgangsbezeichnung auf den Markt. Der klassische Ruby entspricht im Stil einem Port mit dreijähriger Fasslagerung und wird allerdings aus Chargen verschiedener Jahrgänge zusammengestellt. Bei einer Premium-Ruby-Reserve handelt es sich um Ruby aus höherwertigen Weinen und zwar in Form einer Jahrgangscuvée, die nach 4 bis 5 Jahren trinkfertig in die Flasche abgefüllt wird.
Tawny Port
Wird der Portwein hingegen über einen längeren Zeitraum im Holzfass ausgebaut, entwickelt er sich durch die Mikro-Oxidation vom Ruby zum Tawny. Im Holz gereift, zeigt sich dieser Weintyp in gehobener Qualität als eleganter Tawny Reserve Port, eine Kombination aus Frische, jugendlicher Frucht mit gewissen Elementen der Reife. Seine Farbe hat sich bereits in ein mittleres Goldbraun verwandelt.
Es gibt auch Tawnys mit Altersangabe, und in dieser Gruppe findet der Kenner einige der besten Portweine überhaupt. 4 Altersangaben sind für diese Stilgruppe der im Holz gereifen Ports zugelassen, nämlich Tawny 10 years old Port, Tawny 20 years old Port, Tawny 30 years old Port und Tawny 40 years old Port.
Die Produkte weisen auf dem Vorder- oder dem Rücketikett zusätzlich das Jahr aus, in dem sie abgefüllt wurden. Die raren Colheita Ports sind Tawnys aus einzelnen Jahrgängen, die zunächst zumindest 7 Jahre im Holzfass verbringen müssen.
Vintage Port
Der unangefochtene König der Kategorie Port mit Altersangabe ist der Vintage Port. Nur ausserordentlich gute Jahre werden von allen Erzeugern zu Vintage-Jahrgängen erklärt. Die Trauben stammen alle aus einem ausgezeichneten Jahrgang, und der Wein muss zwingend im Zeitraum vom 1. Juli des zweiten 2. bis zum 30. Juni des 3. Jahres abgefüllt werden.
Tiefdunkel und von überbordender Frucht und Würze begleitet müssen diese Weine einen Reifeprozess in der Flasche durchmachen, um all ihre überreich angelegten Tugenden zu einem harmonischen Ganzen zu vermählen. Von 10 bis jenseits der 50 Jahre dauert die Entwicklungsspanne eines Vintage Ports.