Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03403.jsonl.gz/3050

Das Jikji-Buch – das früheste, auf 1377 datierte, mit einzelnen Lettern gedruckte Buch – ist eine buddhistische Weisheitssammlung aus dem 13. Jahrhundert, die in 130 einzelnen Abschnitten den buddhistischen Mönchen Anregungen zum geistigen Wachstum, zum Durchbrechen der Scheinbarkeit dieser Welt und zur Meditation bietet. Der Stoff scheint für uns ziemlich ungeordnet: Gedichte, Lehrparabeln von namentlich genannten Meistern, Lehrgespräche zwischen Meister und Schüler und so fort.
Wir haben uns entschieden, aus der deutschen Übersetzung des Jikji einen ganz kurzen Abschnitt von Meister Hyan-Sa zu setzen und zu drucken.
Gesetzt ist der Abschnitt aus der ersten Deutschen Schrift, der Frakturschrift des Gebetsbuches von Kaiser Maximilian I. von 1507. Doch dieses Gebetbuch durfte damals nicht gedruckt werden, weil dem Medici-Papst die Zusammenstellung der (deutschen) Heiligen, die der Habsburger-Kaiser selber vorgenommen hatte, nicht passte und er deshalb das kirchliche Imprimatur verweigerte. Was der Kaiser offenbar akzeptierte. (Vielleicht wurde das Gebetbuch auch nie gedruckt, weil der Kaiser im folgenden ständig pleite war …)
Die Offizin Parnassia hat 2006 aufgrund der vorhandenen damaligen Probedrucke des Gebetbuches die Giessformen zu dieser monumentalen kalligraphischen Schrift neu graviert und ist so in der Lage, diese wunderbare Schrift in Blei zu giessen und zu setzen.
Für das Jikji dünkte uns diese Schrift, die ja auch für einen Heiligen Text erfunden wurde, die passende.
Zudem war der gewählte Textabschnitt genügend kurz, dass er im Layout gerade auf das Seitenformat unserer kleinsten Druckerpresse passte, die wir nach Südkorea zügeln werden, um dort vor Publikum den Text in Europäischer Druckertradition zu drucken.
Zum Inhalt: Um den kritischen Text als Europäer versehen zu können (resp. seinen Protestcharakter), muss man ein wenig mit buddhistisch-klösterlichen Grundlagen vertraut sein. Die Buddha-Halle (oder Predigthalle) entspricht quasi der westlichen Klosterkirche. Hier wird Buddha verehrt, hier werden Ansprachen zur Erbauung und geistigen Förderung von Mönchen und Novizen gehalten. Eine der zentralen Aufgaben des Geistlichen Meisters ist eben gerade diese Erbauung durch Predigten. Dass Meister Hyan-Sa dies verweigert und quasi an die dem menschlichen Karma untergeordneten niedrigen Schwalben delegiert, er es aber selber in der Schwalbensprache versteht und sogar ihre Meisterschaft der höchsten Erkenntnis lobt, grenzt fast an ein Sakrileg. Dieser etwas frevlerische Hammerschlag soll die Mönche in ihrem Erkenntnisprozess anregen. Sich von Schwalben in der Buddha-Erkenntnis belehren lassen !
Also, auf, solange noch Schwalben bei uns sind und zuhören, wie die Schwalben auch bei uns über die grösste Liebe der Göttlichen Dreifaltigkeit predigen !