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Foto: Dorothea Lange, © Stinson Historical Society
21.08.—03.10.2021WELLENLÄNGE
DOROTHEA LANGE
LILIAN BEIDLER
Unter dem Titel «Wellenlänge» zeigt das Zimmermannhaus eine aussergewöhnliche Ausstellung: die Schweizer Musikerin, Performerin und Soundkünstlerin Lilian Beidler (geb. 1982, lebt und arbeitet in Bern) trifft auf die US-amerikanische Fotografin Dorothea Lange (geb. 1895 in Hoboken, New Jersey, gest. 1965 in San Francisco, Kalifornien). Akustisch und installativ reagiert Beidler auf Bilder dieser Pionierin der Dokumentarfotografie.
Dorothea Lange in her San Francisco Bay area home studio in 1964.
Foto: Rondal Partridge. © Rondal Partridge Archives
DOROTHEA LANGE
Dorothea Langes Reportagen transportierten in den 1930er-Jahren die soziale Tragödie der «Great Depression» in die breitere öffentliche Wahrnehmung: Porträts von Landarbeiterinnen und Landarbeitern – unter ihnen die berühmt gewordene «Migrant Mother» – gaben der Armut gleichsam ein Gesicht, verkörperten die kollektive Erinnerung an die Wirtschaftskrise in den USA und erlangten eine hohe Popularität. Dabei sollten Langes Aufnahmen nicht nur Einfluss nehmen auf den Fortgang der Dokumentarfotografie; ihr Blick auf die Lebensverhältnisse der Besitzlosen beförderte auch den politischen Willen für Unterstützungsprogramme.
Der (Stief-)Enkel von Dorothea Lange, Paul Taylor, lebt heute in Brugg. Als weiterer Akteur von «Wellenlänge» ergänzt der Musiker das visuelle Gedächtnis der Fotografie um kollektive und persönliche Geschichte(n). Originalabzüge aus seinem Erbe kommen neben ungerahmten, grösseren Abzügen aus dem Dorothea Lange Digital Archive des Oakland Museum of California zur Anschauung. Ein akustisch aufgezeichneter Kommentar ist per QR-Code abrufbar. Sprecher und Erzähler ist Paul Taylor selbst. In seinem Privathaus wenige Gehminuten entfernt zeigt er eine grosszügige Auswahl aus Langes persönlichem Bildarchiv. Damit lotet «Wellenlänge» die unscharfe Grenze aus zwischen Dokumentieren und Erinnern und dehnt die fotohistorische Perspektive um eine mündliche Überlieferung zu «Grandma Dorrie».
dorothealange.museumca.org
Klangperformance Lilian Beidler, «Art Mara – Women’s Ground», 2019.
Foto: Inigo Taylor
LILIAN BEIDLER
Im Zimmermannhaus wird Dorothea Langes Werk zur Partitur für eine Künstlerin aus dem Bereich Klang und Performance. Lilian Beidler entwickelt ihre Arbeit ortsspezifisch und in Auseinandersetzung mit Langes Leben und Werk. Wirtschaftliche Depression, ökologische Katastrophen, Kriege und ihre Folgeerscheinungen hatten zahlreiche Fotoreportagen motiviert. Intuitiv und abstrahierend sucht Beidler eine zeitgemässe Antwort auf diese Motivik und ihre Gegenwart. Beim Betreten der Ausstellung kommt einem ein Rauschen entgegen. Einzelne, ausgewählte Fotografien von Dorothea Lange – Naturansichten, Bewegungsmuster, Bilder von Verdichtung und Verfliessen – stehen und hängen im Raum, sind auf verschiedene Ebenen projiziert. Ein scheinbar unendlicher Strom akustischer Partikel vermengt sich zu einer fast haptischen Wahrnehmung des Raums. Beim genaueren Hinhören lassen sich Fragmente isolieren. Field recordings aus Wäldern, Flüssen und Naturgebieten, Körper- und Maschinengeräusche bilden einen Cluster, der fliessend Kontakt aufnimmt mit der visuellen Sprache der Fotografie.
Die anschwellende und auslaufende Welle wirft Fragen auf zu unserem Umgang mit Krisen – und strahlt auch aus in Bruggs öffentlichen Raum: Während der Ausstellungsdauer entlassen Gebäude und Schaufenster zwischen Bahnhof/Kino Odeon und Vorstadt immer wieder das akustische Bild einer Welle. Als Verbindungsglied zwischen Beidlers und Langes Werk, zwischen den sozialpolitischen Kontexten zweier Epochen und Kontinente hält das «Klangmal» die Bewegung diverser Wellengänge in Erinnerung.
loul.ch
AUSSTELLUNGSTEXT
zur Ausstellung von Daniele Muscionico
Download (pdf)
AKUSTISCHE ERGÄNZUNGEN VON PAUL W. TAYLOR, ENKEL VON DOROTHEA LANGE
AUSSTELLUNGSORTE
Zimmermannhaus
Kabinett Falkengasse 6
Altstadt Brugg, Hauptstrasse 47/66
EINLADUNG
Download (pdf)
Die Ausstellung wurde freundlich unterstützt von:
Wir danken herzlich!
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