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Menschengemachter Klimawandel sorgte für mehr Hitzetote
Volodymyr Burdiak/Shutterstock
Die Klimaerwärmung wirkt sich direkt auf die menschliche Gesundheit aus, und extreme Hitze kann Menschenleben fordern. Ein internationales Forschungsteam um die Umweltepidemiologin Ana Maria Vicedo-Cabrera von der Universität Bern und Antonio Gasparrini von der London School of Hygiene & Tropical Medicine untersuchte nun, wie sich der Klimawandel in den letzten drei Jahrzehnten auf die durch Hitze verursachten Todesfälle niederschlug. Mit Modellierungen entkoppelten die Forschenden den menschlichen Einfluss von natürlichen Klimaschwankungen.
Demnach schätzen sie, dass durchschnittlich 37 Prozent der hitzebedingten Todesfälle auf die menschengemachte Klimaerwärmung zurückzuführen sind, wobei die Werte in den untersuchten Ländern zwischen 21 und 76 Prozent liegen.
Daten aus 43 Ländern
Für die im Fachmagazin «Nature Climate Change» erschienene Studie trugen die Forschenden die Mortalitäts- und Temperaturdaten der jeweils wärmsten vier Monate zwischen den Jahren 1991 und 2018 zusammen. In die Berechnungen flossen Informationen aus 732 Orten in 43 Ländern weltweit ein.
«Wir gehen davon aus, dass der Anteil der hitzebedingten Todesfälle weiterwächst, wenn wir nichts gegen den Klimawandel unternehmen oder uns anpassen», liess sich Vicedo-Cabrera in einer Mitteilung der Uni Bern zitieren. Denn die von den Studienautoren ermittelten Zahlen gelten für eine Welt, die sich im Vergleich zur vorindustriellen Zeit im Durchschnitt um 1 Grad erwärmt hat. Selbst wenn die Ziele des Pariser Klimaabkommens erfüllt werden, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad zu begrenzen, wird die Gesundheitsbelastung durch Hitze verschärft.
Demgegenüber sollte mit der Klimaerwärmung die Rate an Todesfällen durch Kälte sinken. Allerdings, so zeigte eine frühere Studie des Forschungsteams im Fachblatt «The Lancet Planetary Health», wird ohne entschiedenen Klimaschutz bis zum Ende des 21. Jahrhunderts die erwartet höhere Todesrate durch Hitze nicht durch weniger kältebedingte Todesfälle ausgeglichen.
Verletzlichkeit ortsabhängig
Es ist nicht nur die Temperatur, die das Risiko, an Hitze zu sterben, bestimmt. Die Verletzlichkeit der Menschen unterscheidet sich von Ort zu Ort, abhängig unter anderem von der Altersstruktur, dem sozioökonomischen Status und dem Gesundheitszustand der Bevölkerung, dem Gesundheitssystem und der Infrastruktur. So ermittelten die Forschenden anhand der beobachteten Temperaturen und Sterblichkeit für jede einzelne Stadt die Hitzetoleranz und den entsprechenden Temperaturschwellenwert, ab dem das Risiko eines Hitzetodes exponentiell ansteigt.
Am stärksten betroffen von der durch die menschengemachte Erderwärmung verursachte Hitze sind demnach Menschen in vielen Ländern in Süd- und Mittelamerika, in Südostasien sowie Iran und Kuwait. Dort belief sich der Anteil des anthropogenen Klimawandels auf über fünfzig Prozent.
Hitzestress auch in der Schweiz
Auch in Südeuropa und einigen Ländern Südosteuropas forderte Hitze viele Tote. Allerdings: «Der Anteil des menschengemachten Klimawandels an der Gesamtzahl der hitzebedingten Todesfälle war in diesen Ländern geringer», sagte Vicedo-Cabrera im Gespräch mit «Keystone-SDA». Die Verletzlichkeit der in diesen Orten lebenden Menschen gegenüber Hitze sei generell hoch. Eine Hypothese sei, dass es an der hohen Bevölkerungsdichte, einer schlechten Qualität der Infrastruktur oder der Gesundheitsversorgung liegen könnte.
Für die Schweiz flossen Daten aus acht Städten in die Berechnungen mit ein. Demnach schätzen die Autoren, dass hierzulande die Klimaerwärmung für rund 30 Prozent der Hitzetote verantwortlich ist.
Globale Analyse nicht möglich
Die Studienautoren merken jedoch an, dass sich ihre Schätzungen nicht unbedingt auf ein ganzes Land übertragen lassen, da in die Berechnungen nur die Daten von einzelnen Städten oder Regionen eingeflossen sind.
Zudem liess sich keine globale Analyse erstellen, da für viele Länder keine oder nur lückenhaft Daten verfügbar sind, insbesondere für den afrikanischen Kontinent und Südasien. Diese Länder gehören allerdings oft zu den ärmsten und dem Klimawandel gegenüber verletzlichsten Regionen, wo – und das sei besorgniserregend – die grössten Hotspots für den prognostizierten zukünftigen Bevölkerungszuwachs liegen würden, schrieb Dann Mitchell von der britischen Universität Bristol in einem Begleitartikel zur Studie.