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The Monuments Men ‒ das war eine mit amerikanischen und britischen Experten besetzte Einheit, deren Einsatz darin bestand, wertvolle, von den Nazis zusammengeraffte Kunstgegenstände zu sichern, bevor sie beim Zusammenbruch des Dritten Reiches zerstört wurden oder für immer verschwanden.
Regisseur George Clooney, der in diesem altmodisch angelegten Streifen gleichzeitig auch die Hauptrolle spielt, war bestrebt, die Mission der Monuments Men leicht und unterhaltsam nachzuerzählen, und was dabei entstanden ist, bezeichnete ein Filmkritiker als «ein Gemisch irgendwo zwischen Indiana Jonesund Das dreckige Dutzend».
Man kann sich leicht vorstellen, dass Clooneys Vorgabe an Alexandre Desplat ‒ mit dem er nach The Ides of March hier zum zweiten Mal zusammenarbeitete ‒ lautete, sich musikalisch an diesen Filmen und anderen Klassikern wie The Great Escape zu orientieren. Jedenfalls kommt der Score ebenfalls ungewöhnlich altmodisch daher, will heissen, rein orchestral und mit einprägsamen, exzellent verarbeiteten Themen.
Die primären Themen sind denn auch ‒ was kaum überraschen dürfte ‒ von militärischer Natur. Das erste, eine heroische Hymne, eröffnet per Solotrompete in The Roosevelt Mission den Score in angemessener Manier und treibt dann vor allem in I See You, Stahl nach einem dramatischen Intro, bei dem wieder mal aus Holsts The Planets zitiert wird (der entsprechende Himmelskörper dürfte leicht zu erraten sein), einem Höhepunkt entgegen.
Beim eigentlichen Hauptthema handelt es sich um einen Militärmarsch, der in seiner reinen Form (z. B. in Opening Titles) britisch geprägt ist, sehnsüchtig daherkommen kann (The Letter), in ruhigeren und getragenen Bearbeitungen manchmal ‒ insbesondere wenn Klavier oder Trompete beteiligt sind ‒ an Joe Hisaishi erinnert und in den kurzen End Credits als gepfiffene Version für einen heiteren Ausklang sorgt.
Parallelen zu den Indiana-Jones-Scores sind durchaus vorhanden, und sie geben sich zum einen darin zu erkennen, dass Desplat ebenso wie Williams für die Kunstgegenstände mediävale Klänge verwendet, die zwischen Ehrfurcht und Religiosität hin- und herpendeln (schöne Beispiele hierzu finden sich in Great Altarpiece und John Wayne). Zum anderen hat vor allem zu Beginn von Finale die Actionmusik der Indy-Filme Pate gestanden. Dieser über neunminütige Track ‒ eine Art Schnelldurchlauf des Scores ‒ hat aber auch sonst einiges zu bieten; etwa Passagen, die fahrenden Dampfzügen nachempfunden scheinen.
Ein wenig Romantik ist auch noch mit im Spiel; für die Beziehung zwischen den von Cate Blanchett und Matt Damon gespielten Figuren gibt es ein reizendes, im Takt der Liebe geschriebenes Thema, das in Champagne in Form von Spieldosenmusik eingeführt wird in Claire & Granger, Castle Art Hoard sowie Finale etwas mehr von seinem Charme verströmen darf.
Dies alles ist schon eine ganze Menge für einen Score zu einer zeitgenössischen Hollywood-Grossproduktion, aber Desplat hat noch ein paar weitere nette Details in petto, wie etwa in The Nero Decree einen kleinen, stringenten Marsch à la Morricone, zu dem sich die Glöckchen des Liebesthemas gesellen, einen spöttischen Walzer in Stahl’s Chalet und ein pastorales Intermezzo in Jean-Claude Dies.
Insgesamt ist The Monuments Men eine wirklich gelungene Sache, bei der sich Alexandre Desplat offensichtlich bewusst von artverwandten Produktionen inspirieren liess, ohne jedoch der Versuchung zu erliegen, einfach plump zu kopieren. Der Score hat klar erkennbar seinen eigenen Charakter, seine eigene Seele, nimmt sich meistens nicht allzu ernst und bietet eine abwechslungsreiche Stunde Filmmusik, die besonders (aber hoffentlich nicht nur) bei älteren Semestern auf offene Ohren stossen dürfte. Damit hat das Jahr 2014 für unsereinen zumindest schon mal einen Winner.