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«Urner «Hockey Mom» zu Besuch in der alten Heimat»
Rita Zgraggen drückt ihrem Sohn Jesse Zgraggen die Daumen
«Urner «Hockey Mom» zu Besuch in der alten Heimat»
Von André Sägesser
Rita Zgraggen ist mit ihrem Mann Stefan 1989 nach Kanada ausgewandert. Seit dieser Saison spielt ihr Sohn Jesse für den HC Ambri-Piotta. Vor Kurzem konnte die Urner «Hockey Mom» ihn in der Valascia anfeuern.
«Hockey Mom» ist eine Bezeichnung, die vorwiegend in Kanada benutzt wird, wo Mütter Kinder oft zum Eishockeytraining fahren. Sarah Palin, ehemalige Gouverneurin von Alaska und US-amerikanische Vizepräsidentschaftskandidatin 2008, beschrieb sich selbst bereits 2006 im Wahlkampf um den Gouverneursposten als „Hockey Mom“. In ihrer Rede bei der National Convention der Republikaner im Jahr 2008 und in Reden danach witzelte sie, der einzige Unterschied zwischen einer „Hockey Mom“ und einem Pit Bull sei der Lippenstift. Damit wollte sie zum Ausdruck bringen, dass „Hockey Moms“ als „tough“ gelten. Als Hart und widerstandsfähig (tough) gilt auch die 54-jährige Rita Zgraggen aus dem kanadischen Lethbridge. Sie ist die Mutter des 21-jährigen Ambri Verteidigers Jesse Zgraggen. Das Leben hat es mit ihr nicht immer gut gemeint. Rita und Stefan Zgraggen-Loretz, eine Altdorferin und ein Flüeler, verliessen 1989 die Schweiz auf der Suche nach einer zweiten Heimat. Gefunden haben sie diese in Kanada. «Ein politisch stabiles und sicheres Land – ein gutes Land zum Auswandern», fand Rita Zgraggen damals. Als Landmaschinenmechaniker fand Stefan Zgraggen schnell Arbeit und die Familie Anschluss zu Land und Leuten. «Mein älterer Bruder Mike und ich fanden sofort Gefallen am kanadischen Nationalsport», erklärt Jesse Zgraggen, der seinen Vater leider bereits im Alter von nur 6 Wochen durch einen tragischen Motorrad Unfall verlor. Das Eishockey zum Hobby der beiden Söhnen Mike und Jesse wurde verwunderte nicht gross. Auf dem zugefrorenen Teich hinter dem Farmhaus in Fort Macleod in der Provinz Alberta bestritt der Zgraggen-Nachwuchs gegen die Nachbarsjungen seine ersten Eishockeyspiele. Begonnen hatte die Hockeykarriere der “Zgraggen-Brothers“ 1999 beim lokalen Fort MacLeod Minor Hockey Club. Mit dem Umzug im September 2006 nach Lethbridge Alberta, Kanada schlossen sich die beiden Brüder der Lethbridge Hockey Asscociation an. Wie es sich für eine Hockey-Mutter gehört, fuhr Rita ihre beiden Söhne zum Hockey-Training und zu den Spielen, verbrachte Stunden im Auto, um dann in einer von der sechs Arenen von Lethbridge ihren Söhnen zuzusehen, wie sie dem Puck auf dem Eis nachjagen, bevor das kleine Familien-Unternehmen mit den riesigen Sporttaschen nach Hause zurückfährt. Sie musste sich auch um die nordamerikanischen Eishockey Gepflogenheiten ihrer Söhne kümmern. Denn die meisten Junior und Profi-Teams haben irgendeine Form von Dress-Codes. Denn dieDress codes for minor hockey teams are also common and are seen as a way of fostering team unity and cohesion. Kleiderordnung für Hockey-Teams werden in Nordamerika als ein Weg zur Förderung des Team Spirit und des Zusammenhalts gesehen. So sind schon in den Juniorenligen genaue Vorschriften was die Spieler zu tragen haben definiert: "Die Spieler sind verpflichtet, Jacke, Hemd und Krawatte und sowie Hose für alle Club-Spiele und beim Transport zu und von solchen Spielen, wenn nicht anders vom Head Coach angegeben, zu tragen. Ich habe während der Juniorenzeit meiner Söhne unzählige Hemden und Hosen gebügelt " erzählt Rita Zgraggen mit einem Schmunzeln. Aber all das machte sie, weil es ihr Spass machte mitzuhelfen und weil sie ihre Kinder bei deren Hobbys unterstützen wollte. Dass man so auch die anderen Spieler Eltern kennen und schätzen lernt, ist die andere Seite der Medaille. Rita Zgraggen möchte auf jeden Fall diese schöne Zeit nicht missen.
Grosseltern als wichtiger Bezugspunkt
Rechtzeitig zum Weihnachtsfest ist nun Rita Zgraggen über den grossen Teich gekommen um als erstes nach dem Sohnemann und Junggesellen Jesse und zweites nach den Schwiegereltern und dem Vater zu schauen. Im Schlepptau Jesses 2 Jahre älterer Bruder Mike der seine Karriere zugunsten einer Buchhalterausbildung aufgegeben hat. Ähnlich wie bei Jesse Zgraggen konnte dank der finanziellen Unterstützung des Donatoren-Club der damals 20-jährige Kanada-Urner Mike Zgraggen 2012 ein zweiwöchiges Probetraining beim HCAP bestreiten. Leider hatte es mit einem Engagement bei Ambri nicht geklappt. Der stämmige Verteidiger hatte sich nach seinem Abstecher beim HCAP dem NLB-Team von Sierre angeschlossen. Das Engagement beim Walliser Club kam dann aus primär finanziellen Gründen nicht zustande. Die Walliser gingen auch kurz darauf in den Konkurs. Und was die beiden Zgraggens im Urnerland und dem Tessin antreffen gefällt ihnen. Jesse hat sich nicht nur beim HCAP etabliert, sondern sich auch an seinem neuen Wohnort in Airolo gut eingelebt und meistert seinen Alltag bestens. Und nun geniesst der 21-jährige Ambri Verteidiger natürlich die Anwesenheit von Mutter und Bruder dies obwohl wird eifrig geskypt und per Mail, Twitter und Facebook kommuniziert wird. Mindestens einmal in der Woche, meistens am Trainingsfreien Tag ist Jesse bei seinen Grosseltern in Flüelen zum Essen verabredet oder auch zum Besuch beim andern Grossvater, Paul Loretz, in Altdorf. Rita Zgraggen nutzte den sechswöchigen Aufenthalt in der zweiten Heimat um an jedem Heim – und Auswärtsspiel des HC Ambri-Piotta und natürlich den Einsätzen ihres Sohnes auf dem Eis bei zu wohnen. Falls es technisch möglich ist möchte sie gerne die HCAP Spiele zuhause übers Internet schauen und so ihren Sohn unterstützen. Dass die Ambri Spiele in der Regel um viertel vor Acht abends stattfinden, sind sie mit der Zeitverschiebung so um die Mittagszeit herum in Kanada zu sehen. „ Das würde super passen, dann können wir vor dem TV essen und Jesse zuschauen wie er für Ambri spielt“ lacht Rita Zgraggen.
Donatoren-Club unterstützt Jesse Zgraggen
Der Kontakt zu den Verwandten im Urnerland wurde immer gepflegt. In regelmässigen Abständen reiste Rita Zgraggen mit ihren Söhnen in die Schweiz. Bei einem dieser Besuche durften ihre Söhne einem Ambri Spiel in der Valascia beiwohnen. Später als Junioren gar mittrainieren und vor Jahren für 2 Wochen zum Probetraining anreisen. Nun einige Jahre später kurvt Jesse Zgraggen ebenfalls im Ambri Dress auf dem Eis herum und probiert als stämmiger Verteidiger Tore zu verhindern. Ermöglicht hat das Engagement des ersten Urners Ambri Spielers nach dem Erstfelder Goalie Fritz Grünig vor 40 Jahren zu einem grossen Teil auch der Donatoren-Club dc-hcap. Der Donatoren-Club organisierte dem Verteidiger Talent aus Lethbrige eine Wohnung in Airolo und ein Auto zur uneingeschränkten Mobilität und hilft dem jungen Swiss-Canadien sich mit der Schweizer Mentalität zurecht finden. Zudem sicherte der Verein dem HCAP eine finanzielle Unterstützung zu. Um dieses Unterfangen zu finanzieren wurde die Sponsoring-Aktion: Jesse Zgraggen- From Lethbridge CAN to HC Ambri-Piotta SUI, gegründet. «Ich bin dem Donatoren-Club und dem HC Ambri-Piotta dankbar für die Chance die Jesse erhalten hat und stolz darauf, ihn im Dress der Biancoblu zu kämpfen zu sehen. Es gibt genug schlechte Beispiele wie talentierte junge Eishockeycracks bei einem Auslandengagement sportlich und privat unter die Räder kamen.» meint Rita Zgraggen. Das Konzept des Sponsorings umfasst diverse abgestufte Angebote wie Bodycheck, Boxplay, Shorthander, Powerplay und Game-Winning Goal. An den exklusiven Events konnte man zusammen mit anderen Ambri-Fans und Sponsoren Jesse Zgraggen persönlich kennen lernen. Weitere Events sind auf alle Fälle geplant. Die verschiedenen Pakete, die zur Finanzierung bereitstehen, kann man auf der Homepage von Jesse Zgraggen (www.jessezgraggen.ch) detailliert einsehen und einzahlen.Es muss für die Urner Ambri Fans eine Ehre sein, hier mitzuhelfen. Jesse Zgraggen wurde in der laufenden Meisterschaft während 23 Spielen eingesetzt, konnte bis jetzt 2 Assists verbuchen und sass 5 mal auf der Strafbank. Für einen Rookie (Neuling) steht Ambris Verteidiger Talent mit einer -3 Bilanz sehr gut da. In den nächsten Tagen wird Rita Zgraggen wieder nach Lethbridge zurückkehren und ihren Sohn wohl erst wieder im Frühling nach beendeter Saison wieder sehen. Aber für die Zeit bis es soweit ist, gibt es ja Skype, Twitter, Facebook und das Internet um zu wissen, wie sich der Sohnemann 8000 Kilometer weg von zu Hause auf den Eisfeldern der NLA schlägt. Gleich nach der Heimreise seiner Mutter kam schon ein wohl nicht ganz ernst gemeinter Hilferuf von Sohnemann Jesse über Twitter: „Mom goes back to Canada so if anyone wants fill in and clean my house, buy some groceries and cock for me lemme now“. Schnell übersetzt heisst das in etwa: Nanny gesucht. Doch Jesse Zgraggen wird sich auch in dieser Situation zu helfen wissen, wie auch als stämmiger Verteidiger beim HCAP.
Text & Fotos: André Sägesser