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GESCHICHTE DER LOGEI. Von der Idee bis zur Konsekration der neuen Loge „Bon Accord"
In den Jahren 1955/56 traten einige Brüder der „Loge zur Hoffnung" zusammen, um das Problem der Gründung einer neuen Loge im Orient von Bern zu studieren und abzuwägen. Diese neu zu gründende Loge sollte aber nicht im bekannten „Schröder-Ritus" arbeiten, wie dies die meisten Logen in der Schweiz tun, sondern im altenglischen Emulationsritus.
Die erwähnten Brüder haben sich damals während vielen Jahren im Ausland aufgehalten, allem voran im Fernen Osten und in England und waren durch ihre Logentätigkeiten mit dem Emulationsritus vertraut.
Diese Tatsache war ein gutes Fundament, um in Bern einen bisher nicht bekannten Ritus einzuführen. Dank gegenseitigem gutem Willen und Verständigungsbereitschaft sowie der Anwendung freimaurerischer Toleranz, konnten die Grundlagen für die Gründung der Loge „Bon Accord" geschaffen werden. Die Gründe, die zu einer Neuorientierung führten, waren vielseitig.
Einige seien hier kurz erwähnt:
Die Mitgliederzahl der „Loge zur Hoffnung" war in jener Zeit mit rund 190 Brüdern zu gross, um mit allen Mitgliedern Kontakt pflegen zu können.
Aus der Sicht maurerischer Entfaltung wollte man auch den jüngeren Brüdern effizientere Möglichkeiten bieten, eine Beamtung zu bekleiden oder sogar einmal als M.v.St. den ersten Hammer zu führen.
Im englischen Emulationsritus, dessen Beamtenlaufbahn streng hierarchisch gegliedert ist, besteht diese Option. Indem jeder Bruder die Möglichkeit hat auf dem untersten Podest, dem „Äusseren Wächter", die Laufbahn zu beginnen und zu durchschreiten, bis zum M.v.St., wird gleichzeitig auch der Passivität innerhalb der Bruderschaft entgegengewirkt.
Hier sah man die Möglichkeit, die vereinsrechtlichen Tätigkeiten zu minimieren, währenddem das freimaurerische Dasein, das heisst rituelle und symbolische Erziehung und Ausbildung im Tempel, in der Emulation absolute Priorität geniesst.
Am 18. Mai 1956 schliesslich wurde die Loge „Bon Accord", im Emulations-Ritus arbeitend, mit 25 Brüdern, wovon 21 von der „Loge zur Hoffnung" kommend, gegründet. Um diesen Brüdern, die als Gründungsmitglieder fungiert haben und dadurch viel Mut, Diplomatie, Optimismus, Zuversicht, aber auch eisernen Durchhaltewillen bewiesen haben, unsere Achtung und Wertschätzung entgegen zu bringen, ist eine Zusammenstellung der Namen in gebührender Form der Gründungsschrift angegliedert.
Am 26. Juni 1956 wurde die neue freimaurerische Körperschaft offiziell bekannt gegeben. Anschliessend ging es darum, die materiellen Grundlagen zu erarbeiten. Finanzen wurden benötigt, um Tempeleinrichtungen, und Regalien anzuschaffen. Aber auch Statuten mussten erarbeitet und Rituale vom Englischen ins Deutsche übersetzt werden.
Anlässlich der Abgeordneten-Versammlung der Schweizerischen Grossloge „ALPINA" vom 11./12. Mai 1957 hat die Anerkennung der neuen Loge zur Aufnahme in den Bund mit der Nr. 41 stattgefunden. Zur Konsekration und Lichteinbringung der Loge „Bon Accord" am 26. Oktober 1957,hatten sich nicht nur 214 Brüder aus der ganzen Schweiz eingefunden, sondern das Grossbeamtenkollegium der SGLA, unter der Führung des sehr ehrwürdigen Grossmeisters, war in corpore erschienen. Dieser Höhepunkt sollte als einmalige, ergreifende und beglückende Sternstunde aller damals präsenten Freimaurern verstanden werden und gilt auch heute noch als verpflichtendes Vermächtnis für kommende Generationen.
Der Ursprung des Namens und das Abzeichen der Loge „Bon Accord" resultiert aus dem Stadtwappen von Aberdeen, der Vaterstadt eines der Gründungsmitglieder. Es besteht aus drei weissen Türmen auf blauem Grund mit dem integrierten Spruch „Bon Accord". In der Folge wurde das Wappen mit Winkelmass und Zirkel ergänzt und der Wappenspruch, als Name der neu zu gründenden Loge, übernommen. „Bon Accord" heisst im übertragenen Sinne nichts anderes als „Eintracht, Harmonie oder guter Einklang".
II. Konsolidierung und Entwicklung der Loge „Bon Accord"
Aus der Jubiläumsschrift anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Loge „Bon Accord" kann entnommen werden, dass nach mehreren Umzügen es gelungen war, gemeinsam mit der Mutterloge in denselben Räumlichkeiten, zuerst an der Bogenschützenstrasse und ab 1966 an der Brunngasse in Bern, zu arbeiten, wo wir auch heute noch zu Hause sein dürfen. Dies half massgeblich mit, die alten und lieb gewonnen Beziehungen zu den Brüdern der „Loge zur Hoffnung" auszubauen und zu stärken.
Da die Landmarken und die Regularität der verschiedenen Logen, aber auch der Grossloge „ALPINA", in dieser Zeit noch nicht so fest verankert waren wie sie heute sind, brauchte es etwas mehr Zeit, um im maurerischen Umfeld anerkannt und respektiert zu werden. Dazu kommt, dass der Geist, der damals in der Freimaurerei herrschte, anders war als der heutige und weniger Verständnis zeigte für Richtungsänderungen und für beharrliches Vorwärtsschreiten auf neuen Wegen. Doch konnte sich die neue Loge „Bon Accord" kontinuierlich entwickeln und in ihrem Bestand gedeihen, welcher im Jahre 1982 54 Mitglieder betrug. Sie wuchs an vielen äusseren Aufgaben und Prüfungen und ging dadurch gereift, gestärkt und gefestigt daraus hervor.
Das Emulationsritual, die ernsthafte, zielstrebige Arbeit, die Gradlinigkeit der Haltung gegenüber den Grundsätzen der Freimaurerei und nicht zuletzt die strikte Befolgung der Verfassung der „SGLA" zeigten bald ihre Früchte, indem die junge Loge zu einem starken, treuen und zuverlässigen Mitglied des Bundes wurde. Im ausgehenden Jahrtausend, Anno 2016 zählt die Loge ca. 40 Mitglieder. Als kleinere Loge mit familiärem, intimem Charakter haben wir das freundschaftliche Band, das unsere Herzen verbindet, durch den Rhythmus rituellen Erlebens gestärkt, indem wir vereint in unseren Gemeinschaftserlebnissen zur gemeinsamen Besinnung über Seinsgründe gewachsen sind.
Wie der heutige Tag beweist, hat sich der Name „Bon Accord" auch in seinem geistigen Sinne als Versprechen für die Zukunft bestätigt und bewährt. Dazu hat das hierarchische System der Emulation wesentliches beigetragen. Viele Brüder sind durch frühzeitig übertragene Aufgaben und Pflichten gewachsen und gereift, indem sie pflichtbewusst und verantwortungsvoll als selbstsichere Persönlichkeiten hervorgingen. Sie haben sich damit das notwendige Fundament bewahrt, um das individuelle Streben nach dem eigenen Mittelpunkt aufrecht zu erhalten.
M.v.St.