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Neulich bin ich in „Parkinson’s Law“ auf das achte Kapitel „Injelititis or palsied Paralysis“ gestossen, welches beschreibt, wie Inkompetenz in Kombination mit Neid Firmen ruiniert.
Wie war das doch – Inkompetenz und Neid – hörte man davon nicht bei den Vorgängen um die Credit Suisse? Verwundert fragt man sich, was Parkinson allenfalls zum Verständnis beitragen könne.
In gewissen Organisationen, wo nichts mehr funktioniere, handle es sich nach Parkinson keineswegs um ein Versagen, sondern um einen absichtlich herbeigeführten Zustand, der in Analogie mit den Stadien der Syphilis folgendermassen entstehe:
Das Primärstadium beginne, wenn in einer Organisation ein Individuum auftauche, das einen hohen Grad von Inkompetenz (Incompetence=I) mit einem hohen Grad von Neid (Jealousy=J) vereinige. Inkompetenz und Neid seien bei jedem vorhanden und für sich allein harmlos.
Aber eine hohe kombinierte Konzentration von I3J5 führe zu einem chemischen Produkt, das den Effekt habe, dass ein Individuum nichts nützliches mehr leiste, sondern versuche, andere Abteilungen zu behindern und die Kontrolle über den ganzen Laden zu erlangen.
Dieses Anfangsstadium könne entfallen, wenn das Individuum ganz oben einsteige (was ja vorkommt).
Einmal oben, versuche das Individuum im Sekundärstadium, alle fähigeren Mitarbeiter zu entfernen und Einstellung oder Beförderung von fähigen Leuten zu blockieren.
Das verbreite sich wie eine Infektion: Wenn der Chef zweitklassig sei, werde die zweite Führungsebene drittklassig, weiter unten viertklassig und so fort.
Beförderungskriterium sei die Stupidität. Gewisse Leute würden deshalb so tun, als ob sie noch hirnloser wären, als sie tatsächlich seien.
Im Tertiärstadium enthalte die Organisation keinen Funken von Intelligenz mehr, sie sei praktisch tot – entsprechend der Verblödung bei tertiärer Syphilis mit progressiver Paralyse.
Die Organisation könne in diesem Koma Jahrzehnte überdauern oder sich auflösen. Extrem selten seien Spontanerholungen; nämlich dann, wenn Vorgesetzte zu dumm seien, um einen fähigen Mitarbeiter zu erkennen und versäumten, ihn rechtzeitig zu blockieren.
Parkinson nennt diese Infektionskrankheit „Injelititis“ (abgeleitet von In-competence und Je-alousy).
Neben Hinweisen zur Diagnostik gibt Parkinson solche zur Therapie: Im nicht zu fortgeschrittenen Sekundärstadium genüge manchmal, aber nicht immer, ein chirurgischer Eingriff.
Das Tertiärstadium sei im Grunde unheilbar, es bleibe nur der Neustart: neuer Name, neuer Ort, neue Crew.
Infiziertes Personal müsse mit hervorragenden Arbeitszeugnissen versehen und an die gefährlichste Konkurrenz wegempfohlen, sowie alle Geräte und Dokumente entsorgt werden.
Die Gebäude seien hoch zu versichern und dann anzuzünden. Erst wenn nur noch eine geschwärzte Ruine zurückbleibe, sei man sicher, dass die Erreger der Infektion abgetötet seien.
Es lohnt, die beissenden Bemerkungen zu Diagnostik und Therapie im Original zu lesen.
Und nein, Parkinson kann nicht von der heutigen Credit Suisse gesprochen haben, das Büchlein ist über sechzig Jahre alt.
Klagen wegen übler Nachrede sind aussichtslos, weil alle Ähnlichkeiten nicht beabsichtigt und rein zufällig sein müssen.
Literatur: C.Northcote Parkinson: Parkinson’s Law or the Pursuit of Progress (1957). Der ganze Text findet sich online hier.