Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03410.jsonl.gz/750

Moshe Boukman (1892-1998) kommt in Leipzig zur Welt und zieht schon mit 15 Jahren nach Berlin, um dort Schauspieler zu werden. 1912 gründet er mit Gleichgesinnten die Theater-Truppe «Strumpfkugel», die vor allem auf grossen Passagier-Schiffen ihre Travestie-Nummern vorführen kann. Bei Kriegsausbruch löst sich die Truppe auf. Moshe flieht zu einer wohlhabenden Tante nach Zürich, um sich dem Kriegsdienst zu entziehen. Hier gehört er im Februar 1916 zu den wenigen Zuschauern der ersten Dada-Veranstaltungen im «Cabaret Voltaire». Er hat Kontakt mit Christian Schad und Walter Serner – verbringt jedoch die meiste Zeit auf einem Bauernhof in der französischen Schweiz, wo er als Knecht arbeitet.
Kurz nach Ende des Krieges heuert Boukman als Unterhalter (oder Hilfskoch) auf einem Linienschiff von Lissabon nach Buenos Aires an, muss jedoch aus unbekannten Gründen bereits in Rio von Bord gehen. Dort lernt er den Unternehmer Laurent Edel aus Castebar kennen und tritt als Sekretär in dessen Dienste (ob er tatsächlich eine Affäre mit Edel hatte, wie manchmal behauptet wird, sei dahingestellt). Mit Edel gelangt Boukman nach Santa Lemusa, wo er 1918 in Sentores eine eigene Dada-Gruppe gründet. Die Hafensiedlung dürfte damals einer Geisterstadt geglichen haben – wie viele Mitglieder «Dada Sentores» hatte, ist unbekannt. Boukman betätigt sich als Künstler und Autor, vor allem aber kocht er nach Dada-Prinzipien und verfasst das erste kulinarische Dada-Manifest. Er steht (laut Angaben seines Sohnes) in Kontakt mit Tristan Tzara in Paris und schreibt auch regelmässig an Kurt Schwitters und (!) Richard Huelsenbeck in Berlin.
1965 lernt Moshe Boukman die vierzig Jahre jüngere Köchin Abida Abate kennen und unternimmt mit ihr eine dreijährige Weltreise – ein Resultat dieses Unterfangens ist Izak Boukman, der 1968 zur Welt kommt.
First Publication: 4-2-2016
Modifications: