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Der Brand im OVH-Rechenzentrum in Strassbourg ist immer noch ein grosses Thema in der europäischen IT- und RZ-Szene. Dies, weil ein RZ eigentlich nicht ausbrennen sollte und falls doch, sollten trotzdem keine Kundendaten verloren gehen, und drittens ist OVH nicht nur der grösste RZ-Anbieter in Frankreich, sondern ein europäischer Marktführer im Hosting-Bereich.
In einem Video erklärt der Gründer und Vorsitzende von OVH, Octave Klaba, nun einige neue Hintergründe. Zum einen ist das RZ älteren Baudatums mit einem nicht mehr gebräuchlichen Design. "'Strasbourg 2' ist eines von fünf Rechenzentren, die im Jahr 2011 gebaut wurden. Diese Generation von Rechenzentren verfügte über einen selbstbelüfteten Turm, in dem wir viel Forschung betrieben haben, um die Auswirkungen auf die Umwelt und den Stromverbrauch zu reduzieren. Die nächste Generation, 'Strasbourg 3', die nebenan gebaut wurde, ist von 2016 und hat ein völlig anderes Design. 'Strassburg 3' wurde durch den Brand nicht beschädigt, weil es anders konstruiert ist", erläutert er vor einigen Tagen via Youtube
.
Noch ist die Ursache des Brandes noch nicht ganz klar und die Aufnahmen aus 300 Kameras liegen bei den Untersuchungsbehörden. Aber immer mehr Informationen über die Konstruktion der OVHcloud im RZ "Strasbourg 2" zeigen, was das offenbar sehr rasche Brennen ermöglichte oder begünstigte. Ein RZ-Experte erklärt dazu: Es habe entflammbare, elektrische Batterien in der Nähe der Server gegeben. "Um das Risiko von Stromausfällen zu vermeiden (während des Wartens auf den Einsatz von Generatoren im Falle eines längeren Stromausfalls), werden elektrische Batterien verwendet, um die Server mit Wechselstrom zu versorgen. Das Problem ist, dass sie von Natur aus brennbar sind. In allen gängigen Rechenzentren werden die Batterien in feuerfesten Räumen gelagert. (...) Dies ist eine originäre OVH-Architektur, die von Facebooks 'Open Compute'-System inspiriert ist. Eine Batterie, insbesondere wenn sie gealtert ist, gibt Wasserstoff ab und birgt die Gefahr einer Explosion", so der RZ-Experte zur französischen Fachzeitung 'Solutions Numeriques'.
Zwar gab es ein Feuermeldesystem in diesem RZ, aber es war kein Früherkennungssystem, das ein Eingreifen ermöglicht hätte, bevor Rauch sich ausbreitet. Diese seien allerdings teuer und aufwändig in der Installation und Wartung und das RZ sei zu Beginn auf Budget-Hosting für kleine Websites von KMU konzipiert worden.
Ein weitere Schwäche war das Fehlen automatischer Feuerlöscher, auch hier könnte möglicherweise Geld gespart worden sein.
Das vom Gründer erwähnte, "altmodische" Luftkühlsystem hat möglicherweise mit einem "Kamineffekt" die Ausbreitung der Flammen weiter begünstigt.
Und wie schon bekannt, gab es einen Holzboden im aus umgenutzten maritimen Containern gebauten Turm, die wie Legos aufeinander gestapelt wurden. Auch heute gibt es modulare Rechenzentrum, die allerdings üblicherweise auf speziell gehärteten Containern basieren.
Eine Unterlassung spezieller Art ist es, dass die Kundendaten bei OVHcloud nicht automatisch in einem andern RZ gespiegelt wurden. Viele der 12'000 bis 16'000 Kunden-Websites und Kunden erlitten deshalb einen Datenverlust. Nun verspricht der Konzern laut 'Datacenter Knowledge' Gratis-Backups für alle Kunden.
Via Twitter gab Klaba zudem in einem Video weitere Details zum aktuellen Vorgehen des Restarts bekannt, ebenso zur Säuberung von Servern in einzelnen Räumen von benachbarten RZs, deren Funktionieren vom Rauch beeinträchtigt sind.
Bis zum Abschluss der Untersuchung will OVH nicht weiter Stellung nehmen zum Brand und seinen Ursachen.