Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03193.jsonl.gz/2031

um 1485 Solothurn, vor 13.10.1528. Ab 1512 Bürger von Basel, ab 1518 von Solothurn. Sohn des Hug, Goldschmieds. ∞ 1511 Sybilla von Brunn, Tochter des Hans, Gerbers in Basel. G. lernte vermutlich bei seinem Vater das Goldschmiedehandwerk. Anschliessend begab er sich auf Wanderschaft und gelangte u.a. nach Strassburg, wo er für versch. Verleger Buchholzschnitte anfertigte. 1507 weilte er als Geselle beim Goldschmied Lienhart Triblin in Zürich. Ab 1509 hielt er sich in Basel auf und arbeitete hier für die Verleger Adam Petri, Johannes Froben und Johannes Amerbach. 1511 war er in der Werkstatt des Basler Glasmalermeisters Hans Heinrich Wolleb beschäftigt. Mit seinem ausschweifenden Lebenswandel und damit verbundenen Gewalttätigkeiten provozierte G. ab 1511 immer wieder Eintragungen in die Gerichtsakten und sass mehrere Gefängnisstrafen ab. 1512 wurde er als Goldschmiedemeister in die Basler Zunft zu Hausgenossen aufgenommen. Mehrmals zog er als Reisläufer in den Krieg, so 1510 (Italien), 1513 (Feldzug nach Dijon), 1515 (Schlacht von Marignano) und 1521 (Mailand). Nach einer schweren Gewalttat musste er 1518 Basel überstürzt verlassen und ging ins Solothurner Exil. Dort arbeitete er in der väterl. Werkstatt und trat der Schmiedenzunft bei. Bereits 1519 kehrte er nach Basel zurück und übernahm das Amt des Münzeisenschneiders. Diese Stellung und die Kriegsbeute brachten ihm beachtl. Wohlstand, der es ihm 1520 erlaubte, sein Wohnhaus zur guldin Rosen (Stadthausgasse 18) zu kaufen. Trotz ständiger Konflikte mit dem Gesetz scheint G. allgemein beliebt gewesen zu sein. So wurde er zwischen 1513 und 1524 von seinen Zunftgenossen immer wieder zum Kieser und Stubenmeister ernannt und seine Waffenbrüder baten 1523 vor dem Rat um seine Freilassung, um ihm die Teilnahme am eidg. Schützenfest zu ermöglichen. G.s herausragende Bedeutung für die Kunst der Renaissance in der Schweiz gründet auf seinem originellen, zeitgeschichtlich interessanten zeichner. Werk, das v.a. für das private Auge bestimmt war. Spottlustig widmete sich G. seiner eigenen Welt, thematisierte etwa das Leben der Reisläufer, erot. Szenen (v.a. Dirnen) und das sinnlose Streben nach frommen Tugenden. Neben der menschl. Eitelkeit und Torheit stellte er jedoch mittels versch. Medien auch mytholog. und religiöse Motive dar. Von G.s Tätigkeit als Goldschmied und Glasmaler zeugen noch acht gravierte Silberplatten eines Reliquiars und einige Scheibenrisse sowie ein einziges Scheibenfragment. Von seinen Zeichnungen haben sich etwa 180 erhalten. Die Grafikproduktion umfasst gut 450 Holzschnitte, ausserdem einige Kupferstiche, Nielli und Radierungen.
Literatur
– E. Major, Urs G., [1942]
– C. Andersson, Dirnen, Krieger, Narren: ausgewählte Zeichnungen von Urs G., 1978
– BLSK 1, 423 f.
– Urs G.: Die Zeichnungen im Kupferstichkabinett Basel, 2001
Autorin/Autor: Martin Rohde