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oder
Tonsillen (Tonsillae), zwei ovale drüsige Körper, welche beim
Menschen und den Säugetieren im hintern
Teil der Mundhöhle
[* 2] rechts und links zwischen dem vordern und dem hintern
Gaumenbogen liegen und beim
Schlingen durch ihr abgesondertes
Sekret den Racheneingang schlüpfrig machen. Jede Mandel besteht aus zahlreichen Schleimbälgen oder
Follikeln und faltigen Einstülpungen der Rachenschleimhaut und zeigt an ihrer Oberfläche 12-15 rundliche oder ovale Öffnungen,
welche in taschenartige, von Schleimhaut überkleidete Räume führen.
IhrenNamen haben die
Tonsillen von ihrer
Ähnlichkeit
[* 3] mit der Schale einer Mandelfrucht.
Ihre Funktion ist erst in der letztern Zeit durch die Untersuchungen
Stöhrs bekannt geworden. Danach wandern aus ihnen zeitlebens weiße
Blutkörperchen
[* 4]
(Leukocyten) durch das sie überziehende
Epithel in die Mundhöhle und werden hier zu Speichelkörperchen.
Die Mandeln erkranken außerordentlich häufig. Die gewöhnlichste dieser
Krankheiten ist die Mandelentzündung
(Amygdalitis), bekannt
als Mandelbräune, geschwollene Mandeln, die gewöhnlich unter Fiebererscheinungen harmlos verläuft,
bisweilen aber durch Verlegung des Eingangs zum
Kehlkopf Erstickungsgefahr bringt oder in
Vereiterung der Mandeln (Mandelabsceß)
übergeht. Wiederholte Mandelentzündung führt nicht selten zu einer dauernden Vergrößerung des Organs (Mandelhypertrophie),
das dann auf operativem Wege entfernt werden muß (Tonsillotomie).
Die Mandeln nehmen auch an den meisten Entzündungsvorgängen des
Rachens
(Angina,
Diphtheritis) teil. Die Behandlung
der gewöhnlichen Mandelentzündung besteht in der Anwendung feuchter Umschläge um den
Hals; Eispillen, lindernde und desinfizierende
oder adstringierende Gurgelwässer vermindern die
Beschwerden und Entzündungserscheinungen meist beträchtlich. Bei chronischen
Mandelentzündungen sind stärkere Adstringentien
(Jod-, Höllensteinbepinselungen) bisweilen von Erfolg begleitet.
Abscesse
müssen frühzeitig eröffnet werden.