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Die dreijährige Tochter war entsetzt. Wir schauten Fussball. Nach ein paar Minuten sagte sie: «Ich bin die Roten.» Sie überlegte, dann meinte sie: «Nein, ich bin die Weissen.» Plötzlich rief sie aus: «Warum gibt es da gar keine Frauen?»
Ja, warum? Wie ihr erklären, dass Fussball eine Männerbastion ist? Nicht nur auf dem Rasen, sondern vor allem daneben? Dass Frauen während der WM höchstens als menschliches Dekor in den Fankurven eingeblendet werden? Es begann schon Wochen vorher. Die Zeitungen waren gefüllt mit weltbewegenden Themen: Sind Valon Behrami und Gökhan Inler Freunde oder nicht? Und mit philosophischen Sätzen wie: Das Spiel beginnt bei null, möglich ist alles.
Die Texte: geschrieben von Männern. Die Spiele: kommentiert von Männern. Die Expertenrunden: formiert von Männern. Den Frauen wird der eine oder andere Satz gewidmet. Das klingt dann so: Die italoalbanische Lebensgefährtin von Blerim Dzemaili, schreibt das «Magazin», sei «für die ganze Stadt ein Blickfang wie der Vesuv in ihrem schwarzen Ganzkörperdress und turmhohen Gucci-Pumps». Oder auf SRF: «So haben die Mädchen bei uns auf dem Pausenhof Tore geschossen, und der, der im Tor stand, durfte nachher nie wieder im Tor stehen.»
Wir schauten dann statt Fussball «Mary Poppins». Doch selbst hier rief die Tochter aus. Als die Kaminfeger auf dem Dach tanzten, beklagte sich das kritische Kind lauthals: «Warum tanzen da keine Frauen?!»
Die nächste Frauenfussball-WM beginnt am 6. Juni 2015 in Kanada. Die Schweiz hat sich als erstes europäisches Team bereits qualifiziert und ist damit erstmals in einer Endrunde.