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"Was passiert eigentlich mit den Resultaten, wenn eine Forschung fertig ist?" Diese Frage stellten zwei meiner Forschungskollegen der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Westschweiz (HES-SO) ins Zentrum einer Tagung im Januar 2019. Meine Überlegungen zu den drei Tagungsbeiträgen lassen sich auf einen knappen Nenner bringen: Nach dem Abschluss der Forschung beginnt erst das richtige Leben der Forschung. Nachdem das neue Wissen in Form von Vorträgen, Publikationen systematisch festgehalten ist, eine Rückmeldung an die Beforschten erfolgt ist und die Auftraggebenden die letzte Tranche der Finanzierung ausbezahlt haben, ja, dann wird es erst richtig spannend. Drei Beispiele sollen dies illustrieren:
Beim Projekt mit einer interkulturellen Bibliothek bestand die eigentliche Forschung in einer Analyse der Erfahrungen einer multikulturellen Gruppe, die während der Sommermonate im Park Geschichten erzählte. Während der vierjährigen Forschung zeigte sich, dass um das Geschichtenerzählen herum ein dichtes Netzwerk entstand und die Erzählerinnen sich zu Expertinnen für die Menschen im Quartier entwickelten. Dadurch gaben die Erzählerinnen den Anstoss zu weiteren Forschungsfragen und wurden in einem Folgeprojekt zu eigentlichen Forschenden.
Das zweite Beispiel gehört in die Kategorie Grundlagenforschung, bei der eine Anwendung für die sozialarbeiterische Praxis nicht vorgesehen ist. Die Soziologin untersuchte, was es in San Franzisco bedeutet, ein progressiver Mann zu sein. Als sie einige Jahre später einen Master of Advanced Studies für Manager in sozialen Institutionen in der Westschweiz aufbaute, wurde ihr klar, wie zentral ihre Forschungsresultate von San Franzisco für diese Weiterbildung waren, denn die Männer veränderten sich selbst grundlegend und entwickelten ein Transformationswissen. Sie gaben sich ethische Massstäbe hinsichtlich der männlichen Dominanz und entwickelten dabei eine emotionelle Reflexivität.
Das dritte Projekt handelt von der Entwicklung einer Methodik der kollaborativen Aktionsforschung. Der Forscher verfeinert und vertieft von einem Projekt zum nächsten seine Methodik. Aus der Fülle der verschiedenen Forschungserfahrungen heraus entwickelte er nun eine eigene Methodik. Dafür nennt er drei Herausforderungen für ein gelungenes Forschungsvorgehen:
1) Die unterschiedlichen Arten des Wissens sollen einbezogen sein, das disziplinäre, das praxisorientierte und das Experten-Wissen.
2) Eine kollaborative Methode benötigt eine Steuerungsgruppe, eine wissenschaftlich-technische Gruppe und eine Gruppe der Nutzenden.
3) Die Resultate sollen mit neuen Formen, jenseits von Vorträgen und wissenschaftlichen Artikeln, verbreitet werden.
Wahrscheinlich ist das Leben der Resultate nach jeder einzelnen Forschung ein individuelles. Bei den drei genannten Beispielen sind es Aneignung, Übersetzung und Fazit ziehen.
Wer mehr über die Projekte und den Möglichkeiten, die sich nach der eigentlichen Forschung bieten, findet nachstehend einige weiterführende Links und Lesetipps:
Interkulturelle Bibliothek Fribourg, LivrEchange
Albenga, Vivianne, Bachmann, Laurence, Appropriations des idées féministes et transformation de soi par la lecture, Politics, no 109 (2015), p. 69-89
Hüttemann, Matthias, Parpan-Blaser, Anne, Kompetenzen zur Gestaltung innovativer Entwicklungsprozesse. Hinweise aus dem Innovationsprogramm INCUMENT
(Bild: livrechange.ch)