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Als Inselwerk wird eine Gasversorgung mit eigener Gasproduktion ohne Anschluss an das Erdgasnetz bezeichnet. Mehrheitlich wurden solche Erschliessungen wie beispielsweise in Lugano und Chur mit Hochdruckleitungen (25 bar oder 70 bar) realisiert.
Der zwischenzeitlich aufgekommene allgemeine Kostendruck und die Verknappung der Finanzen haben in der Folge dazu geführt, dass zunehmend grössere Erschliessungen mit 5-bar-Leitungen ins Auge gefasst wurden. Typisch dafür sind die verbleibenden Inselwerke Schwyz und Interlaken. Ein Anschluss an das Hochdrucknetz ist technisch zu favorisieren. Die Kosten für eine solche Hochdruck-Transportinfrastruktur lassen sich hingegen langfristig kaum amortisieren, da die Leitungsbaukosten mit 600 bis 800 Franken pro Kubikmeter rund doppelt so hoch sind wie bei 5-bar-Leitungen und die Einspeisstationen zur Versorgung von Ortsnetzen je 1 bis 1,5 Mio Fr. kosten. Das Bewilligungsverfahren für Erdgashochdruckleitungen wird zudem auf Bundesebene abgewickelt und ist zeitlich und bewilligungstechnisch wesentlich aufwendiger als bei 5-bar-Leitungen.
Diese Faktoren waren auch bei der damals geplanten und 1999 realisierten Erschliessung von Glarus ausschlaggebend. Erst die wesentlich günstigere 5-bar-Erschliessungsvariante mit einer 20 km langen Transportleitung, getragen durch eine Aktiengesellschaft unter Beteiligung von Kanton, Gemeinden und Industriebetrieben, hat 1999 zum Ziel geführt. Danach verblieben in der Schweiz noch die drei Inselwerke Einsiedeln, Schwyz und Interlaken.
Inselwerke wollen Netzanschluss
Für alle Inselwerke hat sich in den letzten Jahren die Frage gestellt, ob ein Erdgasanschluss realisiert werden kann, der Weiterbetrieb im bisherigen Rahmen möglich ist oder gar die Stilllegung der Gasversorgung ins Auge gefasst werden muss. Der Weiterbetrieb einer Produktionsanlage ist aus Gründen der hohen Ankaufskosten für das Flüssiggas und den durch die zusätzlichen Produktions- und Verteilkosten hohen Verkaufspreis sowie aufgrund der abnehmenden Geräteentwicklung und damit fehlenden modernen Gerätepalette grundsätzlich in Frage gestellt. Die Inselwerke haben sich fast ausnahmslos aufgrund ihrer bestehenden Infrastruktur und der Kunden für einen Anschluss an das Erdgasnetz entschieden. Auch eine Ausserbetriebnahme einer Gasversorgung erzeugt hohe Kosten. Wie jüngste Erfahrungen gezeigt haben, können Inselwerke nach der Umstellung auf Erdgas eine markante Absatzsteigerung in der Grössenordnung des fünf bis zehnfachen Absatzes verzeichnen.
Die Erdgas Innerschwyz AG ist zurzeit daran, eine 20 km lange 5- bar-Leitung mit einem Kostenaufwand von rund 10 Mio Fr. ab Kantonsgrenze von Küssnacht a.R. nach Schwyz zu bauen. Diese Leitung wird durch die Wasserwerke Zug AG mittels einer 6,5 km langen Versorgungsleitung an die Druckreduzier- und Messstation Bösch in Hünenberg und somit an das 70-bar-Transportsystem der Erdgas Zentralschweiz AG angeschlossen. Die Inbetriebnahme der Erdgasleitung und damit die Aufhebung des Inselwerks Schwyz erfolgt Ende 2006.
Zwei interessante Projektabschnitte sind die Leitungsführung auf einer Strecke von 6 km von Immensee nach Arth durch den Zugersee und die Querung des Lauerzersees auf einer Länge von 3 km von Lauerz nach Seewen. Die Leitung im maximal 14 m tiefen Lauerzersee wurde im April dieses Jahres fertig gestellt. Die Röhren mit einem Durchmesser von 250 mm und einer Wandstärke von 10 mm wurden am Ufer zu Rohrleitungssträngen von rund 300 m Länge verschweisst und mit Schwimmkörpern versehen zum jeweiligen Standort des Arbeitsschiffes, dem Schweissponton, ausgefahren. Dort werden die Leitungsstränge an das Ende der Transportleitung angeschweisst und anschliessend auf den Seegrund abgesenkt.
Sichere Seeleitungen
Anspruchsvoller ist der Bau der bereits in Angriff genommenen und im Sommer 2006 fertig zu stellenden Leitung durch den Zugersee. Bedingt durch die Verlegetiefe von rund 140 m handelt es sich beim Absenkvorgang um eine heikle Bauphase. Durch gezieltes, etappenweises Lösen der Auftriebskörper und entsprechende Vorwärtsbewegung des Arbeitsschiffes muss die Einhaltung der minimal erlaubten Biegeradien zur Vermeidung von Überbeanspruchungen des Rohrmaterials sichergestellt werden.
Die Sicherheit der Seeleitungen ist durch verschiedene Massnahmen gewährleistet, wie mechanischer Schutz durch Faserzementummantelung und erhöhte Wandstärke von 10 mm statt minimal 5 mm sowie durch den kathodischen Korrosionsschutz. Die erhöhte Wandstärke ist auch eine Massnahme gegen den Auftrieb und zur Vermeidung einer Ballastierung oder Verankerung der Leitung auf dem Seegrund. Die Seeleitung wird im Uferbereich zudem im Seegrund eingegraben.
Mehrere Ausbauprojekte
Als letztes Inselwerk wird Interlaken bis in rund zwei Jahren den Betrieb auf Erdgas umgestellt haben. Dazu ist der Bau einer 30 km langen 5-bar-Leitung von Thun nach Interlaken erforderlich. Rund 15 km dieser Leitung verlaufen im Thunersee. Dieses Projekt bringt zudem der Region Spiez die Möglichkeit eines Erdgasanschlusses. Als weitere grosse Projekte sind an dieser Stelle der Bau der rund 30 km langen Erdgasleitung im Knonaueramt von Urdorf bis Steinhausen durch die Erdgas Zürich AG und Wasserwerke Zug AG sowie die Umwandlung der stillgelegten Ölleitung im Rheintal in eine Gasleitung auf dem Abschnitt Thusis bis St. Margrethen durch die Erdgas Ostschweiz AG und die Erdgasversorgung Bündner Rheintal AG zu nennen.
Die Investitionskosten für die genannten Projekte im Zeitraum 1998 bis 2008 belaufen sich auf gegen 70 Mio Fr.
Erich Oehrli, dipl. Ing. ETH, Inhaber und Geschäftsleiter der Oehrli Engineering AG, Rapperswil.