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«Es geht mir darum, wie gefährlich Trauernde sind, sagt Richard. Sie sind wie verwundete, in die Enge getriebene Tiere mit furchterregenden Krallen.»
Als Richard das sagt, ist er schon tot. Er wurde auf einem seiner Spaziergänge von einem Auto überfahren. Seine Frau Clare reist daraufhin von New Scotland im US-Bundesstaat New York ans Filmfestival Havanna, wo Richard, als Professor der Filmwissenschaften spezialisiert auf Zombiefilme, eigentlich hätte hinreisen wollen. Clare versucht, sich Filme anzuschauen, was sie nicht wirklich schafft, und lässt sich schwitzend durch die Stadt treiben – als sie ihren toten Mann völlig lebendig entdeckt. Sie folgt ihm, zögert, ihn anzusprechen, da sie fürchtet, «dass er verschwinden könnte, sobald sie etwas sagte». Schliesslich springt er auf ein Motorrad und fährt davon. Für Clare beginnt eine Suche nach ihrem toten Mann – und für die LeserInnen die verstörende Lektüre eines wunderschönen Trauerromans.
Ihren zweiten Roman, «Das dritte Hotel», erzählt die US-amerikanische Autorin Laura van den Berg konsequent aus Sicht der 37-jährigen Clare. In Rückblenden erfahren wir, dass sie als Vertreterin für Lifthersteller die meiste Zeit unterwegs war, die Stille in den Hotelzimmern liebte – und dass ihre Beziehung mit Richard bröckelte.
In nüchternem Ton und völliger Selbstverständlichkeit schreibt die Autorin von den surrealen Ereignissen, die der Trauernden auf Kuba mit ihrem toten Mann widerfahren – ohne gross zu psychologisieren oder zu analysieren. Die Ereignisse verwebt Laura van den Berg mit detailreichen Beschreibungen Havannas sowie mit Handlungen aus Zombiefilmen, über die Richard geforscht hat – sodass der Roman zu einer Art Reisebuch durch eine seltsame Welt zwischen Leben und Tod wird.
«Sie wusste nicht, wie sie im Rahmen ihres Lebens trauern sollte», so Clare. Wie van den Berg in «Das dritte Hotel» ihre Protagonistin aus ihrem Leben treten lässt, um trauern zu können, ist ganz grosse Literatur.