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Er zählt zur Weltspitze im Sportklettern und ist einer der besten Allrounder der Szene. 2015 gelang es Tommy Caldwell zusammen mit...
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Beschreibung
Er zählt zur Weltspitze im Sportklettern und ist einer der besten Allrounder der Szene. 2015 gelang es Tommy Caldwell zusammen mit Kevin Jorgeson, die 'Dawn Wall', die mit 1000 Metern wohl härteste Steilwand überhaupt, in 19 Tagen frei zu klettern - eine sensationelle Leistung, zu der selbst Präsident Obama gratulierte. Im Jahr zuvor wurde er für die mit Alex Honnold gelungene 'Fitz Traverse' mit dem Piolet d'Or ausgezeichnet. Mitreißend berichtet der 39-Jährige im vorliegenden New-York-Times-Bestseller von der Faszination des Freikletterns. Er schildert die traumatische Geiselnahme, in die er im Jahr 2000 in Kirgisistan verwickelt wurde, und gewährt persönliche Einblicke: wie sein Vater ihn mit Fanatismus an den Extremsport heranführte, wie er den Verlust seines linken Zeigefingers verkraftete und wie die Geburt seines ersten Kindes sein Verständnis von Verantwortung und Risikobereitschaft verändert hat.
Tommy Caldwell, 1978 in Colorado geboren, wurde vor allem durch seine Leistungen im anspruchsvollen Bigwall-Klettern, speziell im Yosemite Nationalpark, bekannt. Seit einem Unfall 2001 klettert Tommy Caldwell mit nur neun Fingern - und dennoch in der absoluten Spitzenklasse. Er ist Ehrenmitglied im amerikanischen Alpine Club. Autorentext Tommy Caldwell, 1978 in Colorado geboren, wurde vor allem durch seine Leistungen im anspruchsvollen Bigwall-Klettern, speziell im Yosemite Nationalpark, bekannt. Seit einem Unfall 2001 klettert Tommy Caldwell mit nur neun Fingern und dennoch in der absoluten Spitzenklasse. Er ist Ehrenmitglied im amerikanischen Alpine Club. Leseprobe Wind 30. Dezember 2014. Tag vier des siebten Jahres in der »Dawn Wall«. 350 senkrechte Meter Freikletterei liegen unter uns, 550 haben wir noch vor uns. Aus einem Kilometer Entfernung hören wir den Wind heranrasen - ein Dröhnen in der Dunkelheit, gemischt mit einem schrillen Heulen. Das Geräusch schwillt an, übertönt alles andere. Wir kauern an der Wand wie Wasserspeier, die Beine in den Schlafsäcken, den Rücken an den Fels gepresst. Kevin, mein Kletterpartner, klammert sich an einen der Gurte unseres Hängezelts und lächelt gezwungen. Ich kann von seinen Lippen ablesen, was er sagt: »Gut festhalten!« Ein ohrenbetäubendes Wap-a-pap-pap hallt wider, mit der Frequenz einer Maschinengewehrsalve. Es ist nur die Zeltplane, die gegen den Granit schlägt, und doch durchfährt mich ein unwillkürlicher Schauder, rüttelt Erinnerungen wach, die anderthalb Jahrzehnte zurückliegen, Erinnerungen an den Geruch explodierenden Gesteins, Bilder von Blut, das auf dem Boden der Gebirgssteppe zu einer Lache gerinnt. Ein plötzlicher Aufwind wirbelt um das Portaledge - unser Zuhause, nicht größer als eine Sperrholzplatte, ein Aluminiumrahmen, über den Nylonplanen gespannt sind. Der Zeltboden beginnt, sich zu heben, und für einen Augenblick schweben wir in der Luft, als würden wir auf einem fliegenden Teppich sitzen. Ich stelle mir den Edelstahlhaken mit seinen zehn Millimetern Durchmesser vor, an dem wir und unsere gesamte Ausrüstung hängen. Dann hört der Wind plötzlich auf, und das Portaledge kracht nach unten, während sich die Gurte mit einem lauten Knall straffen. Jeder Tag beginnt gleich. Schon beim Aufwachen denke ich darüber nach, wie sich das Rätsel über uns lösen lässt. Wir setzen Kaffee auf und beobachten von unserem kleinen Hochsitz aus ehrfürchtig, wie uns das erste Licht des Tages erreicht - nicht umsonst wird diese Seite des Felsmonoliths El Capitan im kalifornischen Yosemite Valley als »Dawn Wall« bezeichnet. Ich putze mir die Zähne, nehme einen Schluck Wasser in den Mund und strecke den Kopf aus dem Zelt. Während ich zusehe, wie meine Zahnpasta nach unten fällt, zähle ich: eins, zwei, drei ... Ich bin ungefähr bei zehn, als der weiße Klumpen tief unter mir im Wald verschwindet. Ich halte inne und starre meine neun Fingerspitzen an - sie sind zerschnitten und wund, aber sie halten noch. Ich muss oft darüber nachdenken, wie sehr das Gelingen dieser gewaltigen Durchsteigung von winzigen Details abhängt. Millimetergroßer Hautkontakt und molekülweise Heilung entscheiden über den Ausgang dieses Projekts. Ich lasse meinen Blick über das von Gletschern ausgeschürfte Tal schweifen, bis hin zu den Gipfeln, die sich am Horizont erheben. Ich beobachte Falken dabei, wie sie im Flug Schwalben schlagen. Jeden Tag spüre ich in meinen ruhelosen Beinen die Intensität meiner Erregtheit. Es ist schon seltsam: Eigentlich bin ich ein ganz normaler Typ - ein bisschen unsicher, manchmal auch schüchtern und unbeholfen. In der Wand aber ist es, als würde ich lebendig werden; sie ist ein Ort, der mich verändert. Das war schon immer so. Ich hole tief Luft und wende mich dem blanken Fels zu, der sich über mir erhebt. Niemand hatte je geglaubt, dass es möglich sei, die »Dawn Wall« frei zu durchsteigen, also zum Vorankommen nur den eigenen Körper (in erster Linie Finger und Zehen) einzusetzen, wirklich zu klettern, ohne sich an Haken oder anderen Hilfsmitteln hochzuziehen. Legendäre Gestalten der Kletterszene - von denen ich manche über meinen Dad aus meiner Kindheit kannte, als sie bei uns zu Hause herumhingen - hatten sich lange gefragt, ob eine Erkletterung des El Capitan überhaupt je machbar sein werde, egal, mit welchen Mitteln. Die Erstdurchsteigung im Jahr 1958 war dann ein Quantensprung. In den nachfolgenden Jahren schafften es unzählige Kletterer über die unterschiedlichsten Routen auf den Gipfel. Die »Dawn Wall« frei zu klettern blieb jedoch ein unvorstell