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Artenvielfalt
Biodiversität bedeutet einfach gesagt «Vielfalt des Lebens». Dahinter steht die Aufgabe, unser Ökosystem sowie die unterschiedlichsten Arten von Lebewesen und Genen zu bewahren. Um also die Vielfältigkeit in der Natur zu bewahren, sprechen einige Faktoren für die vegetarische Ernährung.
Vernichtung von Grasland
Bisons, Antilopen und andere Tiere, welche auf Weidegebiete angewiesen sind, werden durch Rinderherden immer mehr verdrängt. Für die Rinderherden werden einheitliche Weiden geschaffen (Gras-Monokulturen), denen die natürliche Vielfalt der Pflanzenwelt fehlt. Die Rinder selbst haben eine zerstörerische Auswirkung auf den Boden. Im Gegensatz zu Antilopen müssen sie täglich zu den Wasserstellen gehen und komprimieren so den Boden durch ihr schwereres Gewicht zusätzlich.
Der Kot von Antilopen ist kompakt und kugelförmig. Der Stickstoff wird darin festgehalten und düngt so nachhaltig den Boden. Rinder hingegen haben einen sehr feuchten Kot, der sich flach auf dem Boden ausbreitet und durch die Hitze einen Grossteil des Stickstoffes verdunsten lässt. Dabei entsteht Ammoniak, welches zusätzlich die Atmosphäre belastet.
Damit wird dem Boden ein wertvoller Nährstoff entzogen und die Atmosphäre mit Ammoniak angereichert, das später als saurer Regen woanders wieder auf die Erde fällt.
Waldrodungen
In Zentralamerika wurden innerhalb der vergangenen 40 Jahre 40 Prozent des gesamten Regenwaldes gerodet bzw. abgebrannt, hauptsächlich um Weideland zu erhalten oder Futtermittel anzubauen. Zusätzlich wurde die Fischerei in den Weltmeeren so stark forciert, dass auch hier die Grenzen erreicht sind und sich die Fischbestände nicht mehr erholen können.
Mikroorganismen werden getötet
Die tierische Landwirtschaft produziert eine enorme Menge an Gülle, die dann auf den Wiesen entleert wird. Durch die permanente Düngung mit Fäkalien und den dadurch erhöhten Stickstoffgehalt im Boden werden viele Mikroorganismen getötet, was die Bodenfruchtbarkeit vermindert. Dadurch wird die Artenvielfalt der Flora und Fauna zunehmend reduziert. «Nach Angaben einiger Experten verschwinden jährlich bis zu 35'000 Arten für immer von der Erde.»1 Weitere Ursachen für dieses Problem liegen auch in der Verwendung von immer mehr Giften (Herbizide, Pestizide, Fungizide) in der Landwirtschaft.
Meere sind bedroht
Seit zehn Jahren dreht sich in der Lebensmittelbranche alles um Fisch. Ständig steigen die weltweiten Verbrauchsmengen. In der Schweiz betrug die Zunahme von 2001 bis 2005 gut 15%, weltweit hat sich der Verbrauch seit 1950 versechsfacht.2 Das hat natürlich gewaltige Auswirkungen einerseits auf den Fischbestand selber, andererseits aber auch auf das gesamte Ökosystem. Der Bestand an Raubfischarten wie Thunfisch oder Schwertfisch ist im Gegensatz zu der Zeit, in der noch nicht industriell gefischt wurde, um 90% geschrumpft. Ohne ihre natürlichen Feinde wird es für Schädlinge wie zum Beispiel Quallen einfach, sich ungehindert zu vermehren und so das ökologische Gleichgewicht der Meere zu zerstören.
Ein zusätzliches Problem für die Artenvielfalt der Fische stammt aus den immer grösser werdenden Zuchtanlagen, in denen Millionen von Tieren leben. Immer wieder flüchten Zuchttiere aus diesen Farmen in die Freiheit, wo sie sich dann mit den Wildfischen paaren. Doch wenn die Zahl der flüchtenden Zuchtfische ständig steigt und diejenige der Wildfische wegen der Überfischung ständig sinkt, ergibt sich daraus eine Spirale, die mit jeder neuen Kreuzung schneller zur Auslöschung der wilden Gene führt. Mehr zur den Fischen im Meer: Überfischung
Artenvielfalt geht verloren
Was sich bei den Fischen langsam abzeichnet, ist bei den Nutztieren an Land schon lange Realität. Denn aus wirtschaftlichen Gründen werden vor allem die Nutztierrassen gezüchtet, mit denen sich am meisten verdienen lässt. Durch diese bewusste Verdrängung der ursprünglichen Rassen durch die wenigen Nutztierrassen verkleinert sich automatisch die Artenvielfalt.
Das Problem wird zudem durch das Abholzen der Regenwälder verstärkt. Denn die Regenwälder beheimaten schätzungsweise 80% aller auf der Erde lebenden Tier- und Pflanzenarten. «Der Urwald wird von den Rindern regelrecht aufgefressen», sagt Tobias Riedl, Waldexperte von Greenpeace. «Dieser Wahnsinn muss sofort gestoppt werden, andernfalls hat das katastrophale Folgen für das weltweite Klima und den Erhalt der Artenvielfalt.»
Honigbienen
Wie nützlich die kleinen Bienen für den Menschen sind, fällt erst auf, seitdem das Thema Bienensterben in den Medien aufgetreten ist. Der rasche Rückgang von immer mehr Bienenvölkern zeigt wohl am deutlichsten, wohin die Verminderung der Artenvielfalt führt. Auch hier haben sich die Züchter auf die profitabelste Bienenart spezialisiert und etwa 20 Unterarten dieser Honigbiene gezüchtet und verbreitet. Die weltweit genetisch fast identische Honigbiene der Imker verdrängt nun aber die anderen bestäubenden Insekten der Natur, welche dem Menschen keinen direkten Profit einbringen.
Die Folgen daraus sind bereits seit Längerem sichtbar: Die eine Bienenart verdrängt zusehends alle anderen Arten. Daraus folgt eine genetische Verarmung. Es treten immer häufiger Krankheiten unter Bienenvölkern auf, die sich epidemieartig ausbreiten. Die Krankheitsresistenz der Bienenstämme nimmt immer mehr ab. Mehr dazu: Honig.
Gentechnik
Wie schon erwähnt, sorgt die Spezialisierung auf bestimmte ertragbringende Nutztiere dafür, dass die wild lebenden Tierarten mehr und mehr aussterben. Diese Tatsache wird von der Gentechnik zusätzlich gefördert. Denn auch hier werden Pflanzen bewusst so manipuliert, dass sie resistenter gegen die von den Herstellern vertriebenen Gifte sind als ihre natürlichen Artgenossen. Besonders deutlich wird das bei Futterpflanzen wie Soja und Reis, die hauptsächlich von der Manipulation betroffen sind. Ursprüngliche Arten, die den empfohlenen Giften der Gentechnikhersteller nicht gewachsen sind, werden durch die genetisch manipulierten Pflanzen nach und nach verdrängt. Damit wird dafür gesorgt, dass natürliche Arten von der Erde verschwinden und die Bauern auf die genmanipulierten Samen der Hersteller angewiesen sind. Auf diese Weise wird ein Ökosystem erschaffen, das lediglich noch aus Monokulturen besteht.
Artenschutz oder Tierschutz?
Im Namen der Biodiversität ist es besonders wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass die Vielfalt des Lebens nicht beinhalten kann, andere Lebewesen zu töten. Trotzdem scheint es nicht ganz einfach zu sein, eine Einigkeit in dieser Vielfalt zu finden. Nicht umsonst gibt es die Aufteilung in sogenannte Tierschutz- und Artenschutzorganisationen.
Während Artenschutz sich ausschliesslich mit den vom Aussterben bedrohten Tierarten befasst, kümmern sich Tierschutzorganisationen vorwiegend um das Wohlbefinden von Haustieren. Wobei die Nutztiere kaum von jemandem geschützt werden, sondern – wie der Name schon sagt – nur darauf geachtet wird, wie sie besser genutzt werden können. Allein schon die Unterteilung in diese verschiedenen Gruppen zeigt, dass die Gesellschaft wohl für sich selber definiert hat, was schützens- und liebenswert ist.
Vegetarier sind davon überzeugt, dass sich unser Mitgefühl für andere Lebewesen nicht auf bestimmte Arten reduzieren lässt. Denn die Aufgabe des Menschen ist es, für alle Tiere gut und verantwortungsvoll zu sorgen. Vegetarismus ist deshalb auch in Sachen Biodiversität das deutlichste Zeichen gegen Ausbeutung und Verschwendung der biologischen Vielfalt. Durch die bewusste Entscheidung, welche Nahrungsmittel für uns selbst und unsere Umwelt gut sind, leisten Vegetarier wohl den wichtigsten Beitrag zur Erhaltung des Lebens.
Bernadette Raschle