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Sulzer-Wart, Familie von
Heisst die Wartstrasse so, weil sie zum Schloss Wart führt? Diese Frage kann nicht schlüssig beantwortet werden. Könnte ja sein! Schloss Wart zwischen Neftenbach und Dättlikon gelegen ist ein Märchendomizil und fast allen Winterthurer ein Begriff. Weiss man aber mehr darüber? Es ist auch oder vor allem die Geschichte der Familie von Sulzer-Wart mit dem einstigen Domizil an der Hintergasse (Steinberggasse) in Winterthur.
Steinberggasse 33, Haus zum Tiger
Das Haus zum Tiger an der Steinberggasse 33 gehört zu den wenigen Häusern der Steinberggasse, die im Innern und Äusseren noch weitgehend in ihrer ursprünglichen Form erhalten sind. Das viergeschossige Zeilenhaus „Zum Tiger“ weist am Torbogen der Eingangstüre die Jahrzahl 1696 auf, womit das Baujahr dieses Ersatzbaus nachgewiesen ist. Die Geschichte des Hauses „Zur Rose“, wie es früher hiess, geht aber ins Mittelalter zurück. Eine Besonderheit der Hausfassade stellen das Rundbogenportal und die Rundbogenfenster im Erdgeschoss dar. Sie entsprechen einer Fassadengestaltung, wie sie bei allen Winterthurern Altstadthäusern in der Zeit vor 1800 üblich war. Solche Rundbogenfenster wurden im Mittelalter mit Klappläden geschlossen. Bauherr war Hans Jakob Ziegler (1673-1737) gewesen.
Hans Jacob Sulzer, 1738-1797, Kaufmann + Stadtrichter
Die Familie Sulzer wohnte im unauffälligen Hause „Zum Tiger“ an der Hintergasse (heute Steinberggasse 33). Der Kaufmann und Stadtrichter Hans Jacob Sulzer und seine Frau Anna Catharina Ziegler (1740-1814) ernährte seine Familie durch sein Handelsgeschäft. Er handelte mit allen möglichen Artikeln. Er lieferte z. B. Kalbshäute nach Barcelona und bestellte Krapp, ein Färbemittel, bei der Markgräfin von Baden. Die Familie hatte sechs Kinder, von denen aber nur drei das Erwachsenen Alter erreichten. Das waren Maria Ursula Sulzer (1766-1813), verheiratet mit Sebastian Clais, Johann Heinrich von Sulzer-Wart (1768-1840) und Catharina Sulzer (1779-1857) verheiratet mit Konrad Haggenmacher.
Baron Johann Heinrich von Sulzer-Wart 24.08.1768-06.12.1840
Johann Heinrich Sulzer wuchs zusammen mit den beiden Schwestern Maria Ursula und Catharina im Haus zum Tiger an der Hintergasse 33 (heute Steinberggasse) auf. Vater Hans Jacob Sulzer führte ein Handelsgeschäft. Dann trat Sebastian Clais (1742-1809) in das Leben der Familie. Clais und Sulzer sen. zusammen mit Sulzers Schwager Johann Hch. Ziegler (1738-1818) gründeten das Laboratorium in der Neuwiesen. Dieses Unternehmen (Haupterzeugnis war Vitriolöl) ging als erste schweizerische chemische Fabrik in die Geschichte ein. Nach einigen Diskussionen heirate Clais die 24 Jahre jüngere Tochter Maria Ursula seines Compagnons Sulzer. Die Hochzeit fand am 27. Januar 1784 statt. Johann Hch. Sulzer, nun Schwager von Clais, wurde von diesem gefördert und ins Unternehmen eingebunden. Nach Ausbildungsreisen ins Ausland arbeitete er in der Verwaltung der chemischen Fabrik und später als kaufmännischer Leiter. 1790 gründete Sulzer zusammen mit seinem Vetter Johann Melchior Ziegler zur Palme ein Handelsgeschäft für Baumwolle und Baumwolltücher. 1791 eröffnete er eine eigene Handelsfirma für Baumwolle, Tücher und Mousseline. Solche Firmen gab es in Winterthur damals mehr als ein Dutzend. Die bedeutendsten waren die Unternehmen von Jakob und Andreas Bidermann und Johann Jakob Rieter.
Als in der Helvetik die Handels- und Gewerbefreiheit zugestanden wurde entstanden nun auch Produktionsfirmen. So gründeten die Familien Sulzer, Ziegler und Haggenmacher um 1800 die Hardgesellschaft zur Betreibung einer mechanischen Spinnerei und Weberei. Heinrich Sulzer wurde Berater der kaufmännischen Leitung. Sebastian Clais, sein Schwager, hatte inzwischen im Salzhandelsgeschäft Karriere gemacht. 1783 trat Clais in die Dienste des bayrischen Königs. Von diesen Beziehungen profitierte auch Sulzer als Clais‘ Geschäftsführer. Im Krieg von 1796 als Bayern durch die Franzosen besetzt war, übernahm er im Salzgeschäft wichtige Aufträge, die er erfolgreich abschloss. Er erhielt dafür die goldene Carl-Theodor-Medaille, dem die Ernennung zum Salzkommissär folgte. Diese Funktion eines bayrischen Salzkommissars bildete die Grundlage zu einem bedeutenden Wohlstand.
Getrübt waren die beruflichen Erfolge durch die Probleme in seiner Ehe mit Elisabetha Bidermann (1763-1845, verheiratet seit 1788). Sie wurde schliesslich am 6. Juni 1803 geschieden. Der Sohn, Jakob Heinrich (1792-1867) blieb bei seinem Vater. Bereits ein Jahr später, am 3. Juli 1804 heiratete Sulzer Anna Hegner (1782-1837). Sie war die Tochter des Schultheissen Salomon Hegner (1744-1800) und die Schwester des Ingenieurs Salomon Hegner, der mit Clais in geschäftlicher Beziehung stand. Dieser zweiten Ehe entsprangen drei Söhne. Das waren Hans Heinrich *1805, Friedrich *1806 und Karl *1808.
In Würdigung Sulzers zuverlässigen Diensten erhob ihn König Maximilian Joseph in den Adelsstand. Ab 1814 nannte er sich Baron Johann Heinrich von Sulzer-Wart.
Zwischen Neftenbach und Dättlikon lag das Wartgut. Es bestand aus Hegners Trotte und Bidermanns Weinbauerhaus. Aus der Erbschaft seiner 1. Frau Elisabetha Bidermann und seiner 2. Frau Anna Hegner konnte Baron Sulzer die beiden Güter erwerben und vereinen. Es entstand ein kleines Imperium. In verschiedenen Etappen baute Sulzer die Häuser zu einem Schlossgut um. Dabei wurden die landwirtschaftlichen Räumlichkeiten ausgelagert, um Platz zu schaffen. 1815 liess er darum oberhalb des Wohnhauses eine geräumige Scheune und Stallungen bauen. 1817/18 folgten entscheidende Um- und Neubauten. Es entstand ein zweigeschossiger Kernbaumit Giebel und Glockenstuhl. Der hintere Teil des zweigeteilten Schlosses bewohnte die Pächterfamilie, den Haupttrakt nutzte die Herrschaft als Sommerwohnung. 1832 zog Sulzer in einen neuen Wohnsitz im Schloss Andelfingen und überliess die Sommerresidenz Wart seinen Söhnen Heinrich und Friedrich.
1837 traf Sulzer der Hinschied seiner Gattin Anna schwer. Er erkrankte an einer Grippe und einer Brustentzündung. Seine bereits angeschlagene Gesundheit wurde akuter. Als Heilmittel und als Ablenkung ging er auf verschiedene Reisen. Auch mit Kuraufenthalten in Carlsbad suchte er Linderung. Am 6. Dezember 1840 verstarb er.
Übersicht über Ämter und Ehren von Baron Johann Heinrich von Sulzer-Wart
|In seiner Heimat||Jahr||Im bayrischen Königreich|
|Mitglied des Komitees für Einquartierungen und Verproviantierung fremder Truppen||1798|
|Distriktrichter||1801|
|Bezirksrichter||1803|
|1806||Bayrischer Salzhandelskommissar|
|1810||Ritter des Civil-Verdienstordens der bayrischen Krone|
|Mitglied des Grossen Rates||1811|
|Präsident des Zunftgerichts Neftenbach||1812|
|1814||Erhebung in den erblichen Freiherrenstand Baron von Sulzer-Wart|
|Stadtrat von Winterthur||1824|
|1825||Kommandeurkreuz des Civil-Verdienst-Ordens der bayrischen Krone|
|Präsident der Stadtbeleuchtungskommission||1827|
Die Söhne des erfolgreichen Salzherrn, Baron Johann Heinrich von Sulzer-Wart, Jakob, Heinrich, Friedrich und Carl wuchsen teilweise im Wartgut und im Stadthaus „Zum Tiger“ auf.
Jacques Henri de Sulzer-Wart, 1792-1867, bay. Handelskonsul
Jacques Henri de Sulzer-Wart war der einzige Sohn aus der ersten Ehe von Johann Heinrich von Sulzer-Wart (1768-1840) mit Elisabetha Bidermann. Die beiden haben 1788 geheiratet. 1803 folgte die Scheidung. Nach der kaufmännischen Ausbildung brachten die Wanderjahre den jungen Jakob Heinrich nach Frankreich. 1819 liess er sich in Bordeaux nieder, wo er Louise Marthe de Reinegeard heiratete. Im selben Jahr schrieb er dem König von Bayern und verwies darin auf die Zweckmässigkeit hin für den Handel in Bordeaux, einen Konsul zu ernennen. Mit Unterstützung seines Vaters gelang dieses Unterfangen. Im Juni 1819 ernannt Maximilian Joseph, König von Bayern, den jungen Jacques Henri de Sulzer-Wart zum königlich-bayrischen Konsul in Bordeaux.
Dem Paar wurden zwei Söhne geschenkt. 1819 kam François Maximillian Henri de Sulzer-Wart auf die Welt. Gegen den Willen seines Vaters ergriff er die militärische Laufbahn. Er tat Dienst als Brigadier au 8e Escadron du 1er Régiment de Chasseurs d'Afrique. Als Korporal wurde er ins Militärspital eingeliefert, wo er mit etwas mehr als zwanzig Lebensjahren am 3. September 1840 starb.
Nach dem schweren Jahr 1840, in dem Konsul Jean-Jacques Henri de Sulzer-Wart seinen Sohn und seinen Vater verlor, durfte er in Nachkommenschaft die Freiherrenwürde seines Vaters übernehmen. 1842 ging er eine zweite Ehe mit Marie Gabrielle Henriette de Canolle ein. Der Konsul wurde von schweren Krankheiten geplagt. Seine Gattin führte in dieser Zeit die Geschäfte weiter. Schliesslich überlebte Jacques Henri seine Gattin doch noch um drei Jahre. Vereinsamt starb er zu Allerheiligen 1867. Weder Freunde noch Verwandte, auch Sohn Achilles nicht, waren zugegen. Nur zwei Holzarbeiter begleiteten ihn in den Tod.
Henri Achilles de Sulzer-Wart (1822-1885) hatte am 12. August 1861 Marie Comptesse de Gères geheiratet. Sie deklarierten sich als «sans profession», denn sie waren wohlhabend und brauchten nicht zu arbeiten. Ihr Sohn Jean-Jacques residierte in Toulouse und Fourquevaux und hielt den Familienzweig der de Sulzer-Wart in Frankreich aufrecht.
Heinrich von Sulzer-Wart 1805-1887
Heinrich erbte Schloss Wart und war im Salzhandel, als Vaters Nachfolger, tätig. Seine Familie prägte das Leben auf dem Schlossgut. Im Winter und Frühjahr wohnten sie im Haus zum Adler am Obertor (heute Polizeigebäude). 1831 heiratete Heinrich von Sulzer-Wart Catharina Elisabetha Peter (1809-1864) aus dem Hause Bidermann von der Villa Büel. Nach dem Tode seiner Schwiegermutter Anna Barbara Peter-Bidermann, genannt Babettli, 1861 erbten Baron Heinrich und Stadtrat Jakob Goldschmid die Liegenschaft Büel. Heinrich fiel dabei das Landhaus zum unteren Büel zu. Nach dem 1845 auch sein Schwiegervater Johannes Peter-Bidermann verstorben war, standen Heinrich Mittel zur Verfügung zur Verbesserung der Schlossgebäude. Der Haupttrakt erhielt talseits einen klassizistischen Dreiecksgiebel und bergseits einen Treppengiebel. Der gut proportionierte Rundturm mit Spitzhelm auf der Hinterseite des Pächtertraktes wird auch diesem Umbau zugeschrieben. Umgeben war das Wartgut von einem grossen Park. Er war gestaltet durch viele Obstbäume, Blumen und Ziergärten, Teiche mit Fischen, Treibhäusern, vielen Beerensträuchern. Auch fehlten die Spielplätze mit Schaukeln nicht.
Nach dem Tode des zuständigen Amtsinhabers übernahm Freiherr Heinrich von Sulzer-Wart die gesandtschaftlichen Geschäfte in der Schweiz. Statt einer Bezahlung wurde die Einsetzung als Gemeiner Rat vollzogen, was als grössere Auszeichnung befunden wurde. 1860 wurde Sulzer Generalkonsul in der Schweiz. Damit wurde der Adler am Obertor für zehn Jahre der Sitz des bayrischen Generalkonsulats in der Schweiz. Im November 1870 bat Sulzer um Entlassung aus diesem Dienst.
Friedrich von Sulzer-Wart 1806-1857 Ingenieur, Regierungsrat, Andelfingen
Friedrich wohnte im Schloss Andelfingen und wurde Zürcher Regierungsrat. Von 1840 bis 1844 hatte er das Bauwesen unter sich.
Friedrich absolvierte wie sein Bruder Heinrich seine Grundausbildung in Hofwyl (Bern) im landwirtschaftlichen Institut Fellenberg. Anschliessend reisten die beiden nach Paris und besuchten zwei Jahre das Collège Bourbon. Im Gegensatz zu seinem Bruder nahm Friedrich die Schule sehr ernst und wurde zum Musterschüler. Als Ausländer hatte er es nachfolgend schwer in die Polytechnische Hochschule aufgenommen zu werden. Schliesslich gelang dies trotzdem und zwei Jahre später legte Frédéric sein letztes Examen an der Königlich Französischen Polytechnischen Schule ab. Mit Bestleistung trat er in die Ecole militaire de Génie et de l’Artillerie in Metz ein. Im Herbst 1830 kam er zurück in die Schweiz und wurde zum Adjutanten des Oberstgeniekommandanten in den eidgenössischen Dienst berufen. Anschliessend, ab 1832, wirkte er als Ingenieuradjunkt im Bau-, Strassen- und Wasserbaudepartement des Kantons Zürich. In dieser Funktion war er für den Strassenbau in den Bezirken Andelfingen und Winterthur zuständig. Er baute die Strasse Winterthur-Schaffhausen und leitete den Ausbau der Strasse durchs mittlere und obere Tösstal sowie die Strasse Winterthur-Weiach. Unter anderen war er auch verantwortlich für den Bau der Holzbrücke in Kollbrunn und 1839 die Errichtung der gedeckten Tössbrücke im Bruni zwischen Neftenbach und Pfungen. Diese überquert noch heute die Töss, jedoch an einem neuen Ort etwas oberhalb des Reitplatzes. (Siehe Glossar "Töss der Fluss").
Am 5. September 1837 vermählte sich Frédéric mit Anna Maria Peter. Sie war die Tochter des Johannes Peter-Bidermann aus der Villa Unteres Büel und die Schwester von Catharina Elisabetha Peter (genannt Lilly), Gattin ihren nun Schwagers Heinrich von Sulzer-Wart.
Frédéric engagierte sich nun für ein soziales Projekt, eine Rettungsherberge für verwahrloste Kinder. Zusammen mit Pfarrherren aus dem unteren Tösstal realisierte er dieses Ziel. Er kaufte dafür am Fusse der Ruine Freienstein einen Bauernhof. Die Kosten für den Umbau und die Erweiterung der Gebäulichkeiten übernahm Sulzer grossmehrheitlich. Als erster Hausvater und Lehrer wurde der Württemberger Johann Georg Blocher (1811-1877) berufen. Dieser war der Urgrossvater des späteren Politikers Christoph Blocher (*1940).
Frédéric von Sulzer-Wart begann sich nun auch politisch zu engagieren. Als Erziehungsrat von 1838 bis 1844 und Schulpolitiker wurde er zum führenden Kopf der Religiös-Konservativen. 1838 bis 1844 war er Mitglied des Grossen Rates, 1839 bis 1844 Mitglied des Regierungsrates (konservativ) und 1840 bis 1844 Mitglied des Staatsrates. In dieser politischen Tätigkeit verhedderte sich von Sulzer-Wart immer stärker in sektirisch-religiöse Ansichten. Der „Landbote“ hatte von allem Anfang an die politische Tätigkeit Frédérics sehr kritisch begleitet, da sie mit Liberalismus wenig zu tun hatte. Gesundheitlich angeschlagen und frustriert zog er sich aus der Politik zurück und legte sich auch mit Blocher und dem Komitee des Heimes in Freienstein an. Frédéric zog sich ins Schloss Andelfingen zurück, nicht ohne sein Belehrungen und Strafen zu bereuen. Im Herbst 1857 starb er. Seine Witwe Anna zog mit den drei Töchtern nach Genf, wo sich die fromme Frau den Darbysten anschloss. Diese lehnten die organisierte Kirche ab und damit die Unterscheidung von Laien und Geistlichen. Sie blieben in Genf bis 1865. Lydia, die mittlere Tochter starb bereits 1861 und Maria Selma 1867 nach kurzer Ehe mit Cousin Friedrich. Nach dem Tode der Mutter 1891 lebte die Tochter Anna Maria allein auf Schloss Andelfingen. Sie war dabei sehr wohltätig und war vielerorts der rettende Engel. Allerdings schmolz das bedeutende Vermögen dahin.
Nach dem Tode der Anna von Sulzer 1923 versuchten die Erben von Sulzer-Wart anfänglich vergeblich, das Schlossgut Andelfingen zu veräussern. Weder Staat noch Gemeinde konnten sich zum Kauf entschliessen; da anerbot sich ein Andelfinger Bürger, der in Pregny-Genf lebende Alfred Baur, das Schloss und den schönen Park der Gemeinde zu schenken zum Andenken an seine Eltern. An die Schenkung knüpfte er die Bedingungen, dass der Besitz seinen Charakter beibehalten müsse, der Park nie überbaut werden dürfe und der Bevölkerung immer offen stehe. Für die Gemeinde, die das Anerbieten dankbar und freudig annahm, stellte sich aber bald das Problem der Verwendung des Herrensitzes. Erst eine beauftragte Kommission kam auf die Idee, das Schloss als Altersheim einzurichten. Der Donator unterstützte den Entschluss auch finanziell, so dass 1925 hier ein Altersheim eröffnet werden konnte. Noch heute ehrt im Schlosspark eine Tafel den grosszügigen Gönner Andelfingens: "Altersheim Andelfingen, gestiftet von Alfred und Eugénie Baur, 1923". Von 1925 bis 1999 diente es als Altersheim. 2000 wurden Betrieb und Unterhalt aller Schlossliegenschaften samt Park der Stiftung Schloss Andelfingen übergeben. Im Schloss selbst befinden sich heute das Statthalteramt, eine Wohnung und Räume, die für Anlässe vermietet werden. (letzter Abschnittstext aus der Webseite http://www.swisscastles.ch/Zurich/schloss/andelfingen_d.html )
Karl von Sulzer-Wart 1808-1825
Carl, der Jüngste der Familie Heinrich und Anna von Sulzer-Wart-Hegner, war das Sorgenkind der Familie. Er litt an krankhaften Anfällen, denen er bereits im 17. Altersjahr erlag.
Anna Maria Backhausen-von Sulzer-Wart 1833-1910
Die erstgeborene Tochter des Heinrichs von Sulzer-Wart und Lili Peters wurde „der wilde Hummel“ genannt. Sie war ein sehr aufgewecktes Kind, das mit offenen Augen in die Welt schaute. An der Seite ihrer Mutter, „Mutterli“ genannt, wuchs sie auf und lernte die Aufgaben und Kompetenzen einer Hausmutter kennen und lieben. Im wohlhabenden Haus herrschten strenge Sitten, deren Takt vom Vater vorgegeben und kontrolliert wurde. Gerne nahm sie sich ihren Geschwistern an und pflegte und betreute sie und deren gab es viele. In der Ehe ihrer Eltern gab es dreizehn Geburten. Aber nur fünf erreichten das Erwachsenenalter. Heinrich, Sophie und Berta starben im Kindesalter, die übrigen bereits als Säuglinge. Im Sommer lebte die Familie auf Schloss Wart und im Winterthur im „Adler“ am Obertor. In dieser Zeit der Freude und des Leides war die Religion auch oft im Zentrum. Vater Sulzer nahm dazu aber einen differenzierteren Standpunkt ein als sein konservativer Bruder auf Schloss Andelfingen. Dadurch bestand eine tiefe Kluft zwischen den beiden Familien. Anna Marias Charme kam auch bei der Männerwelt gut an. Die verschiedenen Heiratsanträge brachte sie aber nicht in Unruhe. Als der Vater ihr einen Mann „zuteilen“ wollte, rebellierte sie und drohte mit dem Auszug aus dem Elternhaus. Alsdann kehrte wieder mehr Ruhe diesbezüglich ein. Carl Heinrich Steiner, ein Doktor der Rechte, gewann dann Anna Marias Gunst. 1856 heirateten sie. Das junge Glück dauerte nur anderthalb Jahre. Steiner verstarb 1858. 1862 heiratete sie den Deutschen Otto Backhausen auf Gut Nettehammer (Rheinpreussen).
Karl Friedrich von Sulzer-Wart 1835-1868 Kaufmann, Stadtrat
Karl Friedrich begann seine Berufslaufbahn 1854 bei der Bank Pictet in Genf als Volontär. 1856 wechselte er ins Bankhaus Louis Lemmé in Antwerpen. Nach einer Ausbildung in der Niederlassung von London des Antwerpen Bankhauses reiste er nach Amerika. Er zog mehr oder weniger von Stadt zu Stadt um seine Bildung und Menschenkenntnisse zu erweitern. 1861 kehrte er nach Winterthur zurück. In dieser Phase war er an der Gründung der Bank von Winterthur (später Bankgesellschaft und UBS) beteiligt. Bereits mit 31 Jahren wurde er in den Stadtrat gewählt. Gegen Wiederstände in der eigenen Familie heirate Karl Friedrich 1865 seine Cousine Maria Selma von Sulzer-Wart (1844-1867). Beide verstarben wenige Jahre später in noch jungen Jahren an schweren Erkrankungen.
Hch. (Henri) de Sulzer-Wart, 1844-1917, Kaufmann in Le Havre und Haiti
Henri de Sulzer-Wart, 1844-1917, war der Lebenskünstler der Familie und damit auch das Sorgenkind insbesondere des Vaters. Nach der ordentlichen Schulzeit ermöglichte ihm der Vater einen Aufenthalt in Frankreich, um sich dort im kaufmännischen Bereich zu bewähren. Er gab ihm auch ein stattliches Startkapital mit auf den Weg. Dieses Geld reichte nicht lange und der Vater musste mehrmals Löcher stopfen. Schliesslich war ein Konkurs unvermeidlich und wegen Betrügereien kam es zu einem Strafverfahren. Henri setzte sich nach Port au Prince in Haiti ab und blieb in Frankreich verschollen. Am 29. November 1889 heiratete Henri seine langjährige Partnerin Céleste-Augustine Longuemare (1850-1923), genannt Titine und lebte mit ihr, nach dem er auch Haiti verlassen musste, in West Hoboken in den USA. Per Telegramm vernahm die Familie in der Schweiz 1917 den Tod Henris.
Fanny Louise von Sulzer-Wart 1848-1925
Nach einer Zufallsbekanntschaft während einer Bahnfahrt heirate Fanny von Sulzer-Wart 1870 den 43 Jahre älteren Heinrich Moser, der seine erste Frau durch einen Kutschenunfall verloren hatte. Heinrich Moser war Uhrenfabrikant mit Uhrenfirmen in Le Locle und St. Petersburg. Sein eigentliches Pionierwerk war 1865 der Bau des Moserdamms im Rhein bei Schaffhausen für die Nutzung der Wasserkraft. Das Ehepaar wohnte in der schlossähnlichen Villa "Charlottenfels" in Neuhausen, die Moser zu Ehren seiner ersten Frau Charlotte gebaut hatte. Sie hatten zusammen zwei Töchter, die 1872 geborene Fanny und Mentona, die 1874 auf die Welt kam. Nur vier Tage nach der Geburt von Mentona verstarb Moser. Durch das Erbe wurde Fanny zur reichsten Frau von Europa. Von ihrem Stiefsohn wurde sie des Giftmordes an seinem Vater und ihrem Gatten bezichtigt. Ein weiteres Verweilen auf Charlottenfeld wurde unzumutbar. Sie zog nach Deutschland, um Abstand zu gewinnen und wieder Ruhe zu finden. Ab 1886 wählte Fanny für ihren Sommeraufenthalt das Schlösschen Eigental bei Berg am Irchel. Dies nicht zuletzt darum, dass sie wieder einmal in der Nähe von Schloss Wart verweilen konnte.
Da das Schloss verkauft wurde, stand ein weiterer Domizilwechsel an. Fanny kaufte die Residenz „Belle au bois dormant“, das Schloss Au am Zürichsee. Hier residierte sie in der Folge 30 Jahre. Die Au wurde zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt, in dem eine illustre Gästeschar ein- und ausging. Aristokraten, Dichter, Philosophen, Wissenschaftler und Industrielle gaben sich zu Teekonzerten, Tanzsoireen, Bootsfahrten, Schlittenausflügen und anderes die Hand. 1917 zog sie in ein kleineres Heim in Kilchberg, wo sie die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte. Mit ihren Kindern hatte sie im Streit gelegen. Sie schloss sie aus dem Erbe aus und setzte beide auf den Pflichtteil.
Die Erstgeborene, Fanny Moser, 1872-1953, entwickelte sich aus Widerstand gegen die Mutter zur renommierten Naturwissenschaftlerin – mit Vorliebe für parapsychologische Phänomene. Mentona Moser, 1874-1971, wiederum, die Jüngere, wurde Sozialistin. Als junge Frau arbeitete sie in den Slums von London und übersiedelte später nach Berlin. Dort unterstützte sie mit ihrem gigantischen Moser-Erbe die Kommunistische Partei.
Max von Sulzer-Wart 1854-1910 preuss. Oblt.
Bei der dreizehnten und letzten Geburt brachte ‚Mutterli‘ Zwillinge auf die Welt. Einmal mehr war es Anna Maria, die der Mutter bei der schweren Geburt beistand und sich an den zwei neuen Brüdern riesig freute. Der Vater fühlte sich krankheitshalber nicht im Stande dabei zu sein. Maxli war anfangs leblos und musste ins Leben geholt werden. Er schaffte das, während Klein-Gustav ein paar Monate später verstarb.
Max von Sulzer-Wart schlug eine militärische Laufbahn ein. Nach einem Sprachaufenthalt in Lausanne erfüllte er die schweizerische Wehrpflicht. In preussischen Diensten im Dragonerregiment „Prinz Karl“ fand er eine Fortsetzung. Bald wurde er Offizier. Als hervorragender Reiter nahm er an Offiziersrennen teil, die er auch wiederholt in Baden-Baden gewann. Er war ein geselliger Mensch und auch dem Kartenspiel zugetan. Wenn er sich jeweils wieder einmal zu stark verschuldet hatte, half ihm seine Schwester Fanny wieder aus dem Schlamassel heraus. 1885 erlitt er einen schweren Hufschlag. Die folgende schlimme Zeit veranlasste ihn, den Dienst zu quittieren. Er kam dabei auch einem Wunsche seines alten Vaters nach, der ihn bat, die Bewirtschaftung des Wartgutes zu übernehmen.
Max nahm sich in erster Linie den Obstkulturen an. Er förderte spezielle Sorten von Äpfeln und Birnen und bereicherte damit die grossen Kulturen. Daneben liess ihn aber der Wunsch ein neues Schloss zu bauen nicht los. Er wollte einen Hauch Neuschwanstein in seine Heimat bringen. Die Architekten Jung und Bridler nahmen sich der schwierigen Aufgabe an. Es entstand eine Villa des Fin de Siècle mit Schlossallüren. Der Schlosspark wurde vom berühmten Schweizer Gartenarchitekt belgischer Herkunft Evariste Mertens geschaffen. Mertens Handschrift tragen auch der Frohbergpark, der Park um die Villa Sonnenberg und der Parkgarten um die Bühler-Villen Bühlstein und Bühlpark. Vom alten Schloss blieb nicht viel übrig. Was stehen blieb musste starke Veränderungen hinnehmen. Auch die kapellenartige Trotte musste wie auch die Pappelallee weichen. Max hatte sich damit einen Traum erfüllt, während seine Verwandten den Verlust ihres alten Schlosses sehr bedauerten. Sie beklagten, dass nichts von der glücklichen Vergangenheit zurückgeblieben sei.
Am 22. November 1888 verheiratete sich Max mit Elisabeth von Gemmingen-Hornberg. Anschliessend ging das junge Paar auf eine acht Monate dauernde Hochzeitsreise rund um die Welt. In der Zwischenzeit wurde das neue Schloss Wart fertiggestellt. Am 26. März 1890 kam ihr Töchterchen Margarete-Anna auf die Welt. Die Schlossherrin fühlte sich im neuen Heim nie wohl. Sie fand auch keinen Anschluss bei der Familie. Die junge Frau wohnte lieber im Winter im Davos, im Sommer am Meer und dazwischen im Baur au Lac in Zürich! Da auch der Vater viel auf Reisen war, wuchs das Mädchen bei und mit den Angestellten auf.
Seit dem 27. November 1886 war das ganze Anwesen Wart an Baron Max überschrieben worden. Für seine kleine Familie waren die Gebäulichkeiten viel zu gross. Auch das Gesellschaftsleben, das früher hier stattgefunden hat, war eingeschlafen. Begegnungen mit den einst befreundeten Familien Escher, Zwingli, Hegner und Bidermann fanden nicht mehr statt. Baron Max begann seinen Besitz umzustrukturieren.
Er verkaufte 1892 das Wartgut an Heinrich Leimbacher. Wies- und Ackerland wurde teilweise verkauft oder verpachtet. Das Gasthaus Wartbad wurde 1899 an August Huber, Wirt zum Schützengarten in Zürich, vermietet. Den Schwerpunkt der eigenen Bewirtschaftung legte Max auf den Weinbau. Persönlich wandte sich Max neuen Errungenschaften zu. So betätigte er sich z. B. als Fotograf. Er war auch vom Traum des Fliegens fasziniert und unternahm Kugel- und Lenkballon-Flüge. Eine Leidenschaft wurde für ihn das Automobile. Bereits 1893 kaufte er einen Benz-Viktoria. Für dieses Auto erhielt von Sulzer die Strassenverkehrsnummer 1 des Kantons Zürich. 1903 erstand sich Max einen „Martini“, Produktionsort Felben bei Frauenfeld. 1904 gründete er mit einigen Freunden die Sektion Zürich des ACS und wurde deren erster Präsident. Der Wagenparkt beim Wartgut nahm in der Folge ständig zu. Wenn Baron Max nicht gerade auf einer Autofahrt war, befand er sich auf der Jagd. Das Jagdfieber trieb in unberührte Gegenden von Nordamerika, Kanada und Norwegen. Immer mit dabei hatte er auch den Fotoapparat. Ein eigenes Jagrevier hatte er in Schönbach im Vorarlbergischen, das dann aber zu seinem Schicksal wurde. Bei einem Picknick verdarb er sich den Magen, welche wegen Nichtbeachtung zu einer Brustfellentzündung führte. Mit einem improvisierten Schlitten wurde Max ins Tal und anschliessend nach Hause gebracht. Es kam noch eine Lungenentzündung hinzu, was schliesslich am 7. November 1910 zu seinem Tode führte.
Lebensdaten des Baron Max von Sulzer-Wart
|Jahr||Datum||Ereignis/Tätigkeit|
|1854||27. April||Geburt im Adler am Obertor|
|Schulbesuche in Winterthur und Lausanne|
|1885||Frühling||Abschied aus dem preussischen Militärdienst|
|1886||Herbst||Beginn der Pflege der Obstkulturen auf Wart|
|1886||19. Sept.||Plan des Wartguts von Ing. H. Schleich|
|1886||27. Nov.||Wartgut durch Gerichtsbeschluss an Max übertragen|
|1887||13. Dez.||Tod des Vaters Heinrich von Sulzer-Wart|
|1888||22. Nov.||Hochzeit mit Elisabeth von Gemmingen-Hornberg|
|anschl.||Weltreise|
|1889/90||Bau des neuen Schlosses|
|1890||26. März||Geburt der Tochter Margarete|
|1892||Kauf des Wartbades|
|1893||Verkauf des Adlers am Obertor|
|1894||auf Jagdreisen in Nordamerika|
|1895||Pacht eines Jagdreviers in Schönbach (Vorarlberg)|
|1895||2. Mai||Anschaffung von Fischereigerätschaften|
|1899||11. Aug.||Wartbad verpachtet an August Huber, Zürich|
|1900||auf Jagdreisen im Norden Norwegens|
|1902||1. Juli||Verpachtung des Wartguts an Gottfried Flach|
|1903||4.-9.7.||Automobiltag in München: Corsofahrt mit einem Martini-Modell aus der 1. Serie|
|1904||Gründung der Sektion Zürich des ACS und deren 1. Präsident|
|1904||schweiz. Sportkommissar an der 3. Gordon-Bennett-Wettfahrt in Homburg D|
|1910||19. Mai||Kirchliche Trauung der Tochter Margarete mit Leutnant Freiherr Kaspar von Freyberg-Eisenberg-Allmendingen|
|1910||7. Nov.||Tod des Barons Max von Sulzer-Wart|
Margarethe Anna von Sulzer-Wart 1890-1958
Die Tochter Margarete hatte ein schicksalhaftes Leben. Nach schwierigem Bébé-Alter, sie kam am 26. März 1890 auf die Welt, erholte sie sich gut, um des Vaters Sonnenschein zu sein. Leider waren aber weder Vater noch die Mutter oft zu Hause. So wuchs das Mädchen alleine zusammen mit den Dienstboten auf und wurde privat unterrichtet. Kaum zwanzigjährig heirate Margarete am 19. Mai 1910 standesgemäss den Freiherrn und Leutnant Kaspar von Freyberg-Allmendingen. Bei Beginn des ersten Weltkrieges 1914 musste Kaspar einrücken, während sich Margarete als Rotkreuzhelferin in Lazaretten nützlich machte. Im Frühling 1915 fiel ihr Mann in Sommepy bei Reims. Die junge Witwe arbeitete weiter in Lazaretten und half das Kriegselend zu lindern. Nach Kriegsende heiratete sie 1919 den Major Freiherr Konrad von Stotzingen. 1933 wurde Margarete erneut Witwe. Sie zog nach Heidelberg, um dort ihre kranke Mutter bis zu ihrem Tode 1938 zu pflegen. 1947 trat Margarete als Laienschwester ins Kloster Wald. Unter dem Namen Schwester Franziska-Romana unterrichtete sie in der Heimschule Fremdsprachen. Sie fiel auf mit ihrer freundlichen Erscheinung und ihrem Wohlwollen, das sie jedermann entgegen brachte. 1958 starb sie im Koster an Darmkrebs.
Noch etwas Schlossgeschichte
Am 7. März 1912 verkaufte die Alleinerbin Margarete von Sulzer-Wart das Wartgut. Käufer war Richard Breit (1869-1919), ein Glasfabrikant aus Böhmen. Mit gut 40 Lebensjahren hatte er seine Fabrik verkauft und suchte sich einen Ruhesitz. Die Wahl fiel auf das Wartgut, wo er auch Wohnsitz nahm. Der bisherige Pächter Albert Gfeller führte die Gutsgeschäfte weiter. Richard Breit musste alsdann in den Krieg einrücken. Sein Sohn Odilo übernahm die Gutsverwaltung. Die Nachwehen des Krieges brachte Breit um sein Vermögen. Das Wartgut konnte nicht mehr gehalten werden. Am 30. Dezember 1918 verkaufte Breit das Wartgut an Oberstdivisionär Fritz Gertsch. Weit unter dem Preis, den er selber bezahlt hatte.
Fritz Gertsch (1864-1938) stammte aus dem Berner Oberland und hatte als Arbeitersohn militärische Karriere gemacht. Dank dem Vermögen seiner Frau war er in der Lage das Wartgut zu kaufen. Mit militärischem Drill führte er seine Angestellten, was ihm wenig Sympathien einbrachte. Auch die unternehmerischen Fähigkeiten des Soldaten a.D. waren nicht über alle Zweifel erhaben. Schlussendlich kam es zu einer Zwangsversteigerung, die aber nicht mit grossem Erfolg über die Bühne ging. Schliesslich erwarben am 13. September 1924 die Gebrüder Huber aus Freienstein das Wartgut. Der eine des Brüderpaares war Arzt und eröffnete im Schloss eine Arztpraxis. Der andere übernahm die Bewirtschaftung des Gutes. Der Erfolg der Hubers hielt sich in Grenzen, sodass es im Oktober 1931 erneute zu einer Handänderung kam. Neuer Besitzer war Hans Peter aus Trüllikon. Peter war jedoch ein Strohmann, der den Kauf für Herrn von Fürstenberg in Donaueschingen ausführte. Dieser konnte hingegen das Geld nicht mehr aus Deutschland herausbringen, was den Plan platzen liesse. Peter musste das Gut wiederum auf die Gant bringen. Am 6. September 1935 erfolgte für 205‘000 Franken der Zuschlag an eine welsche Käuferschaft. Sie hiess L’Ange de l’Eternel und war eine religiöse Gesellschaft mit Sitz auf Schloss Cartigny GE. Stifter und Leiter war Alexander Freytag. Als ‚berufener Prophet Christi in der Gegenwart‘ eröffnete Freytag im Schloss Cartigny ein Haus der Philanthropischen Gesellschaft. Es folgten weitere Niederlassungen, unter anderen eben auch auf Schloss Wart. Das Anstreben der Harmonie dieser Vereinigung wirkte sich auch auf das Schloss Wart aus. Die Liegenschaft wird wieder erhalten und unterhalten. Auch dem Umschwung wird dir nötige Aufmerksamkeit geschenkt.
Quelle
Die Geschichte des Schlosses Wart und der Familie von Sulzer-Wart ist im reich bebilderten Buch „Schloss Wart. Aus der Welt der Barone und Gutsherren“ von Eugen Ott sehr lesbar dargestellt. Dieses Werk stellt die Grundlage dieser Glossar-Darstellung dar.
In der Bildergalerie sind Fotos von einer Schlossbesichtigung am 27.10.2016.
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