Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03365.jsonl.gz/2248

In einem solchen Falle leitet ein Verwaltungsrath die Geschäfte. Er ernennt eine oder mehrere Personen, welche befugt sind die Firma zu zeichnen und sie vor Gericht zu vertreten. Diese vertreten in derartigen Geschäften den Handlungsgehülfen gegenüber die Stelle des eigentlichen Prinzipals.
Derartige Geschäfte sind je nach ihrer Natur, Aktiengesellschaften oder eingetragene Genossenschaften mit beschränkter Haftpflicht etc.
Handlungsgehülfen, Handlungslehrlinge sind alle diejenigen Personen, welche in einem Handelsgeschäft vom Prinzipal angestellt und darin handelsgeschäftliche Dienste leisten. (Handlungsdiener, Kommis, Lehrling.) Die Art dieser Dienstleistung und die Gegenleistung des Prinzipals wird geregelt, theils durch den Orts- und Geschäftsgebrauch, theils durch ein besonderes Uebereinkommen, Vertrag, zwischen den beiden Theilen. In gleicher Weise regelt sich die Zeitdauer des Lehrkontraktes, der von keinem der beiden Theile ohne rechtsgültige Gründe unterbrochen oder einseitig gelöst werden kann.
Der Handlungsgehülfe kann nach dem Handelsgesetzbuch, wenn nicht Anderes zwischen den Contrahenten verabredet ist, seine Stellung nur am Anfang eines jeden Kalendervierteljahres verlassen. Die Kündigung seiner Stellung muss in diesem Falle mindestens 6 Wochen vorher geschehen.
Nach dem Ermessen des Richters kann gegen den Prinzipal insbesondere die Aufhebung des Dienstverhältnisses ausgesprochen werden, wenn derselbe den Gehalt oder den gebührenden Unterhalt nicht gewährt, oder wenn er sich thätlicher Misshandlungen oder schwerer Ehrverletzungen gegen den Handlungsgehülfen schuldig macht (§ 63 d. Handels-G.-B. );
gegen den Handlungsgehülfen: 1. wenn derselbe im Dienste untreu ist oder das Vertrauen missbraucht;
2. wenn derselbe ohne Einwilligung des Prinzipals für eigene Rechnung oder für Rechnung eines Dritten Handelsgeschäfte macht;
3. wenn derselbe seine Dienste zu leisten verweigert oder ohne einen rechtmäßigen Hinderungsgrund während einer den Umständen nach erheblichen Zeit unterlässt;
4. wenn derselbe durch anhaltende Krankheit oder Kränklichkeit oder durch eine längere Freiheitsstrafe oder Abwesenheit an Verrichtung seiner Dienste verhindert wird;
5. wenn derselbe sich thätlicher Misshandlungen oder erheblicher Ehrverletzungen gegen den Prinzipal schuldig macht;
6. wenn derselbe sich einem unsittlichen Lebenswandel ergiebt. (§ 64 d. Handels-G.-B.)
Ein Handlungsgehülfe, welcher durch unverschuldetes Unglück an der Leistung eines Dienstes zeitweise verhindert wird, verliert dadurch seine Ansprüche auf Gehalt und Unterhalt nicht, es sei denn, dass die Verhinderung über 6 Wochen dauert.
Vielfach wird vom Prinzipal einem oder mehreren Geschäftsgehilfen gemeinschaftlich Vollmacht (Prokura) zur Zeichnung der Firma ertheilt. Der Inhaber einer solchen Vollmacht heisst «Prokurist». Prokura muss ¶
in das Handelsregister eingetragen werden. Zuweilen wird auch nur eine bedingte Prokura ertheilt, z. B. Postprokura; diese braucht nicht in das Handelsregister eingetragen zu werden, sondern ist nur der Postbehörde anzuzeigen.
Prokura = Vollmacht (zur Zeichnung der Firma) durch Eintragung in das Handelsregister. Der Prokurist gilt als vom Geschäftsinhaber beauftragt, in dessen Namen und für dessen Rechnung das Handelsgeschäft zu betreiben. Der Prokurist ist nur dem Prinzipal gegenüber berechtigt und verpflichtet für seine Thätigkeit; Dritten gegenüber erzeugt dieselbe weder Rechte noch Verbindlichkeiten. Wird die Prokura mehreren Personen zur gemeinschaftlichen Zeichnung der Firma ertheilt, so heisst dies Kollektivprokura. Die Prokuristen haben die Firma mit ppa. und ihren Namen zu unterzeichnen.
Handlungsbevollmächtigter ist derjenige, dem ein Prinzipal ohne Ertheilung der Prokura Vollmacht für bestimmte Arten von Geschäften giebt. Derselbe hat sich bei der Zeichnung der Firma jedes eine Prokura andeutenden Zusatzes zu enthalten; er hat mit einem das Vollmachtsverhältniss ausdrückenden Zusätze zu zeichnen (§ 47/48 d. Handels-G.-B. ).
Handlungsreisende, mit der vorstehenden Vollmacht ausgestattet, gelten bei Geschäften an auswärtigen Orten für ermächtigt, den Kaufpreis aus den von ihnen abgeschlossenen Verkaufen einzuziehen oder dafür Zahlungsfristen zu bewilligen (§ 49 d. Handels-G.-B.).
Das Handels-G.-B. sagt im § 50: Wer in einem Laden oder in einem offenen Magazin oder Waarenlager angestellt ist, gilt für ermächtigt, daselbst Verkäufe und Empfangnahmen vorzunehmen, welche in einem derartigen Laden, Magazin oder Waarenlager gewöhnlich geschehen.
In ein und derselben Geschäftsbranche giebt es wiederum noch verschiedene Unterabtheilungen, und zwar den Gross- (grosso-, en gros-) und den Klein- oder Detailhandel.
Leider sind die Grenzen dieser beiden Handelsgattungen sehr schwierig genau zu ziehen; die Frage wird bei gerichtlichen Erkenntnissen fast immer von Fall zu Fall entschieden.
Usanzmäßig nennt man Engroshandel, den Verkauf im Ganzen, in grösseren Mengen an Wiederverkäufer. Detailhandel, den Kleinvertrieb, Einzelverkauf an das Publikum (im offenen Laden), Stückhandel.
Buchführung. Einer der wichtigsten Theile der Kontorarbeiten besteht in richtiger und ausreichender Buchführung. Das Gedeihen und Emporblühen eines Geschäftes beruht zum grossen Theil auf dieser; nur durch sie bleibt der Kaufmann stets orientirt über seine Vermögenslage, nur durch sie, vermag er sich ein wirkliches klares Bild über den ¶