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Klima und Landnutzung in der Eisenzeit
Der Pfynwald wurde in der älteren Eisenzeit offensichtlich intensiv als Waldweide für Wiederkäuer genutzt. Wie umfangreiche Untersuchungen An Koprorolithen aus neolithischen und bronzezeitlichen Seeufersiedlungen ergaben, war dies eine verbreitete Form der Tierhaltung. Vor allem Schafe Ziegen hielten sich ganzjährig im Freien auf und wurden höchstens im Winter noch zusätzlich mit Zweigen oder getrocknetem Laub gefüttert. Die Produktion von Heu in Verbindung mit Stallhaltung setzte sich erst im Laufe der Eisenzeit durch. Am Pfafforetsee gibt es zumindest in der älteren Eisenzeit noch keine Hinweise auf Waldrodungen zugunsten von Grünlandwirtschaft. Hingegen scheint die Beweidung das Ökosystem des Föhrenwaldes stark belastet zu haben : die Verjüngung der Bäume wurde verhindert und der Wacholder, dessen spitze Nadeln die Tiere meiden, indirekt gefördert. Der sich ausbreitende Sanddorn und der relativ hohe Minerogene Anteil im Sediment sind Anzeichen von Bodenzerstörung und kontinuierlicher Erosion im Einzugsgebiet des Sees. Der allochthone Sedimenteintrag ist in dieser Periode wohl weniger dem Klima, als vielmehr dern Einfluss des Menschen zuzuschreiben. Anders hingegen ist die Situation im darauf folgenden, knapp 100 Jahre dauernden Zeitraum ab etwa 390 BC . Anthropogene Indikatoren wie Weide- und Lichtungszeiger gehen zurück und der Föhrenwald beginnt sich wieder zu schliessen. Dieser Unterbruch in der Waldnutzung stimmt zeitlich mit einer kurz vor 400 BC einsetzenden Kaltphase überein, die auf zwei Vulkanausbrüche und eine Abschwächung der Sonnenaktivität und/ oder des Golfstroms zurückzuführen ist und deren kälteste Phase bis etwa 350 BC andauerte.
Landnutzung und Umweltveränderungen in der klimatisch günstigen Periode vom 3 Jh. BC bis ca. 230 AD
Eine Periode der intensive landwirtschaftlichen Nutzung begann etwa um 300 BC und fällt mit der klimatischen Gunstphase zusammen, die nur zwischen ca. 180 und 150 BC von kurzzeitigen Gletschervorstössen unterbrochen wurde. Der Föhrenwald wurde wahrscheinlich teilweise gerodet und an den für Ackerbau und Grünland ungeeigneten Standorten aufgelichtet, um den Unterwuchs für die Beweidung zu fördern. Ausserdem wurden für den Bau der Römerstrasse erhebliche Mengen an Holz benötigt. Feuer spielte bei diesen Veränderungen eine grosse Rolle. Da Pollenproduktion und -Verbreitung der Waldföhre ausserordentlich gut sind, bedeutet der Rückgang der Pollenkurve auf rund 15%, dass in der Umgebung des Sees die Bestände weitgehend verschwanden. Die bei den Bränden entstandene Asche führte dem Waldboden Nährstoffe zu. Sowohl die Düngung als auch die durch Nährstoffe und Auflichtung geförderte Bodenflora beeinträchtigten die Keimfähigkeit der Föhre und brachten der sich ausbreitenden Birke einen KonkurrenzvorteiL Zusätzlich könnte die Waldföhre bei; dem warm-trockenen Klima unter Trockenstress gelitten haben, der durch die reichlich vorhandenen Misteln noch verstärkt wurde. Untersuchungcn zum Föhrenrückgang der letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass das Zusammenwirken von verschiedenen Stressfaktoren, wie Nährstoffversorgung (im aktuellen Fall ist es die Aufgabe der traditionellen Streunutzung und des damit verbundenen Exports von Biomasse und Nährstoffen), Trockenstress und Misteln (sie entziehen dem Baum zusätzlich Wasser) zum Absterben von Föhrenbeständen führen kann.
Die Gletschervorstösse in der ersten Hälfte des 2. Jh. BC fallen mit den starken Schwankungen der Pollenkurven von Föhre und Birke zusammen. Letztere sind wohl nicht auf Klimaänderungen zurückzuführen, sondern auf Einschwemmungen von Blütenteilen (z.B. Staubblätter von Birken). Die darauf folgenden Jahrhunderte sind geprägt durch intensive Landnutzung, verbunden mit der Einführung von neuen Kulturpflanzen und der Weiterentwicklung der landwirtschaftlichen Produktionsmethoden durch die Römer.
Auszug aus: Cahiers d’Archéologie Romande 121 / Archeologia Vallesiana 4 Mit freundlicher Genehmigung, TERA sàrl, Sion www.terasarl.ch