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Je älter wir werden, desto mehr Möglichkeiten gibt es, sich ernsthaft zu verletzen. Krankheiten wie Parkinson, Wasserkopf, Schlaganfall, Schädigungen des Rückenmarks usw. können die Gangstabilität beeinträchtigen. Ältere Menschen bewegen sich langsamer und müssen oft einen breiteren Stand einnehmen, ihre Schritte sind kürzer, sie haben Schwierigkeiten, sich umzudrehen, ohne zu taumeln. Manche Menschen neigen sogar dazu, sich überhaupt nicht mehr zu bewegen, um nicht in ständiger Angst vor Stürzen zu leben. Dies führt zu Muskelschwund und einer allgemeinen Verschlechterung der körperlichen Verfassung. In all diesen Fällen kann eine Therapie Abhilfe schaffen, die sowohl die körperlichen als auch die psychischen Aspekte stimuliert.
Möchten Sie mehr erfahren? Lesen Sie den Artikel von Julien Bogousslavsky und Magali Bourges.
Mit dem Alter können verschiedene Erkrankungen wie beispielweise die Parkinson-Krankheit, ein Hydrocephalus (krankhafte Erweiterung der Flüssigkeitsräume im Gehirn), ein Schlaganfall, eine Schädigung des Rückenmarks oder eine Neuropathie der unteren Gliedmassen die Gangstabilität beeinträchtigen.
nabhängig von ihrer Ursache führen Gangstörungen bei älteren Menschen zu einem erhöhten Sturzrisiko: in der Schweiz stürzen 30 bis 45 % der Personen über 65 Jahre mindestens einmal pro Jahr. 25 % dieser Stürze führen zu Verletzungen mit erheblichen Auswirkungen und 5 % zu einem Knochenbruch. Der Gleichgewichtsverlust führt auch dazu, dass ein Viertel der Menschen über 80 eine Gehhilfe benutzt.
Die Aufgabe der Neurorehabilitation ist es, Sturzrisiken vorzubeugen und zu begrenzen, um den Verlust der Unabhängigkeit und der Autonomie zu verhindern. Ausserdem gibt es keine Medikamente, die das Gleichgewicht und die Koordination verbessern.
Ganganomalien, die beobachtet werden müssen
Beim Gang von älteren Menschen fällt meist als erstes auf, dass sie sich langsamer bewegen, ihre Schritte sind jedoch nicht nur augenscheinlich langsamer, sie benötigen mitunter auch eine breitere Standfläche (d. h. die von den Füssen abgegrenzte Bodenfläche und der Bereich dazwischen), sie machen kleine Schritte, Schrittlänge und Schritthöhe sind reduziert, sie haben Schwierigkeiten, sich sicher und ohne zu wanken um 180° zu drehen, sie können sich nicht umdrehen, ohne zu taumeln oder zu versuchen, sich festzuhalten … Beim Gehen kann zudem ein sehr grosser Abstand zwischen den Füssen vorhanden sein und der Oberkörper kann nach hinten geneigt sein. Eine starke Beeinträchtigung kann bisweilen zu Schwierigkeiten führen, den Gang einzuleiten.
Um das Sturzrisiko zu ermitteln, muss eine Gleichgewichtsbilanz erstellt werden, insbesondere ist durch Ausüben von Druck auf den Thorax zu prüfen, ob Schutzreaktionen vorhanden sind und versucht wird, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Zudem sind die Auswirkungen dieser Probleme auf die grundlegenden Aktivitäten im Alltag und im Haushalt zu bewerten. Es kann sein, dass sich die Person bei ihrem Arzt oder ihrem Therapeuten sicher bewegen kann, die alleinige Fähigkeit, zu gehen, reicht jedoch nicht aus. Die Leistung darf nicht ausser Acht gelassen werden, das heisst, die Fähigkeit, dies in verschiedenen Umgebungen zu tun (mit externen Reizen wie einer Menschenmenge oder unterschiedlicher Bodenbeschaffenheit).
Die Aufgabe der Neurorehabilitation ist es, Sturzrisiken vorzubeugen und zu begrenzen, um den Verlust der Unabhängigkeit und der Autonomie zu verhindern.
Den Teufelskreis der Angst vor Stürzen durchbrechen
Ältere Personen mit einem Sturzrisiko geraten in einen Teufelskreis, denn die Angst, zu stürzen, führt wiederum zu der Angst, sich zu Hause oder draussen allein zu bewegen, was die Beschäftigungen stark einschränken kann. Dieser Aktivitätsrückgang führt zu Muskelschwund und einer allgemeinen Verschlechterung des körperlichen Zustands. Diese Muskelschwäche führt wiederum zu fehlendem Gleichgewicht und somit zu einem Sturzrisiko. Daher gilt es, diesen Teufelskreis durch die progressive Wiederaufnahme der Aktivitäten mit therapeutischen Mitteln zu durchbrechen. In der Therapie besteht das Ziel darin, die Defizite zu behandeln, um den Kreislauf zu unterbrechen, und dabei gleichzeitig den psychologischen Aspekt zu berücksichtigen. Zudem kann schon eine vorübergehende Bettlägerigkeit oder Immobilisierung in einem Sessel zum Verlust der Bewegungsmuster führen. Daher wird empfohlen, schnell zu handeln und so früh wie möglich regelmässige, für die Person geeignete Aktivitäten anzubieten.
Eine Rehabilitation ist auch im hohen
Alter möglich Durch die Bewertung der Gleichgewichtsprobleme können wir die Defizite gezielt ins Visier nehmen und ein individuelles Rehabilitationsprogramm entwickeln, das genau auf die Person zugeschnitten ist, um die gemeinsam festgelegten Ziele zu erreichen.
Zunächst müssen die Übungen auf das statische Gleichgewicht und die Anpassungsreaktionen im Zusammenhang mit der Haltung ausgerichtet werden. Dann muss das dynamische Gleichgewicht trainiert werden, mit Auffangreaktionen, die auch Fallschirmoder Schutzreaktionen genannt werden.
Verschiedene Aktivitäten werden vorgeschlagen, zum Beispiel die Belastung von nur einem oder beiden Füssen, seitliche und sagittale Ausfallschritte, um das Körpergewicht von einem Fuss auf den anderen zu verlagern, die Stärkung der Muskeln und der unteren Gliedmassen …
Hindernisparcours ermöglichen es, das Gleichgewicht zu stimulieren und gleichzeitig die Gangparameter zu ändern: vorwärts oder rückwärts gehen, seitliche Schritte, Treppen hinauf- und hinuntersteigen, Variieren der Geschwindigkeit und der Schritthöhe, Aufheben von mehr oder weniger schweren Gegenständen vom Boden, Tragen und Bewegen von Objekten, zwischen Hütchen im Slalom laufen, die Richtung ändern, auf einem abschüssigen Weg oder instabilem Boden gehen … All diese Übungen können mehr oder weniger blind oder auf sehr instabilem Untergrund ähnlich einem Luftkissen durchgeführt werden. Dadurch wird verstärkt die tiefe Sensibilität, auch Propriozeption genannt, trainiert: die Rezeptoren in den Gelenken ermöglichen es, das Gehirn über die Position des Körpers im Raum zu informieren. Dies ist wesentlich, um sich auf unebenem Gelände oder bei Dunkelheit zu bewegen.
In der Ergotherapie und der Physiotherapie besteht das Ziel nicht in erster Linie darin, die Gehweite, sondern vielmehr das funktionale Gehen zu verbessern, das heisst, es wird versucht, bei den Alltagsaufgaben ein Mindestmass an Unabhängigkeit zu bewahren. Es ist wichtig, die Beschäftigungen und die Interessen der Person zu kennen, um das Training auf ihre Alltagsaktivitäten auszurichten.
Daher werden praxisnahe Übungen vorgeschlagen, um das tägliche Umfeld der Person zu simulieren: auf die Toilette setzen, in die Badewanne steigen, ins Bett legen, Bewegungen in der Küche mit der Möglichkeit, eine Mahlzeit zuzubereiten oder den Tisch zu decken, zum Briefkasten gehen und die Post holen … Mit diesen Aktivitäten können zwei Dinge trainiert werden: das Gleichgewicht und die Aufmerksamkeit (Konzentration, Gedächtnis). Dies ist wesentlich, um das Sturzrisiko zu begrenzen.
Zudem muss die Angst vor Stürzen berücksichtigt werden. Indem man den Personen beibringt, wie sie selbstständig wieder aufstehen können, werden Stürze entdramatisiert. Die Akzeptanz, die Wahl und die Nutzung einer technischen Gehhilfe sind Teil dieses Ansatzes zur Sturzprävention.
In der Ergotherapie und der Physiotherapie besteht das Ziel nicht in erster Linie darin, die Gehweite, sondern vielmehr das funktionale Gehen zu verbessern, das heisst, es wird versucht, bei den Alltagsaufgaben ein Mindestmass an Unabhängigkeit zu bewahren.
Es wird empfohlen, eine Bewertung der Wohnung vorzunehmen: mit Hilfsmitteln können Räume begrenzt und gesichert werden (Wannenboard, Handlauf, Duschsitz …).
Sehvermögen und Sensibilität spielen eine wichtige Rolle
Das Sehvermögen ist vor allem auf unebenem oder beweglichem Boden wichtig. Bei einem Defizit ist eine geeignete Beleuchtung erforderlich, die Räume dürfen nicht überfüllt und Hindernisse müssen beseitigt werden. Zum Beispiel können Leuchtstreifen auf Treppenstufen geklebt werden und im Treppenhaus kann ein Geländer angebracht werden. Denken Sie auch daran, Teppiche zu entfernen oder zu befestigen.
Auch die Empfindlichkeit der Fusssohlen ist mit dem Gleichgewicht verbunden. Bei einer Hypästhesie (allgemeine herabgesetzte Empfindlichkeit der Berührungs- und Drucksensibilität) können mit einer auf der Stimulation durch Berührungen und Vibrationen basierenden Rehabilitation gute Ergebnisse erzielt werden.
Die Effizienz eines solches Programms basiert selbstverständlich auf einem interdisziplinären Behandlungsansatz: nicht nur auf der Rehabilitation der Gehfähigkeit, sondern auch auf einer Rehabilitation der Empfindlichkeit, der Propriozeption, der Kognition und der Arbeit an den psychologischen Aspekten. Ein solches Therapieprogramm kann im Rahmen einer intensiven stationären Rehabilitation oder ambulant durchgeführt werden.