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Die 1925 in Versoix geborene Zürcher Künstlerin Annemie Fontana absolviert zunächst eine Haute-Couture-Lehre sowie eine Ausbildung zur Keramikerin. Im Jahr 1954 hat sie ihre erste Einzelausstellung, ab 1960 arbeitet sie als freischaffende Künstlerin. Sie erhält Aufträge für Kunst-am-Bau-Projekte und diverse Stipendien. Nach einem Atelieraufenthalt in Paris (1977) arbeitet sie zweimal im Atelier der Stadt Zürich in New York (1978 und 1982). 2002 verstirbt sie im Alter von 76 Jahren in Zumikon.
Das Frühwerk Fontanas umfasst vor allem Tierplastiken, die in ihrer Ausformung stark reduziert sind. Exemplarisch hierfür stehen Arbeiten wie Fasan
(1952) oder Papagei
(1958). Über ihr gesamtes künstlerisches Schaffen hinweg lässt sich ein Interesse am Organischen, am Vegetativen beobachten – Wachsen, Knospen, Keimen und Aufbrechen sind stets zentrale Themen, wie z.B. Keim
(1978) deutlich zeigt. Zusätzlich weisen Fontanas Werke oftmals Spannungsfelder zwischen Statik und Dynamik, zwischen Aussen und Innen (etwa Durchblick
, 1981 oder Variabile
, 1995) sowie zwischen Aufsteigen und Niederdrücken auf. In ihrem plastischen Werk gelingt der Künstlerin eine Abstraktion, die sich nicht der Figuration entgegenstellt, sondern essenziell von einer Gegenständlichkeit ableitet.
Fontana erhält mehrfach die Gelegenheit, plastische Arbeiten im öffentlichen Raum zu realisieren. Am prominentesten mag die ehemals am Escher-Wyss-Platz befindliche , leuchtend orange gestaltete Brunnenplastik Sirius
(1969-1972) sein, die 2009 von ihrem ursprünglichen Standort entfernt und 2012 vor dem Hallenstadion wieder aufgebaut wird. Zu dieser Arbeit enthält das vom Schweizerischen Kunstarchiv betreute Konvolut umfangreiches Material: Neben Verträgen, Fotos vom Aufbau und Briefen von und an Fontana finden sich auch Dokumente, welche die Planung des Werks nachvollziehen lassen. Zu weiteren von ihr geschaffenen Grossplastiken im öffentlichen Raum gibt es zum Teil einen ähnlich grossen Bestand an Fotografien und schriftlichen Dokumenten.
Besonders herausragend sind jedoch die über 70 Skizzenbücher, welche die Künstlerin hinterlässt. Bemerkenswert ist nicht nur die grosse Anzahl der versammelten Zeichnungen und Fotos. Fontanas Skizzenbücher sind weit mehr als ein Medium für das Entwerfen von plastischen und grafischen Umsetzungen. Sie sind als Tagebücher zu verstehen, in welchen Fontana ihr Denken und Empfinden manchmal auf sehr humorvolle Art und Weise niederschreibt und -zeichnet. Zudem beinhalten sie diverse Zeichnungen, denen ohne Weiteres ein autonomer Werkcharakter zugeschrieben werden darf.
Überdies finden sich im Bestand Publikationen und Presseartikel zu Fontana, diverse Einladungskarten, Fotografien und Werkabbildungen sowie Briefe von und an die Künstlerin, nicht zuletzt des Schweizer Künstlers Alois Carigiet.
Signatur
SIK-ISEA, Schweizerisches Kunstarchiv, HNA 306
Konzeption und Durchführung
Michael Schmid, lic. phil., Projektleitung
Silvan Bolliger, Mitarbeiter Schweizerisches Kunstarchiv, Einführungstext und Auswahl Dokumente
Kontakt
Schweizerisches Kunstarchiv
T +41 44 388 51 04
<email-pii>
Publiziert am 28.02.2019