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Der 12-jährige Zain verklagt in einem Gerichtsaal in Beirut seine Eltern, weil sie ihn in eine Welt voller Armut geboren haben. Da ihnen das Geld für seinen Geburtsschein fehlte, ist er identitätslos und ohne Rechte. Der Richter wird Zeuge von Zains Lebensgeschichte: Als er nicht verhindern kann, dass seine jüngere Schwester Sahar zwangsverheiratet wird, flüchtet er und kommt bei der jungen Äthiopierin Rahil unter, die illegal in einem Slum lebt. Als diese nicht mehr zurückkehrt, übernimmt er die Verantwortung für deren einjährigen Sohn. Zain versucht verzweifelt und mit allen Mitteln, das Baby und sich durchzubringen.
Die im Libanon geborene Regisseurin hat einen emphatischen Film über das Schicksal eines syrischen Flüchtlingskinds im Libanon realisiert, der auch überzeugt durch die aussergewöhnlichen schauspielerischen Leistungen der nicht professionellen Darsteller*innen. Nadine Labaki gehört seit «Caramel» (2007), der für die Goldene Palme nominiert war, zu den wenigen Weltregisseur*innen mit dem Cannes-Qualitäts-Label. Mit «Capharnaüm» gewann sie 2018 den Jurypreis des Festivals. In ihren vorherigen Filmen hat Labaki jeweils eine Hauptrolle übernommen. Diesmal bleibt sie bei einer kleinen, aber bedeutungsschweren Nebenrolle: Sie vertritt Zain als Anwältin vor Gericht.
«Hart ist der Film wegen der geschilderten Schicksale, an deren Realitätsnähe kein Zweifel besteht. Hart ist er aber auch, weil er so elegant gefilmt und vertont, konstruiert und geschnitten ist. Weil zwischendurch grossartige Drohnenaufnahmen hoch über den Slums von Beirut Bilder von schönster Hässlichkeit auf die Leinwand bringen, weil der kleine Yonas, verkörpert von einem kleinen Mädchen, absolut hinreissend ist. Weil Yordanos Shifferaw als Rahil in aller Verzweiflung einen aufrechten Sonnenschein von einer Frau verkörpert.» (Sennhausers Filmblog, 18. Mai 2018)