Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03516.jsonl.gz/1346

Ich gehöre zur aussterbenden Generation, die als Kinder stundenlang Platten mit Jörg Schneider hörte und weiss darum, dass «ds Schmöckschiitli» in einem der Kasperlistücke als Synonym für unsere Nase steht. Warum schreibt eine Logopädin über unser Geruchsorgan und nicht über den Mund?
Ein Artikel auf der wissenschaftlichen Website des Spiegels verführt mich über ebendieses Schmöckschiitli zu schreiben. Im Artikel steht, dass Forscher herausgefunden haben, dass die Nasen sich je nach Klima unterschiedlich entwickelt haben. Es gibt einen Zusammenhang zwischen
So sind breite Nasen in warm-feuchtem Klima verbreitet, während die Nasen in kalt-trockenem Klima eher schmal sind.
Dieser Text bestätigt, was ich in der Praxis viele Male beobachtet habe: die meisten „meiner“ Klient_innen aus Sri Lanka haben Probleme durch die Nase zu atmen, weil diese total verschleimt und die Nasenlöcher verkrustet sind. Sie haben daher den Mund offen und atmen durch den Mund (Achtung: nicht jeder, der den Mund offen hält, ist auch wirklich ein Mundatmer). Interessanterweise können sich diese Kinder auch nicht schnäuzen. Das muss in der Logopädie erarbeitet werden. Für die Anbahnung von Lauten, die noch nicht beherrscht werden (Bsp: S, Z, X, R, SCH, K, G), ist ein geschlossener Mund, eine korrekte Zungenruhelage, eine gut trainierte Zungenmittemuskulatur und die Atmung durch die Nase eine wichtige Voraussetzung.
Die Nase als Organ ist äusserst wichtig. Dort sitzt der Riechnerv, der ungekreuzt mit dem Hirn verbunden ist. Ich stelle mir die Bedeutung folgendermassen vor: früher mussten unsere Vorfahren Rauch riechen und ihre Sippe in Sicherheit bringen. Oder sie rochen Bisons und machten sich auf die Jagd. Wird dieser Nerv jedoch wegen einer Mundatmung nicht gebraucht, so verkümmert er. Bei der Atmung durch die Nase wird die Luft gereinigt (Schmutz bleibt in Form von Popeln in den Nasenhaaren hängen), sie wird auf dem langen Weg durch die Nasenmuscheln und entlang der vielen Schleimhäute gewärmt und es gelangt angeblich auch mehr Sauerstoff ins Hirn.
Deshalb ist es wichtig, die Nasen der Menschen aus anderen Klimazonen sanft und kontinuierlich dabei zu begleiten, sich an unser Klima anzugewöhnen. Denn dank der grossen Anpassungsfähigkeit des Menschen ist dies möglich. Logopädische Beratung und Übungen helfen dabei und sind Grundvoraussetzung für Sprechen und Wohlbefinden.
Sybille Wyss-Oeri