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Eleanora Fagan (laut Geburtsurkunde Elionora Harris) kam am 7. April 1915 in Philadelphia zur Welt und starb als Billie Holiday am 17. Juli 1959 in New York, nur 44-jährig. Über ihre tragische Kindheit und Jugend, die sie in Bordellen, Erziehungsanstalten und bei der Schwiegermutter ihrer Halbschwester verbrachte, wurde schon viel geschrieben. Die meisten Informationen stammen aus Billie Holidays (übrigens sehr lesenswerten, da locker formulierten) Autobiografie «Lady Sings the Blues», die der «New York Post»-Journalist William Dufty aufgrund ihrer Informationen verfasste. Diverse Details sind jedoch umstritten, gelten als überzeichnet oder zu einseitig.
1929 begann sie als Billie Halliday, später Holiday (dem Familiennamen ihres leiblichen Vaters) in Clubs zu singen, machte 1933 Aufnahmen mit Benny Goodman, 1935 mit Duke Ellington und danach vor allem zusammen mit Teddy Wilson. Aus jener Zeit stammt auch die Freundschaft mit Lester Young, der ihr den Spitznamen «Lady Day» verpasste.
Es folgten Auftritte mit Count Basie und eine Tournee mit der Artie Shaw Big Band, auf der sie erstmals so richtig den entwürdigenden Rassismus erlebte. 1939 wurde sie mit dem Lied «Strange Fruit» zum Star, und mit «God bless the child» doppelte sie 1941 nach, doch war dies auch der Beginn ihrer Abhängigkeit von Heroin und Alkohol. 1947 verbrachte sie ein Jahr im Gefängnis wegen Drogenbesitz, doch kurz nach ihrer (wegen guter Führung vorzeitigen) Entlassung feierte sie einen enormen Comeback-Triumph in der ausverkauften Carnegie Hall.
Doch bereits 1949 wurde sie erneut wegen Drogenkonsums verhaftet. Ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends. Ihre Stimme hatte die kindlich-positive Naivität verloren und klang nun etwas tiefer, verletzlicher und trauriger. Nichtsdestotrotz blieb sie aktiv … und erfolgreich.
1952 bis 1957 war sie bei Norman Granz (Clef und Verve Records) unter Vertrag. 1954 nahm sie sogar an einer grossen Europatournee (Konzerte in Schweden, Deutschland, Holland, Frankreich und in der Schweiz) teil. Aus jener Zeit (1956–1957) stammen auch die Aufnahmen von «All or Nothing at All».
Die Qual der Wahl
Dass man als Jazzliebhaber nicht an Billie Holiday vorbeikommt, ist unumstritten, doch auf welches der über 1200 Studio- und Kompilationsalben sollte man sich festlegen? Allein auf Qobuz stehen 1061 Alben von Billie Holiday zur Verfügung.
Ich will nicht behaupten, dass meine Wahl die einzig richtige sei, wurden doch die meisten Lieder des Albums schon bei anderen Gelegenheiten in früheren Jahren von Billie Holiday aufgenommen. Doch abgesehen vom erstaunlich frischen, echten Klang der Aufnahme sind es für mich auch die begeisternden Soli und unterstützenden Einwürfe der einzelnen Mitmusiker, die dieses HiDef-Album speziell machen.
Wer sich mit CD-Qualität zufriedengeben kann, dem sei das Album mit demselben Titel «All or Nothing at All (HD Remastered Edition)» empfohlen, das alle 28 Stücke der damaligen Session enthält.
Und eigentlich soll dieser Artikel den Appetit auf mehr Billie Holiday anregen, einer Sängerin, die als erste die Songs nicht nur interpretierte, sondern zu ihren eigenen machte, die Melodien leicht abänderte, damit die Texte mehr Gewicht erhielten. Daneben schuf sie diverse Kompositionen, zum Teil im Alleingang und zum Teil in Zusammenarbeit.
Die Mitmusiker dieser Aufnahme wirken inspiriert, beflügelt: Neben den Tenorsax-Soli von Ben Webster faszinieren immer wieder die Hintergrund-Einwürfe von Harry Edisons gedämpfter Trompete, wie sie auch auf vielen Frank-Sinatra-Aufnahmen zu hören sind.
Fazit
Billie Holidays «All or Nothing at All» ist ein minimaler, aber wichtiger Ausschnitt aus dem Schaffen dieser Ausnahmesängerin, die trotz riesigen Erfolgen immer wieder scheiterte, offiziell dreimal verheiratet war und doch nie den umsorgenden, unterstützenden Mann fand, den sie so dringend gebraucht hätte – einer Frau, die trotz allem nie von ihrem eigenen, unvergleichlichen Gesangsstil abwich und sich bis zuletzt immer wieder aufraffen konnte, wenn es darauf ankam.