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Also doch Korruption bei der Wahl von Katar als WM-Austragungsort? Zwar bestreitet die Fifa noch heute, dass die Wahl im Dezember 2010 korrupt gewesen sei. Dies gestützt auf eine interne Untersuchung mit Stand 2014, den sogenannten Garcia-Report.
Geld kassiert für Katar-Stimme
Die US-Justiz schlägt erst ein Jahr später, im Mai 2015, im Zürcher Nobelhotel Baur au Lac zu.
Im Zuge dieser Verhaftungsaktion stellt sich auch der argentinische TV-Rechtehändler Alejandro Burzaco. Er ist mittlerweile der Kronzeuge der US-Justiz. Am 14. November 2017 macht er brisante Aussagen vor dem zuständigen US-Gericht:
Auf die Frage, wer nach seinen Kenntnissen für die Katar-Stimme Geld erhalten habe, nennt er drei Namen: Julio Grondona, Nicolas Leoz und Riccardo Teixeira. Drei damals bekannte Fussball-Offizielle aus Südamerika; drei Namen, die seit langem unter Korruptionsverdacht standen.
Verurteilung wegen Korruption
Eine weitere Stimme, die eine Behauptung in den Raum stellt, könnte man sagen. Doch weit gefehlt. Unter anderem gestützt auf diese Aussage strengt die Fifa-Ethikkommission, das interne Kontrollgremium der Fifa, ein Verfahren gegen Riccardo Teixeira an (die beiden anderen waren mittlerweile verstorben).
Teixeira war im Dezember 2010 Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees. Er nimmt für sich in Anspruch, für Katar gestimmt zu haben. Hat er dafür Geld erhalten? Er dementiert.
Doch die Fifa-Ethikkommission verurteilt Teixeira im Juli 2019 wegen Korruption. Im Urteil zitiert sie wortwörtlich die Burzaco-Aussage.
Sie verurteilt Teixeira zu einer Million Franken Busse, also ungefähr gleich viel, wie er laut Burzaco für seine Katar-Stimme erhalten haben soll, und sperrt ihn lebenslänglich von allen Fussballaktivitäten.
Rekurs gegen das Urteil
Teixeira rekurriert gegen das Urteil. Nun übernimmt die Fifa-Rechtsabteilung. Sie argumentiert vor dem Sportgericht Lausanne, die Burzaco-Aussage sei ein sogenannter Urkundenbeweis. Also nicht eine blosse Behauptung, sondern ein Beweis.
Das Sportgericht Lausanne stützt diese Sicht unter anderem deswegen, weil Burzaco die Aussage in den USA unter Eid ablegte. Kurz: Das Sportgericht Lausanne erklärt die Aussage, in der detailliert über drei gekaufte Stimmen bei der Katar-Wahl berichtet wird, als glaubwürdig.
Teixeira gibt sich damit nicht zufrieden. Er rekurriert ans Schweizer Bundesgericht. Erfolglos – die Fifa siegt auf der ganzen Linie: Das Bundesgericht bestätigt im Februar 2022 das Ethikkommissions-Urteil, in dem unter anderem von Stimmenkauf im Zusammenhang mit der Katar-Wahl die Rede ist.
Falschaussagen des Fifa-Präsidenten
Und wie reagiert Fifa-Präsident Gianni Infantino? SRF fragt im April 2022 an. Ganze vier Monate Schweigen – trotz zwei eingeschriebenen Briefen, in denen SRF nachfragt. Schliesslich erhält SRF eine kurze Stellungnahme.
Zu deutsch: «Es gibt keinen Entscheid der Fifa-Ethikkommission, in dem von Bestechungsgeldern im Zusammenhang mit Katar die Rede ist.»
Das ist nachweislich falsch: Im Urteil der Ethikkommission wird die brisante Burzaco-Aussage eins-zu-eins zitiert (siehe Grafik).
Eigentlich waren die Burzaco-Aussagen der Fifa seit November 2017 bekannt. Schon damals hätte die Fifa die umstrittene Wahl untersuchen müssen, sagt der ehemalige Ethikkommission-Richter Hans-Joachim Eckert.
Doch die Fifa schreibt, die Wahl sei einwandfrei abgelaufen – und sie stützt sich dabei auf den Garcia-Report.
In fact, the matter was subject of a detailed investigation in the so-called Garcia report and Fifa published that report in full in 2017.
Auf deutsch: «Die Frage wurde detailliert untersucht im sogenannten Garcia-Report publiziert im Jahr 2017.» Doch das Publikationsdatum ist irreführend.
Korruptionsvorwürfe wurden nicht untersucht
Denn – wir erinnern uns: Der Garcia-Report hat den Ermittlungsstand 2014; er wurde also erstellt drei Jahre bevor Kronzeuge Burzaco eidesstattlich vor US-Gericht aussagte. Mit anderen Worten: Ob es bei der Katar-Wahl tatsächlich zu Korruption gekommen ist, hat die Fifa auch nach der brisanten Burzaco-Aussage nie untersucht.