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Wolfsnews
In der Schweiz leben aktuell vier Wolfsrudel. Dies sind gleich viele wie in der vorherigen Periode 2017/18. Im Laufe des Jahres konnten jedoch in verschiedenen Regionen der Schweiz neue Wölfe nachgewiesen werden, welche sich hier niedergelassen haben. Insgesamt gibt es in vier Gebieten Nachweise für die Bildung von Wolfspaaren. Wolfspaare sind die Keimzellen für neue Rudel. Nicht in allen diesen Gebieten werden sich wohl tatsächlich stabile Paare und damit Rudel bilden. Allerdings ist die Paarbildung aufgrund der Präsenz von Weibchen auch in anderen Gebieten noch möglich. Die Fortpflanzungszeit der Wölfe (Ranz) beginnt im Februar und dauert bis Ende März. Paare, die sich bis zu diesem Zeitpunkt gebildet haben, werden möglicherweise bereits nächstes Jahr Jungtiere aufziehen.
Die Gruppe Wolf Schweiz (GWS) stellt nachfolgend die aktuelle Situation unter Auswertung aller bekannten und publizierten Daten aus dem Monitoring dar.
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Rudel Calanda (GR/SG)
Das Rudel lebt im östlichen und nördlichen Calandagebiet sowie in angrenzenden Regionen. Das Leitpaar, bestehend aus Männchen M30 und Weibchen F7, bildete sich Ende 2011, die erste Reproduktion erfolgte 2012. Beide Tiere dieses Paares konnten auch 2018 erneut genetisch bestätigt werden.
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Rudel Ringelspitz (GR)
Das Rudel im Gebiet Ringelspitz bildete sich 2018. Es besteht vermutlich aus dem Männchen M56 und dem Weibchen F33. Während F33 vom Calandarudel abstammt, ist M56 neu zugewandert. Das Rudel besetzt das südliche und westliche Calandagebiet sowie angrenzende Regionen der unteren Surselva. Es erlangte einige Bekanntheit, weil drei seiner Welpen im Spätsommer in einer Felswand tödlich verunfallten. Im Herbst gab es jedoch einige Indizien, dass noch weitere Jungtiere im Rudel am Leben sind. So wurden im Gebiet sechs Wölfe zusammen beobachtet, was auf rund vier überlebende Jungtiere hindeutet.
> Weitere Informationen zum Wolfsrudel am Ringelspitz
Rudel Valle Morobbia (TI)
Im Valle Morobbia bildete sich 2015, welches bis 2018 jedes Jahr Junge hatte. Es bestand aus dem Leitpaar M47 und F8. Aktuell ist das Rudel zwar noch präsent, jedoch ist die Leitwölfin F8 im September 2018 natürlicherweise gestorben. Damit ist die weitere Existenz dieses Rudels noch offen.
> Weitere Informationen zum Wolfsrudel im Valle Morobbia
Rudel Mittelwallis (VS)
Im Val d’Annivers bildete sich 2017 ein Wolfsrudel, nachdem es dort bereits seit einigen Jahren regelmässige Wolfsnachweise gegeben hat. Einige Indizien sprechen auch für eine unbemerkte Reproduktion 2016. Eine Reproduktion konnte 2017 bestätigt werden, 2018 deuten verschiedene Fotofallennachweise ebenfalls stark auf eine neuerliche Reproduktion hin. Aktuell ist die Präsenz eines vierköpfigen Rudels bestätigt. Aus welchen Wölfen das Rudel besteht, ist nicht vollständig geklärt. Im Gebiet sind M73, M59 und F23 nachgewiesen, die beiden letzten sind jedoch Wölfe des Augstbordrudels.
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Paar Beverin (GR)
Das Streifgebiet dieses Paares dürfte sich nach ersten Erkenntnissen rund um den Piz Beverin erstrecken. Seit Frühling 2018 kann die Wölfin F37 im Gebiet nachgewiesen werden, ein vermutlich neu in die Schweiz eingewandertes Tier. Im Sommer gelangte dann der Nachweis des Wolfes M92, wohl ebenfalls ein neuer Zuwanderer. Fotos von zwei Wölfen, die gemeinsam unterwegs sind, bestätigen diese Paarbildung.
Paar Marchairuz (VD)
Das Streifgebiet der Wölfe erstreckt sich rund um den Col du Marchairuz. Im Gebiet ist seit 2016 die Wölfin F19 nachgewiesen. 2017 gab es anfänglich unbestätigte Beobachtungen, dass die Wölfin von einem zweiten Tier begleitet wird. Dies konnte im 2018 durch Aufnahmen von zwei Wölfen bestätigt werden. Genetische Analysen wiesen ebenfalls 2018 einen zweiten weiblichen Wolf, F42, im Gebiet nach. Ob auch männliche Wölfe im Gebiet präsent sind, ist nicht bekannt.
Paar Chablais (VS)
Das Streifgebiet umfasst das Gebiet südlich des Genfersees westlich der Rhone, das Walliser Chablais. Dort gab es bereits von 2006 bis 2009 eine längere Präsenz von mehreren Wölfen beiderlei Geschlechts und Hinweise auf Paar- und allenfalls gar Rudelbildung. Eine Reproduktion konnte aber nie bestätigt werden. 2006 und 2009 erfolgten zwei bewilligte Abschüsse. Danach gelangten nur noch vereinzelt Wolfsnachweise im Gebiet. Seit 2018 ist dies anders. Im Sommer konnten das Männchen M88 und die beiden Weibchen F40 und F43 genetisch nachgewiesen werden. Der Nachweis der beiden Weibchen gelangte am selben Riss. Im französischen Wolfsmonitoring gilt das Gebiet nördlich von Morzine unmittelbar an der Grenze zum Chablais seit diesem Jahr als “zu bestätigendes“ Wolfsgebiet. Eine Rudelpräsenz wird dort vermutet. Somit lebt im Chablais allenfalls bereits jetzt ein grenzüberschreitendes Rudel.
Paar Augstbord (VS)
Das Wolfsvorkommen im Augbstbordgebiet steht im engen Zusammenhang mit dem Wolfsrudel im Val d’Anniviers. Bisher konnte nicht abschliessend geklärt werden, welche Wölfe im Anniviers seit 2017 ein Rudel bilden und ob es sich allenfalls um Wölfe des Augstbordrudels handelt. Da es jedoch sowohl im Augstordgebiet als auch im Anniviers 2018 teils zeitgleich Wolfsnachweise gegeben hat und mit M59 und M73 mindestens zwei adulte Männchen und mit F23 und F24 mindestens zwei adulte Weibchen anwesend sind und es zudem weiterhin Nachweise von gemeinsam lebenden Wölfen gibt, kann zumindest von einem weiteren potentiellen Paar ausgegangen werden.
Darüber hinaus gibt es mehrere Gebiete mit sesshaften Wolfsweibchen, in oder bei deren Territorium auch Männchen nachgewiesen wurden. Nachweise für eine Paarbildung sind dort aber noch nicht bekannt, womit sie noch nicht als (potentielle) Paargebiete ausgewiesen werden können. Wolfspaare können sich jedoch auch während der Ranzzeit im Februar und März noch bilden, so dass auch dort mit Paaren oder Rudeln im kommenden Jahr gerechnet werden darf.
Val d‘Entremont (VS)
Das Streifgebiet umfasst das Val d’Entremont und Seitentäler südlich von Martigny. Nachdem dort seit der Rückkehr des Wolfes 1995 sporadisch immer wieder einzelne, durchziehende Wölfe nachgewiesen werden konnte, deuteten bereits Beobachtungen im Frühling 2018 auf eine erneute Wolfspräsenz hin. Genetisch konnte die Wölfin F41 im Sommer bestätigt werden. Aufnahmen weisen ferner einen Rüden im selben Gebiet nach. Noch offen ist, ob ein direkter Zusammenhang mit einem 2017/18 neu entstandenen Rudel im nördlichen Aostatal im Valpelline unmittelbar südlich des Grossen St. Bernhards besteht.
Bergün / Mittelbünden (GR)
Das Streifgebiet umfasst das Albulatal. Dort lebt seit Anfang 2016 die Wölfin F11. Bereits mehrfach wurde dort eine Paarbildung vermutet, da in der Region mehrfach männliche Wölfe beobachtet und nachgewiesen wurden. Eine Bestätigung dafür steht jedoch noch aus. Die Wölfin F11 wurde 2013 im Calandarudel geboren und ist somit schon länger geschlechtsreif.
Nationalpark (GR)
Im und rund um den Nationalpark im Unterengadin lebt seit Anfang 2017 die Wölfin F18, von der es zahlreiche genetische und fotografische Nachweise gibt. Im angrenzenden Münstertal hielt sich ebenfalls 2017 die Wölfin F27 auf, im Unterengadin das Männchen M61. Auch im Park selbst wurde mit einer Fotofalle ein Männchen nachgewiesen, wobei es sich um M61 handeln könnte. 2018 wurde unweit des Parks ferner das Männchen M81 nachgewiesen, bei dem es sich um einen Nachkommen des Rudels im Valle Morobbia handelt.
Die Kategorien richten sich nach den Definitionen, welche für das Wolfsmonitoring in den italienischen Alpen erstellt wurden.
Rudel: Eine Gruppe von mehr als zwei Wölfen, die in einem stabilen Territorium lebt, belegt mit C1- und C2-Nachweisen. Es müssen mindestens zwei C1-Nachweise (Fotoaufnahmen von mehr als zwei Wölfen oder genetischer Nachweis von Exkrementen in der Spur von mehr als zwei Wölfen) und mindestens zwei C2-Nachweise (z.B. Spurenfund von drei oder mehr Wölfen) für eine Wolfsgruppe von mehr als zwei Wölfen vorliegen.
Potentielles Rudel: Es müssen mindestens ein C1-Nachweis für eine Wolfspräsenz und mindestens zwei C2-Nachweise für eine Wolfsgruppe von mehr als zwei Wölfen vorliegen.
Paar: Zwei Wölfe, die zusammen in einem stabilen Territorium leben, belegt mit C1- und C2-Nachweisen. Es müssen mindestens zwei C2-Nachweise für ein Wolfspaar (z.B. Spurenfund von zwei Wölfen) und ein damit in Verbindung stehender C1-Nachweis (z.B. genetischer Nachweis von Exkrementen in der Spur) vorliegen oder mindestens ein C1-Nachweis, der ein Paar direkt belegt (z.B. Fotoaufnahmen von zwei Wölfen).
Potentielles Paar: Es müssen mindestens ein C1-Nachweis für eine Wolfspräsenz und mindestens zwei C2-Nachweise für ein Wolfspaar vorliegen.
Definitionen der Nachweise gemäss SCALP-Kategorien:
C1: Harte Fakten wie genetische Nachweise, Totfunde und eindeutige Fotos
C2: Bestätigte und überprüfbare Hinweise wie korrekt durch fachkundige Personen dokumentierte Spurenfunde
C3: nicht überprüfbare Hinweise wie Sichtbeobachtungen oder undeutliche Bilder