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Bei Behandlung der Wunden des Augapfels müssen vorzüglich vier Punkte berücksichtiget werden: 1. Man verhüte die Entleerung des Auges, das Ausfliessen der Glasfeuchtigkeit und den Vorfall der Linse; 2. man bewirke die Heilung der Wunde durch die erste Vereinigung; 3. man ver– hüte und bekämpfe die Entzündung; 4. man entserne die fremden Körper. Der ersten und zweiten Indication entspricht man durch die Ver– schliessung der Augenliedspalte. Durch die schnelle Vereinigung wird ein hoher Grad von Entzündung verhütet; immer muss jedoch ein streng antiphlogistisches Verfahren. Statt finden ). Bei den Verletzungen der Augengrube kann durch Atomie, Lähmung oder Zernichtung eines oder mehrerer Augenmuskeln, Schiefstehen des Auges (Luscitas) oder Vorfall des Augapfels (Ophtalmoptosis) mit oder ohne Amaurose entstehen. Der Xeromicter entsteht, wenn durch Vernarbungeu am äussern Augenwinkel die Thränenausfüh– rungsgänge geschlossen werden. Ein spitziger Kör– per kann durch die Knochenwand der Orbita in die Schädelhöhle dringen, er kann mehr oder weniger das Gehirn vulneriren, das Gehirn bis zur entgegenstehenden Knochenwand durchlaufen. Diese Fälle sind tödtlich, der traurige Ausgang erscheint zuweilen unerwartet, da die Abwesen– heit der Zufälle und die kleine Wunde des Augenliedes eine solche Verletzung nicht vermuthen lassen. Bei heftigen Quetschungen der Augengrubengegend können Fissuren entstehen, welche mit Extravasation des Blutes in die Schädelhöhle ver– knüpft und von allen jenen Zufällen, welche bei Schädelverletzungen beobachtet werden, begleitet werden können. Bei dem Vorfall des Augapfels
') Dass bei Verletzungen des Auges mit grosser Strenge, der antiplogistische Apparat angewendet werden müsse ist eine allgemein als gültig anerkannte Regel.
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muss sobald als möglich die Reposition vorgenommen werden, wenn nicht derselbe durch das verletzende Werkzeug destruirt, oder die Nerven und Gefässverbindungen zerstört sind ). In letzterem Falle müsste der Augapfel vollends aus seinen Verbindungen gelösst und entfernt werden. Bei der Verletzung Ä Augengrube vermag der Wundarzt nicht direct einzuwirken. Ein streng antihlogistisches Verfahren znr Verhütung des GeÄ ist angezeigt.
Von den Geschwüren und Fisteln.
d Die Geschwüre der Augenlieder sind gewöhnlich das Product des syphilitischen oder scrophulösen Leidens, oder sie treten im Gefolge eines impetiginösen Uebels auf. Sie können durch einen örtlich wirkenden Reiz, z. B. wenn das Augenlied mit durch scharfe Materie beschmutzten Fingern berührt wird, hervorgebracht werden. Den Geschwüren geht immer Entzündung voran. Sie verursachen Jucken und Brennen, sie sondern einen in Krusten gerinnenden Eiter ab, und befinden sich meistens auf dem Rande der Augenlieder. Sie können ein Ausfallen der Cilien, Verunstalten des Augenliedrandes, Verschrumpfung des Tarsus, Caries desselben etc. hervorbringen. Bei der Behandlung berücksichtige man die Ursache und den dem Geschwüre zu Grunde liegenden Zustand *).
4) Einen merkwürdigen Fall von Ausreissung eines Auges erzählt Klein (Gräfe und Walther, Journal für Chir. u. Oph. 1. B. S. 456).
2) Die Entstehungsweise des Diacryops fistulosus wurde an einem andern Orte beschrieben. Durch das fleissige Betupfen mit Höllenstein und den Gebrauch Entzün
dung erweckender Einspritzungen kann Heilung gewonnen werden,
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Die Hornhautgeschwüre, welche nach Entzündungen in Folge geborstener Bläschen oder Abscesse sich zeigen, müssen nach den bei den Entzündungen angegebenen Heilregeln behandelt werden. Die complicirten Zustände, unter welchen die Geschwüre anftreten können, sind: 1. die Fisteln der Hornhaut, 2. der Bruch derselben, 3. der Vorfall der Iris. Die Fisteln sind entweder complet oder incomplet. Die erstern durchlaufen die Substanz der Hornhaut so, dass sie einen Gang mit zwei Oeffnungen, wovon eine auf der convexen, die andere auf der concaven Fläche mündet, bilden. Die letztern haben nur eine Oeffnung und diese liegt entweder auf der convexen oder concaven Fläche. Die Fisteln sind mit mehr oder weniger Sinuosität verknüpft und zeigen sich gewöhnlich nach ihren Entzündungen, welche das Product eines Allgemeinleidens sind. Der Lauf der Fistel giebt sich durch eine graulich trübe Linie zu erkennen; dadurch lässt sich auch auf die Anzahl der Fistelgänge schliessen. Bei der vollkommenen Fistel spritzt die wässerichte Feuchtigkeit als feiner Strahl hervor, oder es bedeckt sich die äussere Ästelmündung mit einer thauartigen Flüssigkeit. Die mit der Fistel gleichzeitig bestehende specfike Iritation muss bekämpft werden; durch adstringirende Augenwasser, das Einstreichen des Laudanum etc. suche man die deletere Tendenz aufzuheben, und die Reproduction des Theiles zu beleben. Die Anwendung des Lapis infernalis wird besonders empfohlen; zuweilen wird das Spalten des Fistelganges nothwendig"). Der Hornhautbruch (Ceratocele, hernia corneae) wird durch die descemetische Membran gebildet, indem diese in Form eines kleinen Bruch
*) De la medicine operatoire par Sabatier. Edit. 1822. T. 2. pag. 2o5.
sackes hervorgetrieben wird, sobald die äussere und mittlere Lamelle an einer oder der andern Stelle der Hornhaut zerstört ist ). Der Bruch ist einfach oder complicirt; letzteres ist er, wenn durch das Bersten des Bruchsackes die wässerichte Feuchtigkeit ausgeflossen ist, so, dass eine Portion der Iris in den Bruchsack sich vordrängt. Ichoröse Hornhautgeschwüre bedingen gewöhnlich den Hornhautbruch, der häufiger auf einer dünnen sehr gewölbten, als auf einer flachen Hornhaut wahrgenommen wird. Der Hornhautbruch zeigt sich unter der Form eines kleinen umschriebenen Bläschens. Je kleiner derselbe ist, je we– niger er der Pupille nahe liegt, desto günstiger ist die Prognose. Immer folgt eine Narbe, welche mehr oder weniger das Sehevermögen stören könnte. Bei der complicirten Ceratocele muss berücksichtiget werden, ob der vorgefallene Theil der Iris beträchtlich, ob der Pupillenrand derselben vorgefallen ist. Darnach richtet sich die Verengerung, Verziehung oder Verschliessung der Pupille, welche diesem Zustande folgen können. Die Iris verwächst gewöhnlich mit dem Bruchsacke. Beim einfachen, wie beim complicirten Hornhautbruche trachte der Arzt eine schnelle Vernarbung zu bewirken, was durch Anwendung adstringirender Augenwasser, durch das Einstreichen des Laudanums oft erreicht wird *). Erfolgt die Vernarbung auf den Gebrauch dieser Mittel nicht schnell, so ist das Berühren des Bruches mit
einem zugespitzten Stückchen Höllenstein nothwendig *).
1) Scarpa (im a. W 2. V. pag. 16) verwirft diese über die Entstehung des Hornhautbruches bestehende Ansicht und behauptet, dass eine Portion des Glaskörpers den Hornhautbruch bilde.
2) Beer (im a. W. 2. B. S. 62) empfiehlt eine gesättigte Auflösung des Lapis divinus.
3) Scarpa (im a. W. 2. V. pag 19) empfiehlt das Wegschneiden des Bläschens. Demours (im a. W. 1. V. pag. 3o5) empfiehlt die Oeffnung des Bläschens, und einen leicht comprimirenden Verband, ein Verfahren, welches geeignet ist, einen einfachen Hornhautbruch in einen complicirten umzuwandeln. 1) Bei einer heftigen Contusion des Augapfels kann Zerreissung der Hornhaut, und dieser Vorfall der Iris folgen (Scarpa, im a. W. 2. V. pag. 2 ). Der Vorfall erfolgt besonders dann, wenn der Augapfel Druck oder Erschütterung durch Verband, convulsivische Augenmuskeln, oder Hustenanfälle etc. erleidet. 2) Durch die Einwirkung der Luft, der Thränen auf die nervenreiche Iris entsteht Entzündung, welche mit Lichtscheue und Thränenträufeln verknüpft ist. Leicht erfolgt eine Vergrösserung des Vorfalls (Scarpa, im a. „ W. 2. V. pag. 5). 3) Bei einem veralteten Vorfall hat die Iris eine compacte Beschaffenheit.
Der Vorfall der Iris (Uvatio, prolapsus iridis, hernia uveae) kann bei Verwundungen der Hornhaut vorkommen; gewöhnlich aber wird er durch penetrirende Geschwüre der Cornea bedingt ); durch diese wird die Hornhaut geöffnet, die wässerichte Feuchtigkeit fliesst aus, die in der hiutern Augenkammer befindliche Flüssigkeit drängt die Regenbogenhaut durch die bestehende Oeffnung Ä Hornhaut hervor. Der Vorfall der Iris hat eine dunkle Farbe und ist elastisch *). Besteht derselbe einige Zeit, so erhält er die Benennung Staphiloma iridis; in diesem Falle hat der vorgefallene Theil eine graulichte Farbe, in– dem eine neu producirte Membran denselben überzieht. Die Hornhaut ist mit dem Vorfalle verwachsen, was sich durch den graulichten Kreis, der um den Boden des Vorsalles herumgezogen ist, erkennen lässt *). Die Pupille ist immer ver– zogen, und wenn der Vorfall gross ist, bedeutend verengert oder geschlossen.
Der Vorfall der Iris, sowohl im frischen, als im veralteten Zustande stellt sich unter verschiedenen Gestalten dar, wornach er auch seine Be