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Buchrezensionen
Von autobiografischen Notizen italienischer Partisanen über literarische Arbeiten zur Arbeiterbewegung bis hin zu Gedichten aus dem Klassenkampf: In der Reihe "Klassiker und solche, die es werden sollten" werden in unregelmässigen Abständen Bücher vorgestellt, die in keiner Bibliothek fehlen sollten - aber auch solche, die bereits in vielen stehen und besser anderen Platz machen sollten.
Bild: Dorf in Afrika im 19. Jahrhundert. / James Hannington (PD)
Von den „ersten Menschen“ über „Afrikas Mittelalter“ bis zu den Konflikten in den Jahren 1450 bis 1850 kämpft der Band mit den mangelnden schriftlichen Quellen und den Schwierigkeiten von Erzählungen und oraler Geschichte. So findet sich nicht nur im Kapitel über Staatsbildung der Satz, dass „wir in hohem Masse auf Spekulation und Analogien angewiesen“ (123) sind.
Diese Spekulationen finden aber gerade bei der Frage der Staatenbildung unter fragwürdigen Vorzeichen statt: So wird die staatliche Herrschaft über Menschen als Alternative zu nichtstaatlichen Zuständen betrachtet, die selbst gar nicht genauer bestimmt werden. In Sätzen wie: „Es gab einfach Situationen, in denen eine dezentrale Organisation besser funktionierte als die zur Verfügung stehenden Alternativen“ (122) wird unterstellt, dass Gesellschaften sich kollektiv entscheiden würden, Staaten zu werden. So sucht der Autor nach Gründen dafür, „warum bestimmte afrikanische Gesellschaften ihre bisherigen dezentralen Organisationsformen aufgegeben haben“ (127) – ganz so als ob es ein Akt der Beherrschten selbst wäre, sich einer Herrschaft zu unterwerfen.
Staaten kennzeichnen sich durch ihre Trennung in Unterworfene und Herrschaftspersonal eben genau darin aus, nicht alle Menschen in ihre Entscheidungen einzubeziehen, sondern mit Gesetzen oder auch willkürlich Menschen zu unterwerfen. Die Suche nach einer kollektiven Entscheidung oder einem Grund wie von einer „Organisationsform“ in die andere gewechselt werden kann, streicht dieses Moment der Herrschaft aber gerade durch und behauptet einen Staat als eine Alternative Form sich zu organisieren.
So sucht der Historiker auch nicht nach Gründen, warum sich eine Elite bilden konnte, die andere Menschen unterwirft und zu ihrem Volk erklärt, sondern ausgerechnet nach guten Gründen, warum sich Gesellschaften zu Staaten transformiert haben: Als ob je ein König gefragt hätte, wer sein Untertan sein will.
Die von ihm selbst dargestellten Unterwerfungen von afrikanischen Staaten durch andere, die zeitweise gewaltsame Ausbreitung von Kalifaten durch Eroberung etc., sprich: die ganze bekannte Geschichte Afrikas zeigt dann auch ein anderes Bild als die von „Gesellschaften“ die zwischen „Alternativen“ dezentralen und zentralen „Organisationsstruktur“ „wählen“: Hier wird mit Gewalt unterworfen, wo es die eigene Macht erlaubt und in einem Staat zu leben ist daher keine Alternative, sondern die Folge davon, dass die Herrschaft ihre Grenzen auf den eigenen Lebensraum ausdehnt.
Diese Darstellungen dieser Prozesse in Afrika machen den Band zu lesen dann auch lohnenswert: Wer einen Überblick haben will über die geschichtliche Entwicklung Afrikas von der Sahara bis nach Südafrika, von den „ersten Menschen“ bis 1850, der ist bei diesem Band gut aufgehoben.
Mit 400 Seiten für 26,99 Euro ist dieser aber nicht gerade kostengünstig und so schmerzen Fehler doppelt, die eigentlich von den Lektoren entdeckt werden sollten, so wie die Figur eines Menschen die auf Seite 150 abgebildet ist und deren Abbildungstext sie offensichtlich fälschlicherweise als ein „aus Seifenstein geschnitzten Raubvögel“ ausgibt.
Adam Jones: Afrika bis 1850. Neue Fischer Weltgeschichte Band 19. 464 Seiten, 26.99 SFr. ISBN 978-3-10-010839-5