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Die Jungen und Mädchen hören an diesem Sonntag in der Kinderstunde aufmerksam zu. Es geht um das Leben von Joas, der mit sieben Jahren zum König ernannt wurde. Die Kinder staunen: In ihrem Alter regierte Joas bereits ein ganzes Land! Eine Episode seines Lebens beschäftigt uns besonders:
König Joas gab den Priestern den Auftrag, alles Geld, das als Weihegaben in den Tempel gebracht wurde, für Ausbesserungsarbeiten am Haus des Herrn zu verwenden. Er vertraute ihnen sichtlich, denn erst nach dreiundzwanzig Jahren, als die Schäden noch immer nicht beseitigt waren, sagte Joas zu den Priestern: «Warum bessert ihr die Schäden am Haus Gottes nicht aus? Ihr sollt nun das Geld nicht mehr für euch selbst nehmen, sondern es für die Ausbesserung des Hauses abgeben» (2. Kön. 12,8). Der Priester Jojada stellte eine Lade auf, in die er in den Deckel ein Loch bohrte, darin konnten die Menschen Geld für die Renovierung des Tempels spenden. Wenn die Lade reichlich gefüllt war, gaben die Priester das Geld den Zimmerleuten und den Bauleuten für ihre Arbeit. Überraschenderweise lesen wir: «Sie rechneten auch nicht ab mit den Männern, in deren Hand man das Geld gab, um es den Arbeitern auszuzahlen, denn sie handelten treu» (2. Kön. 12,16).
Mitten in die Geschichte platzte einer der Jungen hinein: «Also ich würde mein Geld nicht einfach den Arbeitern geben. Mein Papa sagt immer: Ohne Rechnung geht gar nichts! Beim Geld hört das Vertrauen auf!» Die Aussage des kleinen Joel, dessen Papa erfolgreicher Unternehmer ist, bringt uns zum Schmunzeln. Es macht uns aber auch nachdenklich: Wie steht es unter uns Christen um die Themen Vertrauen und Treue? Sollte es nicht selbstverständlich sein, einander zu vertrauen und vor allem vertrauenswürdig zu sein?
Ein Ehrentitel für Christus
Die ersten Christen wurden von ihrem Umfeld als «die Treuen» bezeichnet. Spontan erzählte ich den Kindern eine Begebenheit aus der Apostelgeschichte:
Paulus und seine Begleiter kamen eines Tages auf einer Missionsreise an einer Gruppe Frauen vorbei. Unter ihnen war eine Frau namens Lydia, die mit kostbaren Purpurstoffen handelte. Aufmerksam lauschte die Frau der Botschaft, die Paulus verkündigte. Gott öffnete ihr Herz und sie beschloss, den christlichen Glauben anzunehmen, und liess sich mit ihrer ganzen Familie taufen. Dabei liess sie es nicht bewenden, sondern lud sogleich Paulus und seine Begleiter ein: «Wenn ihr der Meinung seid, dass ich dem Herrn treu bin, dann kommt und bleibt in meinem Haus» (Apg. 16,15).
Lydia machte mit dieser Aussage ein interessantes Wortspiel: Im Lateinischen steht an dieser Stelle das Wort «fidelis», das bedeutet treu, zuverlässig, aufrichtig und gläubig. Obwohl von Lydia relativ wenig in der Bibel geschrieben steht, fasziniert mich diese Frau. Sie hielt sich zu den Treuen, den Christen. Die biblische Lydia trug diesen Ehrentitel mit sichtlicher Freude und mit Stolz. Kurz nach Lydias Bekehrung und Taufe wurden Paulus und Silas wegen ihres Glaubens ins Gefängnis geworfen und nach einer spannenden und ereignisreichen Nacht wieder frei gelassen. Ihr erster Weg führte sie ins Haus der Lydia. Dort konnten sie sich vor ihrer Weiterreise stärken und die Anwesenden ermutigen ... So wurde Lydia ein Vorbild für uns, wie wir einander als Christen Treue erweisen können.
Joel hört aufmerksam zu. Was wohl in seinem dunkelhaarigen Köpfchen vorgeht? Für Diskussionen am Mittagstisch ist wohl gesorgt! Kurz vor Ende der Kinderstunde fragt Joel plötzlich: «Sind alle erwachsenen Christen immer treu?»
Joels Frage beschäftigt mich noch lange Zeit danach. Bin ich Gott wirklich in allem treu? Was bedeutet es, eine Treue oder ein Treuer zu sein, wie der Ehrentitel für einen Christen lautet?
Lesen Sie den ganzen Artikel in ethos 10/2018.