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In Delémont befindet sich eine der weltweit fünf Forschungsstationen des "Centre for Agriculture and Bioscience International" (CABI) ausserhalb Grossbritanniens. Das CABI ist eine zwischenstaatliche Organisation mit Sitz in Grossbritannien, wo drei Forschungsstationen unterhalten werden. Die übrigen Forschungsstationen befinden sich in Kenia, Trinidad & Tobago, Malaysia, Pakistan - und eben im Schweizer Jura. CABI liefert Informationen und erbringt wissenschaftliche Dienstleistungen in den Bereichen Land- und Forstwirtschaft, Gesundheit und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen.
"Hier in Delémont beschäftigen wir uns hauptsächlich mit biologischer Unkrautregulierung", erklärt Dieter Schroeder, Direktor des CABI Bioscience Centre Switzerland. Dabei werden gewisse Insekten (Nützlinge) gezielt gegen inovasive (einfallende, eindringende) Unkräuter eingesetzt. Das Forscherteam im Jura arbeitet eng mit Organisationen in Nordamerika und Neuseeland zusammen. Nützlinge werden dabei beispielsweise aus Osteuropa in die Schweiz eingeflogen, hier getestet, gezüchtet und vermehrt und in grosser Zahl nach Übersee wieder ausgeflogen.
Blattkäfer gegen Unkraut
Schroeder erklärt das Potential biologischer Unkrautbekämpfung anhand des Weideunkrauts Euphorbia, das in Nordamerika Prärien von bis zu 20,000 Hektaren praktisch flächendeckend überwuchert: "Mit einem Unkrautbesatz von 5 Prozent könnten die Landwirte durchaus leben, bei 90 Prozent Unkraut hingegen wird die Beweidung unmöglich", sagt Schroeder. In diesen Prärien haben Forscher 500 Blattkäfer pro Hektare freigelassen, die nur dieses Unkraut schädigen. In Montana, Alberta und anderen nordamerikanischen Gebieten konnte der Unkrautbesatz so in vier Jahren auf 0 bis 5 Prozent dezimiert werden. "Wir waren über dieses Ergebnis selber überrascht", freut sich Schroeder.
Auch Projekte für die Schweiz denkbar
"In Zukunft wollen wir auch Projekte für die Schweiz erarbeiten", sagt Schroeder. Dazu brauche es allerdings eine einheitliche europäische Gesetzgebung, was die Freilassung von Insekten betrifft. Eine Verunkrautung mit inovasiven Pflanzen komme ausserdem in der Schweiz seltener vor als beispielsweise in Nordamerika, Australien oder Neuseeland, weil hier die Landnutzung intensiver sei. Weideflächen würden im Inland häufiger geschnitten als in der nordamerikanischen Prärie. Ein Unkraut könne sich daher nicht so unbeschadet ausdehnen.
Im CABI Bioscience Centre Switzerland arbeiten zirka 12 Angestellte, im Sommer kommen bis zu 20 Praktikanten dazu. Zurzeit laufen etwa 23 verschiedene Projekte in Delémont. Die untersuchten Insekten stammen unter anderem aus Kasachstan und der Türkei.
Das CABI
ug. Das Centre for Agriculture and Bioscience International (CABI) ist eine internationale, zwischenstaatliche, nicht gewinnorientierte Organisation, die sich für die Verbesserung des Lebensstandards weltweit - vor allem aber in Entwicklungsländern - einsetzt. Neben weltweit vernetzten Forschungsanstalten führt CABI die Datenbanken CAB Abstracts und CAB Health und veröffentlicht landwirtschaftliche Fachliteratur. 1997 wurde Südafrika das 41. Mitgliedsland des CABI. Die Schweiz ist bis jetzt nicht Mitglied, ein entsprechender Vorstoss aus dem Nationalrat ist aber hängig. "Bis Ende 1998 könnte die Mitgliedschaft der Schweiz vollzogen sein", schätzt Schroeder.