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Nur weil ein Unternehmen seine Wertpapiere aufteilt, sollten Anleger nicht in den Titel investieren, sagen Analytiker.
Das Phänomen, dass die Kurse nach der Bekanntgabe von Aktiensplits wie im Fall des Elektrofahrzeugherstellers Tesla (siehe Bild) in die Höhe schnellen, ist in der wissenschaftlichen Literatur gut dokumentiert.
Aus einer Tesla-Aktie werden fünf. Das hat der amerikanische Elektroautohersteller am Dienstag bekanntgegeben. In den Tagen seit der Ankündigung des Aktiensplits ist der Kurs um gut 20% von 1374 $ auf über 1600 $ gestiegen. Eine ähnliche Entwicklung war Ende Juli zu beobachten, als Apple zusammen mit den Quartalszahlen einen Aktiensplit im Verhältnis 4 zu 1 ankündigte.
Aus ökonomischer Sicht ist die Reaktion der Märkte schwer nachvollziehbar. Im Fall von Tesla erhält ein Anleger für eine bisherige Aktie mit einem Kurswert von 1640 $ fünf neue Aktien im Wert von 328 $ – an seiner prozentualen Beteiligung am Unternehmen ändert sich nichts. Auch beim sogenannten inneren Wert des Unternehmens bleibt nach der Ankündigung alles wie bisher: Tesla verkauft immer noch dieselben Fahrzeuge, produziert in denselben Fabriken und verfügt über gleich viel Vermögen wie davor.
Das Phänomen, dass die Kurse nach der Bekanntgabe von Aktiensplits in die Höhe schnellen, ist in der wissenschaftlichen Literatur gut dokumentiert. Laut einer 2015 im «Journal of Accounting and Economics» publizierten Studie verzeichnen drei Viertel der betreffenden Unternehmen in den Tagen danach eine positive Kursentwicklung. Eignen sich Aktiensplits für Anleger also als Möglichkeit, in die betreffenden Wertpapiere einzusteigen? Und was ist die Motivation der Unternehmen, die ihre Aktien aufteilen?
Einzeltitel oft unerschwinglich
Laut Reto Lötscher, Leiter Finanzanalyse der Luzerner Kantonalbank, verfolgen kotierte Firmen mit Splits hauptsächlich das Ziel, ihre Anteilscheine einem grösseren Investorenkreis zugänglich zu machen: Klein- und Kleinstanleger verfügen häufig nicht über die nötigen Mittel, um sich für über 1000 Fr. eine Aktie zu kaufen. Der grössere Kreis an potenziellen Aktionären kann die Liquidität und damit die Handelbarkeit eines Wertpapiers erhöhen. Trotzdem rät Lötscher davon ab, Aktien nur aufgrund eines Splits zu kaufen: «Als langfristig orientierter Investor muss ich von einem Unternehmen überzeugt sein, bevor ich die Aktie kaufe. Wenn die Fundamentaldaten nicht passen, gibt es keinen Grund, einzusteigen.»
Steigende Kurse infolge von Splits dürften laut Frank Schwarz, Portfoliomanager bei Mainfirst Asset Management, vor allem psychologisch bedingt sein. «Typischerweise sind es erfolgreiche Unternehmen, die ihre Aktien nach jahrelangen Kursgewinnen aufteilen können. Mit dem Split erzeugen sie Aufmerksamkeit und weisen die Investoren damit auf ihren Erfolg hin.»
Allerdings stelle sich je länger, je mehr die Frage, inwiefern Splits überhaupt noch notwendig seien, um Retailanleger anzuziehen. Börsenhandelsplattformen in den USA und Europa bieten ihren Nutzern seit einigen Jahren die Möglichkeit an, Bruchteile von Aktien zu kaufen, sogenannte «fractional shares» – also beispielsweise einen Hundertstel einer Apple-Aktie. Für Retailkunden sei dies im gegenwärtigen Tiefzins-Umfeld eine interessante Anlagemöglichkeit, um in kostspielige Einzeltitel zu investieren, sagt Schwarz.
Eine Aktie für 80 000 Franken
Das Gegenteil von Aktiensplits sind Aktienzusammenlegungen. Zu diesem Mittel greifen in der Regel notleidende Börsenkonzerne, um zu verhindern, als sogenannter Penny-Stock wahrgenommen zu werden.
Eine dritte Kategorie von Unternehmen wiederum verzichtet auf Splits, obwohl ihre Wertpapiere für die breite Bevölkerung längst nicht mehr erschwinglich sind. Das bekannteste Beispiel ist die Aktie von Lindt & Sprüngli: Jedes Jahr schenkt der Schokoladenhersteller seinen Aktionären an der Generalversammlung einen Koffer mit vier bis fünf Kilogramm seiner Produkte. Allerdings ist die berühmte Naturaldividende nur für einen kleinen Kreis von solventen Anlegern zugänglich: Das Wertpapier wird derzeit für gut 80 000 Fr. gehandelt, war aber auch schon über 90 000 Fr. wert. Remo Rosenau, Leiter Aktienanalyse bei der Helvetischen Bank, sagt, selbst für Personen mit einem Anlagevermögen von 0,5 Mio. Fr. sei die Aktie «zu schwer», wenn sie ihr Vermögen breit diversifiziert investieren wollten. «Lindt & Sprüngli ist vermutlich nicht interessiert daran, dass jedermann ihre Aktie besitzt. Das erhöht die Exklusivität des Titels und geht mit einem ruhigeren Aktionariat einher.»
Nicht so teuer wie die Lindt-Aktie, aber immer noch kostspielig sind die Wertpapiere des Schweizer Aromen- und Riechstoffherstellers Givaudan mit einem gegenwärtigen Kurs von gut 3750 Fr. und die Titel des Warenprüfkonzerns SGS mit 2370 Fr. Auf den ersten Blick böte sich auch hier ein Aktiensplit an. «Givaudan und SGS sind aber ausschliesslich im Geschäftskundensegment tätig und folglich in der breiten Bevölkerung relativ unbekannt. Ein Aktiensplit würde daher in ihrem Fall kaum zu einer Vergrösserung des Aktionariats führen», sagt Rosenau. Bei Quasi-Volksaktien wie Apple oder Nestlé mit einem sehr hohen Bekanntheitsgrad sei dies einfacher möglich.