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Yasmina Laaroussi verletzte sich im letzten Frühling schwer. Beim letzten Heimspiel gegen Lugano gehörte sie zum ersten Mal wieder zum Kader.
Könntest du uns deinen fussballerischen Weg schildern?
Mit ca. 11 Jahren begann ich mit dem Fussball. Zu jener Zeit probierte ich viele Sportarten aus und eines Tages schlug mir ein Freund meiner Mutter vor, es mit Fussball zu probieren, da sich die Mädchen allmählich dafür interessierten. Es gab zwei Lösungen: entweder Chêne oder Bernex. Ich wählte Bernex, weil es näher bei meinen Grosseltern war, so dass sie mich dahinbringen konnten.
Bis zu meinem 20. Lebensjahr spielte ich dort, dann wechselte ich zu Chêne, um auf einem besseren Niveau als die 2. Liga zu spielen. Ich hätte früher wechseln können, aber es war schwierig, meine langjährigen Freundinnen zu verlassen. Als ich bei Chêne war, konnte ich sofort mit der NLB mittun. Es war ein grosser Sprung. Etwa zwei Jahre später fusionierte Chêne mit Servette und hier bin ich.
Das bedeutet, dass du im Gegensatz zu vielen deiner Mitspielerinnen nie mit den Jungen gespielt hast?
Ich spielte nie in einer Juniorenmannschaft, allerdings waren unsere Gegner zu Beginn ausschliesslich Jungen! In den tieferen Ligen gab es noch keine Juniorinnenmannschaft, deswegen spielten wir in der Juniorenmeisterschaft mit. Je älter wir wurden und je höher wir spielten, desto mehr Mädchenmannschaften gab es, auch weil wir ausserhalb von Genf spielten. Manchmal trainierten wir mit den Buben, auch wenn es selten der Fall war.
Hast du den Eindruck, dass die fussballerische Entwicklung einfacher ist, wenn man in einer Mädchenmannschaft spielt, als wenn man das einzige Mädchen in einer Juniorenmannschaft wäre?
Zu jener Zeit nicht, nein, weil der Frauenfussball noch nicht so entwickelt war und wir wussten nicht so recht, wie man es hätte machen sollen. Deswegen war es schwierig, die eigenen Qualitäten zu verbessern. Die Meisterschaft gegen die Junioren, die bereits eine Grundlage besassen, half uns dabei, schnellere Fortschritte zu erzielen!
Heutzutage hingegen sehe ich es nicht als Problem, sofort in einer Mädchenmannschaft anzufangen, weil die Strukturen viel besser sind.
Heute hat ein Mädchen mehrere Vereine zur Auswahl, um in einer reinen Mädchenmannschaft zu spielen. Welcher ist der nächste Schritt, um den weiblichen Breitenfussball weiterzuentwickeln?
Meiner Meinung nach wäre es wichtig, dass die Mädchen die gleichen Infrastrukturen wie die Buben bekommen. Es gibt nichts Besseres als ein gutes Umfeld, um starke Leistungen zu zeigen. Und wenn es gute Leistungen gibt, dann kommen die Medien. Und wenn die Medien kommen, eröffnen sich Möglichkeiten zur Finanzierung, Werbung, usw. Nur mit all diesen Werkzeugen kann der Frauenfussball hoffen, dem Männerfussball näher zu kommen! Ich denke, dass man mit den Ausreden aufhören muss, die den Unterschied Mann-Frau im Sport rechtfertigen, und dass man eher nach Lösungen zur Verringerung dieses Gefälles suchen sollte.
Wie würdest du deinen Spielstil beschreiben?
Ich kann sagen, was ich nicht kann: ich kann nicht dribbeln. Ich bin eine eher defensive Spielerin und ich versuche, einfach zu spielen, ohne den Ball zu lange zu treiben, damit man schnell nach vorne kommt. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, bin ich bei den Eckbällen vorne, um meine Grösse ins Spiel zu bringen. Ich spiele da, wo man mich aufstellt.
Wenn man genau zuhört, warst du etwas überrascht, in der NLB zu spielen. Was hast du denn empfunden, als du zum ersten Mal in der NLA aufgelaufen bist?
Man könnte denken, dass der Unterschied zwischen der NLB und der NLA nicht so gross ist, aber das stimmt nicht! Man spielt gegen die Besten der Schweiz, manche Spielerinnen sind in der Nationalmannschaft oder spielten mal im Ausland. Das Tempo ist viel schneller. Deswegen muss man noch mehr geben, aber im Kopf muss man am stärksten sein. Ab der ersten Ballberührung muss man Selbstvertrauen zeigen und dann kommt der Rest von allein.
Gegen Lugano warst du nach einer langwierigen Verletzung wieder im Kader. Wie lang dauerte deine Rehabilitation?
Am 13. April verletzte ich mich und einen Monat später wurde ich operiert. Nach acht Monaten konnte ich das Training wieder aufnehmen. Einen Monat später konnte ich mit Ernstkämpfen beginnen.
Was bedeutet es, nach einer so langen Zeit zurückzukommen?
Als ich meinen Namen auf dem Matchblatt gesehen habe, war ich so glücklich! Eigentlich schickte mir Léo [Fleury] eine Gratulationsnachricht, noch bevor ich das Aufgebot gesehen hatte. Ich konnte meinen Augen kaum trauen! [Lacht]
Dann empfand ich Freude und Stress zugleich. Auch wenn du nicht gebraucht wirst, musst du dich so vorbereiten, dass du parat bist, wenn der Trainer dich zum Einlaufen schickt. Und wenn du schon lange nicht mehr auf dem Platz gestanden bist, macht es schon etwas Angst, weil die Mannschaft anders ist, weil das Spielsystem neu ist, und weil ich noch viel arbeiten muss, um auf mein früheres Niveau zu kommen. Mit einer solchen Verletzung verliert man alles auf einen Schlag: das Ballgefühl, die Ausdauer, die Koordination… [Lacht] Schon vor der Verletzung war Koordination nicht meine Stärke, stellen Sie sich vor, wie es nach der Kreuzbandoperation war! Zum Glück unterstützen mich alle grossartig: die Physiotherapeuten, die Trainer und auch meine Mitspielerinnen. Auch meine Angehörigen standen mir nahe! Das hilft natürlich sehr.
Welcher war der schwierigste Moment in diesen 9 Monaten?
Jede Etappe ist schwierig. Am Anfang machst du nur langsame Fortschritte, wenige Bewegungen sind erlaubt und du hast ausserdem Schmerzen. Dann kannst du interessantere Übungen ausführen, aber die Zeit geht nicht wirklich vorbei. Und wenn du endlich am Ende der Rehabilitation stehst, denkst du, dass du die Fussballschuhe anziehen kannst und sofort mit den Spielen anfangen kannst, aber dein Knie ist noch nicht so stark und du musst Zweikämpfe vermeiden. Das ist frustrierend! In der Meisterschaft konnte ich noch nicht spielen, allerdings ist das auch eine grosse Etappe, denn wir dürfen uns keinen Fauxpas erlauben, wenn wir weiterhin vorne sein wollen.
Du hast vor kurzem dein Studium abgeschlossen. Kannst du uns davon erzählen?
Ja, ich habe seit September einen Master in Psychologie! Dank dieser Ausbildung habe ich die Möglichkeit, in verschiedenen Bereichen zu arbeiten: Gesundheitsförderung und -prävention oder Umweltschutz. Nun beginne ich mit einer Ausbildung in Notfallpsychologie. Damit kann ich dann als erste psychologische Betreuung nach traumatischen Ereignissen wie Unfällen oder Attentaten arbeiten.
Gerne möchte ich mich im Bereich der Sportpsychologie weiterbilden, weil es ein immer wichtiger Teil des Sports ist und das ist das, was der Unterschied zwischen den guten und den sehr guten Sportlern ausmacht. Lange Rede kurzer Sinn: ich bin auf der Suche nach einem Job, aber der Vorteil ist, dass ich mich für unterschiedliche Sachen interessiere!
Welche ist die Aufgabe der Sportpsychologie?
Die Sportpsychologie hat unterschiedliche Aufgaben. Man kann an der Konzentration, an der Motivation oder am Stressmanagement arbeiten. Mit einem Sportler kann man zu jedem Zeitpunkt der Saison arbeiten. Ein Sportpsychologe kann in der laufenden Saison eingreifen, falls der Sportler einen Durchhänger hat und zusätzliche Motivation braucht, der Sportpsychologe kann aber auch nach einer Verletzung mit einem Athleten arbeiten, damit er wieder das volle Selbstvertrauen findet. Auch das Eingreifen bei einem leistungsfähigen Athleten ist denkbar, damit er sein Topniveau behält.
Wie wichtig ist eine gute Stimmung in Hinsicht auf die Resultate?
Es ist entscheidend! Es ist unmöglich, ordentlich zusammenzuspielen, wenn man sich nicht versteht. Deswegen sind Trainingslager wichtig. Es wird zwar intensiv trainiert, aber sie dienen vor allem dem Teamspirit, denn damit ist eine Mannschaft leistungsfähiger.
Wie würde es eine diplomierte Psychologin erklären?
Um es einfach zu halten, würde ich sagen, dass eine Stimmung durch die Energie einer Gruppe charakterisiert wird. Diese Energie kommt aus den Emotionen, welche die Spielerinnen empfinden. Wenn man die guten Emotionen auswählt und diese mit der Gruppe teilt, dann kann uns nichts aufhalten. Wenn ich von Emotionen rede, dann denke ich an Freude, die nichts mit Euphorie zu tun hat, welche schädlich sein kann, oder an Siegeswillen, der nicht mit Wut zu verwechseln ist.
Und dann muss man wissen, dass Emotionen ansteckend sind. Deswegen braucht es nur einen einzigen Spieler, der plötzlich zweifelt oder seinen Stress nicht mehr im Griff hat, um eine negative Emotion auszulösen. Dann verbreitet sich diese auf die gesamte Mannschaft und das Spielen wird schwieriger.
Denkst du, dass es bei Servette die erforderlichen Elemente für eine produktive Stimmung gibt?
Abgesehen von unseren ausgezeichneten technischen Kompetenzen denke ich, dass unser Teamgeist unsere Spielweise aufwertet. Wenn eine Spielerin einen Fehlpass spielt, wird sie von den Mitspielerinnen unterstützt, um weiterzumachen, den Ball wiederzuerobern und es bei der nächsten Aktion besser zu machen.
Im mentalen Bereich haben wir viele Fortschritte erzielt, aber es gibt noch ein grosses Verbesserungspotential. Es ist positiv, weil wir noch besser sein können. Meines Erachtens werden wir zu schnell von stressigen Situationen aus der Bahn geworfen. Manche mehr als andere, die vielleicht mehr Erfahrung haben. Es ist cool, dass die « Grossen » den Jüngeren Ratschläge erteilen, um sie zu beruhigen und sie zu veranlassen, niemals aufzugeben.
Im Gegensatz zu gewissen Trainern, die oft lange taktische Reden halten und die teaminterne Kommunikation vernachlässigen, legt Eric Sévérac viel Wert auf die Kommunikation. Warum ist dies wichtig für die Mannschaft?
Eine Frauenmannschaft zu trainieren ist anders als eine Männermannschaft zu trainieren. Frauen sind kopflastiger und das spiegelt sich in den Übungserklärungen wider: sie müssen klar, deutlich und genau sein. Eric ist sich diesen Unterschied bewusst und coacht uns dementsprechend. Das ist sicherlich eine der Zutaten unseres bisherigen Wegs. Nun müssen wir nur weitermachen.
Drei Adjektive, die dich beschreiben?
Es ist schwierig! Ich würde folgende nennen: dynamisch, direkt und umgänglich.