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Über den Ihnen schon erwähnten Dirschl meldet ein Agent:
1.) Ich besuchte gestern (18.1.19) D. und fragte ihn, wann er nach München und Berlin zu gehen gedenke. Darauf sagte mir Dirschl, dass er eingeladen worden sei, diese Woche zu AdolfMüller nach Bern zu kommen. Da nämlich inzwischen Müller als deutscher Gesandter von der Eidgenossenschaft anerkannt worden ist, so hoffe er jetzt, direkt als Kurier zwischen der deutschen Gesandtschaft in Bern und dem Zentralrat der vereinigten Berliner Soldaten- & Arbeiterräte fungieren zu können, und nicht erst nötig zu haben, provisorisch den Kurierdienst zwischen dem bayrischen Gesandten Prof. Förster und dem bayrischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner besorgen zu müssen. Er gedenke daher, noch diese Woche nach Bern und im Laufe dieses Monats noch nach Deutschland zu gehen. Ich habe mit Dirschl abgemacht, dass ich ihn vor seiner Abreise noch treffen werde, angeblich um ihm Geschäftsaufträge nach Berlin mitzugeben.
2.) Heute Nachmittag 2 Uhr (22.1.19) traf ich mich mit dem Obgenannten im oberen Saal des «Café Astoria», wie ich es am letzten Sonntag abgemacht hatte. Der angebliche Zweck unserer Zusammenkunft war, dass ich vorgab, dem Dirschl für seine Reise nach Berlin Pfandscheine mitzugeben. Bei dieser Gelegenheit machte mir Dirschl folgende Mitteilungen:
Die Bestätigung des neuen Gesandten, AdolfMüller, durch den Bundesrat habe im Zürcher-Volkshaus grosse Freude erweckt, die Genossen hätten nicht geglaubt, dass es damit so glatt gehen werde, da der Bundesrat ja schon bei Prof. Förster Schwierigkeiten gemacht habe, der doch nur ein Linksdemokrat sei, Müller hingegen ein ausgesprochener Sozialist. Man habe auch darüber gesprochen, dass es jetzt an der Zeit sei, ihn, Dirschl, mit amtlichen Aufträgen als Kurier nach Deutschland zu schicken, und Dirschl habe die Befürchtung geäussert, dass die schweizerischen Behörden ihn in dieser Stellung nicht gerne sehen würden, weil er von 1911 bis 1914 nichts gearbeitet und nur vom Saccharinschmuggel gelebt habe. Es sei dann beschlossen worden, dass er Ende dieser Woche zu Müller nach Bern gehen und das Zürcher Volkshaus von sich aus seine Ernennung zum Kurier durch ein Empfehlungsschreiben an Müller unterstützen werde.
In Deutschland werde er München, Stuttgart, Leipzig, Dresden und Berlin besuchen. Überall hin werde er Aufträge und Empfehlungsschreiben vom Volkshaus Zürich bekommen. Sowohl in Zürich als auch in Deutschland habe er die allerbesten Beziehungen. In Zürich stehe er besonders gut mit dem früheren Redaktor des Dresdener Arbeiterblattes, dieser sei jetzt 78 Jahre alt und ein intimer Freund Bebels gewesen, dem er auch die Augen zugedrückt habe.
Nach Deutschland werde er Ende dieses Monats gehen, und zwar handle es sich darum, eine grosse Summe Geldes in die Schweiz zu bringen. Es handle sich im ganzen um eine Million Mark, die man aber in zwei Malen herüberbringen wolle, zunächst Mk. 400,000. Auf meine Bemerkung, dass es Dirschl nicht gelingen werde, mit einer solchen Summe ohne aufzufallen in die Schweiz hereinzukommen, entgegnete dieser, er übernehme das Geld erst auf Schweizergebiet. Über die Grenze werde es von einem ändern geschafft, und zwar von einer Persönlichkeit, welche noch nie beanstandet worden sei, denn sie bekleide eine hohe Stellung im deutschen Generalkonsulat in Zürich. Das letztere erhalte jeden Tag unbeanstandet Mk. 80,000 über die Grenze. Das Geld hole er, Dirschl, in Berlin ab und zwar an der Adresse «Berlin-Schöneberg, Freisingerstr. 3». Er zeigte mir auch einen Brief der betreffenden Persönlichkeit an diese Adresse, welcher augenscheinlich der Zensur wegen in geschäftlichem Tone abgefasst war und worin eingangs von einer Schreibmaschine und Fr. 250.- die Rede war, und dessen Schluss folgendermassen lautete: «Sobald Du nach Berlin kommst, so komme sofort zu mir, da ich dir eine sehr wichtige geschäftliche Mitteilung zu machen habe.» Die Unterschrift war unleserlich; sie konnte ungefähr «Püntener» gelesen werden. Dirschl sagte, dies sei ein Mitglied des Berliner Vollziehungsrates.
Über den Zweck dieser Geldsendung befragt, sagte Dirschl lachend und ausweichend, dies sei für Geschäfte. Es ist aber ganz unglaublich, dass irgend jemand diesem Kellner derartige Summen für geschäftliche Zwecke übergeben sollte. Hervorzuheben ist ferner, dass Dirschl sagte, ein Teil der Gelder werde nach England überwiesen werden, und zwar durch das Mittel einer schweizerischen Bank.
- 1
- CH-BAR#E21#1000/131#10555*. La provenance de ce rapport n’a pas pu être établie.↩