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Geschichtlicher Umgang mit Migranten
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Ethnische Heterogenität ist keine Erfindung der Neuzeit. Der Umgang mit Menschen anderer Volkszugehörigkeiten zieht sich durch die Geschichte hindurch. Kanadische Indianer, bosnische Muslime, afrikanische Stämme, indische Einwohner, jüdische Einwanderer im Vereinigten Königreich und, und, und. Basierend auf seiner Promotion ... Ethnische Heterogenität ist keine Erfindung der Neuzeit. Der Umgang mit Menschen anderer Volkszugehörigkeiten zieht sich durch die Geschichte hindurch. Kanadische Indianer, bosnische Muslime, afrikanische Stämme, indische Einwohner, jüdische Einwanderer im Vereinigten Königreich und, und, und. Basierend auf seiner Promotion geht Benno Gammerl, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck Institut für Bildungsforschung in Berlin, der Frage des Umgangs mit Migranten im Blick auf das Britische Weltreich und das Habsburgerreich für die Zeit von 1867 bis 1918 nach. Im Vorwort bereits verdeutlicht er den Bezug des Themas zur gegenwärtigen Immigrationsdebatte und im Blick auf die Frage der europäischen Integration. "Wer darf eine Grenze überqueren und wer nicht"? Und wie geht man um mit den fremden Sitten und Traditionen inmitten des eigenen und gewachsenen Traditionsumfeldes? Ein gegenwärtig wichtiges Thema, dass, so zeigt das Buch, auf Entwicklungen des beginnenden 20. Jh. beruht, die bis heute nachwirken. Wie nicht anders zu erwarten von einer Promotionserweiterung ist das Buch wissenschaftlich exakt strukturiert. Die vorweggestellte Klärung von Methoden, Begriffen und Fragen zeigt dies ebenso wie das umfassende und sinnvoll unterteilte Quellen- und Literaturverzeichnis, sowie das ausführliche Register. Das behandelte Thema ist umfassend bearbeitet. Die schon im Habsburger Reich vorliegenden Tendenzen zu einem aussondernden Umgang mit Juden, der schon 1884 sich im Entziehen der österreichischen Pässe niederschlug, bietet ein eindrucksvolles Bild auf sich steigernde, antisemitische Tendenzen, die im 20. Jh. ihren furchtbaren Höhepunkt (durch einen gebürtigen Österreicher!) dann fanden. Bedauerlich ist, dass die explizite Brücke des Vorwortes zwischen dem behandelten, historischem Thema und den aktuellen Fragen gegenüber den islamischen Mitbürgern und der europäischen Integration nicht weiter aufgenommen werden. Einige Beiträge mehr hätte ich aufgrund des Vorwortes zumindest in der Ergebnissicherung als Ausblick erwartet. Fazit: Als wissenschaftliches Fachbuch zum konkreten Thema und als Grundlage zur weiteren Arbeit im Blick auf gegenwärtig drängende Fragen uneingeschränkt zu empfehlen. Daher die volle Punktzahl. Für den Laien aufgrund der hochkomplexen Sprache und der wissenschaftlichen Tiefe nicht leicht zugänglich. Daher im Blick auf allgemein am Thema interessierte Leser kaum zu bewerten.
Untertanen, Staatsbürger und Andere
Der Umgang mit ethnischer Heterogenität im Britischen Weltreich und im Habsburgerreich 1867–1918
Beschreibung
Kanadische 'Indianer', bosnische Muslime, ostafrikanische Massai, ungarische Rumänen, indische 'natives', tschechischsprachige Österreicher und jüdische Einwanderer im Vereinigten Königreich: Wie gingen das Britische Weltreich und das Habsburgerreich mit der ethnischen, kulturellen, nationalen und 'rassischen' Vielfalt ihrer Bewohner um? Benachteiligten das Recht und die Verwaltung bestimmte Gruppen? Wer wurde ausgegrenzt und wer aufgenommen? Behandelten die Behörden alle Menschen gleich oder betrieben sie eine Politik der Anerkennung ethnischer Unterschiede? Benno Gammerls Vergleich des Staatsangehörigkeitsrechts, der Einbürgerung, der Staatsbürgerrechte und -pflichten, der Migrationspolitik und der Konsularverwaltung im britischen und im habsburgischen Fall lässt den nationalen Container der Geschichtsschreibung weit hinter sich und liefert wichtige Anregungen für die im Zeitalter der Globalisierung besonders dringende Debatte über den angemessenen Umgang mit den Anderen.
geboren 1976Studium der Geschichte, der Deutschen Literatur und der Ökonomie in Freiburg, London und Berlin2007 Abschluss der von Dieter Gosewinkel und Jürgen Kocka betreuten Dissertation am Berliner Kolleg für Vergleichende Geschichte Europasseit 2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter des Forschungsbereichs 'Geschichte der Gefühle' am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin