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Auch im Ausland sieht es für Temer wenig schmeichelhaft aus. In der vergangenen Woche reiste er erstmals als Präsident nach Europa. Er hatte die Regierungsgeschäfte im Mai vergangenen Jahres zunächst kommissarisch übernommen und war im August vereidigt worden.
In Brasilien hat sich der Eindruck verfestigt, dass Temer auf internationalem Parkett gemieden wird - im Gegensatz zu den Zeiten, in denen sein Vorgänger Luiz Inácio Lula da Silva (2003-2010) gerngesehener Gast in westlichen Hauptstädten war. Wegen der schweren Wirtschaftskrise ist Brasilien inzwischen auch nur noch die neuntgrösste Volkswirtschaft der Welt.
Empfangen haben Temer diesmal nur Russlands Wladimir Putin und Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg. Letztere las ihm aber in Oslo öffentlich noch die Leviten wegen der Versäumnisse seiner Regierung beim Umweltschutz im Amazonas-Urwald und zeigte sich besorgt wegen der Korruptionsskandale in Brasília.
Temer steht seit Wochen selbst am Pranger. Er soll jahrelang Schmiergelder für seine Partei PMDB von dem Unternehmer Joesley Batista kassiert haben. Der Besitzer des grössten Fleischproduzenten der Welt, der Firma JBS, hatte Temer jüngst angezeigt und unter anderem einen heimlich aufgenommen Mitschnitt eines Gesprächs zwischen den beiden als Beweisstück vorgelegt.
Der Staatschef weigert sich bislang zurückzutreten. Wegen des erbitterten Machtkampfs, der 2016 zur Absetzung Rousseffs führte, war Temer schon damals äusserst unbeliebt. Nur 14 Prozent der Brasilianer sprachen sich im vergangenen Juli für seine Regierung aus.
Dagegen scheint der Ruf einer anderen Institution zu wachsen: des Militärs. Laut der Umfrage des Meinungsinstituts Datafolha haben die Generäle ein gutes Image bei 43 Prozent der Brasilianer, weitere 40 Prozent sagen sogar, sie hätten grosses Vertrauen ins Militär. Bei einigen Protesten gegen Korruption werden wahrscheinlich auch deswegen immer öfter Rufe nach einem neuen Militärregime laut./ris/DP/she
(AWP)