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Am Donnerstag, 25.11. begann eine Niederschlagsperiode, die anfangs Dezember weiter anhielt. Bis am Sonntag, 12.12. fiel täglich Schnee bis in tiefe Lagen. Die Neuschneesumme war im Norden unterhalb von 1500 m 2 bis 4 Mal so hoch wie normal. Dann war es sonnig und die Nullgradgrenze kletterte rasch auf fast 3000 m. Entsprechend vielfältig war die Lawinensituation: Sie war am stärksten geprägt von den Lawinenproblemen Altschnee, Neuschnee und Gleitschnee.
Wie schon Ende November fiel auch anfangs Dezember täglich Schnee. Die Nullgradgrenze (vgl. Abb. 1) war grossen Schwankungen unterworfen. Meist war es aber kalt und windig und es schneite bis in tiefe Lagen. Am Sonntag, 12.12. änderte der Wettercharakter deutlich: Es wurde sonnig und ausgesprochen mild mit einer Nullgradgrenze bei fast 3000 m.
In der Nacht auf Mittwoch klarte es im Norden auf, im Süden war es bereits klar. Bereits am Vormittag trübte es aus Nordwesten wieder ein und schneite im Westen und Norden bis in die Nacht auf Freitag. Am Alpensüdhang und im Oberengadin war es recht sonnig und trocken. Die Schneefallgrenze sank von 1200 m bis in tiefe Lagen. Am Freitag war es meist sonnig. Der Wind blies meist mässig bis stark aus West bis Nordwest, flaute am Donnerstag tagsüber aber vorübergehend etwas ab.
Es war stark bewölkt. In der Nacht auf Samstag setzte im Westen und im Norden intensiver Niederschlag ein. Am Anfang schneite es bis in tiefe Lagen. Dann stieg die Schneefallgrenze vielerorts auf 1500 bis 2000 m. Im Süden war es teils sonnig und trocken. Am Samstagabend sank die Schneefallgrenze erneut in tiefe Lagen. In der Nacht auf Sonntag endeten die intensiven Schneefälle und es fielen nur noch vereinzelte Schauer. Im südlichen Oberwallis, in Mittelbünden und im Oberengadin wurde es tagsüber recht sonnig, sonst blieb es bewölkt. Ganz im Süden war es trocken und tagsüber sonnig. Der Westwind blies am Samstag im Wallis und im Norden meist stark, sonst mässig. Am Sonntag wehte der Wind schwach bis mässig aus Nordwest.
In den Nächten fiel verbreitet etwas Schnee bis in tiefe Lagen, tagsüber war es am Montag im Wallis, im Tessin und in Südbünden, am Dienstag allgemein recht sonnig. Am Dienstag blies der Wind wieder zeitweise mässig bis stark aus West bis Nordwest.
In der Nacht auf Mittwoch setzte aus Westen Niederschlag ein. Die Schneefallgrenze lag in der Nacht vorübergehend auf 1200 m danach sank sie bis in tiefe Lagen. Tagsüber schneite es verbreitet, teilweise auch intensiv bis in die Nacht auf Donnerstag. Am Vormittag liessen die Niederschläge dann deutlich nach und es hellte von Westen her sowie am Alpensüdhang auf. In der Nacht auf Mittwoch blies im Norden zeitweise starker Südwestwind und Föhn in den nördlichen Alpentälern, am Donnerstag dann am Alpenhauptkamm vom Simplonpass bis ins Oberengadin mässiger bis starker, im Jura zeitweise stürmischer Nordwind.
Nach einer kurzen, klaren Phase während der Nacht auf Freitag setzten frühmorgens im Westen neue Schneefälle ein, die am Vormittag auch den Süden und Osten erreichten. Am Samstag war es am Alpenhauptkamm und nördlich davon stark bewölkt und es schneite noch wenig. Am zentralen Alpensüdhang war es meist sonnig. Der Schnee fiel weiterhin bis in tiefe Lagen. In der Nacht auf Freitag blies im Norden zunehmend starker Südwind und Föhn in den nördlichen Alpentälern, im Tagesverlauf blies dann mässiger bis starker Westwind. Am Samstag drehte der Wind auf nördliche Richtungen und blies am Nördlichen Alpenkamm in der Höhe vom Jungfraugebiet ostwärts sowie am Alpenhauptkamm vom Simplon- bis zum Berninapass meist stark.
In der Nacht auf Sonntag fiel im Norden und Osten noch wenig Schnee bis in tiefe Lagen. Tagsüber war es im Süden meist, im Wallis und im Osten teils sonnig. Im Berner Oberland und in der Zentralschweiz zeigte sich die Sonne nur zögerlich. Der Wind aus nördlichen Richtungen blies am Sonntag und bis in den Montag hinein im Jura, am Nördlichen Alpenkamm und am Alpenhauptkamm sowie am Alpensüdhang und im Engadin noch zeitweise stark.
Die kalte Periode mit Schneefall bis in tiefe Lagen, die seit dem 25. November andauerte, ging am Sonntag mit einem markanten Temperaturanstieg jäh zu Ende. Vom Sonntagmorgen bis am Montagnachmittag stieg die Nullgradgrenze um 2000 m an – von knapp 1000 m auf knapp 3000 m. Von Montag bis Mittwoch war es meist sonnig und mild.
In der ersten Dezemberhälfte war die Lawinensituation geprägt vom Altschneeproblem, dem Neu- und Triebschneeproblem und gegen Ende der Periode vermehrt vom Gleit- und Nassschneeproblem.
Der Neuschnee von Ende November/Anfang Dezember fiel oberhalb von 2000 bis 2200 m verbreitet auf eine dünne, kantig aufgebaute, lockere Altschneeschicht. Dies vor allem an West-, Nord- und Osthängen. Im Jura, in den Voralpen und im Sotto Ceneri fiel der Schnee meist auf aperen Boden. Mit dieser schwachen Basisschicht war die Voraussetzung für die Entwicklung eines Altschneeproblems verbreitet vorhanden. Dieses prägte die Lawinensituation in der beschriebenen Periode stark. Der Neu und Triebschnee löste sich oft am Übergang zu dieser schwachen Altschneeschicht oder tiefer in der Altschneedecke.
Während im schneereichen westlichsten Unterwallis sowie am Alpennordhang mit zunehmender Überlagerung (von 1 bis 2 m) durch Neu- und Triebschnee eine Auslösung durch Personen immer unwahrscheinlicher wurde, akzentuierte sich das Altschneeproblem für Schneesportler im südlichen Wallis sowie in Nord- und Mittelbünden mit geringerer Überlagerung (weniger als 0.5 bis 1 m) am meisten. Die Stabilitätstests aus diesen Gebieten brachen häufig bei den unteren Stufen (vgl. Film in Abb. 6 und Abb 7).
Abb. 6: Stabilitätstest (Extended Coloumn Test) vom Dienstag, 07.12. anlässlich eines SLF-Kurses im Parsenngebiet an einem 32° steilen Nordosthang auf 2284 m. Der Test löste beim Sägen aus – an dieser Stelle war die Schneedecke instabil (Film: SLF)
Häufige, grossflächige Wummgeräusche waren ebenfalls untrügerische Zeichen für den schwachen Schneedeckenaufbau – wie natürlich auch Auslösungen von Schneebrettlawinen (vgl. Abb. 8 und Abb. 9).
Bedingt durch den schwachen Schneedeckenaufbau, eine vorübergehende Erwärmung, Wind und weitere 20 bis 40 cm Neuschnee wurde für den Donnerstag, 09.12. in Teilen des Unterwallis sowie in Teilen Nord- und Mittelbündens bis ins Samnaun die Stufe 4 (gross) prognostiziert. Die Gefahr bezog sich vor allem auf alpines Schneesportgelände und die Warnung richtete sich in erster Linie an Schneesportler («Skifahrer-Gross»). Sehr grosse Lawinen, die bis in Tallagen vorstiessen und exponierte Verkehrswege gefährden würden, waren kaum zu erwarten.
Bis am Freitag, 10.12 und Samstag, 11.12. war in den schneereichen Gebieten so viel Neuschnee gefallen (mehr als 2 m in der gesamten Niederschlagsperiode), dass die Wahrscheinlichkeit für Brüche im schwachen Altschnee als steigend beurteilt wurde. Dies war der Grund für die Prognose der Gefahrenstufe 4 (gross) im westlichen Unterwallis am Freitag und zusätzlich in den höheren Gebieten des Alpennordhanges am Samstag. Aufgrund der grossen Schneemengen und der Erwartung, dass Lawinen bis auf den Boden reissen können, mussten sehr grosse Lawinen erwartet werden, die auch exponierte Teile von Verkehrswegen gefährden konnten («Strassen-Gross»)
Das Neuschneeproblem war im westlichsten Unterwallis und am Alpennordhang wie auch in den daran angrenzenden Teilen des Wallis und Graubündens über die meiste Zeit der beschriebenen Periode vorhanden – oft in Kombination mit dem Altschneeproblem.
Selbstverständlich wurde in den neuschneereichen Gebieten mit teils starkem Wind viel Schnee verfrachtet und es bildeten sich umfangreiche Triebschneeansammlungen. Diese sind im Neuschneeproblem inbegriffen (vgl. Abb. 10). Das Neuschneeproblem wird im Lawinenbulletin jeweils dann verwendet, wenn mehr als ca. 30 cm Schnee fällt und Gefahrenstellen flächig und weit verbreitet vorhanden sind. Fällt weniger oder gar kein Schnee und sind die Gefahrenstellen als Triebschneeansammlungen zu erkennen, kommt das Triebschneeproblem zum Einsatz (vgl. unten).
Das Triebschneeproblem dominierte die Situation in den südlichen, niederschlagsärmeren Gebieten des südlichen Oberwallis, des Tessins sowie der südlichen Teile Mittelbündens und Südbündens. Verschiedene Phasen vor allem mit starkem Nordwind haben dort zum Teil intensiv Schnee verfrachtet (vgl. Abb. 11). Auch in diesen Gebieten war zusätzlich das Altschneeproblem präsent. Triebschneeansammlungen waren häufig leicht auslösbar, wobei sie sich häufig am Übergang zum schwachen Altschnee lösten und die Lawinen den ganzen Schnee ausräumten.
Im Unterwallis, am Alpennordhang sowie in Nord- und Mittelbünden traten Gleitschneelawinen in der gesamten, beschriebenen Periode auf (vgl. Abb. 12). Dies zuerst unterhalb von rund 2000 m, dann zuerst im Westen bis auf rund 2400 m. Mit der markanten Erwärmung ab dem Sonntag, 12.12. nahm die Gleitschneeaktivität zu, vor allem in tiefen und mittleren Lagen. Die Lawinen waren häufig klein bis mittel, erreichten aber durch die beachtlichen Schneehöhen auch zunehmend grosse Ausmasse. Gleitschneelawinen, aber auch kleine Böschungsrutsche, konnten Verkehrswege gefährden. Am Mittwoch, 15.12. wurde die Gefahr für Gleitschneelawinen am schneereichen Alpennordhang und im westlichen Unterwallis im Lawinenbulletin mit der Stufe 3 (erheblich) eingeschätzt.
Nassschneelawinen lösten sich nach der markanten Erwärmung ab dem Sonntag, 12.12. vor allem aus felsdurchsetztem, südseitigem Gelände in Form von Lockerschneelawinen (vgl. Abb. 13).
Die markante Erwärmung führte zu einer raschen Setzung und Verfestigung der Neu- und Triebschneemengen. Damit nahm die Gefahr für trockene Lawinen am Alpennordhang deutlich ab. Für trockene Lawinen gab es kein ausgeprägtes Lawinenproblem mehr.
Am Mittwoch, 15.12. waren die Schweizer Alpen vor allem im Norden und auch der Jura bis in tiefe Lagen gut eingeschneit (vgl. Abb. 14 und Abb. 15).
Die wiederholten Schneefälle seit Donnerstag, 25.11. haben dazu geführt, dass alle Messstationen in der 20-Tagesperiode bis zum Mittwoch, 15.12. eine überdurchschnittliche Anzahl Tage mit Neuschnee erlebten. An knapp zwei Dutzend Stationen (alle oberhalb 1000 m) wurde sogar an 17 der 20 Tage Neuschnee registriert. Die daraus resultierende Neuschneesumme ist am Alpennordhang und im Jura unterhalb von 1500 m 2 bis 4 Mal so hoch wie normal und beträgt z.B. auf 800 m in Lauterbrunnen (BE) 76 cm. Nur gerade an den MeteoSchweiz Stationen in Luzern und Basel wurde überhaupt kein messbarer Neuschnee verzeichnet. Noch mehr Neuschnee zwischen Ende November und Mitte Dezember hat es letztmals verbreitet 2012 gegeben, als z.B. in Glarus (515 m) 94 cm gemessen wurden. Oberhalb 1500 m ist die Neuschneesumme auf der Alpennordseite verbreitet nur noch ca. 1.5 bis 2 Mal so gross wie normal.
Auf der Alpensüdseite, wo die entsprechenden Werte letztes Jahr rekordhoch waren, sind sie aktuell leicht unterdurchschnittlich.
Ein ähnliches Bild zeigten die Schneehöhen Mitte Dezember 2021. Auf der Alpennordseite zwischen 500 und 1500 m waren die Schneehöhen rund 2 bis 4 Mal so hoch wie normal um diese Zeit (vgl. auch Abb. 15). An einigen Stationen in der Westschweiz, so z.B. in Leysin (VD, 1300 m), in Adelboden (BE, 1325 m) oder Chaumont (NE, 1170 m), wurden mit 60 bis 70 cm aktuell die grössten Schneehöhen der letzten 30 Jahre registriert. Oberhalb von 2000 m waren die Schneehöhen am Alpennordhang noch 1.5 Mal so gross wie normal, im Engadin leicht unterdurchschnittlich. Im südlichen Wallis und auf der Alpensüdseite lag verbreitet nur rund halb so viel Schnee wie normal.
In der ersten Dezemberhälfte wurden 67 Lawinen durch Personen ausgelöst (vgl. Abb. 16). Darunter sind 9 Unfälle mit 14 erfassten Personen. Tödliche Unfälle ereigneten sich glücklicherweise keine.
Am Samstag, 04.12. und Sonntag, 05.12. sowie ab dem Donnerstag, 09.12. wurden nicht nur am Abend um 17 Uhr, sondern auch am Morgen um 8 Uhr Lawinenbulletins publiziert.
Zusammen mit der Forschungsgruppe für Lawinensicherheit der Simon Fraser Universität (Kanada) und den Lawinenwarndiensten Tirol, Südtirol und Trentino führen wir eine mehrjährige Studie durch, die verschiedene, benutzerspezifische Umfragen beinhalten wird. Hilf uns, unsere Dienstleistung zu verbessern! Mehr Infos zur Umfrage findest Du hier.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.