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Kategorien: gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste; darstellende Künste
Die Prozessionen der Karwoche, die seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts belegt sind, ziehen am Abend des Gründonnerstags und des Karfreitags durch die Altstadt von Mendrisio. Bei dieser Gelegenheit wird die Strassenbeleuchtung ausgeschaltet und in den Gassen verbreitet sich das sanfte Licht der «Transparente»: Auf diesen grossen Leuchtbildern, die sich entlang der Prozessionsroute über die Gassen spannen, sind Szenen aus den Evangelien oder aus dem Alten Testament dargestellt. Die ältesten Transparente wurden gegen Ende des 18. Jahrhunderts von Künstlern wie Giovan Battista Bagutti aus Rovio erstellt, oder im 19. Jahrhundert von Augusto und Francesco Catenazzi aus Mendrisio. Noch heute werden Leuchtbilder in Auftrag gegeben, oft von Privatleuten, meist bei lokalen Kunstschaffenden. Die Gesamtheit dieser aussergewöhnlichen Kunstwerke bildet ein Kulturerbe von grossem historisch-theologischem Interesse. An der Gründonnerstagsprozession (Funziün di Giüdee) führen Dutzende von Laiendarstellern die Leiden Christi auf. Reiter, römische Soldaten und biblische Gestalten in prunkvollen Kostümen stellen Szenen aus den Evangelien dar. Die schlichte, feierliche Karfreitagsprozession (Enterro) ist stärker spirituell geprägt. An ihr nehmen jeweils über 600 Personen teil, geordnet nach Zugehörigkeit zu den verschiedenen Bruderschaften und kirchlichen Vereinen.
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