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Christian Sauter promovierte 1962 an der Universität Zürich. Nach einem Jahr Pathologie bei Christoph Hedinger in Winterthur arbeitete er 1963 bis 1965 als Fellow am Departement für Mikrobiologie und Immunologie an der Universität von Florida in Gainesville. Es folgten zwei Jahre Innerer Medizin im heimatlichen Schaffhausen, bevor er 1967 an die Abteilung für Onkologie am Departement Innere Medizin des Universitätsspitals Zürich wechselte. Hier wurde er 1970 zum Oberarzt und 1974 zum Leitenden Arzt befördert. 1989 wurde Christian Sauter zum Extraordinarius für internistische Onkologie und zum Nachfolger von Georg Martz als Leiter der Abteilung für Onkologie am USZ gewählt. In dieser Position blieb er bis zur Emeritierung 2002.
Christian Sauter war ein begabter und hartnäckiger «Physician-Scientist». Als Assistenzarzt erlebte er, dass onkologische Patienten schlechter betreut wurden als Patienten mit besser zu behandelnden Krankheiten. Es wurde zu seinem innersten Anliegen, die Stigmatisierung der Krebskranken und die Ratlosigkeit der Kliniker zu überwinden. Er war überzeugt, dass nur hartnäckige Forschungsarbeit zu diesem Ziel führen konnte. In Zusammenarbeit mit Jean Lindenmann versuchte er jahrelang, das Immunsystem gegen Krebszellen zu mobilisieren. In präklinischer und klinischer Forschungsarbeit wurden AML-Blasten aus dem Blut und Karzinomzellen aus Ergüssen durch Infektion mit onkolytischen Viren immunogenisiert. Dies waren frühe Versuche zur Immuntherapie, die ja die moderne Onkologie erst viel später (ab 2013) revolutioniert hat. Gleichzeitig war Christian Sauter ein hervorragender Kliniker. Er begegnete seinen Patientinnen und Patienten stets mit Empathie und Respekt, und diese schätzten seine einfühlsame Betreuung ausserordentlich.
In den Jahren 1970 bis 2000 stand die Chemotherapie im Zentrum der klinischen onkologischen Forschung. Christian Sauter leitete die Leukämie-Gruppe der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Klinische Krebsforschung (SAKK). In einer randomisierten Studie konnte die Gruppe zeigen, dass die Maintenance Therapie bei der akuten myeloischen Leukämie (AML) keinen Vorteil bringt. Für diesen Nachweis erhielt Sauter 1985 den Preis der Schweizerischen Gesellschaft für Innere Medizin.
Viele onkologische Medikamente werden aus Pflanzen gewonnen: Die Vinca-Alkaloide aus Immergrün, die Taxane aus Eiben. Als begeisterter Botaniker kannte Christian Sauter die Herkunft, die chemischen Formeln, die Farben der Zytostatika. So publizierte er zur Farbe von Chloromen oder von Leukozyten und machte onkologische Nebenwirkungen fotografisch sichtbar. Er liebte optische Instrumente: Das Fernrohr für astronomische Ereignisse, die Kamera für Vögel, Blumen und klinische Befunde, das Mikroskop für den Nachweis des mutmasslichen Erregers des Morbus Hodgkin.
Am Ende seiner beruflichen Laufbahn deckte Christian Sauter den Titelbetrug des neu gewählten Lehrstuhlinhabers der Zürcher Chirurgie auf, was zu dessen Entlassung führte. So unerbittlich er in der öffentlichen Auseinandersetzung vorging, so sanftmütig war Christian Sauter in der zwischenmenschlichen Begegnung. Davon profitierten nicht nur seine Patientinnen und Patienten, sondern auch seine Mitarbeitenden, die er für sein Fach zu begeistern wusste. Seit zwanzig Jahren macht die Onkologie riesige therapeutische Fortschritte. Sie verlangt grosse wissenschaftliche Präzision und gleichzeitig ein hohes Mass an Zwischenmenschlichkeit. Christian Sauter war ein Vorbild in beidem. Prof. Bernhard Pestalozzi, Klinik für Medizinische Onkologie und Hämatologie USZ