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Es finden sich wohl kaum treffendere Zeilen über Emiliano Liberali aka Gipsy Rufina, als sie Herr Hochuli der Vater des monomontags vor einigen Jahren verfasste:
«Gerne begrüssen wir unseren Italienischen Lieblings-Singer-Songwriter im Portier. Gipsy Rufina kennt Winterthur wie seine Hosentasche. Er hat sein Album in Winti aufgenommen und vor einem Jahr im Portier getauft. Er hat am Bambole gespielt und gefeiert bis die Sonne aufging. Er hat mehrere Parkbussen bei der Stadtpolizei, aber er lässt sich nicht erwischen. Ein Weltenbummler der Extraklasse. Born Hardcore, raised punk, matured rock, aged folk.»
Michael Felix Grieder schrieb für das Ostschweizer Kulturmagazin Saiten vor einem Jahr über ihn:
«Gipsy Rufina ist das, was man ‹einen Charakter› nennt, beschreibt sich selbst als ‹Outlaw Troubadour› und stammt aus irgendwelchen Bergen im Zentrum Italiens. Wobei man bei solchen Menschen fragen könnte, ob sie überhaupt ‹stammen›. Er selbst beschreibt das wie folgt: ‹Gipsy wünschte sich zu sehen, was hinter den Bergen war. Hinter den Bergen war Rom, wo Gipsy in verschiedenen Bands der 90er Punk-Hardcore-Szene spielte. Bald aber wurde Rom zu klein. Und er wollte sehen, was auf der anderen Seite des Ozeans war. Einmal auf der anderen Seite des Ozeans angekommen, machte es Sinn, die Staaten mit einem Greyhound zu durchqueren, in Chicago zu beginnen, Songs zu schreiben, auf einer akustischen Gitarre klimpernd, die er für zehn Shtutz kaufte.›
2004 begann er schliesslich in Köln Gigs zu spielen. Dies tut er seither. Etwas mehr als zehn Jahre ist der Songwriter nun on the road, bereiste mehr als 30 Länder in Europa und Südamerika mit seiner stahlbesaiteten Klampfe, mal mit Banjo oder Ukulele, seinen Songs und seinem währschaften Bart. ‹Spielen kommt jeweils als letztes dran, eigentlich bin ich ein Truckdriver», erklärt er gegenüber ‹Balcony TV› im Hamburger Kiez, bevor er ein Lied über die Jagd performt sein Vater war Jäger, er nicht.
Mittlerweile hat er vier Alben aufgenommen, aber das Herzstück des Fahrenden aus Santa Rufina ist die Tour, das durchqueren von Landschaften, kleineren und grösseren Städten, Kneipen, Knellen, Absteigen und anderen Bühnen. Seine Songs haben die Ungezwungenheit von Punk, sind irgendwie queer und bodenständig zugleich, begleitet von einem schönen Fingerpicking ohne Profilierungsneurose. Wo er ist, ist er gewissermassen ein unablässig Werdender.»
Gipsy kommt also wieder mal vorbei, das verpasst man besser nicht ob die Parkbussen wohl noch ausstehend sind?
Die Indie-Pop-Band «Those Willows» wurde vor fast zehn Jahren gegründet, kurz nachdem sich Jack Wells und Mel Tarter auf einer Vorstadtschule Detroits kennen lernten. Mittlerweile sind sie zu einer vierköpfigen Band herangewachsen und entwickelten ihren eigenen Musikstil, der durch Einflüsse von Motown, Folk und Soul geprägt ist.
Die Stimmen des Frontpaares Jack Wells und Mel Tarter harmonieren so organisch, dass Manche zum Simon-and-Garfunkel-Vergleich greifen und man hört warum.
Mit «Those Willows» bewegen wir uns aber bei weitem nicht in so eindeutig folkigen Gewässern, wie Paul und Art das damals gemacht haben: Ihre Musik ist freundlich, indie-poppig, melodisch und, äh, wie sagt man «mellow» auf deutsch? Vermutlich mellow.
In ihrer Selbstdarstellung liest man, dass sie neben Vergleichen mit den oben erwähnten Folk-Herren solche mit The Mamas and the Papas, Fleet Foxes und She & Him «demütigst angenommen» haben - mit einigem Recht.
Der Folkmusiker mit Haut und Haar Russel Joslin ist bereits zum zweiten Mal zu Gast im Portier. Er lebt die Musik, er teilt sie mit uns und sie ist grossartig. Live begleitet von Sarah McCaig präsentiert das Duo bluesgetränkten Folk.
Ihre Stimmen harmonieren wunderbar, das Gitarrenspiel ist ausgeklügelt und spielt mit lieblichen Harmonien so schön, dass es fast schon weh tut. Wer das Konzert verpasst, ist selbst schuld.
In nur relativ kurzer Zeit haben sich die Prog- und Postrock-Maestros von Sama Dams mit ihrer Rebellion gegen jegliche auditive Klischees eine beachtliche Gefolgschaft von Fans aufgebaut. Sie beeindrucken mit einer Mischung aus gekonnt eingesetzten besänftigenden Klängen und experimentellen Rock’n’Roll-Ausbrüchen des Leadsängers Sam Adams. Ihre Alben zeichnen sich durch eine Erkundung technisch kompetenter Rockelemente aus was an Radiohead erinnert während sie zugleich Nischen ganz für sich einnehmen.
Dieses kompromisslose Trio trifft die feine Linie zwischen riskantem Experimentieren und zuckersüßem Pop genau. Ihr unfehlbarer Sinn für Musik leitet den Dreien dabei den Weg. Lisa Adams kreiert mit süßlich hochfliegenden Melodien immer wieder mal einen optimalen Kontrast zu Sams kantigem Stil.
Egal ob es darum geht, einen Song vorzustellen oder T-Shirts nach der Show zu verkaufen: Die Band versprüht einen unwiderstehlichen Charme, der sich aus der launischen, grenzüberschreitenden Rockstimmung ihrer Songs nicht gleich erraten lässt.
Die Bandmitglieder aus Indiana, Ohio und Iowa stehen an der Spitze einer Bewegung in Portlands Musikszene, die weit entfernt von süßem Kammerpop ist und eine äußerst expressive Haltung anstrebt. Sie beeindrucken mit einem spontanen, exploratorischen Abenteuer, das wir direkt miterleben können, sei es durch ihre Musik oder durch ihre Performance. Denn nichts ist spannender, als die Entdeckung selbst.