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Vom Nebeneinander zum Miteinander. Das Schweizerische Tropeninstitut in Basel
Dass in der Schweiz mitten im Zweiten Weltkrieg ein Wissen von den «Tropen» in der Gründung
eines Tropeninstituts kulminierte ist erklärungsbedürftig. Andere Institute ähnlicher Natur gehen
auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurück, als die aufkommende «germ theory» älteren Krankheitsätiologien
den Kampf ansagte und diese neue und «wissenschaftliche» Medizin der Landnahme
europäischer Kolonialmächte zumindest nicht hinderlich war.
Anlässlich des 550jährigen Jubiläums der Universität soll nun der Versuch gemacht werden, das Entstehen einer neuen Wissenschaft im Basel der 1940er Jahre nachzuzeichnen. Es wird deutlich, dass die im Tropeninstitut sich neu konstituierende «Tropenmedizin» sehr stark auf das oben angesprochene institutionelle Netzwerk stützte und inhaltlich mehr umfasste, als der Begriff der «Tropenmedizin» gemeinhin zu suggerieren pflegt. In ihr vermengen sich drei wissenschaftliche Felder: die Anthropologie, die Medizin und die Parasitologie.
Die Gründung des Schweizerischen Tropeninstituts (STI).
In einem Brief vom Oktober 1942 forderte Zipfel deshalb alle Schweizer Universitäten auf, ihm Forschungsvorhaben zu unterbreiten, die «der Industrie, dem Gewerbe und der Landwirtschaft vermehrt Arbeit und Nutzen bringen oder die geeignet sind, den Fremdenverkehr und den Export zu heben». Alfred Gigon, Professor für Innere Medizin und engagierter Sozialmediziner, der in seiner Tätigkeit als Wissenschaftler und Arzt stets auch danach trachtete, die Ernährungsgrundlage und die Wohnverhältnisse der Basler Arbeiterschaft zu verbessern, sah Zipfels Forderungen am ehesten durch die Schaffung eines Tropeninstituts verwirklicht. In einem Projektentwurf, den er im Namen der Universität Basel verfasste, machte er deutlich, weshalb die Schweiz eines solchen Instituts bedurfte. Ein Blick über die streng bewachte Landesgrenze hinaus reichte ihm für die Erkenntnis, dass der Weltkrieg die europäischen Volkswirtschaften stark in Mitleidenschaft gezogen hatte. Die Rettung der Schweizer Wirtschaft sei deshalb weniger aus dem brachliegenden Europa zu erwarten als aus jenen Ländern, die er unter dem Begriff «Tropen» zusammenfasst. Während Europa immer stärker in die Kriegswirren hineingezogen wurde, würden ganze Kontinente oder Subkontinente wie Afrika, Asien, Indien oder Südamerika, kontinuierlich reich und die westlichen Länder in Bezug auf materiellen Wohlstand bald überflügeln.
Gigon selbst hatte seine Idee am besten zusammengefasst, als er dem Vorsteher des Sanitätsdepartements Basel-Stadt schrieb: «Das Tropeninstitut soll hauptsächlich wirtschaftliche und wissenschaftliche Aufgaben erfüllen und letztere wiederum im Interesse der Wirtschaft.»
Die Tropen. Interessensgebiet zahlreicher Fächer
Trotz des weitgehend positiven Echos aus den verschiedenen Fakultäten wollte man das Tropeninstitut aber ausdrücklich nicht als ein universitäres Institut gründen. Das Angebot an Lehre, Forschung und öffentliche Dienstleistungen (Impfungen/Informationsdienst) sprengte einen fakultätsüblichen Rahmen und mit der Lehrtätigkeit (Allgemeiner Tropenkurs) wollte man ja betont solche Bevölkerungssegmente ansprechen, die sich nicht ausschliesslich aus dem universitären Milieu rekrutierten. 1943 wurde deshalb die Gründung des STI als eine eigenständige öffentlichrechtliche Anstalt beschlossen. Diese vielseitigen Tätigkeiten, die gegen die Gründung eines Universitätsinstituts sprachen, waren nicht zuletzt Resultat eines noch ungeordneten Wissens von den Tropen – einem Wissen vor der Wissenschaft.

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