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| Cyrill von Jerusalem († 387) - Katechesen an die Täuflinge (Procatechesis et Catecheses ad illuminandos)

IX. KATECHESE AN DIE TÄUFLINGE, frei vorgetragen in Jerusalem.
Über das Wort „Schöpfer Himmels und der Erde, alles Sichtbaren und Unsichtbaren".
15.
Doch vielleicht sind dir diese Dinge unbekannt ; vielleicht hast du auch kein Interesse an der Natur, die dich umgibt. Gehe also in dich selbst und schließe von deiner eigenen Natur aus auf den Künstler! Was kannst du tadeln an dem Bau deines Körpers? Beherrsche dich selbst, und keines von allen deinen Gliedern ist böse. Zu Anbeginn war Adam mit Eva im Paradiese nackt; doch war er nicht der Glieder wegen vertrieben worden. Nicht sind also die Glieder die Ursache der Sünde, sondern diejenigen, welche ihre Glieder mißbrauchen. Weise ist der Schöpfer der Glieder. Wer ist es, der den Mutterschoß bereitet hat zum Gebären? Wer [S. 144] beseelt das Unbeseelte im Mutterschoß? Wer hat uns aus Nerven und Knochen zusammengesetzt, uns mit Haut und Fleisch umgeben? Wer läßt, sobald das Kind geboren ist, aus der Mutterbrust die Milchquelle entspringen? Wie wächst das Kind zum Knaben, der Knabe zum Jüngling, der Jüngling zum Manne heran, und wie wird der Mann zum Greise? Niemand nimmt doch den genauen Verlauf der täglichen Veränderung wahr. Wie kommt es, daß ein Teil der Nahrung zu Blut wird, ein anderer Teil zur Ausscheidung gelangt, wieder ein anderer sich in Fleisch verwandelt? Wer gibt dem Herzen die ständige Bewegung? Wer sichert die empfindlichen Augen weise durch die schützenden Augenlider? Den komplizierten, wunderbaren Bau der Augen vermögen kaum die umfangreichen medizinischen Bücher zu beschreiben. Wer gibt einem einzigen Atemzug Einfluß auf den ganzen Körper? Erkennst du, o Mensch, den Künstler? Erkennst du den weisen Schöpfer?