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Eine Stunde iPad – wie Piloten für die Unglücksmaschinen geschult wurden
War der Pilot der in Äthiopien abgestürzten Boeing für den Typ 737 Max gar nicht geschult? Auch von einem 56-minütigen Online-Kurs ist die Rede. Fakt ist: Der Maschine fehlten zwei relevante Sicherheitssysteme.
Nach den 737-Max-Flugzeugabstürzen in Äthiopien und Indonesien gerät der US-amerikanische Hersteller Boeing weiter unter Druck und hat gerade einen Milliardenauftrag verloren. Jetzt werden Vorwürfe publik, dass die Piloten der Unglücksmaschinen vom Typ 737 Max nicht ausreichend geschult worden seien. Ausserdem soll Boeing zwei kritische Sicherheitssysteme, die die Abstürze möglicherweise hätten verhindern können, nur gegen Aufpreis verkauft haben.
Wie die «New York Times» unter Berufung auf einen nicht namentlich genannten Kollegen berichtet, soll der Pilot der äthiopischen Unglücksmaschine nicht für die 737 Max geschult gewesen sein. Laut der Tageszeitung hätte Yared Getachew (†29) erst Ende März ein entsprechendes Flugsimulatoren-Training absolvieren sollen.
Ethiopian Airlines widerspricht dem Bericht der «New York Times»: Die Piloten hätten das von Boeing empfohlene und von der US-Luftfahrtbehörde FAA genehmigte Übergangstraining von der Boeing 737 NG auf das Nachfolgemodell Boeing 737 MAX vor dessen Flottenintegration absolviert. Zudem seien die Piloten über die Richtlinien, die nach dem Absturz der Lion-Air-Maschine in Indonesien im Oktober von der FAA herausgegeben wurden, informiert worden. Allerdings fügte die Fluggesellschaft hinzu, dass der Flugsimulator für die 737 Max 8 nicht dafür ausgelegt war, die Probleme der inzwischen umstrittenen Steuerungssoftware MCAS zu simulieren.
In den USA hätten Piloten die neue Boing-Maschine mit einem Online-Kurs kennengelernt, berichtet derweil der Nachrichtensender CNN. Mike Trevino, der Sprecher einer US-Pilotengewerkschaft, sagte dem Sender, dass Piloten mit einem einem Selbstlernkurs auf den Umstieg von älteren 737-Modellen auf die 737 Max vorbereitet worden seien. Die Piloten von Southwest Airlines hätten dafür etwa drei Stunden Zeit investieren müssen.
Noch schneller ging es offensichtlich bei American Airlines. Captain Dennis Tajer, Sprecher der Allied Pilots Association, sagte CNN, sein Kurs hätte 56 Minuten gedauert: «Ich habe ihn auf meinem iPad absolviert.» Sowohl Tajer als auch Trevino sagten dem CNN-Bericht zufolge, dass in beiden Kursen die umstrittene Software MCAS, die in Verdacht steht, die Abstürze verursacht zu haben, nicht erwähnt worden sei.
Boeing hat sich zu diesen Vorwürfen noch nicht geäussert. Der Flugzeugbauer hat aber auf eine andere Enthüllung reagiert: Zwei relevante Sicherheitssysteme, die MCAS-Fehlfunktionen erkennen, wurden bislang nur als kostspielige Extras verkauft, berichtet die «New York Times». Weder Lion Air noch Ethopian Airlines hatten sie einbauen lassen.
Dabei handele es sich um eine Anzeige, auf der Piloten die Daten der «Anstellwinkel-Sensoren» sehen können, und um eine Warnlampe, die aufleuchtet, wenn Sensoren unterschiedliche Daten liefern. Boeing will diese Sicherheitssysteme, die von der Flugaufsicht nicht zwingend vorgeschrieben wurden, laut «New York Times» nun als Standardausstattung anbieten.
Beim Flug einer Boeing 737 Max 8 einen Tag vor dem Absturz der Maschine in Indonesien im Oktober 2018 hat neben der üblichen Besatzung ein dritter Pilot im Cockpit gesessen. Dies bestätigte der Chef der indonesischen Flugsicherheitsbehörde, Soerjanto Tjahjono, in Jakarta.
Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte gemeldet, dass jener dritte Mann im Cockpit der Lion-Air-Maschine das Problem in der automatischen Steuerung richtig erkannt habe. Er habe dann der Crew geholfen, das System auszuschalten und das Flugzeug sicher nach unten zu bringen. Die Agentur stützte sich dabei auf anonyme Quellen.
Startverbote für Boeing 737 Max nach Absturz in ÄthiopienZurück zur Startseite