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Bei einem Cholesteatom handelt es sich um eine besondere Form der chronischen Mittelohrentzündung. Hierbei sammelt sich Hautgewebe aus dem Gehörgang im Mittelohr an, was zu ständigen Ohrenentzündungen, Schmerzen, schlechtes Hörvermögen, ein Druckgefühl auf dem Ohr und Ausfluss aus dem Gehörgang führen kann. Ein Cholesteatom wird auch als Perlgeschwulst bezeichnet. Abhilfe schafft meist nur eine Operation. Unbehandelt drohen schwere Komplikationen wie zum Beispiel Schwerhörigkeit oder ein Hirnabszess.
Ein Cholesteatom ist eine gutartige Wucherung im Ohr, genauer gesagt im Mittelohr oder hinter dem Trommelfell. Beim gesunden Ohr ist der äußere Gehörgang mit Hautzellen ausgekleidet und das Mittelohr mit Schleimhautzellen bedeckt. Dazwischen befindet sich eine dünne Membran, die beide Bereiche voneinander trennt: das Trommelfell. Ist das Trommelfell beschädigt, können Hautzellen des Gehörgangs in das Mittelohr hineinwachsen und sich dort ausbreiten. Diese zwiebelschalenartigen Wucherungen bezeichnen Fachleute als Cholesteatom. Grundsätzlich sind diese Wucherungen gutartig und haben mit Krebs nichts zu tun. Allerdings können sich an dieser Stelle Bakterien besonders gut vermehren, was die Entstehung einer chronischen Mittelohrentzündung begünstigt.
Darüber hinaus kann das Cholesteatom die kleinen Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel beschädigen. Diese befinden sich eben im Mittelohr und sind dafür zuständig, die Schwingungen von außen zum Innenohr weiterzuleiten. Daher kann ein Cholesteatom bei den Betroffenen unter anderem Schwerhörigkeit hervorrufen.
Neben Schwerhörigkeit kann ein unbehandeltes Cholesteatom weitere schwerwiegende Komplikationen zur Folge haben, zum Beispiel eine Blutvergiftung (Sepsis), ein Hirnabszess oder eine Hirnhautentzündung (Meningitis), Schwindel oder eine Ertaubung.
Insgesamt tritt die Erkrankung nur sehr selten auf. Im Durchschnitt erkranken neun von 100‘000 Personen pro Jahr an einem Cholesteatom. Am häufigsten sind Kinder Im Alter von fünf bis 15 Jahren betroffen.
Die Ursache für ein Cholesteatom ist eine Beschädigung des Trommelfells, wodurch Hautzellen (und Bakterien) ins Mittelohr eindringen können. Je nachdem, wie die Verletzung entstanden ist, unterscheiden zwei Arten von Cholesteatomen.
Es gibt angeborene und erworbene Cholesteatome.
Am häufigsten entwickelt sich ein Cholesteatom primär aus einer sogenannten Retraktionstasche. Eine Retraktionstasche entsteht, wenn die Ohrtrompete verstopft ist und dadurch das Mittelohr nicht mehr richtig belüftet wird. Normalerweise dient die Ohrtrompete als eine Art Tunnel zwischen Mittelohr und Rachenraum. Ist die dauerhafte Belüftung des Mittelohrs nicht mehr gegeben, entsteht ein Unterdruck, wodurch sich das Trommelfell einziehen (daher der Begriff Retraktionstasche) oder sogar reißen kann. In der Retraktionstasche sammeln sich nach und nach Hautreste. Zusätzlich können sich dieser Tasche Bakterien schnell vermehren und eine chronische Mittelohrentzündung hervorrufen.
Von einem sekundären Cholesteatom spricht man, wenn das Trommelfell bereits vorher beschädigt war. Der eigentliche Grund dafür kann dann etwa eine äußere Verletzung des Trommelfells sein oder wiederholte Mittelohrentzündungen. Durch das Loch im Trommelfell dringen Bakterien und Hautzellen in das Mittelohr ein und verursachen so das Cholesteatom.
Gerade im Anfangsstadium ruft ein Cholesteatom häufig keine Symptome hervor. Die Ansammlung der Hautzellen im Mittelohr entsteht meist völlig unbemerkt. Erst, wenn sich die betroffene Stelle entzündet, treten Symptome auf, die denen einer Mittelohrentzündung ähneln.
Mögliche Symptome sind:
Ein Cholesteatom lässt sich in vielen Fällen bei uns ambulant relativ sicher diagnostizieren. Mithilfe einer sogenannten Ohrmikroskopie untersuchen wir zunächst, ob das Trommelfell beschädigt und das Mittelohr entzündet sind und wie weit das Cholesteatom schon fortgeschritten ist. Denn unter einem Ohrmikroskop sieht das Cholesteatom aus wie eine weißlich-gelbe Kruste, da das weißgelbe Keratin unter anderem in Hautzellen enthalten ist.
Schwieriger ist es, wenn das Ohr akut entzündet ist und nässt. Dann müssen wir unter Umständen erst das Sekret aus dem Gehörgang absaugen. Bei Kindern gelingt das häufig nur unter Narkose.
Mit speziellen Tests können wir außerdem Hörvermögen und Gleichgewichtssinn prüfen. Mit einer Computertomographie (CT) können wir feststellen, wo genau sich die Wucherung befindet und ob die Gehörknöchelchen bereits in Mitleidenschaft gezogen ist. Auch eine Magnetresonanztomografie (MRT) kann weiteren Aufschluss über die Krankheit geben.
Bei Verdacht auf eine Mittelohrentzündung beziehungsweise ein Cholesteatom sollte Sie uns immer aufsuchen. Insbesondere, wenn Sie starke Kopf- oder Nackenschmerzen haben, brauchen Sie akute medizinische Hilfe. Dies könnte in seltenen Fällen ein Hinweis auf eine Hirnhautentzündung oder eine Verletzung der Gesichtsnerven sein. Dann kann es zu Taubheitsgefühlen im Gesicht oder hängenden Mundwinkeln kommen. Auch bei solchen Lähmungserscheinungen im Gesicht sollten Sie uns sofort aufsuchen.
Ein Cholesteatom lässt sich nicht sicher vermeiden. Trotzdem gibt es einige Dinge, auf die Sie achten sollten, wenn Sie Schmerzen in den Ohren oder andere Anzeichen eines Cholesteatom haben.
Generell gilt: Sobald die ersten Symptome eines Cholesteatoms auftreten, sollten Sie uns auf jeden Fall aufsuchen. Bei einem operativen Eingriff wird vom Institut für Anästhesiologie das individuell auf Sie angepasste Anästhesie-Verfahren ausgewählt.
Sie können sich als Patientin oder Patient nicht direkt zu einer Konsultation anmelden. Bitte lassen Sie sich durch Ihren Hausarzt, Ihre Hausärztin, Ihren Spezialisten oder Ihre Spezialistin überweisen.
Universitätsspital Zürich
Klinik für ORL
Frauenklinikstrasse 24
8091 Zürich