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Fund LB-001_91: Scopa Karte (Neapel) – Kelch König
Dass wir in der Löffelburg ab und an Spielkarten finden, ist nichts Neues (LINK). Ein schöner Fund ist jedoch die Karte, die wir als LB-001_91 bezeichnen. Sie kam in Raum R13 hinter der Bodenleiste an der Westwand zum Vorschein.
Die Spielkarte gehört zu einer neapolitanischen Ausführung des beliebten Kartenspiels «Scopa» (italienisch für Besen) und zeigt die Karte Kelch König. Also ein Ass mit der Punktzahl 10. Wie ist sie da hingekommen?
So könnte es gewesen sein:
Brief des Lino de Biasi vom 14. Oktober 1951
«Ciao Romano
Ich hoffe es geht Mama und Papa gut und dir auch. Weshalb bist du abgefahren? Du hättest hier in der Tabakstampferei Arbeit gehabt und der Chef gibt mir die Schuld, dass du weg bist. Der Lump wollte mir sogar deine Arbeit aufhalsen. Ich habe ihm gesagt, dass er die Arbeit dann selber machen muss, weil wir Italiener zusammenhalten. Er hat mir geglaubt.
Porca Miseria, Romano, du bist doch erwachsen, und dann rennst du wegen eines Kartenspiels weg? Oder weswegen sonst? Es war nicht ehrenhaft, einfach wegzugehen. Was sagte Papa dazu? Ich wette, er hat dir links und rechts eins auf die Löffel gegeben, dass sie aussahen wie flache Melanzane. Dass Alberto dich bezichtigt hat, bescheissen zu wollen, war nicht in Ordnung und ich habe ihm das gesagt. Er entschuldigt sich dafür. Aber wie sieht es aus, wenn du dann einfach gehst? Wie ein Schuldeingeständnis sieht das aus. Und wo ist der Kelch König hingekommen? Wer hat ihn?
Falls du tatsächlich bescheissen wolltest, dann entschuldige einfach, stell eine Flasche Wein auf den Tisch und die Sache ist erledigt. Wenn du unschuldig bist. Und daran glaube ich fest! Dann gibt es keinen Grund, einfach ohne ein Wort zu sagen zu verschwinden.
Also schreib mir, Bruder, und sage mir, was los ist.
Dein Bruder Lino»
Brief des Romano de Biasi vom 22. Oktober 1951
«Salute Lino
Glaubst du, ich bin wegen eines Kartenspiels weggerannt? Hältst du mich für einen Esel? Ich bin gar nicht nach Hause und Vater weiss nichts davon, dass ich weg bin. Und mit Alberto solltest du dich besser gutstellen. Der Hurensohn hat mich nämlich bedroht. Er war es, der mir befohlen hat, zu verschwinden. Und wieso? Weil herausgekommen ist, dass ich im Sommer einmal mit Evangelina gesprochen habe, ohne dass jemand von der Familie dabei war. Er sagte, dass er mich töten wird, wenn ich ihm noch einmal unter die Augen kommen würde. Das mit der Spielkarte war seine Idee. Er hat sie wahrscheinlich genommen oder irgendwo versteckt. Ich wollte es dir sagen, Bruder, ich schwöre, aber Alberto liess mir keine Möglichkeit.
Ich entschuldige mich, Lino, wirklich! Ich wollte das alles nicht und das Gespräch mit Evangelina war nichts Besonderes. Sicher hat ihre Schwester gepetzt!
Ich suche mir gerade Arbeit in der Nähe von Sursee, da gibt es auch Tabakstampfen und da kann ich nächste Woche hin und mich vorstellen. Ich werde offen mit ihm sein, denn er wird den alten Suter sicher anrufen.
Ich grüsse dich, Lino, drück mir die Daumen!»
Brief des Lino de Biasi vom 4. November 1951
«Ciao Romano
Du hättest es mir sagen müssen! Wir hätten die Sache mit Alberto geklärt. Ich habe ihn zur Seite genommen und ihm alles erklärt und ich habe ihm gesagt, dass unsere Familie ehrbar ist und er von Glück sagen kann, wenn du Evangelina schöne Augen machst. Er sagte, sie sei schon Luigi, dem Sohn des Claudio Cesare, versprochen. Aber wen kümmert das heute noch? Der ist seit dem Krieg ein Krüppel und so hässllich, dass das ganze Geld der Familie Cesare nicht reicht, um das wett zu machen. Aber er sagte, was geschehen sei, sei geschehen und es ginge um die Ehre blabla. Er wird sich nun ebenfalls einen neuen Job suchen müssen, denn hier will niemand mehr mit ihm arbeiten. Ich hoffe, er kommt nicht in deine Stampfe!
Ich grüsse dich, Bruder, und hoffe, du hast die Arbeit inzwischen bekommen.
Lino»