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Nach dem Tod des Vaters 1923 leiteten die Brüder Julius und Leonz Josef den Familienbetrieb in 6. Generation. Mitten in den Krisen- und Kriegsjahren, nach dem Tod des Ehemanns und des Schwagers 1934, übernahm Maria Hunkeler-Trucco den Betrieb. Sie führte die Firma bis in die 1960er-Jahre, während der Nachkriegszeit und in den Boom Jahren.
- Maria Hunkeler-Trucco
- Am 12.11.1894 in Luzern geboren / am 16.05.1992 im Alter von 98 Jahren in Luzern verstorben
- Maria Hunkeler-Trucco hatte italienische Wurzeln und kam im Jahre 1894 in Luzern zur Welt. Im Juni 1917 heiratete sie ihren Ehemann Julius Hunkeler, welcher zusammen mit seinem Bruder Loenz Josef die Zimmerei und Schreinerei J. Hunkeler, Söhne leitete. Als ihr Ehemann 1932 früh verstarb, übernahm sie gemeinsam mit ihrem Schwager Leonz Josef den Familienbetrieb. Ab 1934, nach dem Tod von Leonz Josef übernahm und leitete Maria Hunkeler-Trucco den Betrieb alleine.
- Firmenübernahme im Jahre 1934
Im Inflationsjahr Deutschlands 1923 übernahm Julius Hunkeler mit seinem jüngeren Bruder Leonz Josef den Betrieb. Bereits in jungen Jahren war sein jüngster Bruder Robert Friedrich Hunkeler nach Amerika ausgewandert (dieser nannte sich seither "Bob").
Aus Julius Zeit sticht der ehrenvolle regierungsrätliche Auftrag für die Landesausstellung 1914 in Bern heraus. Er durfte ein Modell der hölzernen Widigbrücke bei Romoos erstellen, die von seinem Vorfahren Johann Baptist (3.Generation) gebaut wurde. Drei Jahre später, noch im Ersten Weltkrieg und im Russischen Revolutionsjahr heiratete er Maria Trucco in Luzern.
Maria Joseffa Trucco kam im November 1894 an der Fluhmattstrasse in Luzern auf die Welt. Zeitzeugen berichten, ihr Grossvater, der aus Genua stammte, sei durch die Arbeiten am Bau der Brünigpassstrasse in die Schweiz eingewandert. Mit seinem Sohn Franz Josef, Marias Vater, führte er ein Baugeschäft in der Stadt. Nach ihrer Schulzeit verbrachte sie ein Welschlandjahr in einem Pensionat in Vevey. Zurück in Luzern bestand sie eine Lehre als kaufmännische Angestellte beim Briefmarkenhändler Béla Szekula. Im selben Quartier lebte ihr zukünftiger Ehemann, den sie auf ihrem Arbeitsweg kennenlernte. Am 9. Juni 1917 heiratete sie Julius Johann Baptist Hunkeler. Sie hatten zwei Kinder, Margrit (1921-2006) und Jules (1925-2012). Bereits als junge Mutter begann sie als Sekretärin in der Firma ihres Ehemannes und des Schwagers J. Hunkeler, Söhne zu arbeiten. Das Geschäft war damals auf mechanische Zimmerei und Treppenbau spezialisiert.
1931 zerstörte ein schlimmer Brand einen Teil des Betriebsgebäudes am Schlossberg. Der Entwurf für den danach erstellten Neubau zeichnete der national bekannte Luzerner Architekt Armin Meili. So entstand der damals markannte Rundbau, der 2004 abgerissen wurde. Das heutige Gebäude wurde im Stil des alten Rundbaus von den Schärli Architekten erstellt. Wenige Monate nach dem Brand erkrankte Marias Ehemann schwer und verstarb im Juni 1932 mit nur 31 Jahren. Da die Kinder für eine Geschäftsübernahme noch zu jung waren, musste sich Maria mit ihrem Schwager Leonz Josef im Familienbetrieb engagieren. Aus dem erhalten gebliebenen Briefverkehr zwischen Leonz Josef, Bob aus Amerika und Maria ist herauszulesen, dass diese Zusammenarbeit schwierig war. Als Marias Schwager ebenfalls schwer erkrankte, übernahm sie noch vor dessen Tod im April 1934, den Betrieb am Schlossberg alleine.
In den 1930er-Jahren war es unüblich, dass eine Frau die Verantwortung für einen gesamten Betrieb und noch dazu in einer klar männerdominierten Branche inne hatte. Maria übernahm das Geschäft als man in der Schweiz politisch vom Frauenwahl- und -stimmrecht noch weit entfernt war. Im Kanton Luzern wurde dieses politische Grundrecht 1970 und auf Bundesebene erst 1971 eingeführt - also rund 40 Jahre nachdem Maria als Eigentümerin die Geschäftsführung übernommen hatte.
Maria übernahm den Betrieb in einer schwierigen Zeit. Der New Yorker Börsencrash von 1929 hatte bis in die Schweiz schwerwiegende Auswirkungen und zeigte mit Verspätung das Ende der wirtschaftlichen Wachstumsphase der Goldigen Zwanzigerjahre an. Auch während der bedrückenden Zeit des Zweiten Weltkrieges musste die umsichtige Geschäftsfrau taktisch agieren, um die Firma nicht schliessen zu müssen. Zeitzeugen berichten, dass es ihr dank Militäraufträgen und Projekten im Rahmen des subventionierten Wohnungsbaus gelang, die Kriegsjahre zu überstehen. Nach dem Weltkrieg traf Maria die mutige Entscheidung, sie verkaufte einen kleinen Teil des Betriebsareals am Schlossberg, um Land in Ebikon für die Expansion des Unternehmens zu kaufen. Kurz darauf entstand dort eine neue Zimmerei in einer grossen Fabrikhalle. Ab diesem Zeitpunkt war der Betrieb für rund 60 Jahre auf zwei Standorte verteilt. In dieser Zeit wurden neu auch Fenster produziert.
Maria war eine hervorragende Gastgeberin und hatte eine Leidenschaft für extravagante Autos. Diese zwei Eigenschaften verhalfen ihr, sich in einer männerdominierten Welt zu behaupten. Mit ihren Einladungen baute sie ihr Freundschafts- und Geschäftsnetzwerk aus, da ihr der Zugang in die Politik oder einflussreiche Gesellschaften verwehrt war. Dank ihrem Sportwagen war sie mobil und erreichte ihre Kunden sowie die Baustellen jederzeit gut.
Marias Sohn Jules, trat nach Abschluss seiner Ausbildung am Technikum in Burgdorf 1951 definitiv in den Traditionsbetrieb ein. Ein Jahr später durfte die Firma Hunkeler einen wichtigen Auftrag für die damalige Weltausstellung der Fotografie in Luzern ausführen: Einen 40 Meter hohen hölzernen Turm. Dieser "Fototurm" stellte das Wahrzeichen der Weltausstellung dar und stand auf dem heutigen Europaplatz vor dem Bahnhof Luzern. Der auffällige Holzbau wurde nach Plänen des Architekten August Boyer, nach Berechnungen des Ingenieurs Robert Dick und von der Firma Hunkeler mit Holz aus der Region realisiert. Nach nur sechs Wochen Bauzeit stand dieser Landmark für die Eröffnung am 15. Mai 1952 bereit.