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Zu sagen, Bauer Paul behandle seine Frau Rosine wie ein Stück Vieh, wäre untertrieben, denn Paul behandelt sein Vieh um einiges liebevoller als sie. Dabei ist die Zeit nicht stehen geblieben auf Pauls Bauernhof: Soweit an den steilen Berghängen überhaupt möglich, werden moderne Maschinen eingesetzt, gemolken werden die Kühe mit Melkmaschinen. Doch im Umgang miteinander herrscht ein traditionelles, patriarchalisches Verhältnis vor. Rosines Körper ist Pauls Eigentum, er verfügt über ihre Arbeitskraft und reagiert auch seine sexuellen Bedürfnisse an ihr ab.
Als Rosine über Bauch- und Unterleibsschmerzen klagt, scheint für Paul der Fall klar: Seine Frau ist schwanger. Um Rosines Arbeitskraft zu ersetzen, heuert er Eusebio, einen Saisonnier, an. Obwohl Paul den Spanier ebenso ausbeutet wie seine Frau, verschiebt sich allein durch dessen Anwesenheit die Machtbalance auf dem Hof. Rosine freut sich über Eusebios Freundlichkeit und gute Laune, was von Paul mit wachsender Eifersucht registriert wird. Diese kulminiert in einem Gewaltausbruch, in welchem er Rosine krankenhausreif schlägt. Dort stellt sich dann heraus, dass eine Krankheit der Grund für Rosines Schmerzen war. Paul schmollt und weigert sich, Rosine im Spital zu besuchen. Kann Eusebio Paul umstimmen und wird Rosine ihrem Mann je verzeihen?
Ausgangspunkt für Cœur animal war der Roman «Rapport aux bêtes» der Walliserin Noëlle Revaz. Protagonist Paul wirkt selber wie ein schwerfälliger Muni, der einfach nicht in den dicken Schädel bekommt, dass seine Frau auch Gefühle und Bedürfnisse hat. Erzählerisch ist bemerkenswert, dass während des Spitalaufenthalts von Rosine der Fokus des Films weiterhin auf dem Hof bleibt, wo er in kleinen Details die Entwicklung von Paul und das Entstehen einer Freundschaft zwischen ihm und Eusebio nachzeichnet, statt eine Emanzipationsgeschichte von Rosine zu erzählen. Die Treue des Films zu seinem schwierigen Hauptdarsteller ist mutig und zeichnet ihn aus. Der Preis dafür ist eine gewisse Rätselhaftigkeit der Figur Rosine, deren Motive nie ganz klar werden.
Cœur animal macht ein ländliches Setting zum Schauplatz eines Kampfes zwischen Tradition und Moderne, der sich in den Persönlichkeits- und Beziehungskrisen der Protagonisten manifestiert. Damit schreibt die Lausanner Regisseurin Séverine Cornamusaz eine eindrückliche filmische Tradition des Schweizer Bauernfilms fort, zu der eigentliche Sternstunden wie Höhenfeuer (Fredi M. Murer, 1985) oder Les petites fugues (Yves Yersin, 1979) gehören. Cornamusaz ist ein intensives Debüt gelungen, das in starken, ruhigen Bildern eine geradlinige Geschichte erzählt, die dank den überzeugenden Schauspielern immer echt und glaubwürdig bleibt. Zu Recht erhielt sie dafür den Schweizer Filmpreis Quartz 2010.