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«Am ersten Tag der ungesäuerten Brote, da man das Passah schlachtete, sagen seine Jünger zu ihm: Wo willst du, dass wir hingehen und bereiten, damit du das Passah essen kannst? Und er sendet zwei seiner Jünger und spricht zu ihnen: Geht hin in die Stadt, und es wird euch ein Mensch begegnen, der einen Krug Wasser trägt; folgt ihm, und wo irgend er hineingeht, sprecht zu dem Hausherrn: Der Lehrer sagt: Wo ist mein Gastzimmer, wo ich mit meinen Jüngern das Passah essen kann? Und dieser wird euch ein grosses Obergemach zeigen, mit Polstern belegt und fertig; und dort bereite es für uns. Und die Jünger gingen weg und kamen in die Stadt und fanden es, wie er ihnen gesagt hatte; und sie bereiteten das Passah» (Mk 14,12-16).
Die Begebenheit, die der Evangelist Markus in diesen Versen berichtet, führt in die Zeit unmittelbar vor dem Tod unseres Herrn und Heilands auf Golgatha. Er möchte mit den Jüngern das letzte Passah feiern und gibt ihnen Anordnungen, damit sie alles für dieses Fest vorbereiten. In wenigen Stunden würde das Passah in seinem Tod die Erfüllung finden. Dabei wird deutlich, dass es hier besonders um den Ort geht, an dem der Herr mit seinen Jüngern zusammen sein will. «Wo willst du, dass wir hingehen und bereiten?», fragen die Jünger (V. 12). Dann lässt der Herr in Vers 14 fragen: «Wo ist mein Gastzimmer?» Schliesslich sagt Er seinen Jüngern: «Dort bereitet es für uns.» An diesem Ort will Er mit den Jüngern das Passah feiern, aber dann auch das Gedächtnismahl als etwas Neues einsetzen (V. 22-26).
Wir können diese Verse unter verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Der direkte Blick macht uns den Herrn Jesus gross. Er ist auf dem Weg nach Golgatha. Der Augenblick seiner tiefsten Erniedrigung steht kurz bevor. Gerade da leuchtet aus diesen Versen noch einmal etwas von seiner göttlichen Herrlichkeit, seiner Allwissenheit und Macht.
Er ist es, der alles vor Augen hat, der im Voraus weiss, was geschehen wird, und der den Jüngern klare Hinweise gibt, die genau so eintreffen, wie Er es sagt. Er, der in seinem Leben kein eigenes Haus besass und keinen Ort hatte, wo er sein Haupt hinlegen konnte (Mt 8,20), spricht hier von «seinem Gastzimmer», wo Ihm alles zur Verfügung steht.
In einem übertragenen Sinn können wir in dieser Begebenheit wichtige Hinweise für den Platz des Zusammenkommens der Gläubigen nach den Gedanken des Herrn finden, insbesondere im Blick auf das Brotbrechen und die Verkündigung seines Todes. Dieser Linie wollen wir etwas nachgehen:
- Zunächst lernen wir etwas über den Wunsch im Herzen eines Gläubigen, den Platz der Gemeinschaft mit dem Herrn zu finden (V. 12).
- Dann wird deutlich, welche Führer und Wegweiser es gibt, um an diesen Platz zu gelangen (V. 13).
- Schliesslich erfahren wir, wodurch dieser Ort charakterisiert wird (V. 13-15).
Wenn wir diese Anwendung machen, halten wir fest, dass wir nicht zusammenkommen, um das Passah zu feiern. Das Passah war ein Fest, das Gott seinem irdischen Volk geschenkt und für Israel angeordnet hatte. Es wies voraus auf den Tod Christi und fand darin seine Erfüllung. Uns, seinem himmlischen Volk, hat der Herr das Gedächtnismahl anvertraut, das Er hier im Anschluss an die Passahfeier einsetzte.
Die Frage nach dem richtigen Ort
«Wo willst du, dass wir hingehen und bereiten, damit du das Passah essen kannst?» Das ist die entscheidende Frage, die hier an die richtige Adresse gerichtet wird. Auch wenn es um den Platz des Zusammenkommens geht, ist allein der Wille des Herrn ausschlaggebend. Heute wird das oft missachtet. Man fragt lieber: «Wo will ich hingehen?» Wie freut es den Herrn, wenn Er solche findet, die in dieser Sache nur nach seinem Willen fragen und den Ort suchen, wo Er sich aufhält. Der Wunsch, dem Herrn gehorsam zu sein, ist eine unerlässliche Voraussetzung dafür, diesen Ort zu finden.
Ähnliche Fragen finden wir auch in Johannes 1,38 und in Hohelied 1,7. Wenn wir diese Stellen mit unseren Versen vergleichen, stellen wir fest, dass
- erstens die Fragen immer an den Herrn gerichtet werden;
- zweitens der Herr nirgendwo eine genaue Adresse angibt, und
- drittens die Fragenden immer zur Ruhe kommen.
Statt ihnen den konkreten Ort zu nennen, gibt Er den zwei Jüngern – es sind Petrus und Johannes (Lk 22,8) – hier eine Anweisung, die auf den ersten Blick geheimnisvoll anmutet: Sie würden einem Menschen begegnen, der einen Krug Wasser trägt. Diesem Menschen sollten sie folgen. Mehr sagt Er ihnen nicht. Dies macht deutlich, dass es bei uns eine gewisse geistliche Übung voraussetzt, um den Platz zu finden, wo der Herr in der Mitte der Glaubenden sein will.
Wegweiser zum Ziel
Auf dem Weg zu diesem Ort sind wir nicht allein gelassen. In Vers 13 finden wir die «Führer», die uns den Weg weisen wollen. Zunächst ist es der Herr selbst, dem wir folgen dürfen. Er sendet die Jünger aus, um an den richtigen Ort zu gelangen. Dann haben wir den Menschen, der den Krug Wasser trägt. Darin sehen wir ein Bild des Heiligen Geistes, der uns auf der Grundlage des Wortes Gottes in die Wahrheit über das Zusammenkommen der Gläubigen leiten will.
Der Herr, der Geist und das Wort – das sind drei absolut zuverlässige Führer. Denn alle drei sind «die Wahrheit», wie uns das Johannes-Evangelium mitteilt (Joh 14,6; 16,13; 17,17). Wenn wir auf diese Führer achten und ihnen nachgehen, folgen wir also der Wahrheit und sind auf dem richtigen Weg.
Den Jüngern würde der «Mensch mit dem Krug Wasser» auf dem Weg «begegnen». Auch das ist eine Erfahrung, die wir machen werden, wenn wir den Willen des Herrn tun möchten: «Du kommst dem entgegen, der Freude daran hat, Gerechtigkeit zu üben, denen, die sich auf deinen Wegen an dich erinnern» (Jes 64,4).
Ein Ort in der Stadt
In den Versen 13-15 finden wir verschiedene Punkte, die den Platz des Zusammenkommens nach den Gedanken des Herrn kennzeichnen.
Zunächst heisst es, dass die Jünger in die Stadt gehen sollten. Eine Stadt ist ein Ort in dieser Welt, wo Menschen wohnen. Wir verwirklichen das Zusammenkommen als Versammlung, während wir hier auf der Erde wohnen und unter den Menschen leben. Wenn wir beim Brotbrechen den Tod des Herrn verkünden, tun wir dies auch vor den Menschen, die uns umgeben.
Ein Gastzimmer
Die Jünger sollten nach dem Gastzimmer fragen. Ein Gastzimmer ist ein Ort, wo man sich als Fremder nur vorübergehend aufhält. Als Gläubige ist «unser Bürgertum in den Himmeln» (Phil 3,20). Hier auf der Erde sind wir «Fremdlinge» und «ohne Bürgerrecht» (1. Pet 2,11). Aber wir kennen hier ein «Gastzimmer», einen Ort, wohin der Herr uns einlädt. Dort dürfen wir in seinem Namen versammelt sein und Er verheisst, in unserer Mitte zu sein (Mt 18,20). Es ist sein Gastzimmer. Dieser Ort gehört Ihm allein – nicht uns. Er ist der Gastgeber, von dem in den Zusammenkünften alles so ausgeht und gelenkt wird, dass es zum Segen und Wohlergehen der Gläubigen ist.
Ein grosses Obergemach
Der Hausherr würde den Jüngern ein grosses Obergemach zeigen. Das spricht davon, dass wir an diesem Ort über den irdischen Umständen und dem Trubel des Alltags stehen dürfen. Dort atmen wir schon auf der Erde etwas «Himmelsluft» und geniessen die Gemeinschaft mit Christus.
Dieses Obergemach ist dadurch gekennzeichnet, dass es gross ist. So ist auch der Gott gemässe Platz des Zusammenkommens ein Ort, der grundsätzlich allen Kindern Gottes offen steht, auch wenn wir in der Praxis aufgrund der Zerrissenheit in der Christenheit leider nicht mehr mit allen Gläubigen gottesdienstlich verbunden sein können. Aber die Grundlage des Zusammenkommens an diesem Ort ist die Wahrheit von dem «einen Leib», d.h. von der Einheit aller Erlösten mit dem Herrn und untereinander. In dem einen Brot, das vor uns steht, wenn wir den Tod des Herrn verkünden, sehen wir alle Gläubigen. Das wollen wir nie vergessen.
Mit Polstern belegt und fertig
Das Obergemach war mit Polstern belegt. Das spricht von Ruhe und Frieden, die wir an diesem Ort geniessen, und von der Ordnung, die dort herrscht. Es zeigt auch, dass die Suche nach diesem Ort einmal ein Ende haben soll und dass wir dort in Ruhe unsere himmlischen Beziehungen geniessen können.
Zuletzt sagt der Herr, dass das Gastzimmer fertig sei. Für uns ist dieser Ort seit Apostelgeschichte 2 fertig und durch den Herrn bereitet. An diesem Ort bleibt kein Platz für menschliche Ideen. Die Wahrheit über das Zusammenkommen an diesem Ort, d.h. nach den Anweisungen des Wortes Gottes, unterliegt keiner Änderung.
Die Erfahrung der Jünger
Welche Erfahrung machten die Jünger damals? Vers 16 sagt es uns: «Die Jünger gingen weg und kamen in die Stadt und fanden es, wie er ihnen gesagt hatte.» Die gleiche Erfahrung wird heute jeder machen, der aufrichtig den Wunsch hat, diesen Platz zu finden, und der sich dabei durch das Wort und den Geist Gottes leiten lässt.
Als solche, die diesen Platz aus Gnade bereits kennen, dürfen wir stets mit dankbarem Herzen dahin gehen, wo der Herr in dieser Welt mit uns zusammenkommen will und wo wir seinen Tod verkünden dürfen, bis Er wiederkommt!