Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03648.jsonl.gz/857

Es sei wichtig, dass der CO2-Preis in der EU von sechs Euro pro Tonne auf 25 Euro gestiegen sei. "Damit haben diese Investitionsprojekte plötzlich einen wirtschaftlichen Hintergrund, den sie vorher nicht hatten." Auch den heutigen Preis erachte er aber als zu tief: "50 Euro pro Tonne CO2 wären sicher ein guter Preis. Dann hätten wir einen grossen wirtschaftlichen Anreiz, die CO2-Reduktion voranzutreiben."
Neben einem höheren CO2-Preis brauche es aber auch Reglemente, die die Innovation förderten, sagte Jenisch. So brauche es auch die Erlaubnis, neue, innovative Produkte einzuführen. "Die Schweiz ist da weltweit führend. Sie hat unseren neuen klimaneutralen Beton als erstes Land freigegeben." Ähnliche Produkte wolle man nun auch in Deutschland und Frankreich einführen.
Zement zu preiswert
Mit den Investitionen in den Umweltschutz würde auch der Preis für Zement steigen, so Jenisch. "Zement ist viel zu preiswert." Bei einem modernen Gebäude mache der Beton heute nur drei bis vier Prozent der Kosten aus. "Wenn es einem mit CO2-effizientem Bauen ernst ist, muss man die Preise deutlich erhöhen."
Sorgen um einen allfälligen Rückgang der Nachfrage macht sich der CEO des weltgrösste Zementkonzerns nicht. "Fakt ist, dass man ohne Zement nicht bauen kann. Brücken, Tunnel, Flughäfen, Spitäler kann man nicht aus Holz bauen", sagte Jenisch. Es gehe nun um die Herausforderung, mit weniger CO2 genauso viel zu bauen. "Oder sogar noch wesentlich mehr, weil der Bedarf nach Infrastruktur weltweit steigt."
Umbenennung offen
Wie lange der Konzern noch unter dem Namen LafargeHolcim auftreten wird, ist noch offen. "Wir haben einen etwas sperrigen Gruppennamen. Lafarge Holcim ist als Name viel zu lange", sagte Jenisch. Allerdings habe der Konzern starke lokale Marken: "In gewissen Ländern treten wir als Lafarge auf, in anderen als Holcim."
Zu einer Umbenennung des Konzerns werde es "sicher nicht dieses Jahr" kommen. "Irgendwann, wenn die Zeit dafür reif ist, würde ich vorschlagen, einen anderen Namen zu wählen."
Reiseverzicht wegen Virus
Die Coronavirus-Krise zwingt derweil den LafargeHolcim-Chef zur Änderung seiner Pläne. So habe er eine Reise zu den grossen Investoren in New York und London abgesagt, "als Vorbild für die Mitarbeiter." Nun gebe es stattdessen eine Telefonkonferenz. Zudem habe er alle seine Reisen im März abgesagt.
Bisher habe es bei den 72'000 Mitarbeitern des Konzerns noch keinen berichteten Corona-Fall gegeben. "Wir machen alles, dass das so bleibt." Der Konzern habe zwar keinen Reisebann ausgesprochen. "Aber wir überwachen alle Reisen und haben Richtlinien herausgegeben für den Fall, dass jemand Symptome hat", so Jenisch.
tp/
(AWP)