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Titel
Oudinot
(spr. udinoh), 1) Nicolas Charles, Herzog von Reggio, Marschall von Frankreich, geb. zu Bar le Duc (Maas), Sohn eines Kaufmanns, sollte sich ebenfalls dem Handelsstand widmen, trat aber im Alter von 17 Jahren in das Regiment Médoc. 1787 verließ er zwar den Militärdienst, kehrte aber beim Ausbruch der Revolution zu demselben zurück, ward 1791 Kommandant des 3. Bataillons der Freiwillige aus dem Maasdepartement, mit dem er 1792 Bitsch gegen die Preußen [* 2] verteidigte, hierauf Oberst des Regiments Picardie und infolge der glänzenden Tapferkeit, mit welcher er sich bei Morlautern vier Stunden lang gegen 10,000 Mann, größtenteils Kavallerie, behauptete, zum Brigadegeneral befördert. Am 6. Aug. bemächtigte er sich der Stadt Trier, [* 3] kam dann zur Rhein- und Moselarmee, ward bei Neckarau verwundet u. gefangen, bald aber ausgewechselt, 1799 zum Divisionsgeneral ernannt und trug viel zu dem Sieg bei Zürich [* 4] bei, erhielt aber dort einen Schuß in die Brust. Kaum genesen, ward er Chef des Generalstabs bei Masséna und hielt mit diesem 1800 die Belagerung von Genua [* 5] aus. Dann kam ¶
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er als Chef des Generalstab zu Brune und entschied durch einen tapfern Handstreich die Schlacht am Mincio. 1805 zeichnete er sich an der Spitze einer Elitedivision von zehn Bataillonen Grenadieren bei Wertingen, Anstetten, Hollabrunn, wo er schwer verwundet wurde, und Austerlitz [* 7] aus. 1806 bildete er mit seinen Grenadieren die Reserve, siegte bei Ostrolenka, ward dann zur Verstärkung [* 8] des Marschalls Lefebvre, welcher Danzig [* 9] belagerte, abgesandt und hielt 14. Juni bei Friedland die russische Armee so lange in Schach, bis Napoleon mit der Hauptmacht herankam, um den Sieg zu vollenden.
Während dieses Feldzugs erhielt er vom Kaiser den Grafentitel mit einer Dotation von 1 Mill. Frank in Gütern. 1808 ward er Gouverneur von Erfurt [* 10] während des dort gehaltenen Kongresses, siegte an der Spitze seines Grenadierkorps über die Österreicher bei Pfaffenhofen, 1. Mai bei Ried, am 3. bei Ebersberg und rückte am 13. in Wien [* 11] ein. An Lannes' Stelle übernahm er in der Schlacht bei Aspern [* 12] den Befehl über das 2. Armeekorps und zeichnete sich in der Schlacht bei Wagram [* 13] so aus, daß ihn Napoleon zum Marschall und Herzog von Reggio ernannte. 1810 besetzte er Holland und blieb daselbst als Oberbefehlshaber fast zwei Jahre. Im russischen Feldzug 1812 wurde er an der Spitze des 2. Korps 17. Aug. bei Polozk durch eine Kanonenkugel schwer verwundet und begab sich erst im November wieder zu seinem Korps; er focht bei Borissow und an der Beresina, wo er einen Teil der Heerestrümmer rettete. Im April 1813 übernahm er den Oberbefehl über das 12. Armeekorps, focht bei Bautzen [* 14] auf dem äußersten rechten Flügel, dann in der südlichen Mark gegen Bülow. Im August erhielt er den Oberbefehl über das 4., 7. und 12. Korps, im ganzen 65,000 Mann, um damit gegen Berlin [* 15] vorzudringen; da er aber von Bülow 23. Aug. bei Großbeeren geschlagen wurde, mußte er den Oberbefehl an Ney abgeben und erlitt nun mit diesem bei Dennewitz 6. Sept. eine neue Niederlage.
Bei Leipzig [* 16] befehligte er zwei Divisionen der jungen Garde und bei dem Rückzug an den Rhein die Arrieregarde, erkrankte aber gefährlich und wurde nach Bar le Duc gebracht. Dessen ungeachtet übernahm er aber 1814 wieder das Kommando der jungen Garde und focht bei Brienne, Champeaubert, Nangis, Bar sur Aube und Arcis, wo er zum 23. Mal verwundet wurde. Nach Napoleons I. Abdankung unterwarf er sich Ludwig XVIII., der ihm mit dem Befehl über die 23. Militärdivision auch die Würde eines Pairs und Staatsministers verlieh.
Bei der Rückkehr des Kaisers suchte
Oudinot vergeblich seine Truppen der Sache des Königs zu erhalten und zog sich deshalb nach
Montmorency auf seine Güter zurück, Ludwig ernannte ihn dafür nach der zweiten Restauration zum Oberbefehlshaber der königlichen
Garden und zum Kommandanten der Nationalgarde von Paris.
[* 17] 1823 übernahm
Oudinot im spanischen Feldzug das Kommando
eines Armeekorps. Später schloß er sich der Julidynastie an und ward von Ludwig Philipp 1839 zum Großkanzler der Ehrenlegion, 1842 zum
Gouverneur des Invalidenhauses ernannt. Er starb Seine Vaterstadt errichtete ihm eine Statue.
Vgl. Nollet, Histoire
de Nic.-Charles
Oudinot (Par. 1850).
2) Nicolas Charles Victor, Herzog von Reggio, Sohn des vorigen, geb. zu Bar le Duc, war von 1805 bis 1809 Page Napoleons I., trat dann in die Armee, wohnte seit 1809 den Feldzügen des Kaisers bei und ward von demselben kurz vor dessen Abdankung zum Obersten ernannt. Da er sich während der Hundert Tage nicht für den zurückgekehrten Kaiser erklärte, so ward er nach der zweiten Restauration zum Maréchal de Camp. ernannt, führte das 1. Gardejägerregiment und organisierte später die Kriegsschule zu Saumur. Um seinen jüngern Bruder, der als Oberst eines Kavallerieregiments bei Mulay Ismail in Algerien [* 18] gefallen war, zu rächen, ging er nach Afrika [* 19] und ward daselbst zum Generalleutnant befördert.
Seit 1842 war er Mitglied der Deputiertenkammer, wo er mit Thiers stimmte. 1848 wurde er in die Konstituierende Versammlung
gewählt, wo er Mitglied des Kriegskomitees war. Im April 1849 erhielt er den Oberbefehl der für Rom
[* 20] bestimmten
Interventionsarmee und nahm dieses 1. Juli ein. In der Gesetzgebende Versammlung schloß er sich den Orléanisten an, ließ sich
von den 200 Deputierten, welche gegen den Staatsstreich vom protestierten, zum Kommandeur der Truppen gegen Napoleon
ernennen und ward daher verhaftet, doch 8. Dez. wieder in Freiheit gesetzt. Er starb
Oudinot trat auch
als militärische und nationalökonomischer Schriftsteller auf.