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Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und der japanische Premierminister Shinzo Abe unterzeichneten anlässlich Abes Besuchs in Ankara am 3. Mai 2013 eine strategische Vereinbarung, die zum Bau eines zweiten Kernkraftwerks in der Türkei führen könnte. Zuvor hatte die Türkei Gespräche mit Kanada, Südkorea und China geführt.
Das zweite Kernkraftwerk soll am Schwarzen Meer bei Sinop in der Provinz Sinop rund 320 km nordöstlich von Ankara entstehen. Geplant sind vier Einheiten des Typs Atmea1, die das Joint Venture Atmea der französischen Areva-Gruppe und der japanischen Mitsubishi Heavy Industries Ltd. (MHI) entwickelt. Der Atmea1 ist ein Druckwasserreaktorsystem der fortgeschrittenen dritten Generation mit einer Leistung von 1100 MW. Er wird in erster Linie in Ländern eingesetzt, deren Stromnetz mit leistungsstärkeren Einheiten wie dem 1600-MW-EPR nicht verträglich ist. Die Kosten werden auf USD 22 Mrd. (CHF 20 Mrd.) veranschlagt und die Bauzeit soll zehn Jahre betragen.
Das Abkommen gibt einem Konsortium aus MHI und GDF Suez SA «ausschliessliches Verhandlungsrecht», das Kernkraftwerk zu bauen. Laut GDF Suez gehören auch das japanische Unternehmen Itochu Corporation und die türkische Energieversorgerin Electricity Generation Company (EÜAS) dem Baukonsortium an. Der Atmea1 sei «perfekt geeignet», den Anforderungen vieler Länder zu genügen, welche die Kernenergie entwickeln und in ihren Energiemix einbeziehen wollen, erklärte die GDF Suez.
Die Arbeiten am ersten Kernkraftwerk der Türkei sind bereits im Gang. Am Standort Akkuyu an der Mittelmehrküste werden vier WWER-1200-Reaktoreinheiten mit einer Gesamtleistung von 4800 MW entstehen. Das entsprechende Abkommen mit Russland wurde bereits im Mai 2012 unterzeichnet. Laut dem russischen Staatskonzern Rosatom erfolgt der Bau von Akkuyu-1 als BOO-Projekt (build-operate-own project): Russland entwickelt, baut, betreibt und wartet die Einheit und wird sie auch stilllegen. Die Türkei beabsichtigt zudem, ein drittes Kernkraftwerk zu bauen und will bis 2030 rund 15% ihres Strombedarfs mit Kernenergie decken.
Quelle
M.A. nach türkischem Präsidialbüro und GDF Suez, Medienmitteilungen, 3. Mai, und NucNet, 6. Mai 2013
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