Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03640.jsonl.gz/412

Das Wichtigste in Kürze
- Eine Studie schätzt die Anzahl Demo-Teilnehmer auf 27'500 bis 38'000.
- Der Autor war aber selbst dabei und protestierte gegen die Corona-Massnahmen.
- Den Journalisten, die über die Studie berichteten, verschwieg er dies aber.
Tausende Menschen strömten am vergangenen Samstag nach Bern, um ihren Unmut über die Massnahmen gegen Corona und das Zertifikat kundzutun. 10'000 Teilnehmer waren vor Ort, so die ersten Schätzungen mehrerer Quellen, von 50'000 sprachen die Veranstalter. Im Nachhinein pendelten sich die Schätzungen zwischen 15'000 und 20'000 Teilnehmenden ein. Doch wie viele Menschen tatsächlich protestierten, das blieb unklar.
Ein Berner Sprachwissenschaftler und Archäologe wollte dies ändern. Dafür wertete Michael Mäder ein Video der Demonstration aus, dass den Protestzug beim Einmarsch auf den Bundesplatz zeigt. Mithilfe eines Programmes zählte er die Menschen und kam auf 21'000. Weil die Schätzung der Personen, die einen anderen Weg benutzten, unpräziser war, kam Mäder auf 27'500 bis 38'000 Teilnehmende.
Seine Studie wurde noch nicht veröffentlicht oder von anderen Wissenschaftlern überprüft. Trotzdem generierte sie viel Aufmerksamkeit und bekam in vielen Zeitungen einen prominenten Platz. Doch nun wird die Unabhängigkeit der Studie bezweifelt. Denn wie die «Berner Zeitung», die gross über die Untersuchung berichtet hat, schreibt, war Mäder selbst an der Demonstration.
Dies hat er den Journalisten beim ersten Bericht über die Studie nicht gesagt. Er sei bei den Zertifikatsgegnern nicht politisch aktiv, tendiere aber zu einem Nein zum Covid-Gesetz. Seine Einstellung zu Corona habe aber keinen Einfluss auf die Studie, sagte er bloss.
Wie die «Berner Zeitung» nun erfahren hat, war Mäder selbst an der Demonstration und gab dies auf Nachfrage auch zu. Er sei «nicht explizit» danach gefragt worden, verteidigte er sich. Es sehe aber ein, dass er dies hätte sagen sollen. In Bezug auf die Studie habe er jedoch eine neutrale Haltung – dies wird nun aber angezweifelt.