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Ein “Dichter auf dem Hochseil” nennt ihn Thomas Strässle in einer NZZ-Ausgabe aus dem Jahr 2014. Bereits mit 25 debütierte er mit dem Gedichtband “Rauchsignale”, die im Tonfall an seine Vorbilder Ingeborg Bachmann und Paul Celan erinnern. Berühmt geworden ist er aber vor allem durch seine Prosadichtung “Schilten” und “Die künstliche Mutter”. Hermann Burger, geboren 1942 in Aarau und freiwillig aus dem Leben gegangen 1989 auf Schloss Brunegg, war ein Wortakrobat, ein Sprachmagier, radikal im Schreiben, exzentrisch und schrill im Leben. Er rauchte dicke Zigarren, fuhr einen roten Ferrari, war Publizist, Redaktor und Privatdozent für Neuere Deutsche Literatur an der ETH in Zürich; ein hochbegabter Schriftsteller, der durch seine depressive Erkrankung immer wieder an den Rand des Lebens getrieben wurde. Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki bezeichnete ihn als einen der originellsten und skurrilsten Schriftsteller, als eines der grössten Talente der in den vierziger Jahren geborenen Generation. Für sein Werk, das 2014 in einer achtbändigen Gesamtausgabe im Verlag Nagel & Kimche erschienen ist und das ich vor drei Jahren geschenkt bekommen habe, wurde er mehrfach ausgezeichnet. Passend zur Jahreszeit sein Gedicht “Phlox” aus dem Band “Rauchsignale”:
Phlox blüht noch,
leise und blau,
Spättraum des Sommers,
Kies lächelt
im Sonnenschein,
in der Mauerecke
kauert alte Hitze,
Wind schäft im Pappellaub.
Herüber wehen schon
septemberne Gongschläge
wie leicht gebräunte
Atemzüge des Herbstes.