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Teil 1: Der Beginn des Hochwassers
Hochwasser im Seeland 2015 - Unterwegs im Seeland
Genau heute vor einem Jahr am 09.04.2015 begann der Pegel des Bielersee's erst langsam zu steigen und überschritt den Pegel von 429.40 m.ü.M (Meter über Meer). Es sollte 40 Tage dauern, bis der See wieder diesen Wasserstand erreicht. Anfang Mai wurde es kritisch und das Land der Drei Seen, wie auch das Aaretal sind nur knapp an einer Katastrophe vorbei geschlittert. Aber der Reihe nach.
Lage Ende April
Ende April fällt im Einzugsgebiet von Aare Saane und Emme kräftiger Regen welcher sich im Schiffenensee aber auch im Thuner- und Brienzersee sammelt. Für die nächsten Tage war Starkregen vorhergesagt und weil der Winter so warm war, blieben die Seen voll. Somit konnten diese Seen ihrer Pufferfunktion nicht nachkommen und an den Steuerpulten der zentralen Regulierstelle musste der Abfluss gesteigert werden um die Seepegel zu halten. Am 27.04.2015 wurde die Lage erneut beurteilt und beschlossen, den Pegel des Thunersee's abzusenken und Wasser vorgängig in Richtung Juraseen abzulassen. Bis zur Nacht auf den 1. Mai konnte so der Pegel des Thunersee's um etwa 5cm abgesenkt werden.
Auch die Juraseen hatten den normalen Sommerpegel. Die ab dem 27.04. gesteigerten Wassermengen welche bei Hagneck in den Bielersee flossen waren noch nicht dramatisch, um aber einen Anstieg der Pegel von Bieler-, Murten- und Neuenburgersee zu verhindern, wurde die Abflussmenge aus dem See-System beim Regulierwehr in Port ebenfalls erhöht.
01. Mai 2015
Mitternacht: Es regnet eigentlich in der ganzen Schweiz ausser im Engadin und im Tessin. Mein Handy empfängt eine Nachricht nach der anderen und auch das Tablett meldet sich alle Nase lang. Eine Wetterwarnung nach der anderen trifft ein und warnt vor einem drohenden Hochwasser im Seeland mit GS 2 (Gefahrenstufe). Mittlerweile ist es 09:00 Uhr morgens und meine Geräte melden sich wieder zu Wort und verkünden weitere Wetterwarnungen!
12:00: Die Wassermassen treffen im Thunersee ein und die Mittarbeiter in der Regulierstelle betätigen wieder die Regler, so steigern sie den Abfluss aus dem See von 130m3/Sec in den folgenden 48 Stunden auf 400m3/Sec. Ab jetzt steigt die Aare unterhalb von Tuhn markant an und der Pegel erhöht sich um 180cm innert 2 Tagen.
18:00: Das Wasser der Aare und der Saane trifft in Hagneck ein. Noch sind es nur ca. 260m3/Sec, aber auch hier fliessen 48 Stunden später bereits 630m3/Sec in den Bielersee.
02. Mai 2015
Mitternacht: Auch im Einzugsgebiet der Broye regnet es massiv, so wird aus einem Bächlein welches normalerweise ca. 6m3/Sec führt, ein reissendes Gewässer welches rund 250m3/Sec Wasser in den Murtensee einströmen lässt. Die Broye führt also über 40 mal so viel Wasser wie normal!
Kurz vor Mitternacht, legten die Männer an den Reglern erneut Hand an und drosselten den Abfluss aus dem Bielersee von gut 400m3/Sec auf 210m3/Sec. Dieser Schritt ist notwendig um die "Rückhaltebecken" der Emme zu entlasten, dabei darf die Aare in Murgental nicht mehr als etwas über 800m3/Sec Wasser führen. Sonnst drohen verherende Überschwämmungen im schweizer Mittelland.
12:00: Der Seespiegel des Bielersee's ist in den letzten 24 Stunden um 50cm angestiegen und steigt weiter.
03. Mai 2015
Mittags: ca. 750m3/Sec Wasser ergiessen sich über die Aare, Broye und andere Zuflüsse in die Juraseen und zu diesem Zeitpunkt können nur 380m3/Sec beim Regulierwehr in Port wieder aus dem System entlassen werden, da die Rückhaltebecken der Emme einmal mehr entlastet werden müssen. Die Pegel aller Drei Seen steigen schnell.
Abends: Die Lage an den Gewässern im Seeland.
Thunersee: GS 2, wird in der Nacht GS 3 erreichen.
Aare zwischen Thun und Bern: GS 2, wird ebenfalls GS 3 erreichen.
Aare bei Hagneck: GS 1 und bleibt noch auf GS 1.
Murtensee: GS 2 und langsam steigend.
Neuenburgersee: GS 2 und langsam steigend.
Bielersee: GS 2, wird in der Nacht GS 3 erreichen.
Die Gefahrenstufen
Die Gefahrenstufen in der Schweiz.
GS 1: Normal, keine bis sehr geringe Hochwassergefahren.
GS 2: Mässige Gefahr
GS 3: Erhebliche Gefahr
GS 4: Grosse Gefahr
GS 5: Sehr grosse Gefahr
So geht es weiter...
Die ganze Geschichte ist einfach zu lang für einen einzelnen Blog Beitrag, darum werde ich Euch die Storry in drei oder vier Teilen servieren.
Im zweiten Teil werden die Wasserstände im Seeland kritische Pegel erreichen. Schliesslich wird das Hochwasser im Seeland am 07. Mai den Scheitelpunkt erreichen. Erfahrt wie Biel, das Seeland und das Aaretal nur knapp einer Katastrophe entgangen sind und wie es weiter geht.
Im dritten und vierten Teil wird es dann um das abfliessende Wasser aus dem See-System gehen, welches 1939 seinen Betrieb aufgenommen hat. Lest, ob und wie gut das System Juragewässer funktioniert hat.