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Tracey Rose
Caryatid #1: Made for Hoerikwaggo (2017)
Diese Installation besteht aus Pfeilern in verschiedenen Rottönen, die zwischen Kasse und Café des Kunstmuseums stehen. Der Titel des Werks enthält einen Verweis auf die Karyatiden der Antike, eröffnet jedoch auch indigene historische Bezüge. Eine Karyatide ist eine Skulptur in weiblicher Gestalt, der in der Architektur des antiken Griechenlands eine buchstäblich tragende Rolle zukam, Reihen von Karyatiden dienten zum Abstützen von Bauwerken. Die skulpturale Figur leitet sich von den Frauen von Karyai ab, die während der Perserkriege versklavt und zur Arbeit als Dienstmägde gezwungen wurden. Eine ihrer Pflichten bestand darin, den griechischen Göttern Weihgeschenke zu überbringen. Die Stützpfeiler verzieren typischerweise antike Tempel, die der Artemis, Göttin der Jagd und des Waldes, geweiht waren.
Wie der Titel besagt, wurden Roses Pfeiler für den Hoerikwaggo gemacht – so der Name der Khoikhoi für den Tafelberg in Kapstadt. Für die Khoikhoi war der Berg ein heiliger Ort, an dem sie mit den Göttern kommunizierten; sie versammelten sich in zyklischen Abständen am Fuss des Berges und nahmen rituelle Handlungen vor. Heute dominiert die moderne Architektur des Disa Park die Stelle unten am Berg. Die Wohnhochhäuser aus Beton, im Volksmund die drei «Tampontürme» genannt, lassen sich als phallische Symbole interpretieren, die in das Gebiet der indigenen Völker eindrangen und die spirituellen Praktiken entweihten.
Die in unserer Ausstellung gezeigten Pfeiler sind in Signalrot, Kommunisten-Rot, Nazi-Rot und Sozialisten-Rot angemalt. Die Farben repräsentieren das Blutvergiessen in den verschiedenen Kriegen, in die Südafrika involviert war, und stellen eine Verbindung zu den weltweiten militärischen Konflikten des 21. Jahrhundert her. Die Installation verweist auch auf Themen wie Landnahme und Vertreibung in Südafrika.