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"Anti-Kunden-Verhalten", "Schamloser Schachzug", "Desinformation".
Dieser "Akt der Desinformation", so schimpft nun HP, sei ein "verzweifelter Schritt" Oracles, um das Schrumpfen seiner Marktanteile im High-end-Serverbereich zu verlangsamen und "Kunden zu zwingen, Sun-Server zu kaufen."
Oracle, beziehungsweise Sun, hat seit der Ankündigung der Übernahme von Sun durch Oracle im April 2009 Marktanteile verloren und ist mittlerweile im globalen Unix-Servermarkt von HP auf Platz drei verwiesen worden. (Marktführer bleibt IBM.)
"Oracle setzt mit diesem Versuch, das serbelnde Sun-Server-Geschäft zu stützen, sein Verhaltensmuster, gegen die Interessen seiner Kunden zu handeln, weiter fort", erklärt Dave Donatelli, Chef von HPs Enterprise Servers, Storage and Networking. "HP glaubt dagegen an fairen und ehrlichen Wettbewerb ... Wir sind schockiert darüber, dass Oracle mit diesem schamlosen Schachzug, der den fairen Wettbewerb ausser Kraft setzen soll, Unternehmen und Behörden einem Risiko aussetzt und sie Hunderte von Millionen Dollar an verlorener Produktivität kosten wird."
HP selbst werde die Entwicklung und Modernisierung seiner Itanium-basierten High-end-Server
fortsetzen. Die Roadmap für HPs Unix-Betriebssystem HP-UX auf Itanium reiche zehn Jahre und mehr in die Zukunft.
Eine von Pressevertretern auf HPs Vorwürfe angesprochene Oracle-Sprecherin erklärte, dass Oracle sehr wohl im Interesse der Kunden handle, führte dies aber unseren Informationen nach nicht weiter aus.
Intel: Wir machen weiter
Auch Intel reagierte gestern Abend auf die Entscheidung Oracles. CEO Paul Otellini höchstpersönlich liess über seine Presseabteilung verlautbaren, dass Intel weiterhin voll hinter dem Itanium stehe: "Intels Arbeit an Itanium-Prozessoren und ?Plattformen geht unvermindert weiter. Mehrere zukünftige Generationen befinden sich gegenwärtig in der Entwcklung und sind im Fahrplan." Intel verwies insbesondere auf die kommenden unter dem Codenamen "Poulson" entwickelten 8-Core-Itaniums, die im 32-Nanometer-Verfahren gefertigt werden, sowie auf die übernächste Generation "Kittson", zu deren Entwicklung man sich ebenfalls bereits verpflichtet habe.
Auffällig ist allerdings, dass Intel zwar Oracles Aussagen widerspricht, den Softwareriesen aber im Gegensatz zu HP nicht direkt angreift und ihn auch nicht, was nahe gelegen hätte, der Lüge bezichtigt. Dass Intel den Itanium zumindest nicht mehr als grossen strategischen Hoffnungsträger behandelt liegt nahe. Die realen Umsätze liegen heute ein vielfaches tiefer, als bei seinem Launch vor rund zehn Jahren prognostiziert worden war.
HP ist nicht der einzige Hersteller von Itanium-Servern - auch Bull, Fujitsu, Hitachi, NEC und SGI produzieren Itanium-basierte High-end-Server - beherrscht aber wohl über 90 Prozent des Itanium-Weltmarkts. HP wäre damit sowohl von Kundenabsprüngen als auch von nachlassender Unterstützung durch Intel weitaus am stärksten betroffen. (Hans Jörg Maron)