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Zwischen Tradition und Moderne – die Schweiz in den 1920er Jahren: Das Auto setzt sich durch
1. Krisenzeit
Die 1920er Jahre sind eine Krisenzeit; eine Zeit politischer und sozialer Spannungen. Die Krise geht einher mit einer von den Zeitgenossinnen und Zeitgenossen als rasant erlebten Modernisierung fast aller Lebensbereiche.
Ganz einfach gesagt: Für schweizerische Verhältnisse sind die 1920er Jahre eine spannungsreiche Zeit. Die Nachkriegszeit beginnt mit dem Generalstreik von 1918. Auch zu Beginn der 1930er Jahre setzt der Bundesrat wieder die Armee gegen Streikende ein – in Genf erschießen Rekruten 1932 drei Arbeiter. Sowohl die russische Revolution wie der Faschismus haben Sympathisantinnen und Sympathisanten; die Sympathien für faschistische Ideen reichen bis in den Bundesrat. Der wirtschaftliche Strukturwandel führt zum Niedergang der Textilindustrie und zum Aufstieg von Maschinenindustrie und Finanzplatz.
Doch im internationalen Vergleich Ist die Krise mild. Ein kommunistischer Umsturz droht nie, auch wenn die Bürgerlichen die Angst davor stets wach halten. Auch Vorstöße in Richtung Faschismus oder Autoritarismus sind nie mehrheitsfähig. Die Arbeitslosigkeit in den frühen 1920er Jahren ist für schweizerische Verhältnisse hoch, im internationalen Vergleich aber gering.
Die Schweiz ist in mancher Hinsicht sehr konservativ: Während etwa Deutschland 1918 und Österreich 1920 das Frauenwahlrecht einführen, bleibt die Frauenbewegung in der Schweiz diesbezüglich noch lange erfolglos (Frauenstimmrecht auf Bundesebene seit 1971). Und während andere Staaten ihre Sozialversicherungen aufbauen, schreibt die Schweiz zwar 1925 die Alters- und Hinterbliebenenversicherung (AHV) in die Verfassung – in Kraft treten wird sie aber erst 1948.
> weiterführende Literatur:
Hans Ulrich Jost: «Bedrohung und Enge (1914–1945)», in: Geschichte der Schweiz und der Schweizer, Basel / Frankfurt am Main 1986
Ruedi Brassel-Moser: Dissonanzen der Moderne, Zürich 1994
Jakob Tanner: Geschichte der Schweiz im 20. Jahrhundert, München 2015