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Titel
Luzérn,
ein
Kanton
[* 2] der Zentralschweiz, grenzt im O. an die Kantone Aargau,
Zug
und Schwyz,
im
S. an
Unterwalden, im
W. an Bern
[* 3] und
im N. an Aargau
und hat einen Flächeninhalt von 1501 qkm (27,3 QM.).
Luzérn gehört zum größten Teil der
Hochebene an und zwar mit dem sogen.
Gäu, zu dem die voralpine Thalschaft des
Entlebuch den
Gegensatz bildet. Das schmale Bergrevier der
Luzerner Alpen (s. d.), welche das
Entlebuch beiderseits einfassen und ihre
Vorposten
einerseits im
Napf (1408 m), anderseits im
Pilatus (2133 m) haben, verflacht sich nordwärts schaufelartig in die breitern
und flachern Thalgründe des
Gäu.
Da, wo nach diesem zu der Vierwaldstätter See ebenfalls sich öffnet, dehnen sich die über Wäggis und Viznau ansteigenden Südhänge des Rigi aus. Die Reuß, [* 4] welche sofort nach ihrem Austritt aus dem See die vom Entlebuch herabkommende Kleine Emme aufnimmt, tritt nach kurzem Lauf auf aargauisches Gebiet über, während Wigger, Suren, Wyna und (Hallwyler) Aa, die Suren unter Bildung des Sempacher, die Aa unter Bildung des Baldegger und Hallwyler Sees, auf längere Strecken den luzernischen Gäuthälern angehören und, gleich der Reuß, direkt der Aare zugehen.
Das Land ist also Aare-, d. h. Rheingebiet. Entsprechend der orographischen Zweiteilung, sind auch die klimatischen und volkswirtschaftlichen Verhältnisse im Entlebuch, wo Escholzmatt 858, der Weiler Sörenberg sogar 1162 und selbst das unterste Dorf Entlebuch noch 678 m ü. M. liegen, andre als im Gäu, dessen Gebiete an der allgemeinen Höhenlage des schweizerischen Mittellandes teilhaben (Luzern [* 5] 437 m). Die Bevölkerung [* 6] des Kantons, (1880) 134,806 Köpfe stark, ist durchaus deutschen Stammes und katholischer Konfession (nur 5634 Nichtkatholiken), aber wesentlich verschieden in dem ackerbautreibenden ¶
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Gäu und in dem Hirtenland des Entlebuch (s. d.). Vom Areal entfallen 1062 qkm auf Äcker, Wiesen und Weiden, 306 qkm auf Waldungen, 60 Hektar auf Weinberge. Ist das Entlebuch, als voralpines Bergthal, der Sitz luzernischer Alpenwirtschaft, so hat das Gäu echt agrikolen Charakter. 1886 zählte man im Kanton 4581 Pferde, [* 8] 85,807 Rinder, [* 9] 38,183 Schweine, [* 10] 9573 Schafe [* 11] und 19,531 Ziegen. Der Rindviehstand ist im Vergleich zum Areal doppelt so stark als sonst in der Schweiz; [* 12] Schwyzer und Berner Schlag, davon ein Viertel Jungvieh und die Hälfte Kühe: ein Zeichen, wie stark die Nachzucht und Sennerei, namentlich im Entlebuch, ist.
Man verfertigt jährlich 20,000 Doppelzentner Käse, magern für den eignen Bedarf und fetten, den die
Entlebucher und Emmenthaler Händler aufkaufen. Das Gäu liefert viele Zug- und Mastochsen und hat starke Ausfuhr von Häuten.
Kornkammer ist das Gäu, welches Getreide
[* 13] und Kartoffeln über den Bedarf, auch genügend Flachs, Hanf und Obst, zumeist Birnen,
erzeugt. Die Waldungen würden kaum den Bedarf durch Nachwuchs decken; dennoch wird mehr aus- als (von den Urkantonen nach
der Stadt
Luzérn) eingeführt.
In der Emme und Luthern wurde ehedem (noch im 19. Jahrh.) Gold [* 14] gewaschen und aus solchem Gold in Luzern Dukaten geprägt; jetzt lohnt dieser Erwerbszweig nicht mehr. Die Strohflechterei, im Dienst aargauischer Firmen, ist der verbreitetste Industriezweig und hat sich fast über das ganze Gäu ausgedehnt; ähnlich die Seidenkämmlerei und Seidenweberei während die Baumwollindustrie und einige andre Gewerbszweige mehr auf einzelne Punkte beschränkt sind, wie die Maschinenindustrie u. dgl. auf die Umgebung der Hauptstadt.
Der Handel ist nicht unbedeutend; zum Export kommen: Getreide, Käse, Vieh, Kirschwasser; der Import erstreckt sich auf Salz, [* 15] Öl, Kolonialwaren und Metalle. Die Stadt ist Ausgangspunkt des Transitverkehrs nach Italien [* 16] über die Gotthardroute, in welche hier die Eisenbahnlinien von Bern, Basel [* 17] und Zürich [* 18] (über Zug) münden. Seit 1835 hat der Vierwaldstätter See Dampfschiffahrt, und die Stadt ist der gemeinsame Knotenpunkt, von welchem die Kurse in drei Richtungen (nach Flüelen, Küßnacht und Alpnach) auslaufen.
Dieselbe ist wegen ihrer Lage am Vierwaldstätter See und wegen der Nähe des Rigi, zu welchem von Viznau aus eine Zahnradbahn hinaufführt, einer der Hauptmittelpunkte des schweizerischen Touristenverkehrs und die Hotelwirtschaft daselbst und in mehreren Uferorten ein lohnender Erwerbszweig. Wie der Kanton überhaupt, so gehört auch sein Schulwesen zu den regenerierten der Schweiz, zunächst in Betreff der Primär- und Sekundärstufe, welch letztere hier durch die sogen. Bezirksschulen vertreten ist.
Das Lehrerseminar befindet sich, mit der Bezirksschule verbunden, seit 1868 in Hitzkirch, das Priesterseminar in Luzern, wo auch die Kantonschule (d. h. kantonales Gymnasium humanistischer und realistischer Richtung) existiert, schon 1574 gegründet. In Hohenrain besteht eine Taubstummenanstalt (1834 gegründet), auf Sonnenberg (bei Luzern) eine von der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (1859) gegründete Rettungsanstalt, »Katholisch Bächtelen«.
Die Zahl der in den öffentlichen Bibliotheken enthaltenen Bände beträgt über 150,000; die bedeutendsten sind die Kantonsbibliothek (85,000), die Bürgerbibliothek (15,000) und diejenige des Kapuzinerstifts Wesemlin (13,000 Bände). Der Kanton besitzt noch drei Kapuzinerklöster (Wesemlin, Sursee, Schüpfheim), das Kloster der Kapuzinerinnen zu St. Anna und das der Cistercienserinnen zu Eschenbach, im ganzen mit etwa 110 Ordensgliedern und einem Vermögen von über 1½ Mill. Frank. Der Kanton gehört nebst Solothurn [* 19] und Zug zum Bistum Basel.
Nach der Verfassung vom welche revidiert wurde, bildet einen demokratischen Freistaat. Sie garantiert die in den schweizerischen Kantonalverfassungen üblichen Grundrechte. Die Souveränität beruht in der Gesamtheit des Volkes und wird, im Namen des Souveräns, zunächst durch den Großen Rat ausgeübt. Dieser wird von den 53 Wahlkreisen auf je vier Jahre gewählt, je ein Mitglied auf 1000 Seelen der schweizerischen Wohnbevölkerung. Die von ihm erlassenen Gesetze, Staatsverträge und wichtigern Finanzdekrete unterliegen der Volksentscheidung, wenn diese binnen 30 Tagen wenigstens von 5000 Bürgern verlangt wird (fakultatives Referendum).
Der Große Rat übt die Oberaufsicht über die Staatsverwaltung, bestimmt das jährliche Budget und beschließt die Steuern; er bewilligt Staatsverträge und Staatsanleihen, übt das Begnadigungsrecht etc. Die Mitglieder haben das Recht der Initiative für Gesetzesvorschläge. Die Exekutive ist einem Regierungsrat von sieben Mitgliedern übertragen. Diese können nicht zugleich Mitglieder des Großen Rats sein, sind aber verpflichtet, den Sitzungen desselben beizuwohnen, und haben hier beratende Stimme und das Recht, Anträge zu stellen.
Die Leitung des Erziehungswesens ist einem Erziehungsrat von drei Mitgliedern übertragen. Die oberste Instanz richterlicher Gewalt liegt bei dem Obergericht (neun Mitglieder); ein Kriminalgericht von fünf Mitgliedern beurteilt in erster Instanz alle Kriminalsachen. Die Todesstrafe ist wieder eingeführt. Sowohl Regierungs- und Erziehungsrat als Ober- und Kriminalgericht werden auf je vier Jahre vom Großen Rat erwählt, ebenso auf je ein Jahr die Präsidien: der Präsident des Regierungsrats (Schultheiß), der Vizepräsident (Statthalter), der Präsident des Erziehungsrats (aus der Mitte des Regierungsrats), der Präsident und Vizepräsident des Obergerichts und der Präsident des Kriminalgerichts.
Der Kanton
Luzérn zerfällt in die fünf Ämter oder Bezirke: Entlebuch, Hochdorf,
Luzérn, Sursee und Willisau. In jedem übt die Exekutive
ein vom Großen Rat auf je vier Jahre gewählter Amtsstatthalter, die richterliche Gewalt ein Bezirksgericht
von 7-9 Mitgliedern, die von dem Amt selbst zu wählen sind. Die Gemeinden sind innerhalb der verfassungs- und gesetzmäßigen
Schranken autonom; sie üben die Verwaltung durch einen von der Gemeinde auf je vier Jahre gewählten Gemeinderat, dessen Präsidium
der Gemeindammann führt, und zur Vermittelung von Streitigkeiten bestehen Friedensrichter. Das für 1887 festgestellte
Budget enthält als Einnahme 1,515,060 Fr., als Ausgabe 1,564,010 Fr., also ein Defizit von 48,950 Fr. Unter den Einnahmen kommt
der bedeutendste Posten auf die Staatsabgaben (besonders Ohmgeld und Salzregal); in den Ausgaben haben Militär und Erziehung die
höchsten Ansätze. Zu Anfang 1886 beliefen sich die Aktiven auf 9,428,125 Fr., die Passiven auf 4,453,298
Fr., somit das reine Vermögen auf 4,974,827 Fr.
[Die Stadt Luzern.]
Die gleichnamige Hauptstadt des Kantons, 437 m ü. M., liegt reizend am Ausfluß [* 20] der Reuß aus dem Vierwaldstätter See mit dem Blick auf Rigi und Pilatus und zählt (1880) 17,850 Einw., darunter 1912 Protestanten und 136 Juden. Die Stadt selbst ist eng angelegt, gegen N. ¶
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von einer Reihe hoher mittelalterlicher Schutztürme eingefaßt, hat sich aber durch Kai- und Häuserbauten, namentlich eine größere Zahl prächtiger Gasthöfe, erweitert und verschönert. Unter den kirchlichen Gebäuden steht voran die Stiftskirche St. Leodegar (1633 erbaut) mit zwei schlanken Türmen, von denen der eine 75 m hoch ist und die Jahreszahl 1406 trägt, und einer großen Orgel von 90 Registern. Andre hervorragende Gebäude sind: das ehemalige Jesuitenkollegium und die Jesuitenkirche (von 1667), das ehemalige Ursulinerinnenkloster Mariahilf, die neue reformierte Kirche, das Rathaus, das große Stadtspital, das Pfründehaus in der Sente, das Waisenhaus, das Theater, [* 22] das neue Korrektionshaus, das Museum, das Bibliothekgebäude, das neue Schulhaus am Krienbach und das Zeughaus mit alten Trophäen.
Über den Seeausfluß führt eine prachtvolle neue Brücke, [* 23] welche den Bahnhof der linken Stadtseite mit der »großen Stadt« verbindet. Abwärts folgt zunächst die 300 m lange, zum Abbruch bestimmte Kapellbrücke (1300 erbaut) mit alten Schildereien. Der Wasserturm an derselben, Aufbewahrungsort des städtischen Archivs, soll das älteste Bauwerk der Stadt, ein Leuchtturm (lucerna, daher angeblich der Name der Stadt) aus der Römerzeit, sein. Zu den Sehenswürdigkeiten gehört noch das auf Veranlassung des Generals Pfyffer zum Gedächtnis der am bei der Verteidigung der Tuilerien gefallenen Schweizergardisten 1820 errichtete Monument vor dem Wäggisthor, ein nach Thorwaldsens Modell in die Felsenwand eingehauener Löwe von 9 m Länge und 5,6 m Höhe, sterbend mit der rechten Pranke den bourbonischen Wappenschild schützend, darüber die Inschrift: »Helvetiorum fidei ac virtuti«. Im »Gletschergarten« sind interessante Riesentöpfe, Findlinge und Felsen mit Gletscherschliffen und Gletscherritzen aus der Eiszeit, [* 24] alles umgeben von einer echt alpinen Gartenanlage. Endlich verdient Erwähnung das Pfyffersche Relief der Urkantone, über 6½ m lang und 3½ m breit. Schöne Aussichtspunkte sind: die Fluhmatt, die Allenwindenhöhe, die drei Linden am Gizlisberg, der Gütsch, per Drahtseilbahn zugänglich, die Ruinen des Schlosses Stollberg [* 25] etc.
Geschichte der Stadt und des Kantons Luzern.
Die Stadt
Luzérn verdankt ihren Ursprung und wahrscheinlich auch ihren Namen (Ludgaria, Luciaria) dem Kloster St. Leodegar, welches
um 740 von Mönchen der Abtei Murbach im Elsaß gestiftet wurde und mit seinen Besitzungen unter der Herrschaft des Mutterklosters
verblieb. Dieses verkaufte die Stadt 1271 an Rudolf von Habsburg, aber zur Wahrung seiner unter der geistlichen
Herrschaft errungenen städtischen Freiheiten trat
Luzérn in den Bund der Waldstätte. Das dadurch gelockerte Verhältnis
zu Österreich
[* 26] wurde durch die Schlacht von Sempach 1386 vollends zerrissen, und 1390 erhielt die Stadt von König Wenzel mit
dem Blutbann die Bestätigung ihrer Reichsfreiheit. Im 14. und 15. Jahrh. erwarb sich
Luzérn durch
Kauf, Verpfändung und Eroberung ein bedeutendes Unterthanengebiet.
Gegen die Reformation verhielt es sich feindselig; es wurde der Mittelpunkt der gegenreformatorischen Bestrebungen in der Schweiz.
Auf Veranlassung des kriegsberühmten Schultheißen Ludwig Pfyffer (s. d.) wurden 1574 die Jesuiten nach
Luzérn berufen, wo seit 1579 auch ein päpstlicher Nunzius seinen beständigen Sitz hatte. Am beschworen die sieben
katholischen Orte den Borromeischen
Sonderbund in
Luzérn. Auch in Luzérn entwickelte sich die städtische Verfassung durch das Selbstergänzungsrecht
der Räte und die Erhöhung der Befugnisse derselben auf Kosten der Bürgergemeinde im 16. und 17. Jahrh.
zu einer patrizischen Oligarchie; die Landschaft aber litt durch Mißachtung ihrer verbrieften Rechte, Erhöhung der Steuern,
Verschlechterung der Münzen
[* 27] u. a. m. Daher nahm 1653 in dem luzernischen Entlebuch der große Bauernkrieg in der Schweiz seinen
Anfang, dessen Niederwerfung die unumschränkte Herrschaft des Patriziats bis 1798 begründete. 1798 erklärte
der Große Rat die aristokratische Regierungsform für abgeschafft, und Luzérn wurde zur Hauptstadt der Helvetischen Republik erhoben.
Die Mediationsakte machte den Kanton Luzérn 1803 wieder zu einem besondern Staatswesen mit repräsentativer Verfassung. Allein 1814 wurde dieselbe durch einen Handstreich des Schultheißen Rüttimann gestürzt und die Staatsform derjenigen vor 1798 angenähert mit dem Unterschied, daß die Landschaft die Hälfte der Repräsentanten im Großen Rat erhielt. Eine Verfassungsrevision beseitigte 1829 das Selbstergänzungsrecht des Kleinen Rats und entzog demselben die richterliche Gewalt; nach der Julirevolution wurde auf das Verlangen des Volkes ein Verfassungsrat gewählt, dessen am angenommener Entwurf der Landschaft eine gerechtere Repräsentation gewährte, Gleichheit vor dem Gesetz, Denk- und Preßfreiheit verkündete und die Militärkapitulationen mit dem Ausland verbot.
Aber da das liberale Regiment, das 1830 zur Herrschaft kam, durch seine Teilnahme an der Badener Konferenz die Interessen der katholischen Kirche zu verletzen schien, strebte eine klerikal-demokratische Partei unter der Führung des Bauers Joseph Leu von Ebersol und des Staatsschreibers Konstantin Siegwart-Müller dahin, den Sturz desselben mittels einer Verfassungsrevision herbeizuführen. Diese wurde von dem durch Jesuitenmissionen bearbeiteten Volk beschlossen und der Verfassungsrat vollständig im Sinn der »Leuenpartei« bestellt.
Das neue, 1. Mai angenommene Grundgesetz raubte der (liberalen) Stadt das letzte Vorrecht, indem es die Vertretung nach der Kopfzahl feststellte, gab dem Volk das Veto gegen mißliebige Gesetze, befreite die Kirche von aller staatlichen Hoheit und überlieferte ihr das Unterrichtswesen. Die neue Regierung, deren Haupt Siegwart-Müller war, bezeichnete ihre Stellung, indem sie den Papst um seinen Segen zu dem Werk bat. Die Krönung desselben durch die Berufung der Jesuiten an die höhern Lehranstalten die verunglückten Schilderhebungen und Freischarenzüge der Radikalen und 30./31. März 1845), die Verurteilung und Flucht des Dr. Steiger, ihres Hauptes, die Ermordung Leus, die Stiftung des Sonderbundes (Dez. 1845) und die Niederwerfung desselben durch die Eidgenossenschaft (Nov. 1847) gehören der allgemeinen Geschichte der Schweiz an (s. d.). Unmittelbar nach der Niederlage bei Gislikon flüchtete sich die Sonderbundsregierung von Luzérn nach Altorf und löste sich auf (24. Nov.), worauf der Stadtrat von Luzérn unter Zuziehung von je zwei Männern der vier Ämter des Landes sich als provisorische Regierung konstituierte und die Neuwahl des Großen Rats anordnete, der in der Mehrheit liberal bestellt wurde. Als die von ihm ernannte Regierung, um die Kriegskosten zu be-
[* 5] ^[Abb.: Wappen [* 28] von Luzern.] ¶
Im Geographisches Lexikon der SCHWEIZ, 1902
Titel
Luzern.
Kanton der schweizerischen Eidgenossenschaft, in der offiziellen Reihenfolge der Kantone deren dritter.
Lage, Grösse und Bodenbeschaffenheit.
Der Kanton Luzern liegt im mittlern Teil der Schweiz. Er erstreckt sich von 46° 47' bis 47° 17' NBr. und von 7° 50' bis 8° 31' OL. von Greenwich. Die grösste Länge (vom Tannhorn im S. des Entlebuch bis zur nördlichsten Grenze in Schongau) beträgt 62 km, die grösste Breite (von St. Urban bis zum Vitznauerstock) 58 km. Der Flächeninhalt beträgt 1500,8 km2, die Einwohnerzahl (nach der Zählung von 1900) 146519 Seelen, also 98 Ew. auf einen km2. Der Fläche nach ist Luzern der neunte und der Einwohnerzahl nach der sechste Kanton der Schweiz. Er bildet ein zusammenhängendes Ganzes.
Seine Gestalt kann man mit einem unregelmässigen Viereck vergleichen, dessen Ecken beim Tannhorn, in St. Urban, Schongau und
Vitznau zu suchen sind. Der sw. Teil drängt sich vom Hauptkörper ziemlich ab und keilt sich zwischen
die Kantone Bern
und Obwalden
hinein. Die rund 240 km lange Grenzlinie ist vielfach ausgezackt, namentlich im N. Der Kanton Luzern
hat überall schweizerische
Nachbarn: im N. grenzt er an den Kanton Aargau,
im O. an Aargau,
Zug
und Schwyz,
im S. an Nidwalden,
Obwalden
und Bern
^[Supplement: zu streichen] und im W. an Bern.
Genauer
ausgedrückt grenzt er von St. Urban bis an die Reuss an den Aargau,
von
der Reuss bis zum Zugersee an Zug,
von da bis nach Vitznau an Schwyz,
von
Vitznau bis zum Tomlishorn an Nidwalden,
vom Tomlishorn bis zum Brienzer Rothorn an Obwalden
und von hier bis St. Urban an den Kanton Bern.
Er stösst somit an vier Kantone und zwei Halbkantone. Im S. bilden hohe Felswände und von Altbüron bis St. Urban die Roth
die natürliche Grenze.
Drei Seen werden in die Grenze mit einbezogen: von Mosen bis Aesch setzt sie über den Hallwilersee, in der Gemeinde Meierskappel folgt sie dem Zugersee und dreimal (von Meggen nach Greppen, von Vitznau nach Matt und von Kersiten nach Horw) zieht sie sich über den Vierwaldstättersee. Von der Gesamtfläche von 1500,8 km2 sind 1369 km2 oder 91,22 produktiver und 131,8 km2 oder 8,78 unproduktiver Boden. Von jenem entfallen auf Wald 310,2 km2, auf Weinberge 0,3 km2 und auf Aecker, Wiesen, Alpweiden etc. 1058,5 km2; von diesem auf Seen 65,2 km2, auf Städte, Dörfer und Bauten 6,4 km2, auf Flüsse und Bäche 12,8 km2, auf Strassen und Eisenbahnen 6,8 km2 und auf Fels und Schutt 40,6 km2.
Der Kanton Luzern gehört zum grössern Teil (d. h. zu etwa ¾) dem schweizerischen Mittelland und zum kleinern Teil (etwa ¼) dem Gebiet der Voralpen an. Hier liegen die s. Teile der Aemter Willisau und Luzern und das ganze Amt Entlebuch. Die Aemter Sursee und Hochdorf gehören ganz und die Aemter Luzern und Willisau zum grössern Teil dem Mittelland an. Der höchste Punkt des Kantons ist mit 2353 m das Brienzer Rothorn, das den gemeinsamen Eckpunkt zwischen den Kantonen Bern, Luzern und Unterwalden bildet.
Von ihm aus zieht sich ein etwa 8 km langer Kamm, der Brienzergrat (im Entlebuch Hintere Fluh genannt), nach W. und findet im Tannhorn (2224 m) seinen Abschluss. Er bezeichnet die Grenze zwischen dem Entlebuch und dem Kanton Bern. Von ihm ziehen zwei lange Ketten, deren östliche am Rothorn und deren westliche nördl. vom Tannhorn abzweigt, nach N. in den Kanton hinein. Beide sind durch die Kleine Emme von einander geschieden. Im westl. Zug sind zu erwähnen: die Schratten, ein eigenartiger Kalkstock, der im Schybengütsch (2040 m), Hengst (2093 m) und Hächlen (2092 m) gipfelt, und nördl. davon die Beichlen (1773 m), die sich zum Thal der Weissemme senkt;
nach W. zweigen davon der Lochsitenberg und Steiglenberg ab, die sich zum Thal von Marbach abdachen.
Nördl. der Weissemme setzt sich dieser westl. Zug in vielen Höhenrücken und Hügelzügen weiter nach N. fort, um nördl. von Menzberg allmählig sich zu verzweigen und zu verlieren; höchster Punkt dieser Gruppe ist der Napf (1411 m), der eine prächtige Rundschau gewährt. Im östl. Zug sind ebenfalls zwei Gruppen zu unterscheiden, eine südliche und eine nordöstliche, die beide von der Entlen durchbrochen werden. Jene verläuft direkt nach N. und zieht sich vom Rothorn bis an die Entlen; ihre nennenswertesten Gipfelpunkte sind die Haglern (1952 m), der Bleikenkopf (1634 m), die Schwändelfluh und Gönfluh (1950 m), der Feuerstein (2043 m), die Wasserfallen, Schafmatt (1962 m), Ebnistettenfluh (1836 m), der Schimberg (1821 m) und die Farnern (1576 m). Die andere Gruppe verläuft in nordöstl. Richtung, sendet jedoch ¶
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zunächst noch verschiedene Strahlen nach N. aus; zu nennen sind hier die Riseten und als Ausläufer nach N. die Bramegg. Der übrige Teil ist bekannt unter dem Namen des Pilatus und umfasst folgende Hauptgipfel: Gnepfstein (1920 m), Ochs (1593 m), Widderfeld (2078 m), Tomlishorn (2132 m), Klimsenhorn (1910 m), Esel (2070 m) und Lopperberg (im O.). Jenseits des Sees stehen noch der Bürgenstock (1131 m) und der weltbekannte Rigi (1800 m). Viele dieser Gipfel sind beliebte und lohnende Aussichtspunkte.
Bergbahnen führen von Alpnach aus auf den Pilatus (Pilatuskulm) und von Vitznau und Arth aus auf den Rigi. Auch die Sage hat sich mit einzelnen Gebirgsstöcken verknüpft und sie im Volksmund bekannt gemacht, so besonders den Pilatus und die wilde Schratten. Zahlreich sind in diesem Gebiet Heilbäder mit Mineralquellen, Luftkurorte und Erholungsstationen. Von fliessenden Gewässern sind in diesem südlichen Kantonsteil erwähnenswert die Kleine Emme mit ihren wichtigsten Zuflüssen (Weissemme, Entlen, Fontannen, Rümlig- und Renggbach), ferner der Quellfluss der Grossen Emme, die Ilfis und der Schärligbach.
Der grössere nördliche Abschnitt des Kantons, der dem Mittelland angehört, wird teils von regelmässigen Höhenrücken durchzogen, zwischen denen langgestreckte Thäler liegen, teils von kleinern Hügeln durchsetzt, zwischen denen Mulden oder grössere Ebenen eingebettet sind. Im O. des Kantons steht zwischen dem Luzerner-, Küssnachter- und Zugersee und der Reuss der Rooterberg, der von SW.-NO. zieht, im Michelskreuz (798 m) einen schönen Aussichtspunkt hat und rechtwinklig auf die übrigen Hügelzüge des Kantons gerichtet ist, die unter sich ziemlich parallel von SO.-NW. streichen.
Die Grenze zwischen Aargau und Luzern bildet der Lindenberg, der mit der Erlosen das Hitzkircher- oder Seethal begleitet. Zwischen dem Wynen- und Surenthal liegt der im Tannberg und dem Gschweich sich fortsetzende Eichberg. Das Surenthal einerseits und das Grosswanger-, Roth- und Wiggerthal andererseits scheiden der Ruswiler- und Nottwilerberg, der Hafendeckel, der Kreuzberg und der Letten. Zwischen dem Wiggerthal und dem St. Urbaner Roththal erheben sich der Ohmsthaler- und der Aescherberg, sowie die Höhen von Erpolingen und Richenthal. Diese Rücken erreichen folgende Höhen: Lindenberg 857 m, Erlosen 814 m, Gschweich 818 m, Kätzigen 701 m, Dagmerseller Letten 767 m, Ruswilerberg 846 m, Ohmsthalerberg 757 m, Altishoferwald 675 m und Erpolingen 722 m. In diesem Abschnitt des Kantons sind folgende fliessende Gewässer zu erwähnen: die Reuss, Hitzkircher Aa, Wynen, Suhr, Wigger (mit den Zuflüssen Roth und Rohbach, Luthern und Hürn) und Roth.
Seen liegen im Kanton folgende: Die Luzerner Bucht des Vierwaldstättersees, ein kleiner Teil des Zugersees, der Rothsee, Sempachersee, Baldeggersee, ein Teil des Hallwilersees, der Mauensee, der Tuten-, Soppen- und Egolzwilersee. Der höchste Punkt des Kantons, das Rothorn, erreicht 2353 m, der tiefste liegt mit 409 m bei Gisikon, wo die Reuss den Kanton verlässt. Die Wigger verlässt den Kanton bei Mehlsecken in 453 m, die Ilfis bei 766 m und die Wynen bei 588 m. Der Spiegel des Hallwilersees liegt in 451,5 m.
[A. Erni.]
Geologie.
Der grösste Teil des Kantons fällt in das Gebiet des schweizerischen Mittellandes und der Voralpen (horizontale und subalpine Molasse). Nur ein schmaler Streifen im S. und SO. greift in die Region der Alpen hinein. Die nicht dislozierten Molasseschichten gehören zwei Stufen an, nämlich der marinen Molasse (helvetische Stufe) und der obern Süsswassermolasse, die sich beide infolge der horizontalen Lagerung und der geringen Höhenunterschiede in der Oberflächenbildung auf weite Strecken gegenseitig ausschliessen.
Das auf den Kantonsteil nw. der Linie Ettiswil-Knutwil-Triengen beschränkte Gebiet der marinen Molasse zeigt im Allgemeinen das westschweizerische Landschaftsbild: welliges Hügelland, von tiefen, aber verhältnismässig schmalen Thaleinschnitten mit steil abfallenden Rändern durchzogen. Die Fazies der Schichten ist eine vorherrschend sandige; da und dort finden sich Konglomerate (Nagelfluh), die um so häufiger und mächtiger werden, je mehr wir gegen S., d. h. gegen das Napfgebiet fortschreiten.
Den breiten Gürtel zwischen der marinen Molasse und der Emme-Reusslinie nimmt die obere Süsswassermolasse (tortonische oder messinische Stufe) ein, die jedoch in der westl. und östl. Region eine total verschiedene Ausbildung zeigt. Im W., dem Gebiete des Napf und seiner Ausläufer, wechseln Sandstein- und Mergellager mit mächtigen Bänken bunter Nagelfluh, welch' letztere gegen das Zentralgebiet des Napf immer häufiger und zuletzt alleinherrschend wird. Die südl. Ausläufer leiten mit ihren anfangs nur schwach (2-3°), allmählig aber immer steiler (bis 12°) gegen SO. aufsteigenden Schichten unmerklich in die aufgerichtete, subalpine Molasse über.
In den östl. Grenzgebieten des Napf nehmen die Nagelfluhbänke an Häufigkeit und Mächtigkeit stetig ab, um sich gegen die Mitte und den NO. des Kantons fast vollständig zu verlieren. Diesen Teil der obern Süsswassermolasse charakterisiert ein höchst einförmiger Wechsel zwischen Sandstein und Mergel, der sowohl den treppenweisen Abfall junger Thaleinschnitte, als den terrassenförmigen Aufbau mancher Bezirke bedingt. Hier haben Vorfahren der Reuss in interglazialer Zeit breite und meist nach NNW. gerichtete Erosionsfurchen (Surenthal, Seethal, Rotthal) gezogen, zwischen denen langgestreckte, sanftgerundete Höhenzüge (Leidenberg, Wellenberg, Lindenberg, Erlosen) stehen geblieben sind.
Die Landschaft trägt hier somit schon entschieden ostschweizerisches Gepräge. Nicht zu übersehen sind bei einer Wanderung durch das luzernische Mittelland die vielen ausgezeichneten Moränenwälle und sonstigen Gletscherschuttablagerungen, die - hier Unebenheiten des Untergrundes ausgleichend, dort neue hervorrufend - Hügel und Ebenen überdecken und Anlass zur Bildung vieler Seen und Torflager gegeben haben (Sempacher-, Baldegger- und Hallwilersee, Wauwiler Moos etc.).
Die tertiären Ablagerungen südöstl. einer Linie, die vom Napf über Werthenstein der Emme und Reuss entlang nach Rotkreuz zu ziehen ist, bilden das Mittelstück der subalpinen Molassezone, welche den N.-Fuss der Alpen vom Genfer- bis Bodensee begleitet. Die Schichten sind mehrfach gefaltet und schliesslich am Alpenrande über sich selbst zurückgelegt; daher überall an der Berührungsstelle mit den alpinen Gesteinen verkehrte Schichtfolge, wie dies am Pilatus, zwischen Rigi und Vitznauerstock und an anderen Orten nachgewiesen ist. Da die Gewölbescheitel meistens stark abrasiert sind, so treten vielerorts die in den Gewölbekernen eingeschlossenen ältere Schichten zu Tage. Das Isoklinalthal des Rootsees liegt auf einem Streifen mariner Molasse, der sich von Littau bis über Rotkreuz hinaus erstreckt. Luzern ist schon auf untere Süsswassermolasse (langhische Stufe, Luzernerschichten) gebettet. Im Kreuzstutz (bei Luzern) ¶
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und bei Dierikon werden plattige Sandsteine von guter Qualität gebrochen, die bedeutenden Absatz finden. Ein Pechkohlenflöz von durchschnittlich 30 cm Mächtigkeit wurde am Sonnenberg und bei der Hofkirche angebohrt und eine Zeit lang ausgebeutet, jedoch später wegen mangelnder Rendite wieder aufgegeben.
Das Alpenland des Kantons Luzern beschränkt sich in der Hauptsache auf die nördl. (äussere) Kreidekette der Vierwaldstätter Voralpen und einen Teil der breiten Flyschzone, die sich vom Thuner- bis Vierwaldstättersee erstreckt. Die innere Kreidekette berührt die Kantonsgrenze beim Brienzer Rothorn. Den Uebergang zu den alpinen Gesteinsschichten vermittelt überall das nördl. subalpine Eocän, an welchem die Nagelfluhschichten der Molasse häufig mit auffallender Diskordanz abstossen.
Konkordant an diese südostfallenden Flyschlager, jedoch mit verkehrter Reihenfolge, lehnen sich die Kreideschichten; der Kieselkalk des Neocom tritt in direkte Berührung mit dem Flysch. Eine nach NW. übergelegte Falte scheint in ihrem Mittelschenkel zerrissen und der südl. Gewölbeschenkel über den Muldenkern überschoben zu sein. Es sind dies dieselben anormalen Lagerungsverhältnisse, die fast überall an der N.-Flanke der Kreidealpen getroffen werden.
Die Thalbildung in der luzernischen Alpenregion bietet keine Besonderheiten, ausgenommen das wunderlich zerlappte Becken des Vierwaldstättersees mit dem schluchtartigen Durchbruch der Reuss durch die gehobene Molasse. Während die Alpnacher- und Küssnachter Bucht ausgesprochene Mulden, d. h. Längsthäler darstellen, liegt die Luzerner Bucht samt dem grossen Becken zwischen dem Rigi, Bürgenstock und der Horwer Landzunge (der sog. Kreuztrichter) in einem Querthal, das seine Entstehung entweder der erodierenden Tätigkeit der Reuss oder einem Querriss der Molassegewölbe verdankt. In jedem Fall muss aber die Aufstauung der Gewässer auf Dislokationen im Gebiete der subalpinen Molasse zurückgeführt werden.
Das Mittelland weist als höchste Erhebung den Napf (1407 m) auf. Da die Napfregion in die horizontale Molasse fällt, so wird ihr Reliefbild lediglich durch den Charakter des Gesteins und die Erosion bestimmt. Baumförmig nach oben verzweigte Thäler, oft zu Schluchten mit gewaltigen Felsabstürzen sich verengend, haben die hauptsächlich aus bunter Nagelfluh bestehende Gebirgsmasse in zahlreiche und nach allen Richtungen der Windrose auslaufende Rücken und Kämme zerschnitten, deren Gehänge oft infolge des Wechsels lockerer und härterer Gesteinsschichten von jähen, bis 200 m hohen Fluhbändern zu sanft geneigten grünen Weiden und Waldstreifen treppenartig aufsteigen.
Die Berge der aufgerichteten Molasse erheben ihre Gipfel bis in die Alpenregion hinauf (Beichlen 1771 m, Farnern 1570 m, Rigikulm 1800 m). Ihr Aufbau ist in seinen Grundzügen durch die Art der Dislokation gegeben. Die meist heteroklin nach NW. überliegende Faltung bewirkt, dass die höhern Berge nach dieser Richtung viel steiler abfallen als nach SO. Die Nagelfluhschichten des Rigi bilden eine nach NW. geöffnete Mulde mit übergekipptem Gewölbe, von dem jedoch nur der Mittelschenkel erhalten ist.
Der äusseren Kreidekette der Alpen gehören auf Luzerner Boden die Gipfel der Schrattenfluh (2093 m), Schafmatt (1982 m), des Schimbergs (1819 m) und des Pilatus (2133 m) an. Der Grundstock dieser Berge bildet ein ebenfalls nach NW. überliegendes und stellenweise sich verdoppelndes Neocomgewölbe mit meist konkordant aufgelagertem Schrattenkalk (Urgon) und Eocän. Schafmatt und Schimberg tragen auf dem SO.-Hang eine fast kontinuierliche Decke von Unter- und Mitteleocän (Hohgantsandstein und Nummulitenkalke); an der Schrattenfluh ist der Schrattenkalk auf weite Strecken entblösst und hat so Veranlassung zu dem bekannten grossen Karrenfelde am SO.-Hang der Berges gegeben.
Die Pilatuskette beginnt im W. mit denselben einfachen Lagerungsverhältnissen, die aber gegen O. immer vielgestaltiger werden, sodass zuletzt nicht weniger als drei gut charakterisierte Kreidegewölbe mit zwei eingeklemmten Eocänmulden ausgebildet sind. (Siehe das Profil). Die Gewölbescheitel sind meistens bis auf das Neocom abrasiert. Auch die Kreideketten weisen ihren Steilabfall nach NW. während sie sich nach SO. allmählig abdachen. An der Grenze des Kantons erhebt sich sö. der Schafmatt der Feuerstein (2042 m), dessen schwach nach SO. einfallende Sandstein- und Schieferlager (oberer Flysch) den an das nördl. Kreidegewölbe angelehnten Schenkel der breiten Obwaldner Flyschmulde darstellen.
Die innere Kreidekette überschreitet die südl. Kantonsgrenze mit dem N.-Abhang des Brienzer Rothorns (2353 m), dessen Gipfel der Markstein zwischen den Kantonen Bern, Luzern und Obwalden bildet. Der tektonische Charakter dieses langgestreckten Bergzuges ist, wie dies bei der ganzen innern Kreidekette der Fall ist, ein ziemlich komplizierter. Indessen deutet die nach N. gerichtete Steilseite auf ein zwar mannigfach zerknittertes, im allgemeinen aber nach N. überragendes Gewölbe; an dem Auf bau beteiligen sich vom Kreidesystem hauptsächlich ¶
Im Geographisches Lexikon der SCHWEIZ, 1902
Titel
* Luzern
(Kanton). Nach der eidg. Betriebszählung von 1905 gehört der Kanton Luzern zu jenen 9 Kantonen, in denen mehr als 50% der in Betrieben Beschäftigten der Landwirtschaft angehören. Die Hauptabteilungen sind folgendermassen besetzt:
|Art der Betriebe||Zahl der Betriebe||Zahl der Personen männl.||weibl.||Total||%|
|Urproduktion||11717||27541||18122||45663||53.7|
|Industrie und Gewerbe||7841||16480||7588||24068||28.3|
|Handel||3315||4742||5633||10375||12.2|
|Verkehr||472||3213||527||3740||4.4|
|Wissenschaft und Künste||539||697||462||1159||1.4|
|Total||23884||52673||32332||85005||100.0|
|%||.||61.9||38.1||100.0||.|
Industrie, Handel und Verkehr sind stärker vertreten, als z. B. in Ob- und Nidwalden, Uri, Graubünden, Tessin, Freiburg und Wallis, es ist dies z. T. die Folge des Fremdenverkehrs.
Urproduktion.
Von den 11717 Betrieben waren nur 651 sog. Alleinbetriebe; in allen andern waren mehrere Personen tätig. Von Spezialzweigen der Landwirtschaft sind zu nennen:
|Betriebe||Personen|
|Landw. mit Viehzucht||708||3488|
|Landw. mit Alpwirtschaft||248||1232|
|Landw. mit Bienenzucht||315||1522|
|Bienenzucht allein||173||156|
|Käsefabrikation||333||949|
|Forstwirtschaft||237||491|
In der Torf-Ausbeutung sind in 102 Betrieben 125 Personen tätig.
Industrie und Gewerbe.
Diese Abteilung weist folgende Besetzung auf:
|Art der Betriebe||Zahl der Betriebe||Zahl der Personen männl.||weibl.||Total|
|Spinnerei-, Weberei- und Flechtereifabriken||129||402||1074||1476|
|Heimarbeitsbetriebe.||1456||92||1542||1634|
|Total||1585||494||2616||3110|
|Baugewerbe||1965||8649||400||9049|
|Kleidung und Putz||2871||1779||3375||5154|
|Metallbearbeitung, Maschinen||618||2563||194||2757|
|Nahrungs- und Genussmittel||617||1668||815||2483|
|Graphische Gewerbe||70||454||102||556|
|Uebrige Branchen||115||873||86||959|
|Total||7841||16480||7588||24068|
Im Baugewerbe sind am stärksten vertreten: Hochbau und Architektur 2548 Personen, Schreinerei 1294, Zimmerei 664, Schlosserei 597, Ziegelbrennerei 502, Malerei 314, Dachdeckerei, Schindelmacherei 313 etc. In der Branche Kleidung und Putz entfallen Personen auf: Damenschneiderei 1433, Schuhmacherei 803, Herrenschneiderei 775, Wäscherei und Glätterei 586, Weissnäherei und Konfektion 446 etc.
Spinnerei, Weberei und Flechterei. Im ersten Rang steht die Strohflechterei: 1284 Betriebe mit 1441 Personen (fast alle Heimarbeiter). Dann folgt die ¶
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Seidenspinnerei und Zwirnerei (60 Betriebe, davon 56 Heimarbeitsbetriebe) mit 982 Personen, davon nur 63 Heimarbeiter. Baumwollweberei: 36 Betriebe mit 156 Personen, Baumwollspinnerei und -zwirnerei 2 Fabriken mit 129 Personen, Stickerei 112 Personen etc.
Die Metallbranche ist durch mehrere bekannte grosse Fabriken (z. B. Bell in Kriens) und viele kleinere Etablissemente vertreten. Wir finden u. a.: Eisengiessereien und Maschinenfabriken 27 Betriebe mit 1188 Personen, Schrauben-, Ketten-, Drahtfabriken 9 mit 144 Personen, Kleinmechanik und Optik 12 Betriebe mit 145 Personen, Elektrotechnik 14 Betriebe mit 143 Personen, Uhrenfabrikation 69 Betriebe mit 118 Personen. In Wagnereien und Schmiedewerkstätten sind 747 Personen beschäftigt.
Im Nahrungs- und Genussmittelgewerbe sind vor allem zu nennen: Metzgerei 192 Betriebe und 513 Personen, Bäckerei und Konditorei 285 Betr. und 934 Personen, Tabakbearbeitung 39 Betriebe und 386 Personen, darunter 25 Heimarbeiter, Bierbrauereien 7 mit 286 Personen. Die Schokoladenfabrik beschäftigte im Jahr 1905 53 Personen.
Graphische Gewerbe: 24 Druckereien mit 431 Personen.
An andern Industrien sind von grösserem Umfange 2 Papier- und Papierstofffabriken mit 273 Personen, Glases- und Glaswarenindustrie 2 Betriebe mit 142 Personen; chemische Wäscherei und Färberei 9 Betriebe mit 141 Personen.
Handel.
|Betriebe||Personen||davon weibl.|
|Wirtschaftswesen||781||5319||3281|
|Lebensmittel||966||1746||1064|
|Kurzwaren, Mercerie||323||863||561|
|Stein, Ton, Glas, Metalle, Maschinen||177||545||190|
|Rohproduktion, Baumaterialien.||180||335||30|
|Holz, Leder, Papier||139||279||172|
|Lebende Tiere||288||263||32|
Am wichtigsten ist für den Kanton und seine Volkswirtschaft das Wirtschafts-, speziell das Hotelwesen. Darüber seien folgende Zahlen genannt (Sommerbetriebszeit):
|Betriebe||Personen||darunter weibl.|
|Gasthöfe, Hôtels, Pensionen||287||3718||2133|
|Restaurants||338||1285||890|
|Kostgebereien||122||247||199|
Unter obigen Gasthöfen befanden sich 170 (mit 1799 Personen), die mit Restaurants verbunden waren. Von dem im Gastwirtschaftswesen Beschäftigten befanden sich 2123 Personen in der Stadt Luzern allein.
Im Bankwesen waren tätig in 29 Betrieben 146 Personen.
Verkehr.
Es entfallen u. a.
|Betriebe||Personen|
|Zoll||1||3|
|Post||160||817|
|Telegraph und Telephon||69||266|
|Eisenbahnen und Strassenbahnen||51||1839|
|Dampfschiffahrt||12||306|
|Spedition und Fuhrhalterei etc.||158||460|
Oeffentliche Verwaltung, Rechtspflege, Wissenschaft und Künste.
Es waren im Jahr 1905 tätig in
|Personen|
|Gesundheits- und Krankenpflege||571|
|Künstlerischen Gewerben||236|
|Rechtspflege||125|
|Unterricht und Erziehung (gewerbsmässig ausgeübt)||106|
|Verwaltungszweige mit Erwerbszweck||101|
In der Heimarbeit sind in 1879 Betrieben 2103 Personen beschäftigt (140 männliche, 1963 weibliche). Die meisten findet man in der Strohflechterei (1397 Personen); in weitern Abständen folgen, der Zahl nach, Weissnäherei 197 Personen, Schneiderei 91 Personen, Strohhutfabrikation 55 Personen etc.
[Dr. F. Mangold.]