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Für das Bistum Chur gilt, was auch für den Kleinstaat der Vatikanstadt gilt: Eine gute Kom-munikationsarbeit schützt vor Missverständnissen und internen Konflikten.
Vielleicht kann das Bistum Chur lernen von der Entwicklung des Radiosenders des Papstes. Guglielmo Marconi war Pionier des Radios und wurde für seine diesbezüglichen Erfindungen mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Am 12. Februar 1931 verhalf er dem damaligen Papst Pius XI. dazu, via Radio seine Stimme weltweit zu verbreiten. Viele im Vatikan und in der Weltkirche dachten zunächst, dass das nur «Teufelswerk» sein könne: Da hatte man eine Box, die man mit der Steckdose verbinden sollte – und aus dieser Elektrokiste kam dann die Stimme des Pontifex heraus. Das könne doch nur Zauberei sein.
Nicht so Pius XI., der übrigens auch Schweiz-Kenner war. Als dieser noch Erzbischof von Mailand war und mit bürgerlichem Namen Achille Ratti hiess, liebte er es, die Schweizer Berge zu erkunden. Eine weitere Besonderheit dieses Kirchenmannes kam der Gründung des Radios zugute: Als junger Mann dachte Achille Ratti daran, Mathematik zu studieren, und nicht Theologie. Er hatte ein Faible für Naturwissenschaften. Als er dann Guglielmo Marconi kennenlernte, war der mittlerweile zum Papst Gewählte davon fasziniert, einen eigenen Sender zu haben. Und so kam es, dass der kleinste Staat der Welt ein eigenes Radio bekam.
Man könnte sagen, der Erfinder Marconi war Anfang des 20. Jahrhunderts vergleichbar mit Steve Jobs, einem der Gründer des Apple-Konzerns. Was Pius XI. tat, war also so, als würde heute Papst Franziskus beschliessen, Google oder Apple ihren Europa-Sitz im vatikanischen Petersdom zu gewähren. Auch der Nachfolger Rattis – der zwar die Schweiz weniger gut kannte, dafür aber fliessend Deutsch sprach – profitierte vom Radio-Sender. Papst Pius XII., so nannte sich Eugenio Pacelli, richtete seine Appelle via Radio an das deutsche Volk, als nördlich der Schweiz die Nazis das Sagen hatten. Für den damaligen NS-Propagandaminister Joseph Goebbels wurde Radio Vatikan ein Dorn im Auge. Er sandte sogar eine Note an seine Männer nach Rom, man möge den Sender zum Schweigen bringen. Und Pius XII. haderte so auch mit anderen Machthabern.
1950, zum damaligen Heiligen Jahr, schenkte ihm der spanische Diktator Francisco Franco ein besonderes Mikrophon: Es sieht eher aus wie ein Modell des Petersdoms und weniger wie ein Aufnahmegerät. Pius XII. liess dieses Gerät allerdings lieber in der Abstellkammer des Radiosenders verstecken. Benützt wurde es nie, weil das Gerät unpraktisch gross war, vor allem aber, weil es politisch nicht korrekt gewesen wäre, mit dem Geschenk eines Diktators zu kommunizieren.
Fazit aus der Geschichte von Radio Vatikan: Wenn die Kirche kommuniziert, muss sie sich gut überlegen, was sie sagt, wie sie es äussert und mit welchen Mitteln sie der Welt die Frohe Botschaft verkündet.