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Von der Altsteinzeit bis zur Mittleren Bronzezeit
Altsteinzeit (Paläolithikum)
Die allerersten Spuren menschlicher Existenz auf dem Gebiet der heutigen Schweiz sind zwei vereinzelte Funde: die beiden Faustkeile von Pratteln (BL) und Schlieren (ZH). Der Faustkeil von Pratteln, 1974 gefunden, ist rund 350 000 Jahre alt und mithin eines der ältesten von Menschenhand geschaffenen Werkzeuge Europas. Die Werkezeuge und Waffen der frühesten Jäger waren aus Feuerstein (Silex) gehauen, ein Material, das sich leicht verarbeiten lässt. Es kommt im Jura in Form von faust- bis kindskopfgrossen Knollen vor. Der Pratteler Faustkeil steht also am Anfang einer langen Entwicklung. Etwa 250 000 Jahre jünger ist der Faustkeil von Schlieren.
Die ersten Siedlungsspuren, die der jüngeren Altsteinzeit angehören, gehen auf etwa 50 000 v. Chr. zurück. Es waren Gruppen von Neandertalern, die in der Periode der frühen Würm-Eiszeit die eisfreien Gebiete-Teile der nördlichen Schweiz, des Jura und des Napfgebiets durchstreiften. Im Verlaufe der Würm-Eiszeit, der vorläufig letzten Eiszeit, starb der Neandertaler aus. Die Gründe dafür sind nicht bekannt. An seine Stelle trat ein neuer Menschenschlag, der Homo sapiens sapiens, der nach Skelettfunden aus einer Höhle in Frankreich auch Cromagnon-Mensch genannt wird. Derselben Gattung des Homo sapiens sapiens gehört auch der Mensch von heute an. Sie waren im Gegensatz zu ihren Vorgängern schlank und hochgewachsen. Ihre Feuersteingeräte waren entwickelt und für verschiedene Funktionen – stechen, schneiden, schaben, bohren – speziell bearbeitet. Ihr Jagdwild – Mammut und Wollnashorn – erlegten sie mit dem Speer. Diese Kulturstufe wird als «Höheres Jägertum» bezeichnet.
Dieser letzte Abschnitt der Altsteinzeit beginnt etwa um 40 000 v. Chr. und ist durch die ersten künstlerischen Darstellungen von Menschen und Tieren geprägt, deren grossartige Bildsprache vor allem in den Höhlenmalereien von Nordspanien und Frankreich zum Ausdruck kommt. Die ersten Zeichnungen auf Schweizer Gebiet sind etwa 14 000 bis 16 000 Jahre alt und wurden an den unter Felsvorsprüngen, sogenannten Abris, eingerichteten Lagerplätzen «Schweizersbild» und «Kesslerloch» (SH) gefunden.
Auch verschiedene Höhlen und Abris des Jura haben Spuren von Besiedlung aus dieser Zeit geliefert; es waren immer vorübergehend erstellte Unterkünfte. Bei Moosseedorf (BE) im Mitteland fand man Reste eines Zeltlagers. Auch Pfahlbauten wurden im grösseren Stil am heutigen See und in der Umgebung gefunden. Bei Umbau- und Renovationsarbeiten am Moossee im Jahre 2010/11 verzögerten sich die Arbeiten, weil erneut Gegenstände aus dieser Zeit gefunden wurden.
Gegen Ende der Altsteinzeit wurde das Klima allmählich wärmer und trockener, die vorläufig letzte europäische Eiszeit ging ihrem Ende entgegen.
Mittelsteinzeit (Mesolithikum)
Mit dem Anbruch der Nacheiszeit veränderte sich nicht nur das Klima, sondern auch Landschaft und Fauna. In der Zeit um 8000 v. Chr. waren die Sommer länger und wärmer geworden; bewaldete Gebiete wechselten sich mit Sümpfen und vielen Seen mit schilfbestandenen Ufern ab. Die in kleinen Sippen lebenden Menschen der Mittelsteinzeit nutzten nach wie vor Felsüberhänge für ihre Siedlungsplätze, aber das jetzt eisfrei gewordene offene Gelände bot auch Raum für Freilandsiedlungen, besonders in Ufernähe. Im Wauwilermoss (LU) fand man eine ganze Reihe von nacheinander belegten mittelsteinzeitlichen Lagerplätzen, die aus Zelten rund um einen kleinen See erstellt worden waren.
Jungsteinzeit (Neolithikum)
Im Gegensatz zur Altsteinzeit, wo der Stein nur zugehauen und geschlagen verwendet wurde, kannte die Jungsteinzeit für Werkzuge und Waffen bereits den geschliffenen und durchbohrten Stein.
Zu Beginn der Jungsteinzeit, etwa um 5000 v. Chr., war das Klima gemässigt, die Winter mild, die Landschaft durch Laubmischwälder, Seen und Moore im Mitteland und durch Weisstannenwälder in den Nord- und Zentralalpen geprägt. Rothirsche, Rehe, Bären, Wölfe, Wildpferde und viele Kleinsäuger bewohnten unsere Zone.
Die Entwicklung zur Jungsteinzeit, das heisst der Übergang vom Jäger- und Sammlertum zum Ackerbau, ist auf dem Gebiet der Schweiz durch zwei Strömungen charakterisiert, die, unabhängig voneinander, aus verschiedenen Richtungen einsetzten. In der nördlichen Schweiz drangen die ersten Bauern von Süddeutschland her ein. Sie gehörten dem Kreis der bandkeramischen Kultur (benannt nach der Bänderverzierung auf ihrer Keramik) an, die in einem weiten Bogen gegen Ende des 5. Jahrtausends v. Chr. vom Balkan her Mitteleuropa erreicht hatte.
Gächlingen und Wilchingen im Kanton Schaffhausen sind die frühesten bis jetzt erfassten Bauernsiedlungen in der Nordschweiz, die diesem Kulturkreis zuzuordnen sind. Die Westschweiz und weite Teile des Mittellandes wurden hingegen vom Rhonetal her von Bauern besiedelt, die von den frühesten jungsteinzeitlichen Kulturen des Mittelmeerraumes abstammten, während das Tessin die entsprechenden Impulse von Italien erhielt. Fortan ist die Entwicklung dieser drei Gebiete durch eigenständige Kulturen geprägt, die sich zwar in ihren Berührungspunkten vermischten, aber während der frühen Jungsteinzeit verschiedenen Kulturprovinzen angehörten. Über die Sprache und die Namen der Stämme und Völker ist aus dieser Zeit kaum bis gar nichts bekannt.
Bronzezeit
Im frühen 2. Jahrtausend v. Chr. setzte sich allmählich das neue Metall, die Bronze, durch, die aus einer Legierung von 90 Teilen Kupfer – unter anderem abgebaut im Wallis und im Bündnerland – und 10 Teilen Zinn bestand und den Vorteil hatte, dass sie um ein Mehrfaches härter als das Kupfer war und dadurch für sehr viel verschiedenere Funktionen eingesetzt werden konnte. Die Gewinnung und Verarbeitung brachte dramatische Änderungen wirtschaftlicher und sozialer Natur mit sich, insbesondere die Herausbildung neuer Handwerkszweige: Bergbauleute, Bronzegiesser, Toreuten und Metallhändler, die alle ein hohes soziales Ansehen genossen. Die neuen Qualitäten des Metalls erschlossen bessere Jagd- und Anbautechniken, und der sich ständig vergrössernde Handel brachte Kontakte mit anderen Kulturen mit sich. Eine ganz wichtige Rolle nahm immer mehr das Pferd als Nutztier ein. Es konnte durch die Zucht und Zähmung als Zugtier genutzt werden, was den Ackerbau und dadurch die Versorgung stetig verbesserte.
Werkzeuge, Waffen und Schmuck wurden aus Bronze gegossen oder getrieben. Der Schmuck bestand mit Vorliebe aus grossen, auffallenden Formen. Gewandnadeln, Anhänger und Armreifen wurden aus Blech getrieben und mit Ritz- oder Buckelmustern verziert. Anhand ihrer Bronzeformen und Verzierungen lassen sich heute die verschieden Kulturgruppen unterscheiden.
In der frühen Bronzezeit wurden die Toten in gestreckter Rückenlage in freier Erde oder in einem Steinbett begraben. In einem solchen Grab eines Mannes wurde bei Thun (BE) unter anderem ein bronzenes Beil mit eingelassenen Goldstiften gefunden, das nicht nur auf den hohen sozialen Rang des Bestatteten hinwies, sondern auch zeigte, dass die weitläufigen kulturellen Beziehungen bis nach Griechenland reichten, wo zu dieser Zeit die Technik der Gold- und Silbertauschierung (Edelmetalle in unedle Metalle einhämmern) auf Waffen der mykenischen Fürsten perfekt beherrscht wurde.
Es ist nicht sicher, ob im Verlaufe der Mittleren Bronzezeit, die um etwa 1500 v. Chr. einsetzte, die Seeufersiedlungen ausgelassen wurden. Es sind nur wenige Siedlungsplätze der Periode nach der Jahrtausendmitte bekannt. Neue Bestattungsformen unter grossen Grabhügeln und neue Elemente innerhalb des bronzenen Formgutes zeugen von Impulsen aus Osteuropa und dem Balkan. An die Stelle des Dolches kam das gegossene Vollgriffschwert. Zwei solcher Schwerter wurden, zusammen mit anderen Objekten, in einer aus Holz eingetieften Quellfassung in Sankt Moritz (GR) gefunden.
Der Bernstein
Zum Schluss noch eine kleine Betrachtung unserer deutschen Nachbarn aus der Bronzezeit. Einen wertvollen Schatz schenkte den Germanen das Meer: Bernstein, ein verhärtetes Baumharz von den Nadelwäldern des Ostseegebietes, die das Meer einst verschlungen haben soll. Die Hauptfundplätze während der Bronzezeit lagen an der Westküste Schleswig-Holsteins und Dänemarks. Gewaltige Mengen von Bernstein müssen damals von den Wellen angespült worden sein. Die goldgelbe Farbe, der reizvoll matte Glanz und die Durchsichtigkeit des Bernsteins haben schon früh die Menschen angeregt, ihn als Schmuck zu verwenden. Bernsteinschmuck kannten die nordischen Länder schon längst, ehe ihn die Mittelmeerwelt begehrte und ihn als ebenbürtigen Tauschwert für Edelmetall ansah.