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„Geht man den Gründen für die Frage zur Motivationserzeugung nach, so stellt sich heraus, dass es letztlich um Probleme geht, die jemand damit hat, dass ein anderer nicht das tun will, was er selbst will, dass es der andere tut.” (Spitzer 2007, 192)
Lernen ist Veränderung. Neues aufzunehmen bedeutet deshalb immer sich selbst zu verändern. Wer lernt, setzt deshalb auch seine Identität aufs Spiel (vgl. Spitzer 2007, 11-13).
Es wird eine selektive Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Bereich benötigt, damit jemand etwas lernt. Ausserdem gilt: je tiefer und eingehender wir uns mit einem Gegenstand beschäftigt haben, je höher also unsere selektive Aufmerksamkeit war, umso besser bleibt er uns (Spitzer 2007, 141-156).
Der Mensch ist von Natur aus motiviert. Er hat dazu ein eigenes Belohnungssystem, das sogenannte Dopamin. Einen Menschen muss man aus diesem Grund nicht extra zum Lernen motivieren (Spitzer 2007, 192-193). Wer einmal Kinder beim Laufen lernen beobachtet, dem wird dies sofort klar. Die Kinder üben unermüdlich über Monate und keine speziellen Motivationstricks sind dazu notwendig (vgl. Spitzer 2007, 206).
Woher aber fliesst nun eine solche intrinsische Motivation? Antworten darauf finden sich beispielsweise in der Selbstbestimmungstheorie der Werte (engl. Self-Determination theory of values) von Tim Kasser (2002). Er zeigt auf, dass intrinsische Motivation aus Selbstbestimmung folgt.
Ausgehend von der Annahme, dass Werte bestimmte Verhaltensweisen und Erfahrungen nach sich ziehen, indem sie die Bewertung der Wünschbarkeit von Objekten und Situationen beeinflussen, helfen Werte dem Selbst sich weiter zu entwickeln und seine Bedürfnisse zu befriedigen. Werte drücken also Bedürfnisse aus. Sie unterstützen das Selbst bei der Selektion von Erfahrungen, die es für seine weitere Entwicklung für förderlich und wünschenswert hält.
Die Wertsysteme von Individuen stehen dabei in engem Zusammenhang mit ihren psychologischen Bedürfnissen. Die drei zentralen angeborenen psychischen Bedürfnisse, die für intrinsische und extrinsische Motivation relevant sind, umfassen
1. Autonomie (wahrgenommene Selbstbestimmtheit des eigenen Handelns)
2. Kompetenz (individuell wahrgenommene Wirksamkeit bei der Ausübung bestimmter Verhaltensweisen)
3. menschliche Nähe (individuelle Wahrnehmung der sozialen Eingebundenheit)
Kasser argumentiert an dieser Stelle, dass ein viertes psychisches Grundbedürfnis bestehe: das Bedürfnis nach Sicherheit.
Von intrinsischer Motivation können wir also sprechen, wenn die Handlungen des Menschen im Bedürfnis nach Autonomie, im Wunsch nach Wachstum des Selbst und im Wunsch nach menschlicher Nähe und Sicherheit wurzeln. Von extrinsischer Motivation hingegen können wir sprechen, wenn damit in erster Linie Belohnungen von Aussen verfolgt werden, wie etwa finanzieller Erfolg, Reichtum und Ruhm.
Optimale Weiterentwicklung und Wohlbefinden erfolgt gemäß der Selbstbestimmungstheorie bei intrinsischer Motivation. Extrinsische Werte dagegen signalisieren Entfremdung von Entwicklungsprozessen des wahren Selbst. Intrinsisch orientierte Menschen erfahren also größeres Wohlbefinden. Individuen aller Kulturen besitzen dieselben psychischen Bedürfnisse und streben nach persönlicher Weiterentwicklung und Integration.
Was bedeutet dies für den pädagogischen Kontext? Mehrere Studien belegen, dass sich selbstbestimmtes Lernen positiv auf die intrinsische Lernmotivation auswirkt. Dies führt in der Folge zu qualitativ besseren Lernergebnissen (z.B. Grolnick & Ryan 1987; Grolnick, Ryan & Deci 1991; Peschel 2006c).