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Trouvez les femmes! Vol.1
Mein neustes Projekt
Bis in die Neuzeit hatten Komponistinnen mangels Gleichberechtigung weitaus höhere, manchmal unüberbrückbare Hürden zu meistern als ihre männlichen Kollegen. Nicht nur, dass sie in der Vergangenheit zu Lebzeiten nicht die entsprechende Anerkennung fanden, sondern auch, dass ihre Werke nach ihrem Tod sofort wieder in Vergessenheit gerieten. Die beiden Musikerinnen Miriam Terragni und Catherine Sarasin werden auf 2 CD’s Meisterwerke, die leider zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind, zusammentragen und - zum Teil als Weltersteinspielungen - eingespielt und herausgeben. Es ist den beiden Künstlerinnen ein grosses Anliegen, diese Trouvaillen der romantischen Kammermusikliteratur einer grösseren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wie z.B die seit 150 Jahren nicht mehr gespielte Sonate in D-Dur von Emilie Mayer, deren frisch entdecktes Manuskript von den Beiden nach langer Zeit erstmals zum Leben erweckt wird.
Rezensionen
Concerti Ausgabe 6/22
klassik-heute.de
„Cherchez la femme“ ist ein geflügeltes Wort aus dem 19. Jahrhundert, das hinter von Männern begangenen Missetaten die Anwesenheit einer Frau als Anstifterin vermutet. Einerseits scheinbar ein Kompliment an die überlegene Intelligenz der Frauen, ist dieser Ausdruck natürlich auch eine Anspielung auf Eva als Urheberin der Erbsünde – diese religiöse Anschuldigung stand bis zum Aufkommen der Frauenemanzipation der Gleichberechtigung der Geschlechter im Wege. So traten auch bis ins 19. Jahrhundert nur wenige Frauen als Komponistinnen hervor: wie etwa Hildegard von Bingen (1098-1179), Francesca Caccini (1587-1670), Isabelle Leonarda (1620-1704) oder Élisabeth Jacquet de la Guerre (1665-1729). Unter dem Titel „Trouvez la femme“ nimmt diese CD mit zwei bisher völlig unbekannten Komponistinnen aus dem19. Jahrhundert das weibliche Schaffen in der Musikgeschichte in den Blick.
Neue Facetten weiblicher Kreativität
Das 19. Jahrhundert wies einige Komponistinnen auf, die sich im immer noch von Männern dominierten Musikleben behaupten konnten: So Fanny Hensel, geb. Mendelssohn (1805-1847), die unter der Geringschätzung ihres Talents durch den Bruder Felix zu leiden hatte. Auch Clara Schumann (1819-1896) ist hier zu nennen, ebenso wie die Französinnen Louise Farrenc (1804-1875), die Schwestern Nadia (1887-1979) und Lili Boulanger (1893-1918) und die Engländerin Ethel Smyth (1858-1944). Unter dem Titel „Trouvez la femme“ fügt diese CD der Riege hervorragender Komponistinnen nun zwei weitere Damen hinzu, die im 19. Jahrhundert wirkten: Emilie Mayer (1812-1883), in Friedland geboren, in Berlin tätig und zu Lebzeiten als „weiblicher Beethoven“ gepriesen, sowie die in Finnland geborene Schwedin Laura Netzel (1839-1927).
Bemerkenswerte Transkriptionen
Die Querflöte gehörte nicht zu den bevorzugten Soloinstrumenten der romantischen Musik, und auf der Suche nach geeignetem romantischen Repertoire für ihr Instrument stieß die Flötistin Miriam Terragni auf die Sonate für Violine und Klavier von Emilie Mayer, die mit geringen Eingriffen für die Flöte adaptiert werden konnte, sowie auf die Suite für Flöte und Klavier von Laura Netzel, von der Komponistin dem seinerzeit berühmten Flötisten Paul Taffanel gewidmet. Hinzu kommen noch einige kleinere Werke der Komponistinnen – so wird das abwechslungsreiche Programm dieser CD zu einem farbigen Kaleidoskop romantischer Kammermusik.
Beeindruckende musikalische Leistung
Mit Hingabe, Temperament, Virtuosität und zugreifender musikalischer Gestaltungskraft nehmen sich die beiden Solistinnen der außergewöhnlichen Musik dieser CD an. Die Zuhörer dürfen ihnen dankbar sein, mit ihrer Hilfe beeindruckende Schätze der romantischen Kammermusik neu entdecken zu können, die wohl nicht solange in der Verborgenheit geschlummert hätten, wären sie von Männern erschaffen worden.
Detmar Huchting [11.07.2022]