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Restaurant Bahnhöfli
Das Oberwiler „Bahnhöfli“ wurde 1888 vom damaligen Besitzer des Restaurant Krone, Josef Grellinger, im Jugendstil gebaut. Es entstand im Zusammenhang mit der 1887 errichteten Birsigtalbahn, die als schmalspurige Dampfstrassenbahn anfänglich von Basel nach Therwil führte. Grellinger stellte die neue Wirtschaft der Bahn zur Verfügung. Sie bildete bald ein neues Zentrum der dörflichen Gemeinschaft. Das Stationsgebäude beherbergte neben dem Restaurant auch den Wartesaal, der vom Lokal streng getrennt war. Die Bahnbillette konnten anfänglich bei den Wirtsleuten gekauft werden, später am Billettschalter im Wartesaal. Der Raum mit seinem markanten Geruch des eingeölten Parkettbodens wurde von der Bevölkerung rege benutzt, ebenso das Restaurant, welches vor allem bei den Bahnangestellten sehr beliebt war. Auch viele Kinder zog das Bahnhöfli an, gab es doch immer was zu bestaunen. Interessante Leute stiegen ein und aus, die Arbeiterwagen wurden mit Körben beladen, Milchkannen wurden transportiert, manchmal sogar Tiere.
Im Verlaufe der Zeit übernahm die Gemeinde Oberwil die Liegenschaft, tätigte aber nur noch kleinere Renovationen. Der Grund des Erwerbes war lediglich die Mitsprache als Grundeigentümer beim Quartierplan Coop. Im Protokoll der Baukommissionssitzung vom 27. August 1973 wurde festgehalten, dass man noch nichts genaueres weiss, wie es mit dem Bahnhöfli weitergehe. „Kürzlich wurde eine notdürftige Renovation vorgenommen. Der Kredit von Fr. 18’000.00 wurde für eine neue Küche gebraucht. Gerüchtweise hat die Wirtin, Frau Bucher, verlauten lassen, sie wolle in 2 – 3 Jahren aufhören. Es stelle sich dann die Frage, ob die Liegenschaft abgebrochen werden soll. Mit der Ortskernsanierung müsste das Bijou sowieso entfernt werden“. Unglücklicherweise zielte dieser Kauf lediglich auf einen Abbruch hin. Doch der Abriss des Bahnhöfli als beliebte Dorfbeiz war nicht allen genehm. So bezog eine Partei in einem Schreiben klar Position und kritisierte, dass „die Restaurants Posthörnli, Krone, Central, Schützengarten bereits ihren Abschied über die Spitzhacke nahmen. Inzwischen ist unser Dorf beträchtlich gewachsen. Wir müssen uns ernsthaft überlegen: soll das Bahnhöfli den gleichen Weg nehmen? Oberwiler, tragt Sorge zum Rest eures geliebten Dorfbildes!!!“
In einer Abstimmung entschied sich der Souverän knapp für einem Abbruch, 1975 fiel das beliebte Bahnhöfli der Spitzhacke zum Opfer. Schade, denn eine Renovation hätte zusammen mit der vor einigen Jahren umgebauten Bibliothek an der Bahnhofstrasse 6 ein bemerkenswertes Ensemble für Oberwil gebildet.
|Die Menschen im Dorf

Vor allem lebten Kleinbauern hier, die mit ihren paar Kühen eine Existenz aufbauten. Andere arbeiten in Basel, wovon viele in der Bandfärberei beschäftigt waren. Weil die Männer nachmittags nicht zum Essen heimkommen konnten, wurde extra ein Essensdienstwagen bei der Birsigtalbahn eingesetzt. Um 11.30 Uhr kamen die Frauen zum Statiönli und stellten das Essen in Körben oder in kleinen Kistchen in den speziellen Wagen. Am Samstag kaufte man bereits das Essensbillett für die kommende Woche, das dann mit Reissnägeln am Essenskorb befestigt wurde. Um 12.00 Uhr strömten von allen Seiten die Arbeiter zur Heuwaage und es war ein vertrautes Bild zu sehen, wie die Männer auf der Rampe sitzend ihr warmes Essen verschlangen. Am Abend brachte jeder sein Essensgeschirr wieder heim, damit für den nächsten Tag wieder vorbereitet werden konnte.
Elisabeth Hügin-Degen (1928 – 2009)