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Im Rahmen der geplanten Konzerte von polnischen Komponisten auf dem Schloss Rapperswil hatte ich die Ehre die schöne Bibliothek des Museums zu besuchen. Die polnischen Komponisten waren wegen der politischen Situation und dem Kriegsgeschehen im 2. Weltkrieg gezwungen, in der Schweiz zu bleiben und sich niederzulassen. Dank des Museumteams und der Direktorin Anna Buchmann konnte ich die Musikpartiturensammlungen im Archiv einsehen.
Ich habe erstaunliche Entdeckungen gemacht, welche wertvolle Exponate in den Museumsräumen ausgestellt sind. Zu diesen gehören: eine Handtastatur auf den Reisen von Ignacy Jan Paderewski, Guss der Hände Frédéric Chopins, Büste von J. Turczyński, K. Regamey, I. J. Paderewski und Musikpartituren. Darunter befinden sich reiche Sammlungen an Dokumente: handgeschriebene Manuskripte, Erinnerungsstücke von verschiedenen polnischen Komponisten im Exil und Belege für den polnisch-schweizer Kulturaustausch.
Neben solchen Schätzen wie der Erstausgabe von «Polnischen Tänzen» Opus 9 für Klavier zu vier Händen von I. J. Paderewski oder dem Klavierfragment der Oper «Halka» von S. Moniuszko muss man auch spezielle Beachtung dem Nachlass von weniger bekannten polnischen Komponisten, Pianisten, Musikpädagogen Czeslaw Marek (1891-1985), schenken.
Er war am Anfang mit der Musikerszene in Lemberg verbunden. Nach seinem Abschluss in Komposition, Klavier und Dirigieren in Straßburg und Wien kehrte Czesław Marek 1914 nach Lemberg zurück, um die Stelle des Klavierprofessors zu übernehmen.
Leider machte der 1. Weltkrieg seine Pläne zu Nichte. 1915 suchte er zusammen mit der Familie Zuflucht in Prag, von wo er in die Schweiz gelangte. Dort hat er seine pädagogische Tätigkeit fortgesetzt, wo er als Aussenseiter von seinen Schweizer Kolle-gen nicht aufgenommen wurde. In den Jahren 1920 – 1930 weilte er in Polen, wo er als Direktor des Staatlichen Konservatoriums in Posen und Professor für Komposition tätig war. 1930 kehrte er in die Schweiz zurück.
Als Komponist war Czeslaw Marek Preisträger zahlreicher internationaler Wettbewerbe und wurde zum echten Botschafter der polnischen Musikkultur im Ausland. In seinem Schaffen, insbesondere in Liedern, bezog er sich häufig auf polnische Themen sowie auf die polnische Volksmusik. Als Beispiel hierfür sind die Kompositionen „Wiejskie śpiewy” (Dorfgesänge) Opus 34 für Stimme und Kammerorchester sowie die Erarbeitung des Kirchenlieds „Boże, coś Polskę” für gemischten Männerchor a cappella.
Im Museumsarchiv ist erhalten geblieben unter anderem das Manuskript fürs Klavier „Triptyque. Trois preludes et fugues” (1919) sowie die erste Ausgabe von „Pięciu pieśni” (fünf Lieder) für Stimme und Klavier (1911, 1913) herausgegeben durch den Verein der polnischen Musik und Edition Max Eschig.
Der krönende Abschluss seiner pädagogischen Arbeit war das Lehr-buch in Deutsch mit 600 Seiten mit dem Titel «Theorie des Klavierspielens». Dort analysierte er gründlich verschiedene Aspekte des Klavierspielens und dieses Werk ist dem polnischen Leser unbekannt.
Neben der Liste aller Werke von Czeslaw Marek lagern im Archiv auch Konzertplakate, Musikprogramme seiner Schüler, ein Notizheft über die Harmonielehre (1914), Korrespondenz des Kompositeurs und Konzertkritiken zu seinen aufgeführten Musikstücken.
Ein weiterer polnischer Musiker, der in Rapperswil Spuren hinterlassen hat, ist der Geiger, Lehrer und Komponist Stefan Turkowski. Im Archiv befinden sich seine Werke: Prelude Opus 2 (1941) und Nefris Opus 5 für Violine und Klavier.
In den Jahren 1925-1931 studierte Stefan Turkowski Violine am Staatlichen Musikkonservatorium in Posen und von 1946 bis 1947 Komposition an der Königlichen Musikakademie in Glasgow. In den Jahren 1918-1947 war er Angehöriger der Polnischen Armee. Seine Einsätze waren in Tschenstochau, Posen, Vilnius und ab September 1939 Ungarn, Frankreich, Schweiz und England. Seine berufliche Laufbahn begann in Posen. Von 1926 bis 1939 war er Orchestersolist und Chordirigent von «Wilenka». In den Jahren 1928-1930 arbeitete er auch als erster Geiger im Sinfonieorchester in Posen.
In den Jahren 1940-1945 war er Leiter eines Musikzentrums in der Schweiz. Von 1948 bis 1952 war er Professor an der Staatlichen Musikhochschule in Sopot und unterrichtete an der Staatlichen Musikgymnasium in Gdynia. 1952 begann er seine Arbeit im Pommerschen Sinfonieorchester des Polnischen Rundfunks und nachher im Pommerschen Sinfonieorchester.
Das Archiv in Rapperswil ist ein wertvoller Erinnerungsort mit einem Wissensschatz über polnische Komponisten im Exil, der noch zu entdecken ist.
Seine Musikdokumente können ein attraktives Forschungsobjekt und eine Inspirationsquelle für Musikwissenschaftler sein.
Agnieszka Bryndal