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Ringskulptur Schulanlage Huben 2011
Kunst am Bau für Mitwirkung der Schüler konzipiert
April/Mai 2011 kam Daniela Gugg zu mir und beauftragte mich, eine Ringskulptur für das Schulhaus Huben in Frauenfeld realisieren zu helfen.
Ihre Idee gefiel mir: Sie wollte einen Rohrring haben, der 50 Kapseln aufnehmen sollte, welche jedes Jahr einzeln befüllt werden konnten.
Die Schüler sollten jedes Jahr Briefe, Bilder etc. in die Kapsel stecken, welche die aktuelle Jahreszahl trägt. Dann sollten ALLE 50 Kapseln eins weiter geschoben werden, so dass die nächste und noch leer Kapsel bereitliegen würde für die nächste Klasse.. Um dann nächstes Jahr befüllt zu werden.
Bis, nach 50 Jahren, die volle Kapsel dann wieder am Anfang sein würde, um zu zeigen, was vor 50 Jahren der Nachwelt überliefert worden war.. Ab dann würde jedes Jahr eine weitere Kapsel reif für die Öffnung sein. (Zudem hatte Daniela in jede Kapsel noch ein Foto von sich selbst hineingelegt, das die Schüler alle Jahre finden würden - mit einer Bemerkung darauf, wie alt sie zu dem Zeitpunkt dann sein würde. Jede nächste Kapsel ein Jahr älter.)
Mir war klar, dass bei dem Projekt Langlebigkeit ein zentrales Thema sein würde. Schon damals – mehr noch heute – war das von Wichtigkeit. Nichts sollte durch Verwitterung oder auch Vandalisumus beeinträchtigt werden können.. Während der nächsten 50 Jahre!
Ich dachte mir also, ein Edelstahlrohr zu nehmen, das in dem grossen Kreis (Etwa 4 – 5 Meter Durchmesser) liegen sollte. Unmöglich, das am Stück herzustellen, wegen Transport und Handhabung. Aber in drei Stücken – das sollte gehen.
Die Rohrbiegerei Itten hatte keine Einwände, ausser, dass die Rohrstücke Überlänge haben würden, weil die Ansätze immer grad bleiben, also dann abgeschnitten werden müssen. Diese Rohre hatten Zollmasse, etwa 13 cm Innendurchmesser.
An den Kapseln grübelte ich lange herum: Anfangs wollte ich Teflonstücke an die Enden setzen, eins als Verschluss gebrauchen - bis ich erfuhr, was das gekostet hätte.. Dann ging ich zu 6 Füsschen über, je drei an den Enden. Die hatten auch den Vorteil, dass sie allfälligen Schutt am Grund des Rohres umschiffen konnten.
Daniela hatte übrigens eine Weile nach Kapseln gesucht: Z.B. um bei der Grundsteinlegung eines Hauses Mitteilungen zu vergraben konnte man das kaufen. Ein Stück zu 800.00 Franken! Verlötete Kupferkapseln, wenig widerstandsfähig.
Lieber verwendete ich ein entsprechend kleineres Edelstahl-Zollrohr, abgelängt, dass bei 50 Stück nicht etwa passieren konnte, dass am Ende bloss 49 Stück Platz finden würden..
Auf meiner Presse drückte ich Kalotten, am einen Ende aufgeschweisst und am anderen verschraubt. Maagtechnic vulkanisierte mir Dichtringe, welche über die Rohrkante kamen. Die Füsse nietete ich mit Dichtblindnieten an, d.h. die sollten kein Wasser reinlassen..
Ich wollte die Kapseln allein schon wasser- und staubdicht haben.
Das Rohr gedachte ich so einbetonieren zu lassen, dass die Einfüllöffnung an die tiefste Stelle zu liegen käme. Falls irgend Wasser reinfliessen sollte, durfte das nicht nach hinten ins Innere weglaufen können. Das hätte man nie mehr rausgekriegt.
An der Einfüllstelle schweisste ich an der tiefsten Stelle zudem einen Ablauf ein, der am Schluss durch die Mauer und ein Sieb ins Freie führen würde.
Den Rand der Einfüllöffnung liess ich hochstehen, während der Deckel am Ende darüber hinunterreichte, etwa zwei Zentimeter. Falls es Katzen hageln würde – sollte möglichst vermieden werden, dass Wasser reinfliessen könnte. Da der Ring seine Oberkante etwa 45 cm über dem Boden hat, würde sich das Wasser sich hoffentlich nicht so hochstauen, bis es reinfloss.
Bei so einer Flut würde es ohnehin durch die Ablauföffnung ins Innere hochgedrückt. (Worauf dann die Kapseln ihre Dichtigkeit zu beweisen hätten..)
Ich kaufte geeignete Flanschen mitsamt Dichtungen, um die drei Rohrstücke zusammenschrauben zu können.
Als ich den Ring zum ersten Mal im Garten bei mir zusammenfügte – war ich erleichtert. (Ich fürchtete, nicht genau genug gemessen zu haben, sodass die Stücke entweder zu kurz oder zu lang geworden wären..)
Als ich alles bereit hatte, mietete ich wieder den Autotransporter von meiner Garage – weil der genügend lang für die Rohrstücke war – und wir fuhren nach Frauenfeld, wo ich Helfer suchte, um sie an die vorgesehene Stelle zu tragen. Die Arbeiter schauten mich kopfschüttelnd an, bestellten den Kranhaken zum Parkplatz und schon flogen die schweren Teile durch den Himmel an den richtigen Ort.
Es war überhaupt ein Vergnügen, die Bauarbeiter am Werk zu sehen. Sie hatten die Giessformen schon bereit, auch die Armierungen. Und siehe da, mein Rohr passte hinein! Es wurde genau so unterlegt, dass eben die tiefste Stelle bei der Einfüllstelle war. (Ich hatte nicht die volle Anzahl Schrauben in die Flanschen geschraubt, weil das Ganze ja schliesslich einbetoniert wurde und sich bestimmt nicht mehr rühren würde.)
Als alles perfekt ausgerichtet dalag, wurde Beton eingefüllt. Das ging rasch.
Und dann kam der Mann mit der Vibriernadel, um den Beton einzuvibrieren… ich wurde sehr nervös.
Daran hatte ich nicht gedacht: Vor meinem inneren Auge drehten sich alle Verschraubungen wie von selbst auf, die Rohrstücke wurden auseinandervibriert, der Beton lief ins Innere der Rohre… Etwas schlecht wurde mir schon. Es gab keine Möglichkeit, etwas zu kontrollieren: Die Einfüllöffnung war zugeklebt, damit keinesfalls Zement reinlaufen konnte.. Nicht, dass ich nun etwa gebetet hätte – aber angestrengt gehofft, schon.
Vor allem: Erst wenn alles fertig und hart getrocknet war, konnte ich – und das auch erst, wenn ich die ganzen 50 Kapseln hier hätte – herausfinden, ob alles in Ordnung wäre..
Ich beschloss, an etwas anderes zu denken. Z.B. an den Fuchs, der vorhin durch die Baustelle gelaufen war und interessiert zugeguckt hatte..
Jedenfalls, als ich endlich reinschauen konnte, war nirgends Beton im Rohr zu sehen. Ich blies mit meinem Kompressor an einer Seite rein – und bei der anderen wehte mir die Luft entgegen!
Schien ein gutes Zeichen zu sein.
Die Kapseln hatten die fortlaufenden Jahreszahlen drauf, der kleine Fehler, dass ich mit 2011 angefangen hatte, war zu verschmerzen, weil ich ohnehin ein paar Kapseln zuviel gemacht hatte. (Das Schulhaus wurde erst 2012 wieder eröffnet, also fing die Zeit erst dann zu laufen an.)
Ich hatte mir auch überlegt: Wie verschiebt man alle 50 Kapseln miteinander herum – weil das ja alle Jahre erforderlich ist? Es war mir ja unmöglich, das auszuprobieren, weil die Rohre einbetoniert werden mussten, bevor die Kapseln fertig waren. Ich machte die erst hinterher.
Also entwickelte ich ein Hebelsystem: Links in der Einfüllöffnung kam ein Haken hin, wo ich die Kette einhängen konnte, welche mit dem anderen Ende an dem Hebel hing, der zusammenschraubbar war und am Ende eine Art Gabel hatte, mit welcher sich die Kapseln weiterschieben liessen. Kette und zerlegbarer Hebel deshalb, weil dieses Werkzeug auch unter dem Deckel der Einfüllöffnung verstaut werden musste. So dass es nicht verloren gehen konnte.
Und dann war alles gut: Die Kapseln liessen sich von Hand problemlos verschieben – auch die Teflonfüsschen bewährten sich. Aber schliesslich weiss man nicht, was für Sachen die Kinder in den nächsten Jahrzehnten einfüllen werden. Vielleicht Blei!
Den Deckel musste ich nach dem Einbetonieren des Rohrs nochmals abändern, weil der Beton danach etwas im Weg war. Also kam ich mit einer tragbaren Schweissmaschine nochmals um die Zuhaltung passend anzuschweissen. (Dabei lernte ich, dass man die Wolframelektrode nicht etwa am Pluspol anbringen darf. Weil sie zu meiner Verzweiflung andauernd abschmolz. Bis ich in Frauenfeld einen Metallbauer fand, der hauptsächlich mit Edelstahl – aber auf hochprofessionielle Weise – arbeitete. Mitleidig sagte er mir, dass ich Masse und Brenner vertauscht hätte.. Ich bin wohl knallrot geworden..
Aber bei meiner Maschine zuhause lässt sich das nicht vertauschen, darum war mir das noch nie passiert zuvor.. Peinlich!)
Es gab eine hübsche Einweihungsfeier mit viel Kindern, Eltern, einigen Politikerinnen und einem Essen, wo mir eine dieser Politikerinnen verwehren wollte, am Tisch neben Daniela zu sitzen. Ich fand, dass ich schliesslich bei dem Ding so massgeblich beteiligt gewesen war, dass ich nun ungern an irgendeinen Katzentisch verbannt werden wollte. Zudem kannte ich ja ausser ihr niemand, an dem Fest…
Die Kinder liessen eine Menge Ballons fliegen: Das war interessant, weil es ein wenig regnete. Schon nach wenigen Tropfen sanken die Ballons runter. Sie können offenbar nicht viel Ballast vertragen. Dann lagen sie weitherum verteilt auf den Feldern – bis später die Sonne kam, sie trocknete worauf sie dann doch wieder losflogen, ins Ungewisse..
Neben Daniela hat mir auch David Simon und Niklaus Rüegg assistiert.
https://www.iten.ag/ Autofina AG, Zürich,
Daniela Gugg, Stettfurt/Berlin
2011