Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03343.jsonl.gz/1398

Im März 2015 vollzog die Zürcher Kantonalbank die Übernahme der Swisscanto-Gruppe – für 360 Millionen Franken plus weitere erfolgsabhängige Zahlungen in den drei darauffolgenden Jahren. Bereits zuvor hatte sie mit 18 Prozent den grössten Anteil an diesem Unternehmen besessen. Es war von allen Kantonalbanken gemeinsam aufgebaut und geführt worden. Die Wurzeln von Swisscanto lagen in drei Bereichen, die letztlich in einer Holding zusammengefasst worden waren:
- gemeinsam betriebenes Fondsgeschäft, seit 1960
- Schaffung einer Auslandbasis für Finanzaktivitäten, seit 1985
- Vorsorgedienstleistungen für Unternehmen und Privatpersonen, seit 1973
Gemeinsam aufgebaut, von Zürcher Kantonalbank aufgekauft
Wer heute auf einem Werbeplakat für eine Fondslösung die Marke «Swisscanto Invest by Zürcher Kantonalbank» entdeckt, kann nur noch erahnen, dass sich dahinter ein ehemaliges Gemeinschaftswerk der Kantonalbanken verbirgt. Diese Anbieterin von Anlage- und Vorsorgelösungen hat eine sehr lange und auch wechselvolle Geschichte durchlaufen.
Im März 2015 vollzog die Zürcher Kantonalbank die Übernahme der Swisscanto-Gruppe – für 360 Millionen Franken plus weitere erfolgsabhängige Zahlungen in den drei darauffolgenden Jahren. Bereits zuvor hatte sie mit 18 Prozent den grössten Anteil an diesem Unternehmen besessen. Es war von allen Kantonalbanken gemeinsam aufgebaut und geführt worden. Die Wurzeln von Swisscanto lagen in drei Bereichen, die letztlich in einer Holding zusammengefasst worden waren:
Anzeige von Swisscanto Invest, 2017.
Die Swisscanto Holding (bis 2004: Swissca Holding) setzte sich aus drei verschiedenen Geschäftsfeldern zusammen, die historisch gewachsen waren.
Ein Strang war das Fondsgeschäft, das die Kantonalbanken 1960 mit einem eigenen Anlagefonds für Immobilien lancierten und dazu in Bern eine Aktiengesellschaft für die Fondsleitung gründeten. Im Laufe der Jahre kamen weitere Fonds der Schweizerischen Kantonalbanken auf den Markt. Die Fondsaktivitäten gingen 1993 an die neu gegründete Swissca Holding.
Ein anderer Strang war das Bedürfnis der Kantonalbanken, eine gemeinsame Auslandbasis zu schaffen. Sie erwarben 1985 eine Mehrheit an der Omnibank, die kurze Zeit später in Swiss Cantobank (International) umbenannt wurde. Sie schrieb allerdings Verluste und musste Anfang der 1990er Jahre saniert werden. Aus diesem Firmengeflecht gingen1993 die zwei Luxemburger Fondsmanagementgesellschaften an die Swissca Holding über, ein Jahr später folgte auch die Londoner Tochter Swiss Cantobank Securities Limited, die als Eurobondhaus fungierte und die Kantonalbanken auf den internationalen Kapitalmärkten vertrat.
Den dritten Strang bildeten zwei Stiftungen, die 1973 gegründet wurden. Die Prevista Anlagestiftung bot autonomen Pensionskassen und später auch privaten Inhabern von Freizügigkeitskonten und von Geldern der dritten Säule die Möglichkeit, sich mit geringen Kosten an einem professionell verwalteten Portefeuille aus Obligationen, Aktien und Immobilien zu beteiligen. Der Servisa Sammelstiftung konnten sich Unternehmen ohne eigene Pensionskasse anschliessen. Die beiden Stiftungen und das damit zusammenhängende Dienstleistungsangebot wurden 1996 ebenfalls Teil der Swissca Holding.
Die Kundenberater der Kantonalbanken werden über den neuen Namen des Gemeinschaftswerks informiert, 2004.
Schritt zur Diversifikation
Mit der vollständigen Übernahme von Swisscanto durch die Zürcher Kantonalbank konnten divergierende Vorstellungen der einzelnen Kantonalbanken über die strategische Ausrichtung und Weiterentwicklung des Unternehmens ausgeräumt werden. Daneben erlaubte die Akquisition der Zürcher Kantonalbank, die bereits bestehenden Infrastrukturen und Plattformen für die Verwaltung von Kundenvermögen durch höhere Volumina besser auszulasten. Die Zürcher Kantonalbank erweiterte mit dem Zukauf zudem ihre Angebotspalette im Fondsgeschäft. Weiter wurde die Abhängigkeit vom Immobilienmarkt des Kantons Zürich und dem entsprechenden Zinsgeschäft reduziert. Mit anderen Worten: Es folgte eine Diversifikation in Richtung Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft. Und schliesslich ergänzte der Kauf von Swisscanto die zuvor noch fehlenden Puzzleteile, um den Kunden einen vollen Service auch im Bereich Anlage und Vorsorge bieten zu können.
Die gut eingeführte Marke Swisscanto wurde als Produktenamen für Fonds beibehalten, jedoch versah man ihn später neben der näheren Umschreibung «Invest» mit dem Zusatz «by Zürcher Kantonalbank». Die neuen Verantwortlichkeiten sind so klar und transparent ersichtlich. Dank dem Kauf von Swisscanto ist die Zürcher Kantonalbank heute die drittgrösste Fondsanbieterin des Landes. Der Kommissionserfolg der gesamten Zürcher Kantonalbank Gruppe liegt heute bei einem Drittel des Geschäftsertrags, während er zuvor lange Zeit bei rund einem Viertel verharrte.
Titelbild: Anzeige von Swisscanto Vorsorge, 2016.