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Primoinfektion: Mega-HAART ist Mega, aber nicht besser
Nun hat eine Gruppe aus Amsterdam (eine erste randomisierte, klinische Studie vorgestellt, welche dieser Frage nachgegangen ist. Es wurden gut 110 Patienten mit Primoinfektion (ca. 80% symptomatisch) zufällig einem Behandlungsarm zugewiesen: Keine Therapie, eine Therapie von 24 Wochen Dauer oder 60 Wochen. )
Die Autoren wollten wissen, ob sich durch die vorübergehende Therapie der anschliessend unbehandelte Langzeitverlauf verbessern lässt. Dazu haben die Autoren zwei Endpunkte untersucht: a) die Viruskonzentration (nach 36 Wo ohne Therapie) und b) die Zeit, bis der Patient die akzeptierten Kriterien (Symptomatisch oder CD4 < 350) für einen Therapiebeginn erreicht.
Die Resultate sind rasch erzählt: Es findet sich kein Nutzen für den virologischen Setpoint, auch die CD4-Zellen werden durch die Therapie nur angehoben, um dann nach Therapieabbruch gleich schnell abzufallen. Als Folge davon wird der Zeitpunkt bis eine Therapie eingeleitet werden muss, um 1-1.5 Jahre verschoben, nicht deutlich länger als die Zeit, während der eine Therapie eingenommen wurde.
Ein klares Ergebnis der Studie ist auch, dass sich die beiden Behandlungsstrategien (24 oder 60 Wochen) nicht unterscheiden. Doch viel wichtiger scheint uns, dass in dieser Studie die falschen Fragen gestellt wurden.
Wenn wir einen Patienten während der Primoinfektion sehen, dann empfehlen wir ihm nicht eine Behandlung, um später einmal einige Monate Therapie einzusparen. Wir möchten erreichen, dass wir sein Immunsystem – das gastrointestinale eingeschlossen – in einem guten Zustand bewahren. Das ist der langfristige Nutzen einer Therapie.
Möglich ist sogar, dass wir die Therapie einmal ganz absetzen können, aber dazu müssten wir viele Jahre behandeln.So hatten Französische Autoren über einen erfolgreichen Absetzversuch der HIV-Therapie berichten (Hocqueloux et al, AIDS 2010) bei 6 von 32 Patienten, welche die während der Primoinfektion begonnene Therapie nach vielen Jahren Behandlung abgesetzt hatten.
Eindrücklich an der präsentierten Arbeit ist aber auch, dass die Hälfte der Patienten, welche nicht behandelt wurden, bereits nach einem Jahr eine Behandlungsindikation erreichte. Und auch die vorübergehende Behandlung hat kaum mehr als 1-2 Jahre Therapie eingespart (s. Abb.). So gesehen können wir getrost sofort bei der Primoinfektion mit der Behandlung beginnen und diese dauernd fortsetzen, eine Praxis die wir schon seit Jahren empfehlen.