Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03202.jsonl.gz/255

Eine geheime Friedensinitiative im Ersten Weltkrieg kostete den St.Galler Bundesrat Arthur Hoffmann den Kopf. Als aufflog, dass er an einem Sonntagmorgen dem Sozialdemokratischen Nationalrat Robert Grimm ein Telegramm vom Bundeshaus zur Schweizer Botschaft in Petrograd schickte und ihn damit für Friedensgespräche legitimierte, musste Arthur Hoffmann seine Demission einreichen. Damit war seine politische Karriere abrupt beendet.
Der Steckbrief
Arthur Hoffmann
|Geboren am 19. Juni 1857 in St.Gallen, gestorben am 23. Juli 1927. Hoffmann studierte Rechtswissenschaften. Von 1886 bis 1911 war er im Grossen Rat des Kantons St.Gallen und in dieser Funktion drei Mal Kantonsratspräsident. Während einiger Zeit sass er gemeinsam mit seinem Vater im Parlament. Von 1896 bis 1911 war er Ständerat, von 1911 bis 1917 Bundesrat. Auch sein Vater Kurt Hoffmann war Ständerat, und auch er wurde in den Bundesrat gewählt; er nahm die Wahl allerdings nicht an.|
Das Engagement
Der Politiker mit Mission
|Als Bundespräsident sorgte er dafür, dass Ulrich Wille als General eingesetzt wurde. Während seiner Amtszeit im Politischen Departement setzte sich Hoffmann für den Frieden ein. Er nahm Gespräche mit dem US-Präsidenten Woodrow Wilson auf, korrespondierte mit dem französischen Präsidenten – und 1917 versuchte er, deutsch-russische Friedensgespräche in Gang zu bringen. Diese private Aktion kostete ihn das Amt.|
Nach dem Rücktritt
Der vergessene Bundesrat
|Nach seiner Demission nahm Arthur Hoffmann seine Arbeit als Anwalt wieder auf. Er setzte sich für die Revision des Obligationenrechts ein und engagierte sich im Hochschulrat. 1927 starb Arthur Hoffmann. Bis heute erinnert keine Strasse, kein Platz an den Stadt-Sanktgaller Bundesrat. Im Gegensatz zu Hoffmann wurde Bundesrat Kurt Furgler mit einer Strasse geehrt.|
Über das Leben von Arthur Hoffmann hat der Toggenburger Paul Widmer ein Buch verfasst («Bundesrat Arthur Hoffmann: Aufstieg und Fall», NZZ Libro). Widmer, selbst ehemaliger Diplomat, Botschafter und heutiger Dozent für Internationale Beziehungen an der Uni St.Gallen, analysiert die «Affäre Hoffmann» und deckt auf, wie sich der St.Galler in die deutsche Kriegsstrategie einspannen lies.