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Prämissen
Zwischen den Gründen, die zur Entstehung einer Überzeugung führen und den Gründen, die eine Überzeugung rechtfertigen, ist immer eine Diskrepanz. Deshalb werden hier nicht Gründe an den Anfang gestellt, sondern Überzeugungen. Überzeugungen, die mit der Dialogischen Didaktik verträglich sind und - in der stärkeren Leseart - in der Dialogischen Didaktik zum Ausdruck gebracht werden.
Von den hier vorgestellten vier Prämissen lassen wir uns bei der Unterrichtsgestaltung leiten. Auf diese vier Prämissen legen wir uns fest, sie widerspiegeln (einen Teil der) Überzeugungen, die hinter der Dialogischen Didaktik stehen.
Prämisse 1:
Wirksame Instruktion entspringt und mündet im Zuhören.
Es ist denkbar, dass eine Lehrperson mit ihrem Angebot eine hervorragende Leistung erbringt, die Schüler dieses aber nicht nutzen können. Umgekehrt: die Schüler erbringen hervorragende Leistungen, aber die Lehrperson sieht sie nicht. In beiden Fällen ist die Unterrichtsqualität gering, weil zwar Höchstleistungen erbracht, aber nicht erkannt und genutzt werden. Deshalb muss die Lehrperson zuhören und ermitteln, wie ihr Angebot genutzt wird. Umgekehrt müssen die Schüler den Wert des Angebots erkennen, um es im intendierten Sinn nutzen zu können. Der Kreislauf von Kernidee-Auftrag-Lernjournal-Rückmeldung versucht konsequent das Angebot an die Nutzung, die Nutzung ans Angebot rückzukoppeln.
Prämisse 2:
Motivation entsteht und entwickelt sich mit der Erfahrung, etwas ausrichten zu können und Fortschritte zu machen.
Voraussetzung für die Entwicklung der Motivation ist die Erfahrung der Selbstwirksamkeit, der sozialen Eingebundenheit und der Autonomie. Diese drei Sorten von Erfahrungen spiegeln sich im Tun und Können: Handlungskompetenz umfasst personale, soziale und fachliche Aspekte. Motivation fördert den Aufbau von Handlungskompetenz und Handlungskompetenz nährt die Entwicklung der Motivation. Mit den Instrumenten Lernjournal, Rückmeldung und Autographensammlung der Dialogischen Didaktik sollen die drei Aspekte der Handlungskompetenz simultan gefordert und gefördert werden.
Prämisse 3:
Lernen bedeutet Umbau und Erweiterung, nicht Neubau.
Unterricht darf das Singuläre - das, was ein Schüler immer schon weiss und kann, seine Vorgeschichte, seine Vorurteile etc. - weder ignorieren noch entwerten. Denn, was Schüler denken und tun, ist oft nicht falsch, sondern anders. Diese singulären Konzepte müssen sichtbar und damit diskutier-, verhandel- und bearbeitbar gemacht werden. Nutzt die Lehrperson das bei den Schülern schon Vorhandene, kann sie erstens reguläre Konzepte und Verfahren auf für die Schüler einsehbare und überzeugende Weise darstellen und braucht zweitens erst noch weniger zu instruieren. Das Instrument des offenen Auftrags soll dem Schüler ermöglichen, Tritt zu fassen gegenüber dem fachlichen Objekt.
Prämisse 4:
Ohne Erfolg keine Anstrengung, ohne Anstrengung keinen Erfolg.
Die Unterscheidung von Produkt und Prozess bring eine Unterscheidung in der Bewertung mit sich. In der Dimension Produkt stehen Defizite im Vordergrund. Hingegen wird in der Dimension Prozess nach Qualitäten gesucht; Gelungenes wird bewusst gemacht. Während des Verstehensprozesses wirkt die Honorierung von Eigenleistungen motivierend und der Hinweis auf Erfolg versprechende Aktionen stärkt die Handlungskompetenz. Daher muss ein offener Auftrag so formuliert sein, dass die Schwächsten am Ball bleiben und die Stärksten in die Tiefe gehen können. Ist im Lernjournal eine genug intensive Auseinandersetzung dokumentiert, erhält der Schüler eine genügende Bewertung; bei deutlicher Erkennbarkeit von Stärken und Qualitäten eine entsprechend höhere Bewertung.