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Die Produzenten der James-Bond-Filmreihe, Albert Broccoli und Harry Saltzmann, hatten Paul McCartney bereits 1971 für den Titelsong von «Diamantenfieber» kontaktiert, vergaben den Auftrag aber nochmals an ihren bewährten Komponisten John Barry, der dann beim Soundtrack für «Live And Let Die» verhindert war. So kontaktierten sie McCartney erneut im Oktober 1972. Da Tom Mankiewicz das Drehbuch für den Film noch nicht beendet hatte, liess sich Paul von den Produzenten Ian Flemings Roman senden.
mit vereinten Kräften
«Als Songwriter war es schon immer einer meiner Träume gewesen, einen Bond Titelsong zu komponieren», so Paul 2001 in «Wingspan». McCartney ist der Überzeugung, dass es nicht lange dauert, gute Songs zu schreiben, sie entstehen quasi von alleine. Bei «Live And Let Die» war es so. «Ich habe das Buch ‹Live And Let Die› an einem Tag gelesen und begann noch am selben Abend mit dem Song. Am anderen Tag fuhr ich fort und beendete ihn gegen Abend… Ich setzte mich ans Klavier, arbeitete ihn etwas aus und nahm danach mit George Martin Kontakt auf, der dann den Song mit uns produzierte.» Unterdessen ist McCartneys Narrativ, dass er das Buch an einem Samstag las und am Sonntag den Song schrieb.
In einem anderen Interview gibt Paul noch einen weiteren Einblick in den Entstehungsprozess: «Linda und ich spielten ein wenig mit den Worten herum.» Wie Paul heute freimütig an seinen Konzerten erzählt, stammt die Musik zum Mittelteil, von Linda. Die Worte: «What does it matter to ya? When you got a job to do / You got to do it well / You gotta give the other fellow helll» sind mit einem Reggae-Rhythmus unterlegt.
Dass Paul noch am selben Tag, als er den Song schrieb, auch George Martin kontaktierte, lag auf der Hand, war aber noch nicht folgerichtig. Im Herbst 1968 hatte sich George Martin während den Aufnahmen zum «Weissen Album» zusammen mit den Beatles aufgerieben. Bei den unerfreulichen «Get Back»-Sessions im Januar 1969 war George Martin als Produzent zugegen, wobei die Rollenteilung zwischen ihm und Glyn Johns nicht ganz klar war. So hatte er im Sommer 1969 nur unter Bedingung, dass alles sein würde wie früher, zugestimmt, das «Abbey Road» zu produzieren. Drei Jahre später, im Herbst 1972, war es das erste Mal, dass er wieder mit Paul zusammenarbeitete. die Aufnahmen Da die Wings 1972 noch wenige Songs im Repertoire hatten, und ein Nachfolger ihres Debutalbums «Wild Life» einspielen wollten, war Paul McCartney im Produktionsmodus, so unterbrachen die Aufnahmen für «Live And Let Die» nicht den Arbeitsfluss am Album.
Nachdem Paul mit der Unterstützung von Linda den Song geschrieben und George Martin bereit war, in zu produzieren, lud ihn Paul nach zu sich nach Hause ein: «Ich setze mich ans Klavier, arbeitete mit ihm das Arrangement aus und er ging wieder und orchestrierte es. Ich kann das nicht, ich kann den Instrumenten keinen Stimme komponieren. In meinen Kopf schon, aber ich weiss nicht, wie es zu Blatt kriege. So sage ich, die Cellos sollen in A spielen, und er (George Martin) sagt: ‹Oh, natürlich. Aber für in ihrer Tonart ist es B-Dur.› Ich kann ihm die Klavierstücke geben. So haben wir das ausgearbeitet und sind dann ins Studio gegangen, wo wir es in wenigen Tagen aufgenommen haben», erzählte Paul in den 1970er-Jahren Paul Gambaccini.
Paul McCartney hat nie eine Musikschule besucht und auch nie Noten lesen gelernt, so war er und ist auf einen Arrangeur angewiesen, der seine Ideen in Noten ausdrückt, so arbeitete er bei seinen Oratorien mit ausgebildeten Musikern und Komponisten zusammen, obwohl er heute vieles auf dem Computer komponiert, der am Ende auch Noten ausdrucken kann. George Martins Arrangements zu «Eleanor Rigby» und «For No One» beispielsweise stehen auch für sich alleine. Und auch «Live And Let Die» ist ein Beispiel für das Teamwork McCartney/Martin, denn Pauls Briefing für das Arrangement war, dass er Explosionen und Feuerwerk wollte.
süsser Müssiggang
Die B-Seite «I Lie Around» besingt einmal mehr Pauls Freude am Landleben. «Roll along wheel of fortune / as you roll along I stick around / further more in the country I will lay my burden down». Die Stadtflucht ist eines der Hauptthemen in Pauls Songwriting Anfang der 1970er-Jahre, wie «Heart Of The Country», «Big Barn Bed», «Little Lamb Dragonfly» oder «Country Dreamer» zeigt. Auch wenn er es nicht bestätigen würde, kann man in «I Lie Around» durchaus autobiografische Bezüge finden: «Too long have I been the heart of the matter / All along I was only over tired and overtaken». So hatte Paul sich Paul an vorderster Front um das Fortbestehen der Beatles bemüht, und hatte sich am Ende übermüdet und von den Ereignissen überrolllt auf seine Farm Lower Ranachan in Schottland zurückgezogen.
Paul McCartney 1973. Foto: Beatles Photo Blog
Der Song beginnt mit dem Summen von Insekten und Begeisterungsrufen von den Bandmitgliedern. Die ersten beiden Strophen singt Denny Laine, die dritte Paul, in frühen Fassungen sang Paul noch alle Strophen, da mit der Arbeit am Song während den «RAM»-Sessions begonnen. Im Oktober und November 1970 wurde der Basistrack eingespielt, im Februar 1971 und November 1972 wurden die Overdubs aufgenommen. Es ist hauptsächlich ein Song mit akustischen Gitarren und Arpreggios eingespielt, beim Refrain kommen Trompeten und Posaunen hinzu.
die Versionen
«I Lie Around» war für das ursprüngliche Doppelalbum von «Red Rose Speedway» vorgesehen, fiel aber der Reduktion auf ein einfaches Album zum Opfer. Immerhin seit 1993 ist der Song als Bonus-Track auf der digital remasterten Ausgabe des Albums innerhalb der «Paul McCartney-Collection» verfügbar. 2018 erschien er auf den verschiedenen Formaten der Wiederveröffentlichung von «Red Rose Speedway» im Rahmen der «Archive Collection» (Download, Bonus-CD und Bonus LP, der Deluxe Edition) sowie auf dem neu herausgegebenen Doppelalbum: «Red Rose Speedway: Reconstructed».
«Live And Let Die» wurde ausschliesslich als Single von den Wings und dem Soundtrack-Album zum Film veröffentlicht. Dort ist auch die von B. J. Arnau in der Nachtclubszene in New Orleans gesungene Souladaption des Songs enthalten. Hierfür arrangierte George Martin den Song neu und produzierte ihn mit Arnau. «Live And Let Die» ist seit 1973 fester Bestandteil in McCartneys Liveprogramm. Er ist auf fast allen seinen Livealben enthalten: «Wings Over America» (1976), «Tripping The Life Fantastic» (1990), «Paul Is Live» (1993), «Back In The U.S» bzw. «Back In The World» (2002/2003) und «Good Evening New York City» (2009). Da «Live And Let Die» eine Non-Album Single ist, dauerte es bis 1978, bis der Song auf «Wings Greatest erstmals in der Originalversion erhältlich war. Er ist unverzichtbarer Bestandteil von «All The Best!» (1987), «Wingspan Hits and History» (2001) und auf «Pure McCartney» (2016). Da Paul McCartney und die Wings den Song während den Aufnahmen zu «Red Rose Speedway» aufnahmen, ist er 2018 im Rahmen der «Archive Collection» auf der Wiederveröffentlichung des Albums enthalten.
Paul McCartney 1973. Foto: Beatles Photo Blog
«Live And Let Die» ist auf verschiedenen Kompilationen mit Bond-Songs erhältlich. Eine neue Alternativ-Version von «Live And Let Die» mit leicht abgeändertem Gesang ist auf dem Soundtrack zum Film «The In Laws» (2003) erhältlich. 2005 remixte und dekonstruierte Freelance Hellraiser «Live And Let Die» für das Album «Twin Freaks». Auf der Bonus-CD in der «Archive Collection» von «Red Rose Speedway» findet sich der eindrückliche Basistrack ohne George Martins Orchesterarrangement und illustriert noch einmal, was für eine kraftvolle Rockband die frühen Wings gewesen sind.
Rezeption und Statistik
In den US-Charts erreichte die Single Platz 2 in den offiziellen Billboard-Charts (Rang 1 in den Record World Charts) und wurde mit einer goldenen Schallplatte für Verkäufe über 1 Million Mal. In England den wurde Rang 9 notiert, (der 7 in der Rangliste des New Musical Express). Weitere Topten-Klassierungen gab es in Kanada und Norwegen (Rang 2), Platz 5 in Australien, Neuseeland vermeldete Platz 20, Japan Platz 25, die Niederlande 29 und die BRD 31. In der Schweiz konnte sich die Single nicht klassieren.
«Live And Let Die» war 1974 zwei Mal auf der Grammy-Shortlist, Paul McCartney und die Wings in der Kategorie Best Contemporary Vocal Performance by a Duo, Group or Chorus und George Martin für das beste Arrangement mit Gesangsbegleitung. Während es bei Paul für mit der Nomination blieb, erhielt George Martin den Grammy. Auch bei den Oscars war «Live And Let Die» als bester Film Song nominiert. Es war McCartneys zweite Oscar-Nominierung. Das Rolling Stone klassierte 2017 «Live And Let Die» auf dem dritten Platz der besten Bond-Songs.
Am 16. Oktober 2012 zeichnete die weltweit grösste Musikrechte-Vermarktungs-Organisation Broadcast Music Incorporatet BMI «Live And Let Die» für vier Millionen Radioausstrahlungen alleine in den USA aus. Paul McCartney toppt sich selbst, 2012 wurde «Yesterday» 9 Millionen Mal am US-Radio gespielt. Seit dem US-Debut der Beatles im Februar 1964 wurden McCartneys Songs 75 Millionen Mal am Radio gespielt.
Paul McCartney erhält im Oktober 2012 von Brandon Bakshi, Executive Director, Writer, Publishers Relations, Europe and Asia von BMI, den BMI-Million Award für 4 Millionen Ausstrahlungen von «Live And Let Die» in amerikanischen Radios. Foto: bmi.com

Tracklist
Live And Let Die
I Lie Around
weitere Covers
Zuoberst das Cover aus Deutschland, zuunterst jenes von Frankreich.
Die Noten von «Live And Let Die», sie waren für 20 Pence erhältlich.