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ab 1980
Chronologie
... der Würdigungen des KREIS nach seinem Ende
1980 brachte Joachim S. Hohmann unter Mitarbeit des gelegentlichen Kreis-Autors Erich Lifka einen Erinnerungsband "Der Kreis, Erzählungen und Fotos" beim Foerster Verlag Frankfurt und Berlin heraus.
1983 erschien die Anthologie "Entstellte Engel, Homosexuelle schreiben", wiederum herausgegeben von Joachim S. Hohmann. Darin waren etliche Erzählungen aus dem Kreis enthalten, unter anderem eine von Rolf "Die Kette" und im Anhang wurde der Kreis vorgestellt und seine Bedeutung skizziert.1
1988 erschien ein weiteres Buch mit Geschichten und Fotos aus dem Kreis: "Schiffe, die sich nachts begegnen. Klassische Erzählungen und Lichtbilder aus der Welt der Homosexuellen", ebenfalls herausgegeben von Joachim S. Hohmann, der sein Vorwort überschrieb: "In Erinnerung an die legendäre Homosexuellenzeitschrift Der Kreis".2
1988 Basel: In der ersten schweizerischen Ausstellung zum Thema Homosexualität mit dem Titel "Männergeschichten, Schwule in Basel seit 1930" wurde der KREIS erwähnt und knapp dargestellt. Der umfangreiche Katalog zur Ausstellung brachte hingegen die erste Würdigung aus der Schweiz unter dem Titel "Der Kreis und sein idealer Schwuler", verfasst von Thomas Löw. Ein interessantes Porträt auch deshalb, weil es aus der Sichtweise jener Zeit entstand.3
1997 Berlin: Die grosse Ausstellung "100 Jahre Schwulenbewegung - Good bye to Berlin?" in der Akademie der Künste setzte die Zeitschrift Der Kreis erstmals so ins Bild, dass deren inhaltliche Breite und weit über die Schweiz hinausreichende Bedeutung voll erkennbar wurde - 30 Jahre nach ihrem Ende. Das Buch zur Ausstellung, die vom 17. Mai bis 17. August dauerte, enthielt auch ein Kapitel über das Schweizerische Freundschaftsbanner, verfasst von Manfred Herzer, und eines von Karl-Heinz Steinle mit dem Titel: "DER KREIS - Entwicklungshilfe aus der Schweiz".4
1999 Berlin: Das Schwule Museum Berlin realisierte die erste Ausstellung überhaupt, die ausschliesslich dem KREIS gewidmet war und in welcher ihn das Team um Karl-Heinz Steinle und Andreas Sternweiler in seiner Ganzheit als Zeitschrift und Organisation vorstellte und eingehend würdigte. Titel dieser Ausstellung: "DER KREIS: Mitglieder, Künstler, Autoren".5 In einem Artikel in der Winterthurer Zeitung Der Landbote stand:6
"Zürich und Frauenfeld interessierten sich für die Ausstellung, gingen aber - offenbar wegen politischer Vorbehalte - bisher keinen Vertrag ein."
Ebenfalls 1999 erschien rechtzeitig zur Eröffnung der Berliner Ausstellung das erste den Kreis umfassend darstellende Buch sowohl in englischer wie in deutscher Ausgabe, beide vom selben Verfasser, Hubert Kennedy: "Der Kreis Le Cercle The Circle, eine Zeitschrift und ihr Programm" und "The Ideal Gay Man, The Story of Der Kreis".7
2000 Zürich: Ein Teil der Berliner Ausstellung, modifiziert und stärker auf die Schweiz bezogen, verschaffte endlich erstmals dem KREIS im eigenen Lande jene Beachtung, die er schon längst verdient hätte. Dies nicht in einem stadtzürcherischen Ausstellungsraum. Der Ort dieser kleinen Ausstellung war von gesamtschweizerischer und darum besonders grosser Bedeutung: Sie konnte vom 2. Mai bis 25. Juni im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich gezeigt werden, wodurch der KREIS und mit ihm die ganze schweizerische Schwulenbewegung offiziell anerkannt und als integrierter Teil der nationalen Sozialgeschichte gesehen wurde.
Dieser bedeutsame Ausstellungsort kam durch sinnvolles Zusammenspannen des "Vereins EuroGames Zürich", der Schwulenorganisationen Pink Cross und Network, sowie des Landesmuseums und des eidgenössischen Bundesamtes für Kultur zustande. Aufgebaut wurde sie durch die Leihgeberin, das Schwule Museum Berlin. Die schwul-lesbischen EuroGames fanden zur selben Zeit statt und die Ausstellung war Teil ihres Kulturprogramms "Warmer Mai". Als Katalog diente das oben erwähnte Heft Nr. 2 des Schwulen Museums Berlin.
2002/03 Zürich: Vom 10. Oktober bis 18. Januar konnte unter der Schirmherrschaft des städtischen Präsidialdepartements die Ausstellung "unverschämt - Lesben und Schwule gestern und heute" im Zürcher Stadthaus mit grossem Erfolg gezeigt werden. Darin nahm der KREIS jene zentrale Rolle ein, die seiner Stellung in der Schweizerischen wie Internationalen Schwulengeschichte gebührt. Jetzt hatte auch die Stadt Zürich offiziell dem KREIS eine sozialgeschichtlich wie politisch erstrangige Plattform gegeben. Zu dieser Ausstellung war ein Katalog geplant, der aber nicht realisiert werden konnte. Daraus ist jedoch die Website schwulengeschichte.ch entstanden.
2004 Basel: Dieselbe Ausstellung, verkleinert und modifiziert, dafür um die spezifische Basler Geschichte erweitert, erzielte im Mai grosse öffentliche Beachtung.
2005 Bern: "unverschämt" zog im Oktober, ebenfalls kleiner, aber um die Berner Geschichte bereichert, eine schöne Zahl von Besuchern an.
2013 Zürich: Der Film DER KREIS wird gedreht. Regie hat Stefan Haupt. Es handelt sich um einen Doku-Spielfilm. Anhand der Liebesgeschichte von Röbi Rapp und Ernst Ostertag werden Höhepunkt und Ende der Homosexuellen-Organisation DER KREIS dargestellt.
2014 gewinnt dieser Film an der Berlinale sowohl den Teddy-Award wie den Publikumspreis. Auf Tournee an diversen Festivals weltweit erhält er noch andere Preise. Im September ist die schweizerische Kino-Premiere, im Oktober jene in Deutschland und im November erscheint er in Grossbritannien und den USA. Zugleich erwählt ihn die Schweiz offiziell als ihren Beitrag an die Verleihung der Oscars in der Sparte Foreign Language Films. Der Regisseur und die beiden Protagonisten, Röbi Rapp und Ernst Ostertag gehen auf Promotion-Tour nach New York (mit zwei Empfängen auf dem Schweizerischen Generalkonsulat) und Los Angeles (mit Vorführungen bei den Golden Globes und im ArcLight Theater, Hollywood, und Empfang im Schweizerischen Generalkonsulat).
2015 gewinnt DER KREIS bei der Verleihung der Schweizer Filmpreise vom 13. März in Genf vier Kristalle, je einen für "Bestes Drehbuch", "Bester Spielfilm", "Besten Hauptdarsteller" (Sven Schelker in der Rolle von Röbi Rapp) und "Bester Nebendarsteller" (Peter Jecklin als Rektor eines Mädchengymnasiums). DER KREIS wird damit zum meistdekorierten Werk der Schweizer Filmpreise 2015. Im März kommt der Film in Frankreich in die Kinos, im April und Mai in Italien und im Juni in Österreich. In der Schweiz war er 17 Wochen in den Kinos zu sehen.
2017 Sämtliche Ausgaben der Monatsschrift Der Kreis - Le Cercle - The Circle samt den drei Vorgänger-Zeitschriften Freundschafts-Banner, Schweizerisches Freundschafts-Banner, Menschenrecht sind digitalisiert und stehen der Öffentlichkeit zur Verfügung.
Ernst Ostertag, Januar 2006, Juli 2014, April 2015, November 2017
Quellenverweise
- 1
Joachim S. Hohmann, Hrsg., Entstellte Engel, Homosexuelle schreiben, Seiten 323 bis 326, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a.M. 1983
- 2
Joachim S. Hohmann, Hrsg., Schiffe, die sich nachts begegnen. Klassische Erzählungen und Lichtbilder aus der Welt der Homosexuellen, Foerster Verlag, 1988
- 3
Thomas Löw, Männergeschichten, Schwule in Basel seit 1930, Seite 157 bis 165, "Der Kreis und sein idealer Schwuler", Ausstellungskatalog, 1988 Basel.
- 4
100 Jahre Schwulenbewegung - Good bye to Berlin?, Ausstellungskatalog, Seiten 130 bis 134 und Seiten 238 bis 244, Berlin 1997
- 5
Karl-Heinz Steinle: "DER KREIS: Mitglieder, Künstler, Autoren" Verlag Rosa Winkel, Berlin 1999. Die Ausstellung dauerte vom 22. April bis 25. Juli
- 6
Der Landbote, 8. Juli 1999, Seite 5
- 7
Hubert Kennedy: Der Kreis Le Cercle The Circle, eine Zeitschrift und ihr Programm, Verlag rosa Winkel, Berlin, 1999; The Ideal Gay Man, The Story of Der Kreis, Journal of Homosexuality, Vol 38, No 1 / 2, 1999