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Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1987 von Fritz Schwarzenbach
Telefonanruf eines befreundeten Sekundarlehrers: «Im Keller des Sekundarschulhauses Fuhr fanden wir eine Sandsteinplatte mit Abdrücken von Vogelfüssen. Weisst du etwas davon?» «Die suche ich seit mehr als 20 Jahren», meine Antwort. Hier ihre Geschichte:
Am 9. September 1934 zog eine Gewitterwolke von der Grimsel bis ins Appenzellerland. Ein Kälteeinbruch von Westen her stiess am Alpenrand auf feuchtwarme Luft und löste wolkenbruchartige Regen aus, die an manchen Orten zu zerstörenden Überschwemmungen führten. Ich kam an jenem Abend mit der Bahn von Aargau her um halb acht Uhr nach Wädenswil. Es regnete, doch nicht mehr allzu stark. Auf dem Bahnhofplatz stand der Kompaniekommandant der Dorfkompanie der Feuerwehr, Jean Brändli, und begrüsste mich mit der Aufforderung, zu Hause die Uniform anzuziehen und am Töbelibach beim Leihof zu helfen. Dort fand ich einige Leute meines Zuges an der Arbeit, den verstopften Abfluss des Baches zu entrümpeln. Das Wasser hatte die Strasse überflutet und sich im Töbelisträsschen ein neues Bett gegraben. An der Schönenbergstrasse hatte das Wasser schon ein Stück des Asphalts weggerissen.
20 Millionen Jahre alte Spuren von Strandvögeln.
Im «Anzeiger vom Zürichsee» 11. bis 13. September 1934 finden sich Schilderungen über das Unwetter. In Wädenswil herrschte während einer Stunde ein Wolkenbruch, der auch kleine Bäche zu reissenden Gewässern machte. Der Zug, mit dem ich gekommen war, konnte nicht weiterfahren. Zwischen dem Giessen und Richterswil waren die Geleise mit Schlamm überflutet, in Lachen hingen bei einer Brücke die Schienen in der Luft. Auf die SOB musste den Verkehr einstellen. In Biberbrugg war eine grössere Gesellschaft von Rigireisenden blockiert, in Einsiedeln ein Schaffhauser Pilgerzug. Erdrutsche am Rossberg und am Rigi sperrten die Zufahrten zur Gotthardlinie; zwischen Immensee und Arth fuhr ein Zug in eine Rüfi, die Lokomotive ein einige Personenwagen entgleisten. Bis Sonntagabend waren die Strecken der SOB wieder passierbar, so wurden die Eilgüter nach dem Süden über Wädenswil-Biberbrugg nach Goldau befördert. Schlimm stand es im Aegerital; grössere Schäden wurden auch aus dem Gaster, dem Toggenburg und dem Appenzellerland gemeldet.
In Wädenswil sperrte ein Erdschlipf beim Hänsital die Schönenbergstrasse. Die Strasse ob dem Schloss war aufgerissen, und das Wasser floss durch das Areal der Forschungsanstalt, ein anderer Teil durch die Wiesen der Heimwesen Meienburg und Isler an der Etzelstrasse. Die Meierhofstrasse war unpassierbar, der Fussweg zur Einsiedlerstrasse neben dem Haus Knecht ein Bachbett, in dem die Sandsteinplatten, die den Garten eingefasst hatten, herumlagen.
Als ein oder zwei Tage später alt Bahnhofinspektor Schnyder, der im Ruhestand vom Grenzbahnhof Buch in seine Heimatgemeinde zurückgekehrt war, dort vorbeikam, entdeckte er auf einer der Sandsteinplatten versteinerte Vogelspuren. Wir kannten uns von Buchs her, er war dort ein bekannter Hobbybotaniker und konnte mir Standorte von Pflanzen zeigen, die ich für eine Arbeit benötigte. Wir verhandelten mit dem Besitzer der Liegenschaft an der Meierhofstrasse, der die Platten nicht mehr verwenden wollte und froh war, wenn sie entfernt würden. Die Brauerei stellte ein Auto und drei Arbeiter für den Abtransport zur Verfügung, keine leichte Arbeit, wog sie doch 500 Kilogramm.
Beim Sekundarschulhaus stellten wir sie an die Mauer neben der Treppe; 15 Franken Trinkgeld waren die ganzen Kosten. Eine Anfrage bei geologischen Institut der ETH ergab dort kein Interesse. So schützten wir die Platte mit einer dicken Glasplatte und befestigten sie an der Mauer beim Sekundarschulhaus.
Unwetter vom 9. September 1934. Zerstörung an der Meierhofstrasse.
Überschwemmte Seestrasse und Bahngeleise ausserhalb dem Seegut. Aufnahme vom 10. September 1934.
Sehr wahrscheinlich stammt die Platte aus dem Steinbruch in Bäch, wo die obere Meeresmolasse, die vor ungefähr 20 Millionen Jahren gebildet wurde, für Baumaterial ausgebeutet wird. Im leicht gewellten Sand suchten Vögel damals Nahrung. Ein starker Regen schwemmte feines, wohl toniges Material in die Spuren, später bedeckte sie Sand, der später zum harten Sandstein wurde, in immer neuen Schichten. Herr Speck in Zug, ein Spezialist für solche Bildungen, schaute später die Platte an. Er schrieb mir, er vermute aus der Länge der Zehen, dass es sich um eine Reiherart gehandelt habe, zugleich legte er ein Foto bei mit ähnlichen, aber bedeutend kleineren Abdrücken, die er auf anstehendem Fels im Sihlbett entdeckt hatte.
Als ich 1963 nach Wädenswil zurückkehrte, vermisste ich die Platte beim Gerwerbeschulhaus. Niemand wusste, wo sie hingekommen war. Eine Suche im Keller war erfolglos. So bin ich froh, dass sie kürzlich wieder zum Vorschein gekommen ist.