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Er scheute keine Auseinandersetzung
Kardinal Joachim Meisner ist am 5. Juli 2017 im Alter von 83 Jahren verstorben. Der Kardinal, der keine Konflikte scheute, war von 1989 bis 2014 Erzbischof von Köln.
Meisner wurde am 25. Dezember 1933 in Breslau als zweiter von vier Brüdern geboren. Seine Eltern führten ein Einzelhandelsgeschäft, bis der Vater im Krieg fiel und die Familie 1945 zu Fuss und mit der Bahn vor der Roten Armee fliehen musste. Die Familie kam schliesslich in Körner bei Mühlhausen in Thüringen an. Dort machte er 1948 seinen Schulabschluss und begann eine Lehre als Bankkaufmann. 1956 begann er ein Studium der Philosophie und Theologie in Erfurt, das er sechs Jahre später erfolgreich abschloss.
Meisners Bischofsweihe fand am 17. Mai 1975 statt. Fünf Jahre später wurde er zum Bischof von Berlin berufen. Meisner liess sich in all den Jahrzehnten in der DDR nie von den Kommunisten beeindrucken. In einem Nachruft im „Tagesspiegel“ heisst es: „1980 kam er als Bischof in die geteilte Stadt Berlin und legte sich mit Honecker und Genossen an. Angesichts der Sowjetsterne auf vielen öffentlichen Gebäuden der DDR rief er beim Dresdner Katholikentag 1987 in die Menge, dass die Katholiken ‚keinem anderen Stern folgen als dem von Bethlehem‘“. Auch bemühte sich Meisner als Bischof besonders um die Aussöhnung mit Polen, Tschechen und Slowaken.
Am 5. Januar 1983 wurde Meisner zum Kardinal ernannt. Damit übernahm Meisner auch weltkirchliche Mitverantwortung. Nachdem er acht Jahre lang Bischof im geteilten Berlin war, folgt 1988 seine Ernennung zum Erzbischof von Köln. Meisner scheute keine Konflikte. Insbesondere setzte er sich auch für den Schutz des ungeborenen Lebens ein. Auf seine Initiative hin verfügte Papst Johannes Paul II. 1999 den Ausstieg der katholischen Kirche in Deutschland aus dem staatlichen System der Schwangerenberatung, das der „Pro-Choice“-Haltung verpflichtet war. Im Zusammenhang mit Lebensrechtsfragen forderte Meisner auch mehrfach die CDU auf, das „C“ aus ihrem Namen zu streichen.
„Auf die spannende Gottesfrage hat er sich nicht nur mit Leib und Seele eingelassen, sondern auch auf die Spannungen, die damit in einer pluralistischen Gesellschaft verbunden sind“, schreibt das katholische Nachrichtenportal kath.net in einem Nachruf. „Dies machte ihn zu einem der profiliertesten Vertreter der Kirche nicht nur in Deutschland und zu einem gefragten Gesprächspartner – wobei er seine Beiträge nicht den Erwartungen des Publikums anpasst, sondern immer das Ziel vor Augen hat, aus einem unerschütterlichen Glauben heraus Christus berührbar zu machen.“ Sein bischöfliches Motto „Unsere Hoffnung für Euch steht fest“ aus dem 2. Korintherbrief (1,7) war gleichzeitig auch der Titel des letzten Hirtenbriefes, den er anlässlich seiner Emeritierung als Erzbischof am 28. Februar 2014 als Abschiedsbrief an die Gemeinden im Erzbistum Köln richtete.