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Amphibien zählen zu den am stärksten bedrohten Tieren der Erde. Nebst den «klassischen» Ursachen wie Habitatverlust und Umweltverschmutzung spielen auch Krankheiten wie die Chytridiomykose, die sich zurzeit ausbreitet., eine wichtige Rolle. Sie wird durch Batrachochytrium dendrobatidis, den Amphibien-Chytridpilz, ausgelöst. Der Ursprung dieses Erregers ist unbekannt; älteste Vorkommen sind in konservierten Krallenfröschen aus Afrika nachgewiesen worden. Ob der Pilz tatsächlich von dort kommt, ist ungewiss. Als sicher gilt jedoch, dass er seit den 1980er Jahren an verschiedenen Orten der Erde plötzlich aufgetreten ist und binnen kurzer Zeit ganze Amphibien-Lebensgemeinschaften dahingerafft hat, insbesondere in Süd- und Zentralamerika sowie in Australien.
Wie der Informationdienst Biodiversität Schweiz berichtet, haben Wissenschaftler am Institut für Biogeographie der Universität Trier nun in Zusammenarbeit mit weltweit anerkannten Instituten anhand des bisherigen Vorkommens des Pilzes und Klimadaten ein Modell erstellt, mit dessen Hilfe sich die potenzielle globale Verbreitung des Pilzes vorhersagen lässt. Die Studie sagt voraus, wo überall in der Welt Batrachochytrium dendrobatidis Bedingungen vorfindet, die seine Etablierung begünstigen. Das Forscherteam zeigt unter anderem, dass der Erreger beste Bedingungen in einigen Regionen findet, die als Diversitätszentren für Amphibien gelten, aber bisher noch frei vom Chytridpilz sind. Kombiniert man das Modell für die potenzielle Verbreitung des Pilzes mit Verbreitungskarten der bekannten Amphibien, zeigt sich, dass 1100 Arten ausschliesslich in Regionen vorkommen, die für den Pilz als sehr geeignet gelten. Wenn man allein die Froschlurche betrachtet, so gelten solche, die bestimmte Lebensweisen besitzen, als besonders empfänglich für die Chytridiomykose (z.B. Vorkommen in Gebirgen, Fortpflanzung in Fliessgewässern). Dies sind vornehmlich Frösche und Kröten aus tropischen Regionen Südamerikas, Afrikas, Asiens und Australiens. Die Forschergruppe nimmt an, dass es sich bei diesen 379 Arten um die am stärksten durch den Chytridpilz gefährdeten Amphibien handelt. Auch in Europa findet der Chytridpilz zunehmend geeignete Lebensbedingungen vor; viele einheimische Arten sind bereits infiziert. Die Trierer Forscher widmen sich daher nun verstärkt der Frage, ob und in welchem Masse der Amphibienerreger auch bei uns beginnt Fuss zu fassen und mit welchen Folgen zu rechnen ist.
Möglichkeiten der Bekämpfung von Batrachochytrium dendrobatidis in der Natur existieren bisher nicht. Die IUCN propagiert die vorübergehende Erhaltungszucht von Amphibienarten in menschlicher Obhut, beispielsweise in Zoos als moderne Arche Noah. Die vorliegende Studie unter Federführung der Universität Trier erlaubt nun eine bessere Priorisierung von Arten für die Erhaltungszucht.