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Shuttle-Probleme gefährden Raumstation
Ein Schweizer Experte denkt, dass die Schwierigkeiten der NASA mit ihrer Raumfähre auch die Existenz der Internationalen Raumstation (ISS) bedrohen.
Pascal Vinard, Vertreter der Schweiz bei der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) sagt, dass wohl auch das Hubble-Teleskop nicht mehr gerettet werden kann.
Die amerikanische Raumfähre Discovery, die am 26. Juli vom Kennedy-Raumfahrtzentrum in Florida ins All abhob, wird am Dienstag auf der Erde zurück erwartet.
Auch dieser Flug, der erste nach dem Verlust der Raumfähre Columbia und ihrer siebenköpfigen Besatzung im Februar 2003, war von Schwierigkeiten begleitet.
Der Schaden an der Discovery, entstanden währen der Startphase, führte zur Entscheidung, dass vorläufig keine Flüge mehr stattfinden. Zuerst müssten die Gründe für das Wegfliegen von Teilen beim Start gefunden und die Ursachen behoben werden, sagt die NASA.
Vinard glaubt, dass dieses Aussetzen der Flüge mit der amerikanischen Raumfähre die ISS und das europäische Weltraumlabor Columbus, an dessen Bau auch die Schweiz beteiligt ist, in grosse Schwierigkeiten stürzen wird. Das Labor wird im deutschen Bremen gebaut und sollte mit dem Shuttle zur Raumstation geflogen werden.
Das "Grounding" der Shuttle-Flotte werde auch dazu führen, dass das seit 15 Jahren im All kreisende Weltraumteleskop Hubble wohl endgültig nicht mehr überholt werden kann.
swissinfo: Pascal Vinard, das Space-Shuttle-Programm scheint in ernsthaften Schwierigkeiten zu stecken. Was bedeutet das für die ISS?
Pascal Vinard: Kein Zweifel, die Schwierigkeiten der USA mit dem Shuttle gefährden die Weiterentwicklung der ISS. Allein das Shuttle verfügt über den notwendigen Laderaum, um die grösseren Bauelemente zur Raumstation zu bringen.
Aber auch ohne die heutigen Probleme konnten wir feststellen, dass die Prioritäten der NASA weg von der ISS hin zur bemannten Erforschung des Mondes und des Mars und gar weiterer Planeten des Sonnensystems tendieren.
swissinfo: Die NASA behält nun die Shuttle-Flotte am Boden. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie längere Zeit ausfallen wird.
P.V.: Ich denke, die Wahrscheinlichkeit liegt bei 50%. Viel hängt davon ab, wie ernst die Probleme mit der Raumfähre während des jüngsten Fluges wirklich waren. Das wird die NASA wissen, wenn die Discovery zurückgekehrt ist. Sollten bei der Landung ernsthafte Probleme auftreten, dann wird es mit Sicherheit keine Flüge mehr geben. Wenn alles rund läuft, dann denke ich, werden die Shuttle-Flüge weitergehen, jedoch mit weniger Starts als bislang vorgesehen.
Das schlechteste Szenario wäre wohl, wenn es noch einige Flüge geben würde, jedoch nicht genug, um das Columbus-Labor zur Weltraumstation zu bringen und um die ISS fertig zu erstellen. Oder wenn sich die USA gar aus dem ISS-Programm ausklinken würde. Dieses negative Drehbuch kann im Moment nicht ausgeschlossen werden.
Eine weitere Folge von weniger Shuttle-Flügen würde auch das Ende des Hubble-Weltraumteleskopes bedeuten. Die jüngsten Vorkommnisse mit der Discovery stimmen mich nicht gerade optimistisch.
swissinfo: War das Shuttle-Programm letztlich ein Misserfolg?
P.V.: Die zwei Hauptziele des Shuttle-Programms wurden verfehlt: Das erste Ziel bestand darin, die Kosten für Transporte von Menschen und Material ins All zu senken. Das zweite Ziel, die Sicherheit für die Besatzung zu erhöhen, wurde auch nicht erreicht.
Doch während das Programm an einem toten Punkt angelangt scheint, was die Kosten von Transport von Raumsystemen und die Sicherheit der Besatzungen angeht, war der Shuttle doch ein technologischer Erfolg. Die Technologie des Wiedereintrittes in die Erdatmosphäre und die komplizierten Andockungs-Manöver an andere Raumteile wurde verbessert und sind nicht verloren.
Dann resultierten auch zahlreiche "Nebenprodukte" dieses NASA-Programmes, von denen das Militär profitiert hat. Denken sie an die Entwicklung des Tarnkappenbombers. Ein Technologietransfer vom Shuttle-Programm zu andern Entwicklungen ist sicher gegeben.
swissinfo-Interview Adam Beaumont
(Aus dem Englischen übertragen von Urs Maurer)
In Kürze
Die Discovery startete am 26. Juli 2005 vom Kennedy Space Center in Florida zum ersten Shuttle-Flug seit dem Unfall der Columbia 2003.
Die siebenköpfige Besatzung mussten kleine Schäden an der Aussenhülle des Shuttle, die beim Start entstanden, flicken.
Ein Astronaut musste zwei Hitzekacheln ausbessern.
Fakten
Pascal Vinard ist ständiger Delegierter des Bundes bei der Europäischen Weltraumbehörde (ESA) in Paris.
Die Schweiz ist eines der 17 Mitglieder der ESA.
Sie zahlt jährlich rund 130 Mio. Franken an das ESA-Budget von über 4 Mrd. Franken.
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