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Sprachhandlungen wie Berichten, Erzählen oder Erklären sind für schulisches Lernen in allen Fächern von hoher Relevanz. Je nach ihren familiären Erwerbskontexten haben junge Kinder aber unterschiedlich Erfahrungen damit. Im Kindergarten können alle Kinder - unabhängig von ihrer Herkunft - mit solchen «mündlichen Texten» vertraut werden. Damit sind konzeptionell schriftliche, aber medial mündlich realisierte Sprachproduktionen gemeint, die a) solistisch produziert werden, b) distante Inhalte sprachlich repräsentieren, c) textuell strukturiert sind und d) genrespezifische Merkmale aufweisen. Mündliche Textfähigkeiten erwerben Kinder bei der Bearbeitung kommunikativer Aufgaben durch Modelllernen und zugeschnittene Unterstützung. Die Ausgestaltung von Gesprächen durch Kindergarten-Lehrpersonen ist deshalb ein Schlüsselfaktor für ihre Förderung.
Mit der Interventionsstudie «Erwerbsunterstützung mündlicher Textfähigkeiten im Kindergarten» (EmTiK) wird der Zusammenhang zwischen dem erwerbsunterstützenden Lehrpersonenhandeln und den mündlichen Textfähigkeiten der Kinder überprüft. Bearbeitet werden drei Hauptfragen:
- Wie entwickeln sich die mündlichen Textfähigkeiten der Kinder vom Anfang bis zum Ende des Kindergartens?
- Lässt sich das kommunikative Handeln von Lehrpersonen in Alltagsgesprächen durch eine Weiterbildung weiterentwickeln?
- Wirkt sich ein optimiertes kommunikatives Handeln auf den Erwerb mündlicher Textfähigkeiten durch die Kinder aus?
In einem Pre-Post-Followup-Design mit Interventions- und Kontrollgruppe werden zu Beginn des ersten Kindergartenjahres sowie zu Beginn und am Ende des zweiten Kindergartenjahres bei 80 Lehrpersonen und 320 Kindern Daten erhoben. Bei den Lehrpersonen wird die Qualität des erwerbsunterstützenden Handelns im Kindergartenalltag eingeschätzt, bei den Kindern werden die mündlichen Textfähigkeiten beim Nacherzählen eines Trickfilms geratet (beide Instrumente wurden im Projekt EmTiK-Pilot vorgängig entwickelt). Die Lehrpersonen der Interventionsgruppe erhalten zwischen der ersten und zweiten Erhebung eine Weiterbildung, die aus einem Online-Kurs, einem individuellen Videocoaching und gemeinsamen Videoanalysen in Kleingruppen besteht. Nach Abschluss der Erhebungen erhalten die Lehrpersonen der Kontrollgruppe dieselbe Weiterbildung als Incentive. Die statistischen Auswertungen zur Überprüfung der Hypothesen erfolgen mittels latenter Wachstumskurvenmodelle und autoregressiver Modelle.
Die Studie trägt erstens dazu bei, das Wissen über die alltagsintegrierte Sprachbildung zu erweitern. Dieser Ansatz wird heute aufgrund theoretischer Überlegungen und praktischer Erfahrungen im Frühbereich und im Kindergarten favorisiert, seine Wirksamkeit wurde aber bisher noch nicht empirisch überprüft. Zweitens wird neues, belastbares Wissen über den Erwerb mündlicher Textfähigkeiten von vier- bis sechsjährigen Kindern generiert. Drittens wird ein innovatives Weiterbildungsformat entwickelt und erprobt, welches – bei entsprechender Bewährung – in der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen eingesetzt werden soll.
Referenzen:
Hausendorf, H. & Quasthoff, U. (1996). Sprachentwicklung und Interaktion: Eine linguistische Studie zum Erwerb von Diskursfähigkeiten. Opladen: Westdeutscher Verlag.
Isler, D., Hefti, C., Kirchhofer, K. und Dinkelmann, I. (2018). Entwicklung eines Instruments zur Einschätzung mündlicher Textfähigkeiten bei Kindergartenkindern. leseforum.ch 2018/1, 1–20. [www.leseforum.ch > Archiv].
Piasta, S., Justice, L., Cabell, S., Wiggins, A., Turnbull, K. & Curenton, S. (2012). Impact of professional development on pre-school teachers’ conversational responsivity and children’s linguistic productivity and complexity. Early Childhood Research Quarterly, 27, 387–400.