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Auf den ersten Blick eignen sich abstrakte und stark kontextbezogene rechtliche Themen eher nicht für eine Visualisierung durch Symbole oder Icons. Unterstützend eingesetzt erleichtern sie aber auch die Kommunikation rechtlicher Themen. Einen besonders grossen Mehrwert schaffen Zeichen, die in ihrer rechtlichen Bedeutung normiert sind.
Was sind Piktogramme
Der Begriff Piktogramm setzt sich aus dem lateinischen Begriff «pictum» (gemalt, Bild) und dem griechischen Begriff «gráphein» (schreiben) zusammen. Eine Information wird durch eine vereinfachte grafische Darstellung vermittelt (https://de.wikipedia.org/wiki/Piktogramm).
Wozu werden sie eingesetzt
Piktogramme sind visuelle Kommunikationshilfen und können sogar umfangreiche visuelle Kommunikationssysteme bilden. Sie ermöglichen eine rasche Wahrnehmung von Informationen durch Abstraktion und Visualisierung. Aufgrund der grafischen Darstellung können sie dabei helfen, Sprachbarrieren abzuschaffen.
Piktogramme können je nach Kontext verschiedene Aufgaben erfüllen, z.B.:
- Verhaltensvorgaben: Was ist erlaubt, was ist verboten (z.B. Strassenverkehrssignale)
- Warn- oder Gefahrenhinweise: Worauf muss ich achten (z.B. Gifthinweise auf Unkrautvernichtern)
- Navigationshilfe: Wo will ich hin (z.B. Abzweigungspfeile auf dem Strassenbelag)
- Orientierungshilfe: Wo bin ich (z.B. Google Maps Standortzeichen)
- Erklärungshilfe: Wie ist das zu verstehen (z.B. männlich/weiblich Symbole an Toilettentüren)
- Bedien-/Steuerelement: Was geschieht (z.B. On/Off Zeichen auf einem Schalter)
Symbole und Icons
Symbole weisen in der Regel keine Ähnlichkeit zu einem Objekt oder Sachverhalt auf. Sie erhalten erst durch ihre Verbreitung, Wiederholung oder eine zusätzliche Erklärung einen Informationsgehalt. Symbole müssen also zuerst wie eine Sprache erlernt werden. Beispiele für Symbole: Länderflaggen, Verbotssignal, Symbole für männlich/weiblich, on/off Zeichen, zurück Pfeil, Google Maps Standortzeichen.
Icons hingegen visualisieren ein Objekt, Sachverhalt, Thema oder auch Emotionen in abstrahierter, aber dennoch erkennbarer Form. Damit können sie im jeweiligen Kontext Informationen übermitteln, ohne dass sie erlernt oder zusätzlich erläutert werden müssen. Beispiele für Icons: Vorhängeschloss, Emoticons, Abbildungen von Flugzeugen, Fahrrädern, Telefonhörern, Weltkugeln etc. Häufig werden aber auch beide Zeichenkategorien kombiniert, um Informationen zu konkretisieren. Im «Hunde verboten» Zeichen z.B. wird das «Verbotssymbol» mit einem «Hunde Icon» ergänzt.
Was ist beim Einsatz zu berücksichtigen
Piktogramme sind im Trend. Überall werden Texte, Webseiten, Flyer etc. durch visuelle Zeichen ergänzt. Häufig besitzen sie jedoch keine wesentliche Informationsfunktion, sondern werden als bunte oder stylische Eyecatcher eingesetzt.
Will man Piktogramme aber nicht zu Dekorationszwecken, sondern für eine effektive visuelle Kommunikation und Informationsvermittlung nutzen, sind folgende Kriterien zu berücksichtigen:
- Welche Aufgabe soll das Piktogramm erfüllen (siehe oben)?
- In welchem spezifischen Kontext wird es eingesetzt?
- Welche Zielgruppe wird angesprochen?
- Welches Vorwissen hat die Zielgruppe, ist das Zeichen bzw. die Information im spezifischen Kontext für die Zielgruppe verständlich?
- Kann die Informationsvermittlung durch die Kombination von Bild und Text verbessert werden?
Einsatz von Piktogrammen in rechtlichen Themen
Je abstrakter und komplexer eine Information ist und je mehr sachlicher oder zeitlicher Kontext für das Verständnis benötigt wird, umso schwieriger ist die visuelle Informationsvermittlung mit Piktogrammen.
Auf den ersten Blick eignen sich deshalb abstrakte und stark kontextbezogene rechtliche Themen eher nicht für eine Visualisierung durch Symbole oder Icons.
Trotzdem können Piktogramme zur verständlicheren Informationsvermittlung beitragen, wenn sie unterstützend eingesetzt werden. Ein gutes Beispiel sind Gebots- oder Verbotssymbole.
Einen besonders grossen Mehrwert in der Kommunikation, für das Verständnis und bei der einfacheren Handhabung rechtlicher Themen können aber inhaltlich standardisierte Zeichen schaffen. Ein sehr gutes Beispiel dafür sind die in ihrer rechtlichen Bedeutung normierten Icons der Creative Commons Lizenzen (http://www.creativecommons.ch/wie-funktionierts/). Ein interessantes Projekt könnten auch normierte Piktogramme für einfache Haftungsregelungen sein. Damit könnte auch juristisch nicht ausgebildeten Usern auf einen Blick und transparent dargestellt werden, welche Ansprüche ihnen für welche Schadenarten, in welcher Höhe und bei welchem Verschuldensgrad zustehen. In vielen Fällen sind «selbsterfundene», spitzfindige und komplizierte Haftungsklauseln unnötig und führen für alle Beteiligten zu ineffizienten Reviews und Diskussionen.
Auch im Bereich Datenschutz sind diverse Vorstösse für eine einheitliche und unternehmensübergreifende Nutzung von inhaltlich normierten, standardisierten Piktogrammen in Arbeit. Wir sind sehr gespannt ob bzw. welche Initiativen sich durchsetzen werden.