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Der nachfolgende Text basiert aus einem Auszug aus dem aktuellen «European Food Trends Report», den Sie über unsere Website beziehen können.
Die Idee, Fleisch im Labor zu züchten, ist nicht neu. Bereits 1931 hatte Winston Churchill diese Art der Fleischproduktion vorhergesagt: «Wir werden der Absurdität entkommen, ein ganzes Huhn zu züchten, nur um die Brust oder den Flügel zu essen, und diese Teile stattdessen separat in einem geeigneten Medium züchten.» Was vor 90 Jahren noch Zukunftsmusik war, ist heute Realität. Bereits 2013 wurde in London der erste aus Stammzellen gezüchtete Beef-Burger testgegessen. Dahinter stand ein Forscherteam der Universität Maastricht um Mark Post, heute Chief Scientific Officer von Mosa Meat. Seitdem hat sich einiges getan: Das kalifornische Lebensmitteltechnologieunternehmen Memphis Meats stellte im Jahr 2016 den ersten synthetischen Meatball vor. 2017 folgte das erste Labor-Geflügel. Ein grosser Durchbruch gelang Aleph Farms aus Israel im Dezember 2018 mit dem ersten Steak aus der Petrischale. Auch an Fisch aus Stammzellen wird fleissig getüftelt. Marktreife hat bisher noch kein Produkt erreicht.
Mosa Meat erklärt die künstliche Fleischzüchtung so: Die Herstellung von Laborfleisch (auch bekannt als Clean Meat, In-Vitro-Fleisch oder zellbasiertes Fleisch) funktioniere ähnlich wie beim konventionellen Fleisch – nur dass die Zellen ausserhalb des Tierkörpers wachsen. Dafür werden erst Stammzellen aus dem Muskel eines Tieres entnommen. Die Idee: Stammzellen bilden bei einer Verletzung des Muskels neues Muskelgewebe, also sollten sie auch ausserhalb des Körpers Gewebe produzieren können. Die Zellen werden anschliessend in ein Medium gegeben, das Nährstoffe und Wachstumsförderer enthält. Daher vermehren sie sich ähnlich wie im Körper des Tieres. Langsam entwickeln sie sich zu Muskelzellen und bilden Muskelfasern. Wie in ihrer DNA festgelegt, beginnen sich die Muskelzellen zusammenzuziehen und wachsen zu einem kleinen Strang aus Muskelgewebe heran. Aus einer Probe können bis zu 800 Millionen Stränge Muskelgewebe produziert werden (genug für 80'000 Burger-Patties). Wenn man alle Stränge übereinanderschichtet, entsteht eine Art Hackfleisch. Gentechnische Veränderungen seien für diesen Prozess nicht notwendig, sagt Mosa Meat. Die Zellen tun in der Petrischale schliesslich, was sie auch im Tier tun würden.
Hackfleisch ist noch kein Steak. Dem israelischen Startup Aleph Farms aber ist Ende 2018 sogar das gelungen. In der Branche gilt das als Meilenstein, weil komplexe Strukturen bis dahin nicht gezüchtet werden konnten. Die Steaks von Aleph Farms entstehen, weil die Forscher die verschiedenen Zelltypen, aus denen sich Muskeln zusammensetzen, in eine Art biologisches Gerüst einbinden. Die Zellen wachsen und replizieren innerhalb von sechs Wochen die innere Struktur des Fleisches.
Fleisch aus dem Labor könnte das gesamte Wertschöpfungsnetzwerk der Fleischproduktion verändern. Das Tier ist – bis auf die Entnahme der Stammzellen – nicht mehr Teil der Produktion. Die Fleischproduktion findet fast nur noch im Labor statt. Statt Stallzucht, Mastbetrieben und Schlachthäusern entstehen Fleisch-Fabriken mit Bioreaktoren, in denen die Stammzellen zu Fleisch herangezüchtet werden.
An der 1st International Food Innovation Conference vom 29. Juni 2021 diskutieren Food-Vordenker und Landwirtschaftsexperten die Ernährung von morgen.
GDI-Studie Nr. 47 / 2019
Sprachen: Deutsch, Englisch