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…Er will nur spielen. Und zwar spielt er analoge Medien. Ausgestattet mit Antennenfernseher, Platten- sowie Kassettenspieler vertritt er nur ein Bruchteil, der längst vergangenen, analogen Welt. Im Eingangsbereich der FHGR fungiert er als Botschafter der alten Technik.
Was bedeutet eigentlich analog?
Analogtechnik befasst sich mit Signalen, welche zu einem bestimmten Zeitpunkt einen bestimmten Wert haben. Die gespeicherten Informationen werden also in eine wellenartige Form umgewandelt, in welcher das Ergebnis (die Ausgabe) davon abhängig ist, wie stark diese Welle ausschlägt. Üblicherweise werden analoge Signale auf ein Band gespeichert, welches sich magnetisieren lässt. Dieser Ausschlag kann zum Beispiel dafür genutzt werden, die Information in Strom oder Spannung umzuwandeln und je nach Wellenform einen Lautsprechermembrane stärker oder weniger stark in Bewegung zu bringen, was schlussendlich Ton/Musik erzeugt.
Als Beispiel habe ich das Wort Digezz mit einem Programm zu einer analogen Wellenform umgewandelt.
Wie funktioniert digital?
Dieses Thema wird hier kurz erläutert, denn Digitaltechnik bildet das Pendent zur Analogtechnik. Digitale Signale haben kein Spektrum, keine Wellenform. Ein digitales Signal besteht nur aus Null oder Eins, Aus oder ein, Kein Strom oder Strom. Genau wie bei der Analogtechnik lassen sich sämtliche Eingaben in ein Signal umformen, in diesem Fall binär. Das Wort Digezz lässt sich in Digitaltechnik folgendermassen veranschaulichen:
010001000110100101100111011001010111101001111010
Was kann anaLOGO?
Dank der Antenne ist anaLOGO in der Lage, ein analoges Fernsehsignal zu empfangen. Leider kann er diese noch so weit ausfahren, empfangen wird er nichts mehr. Das analoge Fernsehsignal wurde europaweit schon vor mehreren Jahren deaktiviert. Er besitzt Anschlüsse, für ein Video Home System. VHS kam erstmals 1976 in Japan auf den Mark. Kassetten beinhalten zwei Spulen, auf denen ein Magnetband aufgewickelt ist. Natürlich ist das Signal auf dem Band wellenförmig, also analog.
anaLOGO spielt Musikkassetten. Der Hauptgrund für seine Präsenz im Medienhaus ist die Abgabe der Sendung «Radio Calanda 80’s Show» von Lars Hanselmann. Mehr zu seiner Sendung gibt es hier. Damit jede_r Student_in oder Dozent_in die Möglichkeit haben, alle Sendungen nachzuhören, steht er wie ein Butler bereit. Das kaum vier Millimeter breite Band einer Musikkassette ist in vier Spuren unterteilt, zwei pro Seite für ein Stereosignal. Eine bespielte Kassette beinhaltet auf jeder Spur diese wellenartigen Informationen. Das Band wird an einem Tonkopf vorbeigezogen, welcher den Ausschlag der Wellen detektiert, das Signal verstärkt und direkt an die Lautsprecher weitergibt. Eine Musikkassette kann durchschnittlich zweimal 45 Minuten Informationen in sich tragen. Dass die Radio Calanda 80s Show exakt 90 Minuten dauert, ist somit Absicht. Die Kassetten wurden in mühsamer Handarbeit bespielt. Das heisst, ein Rohling wird in einen Recorder eingelegt, über Aux mit dem Laptop verbunden und anschliessend in Echtzeit bespielt. Nach 45 Minuten ist das Band aufgewickelt und die Kassette muss gedreht werden, denn bespielt, oder abgehört werden jeweils nur zwei der vier vorhandenen Spuren pro Seite. Industrielle Einspulautomaten waren jedoch in der Lage, alle vier Spulen gleichzeitig zu bespielen, dies mit bis zu 128 facher Geschwindigkeit. Eine fertige Kassette, mit 90 Minuten Spieldauer, konnte somit schon in weniger als 2 Minuten hergestellt werden. Kassetten waren im Costumer Bereich üblich, da auch das Aufnehmen möglich war.
Vinylplatten hingegen konnten nicht selbst bespielt werden. Um so eine Platte herzustellen, werden die Informationen rillenartig in einen Rohling aus Stahl geritzt. Dieser dient als Stempel, welcher auf den warmen, flüssigen Kunststoff Vinyl gepresst wird. Die Kunststoffplatte härtet aus und kann anschliessend in einem Plattenspieler verwendet werden. Eine Nadel folgt der Rille und nimmt seitliche und horizontale Bewegungen wahr. Da die Nadel, wie erwähnt, zwei Werte gleichzeitig misst, ist auch beim Plattenspieler ein Stereosound möglich.
Früher wars so
Viele Geräte zur multimedialen Unterhaltung waren analog. Dazu gehören auch Film- Fotokameras, Telefon, Fax, Radio und so weiter. Diese Technik ist im Prinzip nicht schlecht, denn sie ist der Vorläufer der Digitaltechnik. Technisch gesehen ist der digitale Fortschritt unaufhaltsam, denn er bietet schnellere Übertragung von viel grösseren Dateien auf kleinem Raum. Als Beispiel: ein 1 CHF stück grosser USB Stick kann ungefähr 1000 Kassetten der Radio Calanda 80’s Show tragen. Mehr Daten lassen höhere Qualität zu. Dennoch besteht in der heutigen Zeit eine Modeerscheinung, welche Plattenspieler und Co. wieder auf erleben lässt.
(bas)
anaLOGO dient dazu, die Musikrechte der Suisa auf kreative Weise zu umgehen. Da die Radio Calanda 80’s Show nicht als Podcast öffentlich gespeichert werden kann, wird diese intern abgegeben, thematisch passend als Musikkassetten. Somit ist es allen Schülern und Dozenten möglich, die Show nachzuholen. Die Idee zum Kunstobjekt anaLOGO entstand erst während dem Semester, denn für die Präsentation der Musikkassetten fehlte noch ein geeigneter Ständer. In der Brockenstube habe ich sehr lange nichts passendes gefunden, bis ich die rettende Idee hatte. Die Figur ist jetzt nicht nur ein Ständer, sondern ein Repräsentant des gesamten 80’er Jahre Projekt, welches ich in diesem Semester machte. Es hat mir grosse Freude gemacht, auch wiedermal Hammer, Säge und Schweissgerät in die Hand zu nehmen für die Konstruktion des Skelettes, welche den Fernseher trägt. Ich finde es grundsätzlich cool, handwerkliche Arbeiten mit multimedialen Erzeugnissen zu vereinen, total unterschiedliche Welten. Kritisch betrachte ich, dass die Figur nicht ausreichend geschützt werden konnte, wenn jemand grobfahrlässig daran zieht, stosst oder an den Armen/Händen reisst. Es bleibt offen, ob eine Absperrung nötig ist, oder der Torso mit einem Gurt an der Wand befestigt werden muss.
Bezüglich der Abgaben der Kassette: Mit Jahrgang 95 ist eine Musikkassette für mich nichts exotisches. Gezwungenermassen habe ich bis vor wenigen Jahren häufig Musikkassetten gehört, denn als ich noch Auto fuhr hatte jenes kein CD player. Ein Cover für eine Kassette zu entwerfen war jedoch auch für mich etwas neues. Das überspielen lief einigermassen gut. An dieser Stelle vielen lieben Dank dafür, fürs Auslehnen eines Kassettenrecorders. Zu beachten ist, dass eine selbst bespielte Kassette nicht an die Qualität einer industriell überspielten kommt. Ausserdem geschieht das Überspielen in Echtzeit, also pro Sendung >90 Minuten. Zu Beginn ist es wichtig, den Pegel richtig einzustellen, denn während dem Überspielen hört man nicht die effektive Lautstärke, wie es auf der Kassette ist, sondern die Eingabe über die Buchse.
Zu Beginn kaufte ich für anaLOGO ein neuwertiger Kassettenspieler, also kein Secondhand Produkt. Die Verarbeitung und Qualität der aktuell auf dem Markt befindlichen Neugeräte sind so dermassen schlecht, dass ich davon abrate, ein neues Gerät zu kaufen. Nach weniger als 10 Minuten Probe (mit grottenschlechter Ausgabe) gab der Motor, welchen die Kassettenspule antreibt, den Geist auf. 60.- für nichts. Darauf hin habe ich auf Ricardo für weniger Geld ein viel besseres Gerät gefunden.