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Bei besonders dazu neigenden Personen sollte sodann der Tiefschlaf bald in den Zustand des Schlafwachens
oder Somnambulismus (s. d.) übergehen, in welchem Fragen beantwortet werden und angeblich das geistige Vermögen der Betreffenden,
von den gewöhnlichen Fesseln befreit, nicht nur den Zustand des eignen Körpers völlig durchschauen, sondern auch die geeigneten
Heilmittel für denselben erkennen, ja in den gesteigerten Zuständen dieses Schlafwachens, die man als
Hochschlaf oder Hellsehen bezeichnet, die Vergangenheit, Zukunft und räumliche Ferne durchdringen sollte.
Man erzählt zahlreiche, wahrscheinlich niemals genau untersuchte Fälle, in denen so behandelte Personen mit den Fingerspitzen
verschlossene Briefe gelesen und alle Dinge erkannt haben sollen, die man ihnen wohlverschlossen auf die Magengrube gelegt,
woraus dann weiter geschlossen worden ist, daß das sogen. sympathische
Nervengeflecht mit seinen Ganglien das eigentliche Organ für diese geheimnisvollen Seelenkräfte sei. Nach Beendigung des somnambulen
Zustandes fehlt übrigens meist alle Erinnerung an das in demselben Erträumte und Geschehene, wie auch der Körper während
desselben sich unempfindlich gegen schmerzende Eingriffe bewährt, oft sogar in Starrkrampf übergeht,
den derWille und Befehl des Magnetiseurs allein aufheben soll, Erscheinungen, die man oft auf die Schaubühne gebracht hat.
Infolge der magnetischen Manipulation und des dadurch bewirkten Somnambulismus entsteht angeblich zwischen Magnetiseur und Somnambule
ein sogen. magnetischer Rapport, worunter man sich eine Art von Lebens- und Empfindungsgemeinschaft vorzustellen
hat, vermöge deren der Wille des Magnetiseurs auf die organischen und geistigen Funktionen der Somnambule einen bezwingenden
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Einfluß erhalten soll, während der letztern gleichzeitig die Seelenzustände des Magnetiseurs direkt zum Bewußtsein kommen
sollen. Angeblich sollten selbst leblose Gegenstände zu Trägern des tierischen Magnetismus gemacht werden können, und in
dieser Auffassung bediente sich Mesmer eines sogen. magnetischen Baquets, eines mit Wasser und Eisenfeile gefüllten hölzernen
oder gläsernen Bottichs, den er mit seinem magnetischen Fluidum lud, und aus welchem eine ganze Anzahl
von Kranken gleichzeitig durch eiserne Handhaben dasselbe bezog.
Die Zeit, in welcher der Mesmerismus in Blüte
[* 10] stand, und in welcher man alle Heilwunder der Religionsstifter und Thaumaturgen
auf denselben zurückführen zu können glaubte, liegt weit hinter uns. Anderseits hat das Studium des
Hypnotismus erkennen lassen, daß jene Erscheinungen doch nicht so ganz dem Gebiet der Selbsttäuschung und des Betrugs angehören,
wie man vor einigen Jahrzehnten anzunehmen geneigt war, und man begreift es jetzt, daß so viele ausgezeichnete Ärzte und
Naturforscher früher an eine geheimnisvoll überströmende Kraft des Magnetiseurs geglaubt haben. Da nun
die Experimente am leichtesten mit hysterischen, schon infolge ihrer Krankheit zu phantastischen Täuschungen und Betrügereien
hinneigenden Personen gelangen, so erklärt sich, daß in einer Zeit, die schon an sich zu einer mystischen Auffassung der
Dinge bereit war, aus auffallenden, aber der neuern Physiologie und Psychologie bis zu einem gewissen Grad
vollkommen verständlichen Erscheinungen falsche Schlüsse gezogen wurden, worauf sich ein vollständiges, aus Wahrheit und
Dichtung gemischtes Lehrsystem aufbaute.
Selbst gewisse Heilwirkungen bei Nervenübeln, widernatürlichen Muskelkontraktionen u. dgl.
können von den betreffenden Manipulationen erwartet werden, aber nicht eine allgemeine Disposition zur Heilung aller möglichen
Übel oder gar prophetische Eingebungen des Heilmittels und die sonstigen übernatürlichen Leistungen.