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Amateurfussball, Migrantenklubs und gesellschaftliche Integration sind die Themen einer wissenschaftlichen Untersuchung von vier Autoren unter der Federführung des Internationalen Zentrums für Sportstudien (Center for Sport Studies CIES). Die Arbeit befasst sich mit der Frage, welche Rolle die in der Schweiz von Migranten gegründeten Amateurfussballklubs bei der Entwicklung sozialer Beziehungen spielen. Die Untersuchung zeigt, dass die Teilnahme dieser Teams an den Meisterschaften des Schweizerischen Fussballverbands die gesellschaftliche Integration der betreffenden Gruppen positiv beeinflusst. Bei gewissen Begegnungen können zwar Spannungen auftreten, doch diese werden mit der Zeit dank gegenseitiger Anpassungsprozesse und Akzeptanz immer geringer.
Die Studie hatte das Ziel zu untersuchen, ob die in der Schweiz ab den 1970er-Jahren von portugiesischen und albanischen Migranten gegründeten Fussballklubs den Austausch gefördert und zur Entwicklung harmonischer sozialer Beziehungen beigetragen haben, oder ob sie im Gegenteil zum Rückzug in die eigene Gemeinschaft und zur Fragmentierung der Gesellschaft und Verschärfung von Spannungen geführt haben. Die Ergebnisse wiesen eher in die Richtung der ersten These.
Die Zusammensetzung der Mannschaften zeigte, dass heute alle untersuchten Klubs in ihren Teams Spieler haben, die nicht zur ursprünglichen Migrationsgemeinschaft gehören. Dies gilt übrigens manchmal auch für die Trainer oder das Publikum an den Spielen. Meist ist der Anteil der Spieler und des Staff (Komitee, Trainer) von ausserhalb der Herkunftsgemeinschaft zwar eher gering, doch es gibt sie, was darauf hinweist, dass die Strukturen zugänglich und durchlässig sind.
Bei den Interaktionen auf dem Feld und im Publikum kommt es laut den Autoren viel seltener zu Konflikt- oder Gewaltsituationen, als es die Berichterstattung der Medien von solchen Vorfällen vermuten liesse. An 36 aufeinanderfolgenden Spielen beobachteten sie keine einzige Szene, die als problematisch hätte gelten können. Die befragten Akteure bestätigten einhellig, dass sich die Beziehungen zwischen den Spielern der Migrantenklubs und ihrer Gegner im Lauf der Jahre verbessert haben.
Die Studie hat gezeigt, dass die Migrantenteams eine wichtige symbolische Rolle für die Verbesserung des Selbstwertgefühls der Mitglieder der vertretenen Gemeinschaften spielen. Die Verantwortlichen der untersuchten Klubs haben alle ihre Genugtuung darüber ausgedrückt, dass sie diese Klubs aufbauen und leiten konnten. So trugen sie zur Wertschätzung ihre Herkunft bei und wurden zu Wortführern einer ganzen Gemeinschaft. Sie festigten ihre Teilhabe am sozialen Leben der Wohngemeinde und trugen zu deren Gestaltung bei. So wurden sie zu den Promotoren eines symbolischen Transnationalismus und förderten so die Entwicklung von Mehrfach-identitäten.
Quelle: Zusammenfassung «Football amateur, clubs de migrants et intégration sociale» (nur französisch), www.aramis.admin.ch
Bibliografie
Raffaele Poli, Jérôme Berthoud, Thomas Busset, Bülent Kaya : Football et intégration. Les clubs de migrants albanais et portugais en Suisse. Collection Savoirs Sportifs, Bern: Peter Lang, 2012