Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03615.jsonl.gz/1349

Folge der Emme. Folge ihr das Emmental hinauf und dann in die Berge hinein. Lass die Wasserbüffel und die Meringues von Kemmeriboden-Bad hinter Dir, geh um den Hohgant herum, unter das Tannhorn und dann, am Schluss, zu den Hängen des Augstmatthornes.
Hier, weit weg von Touristenrouten, kommt so viel Wasser an so vielen Orten aus den Bergen heraus, dass niemand wirklich weiss, welches genau die Quelle der Emme ist oder ob alle Plätze gleichzeitig die Quelle bilden.Â
Und hier, weit weg von allen und allem, ohne Strasse, Handy-Empfang und sogar ohne Wanderweg, findest Du eine Hütte. Und ausserhalb der Hütte sitzt ein Mann. Ein Mann mit einem langen Bart und einem kleinen Ohrring, verbunden mit der Welt durch ein kleines Radio mit einer verbogenen Antenne, die nach dem Sender Eviva ausgerichtet ist. Ein Mann mit einem Feldstecher, der Dich wahrscheinlich gerade jetzt anschaut.
Wernu ist 60, aber erst seit 2 Jahren arbeitet er als Kuhhirte, nachdem er seinen Job in einer Recycling Firma in Hasle, bei der er seit 1977 gearbeitet hat, verlor. Er wird keine neue Stelle finden. „Ich werde wieder als Kuhhirte arbeiten nächstes Jahr, sofern ich immer noch lebe. Mein Vater brach seine Hüfte bereits zweimal in meinem Alter.“
Wernu kümmert sich um die Herde eines Bauern mit 47 Kühen und 7 Kälbern. Er lebt in einer Hütte mit dem Namen Chumi, unter dem Augstmatthorn, während 4 Wochen im Juni und geht dann bergwärts zur Alphütte am Bergkamm, die sich Scheenenbiel oder auch Schönbühl nennt. Dort wird er bis September bleiben, dann steigt er erneut für einen Monat zu Chumi herunter bevor er dann endlich vor dem Wintereinfall die Berge verlässt.
Chumi liegt direkt an einem Bach, den Wernu Emmensprung nennt – oder eine der Quellen der Emme. Er trinkt Wasser aus einer anderen Quelle, die näher bei der Hütte ist. Wenn es stürmig ist, mischt sich das Wasser mit der Erde.
Die ursprüngliche Hütte war auf der anderen Seite des Baches. Immer noch kann man die Mauerüberreste sehen. Die Folge eines Felssturzes (Wernu sagt, auch um die neue Hütte herum gebe es Felsstürze).
Doch heute fallen keine Felsbrocken auf ihn herab, wir sitzen auf seiner Terrasse und trinken sein Lieblingsgetränk: Kaffee mit einem Apfelschnaps, genannt Bätzi, serviert in einem Becher mit Emmewasser, versüsst mit einigen Löffeln Zucker. Wernu betont, dass Kaffee und Bätziwasser ohne Zucker nicht geniessbar seien – sogar dann, wenn man den Kaffee schwarz trinke. Und er hat recht.
Dies ist ein Teil des Emmental Alp Foto Projektes. Das Gesamtwerk des Fotografen Pinaki ist unter www.pinaki.ch zu sehen, die aktuellen Bilder auf Facebook und Twitter.
Kontaktieren Sie Pinaki über die oben genannten Websites, wenn Sie aus dem Emmental sind und das Projekt fachlich unterstützen möchten.