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| Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)

Buch IV.
15.
Ich meine, die Anschauung der Arithmetiker, die durch Zahlen und Namen das Leben beurteilen zu können glauben, sei klar dargelegt. Da sie Muße haben und im Rechnen dadurch, daß ihnen diese Kunst von Kindheit an gelehrt wird, geübt sind, möchten sie sich wohl gerne berühmte Weissager nennen lassen. Sie rechnen die Buchstaben kunterbunt durcheinander, und so kann bei ihnen nur Geschwätz herauskommen. Wenn sie Mißerfolg haben, schützen sie eine Schwierigkeit vor und sagen, der Name sei kein angestammter, sondern ein angenommener, wie sie es auch bei Odysseus und Aias sagen, wo sie Fiasko machten. Wie sollte einer nicht gefeiert werden, der, von dieser wunderlichen Philosophie ausgehend, sich als Sektenstifter einen Namen machen will? Doch gibt es noch eine andere tiefsinnige Wissenschaft bei den allweisen griechischen Forschern, deren Schüler zu sein sich die Häretiker rühmen, weil sie sich deren Lehrsätze für ihre Erfindungen bedienen, die bald dargelegt werden sollen — es ist das die auf die Stirnfalten sich gründende Weissagung oder besser gesagt der Unsinn —; auch darüber wollen wir nicht schweigen. Manche schreiben den Sterngruppen bestimmte Gestalt zu und berechnen mit diesen Bildern nach dem Sternenstande die Anlagen der Menschen mit Beziehung auf deren Geburtsstunde. Sie behaupten: Die im Widder Geborenen sind so: länglicher Kopf, rotes Haar, zusammengewachsene Brauen, schmale Stirn, bläuliche, unstete1 Augen, Hängebacken, große Nase [S. 60] mit offenen Nasenlöchern, dünne Lippen, spitzes Kinn, länglicher Mund. Sie haben folgenden Charakter: Sie sind vorsichtig, verschlagen, feig, klug, einschmeichelnd, ruhig, geschäftig, mit ihren Absichten hinterhältig, zu allem fähig, mehr durch Klugheit als Kraft die augenblickliche Lage meisternd, wegwerfend, gebildet, zuverlässig, händelsüchtig, reizbar im Kampf, begierlich, an Knabenliebe krankend, dem eigenen Haus entfremdet, gegen alles abstoßend2, Querulanten, beim Wein toll, blasiert, auf ein Wort hin etwas verwerfend3, wegen ihrer Güte zur Freundschaft brauchbar; zumeist sterben sie in der Fremde.
1: Miller.
2: Miller.
3: Gö.