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Das 285 x 391 cm grosse Ölgemälde von David Sulzer ist in der Zellweger-Wohnung im ersten Stock des Fünfeckpalasts zu finden. Es wurde 1809 im Auftrag von Johann Caspar Zellweger-Gessner (zentral im Bild) gemalt. Zu seiner Linken sitzt seine Frau Dorothea Zellweger-Gessner mit den vier Töchtern, rechts ist sein Sohn Caspar dabei zu sehen, wie er einem Bettler Almosen gibt.
Mitglieder der Familie Zellweger waren ab Mitte des 18. Jahrhunderts für den wirtschaftlichen Aufschwung Trogens und der Region mitverantwortlich. Durch den Handel mit Leinwand, Rohbaumwolle und bedruckten Baumwollgeweben gelangten sie zu Reichtum und sorgten dafür, dass das Dorf zum wichtigsten Handelsplatz des Kantons wurde. Als Anhänger des reformierten Glaubens verstanden sie ihre gesellschaftlich privilegierte Position als Lohn für ein gottgefälliges Leben ihrer Vorfahren und als Verpflichtung, gegenüber Ärmeren Verantwortung zu übernehmen.
Johann Caspar Zellweger-Gessner war erfolgreicher Kaufmann, Gelehrter, Philanthrop und Bauherr des Fünfeckpalasts. Durch seinen Vater vermittelt, sah er sich in der Pflicht, den wirtschaftlichen Erfolg der Textilhandelsfamilie Zellweger weiterzuführen. Diese Verantwortung übertrug er seinem Sohn Caspar. Mit der symbolischen Anweisung, dem Bettler Geld zu geben, entlässt der Vater seinen Sohn in die Welt. Er soll vorantreiben, was männliche Vertreter seiner Generation vor ihm geschaffen haben. Was das Bild nicht erzählt: Seit dem Ausstieg von Zellweger-Gessner aus dem Geschäft 1808/09 und mit dem Aufkommen der Industrialisierung war das Ende des Erfolgs der Kaufmannsfamilie bereits eingeläutet.
In einem Gespräch mit der Zellweger-Expertin Heidi Eisenhut erfahren wir mehr über die zentralen Figuren der Familie Zellweger. Wir sprechen über Ausbrecher wie den Arzt und Frühaufklärer Laurenz Zellweger und stellen uns die Frage: Lässt sich durch die Akzeptanz des eigenen Schicksals eine innere Haltung entwickeln, die es trotz – oder gerade wegen – dieses fremdbestimmten Korsetts aus religiösen, familiären und gesellschaftlichen Erwartungen ermöglicht, mehr Freiheit(en) oder Zufriedenheit zu erleben und Glücksmomente wahrzunehmen?
Die Geschichte der Familie Zellweger nachlesen:
Heidi Eisenhut: «Wunderlich kommt mir die Baute vor». Der Fünfeckpalast in Trogen und die Familie Zellweger.
Öffentliche Führungen durch die Zellwegerpaläste: hier entlang
Mehr Informationen: Jahrhundert der Zellweger