Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03307.jsonl.gz/2411

| Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Paidagogos (Paedagogus)

Drittes Buch
IX. Kapitel. Weswegen man das Bad benützen soll.
46.
1.1 Was also das Baden betrifft (denn von diesem Punkt bin ich in meinen Ausführungen abgekommen), so gibt es vier Gründe, warum wir ins Bad gehen: nämlich entweder der Reinlichkeit wegen oder wegen der Erwärmung oder wegen der Gesundheit oder schließlich wegen des damit verbundenen Lustgefühls. Der Lust wegen zu baden, soll man unterlassen; denn die verabscheuenswerte Lust muß man gänzlich ausrotten. Dagegen sollen Frauen Bäder nehmen zum Zweck der Reinigung und wegen der Gesundheit, Männer aber nur wegen der Gesundheit.
2. Überflüssig ist das Bad der Erwärmung wegen, da es auch auf andere Weise möglich ist, eine infolge von Kälte eingetretene Erstarrung zu beseitigen.Der fortwährende Gebrauch von Bädern schwächt die Kraft und läßt die natürliche Frische erschlaffen, und oft führt er auch Erschöpfung und Ohnmacht herbei.
3. Denn wie die Bäume trinkt der Körper gewissermaßen nicht nur mit dem Mund, sondern beim Bad auch mit dem über den ganzen Körper ausgebreiteten sogenannten Porennetz. Beweis dafür ist folgendes: Oft verloren Leute, die durstig geworden waren und dann ins Wasser [S. 178] stiegen, den Durst.
4. Wenn also das Bad auch zu etwas nützlich ist, so darf man sich doch dadurch nicht schlaff machen lassen. Menschenwalkereien (ἀνθρωπογναφεῖα) nannten die Alten die Bäder, weil sie die Körper schneller, als es natürlich ist, einschrumpfen und infolge des Erhitzens vorzeitig altern lassen, da das Fleisch in gleicher Weise wie das Eisen durch die Hitze erweicht wird; deshalb haben wir gleichsam das Eintauchen und die Stählung durch das kalte Wasser nötig,2
1: Zu 46, 1. 4 vgl. Apostolios IV 71b; X 78 a; Arsenios, Viol.p. 136 Walz; XXXIV 2.
2: Vgl. Plut. Moral. p. 734 A; Muson. reli. p. 97 ff.