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Erfahrungsbericht vom 20.1.2023
Ich berichte über einen Versuch, Walnusskerne ohne Schale in Töpfen zu säen, zum Keimen zu bringen und so möglichst einfach und problemlos zu Sämlingen einer bestimmten Sorte zu kommen. Im Versuch vom 4. Januar 2023 habe ich es mit 20 Kernen der Sorte AlWal gemacht. Ich beschreibe mein Vorgehen, meine Erfahrungen und meine Überlegungen.
Vorgehen
1. Ganze Kerne aus der Nussschale herausbekommen
Am 2.1.2023 habe ich ca. 50 getrocknete, kühl gelagerte, gesunde AlWal Nüsse der Ernte 2022 vorsichtig geknackt und 20 unbeschädigte, unverletzte, ganze Kerne bekommen. Es ist darauf zu achten, dass möglichst keine Verletzungen an den Kernen entstehen, weil es an der Verletzungsstelle leicht zu Schimmelbildung kommen kann. Die Nüsse wurden keiner Kältebehandlung unterzogen. Nach meinen Erfahrungen ist eine Kältebehandlung zum erfolgreichen Keimen bei Walnüssen nicht notwendig. Peter Steiner aus Schänis hatte mir die Idee gegeben, Nusskerne ohne Schalen zu säen.
2. Kerne wässern
Ich habe die Kerne zwei Tage lang bei Zimmertemperatur in Hahnenwasser gewässert und dabei das Wasser 4-mal gewechselt. Die Wässerung beschleunigt die Hydratisierung der Kerne und wahrscheinlich auch eine Aktivierung der Enzyme.
3. Töpfe vorbereiten und Kerne säen
Ich habe zehn 20 cm hohe 2-Liter Plastiktöpfe gereinigt und wie folgt beschickt:
- Unten: eine Schicht mit 2 bis 5 cm grossen, gewässerten und abgetropften Holzkohlstücken. Die Kohle ist praktisch steril, sie sorgt für gute Feuchtigkeit, für Wasserabfluss, wenn notwendig und für gute Belüftung.
- Mitte: feuchte Mischung von Gartenerde und Universalerde. Drin können sich dann die Wurzeln der Sämlinge entwickeln. Die Mischung verschiedener Substrate fördert die Mykorrhizenbildung.
- Oben: 6 bis 8 cm hohe Schicht von gewässertem, sehr lockerem Vermiculit. Die Kerne werden darin horizontal eingebettet und zwar so, dass die Trennschicht zwischen den beiden Kernhälften vertikal zu liegen kommt. So kann die Wurzel des Keimlings auf dem kürzesten Weg nach unten und der Stängel nach oben wachsen. Die Kerne werden mit ca. 2 cm Vermiculit bedeckt. Fritz Landis von Obfelden hat mir die Idee des Vermiculits gegeben. Das Vermiculit kommt von der Migros.
4. Kerne keimen lassen
Die Töpfe mit den Kernen wurden in eine grössere Plastikkiste gestellt. Die Kiste wurde in einem Raum bei Zimmertemperatur aufgestellt und mit einer Plastikfolie leicht zugedeckt, um eine gute Luftfeuchtigkeit zu gewährleisten. Die Töpfe wurden währen 14 Tagen nicht gewässert. Zu viel Wasser führt zu Wurzelfäulnis.
5. Austrieb der Keimlinge schon nach 14 Tagen.
Schon nach 14 Tagen durchbrachen die Keimlinge von 15 der 20 Kerne die Vermiculitschicht.
Weiteres Vorgehen
Die Töpfe mit den Keimlingen werden in einem kühleren, frostfreien, aber hellen Raum aufgestellt. Die Sämlinge werden grüne Blätter bilden und mit der Photosynthese beginnen. Gegossen wird nur sehr spärlich und wenn notwendig ( Fingertest!). Im Juni werden die Sämlinge direkt in den Garten gepflanzt. Sie werden dann als Unterlagen für die Veredelung verwendet oder direkt gepflanzt, wo die Bäume dann stehen sollen.
Vorteile des Verfahrens
- Das beschriebene Vorgehen macht ein Stratifizieren und ein nachträgliches Pikieren überflüssig.
- Schutzmassnahmen gegen Mäusefrass und gegen Krähen sind nicht notwendig.
- In den relativ grossen Töpfen können sich die Wurzeln gut entfalten und werden beim Pflanzen in den Garten kaum verletzt.
- Durch das schnelle Keimen wird das Risiko durch allerlei Schädlinge reduziert.
- Vermiculit hat sich bewährt.
Prez, 20.1.2023 HSW