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Urban Fink sprach über den Kanton Solothurn im Krisenjahr 1918
Vor einem eher kleinen aber fachkundigen Publikum sprach auf Einladung des Katholischen Pressevereins Olten Urban Fink Oberdorf (SO) über den Kanton Solothurn zur Zeit des Landesstreiks 1918. Die damaligen – emotional belastenden – Vorgänge seien aus Sicht der Sozialdemokraten und Gewerkschaften gut aufgearbeitet; zur Rolle der katholischen Volkspartei, der christlich-sozialen Bewegung oder der katholischen Kirche seien hingegen kaum Schriften greifbar. Die Not sei bis in den Mittelstand gross gewesen. Grosse Wissenslücken beständen auch zur Spanischen Grippe, der in Europa mindestens 50 Mio – vor allem junge – Menschen zum Opfer fielen und wohl kriegsentscheidend war. Die Behörden mussten sich in der Presse,monatelang massive Kritik gefallen lassen. Niemand rechnete bei Kriegsbeginn 1914 mit einem längeren Krieg und entsprechend hart wurde die unvorbereitete Schweiz von der Not getroffen. Grosse Mängel bestanden im sozialen (kaum Absicherung bei Krankheit oder Lohnausfall) wirtschaftlichen und medizinischen Bereich. Der schwache Zentralstaat war immerhin militärisch gut aufgestellt – die Mobilmachung von 1914 verlief reibungslos.
Solothurn machte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert eine stürmische Industrialisierung durch. Die stark angewachsene Arbeiterschaft arbeitete oft unter schwierigen Bedingungen. Streiks waren im Kanton Solothurn sehr häufig. Viele Unternehmen in der hiesigen Uhren-, Metall- und Schuhindustrie konnten durch die Kriegslage zusätzliche Aufträge generieren; ihre Patrons, welche die Gewinne in die eigenen Taschen steckten, wurden als Kriegsgewinnler an den Pranger gestellt.
Der Landesstreik sei in den drei Städten des Kantons Solothurn unterschiedlich verlaufen. Jedes Stadtoberhaupt hatte eine andere Kommunikationskultur. In Olten pflegte der freisinnige Stadtammann Hugo Dietschi einen distanzierten aber guten Draht zum Streikkomitee, sodass der Streik friedlich verlief. In Grenchen – der Ammann war Sozialdemokrat! – redete man nicht miteinander; zum Gebrauch von Schusswaffen sei es aber erst gekommen, als Solothurner Truppen durch französischsprachige Einheiten aus der Waadt ersetzt wurden. cfo