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Es gibt nur wenige Kunstschaffende, die sich mit so grosser Ausdauer derart leicht und sicher zwischen Hoch- und Alltagskultur, Design, Pop, Architektur und Kunst bewegen wie der Genfer John M. Armleder. Ausgehend vom abstrakten Formenvokabular der Moderne befragen seine Gemälde, Skulpturen und raumgreifenden Installationen auf ebenso poetische wie ironische Weise Funktion und Status der Kunst in der Gegenwart.
Armleder wuchs im Genfer Luxushotel Le Richemond auf, das seit Ende des 19. Jahrhunderts in Besitz seiner Familie ist. Schon früh hatte er eine grosse Affinität zu Kunst, begeisterte sich mit zehn für Kasimir Malewitsch und lernte mit dreizehn bei den Donaueschinger Musiktagen John Cage kennen. Nach kurzem Studium an der École des Beaux-Arts in Genf gründete er 1969 mit befreundeten Künstlern die Fluxus-Gruppe Écart, aus der 1972 die Galerie Écart hervorging, ein unabhängiger Kunstraum samt Verlag, der bis 1980 Produktionsort und Treffpunkt der Westschweizer und der internationalen Kunstszene von Beuys bis Warhol war.
Anfang der 1980er-Jahre begann Armleder, minimalistische Bilder auf Leinwände, Schranktüren oder Metallplatten zu malen. Wiederkehrendes Sujet dieser frühen Neo-Geo-Gemälde waren strenge Reihungen von Punkten auf einfarbigem Grund, die später auch zu Blumen- oder Totenkopfsignets mutieren konnten oder – wie in der Serigrafie Ohne Titel (1994) – zu stilisierten Einschusslöchern. Zeitgleich entwickelte Armleder seine ersten Furniture Sculptures aus Kommoden, Sesseln oder Instrumenten, die er zusammen mit seiner Malerei zu präzisen, humorvoll-eleganten Interieurs zum Verhältnis von Kunst und Leben im 20. Jahrhundert arrangierte. Aus dieser Werkphase stammt auch das in der Sammlung der Mobiliar befindliche Acrylgemälde Ohne Titel (1983), das sich zugleich als Hommage und als Parodie der geometrischen Abstraktion der Zürcher Konkreten lesen lässt. John M. Armleder, der 1986 den Schweizer Pavillon an der Venedig-Biennale bespielte und 1987 auf der documenta 8 in Kassel ausstellte, gilt als einer der wichtigsten Konzept- und Objektkünstler der Gegenwart.
John Michael Armleder, 1948 in Genf (CHE) geboren, lebt und arbeitet in Genf.
Tätigkeitsbereiche: Malerei, Zeichnung, Objektkunst, Installation, Video, Performance, Multiples