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Die Gründung des L.s und seine Zugehörigkeit zu Österreich war eine Folge des Zerfalls der napoleon. Herrschaft in Italien und geht auf den Wiener Kongress (1814-15) zurück. Es umfasste die Lombardei (mit Chiavenna und dem Veltlin, den ehem. Untertanengebieten der Drei Bünde) und Venetien. Hauptstädte waren Mailand und Venedig. Die österr. Niederlage 1859 gegen die franz.-piemontes. Koalition bedeutete das Ende des L.s. Die Lombardei kam zum Königreich Sardinien, während Venetien unter österr. Kontrolle blieb und 1866 an das vereinigte Königreich Italien fiel.
Während der Aufstände zur Zeit des Risorgimento von 1821, 1831 und 1848 wurde das Tessin für viele ital. Revolutionäre der erste Zufluchtsort, so auch für Giuseppe Mazzini, den Gründer der Bewegung Giovine Italia und des polit. Geheimbundes Junges Europa. Nach den Fünf Tagen von Mailand (März 1848) unterstützten versch. Freiwilligenkorps aus der Schweiz den Aufstand gegen die Herrschaft der Habsburger. Nach dem Scheitern der provisor. Regierung fanden zahlreiche Exponenten, darunter Carlo Cattaneo, Präs. des Kriegsrats der Aufständischen, im Tessin Asyl, von wo aus sie ihren Kampf für die Befreiung Italiens fortsetzten. 1853 liess der österr. Gouverneur Feldmarschall Joseph Wenzel Radetzky nach erneuten Aufständen in Mailand, die von Lugano aus geplant worden waren, die Grenze sperren und mehr als 6'000 Tessiner aus der Lombardei ausweisen. Das Verhältnis zu Österreich war weiter belastet durch kirchl. Fragen, wie z.B. durch die Ausweisung der meist lombard. Kapuziner aus dem Tessin 1852, die Tessiner Bistumsfrage (Diözese Como, Erzdiözese Mailand) oder das Collegium Helveticum in Mailand.
Zwischen der Lombardei und der Schweiz bestanden jahrhundertelange Handelsbeziehungen, die einerseits den Grenzverkehr mit den ennetbirg. Vogteien, andererseits den Fernhandel umfassten. Da die Passstrassen über die Alpen v.a. im Winter zeitweise unpassierbar blieben, hingen die südl. Gebirgstäler der Schweiz wirtschaftlich bis ins 19. Jh. von Salz- und Getreidelieferungen aus der Lombardei ab. 1812 lag die Schweiz in der ital. Handelsbilanz an fünfter Stelle, wobei insbesondere der Viehhandel eine wichtige Rolle spielte. Die Schweizer Bauern verkauften ihr Vieh auf den Märkten in Novara, Lodi und Mailand. Die Kontakte zwischen der Schweiz und dem L. konzentrierten sich auf die Hauptstädte Mailand und Venedig, in denen bereits Schweizer Kolonien existierten. Die in der Lombardei ansässigen Schweizer, die vorwiegend in Mailand und Bergamo und dem dazu gehörenden Umland lebten, handelten mit Seide, Rohbaumwolle und Wolle oder arbeiteten im Gast- und Baugewerbe. Um 1848 betrug ihre Zahl in Mailand und Bergamo mehrere Tausend Personen. Hier gründeten wohlhabende Schweizer ref. Gemeinden, aus denen Wohlfahrtseinrichtungen und Schulen hervorgingen. Das L. war mit der Univ. Pavia und der Akad. von Brera in Mailand auch ein wichtiger Ausbildungsort für Tessiner Studenten, wobei die lombard. Aufklärung das kulturelle Leben in der Südschweiz nachhaltig beeinflusste.
Die Schweizer Kolonie in Venedig war bedeutend kleiner. 1849 zählte der Schweizer Vizekonsul in Venedig, Benoît Wölflin, 49 Personen. Die meisten von ihnen stammten aus Graubünden. Die Handelsbeziehungen zwischen der Schweiz und Venetien hatten ebenfalls eine lange Tradition. Schweizer Wollhändler beschafften sich jeweils am Martinstag an der Messe in Verona ihre Stoffe, die in Padova und Schio hergestellt wurden. Während der Aufstände gegen die österr. Fremdherrschaft von 1848 trat die Schweizerkompanie des Thurgauers Johannes Debrunner hervor.
Literatur
– J. Debrunner, Die Erlebnisse der Schweizerkompagnie in Venedig, 1849
– L. Mazzucchetti, A. Lohner, Die Schweiz und Italien: Kulturbeziehungen aus 2 Jahrhunderten, 1941
– G. Ferretti, Italia e Svizzera nel 1848, 1947
– P.L. Zaeslin, Die Schweiz und der lombard. Staat im Revolutionszeitalter 1796-1814, 1960
– G. Bonnant et al., Svizzeri in Italia 1848-1972, 1972
– G. Martinola, Gli esuli italiani nel Ticino, 2 Bde., 1980-94
– A. Moretti, La chiesa ticinese nell'Ottocento, 1985
Autorin/Autor: Marianne Bauer