Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03459.jsonl.gz/2301

Vergleicht man das Schweizer System der Altersvorsorge mit demjenigen anderer OECD-Staaten, so sieht man, dass auch dort das Drei-Säulen-Prinzip in mehr oder weniger ausgeprägter Form vorherrscht. Wesentliche Unterschiede bestehen jedoch in der Bedeutung der einzelnen Säulen.
In grösseren Ländern wie Deutschland oder Frankreich dominiert die erste, vom Staat verantwortete Säule. In mit der Schweiz vergleichbaren Staaten wie den Niederlanden hingegen hat die zweite Säule der Altersvorsorge eine viel grössere Bedeutung.
Die Schweiz sticht bei diesem Vergleich jedoch durch eine besonders ausgewogene Struktur der einzelnen Säulen hervor. Diese wird denn auch sowohl von internationalen Organisationen wie Weltbank, IMF und OECD als auch von Ratings wie dem Melbourne Mercer Global Pension Index als zukunftstauglichste Konzeption eingestuft. Gleichzeitig hat die Schweiz eines der am besten kapitalisierten Rentensysteme weltweit und unsere Volkswirtschaft damit einen klaren Wettbewerbsvorteil.
Und trotzdem: Jüngste Studien wie das «Swiss Pension Whitepaper» von McKinsey zeigen, dass die Erträge der Schweizer Pensionskassen im Vergleich zu ausländischen zurückfallen. Im Vergleich mit den weltweit führenden Märkten Niederlanden und Kanada ist den Schweizer Pensionskassen seit 2008 durchschnittlich jedes Jahr eine mögliche Zusatzrendite von 0,6% bis 1,15% entgangen. Dies entspricht einem kumulativen Betrag von 50 bis 95 Milliarden Schweizer Franken.
Hochgerechnet auf jeden einzelnen Schweizer Versicherten hätte es eine mit den Niederlanden und Kanada vergleichbare Anlageperformance ermöglicht, die Renten um 12% bis 24% zu erhöhen, was zusätzlichen 3ʼ500 bis 6ʼ900 Franken pro Person entspricht.
Einer der Gründe für dieses Schweizer Defizit liegt in den unterschiedlichen Anlagestrategien und in der Folge Anlageportfolios der Pensionskassen in den verschiedenen Ländern. Dabei zeigt sich, dass in Kanada und den Niederlanden der Anteil an Aktien und alternativen AnlagenKapitalanlagen, die nicht zu den traditionellen Finanzprodukten wie Aktien oder Obligationen zählen, also Hedgefunds und Private Equity sowie Sachwerte wie Rohstoffe, Kunstgegenstände und – streng genommen – Immobilien. entschieden höher ist als hierzulande.
«Die Schweiz muss unbedingt von den weltweit führenden Vorsorgemärkten lernen.»
Ein breiter gefächerter Anlagenmix wäre – mit ausreichenden Begründungen – theoretisch auch in der Schweiz mit den bestehenden restriktiven Anlagevorschriften gemäss BVV2Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge möglich. Doch werden diese Limiten selbst von grossen Pensionskassen kaum ausgereizt. Um ihre Performance zu steigern, müssten die Pensionskassen also vor allem ihr Anlageverhalten ändern, falls sie dies unter Berücksichtigung ihrer Risikofähigkeit können.
Eine solche Verhaltensänderung geschieht aber nicht von alleine, sondern kann nur mit einem Entwicklungs- und Professionalisierungsschub erreicht werden, der das Risikomanagement auch bei kleineren Pensionskassen entscheidend verbessert. Dazu gehört gemäss McKinsey unter anderem eine Fokussierung auf die international anerkannte Prudent Investor RuleAutonome Festlegung des Anlageverhaltens durch die Marktteilnehmer im Rahmen von allgemeinen, aber rechtlich verbindlichen Prinzipien.. Auch eine Revision der BVV2-Richtlinien, an welchen sich insbesondere kleinere Pensionskassen stark orientieren, wäre ein Schritt in die richtige Richtung.