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Wer den Namen Jean-Augustin Cuony noch nie gehört hat, ist damit in guter Gesellschaft. Cuony (1803–1885) war von 1848 bis 1857 Syndic der Stadt Freiburg, der elfte seit der Einführung des Amts 1798. Doch im Gegensatz zu manch anderem Stadtammann wurde er von der Geschichtsschreibung lange vernachlässigt und ist in der breiten Öffentlichkeit beinahe in Vergessenheit geraten. Dies soll jetzt ein Buch des Historikers Jean-Pierre Dorand ändern, das die Stadt Freiburg herausgegeben und gestern vorgestellt hat.
Die Wirren der damaligen Zeit
Das Buch «Jean-Augustin Cuony – Un syndic à la charnière des temps» erzählt auf 190 Seiten von Cuonys kurzer Amtszeit und seiner Bedeutung für die Entwicklung der Stadt, von seinem Weg an die Macht und von den politischen Wirren seiner Zeit. Den damaligen Auseinandersetzungen zwischen konservativen, liberalen und radikalen Kräften ist es geschuldet, dass Cuony lange nicht die verdiente Anerkennung erhielt: 1844 wurde er in den liberal dominierten Gemeinderat gewählt. Nach dem Sonderbundskrieg gelangte er 1848 unter dem radikalen Regime ins Amt des Stadtammanns. 1856 kehrten im Kanton die Konservativen zurück an die Macht. In einer Zeit, als der Stadtammann vom Staatsrat nominiert wurde, waren damit die Tage des radikalen Syndics gezählt: Der Staatsrat hievte 1857 Gaspard Lalive d’Epinay ins Amt, der dort nur zehn Monate verbleiben sollte.
Die konservativen Machthaber seien es auch gewesen, die dafür gesorgt hätten, dass Cuony bald vergessen worden sei, schreibt der heutige Syndic Thierry Steiert im Vorwort zum Buch: Die von den Siegern geschriebene Geschichte habe die Leistungen fortschrittlicher Persönlichkeiten wie Jean-Augustin Cuony unterschlagen. Er spreche zwar über einen Vorgänger aus einer weit entfernten Vergangenheit, sagte Steiert anlässlich der Buchpräsentation. «Doch Cuony scheint so modern, dass kaum zu glauben ist, wie lange das her ist.»
Cuony und die Eisenbahn
Cuony habe in seiner kurzen Amtszeit wichtige Beiträge zum Fortschritt der Stadt geleistet, erklärte Buchautor Jean-Pierre Dorand. Zu seinen wichtigsten Erfolgen habe die Überzeugungsarbeit gehört, die er zugunsten der Eisenbahnlinie Lausanne–Freiburg–Bern leistete, die 1862 eröffnet wurde. Weiter habe er unter anderem die Telegrafie nach Freiburg gebracht, die Gemeindeverwaltung reorganisiert, die Textilindustrie gefördert und sich für eine gute Ausbildung aller Bevölkerungsschichten eingesetzt. Gescheitert seien hingegen seine Versuche, der Uhrenindustrie in Freiburg zum Durchbruch zu verhelfen.
Als Sohn eines Deutschschweizers und einer Freiburgerin war Jean-Augustin Cuony perfekt zweisprachig. Sein Vater, ein einfacher Handwerker, war im Jahr 1800 aus dem Laufental nach Freiburg gezogen und hatte ein Jahr später eine Freiburgerin geheiratet. Cuony besuchte die Grundschule Pater Girards und das Kollegium St. Michael und erwarb später ein Notariatspatent. Er trat 1828 als stellvertretender Sekretär des Gemeinderats in die Dienste der Stadt; 1832 wurde er Chefsekretär. Nach seinem Ausscheiden aus dem Gemeinderat nahm er weiterhin gewisse Funktionen für die Stadt wahr und arbeitete als Notar.
Mit dem Stadtarchiv
Das Buch ist in enger Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv entstanden. Nebst den behördlichen Dokumenten verwahrt das Archiv den Fonds Jean und Marie-Jeanne Dubas-Cuony, der wichtige Informationen und vor allem Illustrationen lieferte (siehe auch Kasten).
Er freue sich, dass in der aktuellen, turbulenten Zeit «endlich die Geschichte dieses Syndics aus nicht minder turbulenten Zeiten» erscheine, sagte Stadtarchivar Jean-Daniel Dessonnaz. Für ihn ist das Buch auch eine Art Abschiedsgeschenk: Er tritt Ende Monat nach 29 Jahren im Amt in den Ruhestand.
Das Buch ist ab sofort für 34 Franken im Buchhandel erhältlich (auf Französisch).
Zahlen und Fakten
Wenig bekannteStadtansichten
Das Buch über Jean-Augustin Cuony enthält 28 farbige Illustrationen. Die meisten stammen aus dem Stadtarchiv, viele aus dem Fonds Jean und Marie-Jeanne Dubas-Cuony. Die 97-jährige Marie-Jeanne Dubas-Cuony ist eine Nachfahrin des Syndics und nahm per Videoschaltung an der Buchpräsentation teil. Für die Ikonografie des Bandes sind die Kunsthistoriker Raoul Blanchard und Anita Petrovski vom Stadtarchiv verantwortlich. «Dank dem Fonds konnten wir das Buch mit zeitgenössischen Stadtansichten illustrieren, die bisher kaum bekannt sind», sagte Blanchard.