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Der «Kabeljaukrieg» (1) zwischen der EU und Norwegen auf der einen und Island auf der andern Seite hat es längst gezeigt: Wegen des Klimawandels meiden die Makrelen, die kaltes Wasser bevorzugen, die einstigen Fanggebiete vor allem der schottischen und der norwegischen Fischer und tummeln sich weiter nördlich vor Island, dessen Fischer sich das nicht zweimal sagen liessen. Die kleine Inselrepublik wurde jahrelang am Verhandlungstisch als quantité négligeable behandelt; es wurde ihr das Recht abgestritten, sich in ihrer Meereszone am Makrelenreichtum zu bedienen, da sie das ja bisher auch nicht getan habe und daher über keine Fangquoten verfüge. Die Isländer empfanden dies als ungerecht und landeten unbekümmert an, was ihnen an Makrelen ins Netz ging.
Doch wem gehört der Fisch? Jenen, die ihn traditionell fingen, oder denen, vor deren Küste er schwimmt? Diese Frage stellt sich heute erneut und verschärft, aus drei Gründen. Zum einen, weil viele weitere Fischarten aus der südlichen Nordsee nach Norden abwandern. Zum zweiten, weil neue Arten in der südlichen Nordsee auftauchen, die bisher vor allem im Mittelmeer und südlicheren Atlantikregionen gefangen wurden: Sardinen, Sardellen, Goldbrassen, Wolfsbarsche und der Blauflossenthun, der in der Nordsee seit Jahrzehnten kaum mehr anzutreffen war. Und zum dritten, weil mit dem Brexit ein grosser Teil der Nordseefische aus der Fangquote der EU-Fischereien fällt. (2)
Die Fangquoten in den europäischen Gewässern werden also neu verhandelt werden müssen. In der Regel dienen als Grundlage hierfür die Fangstatistiken der letzten Jahre. Die Regierungen der europäischen Länder fordern ihre Fischer daher auf, die Fänge neuer Arten anzulanden und zu rapportieren, damit sie künftig bei der Verteilung der Quoten auf Sardinen, Thun & Co nicht leer ausgehen. Das Rennen ist offen. Die Brexiten haben dabei einen Trumpf in der Hand, da sich in ihren Gewässern ein grosser Teil der bisher in der Nordsee gefangenen Arten wie Kabeljau & Co aufhielten. Aber auch die EU hat einen Trumpf, da die britischen Fischer den EU-Markt auch in Zukunft brauchen. Und beim Verhandlungspoker kommen die Isländer nun vielleicht endlich zu ihrem Recht, zu fischen, was vor ihrer Küste schwimmt.