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007Bond
: Neuer Reaktor erfunden: Leistet Energie für immer!
Die kleine US-Erfinderschmiede "Intellectual Ventures" hat einen neuartigen Kernreaktortyp entwickelt: Der "Laufwellen-Reaktor" soll weniger Betriebsrisiken als bisherige Reaktoren aufweisen, abgebrannte Brennstäbe aufbrauchen und mit weltweit reichlich vorhandenem Uran 238 betrieben werden können.
Eine Gruppe von Wissenschaftlern um den früheren Microsoft-Technikdirektor Nathan Myhrvold hat den Reaktor konstruiert, der nur zum Anfahren mit einer geringeren Menge an angereichertem Uran 235 beladen werden muss und danach mit nicht angereichertem Uran 238 betrieben wird. Dieser "Laufwellen-Reaktor" (Travelling Wave) erbrütet im laufenden Betrieb seinen eigenen Brennstoff aus nicht angereichertem Uran. Ein solcher Reaktor könne theoretisch hundert Jahre laufen, sagt John Gilleland, Leiter des Atomprogramms von Intellectual Ventures, ohne dass er neues Brennmaterial benötigt. Und ? angesichts der Endlager-Problematik ein wichtiger Aspekt ? der Reaktor würde selbst mit abgebrannten Brennelementen aus herkömmlichen Kernkraftwerken funktionieren. Zudem würde das atomwaffentaugliche Plutonium 239 nicht mehr entstehen, das sich bei den bisherigen Kernreaktoren durch die Spaltung von Uran 235 bildet.
Der größte Vorteil des neuen Reaktortyps aber sei seine Nachhaltigkeit: "Der Weltvorrat von Uran 238 kann eine Weltbevölkerung von rund zehn Milliarden Menschen, die pro Kopf so viel Energie verbrauchen wie zurzeit die US-Bürger, für rund 10 000 Jahre mit Energie versorgen", erklärt Gilleland. "Die Frage der Energieversorung wäre damit vom Tisch." Auch bei der Betriebssicherheit verspricht der Laufwellen-Reaktor Fortschritte: Zwar sei bei Kühlmittelverlust eine Kernschmelze möglich, aber aufgrund der thermischen Trägheit des flüssigen Metalls habe man einen Zeitvorteil von etwa einem Tag, um Gegenmaßnahmen einzuleiten.
Erste Machbarkeitsstudien zum Laufwellen-Reaktor liegen inzwischen vor. Jetzt arbeitet Gillelands Team an konkreten Reaktorplänen und erstellt Studien über die zu erwartenden Baukosten. Mit einem ersten Laufwellenreaktor in den USA rechnet Intellectual Ventures um das Jahr 2040.
Rigomax
: Man bekommt nur wenig Details, aber einen Artikel
habe ich gefunden. Der hat meinen Verdacht bestätigt: Es handelt sich um eine Modifikation der Brüter-Technik, bei der U238 in Plutonium umgewandelt wird. Die Brüter-Technik hatten wir hier schon mal angefangen, sie endete wegen der Plutonium-Problematik in einer politisch begründeten Sackgasse. Mal sehen, was diesmal daraus wird.
Bronco
: Uralter Wein in vermeintlich neuen Schläuchen !
Bei dem "Laufwellen-Reaktor" handelt es sich schlicht um eine Neuauflage des "schnellen Brüters" mit der Modifikation, dass der Mantel aus abgereichertem Uran in diesem Reaktor noch größer sein soll, so dass ein Brennstoffwechsel erst nach viiiel längerer Betriebsdauer erforderlich sein soll und der Abbrand so hoch wäre, dass für das Uran im Mantel kein Wiederaufarbeitungsschritt mehr vorgesehen wäre. Damit vereinigt dieser "neue" Reaktortyp (die Idee stammt aus dem Jahr 1958) alle Nachteile und Sicherheitsrisiken in sich, an denen der "schnelle Brüter" gescheitert ist und nun in Kalkar als Schwimmbad bewundert werden kann. Hinzu kommt aber noch die Verschärfung des Risikos durch das wesentlich größere Plutonium- und Spaltproduktinventar sowie durch die wesentlich größere zu hantierende Menge an geschmolzenem Natrium in hier voraussichtlich gleich mehreren Wärmetauschern. Ins Reich der Märchen gehört die Vorstellung, dass man da nun einfach die alten abgebrannten Brennelemente aus unseren bisherigen Reaktoren, so wie sie sind, hineinhängt und daraus nochmal ein zigfaches an Energie herausholt. Vorgesehen ist ein Mantel aus abgereichertem Uran, das bei der Herstellung von angereichertem Uran für konventionelle Leichtwasserreaktoren als Nebenprodukt anfällt und etwa 80% der gesamten verarbeiteten Natururanmenge ausmacht. Von einer Verwertung abgebrannter Brennelemente ist nicht die Rede - sonst bräuchte man nämlich wieder die besonders dreckige Wiederaufarbeitungstechnologie, die hierzulande selbst die Atomindustrie sofort zu Grabe getragen hatte, nachdem sie vom Gesetzgeber als Ersatzbedingung für die bis heute ungelöste Endlagerungsproblematik nicht mehr gefordert wurde. (Diese Technologie war nämlich zu keinem Zeitpunkt wirtschaftlich.) Ins Reich der Märchen gehört auch die Story von der gigantischen Vervielfachung der Energieausnutzung, die unsere Energieversorgung für über 10000 Jahre sicherstellen könnte. Bisher ist es noch NIRGENDWO auf der Welt gelungen, die Eingangsvoraussetzung für "schnelle Brüter" zu realisieren, nämlich einen Brüter, der tatsächlich mehr spaltbares Material erbrütet als er im Core verbraucht. Genau diese Bedingung müsste aber bei dem hier genannten Brütertyp DEUTLICH ÜBERSCHRITTEN werden, damit die "Laufwelle" im Brutmantel auch bei hohem Abbrand (= nennenswerte Verwertung von U238) funktioniert.
Sollte Euch jemand irgendwann Aktien dazu anbieten, dann schickt ihn einfach weiter.