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Vor neun Monaten war er beim Filmfestival von Cannes nicht etwa ein Schauspieler aus Fleisch und Blut der Star, sondern ein kleiner Junge mit überdimensionalem Kopf aus Knetmasse. Courgette, so der Name des Jungen, ist die Hauptfigur im 66-minütigen Animationsfilm des Wallisers Claude Barras, der Zurzeit ein gefragter Interviewpartner ist. Seit der Premiere in Cannes wurde «Ma Vie de Courgette» nämlich mit über 20 Preisen ausgezeichnet und ist nun als erster Schweizer Animationsfilm überhaupt für einen Oscar nominiert. Der Courgette-Papa Claude Barras über sozialkritische Themen in Hollywood und grosse Puppenköpfe:
Das Theater an der Effingerstrasse zeigt mit «Switzerland – der Fall Patricia Highsmith» eine Krimi-Charakterstudie der australischen Dramatikerin Joanna Murray-Smith.
Ihre Mutter habe Highsmith-Romane regelrecht «verschlungen», und es habe sie beeindruckt, wie ein Buch, also ein schlichter Gegenstand, einen solchen Einfluss auf einen Menschen haben könne, erzählte die australische Dramatikerin Joanna Murray-Smith in einem Interview. Das Schaffen, aber auch die Biografie der 1921 in Texas geborenen Schriftstellerin Patricia Highsmith (eigentlich Mary Patricia Plangman) faszinierte auch Murray-Smith, weshalb sie der Autorin mit «Switzerland – der Fall Patricia Highsmith» ein rund zweistündiges Bühnenstück gewidmet hat.
Der Titel des Stückes ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass Patricia Highsmith 14 Jahre lang im Tessin lebte und arbeitete. Ihr Haus soll einem Bunker geglichen haben, in dem sich die öffentlichkeitsscheue Autorin verkroch. Dieses Domizil beziehungsweise dessen Wohnzimmer bildet das Setting für Murray-Smiths Stück.
Primitiv und ordinär finden die einen – grösstsmögliche Unterhaltung sagen die anderen. Bereits seit den 90er-Jahren treibt Daniel Mittag genannt Midi sein Unwesen im Schweizer Musikzirkus. In den Anfängen tingelte der heute 44-jährige als Jack Stoiker durch die Lande, wobei er wegen seinen skurrilen Live-Shows, seinem fehlenden Gesangstalent und wegen seinen abenteuerlichen Reimkünsten zur Kultfigur wurde. In breitestem Sankt-Galler-Dialekt erzählte dieser Jack Stoiker Geschichten aus dem Alltag, wobei er ganz offensichtlich eine Vorliebe für pubertären Humor hegte.
Mittlerweile hat Midi eine Punkband namens Knöppel ins Leben gerufen, welche letzten Oktober ihr erstes Album veröffentlicht hat. Ein Konzeptalbum, ähem.
Der Bündern Gimma, eigentlich Gian-Marco Schmid, legte vor 15 Jahren mit seinem Mundart-Rap einen komentenhaften Hitparaden-Aufstieg hin und sorgte auch neben der Bühne oftmals für Schlagzeilen. Als Bad Boy des Mundartrap war er berühmt-berüchtigt für seine Exzesse und sein rüpelhaftes Auftreten, liess er auf dem roten Teppich doch auch gerne mal die Hosen runter.
Heute arbeitet der 37-jährige Gian-Marco Schmid als Werbetexter in Chur und ist auch als Schriftsteller tätig. Vor zwei Jahren veröffentlichte er seine Autobiografie «Hinter dera Maska isches dunkel» – ein mutiger Bericht über eine schwere Kindheit mit einer alkoholkranken Mutter, eine Kindheit die von frühen Drogenexzessen, sexuellen Übergriffen, einer Psychose und mehreren Selbstmordversuchen überschattet war.
Gerade mal ein Jahr später veröffentlichte Gimma dann den Roman «40» und knüpft darin nahtlos an sein Debut an. Geschildert wird das Leben eines Hip-Hop-Stars auf der Überholspur, der polytoxikomanischen Exzessen nicht abgeneigt ist und der sehr bewusst den Drogenwahnsinn dem langweiligen Alltag vorzieht.
Hier geht’s zum Interview in «Der Bund» (16.2.17)
Kommendes Wochenende kommen Hörfetischisten auf ihre Kosten: Im Kino Rex wird beim 7. sonOhr Festival
Ohrensex Audiokunst geboten. Form und Inhalte der Wettbewerbsbeiträge sind vielfältig. Es gibt Features, Dokumentationen, Reportagen und Klangcollagen in Deutsch, Französisch und Italienisch zu hören, die sich unter anderem um Kühe am Schönheitswettbewerb, den schweren Umgang mit Demenz oder die vermeindliche Mutation von Getreidekörnen drehen. Ausserdem wird mit «Nosferatu reloaded» ein Live-Hörspiel fabriziert und bei den Hörgames «Blowback – Der Auftrag» und «Polder – become a story» kann das Publikum gar selber mittun.
Der Blick ins Programm verrät, dass dieses Jahr einer fehlt. Ein Kurzhörspielmacher, der sonst bei sonOhr immer dabei ist. Einer, der in schönster Do-it-yourself-Manier vom Texten übers Komponieren und Pegeln alles selber übernimmt und dann auch noch gleich alle Rollen einspricht und zwar in unterschiedlichen Dialekten. Einer, dessen Beiträge humortechnisch, nun ja, vielleicht nicht jedermanns Sache sind, der aber andererseits gerade wegen seiner kindlichen Experimentierfreude und dem niederschwelligen «Gott, du bisch ä blöde Siech»-Humor über eine eingefleischte, weltumfassende Fangemeinde verfügt (Matto Kämpf und Frau Feuz). Gaudenz Trüeb, wo bist du? Dir ist doch hoffentlich nichts zugestossen, oder?! Und gell, nächstes Jahr kommt wieder was von dir? Einfach bitte nicht über Raclette. Sonst kann man das dann auch nicht mehr essen.
Das Jahr ist zwar noch jung, aber die Gewinner im Wettbewerb um den schönsten Flyer sind bereits bekannt. Welcher Wettbewerb? Na jeder, der da im 2017 noch kommen mag. Ich mein: dieses ausgeklügelte Arrangement, diese sinnliche und harmonische Ästhetik der Bildkomposition. Meisterhaft. Fürwahr.
Seit 15 bis 17 Jahren (man ist sich bezüglich der Dauer des Bestehens bandintern nicht ganz einig) «verpiggern» die Herren vom Biggerclub Heuler aus der Rock-, New Wave- und Punkgeschichte. Gefunden hätten sie sich damals per Annonce in der Tierwelt, sagt Sänger Thomas «Hoschi» Hostettler. Auf «Bauer sucht Power» hätten sich die Herren Schütz (Bass), Abt (Gitarre) und Hertig (Schlagzeug) gemeldet und seitdem fährt die illustere Männerriege mit dem Traktor von Landgasthof zu Landgasthof und beschallt alles, was bei one, two, three, four nicht auf den Bäumen ist.
Feinfühliges Porträt und Diagnose einer Generation – Lisa Blatters Spielfilmdebut «Skizzen von Lou» im Kino REX Bern.
Vier Schauspielerinnen, vier unterschiedliche Lebensphasen – Mother T.-Rex zeigt die dokumentarische Performance «Metamorphosen oder die Struktur der mittleren Jahre» im Schlachthaustheater.
Den Namen Baze bringen die meisten mit Mundart Hip Hop in Verbindung. Nein, ein Hip Hop-Album habe er diesmal nicht gemacht, sagt der 36-Jährige über seine neue Platte «Bruchstücke», welche heute herausgekommen ist. Vielmehr hat sich Baze mit einer Band zusammengetan, die einen organisch-warmen, sphärischen und hypnotischen Soundteppich liefert über den Baze seine Geschichten erzählt. Dabei offenbart er sich einmal mehr als genauer Beobachter der menschlichen Psyche.
Hier gehts zum Interview auf Radio Bern RaBe und hier zur Kurzbesprechung bei KulturStattBern.
Der holländische Werber, Kreativkopf und Künstler Erik Kessels zeigt in seinem Fotoband «Fast pefrekt» anhand von rund 100 Bildern, warum wir hemmungslos scheitern dürfen und einen Blick für Nichtperfektes entwicklen sollen.
Können Sie sich daran erinnern, wann Sie zum letzten Mal so richtig etwas in den Sand gesetzt haben? Wie haben Sie sich dabei gefühlt? Peinlich berührt? Sollten Sie nicht, sagt Erik Kessels, seines Zeichens Gründer und Kreativdirektor der Werbeagentur KesslersKramer und Verfasser von «Fast pefrekt». In irgendeiner Form hätten wir schliesslich alle schon mal etwas vermasselt, hält Kessels lakonisch in seinem 168-seitigen Fotobüchlein fest. Und gerade weil niemand vor Fehler gewappnet sei, sei es doch an der Zeit, Irrtümer nicht mehr als etwas Peinliches zu betrachten, sondern als Bausteine, aus welchen Neues und Aufregendes entstehen könne.
Der ganze Text zu Erich Kessels Fotobuch findet sich in der Ausgabe No1/2017 von bref.