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Was ist aus den Filmprojekten geworden? Umfrage 2007–2011
Von Sandrine Normand und Pierre Agthe – September 2013
FOCAL bietet seit bald 25 Jahren Drehbuchentwicklungsseminare an. Um zu erfahren, was diese Programme gebracht haben, haben wir bisher drei Untersuchungen durchgeführt; sie decken die Zeit zwischen 1989 und 2011 ab.
Seit 1989 sind in FOCAL-Programmen 226 Drehbücher entwickelt worden, wovon 52 verfilmt und im Kino vorgeführt, bzw. am Fernsehen ausgestrahlt wurden; das entspricht einer Realisationsquote von 23%.
Veränderungen bei den Drehbuchprogrammen
Die Drehbuchentwicklungsprogramme richten sich nicht mehr ausschliesslich an AutorInnen. Aufgrund der in der Branche geäusserten Bedürfnisse wurden zwischen 2007 und 2011 zwei Programme eingeführt, die sich in erster Linie an ProduzentInnen richten: Vision Cinéma 2 und Producers Pooling Programme (PPP).
Seit 2010 entfernt sich FOCAL zudem von der klassischen Projektbegleitung in Form von Seminaren und bietet vermehrt individuelle Script Coachings an. Diese neuen Angebote richten sich speziell an erfahrenere DrehbuchautorInnen. FOCAL hat überdies ein Coaching-Programm für Dokumentarfilmschaffende eingeführt: Mentoring for DOCS.
Realisationsquote
In der letzten Untersuchungsperiode wurden pro Jahr mehr Drehbücher entwickelt als in den vorigen Perioden, nämlich 72, d.h. durchschnittlich 14 pro Jahr, gegenüber 12 bzw. 7 in den beiden vorangehenden Untersuchungsperioden.
Die Anzahl verfilmter Bücher ist dagegen stabil geblieben; sie bleibt bei 7, allerdings sind noch 31 Projekte in Entwicklung oder in Vorproduktion.
Auf der anderen Seite wurde das Angebot Fernsehfilme SF DRSStoffentwicklungsprogramm nach acht Jahren eingestellt, was erklärt, weshalb kein Fernsehfilm in der Umfrage mehr vorkommt und verhältnismässig weniger Filme realisiert wurden.
Von den 72 zwischen 2007 und 2011 in FOCAL-Workshops entwickelten Drehbüchern wurden bis heute also 8 verfilmt; das entspricht gut 10%.
Publikum
Viele der in der letzten Untersuchungsperiode realisierten und vorgeführten Filme haben Auszeichnungen erhalten. Um nur die Wichtigsten zu nennen:
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COEUR ANIMAL von Séverine Cornamusaz: Schweizer Filmpreis 2010 für den Besten Film und den Besten Schauspieler.
- GIOCHI DʼESTATE von Rolando Colla: Schweizer Filmpreis 2011: Bester Film, Beste Kamera und Bestes Drehbuch. Der Film wurde zudem an der Mostra di Venezia ausgezeichnet und vertrat die Schweiz bei den Oscar-Nominationen im vergangenen Jahr.
- AVANTI von Emmanuelle Antille, OPÉRATION CASABLANCA von Laurent Nègre, SONGS OF LOVE AND HATE von Katalin Gödrös et CYANURE von Séverine Cornamusaz genossen ebenfalls internationale Ausstrahlung und erhielten Preise an zahlreichen renommierten Festivals.
Ist das Ziel erreicht?
Es ist immer wieder schwierig, diese Frage allgemeingültig zu beantworten. Ziel unserer Arbeit ist ja zum Einen die Verbesserung der Projekte, damit sich diese auf dem Markt besser positionieren und behaupten können, und andererseits die Erweiterung der Kompetenzen und der Vernetzung der AutorInnen und ProduzentInnen, was über die Arbeit an einem bestimmten Projekt hinaus geht. Wie bereits 2008 erwähnt, darf eine solche Umfrage nicht allein hinsichtlich der Zahl verfilmter Drehbücher gelesen werden, sondern auch hinsichtlich der Wirkung der Programme auf die berufliche Weiterentwicklung der ProjektträgerInnen.
Beim näheren Betrachten erkennt man zudem, dass die Programme auch als Filter dienen. In einem FOCAL Workshop an seinem Drehbuch zu arbeiten, heisst auch, es zu exponieren, sich mit den Ansichten anderer auseinanderzusetzen. Der Autor und sein Produzent können so herausfinden, ob ihr Projekt ein Potential hat, oder ob es besser wäre es einzustellen. Damit können sie sich den Wettlauf um Förderung ersparen und ihre Kräfte für Projekte einsetzen, die mehr Erfolgschancen haben.
Eine Studie, die wir vor einigen Jahren durchgeführt haben, hat überdies gezeigt, dass die Schweiz im Vergleich zu anderen europäischen Ländern mit ähnlichen Produktionsverhältnissen in Sachen Projektförderung eher gut gestellt ist. Bundesrat Alain Berset hat diese Phase an seiner Pressekonferenz vom letzten August in Locarno denn auch als Stützpfeiler der Filmproduktion und Priorität der Filmförderung für die kommenden Jahre bezeichnet.
FOCAL wird sich deshalb weiterhin bemühen, die berufliche Weiterbildung in Sachen Projektentwicklung in der Schweiz wie auf internationaler Ebene zu unterstützen, sei es im Bereich Storytelling (von der Idee zum Drehbuch, für ‹klassische› audiovisuelle Werke wie für Transmedia-Produkte) oder beim Packaging (vom Casting bis hin zur Finanzierung).
Wir danken allen herzlich, die an dieser Umfrage mitgewirkt haben.
Sandrine Normand und Pierre Agthe, Lausanne, September 2013