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Weitere Luftaufnahmen von Laupen
Die Gegend, wo die Molasseplateaus des Üechtlandes und des Forstes sich gegen Nordwesten senken, wo Saane und Sense aus ihren engen Einschnitten herausgetreten sind und sich in gemeinsamer Talwanne vereinen, war seit jeher für den Flussübergang eines Verkehrsweges besonders geeignet. Zu einer Zeit, da die Städte Freiburg und Bern noch nicht bestanden und damit die Brückenstelle bei Neuenegg noch ohne Bedeutung war, kam der Route von Broye- ins mittlere Aaregebiet und gegen den Oberaargau hin grosses Gewicht zu. Schon die Römer benützten sie als Verbindung zwischen Aventicum und der Siedlung auf der Engehalbinsel bei Bern. Bei Laupen boten sich eine günstige Flusstraverse und bequeme Aufstiegsmöglichkeit zur Hochebene des Forstes. Just hier sprang zudem ein Molassefelssporn gegen die Flussniederung vor, der sich ausgezeichnet als Wacht- und Wehrposten eignete.
Laupen spielte denn auch lange vor dem Auftreten der Zähringerherzöge eine strategisch wichtige Rolle. Das Schloss geht in die Periode des hochburgundischen Königreiches zurück und ist bestimmt eine der ältesten noch bestehenden Burganlagen des Bernbiets. Allerdings lässt sich sein Kern vorderhand kaum genau datieren. Man hofft, dass die Restaurierungsarbeiten und Grabungen etwas mehr Licht in die Entstehungsgeschichte des Bauwerks bringen.
Der Burgunderkönig Rudolf III unterschrieb 1014 in Laupen eine Urkunde. Sie gibt den ersten Hinweis auf die Burg, deren Errichtung man ungefähr zu Jahrtausendwende oder bereits im 10. Jahrhundert als erfolgt annehmen darf. In baulicher Hinsicht weiss man, vorerst wenigstens, nicht Bescheid. Handelte es sich noch um ein Holzwerk? Wurden die Mauern des Palas sie stammen aus der romanischen Stylepoche und sind im Kellergeschoss bis zu drei Meter, an der Süd- und Westseite noch im zweiten Stock mehr als zwei Meter dick und des 1760 grossenteils abgebrochenen Bergfrieds schon im 11. Jahrhundert errichtet, was für unser Gebiet eine Rarität darstellen würde? Untersuchungen dürften hier Aufschluss bringen.
Mit dem Ende des Burgunderreiches wurde die Burg reichsfrei. Eine Reihe von adligen Familien bewohnte sie in der Folge, so ein Grafengeschlecht, das sich nach ihr benannte und sich auch unter den die Oberhand gewinnenden Zähringern zunächst durchzusetzen vermochte. Es wurde aber ebenfalls in die Niederlage des sich gegen die Herzöge erhebenden burgundischen Adels gerissen. Die strategische Planung der Herzöge Berchtold IV und Berchtold V ergab eine wohldurchdachte Linie von Befestigungen längs der unteren Saane. Über deren Zusammenfluss mit der Aare wurde die Burg Oltingen ausgebaut.
Rund eine Wegstunde talaufwärts wurde über einem vielbenützten Strassenengpass, wahrscheinlich von den Zähringern, jene von Gümmenen angelegt, die unter savoyischer Herrschaft später noch durch eine Städtegründung ergänzt wurde. Wieder fünf Kilometer südlich entwickelte sich Laupen zur starken Feste, die ebenfalls mit einem bereits vor 1200 ummauerten Städtchen verbunden war, dessen endgültige Ringmauer aber vermutlich erst im 13. Jahrhundert entstand.
Unter den Zähringern nahm die Burg von Laupen ungefähr ihre heutige Gestalt an. In einer Länge von rund 130 Metern zog sie sich und zieht sie sich noch jetzt über den Bergsporn, sich im Querschnitt hinten (nach Osten) allmählich auf etwa 40 Meter verbreiternd. Drei Schildmauern und der 30 Meter tiefe Burggraben riegelten sie nach aussen ab. Die drei Mauern erscheinen heute weitgehend abgetragen. Auf dem drei Meter dicken Sockel der innersten erhebt sich seit 1770 als Querbau die so genannte Sommerlaube. Nördlich vor dem inneren Burgtor erbot sich als Hauptwachturm der Bergfried. Seine obere Partie musste im 18. Jahrhundert abgebrochen werden, weil sich das Felsfundament nicht mehr als tragfest genug erwies. Jenseits des Hofes, gegen Süden hin, gibt der feste Bau des Palas dem Schloss besonderes Profil. Er birgt den Rittersaal, dessen zwei Geschosse gegenwärtig noch unterteilt sind.
Anlässlich der Restaurierung soll der ehemalige Zustand wiederhergestellt werden. Nach Westen hin legt sich die Mauer in doppelter Führung vor das Schloss und schiebt sich spitz auslaufend nach vorn. Dort steht, übereck und in seiner Wucht vom Städtchen und von der Sensebrücke her gesehen besonders eindrucksvoll, ein Wehrturm von vermutlich hohem Alter. Er wurde im 17. Jahrhundert erneuert und später als Gefängnis verwendet, was ihm die Bezeichnung « Käfigturm » eintrug.
Der mittelalterliche Aspekt der Burg veränderte sich seit der Zähringer- und der unmittelbar nachfolgenden Epoche wahrscheinlich nicht sehr stark. Laupen war schon im 13. Jahrhundert umkämpft, von den Kyburgern, Habsburgern und Savoyern belehrt, dann wieder von Reichsvögten verwaltet. Die Adelsherrschaft nahm 1324 ein Ende, als Burg und Städtchen an Bern übergingen. Doch folgte just damals die kritischste Periode ihrer Geschichte. Grafen und Barone des Welschlandes verbündeten sich, zusammen mit dem damals habsburgischen Freiburg, gegen Bern. Es kam 1339 zum denkwürdigen Krieg um Laupen und zur Belagerung. In der Schlacht auf dem Bramberg vom 21. Juni besiegten die Berner, von den Urkantonen und Solothurn unterstützt, unter der Führung Rudolf von Erlachs den zahlenmässig hoch überlegenen Gegner. Schloss und Städtchen erlitten dabei Beschädigungen, die aber repariert werden konnten.
Laupen gehört seither definitiv zu Bern. Die Burg wurde Zentrum von dessen erster Landvogtei. Mit der Zeit stattete man die Anlage wohnlicher aus. Der direkte Treppenaufgang vom Städtchen her entstand und wurde gegen Ende des 16. Jahrhunderts überdacht. Zwischen 1648 und 1650 wurde an der Nordseite des Hofs, anstelle von niedrigen Ställen und Geräteschuppen, die man samt einem Stück der Wehrmauer beseitigte, als eigentliches « neues Schloss » ein schönes Amtsgebäude errichtet, das dem Landvogt als Wohnstätte diente. Ein achteckiger Treppenturm, dessen geschweifte Haube auf das barocke Zeitalter weist, ermöglicht den Zugang.
Bis 2007 dient das Schloss als Sitz des Regierungsstatthalteramtes und des Bezirksgerichts. Die Räume werden nun erneuert, in ähnlich sorgfältiger Weise, wie dies bei anderen bernischen Amteischlössern bereits geschehen ist.
Bibliographie