Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03487.jsonl.gz/357

Kennen Sie Viktor Giacobbo oder Lüthi und Blanc?
Die Namen sagen mir nichts. Sind das Schweizer TV-Persönlichkeiten?
Der eine ist ein Schweizer Komödiant, das andere ein TV-Klassiker. Es sieht so aus, als ob Sie Ihre Hausaufgaben in Sachen Schweizer TV-Markt nicht gemacht haben.
Wir versuchen nicht der beste Anbieter von Schweizer Programminhalten zu sein. Wir versuchen der weltweit beste Programmanbieter sein. Also japanische Trickfilme zu bieten, dänische Krimis, BBC, Hollywood. Wir haben hingegen keinen Sport und Nachrichten, auch keine Musikvideos. Wir sind kein Ersatz für Swisscom oder UPC Cablecom.
Worum geht es dann?
Wenn man abends nach Hause kommt, um sich zu entspannen, kann man Bier trinken, Fussball oder eine DVD gucken. Andere spielen Karten oder gucken Netflix. Diesen Wettbewerb um Aufmerksamkeit müssen wir gewinnen.
Was sind Ihre Ziele für den Schweizer Markt?
In den USA brauchten wir sieben Jahre, bis wir ein Drittel der Haushalte als Kunden erreicht hatten. Wir hoffen, das in der Schweiz auch zu erreichen: Ein Drittel der Haushalte in einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren. Dann wären wir in drei bis fünf Jahren profitabel in der Schweiz.
Wollen Sie auch eigene Schweizer TV-Serien bieten?
Kurzfristig eher nicht. Dafür ist der Markt nicht gross genug. Ausserdem müssen wir schauen, wie der deutschsprachige Markt läuft, dann sehen wir weiter. Wir setzen eher auf den globalen Markt. So produzieren wir schon in Ländern wie Kolumbien, Mexiko und Italien.
Wird es eine Zusammenarbeit mit Schweizer Anbietern im Video-Streaming-Geschäft geben? In Deutschland kooperieren Sie mit der Telekom.
Möglich wäre es. In den Niederlanden sind wir seit einem Jahr vertreten, arbeiten aber nicht mit UPC zusammen. Aber wir arbeiten mit Virgin Media, die zu UPC gehören.
Sind Sie auf Swisscom, UPC Cablecom und Co zugegangen - zwecks einer Zusammenarbeit in der Schweiz?
Ja, in allen Märkten hat unser Team mit allen Anbietern geredet. In den USA reden wir mit Comcast seit fünf Jahren, dennoch gibt es keine Zusammenarbeit. Das zeigt, man kann viel und lange reden.
Liegt das auch daran, dass die Schweizer Verbraucher in Sachen Video-on-Demand auch ohne Ihr Angebot ziemlich glücklich sind? Die etablierten Anbieter haben zuletzt ihr Angebot erweitert. Glauben Sie, es gibt noch genügend Kunden, die zu Ihnen wechseln?
Ja, das stimmt, das Angebot wurde in der Schweiz kürzlich ausgebaut. Ich gehe allerdings fest davon aus, dass sie uns nutzen. Viele schauen bisher halblegale Angebote. In den Niederlanden gibt es auch viel Video-Piraterie, und trotzdem sind wir dort erfolgreich. Daher gehe ich davon aus, dass wir auch in der Schweiz erfolgreich sein werden - auch weil es nur 12 Franken im Monat kostet.
Warum müssen Schweizer mehr zahlen, als im Vergleich zu anderen Ländern?
Die Marketingkosten liegen deutlich höher, als in allen anderen Ländern, in denen wir bisher vertreten sind.
In den USA haben Sie Zehntausende Filme. Wie viele sind es hierzulande?
In den USA ist der Filmkatalog grösser, das stimmt, allerdings ist er nur in Englisch - und nicht wie in der Schweiz in Deutsch und Französisch. Wir nennen die Zahl der verfügbaren Titel nicht, sonst steigen sie in das Rennen um Zahlen ein. Nehmen Sie YouTube, die haben eine Milliarde Titel – uns geht es mehr um die Qualität und die Interessen unserer Nutzer.
Netflix analysiert seine Nutzer genau. Wie funktioniert das und welche Erkenntnisse ziehen Sie daraus? Manche Kunden gucken gerne zur Mittagszeit?
Ja, das mag daran liegen, dass sie mittags zuhause sind und vielleicht nachts arbeiten. Aber mit unseren Algorithmen versuchen wir herauszufinden, welche Film-Angebote wir unseren Kunden machen. Jede Person hat ihren eigenen Geschmack. Da hilft die Personalisierung.
Was wissen Sie über die Nutzer?
Was sie gerne sehen, dass sie vielleicht das Kinderprofil eingestellt haben, wenn sie um 18 Uhr das Abendessen machen. Solche Sachen interessieren uns. Wir verkaufen allerdings keine Werbung und wollen daher auch nicht zu diesem Zweck ihre Vorlieben verwerten.
Wie lange wird es noch die Art von Fernsehen geben, wie wir es heute kennen?
Vielleicht noch 20 Jahre. Wie es auch mit den Festanschlüssen beim Telefon ist. Ihre Eltern haben vielleicht noch einen, aber Sie sind mobil unterwegs. Junge Leute verstehen nicht, dass eine Fernsehsendung um 21 Uhr beginnen soll. Das ist für sie ein seltsames Konzept. Sie wollen es sofort – auf ihrem Computer oder dem Tablet.
Zerstören Sie ein funktionierendes Geschäftsmodell der Filmindustrie? Es lautet: Filme laufen zuerst im Kino, dann als DVD, später als Video-Stream und letztlich im Free-TV. Das Modell, so sagen seine Verfechter, biete eine gute Finanzierung und ein grosses Filmangebot.
Ich widerspreche. Es gibt jetzt ein viel grösseres Angebot an Filminhalten. Wir leben in einem goldenen TV-Zeitalter, der Markt wächst. Allerdings verändert sich das System, und nicht alle Etablierten mögen Veränderung.
Ihre globale Wachstumsstrategie ist teuer und drückt den Gewinn. Was sagen Sie ihren Aktionären?
Wir sagen ihnen schon seit vier Jahren, dass wir die Erträge aus den profitablen Märkten in die internationale Expansion stecken.
Welche Länder kommen als nächstes? China?
In den kommenden Monaten konzentrieren wir uns eher auf andere Regionen wie Süd- und Osteuropa. Über Asien wissen wir noch zu wenig.
Netflix-Chef Reed Hastings über den Start in der Schweiz, den Schutz von Kundendaten und erfolglose Gespräche mit Swisscom, UPC Cablecom und Co.
Kennen Sie Viktor Giacobbo oder Lüthi und Blanc?