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Der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer (1788–1860) interessierte sich für sogenannte «östliche Weisheitslehren» und machte diese in Europa populär. Durch die Lektüre von Schopenhauer wurde auch der deutsche Komponistangeregt, sich mit dem auseinanderzusetzen. Schopenhauer und Wagner hatten allerdings nur sehr vage und teilweise sehr verklärte Vorstellungen vom Buddhismus.
«Wollte ich die Resultate meiner Philosophie zum Massstabe der Wahrheit nehmen, so müsste ich dem Buddhaismus den Vorzug vor den anderen [Religionen] zugestehn.»1
Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 1819
«Der Buddhismus ist hundertmal realistischer als das Christentum, – er hat die Erbschaft des objektiven und kühlen Probleme-Stellens im Leibe, er kommt nach einer Hunderte von Jahren dauernden philosophischen Bewegung; der Begriff ‹Gott› ist bereits abgetan, als er kommt. Der Buddhismus ist die einzige eigentlich positivistische Religion, die uns die Geschichte zeigt, auch noch in seiner Erkenntnistheorie (einem strengen Phänomenalismus –), er sagt nicht mehr ‹Kampf gegen die Sünde›, sondern, ganz der Wirklichkeit das Recht gebend, ‹Kampf gegen das Leiden›. […] Die zwei physiologischen Tatsachen, auf denen er ruht und die er ins Auge fasst, sind: einmal eine übergrosse Reizbarkeit der Sensibilität, welche sich als raffinierte Schmerzfähigkeit ausdrückt, sodann eine Übergeistigung, ein allzu langes Leben in Begriffen und logischen Prozeduren, unter dem der Person-Instinkt zum Vorteil des ‹Unpersönlichen› Schaden genommen hat. Auf grund dieser physiologischen Bedingungen ist eine Depression entstanden: gegen diese geht Buddha hygienisch vor.»2
Friedrich Nietzsche, Der Antichrist, 1895
1 Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, hrsg. von Paul Przygodda, Deutsche Philosophie, Band 2, Berlin: Julius Springer Verlag, 1916, S. 182.
2 Friedrich Nietzsche, Der Antichrist, hrsg. von Alfred Baeumler, Leipzig: Alfred Körner Verlag, 1930, S. 209–210.