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Geschichte
Der Schachtelhalm ist der Nachfahre einer Urpflanze, die vor 400 Mio. Jahren im Paläozoikum ganze Wälder gebildet hat. Er zeigt uns eine ferne Vergangenheit, als Pflanzen noch nicht die Fähigkeit zur Blütenbildung besessen haben und sie zur Mineralwelt, zu Wasser und Licht ein noch urtümliches Verhältnis hatten.
Der Gattungsname Equisetum bildet sich aus dem lateinischen equu“, was "Pferd" und seta, was "Borste", "Haar" bedeutet, also Pferdeschwanz. Diese Bezeichnung geht auf das griechische „hippo-uris“ zurück, was die gleiche Bedeutung hat. Der Artname arvensis heisst "Acker", "Feld" und bezeichnet den Standort der Pflanze. Wenn der Schachtelhalm in einer Schale vorsichtig verascht wird, bleibt ein filigranes Skelett zurück, das aus fast reiner Kieselsäure besteht. Dieses wurde früher zur Reinigung des Zinngeschirrs verwendet, worauf die deutschen Volksnamen Zinnkraut und Scheuerkraut hinweisen.
Dioskurides bezeichnete die „hippo-uris“ als harntreibend, zusammenziehend, die Blutflüsse der Gebärmutter stillend und als Husten- und Wundmittel. Pfarrer Kneipp hielt die Pflanze als unersetzbar bei Blutungen oder Bluterbrechen. Der sog. „Kobert-Kühnsche-Kieseltee“, der zur Behandlung der Lungentuberkulose in hohem Ansehen stand, enthielt 6 Teile Vogelknöterich, 2 Teile Hohlzahn und 3 Teile Schachtelhalm.
Botanische Merkmale
Der Schachtelhalm bildet bis zu 2 m tiefe, ausdauernde Wurzelgeflechte und Rhizome, aus denen die einjährigen fertilen und sterilen Sprossen erscheinen.
Der fertile Spross erscheint nach der Schneeschmelze. Der bleistiftdicke unverzweigte Trieb wird ca. 15 cm hoch und ist von hellbrauner bis rötlicher Farbe. Endständig steht der charakteristische bräunliche, zapfenförmige Sporenstand, in denen die schildförmigen Sporophylle quirlförmig angeordnet sind. An den Nodien bilden sich stängelumfassende Blattscheiden, die bis 2 cm hoch werden und oben sechs bis zwölf schwarzbraune Spitzen tragen.
Nach dem Absterben des fertilen Sprosses erscheint an der gleichen Stelle ein hellgrüner, steriler Wedel, der bis 40 cm hoch werden kann. Im Gegensatz zu den fertilen Sprossen hat der sterile Spross aus den Internodien hervorgehende quirlige, vier- oder fünfflügelige Seitenäste.
Die sterilen Sprosse sind gefurcht und haben eine rauhe Oberfläche, die dadurch zustande kommt, dass in ihr gelöste und kristallisierte Kieselsäure eingelagert ist.
Die Sporenreife ist von März bis April.
Vorkommen
Der Ackerschachtelhalm ist in ganz Europa, Asien und Nordamerika von den warmen Zonen bis weit in die Arktis anzutreffen.
Er ist von allen Equisetum-Arten die verbreitetste und wächst als Ruderalpflanze gerne auf lehmhaltigen Sandböden. An feuchten Standorten kann E. arvense mit E. palustre (Sumpfschachtelhalm) vergesell¬schaftet sein. Sie unterscheiden sich dadurch, dass bei E. arvense das erste Internodium des Seitenastes länger als die dazugehörige Blattscheide am Spross ist.
Eine genaue Identifikation des Ackerschachtelhalm ist besonders wichtig, denn andere Arten können einen Pilz (Ustilago equiseti) beherbergen, der Unverträglichkeiten hervorruft. In Nordamerika und Russland wird medizinisch E. hyemale (Winterschachtelhalm) verwendet, der blattlos ist und bis 1,3 m hoch werden kann.
Verarbeitung
A.Vogel/Bioforce verarbeitet die sterilen Sprosse des Schachtelhalms aus Wildsammlung, die sorgfältig auf ihre Identität geprüft werden. Sie werden von Mai bis Juni gesammelt, wenn sie noch lösliche, assimilierbare Vorstufen der Kieselsäure enthalten. Kurz nach der Ernte werden sie klein geschnitten und mit Alkohol zur Urtinktur mazeriert.