Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03207.jsonl.gz/1654

Kann ein elektostatischer Funke Schwarzpulver entzünden?
von Stephen Wardlaw M.D., Clinton (Connecticut USA)
(Aus dem Englischen übersetzt durch Ulrich Bretscher, Uznach)
Die Frage, ob Schwarzpulver durch einen elektrostatischen Funken gezündet werden kann, wird unter Schwarzpulverschützen seit vielen Jahren diskutiert. Da ich zu Zeit mit der Konstruktion eines Schwarzpulver-Hinterladers beschäftigt bin, welcher elektrisch gezündet werden soll, habe ich mich mit dieser Frage intensiv befasst und habe dazu mehrere Experimente durchgeführt, welche ich im Folgenden beschreiben werde.
1. Experiment mit 10'000 Volt:
Zunächst wurde ein weisses Schreibpapier auf eine geerdete Metallplatte gelegt und auf's Papier ein Häufchen Schweizer Schwarzpulver Nr. 4 geschüttet. (In meinem Steinschlossgewehr zündet dieses Pulver blitzschnell). Dann plazierte ich eine 5 mm-Elektrode einer Gas-Zündanlage mit 10'000 Volt Spannung über dem Schwarzpulverhäufchen. Dies ist eine so hohe Spannung, die durch Reibungselektrizität wohl kaum jemals an einer Person auftreten kann.
Für die folgenden Fotos wurde meine Kamera auf Dauerbelichtung gestellt und in Kombination mit einem Blitzlichtgerät jeweils 10 Mal der Funken gezündet.
Wie man sieht, vermag ein 10'000 Volt - Funke Schwarzpulver nicht zu zünden. Dieses Experiment wurde mehrere Male wiederholt. Auch das Schwarzpulversubstitut "Pyrodex" konnte auf diese Weise nicht gezündet werden.
2. Experiment mit 40'000 Volt:
Für das zweite Experiment benutzte ich eine Magnet-Zündspuhle welche üblicherweise zur Suche von Lecks an Neonröhren benutzt wird. Diese Anlage sendet Strompulse von mehr als 40'000 Volt. Wenn man von einem solchen Puls getroffen wird, erhält man einen gewaltigen Schlag und verbrannte Haut!
40'000 Volt. Das war eindrücklich!
Das Pulverhäufchen wurde duzende Male dieser Tortur ausgesetzt und wurde niemals entzündet. Neben dem Pulver sieht man hier kleine, weisse Rauchwölkchen aufsteigen. Sie wurden durch die Verdampfung der Unterlage verursacht. Nach dem Versuch zeigten sich dort wo es von elektrischen Funken getroffen worden war viele winzige, schwarze Löcher im Papier.
3. Experiment mit Pulverstaub
Für dieses Experiment wurde das Schwarzpulver fein gemahlen und wie im ersten Test Funken von 10'000 Volt ausgesetzt. Wieder keine Zündung, obschon der Pulverstaub durch die Wucht der Funken zerstäubt wurde.

Staubfeines Pulver wird ebenfalls nicht entzündet

Derselbe Versuch mit rauchfreiem Schwarzpulver
Pyrodex
4. Experiment mit einer Funkenstrecke zwischen zwei Elektroden
Warum lässt sich Schwarzpulver nicht mit elektrischen Funken entzünden?
Die Antwort ergibt sich aus der Tatsache, dass der Kohlenstoff im Schwarzpulver ein guter elektrischer Leiter ist. Wenn ein Material elektrisch gut leitend ist, bedarf es erheblich mehr Strom um dieses Material zu erhitzen als bei schlechten Leitern. Das ist der Grund, warum z.B. das elektrisch gut leitende Kabel zu einer Glühbirne kalt bleibt, während der dünne, schlechter leitende Glühfaden in der Birne gleissend weiss glüht. Doch durch beide Materialien fliesst exakt der selbe Strom.
Zwischen den Elektroden erhitzt in unserem Fall der Strom die Luft als schlechter Leiter gleissend weiss, während das gut leitenden Schwarzpulver kalt bleibt.
Natürlich zündet der Blitz eines Gewitters alles was sich ihm in den Weg stellt. Aber dies bedarf weit grösserer Spannungen als durch statische Elektrizität erzeugt werden kann.
Für jene Skeptiker, welche immer noch nicht glauben wollen, dass die Schwarzpulverkörner wirklich von den Funken getroffen wurden, hier noch ein Bild welches Funken zeigt, die wirklich quer durch eine Reihe von Schwarzpulverkörnern fahren.
Zur Person des Autors:
Aufmerksam gemacht auf diesen Artikel wurde der Übersetzer durch die Amerikanische Monatszeitschrift "Muzzle Blasts" (=Mündungsfeuer). Diese ist das Publikationsorgan des US-Amerikanischen, nationalen Vorderladerverband NMLRA. Es werden dort immer wieder interessante Webseiten vorgestellt.
Der Autor dieses Artikels, Stephen Wardlaw, ist Vorstandsmitglied der Vorderladerschützen "Pattagaussett Muzzle Loaders of Connecticut" und zuständig für deren Homepage.
Möchtest Du, lieber Vorderladerfreund die Originalseite dieses Beitrags lesen, so klicke auf den folgenden Link
www.ctmuzzleloaders.com/ctml_experiments.html
Es finden sich dort noch viele weitere, ähnlich interessante Vorderlader-Beiträge.
Uznach, 20. Juli 2004/UB