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10. Mai 2023
In der ersten Stunde vom 4. Mai 2023 hat Pater Bernhard Raas SVD sein interessantes, spannendes und sinnerfülltes Leben dankbar in die Hände seines Schöpfers zurückgelegt.
Bernhard Raas wurde am 14. Juli 1938 als drittes von sechs Kindern von Baumeister Heinrich Raas und Martha Schwager in Frauenfeld geboren. Dort besuchte er die Volksschule und kam über die Zeitschrift Jesusknabe und die beiden Steyler Missionare Br. Irenäus und Br. Notker in Kontakt mit Ordensmissionaren. 1950 trat er in die Missionsschule Marienburg, Thal SG ein und maturierte 1958 an der Stiftsschule Einsiedeln. 1958 kam er für das Noviziat nach St. Gabriel bei Wien und legte dort seine ersten Gelübde ab.
Gegen seinen anfänglichen Willen – er wollte ja einfacher Missionar werden – wurde er von 1961 bis 1965 für die theologischen Studien nach Rom geschickt, wo er 1964 zum Priester geweiht wurde. Rückblickend war das eine grosse Gnadenzeit, weil Bernhard das 2. Vatikanische Konzil hautnah miterleben durfte.
Anstelle eines Doktoratsstudiums wurde Bernhard von Generalsuperior Schütte nach Bay Saint-Louis, USA geschickt. Nach dem Sprachstudium an der Georgetown-University in Washington, bei dem er viele internationale Politiker kennenlernte, dozierte er von 1966 bis 1970 Liturgie im SVD-Seminar, das gegründet wurde, um Schwarzen das Theologiestudium zu ermöglichen, was in den USA damals sonst nirgends möglich war. Im kleinen Ort Bay Saint-Louis gab es zwei katholische Kirchen. Eine für Weisse, wo irische Diözesanpriester gewirkt haben, und eine für die Schwarzen, wo die SVD gewirkt hat. 1970 wurden die Rassengesetze aufgehoben, das Seminar geschlossen und Bernhard übersiedelte für sein wohl schwierigstes Jahr (studentische Aufbruchszeiten der 68er Jahre) nach Techny, um am dortigen Seminar weiter zu unterrichten.
Von 1971 bis 1972 studierte Bernhard am Liturgischen Institut in Trier und schloss dann 1978 sein Doktoratsstudium in Münster ab. In diesen Jahren war er auch tätig in der Krankenhausseelsorge, in Pfarr- und Jugendarbeit und in der Gefangenenseelsorge, wo er mit den Sozialarbeitern ein gutes Resozialisierungssystem ausgearbeitet hat.
1978 ist Bernhard auf die Philippinen aufgebrochen und hat bis 1990 am regionalen Diözesanpriesterseminar in Vigan unterrichtet. Er setzte sich mit den Studenten auch im Gefängnis und im Armen Krankenhaus Gabriele Silang ein. Aus diesem Einsatz ist dann die Gemeinschaft der Behinderten Tahanang Walang Hagdanan entstanden. In dieser Zeit hat er auch vier Bücher verfasst. Seine beiden Bücher über das Liturgische Jahr sind auf den Philippinen zu einem Standardwerk geworden.
1991 wurde Vigan an den Diözesanklerus übergeben und Bernhard gebeten, Direktor von Nemi zu werden. Da er das Werk für die Behinderten an Sr. Frideswida OSB übergeben konnte, sagte er zu. In Nemi erwarteten ihn Weiterbildungskurse für Mitbrüder und Diözesanpriester: eine interessante, aber nicht leichte Arbeit.
1998 kehrte Bernhard in die Schweiz zurück, wurde Pfarrer in Thal und zog ins Pfarrhaus Thal ein, um den Alltag besser mit den Gläubigen teilen zu können und leichter erreichbar zu sein. Beim Einkauf in der «Sennhütte» und beim Gang durch die Strassen ergaben sich unvergessliche Seelsorgegespräche. In dieser Zeit wurde bei Bernhard, das «Chronic fatigue syndrom», eine spezielle Art der Erschöpfung diagnostiziert. Er musste den Führerschein abgeben und hat beschlossen, sein Amt als Pfarrer aufzugeben und 2002 nach Wil zu ziehen.
In Wil wurde er von den Dominikanerinnen in St. Katharina als Spiritual angefragt und vom Bischof Ende 2002 dazu ernannt. Bis Sommer 2022 hat er diesen Dienst verlässlich ausgeübt und ist oft früh morgens von seiner Wohnung, die für die SVD-Mitbrüder in der Umgebung von Wil ab 2015 immer mehr zu einem monatlichen Treffpunkt wurde, aufgebrochen ins Kloster zur Eucharistiefeier.
Gesundheitlich hatte Bernhard immer wieder einmal zu kämpfen. 2022 kam es dann zu einer grösseren Operation, die ihm anfangs mehr zu schaffen machte als angenommen. Ein Weiterarbeiten bei den Schwestern und ein Alleine-Wohnen waren nicht mehr möglich. So reichte Bernhard seine Demission als Spiritual ein und ist im Spätherbst 2022 in die SVD- Gemeinschaft in Maria Hilf, Steinhausen, umgezogen. Dort hat er sich gut eingelebt. In den letzten Monaten tat er sich zusehends schwerer mit dem Atmen. Nach einer Untersuchung im Zuger Kantonsspital übersiedelte er ins Franziskusheim der Menzinger Schwestern, da er auf Sauerstoff angewiesen war. Dort wurde er die letzten wenigen Wochen wohl umsorgt und bereitete sich sehr bewusst und freudig auf die Vollendung seines Lebens vor, wie er es in seiner zuvor selbst verfassten Todesanzeige geschrieben hat.
In der ersten Stunde vom 4. Mai hat er sein interessantes, spannendes und sinnerfülltes Leben dankbar in die Hände seines Schöpfers zurückgelegt.
Wir feiern den Abschiedsgottesdienst für unseren Mitbruder Bernhard Raas am Freitag, 12. Mai 2023 um 14.00 Uhr in der Don-Bosco-Kirche in Steinhausen. Anschliessend findet die Urnenbeisetzung auf dem Friedhof Erli statt.
Bernhard Raas SVD / Stephan Dähler SVD