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Die Zukunft der Macht: Das Wichtigste von der Konferenz
Wie sehen Vordenker die Zukunft der Macht? Werden wir in Zukunft mehr oder weniger totalitäre Regime erleben – oder mehr Anarchie? Wer wird Macht besitzen? Die Ideen der Vordenker jetzt in unserer Zusammenfassung der GDI-Konferenz «Die Zukunft der Macht».
Wir meinten, ein optimales Herrschaftssystem erreicht zu haben: die Herrschaft des Volkes (Demokratie), mit Unterstützung der Besten (Expertokratie). Die US-Wahlen scheinen das umzustürzen: eine Herrschaft der Reichen (Plutokratie), mit Unterstützung der Schlechtesten (Ochlokratie). Müssen wir uns auf weitere, noch extremere Szenarien einstellen?
Moisés Naím
Bei den traditionellen Mächten beobachten wir derzeit nicht nur gewöhnliche Machtverschiebungen, sondern Mutationen und Verfall. Am deutlichsten sichtbar wird das bei tektonischen Ereignissen: die Terroranschläge vom 11. September, der Eintritt Chinas in die Welthandels-Organisation WTO, die Weltfinanzkrise und die Wahl Trumps. Im 21. Jahrhundert ist Macht leichter zu bekommen, schwerer zu behalten und leichter zu verlieren als bisher. Ein stärkeres Gewicht erhalten Micro-Powers, wie radikale Parteien, Hacker, Whistleblower oder religiöse Kulte.
Branko Milanovi?
Die asiatischen Mittelklassen und die Super-Reichen des Westen sind die grössten Gewinner der Globalisierung. Der deutliche Rückgang der globalen Ungleichheit in den vergangenen Jahrzehnten ist vorwiegend auf die wirtschaftliche Entwicklung Chinas zurückzuführen. Aber das wird nicht zu einer Einebnung der globalen Unterschiede führen. Am Ende könnte, wie schon im 19. Jahrhundert, eine Kombination von zwei Ungleichheiten stehen: soziale und geografische Herkunft.
Robert Kaplan
Je schwächer staatliche Identität wird, desto grösser wird der Bedarf für Ersatz-Identitäten. Heute ist dies in der Levante zu besichtigen, der noch weitere harte, zumindest halb-chaotische Jahre bevorstehen. Die Staaten mit imperialen Wurzeln, wie Türkei oder Iran, werden sich dabei besser halten. Um eine andere Konfliktursache geht es in Ostasien: Jahrzehntelanger wirtschaftlicher Erfolg (wie in China oder Japan) führt zum Aufbau militärischer Kapazitäten – und möglicherweise zu deren Einsatz. Alle grossen Militärmächte entwickeln gerade neue Waffensysteme, die so stark wie möglich sein, aber unterhalb der Nuklearschwelle bleiben sollen – denn dadurch wird es möglich, sie einzusetzen. Wenn es 2030 oder 2040 zu einem neuen grösseren Konflikt kommen sollte, wird uns seine Schnelligkeit, seine Brutalität und seine Tödlichkeit überraschen.
Nathan Gardels
Früher wurden die sozialen Medien dafür gepriesen, den Mächtigen die Wahrheit entgegenzuhalten. Heute geht es darum, die Wahrheit den sozialen Medien entgegenzuhalten. Unsere Herausforderung besteht darin, Partizipation ohne Populismus zu ermöglichen. Dafür werden neue Prozesse und Institutionen benötigt, die möglichst von den unteren Ebenen ausgehen.
Elif Shafak
Wir leben in einer Zeit der Ängste, und die Intellektuellen haben bisher keine gute Figur dabei abgegeben, sich um die Ängste ihrer Mitbürger zu kümmern. Es wird unsere Aufgabe sein, uns in die Welt der Emotionen zu begeben, und auf diese Ängste einzugehen. Es ist okay, Angst zu haben – aber es ist nicht okay, sich von seinen Ängsten leiten zu lassen.
Dirk Helbing
Den grossen ungelösten Problemen und Konflikten der Welt liegt eine gemeinsame Ursache zugrunde: fehlende Nachhaltigkeit. Gebraucht wird ein Resilienz-Design für Gesellschaften. Technologien wie dem Internet der Dinge oder der Blockchain kann das gelingen – und gleichzeitig können sie uns helfen, den drohenden digitalen Totalitarismus abzuwenden. Von unten nach oben wirkende Instrumente können zu Glokalisierung führen, und auch Geld kann Bottom-up in die Wirtschaftskreisläufe gespeist werden, anstatt von oben über Zentralbanken an Banken verteilt zu werden. Denkbar wäre hier beispielsweise ein Grund-Investment: Jeder Bürger bekommt die gleiche Geldsumme, die aber nur investiv verwendet werden darf.
Karin Frick
Wenn es um globalen Einfluss geht, liegen die Religionen ganz an der Spitze, und die Emotionen siegen über die Wissenschaft. Je besser man seine Ideen in Geschichten oder Bilder verpacken kann, desto leichter werden sie geschluckt. Wir haben gerade erst begonnen zu lernen, wie Leadership in Netzwerken funktioniert. Anders als bei Leadership in Hierarchien sind hier die Führungsstrukturen fast unsichtbar – was es um so wichtiger macht herauszufinden, mit welchen Werkzeugen man sie sichtbar machen kann.