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Fidel zum Ausmalen
Februar ist in Kuba der Monat des Buches. Havanna erklärt sich zur Welthauptstadt der Literatur und zelebriert die Internationale Buchmesse. Sie ist kein Branchentreffen, sondern war von Anfang an als grosses Labsal gedacht für ein revolutionäres Volk, das geistige Nahrung ebenso schätzen soll wie einen Teller Reis und Bohnen. Lesen und Schreiben gehören ja zu den Grundpfeilern der kubanischen Revolution. Fidel Castro, selbst ein besessener Leser und Mann der vielen Worte, liess nach dem Triumph der Revolution 1959 als Erstes Militärkasernen zu Schulen umbauen und erklärte nach einer gigantischen Bildungskampagne Kuba zum ersten freien Territorium Amerikas mit null Prozent Analphabeten.
Ein Buch für 50 Rappen
Fidel rief seinem Volk immer wieder zu, es solle «nicht glauben, sondern lesen». Als dann aber kritische Köpfe Dinge zu schreiben begannen, die dem Revolutionsführer nicht gefielen, schob er einen Riegel: «Innerhalb der Revolution alles, ausserhalb nichts.» In Fidels Kuba wurde es geistig eng, kalt und eintönig. Bücher von Andersdenkenden verschwanden aus den Regalen, unzählige einheimische Schriftsteller verschwanden ins Exil. Viele Kubaner fragen sich heute: Was nützt mir die gute Bildung, wenn ich nicht schreiben und lesen darf, was ich will?
Wie alles, was in Kuba seit der Revolution gegründet und erschaffen wurde, ist auch die Buchmesse ein Nachlass von Fidel. Er rief sie ins Leben, als die Sowjetunion und der Kommunismus in Europa das Zeitliche segneten und sich in den Köpfen und Kochtöpfen in Kuba gähnende Leere ausbreitete. Dutzende Verlage, alle im Besitz des Staates, vollbringen seither Jahr für Jahr einen Effort, dem Volk etwas zu bieten. Die alten Druckmaschinen werden angeworfen und das ewig knappe Papier für Neuerscheinungen und Wiederauflagen verwendet. Wie die ganze Kultur ist auch das Buch hoch subventioniert. Ein Buch kostet im Verkauf zwischen 50 Rappen und 1 Franken.
Fidel in allen Varianten
Die Menschen strömen immer noch in Massen zur Messe, geben ihr Geld aber lieber für Bier, frittierte Schweinsöhrchen und Hühnerschenkel aus als für Bücher. Von den vier Millionen Exemplaren, die für die diesjährige Messe gedruckt wurden, gingen gerade mal gut dreihunderttausend weg. Vielleicht lag es am Angebot. Im Jahr eins nach Fidels Tod war das grosse Thema: Fidel. Zwei Dutzend neue Bücher über und von Fidel sind erschienen, alle an prominentester Stelle in den ersten Regalen stapelweise aufgelegt. Weil Fidel alles war und zu allem etwas gesagt hat, ist die Variante der Bücher über ihn grenzenlos. Fidel, der Revolutionär; Fidel, der Denker; Fidel, der Politiker; Fidel, der Baseballspieler; Fidel, der Journalist; Fidel, der Frauenversteher; des weiteren gesammelte Reden zu diesen und jenen Themen und Lexika mit endlosen Stichworten, zu denen er sich geäussert hat. Für die Kinder gibt es neu Fidel auch in Comics und als Malbuch: Fidel als Kind, als Jugendlicher und als junger Rebell.
Die 3,7 Millionen Bücher, die noch nicht verkauft worden sind, werden nun in die Buchhandlungen in allen Provinzen des Landes transportiert. Dort geht die Messe für Fidel weiter.