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Das Werk beginnt mit einem jähen Einbruch, gewaltsam; danach ein vorsichtiges Tasten, wieder ein abrupter Einbruch, auf den folgend die suchende Musik sich fortsetzt. Ahnungen von lichten Regionen tauchen auf, doch sie münden in ein erneutes Ringen, das scheitert, sich steigert, aufbäumt. Erst nach einem langen Weg kommt es zum eigentlichen Durchbruch, ereignet sich ein Zugang zu einer ganz anderen Welt.
Während der Arbeit an „Passage“ beschäftigte ich mich mit Mystik und damit verbundenen Praktiken. Als Sinnbild für den Weg der Suche des Mystikers steht das (kretische) Labyrinth: Direkt gelangt der Suchende in die Nähe zum Zentrum, es ist sichtbar, doch nicht zu erreichen. Sofort wird er ganz nach aussen geführt. Dann muss er alle Umläufe des Labyrinths durchschreiten, bis er endlich am Ende, beinahe zufällig in der Mitte ankommt.
Eine weitere Metapher für mein Werk fand ich in einem Ausschnitt aus dem Märchen „Frau Holle“:
„[...] Das arme Mädchen mußte sich täglich auf die große Straße bei einem Brunnen setzen, und mußte so viel spinnen, daß ihm das Blut aus den Fingern sprang. Nun trug es sich zu, daß die Spule einmal ganz blutig war, da bückte es sich damit in den Brunnen und wollte sie abwaschen: sie sprang ihm aber aus der Hand und fiel hinab. Es weinte, lief zur Stiefmutter und erzählte ihr das Unglück. Sie schalt es aber so heftig und war so unbarmherzig, daß sie sprach „hast du die Spule hinunterfallen lassen, so hol sie auch wieder herauf.“ Da gieng das Mädchen zu dem Brunnen zurück und wußte nicht was es anfangen sollte: und in seiner Herzensangst sprang es in den Brunnen hinein, um die Spule zu holen. Es verlor die Besinnung, und als es erwachte und wieder zu sich selber kam, war es auf einer schönen Wiese wo die Sonne schien und viel tausend Blumen standen. [...]“
(aus: Brüder Grimm, Kinder- und Haus-Märchen Band 1, Göttingen, 1857)