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Geschichtliche Hintergründe
Die Landmauer von Gamsen wurde zwischen 1352 und 1355 errichtet.
Es gibt für diese Datierung keine Beweise. Die Archäologen können nur belegen, dass es ein Bau aus dem 14. Jahrhundert ist. Erstmals ist sie 1392 schriftlich erwähnt. Die genaue Eingrenzung ergibt sich durch historische Schlussfolgerungen.
Im 13. und 14. Jahrhundert gab es Vorstösse von grösseren Adelsgeschlechtern in den Alpenraum. Im Zentrum der Begehrlichkeiten standen die Pässe. Bekannt sind die Interessen der Habsburger am damals neu eröffneten Gotthardpass und die damit verbundenen politischen Auseinandersetzungen (Fehden, Bund von 1291). Weniger bekannt ist, dass sich im westlichen Alpenraum ähnlich Prozesse abspielten. Die Herren der westlichen Pässe waren die Savoyer. Diese hatten sich im 11. Jahrhundert im Unterwallis festgesetzt. Sie waren die Schutzherren der Abtei St. Maurice und besassen im Unterwallis viel Grundbesitz. Der grosse St. Bernhard war unter ihrer Kontrolle. Im 13. und 14. Jahrhundert versuchten sie auch Einfluss auf den Simplon zu nehmen, auf jenen Pass, der im 13. Jahrhundert eine Blütezeit erlebte. Diese Interessenslage hatte eine aggressive Expansionspolitik in Richtung Oberwallis zu Folge.
Während in den Kämpfen des 13. Jahrhunderts gegen die Zähringer und gegen Savoyen der Bischof und die Landleute gemeinsam kämpften, ergab sich im 14. Jahrhundert eine neue Konstellation: den Savoyern gelang es, den Bischof auf ihre Seite zu ziehen. Bischöfe aus ihrem Geschlecht (Eduard von Savoyen) oder solche, die ihren Interessen vertraten (Witschard Tavel), regierten das Land.
Ähnlich wie in der Innerschweiz ergaben sich für die Walliser in dieser Situation genau zwei Möglichkeiten: Sie konnten sich unter den Schutz von mächtigen Adeligen stellen oder Bündnisse schliessen. Tragisch war, dass sich die Zenden nicht zu einer einheitlichen Strategie durchringen konnten, sondern getrennte Wege gingen, was zu einer bürgerkriegsähnlichen Situation führte.
Die Zenden Raron und Leuk setzten auf die Hilfe des Kaisers. Die obersten Zenden (Brig, Mörel, Goms) schlossen dagegen um die Mitte des 14. Jahrhundert Verträge mit den Ursern und Urnern . Beim Bündnis der Waldstätte mit Zürich im Jahre 1351 wurde ein Hilfskreis festgelegt, der das Goms bis zum Deischberg mit einbezog.
Als Bischof Witschard Tavel den Grafen von Savoyen 1352 zum Landeshauptmann ernannte, spitzte sich die Lage zu. Es kam zu einem Feldzug von Amadeus, genannt der grüne Graf, gegen das Wallis. Die Zenden Siders, Raron und Visp unterwarfen sich, die obersten Zenden jedoch nicht.
In dieser dramatischen Situation entstand die Landmauer von Gamsen als Verteidigungsbau gegen die Savoyer. Es waren gleichzeitig jene Jahre, in denen in den obersten Zenden Johann von Attinghausen, Landamman von Uri, viel zu sagen hatte. 1354 wurde dieser Johann in Urkunden als "Rektor des Landes Wallis oberhalb von Visp" bezeichnet.
Die Entscheidungsschlacht gegen die Herren von Savoyen, mit einem Sieg der Oberwalliser, fand 1388 in Visp statt (und nicht an der Landmauer). Man geht heute davon aus, dass die Walliser einen Kampf Mann gegen Mann bevorzugten gegenüber einer Verteidigung hinter einer Mauer.