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KONZERT Der Chor Cantus Basel sang vor vollen Zuschauerreihen
Die lnsel als Rosengarten
Für eineinhalb stunden nahm der Laienchor Cantus Basel am Sonntagnachmittag im fast ausverkauften Landgasthof seine Zuhörer mit auf die lnsel, und zwar auf deren titelgebende «Gay Landscapes», und dort in die «Gardens of Roses», und sang Lieder aus England, Irland, Schottland und Wales. 0lga Pavlu, die den Chor leitet, hatte ein buntes Programm zusammengestellt mit Kompositionen von John Dowland und Gwyn Arch, aber auch Ludwig van Beethoven und Leopold Kozeluch.
Zu Schottland gehört ein Dudelsackspieler, darum engagierte sie den Basler Stephan Züger, der, ausgebildet bei den Pipes and Drums of Basel, als Gast das Konzert eröffnete und auch beendete und unüberhörbar machte, wie schrill ein Dudelsack in einem geschlossenen Raum klingen kann. Als Ergänzung des Chores spielte das lnstrumentaltrio Simone Schmidlin (Violine), Michele Francesco Marrini (Violoncello) und Dominic Chamot (Piano) zwei Sätze aus dem «Schottischen Trio» von Leopold Kozeluch (1747-1818).
Einfühlsam und munter
Dowlands fünf «Ayres» (Lieder) singt der Chor, bei dem die jungen Stimmen in der Minderheit sind, im homogenen Gesamtklang, einfühlsam und vor allem souverän von Olga Pavlu dirigiert. Selbst das «Flow my tears» wird zum persönlichen Bekenntnis, und «Now, oh, now, I needs must part» singt der Chor als leicht sentimentales Gefühl. Und rasch, laut und munter schliesst er mit «Fine knacks for ladies».
Danach Themenwechsel hin zum dritten Satz aus Leopold Kozeluchs «Schottisches Trio g-Moll». Im böhmischen Welwarn geboren, schaffte der musikalisch Begabte es bis an den kaiserlichen
Hof in Wien, doch als Komponist von rund 400 Werken, zum Beispiel 30 Sinfonien, 22 Klavierkonzerten, 63 Klaviertrios, ist er heute völlig vergessen. Seine Musik, das beweisen die beiden Sätze, die Schmidlin, Marrini und Chamot spielten, ist angenehm zu hörende, durchaus melodiöse Unterhaltung, mehr jedoch nicht.
Deutlich anspruchsvoller sind Beethovens schottische, irische und walisische Liedbearbeitungen, von denen wir am Sonntag neun hörten. Zu diesen Kompositionen wäre eine längere Entstehungsgeschichte zu erzählen. Was heute erfreut, sind Beethovens instrumentale Vor- und Nachspiele, die den einfachen Liedmelodien, die Beethoven geliefert bekommen hatte, etwas von ihrer Hamlosigkeit nehmen. Danach drei schottische und drei irische Lieder, die Kozeluch für Sopran und Klavier vertont hat, und die hörbar machen, dass er ein ausgezeichneter Pianist gewesen sein muss. Ausdrucksstark von Olga Pavlu gesungen.
Zum Abschluss vier irische Folksongs, arrangiert von Gwyn Arch (1931-2021). Seine Bearbeitungen verändem die`Vorlagen sehr bedächtig, passen sie dem musikalischen Zeitgeschmack an und machen sie doch nicht modisch gefügig. Schön zu hören, auch munter vom Ghor gesungen. Auskehr mit der Dudelsackmusik, Stimmungsmacher für den Heimweg.
Nikolaus Cybinski
CHORKONZERT Cantus Basel singt Lieder aus England, Irland und Schottland
Lieder von den grünen Inseln
Lieder aus England, Irland und Schottland ertönen am Sonntag, 7. November, im Landgasthof in Riehen. Gerade in der durch Corona erzwungenen Reisepause waren diese Lieder eine willkommene Reisemöglichkeit. Und dies in Länder, die sonst einen Flugzeugsprung entfernt sind, und nun doch so unerreichbar wurden. Plötzlich schienen sie fast so weit entfernt wie für Beethoven zu seiner Zeit.
Im 19.Jahrhundert pflegte man das Nationalbewusstsein mit dem Sammeln und Erhalten von Volksliedern. In Schottland war es George Thomson (1757-1851), Verleger aus Edinburgh, der zuerst Peyel, Kozeluch und Haydn damit beauftragte, Volksmelodien zu bearbeiten. Nach dem diese Komponisten abgesagt hatten, wandte er sich an Ludwig van Beethoven (1770-1827). Dieser nahm die Anfrage an, doch die Kommunikation zwischen Edinburgh und Wien erwies sich als äusserst schwierig. Angesichts der während der napoleonischen Kriege unzuverlässigen Post sind mehrere Sendungen verloren gegangen. Trotzdem sind die zwischen 1809 und 1920 entstandenen 179 vokslieder nach und nach von Beethoven zu Thomson gelangt.
Obwohl Beethoven nie die britischen Inseln besucht hatte, vermittelt uns seine einzigartige Bearbeitung dieser Lieder in einer Begleitung durch klassisches Klaviertrio einen wundervollen Einblick in die Volksmusik der verschiedenen schottischen, irischen und walisischen Regionen. Die Soldaten erinnern sich an die gefallenen Kameraden, die für ihr Heimatland ihr Leben opferten, an ihre Kommandanten im Krieg und daran, wie sie im Pub den jeweils überlebten Tag begossen. Sie freuen sich auf die Liebste und träumen von ihrem Lächeln…
Auch der Komponist Leopold Kozeluch (1747-1818) befasste sich am Rande seines umfangreichen Schaffens mit den von George Thomson geschickten Melodien. Dies für ein Klaviertrio. Aus zwei dieser "Schottischen Trios" werden wir am 7. November auch Melodien spielen und singen. Genauso John Dowlands (1563-1626) Lieder, die sozusagen zum „national treasure“ Englands geworden sind. Generationen von Zuhörern bezaubern sie durch ihre innige Melancholie, Sehnsucht und Lebensfreude. Ausserdem werden Gwyn Archs Irisch Folk-Songs erklingen, also Chorbearbeitungen von beliebten Melodien aus irischen Pubs. Darunter sind Liebes-, Heimat- und Trinklieder mit melancholischen, sehnsuchtsvollen und frechen Texten. Am Dudelsack wird uns Stephan Züger, am Klavier Dominc Chamot, an der Violine Simone Schmidlin und am Violoncello Michele Marrini begleiten. Viel Spass beim Zuhören!
Olga Pavlu, Leitung Cantus Basel
Gay Landscapes, Gardens of Roses. Sonntag, 7. November, 17 Uhr, Landgasthof Riehen. Vorverkauf: Fr. 40.-/20.- auf www.cantusbasel.ch und im Kundenzentrum Riehen. Abendkasse ab 16 Uhr mit Fr. 5.- Zuschlag.
Beweglichkeit trotz Masse
Böblingen: Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach als Kooperationsprojekt mit Basel und Augsburg
Von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden
Großes hatte sich die Böblinger Kantorei mit der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach vorgenommen und sich dafür Verbündete gesucht. Gemeinsam mit dem Chor Cantus Basel und dem Augsburger Orchester La Banda wurde das Oratorium nun in der Kirche St. Maria aufgeführt.
Das schwäbisch-schweizerische Kooperationsprojekt führt zu einem Großaufgebot an Aktiven. Basler und Böblinger Chor summieren sich auf rund hundert stimmen, die auf historischen Instrumenten spielende La Banda Augsburg kommt in Doppelbesetzung, ganz dem werk entsprechend. Denn die monumentale, rund drei Stunden Aufführungsdauer beanspruchende Vertonung der Leidensgeschichte Jesu mit dem Matthäus-Evangelium als Basistext hat Bach für zwei Chöre und zwei Orchester geschrieben.
In St. Maria wurde dazu auch in die Vokalsolisten investiert. Die Männer-Partien sind aufgeteilt in einerseits den Bibeltext singende Rezitativ-Sänger und andererseits Vokalisten für die Arien. Und nicht zuletzt das Programmheft verrät, dass für diese Aufführung keine Mühen gescheut wurden: Neben großzügiger Aufmachung mit übersichtlicher Gliederung hat Gerlinde Feine einen superben Einführungstext verfasst.
Die Pfarrerin dröselt unterhaltsam, aber analytisch scharf, die perspektivisch ganz unterschiedlichen Rollen der verschiedenen Chöre und Solisten auf und bietet so dem Publikum gute Orientierung in dem gewaltigen Stück. Rezitative schildern treu dem Matthäus-Text folgend das Geschehen, Arien reflektieren das Geschilderte, Choräle stellen den Bezug zur Gegenwart des Hörers, damals Bachs Zeitgenossen, her und werben um Zustimmung bei der Gemeinde.
Dabei zählt Chor eins, in diesem Fall die Basler, zum Kreis der Eingeweihten, der um Jesus und seine Bedeutung weiß, während Chor zwei, also die Böblinger, die Außenstehenden von Pharisäern bis Schriftgelehrte bildet, denen erst gegen Ende die Bedeutsamkeit des Geschehens dämmert.
Zwei Chöre, zwei Orchester
Trotz zwei Chören und sogar einem unter den beiden Chorleitern, Cantus-Basel-Chef Walter Riethmann und Kantorei-Leiter Eckhart Böhm aufgeteilten Dirigat: Nicht nur zum großen Eingangs- und Schlusschor, immer wieder auch zwischendurch werden beide Chöre vereint aktiv.
Und das ist gut. Mit den Baslern gemeinsam gewinnen die Männerstimmen Anteile am Gesamtklangbild, auch wenn die Frauenstimmen einen Überhang bewahren. Die Chortempi sind zwar fernab romantischer Langsamkeitsliebelei, aber doch gesetzter als bei klein besetzten Barock-Spezialensembles. In den berüchtigten Turba-Chören mit einem Volk, das heutzutage bisweilen an eine Vampirbande im Blutdurstrausch erinnert, klingt der Chor in der Marienkirche auch nicht ganz so gallig-giftig. Mit seiner Masse verleiht er diesen Volk-Passagen freilich ganz eigenen Nachdruck.
Nicht nur große Chorsätze, auch Choräle offenbaren dazu, dass trotz der Größe gehörige Beweglichkeit im Chor herrscht: Wo gefragt, waltet mal sanfterer, mal energischerer rhythmischer Impuls. Dass die eine oder andere Chorstelle durchaus heikle Kost ist, blitzt während der drei Stunden zwar ab und an auf, insgesamt aber gelingt dem Kooperations-Chor eine sehr hörenswerte und bis in Details große Sorgfalt verratende Matthäus-Passion.
Unter den Gesangssolisten hat der Erzähl-Evangelist die herausragende Rolle, die mit Tenor Tino Brütsch trotz gelegentlich übermäßiger Höhenvorsicht herausragend besetzt ist. Trotz einnehmender Stimme, der Sopran von Eleonore Majer neigt in St. Maria zum Vibrieren. Bariton Thomas Scharr als Rezitativ-Christus gestaltet die Jesus-Rolle schlüssig zwischen Würde wahrend und dennoch innerlicher Beteiligung.
Den Jesu-Arien von Bariton Bernhard Hartmann steht seine Portion Bassdunkel gut an, aber seine Linienführung ist doch sehr sonor. Seine kleinen Rezitativ-Einlagen versprühen dagegen viel Lebendigkeit. Für die Alt-Arien wurde mit Mezzosopranistin Sarah-Lena Eitrich eine herrlich samtige Stimme verpflichtet, in den Tenorarien beweist Maximilian Vogler Präsenzfähigkeit auch ohne Pressung.
Das Orchester La Banda macht schlicht Hörspaß: In den vielen Solopartien, die die Passion mit einem Hauch von vielen Mini-Instrumental-Konzerte umranken, stehen Einzelne für die versammelte Könnerschaft. Dennoch keimt hier nie der Gedanke auf, hier wird ein Job routiniert erledigt. Im Gegenteil, auch das Profiorchester steht pars pro toto für eine Kooperations-Passion, die unterm Strich große Inspiriertheit aller Beteiligten vermittelte.
Böblinger Kreiszeitung 27.03.2018
Drei kurzweilige Stunden
Beeindruckende Aufführung der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach durch die verstärkte Böblinger Kantorei in St. Maria
Zwei Chöre, zwei Orchester, sechs Solisten und knapp drei Stunden Dauer: Die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach ist ein musikalischer Gigant. Was die Böblinger Kantorei mit Unterstützung des Cantus Basel und dem Ensemble La Banda aus Augsburg am Sonntag darbot, geriet zur bewegenden und bewegten Darbietung.
Von Boris Belge
BÖBLINGEN. Es ist unmöglich, diesem Konzertereignis in wenigen Zeilen gerecht zu werden. Die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach gilt als ein, vielleicht sogar der Höhepunkt der Passionsvertonungen. Sie ist überreich an Symbolen und Bezügen und war zudem der Ausgangspunkt der Bach-Renaissance im 19. Jahrhundert. Auch die Interpretationsmöglichkeiten scheinen unbegrenzt.
Die Böblinger-Basler Fassung, die am Sonntagabend vor großem Publikum in St. Maria dargeboten wurde, erwies sich als enorm vielgestaltig – rauschende Tutti-Passagen, herausragende solistische Leistungen und zarteste Pianoteile prasselten auf die Zuhörer ein. Der Erfolg des Abends verdankte sich in jedem Fall vier wichtigen Faktoren: dem Lösen einer organisatorischen Herkulesaufgabe, der historisch informierten musikalischen Darbietung, hochwertigen Einzelleistungen und der akribischen Klangarchitektur.
Organisation: Allein der Aufmarsch des Chores dauerte einige Minuten. Böblinger Kantorei und Cantus Basel füllten den Altarraum der Kirche St. Maria bis auf den letzten Quadratzentimeter und präsentierten sich als großes homogenes Klangorgan. Davor postierte sich La Banda Augsburg, in zwei Orchester aufgeteilt. Zuletzt nahmen Kantor Eckhart Böhm und Walter Riethmann aus Basel an zwei Dirigierpulten Platz, um sich in den folgenden drei Stunden Dirigat und Leitung der Klangkörper zu teilen. Während Riethmann noch den Schlussakord eines Rezitativs abwinkte, stimmte Böhm den Chor schon auf den nächsten Choral ein. Dirigierte der eine, blieb der andere hellwach und mit den Augen auf Partitur und Ensemble gerichtet. Das Dirigat war hier keine One-Man-Show eines alleinherrschenden Orchesterleiters, sondern partnerschaftliches und umsichtiges musikalisches Anleiten.
Orchester: Das Programmheft versprach bereits, La Banda Augsburg musiziere auf historischen Instrumenten. Musikerinnen und Musiker hinter den Pulten nahmen Streichinstrumente mit Darmsaiten, Barockoboen und Traversflöten in die Hände. Energisch schliffen sie an einer musikalischen Sprache, die an Transparenz, Lebendigkeit, Pointierung und großen Bögen interessiert war. Das Publikum erlebte historische Aufführungspraxis
von ihrer besten Seite. Sie tauchte das Werk in unterschiedliche Stimmungen und Schattierungen, die drei Stunden Musik ausgesprochen kurzweilig werden ließen.
Solisten: Bachs Matthäus-Passion ist erzählter und gedeuteter Bibeltext. Sie lebt davon, wie sehr es den Solisten gelingt, zu erzählen und Gefühle zu transportieren. Tino Brütsch bestach als Evangelist durch messerscharfe Deklamation und Geschmeidigkeit im Vortrag, Thomas Scharr überraschte als Christus-Bariton immer wieder mit abgrundtiefer Energie, wenn er einzelne Schlüsselwörter wie „verraten“ und „verleugnen“ fokussierte. Eleonore Majer (Sopran), Sarah-Lena Eitrich (Mezzosopran), Maximilian Vogler (Tenor) und Bernhard Hartmann (Bariton) luden die Arien, musikalische Zentren der Passion, mit je eigenen Klangvorstellungen auf, stellten ihre Virtuosität und Ausdrucksstärke aber stets in den Dienst der Gesamtaufführung.
Klangarchitektur: Der Eingangschor „Kommt ihr Töchter, helft mir klagen“ stimmte bereits darauf ein, dass beide Gesangsensembles ihre Hausaufgaben gewissenhaft gemacht und einige Überstunden eingelegt hatten. Dringlich und intensiv deklamierten Cantus Basel und Kantorei das Wehklagen, ohne sich in romantischer Gefühlsduselei zu verlieren. Die Choräle waren keine Pflichtübung, sondern selbst Teil der Werkinterpretation. Das chorale Zentrum der Passion – Paul Gerhardts „O Haupt voll Blut und Wunden“ – war so zwischen den einzelnen Strophen ausdifferenziert, klang mal energisch-mächtig, mal zurückhaltend hilflos.
Als die letzten Takte des Schlusschores verklungen waren, baten die Aufführenden um einige Minuten der Stille. Publikum und Akteure brauchten sie auch, um zu reflektieren, was sie gerade erlebt hatten. Die Matthäus-Passion gehört sicherlich bereits jetzt zu den absoluten Höhepunkten des Böblinger Konzertjahres.
Riehener Zeitung, 4. November 2011
KONZERT Wer gerne Dvořák, Liszt und Janáček hört, sollte jetzt weiterlesen
Zum Cantus Chor in die Martinskirche
ph. Unbekannte Werke für Chor und Orchester aus der Feder von Dvořák, Liszt und Janáček - auf diesen Nenner lässt sich das neue Konzertprogramm des Cantus Chors bringen. Es sind drei ausladende, gross besetzte Werke von ganz unterschiedlicher Thematik, aber auffallend ähnlicher Emotionalität. Obwohl die drei aufgeführten Komponisten zu den wichtigsten des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts gehören, werden zwei der aufgeführten Werke, Antonín Dvořáks Hymnus «Die Erben des Weissen Berges» und Leoš Janáčeks Kantate «Amarus», nach Wissensstand des Chors, erstmals in Basel erklingen. Der Chor wird diese beiden Werke in der Originalsprache, in Tschechisch, aufführen.
Cantus Basel singt dieses Konzert zusammen mit seinem Partnerchor Cantus Zürich und wird begleitet vom Orchester Consortium Musicum. Als Solisten wirken der Tenor Valentin Johannes Gloor, und der Bassbariton Martin Hensel mit.
Konzert des Cantus Chors am Samstag, 12. November, um 20 Uhr in der Martinskirche Basel. Liszt: Der 13. Psalm, für Tenorsolo, Chor und Orchester. Janáček: Amarus, Kantate für Baritonsolo, Chor und Orchester. Dvořák: Die Erben des weissen Berges, Hymnus für Chor und Orchester.
Basellandschaftliche Zeitung vom 11. Mai 2009
Magische Momente gabs
Der Chor Cantus Basel sang in der Martinskirche
FABIAN KRISTMANN
Nur selten einmal findet Arthur Honeggers «Le Roi David» seinen Weg in den Konzertsaal. Geleitet von Walter Riethmann hat sich der Chor Cantus Basel nun an diesen «symphonischen Psalm» nach einem Drama von Rene Morax herangewagt und damit in der Basler Martinskirche die Gelegenheit geboten, diese faszinierende Komposition wieder einmal zu erleben. Begleitet wurde das Laien-Ensemble vom Berufsorchester Consortium Musicum, das von Riethmann 1999 gegründet wurde.
Das dicht gearbeitete Werk des Schweizers Honegger entstand 1921 und erzählt auf der Basis des Alten Testaments das Leben des jüdischen Königs David. Chorsätze und Arien wechseln oratorienartig mit gesprochenen Passagen ab: Der Sprecher schildet die eigentlichen Geschehnisse. Die unmittelbar anschauliche Tonsprache lässt jede romantische Emotionalität hinter sich, ist sachlich und direkt, die illustrativen Stimmungsmomente haben stellenweise einen leicht archaisierenden Einschlag; anstelle eines Sinfonieorchesters genügt dem Komponisten ein 15-köpfiges, bläserdominiertes Instrumentalensemble.
WAlTER RIETHMANN setzte in den Tempi selten auf gerundete Flexibilität und erzielte eine eher blockhafte Dynamik; die wenigen Pianissimo-Stellen gerieten dafür umso beeindruckender. Insgesamt konnte er auf eine bemerkenswerte Aufinerksamkeit bei den Chormitgliedern sowie auf glasklare Präzision bei den Instrumentalisten zählen. So entstand eine zwar etwas unterkühlte, aber doch dem Charakter der Komposition bestens angepasste Interpretation mit manchen bezwingenden, geradezu magischen Momenten, die ihre Wirkung oft gerade dem Verzicht auf (rhythmische) Elastizität verdankten.
Dieselbe Tendenz zum klaren Konturieren fand sich bei den drei Gesangssolisten und -solistinnen wieder: sicher und gut artikulierend, wenn auch in der Höhe mit Tendenz zur klanglichen Verflachung der Tenor Walter Siegel, unangestrengt und doch präsent die Altistin Liliane Zürcher. Zur Enttäuschung mancher Anwesender fiel die beim Basler Publikum ebenso bekannte wie beliebte Sopranistin Maya Boog krankheitshalber aus. An ihrer Stelle sang Corinne Angela Sutter, deren fast schon klirrend helle Färbung sicn bestens in die Klanglichkeit des Konzerts einfügte und ein unverkrampftes grosses Volumen dennoch nicht ausschloss.
OHNE SICH AUFZUDRÄNGEN oder sich übertrieben theatralisch zu gebärden, rezitierte der Schauspieler David Bröckelmann die erzählenden Textpassagen und trug damit wesentlich zu einer in sich geschlossenen, durchgehend hochklassigen Aufführung dieses nicht allzu bekannten Meisterwerks bei.
Ankündigung in der Baslerzeitung vom 7. Mai 2009
Rückkehr von «Roi David»
Das grosse Oratorium von Arthur Honegger in Basel
GEISTLICH & WELTLICH. Der «Roi David» von Arthur Honegger gehört zu den interessantesten neoklassischen Werken im Grenzbereich zwischen geistlicher und weltlicher Musik. Der Komponist schrieb es 1921 für eine Aufführung im Théatre du Jorat in Mézières; Paul Sacher hat es öfter in Basel dirigiert. Jetzt kehrt das in den letzten Jahren seltener zu hörende Werk mit dem Cantus-Chor nach Basel zurück. In einer einmaligen Aufführung singen die Sopranistin Maya Boog, die Altistin Liliane Zürcher, der Tenor Walter Siegel — und natürlich der Cantus-Chor mit dem Instrumentalensemble Consortium Classicum. Die Leitung hat Walter Riethmann. bli
> Martinskirche, Basel. Sa, 9. Mai, 20 Uhr. Vorverkauf Musik Wyler.
Basellandschaftliche Zeitung vom 18. Dezember 2007
Feierliche Musik
Chorkonzert, Cantus Basel zu Weihnachten
Von Paul Schorno
Bei der Vielzahl von Weihnachtkonzerten in Basel und Umgebung ist es erstaunlich, festzustellen, dass sie durchwegs sehr gut besucht sind. Beim Konzert am Samstag, "In dulci jubilo", mit dem Chor Cantus Basel und vier Blechbläsern des Consortium Musicum war die Theodorskirche Basel schon eine Viertelstunde vor Beginn so ziemlich vollbesetzt.
Dirigent Walter Riethmann stellte am Anfang das Programm vor uns äusserte sich dazwischen zu den Werken und deren Komponisten. Zur Wiedergabe gelangte festliche Chor- und Bläsermusik aus dem Frühbarock und der Renaissance. Zu hören waren zum Teil recht selten gehörte Kompositionen, auch Werke, bei denen das Können des Konzertchors mit rund fünfzig Miwirkenden geprüft wurde. Sieht man von vereinzelten wackligen Passagen ab, fiel das Resultat sehr gut aus.
MUSIKALISCHE KOSTBARKEITEN stammten aus der Feder von Heinrich Schütz, "Der 100. Psalm" von Samuel Scheidt, "Angelus ad pastores ait", und vom um 1600 herum in der Ostslowakei geborenen Zacharias Zarewutius, das von den Bläsern begleitete Magnificat. Als anspruchsvolles Vokalwerk erwies sich "Schaffe in mir Gott" von Johannes Brahms. Bekannte Weihnachtslieder wurden in der Folge in ihren alten originalen Sätzen zu Gehör gebracht, "Ein Kind geborn zu Bethlehem" von Bartolomäus Gesius. "In dulci jubilo" von Hieronymus Praetorius, "Wie schön singt uns der Engel Schar" von Cornelius Freudt. Rein Instrumentales bot das klangfeste Bläserquartett beim "Canzon 9" von Constanzo Antegnati, "Ricercar del duodemico tuono" des Venezianers Andreaz Gabrieli und "Trois danses" des Franzosen Claude Gervaise. Neben den Bläsern fungierte am Orgelpositiv Andreas Schönberger.
Schliesslich wurde auch das Publikum zum Akteur: Im Programmheft waren von fünf Liedern nicht nur die Texte, sondern auch die Noten, vierstimmig abgedruckt. Erstaunlich die Bereitschaft zum Mitsingen und der respektable Ad-hoc-Riesenchorklang. Die vorgetragenen Lieder: "Tochter Zion", "Freue dich", "Es ist ein Ros entsprungen", "Herbei, o ihr Gläubi'gen", "Hört der Engel helle Lieder" und "O du fröhliche". - Ein ausnehmend ansprechendes Weihnachtskonzert.
Basellandschaftliche Zeitung vom 16. Mai 2007
Mit vollem Klang
Von Paul Schorno
KLASSIK Haydns «Schöpfung»
Erst vor wenigen Tagen erklang in Basel Joseph Haydns populärstes Werk, sein Oratorium «Die Schöpfung». Nun erklang es erneut: In der sehr gut besuchten Martinskirche musizierte das 1999 von Walter Riethmann gegründete Berufsorchester Consortium Musicum, dirigiert von seinem Gründer.
DEN VOKALEN PART bestritt Cantus Basel, ein Konzertchor dessen Wurzeln bis ins Jahr 1826 und zum traditionsreichen Basler Männerchor zurückgehen. Bei den drei Gesangssolisten berücksichtigte man Künstler mit voluminösen, reifen, in Ausdruck und Gestaltung tragfähigen, souveränen Stimmen. Es waren dies die Sopranistin Maria C. Schmid, der Tenor Simon Witzig und der Bariton Marc-Olivier Oetterli, die raumfüllend Haydns melodische Klangfülle ausbreiteten. Von der ersten Aufführung dieses Chorwerkes am 19. März 1799 ist ein volkstümlicher Bericht erhalten, in dem es heisst «... was mir gar gut gfalln hat, es ist hoch geschriebn, und doch verständlich dabei.» Womit das Geheimnis des ungebrochenen Erfolges dieser «Schöpfung» auf einen schlichten Nenner gebracht worden ist. Selbst von Napoleon Bonaparte ist ein Kommentar überliefert. Nach der Pariser Erstaufführung stellte er fest: «Der Triumpf der Ordnung war gewaltig!»
GEMEINT WAR und ist, dass vor jener Ordnung, die mit dem Licht der Vernunft, der «Aufklärung», eintrat, das Chaos herrschte. Was der Komponist in seiner musikalischen Umsetzung als Einleitung an den Beginn des dreiteiligen Werkes stellte. Der Zuspruch und der Applaus der Konzertbesucher bei der Wiedergabe in der Martinskirche demonstrierten die Zufriedenheit mit dem Gehörten. Dirigent Walter Riethmann leitete die Aufführung mit Sorgfalt und Umsicht, extreme Ausgestaltungen strebte er nicht an.
Der Chor verstand es, differenziert, in der stimmlichen Balance nicht durchwegs ausgewogen, den Stimmungsgehalt des Werkes zu konkretisieren. Szenengerecht prononciert steuerte das Orchester einen sicheren Kurs, was kleine Unebenheiten (bei den Tempi) nicht ausschloss. Stützend war Andreas Schönenbergers Spiel am Hammerklavier.
Ankündigung in der Baslerzeitung vom 10. Mai 2007
Haydns "Schöpfung" mit Cantus Basel
HIT. Als Haydn die phänomenale Erschaffung der Welt in Töne setzte, schuf er eines seiner erfolgreichsten Werke. Der Chor Cantus Basel unter Walter Riethmann und das Consortium Musicum interpretieren die "Schöpfung" gemeinsam mit den Solisten Maria C. Schmid, Simon Witzig und Marc-Olivier Oetterli.