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Was tun bei
Der Bruch der Speiche ist der häufigste Bruch des Menschen. Rund ein Viertel aller Brüche betreffen die Speiche handgelenksnah. In der medizinischen Fachsprache wird dies auch als distale (distal=von der Körpermitte entfernt) Radiusfraktur (Radius= Speiche, Fraktur =Bruch) bezeichnet.
Der Bruch entsteht meist, wenn Betroffene versuchen, einen Sturz mit der Hand abzufangen.
Bei Kindern und Jugendlichen sowie älteren Menschen über fünfzig, vor allem bei Frauen, kommt der Bruch gehäuft vor. Dies liegt an der verminderten Knochendichte. Bei Kindern ist nach einem Wachstumsschub die Mineralisation des Knochens noch etwas geringer. Bei älteren Personen ist Osteoporose der Grund für die verminderte Knochendichte.
Nach einem Bruch treten starke Schmerzen im Bereich des Handgelenks auf und Betroffene können das Handgelenk nicht bewegen. Im Bereich des Bruches kann man beim Bewegen meist ein Knirschen hören. Eine Schwellung und eventuell ein Bluterguss sind von aussen ersichtlich. Bei schlimmeren Verletzungen kann man auch bereits eine Fehlstellung erkennen.
Manchmal kommen auch Begleitverletzungen bei Muskeln, Nerven oder Gefässen vor.
Anatomie
Die zwei Knochen des Unterarms Elle (=Ulna) und Speiche (=Radius) sind insgesamt an mehreren Gelenken beteiligt. Sie sind Gelenkpartner des Ellbogengelenks. Ausserdem sind sie Gelenkpartner des Handgelenks.
Zusätzlich bilden die beiden Knochen zusammen zwei Gelenke, die das Drehen des Unterarms ermöglichen. Dies wird in der Fachsprache auch Pronation und Supination genannt.
Bruchformen
Die Arbeitsgemeinschaft Osteosynthese (AO) hat eine Einteilung der Brüche veröffentlicht:
Typ A: Brüche ausserhalb des Gelenks ohne Gelenkbeteiligung
Typ B: Brüche im Gelenk mit teilweise Gelenkbeteiligung
Typ C: Brüche im Gelenk mit komplexer Gelenkbeteiligung
Die Einteilung der Bruchformen bestimmt den Schweregrad der Verletzung und gibt dem medizinischen Personal Hinweis auf Versorgungsprozedere und Heilungsverlauf bzw. Heilungsdauer.
Fehlstellungen
Je nach Unfallhergang gibt es verschiedene Fehlstellungen, die folgendermassen bezeichnet werden:
- „Colles Fraktur“ (auch „loco typico“ genannt) ist die typische distale Radiusfraktur. Sie entsteht durch einen Sturz auf die gestreckte Hand und liegt auf der „körpernahen“ Seite der Gelenklinie. Häufig ist der Knochenfortsatz an der Speiche abgerissen. Das handgelenknahe Bruchstück verschiebt sich nach hinten.
- Die „Smith Fraktur“ wird auch als umgekehrte „Colles Fraktur“ bezeichnet. Sie entsteht durch einen Sturz auf die gebeugte Hand. Das handgelenknahe Bruchstück verschiebt sich nach unten.
- Die „Galeazzifraktur“ entsteht meist durch grosse, direkte Gewalteinwirkung. Die Speiche bricht und das Köpfchen der Elle „springt“ aus der normalen Position. Zusätzlich sind gelenkstabilsierende Bänder, Muskeln und andere Strukturen betroffen.
Radiusfraktur – was tun?
Um den Bruch festzustellen, werden zwei Röntgenbilder aus unterschiedlichen Perspektiven durchgeführt. Bei komplizierten Brüchen werden oft noch Zusatzuntersuchungen wie eine Computertomografie benötigt.
Konservative Versorgung
Frakturen ohne Gelenkbeteiligung und mit geringer Verschiebung der Knochen werden in der Regel konservativ behandelt. Das bedeutet, dass ein Unterarmgips für ca. 4-6 Wochen die Bruchstelle ruhigstellt.
Operative Versorgung
Bei instabilen und offenen Brüchen, bei enormer Fehlstellung der Knochen und wenn Gefahr besteht, dass sich die Knochen wieder verschieben, wird operiert. Der Operateur versorgt den Bruch mit Schrauben oder einer Platte. Bei komplexen Trümmerbrüchen wählt er einen sogenannten Fixateur externe. Diesen sehen sie auf untenstehendem Bild.
Am häufigsten wird zurzeit die Versorgung mit einer Platte gewählt. Der Vorteil ist, dass diese Versorgung bewegungsstabil ist und es kann bereits am ersten Tag nach der Operation mit Physiotherapie begonnen werden. Bewegungsstabil bedeutet, dass bestimmte Bewegungen erlaubt sind, ohne dass die Gefahr besteht, dass sich der Bruch verschiebt.
Wie hilft die Physiotherapie nach einer Radiusfraktur?
Konservative Versorgung
- Bereits während der Patient den Gips trägt, wird mit der physiotherapeutischen Behandlung begonnen. Aktive und passive Mobilisationstechniken sollen die volle Beweglichkeit in Schulter, Ellbogen und Finger verbessern.
- Treten Komplikationen wie Schmerzen oder Gefühlsstörungen auf, wird nochmals mit dem behandelnden Arzt Rücksprache gehalten.
- Ihr Physiotherapeut klärt Sie auch auf, welche Bewegungen erlaubt sind und was Sie besser vermeiden sollten. Am Anfang dürfen Sie sich nicht mit der Hand aufstützen und keine schweren Gegenstände mit den Fingern heben. Es entstehen sonst Kräfte, die ein Verschieben der Bruchstücke verursachen können.
- Nach der Gipsabnahme wird die volle Beweglichkeit aller beteiligten und angrenzenden Gelenke erarbeitet. Zusätzlich wird mit dem Kraft- und Stabilisationstraining begonnen.
Operative Versorgung
- Auch nach einer Operation soll sofort mit Physiotherapie begonnen werden. In der anfänglichen Entzündungsphase werden abschwellende Massnahmen wie Lymphdrainage, Bewegungen im schmerzfreien Bereich sowie Bewegungen ohne Belastung durchgeführt. Auch kühlende Massnahmen in Kombination mit Bewegung helfen, die Schwellung zu reduzieren.
- Zusätzlich werden Alltagsbewegungen wieder erarbeitet.
- Nach der Entzündungsphase (circa 3-7 Tage nach der Operation) wird mit verschiedenen aktiven und passiven Techniken die Beweglichkeit der Gelenke geübt. Alle Behandlungstechniken erfolgen im schmerzfreien Bereich.
- Ab dem 21. Tag nach der Operation sollte das Gewebe stabilisiert sein und die Elastizität und Belastbarkeit des Bindegewebes steigt.
- Jetzt können wichtige Funktionen des Armes, wie zum Beispiel die Stützfunktion erarbeitet werden.
- Wie nach jeder Operation können auch hier Komplikationen auftreten. Ihr Physiotherapeut beurteilt die Lage in jeder Sitzung neu und wird falls nötig frühzeitig eingreifen und mit dem Arzt Kontakt aufnehmen.
Mögliche Begleitkomplikationen wären zum Beispiel:
- Wundheilungsstörung
- CRPS
- Karpaltunnelsyndrom
- Bleibende Fehlstellungen mit Bewegungseinschränkungen
- Eingeschränkte Stützfunktion