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Facebook möchte gern, dass ein mutmasslicher kolumbianischer Drogenboss mein Freund wird.
Übernimmt eine Maschine das menschliche Denken, ist Vorsicht angebracht. Facebook ist eine solche Maschine. Sie filtert meine Interessen und destilliert aus der Werbeflut gewissermassen auf mich zugeschnittene Privatwerbung. Facebook weiss aber auch, dass ich mit Personen befreundet bin, deren Freunde wiederum entweder ähnliche Interessen haben und folglich zu meinen Freunden gehören sollten.
Also schlägt mir Facebook immer mal wieder vor, wen ich auch noch als Freund aufnehmen könnte. Manchmal kennt man diese Fast-Freunde, manchmal auch nicht. Manchmal weiss man, dass es diese Personen gibt, weil sie Bekannte von Bekannten von Bekannten sind. Und trotzdem klickt man sie nicht zum eigenen Freundeskreis hinzu.
Neulich schlug mir Facebook einen in Übersee wohnhaften Herrn als neuen Freund vor: Kein Chorknabe, sondern offensichtlich ein einflussreicher Drogenboss, der von seinen Untergebenen «Dottore» genannt wird. «Dottore» ist nachweislich verantwortlich, zwischen 2004 und 2008 von Kolumbien aus mindestens 650 Kilogramm Kokain in die Schweiz spediert zu haben. Im Karton-Zwischenboden von Bananenschachteln kamen die Päcklein via Schiff nach Europa und wurden mit dem Lastwagen in die Schweiz gefahren. Zwei seiner Untergebenen, inzwischen zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, packten den Stoff aus den Bananenschachteln um und lieferten ihn in Waschmittelschachteln in grössere Schweizer Städte – wo er auf der Gasse verkauft wurde.
Und wie kommt es, dass Facebook mir ausgerechnet «Dottore» als Freund präsentiert? In einer grösseren Recherche über die Handelswege von Kokain führte mich zwei mal auf die Facebook-Seite des besagten Herrn. Das reichte, damit mir das soziale Netzwerk mitteilt, mein Interesse an diesem Herrn sei derart gross sei, dass er doch mein Freund werden sollte.
Da kommt mir natürlich unweigerlich meine Facebook-Freundschaft mit Shawne Fielding in den Sinn. Dank Facebook haben wir uns nie getrennt. Bis heute kann ich an ihrem aufregenden Leben teilhaben.
Erfahrungen der anderen Sorte machte eine Nutzerin, die von Facebook verlangte, verleumderische Einträge zu entfernen. Mit einem Trick wollte Facebook erwirken, dass sie den Gerichtsstand USA akzeptiert, womit sich ihre Forderung wohl von selbst erledigt hätte. Stattdessen wies nun ein Basler Richter den US-Konzern in einer einstweiligen Verfügung an, die Einträge zu löschen.