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Die Universität Basel verfügt seit ihrer Gründung über Matrikelbücher. Aus ihnen lassen sich fast lückenlos die Immatrikulationszahlen pro Jahr ermitteln.
Über die Jahrhunderte hinweg lassen sich die säkularen Trends aus den Zahlenreihen eindeutig erkennen:
Erfolgreicher Start - allmählicher Rückgang der Studierendenzahlen bis Ende des 15. Jahrhunderts, die Krisen um 1500 und 1529, der erneute Aufschwung in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts - die lange Stagnationsphase mit schliesslich deutlich rückläufiger Tendenz im 17. und 18. Jahrhundert - die existentielle Krise der Universität um 1800 und in Folge der Kantonstrennung 1833 - das Wachstum im späten 19. Jahrhundert und die säkulare Wachstumsphase seit den 1960er Jahren mit einer kurzen Stagnationsphase in den 1990er Jahren.
Detailliertere Analysen sind hingegen schwierig, bringt doch eine solch lange Zahlrenreihe über mehr als ein halbes Jahrtausend hinweg auch sepzifische Schwierigkeiten für die Analyse mit sich. So ist es für die Zeit vor dem 20. Jahrhundert praktisch unmöglich, die Gesamtstudierendenzahlen pro Jahr zu ermitteln, weil nur die (Neu-)Immatrikulationen erfasst wurden, nicht aber die Gesamtzahl der eingeschriebenen Studierenden. Auch ist nicht wirklich geklärt, ab wann in der statistischen Erfassung von den (Neu-)Immatrikulationszahlen auf die Gesamtstudierendenzahlen gewechselt wurde. Zudem hat über einen so langen Zeitraum hinweg die Aufschreibpraxis in den Matrikelbüchern und Studierendenstatistiken mehrfach gewechselt, ohne dass dies jeweils ausdrücklich vermerkt worden wäre.
Ein weiterer Faktor, der die Zahlen über einen so langen Zeitraum hinweg nur bedingt verlgeichbar werden lässt, sind die doch recht starken Veränderungen in den Studienbedingungen und -gewohnheiten. Die Studien- und Verweildauer an der Universität hat sich im Verlauf der Jahrhunderte ebenso markant verändert wie die Studienverläufe; so war es etwa in früheren Zeiten durchaus üblich, das Studium für mehrere Jahre zu unterbrechen oder nach einem Studium an der Artistenfakultät erst Jahre später an einer der oberen Fakultäten weiter zu studieren. Stark verändert hat sich im Laufe der Jahrhunderte auch das Mobilitätsverhalten von Studierenden.
Für markante Einbrüche der Immatrikulationszahlen in einzelnen Jahren konnten während des vergangenen halben Jahrtausends sehr unterschiedliche Faktoren eine Rolle spielen. Bis ins 17. Jahrhundert hinein waren Pestausbrüche (wie etwa in den Jahren 1463, 1474/75, 1494, 1502, 1517/18, 1526, 1538/41, 1550/53, 1563/64 oder 1610/11) immer wieder für drastische Einbrüche bei den Immatrikulationszahlen verantwortlich; auch Kriege oder politische und gesellschaftliche Krisen, wie z.B. die Reformation (1529), konnten Ursache ausserordentlicher quantitativer Schwankungen sein.
Gesamthaft liegen zu wenig strukturgeschichtliche, zahlenbasierte Untersuchungen vor, um präzise Aussagen über die Bedeutung unterschiedlicher Fakotren für die langfristige quantitative Entwicklung der Studierendenzahlen an der Universität Basel machen zu können.