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Die letzten sechs Woche war ich in Thailand auf Recherchereise unterwegs. Die Zeit habe ich genutzt, um mir einen Überblick zu verschaffen, wie es um den vermeintlichen Mangel an Schweizer Luxusuhren bestellt ist und ob dieser zunimmt.
Mein Fazit lautet: „Interessanterweise nimmt der Mangel nicht besonders zu. Rolex-Engpässe sind ein Skandal, aber sie breiten sich nicht auf andere Marken aus.
Jüngste Finanzberichte von Unternehmen wie der Swatch Group, Richemont und LVMH haben beschrieben, wie die Produktion im Jahr 2020 durch Covid-Beschränkungen beeinträchtigt wurde.
Dies wurde von Vermarktern genutzt, um darauf hinzuweisen, dass es einen Mangel an Uhren gebe, der weit über die üblichen Verdächtigen der Sportuhren aus Stahl von Rolex, der ‚Nautilus‘ von Patek Philippe und der ‚Royal Oak’ von Audemars Piguet hinausgehen würde.
Der Grund, warum Vermarkter diese Geschichte mögen, ist, dass sie die Menschen dazu anregt, jetzt und nicht später zu kaufen, wenn die Engpässe möglicherweise noch akuter sein könnten.
Hier gilt es, einiges aufzuklären: Erstens ist es richtig, dass die verlorene Produktionszeit den Verkaufskanal bis zu einem gewissen Grad bereinigt hat. Allerdings haben die Produktionskürzungen bei den meisten Marken und insbesondere bei den Kernkollektionen der großen Player wie Omega, Cartier und TAG Heuer keine echten Engpässe geschaffen, sie haben lediglich zu einem geringeren Überangebot geführt.
Zweitens haben Marken künstliche Engpässe geschaffen. Sie haben limitierte Editionen hergestellt und verkaufen sie oft nur über ihre eigenen Boutiquen, sodass die Uhren für Kaufinteressenten schwierig zu finden sind.
In Wirklichkeit gibt es bei 99 Prozent der Uhrenmarken aber keinen nennenswerten Lieferengpass, es gibt nur eine ungewöhnlich gesunde Balance zwischen Angebot und Nachfrage.
Und noch etwas, ein letzter Gedanke: Auf dem Flughafen in Bangkok waren Dutzende von Marken vertreten, aber nur die Rolex-Vitrinen waren nahezu leer. Konkret wurden drei Uhren in fünf großen Rolex-Vitrinen zum Verkauf angeboten, während die meisten anderen Marken jeweils nur eine Vitrine hatte, diese aber gut gefüllt waren.
Das ist weitaus schlimmer als vor ein oder zwei Jahren, als es zumindest Rolex-Uhren in Edelmetallen zum Verkauf gab, insbesondere diamantbesetzte Damenmodelle.
Was jetzt passiert (und das passiert auf der ganzen Welt, nicht nur in Bangkok), ist, dass Händler die beliebtesten Uhren nur an Leute verkaufen, die auch die am wenigsten beliebten Modelle von Rolex oder anderen Marken oder teuren Schmuck kaufen.
Oftmals geben Flipper sechs- oder siebenstellige Summen für ganze Uhrenpakete aus, die Modelle enthalten, für die sie ihr Geld sofort verdoppeln können.
Die „Datejusts“ und „Day Dates“ für Damen sind aber ebenfalls oft Teil dieser Uhrenpakete, weshalb auch diese immer seltener ganz normal zum Verkauf angeboten werden.“
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