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Terraferma (2011)
Terraferma (2011)
Oder: Der junge Mann und das Meer
Der 20-jährige Filippo (Filippo Pucillo) lebt mit seiner Mutter Giulietta (Donatella Finocchiaro) auf einer kleinen Insel nahe Sizilien. Sein Vater ist vor drei Jahren auf See ums Leben gekommen. Filippo verbringt seine Tage hauptsächlich damit, mit seinem Grossvater (Mimmo Cuticchio) auf dem alten Kahn seines Vaters zur See zu fahren und fischen zu gehen. Doch die Fischerei ist nicht besonders einträglich, und Giulietta möchte ihrem Sohn eine bessere Zukunft ermöglichen. Also ergreift sie die Initiative und renoviert die gemeinsame Wohnung, damit diese im Sommer an Touristen vermietet werden kann.
Die Bemühungen tragen Früchte: Drei junge Rucksacktouristen, unter ihnen auch die hübsche Maura (Martina Codecasa), mieten die Wohnung und freunden sich mit Filippo an. Doch dann treffen er und sein Grossvater beim Fischen auf eine Gruppe illegaler afrikanischer Flüchtlinge, die auf einem Floss vor sich hin treiben. Entgegen den örtlichen Vorschriften nehmen die beiden einige der auf sie zuschwimmenden Flüchtlinge in ihr Boot, darunter auch die hochschwangere Sara (Timnit T.). Doch damit handeln sie sich eine Menge Probleme ein, die sich schon bald auf ihr Geschäft mit den Sommergästen auswirken.
Film-Rating
In Nuovomondo, dem letzten Film von Emanuele Crialese, machten sich sizilianische Emigranten Anfang des 20. Jahrhunderts auf die Reise nach Amerika. In seinem neuen Film ist Sizilien - beziehungsweise eine kleine sizilianische Insel - nun das Ziel verzweifelter afrikanischer Immigranten. So schliesst sich also gewissermassen ein Kreis, und Terraferma ist sozusagen die "logische" Fortsetzung.
Allerdings ist der Film deutlich ernster. Zwar gibt's auch hier zwischendurch einige komische Momente, doch gerade die brennende Aktualität der Immigrationswelle aus Afrika lässt ihn mehr als Drama denn als Tragikomödie erscheinen. Timnit T., die die Rolle der Immigrantin Sara spielt, kann bei ihrem Spiel übrigens aus eigener Erfahrung schöpfen: Die junge Frau ist nämlich selbst auf dieselbe lebensgefährliche Weise nach Italien gelangt, wie sie es im Film tut. Der Fall, der zahlreiche Todesopfer forderte, hat in den Medien unseres südlichen Nachbarlandes grosse Wellen geworfen und die Flüchtlingsdiskussion neu entfacht.
Ein Mangel an Authentizität kann dem Film also kaum vorgeworfen werden. Auch, weil Crialese nach Respiro und eben Nuovomondo bereits zum dritten Mal auf Filippo Pucillo zurückgreift. Zuerst als 10-Jähriger, dann als 15-Jähriger und jetzt als 20-Jähriger verkörpert(e) er in allen drei Filmen sozusagen den Prototyp des einfachen jungen Sizilianers, der so weit weg von der "modernen" Welt zu leben scheint. In seiner ersten Hauptrolle macht er dabei eine durch und durch überzeugende Figur und stiehlt seinen Co-Darstellern glatt die Show.
Der Kontrast zwischen sommerseligem Touristen-Fun und brutaler Immigranten-Realität kann durchaus auf den Magen schlagen. Dass der Film dennoch nicht zu schwer geworden ist, sondern eine gewisse Leichtigkeit bewahrt, ist ihm hoch anzurechnen. Denn gerade diese augenfällige Diskrepanz ist es, die Terraferma nuanciert und unaufdringlich zu zeigen versteht. Die gewagte Mischung zwischen leichtem Ferienfilm und schwerem Flüchtlingsdrama, die leicht hätte scheitern können, geht also auf. Vielleicht erinnert man sich in den nächsten Sizilienferien daran.
OutNow.CH:
05.09.2011 / ebe
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