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«Vergeben und Frieden schliessen ist für uns sehr, sehr schwierig. Aber wir können beten, dass Gott uns hilft und in uns dieses Wunder vollbringt.»
In verschiedenen Kulturen geht man unterschiedlich mit Konflikten um. Die Kurden zum Beispiel sind zum Teil immer noch stark geprägt von ihrem früheren Stammesverhalten.
Die eigene Ehre und vor allem die Ehre der Familie zu wahren hat einen sehr hohen ethischen Stellenwert. Dies kommt auch zum Ausdruck, wenn es darum geht, Dispute zu klären und gebrochene Beziehungen wiederherzustellen.
WIE HOCH IST DER PREIS FÜR EIN LEBEN?
Es geschah am Ende des Golfkrieges. Ein junger Mann rennt aus dem Haus und feuert einige Schüsse in die Luft als Ausdruck der Freude über die wieder erlangte Freiheit. Leider wird seine Nachbarin von einer der herunterfallenden Kugeln getroffen und stirbt. Die Trauerfamilie offeriert dem Schuldigen, die Sache nicht vor Gericht zu bringen.
Sie selbst stellt ihre Bedingung für die «Wiedergutmachung». Als Preis wird verlangt, dass der Sohn der getöteten Nachbarin die Nichte des schuldigen Mannes zur Frau bekommt, ohne den üblichen Brautpreis bezahlen zu müssen. Der Handel gilt. Ob je Versöhnung stattfinden konnte, bleibt fraglich. Bekannt ist, dass die junge Braut in ihrer neuen Familie sehr unfreundlich behandelt wurde.
Äusserlich betrachtet scheint es, dass dieses Einverständnis Genugtuung brachte über den Verlust der Verstorbenen. Auch hat die betroffene Familie ihre Ehre gerettet, indem sie einen ebenbürtigen Preis verlangt hat.
Gleichzeitig wurde ein Weg geschaffen für den Täter und die Familie, die Schuld zu begleichen. Auch diese Familie hat ihre Ehre gerettet, indem sie der Forderung entgegenkam. Es wurde sogar in Kauf genommen, dass die unschuldige Nichte die schwere Last dieser Vereinbarung tragen musste.
VERSÖHNUNG KANN EIN SCHWIERIGER PROZESS SEIN
Da die Wahrung der Ehre und damit gekoppelt, ein ausgeprägter Stolz, in der kurdischen Psyche sehr tief sitzen, ist es für die meisten fast eine Unmöglichkeit, echten Frieden zu schliessen. Wenn man einen Fehler zugibt und um Verzeihung bittet, wird das als Schwäche bewertet und man verliert das Gesicht. Niemandem fällt Versöhnung leicht, doch scheint es, dass dies in gewissen Kulturen besonders herausfordernd ist.
In bestimmten Situationen ist es nötig, dass ein Vermittler oder eine Vermittlerin eingeschaltet wird. Diese Person hört sich die gegenseitigen Klagen an und überbringt sie an die andere Partei. Es kann vorkommen, dass diese Person mehrere Male hin und her geht mit Klagen, Antworten und gestellten Bedingungen, bis endlich ein Zusammenkommen der beiden Parteien möglich ist.
Dabei wird eine verbale Versöhnung angestrebt und man gibt sich die Hände. Ob die Versöhnung echt ist oder lediglich ein Erfüllen der formellen Handlungen, wird die Zukunft zeigen.
DIE GEMEINDE – HOFFNUNGSORT
Ein harter innerer Kampf findet statt und den erleben auch diejenigen, die schon jahrelang den Weg mit Jesus gegangen sind. Leider kommt es immer wieder vor, dass Gläubige nicht mehr zur Gemeinde kommen, weil sie zum Beispiel von jemandem gekränkt wurden. Oft hört man den Satz: «Ich vergebe dieser Person, aber ich habe nichts mehr mit ihr zu tun.» Trotz solcher Rückschläge ist es die Gemeinde, die den Samen zur Versöhnung trägt. Denn Jesus Christus, dem die Gemeinde nachfolgt, hat sein Leben gegeben, um uns mit Gott zu versöhnen und den Heiligen Geist gesandt, der das Wollen und Vollbringen bewirkt.
Ein praktischer Beitrag, dass Versöhnung Realität wird, ist der Kurs über Heilung von inneren Wunden. Das Thema Vergebung und Versöhnung wird auch behandelt. Oft wird Widerstand bekundet: «Dieser Person kann ich nie vergeben.» Wie schön ist es dann, wenn man miterleben kann, wie Herzen sich öffnen für das Wirken Gottes, wie sie zuerst selber Heilung empfangen und dann bereit werden, Vergebung weiterzugeben.
Kürzlich bemerkte eine gläubige Frau: «Vergeben und Frieden schliessen ist für uns sehr, sehr schwierig. Aber wir können beten, dass Gott uns hilft und in uns dieses Wunder vollbringt.» Lasst uns doch mit unseren kurdischen Geschwistern mitbeten!
Autoren: A. und M.