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Das Sortiment an Hanfprodukten und Hanfbekleidung wächst beständig. Vom T-Shirt, über Socken, zu Unterhemden und Kletterhosen – immer mehr Hanf erobert sich seinen Platz in unserem täglichen Leben zurück. Hanf überzeugt mit vielen Eigenschaften: z.B. durch weiche und temperaturregulierende Funktionsbekleidung, die keine Gerüche annimmt und sehr pflegeleicht ist.
Hanf historisch
Im Nahen und Fernen Osten wurde Hanf nachweislich schon vor 12000 Jahren angebaut. Sehr wahrscheinlich nutzten Menschen die vielseitige Pflanze sogar noch etliche Jahre früher. Hanfsamen dienten schon damals als Nahrungsmittel und wurden als eine Art Getreide angebaut. Dieses verzehrt man entweder roh oder in Form von Gebäck aus Hanfmehl. Auch die Herstellung von Bekleidung aus Hanffasern, sowie die Papierherstellung aus Hanf, sind bereits im alten China nachgewiesen.
Als Rohstoff für die Papierherstellung fand die Hanfpflanze viele Jahrhunderte später ihren Weg nach Europa. Seit dem 13. Jahrhundert ist Hanf auch in Europa angebaut. Die erste Bibel, die Gutenberg 1455 mit seinem neu erfundenen Druckverfahren herstellte, war auf Hanfpapier gedruckt. Auch die Schiffstaue, mit denen Kolumbus Richtung Indien segelte, um dann in Mittelamerika zu landen, wurden aus Hanf gedreht. Mit der Verfassung von Amerika – die natürlich auf Hanfpapier geschrieben wurde – oder der ersten Jeans, die Levi Strauss 1870 aus Hanffasern fertigte, ließe sich die schier unendliche Aufzählung beliebig fortsetzen.
Hanf als Heilpflanze
Auch wenn manche Menschen Hanf nur auf seinen kleinen THC-Anteil reduzieren, der vor allem die Hanfblüten zu einer berauschenden Droge macht, dient Hanf schon seit geraumer Zeit als Heilpflanze.
Bereits im alten China behandelte man beispielsweise Gicht und Wunden mit einem Sud aus Cannabisblättern. Die moderne Medizin findet für Cannabis ein breites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten und hilft mit medizinischem Marihuana unter anderem Patienten mit Multipler Sklerose, Krebs oder dem Tourette-Syndrom.
Die Verwendung von Hanf als Heilpflanze reicht allerdings weit über die direkte Aufnahme der verstärkt THC-haltigen Blüten hinaus. Mit seiner heilenden Wirkung ist Hanf ein viel verwendeter Rohstoff für Cremes, Lotionen und Salben. Ob Hanf Seife, Hanf Shampoo oder Fußcreme – heutzutage gibt es heilende und wohltuende Hanfprodukte für den gesamten Körper – und diese natürlich absolut rauschfrei.
Hanf vs. Baumwolle
Getreide, Textilien, Papier, Kosmetik und Medizin? Und das alles aus ein und derselben Pflanze? Der Niedergang des Hanfanbaus in Europa scheint auf den ersten Blick ein Rätsel zu sein. Auf den zweiten Blick lautet die kurze Antwort: Industrialisierung, Baumwolle, USA. Der Hanfanbau wurde Anfang des 18. Jahrhunderts zunehmend vom Baumwollanbau verdrängt. Die marktwirtschaftlichen Interessen führten schließlich sogar zu einem Hanfanbauverbot in Amerika und begünstigten so den Anbau von Baumwolle zur Textilherstellung. Die Papierindustrie in Nordamerika entdeckte außerdem Cellulose als billigen Ersatz zum Hanfpapier, denn günstiges Holz als Rohstoff gab es vor Ort reichlich.
In den darauf folgenden Jahrzehnten fristete Hanf eher ein unauffälliges Schattendasein, während Baumwolle sich global auf dem Vormarsch befand. Auch Baumwolle ist der Menschheit schon seit einigen tausend Jahren als Naturfaser bekannt und ergänzte schon früh die Textilien aus tierischen Fasern, wie Schafswolle, Kaschmir oder Alpakawolle. In der industriellen Großproduktion schneidet Baumwolle leider ziemlich schlecht gegenüber Hanf ab, denn der Baumwollanbau verbraucht wesentlich mehr Fläche, mehr kostbares Wasser und muss mit der doppelten Menge an Pestiziden vor Schädlingen geschützt werden.
Hanf ist zurück
Nachdem Hanf in den meisten Industrieländern komplett verdrängt und der Hanfanbau sogar verboten wurde, entdeckten Wissenschaft und Industrie in Europa die vielseitige Pflanze in den 1990er Jahren neu und begannen ihre vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten zu erforschen und zu erweitern. Weder beim Anbau, noch bei der Ernte von Hanf müssen so viele zusätzliche chemische Substanzen eingesetzt werden, wie beim Baumwollanbau. Dadurch ist auch die Hanfbekleidung weitgehend frei von hautschädlichen Giften, wie sie bei der konventionellen Baumwollproduktion eingesetzt werden. Beim Anbau von Bio-Baumwolle ist die Verwendung chemisch-synthetischer Dünge- und Pflanzenschutzmittel dagegen verboten. Im Vergleich zur „Organic Cotton“ begeistert Hanf durch seine tollen Eigenschaften, wie Feuchtigkeitsmanagement und Temperaturregulierung.
Im Jahr 1989 legalisierte die Europäische Kommission den – bis dahin verbotenen – Anbau von Nutzhanf in der EU. Der Nutzhanf wird auch als Industriehanf oder Faserhanf bezeichnet und enthält nur einen sehr kleinen THC-Gehalt, wodurch der Nutzhanf nicht als Rauschmittel missbraucht werden kann. Trotzdem ist der Anbau genehmigungspflichtig und darf nur von landwirtschaftlichen Betrieben durchgeführt werden. In der Europäischen Union ist der Anbau von Nutzhanf für die Textil-, Automobil- oder Bauindustrie sehr gering. Die mit Abstand größten Mengen an Nutzhanf werden in China produziert, gefolgt von Russland und Kanada. Kleinere Flächen für die Gewinnung von Industriehanf finden sich allerdings auf der ganzen Welt.
Hanf als moderner Rohstoff für Textilien
Im Gegensatz zur Baumwolle, dem „industriellen Standard“, an dem jede nachhaltige Alternative in der Textilindustrie gemessen wird, ist die Verarbeitung von Nutzhanf etwas komplexer. Bei der Baumwolle liefert die Baumwollblüte bereits direkt den Rohstoff, der in der Garnspinnerei zum fertigen Garn verarbeitet werden kann. Beim Hanf gibt es verschiedene Verfahren, um die Fasern von den restlichen Pflanzenteilen zu trennen. Niedrige Qualitätsstufen finden danach zum Beispiel für Innenverkleidungen von Autotüren, faserhaltige Verbundstoffe oder ökologisches Dämmmaterial Verwendung.
Für die Verwendung der Hanffasern als Rohstoff in der Textilindustrie erfolgen weitere Schritte zur Verfeinerung der Fasern. Durch die sogenannte „Cottonisierung“ werden die Fasern so weit vorbereitet, dass sie danach in der Spinnerei weiterverarbeitet werden können. Allerdings ist eine Hanffaser über 4 m lang, während eine Baumwollfaser nur etwa 2 cm misst. Außerdem ist die Hanffaser ungefähr 8 x kräftiger. Das bedeutet, dass die Garnherstellung spezielle Maschinen benötigt – ebenso wie das anschließende Stricken und Weben der fertigen Stoffe. Dass die Fasergewinnung hohen Aufwand erfordert, zeigt auch das Verhältnis vom Rohmaterial zur fertigen Faser: aus etwa 10 Tonnen Hanf entsteht maximal 1 Tonne an feinen Fasern für die Textilherstellung.
Hanf als Ergänzung und Bereicherung für den Outdoorsport
Für Hanf als umweltfreundlichen und nachhaltigen Rohstoff spielen seine funktionellen Eigenschaften eine weitere entscheidende Rolle, um nicht nur als robuste Jeans und bequemes T-Shirt verarbeitet zu werden, sondern auch als sportliche Bekleidung für Wanderer, Kletterer und Bergfreunde:
- Hanfstoffe sind sehr robust, strapazierfähig und langlebig.
- Bekleidung aus Hanf trägt sich sehr angenehm auf der Haut und eignet sich super für Allergiker.
- Stoffe aus Hanf sind temperaturregulierend (wie z.B. auch Merinowolle), d.h. im Winter wärmen sie und im Sommer wirken sie kühlend.
- Hanffasern wirken antibakteriell und antimikrobiell. Dadurch verhindert Hanf die Bildung unangenehmer Gerüche in Textilien.
- Da Hanffasern kein Eiweiß enthalten, sind sie für Motten und Käfer uninteressant.
- Durch intensive Feuchtigkeitsaufnahme und schnelle Abgabe der Feuchtigkeit sorgt Hanfbekleidung im Sommer für angenehme Kühlung.
- Hanfbekleidung ist oft pflegeleicht. Oft reicht regelmäßiges Auslüften. Häufiges Waschen ist dagegen nicht nötig.
- Hanfstoffe sorgen für sehr guten UV-Schutz und filtern bis zu 90% der UV-Strahlung.
Die positiven Eigenschaften von Hanfstoffen finden in erster Linie in modischer Freizeitkleidung Verwendung. Auch viele Outdoorfirmen, wie zum Beispiel Patagonia, Maloja, Sherpa oder Tentree setzen Hanf in erster Linie für die Herstellung bequemer Hoodies, Hosen und T-Shirts ein. Teilweise finden Outdoorsportler und Kletterer auch Hanf an eher unerwarteten Stellen: als Fußbett in einigen Black Diamond und Red Chili Kletterschuhen, als Obermaterial von Vaude Freizeitschuhen, sogar als Mischgewebe in manchen Volcom Boardshorts.
Hanf in Kombination mit anderen Fasern
Das Stichwort „Mischgewebe“ scheint für die Outdoorbekleidungsindustrie die attraktivste Form zu sein, um Hanffasern modern und funktionell einzubinden. So lassen sich die Eigenschaften der einzelnen Fasern sehr gut verbinden und das textile Endprodukt kann mit den gewünschten Merkmalen ausgestattet werden. So bestehen manche Kletterhosen zum Beispiel aus Hanf, Bio-Baumwolle und einem geringen Anteil an stretchfähigen Elasthanfasern. Dadurch lassen sich die positiven Eigenschaften von Hanf zu einer noch weicheren und bewegungsfreundlicheren Sporthose kombinieren. Auch Kombinationen aus Hanf und synthetischen Fasern, wie z.B. Polyester, sind möglich. Durch die Verwendung recycelter Rohstoffe wird dabei nicht nur die Funktionalität (schnellere Trocknung, Formstabilität, Atmungsaktivität) optimiert, sondern auch das Thema Nachhaltigkeit wird dabei konsequent weiterverfolgt.
Ähnlich, wie auch bei Merinowolle, beziehungsweise Mischgeweben mit Merino, bietet Hanf in Funktionstextilien und Outdoorbekleidung vor allem in hochwertigen Mischungen sein größtes Potenzial. Als nachhaltig produzierte Ergänzung für Funktionsbekleidung bieten sich endlose Einsatzbereiche für Hanf, die sich über die gesamte Bike-, Kletter-, Trailrunning-, Wintersport- und Outdoorbranche erstrecken.
Hanfbekleidung: Aussichten und Chancen
Nach etlichen Jahren in der „Verbannung“ ist die Hanfindustrie im Gegensatz zur Baumwollindustrie kaum weiterentwickelt worden. Moderne Maschinen zur Ernte und Weiterverarbeitung der Rohstoffe fehlen in Europa fast komplett. In Folge stammen die meisten Hanfstoffe aus den Hauptanbaugebieten in China. Auch wenn Hanf im Grunde ohne den Einsatz chemischer Unterstützung und künstlicher Bewässerung wachsen kann, lassen sich die Produktionsbedingungen in Fernost nicht gut nachvollziehen. Ein T-Shirt aus Hanf ist also noch nicht automatisch umweltfreundlich, nur weil es aus Hanf ist. Oft ist es aber deutlich umweltschonender, als ein T-Shirt aus konventioneller Baumwolle.
Eine wünschenswerte Entwicklung im Nutzhanfanbau wäre ein kontrollierter biologischer Anbau, den es bisher leider noch nicht gibt. Mit Bio-Baumwolle, die nach „Oeko-Tex Standard 100“, „GOTS“ (Global Organic Textile Standard) oder von der „Fair Wear Foundation“ zertifiziert ist, haben Kunden, Produzenten und Zulieferer besten Voraussetzungen, um wirklich nachhaltige „Organic Cotton“ in den Händen zu halten. Bei Hanf steht diese Entwicklung bis jetzt noch aus. Dank verstärkter Nachfrage nach Industriehanf und Hanf für die Bekleidungsindustrie bleibt aber zu hoffen, dass auch Bio-Hanf in absehbarer Zeit in den benötigten Mengen verfügbar sein wird.
Nicht nur an möglichen Formen und Kombinationen von Mischgeweben mit Hanf wird unentwegt geforscht, auch neue Möglichkeiten der Hanfverarbeitung werden geprüft und technisch weiterentwickelt. Dazu gehört z.B. die eine Hanf-Lyocell Faser, die unter dem Markennamen „Lyohemp“ als neue Alternative zu Textilien aus Baumwollen dient. Die umweltfreundlich erzeugte Cellulosegeneratfaser vom Lyocell-Typ wird aus Hanfzellstoff gewonnen. So entfallen mehrere aufwändige Aufbereitungsschritte und statt sich nur auf die Fasern zu beschränken, kann fast die gesamte Hanfpflanze für die Textilherstellung verwendet werden. Dabei entstehen sehr feine Fasern, die als fertiger Stoff extrem weich sind und auch dem Vergleich mit der weichesten Baumwolle mühelos standhalten.
Die Rückkehr der Hanfpflanze steht damit zwar immer noch am Anfang, kommt aber so langsam in Fahrt.