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Die Ausstellung zeigt zum einen moderne Figuren – Stabfiguren von Barbara Winzer, hergestellt aus Recyclingmaterial (oben) – und zum anderen vergangene Formen des Puppentheaters.
von Florencia Figueroa / pd
Bewegte Figuren, die man zu religiösen und zeremoniellen Feiern tanzen liess, gab es schon vor unserer Zeitrechnung – das zumindest lassen archäologische Funde vermuten. Puppen, mit denen man eine Handlung erzählte, wurden aber erst später entwickelt, vermutlich in Persien, wo das Handpuppentheater angeblich erfunden worden war. Schon Aristoteles beschrieb ein Modell, das den Kopf, den Nacken und die Glieder drehen konnte. Auch die Augen liessen sich bewegen. In Europa fassten die Figuren erst im Mittelalter Fuss und erfreuten sich über die Jahrhunderte grosser Beliebtheit.
Die bisher älteste Abbildung eines Puppenspiels stammt aus der Zeit um 1160 und findet sich im «Hortus Deliciarum», einer im 12. Jahrhundert verfassten Enzyklopädie der Äbtissin Herrad von Landsberg. Seine Blütezeit erlebte das Puppentheater aber erst im 19. Jahrhundert. Auf Jahrmärkten bereitete es der Bevölkerung grosses Vergnügen. Die Menschen identifizierten sich mit den Figuren, die mit allen möglichen Widrigkeiten des Lebens spielerisch fertig zu werden schienen. Kasper, der eigentlich Erwachsene ansprechen sollte, entwickelte sich mehr und mehr zur Identifikationsfigur für Kinder.
Das Puppentheater ist aber auch für Kinder mehr als nur ein Spiel, da die Selbstdarstellung zu den elementaren Ausdrucksformen eines jeden Menschen gehört und im frühen Kindesalter beginnt. Explizit zeigt sich Selbstdarstellung auch im Rollenspiel, bei dem meistens mehrere Kinder beteiligt sind. Es dient dem Einzelnen zum Erwerb seiner sozialen Verhaltensmuster. Beim Spiel mit Figuren teilt das Kind diesen Rollen zu und lässt sie stellvertretend agieren – aufgefächerte Selbstdarstellung. Es zerlegt seine Person, seine Psyche, in Gut und Böse und projiziert diese Eigenschaften auf seine Protagonisten. Das Kind spielt sich selbst und gibt so seinen Freuden, Sorgen, Ängsten, Fantasien und Wünschen Ausdruck. Über sein «Schauspiel» wird es zum Dramaturg seiner Erfahrungen. Die Ausstellung «Vorhang auf für das Figurentheater» im Kindermuseum in Baden zeigt historische Kasper-, Papier-, Marionetten- und Schattentheater. Ausserdem laden sechs kleine Theaterkammern, bestehend aus Bühne mit Figuren, Kulissen und Zuschauerraum, zum eigenen Figurenspiel ein.
Preise
Kinder Fr. 4.–, Erwachsene Fr. 12.–, Studenten/Lernende Fr. 9.–.
Öffnungszeiten
Dienstag bis Samstag 14 bis 17 Uhr, Sonntag 10 bis 17 Uhr (Oster- und Pfingstmontag geöffnet). Die Ausstellung dauert noch bis zum 30. Juni.
Informationen
Schweizer Kindermuseum
Ländliweg 7,
5400 Baden.
Tel. 056 222 14 44
www.kindermuseum.ch