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Stand März 2017
Einbettung bzw. politische/gesetzliche Grundlagen
Die gesetzlichen Grundlagen für die Evaluationen der Volksschulen in Graubünden durch das Schulinspektorat (SI) sind in Artikel 91 des Schulgesetzes, das am 1. August 2013 in Kraft gesetzt worden ist, sowie in Artikel 72 der ebenfalls totalrevidierten Schulverordnung zu finden. Dem Schulinspektorat obliegt gemäss diesen Artikeln u.a. die Qualitätsprüfung mittels periodischer Evaluationen in den einzelnen Volksschulen. Unter dem Begriff „Volksschule" sind der Kindergarten, die Primarschulstufe, die Sekundarstufe I sowie die Schulen in Institutionen der Sonderschulung subsumiert. Seit 2009 wurden sämtliche neun Sonderschulinstitutionen im Rahmen von Pilotevaluationen in Kooperation mit der Hochschule für Heilpädagogik (HfH) im Auftrag des Departementes evaluiert.
Evaluationsverfahren und -durchgänge
Das im Jahre 2004 eingeführte, kantonal einheitliche Evaluationsverfahren (Schulbeurteilung und Schulförderung = SB+F) ist ein fester Bestandteil der Qualitätssicherung und -entwicklung der Volksschulen und Kindergärten im Kanton Graubünden.
Aus dem ersten Evaluationsdurchgang (Turnus I: 2004 bis 2006) meldeten die lokalen Schulbehörden 505 Massnahmen zur Verbesserung der Unterrichts- und Schulqualität. Wirkung und Umsetzung dieser Massnahmen wurden im Rahmen eines standardisierten Massnahmen-Controllings (Review) überprüft.
Nach Abschluss des ersten, flächendeckenden Evaluationsdurchganges hat das Schul- und Kinder-garteninspekorat per Ende 2006 einen Schlussbericht erstellt, welcher dem Departement abge-geben sowie anschliessend den Schulbehörden vorgestellt worden ist.
Für den zweiten Evaluationsdurchgang (Turnus II: 2007 bis 2010) ist ein kantonaler Qualitätsrahmen entwickelt worden, welcher auf interkantonalen und internationalen Qualitätskonzepten aufbaut. Bis Ende Schuljahr 2009/10 hat das SI in einer standardisierten Fokusevaluation alle Bündner Schulen zu acht Qualitätsmerkmalen aus dem Bündner Referenzrahmen „Schulqualität im Überblick" beurteilt.
Im Rahmen von SB+F 2007-2010 haben die Bündner Schulen 331 Massnahmen eingeleitet und umgesetzt. Diese Massnahmen sind vom SI wiederum im Rahmen eines Massnahmen-Controllings überprüft und die Ergebnisse den kommunalen Schulbehörden mitgeteilt worden.
Nach Abschluss des zweiten Evaluationsturnus wurden die drei Evaluationsjahre ausgewertet und die Ergebnisse in einem kantonalen Schlussbericht zusammengefasst. In dem in digitaler Form erstellten Bericht (PowerPoint-Bericht inkl. Excel Datei mit aggregierten Daten auf CD) sind Erkenntnisse zu den einzelnen Qualitätsbereichen in Form von Kernaussagen, Stärken und Schwächen sowie Entwicklungshinweisen beschrieben. Der Bericht umfasst zusätzlich eine zusammenfassende Darstellung der weiteren Dienstleistungen des Schulinspektorats.
Für den dritten Evaluationsdurchgang (Turnus III: 2011 bis 2014) ist der kantonale Qualitätsrahmen angepasst und mit Qualitätsansprüchen weiterentwickelt worden. Im Rahmen der standardisierten Fokusevaluation wurden mit dem Qualitätsbereich Schulklima sowie den Qualitätsmerkmalen Klassenführung und Aktivierung drei Themen aus dem Turnus II quasi als Ankermerkmale weiterverfolgt. Neu evaluiert wurden aus dem Qualitätsbereich Lehren/Lernen die Qualitätsmerkmale Üben/Sichern/Beurteilen und Umgang mit Heterogenität, aus dem Qualitätsbereich Schulführung die beiden Qualitätsmerkmale Zusammenarbeit sowie Eltern- und Öffentlichkeitsarbeit. Im Qualitätsbereich Qualitätsmanagement wurde die Weiterbildung fokussiert.
Beim Turnus III wurde darauf geachtet, dass der Wiedererkennungswert möglichst hoch und der Aufwand für Schulen und Lehrpersonen möglichst vertretbar waren. So wurde beispielsweise die Gliederung des Unterrichtsbesuches mit Unterrichtsbeobachtung und integrierter Schüler-/Lehrpersonenbefragung sowie anschliessendem unterrichtsbeurteilendem Gespräch beibehalten.
Im Rahmen von SB+F 2011-14 wurden insgesamt 141 Schuleinheiten evaluiert. Dabei waren 18'575 Schüler/innen, 2'034 Lehrpersonen und 122 Schulleitungen sowie mehr als 500 Schulbehördenmitglieder involviert. Erstmals wurden auch die Eltern mit einer Online-Befragung in die Evaluation einbezogen. Die Rücklaufquote bei der Elternbefragung betrug 51%, was 8'834 Elternbewertungen entspricht und relativ hoch ist.
Die Berichterstattung an die Schulen erfolgte auch beim Turnus III mit einer PowerPoint-Präsentation auf der Basis anonymisierter, generalisierter Daten im Rahmen einer moderierten Halbtagesveranstaltung mit sämtlichen Lehrpersonen, der Schulleitung und der Schulbehörde. Jede evaluierte Schule erhielt dabei eine CD-ROM mit dem Evaluationsbericht, welcher den PowerPoint-Bericht mit Übersichtsgrafiken, prägnanten Kernaussagen, den wichtigsten Schwächen/Stärken sowie Entwicklungshinweisen enthielt. Die Nachvollziehbarkeit war dank der mitgelieferten PDF-Excel-Datei, die alle relevanten und aggregierten Daten und weiteren Detailgrafiken enthielt, gewährleistet. Im Evaluationszyklus 2011-14 sind insgesamt 150 Evaluationsberichte erstellt, besprochen und abgegeben worden.
Im Rahmen von SB+F 2011-2014 haben die Bündner Schulen 253 Massnahmen gemeldet und umgesetzt. Aus der Massnahmenübersicht geht hervor, dass gegenüber den Vorjahren eine Verschiebung von den Bereichen Schulführung, Rahmenbedingungen und Schulinternes Qualitätsmanagement hin zum Bereich Lehren/Lernen stattgefunden hat. Dies lässt den Schluss zu, dass viele Schulen nicht mehr hauptsächlich mit Struktur- und Organisationsfragen beschäftigt sind, sondern das Augenmerk vermehrt aufs Kerngeschäft Unterricht richten.
Jeweils zwei Jahre nach der Evaluation überprüft das SI im Massnahmen-Controlling die Umsetzung der Massnahmen. Dabei erhalten die Schulen die Möglichkeit, in einem kommunikativen Verfahren den Umsetzungsprozess, das Ergebnis und den Nutzen der geleisteten Arbeit zu reflektieren. Daraus generieren sie schuleigenes Steuerungswissen, das zur nachhaltigen Entwicklung der kommunalen Schule beitragen soll.
Nach Abschluss des dritten Evaluationsturnus‘ wurde eine Auswertung durchgeführt und ein kantonaler Schlussbericht erstellt. Dieser wurde nicht in digitaler Form, sondern als Broschüre herausgegeben. Im Bericht ist neben der Beschreibung des Evaluationsverfahrens und einer Zusammenfassung der Evaluationsergebnisse auch die Umsetzungsqualität der realisierten Massnahmen dargestellt. Im Weiteren wurden ausgewählte Resultate aus den Befragungen von Eltern, Schülerinnen und Schülern sowie Lehrpersonen vorgestellt und besprochen. Im letzten Berichtsteil wurden jene Qualitätsmerkmale thematisiert, die in allen drei Evaluationszyklen im Laufe der letzten zehn Jahre evaluiert worden sind. Ein detaillierter Anhang mit übersichtlichen Grafiken zu den durchgeführten Befragungen vervollständigt den Bericht.
Interessant am Schlussbericht 2011-2014 ist neben der Gesamtschau, dass daraus ersichtlich wird, wie das SI die in dieser Zeitperiode fokussierten Qualitätsmerkmale aufgrund der triangulierten Daten beurteilt.
Der Schlussbericht 2011-2014 wurde im Frühjahr 2015 im Rahmen der Führungsunterstützung für Schulleitungen und Schulratspräsidien an 11 regionalen Informationsveranstaltungen in den acht Schulsprachen präsentiert und vertieft.
Evaluation der Institutionen der Sonderschulung
Aufgrund des departementalen Auftrages im Jahre 2009, sämtliche Institutionen der Sonderschulung im Kanton zu evaluieren, wurde eine Kooperation mit der Hochschule für Heilpädagogik Zürich (HfH), namentlich mit Frau Dr. Belinda Mettauer sowie Herrn Prof. Dr. P. Lienhard, vereinbart.
Einerseits fanden im Rahmen dieser Kooperationsvereinbarung in den Jahren 2011 bis 2013 Jahre insgesamt neun Weiterbildungstage für sämtliche Mitarbeitenden des SI zu spezifischen Fragen im Sonderschulbereich statt. Andererseits wurden sämtliche Sonderschulinstitutionen in gemischten Evaluationsteams (HFH/SI) evaluiert. Die Erkenntnisse aus der praktischen Evaluationstätigkeit und der Weiterbildung mündeten Ende 2013 in ein schlankes und standardisiertes Evaluationsverfahren für den Sonderschulbereich.
Mit der künftigen Durchführung der Sonderschulevaluationen durch das SI erfahren die Aufgaben des Kantons im Bereich der Steuerung, Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung im Sonderschulbereich eine funktionale Trennung: Die Aufsicht wird vom AVS wahrgenommen, während das SI für die externe Evaluation zuständig ist. Aus diesem Grunde bilden die Sonderschulevaluationen für das SI einen integrierenden Bestandteil bei der Planung des vierten Evaluationsdurchgangs. In der Regel werden 2 bis 3 Institutionen der Sonderschulung pro Schuljahr evaluiert.
Aktuell
Zurzeit läuft der vierte Evaluationsdurchgang (Turnus IV: 2015 bis 2019). Aufgrund des neuen kantonalen Schulgesetzes, in welchem die Aufgaben des Schulinspektorates mit Evaluation, Beratung und Überprüfung vorgegeben sind, ist das Verfahren für den vierten Turnus angepasst worden.
Mit der Evaluation werden den Schulen und Lehrpersonen durch eine professionelle Aussensicht Qualitäten, Stärken und Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt. In der Zeitspanne von 2015 bis 2019 werden neben dem Bereich Schulkultur/-klima fünf Qualitätsmerkmale aus dem Bereich Lehren/Lernen evaluiert. Dies geschieht in einem transparenten Evaluationsprozess, der von Unterrichtsbesuchen und Leitfadeninterviews mit den Lehrpersonen über die Befragung von Schülerinnen und Schülern, Schulleitung und Eltern zu einem differenzierten Unterrichtsprofil führt. Dadurch erhalten Lehrpersonen ein konstruktives und praxisorientiertes Feedback, welches die Unterrichtsreflexion unterstützt. Gleichzeitig gewinnt die Schule durch das anonymisierte Unterrichtsprofil datenbasiertes Wissen als Planungsgrundlage.
Unter dem Titel "Von Daten zu Taten" legt das SI im vierten Evaluationsdurchgang noch mehr Gewicht auf die innerschulische Verarbeitung der Evaluationsergebnisse. Dabei sollen alle Beteiligten die Problemdiagnose nachvollziehen können und bei der Erarbeitung von Entwicklungsmassnahmen partizipieren. Insbesondere die Reflexion des eigenen Unterrichts auf der Grundlage der Evaluationsdaten ist eine Voraussetzung dafür, dass Unterrichtsentwicklung stattfindet. Das Vorgehen nach der Evaluation vor Ort sieht dafür neben der Rückmeldeveranstaltung auch eine Steuerungssitzung mit der Schulführung und eine Vertiefungssitzung im Schulteam vor. Abgerundet wird "Von Daten zu Taten" durch das Schlussgespräch zwischen der Schulführung und dem SI, an dem das Entwicklungsvorhaben für die nächsten zwei Jahre definitiv festgelegt und dem SI gemeldet wird.
Auf der Beratungsebene führt das SI mit den Schulleitungen eine Organisationsanalyse durch. Es handelt sich dabei um ein dialogisches Verfahren, bei dem die eigene Schule anhand einer bildlichen Visualisierung hinsichtlich Strukturen und wichtiger Umfeldeinflüsse schrittweise analysiert wird. Im Zentrum steht dabei die Reflektion der eigenen Führungstätigkeit.
Im Bereich der Überprüfung wird sichergestellt, dass die finanziellen Beiträge des Kantons an Tagesstrukturen und Schulleitungen richtig eingesetzt werden. Dafür haben die Schulen spezifische Voraussetzungen zu erfüllen. Sie sind gesetzlich verpflichtet, bei Bedarf Tagesstrukturen anzubieten. Das SI überprüft die entsprechenden Beitragsberechtigungen und die Umsetzungsqualität der Angebote. Bei Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben wird die Anerkennung jeweils um vier Jahre verlängert. Die Überprüfung der Beitragsvoraussetzungen für Schulleitungen zeigt auf, ob die Weisungen über Beitragsleistungen für Schulleitungen eingehalten werden und wie die konkrete Umsetzung in den Bereichen Pädagogik, Personal und Organisation/Administration erfolgt. Auch diese Überprüfung findet in der Regel alle vier Jahre statt und richtet sich nach dem Zeitpunkt der aktuellen Anerkennung.
Ziele von Schulbeurteilung und -förderung sind somit das Auslösen von qualitätsfördernden Entwicklungen sowie die Gewährleistung, dass gesetzliche Vorgaben eingehalten werden. Auch soll damit die Bildungsqualität an der Volksschule in Graubünden effizient und im Sinne der Chancengerechtigkeit gesichert und entwickelt werden.
Wirkung
Die Schwerpunkte von Schulbeurteilung und -förderung sind so gesetzt, dass die Unterstützung in der Qualitätssicherung Wirkung in mehreren Bereichen erzielt. So leistet SB+F einen Beitrag zur kantonalen Qualitätssicherung und generiert gleichzeitig Steuerungswissen auf kantonaler und auf kommunaler Ebene. Dieses Wissen fliesst in die jeweilige Unterrichts- und Schulplanung sowie in das Weiterbildungsangebot der Pädagogischen Hochschule ein. Mit SB+F kommuniziert der Kanton auch, was er von den Schulen erwartet. Geltende Normen werden bewusst gemacht und deren Umsetzung verbindlich eingefordert.
Das Bündner Verfahren von SB+F wirkt somit in allen vier Dimensionen einer externen Schulevaluation, nämlich der Wissensgewinnung, der Entwicklungsorientierung, der Rechenschaftslegung und der Normendurchsetzung.
Webseite
Alle Unterlagen zu Schulbeurteilung und –förderung sind unter der Rubrik Qualitätssicherung auf der Homepage unter www.avs.gr.ch einsehbar.
Viele Unterlagen sind zudem in den drei Kantonssprachen Deutsch, Romanisch und Italienisch vorhanden.
Schulinspektorat Graubünden