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Herausforderungen für eine bestimmte Art von Tourismus entwickeln sich, entweder lokal oder nach bestimmten moralischen Prinzipien. Auf internationaler Ebene sind Anstrengungen von öffentlichen und privaten Akteuren der Tourismusbranche erforderlich, um Armut oder globale Erwärmung zu bekämpfen oder in jüngster Zeit gegen Overtourism vorzugehen. Seit sehr langer Zeit werden touristische Alternativen mit unterschiedlichen Bezeichnungen entwickelt, die darauf abzielen, die Auswirkungen zu minimieren (nachhaltiger, verantwortungsvoller Tourismus) oder die Vorteile besser zu verteilen (Solidaritätstourismus).
Moralische Ausrichtung
Der Tourismus beginnt sich, kurz gesagt, moralisch auszurichten. Eine andere Art von Tourismus wird in dem Fall befürwortet, kurze Strecken (lokaler Tourismus), in einer nicht-industriellen Logik (slow tourism) usw. Wäre also der moralisierende Tourismus besser? Könnte es ein Verkaufsargument sein, wenn sich seine Kunden schuldig fühlen würden? Oder könnte das ökologische Bewusstsein das touristische Geschäftsmodell gefährden? Das Jahr 2019 wurde erschüttert von den Forderungen einer Jugend, die sich um ihren CO2-Fussabdruck sorgte. Aber wie sind die Fakten? Reisen wir 2019 wirklich verantwortungsbewusster? Es erstaunt nicht, dass präzise Antworten auf diese Fragen schwierig oder gar unmöglich zu geben sind.
Die Grössenordnung des Phänomens messen
Die erste Schwierigkeit besteht darin, die Grössenordnung des Phänomens zu messen, das wachsend wahrgenommen wird. Es gibt keine offiziellen Statistiken der Länder, die diese Art von Aktivitäten als Alternative zum "klassischen" Tourismus messen. Das Verständnis der Ausbreitung des Phänomens basiert auf Umfragen, die eher Absichten als Praktiken messen: Die Antworten orientieren sich oft am nachhaltigen Tourismus, durch das bewusst oder unbewusst politisch Beabsichtigte.
Wir können auch auf Indikatoren zurückgreifen, die Nischenaktivitäten betreffen, wie z. B. Informationen von Berufsverbänden des verantwortungsvollen Tourismus. So kann man bei dem Netzwerk ATR (Agir pour un tourisme responsable) in Frankreich eine bemerkenswerte Dynamik feststellen. Im Jahr 2014 umfasste das Netzwerk neun Reiseveranstalter. Im Jahr 2017 waren es bereits insgesamt 22 Veranstalter, die von 200.000 Reisenden im Jahr 2017 auf eine Million angestiegen sind.
Agir pour un tourisme responsable https://www.tourisme-responsable.org/
Das Recht zu vergessen
Booking.com, der führende Anbieter von Online-Unterkunftsbuchungen, veröffentlicht seit 4 Jahren jährlich eine Studie über nachhaltiges Reisen. Das Hauptergebnis: Die Kombination von Tourismus und Umweltverantwortung ist ein Wunsch, den immer mehr Reisende äussern. Laut einer im April 2018 in 12 Ländern durchgeführten Umfrage gaben 87 % der 12’134 Befragten an, dass sie verantwortungsvoller reisen wollen. Wir sind also beruhigt.
Ein weiterer interessanter Punkt ist, dass fast die Hälfte (46 %) der Reisenden weltweit erkennen, dass es für sie schwieriger ist, im Urlaub nachhaltige Entscheidungen zu treffen als im Alltag. Tatsächlich geben fast ein Drittel (31 %) der Reisenden weltweit zu, dass ihr Urlaub eine besondere Zeit ist, in der sie nicht über Nachhaltigkeit nachdenken wollen. Das sind also Urlauber, die es wagen, ihr Recht auf eine sorgenfreie Erholung in Anspruch zu nehmen.
Hindernisse für nachhaltigeres Reisen
Wie wir alle wissen, ist der Übergang von guten Absichten zu Taten manchmal sehr steinig! Booking.com identifiziert die Haupthindernisse für nachhaltigeres Reisen auf der Grundlage der Wahrnehmungen der Befragten:
- Kosten – nicht über ausreichende Mittel verfügen, um die zusätzlichen Kosten zu decken: 42 %
- Information/fehlende Zertifizierung – Unwissenheit, wie man seine Reise nachhaltiger gestalten kann: 32 %.
- Zeit – Nachhaltig Reisen benötigt zu viel Zeit: 22 %
- Destination – Nachhaltiges Reisen würde die Reisen zu weniger attraktiven Zielen einschränken: 22 %.
- Luxus/Komfort - nachhaltiges Reisen erreicht nicht das Niveau von Luxus/Komfort, an das man gewöhnt ist: 20 %.
Buchungsverhalten: Klimawandel und «overtourism»
Gemäss einer Medienmitteilung des Schweizer Reise Verbandes vom 11. September 2019 hat die Debatte über den Klimawandel nur geringe Auswirkungen auf das Buchungsverhalten in Schweizer Reisebüros. Tatsächlich stellt der Kunde diese Frage bei seiner Reservierung nicht sehr häufig. Andererseits ist das Thema "overtoursim" (Überbelegung, Übertourismus) in den meisten Reisebüros ein Thema auf der Tagesordnung. Ein Drittel der befragten Agenturen hat sogar eine proaktive Herangehensweise an das Thema umgesetzt wie beispielsweise durch Angebote alternativer Destinationen.
Referenzen
Fédération Suisse du Voyage & Universität St. Gallen. Augmentation du chiffre d’affaires de voyages en 2018, prévisions mitigées pour 2019. Communiqué de presse, 11 septembre 2019
Gravari-Barbas Maria, Jacquot Sébastien. Atlas mondial du tourisme et des loisirs. Du Grand Tour au voyage low cost, éd. Autrement, Paris. 2018
Daum Thomas, Girard Eudes. Du voyage rêvé au tourisme de masse, CNRS Editions, Paris, 2018