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|Künstliche Intelligenz||
05.06.2023 23:28:00

Marktveteran Ed Yardeni: Warum die Aktienrally zum meistgehassten Bullenmarkt der Geschichte werden könnte
Marktveteran Ed Yardeni äusserte sich kürzlich zu verschiedenen Themen, die den Aktienmarkt betreffen.
• Yardeni prognostiziert, dass die derzeitige Aktienrally vermutlich zum meist verhassten Bullenmarkt wird
• Künstliche Intelligenz könnte einen Boom in den "Roaring 2020's" auslösen
Dr. Edward Yardeni ist der Präsident von Yardeni Research, Inc. und Anbieter von globalen Analysen und Empfehlungen zu Anlagestrategien und Vermögensallokation. Im Laufe seiner Karriere war er als Chef-Anlagestratege bei Oak Associates, der Prudential Equity Group und der US-Aktienabteilung der Deutschen Bank in New York City tätig. Er war ausserdem Chefvolkswirt bei CJ Lawrence, Prudential-Bache Securities, lehrte an der Graduate School of Business der Columbia University und war Wirtschaftswissenschaftler bei der Federal Reserve Bank of New York.
Yardeni über die Fed und den Leitzins
In einem kürzlich veröffentlichten Interview mit CNBC äusserte sich Yardeni bei "Squawk on the Street" zu Themen wie der Reaktion des Marktes auf die veränderten Erwartungen der US-Notenbank und über Faktoren, die den Druck durch höhere Zinssätze abgefedert haben. So warnte der Marktveteran davor, dass der starke Auftritt der Aktien in diesem Jahr die Fed dazu veranlassen könnte, die Zinsen länger auf einem höheren Niveau zu halten - und damit jene Anleger enttäuschen könnte, die auf eine baldige Senkung des Leitzinses hoffen. "Der Markt hat sich als bemerkenswert widerstandsfähig erwiesen, vor allem weil die Wirtschaft bemerkenswert widerstandsfähig war", so Yardeni in dem Interview. "Sie wollten die Zinssätze nicht weiter anheben, bis etwas wirklich ernsthaft einbricht und dann gezwungen sind, die Zinssätze zu senken", sagte er in Bezug auf die Fed. "Ich denke also, dass sie dort sind, wo sie sein wollen - und ich denke, dass sie dort auch bleiben werden." In den letzten 15 Monaten hatte die US-Notenbank den Leitzins von fast null auf mehr als fünf Prozent angehoben, um die Inflation einzudämmen, die im Jahr 2022 fast den höchsten Stand seit vier Jahrzehnten erreicht hatte, so Markets Insider.
4 Gründe warum die derzeitige Aktienrally zum meist verhassten Bullenmarkt werden könnte
Doch auch wenn sich der derzeitige Markt als widerstandsfähig herausstellt, erklärt Yardeni, dass sich die aktuelle Aktienrally zum meistgehassten Bullenmarkt der Geschichte entwickeln könnte. Für seine Vermutung nennt der Marktveteran vier konkrete Gründe, wie Business Insider berichtet.
Der erste Faktor, der für seine Vermutung spreche, ist, dass die Rally "mit historisch hohen Kurs-Gewinn-Verhältnissen" begonnen hat. So betonte er, dass die Hausse bei Aktien mit hohen, nicht mit niedrigen Bewertungen begann. "In der Vergangenheit boten die Bewertungen am Ende von Bärenmärkten überzeugende Gelegenheiten", so Yardeni. Da die Bewertungen während der jüngsten Baisse jedoch nicht auf ein attraktives Niveau gesunken sind, werden viele Anleger die Tiefststände wahrscheinlich verpasst haben, da sie auf einen Rückgang der Bewertungen gewartet haben.
Der zweite Punkt, der dafür spreche, dass die aktuelle Aktienrally zum meistgehassten Bullenmarkt werden könnte, ist die drohende Rezession. Im Oktober 2022 erreichte der Aktienmarkt seinen Tiefpunkt. Seitdem treten immer vermehrter Schlagzeilen über eine bevorstehende Rezession auf. Der Aktienmarkt lässt sich davon jedoch nicht aufhalten und steigt trotzdem weiter an. Die Warnungen von verschiedenen US-amerikanischen CEOs sowie von führenden Wirtschaftsvertretern konnten nicht dazu beitragen, die Aktienkurse zu senken. "Am verachtenswertesten ist, dass der Bulle die Chuzpe [jiddisch für Dreistigkeit, Anm. d. Red] weiterzumachen, obwohl sich fast alle einig sind, dass jeden Tag eine Rezession bevorsteht", so Yardeni.
Ebenfalls für Yardenis Prognose spreche die Bankenkrise, die es ebenfalls nicht vermocht hatte, die Aktien entgleisen zu lassen. Innerhalb von nur zwei Monaten sind die drei grossen Banken Silicon Valley Bank, die Signature Bank und die First Republic Bank gescheitert. Bankenzusammenbrüche, die durchaus vergleichbar waren mit den Bankenzusammenbrüchen der grossen Finanzkrise von 2008, denn die drei gescheiterten Regionalbanken verfügten über Vermögenswerte in Höhe von mehr als 500 Milliarden US-Dollar. Und dennoch stiegen die Aktien weiter. "Besonders beunruhigend für das Publikum ist, dass der S&P 500 seit dem 8. März, dem Beginn der Bankenkrise, weiter gestiegen ist", erklärte der Marktveteran.
Der letzte Punkt, den Yardeni aufführt, ist die mangelnde Beteiligung kleinerer Aktien. So werde die derzeitige Aktienrally vor allem durch die Mega-Cap-Technologiewerten angeheizt, was wiederum dazu führt, dass die Hunderte von kleineren Unternehmen, aus denen sich der S&P 500 zusammensetzt, nicht ausreichend vertreten sind. "Sie stellen fest, dass das Verhältnis zwischen dem gleichgewichteten und dem nach Marktkapitalisierung gewichteten S&P 500 gesunken ist ... Eine solch schlechte Breite ist nicht das Markenzeichen junger Bullenmärkte", so Yardeni. Er weist ausserdem darauf hin, dass es neben den Mega-Caps aus dem Technologiesektor eine Vielzahl von Aktien gibt, die in den letzten Wochen auf Rekordhöhen gestiegen sind, und dass die positiven Gewinnprognosen eine grosse Bandbreite aufweisen.
Künstliche Intelligenz könnte die "Roaring 2020’s" auslösen
Schliesslich glaube Yardeni aber an die derzeitige Hausse am Aktienmarkt, vor allem weil das Aufkommen der künstlichen Intelligenz einen Boom in den "Roaring 2020's" auslösen könnte. "Ich denke, wir befinden uns erst in der Anfangsphase der wirklichen Integration von künstlicher Intelligenz", sagte Yardeni gegenüber CNBC. "Mit der Robotik, mit der Automatisierung, all das führt dazu, dass die Produktivität des Gehirns steigt. Bei früheren Produktivitätsbooms haben wir die Produktivität von Muskel- und Pferdestärken erhöht, während dieser die Fähigkeit unseres Gehirns ergänzen wird, schneller zu denken und schneller auf Ideen zu kommen."
Redaktion finanzen.ch
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