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Am Montag haben die neuen Besitzer von Newcastle United, dem nun reichsten Klub der Welt, ihren ersten neuen Trainer vorgestellt. Dabei entschieden sich die «Magpies» etwas überraschend für einen nicht besonders klingenden Namen: Eddie Howe.
Der 43-Jährige soll dabei allerdings nicht die erste Wahl gewesen sein. Lange Zeit schien Villarreal-Coach Unai Emery, vierfacher Europa-League-Sieger, Topfavorit auf den Posten zu sein, ehe der Spanier aber freiwillig absagte.
Nun soll es also Howe richten, den derzeit abstiegsgefährdeten neureichen Verein zu stabilisieren und dann langsam zu einem Spitzenteam zu formen. Doch wer genau ist der Engländer, der abseits der Insel nur wenigen Fans wirklich in Begriff ist? Das sind die wichtigsten 6 Punkte zur bisherigen Karriere von Eddie Howe.
Die Spielerkarriere von Howe begann vielversprechend. Bei seinem Jugendverein Bournemouth konnte sich der Innenverteidiger schon in jungen Jahren in der zweithöchsten Liga etablieren, weshalb er auch zwei Spiele für die englische U21-Nationalmannschaft bestreiten durfte.
2002 kam es dann zum Wechsel nach Portsmouth und damit zur Zäsur in Howes Karriere. Der Verteidiger zog sich innert kurzer Zeit zwei schwere Knieverletzungen zu, im Anschluss gelang es ihm nicht, sich zu etablieren. So wurde er zuerst nach Swindon verliehen, dann wieder zu seinem Stammverein Bournemouth.
Bei den «Cherries» blühte Howe wieder auf, bei den Fans war er derart beliebt, dass diese in einem «Eddie Fund» gut 20'000 Pfund sammelten, um ihn trotz der finanziell misslichen Lage beim Klub zu halten. Bei Bournemouth spielte Howe dann bis 2007 weiter, ehe er aufgrund von weiteren Verletzungen seine Profi-Karriere mit 29 Jahren bereits beenden musste.
Der Start in Howes Trainerkarriere war durchaus kurios. Zum Ende seiner Spielerkarriere sammelte er erste Erfahrungen als Spieler-Trainer der Reservemannschaft, danach als Coach bei den Junioren. Dennoch konnte er auch nicht so recht glauben, was sich im Dezember 2008 abspielte: Howe bekam am Silvesterabend einen Anruf vom Bournemouth-Vorstand, mit der Bitte, er solle als Interimtrainer die erste Mannschaft übernehmen, welche in der vierthöchsten Liga stark abstiegsgefährdet war.
Howe nahm das Angebot an, startete aber denkbar schlecht. Die ersten zwei Spiele unter seiner Führung gingen beide verloren, dennoch wurde er zum Cheftrainer befördert. Eine Notlösung, wie der damalige Vorsitzende Jeff Moystin später verraten sollte:
Doch das Risiko ging auf: Unter Howe fing sich Bournemouth und schaffte, trotz 17 abgezogenen Punkten, den Klassenerhalt.
In der Folge ging es in Howes Trainerkarriere steil bergauf. Gleich in seiner ersten ganzen Saison schaffte er mit Bournemouth den Aufstieg in die League One. Anschliessend bekam er eine Chance in der Championship bei Burnley, wo er nach zwei Jahren wieder gehen musste.
So kehrte er zurück zu Bournemouth, wo er den Erfolg wieder fand: Er führte die «Cherries» zuerst in die Championship und von dort aus nach zwei Jahren auch gleich in die Premier League. Es war das erste Mal in der Vereinsgeschichte, dass der Verein aus dem Süden Englands erstklassig war.
Einer der Hauptgründe, warum Newcastle auf Eddie Howe setzt, ist wohl, dass der 43-Jährige den Abstiegskampf der Premier League bestens kennt. Nach seinem Aufstieg mit Bournemouth war klar, dass die «Cherries» auf dem Papier zu den Abstiegskandidaten zählen.
Dennoch schaffte es Howe trotz relativ beschränktem Budget, die Südengländer mehrmals in der höchsten Spielklasse zu halten. In seinem ersten Jahr beendeten die «Cherries» die Saison auf dem 16. Platz, danach drei Jahre lang auf den überraschend guten Rängen 9, 12 und 14. Erst in der Saison 2019/20 konnte sich Bournemouth nicht mehr retten und stieg als 18. wieder ab.
Obwohl Howe als Innenverteidiger spielte, ist seine Spielweise als Trainer alles andere als defensiv ausgerichtet. «Wir haben ständig an unserem Offensivspiel gearbeitet», erklärte Howe in einem Gespräch mit «Sky Sports», in welchem er in seine Zeit in Bournemouth zurückblickte. Sein Mantra: «Anzugreifen war auch unsere beste Verteidigung.»
Tatsächlich zeigen auch die Zahlen, dass Howe seine Teams jeweils sehr offensiv ausrichtet. In seiner zweiten Saison in der Premier League, die beste mit Bournemouth, stellte seine Mannschaft die siebtbeste Offensive der Liga, in den folgenden zwei Jahren die acht- und abermals die siebtbeste.
Die offensive Spielweise bedeutet für Howe in erster Linie, ein intensives Pressing zu betreiben. Der Ex-Innenverteidiger lässt gerne in einem 4-4-2 oder 4-4-1-1 spielen, wobei sowohl die Aussenläufer im Mittelfeld als auch die Aussenverteidiger relativ offensiv ausgerichtet sind. Dies führt dazu, dass Howes Team nur sehr schwer zu verteidigen ist. So war etwa Linksverteidiger Matt Richie bei Bournemouths erster Saison in der Premier League mit zehn Torbeteiligungen der produktivste Verteidiger der ganzen Liga.
Andererseits ist Howes Spielsystem aber auch hochriskant. In sämtlichen fünf Saisons in der Premier League hatte Bournemouth eine der fünf schwächsten Verteidigungen in der Liga und schaffte es nie, in 38 Spielen weniger als 60 Gegentore zu kassieren. Dafür musste Howe Kritik einstecken – so meinte etwa Ex-Liverpool-Spieler und Experte Graeme Souness, der zu Howes Zeiten in Bournemouth lebte: «Ich denke, Howe ist manchmal etwas naiv. Es ist okay, von Beginn an Fussball spielen zu wollen, aber er tut das auch gegen bessere Teams.»
Etwas überraschend ist es dennoch, dass Howe den Trainerposten bei Newcastle gekriegt hat. Im Gegensatz zu vielen anderen Namen, welche mit den «Magpies» in Verbindung gebracht worden sind, hat der 43-Jährige keinerlei Erfahrung beim Trainieren von grossen Namen, welche Newcastle zweifellos verpflichten wird.
Stattdessen ist Howe vielmehr ein Ausbilder, also einer, der junge Spieler fördern kann, welche noch nicht an ihrem Limit sind. So soll das akribische und individuelle Training mit den Jungen eine der grössten Qualitäten von Eddie Howe sein, wie auch Nathan Aké sagte. «Auch bei guten Spielen wollte er mit mir Clips anschauen und jedes kleinste Ding besprechen», so der Verteidiger, der unter Howe aufblühte und später für etwa 50 Millionen an Manchester City verkauft wurde. «Das ist perfekt für mich, für jemandem in meinem Alter.»
Zudem gilt Howe auch als Perfektionist, der im Training seine Spieler fordert und viel von ihnen verlangt. Dass dies bei einem kleinen Klub funktionieren kann, hat er gezeigt – aber ob auch Stars diese strikten Methoden des noch relativ unbekannten Coachs ohne Murren umsetzen, scheint doch etwas unsicher.
Was ist mit den ZSC Lions los? Die teuerste Mannschaft der Ligageschichte muss sich in den zwei Partien in 24 Stunden gegen Tabellenführer Gottéron mit drei von sechs möglichen Punkten begnügen (3:4 n.P/5:4 n.P). Die Zürcher liegen weiterhin 14 Punkte hinter dem Leader auf Rang 6.