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Mehr als 3000 Menschen haben in Washington Abschied vom verstorbenen US-Senator John McCain genommen. Bei der Trauerfeier in der Nationalen Kathedrale würdigten die früheren Präsidenten Barack Obama und George W. Bush am Samstag den international geachteten Politiker.
«Er hat uns zu besseren Präsidenten gemacht, so wie er den Senat besser gemacht hat, so wie er dieses Land besser gemacht hat», sagte Obama zu Beginn seiner Rede.
Obama sagte weiter: «Präsident Bush und ich gehören zu den wenigen Glücklichen, die gegen John auf der höchsten Ebene der Politik antreten konnten.» McCain habe verstanden, «dass manche Prinzipien über Politik hinausgehen, dass manche Werte über Parteien hinausgehen. Deswegen hat er eine freie und unabhängige Presse als lebenswichtig für eine gute Debatte verteidigt.»
Dies kann als Seitenhieb auf Trump verstanden werden, der einen Grossteil der US-Medien immer wieder verunglimpft und unterstellt, dass diese bewusst unwahr berichten. Weiter sagte Obama, McCain habe gewusst, dass Demokratie nicht funktioniere, wenn man die Wahrheit aus Gründen politischer Opportunität beugt.
Obama sorgte während der Würdigung auch für einige Lacher.
Obamas Amtsvorgänger Bush sagte über McCain: «Er war ehrenhaft, immer anerkennend, dass seine Kontrahenten immer noch Patrioten und Menschen waren.» Bush fügte hinzu: «Im Angesicht der Herrschenden bestand McCain darauf: Wir sind besser als das. Amerika ist besser als das.» McCain habe «Machtmissbrauch verachtet».
McCains Tochter Meghan McCain sagte bei ihrer bewegenden Rede in Anlehnung an Trumps Wahlkampfslogan «Make America Great Again»: «Das Amerika John McCains hat es nicht nötig, wieder gross gemacht zu werden, weil Amerika immer gross war.»
Meghan McCain kritisierte zugleich die «billige Rhetorik von Männern, die den Opfern, die er so bereitwillig gab, nie nahekommen konnten». Damit spielte Meghan McCain auf Trump an. Ihr Vater war mehr als fünf Jahre in nordvietnamesischer Kriegsgefangenschaft. Trump spottete im Juli 2015, McCain sei kein Kriegsheld, weil er in Gefangenschaft geriet. «Ich mag Leute, die nicht gefangen genommen worden sind», sagte Trump damals.
US-Präsident Donald Trump nahm an der Trauerfeier nicht teil, er besuchte stattdessen seinen Golfclub im benachbarten Bundesstaat Virginia. Die Feier war nur für geladene Gäste. Medienberichten zufolge hatte McCain nicht gewünscht, dass Trump an seiner Beerdigung teilnimmt.
Vizepräsident Mike Pence vertrat den Präsidenten und nannte McCain «einen amerikanischen Patrioten». «Der Präsident hat mich gebeten, im Auftrag einer dankbaren Nation hier zu sein», sagte Vizepräsident Mike Pence am Freitag bei der Zeremonie in Washington. «Wir werden uns immer daran erinnern, dass John McCain seinem Land gedient hat – und John McCain hat seinem Land ehrenhaft gedient.»
Trumps Name fiel bei der zweieinhalbstündigen Trauerfeier kein einziges Mal. Mehrere prominente Vertreter des Weissen Hauses gehörten am Samstag zu den Gästen in der Kathedrale, aber nicht zu den Trauerrednern. Nach dem Tod McCains am Samstag vergangener Woche hatte Trump die Verdienste des Senators und Kriegsveteranen erst nach massivem öffentlichem Druck gewürdigt. (vom/sda/afp/dpa)