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Die Erde sah nicht immer so aus, wie wir sie heute kennen, mit den sieben Kontinenten, den Inseln und den Meeren darum herum. Unser Planet ist nämlich sehr dynamisch, und im Laufe der Erdgeschichte sind Kontinente auseinandergebrochen, „umhergewandert“ und wieder verschmolzen. Diese Bewegungen werden von Wissenschaftlern „Plattentektonik“ genannt, denn unsere Kontinente sind eigentlich grosse Platten, die auf dem Erdmantel „schwimmen“. Sie bewegen sich ganz langsam, mit einer Geschwindigkeit von einigen Zentimetern pro Jahr. Man nimmt an, dass Wärmeströmungen im Inneren der Erde der Grund für diese Bewegungen sind.
Ein Riesenkontinent namens Gondwana „gebärt“ Australien
Vor langer Zeit gab es einen riesigen Superkontinent namens „Gondwana“: Südamerika, Afrika, Indien, die Antarktis und Australien waren eine einzige grosse Landmasse. Der Riesenkontinent trieb langsam umher, bis er schliesslich vor etwa 150 Millionen Jahren in mehrere Stücke zerbrach. Die verschiedenen Teile drifteten auseinander, Afrika traf auf Europa (so entstanden die Alpen), Indien auf Asien (der Himalaya wölbte sich auf), und zuletzt trennte sich Australien von der Antarktis. Nun trieb Australien also alleine durch die Weltgeschichte, und mit ihm die Tiere und Pflanzen, die sich zum Zeitpunkt der Abspaltung dort befunden haben.
Der Superkontinent Gondwana besass eine einzigartige Flora (Pflanzenwelt) und Fauna (Tierwelt). Australien hat sich erdgeschichtlich gesehen früh von Gondwana abgespaltet und danach keine Landbrücken zu anderen Kontinenten ausgebildet. Die dort lebenden Tiere und Pflanzen waren nun also geographisch isoliert und konnten sich darum in Ruhe weiter entwickeln, ohne von fremden, eingewanderten Lebewesen gestört zu werden. Die weitere Evolution fand dort also unabhängig von den anderen Kontinenten statt.
Im isolierten Australien entwickelten sich eigene, endemische Arten
Auf Gondwana existierten bereits Säugetiere. Vor allem Beutelsäuger waren dort zu finden, höhere Säugetiere (auch Plazentatiere genannt) gab es aber wahrscheinlich noch relativ wenige. Die Beuteltiere konnten sich also ungestört und ohne die Konkurrenz von höheren Säugetieren entwickeln und auf bestimmte Lebensstrategien spezialisieren. Kängurus, Beutelmulle, Nasenbeutler, Koalas, Beutelmarder und andere „bebeutelte“ Tiere besiedeln in Australien Lebensräume, die in anderen Teilen der Welt von Hasen, Bären, Rehen, Murmeltieren, Maulwürfen und anderen Plazentatieren besetzt sind.
Auch Reptilien, Vögel, Fische und Amphibien entwickelten ungestört auf dem „grossen Floss“ Australien eigene, endemische Arten. Ebenso die Vegetation Australiens, die vor allem aus Eukalyptus- und Akazienarten besteht. Wissenschaftler vermuten, dass heute etwa 90% der australischen Tier- und Pflanzenarten nur auf diesem Kontinent vorkommen.
Fremde Eindringlinge bedrohen die einheimischen Lebewesen
Endemische Tier- und Pflanzenarten gibt es übrigens nicht nur in Australien, sondern auch in anderen Teilen der Welt. Meistens sind sie an geographisch isolierten Orten zu finden, wie etwa Inseln. Riesenschildkröten kommen zum Beispiel nur auf den Galapagos-Inseln vor. Aber auch in der Schweiz gibt es endemische Arten: etwa einige Alpen-Pflanzen, wie das Ladiner Hungerblümchen, die ein sehr kleines Verbreitungsgebiet haben und nur hier vorkommen. Oftmals sind endemische Arten besonders stark vom Aussterben bedroht. Sie fallen der Zerstörung ihres Lebensraums zum Opfer oder werden von anderen, eingeschleppten Arten verdrängt. Dieses Problem ist im Alpenraum bekannt, aber auch Australien hat damit zu kämpfen: Als die Europäer 1788 den Kontinenten besiedelten, brachten sie nämlich auch fremde Tiere von Zuhause mit. Etwa den Rotfuchs, der ihnen bei der Jagd helfen sollte, und der natürlich sofort auf die zahlreich vorhandenen, kleinen einheimischen Beuteltiere Jagd machte. Oder die Aga-Kröte, die eigentlich Schädlinge bekämpfen sollte, aber aufgrund fehlender Frassfeinde und grosser Vermehrungsfreude nun selbst zum Schädling wurde.
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