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Gendergerechte Sprache ist ein Thema, das bei Weitem nicht nur mit Grammatik zu tun hat. Ein Blick auf andere Sprachen zeigt dies – und kann Anstösse geben, international voneinander zu lernen.
Ein spannender Vergleichspunkt für unterschiedliche Sprache ist das Genus-System. Dabei geht es um das grammatische Geschlecht einer Sprache. Im Deutschen gibt es drei grammatische Geschlechter (maskulinum, femininum, neutrum); im Französischen gibt es zwei (maskulinum, femininum); im Englischen gibt es kein grammatisches Geschlecht. Die englische Sprache kennt daher auch nur einen bestimmten Artikel (the) und keine unterschiedlichen Wortendungen für Männer und Frauen (z.B. englisch customer vs. deutsch Kunde und Kundin).
Von mankind zu humankind
Man könnte meinen, dass es deshalb im Englischen keinen Bedarf an gendergerechter Sprache gibt – doch weit gefehlt. Gerade bei Berufsbezeichnungen wird das Geschlecht teils explizit sichtbar gemacht: Durch Ableitungen wie steward – stewardess oder actor – actress, die sich bereits vor Jahrzehnten etabliert haben. Auch der Zusatz male / female kommt vor, z.B. in den Verbindungen male nurse oder female manager. Es existieren weiterhin viele Wörter, die sich nur auf Männer beziehen – z.B. in der Wortform man (mankind, fireman). Inzwischen zeichnet sich ein Trend zur Neutralisierung ab – neue Wortformen wie humankind oder fire fighter lösen die alten Formen ab.
Auch bei den englischen Personalpronomen gibt es Wandlungen – und das bereits seit Jahrhunderten: die 3. Person Plural (they) wird auch im Singular verwendet, wenn über eine Person gesprochen wird, deren Geschlecht nicht bekannt ist. Seit einigen Jahren wird das Pronomen auch als ein geschlechtsneutrales Pronomen verwendet, u.a. von nicht-binären Personen. Inzwischen wird diese Form sogar in die deutsche Sprache entlehnt. Nicht-binäre Personen nutzen im Deutschen ebenfalls das englische they oder die eingedeutschte Variante dey.
Gendern mit dem @-Zeichen
Romanische Sprachen wiederum haben eine starke Genus-Markierung: Im Spanischen werden Adjektive an das grammatische Geschlecht des Substantivs angepasst, im Französischen sind es neben Adjektiven auch Verben. Gendern ist demnach in diesen Sprachen recht kompliziert. Trotzdem gibt es Entwicklungen in Richtung gendergerechte Sprache: Im Spanischen wird mithilfe des @-Zeichens gegendert, im Französischen werden Punkte in die Wörter gesetzt.
Dabei laufen gegensätzliche Sprach-Trends gleichzeitig ab: An französischen Schulen wurde die Verwendung von gendergerechter Sprache verboten. Gleichzeitig hat das französische Wörterbuch “Le Robert” hat 2021 die geschlechtsneutralen Pronomen iel und ielle aufgenommen.
Eine Vorreiterrolle nimmt hier übrigens Schweden ein: Als erstes Land hat es vor Jahren ein geschlechtsneutrales Pronomen im Singular eingeführt: hen. Das Pronomen findet nicht nur Verwendung innerhalb der LGBTQIA+ Community, sondern wird auch in anderen gesellschaftlichen Kreisen positiv aufgenommen und verwendet. Studien zeigen bereits, dass Frauen und nicht-binäre Menschen durch die Verwendung dieses Pronomens im gesellschaftlichen Kontext mehr und positiver wahrgenommen werden. Das Pronomen hen ist damit ein Best Practice, von dem andere Sprachen lernen können!
Kategorie
News
Publiziert am
12.01.2023
Hashtag
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Dr. Simone Burel
Dr. Simone Burel ist Geschäftsführerin der LUB GmbH, die sie 2015 auf Basis ihrer
Dissertation über die Sprache der DAX-30-Unternehmen gegründet hat. LUB
optimiert die Prozesse ihrer Kund:innen in den Bereichen Leadership, CSR, Gender &
Diversity, Customer Care und Change.