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Adlige in der St. Galler Landschaft mussten immer wieder erleben, wie ihre Burgen in Schutt und Asche gelegt wurden. Dies schreibt Karl Steiger, der Geistliche hat sich mit historischen Ereignissen und Persönlichkeiten der Stadt Wil beschäftigt.
Zu Zerstörungen von Wehranlagen kam es vor allem während den sogenannten Appenzeller Kriegen im ersten Drittel des 15. Jahrhundert. Damals brach ein Konflikt um Abgaben zwischen Gemeinden des Appenzellerlandes und der Fürstabtei aus.
Einige der bedrängten Adligen suchten den Schutz wehrhafter Städte, so auch in Wil. Hier nahm man die im Kriegshandwerk ausgebildeten und erfahrenen sowie geistvollen Neubürger gerne auf, wie Steiger schreibt. Oft wurden sie in höhere Ämter eingesetzt.
Vertrauensmann
So erging es etwa Rudolf Giel von Glattburg, der um 1420 zur Welt kam. Das Historische Lexikon der Schweiz wertet ihn als bedeutende Persönlichkeit der Ostschweiz zu seiner Zeit. Er war unter anderem Verwalter und Vertrauensmann von Fürstabt Ulrich Rösch. Dieser hatte das vormals marode Kloster St. Gallen saniert.
Aufschwung
Wil verdankt Rösch einen wirtschaftlichen Aufschwung, weil er unter anderem für zusätzliche Marktrechte sorgte. Zudem liess er den Hof massiv ausbauen.
Rudolf Giel von Glattburg wurde 1468 Schultheiss von Wil.
1491 wurde sein Sohn zum Nachfolger des verstorbenen Ulrich Rösch. Seine Schwester Amalia ihrerseits amtete als Äbtissin im Klosters Magdenau.
Vetternwirtschaft
Gotthard Amtsführung war umstritten, da er Klostereinnahmen für kostbare Einrichtungen und für die Prachtentfaltung verwendete, «die mit dem Hofstaate mächtiger weltlicher Fürsten wettweiferte», schreibt Steiger. Seinem Vater und seinen Brüder hielt er ertragreiche Lehn zu, nicht immer im Einverständnis des Klosterkonvents. Auch treu ergebene Gefolgsleute wurden laut Wikipedia von ihm mit Vergünstigungen bedacht. Nach Gotthards Tod wurde die Möglichkeit zur Günstlingswirtschaft durch entsprechende Änderungen in den Bestimmungen verunmöglicht.
Beziehungsklärung
Abt Gotthard regelte das Verhältnis zwischen Fürstabtei und Stadt Wil neu, zuvor war es immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten gekommen. Auf seine Amtszeit geht auch die klare Grenzziehung zwischen den heutigen Kantonen Thurgau und St. Gallen zurück. Er liess auch die Befestigung der Stadt Wil ausbauen.
Wiederaufbau
Im Weiteren sorgte er für den Wiederaufbau der stark beschädigten Klosteranlage Mariaberg in Rorschach. Sein Vorgänger Ulrich Rösch plante infolge der Spannungen zwischen dem Kloster St. Gallen und der Stadt eine Verlegung des Gotteshauses nach Rorschach. 1487 begannen die Bauarbeiten.
Truppen aus der Stadt St. Gallen, aus dem Appenzellischen sowie aus dem Rheintal zerstörten den Rohbau im Sommer 1489. Gotthard liess das Bauwerk ab 1497 fertigstellen, es diente dem Kloster zunächst als Verwaltungssitz und später als Schule. Mittlerweile ist es Sitz der Pädagogischen Hochschule.
Im gleichen Jahr liess Gotthard in Rorschach erstmals einen Korn- und Wochenmarkt abhalten, was zur Aufwertung der Gemeinde am Bodensee führte.
Schwabenkrieg
Später kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen entlang des Rheins, von Graubünden bis Basel. Unter dem Kommando von Hans und Rudolf Giel von Glattburg, Brüder des Abtes, nahmen laut Steiger auch Wiler Truppen an den Kämpfen teil. Hans und Rudolf fielen im Kampf im sogenannten Schwabenkrieg. Bei den Friedensverhandlungen in Basel vertrat Abt Gotthard erfolgreich die Interessen der Eigenossen.
1504 erlag Gotthard Giel von Glattburg in seiner Heimatstadt an den Pocken.