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Gladstone
(spr. gläddston), William Ewart, engl. Staatsmann, geb. als Sohn eines reichen Kaufmanns zu Liverpool, [* 2] besuchte bis 1827 die Schule zu Eton, studierte in Oxford [* 3] und wurde, nachdem er eine Reise nach dem Kontinent gemacht, 1832 durch den Einfluß des Herzogs von Newcastle [* 4] für die Stadt Newark in Nottingham [* 5] in das Unterhaus gewählt, wo er sich als eifriger Anhänger toryistischer Grundsätze und geschickter Redner hervorthat. Er ward daher im Ministerium Peel 1834 zum Unterstaatssekretär für die Kolonien ernannt, verlor aber schon im April 1835 durch den Rücktritt Peels dies Amt und trat wieder in die Opposition zurück.
Der streng kirchlichen puseyitischen
Bewegung befreundet, veröffentlichte er zwei Werke: »The state in its relations
with the church« (1838) und
»Church principles considered in their results« (1840). In diesen Werken forderte
er die gänzliche Unabhängigkeit der
Kirche vom
Staat, betonte aber, daß der
Staat auf religiöse Prinzipien gegründet sein
und sich die Verbreitung derselben zur Aufgabe machen müsse; die
Schriften erregten solches Aufsehen, daß selbst
Macaulay
sich veranlaßt fand, eine ausführliche Widerlegung
Gladstones zu schreiben.
Als
Peel 1841 von neuem das Staatsruder ergriff, ward
Gladstone Münzmeister und Vizepräsident des Handelsamts, in
welcher
Stellung er, da sein
Chef
Lord
Ripon im
Oberhaus saß, die
Handelspolitik der
Regierung im
Unterhaus zu verteidigen hatte.
Da er diese Aufgabe mit ungemeiner Gewandtheit löste, ward er im Mai 1843
Präsident des Handelsamts und
Mitglied des
Kabinetts, legte jedoch im
Februar 1845 sein
Amt nieder,
weil er nach den in seinen
Schriften dargelegten
Grundsätzen
Peels
Vorschlag, römisch-katholischen
Universitäten in
Irland eine Staatsdotation zu gewähren, nicht unterstützen konnte.
Sein freundschaftliches
Verhältnis zu
Peel wurde dadurch nicht getrübt;
Gladstone nahm vielmehr im
Dezember 1845 die
Ernennung zum
Staatssekretär für die
Kolonien an, gehörte aber dem
Unterhaus in dieser
Session nicht mehr an, da er durch
die Ernennung seinen Sitz in
Newark verloren hatte und auf eine Wiederwahl gegen den Einfluß des
Herzogs von
Newcastle,
der dem
Ministerium wegen seiner Freihandelspolitik die Unterstützung versagte, nicht hoffen konnte. Erst bei den allgemeinen
Wahlen von 1847 wurde
Gladstone, nachdem er schon im Juli 1846 mit
Peel zurückgetreten war, wiederum zum Mitglied des
Unterhauses
als Vertreter der
Universität
Oxford erwählt. Im J. 1850 unternahm er eine
Reise nach
Italien,
[* 6] von der
er durch eine Einladung
Lord
Stanleys, an dem von letzterm im
Februar 1851 projektierten
Ministerium teilzunehmen, zurückberufen
wurde; indessen zerschlug sich diese
Kombination an der Weigerung
Stanleys, den Protektionismus aufzugeben, den
Gladstone als
Jünger
Peels unmöglich zulassen konnte. Auch sonst bewies
Gladstone, daß er von seinen frühern
hochkonservativen
Ansichten zurückgekommen war: er unterstützte
Russells
Vorschläge für die
Emanzipation der
Juden und einen
Gesetzentwurf, der gewisse noch
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mehr
bestehende Beschränkungen der politischen Rechte der Katholiken beseitigen sollte. 1851 veröffentlichte er ein Schreiben an Lord Aberdeen [* 8] über die politischen Verfolgungen in Neapel, [* 9] welches, da es haarsträubende Dinge über die Behandlung der politischen Gefangenen in den dortigen Gefängnissen berichtete, außerordentliches Aufsehen machte und von Lord Palmerston an alle Höfe Europas versandt wurde. Wie dieser Brief, so war auch die Übersetzung von Farinis Werk über die neuere römische Geschichte: »History of the Roman state« (Lond. 1851-52, 3 Bde.) eine Frucht seines Aufenthalts in Italien.
Bei der Neuwahl 1852 trat
Gladstone wieder für Oxford ins Unterhaus und ward nach dem Fall des toryistischen Kabinetts
(Dezember 1852) Schatzkanzler im neuen Koalitionsministerium Aberdeen. In dieser Stellung erwies
Gladstone sich als einen der schlagfertigsten
Vorkämpfer des Ministeriums; in seinem Departement faßte er den Plan zur allmählichen Verminderung der englischen Staatsschuld,
dessen Durchführung freilich infolge des orientalischen Kriegs unterblieb. Schon damals war
Gladstone prinzipieller Anhänger einer
Friedenspolitik, die zum orientalischen Krieg nur widerstrebend sich hindrängen ließ; er benutzte die vom Unterhaus angeordnete
Einsetzung eines Ausschusses zur Untersuchung der Kriegführung in der Krim
[* 10] und reichte seine Entlassung ein.
Seitdem stimmte er mit der Opposition und trug nicht wenig zu dem Tadelsvotum über den chinesischen Krieg
bei; welches 1857 Lord Palmerston zur Auflösung des Parlaments nötigte. Ebenso sprach er für den Antrag Milner Gibsons, die
von der Regierung vorgelegte Konspirationsbill zu verwerfen, der den Sturz des Ministeriums Palmerston zur Folge hatte. In dieser
Zeit der Muße schrieb er auch sein Werk »Studies on Homer and the Homeric age« (Oxf. 1858, 3 Bde.).
Ende 1858 ward
Gladstone als außerordentlicher Kommissar nach den Ionischen Inseln gesandt, um die nach Vereinigung mit dem Königreich
Griechenland
[* 11] verlangenden Insulaner mit der englischen Herrschaft auszusöhnen, kehrte aber im Februar 1859 unverrichteter
Sache nach England zurück.
Aufs neue übernahm er das Amt eines Kanzlers der Schatzkammer, als Palmerston ein neues Kabinett
bildete.
Gladstone erwarb sich allseitige und unbestrittene Anerkennung durch seine Finanzverwaltung und konnte fast regelmäßig
Jahr um Jahr mit einer Steuerermäßigung vor das Parlament treten. In seinen politischen Anschauungen hatte sich in letzter
Zeit einem fortgeschrittenen Liberalismus genähert. Er, der als Tory seine Laufbahn begonnen und dann
durch die Schule ökonomischer Reformen, die Peel eröffnet, hindurchgegangen war, langte zuletzt bei Ansichten an, die dem Programm
der radikalen Whigs nicht mehr fern standen. So sprach er sich 1864 für eine weitgehende Erweiterung des Wahlrechts aus und
trat 1865 im Widerspruch mit den früher von ihm vertretenen hochkirchlichen Anschauungen für eine Reform
der bischöflichen Kirche Irlands auf. Deshalb unterlag er bei den Wahlen von 1865 in Oxford, wurde aber in Südlancashire zum
Abgeordneten gewählt. Solange Lord Palmerston an der Spitze der Regierung stand, hatte
Gladstone nicht die Möglichkeit, seinem
neuen Liberalismus in politischen Dingen praktische Folge zu geben. Erst Palmerstons Tod gab ihm freiere Hand.
[* 12] Er
behielt unter Russell die Leitung der Finanzen, hatte aber dabei die Regierung im Unterhaus zu vertreten und galt überhaupt
bei dem hohen Alter des Premiers für die eigentliche Seele der Regierung.
Indessen blieb das Kabinett bei der von ihm
eingebrachten Reformbill in der Minorität, obgleich
Gladstone mit voller Überzeugung
und Beredsamkeit für dieselbe eintrat, und nahm daher seine Entlassung, um einem Ministerium Derby-Disraeli Platz zu machen.
Gladstone trat jetzt an die Spitze der liberalen Opposition und trug wesentlich zur Ergänzung und Vervollkommnung
der von dem Torykabinett 1867 eingebrachten Reformbill bei. Als sodann 1867 die irische Frage in den Vordergrund trat, erklärte
sich
Gladstone mit aller Entschiedenheit für die Entstaatlichung der anglikanischen Kirche in Irland; seine hierauf bezüglichen
Anträge wurden mit 320 gegen 290 Stimmen angenommen.
Die Folge dieser Niederlage der Regierung und noch mehr der darauf folgenden Wahlen, bei welchen
Gladstone zwar in Südlancashire durchfiel,
aber in Greenwich glänzend gewählt wurde, war der Rücktritt des Kabinetts Disraeli und die Bildung eines neuen Ministeriums
aller liberalen Elemente, dessen Haupt und Seele
Gladstone selbst war. Da er über eine große Majorität im Unterhaus
verfügte, gelang es ihm, eine Reihe von Reformgesetzen durchzubringen, welche von der liberalen öffentlichen Meinung gefordert
waren.
Die irische Kirchenbill 1869, die irische Landbill, das Gesetz über Volksunterricht 1870, die Einführung der geheimen Abstimmung
bei Parlamentswahlen 1871 sind die wichtigsten dieser Maßregeln. Die früher von
Gladstone schon
inaugurierte Finanzpolitik hatte neue glänzende Erfolge zu verzeichnen. Die Schwäche seiner Staatsleitung bestand in einem
gewissen unruhigen Eifer, immer neue Gebiete des staatlichen Lebens mit seinen Reformen anzugreifen, in einer allzu optimistischen
Nachgiebigkeit und Schwäche gegenüber der um sich greifenden ultramontan-katholischen Propaganda, vor
allem aber in einer zu weit getriebenen Friedensseligkeit und Indifferenz in der auswärtigen Politik.
Das Prinzip der Nichtintervention, wie es auffaßte und ausführte, machte sein Ministerium nahezu lächerlich. Gladstone selbst entblödete sich nicht, in Journalartikeln französische Sympathien zu bekunden, und erregte Deutschland [* 13] durch einzelne Maßregeln soviel wie möglich Schwierigkeiten. Im Frühjahr 1871 fügte er sich den Forderungen Rußlands, welche alle Früchte des Krimkriegs rückgängig machten. Eine große Verstimmung bemächtigte sich allmählich der englischen Nation; das persönliche Auftreten Gladstones im Parlament, seine Reizbarkeit, Unberechenbarkeit und Heftigkeit verringerten die anfangs so große Majorität zusehends.
Seine Reform der Militärverfassung durch Aufhebung des Stellenkaufs der Offiziere setzte er nur durch Benutzung der königlichen Prärogative durch; in der Frage der irischen Universitäten erlitt er im März 1873 eine Niederlage. Trotz des angebotenen Rücktritts mußte er noch im Amt bleiben, da damals Disraeli sich weigerte, eine neue Regierung zu bilden. Ganz plötzlich löste er darauf das Parlament auf; da aber die Neuwahlen eine gewaltige Mehrheit der Tories ergaben, so nahm Gladstone seine Entlassung, und Disraeli war sein Nachfolger.
Grollend zog sich in der Session von 1874 zurück und legte zu Anfang 1875 auch formell die Führerschaft der liberalen Partei nieder. Wie er schon in den letzten Jahren mehrmals litterarische Arbeiten veröffentlicht (»A chapter of autobiography«, 1868), so beschäftigte er sich 1874 und 1875 mit einer Reihe von polemischen Schriften gegen die vatikanischen Dekrete von 1870, gegen die päpstliche Unfehlbarkeit und die ultramontanen Tendenzen; alle diese Publikationen (gesammelt ¶
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erschienen unter dem Titel: »Rome and the newest fashion in religion«, 1875;
deutsch, Nördling.
1875) fanden in England und in Deutschland großen Beifall;
sie zeigten, daß auch Gladstone (obwohl bedeutend später als seinem Rival Beaconsfield) die Augen aufgegangen waren über die von seiten des Ultramontanismus drohenden Gefahren.
Außerdem beschäftigte er sich in diesen Jahren mit einer Fortsetzung seiner Homerischen Studien. Schon 1869 hatte er eine Schrift unter dem Titel: »Juventus mundi. The Gods and men of the Homeric age« publiziert;
jetzt versah er Schliemanns Werk über Troja [* 15] mit einer längern Vorrede und ließ 1876 den ersten Band [* 16] eines Werkes: »Homeric synchronism« (deutsch, Jena [* 17] 1877), erscheinen, worin er den Nachweis versuchte, daß die Belagerung Trojas ein historisches Faktum sei, und daß Homer wirklich existiert und dies Ereignis besungen habe.
Daneben hörte Gladstone aber nicht auf, auch ohne offizieller Führer der liberalen Partei zu sein, sich thätig am politischen Leben zu beteiligen. Insbesondere in der orientalischen Frage zeigte er sich als den entschiedensten Gegner der Politik Lord Beaconsfields, forderte die volle Emanzipation der Christen im Orient, zu deren gunsten er im September 1876 seine Broschüre »Bulgarian horrors« herausgab, eiferte gegen die Türken und billigte die wider dieselben ergriffenen Maßregeln Rußlands. In und außer dem Haus, mit Wort und Schrift vertrat er diesen Standpunkt, ging aber dabei, namentlich in seinen zahlreichen Reden in Parteiversammlungen, so leidenschaftlich vor, daß er nicht nur in der Presse [* 18] aufs lebhafteste angegriffen wurde, sondern auch bei seiner Partei im Parlament nicht immer Anklang fand.
Trotzdem dachte er nicht daran, sich, wie viele seiner Gegner erwartet hatten, ganz vom politischen Leben zurückzuziehen, sondern kündigte vielmehr seine Absicht an, bei den nächsten allgemeinen Wahlen zwar nicht für Greenwich, wo seine Wiederwahl kaum zu erwarten war, als Kandidat aufzutreten, dagegen aber den Konservativen den Sitz für Midlothian (Edinburg) [* 19] streitig zu machen. Am hielt er zum erstenmal wieder seit mehreren Jahren im Unterhaus eine große Rede über finanzielle Fragen, in welcher er die Finanzpolitik der Regierung der schärfsten Kritik unterzog und den konservativen Schatzkanzler Sir St. Northcote beschuldigte, das Land über den wahren Zustand seiner Finanzen zu täuschen. In diesem Gedanken und in der immer aufs neue wiederholten Darlegung der Verwerflichkeit von Lord Beaconsfields auswärtiger Politik, gegen welche er die schärfsten Ausdrücke gebrauchte, gipfelten auch die zahllosen Reden, welche Gladstone nach dem Schluß der Parlamentssession in Schottland hielt.
Vom 24. Nov. bis 19. Dez. und wiederum vom bis zu den Neuwahlen dauerte dieser Wahlfeldzug, in welchem Gladstone eine unermüdliche und für sein vorgeschrittenes Alter um so erstaunlichere Thätigkeit entfaltete. Es unterlag denn auch keinem Zweifel, daß der unerwartet glänzende Wahlsieg der Liberalen im April 1881 größtenteils das Verdienst Gladstones sei. Er selbst wurde (ein in England nicht gewöhnliches Ereignis) an zwei Orten, in Midlothian und Leeds, [* 20] gewählt; er nahm den erstern Sitz an und überließ den letztern seinem ältesten Sohn, Herbert Gladstone. Nachdem Lord Beaconsfield seine Dimission eingereicht hatte, wurde Gladstone von der Königin 23. April, nachdem die Lords Granville und Hartington die Premierschaft abgelehnt hatten, mit der Bildung des Ministeriums beauftragt. In demselben übernahm Gladstone selbst außer dem Amte des Premiers auch das des Schatzkanzlers, aber seine Amtsführung entsprach den hochgeschwellten Erwartungen seiner Anhänger nicht.
Nachdem das Oberhaus 3. Aug. die irische Pachterbill mit überwältigender Mehrheit verworfen hatte, bereitete namentlich die irische Frage der Regierung die größten Verlegenheiten, indem die öffentliche Ordnung und Sicherheit in Irland aufs ernsteste gefährdet wurde. Auch die auswärtige Politik Gladstones erlitt vielfache Niederlagen. Die auf sein Betreiben unternommene Flottendemonstration der Großmächte gegen die Türkei [* 21] verlief ganz resultatlos, und in der montenegrinischen wie in der griechischen Frage mußte Gladstone, nachdem die Beschlüsse der auf Englands Betrieb zusammengetretenen Berliner [* 22] Nachkonferenz sich als unausführbar erwiesen hatten, die eigentliche Führung des europäischen Konzerts der deutschen Regierung überlassen.
Noch übler gestaltete sich für ihn die ägyptische Sache, wegen der er, ohne in Ägypten [* 23] selbst trotz der Intervention von 1882 Ordnung schaffen zu können, England schließlich mit allen europäischen Mächten verfeindete. Wesentlich trug hierzu seine feindliche Haltung gegen das Deutsche Reich [* 24] bei. Die Isolierung Englands durch Gladstone führte endlich dazu, daß es den Sudân den zuerst mit großen Opfern bekämpften Aufständischen preisgeben und in dem Konflikt mit Rußland wegen Afghanistans 1885 vollständig nachgeben mußte.
Gladstone, der übrigens seit 1882 nur den Vorsitz im Kabinett hatte, behauptete sich bloß noch, weil seine Partei ohne ihn nicht bestehen konnte und deshalb im Parlament doch immer für ihn stimmte. Im Innern setzte Gladstone 1885 eine Wahlreform durch. Da er aber sich mit den Radikalen im Kabinett über die irische Politik nicht einigen konnte, nahm er die Ablehnung eines Steuervorschlags im Parlament (8. Juni) zum Anlaß, am 11. Juli seine Entlassung einzureichen. Bei den infolge der Wahlreform nötig gewordenen Neuwahlen blieb das Ministerium Salisbury, das auf Gladstones Regierung gefolgt war, in der Minorität, und Gladstone benutzte die erste Gelegenheit, um bei der Adreßdebatte das konservative Kabinett zu stürzen. Sein Einfluß verhalf einem von Jesse Collings gestellten Amendement zur Adresse zur Annahme. Salisbury trat sofort zurück, und Gladstone wurde im Alter von 76 Jahren noch einmal an die Spitze der Regierung berufen. Er war mit den Jahren immer radikaler geworden; in sein neues Ministerium traten die Führer der alten Whigpartei, Hartington, Forster, Goschen, seit langem gegen Gladstone mißtrauisch, nicht mehr ein, und das demokratische Element herrschte darin vor; selbst ein eigentlicher Arbeiterführer, Broadhurst, wurde zum Unterstaatssekretär ernannt. Aber wie mit den Whigs, so überwarf sich auch mit einem Teil der Radikalen, als er zwei Gesetzentwürfe über die Regelung der irischen Frage einbrachte, deren erster den Irländern ein eignes Parlament in Dublin [* 25] mit weitgehenden Befugnissen gewährte und dafür das Ausscheiden der Iren aus dem englischen Parlament anordnete, während der zweite den Ankauf des irischen Großgrundbesitzes durch den Staat und seine Parzellierung vorschlug. Die Folge war, daß sich die liberale Partei in die unbedingten Gladstonianer und die Unionisten spaltete und nach unerhört ausgedehnten und heftigen Debatten die erste der vorgelegten Bills bei der zweiten Lesung mit 30 Stimmen Mehrheit verworfen wurde. Gladstone löste nun das Unterhaus auf. Aber trotzdem Gladstone, der »große alte Mann«, wie ihn seine Anhänger nannten, den lebhaftesten Anteil ¶