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Die Flüeler Schulgeschichte
Die Anfänge des Flüeler Schulwesens
Bis zur Helvetik finden sich nur wenige Hinweise zur Schule in Flüelen. Im Jahre 1562 erhielt der Lehrer Jakob Krum von der Behörde in Altdorf die Erlaubnis, im Dorf und auf dem Lande Schule zu halten, während gleichzeitig der alte Schulmeister des Hauptortes nach Flüelen zu übersiedeln gedachte, um sich dort mit weniger Kindern zu beschäftigen.
Das Bildungswesen während der Helvetik
Zur Zeit der Helvetik umfasste der Schulbezirk 61 Häuser im Dorf, 14 ausserhalb des Dorfes und 9 in weiter Entfernung. In der Schule, die vormittags 1 Stunde und nachmittags 2 Stunden umfasste, standen auf der Fächerliste: Schreiben, Lesen, Deutsch und Latein. Als Lehrer wirkte der 32-jährige Luzerner Jost Leonz Huber. Er hatte im Winter 10 Knaben und 9 Mädchen, im Sommer 7 Knaben und 5 Mädchen zu unterrichten. Im Nebenamt besorgte er auch den Organistendienst. Die Besoldung für den Familienvater mit sechs Kindern betrug lediglich 10 Gulden. Als Schulgeld hatten die Kinder alle Fronfasten 15 Schilling zu entrichten. Das Schulhaus soll gut imstande gewesen sein. Als Schulzimmer hatte jedoch die Stube dienen müssen. 1804 setzte Josef Leonz Huber seine 1799 begonnene, wegen dem Einfall der Franzosen jedoch unterbrochene Tätigkeit als Schulmeister und Organist in Flüelen fort. Nach 36 Jahren stellt er seine Lehrtätigkeit 1840 ein. Er wird erst in zwei Jahren mit Prosper Huber einen Nachfolger finden. Dieser ist im Schuldienst bis 1864 tätig.
Restauration des Schulwesens
Den Bestrebungen im Bildungswesen während der Helvetik erwuchs von der Urner Obrigkeit keine gute Kritik. Durch die verhängnisvollen Ereignisse der Zeit sei das Schulwesen in Uri nach Ihrer Ansicht so sehr in Verfall geraten, dass diesem wieder aufgeholfen werden müsse und ein besserer, gleichförmigerer und gedeihlicherer Unterricht für die Jugend eingeführt werden müsse. In den Jahren 1804 und 1805 befasste sich der Urner Landrat mit der Förderung des Bildungswesens. Seine Beschlüsse fanden als Artikel 425 und 426 Aufnahme in das Urner Landbuch. Es wurde eine beständige hochobrigkeitliche Zentralschulkommission aufgestellt, welche „für zweckmässige Lehranstalt zur bürgerlichen und sittlichen Bildung der gesamten Landjugend unter den zugesicherten hochobrigkeitlichen Schutze und Bestande zu sorgen und zu wachen“ hatte. Die Behörde bestand aus fünf geistlichen und fünf weltlichen Herren nebst einem Schulvogt und einem Sekretär. Diese kantonale Behörde schlug die Lehrmethoden auch für die Dorfschulen vor, bezeichnete die Schulbücher und erteilte den Schulmeistern die nötigen Weisungen und Befehle. Jährlich hatte sich die Kommission über den Bildungs- und Wissensstand der Schülerinnen und Schüler an den einzelnen Dorfschulen durch Visitationen zu informieren.
Es sollte in allen Gemeinden des Landes Uri von anfangs Wintermonat (Dezember) bis Ende April täglich, Sonn- und grosse Feiertage sowie der Donnerstag ausgenommen, die übrige Zeit wenigstens zweimal wöchentlich Schule gehalten werden. Die Eltern waren verpflichtet, die schulfähigen Kinder in die Schule zu schicken, und die Dorfgerichte sollten über deren Befolgung ein wachsames Auge halten. Die Herren Pfarrer wurden ersucht, die Kinder nicht zur Heiligen Kommunion zuzulassen, bevor sie fleissig die Schule besucht und wenigstens Gedrucktes lesen konnten. Die Obrigkeit wünschte, dass jede Dorfschaft „ein bequemes Schulhaus sich anschaffe“ und dass der Fleiss der Kinder mit Ehrenzeichen und Prämien belohnt werde. In der Verfassung wurde auch der Wunsch verankert, dass der Schulbesuch für alle Kinder unentgeltlich sein solle. Wo dies nicht möglich war, hatte das Dorfgericht das Schulgeld monatlich einzutreiben. Schliesslich war es den Eltern untersagt, dem Schullehrer das Schulwesen betreffend „einzureden“, sofern er nach den Direktiven der Central-Schulkommission handelte.
Der Schullehrer hatte ein rechtschaffener, gottesfürchtiger Mann zu sein, welcher in Zucht, Ehrbarkeit, Gottesfurcht, Ordnung, Reinlichkeit und gutem Namen mit dem Beispiel vorangehe, damit die Kinder viel Gutes lernen und zu wahren Christen, wohlgesitteten Menschen und nützlichen Bürgern gebildet werden.
Für den Lehrer war - mangels Lehranstalten - keine Ausbildung vorgeschrieben, er musste „wohl und regelmässig schreiben und lesen, auch Briefe aufsetzen, und ziemlich wohl, was die Fälle im gemeinen Leben erheischen, rechnen können.“ Die Verfassung legte auch fest, wie er sich gegenüber den Kindern zu verhalten habe. Er sollte sich niemals solcher Schläge bedienen, die den zarten Kindern nachteilig sein konnten.
Überhaupt durfte er nur Streiche an Kindern gebrauchen, welche kein Ehrgefühl hatten. Der Lehrer sollte vor allem auch nicht meinen, dass die Kinder erwachsene Leute seien, sondern unmündige Kinder, die man mit Geduld, Liebe und Freundlichkeit behandeln müsse.
Die Schule wurde in drei Hauptklassen eingeteilt. In der ersten Klasse waren die Kinder, welche das ABC lernten. In der zweiten Klasse wurde das Buchstabieren sowie ein- und mehrsilbige Wörter zu lesen gelernt, in das kleine Einmaleins und in das Schreiben eingeführt. In der dritten Klasse schliesslich wurde das auswendig Buchstabieren und das Lesen anhand des Katechismus und eines Lesebuches gelernt. Zweimal wöchentlich sollte man sich im Lesen von Geschriebenem üben, wobei aber darauf zu achten war, dass die Kinder nicht fehlerhafte Schriften in die Hand bekamen oder dass die Fehler wenigstens vom Lehrer angemerkt werden. Die Kinder hatten sich auch im Rechnen, was für das allgemeine Leben gebraucht wurde, sowie in Aufsätzen zu üben.
Nach 1848
Im Jahre 1850 wurde eine Teilung der Schule vollzogen. Durch die Freundschaft von Pfarrer Andreas Infanger zu dem Altdorfer Kapuzinerpater Theodosius Florentini wurde auch das Schulwesen in Flüelen positiv beeinflusst. Auf seine Initiative kamen 1853 Menzinger Schwestern nach Flüelen, um Schule zu halten. Die erste feste Lehrschwester war Salesia Weising. Für Kost und Logis wurde in dem Armenhaus gesorgt, wo Schwester Leopoldine Leutenegger als Oberin waltete. Ihre Wirkungsstätte befand sich ebenfalls im Schulhaus hinter dem Gasthaus Sternen. Die Schulzimmereinrichtungen waren spärlich. 1877 wurde mit Lehrer Hilfiker eine zweite Lehrkraft für die 1. und 2. Klasse angestellt. Das Amt des Lehrers und des Gemeindeschreibers wurde auf zwei Stellen aufgeteilt. Im Zusammenhang mit dieser Neuorganisation wurden für diese Abteilung im Pfarrhaus zwei Schulzimmer eingerichtet. Die Mädchenschulen siedelten ins Pfarrhaus über. Ebenso erhalten die Schwestern eine eigene Wohnung mit zwei Zimmern und Küche. Das Inventar wird von der Gemeinde gestellt. Der kantonale Schulbericht erwähnt 1882 erstmals eine Repetier- oder Wochenschule. Diese umfasst lediglich 5 Knaben und 14 Mädchen. 1887 trat der Schwyzer Franz Triner in den Schuldienst in Flüelen und unterrichtete die Knabenschule. Zu jener Zeit wurden die Lehrkräfte im amtlichen Schulbetrieb mit Noten bedacht. Der junge Schulmeister errang schon im ersten Jahr das Prädikat: "1. Klasse mit Auszeichnung". Diesen Rang konnte er bis zur Abschaffung dieser öffentlichen Qualifikationen halten.
Die Flüeler Bürger beschlossen am Dreikönigstag 1894, eine Suppenanstalt zu eröffnen, um den Besuch der Ganztagesschule zu ermöglichen. 1906 zählte die Unterschule fast 70 Kinder. Man musste sich mit der Neuorganisation der Schule befassen. Auf das Schuljahr 1908 konnte Ingenbohl endlich eine dritte Schwester für die Schule in Flüelen zur Verfügung stellen. Die Unterschule umfasste nun die ganze 1. Klasse und von der 2. Klasse die Mädchen. Sie wurde in einem neuen Schulzimmer des alten Schulhauses untergebracht. Die Mittelschule bestand aus der 2. Klasse Knaben und der ganzen 3. Klasse. Die beiden Oberschulen (4., 5. und 6. Klasse) blieben bestehen. Auf den Schulanfang 1915 erschien als Lehrer für 52 Schüler in vier Klassen Josef Müller aus Näfels. Er wechselte seine Stelle bis zur Wahl in den Regierungsrat nicht mehr. Das Übereinkommen mit den Isleten wurde gekündigt. Die Kinder mussten nun die Schule in Bauen besuchen. Die 7. Klasse wurde fakultativ eingeführt. Der Turnunterricht wurde durch den Lehrer übernommen.
Um 1877 wurde der Vorunterricht für die Rekrutenprüfungen zu 60 Stunden eingeführt. Als erster Turnlehrer amtet Johann Infanger, der 17 Jahre lang die körperliche Ausbildung der Flüeler Jugend betreut.
Literatur:
Urner Landbuch; Berichte des Urner Schul-Inspektorates; Urner Wochenblatt 14, 7.4.1877;