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| Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).

Sechstes Buch
IX. Kapitel
73.
1. Vielmehr werde er, wenn wir ihn auch des Frohsinns beraubten, ganz und gar von den Widerwärtigkeiten überwältigt werden und deswegen auf das traurigste aus dem Leben abscheiden. Und wenn er kein leidenschaftliches Streben hätte,1 so würde er, wie manche meinen, nicht von dem Verlangen nach dem, was dem Schönen und Guten gleich ist, ergriffen werden.2
2. Wenn wenigstens jede Annäherung an das Schöne ohne solches Streben [S. 287] unmöglich ist, wie kann da, so sagen sie, leidenschaftslos der bleiben, der nach dem Schönen strebt?
3. Aber wer so spricht, der kennt, wie es scheint, die göttliche Art der Liebe nicht; denn die Liebe ist nicht mehr ein Streben des Liebenden, sondern eine liebevolle Annäherung, die den Gnostiker "in die Einheit des Glaubens"3 versetzt, ohne daß er Zeit und Raum dazu bedürfte.
4. Er gelangt aber durch Liebe bereits dorthin, wo er einmal sein wird, indem er durch die Erkenntnis das Erhoffte vorweggenommen hat; deshalb begehrt er nach nichts mehr, da er, soweit es möglich ist, das Begehrenswerte selbst bereits besitzt.
5. Mit Recht bleibt er also, da er in gnostischer Weise liebt, in der einen, unwandelbaren Haltung; und er wird auch nicht leidenschaftlich darnach streben, dem Schönen ähnlich zu werden, da er durch seine Liebe bereits Anteil an der Schönheit hat.
6. Und wozu sollte er noch Mut und Begierde nötig haben, da er doch die aus der Liebe erwachsende Annäherung an den leidenschaftslosen Gott erlangt und durch die Liebe Aufnahme in die Reihe seiner Freunde gefunden hat?
1: Ich lese mit Koetschau (xxx).
2: Ich tilge mit Koetschau das erste (xxx); vgl. Tengblad S. 56.
3: Eph 4,13.