Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03465.jsonl.gz/1134

Ouarzazate (arabisch ورززات, Warzazāt) ist die Hauptstadt der Provinz Ouarzazate in der Region Souss-Massa-Draâ im Süden Marokkos und hat etwa 150‘000 Einwohner.
Fast ebenso kurz ist auch dessen Geschichte: Gegründet wurde Ouarzazate von der französischen Kolonialverwaltung 1928. Sie war eine Garnisonsstadt der Fremdenlegion. Am Stadtrand liegt eine der eindrucksvollsten Kasbahs des Landes – die zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Thami El Glaoui erbaute Kasbah Taourirt. Es handelt sich um eine der besonders grossen Wohnburgen, innerhalb deren Stampflehm-Mauern auch heute noch Angehörige des Haouza-Stammes leben. Die Kasbah ist eine auch historisch interessante Anlage, da sie den Palast des El Haouzi, des Stammesfürsten, beherbergte. Etwa ein Drittel des Palastgebäudes ist heute öffentlich zugänglich.
Der letzte El Haouzi von politischer Bedeutung, Thami El Glaoui, kollaborierte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit den französischen Kolonialherren und spielte bis zur Unabhängigkeit eine machtvolle Rolle – zeitweise war er Pascha von Marrakesch. Sein Versuch, sich mit dem nach der Befreiung inthronisierten Mohammed V. zu versöhnen, misslang. Thami El Glaoui starb 1955.
Gleich neben dem Camping hat es eine weitere Kasbahs: Le Ouarzazate. Mit seinem grossen Schwimmbecken macht sie einen herunter gekommenen Eindruck. Bei der privaten Besichtigung durch den Besitzer kann man die feudalen Aufenthaltsräume erahnen, ansonsten dürfte diese Kasbahs aber seit geraumer Zeit weder Gäste empfangen haben noch dort Feste gefeiert worden sein. Auch wenn der Besitzer nach wie vor davor schwärmt sein Bassin jedes Jahr 10 Monate offen halten zu wollen – dürfte eher ein Märchen aus 1001 Nacht gewesen sein.
Heute Samstag fahren wir mit dem öffentlichen Bus in die „alte Stadt“. Beim LUX TRANSPORTS steigt man vorne oder hinten ein und sucht sich einen Platz. Den Preis von 3 DH A begleicht man bei einer jungen Marokkanerin mit Kopftuch, doch ansonsten eher modern gekleidet.
Ich quetsche mich neben einen alten Mann, bringe aber meine Knie nicht hinter die Sitzlehne des Vordermannes. Es bleibt mir also nur die Beine im Gang draussen zu lassen oder wieder aufzustehen. Offensichtlich stimmen die Körpermasse des japanischen Buses mit den Einheimischen überein doch leider nicht mit mir. So ist es jedesmal unvermeidlich, dass die junge Dame beim Einziehen des Preises mit meinen Knien kollidiert was diese aber mit einem lächeln quittiert. Als sich der Bus leert sitzen Heidy und ich in die vorderste Sitzbank wo ich zwar in der Länge genügend Platz habe aber nicht in der Breite.
Gegenüber der Kaserne am Platz des 3. März befindet sich das „Palais de Loisires“ und unweit davon der Suk der alten Stadt. Im Suk kaufen wir für 20 MAD etwa ein halbes Kilo Datteln. Leider vergassen wir dabei das Handeln mit dem Verkäufer – die Hälfte der vom Händler genannten Preis und dann noch etwas nachgeben.
Seit den letzten Tagen spürten wir einen abwechselnd starken, von Nord-Westen wehenden Wind. Gestern bemerkte Heidy einen ständig dunkler werdenden Himmel. Sie meinte gar, dass ein Gewitter im Anzug sei. Meine Bemerkung, dies sei doch nur ein Sandsturm hatte lediglich sehr kurze Beine. Kaum gesagt fielen anfänglich kleine Wassertropfen auf unser Camperdach bis es richtig zu regnen begann. Eine halbe Stunde später war der Spuck bereits vorbei und unsere Lungen konnten dafür wieder so richtig durchatmen. Auch die Sicht war nun erheblich besser und ein teilweiser blauer Himmel kündigte eine kühlere Nacht an.
Tatsächlich musste ich gegen 0700 Uhr unsere „Wohnung“ von 11 Grad Raumtemperatur aufheizen um beim Morgenessen nicht zu frieren. Am Nachmittag hatten wir dann gratis eine Raumtemperatur von über 30 Grad auf 1200 müM.