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Die schulentlassenen Knaben, die auf dem Milchhof, dem Landwirtschaftsbetrieb des Kinderheims Rathausen, lebten und arbeiteten, erwarteten bis in die 1950er-Jahre harte körperliche Arbeit und lange Arbeitstage.
Das Kinderheim verfügte über einen Gemüsegarten und Landwirtschaft. Auch Tiere wurden gehalten. Wie dies auch in anderen Heimen üblich war, trug die Arbeit der Kinder zur Selbstversorgung des Heims mit Nahrungsmitteln bei. Gleichzeitig wurde die Arbeitserziehung als pädagogisch wertvoll erachtet.
Der Wert von Schul- und Berufsausbildung
Auf dem Milchhof arbeiteten schulentlassene Knaben in der Landwirtschaft. Mädchen wurden derweil im Haushalt eingesetzt. Nach ihrem Heimaustritt kamen die Knaben und Mädchen oft in Dienststellen und zu Bauern, manche wurden in Lehrstellen vermittelt. Eine höhere Schul- und Berufsausbildung, wie der Besuch eines Gymnasiums oder der Universität, und ein damit ermöglichter gesellschaftlicher Aufstieg, wurde nur wenigen ermöglicht. Höhere Ausbildungen waren teuer und entsprachen nicht dem für Heimkinder vorgesehenen Lebensentwurf. Die oft aus ärmeren Verhältnissen stammenden Kinder sollten möglichst rasch finanziell auf eigenen Füssen stehen. Teilweise wurden sie von einweisenden Instanzen um Geld angegangen. Sie sollten einen Teil der Auslagen für ihren Heimaufenthalt zurückzahlen.
Der Stellenwert der Schul- und Berufsbildung änderte sich erst mit der Hochkonjunktur ab den 1960er-Jahren, die den beruflichen und damit auch sozialen Aufstieg der weniger bemittelten Schichten ermöglichte.