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Obstbäume sind Kulturpflanzen. Ihre Eigenschaften werden durch die Menschen, die sie pflegen, entscheidend geprägt. Obstbäume sind deshalb meist das Ergebnis von menschlichen Baumerziehungs- und Schnittmassnahmen.
Die spätere Höhe des Baumes wird stark über die Wahl der sogenannten Unterlage bestimmt: Unterlagen für Hochstämme sind meistens Sämlinge, das heisst zufällige Kreuzungen zweier Sorten. Schwachwachsende Unterlagen hingegen werden oft ungeschlechtlich vermehrt. Auf die gewählte Unterlage wird dann die gewünschte Sorte veredelt. Mehr zu den Techniken des Veredelns erfahren Sie hier.
Im Allgemeinen wird zwischen Nieder- Halb- und Hochstammbäumen unterschieden. Eine Sonderform bilden die Spaliere. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie so erzogen und geschnitten werden, dass sie an Mauern und Wänden emporwachsen können.
Bei engen Platzverhältnissen und wenn der Anbau von Tafelobst im Vordergrund steht, sind eher kleinkronige Baumformen auf Niederstamm sowie Spaliere empfehlenswert. Steht mehr Platz zur Verfügung, können auch grössere Baumformen auf Halb- oder Hochstamm gewählt werden.
Hochstammbäume benötigen eine lange Aufbau- und Erziehungsphase. Diese dauert rund zehn bis fünfzehn Jahre. In dieser Zeit tragen die Bäume keine oder nur wenige Früchte. Es lohnt sich auf jeden Fall in den ersten Jahren den Baum seriös aufzubauen, denn dies ist das Fundament eines langen und gesunden Baumlebens.
Die Stammhöhe beträgt 160 bis 180 Zentimeter, wodurch auch die Fläche unter dem Baum genutzt werden kann. Apfel-, Birnen- und Kirschenhochstämme benötigen einen Standraum von ungefähr 10 mal 10 Metern, Zwetschgen kommen auch mit 8 mal 8 Metern aus.
Der Verein Hochstamm Suisse setzt sich für die Erhaltung und Förderung der Hochstammobstgärten in der Schweiz ein und hat eine ausführliche Broschüre zur Geschichte und Bedeutung von Hochstamm-Bäumen publiziert:
Halbstamm-Bäume benötigen einen Standraum von 7 bis 9 x 7 bis 9 Metern, Zwetschgen etwas weniger. Halbstämme werden nach den gleichen Prinzipien wie ihre grossen Geschwister aufgebaut, die Stammhöhe beträgt jedoch nur 100 bis 120 Zentimeter. Aufgrund der geringeren Baumhöhe ist die Pflege etwas einfacher als bei Hochstammbäumen.
Durch die Veredelung einer Sorte auf schwach wachsende Unterlagen lassen sich kleinkronige Bäume erziehen, die mit wenig Standraum auskommen. Wegen der geringen Höhe können Pflegemassnahmen und Ernte weitgehend vom Boden aus erfolgen und teilweise mechanisiert werden. Weitere Vorteile sind der frühe Ertragseintritt, eine sehr hohe Ausbeute an vermarktungsfähigen Früchten und die verhältnismässig einfache Installation von Witterungsschutz. Diese Faktoren haben dazu geführt, dass sich Niederstammanlagen zum Standard der Tafelobstproduktion entwickelt haben.
Steht Platz an einer nach Süden oder Südwesten ausgerichteten Hauswand oder Mauer zur Verfügung, kann dieser für die Pflanzung eines Spaliers genutzt werden. Spalierobstbau hat eine sehr lange Tradition, erfordert jedoch aufwändige Erziehungs- und Pflegearbeiten und setzt entsprechende Fachkenntnisse voraus.
Auch für den Hausgarten sind Niederstämme geeignet. Sehr häufig werden dabei Spindelbäume verwendet. Diese stehen bereits nach etwa drei Jahren im Vollertrag. Darüber hinaus ist die Spindel eine relativ einfache Form, die auch mit geringen Fachkenntnissen erfolgreich kultiviert werden kann. Die Lebensdauer ist jedoch mit rund 15 bis 20 Jahren eher kurz. Der Platzbedarf beträgt für Kernobst-Spindelbäume ungefähr vier Quadratmeter, beim Steinobst etwa sieben Quadratmeter.