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Der Glaube im täglichen Leben
Die Mitzwot: Gebote und Verbote
«Ein gesetzestreuer Jude sein heißt: Die Mitzwot zu erfüllen, ohne zu fragen, wofür, warum man dies tut.
Gott will es so - also halte ich mich daran.
Gott ist die höchste Instanz des Kosmos - also erfülle ich seinen Willen.»
(Spiegel S. 146)
Im Kapitel Christentum behandeln wir die Zehn Gebote. Sie stehen in der Tora, die Christen als die Fünf Bücher Mose kennen. Obwohl die Zehn Gebote eine zentrale Stellung einnehmen, ist damit nach der jüdischen Auslegung die göttliche Gesetzgebung nicht abgeschlossen.
Insgesamt gibt es 613 Mitzwot, das heißt, Gebote und Verbote. Wir finden in der Tora 365 Verbote, sie entsprechen den Tagen eines Sonnenjahres, sowie 248 Gebote entsprechend der Anzahl der Körperteile eines Menschen.
Obwohl Christen in ihrer Bibel die gleichen Texte und damit die gleichen 613 Gebote und Verbote haben, wird von diesen der größte Teil entweder nicht beachtet oder er ist ihnen nicht einmal bekannt.
Hier finden wir einen weiteren großen Unterschied zwischen der jüdischen und der christlichen Religion. Wer weiß zum Beispiel, dass es ein Gesetz gibt, das das Tragen von Kleidern verbietet, in deren Stoff Wolle und Leinen gemischt sind?
Halacha: Der jüdische Weg
Das jüdische Gesetz in seiner Gesamtheit wird Halacha genannt, was bedeutet, «der Weg, den man beschreitet». Halacha ist Praxis, nicht Theorie, Halacha ist Recht, nicht Philosophie. Obgleich Glaube die Grundlage ist, aus der die Halacha sich entwickelt, ist ihre Hauptbetonung – die Tat. (Donin, 31).
Es gibt keinen Bereich des Lebens, der nicht von Halacha eingeschlossen würde. Basis der Halacha ist die Tora, in der 613 religiöse Pflichten aufgeführt werden. Die Auslegung und Anwendung der biblischen Gesetze ist im Talmud nachzulesen. Der Talmud ist eine Sammlung und Niederschrift von Diskussionen – in den Lehrhäusern Jerusalems und Babylons geführt und durch Jahrhunderte fortgesetzt. Die Redaktion des Talmud im fünften Jahrhundert bedeutete einen wichtigen Markstein in der religionsgeschichtlichen Entwicklung, aber keineswegs deren Abschluss. Eine reichhaltige Literatur religionsphilosophischen und religionsgesetzlichen Inhalts legt Zeugnis ab von der bis auf den heutigen Tag andauernden lebendigen Weiterentwicklung jüdischen Gedankengutes. (Schwarz, S. 3)
Die Halacha ist die jüdische Art und Weise, den jüdischen Lebensweg zu sichern und zu verewigen. Wenn man die Halacha unbeachtet lässt oder ablehnt, so verschwindet der jüdische Lebensweg allmählich, meint Schwarz (S. 35).
Halacha ist der allgemeine Ausdruck für jüdisches Gesetz. Halacha beschäftigt sich mit der richtigen Anwendung der Gebote in allen Situationen jüdischen Lebens. Die Mitzwot biblischen Ursprungs sind ihrem Wesen nach unveränderlich. Diejenigen rabbinischen Ursprungs können unter Umständen und gewissen Bedingungen durch autoritative, dazu befugte Gelehrte modifiziert werden.
Die Einhaltung der Mitzwot ist ein wichtiger Wert jüdischen Lebens und kann nicht losgelöst betrachtet werden. Das Eine bedingt das Andere. Einen gläubigen Juden erkennt man daran, dass er die Gebote hält, auch ohne ihren Sinn zu verstehen. Dies als blinden Gehorsam zu bezeichnen, ginge an den Glaubenstatsachen vorbei. Gott kennt die Gründe, der Mensch hält sich daran.
Rabbi Eleasar ben Asarja hat dies so ausgedrückt:
«Sag nicht, es sei unmöglich, Schweinefleisch zu essen; sag nicht, es sei unmöglich, sich mit Kleidern aus gemischten Geweben zu kleiden. Es ist durchaus möglich. Aber was soll ich tun, da Gott es verboten hat?»
Halacha - verschiedene Ausprägungen
Das Ereignis am Sinai, als Moses die Gesetze erhielt, ist für das ganze Judentum zentral. Der wesentliche Unterschied zwischen orthodoxem Judentum und den nicht-orthodoxen Strömungen ist das Verständnis der Offenbarung am Berg Sinai, wobei die Orthodoxie vom buchstäblichen Sinn der von Moses empfangenen Tora als unbedingt gültiger Weisung ausgeht. Das nicht-orthodoxe Judentum versteht diese Offenbarung nicht als absolut, sondern als einen fortdauernden Prozess des Dialoges Gottes mit seinem Volk, in der Zeit und in den Kulturen. Im Kontext dieser historisch-kritischen Auslegung der Offenbarung entstanden alle nicht-orthodoxen Strömungen des Judentums.
Wichtige Unterschiede zu orthodoxen Gemeinden:
- Egalitär (Frauen und Männer in jeder Beziehung gleichberechtigt).
- Frau als Rabbiner ist möglich.
- In der Synagoge sitzen Männer und Frauen gemischt.
- Aufruf zur Tora für alle.
- Bar / Bat Mitzwah: Feier in der Gemeinde.
Aktualisiert: 15.9.2020
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