Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03107.jsonl.gz/685

Jane Goodall wurde am 3. April 1934 als Valerie Jane Morris-Goodall in London geboren.
Bereits als Kind interessierte sie sich für alle Tiere und träumte davon, eines Tages nach Afrika zu reisen, Tiere zu beobachten und Bücher über sie zu schreiben.
Ihr Kindheitstraum schien damals für ein junges Mädchen aus England ohne viel Geld unerreichbar. Doch ihre Mutter Vanne unterstützte ihn: «Wenn du etwas wirklich willst, hart dafür arbeitest und Gelegenheiten ergreifst, dann wirst du einen Weg finden.» Diese Worte ihrer Mutter sollten Jane Goodall ein Leben lang begleiten.
Nach der Schule besuchte Jane eine Sekretärinnenschule in London. Doch als sie eine Einladung einer ehemaligen Schulfreundin nach Kenia bekam, sparte sie Geld, kündigte ihren Job und fuhr zum ersten Mal mit dem Schiff nach Afrika.
Jane, die Forscherin
In Kenia lernte sie den bekannten Paläoanthropologen Louis Leakey kennen, der sie als Sekretärin und Assistentin anstellte. Leakey hatte die Idee, mehr über das mögliche Verhalten der ersten menschenähnlichen Lebewesen zu erfahren, indem er das Verhalten von modernen Menschenaffen, mit dem der modernen Menschen verglich.
Nur: zu dieser Zeit – in den 1960er Jahren – wusste man praktisch nichts über das Verhalten von wilden Menschenaffen. Er entschloss sich darum, Verhaltensstudien bei allen drei Gattungen der Grossen Menschenaffen (Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans) durchführen zu lassen.
Jane Goodall besass keinerlei akademische Vorbildung. Sie überzeugte ihn aber durch ihr grosses Interesse an wilden Tieren, ihre Geduld und ihre Unerschrockenheit. Leakey beschloss, dass sie die richtige Person war, um eine der ersten Studien über wilde Schimpansen zu beginnen.
Es war damals unvorstellbar, eine 26-jährige junge Frau alleine in den afrikanischen Wald zu schicken, um Schimpansen zu erforschen. Deshalb musste Begleitung gesucht werden. Und fand sich in Janes Mutter Vanne. Gemeinsam betraten die beiden unerfahrenen, englischen Frauen am 14. Juli 1960 den heutigen Gombe Nationalpark am Tanganjikasee in Tansania, um dort mit der Erforschung wilder Schimpansen zu beginnen. Was für ein Abenteuer!
Die Ernüchterung stellte sich rasch ein. Es vergingen Tage, Wochen und Monate, ohne dass Jane einen einzigen Schimpansen zu Gesicht bekam. Immerhin hörte sie sie aus der Ferne, konnte sie ab und zu durchs Fernrohr betrachten und fand ihre Nester in den Bäumen. Doch sobald sie irgendwo auftauchte, verschwanden die Schimpansen lautlos. Nach sechs Monaten drohte das Geld auszugehen, ohne dass Jane Nennenswertes erfahren hatte.
Doch dann kam der Durchbruch. Einer der Schimpansen – er sollte später den Namen „David Greybeard“ erhalten – legte seine Scheu vor ihr ab. Er liess Jane zuschauen, wie er einen Zweig aufsammelte, ihn von seinen Blättern befreite und in die Eingänge eines Termitenhügels einführte. Als er ihn herauszog, hingen zahlreiche Termiten daran, die David Greybeard genüsslich verspeiste. Jane Goodall hatte entdeckt, dass wilde Schimpansen Werkzeuge herstellen und benutzen. Dies war eine Sensation, denn bis dahin hatte die Wissenschaft den Werkzeuggebrauch als Merkmal definiert, das den Menschen von den Tieren abhob.
Die Nachricht ging um die Welt und weitere Forschungsgelder flossen. Dies ermöglichte Jane, ihre Studien fortzusetzen und als erster Mensch überhaupt das Leben von wilden Schimpansen im Detail zu erforschen. Ihr Kindheitstraum war wahr geworden: Hier war sie, alleine mit „ihren“ Schimpansen im Wald!
Doch dabei sollte es nicht bleiben: die National Geographic Society, die ihre Forschung finanzierte, sandte den niederländischen Tierfilmer Hugo van Lawick nach Gombe, um Videoaufnahmen und Fotographien der aussergewöhnlichen jungen Frau zu machen und von ihr zu berichten. Seine Dokumentation über die Arbeit von Jane machte sie auch ausserhalb der Wissenschaft weltberühmt. Jane und Hugo verliebten sich, heirateten 1965 und haben einen gemeinsamen Sohn, Hugo Eric Louis, genannt Grub. Die Ehe brach nach 10 Jahren auseinander.
Louis Leakey wollte, dass Jane an der Universität Cambridge promovierte. Ohne akademisch Vorbildung erhielt sie 1962 Gelegenheit dazu. 1965 erhielt sie den Doktortitel. Es war keine einfache Zeit, denn die Wissenschaftler der Stunde überhäuften sie mit Kritik: Sie hätte ihre Forschungsberichte in Unkenntnis der wissenschaftlichen Methodik zu emotional befrachtet, den Schimpansen Namen statt Nummern gegeben und den Tieren menschliche Eigenschaften zugeschrieben – absolute Tabus in der damaligen Wissenschaftswelt. Erst die Zeit gab Janes intuitiver Vorgehensweise Recht: Heute geben alle Wissenschaftler, die das Verhalten von Schimpansen und anderen Tieren in freier Wildbahn erforschen, den Tieren Namen, die Erforschung von tierischer Persönlichkeit und Emotion ist Mainstream.
Gemeinsam mit ihrem Ehemann Hugo van Lawick beobachtete Jane auch andere Tiere in diversen Nationalparks Afrikas und schrieb Bücher für Kinder und Erwachsene über Schimpansen und andere Tiere Afrikas.
1975 heiratete Jane den tansanischen Parlamentsabgeordneten und Direktor der Nationalparks von Tansania, Derek Bryceson, mit dessen Hilfe sie den Fortbestand Gombes als Nationalpark sicherte. Bryceson verstarb 1980 an Krebs.
Jane, die Aktivistin
1986 nahm Jane Goodall an der „Understanding Chimpanzees“-Konferenz in Chicago teil, an der sich Schimpansenforschende aus aller Welt trafen, um ihre Ergebnisse zu diskutieren. Sie betrat diese Konferenz als Wissenschaftlerin und verliess sie als Aktivistin. An der Konferenz war ihr in einem Symposium über Artenschutz schlagartig bewusst geworden, wie es um die wilden Schimpansen in Afrika stand: überall waren ihre Wälder am Verschwinden, überall wurden sie durch Wilderei dezimiert. Jane Goodall beschloss, Gombe zu verlassen und sich fortan dem Schutz der Schimpansen und ihrer Lebensräume zu widmen.
Bereits 1977 hatte Jane Goodall das Jane Goodall Institut (JGI) gegründet, ursprünglich um ihre Forschung in Gombe zu koordinieren und Spenden zu sammeln. Das JGI wurde zur Naturschutzorganisation, die Menschen, Tiere und die Natur als ein grosses Ganzes betrachtet, in dem jedes Individuum eine wichtige Rolle spielt. Die wissenschafltiche Forschung blieb stets ein wichtiges Element des JGI. Mittlerweile gibt es JGI-Büros in 26 Ländern auf der ganzen Welt.
Eines der grössten Anliegen von Jane Goodall ist es, Kinder zu guten Hütern der Natur zu machen. Sie gründete darum 1991 das Kinder- und Jugendprojekt Roots & Shoots, das Kinder und Jugendliche dabei unterstützt, für die Umwelt aktiv zu werden und zu bleiben.
Jane Goodall ist bis zum heutigen Tag rund um die Uhr im Einsatz für die Natur. Sie hält weltweit Vorträge, besucht Roots & Shoots-Events, Zoos, Kongresse, Institutionen und JGI-Projekte, trifft Prominente und Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft, um möglichst viele Menschen für den Schutz der Natur zu aktivieren. Selbst die CoVid-19-Pandemie konnte sie nur vom Reisen abhalten, nicht jedoch von ihrer Arbeit: Gemeinsam mit ihrem Team schuf sie die «virtuelle Jane». Ein Teil ihres winzigen Schlafzimmers in ihrem Heimathaus in England wurde zum Studio, wo sie ihre Videobotschaften produzierte und an Online-Konferenzen teilnahm. Sie habe nicht mehr unendlich viel Zeit zu leben, darum müsse sie jetzt besonders hart arbeiten, sagt sie von sich.
Jane Goodall wirbt für ein besseres Zusammenleben von Menschen, Tieren und der Umwelt und ruft jeden Menschen dazu auf, das Geschenk seines Lebens zu nutzen, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Neben dem Arten- und Naturschutz setzt sie sich auch gegen den Klimawandel, gegen Tierversuche und für eine ethische Behandlung von Tieren ein. Sie ist Vorstandsmitglied in unzähligen Vereinigungen, wie zum Beispiel der American Humane Society, der Wildlife Conservation Society, der Nuclear Age Peace Foundation oder der Organisation «Save the Chimps». Über 40 Universitäten weltweit verliehen ihr die Ehrendoktorwürde – auch die Universität Zürich. Jane Goodall gewann unzählige Preise und Auszeichnungen für ihre Arbeit, ist «Dame des British Empire» und seit 2002 mit ihrem Roots & Shoots-Projekt UN-Friedensbotschafterin.