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Wer ist Praunheim?
Erste grössere Produktion
1970 entstand unter dem provokativen Titel "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" die erste grössere Produktion des deutschen Filmemachers Holger Mischwitzky. Als offen schwuler Kunststudent war dem in Frankfurt-Praunheim aufgewachsenen Mischwitzky verboten worden, seine in Rosa gehaltenen Bilder auszustellen, worauf er sich den Namen Rosa von Praunheim zulegte. Denn die rosafarbenen Bilder verstand er als Anspielung auf den Rosa Winkel der Nazis. Sie waren eine Form des Protests.
Geboren wurde er 1942 als Holger Radtke im Gefängnis von Riga. Zwei Jahr später adoptierte das kinderlose Ehepaar Mischwitzky den Knaben. So kam er knapp vor Kriegsende sicher nach Deutschland. Diese Zusammenhänge erfuhr er von seiner geliebten (Adoptiv-)Mutter erst, als sie 94 und er 57 war, worauf Holger die Suche nach seinen unbekannten leiblichen Eltern begann. Diese Geschichte dokumentierte er im 2007 entstandenen Film "Meine Mütter".
Uraufgeführt wurde "Nicht der Homosexuelle ist pervers …" am 5. Juli 1971 im Rahmen der Berliner Filmfestspiele. Es war ein Auftragswerk des WDR. Die Ausstrahlung jedoch verzögerte sich aus leicht ersichtlichen Gründen immer wieder und fand schliesslich am 13. Januar 1972 statt: im Dritten Programm des WDR Köln für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland (BRD) ausser Bayern.1 Der Film, "gemacht von Homosexuellen für Homosexuelle", schlug wie ein Blitz ein und beflügelte den allgemeinen Aufbruch und die Realisierung homosexueller Aktions- und Arbeitsgruppen nicht nur in der Bundesrepublik Deutschland, sondern auch in mehreren Städten der Schweiz.
Ernst Ostertag, Juli 2006
Quellenverweise
- 1
hey, Nr. 2/1973, Seite 7, zitierte Pressemeldungen