Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03654.jsonl.gz/1723

Härig-Huus
Das an der Kirchgasse 5 gelegene „Härig-Huus“ liegt unterhalb der Kirche und oberhalb des Schwanenplatzes. Durch die exponierte Lage, kommt der breite, durch einen Laubenanbau erweiterte Giebel wirkungsvoll zur Geltung. Der Dachüberstand ist äusserst gering. Das zweigeschossige Gebäude erhebt sich auf einem erhöhten Kellergeschoss und wird von einem steilen Satteldach bedeckt. Die Giebelfassade zeichnet sich durch ein vierteiliges, gotisches Fenster, zweiteilige und einteilige Fenster in gotischen Proportionen aus. Das Gebäude vertritt den spätgotischen Haustyp mit geschlossenen Mauerflächen und verhältnismässig kleinen Fenstern. Die dem Baselbieterhaus eigentümliche Laube, unten vermauert, überdeckt das grosse Kellertor, das auf einen bedeutenden Weinbau hinweist. Oberwil war einst die grösste Weinbaugemeinde im fürstbischöflichen Birseck. Der Grundriss des „Härig-Huus“ lässt ein zweigeschossiges Wohnhaus erkennen, mit einer rückwärtigen Küche, in die man durch einen Vorraum gelangt. Vom Vorraum aus ist auch die Stube mit dem in der hinteren Ecke gelegenen Ofen erreichbar. In jedem Wohngeschoss befand sich neben der Stube eine kleinere Nebenstube, die gewöhnlich als Schlafkammer genutzt wurde.
Härig-Huus 1925: Johann und Emma Baumann-Degen mit den Kindern Hans, Josef, Anna und Paul. Sie wohnten im 1. Stock des Hauses bis zum Bau des Eigenheims an der Therwilerstrasse (A DeL)
Das „Härig-Huus“ oberhalb des Dorfplatzes, erbaut im 16. Jahrhundert (A Dü)
Pläne aus dem Jahre 1933 zeigen die Giebelfassaden (Quelle: Heimatkunde Oberwil)
Pläne aus dem Jahre 1933 zeigen die Giebelfassaden (Quelle: Heimatkunde Oberwil)
Aufgrund des spätgotischen Baustils mit geschlossenen Mauerflächen und verhältnismässig kleinen Fenstern wird das Haus etwa auf das 16. Jahrhundert datiert. Wahrscheinlich brannte die Liegenschaft zur Zeit des Dreissigjährigen Krieges (1618-1648) mit dem grössten Teil des Dorfes ab, als die Schweden Oberwil plünderten und brandschatzten. Wenige Jahre später dürfte das Haus wieder aufgebaut worden sein mit seinem oberen Teil, denn die früheren gotischen Fenster mit Kehlen sind erhalten geblieben. Ähnlich dürfte auch das Ökonomiegebäude teilweise wieder errichtet worden sein, der Scheunenbalken trug die Jahreszahl 1631, die Untersuchung des Holzes des „Härig-Huus“ ergab das Jahr 1634.
Härig-Huus (Quelle: Kanton Basel-Landschaft; 47_III. 3.10)
Härig-Huus mit dem alten Dorfbrunnen (A Ry)
Härig-Huus mit Kirche, aufgenommen vom Pfarrhaus (Ka)
Durch die Schatzung von 1908 haben wir eine genaue Beschreibung: „24 a 43 m2 Haus- und Hofplatz, Gemüse- und Baumgarten an der Kirchgasse mit alleinstehender zweistöckiger Wohnbehausung und Laube und alleinstehendem Ökonomiegebäude mit Scheune, Stall und Schopf, Wert Fr. 15’500.-“. Die Besitzer waren damals Marie, Ida, Bernhard und Theodor Häring. Ab 1949 wurde die Gemeinde Besitzerin der Liegenschaft, am Sonntag, 11. Mai 1958 brannten Stall und Scheune ab. 1965 wurde eine dringliche Aussenrenovation vorgenommen, weil sich in der Mauer Risse gezeigt hatten. 1969 wurde das Haus vom Regierungsrat in die Liste der geschützten Baudenkmäler des Kantons Basel-Landschaft aufgenommen. 1995 verkaufte die Gemeinde für einen symbolischen Franken das Haus der Katholischen Kirchgemeinde Oberwil. Das Gebäude war in einem desolaten Zustand, im Dachstock steckte der Wurm und die Fäulnis, um die vier Aussenwände einigermassen beieinander zu halten, wurde sogar ein Stahlgurt um sie herumgeschnallt. Im Juni 1998 wurde das „Härig-Huus“ feierlich frisch renoviert eingeweiht. Der Name bezieht sich auf die Familie Häring, die über 200 Jahre Besitzerin der Liegenschaft war. Durch die Renovation entstand aus der alten „Ruine“ ein neues Schmuckstück am Schwanenplatz. Neben dem alten Kachelofen, den charakteristischen Lauben oder den uralten Eichenbalken sind auch die Ansätze der neuen Betongrundmauern sichtbar, ebenso die moderne Beleuchtung oder die Balkenschrauben im Mechano-Stil. Im Gewölbekeller befindet sich heute ein Meditationsraum.
Stahlgurt und Stützen halten die Liegenschaft während der Renovation zusammen (Ak Ob)
Blick vom Schwanenplatz auf das renovierte „Härig-Huus“ im Jahre 2012 (Ry)