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„MTV Unplugged in New York“ ist ein Live- Album der amerikanischen Grunge- Band Nirvana. Es wurde am 18. November 1993 aufgezeichnet und weltweit im Fernsehen übertragen. Dieses Konzert war in verschiedener Hinsicht unglaublich und unerreichbar.
Nirvana gelang an diesem Abend mit einem One-Take ein brillantes 14 Song umfassendes Live- Album einzuspielen. Das Resultat gilt bis heute als wichtiges Zeitzeugnis. An diesem epischen Abend beteiligt waren Leadsänger und Gitarrist Kurt Cobain, Krist Novoselic am Bass und Akkordeon, Dave Grohl am Schlagzeug, sowie die Gastmusiker Pat Smear an der Gitarre, Cris Kirkwood an Bass und Gitarre, Curt Kirkwood an der Gitarre und Lori Goldston am Cello. Fertig produziert wurde dieses Meisterwerk von Scott Litt und Alex Coletti in den Sony Music Studios in New York City. Das offizielle Erscheinungsdatum war der 1.11.1994 auf dem Label Geffen Records.
Es ist ein Wunder, dass dieses Konzert überhaupt realisiert werden konnte. Zum einen entstanden diese Aufnahmen wenige Monate vor Kurt Cobains Tod am 5. April 1994 und zum anderen war das Verhältnis von Nirvana zum Mainstream von Ambivalenz geprägt. Die Band bewegte sich in einem Spannungsfeld von Punk-Philosophie und Rock ’n‘ Roll- Lebensstil, wollte aber nicht auf kommerziellen Erfolg verzichten. Kurt Cobain hatte zu Beginn seiner Karriere das deutliche Ziel vor Augen, Rockstar zu werden. Dennoch nutzte er häufig die Gelegenheit, seine Verachtung für die Musikindustrie und sein Publikum auszudrücken. Regelmässig zerstörten die Mitglieder von Nirvana ihre Instrumente, das Inventar oder beschimpften und bespuckten ihr eigenes Publikum. Sie versuchten oft, mit den herrschenden Konventionen im Musikgeschäft zu brechen. Kurt Cobain gelang es immer mehr, sich als Antiheld zu inszenieren. Umso erstaunlicher wirkt in diesem Kontext ein solch zartes und braves Konzert auf MTV. Man wird den Verdacht nicht los, dass Nirvana von ihrem Management für diesen Anlass gezähmt werden mussten. Als Protest könnte man den Umstand betrachten, dass sie überwiegend weniger bekannte Stücke spielten. Mit Come as You Are war nur ein richtiger Hit der Band vertreten. Ergänzend zu eigenen Werken sind ausserdem Coverversionen von David Bowie, Meat Puppets, Leadbelly und The Vaselineszu hören.
Das Bühnenbild an diesem Abend war grotesk: Im Nachhinein erscheint es als hätte Nirvana die eigene Beerdigung der Band inszeniert. Sitzende Zuschauer, Lilien und Kerzenständer sorgten für eine mystische Stimmung im Saal. An diesem Abend gelang dieser lauten, wütigen Band ein Stück Musikgeschichte zu schreiben, indem sie ganz ohne ihre agressive Bühnenshow auskamen. Als Novoselic sein Akkordeon packt und an der Seite von Lori Goldstons Cello die Melodie zu „Jesus Doesn’t Want Me For A Sunbeam“ anspielt, kreieren sie die harmonischsten Klänge, die die Band je hervorgebracht hat. Cobain bewegte sich in einer Art musikalischen Zwischenwelt. Mit ergreifenden Passagen gelang es ihm seine zerbrechliche Seele gegen aussen zu tragen. Seine eindringliche Stimme tönte an diesem Abend aussergewöhnlich kraftvoll und gleichzeitig sehr verletzlich. Einzelne Passagen rühren zu Tränen oder beunruhigen zu tiefst, wie im letzten Lied „Where Did You Sleep Last Night“. Es wirkt bedrückend ironisch ihn Zeilen singen zu hören wie “I swear I don’t have a gun” und “Don’t Expect Me To Die,” wenn man daran denkt, was tragischerweise wenige Monate nach dieser legendären Performance geschehen ist.