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Max im Büro (1999)
Als Jugendlicher ging alles automatisch und problemlos. Paarungswillige Männlein und Weiblein trafen sich in der Stadt, im Atlantis oder Tropic, im Dancing oder bei Freunden. Sobald man jedoch älter wurde, in meinem Fall nach der ersten Scheidung, wurde es schwieriger, denn fast alle Frauen waren vergeben oder bereits wieder geschieden. Auch diese waren bereits älter. In der Stadt erkannte man sie nicht mehr als "Single". Sie waren nicht angeschrieben. Viele waren Mamis, andere Berufstätig. Klar, es gab Tanzveranstaltungen für Ü40 oder Ü50. Interessante Frauen waren dort weniger anzutreffen. Viele blieben zu Hause.
Die Frage war: Wie finde ich einen Solo-Parrtner? Wie und woran kann ich einen solchen erkennen? Dies war das Hauptproblem für uns ältere Singles. So blieben nur Partnervermittlungs-Institute, Kontakt-Anzeigen in Zeitschriften und später solche via Internet übrig.
Die Zeitschrift "Annabelle" war eine typische Frauenzeitschrift mit Beiträgen übers Kochen, Haushalt, Kinder, Schönheit und Mode. Die "Annabelle" war das Leibblatt von Doris, meiner damaligen Frau. Manchmal blätterte ich auch darin und entdeckte im hinteren Teil mehrere Seiten mit unzähligen Kontakt-Inseraten.
Nach meiner Scheidung von Doris stand ich vor dem erwähnten Problem. Ich war alleine. Ich war kein Bar- oder Restaurant-Besucher. Ich war es nicht gewohnt in die Stadt zu gehen, geschweige denn nach gleichaltrigen oder etwas jüngeren Frauen Ausschau zu halten. Ich ging zwar jeden Samstag früh zum Frühstück ins Café Bücheli, aber den dortigen Frauen habe ich es nicht angesehen, ob sie Solo oder bereits vergeben waren. Sie waren allesamt berufstätig.
Dann erinnerte ich mich wieder an die "Annabelle" mit den Rubriken "Frau sucht Mann" oder "Mann sucht Frau". So wurde ich Leser der Annabelle, aber nur Leser der Kontaktanzeigen. Ich war nicht der einzige Mann. Viele Männer in meiner Situation kauften sich die Annabelle. Anfänglich schrieb ich mehr auf die Chiffre-Inserate. Aber dies war sehr aufwendig, denn jeden Brief musste ich von Hand oder mit der Schreibmaschine schreiben. Ich gab mir Mühe, schöne, intelligente und fehlerfreie Briefe zu schreiben, aber dies brauchte viel Zeit.
So begann ich dann auch Inserate aufzugeben. Diese kosteten zwar relativ viel Geld für die paar Zeilen resp. Worte, aber ich bekam zu jedem Inserat zwischen 10-15 Antworten von Frauen. Ein weiterer Nachteil bestand darin, dass es wegen des Inserateschluss etwa 4 Wochen dauerte, bis das Inserat erschien. Es war nicht einfach, aus den Antworten die herauszufinden, die es Wert waren, sich mit ihnen zu treffen. Ist ja logisch, man beschreibt nicht seine Nachteile. Ich musste zwischen den Zeilen lesen, worüber sie nicht schrieben.
Ich kann mich noch bestens erinnern, was für mich damals wichtig war und vorallem, was ich in Inserate hineinschreiben durfte: Ich pries mich in etwa an: "Sportlicher, schlanker Single aus Basel, 173, 78, 47 sucht schlankes, sportliches Gegenstück für gemeinsame Aktivitäten bla bla bla....... Antworten unter Chiffre"
Die Worte im Inserat musste man gut und überlegt wählen. Sie mussten aussagekräftig und ansprechend sein, denn jedes weitere Wort kostetezusätzlich Geld. Das Wort "Sex" oder "Erotik" war damals verpönt und wurde von der Redaktion gestrichen.
Einmal habe ich den Begriff "gut situiert" verwendet, denn damit wollte ich darauf hinweisen, dass ich kein Hilfsarbeiter mit tiefem Lohn bin.: Darauf bekam ich zwei Briefe von unheimlich hübschen Frauen. Die eine war viel jünger als ich und bildhübsch, die andere ein eingebildetes Fotomodell mit einem knochigen Windhund. Beide erzählten mir gleich zu Beginn, dass ihr Ehemaliger ihr einen Porsche geschenkt habe! Da läutete es bei mir. Der Abend war schnell zu Ende.... und ich schrieb nie mehr etwas von "gut situiert".
Meist traf ich mich im Park der Grün-80. So konnte ich mich schnell wieder auf und davon machen, wenn die Frau nicht dem entsprach, was sie beschrieb. Obwohl ich ausdrücklich meine Vorliebe für schlanke Frauen angab, kam auch mollige und vollschlanke Frauen zu den Treffs.
Ueber die Annabelle-Seiten wurde man auch von Partner-Vermittlungsdienste angeschrieben. Die habe ich sofort weggeschmissen, denn die verlangten horrende Summen für Ihre Dienstleistungen. Einige waren aber äusserst raffiniert und setzten Frauen als Lockvögel ein.
Einer dieser Lockvögel war die Besitzerin eines dieser Vermittlungsinstitute in Zug. Nennen wir sie Yolanda. Ich traf sie bei sich zu Hause in einem wunderbaren Einfamilienhaus. Der erste Eindruck war nicht optimal. Sie war hunderverrückt, aber alles nur kleine Viecher, die den Garten vollkackten. Sie war unsauber, denn sie putzte die Hundkeigel nicht weg. Obwohl ich auch ihren Mazda-Renner fahren durfte, habe ich mich bald verabschiedet.
Vorher war ich noch Zeuge eines Telefons und der Art und Weise, wie Heiratsinstitute mit Kunden umgehen. Es beklagte sich nämlich ein älterer Herrn, der ihr 5000.-- für diese Dienstleistung bezahlte, aber mit den Kontakt-Angeboten absolut unzufrieden war. Er wollte nicht nur alte vertrocknete Weiber treffen, wie er sich scheinbar ausdrückte.
Michaela war ein ganz heisser Ofen. Sie kam aus dem Raume Frankfurt Deutschland. Sie war die Frau eines berühmten Automobil-Rennstall-Besitzers. Wir telefonierten, tauschten Mails aus und wurden dabei riesig heiss auf einander. Ohne sie gesehen zu haben, machten wir einen Treff auf Mallorca ab. Ich buchte einen Flug samt Zimmer im selben Hotel wie Michaela.
Vorher aber wollten wir uns noch treffen. Sie kam mit ihrem Porsche, denn sie musste als Vermögensverwalterin Kunden am Bodensee besuchen. Superreiche Schweizer! Ich traf Michaela am Autobahnzollübergang Weil. Da war ich aber bereits schockiert. Sie war weiss Gott nicht schlank, eber mollig. Für mich ein Absteller. Ich hätte Tschau sagen sollen, aber dazu hatte ich den Mut nicht. Ich stieg in ihr Auto, einen Porsche notabene, und wir fuhren an den Bodensee, wo wir zusammen in einem tollen Hotel übrnachteten.
Gemeinsam besuchten wir auch ihre Kunden, gute Freunde von Michaela. Eine der reichsten Leute der Schweiz. Mit ihnen gingen wir essen. Michaela war über beide Ohren in mich verliebt. Aber ich nicht. Ich hatte Mühe mit ihrem überhängenden Bauch. Aber ich hielt durch. Auch den ganzen Tag bis wir wieder zu Hause waren. In Basel schenkte ich ihr klaren Wein ein. "Sie sei einfach nicht mein Typ" meinte ich. Sie versprach zwar abzunehmen, aber dies wäre unmöglich, da müsste man noch Fleisch herausschneiden! Zu Hause in meiner Wohnung wieder angekommen, stornierte ich den Flug samt Hotel nach Mallorca. Ich bin nochmals heil davon gekommen.
Ich habe mir geschworen, so etwas mir nie mehr anzutun. Es war gräuslich!
Gegen Ende des letzten Jahrhunderts resp. Jahrtausend entwickelte sich im Internet viele Online-Kontakt-Services: Yahoo, CompuServe und andere boten entsprechende Seiten an. Innert weniger Jahre wurden sie immer raffinierter und zu einem grossen Geschäft.
Ueber CompuServe habe ich Ulrike kennen gelernt. Eine liebenswerte Person aus dem nahen Badischen. Wir trafen uns oft, vorallem beim Chinesen. Eigentlich waren wir uns seh ähnlich, aber es sollte zu mehr nicht reichen. Ulrike mochte mich, aber ich war nach dem Desaster mit Claudia noch nicht bereit für Neues. Ulrike hatte eine sehr weibliche Figur, aber ich stand auf schlank.
Als Erinnerungsstück an Ulrike ist mir die DeSede-Polstergruppe und die Token-Liege in meinem Wohnzimmer geblieben, die ich mit ihrer moralischen Unterstützung gekauft hatte. Ich wollte nämlich nur ein billige Alcantara-Gruppe kaufen, sie meinte jedoch, ich solle mir diese beiden Luxusstücke leisten .... und Recht hatte sie. Es war die Zeit, als ich im Oktober 2002 von Zuchwil wieder nach Binningen an den Schafmattweg zog. Die Polstergruppe habe ich mir zum Geburtstag Ende 2002 geschenkt.
Esther lernte ich über eine Internet-Kontaktseite kennen. Sie kam zwar aus Basel, hatte hier in Basel auch noch eine kleine Wohnung, lebte aber ihren Traum in L'Escala im Norden Spaniens aus. Nach einigen Chats hin und her buchte ich kurz entschlossen einen Flug nach Barcelona, denn ich wollte das Angenehme mit dem Nützlichen verbinen. Ich war noch nie in dieser wunderbaren Stadt. Ich traf mich am Flughafen mit Esther, wir nahmen ein gemeinsames Hotel-Zimmer und besichtigten Barcelona. Ich darf es hier schreiben. Nicht nur das gemeinsame Zimmer, auch die Sehenswürdigkeiten Barcelonas werde ich nie vergessen.
Als Esther wieder nach Basel zurücksiedelte, besuchten wir gemeinsam einen Swingerclub und genossen das spezielle Ambiente in vollen Zügen. Dieser Swingerclub-Besuch sollte noch ein Nachspiel haben. Etwa 1 Jahr später, als ich mit meiner späteren Frau Evelyne zusammen war, stiess Evelyne im Rahmen ihrer Eifersuchtsanfälle beim Durchstöbern meiner privaten Unterlagen und Tagebücher auf Esthers-Namen und die Swingerclub-Geschichte. Daraus entstand dann ein grosses Eifersuchts-Drama mit Betrugsvorwürfen etc.

Autobiografie von Max Lehmann

Schafmattweg 13, CH-4102 Binningen

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