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Das 2005 in Neuenburg gegründete Observatorium der Profi-Fussballer hat einige der grössten Clubs Europas in Bann gezogen. Diese setzen die Empfehlungen der Forscher erfolgreich um. Jetzt wurde erstmals eine Studie über die Migration der Fussballer veröffentlicht.
"Eine einmalige Arbeit, vollständig und faszinierend". In der Ausgabe vom 27. März geizt die Sunday Times nicht mit Lobeshymnen in Bezug auf die wissenschaftliche Equipe, die seit 2005 in Neuenburg die statistischen Grundlagen von mehr als 13'000 Profi-Fussballspielern zusammenstellt und analysiert. Diese spielen in 534 Clubs in 36 höchstklassigen europäischen Ligen.
Arsène Wenger, Trainer von Arsenal, Carlo Ancelotti, sein Kollege von Chelsea, und Damien Comolli, sportlicher Direktor von Liverpool, kommen nicht mehr ohne die Auswertungen der Neuenburger aus, schreibt das Blatt. Das Observatorium der Profifussballer gibt sich nicht damit zufrieden, die demografischen Charakteristiken der Spieler zu analysieren. Es fördert auch wertvolle Hinweise auf die Faktoren des Erfolgs einer Mannschaft zu Tage.
Langfristige Planung
Das Observatorium hat weiter Modelle entwickelt, die den Clubs erlauben, ihre Spieler-Rekrutierungspolitik längerfristig zu planen. "Die wichtigsten Faktoren sind die Stabilität auf dem Feld, besonders in der Verteidigung und im Mittelfeld, die Erfahrung der Spieler im Club und die Anwesenheit von Internationalen, die immer spielen. Wenn man sie mit Spielstatistiken ergänzt, kann man die Chancen eines Teams längerfristig bestimmen" , erklärt Raffaele Poli, Mitbegründer des Observatoriums.
Es ist kein Zufall, dass es die englischen Clubs sind, die sich am meisten für die Arbeiten der Neuenburger interessieren. "Die Gewohnheit, Statistiken im Sport beizuziehen, ist in den anglo-sächsischen Länder mehr verankert als in Südeuropa", unterstreicht Poli.
"Der Leistungsverantwortliche von Chelsea hat mich mehrere Male eingeladen, um unsere Arbeiten zu präsentieren. Auf dieser Basis hat der Club zum Beispiel entschieden, den Vertrag mit Frank Lampart zu erneuern, einem sehr teuren Spieler, der aber wichtig ist für die Stabilität der Mannschaft", bestätigt der Forscher. Trotzdem erinnert er daran: "Der Einbezug der Statistiken wird niemals das Auge des Experten am Spielfeldrand ersetzen."
Die statistische Kultur scheint sich mehr und mehr zu verbreiten. Lille, zur Zeit an der Spitze der Ligue 1, der obersten Spielklasse in Frankreich, war einer der ersten Clubs, die sich für die Arbeit der Neuenburger interessierten. "Der Erfolg von Lille hat mit dem Entscheid für Stabilität zu tun, die von den Verantwortlichen des Clubs gefällt wurde", sagt Raffaele Poli.
Globale Transfers unter der Lupe
Der Erfolg und der erworbene Ruf des Observatoriums haben die Forscher darauf gebracht, ihr Forschungsfeld etwas zu erweitern. Am 11. April haben sich auch einen ersten Bericht über die Migration der globalen Fussballer präsentiert.
"Will man die Transfers im Fussball untersuchen, muss man auch Lateinamerika einbeziehen. Von dort stammt ein grosser Teil der Spieler. 2010 haben wir die Daten von 101 Ligen und 6000 Spielern erhalten. Wir sind fast vollständig."
Die Resultate sind manchmal überraschend. Zypern kauft am meisten ausländische Spieler ein, vor Griechenland, Portugal und England. "Es sind nicht zwingend die besten Meisterschaften, welche die meisten Spieler aus dem Ausland holen. Die Nachfrage nach ausländischen Spielern gibt es auf allen Niveaus der europäischen Ligen", unterstreicht Raffaele Poli.
Die Schweiz, Sprungbrett für Europa
Mit einem Anteil von 40 Prozent ausländischer Spieler in der Superleague befindet sich die Schweiz unter dem europäischen Durchschnitt. Die Schweiz rekrutiert junge, ausländische Spieler, die ihre Karriere oft in prestigeträchtigeren Meisterschaften fortsetzen. Die Schweiz hat eine Rolle als Sprungbrett.
Neuerdings dient die Meisterschaft der Schweiz mehr und mehr auch als Sprungbrett für Spieler aus der Schweiz. "In der Saison 2009/2010 wechselten 39 in der Schweiz ausgebildete Spieler in die fünf grössten Meisterschaften Europas. Sie waren damit das viergrösste Kontingent an Spielern im Ausland nach Brasilien, Argentinien und Frankreich. Das ist sehr aussergewöhnlich für ein Land mit 7 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern. Es zeigt den Erfolg der Schweizer Nachwuchsförderung."
Man muss allerdings auch die Rückseite dieser Medaille erwähnen: Die Schweiz befindet sich auf dem dritten Platz der Liste der Länder, die ihre jungen Spieler vorzeitig ziehen lassen. Diese Erkenntnis lässt die Manager im Fussball bestimmt nicht kalt.
PFPO Neuenburg
Partnerschaft. Das 2005 in Neuenburg gegründete Observatorium der Profi-Fussballer (PFPO) ist ein Team, dem Wissenschafter des Internationalen Zentrums für Sportstudien (CIES) der Universität Neuenburg, des Labors THéMA der Universität Franche-Comté und des Instituts der Sportwissenschaften der Universität Lausanne (ISSUL) angehören.
Nutzniesser. Das PFPO generiert vergleichbare statistische Indikatoren in den Bereichen Demografie, Ausbildung, internationale Rekrutierung, Mobilität und Leistungen der Fussballer. Die erforschten Daten sind für viele Akteure der Fussball-Industrie, wie Clubs, Verbände (Uefa und Fifa), Agenten und Medien, eine Informationsquelle und eine Entscheidungshilfe.
Studien. Jedes Jahr werden zwei Berichte publiziert. Im Januar inventarisiert die demografische Studie der Fussballer in Europa die wichtigsten Eigenschaften der über 13'000 Spieler in rund 534 Clubs und 36 Ländern. Im August analysiert die Jahresstudie über den europäischen Spielermarkt detailliert die demografische Entwicklung der Belegschaft der fünf wichtigsten europäischen Ligen.
Migration. Das PFPO hat Anfang April erstmals zusammen mit der Site SoccerAssociation.com einen Bericht über die weltweite Migration der Fussballspieler veröffentlicht. Die Studie untersucht Fragen des Imports und Exports der Spieler sowie der Verbindungsnetze zwischen den Ursprungs- und den Ankunftsländern der Fussballer.Infobox Ende
(Übertragung aus dem Französischen: Eveline Kobler), swissinfo.ch