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Zehn Jahre nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti am 12. Januar 2010, geben gemäss einer umfangreichen Wirkungsanalyse 90% der befragten Haushalte an, dass sie dank der von der Glückskette unterstützen Hilfsprojekte ihre Grundbedürfnisse abdecken und ihre Existenzgrundlage wieder herstellen können. Die Glückskette konnte bis 2018 dank der grossen Solidarität der Schweizer Bevölkerung mit knapp 63 Millionen Franken 91 Projekte finanzieren, die von 21 Partnerhilfswerken umgesetzt wurden. Unabhängig von der positiven Wirkung der geleisteten Unterstützung haben sich aber leider die Lebensumstände der Menschen in Haiti in den letzten Monaten aufgrund von politischen Unruhen wieder stark verschlechtert.
Im Rahmen einer Wirkungsanalyse zur Hilfe in Haiti hat die renommierte und unabhängige Beratungsfirma Key Aid Consulting von Mai bis Oktober 2019 Projektunterlagen und bisherige Evaluationen studiert, eine quantitative Umfrage bei 525 Haushalten und eine qualitative Analyse mit weiteren Gruppen-Interviews durchgeführt. Untersucht wurde dabei, in welcher Form die Unterstützung der Hilfsorganisationen das Leben der Menschen nach dem verheerenden Erdbeben von 2010 beeinflusst hat.
Die Auswirkungen des Wiederaufbauprogramms der Glückskette sind auch heute noch spürbar: 92% der befragten Haushalte geben in der Befragung im Mai 2019 an, dass die wichtigste Veränderung ihres Lebens auf die von der Glückskette unterstützten Projekte zurückzuführen sei. 90% konnten dank der Hilfe ihre Grundbedürfnisse abdecken und ihre Existenzgrundlage wiederherstellen und 95% der Befragten, welche damals eine Unterkunft erhalten hatten, leben noch immer darin. Unter anderem wurden über 2’700 Häuser repariert oder neu aufgebaut (ebenso wie 4’850 Latrinen). «Wir sind selbst überrascht, dass so viele Menschen noch in den Häusern leben, die vor fast zehn Jahren gebaut wurden», sagt Helene Juillard, Mitbegründerin von Key Aid Consulting, über dieses Ergebnis, «aber die Faktoren liegen auf der Hand: Alle Häuser sind aus nachhaltigen Materialien gebaut und die Mehrheit der Menschen fühlt sich in ihren Häusern sicher und vor Naturkatastrophen geschützt.»
2016 hat Wirbelsturm Matthew im Südwesten der Insel eine Spur der Verwüstung hinterlassen und dabei auch Gebiete des Wiederaufbaus gestreift. Die von der Glückskette finanzierten Häuser haben standgehalten, was die Menschen bisher noch nie erlebt haben. 75% der Haushalte nutzen ausserdem immer noch Wasserstellen, die von den Partnern der Glückskette saniert oder gebaut wurden.
Der partizipative Ansatz geht als weiterer positiver Faktor aus der Umfrage hervor: Die Bevölkerung, darunter auch die lokalen Behörden, wurde an der Umsetzung der sie direkt betreffenden Massnahmen miteinbezogen. Dazu zählten unter anderem auch Schulungen. Schliesslich ist auch der langfristig geplante Projektausstieg, bei dem lokale Strukturen am Ende der Projekte die Arbeiten fortsetzen konnten, eine weitere Besonderheit der von der Glückskette finanzierten nachhaltigen Hilfe in Haiti.
Auch wenn die Menschen gemäss Befragung ihre Existenzgrundlage wiederherstellen konnten, so haben weitere Projekte – wie zum Beispiel berufliche Aus- und Weiterbildungen – welche zum Aufbau des Lebensunterhalts beitragen sollten, aufgrund der wirtschaftlichen Lage, nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Die befragten Personen unterstreichen jedoch die hohe Qualität der beruflichen Bildung, auch wenn diese aufgrund der Schwäche des Arbeitsmarktes bei den wenigsten zu einer dauerhaften Beschäftigung geführt haben.
Die Ergebnisse der breit angelegten Wirkungsanalyse zeigen unter anderem auf, dass die humanitäre Arbeit der Partner der Glückskette von den betroffenen Familien und Gemeinden sehr geschätzt wird und der Einsatz der Spendengelder Wirkung zeigt. Insgesamt hätten die Projekte ihre Ziele erreicht, konstatiert Roland Thomann, der neue Direktor der Glückskette: «Wir sind erfreut, dass die Verknüpfung von Nothilfe mit Wiederaufbau und Entwicklungszusammenarbeit offenbar einen erhöhten positiven Effekt für die betroffenen Menschen hat. Entsprechend wird die Glückskette zukünftig vermehrt in diese Art der Unterstützung investieren, um möglichst effizient und nachhaltig Hilfe leisten zu können. »
Leider habe sich aber im vergangenen Jahr die Lebenssituation der Bevölkerung in Haiti aufgrund gewalttätiger Proteste und Unruhen weiter gravierend verschlechtert. Ernst Lüber, Leiter Programmabteilung bei der Glückskette zeigt sich besorgt: «Die prekäre Situation hat fatale Folgen für die Lebenssituation der Menschen in Haiti und behindert ausserdem die aktuelle weiterführende Arbeit vieler Hilfswerke. Wir hoffen deshalb auf eine schnelle Rückkehr zur Normalität.»
Die Resultate der Wirkungsanalyse sind für alle Interessierten transparent und in der von den unabhängigen Expertinnen und Experten von Key Aid Consultant verfassten Version öffentlich zugänglich. Mit dieser vollumfänglichen Transparenz will die Glückskette aufzeigen, dass eine glaubwürdige und transparente Kommunikation im heutigen Spendenumfeld unerlässlich ist und zudem Vertrauen schafft.