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09. October 2018
-IAM, News
Jean-Louis Richard, Senior Financial Analyst
Die Zinssätze, genauer gesagt ihr sehr niedriges oder gar negatives Niveau in der Schweiz, sind eines der Mysterien dieses Konjunkturzyklus. Nach oben und auf ihrem Weg zu ihrer Normalisierung zu Beginn des Jahres haben sie im ersten Halbjahr einen Rückfall erlitten. Die Performance der 10-jährigen Bundesobligationen wurde erst Mitte September wieder positiv.
Die Situation ist jenseits des Atlantiks klarer: Letzte Woche hat die Fed ihre Leitzinsen zum achten Mal seit 2015 angehoben. Die kurzfristige Geldrente beträgt nun in den Vereinigten Staaten 2,25% und sollte 2,5% am Ende des Jahres erreichen. Dies ist noch nicht sehr hoch, aber die Kreditaufnahme kostet wieder etwas; kurz gesagt, die USA haben das Krisenumfeld verlassen, um zu einer normalen Situation zurückzukehren. Dies sollte so weitergehen, da Ende 2019 laut Fed eine Spanne zwischen 3,0% und 3,5% vorgesehen ist. Bei diesem Rhythmus sollte das Ende des Zyklus nicht sehr weit entfernt sein.
Die Vereinigten Staaten sind im Hinblick auf den Konjunkturzyklus Europa vier Jahre voraus. Der Grund ist die schnelle und entschlossene Reaktion ihrer Wirtschaftspolitik auf die Krise vor 10 Jahren. Europa dagegen entschied sich, unter dem Einfluss von Angela Merkel, für die Sparmaßnahmen und unter Jean-Claude Trichet für die Geldorthodoxie. Im Jahr 2012 hat die Europäische Zentralbank, die jetzt von Mario Draghi geleitet wird, letztendlich eine Kehrtwende getan, indem sie den Bankensektor aufgeräumt und das Wachstum kräftig unterstützt hat. Wird Europa das Ende seines Zyklus erreichen? Oder wird es durch den Abpfiff des Spiels, der auf der anderen Seite des Atlantiks erklingen wird, wenn die Zinsen zu stark auf die Wirtschaft lasten werden, mitgerissen? Das zweite Szenario scheint wahrscheinlicher.