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Nach «Force Majeure» und «The Square» begibt sich Ruben Östlund für «Triangle of Sadness» in die vermeintlich glamouröse Welt der Superreichen. Der schwedische Regisseur führt mit seiner scharfsinnigen Sozialsatire die Reichen und ihre Gepflogenheiten ad absurdum und sorgt damit für ordentliche Lacher.
Nach aussen hin gelten Carl (Harris Dickinson) und Yaya (Charlbi Dean) als erfolgreiches «Power Couple»: Er ist ein junges Model, das aussieht, als wäre es einem Abercrombie-&-Fitch-Katalog entsprungen; sie geht demselben Beruf nach und ist nebenbei angesagte Influencerin. Als Models befinden sie sich in einem der wenigen Berufsfelder, in dem Frauen mehr verdienen als Männer: Dies führt zu Auseinandersetzungen in der Beziehung, etwa wenn es darum geht, wer für das Abendessen aufkommen soll.
Dabei bringt die Vermarktung ihrer Schönheit zahlreiche Vorteile mit sich, unter anderem Freikarten für eine Luxus-Kreuzfahrt, die in «Triangle of Sadness» denn auch im Zentrum steht. Auf der Mega-Yacht angekommen, lernen Carl und Yaya Reiche aus aller Welt kennen: einen russischen Oligarchen (Zlatko Burić), das ältere britische Waffenhändler-Ehepaar Winston (Oliver Ford Davies) und Clementine (Amanda Walker), und natürlich eine Menge alte weisse Männer – allesamt exzentrische Persönlichkeiten.
Ruben Östlund hat es sich in seinem ersten englischsprachigen Film zur Aufgabe gemacht, die Schönen und Reichen zu entlarven.
Deren Wünsche zu erfüllen – mögen sie noch so absurd sein –, ist oberstes Gebot der Crewmitglieder. Im Gegensatz dazu ist der dauerbetrunkene Schiffskapitän (Woody Harrelson) wenig darum bemüht, das luxuriöse Erscheinungsbild zu wahren: Den Grossteil der Zeit verbringt er alleine in seiner Kabine, wo er ordentlich bechert und sich linker Gesellschaftskritik widmet. Als das obligatorische Kapitänsdinner, zu dem sich der leidenschaftliche Marxist dann doch noch widerwillig überreden lässt, ausgerechnet während eines heftigen Sturms stattfindet, beginnt die glänzende Fassade vollends zu bröckeln.
Ruben Östlund hat es sich in seinem ersten englischsprachigen Film zur Aufgabe gemacht, die Schönen und Reichen zu entlarven. «Triangle of Sadness» ist in drei Kapitel unterteilt: Er beginnt klein – mit Carl, Yaya und der Modeindustrie –, arbeitet sich vor zum anekdotisch erzählten Kuriositätenkabinett Luxusyacht – wo scharfsinnige Beobachtungen auf bisweilen derben Humor treffen – und endet mit einem Finale, in dem schliesslich alles aus dem Ruder läuft. Östlund zieht den Schluss der Handlung dabei unnötig in die Länge, nur um dann doch mit einem offenen Ende zu kokettieren.
Als durchgehender roter Faden der Geschichte dient die Kommodifizierung der Schönheit. Schönheit als Wirtschaftsfaktor wird entsprechend nicht nur auf der inhaltlichen, sondern auch auf der formalen Ebene behandelt: Dem Publikum werden Models in knapper Bekleidung, vorzüglich präsentiertes Essen und atemberaubende Hintergrundkulissen vorgeführt – Instagram-Ästhetik samt Schleichwerbung. Zu erblicken sind Luxusgüter so weit das Auge reicht, von Dom-Pérignon-Flaschen bis hin zu Rolex-Armbanduhren.
Ruben Östlund ist mit seinem aktuellen Film eine scharfsichtige Persiflage auf die Welt der Superreichen gelungen. Deren Gewohnheiten werden im Film so wundervoll böse, mitunter sogar zynisch überzeichnet, dass es einem kalt den Rücken hinunterläuft.
Die Yacht wird überdies zunehmend zum Sinnbild der sozialen Hierarchie: Während sich die blasierte Oberschicht auf dem Sonnendeck köstlich amüsiert, schuften unter Deck unermüdlich die Crewmitglieder. Die Besatzung, vor allem diejenige niedrigeren Rangs, wird im Film kaum gezeigt, wohl auch deshalb, weil sie sich mit weniger schönen respektive social-media-tauglichen Aktivitäten beschäftigen. Doch das Rad der Fortuna dreht sich weiter und die herkömmliche Ordnung wird auf den Kopf gestellt. So bekommen die Schönen und Reichen ihr Fett ab, woraus sich teilweise sehr unterhaltsame Szenen ergeben, die von einer ausserordentlichen Schadenfreude geprägt sind. Die erstklassige Besetzung ist sich dabei nicht zu schade, sich der Lächerlichkeit preiszugeben.
Der Humor ergibt sich aber auch aus den pointierten Dialogen und urkomischen Situationen. Dabei setzt Östlund mehrfach auf schnelle und einfache Lacher: Iris Berben etwa spielt eine deutsche Industriellengattin, die seit einem Schlaganfall im Rollstuhl sitzt und stets die drei gleichen Worte von sich gibt: «In den Wolken». Trotz dieses geringen Dialogs bringt die deutsche Schauspielerin eine unvergessliche Darbietung auf die Leinwand. Auch Woody Harrelson als amerikanischer Marxist und Zlatko Burić als russischer Kapitalist, die sich einen verbalen Schlagabtausch liefern, brillieren in ihren Rollen. Hervorzuheben ist zudem die philippinische Darstellerin Dolly de Leon, die nach ihrer Arbeit mit Regisseur Lav Diaz («History of Ha») in «Triangle of Sadness» ihren internationalen Durchbruch feiert. Zwar hat sie ihren grossen Auftritt erst im letzten Akt; nichtsdestotrotz verkörpert sie die Ambivalenz ihrer Figur hervorragend.
Ruben Östlund ist mit seinem aktuellen Film eine scharfsichtige Persiflage auf die Welt der Superreichen gelungen. Deren Gewohnheiten werden im Film so wundervoll böse, mitunter sogar zynisch überzeichnet, dass es einem kalt den Rücken hinunterläuft. Die in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnete Gesellschaftssatire ist aufgrund ihrer klugen Beobachtungen und exzellenten Besetzung auf jeden Fall sehenswert.
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Kinostart Deutschschweiz: 13.10.2022
Filmfakten: «Triangle of Sadness» / Regie: Ruben Östlund / Mit: Harris Dickinson, Charlbi Dean, Woody Harrelson, Zlatko Burić, Vicki Berlin, Iris Berben, Henrik Dorsin / Frankreich, Deutschland, Schweden, Grossbritannien, USA / 149 Minuten
Bild- und Trailerquelle: Xenix Filmdistribution GmbH
Mit «Triangle of Sadness» verpasst Ruben Östlund den Schönen und Reichen einen Denkzettel und beweist sich dabei als ein äusserst scharfsinniger Deuter der Gegenwart.