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Kurze Passage über erfolglose israelische Mondlandung im «Wissenschaftsmagazin» von Radio SRF 2 beanstandet
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Mit Ihrer E-Mail vom 15. April beanstandeten Sie das «Wissenschaftsmagazin» (Radio SRF 2 Kultur) vom 13. April 2019 über «das erste Bild eines schwarzen Lochs», darin die kurze Passage über die zerschellte israelische Mondsonde.[1] Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann daher darauf eintreten.
A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
«In der Wissenschaftssendung vom 13.04.2019 wird unter anderem über die missglückte Mondlandung des Israel-Raumschiffs ‘Genesis’ [2] berichtet.
- Erstens wird konsequent der Name falsch ausgesprochen, es tönt eher wie türkisch als hebräisch – man spricht dies nicht ‘böreschied’ aus sondern ‘bereschied’.
- Zweitens könnte meines Erachtens der Bericht zynischer und polemischer nicht sein. Ich habe mich während des Berichts gefragt, welches Problem die Autorin wohl haben mag mit diesem Projekt. Die Schadenfreude ist zwar förmlich verpackt, aber sie ist deshalb nicht weniger unpassend. Eines solche Art von Berichterstattung ist meines Erachtens für einen schweizer Sender völlig unpassend und eine solche populistische Art eines öffentlichen Senders unwürdig. Warum wird im Bericht nicht auch der Erfolg des Projektes betont? Vgl. dazu z.B. die Berichte[3], die zeigen, dass man es auch anders, ganzheitlicher, machen kann als SRF 2. Ich habe nichts dagegen, wenn man den Misserfolg, der ja deutlich vorliegt, zeigt und Gründe dazu ermittelt (wie die besagten Quellen dies ja auch tun), jedoch hätte ich von einer seriösen Berichterstattung etwas mehr Differenziertheit, Tiefgang und Hintergrund erwartet. Denn: Wenn man den besagten Bericht von SRF 2 hört, dann kriegt man in der Tat den Eindruck, dass es ein einziges, lächerliches Desaster war (sie ist ‘schnöde zerschellt’, mit Unterton). Ganz zu schweigen, dass im Bericht eigentümliche und meines Erachtens verletzende, herabwürdigende und feindliche Anspielungen zur hebräischen Bibel gemacht werden (anstatt: Bereschied=der Anfang gabs ein Tohuwabohu = Chaos). Ja, so macht SRF Israel und die Juden lächerlich, aber im Grunde genommen machen sich die Autoren des SRF mindestens so lächerlich, mit dieser Art von Berichterstattung; über ein Land, sein Volk und seine Wissenschaft nota bene, das immerhin zwischen 1901 und 2017 201 Nobelpreise gewonnen hat (=23% aller Preise).[4]
Ich erwarte zukünftig eine etwas respektvollerer und ganzheitlicherer Art von Berichterstattung, ohne unterschwellige Misstöne gegenüber anderen Menschen, woher diese auch immer kommen und was auch immer sie glauben.»
B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Für das «Wissenschaftsmagazin» antwortete Herr Dr. Thomas Häusler, Leiter der Redaktion Wissenschaft Radio:
«Gerne nehme ich wie folgt Stellung zur Beanstandung einer Meldung über das missglückte Landemanöver der israelischen Mondsonde B’Reshit (hebr. בראשית) im Wissenschaftsmagazin vom 13.4.2019. Autorin ist Katharina Bochsler.
Bei der Meldung handelt es sich um eine 31 Sekunden dauernde Kurzmeldung im Rahmen eines Moderationsgesprächs (ab Sendeminute 11:33). Im Inhalt geht es um den Absturz der israelischen Mondsonde B’Reshit auf der Mondoberfläche.
Der Beanstander führt verschiedene Gründe für seine Beanstandung an, die ich wie folgt beantworten möchte:
- <Erstens wird konsequent der Name falsch ausgesprochen>:
Der Beanstander spricht von einer konsequent falschen Aussprache des Namens der Sonde. Der Name «B’Reshit» entspricht den ersten beiden Worten des 1. Testaments: ‘Im Anfang...’. Frau Bochsler hat daher die Aussprache-Variante der hebräischen Sprache des 1. Testaments bzw. der hebräischen Bibel verwendet. Das <’> im Namen ‘B’Reshit’ steht für einen so genannten Schwa-Laut, was dann ungefähr so klingen kann wie ein <ö>. Im modernen Hebräisch (Ivrit) wird das <B’> heute jedoch wie <Be> ausgesprochen. Der Beanstander spricht sich für diese Version aus, was durchaus verständlich ist, da die Sonde ja ein Gerät der Moderne ist. Der biblische Name rechtfertigt jedoch durchaus die traditionelle Aussprache, wie Frau Bochsler sie verwendet hat.
- <Zweitens könnte meines Erachtens der Bericht zynischer und polemischer nicht sein>:
Der Beanstander hört Zynismus, Polemik und Schadenfreude aus der Meldung. Er vermisst Tiefgang und erhält den Eindruck, die Mission sollte als lächerliches Desaster erscheinen.
Es tut mir leid, dass dieser Eindruck entstehen konnte. Dieser war nicht beabsichtigt und wohl zu einem guten Teil der Kürze der Meldung (31 Sekunden) geschuldet, die ausschliesslich den wenige Stunden zuvor erfolgten Absturz der Sonde thematisierte. Da kann die Vermutung entstehen, Frau Bochsler hätte bewusst nur die misslungene Landung thematisieren wollen und die Daten, die die Sonde zuvor erfolgreich zur Erde senden konnte, ausgeblendet. Dies war nicht unsere Absicht. Die Meldung ist als letztes Update der Mission zu verstehen. Die News bestanden zur Zeit der Ausstrahlung in eben diesem Absturz. Aufgrund der begrenzten Sendezeit konnte Frau Bochsler den ersten Teil der Mission nicht extra thematisieren. Der Beanstander stört sich insbesondere auch am Wort ‘schnöde’, das Frau Bochsler verwendet hat: <die Raumsonde ist am Donnerstagabend Erdzeit auf dem Mond schnöde zerschellt>. Das kann tatsächlich flapsig wirken und ist ihr spontan im lockeren Zwiegespräch mit der Moderatorin über die Lippen gekommen.
- <... eigentümliche und meines Erachtens verletzende, herabwürdigende und feindliche Anspielungen zur hebräischen Bibel gemacht werden (anstatt: Bereschied=der Anfang gabs ein Tohuwabohu = Chaos)>:
Der entsprechende Satz in der beanstandeten Meldung lautete: <‚Be’Reshit‘ – ‚im Anfang‘ – so lauten die ersten beiden Wörter der hebräischen Bibel – B’Reshit endete in einem wahren Tohuwabohu.> Hier hat Frau Bochsler ein Wortspiel gemacht mit dem Wort ‚Tohuwabohu‘, das sehr gut zur Realität auf dem Mond passt und ebenfalls in den ersten Sätzen der herbräischen Bibel erscheint. ‚Tohuwabohu‘ bedeutet übersetzt nämlich ‚wüst und leer‘ (hebr. ‚tohu wa bohu‘). Und auf der Mondoberfläche herrschen nun mal tatsächlich Wüste und Einöde. Frau Bochsler hatte also keinesfalls die Absicht, sich herabwürdigend, verletzend oder feindlich über die hebräische Bibel zu äussern. Frau Bochsler hat Religionswissenschaften studiert und die Bibel in der Originalsprache gelesen.
- <...so macht SRF Israel und die Juden lächerlich>:
Diesen Vorwurf kann ich so nicht akzeptieren. Frau Bochsler hätte genauso berichtet, wenn eine amerikanische, russische, chinesische oder Schweizer Sonde auf dem Mond zerschellt wäre. Die Formulierung der Meldung stand somit in keinem Zusammenhang mit der Herkunft der Sonde bzw. dem religiösen und ethnischen Hintergrund der zahlreichen Konstrukteurinnen und Wissenschaftler, die an deren Bau und Mission beteiligt waren.“
C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sende-Passage. Was Sie beanstanden, ist eine kurze Passage innerhalb eines längeren wissenschaftlichen Gesprächs, in dem es um andere Fragen des Weltalls ging. Die Journalistin berichtet trocken und knapp, aber kenntnisreich, dass die israelische Sonde «Be’Reshit», die auf dem Mond hätte landen sollen, wegen des Ausfalls eines Motors auf dem Mond zerschellt sei. Es war eine Nachricht ohne Emotionen und ohne weiteren Hintergrund.
Eine Hintergrundsendung über die israelische Raumfahrt hätte anders ausgesehen. Man hätte berichtet über das große private Engagement sowohl von Sponsoren als auch von Ingenieuren, vom Willen eines kleinen Landes, sich nicht entmutigen zu lassen durch die viel größere Kelle, mit der die USA, Russland und China, aber auch Indien, Europa (ESA) oder Südkorea die Menus in ihrem Raumfahrtprogramm anrichten können, und von der Begeisterung in der Bevölkerung und bei den israelischen Politikern («small country, big dreams»). [5] Da wäre der Ehrgeiz durchgedrungen, als vierte Nation auf dem Mond zu landen.
Da es sich aber um keinen Hintergrundbericht handelte, sondern um eine Nachricht, war der Bericht knapp und trocken. Und er war nicht emotional, sondern distanziert. Hätte jemand von SpaceIL selber berichtet, wären vielleicht Trauer und Enttäuschung durchgeklungen oder aber auch Euphorie für einen weiteren Anlauf. Dies ist aber nicht die Aufgabe einer Journalistin, die in das Raumfahrtprogramm nicht involviert ist, sondern aus einer Beobachterposition berichtet.
Es stimmt zwar, dass das Wort «schnöde» verfehlt war, und es trifft sicher zu, dass «Be’Reshit» im modernen Hebräisch ein wenig anders ausgesprochen wird, aber das sind Fehler in Nebenpunkten, die nicht geeignet sind, die freie Meinungsbildung des Publikums zu beeinträchtigen. Und von der Absicht, Israel und die Juden lächerlich zu machen, habe ich überhaupt nichts gespürt. Da war kein antiisraelischer oder gar antisemitischer Unterton. Die Nachricht war – von den unbedeutenden Mängeln abgesehen – sachgerecht. Ich kann daher Ihre Beanstandung nicht unterstützen.
D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.Mit freundlichen Grüssen,
Roger Blum, Ombudsmann
[3] https://www.livenet.ch/themen/gesellschaft/international/asien/345635-israelraumschiff_genesis_beim_landen_zerschellt.html oder https://www.br.de/nachrichten/wissen/landung-mond-israel-mondsonde-beresheet,RIWfv8X
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