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Die Archive müssen die Möglichkeit haben, selber, ohne Rücksicht auf die Launen des Literaturbetriebs, ihre Bestände systematisch und möglichst vollständig zu erschliessen, um die Breite und Vielfalt der literarischen Produktion, ihrer Produktionsbedingungen und ihrer Rezeption im gesellschaftlichen Gedächtnis zu bewahren. ... Auf das feu sacré einzelner – so verdienstvoll und notwendig es ist – sollte man sich nicht verlassen müssen.
Christoph Geiser
Korrespondenz C.A. Loosli und Jonas Fränkel
Dominik Müller und Fredi Lerch haben einen Auswahlband mit Briefen von C.A. Loosli und Jonas Fränkel erarbeitet. «… dass wir beide borstige Einsiedler sind, die zueinander passen», aus dem Briefwechsel 1905–1958 ist in der Reihe Schweizer Texte beim Chronos Verlag erschienen.
Nachlass Adrien Turel
Der Nachlass des Schweizer Schriftstellers Adrien Turel (1890-1957) liegt in der Zentralbibliothek Zürich. Er ist nur teilweise zugänglich. Simon Morgenthaler untersucht die Materialien zu Turels "Reihen" im Hinblick auf eine Edition.
Der Stiftungsrat hat 2009 den Nachlass des Schriftstellers, Schauspielers, Malers und Grafikers Otto Nebel (1892-1973) für eine vertiefte Erschliessungs- und Auswertungsarbeit ausgewählt. Der aus Deutschland stammende Künstler, der bei der Zeitschrift Der Sturm mitarbeitete, emigrierte 1933 in der Folge der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten in die Schweiz. Sein eigenwilliges dichterisches Werk, das in der Nähe des Expressionismus anzusiedeln ist und teilweise auch literarische und bildnerischen Kunst miteinander verbindet, gehört zu den interessanten und kaum erforschten Beständen der Emigrantenliteratur. Die Erschliessungsarbeit ist von Bettina Braun im Schweizerischen Literaturarchiv Bern (SLA) geleistet worden. Frau Braun hat in Zürich Germanistik studiert und mehrere literarische Nachlässe aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit Schwerpunkt "Exil in der Schweiz" bearbeitet.
Die folgenden Links führen zur Ausstellung und zu den Publikationen, die im Rahmen des Otto Nebel-Projekts der Christoph Geiser Stiftung entstanden sind:
Der Schriftsteller, Publizist und Journalist Ossip Kalenter (eigentlich Johannes Burkhardt, 1900–1976) wurde in Dresden geboren. Er lebte und arbeitete in Italien und Prag, bevor er 1939 in die Schweiz flüchtete, wo er – trotz sieben Jahren Schreibverbot – den Rest seines Lebens verbrachte. Bekannt wurde Kalenter als Verfasser von Reisebüchern, Erzählungen und Feuilletons. Von Kalenter ist auch eine umfangreiche Korrespondenz überliefert, die u.a. auch seine Tätigkeit als Präsident des Pen-Zentrums deutschsprachiger Schriftsteller dokumentiert.
Die Erforschung des Nachlasses von Ossip Kalenter liefert einen wichtigen Beitrag zur Geschichte der Exilliteratur und des Feuilletons der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Natascha Fuchs hat als "lesende Archivarin" im Robert Walser-Zentrum die nachgelassenen Manuskripte, Briefe und Lebensdokumente Kalenters erschlossen und erforscht.
Publikationen, die im Rahmen des Ossip Kalenter-Projekts der Christoph Geiser Stiftung entstanden sind:
Natascha Fuchs: „Der Feuilletonist lebt auf dem Grunde der Menschheit und ernährt sich von Zweitdrucken“. Zum Nachlass von Ossip Kalenter (1900-1976). In: Zeitschrift für Germanistik Heft 3/2012. Schwerpunkt: Zur Poetik und Medialität des Feuilletons. Neue Folge. XXII. Jg. S. 659¬-664.
Die Christoph Geiser Stiftung hat die Ausstellung zu Leben und Werk von Peter Lotar mit dem Titel „Die Mauer ging mitten durch mich“ unterstützt. Sie ist im Oktober 2011 in Wien im Tschechischen Zentrum und im November 2011 im Prager Literaturhaus präsentiert worden. Damit hat Michaela Kuklova den Dramatiker, Schauspieler, Regisseur und Dramaturg Peter Lotar (Prag 1910 - Ennetbaden1986), der seit 1939 in der Schweiz lebte, zum ersten Mal der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Zudem hat die Stiftung die Publikation "Peter Lotar (1910-1986)", die aufgrund von Michaela Kuklovas Dissertaeion erschienen ist, unterstützt.
Fredi Lerch hat im Auftrag der Christoph-Geiser-Stiftung, Bern, aus Fränkels Nachlass dessen handschriftliche Auto-Bibliografie von 1900 bis 1964 elektronisch aufgearbeitet. Damit hat er einen Beitrag zur Sicherung und Erschliessung des Nachlasses von Jonas Fränkel, der grossen tragischen Figur der Deutschschweizer Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts geleistet.
Nach seinem Tod 1965 ist Jonas Fränkel in Vergessenheit geraten. Heute ist seine Wiederentdeckung nicht nur literaturgeschichtlich, sondern auch mentalitätsgeschichtlich von grossem Interesse. Fränkels umfangreiches Archiv im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern bietet die Möglichkeit für eine Wiederentdeckung.
Kuno Raebers Werk umfasst neben sechs Gedichtbänden fünf Romane sowie kürzere Erzählungen und eine Anzahl dramatischer Texte. Seine weit gespannten Interessen sind ausserdem durch zahlreiche Aufsätze zu Dichtung, Kunst, Religion und Geschichte dokumentiert. Das literarische Schaffen, verstanden als Sprachkunst, wird von Raeber klar von den kritischen und essayistischen Arbeiten abgetrennt. Zentrales Thema des poetischen Werkes ist – und das hebt sein Werk deutlich von demjenigen der meisten Zeitgenossen ab – die stetige Reflexion über Dichtkunst.
Der ausgesprochen reichhaltige, vielschichtige und interessante Nachlass Kuno Raeber befindet sich seit 1993 im Schweizerischen Literaturarchiv. Sibylle Greuter hat ihn 2013 und 2014 geordnet und inventarisiert. Das Inventar ist online.
Walter Morgenthaler und Thomas Binder stützen sich in ihrer historisch-kritischen Online-Edition Kuno Raeber Lyrik auf den erschlossenen Nachlass im Schweizerischen Literaturarchiv (SLA).
Mariella Mehr, 1947 in Zürich geboren, wuchs als jenisches Kind in Heimen, bei Pflegeeltern, in Erziehungs-, psychiatrischen und Haftanstalten auf – Opfer des sogenannten „Hilfswerks für die Kinder der Landstrasse“ (Pro Juventute). Mit 16 Jahren schrieb sie ihre ersten Gedichte. 1975 nahm sie ihre publizistische und gesellschaftspolitische Tätigkeit auf.
Die Materialien von Mariella Mehr im Schweizerischen Literaturarchiv (SLA) umfassen Typoskripte, Recherchematerialien und eine umfassende Briefkorrespondenz mit Privatpersonen, Verbänden, Medien und Verlagen. Hinzu kommt eine umfangreiche Dokumentation zum Thema Fahrende, Jenische, Roma („Zigeunerfrage“) in Geschichte und Gegenwart. Nina Debrunner hat das Archiv in den Jahren 2014/15 geordnet und erschlossen. Das Inventar ist online.
Gestützt auf diese Erschliessung ist der Band "Widerworte" (Hrsg. Christa Baumberger und Nina Debrunner) im Limmat Verlag erschienen.
Walter Vogt (1927-1988) war Mediziner und arbeitete zuerst als Röntgenarzt, später als Psychiater mit eigener Praxis. Er lebte mit seiner Familie in Muri bei Bern. Als Schriftsteller wurde er 1966 bekannt mit dem Kurzroman «Wüthrich». Vogt schrieb für Radio und Fernsehen und verfasste Erzählungen und Romane. Insbesondere entwickelte er eine Form von autofiktiven Tagebüchern, die er als Romane bezeichnete.
Der Nachlass von Walter Vogt liegt im Schweizerischen Literaturarchiv SLA und wurde 2015/16 von Fredi Lerch geordnet und inventarisiert. Das Inventar ist online.
Gestützt auf diese Erschliessung ist der Band "Hani xeit" (Hrsg. Fredi Lerch) im Verlag Der gesunde Menschenversand erschienen.
Die Schweizerische Schillerstiftung wurde 1905 auf Initiative des Lesezirkel Hottingens und mit Unterstützung des Bundes gegründet. Ihr Hauptzweck war die Unterstützung verdienter schweizerischer Schriftsteller und ihrer Hinterlassenen in Fällen schwerer Lebenssorge. Später kam die Ehrung wichtiger Werke aller vier Landessprachen durch jährlich verliehene Literaturpreise hinzu. Der Grosse Schillerpreis wurde 2012 vom Eidgenössischen Literaturpreis abgelöst.
Das umfangreiche Archiv der Schweizerischen Schillerstiftung dokumentiert lückenlos die über hundertjährige Geschichte der Institution. Von besonderem Interesse sind neben der internen Korrespondenz und den Sitzungsunterlagen des Stiftungsrates die knapp tausend Dossiers der Autorinnen und Autoren, die mit der Stiftung im Kontakt standen. Das Ende 2018 vom Stadtarchiv Zürich ins Schweizerische Literaturarchiv nach Bern übergebene Archiv wird von Louanne Burkhardt erschlossen und inventarisiert. Zum ausführlichen Erschliessungsbericht ; Passim 23 (2019)
Alice Ceresa (1923-2001) wurde in Basel geboren, wuchs im Tessin auf und liess sich nach Aufenthalten in der Schweiz, Frankreich und Italien 1950 in Rom nieder. Sie war Schriftstellerin, Journalistin und Übersetzerin. In ihren Hauptwerken La figlia prodiga (Premio Viareggio opera prima, Einaudi 1967), La morte del padre (Nuovi Argomenti, 1979), Bambine (Preis d. Schweiz. Schillerstiftung, Einaudi, 1990) und Piccolo dizionario dell’inuguaglianza femminile (posthum 2007) spielen Frauen- und Familienfragen eine wichtige Rolle
Ihre Privatbibliothek kam in zwei Tranchen - 2007 und 2015, ins Schweizerische Literaturarchiv (SLA). Sie besteht aus ca. 1'900 Bänden mit einer Vielzahl von Themen: Literatur, Bildende Kunst, Philosophie, Psychologie, Gender, Geschichte, Politik, Biologie, Logik etc.).
Tout Catherine Colomb
Après des séjours de jeunesse en Allemagne et en Angleterre, Catherine Colomb (pseudonyme de Marie Reymond-Colomb, 1892-1965) a étudié les lettres à Lausanne. Elle a passé la plus grande partie de sa vie en Suisse, élaborant en toute discrétion une œuvre romanesque audacieuse et aux facettes multiples.
Ce volume comprend l’intégralité des textes qu’elle a écrits de 1911 à 1965. Aux quatre romans publiés de son vivant s’ajoutent notamment deux romans inédits, un essai sur Béat de Muralt également inédit, et un ensemble d’articles parus dans la presse, pour la plupart jamais repris jusque-là.
Cette édition annotée dirigée par Daniel Maggetti (Section de français, Centre des littératures en Suisse romande) offre une plongée sans précédent dans l’univers d’une romancière profondément originale, dont les récits articulent avec virtuosité l’inscription dans une réalité fortement située, et l’ouverture au monde, à la multiplicité de ses cultures et à l’Histoire.
Daniel Maggetti (dir.), Tout Catherine Colomb, avec la collaboration d’Auguste Bertholet, Valérie Cossy, Anne-Lise Delacrétaz, François Demont, Claudine Gaetzi et José-Flore Tappy, Genève, Zoé, 2019. Détails (pdf)
Der Briefwechsel zwischen C. A. Loosli (1877-1959) und Jonas Fränkel (1879-1965) stellt ein wertvolles und facettenreiches kulturhistorisches Dokument dar. Die beiden «borstigen Einsiedler» (Loosli an Fränkel, 14.3.1908) nutzten den Austausch dazu, einander ihre unterschiedlichen Erfahrungen, Kompetenzen und Sensibilitäten zur Verfügung zu stellen, ungefestigte Einsichten zu diskutieren und im Austausch zu schärfen. Die Originaldokumente des Briefwechsels werden in den Nachlässen der beiden im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern aufbewahrt. Insgesamt liegt ein Bestand von 3145 Briefen, Post- und Ansichtskarten sowie einigen Telegrammen aus den Jahren 1905 bis 1958 vor. Das Inventar diente als Arbeitsinstrument für die Auswahledition: C. A. Loosli, Jonas Fränkel: «…dass wir beide borstige Einsiedler sind, die zueinander passen», ([Hg.] Fredi Lerch und Dominik Müller), Zürich: Chronos Verlag 2021.
Le fonds d’archives Fernand Chavannes, conservé au Centre des littératures en Suisse romande de l’université de Lausanne (CLSR) comprend la documentation la plus significative au sujet de ce dramaturge (1868-1936) dont l’élan novateur représente un moment important dans l’histoire du théâtre en Suisse romande.
Un des spécialiste de l’auteur, Joël Aguet, a inventorié en détail le fonds et l’a réorganisé selon les normes ISAD-G, en vue d’en faciliter l’accès aux chercheurs. Ce travail a mis en évidence des éléments méconnus, voire inconnus, aussi bien dans la partie non dramatique de l’œuvre (nouvelles et chroniques) que parmi la production pour le théâtre, où l’on peut désormais repérer plusieurs pièces qui nont jamais été prises en compte par la critique.
Présentés de manière détaillée et systématique grâce au logiciel d’archivage AtoM, les éléments du fonds permettront à terme une consultation à distance via internet. Cela devrait avoir pour effet une meilleure connaissance de l’œuvre, voire une relance de projets dramaturgiques ou éditoriaux autour de Chavannes.
Die Stiftung hat den Zweck, die Nachlässe und Vorlässe von Schriftstellerinnen und Schriftstellern - namentlich im Schweizerischen Literaturarchiv (SLA) - nach wissenschaftlichen Kriterien zu erschliessen und sie in geeigneter Form der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, damit die Breite und Vielfalt der literarischen Produktion, ihrer Grundlagen und ihrer Rezeption ins öffentliche Bewusstsein getragen und im gesellschaftlichen Gedächtnis bewahrt werden. Die Stiftung hat gemeinnützigen Charakter und keinerlei Erwerbszweck.
Details zur Förderung von Projekten
Marc Wehrlin †, Präsident
Christoph Geiser, Vizepräsident
Michael Schläfli, Geschäftsführer
Aline Delacrétaz, Stiftungsrätin
Christa Baumberger, Stiftungsrätin
werden in regelmässigen Abständen abgerufen.