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Einer der bekanntesten ehemaligen Junioren und Spielern des FC Glarus ist sicherlich René Botteron. Am 12. Mai 1982 stand er mit Standard Lüttich im Finalspiel des Europacups der Cupsieger gegen den FC Barcelona. Standard Lüttich verlor dieses Final-Spiel mit 1:2 (1:1).
FC Barcelona : Standard Lüttich 2:1 (1:1
Stadion: Nou Camp, Barcelona
80’000 Zuschauer
Tore: Vandermissen 0:1 (8. Minute), Simonsen 1:1 (45. Minute), Quini 2:1 (63. Minute)
Barcelona: Urruti, Alesanco, Gerardo, Migueli, Manolo, Moratalla, Sanchez, Esteban, Simonsen, Quini, Charasco
Lüttich: Preud’homme, Meeuws, Gerets, Poel, Plessers, Vandersmissen, Daerden, Haan, Botteron, Tahamata, Wendt
René Botteron, 17. Oktober 1954
Stationen: FC Glarus (1963 – 1973), FC Zürich (1973 – 1980), 1. FC Köln (1980 – 1981), Standard Lüttich (1982), 1. FC Nürnberg (1982 – 1983), FC Basel (1983 – 1987).
Schweizer Meister (1974, 1975, 1976), Schweizer Cup-Sieger (1976), Belgischer Meister (1982), 65 Länderspiele für die Schweiz
Im Buch „das Spiel meines Lebens“ (ISBN: 978-3-7245-1785-6) von David Mugglin und Benedikt Widmer erzählt René Botteron von seinem schönsten Spiel seiner Karriere. Im Falle von René Botteron ist es das Final-Spiel um den Europacup der Cupsieger 1982 gegen den FC Barcelona.
Das Spiel in Barcelona war trotz der Niederlage ein einmaliges Erlebnis für mich. Nie zuvor gab es ein solches Medieninteresse. Es war ein Spektakel schlechthin. Sogar ein Schweizer Journalist – ich glaube, es war Karl Schaller vom „Tages-Anzeiger“ – hatte sich speziell für mich auf den Weg nach Katalonien gemacht. Kein Vergleich mit dem ein Jahr zuvor ausgetragenen Final im selben Wettbewerb. Damals hatte das Endspiel im Europa-Cup der Cupsieger noch einen Minusrekord verzeichnet – keine 5’000 Zuschauer wollten Tiflis gegen Jena kicken sehen. Nun hoffte ich mit Standard Lüttich im selben Wettbewerb auf 100’000 Zuschauer im Nou Camp in Barcelona. Meine Erinnerung an diese Stätte war bestens, hatte ich doch im November 1980 mit dem 1. FC Köln das grosse Barcelona vor heimischer Kulisse mit 4:0 gedemütigt und aus dem UEFA-Cup geworfen. Doch jenes Spiel mit den Schumachers, Cullmanns, Stracks und Bonhofs hatte nichts mit dem bevorstehenden Final zu tun.
Zwei Tage vor dem Spiel waren wir nach Spanien gereist. Im Flugzeug mit dabei waren auch unsere Fans. Sie, die treuen Anhänger, wie auch wir mussten uns auf ein richtiges Auswärtsspiel vorbereiten. Barcelona hatte das Kunststück fertiggebracht, sich für jenen Final zu qualifizieren, für den es sich als Austragungsort vermutlich mehr als ein Jahr zuvor bei der UEFA beworben hatte.
Während des Spiels herrschte eine tolle Stimmung auf den Rängen, und unsere Anhänger machten trotz klarer numerischer Unterzahl immer wieder auf sich aufmerksam. Wir auch. Es waren keine zehn Minuten gespielt, da nahm der Niederländer Arie Haan Anlauf für einen Freistoss aus 22 Metern. Er war bekannt für seinen harten Distanzschuss. Doch diesmal täuschte er die Mauer und lancierte unseren schwedischen Stürmer Benny Wendt, dessen Rückpass Guy Vandermissen ins Tor lenkte. Die Taktik unseres Trainers Raymond Goethals schien aufzugehen. Er wollte aus einer sicheren Defensive mit Kontern den favorisierten Katalanen gezielte Stiche versetzen. Unsere Abwehrabteilung hatte es in sich: Michel Preud’homme, damals noch zweiter Torwart in Belgien, später zum Welttorwart gewählt, der unermüdliche und sich immer in die Offensive einschaltende Eric Gerets sowie der Routinier und Libero Walter Meeuws. Davor agierte unser Regisseur und Teamleader, der 34-jährige Arie Haan. Er war am Ball ungemein stark. Er wurde vom gross gewachsenen Jos Daerden abgesichert, der uns mit zwei Toren gegen Tiflis in den Final geschossen hatte.
Das Spiel entwickelte sich so, wie wir es erwartet hatten. Barcelona war spielbestimmend, ohne uns aber in Grund und Boden zu spielen. Im Gegenteil, es bedurfte der Unaufmerksamkeit unserer viel gelobten Defensive, um Barcelona auf die Siegerstrasse zu bringen. Das Ausgleichstor fiel unmittelbar vor der Pause. Keeper Preud’homme hatte eine weite Rechtsflanke unterlaufen, sodass ausgerechnet der kleine Allan Simonsen mit dem Kopf ausgleichen konnte. Beim 1:2 liessen wir uns wie eine Amateurmannschaft erwischen. Nach einem Foul 20 Meter vor unserem Tor führte in der 63. Minute der gewitzte Simonsen den Freistoss rasch aus, und wir schenkten – mit dem Fokus, eine Mauer zu stellen – Quini nicht die nötige Aufmerksamkeit. Und schon stand es 1:2 – das Schlussresultat.
Der Sieg des Teams von Udo Lattek war verdient. Trotzdem nagt die Niederlage an mir, vor allem, weil wir ein Auswärtsspiel bestreiten mussten. Das war ein echter Nachteil. Ich bin überzeugt, hätten wir zu Hause im Stade Sclessin gespielt, wären wir als Sieger vom Platz gegangen. Dort waren wir eine Macht, praktisch unschlagbar.
In jedem Frühling 1982 wurden wir souverän belgischer Meister. Ich hatte – nach einer unbefriedigenden Vorrunde beim 1. FC Köln – erst auf die Rückrunde zu Standard Lüttich gewechselt. Dieses halbe Jahr in Belgien war ein voller Erfolg für mich. Ich spielte in einem Superteam, gespickt mit vielen Internationalen. Dazu gehörte auch der kleine und pfeilschnelle Aussenstürmer Simon Tahamata, ein Niederländer mit Vorfahren aus den indonesischen Molukken (eine ehemalige Kolonie der Niederlande). Er war mit fairen Zweikämpfen kaum zu bremsen. Ein anderer Topmann war mein bester Kumpel aus dieser Zeit: Benny Wendt. Ein typischer schwedischer Mittelstürmer, bullig und kopfballstark. Er wohnte ganz in der Nähe von mir. Und da er kein Auto hatte, war ich immer sein Chauffeur. Mit ihm konnte ich mich gut in Deutsch unterhalten, da er zuvor einige Jahre in der Bundesliga bei Köln, Tennis Borussia Berlin und Kaiserslautern gespielt hatte. Die Niederländer im Team sprachen ohnehin deutsch, und bei den anderen Mitspielern musste mein einfaches Schulfranzösisch genügen. Für Anweisungen auf dem Platz reichten meine Kenntnisse allemal.
In Lüttich spielte ich wie oft in meiner Karriere auf dem linken Flügel. Da ich Rechtsfüsser war, flankte ich oft mit dem rechten Aussenrist. Oft wählte ich auch den Weg in die Mitte, um den Angriff mit rechts abschliessen zu können. Mein Wunsch, zentral hinter der Spitze zu agieren, blieb von meinen Trainern oft ungehört.
Ich war als erster Schweizer in einem Europacup-Finale mit dabei. Trotzdem, eine VHS-Kassette dieses verlorenen Finals sucht man bei mir vergeblich. Ich habe mir das Spiel nie mehr angesehen.