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Nicht sein Status als Genesener und die damit verbundene Frage, ob er aus medizinischen Gründen von der Impfpflicht in Australien befreit ist, könnte Novak Djokovic zum Verhängnis werden, sondern falsche Angaben in der Reiseerklärung. In dieser Selbstdeklaration hat Djokovic nicht angegeben, dass er innerhalb der 14 Tage vor Ankunft am Flughafen Tullamarine in Melbourne am Abend des 6. Januar gereist ist, wie «The Age» berichtet.
Doch das ist nachweislich falsch. Denn bis spätestens am 25. Dezember weilte Djokovic in Belgrad. An jenem Tag wurde der 34-Jährige dabei gefilmt, wie er in den Strassen seiner Heimatstadt Tennis spielte. Später hielt er sich im spanischen Marbella auf, wo er zeitweise lebt und trainiert. Am 4. Januar reiste Djokovic über Malaga und Dubai nach Australien.
Reisende müssen offenlegen, in welchen Ländern sie sich aufgehalten haben. «Falsche oder irreführende Angaben zu machen, ist eine schwere Straftat», die mit bis zu 12 Monaten Haft bestraft werden könne. Djokovic erklärte, das Formular sei in seinem Namen von Tennis Australia, dem Organisator, ausgefüllt worden. Die Verantwortung trägt indessen er.
Am Montag hatte der Federal Circuit and Family Court of Australia im Berufungsprozess dem Einspruch von Djokovics Anwälte gegen den Visumsentzug und die Ausweisung aus Australien stattgegeben und angeordnet, der 34-Jährige sei umgehend aus dem Hotel zu entlassen, in dem er seit Donnerstag festgesetzt worden war. Die Verfahrenskosten muss die australische Regierung tragen. Noch am Abend trainierte der Titelverteidiger der Australian Open erstmals im Melbourne Park.
Djokovic könnte Australien sogar auf Schadenersatz verklagen, nachdem das Gericht die Entscheidung als verfahrens- und rechtswidrig taxiert hat. Experten sprechen von einer Summe von bis zu 460'000 Franken.
Dass Djokovic entsprechende Schritte einleitet, ist nicht zu erwarten. Denn der Serbe steht selber weiterhin unter Beschuss. Einwanderungsminister Alex Hawke zieht in Erwägung, seine persönliche Widerrufsbefugnis in Anspruch zu nehmen, um Djokovic erneut das Visum zu entziehen. Seine Entscheidung hat Hawke um 24 Stunden auf Mittwoch vertagt.
Die falschen Angaben der Reisedeklaration sind nicht der einzige Grund, weshalb Hawke von seinem Recht Gebrauch machen könnte. Denn im Berufungsprozess befand das Gericht, bei der Einvernahme sei Djokovic zu wenig Zeit eingeräumt worden, um seine Anwälte zu konsultieren. Über die vielen weiteren Ungereimtheiten in seinem Fall wurde nicht beraten.
Befreiung von der Impfpflicht: Ausländer sind bei der Einreise nach Australien nur dann von der Impfpflicht befreit, wenn eine schwere medizinische Erkrankung innerhalb der letzten drei Monate vorliegt. Oder wenn eine «gravierende» Reaktion auf eine erste Coronaimpfung nachgewiesen werden kann. Beides trifft bei Djokovic nicht zu. Das hält die Australian Technical Advisory Group (ATAGI) fest. Eine Covid-19-Infektion innerhalb der letzten sechs Monate, mit der Djokovics Anwälte argumentierten, entbindet nur dann von der Impfpflicht, wenn die Erkrankung schwer verlaufen ist. Djokovic sagte aus, er habe keine Symptome gezeigt.
Missachtung der Isolation: Djokovic legte einen positiven Befund vom 16. Dezember vor. Statt sich in Isolation zu begeben, nahm Djokovic in den Tagen danach an mehreren Veranstaltungen teil, bei denen keinerlei Schutzmassnahmen getroffen worden waren. Er handelte damit fahrlässig und setzte andere der Gefahr aus, sich bei ihm anzustecken. Gemäss Biosecurity Act kann ein Visum entzogen werden, wenn der Verdacht besteht, dessen Halter könne eine «gesundheitliche Gefahr» darstellen. Nach der Frage, weshalb sein Bruder die in Serbien geltende 14-tägige Isolation ignorierte, brach Djordje Djokovic eine Medienkonferenz ab.
Fälschung des PCR-Tests: Ausgestellt wurde der positive Befund vom Institute of Public Health of Serbia, wie auch ein zweiter Test vom 22. Dezember, der ein negatives Ergebnis ausweist (und Djokovic damit das Reisen ermöglicht). Auf dieser Grundlage stellte Djokovic das Gesuch zur Befreiung von der Impfpflicht. Beide Dokumente wurden nach der Urteilsverkündung öffentlich zugänglich gemacht. Bei beiden besteht Zweifel an der Echtheit. Mehrere Nutzer berichteten, ihnen sei nach Scannen des QR-Codes ein negatives Testergebnis ausgewiesen worden. Das Magazin «Der Spiegel» bestätigt diese Unregelmässigkeiten. Seit Montagabend werden indessen nur noch positive Ergebnisse generiert. Fragen dazu beantwortete das Insititute of Public Health of Serbia nicht.
Das setzt Djokovic dem ungeheuerlichen Verdacht aus, ein gefälschtes Zertifikat vorgelegt zu haben. Es entsteht der Eindruck, er verstricke sich zwischen Lügen, Fälschungen und Ignoranz. Denn dass er das Coronavirus verharmlost, ist spätestens seit der Adria-Tour im Sommer 2020 verbrieft.
Einwanderungsminister Alex Hawke hat nun die schwierige Aufgabe, im Dickicht der Ungereimtheiten, Versäumnisse und Halbwahrheiten rund um Novak Djokovic eine Entscheidung zu treffen. Wohl auch deshalb spielt er auf Zeit und hat diese um 24 Stunden verschoben und auf Dienstag angekündigt. Was Djokovic retten könnte, ist der Reputationsverlust, der Australien droht, sollte er den Entscheid erneut umstossen. In vielen Ländern stellt man erst jetzt erstaunt fest, dass es in Australien möglich ist, dass ein einziger Minister die Befugnis hat, sich über ein Gericht hinwegzusetzen. (aargauerzeitung.ch)
«Ich hatte Schüttelfrost und Gänsehaut. Ich konnte mich nicht mehr richtig bewegen und habe nicht mehr dran geglaubt, noch zu gewinnen.» Am liebsten wäre Martina Hingis zum dritten Satz gar nicht mehr angetreten.