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Patronieren: traditionelle Oberflächentechnik
Die patronierten oder auch schablonierten Nägelikacheln sind typisch für Bauernöfen beginnend im 16. Jahrhundert und mit ihrem Höhepunkt in der zweiten Hälfte des 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Egli, 2019). Der Ofenbauer Fritz Gisler und nach ihm Rico Caprez haben einen Drittel der Kachelware selbst gebrannt und häufig mit patronierten, traditionellen Mustern verziert. Selten waren es auch eigene Schablonen-Entwürfe und vereinzelt Kopien alter Reliefkacheln (Haederli, 1974). Die in der Schweiz weitverbreiteten Muster nach dem floralen Vorbild der Nelke werden Nägelimuster genannt. Die Rapportmuster werden traditionell in ein Ziegenleder geschnitten, das dann als Schablone für die Patronier-Technik dient.
Patronierte Steingut-Kachel, glasiert
ehem. Werkstatt Gisler, Dällikon, 21.5 x 24
Rohstoff und Herkunft
Die Hafnerwerkstatt von Gisler hat das Material für die Kacheln in zwei Lehmgruben hinter der Werkstatt etwa 300 m bzw. 1800 m entfernt abgebaut. Einmal pro Jahr wurden vom Hafner etwa 5 bis 10 m3 Rohmaterial abgestochen, das anschliessend bei der Werkstätte gelagert wurde.
Nach dem „Schlämmen“ des Tons (Aufrühren mit Wasser) wurde dieser durch ein feines Sieb gereinigt und in Absetztrögen in die richtige Konsistenz gebracht. Das Material wurde danach im Lehmkeller zur Gärung gelagert («mauken»). Durch das Kneten mit Händen und Füssen wurde die Masse fertiggestellt und unter mehrmaligem Schlagen in drei bis vier Kilo schwere Klötze geformt.
Produktion und Verfahren
Mit einem Draht und Distanzhölzern wurden die Kachelblätter in gleichmässiger Dicke aus den Tonklötzen abgeschnitten. Die Stümpfe der Ofenkachel (das Profil der rückseitigen Kachelhälse) wurden auf einer selbst hergestellten Strangpresse von 1930 extrudiert oder auf der Drehscheibe gefertigt. Nach dem Zusammenfügen von Blatt und Stumpf und dem Trocknen wurde ein allfälliger Verzug im lederharten Zustand abgerichtet.
Gisler hat den Kachelscherben mit einer roten Grundierung bedeckt und dann mit der Ziegenleder-Schablone einen weissen Ton (meist ausländischer Herkunft) aufgetragen. Das angetrocknete Kachelmuster wurde eingeklopft, um eine bessere Haftung auf dem Grund zu erreichen und abstehende Randteile des Ornamentes zu glätten. Nach längerem Trocknen wurden die Kacheln bei 800–900 C° im Holzbrennofen in der Werkstatt direkt unter der Küche vorgebrannt. Nach dem Glasieren mit einer sog. Laufglasur, deren spezielle Zusammensetzung auch bei Gisler ein Werkstattgeheimnis war, erfolgte ein 30 Stunden langer Brand bis 1050 °C. Nach drei bis fünf Tagen Abkühlung konnten die fertigen Kacheln aus dem Ofen geholt und kontrolliert werden.
Anwendungen und Spezialitäten
Beim Kachelofen handelt es sich um einen klassischen "Fünfzüger" mit grosser Gewölbefeuerung. Die Feuerung war ausgezeichnet geeignet, um darin zu backen. Dazu funktionierte der Speicherofen in früheren Zeiten als Ganzhausheizung, allenfalls ergänzt durch einen Holzkochherd in der Küche. Die Öfen wurden als Hinterlader gebaut, die Einfeuertüre befand sich meist in Küche oder Gang.
Der ehemalige Hafner-Werkstattbetrieb wurde ab 1900 in Dällikon von Friedrich Gisler (1875 - 1943), danach von seinem Sohn Fritz Gisler (1906 - 92) und ab 1977 von seinem Nachfolger Rico Caprez (1955 - 2013) geführt. Der Einmannbetrieb war einmalig in der Arbeitsweise, aber auch in der Diversität & Qualität der Kacheln, da über die Zeit kaum Änderungen und Modernisierungen im Arbeitsablauf vorgenommen wurden. Vom Stechen des Lehms in der eigenen Grube über das Brennen im Holzofen bis hin zum fertig aufgesetzten Kachelofen beim Kunden zeigt sich eine Arbeits- und Lebenshaltung, soweit als möglich alles selber zu machen. Nach dem Tod von Fritz Gisler wurde von Rico Caprez, der die Werkstatt übernommen hatte, in den 1990er Jahren zum letzten Mal in dem Holzofen gebrannt (Heege, 2019). Heute wird die alte Werkstatt und das Haus als genossenschaftliches Wohn- und Atelier-Projekt genutzt.
Ein ausführlicher Bericht über die Hafnerwerkstatt von Adolf Haederli, der auch dieser Zusammenstellung zu Grunde liegt, kann über E-Periodica abgerufen werden.