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Würde ich behaupten, jede Minute der Lektüre sei reines Vergnügen gewesen, würde ich lügen. Die im Frühling 2020 erschienene deutsche Übersetzung von Professor Pikettys Wälzer «Kapital und Ideologie» ist mehr als 1300 Seiten schwer. Die sorgfältige Lektüre und die Besprechung auf engem Raum nahm eine Woche in Anspruch. Motiviert hatte mich der, aus meiner Sicht auch kritische, Austausch mit ihm am 11. März 2020 - mein Bericht lässt sich in der Zürcher Zeitung P.S. nachlesen.
Auf viele drängenden Fragen skizziert Piketty Ansätze ökonomisch nachvollziehbarer Antworten und untermauert sie mit grosser Datenfülle. Die Lektüre kann der Sprache und der Länge wegen zur Disziplinfrage werden, aber sie lohnt sich letztendlich. Vor allem zeigt sie auf, dass die vergleichsweise tiefe Ungleichheit von 1950 - 1990 von wirtschaftlichem Erfolg gekrönt war - und die Zunahme der Ungleichheit hohes Potential hat, allen zu schaden. Was, namentlich die Sozialdemokratie dagegen tun könnte und was sie in den letzten Jahrzehnten verpasst hat, legt er ebenfalls nachvollziehbar dar. Für mich als Sozialdemokratin so, dass es mir wirklich zu denken gab.
Bereits im März 2020 erschien mein Bericht über eine Diskussionsrunde von Piketty mit SP-Mitgliedern.