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Der SC Bern hat soeben ein weiteres Geschäftsjahr mit Gewinn abgeschlossen und YB steckt gleichzeitig in einer sportlichen und wirtschaftlichen Dauerkrise. Die Differenz zwischen dem SCB und YB macht ein Name: Marc Lüthi.
Der SCB und YB sind in der gleichen Stadt beheimatet und haben in ihrem Geschäft ähnliche Voraussetzungen. Ja, ein gut geführtes YB könnte sogar noch besser wirtschaften als der SCB.
Seit 2000 hat der SCB jedes Jahr mit Gewinn abgeschlossen und vier Titel (2004, 2010, 2013, Cup 2015) geholt. YB wartet seit 29 Jahren auf einen Titel und verliert im Fussballgeschäft inzwischen viel Geld. In den letzten fünf Jahren gab es auch mal Geschäftsabschlüsse mit geschätztem zweistelligem Millionen-Minus.
Warum ist das so? Warum ist der SCB seit Jahren wirtschaftlich und sportlich erfolgreich und YB nicht? Die beiden Sportunternehmen liefern uns fast bis zur Karikatur verzerrt die Erklärung dafür, wie gross im Sportbusiness der Einfluss charismatischer Persönlichkeiten ist.
Der SCB und YB sind ähnlich strukturiert. Der SCB ist zwar nicht Besitzer, aber Generalmieter des Stadions und alleiniger Rechteinhaber für Werbung und Gastronomie. Die SCB-Gruppe mit mehreren Töchterfirmen ist mehr als ein Sportunternehmen. Die Hälfte des Umsatzes in der Höhe von rund 52.5 Millionen Franken wird mit 16 Gastronomiebetrieben generiert. Dieser Bereich wird im Laufe dieser Saison um vier weitere Betriebe erweitert. Der Gewinn aus der letzten Saison liegt vor Abschreibungen und Steuern bei knapp einer Million Franken. Ausgewiesen wird ein Reingewinn von 76'000 Franken.
Damit kommt der SCB als umsatzstärkstes Hockey-Unternehmen allerdings noch nicht an den FC Basel heran, der pro Saison rund 100 Millionen Franken umsetzt. Aber Basel generiert viel Umsatz durch die internationalen Wettbewerbe, die es im Hockey so nicht gibt.
YB gehört einer Aktiengesellschaft (Sport und Event Holding AG), die auch Besitzerin des Stade de Suisse ist. Das bedeutet, dass beide, YB und der SCB, die gleiche, für Erfolg im Sportgeschäft entscheidende Voraussetzung haben: die «Bewirtschaftung» der Zuschauer (Verkauf von Bier und Wurst) während der Spiele. YB hat ein ähnliches Geschäftsvolumen wie der SCB. Die Sport und Event AG setzt zwischen 40 und 50 Millionen Franken pro Saison um.
Auch wenn es im nationalen Fussball- und Hockeygeschäft einige Unterschiede gibt, müsste YB sportlich und wirtschaftlich ähnlich erfolgreich sein wie der SCB. Aber hier haben wir ein Beispiel, dass Strukturen alleine den Erfolg nicht garantieren. Am Ende des Tages sind es Persönlichkeiten, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Die Differenz zwischen dem SCB und YB ist rein persönlicher Natur. Der SCB hat mit Marc Lüthi einen fähigen Manager. YB leidet hingegen unter Missmanagement.
Ein Blick zurück zeigt uns, warum das so ist. Der SCB hat mehr als 10 Millionen Schulden angehäuft und steht 1998 nach einer Nachlassstundung vor der Stunde null. Marc Lüthi übernimmt die Führung. Die Valora AG gibt mit einem Kredit in der Höhe von einer Million die Starthilfe. Entweder wird es gelingen, fortan schwarze Zahlen zu schreiben oder der SCB verschwindet von der Hockeylandkarte. Der SCB hat keinen «Götti», der den Fehlbetrag ausgleicht.
Marc Lüthi ist eine charismatische Persönlichkeit und ein begnadeter Verkäufer und Netzwerker. Innerhalb kurzer Zeit wird er zum «Mister SCB». Mit Verkaufs- und Organisationstalent schafft er rasch die Wende, seit dem Frühjahr 2000 gibt es nur noch schwarze Zahlen und die Valora-Starthilfe ist längst zurückbezahlt. Der SCB ist schuldenfrei.
Der heikle Balanceakt zwischen Sport und Business gelingt. Weil der SCB-General einerseits ein leidenschaftlicher SCB-Fan ist, aber andererseits auch ein knallharter Kostenmanager. Sportliche Krisen bleiben zwar nicht aus, aber sie werden rasch gelöst. Der SCB ist seit 2000 ein Spitzenteam. Inzwischen sind acht Mal hintereinander mehr als 16'000 Zuschauer im Schnitt zu den Spielen gekommen und der SCB ist vom Zuschaueraufkommen her die Nummer 1 in Europa.
Der SCB hat heute mehr als 50 Businesspartner und bereits die Silber-Sponsoren (ab 125'000 Franken) sind so zahlreich (mehr als 20), dass sie am Montag an der Bilanz-Medienkonferenz nicht mehr namentlich aufgezählt werden. Bei fast allen anderen Hockey- und Fussballunternehmen würde jeder einzelne Geldgeber in dieser Grössenordnung namentlich verdankt.
YB könnte auch so funktionieren. YB hat zwar eine ähnliche und doch andere Geschichte. Auch YB steckt in den 1990er-Jahren in einer existenziellen Krise und steigt sogar in die NLB ab. Das Unternehmen wird letztlich von den am Neubau des Stade de Suisse interessierten Kreisen «durchgefüttert» – wohl wissend, dass es ohne YB auch keinen lukrativen Stadion-Neubau gibt.
YB hat es bis heute nicht geschafft, sich aus dieser Abhängigkeit von «Göttis» zu befreien. Weil die Besitzer Andy und Hans-Ueli Rihs auch heute noch jedes Jahr das Minus ausgleichen, haben Missmanagement und Misserfolg keine Konsequenzen. Das Merkmal der Führung sind nicht klare Strukturen und Transparenz, sondern eine «Clan-Wirtschaft». YB wird nicht von einer charismatischen Persönlichkeit geführt, sondern von einer kleinen Männerrunde, die sich Posten und Pfründe sichert.
Wenn wir Passanten in der Stadt Bern fragen, wer SCB- und wer YB-General ist, so werden alle Marc Lüthi als grossen SCB-Vorsitzenden nennen. Aber wer YB führt, wird keiner sagen können. Seit YB-General Stefan Niedermaier vor fünf Jahren abgesetzt worden ist, gibt es eine Trennung der sportlichen und kommerziellen Führung.
Sportchef Fredy Bickel und Bürogeneral Alain Kappeler haben beide den Titel eines CEO und sind hierarchisch gleichgestellt. Der eine denkt sportlich, der andere kommerziell. So ist es schwierig, die Balance zwischen Sport und Kommerz, zwischen Investieren und Sparen zu finden. Und wenn keiner die Macht hat, aufzuräumen, dann ist es schwierig, eine neue Leistungskultur aufzubauen.
Gibt es eine Lösung? Ja, die gäbe es. Wenn sich die YB- und Stade de Suisse-Besitzer Hans-Ueli und Andy Rihs dazu durchringen könnten, ein «House Cleaning» zu veranstalten. Diese Bezeichnung kommt aus dem nordamerikanischen Sport. Als Grundsatz gilt: das Management hat das Anrecht auf drei Trainerentlassungen. Gibt es auch dann keine Rückkehr zum sportlichen Erfolg, dann ist klar, dass das Problem nicht die Trainer sind. Sondern das Management, und nebst dem Trainer werden auch alle im Büro gefeuert. Damit eine neue Leistungskultur entstehen kann.
Und wer könnte YB zum SCB des Fussballs machen? Nur eine Persönlichkeit, die nicht mit der aktuellen Führungsmannschaft verhandelt ist. Katharina Liebherr, die Besitzerin des FC Southampton, holt vor knapp zwei Jahren einen «Quereinsteiger», um ihr Fussballunternehmen auf Vordermann zu bringen: Ralph Krueger, zuvor Schweizer Eishockey-Nationaltrainer und NHL-Chefcoach in Edmonton. Der deutsch-kanadische Doppelbürger hat sich als charismatische Führungspersönlichkeit auch in der wichtigsten Fussball-Liga der Welt durchgesetzt.
Ralph Krueger hat seinen Wohnsitz nach wie vor in der Schweiz. Er könnte als «Marc Lüthi des Fussballs» YB sportlich und wirtschaftlich sanieren. Aber dann müssten alle gehen, die heute im Management etwas zu sagen haben. Das ist das Problem.