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Bellevueplatz 2015
Die Geschichte der heutigen Verkehrsdrehscheibe Bellevueplatz ist vergleichsweise jung. Der Platz dehnt sich über künstlichen Erdanschüttungen aus, die grösstenteils im 19. Jahrhundert eingebracht wurden. Der See, der im Mittelalter noch bis in dieses Gebiet reichte, musste wegen des wachsenden Bedarfs an festem Boden nach und nach weichen.
Das Bollwerk «Auf Dorf»
Den Auftakt zu dieser Entwicklung machte im 16. Jahrhundert das Bollwerk «Auf Dorf», das die Stadt zur Verstärkung ihrer Befestigung errichtete. Der Festungsbau wies eine Plattform für schweres Geschütz auf und war mehrheitlich von Wasser umgeben. Werkleitungsbauten, die von der Archäologie begleitet wurden, förderten im März 2015 Mauerreste dieses Bollwerks wieder ans Tageslicht.
Planausschnitt mit mittelalterlicher Stadtbefestigung (13. Jahrhundert, schwarz) und heutiger Bebauung (beige) in der Umgebung des Bellevue. Im ehemaligen Stadtgraben verläuft heute die Rämistrasse. Der Bau des Bollwerks «Auf Dorf» (grüne Linie) vor dem Langenöhrlisturm trug der zunehmenden Bedeutung der Artillerie im 16. Jahrhundert Rechnung.
(Plan AfS/Archäologie)
Ansicht des Bollwerks (grün) und der Stadtbefestigung an der rechten Seeseite. Die Rundbastion mit Zinnenkranz entstand 1558–1562. Sie war baulich mit dem Langenöhrlisturm verbunden und ursprünglich fast vollständig von Wasser umgeben. Das Bollwerk umfasste einen geschlossenen Raum (Kasematte) mit Schiessscharten sowie eine Plattform für Festungs-Artillerie zur Verteidigung gegen Angreifer auf dem See.
Stadtansicht von Johann Caspar Nüscheler, Matthäus Merian, um 1642 (Repro BAZ)
Beim Kanalbau wurden im März 2015 an zwei Stellen die Mauern des Verbindungsteils zwischen Turm und Bollwerk angegraben. Die mächtigen, bossierten Sandsteinquader der Westflanke sind von hoher Qualität und verdeutlichen die besonders sorgfältige Bauweise an der Schauseite gegen den See.
(Foto AfS/Archäologie, Josef Mader)
Kaum zu erkennen: das Bellevue in der Zeit um 1700. Die Erdaufschüttungen sind – nach dem Bau der barocken Schanzen – weiter fortgeschritten. Das Bollwerk (rechts) hatte seine ursprüngliche Funktion verloren und diente nun, versehen mit einem soliden Dach, als Salzhaus. Der Blick geht über den See zum alten Kratzquartier mit dem überragenden Kratzturm, das im 19. Jahrhundert abgebrochen wurde.
Zeichnung von Johannes Meyer (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv)
Um 1795 zeigte sich die gleiche Stelle weiter ausgebaut. Über einer neuen Ufermauer erhob sich das „Kohlepörtli“, durch das Materialtansporte vom See her getätigt wurden. Die Szenerie mit Wächter, Kuh und ankommendem Weidling ist als beschauliche Stadtrandidylle gehalten.
Franz Hegi, Matthias Pfenninger, um 1795 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv)