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Hufeisen von der Schlacht bei Dornach, Fotoplatten aus Glas, 14 Oldtimer - Settelen besitzt eine vielfältige Sammlung von historischen Gegenständen zur Transportgeschichte der Region. Ein Blick auf einige ausgewählte Objekte und die Geschichten, die sie erzählen.
Die Settelen AG pflegt eine umfangreiche historische Sammlung, welche die Verkehrsgeschichte und die Entwicklung des Unternehmens eindrucksvoll dokumentiert. Einige Objekte sind wesentlich älter als der 1883 gegründete Familienbetrieb «Tram-Omnibusdienst Jules Settelen». Möglich wurde das Entstehen und Wachsen der Sammlung durch die Lagerkapazitäten, über die Settelen seit dem Umzug an die Türkheimerstrasse (1907) verfügt. Im Inventar finden sich u. a. Kutschen, Oldtimer, Schreibmaschinen, Folianten, Dokumente, Militaria, Glasplatten (Fotos) oder Plakate. Kurz gesagt: Die Sammlung ist so vielfältig wie das Unternehmen. Eine kleine kommentierte Auswahl.
Zwei Hufeisen von der Schlacht bei Dornach (1499)
Während der ersten Hälfte seines Bestehens ist der Settelen-Betrieb mit dem Pferd gross geworden. Und von Pferden stammen auch zwei der ältesten Objekte der Sammlung, deren Herkunft nicht dokumentiert ist: zwei Hufeisen von der blutigen Schlacht bei Dornach (1499), die das Ende des Schwabenkrieges einläutete. Dabei besiegten die Eidgenössischen Mannschaften aus Solothurn, Bern, Zürich, Luzern und Zug das mit niederländischen Söldnern verstärkte schwäbische Heer. Laut Schweizer Quellen fielen rund 3000 Schwaben und 500 Eidgenossen auf dem Schlachtfeld. Wie viele Pferde verendeten, ist nicht dokumentiert.
Am 22. September 1499 wurde der Schwabenkrieg mit dem Frieden zu Basel beendet. Zwei Jahre später trat Basel der Eidgenossenschaft bei.
Plakat zum «Bundesgesetz über das Postregale» (1849)
Die Gründung des Bundesstaates im Jahre 1848 führte zu grundlegenden organisatorischen Veränderungen der Schweiz: Interkantonale Handelshemmnisse verschwanden, Post- und Münzwesen wurden «nationalisiert». Das «Bundesgesetz über das Postregale», welches am 2. Brachmonat (Juni) 1849 in Kraft trat, war die Geburtsstunde der Schweizer Post. Damit erhielt der Bund das Monopol über die postalischen Dienstleistungen. Um die Bevölkerung über diese grundlegende Änderung zu informieren, liess der Bund flächendeckend solche Plakate aushängen. Zuvor waren die Kantone für die Verteilung von Paketen und Briefen verantwortlich.
Das Plakat stammt aus den Hinterlassenschaften von Henry Imhoff, dem Schwiegervater von Julius Settelen. Imhof baute zuerst Postkutschen, führte ab den 1860er Jahren einen eigenen Postpferdebetrieb und eröffnete 1881 in Basel das schienenlose Rösslitram.
Die Schweizer Post ist etwas älter als der Schweizer Franken. Denn Münzen der neuen, einheitlichen nationalen Währung wurden erst ab 1850 geprägt – zu Beginn in Strasbourg und Paris!
Das Brautcoupé Nr. 2 (um 1860)
Ein bisschen jünger als das Bundesgesetz über das Postregale ist das Brautcoupé Nr. 2, das Settelen 1925 von der Basler Familie Bachofen übernommen hat. Der Überlieferung nach soll es gebraucht aus Paris nach Basel gelangt sein und ursprünglich vom französischen Kaiserhof stammen. Der schwere (um 650 kg), aufwändig gebaute und ausgestattete Wagen dürfte von seiner Bauweise her um 1860 entstanden sein. Er ersetzte bei Settelen das 1896 von der Basler Familie Merian im Lilienhof stammende Brautcoupé Nr. 1.
Beim Brautcoupé Nr. 2 handelt es sich um ein Coupé trois-quart, die grössere vierplätzige Version des zweiplätzigen Coupés. Es ist zweispännig zu fahren. Die Bremse wird über ein elegantes Handrad am Kutscherbock bedient. Das Coupé wurde für formelle Anlässe, wie Theater- und Konzertbesuche sowie Fahrten zu Empfängen, Einladungen usw. eingesetzt.
Heute kann das Brautcoupé im Pantheon in Muttenz bewundert werden.
Die Fotosammlung
Ein wichtiger Bestand ist die Fotosammlung, welche die Geschichte des Unternehmens seit der Gründung dokumentiert. Zu erwähnen sind vor allem die rund 200 Glasplatten, die noch aus dem 19. Jahrhundert stammen oder die zahlreich Kino-Werbedias, deren älteste auch schon 100 Jahre auf dem Buckel haben.
Alle Bildträger aus Glas mussten in säurefreiem Papier archiviert werden, um deren Fortbestand zu gewährleisten. Ohne diesen Bestand wären die illustrierten historischen Texte in diesem Heft nicht denkbar.
Vom Bleistift zum Computer
«Schon wieder ein Update … und warten bis das Betriebssystem wieder aktuell ist». So oder ähnlich lästern heute Büroangestellte rund um den Globus über ihr wichtigstes Arbeitsgerät, den Computer. Vergleicht man ihre Arbeitsbedingungen mit früher, so klagen sie auf allerhöchstem Niveau.
Als Julius Settelen 1883 den Betrieb gründete, existierten in den USA gerade mal die ersten serienmässig hergestellten, mechanischen Schreibmaschinen – eine Schreibmaschine mit sofort sichtbarer Schrift wurde allerdings erst zehn Jahre später patentiert. Auch die erste Grossserie (rund 1500 Stück) von mechanischen Rechnern jener Zeit hatte ihre Tücken: Die Geräte waren damalige Spitzentechnologie und konnten nur in Paris gewartet oder repariert werden. Deshalb ist davon auszugehen, dass bei Settelen bis ins 20. Jahrhundert alle Rechnungen, Verträge, Inventare etc. von Hand geschrieben wurden.
Die ältesten erhaltenen Büromaschinen in der Firmen-Sammlung sind rund 100 Jahre alt. Textverarbeitungssenior ist eine Remington Standard 12, eine mechanische Typenhebelschreibmaschine aus den USA (1922). Sie erleichterte während mindestens zwei Jahrzehnten die Büroarbeit. Noch 1942 tauchte sie mit einem Wert von Fr. 50.– im Inventar auf. Auch der Doyen unter den mechanischen Rechnungsmaschinen stammt aus den USA: The Barrett 12 vom Tüftler und Erfinder Glenn Barrett (1869-1957). Verschiedene Firmen stellten The Barrett von etwa 1915 bis 1940 her. Unser Modell stammt aus den frühen 1920ern und kostete 1926 in Deutschland 960 Mark. Keine dieser Maschinen erhielt je ein Update. Sie wurden einfach ersetzt.
1990 begann bei Settelen das Computerzeitalter. Das Unternehmen erwarb zwei Compac Deskpro 386 (zum Stückpreis von rund Fr. 10’000.–). Der 386er kam 1986 auf den Markt und brachte IBM, den damaligen PC-Marktführer, in Bedrängnis. Denn er war nicht nur preisgünstiger, sondern gehörte damals auch zu den schnellsten PCs der Welt.
Neben diesen drei erwähnten Modellen umfasst die Büromaschinen-Sammlung von Settelen die ganze Palette technischer Hilfsmittel seit der Gründung des Betriebes: kleine und grosse Waagen, mechanische und elektrische Schreibmaschinen (darunter unterschiedlichste Modelle der Hermes Ambassador), ratternde Registrierkassen oder die von Schulkindern meiner Generation geliebten Schnapsmatrizendrucker.
Die Oldtimer
Zur Settelen-Sammlung gehören auch 14 Oldtimer. Neben Modellen der Marken, mit denen Settelen gehandelt hat und handelt (DAF, Triumph oder Toyota), findet sich auch ein «exotisches» Fahrzeug: ein Kalmar KVD 441 B (1970). Dieses Transportfahrzeug entwickelte DAF speziell für die schwedische Post. Es besteht aus glasfaserverstärktem Kunststoff und ist mit Schiebetüren versehen. Vom Kalmar wurden weniger als 2’000 Stück produziert.
«Star» der Sammlung ist ein Renault Heck, von dem zwischen 1948 und 1961 1,1 Millionen Exemplare gebaut wurden. Er ist Frankreichs Antwort auf den deutschen VW Käfer und Englands Morris Minor. Diese drei Kleinwagen ermöglichten die Massenmotorisierung im Nachkriegseuropa.
In Basel wurde der «Heck» 1952 als «Veyeli» zum Stadtgespräch, als die Taxizentrale mit 20 Modellen ein neues, violett lackiertes Kleintaxi einführte. Die Nachfrage nach dem günstigen «Veyeli» übertraf alle Erwartungen. Das neue Kleintaxi war Thema zahlreicher Kolumnen und wurde in diesem Jahr zu einem beliebten Fasnachtssujet.