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sondern auch in der Konstruktion und der inneren Einrichtung wesentliche Unterschiede auf; es gibt wohl kaum ein örtlich so beschränktes Gebiet, auf dem eine solche Mannigfaltigkeit der alt hergebrachten Bauweisen zu finden wäre, wie in der Schweiz. Die wesentlichsten Bauarten sind, von Westen nach Osten geordnet, folgende:
1. Das Jurahaus, den Berner Jura, die Kantone Neuenburg, Waadt, Genf und den grössten Teil des Kantons Freiburg umfassend. Charakteristisch für dieses Jurahaus ist die eigentümliche Vereinigung von Haus und Scheune unter einem Dach, in der Weise, dass die Scheune (grange) die Mitte des Gebäudes einnimmt; sie ist oft auf beiden Seiten von Wohnräumlichkeiten umrahmt, die in Mauerwerk aufgeführt sind, während die Scheune in Ständerbau erstellt ist. Das jurassische Haus tritt in zwei Hauptformen auf:
a) dasjenige des Berner Jura; sein Wahrzeichen ist das Küchengewölbe (la vôte) aus Tuffstein, das die Küche überspannt (vergl. den Grundriss des Jurahauses).
b) das Haus der übrigen französischen Schweiz, dessen Hauptkennzeichen das grosse Bretterkamin ist, unten bis 5/7 m im Geviert messend, mit beweglichem Holzdeckel; dasselbe erstreckt sich übrigens auch noch in deutsches Gebiet bis nach Obwalden. Die Küche bildet den Mittelpunkt der Wohnung, und das Kamin ist oft ihre einzige Lichtquelle (vergl. die Abbildung des Freiburger Hauses.)
Den Eingang zu dem meist einstöckigen jurassischen Haus bildet eine Art Vorraum, ein Hausflur (le devant-huis) zwischen den Wohnräumen und vor der Scheune, oft ohne Tor, von wo aus man direkt in Stall und Scheune, aber auch in die Wohnräume gelangt: die Küche, die Stube («pelyo» oder «pelo»),
Kammer und Keller. Die Dächer sind meistens mit groben Schindeln eingedeckt, seltener mit Hohlziegeln oder, in den an deutsches Gebiet grenzenden Gegenden, mit Stroh.
Es ist, als ob der Häuserstil des Jura sich den Bergformen des Landes anschliesse: den geringen Erhebungen und der gleichförmig welligen Bodengestaltung entsprechend sind die Häuser meistens niedrig und schmucklos;
die Bauten scheinen von der harten Arbeit der Landhauern vor der Einführung der Industrie zu sprechen.
2. Oestlich schliesst sich diesem jurassischen Haus das sog. dreisässige Haus, das Haus des schweizerischen Mittellandes von Freiburg bis Weinfelden, von Thun bis Basel an. Es hat seinen Namen von der fast stereotypen Anordnung der drei hinter- (oder neben-) einander liegenden Gemache: Stube, Küche und Hinterstube (bisweilen heller). Scheuer und Stallung sind mit dem Wohntrakt gleichfalls zu einem Einheitsbau, mit Giebelfront, verbunden. Vielfach treffen wir noch das hohe steile Strohdach, welches erst bei abnehmendem Getreidebau durch ein Schindel- oder Ziegeldach ersetzt wird. Dieser Häusertypus variiert stark von Kanton zu Kanton. Seine wichtigsten Vertreter sind:
a) Das Bernerhaus, z. B. das des Emmenthales (siehe Abbildung und Grundriss des Hauses in Heimenschwand). Es ist ein gewaltiger Bau, der Obdach für Menschen, Vieh und Vorräte aller Art bietet, so recht geschaffen als Mittelpunkt eines stattlichen Bauerngutes. Das gewaltige, mit Ziegeln oder mit Strohgedeckte Dach reicht bis fast auf den Boden und umgibt den ganzen Bau wie eine schützende Hülle, unter der er sicher ruht. Lauben umgeben das Haus auf mehreren Seiten, geschützt durch das weit vorragende Dach.
b) Das sog. Stockhaus im Kanton Solothurn, Alt-Aargau bis an die Reuss und Luzerner Gäu, trägt meistens noch das alte Strohdach, das freilich allmählig dem Ziegeldach weichen muss. Die Dörfer, obwohl zusammengebaut, bilden keine Reihen. Das Haus, Wohnung und Scheune mit Stall umfassend, ist ein Ständerbau, nur das eine hintere Gemach, der «Stock», von dem das Haus seinen Namen erhalten hat, ist gemauert. Wir geben hier die Abbildung eines Stockhauses aus dem Aargau.
c) Im Kanton Zürich und den östlich angrenzenden Gebieten herrscht, je weiter östlich wir vordringen, immer mehr der Riegelbau vor, der einen ganz schmucken Eindruck macht (vgl. das Haus aus Tobel); damit harmoniert eine eigentümliche, oft wiederkehrende rautenförmige Verzierung an Tenntoren und dergl. Neben dem Riegelbau finden sich auch nicht selten noch hölzerne Häuser in Block- oder Ständerbau.
3) Das Länderhaus, das seinen Namen wohl von den Ländern (d. h. den zum Dach verwendeten Holzschindeln) erhalten hat, ist das eigentliche schweizerische Gebirgshaus auf der ganzen nördlichen Abdachung der Alpen und zwar vom waadtländischen Pays d'Enhaut durch das Berner Oberland und die drei Urkantone bis nach dem Toggenburg, Appenzell und St. Galler Rheinthal; auch der Kanton Glarus und die deutschen Gegenden Graubündens, ebenso wie das Oberwallis zeigen mehr oder weniger den gleichen Typus. Seine einfachste Form zeigt obiger Grundriss eines Hauses aus dem Muotathal. Eigentümlich ist dieser Bauart, mit einzelnen Ausnahmen, die Trennung der Scheune vom Haus oder die Verbindung beider durch Kreuzfirst, sowie der überall vorherrschende Blockbau, d. h. die Wände bestehen aus mehr oder minder behauenen, oft auch rund belassenen Stämmen. Stube (und Nebenstube) liegen in der Regel am Giebel des ¶
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Hauses, der Hauseingang, seitlich, führt direkt in die Küche oder in einen kleinen Flur.
Hauptvertreter des Länderhauses sind:
Typen schweizerischer Bauart.
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a) Das Berneroberländer-Haus. Es zeichnet sich aus durch sein «läges», d. h. wenig steiles Dach aus dicken Schindeln, mit grossen Steinen beschwert, durch meistens gekoppelte Fenster und durch mancherlei Schmuck: Inschriften, verzierte Dachpfetten, Kerbschnitzereien und Konsolen. Vergl. die Abbildung des Hauses in Lauterbrunnen.
b) Das Haus der drei Urkantone zeigt keine so einheitliche Form;
es hat im allgemeinen steileres Dach;
hie und da sind die Blockwände mit kleinen Schindeln (im Dialekt «Schüepli» geheissen) verkleidet;
an einzelnen Häusern findet sich das grosse Bretterkamin des jurassischen Hauses.
c) Das Appenzellerhaus, mit einigen Modifikationen auch in den angrenzenden Landschaften vorhanden, wird gekennzeichnet durch die reich gekoppelten Fensterreihen mit Ziehladen und durch die Vorliebe für Schindelbekleidung; beides gibt dem Haus, verbunden mit der bekannten Sauberkeit, etwas ungemein Freundliches und Wohnliches. Da die Dächer nicht so weit vorragen, werden vielfach über den Fensterreihen kleine Schutzdächer angebracht Vergl. die Abbildung des Hauses in Urnäsch.
d) Das deutsch-bündnerische Gebirgshaus gleicht am meisten dem Berneroberländer-Haus, nur ist es im allgemeinen einfacher und weniger stattlich. Allein auch hier finden wir die Vorliebe für Inschriften, für Lauben, die manchmal zierlich geschnitzt sind, für allerlei Verzierungen am Balkenwerk und an den Dachpfetten. Den schönsten Schmuck des Hauses bildet aber der selten fehlende Blumenflor auf den Fensterbrettern. Ein höchst einfaches Beispiel bietet unsere Abbildung des Hauses aus dem Prätigau.
4. Ganz verschieden von diesem deutsch-bündnerischen, wie überhaupt von dem Länderhaus, ist das Engadinerhaus, das freilich nicht auf das Engadin allein beschränkt ist, sondern auch in andere Thäler hinübergreift, sich aber doch am ausgeprägtesten und stattlichsten im Engadin zeigt. Das Engadinerhaus ist, mit geringen Ausnahmen, aus Stein oder aus Blockwänden mit Mauerverkleidung erbaut. Charakteristisch ist für dasselbe das mit Steinen oder mit steinbeschwerten grossen Schindeln gedeckte, wenig geneigte Dach; häufig finden sich alte ¶