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In memoriam: Arnold Hottinger
Dabei waren auch seine zwei Töchter Jessica und Silvia, sein Sohn Julian sowie seine Lebenspartnerin Ingrid Hörsch. Musikalisch begleitet wurde die Feier von Christian Moser, Oud.
Arnold Hottinger, ein Mann der ersten Stunde bei Journal21.ch, ist am 21. Mai dieses Jahres im Alter von 92 Jahren in Zug gestorben.
Mehrere Rednerinnen und Redner gedachten des grossen Nahost-Experten. Wir publizieren hier die Texte ihrer Ansprachen.
Jessica Hottinger, Tochter von Arnold Hottinger:
«Daddy»
«Ich habe erst nicht gewusst, was ich Ihnen allen, die ihn gekannt und geliebt haben, über Daddy erzählen soll. Ich schätze, ich kann nur eine weitere Facette über jene Persönlichkeit beitragen, die Mommy <the Great Man> nannte.
Daddy kam in Basel zur Welt. Seine deutsche und elsässische Mutter, die wir Kinder Nona nannten, hatte ihre erste grosse Liebe im Ersten Weltkrieg verloren und einen Assistenten ihres Vaters geheiratet. Hotti war aber auch Schweizer, d. h. er kam aus einem neutralen Land, was für Nona wichtig war. Daddy überliess es seiner Schwester Ursula, für ihn zu sprechen, und er sprach nur, wenn er sicher war, dass er einen richtigen Satz sagen konnte. Baby Talk war nichts für ihn.
Obwohl Hotti Schweizer war und natürlich auch Nona und ihre Kinder es waren, gingen sie Hottis Arbeit wegen nach Deutschland.
1926 geboren, erfuhr Daddy wie alle anderen Kinder seiner Generation bald die Folgen der Politik und des Dritten Reiches. Die Familie musste Deutschland 1933 überstürzt verlassen und zurück in Basel, musste er erst Schweizerdeutsch lernen. In der Schule haben sie ihn seines deutschen Akzents wegen gehänselt und so lernte er nie richtig Schweizerdeutsch.»
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Es ging ihm nicht um Scoops oder Sensationen, sondern um die Erhellung von Zusammenhängen
Ignaz Staub, Autor von Journal21, früher Korrespondent vom Tages-Anzeiger im Nahen Osten und in den USA:
«Ich weiss, dass ich sterben werde, bevor die arabische Welt ihre Dauerkrise überwindet», schreibt Arnold Hottinger wenig optimistisch 2004 in seinem Buch «Islamische Welt». Ulrich Schmid, einer seiner Nachfolger als Nahost-Korrespondent der NZZ, schreibt 2019 zum Ende seiner Tätigkeit optimistischer, dass der Umstand, dass sich Fata Morganen als Trugbilder entpuppten, zwar enttäuschend sei, aber auch Chancen biete:
<Die arabische Welt hat heftig geträumt vom Sieg über Israel, vom Paradies des Sozialismus, vom Panarabismus. Nichts davon ist in Erfüllung gegangen, und natürlich wird auch der Traum vom militanten Islamismus, der die permanenten Frustrationen vergessen machen soll, platzen. Vielleicht versucht man es dann wieder einmal mit der komplizierten, imperfekten und ach so mühsamen Demokratie.> Schön wär’s!»
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A. H. – ein Markenzeichen für die NZZ
Reinhard Meier, Autor von Journal21, früher stv. Auslandchef NZZ, NZZ-Korrespondent in Moskau, Washington und Bonn:
«Über Arnold Hottinger habe ich erstmals als junger NZZ-Korrespondent in Moskau Näheres erfahren. Das war Mitte der 1970er Jahre. Mein damaliger Moskauer Kollege Rudi Chimelli von der Süddeutschen Zeitung erzählte mir öfters und gerne von seinen Korrespondentenjahren in Beirut und von seiner Freundschaft mit Arnold Hottinger. Er schwärmte vom angenehmen Leben im damaligen Beirut, das man einst <Paris des Orients> nannte und dessen Weltläufigkeit diejenige der damals ziemlich grauen Sowjetkapitale deutlich überrage. Chimelli berichtete bewundernd von der unermüdlichen Schaffenstätigkeit seines Kollegen Hottinger. Wann immer man ihn in Beirut besucht habe, unfehlbar habe man Arnold vor seiner Schreibmaschine sitzend beim Tippen eines neuen Textes angetroffen.»
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Alle sind ersetzbar, Arnold Hottinger ist nicht ersetzbar
Heiner Hug, Gründer von Journal21, früher Redaktionsleiter Tagesschau, Schweizer Fernsehen:
Dear Jessica, dear Silvia, dear Julian, liebe Frau Hörsch, sehr geehrte Damen und Herren
Es war im vergangenen Herbst. Arnold Hottinger war schon krank. „Gesundheit wackelig“, sagte er beschönigend. Eines morgens schrieb er mir: „Ich kann heute leider keinen Bericht zu den Ereignissen in Syrien liefern. Ich wurde in die Notfallstation ins Basler Spital eingeliefert.“ Wir hatten schon Angst. Am späten Nachmittag mailte er uns eine detaillierte Analyse zum Geschehen in Syrien – geschrieben im Spitalbett in der Notfallstation.
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Ich lernte einen Menschen kennenlernen, der mich durch sein Wissen, seine Bescheidenheit tief beeindruckte!! Auch das Honorar war Nebensache!
Annelies Ursin, Kulturschaffende Zug:
«Liebe Anwesende, ich möchte Sie nicht strapazieren mit einem langfädigen Bericht: nur kurz an die Zeit erinnern, in der ich Arnold Hottinger in Zug erleben durfte. Anfang 2000 gab es eine grosse Zurückhaltung in Zug gegenüber den relativ grossen und verschiedenen Islam-Gemeinschaften (Albaner, Türken, Bosnier). Mein Interesse für die Palästinenser wurde geweckt von einem Du-Heft vom September 2006: mit eindringlichen Fotos und einem ebenso eindringlichen Artikel von Victor Kocher. Fortsetzung folgte mit einem Dok-Film, den mir Freundin Brigtte Schön brachte: <Die eiserne Mauer>. Eine Sensation und gleichzeitig ein Wagnis für unseren Filmclub. Kocher war als Referent nicht greifbar, weil auf Zypern wohnhaft – also telefonierte ich der NZZ , die mir eine Zuger Telefonnummer angab: die von Arnold Hottinger!!»
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Es hat gedauert, bis ich ihn angerufen habe.
Hans-Jörg Riwar, Pfarrer Reformierte Kirche Zug:
«<Nun bin ich verloren hinter dem Vorhang des Geheimnisses ...> – diese
Verszeile des grossen islamischen Mystikers Fariduddin Attar stelle ich meinen Gedanken zum Abschied von Arnold Hottinger voran.
Arnold Hottinger – der grosse Mann – er lebte in Zug. Es hat gedauert, bis wir, bis ich das mitbekommen habe. Und noch ein wenig länger hat es gedauert, bis ich ihn angerufen habe. Aber dann ging’s schnell und
unkompliziert; und ich durfte ihn in seinem Heim an der Ägeristrasse
besuchen.
Ich spreche Arnold Hottinger auf die Idee vom Hibutsu, dem verborgenen Buddha an. Den gibt es in Japan, und ich will mich auf die Suche machen. Ich will vom Experten wissen, ob er im Zusammenhang mit dem Islam Entsprechendes kennt; dass sich Gott dem Suchenden entzieht und und sich im Geheimnis verbirgt.»
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