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Unsere Augen sind bei diesem Titel, der in The Daily Beast erschien, sofort hängengeblieben, und nicht nur, weil er so plakativ ist. Wir setzen uns mit Israel und dem Nahen Osten auseinander und sind uns daher der Schwierigkeiten bewusst sind, mit denen Israel und Israelis täglich zu kämpfen haben. Also, warum sind Israelis dennoch so verdammt glücklich? Tiffanie Wen hat sich einige Überlegungen zu diesem scheinbaren Paradoxon gemacht. Nachfolgend eine Zusammenfassung…
Was ist los, dass laut neusten Studien Israelis zu den zufriedensten Menschen in der westlichen Welt gehören?
Eine OECD-Studie zeigt, dass Israelis, trotz einer langen Liste von Problemen in ihrem Land, zu den glücklichsten Menschen unter den OECD-Mitgliedsstaaten gehören. Was an den Ergebnissen überrascht ist, dass Israel auf den Gebieten, die normalerweise mit Zufriedenheit assoziiert sind, einen unteren Rang einnimmt: Einkommen, Wohnung und Bildung.
Wenn sich also Menschen keine Wohnung leisten können oder einen Job finden, warum sind sie dann bloss „so verdammt glücklich“, wie es Tiffanie Wen ausdrückt?
Die Tatsache, dass sich Israel in einem Dauerzustand des Krieges oder der Kriegsgefahr befindet, scheint ein Zusatzfaktor zu sein. Das hat ein faszinierendes psychologisches Paradoxon geschaffen: einerseits sind sich Israelis konstant ihres möglichen Untergangs bewusst, doch andererseits hat sie das nahezu furchtlos gemacht.
Wenn man sich das überlegt, führt das zu folgender Frage: Wie würden Sie reagieren, wenn Sie jeden Morgen aufwachten und dachten, es könnte Ihr letzter Tag sein? Wahrscheinlich würden Sie den Tag geniessen. Und wenn Sie bis zum nächsten Morgen überlebten, könnte sich diese tägliche Übung zum Mantra entwickeln, wie Sie dann leben. Womöglich zeigten Sie Rückgrat und beginnen Ihr Start-Up, über das Sie bereits lange nachdenken, oder parken einfach auf dem Bürgersteig, als gäbe es keinen anderen Parkplatz im Umkreis von fünf Strassen. Sie würden zum Tauchen oder ein Jahr mit dem Rucksack durch Südamerika reisen. All das, was Israelis scharenweise machen.
Das führt zum zweiten Paradox: Israelis haben viel Angst. Und so haben sie gelernt, nichts zu fürchten. Gemäss Studien gewöhnen sich Israelis schnell an neue Konfliktsituationen. Während der Grad der Angst sehr hoch ist, bleibt der Grad der klinischen Angst niedrig, auch in Zeiten enormer Gewalt. Weil mehr Angst auf täglicher Basis erlebt wird, geht man souveräner um mit den wirklich schlimmen Dingen. Und wenn Israelis gelernt haben, angesichts des Krieges weiterzumachen, dann werden sie wahrscheinlich auch mit Wohnungsmieten und wirtschaftlichen Problemen umgehen können. Da ist alles vergleichsweise Pustekuchen.
Tiffanie Wen, die selbst in Tel Aviv lebt, zeigt sich erstaunt, dass sich diese zähe israelische Psyche selbst nicht nur unter den Alteingesessenen manifestiert, die seit Jahrzehnten hier leben. Sogar junge Menschen, die bis zum Gaza-Konflikt im November 2012 keinen Konflikt miterlebt hatten, seien besser damit umgegangen als Wen. „Warum haben sie keine Angst?“ fragte sich Wen während der gesamten Operation Wolkensäule.
In Israel aufzuwachsen bedeutet Mühsal zu überwinden. Anders als in anderen Ländern, kann diese Denkweise ganz schön praktisch sein an einem Ort, wo es nicht nur schwierig ist, einen Job zu finden oder die Miete zu zahlen oder wo Menschen regelmässig einem androhen, sie von der Landkarte zu tilgen.
Auszug aus der Originalversion: Why are the Israelis so Damn Happy? by Tiffanie Wen © The Daily Beast, April 14, 2013.