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Die folgende Zusammenfassung basiert auf IAEO-Informationen.
Beschuss von Slawutytsch verhindert Schichtwechsel von Kraftwerkspersonal
Die Ukraine informierte die IAEO am 24. März 2022 darüber, dass russische Streitkräfte ukrainische Kontrollpunkte in der Stadt Slawutytsch beschossen hätten, wo viele Menschen lebten, die im nahe gelegenen Kernkraftwerk Tschernobyl arbeiteten. Durch den Beschuss seien sie gefährdet und er verhindere einen weiteren Personalwechsel zum und vom Standort Tschernobyl, so IAEO-Generaldirektor Rafael Mariano Grossi, der sich über diese Entwicklung besorgt zeigte.
Die IAEO hatte erst vor wenigen Tagen Bericht von SNRIU erhalten, dass die Kraftwerksbelegschaft ab dem 20. März, nach fast vierwöchiger Arbeit ohne Schichtwechsel, endlich nach Hause in Slawutytsch gehen und sich «ausruhen» konnte. Gemäss IAEO stammen die Mitarbeiter, die jetzt in der Anlage arbeiten, ebenfalls aus Slawutytsch.
SNRIU habe gegenüber der IAEO zudem erklärt, der Beschuss gefährde «die Häuser und Familien des Betriebspersonals, das die nukleare Sicherheit und den Strahlenschutz» des Kernkraftwerks Tschernobyl gewährleiste, das seit dem 24. Februar unter der Kontrolle der russischen Streitkräfte stehe. Slawutytsch liegt ausserhalb der Sperrzone, die nach dem Reaktorunfall von 1986 um das Kernkraftwerk eingerichtet wurde.
Waldbrände um Tschernobyl werden weiterhin bekämpft
Am 23. März informierte SNRIU die IAEO darüber, dass ukrainische Feuerwehrleute versuchten, die Brände in der Umgebung des Kernkraftwerks Tschernobyl zu löschen. Solche spontanen Brände habe es auch in den vergangenen Jahren gegeben. Gemäss SNRIU können in der Sperrzone des Kernkraftwerks Tschernobyl derzeit keine Strahlungsmessungen durchgeführt werden.
Laut Angaben von SNRIU sei in der Hauptstadt Kiew und an zwei Kernkraftwerksstandorten westlich von Tschernobyl ein leichter Anstieg der Cäsiumkonzentration in der Luft festgestellt worden. SNRIU gehe aber nicht davon aus, dass die Waldbrände eine erhebliche radiologische Gefahr darstellen würden, schätze die radiologischen Risiken als gering ein und verfolge die Lage weiterhin, so die IAEO. Die ukrainische Aufsichtsbehörde stütze sich dabei auf jahrelange Erfahrungen mit derartigen Bränden und detaillierte Daten über die Lage und die Menge der verbleibenden radioaktiven Kontamination im Boden. Gemäss Generaldirektor Grossi teilten auch die IAEO-Experten diese Einschätzung.
Labor mit Umweltproben aus Tschernobyl geplündert
Gemäss IAEO hat die für die Sperrzone von Tschernobyl zuständige ukrainische staatliche Behörde gemeldet, dass ebenfalls in Tschernobyl ein Umweltlabor «von Plünderern ausgeraubt» und seine Ausrüstung gestohlen worden sei. Es sei nicht möglich, den Verbleib der Kalibrierungsquellen und der Umweltproben des Labors zu überprüfen, so die Behörde. Die Behörde versuche, weitere Informationen von den Betreibern des Labors zu erhalten, so die IAEO. Auf der Grundlage der vorliegenden Informationen gehe die IAEO jedoch davon aus, dass auch dieser Vorfall kein signifikantes radiologisches Risiko darstelle.
Strahlungswerte in den laufenden Kernkraftwerken normal
SNRIU habe im Bericht an die IAEO ausserdem mitgeteilt, dass von den 15 Reaktoren des Landes an vier Standorten acht weiter in Betrieb stehen würden, darunter zwei im russisch kontrollierten Kernkraftwerke Saporoschje, drei in Rowno, einer in Chmelnizki und zwei in der Südukraine. Das Personal der vier in Betrieb befindlichen Anlagen habe in Acht-Stunden-Schichten gearbeitet, auch im Kernkraftwerk Saporoschje, und die Strahlungswerte seien normal gewesen.
In Bezug auf die Fernüberwachung zur Verhinderung der Proliferation erklärte die IAEO, dass die Situation nach wie vor unverändert sei. Es gebe noch immer keine Datenfernübertragung von den im Kernkraftwerk Tschernobyl installierten IAEO-Überwachungssystemen. Die Agentur erhalte aber solche Daten von den anderen Kernkraftwerken in der Ukraine an die IAEO-Zentrale übermittelt.
Quelle
B.G. nach IAEO, Medienmitteilungen, 21., 23. und 24. März 2022