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von Christiane De Micheli Schulthess
Im Jahre 2003 wurde auf Antrag des "Servizio Inventario dell’Ufficio dei beni culturali" von Bellinzona durch die "Divisione della pianificazione territoriale" ein Kredit für eine systematische Katalogisierung der Befestigungsanlagen im Kanton Tessin genehmigt. Ziel dieser Arbeit war einerseits die im Gelände noch erkennbaren Strukturen zu erfassen, andererseits sie unter einen angemessenen Schutz zu stellen.
Die schriftlichen Quellen beziehen sich im allgemeinen auf bekannte Objekte (z.B. Castello Visconteo von Locarno, die Burgen von Bellinzona, Castello di Serravalle etc.). Für eine erste Katalogisierung hat man sich vor allem auf einzelne Publikationen, wie z.B. die Burgenkarte der Schweiz (1985), auf die Texte von Clemente (1974) und andere gestützt. Dank der Mitarbeit von Stefano Vassere konnten auch Informationen aus der Orts- und Flurnamenforschung eingefügt werden. Zu den hier berücksichtigten Flurnamen zählen vor allem zwei: "castello" und "torre". Es konnten insgesamt über 400 Objekte, verteilt auf 237 Gemeinden inventarisiert werden, wobei eine grosse Anzahl solcher Flurnamen nicht immer auf die Existenz einer Befestigungsanlage deuten muss. Die Befestigungsanlagen lassen sich heute vor allem im Bereich von Siedlungen oder in erhöhter Lage lokalisieren. Eine grosse Anzahl dieser Objekte ist heute nur noch anhand von weniger Mauerreste festellbar. Andere wurden im Laufe der Zeit baulich stark verändert, sodass es nur noch durch archäologische Untersuchungen möglich wäre, diese Bauwerke in einen klaren Kontext aufzunehmen.
Durch das Fehlen einer präzisen Dokumentation, ist es schwierig eine genaue typologische Einordnung aufzustellen. Feststellbar sind vor allem zwei Kategorien: die isoliert gelegenen Türme und die grösseren Befestigungsanlagen bestehend aus Turm, Umfassungsmauer und Innenbauten. Die abgelegenen Türme mit quadratischem Grundriss, wie etwa die Torraccia bei Barbengo oder die Torre Alta von Lodrino, sind sehr verbreitet. Was die Rundtürme anbelangt, ist zur Zeit nur ein Beispiel bekannt (der Turm bei Campo Blenio). Weitere Türme wurden im Laufe der Zeit zu Kirchtürmen umgebaut (Kirchturm von San Quirico), oder in modernere Gebäude eingebaut (Torre dei Nobili in Prato Leventina). Zu den grösseren Befestigungsanlagen zählen vor allem die Burgen, die sich aus mehreren Gebäuden zusammensetzen (Castello di Bironico, Mezzovico-Vira und Castel San Pietro), von denen noch grössere Maurreste erhalten sind.
Die übrigen Wehranlagen lassen sich in zwei weitere Gruppen unterteilen. Zu einer ersten Gruppe zählen die Anlagen, deren Grundfläche durch eine wissenschaftliche Untersuchung festgestellt werden konnte (Castello di Torricella-Taverne, Castello di Caroggio, Castellaccio di Melano, Castello di Sta. Maria a Giornico, Castello di Pontegana etc.). Zur zweiten Gruppe gehören die Befestigungsanlagen, von welchen nur einzelne Partien der Umfassungsmauer oder Teile der Innenüberbauung dokumentiert wurden (Casletto di Bedano, Castellaccio di Barbengo, Castello di Cresta etc.). Zu den grösseren Anlagen müssen auch diejenigen gezählt werden, die in der Vergangenheit nicht nur Verteidigungsfunktion hatten (Torre und Wüstung von Redde bei Vaglio, "Castello" di Tremona). Die Flurnamen beziehen sich auch auf prähistorische Anlagen (Balladrum bei Ascona, Castelvedro bei Barbengo, Tegna und Monte Barro bei Torricella-Taverne).
(Christian Saladin, Basel/Origlio)
, Christiane : Fortificazioni del Cantone Ticino: Inventario e indagini preliminari
Mittelalter – Moyen Age – Medioevo – Temp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 12. Jahrgang 2007, Heft 2, 42 - 48.