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Das mit dem Berühmtsein ist so eine Sache
1. Wie viele Schweizer Jugendbuchautor*innen können Sie benennen?
2. Von denen, die Sie benennen können: Welche schreiben auch für Erwachsene?
3. Welche schreiben ausschliesslich für Jugendliche (also nicht für Erwachsene und nicht für Kinder)?
Setzen wir die Spurensuche fort und berücksichtigen bei den folgenden Fragen nur Schweizer Jugendbuchautor*innen die ausschliesslich für Jugendliche schreiben (also die aus Antwort Nummer drei):
4. Gehen Sie im Buchladen Ihrer Wahl zum Regal mit den Schweizer Autor*innen und suchen Sie mal die Bücher von Schweizer Jugendbuchautor*innen.
5. Wann haben Sie das letzte Mal (falls überhaupt) ein Portrait oder ein Interview mit einem Schweizer Jugendbuchautor/einer Schweizer Jugendbuchautorin auf srf1 gesehen oder in einer grösseren Tageszeitung gelesen?
An dieser Stelle dürfen Sie kurz leer schlucken. (Ich verspreche, dass ich nicht ratlos gucken werde).
Weiter geht’s:
«Waren Sie schon im Fernsehen?»
Auch so eine Frage, die mir manchmal gestellt wird. Nun, im Lokalfernsehen, ja. Im Schweizer Fernsehen noch nie. Ich habe zwanzig Bücher und drei Hörgeschichten fürs Radio geschrieben, einige davon sind im fünfstelligen Zahlenbereich verkauft worden, ich habe mehrere Preise und Auszeichnungen gewonnen, aber fürs Fernsehen bin ich uninteressant, weil ich ausschliesslich für Jugendliche schreibe. Ich bin auch uninteressant für die Schweizer Illustrierte, die Schweizer Familie, das Migros Magazin oder das Coop Magazin. Okay, vielleicht hat es andere Gründe: Vielleicht bin ich zu alt, zu hässlich, zu sehr Landei, zu laut, zu sperrig, zu wenig hipp, zu wenig Zürich, zu wenig cool, zu wenig sexy, zu wenig literarisch, zu wenig oder zu viel von irgendwas halt. Wahrscheinlich jedoch bin ich schlicht und einfach nicht auf dem Radar dieser Medien, weil ich «nur» Jugendbücher schreibe.
Ich gestehe: Es hat Zeiten gegeben, in denen mich das verletzt hat (zum Beispiel damals, als ich in Deutschland einen wirklich coolen Preis gewonnen habe und es in der Schweiz nur meine Freunde, meine Familie und die Lokalzeitung interessiert hat). Es hat Zeiten gegeben, in denen ich gehadert habe. Es hat Zeiten gegeben, in denen ich nicht mehr geschrieben habe, weil mir der Pfuus und der Pfupf ausgegangen sind und «weil es eh für die Katz ist.»
Ich habe noch jedes Mal irgendwann wieder weitergeschrieben, weil ich nicht für die Medien schreibe, sondern für meine jugendlichen Leser*innen. Und die habe ich (immer noch). Wenn dir jemand nach der Lesung sagt: «Dieses Buch hat mein Leben gerettet», dann ist das mehr wert als Hundert TV-Auftritte. Wenn eine Schullesung fegt. Wenn du zum zweiten oder dritten oder vierten Mal an die gleiche Schule eingeladen wirst, weil du beim letzten Mal die Jugendlichen so begeistert hast. Dann ist es deinen Beruf und deine Arbeit wert.
Aber zurück zur Frage, warum es so schwierig ist, als Schweizer Jugendbuchautorin bekannt zu werden. Die Moderatorin meiner Lesungen an jenem Tag, Anne Wieser vom Literaturhaus Aargau, hatte eine – leider - sowohl sehr treffende als auch sehr frustrierende Antwort darauf. «Weil Jugendbuchautor*innen in diesem Land genauso wenig ernst genommen werden wie die Jugendlichen.»
Und jetzt noch zwei letzte Fragen:
1. Haben Sie gewusst, dass man an einem guten Jugendbuch genauso lange schreibt wie an einem Erwachsenenbuch und dass es genauso anspruchsvoll ist, ein Jugendbuch zu schreiben wie ein Buch für Erwachsene?
2. Haben Sie gewusst, dass Kinder- und Jugendbuchautor*innen bei Schullesetouren oft Honorare erhalten, die nicht mal halb so hoch sind wie Honorare für Erwachsenenlesungen?
PS: Der Satz, den ich in Gesprächen mit Jugendbuchautor*innen in den letzten Monaten am häufigsten gehört habe: «Ich schreibe keine Jugendbücher mehr.»
PPS: Warten Sie mal die Resultate der nächsten PISA-Studie ab. Dann werden nämlich wieder einmal alle rufen, wie wichtig das Lesen für Jugendliche ist. Am lautesten die Medien, in denen Jugendbuchautor*innen nicht vorkommen.
PPPS: Ich habe gerade jede Menge Pfuus und Pfupf und Lust auf Jugendbuch, weil ich mich in der Phase «HA! Jetzt erst recht», befinde. Möge sie ewig anhalten.