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Das Schloss in 1767 Herrliberger
Weiter Luftaufnahmen von Aarburg
Auf einem Felsriegel, wo sich Aare und Landstrasse durch einen Engpass zwängen, liegt die Festung Aarburg. Die Gründung der imposanten Anlage reicht wohl ins 12. Jahrhundert zurück und wird den Freiherren von Büron zugeschrieben, die sich zeitweise „von Aarburg“ nannten. Den Kern der Anlage bilden Bergfried und Palas der mittelalterlichen Burg auf dem westlichen Felsrücken. Nur der westliche Teil des Felsens war überbaut. Den Abschluss nach Osten stellte der Bergfried dar, der Wehrzwecken diente. An seiner Westseite war der längsrechteckige, zweigeteilte Palas angebaut. Auf der Südseite des Bergfrieds stand ein Torhaus, durch welches man in einen dem Palas vorgelagerten Zwinger gelangte. Ein zinnenbekrönter Mauerzug führte dem Felsen entlang und war wohl mit dem Befestigungsgürtel der Siedlung Aarburg verbunden. Eine ähnliche Situation finden wir auch beim Stein von Baden. An der Südseite sind den mittelalterlichen Bauten die Gebäude aus der Berner Landvogteizeit vorgelagert. Den westlichen Abschluss über der Kirche bilden die Befestigungswerke des 17. Jahrhunderts.
Der Bergfried beschreibt im Grundriss fast ein Quadrat von ungefähr zehn Metern Seitenlänge. Die Mauerstärke ist beträchtlich. Sie weist 3 bis 3.5 Meter Dicke auf. Das Mauerwerk besteht aus mächtigen Jurakalksteinen, die an Ort und Stelle gebrochen worden waren. Der ausgebeutete Steinbruch diente anschliessend als Annäherungshindernis. An den Turmecken weisen die Quader stellenweise Kantenschlag auf. Das unterste Gelass des Turms ist völlig in den Fels gehauen. Der jetzige Eingang von Osten her ist erst 1666 entstanden. Ursprünglich besass der Turm wohl im fünften Obergeschoss auf der Westseite einen Hocheingang. Lediglich zwei Scharten stammen aus dem Hochmittelalter, die übrigen wurden später eingebrochen. Der Palas, das Wohngebäude, ist nordseitig neben den Bergfried etwas zurückversetzt. Die wenigsten Fenster gehören der eigentlichen Erbauungszeit an. Auch hier ist das Mauerwerk ziemlich mächtig. Ein Treppenturm („Schneggen“) in der Südwestecke des Wohnbaus stammt aus dem 17. Jahrhundert. Dem Schneggen wurde gleichzeitig ein Wohnhaus vorgebaut, das verschiedene Umgestaltungen erfuhr. Der mittelalterliche Baukörper wurde im 16. und 17. Jahrhundert durch verschiedene Festungsbauten gewaltig verstärkt. Das erhaltene Gesamtbauwerk beherrscht eindrucksvoll den Bergrücken. Lediglich die vorkragenden Wachttürme der einzelnen Befestigungswerke wie Hochwerk, Tenaille, Hornwerk, Seitenwerk, Kasematte, Wachtstuben, mehrere unterirdische Verbindungsgänge, Munitionsdepots, ein Leutnantshaus und verschiedene Zeug- und Pulverhäuser.
Die Feste Aarburg mag wohl im 12. Jahrhundert gegründet worden sein. Der älteste noch erhaltene Teil des Bauwerks ist der Bergfried, der um 1200 erbaut wurde. Die Besitzer der Anlage, die Freiherren von Büron, begannen um die Mitte des 13. Jahrhunderts, ihre Stammgüter im Luzerner Raum auszubauen. Die Burg Aarburg wechselte deshalb den Besitzer und ging an die Grafen von Frohburg über, die zahlreiche Urkunden auf der Aarburg ausstellten. Wirtschaftliche und machtpolitische Schwierigkeiten erschwerten einerseits dem Grafenhaus Frohburg die Bildung einer ausgedehnten, geschlossenen Territorialherrschaft im Aareraum und leiteten anderseits allmählich den Verkauf von frohburgischen Gütern ein. 1299 verkaufte Graf Volmar von Frohburg in Strassburg den Herzögen Rudolf und Friedrich von Österreich die Herrschaft Aarburg. Die Habsburger verliehen den Besitz an eine ihrer Dienstmannenfamilien. Die Herren von Kriech verwalteten die Herrschaft bis 1415. am Fuss des Burghügels entstand eine kleine befestigte Siedlung, die von den Habsburgern ein Stadtrecht erhalten sollte. Als König Sigmund den Herzog Friedrich von Österreich in die Acht erklärt und die Eidgenossen aufgefordert hatte, die ihnen zunächst gelegenen Gebiete des Herzogs militärisch zu besetzen, marschierten die berner ohne zu zaudern im Aargau ein. Diese Ausdehnungsmöglichkeit kam ihnen höchst gelegen, hatten sie doch seit längerer Zeit neidvoll das fruchtbare Gebiet im Aareraum betrachtet. Bereits am 20. April 1415 fiel ihnen Aarburg in die Hand. Bern erkannte die Bedeutung der Burganlage für die Beherrschung und Verwaltung des Landes, löste deshalb die Pfandschaft ein und zog die ganze Herrschaft Aarburg mit Land und Leuten, Twing und Bann, mit der niederen und hohen Gerichtsbarkeit an sich. Ein bernischer Landvogt hielt Einzug ins Schloss. Das Bauwerk wurde nun verschiedentlich umgestaltet. 1557 erhielt der Bergfried ein zeltförmiges Walmdach über den Zinnenkranz. 1574/75 wurde die Treppe vom Schloss zur Kirche, der ehemaligen frohburgischen Schlosskapelle, erbaut. Den sechseckigen Treppenturm mit Zwiebelhaube, den Schneggen, errichtete man 1621/22; gleichzeitig wurde südlich davon ein neuer Wohnflügel erstellt.
Die Herrschaft Aarburg spielte für Bern nach der konfessionellen Spaltung der Eidgenossenschaft eine wichtige Rolle. Das Gebiet stellt nämlich die einzige direkte Verbindung zwischen Bern und seinen aargauischen Ämtern dar und war möglichen militärischen Übergriffen der katholischen Orte ausgesetzt. Der Bauernkrieg gab den Anstoss, die Burg zur modernen Festung auszubauen. Die Verbindung des oberen und unteren Aargaus sollte dadurch militärisch geschützt werden. Die katholischen Orte Solothurn und Luzern waren seit geraumer Zeit bestrebt, die Macht Berns zu schwächen und den Oberaargau vom Unteraargau zu trennen. Der Aarburger Festungsbau passte ihnen um so weniger, als gleichzeitig Bern und Zürich den Wiederaufbau des Steins zu Baden zu verhindern trachteten. Solothurn dachte sogar daran, Bern mit Waffengewalt am Festungsbau zu hindern. Der Verlauf des Ersten Villmergerkrieges liess Bern die Arbeiten vorantreiben. Trotz der Intervention der katholischen Orte wurde um 1660 mit dem Ausbau begonnen. Der Bergfried erhielt eine Plattform für die Artillerie, gewaltige Festungsbauten entstanden. Das Kellergeschoss des Turms wurde als Gefängnis mit Folterraum hergerichtet. Von 1666 bis 1798 führte der Obervogt zu Aarburg den Titel eines Kommandanten. Er verfügte über einen Leutnant, drei Wachtmeister, drei Korporale, einen Tambour, einen Pfeifer sowie über 54 Soldaten. Diese hatten die Anlage zu bewachen sowie die Staatsgefangenen zu betreuen, darunter die politischen Gegner des Ancien Régime, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts immer zahlreicher wurden. 1673 war der Festungsbau, der Bern bis dahin riesige Summen gekostet hatte, einstweilen abgeschlossen. Doch schon bald wurden Klagen über die schlechte Aufführung laut, und verschiedene Ausbesserungsarbeiten mussten durchgeführt werden. Bereits 1798 wurde die Anlage in einem Gutachten als recht trostlos geschildert: die Dächer waren morsch und brennbar, die Kasematte war nass, und die Mannschaft wurde als unzuverlässig bezeichnet. Im März 1798 ergab sich die einzige eidgenössische Festung von grösserem Ausmass ohne Gegenwehr den Franzosen. In der Folgezeit diente sie der Unterbringung von gefangenen. 1804 wurde Aarburg dem neu gegründeten Kanton Aargau zugeteilt, der die Burg bis 1818 als Zeughaus und später als Zuchthaus verwendete. 1893 wurde in der ehemaligen Festung eine Erziehungsanstalt für Knaben eingerichtet. Von 1954 bis 1959 erfolgten grössere Instandstellungsarbeiten und bauliche Erweiterungen. 1955 löste ein wohnlicher Neubau den langgestreckten südlichen Zellenbau ab. Die neuen Gebäude fügen sich harmonisch in den historischen Baukomplex ein.
Die ehemalige frohburgische Burgkapelle wurde 1484 erneuert und erweitert. Der ostseitig angebaute Turm der Kirche folgte der Linie des ansteigenden Burgfelsens. 1840 zerstörte ein Brand das Gotteshaus. 1842 wurde der neugotische Bau an gleicher Stelle errichtet und veränderte mit den beiden Westtürmen den gestaffelten Aufbau von Stadt, Kirche und Burg.
Bibliographie