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Herzerkrankungen, Teil 2: erworbene Herzkrankheiten
Wie kann eine hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) diagnostiziert werden?
Röntgen
Bruströntgenbilder sind besonders hilfreich zur Diagnose eines Herzversagens, d. h. zum Nachweis eines Pleuraergusses oder eines Lungenödems. Zusätzlich ist das Röntgenbild von zentraler Bedeutung zur Erkennung oder zum Ausschluss von nicht-kardiologischen Ursachen für die Atemnot. Wenn mittels Röntgenbild ein Herzversagen diagnostiziert wird, ist eine Herzmuskelerkrankung sehr wahrscheinlich, und unter diesen eine HCM am häufigsten; die definitive und exakte Diagnose ist aber so noch nicht gesichert.
Herzultraschalluntersuchung
Die Herzuntersuchung mittels Ultraschall ist eine hervorragende Methode, um Kardiomyopathien genau zu bestimmen und zu beurteilen. Das typische Bild einer HCM beinhaltet eine symmetrische oder asymmetrische Verdickung von Septum und freier Wand der linken Herzkammer sowie eine Erweiterung des linken Vorhofs. Die Dicke der Wand der linken Herzkammer und der Herzscheidewand werden dabei exakt erfasst. Bei manchen Katzen ist die Herzmuskelverdickung nicht so eindeutig, wie im Lehrbuch beschrieben, oder die Verdickung beschränkt sich nur auf einige Stellen.
Bei einer obstruktiven HCM ist ein wichtiger zusätzlicher Ultraschallbefund die Funktion der Mitralklappe: Wird sie im falschen Moment geöffnet, fliesst das Blut in den linken Vorhof zurück. Dies ist mit ein Grund für das Herzgeräusch, das bei Katzen mit HCM oft gehört werden kann.
(Anm. der Redaktion: In KM 1/04 folgt ein ausführlicher Artikel über Ultraschalluntersuchungen inkl. Herzultraschall.)
Die Veranlagung, eine HCM zu entwickeln, wird vererbt. Beispielsweise bei der Maine Coon ist eine klare und einfache dominante Vererbung festgestellt worden. Dies bedeutet, dass eigentlich bei jeder Maine Coon mit einer HCM mindestens eines der beiden Elterntiere ebenfalls eine HCM haben müsste. Nicht bei jedem Tier, das ein Gen zur Entwicklung einer HCM trägt, ist der Krankheitsverlauf jedoch gleich. Einige Tiere können bereits vor dem ersten Lebensjahr eine extreme Wandverdickung haben und plötzlich sterben, bei anderen Tieren ist auch in fortgeschrittenem Alter nur wenig zu sehen. Auf Grund von Studien von Dr. Kittleson (Kalifornien) in einer Maine Coon-Familie konnte bei den männlichen Trägern des krankhaften Gens manchmal erst mit 2½ Jahren, bei weiblichen Tieren erst mit 3 Jahren eine Veränderung mittels Ultraschall wahrgenommen werden.
Ganz wichtig ist es auch, dabei zu berücksichtigen, dass nicht einfach nur ein einziges krankhaftes Gen eine HCM verursachen kann. Beim Menschen sind beispielsweise ganz verschiedene Genmutationen bekannt. Somit verhalten sich nicht alle genetisch bedingten HCM gleich.
Auf Grund dieser Überlegungen wird klar, dass eine Vorsorgeuntersuchung nie eine 100 %ige Sicherheit bezüglich des Vorhandenseins einer HCM ergeben kann. Im Zweifelsfall, insbesondere, wenn in einer Zucht unerwarteterweise ein Fall auftritt, müssen die Elterntiere erneut untersucht werden um festzustellen, ob sich über die Zeit (eindeutige) Veränderungen entwickelt haben, welche vorher nicht wahrgenommen wurden. Falls bei Elterntieren immer noch keine HCM diagnostiziert werden kann, bestehen folgende Möglichkeiten:
- Die Mutation ist im Nachkommen erfolgt und beide Elterntiere sind HCM-frei.
- Eines der Elterntiere ist Träger, aber das Gen "macht sich nicht bemerkbar", weshalb das betroffene Elterntier nicht als solches erkennbar ist.
- Die Vererbung ist nicht so simpel autosomal dominant wie beschrieben.
- Die Erkrankung beim Nachkommen ist gar nicht HCM.
Der beste und sicherste Test wäre ein molekularbiologischer Gentest, der das kranke Gen identifizieren könnte. Leider ist aber in naher Zukunft nicht mit einem solchen Test zu rechnen.
Mit diesen Erläuterungen soll dargelegt werden, dass die Vorsorgeuntersuchungen bei betroffenen Rassen - und vor allem in betroffenen Zuchten - sinnvoll sind. Wenn eine männliche Maine Coon mit 2½ Jahren und ein weibliches Tier mit 3 Jahren keine Anzeichen von HCM haben, sind sie wahrscheinlich HCM-frei. Die Ultraschalluntersuchung darf aber keinesfalls als perfekt beurteilt werden. Idealerweise werden fragliche Tiere oder Tiere aus kritischen Familien zu einem späteren Zeitpunkt, beispielsweise mit 5 Jahren, nachuntersucht. Schliesslich muss auch darauf hingewiesen werden, dass im Moment zwar sehr viel über HCM (insbesondere bei Maine Coons) geredet wird, in der von mir wahrgenommenen Realität aber Todesfälle durch HCM auch bei dieser Rasse ziemlich selten sind. Falls ich mich irren sollte, wäre ich den Züchterinnen dankbar, wenn bei allen plötzlichen Todesfällen eine Autopsie in einem dafür spezialisierten Labor veranlasst würde. Dies ist der einzige Weg, um das Problem seriös angehen zu können.
Dieser Artikel ist erschienen im "Katzen Magazin" 6 / 2003
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35
Autor:
Tony Glaus
Leiter Abteilung für Kardiologie
Tierspital Universität Zürich