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Willst du wirklich nach Miami
08.06.2012
Washington, D.C.
Ursprünglich wollten wir ja mit der Alua von der Karibik nach Beaufort (sprich: Biuhfrt) und dann nach Washington DC segeln und später durch den Intracoastal Waterway zurück in die Karibik. Nachdem aber Ueli in Lanzarote gesagt hatte, dass das einfach bedeutet, durch einen Sumpf zu fahren und zwischendurch im Pflutter stecken zu bleiben, beschlossen wir, Alua in den Windward Islands zu lassen und nach Florida zu fliegen.
Als wir uns in der Halle des Flughafens „Miami International“ in die Reihe stellten, wo es vorne hiess: Customs - Visitors, waren wir nicht mehr so sicher, ob wir wirklich nach Miami wollten. Unser Flug von Grenada nach Miami dauerte 2,5 Stunden und etwa gleich lang standen wir mit tausend anderen Visitors in 25 Reihen, vor 25 Schaltern und 80 Sternenbannern (gezählt - nicht gefühlt).
Wir fragten uns: Wollen die uns wirklich in Amerika haben? Wollen die überhaupt, dass wir unsere Rente hier verpulvern und der amerikanischen Wirtschaft „nachhaltig“ unter die Arme greifen?
Peter warnte Nelly, dass er ab sofort nur noch Schwyzerdütsch spreche, damit er nicht durch eines dieser F-Wörter mit dem Gesetz in Konflikt komme. Als wir an der Reihe waren, unsere 10 Finger für Abdrücke auf eine Glasplatte zu quetschen und uns ohne zu lächeln ablichten zu lassen, erinnerte sich Peter (kurz vor dem 19th nervous breakdown und im absoluten Hypo), wie man einen Zollbeamten in Amerika anredet. „Good afternoon, OFFICER!“ Und plötzlich stand das Tor in die USA weit offen. Nach einem kurzen Gespräch über den Grund unserer Reise (wir hatten schon vorher mit bestem Wissen und Gewissen schriftlich bestätigt, dass wir ohne terroristische Absichten kämen) und einem längeren Gedankenaustausch über Altern und Sinn des Lebens liebten wir unseren ersten Customs Officer ever.
Nachdem unser Gepäck seit unserer Landung 1241 Runden (geschätzt - nicht verbürgt) auf dem Gepäck-Roundabout gedreht hatte, räumten die Flughafen-Angestellten alles von den Rollbändern auf einen grossen Haufen, unter dem Motto: Ihr Gepäck liegt bereits draussen, bitte verlassen sie umgehend diesen Raum!
Unsere Freunde aus Kalifornien, welche extra eine Art Autobahn-Express-Fast-Lane-Vignette für schlappe 37 Dollar gekauft hatten, um ja in time am Airport zu sein, schlossen uns nach 10 Stunden Wartezeit (gefühlt - nicht gezählt) in die Arme.
Als auch das geschafft war, erschlossen sich uns die USA als das, wofür es sich lohnt, nach Miami zu fliegen: erlebnisreiche Natur, grossartige Museen, Nationalparks mit genialen Rangern, vielfältige Architektur, bewundernswerte Technik und grenzenloser Optimismus.
„I urge you to dream. I did, and one day I found myself standing on the surface of the moon.“
Gene Cernan, astronaute, Apollo 17
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