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BIOGRAPHIE
Geboren 1934 in Wangen a/Aare. Aufgewachsen und Schulen in Zürich-Aussersihl. Lehre als Schneider. Schon als Jugendlicher faszinieren ihn die Marignano Fresken Ferdinand Hodlers im Landesmuseum Zürich. Er beginnt autodidaktisch zu zeichnen, nimmt Zeichenunterricht beim Grafiker André Duvoisin und etabliert sich zunächst als Modegrafiker.
Mit 23 Jahren Hinwendung zur Kunst. Im Selbststudium entdeckt er die moderne Malerei. Es folgen intensive Besuche des Kunsthauses Zürich. Die Expressionisten haben es ihm angetan: Permeke, Rouault, die Brückemaler, auch Picasso (Guernica), Munch und insbesondere Max Beckmann. Von ihm ersteht er in der Galerie Daniel Keel (Diogenes) eine Radierung, eine Kreuzabnahme aus dem Jahr 1918. Er malt Szenen armer Leute, Landschaften und eigenwillige Figurenbilder.
1958 erste Reise nach Italien. In Forio d’ Ischia lernt er die dortige Kunstszene kennen und begegnet dem deutschen Maler Eduard Bargheer.
1960 erste Beteiligung an der Ausstellung der Zürcher-Kunstszene. In den darauf folgenden Jahren nimmt er am lebendigen und reichen Umfeld der Zürcher Kulturszene regen Anteil.
1965 bis 1969 längere Arbeitsaufenthalte in Forio d’Ischia. In seiner Malerei verlässt er die dunkle Thematik des Sturm und Drangs und unterzieht sie einem strengeren Formwillen. Der Mensch zieht sich langsam aus den Bildern zurück.
Roth arbeitet gelegentlich als Bühnenmaler bei Film und Fernsehen und nimmt Zeichenunterricht beim Maler und Denker Walter Jonas.
1967/68/73 Stadtzürcherische- und kantonale Stipendien.
1968 Bezug eines Ateliers in der Künstlergenossenschaft Südstrasse, Zürich.
1967 Eintritt in den Berufsverband GSMBA (Gesellschaft Schweiz. Maler, Bildhauer und Architekten). Er wird Vorstandsmitglied der Sektion Zürich.
1969 Beitritt zur Gewerkschaft Kultur, Erziehung und Wissenschaft, die er ca. 1975 wieder verlässt.
Die Auseinandersetzungen mit Politik und Aufklärung prägen ihn nachhaltig und verändern auch sein Verhältnis zur Kunst, was eine kurzzeitige Schaffenskrise auslöst.
19770/71 wagt sich Roth an das Skulpturale. Es entstehen grössere bemalte Reliefarbeiten aus Holzplatten und Polyester.
1972 beginnt die Zeit des vermehrten Rückzugs nach Rialto (Italien), ins ligurische Hinterland.
Er lernt den dortigen Rebbau kennen. An langen Holzstangen werden die Reben hoch- und quergezogen; Sichtriegel, die ihm symbolhaft Abbild seiner Weltsicht sind und in die Bildgestaltung einfliessen.
Im Nachbardorf Calice Ligure lernt er die Kunstszene um Emilio Scanavino kennen.
Die eigene Erfahrung des Spitalbetts, alte Zahnarztstühle und ein ausgedienter Operationstisch vor seiner Ateliertür dienen ihm in den 70er-Jahren als Modelle und inhaltliche Motive seiner Bildschöpfungen. Es entstehen die ersten Sitz- und Liegelandschaften, auch Meerstücke mit Strandgut. Landschaft und Raum werden mit Gerätschaften, Stangen und Kurbeln, Strassensperren und Brettern, zuweilen auch mit Schachteln verstellt und verriegelt. Der Mensch wird eingebunden ins Räderwerk einer durchmechanisierten Welt und bleibt in seiner Freiheit limitiert.
Der malerische Duktus und die Form, letztlich das, was gute Malerei erst auszeichnet, bleiben ihm aber wichtig. Der inflationären Ausbeutung der Farbe durch Werbung und Produkt-Design will er mit grau-farbiger Malerei antworten. Die zwiespältigen, verführerisch schönen Farb- und Formhülsen beschäftigen ihn - gerade im Hinblick auf seinen gestalterischen Impetus. Die Bilder erzählen nun hintergründig vom Zwang und erscheinen gleichzeitig als spannungsgeladene, durchkomponierte Werke; die Sichtschranken deuten auf Demarkationen, sind aber zugleich als Schutzzonen gedacht.
1974 bezieht Roth in der Baugenossenschaft Maler und Bildhauer an der Wuhrstrasse in Zürich das ehemalige Atelier von Otto Morach. Er arbeitet im Genossenschafts-Vorstand mit.
1978 Austritt aus der GSMBA.
1979-90 Teilzeit-Lehrtätigkeit für Aquarellmalerei an der Klubschule Migros in Zürich und Castiglione della Pescaia / Toscana.
Er beginnt, tagebuchartig Gedanken und Zitate zu sozial- und kulturphilosophischen Themen aufzuzeichnen. Dieses Journal führt er bis heute.
1981 Kantonales Atelier-Stipendium in der Cité international des Arts, Paris.
Er lernt das Umfeld der CoBrA-Maler kennen, trifft Jaques Doucet und Karel Appel in dessen Ausstellung bei Ariel. Der Aufenthalt in Paris löst einen Farbrausch aus, der nach seiner Rückkehr langsam wieder ausklingt.
Mit der Nichtfarbe Schwarz will er - sinnbildlich - den leichten Zugang zur Farbe versperren. Farbe soll nicht beliebig ausgebeutet werden, sondern durch sparsamen Einsatz an tieferer Bedeutung und Intensität gewinnen.
Das lyrische Schaffen nimmt seinen Anfang.
1983/84 treibt es ihn nach Stromboli; er will das Schwarz auch physisch erleben. Die Jahre bis
1991 sollten von dieser intensiven Begegnung geprägt sein. Er verdichtet und verspannt den Raum. Realistische Bildinhalte treten in den Hintergrund: „Gute Bildgeschichten oder starke Emotionen ergeben noch lange kein gutes Bild“, meint Roth. Abstrakte schwarze oder graphitfarbene Balken, Gitter, Linien und Flächen übernehmen, oft Bild füllend, den Formenkanon der 70er-Jahre. Dunkle Farbfelder evozieren immense geschlossene Räume; durch Spalten, Lücken und Fenster tritt Licht in die kulissenhafte Szene ein und lässt die Weite der Aussenwelt erahnen.
Er entdeckt seine geistigen Bezüge zum Philosophen E.M.Cioran. Schriften des Dichters und Malers Henri Michaux und des Lyrikers Eugenio Montale sind ihm wichtige Begleiter.
1993 beendet er nach zweijähriger Arbeit sein Textbuch „Hantieren mit Höhlengrau“. Es spiegelt sein gesellschaftskritisches Denken in skurril-ironischer Form, mit sarkastischen Einschüben gespickt. Das Zweifelhafte menschlichen Verhaltens führt er darin ad absurdum, ebenso das Widersprüchliche des Geworfenseins ins Leben.
1994-95 schafft Roth gegen hundert Kleinplastiken. Auf kleinen Gipssockeln zieht er Gerüste aus Holz und Draht türmchenartig in die Höhe, setzt verfremdete Objets trouvés ein, umwickelt die Elemente mit Schnur. Ein grauweisser Acrylanstrich wandelt den Materialcharakter zum amorphen Gebilde. Die Figurinen erinnern an Bohrtürme, Seezeichen, Leuchttürme, englische Follys (nutzlose Zierbauten) oder, zusammengestellt, an phantastisch-skurrile Städtebilder.
Mit dem Buch „Die unsichtbaren Städte“ des italienischen Autors Italo Calvino entdeckt Roth eine literarische Entsprechung seiner Arbeiten, die er auch als lyrische Interpretationshilfe gelten lässt. Affinitäten zu den thematischen Inhalten der 70er- und 80er Jahre sind jedoch unverkennbar.
In einer kleinen Serie hell gehaltener Bilder übernimmt er in den darauf folgenden Jahren die Thematik der Kleinplastiken. Der zelt- oder turmartige Gegenstand wird eingesponnen in ein Netz übereinander gelegter Linien; dunkel eingelegte Flächen betonen den Kontrast.
Im Gegensatz zur Malerei geht das Zeichnen andere Wege und wird immer wichtiger. Der streng
geformten Malerei steht nun das lockere, freie Assoziieren und Fliessen der Tuschfeder gegenüber. Der Mensch erscheint wieder, skizzenhaft und zuweilen in humorig-koboldischer Verzerrung, manchmal auch in komprimierter Form, fast unkenntlich in abstrakte Zeichen eingebunden. Im geschützten Rahmen vieler Nächte arbeitet er oft bis in den frühen Morgen und dokumentiert den künstlerischen Erlös dieser Stunden in Gedichten. Tuschfeder-Psalme nennt er sie.
Nach der Jahrtausend-Wende folgen Jahre des sukzessiven Rückzugs aus der Kunstszene, aber die intensiven Auseinandersetzungen mit Lyrik und Zeichnung bleiben weiterhin Mittelpunkt seiner Arbeit.
2011 erscheint der gedruckte Band „Nachtasyl - Zeichnungen, Gedichte“.
2013 verlässt Roth seine „Zürcher-Atelier-Heimat“ und siedelt nach Muri AG um, wo er heute lebt und arbeitet.
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