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Reh, Fuchs und Wildschwein nehmt euch wohl in Acht!
Seit dem ersten Oktober und bis Mitte Dezember finden in den 66 Solothurner Revieren die traditionellen Herbstjagden statt. Bejagd werden im Kanton Solothurn mehrheitlich Reh, Wildschwein und der Rotfuchs.
Die Jagd nimmt die natürlichen Sterblichkeitsfaktoren vorweg; sie kompensiert sie. Für die Jägerinnen und Jäger bedeutet das, den jagdbaren Wildtierbestand optimal an die Biotopgrösse anzupassen und dabei nur so viele Tiere zu erlegen, wie sie im nächsten Jahr durch Geburten kompensieren können. Diese Bejagung dient also allein der Verringerung der Dichte, um damit den überlebenden Tieren die guten Lebensbedingungen zu erhalten. Der Tod einzelner Individuen ist somit die Grundlage für die Erhaltung der Gesamtpopulation. Wenn dies planvoll und in Übereinstimmung mit den ökologischen Gesetzmässigkeiten geschieht, ist der Tod ein starker Helfer der Artenerhaltung.
Schauen wir uns doch einmal an, was passieren würde, wenn die Jagd auf die eigentliche Hauptbeute dem Rehwild einstellt würde? Die Antwort dazu ist relativ simpel. Der Bestand würde sich dort, wo keine natürlichen Prädatoren wie es der Luchs zum Beispiel ist, bereits nach einem Jahr fast verdoppelt haben – dies natürlich bei gleichbleibender Biotopgrösse. Die erste spürbare Auswirkung wäre, es gäbe vermehrt Rehe die dem Strassenverkehr zu Opfer fielen. Ein Grund dafür ist das territoriale Verhalten der Rehe, welche die überzähligen Konkurrenten aus ihren Revieren vertreiben. Die unerfahrenen Jungtiere müssten in der Folge auf Einstandssuche gehen. Dabei wären sie gezwungen stark befahrene Strassen zu überqueren. Die eidgenössische Statistik sagt aus, dass etwa jedes vierte Reh überfahren wird. Diese Verhältniszahl würde bei einer grösseren Rehwilddichte mit Sicherheit sofort zunehmen. Oder in absoluten Zahlen gesagt, im 2021 sterben in der gesamten Schweiz 8’876 Rehe durch Bahn- und Autoverkehr. Im Kanton Solothurn verunfallt gemäss Statistik jeden Tag etwa ein Reh auf unseren Strassen tödlich. Dies löst jedesmal, weil eine Meldepflicht bei der Polizei besteht, den Einsatz eines Jagdaufsehers vom betroffenen Revier aus. Oftmals muss dann das angefahrene Tier noch mit einem speziell abgerichteten Hund noch gesucht werden.
Eine starke Zunahme der Populationsgrösse ist auch mit Schäden in Wald und Flur verbunden. Im 2021 wurden zum Beispiel die Wildsauschäden an den Landwirtschaftlichen Kulturen kantonsweit auf gut 87 000 Franken (inkl. Abschätzkosten) beziffert. Von Wildschweinschäden waren allerdings die Hegeringe Bucheggberg und Wasseramt nur marginal betroffen. Im Weiteren führt eine Überpopulation beim Rehwild zu Stress, weil das gewohnte Nahrungsangebot knapp und somit der für das Rehwild wichtige Äsungsrhythmus völlig durcheinandergewirbelt würde.
Die Grünröcke sind sich all dieser Konsequenzen bewusst und erfüllen ihre Aufgaben, im Rahmen der Gesetzgebung. Jeder Jagdverein ist sehr besorgt, dass die Jagden für das Wild und das gesamte Biotop möglichst schonend durchgeführt werden. Die Anzahl der herbstlichen Jagdtagen wird deshalb den zu regulierenden Wildbeständen und der forstlichen Situation angepasst. In der Regel veranstaltet jeder Jagdverein um die acht Jagdtage. Bei Erreichen der selbstauferlegten Abschussvorgaben wird die Jagd als beendet erklärt.
Sicherheit auf der Jagd ist jedes Jahr das zentrale Thema bei der Herbstjagd. Alle Abläufe bei einer Treibjagd werden diesem Aspekt untergeordnet. Somit können die üblichen Freizeitaktivitäten auch während der Jagd gefahrlos ausgeübt werden. Es wird jedoch empfohlen die Waldwege nicht zu verlassen. Als Automobilist sollten die Signalisationen beachtet und das Tempo in den Waldpassagen reduziert werden. Nichtjagende Hundebesitzer müssen gemäss Wildtierschutzverordnung ihre Hunde allerdings jederzeit unter wirksamer Kontrolle haben. Bei Fragen wenden sie sich an die Jägerinnen und Jäger, sie werden gerne Auskunft geben.
Roland Büttiker, Olten,
RevierJagd Solothurn