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VERMEIDEN
Falls du mich brauchst: Ich verstecke mich unter meiner Decke, rede mir ein, dass nichts wehtut und mein Körper mich nicht hasst.
The Unchargeables
Sind deine Schmerzen im Moment sehr stark? Dann ist Vermeidung DAS Werkzeug, das du einsetzen solltest. Denn vermeidest du taktisch geschickt, führt das längerfristig zu einer Schmerzlinderung…
Daueralarm
Schmerzen führen dazu, dass man bestimmte Bewegungen und Aktivitäten vermeidet. Das ist ein Schutzmechanismus des Gehirns und völlig normal! So schützt uns das Gehirn vor weiteren Verletzungen. Bei chronischen Schmerzen entwickelt man oft einen ganzen Katalog an Dingen, die man nicht mehr oder nur unter bestimmten Bedingungen tut, um weitere Schmerzen zu vermeiden.
Hier einige Beispiele:
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Ich habe versucht die Schmerzen in den Unterarmen und Händen zu verhindern, indem ich nur noch ganz wenig getippt und gezeichnet habe. Stattdessen habe ich mit einem Diktierprogramm gearbeitet und versucht, durch Stretching, Massagen und dem Tens-Gerät die Schmerzen zu lindern.
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Bibi hat wegen ihrer Verdauungsprobleme und Magenschmerzen sehr viele Nahrungsmittel weggelassen und keinen Alkohol getrunken.
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Annmarie benutzte ihre rechte Hand so wenig wie möglich, vermied es, längere Strecken mit dem Auto zu fahren und ging Treppen aus dem Weg.
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James hatte seinen Rücken beim Basketballspielen verletzt. Obwohl die Verletzung inzwischen verheilt war, triggerte längeres Sitzen seine Schmerzen. Um Schmerzen zu vermeiden, stand er oft auf. Musste er eine längere Zeit sitzen, versuchte er mit Kissen und Wärmepflaster die Schmerzen zu lindern.
(Quelle: The Way Out, S.87)
... und was vermeidest du?
Vermeiden als Livestyle
Weil man mit dem vermeidenden Verhalten den Körper zusätzlich schwächt, führt das oft dazu, dass man noch mehr Schmerzen hat. Durch die Angst vor weiteren Schmerzen, vermeidet man noch mehr Dinge, was zu dem Ergebnis führt, das man vermeiden wollte: Noch mehr Schmerzen.
Willkommen im Teufelskreislauf!
Vermeidung wird zum neuen Livestyle. Das wollen wir eigentlich nicht.
ABER: Nutz man die Vermeidung strategisch geschickt, kann sie nützlich sein.
Strategisch geschickt vermeiden
Denn wenn wir starke Schmerzen haben, ist das Gehirn im Dauer-Alarmmodus. Dann kann man keine positiven, korrigierenden Erfahrungen machen, die dem Gehirn zeigen, dass diese Körperempfindungen nicht gefährlich sind. Vermeiden wir, können wir den Schmerzlevel einigermassen stabil halten. Das gibt uns Zeit, das Gehirn zu beruhigen und von seinem alarmierten Zustand herunterzuholen.
LIEBER NICHT: Das schlimmste, das du bei starken Schmerzen tun kannst, ist ihn einfach zu ignorieren und dich durchzukämpfen. Das führt höchstwahrscheinlich dazu, das die Schmerzen stärker werden und im schlimmsten Fall einen grossen Rückfall hast. (Ich spreche da aus eigener Erfahrung…)
STATTDESSEN: Bei starken Schmerzen ist es gut, wenn man so wenige Rückschläge wie möglich hat und nebenher das Gehirn beruhigt. Doch, wie macht man das?
"Es ist alles okay!"
Stelle dir vor du bist in einem grossen Freizeitpark. Es ist kurz vor Halloween und alles ist dekoriert mit Kürbissen, Totenschädeln und Spinnennetzen. Als Monster verkleidete Mitarbeiter*innen geistern durch den Park und erschrecken die Besucher*innen. Du beobachtest amüsiert, wie sich die Leute erschrecken, da hörst ein kleines Kind schreien. Als du dich umdrehst, siehst du ein völlig verängstigtes Kind, das eines der Monster mit grossen, entsetzen Augen anschaut.
Es weint vor Angst und schnell gehst du zu ihm hin, nimmst es in den Arm und redest beruhigend auf das Kind ein:
«Es ist alles gut. Alles wird gut. Das sind nur Menschen, die verkleidet sind. Du musst keine Angst haben.»
Das Kind sieht die Monster als Gefahr und nicht als verkleidete, harmlose Menschen. Genau so interpretiert das Gehirn harmlose Empfindungen des Körpers als Gefahr. Und genau so wie mit diesem Kind sprichst du beruhigend auf dein Gehirn ein.
Ja ich weiss, das klingt ein wenig seltsam, aber es funktioniert. Du kannst dir auch vorstellen, dass du mit Amy, also mit deiner Amygdala sprichst und sie beruhigst:
«Es ist alles okay. Das wird vorübergehen. Auch wenn es sich gerade nicht so anfühlt, es wird bessere Zeiten geben. Es ist nur falscher Alarm. Du kannst darauf vertrauen, dass alles gut wird.»
Genau wie wenn du ein verängstigtes Kind beruhigst, ist es nicht so wichtig, welche Worte du genau wählst. Es geht mehr um das Gefühl, das hinter den Worten steckt.
Ich habe den Effekt dieser Technik einmal sehr eindrücklich gespürt. In einer Zumbalektion dachte ich schon daran, aufzuhören, weil ich so starke Schmerzen in den Händen und Armen hatte. Dann habe ich die Augen halb geschlossen, mir Amy als kleines verängstigtes Kind vorgestellt, sie in die Arme genommen und beruhigend auf sie eingeredet: Es ist alles okay, du bist in Sicherheit. (Natürlich alles gedanklich - die anderen haben davon nichts mitbekommen 😉). Nach einigen Sektunden hat der Schmerz um ca. 50 Prozent nachgelassen und ich konnte weitermachen. Der Effekt ist nicht jedes Mal direkt spürbar, aber er ist real, auch wenn es "nur" eine Visualisierung ist.
Und wie weiter?
Auch wenn dein Schmerzlevel gesunken ist, kannst du dieses Werkzeug einsetzen, so oft du möchtest. Nun bietet sich jedoch zusätzlich die Gelegenheit für positive Erfahrungen mit Somatic Tracking. Mit dieser Technik bringst du dem Gehirn bei, ungefährliche Empfindungen des Körpers richtig zu deuten. Hier kannst du mehr dazu erfahren.