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Die indianischen Ureinwohner leben in Pará schon seit undenkbaren Zeiten, jedes Volk angepasst an ein spezifisches Territorium, welches in Einklang mit seiner jeweiligen gesellschaftlich-kulturellen Lebensweise stand. Im Lauf der Geschichte entwickelten diese Menschen beispielhafte Lebensgemeinschaften, die es verstanden, sich mit dem, was die Natur ihnen bot, selbst zu versorgen, ohne dabei ihre Umwelt zu belasten. Und so lernten sie mit der biologischen und ökologischen Vielfalt ihres Ambientes – den Wäldern, Flüssen, Seen und Bächen – umzugehen und entwickelten relativ einfache Techniken, sich ihre Produkte auf vielerlei Art und Weise zu Nutzen zu machen. Zur täglichen Nahrungsversorgung, zur Herstellung von Gebrauchsgegenständen oder zur Heilung von Krankheiten.
Die Kenntnisse der Indianer, über Jahrhunderte weitergegeben an ihre Nachkommen, sind heute noch die Basis für Millionen von „Caboclos“ (Waldbewohnern) sich im Regenwald Amazoniens ernähren und fortpflanzen zu können.
Der Terminus „Índio“ (Indianer) bezeichnet eine Vielfalt von unterschiedlichen Völkern – sowohl vom gesellschaftlichen, linguistischen und auch kulturellen Gesichtspunkt. Die Sprache ist vielleicht am ehesten geeignet, die grosse Verschiedenheit zwischen diesen Völkern zu verdeutlichen.
Im Bundesstaat Pará finden wir 3 unterschiedliche linguistische Sprachgruppen: „Macro Jê, Tupi und Karib“. Die aktuellen Aufstellungen haben im Territorium von Pará 32 verschiedene Indianer-Völker, mit insgesamt 16.000 Personen ermittelt. Die Mehrheit von ihnen gehört der einen oder anderen der drei oben erwähnten linguistischen Gruppen an. Der Bundesstaat Pará hat offiziell 39 Indianer-Territorien gesetzlich anerkannt und abgegrenzt. Diese Ländereien ergeben zusammen 24,52 % des gesamten Staatsterritoriums.
Zur Sprachgruppe der Macro Jê, gehören im Bundesstaat Pará die Parket Jê (Gavião) und die Kaiapó, letztere verteilt auf verschiedene Untergruppen wie A’ukre, Gorotire, Kararaô, Kikretum, Kokraimoro, Kuben-Kranken, Mebgnokre, Menkranotí, Pukanu, Xicrin do Bacajá und Xicrin do Cateté.
Diese Gruppen präsentieren gemeinsame Charakteristika wie zum Beispiel die Konstruktion ihrer Dörfer. Die einzelnen Hütten sind in einem Kreis angeordnet, mit einem grossen Dorfplatz in der Kreismitte, der als die Domäne der Männer angesehen wird. Hier versammeln diese sich täglich, um Entscheidungen zu treffen.
Zwischen den Hütten ist der Raum für die Frauen, für ihren täglichen Plausch, ihre tägliche Handarbeit, die Pflege der kleineren Kinder. Ihre Körperbemalung ist ein weiteres Merkmal des Zusammenhangs dieser Gruppen: die Bemalung definiert das Geschlecht, die Altersgruppe, die gesellschaftliche Stellung und dazu noch einige wichtige Lebensabschnitte des Individuums, wie zum Beispiel: „zur Zeit in Trauer“ oder „jung verheiratet“ oder „bester Ringer seines Stammes“ etc.
Tupi und Tupi-Guarani, sind sich, rein sprachlich gesehen, sehr ähnlich. Zur Sprachgruppe der Tupi gehören im Bundesstaat Pará die: Juruna, Kuruaya, Munduruku und Xipaya.
Und zu den Tupi-Guarani gehören im Bundesstaat Pará die Amanayé, Anambé, Apiaká, Assurini, Araweté, Guarani, Kaapor, Kayabi, Parakanã, Suruí, Tembé und die Z’oé. Innerhalb dieser Untergruppen existieren grosse Unterschiede in der Gestaltung der Dörfer, den Formen der Behausungen, den zeremoniellen Strukturen, dem Verhalten in einem Konflikt oder der Bedeutung der Stammesführung und des Schamanismus. Die Tupi-Dörfer zeigen, in der Regel, keine bestimmte geometrische Formation der einzelnen Hütten – ihre kleinen Gemeinschaften bestehen, in der Regel, aus Grossfamilien. Sie machen ebenfalls Gebrauch von der Körperbemalung, aber eher bei zeremonialen Festlichkeiten. Am Tag gehen sie unbemalt.
Zur Sprachgruppe der Karib gehören im Raum von Pará die Arara, Aparaí, Hixkaryana, Karafawyana, Katuena, Tiryió, Xereu, Wai Wai und Wayana. Zwischen Ihnen – ausser den Arara leben sie alle nördlich des Rio Amazonas – gibt es eine offensichtliche Sprachverwandtschaft. Während sie in anderen kulturellen Aspekten zu grossen Unterschieden neigen, bedingt durch ihre ebenso unterschiedlichen Wohngebiete, ihr unterschiedlicher Kontakt zu anderen Ethnien sowie zur brasilianischen Gesellschaft. Die Familienbeziehungen untereinander spielen eine tragende Rolle in der gesellschaftlichen Rangordnung bei allen. Unter den Wayana-Apalai, zum Beispiel, setzen sich die Dorfgemeinschaften nur aus Mitgliedern einer einzigen Familie zusammen.
Der Häuptling – genannt „Tamuxi“ oder auch „Tipatakim“ – ist auch der Gründer des Dorfes. Demzufolge sind die Karib-Dörfer eher klein. Ihre Mitglieder arbeiten gemeinsam auf ihren kleinen Feldern zur Selbstverpflegung, tauschen untereinander Lebensmittel ein und gehen auch gemeinsam auf die Jagd oder im Kollektiv fischen.
Wie überall, wo sich Ureinwohner gegenüber den Pseudozivilisierten Eindringlingen in ihre Gebiete behaupten mussten, wurden ihre Grundrechte wenig bis überhaupt nicht respektiert. Das ist in erster Linie der Grund für das gradative Verschwinden vieler Indianervölker und ihrer Kultur. Die staatliche Gesetzgebung hinsichtlich der eingeborenen Bevölkerung basierte anfangs auf der Idee der „Protektion“ und der „Assistenz“ für diese Völker von Seiten des Staates – mit dem Ziel der „Integration“ und „Zivilisation“ aus der Perspektive der brasilianischen Gesellschaft.
Solche Ideen, besonders die der „Assistenz“ – welche, unter anderem, den Indianern zwar eine medizinische Betreuung zusprach, auf der anderen Seite sie aber als permanent unmündige Individuen behandelte, ohne Erwachsenenstatus und ohne Personalpapiere – solche Ideen sind heute überholt. Durch die Indianer selbst, die sich inzwischen überregional organisiert haben und durch ihre gewählten Vertreter Druck, sowohl auf die Landesregierung in Brasília als auch auf ihre regionalen Regierungsvertreter, ausüben.
Und so sind ihnen beachtliche Erfolge gelungen – und ihre Rechte haben eine beachtliche Reform in der 1988 abgeänderten „Constituição Federal do Brasil“ erfahren. Im Bundesstaat Pará finden sich ihre Rechte verankert im „Lei Ambiental do Estado do Pará“ No. 5.887 (dem Gesetz für Umweltschutz).