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Die Schweiz hat dank eines hoch entwickelten, effizienten und transparenten Handels einen blühenden Markt an strukturierten Produkten. 2021 betrug der Handelsumsatz ungefähr 20.1 Milliarden Franken und es wurden über 778'000 Abschlüsse getätigt (Quelle: SIX). Den Anleger:innen standen per Dezember über 41'269 strukturierte Produkte und Warrants zur Verfügung. Die Auswahl und Vielfalt sind gross und ich bekomme in Finanzseminaren immer häufiger Fragen nach verschiedenen strukturierten Finanzprodukten, vor allem auch nach Zertifikaten. Grund genug für einen kurzen Erklärartikel, was es damit auf sich hat 😉.
Strukturierte Produkte sind Wertpapiere, die an der Börse gehandelt werden und eine sogenannte «derivative Komponente» beinhalten. Die derivative Komponente oder Derivat ist wie ein Vertrag, der in seiner einfachsten Machart festlegt, dass ein bestimmter Basiswert (z.B. eine Aktie oder ein Rohstoff wie Gold) zu einem bestimmten, im Voraus vereinbarten Preis gekauft oder verkauft werden kann oder muss.
Damit hast du mit dieser Art Produkt die Möglichkeit, auf einen steigenden oder fallenden Preis quasi zu «wetten» oder eine bestimmte Preisentwicklung abzusichern. Derivate gibt es schon sehr lange, ursprünglich wurden sie von Bauern zur Absicherung des Erntepreises eingesetzt. So hat z.B. ein Bauer einen Händler bereits im Winter dazu verpflichtet, die Getreideernte für einen vorher vereinbarten Preis von z.B. 1000 Franken dann im Herbst zu kaufen. Kam der Herbst und das Getreide war nur 600 Franken wert, dann war das ein gutes Geschäft für den Bauern. War die Ernte aber 1’300 Franken wert, weil gerade Getreideknappheit herrschte, dann hatte der Händler die Nase vorn.
Im Unterschied zum Basisprodukt, im Beispiel hier Getreide, musst du beim Abschluss eines Derivats viel weniger Geld in die Hand nehmen, um einen vergleichbaren Gewinn oder Verlust zu erzielen (Kosten für das Produkt nicht eingerechnet), als wenn du das Basisprodukt selbst gekauft hättest. Deshalb heissen Derivate auch Hebelprodukte.
Heute gibt es ganz verschiedene Arten von strukturierten Produkten, von einfachen Index-Trackern bis hin zu komplexen Hebelprodukten. Im Gegensatz zu z.B. Aktien, welche dir ein Miteigentum am Unternehmen, von welchem du die Aktie besitzt, ermöglichen, hast du bei strukturierten Produkten so ein Miteigentum nicht, aber du nimmst an der Wertentwicklung teil – je nach Art des Produktes profitierst du z.B. von steigenden und/oder fallenden Kursen und bekommst an einem bestimmten Datum, dem Fälligkeitstag, einen bestimmten Betrag ausgezahlt, oder in manchen Fällen den Basiswert selbst. Gehandelt werden strukturierte Produkte an der Börse oder über den Herausgeber.
Zertifikate sind Wertpapiere, in welche der Herausgeber Derivate «eingebaut» hat, um deren Wert/Preis von einem oder mehreren anderen Basiswerten abzuleiten, z.B. von Aktien, Aktienkörben, Rohstoffen, Währungen oder Indizes wie dem SMI, DAX, Eurostocks 50 etc. Eine Liste der beliebtesten Basiswerte findest du z.B. hier.
Je nach Machart des Zertifikates kann dessen Kurs bei steigenden, fallenden oder stagnierenden Preisen des zugrunde liegenden Basiswerts nach oben (oder unten) gehen. Damit erlauben dir Zertifikate, Wetten auf bestimmte Kursentwicklungen abzuschliessen. Rechtlich sind sie Schuldverschreibungen der herausgebenden Bank oder des Herausgebers. Das bedeutet, dass du im Falle der Insolvenz des Herausgebers dein eingesetztes Kapital verlieren kannst. Passiert ist das z.B. bei der Finanzkrise 2008 und der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, deren Zertifikate dann nahezu wertlos waren.
Es gibt eine sehr grosse Auswahl an verschiedenen Zertifikaten, je nachdem wofür man sie einsetzten will und wie sie gebaut sind, z.B. Index-Zertifikate, welche die Entwicklung eines zugrunde liegenden Index nachvollziehen, Basket-Zertifikate, die einen Basket (Korb) von Werten (z.B. verschiedene Aktien) abbilden, Garantie-Zertifikate, welche eine bestimmte Laufzeit haben und dir garantieren, dass du am Ende dein eingesetztes Kapital bekommst, und jede Menge weiterer Formen.
Die Vorteile:
Die Nachteile und Risiken:
Zertifikate eignen sich eher für erfahrenere Anleger:innen, z.B.:
Wie ihr seht, ergeben sich aus strukturierten Produkten eine Vielzahl von Möglichkeiten, aber es braucht gute Information oder Beratung, um diese auch zielführend einsetzen zu können.
Habt ihr Zertifikate oder andere strukturierte Produkte? Oder setzt ihr eher auf Fonds und ETFs? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?