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Sangwoo Kim
Biografisches
Sangwoo Kim (1980, Südkorea) ist auf dem Land aufgewachsen und liebte es bereits als Kind, die Umgebung mit dem Fahrrad zu erforschen. Er bastelte viel mit Holz, Lego und anderen Materialien. Auch in der Primarschule liebte er das Fach Werken und Zeichnen, wo er immer wieder neue Ideen umsetzen konnte. Nach dem Gymnasium entschied er sich Kunst zu studieren. Zuerst absolvierte Kim ein jähriges Zeichenpraktikum, um die Prüfung an die Chonnam National University in der Stadt Gwangju zu bestehen. Hier studierte er von 1998 bis 2004 Kunsttheorie und Kunsthandwerk, das er mit einem Bachelor (BFA) abschloss. Bis 2006 machte er eine Ausbildung in der traditionellen koreanischen Onggi Technik. Im 2007 traf er bei einem Keramiker in Südkorea seine zukünftige Frau, eine Schweizer Künstlerin. Im gleichen Jahr reiste er zu einem Symposium nach La Borne in Frankreich. Ab 2007 stellt Kim in Südkorea wie auch in Europa aus und ist Träger mehrerer Auszeichnungen in Keramik. Von 2011 bis 2014 absolvierte er in Seoul an der National University noch den Masterkurs (MFA) in Keramik. Er wohnt und arbeitet in der Schweiz und in Südkorea.
Material und Technik
Kims Arbeit spiegelt seine Vorliebe für die koreanische traditionelle Töpfertechnik Onggi. Aus Ton formt er seine Kunstobjekte. Dabei arbeitet er in Platten, die er zusammensetzt. Im Arbeitsprozess entsteht dann die endgültige Form. Dieser ist ein medidativer Vorgang und hinterlässt als solcher Spuren im Werk. Vor dem Brand werden die Kunstobjekte poliert. Der Grubenbrand an sich, den der Künstler selber mitbestimmt, verleiht den Keramiken die endgültige Zeichnung. Diese variert in ihrer Farbigkeit von Schwarz über Grautöne bis zum Farbton des Ausgangsmaterials. „Dieser Prozess während des Grubenbrands, das durch Holz mitbestimmt wird, fasziniert mich, da die daraus resultierenden Zeichnungen eine unendliche Varietät aufweisen“, erläutert Kim. Die Temperatur des Grubenbrands für die Keramiken beträgt 800 Grad Celsius, was relativ niedrig ist und die Gegenstände auch hohl tönen lässt. Im Vergleich dazu brennt Kim die neuesten Kunstobjekte aus Porzellan bei 1250 Grad Celsius. Diese poliert er erst nach dem Brand mit einem diamantenen Schleifmaterial.
Bildsprache und künstlerische Aussage
Sangwoo Kim steht ganz in der koreanischen Tradition einer reduzierten Ästhetik. Schlichtheit und Einfachheit verleiht seinen Keramiken jene Grazie, die der asiatischen Kunst eigen ist. Genau das spiegeln seine Keramiken, die natürliche Formen aufweisen. Diese Natürlichkeit stammt aus dem Arbeitsprozess, der gänzlich mit der Hand bestimmt wird. Nur die Kugel stellt einen reinen geometrischen Körper dar. Alle anderen Objekte sind Abweichung von diesem Ideal, die der Betrachter aber in ihrer Natürlichkeit als direkter im Sinne des Dialogs zwischen ihm und dem Werk empfindet. „Mein Gestaltungskonzept stammt von den Steinen im Fluss. Der Fluss formt sie und hinterlässt seine Spuren. Genauso verstehe ich unser Leben auf dieser Erde“, erklärt Kim. Hier tritt das sehr stark haptische Moment der Keramik von Kims Werk an den Tag: der Künstler formt für beide Sinnesorgane- das Auge und die Hand. Genauso wie der Stein aus dem Fluss durch Berührung ein ganz bestimmtes und sehr angenehmes Gefühl beim Betrachter hinterlässt, genauso möchte Kim seine Keramik verstanden wissen. Durch das visuelle Wahrnehmen und die Berührung der Kunstobjekte wird im Betrachter ein Gefühl ausgelöst, mit dem eine Brücke zwischen einer reflektierten Vergangenheit und einer noch unbekannten Zukunft geschlagen wird: Ein sinnliches, sicher poetisches Seh- und Tasterlebnis.