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Milchdrüsen
(Glandulae lactis), bei den weiblichen Säugetieren die für die Absonderung der Milch sorgenden Organe. Es sind eigentümliche Hautdrüsen und liefern anstatt reinen Fettes, wie die Talgdrüsen, solches in feinsten Kügelchen in einer eiweißhaltigen Flüssigkeit suspendiert (s. Milch). Sie setzen sich aus Gruppen von Drüsenschläuchen zusammen, die bei den niedersten Säugetieren jede für sich auf der Haut [* 2] münden, sonst aber gemeinschaftlich auf einer Warze, der Zitze, enden.
Letztere findet sich in zweierlei Form: bei der echten
Zitze bildet die
Warze eine
Erhöhung, bei der unechten hingegen
(Pferd,
[* 3] Wiederkäuer)
[* 4] liegt sie in der Tiefe eines von der sie umgebenden
Haut gebildeten
Rohrs. Im allgemeinen
entspricht die Anzahl der
Zitzen, also auch der
Milchdrüsen, dem
Maximum der gleichzeitig gebornen
Jungen (bei den
Nagetieren 2-14); sie
stehen in zwei
Reihen von der
Brust bis zur Lendengegend hin oder sind kreisförmig am
Bauch
[* 5] angeordnet oder auf die
Brust, resp.
auf die
Leistengegend beschränkt. Bei den
Beuteltieren bildet sich um sie herum aus einer Hautfalte ein
Beutel
[* 6] zur
Aufnahme der
Jungen; bei
Wiederkäuern ragen sie in ihrer Gesamtheit als
Euter (s. d.)
¶
mehr
hervor. Im männlichen Geschlecht sind sie normal rückgebildet oder fehlen ganz, geben aber in Ausnahmefällen Milch. - Beim Menschen werden sie wegen ihrer Lage als Brüste (mammae) bezeichnet und bestehen hier beim Weib aus der Drüse und der sie umgebenden Fettmasse. Sie sind zu zweien vorhanden und haben bei Erwachsenen jede ein Gewicht von etwa 250 g. Die zwischen ihnen befindliche Vertiefung heißt Busen (sinus), doch wird dieser Name fälschlich auch wohl für die Brüste selbst gebraucht.
In der Mitte jeder Brust befindet sich die Brustwarze (mammilla, papilla mammae), an welcher man einen flachern, ringförmigen Teil, den Warzenhof (areola mammae), und die eigentliche Brustwarze unterscheidet. In dem mehr oder weniger dunkel gefärbten Warzenhof bemerkt man die Mündungen einer oder mehrerer Talgdrüsen in Gestalt kleiner Hervorragungen. Auf der Vorderfläche der eigentlichen Warze münden die 12-20 Gänge der Drüse (Milchgänge, ductus lactiferi), von denen jeder zu einem Drüsenlappen gehört.
Die Warze ist reichlich mit Blutgefäßen und Nerven [* 8] ausgestattet und daher erektil, d. h. fähig, sich unter Zunahme ihres Umfanges aufzurichten und straffer zu werden. Bei den Jungfrauen sind die Brüste halbkugelig, fest und elastisch, werden dagegen infolge reichlicher Milchabsonderung oder auch im zunehmenden Alter schlaff und hängen alsdann vielfach herab, verlängern sich auch bei einzelnen Völkerschaften so sehr, daß sie über die Achsel hinübergeschlagen werden können.
Überzählige Brüste sind bei Männern ebenso häufig wie bei Weibern gefunden worden und stehen fast immer unterhalb der beiden normalen, jedoch auch in der Achselhöhle, am Rücken oder Oberschenkel. Solche Bildungen sind mitunter erblich. In der Brust des Mannes sind die Drüsenlappen und Gänge meist eben kenntlich, Warze und Warzenhof dagegen deutlich ausgebildet. Die Milchabsonderung beginnt schon während der Schwangerschaft, so daß bereits im siebenten Monat derselben eine milchähnliche Flüssigkeit aus den Brustwarzen hervortritt.
Aber erst nach der Geburt strömt die Milch so reichlich, daß sie als ausschließliches Nahrungsmittel [* 9] für den Neugebornen zu dienen vermag (s. Milch). Übrigens stehen die Brüste zu den Fortpflanzungsorganen in naher Beziehung. Schon während der Menstruationszeit zeigt sich oft ein vermehrter Blutandrang nach ihnen; eine stärkere Reizung der Brustwarze kann sogar eine wehenartige Thätigkeit der Gebärmutter [* 10] hervorrufen, und nach der Geburt erregt das Saugen des Kindes energische Kontraktionen der entleerten Gebärmutter, so daß die Nachwehen dadurch überaus lebhaft und schmerzhaft werden.