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06.08.2021 - Bitte, einmal die Palme hoch
Du kennst es sicher auch sehr gut, dass dich gewisse Dinge an anderen Menschen stören oder dich diese Verhaltensweisen notfalls sogar auf die Palme bringen. Da ist vielleicht der Nachbar, der jedes Wochenende eine Party veranstaltet und der Lärm dich davon abhält, abends einschlafen zu können. Oder es gibt einen Arbeitskollegen, der alles so locker leicht nimmt, pünktlich in den Feierabend entschwindet, während du strampelst, einfach nicht vorankommst und dadurch Überstunden am Laufband notierst. Allenfalls spielt sogar deine Partnerin oder dein Partner immer wieder quer in deinen Alltag, nachdem du mit dem Staubsauger für sichtbare Sauberkeit gesorgt hast und sie oder er nach einem Spaziergang im nassen Wald die Schuhe nicht wie gewohnt vor der Haustür, sondern erst in der Wohnung auszieht und dabei ein wenig Waldboden auf dem Boden hinterlässt. Auf der Strasse kennst du sicher auch den Autofahrer, den du also Rowdy bezeichnest, weil er dich so schnell links überholt und du ihm nur kopfschüttelnd den einen Finger zeigst und mit der anderen Hand mehrmals das Fernlicht oder die Hupe betätigst, um ihm zu zeigen, dass du mit seinem Verhalten definitiv nicht im Einklang bist. Gemütlich vor dem Fernseher sitzend und eine angeregte Diskussionssendung verfolgend erlebst du es bestimmt wiederholt, wie egoistisch der Parteivorstand seine Meinung vertritt und du kurzum den Sender wechselst, nur um festzustellen, wie beim Champions League Spiel der französische Spieler wieder gegen einen Schiedsrichter-Entscheid skandiert und prompt die gelbe Karte gezeigt bekommt. Bist du endlich mal dem Alltag entflohen und befindest dich in einem Land mit einer ganz anderen Kultur, ist es nicht selten der Fall, dass du dich fragst, was zum Teufel hier nicht richtig ist, weil du das Schmatzen der Einheimischen aufgrund deiner Herkunft nicht verstehen kannst. Ist dieser Urlaub etwas länger ausgefallen und du kommst wieder zurück in die Heimat, so ist es nicht ausgeschlossen, dass du dich wie in einem anderen Film fühlst, da die Menschen hier mit versteinerter Miene, ohne Fröhlichkeit im Gesicht und dem Kopf nach unten gesenkt dem Arbeitsplatz zueilen. Oder ist es gar der Autor dieses Artikels, der wöchentlich seine Lektüren schreibt? Ganz sicher hast du beim Lesen auch schon mal den Kopf geschüttelt, da du mit den Kernaussagen in den Texten einen totalen Meinungsdisput hattest.
Du merkst selber, diese Liste an Beispielen, in denen wir innerlich einen Konflikt erkennen mit dem, was wir bei anderen wahrnehmen, liesse sich endlos verlängern.
Alle diese Begebenheiten aus unserem Alltag zeigen auf, dass es Merkmale und Verhaltensweisen an anderen Menschen gibt, die uns sehr schnell und unaufgefordert auf die Palme bringen. Andererseits sind diese Momente auch ein wertvoller Beweis dafür, dass uns womöglich etwas fehlt, dass diese Menschen in sich haben. Zurückkommend auf den party-liebenden Nachbar könnte dein Ärger damit verbunden sein, dass du dich sehr gerne auch mehr mit anderen Menschen umgibst und du mehr Freude am Leben erfahren willst. Könnte der sportliche Autofahrer allenfalls ein Trigger sein für dich, dass du selber gerne etwas zügiger mit dem Auto von A nach B gelangen würdest, du dich auf den Strassen jedoch etwas ängstlich fühlst? Wäre es möglich, dass der wütende Fussballspieler, der sich beim Schiedsrichter lautstark bemerkbar macht, bei dir dein wenig ausgeprägtes Selbstbewusstsein in den Fokus stellt?
Vielfach sind wir uns nicht wirklich bewusst, wieso wir oft angespannt und genervt auf andere Menschen reagieren. Sehr schnell zeigen wir eben genau auf diese Menschen und erkennen sehr schnell, was bei ihnen vermeintlich nicht gut sein soll. Wenn wir jedoch das Blatt mal wenden und auf uns selber zeigen, können wir in allen Fällen daraus lernen und uns sogar dahin bewegen, wo wir sehr gerne sein würden.
Ein Coaching kann da ein grosser Dienst erweisen, denn durch gezielte Fragen des Coachs kannst auch du deine Mitmenschen und vor allem auch dich besser kennen lernen und daraus profitieren. Das führt am Ende des Tages zu sehr viel mehr Lebensqualität und Lebensfreude. Wie schön ist doch nur schon dieser Gedanke?
Was hindert dich daran, diesen Schritt zu gehen?