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In der Übersicht
Die Frage, wie sehr und in welchen Kontexten Herrschaft in Mittelalter und Früher Neuzeit geschlechtlich markiert war, bleibt kontrovers. Im Spätmittelalter etablierte sich in den meisten Fürstentümern und Königreichen eine patrilineare Primogenitur, in der Frauen nur herrschen konnten, wenn es keine männlichen Nachkommen gab. Während Rechtsgelehrte vor der „Gynäkokratie“ warnten, waren Frauen jedoch ein integraler Bestandteil der Monarchien: Gerade vom 14. bis 16. Jahrhundert gab es eine besonders grosse Anzahl von Königinnen und Regentinnen. Eine Geschlechtergeschichte von Herrschaft erschöpft sich jedoch nicht in der Frage, wie viele Männer oder Frauen regierten. In diesem Seminar werden wir stattdessen der Frage nachgehen, ob, wann und inwiefern Herrschaft als männlich oder weiblich verstanden wurde: Welche Rolle spielte z.B. der Körper des Königs, seine Zeugungsfähigkeit? Wann wurde Geschlecht in Frage gestellt und Ziel von Angriffen? Wie weiblich war eine Königin? Ziel ist dabei nicht nur eine neue Perspektive auf Herrschaft im Spätmittelalter, sondern auch eine Auseinandersetzung mit geschlechtergeschichtlichen Theorien und Methoden. So werden wir uns mit grundlegenden theoretischen Texten der Gender Studies auseinandersetzen, aktuelle Forschungsansätze diskutieren und nicht zuletzt historische Quellen (politische Theorien, Briefe, Reden, usw.) unter geschlechtergeschichtlichem Fokus lesen.