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Faszinierend, wie *Katherine Pancol mit den Erzählperspektiven spielt...
"Alles eine Frage der Perspektive..."
Aus welcher Sicht wird eine Geschichte erzählt?
Es macht einen grossen Unterschied, aus welcher Perspektive eine Geschichte erzählt wird.
Einerseits kannst Du wählen, wer Dein Protagonist (Hauptfigur) wird und dadurch Einfluss auf die Sichtweise des Geschehens nehmen. Wenn Du Dir zum Beispiel Rotkäppchen erzählt aus der Sicht des Wolfes vorstellst, dann ist das Ende doch eher tragisch - aus der Sicht von Rotkäppchen und der Grossmutter jedoch, ist es ein "Happy End". Diese "Spielerei" kannst Du mit jeder Erzählung durch führen.
Durch die Erzählperspektive bestimmst Du den Standpunkt des Erzählers, von dem aus das Geschehen beschrieben wird.
3. Ist er sehr nah an der Geschichte, hat sie jedoch nur beobachtet?
2. Schreibst Du so, als ob Dein Erzähler die Geschichte selbst erlebt hat?
1. Hast Du in deiner Geschichte einen distanzierten, neutralen Erzähler dazu genommen, der sozusagen wie der "liebe Gott" über alles Bescheid weiss und überall dabei sein kann?
Es gibt drei verschiedene Erzählperspektiven
1. Sie hastet aus dem Haus, wirft einen für die Witterung zu schweren Mantel über. 1941. Wieder hat ein Krieg begonnen. Sie hat eine Nachricht für Leonard hinerlassen und eine weitere für Vanessa. Zielstrebig geht sie in Richtung Fluss, ihres Vorhabens gewiss, doch sogar jetzt lässt sie sich noch beinahe ablenken durch den Anblick der grünen Hügel, der Kirche und ein paar vereinzelter Schafe, leuchtend weiss, mit einem leichten Stich ins Schwefelgelbe, die unter einem dunkeln Himmel weiden. (Aus: Die Stunden von Michael Cunningham (Film: The Hours)
2. Ich war an diesem späten Abend gerade dabei den Tankdeckel wieder zu verschliessen, als ich aufgeregte Schreie vom Tankstellenshop her hörte. Als ich den Blick hob, sah ich,
3. wie zwei maskierte Männer auf die offene Türe eines Kleinbusses zu rannten, dessen Motor lief. Sie sprangen ins Wageninnere, die Reifen drehten durch, im letzten Moment schlug die Türe zu und das Auto raste davon.
2. Als ich später von der Polizei zum Fahrzeug befragt wurde, wusste ich nur noch, dass es schmutzig weiss war und, dass ich im Moment des Schreckens vergass auf die Autonummer zu achten.
1. Auktorialer Erzähler (von aussen / neutraler Erzähler)
2. Ich-Erzähler
3. Personaler Erzähler (mittelbar / unmittelbar beteiligt) (er / sie)
Erzählvorgang
Je nach dem, ob Du Subjektivität oder Objektivität beim Erzählen erreichen willst, entscheidet Du Dich für eine bestimmte Erzählperspektive.
Der Ich-Erzähler nimmt sich und seine Umwelt wahr, kommentiert das Geschehen aus seiner Innensicht. Da dies subjektiv ist, kann der Leser die Aussage auch in Frage stellen. "Alle Menschen sind egoistisch", kann ein Held sagen und wir wissen, dass ist seine eigene Meinung, die nicht stimmen muss.
Die Perspektive kann im Text wechseln. Man kann zum Beispiel aus der Sicht des Helden und der seines Gegners (Antiheld in der Ich- oder auch Er/Sie - Perspektive) erzählen, um dann aus einer neutralen, übergeordneten Perspektive (neutraler Erzähler) weiter zu schreiben.
Auch Innerer Monolog und Dialog sind subjektivierende Erzähltechniken, während Allwissenheit und Außensicht objektivierend wirken.
Spiel mit der Perspektive - *Katherine Pancol - "Tanz in den Tag" Seite 16/17
Zu dieser nachmittäglichen Stunde ist das Café Sabarsky menschenleer. (...). Gary 1setzt sich an einen runden weissen Marmortisch und legt sein Notizbuch und den kleinen Bleistift mit der weichen Spitze vor sich hin. Der Kellner in schwarzer Weste und einer langen weissen Schürze bringt ihm die Karte und schickt sich an, wieder zu gehen, damit er in Ruhe auswählen kann.
"Die brauche ich nicht", sagt Gary ungeduldig." Eine schöne cremige heisse Schokolade mit Schlagsahne und ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte."
Und 2meine Ruhe! Ruhe und Stille, um sie mit Noten auszufüllen. Gott, kann Hortense nervtötend sein! Zieht 3er sie etwa an den Haaren, wenn sie sich mit einer Skizze herumplagt? (...). Nein. Er tritt zurück und betrachtet sie. Wartet, bis sie sich umdreht, ihn bemerkt, sich daran erinnert, dass es ihn gibt. Weisst du noch, wie ich heisse?, fragt 4er lächelnd auf dem Sofa sitzend. 5Ich bin dein Lieblingslover. Hortense richtet 6sich auf. (...). Ihre Augen werden zu Karamell. Gary, Gary Ward, ja, das sagt mir etwas... (...).
Der Geist des alten Doktor Freud streift zwischen den Malakofftorten, den Bergen von Schlagsahne, (...) umher und hält nach einem Patienten Ausschau, den er auf seine Couch legen könnte. Ich bin kein Patient, Doktor Faust, ich lebe in gutem Einvernehmen mit mir selbst. (...). Mein Vater war ein heruntergekommener, einsamer Mensch. Und ständig betrunken. Ja, es stimmt, dass er seinen Tod selbst herbeigeführt hat. Soll ich mich deswegen schuldig fühlen, Sigmund? (...). 7Sie achen? Sie glauben mir nicht? Auch gut. Lassen sie mich in Frieden.
1setzt - hier spricht die Erzählerin im "Jetzt"
2meine - hier sind wir im Monolog von Gary im "Jetzt"
3er - Gary spricht von sich im Monolog als "er"
4er - Erzählerin nach seinem gedachten Rückblick / Monolog
5Ich - Monolog von Gary (rückblickend, gedacht)
6sich - Die Erzählerin im Rückblick
7Sie - Gary redet in Gedanken mit Sigmund Freud / Monolog