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Die Flüsse des Zweistromlandes
Im Süden des heutigen Iraks sticht auf Satellitenbilddaten das weit verästelte und dichte Netzwerk von Bewässerungskanälen ins Auge. Dazwischen sind verlandete Flussmäander zu entdecken. Der Blick aus der Vogelperspektive zeigt eindrücklich, dass die Kulturlandschaft auch ein Archiv ist.
Dieses Archiv anhand Fernerkundungsdaten zu dokumentieren und daraus – in Kombination mit der Auswertung archäologischer, schriftlicher und geomorphologischer Quellen – Rückschlüsse auf die Lage von Flüssen und Kanälen der mesopotamischen Schwemmlandebene während verschiedener Epochen zu ziehen, ist das Ziel dieses Forschungsprojektes.
Um Verschiebungen von Bevölkerungsschwerpunkten verstehen zu können, ist eine Kenntnis der Flussverlagerungen entscheidend. Flussverlagerungen führten zur Verödung ganzer Landstriche sowie zur Neuerschliessung anderer Gebiete, was massive Auswirkungen auf die Entwicklung der politischen Geschichte Mesopotamiens hatte. Gleichzeitig stellt eine leicht zu beeinflussende Umgebung ein grosses Potenzial für die Bewässerung dar. Die Kenntnis über den Verlauf von Flüssen und Kanälen zu verschiedenen Zeitpunkten ist entscheidend, um politische, wirtschaftliche und soziale Fragestellungen umfassend zu untersuchen und, um die kurz- und langfristige Dynamik der Ökosysteme und des Klimas aufzuzeigen.
Während der letzten sechzig Jahre gab es vereinzelt Studien zu diesem Thema, jedoch liegen die Ergebnisse fast ausschliesslich in Textform vor. Es mangelt an Karten, die verschiedene Fluss- und Küstenverläufe aufzeigen und als Grundlagendaten dienen. Als Publikationsform werden interaktive Webkarten gewählt und alle Grundlagendaten frei verfügbar unter einer Creative Commons Lizenz veröffentlicht.
Das Projekt verbindet eine geisteswissenschaftliche Fragestellung mit technischen und aus der Geographie entwickelten Methoden, insbesondere der satellitengestützten Fernerkundung. Durch die Publikationsform digitaler, interaktiver Webkarten wird das vorliegende Forschungsprojekt einen Beitrag in den Digital Humanities für die raumbezogenen Wissenschaften erbringen. Mit dieser innovativen Publikationsform können Grundlagedaten gezielt für ein Fachpublikum anderer Wissenschaftsbereiche anschaulich und leicht verständlich aufbereitet und so der Dialog über die Fachgrenze der Vorderasiatischen Archäologie hinweg und über verschiedenen Wissenschaftskulturen hinaus gefördert werden.