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Die Biographie des Johannes Fabricius Montanus, von ihm selbst in grosser Eile verfasst für den hochberühmten und vortrefflichen Herrn Wolfgang Haller, seinen ihm ausserordentlich lieben Gevatter; Chur, im März 1565.
Traduction (Allemand)
Traduction: Clemens Schlip (französischer Originaltext der Anmerkungen von David Amherdt)
[...] 4. Mit sieben Jahren kam ich nach Zürich und besuchte dort die Schulen zusammen mit Leos Sohn Johannes, weil wir ungefähr gleich alt waren. Später wurde dennoch Basel von meinen Eltern Zürich vorgezogen, weil es näher lag, besonders weil Johannes Heinrich Winkel mich dorthin einlud, ein damals wegen seiner Frömmigkeit und der Berühmtheit seines Namens bekannter Mann. Im schwäbischen Krieg hatte er nämlich die vordersten Schlachtreihen der Soluthurner bei Dornach geführt (damals war er Bürger von Solothurn); später der Religion wegen seiner Heimat und seines Besitzes beraubt, lebte er um diese Zeit herum, damals schon ein Greis, als Verbannter mit seiner Gattin, einer höchst ehrbaren Matrone, in Basel im Exil. Er hatte dennoch so viel von seinem Vermögen übrig behalten, wie ausreichend war, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. Weil er seinen einzigen Sohn, den er für die Studien bestimmt hatte, in Paris durch ein finsteres Geschick in der Seine verloren hatte, er aber gelehrte Männer auf wunderbare Weise begünstigte, an deren Umgang er sehr viel Freude hatte, bat er darum, mich zum Trost für seine Trauer und um sein Verlangen nach dem Toten zu stillen, zu ihm zu schicken, weil ich ein naher Blutsverwandter von ihm war. So habe ich in Basel unter dem Lehrer Hugwald die edlen Wissenschaften erlernt. Um dieselbe Zeit starb Erasmus von Rotterdam und ich nahm, noch ein Knabe, an seinem Begräbnis und seinem Leichenbegängnis teil.
5. Später ist es, weil Bucer nach Zürich an Leo geschrieben hatte, dass in Strassburg neue Kollegien und in ihnen feste Klassen eingerichtet würden, denen es hinsichtlich einer genauen Studiennorm an nichts fehle, schliesslich auf den Rat Leos hin geschehen, dass Winckel mich dorthin entsandte. Aber als ich in Strassburg angekommen war, wohin ich mit dem Schiff gereist war, war der Lehrplan der Kollegien vom Rat noch nicht vollständig in Kraft gesetzt worden. Bucer unternahm es also, für mich in seinem Haus einen Kurs über die Andria des Terenz zu halten: Im Übrigen besuchte ich die Schule des Dasypodius. Aber weil jener Winter schlecht für mich war und ich erkrankte, bin ich im dritten Monat nach meiner Ankunft dort von bestimmten Leuten in die Heimat zurückgerufen worden; so habe ich hierauf mehr als ein Jahr keine Schule besucht. Auch wenn nämlich in meiner Heimat damals ein nicht ungebildeter Mann die Wissenschaften lehrte, wie ich später aus seinen Predigten und aufgrund des Zusammentreffens mit ihm eindeutig wahrgenommen habe, als sich mein Urteilsvermögen gefestigt hatte, wollten meine Eltern dennoch, dass ich der Schule und jenem Gesang möglichst fernbliebe, weil die Schulangehörigen dem papistischen Ritus entsprechend in der Kirche singen mussten. Deshalb habe ich zu Hause meine Eltern bei den Familienangelegenheiten unterstützt.
6. In der Zwischenzeit unterrichtete mich meine Mutter, die Herr Bullinger aufgrund eines Gesprächs mit ihr und aufgrund ihrer Frömmigkeit noch kennen kann (sie war nämlich nicht nur einmal in Zürich) zuhause innerhalb der privaten Wände; zwar war sie der lateinischen Sprache nicht kundig, aber in anderer Hinsicht war sie eine vielbelesene Frau; deshalb absolvierte ich mein Pensum, indem ich täglich das lateinische Neue Testament mit dem deutschen verglich, derart, dass ich nicht erfolglos das Deutsche aus dem Lateinischen übersetzte, so dass sie sehr deutliche Beweise für meine Sorgfalt oder Nachlässigkeit wahrnehmen konnte. Schliesslich bin ich, weil Leo Jud, den meine Eltern in dieser Angelegenheit mit Briefen zum Handeln aufforderten, mir hierauf alle Hilfe versprach, nach Zürich zurückgekehrt. Dort schliesslich, wo ich das Fundament meiner Studien gelegt hatte, habe ich noch darüber gebaut, was zu bauen übrig blieb. Aber Leos Tod war nachher nicht so unheil- und trauervoll für die Kirche, als er es für meine Studien war. Er empfahl mich auf dem Sterbebett den Hirten und Lehrern aufs sorgfältigste an, die er schon vorher zu Gesprächen gerufen hatte.
7. Danach wurde ich von diesen Männern als Schützling aufgenommen und wurde im Verlaufe eines Jahres zum Lektor in der zweiten Klasse in der oberen Schule gemacht; als ich in diesem Curriculum ein Biennium abgeschlossen hatte, bin ich im Jahr 1545 mit Rudolf Funk, Heinrich Opsander und Karl Schweninger vom höchstgeehrten Rat zum Studium nach Hessen geschickt worden. Unsere Ankunft fiel in den Braunschweigischen Krieg; Vater und Sohn wurden damals in Hessen als Gefangene in Haft genommen, und beide, als man sie heranführte, mit einem umgewendeten Wolfsfell bekleidet. Als die Landbevölkerung in einem grossen Andrang zu diesem Spektakel zusammenströmte, befahl der ältere Braunschweiger einem Adligen, zu den Bauern zu reiten und sie zu fragen, wie jene Beute ihnen gefalle. Jene antworteten, ihr Fürst, der Landgraf, habe schon lange keine Wölfe mehr gefangen, deren Felle so hoch zu schätzen oder so wertvoll gewesen seien.
8. Es folgte der Schmalkaldische Krieg, der für Deutschland ein sehr trauriges Ereignis war. Wir folgten, als der Landgraf seine Truppen ins Feld führte, einige Tage lang seinen Feldlagern, und indem wir endlich bis Nürnberg vorankamen, durchquerten wir auf dieser Reise ganz Franken. In diesem Jahr stachelte uns der Ruhm Philipp Melanchthons an, bis nach Wittenberg zu reisen. Schon neigte sich der Sommer seinem Ende zu und das Reisen war wegen der kriegerischen Unruhen (die ja noch dazu innere Unruhen waren) weniger sicher. Aber Peter Lotichius und Johannes Altus, Männer, die mich sehr zu sehen begehrten und die uns schon lange in Wittenberg erwarteten, waren ein mächtiger Beweggrund, diese Reise zu unternehmen. So (was unglaublich klingt, wenn man es ausspricht) drangen wir mitten durch die Tumulte hindurch – die in einer so grossen Verwirrung sehr häufig waren und sich feindselig gegen Reisende richteten, nachdem die Verschwörung des Moritz und Friedrichs schon offenbar geworden war – unversehrt bis nach Wittenberg durch. Und was noch erstaunlicher ist: Obwohl in Wittenberg Schutztruppen Wache hielten, sind wir mitten durch die Wachposten hindurch, die in den Toren aufgestellt waren, ungehindert einhergeschritten, ohne dass eine der Wachen uns in gehässiger Weise wegen unserer Ankunft zur Rede stellte; unsere Freunde bestätigten uns nachher, dies sei ein ungewöhnliches Ereignis gewesen, und sie erkundigten sich eifrig, auf wessen Intervention hin wir zuerst eingelassen worden seien, weil sie sagten, dass für Ankömmlinge kein Zugang offenstände, wenn nicht ein durch hochgeachtete Treue ausgezeichneter Bürger sich gleichsam als Bürge einschalte.
9. Nahezu samt und sonders alle Professoren hatten mit ihren Gattinnen und Kindern die Stadt schon verlassen; nur Melanchthon hing dort noch mit wenigen anderen fest, und Lotichius und Altus warteten auf seinen Weggang. So trug dies zu unserem Glück bei, dass wir sie, um derentwillen wir eine so lange Reise hinter uns gebracht hatten, noch rechtzeitig antrafen. Melanchthon unterhielt sich, weil er ein sich durch höchste Menschlichkeit auszeichnender Mann war, ungeachtet seiner Aufgaben lange sehr vertraulich mit uns und klagte dabei über das Unheil unseres Zeitalters; endlich brach er in diese Verse des Ovid aus:
Man lebt vom Raub, nicht sicher ist der Gastfreund vor dem Gastfreund,
nicht der Schwiegervater vor dem Schwiegersohn, auch unter Brüdern ist Dankbarkeit selten.
Zuletzt stellte er viele Fragen über Bullinger und Pellikan; als er erfuhr, dass sie lebten und es ihnen gut ging, war es offensichtlich, dass er sich sehr freute. Lotichius zog sich mit Altus nach Magdeburg zurück; als sie die Stadt verliessen, begleiteten wir sie viele Morgen und folgten ihnen schliesslich mit unseren besten Wünschen und unseren Tränen. Lotichius wiederzusehen, ist meinen Augen nicht vergönnt gewesen.
10. Es ist bekannt, was für Zeiten hierauf folgten, so dass wir nicht ohne grosse Gefahr (wir stiessen nämlich auf das Heer, das damals Naumburg einnahm) mitten im Winter nach Marburg zurückkehrten. Dennoch machten wir mehrere Tage Halt in Leipzig und hörten in dieser Zeit die Vorlesungen des Camerarius und anderer Gelehrter, wegen derer jene Akademie damals vorzüglich in Blüte stand; dennoch hat Wolfgang Sybotus, der Professor der griechischen Sprache, sich damals von allen am meisten um uns verdient gemacht. In Marburg ragte Andreas Hyperius unter den Theologen hervor, Oldendorp war der Beste unter den Rechtsgelehrten, unter den Ärzten aber traten Dryander und Cornarius hervor.
11. Hier kann ich nicht verheimlichen, dass ich nach meiner ersten Ankunft in Marburg – weil ich nach dem Tode Leos in den Studien langsamere Fortschritte machte und weil damals überhaupt keine genaue Lehre über die Gedichte an den Schulen vermittelt wurde –, den Hexameter nicht vom Pentameter auseinanderhalten konnte; dennoch wurde ich durch die Bitten und das unglaubliche Bemühen des Lotichius um mich eingenommen und habe in Marburg endlich meinen Geist der Dichtung zugewendet, wobei die übrigen (so viele, wie wir zusammen da waren) das Gleiche versuchten, aber erfolglos. Als ich, der ich ja schon auf das neunzehnte Lebensjahr zuging, nicht nur einmal daran zweifelte, ob ich den höchsten Grad in diesem Gebiet erreichen könne, erklärte er mir dann immer mit einem Seufzen: Ich solle den Mut nicht sinken lassen, unter seiner Führung könnte ich in diesem Studium zur höchsten Stufe gelangen. Deshalb konnten, wenn ich in diesen Studien einen zu geringen Fortschritt gemacht habe, entweder mein Alter oder die Unbill der Zeit als Entschuldigungsgründe für mich dienen. [...]