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Die Region Nördlich Lägern liegt im Zürcher Unterland. Sie umfasst zwölf Gemeinden im Kanton Zürich und drei im Kanton Aargau, die zusammen rund 52 000 Einwohnerinnen und Einwohner zählen und sich über eine Fläche von gut 123 Quadratkilometer erstrecken. Auf ihrem Gebiet werden sich dereinst unterirdische und oberirdische Infrastrukturanlagen des geologischen Tiefenlagers befinden. Zur Standortregion gehören zudem über 30 weitere Gemeinden, auch aus den Nachbarkantonen Aargau und Schaffhausen sowie Deutschland, die mittelbar von einem möglichen Tiefenlager betroffen sind.
Am 12. September 2022 hat die Nagra bekannt gegeben, dass sie Nördlich Lägern als besten Standort für den Bau eines geologischen Tiefenlagers beurteilt. In den folgenden zwei Jahren wird sie für das Tiefenlager ein Rahmenbewilligungsgesuch ausarbeiten.
Die Sicherheit von Mensch und Umwelt hat oberste Priorität bei einem geologischen Tiefenlager für radioaktive Abfälle. Die wichtigsten natürlichen Barrieren sind stabile und dichte Gesteinsschichten. Sie sollen verhindern, dass Radioaktivität aus dem Tiefenlager in die Lebenswelt austreten kann. In Nördlich Lägern liegt mit dem Opalinuston ein Gestein vor, das praktisch wasserundurchlässig ist und sich selbst abdichtet, wenn es mit Wasser in Kontakt kommt.
In Nördlich Lägern schliesst die geologische Barriere gemäss Nagra die radioaktiven Abfälle am besten von allen drei Standorten ein. Hier ist die Distanz vom Opalinuston zur nächsten Wasser führenden Schicht am grössten. Zudem ist nach Erkenntnissen der Nagra das im Opalinuston und den umgebenden tonreichen Gesteinen gefundene Porenwasser am ältesten; dies ist ein Hinweis für die beste Einschlusswirksamkeit.
In Nördlich Lägern beurteilt die Nagra zudem die Langzeitstabilität der geologischen Barriere als am grössten. Hier liegt der Opalinuston in rund 800 bis 900 Metern Tiefe. Aufgrund dieser enormen Tiefe und weiterer über dem Opalinuston liegender erosionsresistenter Gesteine ist ein Tiefenlager hier am besten vor natürlichen Einflüssen wie Erosion durch Gletscher und Flüsse geschützt.
Ausserdem liegt in Nördlich Lägern der grösste zusammenhängende Bereich ohne für das Tiefenlager bedeutsame Störungen im Gestein vor. Daher ergibt sich laut Nagra die grösste Flexibilität bei der unterirdischen Auslegung.
Insgesamt verfügt Nördlich Lägern aus Sicht der Nagra somit über die grössten Sicherheitsreserven und eignet sich am besten für ein Tiefenlager.
Seit 2011 kann sich die Bevölkerung von Nördlich Lägern aktiv in den Prozess der Standortsuche für das geologische Tiefenlager einbringen. Dazu wurde die Regionalkonferenz Nördlich Lägern gegründet. Sie umfasst rund 130 Personen aus den Gemeinden, Planungsverbänden, Interessengruppen und der Bevölkerung.
Die Regionalkonferenz Nördlich Lägern sprach sich an ihrer Vollversammlung vom 15. September 2021 für eine Platzierung der Oberflächeninfrastruktur im Haberstal aus.
Die Oberflächeninfrastruktur des Tiefenlagers soll im Raum Haberstal platziert werden. Dabei handelt es sich u. a. um den oberirdischen Zugang zum Tiefenlager. Dies umfasst alle Gebäude für Bau, Betrieb und Unterhalt, die Lüftungsschächte und die Zufahrt. Die Anlage für das Verpacken der hochaktiven Abfälle in die Endlagerbehälter («heisse Zelle») soll beim Zwischenlager in Würenlingen AG entstehen.
Eine wichtige Fragestellung bei der Platzierung der Oberflächenanlage ist deren Lage in Bezug auf das Grundwasser. Das Standortareal Haberstal liegt im direkten Zuströmgebiet zum Grundwasserschutzareal «Weiacher Hard» und damit über strategisch wichtigen Trinkwasserressourcen. Der Zürcher Regierungsrat wird daher die Auslegung der Anlagen am Standort Haberstal eingehend überprüfen.