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Ich schreibe viel Blablabla
Ich war an einem MAZ-Kurs. Der Inhalt: Storytelling. Die Dozentin war eine der Besten ihres Fachs. Sie verteilte uns ein Dutzend Proben ihres Schaffens. Herrliche Storys. Eine angehende Journalistin streckte auf: «Wie schaffen Sie es, so tolle Texte zu schreiben?» Die Dozentin sagte: «Tamtatam-tatatam-tatamtatam». Eine gute Geschichte klinge wie die japanische Gedichtform Haiku.
Die angehende Journalistin notierte sich «Tamtatam-tatatam-tatamtatam». Leider machte ich den Fehler, die Dozentin etwas blöd anzugucken. Sie fragte mich: «Herr Frenkel, war das ein bisschen zu schnell für Sie?» Ich schüttelte den Kopf und beugte mich über den Notizblock.
Um weitere Eskalationen zu vermeiden, schrieb ich die ganze Zeit mit. Ich hatte nämlich beobachtet: Die Dozentin wirkte immer etwas verunsichert, wenn man ihre Perlen der Weisheit nicht aufschrieb. Dann kam sie ganz nahe zu einem Nachwuchsjournalisten: «Welchen Punkt haben Sie jetzt nicht verstanden?»
Davor hatte ich grosse Angst. Ich nahm ein neues Blatt Papier und schrieb in Schnürlischrift: «Blablablabla.» Von ganz oben bis ganz unten. Ich habe eine sehr schöne Handschrift. Irgendwann hörte ich der Dozentin nicht mehr zu und vertiefte mich nur noch in mein Blablablaba. Der teure Kurs endete am späteren Abend. Ich kam auf sechs handgeschriebene Blablabla-Blätter.
Was jetzt? Ich stellte versuchsweise ein Blatt auf Ricardo ein: «Journalist verkauft Blablabla». Das Interesse war riesig. Das Anfangsgebot lag bei einem Franken. Schnell kletterte der Preis auf elf Franken. Ich jubelte. Aber plötzlich fand ich mein Blablabla nicht mehr. Meine Frau hatte mein Werk ins Altpapier geworfen. «Spinnst du?», schrie ich. «Das ist wertvolles Blablabla!» Am liebsten hätte ich sie in Haiku-Form verprügelt: «Tamtatamtatatam-tatamtatam.»
Ich musste das Angebot auf Ricardo wieder löschen. Da erhielt ich mehrere Mails: «Wo ist Ihr Blablabla? Stellen Sie wieder Neues ein?» Das rührte mich. Sesesese-sese-sesesesehr selten bitten mich Redaktoren als freien Journalisten, etwas zu schreiben.
Habe ich vielleicht gerade das schwarze Loch des Journalismus entdeckt? Ist Blablabla die Lösung? Ich würde gerne einen MAZ-Kurs geben.