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Die Normannen sind nordische Staatsgründer, die von Wikingern abstammen. Normanne ist kein Synonym für Wikinger, wie der Begriff oft verwendet wird. Der Irrtum kommt meines Erachtens daher, dass die Engländer die Wikinger oft auch „the Northmen“ = Nordmänner nannten, was aber nicht dasselbe bedeutet wie „Normans“ = Normannen.
Eine Wikinger-Gang aus Dänen und Norwegern plünderte anfangs des zehnten Jahrhunderts am Unterlauf der Seine und entlang der angrenzenden Küstengebiete. Sie kamen jedes Jahr wieder, zogen plündernd und mordend durch das Land und lieferten sich auch mehrere richtige Schlachten gegen die Franken, die ihnen Einhalt gebieten wollten. Im Jahre 911 lud der damalige Frankenkönig Charles „le Simple“ den Anführer dieser Wikinger, einen Norweger namens Rollo ein, sich doch am Unterlauf der Seine als sein Vasall niederzulassen. Die Vereinbarung wurde im „Vertrag von St. Claire-sur-Epte“ besiegelt. Darin wurden verschiedene Verpflichtungen genannt: Die Wikinger sollten zum Christentum übertreten, Rollo musste/durfte/sollte Gisela, die Tochter Karls heiraten (ich weiss nicht, ob dies ein Privileg oder eine Auflage war!) und es sollten keine weiteren Wikinger angesiedelt werden. Rollo blieb also in Rouen als seine Hauptstadt und entwickelte das wiking‘sche Jarltum Normandie zu einem blühenden Staat, der unter seinen Nachfolgern rasch westwärts bis zur Bretagne expandierte. Nur das mit dem Vasall klappte nicht; die Normannen dachten nicht daran, dem König der Franken untertan zu sein und etablierten sich in einem eigenständigen Herzogtum. Die Normandie entwickelte sich unter tüchtigen Herzögen kräftig und dehnte sich auch rasch zu Lasten seiner Nachbarn aus.
Entwicklung der Normandie in den ersten Jahren
Grafik: Urs Pape
Aufstellung: Autor
Von den normannischen Herzögen interessiert uns besonders der siebte Nachfolger von Rollo. Herzog Wilhelm II, genannt der Bastard (weil er unehelich war) und später genannt „der Eroberer“ (aus offensichtlichem Grund!) wurde nämlich zum Eroberer von England. Wilhelm, der Eroberer setzte im Herbst 1066 mit einer Flotte von mehreren hundert Schiffen über den Ärmelkanal, schlug die Angelsachsen am 14. Oktober 1066 bei Hastings und wurde schliesslich als Wilhelm I. König von England und der Normandie gekrönt. Dies wird auf dem Wandteppich von Bayeux bildlich dargestellt, wenn auch stark übertrieben und aus der Sicht der Normannen.
Es ist übrigens eine Ironie der Geschichte: Die Normannen als Nachfolger der Wikinger-Bande des Rollo erobern 1066 ein Land, in welches zweihundert Jahre zuvor schon einmal vorwiegend dänische Wikinger eingewandert waren, die zur Zeit des „Norman Conquest“ bereits in die Gesellschaft integriert sind. Damit bestand schon die mittelalterliche Gesellschaft des normannischen England aus Nachfahren von Kelten, Römern, Angeln, Sachsen, Jüten, Friesen und Skandinaviern, die ab 1066 noch durch frankophone Elemente aus dem Frankenland „angereichert“ wurden.
Neben der Eroberung des angelsächsischen England wurden andere Normannen-Sprösslinge aber auch durch anderweitige Aktivitäten berühmt. Sie begleiteten Pilgerzüge als Beschützer zu Wallfahrten ins Heilige Land. Einige blieben in Süditalien und dienten sich dem Papst und anderen Fürsten als Soldaten an. Diese südliche Expansion endete schlussendlich in der Gründung des ersten christlichen Königreiches Sizilien.
….und: Den Normannenhelm (der mit dem Nasenschutz) den gab es tatsächlich!
Hier können Sie noch einen einen ungelösten Kriminalfall kennenlernen, so quasi „Tatort“ auf normannisch!