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Dr. Christian Zweifel, der Chefarzt Neurochirurgie, betreut zurzeit einen etwa 70-jährigen Patienten, der im März dieses Jahres auf der Treppe stürzte. Kein dramatischer Sturz. Keine gröberen Verletzungen. Nach einem zweiten ähnlichen Sturz eine Woche später bekam der Patient aber Kopfschmerzen.
Wie beim ersten Mal, hatte er sich auch dieses Mal den Kopf nicht gestossen. Er ging zum Hausarzt und es wurde eine Bildgebung des Schädels gemacht. Dabei wurde ein kleiner Bluterguss im Kopf des Patienten entdeckt. Man entschied sich, die Situation weiter zu beobachten und noch keine weiteren Massnahmen zu ergreifen.
Verletzungen, die man von aussen nicht sieht
Röntgenbild eines sich entwickelnden chronischen Subduralhämatoms (Bluterguss)
Bei Stürzen kann man sich die unterschiedlichsten Verletzungen zuziehen. Schürfungen, Prellungen oder gar Knochenbrüche fallen in der Regel sofort auf und man begibt sich zum Arzt, um sie zu behandeln. Entstehen Verletzungen aber im Inneren des Körpers, sind deren Symptome nicht unbedingt auf den ersten Blick ersichtlich und sorgen erst nach einer gewissen Zeit für Beschwerden. Exemplarisch dafür ist das chronische Subduralhämatom, sprich ein Bluterguss unter der äussersten harten Hirnhaut und der Hirnoberfläche. Dieser Bluterguss sorgt für Druck auf das Gehirn. Übliches Symptom dafür sind Kopfschmerzen.
Die Kopfschmerzen kommen wieder
Mehrere Wochen hatte der Patient keine Symptome. Irgendwann kamen die Kopfschmerzen jedoch zurück. Ausserdem bemerkte er, dass er bei alltäglichen Büroarbeiten plötzlich grosse Mühe hatte. Er hatte Mühe, sich zu konzentrieren, ihm fehlten Worte und er schaffte es nicht, einen Geschäftsbrief fertig zu schreiben. Zwei Tage später waren die Symptome wieder merklich zurückgegangen – bis auf die Kopfschmerzen.
Weitere Symptome
Neben Kopfschmerzen können bei einem chronischen Subduralhämatom weitere Symptome wie Wesensänderungen, Gedächtnisstörungen, Übelkeit, Seh- und Sprachstörungen auftreten. Diese Symptome können erst Wochen nach einem Sturz auftreten. Oft ist es dann für Patienten schwierig, einen direkten Zusammenhang zwischen den Symptomen und dem Sturz herzustellen.
Verdacht auf Schlaganfall
Röntgenaufnahme einen Monat später
Am darauffolgenden Tag bemerkte der Patient, dass er beim Gehen Mühe hatte und er sein rechtes Bein leicht hinterher zog. Als er dann zusätzlich ein Kribbeln in seiner rechten Hand spürte und sein Daumen taub wurde, entschied er sich, seinen Arzt in der ersten Julihälfte nochmals aufzusuchen. Er wurde ins Kantonsspital Graubünden überwiesen. Nach den Untersuchungen zeigte sich in der Bildgebung des Schädels eine deutliche Vergrösserung des chronischen Subduralhämatoms. Dem Patienten wurde erklärt, welcher operative Eingriff unter diesen Umständen nun vorzunehmen sei.
Kleiner Eingriff – grosse Wirkung
Der Eingriff, um ein Subduralhämatom zu beheben, ist in der Regel relativ klein. Die sogenannte Bohrlochtrepanation kann unter Lokalanästhesie vorgenommen werden und dauert ungefähr eine Stunde. Dabei wird ein kleines Loch in die Schädeldecke gebohrt und die Hämatomflüssigkeit abgelassen. Danach wird für etwa 48 Stunden eine Drainage gelegt. Der Patient bleibt insgesamt nur ein paar Tage im Spital und fühlt sich nach dem Eingriff sofort besser.
Erholung und Ruhe
Man entschied sich, noch vier Wochen zuzuwarten und der Patient ging in die Sommerferien ins Südtirol. Dies mit der ärztlichen Auflage, keinen anstrengenden Unternehmungen nachzugehen und sich Ruhe zu gönnen. Gleichzeitig wurden die blutverdünnenden Medikamente abgesetzt, in der Hoffnung, dass sich der Bluterguss von selbst zurückbilden würde.
Ältere Menschen sind anfälliger
Besonders bei älteren Patienten können diese Blutergüsse entstehen. Dies hängt damit zusammen, dass ältere Patienten häufiger stürzen und zusätzlich oft blutverdünnende Medikamente zu sich nehmen. Ausserdem wird das Hirn im Alter kleiner. Entsprechend hat es im Schädel mehr Platz und der Einfluss eines Blutergusses im Hirn manifestiert sich erst später.
Die Symptome werden stärker
Aufnahme des Gehirns mit Blutausdehnung (oben rechts )
Nach seinen Ferien bemerkte der Patient beim Bezahlen von Rechnungen per E-Banking erneut diverse Symptome. Es war ihm nicht mehr möglich, Zahlungen zu erfassen. Zusätzlich hatte er wieder Mühe beim Gehen und manchmal auch beim Sprechen. Zur Abklärung begab er sich nochmals ins Kantonsspital Graubünden, wo sich zeigte, dass der Bluterguss noch grösser geworden war. Der Patient war sich unsicher, ob er die Operation angehen wolle. Er entschied sich, das Thema nochmals mit seinem Hausarzt zu besprechen. Mitte August konsultierte er seinen Hausarzt. Dr. Zweifel vom KSGR hatte sich da bereits mit diesem in Verbindung gesetzt, um den Fall und dessen Entwicklung zu besprechen. Die beiden Mediziner waren gemeinsam zum Schluss gekommen, den Eingriff zur Entfernung des Blutergusses anzugehen. Auch der Patient war in der Zwischenzeit zum Schluss gekommen, dass es wichtig und richtig sei, die Operation zu machen. Mitte August wurde der Eingriff vorgenommen und dem Patienten geht es wieder gut.
Die richtige Behandlung entsteht im Team
Diese Sturz-Geschichte ist gut ausgegangen. Ausschlaggebend dafür war die gute Zusammenarbeit zwischen Hausarzt und Spezialist sowie das vertrauensvolle Verhältnis des Patienten zu seinem Hausarzt. Für Dr. Christian Zweifel ist klar, dass im Dialog zwischen Allgemeinmediziner, Patienten und Spezialisten der Schlüssel zur erfolgreichen Behandlung liegt. Egal, wie einfach oder schwer der jeweilige Fall ist.
Neurochirurgie im Kantonsspital Graubünden
Weitere Informationen zur Abteilung Neurochirurgie finden Sie auf unserer Webseite: www.ksgr.ch/neurochirurgie