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Den Schulanfang gelassen angehen
Stress, mangelndes Selbstvertrauen: Was tun, wenn Kinder keine Lust haben, in die Schule zu gehen? Zwei Expertinnen geben Tipps.
Wenn Kinder nicht in die Schule gehen möchten, sind die Eltern oft hilflos. Wie ermutigt man die Kinder, ohne sie zu zwingen? Was sagt man ihnen?
Brigitte Vuille ist Psychologin in Freiburg und Bulle, und auf Kinder und Jugendliche spezialisiert. Mélanie Cotting ist Coach und Ausbilderin in den Workshops "Cap sur la confiance" in Avry. Die beiden geben Tipps.
Frapp: Wie kann man sich am Tag X gut fühlen?
Brigitte Vuille: Wichtig ist, dem Kind ein positives Schulbild zu übermitteln. Dabei muss man alle Erfolge und positiven Momente des Kindes aus dem Vorjahr aufgreifen. Hilfe anbieten und präsent sein, ist auch wichtig. Ausserdem sollte man das Vertrauen des Kindes stärken und es unterstützen.
Wie kann man einem Kind helfen, Selbstvertrauen aufzubauen?
BV: Indem man seine Kompetenzen hervorhebt. Wenn es im Sport oder im Basteln gut ist, sollte der Fokus darauf liegen. So kann das Kind sein Selbstvertrauen aufbauen. Zu vermeiden ist das Vergleichen mit anderen Kindern oder Jugendlichen. Der Fokus sollte auf dem Kind bleiben.
Man kann alle Erfolge und positiven Momente des Kindes aus dem Vorjahr aufgreifen.
Mélanie Cotting: Wenn das letzte Schuljahr schlecht verlaufen ist, sollte man mit seinem Kind darüber sprechen. Wenn man nie darüber spricht, verliert das Kind häufig an Selbstwertgefühl. Es bleibt dann auf Schlussfolgerungen wie "Ich bin schlecht" oder "Ich bin nicht fähig" sitzen. Daher kann man es fragen, wie es sich bei dem betreffenden Ereignis gefühlt hat und ob es seiner Meinung nach eine andere Erklärung für das Geschehen gibt. In unseren Workshops bemerken wir oft, dass die Kinder zu wenig gelernt haben oder es nicht richtig verstanden haben.
Als Elternteil ist es wichtig, seinem Kind zu zeigen, dass das Ergebnis und das Kind selbst zwei verschiedene Sachen sind. Auch wenn das Resultat schlecht ist, kann sich das Kind immer verbessern.
Wie kann man den Kindern das auf einfache Weise vermitteln?
MC: Man kann Gegenstände verwenden, zum Beispiel einen Würfel und ein Playmobil. Die Zahl auf dem Würfel steht für die Note, das Playmobil symbolisiert das Kind. Fragt man das Kind, was in dieser Szene falsch ist, zeigt es oft auf den Würfel. Dadurch wird ihm gezeigt, dass es immer die Möglichkeit hat, sich zu verbessern.
Auch die Erwartungen der Eltern können die Kinder belasten.
BV: Eltern haben oft Erfolgserwartungen an ihre Kinder. Dabei sollte es aber auch darum gehen, Schwächen zu akzeptieren. Wichtig ist, dass das Kind sein Bestes gibt. Sätze wie "du könnest mehr arbeiten", sollten vermieden werden. Ein Kind arbeitet vielleicht gut, aber nicht effizient genug.
Die Kommunikation mit dem Kind ist sehr wichtig. Als Elternteil ist es auch wichtig, zu verstehen, wie das Kind in der Klasse und zu Hause arbeitet. Unterstützung darf dabei nicht fehlen.
Es ist ein Balanceakt: Die Erwartungen der Eltern sollten nur wenig über das hinausgehen, was das Kind bislang geleistet hat.
MC: Kinder haben häufig Angst davor, ihre Eltern zu enttäuschen. Bei Schulnoten sollten die Eltern achten, nicht zu streng zu sein. Es ist ein Balanceakt: Die Erwartungen der Eltern sollten nur wenig über das hinausgehen, was das Kind bislang geleistet hat. Wenn wir zu viel von ihm erwarten, führt das zu Stress. Bei fehlenden Erwartungen könnte das Kind denken: "Ich bin nichts wert, weil man nichts von mir erwartet."
Was soll man dann tun?
MC: Regelmässige Kommunikation mit dem Kind hilft. Das gemeinsame Besprechen kann das Problem erstmals lösen. Anschliessend sollte man gemeinsam handeln, um sich zu verbessern.
Wie kann man einem gestressten Teenager oder einer gestressten Teenagerin helfen, der oder die wieder zur Schule gehen muss?
BV: Man sollte ihm oder ihr Zeit zum Reden geben. Warum will er oder sie nicht zurück in die Schule gehen? Was stresst ihn oder sie? Braucht er oder sie Nachhilfe oder eine andere Aktivität, um sich zu entfalten? Dabei sollte man Hilfe anbieten.
Man darf nicht vergessen, dass der Schulbesuch Pflicht ist. Es ist ihr erster Beruf, aber sie haben ihn nicht gewählt. Man kann also die Jugendlichen fragen, was man tun muss, damit sie zur Schule gehen und trotzdem Spass haben. Dabei findet man oft schon Lösungen.