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Siedlung der Baugenossenschaft Union (BGU)
Die Wohnkolonie in den oberen Vogelsang wurde 1912/13 nach einem von der Stadt Winterthur ausgeführten Bebauungsplan-Wettbewerb für die Union des Vereins Schweizerischer Post, Tram und Eisenbahnangestellten gebaut.
Nach der Wende zum 20. Jhdt. kamen die Arbeiterorganisationen wieder in Kampfstimmung. Die wirtschaftliche Lage hat sich verbessert, aber die Arbeiter verspürten davon wenig. Mit der Gründung der Arbeiterzeitung 1903 löste man sich vom Landboten und wurde kämpferischer. Es war vor allem auch die Wohnungsnot unter der die Arbeiterfamilien litten. Die Bevölkerungszahl hatte sich in den letzten Jahrzehnten des 19. Jhdt. von 15‘000 auf 45‘000 Einwohnern verdreifacht. Mit diesem Wachstum konnte der private Wohnungsbau keineswegs schritthalten. Die Gesellschaft für Erstellung billiger Wohnhäuser, 1872 gegründet, lag in den Händen der Maschinen-Industrie. Sie baute Wohnsiedlungen für ihre Belegschaften. Ihre erste Siedlung war am Deutweg, die sogenannten Weberhäuser.
Die Stadt wollte sich für den Wohnungsbau nicht engagieren. „Sie sei dazu nicht in der Lage“ wurde moniert. Den ersten Impuls für genossenschaftlichen Wohnungsbau gab dann das Verkehrspersonal der Platzunion Winterthur. Sie luden am Sonntag, den 12. Dezember 1909 zur Gründung einer Baugenossenschaft ein. Vorbild und Ansporn hatte die neue BGU auch bei anderen Eisenbahner-Baugenossenschaften, die 1909 in Rorschach, St. Gallen und Olten entstanden waren.
Es mussten aber noch viele Hürden genommen werden, aber es gelang. Es war vor allem dem Präsidenten ab 1911, Adolf Gasser, zu verdanken, dass Mitte April 1913 die ersten Genossenschafter in die neuerstellten Häuser einziehen konnten. Gasser war Professor für Mathematik und Physik am Winterthurer Technikum und Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, später Kantonsrat und Nationalrat. Als Gemeinderat in Winterthur hatte er die nötige Durchschlagskraft nicht nur um die Finanzierung sicherzustellen, sondern er konnte auch die Widerwärtigkeiten bis das Grundstück erschlossen war und eine Baubewilligung erteilt war, bewältigen. Das Areal an der heutigen Unionsstrasse war damals noch weit vom Schuss und daher zu einem bezahlbaren Preis erhältlich. Die Stadt stellte es in Form von verzinsbaren Anteilscheinen zur Verfügung.
Die BGU realisierte mit dieser genossenschaftlichen Siedlung ein Pionierwerk, das ausstrahlte. Es dauerte aber noch einige Jahre bis weitere Wohnbaugenossenschaften gegründet wurden: 1923 die Heimstätten-Genossenschaft und 1939 die Gemeinnützige Wohnbaugenossenschaft. Für die Finanzierung der BGU-Projekte leistete die SBB und die ZKB die wesentlichste Unterstützung. Den Planungswettbewerb über das ganze Quartier vom Waldrand bis zur Bahnlinie gewann das renommierte Winterthurer Architekturbüro Bridler & Völki. Sie entwarfen eine offene, lockere, der Topografie angepasste Bebauung mit einer Mischung von freistehenden Reihen-Häusern, die so auch ausdrücklich den Charakter Winterthurs als Gartenstadt betonten wollten. Während Bridler & Völki in den 1920er-Jahren die Überbauung unterhalb der Jonas-Furrer-Strasse (gerade Hausnummern) realisieren konnte, baute Fritschi & Zangerl 1912/13 die Häuser der BGU an der Unionstrasse und der Jonas-Furrerstrasse (ungerade Hausnummern). Es waren 35 Häuser mit 40 Wohnungen entstanden. Es sind bis heute zusammengebauten Zweier- und Vierer-Einfamilienhäuser und Drei- und Vierzimmer-Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. Der Ausbau ist unterschiedlich. Ganz nach den Wünschen der Genossenschafter –man meidet den Ausdruck „Mieter“- modernisiert die Genossenschaft die Wohnungen oder lässt es bleiben.
Der Genossenschafter kann Verbesserungen im Ausbau auch selber vornehmen, um einem Mietzinsaufschlag zu umgehen. Die entsprechende Genehmigung enthält aber die Bestimmung, dass bei einem Auszug die Investitionen unentgeltlich an die BGU fallen. So sind die Häuser und Wohnungen nach wie vor in äusserst günstigem Rahmen zu haben. Die Warteliste ist entsprechend lang. Man wohnt bei der BGU in bester Lage mit einem Mietzins zwischen Fr. 630.00 und Fr. 1500.00. Fazit: Der Pioniergeist vor mehr als 100 Jahren hat sich gelohnt.
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