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In den finnischen Medien ist seit Monaten zu lesen, dass die Lebensmittelpreise aufgrund höherer Kosten steigen. Die Preise in den Geschäften liegen im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich fünf bis zehn Prozent höher, und es wird erwartet, dass sich dieser Trend fortsetzt.
«Die Preiserhöhungen, die wir Schweineproduzenten seit Anfang des Jahres erlebt haben, waren jedoch sehr bescheiden, obwohl die Produktion von erheblichen Kostensteigerungen betroffen war», sagt Schweineproduzent Guy Bosas.
Wenn man alles berücksichtige, einschliesslich der Kosten für Treibstoff und Futtermittel, habe sich der Aufwand für die Aufzucht eines Schlachtschweins von einem 25-Kilo-Ferkel auf etwa 120 Kilo seit dem letzten Sommer fast verdoppelt, sagt Bosas. Der Viehpreis des Schlachthofs ist im gleichen Zeitraum um etwa 28% gestiegen.
Immerhin habe der Schlachthof jetzt eine Erhöhung zugesagt. «Das Problem ist, dass diese immer erst im Nachhinein an uns gezahlt wird», so Bosas, der im zweisprachigen Lapinjärvi (Finnisch) / Lappträsk (Schwedisch), rund anderthalb Autostunden nordöstlich von Helsinki, mehr als 9000 Schlachtschweine pro Jahr mästet.
Unter Druck
Die Sorgen um die Zukunft der finnischen Landwirtschaft sind seit dem EU-Beitritt des Landes im Jahr 1995 deutlich und laut geworden, aber in diesem Jahr häufen sich die Nachrichten über Betriebe, die in Konkurs gehen oder aus anderen Gründen wegen mangelnder Rentabilität ihren Betrieb einstellen müssen. Dies gilt nicht zuletzt für die Viehzuchtbetriebe.
Sie hat auch in der breiteren Öffentlichkeit zu Besorgnis über die Landwirtschaft geführt. Finnland war schon immer bestrebt, sich selbst mit Grundnahrungsmitteln zu versorgen. Wenn die Viehzucht zurückgeht, wird das Land noch abhängiger von Importen. Dies bedeutet vor allem die Einfuhr von verarbeiteten Lebensmitteln, was langfristig zum Zusammenbruch der finnischen Lebensmittelindustrie führen würde.
Die überwiegende Mehrheit der Finnen unterstützt die einheimische Produktion und gibt ihr den Vorrang gegenüber Importen. «Es kommt nicht oft vor, dass ich mit der Öffentlichkeit über meine Produktion sprechen muss, aber kürzlich traf ich einen Konsumenten, der mir dafür dankte, dass es einheimische Produzenten gibt, die die Gesellschaft mit Lebensmitteln versorgen können», freut sich Bosas.
Dank der rationellen Grossproduktion kann Guy Bosas immer noch mit Gewinn produzieren, aber die Gewinnspannen sind gering. Und auch grosse Betriebe sind anfällig: Die Verluste werden rasch gross, selbst wenn das Unternehmen nur leicht in den roten Zahlen ist.
Der Betrieb von Guy Bosas wurde in das freiwillige Register für die Gesundheitsklassifizierung von Schweinehaltungsbetrieben in Finnland, «SIKAVA», aufgenommen. Diese Mitgliedschaft ist eine Voraussetzung dafür, dass der Schlachthof HKScan seine Schlachtschweine kaufen kann.
«Das bedeutet, dass wir unseren eigenen Tierarzt haben, der unsere Betriebe alle sechs Wochen besucht und an den wir uns wenden, wenn wir einen Rat brauchen», so Bosas.
«Anreize statt Gesetze»
Bosas hat auch Anspruch auf eine Entschädigung, wenn er freiwillig Maßnahmen zur Verbesserung des Wohlergehens seiner Tiere ergreift. Er befürwortet nachdrücklich den Grundsatz der Entschädigung für freiwilliges Handeln. «Das ist ein gutes System: Man tut etwas, das Geld kostet, und wird dafür entschädigt», sagt Bosas. «Das ermutigt den Betrieb zu Investitionen. Es ist viel besser, wenn die Gesellschaft die Produzenten ermutigt, in den Tierschutz zu investieren, als wenn die Politiker nur strengere Gesetze fordern», sagt er.
Im Tierwohlbereich gehört Finnland, wie auch Schweden, zu den wenigen EU-Ländern, in denen das Verbot des Kupierens von Schwänzen eingehalten und durchgesetzt wird. Guy hat in seinen Herden trotzdem keine ernsthaften Probleme mit Schwanzbeissen erlebt.
Der LID berichtet in diesem Jahr in verschiedenen Artikeln über Tierhaltung im Ausland. Verfasst werden die Artikel von internationalen Agrarjournalistinnen und -journalisten.
Ein grosses Problem
Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels hat Guy jedoch ein Problem: Alle seine Subventionen für den Viehbestand sind auf einem Treuhandkonto.
Im Jahr 2016 kam die Gemeindetierärztin, um einen Salmonellentest durchzuführen, erklärt Guy Bosas. Dann sei ohne Vorwarnung eine Tierschutzprüfung eingeleitet worden. «Es wurde verlangt, dass ein Schlachtschwein eingeschläfert wird, das ein Stück Rektum draussen hatte, obwohl wir es erst am selben Morgen bemerkten», beklagt Bosas. Dabei müsse das nicht einmal gefährlich sein, sondern heile oft von selbst, nachdem das Schwein einige Tage in einer Krankenbox gelegen habe.
Schliesslich kam die Tierärztin eines frühen Morgens zusammen mit der Bezirkstierärztin zurück und beanstandete, dass es schmutzig sei und Einstreu fehle. «Aber wir hatten noch keine Zeit gehabt, alle Ställe zu reinigen und einzustreuen. Da half es auch nicht, dass wir versuchten, darauf hinzuweisen, dass die Arbeiten noch halbwegs im Gange waren und dass es im Schweinestall zu dieser Zeit Durchfall gab», so Bosas Aussage.
7 Monate auf Bewährung
Der Besuch führte zu einer polizeilichen Anzeige, ein Ermittlungsverfahren wurde eingeleitet, und Guy musste sich an das Bezirksgericht, das untere finnische Gericht, wenden. Dort wurde er zu einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten verurteilt. Die Staatsanwaltschaft beantragte auch ein Verbot der Tierhaltung, was jedoch vom Bezirksgericht abgelehnt wurde, da die Beweise der Staatsanwaltschaft unzureichend waren. Das war im Jahr 2020, vier Jahre nach dem ersten Tierarztbesuch für den Salmonellentest. Sowohl Guy Bosas als auch der Staatsanwalt legten Berufung beim Berufungsgericht, dem obersten finnischen Gericht, ein.
Dies hatte zur Folge, dass die ländlichen Behörden Guy die ihm zustehenden Tierbeihilfen nicht auszahlten. Er wird sie erst erhalten, wenn das Gericht sein Verfahren abgeschlossen hat. Der Grund dafür ist, dass die finnischen Landwirtschaftsbehörden die Zahlung von Tierprämien zurückhalten, wenn der Landwirt gegen ein Urteil Berufung einlegt, obwohl es Jahre dauern kann, bis der Fall vor dem nächsten Gericht verhandelt wird.
Beihilfen gesperrt
«Im Laufe der Jahre habe ich regelmässig Besuche vom Tierarzt erhalten, und es gab keine Beschwerden über meine Produktion oder die Art und Weise, wie ich die Tiere versorge. Der Schlachthof ist auch verpflichtet, sich zu beschweren, wenn er merkt, dass etwas nicht in Ordnung ist, aber ich habe noch nie eine solche Beschwerde bekommen», so der Schweineproduzent.
Bosas vertritt den Standpunkt, dass die Gemeindetierärztin beleidigt gewesen sei, als er gegen deren und die Berichte der Bezirksveterinärin protestiert habe. Er hat nun zusammen mit seinem Anwalt die Bezirkstierärztin auf eine einstweilige Verfügung verklagt und gar eine Zivilklage gegen sie eingereicht. Er sieht sich durch ein Beispiel bestätigt: «Die Bezirkstierärztin wies bei einem Besuch darauf hin, dass kein Wasser aus einem Wasserhahn kam. Als ich mich selbst überzeugen wollte, gab es kein Problem mit dem Wasserfluss. Dann hiess es, es sei zu wenig Wasser, das wurde im Bericht vermerkt.» Als das vor dem Berufungsgericht zur Sprache kam, habe sein Anwalt gefragt, wie viel Wasser denn fliessen müsse? Die Bezirkstierärztin habe gesagt, dass er das nicht wisse und auch nicht wissen müsse.
Hinweis: In Finnland sind die Gemeindetierärzte für die betreffende Gemeinde sowie teils umliegende Gemeinden zuständig. Die Bezirkstierärzte arbeiten auf Ebene der regionalen Administration.
Noch auf Tierhaltung setzen?
Die Erfahrungen mit den Behörden haben Guy zu der Frage veranlasst, ob es sich lohnt, weiterhin Tiere in Finnland zu halten: «Ich bin nicht der Einzige, der diese Erfahrung gemacht hat, es gibt viele Kollegen, die Ähnliches erlebt haben.» Sie investierten Millionen in Ihre Produktion, und dann könne alles bei einer Prüfung durch einen Tierarzt zusammenbrechen.
«Ich habe einen Sohn, der im zweiten Jahr eine Ausbildung zum Agronomen absolviert, und er könnte meine Nachfolge antreten. Möchte ich dazu beitragen, ihn in die gleiche Lage zu bringen?», so Bosas. «Wenn die ganze Energie und Zeit darauf verwendet wird, mit Behörden zu kämpfen und in Gerichtssälen zu sitzen, habe ich angefangen, mich zu fragen: Ist es das, was ich tun will?» Er habe den Betrieb durch viel Arbeit weiterentwickelt und verbessert. «Gleichzeitig will ich es aber auch weiterhin tun, und ich weigere mich zu akzeptieren, dass sich die Behörden in einem Rechtsstaat so verhalten können», gibt er sich weiter kämpferisch.
Dies sei auch einer der Gründe, warum er sich entschlossen habe, die Angelegenheit vor Gericht zu bringen. «Ich fühle mich dazu gezwungen, zumal unser Fördersystem so aufgebaut ist, dass viele Landwirte, die in Schwierigkeiten mit den Behörden geraten, in eine finanzielle Situation gedrängt werden, in der sie es sich einfach nicht leisten können, ein Urteil beim Berufungsgericht anzufechten», so Bosas.