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Verbindungsgeschichte 1905 - die Gründung, bis 1955 - die Spaltung
Gründung
Im Schwyzerhüsli am Zentralplatz zu Biel gründete am 22. April 1905 der nachmalige Zürcher Regierungsrat und Nationalrat Jakob Kägi v/o Bummel zusammen mit Bock, Fleck, Kater, Kraft, Mops, Pump, Schluck, Spunt, Stengel und Sumpf die Stenographia Technikum Biel. Der Stenographenverein setzte sich aus Schülern der damaligen Eisenbahn- und Postschule am Technikum Biel zusammen und bezweckte nebst der Pflege der Kameradschaft hauptsächlich die Förderung der für sie sehr nutzbringenden Stenographie. Die Ausbildung in der Kurzschrift war gemäss Statuten für jeden Kommilitonen obligatorisch und wurde einige Jahre später sogar für das erste Semester der Eisenbahn- und Postschule als Pflichtfach eingeführt.
Entwicklung
Bereits am 1. September 1906 erschien die erste Nummer des Verbindungsorgans "der Stenographianer". Durch den Austritt aus dem Korrespondenzklub (KK) wurden die engen Beziehungen zum Allgemeinen Schweizerischen Stenographenverein aufgelockert. Die Korrespondenz in Kurzschrift wurde jedoch innerhalb des AHV weitergepflegt. Die Entwicklungsphase ging mit der zehnjährigen Jubiläumsfeier im Stadthaus in Nidau zu Ende, und die Gründer konnten mit Stolz auf ihr Werk zurückblicken.
Zurück zum Nullpunkt
Die Kriegsjahre machten sich auch im Kreise der Stenographia bemerkbar. Einerseits war durch den spärlichen Besuch der Verkehrsschule die Neuwerbung von Aktivmitgliedern äusserst schwierig und anderseits wurde der Wert der Stenographie bei Jung und Alt verkannt. Die im Jahre 1921 von Dolce erfolgte Schöpfung der Unterstützungskasse vermochte jedoch nicht über die Tatsache hinwegzutäuschen, dass die Aktivität sowohl im AHV wie bei den Aktiven zusehends absank. Im Jahre 1924 wurde wohl der Schriftwechsel im AHV wieder in Schwung gebracht, aber die Aktivitas verfügte zu Beginn des Semesters nur noch über einen Aktiven und einige Inaktive. Dazu schrieb der Chronist Sumpf folgende Worte: "Es fehlt bei den Jungen am guten Geist, am wahren hingebenden Interesse für unser Ideal: Stenographie und Freundschaft. Das Fazit des Jahres 1924 war daher: Ankunft am Nullpunkt."
Neues Werden
Die folgenden Jahre standen unter den Worten des Chronisten: "Es möge, was sich überlebt, fallen, aber aus Arbeit und Opfersinn ein neues Werden entstehen, im gleichen Sinn wie vor zwanzig Jahren, im Zeichen der edlen Kurzschrift, der Lebensfreude und der Freundschaft: Violett, Gold, Rot."
So wurden Anfänger- und Fortbildungskurse in die Wege geleitet und Vortragskurse am Technikum gehalten. Der Mitgliederbestand des AHV nahm sichtlich zu und am 27. September 1930 feierte die Stenographia wieder vollständig erstarkt im Saalbau des "Jura" in Biel ihr 25-jähriges Jubiläum. Anlässlich dieses Freudentages erhielt die Aktivitas ihre Fahne.
Sichtlich beeindruckt von der gelungenen Jubiläumsfeier wurde tüchtig weitergearbeitet. Der lückenlose Besuch der Unterrichtsstunden kennzeichnete den Eifer der Kurzschriftler und fand jeweils den Höhepunkt anlässlich der Stenowettschreiben. Die damalige Entwicklung der Aktivitas gehörte zu den erfreulichsten Erscheinungen seit vielen Jahren.
Kriesenjahre 1931-1939
Trotz der Arbeitslosigkeit und des wirtschaftlichen Niederganges konnte sich die Aktivitas jedoch mit stark wechselnden Beständen behaupten. Man prophezeite eine Aufhebung der Verkehrsschule durch den Regierungsrat, doch konnte in letzter Stunde dieser Schritt durch Bewilligung eines Kredites vom grossen Rat aufgehalten werden.
Kriegsjahre 1939-1945
Durch den Aktivdienst war die Tätigkeit des AHV zwangsläufig stark reduziert. Die Aktivitas gedieh jedoch zahlenmässig und setzte sich fast ausschliesslich aus Schülern der technischen Abteilungen zusammen. Im Jahre 1945 begann sich durch den Streik der 20 Aktiven am obligatorischen Stenowettschreiben eine ernsthafte Auseinandersetzung zwischen der Aktivitas und dem AHV abzuzeichnen.
Das 40-jährige Stiftungsfest vom 1. und 2. April 1945 verlief jedoch gemäss den Worten des Chronisten in scheinbar kameradschaftlichem Rahmen.
Die Spaltung
An der Altherrenversammlung vom 3. März 1946 stellte die Aktivitas den Antrag, die Stenographie als obligatorische Zweckbestimmung aufzuheben. Die Versammlung forderte die Aktivitas auf, die abgeänderten Statuten dem AH-Vorstand zur Beschlussfassung an der Herbstversammlung schriftlich zu unterbreiten. Der AHV seinerseits setzte seine Bemühungen fort, eine für beide Teile tragbare Lösung zu finden.
An der auf den 3. November 1946 im Hotel de la Gare in Biel einberufenen Herbstversammlung war ein Massenaufmarsch von 82 Altherren, 21 Aktiven und 1 Inaktiven zu verzeichnen. Neben dem Antrag der Aktiven verblichen die übrigen Traktanden. Praktisch war es nur eine Fortsetzung der im Frühjahr am gleichen Orte, mangels Verständigungsmöglichkeit, unterbrochenen Besprechungen. Die Aktivitas verlangte nach wie vor:
- Namensänderung auf "Kyburgia", wie sie von der ehemaligen Stenographia Technikum Burgdorf und Winterthur bereits in den Jahren 1920 und 1924 vorgenommen wurde.
- Weglassen der Stenographie als Verbindungszweck.
Der Vermittlungsvorschlag von Dolce (AHV) sah vor:
- Umwandlung des bisherigen Stenographenvereins Stenographia in eine Verbindung Stenographia.
- Weglassen des Steno-Obligatoriums.
Die Aktivitas beharrte jedoch auf ihrem Standpunkt, so dass zu einer Abstimmung unter Namensaufruf geschritten werden musste. In dieser unterlag der Antrag der Aktivitas mit 44 gegen 29 Stimmen bei 6 Enthaltungen. Die Aktivitas vollzog den Bruch mit dem AHV symbolisch, indem sie sich durch ihr aktives Präsidium beim AH-Präsidium abmeldete.
Rückschlag und Wiederaufbau
Mit den dissidenten Aktiven zogen auch Altherren in die neugegründete Kyburgia, sodass der Mitgliederbestand um einen Fünftel absank. Diese Tatsache sowie der Verlust der ganzen Aktivitas bedeuteten einen noch nie dagewesenen Rückschlag, den es nun aufzufangen galt. Der von Dolce vorgezeichnete Weg mit dem Verzicht auf das Steno-Obligatorium wurde leider beim Aufbau der neuen Aktivitas nicht beschritten. Der AHV hatte die Wiederaufrichtung einer neuen Aktivitas mit Steno-Obligatorium nur dem vollen Einsatz von Kontakt (Sekretär am Technikum) und AH Watt einerseits, und der Bewilligung seitens der Direktion des Technikums zur Wiederaufnahme von Verkehrsschülern in die Stenographia anderseits zu verdanken. Trotz diesen Massnahmen war der Fortbestand der Aktivitas dauernd in der Schwebe. So war das 50-jährige Jubiläum vom 3. und 4. April 1955 wohl wieder ein grosses und schönes Ereignis, das jedoch von den Sorgen um das Nachwuchsproblem überschattet wurde.