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Die Anfänge des Basler Kinderspitals

Frau L. / 02. Mai 2011:
Mit meinen Arbeitskolleginnen habe ich heute über die traurige Verwüstung des alten Kinderspitals am Samstag geredet. Dabei haben wir gemerkt, dass wir gar nicht viel über seinen Anfang wissen. Wann wurde das Kinderspital am Schaffhauserrheinweg gegründet?
Antwort von altbasel.ch:
Das erste Kinderspital in der St.Johanns-Vorstadt
Das Kinderspital geht auf die Initiative von Elisabeth Burckhardt-Vischer (1783-1857) zurück. Sie war einer der Töchter des reichen Ratsherrn Peter Vischer (1751-1823) und dessen Gattin Anna Elisabeth Sarasin (1760-1817), die im Blauen Haus am Rheinsprung lebten. Im Alter suchte Elisabeth nach einer gemeinnützigen Aufgabe. Der Arzt Carl Streckeisen-Ehinger (1811–1868) brachte sie auf den Gedanken ein Kinder- oder ein Augenspital einzurichten. Sie entschied sich für ein Kinderspital.
Ein Nebengebäude ihrer Wohnliegenschaft an der St.Johanns-Vorstadt liess sie so umbauen dass es kranke Kinder zur Pflege aufnehmen konnte. Am 5. Februar 1846 wurde das bescheidene Spital feierlich eröffnet. Carl Steckeisen, dem die Versorgung Bedürftiger und Unbemittelter schon immer sehr am Herzen gelegen war, übernahm seinerseits kostenlos die medizinische Betreuung der kleinen Patienten. Die erste Krankenpflegerin des Spitals war die aus Württemberg stammende Carolina Rauh.
Bereits einen Tag vor der Eröffnung war ein krankes Mädchen aufgenommen worden, und noch kurz vor der Eröffnungszeremonie hatte Dr. Streckeisen zwei andere Kinder einweisen lassen. Schon am ersten Tag waren drei der sechs Krankenbetten belegt. Als ihr Mann im Dezember 1846 starb, mag das kleine Spital der kinderlosen Witwe eine Stütze gewesen sein. Sie sei täglich aus ihrem Haus herüber gekommen und habe oft ihre Mahlzeiten mit den Pflegerinnen zusammen eingenommen.
Bei schönem Wetter habe Elisabeth die Kinder in die Laube vor das Haus tragen, oder sie an schattige Plätze ihrer ausgedehnten Gartenanlage bringen lassen. Solche Aufgaben übernahm die zweite Pflegerin Marie Reiff. Im Gegensatz zur zierlichen Carolina Rauh sei sie in mit ihrer kräftigen Postur in der Lage gewesen, selbst grössere Kinder behutsam zu tragen. Sie habe auch darauf geachtet, dass die Kinder nach ihren Möglichkeiten beschäftigt waren, sei es mit Zeichnen, Stricken und anderem.
Gedenktafel zur Erinnerung an die Stiftung des Kinderspitals auf dem Aeral der alten Kinderklinik am Schaffhauserrheinweg. (Aufnahme März 2010)
Die Stiftung dreier Schwestern
Mit der Zeit überzeugte Elisabeth ihre beiden jüngeren Schwestern Juliana Birmann-Vischer (1785-1859) und Charlotte His-Vischer (1789-1852) von der Idee des Kinderspitals. Beide hatten auch keine Kinder und waren zwischen 1844 und 1847 ebenfalls zu Witwen geworden. Am 29. April 1852 riefen Elisabeth und Charlotte die Siftung "Kinderspital in Basel" ins Leben. In "christlicher Liebe" sollten kranke Kinder aus der ganzen Region ohne Unterschied von Heimat und Religion gepflegt werden.
Das "Kinderspitäli der Frau Burckhardt" sollte durch ein eigens erstelltes Spital ersetzt werden. Auch Schwester Juliana wurde in diese Stiftung miteinbezogen. Nach dem Tode Elisabeths im Mai 1857 wurde mit ihrem Erbe das Projekt angegangen. Im August des selben Jahres verlegte man die sechs in Pflege stehenden Kinder aus dem alten Spitäli in die Riehener Diakonissenanstalt. Bis das neue Krankenhaus eröffnet werden konnte, sollten dort immer sechs Pflegeplätze für Kinder bereitstehen.
Auf Kosten der Stiftung wurden dort bis zur Spitaleröffnung insgesamt 142 Kinder versorgt. Nachdem im Januar 1858 ein geeignetes Grundstück am Kleinbasler Rheinufer gekauft worden war, konnte der Bau 1861 begonnen werden. Bei der Eröffnung am 2. Januar 1862 war das neue Krankenhaus das erste seiner Art in der Schweiz. Es galt als mustergültig für die Pflege von Kindern. Die Leitung der Spitals übernahm Carl Streckeisen, der bei der Planung bis ins Detail intensiv mitgewirkt hatte.
Spitalneubau 1928-1939
Nach über 60 Jahren entsprach der veraltete Spitalbau nicht mehr den gestiegenen Anforderungen. Ein Neubau wurde geplant und entstand in zwei Phasen. Zuerst wurde 1928/30 ein neuer West- und Nordflügel nach Entwürfen des Architekturbüros Suter & Burckhardt realisiert. Der alte Spitalbau aus dem Jahr 1862 wurde 1937 abgerissen. An seiner Stelle 1938/39 wurde ein neuer Ostflügel nach Entwürfen von Theodor Hünerwadel (1864-1956) und Julius Maurizio (1894-1968) gebaut.
Beitrag erstellt 02.05.11
Quellen:
Othmar Birkner / Hanspeter Rebsamen, Inventar der neueren Schweizer Architektur 1850-1920 - Basel, von der Christoph Merian Stiftung ermöglichter Seperatdruck aus Band 2 der Gesamtreihe, herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Zürich, 1986, Seite 199 (Römergasse 8)
Martin Birmann, Beitrag "Die Anfänge des Basler Kinderspitals", publiziert im Basler Jahrbuch 1891, herausgegeben von Albert Burckhardt und Rudolf Wackernagel, Verlag von R.Reich, Basel, 1891, Seiten 10 bis 28
Eugen Alfred Meier, Der Basler Arbeitsrappen, Birkhäuser Verlag, Basel, 1984, ISBN 3-7643-1612-8, Seiten 417 bis 418