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Autor: Nicole JegerLEhner
Gewählt wurde gestern niemand in den Freiburger Staatsrat: Kein einziger der zwölf Kandidierenden schaffte die Hürde des absoluten Mehrs von 39668 Stimmen. Das hat es seit zwanzig Jahren nicht mehr gegeben: Letztmals 1991 – auch in einem Superwahljahr mit Gemeinde-, kantonalen und nationalen Wahlen – wurde niemand im ersten Wahlgang gewählt. Bei den letzten Wahlen 2006 waren Isabelle Chassot (CVP), Beat Vonlanthen (CVP) und der unabhängige Pascal Corminboeuf im ersten Wahlgang gewählt worden.
Bisherigen-Bonus spielt
Zu den jetzigen Wahlen in die Kantonsregierung stritten sich zwölf Kandidatinnen und Kandidaten um die sieben Plätze. Und dabei schnitten die fünf Bisherigen deutlich am besten ab. Die 46-jährige Erziehungsdirektorin Isabelle Chassot (CVP) erreichte wie bereits bei den letzten Wahlen das beste Resultat. Sie liegt damit vor ihrem Parteikollegen, dem 54-jährigen Volkswirtschaftsdirektor Beat Vonlanthen (CVP).
Auf Rang drei folgt mit einem kleinen Abstand als bester Kandidat der Linken der 60-jährige Staatsratspräsident Erwin Jutzet (SP). Der 59-jährige Baudirektor Georges Godel (CVP) erreichte mit fast gleich vielen Stimmen wie Jutzet den vierten Rang. Die 50-jährige Gesundheitsdirektorin Anne-Claude Demierre (SP), welche wegen der Fast-Schliessung der Maternité im Kantonsspital Freiburg in die Schlagzeilen geraten war, machte das schlechteste Resultat der fünf Bisherigen. Sie knackte zwar nicht die Grenze von 30000 Stimmen, schaffte es aber dennoch auf Rang fünf.
Linke Rechnung geht auf
Sozialdemokraten, Grüne und Christlich-Soziale (CSP) hatten für die Wahlen zusammengespannt: Die drei linken Parteien gingen mit einer gemeinsamen Liste auf Stimmenfang. Dies hat sich ausgezahlt. So schaffte es die Grüne Marie Garnier, Gemeinderätin in Villars-sur-Glâne, auf den sechsten Platz – mit 5000 Stimmen weniger als die Bisherige Demierre.
Mit knapp 1500 Stimmen weniger liegt der 46-jährige Maurice Ropraz (FDP) auf dem siebten Rang. Der bisherige Oberamtmann des Greyerzbezirks ist bei diesen Wahlen nur zu den Staatsratswahlen angetreten. Auf den achten Rang schaffte es der 38-jährige Gewerkschafter Xavier Ganioz (SP): ein schönes Geschenk zum gestrigen Geburtstag des Stadtfreiburgers. Gleich hinter ihm liegt Pierre-Olivier Nobs (CSP) aus der Stadt Freiburg. Der 45-jährige Juwelier und politische Sekretär der Freiburger Sektion des Verkehrsclubs Schweiz (VCS) erhielt rund 500 Stimmen weniger als sein Listenkollege Ganioz.
SVP hinter Linken und FDP
SVP-Vertreter Pierre-André Page kam auf den zehnten Rang. Der 51-jährige Landwirt und Grossrat aus dem Glanebezirk holte knapp dreitausend Stimmen weniger als FDP-Vertreter Ropraz und tausend Stimmen weniger als SP-Mann Ganioz – aber 4600 Stimmen mehr als Albert Bachmann. Dieser war bis vor kurzem noch FDP-Mitglied. Seine Partei nominierte ihn jedoch nicht wie erhofft zum Staatsratskandidaten, so dass er als Unabhängiger in die Wahl zog. Der 54-jährige Landwirt und Ammann von Estavayer-le-Lac schnitt deutlich schlechter ab als sein ehemaliger Parteikollege Ropraz und landete auf dem zweitletzten Rang.
Seebezirkler abgeschlagen
Die FDP war mit zwei Kandidaten angetreten. Schaffte es Ropraz in diesem ersten Wahlgang unter die ersten sieben, erlitt der Seebezirkler Markus Ith regelrechten Schiffbruch. Der 39-Jährige liegt abgeschlagen auf dem letzten Rang. Er holte knapp zweitausend Stimmen weniger als Albert Bachmann.
Am 4. Dezember ist ein zweiter Wahlgang für den Freiburger Staatsrat traktandiert. Würden sich die fünf Kandidaten der Ränge acht bis zwölf zurückziehen, wäre ein zweiter Wahlgang unnötig: Die sieben Bestplatzierten wären in stiller Wahl erkoren.
Bedenkzeit nötig
Die Kandidierenden und die Parteien haben bis nächsten Mittwochmittag Zeit, um ihre Taktik zu bestimmen: Bis dann können sich Kandidatinnen und Kandidaten zurückziehen. Und bis Freitagmittag können sich neue Kandidatinnen und Kandidaten als Ersatz für Rückzüge anmelden. Alle Parteien haben sich gestern Bedenkzeit ausbedungen (siehe auch die Artikel auf Seite 3).