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Es gibt Gründe, weshalb die Börsenkurse noch viel höher steigen könnten. Diese wurden im Jahr 1999 in einem Buch veröffentlicht. Es wurde ein Bestseller. Dann, Monate später, kam der Dotcom-Börsencrash – und alle lachten nur noch über die Autoren und ihre kühne Prognose. Sie besagte, dass der Dow-Jones-Index sich in wenigen Jahren verdreifachen und auf 36'000 Punkte klettern würde.
Nun, über 22 Jahre nach Erscheinen des Buches, ist es so weit: Anfang November schaffte der wichtigste Börsenindex der Welt die besagte Marke von 36'000 Punkten. Und die beiden Autoren, der Journalist James Glassman und der Ökonom Kevin Hassett, stehen plötzlich wieder im Rampenlicht mit ihren Theorien. Der bekannte Ökonom und Harvard-Professor Ken Rogoff äusserte kürzlich im «Wall Street Journal», dass die Kernaussagen von Glassman und Hassett richtig seien.
Das Kernargument der beiden Autoren für viel höhere Aktienkurse ist: Aktien sind langfristig betrachtet nicht risikoreicher als Staatsobligationen. Wenn der Zeitraum lang genug sei, so das Argument, hätten Anleger mit einem breit gestreuten Aktienportfolio nie Verluste gemacht, selbst wenn sie zum ungünstigsten Zeitpunkt gekauft hätten – etwa 1929 vor der Weltwirtschaftskrise.
Kurse müssten viel höher stehen
Ziehe man in Betracht, dass Aktien kein höheres Risiko als Obligationen haben, dann seien Aktien im Vergleich zu Obligationen günstig. Das lässt sich an der Risikoprämie für Aktien ablesen. Dividenden und erwartete Kursgewinne bei Aktien sind viel höher als die Rendite der Obligationen. Damit sie sich angleichen, müssten Aktienkurse stark steigen.
Mit der Behauptung, Aktien und Obligationen müssten die gleichen Renditen aufweisen, lassen sich beinahe unglaubliche Kurssteigerungen bei Aktien prognostizieren, selbst eine Verdreifachung scheint dann möglich. Angenommen, 30-jährige US-Staatsanleihen bringen eine reale Rendite von 2 Prozent. Der S&P 500, der wichtigste Index für grosse US-Unternehmen, steht bei 4700 Punkten und liefert eine jährliche Dividendenrendite von 1,5 Prozent.
Wenn sich der Punktestand des S&P 500 auf 14 100 Punkte verdreifacht, während die Dividenden absolut gleich bleiben, sinkt die Dividendenrendite auf 0,5 Prozent. Im Gegensatz zu Obligationen mit im Allgemeinen fixen Zinszahlungen wachsen die Dividenden der Unternehmen allerdings im Zeitablauf, weil die Umsätze und damit auch die Gewinne langfristig steigen. Setzt man das reale Dividendenwachstum bei 1,5 Prozent an, erzielt der Index nach einer Verdreifachung der Kurse dieselbe Rendite (0,5 Prozent an Dividenden + 1,5 Prozent Wachstum) wie die US-Staatsanleihen.