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• Beginn als einfaches Ingenieurbüro in Zürich
• Expansion und prestigeträchtige Aufträge
• 2019 geht das Unternehmen an die Börse
Gründung und erste Schritte
Die Geschichte von Stadler Rail beginnt mit der Gründung des Ingenieurbüros Stadler durch Ernst Stadler 1942 in Zürich, als dieser zunächst in den Kriegsjahren Strassen- und kleine Schienenfahrzeuge auf Akkubetrieb umrüstete, wie das Unternehmen auf seiner Webseite berichtet. Nachdem das Ingenieursbüro 1945 nach Wädenswil umgezogen war und dort als Elektro-Fahrzeuge Ernst Stadler erste kleine Akku-, Elektro- und Dieseltraktoren (Rangierlokomotiven) gebaut hatte, musste der Betrieb bereits 1951 Konkurs anmelden. Daraufhin arbeitete Ernst Stadler zunächst für verschiedene Auftraggeber, bevor er erneut eine eigene Werkstatt in Zürich bezog. 1962 verschlug es Stadler nach Bussnang, wo er eine grössere Werkstatt errichten liess, in den folgenden Jahren verlegte er auch den offiziellen Geschäftssitz dorthin und wandelte die Firma in eine Aktiengesellschaft um, die 1974 auf den Namen Stadler Fahrzeuge AG getauft wurde.
Als Ernst Stadler im Jahr 1981 starb, übernahm seine Witwe Irma Stadler die Führung des Unternehmens, dessen Aktien sich im Familienbesitz befanden. 1984 versuchte sich der Betrieb auch erstmals an der Fertigung von Personenfahrzeugen, obgleich Spezialanfertigungen für Schweizer Privatbahnen weiterhin das Hauptaugenmerk bildeten.
Laut der Unternehmenswebsite wurde dann im Jahr 1995 der GTW 2/6 lanciert, der erste eigene Personenzug des Unternehmens, für den die erste Abnehmerin die damalige Mittelthurgaubahn war, die die Ausschreibung für die Bahnlinie von Schaffhausen entlang dem Bodensees nach Romanshorn gewonnen hatte. Als die Nachfrage nach dem GTW sich immer weiter erhöhte, reagierte das Unternehmen mit der schrittweisen Vergrösserung der Belegschaft sowie einem entsprechenden Umbau des Unternehmens.
Unerwartete Expansion
Mit dem Kauf des Schindler Waggon-Werks in Altenrhein und dem Erwerb von weiteren mit der Zeit wegsterbenden Werken und Produktionsbereichen begab sich das Unternehmen auf einen allgemein unerwarteten Expansionskurs, in dessen Zuge man auch als die Familien-Holding Stadler Rail AG neu firmierte und das Werk Bussnang in die Stadler Bussnang AG auslagerte. Im Herbst 2004 übernahm Stadler die in Konkurs gegangene Giesserei Swiss Metal Casting AG in Biel zwecks Eigenbedarfs, die als Stadler Stahlguss AG weiter produzierte. Anfang 2005 wurde für die ehemalige PFA Weiden, deren stufenweise Übernahme durch Stadler vereinbart worden war, die Stadler Weiden GmbH gegründet. Die neue Firma wurde allerdings 2007 aufgrund des Mangels an Aufträgen wieder dichtgemacht. Einer der bedeutendsten Momente für den Konzern war der Zukauf der Winpro AG am 7. September 2005, an welcher man zuvor bereits mit 40 Prozent beteiligt gewesen war. Dieser Schritt besiegelte die Vereinigung der Reste der traditionsreichen Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik unter dem Dach von Stadler Rail.
Am 30. Juni 2008 verkündeten die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) die Vergabe des Zuschlags für einen Auftrag im Wert von rund einer Milliarde Franken an Stadler Rail. Bei dem Auftrag ging es um den Bau von 50 sechsteiligen Doppelstocktriebzügen für die vierte Teilergänzung der S-Bahn Zürich. Für Stadler bedeutete dies den Erstauftrag der neu entwickelten Doppelstockzüge Stadler Kiss (Regionalverkehr bis 160 km/h), deren Produktion bei Stadler Altenrhein erfolgt.
Börsengang
Anfang 2010 ging der Auftrag für die Produktion von 16 vierteiligen elektrischen Doppelstocktriebzügen Typ Kiss für den Berlin-Brandenburger Regionalverkehr an die Stadler Pankow GmbH. Auslieferungs- und Zulassungsprobleme sorgten jedoch dafür, dass die ersten vier Züge erst im Januar 2013 eingesetzt werden konnten. Ein Auftrag, dem ebenfalls eine grosse Bedeutung für den Konzern zuzumessen ist und der am 26. Februar 2010 an Stadler vergeben wurde, war der Bau von sieben Zahnrad-Elektrolokomotiven für die Güterzugstrecke São Paulo-Santos in Brasilien. Im Frühjahr 2019 entschied sich Stadler Rail dazu, an die Börse zu gehen. Mit diesem Schritt sank die Beteiligung des bisherigen Mehrheitsaktionärs Peter Spuhler auf 40 Prozent des Aktienkapitals.
Thomas Weschle / Redaktion finanzen.ch