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Von Pickeln und Pocken
Von Pickeln und Pocken
Der seit Mai 2022 anhaltende Affenpocken-Ausbruch ist unerwartet. Mehreren Regionen registrierten das Auftreten des Virus ohne direkte Zusammenhänge mit den Gebieten, in denen Affenpocken schon länger vorkommen. Das Epizentrum des aktuellen Ausbruchs bildet Europa mit 85 Prozent der weltweit gemeldeten Fälle. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beobachtet den Ausbruch und setzt sich für eine Sensibilisierung ein, schätzt aber - Stand 17. Juni 2022 - das Risiko für die öffentliche Gesundheit als moderat ein, die Sterblichkeitsrate ist niedrig geblieben. Sind Affenpocken so harmlos wie Pickel oder erwartet uns gar eine weitere Pandemie?
In einem Social Media Kommentar wird behauptet, Pocken seien Pickel. Dazu wird auf ein Artikel der deutschen Zeitung «Bild», der das Aussehen von Affenpocken erläutert, verlinkt. Was sind die Unterschiede der beiden Hautveränderungen?
Pocken sind eine ansteckende Viruskrankheit, Kontakt soll daher vermieden werden. Pickel sind vergleichsweise ungefährliche Hautentzündungen, eine Ansteckung ist nicht zu befürchten.
Pickel sind entzündende Hautstellen. Sie entstehen, wenn Poren verstopft sind und Talg, Schweiss und weitere Substanzen nicht richtig ausgeschieden werden können. Die Verstopfung fördert das Bakterienwachstum und eine Entzündung der betroffenen Hautstelle – der Pickel – entsteht. Man spricht dabei auch von unreiner Haut. Was viele als unschön und störend empfinden, ist aber nicht ansteckend.
Affenpocken hingegen werden von den Affenpockenviren ausgelöst und sind eine Infektionskrankheit. Unter diversen Tierpopulationen kann das Virus endemisch zirkulieren. Eine Übertragung auf den Menschen ist selten, ebenso Übertragungen von Mensch zu Mensch. Die Affenpockenerkrankung ist normalerweise auf West- und Zentralafrika beschränkt.
Bei einer Infektion mit Affenpocken dauert der Krankheitsverlauf meistens wenige Wochen und verläuft selten tödlich. Erste Symptome ähneln denen einer Grippen. Wenige Tage später folgt der Hautausschlag - häufig zuerst im Gesicht und später am ganzen Körper. Es bilden sich sekretgefüllte Bläschen, die verkrusten und anschliessend abfallen.
Die Hautausschläge ähneln denen der Windpocken. Laboranalysen ermöglichen aber eine klare Diagnose, so das Robert Koch-Institut (RKI). Die DNA von Affenpockenviren ist ziemlich stabil, für den Menschen gefährliche Mutationen entstehen selten. Die Ansteckung erfolgt über Schmier- und Tröpfcheninfektion.
Pickel und Affenpocken haben also nichts miteinander zu tun, wie auch der «Bild»-Artikel explizit betont: «Der charakteristische Hautausschlag der Affenpocken ähnelt den sekretgefüllten Bläschen von Windpocken, weniger den eitrigen Pickeln der Akne.»
Wie die WHO geht auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) nicht von einer Gefahr für die Bevölkerung aus. Doch eine Infektion mit dem Affenpockenvirus ist hierzulande meldepflichtig, der Bund ruft die Gesundheitsfachpersonen auf, infizierte Personen zu isolieren. Stand 21. Juni 2022 sind in der Schweiz 41 Fälle bestätigt worden.
Da der Affenpockenausbruch ungewöhnlich und besorgniserregend ist, berief der Generaldirektor der WHO Tedros Ghebreyesus für den 23. Juni 2022 den Notfallausschuss ein. Dieser soll beurteilen, ob der Ausbruch eine gesundheitliche Notlage von internationaler Bedeutung darstellt.
Bild: Artikel über die Erkennung von Affenpocken, 05.06.2022 (archiviert)
Netdoktor: Unreine Haut (archiviert)
Netdoktor: Affenpocken (archiviert)
RKI: FAQ zu Affenpocken, Stand 14.06.2022 (archiviert)
WHO: Statement des Regionaldirektors für Europa zum Notfallausschuss für die Affenpocken-Risikobewertung, 15.06.2022 (archiviert)
WHO: Statement des Generaldirektors zur Ankündigung des Affenpocken-Notfallausschusses, 14.06.2022 (archiviert)
WHO: Affenpocken-Ausbruch in nicht-endemischen Länder, 21.05.2022 (archiviert)
WHO: Situationsupdate Affenpocken-Ausbruch, 17.06.2022 (archiviert)
WHO: Tweet mit der Ankündigung des Notfallausschusses zum Affenpockenausbruch am 23. Juni, 14.06.2022 (archiviert)
BAG: Affenpocken – aktuelle Lage Schweiz, 21.06.2022 (archiviert)
BAG: Meldepflichtige Infektionskrankheiten (archiviert)
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