Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03225.jsonl.gz/548

Psychische Probleme der Eltern
Hat mein Vater, meine Mutter eine psychische Erkrankung? Alle Menschen sind manchmal traurig oder ängstlich. Nicht jeder hat deshalb psychische Probleme. Nur wenn diese Gefühle in besonders heftiger Form vorkommen, spricht man von einer psychischen Erkrankung. Menschen mit einer psychischen Erkrankung verhalten sich manchmal komisch oder können alltägliche Dinge nicht mehr bewältigen.
Es gibt ganz verschiedene psychische Krankheiten, deren Symptome du hier nachlesen kannst: www.ipw.zh.ch/internet/gesundheitsdirektion/ipw/de/krankheitsbilder.html
Folgen für Kinder und Jugendliche: Kranke Eltern können manchmal nicht mehr auf die Bedürfnisse ihrer Kinder eingehen. Möglicherweise ...
- geraten sie wegen Kleinigkeiten in grösste Aufregung und du kannst deine Sorgen nicht mehr mit ihnen besprechen;
- reagieren sie kaum noch auf dich oder auf das, was um sie geschieht;
- sind sie nicht mehr in der Lage, das Haus zu verlassen, zu kochen, einzukaufen oder ähnliches. Du musst vielleicht immer mehr Haushaltsaufgaben für sie übernehmen;
- sind sie extrem beschäftigt mit irgendetwas, schlafen kaum noch oder starten die wildesten Projekte und Unternehmungen, in die du kaum einbezogen bist;
- dreht sich alles nur noch um sie und keiner fragt und merkt, wie es dir geht und was du bräuchtest.
Kannst du etwas tun? Entscheidend ist, dass du dir klar machst: «Ich kann nichts machen, dass das Problem meiner Mutter oder meines Vaters verschwindet. Auch wenn ich mir noch so Mühe gebe kann ich die entstehenden Schwierigkeiten nicht auffangen. Es ist nicht mein Fehler, wenn es nicht gut läuft. Wie bei einer anderen Krankheit auch: Wenn mein Vater oder meine Mutter eine Grippe hat, ist das auch nicht mein Fehler.»
Heisst das also, du bist allem einfach ohnmächtig ausgeliefert? Nein. Du kannst ein paar sehr wichtige Dinge tun.
Du kannst:
- Du kannst zu Hause deutlich machen, dass du auch da bist. Vielleicht macht es dich manchmal traurig oder wütend, dass du wenig Aufmerksamkeit und Zuneigung bekommst. Wenn du solche Gefühle spürst, versuche mit deinen Eltern oder einer Vertrauensperson zu sprechen und zu sagen, was du bräuchtest.
- Du kannst dir selber Sorge tragen, indem du trotz allem vergnügliche Dinge unternimmst: mit Kolleginnen und Kollegen in die Badi gehst, Sport oder Musik machst, mit Freunden in die Ferien fährst oder was auch immer dich gelüstet. Wenn Eltern krank sind, musst du nicht immer für sie da sein, sondern darfst weiter dein Leben geniessen. Du hilfst damit deiner Familie. Denn wenn es einer Person mal gut geht, hilft das den anderen auch.
- Du kannst dir selber Hilfe organisieren. Da gibt es oft ein Hindernis, denn nicht jede/jeder spricht gerne über Schwierigkeiten, und das ist natürlich in Ordnung. Trotzdem kann es hilfreich sein, ab und zu mal jemandem sein Herz auszuschütten oder die Meinung einer anderen Person zu hören. Bruder, Schwester, Kollege, Tante, Götti, Grosseltern, Lehrer, Ärztin? Und dann gibt es noch professionelle Hilfe. Am einfachsten auf einer Jugendberatungsstelle deiner Region. Kostenlos, verschwiegen, unkompliziert. Die Telefonnummer findest du unter: www.147.ch > Beratungsstellen.
- Du kannst deinen Kollegen, Lehrerinnen und Vorgesetzten sagen, was los ist, statt dich zurückzuziehen. Das wird nicht immer einfach sein. Trotzdem hilft es und sie werden mit der Zeit verständnisvoll reagieren wenn du mal nicht so gut drauf bist oder etwas komisches mit deinen Eltern ist.
Wenn nix mehr geht: Unter Umständen kann die Situation zu Hause sehr schwierig sein. Wenn für deine Freunde und deine Hobbys keine Zeit mehr bleibt, deine Leistungen in der Schule oder bei der Arbeit schlechter werden und du dich unglücklich fühlst, ist es Zeit, dir professionelle Hilfe zu suchen. Und wenn möglich deine Lehrpersonen zu informieren. Tipps dazu findest du unter: www.147.ch > Infotexte > Familie > Hilfe holen oder nicht? > Hilfe von Freunden oder Profis?
Weitere Infos zum Thema: Pro Juventute Publikation «Wenn dein Vater oder deine Mutter psychische Probleme hat»:
http://shop.projuventute.ch/abashop?s=205&p=hierarchyoutline&hi=260.00&hl=2