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Hier diskutiert man unter anderem darüber, woher stammen wir ab, sind wir alle gleich?
Josef H. Reichholf schreibt in „Die verschlungenen Pfade der Menschwerdung“ unter anderem, dass Vorläufer des Menschen zweimal versucht hatten, sich über die Welt auszubreiten. Der „aufrechte Mensch“ (Homo erectus) war vor rund einer Million von Jahren während der ersten Phase des Eiszeitalters bis Nordostchina und bis Java gekommen. Dort fand man seine Überreste und nannte sie Peking-Mensch und Java-Mensch. Die Klimaverschlechterung in den Zwischeneiszeiten drängte ihn zurück. Diese Art von Mensch starb ausserhalb von Afrika aus, ohne Nachfahren zu hinterlassen.
Ganz ähnlich erging es der zweiten Menschenform, die Afrika vor etwa 200 000 Jahren verlassen hatte, dem Neandertaler. Er kam anscheinend nicht einmal so weit wie sein Vorläufer Jahrhunderttausende vorher. Scheinbar jagte er gerne Grosswild, welches sich in Hülle und Fülle herumtrieb und sich wie die Kaninchen vermehrte und seine Lebensgrundlage darstellte. Grösser, kräftiger und insbesondere mit einem weitaus leistungsfähigeren Gehirn als Homo erectus ausgestattet, überstand der Neandertaler etwa 180 000 Jahre lang zwei grosse Eiszeiten und Zwischeneiszeiten. Mag sein, das weiss man noch nicht genau genug, dass er sich letztendlich durch seine höhere Effizienz als Jäger selbst ausrottete, weil er die Hauptbeute vernichtete und sich daher die Lebensgrundlage entzog. Er wusste noch nicht, dass man Gemüse, Früchte und Obst anpflanzen könnte, um eine ausgewogene Nahrung in seiner Höhle zuzubereiten. Von Pfannen und Besteck konnte er damals nur träumen.
Erst der dritte Anlauf, der vor 70 000 Jahren begann, war erfolgreich. Ein spezialisierter Menschentyp, der sich nicht nur auf die Jagt verlegt hatte, sondern eine viel breitere Nahrungsbasis zu nutzen verstand. Sein entscheidender Vorteil war die Fähigkeit, sprechen zu können. Damit übertraf er die wohl nur zu Gaumenlauten oder einem primitiven Stammeln befähigten Neandertaler, die sich wie die Honigbienen mit ihrer Symbolsprache, dem „Schwänzeltanz“ verständigten.
Oben stellt sich die Frage: „Ist oder war der Mensch ein Gruppenwesen?“
Voltaire schreibt:
Alle Menschen, die in den wildesten und entlegensten Ländern je entdeckt worden sind, leben in Gesellschaft wie die Biber, die Ameisen, die Bienen und einige andere Tierarten.
Niemals hat man ein Land gefunden, in dem sie jeder für sich lebten, der Mann sich nur zufällig zur Frau gesellte und sie gleich danach aus Überdruss verließ, die Mutter ihre Kinder verleugnete, nachdem sie sie aufgezogen hatte, oder man ohne Familie und ohne jede Gesellschaft lebte. Einige Witzbolde haben sich zu dem Paradox verstiegen, die ursprüngliche Bestimmung des Menschen sei es, allein zu leben wie die Luchse, und die Gesellschaft habe die Natur verdorben. Ebenso gut könnte man sagen, die Heringe seien ursprünglich dazu bestimmt, jeder für sich im Meer umherzuschwimmen, und zögen nur infolge völliger Entartung scharenweise vom Eismeer nach unseren Küsten, die Kraniche seien ursprünglich jeder für sich geflogen und hätten sich unnatürlicherweise entschlossen, in Gesellschaft zu fliegen…
Und doch gibt es solche Inseln oder abgelegene, wilde Gebiete, wo sich die Menschen ihr Leben lang von den Erzeugnissen der Natur (Jagd, Sammeln) ernähren und auch in Gesellschaft ihr Leben leben.
Weiter schreibt Voltaire:
Ein Rudel von Fischen sei ursprünglich dazu bestimmt, jeder für sich im Meer umherzuschwimmen, und zöge nur infolge völliger Entartung scharenweise vom Eismeer nach unseren Küsten. Die Störche oder anderes Vogelgetier seien ursprünglich jeder für sich geflogen und hätten sich unnatürlicherweise entschlossen, in Gesellschaft zu fliegen. Dabei hat jedes Lebewesen seinen eigenen Instinkt, und der des Menschen, verstärkt durch die Vernunft, treibt ihn zum gesellschaftlichen Zusammenleben wie zum Essen und Trinken.
Ein typisches Beispiel für einen Irrweg der Natur demonstriert der Delphin, der – ein Bündel an Intelligenz – so viel mit einer ihm unangemessenen Umwelt zu bewältigen hat, dass trotz seines Riesengehirns die Ausbildung kultureller Bedürfnisse unterbleiben musste. Wäre es nicht besser für ihn, ein Fisch zu sein, wie er es während seiner Embryonalentwicklung sogar vorübergehend war, als sich als Säugetier unter Wasser abzustrampeln? Aber die vollkommene Anpassung blieb ihm verwehrt. Es gibt kein Zurück in einer Evolution, die auch aus einer Zunahme der Fehler bestehen kann.
Leben wir heute in Vollkommenheit? Ich glaube kaum.
Bandscheibenschäden, Verdauungsbeschwerden, Übergewicht, Gleichgewichtsstörungen, Amokläufe, psychische- und Suchtkrankheiten, nur um einige aufzuzählen, sind der direkte Tribut für unseren besseren Überblick und den freien Gebrauch unserer Hände und die dazugehörigen "Werkzeuge" und "Mittel". Ist es nicht so, dass eine grosse Anzahl legaler Krankheiten beim Menschen nur auftritt, weil er Mensch ist?
Ein Sammelsurium von Ideen, oft mangelhaft kombiniert… Speise- und Atemröhre kreuzen sich, Samen- und Harnleiter sind gemeinsam, und die Geburt erfolgt ausgerechnet durch einen Knochenkanal, der nicht erweiterbar ist (Kaiserschnitt ist heute Gang und gäbe). Das Kind wird grausam zu einer Fruchtwalze zusammengepresst, und wenn es endlich zur Welt kommt, ist es das hilfloseste Baby der Welt, zu allem vorerst unfähig, ein krächzendes Bündel Fleisch, das sogar als erstes zu lernen hat, dass Saugen an der Mutterbrust oder an der Babyflasche mit Genuss verbunden ist.