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«Es tut weh, meinen Vater so zu sehen»
Patrick Bwele aus Sambia ist nicht nur blind, seit Jahren hört er auch sehr schlecht. Seine Hörbehinderung entstand durch die vielen Felssprengungen in den Kupferminen, wo er einst arbeitete. Fast gehörlos und blind ist Patrick Bwele stets auf die Hilfe von anderen angewiesen. Kevam, sein 16-jähriger Enkel, kocht für ihn, hilft ihm auf die Toilette und ins Bett. «Seit er blind ist, sitzt er nur noch herum. Es tut mir weh, meinen Vater so zu sehen», sagt sein Sohn Shedreck traurig.
Prüfend gleiten Patrick Bweles Finger über die exakt geformten Backsteine. Sein Blick aber geht ins Nirgendwo, denn vor elf Monaten ist der 78-Jährige erblindet. Die Steine hat sein Sohn Shedreck aus feiner Erde gegossen. Bald soll das winzige Haus des Vaters einem grösseren weichen. Seine erwachsenen Kinder möchten mit ihm unter einem Dach wohnen.
Der Sohn erfährt von einer mobilen Sprechstunde der CBM-geförderten Augenklinik in Kitwe, der zweitgrössten Stadt in Sambia. Die Untersuchung findet in einem Armenviertel statt, neunzig Minuten Busreise von ihrem Dorf entfernt. Die Augenkrankenschwester diagnostiziert bei Patrick Bwele den Grauen Star im Endstadium. Das mobile Team der Klinik bringt ihn direkt dorthin.
Nun erhalten beide Augen, mit einem Tag Abstand, eine klare künstliche Linse. Am Morgen nach der Operation am zweiten Auge beweist der Finger-Sehtest: Die Sehkraft ist zurück! Sein Sohn überreicht ihm ein Buch und Patrick Bwele streicht über die Seiten. «Ich kann bereits die Zeilen sehen», sagt er leise. Er wendet Seite um Seite, und lächelt glücklich. In zwei Wochen wird bei der Nachkontrolle die neu gewonnene Sehkraft gemessen und Patrick Bwele eine Brille erhalten.
Wieder im Dorf angekommen, steigt Patrick Bwele selbständig aus dem Auto der Klinik. Seine beiden Töchter Batshembe und Alice umarmen ihn. Er umfasst ihre Hände und betrachtet gerührt seine Töchter. Dann begibt er sich in seine Hütte, auf das Feld der Familie, und schaut alles, überwältigt und still geniessend, an.
Neues Augenlicht – dank Spenderinnen und Spender der CBM!
- Rund fünf Millionen Menschen sind allein in Subsahara-Afrika am Grauen Star erblindet.
- Für die meisten Familien ist die nötige Operation am Grauen Star unerschwinglich.
- Kinder helfen ihren erblindeten Familienangehörigen und können deshalb nicht zur Schule.
- Die erblindeten Menschen fühlen sich hilf- und nutzlos, viele geraten in eine Depression.
- Wer erblindet ist, kann zumeist nicht mehr zum Lebensunterhalt der Familie beitragen.
- Familien mit blinden Angehörigen geraten oftmals in Armut, oder fallen noch tiefer hinein.
Wer in der Schweiz am Grauen Star erkrankt, kann sich bereits im Anfangsstadium eine künstliche Linse einsetzen lassen. Eine für uns selbstverständliche medizinische Leistung. In Entwicklungsgebieten erkranken Menschen im Schnitt zehn Jahre früher am Grauen Star. Vorwiegend aufgrund von Mangelernährung, und weil viele Menschen im Alltag dem UV-Licht der Sonne intensiver ausgesetzt sind.
Wie Sie helfen können
In nur einer Viertelstunde wird die trübe Augenlinse durch eine klare ersetzt. Mit lediglich 50 Franken ermöglichen Sie bei erwachsenen Personen diese kleine Operation, die Grosses bewirkt. Bei Kindern kostet der Eingriff 180 Franken, da er unter Vollnarkose durchgeführt wird und die Betreuung nach der Operation intensiver ist.