Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03262.jsonl.gz/1169

Projektinformationen: News von Riberalta
Bericht von Andreas Kolb
Im kommenden Januar 2005 wird es eine grosse Konferenz mit Beteiligung aller wichtigen Bildungsinstitutionen geben. Dort wird entschieden, welche Rahmenziele und Bildungsformen der bolivianische Bildungsminister für die Jahre 2005 bis 2015 einsetzen soll.
In Bolivien gibt es zwei Schulsysteme, nämlich Normalschule und Alternativschule. Man will die Alternativschule aufheben und in die Normalschule integrieren. Viele Institutionen der Alternativschule, darunter auch unsere Gehörlosenschule, sind betroffen und wollen sich wehren. Also müssen wir alle zusammentreffen, je nach Region, Kanton und national, Projekte erarbeiten und im Januar präsentieren.
Regionales Treffen
Am 24. Juli 2004 nahmen Lehrer Remberto, Schüler Ricky und ich mit vier Dolmetscherinnen an einem regionalen Treffen teil. Später, am kantonalen Treffen von Beni in Trinidad (10 bis 12. August), nahm ich zwei eigene Dolmetscher (Remberto und Emelina) mit. Nach Trinidad fuhr ich mit zehn anderen Teilnehmern von Riberalta aus mit dem Bus. Es dauerte 24 Stunden für die ganze Strecke von 905 km. Auf der Strecke sieht es aus wie in Holland: ganz flache Ebenen und Steppen mit Viehherden.
Auf der Heimkehr erlebte ich auf dieser Strecke sieben Reifenpannen mit dem Bus. Nächstes Mal nehme ich lieber das Flugzeug. Es braucht nur eine Stunde und 15 Minuten bis Trinidad. In der letzte Stunde der Kantonalversammlung von Trinidad wählten alle Teilnehmer mich als Stellvertreter der Behinderten von ganzen Beni für das Nationale Treffen in La Paz. Der Regierung hat meine Reiseentschädigung von Riberalta nach La Paz und retour bezahlt. Aber für den Dolmetscher (Remberto) musste ich selber aufkommen.
Bolivianische Gebärdensprache anerkennen
Von 25. bis 27. August fand der Nationalkongress in La Paz statt. Ich wurde dort gut aufgenommen, obwohl ich der einzige Gehörlose war, und nahm aktiv an den Gruppenarbeiten teil. Ich kämpfte dort für das Recht auf Sprache und Bildung für Gehörlose wie die Indianer auf dem Altiplano und im Urwald. Am letzten Tag sprach ich vor 313 Teilnehmern und bat, dass die bolivianische Regierung unsere bolivianische Gebärdensprache als 34. Idioma (=Sprache) anerkennen und Dolmetschereinsätze in allen Bereichen unterstützen soll. Da klatschten die Teilnehmer. Sie fanden meine Forderung gut. Wir werden sehen, wie es weiter geht, vor allem im Januar 2005. Ich fühlte mich, als würde ich wie eine Maus vor einem Elefanten stehen (Sprichwort).
Fernseh-Interview
Noch ein schöner Erfolg für das Centro Arca: Mitten im Kongress in La Paz fuhr ich mit zwei Dolmetschern (Remberto und Miguel Angel, Präsident der Dolmetscher Vereinung) mit dem Taxi zum Nationalen Fernsehstudio ‹RED UNO›. Dort war ich zum Fernsehinterview bei der Sendung ‹Que no me pierda› eingeladen (vergleichbar mit dem Schweizerischen ‹10 vor 10›). Ich konnte meine Erfahrungen von unserer Gehörlosenschule und die Situation der Gehörlosen erzählen, und zwar fast 30 Minuten lang. Es war keine ‹Live›-Sendung. So konnte ich nachher in Riberalta in der Schule noch filmen und die Videokassette nach La Paz schicken. Eines Abends wurde die Sendung in ganz Bolivien ausgestrahlt, vermischt mit meinem Interview und Bildern von der Schule Arca. Die Behörden von Riberalta haben mir gratuliert und sind stolz darauf, weil der Bericht von Riberalta in ganz Bolivien gezeigt wurde. Nach einem Monat wurde es zum 2. Mal ausgestrahlt, weil viele TV-Zuschauer dies wünschten, da sie es das erste Mal verpasst hatten.
Heimreise
Für die Heimkehr von La Paz nach Riberalta brauchte ich drei Tage. Am Samstagmorgen waren wir, eine Gruppe von Beni, zwei Stunden zu spät auf dem Flughafen von La Paz. Wir hätten schon am Vormittag ohne Umsteigen in Riberalta ankommen sollen, aber es gab ein Missverständnis zwischen dem Reisebüro der Regierung und dem Büro der Fluggesellschaft. Einen Tag später mussten wir über CBBA nach Trinidad fliegen und zweimal umsteigen. In Trinidad warteten wir lange auf anderes kleines Flugzeug. Stark verspätet wollten wir nach Riberalta abfliegen. Aber es wäre fast ein Unglück passiert. Auf der Rollbahn wollte das Flugzeug, worin ich sass, voll starten, um abzuheben. Nach etwa 100 Metern platzte der linke Reifen, dann auch noch der rechte Reifen, es war schrecklich, aber glücklicherweise konnte das Flugzeug stoppen. Grosser Materialschaden! Nochmals mussten alle aussteigen. Viele hatten Angst im Gesicht, und einige wollten nicht weiterfliegen. Am Montagmittag konnten wir mit einem nicht planmässigen Militärflugzeug weiterfliegen. Meine Frau und meine Kinder hatten am Anfang Angst, dass etwas passiert sei. Es gab keine Informationen, und am Sonntag war niemand im Büro von Arca. Deshalb möchte ich bald zwei ‹Mobilnatel› kaufen, um besser mit Sara kommunizieren zu können. Wir danken Gott für die Bewahrung.
Internationale Forum für Zweisprachigkeit der Gehörlosen
Im Monat September hatte ich viel zu tun in der Schule, weil ich im August viel unterwegs war. Am 11. und 12. Oktober war ich am internationalen Forum für Zweisprachigkeit der Gehörlosen in CBBA und hielt einen Vortrag über meine Erfahrungen, wie wir hier Zweisprachigkeit in der Schule durchführen. Eine Wissenschaftlerin aus den USA, Ph.D. Ruth Claros - Kartchner von der Universität Arizona, war für kurze Zeit in CBBA anwesend und hat ihre Erfahrung über dieses Thema in elf Länder von Lateinamerika weitergegeben. Sie hat meinen Vortrag angehört und mir empfohlen, so wie bisher weiter zu machen. Der Bildungsminister und der Bildungsdirektor für Zweisprachigkeit waren anwesend und haben je einen Vortrag gehalten, wie sie arbeiten. Der bolivianische Gehörlosenbund muss mit beiden Personen Kontakt herstellen, um weiter zu arbeiten.
Gehörlosenschule Riberalta
Am Sonntag, 17. Oktober, zeigten wir bei einer offenen Ausstellung unsere Alternativschule der Region im Park der Stadt Riberalta. Viele kamen an unserem Stand vorbei und lernten etwas Gebärdensprache und kauften Holzprodukte, welche unsere jugendlichen Gehörlosen mit Lehrer Fernando herstellen. Letztes Wochenende, am 13./14. Oktober, gab es wieder ein Treffen der Alternativschule. Dort behandelten wir die Bearbeitung der Dokumente, welche wir im Januar 2005 vorstellen werden. Ich habe nochmals betont, dass die bolivianische Gebärdensprache erwähnt werden soll.
Gehörlosenschule: Schlussfeier
Letzte Freitagabend war Schlussfeier unserer Schule. Alle Schüler und Lehrer/innen zeigten, was sie dieses Jahr gelernt haben. Viele Eltern, gehörlose Erwachsene und einige Behördenmitglieder kamen. Die Vertreterin der Schulbehörde von Riberalta, Alicia, hat offiziell das Schuljahr 2004 abgeschlossen. Zwei Kinder bleiben im Casa Sol, weil die Eltern eines der Gehörlosen zu weit weg wohnen und der andere sich zu Hause im Urwald langweilt. Die anderen gehörlosen Kinder gingen nach Hause.
Weitere Seiten
- Kurz-Info
- Geschichte der Gehörlosenschule 'Logos' in Riberalta
- Ausblick auf 2005-2006
- Daniel, ein gehörloser Bub
- Maria, eine gehörlose Mädchen
- Ricky
- Yasmani
- Portraits Lehrkräfte und Personal 1. Teil
- Portraits Lehrkräfte und Personal 2. Teil
- Portraits Lehrkräfte und Personal 3. Teil
- Portraits Schulkinder 1. Teil
- Portraits Schulkinder 2. Teil
- Portraits Schulkinder 3. Teil
- Portraits Schulkinder 4. Teil
- Portraits Gehörlose
- Geschichte der Bolivianische Gebärdensprache
- Vorbereitungsjahr 1997
- Schuljahr 1998
- Schuljahr 1999
- Schuljahr 2000
- Schuljahr 2001
- Schuljahr 2002
- Schuljahr 2003
- Schuljahr 2004
- Schuljahr 2005
- Wie lebt Andreas Kolb in der Urwaldstadt Riberalta?