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Im Dezember 2011 habe ich ein Märchen geschrieben, das mein damaliges Thema „Loslassen“ illustrieren sollte. Nun möchte ich diese Geschichte hier im Blog Männerherz veröffentlichen. Wahre Liebe macht frei, könnte ich mit Robert Betz auch dazu sagen.
Es war einmal ein Prinz. Der hörte immer wieder Geschichten von einem wunderschönen Adler, der am Rand des Königreichs leben soll. Diesen Adler wollte er unbedingt haben, und er rief dazu auf, nach dem Adler zu suchen und ihm zu melden, wenn der Horst des Adlers gefunden wurde. Eines Tages kam ein alter Hirte zu ihm und berichtete ihm, er habe den Horst im hintersten Tal unter den höchsten Gipfeln gefunden. Der Prinz versprach ihm eine grosse Belohnung, wenn er ihn zum Adler führe. Eine Expedition unter Führung des Hirten machte sich auf. Schliesslich entdeckten sie den Adler. Der Prinz war überwältigt von der Schönheit des majestätischen Vogels. Er wurde angelockt und gefangen. Der Prinz war überglücklich und zahlte dem Hirten eine fürstliche Belohnung.
Man transportierte das Tier ins Tal und aufs königliche Schloss. Der Prinz liess eine prächtige Volière bauen und brachte den Adler darin unter. Jeden Tag besuchte er ihn. Doch irgendwie war das Tier nicht mehr majestätisch. Die Federn glänzten nicht mehr im Sonnenlicht. Der Adler schien auch immer schwächer zu werden, ass kaum mehr die eigens für ihn gefangenen Tiere.
Da liess der Prinz den Hirten rufen, um ihn um Rat zu fragen. Der alte weisshaarige Mann erklärte dem Prinzen, dass der Adler nur nur in Freiheit leben könne. Wenn er nicht freigelassen werde, werde er verkümmern und sterben. Der Prinz rang lange mit sich. Er liebte dieses Geschöpf so sehr und wollte es am liebsten jeden Tag sehen. Aber schliesslich fasste er sich ein Herz. Er ging zum Käfig, öffnete die Türe und rief dem Adler zu, er könne jetzt fliegen, wohin er wolle.
Der Adler liess sich nicht zwei Mal bitten, hüpfte aus der Käfigtüre, schwang seine Flügel und erhob sich mit wenigen Schlägen in die Lüfte. Zuerst wollte es dem Prinzen fast das Herz erdrücken, als er den Adler entschwinden sah. Doch dann kehrte der prächtige Vogel zurück und drehte eine majestätische Runde über dem Palast. Sein Gefieder leuchtete in den Sonnenstrahlen. Da stiegen Tränen des Glücks in die Augen des Prinzen und ihm wurde ganz warm ums Herz. Und es kam vor, dass ihn von diesem Tag an der Adler wieder besuchte. Mal kreiste er entfernt seine Runden, mal setzte er sich auf den hohen Baum im Hof des Palastes. An diesen Tagen feierte der Prinz jeweils ein grosses Fest und liess die Armen der Stadt an seinen Festtisch laden. Und es schien, als ob das Leuchten des Gefieders des freien Adlers sich auf den Prinzen übertragen hätte. Seine Augen leuchteten und er wirkte richtig majestätisch. Er strahlte Ruhe und Frieden aus und wurde ein allseits geliebter Monarch, unter dessen weiser Führung das Land blühte.
Und zwei-drei Mal im Jahr sattelte der Prinz beziehungsweise der König sein Pferd, um ganz alleine in das hinterste Tal zu reiten und den Adler in seinem Reich zu besuchen. Es soll vorgekommen sein, dass sich der Adler zum König setzte und es gibt Berichte, man hätte gesehen, wie die beiden miteinander gesprochen hätten. Aber das ist wohl nur ein Märchen.
Das Bild vom Adler habe ich im Herbst 2014 am Brienzer Rothorn mit dem Smartphone aufgenommen.