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Silvio Huonders Bonaduz
«Nach einer halben Stunde stießen sie auf eine große Lichtung, die vom Mond beschienen wurde. Etwas oberhalb des Weges waren zwei Gebäude zu erkennen. Die Mühle und, ein Steinwurf daneben, ein Stall. Der Stall lag dunkel da, in der Mühle zeichnet sich der schwache Lichtschein eines Fensters ab.
Sie blieben stehen und betrachteten eine Weile lang schweigend das Anwesen.
Dann drehte sich Rimmel zu seinen Begleitern um. Wie wir es besprochen haben, sagte er. Ich gehe voran, und ihr wartet, bis ihr mein Licht seht.
Die beiden Brüder brummten ein undeutliches Einverständnis.»
Ein historischer Krimi vor schaurig-schöner Kulisse: In Graubünden zu Beginn des 19. Jahrhunderts herrschen Armut, Rechtswillkür und Kriminalität. «Wer in dieser Nacht unterwegs war, der musste froh sein, nicht gesehen zu werden. Wer nämlich angehalten wurde und keinen redlichen Grund nennen konnte, wohin und weswegen er so spät unterwegs war, wurde als lichtscheues, übles Gesindel beschimpft, von dem es in diesen Zeiten jede Menge gab.» Trotz der ständig lauernden Gefahren in den düsteren Tälern: Einen Gewaltakt von solcher Bestialität hatte man noch nicht gesehen. In einer Sommernacht im Jahr 1821 werden in der Weihermühle von Bonaduz drei Menschen mit der Axt umgebracht, zwei Mägde und ein Müller. Zum Entsetzen aller entdeckt der Amtsarzt bei der Obduktion, dass es sich nicht um dreifachen, sondern um fünffachen Mord handelt: Beide Frauen waren schwanger, im fünften bzw. siebten Monat. Die historischen Fakten zu dem Fall sind in den Unterlagen der Strafanstalt Sennhof in Chur und in den Verhörprotokollen im Bündner Staatsarchiv dokumentiert. Huonder geht natürlich darüber hinaus, verquickt geschickt Erwiesenes und Erfundenes und lässt im Laufe der Ermittlungen bewusst viele Fragen offen.
Huonder, gebürtiger Churer mit Jahrgang 1954, kennt die Stimmungen und Täler, von denen er schreibt. Heute pendelt er zwischen der Schweiz (als Dozent des Schweizer Literaturinstituts in Biel) und Deutschland, wo er mit seiner Familie in der Nähe von Potsdam lebt. Schweizer Stoffe beschäftigen ihn aber offenbar immer noch. (BP)
Gegen Ende der letzten Eiszeit haben gewaltige Bergstürze das Rheintal erschüttert. Das Tälchen der Weihermühle entstand zwischen den Ausläufern des Flimser Bergsturzes im Norden und den Sturzmassen aus Bündnerschiefer im Süden. Das Hang- und Quellwasser, welches von den Schieferhängen herab fliesst, wurde seit dem Mittelalter von den Menschen genutzt. Zeuge davon ist eine alte Getreidemühle, die bis 1942 in Betrieb stand (Bild). Heute liegt sie in einem Naturschutzgebiet, das dortige Flachmoor ist von nationaler Bedeutung. Die Mühle gehört zum Dorf Bonaduz, das auf einer sonnigen Terrasse liegt. Das Gemeindegebiet zieht sich bis auf 1500 Meter Höhe auf die Alp Sut. Die vor allem deutschsprachige Zuwanderung hat die rätoromanische Sprache völlig in den Hintergrund gedrängt. Deutsch ist alleinige Umgangssprache.