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Während 24 Jahren gehörte Roger Federer zum Wimbledon-Turnier wie die Erdbeeren und das Pimm's. 1998 hatte er bei den Junioren triumphiert. Acht Mal gewann er den Titel, zwölf Mal stand er im Final, 18 Mal im Halbfinal. Wie sehr er in Wimbledon fehlt, zeigten die Ovationen während einer Stippvisite am Sonntag, als das Turnier das hundertjährige Bestehen des Centre Courts zelebrierte. Es fühle sich komisch an, «hier in anderer Rolle zu stehen», gestand der adrett gekleidete Federer. «Die grössten Siege und die grössten Niederlagen» habe er auf diesem Platz erlebt.
Eine dieser Niederlagen jährt sich heute zum ersten Mal. Im Viertelfinal unterlag Federer dem Polen Hubert Hurkacz in drei Sätzen. Den letzten Durchgang verlor er mit 0:6. Danach musste er sich mehrfach am Knie operieren lassen und bestritt kein Turnier mehr. In Wimbledon sagte er nun: «Ich hoffe, ich kann nochmals zurückkommen. Einmal noch.»
Am Tag nach seinem Auftritt in Wimbledon war Federer Gast bei einer Spendengala in Amsterdam. Über seine Stiftung ist Federer seit 2019 internationaler Botschafter der nationalen Postcode Lotterie, die sich für wohltätige Zwecke einsetzt. Danach spielte Federer mit Richard Krajicek, Wimbledon-Sieger von 1996 und Turnierdirektor in Rotterdam, und der früheren Rollstuhltennisspielerin Esther Vergeer und zehn Kindern Tennis.
Ob er Tennisspieler ist oder nicht – Federers Terminkalender bleibt prall gefüllt. Ein kleiner Auszug: Er eröffnete Spielplätze, verfolgte das Formel-1-Rennen in Barcelona aus der Box seines Sponsors Mercedes, besuchte Malawi, ein Training der Schweizer Fussballnationalmannschaft der Männer in Bad Ragaz, gab bekannt, dass nun wieder T-Shirts mit seinem RF-Logo zu kaufen sind, reiste mit dem Zug durch die Schweiz.
Im Frühling waren er und Ehefrau Mirka zu Gast auf Schloss Schauenstein, wo sie sich stundenlang von Spitzenkoch Andreas Caminada verköstigen liessen. Dabei philosophierten die beiden «Masters», der Koch und der Sportler, wie später in «Caminada. Das Magazin» zu lesen war über ihre Weinkeller, kulinarische Vorlieben («Ich liebe Fondue, Raclette und Rösti über alles») und dass seine Mutter und seine Frau gute Köchinnen seien, er einmal ein rohes, vergammeltes Auge einer toten Forelle gegessen habe.
Und auf den Hund ist der Tennisspieler auch gekommen. Ende Mai hiess Federer den blond gelockten Australian Cobberdog Willow willkommen. Und das, obwohl er 2017 in einem Werbevideo gesagt hatte: «Ich liebe Hunde, aber wenn ich ehrlich bin, habe ich ein bisschen Angst vor ihnen.» Er und seine Frau Mirka hätten nachgegeben. Willow war also wohl ein Herzenswunsch seiner Kinder. Denn vierfacher Vater ist Federer ja auch noch: Charlene und Myla sind zwölf Jahre alt, Leo und Lenny sind acht.
Wettkampfmässig Tennis gespielt hat Roger Federer seit Januar 2020 nur noch 19 Mal, drei Mal liess er sich am linken Knie operieren. Präsenz zeigte er vor allem als Werbeträger und Unternehmer. Vor vier Jahren sagte er: «Mein Leben nach meiner Karriere wird ebenfalls interessant sein, witzig und lustig auch – vor allem mit den Kindern. Ich freue mich auf diesen Sprung ins Danach, und bin selber sehr gespannt, wie er sein wird.»
Glaubt man seinen Beteuerungen, liegt dieser Tag noch in weiter Ferne. «Ich fühle mich wie ein Rennpferd, das in seiner Box scharrt und losrasen will», sagte er im Mai. Als wahrscheinlich gilt seine Rückkehr an seinem Laver Cup in London (23. bis 25. September). Auch für die Swiss Indoors Basel, wo er 2019 seinen 103. und vorerst letzten Turniersieg feierte, ist der ehemalige Balljunge gemeldet. 2023 will Federer wieder voll einsteigen.
Ab Montag wird Roger Federer erstmals seit September 1997 nicht mehr in der Weltrangliste geführt. Es ist die nächste Zäsur. (aargauerzeitung.ch)
Es sind nicht nur in München die aktuellen Lichtgestalten der Schweizer Leichtathletik. Mujinga Kambundji (30) und Simon Ehammer (22) trennen zwar acht Jahre Altersunterschied. Doch viel mehr Eigenschaften verbinden die Zwei.