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Mehrere Grossaktionärinnen und Grossaktionäre von Richemont planen, gegen die Vorschläge des aktivistischen Investors Bluebell zu stimmen. Das schreibt die britische «Financial Times» in ihrer Ausgabe vom Donnerstag. Damit erhält Patron Johann Rupert weitere Rückendeckung für die Kampfwahl vom 7. September, nachdem sich bereits der Stimmrechtsberater ISS auf die Seite des Richemont-Lenkers gestellt hat.
Der aktivistische Investor Bluebell Capital hat im Juli einen neuen Kandidaten aus den eigenen Reihen für die Wahl in den Verwaltungsrat vorgeschlagen. Dabei handelt es sich um den ehemaligen Bulgari-Chef Francesco Trapani, einem Weggefährten von LVMH-Besitzer Bernard Arnault.
Bluebell forderte ausserdem, dass die Statuten geändert werden. Demnach soll die Mindestanzahl der Verwaltungsratsmitglieder von aktuell drei auf sechs erhöht werden. Repräsentanten der A- und B-Aktionäre sollen zu gleichen Teilen im Gremium vertreten sein. Momentan wird Richemont über die B-Aktien von Johann Rupert kontrolliert. Der südafrikanische Milliardär hält so rund 10 Prozent des Aktienkapitals, aber 51 Prozent der Stimmrechte. Die restlichen knapp 90 Prozent der Aktien sind als A-Aktien frei handelbar, ihr Stimmengewicht ist beschränkt.
Fragwürdige Performance
Bluebell moniert unter anderem, dass Richemont, dessen grösste Marken Cartier und Van Cleef & Arpels sind, im Vergleich zu Konkurrenten wie LVMH und Hermès unterdurchschnittlich abgeschnitten hätte. Die Firma sei durch schlechte Unternehmensführung und strategische Entscheidungen geschädigt worden, so etwa durch das Festhalten an verlustreichen Unternehmungen in den Bereichen Mode und E-Commerce.
Die von Bluebell vorgeschlagenen Veränderungen sollen jetzt die Macht des Rupert-Clans schmälern und gleichzeitig unternehmerische Kräfte freisetzen. Ihr Vorschlag: Trapani im VR soll die Marschrichtung vorgeben und den Konzern auf Spur bringen.
Mitte der 1980er Jahre hat Francesco Trapani bei Bulgari die Chefrolle übernommen. Die Italiener verfügten damals über lediglich fünf Verkaufslokale. Sie waren ein klassisches Familienbusiness, das gerne die Anfänge beschwor.
Heute schmücken sich Königinnen und Stars mit den Steinen und Uhren von Bulgari. Trapani, der die Marke zum globalen Star gemacht hat, zog in den VR von LVMH ein und wurde zum Intimus von Bernard Arnault. Mehr hier.
Stephen Paice, Leiter des Bereichs europäische Aktien bei Baillie Gifford, erklärt gegenüber der «Financial Times» jedoch, dass der Fonds beabsichtige, gegen Bluebells Anträge zu stimmen. Baillie Gifford gehört zu den 15 grössten Richemont-Investoren.
«Ich würde nicht übermässig aggressiv sein»
«Man kann sehen, dass sich die Zusammensetzung des Vorstands in den letzten fünf Jahren verändert und Richemont versucht hat, einige der Lücken in der Kompetenz zu schliessen», sagte Paice. «Ich denke, die Richtung ist positiv.»
Zwei weitere Top-15-Investoren, die die «Financial Times» nicht namentlich nannte, sagten, dass sie sich gegen Bluebell stellen möchten. Einer davon meinte, dass die Veränderungen im Vorstand von Richemont – insbesondere die Ernennung von Patrick Thomas, dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des Luxusrivalen Hermès, im vergangenen Jahr – zeigen würden, dass «das Unternehmen in die richtige Richtung geht».
Die gleiche Person fügte hinzu: «Ich würde nicht übermässig aggressiv sein, wenn es darum geht, Richemont zu Veränderungen zu drängen, denn ich denke, die Firma hat einige bemerkenswerte Fortschritte gemacht.»
Showdown am 7. September
Bereits in der zweiten Augusthälfte machte die Stimmrechtsberatungsfirma ISS klar, dass sie sich gegen Trapani stellen wird. ISS sagte aber, die anderen Vorschläge – Änderung der Statuten, Beschneidung der Macht von Rupert – seien «im besten Interesse der Aktionäre und Aktionärinnen».
Fünf Familien haben auf dem Markt für Luxusgüter das Sagen: die Arnaults (LVMH), die Wertheimers (Chanel), die Pinaults (Kering), die Ruperts (Richemont) und die Hayeks (Swatch Group).
Alle sind schwer erfolgreich, haben Milliarden an Vermögen angehäuft. Und alle verfügen sie über ausgebaute Beziehungen in der Schweiz sowie über Assets in der Schweiz – und das nicht nur in der naheliegenden Uhrenindustrie.
Wo, was, wie und warum lesen Sie hier.
Der Showdown erfolgt in der kommenden Woche. Als Zeichen des guten Willens schickt Richemont Wendy Luhabe als Vertreterin der A-Aktien ins Rennen. Alle anderen Forderungen will Rupert ablehnen. Bluebell-Partner Guiseppe Bivona bezeichnete den Vorschlag als «Witz».
Bivona gibt sich selbstsicher im Gespräch mit der «Financial Times». Er sei zuversichtlich, was die Abstimmung angeht, nachdem er andere Aktionäre befragt habe, schreibt das britische Finanzblatt. «Wir denken, dass wir die Unterstützung einiger der grössten Aktionäre haben», fügte er hinzu.
Bluebell hat sich in der Vergangenheit bei ähnlichen Machtkämpfen mit dem US-Investmentsfonds Artisan Partners verbrüdert. Gemeinsam haben sie unter anderem den Danone-Chef gestürzt. Artisan gehört gemäss Bloomberg zu den Top-Ten-Investoren beim Mutterhaus von Cartier. Die US-Amerikaner halten per Ende Juni über 2 Prozent des Aktienkapitals.
Ausserdem drängt Artisan seit fast einem Jahr im Hintergrund auf einige strategische Wechsel und – damit verbunden – einen verbesserten Aktienkurs. Mit im Boot: Third Point, der Fonds von Daniel Loeb, in der Schweiz bekannt als Herausforderer von Nestlé.