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Der Zürcher alt Bundesrat Rudolf Friedrich ist tot. Er verstarb am vergangenen Dienstag im Alter von 90 Jahren in Winterthur, wie am Montag durch den Winterthurer "Landboten" bekannt wurde. Der FDP-Politiker war nur zwei Jahre in der Landesregierung.
Die Nachricht über den Hinschied von Rudolf Friedrich hätte aus Rücksicht auf die Familienangehörigen erst am kommenden Donnerstag erscheinen sollen, wie Colette Gradwohl, Geschäftsleiterin der Winterthurer Zeitung "Der Landbote" auf Anfrage sagte. Wegen einer Panne im Redaktionssystem sei die Meldung jedoch vorzeitig an das Schweizer Fernsehen gelangt.
Der Jurist Rudolf Friedrich war von 1982 bis 1984 Vorsteher des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD). Seine wichtigsten Geschäfte waren das neue Eherecht und das Gesetz über den Grundstückverkauf an Ausländer ("Lex Friedrich"). In der Asylpolitik verteidigte er die humanitäre Tradition.
Nach knapp zwei Jahren trat er überraschend als Bundesrat zurück, weil er unter gesundheitlichen Problemen litt. Aus der Politik zog er sich jedoch damit nicht zurück. Im Abstimmungskampf um den UNO-Beitritt im März 1986 präsidierte Friedrich das befürwortende Komitee und plädierte in unzähligen Vorträge landauf, landab für eine aktive Präsenz der Schweiz.
Friedrich wurde am 4. Juli 1923 geboren. Nach seinem Studium arbeitete er an Bezirksgerichten, in einem Anwaltsbüro sowie in der Privatwirtschaft, bevor er 1957 eine eigene Anwaltskanzlei eröffnete. Seine politische Laufbahn begann 1962 mit der Wahl ins Winterthurer Stadtparlament, in dem er bis 1975 blieb.
Nach Rekonvaleszenz wieder aktiv
Zwischen 1967 und 1977 war Friedrich Mitglied des Zürcher Kantonsrats. Von 1975 bis zur Wahl in den Bundesrat im Jahr 1982 - als Nachfolger von Fritz Honegger - politisierte er im Nationalrat.
In der grossen Kammer profilierte er sich vor allem als Verfechter einer starken Landesverteidigung und wurde damit zu einem Feinbild der Linken. Wegen Herzbeschwerden trat Friedrich frühzeitig als Bundesrat zurück.
Nach dem Rücktritt und einer Rekonvaleszenzzeit entfaltete er wieder eine rege intensive politische und publizistische Tätigkeit. Friedrich engagierte sich in diversen Abstimmungskomitees, etwa für den EWR-Beitritt (1992) und bei der zweiten Abstimmung über den UNO-Beitritt (2002). Zudem übernahm er Präsidien in verschiedenen gemeinnützigen Organisationen.
Vom Kalten Krieger zum Blocher-Kritiker
In der öffentlichen Wahrnehmung galt Friedrich bis in die 80er-Jahre als Kalter Krieger und strammer Antikommunist. In Erinnerung bleibt beispielsweise, dass er das Berner Büro der sowjetischen Nachrichtenagentur "Nowosti" schliessen liess. Friedrich verdächtigte die Friedensbewegung, von Moskau gesteuert zu sein.
Seit den 90er Jahren trat Friedrich immer wieder als liberaler Mahner gegen den Rechtspopulismus und die Politik der SVP auf. Dabei schreckte er auch nicht davor zurück, Christoph Blocher direkt anzugreifen. Dessen Wahl in den Bundesrat nannte er "ein Unglück", die Abwahl hielt er für legitim.
"Ehrlich und gradlinig"
"Die Partei hat mit grosser Trauer Kenntnis vom Tod von Rudolf Friedrich genommen", sagte FDP-Generalsekretär Stefan Brupbacher gegenüber der Nachrichtenagentur sda. "Er war eine herausragende Persönlichkeit, die immer ehrlich und gradlinig politisierte und sich enorm engagierte. Bis vor wenigen Wochen hat er sich mit Rat und Tat aktiv für eine liberale Schweiz und für unsere Partei eingesetzt."
SDA-ATS