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GESCHICHTE
Die Aabächli: Frühe Wasserversorgung zwischen Siebnen und Wangen (SZ)
Gründung
1537 Ende Februar 1537 bildete sich eine Genossenschaft mit dem Zweck, eine Wasserleitung zu bauen. Nach vollendeter Konstituierung wurde eine Urkunde (Quellensammlung A) aufgesetzt, deren detaillierten Vorgang einer Genossenschaftsgründung entnommen werden kann.
Die beiden Märchler Landleute Johann Bruhin und Uli Kessler haben sich durch einen „Walchen“ (Walche = Welscher = Fremdsprachiger) für 10 Gulden und einen kleinen Ziger eine Leitung bauen lassen, um Wasser aus der Wägitaler Aa auf ihre Güter zu führen. Daraufhin schlossen sich den beiden vier weitere Bauern an, um die Leitung bis zu ihren Grundstücken zu verlängern. Nach der Verlängerung meldeten sich weitere Interessenten, sodass schliesslich ein Strang nach Wangen, ein anderer nach dem Weiler Haslen führte. Die Beteiligten nannten sich nun Genossen, wählten jährlich einen Wasservogt, dessen Befehl die Wassergenossen bei fünf Batzen Busse auszuführen hatten. Einige Teile der Leitung sollten zukünftig gemeinsam unterhalten werden, andere durch die Anstösser.
Diese Urkunde von Ende Februar 1537 ist die Gründungsurkunde der Genossenschaft des oberen Aabächli. Um sich von den Anstössern der unteren, älteren Aabächli zu unterscheiden, nannten sie sich Genossen des oberen Aabächli.
Die Genossenschaft des oberen Aabächli besteht noch heute. Sie ist im Besitze ihrer Gründungsurkunde von 1537 und weiterer Dokumente. Diese Dokumente verwahrt die Genossenschaft in einer Holzkiste (Genossenlade), die von Präsident zu Präsident weitergegeben wird. So sind uns heute viele Schriftstücke über diese Genossenschaft erhalten geblieben. Auskunft über die Vielzahl der Dokumente gibt ein ausführliches Inventar. Die Genossenlade befindet sich jetzt im Bezirksarchiv March.
Seit der Gründung der Genossenschaft entwickelten sich die Aabächli von der ursprünglich nur für die in Siebnen ansässigen Bauern gebaute Wasserversorgung, zur frühen Wasserversorgung des ganzen Gebietes von Siebnen bis ins Dorf Wangen.
1841 Seit 1841 werden Protokolle von den Hauptversammlungen und Kommissionssitzungen der Genossenschaft erstellt.
1854 Am 23. März 1854 genehmigte der Regierungsrat des Kantons Schwyz die Statuten für die Genossen des oberen Aabächli (Quellensammlung D).
1884 Am 6. Januar 1884 veröffentlichte die Genossenschaft ein Reglement betreffend die neu erstellte Aabächlileitung im Dorfteil Siebnen-Schübelbach (Quellensammlung F).
1886 An der Hauptversammlung vom 14. Februar 1886 beschlossen die Genossen weitere Abschnitte der Aabächli im Dorf in Röhren zu verlegen. Um die Kosten zu diesem Projekt aufzubringen, wurden zu dieser Zeit dreifache Wassergelder erhoben.
1924 Während des Baus des Kraftwerkes Wägital verlegte die Bauherrschaft wegen der Vertiefung des Aabettes für den Unterwasserkanal den Einlauf des oberen Aabächlis 100m südwärts. Vom neuen Einlauf bis zur früheren Einlaufstelle wurde eine Röhre erstellt. Diese neue Anlage ist seit 1924 in Betrieb und besteht noch heute.
Organisation
Besitzerin der Wasserversorgung oberes Aabächli ist die Genossenschaft. Sie besteht seit 1537. Mitglieder dieser Genossenschaft sind die Grundstückbesitzer, über deren Grundstück die Aabächli fliessen. Sie haben das Nutzungsrecht, das grundbuchamtlich festgelegt ist. Sie können Wasser in beliebiger Menge entnehmen, sind jedoch verpflichtet, einen ungehinderten Fluss zu gewährleisten und das Wasser stets sauber zu halten. Als Gebühr muss der Genossenschaft ein Wassergeld entrichtet werden. Die Grundstücke und Gebäude werden vom Vorstand der Genossenschaft veranlagt. Die Hauptversammlung entscheidet über die Höhe des zu entrichtenden Wassergeldes für das laufende Jahr. Mit dem Geld werden die Chargen entlöhnt und Reparaturen an gemeinsamen Einrichtungen (Einlauffalle, Schlammsammler, Schieber usw.) finanziert.
Chargen der Genossenschaft sind heute der Präsident, der Aktuar, der Kassier und der Wasserleiter.
Früher waren die Pfarrkirchen offizielles Publikationsorgan der Aabächli Genossenschaft. Immer wieder wurden die Leute in den Pfarrkirchen von Schübelbach und Wangen auf die Sauberhaltung der Aabächli aufmerksam gemacht.
Die Statuten von 1854 gelten weitgehend heute (2018) noch (Quellensammlung O). Die Genossenschaft zählt heute ca. 130 Mitglieder.
Seit jeher werden jedes Jahr am zweiten Wochenende im November (wenn das Laub liegt) die Aabächli zwecks Reinigung abgestellt. Es ist jeder Anstösser verpflichtet, seinen Abschnitt zu reinigen.
Dank straffer und zweckgebundener Organisation gelang es der Genossenschaft des oberen Aabächli, ihre Einrichtungen bis heute zu wahren, wenn sie auch nicht mehr die gleiche Bedeutung haben wie früher. Die Aabächli sind seit 1537 feste Einrichtungen von Siebnen und die Genossenschaft ist Besitzerin.
Seit die Gemeinde Schübelbach und die Wasserversorgungsgesellschaft
Wangen die Wasserversorgung des Gebietes zwischen Siebnen und Wangen übernommen
haben, sind die Aabächli weniger bedeutungsvoll geworden. Dennoch scheinen die
heute noch immer sauber fliessenden oberen Aabächli durchaus daseinsberechtigt.
Sie können als Überbleibsel der frühen Wasserversorgung von Siebnen und
Umgebung als Kulturgut bezeichnet werden.