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Im Durchschnitt alle acht Jahre wechseln heute Herr und Frau Basler ihren Wohnsitz. Alle kennen also die Mühen, die damit verbunden sind. Und mancher mag sich fragen: Wie viel aufwendiger war es wohl früher, als es noch keine Lifte und keine praktischen Kartonschachteln gab? Ein Rückblick auf abenteuerliche Zeiten. Der Möbeltransport ist die älteste Sparte, in der die Firma Settelen tätig ist. Bereits bei der Firmengründung 1883 war Julius Settelen Besitzer eines Möbelwagens, der rege im Gebrauch war. Die Wohnungen im ausgehenden 19. Jahrhundert waren zwar wesentlich sparsamer eingerichtet als heute und die Menschen zogen etwas seltener um. Aber im Zuge des rasanten Stadtwachstums während der 1890er Jahre herrschte in Basel eine lebhafte Nachfrage nach Möbeltransporteuren. Der Geschäftszweig florierte. Zusammen mit seinem Bruder Ernst übernahm Julius Settelen den Betrieb der Witwe Martha Herdener im Jahre 1892. Damit erweiterte die Firma ihren Möbeltransport-Fuhrpark um vier weitere Möbelwagen. Zur Jahrhundertwende besass Settelen bereits sechs grossrädrige Stadtwagen, vier kleinrädrige Bahnmöbelwagen und zwei Möbelkoffer für internationale Aufträge.
Damals wurden Möbel und Hausrat für lokale Transporte in zum Teil gepolsterte Holzkisten verpackt, die auf einen von Pferden gezogenen geschlossenen Möbelwagen geladen wurden. «Zum Verpacken von Glasgeschirr, Uhren, Flaschen etc.» stellte Settelen schon in jener Zeit «geeignete Kisten und Körbe zur Verfügung». Ein «kleiner», lokaler Umzug (ein Möbelwagen, zwei Pferde und zwei Packer für einen halben Tag) kostete um 1900 rund Fr. 30.‒. Teurer wurde es, wenn mehr als fünf Zentner Holz oder Kohle sowie Kassenschränke und Flügel, die nur durch Fenster transportiert werden konnten, zum Umzugsgut gehörten.
Die Polsterung der Holzkisten war notwendig, weil die Strassen noch nicht geteert waren. In der Regel waren sie gepflastert oder wiesen einen Makadam-Belag auf. Das Verkehrsaufkommen war zwar noch gering und Unfälle selten. Aber bisweilen widerfuhr auch einem perfekt geplanten Transport etwas Unvorhergesehenes.
So ereignete sich im Herbst 1904 in Münchenstein ein derart aussergewöhnlicher Zwischenfall, dass die Presse darüber berichtete. Von der «Gruthgrube» kam «ein Steinwagen gefahren. Der Knecht des Steinfuhrwerks versuchte, den Radschuh unterzulegen. Da dem des Weges kommenden Möbelfuhrwerk der Firma Settelen ein Ausweichen vor dem daherstürmenden Steinwagen unmöglich wurde, folgte ein furchtbarer Anprall. Ein Pferd des Möbelfuhrwerks wurde von der Deichsel des Steinwagens buchstäblich durchbohrt und blieb tot auf dem Platze. Die Knechte blieben unverletzt» (National-Zeitung, 6. 11. 1904). Leider ist zu diesem Vorfall nur die kurze Zeitungsnotiz erhalten. Wann der Umzug schliesslich abgeschlossen werden konnte, ist nicht dokumentiert.
Hingegen ist das sprichwörtliche Fluchen eines Fuhrmanns im Juli 1923 belegt, als eine Familie aus Basel ihren Wohnsitz nach Allschwil verlegte. Eine Tochter erinnerte sich 60 Jahre später: «Der Möbelwagen vom Settelen kam, Hausrat, Möbel und weiteres wurden aufgeladen und los ging's - mit der ganzen Familie drauf. Wir Kinder freuten uns natürlich sehr, denn nach Neuallschwil, aus der Stadt, wohnen gehen, war für uns der Begriff: Wir ziehen aufs Land! […] Nach dem Abschwenken von der Baslerstrasse in den Schützenweg, auf der Höhe des jetzigen Hauses Nr. 3, blieb der mit zwei Pferden bespannte Möbelwagen stecken und machte, trotz Hü und Ho und fluchen des Fuhrmannes, keinen Wank mehr. Der Fuhrmann musste an die Türkheimerstrasse zum Settelen zurücklaufen, um zwei weitere Pferde zu holen, was eine gute Stunde dauerte. Dann ging's, und wir kamen ca. nachmittags um ein Uhr am Schützenweg an …» (Allschwiler Wochenblatt, 10.6.1983).
Obwohl Settelen bereits 1919 für Fr. 36'000.- den ersten Automöbelwagen, einen Saurer 5 AD erwarb, setzte er bei Stadtumzügen noch lange Zeit Pferde ein. Motorisierte Möbelwagen kamen vor allem bei «Fernumzügen» zum Einsatz, die aufgrund der uneinheitlichen Strassenverkehrsgesetzgebung der Schweiz bisweilen ausgefallene Tücken hatte.
1926 erledigte Settelen einen grösseren Umzugsauftrag in den Kanton Graubünden, der sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegenüber Motorfahrzeugen nicht sehr aufgeschlossen zeigte. So verkündete der Regierungsrat am 17. August 1900: «Das Fahren mit Automobilen auf sämtlichen Strassen des Kantons Graubünden ist verboten.» Dabei blieb es für ein Vierteljahrhundert. Denn neun Mal lehnten die Stimmbürger des grössten Schweizer Kantons an der Urne die Aufhebung des Verbots ab! Erst die 10. Abstimmung am 21. Juni 1925 beendete (mit 11 318 zu 10 271 Stimmen) die auto- und motorradlose Zeit. Normal waren die Zustände aber immer noch nicht. Denn vorerst durften im Kanton Graubünden nur Personenwagen und Motorräder, aber keine Lastwagen frei umherfahren. Deshalb musste der Settelen-Umzugswagen im bündnerischen Rheintal den Motor ausschalten und Pferde vorspannen. Erst Ende 1927 musste Graubünden nach einem Bundesgerichtsurteil (Gleichstellung aller Bürger vor dem Gesetz) sein kurioses Verbot aufheben.