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Viele Erfindungen beruhen auf zufälligen Beobachtungen.
Durch das Erlebnis eines amerikanischen Wissenschaftsjournalisten wurde zwar nicht das Lachen erfunden – es hat aber wesentlich dazu beigetragen, dass dieses merkwürdige menschliche Gehabe intensiv erforscht wurde und wird.
„Stellen Sie sich vor: Sie sitzen in Günther Jauchs „Wer wird Millionär?“ auf dem unbequemen Hocker und es trennt Sie nur noch eine Frage von dem Millionengewinn.
Entweder Sie beantworten sie richtig und klemmen sich das Köfferchen unter den Arm – oder Sie verlieren alles.
Die letzte Frage lautet: Was ist Gelotologie?
Ein gewisser Eckhart Freise wusste, dass es sich dabei um die die Wissenschaft des Lachens handelt und wurde so in diesem Quiz zum ersten Gewinner überhaupt.“
Darf ich mich vielleicht mal irren? – Danke.
Diese Anekdote habe ich lange Zeit in meinen Lach-Seminaren erzählt. Das tu ich nicht mehr; denn ich musste feststellen, dass ich einer Falschinformation aufgesessen bin.
(Falls es Sie interessiert wie die Frage tatsächlich lautete, die Herrn Freise zum ersten Quiz-Millionär machte: „Mit wem stand Edmund Hillary 1953 auf dem Gipfel des Mount Everest? Mit A: Nasreddin Hodscha, B: Nursay Pimsorn, C: Tenzing Norgay, D: Abrindranath Singh?“ – Freise tippte auf Tenzing Norgay. Bingo.)
Was kümmerts die Gelotologie?
Der Wissenschaft ist es herzlich egal, was ich über sie erzähle. Wichtig im Zusammenhang mit meinen Lach-Seminaren ist lediglich, dass das Lachen – diese überaus phänomenale Ausdrucksweise des Menschen – weltweit erforscht wird und dass ich bei meinen Auftritten jeweils eine Handvoll dieser Erkenntnisse zum Besten gebe. Ich bediene mich bei den Fachleuten aus verschiedenen Bereichen der Medizin, der Psychologie, der Psychophysiologie, der Neurobiologie und der Soziologie. Verweise auf philosophische Abhandlungen und historische Einordnungen runden die Sache ab.
Eine Spondylarthritis ist nicht zum Lachen.
Aber diese entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule hat entscheidend dazu beigetragen, dass die Erforschung des Lachens voran getrieben wurde: Der Wissenschaftsjournalist Norman Cousins war anfangs der Siebzigerjahre daran erkrankt. Er litt unter sehr starken Schmerzen und musste sich mit der betrüblichen Prognose der Ärzte auseinandersetzen, die ihm eine Überlebenschance von 1:500 in Aussicht stellte. Als Mittfünfziger war das für ihn nicht das, was er sich unter einem lebenswerten Leben vorstellte
Norman Cousins
Um die Ecke denken.
Norman Cousins war ein neugieriger und kreativer Mensch. Er kannte wissenschaftliche Berichte, in denen der unheilvolle Einfluss von negativen Gemütszuständen auf das innersekretorische System des Menschen beschrieben wurde.
So versuchte er den bemerkenswerten Umkehrschluss:
Er brachte sich systematisch zum Lachen, indem er sich lustige Filme vorführen liess (er war Fan der Marx Brothers) und witzige Texte und Cartoons konsumierte.
Dabei stellte er bald fest, dass seine Schmerzen weitgehend nachliessen, nachdem er etwa zehn Minuten lang intensiv gelacht hatte. Ausserdem konnte er danach mindestens zwei Stunden problemlos schlafen.
Tschüss Spital!
Um sich seiner selbst erfundenen Therapie ungestört hingeben zu können, vermied er fortan jegliche Spitalaufenthalte und beschallte sein Zuhause mit seinem Gelächter. Dabei bemerkte er zusätzlich, wie sehr die Umgebung Therapierfolge beeinflussen kann und wie die Spitalatmosphäre ihm beständig bestätigt hatte, wie krank er doch sein.
Kleiner Exkurs: Gute Ideen sind ansteckend.
Diese Erkenntnisse wurden später von Hunter Doherty „Patch“ Adams aufgegriffen. Adams brachte den Humor in die Heilstätten und gründete in West Virginia das „Gesundheit! Institute“.
Eine Gesundheitseinrichtung mit ausgefeiltem Humor-Konzept, wo die Räumlichkeiten betont wohnlich gestaltet waren und die Ärzteschaft und das Pflegepersonal Clown-Kurse und Akrobatik-Trainings besuchten… – das hatte es bis anhin nicht gegeben.
Das Konzept wurde schon bald nachgeahmt: 1991 wurde im Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien CliniClowns-Austria gegründet, auf der Kinderdialysestation fanden die ersten Clownv-Visiten in Europa statt. Bald darauf wurden auch in anderen Ländern spezifische Aus- und Weiterbildungen entwickelt und angeboten
Dr. Hunter Doherty „Patch“ Adams
Die Forschung merkt auf.
Norman Cousins wollte seine subjektive Erfahrung „von aussen“ bestätigt haben und und so unterzog er sich regelmässig spezifischen Tests zur Ermittlung des Entzündungsgrades (im Bereich der Wirbelsäule).
Dabei wurde festgestellt, dass es nach jeder einzelnen Lachkur zu einer signifikanten Abnahme der Sedimentationsrate kam. Ein sensationelles Resultat!
Das trat eine wahre wahre Welle von Experimenten, Forschungsprojekten und Studien los; verschiedene Disziplinen steuerten Beiträge zur Verständnis des Lachens bei.
Man kann’s auch übertreiben.
Man wusste schon bald, dass Lachen – nebst Entzündungen und Schmerzen lindern – auch den Stoffwechsel und das Immunsystem günstig beeinflusst.
Doch einzelne überenthusiastische Laien-Gelotologen behaupteten sogar, dass man mit Lachen auch HIV-Infektionen und Krebs wirksam begegnen könne. Was mittlerweile klar widerlegt ist.
Aber: Wer mit einer solchen Krankheit leben muss und dennoch ab und zu Grund zum Lachen findet, hat wohl schon ziemlich viel begriffen.
Um Ihnen die Recherche zu ersparen:
„Gelotologie“ leitet sich aus dem Griechischen ab. Geloion bedeutet Witz / Komik, Gelos heisst Lachen.
Weltweit beschäftigen sich rund 200 Forschende mit dem Lachen.
Sie beschäftigen sich erklärtermassen mit den körperlichen und psychischen Aspekten des Lachens.
Der Psychiater William F. Fry, der 1964 hat an der Stanford-University erstmals über die Auswirkungen des Lachens auf die körperlichen Vorgänge geforscht. Er prägte auch auch den Begriff Gelotologie.
Wissenschaftlich Forschung findet in der Regel den Weg in die Praxis. Als therapeutische Anwendung gelotologischer Erkenntnisse gelten die sogenannten Humor-Therapien oder Lachtherapien.
Das könnte irgendein marmornes Mannsbild sein, es soll sich aber um den griechischen Gott Gelos handeln.
Humor-Therapie – ein Beispiel:
Die Paradoxe Intervention ist eng mit der Humor-Therapie verbunden.
Es handelt sich dabei um verschiedene psychotherapeutische Methoden, die in scheinbarem Widerspruch zum therapeutischen Ziel stehen, die aber tatsächlich dazu gedacht sind, dieses Ziel zu erreichen.
Eine Bekannte war nicht in der Lage, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen.
Sie litt unter der Befürchtung, sich während der Fahrt durchfallartig in die Hosen machen zu müssen.
In einer psychotherapeutischen Sitzung forderte die Therapeutin sie auf, sich genau das, was ihr so Angst machte, möglichst detailliert vorzustellen und zu beschreiben.
Sie versetzte sich also in die Situation, in einem vollbesetzten Bus zu sitzen – der Möglichkeit beraubt, aussteigen zu können.
Als sie so weit war, dass sie das warm-nasse Gefühl zwischen den Pobacken, den durchdringenden Gestank und die Reaktion der anderen Fahrgäste präsent hatte, führte die Therapeutin sie in die Übertreibung:
Die Bekannte musste in ihrer Vorstellung die Situation eskalieren lassen. Die Brühe lief ihr den Beinen entlang auf den Boden und drang aus dem Hosenbund.
Und zwar nicht nur ein bisschen, sondern in Schwällen und unaufhörlich; so dass nach und nach der ganze Boden des Busses bedeckt war und der Scheisse-Spiegel im Fahrzeug so sehr zu steigen begann, dass irgendwann mal nur noch die Köpfe der Fahrgäste aus dem unappetitlichen Vollbad guckten.
Das war der entscheidende Moment, in dem die Leidensgeschichte eine neue Wendung nahm:
Der Anblick in dieser imaginierten Situation war so überaus schrecklich und gleichzeitig absurd, dass ihr Verstand – unter Vollstress – die Reissleine zog und die ganze Not sich in einem wahrhaft erschütternden Lachanfall entlud.
Ein solches Lachen hat verschiedene Phasen, der entscheidende Dreh aber war, dass sie zum ersten Mal über sich und ihre irrationale Angst lachen konnte.
Von da an konnte ihr Problem mit herkömmlichen Methoden der Verhaltenstherapie angegangen werden.
Heute benutzt sie öffentliche Verkehrsmittel so wie Sie und ich.
Dass sie einmal – nach Abschluss der Therapie – in einem Zug unauffällig „einen fahren gelassen“ hat, bezeichnet sie mittlerweile lachend als Highlight.
Das macht Sinn.
Diese Episode bestätigt eine These der Gelotologie:
Eine der Funktionen des Lachens sei, auf physiologischer Ebene Stress abzubauen. (Stresshormone werden u.a. durch die Verbrennungsprozesse in den Muskelzellen umgewandelt und abgebaut. Wenn wir heftig lachen, sind – je nach Quellenangabe – zwischen 200 und 300 Muskeln beteiligt.)
Wenn die Gelotologie sich austauscht.
Listig ausgelegte Scherzartikel, lustig gekleidete Menschen, heitere Sprüche allenthalben und eine ansteckend fröhliche Atmosphäre.
So möchte man sich einen Humorkongress vorstellen.
Glauben Sie mir: dem ist mitnichten so. Ein flüchtiger Blick in den Saal, ein paar oberflächlich wahrgenommene Wortfetzen – und Sie könnten sich genau so gut an einer Tagung für Schrauben-Normierungen wähnen.
Erst das genauere Studium der gelisteten Beiträge macht Lust, auf einem Klappstuhl Platz zu nehmen. Hier als Beispiel das Programm 2022 der Association for Applied and Therapeutic Humor (AATH) in den USA:
• Geist, Albernheit und Wissenschaft: Schnittpunkt von spielerischem Einssein und Neurotheologie
• Relevante Fragen des therapeutischen Humors
• Humor-Ressourcen für die Personalabteilung: Praktische Tools für den modernen HR-Profi
• Die Formen, Funktionen und Marotten des Humors in der Krankenhausmedizin
• Lebe glücklich: Die 5 glücklichen Gewohnheiten, um Ihr bestes Leben zu leben
• Echtes Lachen vs. falsches Lachen: Würde das echte Lachen bitte aufstehen?
• Beziehungsfusion: Die 5. Dimension des therapeutischen Humors
• Verrücktheit heilen mit Humor, Hunden und ganzheitlicher Medizin
• Ein Strampler, ein Tutu und 3 Dinge, die ich als trauernder alleinerziehender Vater gelernt habe
• Unsere Welt mit Lachen verändern
Wollen Sie sich den Kopf voll machen?
In diesem Blog (2) gehe ich auf die Erkenntnisse ein, die die Gelotologie bezüglich der Wirkungen des Lachens auf den Körper liefert. Wohl bekomm’s!
Zum Schluss eine unbedingte Empfehlung.
Sie scheinen sich ja wirklich für die Gelotologie zu interessieren.
Warum sonst hätten Sie bis hier hin lesen sollen?
Zur Vertiefung empfehle ich Ihnen diesen hervorragenden Dokumentarfilm:
„Tierisch lustig – Die Wissenschaft vom Lachen“ (ARTE 2014)
Der Neurobiologe Robert Provine untersucht das Lachen aus verhaltenswissenschaftlicher Sicht und beschreibt dessen emotionales und soziales Potenzial.
Jan van Hoof, der Pionier der Beobachtung des Lachens bei Schimpansen, und Marina Davila Ross, Verfasserin einer vergleichenden Studie des Lachens bei Grossaffen, berichten von ihren Forschungen.
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Wenn Sie bis jetzt einen Bogen um "Meditation" gemacht haben, aber dennoch immer wieder mal mit leichtem Interesse darauf geschielt haben:Dieser...
Benutzerprofil, Bewegungsprofil, Kundenprofil, Täterprofil, Kompetenzprofil...Von all dem haben wir alle wohl schon mal gehört. Aber...