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Fuocoammare
Regie: Gianfranco Rosi
Mitw.: Samuele Pucillo, Maria Costa, Francesco Paterna, Giuseppe Fragapane, Pietro Bartolo, Maria Signorello, Francesco Mannino, Mattias Cucina u.a.
Ursprünglich hatte der italienische Regisseur Gianfranco Rosi auf Lampedusa einen zehnminütigen Kurzfilm über die Situation der Flüchtlinge auf der Mittelmeerinsel, die seit Jahren zum Sinnbild einer gescheiterten Migrationspolitik geworden ist, drehen wollen. Bald aber erkannte Rosi, dass die Situation auf dem Eiland, das für die Ankommenden eine «Insel der Hoffnung» darstellt, für einen Kurzfilm viel zu komplex ist. So blieb der 1964 geborene Regisseur schliesslich fast ein Jahr auf Lampedusa. Herausgekommen ist ein vielschichtiges Filmkunstwerk, das nicht die Geschichten der Ankommenden erzählt, sondern in erster Linie ein Opus ist, das die Sicht der Menschen zeigt, für die der Flüchtlingsstrom längst zur Normalität geworden ist. Im Zentrum steht der zwölfjährige Fischerjunge Samuel, dessen Sehprobleme zur perfekten Metapher werden für eine Situation, die erst bei genauem Hinschauen das ganze Ausmass der Katastrophe offenbart. Für Gianfranco Rosi ist das aktuelle Flüchtlingsdrama die grösste Tragödie seit dem Zweiten Weltkrieg, und mit dem Filmtitel «Seefeuer» verweist er auf ein Lied, das von jener Zeit handelt. Im Film wünscht sich eine Tante Samuels das Lied vom Moderator eines lokalen Radiosenders; es soll Gott besänftigen, damit er schönes Wetter schickt – was sowohl den lokalen Fischern als auch den Flüchtlingen zugutekommt. An der diesjährigen Berlinale gewann «Fuocoammare» den Goldenen Bären; Jurypräsidentin Meryl Streep übergab Rosi die Trophäe mit den Worten, sein Werk sei das «Herz des Festivals». Bereits mit seinem vorherigen Film «Sacro GRA» hatte Rosi den Hauptpreis an einem der weltweit wichtigsten Festivals gewonnen. Das war 2013 in Venedig, wo er für seinen eigenwilligen Dokumentarfilm über Menschen, die an einer Ringautobahn ausserhalb Roms leben, mit dem «Goldenen Löwen» ausgezeichnet wurde. «‹Fuocoammare› ist ein akkurater, schockierender, schmerzhafter Film, ein Meisterstück des modernen Kinos.» Giona A. Nazzaro, Katalog Visions du Réel