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David Albahari (RS)
Geboren 1948 in Serbien, lebt seit 1994 in Kanada. (2010)
Bibliografie (Auswahl):
Ludwig
Schöffling & Co. Verlag, 2009
Ludwig
Schöffling & Co. Verlag, 2009
David Albahari ist ein Erzählvirtuose: Seine lakonischen Kürzesttexte sind von einer so grossen poetischen Kraft und Prägnanz, dass sie sich dem Leser gleichsam ins Gedächtnis tätowieren. Die Romane dagegen sind furiose Sprachstrudel, kühne Monologe, die sich um so komplexe Themen wie Identität und Erinnerung drehen und dabei die kritische Auseinandersetzung mit Serbien nicht scheuen. Der Roman «Ludwig» enthält die Suada eines namenlosen Schriftstellers. Es geht um Plagiatsvorwürfe, Autorenneid, Verrat, aber auch um das literarische Schaffen im Realsozialismus.
Auszug aus «Ludwig»
Er allein, behauptete Ludwig, habe in einer majestätischen Anstrengung den Lauf und den Rhythmus unseres Geistes verändert, so wie er alleine in einer nicht weniger majestätischen Anstrengung unsere Prosa von den Fesseln des Provinzialismus befreit, sie aus der Isolation der verschlafenen Kleinstadtmentalität hinausgeführt und auf den Weg gebracht habe, der in den breiten Strom des europäischen literarischen Ausdrucks mündet. Ludwig mag jedoch erzählen, was er will, das Problem liegt vielmehr darin, dass ich schon lange vor ihm auf diesem Wege war, er das aber nie zugeben wollte, obwohl er wusste, was er getan hatte, er wusste genau, dass er mich wie eine Dampfwalze in voller Fahrt zerquetscht, aus mir einen klebrigen Fleck auf ebendiesem Weg gemacht hatte.