Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03331.jsonl.gz/1881

Im oberen Teil des Dorfes, inmitten des Friedhofs, steht die Kirche Santo Stefano aus dem 12. Jahrhundert mit romanischem Glockenturm. Der einschiffige Kirchenraum mit rechtwinkligem Chor weist interessante Fresken aus dem 16. Jahrhundert in spätgotischem Stil auf, die 1970 restauriert wurden (Kreuzigung mit der Madonna und Heiligen, Apostel, Ecce Homo, Geburt Christi, Drei Könige, Majestas Domini, Kirchenväter, Evangelisten). Die Figur der heiligen Katharina am Triumphbogen stammt aus dem Jahr 1479.
Die Muttergotteskapelle geht auf das 17. Jahrhundert zurück und enthält Fresken der Verkündigung und der Karmel-Madonna. Es wurden auch Freskenfragmente aus dem 12. Jahrhundert hervorgeholt.
Zu Füssen der Kirche steht ein Beinhaus aus dem 15. Jahrhundert mit schlecht erkennbaren Fresken.
Der Ritus der Anflehung der Apostel
Die uralte Tradition, die Apostel um ihre Hilfe anzuflehen, ist im Tessin mit einigen romanischen Kirchen verknüpft, im Tessin vor allem Santo Stefano al Colle in Miglieglia. Diese besondere Gebetsform blieb jenen Schwangeren vorbehalten, die Anlass hatten, das leibliche oder geistige Wohl des Kindes in Gefahr zu wähnen. Sie begaben sich also in die Kirche, in deren Apsis sich ein Fresko der zwölf Apostel befand. Die Frau erhielt zwölf Kerzen, die sie vor jedem einzelnen der abgebildeten Apostel anzündete. Dann wurde die heilige Messe gelesen, gefolgt von Litaneien der Heiligen. Die Frau und ihre nächsten Verwandten begleiteten das langsame Abbrennen der Kerzen mit ihrem Gebet. Der Apostel, vor dem die Kerze zuletzt erlosch, bestimmte den Namen, der dem neugeborenen Kind zu geben war.
Dieser Volksbrauch wurde wahrscheinlich auch in den Kirchen San Vigilio in Rovio, San Remigio in Corzoneso und San Bartolomeo in Croglio gepflegt. In einigen Kirchen wurden Wachsspuren und Rauchflecken vor den Apostelbildern gefunden.
Der Ritus der Anflehung der Apostel (apostolare) war bis gegen das Jahr 1950 ziemlich verbreitet. Es scheint, dass noch heute junge Frauen nach Miglieglia gehen und dort die Apostel um eine Schwangerschaft und deren glücklichen Verlauf bitten.