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Apple lässt nicht nur seine Produkte wie das iPhone und das iPad in China bauen, sondern hat auch entdeckt, dass das Milliardenreich zum potenziell grössten Absatzmarkt werden könnte. Ein Smartphone-Marktanteil von 9,3 Prozent im ersten Quartal 2011 und ein Vertrag mit China Unicom (Zhongguo Lianhe Wanglu), Nummer 2 im Land der Mitte, ist dem Unternehmen wohl zu wenig, weshalb der Chief Operating Officer (COO) Tim Cook bei einen seiner seltenen Besuche seine Schritte jüngst auch zur staatlichen China Mobile Ltd. (Zhongguo Yidong) lenkte.
Wachstumsmarkt
Was im Einzelnen besprochen wurde, darüber schwiegen sich beide Unternehmen laut 'Wall Street Journal' (WSJ) aus, aber wie Chinas Marktführer bestätigte, ging es ums iPhone. Apple derweil liess wissen, dass man das Smartphone über so viele Betreiber wie möglich verkaufen wolle. Smartphones machten in China im ersten Quartal 2011 exakt 10 Prozent der 116 Millionen Handy-Verkäufe aus. In den USA wurden im gleichen Zeitraum 43 Millionen Mobiltelefone verkauft, 49,5 Prozent davon Smartphones. Aber China holt bei den smarten Geräten
mächtig auf und wird die USA wie bei Monitoren und LCD-Fernsehern schon geschehen, auf absehbare Zeit als grössten Einzelmarkt ablösen.
Verglichen mit dem iPhone-Run im Heimatmarkt USA und Europa hatte Apple im Oktober 2009 einen denkbar schlechten Start in China, denn am ersten Wochenende wurden in dem Milliardenreich über China Unicom damals nur gerade mal 5000 Stück verkauft. Zum Teil lag das sicherlich auch daran, dass der App Store anfangs nur in englischer Sprache verfügbar war, zum Teil an den vielen Derivaten und Grauimporten, zum Teil am hohen Preis. Während sich in den westlichen Industriestaaten die Mobilfunkbetreiber um das Smartphone der Mac-Company rissen, hat China Mobile im August 2009 die Verhandlungen abgebrochen, ohne Begründung, aber wie es hiess, war das iPhone dem Unternehmen zu teuer, ausserdem wollte Apple wohl mehr Anteile an den Einnahmen für Spiele, Musik und Video-Downloads haben.
Schwieriger Zugang
Was den Zugang für Apple in China erschwert und bei den im Sande verlaufenen Verhandlungen mit China Mobile 2009 ebenfalls eine Rolle gespielt haben dürfte, ist der nicht kompatible chinesische 3G-Standard. Abgesehen davon hat Apple mit Eröffnung des ersten Ladengeschäfts in Beijing erst relativ spät den Fuss nach China gesetzt, während andere Unternehmen wie Hewlett-Packard, Dell, Nokia, Samsung und Motorola dort schon viel früher aktiv geworden sind. Gegen deren Markenrenommee und dem chinesischer Hersteller wie HTC (Taiwan), Huawei und ZTE musste Apple erst mal etwas entgegenzusetzen haben. In preislicher Hinsicht war dies kaum möglich, nachdem die chinesischen Anbieter im chinesischen Smartphone-Markt schon mit günstigen Einstiegsmodellen für unter 150 Dollar locken.
Obwohl Apple in China bei Computern kaum etwas zu melden hat und als Nummer 4 nur etwa 8 Prozent des Smartphone-Marktes beherrscht, strömen dort täglich 40'000 Besucher in dessen Retail-Läden, viermal so viel wie in den USA. Apple-Finanzchef Peter Oppenheimer hat dies laut 'WSJ' schon Anfang des Jahres für bemerkenswert gehalten und gesagt, dass die chinesischen Mac-Läden nicht nur den höchsten Traffic, sondern auch weltweit den höchsten durchschnittlichen Umsatz aufwiesen. Das Problem ist nur, dass die gut laufenden Apple-Stores in den reichen Grossstädten am Pazifikspeckgürtel sind. Nummer 5 und 6 der chinesischen Apple-Läden sollen in den kommenden Monaten in Shanghai und Hongkong eröffnen. Je mehr das Verkaufsnetz dann auch das chinesische Hinterland erfasst, desto schwieriger wird es, die von Oppenheimer beschriebene Erfolgsgeschichte fortzuschreiben.
Analysten gehen davon aus, dass China Mobile binnen der nächsten 12 Monate einschlagen wird beim iPhone. Das genaue Timing hängt unter anderem davon ab, ob und wann der gemeinsame technische Brückenschlag gelingt. Denn für Apple gilt, sich dem von Chinas Marktführer forcierten landeseigenen TD-SCDMA-Standard (Time Division Synchronous Code Division Multiple Access) anzunähern oder darauf zu warten, bis China Mobile das in einigen Städten schon getestete TD-LTE als Mobilfunkstandard der vierten Generation vom Stapel lässt. Apple muss sich aber laut 'WSJ' sputen, denn derweil wächst die Konkurrenz aus dem Google-Android-Lager in China. (Klaus Hauptfleisch)