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Am 8. November wurde Donald Trump überraschenderweise zum nächsten Präsidenten der USA gewählt. Sowohl bei den Wahlforschern als auch bei den Buchmachern lag Hillary Clinton deutlich vorne. Noch am Vorabend der Wahl hätte man bei betfair.com seinen Einsatz mit einer Wette auf Trump mehr als verfünffachen können.
Nachdem das Wahlergebnis feststand, reichten die Reaktionen von herber Enttäuschung, Trauer und schierem Entsetzen über Ungewissheit, Apathie oder Gelassenheit bis hin zu Hoffnung, grosser Freude oder gar überschwänglichem Jubel. Die Börsen in Asien und teilweise auch in Europa reagierten zunächst mit starken Kursabschlägen, drehten dann aber relativ schnell ins Plus.
Ist dieser Börsenoptimismus gerechtfertigt? Wie wird es nach den kurzfristigen, stark emotional geprägten Reaktionen langfristig weitergehen? Kann Trump sein Wahlversprechen einlösen, das US-amerikanische Wirtschaftswachstum auf 4 Prozent zu steigern?
Studie kommt zu eindeutigem Ergebnis
Zur Beantwortung dieser Fragen hilft ein Blick in eine Studie, die im April dieses Jahres im American Economic Review veröffentlicht wurde. In dieser Studie vergleichen Alan S. Blinder und Mark W. Watson von der Universität Princeton das US-amerikanische Wirtschaftswachstum unter demokratischen und republikanischen Präsidenten. Das Ergebnis ist eindeutig. Die US-Wirtschaft wächst unter einem demokratischen Präsidenten viel stärker als unter einem Republikaner.
Hier sind die Fakten: Seit der Wahl von Harry S. Truman bis zum Ende der ersten Amtsperiode von Barack Obama betrug das durchschnittliche jährliche Wirtschaftswachstum unter einem republikanischen Präsidenten 2,54 Prozent und unter einem Demokraten 4,33 Prozent. Das bedeutet, dass die US-Wirtschaft innerhalb der normalen Amtsperiode von vier Jahren unter einem Republikaner um insgesamt 10,6 und unter einem Demokraten um 18,5 Prozent wächst. Auch in Bezug auf Beschäftigung, Arbeitslosigkeit, Aktienkurse, Reallöhne und Produktivität schneiden republikanische Präsidenten durchschnittlich schlechter ab als Demokraten.
Diese Unterschiede basieren vor allem darauf, dass unter demokratischen Präsidenten sowohl Unternehmen mehr investieren, als auch Konsumenten mehr Gebrauchsgüter kaufen. Zudem sind die Unterschiede im ersten Jahr der Amtszeit am grössten. Allerdings lassen sich die Unterschiede nicht auf bessere Ausgangsbedingungen, günstigere Trends oder einen Vertrauensanstieg zurückführen. Die Wachstumsunterschiede wurden auch nicht prognostiziert, sondern kamen vielmehr unerwartet.
Insgesamt günstigere Rahmenbedingungen
Interessanterweise lassen sich die Wachstumsunterschiede ebenso wenig durch eine "bessere" Fiskal- und Geldpolitik unter demokratischen Präsidenten erklären. Im Gegenteil. Die Fiskal- und Geldpolitik ist unter republikanischen Präsidenten stärker wachstumsorientiert als unter einem Demokraten.
Insgesamt hatten die demokratischen Präsidenten jedoch günstigere wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Sie profitierten von "günstigeren" Öl- und Produktivitätsschocks, schneller wachsenden Militärausgaben sowie einem höheren Wirtschaftswachstum in Europa. Allerdings erklären diese Faktoren auch nur etwas mehr als die Hälfte der Erfolgsdifferenz zwischen demokratischen und republikanischen Präsidenten. Offenbar machen demokratische Präsidenten in Bezug auf die Wirtschaftspolitik irgendetwas besser als Republikaner, das die Wissenschafter bislang nicht erklären können.
Gemäss dieser Studie dürfte es für den Republikaner Trump sehr schwierig werden, sein Wachstumsversprechen einzulösen. Hoffen wir, dass er die Wissenschafter eines Besseren belehrt.