Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03506.jsonl.gz/2238

Man kann Zeit haben oder sich Zeit nehmen.
Basel feiert dieses Jahr 1000 Jahre Münsterweihe. Das ältere Münster war beim Ungarensturm 917 zerstört worden.
Kaiser Heinrich II. bezahlte den Wiederaufbau und beschenkte die Kirche reich. Was wir heute als ‹unser› Münster so sehr schätzen ist allerdings nicht mehr das Heinrichsmünster, denn dieses fiel 1356 dem grossen Basler Erdbeben zum Opfer.
Streuber, Wilhelm Theodor, Die Stadt Basel, historisch-topographisch beschrieben, Basel 1854, vor S. 269 (Originalbild ca. so gross wie eine Jasskarte).
Das Original dieser Stadtansicht hat etwa die Grösser einer Jasskarte.
Streuber, Wilhelm Theodor, Die Stadt Basel, historisch-topographisch beschrieben, Basel 1854, Frontispiz.
«Gegen disem Kloster über innerhalb den alten Stadtmauern haben die Minoriten des Franciscaner Ordens, sonst Barfüsser genannt, um das Jahr 1234. sich einen sichern Ort erwählet, allwo sie auch mit der Zeit ein überaus grosses Kloster samt einer Kirche erbauet haben, welche an Pracht, Höhe und Weite keiner Kirche der ganzen Stadt nachgibt. Denn obwol sie an einem tiefern Ort ligt, so streckt sie dennoch den Gipfel fast über alle anderen.»
Das Bild aus Josias Simler illustriert die Beschreibung von Christian Wurstisen; beide stammen aus dem Jahr 1577.
Josias Simler, De Helvetiorum Respublica, Paris 1577, S. 69: Stadtansicht aus dem Jahr 1577.
Christian Wurstisen, Epitome Historiae Basiliensis, …, Basel, 1577, S. 141 (lateinische Vorlage); Christian Wursteisens kurzer Begriff der Geschichte von Basel aus dem Lateinischen übersetzt, ubersehen und mit Anmerkungen vermehret von Jacob Christoff Beck, der Gottsgelehrtheit Doctor und Professor, auch Bibliothecarius. Basel, Basel 1757, 224–225 (dt.).
Wenn zwei Leute über die Barfüsserkirche sprechen, so wird sehr wahrscheinlich die Asymmetrie ihrer Westfassade angesprochen.
Die häufig erzählte Geschichte vom Architekten, der sich wegen der asymmetrischen Fassade aus dem obersten Fenster ebendieser gestürzt haben soll, ist historisch nirgends belegt – es handelt sich um eine urban legend.
Eine bisher vertretene Erklärung für die Asymmetrie, die sich von der Doppeltür über das grosse Fenster und die schmale Lichtscharte bis zur Dachspitze zieht, ist eine Planänderung. Demnach sollen die verschobenen Positionen durch während den Bauarbeiten erfolgte Änderungen im Plan verursacht sein, namentlich dem Entschluss die beiden Seitenschiffe unterschiedlich breit zu bauen. Diese Erklärung überzeugt nicht, weil es dafür ebenfalls keine schriftlichen Quellen gibt und sie nicht mit der baulichen Geschichte übereinstimmt.
Planänderungen mögen erfolgt sein und die beiden Seitenschiffe waren und sind tatsächlich unterschiedlich breit, doch auf die Verteilung der Öffnungen in der Fassade hatte das keinen Einfluss. Wei ein Blick auf den Grundriss der Kirche zeigt, bilden die Seitenwände des Chors, die Pfeilerreihen im Hauptschiff und die beiden Strebepfeiler an der Westfassade eine Flucht. Folglich sind sie von Anfang an geplant und genau so ausgeführt, denn der Chor wurde als erster Teil der Kirche errichtet. Für die exzentrische Position der Öffnungen in der Fassade kommen somit nur noch zwei Erklärungen in Frage: 1. Mess- oder Baufehler (oooops, da ist was schief gelaufen) oder 2. bewusste Asymmetrie.
Die zweite Erklärung überzeugt vor allem, weil gotische Bauwerke trotz ihrer geometrischen Konstruktion und formalistischen Mathematik oft und gerne asymmetrisch sind. Für die Barfüsser- oder Franziskaner ist zudem die gewollte Unvollkommenheit plausibel, denn nur Gott ist vollkommen. Oder als Gesamtkunstwerk gedacht: Der Chor als Allerheiliges ist lichtdurchflutet, symmetrisch, massiv gebaut, erhaben und erhoben, …, perfekt eben (ad maiorem Dei gloriam); das Schiff dagegen ist halbdunkel, asymmetrisch, billig gebaut, tiefer gelelgt, …, passend zur Welt und zum Menschen eben nicht perfekt.
Mehr zur Barfüsserkirche:
Fehlmann, Marc / Hofmeier, Thomas, Die Barfüsserkirche, in: Baumann & Cie, Banquiers (ed.), Basler Kostbarkeiten 39, Basel 2018; 60 S., 37 meist farbige Abbildungen, grosse Falttafel mit Plänen und Zeitstrahl.
Käuflich im Historischen Museum für 6.– CHF.
Im Unterschied zu modernen Krippen, die das gesamte Personal in einem Bild zeigen, trennt Matthäus Merian noch korrekt nach den beiden Weihnachtsgeschichten in den Evangelien nach Matthäus und Lukas.
Das Lukasevangelium berichtet von den Hirten, die aufgefordert vom Engel, das Jesuskund besuchen.
Das Matthäusevangelium berichtet von Sterndeutern/Weisen/Magiern aus dem Morgenland dem Stern von Bethlehem zur Krippe folgen und dem Jesuskund Gold, Weihrauch und Myrrhe schenken.
Zu ‹heiligen drei Königen› werden sie erst im Mittelalter umgedeutet.
Von 1874 bis 1984 trug das St. Johanns-Tor ein hohes Dach.
Immer auch interessant auf den alten Postkarten ist das Personal: Strassenwischer, ein Uniformierter mit geschultertem Gewehr und ein Velofahrer.
Diese Ansichtskarte trägt auf der Rückseite die Beschriftung «Postkarte» in acht Sprachen.
Auf der alten Ansichtskarte (Poststempel 1902) sieht das Spalentor etwa gleich aus wie heute. Mehr als das Tor selbst hat sich die Umgebung verändert.
Man erkennt das St. Alban-Tor kaum auf dieser Ansichtskarte (Poststempel 1915).
Die grössten Abweichungen zum älteren Zustand (vor 1873) oder heutigen (nach 1976) sind das hohe Dach, die riesige Uhr anstelle des Wehrerkers und der Balkon im zweiten Geschoss.