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Bischofszeller Eisenbahn-Gesellschaft
Geschichte
Das Städtchen Bischofszell an der Mündung der Sitter in die Thur gelegen musste schon wenige Jahre nach Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke Zürich-Winterthur-Romanshorn der Schweizerischen Nordostbahn feststellen, dass sie wirtschaftlich zurückblieben. Bei der Fabrik Zählung 1868, war ersichtlich das Amriswil, das zu jener Zeit zum gleichen Bezirk gehörte vom neuen Verkehrsmittel sehr profitierte.
Ein Vortrag des Pfarrer Zündel am 24.März 1869, begeisterte viele Bürger von der Idee einer Eisenbahn nach Bischofszell zu bauen. Um der Idee mehr Gewicht einzuräumen, wurden einige Bürger bei der Gemeinde vorstellig, sie möge doch eine Eisenbahnkommission zu bestellen. Das Vorhaben stiess bei der Gemeinde auf offene Ohren, die geforderte Kommission wurde bereits anfangs April von der Gemeinde bestellt. An der Gemeindeversammlung vom 9.Februar 1870 wurde beschlossen die zukünftige Eisenbahn zu Subventionieren.
Strecken Varianten
Welchen Weg soll die Eisenbahn nach Bischofszell nehmen? Erste Eisenbahn Träume aus dem Jahr1862, stellten sich noch eine Pferdebahn vor. Nun war es aber klar, es muss eine richtige Eisenbahn sein um das Städtchen zu Erschliessen.
Der Ingenieur Fritz Looser wurde beauftragt mögliche Linienführung der zukünftigen Bahnstrecke zu Projektieren.
Als mögliche Varianten schlug Fritz Looser die vollenden Strecken vor.
- Bischofszell-Sulgen
- Bischofszell-Amriswil
- Bischofszell-Gossau SG
- Bischofzell-Uzwil
- Bischofszell-Schwarzenbach SG
Von den fünf Varianten blieben noch drei Streckenvarianten im Rennen für eine zukünftige Bischofszellerbahn.
- Sulgen-Bischofszell
- Gossau-Bischofszell
- Sulgen-Bischofszell-Schwarzenbach
Die Eisenbahn nach Schwarzenbach zu führen, hätte den Vorteil ergeben das die Eisenbahn einfacher zu bauen gewesen wäre, da sie durch das Thurtal geführt hätte.
Gebaut wurde Schliesslich die Eisenbahnlinie von Sulgen über Bischofszell nach Gossau, auschlaggebend war wohl das Interesse der Nordostbahn eines Anschlusses an die Stadt St.Gallen. Zur Diskussion stand auch eine Verlängerung der Bahn von Gossau nach Herisau im Raum. Doch die Herisauer wollten lieber eine Bahn nach St.Gallen und bevorzugten deshalb den Bahnbau der Appenzeller-Bahn nach Winkeln. Ironie der Geschichte ist, dass die Strecke Winkeln- Herisau mit dem Bau der Bodensee-Toggenburg-Bahn unrentabel wurde. Und durch eine neue Strecke nach Gossau ersetzt wurde.
Finanzierung
Für den Bau der Eisenbahn wurden für jene Zeit stattliche Geldmittel benötigt. Neben öffentlichen Geldern wurden auch Geld von Banken geliehen. Private beteiligten sich nur im bescheidenen Umfang. Die Schweizerische Nordostbahn beteiligte sich mit einem Beachtlichem Geldbetrag an der Bischofszeller Eisenbahngesellschaft, denn sie hatte grosses Interesse am Verkehr nach St.Gallen. Die Vereinigten Schweizerbahnen, die die Eisenbahnstrecke Winterthur-St.Gallen-Rorschach betrieben, wollten sich nur an der neuen Bahn Beteiligen, wenn sie die Betriebsführung der Bischofszellerbahn übernehmen können.
Bahnbau
Der Bahnbau ging nicht so flott über die Bühne wie erhoffen. Es gab Rutschungen nach kräftigem Regenfall zwischen Hauptwil und Arnegg. Die Baufirma hätte die Eisenbahnlinie gemäss Vertrag am 15.Oktober 1875 an die Bahnverwaltung übergeben werden müssen.
Die Bahnlinie Sulgen-Gossau stand nicht unter dem Moratorium, den die Nordostbahn von den Bundesbehörden verfügt worden ist. Für Gründe können nur spekuliert werden, wohl ist der Streckenbau schon recht fortgeschritten gewesen und die Finanzielle Hauptlast hat Bischofszell getragen und nicht die NOB.
Die Bischofszeller Bahn wurde relativ günstig erbaut. Obwohl die Eisenbahnstrecke ein paar grössere Brücken aufweist, konnte mit einem Kilometerpreis von Fr. 169’059.- recht bescheiden daher.
Als vergleich ein paar Zahlen:
- Toggenburger-Bahn Fr.158’755.-
- Schweizerische Nationalbahn Fr. 184’173.-
- Zürich-Zug-Luzern-Bahn Fr. 187’173-
- Tösstalbahn Fr. 202’488.-
- Appenzeller Bahn Fr. 221’101.-
Die Eisenbahnlinie wurde in zwei Etappen eröffnet. Am 1.Februar 1876 wurde der Abschnitt Sulgen-Bischofszell eröffnet und das Reststück bis Gossau am 5.Juli 1876.
Betrieb der Sulgen-Gossau-Bahn
Die Bischofszeller Eisenbahngesellschaft schloss am 11.April1874 einen Betriebsvertrag mit der Schweizerischen Nordostbahn. Die Bischofszellerbahn verhandelte auch über einen Betriebsführungs-Vertrag mit den Vereinigen Schweizerbahnen, doch mit den NOB konnte man sich früher einigen.
Die Bahngesellschaft besass kein eigenes Rollmaterial. Die Betriebsführung oblag der Nordostbahn. Als der Betriebsvertrag mit der NOB auslief wurde auch überlegt, die Strecke in eigen Regie zu Betreiben wieder verworfen. Denn die Bahngesellschaft wäre in kürzester Zeit Zahlungsunfähig geworden, denn die Strecke warf keine Gewinne ab.
Das Betriebsdefizit übernahm die Gemeinde Bischofszell, bis sie es nichtweiter tragen konnte. Aus diesem Grund wurde die Bahnlinie am 29.Mai1885 für 1.5Milionen Franken an die Schweizerische Nordostbahn verkauft.
Verstaatlichung
Mit dem Rückkauf der grossen Schweizer Privatbahnen, gelangte die Bischofzellerbahn in die Hände der Schweizerischen Bundesbahnen.
Unter SBB Regie verkehrten die Züge zwischen Sulgen und St.Gallen, später wurde die Nördliche Endstation nach Weinfelden verlegt.
Die Bahnstrecke Sulgen-Gossau wurde am 15.Mai 1936 elektrifiziert. Durch geschicktes Verhandeln der Lokalen Politik, gelangte es die Eisenbahnlinie früher als geplant zu elektrifizieren. Mit der Elektrifikation erhielt Sitterdorf ihre eigene Haltestelle. Führ eine richtige Station hat es nicht gereicht. Die Haltestelle Sitterdorf wurde 1960 neu gebaut. Mittlerweile ist der Bau durch den Standardhaltestelle der SBB ersetzt worden.
Der erste Fahrplan der Strecke wies vier Zugspaare auf. Heute verkehren die Züge der SBB Regionalverkehrstochter Thurbo im Halbstundentakt auf dem Abschnitt Weinfelden-Bischofszell Stadt. Auf der restlichen Strecke verkehren die Züge nur in der Stosszeit im Halbstundentakt, ansonsten verkehrt stündlich ein Zug.
Kurz vor Betriebseinstellung
Es sah für die Linie nicht mehr gut aus. Sie stand manchmal vor dem Aus. In den 1990er Jahren wurde die Züge Teilweise durch Buse ersetzt. So verkehrten am Abend und am Wochenende Buse zwischen Weinfelden und Gossau anstelle der Regionalzüge.
Dank den Wirren um Die Selline Übernahme durch die Mittelthurgaubahn in den 90er, konnte sich die Linie halten, auch wenn sie auf der Schwarzen Liste bei den Bundesbahnen war. Nicht auf der Liste war der Abschnitt Sulgen-Bischofszell Nord, auf dem grosse Mengen an Güter befördert werden.
Noch zu ergänzen, gibt es, dass die Züge aus Bischofszell in Weinfelden über die Strecke der Mittelthurgaubahn nach Wil SG geführt wurden. Dieser Zugsumlauf wurde mit der MThB vereinbart, da die MThB dafür den Abschnitt Romanshorn-Rorschach befuhr. Wurden diese Leistungen im Maturalausgleich erbracht.