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Mehr als zwei Jahrzehnte - 1860 bis 1882 - war nichts geschehen in Sachen Befestigungsbau in der Schweiz - ausser jede Menge Planungen. Erst im Jahr 1885 nach der Eröffnung des Gotthardeisenbahn-Tunnels
beendete der Bundesrat diese Phase und löste die erste Bauetappe in Sachen Gotthardbefestigung aus. Rund um Andermatt entstanden in dieser Zeit die Forts Bühl, Bäzberg und als höchstgelegenes Werk das
Fort Stöckli.

Vorgeschichte
Erst als die Bauarbeiten der Anlagen bei Airolo dem Ende entgegen gingen, befasste sich die Befestigungskommission vertieft mit dem Raum Andermatt. Die Konzeption sah vor, dass Andermatt den Kern eines
"verschanzten Lagers" bilden sollte. Von dieser Basis aus sollten die Passsperren am Furka, Oberalp und St. Gotthard als Aussenpositionen lediglich offen gehalten werden, damit schweizerische Angriffskräfte
diese überschreiten konnten und den bedrängten Punkten zu Hilfe eilen konnten.
Für die so genannte Zitadelle Andermatt sah die Ursprungsplanung von 1885 ein Fort auf der Anhöhe Bühl vor. Von hier aus sollte das Urnerloch gesperrt werden. Bei der Detailplanung wurden weitere Bauten als
wünschenswert erachtet. Die Schöllenen und das Urnerloch sollten durch Panzertore gesichert werden. Eine Flankiergalerie bei Altkirch sollte die Südfront des Forts absichern und das durch eine Stauung der Reuss
entstehende Hindernis beherrschen. Gestützt auf eine Studie über die Angriffs- und Verteidigungsverhältnisse am Gotthard beantragten drei Majore (Affolter, Weber, Tscharner) ein zusätzliches Artilleriewerk auf der
Ebene des Bäzbergs. Diese Anlage sollte nach den ersten Plänen und dem Muster von Motto Bartola erstellt und durch eine Zufahrtsstrasse von der Schöllenen her erschlossen werden. Es entstand so ein praktisch
identisches Konzept wie in Airolo. Ein tief liegendes Artilleriewerk erfordert ausser Vorkehrungen zur Sicherung der Kommunikationen ein höher gelegenes Artilleriewerk und eine Flankiergalerie. Die Parallelen
zu den Anlagen von Airolo sind mehr als auffällig.
Wie anderen Ortes ebenso, verzögerte sich auch in Andermatt der Baubeginn aus verschiedenen Gründen. Die oben erwähnte Studie über die Angriffs- und Verteidigungsverhältnisse provozierte laufend Konzeptänderungen.
Die mit dem Konzept verbundenen hohen Kosten und die Wahl der Panzertürme für die Armierung kosteten viel Zeit. 1889 lag erst ein bereinigtes Konzept für die gepanzerten Forts Bühl und Bäzberg sowie verschiedene
Annexanlagen vor. Die Kosten dafür wurden mit 4 Mio. CHF veranschlagt. EMD-Chef Bundesrat Hertenstein (seit 1878 Chef des EMD) insistierte auf Einsparungen. Diese versuchte man zu erreichen, indem man die Werke
so bauen wollte, dass sie nur mobiler Feldartillerie Stand halten konnten. Andere suchten Einsparungen bei den Werken am Oberalp oder der Furka. Es wurde argumentiert, dass die beiden Werke bei Andermatt den
Kreuzungspunkt zweier internationaler Heeresstrassen beherrschten und so stark gebaut werden müssten, dass sie auch der schweren Belagerungsartillerie standhalten müssten. Unter dem Druck der inzwischen angespannten
militärpolitschen Lage setze sich diese Ansicht durch und die eidgenössischen Räte bewilligten einen Nachtragskredit von 6 Mio CHF für die Vollendung der Gotthardbefestigung.
Das Fort Bühl
Auftrag der Anlagen beim Fort Bühl war es, die Teufelsbrücke zu halten und notfalls deren Sprengung sicherzustellen, das Engnis Urnerloch zu sperren und mit Festungsartilleriefeuer das Urserental sowie die
Alpstrassen Gotthard, Furka und Oberalp zu decken.
Im Gegensatz zum Fort Airolo wurden aber die Anlagen des Fort Bühl weitgehend in den Fels hineingebaut. Die Waffenstellungen sprengte man heraus und verband sie tief im Berg mit einem System von Tunneln und
Kavernen. Die beeindruckende Erst-Bewaffnung bestand aus zwei 12 cm Panzertürmen für grössere Distanzen, zwei 12 cm Kugelmörsern, drei 5.3 cm Schnellfeuerkanonen in Versenk-Panzertürmen und zwei 8.4 cm Bronzekanonen
in einer Kaponniere. Die Bauzeit dauerte von 1888 - mit dem Bau des Zugangs mit einer Brücke über die Reuss - bis 1892, wobei die Armierung bereits 1891 fertiggestellt war. Die Flankiergalerie bei Altkirch wurde
parallel zum Bau des Forts Bühl errichtet.
Wie bei solchen Projekten üblich, wurden während des Baus die Pläne durch die Befestigungskommission mehrfach geändert. So wich man zum Beispiel vom ursprünglichen Plan ab, die Wasserkraft für die Maschinenanlagen
des Werks zu nutzen und wechselte zu einer mit Kohle befeuerten Maschinenanlage. Aus Kostengründen verzichtete man auch auf eine Kehlkaserne und begnügte sich mit einer einfachen Truppenunterkunft im Werk.
Die Kehlkaserne errichtete man dann in einer zweiten Bauetappe ab 1897. Diese wurde mit einem unterirdischen Gang mit einer neuen bombensicheren Unterkunft verbunden. 1904 ersetzte man die Kugelmörser durch zwei 12
cm Panzerhaubitzen 91. Auch die Nahverteidigung wurde verstärkt, in dem man die Infanterieanlagen mit 5.3 cm Fahrpanzer ergänzte.
In der Projektphase der Schöllenenbahn - welche unmittelbar vor dem Fort Bühl vorbei führen sollte - stellte die Befestigungskommission eine ganze Anzahl von Forderungen. So wurde am Nordausgang des Brückwaldbodentunnels
eine Befestigungsanlage gefordert. Ebenso wollte man, dass die vorgesehene Steinbrücke durch eine aus Eisen ersetzt wird. Schlussendlich musste die Kommission auf alle Forderungen verzichten und sich mit Minenkammern
in den zwei Brücken begnügen.
Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und dem Ausbau des Reduits wurde auch am Fort Bühl wieder aus- und umgebaut. Moderne IK-, MG- und Lmg-Stände wurden in der Felswand hinter dem Fort ausgebrochen und es entstand ein
grosses und stark befestigtes Infanteriewerk, welches mit dem Fort verbunden war. Die Festungsartillerie blieb während des Kriegs weiterhin aktiv. Das Ende kam erst 1951, als die alten Geschütze ausgemustert wurden.
Das Bühl wandelte sich von einem Fort hin zu einem reinen Infanteriewerk mit Sperrauftrag. Dazu baute man hier - ebenso wie in der Flankiergalerie Altkirch - in die ehemaligen Stände der 8.4 cm Kanonen jeweils zwei
moderne 7.5 cm Panzerabwehrkanonen 46 ein. Ergänzt wurden beide Werke im Kalten Krieg mit je einem modernen IR-Scheinwerferstand.
Die Bauarbeiten haben das ursprüngliche Aussehen des Forts Bühl stark verändert und man kann heute nur noch erahnen, wie es ursprünglich einmal ausgesehen hat. Einige Anlagenteile beim Bühl und in der Umgebung sind
noch aktiv und unterliegen somit der Geheimhaltung. Deshalb müssen wir an dieser Stelle auf eine weiterführende Chronik verzichten.

Kapitel Hauptseite
Fort / IW A8675 Bühl
Anlagen Süd
Fort / IW A8675 Bühl
Anlagen West
Fort / IW A8675 Bühl
Anlagen Ost
Anlagen in der
Schöllenen Schlucht
Infanteriewerk
A8665 Altkirch