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Prokrastination Definition
Wer kennt es nicht? Auch wenn uns eine wichtige Aufgabe bevorsteht, schaffen wir es immer wieder, diese auf den nächsten Tag zu verschieben. Stattdessen fallen uns unzählige weitere und vor allem attraktivere «To do’s» ein, welche wir dieser Aufgabe – trotz geringerer Dringlichkeit – vorziehen.
Die Rede ist von «Aufschieben». Das Phänomen, anstehende Aufgaben aufzuschieben, ist in der psychologischen Literatur unter dem Begriff «Prokrastination» bekannt und beschreibt das Verhalten, bei dem eine als wichtig betrachtete Tätigkeit nicht rechtzeitig angefangen oder nicht zielgerichtet daran weitergearbeitet wird (Fydrich, 2009). Sprachlich geht der Begriff auf das lateinische Wort «procrastinare» zurück, was so viel bedeutet wie etwas vertagen, verschieben oder hinausschieben. Dies ist u.a. der Grund dafür, dass das erläuterte Verhaltensmuster in der Umgangssprache auch als «Aufschieberitis» oder «Mañana-Problem» bekannt ist.
Aufschieben vs. Prokrastination
Obwohl diese Begrifflichkeiten eine leicht negative Konnotation aufweisen, ist das Aufschieben von Tätigkeiten nicht per se problematisch. Im Gegenteil: Unser berufliches und privates Alltagsleben zeichnet sich durch eine Vielzahl von Faktoren und Herausforderungen aus, was zur Folge hat, dass wir uns von Zeit zu Zeit zwischen unterschiedlichen Aktivitäten entscheiden und einen Teil davon vertagen müssen. Das Aufschieben von Tätigkeiten wird als flexible Handlungskontrolle verstanden und ist somit nicht primär dysfunktional (Höcker, Engberding, & Rist, 2013). Aus diesem Grund wird in der Literatur oft zwischen «Aufschieben» und «Prokrastination», also dem unproblematischen und dem pathologischen Aufschiebeverhalten, unterschieden (siehe Abschnitt «Vom gesunden Verhalten zur Pathologie»).
Arten von Aufschiebeverhalten
Grundsätzlich werden zwei Aufschiebetypen differenziert, die sich durch unterschiedliche Motive und Verhaltensweisen charakterisieren (Höcker et al., 2013):
- Avoidant Procrastinator: Personen, die eine (schwierige) Aufgabe durch passives Ver meiden nicht erledigen bzw. ihnen aus dem Weg gehen, oft aus Angst, zu versagen.
- Arousal Procrastinator: Personen, die sich durch aktives Aufschieben bis zur letzten Minute einen Motivationsschub und dadurch eine erhöhte Aktivität erhoffen.
Obwohl es Studienergebnisse gibt, die für die Unterscheidung dieser zwei Typen sprechen, wird in der Forschung momentan eher davon ausgegangen, dass es sich um zwei Ausprägungen im zeitlichen Verlauf des Aufschiebens handelt (Höcker et al., 2013).
Dahinterliegende Mechanismen
Um besser zu verstehen, was uns zum Aufschieben bewegt, lohnt es sich, einen Blick auf mögliche dahinterliegende Mechanismen zu werfen. Beim Aufschieben wird die zu erledigende Aufgabe typischerweise als aversiv empfunden. Dies u.a., weil sie negative Gefühle auslöst, sodass andere Tätigkeiten vorgezogen werden, die weniger Unsicherheit oder Angst erzeugen. Durch dieses Vermeidungsverhalten, das mit steigendem Unbehagen verbunden ist, entsteht eine Diskrepanz zwischen Handlungsabsicht und tatsächlichem Verhalten, was wiederum dazu führt, dass die Aufgabe weiter aufgeschoben wird – der Anfang einer schwer überwindbaren Negativspirale.
Auswirkungen von Aufschiebeverhalten
Das Aufschieben führt bei betroffenen Personen nicht selten zu Unzufriedenheit, Niedergeschlagenheit und anderen negativen emotionalen Reaktionen. Daneben sind auch körperliche und psychische Beschwerden denkbar. In der Folge kann das beschriebene Verhaltensmuster zu schlechteren Arbeitsleistungen, Verlängerung bzw. Abbruch von Weiterbildungen oder gar zu einem Jobverlust führen (Höcker, Engberding, & Rist, 2017).
Vom gesunden Verhalten zur Pathologie – wo liegt die Grenze?
Da das Aufschieben von Tätigkeiten ab einem gewissen Ausmass negative Auswirkungen mit sich bringen kann, wird Prokrastination – d.h. das pathologische Aufschiebeverhalten – im weiteren Sinne als eine Arbeitsstörung betrachtet (Fydrich, 2009). Eine klare Grenze zwischen dem unproblematischen und dem pathologischen Aufschiebeverhalten gibt es nicht. Als problematisch kann Aufschieben dann betrachtet werden, wenn das Verhaltensmuster trotz gravierender Folgen (z.B. Beeinträchtigung der Leistung und des physischen und/oder psychischen Wohlbefindens) über längere Zeit fortgesetzt wird (Höcker, Engberding, & Rist, 2017). Genaue diagnostische Kriterien liegen aktuell noch nicht vor – vermutlich gerade weil das beschriebene Verhaltensmuster, in seinem «gesunden Ausmass», weit verbreitet ist.