Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03333.jsonl.gz/435

Wirtschaft
Eine globale Wirtschaftsordnung statt Abschottung
Das Timing für die umfassend überarbeitete und aktualisierte Auflage des vorliegenden Buches hätte nicht günstiger ausfallen können. Die durch die neue US-Regierung ausgelöste Debatte über Protektionismus birgt eine große Chance, sich wieder intensiver mit der Bedeutung des freien Welthandels auseinanderzusetzen. Der amerikanische Präsident Donald Trump möchte US-Exporte begünstigen und Importe bestrafen, was je nach konkreter Ausgestaltung der sog. "Trump-Steuer" einen massiven Verstoß gegen geltendes internationales Recht darstellen würde und bei den Handelspartnern zu entsprechenden Gegenreaktionen führen könnte.
Das Fach- und Lehrbuch ist in drei Teile und in insgesamt 13 Kapitel gegliedert:
Im einleitenden Teil I Globalisierung der Wirtschaft geht der Verfasser davon aus, dass sich die Entstehung von Produkten und Leistungen heute nur noch ausnahmsweise einzelnen Ländern, Unternehmen oder gar Herstellungsorten zuordnen lassen und der Begriff der "internationalen" Wirtschaftsbeziehungen dieser Entwicklung immer weniger gerecht wird. "Wirtschaftsbeziehungen finden nur noch vordergründig zwischen einzelnen Ländern oder Akteuren einzelner Länder statt, tatsächlich vollziehen sie sich innerhalb einer sich immer stärker integrierenden globalen Wirtschaft …. werden damit von intraglobalen Wirtschaftsbeziehungen abgelöst" (S. 8). Eine derartige Entwicklung eröffnet Unternehmen und Volkswirtschaften neue Chancen, konfrontiert sie jedoch gleichzeitig mit neuen Risiken.
Vor diesem Hintergrund werden im Teil II Politik die politischen und ökonomischen Grundlagen der Globalisierung referiert. Zuerst werden die politischen, technisch-wirtschaftlichen und soziokulturellen Rahmenbedingungen und Erscheinungsformen der Globalisierung analysiert und die zahlreichen globalen Akteure, einschließlich der Transnationalen Unternehmen (Transnational Corporations, TNCs), zu denen auch viele kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) zählen, insbesondere die sog. hidden champions, vorgestellt. Ein weiteres Kapitel widmet sich den Fragen, aus welchen unterschiedlichen Gründen die Unternehmen in ausländische Märkte expandieren, welche Markteintritts- und Marktbearbeitungsstrategien sie dabei einschlagen und welche organisatorische und unternehmenskulturelle Implikationen sowie Konsequenzen sich für die Unternehmenssteuerung ergeben. Die Analyse der Folgen der Globalisierung rundet den zweiten Teil ab. Dabei zeigt sich, dass die rasche Zunahme grenzüberschreitender Transaktionen etliche Vorteile mit sich bringt, nicht zuletzt eine globale Erhöhung des Lebensstandards. Der Autor übersieht jedoch nicht die unterschiedlichen negativen Begleiterscheinungen der globalen Vernetzung, z. B. verlieren Grenzen ihre Schutzfunktion, alle Teilsysteme der Gesellschaft stehen unter einem permanenten Veränderungs- und Anpassungsdruck und steigende Umweltbelastungen gehen oftmals mit einem zunehmenden Wirtschaftswachstum einher. Hinzu kommen die verstärkten Aktivitäten globaler krimineller Netzwerke, eng verknüpft mit dem gesamten Komplex der Cyber-Kriminalität. Nicht zuletzt ist zunehmend zu beobachten, dass einzelne Länder, Regionen und Gruppen zweifelsohne zu den Verlierern der Globalisierung zählen. Ökonomische Ungleichheit und das Entstehen von dauerhaft Verlierern auf dem Arbeitsmarkt führen zu einer wachsenden Polarisierung innerhalb der Gesellschaft, können politische Unruhen und die Fragilität von Staaten verschärfen, den internationalen Terrorismus fördern und immense internationale Flüchtlingsbewegungen auslösen.
Der besondere Reiz dieses Lehrbuchs liegt im Teil III Globalisierung und Politik. Der Verfasser, Professor für Internationale Wirtschaftsbeziehungen und Interkulturelles Management an der Hochschule München, weist darauf hin, dass die bislang weitreichende Autonomie der Nationalstaaten im Zuge der Globalisierung zwar zunehmend eingeschränkt wird, hingegen neue internationale Gestaltungsträger und -formen an Bedeutung gewinnen. Eckart Koch unterstreicht jedoch auch die Chancen und Möglichkeiten nationaler Politikoptionen zur Beeinflussung der Globalisierung. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen steht der Entwurf einer Globalen Wirtschaftsordnung (GWO) mit drei Säulen: der Globalen Sicherheitsarchitektur, der Globalen Wirtschaftsarchitektur, bestehend aus der globalen Handels-, Wettbewerbs-, Währungs- und Finanzordnung, sowie der Globalen Nachhaltigkeitsarchitektur mit den Elementen einer globalen Sozial- und Umweltordnung. Abschließend macht der Autor zu Recht deutlich, dass die Weiterentwicklung einer solchen GWO als permanente Aufgabe der Weltgemeinschaft und deren Institutionen begriffen werden sollte. Wird dies jedoch versäumt, erstarken globalisierungsfeindliche populistische Kräfte, welche "… politische Mehrheiten erringen und versuchen werden zugunsten eines neuen Nationalismus das Rad der Globalisierung zurückzudrehen" (S. 276).
Dem Verfasser dieses Lehrbuches ist es sehr gut gelungen, die Fülle der Informationen über die komplexe Thematik der Globalisierung klar zu strukturieren, wesentliche Zusammenhänge aufzuzeigen und für alle an Wirtschaft und Politik Interessierten transparenter und damit auch besser beurteilbar zu machen. Der gut verständliche Text wird durch den Einsatz zahlreicher Tabellen, Schaubilder und Beispiele, welche die Aktualität der Thematik verdeutlichen, ergänzt. Eckart Koch ist neben seiner Hochschullehrertätigkeit als unabhängiger Gutachter und Berater für deutsche und internationale Organisationen, vorwiegend in Asien, tätig, d. h. er weiß wovon er schreibt, was zweifelsohne die Glaubwürdigkeit des vorgestellten innovativen Entwurfs des Drei-Säulen-Modells einer GWO stärkt. Damit eignet sich dieses praxisnahe Buch nicht nur für Studierende der Politik-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, sondern kann auch allen denjenigen, welche an den aktuellen politischen und wirtschaftlichen Kernfragen unserer Zeit interessiert sind, bestens empfohlen werden.