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Albert Anker (1831–1910) gehört zu den populärsten Malern in der Schweiz. Von 1860 bis 1890 verbrachte er den Winter in Paris und den Sommer meist in Ins. Wilhelm Leibl (1844–1900) hingegen war nur kurz in Paris. Der hochbegabte Akademiestudent wurde durch Gustave Courbet 1869 in München entdeckt. Darauf verbrachte er sechs Monate, von November 1869 bis kurz vor Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs, in der französischen Kunstmetropole, wo er im «Salon» seine erste Goldmedaille gewann. Ab 1873 zog sich Leibl in Oberbayern aufs Land zurück.
Obwohl sich Anker und Leibl nie begegnet sind, weisen die Wirkungsgeschichten ihrer Bauernbilder erstaunliche Parallelen auf. Beide hätten ohne ihren Erfolg an den Pariser Ausstellungen bestenfalls eine Malerei von regionaler Bedeutung hervorgebracht. Statt ihr internationales Renommee zu nutzen, um eine interdisziplinäre Rezeptionsgeschichte der europäischen Genremalerei in Gang zu bringen, liess man das Bauerngenre vielerorts zum sterilen Sehnsuchtstopos verkümmern. Aus der realen Dynamik der Gegenwart scheint kein Weg zurück in ein imaginäres Jahrhundert der Nationen zu führen. Oder doch? Welche neuen Perspektiven eröffnen Leibls und Ankers Bilder heute innerhalb dieses aktuellen Spannungsfeldes?
Der Vortrag findet anlässlich der Leibl-Retrospektive im Kunsthaus Zürich statt. Anschliessend reist die Ausstellung in leicht veränderter Form nach Wien in die Albertina.