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Renovation und Umbau Liegenschaft ‚zum gelben Haus’
Stadthausgasse 21, 8200 Schaffhausen
Allgemeines
Auf einer nicht sonderlich tiefen Parzelle liegt das Haus mit seinem Hinterhof, der wahrscheinlich noch im 19. Jh. mit Fuhrwerken befahren werden konnte. Schon im beginnenden 16. Jh. war das heute feststellbare Wohnvolumen erreicht: Ein Vorderhaus zur Stadthausgasse, seitlich im Hof angebautes Treppenhaus und mit ihm verbunden das Hinterhaus. Die Hauptfassade zur Stadthausgasse bekam ihre bis vor der eben vollzogenen Renovation kaum mehr veränderte Gestalt im ausgehenden 16. Jh. Die Fassade ist mit ihren drei Obergeschossen vierachsig gegliedert. Alle Fenster gleich gross und gleich gestaltet, wirken in ihrer Gestalt für diese Zeit als recht modern: Fenster mit einer hoch ansetzenden, einfachen Hohlkehlenabsetzung. Gleichfalls so profilierte Mittelständer. Der ebenfalls aus der Zeit stammende Erker unterordnet sich der axialen Fassadengestaltung völlig. Seine tiefe Lage gibt dem Haus einen wohltuenden Schwerpunkt. Zwei durchlaufende Simse (auf Brüstungshöhe und Fussbodenhöhe des 1. Obergeschosses) kaschierten den sonst schwerfälligen und reich geschnitzten Erker. Das Mauerband dazwischen wurde über Jahrzehnte als Reklameband verwendet. Nun wurde das obere Sims (Zementaufbau zwischen den Fenstersimsen) beim Umbau wieder entfernt, dadurch erhielt der obere Teil der Fassade wieder seine feingliedrige, ursprüngliche Eleganz.
Zustand vor den Bauarbeiten
Das grosszügige Bürgerhaus wurde, wie die meisten seiner Art, im 19. und 20. Jahrhundert stark verbaut, der Innenhof zweigeschossig mit Gewerberäumen aufgefüllt und konzeptlos mit haustechnischen Errungenschaften wie WC, Bäder und Küchen versehen. Ursprünglich von einer Familie genutzt, wohnten bald mehrere Partien im Haus. Säle wurden in Zimmer unterteilt und nur mit grossem Glück blieben die wunderbaren Decken im 2. und 3. OG und Teile der Täfer und Portale erhalten. Die Stuckdecke im EG fiel beim Umbau 1910 dem nivellierenden Gipser zum Opfer, es existiert lediglich noch eine Aufnahme.
Im Jahre 1987 sind genaue Planaufnahmen 1:50 angefertigt worden. Vor Projektierungsbeginn 2003 wurde dann der Bauzustand soweit wie möglich analysiert. Freilegungsarbeiten unter der Leitung des städtischen Denkmalpflegers sollten Aufschluss über die historische Bausubstanz geben. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse versuchten wir dann, uns ein Bild von der Liegenschaft in ihrer Blütezeit im 18. Jahrhundert zu machen.
Sanierungskonzept, Bauprojekt
Die sorgfältigen Vorabklärungen bildeten die Richtschnur für die Entwurfsarbeit. Das Bauprogramm war weitgehend offen, so dass wir unserem Wahlspruch ,im Anfang war das Haus’, nachleben konnten. Nebst einer Wohnung für die Besitzerfamilie sollten gut nutzbare Mieträume und wie bisher Verkaufs- und Ausstellungsräume des traditionellen Musikhauses Marcandella entstehen.
Eine Besonderheit des gelben Hauses stellen je zwei, die ganzen Geschossflächen im 2. und 3. Stock beanspruchenden Säle dar. Klar war, dass diese historischen Räume mit ihren wertvollen Decken entrümpelt und wieder hergestellt werden sollten. Damit fiel auch der Entscheid, die Erschliessung im Hinterhaus anzuordnen. Die Ausbildung von Treppe und Lift in den engen Verhältnissen und der Übergang vom öffentlichen ins wohnungsinterne Treppenhaus war eine besondere architektonische Herausforderung.
Auf den Ausbau des Daches in eine Wohnung wurde aus erschliessungstechnischen und finanziellen Gründen, aber auch im Hinblick auf eine Übernutzung der Liegenschaft verzichtet.
Um den 1. Stock wieder natürlich belichten zu können, ist der Hof teilweise ausgekernt worden. Eine idyllische Innenwelt mit Terrassen und Lauben sollte mitten im lärmgeplagten Stadtzentrum eine Oase mit hoher Wohnqualität schaffen.
Die äussere Erscheinung und die Veränderung im Stadtbild gibt naturgemäss am meisten zu Diskussionen Anlass. Die schlichte, aber sehr schöne Fassade verlangte nach einer zurückhaltenden, sachlichen Erdgeschosslösung. Bestehende Fenster und Haustüre waren unbrauchbar, alte Ansichten fanden sich keine und so entschlossen wir uns, die nötigen Zugänge und Schaufenster in zwei einfache Rechtecke zu fassen. Zwischen diesen Öffnungen steht der markante Erker, so wie wahrscheinlich vor 200 Jahren, wieder auf einem Stück Mauer.
Gestalterisch sollte Altes und Neues klar erkennbar sein. Ziel war es, die reichlich vorhandene historische Substanz so weit wie möglich als Ganzes zu erhalten und, wo es als zweckmässig erschien, zerstörte Teile wieder herzustellen (Decken, Täfer, Portale). Die neuen Bauteile, zum Beispiel Treppenhaus, Küchen und Sanitärräume, sind eindeutig dem Zeitgeist verpflichtet, historisierende anpässlerische Interpretationen lehnen wir ab.
Am 23. Februar 2005 wurde das Baugesuch eingereicht und am 20. Mai 2005 erfolgte die Bewilligung.
Bauausführung
Ein wöchentlicher Jour-fixe mit der Bauherrschaft Brigitte und Caro Stemmler, Architekt Hans Peter Oechsli, Denkmalpfleger Hans Peter Mathis und Bauleiter Hans Rosenast garantierte Informationsfluss und Kontinuität. Gemeinsam sind an diesem Anlass Entscheide vorbereitet und gefällt worden.
Die Bauarbeiten bedurften grosser Sorgfalt und es musste in Etappen vorgegangen werden.
Laufend waren bautechnische- und denkmalpflegerische Probleme zu lösen. Während des Umbaus zeigten sich statische Unzulänglichkeiten, und ein Stück Fassadenmauerwerk des Hinterhauses stürzte überraschend ein. Fast jede Woche kamen baugeschichtliche Hinweise und Malereien aus den verschiedensten Epochen zum Vorschein und mussten in das architektonische Konzept einbezogen werden.
Einmal mehr bewährte sich das Vorgehen, bei solchen Projekten in der Planung nur gestalterische Grundsätze und Teilbereiche wie Erschliessung und Nutzung präzise zu definieren. Innenarchitektur und Details der Ausstattung werden nur hypothetisch formuliert. So wird Flexibilität geschaffen, um auf veränderte Randbedingungen, die sich durch Überraschungen während der Bauarbeiten ergeben, reagieren zu können.
Resumé
Nach 1 1/2-jähriger Bauzeit konnte die Familie Stemmler im Dezember 2006 ihren neuen Wohnsitz beziehen. Der Laden war dank des etappenweisen Vorgehens durchgängig geöffnet. Die Stadt ist um ein lebendiges Kulturdenkmal reicher, und wertvolle Substanz von überregionaler Bedeutung konnte für künftige Generationen erhalten werden. Dass dies in der vorliegenden Qualität möglich war, ist vor allem Stemmlers, der guten Teamarbeit und der aktiven fachlichen und finanziellen Mithilfe der Denkmalpflege von Bund, Kanton und Stadt Schaffhausen zu verdanken.
Oechsli & Partner Architekturbüro
Hans Peter Oechsli, Architekt BSA