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Beim Kreuzpunkt der Englischgrussstrasse und der Wierystrasse steht die bescheidene Englischgruss-Kapelle. Über dem Kapelleneingang bemerkt man die Jahreszahl 1647, eben das Baujahr des Gotteshauses. Initiant für das Gotteshaus war K. J. v. Stockalper. Dieser initiative Briger war Initiant zu Grösstem und zu Bescheidenstem. Das Gewölbe der Vorhalle hat Alfred Grünwald um 1960 mit einer Madonna mit dem Jesuskind auf den Armen geschmückt.
Nach dem Betreten der Kapelle befinden wir uns in einem Raum, der etwa für ein Dutzend Personen Sitzplätze anbietet. Das Gebetshaus bietet sich ideal an zum Besuch von Einzelpersonen und Familien. Freudig blicken wir zum Altaraufbau, der das Werk des Giorgio Bernardi von Domodossola ist. Das Altarbild zwischen zwei schmucken Säulen malte Johann Ludolf von Sitten. Es stellt originell den Gruss des Erzengels Gabriel an Maria dar.
Von diesem Engelsgruss trägt die Kapelle ihren Namen als Englischgruss-Kapelle. Über dem Altarbild ist anschaulich der griechische Name von Jesus verewigt: JHS. Folgerichtig trägt die Glocke die Worte Ave Maria! Gegrüsst seist du Maria! Der Glockengiesser Josef Walpen von Reckingen hat sie gegossen. 1995 hat man das Englischgruss-Geläute installiert; seitdem ladet selbes das Volk täglich zum Englischgruss-Gebet ein.
Eine Legende berichtet, dass der Bischof Leudemund von Sitten ums Jahr 614 hier mit dem Bau der Gliser Kirche beginnen wollte. Doch nachts wurden die Instrumente wiederholt durch Geisterhand zum Glisacker übertragen. Aus dieser Begebenheit schlussfolgerten die Kirchbauer, dies könnte ein himmlischer Wink dafür sein, die Gliser Kirche nicht hier, sondern oben auf dem Glisacker zu errichten. Die Wierystrasse ist die direkte Verbindung zwischen der Englischgruss-Kapelle zur Gliser Kirche.
(Quelle: “Das reiche Brig-Glis” von Peter Jossen)
Aus weiteren Dokumenten
Kapelle zum Englischen Gruss
1647 (Portalsturz) wurde an der durch die Gründungslegende der Gliser Wallfahrtskirche sagenumwobenen Stelle ≪zum Kreuz≫ auf halber Wegstrecke zwischen Brig und Glis (≪pratis Glysae≫) und zugleich an der Hauptverbindung zur Rhonebrücke gegen Naters eine Kapelle errichtet. Initiator und Gönner war Kaspar Stockalper, der 1645 ein entsprechendes Gelöbnis abgelegt hatte. Spätestens 1809 war die Burgerschaft unterhaltspflichtig, und 1834 erwarb Stockalper für sich und seine Nachkommen das Patronatsrecht.
1873 oblag der Unterhalt Kastlan In-Albon, 1898 dessen Töchtern. Renovationen: 1902 Kostenvoranschlag von Ramoni und Baptista Bottini & Fils u. a. für einen neuen Turm mit Blecheindeckung. 1932, 1979, 1993/94 Instandsetzung. Fresko der Vorhalle von Alfred Grünwald. Die Kapelle steht in der spitzen Gabelung der Englisch-Gruss- und der Wierystrasse. Ihr kurzes Schiff steht zwischen einem dreiseitig geschlossenen Chor (Okulus vermauert) und einer Vorhalle. Ein Muldengewölbe deckt den mauerumfriedeten Vorhof. Über der Giebelfront offener Dachreiter mit oktogonalem Spitzhelm. Filigranes Turmkreuz aus der Bauzeit. Schieferdach, an der Chorseite gewalmt. Eine Lisenengliederung und die Tuffrahmen aller Öffnungen bilden den äusseren Bauschmuck. Im Inneren gemauertes Gewölbe mit dreikappigem Chorschluss und reichem, fünfteiligem Fächergewölbe auf trompenähnlich geteilten Eckkappen an der Eingangsseite, dazwischen Stichkappenpaar ABB. 350–352.
Ausstattung. Altar. Stockalper verpflichtete 1649 (Abrechnung des Gliser Hochaltars) den ossolanischen Bildhauer Giorgio Bernardi für den Altar und Hans Ludolff für das Altarblatt. Das aktuelle Retabel stammt aus der Antoniuskapelle. Es ist ein eingeschossiges Retabel (neuere Ölfassung) mit geradem, verkröpftem Gebälk über zwei korinthischen, gegenläufigen Spiralsaulen (italienische Herkunft?), filigranes Rankenwerk auf den steilen Säulenwindungen. Vor dem Gebälk durchbrochenes Jesus-Monogramm in geflammtem Strahlenkranz.
Gemälde: Maria Verkündigung. Glocke. 1648 Kauf einer Glocke, die Meister Lienhard einhängte. Joseph Latelding liess sie 1825 durch Joseph Walpen ersetzen. Schlagton nicht bekannt. Dm. 33 cm. Schulterumschrift, Giesser- und Stifterinschrift ≪IOSEPH WALPEN GIESER≫/≪IOSEPH LATELDING≫. Rebrankenfries, Flankenreliefs auf Schnurstab (Maria mit Kind, Joseph mit Kind, Cherubim), Jahreszahl.
Quelle: Kunstdenkmäler Bezirk Brig (Seite 259-260)