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Treibhausgasbilanz der Landnutzung
Im Landnutzungssektor werden Treibhausgasflüsse erfasst, die mit der Landnutzung (wie Forst- und Landwirtschaft, Siedlungen oder Schutzgebiete) in Zusammenhang stehen oder als Folge einer Landnutzungsänderung (z. B. Häuserbau auf vormaligen Ackerflächen) entstehen. Im Gegensatz zu den übrigen Sektoren, in denen ausschliesslich Emissionen stattfinden, kann der in Böden und Vegetation enthaltene Kohlenstoff zunehmen. Auf diese Weise wird der Atmosphäre Kohlendioxid (CO2) entzogen (sogenannte Kohlenstoffsenken).
Die Wälder dominieren die Treibhausgasbilanz der Schweizer Landnutzung. In den meisten Jahren führte die Waldbewirtschaftung zu einem deutlichen Aufbau des Gesamtkohlenstoffspeichers in Bäumen, Totholz, Streu und Waldboden («Waldsenke»). Die Zwangsnutzung nach schweren Stürmen (Vivian Februar 1990, Lothar Dezember 1999) sowie die erhöhten Erntemengen in einzelnen Jahren (z. B. 2006, 2007, 2014) sind klar erkennbar. Eine klimapolitisch sinnvolle Waldbewirtschaftung wird erreicht, wenn das zuwachsende Holz in einer Kaskadennutzung zuerst für langlebige Holzprodukte und anschliessend als Energieträger genutzt wird. In beinahe allen Jahren seit 1990 wurde mehr Holz in neuen Produkten verbaut (z. B. Bauholz oder Möbel) als dass bei der Entsorgung und/oder der Verbrennung ausgedienter Holzprodukte wieder (als CO2) freigesetzt wurde. Die Grösse der jährlichen Senke aus Holzprodukten nahm in den letzten Jahren tendenziell ab.
Die landwirtschaftliche Nutzung von Acker- und Grünland beeinflusst den Kohlenstoffvorrat in den Böden. Beispielsweise begünstigt Pflügen den Abbau von Humus, während das Ausbringen von Hofdünger oder das Belassen von Ernteresten auf den Feldern den Kohlenstoffvorrat erhöhen. Zusätzlich zur Bewirtschaftungsweise sind vor allem die angebauten Kulturen und die klimatischen Verhältnisse für die jährlichen Schwankungen mitverantwortlich. Einen Sonderfall nehmen trockengelegte ehemalige Moore ein. Diese fruchtbaren Böden setzen bei intensiver landwirtschaftlicher Nutzung hohe Mengen an den Treibhausgasen CO2 und N2O frei.
Feuchtgebiete nehmen heute nur noch einen kleinen Teil der Landesfläche ein. Da beinahe alle verbliebenen Moore durch die Folgen früherer Nutzung (v. a. Drainagen) beeinträchtigt sind, wurde der Aufbau von Torf gestoppt und aus den ehemaligen Senken sind vielerorts Treibhausgasquellen geworden.
Die Erschliessung neuer Siedlungsflächen führte seit 1990 zu vergleichsweise geringen Emissionen. Emissionen entstehen insbesondere dann, wenn bei Bauarbeiten Bäume gefällt werden müssen.
Unproduktive Flächen wie Fels, Schutthalden und Gletschervorfelder tragen wenig Vegetation und keine oder nur schwach entwickelte Böden. Diese Flächen spielen deswegen in der Treibhausgasbilanz eine vernachlässigbare Rolle.
Mit Ausnahme des Jahres 2000 hat die Landnutzung in der Schweiz bewirkt, dass Vegetation und Böden mehr CO2-Äquivalente aus der Atmosphäre aufgenommen als freigesetzt haben. Die Schweiz verminderte dadurch ihren jährlichen Netto-Treibhausgasausstoss.. Vor allem die nicht nachhaltige Nutzung ehemaliger Moorböden und der Landverbrauch für Siedlungs- und Verkehrsflächen setzen jedoch weiterhin Treibhausgase frei. Deswegen ist der Zustand nicht uneingeschränkt zufriedenstellend. Eine Bewertung der Entwicklung ist nicht möglich, da viele Faktoren (Wald- und Landwirtschaftspolitik, Raumplanung, Bautätigkeit, Stürme) die Gesamtbilanz beeinflussen können.
Da die Emissionen und Senken entsprechend den Richtlinien des IPCC berechnet werden, ist die Kohlenstoffbilanz der Landnutzung mit den Daten anderer Länder vergleichbar.
Die Daten stammen aus dem Treibhausgasinventar der Schweiz (Sektor Land Use, Land-Use Change and Forestry), welches vom BAFU jährlich gemäss den Vorgaben des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen und des Kyoto-Protokolls erstellt wird. Die Methoden entsprechen den Richtlinien des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change).
Die Treibhausgasflüsse werden für sechs Landnutzungskategorien erhoben: Wald, Ackerland, Grünland, Feuchtgebiete, Siedlungen und unproduktive Flächen. Zusätzlich wird der in Holzprodukten aus Schweizer Holz enthaltene Kohlenstoff erfasst. CO2 ist im Sektor Landnutzung das bei Weitem wichtigste Treibhausgas. Zu einem kleinen Teil tragen Methan (CH4) und Lachgas (N2O) aus Bränden, Humusverlust, Stauseen und entwässerten Moorböden zu den Emissionen bei. Die Gesamtemissionen enthalten zusätzlich zu den aufgeführten Kategorien wenige N2O-Emissionen, welche gemäss internationalen Richtlinien keiner der Kategorien zugeordnet werden. Die Emissionen von CH4 und N2O werden in CO2-Äquivalente umgerechnet und zu den CO2-Emissionen addiert.
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