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Tausende DemonstrantInnen stürmten letzten Herbst in Burkina Faso das Parlament in der Hauptstadt Ouagadougou und forderten den Rücktritt von Präsident Blaise Compaoré. Immer wieder skandierten sie dabei einen Namen: Thomas Sankara. Sankara war von 1983 bis 1987 Präsident von Burkina Faso – bis er bei einem Staatsstreich getötet wurde, der von seinem besten Freund Compaoré geleitet wurde.
In Christophe Cupelins Dokumentarfilm «Capitaine Thomas Sankara» geht es nicht um die jüngsten Ereignisse, im Mittelpunkt steht Sankaras kurze Präsidentschaft. Aus einer grossen Menge an Bild- und Tonmaterial formt der Regisseur das eindrückliche Porträt eines Staatsmanns, der auch 28 Jahre nach seinem Tod in seiner Heimat noch verehrt wird. Gerade einmal 33 Jahre alt ist Sankara, als er nach einem Staatsstreich im damaligen Obervolta an die Macht kommt. Er benennt das Land in Burkina Faso um, «das Land der integren Menschen». Blitzgescheit, charmant, engagiert, furchtlos und scharfzüngig präsentiert sich der Mann, der Imperialismus, Kolonialismus und Neokolonialismus geisselt.
Die dramaturgisch geschickt montierten Archivaufnahmen zeigen, wofür sich Thomas Sankara eingesetzt hat – Frauenrechte, bessere Einschulungsquoten, Korruptionsbekämpfung, Selbstversorgung («derjenige, der uns ernährt, zwingt uns seinen Willen auf»), Impfprogramme und Unabhängigkeit – und wie er das teilweise mit originellen Ideen erfolgreich anging.
Weil der Regisseur sowohl auf Kommentare als auch auf eine Einordnung aus heutiger Sicht verzichtet, gehen zwar manchmal ein paar Dinge zu schnell – wie war das noch mal, als Sankara von Gaddafi ein Flugzeug stahl, und warum tat er das? Trotzdem ist das Konzept überzeugend, denn die O-Töne der Kommentare und Gespräche aus alten französischen Fernsehsendungen sagen viel über die Berichterstattung von damals und den eurozentrischen Blick auf Afrika aus.
Ab 18. Juni 2015 in den Kinos.