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Guano
(Vogeldünger). Ein der Hauptsache nach aus den seit Jahrtausenden angesammelten Exkrementen von Seevögeln bestehender wichtiger Handelsartikel, der zur Düngung der Felder und Wiesen verwendet wird. Man hat viele verschiedne Sorten im Handel, die sich sowohl durch ihr Ansehen, als auch durch das verschiedne Mengenverhältnis ihrer Bestandteile unterscheiden. Diese Verschiedenheiten des G. werden bedingt einesteils durch das Alter desselben, je nachdem er den oberen oder unteren Ablagerungen entstammt, andernteils durch das Klima des Ortes; in Gegenden nämlich, wo es fast gar nicht regnet, wird der G. fast noch alle in Wasser löslichen Bestandteile enthalten, die in andren Gegenden durch den Regen ausgewaschen und fortgeschwemmt wurden, so daß nur die in Wasser unlöslichen Bestandteile zurückblieben. Es sind zwar bei fleißiger Umschau auf verschiednen Punkten der Erde solche von Seevögeln angelegte Depots aufgefunden, einzelne auch bereits rasch abgeräumt worden, aber nirgends doch ist die Masse von gleicher Güte befunden worden wie der echte peruanische G., der von den Chinchas, drei kleinen schroffen Felsinseln der peruanischen Küste kommt, wo er den Felsgrund in Schichten von teilweise 30 m Mächtigkeit bedeckt.
Diese Felsgruppe, ein Pünktchen auf dem Erdenrund, ist für den G. das, was der Johannisberg für den Wein. Ihr Produkt ist das gehaltreichste, aber eben deshalb so gesucht, daß ihre gänzliche Erschöpfung nahe bevorstehen soll. Wie man weiß, haben schon die alten Peruaner diese Düngerquelle zum Besten ihrer Maisfelder benutzt; die Spanier kümmerten sich nicht darum und die Vögel konnten seit der Eroberung ihre Sammlungen weiter bereichern. Im Jahre 1804 machte A. v. Humboldt auf diese Lager aufmerksam, indem er Proben nach Europa zum Analysieren brachte, aus denen sich der reiche Gehalt an Stickstoffverbindungen und Phosphorsäure ergab, welche den Wert jedes Düngers ausmachen.
Indes dauerte es doch bis 1842, ehe wirkliche Verschiffungen nach Europa in Gang kamen, die dann aber
bald in rascher Progression zunahmen. Die Gewinnung und Verschiffung des Stoffes hat die Natur auf den Chinchas bequem gemacht.
Die
Guanoschiffe können hart am Fuße der schroffen Felsufer anlegen und erhalten ihre Ladung durch Schlote herabgeschüttet.
Das Geschäft des Abgrabens und Verladens ist eins der widerwärtigsten durch den erstickenden und beißenden
Ammoniakgestank und Staub; es sind Chinesen, die sich zu der qualvollen Arbeit verdingen.
Die peruanische Regierung hat alle
Guanolager zum Regal gemacht und zieht daraus leicht mehr Einkünfte als aus ihren Silberminen.
Es werden auf den Chinchas jährlich etwa ½ Mill. Tons abgebaut und nach einer vor ein paar Jahren veröffentlichten
Bekanntmachung der peruanischen Gesandtschaft in London hätten die Inseln noch soviel Vorräte gehabt, daß sie bei gleichem
Verhältnis der Wegnahme noch auf 20 Jahre vorhalten würden; alsdann kämen die noch unberührten südlicher befindlichen
Lager, nämlich die von Bahia de la Independencia, Santa, Guadelupe, Malabrigo und die sehr reichhaltigen
auf den Lobosinseln an die Reihe. Dagegen ist es freilich schon jetzt so gut wie ausgemacht,
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daß die Lager der Chinchas bis auf einen geringen Rest erschöpft sind, und es wird auch behauptet, daß sich an der ganzen
peruanischen Küste kein Stoff von gleicher Güte mehr vorfinde. Die vorzugsweise gute Qualität des peruanischen G. beruht
darauf, daß es in dem ganzen Küstenstriche vom 2.-21. südlichen Breitengrade niemals regnet, weil
die hohe Andenkette die Regenwolken nicht hinüberläßt. Es gibt dafür im Jahre nur zwei Nebelmonate. Es sind auch auf
dieser ganzen Strecke die Bedingungen für die Anhäufungen von G. die nämlichen; derselbe Fischreichtum der See, dieselben
Myriaden grauer
Guanovögel und überall auf Felsen und in Buchten der Küste Rast- und Brutstätten
mit
Guanolagern.
Die Qualität dieses Festlandsprodukts mag indes wohl geringer sein wegen vielen Flugsandes, den die Landwinde hinzuführen,
und außerdem sind die Lager häufig ganz unzugänglich oder könnten nur mit ungeheuren Schwierigkeiten und Kosten abgebaut
werden. Der G., den die andern beiden Küstenstaaten, Bolivia und Chili, in den Handel bringen, steht
schon dem peruanischen an Qualität nach, mag aber doch, namentlich der bolivische, oft als peruanischer gehen. Dem Äußern
nach ist der echte Peru
guano eine lehmgelbe oder bräunliche, teils erdig krümliche, teils in Klumpen zusammengebackene
Masse von scharfem Ammoniakgeruch und salzigem Geschmack.
Seine wirksamen Bestandteile sind Stickstoffverbindungen und Phosphorsäure, letztere in Verbindung mit
Kalk und Magnesia. Der Wert aller
Guanosorten wird nach ihrem Gehalte an Stickstoff und Phosphorsäure bestimmt. Der Gehalt
des Stickstoffs (in Form von Ammoniaksalzen, Harnsäure, Guanin) ist äußerst schwankend und wechselt selbst in guten Sorten
zwischen 5 und 14% und fehlt in manchen Sorten fast ganz. Guter trockner Peru
guano enthält 12-14% Stickstoff
und 8-12% Phosphorsäure.
Häufig wird auch aufgeschlossener Peru
guano offeriert, welcher ganz wie Knochenmehl einen gewissen Zusatz von Schwefelsäure
erhalten hat. Hierdurch ist der sonst im Erdboden sehr langsam lösliche neutrale phosphorsaure Kalk in Gips und leicht löslichen
sauren phosphorsauren Kalk (Superphosphat) umgewandelt worden, welcher eine sofort zur Aufnahme bereite
Pflanzennahrung bildet. Dieser aufgeschlossene Peru
guano ist jetzt gebräuchlicher, als der rohe.
Nächst dem Peru
guano sind noch als stickstoffhaltige aber minderwertige Sorten zu erwähnen, der Lobosguano, Ischaborguano
(von einer kleinen Insel an der Südwestküste Afrikas), der ägyptische G. und der nicht mehr im Handel
vorkommende Angamos
guano. Unter denjenigen Guanosorten, welche nur kleine Mengen oder gar keinen Stickstoff mehr enthalten,
die dagegen außerordentlich reich an Phosphorsäure sind, spielt die Hauptrolle der Baker
guano von der Bakerinsel im stillen
Ozean; er erscheint als erdige, lehmfarbige geruchlose Masse. Andre diesem ähnliche Sorten sind: Saldanhabay
guano, Jarvisguano,
Bolivia
guano, Sombrero
guano etc. Der Wert dieser Sorten richtet sich nur
nach dem Phosphorsäuregehalt und da sie fast stets mittels Schwefelsäure in Superphosphat umgewandelt
werden, auch nach den
Prozenten an löslicher Phosphorsäure. (Vergl. Superphosphate. -
Da Verfälschungen des G. mit wertlosen Stoffen nicht selten sind, so empfiehlt es sich, diese Ware vom Verkäufer
unter Garantie des angegebenen Gehaltes an Stickstoff und Phosphorsäure zu kaufen und eine Probe untersuchen zu lassen. -
Peru
guano muß an trocknen Orten aufbewahrt werden, da er leicht Feuchtigkeit anzieht. Der Verbrauch von G. aller Art ist
ein sehr bedeutender und mit jedem Jahre steigender. Gewohnheitsmäßig führen die Namen G. auch einige
andre Düngemittel, die nicht aus Vogelexkrementen bestehen, so Fischguano, Walfisch
guano, Granatguano. -
Die Peru-Guanoeinfuhr in Deutschland ist Monopol der Firma Ohlendorff u. Co. in Hamburg, bezw. von englischen Firmen, die Einfuhr abnehmend des hohen Preises wegen; echter Peru bis 60 Mk. pro 100 kg; zur Erhöhung der Wirksamkeit verkauft man gemahlenen und aufgeschlossenen G., Guano-Superphosphat, um 2-6 Mk. teuerer. Die europäische Zufuhr war am größten im Jahre 1856 mit 324 Mill. kg und 1870 mit 522 Mill. kg. -
G. aller Art ist zollfrei.