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Jagen ist nicht «natürlich»
Führt ein Reh das bessere Leben als ein auf der Weide gehaltenes Rind? Ist Wildern verwerflich? Darf man Bären-Probleme schiessend aus der Welt schaffen? Gibt es überhaupt eine haltbare Begründung, ein Tier zu töten? Der Ethiker Klaus Peter Rippe sucht nach Antworten.
Nein, aktiv habe er keine Erfahrungen mit der Jagd: «Aber ich habe Erfahrungen mit Jägern», meint der Ethiker Klaus Peter Rippe schmunzelnd. In seiner Kindheit habe sich im örtlichen Jagdrevier einst ein 16-Ender-Hirsch herumgetrieben. Der dortige Jäger, vom Fieber gepackt, habe diesen zur Strecke gebracht und voller Stolz auf der Ladefläche seines Autos durchs Dorf transportiert. Die fällige Busse für den unerlaubten Abschuss und die Kosten für das Ausstopfen des Hirschkopfs hätten dazu geführt, dass die Jägersfrau im Krämerladen von Rippes Eltern anschreiben lassen musste. Der Philosoph, so kriegt man den Eindruck, hegt Sympathien für den Typus Weidmann, obschon er dessen von Ritualen und Brauchtum durchsetztes Tun analytisch hinterfragt – und manches Argument für die Jagd als widersprüchliche Selbstrechtfertigung entlarvt. So sieht er in den Jägern keine «Anwälte der Wildtiere»: «Ein Anwalt treibt seine Klienten nicht durch die Gegend, um sie schliesslich abzuschiessen.» Jäger seien, wenn überhaupt, Anwälte eines ökologischen Gleichgewichts. Die Jagd in der Schweiz sei Teil eines Ressourcenmanagements, das mitunter die Ansprüche von Land-, Forst- und Tourismuswirtschaft umfasst.