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Risiko- und Gefahrenkarten für die ganze Schweiz
1. Risikokarten virtueller Lawinenbulletins (in Beta-Testphase!)
Durch Klick auf eines der Lawinenbulletins unten links erscheint rechts die dem Lawinenbulletin entsprechende Risikokarte. Anschliessend kannst du dich mit der Maus frei durch die ganze Schweiz bewegen.
Legende
Das Lawinenrisiko wird mit den folgenden Farben symbolisiert:
- Tiefes Risiko: Um die Darstellung nicht zu überladen, wird mit Transparenz und nicht mit grün gearbeitet.
- Erhöhtes Risiko: gelb und orange.
- Hohes Risiko: rot. Bei sehr hohem Risiko geht rot in schwarz über.
Jedem Farbwert ist ein relativer Risikowert im Bereich von [0.0057..44.4726] zugeordnet. Das relative Risiko von 1.0 entspricht dem durchschnittlichen Risiko, das von der Skitouren-Comunity eingegangen wird. Das Risiko wird hier deshalb als "relativ" bezeichnet, da nur zwischen verchiedenen Punkten verglichen werden kann. Jemand, der sich an einem Punkt aufhält, der bereits ins "schwarz" kippt, trägt ein ca. 20-40 faches Risiko im Vergleich zu jemandem, der einen Punkt mit durchschnittlichem Risiko aufsucht. Der Übergang zwischen den Farbkategorien liegt bei den folgenden relativen Risikowerten:
- 1.1: Übergang zwischen tiefem und erhöhtem Risiko. Wenn sich die ganze Skitouren-Comunity ausschliesslich unterhalb dieser Schwelle bewegen würde, könnten 80% der Unfälle vermieden werden.
- 2.9: Übergang zwischen erhöhtem und hohen Risiko. Wenn sich die ganze Skitouren-Comunity ausschliesslich unterhalb dieser Schwelle bewegen würde, könnten 60% der Unfälle vermieden werden.
Den Risikowerten sind die Farben gemäss dem folgenden Farbverlauf zugeordnet:
Benutzung
Wozu dienen die Risikokarten? Die Risikokarten kommen in erster Linie während der Skitourenplanung zu Hause (Phase 1) zur Anwendung. Im Einzelhang (Phase 3) muss eine umfassende Beurteilung der Lawinensituation erfolgen. Diese kann zwar das in den Risikokarten enthaltene Wissen miteinbeziehen, muss sich aber auch auf die Schnee- und Lawinenverhältnisse im Einzelhang stützen. Eine derartige Beurteilung erfordert Ausbildung und Erfahrung.
- Wähle die Risikokarte so aus, dass sie möglichst gut mit der Lawinensituation in deinem Gebiet übereinstimmt. Dazu vergleiche die Gefahrenstufe und die Kernzone (kritische Höhen und kritische Expositionen) aus dem aktuellen Lawinenbulletin mit den angebotenen virtuellen Lawinenbulletins. Wähle dasjenige Lawinenbulletin aus, das am besten passt. Es kann sein, dass keines der angebotenen Lawinenbulletins gut passt. Ziehe im Zweifelsfall das gefährlichere virtuelle Lawinenbulletin bei. Falls du dich bereits "Vor Ort" (Phase 2) oder im Einzelhang (Phase 3) befindest, kannst du die Gefahrenstufe auch mit dem Nivocheck 2.0 bestimmen. Die Anwendung des Nivocheck 2.0 will allerdings gelernt sein.
- Lege deine Route so, dass du rotes und schwarzes Gelände sicher meidest.
- Wo immer möglich sollte deine Route auch gelbes und oranges Gelände meiden.
- Falls deine Route zwingend durch gelbes und oranges Gelände führt, dann sollten die entsprechenden Abschnitte wenigstens nicht zu lange sein.
- Hinterfrage die Ergebnisse der Tourenplanung zu Hause immer mit deinen eigenen Beobachtungen im Gelände.
Angenommen du möchtest die Risikokarten an einem anderen Ort, als den Oberalppass vergleichen, dann kannst du dies durch Angabe von x- und y-Koordinaten im Link erreichen. Benutze dazu die LV03-Koordinaten (altes Koordinatensystem). Beispiel: Der Link https://www.skitourenguru.ch/index.php/services/172-riskmap?x=700000&y=145000 führt zu den Koordinaten 700'000/145'000.
Willst du wissen, wie die Risikokarten entstehen? Dann lese weiter über das Modell V2.0 von Skitourenguru. Wenn du mehr zur im Modell V2.0 verwendeten Quantitativen Reduktionsmethode (QRM) wissen willst, dann kannst du dir auch das Paper Quantitative Risk Reduction Method (QRM), a data-driven avalanche risk estimator zu Gemüte führen.
Einschränkungen
Die Risikokarten unterliegen einigen Einschränkungen:
- Die Karten repräsentieren in erster Linie das Risiko eine Lawine auszulösen und dadurch einen Mitriss von Personen zu verursachen.
- Fernauslösung ist durch das Modell abgedeckt. Da aber wenig gesicherte Daten zur Fernauslösedistanz vorliegen, unterliegen die Modelle Unsicherheiten. Dies gilt insbesondere auch für die Fernauslösedistanz in Abhängigkeit der Gefahrenstufe. Dass bei höherer Gefahrenstufe grössere Fernauslösedistanzen möglich werden, liegt zwar auf der Hand, kann aber mit Daten nicht wirklich belegt werden.
- Spontanlawinen standen bei der Modellierung nicht im Fokus. Dies gilt auch bei Gefahrenstufe 4 (gross). Bei Gefahrenstufe 4 (gross) sind Spontanlawinen zwar wahrscheinlich, dennoch stellen auch bei dieser Gefahrenstufe Lawinenauslösungen durch Personen das mit Abstand grösste Problem dar. Insgesammt sind maximal 5 % der Todesopfer auf Spontanlawinen zurückzuführen.
- Das Risiko reagiert recht sensitiv auf die Gefahrenstufe. Dies gilt insbesondere für den Bereich zwischen mässig (2) und erheblich (3). Es wird deshalb empfohlen immer auch diejenige Karte anzuschen, die auf einer höheren Gefahrenstufe basiert.
- Die Daten und Modelle unterliegen schwer quantifizierbaren Unsicherheiten.
- Die Daten und Modelle befinden sich noch bis Ende des Winters 2018/19 in einer Beta-Testphase
2. Statische Gefahrenkarte
Die obigen Risikokarten basieren auf einer statischen Gefahrenkarte. Diese Karte drückt aus, wie geeignet das Gelände für Lawinenauslösungen ist. Neben der Hangneigung werden auch Hanggrösse, Hangform und Bewaldung berücksichtigt. Der entsprechende Algorithmus lehnt sich konzeptionell an der kanadischen Skala ATES an, unterscheidet sich aber in wesentlichen Implementierungs-Details. Wichtig zum Verständnis ist, dass immer eine weitere Umgebung eines spezifischen Punktes berücksichtigt wird, um festzulegen, inwieweit der Punkt geeignet ist, um Lawinen auszulösen.
Legende
Den Farben kommen die folgenden Bedeutungen zu:
- Transparent: Keine Lawinengelände
- Grün: Atypisches Lawinengelände
- Blau: Typisches Lawinengelände
- Rot: Sehr typisches Lawinengelände
Benutzung
Die Karten zeigen auf, inwieweit ein Punkt im Gelände grundsätzlich für Lawinenauslösungen geeignet ist. Die aktuelle Schnee- und Lawinensituation wird hier jedoch nicht berücksichtigt. Die Karte kommt v.a. dann zur Anwendung, wenn wenig gesicherte Information zur aktuellen Schnee- und Lawinensituation vorliegt. Während der Skitourenplanung kannst du deine Route so legen, dass sie rotes und blaues Gelände möglichst meidet. Hinterfrage die Ergebnisse der Tourenplanung zu Hause immer mit deinen eigenen Beobachtungen im Gelände.
Willst du wissen, wie die Gefahrenkarte erzeugt wird? Dann lese den Artikel zur Avalanche Terrain Exposure Scale (ATES). Noch mehr Details findest du im ISSW-Paper Method for an Automatized Avalanche Terrain Classification.
3. Datengrundlage
Die Berechnung der beschriebenen Karten basiert auf den folgender Datengrundlage:
|Nummer||Daten||Beschreibung||Quelle|
|1||swissALTI3D||Höhenmodell der Schweiz (10 m Auflösung)||© Swisstopo|
|2||swissTLM3D||Bodenbedeckung der Schweiz (Bewaldung)||© Swisstopo|
|3||OSM||OpenStreetMap (Wege und Strassennetz)||© OpenStreetMap|
|4||Lawinenunfälle||Datensatz zu Lawinenunfällen der Schweiz (2001-2017)||© Winterberichte SLF|
|5||GPS-Tracks||Datensatz von real begangenen Skitouren||© Skitourenguru, © Gipfelbuch|