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(Nelken, Näglein, lat. Caryophylli, frz.
girofles, engl. cloves, ital. garoffoli).
Dieses Produkt der heißen Zone kam schon im Mittelalter durch Vermittelung der Araber und Venetianer als beliebte Handelsware
nach Europa und galt für ein Erzeugnis Indiens, bis die Portugiesen nach ihrer Entdeckung des Seeweges dahin die Molukken,
die Gewürzinseln par excellence, als die engere Heimat des Nelkenbaums kennen lernten. Aus den Händen
der Portugiesen gingen die Inseln und das Monopol des Handels mit ihren Gewürzen in die der Holländer über, welche, um
ihre Ware hoch zu halten, den Anbau auf Amboina und Ternate beschränkten und auf den übrigen Molukken die Bäume ausrotten
ließen, aber es doch nicht hindern konnten, daß später (1770) von Franzosen Bäume oder Samen weggebracht
und der Anbau nach französischen Kolonien, den Inseln Bourbon und Mauritius, sowie nach Cayenne in Südamerika verlegt wurde.
Auch die Engländer haben Pflanzungen auf einigen Punkten ihrer ostindischen Besitzungen (Singapore, Pulo Penang etc.)
angelegt. In neurer Zeit hat sich der Anbau noch über die ostafrikanische Insel Zanzibar verbreitet
und ergibt dort große Mengen von Ware, etwa 7 Mill. Pfund jährlich. Es sind demnach gegenwärtig ostindische, afrikanische
und amerikanische Nelken im Handel; die erstere Sorte ist die beste. Sie wird nach der Insel Amboina, der größten der Molukken
benannt und von der holländisch-ostindischen Handelsgesellschaft in den periodischen Warenauktionen
zu Amsterdam, Rotterdam etc. verkauft.
Diese Nelke ist schön lang und voll, mit wenig Bruch. Die Ware von Zanzibar, etwas dunkler von Farbe und magerer, ist die
zweitbeste; sie kommt über London und ist häufig im Handel. Cayenne- und Bourbonnelken sind noch kleiner
und ölärmer als vorige; sie gehen nur in den französischen Häfen ein. Die Nelken bestehen aus den unentwickelten, getrockneten
Blüten des Gewürznelkenbaumes (Caryophyllus aromaticus), ein schöner immergrüner Baum von mäßiger Höhe, zur Familie
der myrthenartigen Gewächse
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mehr
gehörend, ähnelt in seiner Belaubung dem Lorbeerbaum, und gewährt namentlich zur Blütezeit, wenn das glänzende Dunkelgrün
der Blätter mit den reichen Blütenbüscheln mit ihren fleischigen roten Kelchen und weißen Blütenköpfchen durchsetzt
ist, einen prächtigen Anblick. In den Blütenkelchen ist das stark aromatische, auf der Zunge brennende Öl, das dem Baume
eigentümlich ist, am reichlichsten enthalten; man pflückt daher die Blütenbüschel noch im Knospenzustande, räuchert
sie auf geflochtenen Matten über schwachem Feuer etwas und läßt sie dann an der Sonne vollends abtrocknen, worauf die
Kelche von den gablig verzweigten Stielen getrennt werden.
Durch das Räuchern erhalten die Näglein ihre mehr oder weniger dunkle braunrote Farbe. Die Erntezeit
fällt in die Monate Oktober bis Dezember. Auf Amboina, dem Hauptsitz der Kultur, werden alljährlich etwa ¼ Mill. kg Nelken
gewonnen. Die Pflanzungen sind dort in Gärten oder Parks geteilt und Aufsehern unterstellt; ein Baum gibt 2½-3, manchmal
auch 10 kg. Die Güte der Ware im Handel bemißt sich nach ihrem Ölreichtum:
gute Ware muß schwer und voll, ohne Schrumpfung und holzige Trockne, vielmehr biegsam und weich sein und das zwischen den
Kelchzipfeln sitzende, aus den unaufgeblühten Blumenblättern bestehende Köpfchen noch haben, weil dies zur Konservierung
des Ölgehaltes dient. Deshalb sind auch Bruchstücke geringwertiger als ganze Nelken. Ist die Ware gut,
so muß durch Drücken mit dem Nagel reichlich Öl zum Vorschein gebracht werden können. Wo die Köpfchen fehlen, ist auch
der Ölgehalt schwach, und es ist sogar möglich, daß solcher Ware schon ein Teil des Öls durch Destillation entzogen worden
ist. - Als Nebenprodukte von weniger Bedeutung kommen noch die Blütenstiele (Nelkenstengel, Nelkenstiele,
Fusti) und die getrockneten Früchte des Nelkenbaums im Handel vor.
Beide sind weit weniger gewürzhaft als die Nelken. Die zerkleinerten Stiele finden sich gewöhnlich den geringern Sorten
der Nelken zugemischt, und unter gemahlenen Nelken, die in den meisten Fällen Mischware sind, mögen
sie meistens stark vertreten sein. Für sich benutzt man sie zur Bereitung einer geringern Sorte von Nelkenöl, ferner zu
Likören, Parfümerien etc. ebenso wie die noch weniger bedeutenden Früchte, die unter dem Namen
Mutternelken (Anthophylli) bekannt sind. Diese werden kurz vor der Reife gesammelt und getrocknet, sind 1½-2½
cm lang, eiförmig, auf dem Scheitel mit den 4 Kelchzipfeln besetzt, auf der Oberfläche fein runzlich, von schwärzlicher
oder graubrauner Farbe und enthalten einen einzelnen länglichen braunen Fruchtkern. Außer dem reichlich vorhandenen ätherischem
Öle enthalten die Nelken noch Eugenin und Caryophyllin als charakteristische Stoffe. - Zoll s.
Tarif Nr. 25 i sowie die Anm. zu Nr. 25 i.