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2015 hielten die Nationalräte und Nationalrätinnen 3768 Parlamentsreden. Bei den teilweise hitzigen Debatten wurden nicht nur eigene „Parteifreunde“ unterstützt, sondern auch die Meinungen der „Parteigegner“ angegriffen. Beim Rating der zehn umstrittensten Nationalräte und Nationalrätinnen ist die Schweizer Volkspartei mit insgesamt sechs Nationalräten gut vertreten. Dies verdanken sie vornehmlich ihren Parteigegnern.
Während den vier Sessionen 2015 wurden mehrere tausend Reden von den Mitgliedern des Nationalrats gehalten. Die Themen waren breit gefächert. Es wurde unter anderem über Steuern, Altersvorsorge, Asylgesetz, Aussenwirtschaftspolitik wie auch Schutz vor Sexualisierung im Kindergarten und Primarschule debattiert. Diese Inhalte polarisieren und beim Argumentieren wird häufig, mit Namensnennung, aufeinander eingegangen. Zudem wurden von den Parlamentariern Motionen eingereicht, die nicht nur Zuspruch, sondern auch Angriffsfläche bieten. Die folgende Tabelle zeigt nun diejenigen Nationalräte und Nationalrätinnen, die in den Reden ihrer Nationalratskollegen und Nationalratskolleginnen am meisten erwähnt wurden.
Auf Platz eins ist Daniel Vischer von den Grünen. Daniel Vischer besetzte zudem im August 2015 Platz eins im Rating der besten Rednerinnen und Redner im Parlament. Er wird vermehrt von seinen „Parteigegnern“ erwähnt, was als Grüner Nationalrat und somit sehr links positioniert nicht überrascht. Daniel Vischer hielt auch verhältnismässig viele Reden, 58 an der Zahl. Beispielweise setzte er sich 2015 vergeblich gegen das Nachrichtendienstgesetz ein, das insbesondere eine Beeinträchtigung der individuellen Freiheit zugunsten des Landesinteresses bedeutet. Platz zwei teilen sich drei Nationalräte mit je 103 Namenserwähnungen. Thomas Matter als Finanzfachmann und Säckelmeister der SVP hielt sich bei seinen Reden „fachtreu“. Am häufigsten äusserte er sich zur Finanzmarktinfrastruktur. Sein Parteikollege Hans-Jürg Fehr sprach dagegen über das Asylgesetz, die Armee und reichte eine Motion zur Verschärfung des Jugendstrafgesetzes ein und löste damit Reaktionen bei seinen Ratskollegen aus. Roland Fischer von der Grünliberalen Partei äusserte sich ganze zehnmal zur Weiterentwicklung der Armee, zu diesem Gesetz stellte er auch einen Minderheitsantrag. Dies stiess natürlich bei seinen „Parteigegnern“ auf Widerstand. Adrian Amstutz ist Fraktionschef der SVP und befindet sich ebenfalls im Top-10 Rating der besten Parlamentsredner und Parlamentsrednerinnen, allerdings auf Platz zwei. Maya Graf sticht mit einem besonderen „effizienten“ Resultat bezüglich Aufmerksamkeitsgenerierung heraus. Sie ergriff 2015 bloss zwölfmal das Wort, wurde aber 83 Mal von ihren Nationalrats-Kollegen genannt. Dies zeigt auch, dass es nicht auf die Anzahl selbstgehaltenen Reden angkommt, wie oft man von seinen Ratskollgen und Ratskolleginnen genannt wird. Was beim Rating der meist erwähnten Nationalräte und Nationalrätinnen auf den ersten Blick auffällt, ist das Verhältnis der „Parteifreunde“ und der „Parteigegner“ bei den sechs SVP Nationalräten, das sehr zugunsten der „Parteigegner“ ausfällt. Bei den „Mitte- und Linksparteien“ ist dieses Verhältnis ausgeglichener. Dies wird auch bei der folgenden Grafik nochmals sichtbar.
Diese Grafik zeigt die Nationalräte und Nationalrätinnen im Spannungsfeld zwischen „Parteifreunden“ und „Parteifeinden“. Die Grösse der „Bubbles“ stellt die Anzahl der Reden der einzelnen Parlamentarier dar. Die SVP-Nationalräte und –Nationalrätinnen tummeln sich in der Nähe der „Parteigegner“- Y-Achse , während sich die Nationalräte und Nationalrätinnen der SP und der Grünen mehr auf der „Parteifreunde“-X-Achse ausbreiten. Noch deutlicher wird der Unterschied der Links- und Rechtsparteien, wenn die Mitte-Parteien „weggeklickt werden“. Diese Grafik bestätigt nun den oben erahnten Trend, nämlich, dass die Schweizer Volkspartei im Unterschied zu den Links-Parteien ihre Parteifreunde wenig mit Namensnennungen unterstützt. Umso mehr werden sie allerdings von ihren „Parteigegnern“ angesprochen. Beim Rating der am meisten von „Parteigegnern“ genannten Nationalräte und Nationalrätinnen ist allerdings auch Daniel Vischer von den Grünen Spitzenreiter, dicht gefolgt von Hans-Jürg Fehr und Adrian Amstutz. Das Rating bezüglich der „Parteifreunde“ gewinnt ebenfalls Daniel Vischer, den zweiten Platz besetzt Susanne Leutenegger-Oberholzer von der SP und Platz drei Maya Graf von den Grünen. Die folgende Grafik zeigt nun noch einen Überblick zu den Namensnennungen der Nationalräte und Nationalrätinnen der einzelnen Parteien von den Links- Mitte und Rechts-Parteien.
Diese Grafik zeigt, dass die Schweizer Volkspartei mit den meisten Sitzen und der höchsten Redenanzahl [950] gemeinsam mit der Lega die Nationalräte und Nationalrätinnen der gegnerischen Parteien sehr gemässigt attackieren. Am häufigsten wird wenig überraschend die SP von den Rechts-Parteien erwähnt. Im Gegensatz sind die Nationalräte und Nationalrätinnen der Links-Parteien und auch die Mitte-Parteien viel aktiver bei der Nennung ihrem rechten „Parteigegner“. Mit dieser Grafik wird das Bild der zahmen SVP, die im Vergleich wenig austeilt, allerdings um so mehr einstecken muss nochmals deutlich erkennbar. Auch wird erneut ersichtlich, wie wenig die SVP im Vergleich zur SP oder GPS vom eigenen Lager befürwortet werden. Demnach spart die Schweizer Volkspartei ihre Angriffslust lieber für ihre Arbeit ausserhalb des Parlaments auf und hält während den Sessionen zahm die Füsse still.
Daten: Parlamentsreden 2015
Info zur ersten und dritten Grafik:
Bei der ersten und zweiten Grafik wurde ebenfalls diese Einteilung der Parteien verwendet. „Parteifreunde“: Die eigene Partei und die Parteien des eigenen Lagers „Parteigegner“: Die Parteien der zwei gegnerischen Lager
Bei der letzten Grafik wurden links, mitte, rechts wie folgt zusammengefasst:
links: SP und GPS
mitte: BDP, FDP, CVP, GLP und EVP
rechts: SVP und Lega
Autorin: Marina Abbas | <email-pii>| 12-739-330
Veranstaltung: Forschungsseminar Politischer Datenjournalismus (Herbstsemester 2015)
Dozierende: Prof. Dr. Fabrizio Gilardi, Dr. Michael Hermann und Dr. des. Bruno Wüest
Abgabedatum: 17. 4. 2016
Wörter: 810 (exkl. Infobox)