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«Schweizer Bauer»: Was merken Sie von der Abschaffung der Milchkontingentierung in der EU am 1. April dieses Jahres?
Max Hager: Wir merken es vor allem an den stark gesunkenen Milchpreisen. Seit gut einem Jahr ist der Preis um rund einen Viertel abgesackt. Während wir im Januar 2014 noch fast 40 Cent pro kg Milch erhielten und vor einem Jahr im Juli immerhin noch etwa 36 Cent, bekommen wir in diesem Juli nur noch etwa 29 Cent pro kg. Es gibt aber auch Milchbauern, welche diesen Frühling nur noch 26 Cent erhalten haben.
Haben die alten Milchquoten noch eine Bedeutung, oder kann jeder so viel melken, wie er will?
Die Entwicklung ist je nach Molkerei sehr unterschiedlich. Unsere Molkerei Lactalis etwa hat die Milchmenge nicht stark ausgeweitet. Wir können nach wie vor nur unsere alte Quote von rund 800'000 kg pro Jahr melken. Andere Molkereien wie Terrena etwa haben die Milchmenge stark ausgeweitet. Dort spielt es eigentlich keine Rolle mehr, wie gross das Kontingent zuvor war. Hier sind viele Betriebe als Gesellschaften organisiert. Bei Terrena kann der erste Gesellschafter 400'000 kg und jeder weitere 300'000 kg melken. Betriebe mit vier Gesellschaftern, die bisher vielleicht 600'000kg pro Jahr gemolken haben, können jetzt auf einmal 1,3 Mio. kg melken.
Gibt es auch ein System der Segmentierung wie in der Schweiz?
Nein, ein übergeordnetes System gibt es nicht. Jede Molkerei macht, was sie will. Bei unserer Molkerei Lactalis gilt einfach die alte Quote als Lieferrecht. Wenn wir mehr melken, dann bezahlen wir eine Busse, oder die Molkerei kommt die Milch nicht mehr abholen. Terrena hingegen hat ein System mit A- und B-Milch. Danone gar ein System mit A-, B- und C-Milch. Für die C-Milch gibt es nur den Weltmarktpreis.
Dann muss jeder Milchbauer für die Mengenausweitung der anderen büssen?
Ja, denn auch die Milchbauern, welche die Menge nicht ausdehnen, erhalten wegen den anderen einen tieferen Milchpreis. Es gibt zudem einen Trend zur integrierten Produktion. Das bedeutet, dass man Dünger, Futter und so weiter beim gleichen Konzern kaufen muss, dem man die Milch liefert. Dafür bekommt man mehr Lieferrecht. Dann kommt noch ein anderes Problem dazu, für das die Milchbauern nichts können.
Welches Problem sprechen Sie an?
Ein paar Milchhändler haben Preisabsprachen getroffen. Die Kartellkommission hat denen nun grosse Bussen aufgebrummt. Das hat auch Konsequenzen für die Bauern. Wir dürfen die Milch nicht mehr in möglichst grossen Produzentenorganisationen bündeln. Dadurch wird unsere Position noch weiter geschwächt.
Wie sieht die Perspektive aus?
Kurzfristig gar nicht gut. Die grossen Molkereien haben enorm in Milchpulverfabriken investiert. Weil die Chinesen nicht wie erwartet Milch kaufen, gibt es einen Überschuss auf den Märkten. Weil aber diese Fehlinvestitionen in nun nicht gebrauchte Pulvertürme abgeschrieben werden müssen, wird der Preisdruck noch erhöht. Es wird eine neue Welle der Strukturbereinigung geben. In der Milchkrise 2009 hat sich damals in Frankreich im Schnitt jeden Tag ein Bauer das Leben genommen.
Zur Person
Max und Blanca Hager sind 1998 aus Kaltbrunn SG nach Frankreich ausgewandert und haben zunächst einen Milchviehbetrieb in der Normandie mit 400'000 kg Milchkontingent und 55ha Land übernommen. 2009 zog die Familie mit mittlerweile 7 Kindern weiter nach Süden nach Moisdon-la-Rivière im Departement Loire-Atlantique. Hier betreiben sie zusammen mit ihrem Sohn Peter einen Betrieb mit 800'000 kg Milch und 200 ha Land. sam