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Sicher: Die Monarchen üben heute in England nur noch eine repräsentative Funktion aus. Dennoch sind sie aus dem Alltag der traditionsliebenden Briten nicht wegzudenken. Beispiel? Der 29. April 2011 wird ein nationaler Feiertag sein. Es ist der Tag der Vermählung von Prinz William und Kate Middleton.
Wie konnte das britische Königshaus die Jahrhunderte so unbeschadet überdauern? Dies liegt wohl letztlich daran, dass häppchenweise demokratische Elemente ins politische System integriert und so revolutionäre Umwälzungen verhindert wurden.
Klar ist, dass sich das System und damit die Rolle der Krone enorm gewandelt hat. Während der König vor 800 Jahren das Parlament zu sich in den Westminster Palace einlud, wird die die Rolle des Gastgebers heute vom Parlament wahrgenommen:
Das Parlament im Königspalast
Bis 1532 war das heutige Parlamentsgebäude Hauptresidenz der Könige. Nachdem sich King John 1215 unter dem Druck des revoltierenden Adels mit der Magna Charta einverstanden erklärte und dadurch den Baronen politische Mitbestimmung zusicherte, tagte im Palace of Westminster erstmals das Parlament. In seiner Urform, dem „Great Council“, fungierten Adlige und Geistliche als königliche Berater. Unter King Edward III, hielten im Jahr 1327 neu auch Commons (Nicht-Adelige) Einzug in den Palace of Westminster. 1547 erhält das House of Commons erstmals einen permanenten Tagungsort: Die kleine St. Stephens Chapel dient den Commons bis zum verherenden Brand des Old Westminster Palace (1834) als Austragungsort ihrer Debatten. Nach dem Brand wurde nicht ein neues, modernes Parlamentsgebäude geschaffen: Der New Palace of Westminster wird als neugotischer Bau (optisch zur benachbarten Westminster Abbey passend) auf dem selben Grund wie der alte Palast errichtet.
Die Königin im Parlamentsgebäude
Mit der Einweiung des neuen Palace of Westminter wurde der Grundstein für eine neue Tradition gelegt: Seit 1852 wird die Krone jedes Jahr zur Eröffnung der neuen Session geladen (State Opening). Zu diesem Anlass verliest die Königin eine von der Regierung geschriebene Rede. Sie beinhaltet die Legislaturplanung und einen Rückblick der letzten Session. Obwohl rein formell, gilt dieser Habitus als wichtiges zeremonielles Ereignis im parlamentarischen Kalender und erfreut sich jedes Jahr zahlreicher Zuschauer am Fernsehen und im Internet.
Der Anlass folgt einem festen Muster: Die Queen wird an diesem Tag (i.d.R. im November oder Dezember) von der Household Cavalry aus dem Buckingham Palace zum Palace of Westminster eskortiert. Dort angekommen, findet sie sich zunächst im „Queen’s Robing Room“ ein: Ein mit prächtigen Fresken und Gold verzierter Raum, der einzig als Umkleideraum für die Queen an der State Opening Zeremonie gebraucht wird. Hier wird der Queen die „Parliamentary Robe“ umgehängt und die Imperial State Crown (zu besichtigen im London Tower) aufgesetzt. Die Umkleidekammer diente 1941-1951 ausnahmsweise als House of Lords, als die Commons das eigentliche House of Lords besetzten, weil ihre eigene Kammer vom Krieg zerstört wurde.
Die Prozession führt weiter durch die Royal Gallery (Video ab 0:00), wo königliche Portraits, Statuen und das Emblem der Tudors den Raum zieren, in das House of Lords, wo die Königin auf dem Thron Platz nimmt (Video 1:00). Bevor sie aber die Jahresplanung verliest, wird ein Bote, „Black Rod“ genannt, ins House of Commons gesandt, um jene Abgeordneten zur Erföffnungsrede (Video 1:40) ins House of Lords einzuladen. Als Symbol ihrer Unabhängigkeit gegenüber der Queen, wird dem Boten die Türe zum Unterhaus vor der Nase zugeschlagen. „Black Rod“ klopft mit seinem Stab dreimal an die Tür (beachtet die bereits beträchtliche Delle) und bittet die Members of Parliament im Namen der Königin ins Oberhaus. Die Commons dürfen nicht ganz in das House of Lords hereintreten, genauso ist es den Lords verwehrt das House of Commons zu betreten. Die Territorien zwschen Lords und Commons sind übrigens auch farblich „markiert“. Die Kammer der Lords ist ganz in rot gehalten, während das House of Commons in grün ausgestattet ist.
Obwohl nur einmal jährlich zu Besuch, finden sich die prächtigsten Wände, Böden und Sessel des Westminster Palaces auf dem Prozessionsweg der Königin. Im Parlament ist der Gast noch König.
Im Londoner Stadtbezirk City of Westminster scharen sich die Touristen entweder knipsend um den Big Ben, oder besichtigen für eine grosszügige Spende (13 £ für Studierende) den königlichen Tempel Westminster Abbey. Das wahre Highlight dieses Viertels finden die politikbegeisterten LondonbesucherInnen jedoch jeweils samstags im Inneren der Houses of Parliament, auf einer 75 minütige Tour (StudentInnen bezahlen 10£) durch das Parlamentsgebäude.