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Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) will mit einer Studie erforschen, wie sich neuinfizierte Personen mit dem HI-Virus angesteckt haben.Dieser Inhalt wurde am 11. Juli 2005 - 19:32 publiziert
Durch die Untersuchung neuer HIV-Fälle soll die Prävention verbessert werden. Vor allem interessiert die Forscher, wann es zur Infektion kam.
"Diese Befragung wird uns helfen, neue Infektionen zu lokalisieren und diese besser zu verstehen", sagt Pietro Vernazza gegenüber swissinfo. Er leitet die Studie "Schweizer Aids-Transmission (CHAT)-Survey".
Vernazza ist Aids-Spezialist am Kantonsspital St. Gallen, wo die Studie durchgeführt wird. Die Befragung von Personen, bei denen das HI-Virus entdeckt wird, soll mehr Klarheit über die Ausbreitung der Epidemie in der Schweiz schaffen.
"Wenn wir momentan rund 750 positive HIV-Tests pro Jahr in der Schweiz haben, dann wissen wir nicht, ob sich ein Zehntel im letzten Jahr angesteckt hat oder die Hälfte", erklärt Vernazza. "Das ist eine wichtige Frage, auf die wir eine Antwort wollen."
Fragen zum Risikoverhalten
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat für die Studie, die seit dem 1. Juli bis zum 30. Juni des kommenden Jahres läuft, 300'000 Franken bereit gestellt. Ergebnisse der Umfrage werden gegen Ende 2006 erwartet.
In einer ersten Phase füllen Ärzte mit Patienten, deren Tests HIV-positiv ausfallen, einen Fragebogen mit zehn Fragen aus. Gefragt wird beispielsweise nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr, Spritzentausch und anderen Risiko-Situationen im Zeitraum von zwei Jahren. Dieser offizielle Fragebogen des BAG wird bereits seit über zwei Jahrzehnten eingesetzt.
Wissen um Präventions-Kampagnen
In einer zweiten Phase sollen Patienten einen längeren Fragebogen ausfüllen, wo erfragt wird, was sie über HIV-Prävention und Safer Sex wissen und welche Praktiken sie als ungefährlich oder risikoreich erachten.
"Wir wollen auch wissen, ob es zur Infektion kam, nachdem die Person bereits in den Einflussbereich einer Schweizer HIV-Präventionskampagne gekommen war", erklärt der Studienleiter. Er ist der Meinung, dass die Fälle angesteckter Personen, die aus Ländern mit hoher Infektions-Rate kommen und wo keine Prävention betrieben wird, nicht als ein Versagen der Schweizer Präventions-Kampagne ausgelegt werden dürfen.
In einer dritten Phase sollen Personen, von denen nach der Befragung klar ist, dass sie in den sechs Monaten vor der Entdeckung des HI-Virus infiziert wurden, für persönliche Interviews angefragt werden. So wollen die Forscher die Ansteckungs-Geschichte noch detaillierter untersuchen. Vernazza geht davon aus, dass sich rund 30 Personen zu solchen Interviews bereit erklären werden.
Infektionen auf hohem Niveau
Im Kampf gegen HIV und Aids haben retrovirale Medikamente und Präventions-Kampagnen Erfolge gezeigt. Beispielsweise hat der Gebrauch von Kondomen von acht Prozent im Jahre 1987 auf über 60 Prozent zugenommen. Die Anzahl neuer diagnostizierte Infektionen ist allerdings bestenfalls gleich geblieben.
Laut dem Bundesamt für Statistik (BFS) erreichte die Zahl von HIV-Infektionen im Jahre 1991 mit 2144 Fällen ihren Höchststand, um darauf bis im Jahre 2000 auf 581 zu fallen. Im Jahre 2002 lag die Zahl von Infektionen wieder auf 792, im vergangenen Jahr sank sie erneut leicht auf 741.
Das Problem dieser Zahlen, so Vernazza, sei, dass sie keine Auskunft über die Neuinfektionen geben würden. "Hier wollen wir mehr wissen."
Persönlich sei er der Überzeugung, dass die Zahl der Neuinfektionen sinke, hingegen das Virus bei mehr getesteten Personen entdeckt werde, die bereits HIV-positiv aus dem Ausland in die Schweiz kämen.
"Ich bin sicher, dass die Stop Aids-Kampagnen funktionieren, ich würde aber gerne zeigen, dass das auch stimmt."
swissinfo, Thomas Stephens
(Übertragung aus dem Englischen: Philippe Kropf)
Fakten
Seit 1983 wurden in der Schweiz 8023 Fälle der Immunschwäche-Krankheit Aids diagnostiziert; 5531 Menschen starben daran.
Seit 1985 wurden 27'904 Personen positiv auf das HI-Virus getestet.
Im Jahre 2004 wurden 300 neue Fälle von Aids und 745 neue Fälle von HIV gezählt.
20 Mio. Menschen starben seit 1981 weltweit an Aids.
In Kürze
Die Studie basiert auf allen positiven HIV-Tests, die vom 1. Juli 2005 bis am 30. Juni 2006 in 11 Schweizer Labors durchgeführt werden.
Die Teilnahme an der Studie ist für die HIV-Infizierten freiwillig. Durch Fragebögen und Interviews soll mehr über die Ansteckung in Erfahrung gebracht werden.
Unterstützt wird die Studie vom Kantonsspital St. Gallen, der Schweizer Aids-Hilfe und der Vereinigung der Kantonsärzte. Die Studie kostet den Bund 300'000 Franken.