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|Mit guten Gründen glauben? (2)|
Sehr geehrter Herr Corrodi
Sehr geehrter Herr Carigiet
Ich beziehe mich auf die Anfrage von Hansruedi Stutz vom 14. September 2004 betreffend einer offenen Diskussion des Themas „Kreationismus“ im VBG sowie Ihre Antwort an Hansruedi Stutz vom gleichen Datum. Ich habe Ihre Antwort sehr interessiert gelesen und habe auch Ihr Dokument „Mit guten Gründen glauben“ eingehend studiert. Im Gegensatz zu den Schriften eines Peter Rüst kann ich einiges von Ihrem Gedankengut nachvollziehen und teilweise auch unterstützen. Trotzdem bin ich zum Schluss gekommen, dass Sie sich einerseits irren und dass Sie anderseits nicht konsequent sind. Im Folgenden möchte ich meine Behauptungen begründen.
In blau meine Antwort auf ihre Kritik.
1. Irrtum
Ihr grösster Irrtum ist Ihre Behauptung, dass die Bibel ein Religionsbuch sei. Ob die Bibel für Sie persönlich ein Religionsbuch ist, soll für diese Diskussion nicht relevant sein,
Ganz einverstanden. Umgekehrt soll für diese Diskussion auch nicht relevant sein, ob Sie ihre Bibel als wissenschaftliche Enzyklopädie lesen. Zur Diskussion soll vielmehr stehen, welche Art(en) von Text(en) die Bibel enthält.
die Tatsache ist aber, dass die Bibel sich selber nicht als Religionsbuch sieht, sondern als Offenbarung Gottes in Raum und Zeit.
Das ist ja genau die von mir vertretene Definition von (theistisch) religiösem Glauben. Die Bibel hat es mit Gott/dem Absoluten und seinem Verhältnis/seiner Geschichte mit der Schöpfung (dem Nicht-Göttlichen) zu tun. Das macht die Bibel zu einem religiösen Text.
Diese Offenbarung hat dabei tatsächlich in historischer Zeit stattgefunden und die Autoren der Bibel haben zu jeder Zeit tatsächlich geschehene Geschichte der Nachwelt überliefert. Deshalb ist die Bibel aus unserer Sicht primär ein historisches Dokument, welches Aussagen über vergangene Geschehnisse macht.
Natürlich, aber ich versteh nicht ganz warum die Aussage, dass die Bibel (in erster Linie) ein religiöses Buch ist, jemanden auf die Idee bringen sollte, dass das darin Gesagte nicht in “historischer Zeit” oder “tatsächlich” stattgefunden hat. Ich kann mich dem populären Gebrauch des Wortes “historisch” nicht anschliessen, der damit einfach nur “wahr” oder “tatsächlich” meint. Warum sollten religiöse Wahrheitsansprüche, die Gott oder Brahman oder das Nirvana, etc. zum Gegenstand haben weniger wahr sein können als Aussagen, die ins Gebiet der historischen Forschung fallen? Und was ist mit mathematischen und logischen Wahrheiten? Die fallen auch nicht ins Gebiet der historischen Forschung und sind trotzdem wahr (wenn sie wahr sind). Der Gegensatz zu “historisch” ist “prähistorisch” und nicht “falsch” oder “mythologisch”.
Die gleiche Ansicht vertritt z.B. auch der Aegyptologe und Historiker, David Rohl, wenn er schreibt: „Ich bin bereit, die Erzählungen des Alten Testaments als eine ebenso wertvolle Quelle für die alte Geschichte zu akzeptieren wie jedes andere antike Zeugnis. …
Man kann die Bibel wie jeden antiken Text als Quelle von Material lesen, das für die historische Forschung von Belang ist. Man muss aber nicht. Denn wenn die Bibel nur von Historikern und Hobbyhistorikern gelesen werden kann, dann hätte sie ihre religiöse Intention verfehlt, ALLEN Menschen den Zugang zu Gott zu verschaffen. Der religiöse Gehalt der christlichen Bibel (Gottes Bund mit den Menschen in Jesus Christus) erschliesst sich aber auch denen, die keinen Zugang zu historischen Forschungsresultaten haben (zum Beispiel meiner Grossmutter), obwohl meine ehemaligen Uni-Professoren, die ihre Karriere der “historischen Bibelkritik” verschrieben haben, mir für diese Aussage am liebsten den Kopf abreissen würden.
Ich kann dafür die folgenden Argumente anführen: Alle antiken Dokumente sind von Menschen geschrieben und verkörpern deshalb die Vorstellungen, Hoffnungen und Traditionen einer bestimmten Kultur. … Das Alte Testament ist eine Sammlung überlieferter Texte. Es ist zumindest zum Teil die Geschichte eines Volkes. Ob es „historische Tatschen“ enthält, kann man nur herausfinden, wenn man die gleichen Kriterien wie bei anderen Texten anwendet. Wenn Deutungen anderer, unabhängiger Texte und archäologischer Funde mit den glaubhaften und nichtallegorischen Elementen der Erzählungen übereinstimmen, ist man als Historiker berechtigt, diese Elemente in seine Geschichtsdarstellung zu übernehmen.“ (David Rohl, Pharaonen und Propheten, Seiten 60 und 61).
Einmal mehr: Ich bin unfähig zu sehen, warum die Bibel als (primär) religiöse Schrift nicht auch historisch relevante Aussagen zur Erforschung einer bestimmten Kultur enthalten sollte. Oder ist dieser Punkt in meinem Papier nicht deutlich geworden?
Wir lehnen Ihre 1. These vollständig ab, da sie nichts anderes als eine nicht belegte Behauptung ist.
Wie? Aber ich habe diese These doch zu begründen versucht. Sie müssten schon genauer sagen, was daran nicht stichhaltig ist.
Ihre 2. These können wir zwar grundsätzlich bejahen, das Problem ist aber, dass es nicht ganz klar ist, was Sie genau unter „Religiöse Wahrheiten“ und was unter „wissenschaftlicher Theorie“ verstehen. In der Bibel steht, dass Gott die Pflanzen und Tiere „nach ihrer Art“ geschaffen hat. Ist das nun eine „religiöse Wahrheit“ oder kann diese Aussage als These für eine wissenschaftliche Theorie dienen?
Ich bekomme etwas das Gefühl, dass Sie meinen Text
nicht aufmerksam gelesen haben. Ich möchte diesen bestimmt niemandem aufdrängen,
aber wenn Sie schon Ihr Interesse bekundet haben…
Das von Ihnen erwähnte Beispiel lässt sich ohne Schwierigkeiten unter “b. ein Glaube, der beschreibt, wie das Nicht-Göttliche vom Göttlichen abhängt” (S. 2) subsumieren (a. ist es nicht, weil nicht Gottes Wesen beschrieben wird, und c. auch nicht, weil nicht das richtige Verhältnis der Menschen zu Gott Thema ist. Gegenstand der Aussage ist aber Gott, und was er erschaffen hat, ergo b.).
Aus dieser These hat z.B. Wort und Wissen die Theorie des „Grundtyp-Modells“ formuliert. Diese Theorie kann wissenschaftlich mit Experimenten überprüft werden und ist deshalb auch falsifizierbar.
Was besagt denn diese Theorie?
Anderseits gibt es Aussagen in wissenschaftlichen Theorien, die eindeutig religiösen Charakter aufweisen,
Habe ich Ihre Definition von “religiös” und damit die Eindeutigkeit des nachfolgenden Beispiels verpasst?
wie z.B. die nicht beweisbaren Aussagen über den Ursprung der Materie und des Lebens.
Ist Unbeweisbarkeit das gesuchte Kriterium für den “religiösen Charakter“ einer Aussage? Ich nehme nicht an, dass Sie das meinen, da dann alles Wissen religiös wäre. Jede Theorie, egal ob in der Kunst, in der Biologie, in der Mathematik oder in der Theologie etc. hängt von unbeweisbaren oder unbewiesenen Voraussetzungen ab. Dies wird meines Wissens von keinem/keiner namhaften Wissenschafter/in bestritten (man hätte sonst einen infiniten Regress). Das macht eine Theorie noch lange nicht religiös.
Auch werden in wissenschaftlichen Theorien Behauptungen aufgestellt, die nicht falsifiziert werden wie z.B. die Behauptung, dass „sich das Leben aus biochemischen Zufallsprozessen zufällig auf der Erde entwickelt hat“.
Das stimmt, und gerade deshalb sind diese Behauptungen nicht strikt wissenschaftlich (Die Kategorie “Zufall” weist auf eine Version des metaphysischen Naturalismus hin, da sie nur im Gegensatz zu einer göttlichen “Absicht” verstanden werden kann.).
Seit über 50 Jahren versucht man, diese Aussage im Labor mit Experimenten zu beweisen. Diese Experimente sind alle gescheitert.
Logisch, denn wie gesagt ist der “Zufall” gar keine wissenschaftliche Kategorie.
Das sollte doch bedeuten, dass sich diese Aussage als falsch erwiesen hat.
Aber warum denn? Sie glauben doch nicht, dass sich das naturalistische Weltbild durch irgendwelche (neutralen?) Experimente erschüttern lässt? Dieses oder ein anderes Weltbild bildet ja den notwendigen kognitiven Hintergrund oder Interpretationshorizont, in dem das faktische Gewicht eines Experiments überhaupt erst beurteilt werden kann.
Weshalb wird diese These nicht verworfen? Könnte der Grund etwa darin
liegen, dass das Fundament dieser wissenschaftlichen Theorie nichts anderes
als eine Weltanschauung ist (eine atheistische Religion, wie z.B. der Naturalismus
oder der Materialismus)?
Sie selbst sagen es.
Ihre 3. These können wir voll und ganz unterstützen.
Schön. Der nächste Schritt wäre dann zu
zeigen, wie eine christliche Mathematik, Logik, Physik, Biologie, Psychologie,
Soziologie, Ökonomie etc. aussehen kann (Die neu-calvinistische Tradition
nach A. Kuyper, auf die ich mich in meinem Aufsatz stütze, hat dies im
Ansatz tatsächlich geleistet, und verdient deshalb unser grösstes
Interesse).
Erst wenn das geleistet ist, werden wir verstehen, was es heisst, dass in Christus ALLE Schätze der Erkenntnis verborgen sind.
2. Missverständnisse
Ihre folgenden Aussagen beruhen auf einem Missverständnis: „Was folgt ist einzig die Absurdität des Versuchs, einen religiösen Glauben gegen die Wissenschaft verteidigen zu wollen, respektive die Wissenschaft gegen den religiösen Glauben ins Feld zu führen“ (Seite 3) und „Doch ist zum Beispiel das Gespenst des Darwinismus gerade in eher bildungsfernen religiösen Kreisen nicht vollständig tot. Das Gefühl der Bedrohung des eigenen Glaubens kann sich durchaus noch an diesem Thema festmachen“ (Seite 5). Diese Aussagen beruhen auf einem ähnlichen Missverständnis wie Ihr Irrtum unter Punkt 1.
Nun ja, erstmals müssten Sie mich natürlich von meinem “Irrtum” überzeugen.
Grundsätzlich betreffen die Aussagen der Evolutionslehre unseren Glauben nicht. Unser Glaube ist nicht abhängig davon, was in wissenschaftlichen Publikationen und in den Medien über die Ursprungsfrage geschrieben wird.
Da bin ich froh. Das zeigt, dass Sie wie ich einen grundsätzlichen Unterschied zwischen religiösen und wissenschaftlichen Aussagen machen.
Da wir die Fakten aber relativ gut kennen, wissen wir, dass die Aussagen der Urknall- und Evolutionstheorie nicht wahr sind.
Dann werden Sie auch wissen, dass es DIE Evolutionstheorie nicht gibt. Sie werden wissen, dass S. Jay Gould ein grosser Kritiker des klassischen Darwinismus ist UND ein vehementer Verfechter seiner eigenen Evolutionstheorie.
Deshalb verstehen wir uns in erster Linie als Evolutionskritiker und erst in zweiter Linie als Kreationisten.
Das finde ich schade. Es ist immer einfacher zu kritisieren
als eine konstruktive Alternative zu entwerfen. (Kreationisten sind ja daran,
eine solche zu erarbeiten, vgl. die gegenwärtigen Debatten um “Intelligent
Design Theory”.)
Ansonsten bin ich mit Ihnen einverstanden: Alle derzeitigen naturalistischen Evolutionsmodelle leiden an theoretischen Selbstwidersprüchen.
Ich persönlich finde es ethisch nicht vertretbar, wenn man nicht bewiesene Spekulationen in den Schulen, in den Medien und in wissenschaftlichen Publikationen als Tatsachen darstellt. Wir haben nichts dagegen, wenn man in den Schulen die Evolutionstheorie als Theorie, als Möglichkeit unter anderen Möglichkeiten lehrt. Aber die Evolutionslehre wird an vielen Schulen mit einem Absolutheitsanspruch vertreten, was für eine Theorie ja widersinnig ist.
Könnte nicht mehr einverstanden sein. Das Absolute gehört in die Religion. Das Relative in die Wissenschaften.
Bei unserer Arbeit geht es nicht um persönlichen Glauben, sondern es geht letztlich um die Redlichkeit in Wissenschaft und in den Medien. Den Urknall und die Evolution als Tatsache darzustellen ist nicht ehrlich und entspricht nicht den Fakten. Im Denken vieler Wissenschaftler ist Wissenschaft nichts anderes als angewandter Naturalismus, oder wie es Steven Weinberg formulierte: „Die Wissenschaft – ganz gleich, welcher Art – kann nur dann vorankommen, wenn sie annimmt, dass es keinen göttlichen Eingriff gibt, und erkennt, wie weit man mit dieser Annahme kommen kann.“ Die naturalistische Evolution beinhaltet nicht nur eine wissenschaftliche Theorie, sondern vielmehr die offizielle Weltentstehungslehre unserer modernen Kultur. Die wissenschaftliche „Priesterschaft“, die berechtigt ist, die offizielle Weltentstehungslehre zu interpretieren, gewinnt dadurch ungeheuren kulturellen Einfluss, den sie verlieren könnte, wenn diese Theorie in Frage gestellt wird.
Einverstanden. Aber daraus folgt noch lange nicht, dass wir Christen denselben Fehler machen sollten, und unseren religiösen Glauben als Wissenschaft ausgeben sollten. Diese Art von ideologischer Verblendung können wir ruhig den metaphysischen Naturalisten überlassen. Odern möchten Sie vielleicht “die Welt” mit ihren eigenen Mitteln überwinden?
3. Inkonsequenz
Meiner Meinung nach sind Sie in Ihrer Schrift nicht konsequent. Auf Seite 5 schreiben Sie: „In mythisch-bildhafter Form scheint Genesis 1-2 eine proto-wissenschaftliche Theorie der Entstehung des Universums durch Gottes Willen zu skizzieren“. Das ist eine Behauptung, die jeglicher Grundlage entbehrt.
Sie haben recht. Ich behaupte ja auch genau das Gegenteil (vgl. noch einmal meine Definition von religiösem Glauben).
Selbstverständlich ist es jedem Menschen freigestellt, die Schöpfung als „mythisch-bildhafte“ Vorstellung zu sehen, aber das ist eine persönliche Sichtweise, die im Widerspruch zu den Aussagen der Bibel steht und vor allem auch im Widerspruch zu den Aussagen von Jesus Christus, denn Jesus Christus hat die Schöpfung und die „Urgeschichte“ immer als historische Tatsachen verstanden.
Mir scheint, dass Sie hier einmal mehr “historisch” mit “wahr” verwechseln.
Ihre Inkonsequenz ist nun die Folgende: Sie behaupten, dass der Schöpfungsbericht eine „mythisch-bildhafte“ Form der Erzählung sein soll.
Nein.
Aus dem neuen Testament erfahren wir, dass Jesus Christus am dritten Tag vom Tode auferstanden sei. Ist das nun eine „mythisch-bildhafte Form“ der Erzählung, oder ist Jesus Christus real in Zeit und Raum und in historischer Zeit tatsächlich von den Toten auferstanden oder nicht?
Ich halte das Osterzeugnis der ersten Christen für wörtlich wahr. Es ist Teil meines christlich-religiösen Glaubens. Die Wahrheit oder Wahrscheinlichkeit dieses Zeugnisses ist nicht Gegenstand der historischen Wissenschaften. Man kann dessen Wahrheit natürlich bezweifeln, aber nur auf dem Hintergrund eines alternativen religiösen Wirklichkeitsverständnisses. Ich hätte gedacht, das sei aus meinem Papier hervorgegangen.
Ich gehe davon aus, dass sie die Auferstehung Jesu Christi vom Tode als Tatsache verstehen, die real in Zeit und Raum stattgefunden hat. Wenn Sie diese Ansicht vertreten, dann beantworten Sie mir doch bitte die Frage, wo genau der Unterschied zum Schöpfungsbericht liegen soll?
Nirgends. Es handelt sich in beiden Fällen um eine religiöse Wahrheit (oder “Falschheit”, für die, die nicht daran glauben): Gott hat die Welt erschaffen-Gott hat Jesus von den Toten auferweckt.
Aus wissenschaftlicher Sicht muss die Auferstehung von Jesus Christus ein Mythos sein, denn es gibt wahrscheinlich keine besser belegte Tatsache, als die, dass alle Menschen sterben müssen und dass eine Auferstehung noch nie beobachtet wurde. Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Aussage aus dem Neuen Testament also eindeutig falsifiziert.
Jetzt frage ich mich, ob nicht Sie in dieser Aussage dem naturalistischen Weltbild auf den Leim gekrochen sind. Glauben sie wirklich, dass die Wissenschaften, die immer nur relative Ergebnisse liefern können, eine absolute oder un-bedingte Wahrheit falsifizieren können? Ich hätte jetzt gedacht, dass der religiöse Glaube (theistisch, naturalistisch-pagan, pantheistisch etc.) die wissenschaftliche Erkenntnis trägt, und nicht umgekehrt. Wie denn auch: in letzterem Fall wäre ja das Relative absolut und das Absolute relativ, was nichts als Begriffsverwirrung ist.
Zum Abschluss habe ich noch eine ketzerische Frage: VBG ist die Abkürzung von „Vereinigte Bibel Gruppen“. Aufgrund unserer Erfahrung mit dem VBG möchte ich Sie fragen, ob es in Ihrer Vereinigung auch noch Menschen gibt, welche die Bibel vom ersten bis zum letzten Vers als das inspirierte Wort Gottes auffassen?
Nun, ich nehme an Sie wissen besser als ich, dass es sehr verschiedene Auffassungen davon gibt, was “inspiriert” in diesem Zusammenhang bedeuten soll. Wenn sie aber Christen im Blick haben, die eine Version des sog. “Inerrantismus” vertreten, dann glaube ich sind sie nicht (mehr) bei den VBG zu finden. Gott sei Dank.
Oder ist diese Auffassung nicht mehr modern?
Doch, diese Auffassung ist sehr “modern”, d.h. modernistisch, da sie erst im Zuge des sog. Modernismusstreits so formuliert wurde, wie sie heutzutags von den “Inerrantisten” vertreten wird. Die Reformatoren hatte noch keine Mühe einzugestehen, dass die Bibel auch Aussagen enthalten kann und vielleicht enthält, die nicht stimmen und das überholte Wissen einer bestimmten Zeit reflektieren. Sie hielten an der “Suffizienz der Schrift in Glaubensfragen” fest und waren trotz dem “sola scriptura” keine Biblizisten, die die Bibel als Enzyklopädie in allen möglichen Wissensgebieten behandelten (d.h. misshandelten).
Ich bilde mir nicht ein, Sie mit diesen kurzen Ausführungen von “meiner” Sicht überzeugt zu haben. Falls Sie aber die Neigung verspüren sollten, ihr eine reelle Chance einzuräumen, möchte ich Ihnen das Buch von Roy A. Clouser “The Myth of Religious Neutrality” (Notre Dame 1991, zweite verb. Auflage und dt. Übersetzung werden auf Frühling 05 erwartet) ans Herz legen, das unseren Diskussionspunkten in der erforderlichen Gründlichkeit nachgeht.
Ich erlaube mir auch, Sie für ein Tagesseminar am 23. Okt. einzuladen, das diese Fragen auf dem Hintergrund eines christlichen Wirklichkeitsverständnisses verortet (vgl. pdf Beilage).
Gian Luca Carigiet, ProGenesis, 26. September 2004
Johannes Corrodi, VBG, 3. Oktober 2004