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Video
Unser Video «Der fruchtbare Stier» bietet einen schnellen Überblick über das Genital eines Stiers.
Weitergehende Informationen erhältst Du, wenn Du hier weiterliest…
Die Geschlechtsorgane des Stiers
Die Geschlechtsorgane bestehen aus vier funktionellen Teilen:
Übersicht zur Lage der Geschlechtsorgane
Unser Video zeigt eine Übersicht über die Lage der Harn- und Geschlechtsorgane eines Stiers:
Wie sind die einzelnen Organe miteinander verbunden und welche anatomischen Besonderheiten gibt es?
Fetalleben, Pubertät und Geschlechtsreife
Die Geschlechtsorgane des Stiers entwickeln sich bereits als Fetus während der Trächtigkeit.
Sie erreichen ihre volle Funktionstüchtigkeit allerdings erst nach der Pubertät – wenn das Stierkalb mit der Produktion der männlichen Geschlechtshormone beginnt.
Unter professionellen Bedingungen sind Stiere von Milchrassen frühestens mit ca. 1 Jahr geschlechtsreif.
Die Hoden des Stiers
Die Hoden (Testis) sind die Bildungsstätten der männlichen Keimzellen (Spermien) und der männlichen Geschlechtshormone.
In 24 Stunden entstehen in den Hoden eines Stiers 10'000'000'000 Spermien.
Die Anatomie der Hoden
Die Hoden des Stiers liegen locker im Hodensack (Scrotum).
Der Hodenabstieg
Während der Fetalzeit entstehen die Hoden des Stiers auf der Höhe im Bereich der Nierenanlage in der Bauchhöhle.
Sie steigen aber im Normallfall in den Hodensack ab, denn Spermien brauchen einen kühlen Ort für ihre Entwicklung.
Die weiblichen Keimdrüsen (Eierstöcke) von Kühen sind wie bei allen Säugetieren dagegen in der Beckenhöhle lokalisiert
Spermien mögen’s kühler
Spermien können sich nur bis zu einer Temperatur von ca. 35°C entwickeln. Bei Säugetieren, die eine höhere Körpertemperatur haben, liegen die Hoden daher meist ausserhalb des Körpers.
Unvollständiger Hodenabstieg
Ist der Hodenabstieg durch den Leistenkanal in den Hodensack gestört, spricht man von "Hodenhochstand" oder "Kryptochismus".
Seltener als bei Schweinen
Bei Stierkälbern kommt ein unvollständiger Hodenabstieg deutlich seltener vor als z.B. bei Ferkeln. Es scheint bei manchen (Fleisch-)Rinderrassen gehäuft Kryptorchismus zu geben – zumindest in Nordamerika.
Die Hodengrösse ist altersabhängig
Unsere Empfehlungen
Eine histologische Beschreibung des Keimepithels während der Spermienbildung (Spermatogenese) und der Hodenkanälchen des Mannes zeigt eine e-learning Seite des anatomischen Instituts der Universität Zürich. (Text auf deutsch)
Auf der e-learning-Seite der Universität Basel gibt es einen histologischen Schnitt durch den Hoden eines Katers, den man virtuell mikroskopieren kann – wir finden: sehr spannend! (Beschreibung auf Deutsch)
Eine schematische Darstellung des Keimepithels im Hoden und seiner Funktion bietet die Seite embryology.ch.
Die Funktion der Sertoli-Zellen als «Nannys im Keimepithel» beschreibt eine deutsche Seite zur funktionellen Histologie. (Text auf deutsch)
Unsere Empfehlung
Eine histologische Beschreibung der Leydig-Zwischenzellen im Hoden eines Mannes zeigt diese e-learning Seite des anatomischen Instituts der Universität Zürich.

Angeborene Erkrankungen des Hodens

Erworbene Erkrankungen von Hoden und Hodensack

Kryptorchismus (s.o.)

Blutergüsse

Fehlbildungen eines oder beider Hoden (Hypoplasie)

Entzündungen (Orchitis) – früher häufig bei Deckseuchen (z.B. Brucellose)

Falsche Lage der Hoden im Hodensack (Dislokation)

Flüssigkeitsansammlung zwischen Hoden und Hodensack (Hydrozele)

Verkalkungen der Hodenkanälchen
Die Nebenhoden des Stiers
Im Nebenhoden (Epididymis) reifen die Spermien aus. Sie werden dort gespeichert.
Die Anatomie der Nebenhoden
Die Samenkanälchen des Hodens sammeln sich und fliessen zum stark geschlängelten Nebenhodenkanal zusammen.
Dieser verlässt den Hoden am oberen (proximalen) Ende.
Die Funktion des Nebenhodens
Im Nebenhodens befinden sich die Spermien, die vom Hoden produziert wurden, quasi in der Warteschleife.
Der Kanal, in dem diese Reifung stattfindet, wäre ausgestreckt mehrere Meter lang.
Unsere Empfehlung
Eine genaue histologische Beschreibung des Nebenhodenkanals eines Mannes zeigt eine weitere e-learning Seite der Uni Zürich (auf deutsch).

Angeborene Erkrankungen des Nebenhodens

Erworbene Erkrankungen der Nebenhoden

Fehlbildungen eines oder beider Nebenhoden (Hypoplasie)

Entzündungen (Epidymitis) meist zusammen mit Hodenentzündung

Zystische Aufweitung des Nebenhodenkanals (Spermatozele)

Die Samenstränge des Stiers
Die Verbindung zwischen Hoden, Nebenhoden und Harnröhre des Stiers wird als Samenstrang bezeichnet.
Er besteht aus dem Samenleiter, Nerven, Lymph- und dicken Blutgefässen.
Der Plexus pampiniformis
Ein grosser Teil des Samenstrangs besteht aus einem Geflecht von Blutgefässen.
Dieser «Plexus pampiniformis» spielt eine entscheidende Rolle bei der Wärmeregulation der Hoden.
Ein Wärmeaustausch im Gegenstromprinzip kühlt Hoden, Nebenhoden und die Spermien dort 2-4 °C unter Körpertemperatur ab.
Das hält die Spermien befruchtungsfähig.
Unsere Empfehlung
Du brauchst noch detailliertere Informationen zu Hoden, Nebenhoden und Samenstrang?
Ihren histologischen Aufbau beim Mann kannst Du Dir in diesem ausführlichen Video ansehen. Er ist beim Stier quasi identisch.
Die Kastration des Stiers
Bei der Kastration wird der Samenstrang inklusive Samenleiter und Blutgefässe durchtrennt.
Dies kann entweder durch einen Schnitt «blutig» oder durch eine quetschende Zange bzw. Gummiringe «unblutig» erfolgen.
In der Schweiz ist unabhängig von der Methode bei jeder Kastration eines Stierkalbs eine Schmerzausschaltung aus Tierschutzgründen vorgeschrieben.
Es gelten diese Rechtsvorschriften.

Die Geschlechtsdrüsen des Stiers

Eigenschaften

die Samenleiterampullen

Bleistiftstark
Spindelförmige Erweiterung der Wand des Samenleiters kurz vor seiner Einmündung in die Harnröhre
Rektal tastbar

die Samenblasendrüsen (Vesikulardrüsen)

Drüsenkörper bis 3 x 7 cm gross
Paarige Drüse
Seitlich der Harnblase an den Ampullen, münden in den Samenleiter direkt vor der Harnröhre
Deutlich gelappte, höckrige Struktur
Sammelräume mit Sekretvorrat in der Drüse
Rektal tastbar

die Vorsteherdrüse (Prostata)

Zweiteilig:
Prostatakörper: auf der Harnröhre, rektal tastbar
Durchmesser ca. 3 cm
Pars disseminata: in der Harnröhre eingelagerte Drüsenpakete, nicht tastbar

die Harnröhrenzwiebeldrüsen (Bulbourethraldrüse)

Paarige Drüsen
Ca. Baumnussgross
Mündung in die Harnröhre
Sammelräume fürs Sekret
Das Sekret der Geschlechtsdrüsen
Das Sekret, das die einzelnen Geschlechtsdrüsen bilden, wird bei der Ejakulation mit den Spermien vermischt und ausgestossen.
Es ist der flüssige Bestandteil des Ejakulats.
Die Andrologie der Geschlechtsdrüsen
Die meisten Geschlechtsdrüsen des Stiers sind bei einer rektalen Untersuchung tastbar (s. Tabelle).
Bei einem gesunden Stier fühlen sie sich prall-elastisch an, sind verschieblich und eine Berührung löst keinen Schmerz aus.
Pathologische Befunde können mit einer Ultraschalluntersuchung abgesichert werden.
Der Penis des Stiers
Der Penis ist das Begattungsorgan des Stiers.
Liebe User,
Wir bemerken hin und wieder, dass unsere Seite auch durch voyeuristische oder gar sodomistische Suchanfragen bei Google und co. gefunden und daraufhin von den entsprechenden «Interessenten» besucht wird.
Daher haben wir uns entschlossen, den Abschnitt zum Penis des Stiers ohne Fotos oder Bilder zu gestalten.
Wir wollen diesem Personenkreis nicht unnötig «Nahrung» bieten.
Wer aus fachlichen, tiermedizinischen, Gründen Bildmaterial zum Thema benötigt, kann sich aber gerne an uns wenden.
Die Anatomie des Penis
Der Penis des Stiers enthält viel Bindegewebe aber nur einen geringen Anteil an Schwellkörpern.
Er ist am Beckenknochen verwachsen und liegt s-förmig gekrümmt in der Beckenhöhle.
Einströmendes Blut führt zur Streckung dieser Krümmung.
Das Präputium
Das Präputium ist am Unterbauch des Stiers fest verwachsen.
An seiner Öffnung wachsen typischerweise eine Handvoll Pinselhaare.
Diese werden bei Stieren in der Samenproduktion aus hygienischen Gründen geschoren.
Die Andrologie des Penis
Penis und Präputium können bei einer andrologischen Untersuchung von aussen betrachtet oder abgetastet werden.
Man achtet dabei auf die Farbe der Schleimhaut, Schwellungen, andere Umfangsvermehrungen wie z.B. Warzen oder auch angeborene Verwachsungen (z.B. ein Frenulum persistens).
Kann der Penis beim Deckakt nicht ausgeschachtet werden, gibt dies einen Hinweis auf schwerwiegende andrologische Probleme.
Die sanitarische Spülprobe
Im Zuge der sanitarischen Untersuchung von Besamungsstieren müssen auch Spülproben aus der Präputialhöhle entnommen werden. Diese werden auf den Deckseuchenerreger Tritrichomonas foetus untersucht.
Vor der Entwicklung der künstlichen Besamung waren Trichomonaden in Herden mit Natursprungstieren, die sie von Kuh zu Kuh übertrugen, weit verbreitet und lösten oft grosse Abortprobleme aus.
Potentia coeundi
Gesunde Geschlechtsorgane sind eine wichtige Voraussetzung für einen «fruchtbaren Stier».
Allerdings nicht die einzige.
Damit ein Stier fruchtbar sein kann, muss er auch einen Geschlechtstrieb zeigen und springen.
Reize über den Geruchssinn
Kann sich der Stier zusätzlich durch den Geruch eines lebenden Deckpartners stimulieren, erleichtert das die Samengewinnung. Ein Besamungsstier assoziiert im Laufe der Zeit den Geruch eines Standstiers mit ihr.
Im Sinne einer operanten Konditionierung lernt er dies.
Unsere Empfehlung
Etwas zu Schmunzeln bietet die Aufzeichnung der Fernsehsendung «Genial daneben» vom 03.11.2017, in der fünf Comedians erraten sollen:
«Was ist der Torbogenreflex?» (SAT1)
Impotentia coeundi
Wenn ein Stier nicht springen kann oder nicht springen mag, können unterschiedliche Ursachen zu Grunde liegen.
Am häufigsten ist dies bei Erkrankungen des Stiers der Fall:
- entzündliche Prozesse an den Geschlechtsorganen
- schmerzhafte Veränderungen (z.B. Blutergüsse) an den Geschlechtsorganen
- schmerzhafte Erkrankungen an den Klauen oder an Gelenken
Samenanalyse
Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt des «fruchtbaren Stiers» ist seine Samenqualität.
Die Qualitätsparameter
Verschiedene Qualitätsparameter werden zur Analyse herangezogen – u.a.:
- Ejakulatsvolumen und – dichte
- Beigemischte Zellen im Ejakulat (z.B. Vorstadien ausgereifter Spermien, Blut- oder Eiterzellen, Schleimhautepithelzellen etc.)
- Vorwärtsbeweglichkeit der Spermien
- Spermienmorphologie (Gestalt der Spermien, Fehlbildungen)
Details zur Samenanalyse folgen demnächst auf dieser Wissensplattform.