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Am ZCCA, Zurich Classic Car Award, vom 19. August 2020 stand ein roter Rennwagen neben dem Musikpavillon. Die Bezeichnung Dino 196 S liess unschwer erkennen, dass der rote Renner aus dem Hause Ferrari stammen muss.
Aber, ist es denn wirklich ein Ferrari? Eigentlich nicht, zwar von und bei Ferrari gebaut, aber eben ein Dino, was als eigener Markenname gilt. Auf Wikipedia kann man dazu lesen:
Die Bezeichnung „Dino“ rührt von Enzo Ferraris 1956 jung verstorbenem Sohn Alfredo her, genannt „Dino“ (Kurzform der Verkleinerungsform Alfredino), dessen von ihm konzipierter V6-Motor in den späten 1950er-Jahren in Rennwagen der Formel 1 und der Formel 2 und ab den späten 1960er-Jahren in Seriensportwagen eingesetzt wurde.
Der ursprüngliche, in den Formel-Rennwagen verwendete Entwurf des V6-Dino-Motors aus der Hand von Vittorio Jano hatte einen Gabelwinkel von 65°, zwei obenliegende Nockenwellen je Zylinderbank, Doppelzündung und eine Trockensumpfschmierung. In den Rennsportwagen war es eine einfachere Version mit 60° Gabelwinkel, einer obenliegenden Nockenwelle je Bank, Einfachzündung und Nasssumpfschmierung. Die Dino-V6 ab 1965 hatte Franco Rocchi konstruiert; sie wiesen wieder einen Gabelwinkel von 65°, zwei obenliegende Nockenwellen und Doppelzündung auf und wurden sowohl in den späteren Formel-2-Modellen Ferraris als auch, in abgewandelter Form, in den Dino-Serienmodellen von Ferrari und Fiat und später im Lancia Stratos verwendet.
Um auch unterhalb der klassischen V12-Sportwagen präsent zu sein, wurde mit dem Mittelmotor-Prototyp bzw. Sportwagen Ferrari Dino 206 insbesondere in der Klasse bis zwei Liter Hubraum die Herausforderung des Porsche 904 in der Sportwagen-Weltmeisterschaft angenommen. Dazu gehörten Mitte der 1960er Jahre auch Bergrennen oder die winklige Targa Florio, die der Ferrari Dino 246SP 1961 und 1962 gewann. Auch beim 1000-km-Rennen auf dem Nürburgring waren die kleinen V6 oft besser als die großen V12-Ferraris.
Ab 1967 wurden in der neuen Formel-2-Europameisterschaft 1600-Kubik-Motoren zugelassen, sofern davon mindestens 500 verkauft worden waren (Homologation).
Um die geforderten Stückzahlen des Motors zu verkaufen musste Ferrari neue Wege gehen. Man kooperierte mit Fiat, daraus resultierte zuerst der Fiat Dino, in dem der V6 konventionell unter der Fronthaube zum Einsatz kam. Eine Kleinserie von 50 Rennsportwagen des Typs Dino 206S war vorgesehen, um als Sportwagen homologiert zu werden, die erforderliche Stückzahl wurde jedoch auch 1967 nicht annähernd erreicht.
Lange bevor Ferrari den V12 hinter den Sitzen der Serienfahrzeuge platzierte baute man den V6 als Mittelmotor auch in Seriensportwagen. Diesem relativ preiswerten Wagen wollte man allerdings weder den guten Namen Ferrari noch das Cavallino rampante zugestehen. Die neue Marke Dino wurde eingeführt, zuerst nur mit dem Dino 206. Ab 1969 kam der größere Dino 246, auch mit dem berühmten V6, der später zudem die italienische Design- und Rallye-Ikone Lancia Stratos antrieb. Der Dino 246 GT war 1970 als Fahrzeug von Danny Wilde (Tony Curtis) ein Star der TV-Serie Die 2.
Nach einem Modellwechsel wurden die nun kantig geformten, mit Achtzylinder-Motoren bestückten Dino 208 GT 4 und Dino 308 GT 4 angeboten. Der Dino 308 GT 4, ein 2 + 2 Sitzer, wurde im Laufe der Jahre zum tatsächlichen Ferrari „geadelt“ (Ferrari Dino 308 GT 4). Der 308 GT 4 war nicht der Vorläufer des bis in die 1980er-Jahre meistgebauten Ferrari, des Ferrari 308, ein reiner 2 Sitzer, in seiner Ausführung als 308 GTS unter anderem bekannt aus der US-TV-Serie Magnum. Beide Modelle wurden von 1975 bis 1980 parallel gebaut und angeboten.
Die kleinere Version wurde samt der Marke Dino aufgegeben. Im Nachhinein betrachtet hat der Dino, obwohl nicht als Ferrari anerkannt, die Marke gerettet, denn die größten Umsätze wurden mit den vom Dino abstammenden V8-Fahrzeugen gemacht. Von der Baureihe Dino 246 GT selbst wurden zwischen 1969 und 1974 2487 Exemplare gebaut.
Zurück zum Fahrzeug, welches auf dem Bürkliplatz stand. Ein so aufregendes und äusserst seltenes Fahrzeug hat Potential zum Gewinn eines Pokals, ohne Zweifel. Dazu kam es aber nicht, der Dino ging leer aus. Unverständlich, aber doch nicht ganz, denn das Baujahr 1967 verrät schnell, dass es sich nicht um das oder ein Originalfahrzeug handeln kann. 1958 wurde der erste Dino 196 S gebaut, er trägt die Chassis-Nummer #0740. Zwei weitere fast gleiche Fahrzeuge mit den Chassis-Nummern #0776 und 0778 wurden gebaut und erfolgreich an Rennen eingesetzt. Hier eine Übersicht der Einsätze.
Dass der Dino 196 S am ZCCA keines dieser 3 Fahrzeuge ist, wurde auch schnell klar, wenn man das Schild las. Das Fahrzeug war klar als Replika bezeichnet, aber Ausdrücke wie vermutlich und es sollen angeblich Originalteile verwendet worden sein, lassen doch eine gewisse Skepsis aufkommen. Ferrari duldet ja keine Nachbauten, die nicht vom Werk abgesegnet werden oder wurden. So auch in diesem Fall, deshalb war die Bezeichnung nicht Dino oder gar Ferrari, sondern Fantuzzi. Die Carrozzeria Fantuzzi, ansässig in Modena, baute anfänglich für Maserati, später für Ferrari, die Karrosserien für die Rennfahrzeuge. Ab Ende der Siebzigerjahre konzentrierte man sich bei Fantuzzi auf Restaurierungen, bevor 1993 der Betrieb eingestellt wurde.
Weshalb stand also dieser ‘Fantuzzi 196 S’ an einem Concours d’Elégance? Ehrlich gesagt, fragen wir uns das auch. Nachbauten sind ja eher verpönt, aber zu unrecht wie wir meinen. Dieses Fahrzeug war klar als Replika deklariert und für die Jury offenbar tabu. Das kann man verstehen, wenn die Auswahl an echten Klassikern für den Gewinn eines Preises gross genug ist – und gross genug war sie am ZCCA. Dann würde man sich aber wünschen, dass solche Fahrzeuge entweder gar nicht eingeladen werden, oder aber man eine Klasse ‘Replikas und Nachbauten’ schafft. Denn handwerklich ist dieser Fantuzzi 196 S eine Meisterleistung und hätte sicher einen Preis verdient.