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Der SC Bern wird auf jeden Fall viel besser spielen als letzte Saison. Und doch ist es keineswegs sicher, dass die Berner den Titel verteidigen werden.
Neuer Trainer, neuer Assistent, neue Ausländer, neuer Goalie – und ein neues Glück? Warum nicht? Mit Kari Jalonen, dem «Arno Del Curto des Nordens», kommt der charismatischste Erfolgstrainer ausserhalb der NHL.
Mit Sicherheit werden die Berner unter der neuen Führung viel besser spielen. Zumindest in der Qualifikation. Der SCB wird die letztjährige Klassierung (8.) klar verbessern. Wir können ausschliessen, dass der SCB wie 2013 als Titelverteidiger die Playoffs verpasst.
Aber besser spielen als in der Meistersaison bedeutet in diesem Falle noch nicht automatisch eine Titelverteidigung. Es wird fast nicht möglich sein, in den Playoffs so gut zu spielen wie in der vergangenen Saison. Ja, es ist unmöglich, das meisterliche Märchen von 2016 zu wiederholen. Wird Kari Jalonen Meister, dann heisst es: «Na und? Letzte Saison war es viel spannender.»
Der SCB hat reiche Erfahrung mit finnischen Trainern. Mit Olli Hietanen stiegen die Berner 1986 am grünen Tisch auf. Der tobende «Feuerkopf» Hannu Jortikka wurde 1994 nach nur einer Saison nicht mehr weiterbeschäftigt. Der freundliche Pekka Rautakallio blieb und der Opernliebhaber Alpo Suhonen kam nicht über die Halbfinals hinaus. Antti Törmänen schied mit Donnerhall: Er wurde als Meistertrainer gefeuert.
Kari Jalonen hat von allen seinen Vorgängern etwas. Er kann mindestens so toben wie Hannu Jortikka, aber nur dann, wenn es notwendig ist. Er ist so freundlich wie Pekka Rautakallio, aber nur, wenn alles so läuft, wie er will. Er ist an Kultur so interessiert wie Alpo Suhonen, aber Eishockey ist immer wichtiger. Und er weiss noch besser als Antti Törmänen, wie man Meister wird.
Ist Kari Jalonen der perfekte SCB-Trainer? Zumindest hat er die besten Referenzen, die je ein SCB-Cheftrainer hatte. Er hat in Finnland mehrmals den Titel verteidigt und sich auch in der KHL (Final mit Prag) und als Nationaltrainer (Final 2016) bewährt.
Hat er die sportlichen Voraussetzungen zur Titelverteidigung? Glen Sather, Cheftrainer und General Manager der Edmonton Oilers in den 1980er Jahren, pflegte zu sagen, eine Titelverteidigung sei nur möglich, wenn ein Drittel des Teams ausgetauscht wird. 1985 und 1988 verteidigte der den Stanley Cup.
Der SCB hat nicht ein Drittel seiner Spieler ausgewechselt. Aber immerhin drei von vier Ausländern und den Torhüter.
Reicht das zur Titelverteidigung? Nein. Der SCB muss defensiv stabiler werden. Eine «Lotterabwehr» war die Hauptursache für die letztjährige Krise während der letzten Qualifikation. 162 Gegentreffer, so viele wie noch nie seit dem Wiederaufstieg von 1986. 2013 hatten die Berner in der Meistersaison bloss 117 Tore zugelassen. Diese defensive Durchlässigkeit hatte verschiedene Ursachen: die Verletzung von Marco Bührer und die lange Angewöhnungsphase seines Nachfolgers Jakub Stepanek, der Verzicht auf einen ausländischen Verteidiger und ein Trainer, den die Spieler fast nicht mehr ausgehalten haben.
Alle diese Faktoren fallen nun weg: Mit Leonardo Genoni ist das Torhüterproblem gelöst, mit Maxim Noreau hat der SCB wieder einen kanadischen Verteidigungsminister und ein Trainerproblem gibt es auch nicht mehr. Mit Jérémie Kamerzin, Eric Blum, Maxim Noreau und Roman Untersander ist die blaue Linie offensiv sogar so gut besetzt wie nie mehr seit 1986.
Mit Corey Conacher haben die Berner ihren wildesten, unberechenbarsten und erfolgreichsten Torschützen verloren. Leitwolf und Captain Martin Plüss ist inzwischen 39 Jahre alt. Die offensive Feuerkraft wird nur grösser, wenn Kris Versteeg und Marc Arcobello die hohen Erwartungen erfüllen.
Die eigentliche Stärke der SCB-Offensive ist sowieso nicht das Toreschiessen. Sondern die Fähigkeit, jeden Gegner mit vier Sturmreihen permanent unter Druck zu setzen und zu zermürben. Oder wie es Chris McSorley einmal so treffend gesagt hat: Gegen den SCB zu spielen ist wie gegen die chinesische Armee zu kämpfen. Immer wenn man glaube, nun sei es überstanden, rolle schon wieder eine neue Welle heran.
Dank dem Zuzug von Leonardo Genoni positiv.
Maximal.
Das Jahr zu viel für Martin Plüss?