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Mal
perforant
du
pied (frz., spr. ráng dü
pĭeh), s.
Brand (in der
Medizin).
Seite 61.530
Mal perforant du pied
14 Wörter, 79 Zeichen
Mal
perforant
du
pied (frz., spr. ráng dü
pĭeh), s.
Brand (in der
Medizin).
1) Bergstadt in der sächs. Kreishauptmannschaft Dresden, [* 4] Amtshauptmannschaft Freiberg, [* 5] am Münzbach, 5 km südlich von der Eisenbahnstation Freiberg, hat ein Amtsgericht, bedeutenden Bergbau, [* 6] Spitzen- und Zigarrenfabrikation und (1880) 2809 evang. Einwohner.
Unter den Silbergruben in der Umgegend ist die Grube »Himmelsfürst« bei Erbisdorf (mit 1250 Arbeitern) die wichtigste. -
2) Felsgruppe der Sächsischen Schweiz, im Polenzthal südlich von Hohnstein, 315,7 m hoch.
(Necrosis, Mortificatio), das Aufhören des Lebens in einzelnen Teilen des Körpers, also örtlicher Tod, wobei
der ganze Organismus als solcher erhalten bleibt. Mit dem Stillstand der Ernährungsvorgänge in den absterbenden Teilen,
welcher
durch das Aufhören der Blut- und Säftezirkulation eingeleitet wird, hören alle Verrichtungen
dieser Teile auf, sie verlieren ihre Eigenwärme, werden unempfindlich, bewegungslos und erleiden in Form und Farbe, in ihrem
physikalischen und chemischen Verhalten gewisse Veränderungen, welche sich je nach den zufälligen äußern Umständen wie
nach der Natur des vom Brand ergriffenen Teils sehr verschieden gestalten können.
Nach diesen Verschiedenheiten hat man die einzelnen Brandformen mit besondern Namen belegt. Beim trocknen Brand (Mumifikation, s. Tafel »Hautkrankheiten«, [* 7] Fig. 2b) erfolgt das Absterben unter gleichzeitiger Vertrocknung und Schrumpfung der Teile, wobei diese jedoch ihre Form im wesentlichen beibehalten. Beim feuchten Brand (Sphacelus, Gangraena, s. Tafel »Hautkrankheiten«, Fig. 2a) lösen sich die Teile beim Absterben zu einer weichen, schmierigen, bräunlichen Masse auf, gleichzeitig verfallen sie der Fäulnis und entwickeln stinkende Gase [* 8] (fauliger Brand, Putrescentia).
Nekrose nennt man vorzugsweise den Brand der Knochen [* 9] und Knorpel, [* 10] wobei die brandigen Teile (hier die sogen. Sequester) ihre Form, Glätte und mikroskopische Textur im wesentlichen beibehalten. Der Brand der Geschwüre heißt Phagedaena. Der Brand kann alle Organe und Gewebe [* 11] des Körpers betreffen; er ist bald in sehr geringer, kaum wahrnehmbarer Ausdehnung [* 12] vorhanden, bald über ganze Glieder [* 13] verbreitet; bald findet er an der Oberfläche, bald im Innern des Körpers statt. Der Brand tritt ein, wenn die Bedingungen der Ernährung der Teile aufgehoben sind.
Hierbei werden entweder einem Teil seine Ernährungsquellen abgeschnitten, indem die Blutzufuhr zu demselben unterbrochen
wird (z. B. bei Verstopfung der Arterien oder Verdickung und Verkalkung ihrer Wand), oder der Körperteil wird
durch Zerstörung
seiner Textur und Struktur zu Aufnahme und Verarbeitung des ihm zugeführten Ernährungsmaterials unfähig
gemacht (z. B.
durch Quetschung, Verbrennung, Erfrieren). Voraufgegangene Entzündungen oder Lähmungen erhöhen die Disposition
zum Brandigwerden.
Bei den von Rückenmarksleiden herrührenden Lähmungen der untern Körperhälfte entsteht leicht brandiges Aufliegen in der
Kreuzbeingegend, wo der Knochen unmittelbar unter der Haut
[* 14] liegt. Dagegen hat die
Durchschneidung eines
Nervs oder überhaupt die Unterbrechung der Innervation an sich nicht zur Folge, daß die Teile brandig werden müssen. Besonders
disponierende Momente sind schlechte Ernährungszustände aller Art, wie sie bei schweren Krankheiten (Typhus etc.) nach großen
Säfteverlusten, bei Geisteskrankheiten infolge langen Hungerns sich einstellen.
Bei Kindern entstehen unter solchen Verhältnissen brandige Zerstörungen der Wangen, Nasen oder der Geschlechtsgegend,
die man Wasserkrebs (Noma) nennt. Zur Entstehung des Brandes gehört aber alle
mal auch eine veranlassende oder Gelegenheitsursache.
Nach dieser nächsten Ursache unterscheidet man den direkten und konsekutiven Brand. Der direkte Brand entsteht
durch unmittelbare
Zerstörung der Gewebselemente, z. B.
durch Zerquetschung, durch hohe
Wärme- und Kältegrade,
durch ätzende Substanzen und starke Mineralsäuren, wenn sie unmittelbar auf die Gewebe einwirken,
oder bei langem Liegen auf derselben Stelle (Gangraena ex decubitu).
Der konsekutive Brand dagegen entwickelt sich im Gefolge andrer Störungen, sobald diese einen solchen Grad erreicht haben, daß
die Ernährung eines Teils vollständig aufgehoben ist. Auch die andauernde krampfhafte Verengerung der
Arterien, wie sie
durch den Genuß des giftigen Mutterkorns verursacht wird, hat Brand zur Folge (vgl. Kriebelkrankheit). Brand entsteht
ferner, wenn der Rückfluß des venösen Bluts aus einem Körperteil vollständig aufgehoben ist (sogen. Einklemmungsbrand).
Dieser Fall tritt vorzugsweise bei der Einklemmung der Darmbrüche (s. Bruch) häufig ein. - In vielen Fällen
von Brand liegt die Ursache desselben im Blut selbst, indem dieses nicht die zur Ernährung der Gewebe erforderlichen Eigenschaften
besitzt, gleichzeitig aber die Gewebe selbst ihre nor
male Widerstandsfähigkeit eingebüßt haben.
Auf diese Weise erklärt sich der Brand, welcher zuweilen bei Kranken vorkommt, die an Zuckerharnruhr, Typhus
etc. leiden, sowie der Brand, welcher infolge von Nahrungsverweigerung bei Geisteskranken so häufig beobachtet wird. Brand entsteht
endlich
durch Infektion der Säfte und Gewebe des Körpers mit gewissen giftähnlich wirkenden Stoffen, namentlich mit fäulniserregenden
Substanzen und mit gewissen Ansteckungsstoffen. Hierher gehören: der sogen. Hospitalbrand (s. d.), die
brandige Rachenbräune, der Brand der Gewebe, welche mit faulendem Harn infiltriert sind, der Karbunkel, die Milzbrandpustel etc.
Die anatomischen Veränderungen, welche während des Brandigwerdens in den Geweben eintreten, sind anfangs verschieden, je
nachdem der Brand als der trockne, mumifizierende oder als der feuchte, stinkende Brand beginnt. Bei beiden
Formen ist das zuerst bemerkbare Symptom eine Farbenveränderung, welche vom Blaugrau
durch Dunkelblaurot
(oft mit einem Stich ins Grüne) bis zu tief blauschwarzen Nüancen wechselt. Verfallen die Teile der Mumifikation, so treten
schnell tiefschwarze Farbentöne ein, die Gewebe (stets äußere Gliedmaßen) werden kleiner, da sie durch Eintrocknung zusammenschrumpfen,
sie fühlen sich kühl und derb an, die bedeckende Haut bekommt ein pergamentartiges Aussehen, beim Drucke
knistert sie.
Ist der brandig werdende Teil schon von vornherein sehr feucht (wie alle innern Organe, Lungen, Darm
[* 15] etc.), so geht die Farbe
rasch in schmutzig grüne Modifikationen über, der erkrankte Abschnitt schwillt an; liegt er außen,
so erheben sich Gasblasen, er wird weicher, kurz, es treten die Erscheinungen der Fäulnis in den Vordergrund, und ein oft unerträglicher
penetranter und dabei etwas süßlicher Geruch ist das auch für Laien untrüglichste Erkennungsmerk
mal. Bleibt der Brand auf
eine umschriebene Stelle beschränkt (wie meist bei Quetschungen und ähnlichen örtlichen Ursachen), so
sind am Ort selbst nur fortschreitende Verflüssigung und geradezu ein Abfaulen der Brandschorfe oder Brandfetzen wahrzunehmen;
breitet er sich in die Umgebung aus, so wird eine Zone des angrenzenden gesunden
¶
Gewebes nach der andern in gleicher Weise verändert und zerstört. Sobald dann der Stillstand eintritt, so sucht der Organismus, sofern er nicht erlegen ist, die abgestorbenen Gewebe vom Gesunden zu trennen und zu entfernen. Diese Trennung wird eingeleitet durch die Bildung von jungem gefäßreichen sogen. Granulationsgewebe an der unmittelbaren Grenze vom Toten und Lebenden, das zunächst als zarte, frischrote, scharfe Linie erscheint und als Demarkationslinie dem Arzt eine Erkennungsmarke ist, um bei beabsichtigter künstlicher Entfernung des abgestorbenen Stückes die Schnittführung zu bestimmen. Geschieht dieses Abtragen nicht, so wird die Granulationsschicht dicker und dicker, ihre Oberfläche sondert Eiter ab, dadurch entsteht eine Lockerung und schließliche Abstoßung des Brandstückes. Der weitere Heilungsverlauf ist nun nicht mehr verschieden von dem einer irgendwie anders entstandenen Wunde.
Sehr verschieden gestalten sich die subjektiven Symptome, d. h. die Erscheinungen, welche der Kranke selbst im brandigen Teil wahrnimmt. Wenn man absieht von dem Erscheinen des Brandes, welcher durch äußere Gewalt oder durch chemische und physikalische Einwirkung oder durch vorausgegangene heftige Entzündung hervorgerufen wird, wobei die Schmerzen sehr heftig sein können, so gehen oft dem infolge innerer Ursachen auftretenden sogen. spontanen Brand eigentümlich schmerzhafte, reißende Empfindungen voraus, welche gewöhnlich für gichtische und rheumatische gehalten werden.
Dazu gesellt sich ein Gefühl von Kälte in dem befallenen Teil. Oft aber entsteht der Brand so schnell, daß mit dem Auftreten der Schmerzen auch schon das Absterben des vom Brand befallenen Teils begonnen hat. Dies ist namentlich der Fall, wo Einschnürung und Kompression Veranlassung zur Entstehung des Brandes gegeben haben. Neben den geschilderten örtlichen Veränderungen treten aber in der Regel zugleich allgemeine Erscheinungen auf, welche besonders bei großer Verbreitung der Brandaffektion als eine Rückwirkung derselben auf den Gesamtorganismus aufzufassen sind. Es entsteht das Brandfieber mit schnellem, kleinem Puls, Ohnmacht, großer Abgeschlagenheit in den Gliedern, trockner Hitze der Haut, Irrereden, fliegendem, beengtem Atem, unauslöschlichem Durst bei lederartig trockner Zunge, Übelkeit, Brechneigung, Aufgetriebenheit des Unterleibes, stinkenden Durchfällen, sparsamem, dunkel gefärbtem, übelriechendem Urin, fahler Hautfärbung, zuletzt mit kalten, klebrigen Schweißen.
Alle diese Erscheinungen deuten auf eine Vergiftung des Bluts durch die in dieses aufgesogene Brandjauche hin, welche Aussaugung um so leichter geschieht, je geringer der Grad der in der Umgebung des Brandes entstehenden Entzündung ist. Je früher und vollständiger sich der Brandherd umgrenzt, je energischer die demarkierende Entzündung an der Grenze des gesunden und toten Gewebes ist, um so weniger treten die allgemeinen Symptome und das Brandfieber hervor.
Da ein bereits brandig gewordenes Gewebe nicht mehr zum Leben zurückgeführt werden kann, so ist die Verhütung
des Absterbens und, wenn es ein
mal begonnen hat, des Weiterschreitens desselben von größter Wichtigkeit. Die Behandlung
hat daher drei Aufgaben:
1) Die Ursache zu erforschen, infolge deren der Brand aufzutreten droht. Ist eine heftige Entzündung vorhanden, so muß diese durch die entzündungswidrige Behandlung gemäßigt, drohen Einschnürungen und Einklemmungen Brand hervorzurufen, so müssen diese sofort gehoben werden. Ein einschnürender Verband [* 17] muß gelüftet und lockerer angelegt werden; einschnürende Körpergewebe schneidet man ein, wie dies z. B. bei eingeklemmten Brüchen zum Behuf der Erweiterung der Bruchpforte geschehen muß und Einschneidung der Haut häufig nötig ist, wenn diese durch ihre Unnachgiebigkeit auf die unterliegenden entzündeten Gewebe einen nachteiligen Druck ausübt, u. s. f. Zu gleicher Zeit sorge man für gute Lagerung des Kranken, welche das Aufliegen (Durchliegen) vermeidet, und für größte Reinlichkeit der Leib- und Bettwäsche und des Körpers selbst. Wunden müssen fleißig gereinigt und frisch verbunden, die verunreinigten Verbandstücke sorgfältig entfernt, gute Ventilation hergestellt werden.
2) Den Allgemeinzustand des Kranken mit kräftiger Nahrung, Wein, Bädern etc. zu kräftigen und 3) die brandigen Teile, wenn sie zugänglich sind, nach den Regeln der Wundbehandlung zu pflegen. Diese örtliche Behandlung hat die Eiterung zu befördern durch warme Überschläge und Bäder, denen unter Umständen aromatische und reizende Substanzen beigemischt werden. Schreitet der Brand dennoch fort, so kann unter Umständen ein operativer Eingriff, z. B. Amputation eines brandigen Gliedes, oder die Anwendung des Glüheisens nötig werden, welches in Kreisform um das Glied [* 18] und zwar über die noch gesunde Haut hinweggeführt wird. Im allgemeinen jedoch gilt als Regel, daß man nicht eher zur Amputation eines brandigen Gliedes vorschreiten darf, als bis der Brand sich begrenzt hat und zum Stillstand gekommen ist. Verbreitet ein brandig gewordener Körperteil einen übeln Geruch, welcher dem Kranken sehr lästig wird, so wickelt man den betreffenden Teil in Tücher ein, welche in Chlorkalklösung getaucht sind, welch letztere nebenbei noch den Vorteil gewährt, daß sie einen wohlthätigen Reiz auf die gesunden Teile übt, wodurch dann die Abstoßung befördert wird.
Der Altersbrand (Gangraena senilis, seniler Brand) ist eine eigentümliche Art brandiger Zerstörung, welche meist bei ältern Leuten, mehr bei Männern als Frauen, auftritt, fast immer an den Zehen und Fußspitzen beginnt und die Folge jener Entartungen und krankhaften Veränderungen der blutzuführenden Gefäße ist, welche man mit dem Namen des atheromatösen Prozesses der Arterien belegt hat (vgl. Arterienentzündung). Es bedarf jedoch außer dieser Krankheit der Arterien noch einer Verminderung der Kraft [* 19] des Herzens, wie sie ebenfalls häufiger bei alten Leuten angetroffen wird, wenn es zu einer so bedeutenden Verlangsamung des Blutstroms kommen soll, daß dadurch Gerinnungen und Verstopfungen innerhalb der Gefäße entstehen, wodurch die Ernährung der vom Herzen am weitesten entfernten Teile so sehr herabsinkt, daß Brand entsteht.
Ist ein
mal eine solche Zirkulationshemmung vorhanden, so bedarf es nur sehr geringfügiger äußerer
Ursachen, einer leichten mechanischen Schädlichkeit oder einer Erkältung, um Brand hervorzurufen. Diese Ursachen sind wegen ihrer
Geringfügigkeit häufig übersehen worden. Man hat deshalb in früherer Zeit diesen Brand den freiwilligen (Gangraena
spontanea) genannt. Der senile Brand beginnt in der Regel mit einer ganz leichten Entzündung, verwaschener
Röte und teigiger Anschwellung der Haut der Fußspitze, welche zuweilen von Anfang an mit ausgedehnter und heftiger Schmerzhaftigkeit
verbunden ist. Die weitern Veränderungen s. oben. Der Verlauf ist nicht immer ein schneller. Die Krankheit zieht sich vielmehr
nicht selten in die Länge, scheint zuweilen stillstehen zu wollen, um dann mit einem
mal wieder stärkere
Fortschritte zu
¶
machen. Auch Fälle von Heilung, von Begrenzung des Brandes und Abstoßung des Abgestorbenen gehören nicht zu den Seltenheiten.
Über den Brand vom Genuß des Mutterkorns s. Kriebelkrankheit.
bei den Pflanzen verschiedenartige Krankheitserscheinungen, die wegen rein äußerlicher Ähnlichkeit, [* 21] jedoch ganz unpassend, mit dem Brand des tierischen Körpers verglichen worden sind. Vorzugsweise werden mit diesem Ausdruck diejenigen Krankheiten krautartiger Gewächse bezeichnet, bei welchen gewisse Teile derselben und zwar bereits bei ihrer Entwickelung mehr oder weniger von einer schwarzen oder braunen, staubartigen Masse erfüllt erscheinen; diese Erscheinungen werden verursacht durch die Vegetation parasitischer Pilze, [* 22] und die brandartige Masse besteht aus den Fortpflanzungsorganen (Sporen) der letztern.
Die solches bewirkenden Pilze gehören sämtlich in die Familie der Brandpilze (s. d.), und jedem derselben entspricht eine Brandkrankheit. Als Brand bezeichnet man aber auch unpassenderweise Krankheiten andrer Art, vorzugsweise an Holzpflanzen, welche durch verschiedene Ursachen, wie Ausästung, Gipfelbruch, Wurzelverletzungen, Frostspalten, Schälwunden und parasitische Pilze, hervorgerufen werden und im allgemeinen in einer durch Mißfärbung sich kundgebenden chemischen Zersetzung und Fäulnis der Holzsubstanz bestehen. Diese Erscheinungen werden am besten als Wundfäule bezeichnet. Als Gegenmittel gegen letztere empfiehlt sich zweckmäßiges Ausschneiden der Wunden und Überziehen der Wundflächen mit Steinkohlenteer oder Baumkitt.
1) Adam, Reisender, aus Lübeck, [* 23] kam als Kaufmann noch sehr jung nach Moskau, [* 24] von wo er 1692 die holländische Gesandtschaft nach China [* 25] begleitete. Nach seiner Rückkehr setzte er sein Handelsgeschäft fort und erhielt nach einiger Zeit die Stelle eines preußischen Kommerzienrats. König Friedrich I. übertrug ihm eine Gesandtschaft an den persischen Hof; [* 26] als diese jedoch 1713 abreisen wollte, starb der König, und die Ausführung unterblieb. Brand brachte seine übrige Lebenszeit in Königsberg [* 27] zu. Die Beschreibung seiner großen chinesischen Reise etc. erschien zuerst Frankfurt [* 28] 1697 (vermehrt Berl. 1712, zuletzt Lübeck 1734) und ist ins Holländische, [* 29] Französische und Englische [* 30] übersetzt worden.
2) Enevold von, Struensees Günstling, geb. 1738 zu Kopenhagen, [* 31] ward 1760 dänischer Kammerjunker, suchte sich an Christian VII. heranzudrängen, ward aber auf Betreiben des Grafen Holck 1768 verbannt und erst von Struensee 1770 zurückberufen und an Holcks Stelle Kammerherr, Oberaufseher der Schauspiele und beständiger Gesellschafter des geisteskranken Königs, später Graf und Geheimrat. Doch war er mit seiner Stellung nicht zufrieden und plante sogar 1771 eine Verschwörung gegen Struensee. Nach Struensees Sturz ward er angeklagt, den blödsinnigen König bisweilen thätlich mißhandelt zu haben, und vor Struensees Augen, nachdem man ihm die rechte Hand [* 32] abgehauen, geköpft und gevierteilt
3) Henry Vouverie William, Sir, namhafter engl. Parlamentarier, geb. als jüngerer Sohn des 22. Lords Dacre, war einige Zeit Privatsekretär von Sir George Grey und wurde 1852 ins Unterhaus gewählt, wo er sich der liberalen Partei anschloß. 1855-58 war er einer der Lords des Schatzes, 1858 für einige Wochen Siegelbewahrer des Prinzen von Wales und vom Juni 1859 bis zum Juli 1866 Sekretär [* 33] des Schatzamtes. Seit 1859 fungierte er daneben als erster »Einpeitscher« (whip) der liberalen Partei, und zur Belohnung für die in diesem wichtigen Vertrauensamt bewiesene Energie wurde er 1872 von der Regierung zu dem ehrenvollen und einträglichen Amte des Sprechers (Präsidenten) des Unterhauses vorgeschlagen und ohne Widerspruch gewählt.
Trotz seiner ausgesprochenen liberalen Parteianschauungen erwarb er sich durch seine unparteiische Geschäftsführung so sehr die Anerkennung auch der Gegner, daß er 1874, als in dem neugewählten Parlament die konservative Partei die Majorität besaß, einstimmig wiedergewählt wurde. Erst 1884 legte er sein Amt nieder und wurde zum Peer ernannt. Der Versuch, welchen Brand auf seinen Gütern in Sussex machte, durch Gewinnbeteiligung die Lage der ländlichen Arbeiter zu verbessern, fiel nicht glücklich aus.
4) Jan Hendrik, Präsident des Oranjefreistaats, geb. 1833 in der Kapstadt, [* 34] studierte in England Jurisprudenz, wurde dort beider Rechte Doktor und ließ sich dann in seiner Vaterstadt als Advokat nieder. Als solcher gewann er durch seine umfassenden Kenntnisse und seinen rechtlichen Charakter das Vertrauen seiner Mitbürger in solchem Grade, daß diese ihn 1866 auf den Posten des Präsidenten der Republik beriefen, welche unabhängig erklärt worden war.
Die Republik blühte unter seiner Präsidentschaft in solcher Weise auf, daß er seit jener Zeit nicht weniger
als fünf
mal wieder erwählt ward und zwar zum letztenmal auf fünf Jahre. 1876 besuchte er England auf Einladung
Lord Carnarvons, um der Konferenz der südafrikanischen Delegierten anzuwohnen, welche über eine Konföderation dieser Staaten
zu beraten hatte. Der Volksraad, die Kammer des Oranjefreistaats, war gegen eine solche Konföderation,
Brand sprach sich deshalb dagegen aus, und damit fiel das Projekt. Als der im Dezember 1880 ausgebrochene Konflikt zwischen Transvaal
und England beigelegt werden sollte, leitete Brand die Friedensvermittelung und wußte dieselbe zu einem erfolgreichen
Ende zu führen.