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"Wenn einige der Mega-Banken London verlassen, werden wir mitziehen", kündigte ING-Chef Ralph Hamers in einem Interview mit Bloomberg News an. "Entweder der Zirkus der Finanzmärkte hat seinen Sitz in London oder eben anderswo." ING leitet das weltweite Investmentbanking und die Schwellenmarktgeschäfte von London aus und beschäftigt 650 Mitarbeiter in der britischen Hauptstadt.
Vor Hamers haben bereits einige andere Spitzenbanker gewarnt, dass im Falle eines Brexit die Position Londons als internationalem Wirtschaftszentrum gefährdet wäre. Erst am Montag hatte Stuart Gulliver, der CEO von HSBC, erklärt, er werde unter Umständen 1000 Investmentbanker nach Paris verlagern, sollte sich Grossbritannien bei der Befragung am 23. Juni für einen EU-Austritt entscheiden.
Schlecht fürs Geschäft
Sollten die Briten aus der EU austreten, wäre das "eine schlechte Nachricht für die EU und eine schlechte Nachricht fürs Geschäft", erklärte Hamers. London ziehe "eine Menge Talente an, nicht nur englische Talente, sondern auch internationale Talente".
Finanzdienstleister von Banken bis hin zu Versicherern könnten Jobs aus Grossbritannien abziehen, sollten die aktuellen Passregeln mit der EU im Falle eines Brexit wegfallen, warnt J.P. Morgan Chase. Gemäss dieser Regeln können Firmen von Grossbritannien aus ihre Geschäfte führen und müssen nicht eine separate Dependance innerhalb der EU haben.
"Wenn diese Regel verschwindet, müssten einige Jobs nach Kontinentaleuropa abwandern", sagte HSBC-Chef Gulliver am Montag gegenüber Journalisten. Die grösste britische Bank würde Mitarbeiter nach Frankreich verlagern aus Bereichen, für die die MiFID-II-Richtlinien gelten, die Marktregeln der EU, die alles mögliche von Derivatehandel bis hin zu Bondpreisen umfassen. Andere Geschäfte wie der Devisenhandel wären von einem EU-Austritt nicht betroffen, fügte er hinzu.
Gefährdete Cluster-Bildung
In der vergangenen Woche hatte Gerry Grimstone, der Chairman von Standard Life, einen Austritt "potenziell schädlich für die britische Wirtschaft" genannt und erklärt, dass "der Zugang zum EU-Binnenmarkt im besten Interesse unserer Kunden und Klienten" sei.
Sollte es im Fall eines EU-Austritts Grossbritanniens zu einem Exodus grosser Finanzkonzerne kommen, wäre das auch schädlich für die Cluster-Bildung der Grossbanken, die davon profitieren, wenn sich viele von ihnen nahe beieinander befinden, sagt Hamers. "Man muss zusammenkommen, um Talente zu finden und an den Märkten richtig zu arbeiten", sagte er. "Wenn die grossen Jungs wegziehen, werden wir auch darüber nachdenken müssen."
(Bloomberg)