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Einer der wohl am Meisten fokussierten Ziele, von "sportlichen" Funkamateuren, ist das DXCC Honor Roll zu erreichen. Oder wie es die ARRL in ihrer Diplomausschreibung bezeichnet: "the pinnacle of DX achievement". Klar, auch im Amateurfunkdienst über Satellit ist dieses Diplom begehrt. Wenn man mal von QO-100 absieht, welcher 24hx365 Tage im Jahre über 200 DXCC Gebiete abdeckt, ist es über Satellit sehr schwierig schon mal überhaupt 100 Länder zu erreichen.
Für Satelliten Amateure ist ein ganz anderer "Wettbewerb" oft viel interessanter. Eine Ausschreibung, resp. ein Diplom gibt es dazu nicht - oder vielleicht nur als PR-Instrument der
Satellitenbauer: Wer schafft es, als erstes die Telemetrie eines frisch gestarteten Satelliten zu empfangen, zu decodieren und zu die Ergebnisse zu veröffentlichen?
Dazu werden Keplerdaten analysiert, Frequenzen abgesucht und sogar eigene Software geschrieben, damit die Telemetrie auch in Klartext wiedergeben werden kann. Die Satellitenbauer selbst haben ein vitales Interesse daran, möglichst früh Informationen über den Zustand ihres kurz zuvor gestarteten Satelliten zu erhalten. Darum forcieren gerade sie die Jagd nach dem ersten Signalen, was offenkundige viele Funkamateure fasziniert.
Und diese Faszination ist tief in der DNA der Satelliten-Amateure verwurzelt. Schon zu beginn des Raumfahrtzeitalters lagen die Funkamateure auf der Lauer und haben nach den ersten Signalen von Sputnik, dem ersten Satelliten im Weltraum gelauscht. Damals, im kalten Krieg, war sowieso alles sehr geheimnisvoll. Wer Signale aus dem All empfangen konnte, war hoch angesehen und war sich eines Berichts in den Medien sicher. Doch nicht der Ruhm trieb die Funkamateure an, sondern die Neugierde nach dem Neuen und dem Unerforschten.
Mir bekannt sind aus der damaligen Zeit zwei Stationen, die sich auf Distanz einen Wettbewerb lieferten. Im Norden, in Bochum, war Heinz Kaminski, der dort die Volkssternwarte betreute. Ja genau die Sternwarte, wo heute die AMSAT-DL zu Hause ist.
Im Süden waren die Gebrüder Judica-Cordigla, die mit ihrer Empfangs-Station "Torre Bert", wie die Kollegen in Bochum, in der Medienwelt für Aufregung sorgten. Beide Stationen gelang es auf abenteuerlicher Weise, pikante Informationen von den Grossmächten zu den Raumfahrtprogrammen zu erhaschen. So wetteiferten sie immer wieder mit neuen Informationen um die geheimnisvollen Signale aus dem Weltraum. Die nationalen Medien von Deutschland und Italien bezogen sich immer wieder auf Meldungen dieser Stationen. Sobald einer der Grossmächten wieder ein neues Projekt in den Weltraum gestartet hatten, hörten sie genau hin, was Bochum und Torre Bert zu vermelden hatten. Ob Juri Gagarin oder John Glenn: Bochum und Torre Bert waren immer live dabei.
Nebst den offiziell bestätigten Empfangsberichte, empfingen diese Stationen aber auch Signale, über welche es bis heute keine offizielle Erklärung dazu gibt. Diese werden auch teilweise kritisch hinterfragt
Die Ehre über die ersten empfangenen Signalen gebührt Bochum und Torre Bert auf jeden Fall. Und aus Satelliten Sicht gebührt ihnen auch die Ehre ""the pinnacle of DX achievement" auf ihre Weise erobert zu haben. Ob es die einzigen Stationen damals waren, welche sich derartig stark engagierten, entzieht sich meinen Kenntnisse.
Während von Torre Bert nur noch ein Adresse übrig blieb, hat sich die Volkssterwarte IUZ Bochum zu einer stattlichen Institution gemausert: Mit dem 20m Spiegel wird aktuelle Weltraumforschung unterstützt. Zusammen mit der AMSAT-DL beherbergt der Standort auch eine offizielle ESERO Ausbildungsstätte der ESA. Und nicht zuletzt sind im hauseigenem Museum spannende Artefakte aus der Anfangszeit der Raumfahrt zu entdecken. Ich kann einen Besuch in Bochum sehr empfehlen.
Über beide Stationen wurden auch TV-Dokumentationen gedreht, die heute auf Youtube angeschaut werden können.
Nun, der kalte Krieg ist (gottlob) vorbei. Die Welt ist aber auch heute zerrüttet und geheimnisvolle Signale sind auch heute noch im Orbit zu entdecken. Vor allem bei den Massenstarts von ganzen Satelliten Armadas. Auch wenn es sich nicht um ein geheimnisvolles Signal handelt, besteht die Schwierigkeit, dieses einem Objekten im Weltraum zu zuordnen. Zu dicht fliegen die Satelliten nach dem Start vorerst zueinander. So Dicht, dass sich die Antennen der Satelliten gegenseitig verheddert haben sollen.
Um solchen Geheimnissen auf die Spur zu kommen, empfehle ich den Blog Eintrag von Mike DK3WN zu lesen. Spannend, wie man den Satelliten auf die Spur kommen kann: https://www.dk3wn.info/wp/2008/05/05/tle-lotterie/
Es werden aber nicht nur nach Signalen von neuen Satelliten gesucht, sondern auch von alten, aufgegeben, teilweise vergessenen Satelliten. AO-7 gilt inzwischen als ältester noch funktionierender Satellit überhaupt im Weltraum. Seine Signale wurden 2003 per Zufall wieder entdeckt, nachdem er über 20 Jahre lang stumm war.
Sehr spannend war auch die Reaktivierung der NASA Sonde ISEE-3 durch Funkamateure. Auch hier wurden die Medien auf uns wieder aufmerksam. Es zeigte, wie schnell und innovativ Funkamateure sein können, wenn die Zeit drängt. Der selbe Spirit wie damals in Bochum und Torre Bert.
Um es vielleicht etwas anders auszudrücken: Das DXCC ist ein nach innen gerichteter, persönlicher Erfolg. Die Jagd nach unbekannten Signalen im Weltraum ist eher das Gegenteil. Mein persönliches Motto: Das Eine tun, das Andere nicht lassen.
Quellen:
The Cordiglia Brothers - Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/Judica-Cordiglia_brothers
Satelliten Lotterie von DK3WN: https://www.dk3wn.info/wp/2008/05/05/tle-lotterie/