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300: Interview mit Gerard Butler
Gerard Butler hat eine Schwäche für Gestalten, denen man nachts nicht begegnen möchte. Nach dem Phantom der Oper in der Filmversion von Andrew Lloyd Webbers Musical spielt er nun den spartanischen König Leonidas in 300. Sieht man den schottischen Schauspieler in echt, ist "Schwäche" vielleicht nicht gerade die richtige Wortwahl. Er ist genauso ein Kerl wie der gewalttätige Heerführer, den er in der Adaption von Frank Millers Comic spielt - einfach ohne den Bart. Mit seiner tiefen Stimme und dem unschwer als schottischen zu erkennenden Akzent brummelte er in Berlin Zeugs über seine Rolle und den Lendenschurz, den er dabei zu tragen hatte, ins OutNow.CH-Mikrofon.
OutNow.CH (ON): Gibt es ein Geheimnis, wenn man eine so starke Leinwandpräsenz wie König Leonidas spielen muss?
Gerard Butler (GB): Ich wurde während sechs Monaten selber zum Spartaner. So viel musste ich noch nie trainieren. Aber weil ich wusste, dass ich zu einem grossen Teil fast nackt durch den Film laufen musste, war ich bestens motiviert dazu. Das Fitnesstraining hatte auf meine Leistung auch einen mentalen Effekt. Ich fühlte mich äusserst stark und sehr selbstbewusst. Ich wurde effektiv stärker und musste es deshalb nicht nur spielen.
ON: Was ging dir durch den Kopf, als du dich zum ersten Mal im Kostüm gesehen hast?
GB: Beim ersten Blick in den Spiegel kamen verschiedene Gefühle auf. Es sah vollgeil aus - gleichzeitig auch lächerlich. Aber da ich das Kostüm auf dem Set länger trug als meine eigenen Kleider, wurde es quasi ein Teil von mir. Wenn du dein Schild packen kannst, fühlst du dich gleich sehr männlich und potentiell gemeingefährlich.
ON: Wurde an deinem Body was rumgebastelt für den Film?
GB: Nein. Das bin durch und durch ich. Auf die gesamte Filmlänge gesehen wäre das wohl ein bisschen teuer geworden. Nur schon ein Gesicht für ein paar Szenen zu manipulieren kostet bald einmal 50'000 Dollar. Warner Brothers mochte mich zwar, aber so doll dann auch wieder nicht, als dass sie mir für 5 Million Dollar einen Compibody finanziert hätten.
ON: Hast du Frank Millers Buch bereits gelesen gehabt, bevor man dir die Rolle gab?
GB: Nein. Ich war nie ein grosser Comic-Fan. Aber ich weiss die Geschichten, welche diese irrsinnigen Köpfe zu Papier bringen, voll und ganz zu schätzen. Beim Zeichnen hat man nie finanzielle Limiten, wenn man eine Landschaft erstellen will. Und zum Glück hatten wir ein paar Genies an Bord, welche es nicht nur fertig brachten, diesen Landschaften Leben einzuhauchen, sondern sie auch noch zu erweitern.
ON: Konntest du dir visuell was vorstellen vom fertigen Film?
GB: Es gab recht viele Zeichnungen der Welt, in der wir uns am Ende befinden sollten. Die hatten wir am Set dabei und ich verbrachte viel Zeit damit diese anzusehen.
ON: Hat dir Frank Miller je mitgeteilt, wie er dich als König Leonidas fand?
GB: Ich traf Frank erst, als er uns mitten in den Dreharbeiten besuchte. Er freute sich sehr, aber ich war ein bisschen aufgeregt. Was würde der King Frank Miller von seinem König denken? Es wäre ja durchaus möglich, dass er sagen würde: "Ich glaub's fast nicht, was du da spielst. Es bricht mir das Herz." Sowas weiss man nie, und man hört ja allerhand Geschichten von solchen Originalautoren. Aber auf dem Set war es ihm sauwohl, und er wusste, dass er Zack Snyder bei der Rollenwahl trauen konnte.
ON: Es gibt eine Reihe von "Blut und Ehre"-Zeilen im Script. Waren die für dich nicht auch ein bisschen albern, wenn du sie laut schreien musstest?
GB: Das war Teil der Herausforderung für mich als Schauspieler. Fast jeder Dialog im Film kann sehr erhaben klingen, aber wenn du buchstäblich nur schon einer Silbe anders intonierst, wirkt das ganze gleich lächerlich. Das passierte manchmal ungewollt und sorgte für Gelächter, aber es gibt trotzdem viel Spass im Film. Amerikanische Zuschauer haben das bemerkt. Leonidas ist eigentlich ein lustiger Kerl. Hinter seiner Arroganz und Stärke versteckt er auch viel Humor. Wie hätten all die Soldaten die vielen Schlachten überstanden, wenn sie alles bierernst genommen hätten. Dabei fangen auch die Zuschauer zu lachen an. Schliesslich erzählt 300 eine Geschichte, von der man ruhig berührt sein darf, aber der Film nimmt sich nicht allzu ernst. Er soll verdammt noch mal aufregend und unterhaltsam sein.