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Diese Militärgeschichte des Mittelalters bietet einen Überblick über den Zeitraum von etwa 500 bis 1500. Sie erhellt eine Welt, in der der Krieg allgegenwärtig war: Kein Reich und keine Gesellschaftsgruppe blieben dauerhaft oder langfristig von ihm verschont; jahrhundertelange Friedensphasen - wie im italischen Kerngebiet des antiken Imperium Romanum - kannte das Mittelalter nicht. Der Krieg prägte den Gesellschaftsaufbau dieser Epoche seit den Anfängen des sogenannten Heerkönigtums; stets blieb der mittelalterliche Adel an den Krieg gebunden und blieben die ritteradligen bellatores die in Kriegführung und Gesellschaft einflussreichste Gruppe. Wer auf welche Weise in das Kriegswesen eingebunden war, wie Rekrutierungsmechanismen funktionierten, welche Strategien, Taktik und Bewaffnung man pflegte und wie es um die Kriegsopfer bestellt war, kommt in diesem Band ebenso zur Sprache wie religions-, sozial- und kulturgeschichtliche Fragen, die sich im Zusammenhang der Militärgeschichte des Mittelalters stellen.
Die Geschichte des Militärwesens im Mittelalter wird in diesem Band anschaulich und präzise, spannend und umfassend dargestellt. Leserinnen und Leser erwartet ein grosses Panorama - von den Merowingern bis zur Eroberung Konstantinopels, von den Kreuzzügen bis zum Hundertjährigen Krieg, von Schild und Schwert bis zur Erfindung des Schiesspulvers, dem Untergang der Ritterkultur und dem Aufkommen der Landsknechtsheere.
Militärgeschichte des Heiligen Römischen Reiches mit technischen Schwächen
Bewertung aus Wien am 02.09.2020
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Wer sich eine fundierte und pointierte Abhandlung über die Militärgeschichte des Mittelalters erwartet, ist mit diesem Buch falsch bedient.
Prof. Clauss widmet sich fast ausschließlich der Militärgeschichte des Heiligen Römischen Reiches (bzw. im Frühmittelalter den Merowingern und den Karolingern).
Zugegeben verkündet er dies in seiner Einleitung:
"Der Untersuchungsraum umfasst Lateineuropa, also im Wesentlichen Deutschland, Frankreich, England und Italien - mit einer Konzentration auf dem deutschen Reich. Damit ist der Kulturraum umrissen, in dem Latein die Kultursprache und das römisch-katholische Christentum die Mehrheitsreligion waren." (S. 13)
Letzterer Satz schmerzt sehr. Diese viel zu enge Definition eines lateinisch-christlichen Europa exkludiert somit große Königreiche wie Ungarn und Dänemark vollkommen. Nord- und Osteuropa fällt somit überhaupt aus dem Fokus und wird dementsprechend nicht behandelt.
Noch katastrophaler ist die Exklusion des Byzantinischen Reiches, zumal Prof. Clauss trotz seiner räumlichen Beschränkung ein ganzes Kapitel den Kreuzzügen widmet. Das ist an sich gut und richtig, aber durch seine Entscheidung für das "griechische Europa" nicht das Gleiche zu tun, verkommt sein Überblick zu einem Desiderat.
Es ist hauptsächlich eine Militärgeschichte des Heiligen Römischen Reiches.
CH Beck sollte in diesem Fall den Titel nochmals überdenken.
Mein zweiter großer Kritikpunkt bezieht sich auf das technische Desinteresse von Prof. Clauss.
Wer mehr über die Ausrüstung mittelalterlicher Krieger erfahren will, der ist mit diesem Buch falsch beraten.
Als Beispiel sei hier das Ringpanzerhemd angeführt:
Das allseits bekannte Ringpanzerhemd aus ineinander verschlungenen und vernieteten Eisenringen beschreibt Prof. Clauss so:
"Berittene und Fußkämper tragen Kettenhemden, die von einer Kapuze am Kopf bis zum Oberschenkel reichen. Solche Hemden dienten seit der Antike als Körperschutz; das Herstellungsprinzip blieb über die Jahrhunderte ziemlich konstant: Ineinander geschmiedete Eisenringe boten Schutz und Flexibilität, waren aber relativ schwer" (S. 43)
Der Autor wäre gut beraten der Dresdner Rüstkammer einen Besuch abzustatten, um die kunstvollen Produkte der "Sarworter" mit eigenen Augen zu sehen und da kann er gleich nach dem tatsächlichen Gewicht fragen.
Wie man es richtig macht kann man übrigens in einem anderen CH Beck Wissen nachlesen und zwar in Joachim Ehlers "Die Ritter". Der Ringpanzer aus der Feder von Ehlers:
"Trug man bis dahin ein Panzerhemd aus eisernen Ringelgeflecht, das in weströmischer Tradition kurzärmelig war, so kamen durch die Kreuzzüge oströmisch-orientalische Formen auf, nämlich das langärmlige Panzerhemd mit Fäustlingen und einer Panzerkapuze, die man zurückschlagen konnte, seit Anfang des 13. Jahrhunderts ergänzt um einen seitlich hochgebundenen Kinnlatz. In dieser Form hieß der Panzer französisch haubert, mittelhochdeutsch halsberc; darunter trug man ein wattiertes oder aus schwerem Rindleder gefertigtes Untergewand zum Abmildern von Schlägen auf den Körper, darüber seit Mitte des 12. Jahrhunderts einen kurzärmligen, häufig farbigen und mit dem Wappen des Besitzers geschmückten Waffenrock."
Weitere "technische Probleme" stellen Fehler im Text dieses Buches dar.
Als Beispiel sei hier ein sehr verwirrender Zahlenverdreher auf Seite 35 gegeben: Dort liest man, dass der Historiograph Widukind von Corvey nach 793 verstarb. Tatsächlich lebte Widukind von Corvey aber im 10. Jahrhundert und verstarb nach 973.
Diesem CH Beck Wissen kann ich nur einen Stern geben, da es schlicht nicht hält, was sein Titel verspricht. Die technischen Ungenauigkeiten zementieren dieses Urteil nur weiter ein.