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Kaffee wächst nicht in der Schweiz, sondern im sogenannten Kaffeegürtel, zwischen dem 23. nördlichen und 25. südlichen Breitengrad parallel zum Äquator. Zentralamerika, Brasilien, Indonesien, Indien, Vietnam gehören zu den grossen Produktionsregionen, aber auch das östliche Afrika mit Äthiopien und Kenia. Während der Kaffee in unserem Alltag omnipräsent ist, sind die sozialen, ökologischen und finanziellen Schäden im Kaffeeanbau weit weg.
Die Konzernverantwortungsinitiative tangiert den Kaffeeanbau und -handel und die Verantwortung von Röstereien direkt. Auch Frau Bundesrätin Karin Keller-Suter führt Kaffee in Interviews als Beispiel an[1][2], leitet daraus aber ein Argument gegen die Initiative ab.
Als Kaffeerösterei, grösste Kaffeeschule der Schweiz und Co-Betreiberin einer Kaffeefarm in Nicaragua widersprechen wir der Darstellung von Bundesrätin Karin Keller-Sutter vehement.
Stattdessen sehen wir wichtige Impulse, die von der Konzernverantwortungsinitiative ausgehen und zu einer nachhaltigeren und zukunftsorientierten Kaffeebranche beitragen können. Die Konzernverantwortungsinitiative ist für die Schweizer Kaffeebranche eine Chance, sich langfristig zukunftssicher aufzustellen, mit Produzenten auf Dauer angelegte Handelsbeziehungen zu gestalten und sich Zugang zur knapper werdenden Ressource Kaffee zu sichern.
Die Kaffeebranche konnte sich in den letzten zwei Jahrhunderten hinter der Anonymität verstecken. Die Produktionsbedingungen, die Einkaufspreise, die Handelspraktiken, die asymmetrische Machtstellung zwischen den Produzierenden in der südlichen Hemisphäre und der verarbeitenden Industrie in der meist nördlichen Hemisphäre wurden lange nicht hinterfragt – und wenn, dann blieb doch vieles beim Alten.
Zuletzt gab es jedoch immer mehr erfreuliche Entwicklungen und innerhalb der internationalen Kaffeerösterbranche ein verstärktes Engagement für Transparenz und Fairness entlang der Kaffeekette[3].
Die Gegner der KVI sagen, dass die “globalen Lieferketten mit tausenden Zulieferfirmen hochkomplex seien” und “meist ausserhalb des Einflussbereichs der Auftraggeber”[4] liegen. Als Kaffeerösterei müssen wir dem widersprechen.
Jede Rösterei hat es selbst in der Hand, die eigene Lieferkette sorgfältig aufzusetzen, zu kontrollieren, und mit Partnern zusammenzuarbeiten, die eine entsprechende Denkweise verfolgen. Es liegt nicht ausserhalb des Einflussbereichs der Auftraggaber – in diesem Beispiel der Kaffeerösterei – ob ein Kaffee mit einer sauber aufbereiteten Lieferkette besorgt werden kann oder nicht.
Es hat alleine mit dem Willen und dem Anspruch zu tun, ob dieser Weg des Unternehmertums eingeschlagen wird.
Dass Kaffeeketten nachverfolgbar, resilienter und berechenbarer werden können, ist eine Entwicklung, die längst fällig ist und historisch ziemlich lax behandelt wurde. Die KVI ist für die Kaffeebranche eine Korrektur mit Potenzial, den Zeichen der Zeit Sorge zu tragen.
Für eine wachsende Anzahl kleinerer und grösserer Röstereien hat die KVI keine bzw. wenig Auswirkungen. Diese Röstereien beziehen Kaffee direkt oder semi-direkt (zwischengeschaltete Händler), bauen auf Dauer angelegte Beziehungen mit Kaffeeproduzenten/-innen auf und sind sowohl telefonisch als auch durch Reisen in die Anbauländer in einem stetigen Austausch.
Die Entscheidung für einen direkten Bezug ist bei kleineren Röstereien besonders darin begründet, dass diese Mitverantwortung übernehmen wollen. In vielen Fällen werden dann für Rohkaffees höhere Preise bezahlt, die sich nicht an der Kaffeebörse orientieren.
Je grösser die Rösterei, desto mehr Rohkaffee kauft sie ein. So hat sie indirekt auch mit einer grösseren Anzahl Produktions- und Handelspartnern zu tun. Zwar steigert sich damit auch der Aufwand – dies entbindet die Röstereien jedoch nicht von ihrer Verantwortung. Röstereien haben die Aufgabe, gewissenhaft und sorgfältig Rohkaffeelieferanten auszusuchen. Konsument/-innen sollen sich darauf verlassen können, dass ihr Kaffee verantwortungsvoll produziert worden ist.
Die Konzernverantwortungsinitiative ist hier ein ergänzender Impuls, der dazu beitragen kann, den Blick noch genauer für Risiken auf Kaffeefarmen zu schärfen. Sie bildet eine Grundlage für einen zielgerichteten Dialog mit Handelspartnern. Die KVI ist für die Kaffeebranche und den Kaffeehandel ein notwendiger Weckruf, den Blick mehr auf die Nachhaltigkeit der Wertschöpfungskette zu werfen.
Eine derart gestaltete Handelsbeziehung ist eine Chance, kein Risiko. Aufgrund des wachsenden Kaffeekonsums in neuen Märkten wie China oder Indien und sich verändernden Anbaubedingungen aufgrund des Klimawandels, steht die Kaffeebranche in den nächsten 15 Jahren vor einer Verknappung von hochwertigen Kaffees. Verlässliche, nachhaltige und auf gemeinsame Verantwortung angelegte Handelsbeziehungen sichern Röstereien den Zugang zur knapper werdenden Ressource Kaffee.
[2] SRF ARENA