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Die Verkäuferin schnitt das Fleisch mit der Maschine und legte es sorgfältig auf ein glänzendes Stück Papier. Scheibe für Scheibe, ein rosa Blatt zwischen jede Lage Fleisch. Sie machte es langsam und konzentriert. Er schaute zu. Ihre weisse Verkaufsschürze war eng. Ihre grossen Brüste zeichneten sich darunter ab. Die Knöpfe schienen bereit, bei der nächsten Bewegung ihrer Arme wegzuspringen.
Er war fasziniert. Als sie fragte: «Darf es ein bisschen mehr sein?» sagte er: «Ja, bitte, ja!» Sie berührte mit ihren sauberen Fingern das hauchdünn geschnittene Fleisch. Er stellte sich vor, es sei sein eigenes. Als die Verkäuferin ihre Hände an der Schürze abwischte und das Kunstwerk in weisses Papier wickelte, wurde er unsanft in die Wirklichkeit zurückgeholt: «Das kostet 23 Franken.»
Er erwartete Besuch, deshalb hatte er das Fleisch gekauft. Und zwei Flaschen Weisswein von den Hängen des Sees, an dem er wohnte. Als sie erschien, flachbrüstig und still, war er immer noch aufgebracht und erzählte vom Preis des Fleisches und wie teuer auch der Wein war. Er liess ihn im Kühlschrank stehen, für eine andere Gelegenheit. Er konnte sich nicht beruhigen und klagte, dass er sich trotz seines Wissens und seiner Lebenserfahrung heute noch fragen müsse, ob er sich 200 Gramm Rohschinken leisten könne. Ihm würde wirklich mehr Geld zustehen. Vor allem, wo der neue Mieter im ersten Stock, nur ein kleiner Angestellter, eine Harley Davidson fuhr. «Seine Freundin verkauft Fleisch im Delikatessengeschäft», sagte die Besucherin eifrig – erfreut, auch etwas zum Gespräch beizutragen.
©1996 Regula Stucki, Bern