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B. ist die Sammelbezeichnung für die hl. Schriften der christl. Religionsgemeinschaften. Dazu gehören einerseits die hebräischen, aramäischen und griech. Offenbarungsbücher der jüd. Religion aus dem 9.-1. Jh. v.Chr. (Thora, Propheten und Schriften), welche im Ersten oder Alten Testament zusammengefasst sind, anderseits die 27 zwischen ca. 55 und 150 n.Chr. entstandenen griech. Schriften des Neuen Testamentes. Bezüglich der Anerkennung als göttlich inspirierte Glaubenszeugnisse bestehen zwischen den einzelnen christl. Denominationen geringfügige Unterschiede. In das Gebiet der heutigen Schweiz kamen B.n im Zusammenhang mit den frühma. Christianisierungen. Herstellung und Verbreitung waren bis zum 14. Jh. nahezu ausschliesslich durch den liturg. Gebrauch bestimmt und an die klösterl. Schreibschulen gebunden. Bedeutende, z.T. reich illustrierte Handschriften (Buchmalerei) wurden deshalb in den Sammlungen der grossen Benediktinerabteien überliefert, meist handelt es sich um Evangeliare, Lektionare und Psalter mit dem Text der spätlat. Bibelübersetzung (Vulgata). Aus dem SpätMA stammen die ersten Wiegendrucke; der Dominikaner Marchwart Biberli schuf 1306-25 in Zürich die erste vollständige dt. Bibelübersetzung. Der Humanismus förderte die Rückkehr zu den ursprünglichen Texten. Als bahnbrechende Leistung gab Erasmus von Rotterdam 1516 bei Johannes Froben in Basel eine grundlegend überarbeitete Fassung des Neuen Testamentes in griech. und lat. Sprache heraus (Buchdruck).
Die Wiederherstellung der textl. Wurzeln und die Zuwendung zur Schrift als Zentrum der christl. Offenbarung trugen zur Formierung der reformatorischen Kirchen und damit zu einer neuen religiösen Glaubens- und Lebenswirklichkeit (Reformation) bei. Nach dem Prinzip sola scriptura lösten sie sich von zahlreichen Traditionen und fanden in der konsequenten Schriftorientierung ein wesentl. Element ihres Selbstverständnisses. Volkssprachliche Bibelübersetzungen wurden im Druck verbreitet, sie dienten zur Ausbildung der Religionsdiener wie auch als Lektüre für das lesekundige Volk. Das Lesen der Hl. Schrift war für die ref. Christen Pflicht geworden. In der deutschsprachigen Eidgenossenschaft waren zuerst Martin Luthers Texte in Gebrauch. Adam Petri hatte Luthers "Septembertestament" bereits im Dez. 1522 - nur ein Vierteljahr nach dessen Erscheinen - in Basel herausgebracht. Aufgrund von Huldrych Zwinglis Vorarbeiten publizierten Leo Jud und seine Mitarbeiter 1531 bei Christoph Froschauer die "Zürcher B.", 1684 erschien in Bern die Übersetzung des Herborner Theologen Johann Fischer (Piscator).
1535 wurde in Neuenburg die franz. Bibelübersetzung von Pierre Robert Olivétan, finanziell unterstützt durch die Waldenser Synode, veröffentlicht. Schon unter Einfluss Calvins wurde mit den Revisionsarbeiten dieser Übersetzungen begonnen. 1588 erschien als Ergebnis dieser Bemühungen "La Bible, qui est toute la Saincte Escriture du Viel & du Nouveau Testament", erarbeitet von Pfarrern und Professoren der Genfer Kirche. Ab 1555 wurden in Genf italienischsprachige Bibelausgaben gedruckt, hauptsächlich für die vielen Glaubensflüchtlinge aus dem Tessin und aus Italien. Von besonderer Bedeutung war die Übersetzung von Jean Diodati, die 1641 als neu bearbeitete Vollbibel im Druck vorlag. 1560 wurde in der Übersetzung von Jachiam Bifrun zum ersten Mal das Neue Testament in rätorom. Sprache gedruckt, dem Teilausgaben in verschiedenen rom. Dialekten folgten. Die erste Gesamtausgabe ist die "Schulser B." von 1679.
Im 17. und 18. Jh. förderte der Pietismus die Schriftlektüre des gläubigen Volkes. Nach angelsächs. Vorbild entstand 1804 die Basler Bibelgesellschaft, weitere Gesellschaften folgten bis 1819 in anderen ref. Städten. Sie widmeten sich der Herstellung und Verbreitung von kostengünstigen Bibelausgaben in der Schweiz und in Missionsgebieten u.a. durch wandernde Verkäufer ("Kolporteure"). Die Pfarrer verschenkten B.n bei Konfirmationen oder Trauungen und verfolgten mit flächendeckenden Erhebungen das Ziel, jede Familie mit einer B. auszustatten. Die kant. Gesellschaften verbanden sich 1866 zur Vereinigung der schweiz. Bibelgesellschaft für Kolportage (seit 1955 Schweiz. Bibelgesellschaft). Der Verbreitung von Schrifttexten widmen sich seit Mitte des 20. Jh. verstärkt auch Freikirchen, indem sie B.n an Haustüren, in Kasernen, Hotelzimmern, Gefängnissen oder Kaufhäusern verteilen, auflegen oder zum Kauf anbieten.
Autorin/Autor: Hans Hauzenberger, Markus Ries
Das Konzil von Trient bekräftigte 1546 die Verbindlichkeit der Vulgata und machte die Publikation gedruckter Texte von einer bischöfl. Erlaubnis abhängig. Auch die Lektüre von Übersetzungen wurde bewilligungspflichtig. Mit Hilfe der Bücherzensur wurde in der kath. Eidgenossenschaft die Verbreitung volkssprachl. B.n bekämpft; Luzern erliess noch 1747 - nach der Unterdrückung der pietist. Bewegung des Jakob Schmidlin - ein strenges Kaufs-, Verkaufs- und Leseverbot für B.n. jeglicher Art. In der Aufklärung entstand allmählich ein verändertes Bewusstsein: Es gab Versuche, der B. in der Priesterausbildung grösseres Gewicht zu geben. In der Innerschweiz bauten Vertreter der kath. Romantik Verbindungen zur Basler Bibelgesellschaft auf. Unter dem Einfluss der ultramontanen Bewegung verschärfte sich die Ablehnung der volkstüml. Bibellektüre von neuem. Nach dem 1. Weltkrieg begann im kirchl. Leben ein vielfältiger Wandlungsprozess. Er zeigte sich als Neuorientierung der kirchl. Kultur, der Liturgie und der Theologie, hier v.a. als Zuwendung zur B. Seelsorger förderten die Lektüre volkssprachl. Übersetzungen, verlangten eine Stärkung der bibl. Fächer in der Theologie und bemühten sich um Schriftorientierung in Katechese und Predigt. 1935 entstand die Schweiz. Kath. Bibelbewegung (seit 1971 Schweiz. Kath. Bibelwerk), 1985 die Association Biblique Catholique. Sie publizieren Arbeitshilfen und Zeitschriften und führen Kurse durch. Im 2. Vatikan. Konzil wurde die kath. Ausrichtung auf die bibl. Überlieferung mit der Konstitution Dei Verbum 1965 theologisch umschrieben und als allgemein verbindlich erklärt.
Autorin/Autor: Hans Hauzenberger, Markus Ries
Die schweiz. Einrichtungen zur Verbreitung der B. bauten im 20. Jh. eine vielfältige Zusammenarbeit auf: Die ref. Schweiz. Bibelgesellschaft und das kath. Bibelwerk schlossen sich 1946 bzw. 1969 internat. Vereinigungen an und knüpften ökumen. Kontakte (Ökumene). An den theol. Fakultäten bestehen gut ausgebaute, z.T. spezialisierte bibelwissenschaftliche Einrichtungen, die mit der hist.-krit. Methode arbeiten und über Konfessions-, Religions- und Sprachgrenzen hinweg kooperieren. Sie stehen im Austausch mit anderen Wissenschaftszweigen wie Philologie, Judaistik und Orientalistik und setzen sich auch mit neueren Interpretationsansätzen wie der materialist., psycholog., feminist. oder befreiungstheologischen Bibellektüre auseinander. In Genf besitzt die Bibliotheca Bodmeriana seit 1953-58 eine Sammlung mit bibl. Papyrus-Handschriften von Weltgeltung, deren älteste Teile in das 3.-5. Jh. zurückgehen. Für die kirchl. Arbeit finden heute in vielen Bereichen interkonfessionelle, jeweils länderübergreifend für bestimmte Sprachräume geschaffene Texte Verwendung: die "Einheitsübersetzung der Hl. Schrift" (1980), die "Traduction œcuménique de la Bible" (TOB, 1975) und die "Traduzione italiana in lingua corrente" (1985) sowie - für katechet. Zwecke - die sprachlich modernisierte "Gute Nachricht" (1982) und die "Bible en français courant" (1986). In den ref. Kirchen nimmt die Erforschung und Aktualisierung der frühen Bibelübersetzungen einen wichtigen Platz ein; sie führte zur "Neuen Genfer Übersetzung" (1990) und zur Revision der Zwingli-B. (seit 1996). Von einzelnen Teilen der B. wurden auch Dialektfassungen publiziert.
Autorin/Autor: Hans Hauzenberger, Markus Ries