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Warum nicht Jura?
Journalistin wäre sie eigentlich mal gerne geworden. Auch eine handwerkliche Zweitausbildung könnte sie sich theoretisch vorstellen – wenn sie Zeit hätte. Doch eigentlich ist Kathrin Stüssi Schmid als Juristin mit Grossfamilie schon ganz gut ausgelastet.
15. Dezember 2021 — Dagmar Schräder
Meine ersten Erfahrungen mit Höngg machte ich bereits in meiner Kindheit: in den 70er-Jahren hatte ich eine Schulfreundin, die hier lebte und bei der ich des Öfteren übernachtete. Das Quartier kam mir damals noch so richtig ländlich vor, es wirkte auf mich wie ein Vorort, fast ein wenig provinziell. Ich lebte zu jener Zeit in Fluntern, wo ich meine Kindergarten- und Schulzeit verbrachte – das war schon etwas städtischer.
Eine eher zufällige Berufswahl
Mit 21 Jahren zog ich wieder nach Dübendorf zurück, wo ich die ersten drei Jahre meines Lebens verbracht hatte. Wir übernahmen das Haus meiner Grosseltern. Hier blieb ich, bis ich mein Jurastudium abgeschlossen hatte.
Dass ich mich für Jura als Studienrichtung entschieden habe, war eigentlich mehr oder weniger Zufall. Ursprünglich war es mein Wunsch gewesen, Journalistin zu werden, weil ich schon immer gerne Texte verfasst habe. Damals konnte man das aber nur im Nebenfach oder direkt an der Ringier-Schule studieren, und es war sehr schwierig, dort einen von nur 200 Ausbildungsplätzen zu erhalten. Das war mir dann doch zu kompliziert, und weil eine gute Freundin von mir Jura studierte, fing ich ohne grosse Überlegungen auch damit an. Bis heute habe ich die Entscheidung nicht bereut.
Reisend die Welt erfahren
Im Anschluss ans Studium machte ich mein Auditoriat am Bezirksgericht Zürich und blieb anschliessend noch für einige Jahre als juristische Sekretärin dort, während ich gleichzeitig meine Anwaltsprüfung absolvierte. Beim Gericht lernte ich auch meinen heutigen Mann Roli kennen, als ich in seiner Abteilung arbeitete. Gemeinsam entschieden wir im September 1994, uns eine Auszeit vom Job zu nehmen, um eine längere Reise zu machen. Südostasien war das Ziel. Von Burma bis Vietnam bereisten wir die verschiedensten Länder Asiens. Dabei waren wir ziemlich spontan unterwegs – es gab nur einige wenige Fixpunkte für diese Reise, etwa ein Treffen mit guten Freunden in Bangkok oder bestimmte Länder, die wir auf jeden Fall besuchen wollten. Der Rest ergab sich vor Ort. Fast ein ganzes Jahr waren wir unterwegs, bis im Sommer 1995.
Neuorientierung – und ein Job mit sozialer Komponente
Nach diesem intensiven Jahr mussten wir uns erst mal wieder in der Schweiz zurechtfinden und neu orientieren. Beide suchten wir einen neuen Job. Ich fand, genauso wie Roli, eine Stelle am Handelsgericht und blieb dort für drei Jahre. 1998 starb mein Vater. Dieser Verlust führte dazu, dass ich vieles in meinem Leben neu überdachte und neue Prioritäten setzen wollte. Also wechselte ich meinen Job und fand eine Anstellung beim Sozialdepartement. Dort bin ich seither beschäftigt. An dieser Arbeit schätze ich es, neben dem Juristischen auch sehr viel Kontakt zu Menschen zu haben. Das war und ist mir wichtig. Und auch was die Familie anbelangt, hat sein Tod etwas ausgelöst: ich merkte noch stärker als zuvor, wie wichtig mir der Zusammenhalt ist und dass ich gerne selbst eine grosse Familie hätte. Ursprünglich war ich mal davon ausgegangen, dass wir zwei Kinder haben werden, doch plötzlich fand ich, es wäre schön, noch mehr Kinder zu haben. So wurden es schliesslich vier.
Höngg ist doch keine Provinz
Mit vier Kindern wurde unsere damalige Wohnung langsam aber sicher zu klein. Wir waren bis dahin so ungefähr alle fünf Jahre umgezogen, immer ein wenig weiter aus dem Stadtzentrum raus, von Wipkingen Richtung Höngg. Als die Entscheidung zu einem erneuten Umzug fiel, wäre ich persönlich gerne ganz aus der Stadt rausgezogen, irgendwo aufs Land, aber Roli ist ein absoluter Stadtmensch. Deswegen sind wir, sozusagen als Kompromiss, ins Heizenholz gezogen. Heute kommt mir das Quartier überhaupt nicht mehr provinziell vor, wir sind hier sehr zufrieden. Hier können wir quasi im Grünen leben und kommen doch mit dem Velo super schnell und bequem zur Arbeit. Auch für die Kinder ist die Gegend toll. Sie hatten hier viel Platz zum Spielen, als sie kleiner waren und sind extrem gut im Quartier verwurzelt, unter anderem auch durch ihre Hobbys wie das Fussballspielen im Verein. Seit sie älter sind, finden sie es auch sehr praktisch, dass die Nachtbus-Haltestelle direkt bei uns liegt.
Engagement in der Schule
Neben dem Job und der Familie habe ich mich einige Jahre im Elternrat der Schule Rütihof engagiert. Als er gegründet wurde, bin ich direkt in den Vorstand gewählt worden und war anschliessend während etwa acht Jahren die Präsidentin des Elternrats. Es war für mich sehr stimmig, mich in der Schule, in der auch meine Kinder waren, zu engagieren. Doch der Todesfall meiner Mutter im Jahr 2013 führte dazu, dass ich meine Energien anders bündeln wollte und musste und mich deshalb nicht mehr so stark in der Schule engagieren konnte. Ich blieb zwar im Elternrat aktiv, verliess aber den Vorstand. Mittlerweile sind alle meine Kinder der Primarschule entwachsen, so dass ich mich ganz zurückgezogen habe.
Ein neues Familienmitglied
In meiner Freizeit nehme ich mir sehr gerne Zeit für die Familie und Numa, unseren Bolonka-Rüden, der seit 2018 unser Leben bereichert. Ich lese, koche und tanze sehr gerne, auch wenn ich nicht so oft Gelegenheit habe, meine Hobbys auszuüben. Ausserdem liegt mir das Handwerkliche und ich bastle gerne. Wenn ich mich heute für eine Zweitausbildung entscheiden könnte, würde ich irgendetwas Handwerkliches wählen.
In diesen monatlichen Beiträgen werden ganz normale Menschen aus Höngg porträtiert: Man braucht nicht der Lokalprominenz anzugehören und muss auch nicht irgendwelche herausragenden Leistungen vollbracht haben, nein, denn das Spezielle steckt oft im scheinbar Unscheinbaren, in Menschen «wie du und ich».
Sollte die Stafette abreissen, sind wir froh, wenn auch Sie uns mögliche Kandidat*innen melden. Kontaktangaben bitte per Mail an <email-pii> oder Telefon 044 340 17 05.