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Nach dem letztjährigen Erfolg mit den fröhlich klappernden und singenden «Sekretärinnen» wendet sich das Freie Theater Therwil (FTT) wieder einem Drama zu. Diesmal taucht man in die eher nachdenklich stimmende, aber nicht weniger berührende Atmosphäre der Schweiz nach dem Wiener Kongress, der vom 18. September 1814 bis zum 9. Juni 1815 stattfand, ein.
Therwil hat einwohnermässig seit einigen Jahren die Stadtgrösse erreicht. Und ist dennoch – auch – Dorf geblieben. Und wer Kultur denkt, muss nicht unbedingt in die (Gross-)Stadt gehen, denn das 99er-Dorf verfügt über ein reichhaltiges Kulturangebot. Der Verein «Freies Theater Therwil» wurde 2010 gegründet. FTT ist die Fortsetzung einer langen Laientheatertradition in «Därwil». Zuerst unter dem Namen «Szene 99» und später unter dem Namen «neue Szene 99» wurden die jeweiligen Produktionen von der Kulturpalette Therwil mitgetragen. 2009 entschieden sich alle Beteiligten, dass die Theatergruppe autonom agieren soll, losgelöst vom Verein Kulturpalette Therwil. Der Verein «Freies Theater Therwil» wurde ins Leben gerufen. Das Ensemble ist nach wie vor dasselbe geblieben. Einige davon sind seit über zehn Jahren dabei! Ziel und Aufgabe des Vereins ist, Laientheater mit hohem Niveau zu produzieren.Die Stückwahl wird gemeinsam im Ensemble besprochen und entschieden. Es wird darauf Wert gelegt, dass verschiedene und unterschiedliche Theaterformen und -inhalte gezeigt werden. So hatte nach einem klassischen Stück, wie «Der Sommernachtstraum» von Shakespeare, auch das Bauerndrama «Die Siebtelbauern» Platz im Repertoire. Nach der Groteske «Tanz mit Vampiren» zeigte das Ensemble das Sozialdrama «Glaube, Liebe, Hoffnung», um mit der Schauerkomödie «Arsen und Spitzenhäubchen» einen Genrewechsel zu vollziehen.
Aktueller denn je
Nun folgt in diesem Jahr ein Werk, das aktueller denn je ist. «Das Weite suchen» stammt aus der Feder des bekannten Schweizer Autors Paul Steinmann. Das Stück ist zum grossen Teil in einem namenlosen Dorf in der Eidgenossenschaft angesiedelt, im Jahr 1816. Die wirtschaftliche Not war in vielen Gebieten Europas gross und zahlreiche Menschen, vor allem aus den unteren Gesellschaftsschichten, waren gezwungen, ihr Glück in der Ferne zu suchen. Diese Auswanderungsbewegung, welche auch in Teilen der Eidgenossenschaft stattfand, bildet der Rahmen der Geschichte, welche das Freie Theater Therwil erzählen wird. Die Aktualität liegt auf der Hand, auch wenn die Voraussetzungen für die Auswanderungswilligen, nämlich die unberührten Weiten des amerikanischen Kontinents zu besiedeln, nicht die gleichen sind wie für die heutigen Migrantenströme in Richtung Europa. Den Auswanderern jedoch ging es ähnlich wie heute, sie flohen vor Hunger, Armut und den Folgen des Krieges.
BiBo war am 18. März 2017 (es war ein Samstagmorgen) bei einer Probe dabei. Und war beeindruckt. Die letztjährigen Vorführungen mit den «klappernden und singenden Sekretärinnen» fanden meist vor ausverkauften Rängen statt. Dies wird auch heuer wieder der Fall sein. Denn der Inhalt des Stückes, wiewohl fast 200 Jahre alt, hat weder an Aktualität noch an Brisanz verloren. Wir werden in der nächsten Ausgabe, in unserem Frontartikel, nochmals Bezug auf «Wir suchen das Weite!» nehmen. Und sind sicher, dass die zehn geplanten Vorstellungen (jene vom 10. Mai ist noch nicht definitiv) auf grösste Resonanz und Besuch stossen werden.
Georges Küng
Bildlegende:
Die renommierte Theaterpädagogin Dalit Bloch führt wiederum Regie – und wir waren an einer Probe mit dabei. Und können der Leserschaft versichern: «Wir suchen das Weite» ist ein Muss für alle Kultur- und Theaterfreunde.
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