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Das Zifferblatt aus Bergkristall erlaubt die Offenbarung des komplizierten Werks der «Marie Antoinette» (Nachbau des Originals).
Königin Marie-Antoinette von Frankreich gehörte zu ihren Lebzeiten zu den wohl leidenschaftlichsten Bewunderern der Werke Breguets. Sie besass eine ganze Reihe von Kreationen des Uhrmachermeisters und hat ihre Sammlung bis kurz vor ihrer Hinrichtung durch das Fallbeil fortwährend erweitert. Zum Beispiel um die «Montre perpétuelle», die mit einem von Breguet entwickelten Selbstaufzug ausgestattet war.
Marie Antoinette bekommt «Marie-Antoinette» nie zu Gesicht
Die Fertigstellung von Breguets grösstem Meisterwerk, der berühmten, unter dem Namen „Marie-Antoinette“ bekannten Uhr N° 160, sollte die Königin allerdings nicht mehr erleben: Die Bestellung wurde 1783 von einem bis heute unbekannten Offizier der Leibgarde bei Breguet persönlich in Auftrag gegeben. Ohne zeitliche oder finanzielle Vorgaben, jedoch verbunden mit der Forderung, alle Veredelungen und Komplikationen in diese Uhr einzubauen, die man damals zu realisieren vermochte. Und so stellt Breguet die Uhr erst 1820 fertig – viele Jahre nach der Französischen Revolution und nach Marie Antoinettes Enthauptung.
Die grosse Taschenuhr mit dem kompliziertesten Uhrwerk der Welt und einem Wert von 30’000 Gold-Francs ging in den Besitz von Madame Breguet über, die sie später für 600 englische Pfund an Spencer Brunton verkaufte. Durch einen Erbgang kam sie in die Hände von Murray Marks, der sie wiederum an Sir David Salomons verkaufte. Nach dessen Tod ging die Sammlung an das „Meyer Memorial Institute“ in Jerusalem. Hier wird sie 1893 gestohlen und bleibt vorerst verschwunden.
Die Königin der Uhren ist zurück
Nicolas G. Hayek, der das Meisterwerk von Breguet besonders verehrt, entscheidet sich, die identische Reproduktion der „Marie-Antoinette“ in Auftrag zu geben. Fast drei Jahre arbeiten zehn Uhrmacher der Manufaktur Breguet an der Rekonstruktion des Originals – auf der Grundlage von Archivmaterial und Originalzeichnungen. An der Baselworld 2008 präsentiert Hayek erstmals die «Neue Marie-Antoinette Grande Complication N° 1160».
Auch die «Neue Marie Antoinette» gehört zu den kompliziertesten Werken aller Zeiten: Sie verfügt über einen perpetuellen Aufzug und eine Minutenrepetition. Ein ewiger Kalender zeigt das Datum bei 2, den Wochentag bei 6 und den Monat bei 8 Uhr an. Der Unterschied zwischen der Sonnen- und der bürgerlichen Zeit kann bei 10 Uhr abgelesen werden. Während eine kleine Sekunde bei 6 Uhr ihre Kreise dreht, werden die springenden Stunden und Minuten durch eine unabhängige Sekunde als Vorläuferin der Stoppuhrsekunde im Zentrum ergänzt. Der Anzeige der Gangreserve bei 10.30 Uhr steht bei 01.30 Uhr ein Bimetall-Thermometer gegenüber.
Baselworld 2008: Nicolas G. Hayek präsentiert die «Neue Marie-Antoinette Grande Complication N° 1160»
Handschriftliche Beschreibung von Viertelstundenrepetition, Goldgehäuse und Emaille-Zifferblatt der Uhr N° 160.
Die Uhr der Königin taucht wieder auf
Im Jahr 2007, ein Jahr vor der Fertigstellung der Rekonstruktion, taucht das Original wie von Zauberhand wieder auf und ist seither öffentlich in Israel zu bewundern. Ihr Wert wird mittlerweile auf über 10 Millionen Dollar geschätzt.
Und die Moral von der Geschichte?
Während der in Neuenburg geborene Abraham-Louis Breguet seinerzeit ein Denkmal erschaffen hat, ist es der Marke Breguet gelungen, einen Mythos in die Neuzeit zu übersetzen. Und ausserdem: Eine Breguet ist hier auch legal erhältlich: