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Dieter Zwicky navigiert mit seinem «Privatflughafengedicht» durch sprachliche Turbulenzen.
Narrative Lyrik ist ein altes Genre. Vom «Buch der Könige» aus dem Alten Testament über die Epen Homers bis zu den Ritterromanen aus dem Mittelalter widmet sich das Epos in der Regel Aufstieg und Fall von Weltreichen sowie Heldenerzählungen.
Doch gibt es lyrische Narration auch noch heutzutage. Die in Genf lebende Künstlerin Amélie Plume etwa, die einst eine Malschule leitete, bevor sie sich gänzlich dem Schreiben widmete, berichtet in ihrer Lyrik aus ihrem Liebesleben, und die australische Dichterin Dorothy Porter baut ihre Krimis in Form von konkreter Poesie.
«Slugo», das «Privatflughafengedicht» von Dieter Zwicky erzählt vom Leben einer Familie in ihrer besonderen Wohnstatt. Alles ist vorhanden, was es zum Betrieb eines Flughafens benötigt, Stewards, Gäste und die Vögel, die den Anflug der Flugzeuge gefährden. Das tägliche Kochen übernimmt der Mann: «Hier war der Ort, an Grossmütter zu denken. An ihre inzestuöse Verbandelung mit Fleisch.» Und dieser hat den teuflischen Ehrgeiz, seine Frau glücklich zu machen: «Ich lachte. Ich hatte ein Ziel, hatte eine Tierfreundin.» Die Frau hingegen ist eine passionierte Moorbiologin: «Judith füttert morgens und mittags ihre schleimigen Kerls, die in Kleinklasseneinheiten artig in Position gebrachten Frösche.»
«Slugo» ist ein überzeugendes Kleinstepos über das Leben im modernen Globotop, wo man überall und nirgends ist. «Robert erreicht uns mit dem Nachmittagsflugzeug aus Durban», ein Gedicht, das durch sprachliche Flugturbulenzen navigiert, das abhebt, dennoch berührt und auch amüsiert: «Ich sang. Ich sang: Trilalla!»
Der Autor liest am Freitag, 30. Mai 2014, um 15 Uhr in Solothurn.