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Anderthalb Tage nach dem grandiosen Sieg gegen Rafael Nadal muss Djokovic noch die Früchte seiner Arbeit ernten. Fast hätte es am späten Freitagabend vergessen gehen können, als kurz vor Mitternacht der Spanier und der Serbe über den Match redeten, dass es «nur» ein Halbfinal gewesen war, einer, der es in die Annalen von Roland Garros schaffen wird, aber eben trotzdem nur der vorletzte Schritt zum Titel war.
Er sei natürlich momentan nicht der Frischeste, sagte Djokovic nach den 4:11 Stunden, in denen er mit seinem Erzrivalen für ein zum Teil irreales Spektakel sorgte. Die Partie schaffe es in die Top 3 seiner besten Matches «gegen meinen grössten Rivalen, auf dem Platz, auf dem er so viele Erfolge gefeiert hat». Djokovic wollte es sich aber nicht nehmen lassen, den Erfolg zu geniessen. «Ich denke, ich habe mir das verdient. Ich habe nicht viel Zeit bis zum nächsten Match, aber trotzdem.»
Wenige Minuten zuvor hatte der Geschlagene seine Analyse abgegeben. Nach der erst dritten Niederlage in seinem 108. Match in Roland Garros war der Rekordsieger enttäuscht, aber gefasst: «Ich mache keine riesigen Freudensprünge, wenn ich gewinne und keine grossen Dramen, wenn ich verliere. Nächstes Jahr komme ich wieder - so Gott will - mit der nötigen Hoffnung und Arbeit, um erneut eine Chance auf den Titel zu haben.» Seine Leistung am Freitagabend sah Nadal eher kritisch. Er habe gekämpft, aber nicht sein bestes Tennis gespielt.
Der Match danach
Erst zum vierten Mal seit 2005 wird der Sieger in Paris damit nicht Nadal heissen. Von den «Aussetzern» des Spaniers - 2016 gab er während des Turniers Forfait - profitierten Roger Federer (2009), Stan Wawrinka (2015) und Djokovic (2016). Bemerkenswert ist, dass der Serbe seinen Roland-Garros-Titel nicht in jenem Jahr feierte, als er Nadal schlug, sondern das Jahr darauf. 2015 hatte er nach seinem Viertelfinal-Sieg gegen den Mallorquiner Andy Murray geschlagen, war aber im Final an Wawrinka gescheitert.
Dass Djokovic vor seinem 29. Grand-Slam-Final und mit dem 19. Titel vor Augen daran denken wird, ist gut möglich. Es ist keine einfache Situation für ihn. Sein Fokus war seit Beginn des Turniers zwangsläufig auf jenen voraussehbaren Halbfinal gegen Nadal gerichtet. Nun muss er sich nochmals neu orientieren. Der 34-Jährige muss den Angriff des zwölf Jahre jüngeren Tsitsipas abwehren. Immerhin weiss der Routinier aus Erfahrung, dass das kein Selbstläufer wird. Die letzten beiden Duelle auf Sand beim French Open (2020 im Halbfinal) und in Rom (2021 im Viertelfinal) gingen über die volle Distanz.
Tsitsipas hat sich in der weniger beachteten unteren Tableauhälfte durchgesetzt. Der Weltranglisten-Fünfte, der als erster Grieche einen Grand-Slam-Final bestreiten wird, überzeugte in den knapp zwei Wochen in Paris, auch weil er die schwierigen Momente gut überstand, wie etwa im Halbfinal gegen Alexander Zverev (6:3, 6:3, 4:6, 4:6, 6:3). Er hat die Qualitäten, um den Favoriten zu fordern. Hat Tsitsipas seine Nerven im Griff und Djokovic den Halbfinal gut verdaut, dürfte auch der Final ein Tennis-Highlight werden.