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Nicht weit von da, wo ich wohne, steht oft ein Mann vor seiner Wohnung und raucht Pfeife. Der Tabak riecht nach Vanille, der Mann nach altem Seebär oder altem Haudegen. So sieht er jedenfalls aus: vierschrötig, kräftig und ziemlich grimmig.
Je nachdem, welche Route ich wähle, führt mein Heimweg über das Trottoir, auf dem er reglos wie eine dampfende Säule steht, dicht an ihm vorbei. Manchmal stolpere ich ihm fast über die Füsse. Bei diesen Gelegenheiten grüsste ich ihn jahrelang immer laut, deutlich und freundlich. Er starrte bloss zurück und sagte kein Wort.
Irgendwann wurde ich es müde und stellte meinen Gruss ein. Muss ja nicht sein. Seither vermeide ich es auch, so gut es geht, dort vorbeizugehen. Muss ja nicht sein.
Neulich tat ich es trotzdem wieder einmal, weil es sich zufällig so ergab. Da stand er auch schon, die Pfeife im Mund und wacker Rauch erzeugend. Es duftete schon von Weitem. Während ich mich grusslos an ihm vorbeidrückte, trat er einen Schritt auf mich zu, starrte mir fast zudringlich ins Gesicht, schwieg sehr laut und fragte sich innerlich, was ich wohl für ein überheblicher Mensch sei, der es nicht nötig habe, ihn zu grüssen.
Es ist mir durchaus etwas unangenehm, dieses Spiessrutenlaufen an besagter Stelle in unserem Quartier. Damals, als ich noch grüsste, antwortete der Mann mit hoheitsvollem Schweigen, das ich mir nicht erklären konnte. Und jetzt, wo ich nicht mehr grüsse, antwortet er mit vorwurfsvollem Schweigen, das ich mir noch weniger erklären kann.
Bei der nächsten Begegnung lege ich dem Kerl eine Knallpetarde auf die Pfeifenglut. Das heisst: Wenn es überhaupt zu einer nächsten Begegnung kommt. Kommt es aber nicht. Zum Glück führen viele Wege nach Hause.