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Stefi Geyer & Walter Schulthess
Die ungarische Geigerin Stefi Geyer (1888–1956) und ihr Zürcher Ehemann, der Komponist Walter Schulthess (1894–1971), stehen im Zentrum von zwei Vorträgen mit Konzert in der Zürcher Hochschule der Künste am 18. März 2019, 19.00 Uhr.
Dominik Sackmann — Der Blick in die Musikgeschichte der Schweiz führt immer wieder zu Entdeckungen von Künstlern, die höchstens dem Namen nach bekannt sind, die einst aber so bedeutend waren, dass es sich lohnt, ihr heute weitgehend in Vergessenheit geratenes Wirken neu zu beleuchten. Die Beschäftigung mit dem Zürcher Musikerpaar Stefi Geyer und Walter Schulthess macht dies erneut bewusst.
Zu den Geheimtipps unter den Violinvirtuosinnen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehörte die ungarische Geigerin Stefi Geyer. Legendär ist ihr Name dank ihrer kurzen und intensiven Beziehung zu Béla Bartók in den Jahren 1907/08, aus der Bartóks Erstes Violinkonzert hervorgegangen ist. Der andere Komponist, der sich für sie begeisterte, war Othmar Schoeck, der für sie das Violinkonzert «quasi una fantasia» komponierte. Nachdem sie in Budapest geboren worden war und dort ihre Ausbildung bei Jenö Hubay genossen hatte, heiratete sie 1920 den Zürcher Pianisten und Komponisten Walter Schulthess und zog zu ihm in die Schweiz. Dort traf sie wieder mit Schoeck zusammen, und in späteren Jahren begleitete sie Béla Bartók auf dessen Schweizer Tourneen. Kaum verwunderlich, dass bei einer Künstlerin vor allem ihre Beziehungen zu berühmten Männern mehr zu ihrem Ruhm beigetragen haben! Dabei hatte sie durchaus ihre eigene Karriere: Als Wunderkind war sie 1900 dank einem Auftritt in Wien im Alter von zwölf Jahren mit einem Schlag berühmt geworden, seither reiste sie quer durch Europa, machte immer wieder Tourneen durch Norwegen und trat zunächst mit ihrem Mann an zahlreichen Orten in der Schweiz auf, später mit ihrem eigenen Streichquartett. Von 1934 bis 1956 unterrichtete sie am Zürcher Konservatorium, wirkte ab 1938 bei den Internationalen Musikfestwochen in Luzern mit und ab 1941 als Konzertmeisterin im Collegium Musicum Zürich, das sie mit ihrem Mann gegründet hatte.
Walter Schulthess, der Sohn des Gründers der gleichnamigen Klinik in Zürich, stieg in der Zeit des Ersten Weltkriegs zu einem viel beachteten Schweizer Komponisten auf. Besonders seine Lieder und Chöre, aber auch die Orchesterwerke und jene Violinwerke, die zumeist für seine Frau entstanden, erfreuten sich weiter Verbreitung und grosser Beliebtheit. 1928 gründete Schulthess die Konzertgesellschaft Zürich AG und wirkte fortan als erfolgreicher Agent unzähliger internationaler Musikgrössen. Als Berater und Programmgestalter u. a. bei der Tonhalle Zürich, bei den Engadiner Sommerkonzerten und beim Luzerner Festival, entwickelte er einen großen Einfluss auf das schweizerische Musikleben. Obwohl er sich strikt im Hintergrund hielt, umgab ihn der Nimbus einer ebenso kompetenten wie allseits geschätzten grauen Eminenz. Sein kompositorisches Werk trat zwar zunehmend in den Hintergrund, aber gelegentlich trat er mit neuen Liederzyklen und Kammermusikwerken hervor. Er überlebte seine Frau, die im Herbst 1956 ihrem Krebsleiden erlag, um fast fünfzehn Jahre.
Der Abend, veranstaltet von der Sektion Zürich der Schweizerischen Musikforschenden Gesellschaft und der Schulthess’schen Familienstiftung, lässt das Leben und Wirken der beiden unterschiedlichen Musikerpersönlichkeiten in Wort und Klang aufleben. Dabei werden Schulthess’ Concertino für Violine und Klavier op. 7 und seine Lieder auf Gedichte von Ernst Stamm nach fast fünfzig Jahren wieder einmal zu hören sein.
Zürich, Montag, 18. März, 19.00–21.30 Uhr, Zürcher Hochschule der Künste (Toni-Areal), Pfingstweidstrasse 96, Konzertsaal 1 (7. Stock),
Referate von Helga Váradi über Stefi Geyer und Dominik Sackmann über Walter Schulthess; Valérie Arias, Mezzosopran; Alexander van Wijnkoop, Violine; Carl Wolf, Klavier; Helga Váradi, Klavier.