Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03451.jsonl.gz/1295

Sie ist bekannt für ihre hohe Milchleistung, für die Qualität ihrer Euteranlage und ihrer Gliedmassen sowie für ihre Futterverwertung. Da sie seit Jahrzehnten für die Milchproduktion in einem relativ intensiven Umfeld selektioniert wird, erbringt sie da auch ihre besten Leistungen. Ihre Vielseitigkeit ermöglicht ihr aber, in verschiedenen Systemen effizient zu sein: Vollweide mit saisonaler Kalbung (hauptsächlich in Irland und Neuseeland), auf Trockenfutter basiertes System für die Käseproduktion (Gruyère-Produktion) usw.
In den meisten Ländern stellt die Holstein mehr als 90% des Milchviehbestandes dar. In der Schweiz war sie in den 1970er-Jahren nur regional vertreten. Seither hat sie sich stark entwickelt und stellt heute rund 45% der Schweizer Rinderpopulation dar. Ihr Entwicklungspotenzial ist aber noch nicht ausgeschöpft.
Die Holsteinrasse stammt aus den Niederlanden. Während Jahrzehnten wurde in der ehemaligen Provinz Holland und Westfriesland (Region nördlich von Amsterdam) eine Milchrasse gezüchtet. Die Tiere wurden aufgrund ihrer Milch und ihres Fleisches selektioniert. Der Tierimport war damals kaum verbreitet.
Bis zur Mitte des XVIII. Jahrhunderts waren die Tiere dieser Region hauptsächlich rot. Ab 1713 wurden schwarze Kälber aus Dänemark importiert. Da dieses Gen dominant ist, wurden danach die meisten Tiere schwarz, doch die Holsteinrasse existiert immer noch in beiden Farben.
Ab 1857 begannen sich amerikanische Züchter, hauptsächlich aus dem Staat New York, für den Import der „holländischen“ Kühe (Dutch Cows) zu interessieren, um ihre britischen Kühe zu ersetzen (Jersey, Guernsey, Ayrshire). Der erste Importeur, Winthrop W. Chenery aus Boston, wurde auch zum ersten Präsidenten der Züchtervereinigung der reinrassigen Holstein, dem Vorfahren der amerikanischen Holsteinvereinigung (US Holstein Association), gewählt. Bei der Gründung dieser Vereinigung wurde beschlossen, die Rasse „Holstein“ statt „Holländer“ zu nennen, obwohl sie nicht aus der Region Holstein in Norddeutschland stammte.
Insgesamt überquerten rund 8’000 Tiere den Atlantik und wurden in der Neuen Welt angesiedelt. Ab 1882 überquerten die Holsteinkühe zudem die Grenze zu Kanada.
Johanna Rag Apple Pabst (Old Joe), geboren 1921. Der Ursprungsstier der Herde Mount Victoria in Canada. Mehr als 99% der heutigen Holsteinkühe stammen von ihm ab.
Züchter wie T.B. Macaulay (Mount Victoria), Stephen Roman und Dave Houck (Romandale), Roy Ormiston (Roybrook), Pete Heffering und Ken Trevena (Hanoverhill) sowie Wally Lindskoog (Arlinda) brachten Stiere hervor wie Johanna Rag Apple Pabst (Old Joe), Wisconsin Admiral Burke Lad, A.B.C. Reflection Sovereign, Osborndale Ivanhoe und Pawnee Farm Arlinda Chief.
Hanoverhill Starbuck geboren 1979. Man findet ihn mehrmals in den Pedigrees von Shottle und Goldwyn.
Zu diesem Zeitpunkt gab es viele schwarzbunte Rassen auf dem europäischen Kontinent. Die amerikanischen Tiere ermöglichten es, diese Rassen zu verbessern, und absorbierten sie schliesslich vollständig. Mit Exporten nach Südamerika, Japan und Ozeanien ist die Holstein heute eine globale Rasse. Die Exporte nahmen mit dem Aufkommen der künstlichen Besamung, die zum Aufschwung von Stieren wie Round Oak Rag Apple Elevation, S-W-D Valiant, Carlin-M Ivanhoe Bell, Hanoverhill Starbuck und To-Mar Blackstar führte, erheblich zu.
Mit dem Aufkommen der Zuchtwertschätzungen am Ende des XX. Jahrhunderts wurde die Selektion der Holstein auf die Proteinproduktion ausgerichtet. Es wurden riesige Fortschritte bei der Milchleistung erzielt, was zu Lasten der Gesundheits- und Langlebigkeitsmerkmale ging. Beim Jahrhundertwechsel fand diesbezüglich eine Sensibilisierung statt, und seither basiert die Selektion auf zahlreichen Merkmalen. Komplette Stiere waren gefragt, wobei einige auf Körperbau und Gesundheit ausgerichtet waren und andere auf Funktionalität und Fruchtbarkeit. Es war die Ära von Braedale Goldwyn, Picston Shottle und O-Bee Manfred Justice (O-Man).
2009 wurde die genomische Ära eingeläutet. Dank der Fortschritte bei der Genotypisierung können präzise Zuchtwerte für junge Tiere geschätzt werden. Der Zuchtfortschritt legt einen höheren Gang ein. Die jetzige Zeit ist geprägt von einem raschen Aufeinanderfolgen von Stieren mit hohen Werten, die ebenso rasch von der nächsten Generation abgelöst werden. Für die Holsteinrasse bedeutet dies einen neuen Sprung nach vorne.
To-Mar Blackstar, geboren 1983. Einer der am meisten verbreiteten Stiere Ende des 20. Jahrhunderts.