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1) MF Euregia ist von den BSB GmbH Konstanz und der SBS AG Romanshorn gemeinsam finanziert worden und wird seither im ausgeglichenen Wechsel von der SBS und von der BSB betrieben. Seit einigen Monaten steht sie allerdings still, weil die beiden Partner die Kosten der anstehenden Neumotorisierung nicht finanzieren wollen. (Es zeigt sich: Wenn die Firmenphilosophien nicht zueinander passen, werden Kooperationsprojekte früher oder später anspruchsvoll.)
2) Bereits vor dem Verkauf der SBB-Flotte wurden Schweizer Edelmarken wie die Toblerone (Schokolade), Bally (Schuhe/Accessoires) und Valser-Mineralwasser an amerikanische Konzerne verkauft. Dänische Firmen haben die Brauerei Feldschlösschen und die Mineralwassermarken Passugger und Rhäzünser übernommen. Die Ovomaltine wurde nach Grossbritannien und Hero (Nahrungsmittel) an ein deutsches Unternehmen verkauft. Und die Lufthansa besitzt die Aktienmehrheit der Fluggesellschaft Swiss. Dies bereitete den Ostschweizern Sorge und sie befürchteten, dass nun «ihre» Schifffahrt auch noch in deutsche Hände geraten könnte.
3) Es gab am Schluss vier Bewerber7, die die SBB-Flotte kaufen wollten. Schliesslich machte Mitte Dezember 2006 eine Gruppe um den Amriswiler Investor Hermann Hess mit dem Arboner Fabrikanten Edgar Oehler, dem SBW-Inhaber Peter Fratton (Privatschulen), dem Architekten Hans-Peter Rutishauser, dem Herisauer Rechtsanwalt Felix Ludwig, dem Romanshorner Beat Hirt (Provida) und dem Vorarlberger Unternehmer Walter Klaus, der nicht nur Kapital, sondern auch sein touristisches Know-how einbrachte, das Rennen. Während die insgesamt sechs Schweizer Aktionäre 51 Prozent der Aktien hielten, war Klaus über seine Unternehmensgruppe mit einem Anteil von 49 Prozent grösster Einzelaktionär. Nach einem turbulenten ersten Jahr gab es 2007 grössere Verschiebungen: Hauptaktionär mit einem Anteil von 50 Prozent wurde dann Hermann Hess, 20 Prozent hielt Beat Hirt, 15 Prozent neu Fredy Lienhard vom Autobau und 15 % Edgar Oehler. Walter Klaus zog sich nach Differenzen zurück und mit ihm auch Peter Fratton, der rückblickend meint: «Klaus hatte gegenüber Hess mehr Erfahrung mit Tourismus, weshalb ich ihn unterstützte. Nach seinem Rücktritt zog ich mich dann auch zurück.»
4) Der Schifffahrtsbetrieb Rorschach (SBR) war 1960 Nachfolgefirma des privaten Motorbootbetriebs von Gottlieb Füllemann, der von 1906 an von Rorschach aus mit Personenschiffen nach Horn, Arbon, Altenrhein und auf dem alten Rheinlauf bis nach Rheineck fuhr. Um die beliebte Schiffsverbindung zu erhalten, gründeten die Gemeinden Rorschach (56,8 %), Rheineck (28,4 %) und Thal (14,8 %) den „Motorbootbetrieb Rorschach-Rheineck“. 1973 wurde der Betrieb in „Städtischer Motorboot- und Schifffahrtsbetrieb“ umbenannt und 1978 in „Schifffahrtsbetrieb Rorschach“ (SBR). Anstehende Reparaturkosten und die absehbaren Ausmusterungen älterer Schiffe führten zur Erneuerung der SBR-Flotte: 1970 wurde die «Rhyspitz» für 150 Passagiere auf der Bodan-Werft gebaut, ebenso 1977 das SBR-Flaggschiff Rhynegg für 300 Personen. Auf der Lux-Werft entstand 1983 das kleinste (60 Personen) und bis heute jüngste Schiff Alte Rhy, dem dieser (B)Logbuchbeitrag (teil-) gewidmet ist.
5) Die BSB und die Stadtwerke Konstanz sanieren ihre Schiffe nun vermehrt in Friedrichshafen und die Vorarlberg-Line hat in Zusammenarbeit mit der ÖSWAG-Werft in Fussach die Slipanlagen vergrössert (ohne Halle).
6) Die angekündigte Gesamtrenovation des MS Zürich bedeutet erfreulicherweise, dass damit das Schiff für weitere 20 Jahre im Betrieb bleiben kann. Hingegen ist die Fachwelt besorgt, dass nebst der Neumotorisierung auch das denkmalpflegerisch wertvolle Interieur durch eine Auskernung zerstört werden könnte. Die beim letzten Umbau 1988/89 durch Veronika Huber sorgfältig vorgenommen Eingriffe berücksichtigten den architektonischen Zeitgeist der Dreissigerjahre. Die SBS beabsichtigt, für die bevorstehende Renovation die gleiche Architektin wie beim Umbau der «St. Gallen» und «Säntis», nämlich Susanne Fritz aus Zürich, zu engagieren.
7) Am Bieterwettbewerb nahmen vier Gruppen von Investoren teil: Neben den Stadtwerken Konstanz interessierte sich eine Investorengruppe aus dem Kanton Thurgau, die sich mit der Stadt Rorschach zur «IG Bodensee-Schifffahrt Schweiz» zusammengeschlossen hatte. Eine dritte Gruppe von Kaufinteressenten liess sich durch die Immobilienfirma awitgroup AG vertreten. Schliesslich bot auch der Tourismus-Unternehmer Walter Klaus beim Kauf der SBS mit. Klaus hatte im Vorjahr (2005) für 11 Mio. Franken bereits die österreichische Bodenseeflotte gekauft.