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(Kt. Waadt,
Bez. La Vallée, Orbe und Yverdon).
1683-432 m. Einer der beträchtlichsten Flüsse des Kantons Waadt;
entspringt im Juragebirge und
mündet unter dem Namen Thièle in den Neuenburgersee, dessen Abfluss ebenfalls Thièle oder Zihl heisst.
(S. den Art. Thièle). Der oberirdische Lauf der Orbe zerfällt in zwei durch den Lac de Joux voneinander getrennte Abschnitte.
Daneben existiert noch eine Strecke unterirdischen Laufes.
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Die Orbe entspringt auf französischem Boden im Lac des Rousses (1059 m), ist bis zum Uebertritt auf Schweizerboden 6 km und
von da bis zum Lac de Joux (1008 m) 10 km lang und hat auf dieser Strecke ein mittleres Gefälle von 3,2‰. Sie durchfliesst
den flachen Thalboden des Jouxthales seiner Länge nach und setzt sich durch den Lac de Joux bis zum NO.-Ende
des Lac Brenet fort. Beide Seen zusammen sind 10 km lang. Dieser gesamte Oberlauf der Orbe liegt in der allgemeinen Richtung
SW.-NO., beschreibt aber oberhalb und in der sumpfigen Ebene um das SW.-Ende des Lac de Joux zahlreiche
Schlingen und Windungen.
Die Seen fliessen durch eine Reihe von (soweit bekannt) 13 längs den Ufern angeordneten trichterförmigen Bodenspalten (Dolinen;
französ. Entonnoirs) unterirdisch ab. Deren bedeutendste sind die von Le Rocheray und La Roche Fendue im Jouxsee und besonders
der von Bonport im Brenetsee. Die so verschwindenden Wasser treten 2,5 km n. vom Brenetsee und 220 m tiefer
unten in 789 m wieder zu Tage. Diese unterirdische Verbindung ist vor kurzem künstlich abgeändert und geregelt worden.
Dieser Zusammenhang zwischen dem Joux- und Brenetsee einerseits und der sog. Source de l'Orbe (Orbequelle) andererseits ist
lange Zeit angezweifelt worden, obwohl schon 1776 der Beweis dafür erbracht war, indem damals nach dem
Bruch eines Staudammes zwischen beiden Seen das Wasser der Quelle getrübt wurde. Für diesen Zusammenhang sprachen dann auch
Messungen der Wassertemperaturen, die man um die Mitte des 19. Jahrhunderts vorgenommen hatte, und die letzten Zweifel hoben
endlich die 1893 und 1894 ausgeführten Färbungsexperimente mit Fluoreszeïn.
Die Messungen der in der Orbequelle zu Tage tretenden Wassermengen ergaben ferner, dass die Quelle ausser durch die Seen noch
durch ein besonderes unterirdisches Entwässerungsnetz gespiesen wird, das wahrscheinlich sämtliche Oberflächenwasser der
Vallée de Joux sammelt. Diese Source de l'Orbe liegt bei den Häusern von La Dernier (2,5 km sw. Vallorbe)
in sehr malerischer Umgebung und bezeichnet den Beginn des Unterlaufes der Orbe, der ebenfalls wieder in zwei voneinander
stark verschiedene Abschnitte, den tief eingeschnittenen Gebirgslauf von La Dernier bis zur Stadt Orbe und den Lauf durch die
Ebene der Orbesümpfe bis zum Neuenburgersee, eingeteilt werden muss.
Von der Quelle bis Le Châtelard (2,3 km
nö. Vallorbe) windet sich die Orbe wie im obern Jouxthal zunächst mit zahlreichen
Serpentinen durch einen ziemlich ebenen Thalboden, wo sie das Dorf Vallorbe durchfliesst; bei Le Châtelard erhält sie von
links die Jougnenaz, biegt nach O. um und tritt in einen langen Engpass ein, der mit seinen senkrechten
Felswänden und steilen Gehängen eine der schönsten Gegenden im Jura ist und in dessen oberstem Abschnitt der Fluss den
schönen Wasserfall von Le Day bildet. In der Umgebung von Les Clées tritt die Orbe aus dem Bergland in die
Gegend der subjurassischen Plateaux ein, fliesst aber immer noch durch ein Tobel bis nahe an die Stadt Orbe, wo sich ein kurzes
Thal mit breiter Sohle öffnet. Nachdem sie die kleine Stadt auf drei Seiten eingerahmt, durchzieht sie ein nur kurzes letztes
Défilé, das von einer grossen Brücke überspannt wird und dessen unteres Ende (448 m) durch eine alte
Strassenbrücke bezeichnet wird. Der hier endigende Berglauf ist, die grössten Schlingen inbegriffen, 17 km lang und hat
ein mittleres Gefälle von 20‰.
Die unterste Laufstrecke der Orbe ist nur sehr mässig geböscht und durchzieht in der Richtung SW.-NO. eine nahezu horizontale
Ebene in einem von Orbe bis Yverdon durch die Entwässerungsarbeiten des Sumpflandes zu einer geraden Linie umgebauten Bett,
das in Yverdon selbst einen doppelten Bogen beschreibt und dann in 432 m den Neuenburgersee erreicht. Auf dieser Strecke erhält
der Fluss mehrere Nebenadern und speist selbst wieder eine grosse Anzahl von von ihm abzweigenden Kanälen.
Er ist von Orbe bis zur Mündung 12 km lang und hat ein Gefälle von blos 1‰. Die Länge von der Orbequelle an beträgt 29 km
und die Gesamtlänge vom Lac des Rousses an 57,5 km. In der Ebene erhält der Fluss den Namen Thièle oder Toile
und zwar der am meisten verbreiteten Ansicht nach von der Einmündung des Talent (2,8 km nö. Orbe), welch' letzterer einst
La Télaz hiess und so dem beträchtlicheren Hauptfluss seinen eigenen Namen aufgedrängt haben soll.
Das Einzugsgebiet der Orbe misst 454 km2, oder mit Einrechnung aller Wasserläufe und Kanäle in der
sumpfigen Ebene 586 km2, und umfasst neben einem kleinen Stück französischen Bodens die Waadtländer Bezirke La Vallée
und Orbe (diesen fast ganz), Yverdon und Échallens teilweise, sowie endlich noch kleine Abschnitte der Bezirke Nyon und Cossonay.
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Die Orbe erhält nur wenige Zuflüsse. Diese sind im Oberlauf des Flusses alle nur sehr klein und kommen alle von rechts.
Zu nennen ist blos die in den Jouxsee mündende Lionne oder Lionnaz, die nur einige hundert Meter lang ist, den interessanten
sog. Cavernes d'Enfer entspringt und zeitweise sehr stark anschwellen kann. Auf der unterirdischen Laufstrecke
vereinigt sich mit der Orbe ein starker unterirdischer Nebenarm, der die Oberflächenwasser des ganzen O.-Hanges des Mont Risoux
und wahrscheinlich auch eines Teiles der W.-Flanke der Kette des Mont Tendre und der Dôle sammelt. Im obern Abschnitt des
Unterlaufes ist der beträchtlichste Nebenfluss die von links kommende Jougnenaz, die zwar in der Schweiz
entspringt und mündet, aber doch zum grössten Teil auf französischem Gebiet fliesst und sich am Ausgang eines tiefen Tobels
etwas nö. Vallorbe mit der Orbe vereinigt. Zu nennen wäre daneben noch ein von rechts kommender und Agiez durchfliessender
kleiner Bach.
Die grössten Nebenadern, die kurz vor ihrer Mündung (2,8 km nö. der Stadt Orbe) sich vereinigenden Flüsse Nozon und Talent,
erhält die Orbe erst in der Ebene. Neben der Orbe durchziehen die Ebene und münden in den Neuenburgersee noch im W. die aus
der Umgebung von Peney und Champvent kommende und bei Les Tuileries (1,5 km nw. der Orbemündung) mündende
Brinaz, der bei Champvent entspringende und ganz nahe der Brinaz mündende Bey und der von Sergey kommende und bei Mathod in die
Ebene eintretende Mujon, der sich 1,5 km sw. Yverdon mit dem Canal Occidental vereinigt; im O. mehrere auf
dem Plateau zwischen der Ebene und dem Buron entspringende und in den Canal Oriental mündende Bäche, wie z. B. der Bach von
Sadaz, von Les Combes (zwischen Chavornay und Suchy) und von Épendes, und endlich der Buron, der auf dem Plateau von Échallens
entspringt, unterhalb Gressy die Ebene erreicht und ö. Yverdon in den See mündet.
Neben diesen Flüssen und Bächen müssen aber auch noch die wichtigsten der die Ebene durchziehenden Kanäle genannt werden.
Deren ältester ist der Kanal von Entreroche, der 1640 im Bau begonnen wurde, die Venoge mit der Orbe, d. h. den Genfer- mit
dem Neuenburgersee verband und seinerzeit der Schiffahrt diente. Nachdem er seit 1829 sich selbst überlassen
worden ist, hat er heute nur noch historisches Interesse. In der Orbeebene kann man ihn jetzt noch vom Mauremont an verfolgen:
zunächst gibt er einen Teil seines Wassers durch den Fossé à la Judith an den Nozon ab, dann zieht er
sich mit nur wenig und stagnierendem Wasser gegen N., wird vom neuen Bett des Talent geschnitten und verzweigt sich bei Essert-Pittet
nach links zum Altwasser der Orbe, und nach rechts zum Canal Oriental. Der Canal Occidental beginnt bei Les Granges d'Orbe,
fliesst der Orbe in kurzem Abstand parallel, nimmt den Mujon auf und mündet nach 10 km langem Lauf
w.
Yverdon. Der bei Essert-Pittet beginnende Canal Oriental geht zunächst dem alten Orbebett parallel, tritt dann bei Yverdon in
das ehemalige Bett des Buron ein, bespühlt den Fuss des Schlosses Yverdon und mündet nach 9 km langem Lauf.
Im Oberlauf ist die Orbe ein nur kleines Flüsschen, das dem Jouxsee unter normalen Verhältnissen durchschnittlich
blos etwa 3 km3 Wasser in der Sekunde zuführt. Beträchtlicher, nahe an 5 km3 pro Sekunde, ist die durchschnittliche
Wassermenge der Orbequelle am Beginn des Unterlaufes, was zeigt, dass die Quelle (wie vielleicht auch die
Seen) zu einem grossen Teil noch von den Sickerwassern des Risouxhanges gespiesen wird (vergl. die Art. Joux, Lac und Vallée
de). Bei Hochwasser kann die Orbequelle mehr als 60 m3 Wasser pro Sekunde führen. An der Mündung in den Neuenburgersee
beträgt die mittlere Wassermenge des Flusses 10-12 m3 in der Sekunde. Das Maximum ist hier auf 180 m3
berechnet worden, welche Menge aber vielleicht noch überschritten werden kann, wenn die Hochwasser der Orbe und des Talent
zeitlich zusammenfallen.
Ueber die Orbe führen 5 Eisenbahnbrücken (2 der Linie Vallorbe-Le Brassus und je eine der Linien Lausanne-Pontarlier, Orbe-Chavornay
und Neuenburg-Lausanne), 11 Strassenbrücken, 8 Feldwegbrücken und 13 Fussgängerstege. Die Mehrzahl
dieser Uebergänge findet sich im Oberlauf, während der durch Schluchten und Sumpfland ziehende Unterlauf deren nur wenige
zählt. Bemerkenswert ist insbesondere die Eisenbahnbrücke (Lausanne-Pontarlier) bei Vallorbe, eine Eisenkonstruktion mit
zwei mächtigen Pfeilern aus Mauerwerk; 161 m lang und 59 m hoch.
Die ebenso zum grössten Teil eiserne Brücke der Linie Neuenburg-Lausanne setzt schräg über den Fluss
und ist 80 m lang. Durch ihre kühne Anlage zeichnet sich ferner aus die gemauerte Strassenbrücke s. vor der Stadt Orbe.
Der Fluss liefert zahlreichen und bedeutenden Fabrikanlagen die Triebkraft, doch fallen in dieser Hinsicht blos die
Strecke vom Lac des Rousses bis Vallorbe und dann die schluchtenreiche Bergstrecke des Unterlaufes in Betracht, während in
der Ebene die Entwässerungs- und Korrektionsanlagen eine besondere Erwähnung verdienen. Im Jouxthal treibt die Orbe oberhalb
Le Brassus eine Säge und Mühlen bei Le Sentier; die einst wohlbekannten Mühlen von Bonport am W.-Ufer des
Lac Brenet sind im Verlauf der Korrektion und Kanalisation der Gewässer des Jouxthales abgebrochen worden. Der Joux- und Brenetsee
hatte ehemals keinen oberflächlichen Ablauf, sondern floss einzig durch die schon erwähnten Bodentrichter ab, die aber
bei Hochwasser nicht genügend zu funktionieren vermochten, sodass der See oft über seine Ufer trat.
Um diesem Uebelstand zu begegnen, beschloss man, dem See einen künstlichen Abfluss zu geben, der nach Belieben reguliert
mehr
werden kann, genügend Wasser abzuführen vermag, um das Jouxthal vor jeder Ueberschwemmung sicher zu stellen, und die Höhe
des Seespiegels zwischen 1005 m im Minimum und 1008,5 m im Maximum halten soll. Diese mit finanzieller Beihilfe des Bundes
vom November 1901 bis Dezember 1904 durchgeführte Arbeit hat zugleich die Möglichkeit zur Schaffung
einer beträchtlichen nutzbaren Wasserkraft gegeben. Der Kanal zweigt bei La Tornaz vom Lac Brenet ab und führt durch einen 2632 m
langen Tunnel zu dem am Crêt des Alouettes (nö. vom Brenetsee) befindlichen Stauweier.
Der Kanal hat einen Querschnitt von etwa 5,7 m2 und ein gleichmässiges Gefälle von 3‰ und vermag
in der Sekunde etwa 20 m3 Wasser abzuführen. Vom Stauweier oder Reservoir führt eine eiserne Röhrenleitung dem Elektrizitätswerk
La Dernier das benötigte Triebwasser zu, das einen reinen Fall von 234 m hat und eine Kraft von 3720-6740 PS liefert.
Das überschüssige Wasser des Reservoirs fliesst durch zwei weitere eiserne Leitungen zur Orbe ab. Der
Fluss treibt ferner in Vallorbe und Umgebung (La Dernier, Les Éterpas etc.) verschiedene mechanische Werkstätten, Schmieden
und andere Betriebe. In La Dernier bei Vallorbe ist auch eine Fischzuchtanstalt eingerichtet worden.
Es folgt die Schluchtenstrecke bis zur Stadt Orbe mit dem schönen Wasserfall des Saut du Day (grosse Fabrik
zur Herstellung von chlorsaurem Kali), unterhalb welchem das die Bezirke Yverdon und Grandson mit Licht und Kraft versorgende
Elektrizitätswerk Les Clées liegt und der die Fabriken von Orbe bedienende Kanal beginnt. Die der Orbe noch verbleibende
sog. Kraft des Palier de Montcherand wird von einem in der Orbeschlucht oberhalb des Dorfes Montcherand
stehenden und 1904-1906 erbauten Werk nutzbar gemacht, dem das Wasser mit einem Bruttofall von 98 m und einer Arbeitsleistung
von 2800 PS durch einen 3600 m langen Stollen zugeführt wird. Die gewerblichen Betriebe des Dorfes Ballaigues erhalten ebenfalls
Orbewasser, das durch mächtige Pumpwerke vom Saut du Day zu einem oberhalb des Dorfes angelegten Reservoir
hinaufgehoben wird. In Orbe treibt der Fluss einige grosse Mühlen.
Der dritte Abschnitt des Flusslaufes beginnt nach seinem Austritt aus den Schluchten von Le Day unterhalb der Brücke von Orbe.
Vor dem Jahr 1860 pflegte die über ihren eigenen Schuttkegel fliessende Orbe oft über die Ufer zu treten
und die ganze Ebene unter Wasser zu setzen. Heute führt ein von Ufersicherungen begleiteter Kanal den Fluss mit gleichmässig
sanftem Gefälle in den Neuenburgersee ab und schützt die Ebene, die zusehends dem Wiederanbau gewonnen wird, vor jeder Ueberschwemmungsgefahr.
Die grössern Nebenarme, wie Talent, Nozon und Mujon, sind ebenfalls korrigiert und kanalisiert worden,
während man zugleich auch den Querschnitt der beiden Entwässerungskanäle, Canal Oriental und Canal Occidental, beträchtlich
erweitert und die Brinaz, den Bey und den Buron vollständig korrigiert und direkt in den See geführt hat. Eine Schleuse gestattet,
eine gewisse Menge Wassers durch Yverdon zu führen und dessen Kanäle und Abzugsgräben rein zu halten.
Alle diese sehr kostspieligen Arbeiten sind vom Bund reichlich unterstützt worden. Infolge der Entwässerung der Sumpfebene
werden allmählig alle noch in Yverdon bestehenden Mühlenanlagen eingehen.
Das Thal der Orbe ist ein mit Alluvionen überführtes Muldenthal. Die Tobel und Schluchten im höhern
Abschnitt des Unterlaufes sind in Jura-, Neocom- und Tertiärschichten eingeschnitten.
Bibliographie.
Zu nennen sind in erster Linie die verschiedenen vom Baudepartement des Kantons Waadt
veröffentlichten Broschüren und Berichte, dann
die die Subvention der Entwässerungs- und Korrektionsarbeiten in der Orbeebene betreffende Botschaft der Bundesrates an
die eidgenössischen Räte, der Rapport des Ingenieurs Palaz (Lausanne 1889) und eine vom Ingenieur C.
Perrin im Bulletin technique de la Suisse romande (Oktober 1904) veröffentlichte Studie.
Bezirk des Kantons Waadt.
Liegt im nw. Kantonsteil und grenzt im N. an den Bezirk Grandson, im O. an die Bezirke Yverdon
und
Échallens, im S. an die Bezirke Cossonay und La Vallée
und im NW. an Frankreich. 20950 ha Fläche und 15248 Ew., also 73 Ew. auf einen
km2. Er
ist einer der flächengrössten Bezirke des Kantons und zerfällt orographisch in vier ungleich grosse Zonen: das
Bergland des Jura, die subjurassischen Plateaux, die Ebene der Orbesümpfe und den W.-Abfall des Jorat.
Die beiden letzten dieser Zonen sind zugleich die räumlich beschränktesten. Das Juragebirge weist hier mehrere nahezu parallel
SW.-NO. streichende Ketten auf. Deren nördlichste ist die Kette der Aiguilles und des Mont de Baulmes (1563 und 1205 m), die
die Grenze zwischen den Bezirken Orbe und Grandson
bildet und sich dann in diesem letztern weiter fortsetzt. Dann
folgt die den Mont Risoux nach NO. fortsetzende Kette, die auf Schweizerboden die O.-Flanke des Mont d'Or (1451 m) und, jenseits
des Einschnittes der Jougnenaz, den Mont Suchet (mit 1591 m der höchste Punkt des Bezirkes) umfasst und
in der Umgebung des Dorfes Baulmes ausstreicht.
Weiter s. treffen wir zwei Verzweigungen der Kette des Mont Tendre, die nur zum Teil unserm Bezirk angehören und deren eine
die Dent de Vaulion (1487 m) trägt, während die andere den Kamm über den Dörfern Mont la Ville und La Praz
(1302 m) bildet. Beide zusammen umfassen das oberhalb Vaulion beginnende und bei Croy endigende Thälchen von Vaulion, das vom
Nozon durchflossen wird. Zwischen dem Kamm der Dent de Vaulion und dem des Mont d'Or liegt der Vallon von Vallorbe oder das Thal
der Orbe, das vom Mont d'Orzeires bis Les Clées (10 km) reicht.
Die Zone der subjurassischen Plateaux (750-450 m) senkt sich langsam zur Ebene der Orbesümpfe und endigt mit dem das Städtchen
Orbe und das Dorf Arnex tragenden Rücken. Neben dem tiefen Tobel der Orbe wird sie noch von mehreren andern, weniger bedeutenden
Einschnitten gequert. Die Sumpfebene (445 m im Mittel) bildet eine 2-4 km breite und vollkommen horizontale
Fläche, die von der Orbe und ihren Nebenadern, sowie von einer grossen Anzahl von Kanälen durchzogen wird.
Oestl. dieser Ebene umfasst der Bezirk Orbe endlich noch einen Teil der W.-Flanke und der westl. Gehängeterrassen des Berglandes
des Jorat (445-615 m) mit einem Teilstück des tiefeingeschnittenen Laufes des Talent. In geologischpetrographischer
Hinsicht lässt sich der Bezirk einteilen in 1. das Gebiet des Jura mit Jura- und Neocomkalken, 2. das aus Neocom und tertiärer
Molasse bestehende und mit tonig-kiesigem Moränenmaterial überführte subjurassische Plateau und 3. die Sumpfebene mit Alluvial-
und Torfboden.
Mit Ausnahme des Gebietes um La Praz und eines Teiles der Nozonwasser gehört der Bezirk Orbe dem Einzugsgebiet des Rhein an.
Neben der Orbe, seinem beträchtlichsten Wasserlauf, entspringen hier noch der Mujon und die Brinaz, die beide in den Neuenburgersee
münden. Jener durchfliesst zwischen Valeyres und Rances ein kleines Thälchen und vereinigte sich einst
mit der Orbe, bis er dem Canal Occidental zugeleitet wurde, mit dem er sich nun w. Yverdon
in den See ergiesst. Die Brinaz entspringt
mit drei Quellarmen auf Boden der Gemeinden Baulmes und Vuiteboeuf. Ebenfalls dem Neuenburgersee tributär ist der von Sainte Croix
herabkommende Arnon, der während einer kurzen Strecke die Gemeinde Vuiteboeuf durchfliesst und in diesem
Dorf die zwischen den Aiguilles de Baulmes und dem Mont Suchet entspringende Baumine erhält.
Der Bezirk Orbe umfasst die vier Kreise Vallorbe, im westl. Abschnitt ganz im Jura gelegen; Baulmes und Romainmôtier in der
nördl. bezw. südl. Mitte und beide sowohl dem Jura als der Zone der Plateaux angehörend; Orbe im östl.
Abschnitt hauptsächlich in der Ebene und an der Flanke des Jorat. Folgendes sind, nach Kreisen gruppiert, die 26 Gemeinden
des Bezirkes: Orbe mit Orbe, Bavois, Chavornay, Corcelles sur Chavornay und Montcherand;
Baulmes mit Baulmes, L'Abergement,
Lignerolle, Rances, Sergey, Valeyres sous Rances und Vuiteboeuf;
Romainmôtier mit Romainmôtier, Agiez, Arnex, Bofflens, Bretonnières,
Les Clées, Croy, Envy, Juriens, La Praz und Premier;
Vallorbe mit Vallorbe, Ballaigues und Vaulion.
Bezirkshauptort ist Orbe, die
an Einwohnerzahl grösste Siedelung dagegen Vallorbe; bedeutende Orte sind daneben noch Baulmes, Vaulion und Chavornay. Einer
geschichtlich reichen Vergangenheit rühmen sich die Städtchen Orbe und Romainmôtier, sowie die Dörfer Les Clées und Baulmes.
Von den Dörfern finden sich die
mehr
meisten in der Plateauzone, einige auch am Hang oder Fuss des Jura und drei (Chavornay, Bavois und Corcelles) im Jorat, während
in der Ebene der Orbesümpfe keines liegt. Im Allgemeinen sind die Siedelungen zu Weilern und Dörfern gruppiert; eine grössere
Anzahl von Einzelsiedelungen treffen wir blos in den Gemeinden Vallorbe und Vaulion.
15248 Ew., wovon 14071 Reformierte, 1143 Katholiken und 34 Andere; 14095 Ew. sprechen französisch, 610 deutsch und 535 italienisch.
1850: 13203, 1880 13763, 1888: 13803, 1900: 15248 Ew. Das seit 1888 sich geltend machende raschere Wachstum der Bevölkerungszahl
ist in erster Linie der an verschiedenen Orten aufgeblühten industriellen Tätigkeit zuzuschreiben.
Hauptbeschäftigung der Bewohner ist gleich wie in den meisten Bezirken der Waadt
die Landwirtschaft, die der ziemlich grossen
Höhenunterschiede wegen in den mannigfaltigsten Formen betrieben wird.
Reich an Wald sind besonders die Gemeinden Baulmes und Vallorbe; Wein wird in 11 Gemeinden gebaut, vor allem in der Gemeinde
Orbe, deren zur Ebene sich senkenden Hänge meist mit Reben bepflanzt sind. In der Ebene werden einige Spezialkulturen betrieben
und in gewissen Teilen Torfgruben ausgebeutet. Seit einer Reihe von Jahren hat sich in Vallorbe die Bienenzucht beträchtlich
verbreitet, so dass man hier 1897 volle 690 Bienenstöcke zählte, deren Honig sehr geschätzt wird.
Die Bodenbenutzung verteilt sich wie folgt:
etwa ha.
Gärten
70
Reben
411
Wiesen und Baumgärten
3183
Felder
6800
Wald
6623
Sennberge und Weiden
3356
Die Viehstatistik hat folgende Resultate ergeben:
1886
1898
1901
Rindvieh
6609
6801
6302
Pferde
1305
1234
1326
Schweine
3657
4393
4208
Schafe
3168
1962
1043
Ziegen
1022
1142
841
Bienenstöcke
2544
2510
2167
Von grosser Bedeutung ist im Bezirk Orbe die industrielle Tätigkeit geworden. Zu den in Vallorbe schon seit langer Zeit rühmlich
bekannten Schmieden und Feilenhauereien haben sich seit etwa 30 Jahren hier und in der Umgebung (Ballaigues inbegriffen) zahlreiche
neue Industriezweige gesellt, wie übrigens auch in Baulmes und in
Orbe selbst. Zu nennen sind das Elektrizitäts-
und Wasserwerk (Usine électrique des forces Motrices) der Orbe und von Joux;
die Fischzuchtanstalt in der Orbe bei La Dernier
(2,5 km sw. Vallorbe);
Elektrizitätswerke Le Châtelard, Le Day, ö. von Vallorbe, Les Clées, Orbe und Montcherand;
eine Fabrik für chlorsaures Kalium in Le Day;
Kalkbrennereien und Zementfabriken in Les Grands Crêts (Plan du Chalet) 1 km
sw. Vallorbe und besonders in Baulmes;
je eine beträchtliche Getreidemühle und Schokoladefabrik in Orbe;
Fabriken landwirtschaftlicher
Geräte (Sicheln, Nägel, Ketten, Schlitten etc.) in Le Creux w. Ballaigues und in Les Éterpas ö. Vallorbe.
Fabriken für Feilen, Grabstichel und zahnärztliche Instrumente in Vallorbe, Vaulion und Le Creux;
in Vallorbe die vereinigten
Metallwerke (Usines métallurgiques);
Schmieden in La Dernier und Les Éterpas;
Messerschmiede, Räder- und Artilleriewagenfabrik
in Les Éterpas;
eine Bronze- und Glockengiesserei in Vallorbe;
mechanische und Uhrenmacherwerkstätten in
Romainmôtier;
Uhrsteinschleifereien in Vaulion;
eine Musikdosen- und eine Möbelfabrik in Baulmes;
eine Essigfabrik in Ballaigues;
eine Motorfahrräderfabrik und eine Werkzeugfabrik mit Werkstätte für elektrische Ventilatoren in Romainmôtier;
grosse
Mühlen in Ballaigues, Orbe, Croy und Chavornay.
Ziegeleien in Baulmes, Corcelles und Romainmôtier;
Gerbereien in Baulmes, Orbe
und Vaulion;
eine Schuhwarenfabrik in Vaulion;
bei Agiez ein Bruch auf schönen weissen Kalkstein.
Seit etwa 20 Jahren
hat sich auch die Fremdenindustrie zu entwickeln begonnen, so besonders in Ballaigues und Umgebung, dann auch in Vallorbe und,
erst seit kurzer Zeit, in Lignerolle, Vaulion und La Praz.
Den Bezirk bedient eine ziemlich grosse Anzahl von guten Strassen, die während der letztvergangenen 50 Jahre
entweder neu erstellt oder ausgebessert worden sind: Lausanne-Cossonay-Orbe-Pontarlier mit Abzweigung nahe der Grenze nach
Vallorbe, Orbe-Baulmes-Sainte Croix, Orbe-Yverdon, Orbe-Chavornay-Vuarrens-Moudon, Orbe-Romainmôtier-Vaulion-Le Pont de Joux, Lignerolle-Vuiteboeuf-Onnens,
Le Pont-Vallorbe, Mont la Ville- und Cuarnens-Romainmôtier, La Sarraz-Bretonnières-Vallorbe, La Sarraz-Chavornay-Yverdon, Chavornay-Echallens,
Bavois-Cheseaux. Postwagen von Orbe nach Ballaigues und Vallorbe, nach Baulmes, Yverdon, Échallens,
Arnex;
von der Station
Croy nach Romainmôtier und Vaulion;
von Cossonay
nach La Praz. Bahnlinien: Neuenburg-Lausanne mit der Station Chavornay;
mehr
Lausanne-Pontarlier mit den Stationen Arnex, Croy und Vallorbe;
Vallorbe-Le Brassus;
Yverdon-Sainte Croix mit den Stationen Peney-Vuiteboeuf,
Baulmes und Les Six Fontaines;
deutsch Orbach (Kt. Waadt,
Bez. Orbe). 483 m. Gem., kleine Stadt und Bezirkshauptort; 24 km nnw. Lausanne und 10 km ssw.
Yverdon. 3 km w. der Station Chavornay der Linie Neuenburg-Lausanne und mit ihr durch eine elektrische Strassenbahn
verbunden; 3 km n. der Station Arnex der Linie Lausanne-Pontarlier. Ausgedehntes Strassennetz: Strassen nach Yverdon, Chavornay
(mit Abzweigung nach Vuarrens und Échallens), nach Cossonay und Lausanne, nach Romainmôtier und Le Pont de Joux, nach Ballaigues-Vallorbe-Pontarlier,
nach Baulmes-Sainte Croix.
Postbureau, Telegraph. Telephon; Postwagen nach Yverdon, Échallens, Arnex, Station Croy und weiter nach Romainmôtier und Vaulion,
nach Ballaigues und Vallorbe, nach Baulmes. Die Gemeinde liegt zum grössten Teil in der Ebene der Orbesümpfe, zieht sich auf 5 km
dem die Ebene im W. begrenzenden Gehänge entlang und umfasst auch noch einen Teil der Plateaulandschaft
weiter westlich. Zusammen mit einer Anzahl von Einzelsiedelungen und der Strafkolonie: 276 Häuser, 2080 Ew., wovon 168 Reformierte, 197 Katholiken
und 15 Andere;
1784 Ew. französischer, 185 deutscher und 109 italienischer Zunge.
Stadt allein: 235 Häuser, 1736 Ew. 1860:
1859, 1880: 1873 und 1888: 1929 Ew. Die während der vergangenen 40 Jahre nur schwache Vermehrung der
Bevölkerungsziffer zeigt jetzt dank der Entwicklung der industriellen Tätigkeit ein rascheres Anwachsen. Reformierte Kirchgemeinde
zusammen mit der Gemeinde Montcherand.
Die Stadt liegt auf einer von der Orbe auf drei Seiten umflossenen Halbinsel, die sich nach S. zum letzten
Engpass des Flusses vor seinem Eintritt in die Ebene absenkt. Die Oberstadt im N. gruppierte sich einst um ein altes Schloss,
an dessen Stelle sich jetzt eine mit Bäumen bepflanzte grosse Terrasse befindet, die eine weite Aussicht auf die Ebene der
Orbe, einen Teil des Jura und des Jorat und auf die Alpen bietet. Schloss und Stadt waren mit Befestigungsanlagen
umgeben, von denen sich einige Reste bis auf heute erhalten haben.
Etwas ö. vor der Stadt liegt der Vorort Les Granges mit einer grossen Schokoladefabrik. Von den in Orbe einst vorhandenen
sieben Kirchen oder Kapellen hat sich nur die grosse Liebfrauenkirche (Notre Dame) erhalten, die jetzt
reformierte Pfarrkirche ist. Sie steht an der Stelle einer anscheinend im Lauf des 11. Jahrhunderts in der Oberstadt erbauten
Kapelle, an die im S. ein Hospiz sich anschloss, während sich gegen N. eine den Namen Poteylar tragende und noch heute vorhandene
Türe öffnete.
Nachdem diese der h. Jungfrau geweihte Kapelle durch eine grosse Feuersbrunst 1407 zerstört worden war, erbaute man ein geräumigeres
Gotteshaus, indem man in einem der Mauertürme, der fortan als Glockenturm diente, ein Gewölbe ausbrach und daran beiderseits
die Seitenschiffe anbaute. Diese Kirche wurde während der Belagerung des Schlosses 1475 beschädigt,
während eine Feuersbrunst 1688 Glockenturm und Dachstuhl zerstörte. Ihr Aeusseres zeigt keine besonderen Sehenswürdigkeiten;
das Innere bildet eine schöne Folge von Gewölben, die mit unechtem Marmor mehr oder weniger glücklich ausgelegt worden
sind, und birgt eine 1875 eingeweihte Büste des Reformators Viret.
Die Kirche hat eines der schönsten Geläute der Schweiz. Neben der Kirche
steht die Tour des Prisons oder
(ihrer Form wegen so genannte) Tour Ronde und etwas davon entfernt mitten im östl. Abschnitt der Promenade die Tour Carrée.
Jene bildete einst den Haupteingang des Schlosses und beherrschte die ganze Stadt, diese (vielleicht der ehemalige Bergfried)
stand in der nö. Ecke der Umfassungsmauer des Schlosses, das mit seinen Türmen, Höfen, Mauern, Wällen
und Gräben eine für ihre Zeit sehr starke Anlage war.
Urkundliche Nachrichten über diese Burg fehlen vor der Mitte des 9. Jahrhunderts, wenn auch eine Ueberlieferung ihre Gründung
einem Edeln des transjuranischen Reiches Burgund (dem Patrizier Vandelin zu Beginn des 7. Jahrhunderts)
zuschreibt. Nachdem sie zu wiederholten Malen, so besonders um die Mitte des 13. Jahrhunderts unter den Herren von Montfaucon,
umgebaut und restauriert worden, kam sie zur Zeit der Burgunderkriege trotz tapferer Verteidigung 1475 in die Hände der
Eidgenossen, die sie mit einer Besatzung belegten.
Als sich diese einige Monate später zum Abzug genötigt sah, legte sie Feuer an das Bollwerk, von dem einzig die Mauern
erhalten blieben, die dann 1835 bei der Anlage der jetzigen Terrasse noch vollends abgetragen worden sind. Eine sehr bemerkenswerte
Baute ist die das tiefe Tobel der Orbe s. der Stadt in einem einzigen Bogen überspannende gemauerte Brücke,
die zu den kühnsten, grössten und schönsten des Kantons gezählt wird. Sie verdankt ihre Entstehung der Anregung des Bürgermeisters
Carrard und wurde nach den Plänen des Architekten Perregaux 1826 im Bau begonnen und 1830 vollendet; sie ist 83,25 m lang,
7,95 m breit und 30 In hoch.
Unterhalb davon befindet sich eine alte Steinbrücke, zu deren Bau ein Einsiedler Girard Borrellier seine Ersparnisse hergegeben
haben soll und die dann 1424 auf Kosten der Stadt vollendet worden ist. Eine dritte Brücke bei Les Granges stammt aus neuester
Zeit. Sekundarschulen, Gymnasium, Industrieschule, höhere Töchterschule. Ein schönes neues Schulhaus 1904 eröffnet.
Die auf Grund von Schenkungen von Privatleuten 1842 gegründete öffentliche Bibliothek zählt heute 3500 Bände.
Die einstigen Hospizien und klösterlichen Krankenanstalten ersetzt ein Krankenhaus, das 1876 eingeweiht wurde und zu dessen
Bau ein Bürger von Orbe, G. de Thienne, die Mittel testamentarisch vergabt hatte. Einige Jahre später
hat man am Ufer der Orbe 1,5 km nö. der Stadt eine Strafkolonie eingerichtet, die auch entlassene Sträflinge aufnimmt;
seit der Vollendung der Entwässerungsarbeiten in den Sümpfen der Orbe beschäftigen sich die Insassen der Anstalt, deren
Grundbesitz 1904 beträchtlich vergrössert worden ist, mit Landwirtschaft.
Die seit langen Jahren am Ufer der Orbe stehenden Mühlen sind vor kurzem vergrössert und umgebaut worden
und erfreuen sich einer beträchtlich anwachsenden Bedeutung. Eine Gerberei und eine Bierbrauerei. Die in Les Granges am rechten
Ufer des Flusses neu erstellte Schokoladefabrik beschäftigt zahlreiche Arbeiter und entwickelt sich rasch. Die Orbe mit
der Bahnstation Chavornay verbindende Strassenbahn war die erste elektrische Normalspurbahn der Schweiz
und überschreitet die Orbe auf dem Grand Pont, in dessen Mauerwerk eigens zu diesem Zweck ein Durchgang geöffnet werden musste.
Die Kraft erhält sie von einem an der Orbe am Ende ihres langen Schluchtenlaufes 1 km nw. der Stadt erstellten
Elektrizitätswerk, das durch einen 10 m hohen Staudamm aus Mauerwerk einen Fall von 11 m erzielt und eine Kraft von 260 PS
liefert und ferner noch Licht an die Stadt
mehr
und Kraft an die Schokoladefabrik und mehrere andere Betriebe abgibt. Bahn und Kraftwerk wurden 1892 im Bau begonnen und
im April 1894 dem Betrieb übergeben. Ein grosser Teil der Bevölkerung beschäftigt sich mit Landwirtschaft und insbesondere
mit Weinbau. Die Rotweine von Orbe erfreuen sich eines verdienten guten Rufes.
Zahlreiche Funde bezeugen, dass zwischen der heutigen Stadt und dem Dorf Valeyres sous Rances an der diese
Gegend durchziehenden Römerstrasse Lousonna (Lausanne)-Eburodunum (Yverdon) eine Römerstadt Urba gestanden hat, die dann
ohne Zweifel zur Zeit der Barbareneinfälle zerstört worden ist. Im Mittelalter bezeichnete man mit dem Namen Urba einen
Ort, der nach dem Geschichtsschreiber F. de Gingins zwischen 563 und 596 vom König Guntram gegründet
worden sein soll.
Dieser König liess auch die quer durch den Jura von Saint Maurice (Agaunum) nach Dijon ziehende Strasse erbauen, an der Urba,
Tabernae oder Tabernis links der Orbe und Tavellis rechts der Orbe standen. Ob Urba (Orbe) nur der zusammenfassende
Name dieser beiden Burgschaften war oder einen an der Stelle des heutigen Ortes auf der Höhe der Halbinsel stehenden dritten
Flecken bezeichnete, ist nicht sicher festgestellt. Urkundlich erscheint die jetzige Stadt zum erstenmal 1049 in einer
Bulle des Papstes Leo IX. als vicus Urbensis. Im 7. Jahrhundert wurde Orbe die Hauptstadt des transjuranischen
Burgund (später Klein Burgund).
Seiner festen Lage an einer bedeutenden Strasse wegen entging der Ort auch während der Sarazeneneinfälle und der zu Beginn
des 8. Jahrhunderts ausbrechenden innern Fehden der völligen Zerstörung. Nach der Teilung des Karolingerreiches hielten
die Herrscher dieser Dynastie in Orbe verschiedene Zusammenkünfte ab, so z. B. 864 Lothar II. mit dem
Kaiser Ludwig II. Von 888 an kam Orbe an die transjuranischen Könige aus dem Geschlecht der Welfen und wurde unter Rudolf
I. von den einbrechenden fremden Horden vielleicht sogar zerstört, da König Rudolf II. nicht in Orbe sondern
in Chavornay residierte.
Das von des letztern Sohn Konrad wieder in Stand gesetzte Schloss Orbe diente nun seinen Nachfolgern als Residenz, und Orbe
ward der Hauptort eines Pagus, der vom Mormont bis zur Landschaft Neuenburg
reichte, im W. vom Jura begrenzt wurde und im O. noch einen
Teil des Jorat umfasste. Unter König Konrad konnten die Sarazenen und Ungarn endgiltig aus dem Land vertrieben
werden. Nach Rudolfs III. Tod (1032) kam das Burgunderreich an das heilige römische Reich deutscher Nation, dessen Kaiser
Heinrich IV. das Gebiet von Orbe 1076 Wilhelm dem Grossen, Grafen von Burgund, verlieh.
Als auch dieses Herrschergeschlecht mit Wilhelm IV. dem Kind 1127 erlosch, fiel Orbe neuerdings an das
Reich zurück, dessen Kaiser Friedrich Barbarossa mit Beatrix, einer Tochter des Grafen Renatus III. von Burgund, vermählt
war und nun die eine Hälfte der Ländereien seiner Frau 1168 an Amadeus II., Herrn von Montfaucon und Grafen von Mömpelgard,
und die andere Hälfte den Pfalzgrafen von Burgund zu Lehen gab. Amadeus III., Sohn von Amadeus II., erwarb dann 1255 auch
diese zweite Hälfte, umgab die Stadt Orbe mit einer Festungsmauer und baute das Schloss zu seiner endgiltigen Gestalt um.
Das Haus Montfaucon verblieb bis zum Ende des 14. Jahrhunderts im Besitz der Herrschaft Orbe, worauf diese
nach dem Tod der kinderlosen Jaquette von Grandson, der Witwe Johanns III. von Montfaucon, an die Grafen von Mömpelgard als
die ältere Linie des Geschlechtes überging, deren Haupt damals Graf Johann Philipp war. 1404 erhielt Orbe seinen Freibrief,
dessen Original heute noch im Stadtarchiv vorhanden ist. Zu gleicher Zeit und wenig nachher entstanden
mehrere Kirchen und das St. Klarakloster der einer sehr strengen Regel
unterworfenen Klarissinnen. 1424 fielen Orbe, Échallens
und Montagny le Corbe an Ludwig von Châlons, Fürsten von Orange, einen der mächtigsten Herren seiner Zeit.
Bei ihrem ersten Einbruch in welsches Gebiet zerstörten die Eidgenossen nach der Einnahme des Schlosses
Grandson 1475 die Burgen von Montagny le Corbe und Champvent und begannen am 1. Mai mit der Belagerung des Schlosses Orbe, das nach
heldenhafter Verteidigung durch Niklaus von Joux, der hierbei seinen Tod fand, eingenommen wurde. Die Sieger verschonten die
Stadt, die sich ihnen schon vorher ergeben hatte, legten aber im Interesse der Verteidigung die dem Schloss
nahen Bauten in Asche und liessen eine Garnison zurück, die im November des gleichen Jahres den Befehl zum Rückzug erhielt
und nun das Schloss bis auf die nackten Mauern niederbrannte.
Herzog Karl der Kühne zog im Februar 1476 über den Jura und schlug in Orbe, dessen Bewohner ihn als
ihren Befreier gerne aufnahmen, sein Hauptquartier auf, wurde aber bald darauf bei Grandson gründlich geschlagen, worauf
Orbe und sein Gebiet einer Plünderung und Zerstörung nur mit Mühe entgingen. Nach der zweiten Niederlage Karl's bei Murten
sprachen die Eidgenossen die Ländereien des Hauses Châlons gegen Entschädigung den Städten Bern
und Freiburg
zu. Orbe und
Échallens wurden zu einer gemeinsamen Landvogtei vereinigt, die abwechselnd von einem Berner und von einem Freiburger Landvogt
regiert wurde, wobei ersterer stets in Échallens zu residieren pflegte.
Der lokalen Verwaltung in Orbe stand ein sog. Rat der Zwölf vor, dessen sehr angesehene Mitglieder den
Patriziergeschlechtern des Ortes entstammen mussten. Kurze Zeit nach dieser Neuordnung brachte die Einführung der Reformation 1531 eine
Zeit der Wirren und Gewaltakte. Die auf Freiburg
sich stützenden Katholiken vertrieben den unter Berns Schutz stehenden Reformator
Farel, woraus trotz Vermittlung beider Stände stets aufs neue Streitigkeiten entstanden. Eine feierliche Abstimmung gab endlich 1554 den
Reformierten die Mehrheit und den Sieg, der dann allerdings noch von der zur Abstimmung nicht zugelassenen katholischen Priesterschaft
angefochten wurde.
Nun hob man sofort den katholischen Gottesdienst auf, entfernte den Bilderschmuck aus den Kirchen, die
mit Ausnahme der Notre Dame abgetragen wurden, und schloss das St. Klarakloster, dessen noch verbliebene Insassen sich 1555 nach
Évian zurückzogen. Das Klostergebäude wurde von der Stadt angekauft und zu ihrem Rathaus umgewandelt. Im Uebrigen begünstigte
der Staat die Stadt Orbe bei der Säkularisierung der Kirchengüter nicht in dem Masse, wie er es anderen
Orten der Gegend gegenüber tat.
Von dieser Zeit an hat dann die kleine Stadt in fortdauerndem Frieden gelebt, der nur 1802 noch einmal gestört zu werden
drohte. Da ein Teil seiner Bewohner der Berner Oberhoheit zugetan war, hatte sich Orbe erst sehr spät
der Revolution von 1798 angeschlossen. Nun verband sich eine Anzahl von Anhängern Berns aus verschiedenen Orten, um im Waadtland
die Berner Herrschaft von neuem einzuführen. Sie sammelten eine unter dem Major Pillichody stehende Truppe von 2000 Mann,
die am in Orbe einzog, um loszuschlagen, sobald ihre Mitverschwornen in Lausanne das Zeichen
dafür geben würden.
Die davon benachrichtigten Patrioten brachten in aller Eile 5000 Mann zusammen, die unter den Befehl eines gewissen Blanchenay
gestellt wurden und sofort in drei Kolonnen von N., O. (Chavornay) und S. her gegen Orbe vorrückten. Pillichody konnte zwar
gegen den Jura hin entweichen, doch erhielt die von S. kommende Kolonne einige Flintenschüsse, die die
Soldaten derart aufbrachten, dass sie die betreffenden Häuser sofort plünderten und das gleiche Schicksal
mehr
auch allen Häusern der Anhänger Berns angedeihen lassen wollten. Dies wurde nur dadurch verhindert, dass Blanchenay der Stadt
eine Kriegssteuer von 12000 Franken auferlegte.
Orbe ist die Heimat einer Reihe von hervorragenden Männern, von denen folgende zu nennen sind: aus dem 16. Jahrhundert der
Reformator Pierre Viret (1511-1571) und der Chronist Pierre de Pierrefleur; ferner der im 16. und 17. Jahrhundert
lebende Jaques d'Avy, der zum Katholizismus übertrat und es unter dem Namen du Perron bis zum Kardinal brachte; der durch
seine landwirtschaftlichen Schriften bekannt gewordene Pfarrer Jean Bertrand (1708-1777), der Verfasser von Schriften über
Moral und Naturwissenschaften Élie Bertrand (1713-1797), der Rechtsgelehrte B. Carrard († 1730), der
Erfinder der Orthopädie Dr. Jean André Venel (1740-1791) und sein als Historiker bekannter Sohn F. H. Venel (1780-1855),
der Dichter und Schriftsteller Albert Richard, der Maler Arlaud (1773-1845), der Feldmarschall in französischen Diensten L.
F. Darbonnier de Dizy († 1780), die Theologen Jean Hollard († 1569) und Jean Mestrezat (1632-1705),
der Naturforscher Louis Agassiz (1807-1873) und Nicolas de Goumoëns, der bei der Belagerung von Antwerpen 1832 den Heldentod
starb.
Die Stadt wurde 1407, bei der Belagerung des Schlosses 1475 und dann wieder 1688 von Feuersbrünsten und 1348, 1349 und 1515 von
der Pest heimgesucht. Nördl. der Stadt hat man zahlreiche Funde von römischen Altertümern gemacht,
von denen einige Mosaiken in Bossaye (an der Strasse nach Yverdon 2 km nördl. von Orbe) aufbewahrt werden, während die bemerkenswerten
Funde westl. der Stadt leider verloren gegangen sind. Am Chemin de l'Étraz (der alten Römerstrasse) ist
ein Gräberfeld aus römischer Zeit aufgedeckt worden, und auf dem Hügel von Châtillon hat man unter einem Steinhaufen einen
bronzenen Krug mit etwa 1200 römischen Münzen gefunden.
Der Kreis Orbe liegt im östl. Abschnitt des Bezirkes gleichen Namens und umfasst die Gemeinden Orbe und Montcherand an der
Orbe, Chavornay und Bavois am W.-Fuss des Jorat und Corcelles am W.-Hang des Jorat. Zusammen 4000 Ew.
Vergl. ausser den den ganzen Kanton behandelnden Werken: Ogiz, Jules. Orbe à travers les siècles. Orbe 1895; Naef, A. Le château
et l'église d'Orbe (in der Revue histor. vaudoise. Dezember 1903).
(Le Maraisde l') (Kt. Waadt,
Bez. Yverdon, Orbe und Cossonay).
So nennt man die vom Mormont bis Yverdon sich erstreckende Ebene der Orbe,
deren einzelne Teile man als Marais d'Entreroche, Marais des Puits, Marais Rouge, Marais de la Dame, Marais, Grand Marais etc. zu
unterscheiden pflegt. Diese Ebene ist vom Mormont bis zur Mündung der Thièle in den Neuenburgersee 16 km
lang und durchschnittlich 3,3 km breit und hat eine Fläche von 38 km2. Dabei sind nicht mitgerechnet die Neocominsel
des Mont de Chamblon in der NW.-Ecke und die Molassehöhe
von Orny im SW. Die Höhenlage der Ebene schwankt von 450 bis 432 m.
Dieselbe stellt einen ehemaligen Teil des Neuenburgersees dar, der durch die Alluvionen der verschiedenen Flüsse (Buron und
Thièle oder Orbe mit ihren heutigen Nebenadern Mujon, Talent und Nozon, u. a. von geringerer Bedeutung) im Lauf der Jahrhunderte
zugeschüttet worden und verlandet ist, zu welchem Vorgang auch die im nw. Abschnitt fliessenden Bäche
Brinaz und Bey noch das ihrige beigetragen haben.
Von noch grösserem Einfluss auf die Bildung der Ebene waren aber die Vorgänge während der Eiszeit. So ist sicher festgestellt,
dass ein Arm des diluvialen Rhonegletschers zu wiederholten Malen und je für längere Zeit bis nahe an den Mormont
vorrückte und seine stark schlammhaltigen Schmelzwasser durch die Thalengen von Entreroche und La Sarraz in das damalige Seebecken
entsandte. Die Senke der Marais de l'Orbe ist die unmittelbare Fortsetzung derjenigen des Neuenburgersees, wie sich auch die
diesen letztern beiderseits (besonders aber im SO.) begleitenden Steilufer längs beiden Rändern der Ebene
bis in die Nähe des Mormont ohne Unterbrechung fortsetzen.
Die sie an manchen Stellen überdeckenden Ablagerungen von Moränenschutt beweisen die direkte Mitwirkung des Gletschers bei
der Auffüllungsarbeit dieses oberen Seebeckens. Das Gefälle der Ebene von der Enge von Entreroche in 450 m bis nach Yverdon
in 438 m (Pont de Gleyre) beträgt 12 m, während der vom Nozon durchflossene Arm w. der Colline d'Orny
von der Brücke von Pompaples bis zum Eintritt des Nozon in den Grand Marais sich um 42 m senkt. Doch gehört dieser Abschnitt
des Nozonthales streng genommen nicht mehr zur Ebene der Orbe, da er mit seinem Gefälle von 14‰ (Grand Marais
nur 0,75‰) ein Erosionsthal darstellt.
Die Korrektion der Juragewässer, die das Mittelwasser des Neuenburgersees auf 432,2 m gesenkt hat, hat zugleich auch das
Gefälle der Flussläufe in der Ebene etwas verstärkt, so dass es jetzt 14,8 m oder 0,92‰ beträgt. Als vor der Korrektion
der Mittelwasserstand des Sees in 434,90 m lag, hatten die Wasserläufe der Ebene bei Hochwasser weder genügende Fassungskraft
noch genügendes Gefälle, um das auf einer Einzugsfläche von 586 km2 sich sammelnde und alles der Ebene zustrebende Wasser
in seiner Gesamtheit an den See abzugeben.
Daraus folgte eine periodisch sich wiederholende Ueberschwemmung der tiefern Teile, was das ganze Land
ungesund machte und die bereits für den Anbau gewonnenen Landstücke teilweise entwertete. Zu dieser Zeit waren solchen
Ueberflutungen mehr als 30 km2, d. h. etwa 75% der Gesamtfläche der Ebene unterworfen. Schon früh hatte man erkannt,
dass der einst in die Thièle mündende Buron mit seinen Geschieben das Bett des Hauptflusses allmählig
aufzufüllen drohte und ihn daher schon 1590 durch das neben dem Schloss Yverdon vorbeigehende alte Bett der Thièle direkt in den
See abgelenkt. 1773 wollte man dem alten Uebel
mehr
von neuem zu Leibe gehen, doch blieben die vorgeschlagenen Arbeiten ein blosses Projekt. Erst nach 1817 wurde mit der Besserung
der Verhältnisse begonnen, indem man einen Teil des Wassers der Thièle (oder Toile) durch einen Kanal, Petite Toile oder Fossé
Neuf, ablaufen liess. Dieser auf Kosten der Gemeinde Orbe ausgeführte Kanal geht etwa 2 km unterhalb
der Stadt Orbe von der Orbe ab, mündet in den Mujon und nachher mit diesem zusammen nahe Yverdon in den Canal du Saut, der selbst
wieder eine Ablenkung der untern Thièle bildet.
Dem Tracé dieses Kanales folgt jetzt der später ausgehobene grosse Orbe-Thièle-Kanal. Die seit 1848 von
den Ingenieuren Venetz und Merian unternommenen Studien führten zur Aufstellung eines Gesamtprojektes, das einen Kostenvoranschlag
von 600000 Fr. voraussah und dessen Ausführung am beschlossen wurde. Noch im Laufe der Arbeit stellte es sich
dann (namentlich durch die Ueberschwemmung vom September 1863) heraus, dass den Kanälen ein grösserer
Querschnitt gegeben werden müsse.
Die gesamte Korrektion wurde in folgender Reihenfolge durchgeführt: 1. Aushebung des Fossé des Puits, der das Wasser einer
mitten in der Ebene von unten her aufsteigenden Gruppe von Quellen, (sog. Bugnons), dem Talent zuführt; das Wasser dieser Quellen
sammelt sich wahrscheinlich im Juragebirge und geht wie dasjenige der Quellen am Mont de Chamblon unter
den dem Jura vorgelagerten Molasserücken durch, um dann durch den hydrostatischen Druck von unten her zu Tage zu kommen. 2. Die
mit einem Kostenaufwand von 97300 Fr. im Jahr 1858 vollendete Korrektion des Buron, die diesen Fluss in
einem geraderen Lauf als bisher bei der Stelle Les Quatre Marronniers in den See münden lässt; beim Bau der Strassenbrücke
hat man an diesem letztgenannten Ort 1857 Reste von Pfahlbauten und römische Altertümer aufgefunden. 3. Die Korrektion des
Bey, die 27418 Fr. gekostet und die Entwässerung des sw. Abschnittes der Sümpfe bezweckt hat. 4. Der
Bau zweier Kanäle, des Canal Occidental und Canal Oriental, die die Orbe in ihrem Unterlauf entlasten sollen, 1859 und 1860 im
Bau begonnen und erst später vollendet worden sind.
Seit 1864 ging das Unternehmen der Trockenlegung der Orbesümpfe in den im Prinzip schon 1857 beschlossenen weit
umfangreicheren Arbeiten der Juragewässerkorrektion auf, die die Entsumpfung der Uferländereien der drei grossen Jurarandseen
zum Zweck hatte. Vergl. hierüber den Art. Moos (Grosses). Dieses grosse Unternehmen erforderte das gemeinsame Vorgehen der Kantone Waadt,
Freiburg,
Neuenburg,
Bern
und Solothurn,
die sich mit Bezug auf die Trockenlegung der Orbeebene erst 1875 zu einem entscheidenden Projekt
einigten, das dann nach langen Unterhandlungen, mancherlei Schwierigkeiten und verschiedenen partiellen Abänderungen und
Zusätzen 1877 in Angriff genommen wurde.
Bis zu dieser Zeit hatte man sich damit begnügt, die bereits ausgeführten Kanalisationsarbeiten in gutem Zustand zu erhalten,
da eine Fortsetzung derselben wegen der durch die Tieferlegung des Neuenburgersees geschaffenen neuen
Sachlage ausgeschlossen war. Das Projekt von 1877 nun sah einen Kostenvoranschlag von Fr. 4022762 voraus, in welcher Summe
die Verzinsung und (bis 1915 vollendet sein sollende) Rückzahlung des aufgenommenen Anleihens inbegriffen ist.
Die Kosten werden getragen zu einem Drittel vom Bund und zu zwei Dritteln vom Kanton Waadt
und den beteiligten Gemeinden
und Grundeigentümern. So hat man bis jetzt kanalisiert: 1. die Orbe von Les Granges d'Orbe bis zur Mündung in den Neuenburgersee;
2. den
sog. Bief des Abattoirs;
3. den Buron;
4. den Talent;
5. den Unterlauf des Nozon, der hier durch
den Fossé à
la Judith das Wasser des einstigen Canal d'Entreroche erhält;
6. den Canal Oriental;
7. den Canal Occidental;
8. den Mujon;
9. den
Bey;
10. die Brinaz. (Der 1640 begonnene und seit 1829 sich selbst überlassene Canal d'Entreroche hatte nur den Zweck, zwischen
dem Gebiet der Orbe und dem der Rhone als Schiffahrtsweg zu dienen.) Alle diese kostspieligen Arbeiten
werden die auf sie gesetzten Hoffnungen ohne Zweifel erfüllen und die erwarteten günstigen Resultate zeitigen.
Das Klima
wird gesünder werden, grosse bisher unproduktive Flächen sind bereits dem Anbau zurückgewonnen worden, und der einst mit
Schwierigkeiten verbundene Abbau des Torfes wird sich lohnender gestalten. Den alten Zustand werden wohl
einzig Botaniker und Jäger mit Bedauern sich ändern sehen, da sowohl Flora als Fauna dieses Gebietes durch seine Trockenlegung
sich gründlich ändern werden. So ist heute schon eine für diese Kanäle und ihre Mündungen charakteristische Florula
gänzlich verschwunden, und einige einst allgemein verbreitete Arten, wie Hottonia palustris, Sagittariasagittifolia, Utricularia etc., finden sich nicht mehr in der Umgebung von Yverdon.
Wir haben bereits ausgeführt, dass die heute die Orbeebene bildende obere Bucht des Neuenburgersees zu einem Teil durch die
Wirkungen der Eiszeit und zum anderen Teil durch die hier mündenden Flüsse und Bäche aufgefüllt worden
ist. Es ergibt sich daraus, dass diese Ausfüllung mit verschiedenartigem Material ein sehr kompliziertes Ineinandergreifen
von Wildbach-, See- und Glazialablagerungen erzeugt hat, deren Darstellung, auch auf schematischem Weg, schwierig ist. Es ist
wahrscheinlich, dass diese drei Vorgänge mehrfach miteinander abgewechselt haben und dass vor der Glazialzeit die allein
arbeitenden Wildbäche ihre Deltas in den See hinausbauten, wie dies die Areuse, Mentue und der Arnon heute
noch tun. So kam es dann dazu, dass die Deltas besonders der Orbe und des Talent, der beiden tätigsten dieser Wildwasser,
allmählig den obersten Abschnitt des Sees von seinem Hauptkörper abschnürten, wie dies beim nördl.
Abschnitt des Comersees und zwischen dem Brienzer- und Thunersee der Fall gewesen ist.
Dieser Vorgang muss dann durch die mehrfachen Schwankungen des Rhonegletschers, der den Neuenburgersee mindestens dreimal bedeckt
hat, unterbrochen worden sein, während die Auffüllung zur Zeit, da die Gletscherfront am Mormont stand, um so intensiver
vor sich ging. Man kann diese Abschnürung des Sees durch die Deltas des Talent und der Orbe zwischen Chavornay
und der Stadt Orbe jetzt noch deutlich sehen, indem hier zwei vorspringende Bodenschwellen, der Schuttkegel des Talent einer-
und derjenige der Orbe andererseits, einander beinahe berühren.
Zwar ist ein Teil der Bodenerhebung von Chavornay durch Moräne gebildet, was aber die oben ausgesprochene
Annahme nur bekräftigt. Andere Schwellen gleicher Art finden sich an der Mündung des Mujon bei Mathod und bei Épendes, wo
die Bäche von Les Combes in die Ebene eintreten. Ferner haben auch die Brinaz und besonders der Buron bedeutende Schuttkegel
(der des Buron Fin de Gravas geheissen) aufgeschüttet, während sie bei dem hauptsächlich durch die am
W.-Hang des Mont de Chamblon entspringenden Stromquellen gespiesenen Bey und beim Nozon fehlen. Dieser letztere Fall erklärt
sich wohl daraus, dass der Nozon erst seit geologisch rezenter Zeit in die Sümpfe der Orbe mündet, während
er früher durch den Engpass von La Sarraz der Venoge zugeflossen ist. Alle diese genannten Barren von Wildbachalluvionen haben
das sumpfige Becken von Entreroche am S.-Ende des einstigen Sees und tiefer unten den
mehr
Sumpf von Mathod-Épendes und denjenigen von Yverdon geschaffen.
An den die Orbeebene seitlich begleitenden Gehängen liegen mächtige Ablagerungen von Moränenschutt, zu deren bemerkenswertesten
die Hügel des sog. L'Islan am Ufer des einstigen Kanales von Entreroche bei Bavois gehört. Zur charakteristischen Ausgestaltung
der Umrahmung des Marais haben dann auch noch Erdrutschungen und Felsstürze, die von den einstigen (heute
verfestigten und bewaldeten) Steilufern des Sees niedergebrochen sind, beigetragen. Im tiefstgelegenen und den Ueberschwemmungen
am häufigsten ausgesetzten NO.-Abschnitt der Ebene befindet sich eine wenig hervorstechende, aber das Becken des Marais deutlich
vom Strand des Neuenburgersees scheidende Bodenschwelle, die aus Sand und Riesen besteht und offenbar von
den die Uferalluvionen hierher zusammenschwemmenden Wellen angehäuft worden ist.
Dieser Düne oder Barre verdankt die Stadt Yverdon (Eburodunum) ihre Entstehung. Weitere solche Terrassen oder Sandbänke
tauchen aus dem Torfboden auch noch zwischen Yverdon und dem Mont de Chamblon auf, wie ferner ein einstiger Strand derselben
Natur sogar weiter oben zwischen Épendes und dem Mont de Chamblon vorhanden zu sein scheint. Die die Stadt
Yverdon tragende Düne steht deutlich einerseits mit dem Schuttkegel der Brinaz und andererseits mit demjenigen des Buron in
Verbindung.
Diese Dünen haben sich also durch vereinte Bemühungen der beiden stark mit Schutt beladenen Wildwasser
und der besonders kräftig arbeitenden N.-Winde gebildet. Dieser Sanddünenbildung ist auch die seit der Tieferlegung des
Sees beobachtete Verschiebung der Buronmündung auf dem trocken gelegten Strand nach NW. zuzuschreiben. Die Ausfüllung
des NO.-Abschnittes der Orbeebene zwischen dem Mont de Chamblon und dem heutigen See muss ganz rezenten Datums sein, wie
dies das Vorhandensein des der Bronzezeit angehörenden Pfahlbaues von Les Cléettes zwischen dem Moulin Cosseau und dem Moulin
Chappuis beweist. Die Bildung der Dünen ist vielleicht schon erfolgt, bevor diese Lagune, in der sich die Pfahlbauer nahe
einer die jetzige Domäne Saint Georges mit Wasser versorgenden Quelle angesiedelt hatten, verlandet war.
Die die Stadt Yverdon tragende Düne verschmilzt mit dem Schuttkegel des Buron bei Les Quatre Marronniers, wo 1857 der bereits
früher erwähnte Pfahlbau zum Vorschein gekommen ist.
Die heute nicht sehr lebhafte Torfausbeute in der Orbeebene kann in der Folge ohne Zweifel lohnender und intensiver gestaltet
werden. Ein Versuch, Torfbriketts herzustellen, hat bald wieder eingestellt werden müssen. Die Dicke
der Torfschicht ist an manchen Stellen sehr bedeutend und kann bis 7 und 8 m betragen. Unter dem Torf liegt meistens Seeschlamm
mit Molluskenschalen. Aus dem Umstand, dass dieser Schlamm bei Entreroche in einem nur wenig höheren Niveau, als es
der einstige Seespiegel hatte, vorkommt, ergibt sich, dass die Torfbildung die letzte Phase der Ausfüllung der einstigen
Lagunen darstellt, die sich zwischen den das ehemalige S.-Ende des Neuenburgersees abschnürenden Flussdeltas noch erhalten
hatten.
Die am Rand des Deltas der Vounnaz (La Vounoz oder l'Avonoz) mitten aus dem alluvialen Ausfüllungsmaterial entspringende
Schwefelquelle des Bades Yverdon steht offenbar mit einer Neocomfalte in Verbindung, die in Chevressy bei Pomy die tertiäre
Decke durchsticht, und steigt durch eine Spalte des Gesteins in die Höhe, um in Form eines «bugnon» von unten nach oben an
den Tag zu treten.
Bis zum Ende des 14. Jahrhunderts gehörte ein grosser Teil der Orbesümpfe den Herren von Grandson, deren
einer, Otto III. von Grandson, 1364 den Gemeinden Belmont sur Yverdon,
Épendes und Gressy das Weiderecht in dieser Ebene verlieh,
wie es ähnlich auch Yverdon selbst besass. Da diese Rechte jedoch gegenseitig nicht scharf abgegrenzt waren, entstanden zwischen den
berechtigten Gemeinden endlose Streitigkeiten und Prozesse, so besonders zwischen Belmont und Épesses
(1534, 1542, 1565, 1583, 1604, 1691 und 1735). Ein 1604 zwischen Belmont, Gressy und Épesses vereinbartes Abkommen enthält
u. a. folgende Bestimmungen und Klauseln: Niemand darf früher als 7 Tage vor dem Johannestag in den Orbesümpfen Gras schneiden
oder Heu einbringen;
an diesem bestimmten 7. Tag hat jeder Haushaltungsvorstand der Gemeinden das Recht,
einen Mann zum Mähen hinzusenden, unter der Bedingung jedoch, dass dies nicht vor Sonnenaufgang geschehe, ansonst die Sichel
und das niedergelegte Gras zu Gunsten der drei Gemeinden eingezogen würden;
mit Hinsicht auf den grossen Schaden, den
die Schafe anrichten, darf jeder Hufenbesitzer nicht mehr als 12 Mutterschafe und einen Widder und jeder Berechtigte, der
keine Hufe besitzt, nicht mehr als 8 Mutterschafe und einen Widder halten.
Bei einer ersten Teilung des Grundbesitzes in
der Ebene erhielten 1735 Belmont und Gressy zusammen ¾ und Épendes allein ¼. Da aber bald neue Schwierigkeiten
entstanden, schritt man 1745 zu einer neuen, diesmal endgiltigen Teilung, wobei jede der drei Gemeinden den auf ihrem Boden
liegenden Teil der Sümpfe erhielt.
Vergl. Jayet, A. Notice sur la plaine de l'Orbe (im Bull. de la Soc. vaud. des Sc. nat. 7, 1862); Mémorialdes travaux publics du Cant. de Vaud. Lausanne 1895.