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Manchmal ist Neuseeland nicht einmal auf der Weltkarte verzeichnet. Dort ist man weit weg vom Weltgeschehen, während dieses in Europa und Amerika stattfindet, schlafen die Neuseeländer tief und fest - und am nächsten Abend in den Nachrichten ist alles schon wieder kalter Kaffee. Vor dem Internet war es noch schöner dort. Dann hatten die schrecklichen Neuigkeiten kaum Präsenz. Jetzt sind auch die News der Katastrophen rscher dort. Doch auf meiner ersten Reise Ende der 80er Jahre erhielt man nach ein, zwei Wochen Versandzeit einen Brief von den Daheimgebliebenen. Den steckte man ein und suchte sich draussen an der Sonne eine schönes, ruhiges Plätzchen, vielleicht auf einem Hügel mit der Lieblingsaussicht, vielleicht an einem einsamen Strand, vielleicht in der grünene Kathedrale des Neuseeländischen Busches mit seinen filigranen Baumfarnen, um das Lesen dieses Briefes richtig geniessen zu können. Die Neuigkeiten waren veraltet, aber was machte das schon? Es war ausser dem Telefonieren, das unerhört teuer war (eine Minute kostete etwa Fr. 10.--!), die einzige Möglichkeit, Kontakt zur Erde aufzunehmen....
Apfelblüten
Vor mehr als 100 Jahren, 1907, ist der älteste Bruder meiner Urgrossmutter nach Neuseeland ausgewandert. Er war bereits verlobt, als er ein, zwei Jahre zuvor
dorthin reiste, um sich eine Farm zu erwerben und ein Heim für seine Braut und sich herzurichten. Seine zurückgelassene Verlobte hatte grosse Sehnsucht nach ihm und schickte ihm ein Zweiglein mit
Apfelblüten und bat ihn, heimzukommen, was er prompt tat. Gemeinsam wanderten die beiden daraufhin nach Neuseeland aus, in die Region Taranaki, wo sie 1908 getraut wurden. Sie hatten neun Kinder
zusammen. Eine der Töchter wurde im selben Jahr geboren wie meine Grossmutter, 1915. Die beiden Cousinen begegneten einander das erste Mal, als sie beide bereits im hohen Alter von 91 Jahren
waren! Beide sind kurz nacheinander im stolzen Alter von 99 1/2 jahren verstorben.
Wer einmal angefangen hat, Familienforschung zu betreiben, kann sich ihrer Faszination schwerlich wieder entziehen. Elemente meiner Familiengeschichte sind - teilweise stark verändert - in die Romane eingeflossen.
Aber es gibt noch einen Grund für Neuseeland als Schauplatz meiner Geschichten: Meine unmittelbare Lebensgeschichte ist untrennbar mit diesem Land verwoben. In den 60er Jahren sind meine eigenen Eltern selbst in dieses grüne Land auf der anderen Seite der Welt ausgewandert. Obwohl sie ihr ganzes Leben dort zu verbringen planten, hat ein schwerer Krankheitsfall im engsten Familienkreis sie nur wenige Jahre später in die alte Heimat zurückgerufen.
Damals in den 60ern wurden mittels Europäischen Zeitungen noch Arbeitskräfte gesucht, die bereit waren, in Übersee zu leben und zu arbeiten. Sogar die Überfahrt - selbstverständlich per Schiff von England aus - wurde vom Neuseeländischen Staat bezahlt. In meinem Roman "Triumph" habe ich diesen Teil der Familiengeschichte aufgenommen, weil die Briefe, in welchen meine Mutter ihre Eindrücke der Reise wie auch der neuen Heimat geschildert hat, noch fast vollständig erhalten sind. Und Textauszüge davon habe ich in den Roman eingeflochten.
Wer an dieser speziellen (übrigens mit vielen Fotos von anno dazumal!) und weiteren Auswanderungsgeschichten interessiert ist, dem sei die Website www.ninetymiles.ch und vor allem die Unterseiten über die Auswanderungen empfohlen: Emigration -1970, Auswanderungen -1970 (Auswanderungen gestern und heute), 17 Jahre jung und Durch den Panama-Canal.