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Bretzeleisen
In der Schweiz soll es das beliebteste Biskuit sein. Das Emmentaler Bretzeli begründete 1910 den Erfolg der Firma Kambly in Trubschachen. Vollautomatische Maschinen stellen heute das begehrte Gebäck her. Früher aber musste jedes Stück einzeln über dem offenen Feuer gebacken werden. Dazu verwendete man ein Bretzel- oder Waffeleisen mit langen, zangenartig verschränkten Stielen und zwei gleich grossen runden, viereckigen, herzförmigen oder ovalen Eisenplatten mit eingravierten Verzierungen. Dazwischen wurde ein Teigkügelchen zusammengepresst und über das Feuer gehalten. Vielerorts waren Bretzeli ein typisches Hochzeitsgebäck und Bretzeleisen dazu passend ein Hochzeitsgeschenk. Eisen galt ohnehin als Glück bringend, und die verschränkte Form des Bretzeleisens war ein Symbol für die Verbindung zweier Menschen. Häufig waren die Wappen der beiden Eheleute auf den zwei Eisenplatten eingraviert.
Das Bretzeleisen aus dem Studerschlössli könnte vom vornehmen Leben eines Beromünsterer Chorherrn im 18. Jahrhundert erzählen. Damals stammten die meisten Stiftsherren aus dem Luzerner Patriziat oder dem städtischen Bürgertum. Sie liessen sich bei der Stiftskirche ein standesgemässes Haus bauen oder umbauen, und einige von ihnen besassen in der näheren Umgebung noch eine Sommervilla oder ein Schlössli. Unser Bretzeleisen gehörte zum Haushalt des Johann Ludwig Studer, Chorherr am Stift von 1741 bis 1777. Auf der einen Seite der beiden Eisenplatten sieht man sein Wappen mit Helmbusch zwischen rautenförmigen Verzierungen, auf der andern eine Inschrift mit seinem Namen und dem Datum: PERILLUSTRIS REVERENDI[SSIMUS] CLARISSIMUS DOMINUS DOMINUS IOANNES LUDOVICUS STUDER H.E.C. [huius Ecclesie Canonicus] BERONENSIS CANONICUS ANNO 1743. Wenn Chorherr Studer also die hausgemachten Bretzeli ass, sah er bei jedem Stück auf der einen Seite sein Wappen und auf der andern seinen Namen!
Studer kaufte südlich von Beromünster am Weg nach dem Winonholz ein Grundstück und liess sich dort eine Sommervilla bauen, die als Studerschlössli in die Geschichte einging. Nach seinem Tod wechselten mehrmals die Besitzer. Im 19. Jahrhundert verwahrloste das Schlösschen nach und nach. Zwischen 1872 und 1894 wurde es abgerissen. Es ist vermutlich das Verdienst des Arztes Joseph Dolder-Stocker, der in diesem Zeitraum im Haus zum Dolder wirkte, dass einzelne Einrichtungsgegenstände aus dem Studerschlössli gerettet wurden. Neben dem Bretzeleisen kam eine sandsteinerne Cheminée-Einfassung im Rokokostil ins Dolderhaus und wurde im Salon des dritten Stockes eingebaut. Dazu gehören zwei Cheminée-Böcke aus Gusseisen mit einem Frauen- bzw. einem Männerkopf. Alle diese Objekte zeugen vom gediegenen Ambiente im einstigen Schlösschen.
Inv.-Nr. 0776c. – L 70 cm, Platte 16.5 x 9.5 cm. Eisen. 1743.
Text: Helene Büchler-Mattmann
Literatur: Neunteufl, Herta, „Die Waffeleisensammlung im Ennser Museum im Spiegel der Forschung“, in: Oberösterreichische Heimatblätter, hrsg. vom Landesinstitut für Volksbildung und Heimatpflege in Oberösterreich, 1988, Heft 1, Jg. 42, p. 163-173; Suter-Wandeler, Joseph, residieren und brevieren, Die Sommervillen der Chorherren von Beromünster (Heimatkunde des Michelsamtes, Heft 13), Beromünster 2004