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«HALLELUJA!» Osterbrief
Liebe Angehörige und Freunde von Liebfrauen
Bei jedem Gottesdienst begrüssen wir das Evangelium mit dem Hallelujaruf. Der Kantor oder die Kantorin stimmt diesen Ruf an, von der Gemeinde wird er wiederholt. «Halleluja», dieses hebräische Wort bedeutet so viel wie «Gepriesen sei Gott!». Sieben Wochen entfällt der Hallelujaruf im Gottesdienst, bevor er in der Osternacht wieder angestimmt wird. Dreimal wird der Ruf gesungen - jedes Mal ein wenig höher - so als wollte er zum Himmel steigen. Für mich ist das einer der schönsten Momente in den Ostergottesdiensten.
Im Alten Testament kommt das Halleluja vierundzwangzigmal im Buch der Psalmen vor. Die Psalmen sind Lieder und Gebete, die dem König David zugeschrieben werden. Seine Geschichte greift der kanadische Sänger Leonard Cohen in dem Lied «Hallelujah» auf: «Ich hörte von einer geheimnisvollen Melodie: David spielte sie auf der Harfe und sie gefiel dem Herrn [...]. Der König, selbst verblüfft, erfand das Hallelujah». Später verstrickt sich David schwer in Schuld. Er verletzt die schöne Batseba und sie rächt sich, indem sie David demütigt: «Sie zerbrach deine Krone und nahm von deinen Lippen das Halleluja.»
Kein Halleluja haben - das ist schrecklich. Leonard Cohen bekannte in einem Interview: «Ich möchte Halleluja sagen. Es gibt viele Arten, dieses Wort zu sagen, oft ist es gebrochen, doch für mich ist es Ausdruck für das Bedürfnis, meinen Glauben an das Leben zu bekräftigen. Jeder Moment des Lebens verdient nämlich Liebe und Dank - auch wenn das oft sehr schwer fällt.»
Jeder Moment des Lebens verdient ein Halleluja, auch wenn manchmal Traurigkeit und Schmerz darin mitklingen - wie in dem Lied von Leonard Cohen.
Im Neuen Testament kommt das «Halleluja» viermal vor - in der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der Bibel. Dort wird viermal ein ungebrochenes und heiliges Halleluja im Himmel angestimmt, kurz vor dem endgültigen Sieg des Guten über alles Böse.
Auf das vierte und letzte Halleluja müssen wir vielleicht noch ein wenig warten. - Bis dahin aber dürfen wir schon einmal in das dreifache Oster-Halleluja einstimmen, denn auf jedem Halleluja liegt ein wenig vom himmlischen Lichtglanz, auch wenn es gebrochen und verstört ist. Das Lied von Leonard Cohen endet mit den Worten: «Ich tat mein Bestes, es war nicht viel. Und auch wenn alles schief ging, einst stehe ich vor dem Herrn, mit nichts als auf den Lippen ‹Halleluja.»
Vielleicht gibt es doch mehr Gründe für ein Halleluja, als es oft scheint - nicht nur an Ostern. Vielleicht erweisen sich auch die vielen Brüche im Laufe eines Lebens zuletzt als Durchbruch zum wahren Leben!
So wünsche ich IHNEN eine gute Zeit der Vorbereitung auf Ostern hin und ein frohes Osterfest.
Ihr Pfarrer
Josef-Michael Karber • Leonard Cohen «Hallelujah» (Youtube)