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Kurz vor dem Jahreswechsel wollen wir noch eine kleine Perle der Animationskunst nachreichen, die mittlerweile fast vergessen scheint, obwohl mit Richard Williams (Who Framed Roger Rabbit?) und Chuck Jones zwei Animationslegenden involviert waren und der Kurzfilm auch als einzige, reguläre TV-Produktion jemals mit einem Oscar ausgezeichnet wurde: A Christmas Carol von Richard Williams.
Chuck Jones war damals vom US-Sender ABC mit der Aufgabe betraut worden, neue, kinderfreundliche TV-Formate zu entwickeln. Als dieser auf die Arbeiten von Richard Williams aufmerksam wurde, war Jones sofort bewusst, dass dieser Mann aus der berühmten Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens etwas einmaliges machen könnte. Die beiden Animationsveteranen verstanden sich auf Anhieb und Williams zeigte auch großes Interesse an einer Verfilmung von “A Christmas Carol”. Aber er stellte zwei Bedingungen:
1. Er wollte seine animierte Adaption so nah wie möglich an den Stil von John Leech anlehnen, der die Illustrationen der originalen Buchausgabe aus dem Jahr 1843 schuf.
2. Er wollte seine Version so düster und unheimlich wie möglich gestalten, um die übernatürlichen Elemente ganz ausspielen zu können.
Jones willigte ein und bot Williams auch an, als Executive Producer für die A Christmas Carol-Adaption zu fungieren, um dem Animator alle künstlerische Freiheit zu garantieren, die er braucht. In weiser Voraussicht, denn die Senderbosse von ABC würden von dem düsteren Look des Kurzfilms alles andere als angetan sein. Aufgrund seiner sehr düsteren Herangehensweise trägt diese Verfilmung des Weihnachtsklassikers auch als einzige einen Zweittitel: “A Ghost Story of Christmas”
Der fertige Kurzfilm fand besonders bei anderen Animationsschaffenden großen Anklang, so dass der Film kurz in die Kinos gebracht wurde, um den Regeln der Academy zu entsprechen, damit er auch für eine Oscar Nominierung in Betracht kommen konnte. Was auch geschah und wäre das nicht genug, gewann der Film wenig später tatsächlich den Oscar als bester animierter Kurzfilm 1972. So paradox es klingen mag, war die Begeisterung, die dem Film einen Oscar verschaffte auch mitverantwortlich, dass sich die Stimmung danach in Frustration verwandelte. Viele Animatoren und Produzenten sahen es damals nicht gerne, dass eine TV-Produktion die begehrte Trophäe mit nach Hause nahm. Die Academy sah sich in der Kritik und musste sich wenig später dem Druck einiger besonders frustrierter und einflussreicher Männer beugen, so dass bereits im Jahr danach – 1973 – Produktionen, die im Fernsehen zu sehen waren, automatisch disqualifiziert wurden. Es sollte der erste von zwei Oscars für Richard Williams werden, der 1989 für seine ausserordentliche Arbeit an Who Framed Roger Rabbit? als Animation Director ein weiteres Mal von der Academy ausgezeichnet wurde.
Das folgende YouTube-Video zeigt einen knapp zehnminütigen Auszug aus Richard Williams’ Adaption des literarischen Weihnachtsklassikers. Kein Ersatz für den fast halbstündigen Kurzfilm, aber zumindest einen sehr imposanten Einblick, für den bis heute sehr seltenen Kurzfilm der beiden Animationslegenden Jones und Williams.