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Die klimatischen Veränderungen, die in den polaren Regionen stattfinden, beschäftigen alle Welt. Denn die Auswirkungen sind auch entsprechend global zu spüren, sei es wettertechnisch oder aufgrund steigender Meeresspiegel. Doch während für die Arktis die Modelle, auf denen die Vorhersagen der zukünftigen Entwicklungen basieren, ein verhältnismässig einheitliches Bild zeigen, schwanken sie für die Antarktis beträchtlich. Eine Analyse zeigt nun, dass sich die neuen Modelle wesentlich verbessert haben und noch verbessert werden. Doch die Zeit drängt, denn nächstes Jahr will der Weltklimarat seinen neuesten Bericht vorlegen.
Die Wissenschaftlerin Dr. Lettie Roach von der Universität Washington und ihr internationales Team haben in ihrer jetzt veröffentlichten Studie insgesamt 40 aktuelle Modelle zur Entwicklung des antarktischen Meereises untersucht und mit Satellitenaufnahmen verglichen. Ihre Arbeit zeigt, dass alle Modelle einen Rückgang des antarktischen Meereises bis zum Ende des Jahrhunderts vorhersagen, egal unter welchem Treibhausgas-Szenario. Doch das Ausmass des Verlustes hängt stark vom entsprechenden Szenario ab. Die Analyse von Roach und ihren Kollegen ist eine der ersten, die sich den neuen Modellen und dem antarktischen Meereis angenommen hat. «Ich bin wirklich fasziniert vom antarktischen Meereis, mit dem die Modelle bisher mehr Schwierigkeiten hatten als mit dem arktischen Meereis», erklärt Dr. Roach. «Nicht viele Menschen leben nahe der Antarktis und es gibt einfach nicht so viele Messungen in der Antarktis, was es sehr schwierig macht, die gegenwärtigen Veränderungen des Meereises zu verstehen, die wir auf Satellitenaufnahmen gesehen haben.»
Vorhersagen zu machen ist immer schwierig und hängt stark von den Modellen ab, die verwendet werden. Im Falle des antarktischen Meereises sind dies gekoppelte Klimamodelle, die ozeanische, terrestrische, atmosphärische und Meereismodelle ineinander vereinen, um so detaillierte Vorhersagen wie möglich geben zu können. Doch genau hier liegt auch der Hase im Pfeffer: die Treiber der Meereisveränderungen in der Antarktis sind weniger genau bekannt, als die für die Arktis. Erst mit verbesserten technischen Möglichkeiten, genaueren Satellitenmessungen und verstärkten Feldarbeiten sind die Daten, die für die Einzelmodelle verwendet werden, genauer und reichhaltiger geworden. «Unser Projekt entstand aus einigen Workshops, bei denen es um das Polarklima ging. Keiner wollte aber die Antarktis-Meereisgruppe führen», sagt Lettie Roach. «Also habe ich meine Hand aufgestreckt und gesagt, dass ich es machen werde.» Und es wurde auch Zeit, denn die Modelle, die bisher für die Vorhersagen verwendet worden waren, sind beinahe zehn Jahre alt. «Die vorhergehende Generation von Modellen wurden 2012 veröffentlicht. Wir haben aber all die neuen Modelle betrachtet und wir sehen insgesamt klare Verbesserungen», meint Roach weiter. Die Simulationen entsprechen mehr den Beobachtungen, die wir gemacht haben. Es gibt eine Verschärfung der Modellprojektionen zwischen dieser und der vorherigen Generation, und das sind sehr gute Nachrichten.»
Die Analyse von Dr. Roach und ihren Kollegen ist auch dringend notwendig. Denn ihre Resultate werden auch vom Weltklimarat IPCC erwartet, der im nächsten Jahr seinen aktuellen Klimabericht vorlegen will. Dort werden auch die Prognosen der Entwicklungen in den Polarregionen und deren mögliche globalen Auswirkungen aufgeführt. Skeptiker monierten immer wieder, dass die Vorhersagen für die Antarktis zu variabel gewesen seien. Mit der vorliegenden Arbeit dürfte zumindest dort etwas Luft aus den Segeln genommen werden, da 40 Modelle einen Rückgang vorhersagen. Auf den Lorbeeren werden sich die Forscher aber nicht ausruhen. «Tonnen von Arbeit fliessen in diese Modelle. Ich glaube, sie sind unser bestes Werkzeug, das wir haben, um den Klimawandel zu verstehen und was in der Zukunft passieren wird und um wichtige Informationen für die politischen Entscheidungsträger zu bieten, die darauf ihre Politik ausrichten sollten.»
Quelle: Universität Washington / NOAA / NSIDC