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Russian Railroads
Der Bau der transsibirischen Eisenbahn begann 1891 und dauerte viele Jahre. Nur knapp zwei Stunden braucht, wer den monumentalen Streckenbau im Wohnzimmer nacherleben will. Russian Railroads
ist ein Spiel über den industriellen und technischen Fortschritt Ende des 19. und Anfangs des 20. Jahrhunderts. Die Spieler beteiligen sich am Bau von drei bedeutenden Bahnstrecken im damals noch zaristischen Russland. Es werden Strecken verlegt, immer leistungsstärkere Lokomotiven entwickelt und die Industrialisierung vorangetrieben. Thematisch nicht ganz stimmig, für das Spiel aber nicht weiter störend, ist die Tatsache, dass jeder Spieler seine eigene, vom Fortschritt der andern Spieler unabhängige Version des Streckenbaus und der Industrialisierung nachspielt.
Was den Spielmechanismus betrifft, so ist Russian Railroads
ein sogenanntes „worker-placement“-Spiel: die Spieler setzten in jeder Runde Arbeiter ein, um gewisse Aktionen durchzuführen. Damit ist Russian Railroads vergleichbar mit Spielen wie Agricola
oder Stone Age
. Je weiter das Spiel fortschreitet, desto mehr Aktionen stehen zur Verfügung und desto vielfältiger sind die Möglichkeiten. Wie in den meisten Spielen dieser Art beschränkt sich die Spielerinteraktion darauf, dass man sich gegenseitig die begehrten Aktionen wegschnappt. Da aber ohnehin jeder mit sich selbst so beschäftigt ist, dass dies die volle Aufmerksamkeit erfordert, ist man froh, muss man nicht auch noch das Spiel der anderen analysieren.
Gespielt wird über sieben Runden. Nach jeder Runde findet eine Zwischenwertung statt, bei der die Spieler Punkte für bereits gebaute Streckenstücke und für den Fortschritt der Industrialisierung erhalten. Wer nach der Schlusswertung am Ende der siebten Runde die meisten Punkte hat, der gewinnt.
Besonderes Lob gebührt der Ausstattung des Spiels. Das Material ist hochwertig produziert und hervorragend gestaltet. Die übersichtlichen Graphiken auf Spielbrett und Plättchen tragen massgeblich zum Spielverständnis bei und die Illustrationen sind hübsch und stimmungsvoll. Die Spielanleitung ist logisch aufgebaut und verständlich geschrieben, vor der ersten Partie sollte aber genügend Zeit für Regellektüre und -erklärung eingeplant werden. Die einzelnen Spielelemente sind zwar nicht besonders kompliziert, zusammen ergibt sich aber eben doch ein sehr komplexes Spiel.
Alles in allem bietet Russian Railroads
zwar nichts bahnbrechend neues, die Mechanismen greifen aber sehr schön ineinander und die sich kontinuierlich ausweitenden Möglichkeiten sorgen für einen perfekten Spannungsbogen und anhaltenden Spielspass. Besonders gut gefallen hat uns beim Spielen, dass kleine Fortschritte fortlaufend belohnt werden. Seien es neue Aktionen, zusätzliche Arbeiter oder einfach ein paar geschenkte Spielpunkten: immer wieder können kleine Teilerfolge gefeiert werden und immer wieder gibt es ein neues Ziel, das schon fast erreicht ist.
Wer Spass an anspruchsvollen Spielen wie Agricola
oder Terra Mystica
hat, dem sei auch Russian Railroads wärmstens empfohlen. Wem hingegen schon ein Die Siedler von Catan
zu komplex ist, der sollte von diesem Spiel die Finger lassen und vielleicht stattdessen das ebenfalls tolle Eisenbahnspiel Zug um Zug
ausprobieren.