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Das Weihnachtsoratorium BWV 248 ist ein sechsteiliges Oratorium für Soli (SATB), gemischten Chor und Orchester von Johann Sebastian Bach. Die einzelnen Teile wurden erstmals vom Thomanerchor in Leipzig in den sechs Gottesdiensten zwischen dem ersten Weihnachtsfeiertag 1734 und dem Epiphaniasfest 1735 in der Nikolaikirche und der Thomaskirche aufgeführt.[1] Feierliche Eröffnungs- und Schlusschöre, die Vertonung der neutestamentlichen Weihnachtsgeschichte in den Rezitativen, eingestreute Weihnachtschoräle und Arien der Gesangssolisten prägen das Oratorium. Die sechs Teile werden durch die Freude über die Geburt Christi verbunden. Von der musikalischen Gattung steht das Weihnachts-Oratorium Bachs oratorischen Passionen nahe. Es ist das populärste aller geistlichen Vokalwerke Bachs und zählt zu seinen berühmtesten geistlichen Kompositionen.[2] Das Oratorium wird heute häufig in der Advents- und Weihnachtszeit ganz oder in Teilen aufgeführt.
Gemischter Chor Zürich Perform Puccini’s Youthful Messa di Gloria, Sean and Heard International, 28.11.2018
op. 85
Das einzige Oratorium von Ludwig van Beethoven schildert die Szene im Garten Gethsemane, wo Jesus kurz vor seiner Gefangennahme steht. Er weiss um seinen nahenden Leidensweg und Tod, den er ebenso fürchtet, wie er ihn schicksalsmässig annimmt. Petrus, sein widerstandsbereiter Jünger, will Jesus retten, wird aber zurückgehalten von ihm und belehrt, dass nicht Kampf und Hass die Botschaft Jesu sei, sondern Liebe. – Aus jenseitiger Sphäre begleitet ein Engel das dramatische Geschehen.
Das Oratorium ist in expressive Orchesterpartien, Rezitative, Arien und Chöre gegliedert und zeigt zuweilen opernhafte Züge. Anders als in den Passionen, gibt es in «Christus am Ölberge» keinen Evangelisten, der durch das Oratorium führt, sondern Christus selbst ist der Protagonist, gezeichnet als Heldentenor zwischen göttlichem Auftrag und menschlicher Angst, was für die damalige Zeit eine unvertraute Sicht war.
Das Werk wurde 1803 uraufgeführt und vom Publikum freundlich aufgenommen, während die Kritiker eher verhalten reagierten. 1804 überarbeitete Beethoven das Werk grundlegend.
Dauer: ca. 50 Minuten
KV 626 Fassung Dutron 2016
Als Mozart starb, hinterliess er nur gerade einen einzigen vollständig komponierten Teil seines geheimnisumwobenen Requiems, dazu längere Passagen von Gesangs- und Instrumentalstimmen, verschiedene Melodie-Fragmente und einige Ideenskizzen. Franz Xaver Süssmayr komponierte das Werk danach auf Wunsch von Mozarts Witwe Constanze in der bekannten Form zu Ende. Obwohl das Requiem nicht von Mozart allein komponiert wurde, zählt es bis heute zu seinen bekanntesten und beliebtesten Werken.
Der junge französische Komponist Pierre-Henri Dutron, dessen Fassung Der Gemischte Chor Zürich im Frühling 2019 aufführt, widmete sich dem Studium von Mozarts Manuskript und vertiefte sich intensiv in dessen Art der Instrumentierung. Unterstützt und beraten vom Dirigenten René Jacobs begann er darauf, die von Süssmayr komponierten Passagen zu überarbeiten und deren Instrumentierung im Mozart’schen Sinn zu vervollkommnen. 2017 erschien bei harmonia mundi eine vielbeachtete CD-Aufnahme von Dutrons Fassung mit dem Freiburger Barockorchester unter Leitung von René Jacobs. Alles, was man von Mozart kennt, ist in dieser Fassung vorhanden, in einigen Passagen hat Dutron die Instrumentierung jedoch neu gesetzt. Dutrons Fassung, so schreiben die Kritiker, wirke nicht selten aufgeweckter als die Vorlage, mal klinge die Instrumentierung lichter, mal kompakter, sie verhelfe den Instrumentalisten zu mehr Präsenz und schärfe damit auch das klangliche Profil des Ganzen. Man darf also gespannt sein.
Dauer: ca. 45 Minuten
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Tonhalle Maag, Zahnradstrasse 22, Zürich
Hören Sie dazu Anton Adam, was der Leiter Technik der Tonhalle Maag zum Raum und seiner Akustik sagt. Das Interview mit ihm wurde anlässlich einer Benefiz-Veranstaltung der Schweizerischen Multiple Sklerose Gesellschaft geführt.
Artikel in der NZZ vom 13.4.2017: «Am Ende steht der Jubel über die Auferstehung»
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Johann Sebastian Bach wurde 1685 in Eisenach (Thüringen) als achtes Kind in eine Familie angesehener Spielleute und Hofmusiker geboren. Als er kaum zehn Jahre alt war, war er bereits Vollwaise und kam zu seinem 13 Jahre älteren Bruder, der als Organist unweit von Eisenach tätig war. Hier erhielt Bach nicht nur eine solide Ausbildung u.a. in alten Sprachen, Mathematik, Theologie und Musik, sondern wurde von seinem Bruder auch im musikalisch-schöpferischen Bereich gefördert. Als gerade erst 18-Jähriger trat Bach in Arnstadt seine erste Stelle als Organist an. Dort kam es aber zum Eklat, als er Ende 1705 vier Wochen Urlaub erbat, um zu Dietrich Buxtehude nach Lübeck zu reisen, und den Urlaub einfach auf drei Monate ausdehnte.
1706 trat Bach eine neue Stelle als Organist in Mühlhausen an und heiratete im Oktober 1707 seine Cousine Maria Barbara. Auch in Mühlhausen hielt es ihn aber nicht lange. Als am Hof des Herzogs von Sachsen-Weimar die Organistenstelle frei wurde, nutzte Bach die Chance zum Wechsel. Es folgten glückliche und finanziell gesicherte Jahre. In Weimar entstanden einige von Bachs schönsten Fugen und Kantaten und er bekam den angesehenen Posten des Konzertmeisters der Weimarer Hofkapelle. Als der Herzog von Weimar 1717 jedoch eine weitere Beförderung Bachs ablehnte, bewarb dieser sich erfolgreich als Kapellmeister beim Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen. In der produktiven Köthener-Zeit entstanden die Brandenburgischen Konzerte und das Orgelbüchlein. Überschattet wurde die glückliche Zeit jedoch vom plötzlichen Tod Maria Barbaras im Juni 1720. Ein Jahr später heiratete der 36-jährige Bach die 20-jährige Anna Magdalena Wilcken.
In die Zeit seiner zweiten Ehe fiel Bachs grösster beruflicher Erfolg: Im Jahr 1723 wurde er Thomaskantor in Leipzig. Dort entstanden seine grossen religiösen Werke, die Johannes- und die Matthäuspassion, das Weihnachts- und das Osteroratorium, die h-moll-Messe, sowie fast 300 Kantaten.
Am 28. Juli 1750 starb Bach an einem Schlaganfall. Seine Musik geriet danach schnell in Vergessenheit. Erst Felix Mendelssohn Bartholdy gelang es mit seinen Bachkonzerten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, das Interesse an Bach erneut zu wecken. Nun erst erhielt der Organist aus Thüringen die Anerkennung, die ihm gebührt: Als musikalisches Genie von gewaltiger Schöpferkraft.
Quelle: www.klassika.info
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Gemälde von Eduard Magnus, 1846
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Felix Mendelssohn Bartholdy wurde am 3. Februar 1809 als Kind einer berühmten jüdischen Familie in Hamburg geboren. Ersten Klavierunterricht erhielt er von seiner Mutter, später unter anderem von Ludwig Berger und Ignaz Moscheles. Im Alter von neun Jahren trat er zum ersten Mal öffentlich auf, gemeinsam mit seiner Schwester Fanny. In den 1820er Jahren unternahm er zahlreiche Konzertreisen durch Frankreich, Italien, England und Schottland. 1833 wurde er Musikdirektor in Düsseldorf. 1835, also etwa 100 Jahre nach Johann Sebastian Bachs Schaffen in Leipzig, wurde Mendelssohn dort Gewandhauskapellmeister. Zusammen mit Verlegern, Gelehrten und anderen Komponisten gründete er 1843 das Leipziger Konservatorium. Im Frühjahr 1847 erlitt Mendelssohn einen Schwächeanfall, als er vom Tod seiner geliebten Schwester Fanny erfuhr. Davon erholte er sich nicht mehr. Er starb nach zwei Schlaganfällen am 4. November 1847 in Leipzig.
(Quelle www.klassika.info)
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Wie alle seine Kompositionen, schuf Händel auch das Oratorium «Jephtha» in verhältnismässig kurzer Zeit: Im Januar 1751 begonnen, vollendete er das Werk bereits Ende August desselben Jahres. Und dies, nachdem er wegen seiner nachlassenden Sehkraft und anderer äusserer Umstände eine fast viermonatige Arbeitspause hatte einlegen müssen. Unter seiner Leitung wurde «Jephtha» 1752 im Theatre Royal in Covent Garden dann erstmals aufgeführt.
Das Libretto aus der Feder von Reverend Thomas Morell basiert auf der Jephtha-Geschichte aus dem alttestamentlichen Buch Richter. Als charismatischer Heerführer zieht Jephtha in den Kampf gegen die Feinde Israels und gelobt Gott: «Wenn du die Ammoniter wirklich in meine Gewalt gibst und wenn ich wohlbehalten von den Ammonitern zurückkehre, dann soll, was immer mir (als erstes) aus der Tür meines Hauses entgegenkommt, dem Herrn gehören, und ich will es ihm als Brandopfer darbringen.» Als Jephtha siegreich nach Hause zurückkehrt, kommt ihm seine einzige Tochter entgegen, tanzend und voller Freude über den Sieg ihres Vaters. Er aber erstarrt angesichts des Leids, das er mit seinem Gelübde ahnungslos heraufbeschworen hat, zerreisst seine Kleider und gesteht seiner Tochter, was er Gott versprochen hat. Tapfer ist sie bereit, zum Heil des Volkes Israel ihr Schicksal anzunehmen und bedingt sich lediglich die Spanne von zwei Monaten aus, wo sie in die Berge gehen und mit ihren Freundinnen Abschied nehmen will. Nach zwei Monaten kehrt sie zurück zu ihrem Vater. «Und er tat ihr, wie er gelobt hatte, und sie hatte nie einen Mann erkannt.» (Ri 11, 29-40)
Thomas Morell schuf für Händels Oratorium eine Fassung dieser Geschichte mit fünf handelnden Personen: Da sind Jephtha und seine Frau, die gemeinsame Tochter Iphis und deren Verlobter und als fünfte Person Jephthas Bruder. Im dritten Akt, wo sich die Handlung nahezu unerträglich zuspitzt, greift endlich ein Engel ein, der die göttliche Botschaft überbringt, Iphis möge an Leib und Leben verschont bleiben, Gott jedoch für immer als jungfräuliche Priesterin dienen.
Höchst dramatische Elemente prägen damit das Oratorium und erzeugen eine immense psychologische Spannung, die von Händel in hochemotionale Musik umgesetzt wurde: Siegesfreude und Glück kippen unvermittelt um in riesiges Entsetzen und wir Zuhörenden leiden gleichermassen mit Tochter, Vater, Mutter und Verlobtem und sind am Ende zutiefst erleichtert über das himmlische Eingreifen, das die ernsthaft entschiedene Todesbereitschaft einer gerade noch so verspielten, jungen Frau in göttlicher Milde auffängt.
Tickets können zurzeit nicht gekauft werden.
Frank Martin wurde am 15. September 1890 in eine alte französisch-hugenottische Familie hineingeboren, die in Genf lebte. Als zehntes und letztes Kind eines calvinistischen Pfarrers wuchs er in einer wohlhabenden Familie auf, in der das gemeinsame Musizieren und das Gespräch über Glaubensinhalte eine wichtige Rolle spielten.
Die Begegnung mit Bachs Matthäuspassion stellte für den jugendlichen Martin ein Schlüsselerlebnis dar. «Ich fand mich vom Anfang bis zum Ende der Passion anderswohin und wie in den Himmel versetzt. Ich hatte nichts als Bach, Bach und nochmal Bach im Kopf, und kam davon in gewisser Weise nicht los» schreibt er dazu.
Ab 16 erhielt Martin seine musikalische Ausbildung in Klavier, Harmonielehre und Komposition vom Genfer Komponisten Joseph Lauber. Martin besuchte nie eine Hochschule für Musik, wurde aber von der Musik der Impressionisten, allen voran von Debussy, stark beeinflusst. Von 1928-1938 lehrte er am neu gegründeten Institut für rhythmisch-musikalische Erziehung in Genf (Jaques–Dalcroze) Improvisation und Theorie des Rhythmus. Nach der Schliessung des Instituts wurde er Professor für Kammermusik am Genfer Konservatorium und wirkte 1950-1957 als Professor für Komposition an der Hochschule für Musik von Köln.
1946 übersiedelte er mit seiner dritten Frau Maria Boeke nach Amsterdam, später nach Naarden, wo er 1974 verstarb. Martin hinterliess vier Töchter und zwei Söhne.
Quellen:
Georg Hage, Das Oratorium Golgotha von Frank Martin. Archaisierendes und Modernes in einer Passion des 20. Jahrhunderts. Musica Sacra, Heft 1/2007
Universal Edition, http://www.universaledition.com/
Georg Friedrich Händel ist neben Johann Sebastian Bach, mit dem er auch den Jahrgang teilt, der zweite überragende Großmeister des musikalischen Barock.
Sein Vater war ein wohlhabender Wundarzt. Als Sechsjähriger spielte Händel Klavier, mit neun Jahren fing er an zu komponieren. 1702 begann er mit einem Studium der Rechtswissenschaften und als Organist in der Schloss- und Domkirche. 1703 spielte er als Geiger im Opernorchester der Deutschen Oper in Hamburg, wo er ab 1705 drei Opern komponierte.
Seine Interessen führten ihn weiter nach Italien und England, wo er – von kurzen Auslandsreisen abgesehen – bis zu seinem Tod wirkte. Die letzten sechs Jahre seines Lebens war er blind.
Georg Friedrich Händel komponierte über 40 Opern, zahlreiche Chorwerke (z.B. der Messias), Orchesterwerke, Kammer- und Klaviermusik.
(Zusammenfassung aus dem Komponistenlexikon der classic-Arietta)
Die Johannes-Passion ist Bachs erstes grosses Werk, das er für Leipzig schrieb, wo er seit 1723 als Thomaskantor tätig war. Die Uraufführung wird auf die Karfreitagsvesper von 1724 datiert. Passionen hatten damals ihren festen Platz im Gottesdienst, während sie heute meist konzertant aufgeführt werden.
Als Vorbild diente Bach die Passionsdichtung «Der für die Sünden der Welt gemarterte und sterbende Jesu» von Barthold Heinrich Brockes. Für seine hochdramatische Komposition verwendete Bach aber vor allem die Passionsgeschichte aus dem Johannesevangelium, die er durch zwei Passagen aus dem Matthäusevangelium ergänzte. Die Geschichte setzt ein mit der Gefangennahme Jesu im Garten Gethsemane, spitzt sich mit dem Verhör durch Pontius Pilatus dramatisch zu, führt schliesslich zur Kreuzigung von Jesus und endet mit dessen Grablegung. In diese Geschichte, die vom Evangelisten (Tenor) erzählt wird, wob Bach Arien und zahlreiche Choräle ein, die das Passionsgeschehen aus Distanz betrachten, es seelisch ausleuchten, reflektieren und interpretieren.
Trotz eines recht kleinen Instrumentariums mit zwei Flöten, zwei Oboen, Fagott, Orgel und Streichern ist die Johannes-Passion subtil und abwechslungsreich instrumentiert. In jeder Arie finden sich neue Klangfarben, die den emotionalen Hintergrund der jeweiligen Aussage verdeutlichen. Die äusserst kunstvollen und dramatischen Chöre schildern plastisch und drastisch die Rolle des Volkes an Prozess und Verurteilung von Jesus.
Quelle: www.klassika.info
Die Uraufführung des Oratoriums Paulus unter der Leitung von Felix Mendelssohn Bartholdy war 1836 das herausragende Ereignis des 17. Niederrheinischen Musikfests. Danach trat das Werk des erst 27-jährigen Komponisten einen unvergleichlichen Siegeszug durch die westliche Welt an und wurde zu einem der populärsten Kirchenwerke seiner Zeit. Robert Schumann bezeichnete es gar als «Juwel der Gegenwart». Es erklang sowohl in London wie in Boston und zwei Jahre nach der Düsseldorfer Premiere waren bereits Aufführungen in mehr als 50 Städten Deutschlands zu verzeichnen. Das Zusammenspiel von barocker Formenstrenge und romantischer Gefühlswärme traf den musikalischen Geschmack des Publikums und fand begeisterten Anklang.
Die Haupthandlung des Oratoriums erzählt drei Ereignisse aus dem Leben von Saulus, einem gebildeten jungen Mann und Verfechter des jüdischen Glaubens, für den die neu aufkommende christliche Gemeinschaft ein Skandal war. Hochdramatisch beginnt das Oratorium mit der Steinigung des Christen Stephanus, bei der Saulus eine führende Rolle spielt. Als Saulus sich danach auf den Weg nach Damaskus macht, begegnet ihm der auferstandene Christus als immense Lichtgestalt. Diese überwältigende Erfahrung wandelt den Christenverfolger Saulus zum Apostel Paulus, der die christliche Botschaft in die Welt hinausträgt. Der zweite Teil des Oratoriums erzählt von den Missionsreisen des Paulus, der aber bald den Zorn der Juden und der Heiden zu spüren bekommt und schliesslich in einer ergreifenden Szene, die seinen nahen Tod ahnen lässt, Abschied nimmt von seiner Gemeinde.
Wie in Bachs Passionen wird der Hauptstrang der Geschichte in Rezitativen erzählt, während Arien, Chorsätze und Choräle die Handlung dramatisieren, ergänzen oder reflektieren. Lyrische Chöre stehen neben schlichten Chorsätzen und kunstvoll komponierten Fugen. Fünf Choräle bilden – ganz nach Bach’schem Vorbild – die reflektierenden Ruhepole des Oratoriums.
Quellen:
Cordula Scobel: Felix Mendelssohn Bartholdy, Paulus. Frankfurter Kantorei
Hans Christoph Worbs: «Fortlaufende Kette von Schönheiten», Mendelssohns Paulus-Oratorium. (Philips-CD-booklet)
Frank Martin schreibt zu seinem Werk: «Golgotha stellte für mich ein einzigartiges Ereignis in meinem Leben als Komponist dar. Der Entschluss zu dieser Komposition entsprang nicht einer bewussten Auswahl wie zum Beispiel der Entschluss, den Cornet von Rilke oder den Sturm von Shakespeare zu vertonen. Alles schien es mir zu verbieten; vor allem ein wahrer Kult, den ich von Kindheit an (und bis auf den heutigen Tag) der Matthäuspassion von J.S. Bach geweiht habe, aber vielleicht noch mehr die Tatsache, dass ich mich unwürdig fühlte, ganz und gar unwürdig, ein solches Thema zu behandeln. Nicht und niemand hatte mich je dazu herausgefordert. Dafür war etwas vonnöten, das ich wie einen Ruf empfand, und diesem Ruf habe ich mich zunächst mit allen Mitteln widersetzt. Doch der Ruf war stärker als mein Widerstand, und ich habe mich an die Arbeit gemacht …» (Frank Martin in einem Brief an Willy Fotsch, Februar 1970)
Frank Martin (1890-1974) gilt als Klassiker der Moderne. Mit seinem Werk Golgotha schuf er eine Passion des 20. Jahrhunderts, bei der es ihm wichtig war, für jede Szene und jede Gefühlsempfindung genau den Ausdruck zu finden, den er persönlich für passend hielt. Kontrastreiche Rollen prägen das dramatische Werk, für dessen Libretto Martin auf die Evangelien und auf mystische Texte aus den Confessiones des Heiligen Augustinus zurückgriff.
Martins Hauptanliegen bei der musikalischen Umsetzung des Leidenswegs Christi war die musikalische Ausdeutung der Texte. Georg Hage schreibt dazu: Martins «Experimente auf rhythmischem Gebiet sowie die partielle Integration der Zwölftontechnik führten schliesslich zu der für seinen Stil der Reife charakteristischen erweiterten Tonalität, die in Golgotha zur Hervorhebung besonderer Text-Inhalte um Passagen äusserster harmonischer Einfachheit bereichert ist.»
Der Komponist arbeitete drei Jahre an seinem Werk und vollendete es 1948. Die Uraufführung fand 1949 in Genf unter dem Dirigenten Samuel Baud-Bovy statt. Der grosse Erfolg der Uraufführung von Golgotha hat sich gehalten. Das Werk hat seinen unbestrittenen Platz im Standardrepertoire des 20. Jahrhunderts.
Quellen:
Georg Hage, Das Oratorium Golgotha von Frank Martin. Archaisierendes und Modernes in einer Passion des 20. Jahrhunderts. Musica Sacra, Heft 1/2007
Universal Edition, http://www.universaledition.com/
Martin Hässler (zweiter Preisträger bei Thomas Quasthoff’s «Das Lied-International Song Competition 2011» und Best Singer des «Gerald Moore Competition London») ist Alumnus des renommierten Opernprogrammes an der Guildhall School of Music and Drama (bei Rudolf Piernay und Janice Chapman).
Konzerte und Liederabende sang er im Gewandhaus Leipzig, in der Philharmonie Berlin, der Deutschen Oper Berlin, auf Schloss Herten beim Klavierfestival Ruhr (mit Graham Johnson), beim Oxford Lieder-Festival, im Barbican Center London, bei der Fondation Singer-Polignac Paris, im Musikverein Wien. Im Juni 2013 gab er seinen Debüt-Liederabend in der Wigmore Hall London.
Auf der Opernbühne erschien Martin Hässler in Brittens The Rape of Lucretia (Rheinsberg), als Siegfried in Schumanns Genoveva in der Tonhalle Düsseldorf und in der letzten Spielzeit in Dvoraks Šelma sedlák, in Donizettis I pazzi per progetto und in Hans Werner Henzes Ein Landarzt (Barbican, London).
Clément Zürn kommt aus Genf. Nach dem Abitur studierte er Linguistik (Germanistik), Französisch und Spanisch an der Freien Universität Berlin.
1997 zog er nach Zürich, um Projektleiter im Bereich Sprachen der Koordinationsstelle der Klubschule Migros zu werden.
Seit 2007 arbeitet er im Fachbereich Französisch der Pädagogischen Hochschule Zürich.
Seit April 2003 ist Clément Zürn Präsident unseres Chores.
Gründonnerstag, 24.03.2016, 19.30 Uhr
Karfreitag, 25.03.2016, 16.00 Uhr
Tonhalle Zürich, Grosser Saal
Joachim Krause, Dirigent
Mirella Hagen, Sopran
Charlotte Quadt, Alt
Thomas Michael Allen, Tenor
Werner Van Mechelen, Bass
Martin Hässler, Bass
Freitag, 27. 11. 2015 im Stadt-Casino Basel
Samstag 28. 11. 2015 in der Tonhalle Zürich
Dirigent: Joachim Krause
Mitwirkende:
Koproduktion mit dem Basler Bach Chor
Konzertdauer ca. 2h (mit Pause)
Joachim Krause wurde in Fulda (D) geboren. Im Rahmen des A-Kirchen-Musikstudiums mit anschliessendem Solistendiplom an der Staatlichen Hochschule für Musik in Freiburg i.Br. studierte er von 1977 bis 1983 Chor- und Orchesterleitung. Ein Studium in Paris und Hospitanzen bei verschiedenen Dirigenten vervollständigten seine Ausbildung. Seit 1984 ist er Musikdirektor an der Heiliggeist-Kirche in Basel und seit 1986 Dirigent des Basler Bach-Chors. 1988 gründete er das Kammerorchester Concertino Basel, das er bis 2000 leitete. Zudem war er 1995-1999 Leiter des Kammerchores Vocapella Basel. Im April 1996 übernahm Joachim Krause den traditionsreichen Gemischten Chor Zürich, 2001 gründete er das Ensemble 14, ein Kammerensemble für moderne Musik, und seit 2002 ist er musikalischer Leiter des Vocalensembles I Sestini, das sich als Schwerpunkt mit der Musik von Claudio Monteverdi beschäftigt. Sein besonderes Interesse gilt der Musik unserer Zeit. Er realisierte Uraufführungen zahlreicher Oratorien, Musiktheater, Orchester- und Orgelwerke.
Pressebericht zu J. Krause: BaZ-20161210-JoachimKrause.
Mehr Informationen finden Sie auf der Website von Joachim Krause.
1898 wurde Elgar mit einem grossangelegten Werk für das 1900 stattfindende Birmingham Triennial Music Festival beauftragt und begann im Herbst 1899 mit der Komposition des «Dream of Gerontius». Die Uraufführung fand am 3. Oktober 1900 unter Leitung von Hans Richter in der Birmingham Town Hall statt, wurde aber wegen zu knapper Probezeit zu einem argen Misserfolg. Trotz der unzureichenden Aufführung erkannte jedoch ein Teil der Kritiker die musikalischen Qualitäten des Werks. Julius Buths, Direktor des Niederrheinischen Musikfests, verfertigte eine deutsche Übersetzung und in dieser Form wurde das Werk in Anwesenheit des Komponisten am 19. Dezember 1901 erfolgreich in Düsseldorf aufgeführt. Danach konnte es sich rasch durchsetzen und etablierte sich insbesondere in Grossbritannien dauerhaft im Repertoire (auch wenn es anfangs kritische Stimmen seitens der Church of England gegen Elemente des stark katholisch geprägten Textes gab). Heute gilt es als eines der Hauptwerke Edward Elgars und rangiert im angelsächsischen Raum hinter Händels Messias auf Platz zwei der Beliebtheitsskala. Elgar selbst erachtete «The Dream of Gerontius» als sein bestes Werk und wünschte sich, es möge in die Erinnerung der musikbegeisterten Menschen eingehen.
Das Oratorium basiert auf einem Gedicht des englischen Kardinals John Henry Newman und ist von der katholischen Vorstellungswelt geprägt. Hauptfigur ist der sterbende Gerontius, «ein Mensch wie du und ich», wie Elgar notierte, der nach seinem Tod in die Jenseitswelt eingeht.
Elgar straffte das lange Libretto auf etwa die Hälfte und teilte den Stoff in zwei Teile. Der erste Teil stellt das Diesseits ins Zentrum, wo der alte Gerontius im Sterben liegt. Kurz vor seinem Hinscheiden wird er von Glaubenszweifeln und Todesfurcht ergriffen, stirbt am Ende aber in ruhiger Zuversicht. Der zweite, gut doppelt so lange Teil schildert den Weg, den der Schutzengel – dem antiken Seelenführer gleich – mit Gerontius’ Seele im Jenseits geht.
Elgar, der sich vor allem Wagner und den Spätromantikern verpflichtet fühlte, setzte in «The Dream of Gerontius» Erfahrungen wie Todesangst und Glaubenszweifel, aber auch paradiesische Unbeschwertheit und den überwältigenden Anblick Gottes in eine Musik um, deren leicht wehmütige Schönheit unmittelbar zu berühren vermag.