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Die Bibliothek von Alexandria ist bis heute ein Rätsel. Fest steht: Sie war Teil des museion, des Museums, im Nordosten der Stadt. Einen eigenständigen Bau scheint es nie gegeben zu haben, denn bis heute haben Archäologen trotz aufwändiger Grabungen keinerlei Überreste gefunden. Die sagenhafte Bibliothek ist ein archäologisches Phantom.
Die vielen zeitgenössischen Quellen aber, die Geschichtsschreiber Strabon, Seneca, Plutarch, Sueton etwa oder auch der Arzt Galen, sie alle legen nahe, dass es die Bibliothek wenn nicht als Gebäude, so doch als Institution gegeben hat. Enorm muss sie gewesen sein: Alle Disziplinen waren vertreten: Astronomie, Mathematik, Medizin, Religion und Philosophie, in Griechisch und Latein, Ägyptisch und Hebräisch, Schriften aus Persien, Indien, der ganzen damals bekannten Welt. Zehntausende, wenn nicht Hunderttausende Schriftrollen müssen es gewesen sein. Jedes Schiff, das in den Hafen von Alexandria einlaufen wollte, war verpflichtet, den Schreibern der Bibliothek alle an Bord befindlichen Bücher auszuhändigen, damit sie kopiert werden konnten.
Bloss: Wie konnte eine solche Institution einfach so verschwinden? Im Zuge der Kämpfe zwischen Julius Cäsar und seinem Widersacher Pompeius im Jahr 48 n. Chr., so besagt die Legende, soll neben den angezündeten Schiffen im Hafen auch die Bibliothek in Flammen aufgegangen sein. Das halten Forscher für wenig plausibel. Die Wahrheit ist vermutlich viel profaner: Immer mehr Bürokratie, immer weniger Finanzen, kaum noch Stipendien, immer weniger Gelehrte, und ums Jahr 400 dann die Schliessung durch einen Herrscher, dem unabhängige Wissenschaft ein Dorn im Auge war.