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Körperliche Aktivität in der Prävention des Diabetes Typ 2
Sowohl der Diabetes mellitus Typ 2 als auch das Übergewicht stellen ein rasch zunehmendes weltweites Problem dar. In der Schweiz ist bereits ein Drittel der Bevölkerung übergewichtig, ca. 10 % sogar adipös (BMI >30 kg/m2). Besorgnis erregt auch die Zunahme des Übergewichts bei Kindern. Die Grafik aus den USA zeigt, dass Übergewicht und Diabetes mellitus Typ 2 parallel zugenommen haben (Abb.1).
Das Übergewicht führt zu einer erhöhten Insulinresistenz verschiedener Gewebe: Hierbei ist im Rahmen des Übergewichts resp. einer kohlenhydratreichen Nahrung eine schlechtere Insulinwirkung an der Muskel- und Fettzelle vorhanden. Deshalb kann der Blutzucker, welcher beim Essen anfällt, weniger gut in die Zellen aufgenommen und verstoffwechselt werden. In der Leber dagegen wird vermehrt Blutzucker gebildet. Diese Insulinresistenz und die gestörte Insulinausschüttung aus der Bauchspeicheldrüse sind für die Erhöhung der Blutzucker-Spiegel und folglich für den Diabetes mellitus Typ 2 verantwortlich.
Wünschenswert wären Massnahmen, welche die Entstehung des Diabetes Typ 2 verhindern oder das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen können. In Studien konnte gezeigt werden, dass eine Anpassung des Lebensstils mit intensivierter Bewegung (mindestens 150 Min./Woche) und eine Ernährungsumstellung zu einer 60%-igen Reduktion des Auftretens eines Diabetes Typ 2 bei Personen mit leicht gestörtem Blutzuckerstoffwechsel führt (Abb 2). Auch das Fortschreiten der Krankheit bei bereits bestehendem Diabetes mellitus Typ 2 kann verlangsamt werden. Die Bewegung führt dabei unmittelbar zu einer verbesserten Aufnahme des Zuckers in die Muskelzellen, wodurch der Blutzucker und die Insulinspiegel abnehmen. Im Verlauf der Anstrengung werden gegenregulatorische Hormone freigesetzt. Dabei wird die kontinuierliche Versorgung des Körpers mit Zucker sichergestellt und es kommt unter anderem zum Abbau von Fetten. Bei regelmässiger körperlicher Aktivität können die Muskeln diese Energie effizienter umsetzen. Der Körper wird wieder sensibler auf die Insulinwirkung, und die Insulinspiegel nehmen ab. Das Problem der Insulinresistenz wird also an der Wurzel angepackt.
Zur Vorbeugung des Diabetes bzw. zur Bremsung seines Fortschreitens wurde durch die Professoren Saner und Diem in Bern ein Diabetes-Rehabilitationsprogramm entwickelt und seit 2003 durchgeführt. Es richtet sich an Personen mit Typ-2-Diabetes ohne schwerwiegende Folgekomplikationen und einer Diabetesdauer von weniger als fünf Jahren, sowie an übergewichtige Personen mit einem gestörten Blutzuckerstoffwechsel (erhöhte Nüchtern-Glukose, pathologische Glukosetoleranz), welche ein deutlich erhöhtes Risiko haben, in Zukunft an einem Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken. Über drei Monate werden unter physiotherapeutischer Anleitung 3 Trainingseinheiten pro Woche durchgeführt, wobei das Angebot verschiedene körperliche Aktivitäten, wie Wassergymnastik, Nordic Walking und Krafttraining umfasst. Zusätzlich finden regelmässige Informat ionsveranstaltungen über den Diabetes Typ 2 statt, welche sowohl von Ärzten als auch von Ernährungsberaterinnen und Diabetesfachfrauen gehalten werden. Die Auswirkungen dieses Programms auf den Gesundheitszustand (Blutzucker, Fettstoffwechsel, Gewicht, Bauchumfang, Leistungsfähigkeit, Wohlbefinden) werden durch eine ärztliche klinische Untersuchung, eine laborchemische Kontrolle und einen Belastungstest vor und nach Abschluss des Programms dokumentiert. Die Kosten für das 12-wöchige Programm werden bis auf den üblichen Selbstbehalt durch die Krankenkassen übernommen. Nach Abschluss des 12-wöchigen Programms ist es das Ziel, «Diafit-Gruppen» zu bilden, welche die körperliche Aktivität gemeinsam fortsetzen können.
Am Kantonsspital St. Gallen existiert ein solches ambulantes Diabetes-Rehabilitationsprogramm seit 2007. Unsere erste Gruppe zeigte sich vom Programm begeistert. Alle waren am Ende leistungsfähiger und die meisten zeigten Verbesserungen des Fettstoffwechsels mit Senkung des LDL-Cholesterins und Erhöhung des HDL-Cholesterins, eine Gewichtsstabilisierung und eine Reduktion des Bauchumfangs. Bei einer Person konnte die Insulintherapie reduziert, bei einer anderen ganz auf eine Therapie mit oralen Antidiabetika gewechselt werden. Somit können wir die von anderen festgestellten Erfolge einer intensiven Lebensstiländerung nur bestätigen.
Dr. med. Annette Christen,
Oberärztin Endokrinologie/Diabetologie,
Kantonsspital St.Gallen
Der Weg zur Gesundheit für Typ-2-Diabetiker
An diesen Orten werden DIAfit-Rehabilitationsprogramme und DIAfit-Gruppen angeboten oder sind in diesem Jahr im Aufbau:
Basel, Bern (Inselspital), Burgdorf, Heiligenschwendi, Interlaken, Le Noirmont, Mettmenstetten, Olten, Solothurn, St. Gallen, Thun, Visp, Winterthur.
Für weitere Auskünfte wenden Sie sich bitte direkt an
Administration DIAfit-Projekt
catherine.marchand {at} insel.ch
Tel. 031 632 03 29 (Mo, Di, Do)