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Als Standort kommt Temelin in Frage, wo bereits zwei Blöcke in Betrieb stehen und ursprünglich vier vorgesehen waren.
Sechs verschiedene Energieszenarien wurden anfangs Jahr im Auftrag der Regierung in Prag vom Handels- und Industrieministerium vorbereitet und einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) durch die unabhängige Beratungs- und Ingenieurgesellschaft Tebodin unterworfen. Nach Überprüfung durch das tschechische Umweltministerium gingen die sechs Szenarien in eine breite öffentliche Vernehmlassung mit Anhörungen. Die Szenarien tragen Kennfarben. Im weissen Szenario wurde die Entwicklung in den kommenden 30 Jahren unter Beibehaltung der heutigen Rahmenbedingungen abgeschätzt. Das grüne Szenario sieht, wie alle weiteren, Einschränkungen beim Braunkohleabbau vor, die durch die Förderung erneuerbarer Energien und den Bau von zwei weiteren grossen Kernkraftwerkseinheiten kompensiert werden. Im schwarzen Szenario würde der Import von Kohle erhöht, um den Braunkohleabbau vermindern zu können, und im roten der Import von Erdgas. Im blauen würden "einige Kernkraftwerke mehr" gebaut und im gelben schliesslich der Kernkraftwerksbau "massiv" gefördert. Bei der Beurteilung wurden besonders die Unabhängigkeit des Landes von ausländischen Energiequellen, unstabilen Regionen und nichttschechischen Lieferanten einerseits sowie der Schutz von Mensch und Umwelt, die Versorgungssicherheit und die maximale Nutzung erneuerbarer Energiequellen andererseits gewichtet. Die Szenarien stellen auch die Anpassung an EU-Direktiven und die Einführung ökologischer Lenkungsabgaben in Rechnung. Bei der Beurteilung der Umweltauswirkungen schnitt die Kernenergie trotz konservativer Annahmen bezüglich möglicher Unfallfolgen am besten ab.
In einem nächsten Schritt wird die Regierung über die Szenarienwahl entscheiden. Eine entsprechende Vorlage wird noch vor Ende Jahr eingebracht. Doch schon liegt ein offizieller, auf höchster Ebene vorgebrachter Protest der österreichischen Regierung gegen die Szenarien mit Kernkraftwerken vor. In Prag hat der Vorstoss erstaunt, denn noch ist nichts entschieden und Österreich hatte im Rahmen des Melker Prozesses von 2001 das Recht eines jeden Landes anerkannt, über die Energiepolitik selber zu entscheiden und Kernenergie zu nutzen, wenn ein hoher Sicherheitsstandard eingehalten wird.
Quelle
P.B. nach NucNet, 18. November und 19. November 2003