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| Hieronymus († 420) - Gegen Vigilantius (Contra Vigilantium)

3.
Doch es ist allmählich an der Zeit, seine Worte anzuführen und dann den Versuch zu machen, auf das einzelne einzugehen. Nicht ausgeschlossen bleibt, daß wiederum ein böswilliger Leser die Vermutung ausspricht, der Stoff sei von mir erdichtet, um mit rhetorischem Gepränge mich dagegen aussprechen zu können, wie es bei einem Briefe der Fall war, den ich an zwei gallische Frauen, Mutter und Tochter, gerichtet habe1 , die miteinander im Streite lagen. Veranlassung zu meinem Schriftchen gaben die heiligen Presbyter Riparius und Desiderius, welche schreiben, daß ihre Pfarreien durch die Nachbarschaft jenes Menschen verseucht worden seien. Durch den Bruder Sisinnius schickten sie mir die Bücher, die er im Weinrausch schnarchend gebrochen hat. Sie behaupten, es hätten sich einige gefunden, die seinen Lästerungen zustimmten, um ihren Lastern nachgehen zu können. Er ist unerfahren, unbedeutend sein Wissen, kunstlos sein Wort und seine Redeweise2 . Nicht einmal das, was wahr ist, vermag er zu verteidigen. Aber wegen der Weltleute und der mit Sünden beladenen Frauen, die stets lernen und doch nie zur Erkenntnis der Wahrheit durchdringen, will ich mich eine Nacht gegen seine Torheiten wenden. So vermeide ich auch den Anschein, als nähme ich keine Rücksicht auf die Briefe derjenigen, welche mich um die Widerlegung gebeten haben.
1: Es handelt sich um den 117. Brief der Vallarsischen Sammlung, "Ad matrem et filiam in Gallia commorantes".
2: Gennadius [de vir. ill. c. 36] nennt ihn "homo lingua politus".