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Bekanntlich will gut Ding Weile haben. Für The Hateful Eight (2015) ist es Regisseur Quentin Tarantino endlich gelungen, Maestro Ennio Morricone dafür zu gewinnen, eine originale Filmmusik für seinen Film zu komponieren. Zuvor hat er dessen Filmmusiken für etliche andere Filme oftmals sehr passend in seinen eigenen Filmen wiederverwendet, da Morricone scheinbar keine Zeit oder kein Interesse daran hatte, für Tarantino eine Filmmusik zu schreiben bzw. Tarantino seine Filme für die Musik nicht in „fremde Hände“ geben wollte (wie er in einem Interview erzählte). Nun, nach Jahren oder gar Jahrzehnten, ist es zu dieser Kollaboration gekommen. Quentin Tarantino, Ennio Morricone und ein Spaghetti Western! Die Vorfreude und die Erwartungen waren riesig, das Ergebnis jedoch enttäuscht – zumindest auf CD.
Zuerst zum Problem mit der Albumpräsentation. Hier wechseln sich Score-Stücke von Morricone mit einigen Songs und zahlreichen Dialog-Tracks ab. Das Ergebnis ist ein Chaos. Morricones Score hat mit den Songs stilistisch gesehen kaum Gemeinsamkeiten und die vielen, teils langen Dialog-Tracks sind oftmals repetitiv, dümmlich und werden teils gar von Schuss- und Schlag-Soundeffekten begleitet. Das irritiert während des Hörens gewaltig und nervt nach der ersten Halbzeit nur noch. Dies mutet mehr nach Hörspiel als Musikalbum an, weshalb man hier idealerweise die Songs und die Dialog-Tracks auf einer CD platziert und dann den Score von Morricone auf der zweiten CD separat präsentiert hätte. Das wäre viel stimmiger gewesen und hätte aus kommerzieller Sicht wohl gestemmt werden können. Doch diesen Kritikpunkt kann man, wenn man will, durch Programmieren der Stücke letztlich auch selbst bereinigen.
Nun zur Musik von Ennio Morricone. Hört man Morricone in Verbindung mit Spaghetti Western, erklingen im geistigen Ohr sogleich furiose und glorreiche Kompositionen aus A Fistful of Dollars (1964), For a Few Dollars More(1965), The Good, the Bad and the Ugly (1966) und Once Upon a Time in the West (1968). Morricones Musik zu The Hateful Eight ist jedoch gänzlich anders ausgefallen. Seine Musik für den Red Rock ist kühl, repetitiv, eher minimalistisch und erinnert stark an Texturen und Rhythmen von Leonard Bernsteins Prologue zu West Side Story (1961). Streicherteppiche und -Staccato-Passagen, Musikdosen-Effekte, Snare-Rhythmen und vereinzeltes, „schleichendes“ Oboen-Spiel… Ob dies zum Film passt, kann an dieser Stelle nicht beurteilt werden, doch ist es definitiv nicht das, was von vielen allenfalls erwartet werden könnte. Im sehr kurzen Booklet-Kommentar schreibt Morricone, dass er dem Film mit seiner Musik einen „new musical ‚turn‘“ geben wollte. Aufgrund des unerwarteten, minimalistischen Ergebnisses scheint ihm dies gelungen, doch wirkt es zumindest abseits der Bilder erzwungen und ist wenig unterhaltsam. Glorreiche Themen und eingängige Melodien gibt es hier keine. Das ist enttäuschend.
Fazit: Hinsichtlich des Hypes, der diesen Soundtrack- und Film-Release begleitet hat, muss vom Soundtrack-Ergebnis von einer grossen Enttäuschung gesprochen werden. Die Album-Präsentation ist sehr unvorteilhaft und die Musik von Morricone enttäuscht mit Minimalismus, kühlem Grundton und der Abstinenz von eingängigen Themen. Daher kann dieses Album nur den ganz begeisterten Fans des Films als Souvenir empfohlen werden. Wer tolle Musik von Morricone hören will, der besorge sich besser dessen Musik zu den Spaghetti Western aus den 1960er Jahren oder die ebenfalls aktuelle, um Längen unterhaltsamere Veröffentlichung En mai, fais ce qu’il te plaît (2015). The Hateful Eight kann in die (Spaghetti-) Wüste geschickt werden.