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(Charpentier, 1842)
- DE: Östliches Heupferd
- EN: Eastern Green Bush-cricket
- FR: La Sauterelle orientale | La Sauterelle des Grisons
- Syn.: Tettigonia caudata armeniaca Tarbinsky, 1940 | Conocephalus kolenatii Fischer von Waldheim, 1846 | Tettigonia longicauda Eversmann, 1848 | Locusta prasina Fieber, 1852
Morphologie
Tettigonia caudata ist fast einheitlich grün, nur die Beine sind manchmal gelblich gefärbt. Vor allem bei älteren Tieren kann die Grundfarbe gelblich sein. Die Oberseite von Kopf und Halsschild sind im Gegensatz zu den anderen Tettigonia-Arten einheitlich grün, nur das Gesangsorgan der Männchen ist bisweilen mehr oder weniger dunkel. Die schmalen Flügel sind lang und ragen deutlich über die Hinterknie hinaus. Auf der Unterseite der Hinterschenkel sitzen kräftige, schwarze Dornen, durch die sich bereits ältere Larven von den anderen Tettigonia-Arten in Europa unterscheiden lassen. Die Legeröhre der Weibchen ist fleischfarben bis bräunlich, sehr lang und leicht nach unten gebogen. Die Cerci der Männchen sind an der Basis verdickt, verlaufen nach dem kräftigen Innenzahn deutlich schmaler in die Spitze und sind gegen das Ende leicht nach innen gebogen. Sie überragen die Styli höchstens wenig.
Gesang
Der laute Spontangesang von Tettigonia caudata besteht aus schwirrenden Versen von 2-12 s Dauer. An Stellen, an denen die Art mit Tettigonia viridissima vergesellschaftet ist, wird sie von dieser oft übertönt. Im Unterschied zu den beiden anderen Tettigonia-Arten ist der Klang des Gesangs am Tag und in der Nacht sehr ähnlich. Tagsüber bei hohen Temperaturen dauern die Verse 2-4 s. Diese erreichen nach dem ersten Drittel die maximale Lautstärke und folgen sich in regelmässigen Abständen von 1-2 s. Bei tieferen Temperaturen dauern die Verse bis 12 s. Wenn mehrere Tiere singen, fallen die Männchen in die Verse der andern ein. Das Frequenzspektrum zeigt ein Maximum bei ca. 8 kHz.
Spontangesang von Tettigonia caudata bei hohen Temperaturen - CH, GR, San Niclà, 27 °C, sonnig.
Spontangesang von Tettigonia caudata bei mittleren Temperaturen - AT, Niederösterreich, Mannersdorf im Leithagebirge, 24 °C, abends.
Spontangesang von Tettigonia caudata bei tiefen Temperaturen - CH, GR, San Niclà, 14 °C, nachts.
Drei Verse aus dem Spontangesang von Tettigonia caudata bei hohen Temperaturen - CH, GR, San Niclà, 27 °C, sonnig.
Einzelner Vers aus dem Spontangesang von Tettigonia caudata bei tiefen Temperaturen - CH, GR, San Niclà, 14 °C, nachts.
Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Tettigonia caudata erstreckt sich von Mitteleuropa (Graubünden und Österreich) und von Nordostdeutschland im Westen über Polen, Tschechien, den Balkan und die Türkei bis in den Iran. In der Schweiz kommt Tettigonia caudata ausschliesslich im Unterengadin und im Münstertal vor. In Österreich ist sie im Neusiedlerseegebiet weit verbreitet. Für Deutschland liegen die meisten Vorkommen in der Umgebung von Berlin. Der Verbreitungsschwerpunkt dürfte auf der Balkanhalbinsel liegen, wo Tettigonia caudata zum Teil häufig anzutreffen ist.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere von Tettigonia caudata finden sich in Mitteleuropa von Anfang Juli bis Mitte Oktober.
Im Süden von Griechenland konnten wir schon Mitte Mai ausgewachsene Tiere beobachten. In Ostösterreich findet man im Verlauf des Juni die ersten ausgewachsenen Tiere.
Lebensraum
Tettigonia caudata besiedelt vor der Ernte bevorzugt Getreidefelder und andere landwirtschaftlich genutzte Flächen. Ebenfalls als Lebensraum genutzt werden Ruderalstandorte, Nesselstreifen, Ödland, Brachen und Ränder von Hecken. Im Süden findet man sie oft auf Stauden oder Gebüschen in Weiden und entlang von Feldwegen und Strassenböschungen. Sie steigt nicht in Baumkronen hinauf wie ihre Schwesterarten.
Gefährdung & Schutz
In der Schweiz und Österreich wurde Tettigonia caudata als verletzlich eingestuft. In Getreidekulturen scheint die Art die erforderlichen Lebensraumstrukturen vorzufinden. Für die Fortpflanzung sind aber Saumstrukturen und Brachflächen, die nicht umgepflügt werden, unerlässlich. Dass Tettigonia caudata wegen der intensiven Landwirtschaft nicht seltener ist, ist eigentlich verwunderlich.
- CH: VU (Verletzlich)
- DE: * (Nicht gefährdet)
- AT: VU (Verletzlich)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Tettigonia caudata kann mit Tettigonia viridissima und Tettigonia cantans verwechselt werden. Die Kopf- und Halsschild-Oberseite von Tettigonia cantans und Tettigonia viridissima sind dunkel und nicht einfarbig grün. Tettigonia caudata unterscheidet sich zudem eindeutig durch die schwarzen Dornen auf der Unterseite der Hinterschenkel, die den beiden anderen Arten in dieser Grösse und intensiven Farbe fehlen. Der Gesang von Tettigonia caudata ist dem Tagesgesang von Tettigonia cantans und Pholidoptera littoralis insubrica sehr ähnlich. Die Tonqualität von Tettigonia caudata ist feiner schwirrend und weniger rein als bei Tettigonia cantans. Oszillografisch unterscheiden sich die einzelnen Silben der beiden Arten deutlich in ihrer Form. Die Verse von Pholidoptera littoralis insubrica erreichen schon kurz nach Beginn die maximale Lautstärke, ausserdem ist der Klang weniger schwirrend, sondern eher scheppernd. Nachts kann der Gesang mit demjenigen von Metrioptera roeselii verwechselt werden.