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Cannabiskonsum kann Parodontitisrisiko erhöhen
Parodontitis stellt eine chronische Erkrankung dar, die durch eine Entzündung des Stützgewebes der Zähne mit fortschreitendem Attachmentverlust gekennzeichnet ist. Dies führt zu Einschränkungen der Funktion und der Ästhetik sowie zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität des Einzelnen. Die Krankheit betrifft etwa 11,2 % der Weltbevölkerung, ist die sechsthäufigste chronische Erkrankung weltweit und gilt als eine der Hauptursachen für Zahnverlust. Basierend auf der Tatsache, dass Tabakrauch ein bekannter Risikofaktor für eine Parodontitis ist, was sich vor allem mit dem Rückgang der Sauerstoffversorgung durch die vom Nikotin verursachte Gefäßverengung des Gewebes erklären lässt, haben neuere Studien gezeigt, dass es auch eine biologische Plausibilität für einen möglichen Zusammenhang zwischen Parodontalerkrankung und Cannabiskonsum gibt.
Ziel der vorliegenden Studie war es zu untersuchen, ob der Konsum von Cannabis mit Parodontitis verbunden ist. Elektronische Recherchen erfolgten in den Datenbanken PubMed, Scopus, ISIWeb of Science, BVSVirtual Health Library sowie Scielo ohne Einschränkungen unter Verwendung relevanter Schlüsselwörter und Berücksichtigung der Struktur jeder Datenbank. Längs und Querschnittstudien über den Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Parodontalerkrankungen wurden einbezogen. Metaanalysen und Sensitivitätsanalysen wurden durchgeführt. Die erste Suche ergab 143 Datensätze, und fünf Artikel wurden in die systematische Übersicht aufgenommen.
Von den insgesamt 13.491 einbezogenen Personen waren 49,5 % Männer. Drei der eingeschlossenen Studien untersuchten den Zusammenhang zwischen Cannabis und Parodontalerkrankungen bei Erwachsenen und zwei andere den bei Jugendlichen. Es wurde ein positiver Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Parodontitis (PR 1,12, 95%Konfidenzintervall [1,061,19]) mit einer Hetero genität von 19,0 % beobachtet. Die Analyse der Sensibilität ergab, dass keine Studie die Ergebnisse ausreichend beeinflusste, um die gepoolte Schätzung zu ändern. Im Hinblick auf die Qualitätsbewertung waren alle Studien von hoher Qualität.
Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse der systematischen Überprüfung und der Metaanalysen zeigen, dass der Konsum von Cannabis mit einem erhöhten Parodontitisrisiko verbunden ist.
Chisini LA, Cademartori MG, Francia A et al. Is the use of Cannabis associated with periodontitis? A systematic review and meta-analysis. J Periodontal Res 2019 Jan 24 [Epub ahead of print].
Wirksamkeit von Botulinumtoxin bei myofaszialen Schmerzen unklar
Die Diagnose und Behandlung von myofaszialen Schmerzen ist eine ständige Herausforderung für das medizinische Fachpersonal. Sie sind oft mit einer Kiefergelenkstörung (TMD) verbunden, und Spasmen der Kaumuskulatur können zu funktionellen Einschränkungen führen. Fast die Hälfte der diagnostizierten TMD Fälle beinhalten temporomandibuläre myofasziale Schmerzen mit Prävalenzraten zwischen 5 und 10 %, wobei mehrheitlich Frauen betroffen sind. Myofasziale Schmerzen stellen eine Subform der Fibromyalgie dar. Diese ist gekennzeichnet durch das Vorhandensein von schmerzhaften Triggerpunkten, die durch parafunktionelle Gewohnheiten, schlechte Haltungen sowie ungünstige soziale, körperliche, emotionale und verhaltensbedingte Rahmenbedingungen aktiviert werden. Myofasziale Schmerzen sind oft diffus lokalisiert und strahlen meist über die Primärstelle hinaus. Muskelermüdung und verminderte Gelenkbewegungen sowie Kopfschmerzen können ebenfalls auftreten.
Die Behandlung von myofaszialen Schmerzen ist kompliziert und richtet sich in erster Linie nach den auftretenden Symptomen und Anzeichen. Einfache Fälle sind auf einen einzelnen Muskel beschränkt, während komplexere Formen mehrere Muskeln betreffen. Es werden eine Vielzahl von Therapiemöglichkeiten beschrieben, darunter funktionelles Training, Haltungskorrektur, Triggerpunktinjektionen, Biofeedback, transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS), Muskelrelaxanzien, trizyklische Antidepressiva und andere Medikamente. Dabei muss die Anwendung eines Therapieschemas mit den Grad der Komplexität der Erkrankung abgestimmt werden.
Botulinumtoxin (BTX) ist ein starkes Neurotoxin, das aus dem grampositiven anaeroben Clostridium botulinum synthetisiert wird. Es blockiert vorübergehend die Freisetzung von Acetylcholin aus präsynaptischen cholinergen Nervenendigungen, was zu einer Muskelentspannung führt. Darüber hinaus blockiert BTX die Freisetzung von Entzündungsmediatoren einschließlich Glutamat und der Substanz P. BTX wurde ursprünglich für die Behandlung neuromuskulärer Erkrankungen eingesetzt, aber später aufgrund seiner muskelentspannenden und schmerzlindernden Wirkung auch zur Therapie von Schmerzstörungen des Bewegungsapparates einschließlich myofaszialer Schmerzen angewendet. In jüngster Zeit haben mehrere Studien die potenzielle therapeutische Rolle von BTX bei der Behandlung von myofaszialen Schmerzen im Zusammenhang mit Kiefergelenkstörungen aufgezeigt.
Ziel der vorliegenden Literaturübersicht war es, die therapeutische Wirksamkeit von BTX bei der Behandlung temporomandibulärer myofaszialer Schmerzen zu bewerten. Dazu wurden die elektronischen Datenbanken PubMed, EMBASE, Scopus und Web of Science sowie weitere Quellen bis Februar 2018 nach randomisierten klinischen Studien durchsucht. Insgesamt sieben Arbeiten, die die Auswahlkriterien erfüllten, wurden eingeschlossen. Zwei Studien zeigten eine signifikante Verbesserung der temporomandibulären myofaszialen Schmerzen, und einer Studie zufolge wiesen BTXEinsatz und Gesichtsmanipulation die gleiche Wirksamkeit auf. In den übrigen Studien konnte kein signifikanter Unterschied zwischen BTX und Kontrollgruppe festgestellt werden. Aufgrund der Heterogenität in der Methodik und der Ergebnisbewertung war es nicht möglich, eine Metaanalyse und eine Neuberech nung des Risikos vorzunehmen.
Schlussfolgerungen: Die gefundenen Daten lassen keine klaren Aussagen zur therapeutischen Wirksamkeit von BTX zu. Randomisierte kontrol lierte Studien mit besseren methodischen Kriterien müssen durchgeführt werden, um die tatsächliche Wirksamkeit von BTX zu bewerten.
Awan KH, Patil S, Alamir AWH et al. Botulinum toxin in the management of myofascial pain associated with temporomandibular dysfunction. J Oral Pathol Med 2019 Jan 3 [Epub ahead of print].