Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/127292

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt zu prüfen, welche Massnahmen ergriffen werden können, um zu gewährleisten, dass Lehrverträge frühestens ein halbes Jahr vor Beginn der beruflichen Grundbildung abgeschlossen werden dürfen.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat teilt die Ansicht des Postulanten, dass der Berufswahlprozess der Jugendlichen und eine professionelle Selektion durch die Lehrbetriebe eine fundierte Vorbereitung benötigen. Er beobachtet den Lehrstellenmarkt seit mehr als zehn Jahren mit dem Lehrstellenbarometer. Die Anzahl der Jugendlichen, welche sich früh ein erstes Mal für eine Lehrstelle beworben haben (vor den Herbstferien), ist für den Lehrbeginn 2011 leicht höher als im Vorjahr. Grössere Schwankungen sind in den letzten sechs Jahren nicht festzustellen.</p><p>Der Bundesrat begrüsst Initiativen der Wirtschaft und der Kantone, die den Berufswahl- und Selektionsprozess optimieren und den Beteiligten eine fundierte Vorbereitung ermöglichen. Das bereits geschaffene freiwillige Fairplay-Abkommen ist eine Initiative in diesem Sinne.</p><p>Wie schon in der Antwort des Bundesrates zur Motion Fehr Mario 08.3792 erläutert, stehen für die Jugendlichen wie auch für die Lehrbetriebe verschiedene Beratungs- und Informationsangebote zu den Themen Berufswahl und Selektion zur Verfügung.</p><p>Die Lehrbetriebe werden im Handbuch "Betriebliche Grundbildung" explizit darauf hingewiesen, dass ein früher Lehrvertragsabschluss nicht sinnvoll ist. In der Ausbildung der Berufsbildungsverantwortlichen für Lehrbetriebe wird die Auswahl von Lernenden thematisiert.</p><p>Die Jugendlichen in der Sekundarstufe I werden auf die Berufswahl vorbereitet und bei der Lehrstellensuche begleitet. In vielen Kantonen gibt es dafür "Fahrpläne", die diesen Prozess inhaltlich und zeitlich steuern. Der Bund unterstützt Projekte Dritter zur Optimierung des Berufswahlprozesses. Vom Schweizerischen Gewerbeverband und von der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren ist eine individuelle Standortbestimmung projektiert. Diese wird es erlauben, die Anforderungen eines Berufes mit den schulischen Leistungen zu vergleichen.</p><p>Die Lehrverträge sind im Obligationenrecht geregelt. Der Zeitpunkt des Vertragsabschlusses ist staatlich nicht steuer- oder überprüfbar. Mit der Genehmigung der Lehrverträge können die Kantone den Prozess beeinflussen, aber nicht kontrollieren. Der Bundesrat erachtet es nicht als seine Aufgabe, staatliche Massnahmen zu prüfen, allenfalls auszuarbeiten und dadurch den Handlungsspielraum der Lehrbetriebe einzuschränken.</p><p>Zusätzliche staatliche Regulierungen für die Lehrbetriebe schaffen administrative Hürden und beeinflussen die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe negativ.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.