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Der aus dem schwäbischen Laupheim in die USA eingewanderte Carl Laemmle stieg 1909 ins Kinogeschäft ein und gründete 1912 die Universal Studios, bei denen das Starsystem seinen Anfang nahm und die als erste auch ihr Gelände als Touristenattraktion vermarkteten. Im Jahr 1928, am Ende der Stummfilmzeit, »schenkte« Carl Laemmle seinem 20-jährigen Sohn Julius die Position als Head of Production – doch nicht, ohne den vorher noch umzubenennen. Fortan hieß er nicht mehr Julius, sondern »Carl Laemmle, jr.«.
Doch gerade unter Junior entsteht ein ganz eigenwilliges und einflussreiches Hollywoodkino. Während Konkurrenten wie Irving Thalberg von MGM die freiwillige Selbstzensur Hollywoods, den sogenannten Production Code mitverantwortete, setzte Junior alles daran, die Zensur zu untergraben. Carl Laemmle, jr. ist es auch zu verdanken, dass bei der Universal die Horrorklassiker der 1930er Jahre wie Dracula und Frankenstein entstanden. Umso fataler, dass 1936 aufgrund der Spekulationen von Laemmle senior Universal an dessen Schuldner fällt und Junior seinen Job verliert. Nur gerade mal sieben Jahre konnte Carl Laemmle Junior das Studio prägen.
Die Filme in der vom Filmmuseum München veranstalteten Reihe belegen durchweg, dass Junior als Produzent eine risikofreudige, wagemutige Linie verfolgte. Er war weder ein Verschwender noch ein Pfennigfuchser, sondern stattete Projekte, an die er glaubte, mit Mitteln aus, die andere Studios nicht riskierten. King of Jazz (1930) beispielsweise sollte eine neue Art des Musikfilms begründen und die verschwenderisch ausgestatteten MGM-Musicals in den Schatten stellen. Der Film fiel leider an der Kasse durch. Heute ist er, aufwändig restauriert, eine der vielen verblüffenden Entdeckungen dieser Reihe.