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Stephan Leuenberger

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2. Zur Bedeutung des Familiennamens

Als die Schweiz von den ersten Menschen besiedelt wurde hatte jeder nur einen Namen. Weil die Bevölkerungszahl klein, das Land dünn besiedelt war, reichte ein Name durchaus. Mit der Bevölkerungszunahme und dem Aufkommen der Städte machte sich nach und nach das Bedürfnis nach Zunamen breit. Neben dem Unterscheidungsbedürfnis spielte das ererbte Standesbewusstsein, zuerst der adeligen Geschlechter, dann später das Selbstbewusstsein des städtischen Handwerks und der freien Bauern eine wesentliche Rolle. Beim Adel wurde ein Zuname schon rein aus ideellen und materiellen Gründen schon sehr früh von Bedeutung. Die Zunamen wurden daher meist von der Burg, dem Stammsitz hergeleitet. Später erkannte der Stadtbürger und der freie Bauer, dass ein Zuname schon rein aus politischen und wirtschaftlichen Gründen von Vorteil sein konnte. In der Schweiz setzte die Entwicklung der Zunamen beim Adel ca. im 12. Jh. und bei den freien Bauern ca. in der zweiten Hälfte des 13. Jh. ein, bei den Stadtbürgern und Handwerkern in der Stadt etwas früher.
Es können vier Gruppen von Zunamen/Familiennamen unterschieden werden:
- Personennamen = Taufnamen welche nach einem Heiligen gewählt sind.
- Siedlungsnamen = Namen der Wohnstätte oder Herkunft.
- Tätigkeitsnamen = Namen nach der Tätigkeit oder dem ausgeübten Handwerk
- Spott- und Spitznamen = Namen nach körperlichen Merkmalen oder Verhaltens-weisen usw.
Zunamen waren noch nicht als Selbstverständlichkeit vom Vater auf den Sohn/ Tochter übertragen worden. Wechselte ein Bauer den Hof nahm er in vielen Fällen den Namen der neuen Wohnstätte an. Erst allmählich blieben die Zunahmen haften und vererbten sich vom Vater auf den Sohn bzw. Nachkommen. Es muss unbedingt festgehalten werden, dass rein der Zuname im Mittelalter noch kein Indiz auf eine verwandtschaftliche Beziehung ist. Wurde dem Zunamen ein Hinweis auf die Herkunft, wie z.B. Bürger von Burgdorf angebracht, darf angenommen werden, dass eine verwandtschaftliche Beziehung besteht.
Die erste uns bekannte schriftliche Erwähnung des Familiennamens Leuenberger fällt in das Jahr 1257. Das ist relativ früh, kann aber durchaus damit zusammenhängen, dass das Grafenhaus Neu– Kyburg an der Erhaltung des freien Bauernstandes interessiert war. Zum einen erhielten sie von ihnen eine beträchtliche Vogtsteuer und zum andern waren die freien Bauern dem Grafenhaus zur Heerfolge verpflichtet. Die Wissenschaft geht davon aus, dass es sich beim Familiennamen Leuenberger um ein Pleonasmus handelt. Mittelhochdeutsch Leu, althochdeutsch Le(w)o, Lewes, lateinisch Leo, griechisch Léõn = Löwe— allemanische Ausdrucksform für Hügel, Egg, Berg. Verschiedene Deutungen sind nun möglich:
Durrheim nennt verschiedene Orte und Siedlungen im Kanton Bern mit dem Namen Leuen/ Leuenberg:
A. Leuen = ein Haus in der Kirchgemeinde Heimiswil, Gemeindeteil Bergviertel, Region Mistelberg—Lueg.
B. Leuenberg/Leumberg = früher ein Haus, heute ein Weiler in der Gemeinde Wynigen—Gemeindeteil Berggemeinde, Region Mistelberg—Lueg.
C. Leuengraben = ein Haus in der Gemeinde Buchholterberg Amt Konolfingen.
D. Leuenrain = Ein Hof in der Kirchgemeinde Wattenwyl, amt Seftigen.
E. Leuenberg = Ein Haus und Aussichtspunkt in der Gemeinde Oberbütschel.
Die Gemeinsamkeit dieser Orte besteht darin, dass sich alle Höfe und Weiler auf einer Egg, einer kegelförmigen Anhöhe oder an einem steilen Abhang befinden. Zur Urkundenlage ist zu bemerken dass die Orte C, D und E erst in der zweiten Hälfte des 14. Jh. hervortreten und die Personen ebenso schnell wie sie aus der Anonymität des Mittelalters hervortreten wieder verschwinden. Hingegen die Orte A und B bereits ab 1257 in regelmässigen Abständen und nach einem Unterbruch im 15. Jh. wieder einsetzen. Im weiteren muss darauf hingewiesen werden, dass sich alle alten Bürgerorte im Umkreis und der Region Mistelberg—Lueg befinden. Deshalb scheinen für uns nur gerade A und B von Bedeutung zu sein.
Hubschmid bezeichnet die Anhöhe zwischen den Gysnauflüh bei Burgdorf bis nach Weckerschwend als Leuen, insbesondere die beiden Eggen über welche die Landstrasse Burgdorf—Huttwil—Luzern (Burgdorf—Sommerhaus—Kaltacker—Lueg—Huttwil) führt.
Die Fontes rerum bernensium nennen Leuenberger wie folgt:
1257 Lownberch
1284 Lowenberch
1287Lewemberg
1295 Lewonberg
1306 Lewenberg
1312 Loewenberg
1313 Lewinberg
1367Lœwenberg
1374 Louwenberg

Herbst in der Region
Mistelberg-Leumberg
Foto Stephan Leuenberger Oktober 2007