Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03618.jsonl.gz/1048

1873 schlossen sich mehrere Sektionen des Grütlivereins mit Arbeitervereinen und Gewerkschaften in Olten zum sogenannten Alten Schweizerischen Arbeiterbund zusammen. Der Arbeiterbund verfügte mit der „Tagwacht“ über eine eigene Arbeiterzeitung. Nach einer kurzen Blüte zerbrach der Arbeiterbund 1880 an den inneren Gegensätzen. Der letzte Kongress wurde zwischen dem 6. und 8. November 1880 in Olten abgehalten. Man beschloss die Auflösung des Arbeiterbundes und die Gründung des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes. Zudem wurde die Gründung der Sozialdemokratischen Partei als politische Nachfolgeorganisation angeregt.
Die Geschichte des Alten Schweizerischen Arbeiterbundes hat Erich Gruner in seinem Standardwerk „Die Arbeiter in der Schweiz im 19. Jahrhundert“ (1968) nachgezeichnet. Gruner stützte sich dabei in erster Linie auf die gedruckten Kongressprotokolle, die Berichterstattung in der „Tagwacht“ und die autobiografischen Aufzeichnungen von Herman Greulich. Nun konnte das Schweizerische Sozialarchiv aus dem Zentralarchiv der Gewerkschaft UNIA eine Quelle übernehmen, die Erich Gruner vor fünfzig Jahren nicht zur Verfügung stand. Es handelt sich um das Protokollbuch des Genfer „Bundescomités“ aus den Jahren 1874 bis 1875. Darin sind 47 Sitzungen zwischen dem 12. Februar 1874 und dem 7. Januar 1875 dokumentiert. Die Protokolle sind bezeichnenderweise in deutscher Sprache verfasst, da damals fast alle Mitglieder der Genfer Arbeitervereine aus Deutschland oder aus der Deutschschweiz stammten. Die Protokolle erlauben einen hoch interessanten Einblick in das Innenleben des Alten Arbeiterbundes. Sie vermerken den Eingang umfangreicher Korrespondenzen und beleuchten organisatorische Fragen oder beispielsweise die Diskussionen rund um die „Tagwacht“ oder die Agitationsreisen des Glarner Arbeiterführers Johann Heinrich Staub. Das Protokollbuch macht darüber hinaus auch die enorme zusätzliche Belastung der Mitglieder des Bundescomités deutlich, die als einfache Arbeiter mit täglichen Arbeitszeiten von zehn bis zwölf Stunden gewerkschaftlich und politisch aktiv waren.
Das Protokollbuch trägt die Signatur SozArch Ar 201.26.2 und kann im Lesesaal jederzeit eingesehen werden.