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Wenn es in Vorträgen oder Artikel um Lebenserwartung, Umwandlungssatz oder Diskontsätzen ging, tauchte unvermeidlich der Name Jeanne Calment auf, die Frau, die (angeblich) als ältester Mensch 1977 im Alter von 122 Jahren gestorben sein soll. Jetzt tauchen Zweifel und gleich auch Zweifel am Zweifel um die Geschichte auf. Die FAZ schreibt:
Der bisherige menschliche Altersrekord geht möglicherweise auf einen Betrug zurück: Zwei russische Wissenschaftler halten es für sehr wahrscheinlich, dass nicht Jeanne Calment 1997 im Alter vom 122 Jahren und 164 Tagen gestorben ist, sondern ihre einzige Tochter Yvonne im Alter von 99 Jahren. Um die Erbschaftssteuer zu umgehen, könnte Yvonne bereits 1934 die Identität ihrer Mutter angenommen haben, als diese an einer Rippenfellentzündung gestorben sei, vermuten die beiden Russen. (…)
Den russischen Mathematiker Nikolai Sak konnte ihre Geschichte jedoch nicht überzeugen. Gemeinsam mit dem Gerontologen Waleri Nowoselow durchforschte er über Monate hinweg Biographien von Jeanne Calment, Interviews und Fotos, Zeitzeugenberichte sowie die öffentlich zugänglichen Behördendaten ihrer südfranzösischen Heimatstadt Arles. Dabei kam er zu dem Schluss, dass es sich bei der 1997 Verstorbenen unmöglich um Jeanne handeln könne.
In einem Artikel von afp wird widersprochen:
Der Bericht der beiden Wissenschafter stösst bei Kollegen auf unterschiedliche Reaktionen. Der französische Gerontologe Jean-Marie Robine, der an den Überprüfungen für das «Guinness-Buch der Rekorde» beteiligt war, sagt, er habe niemals an der Authentizität von Calments Dokumenten gezweifelt. Er wirft den russischen Forschern vor, keine Fakten berücksichtigt zu haben, die für das lange Leben Calments sprächen.
Der frühere Bürgermeister von Arles, Michel Vauzelle, hält Saks Theorie für «komplett unmöglich und lächerlich». Jeanne Calment sei über Jahre von vielen Ärzten betreut worden. Dagegen begrüsst der Leiter des französischen Instituts für demografische Studien, Nicolas Brouard, Saks Forschungen. Diese seien ein weiteres Argument, die sterblichen Überreste von Jeanne und Yvonne Calment zu exhumieren und ihre DNA zu untersuchen, sagt er. Schon kurz nach Calments Tod bedauerten Wissenschafter, dass keine Autopsie vorgenommen worden war, um nach den Ursachen für ihre Langlebigkeit zu forschen.