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Am 20. Juni haben wir den Weltflüchtlingstag gefeiert. Da aufgrund der pandemiebedingten Einschränkungen vorerst keine öffentlichen Veranstaltungen geplant werden konnten, wurde anlässlich dieses Datums ein kleiner Empfang in unserem Bürogebäude organisiert, an dem einige Personen vom UNHCR, der Flüchtlingshilfsorganisation der Vereinten Nationen, der Schweizerischen Eidgenossenschaft, dem Kanton Genf und der Stadt Genf teilnahmen.
Die eindrucksvollste Rede bei der Zeremonie hielt jedoch Aya Abdullah, ein irakischer Flüchtling, die jetzt in der Schweiz lebt, und die mit Kraft und Emotion zum Weltflüchtlingstag sprach. Der Weltflüchtlingstag ist eine Gelegenheit, die Unverwüstlichkeit und den Mut von Menschen wie Aya zu feiern, die zur Flucht gezwungen wurden. Wir haben ihre Rede zum Weltflüchtlingstag ausgenutzt, um ihr ein paar Fragen über ihre Erfahrungen als Flüchtling in der Schweiz und ihr Studium an der Webster University in Genf zu stellen.
Erzählen Sie uns ein wenig über sich:
Mein Name ist Aya, ich komme ursprünglich aus dem Irak und bin 26 Jahre alt. Ich bin ein Flüchtling, und ich bin stolz darauf, ein Flüchtling zu sein. Es war nicht immer leicht, das zu sagen, aber alles, was mir geschehen ist, hat mich zu der Person gemacht, die ich heute bin. Ich bin Vollzeitstudentin, arbeite an der Universität, an der ich studiere, und bin Präsidentin der humanitären Organisation der Webster University. Ich bin auch eine ehemalige Jugenddelegierte für UNHCR, und wie die Leute mich oft nennen, sehe ich mich als "Flüchtlingsbotschafterin". Ich fühle mich geehrt, so genannt zu werden, aber damit ist auch eine Verantwortung verbunden. Es gibt mir die Chance und die Stimme, für über 82 Millionen Menschen zu sprechen.
Warum ist es wichtig, den Weltflüchtlingstag zu feiern?
Meiner Meinung nach ist es keine Feier wie andere Feiern, an die wir denken können. Wir feiern nicht die Flüchtlinge selbst, sondern ihr Durchhaltevermögen und ihren Mut. Wir feiern Menschen, die unter wirklich schwierigen Umständen zu überleben versuchten oder versuchen und hoffen, ein neues Leben beginnen zu können. Wir feiern Menschen, die die Hoffnung nicht verloren haben und sich entschieden haben zu fliehen, um sich ein besseres Leben aufzubauen oder einfach eine Zukunft zu haben. Es ist also eine Feier des Überlebens, der Hoffnung, des Durchhaltevermögens und des Mutes von Flüchtlingen. Es ist wirklich wichtig, dass wir uns an diesen Tag erinnern, weil er sicherstellt, dass wir Flüchtlinge und Vertriebene auf der ganzen Welt nicht vergessen, und damit sie wissen, dass wir sie nicht vergessen haben und wissen, dass ihre Stärke gefeiert wird.
Sie werden bald Ihren Abschluss machen. Was bedeutet das für Sie?
Bildung hat in meinem Leben eine zentrale Rolle gespielt hat. Ich musste die Schule für ein paar Jahre verlassen, um zu arbeiten und meine Familie zu unterstützen, aber ich habe nie daran geglaubt, dass ich nicht weiter studieren würde. Tief im Inneren war ich mir einer Sache völlig sicher: "Ich werde fertig werden, ich muss fertig werden, ich muss mit meiner Ausbildung weitermachen, weil sie mein Leben und meine Zukunft verändern wird." Wenn Bildung für jeden Menschen wichtig ist, dann ist sie für Flüchtlinge eine Million Mal wichtiger, denn ihr Leben wird per Definition nicht "normal" sein. Sie werden immer wieder schwierige Zeiten durchleben, und wenn sie keinen Zugang zu einer Bildung haben, die sie dann als Vorteil in diesem Leben nutzen können, dann wird es wirklich schwer für sie sein. Wenn wir unsere Augen nicht vor dieser Generation verschliessen und dafür sorgen, dass jede und jeder von den gleichen Rechten in Bezug auf Bildungszugang profitiert, werden wir eine wunderbare Generation von Vorbildern der Flüchtlingsgemeinschaft sehen, die sich dessen bewusst sind, was um sie herum geschieht, und die helfen werden, Konflikte in der Zukunft zu verhindern, weil sie besser als jede andere Person wissen, was Konflikte an Nebenwirkungen mit sich bringen. Ich glaube also wirklich, dass Bildung das gesamte Leben einer ganzen Gemeinschaft verändern kann, zumal wir wissen, dass die Hälfte aller vertriebenen Menschen auf der Welt Kinder oder Jugendliche unter 18 Jahren sind. Wir wollen wirklich sicherstellen, dass sie Bücher in den Händen halten und nicht missbraucht und in eine Richtung gelenkt werden, die sie dazu bringen würde, andere zu schädigen. Für die gesamte Flüchtlingsgemeinschaft ist Bildung eine Waffe, eine friedliche Waffe, die eine zutiefst transformative Kraft hat.
Haben Sie eine besondere Erinnerung an die Schweiz? An ihrer Erfahrung hier?
Nachdem ich 2009 aus dem Irak, 2011 aus Syrien und 2017 aus der Türkei geflohen bin, kam ich am 29. August 2017 in der Schweiz an - an diesen Tag erinnere ich mich sehr gut. Bevor ich in Genf landete, konnte ich die Alpen sehen und musste mir sagen: "Aya, bitte, bitte lass dies kein Traum sein", und meine Geschwister fragten, ob dies die Wirklichkeit sei, ob wir tatsächlich hier seien und wirklich bald mit unserem Vater wiedervereint sein würden. Als wir wieder vereint waren, war ich überglücklich, und ich wusste, dass die Schweiz das letzte Ziel unserer Reise zur Sicherheit sein würde. Ich wusste, dass ich nicht mehr fliehen musste, endlich waren wir in Sicherheit. Ich war so glücklich, dass ich wieder anfangen konnte zu leben, und wäre am nächsten Tag fast zur Universität gegangen, um zu sehen, wie ich mich einschreiben kann!
Aber in Wirklichkeit war es nicht so einfach. Ich war aufgeregt, aber es herrschte auch eine grosse Unsicherheit. Was würde die Zukunft für mich bereithalten? Wenigstens wusste ich, dass ich eine Unterkunft hatte, dass meine Menschenrechte hier respektiert wurden und dass ich zum Beispiel, wenn mir etwas passierte, in ein Krankenhaus gehen konnte. Die Schweiz ist so schön, wie wir sie in den Werbeanzeigen sehen, und wie die Bilder, die jeder im Kopf hat, wenn er an das Land denkt. Aber diese Anzeigen sind für den Tourismus gemacht, und wenn man als Flüchtling ankommt, ist die Erfahrung eine andere.
Als ich anfing, Menschen hier zu treffen, sah ich, dass in der Schweiz immer noch ein weit verbreitetes negatives Bild von Flüchtlingen herrscht, das hauptsächlich aus falschen Vorstellungen besteht. Viele Leute sagen, dass Flüchtlinge faul sind und nicht arbeiten wollen. Das ist aber falsch. Erstens ist es gesetzlich schwierig zu arbeiten, wenn man einen Flüchtlingsausweis hat. Zweitens schauen die Arbeitgeber nicht darüber hinweg: egal, wie qualifiziert und motiviert man ist. Mein Status hindert mich daran, einen einfachen Zugang zur Arbeitswelt zu haben, es ist also nicht so einfach, wie die Leute denken.
Bei der Hochschulausbildung ist es das Gleiche. Es ist sehr schwer, Zugang zu bekommen, und es werden viele Dokumente verlangt, die manchmal fast unmöglich aufzutreiben sind, weil man alles hinter sich gelassen hat, als man zur Flucht gezwungen wurde. Ich hoffe wirklich, dass die Schweiz weiterhin Flüchtlinge in ihre Gesellschaft integriert. Als Flüchtlinge wollen wir die Schweiz dafür, dass sie uns Sicherheit und Schutz gegeben hat, rekompensieren, aber dafür brauchen wir auch die Schweizer Bevölkerung auf unserer Seite. Das geht über die Schweiz hinaus, ich hoffe wirklich, dass überall auf der Welt Flüchtlingen die Chance gegeben wird, nicht nur Opfer zu sein, sondern Vorbilder? zu werden und durch Bildung gestärkt zu werden.
Ein letztes Wort?
Meine Botschaft an die Menschen ist, dass sie versuchen sollten, mit einem Flüchtling zu sprechen, anstatt auf falsche und negative Darstellungen über sie zu hören. Sprechen Sie mit einem Flüchtling, bevor Sie über die gesamte Flüchtlingsgemeinschaft urteilen, versuchen Sie zu verstehen, was sie durchgemacht haben, bevor Sie in Vorurteile verfallen. Eine einfache Interaktion könnte Ihre gesamte Sichtweise verändern.