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«Angst essen Seele auf» nannte Filmemacher Rainer Werner Fassbinder 1974 einen seiner wichtigsten Filme über soziale Diskriminierung. Dass Armut, Ungleichheit und Ausgrenzung den Menschen anfällig machen für psychische Erkrankungen, ist nicht neu. Posttraumatische Belastungsstörung oder Burnout-Syndrom sind heute gesellschaftlich anerkannte Krankheiten. Anlass zur Sorge gibt jedoch eine Zunahme der psychischen Störungen besonders in den armen Ländern der Erde – in denen es gleichzeitig nur wenig Hilfe gibt.
In einer Studie der Gesundheitsorganisation Medico International wird als Grund für die Zunahme ein immer engerer Zusammenhang zwischen struktureller und direkter Gewalt genannt. Wegen der «neoliberalisierten Globalisierung» werde kriegerische Gewalt alltäglicher. Das schaffe «auf der einen Seite extreme Einkommenskonzentrationen und auf der anderen Seite sich ausbreitende Strukturen sozialer Apartheid». Diese Realität, die durch soziale und sexuelle Gewalt, Ungleichheit, rapide soziale Umbrüche und Entsolidarisierung geprägt ist, erleben viele als privates Scheitern.
Hinzu kommt, dass – wenn überhaupt – häufig falsch geholfen wird. Gerade in Entwicklungsländern ist das Therapieangebot oft von westlichen statt von lokalen Erklärungsansätzen geprägt und von den Interessen der Psychopharmaka-Industrie dominiert. So hat in den letzten Jahren in Indien und Pakistan der Verkauf von Antidepressiva an die Armen und Marginalisierten massiv zugenommen.