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Geschichte der Spitalhygiene am Inselspital Bern
Bis Mitte der 70er Jahre fehlte am Inselspital eine eigentliche Ansprechperson für spitalhygienische Fragen, so dass jeder Chefarzt grundsätzlich für die Hygiene in seinem Klinikbereich selbst zuständig war.
So herrschte die Situation vor, dass beispielsweise am Inselspital praktisch alle auf dem Markt existierenden Desinfektionsmittel im Gebrauch waren und mangels klarer Desinfektionsrichtlinien, ob notwendig oder nicht, praktisch überall eingesetzt wurden.
Eher skurrile Massnahmen wie der Einsatz von sog. Seuchenteppichen auf allen Abteilungen, das Sammeln des Abwassers aus dem Infektionsbereich der Medizinischen Klinik in einem Reservoir im Keller, wo mit grossem Energieaufwand tausende Liter Abwasser auf 100 Grad erhitzt und anschliessend ins Abwasser gegeben wurden und das einmal im Monat durchgeführte Vergasen der Intensivpflegeabteilung mittels Formaldehydgas waren die Regel. Ob damit die Situation des sog. Hospitalismus positiv oder negativ beeinflusst wurde, war ein Buch mit sieben Siegeln.
Zwar bildete sich am Inselspital eine Hygieneinteressengruppe unter der Leitung des damaligen Chefapothekers, Dr. Theodor Hörler (1947-1976) mit dem Auftrag, wenigstens bei der täglichen Desinfektion eine unité de doctrine zu schaffen. Der Erfolg war nicht allzu gross, so dass sich die Direktion des Inselspitals, aufgeschreckt durch Forderungen des Europarates, genötigt sah, zu handeln und für das ganze Spital gültige Regeln aufzustellen und durchzusetzen.
Hierzu wurde eine Hygienekommission geschaffen, die den Auftrag erhielt, wissenschaftlich fundierte Weisungen zu erstellen und das Sortiment an Desinfektionsmitteln zu begrenzen. Um die notwendige Akzeptanz bei den Klinikdirektoren zu erreichen, war klar, dass diese Kommission von den Inselbehörden (Verwaltungsrat) eingesetzt werden musste und dass vor allem die Ärzteschaft kompetent und gut darin vertreten sein musste.
Am 2. Dezember 1976 konnte der Verwaltungsrat das vom Ärztekollegium vorbesprochene, von Herrn Prof. Dr. D. Jachertz, Direktor des Institus für Hygiene und Mikrobiologie (heute IFIK) befürwortete Hygienereglement verabschieden. Die in diesem Reglement statuierte Hygienekommission war ein selbständiges, beratendes Organ.
Sie führte die Oberaufsicht über das Hygiene- und Desinfektionswesen, ordnete Massnahmen an zur Bekämpfung von übertragbaren Infektionskrankheiten, führte gezielte Kontrollen durch und erliess Weisungen und Richtlinien.
Zu dieser Zeit wurde die Stelle des Chefapothekers durch Dr. Hans-Rudolf Widmer (1976 - 2008), der sich während 5 Jahren im Hygieneinstitut in Mikrobiologie hatte ausbilden lassen, neu besetzt. Da damals von Seiten der Ärzteschaft noch wenig Interesse für vertiefte Belange der Hygiene bestand, sah man es als ideale Lösung, Herrn Widmer neben der Funktion als Chefapotheker auch noch mit den Aufgaben eines Spitalhygienikers zu betrauen und ihn als künftigen Präsidenten der Hygienekommission zu bestimmen.
Über die Tätigkeit der Kommission schrieb Direktor Leu in seinem Buch „Geschichte des Universitätsspitals Bern 1954 – 2004“ zusammenfassend: Die Kommission hatte vorzügliche Arbeit geleistet. Unsicherheiten wurden durch klare Weisungen und Anordnungen ersetzt. Neuerungen wurden sorgfältig geprüft, ihre Anwendungen und Wirkungen genau erklärt und darüber breit informiert. Der Erfolg hing natürlich vom Verhalten der Mitarbeiterinnen ab. Ihre grösste Prüfung - Massnahmen gegen die Verbreitung von Aids - hat die Kommission sehr gut bestanden.
Mit Freuden nahm dabei die Direktion zur Kenntnis, dass durch die Aktivität der Kommission nicht etwa wie befürchtet nur Mehrkosten, sondern auch Ersparnisse entstanden, wurde doch nur noch gezielt dort wo notwendig und sinnvoll desinfiziert, die Desinfektion der Siphons aufgegeben und auf die Verwendung von Seuchenteppichen gänzlich verzichtet. Durch gezielte Schulung durch ausgebildete Hygienefachschwestern wurde dem Personal klar gemacht, dass die Empfehlungen von Ignaz Semmelweis, vor Tätigkeit am Patienten eine Händedesinfektion durchzuführen, immer noch ihre Gültigkeit hat und auch heute noch das A und O der Hygiene ist