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Wussten Sie, dass die brasilianische Fauna die artenreichste der Welt ist?
Laut ICMBio, dem Institut für die Registrierung der Fauna weltweit, hat Brasilien die größte Artenvielfalt an Tieren auf unserem Planeten. Es gibt mehr als 120.000 Arten von Wirbellosen und etwa 8.930 Wirbeltierarten.
Doch leider steht diese Artenvielfalt auch an der Spitze der Aussterbelisten: In der letzten Liste bedrohter Tierarten, die 2014 veröffentlicht wurde, waren das 1.173 gefährdete Arten! Im vorliegenden Beitrag erfahren Sie wichtige und kuriose Fakten über die typischen Tiere Brasiliens, denn nur wenn wir etwas über sie lernen und unser Wissen mit neuen Generationen teilen, können wir dieses Szenario ändern.
Der rosafarbene Amazonasdelfin (Inia geoffrensis)
Dieser Flussdelfin, in Brasilien als “Boto Cor de Rosa” bekannt, ist ein im Amazonasstrom und seinen Zuflüssen lebendes Säugetier. Er ist mit Walen und Delfinen eng verwandt: Im Unterschied zu diesen Meeressäugern lebt er allerdings nur im Süßwasser und kommt in Brasilien, Bolivien, Venezuela, Kolumbien, Ecuador und Peru vor. Seine Farbe verändert sich mit dem Alter: Jungtiere sind silbergrau, ältere Amazonasdelfine werden rosa. Außerdem ist die Färbung der männlichen Exemplare lebhafter als die der Weibchen.
Unter den Flussdelfinarten ist der Amazonasdelfin der größte: Ein männliches Exemplar kann 2,5 Meter lang werden und bis zu 160 kg wiegen. Trotzdem ist sein Körper sehr beweglich, denn seine Halswirbel sind nicht verwachsen, was ihn besonders beweglich macht.
Die Art wird in der “Roten Liste” als stark gefährdet geführt. Es gibt keine genauen Schätzungen zu Populationszahlen, es wird aber von einem Rückgang der Zahlen ausgegangen, denn er ist vielfältigen Bedrohungen ausgesetzt: Gelegentlich verfängt er sich in Fischernetzen oder gerät durch seine Neugier in Schiffspropeller.
Er wird regional von Fischern getötet, die in ihm einen Konkurrenten beim Fischfang sehen. Auch durch Staudämme, welche die Populationen voneinander isolieren und Lebensraum drastisch verändern, und durch Flussverschmutzung, zum Beispiel durch Quecksilber der illegalen Goldschürfer, ist der Amazonasdelfin gefährdet.
Eine traurige Tatsache ist das gezielte Töten der Delfine durch Fischer, welche ihr Fleisch als Köder bei der lukrativen Jagd auf eine bestimmte Welsart, benutzen. Seit 2015 besteht in Brasilien ein Verbot, diesen Delfin zu töten, was allerdings die Fischer in Peru, Venezuela und Bolivien nicht kümmert, und trotz des Verbotes auch in Brasilien immer noch praktiziert wird.
Das Goldene Löwenäffchen (Leontopithecus rosalia)
Der Goldene Löwentamarin, wie das Tierchen auch genannt wird, ist eines der bekanntesten Tiere Brasiliens. Es lebt nur im brasilianischen Atlantischen Regenwald, in den Bundesstaaten Rio de Janeiro und Espírito Santo.
Das Äffchen wird in Brasilien auch “Saguipiranga” genannt, ein Name, der vom indigenen Volk der Tupi stammt und “rotes Äffchen” bedeutet. Da es sich um ein vom Aussterben bedrohtes Tier handelt, ist es fast ausschließlich in Reservaten zu entdecken, die den Schutz und die Verbreitung der Art zum Ziel haben.
Man kann das possierliche Äffchen sofort an seinem orangefarbenen Fell und der Mähne erkennen, die länger ist als der Rest des Körpers. Löwenäffchen sind tagaktiv und ernähren sich von kleinen Insekten, Früchten, Vogeleiern, Raupen und Nektar, weshalb sie als Allesfresser gelten. Während der Nacht schlafen sie in Löchern von Baumstämmen, aber immer an wechselnden Orten. Die Tiere halten sich bevorzugt mehr als zehn Meter über dem Boden auf.
Innerhalb der Gruppen-Hierarchie ist das ranghöchste Weibchen die Anführerin, und nur sie pflanzt sich fort. Nach einer etwa viermonatigen Tragzeit bringt sie meist Zwillinge zur Welt. Der Vater und die übrigen Gruppenmitglieder beteiligen sich intensiv an der Jungenaufzucht, sie tragen sie herum, beschäftigen sich mit ihnen und übergeben sie der Mutter nur zum Säugen. Ab der fünften Lebenswoche werden die Jungtiere zunehmend selbstständiger, mit vier Monaten werden sie entwöhnt.
Zu den natürlichen Feinden der Löwenäffchen zählen Schlangen und Greifvögel. Die Hauptgefährdung liegt jedoch in der Zerstörung ihres Lebensraums. Die Regenwälder Südostbrasiliens sind stärker als andere von der Abholzung betroffen, es existiert nur mehr ein Bruchteil der Wälder in dieser Region. Dazu kommt, dass die Tiere oft illegal eingefangen und als Heimtiere am Schwarzmarkt verkauft werden.
Der blaue Hyazinth-Ara (Anodorhynchus hyacinthinus)
Der Hyazinth-Ara ist eine Vogelart aus der gleichen Familie wie die Papageien und Sittiche. Der Begriff Blau bezieht sich auf die auffällige Färbung des gesamten Körpers dieser Art, die in Bolivien, Paraguay und im Amazonas-Regenwald vorkommt, und auch im brasilianischen “Cerrado” und in den Feuchtgebieten des “Pantanal” zu finden ist.
Hyazintharas sind die größten Papageien ihrer Familie: Sie können, von der Schwanzspitze bis zum Schnabel etwa 1,20 Meter lang werden. Sie zeichnen sich durch einen starken, gebogenen Schnabel aus, der auf das Aufbrechen von harten Samenkernen spezialisiert ist.
Schwärme von Hyazintharas können aus 10 bis 30 Exemplaren bestehen. Zur Brutsaison, von Juli bis September, ziehen sich die Paare vom Familienverband zurück. Hyazinth-Aras leben monogam und bleiben ein Leben lang zusammen. Baumhöhlen sind ihre bevorzugten Brutstätten.
Das Weibchen legt 2 bis 3 Eier in das Nest, das während der gesamten Brutzeit auch vom Weibchen bewacht wird, während das Männchen sich um die Futtersuche kümmert. Die Brutzeit beträgt etwa 24 Tage, die Aufzucht der Jungvögel etwa 90 Tage. Anfangs sind die jungen Hyazinth-Aras nackt und blind. Die Jungtiere erreichen die Geschlechtsreife mit 3 Jahren.
Der Hyazinth-Ara wird derzeit als gefährdet eingestuft, was bedeutet, dass diese Art noch nicht ausgestorben ist, aber ein hohes Risiko des Aussterbens besteht. Dies ist auf die Zerstörung ihres Lebensraums und auf den Tierhandel zurückzuführen. Nach Angaben des “Instituto Arara Azul” wurden bis in die 1980er Jahre mehr als 10.000 Hyazinth-Aras der Natur entnommen und illegal verkauft.
Der Jaguar (Panthera onca)
Er ist die einzige auf dem amerikanischen Doppelkontinent vorkommende Großkatzenart, zu der auch Löwe, Tiger und Leopard gehören. Von Texas bis hinunter zur Südspitze von Südamerika war er einst heimisch, ist aber in den südlichen USA und einigen Ländern Mittel- und Südamerikas inzwischen ausgerottet. In Brasilien kommt der Jaguar in Wäldern und offenen Buschsavannen vor, im Amazonasgebiet und im Atlantischen Regenwald, im Pantanal und im halbtrockenen “Cerrado”. Nach dem Tiger und dem Löwen ist der Jaguar die drittgrößte Raubkatze der Welt.
Wegen seines gefleckten Fells könnte man ihn vielleicht mit dem Leoparden verwechseln, aber der Jaguar hat einen massiveren Körperbau, ist wesentlich schwerer und wirkt in seiner Erscheinung überaus kraftvoll. Die Fellgrundfarbe ist ein kräftiges Goldgelb, das manchmal ins Rötliche übergeht.
Jaguare, die im Regenwald leben, sind grundsätzlich dunkler gefärbt als Individuen in Savannengebieten. Die rosettenartigen schwarzen Flecken auf dem Fell variieren in Größe und Form bei jedem Jaguar, sodass man die einzelnen Exemplare anhand dieser Besonderheit – wie beim Fingerabdruck des Menschen – identifizieren kann.
“Melanismus” ist, wie bei Tiger und Leopard, eine häufige Erscheinung. Bei diesen “Schwärzlingen” ist jedoch das Fleckenmuster noch zu erkennen. Die Schwärzlinge werden oft auch als “schwarze Panther” bezeichnet. Sind die Elterntiere schwarz und normal gefärbt, kann der Wurf sowohl ein normalfarbiges als auch ein schwarzes Jungtier oder auch nur normalfarbige Junge haben.
Die Beutetiere des Jaguars sind sehr vielfältig. Die häufigsten sind größere Säugetiere, wie Hirsche, Tapire, Capybaras, Pakas, Gürteltiere und Agutis. Baumtiere wie Affen oder Faultiere und Vögel fallen der Katze seltener zum Opfer. In Gewässernähe erbeuten Jaguare Wasservögel, Fische und Kaimane. Bevorzugtes Beutetier ist jedoch das Pekari (Wildschwein) und das Capybara (Wasserschwein). Letztendlich frisst er nahezu alles, was er überwältigen kann.
Die Paarungszeit des Jaguars ist auf keine bestimmte Jahreszeit beschränkt. Die Tragzeit beträgt in etwa 100 Tage und entspricht im Durchschnitt der anderer Großkatzen. Ein Wurf hat eines bis vier Jungtiere, meist jedoch zwei. Die Jungen werden hilflos und blind und mit weichem, bereits deutlich geflecktem Fell geboren, ihr Gesicht weist schwarze Streifen auf. Die Augen öffnen sie nach etwa 13 Tagen. Die Aufzucht der Jungen übernimmt vor allem die Mutter, gelegentlich auch der Vater.
Die Gesamtpopulation der Jaguare liegt nach Schätzungen heute zwischen 15.000 und 25.000 Exemplaren, wobei sich die größte Populationsdichte auf das Amazonasbecken und vor allem auf das südlich davon gelegene Pantanal beschränkt. An der Spitze der Nahrungskette hat diese Großkatze keine Feinde – außer dem Menschen. Er wird auf der «Roten Liste» der gefährdeten Arten geführt, weil er durch den von Menschen verursachten Raubbau an der Natur zunehmend mehr von seinem natürlichen Habitat einbüßt.
Die Große Anakonda (Eunectes murinus)
Eine der größten Schlangenarten der Welt kommt im Amazonasgebiet ziemlich häufig vor,
allerdings auch in anderen überschwemmten oder sumpfigen Regionen des tropischen Südamerikas, sie ist eng an Wasser gebunden und bewohnt größere Gewässer aller Art.
Die Grundfärbung dieser Riesenschlange variiert zwischen braun und olivgrün. Auf dem Rücken zeigt sie ovale bis runde schwarze Flecken, die ein helleres Zentrum haben können.
Was ihre Größe und Gewicht betrifft, so gibt es kaum gesicherte Angaben, das längste offiziell gemessene Exemplar war 9,5 Meter lang und wog um die 200 kg – die weiblichen Tiere sind in diesem Fall größer und schwerer als die männlichen.
Die Anakonda lauert ihrer Beute auf, indem sie bewegungslos im Wasser wartet, bis ein Beutetier in erreichbare Nähe kommt. Wie alle Riesenschlangen verbeißt sich die Anakonda dann in die Beute, umschlingt sie und bringt so deren Atmung und Blutkreislauf zum Erliegen, was schnell zum Tod führt. Anschließend wird die Beute mit dem Kopf voran verschlungen.
Als Beute der Großen Anakonda kommen alle kleinen bis mittelgroßen Wirbeltiere, also Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere, infrage.
Die Große Anakonda ist “ovovivipar”, das bedeutet, dass ihre Jungen nach einer Tragzeit von sechs bis acht Monaten lebend geboren werden. Ausgewachsene Anakondas können einen Wurf zwischen 30 und 40 Jungtieren zur Welt bringen – die sind 70 bis 90 cm lang und wiegen etwa 150 bis 400 g.
Angaben zur Gefährdung sind zurzeit nicht verfügbar, die Art wird auch von der IUCN nicht gelistet. Angesichts des großen Verbreitungsgebietes dürfte die Art jedoch ungefährdet sein.
Das Capybara (oder Capivara) (Hydrochoerus hydrochaeris)
Das “Wasserschwein”, wie es frühere deutsche Entdecker einst genannt haben, ist das größte Nagetier unseres Planeten – es hat mit einem Schwein allerdings nichts gemeinsam, sondern ist verwandt mit dem Meerschweinchen. Inzwischen hat sich die aus dem spanischen Sprachgebrauch stammende Bezeichnung “Capybara” (brasilianisch “Capivara”) allgemein durchgesetzt.
Die Tiere erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 100 bis 134 Zentimetern sowie eine Schulterhöhe von 50 bis 62 Zentimetern, wobei die Weibchen etwas größer werden als die Männchen. Ihr Gewicht kann mehr als 75 Kilogramm erreichen.
Das Capybara (oder Capivara) ist eine in Südamerika weit verbreitete Art, die in allen Ländern des Subkontinents, außer Chile, vorkommt. Diese Tiere besiedeln typische Lebensräume entlang von Flüssen, Seen, Dämmen und Feuchtgebieten. Sie sind auch in Galeriewäldern und periodisch überfluteten Gebieten häufig anzutreffen. Capybaras sind anpassungsfähige Tiere, die auch in zahlreichen, vom Menschen stark veränderten Umgebungen vorkommen, vor allem auf Weiden und Zuckerrohrfeldern. Es ist möglich, dass die Abholzung von Wäldern zur Schaffung von Weideland die Ausbreitung des Capivara-Vorkommens an einigen Orten sogar begünstigt hat.
Capybaras sind soziale Tiere, die in Herden leben, welche im Durchschnitt zwischen 10 und 30 Individuen umfassen. Einige Studien haben von Gruppen mit bis zu 100 Individuen berichtet. Diese bestehen sowohl aus männlichen wie aus weiblichen Tieren, wobei sie eine strenge Hierarchie mit einem einzigen dominanten Männchen bilden. Als Pflanzenfresser ernähren sie sich fast ausschließlich von der lokalen Vegetation, meist von Gras und Wasserpflanzen – an einem Tag können sie über 2 kg frisches Grün verzehren.
Capybaras halten sich vorwiegend im Wasser auf. Schwimmhäute zwischen ihren Zehen helfen ihnen dabei, sich dort schnell zu bewegen. Ohren, Augen und Nase verlaufen in einer Linie im oberen Kopfbereich, so können sie fast mit dem gesamten Kopf unterhalb der Wasseroberfläche schwimmen und sind deswegen für etwaige Fressfeinde kaum auszumachen.
Capybaras werden zum Beispiel in Argentinien wegen ihrer Haut und ihres Fleisches gejagt. Ein Grund für die Bejagung ist auch die Schäden, welche die Tiere der Landwirtschaft zufügen. Auf Plantagen können sie beträchtliche Verwüstungen anrichten, mancherorts gelten sie sogar als Plage. Insgesamt sind sie häufig und weit verbreitet, sodass sie nicht zu den bedrohten Arten zählen.
Der Riesenotter (Pteronura brasiliensis)
In Brasilien kennt man ihn als “Ariranha” – im Gegensatz zum entfernt verwandten europäischen Fischotter ist der Riesenotter tagaktiv und gesellig. Er ist entlang der südamerikanischen Flüsse in Trupps von fünf bis acht Individuen anzutreffen. Im Wasser jagt er nach Fischen, frisst aber auch Wasservögel, Mäuse und Vogeleier. Die Jagd wird durch die Gruppe organisiert, das heißt, die Mitglieder einer Ottergruppe treiben sich die Fische gegenseitig zu.
Der Riesenotter ist mit einer Länge von zwei Metern (davon 70 cm Schwanz) und einem Gewicht über 20 Kilogramm der mit Abstand größte im Süßwasser lebende Otter. In Brasilien findet man ihn vor allem im Amazonasgebiet und im Pantanal, in Flüssen mit mäßiger Strömung, in Bächen und Seen und anderen Ufer, in die er seine Wohnhöhlen gräbt.
Ein Wurf umfasst ein bis fünf Junge. Die große Zahl der Feinde junger Otter (z. B. Kaiman, Jaguar und Greifvögel) macht zwei Geburten pro Jahr notwendig. Nach zehn Monaten haben die Jungen die Größe der Elterntiere erreicht und sind im Alter von zwei Jahren geschlechtsreif. Die Lebenserwartung der Riesenotter beträgt etwa zehn Jahre.
Der Riesenotter wird von der “International Union for Conservation of Nature and Natural Resources” (IUCN) als gefährdet eingestuft. Probleme wie die Abholzung von Wäldern, die Ausbreitung der Städte und andere wirtschaftliche Aktivitäten haben zum Rückgang der Art beigetragen. Illegale Goldsucher im Regenwald verunreinigen die Flüsse durch Quecksilber, welches sie zum Lösen des feinen Goldstaubs verwenden – beim Waschen und anschließendem Glühen zur Rückgewinnung reinen Goldes gelangt das Quecksilber in die Gewässer, und das ist eine der relevantesten Ursachen der Umweltverschmutzung.