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Gentiana lutea L.
Botanische Familie
Gentianaceae (Enziangewächse)
Vorkommen
Wie andere Enzianarten mag es auch der Gelbe Enzian bergig. Er ist in den Gebirgen Mittel- und Südeuropas anzutreffen und fühlt sich in höheren Lagen bis ca. 2500 m wohl. In Deutschland findet man größere Vorkommen des Gelben Enzians auf der Schwäbischen Alb, sowie Bestände auf dem Feldberg und in Teilen des Schwarzwalds. An sonnigen- halbschattigen, nicht zu warmen Standorten mit kalkhaltigen Böden wächst er besonders kräftig.
Da der Gelbe Enzian von Nutzvieh gemieden wird, vermehrt er sich gut auf Weideflächen mit entsprechenden Voraussetzungen. Dort kann er punktuell sogar zur Plage werden. Generell gilt der Bestand jedoch als gefährdet und der Gelbe Enzian steht aus diesem Grund unter Naturschutz.
Beschreibung
Groß und kräftig, mit leuchtenden, gelben Blüten – der Gelbe Enzian entspricht so gar nicht dem Bild, das man vor Augen hat, wenn man an „Enzian“ denkt.
Er entwickelt sich langsam; zunächst zeigt sich eine bodenständige Rosette und die ersten Jahre wächst er als krautige Pflanze. Erst nach 7-10 Jahren ist er kraftvoll genug, um einen Blütenstand auszubilden. An den aufrechten, runden Stengeln die eine Höhe von bis zu 1,5 m und häufig Fingerdicke erreichen, sitzen einfache bläulich-grüne, elliptisch geformte Blätter. Die 15-30 cm langen Blätter sind rhythmisch- kreuzgegenständig angeordnet, von 5-7 kräftigen Nervenbahnen durchzogen und zeigen gerade im oberen Drittel eine schalenartige Wölbung mit einer Öffnung Richtung Himmel. Hier im oberen Drittel befinden sich die Blütenstände des Gelben Enzians, die sich aus mehreren gelben Einzelblüten zusammensetzen und in den Blattachseln stehen. Die Kronblätter sind nicht wie bei anderen Enzianarten glockenförmig verwachsen, sondern zerteilt und so wirken die Einzelblüten wie 5-6 strahlige Sterne. Je nach Standort blüht der Gelbe Enzian zwischen Juni und August.
Tief im Boden verankert ist ein gewaltiger, mehrköpfiger Wurzelstock, der ein Gewicht von mehreren Kilogramm und einen unterarmdicken Durchmesser erreichen kann.
An einem geeigneten Standort kann der Gelbe Enzian ein beeindruckendes Alter von 60 Jahren erlangen.
Verwechslungsgefahr
Im blütenlosen Zustand besteht eine Verwechslungsgefahr des Gelben Enzians mit dem hochgiftigen, alkaloidhaltigen Weißen Germer (Veratrum album). Auf den ersten Blick haben sie ein ähnliches Erscheinungsbild und fühlen sich auch an ähnlichem Standort wohl, anhand der Anordnung der Blätter lassen sie sich jedoch unterscheiden: während die Blätter beim Gelben Enzian stockwerkartig, gegenständig angeordnet sind, zeigt der Weiße Germer eine wechselständige, spiralige Anordnung der Blätter.
Verwendete Pflanzenteile
Verwendet wird die Wurzel des Gelben Enzians. Nach dem Europäischem Arzneibuch werden die getrockneten, zerkleinerten, unterirdischen Organe von Gentiana lutea L. verwendet. Nach dem Homöopathischen Arzneibuch werden die frischen unterirdischen Teile von Gentiana lutea L. verwendet.
Inhaltsstoffe
Dominierend sind die Bitterstoffe: Secoiridoid- Bitterstoffe, vor allem Gentiopikrin; mengenmäßig deutlich geringer findet sich der Bitterstoff Amarogentin, der jedoch aufgrund seines extrem hohen Bitterwertes von 58.000.000 (d.h.,dass man die Substanz noch in einer Verdünnung von 1 zu 58 Millionen schmecken kann) wertbestimmend ist. Im Europäischen Arzneibuch wird für Gentianae radix ein Bitterwert von mindestens 10.000 gefordert. Neben Bitterstoffen sind verschiedene Zucker (neben Monosacchariden wie Glucose und Fructose auch Disaccharide wie Saccharose und bitterschmeckende Gentiobiose sowie das Trisaccharid Gentianose), fette Öle und in geringem Maße ätherisches Öl zu finden.
Wirkung
Enzianwurzel gilt als Amarum purum. Sie enthält zahlreiche Bitterstoffe, die die Sekretion von Mund- und Bauchspeichel, Magensaft und Galle anregen. Außerdem beschleunigen sie die Magenentleerung und Motilität des Dünndarms, indem sie die Peristaltik anregen. Sie hilft bei unterschiedlichen Verdauungsbeschwerden und wird z.B. gegen Appetitlosigkeit, bei Völlegefühl und Blähungen eingesetzt. Aufgrund ihrer tonisierenden Wirkung findet sie auch, häufig in Kombination mit anderen Wirkstoffen, bei Erschöpfungszuständen und Müdigkeit Verwendung.
Gelber Enzian in der Anthroposophischen Medizin
Als eine imposante Erscheinung, die schon aus der Ferne wahrgenommen wird, so präsentiert sich der Gelbe Enzian.Seine Gestalt bildet er über Jahre hinweg aus, durchlebt auch zeitlich Entwicklungsprozesse, die eine Verwandtschaft mit der menschlichen Biographie aufweisen.Er erreicht eine ähnliche Größe (ca. 1,5 Meter) und ein vergleichbares Alter (bis zu 60 Jahre) wie der Mensch. Die Blütenbildung setzt, anders als man es von den meisten Pflanzen kennt, erst mit 7-10 Jahren ein.Betrachtet man die ausgewachsene Pflanze näher, so erkennt man anhand von Form und Anordnung von Blättern und Blüten einen besonderen, empfangenden Gestus:Wie eine geöffnete Schale präsentieren sich die Blätter und zeigen ihre Bereitschaft kosmische Kräfte aufzunehmen und bis in die Wurzel weiterzugeben.
Antennengleich stehen die gelben Blütenbüschel in den Blattachseln und entbehren dabei Form und Aufbau anderer Gentiana-Arten. Es handelt sich bei der Blüte des Gelben Enzians gleichsam um eine für Enziane ganz untypische Blütenform und -farbe.
Besonders ist nun die Fähigkeit der Enzian-Pflanze die kosmischen Kräfte wahrzunehmen, aufzunehmen, weiterzuleiten und zu verwandeln. Die Entstehung von Bitterstoffen und Zuckern in der Wurzel zeugt von dieser Fähigkeit, wobei aus therapeutischer Sicht die Bitterstoffe den Ätherleib [die Lebens-Organisation] geneigt machen, den Astralleib [die Empfindungs- oder Seelen-Organisation] aufzunehmen, der Zucker hingegen die Ich-Organisation anspricht. So werden Wahrnehmungsprozesse im Gesamtorganismus angeregt und unterstützt.
Im unteren Menschen kann die abbauende Kraft des Astralleibes sich verstärkt in der Verdauung und der Auseinandersetzung mit Fremdem einbringen. Das Wahrnehmen und die Verwandlung von aufgenommener Nahrung in ganz individualisierte eigene Körpersubstanz wird angeregt und die Verdauungsprozesse gesamthaft unterstützt; die Tätigkeit der Ich-Organisation im Substanzverwandlungs- und –Bildungsprozess.
Gelber Enzian bei Weleda
Für die Arzneimittelherstellung werden die Enzianwurzeln aus dem eigenen biologisch-dynamisch bewirtschafteten Garten bei Schwäbisch Gmünd ausgegraben und anschließend in der nahegelegenen Tinkturenherstellung weiterverarbeitet.