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Bis zum Jahre 1874 war die Bürgergemeinde Bonaduz – wie alle Gemeinden des Kantons – allein für die Belange des Gemeinwesens zuständig. Dies, obwohl eine erhebliche Anzahl der Einwohner Nichtbürger waren. Etliche der Zugezogenen erwarben mit der Zeit das Bonaduzer Bürgerrecht, obschon einige gesetzliche Bestimmungen eine rasche Einbürgerung erschwerten.
Über den Ortsnamen Bonaduz (rom. Panaduz) ist schon viel gerätselt worden. Auch gab es im Verlauf der Zeit verschiedene Schreibweisen: Beneduces, Peneduce, Penedutz, um 1375 Panadutz, dann Benedutz usw. bis hin zum heutigen Bonaduz. In einem Tauschvertrag aus dem Jahre 960 tritt Kaiser Otto I. dem Churer Bischof Hartbert die beiden Dörfer
Bonaduz und Rhäzüns ab: «ecclesia in castello beneduceset razunnes» (…) die Kirche im befestigten Bezirk von Bonaduz und Rhäzüns. Bei der erwähnten Kirche handelt es sich um die alte Talkirche St. Georg / Sogn Gieri mit ihren wunderbaren Wandmalereien, geschaffen durch den sog. Waltensburger Meister. 1958 / 60 wurde die Kirche mit grossem Aufwand restauriert. Dieses bedeutende Kulturgut ist heute im Besitz der “Römisch-kath.Kirchenstiftung Sogn Gieri*. Eine andere Deutung des Namensstützt sich auf “Panadisch“, einen Hügel nordöstlich des Dorfes. Im Jahre 1937 wurden von W. Burkart Ausgrabungen durchgeführt. Diese förderten zahlreiche Gräber und Reste von Siedlungsstätten zutage.
Die Funde stammen aus dem 1. Jh. vor und nach Christi Geburt und werden zeitlich der La-Tene-Epoche zugeordnet (Späte Eisenzeit). Vom Bot Panadisch aus vollzog sich die weitere Entwicklung des Dorfes. 1963 entdeckte man im Gebiet Valbeuna bei Bauarbeiten ein frühmittelalterliches Gräberfeld, dessen Funde aus dem 4. – 7. Jh. stammten und internationale Bedeutung erlangten. Ursprünglich bildeten Bonaduz und Rhäzüns sowohl kirchlich als auch politisch-wirtschaftlich eine Einheit, eine sog. Markgenossenschaft. Die kirchlichen Herrschaftsrechte gingen allmählich auf weltliche Herren über. Die Herren von Rhäzüns konnten ihren Besitz über ihr Stammgebiet hinaus ständig vergrössern. Nach dem Aussterben der Freiherren wechselten die Besitzer mehrmals. Am Wiener Kongress 1815 traten die Österreicher als letzte Besitzer die Herrschaft an den Kanton ab, wobei die Gemeinden sich loskaufen mussten. Der Übergang wurde erst am 19. Januar 1819 verwirklicht. Die ständigen Besitzerwechselveranlassten die Bonaduzer, sich aus dem alten Verband zu lösen.1529 erfolgte die Teilung der Weiden, drei Jahre später diejenige der Alpen. 1582 wurden die Waldungen aufgeteilt. Am 5. Februar 1667 wurde Bonaduz selbständige Pfarrei, was allerdings nicht ganz ohne Nebengeräusche vor sich ging und Anlass zu jahrzehntelangen Streitigkeiten gab.
Die politische Gemeinde existiert erst seit 1874. Bis dahin war die Bürgergemeinde allein zuständig für die Führung der Gemeinde, obwohl bereits eine erhebliche Anzahl der Einwohner Nichtbürger waren. Etliche der Zugezogenen erwarben mit der Zeit das Bonaduzer Bürgerrecht, obwohl gesetzliche Bestimmungen eine rasche Einbürgerung erschwerten. Einen Schub Neubürger, darunter auch einige Heimatlose, brachte die Zwangseinbürgerung von 1853. Ein neues Niederlassungsgesetz ermöglichte die Bildung der politischen Gemeinde, der dann die meisten öffentlichen Aufgaben übertragen wurden. Was das Eigentum an Boden anbelangt, bestand ursprünglich die markgenossenschaftliche Idee. Grosse Teile des Bodens wurden für die Allgemeinheit genutzt, so die Allmend, aber auch landwirtschaftlicher Boden, der als sog. „Löser“ zur Bewirtschaftung an die ortsansässigen Bürger abgetreten wurde. Genaueres regelten verschiedene Bestimmungen. Im Laufe der Zeit, vor allem nach dem immer grösser werdenden konjunkturellen Aufschwung, sank die Nachfrage nach Lösern. Am 30. Juni 1956 wurde einer Reorganisation des Löserwesens zugestimmt. So wurde Boden auch für Wohn- und Industriebauten abgegeben sowie für sportliche Zwecke zur Verfügung gestellt.
Bonaduz gehört mit den Gemeinden Rhäzüns und Domat/Ems zum Kreis Rhäzüns, welcher mit dem Kreis Trin den Bezirk Imboden bildet (rom. „il pleun“). Das Dorf liegt auf einer weiten Terrasse, einer Schotterebene, die durch eine gewaltige prähistorische Naturkatastrophe, den Flimser Bergsturz, entstanden ist. Nur gerade nördlich des Dorfes wird sie durch eine späteiszeitliche Wasserrinne des Vorderrheins unterbrochen. Aus dieser Ebene, dem sog. Rhäzünserboden, erheben sich zahlreiche kleine und mittlere Schuttkegel, die Sererhard als „lustige Hügel“ bezeichnet und bei uns „bot, genannt werden, z.B. Danisch, Ziavi, Tschavir, Dagatg, Panadisch.
Bonaduz grenzt – als einzige Bündner Gemeinde — an Vorder- und Hinterrhein. Der tiefste Punkt befindet sich am Zusammenfluss beider Rheine in der Isla bei Reichenau auf einer Meereshöhe von 592 m, der höchste auf der Alp sura, 1761 m ü. M. Die mittlere Höhenlage des Dorfes beträgt 662 m ü.M. Diese Lage war schon immer auch in verkehrspolitischer Hinsicht von grosser Bedeutung. 1822 wurde die Italienische Strasse nach Thusis (zum Splügen und San Bernardino) gebaut. 1881 entstand die rechtsrheinische Oberlandstrasse Bonaduz — Versam anstelle des Weges, der über Bonaduz – SiglAult (Bonaduzer Höhe) – Parstogn und über die Rabiusabrücke nach Versam führte. Die Eisenbahnlinie Chur – Bonaduz – Thusis wurde 1896 eröffnet. Auf die Lage des Dorfes weist auch das Wappenhin: die blaue Deichsel auf weissem Grund erinnert an die beiden Rheinarme, die sich in der Isla vereinigen. Zugleich weist sie hin auf die Weggabelung nach dem Splügen und San Bernardino sowie dem Lukmanier und Oberalp und charakterisiert so die Lage der Ortschaft an diesem Schlüsselpunkt des Verkehrs. Der sechsstrahlige rote Stern ist das Sinnbild der hl. Anna, die als zweite Patronin der Pfarrkirche hohe Verehrung geniesst, obwohl das Gotteshaus Maria, der Mutter Christi, geweihtist.
Die grosse Katastrophe
Samstag, der 11. Juli 1908, sollte als denkwürdiger, aber auch trauriger Tag in die Geschichte des Dorfes eingehen. Gegen 14.30 Uhr schreckten Fürio-Rufe und schrille Töne des Feuerhorns die Bonaduzer auf. In der Nähe des damaligen Usego-Ladens (heutige Kantonalbank), hinter einem Stall, spielten zwei fünfjährige Knaben mit Zündhölzern. Im Nu stand der Stall in Flammen,die auf ein Öl- und Spiritusmagazin übergriffen, so dass auch die Feuerwehr nichts mehr ausrichten konnte. Ein starker Nordostwind begünstigte das Ausbreiten des Feuers gegen das Zentrum des Dorfes. Die immer grösser werdende Hitze und der Mangel an Löschwasser liessen auch die aus den umliegenden Gemeinden herbeigeeilten Feuerwehren ohnmächtig zusehen, wie die meist eng aneinandergebauten Häuser und Ställe, zum Teil noch mit Schindeldächern versehen, ein Raub der Flammen wurden. Wie durch ein Wunder waren keine Todesopfer und Verletzte zu beklagen. Bis zum Abend glich Bonaduz einer Ruinenstadt. Innert weniger Stunden lag beinahe das ganze Dorf in Schutt und Asche. „199 Firste, 83 Häuser und ebenso viele Ställe und Schöpfe wurden zerstört”. 562 Einwohner, etwa 70% der Bevölkerung, waren obdachlos geworden und verloren all ihr Hab und Gut. Nur der im Osten gelegene Dorfteil Bavurtga, die Kirche, das neue Schulhaus und einige an der Peripherie gelegene Gebäude blieben vom Roten Hahn verschont. Grosszügige und schnelle Hilfe aus nah und fern ermöglichten einen raschen Wiederaufbau, der mit viel Weitblick erfolgte
Der Brand blieb den Bewohnern noch lange in der Erinnerung haften. Er hat, wie auch der Sprachenwechsel, in Bonaduz eindrückliche Spuren hinterlassen.