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Aktualisiert: 12. Nov. 2021
Die erste Reaktion bei den Begriffen "Hochsensibilität" und "Narzissmus" ist oftmals: "Das hat doch gar nichts miteinander zu tun." Ich hoffe daher, der nachfolgende Blog regt zum Nach- und Neudenken an
Narzissmus als ein Spektrum von einem ungesunden Echoismus über einen gesunden Narzissmus zu einem extremen Narzissmus zu verstehen,
die Verbindung beider Themen zu erkennen, also einerseits: wie fördert eine angeborene Hochsensibilität die Ausprägung eines extremen Narzissmus? und andererseits: Warum erwerben Kinder von Narzissten häufiger hochsensible Tendenzen? und
zu beleuchten, warum es eine grosse Anziehung zur Partnerschaft zwischen Hochsensiblen und Narzissten gibt.
Narzissmus-Spektrum
Zum Verständnis des narzisstischen Spektrums gefällt mir die Betrachtung von Craig Malkin, der den Narzissmus auf einem Kontinuum vom Echoismus, also dem vollständigen Fehlen des narzisstischen Gefühls, etwas Besonderes zu sein, über den gesunden Narzissmus bis hin zum extremen Narzissmus beschreibt.
Ein Echoist ist - entsprechend der griechischen Mythologie von Echo - der eigenen Stimme beraubt, und erwidert daher lediglich, was andere sagen. So macht ein Echoist seine Bedürfnisse und Entscheidungen von anderen abhängig. In der Pathologie entspräche dem Extrem dieses Typus die dependente Persönlichkeitsstörung.
Der gesunde Narzissmus entspricht somit einem mittleren Bereich zwischen Echoismus und Egoismus (extremen Narzissmus), was bedeutet, dass es eine adäquate Balance zwischen der Durchsetzung eigener Bedürfnisse und dem Nachgeben zugunsten Bedürfnissen anderer gibt, wobei die eigenen Bedürfnisse nie zum Schaden anderer durchgesetzt werden.
Beim extremen Narzissmus werden die eigenen Bedürfnisse über diejenigen anderer Personen gestellt, was häufig mit Selbstbewusstsein assoziiert wird. Jedoch stehen hinter dem extremen Narzissmus ebenso wie hinter dem Echoismus starke Minderwertigkeitsgefühle. Der gesunde Narzissmus hingegen beinhaltet ein selbstbewusstes Gefühl der eigenen Wertigkeit, ohne diese über jene anderer zu stellen.
Im Lebensverlauf bewegen sich alle Menschen auf diesem Spektrum immer wieder hin und her, so brauchen beispielsweise Babys das unbedingte Gefühl, dass ihre Bedürfnisse an erster Stelle stehen, benehmen sich somit tendenziell egoistisch und ihre Eltern werden im Wechselspiel vorübergehend eher echoistisch, da sie ihre eigenen Bedürfnisse z.B. nach Schlaf zurückstellen und ihren Lebensrhythmus jenem des Babys unterordnen. Ebenso gibt es gesunde Bewegungen auf diesem Spektrum in der Pubertät, wenn wir verliebt oder in Krisen sind.
Narzissmus-Test
Dieser Narzissmus-Test nach Craig Malkin hilft, den eigenen aktuellen Narzissmuswert auf obigem Spektrum zu erkunden. Hilfreich kann es auch sein, hierfür zusätzlich eine Fremdeinschätzung (vom Partner oder Freunden) vornehmen zu lassen.
Merkmale des extremen Narzissmus
Die hiesige Beschreibung geht von dem äussersten Spektrum des idealtypischen extremen Narzissmus aus, von dem selbstverständlich - je nach personenbezogener Ausprägung - in der Realität entsprechende Abstufungen vorhanden sind.
Hierfür orientiere ich mich an der einprägsamen, häufig genutzten Struktur entlang der 4 E, die ich mit eigenen Sichtweisen und Erfahrungen ergänze.
Egozentrik
Mit Egozentrik ist Selbstverliebtheit und das Selbstinteresse gemeint, was sich in einem unstillbaren Bedürfnis nach Bewunderung und einer ausgeprägten Anspruchshaltung (bis hin zur Manipulation anderer) ausdrückt. Wenn wir weiter unten zu den Ursachen des extremen Narzissmus kommen, ist diese Eigenschaft als Nachholen der in der Kindheit fehlenden authentischen emotionalen Zuwendung und mangelnden Bestätigung der individuellen Identität zu verstehen.
Empfindlichkeit
Extreme Narzissten sind auf der Hut vor jeder Art von Kritik oder Benachteiligung, reagieren rasch gekränkt und unversöhnlich, denn sie sind darauf angewiesen, ihre (hinter der vermeintlich selbstbewussten Ausstrahlung) in früher Kindheit angelegte Minderwertigkeit vor weiterer Entwertung zu schützen.
Empathiemangel
Der Mangel an Empathie kann missverständlich sein, denn nach meiner Erfahrung verfügen Narzissten nicht per se über keinerlei Einfühlungsvermögen und die meisten Narzissten kennen sich durchaus mit Gefühlen sehr gut aus: sie wissen wie sie bei sich und auch anderen bestimmte Gefühle verstärken, ändern oder abschwächen können. Gefühle entstehen bei extremen Narzissten jedoch vielmehr als Gedanke statt als körperlicher Affekt und aufgrund der tiefen frühen Verletzungen sind Gefühle abgespalten oder unterdrückt, so dass sich das Gehirn auch entsprechend entwickelt: In Hirnscans sehen wir, dass das Emotionale Zentrum von Menschen mit stark ausgeprägtem Narzissmus deutlich kleiner ist.
Oftmals fällt dieses mangelnde Einfühlungsvermögen jedoch erst in einer längeren Beziehung auf, da Narzissten besonders zu Beginn einer Partnerschaft besonders viel von dem Geben, was sie sich für sich selbst wünschen: Bestätigung, Fürsorge und Unterstützung.
Entwertung
Um ihren verletzlichen Kern zu schützen, wird das Motto "Selbstaufwertung durch Fremdabwertung" gelebt, wodurch andere mit Schuldzuweisungen, Kritik, Mobbing oder Zynismus entwertet werden. Ausserdem werden Ursachen im positiven Zusammenhang jeweils sich selbst zugeschrieben, während negative Ereignisse immer fremdattribuiert werden. Diese Haltung, im eigenen Wert und Können über anderen zu stehen, zeigt sich auch in ihrer Auffassung, für ihr Handeln keine negativen Konsequenzen tragen zu müssen.
2 Formen des extremen Narzissmus: offener und verdeckter Narzissmus
Theoretisch unterscheiden wir zwei Arten von Narzissmus:
den offenen, auch als männlicher oder extravertierter Narzissmus bezeichnet und
den verdeckten, auch weiblichen oder introvertierten Narzissmus genannt.
In der Realität finden sich selbstverständlich viele Mischformen.
Der offene Narzissmus geht mit einer absoluten Selbstzuwendung einher, was mit früheren Bindungsverletzungen korreliert, aus denen das heranwachsende Kind unbewusst beschlossen hat: wenn ich niemanden liebe/brauche, werde ich auch nicht verletzt. Daher wird die eigene Person idealisiert und überschätzt und eigene sowie Bindungsbedürfnisse anderer entwertet. Nach aussen wirken diese Personen sehr selbstsicher, leistungsorientiert und engagiert/aggressiv.
Der verdeckte Narzissmus hingegen wendet sich intensiv anderen zu, so dass diese idealisiert werden und alles getan wird, um sich durch vermeintlich grossherziges Geben deren Bewunderung und Zustimmung zu sichern. Der feine Unterschied zu altruistischem Handeln liegt in dem extremen Bedürfnis, für das Geben bestätigt und bewundert zu werden. Diese Personen wählen entsprechend einem wirtschaftlichen Input-Output-Denken, ihr Geben nach der maximalen Aufmerksamkeit aus und stellen dieses gern zur Schau. Sie erscheinen eher defensiv und reagieren mit starken emotionalen Kränkungen auf ausbleibenden Applaus.
Ursachen für extremen Narzissmus
Die wissenschaftlichen Forschungen zeigen noch keine eindeutigen Ursachen für extremen Narzissmus auf. Nach meiner Erfahrung - und hier hinein lassen sich die mir bekannten Studien einbetten - ist mindestens eine der folgenden frühkindlichen Verletzungen passiert:
Bindungsverletzungen
Verletzungen auf der Bindungsebene entstehen durch ein Entbehren von authentischer emotionaler Zuwendung in Form von Liebe, Halt, Zärtlichkeit und Zeit von Seiten der Eltern. Diese emotionale Vernachlässigung verletzt die kindlichen Grundbedürfnisse, zu spüren, dass man mit all seinen Eigenschaften willkommen ist, geliebt, unterstützt und beschützt wird.
Zweierlei Elternverhalten verletzt diese Bedürfnisse: harte Eltern, die autoritär-strafend-cholerisch-impulsiv agieren oder das Gegenteil, zu weiche Eltern, die sich hilflos-bedürftig-überängstlich-depressiv verhalten.
So aufgewachsen fühlen sich Betroffene ungeliebt, unverstanden oder innerlich leer, was mit tiefen Gefühlen von Unsicherheit/Angst, Einsamkeit oder Traurigkeit einhergeht, die durch den Narzissmus als eine Schutzmauer nicht gespürt werden müssen.
Identitätsverletzungen
Verletzungen auf der Identitätsebene entstammen ebenfalls zweierlei Hintergründen:
Einerseits entstehen sie durch an Erwartungen geknüpfte Zuwendung, durch Entwertungen der Eltern, Manipulation oder Ausbeutung. Das reicht vom Kind, das studieren soll, weil es dem Elternteil verwehrt war bis zum Missbrauch. Hier werden die Kinder zur Bedürfniserfüllung der Eltern benutzt.
Weniger offensichtlich entstehen Identitätsverletzungen auch durch Verwöhnung. Diese Verwöhnung meint nicht ein Zuviel an echter Aufmerksamkeit und Liebe, denn davon kann niemand zu viel bekommen, sondern es meint ein Verhätscheln, in welchem Eltern den Kindern - in bester Absicht - alles abnehmen und kindliches Fehlverhalten keine logischen Konsequenzen hat. Dadurch lernen diese Kinder weder haltgebende Grenzen kennen, noch eine gesunde Frustrationstoleranz oder Emotionsregulation, sondern ihnen wird suggeriert, bereits die/der Beste zu sein und alles zu bekommen ohne dafür eine Anstrengung auf sich zu nehmen. Statt dass Kinder mit dieser Art der Verwöhnung - dem Wunsch der Eltern entsprechend - unbeschwert aufwachsen, fühlen sie sich in ihren Wachstums- und Autonomiebedürfnissen nicht wahrgenommen und somit klein gehalten. Im Gegensatz zur obigen Variante, in der die Eltern ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse des Kindes ihre eigenen durchsetzen, bedeutet die Verwöhnung, dass die Eltern ihre eigenen Bedürfnisse - auch über die Zeit des Säuglings, in der Kinder auf den Bedürfsnisaufschub der Eltern angewiesen sind - langfristig aufgeben. Diese elterliche Selbstaufgabe lässt im Kind ein Gefühl der Gleichgültigkeit entstehen, da eine authentische Resonanz fehlt. Diese Kinder lernen daher keine Einfühlung und bleiben zwangsläufig im Heranwachsen auf dem Entwicklungsniveau des grandiosen Kindes hängen, auch wenn sie längst erwachsen sind.
Personen mit diesen ausbeuterischen oder verwöhnenden Erfahrungen fühlen sich nicht gesehen, nicht respektiert oder gut genug, sie haben das Gefühl falsch, wertlos oder unwichtig zu sein. Die primären Gefühle hinter der narzisstischen Schutzmauer sind daher Scham, Selbstbehauptung, Furcht, Kraftlosigkeit oder Kontrollverlust.
Hochsensible Narzissten oder narzisstische Hochsensible
Hier soll es um den Zusammenhang zwischen Narzissmus und Hochsensibilität gehen, denn es ist eine beidseitige Verstärkung erkennbar:
Eine angeborene Hochsensibilität begünstigt durch ihre höhere Verletzbarkeit und die stärkeren Bindungs- und Autonomiebedürfnisse eine narzisstische Ausprägung. Hochsensible benötigen somit häufiger die Schutzmauer des Narzissmus, da ihr sensibler Kern verletzlicher ist.
Gleichzeitig begünstigen narzisstische Kränkungen, Manipulationen und Ausbeutungen an einem Menschen, dass dieser eine Hochsensibilität als Traumafolge erwirbt.
Die Korrelation zwischen Hochsensibilität und Narzissmus zeigt sich somit, wenn hinter der narzisstisch-harten Fassade ein (hoch)sensibel-weicher Kern steckt, der gerade aufgrund seiner Sensibilität um so härter versteckt werden muss.
Partnerschaft zwischen Hochsensiblen und Narzissten
Aufbauend auf dieser obigen Korrelation möchte ich noch kurz das Phänomen beleuchten, warum es eine besondere Anziehung zwischen Hochsensiblen und Narzissten zu geben scheint, der ich in meiner Praxis häufig begegne. Dazu zeige ich unter den beiden entgegengesetzten Sprichworten die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Narzissten und Hochsensiblen auf, denn bekanntlich wissen wir, dass ein ausgewogenes Mass an Vertraut- und Fremdheit Voraussetzung für eine langfristige Partnerschaft ist.
gleich und gleich gesellt sich gern
Hochsensible zeichnen sich ebenso wie Narzissten durch Perfektionismus, Ehrgeiz und ein starkes Bedürfnis nach Kontrolle aus
beide verfügen über eine schmale Komfortzone, innerhalb dieser sie überdurchschnittlich produktiv sind und sich gegenseitig zu immer weiteren Höchstleistungen anspornen - sogenannte Powerpaare -, denn die Definition über die/den erfolgreiche/n Partner/in hebt auch das eigene Selbstwertgefühl
sie unterstützen sich unbewusst gegenseitig, innerhalb dieser schmalen Komfortzone zu bleiben, denn beide neigen auf der Zu-viel-Seite zur Überflutung und auf der Zu-wenig-Seite zur stressauslösenden Langeweile, die beide schwer aushalten
beide sind sehr sensibel auf Situationen, in denen sie sich nicht gesehen oder verstanden fühlen, gegenüber Kritik und Zurückweisung, denn in ihrem Kern sind beide sehr vulnerabel
sowohl Hochsensible wie Narzissten haben in der Gesellschaft das Gefühl, anders zu sein, so dass die (anfängliche) gegenseitige Bewunderung, dieses Anderssein positiv als Besonderheit statt als Nicht-dazu-gehören konnotiert
Gegensätze ziehen sich an
da hochsensible Personen einerseits sehr nähebedürftig sind, andererseits aber ausreichend Rückzugsraum benötigen, korrespondiert dies (zunächst) sehr gut mit der narzisstischen Schutzmauer, niemanden zu brauchen, wodurch sich beide ausreichend individuellen Freiraum gewähren, obwohl ihre offen gezeigte emotionale Bedürftigkeit sehr unterschiedlich ist
hochsensible Partner treten häufig unsicherer und aufgrund ihrer differenzierten Abwägung eher entscheidungsträge auf, weshalb die dem extremen Narzissmus eigene, vermeintlich selbstbewusste und souveräne Ausstrahlung für den Hochsensiblen sehr anziehend wirkt und dem Narzissten ein Triumphgefühl der Überlegenheit verleiht, so dass zunächst beide profitieren: von jemandem, der so selbstbewusst und souverän wirkt, als Partner gewollt zu sein, ist zunächst für den Hochsensiblen ein erhebendes Gefühl - dies kann kippen, wenn sich das Bedürfnis nach Überlegenheit des Narzisstischen Partners nicht mehr nach aussen, sondern im Verlauf der Partnerschaft gegen den hochsensiblen Partner wendet
während hochsensible Personen über viel Empathie verfügen und ihre Emotionen in der Regel offen zeigen (ausser jene narzisstisch Hochsensiblen s.o.), wirkt der durchdachte emotionale Einsatz von Narzissten zielstrebig und selbstsicher, umgekehrt profitieren Narzissten von dem Einfühlungsvermögen ihrer hochsensiblen Partner, welches in der Kindheit so sehr gefehlt hat
Paar-Kreisläufe zwischen Narzissten und Hochsensiblen
Auch wenn obige Liste den Magnetismus aufzeigt, sich zu den meist charmant, weltoffenen, auf den ersten Eindruck gewinnenden und erfolgreichen Narzissten hingezogen zu fühlen, so ist auch bekannt wie schwierig eine dauerhafte Beziehung sein kann, da sich die tiefen Bindungs- und/oder Identitätsverletzungen natürlich in der Partnerschaft - als engste Bindung im Erwachsenenalter - wieder zeigen. Vielleicht hilft daher die nachfolgende Metaperspektive, den Kreislauf in einer Partnerschaft mit einem Narzissten besser zu verstehen.
Bindungsverletzungen
Jene Narzissten, die in ihrer frühen Kindheit vor allem Bindungsverletzungen erleben mussten, wählten in der Regel als unbewusste Überlebensstrategie "ich brauche niemanden", da das verletzte Kind in ihnen auf diese Weise den Konflikt lösen konnte, die Eltern weiterhin zu lieben, obwohl sie unzureichend emotional versorgend waren. So geht es auch in den Paar-Kreisläufen darum, den Partner auf Distanz zu halten, um sich nicht verletzbar und abhängig zu machen.
Distanzieren - Verfolger
In dieser Paardynamik zieht sich der narzisstische Partner immer wieder zurück, wodurch dessen Partner in dem Bedürfnis nach Nähe und Verbundenheit zum Verfolger wird. Wiederum führt das Verfolgen dazu, dass der Distanzierer keinen ausreichenden Rückzugsraum für sich erlebt und sich weiter zurückzieht, was den Verfolger ängstigt, den Kontakt zu verlieren und somit animiert, weiter zu bedrängen.
Blamieren - Rückzügler
Eine andere unbewusste Strategie des Narzissten mit Bindungsverletzungen für ausreichend Distanz zu sorgen, ist es, den Partner zu blamieren. Durch solche Entwertungen zieht sich der Partner zurück und der Narzisst schafft damit auch emotionale Distanz, denn ein Partner, der häufiger beschämt wird, wird sich langfristig nicht mehr mit seinen verletzlichen Seiten zeigen.
Diesen Kreislauf gibt es in hoher Intensität, wobei sehr lautstark und dramatisch entwertet wird, aber teilweise auch nach aussen hin kaum erkennbar, indem diese Entwertungen als innerer Gedankenmonolog im narzisstischen Partner ablaufen.
Identitätsverletzungen
Bei Narzissten mit Identitätsverletzungen geht es vor allem darum, ihre darunter liegenden Gefühle von Scham, Kontrollverlust und Kraftlosigkeit zu verbergen, indem sich unbewusst einer der folgenden Paar-Kreisläufe etabliert.
Definierer - Definierter
Eine Paardynamik, in welcher der Narzisst seinen Schutz dadurch findet, seinen Partner zu definieren, zeigt sich daran, dass der Narzisst auf alle Fragen antwortet, die eigentlich an dessen Partner gerichtet sind oder auch statt an dessen tatsächlicher Sichtweise, seinen Gedanken und Gefühlen interessiert zu sein, bereits besser als der Partner selbst weiss, was dieser braucht. Das kann am Anfang schmeichelhaft für den Definierten sein, denn wer träumt nicht davon, dass der Partner einen ohne Worte versteht. Es wird jedoch dann schwierig, wenn der Narzisst mit seiner Definition daneben liegt und dadurch spürbar wird wie eng das Korsett ist und wie wenig Entwicklungsspielraum es lässt.
Dominanter - Unterwürfiger
Hier treffen das Kontrollbedürfnis des Narzissten auf einen Partner mit dem Bedürfnis, sich hinzugeben, also die eigenen Bedürfnisse zugunsten derer des narzisstischen Partners aufzugeben. Auch dies ist anfänglich für beide Seiten attraktiv, denn während es den Narzissten in seiner Macht bestätigt und ihm Bewunderung einbringt, erhält auch der unterwürfige Partner das Gefühl von Halt und Relevanz, wenn er es vermag einen solch beeindruckenden Partner glücklich zu machen. Die anfängliche Begeisterungsfähigkeit des Narzissten trägt dazu bei, die Aufgabe der eigenen Bedürfnisse als adäquates Geschenk zu empfinden. Wenn diese Euphorisierung dann verblasst, erhält der unterwürfige Partner immer weniger für seine Selbstaufgabe, ist aber unter Umständen bereits zu weit in seinem Selbstwertgefühl gesunken, um sich aus dieser Partnerschaft zu lösen.
Überfunktionaler - Unterfunktionaler
In dieser Paardynamik fühlt sich der Narzisst zu Personen hingezogen, die sehr bedürftig sind. So übernimmt er die Position des unaustauschbaren Retters, wodurch er in seinem Leben Bedeutung und Bewunderung erfährt. Diese Paardynamik kann sehr stabil sein, solange sich der unterfunktionale Partner nicht entwickelt. In der Regel wird daher diese Unterfunktionalität vom Narzissten aufrecht erhalten, indem er alles abnimmt, es jedoch nicht darum geht, den Partner zu unterstützen, es aus eigenen Kräften zu schaffen. So kann dies eine Wiederholung der eigenen verwöhnenden Erziehung mit vertauschten Rollen sein, in der nun der Narzisst - im besten Wunsch - dem anderen schenkt, was er selbst als positiv erlebt hat.
Literatur
Malkin, Craig (2016): Der Narzissten-Test
Peichl, Jochen (2018): Narzisstische Verletzungen der Seele heilen
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