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Fotoequipment von Format
Wenn Fotografen mehr Auflösung und eine noch bessere Qualität brauchen, greifen sie zu einer digitalen Mittelformatkamera oder nutzen ein digitales Rückteil an einer Mittel- oder Grossformatkamera. Unser Überblick zeigt die erhältlichen Produkte.
Markus Zitt Für verschiedene Aufgaben und Einsatzzwecke gab und gibt es in der analogen Fotografie unterschiedliche Aufnahmeformate mit entsprechenden Kameras und passenden Filmen. Die kleinen Aufnahmeformate ermöglichen kompaktere Kameras und Objektive, was sich in einer erhöhten Mobilität niederschlägt. Die grösseren Aufnahmeformate versprechen dagegen eine höhere Qualität.
Dieses Prinzip gilt auch für die digitale Fotografie, wo ebenfalls unterschiedliche Aufnahmeformate in Form verschiedener Sensorgrössen Verwendung finden. So stecken in den digitalen Kompaktkameras kleinste Fotosensoren, die meist nur wenige Millimeter messen. In den Systemkameras und digitalen Rückteilen werden dagegen deutlich grössere und höher auflösende Sensoren verbaut.
Die Sensorgrössen orientieren sich teilweise an klassischen Filmformaten wie Kleinbildformat (KB) und Mittelformat (MF), so dass sich diese Bezeichnungen auch zur Klassifizierung in der Digitalfotografie verwenden lassen. Ausserdem waren einige der aktuellen Kamera-Objektiv-Systeme ursprünglich für eben jene Filmformate entwickelt worden, bevor sie zu einem (rein) digitalen Kleinbild- oder Mittelformatsystem entwickelt wurden.
Formatfrage
Thema dieses Artikels ist das digitale Mittelformat (MF). Gemeint sind damit Digitalkameras und digitale Rückteile, die mit annähernd Mittelformat-grossen Fotosensoren ausgestattet und/oder Teil eines MF-Systems sind.
Was als digitales Mittelformat bezeichnet wird, orientiert sich am klassischen Filmformat 4,5 × 6 beziehungsweise 6 × 4,5. Dies äussert sich bei mancher MF-Digitalkamera durch den Namensbestandteil «645». Die aktuellen Sensorgrössen liegen allerdings (noch) unter dem entsprechenden Filmformat mit seinen effektiven 41,5 × 56 mm. Immerhin ist die Grösse der MF-Sensoren in den letzten Jahren stetig gewachsen und hat sich dem Filmformat soweit angenähert, dass mancher vom MF-Vollformat spricht. Das «Viereinhalb-mal-sechs» ist übrigens das kleinste Mittelfilmformat. Weitere sind 6 × 6, 6 × 7 und 6 × 9.
Dass Fotosensoren in ihren Abmessungen einem Filmformat entsprechen sollen, ist in der Übergangsphase von analog zu digital sinnvoll. So können vorhandene Objektive nahezu wie gewohnt benutzt werden. Weil alle aktuellen MF-Sensoren kleiner als das 4,5 × 6-Filmformat sind, wird der Bildwinkel der Objektive beschnitten und es kommt zu einem Bildausschnitt (Crop) und damit zum bekannten Effekt der Brennweitenverlängerung – je nach Sensorgrösse.
Abgesehen von der Vermeidung einer starken Brennweitenverlängerung existiert jedoch kein Grund, dass Fotosensoren einem «klassischen» Filmformat entsprechen müssen. Wird ein neues Kamera-Objektiv-System aus dem Boden gestampft, kann die Sensorgrösse nach anderen Kriterien gewählt werden. Beispiele sind (micro)FourThirds oder das Leica S-Mittelformatsystem. Deutlich ist dies auch bei kleinen Kompaktkameras zu sehen, die heute nicht mehr mit genormten Filmen bestückt werden müssen, sondern je nach Trend, angestrebter Kameragrösse und Preis mit beliebig grossen (meist sehr kleinen) Sensoren ausgestattet werden.
Bedeutend ist die Sensorgrösse auch wegen ihrer Wirkung beispielsweise auf die Schärfentiefe. Mit zunehmender Sensorgrösse werden längere Brennweiten verwendet, was mit abnehmender Schärfentiefe einhergeht und den Gestaltungsspielraum erhöht.
Auflösung
Mehr als die Grösse beziehungsweise das Format eines Sensors steht aber seine Auflösung im Vordergrund. Eben die ist im digitalen Mittelformat besonders hoch, denn auf einer grossen Fläche lassen sich mehr Sensorelemente unterbringen, ohne dass die Grösse der Elemente und damit die Output-Qualität schrumpfen müssen. Im Gegenteil, die relativ grossen Sensorelemente sorgen für eine grosse Dynamik, die bei Mittelformat-Sensoren bis zu 12,5 Blendenstufen umfasst, was letztlich zur beeindruckenden Bildqualität beiträgt.
In den letzten Jahren wurden die Mittelformat-Systeme durch die wachsende Auflösung von Kleinbild-D-SLRs zunehmend konkurrenziert, denn nach Canon haben 2008 auch Nikon und Sony Kameras mit 20 bis 25 Megapixel lanciert. Dies hat die Verkaufargumentation für hochpreisige Mittelformat-Systeme erschwert. Es wurde vor allem auf die grösseren Sensorelemente mit besserem Output gepocht, was ebenfalls ein Argument für Kleinbild-D-SLRs gegenüber Kompaktkameras mit ihren Minisensoren ist.
Inzwischen hat sich die Situation zu Gunsten des Mittelformats geändert, denn in den vergangenen Monaten sind die erhältlichen Auflösungen markant über 40 Megapixel angestiegen und andererseits die Preise gefallen.
Aktuell ist im digitalen Mittelformat eine Auflösung von rund 40 Megapixel üblich. Topmodelle liefern 50 bis 80 Megapixel, in der Einsteigerklasse sind 20 bis 30 Megapixel verfügbar.
Wechsel zum Mittelformat
Heute sind günstige Digibacks um 10 000 Franken und die günstigesten Kits aus Back, Kamera und Objektiv unter 15 000 Franken erhältlich. Ein Mittelformat-System kostet somit nur wenig mehr als eine hoch auflösende Canon- oder Nikon-Profikamera samt Objektiv. Viele Profis, die sich von der Konkurrenz abheben oder sich bei Kunden profilieren wollen, wechseln deshalb momentan zum digitalen Mittelformat.
Hinzu kommt, dass Canon und Nikon im Profisegment längere Zeit nichts Neues vorgestellt haben.
Die (Daten-)Grösse bringts
Schon zu analogen Fotozeiten war Mittelformat die Wahl für viele professionelle Anwendungen. Mittelformat-Filme boten und bieten gegenüber den identischen Kleinbild-Filmen eine grössere Fläche. Die Mittelformat-Filme können somit mehr Informationen aufnehmen und liefern detailreichere Bilder, wie dies in der Digitalfotografie die höhere Auflösung bewirkt.
Durch die grössere Filmfläche bieten Mittelformat-Bilder mehr Potenzial für Vergrösserungen. Einerseits lassen sich Fotos auf ein grösseres Endformat ausgeben und andererseits müssen Mittelformat-Aufnahmen weniger stark vergrössert werden als Kleinbild-Aufnahmen, wodurch das Filmkorn weniger auffällt. Das Gleiche gilt heute für das digitale Mittelformat, jedoch nicht primär wegen des Sensorformats, sondern wegen der damit verbundenen hohen Auflösung. Das detailreichere Digitalfoto und das grössere Ausgabeformat gehören neben der Qualität zu den Gründen, die heute für den Einsatz des digitalen Mittelformats sprechen.
Dank schnellen und günstigen Speicherkarten und Festplatten mit hohen Kapazitäten stellt heute die Datenmenge kein Problem mehr dar.
Kameras, integrierte Kameras und Rückteile
Das aktuelle digitale Mittelformat-Angebot setzt sich aus digitalen Rückteilen, Kits (Kamera samt Back) sowie wenigen Digitalkameras mit fest eingebautem Fotosensor zusammen.
Digitale Rückteile (Digibacks) stellen die klassische Variante in der digitalen Mittelformat-Fotografie dar. Sie lassen sich mit passenden Adaptern und Halterahmen an einer Vielzahl von Mittel- und Grossformatkameras befestigen und verwenden, sofern diese für wechselbare Filmmagazine (und damit auch Digibacks) konzipiert sind.
Die in Kits angebotenen Kameras sind speziell für Digibacks konzipiert und können – im Gegensatz zu ihren Vorgängerinnen – nicht mit Filmmagazinen benutzt werden. Es fehlt ihnen die Mechanik für den Filmtransport.
Hasselblad geht bei den Kits einen Schritt weiter und verzahnt ihre Kameras der H-Serie fest mit ihren Backs. Hierbei wird auch von integrierten Kameras gesprochen. Back und Kamera werden dabei jeweils im Werk aufeinander abgestimmt. Das Back kann aber abgenommen und an anderen Kameras verwendet werden.
Bei den aufgeführten Kameras handelt es sich übrigens ausschliesslich um Spiegelreflexmodelle (SLRs).
Mittelformat versus Kleinbild
Wie schon beim Fotofilm sind digitale Kleinbild-Fotosysteme handlicher und mobiler. Die Mittelformatausrüstung ist voluminöser, schwerer und natürlich teurer als das vergleichbare Kleinbild-Equipment. Zieht man allerdings eine Kamera der «Canon EOS 1»-Serie oder «Nikon D3»-Serie samt passendem Profiobjektiv zum Vergleich heran, fällt der Unterschied gering aus.
Das Arbeiten mit Mittelformat ist etwas bedächtiger, was sich u. a. in den schnellst möglichen Bildfolgen äussert. Bei Kleinbild-D-SLRs liegen 5 bis 11 Bilder pro Sekunde drin, Mittelformat-D-SLRs schaffen rund ein Bild pro Sekunde. Am schnellsten ist die Phase One IQ140, die es im «Sensor+»-Modus auf 1,8 fps bringt.
Das langsamere Arbeiten ist überwiegend den umfangreicheren Datenmengen geschuldet, die den kompletten Workflow bremsen.
Wie schon zu Filmzeiten wird das Kleinbild professionell wegen kleiner, unauffälliger und mobileren Kameras und schnellen Serienbildfunktionen eingesetzt. Es ist deshalb ideal für Reportagen (Hochzeiten, Reisen etc.) und Actionmotive (Sport, Tiere etc.), oder wenn viele Bildvarianten (Modekatalog) nötig sind. Das Mittelformat bietet eine hohe Qualität und erlaubt grosse Ausgabeformate, resultiert aber in einer etwas behäbigeren Arbeitsweise. Es wird bevorzugt für Werbung, Mode, Architektur, Produktfotos und Reproduktionen eingesetzt. Interessant sind Digibacks zudem an verstellbaren Fachkameras (Mittel- und Grossformat), die Perspektivenkorrekturen für Architektur- und Produktfotos sowie Schärfedehnung oder -minimierung gestatten.
Weitere Unterschiede
Neben den bereits erwähnten Unterschieden zwischen digitalem Kleinbild und Mittelformat gibt es noch einige weitere, von denen sich einige auf die Einsatzmöglichkeiten oder die Arbeitsweise auswirken.
- Sensoren: Die Mittelformatkameras sind mit CCD-Fotosensoren ausgestattet, die entweder von Dalsa oder Kodak stammen. In digitalen Kleinbild-Spiegelreflexkameras (DSLRs) und spiegellosen Systemkameras (CSCs) werden heute dagegen überwiegend CMOS-Fotosensoren verbaut, die ein schnelles Auslesen der Bilddaten und damit auch schnelle Live-View- und HD-Videofunktionen ermöglichen.
- Farbtiefe: Die MF-Kameras und Backs erfassen in der Regel 16 Bit pro Farbkanal. Kleinbild-D-SLRs beschränken sich dagegen häufig auf 12 Bit, manche bieten aber auch 14 Bit.
- ISO: Die Lichtempfindlichkeit der Mittelformatkameras und Digibacks ist relativ beschränkt und reicht oft nur gerade bis ISO 800. Mehr bieten nur die Leica S2 mit ISO 1250 und die Pentax 645D mit ISO 1600. Bei Phase One lassen sich im «Sensor+»-Modus vier Pixel für höhere ISO-Werte von bis zu ISO 3200 zusammenfassen, wobei jedoch die Auflösung auf einen Viertel reduziert wird.
Bei Kleinbild-D-SLRs sind heute dagegen ISO 6400 und 12 800 üblich. Einige gehen sogar ein bis zwei Stufen darüber hinaus, während die Rekordhalter Nikon D3s und Canon EOS 1D Mark IV mit ISO 104 000 auftrumpfen.
- Blitzsynchronisationszeit: Einen Vorteil bietet das Mittelformat bei Blitzaufnahmen durch die Verwendung von Objektiven mit Zentralverschluss. Damit sind kürzere Blitzsynchronisationszeiten von 1/500s bis 1/1600s möglich. Bei Kleinbild-Kameras mit Schlitzverschluss liegen bestenfalls 1/250s drin. Nur mit spezieller Technik (FP-Modus) sind kürzere Zeiten möglich.
Kurze Synchronisationszeiten ermöglichen es, dynamische Motive mit (Studio-)Blitzlicht fotografisch einzufrieren.
Der sich kreisförmig öffnende Zentralverschluss eignet sich nur für grössere Aufnahmeformate. Nachteilig sind die höheren Objektivpreise wegen der aufwändigeren Konstruktion sowie eine gewisse Begrenzung der Lichtstärke.
- Objektive: Das Angebot an MF-Objektiven ist deutlich geringer als bei Kleinbild-Systemen. Es umfasst typischerweise rund ein Dutzend Objektive mit Brennweiten von ca. 28 bis 300 mm, was bei Kleinbild einem Bereich von 17 bis 186 mm entspricht. Üblicherweise sind zwei Zooms und ein 120-mm-Makro im Sortiment enthalten. Superteles und lichtstarke Objektive, wie man sie bei Kleinbild kennt, sucht man vergebens. Per Adapter lassen sich Mittelformat-Objektive mit anderen Anschlüssen verwenden.
Beim Kleinbild gelten Objektive mit einer Brennweite von 50 mm als Normalobjektive. (Genau genommen beträgt die Normalbrennweite 43 mm.) Beim Mittelformat «4,5 × 6» hat das Normalobjektiv dagegen eine Brennweite von 80 mm, denn per Definition entspricht die Normalbrennweite der Diagonalen des Aufnahmeformats. Davon unberührt sind die physikalischen Eigenschaften einer Brennweite, wie beispielsweis Schärfentiefe.
- Autofokus: Die automatische Scharfstellung war bei Mittelformat-(Film-)Kameras erst spät verfügbar und ist auch heute nicht in jeder Kamera integriert. Der Autofokus arbeitet träger als jener in Kleinbild-D-SLRs. Es steht oft nur ein AF-Messfeld zur Verfügung, während bei Kleinbild-D-SLRs gleich mehrere einzeln oder gruppiert genutzt werden können. Moderne AF-Funktionen wie Objektverfolgung oder Gesichtererkennung gibt es nicht.
Hasselblad bietet in ihren H4D-Modellen den «True Focus AF», der eine nachträgliche Kameraneigung mittels Gyrosensoren erkennt und die Veränderung der Distanz kompensiert.
- Arbeitsweise: In den Anfangszeiten der digitalen Mittelformat-Fotografie wurden die Digibacks vom Computer aus ausgelöst und die Bilddaten gleich per Kabel auf den Rechner übertragen und dort «entwickelt». Dies wird als Capturing, manchmal als Remote-Betrieb oder aktuell als Tethering bezeichnet. Heutige Backs verfügen in der Regel über Speicherkarten-Slots, dennoch ist die Computer-gestützte Fernbedienung weiterhin – und nicht nur für Sachaufnahmen im Studio – angesagt.
Wurden zu analogen Mittelformat-Zeiten mittels Polaroid-Filmmagazin zwischendurch Sofortbilder zur Bildkontrolle und zur Besprechung mit Modell, Stylist oder Produzent geschossen, so genügt heute ein Blick auf den Kamera- oder den verbundenen PC-Bildschirm. Besonders trendig ist gegenwärtig die Übermittlung von (Sucher-)Bildern auf iPads & Co. So müssen sich nicht mehrere Leute um Kamera oder PC scharen.
- Software: Zu Backs und Kameras wird in der Regel ein Hersteller-eigenes Programm für das Capturing und für die Raw-Entwicklung mitgeliefert. Phase One hat ihrer Software «Capture One» schon vor 10 Jahren das Konvertieren fremder Raw-Formate (u. a. von Canon und Nikon) beigebracht. Fotografen brauchen also nur ein Programm, um sowohl ihre Mittelformat- als auch Kleinbild-Digitalfotos zu verarbeiten. Auch das relativ junge Hasselblad Phocus kann fremde Raw-Daten bearbeiten.
Von einigen Programmen gibt es Mobile-Varianten als App für Apple iOS. Damit lassen sich Bilder auf iPad/iPhone/iPod touch anzeigen (Hasselblad Phocus Mobile) oder gar die Kamera fernbedienen (Phase One Capture Pilot).
- Dateiformat: MF-Kameras und Backs liefern Fotos meist in einem proprietären Raw-Format, die erst am Computer in Formate wie TIFF und JPEG konvertiert beziehungsweise entwickelt werden. Etwas moderner sind da die Leica S2 und die Pentax 645D, die Bilder als DNGs und JPEGs speichern. Auch die aktuellen Backs von Sinar liefern mit der Software Capture Shop ab Version 6 universelle DNGs.
- Energieversorgung: Als Energiequelle dient in der Regel ein Lithium-Ionen-Akku. Im Tethering-Betrieb erfolgt die Energieversorgung von Backs dagegen per Datenkabel. Ausser den H-Modellen von Hasselblad benötigen Kameras, die mit Back betrieben werden, ihre eigene Energieversorgung mittels Batterien oder Akkus.
- Speicher: Im Tethering- bzw. Capturing-Modus werden Aufnahmen direkt im Computer gespeichert. Die meisten Backs und Kameras verfügen zudem über einen Speicherkarten-Slot für CF- oder SD-Karten.
- Schnittstelle: Backs sind typischerweise mit einer FireWire-Schnittstelle (FW) ausgestattet. Neuere Kameras und Backs setzen dagegen auf USB. So verfügen die Leica S2 und die Pentax 645D über USB 2.0 High-Speed, wogegen Phase One ihre neuen IQ-Backs zusätzlich zu FireWire 800 mit USB 3.0 Superspeed ausgerüstet hat.
- Preise: Digitale MF-Kameras, Kamera-Back-Kits und separate Digibacks kosten je nach Auflösung, Lieferumfang und Marke zwischen 8300 und 50 000 Franken.
In den letzten Monaten sind die Preise bei gestiegener Auflösung stetig gesunken – und sinken kontinuierlich weiter. Da sich Mittelformat-Systeme primär an Profis richten, werden in der Regel Preise ohne Mehrwertsteuer kommuniziert. In unserer Tabelle sind Preise mit acht Prozent Mehrwertsteuer angegeben. Wegen der Wechselkurse und der technischen Entwicklung ändern die Preise stetig.
Anbieter
Den digitalen Mittelformat-Markt der Backs und Cams dominieren gegenwärtig die zwei Parteien Hasselblad und das Konglomerat aus Phase One, Leaf und Mamiya. Ein etablierter Anbieter von Backs ist Sinar. Relativ neu dabei sind Leica und Pentax mit je einer D-SLR. Andere Anbieter von Mittelformat-Kameras wie Fujifilm haben den Umstieg auf digital nicht vollzogen oder zogen sich – wie Contax, Rollei und Zenza Bronica – inzwischen komplett aus diesem Markt zurück. Viele der anderen älteren und aktuellen Mittelformat-Kameras (z. B. Alpa, Arca Swiss, Cambo, Silvestri, usw.) können aber mittels Back für Digitalfotos eingesetzt werden.
Hasselblad (hasselblad.com)
Die schwedischen Kameras galten lange als Inbegriff der modularen Mittelformat-Kamera. Jahrzehntelang setzte Hasselblad auf das quadratische 6 × 6-Filmformat, bot aber auch ein Filmmagazin für 4,5 × 6 an. Die Objektive zur V-Serie stammen von Zeiss (Festbrennweiten) und einige von Schneider Kreuznach (Zooms).
Zur photokina 2000 führte Hasselblad zusätzlich zum V-System das komplett neue H-System mit modernen Autofokus-Kameras und -Objektiven ein, die von Fujifilm hergestellt werden. Das H-System wurde für das 4,5 × 6-Format konzipiert und wohl im Hinblick auf Digibacks geschaffen. Mittels Adapter lassen sich die manuell zu fokussierenden V-Objektive verwenden. Filmmagazine können nur an alten H1- und H2-Kameras verwendet werden, jedoch nicht an neueren H-Modellen.
2004 fusionierten Hasselblad und Imacon, die bis dato mit Digibacks und Filmscannern erfolgreich war. Aktuell hat Hasselblad neben den integrierten Kameras der H4D-Serie und dem (analogen) V-System zwei Digibacks für Kameras der klassischen V-Serie und anderer Marken im Angebot. Die kostenlose Software Hasselblad Phocus kann Raw-Fotos anderer Marken bearbeiten.
Leaf (leaf-photography.com)
Leaf gehört zu den langjährigen Digiback-Herstellern und wurde 2009 von Phase One übernommen. Die Leaf-Backs zeichnen sich schon länger durch einen grossen Touchscreen aus, der per Finger oder Stift bedient werden kann. Schon früher bot Leaf die Möglichkeit, ein Vorschaubild per Bluetooth auf einen PDA zu übermitteln, wie dies heute auf iPad & Co. möglich ist.
Die Leaf Rückteile werden einzeln und in Kits mit «Mamiya 645DF»-Kameras samt 80-mm-Objektiv angeboten. Als Software stehen Leaf Capture und Phase One Capture One sowie die App Capture Pilot zur Verfügung.
Leica (www.s.leica-camera.com)
Als Begründer der Kleinbildfotografie ist Leica mit Kleinbild-Messsucherkameras (M-System) bekannt geworden. Sie sind weiterhin als analoge (MP, M7) und digitale Varianten mit Kleinbild-Vollformatsensor (M9, M9-P) erhältlich. Daneben gab es mit dem inzwischen eingestellten R-System ein Kleinbild-Spiegelreflexsystem samt Kleinbild-Digiback.
An der photokina 2008 hat Leica mit der Einführung eines digitalen Mittelformat-Systems überrascht. Die S2-Kamera sieht aus wie eine überdimensionierte Kleinbild-D-SLR. Das S-System umfasst aktuell vier Festbrennweiten, die alternativ auch mit Zentralverschluss erhältlich sind. Mit der S2 werden das Capturing-Programm Leica Shuttle sowie eine Lizenz für Adobe Lightroom geliefert.
Mamiya (mamiya.com)
Der japanische Hersteller hatte jahrzehntelang gleich mehrere Mittelformat-Systeme im Angebot, konzentriert sich nun aber auf das digitale 645D-System. Die noch erhältliche 645D-III kann mit Filmmagazinen genutzt werden, die aktuelle 645DF nicht. Das System umfasst 14 Objektive von Mamiya, von denen drei einen Zentralverschluss besitzen. Von Mamiya werden besonders günstige Kamera-Back-Kits (ohne Normalobjektiv) angeboten, wobei die Mamiya-gelabelten Backs von Leaf stammen. Mamiya gehört seit 2009 ebenfalls zu Phase One.
Pentax (pentax.ch)
Die Japaner führten in ihrem breiten Sortiment über Jahrzehnte unter anderem zwei Mittelformat-Linien, ein 4,5 × 6- und ein 6 × 7-System. Die Kameras waren nicht für Wechselmagazine ausgestattet und konnten somit auch später nicht mit Digibacks benutzt werden.
2006 hatte Pentax dann die Einführung einer digitalen 645er-Kamera mit eingebautem Sensor angekündigt. Doch erst im Frühling 2010, als niemand mehr daran glaubte, kam die 645D in Japan auf den Markt. Seit Anfang 2011 ist sie in Europa und damit auch in der Schweiz erhältlich und gehört zu den günstigsten. Hinsichtlich Bedienung und Funktionsumfang entspricht sie modernen Kleinbild-D-SLRs. Sie bietet eine HDR-Funktion und verfügt über eine integrierte Sensorreinigung. Das digitale «Pentax 645D»-System umfasst 13 Objektive mit vier Zooms.
Im Juli 2011 wurde bekannt, dass Pentax Imaging Systems per Herbst von Ricoh übernommen wird.
Phase One (phaseone.com)
Der erfolgreiche dänische Hersteller von Digibacks hat 2009 Mamiya-Beteiligungen erworben und den Konkurrenten Leaf übernommen. Bekannt ist die Firma auch durch das Raw-Programm Capture One, das zu den ersten universellen RAW-Konvertern gehörte und in einer Pro- und einer Light-Variante zum Kauf angeboten wird. Mit Digibacks kann sie kostenlos benutzt werden.
Als Folge der längeren Zusammenarbeit mit Mamiya bietet Phase One mit der 645DF bereits die zweite Kamera unter ihrer Marke an. Die zugehörige Objektivlinie besteht aus 12 Objektiven darunter drei mit Zentralverschluss von Schneider Kreuznach.
Phase One hat eine breite Palette an digitalen Backs im Angebot und im Frühling 2011 mit der neuen IQ-Serie drei weitere Backs mit 3-Zoll-Multi-Touchscreen und USB -3.0-Schnittstelle eingeführt.
Die Backs sind einzeln und in Kits mit der «Phase One 645DF»-Kamera samt Normalobjektiv erhältlich.
Sinar (sinar.ch)
Der legendäre Schweizer Hersteller von Grossformat-Fachkameras bietet schon lange Digibacks zu eigenen und fremden Kameras an. Vor drei Jahren war eine Mittelformat-Kamera vorgestellt worden, die mit anderen Firmen (u. a. Leaf) entwickelt und produziert werden sollte. Wegen Änderungen der Firmenkonstellation wurde die Kameraproduktion bald eingestellt.
Die Sinar Software ist nur für Mac OS X verfügbar. CaptureShop 6 speichert in der neuen Version 6 Raw-Dateien als DNGs. Die aktuell verfügbaren Backs sind ausschliesslich für den Tethering-Betrieb konzipiert und verfügen weder über einen Monitor noch einen Speicherkarten-Slot. Die eVolution-Backs gibt es als One- (S-Modell) und Multi-Shot-Varianten (H-Modell).
Mehr Informationen
Viele der aufgelisteten Kameras und Digibacks können übrigens bei den genannten Anbietern zum Ausprobieren oder für einen Auftrag gemietet werden.
Weitere Informationen und Bilder sowie eine regelmässig aktualisierte Kameraübersicht finden Sie unter www.markuszitt.ch/add-ons.
Multi-Shot
Die einzelnen Elemente eines Fotosensors können nicht Farben, sondern nur Helligkeitsnuancen unterscheiden. Für ein RGB-Farbbild werden deshalb einige Elemente mit roten, andere mit grünen und wieder andere mit blauen Filtern versehen, die meist nach dem Bayer-Schema (siehe Bild) verteilt sind. So liefert der Sensor mit einer Aufnahme (One-Shot) für jeden Farbkanal ein Bild. Da aber so für einen Farbkanal nur ein Teil der Sensorauflösung genutzt wird, müssen die fehlenden Pixel durch Interpolationen ergänzt werden. Dies führt zu Artefakten sowie Einbussen bei Schärfe und Detailgenauigkeit. Zu Beginn der Digitalfotografie schossen deshalb Three-Shot-Kameras nacheinander für jeden Farbkanal ein Bild in voller Auflösung. Dies jedoch nur von statischen Motiven.
Heute bieten einige Backs einen Multi-Shot-Aufnahmemodus, in dem der Sensor zwischen den einzelnen Teilaufnahmen jeweils um einen Pixel hoch und quer bewegt wird. Dadurch lassen sich Farbartefakte vermeiden und eine farbgenauere, detailschärfere Wiedergabe von feinsten Strukturen erzielen. Nachteilig sind der höhere Zeitbedarf und die Anfälligkeit auf Erschütterungen.
Mit der neuen H4D-200MS mit 50-Megapixel-Sensor geht Hasselblad noch weiter und verschiebt den Sensor jeweils in Halbpixelschritten horizontal und vertikal. Dadurch wird die Qualität eines massiv höher auflösenden Sensors mit einer Bildgrösse von 200 Megapixeln erzielt.
Multi-Shot ist für Produktfotos sowie im Museumsbereich angesagt.