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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Siebtes Buch
5. Der Irrtum des Sabellius und seine Widerlegung.
Indem Sabellius die Geburt des Sohnes nicht gelten läßt, lehrt er den nur-einen Gott, obwohl er über die Göttlichkeit derjenigen Kraft nicht im Zweifel ist, die in dem Menschen (Christus) gewirkt hat. Denn durch die Unkenntnis des Geheimnisses des Sohnes hat er über der Bewunderung der Taten den Glauben an die wahre Zeugung verloren. Wenn er hört: „Wer mich gesehen hat, der hat auch den Vater gesehen”,1 so folgert er daraus in seinem Übereifer die (zahlenmäßige) Einzigkeit des Wesens in Vater und Sohn, das in ihnen nicht unterschieden und nicht unähnlich ist; er sieht nicht, daß die wesensmäßige Einheit durch die Bezeichnung „Geburt” erwiesen werde; denn dadurch, daß man im Sohn den Vater sieht, wird nur seine Göttlichkeit bekräftigt, nicht [S. 336] aber seine Geburt aufgehoben. Die Erkenntnis des einen ist also durch die des anderen (gegeben), weil der eine vom anderen sich in seinem Wesen nicht unterscheidet; und worin sie sich nicht unterscheiden, darin ist auch die Betrachtung über die Eigentümlichkeit des Wesens ohne Unterschied.
Es kann auch von vornherein kein Zweifel darüber bestehen, daß derjenige von sich aus die Erscheinungsweise seines Gottseins zeigen würde, der in seiner göttlichen Gestalt fortdauerte.2
Zur Widerlegung des törichten Wahns dieser verwerflichen Meinung kommt noch dieses Wort des Herrn hinzu: „Ich und der Vater sind eins.”3 Denn die Einheit des Wesens, die (in den verschiedenen göttlichen Personen) nicht einander unähnlich ist, wird nur in falschgläubiger Deutung zum Irrtum der (zahlenmäßigen) Einzigkeit, und den Sinn des Wortes hat die Deutung von (der Gemeinsamkeit nur) der Kraft nicht festgehalten. Denn das bezeichnet nicht einen einzelnen: „Ich und der Vater sind eins.” Denn jene Verbindung, die hervorhebt „und den Vater”, läßt nicht die Deutung eines Nur-einen zu; und jenes „Wir sind” duldet nicht einen einzelnen. Das aber, daß „wir eines sind”, nimmt nicht die Geburt weg, trennt sogar auch nicht das Wesen in seinem Bestand. Denn weder kommt eines der Verschiedenheit zu, noch „sind wir” einem einzigen.
1: Joh. 14, 9.
2: Vgl. Phil. 2, 6 f.
3: Joh. 10, 30.