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In den äthiopischen Bale Mountains ist ein internationales Forchungsteam auf die bislang ältesten Spuren einer Hochgebirgssiedlung gestossen. Demnach bewohnten steinzeitliche Jäger bereits vor über 40'000 Jahren zumindest zeitweise einen Felsunterstand (Fincha Habera genannt) auf fast 3500 Metern Höhe.
Bitterkalte Nächte
Damals war das rund 4000 Meter hohe Plateau der Bale Mountains vergletschert, es war deutlich kälter als heute. «In den Höhlen unterhalb des Plateaus machten die steinzeitlichen Menschen Feuer und konnten so die bitterkalten Nächte überstehen», sagt der Paläo-Ökologe Heinz Veit von der Universität Bern, der an dem Projekt beteiligt war. Entsprechend fanden die Forscher in den Höhlen auch Holzkohlereste.
Die Datierung dieser Funde liess darauf schliessen, dass die Höhlen in einem Zeitraum von vor 47'000 bis vor 31'000 Jahren wiederholt bewohnt wurde. Ob sich steinzeitliche Siedler dort permanent aufhielten, sei jedoch noch unklar, so Veit. Sicher aber ist, dass die Höhlen nicht bloss als kurzfristige Raststätten von umherziehenden Jägern genutzt wurden. «Wahrscheinlich waren die Höhlen saisonal besiedelt – über mehrere Monate im Jahr während der Trockenzeit.»
Essen, Wasser, Werkzeuge
Die archäologischen Funde verrieten, dass die Jäger aus den örtlichen Vorkommen von Obsidian (vulkanisches Gesteinsglas) Werkzeuge herstellten. Die Menschen ernährten sich von den dort lebenden Riesenmaulwurfsratten. «Von der Grösse her kann man sich diese Tiere ähnlich wie Murmeltiere vorstellen», sagt Veit.
Die Maulwurfsratten finde man auf dem Hochplateau der Bale Mountains auch heute noch zu Tausenden. Neben der Tatsache, dass es in der Gegend vor 40'000 Jahren für die Jäger genügend zu essen gab und sie für ihre Werkzeuge geeignetes Gestein fanden, war durch die damals vorherrschende Vergletscherung genügend Wasser vorhanden.
Aber warum die Menschen in der unwirtlichen Höhe lebten, haben die Forscher noch nicht herausgefunden. Denn auch das tropische Tiefland war vor 30'000 bis 40'000 Jahren feucht und damit fruchtbar. «Vom Klima her hatten die Menschen damals keinen Grund, dort hinaufzugehen», stellt Professor Veit fest.
Er vermutet deshalb, dass die Menschen aus Neugierde im Hochgebirge lebten – schliesslich habe sich der Mensch schon früh über die ganze Erde ausgebreitet, von den trockensten Wüsten bis in die Arktis.
Afrikanische Moränen untersucht
Veit und zwei weitere Berner Forscher waren Teil des internationalen archäologischen Untersuchungsteams. Sie befassten sich mit der Rekonstruktion der damaligen Umwelt- und Klimabedingungen in der Umgebung der Fundstelle. Dafür analysierten und datierten sie unter anderem Gesteinsproben von Gletschermoränen aus mehreren Tälern der Bale Mountains.
Das Leben in grosser Höhe ist herausfordernd und bedeutet Stress für den menschlichen Körper. Aus diesem Grund war man lange davon ausgegangen, dass Menschen erst vor relativ kurzer Zeit begannen, in Höhen über 2500 Metern über Meer zu siedeln. Allerdings weisen verschiedene archäologische Funde der letzten Jahre darauf hin, dass die Besiedlung des Hochgebirges schon früher begann als bisher angenommen.