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Inhalt und Ziele des Forschungsprojekts
Die medizinischen Texte im Talmud haben bereits viel Aufmerksamkeit erhalten. So hat z.B. Julius Preuss 1911 mit seinem Werk "Biblisch-talmudische Medizin" ein Handbuch verfasst, in welchem er von jedem Körperteil, Organ oder Krankheitsbild, das in der Hebräischen Bibel oder in der rabbinischen Literatur genannten wird, zusammenträgt, was dazu gesagt wurde. Ein solches Vorgehen ist heute jedoch nicht mehr vertretbar: Einerseits werden die von Preuss bearbeiteten Texte nicht mehr als homogenes Ganzes angesehen (d.h. als "jüdische" Texte), andererseits wird aufgrund neuerer literarkritischer Erkenntnisse davon abgesehen, Textpassagen aus ihrem literarischen Kontext (Kotext) zu reissen ohne dessen Mitberücksichtigung. Heute muss gefragt werden, welche Generation der Babylonischen Rabbinen diesen Text verfasst, welche Generation ihn in den Talmud eingefügt und welchen Einfluss die jeweilige Bezugswelt auf die Texte genommen hat. Indem das Projekt ganze Texteinheiten (sogenannte sugijot) untersucht, bringt es Material wieder zusammen, welches in vorgängigen wissenschaftlichen Untersuchungen getrennt und in verschiedenen Kategorien (z.B. Magie, Medizin, Folklore) bearbeitet wurde. Damit muss sich die Arbeit nebst der Frage, wie die Babylonischen Rabbinen ihr Wissen organisiert haben auch kritisch mit jener auseinandersetzen, wie wir heute in der sogenannt westlichen (post-)Moderne unser Wissen organisieren.
Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext
Das Projekt verortet Texte historisch und literarisch, die noch nie als die Einheit, in der sie präsentiert werden, bearbeitet wurden. Damit leistet es einerseits einen Beitrag zur historisch-kritischen Aufarbeitung des Talmuds, der noch über weite Strecken in dieser Hinsicht terra incognita ist, andererseits ist es eine Ergänzung zum entstehenden Bild einer stark diskursiven religiösen Landschaft im sasanidischen Iran.