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In den USA findet man viele Namen von europäischen Städten wieder, die dann aber meistens mit „New“ beginnen. Als Deutschsprachiger fallen einem natürlich die vielen Städte aus unserem grossen
Nachbarkanton auf. Aber auch aus der Schweiz findet man bekannte Ortsnamen wie Zurich, New Bern oder eben New Glarus wieder, die einem in Erinnerung rufen, dass die USA aus europäischen
Auswanderern entstanden ist.
Die Geschichte von New Glarus ist deshalb speziell, da die Auswanderung vom Kanton Glarus organisatorisch und finanziell unterstützt wurde. Als Folge der Kartoffelseuche litten in der Mitte des 19. Jahrhunderts viele Regionen der Schweiz an Hunger. Um sich der Fürsorgekosten der oftmals Randständigen zu entledigen, motivierte man sie zur Auswanderung. Jeder Auswanderer erhielt in der neuen Heimat ein bescheidenes Stück Land zur Bewirtschaftung und eine finanzielle Starthilfe. Die Kosten für das Land mussten sie allerdings in einer relativ kurzen Zeit zurückbezahlen.
Im Spätsommer 1845 traf die erste Gruppe von 108 Siedlern ein und legte den Grundstein für New Glarus. Hinter ihnen lag eine rund vier Monate lange, beschwerliche Reise, die sie über Holland und den Atlantik nach Baltimore und schliesslich nach Wisconsin geführt hatte.
Die ersten Jahre waren hart, denn längst nicht alle Siedler waren in der alten Heimat Bauern gewesen. Anfangs wurde vor allem Weizen angebaut, später wandten sich die Siedler immer mehr der
Milch- und Viehwirtschaft zu und machten Käse. New Glarus entwickelte sich zu einer erfolgreichen Bauerngemeinde und erhielt 1887 auch einen Bahnanschluss, der allerdings seit 1972 stillgelegt
ist. Anfänglich lebten die Auswanderer unter sich und es durfte auch nicht auswärts geheiratet werden. Da man den Einfluss und das eigene Territorium vergrössern wollte, wurde die
Heiratseinschränkung bald aufgehoben. New Glarus liegt auf einer Höhe von 278 m in einer fruchtbaren und wasserreichen Gegend und hatte 2010 eine Einwohnerzahl von 2172.
Bei meinem Besuch im Jahr 2009 präsentierte sich New Glarus als ein Dorf mit Häusern nach verschiedenen Baustilen, wie man sie im europäischen Alpenraum findet. Die deutsche Sprache ist weitgehend verschwunden. Hingegen wird diverses Folklore-Brauchtum aus der Schweiz rege gepflegt. Ein Besuch im Dorfmuseum lohnt sich sehr und gibt einen Einblick in das Leben der Auswanderer aus der Gründerzeit. Es ist wie ein kleines Dorf mit verschiedenen Gebäuden aufgebaut und zeigt eine Schule, eine Kapelle, Wohnräume, die Feuerwehr, eine Schmiede und anderes mehr. Mit John hatten wir das grosse Glück einen deutschsprachigen Pensionär als Guide zu haben, der allerhand Interessantes zu erzählen wusste.
1.03.2015/HJO