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Sollte er gewählt werden, müsste er seinen Beruf als Kadermitglied bei der Zolldirektion an den Nagel hängen. «Wer beim Bund arbeitet, darf nicht im Bundesparlament sitzen», sagt Anthony Jaria, Ständerats- und Nationalratskandidat für die Freiburger BDP. «Ich finde dies ungerecht. Wenn man mich ins Parlament wählt, würde ich wohl eine Motion einreichen und verlangen, dass auch Bundesangestellte im Parlament ihre Interessen verteidigen dürfen.» Er selber hat sich für den Fall einer Wahl bereits mit der beruflichen Situation auseinandergesetzt und würde wohl eine Existenz als selbstständiger Unternehmer aufbauen.
In der Mitte progressiv
Anthony Jaria ist derzeit die Allzweckwaffe der Bürgerlich-Demokratischen Partei des Kantons Freiburg. Der 38-Jährige aus Corpataux ist seit zwei Jahren Präsident der Kantonalpartei, er ist einer von drei BDP-Kandidaten für den Nationalrat, und er tritt auch im Rennen um die kleine Kammer an. Die Ständeratskandidatur halte ihn seit den Sommerferien am meisten auf Trab. «Ich versuche, Termine am Morgen oder Abend ausserhalb der Arbeitszeit wahrzunehmen, und wenn ein Anlass tagsüber stattfindet wie letzte Woche das FN-SRF-Wahlpodium, so nehme ich frei», sagt er.
Dass er für den Ständerat kandidieren will, habe Jaria der Partei frühzeitig mitgeteilt und auch deren Unterstützung erhalten. Er war früher bei der BDP Genf aktiv. Dort habe die Partei aber einen schwierigen Stand, weil in Genf dogmatischer politisiert werde. Die BDP als Mitte-Partei passe besser in den Kanton Freiburg, wo die Bevölkerung pragmatischer denke. In der politischen Mitte gibt es in Freiburg zwar bereits die CVP, aber die BDP habe da trotzdem Potenzial, da sie progressiver sei als die CVP, etwa bei Fragen wie der Ehe für alle oder in der Ökologie.
Die Hürde für Jaria ist aber sehr hoch. Vor vier Jahren schnitt der BDP-Kandidat Patrick Castioni mit 1717 Stimmen von sechs Kandidaten am schlechtesten ab. Die damals gewählten Christian Levrat (SP) und Beat Vonlanthen (CVP) erhielten im ersten Wahlgang 39 000 beziehungsweise 30 000 Stimmen.
«Ein politisches Erdbeben ist möglich, da die Bilanz des Parlaments in der letzten Legislatur schlecht ist. Viele Dossiers wurden nicht behandelt oder nicht zum Abschluss gebracht. Ich denke an die Altersvorsorge, die Gesundheitskosten, die Beziehungen zur EU oder den Elternurlaub. Logischerweise braucht es einen Wandel, und dieses Bewusstsein könnte bei den Wählern erwacht sein.»
Von seinem beruflichen Hintergrund her möchte sich Jaria im Bundesparlament insbesondere im Bereich Sicherheit engagieren. Bei der Zolldirektion arbeitet er für das Grenzwachtkorps. Während er früher an der Grenze arbeitete und Dienstchef wurde, hat er nun in Bern eine Führungs- und Koordinationsaufgabe.
Bei der Migration sieht Jaria derzeit wenig Handlungsbedarf: «Die Massnahmen zwischen der Schweiz und der EU sind effizient.» Neben der Sicherheit interessiere ihn politisch die Mobilität mit neuen Technologien im Transportwesen und die Familienpolitik.
2021 im Kopf
Der dreifache Familienvater sagt, dass er längerfristig im Kanton Freiburg bleiben will. Er möchte, dass seine Kinder die gesamte Schulzeit im Kanton absolvieren. Entsprechend schweift sein Blick auch über die eidgenössischen Wahlen 2019 hinaus. Sollte es nichts mit einem Mandat in Bern werden, so werde er «zu 95 Prozent» in zwei Jahren als Kandidat ein kommunales oder kantonales Amt anstreben.
Und Anthony Jaria will als Präsident die BDP auf Vordermann bringen. «Unser Ziel wird sein, die zwei Grossratssitze wieder zurückzugewinnen. Ich möchte vor allem, dass die Deutschfreiburger in die Partei zurückkehren. Sie machen einen Viertel der Freiburger Bevölkerung aus, und sie kennen die BDP als Partei erst noch besser.»
Bis Anfang Oktober porträtieren die FN die Kandidatinnen und Kandidaten für die Ständeratswahl vom 20. Oktober.