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Den Satz konnte ich auswendig, bevor ich zur Schule ging: «Paradox ist, wenn ein Mädchen sich mit seiner knabenhaften Gestalt brüstet.» Begriffen habe ich ihn erst später. Und bis heute dient er mir als Anleitung, um Widersprüchliches aufzuspüren. Mein Vater brachte ihn mir bei, denn er hatte seine helle Freude an Wortspielereien. Und ich weiss, wie neckisch er es fände, dass die Schweiz nun eine Bundesrätin hat, noch dazu Vorsteherin des Militärdepartements, eine Frau also, die alles andere als ein Heimchen am Herd ist, aber so heisst: Amherd. Und sosehr ich weiss, dass man über Namen keine Witze reissen sollte, so sehr habe ich das Flair für solchen Mist offenbar geerbt.
Wie mag ich all die Songs, die das Unterwegssein auf einsamen Highways preisen, die Streunerballaden und Freiheitshymnen! Ein Auto aber besitze ich keines. Soll dieser Umstand mich daran hindern, mich dem On-the-Road-Feeling hinzugeben? Mitnichten. Denn Jack Kerouac, der die Gefühlslage 1957 im Roman «On the Road» literarisch festhielt und gleichsam als ihr Erfinder gilt, konnte nicht einmal Auto fahren. Bin ich dann doch unterwegs, fällt mir immerzu Paradoxes auf, das meinem Vater gefallen hätte. Zum Beispiel, dass Amerikas älteste Brauerei Yuengling heisst. Benannt nach einem deutschen Einwanderer, dem Bierbrauer David Gottlieb Jüngling. Oder dass ein Countrymusiker ausgerechnet den Namen Urban trägt, Keith Urban. Er besingt eine Jugend in den USA, geprägt von «John Cougar, John Deere, John 3:16», einem Sänger, einem Traktor und einer Bibelstelle – aufgewachsen freilich ist er in Australien.
Es gibt Gertenschlanke namens Dick, sexuell Ausschweifende, die Keusch heissen, Friedfertige mit Namen Streit. Eine Frau Jäger-Fischer lernte ich kennen, die Veganerin ist, und einen Herrn Müller mit Mehlallergie. Ich weiss von einer Familie Fuchs, die Gänse züchtet, und traf einen Hartmut Krieger, den ich als äusserst sanften Menschen beschreiben würde. Bloss frage ich mich, was seine Eltern sich überlegt haben. Bestimmt weniger als Vater und Mutter des Ernst Fröhlich. Sie! Den kannte ich wirklich, und er war genau so, wie er hiess: der ausgeglichenste Mensch der Welt. Und die Mutter des Fussballers Christian Fassnacht brachte ihren Buben am 11. November zur Welt, am traditionellen Fasnachtsauftakt. Passt.
Paradox ist übrigens auch, dass in der Schweiz mehr Frauen als Männer leben, im Bundesrat aber trotz Frau Amherd nach wie vor die Männer in der Überzahl sind wie in allen anderen Führungsgremien auch. Es gibt in unserem Land – kein Witz – mehr Verwaltungsräte mit Namen Urs als Verwaltungsrätinnen. Noch Fragen?