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Die schönsten Zeiten meines Lebens sind diejenigen, in denen ich etwas lernen durfte.
Genau diesen Werdegang und die verschiedenen Ausdrucksformen meines Talentes Wissbegier möchte ich hier beschreiben. Bitte vergessen Sie nie, dass ein Talent sich auf verschiedene Arten zeigt: als unausgegorenes Talent und als reife Stärke, nachdem ich mich investiert habe. Mit Sonnen- und Schattenseiten in jedem Reifegrad. Wenn die Geschichte hier also nicht so sehr positive Psychologie widerspiegelt, dann auch deshalb, weil ich meine Talente noch nicht kannte.
In der Primarschule wurde ich von der Lehrerin jeweils am Mittwoch und Samstag Morgen auf die Reise geschickt. Schulmaterial und persönlicher Einkauf für die Lehrerin – wusste sie doch einfach nicht, was sie mir noch für Aufgaben geben sollte. Die Förderung von Begabten war noch nicht erfunden.
Meine Geschichte
Zu meiner Geschichte gehört meine Schulzeit.
Im Gymnasium fühlte ich mich zu Hause – und doch nicht. Abgesehen von den Sprachen Französisch und Latein konnte ich nicht verstehen, wie irgend jemand Schwierigkeiten mit dem Lernstoff haben könnte. In den höheren Klassen unterrichtete ich regelmässig Mathematik, während unser Lehrer Arbeiten korrigierte.
In meinem Austauschjahr in den USA wurde ich mit einer Schulkultur konfrontiert, die sich auf den Schwächsten ausrichtete, und das in einer Gesamtschule. Ich war vor den Kopf geschlagen, dass nicht jeder sich so fürs Lernen interessierte wie ich. Ich unterrichtete Chemie mit dem Biologielehrer zusammen, weil die Schule sich keinen fachspezifischen Lehrer leisten konnte.
Frühe Anzeichen des Talents Wissbegier, oder auf Englisch Learner.
So beschreibt es Gallup:
Menschen mit einer aussergewöhnlich stark ausgeprägten Wissbegier lernen für ihr Leben gerne und möchten sich fortlaufend verbessern. Sie interessieren sich mehr für den Lernprozess als solchen als für das Lernergebnis.
Ich lerne leidenschaftlich gerne. Was, das ist mir eigentlich egal – vielleicht mit der Ausnahme von Sprachen. Ausser ich kann dafür ins Land selber.
Der Lernprozess
Was bedeutet jedoch die Aussage, dass Wissbegierige sich mehr für den Prozess als das Ergebnis interessieren?
Das Ergebnis ist mir nicht wichtig. Mein höchstes Diplom ist die Matura. Meine Leistungen notenmässig waren stets oberer Durchschnitt.
Meine Primarschullehrerin entliess mich mit folgenden Worten:
„Aus Dir wird entweder ein Bundesrat oder ein Mafiaboss. Aber Du bist so faul, dass ich auf Mafiaboss tippe.“
Nach dem Gymnasium begann ich, Geschichte zu studieren. Und ich wurde zutiefst enttäuscht. Die erste Vorlesung: „Hier haben Sie einen Stapel Bücher. Lesen Sie diese und lernen Sie den Zeitablauf und die Daten auswendig.“ Ein Lernprozess zum Schreien!
Ich brach das Studium ab und wandte mich der Informatik zu. Es war die Geburtsstunde des PCs und für die ersten 15 Jahre hiess Programmieren, Projektleitung und Softwarearchitektur, ständig etwas Neues zu lernen. Jedes Projekt war in einem neuen Fachgebiet, mit einer neuen Programmiersprache, und neuen Teammitgliedern und Ansprechpartnern.
Ich verliess die Wirtschaft und ging zurück an die Uni. Mathematik und Informatik. Und jetzt kamen die dunklen Seiten dieses Talents voll zum Tragen. 7 Jahre an der Uni ohne Abschluss besuchte ich Vorlesungen in den Bereichen Mathematik, angewandte Mathematik, Physik, Informatik, Logik, Philosophie, Pädagogik, künstliche Intelligenz, Hebräisch, Computerlinguistik, Linguistik, Wirtschaftswissenschaften, Theologie, Hirnforschung usw. Es ging mir um den Prozess, nicht das Ergebnis.
Zurück in die Informatik. Schuldgefühle, Verantwortungsbewusstsein und Angst brachten mich dazu, dahin zurückzukehren, wo ich eigentlich nicht mehr hin wollte. Und der zweite Job war ein Glücksgriff. Künstliches Leben, internationale Entwicklung, verschiedenste Fachgebiete, ein Chef, der meine Stärken schätzte, und ich als CTO.
Dann platze die .com-Blase. Informatik wurde „reif“, d.h. jegliches Risiko wurde vermieden, die ewig gleichen Probleme wurden für die ewig gleichen Kunden mit den ewig gleichen Werkzeugen gelöst. Um die Effizienz zu steigern, wurden nur die Menschen in Projekten eingesetzt, die das Fachgebiet und die Werkzeuge bereits kannten und bei der Entwicklung des Produktes mitgearbeitet hatten. Stetiges Lernen? Fehlanzeige.
Ich brauchte 16 Jahre und ein Burnout, um wieder in eine Lernumgebung zurückzukehren. Angewandte praktische Theologie. Und wieder ist es der Prozess, der mich herausfordert und mich oft am Ergebnis zweifeln lässt. In der Theologie scheint richtig, was andere, angesehene Quellen bereits gesagt haben.
Das Zusammenspiel meiner Talente: Die Schattenseiten
Das Problem mit dem klassischen Lernumfeld:
Meine Vorstellungskraft und Zukunftsorientierung machen mich unglücklich, wenn es nur darum gehen soll, Althergebrachtes und Altbekanntes zu verinnerlichen und zur Anwendung auswendig zu lernen.
Intellekt braucht den Austausch, das Nachdenken, das „Was wäre wenn“, die Varianten. Vorgefertigte Meinungen und traditionelle Wahrheiten sind langweilig. Warum sollte ich meine Gedanken und Fragen zurückhalten? Weil andere überfordert sein könnten?
Frontalunterricht? Bin ich den unmündig?
Ich erinnere mich mit Schrecken an die Pädagogikvorlesungen. Im Frontalunterricht mit überfüllten Folien brachte man uns bei, dass es pädagogischer Unsinn wäre, von Frontalunterricht mit überfüllten Folien einen Lerneffekt zu erwarten.
Das Zusammenspiel meiner Talente: Die Sonnenseiten
Vorstellungskraft, Intellekt, Zukunftsorientierung, Analytisch, Verbundenheit, Bindungsfähigkeit – darum liebe ich Masterminds und Think Tanks. Kleine Gruppen, welche sich verschiedenste Themen vornehmen und durchdenken.
Stetige Neugier und Lernbereitschaft bringen Innovation.
Offen für Neues, brauche ich doch Zeit und Musse, es zu verarbeiten.
Ich studiere die Welt und die Welt der Gedanken.
Willens, Neues zu lernen, wächst meine Vision.
Es ist schön, dass es Dinge gibt, die ich noch nicht verstehe. Es wäre schlimm, wenn ich schon alles wüsste.
Ich weiss, was ich weiss. Trotzdem strecke ich mich nach Neuem aus, und bin bereit, Bekanntes neu zu bewerten oder loszulassen. Alles auf der Basis meiner Werte.
Führen mit Wissbegier
Ich führe aus der Position des Lernenden. Mir und meinem Umfeld ist bewusst, dass ich noch nicht alles weiss.
Ich respektiere Menschen, die mehr wissen als ich. Ich fördere sie und lass sie in den Gebieten auch mitleiten und Verantwortung übernehmen.
Ich freue mich daran, wenn andere Neues lernen und Fortschritte machen. Am liebsten lerne ich mit anderen zusammen.
Ich investiere mich in andere, unterstütze sie beim Lernen, und gebe ihnen die notwendige Zeit.
Ich glaube, dass Lernen direkt im Zusammenhang steht mit Produktivität. Es hält den Geist offen, das Hirn aktiv.
In Zeiten der Veränderung gehört dem stetig Lernenden die Welt, während der Gelehrte wunderbar für eine Welt gerüstet ist, die es nicht mehr gibt. Eric Hoffer
Wie äussert sich Ihre Wissbegier?