Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03599.jsonl.gz/1677

Darüber, was mit den Verkaufserlösen des Nationalbankgoldes geschehen könnte, sind schon verschiedene Ideen geäussert worden: zum Beispiel der Abbau der Staatsschulden, die Sanierung der AHV oder das Festhalten an der Solidaritätsstiftung. Auch Bauern haben dazu Ideen: Der waadtländische Bauernverband Prométerre will eine bäuerliche Pensionskasse aufbauen, und der Bergbauer Armin Capaul aus dem Berner Jura die Verschuldung der Bauern vermindern.
Capaul schlug Ende Mai in einem Brief an die Bundesräte Couchepin und Villiger vor, dass jeder Bauernbetrieb vom Bund 20 Prozent seiner Schulden zurückbezahlt erhalten sollte. Ferner soll der Bund allen Betrieben, die nie ein Milchkontingent erhalten haben, einen Betrag von 50,000 Franken bezahlen, weil diese nichts zu verkaufen hätten und weil seinerzeit die Kontingente auch verteilt worden wären. Mit der Entschuldung soll, so Capaul, die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Landwirtschaft gestärkt werden. Die Schweizer Bauern sind laut einer Studie der Uni Freiburg mit 43 Prozent der Aktiven etwa dreimal stärker verschuldet als ihre Kollegen in der EU.
Das Bundesamt sieht keinen Handlungsbedarf
Michel Pellaux, stellvertretender Direktor im Bundesamt für Landwirtschaft, sieht keinen Anlass für eine Entschuldungsaktion. Die Verschuldung sei über die Jahre hinweg stabil geblieben und habe sich jedenfalls durch die neue Agrarpolitik des Bundes nicht verschärft. Der Verschuldungsgrad sei zwar höher, aber der Anteil der Zinslasten an den Gesamtkosten sei mit sechs Prozent etwa gleich hoch wie in der EU. Pellaux macht ferner geltend, dass die Verhältnisse auf den Betrieben zu unterschiedlich seien, als dass eine Entschuldung eine gerechte Lösung wäre. Ausserdem bestehe die Möglichkeit von Betriebshilfedarlehen, die bei weitem nicht ausgeschöpft werde.
SBV hat Arbeitsgruppe eingesetzt
Beim Bauernverband reagiert man ebenfalls zurückhaltend auf das Thema Entschuldung. Die bäuerliche Verschuldung wird dort zwar naturgemäss etwas stärker gewichtet als im Bundesamt; auch die Studie der Universität Freiburg wurde etwas anders interpretiert.
Das Problem der Verschuldung ist nicht neu, aber überzeugende Lösungen konnten bisher nicht gefunden werden. Auch bei einer Umfrage, die die Zeitung "Schweizer Bauer" bei verschiedenen landwirtschaftlichen Verbänden zu Capauls Vorschlägen gemacht hat, sind die Antworten durchwegs skeptisch bis ablehnend.
Die Situation für viele Betriebe wird sich aber mit sinkenden Produzentenpreisen, vermehrter ausländischer Konkurrenz und mit den Zinsprognosen erschweren. Deshalb hat der Vorstand des Bauernverbandes Ende Juni beschlossen, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, die sich im Sommer mit dem Problem Verschuldung befasst und Lösungen prüfen soll.
Fortsetzung folgt
Vorschläge dazu sind bereits vorhanden: Die Expertenkommission Agrarwirtschaft des Volkswirtschaftsdepartementes hat 1994 vorgeschlagen, die landwirtschaftliche Investitionspolitik zu überprüfen und einzelbetriebliche Ent- oder Umschuldungsmassnahmen zu treffen. Der Solothurnische Bauernverband hat in diesem Jahr bereits vorgeschlagen, den Betrieben eine teilweise Umwandlung der Schulden in zinsfreie Darlehen zu ermöglichen. Auch Capaul will am Ball bleiben und hat zusammen mit dem langjährigen oppositionellen Bauernaktivisten Ernst Därendinger ein "Bäuerliches Aktionskomitee 2000" gegründet, mit dem Ziel, die Schuldenbelastung der Bauern auf EU-Niveau zu bringen.