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Du bist ein Gott der mich sieht.
zur Jahreslosung 2023
Peter Vogelsanger,
ein anderer Name für Gott?
Du bist ein Gott, der mich sieht (Gen 16/13)
So lautet die Jahreslosung fürs 2023. Diese wird jeweils von der ökumenischen Arbeitsgemeinschaft fürs Bibellesen für den ganzen deutschen Sprachraum vorgeschlagen.
Der Bibelvers stammt aus einer der Väter- bzw. Müttergeschichten. Hagar war die Magd von Sara. Weil Sara immer noch kein Kind bekam, liess sie ihre Magd von Abraham schwängern. In der Folgezeit kühlte sich das Verhältnis zwischen den beiden Frauen aber ab. Schliesslich floh Hagar in die Wüste. Hagar war also gleich mehrfach Opfer. Zuerst wurde sie zum Beischlaf und zur Leihmutterschaft gezwungen und dann gemobbt.
In der Wüste aber wurde sie von Gott angesprochen. Er versprach ihr seine Hilfe. Sie solle ihren Sohn Ismael nennen. Dieser Name ist Programm: „Gott hat erhört“. Aus Ismael würde ein starkes Volk erwachsen. Hagar schliesst den Dialog mit Gott ab mit der Feststellung: Du bist ein Gott, der mich sieht. In der Originalsprache tönt das so: „El Roi“
Tatsächlich kehrte Hagar wieder zurück und gebar ihren Sohn im Haus Abrahams. Wenige Jahren später floh sie mit ihrem Kind endgültig ins Ausland.
In der Bibel gibt es mehrere Namen für Gott. Der häufigste wird mit „HERR“ übersetzt und geht auf Gottes Offenbarung an Moses zurück. Für hebräische Ohren klingt dabei „Ich bin da“, „ich handle“ an. Dies ist ein sehr dynamischer Gottesname. Gott ruht nicht einfach unbeweglich in sich, sondern führt Moses und das versklavte Volk in die Freiheit.
Hagars „El Roi“ ist ähnlich dynamisch. Die missbrauchte und ausgeschlossene Frau erlebt, wie Gott sie und ihr Schicksal sieht und ernst nimmt. Mit Gottes Hilfe findet sie zur Kraft zurück, in ihrer harten Umwelt zu überleben.
Eine eindrückliche Jahreslosung! Möge sie uns und alle, die Ähnliches wie Hagar erleiden, durchs Jahr begleiten.
Peter Vogelsanger