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Der Anfang
Auszug aus "Gossau - Deine Heimat, Ausgabe 1974", Seiten 78 - 83.
Als vor 50 Jahren unsere Wasserversorgung erstellt wurde, waren die Verhältnisse im Dorf noch ganz anders.
Noch breitete sich zwischen der Wetzikerstrasse, der Männetsrietstrasse und der Tueweidstrasse das Chliriet aus, das Chliriet mit seinen ausgebauten Turpenlöchern und seinen zahlreichen Quellen. An der Tueweidstrasse, unterhalb des Hauses von Emil Faust, befanden sich die grössten Aufstösse.
Von hier aus wurde seinerzeit ein Kanal ausgehoben, der unterhalb des Feuerwehrhäuschens in den Dorfbach mündete.
Von hier aus gruben um das Jahr 1800 auch die Gebrüder Strehler einen Kanal bis oberhalb des Chalets von F. Frauchiger, von wo sie das Wasser mit einem Kännel auf ein Wasserrad leiteten.
Ursprünglich eine Baumwollspinnerei, wurde der Betrieb nach dem Tode des «Bauelenkönigs» Kunz in eine mechanische Werkstatt umgebaut, die aber keine lange Lebensdauer hatte.
Sie wurde bald an Emil Spälti weiterverkauft, welcher dann eine Drechslerei einrichtete. Im Jahre 1815 wurde eine Brunnengenossenschaft gegründet, die unterhalb des Feuerwehrhäuschens in diesen Kanal eine Wasserfassung einbaute. Es wurden vier etwa 60 cm hohe und 1,50 m lange Steinplatten in die Mitte des Kanals gesetzt, auf drei Seiten je ein gelochtes Blech eingefügt und eine Steinplatte darübergelegt.
Von hier aus erhielten die 5 Dorfbrunnen ihr Wasser. Die Zuleitungen waren noch Holzteuchel, die bis 1921 ihren Dienst versahen.
An schönen Tagen benutzten wir Buben gern diese Steinplatte als Sitzplatz und badeten unsere Füsse im Kanal.
Diese Freude wurde dann bald gestört, wenn der Brunnenmeister mit langen Schritten um die Schulhausecke kam.
Eines Tages ging die Kunde durch das Dorf, es liege ein totes Kalb im Kanal, was allerdings schlimmer war als unsere Fussbäder.
Dieses Vorkommnis hatte das Gute, dass sofort mit der Fassung der Quellen begonnen wurde. Das war im Jahre 1899.
Von nun an hatten wir Dorfbrunnen, an denen wir Freude haben konnten. Sie wurde auch nicht getrübt, als der Mitbenützer des Wassers, E. Spälti, auch hier Einsprache erhob.
Durch all die Jahrzehnte kam es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen ihm und der Brunnengenossenschaft, die durch das Bezirksgericht, ja sogar durch das Obergericht entschieden werden mussten. Im Jahre 1913 wurde dann der ewige Streit durch Regierungsratsbeschluss erledigt.
Und nun zurück zu unserem Kleinriet.
Jeden Frühling hatten wir ein Konzert von Hunderten von Fröschen, die das Ried bevölkerten; auch kamen die Mönchaltorfer Störche hieher auf Fröschenfang. Wenn gegen Frühling die Heustöcke die Schwindsucht bekamen, ging ein Aufatmen durch die Bauern, sobald sie die Frösche hörten. Damals gab es in unserem Dorfe noch über dreissig Grossviehbesitzer, jetzt noch zwölf.
Neben diesen Dorfbrunnen existierte noch eine ganze Anzahl Hauswasserversorgungen (Plan). So wurde aus der Forluck, dort, wo noch der Laufbrunnen steht, Wasser bezogen. Es versorgte die Restaurants «Post» und «Traube» und noch einige weitere Häuser.
Eine weitere Anlage bezog das Wasser an der Wetzikerstrasse im Bodenrietli. Sie versorgte den Neuhof, das Männetsriet und die Tueweid, war aber in Trockenzeiten ungenügend. Einige trockene Jahre veranlassten einige Einwohner, sich zusammenzutun. Sie anerboten der Brunnenkorporation 7000 Franken, wenn sie die Erstellung einer Wasserversorgung, die dem ganzen Dorfe dienen könnte, an die Hand nähme!
Diesem Gesuch wurde entsprochen. Kantonsrat Heusser in Gossau wurde der Auftrag erteilt, eine Kostenberechnung zu erstellen. An einer Versammlung, zu der auch die Zeichner dieses Beitrages eingeladen waren, erklärte sich Herr Heusser bereit, uns eine Wasserversorgung mit 13 Hydranten zu erstellen, und zwar zum Preise von 75 000 Franken.
Im Jahre 1921 kam es zur Gründung der «Genossenschaft Wasserversorgung Bertschikon». Das Projekt von Herrn Heusser wurde der Brandassekuranz vorgelegt, die es aber ablehnte.
Der Stein war trotzdem ins Rollen gekommen. Geometer Meier in Wetzikon wurde nun der Auftrag erteilt, ein neues Projekt einzureichen. Der Auftrag wurde ausgeführt, aber es ergaben sich ganz andere Zahlen. So lautete sein Projekt auf 20 Hydranten mit Ringleitung, was eine Bausumme von 130 000 Franken ergab. Diese Vorlage wurde von der Brandassekuranz angenommen.
Nun galt es noch den rechten Ort für die Wasserfassung ausfindig zu machen. Bedingung war, dass das Laufbrunnenwasser nicht geschmälert werden durfte.
Es wurde nun ein «Wasserschmöcker» zugezogen. Ein Herr Bachmann aus Hombrechtikon wurde beauftragt, uns den richtigen Ort zu bezeichnen.
Sein Arbeitsgerät war eine Uhr. Mit dieser suchte er nun die Stelle, von wo unsere Quellen gespiesen wurden.
So ging er nun von der Quellenfassung aus in Richtung Neuhof, bald aber änderte die Richtung auf der linken Strassenseite über die Stelle, an der dann später die Fassung gemacht wurde. Hier überschritt er die Strasse vor dem Hause Ramseier und stieg über den Stocker bis in den Talacker, wo die seitliche Bewegung der Uhr in eine kreisende überging. Er stellte nun fest, dass hier eine Stauung sei. Auch die Richtung des Wassers hatte sich geändert; es kam nun von Wetzikon her. Weiter stellte er von hier aus in südlicher Richtung, hinter dem jetzigen Waldhof über den Bäumligacher und über die Grütstrasse die uns bekannten Wasservorkommen im Ferch fest. Das gab uns den Glauben, dass er das Wasser gefunden hätte. Herr Bachmann hatte uns nun die Wasserläufe gezeigt; uns war es nun überlassen, den richtigen Ort für die Fassung zu wählen.
Rückblickend muss ich bekennen, dass wir jedenfalls den schlimmsten Ort gewählt hatten. In der Absicht, das Wasser vom Rietli zu fassen, wählten wir eine Stelle rechts der Strasse nach Wetzikon. Ich bin der Überzeugung, dass wir an dieser Stelle das Wasser hätten fassen können, wir hatten aber kein Glück mit dem Unternehmer. Es wurde nämlich mit einem Kleinunternehmer ein Vertrag vereinbart. Dieser erklärte sich bereit, im Stundenlohn von Fr. 1.50 die Grabung zu übernehmen, Spriessung zu Lasten des Unternehmers. Jedenfalls wurde an der Verspriessung gespart, denn in etwa 4 m Tiefe stürzte der Schacht zusammen, zum Glück über Nacht.
Leider mussten wir nun diese Stelle aufgeben. Es wurden nun viele Möglichkeiten geprüft. So wurde mit Fink in der Breiti eine Vereinbarung getroffen, aber wieder fallengelassen. Als ich nach einem dreiwöchigen Wiederholungskurs nach Hause kam, hatte es auf der linken Strassenseite nach Wetzikon einen Schacht, schön erstellt durch Heusser, Gossau. Ich konnte aber nicht anders als sagen: «Was mached au die chäibs?», denn ich hatte die grössten Bedenken wegen der Güte des Wassers. Auf meine diesbezüglichen Bedenken hiess es nur: «Mir nämed jetzt Wasser, wo mer gseend.» Es hatte hier einen Aufstoss. Eine Probe ergab 100 Minutenliter Wasser. Im Glauben, jetzt ja Wasser zu haben, wurde der Bau vergeben.
Die ganze Arbeit wurde als Arbeitsbeschaffung ausgeführt. Die Erstellung des Reservoirs, die Grabarbeiten und das Pumpenhaus wurden an die Firma Fanti in Uster übergeben.
Die Rohrleitungen erstellten Bachofen, Gossau, und Maser, Ottikon.
Zur Beförderung des Kieses auf den Schimberg, wo das Reservoir erstellt wurde, musste eine Rollbahn gebaut werden. Zum Antrieb der Seilwinde wurde ein Lastwagen hinaufbefördert, was nicht so ganz einfach war. Gegenüber dem Benklenweg war die Talstation. Hieher wurde durch die Bertschiker Pferdebesitzer das Kies gebracht.
Die Arbeiten am Reservoir gingen rasch vorwärts, das Wasser zum Betonieren wurde in der neuen Fassung bezogen.
Aber immer war noch kein Prüfbericht von Wasser eingegangen.
Ich wurde beauftragt, in Zürich vorzusprechen. Als ich in Zürich ankam, wurde ich vom Kantonschemiker Schläppi freundlich empfangen und zu den Behältern mit dem Bertschiker Wasser geführt.
In diesen Behältern, denen eine Nährlösung beigegeben worden war, sah ich ganze Kulturen von Bakterien.
Herr Schläppi erklärte, das seien harmlose Bakterien, aber wo diese hinkämen, könnten auch Typhusbazillen auftreten.
Ich war gar nicht überrascht von diesem Bericht. Ich ersuchte nun Schläppi, bei der neuerlichen Wassersuche mitzuwirken.
In den nächsten Tagen erschien er in Begleitung seines Adjunkten, Dr. Beilich, der mit einer Wünschelrute ausgerüstet war. Wir waren vom Wasser in Riedtli so verblendet, dass für uns gar keine andere Stelle in Frage kam. So einigten wir uns auf den Platz, wo jetzt die Fassung steht.
Auf Antrag von Alb. Walter wurde nun diese Fassung in Regie ausgeführt mit ihm als Obmann und mir als Beihilfe.
Zur Ausführung dieser Grabung wurde ein Arbeiter namens Lang angestellt, der mehr von diesen Arbeiten als wir beide verstand, jedenfalls mehr als jener, der die erste Grabung ausgeführt hatte.
Ein Schacht von 250 x 250 cm wurde ausgehoben. Bis auf 2 m Tiefe hatten wir gute Erde.
Von da an stiess man auf Treibsand, so dass nur noch mit der Schaufel gearbeitet werden konnte, aber bald kamen wir auf Wasser, so dass eine Pumpe eingesetzt werden musste.
Und nun begann der Leidensweg. Sand und Wasser! Alles war lebendig — ein Wunder, dass die Spriessung standhielt! Das Gelände um den Schacht setzte sich, oben und unten musste angesetzt werden. Es wurde uns klar, dass wir das Wasser über Nacht nicht mehr steigen lassen durften. So wurde nun Tag und Nacht gepumpt, und wir zwei Aufseher bekamen wieder eine neue Aufgabe. Da die Pumpe nicht so ganz genau eingestellt werden konnte — es waren 400-500 1/min Wasser zu pumpen — musste sie über Nacht beaufsichtigt werden. So mussten wir zwei diese Aufgabe übernehmen. Wir lösten uns zweimal in der Nacht ab. Dass es uns manchmal schwer fiel, so im kalten Februar aus dem warmen Bett zu kriechen, ist verständlich, und das zwei bis drei Wochen. Die Arbeit ging nun rascher vonstatten. In 6 m Tiefe stiessen wir auf Hochterrassenschotter. Hier wurde von Zürich aus eine Probebohrung angeordnet.
Diese wurde einem Werder in Zürich übergeben. Die Bohrausrüstung wurde abgeholt, ein Bohrrohr aufgesetzt, und ein neuer Leidensweg begann.
Nach 30 cm verklemmte sich das Rohr, und der Bohrer, der mit dem Gestänge um die 200 kg wog, musste von sechs Mann vom Morgen bis zum Abend hochgezogen und fallengelassen werden. Am Morgen machten wir einen Kreidestrich an die Bohrstange, der manchmal am Abend 5 cm höher war als am Morgen...
Der Bohrer musste sich den Weg im Zickzack hinunter suchen, denn wenn wieder ein grösserer «Bollen» hinuntergeschlagen wurde, musste dieser erst zu Sand zerstampft werden. Bei 3 m Tiefe konnten wir feststellen, dass anderes Wasser dazukam.
Im Gegensatz zum äusseren Wasser, das 4-5 °C mass, hatten wir nun im Rohr 11 °C.
Nun wurde ein Pumpversuch gemacht, und es konnten etwa 100 Minutenliter festgestellt werden.
Das ermunterte uns, mit der Arbeit fortzufahren. Werder wurde nun beauftragt, diese Arbeit auszuführen.
Er liess nun den alten Schacht einstürzen und erstellte einen neuen, 4x4 Meter messenden. Ganz imposant bot sich dieser Schacht dar.
Fast waren wir etwas neidisch.
Aber bald wurde die Sache auch hier kritisch. Es musste eine Doppelspriessung gemacht werden, und bald gelangten sie wieder auf den Fels.
Da zu dieser Zeit noch keine Luftdruckbohrer bekannt waren, musste mit leichteren Sprengungen vorgegangen werden.
Mit Regenmänteln wurde die Arbeit ausgeführt. Bei zunehmender Tiefe wurden die Wände mit Tüchern ausgekleidet.
Nun waren wir bald in 13 m Tiefe und hatten noch immer kein Wasser. Nach einer schlaflosen Nacht ging ich am Morgen auf den Bauplatz. Ich sagte nun den zwei Arbeitern, sie sollten einmal so viel laden wie möglich. Wie ich nachher aus einem Arbeitsrapport feststellen konnte, luden sie sieben Altorfitpatronen. Um 4 Uhr war es soweit, dass die Sprengung ausgeführt werden konnte.
Da während der Sprengung der Motor abgestellt werden musste, stieg das Wasser rasch.
Am anderen Morgen, um 4 Uhr, als ein Arbeiter wie gewohnt die Pumpe bedienen wollte, war das ganze Gelände überschwemmt, und der Ortsgraben gegen die Tueweid lief voll Wasser!
Das war nun eine freudige überraschung. Die 1000-l-Pumpe wurde wieder in Betrieb gesetzt, aber am Abend hatten wir immer noch 2 m Wasser im Schacht, so auch noch am folgenden Morgen.
So konnten wir feststellen, dass wir 500—600 Minutenliter hatten.
Gerne hätten wir noch eine zweite Pumpe eingesetzt, aber dies wurde abgelehnt. So konnten wir leider nie feststellen, wie es nach dieser Sprengung aussah.
Nun wurde das Filterrohr eingesetzt, Filterkies eingefüllt, eine 80 cm dicke Schicht Lehm eingestampft und eine 40 cm dicke Betonschicht darübergegossen.
Endlich war das Schwerste überstanden, das Reservoir erstellt und das Legen der Leitungen im vollen Gange.
Auf Weihnachten 1922 konnte die Anlage in Betrieb genommen werden. So erhielt das Dorf das grösste Weihnachtsgeschenk, das es nur wünschen konnte.
1947 wurde das Ried mit grossen Kosten drainiert. Die Hauptleitung, die noch das Wasser vom Neuhof her zu übernehmen hatte, musste auf 3—4 m lange Pfähle gelegt werden.
Nun sind 50 Jahre vorüber, und die Wasserversorgung hat sich bewährt. Wie es die nächsten Jahre geht bei den vielen Neubauten?
Diese Sorge will ich gerne einer jüngeren Generation überlassen, und doch kann ich nicht anders, als mich gegen den Gedanken zu wehren, Seewasser beizuziehen.
Ich habe bei der Suche des Wassers darauf hingewiesen, dass ein breiterer Grundwasserstrom gegen das Ferch führe.
Bei der Öffnung des Leitungsgrabens für die Wasserversorgung Lindhof wurde dieses Grundwasser freigelegt.
Mit nur einer Überdeckung von 40—50 cm Fels wurde das Grundwasser auf etwa 10 m freigelegt, und Hunderte von Litern sprudelten aus den Felsen. Wer das gesehen hat, kann es einfach nicht begreifen, dass man dieses Wasser nicht benutzt.
Ernst Güttinger, der als Vorarbeiter dieses Wasser mit Lehm wieder abdichten musste, wird meine Angaben bestätigen.
Als Ort, wo man dieses Wasser fassen könnte, möchte ich eine Stelle nordöstlich des Waldhofes bezeichnen.
Wird es wohl dazu kommen?
Jak. Muggli