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Was genau ist ein Trauma?
Der Begriff Trauma stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie «Wunde». Bildlich gesprochen ist ein Trauma eine seelische Verletzung, zu der es durch traumatisierende Erlebnisse kommen kann. Meist entsteht ein Trauma dann, wenn Menschen extreme Hilflosigkeit, Ohnmachtsgefühle und damit unkontrollierbare Situationen erleben. Als traumatisierend werden im Allgemeinen Ereignisse wie Unfälle oder Erkrankungen, aber auch Erfahrungen psychischer, körperlicher und sexueller Gewalt sowie Verlust- und Vernachlässigungserfahrungen bezeichnet.
Die Ego-State-Therapie
Eine Form der Traumatherapie ist die Ego-State-Therapie, eine der jüngsten Therapieformen der neueren Zeit. Die US-Amerikaner John und Helen Watkins haben in den 70er Jahren die Hypnotherapie mit der Psychotherapie vereint und damit die Ego-State Therapie begründet. Der Ansatz der Methode dreht sich um Persönlichkeitsanteile. Die Theorie geht davon aus, dass jeder Mensch aus verschiedenen Persönlichkeitsanteilen besteht, die miteinander kooperieren, sich manchmal aber auch uneinig sind. Es kann passieren, dass ein Persönlichkeitsanteil überhandnimmt und der Betroffene in Schmerz-, Trauma-, Angst- und Wutgefühlen gefangen bleibt. Das Ziel ist es, die Anteile wieder in ein harmonisches Gleichgewicht zu bringen.
Die Arbeit mit den Ego-States
Die Ego-States können durch gewisse Trigger in Erscheinung treten. Wenn Eltern zum Beispiel oft mit ihrem Kind schimpfen, lernt es möglicherweise, dass es die Situation mit Rückzug meistern kann. Diese Strategie wird das Kind immer öfter anwenden. Im Erwachsenenalter wird dieser „Rückzug-Ego-State“ immer dann getriggert und sich zeigen, wenn eine Autoritätsperson ihn oder sie zurechtweist. Bei der Trauma-Aufarbeitung mithilfe der Ego-State-Therapie geht es um die Aufspaltung der inneren Welt in einerseits „traumanahe“ Ich-Zustände. Also die emotionalen Traumafolgen wie beispielsweise Ohnmacht, Hilflosigkeit, Scham oder Verletztheit. Daneben lassen sich andererseits auch die entgegengesetzten „täternahen“ Zustände mit Gefühlen wie Entwertung oder Aggression beobachten, die sich häufig im Erleben der Betroffenen wiederfinden. Vor allem aber werden diese vom Patienten auch gegen sich selbst gerichtet. Ich-Zustände können zum Beispiel mithilfe von Hypnose zugänglich gemacht werden. Anschliessend wird der Versuch unternommen, die Kommunikation zwischen den verschiedenen Persönlichkeitsanteilen zu verbessern.
Ablauf der Ego-State-Therapie
Zu Beginn der Therapie werden vor allem ressourcenreiche Ego-States aktiviert, um die Klienten zu stärken. Dann werden die Ego-States lokalisiert, die sich zum Beispiel durch Schmerz, Wut oder Enttäuschung zeigen. Danach wird versucht, die Konflikte der Ego-States durch eine verbesserte Kommunikation aufzulösen. Trauma-Betroffene lernen ihre Ego-States besser kennen und können die Anteile zu ihrem Wohle einsetzen. All das hilft, um die Stabilität, Selbstregulation und Selbstwertstärkung zu verbessern.
Leserfrage
In meiner Kindheit wurde ich viel gemobbt. Noch heute leide ich an Selbstwertproblemen und Ängsten. Wie schaffe ich es, endlich damit abzuschliessen?
In meiner Arbeit als Psychotherapeutin begleite ich viele Klienten, die in ihrer Kindheit kein sicheres Umfeld hatten oder solche traumatisierende Mobbingerfahrungen gemacht haben. Im Erwachsenenalter leiden viele immer noch darunter, da sie ihre Persönlichkeitsanteile nie integrieren konnten und die Angstgefühle oder Selbstzweifel dominieren. Mithilfe der Ego-State Methode kann man sich um diese verletzten Persönlichkeitsanteile kümmern, sie trösten und ihnen Sicherheit vermitteln. Das wiederum ermöglicht es, mit der Zeit mehr Zuversicht und Selbstvertrauen zuzulassen.
Über die Autorin
Denise Moser ist eidg. anerk. Psychotherapeutin und Kindebuchautorin von «Nicht meine Schuld!». In Ihrem Buch veranschaulicht sie, wie Kinder und Erwachsene ihre Schuldgefühle besser verstehen lernen um sie dann verabschieden zu können. Frau Moser arbeitet mit der Ego-State-Therapie und ist Ansprechpartnerin im Bereich Paar- und Familientherapie sowie der Traumatherapie.
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