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(Linnaeus, 1767)
- DE: Sibirische Keulenschrecke
- EN: Siberian Grasshopper | Club-legged Grasshopper
- FR: Le Gomphocère des alpages | Le Criquet de Sibérie
- Syn.: Gryllus clavimanus Pallas, 1772 | Aeropus sibiricus graecus Uvarov, 1931 | Aeropus sibiricus helveticus Uvarov, 1931 | Aeropus sibiricus hispanicus Uvarov, 1931 | Aeropus sibiricus pyrenaicus Uvarov, 1931 | Gomphocerus sibiricus turcicus Mishchenko, 1951
Morphologie
Die Grundfarbe von Gomphocerus sibiricus ist ausgesprochen variabel. Sie reicht von grün über braun bis grau und kann bei einzelnen Individuen fast schwarz sein. Oft ist die Seite von Kopf, Halsschild und Hinterleib heller (grün) und der Rücken dunkler (braun). Die Hinterschenkel sind meist einheitlich und kontrastlos gefärbt. Das Männchen ist durch den speziellen Habitus unverkennbar. Es trägt an den Vorderschienen zwei grosse, blasenförmige Erweiterungen. Diese sind bei den Larven auch im letzten Larvenstadium kaum entwickelt. Das Halsschild ist bei beiden Geschlechtern im vorderen Bereich bucklig aufgewölbt, beim Weibchen etwas weniger stark. Die Fühlerenden sind bei beiden Geschlechtern deutlich keulenförmig erweitert und stehen beim Männchen seitlich ab. Die braunen, an der Basis erweiterten Flügel reichen beim Weibchen bis zu den Hinterknien, beim Männchen ragen sie knapp darüber hinaus.
Gesang
Gompocerus sibiricus ist eine Charakterart der zentralalpinen Rasen und auf Alpwiesen ist ihr Gesang nicht wegzudenken. Der Spontangesang besteht aus langen Versen, die über 40 s dauern können. Er beginnt mit leisen Silben und erreicht die maximale Lautstärke im ersten bis zweiten Drittel. Bereits kurz nach Beginn klingt ein metallischer Unterton mit. Ein Vers läuft meist mit einigen leisen Silben aus, so wie er begonnen hat. Zu Beginn des Werbegesangs dauern die Verse z.T. mehr als 3 Minuten, später werden sie allmählich kürzer und dazwischen werden Folgen von kurzen, leisen Silben eingefügt. Begleitet wird der Gesang von eindrücklichen Bewegungen von Kopf, Fühlern und Tastern. Beim Rivalengesang benutzen die Männchen z.T. nur ein Hinterbein und erzeugen über Minuten einzelne Laute oder Gruppen von sehr kurzen Lauten, zeitweise im Wechselgesang. Diese können stark an den Spontangesang von Chorthippus brunneus erinnern.
Spontangesang von Gomphocerus sibiricus - CH, GR, Lenzerheide, 20 °C, sonnig.
Spontangesang von Gomphocerus sibiricus bei tieferen Temperaturen - CH, GR, Lenzerheide, 20 °C, bedeckt.
Ausschnitt aus dem Versende des Spontangesangs eines einbeinigen Tieres von Gomphocerus sibiricus - CH, GR, Lenzerheide, 20 °C, sonnig.
Verbreitung
Eurosibirisch. Gomphocerippus sibiricus verfügt über ein riesiges Verbreitungsgebiet, das von den spanischen Pyrenäen bis an den Nordpazifik reicht. In Europa konzentrieren sich die Vorkommen auf die verschiedenen Gebirgszüge Pyrenäen, Alpen, Balkan und Karpaten. Die südlichsten Vorkommen befinden sich in Griechenland und der Türkei. In der Schweiz findet man Gomphocerus sibiricus im ganzen Alpenraum. In Deutschland ist die Art in Bayern auf die Alpenregion beschränkt. In Mitteleuropa ist sie in Höhen von 1000-3000 m anzutreffen.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere von Gomphocerippus sibiricus findet man von Ende Juni bis in den November.
Die Eier werden an trockenen Stellen in den lockeren, vegetationslosen Boden abgelegt. Nach einem Winter schlüpfen die Larven und durchlaufen 4 Stadien. In sehr günstigen Jahren sind bereits Ende Mai ausgewachsene Tiere zu beobachten. Dies zeigten eigene Beobachtungen auf der Riederalp im Kanton Wallis auf über 2000 m Höhe.
Lebensraum
Gomphocerus sibiricus ist eine typische Gebirgsart und ist dort in Bezug auf den Lebensraum wenig wählerisch. Es werden Alpweiden, Rasen, Zwergstrauchheiden und Geröllhalden besiedelt. Die Lebensräume sind sonnenexponiert, meist trocken und oft von offenen Felsabschnitten durchzogen. Wichtig sind offene Bodenstellen für die Eiablage und zum Sonnen. Typischerweise trifft man Gomphocerus sibiricus im selben Lebensraum mit Omocestus viridulus und Stenobothrus lineatus.
Gefährdung & Schutz
Gomphocerus sibiricus ist im Alpenraum durchwegs häufig und nicht gefährdet. Grosse jährliche Populationsschwankungen sind bei dieser Art natürlich.
- CH: LC (Nicht gefährdet)
- DE: * (Nicht gefährdet)
- AT: LC (Nicht gefährdet)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Das Männchen von Gomphocerus sibiricus ist durch die blasenförmige Erweiterung an den Vorderschienen sowie die keulenförmigen Fühlerenden unverkennbar. Myrmeleotettix maculatus hat zwar ebenfalls keulenförmige Antennenspitzen, ist aber deutlich kleiner und das Medialfeld des Flügels ist nicht erweitert. Gomphocerippus rufus ist zierlicher und die Halsschild-Oberseite verläuft gerade. Die Naht (Sulcus) ist bei Gomphocerippus rufus in der Mitte des Halsschilds. Die Fühlerkeulen sind zudem dunkel mit einer weissen Spitze. Im US-Detektor kann der lang anhaltende Werbegesang kaum von den Gesängen von Metrioptera saussuriana und Metrioptera brachyptera unterschieden werden. Der Werbegesang von Stenobothrus lineatus hört sich ähnlich an, ist aber etwas unregelmässiger. Der Spontangesang von Chorthippus vagans gleicht ebenfalls Gomphocerus sibiricus, die beiden Arten kommen aber nicht gemeinsam vor.