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Drei einzelne Blätter, eines zerrissen: Sie stammen aus dem 4./5. Jahrhundert, sind also geschrieben worden, lange bevor das Kloster St. Gallen gegründet wurde. Es seien die ältesten Exponate der Stiftsbibliothek, sagte Franziska Schnoor, die zusammen mit Philipp Lenz die Ausstellung gestaltet hat, am Freitag vor den Medien.
Die erste der drei Handschriften wirkt viereckig und steif. Wortabstände gibt es keine, ebenso wenig wie Gross- und Kleinschreibung. Diese erscheint aber bereits auf dem dritten Beispiel, einer Seite aus der lateinischen Bibelübersetzung Vulgata - die älteste Kleinbuchstabenschrift, so Schnoor.
Die drei Handschriften machen den Anfang des chronologischen Rundgangs. Die Beispiele für die Schriftentwicklung sind in sieben Vitrinen angeordnet - gut sichtbar unter neuem, entspiegeltem Glas, wie Stiftsbibliothekar Cornel Dora sagte.
Die Entwicklung schreitet von Vitrine zu Vitrine voran. Die merowingische Schrift - eine Art "Schnüerlischrift" aus dem 8. Jahrhundert - ist für heutige Augen kaum lesbar. Anders etwa die Alemannische Minuskel, die etwa 750-850 im Bodenseeraum verwendet wurde. Hier erkennt auch der ungeschulte Betrachter das eine oder andere Wort.
Die Ausstellung macht deutlich, dass die Entwicklung von den Anfängen der lateinischen Schrift - welche die Römer aus dem griechischen Alphabet abgeleiteten - nicht linear erfolgte. Immer wieder entstanden regional unterschiedliche Schriften.
Zu einer Vereinheitlichung kam es unter Karl dem Grossen (747-814). Vom 9. bis ins 12. Jahrhundert dominierte die nach ihm benannte karolingische Minuskel weite Teile Europas. Ab dem 12. Jahrhundert zerfiel diese Einheit wieder. Für besondere Bücher benutzte man nun aufwendige kalligrafische, im Alltag einfache kursive Schriften.
Auch nördlich und südlich der Alpen verlief die Schriftentwicklung unterschiedlich. Kurz vor 1400 entwickelte sich in Italien die so genannte Humanistische Minuskel, die zur ersten Druckschrift wurde und laut Schnoor noch heute die Basis unserer Druckschrift ist.
Die kostbaren Exponate der Ausstellung stammen aus den eigenen Beständen der Stiftsbibliothek. Zur Ausstellung gibt es einen ausführlichen und reich bebilderten Katalog. Eine Reihe von Veranstaltungen - Vorlesungen, Führungen, Vorträge - ergänzen die Ausstellung.
(SDA)