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<h2>SubmittedText<h2><p>Die Zunahme der Todesfälle als Folge der Hitzewelle im letzten Sommer fiel in der Schweiz geringer aus als in Frankreich. Während aber ein hitzebedingter Anstieg der Todesfälle im Sommer noch so gut wie abgestritten wurde, zeigen die ersten, Ende November 2003 veröffentlichten Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) und ihre vor kurzem erfolgte Validierung, dass die Hitzewelle doch nicht folgenlos war.</p><p>Mit den Hundstagen fiel durchaus eine erhöhte Sterblichkeit zusammen. Bundesrat Couchepin erwähnte in seiner Antwort auf die Frage von Nationalrat Ueli Leuenberger vom 14. Juni 2004 für Genf eine Zunahme der Todesfälle um 27 Prozent, und für Basel-Stadt eine Zunahme um 28 Prozent. Laut einer Pressemitteilung des BFS vom 25. November 2003 ist die Sterblichkeit vor allem bei den Personen ab achtzig gestiegen, insbesondere bei den über achtzigjährigen Frauen (+34 Prozent).</p><p>Beachtenswert ist dabei, dass die ersten Zahlen, die im November geliefert wurden, tiefer waren (+22 Prozent für Basel, +23 Prozent für Genf), die Schlussvalidierung aber schliesslich höhere Zahlen ergab (vgl.: Todesfälle im August in der Schweiz. Internationales Kolloquium "Canicule '04 - Heat Wave 04'", Juni 2004, Genf). Die jüngsten Zahlen machen auch deutlich, dass die erhöhte Sterblichkeit vor allem Städte betraf: +32 Prozent in Genf, +30 Prozent in Basel und +19 Prozent in Lausanne, wobei in Zürich und Bern interessanterweise keine Zunahme verzeichnet wurde, ja die Tendenz in Bern sogar umgekehrt war.</p><p>Drückt man diese letztlich abstrakten Ziffern in Todesfällen aus, erhält man 200 bis 300 Todesfälle in der ganzen Schweiz, die mit der Hitzewelle in Zusammenhang gebracht werden können. In Frankreich kam das Institut national de la santé et de la recherche médicale zum Schluss, die Hitzewelle habe 14 800 Todesopfer gefordert, d. h., die Sterblichkeit lag 37 Prozent über dem Normalwert. Selbst wenn man die unterschiedlichen Bevölkerungszahlen von Frankreich und der Schweiz berücksichtigt (Verhältnis 10:1), erreichen wir also nicht die französischen Zahlen. Trotzdem dürfen diese zusätzlichen Todesfälle nicht heruntergespielt werden. Als konkretes Problem des Gesundheitswesens verlangen sie nach einem umfassenden Lösungansatz.</p><p>Gestützt auf das Gesagte stelle ich dem Bundesrat die folgenden Fragen:</p><p>1. Im Gegensatz zu Frankreich, wo die Zahlen zur erhöhten Sterblichkeit sehr schnell erschienen, waren bei uns erste allgemeine Statistiken erst im November verfügbar. Die Zahlen waren zudem nicht endgültig und mussten in der Folge noch validiert werden. Ist der Bundesrat nicht der Ansicht, eine solche Situation würde es rechtfertigen, dass wir in der Schweiz über eine wöchentliche, zentrale und schnelle Erfassung der Sterbedaten verfügen? Mit Hilfe dieses Kontrollinstrumentes könnten in dringenden Fällen schnell die nötigen Massnahmen getroffen werden.</p><p>2. Ist der Bundesrat nicht der Ansicht, dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) könnte und müsste - zur besseren Bewältigung einer möglichen nächsten Hitzewelle - eine aktive und zentrale Rolle zukommen, sodass es eine Informationskampagne starten, die statistische Erfassung gewährleisten und eine Evaluierung der erforderlichen Massnahmen im Bereich der ambulanten und stationären Gesundheitsfürsorge vornehmen könnte? So scheint insbesondere die von Nationalrat Leuenberger vorgeschlagene tägliche Information, wie sie bereits für die Pollenbelastung erfolgt, einfach umzusetzen. Sie müsste Teil einer umfassenden Gesundheitsstrategie sein.</p><p>Sollte nicht zudem eine flächendeckende Informationskampagne vorgesehen werden, wie sie etwa in Genf durchgeführt wurde, die sich auf Altersorganisationen, aber auch auf die grossen Berufsverbände des Gesundheitswesens (Ärzte, Krankenschwestern, Einrichtungen für ältere Menschen) stützt?</p><p>3. Wie umfassend auch die Information ist und über welche Kanäle sie übermittelt wird, sie reicht als solche nicht aus und kann den persönlichen Kontakt nie ersetzen. Dies gilt insbesondere für den Kontakt im Rahmen eines gut organisierten Hauspflegesystems, das diejenigen Älteren erreicht, die den grössten Risiken ausgesetzt sind (Betagte, die in Städten wohnen, allein leben, physisch oder psychisch geschwächt sind).</p><p>Hat der Bundesrat die Absicht, das Signal des letzten Sommers ernst zu nehmen und die erforderlichen Präventivmassnahmen zu treffen? Ist er nicht der Ansicht, dass insbesondere eine Verstärkung der Hauspflege erforderlich ist, entweder über eine direkte Finanzierung durch das BAG, durch die für das KVG zuständige Abteilung (Verzicht auf die vorgesehenen Kürzungen), oder über eine Intervention bei den Krankenkassen, damit diese die Kostendeckung für Hauspflege erhöhen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die langanhaltende Hitzewelle in den Sommermonaten des letzen Jahres stellte eine aussergewöhnliche Belastung von Menschen, Tieren und der Umwelt dar. Die Hitze war primär in den Ballungsräumen spürbar und machte vor allem älteren Personen sehr zu schaffen. Statistisch gesehen führte diese Belastung, bezogen auf die ganze Schweiz, zu einer Erhöhung der Anzahl Todesfälle. Die Sterblichkeitsstatistik des Bundesamtes für Statistik zeigte im Vergleich mit dem Durchschnitt von 1999 bis 2002 eine Zunahme von 9,5 Prozent Todesfällen im Monat August 2003. Im Jahresüberblick 2003 wurde hingegen eine kaum signifikante Zunahme der Todesfälle um 1,7 Prozent verzeichnet. Im Vergleich zu einzelnen Nachbarländern wurde die Schweiz vor gravierenderen Auswirkungen verschont.</p><p>Der Bundesrat beantwortet die in der Interpellation gestellten Fragen wie folgt:</p><p>1. Die ersten in Frankreich veröffentlichten Daten basierten auf Schätzungen: Sie stammten von den Bestattungsunternehmen. Anschliessend erarbeiteten zwei Experten des Institut nationale de la santé et de la recherche médicale einen Bericht mit einer Schätzung der Zunahme der Todesfälle als Folge der Hitzewelle in Frankreich. Im Februar 2004 publizierte das Statistisches Amt von Frankreich eine Pressemitteilung zur Bevölkerungsentwicklung 2003. Die dort präsentierten Ergebnisse (so auch die Todesfälle) beruhten auf einer Stichprobenerhebung in den Grossstädten. Es handelte sich somit immer noch um hochgerechnete, provisorische Ergebnisse.</p><p>Das BFS publizierte provisorische Ergebnisse für die Schweiz für die Monate Januar bis August 2003 im November 2003 und stellte die definitiven Daten des Jahres 2003 im Juli 2004 zur Verfügung. Die Sterblichkeitsdaten des BFS lagen demnach infolge des langen Meldeweges erst einige Monate nach dem Ereignis vor. Dieses Zeitintervall kann in Zukunft deutlich verkürzt werden, da im schweizerischen Zivilstandswesen die Daten künftig in einer zentralen Datenbank erfasst werden. Die entsprechende Umstellung erfolgt zurzeit. Die Realisierbarkeit einer wöchentlichen Sterbestatistik, wie sie von der Interpellantin angeregt wird, wird zurzeit vom BFS geprüft.</p><p>Der Bundesrat hält fortlaufend aktualisierte statistische Daten für eine wesentliche Grundlage für die verantwortlichen Stellen in Bund, Kantonen und Gemeinden und für die Sensibilisierung der Bevölkerung. Er erachtet zudem gezielte Informationen zum richtigen Verhalten der Bevölkerung bei Hitze und hohen Ozonwerten für sehr wichtig, so wie sie von den Bundesstellen (BAG, Seco, vgl. aber auch die Informationen der Suva) und den Kantonen angeboten werden.</p><p>2. Zurzeit wird in einer vom BAG und dem Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft in Auftrag gegebenen Studie im Zusammenhang mit dem Hitzesommer 2003 untersucht, ob und wie sich die Temperatur und die gleichzeitig ansteigenden Schadstoffkonzentrationen, insbesondere die Ozonwerte, auf die Sterblichkeit der Schweizer Bevölkerung auswirkten. Die beteiligten Bundesstellen werden den kantonalen Behörden und anderen interessierten Stellen die Ergebnisse zur Verfügung stellen, die auf Herbst 2005 erwartet werden.</p><p>Bei Hitzeperioden sind vor allem die Kantone für das Ergreifen von allfällig notwendigen Massnahmen zuständig. So haben die Kantone Genf und Tessin während des Sommers 2004 ein Warnsystem eingeführt. Sobald die Schwellenwerte erreicht wurden, orientierte MeteoSchweiz die Behörden dieser beiden Kantone. Diese informierten ihrerseits die Öffentlichkeit über eine zu erwartende Hitzewelle und gaben entsprechende Empfehlungen ab. Es handelte sich dabei um eine Testphase; die Erfahrungen werden im Herbst 2004 ausgewertet, und im Sommer 2005 sollen Verbesserungen eingeführt werden. Es sollte ohne weiteres möglich sein, dieses Warnsystem auch auf andere Kantone auszudehnen.</p><p>3. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass die Pflege der besonders durch die Hitze betroffenen betagten Personen auf Stufe der Gemeinwesen letztes Jahr gut funktioniert hat. Die Pflege kann in manchen Teilbereichen sicher noch optimiert werden. Angesichts der Finanzlage des Bundes ist jedoch eine Zusatzfinanzierung für die Kostendeckung bei der Hauspflege nicht möglich. Es gilt also, die auf Kantons- und Gemeindeebene verfügbaren professionellen Mittel besser einzusetzen, indem bespielsweise gewisse Synergien verstärkt werden.</p><p>Präventionsmassnahmen bei betagten Menschen sind generell als wichtiger Faktor erkannt worden. Eine Studie im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms "Alter" hat gezeigt, dass präventive Beratungsdienste in Form von Hausbesuchen bei älteren Menschen günstige Ergebnisse erzielen können. In der Vorlage zur Neuordnung der Pflegefinanzierung, deren Vernehmlassung bis zum 23. September 2004 läuft, hat der Bundesrat deshalb auf genereller und individueller Ebene Massnahmen zur Stärkung der Prävention in der Krankenversicherung (z. B. präventive Hausbesuche) vorgeschlagen. Davon würden ältere Menschen auch bei aussergewöhnlichen Ereignissen wie der Hitzewelle im Sommer 2003 profitieren.</p><p>Zusammenfassend ist festzuhalten: Die Einführung einer wöchentlichen Sterbestatistik, wie sie von der Interpellantin angeregt wird, wird zurzeit geprüft. Die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung bei Hitzetagen ist Sache der Kantone und der Gemeinden. Der Bund kann diese Gemeinwesen unterstützen bei der Information und Prävention. Zurzeit erachtet es der Bundesrat als nicht angezeigt, weitere Massnahmen zu treffen.</p>  Antwort des Bundesrates.