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Benzoe Siam spende Trost bei verletzten Gefühlen. So steht es auf verschiedenen Aromatherapie-Websites. Aber kann ein Duft wirklich Trost spenden? Ätherische Öle und Harze sind interessante Wirkstoffe in Phytotherapie und Aromatherapie. Manchmal gehen die Beschreibungen der Wirkungen allerdings in eine fragwürdige Richtung.
Was ist Benzoe?
Als Benzoe bezeichnet man das Harz verschiedener Storaxbäume. Benzoe Siam (Styrax tonkinensis) wächst wild in Thailand, Laos, Vietnam und Kambodscha. Es wird gewonnen durch Anritzen der Bäume. Für die Aromatherapie wird durch Extraktion mit Alkohol ein ätherisches Öl hergestellt.
Benzoeharz ist wohlriechend und lässt sich hervorragend verräuchern. Es wirkt desinfizierend, entzündungshemmend und auswurffördernd bei Husten. Als Arzneimittel kommt es heute nur noch selten zur Anwendung (zum Beispiel im Zellerbalsam®).
Die römisch-katholische Kirche verwendet Benzoeharz als Bestandteil des Balsamöls. Das Balsamöl wird bei der Spendung des Sakraments der Krankensalbung eingesetzt. Früher wurde dieses Sakrament auch „Letzte Ölung“ genannt.
Kommt daher die Vorstellung, dass Benzoe Trost spendet?
Kann Benzoe Siam Trost spenden?
Aber kann ein Duft als solcher Trost spenden? Oder ist es das Ritual und die damit verbundene menschliche Beziehung, die trösten? Dann ist es fragwürdig, dem Benzoeharz oder dem ätherischen Benzoeöl diese Wirkung isoliert zuzuschreiben.
Bei der Wirkung ätherischer Öle auf die Gefühlsebene gibt es eine kulturelle Ebene, die sich hier in der Verwendung als «katholisches» Balsamöl zeigt. Diese Wirkungen zeigen sich aber wohl insbesondere bei Personen, die in dieser Kultur sozialisiert wurden. Daneben gibt es individuelle Wirkungen der ätherischen Öle auf die Gefühlsebene. Sie sind stark von biografischen Einflüssen abhängig. Erinnerungen an Düfte sind eng mit Gefühlen verknüpft.
Darum ist es sehr gewagt, generalisierende Aussagen zu machen wie «Benzoe Siam spendet Trost».
Und es ist zu fragen, was Trost eigentlich umfasst. Wikipedia schreibt dazu:
«Trost ist zwischenmenschliche Zuwendung an jemanden, der trauert oder anderen seelischen bzw. körperlichen Schmerz zu ertragen hat. Derjenige wird getröstet. Trost kann durch Worte, Gesten und Berührung gespendet werden. Der Schmerz und die Traurigkeit des Getrösteten sollen gelindert werden; er soll spüren, dass er nicht allein gelassen ist; seine seelische Verfassung soll gestärkt werden.»
Trost ist eine zwischenmenschliche Angelegenheit. Man sollte ihn nicht einem Duft übertragen. In der Aromatherapie sind immer wieder solche viel zu weit reichenden Versprechungen zu finden. Dieser Punkt braucht kritische Aufmerksamkeit.