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Krankheiten: Hämorrhoiden

|Klassifikation nach ICD-10|
|I84||Hämorrhoiden|
|ICD-10 online (WHO-Version 2006)|
Hämorrhoiden bzw. Hämorriden (griechisch haíma = Blut, rhéin = fliessen) sind arteriovenöse Gefässpolster, die ringförmig unter der Enddarmschleimhaut angelegt sind und dem Feinverschluss des Afters dienen. Wenn von Hämorrhoiden gesprochen wird, sind damit aber meist vergrösserte oder tiefer getretene Hämorrhoiden im Sinne eines Hämorrhoidalleidens gemeint, die Beschwerden verursachen.
Veraltete Bezeichnungen für Hämorrhoiden sind blinde Adern, goldene Adern oder Hemoriden.
Das Rektum (Mastdarm) und die Austrittsöffnung (Anus) bilden den letzten Teil des Verdauungstraktes. Der Anus besteht aus verschiedenen Muskeln, die als Schliessmuskel (Sphinkter) fungieren. Darüber hinaus existiert ein so genannter arterio-venöser Schwellkörper (Corpus cavernosum recti), der zusammen mit dem äusseren und inneren Sphinkter den Verschluss des Afters sichert. Diese Sphinkter öffnen sich reflektorisch (Musculus sphincter ani internus) bzw. willkürlich (Musculus sphincter ani externus) bei der Stuhlentleerung. Das Corpus cavernosum recti (auch Plexus hämorrhoidalis internus genannt), besteht aus einem Geflecht von Sinusoiden (Blutgefässe, die im Gegensatz zu Venen keine muskulären Wandanteile besitzen), welche mit arteriellem Blut der Arteria rectalis superior gespeist werden. Der venöse Abfluss erfolgt über durch den inneren Schliessmuskel laufende Venen, weshalb es bei Betätigung der Bauchpresse zu einer verstärkten Füllung des Corpus cavernosum recti kommt. Entsprechend dem Verlauf der versorgenden Endarterien entstehen Hämorrhoidalknoten bei den Positionen 3, 7 und 11 Uhr* in Steinschnittlage (Rückenlage mit angewinkelten Beinen). Neuere anatomische Untersuchungen haben allerdings gezeigt, dass zusätzliche Endäste an anderer Position existieren, die Ursache von Rezidiven nach Hämorrhoidenbehandlung sein können. Hier sei auf den Lageunterschied zur Analfissur bei 6 und 12 Uhr* hingewiesen.
Jeder gesunde Mensch hat drei Gefässpolster (Plexus hämorrhoidalis internus). Diese können bei Vergrösserung oder Tiefertreten (Prolaps) zu einem Hämorrhoidal-Leiden führen.
Typische Symptome sind Blutungen (Hämatochezie = hellrotes Blut beim Stuhlgang), Druckgefühl, Juckreiz (Pruritus), Hautausschlag (Ekzem oder Dermatitis) und im fortgeschrittenen Stadium Störungen der Stuhl-Kontinenz (Fähigkeit, Stuhl und Darmwinde sicher zu halten).
Die Ursachen des Hämorrhoidal-Leidens sind nicht sicher geklärt, eine Rolle spielen wohl ballaststoffarme Kost, der aufrechte Gang, langes Sitzen, genetische Veranlagung (Bindegewebsschwäche) sowie ungünstige Stuhlgewohnheiten (lange Toilettensitzungen, starkes Pressen).
Eine ähnliche Erkrankung mit der Bezeichnung Analthrombose (= unechte Hämorrhoiden) (teilweise irrtümlich als äussere Hämorrhoiden bezeichnet) entsteht durch Ausbildung eines Blutgerinnsels (Thrombus) in den Venen der Analhaut und wird medizinisch exakt Perianalthrombose genannt. Hier zeigt sich ein blauschwarzer, sehr druckschmerzhafter, prallelastischer Knoten neben dem After. Die Erkrankung ist in der Regel harmlos und heilt unter begleitender Therapie mit Sitzbädern und örtlichen Schmerzmitteln von selbst. Nur wenn der Patient den Schmerz nicht aushalten kann oder Zweifel an der Diagnose bestehen, ist eine operative Entfernung nötig. Diese kann in örtlicher Betäubung ambulant erfolgen.
Rund 50 Prozent der über 50-jährigen leiden unter Hämorrhoiden. Die Erkrankung kann aber durchaus auch weit vor diesem Alter auftreten, wobei Frauen und Männer gleichermassen betroffen sind.
Die krankhafte Vergrösserung der Hämorrhoiden wird in vier Stadien eingeteilt. Zwischenstufen zwischen den einzelnen Stadien sind möglich. Kritiker dieser Einteilung weisen darauf hin, dass die Unterscheidung zwischen 2. und 3. Grad nur auf der Angabe des Patienten, die Hämorrhoiden zurückschieben zu müssen, beruhe und keine therapeutische Konsequenz habe.
Hämorrhoiden 1. Grades:
Hämorrhoiden 2. Grades:
Hämorrhoiden 3. Grades:
Hämorrhoiden 4. Grades:
Hämorrhoiden können mit anderen Erkrankungen verwechselt werden. Deshalb ist vor einer Behandlung eine Untersuchung durch einen Proktologen sinnvoll. Dieser hat genügend Erfahrung, um sicher feststellen zu können, ob es sich um Hämorrhoiden oder um eine Thrombose handelt (Blutgerinnsel am Afterrand), ob eine Fistel (entzündeter Verbindungsgang zwischen Darm und Haut) oder Fissur (Riss in der Schleimhaut) vorliegt.
Eine universelle Behandlungsmethode gibt es nicht. Der behandelnde Arzt muss sich je nach Stadium (1.4. Grad), individueller Anatomie und Beschwerden des Patienten und nicht zuletzt aufgrund seiner persönlichen Berufserfahrung für eine Behandlungsmethode entscheiden. Normalerweise reichen bei Hämorrhoiden des 1. und 2. Grades kleinere ambulante Eingriffe aus. Bei Hämorrhoiden ab 3. und 4. Grad kann meist nur noch eine Operation Abhilfe schaffen.
In frühen Stadien der Erkrankung kann eine deutliche Besserung bereits eintreten, wenn auf faserreiche Nahrung (Ballaststoffe), körpergerechtes Stuhlverhalten und die richtige Hygiene umgestellt wird. Das ist aber nur bei Hämorrhoiden 1. und allenfalls frühen 2. Grades ausreichend. Die Beschwerden können durch lauwarme Sitzbäder mehrmals am Tag und milde Stuhlaufweicher gelindert werden.
Medikamentös können Hämorrhoidalleiden symptomatisch gelindert werden. Zum Einsatz kommt hier vielfach eine Wirkstoffkombination aus Basischem Bismutgallat, Bufexamac, Titandioxid und Lidocain (z. B. in Faktu akut, Rectosellan, Proctis, Mastu, Haemo Ratiopharm) zur rektalen Anwendung in Form von Salben und/oder Zäpfchen. Üblich sind unter anderen auch Lidocain als Monopräparat (in Lidoposterine) und andere Lokalanästhetika wie Cinchocain (rezeptpflichtig, in Dolo Posterine sowie in Faktu in Kombination mit Policresulen), Quinisocain (in Haenal) oder Benzocain (in Anaesthesin) sowie Stoffwechselprodukte und korpuskuläre Bestandteile von Escherichia coli (in Posterisan).
Bei Hämorrhoiden 1. und 2. Grades versucht man durch kleinere ambulante Eingriffe eine Operation zu vermeiden, oder zumindest einige Jahre aufzuschieben. Dazu greift man unter anderem zu folgenden Behandlungsmethoden:
Es gibt mehrere recht unterschiedliche, als Hämorrhoidektomie bezeichnete Techniken, die nach ihren Erfindern unterschieden werden. Alle Verfahren werden bei Vollnarkose durchgeführt und erfordern in der Regel einen mehrtägigen Krankenhausaufenthalt (stationär). Die Heilzeit von mehreren Wochen verläuft schmerzhaft. Von Bedeutung sind darunter vor allem die Verfahren mit offener Wundheilung.
Gelegentlich wird in Boulevardzeitungen oder Internetforen der Geheimtipp verbreitet, Hämorrhoidencreme sei hilfreich gegen Gesichtsfalten oder Schwellungen der Augenlider. Tatsächlich sind die meisten Hämorrhoidencremes aufgrund der darin enthaltenen örtlichen Betäubungsmittel wie Lidocain oder Entzündungshemmer wie Kortison für diesen Zweck völlig ungeeignet oder sogar schädlich.[3] Der gewünschte Effekt kann nur von einer Salbe mit einem lediglich adstringierenden (zusammenziehenden) Wirkstoff erwartet werden. Weitgehend unbedenklich sind hier Salben mit Hamamelis-Extrakt, einem pflanzlichen Gerbstoff (zum Beispiel in Posterine). Hamamelis-Salben werden jedoch nicht nur als Hämorrhoidencreme angeboten, sondern auch in kosmetisch geeigneterer, weniger fetthaltiger Zubereitung.
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