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Hierzu kommt dem
Holz gegenüber der Vorzug der geringern Feuersgefahr und manchen Steinkonstruktionen, z. B.
Gewölben, gegenüber die Möglichkeit einer ungleich raschernAufstellung. Der Eisenbau wird bei kleinern
Objekten
in Schlosserwerkstätten, bei größern
Objekten in sogen.
Eisenbauanstalten hergestellt und erstreckt sich auf Gegenstände
des
Hochbaues und des Ingenieurwesens, insbesondere des Brückenbaues. Im
Hochbau gehören besonders die
Dach- und Deckenkonstruktionen
sowie die
Stützen und
Säulen
[* 4] dem Eisenbau an. Die Eisendächer werden sowohl über rechteckigen als zentralen
Grundrissen mit geraden, gebrochenen oder gekrümmten
Sparren hergestellt und erhalten die geeignete, aus
Streben und Zugstangen
bestehende Versteifungskonstruktion, während ihre Eindeckung meist mittels
Metall,
Schiefer oder
Glas
[* 5] erfolgt oder auch aus
je zweien dieser Materialien kombiniert wird.
Unter die bedeutendsten Ausführungen dieser
Gattung gehören die
Dächer der Bahnhofshallen, großen Wintergärten
und Saalbauten (s.
Dach).
[* 6] Die Eisendecken werden meist aus einer
Lage gewalzter
Balken von I-förmigem
Querschnitt hergestellt,
mit welchen schwächere Quer- und Längsstäbe verbunden werden. Das hierdurch entstehende eiserne
Gerippe wird über Wohnräumen
unten meist mit einem Gipsguß überzogen, welcher den
Plafond bildet, und
oben mit hölzernenDielen belegt,
welche als
Fußboden dienen. In Nutzbauten werden statt der eisernen
Stäbe mit Vorteil
Wellbleche über die Eisenbalken gelegt
und mit
Zement oder
Asphalt ausgefüllt.
Hierher gehören ferner die walzeisernen
Balken, durch welche
Fenster- und Thüröffnungen überdeckt werden, und welche zu
Trägern der darüber befindlichen
Mauern und
Wände dienen (s.
Decke).
[* 7] Die eisernen
Stützen werden meist
aus
Gußeisen in Form von
Röhren
[* 8] oder hohlen
Säulen teils im Äußern, teils im Innern von Hochbauten verwendet und setzen
sich bei
Fabriken,
Warenlagern u. dgl. nicht selten durch sämtliche
Etagen fort, wo sie zusammengeschraubt und oft mit der gleichfalls eisernen Deckenkonstruktion verbunden werden.
In Bauten, welche starken
Erschütterungen ausgesetzt sind, werden solche
Stützen zweckmäßiger aus Schmiedeeisen und zwar
entweder aus mit kreuzförmigem
Querschnitt gewalztem Façoneisen hergestellt, oder aus je vier
Winkeleisen oder Quadranteisen
zusammengesetzt.
Eisenfachwerkbau findet mehrfach an
Stelle massiver
Mauern und hölzerner Fachwerkswände Anwendung, indem er vor den erstern
den Vorzug größerer
Dichtigkeit und Raumersparnis, vor den letztern denjenigen größerer Dauer sowie
vollkommener Sicherheit vor Feuersgefahr und Schwammbildung, vor beiden aber den Vorzug größerer
Festigkeit
[* 9] darbietet. Die
Konstruktion des
Eisenfachwerkbaues ist verschieden, je nachdem derselbe das eiserne, später auszumauernde
Gerippe der
Umfangs-
und Zwischenwände eines
Hochbaues bilden oder nur als
Ersatz starker, massiver
Mauern durch schwächere
dienen oder Holzfachwerkwände ersetzen soll. Im ersten
Fall besteht derselbe meist aus einer etwa 14×1 starken, auf gemauertem
Sockel ruhenden Fußplatte, worauf die im
Querschnitt I-förmigen,
ca. 14×1×4×1 starken Zwischenpfosten sowie die aus je
zwei ebensolchen, unter rechten
Winkeln zusammenstoßenden Pfosten und einem
Winkeleisen bestehenden Eckpfosten
mittels an jene Fußplatte angenieteter Winkellappen durch
Schrauben
[* 10] befestigt werden. Diese Pfosten erhalten einen
Abstand
von je 1-1,5m und werden in Stockwerkshöhe durch je zwei im
Querschnitt I-förmige;
ca. 8×1×4×1 starke
Riegel mittels konsolenartig
gebogener Flacheisen durch
Niete verbunden, welche
Riegel zugleich die im
Querschnitt I-förmigen Deckenbalken aufnehmen.Thür-
und Fensterstürze werden aus ähnlichen doppelten, durch
¶
mehr
Schrauben verbundenen Riegeln zusammengesetzt. Im letztern Fall werden zum Zweck der Herstellung von 1 Stein starken Wänden aus
wagerechten Flacheisen und ca. 9×3×1 starken, lotrechten T- oder I-Eisen etwa 1,5-2 m breite und 0,7-0,8
m hohe Felder hergestellt, welche so ausgemauert werden, daß die Flacheisen in der Mitte liegen und zu
beiden Seiten durch Mörtelfugen verdeckt werden. Wo, wie bei Ecken und Anschlüssen von Zwischenwänden, die Flacheisen sich
selbst oder die Ständer treffen, werden sie an den Enden rechtwinkelig umgebogen und mit den letztern überdies vernietet.
Wo Fenster oder Thüren anzubringen sind, werden T- oder Z-Eisen eingelegt und mit den rechtwinkelig umgebogenen
Enden der Flacheisen vernietet.
Bei den zur Zeit verhältnismäßig billigen Eisenpreisen läßt sich der Eisenfachwerkbau mit den gleichen, bisweilen selbst
mit niedrigern Kosten herstellen als der entsprechende Massiv- oder Holzfachwerkbau. Im Brückenbau gehören besonders die
eisernen Überbaukonstruktionen, teilweise bisweilen auch die Pfeiler und Fundamente dem Eisenbau an. Die Überbaukonstruktionen
bestehen aus der Brückenbahn und den Brückenträgern, während die letztern schmiedeeiserne Balkenträger, schmiedeeiserne
oder gußeiserne Stützträger oder schmiedeeiserne Hängträger sind.
Die erstern sind wieder Träger
[* 12] mit vollen Wandungen oder Blechträger, Parallelträger oder Polygonalträger mit gegliederten
Wandungen und erhalten, wie die letztern, die im Brückenbau näher beschriebene Konstruktion (s. Brücke).
[* 13] Die eisernen Pfeiler der Brücken
[* 14] sind entweder, wie bei den leichtern Landungsbrücken und den Fußgängerbrücken, nur massive
oder hohle Stützen aus Guß- oder Schmiedeeisen mit oder ohne Schraubenflantschen zum Einschrauben in den Boden, oder, wie
bei Straßen- und Eisenbahnbrücken, entweder Röhrenpfeiler oder gegliederte Pfeiler aus Gußeisen, gegliederte Pfeiler aus Guß-
und Schmiedeeisen oder gegliederte Pfeiler aus Schmiedeeisen, meistens auf Steinuntersätzen.
Die gußeisernen Pfeiler werden aus einzelnen Trommeln zusammengeschraubt, während die schmiedeeisernen Pfeileraufsätze auf
Gußplatten ruhen und aus schmiedeeisernem Fachwerk
[* 15] hergestellt werden. Auch die Fundamente einzelner Brücken wurden teilweise
aus Eisen hergestellt, indem sie entweder nur gußeiserne oder schmiedeeiserne, meist mit Beton gefüllte
Umschließungen erhielten, oder aus meist pneumatisch versenkten eisernen Röhren bestanden, welche nach Erreichung des festen
Bodens mit Beton gefüllt wurden.
(hierzu zwei Tafeln). Wird nach der allgemeinern Begriffserklärung unter Eisenbau im Gegensatz zum Stein- und Holzbau
die Herstellung einzelner oder mehrerer zusammenhängender Bauteile aus Eisen verstanden, so hat man,
insbesondere in stilistischer Beziehung, zwischen Eisen-Klein- und Großkonstruktionen zu unterscheiden. Die erstern umfassen
die Herstellung einzelner Bauteile in Eisen, welche auch Stücke des Stein- oder Holzbaues sein können. Zu ihnen gehören z. B.
die Säulen und Träger, die Beschläge aller Art, die eisernen Thüren und Fenster mit ihrem Zubehör, die
Treppen,
[* 16] Gitter, Anker,
[* 17] First- und Turmkrönungen und sonstige Gegenstände des Kleingewerbes, im wesentlichen also die Arbeiten des
Kunstschmiedes und Schlossers. Sie wurden zum Teil von alters her und besonders seit den Zeiten des Mittelalters ausgeführt,
gehören dann den geschichtlichen Stilen an und sind in konstruktiver wie formaler Beziehung unter deren
Gesichtspunkten zu betrachten und zu behandeln. Anders die Großkonstruktionen, d. h. die Bauwerke, welche ganz oder doch vorwiegend
aus Eisen bestehen
und den Eisenbau im engern Sinn
ausmachen. Sie sind durchaus ein Produkt der neuern Zeit (wenn diese begrenzt werden
soll, des gegenwärtigen Jahrhunderts) und bilden in der Architekturentwickelung desselben eins der wichtigsten und interessantesten
Kapitel. Vielfach wird sogar der Satz aufgestellt, daß der Eisenbau vor allem berufen sei, der Neuzeit ihren Stil zu geben. Inwieweit
dies der Fall, ist für den in der Zeit Stehenden schwer zu entscheiden. Zweifellos sind die durch die
Programme der neuern großen Kulturbauten bedingten Eisenkonstruktionen berufen, einen bedeutenden Einfluß auf die Stilbildung
auszuüben.
Mit Vorsicht aber ist jener Satz aufzunehmen. Durch eine der wesentlichsten Eigenschaften des Eisens, seine verhältnismäßige
Masselosigkeit, werden der formalen Ausbildung des Eisenbaues fast unüberwindliche Schwierigkeiten bereitet. Man hat sich
über dieselben hinweggesetzt, indem man die überkommenen Formen des Stein- und Holzbaues in Eisen nachahmte.
Eine gesunde Bauweise aber kann das nicht genannt werden; denn für eine solche gilt nach dem Stande der Erkenntnis allgemein
das Gesetz, daß die Gestaltung der Kunstform abhängig sein muß von dem Wesen, den Eigenschaften des Materials,
aus dem sie gefertigt ist.
Bei der Durchführung dieses eigentlichen Materialstils hat man für den Eisenbau zwischen den beiden Haupteisenarten,
die bei ihm in Betracht kommen, zwischen dem Guß- und Schmiedeeisen zu unterscheiden. Für das Gußeisen wird man sich noch
eher an die Formen des Stein- und Holzbaues, insbesondere des erstern, halten dürfen, weil es dem Wesen
des Gußeisens durchaus entspricht, in Gestalt hohler Massenstücke, wenn auch unter gewissen, von der Gußtechnik abhängigen
Einschränkungen, in jede beliebige Form gebracht zu werden.
Charakteristischer freilich sind diejenigen Gußeisenbildungen, welche man als Wandstücke bezeichnet, z. B.
Platten aller Art, kreuzförmige Stützen, Barren mit Flantschen u. dgl. m.,
Stücke also, die aus einer oder mehreren dünnwandigen Flächen bestehen und die allein oder zusammengesetzt, aber, nicht
unter Bildung von Hohlräumen auftreten. Für sie kann die Stein- oder Holzform nicht mehr vorbildlich sein und mit ihrer Ausgestaltung
ist ein Schritt vorwärts in der Entwickelung des Eisenbaues gethan. In weit höherm Maße gilt dies vom
Schmiedeeisen, welches auch in der neuesten Zeit die bei weitem bedeutendere Rolle spielt.
Seine Formen müssen, weil seine Herstellung an bestimmte Temperaturzustände gebündelt ist, also schnell erfolgen muß,
zunächst einfach sein. Bei Handarbeit sind aus gleichem Grunde gewisse Zufälligkeiten für die Formgebung
bezeichnend. Ganz besonders wichtig für die Gewinnung guten, homogenen Schmiedeeisens ist dann aber seine Herstellung in
geringen Dicken. Hieraus und aus Rücksicht auf die beim Eisenbau in der Regel nach dem Gewicht berechneten Kosten folgen die erwähnten
formalen Schwierigkeiten der Masselosigkeit.
Der Materialüberschuß welcher bei andern Baustoffen aus Schönheitsrücksichten gegeben werden darf,
wird hier verschwindend klein, und damit verliert die Schmuckform ihren Boden. Auf diese wird also beim reinen Eisenbau thunlichst
zu verzichten, seine Schönheit vornehmlich in der Wirkung im großen, in der allgemeinen Anordnung der Großkonstruktion, in der
Kühnheit und Schönheit der Linienführung des Werkes zu suchen sein. Es gilt dies besonders von den
einschlägigen Eisenbauten des Ingenieurwesens, den Brücken, welche jetzt fast nur noch in Schmiedeeisen und ihm verwandten
Eisenarten,
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mehr
jedenfalls kaum noch in Gußeisen ausgeführt werden. Bei den Eisenhochbauten, bei denen der reine Nutzzweck nicht in gleichem
Maße im Vordergrund steht, bei denen die schmückende Zuthat mehr Bedürfnis ist und überdies die Bildung größerer, d. h.
geschlossener Massen im Programm liegt, wird auf den reinen Eisenbau mehr oder weniger verzichtet und unter Hinzunahme
andrer Materialien gemischter Eisenbau angewandt werden müssen.
Bezüglich der verschiedenen Eisenbrückengattungen und ihrer Konstruktionen wird auf den Artikel »Brücken« (Bd. 3, S. 491 ff.)
verwiesen. Was die ästhetischen Momente betrifft, so kommen diese bei Brücken mit vollwandigen Trägern kaum in Betracht.
Ihr Eisenoberbau hat aber doch immer noch eine gewisse Masse und bietet dadurch bei der Einzelbildung
Gelegenheit zur Anbringung schmückender Zuthat, mit welcher freilich, da sie sich auf Belegen oder Bemalen der Trägerwandungen
mit passendem, bescheidenem Ornament beschränkt, nur geringe Wirkung zu erzielen ist (s. Taf. I,
[* 18]
Fig. 2). Die Fachwerkbrücken
bieten auch sehr wenig Anhalt
[* 19] für die stilistische Bethätigung.
Bei ihnen wird es im wesentlichen auf eine den allgemeinen Schönheitsgesetzen thunlichst entsprechende Anordnung der Gesamtbaumasse
sowie der Trägerbegrenzungslinien und des füllenden Gitterstabwerks ankommen. Leider aber stehen selbst mit dieser ersten
Anforderung die für den Ingenieur vor allem maßgebenden Nützlichkeitsrücksichten oft im stärksten Widerspruch. Die größten
Brückenbauten der Neuzeit, welche gerade dieser Gattung angehören, die Brücken aus Trägern mit schwebenden Stützen, sogen.
Cantilever- oder Auslegerbrücken, sind zum Teil wahre Urbilder von Geschmack- und Stillosigkeit (vgl. z. B. die Coloradobrücke,
Taf. I,
[* 18]
Fig. 3). Eins der berühmtesten Beispiele der neuesten Zeit, die Fowlersche Forthbrücke in Schottland (Taf. II,
[* 18]
Fig. 7), befriedigt das Schönheitsgefühl wenigstens in ihrer Gesamtanordnung einigermaßen.
Schöner im allgemeinen sind die Hänge- und Bogenbrücken. Die Hängebrücken namentlich dann, wenn ihre Hängekurve der natürlichen
Kettenlinie folgt, wie dies bei den frühern und kleinern Ausführungen der Fall zu sein pflegt; weniger, wenn bei großen
Brücken zum Zwecke der Versteifung diese Linie aufgegeben und die Tragkette durch anders begrenzte Trägerformen
ersetzt wird, oder wenn Bündel von Hilfsseilen den harmonischen Eindruck der Aufhängevorrichtung stören.
Mit einer Bogenbrücke wird den ästhetischen Anforderungen immer entsprochen werden können, wie die Ausführungen allerorten
beweisen. In kleinerm Maßstab,
[* 20] für den sie sich besonders eignen, ausgeführt, wird bei diesen Brücken
sogar bis zu gewissem Grade ornamentale Zuthat am Platze sein (vgl. z. B. Taf.
I,.
[* 18]
Fig. 1, 4, 5 u. 6). Wie aber auch bei bedeutenden Verhältnissen
lediglich durch Schönheit der Linien und der Gesamtanordnung das Ziel erreicht werden kann, beweisen Beispiele, wie die auf
Taf. II,
[* 18]
Fig. 6, abgebildete wundervolle Sichelträger-Bogenbrücke
über den Nordostseekanal
[* 21] bei Grünenthal.
Der Unterbau der Brücken, d. h. die Gesamtheit der den Oberbau derselben stützenden Teile, wird selbst
bei Eisenbrücken
[* 22] meist in Stein ausgeführt. Genau genommen sind diese dann keine reinen Eisenbauten. Jedoch treten für
den Anblick der Brücken jene Teile der Eisenkonstruktion gegenüber meist stark zurück. Kommen Eisenpfeiler
vor, so erhalten sie bei großen Abmessungen gewöhnlich röhrenförmige Gestalt oder die Form großer Böcke aus Stabwerk
und bieten
wenig
Anhalt für das Einsetzen architektonischer Behandlung. Anders bei kleinern Verhältnissen, wo die Stützen auf Säulenform
gebracht werden können. Hier sind künstlerische Bildungen von Eigenart schon vielfach gelungen, besonders
bei der dem Eisenbau ureigen angehörten Pendelsäule, für welche z.B. die Berliner
[* 23] Stadteisenbahn gute Lösungen aufweist (s. Taf.
II,
[* 18]
Fig. 8 u. 9).
Im Hochbau gelangt der reine Eisenbau fast nur für untergeordnete Zwecke, so z. B. für Bahnwärterhäuser, Schuppen u. dgl., zur
Anwendung. Die Wände solcher Gebäude werden aus einem schlichten Guß- oder Walzeisengerippe hergestellt,
dessen Gefache man mit Wellblechtafeln, Gußeisenplatten, gepreßtem Flußeisenblech 2c. schließt. Das Dach pflegt aus Trägerwellblech
gebildet zu werden, manchmal sogar das ganze Gebäude, dem dann das Eisengerippe fehlen kann.
Taugen solche Bauten der guten Wärmeleitungsfähigkeit und Luftundurchlässigkeit des Eisens wegen zum
Wohnen wenig, so macht sie die Möglichkeit, sie leicht von einem Platze zum andern zu schaffen, für gewisse Zwecke, z. B.
zur Verwendung in Kolonien, geeignet. Gegen die architektonische Formgebung verhalten sie sich spröde. Auch aus diesen Gründen
bringt mannn Hochbau meist gemischten Eisenbau zur Anwendung und zwar derart, daß bei den Wänden sowohl wie
bei den Decken und Dächern das Eisen nur das konstruktive Gerüst bildet, während zur Herstellung der raumabschließenden
Teile andre Materialien herangezogen werden.
Die Bildung der Wände kann dabei auf zweierlei Weise geschehen. Entweder das Eisengerüst wird außen sichtbar gemacht und
erhält in seinen Gefachen eine innig mit ihm verbundene, den eigentlichen Wandschluß bildende Ausfüllung,
allenfalls auch noch eine Umhüllung mit anderm Material; oder das Eisengerüst wird eingestellt, d. h. es ist mit der raumschließenden
Wand, die dann in der Regel aus Stein besteht, nicht überall innig verbunden, sondern im Innern des Gebäudes, um Decken und
Dach zu tragen, vor jene gestellt und mit ihr nur entsprechend verankert.
Die erste Weise bildet eine vollständige Analogie zum Holzfachwerk und wird daher auch, besonders wenn der Wandschluß durch
Steine erfolgt, als Eisenfachwerk bezeichnet. Seine formale Behandlung war anfänglich wenig charakteristisch und lehnte
sich unmittelbar an die des Holzfachwerts an. Die Wirkung war unbefriedigend, mager, trocken, namentlich
wenn einfache Walzeisen zur Verwendung tamen. Für die Erscheinung dankbarere, wenn auch nur wenig eigenartigere Bildungen waren
schon früher durch Anwendung gußeiserner Gerippe gewonnen worden. Wesentlich bezeichnender wurde später das Eisenfachwerk
gestaltet, indem einerseits das Eisengerippe mehr gemäß seiner konstruktiven Wirkungsweise angeordnet, anderseits auch
das Steinwerk, seinem ausfüllenden, raumschließenden Wesen entsprechend, nach Art von Teppichen reich musivisch behandelt
wurde. Die Meniersche Schokoladenfabrik in Noisiel (Taf. I,
[* 18]
Fig. 8) und
die Mannschaftsgebäude der KaserneLouviers in Paris
[* 24] (Taf. I,
[* 18]
Fig. 9) geben dafür bekannte gute Beispiele. Auch der Bau derBerlinerStadtbahn und die PariserWeltausstellungen von 1878 und 1889 brachten bemerkenswerte einschlägige
Versuche, welche namentlich darauf hinauslaufen, der Magerkeit des Eisengerippes durch die verschiedensten Anordnungen abzuhelfen.
Stilistisch besondere Beachtung verdienen diese Versuche, wenn sie das Schönheitsgefühl befriedigende Wirkungen ergeben haden,
ohne zu massegebenden
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mehr
Umhüllungen der Eisenteile mit allerhand getriebenem, verziertem Blech ihre Zuflucht zu nehmen. Ein sehr schönes Beispiel
bildet unter anderm das Palais du Champ de Mars
[* 26] von der 1878er Ausstellung in Paris, bei welchem die in Eisengitterwerk hergestellten
Wandpfeiler nach außen farbige Fayencefüllunqen erhalten hatten (Taf. II,
[* 25]
Fig.
4). Auch das Hauptgebäude der PariserAusstellung von 1889 (Taf. II,
[* 25]
Fig. 2) darf hier als bedeutendes
Beispiel angeführt werden, obwohl es keinen wesentlichen Fortschritt darstellt. An Stelle der raumabschließenden Steinwände
sind hierbei übrigens vielfach Glaswände getreten, was ja auch bei dem gesamten in dieses Kapitel gehörigen, für die stilistische
Entwickelung aber kaum in Betracht kommenden Gewächshausbau der Fall ist. Die zweite Art der Wandbildung
im E., diejenige mit eingestellter Eisenkonstruktion, hat namentlich in Frankreich Anwendung gesunden, wie denn überhaupt
die Entwickelung des Eisenbaues vornehmlich in diesem Lande stattgefunden hat. Hervorragende Beispiele sind unter anderm die
Lesesäle der BibliothekenSte.-Geneviève und Nationale, der Lichthof in der École des beaux-arts (Taf.
II,
[* 25]
Fig. 5) und die Kirche St. Augustin (Taf. I,
[* 25]
Fig. 7) in Paris.
Besonders konsequent ist das in Rede stehende Konstruktionsprinzip bei dem letztgenannten Bauwerk zur Durchführung gebracht.
Allerdings läßt es dort auch die Grenzen,
[* 27] die ihm gesteckt sind, recht erkennen. Eisen und Stein treten
als Rivalen auf. Ihr Nebeneinander führt bald zu doppeltem Ausdruck ähnlicher oder gleicher Konstruktionsgedanken und dabei
naturgemäß zur Verkümmerung der Steinformen, bald zu Konflikten beider Bauweisen, deren Bewältigung die größten Schwierigkeiten
bereitet.
Doch sind auch glücklichere Lösungen zu verzeichnen; so Labroustes Lesesäle der genannten beiden PariserBibliotheken,
bei denen die Rolle, die der Eisenbau spielt, allerdings eine wesentlich untergeordnetere ist. Bei der Bildung der Decken des gemischten
Eisenbaues bildet die Eisenkonstruktion fast immer das allein tragende konstruktive Gerüst und tritt dabei mit bald mehr,
bald weniger Selbständigkeit in die Erscheinung. Die ästhetischen Schwierigkeiten sind nicht so groß
wie bei den Wänden, weil größere Leichtigkeit, Kühnheit und Masselosigkeit mehr im Wesen der Decke liegen als in dem der
Wand.
Überdies wird ein gewisser Schönheitsüberfluß sich hier leichter geben lassen, welcher übrigens stilistisch richtiger
in schmückender Zuthat als in einhüllender Verkleidung zu bestehen haben wird. Die großen Bauten der
letzten PariserWeltausstellung zeigten hierfür bemerkenswerte Beispiele. Durch Anordnung von Gefachausfüllung mit Terrakotten
[* 28] und allerhand Steinplattenwerk, durch Aufheften von Kartuschen,
[* 29] Schilden sowie von naturalistisch-pflanzlichem Schmuck auf das
frei gezeigte Gitterwerk der Binder, Gurte 2c., durch geeignete Anbringung selbständiger Malereien und in barocker Weise aus
ihren Rahmen ungezwungen heraustretender Skulpturen sind Ergebnisse gewonnen, welche mehr als dekorative
Bedeutung beanspruchen können. Das eben von den Decken Gesagte gilt übrigens auch für die Wandbildungen, wenn, wie z. B.
bei den großen Hallenbauten, Decke und Wand nahezu vollständig zu einer Einheit zusammenschmelzen, wie dies, um eins der
bedeutendsten neuern Beispiele anzuführen, bei der Empfangshalle des Hauptbahnhofs in Frankfurt
[* 30] a. M.
(Taf. II,
[* 25]
Fig. 1) der Fall ist. Bei diesen Hallenbauten pflegen auch Decke und Dach eins zu sein; letzteres wird also von innen
sichtbar
und kommt stilistisch auch nur in solchem Fall als Teil des Eisenbaues in Betracht. Als besondere Gattung von Eisenhochbauteu
der Neuzeit sind schließlich noch die eisernen Turmbauten zu erwähnen. Sie zeigen bald gemischten,
bald reinen Eisenbau. Oft dienen sie (als Leuchttürme, Wassertürme u. dgl.) so ausschließlich
Nutzzwecken, daß das formale Moment sehr stark zurücktritt; sie können aber auch eine ästhetisch und damit stilistisch
bedeutsame Rolle spielen. Hervorragendster Vertreter der letztern Art ist der bei Gelegenheit der mehrerwähnten
1889er PariserWeltausstellung der Hauptsache nach als Schau- und Repräsentationsstück errichtete Eiffelturm
[* 31] (Taf. II,
[* 25]
Fig.
3), ein Meisterwerk der Ingenieurkunst auch in architektonischer Beziehung und ein schlagender Beweis dafür, wie ein Eisenbauwerk
lediglich durch seine Gesamtanordnung und Linienschönheit zum Kunstwerk werden kann.
Was geschichtlich über die stilistische Entwickelung des Eisenbaues zu sagen ist, erhellt in der Hauptsache
aus dem vorstehenden von selbst. Vorangegangen ist im allgemeinen Frankreich. Dort sind zumeist die ersten sowohl als bedeutsamsten
charakteristischen Lösungen der schwierigen Probleme entstanden. England und Amerika,
[* 32] auch Italien
[* 33] haben wenig zur Sache gethan.
Deutschland
[* 34] hat sich besonders um die tektonische Durchbildung der Einzelheiten bemüht (vgl.
z. V. Taf. I,
[* 25]
Fig. 1, 2, 5, 6; Taf. II.
[* 25]
Fig.
8, 9,10), hat dabei jedoch oft die großen Gesichtspunkte aus dem Auge
[* 35] verloren. Immerhin sind aber auch auf deutschem Boden
Werke entstanden, die von dem erfolgreichen Bestreben Zeugnis ablegen, diese Bauweise auch im großen
künstlerisch fortzuentwickeln.