Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03380.jsonl.gz/1589

Neozoen
Unter dem Begriff Neozoen werden wild lebende Tierarten zusammengefasst, die unter direkter oder indirekter Mitwirkung des Menschen in ein Gebiet gelangt sind, in dem sie zuvor nie heimisch waren. Als Ursachen der Verschleppung gelten u. a. der Personen- und Güterverkehr, der unachtsame Umgang mit importierten Arten sowie die globale Erwärmung.
Einige dieser Arten haben sich durch ihr invasives Verhalten erfolgreich etablieren können. Solche Neozoen stellen keine besonders hohen Ansprüche an ihren Lebensraum, zeichnen sich durch eine hohe Fortpflanzungsrate aus und können für das Auftreten von Krankheiten verantwortlich sein. Dadurch konkurrenzieren und verdrängen sie sensible einheimische Arten und gefährden die Biodiversität.
Neozoen stellen auch in den Basler Gewässern ein Problem dar. Als invasiv gelten die zu kulinarischen Zwecken aus Amerika eingeführten Krebsarten Signalkrebs und Kamberkrebs sowie der aus Osteuropa stammende Galizierkrebs. Diese Arten werden seit den 1970er- bzw. 1980er-Jahren in Schweizer Gewässern beobachtet.
Die beiden amerikanischen Krebsarten sind meist Träger eines pilzlichen Krankheitserregers, Auslöser für die tödlich verlaufende Krebspest. Während die Krankheit die einheimische Krebsfauna auslöscht, überleben die amerikanischen Krebsarten aufgrund ihrer Immunität. Das AUE bekämpft diese gebietsfremden Krebsarten mithilfe von Reusen.
Im Rhein besteht die Wirbellosenfauna der Gewässersohle fast nur noch aus Neozoen. Aktuell machen diese bis zu 95% der Wirbellosen-Biomasse aus. Sie stammen zu einem grossen Teil aus dem Schwarzmeerraum, wie z. B. der Grosse Höckerflohkrebs. Hauptgrund für die starke Zunahme von Neozoen ist die Verbindung der ursprünglich getrennten Gewässersysteme des Rheins und der Donau durch den im Jahr 1993 eröffneten Rhein-Main-Donau-Kanal. Neozoen wurden seither mit dem Schiffsverkehr eingeschleppt oder sind aktiv eingewandert.
Seit Herbst 2011 werden im Rhein auch verschiedene aus dem Schwarzmeerraum stammende Grundelarten nachgewiesen: die Kessler-Grundel und die Schwarzmundgrundel. Die Grundeln haben sich rasant vermehrt und machten 2017 bereits rund 85% der im Kanton Basel-Stadt gemeldeten Fischfänge aus. Es ist zu befürchten, dass in naher Zukunft weitere invasive Grundelarten in Basel eintreffen. Sie sind räuberische Allesfresser und können einheimische Fischarten allmählich verdrängen. Schwarzmeergrundeln stellen insbesondere eine Bedrohung für die Bestände gefährdeter Arten wie der Nase, Äsche, Groppe oder Barbe dar. In Zusammenarbeit mit der Uni Basel werden derzeit Bekämpfungsmassnahmen erarbeitet.