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Weg-Wort vom 19. Februar 2021
Auf ein Vergehen müssen Verurteilung und Bestrafung folgen. Wir können es uns kaum anders vorstellen. Es soll Kulturen geben, die das anders handhaben. Davon erzählt die folgende Geschichte.
«Wenn ein Mitglied des afrikanischen Stammes der Babemba eine Verfehlung begangen und jemandem geschadet hat, dann wird es auf den Dorfplatz gebracht, ohne dass es von irgendeinem am Weglaufen gehindert würde.
Die Dorfgemeinschaft legt alle Arbeit nieder und versammelt sich um den Beschuldigten. Jedes Mitglied im Kreis, vom Kind bis zur Ältesten, erinnert die Person in der Mitte daran, was sie in ihrem Leben Gutes getan hat. Die Erinnerungen werden in allen Einzelheiten geschildert: jede seiner positiven Eigenschaften, seine guten Taten, seine Stärken und seine Güte. All das wird dem Beschuldigten und dem ganzen Dorf ins Gedächtnis gerufen.
Die einzelnen Geschichten werden ganz ausführlich und zugleich absolut ehrlich und mit grosser Liebe erzählt. Niemand übertreibt das Geschehene, erfindet etwas hinzu, schlägt einen ironischen oder sarkastischen Ton an.
Manchmal vergehen mehrere Tage, bis alle im Dorf ausgedrückt haben, wie sehr sie diese Person als Mitglied der Gemeinde schätzen und respektieren. Am Schluss öffnet sich der Kreis, der Betreffende wird in der Gemeinschaft wieder willkommen geheissen, und alle feiern ein fröhliches Fest.»
Was wäre, wenn wir es unter uns auch einmal so probieren würden?