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Mit einer Schweigeminute haben die Menschen in Japan der Opfer der Tsunami-Katastrophe vor vier Jahren gedacht. Am 11. März 2011 um 14.46 Uhr Ortszeit hatte das stärkste Erdbeben seit Menschengedenken den Nordosten der Hauptinsel Honshu erschüttert. Eine knappe Stunde später raste ein Tsunami mit 800 km/h auf die Küste zu und löschte ganze Städte aus. Fast 19'000 Menschen kamen ums Leben.
Beben und Tsunami zerstörten nicht nur Städte und Dörfer – sie führten auch zu Störfällen in mehreren japanischen Atomkraftwerken. Im Atommeiler Fukushima Daiichi fiel in mehreren der sechs Reaktorblöcke die Wasserkühlung aus, in Block 1 bis 3 kam es zur gefürchteten Kernschmelze. In Block 4 lag nach einer Explosion ein Lagerbecken voller Brennelemente unter freiem Himmel.
Um 20.30 Uhr musste die Regierung, die zuvor noch von einer «stabilen Lage» gesprochen hatte, den atomaren Notfall verkünden. Bis zu 900 PBq an Radioaktivität gelangten in die Umwelt (zum Vergleich: in Tschernobyl waren es rund 5200 PBq). Noch heute sickert stetig verseuchtes Grundwasser ins Meer. 590'000 Kubikmeter hoch kontaminiertes Wasser lagern noch auf dem Gelände. Es dürfte noch Jahrzehnte dauern, bis der komplizierte Prozess der Stilllegung abgeschlossen ist.
Rund 2000 Menschen in der direkten Umgebung mussten ihre Häuser sofort verlassen. Nach Strahlenmessungen am nächsten Tag vergrösserte Tokio die Evakuierungszone drastisch auf einen Umkreis von 20 Kilometern um das havarierte AKW. Nun waren schon über 60'000 Menschen auf der Flucht vor der unsichtbaren Gefahr. Die Evakuierungszone wurde später zum Sperrgebiet erklärt.
Auch vier Jahre nach der Katastrophe gibt es noch immer rund 120'000 Menschen, die im eigenen Land im Exil leben müssen. Wegen der Strahlung können sie nicht zurück in ihre Heimat. Manche von ihnen töten sich aus Verzweiflung selber, andere sterben einsam und verwaist in ihren Notunterkünften.
Zwar versucht die Regierung, einige verseuchte Gebiete mit Dekontaminierungs-Massnahmen wieder bewohnbar zu machen. Doch dies ist in dem ländlichen Gebiet sehr schwierig: Die bewaldeten Hügel müssten dafür vollständig abgeholzt werden – ein unmögliches Unterfangen.
Und auch wenn ein Gebiet für dekontaminiert erklärt wird, kehren nicht alle früheren Bewohner zurück. So zog nur etwa die Hälfte der einst 3000 Einwohner von Kawauchi zurück in ihre Gemeinde, vor allem die älteren. Viele jüngere Leute, oft Familien mit Kindern, misstrauen der Regierung und wollen kein Risiko eingehen.
An das andauernde Leid der Evakuierten erinnerte bei der zentralen Gedenkzeremonie in Tokio auch Kaiser Akihito: «Viele Menschen, sowohl in den betroffenen Regionen wie auch den Orten, wo sie hin evakuiert sind, leben bis zum heutigen Tag weiter unter schwierigen Bedingungen», sagte der der 81-jährige Monarch. «Ich bin insbesondere um die Gesundheit der Älteren besorgt.»