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Als Wechseljahre wird der Zeitabschnitt in der Lebensmitte einer Frau bezeichnet, in der sich die Hormonproduktion umstellt, also eine hormoneller Wandel stattfindet. Diese Jahre vor und nach der letzten Monatsblutung kennzeichnen den Übergang von der fruchtbaren Lebensphase hin zu der Lebensphase, in der Frauen nicht mehr schwanger werden können. Mediziner sprechen auch vom „Klimakterium". Die Wechseljahre beginnen durchschnittlich im 45. und enden im 55. Lebensjahr. Sie lassen sich wie folgt unterteilen:
Mit dem Begriff „Prämenopause" sind die etwa vier bis fünf Jahre vor der letzten Regelblutung gemeint, in denen nur leichte Befindlichkeitsstörungen auftreten und die Menstruation unregelmässiger sowie seltener wird.
Perimenopause ist der Abschnitt kurz vor und nach dem Ausbleiben der Regelblutung. In dieser Phase treten klinische (z. B. Schweissausbrüche), endokrinologische (Sekretion von Hormonen) und biologische Zeichen einer nahenden Menopause auf. Die Perimenopause dauert etwa zwei bis vier Jahre und endet ein bis zwei Jahre nach der Menopause mit dem Verschwinden der Wechseljahresbeschwerden.
Die Menopause bezeichnet die letzte Regelblutung einer Frau, der mindestens zwölf Monate keine Blutung folgt. In der Regel sind die Frauen zwischen 46 und 52 Jahre alt.
Die Postmenopause schliesst sich an die Menopause an. Je nach Auslegung endet diese Phase (1) mit dem Verschwinden der Beschwerden (2) nach zehn Jahren (3) mit dem Eintritt in das Greisenalter (Senium). Die Postmenopause überlappt sich mit der Perimenopause.
Als Climacterium praecox wird das vorzeitige Erlöschen der Ovarialfunktion vor dem 40. Lebensjahr bezeichnet.
Durchschnittlich ab dem 45. Lebensjahr lässt die Funktion der Eierstöcke nach. Diese produzieren weniger Geschlechtshormone und oftmals findet kein Eisprung statt (anovulatorische Zyklen). Ohne Eisprung sinkt jedoch auch die Menge des Hormons Progesteron (Gelbkörperhormon). Da noch genug Östrogen produziert wird, finden immer noch Monatsblutungen statt, allerdings können diese aufgrund des Hormon-Ungleichgewichts stärker ausfallen. Sobald keine Eizellen mehr in den Eierstöcken vorhanden sind, vermindert sich auch die Östrogenproduktion. Die Blutungen werden unregelmässiger, bis sie irgendwann ganz ausbleiben. Den Wendepunkt stellt die letzte Menstruationsblutung im Leben einer Frau, die Menopause, dar.
Wechseljahre und Menopause gehören zum Leben und stellen keine Krankheit dar. Beeinträchtigen die durch das Hormonungleichgewicht verursachten Beschwerden den Alltag jedoch sehr stark, verschreiben Mediziner häufig eine Hormontherapie. Ziel dieser Behandlung ist es nicht, die physiologischen Verhältnisse aufrecht zu erhalten beziehungsweise wiederherzustellen. Aus diesem Grund wurde die frühere Bezeichnung „Hormonersatztherapie" von dem Begriff „Hormontherapie" abgelöst.
Durch die Einnahme der Hormone lassen sich die meisten Beschwerden der Menopause kontrollieren. Es gibt sie als Monotherapie mit Östrogenen und als Östrogen-Gestagen-Kombination. Letztere wird bei Frauen mit Gebärmutter bevorzugt, da Östrogene allein die Gebärmutterschleimhaut stark wachsen lassen und damit das Risiko für Gebärmutterkörperkrebs erhöhen. Generell gilt, dass eine Hormontherapie nur in der niedrigsten noch wirksamen Dosierung sowie so kurz wie möglich erfolgen sollte, da die Einnahme mit schwerwiegenden Nebenwirkungen wie Brustkrebs, Schlaganfall oder Thrombosen verbunden ist. Neben der Hormontherapie stehen folgende medikamentöse Therapien zur Verfügung:
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer sowie Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer wie Gabapentin, Pregabalin oder Clonidin. Sie werden bei Hitzewallungen und Schweissausbrüchen (vasomotorischen Beschwerden) beziehungsweise bei stark belastenden depressiven Verstimmungen verschrieben.
Der Arzneistoff Tibolon hat eine schwache östrogene, gestagene und androgene Wirkung und reduziert damit Hitzewallungen und Schweißausbrüchen (vasomotorischen Beschwerden) sowie Beschwerden des Harn- und Geschlechtsapparats (urogenitale Störungen).
Hormonhaltige Cremes oder Zäpfchen helfen bei Beschwerden der Scheidenschleimhaut. Diese wirken – anders als die oben beschriebene Hormontherapie – nur an dem Ort der Anwendung und nicht im ganzen Körper.
Milchsäurebakterien werden bei unspezifischen Störungen des physiologischen Scheidenmilieus eingesetzt und können Scheidenpilz (Vaginalmykose) vorbeugen.
Tränenersatzmittel mit beispielsweise Hyaluronsäure oder Cellulosederivaten bessern trockene Augen, da sie Wasser binden und das Auge befeuchten.
Kurzfristig: H1-Antihistaminika, wie z. B. Diphenhydramin oder Doxylamin, bei Schlafstörungen.
Pflanzliche Heilmittel helfen insbesondere bei mittleren bis schwachen Wechseljahresbeschwerden. Da sie aber auch Neben- und Wechselwirkungen verursachen können, sollte die Einnahme vorher mit einem Arzt besprochen werden:
Salbei (Salvia officinalis) beugt Hitzewallungen vor. Die antitranspirative Wirkung ist in Studien bestätigt. Anwendungen können helfen, den Schweissfluss um etwa die Hälfte zu reduzieren. Besonders hilfreich sind Extrakte, die aus frischem Kraut gewonnen werden.
Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa), Soja (Glycine max) und Rotklee (Trifolium pratense) enthalten sogenannte Phytoöstrogene. Diese wirken wie körpereigenen Hormone, allerdings etwas abgeschwächt, weswegen sie als sanfte Alternative zur Hormontherapie gelten. Für Frauen mit hormonabhängigen Tumoren (auch in der Vorgeschichte) sind Phytoöstrogene wegen ihrer hormonartigen Wirkung nicht zu empfehlen.
Mönchspfeffer (Vitex agnus castus) greift regulierend in den weiblichen Hormonaushalt ein. Er eignet sich insbesondere am Anfang der Wechseljahre.
Sibirischer Rhabarber (Rheum rhaponticum) hilft bei Hitzewallungen und Schlafstörungen (neurovegetative Beschwerden) sowie bei depressiven Verstimmungen und Ängstlichkeit (psychische Beschwerden).
Johanniskraut (Hypericum perforatum) bessert ebenfalls Beschwerden mit psychischer Komponente.
Ginseng (Panax ginseng) beeinflusst das Wohlbefinden, die Stimmung und Schlafqualität während der Menopause positiv.
Baldrian (Valeriana officinalis), Hopfen (Humulus lupulus), Melisse (Melissa officinalis) und Passionsblume (Passiflora incarnata) eignen sich bei Schlafstörungen.
Des Weiteren sind zur Milderung von Wechseljahresbeschwerden folgende alternativmedizinische Methoden hilfreich:
Die Homöopathie empfiehlt beispielsweise Sepia D12 (Schwitzen ohne Hitze, Senkungsbeschwerden, heisse Hände, kalte Füsse oder umgekehrt), Pulsatilla D12 (Schwitzen ohne Hitze, Neigung zu Blasenentzündung, Frieren, Wärme wird jedoch abgelehnt), Cimicifuga D12 (Hitzewallungen ohne Schwitzen, linkseitige Nacken-Schulter-Arm-Schmerzen), Lachesis D12 (Hitzewallungen mit Schwitzen, Neigung zu venösen Beschwerden, nichts Enges am Hals), Sanguinaria D6 (klimakterische Wallungen zu Kopf und Brust, Schwindel, Atembeklemmung, starke Röte des Gesichts), Acidum sulfuricum D12 (starke Blutungen, Hitzewallungen mit erschöpfenden Schweissen).und Sulfur D12 (Hitze und Schwitzen, heiße Handflächen und Fusssohlen, schlimmer im warmen Bett). Ebenfalls verwendet werden Komplexpräparate mit mehreren Homöopathika.
Schüsslersalze, z. B. Nr. 8 Kalium chloratum (bei Hitzewallungen), Nr. 5 Kalium phosphoricum (bei Schlafstörungen), Nr. 10 Natrium sulfuricum (bei depressiver Verstimmung), Nr. 9 Natrium phosphoricum (bei Heisshunger und Gewichtszunahme).
Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Yoga oder Autogenes Training reduzieren bei regelmässiger Anwendung Spannungen, nervöse Unruhezustände sowie Hitzewallungen bzw. vermehrtes Schwitzen.
Akupunktur, ein Teilbereich der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), bei der Nadeln an bestimmte Punkte auf der Haut gesetzt werden. Dadurch sollen sich Störungen im Energiefluss beheben lassen. Die Behandlung kann Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Haut- sowie Haarprobleme etc. lindern, der genaue Wirkmechanismus ist allerdings noch unbekannt.
Chiropraktik, eine ganzheitliche Methode, bei der mit der Hand die Funktionsfähigkeit von Gelenken und Muskeln wiederhergestellt und so Schmerzen gelindert werden.
Fussreflexzonenmassage. Durch die Massage bestimmter Reflexzonen an den Füssen sollen bestimmte Körperstrukturen, Organe oder Drüsen beeinflusst werden. Je nach angewandter Technik wirkt sie beruhigend oder aktivierend.
Zudem können folgende Hausmittel und Tipps bei Wechseljahresbeschwerden helfen:
regelmässige sportliche Betätigung, wie Schwimmen und Radfahren. Dies verbessert die Muskelkraft, stärkt die Knochen, hilft beim Entspannen und lindert Hitzewallungen.
ausreichend Schlaf sowie das Einlegen von Ruhepausen, damit Stress die Beschwerden nicht verschlimmert
sich gesund und abwechslungsreich ernähren und Calcium- sowie Vitamin-E-haltige Lebensmittel in den Speiseplan einbauen
das Trinken von ausreichender Flüssigkeit, um das Austrocken der Haut und Schleimhäute zu verhindern. Kräutertees mit Heilpflanzen können ebenfalls lindernd auf die Beschwerden einwirken. Bewährt haben sich z. B. Frauenmantel (Alchemilla vulgaris), Schafgarbe (Achillea millefolium) und Salbei (Salvia officinales).
Moorbäder, kalte Güsse, Wechselduschen und andere Anwendungen nach Sebastian Kneipp, die Schweissausbrüche lindern können
Hyaluronsäure, Pflanzenöle wie Rosmarinöl, Olivenöl sowie (natürliche) Gleitmittel wie z. B. Aloe vera. Diese befeuchten die trockene Scheidenschleimhaut.
Handgelenke bei aufsteigenden Hitzewallungen für einige Sekunden unter das Wasser halten
mehrere dünne Kleiderschichten, die bei Hitzewallungen flexibel ausgezogen werden können.
Nicht jedes Hausmittel beziehungsweise nicht jede alternative Heilmethode ist für jeden geeignet. Aus diesem Grund ist es ratsam, vor der ersten Anwendung mit dem behandelnden Arzt Rücksprache zu halten.
Nach der Menopause nimmt das Osteoporoserisiko stetig zu. Durch den Östrogenmangel beschleunigt sich der Abbau von Knochengewebe, sodass der Knochen instabiler wird und leichter brechen kann. Sinnvoll ist es daher, zum Eintreten der Wechseljahre die Knochendichte bestimmen zu lassen. Unterschreitet diese einen bestimmten Wert, wird der Arzt Medikamente gegen den Knochenschwund wie z. B. Calcium, Vitamin D3 oder die Bisphosphonate Alendronat, Ibandronat und Risedronat verordnen.
Durch den Östrogenmangel verliert zudem der Beckenboden an Elastizität, wodurch es zu einer Harnschwäche (Harninkontinenz) kommen kann. Dem ungewollten Urinverlust lässt sich jedoch mit einem Beckenbodentraining entgegenwirken.
Weitere Langzeitfolgen der Menopause sind:
Gewichtszunahme aufgrund des geringeren Grundumsatzes
höheres Risiko für eine Arteriosklerose
höheres Herzinfarktrisiko. Der Grund hierfür ist jedoch das zunehmende Alter und nicht die Menopause.
Anders sieht es bei Frauen aus, die früh die Menopause erreichen. Bleibt die Menstruation vor dem 45. Lebensjahr aus, erhöht sich auch das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Demgegenüber haben Frauen, bei denen die Menopause erst im Alter zwischen 50 und 54 einsetzt, eine um 13 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit für tödliche Herzinfarkte.
Aber die Zeit nach der Menopause hat auch Vorteile:
Menstruationsbeschwerden sind vorbei
eine Verhütung wird unnötig
die Lebensqualität bei Frauen mit Endometriose kann sich verbessern
eine Migräne kann sich bessern beziehungsweise verschwinden.
Etwa eine von drei Frauen verspürt vor und nach der Menopause keine Beschwerden. Wie belastend die auftretenden Symptome empfunden werden, hängt unter anderem von der Einstellung der Frau sowie ihrem Kulturkreis ab. In der westlichen Industriegesellschaft beispielsweise herrscht das Ideal der Jugend und Gesundheit. Die Zeit nach der Menopause wird daher oftmals auch mit dem Verlust der sexuellen Attraktivität verbunden. In Kreisen, in denen der Status der Frau mit dem Alter steigt, sind Wechseljahresbeschwerden seltener. Des Weiteren wirken sich der Lebensinhalt und die Lebensführung auf die Intensität der Beschwerden aus. Kaffee, schwarzer Tee, alkoholische Getränke und scharf gewürzte Speisen beispielsweise regen die Schweissbildung an und fördern dadurch Hitzeanfälle. Aber auch Stress, Übergewicht und eine warme Lebens- und Schlafumgebung beeinflussen die Beschwerden vor und nach der Menopause negativ.
Den Wechseljahren vorbeugen, macht keinen Sinn, da diese eine normale Phase im natürlichen Alterungsprozess der Frau darstellen. Die Begleiterscheinungen der Menopause lassen sich allerdings durch eine veränderte Lebensweise bis zu einem gewissen Grad beeinflussen:
Soziale Kontakte und der Austausch mit anderen Menschen können beim Vorbeugen von depressiven Verstimmungen helfen. Ebenso kann ein positives Bild zu diesem Zeitabschnitt, Tätigkeiten, die Freude bereiten, sowie das Angehen von neuen Zielen (z. B. Träume), Bewegung an frischer Luft und eine gesunde Ernährung die Psyche positiv beeinflussen.
Leichte vasomotorische Beschwerden (z. B. Hitzewallungen) lassen sich durch den Verzicht auf Nikotin sowie die Reduktion von Genussmitteln (z. B. Alkohol, Kaffee) vorbeugen.
Regelmässige körperliche Bewegung und ein gezieltes Beckenbodentraining können die Funktion des Schliessmuskels verbessern und Inkontinenz bessern beziehungsweise verhindern.
Regelmässige Bewegung an frischer Luft, eine calciumreiche Ernährung mit z. B. Milchprodukten sowie die eventuelle Einnahme von Calcium-, Colecalciferol- beziehungsweise Calcitriol-Präparaten helfen beim Vorbeugen von Osteoporose.
Eine gesunde Ernährung, regelmässige sportliche Betätigung und ausreichendes Trinken verhindert eine Gewichtszunahme.
In den Jahren vor der Menopause kommt es zwar seltener zum Eisprung, wodurch auch eine Schwangerschaft unwahrscheinlicher wird – sie ist aber immer noch möglich. Bis zum 52. Lebensjahr ist daher eine zuverlässige Verhütung wichtig. Verzichtbar wird diese erst, wenn ein Jahr lang keine Regelblutung mehr aufgetreten ist.