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Der Hirnschlag ist ein leider häufig lebensbedrohlicher medizinischer Notfall. Jährlich erleiden schweizweit ungefähr 16‘000 Menschen einen Hirnschlag. Dieser Artikel soll einerseits Aufschluss darüber liefern, wie ein Hirnschlag entsteht und dann in einem zweiten Schritt aufklären, wie man als Laie im Notfall handeln muss. Die Versorgung des Gehirns ist im Vergleich zum Rest des Körpers speziell, da es viele Redundanzen gibt. Redundanzen sind Überlagerungen in der Versorgung von einem Gebiet. Es sind jedoch alles Endarterien, die das Gehirn versorgen; das bedeutet, dass es keine Verbindungen zwischen den Gefässen gibt. Wenn also eine solche Arterie verstopft ist und die Durchblutung dadurch gestört ist oder ganz verhindert wird, geht das direkt einher mit einem Versorgungsmangel, da Gefässverbindungen fehlen. Die Neuronen sind sehr empfindlich und nehmen schon nach Sekunden ohne Sauerstoff Schäden. Nach drei Minuten treten bereits erste irreversible Schädigungen auf. Je nach Grösse des Gefässes sind diese Zelluntergänge klinisch unauffällig oder es treten Symptome auf, bei denen rasch gehandelt werden muss.
Zuerst jedoch zur Entstehung des Schlaganfalls: Ein Schlaganfall entsteht wie bereits angedeutet durch eine Durchblutungsstörung von Hirnarealen. Die Durchblutungsstörung kann verschiedene Ursachen haben, kommt jedoch meistens daher, dass sich arteriosklerotische Plaques in der Wand eines in der Regel arteriellen Gefässes lösen und diese Plaques zu einem festen Gerinnsel, fachsprachlich Thrombus, auflagern. Diese Thromben zirkulieren dann und verstopfen im Falle eines Hirnschlags eine Endarterie des Gehirns. Doch was sind arteriosklerotische Plaques? Diese Plaques sind das Resultat der Arteriosklerose, eine Erkrankung der Arterien, die im Volksmund als Gefässverkalkung bekannt ist. Die Verkalkungen treten sehr schleichend auf und können klinisch jahrelang unauffällig sein. Sie führen jedoch zu einer Wandverdickung und somit zu einer Verengung und einer erhöhten Steifigkeit des Gefässes, was sich beides negativ auf den Blutfluss auswirkt. Wenn man sich die Arteriosklerose verbildlicht vorstellen will, sollte man an ein altes Leitungsrohr denken, in dem sich gewisse Stoffe ablagern, wodurch das Rohr keinen optimalen Fluss mehr gewährleisten kann. Die angelagerten Materialien in Gefässen sind vor allem Kalk, Fette und kleine Bindegewebsbestandteile.
Wenn Sie bei einer Person den Verdacht auf einen Hirnschlag hegen, dient die sogenannte F.A.S.T. Methode der Überprüfung. „Fast“ impliziert, dass es schnell gehen muss, zudem ist es die Abkürzung für die vier wichtigsten und einfachsten Checks:
Häufig werden vonseiten der Patienten auch diffuse Kopfschmerzen angegeben. Auch ein gestörtes Gangbild kann (wenn die Ergebnisse der F.A.S.T. Methode auf einen Hirnschlag deuten) ein weiteres Indiz sein. Die F.A.S.T. Methode ist sehr hilfreich, wenn bereits ein Notfall vorliegt. Die meist zugrundeliegende Arteriosklerose verstärkt sich jedoch nur sehr schleichend. Hier gibt es sehr viele präventive Ansätze, die dazu führen können, dass ein Schlaganfall gar nicht erst auftritt. Die stärksten Risikofaktoren sind Diabetes, Bluthochdruck, Rauchen, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel. Doch weshalb sind dies Risikofaktoren? Das Rauchen und die ungesunde Ernährung, vor allem wenn sie einseitig fettlastig ist, begünstigt die Arteriosklerose. Die molekulare Ursache liegt bei einer fettlastigen Ernährung auf der Hand: Wenn mehr Fette absorbiert werden, zirkulieren diese auch zu einem höheren Anteil im Blut und werden vermehrt abgelagert. Beim Rauchen sind die Tabakgase, die über die Lunge ins Blut gelangen, die Ursache. Die giftigen Substanzen im Tabakrauch, vor allem Kohlenmonoxid und Benzpyren, greifen zudem das Endothel der Gefässwand an, und dieses wird dadurch vermehrt von zirkulierenden Fetten überlagert. Bewegungsmangel wiederum geht oft einher mit Übergewicht, und übergewichtige Personen haben meist einen erhöhten Fettanteil, der sich dann auch negativ auf eine mögliche Arteriosklerose auswirkt.
Zusammenfassend kann also festgehalten werden, dass bei einem Hirnschlag schnell gehandelt werden muss. Essentiell ist hierbei, dass ohne Notruf keine Hilfe geleistet werden kann, denn im Gegensatz zum Herzinfarkt können Sie einem Patienten mit einem Hirnschlag ohne die benötigte Ausrüstung nicht akut helfen. Die F.A.S.T. Methode ist die wichtigste und am häufigsten angewandte Methode, wenn Hirnschläge von Laien beurteilt werden müssen. Zuletzt erwähnt wurden die vielen wichtigen Risikofaktoren, die es im Zusammenhang mit der Prävention und einem gesunden Lebensstil zu beachten gilt.
Bei medizinischen Notfällen ist rasches aber dennoch korrektes Handeln erfordert oder sogar überlebenswichtig. In diesen Artikel erkläre ich, wie man sich bei einer Reanimierung verhalten sollte und wann man überhaupt reanimieren muss. Bevor ich mich im Medizinstudium mit Notfällen und deren Umgang beschäftigt habe, war für mich der Nothelferkurs der einzige Berührungspunkt mit medizinischen Notfällen. Das Wissen aus dem Nothelferkurs ist bei mir über die Jahre etwas eingerostet und falls auch Sie Ihr Wissen über die Notfallmedizin auffrischen und erweitern möchten, ist dieser Artikel genau der Richtige.
Die ausschlaggebenden Kriterien für eine Reanimierung haben sich vor Kurzem geändert. Früher ging man davon aus, dass eine Person, die bewusstlos ist und keinen Puls hat, beatmet werden muss. Das ist zwar auch heute noch richtig, aber heute wird noch ein zusätzlicher Aspekt miteinbezogen. Die aktuellen Kriterien für eine Reanimierung sind:
Wichtig ist, dass beide Kriterien erfüllt sein müssen. Die abnormale Atmung wurde in die Kriterien aufgenommen, weil sie bei gleichzeitiger Bewusstlosigkeit ein starkes Indiz für einen Kreislaufstillstand ist. Selbst wenn es bei diesen neuen Kriterien eine leichte Übertherapie geben könnte, wiegt die erhöhte Mortalität ohne Reanimierung schwerer als das Risiko, fälschlicherweise eine Wiederbelebung einzuleiten. Einfacher formuliert gilt bei den Wiederbelebungskriterien also das Motto: «Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig». Das gilt jedoch nur, wenn beide Kriterien, also Bewusstlosigkeit und abnormale Atmung, zutreffen.
Nicht nur bei den Kriterien für eine Reanimierung, sondern auch bei der Reanimierung selbst gab es in den letzten Jahren Aktualisierungen. Die Herzdruckmassage (der geeignetere Begriff wäre die Thoraxkompression) ist dabei konstant geblieben und wird es vermutlich auch in Zukunft bleiben. Die Beatmungen jedoch haben in den letzten Jahren Diskussionen ausgelöst. Von «keine Beatmung» über «Mund-zu-Mund-Beatmung» bis zur «Mund-zu-Nase-Beatmung» wurde alles genannt und von Fachexperten diskutiert. Der aktuelle Konsens besagt, dass man auf die “alte Methode“ der Mund-zu-Mund-Beatmung setzt. Aber auch die Mund-zu-Nase-Beatmung birgt keine signifikanten Nachteile. Wenn eine Person, die Sie reanimieren müssen, beispielsweise im Mund blutet, bietet sich die Mund-zu-Nase-Beatmung an, um Sie als reanimierende Person vor einer Infektion zu schützen.
Der Rhythmus zwischen Thoraxkompressionen (Herzdruckmassage) und Beatmungen liegt bei 30:2. Nach 30 Kompressionen erfolgen also zwei Beatmungen. Doch wie macht man das korrekt? Für die Thoraxkompressionen knien Sie seitlich neben der zu reanimierenden Person. Es kommt nicht darauf an, von welcher Seite Sie reanimieren, da die Hände auf dem Brustbein, welches zentral liegt, eingesetzt werden. Dann legen Sie den Handballen mit gestrecktem Arm auf die untere Hälfte des Brustbeins der zu reanimierenden Person. Die zweite Hand kommt ebenfalls mit gestrecktem Arm auf die erste Hand und die Finger werden entweder übereinandergelegt oder verzahnt. Für die Kompressionen sind drei Faktoren wichtig:
Für die korrekten Kompressionen ist es zudem wichtig, dass die Arme immer gestreckt bleiben und senkrecht über dem Brustbein positioniert sind. Die Beatmungen sind technisch gesehen einfacher. Egal ob sie eine Mund-zu-Mund oder Mund-zu-Nase-Beatmung machen, gibt es zwei Dinge, die Sie beachten müssen:
Was neben den Kompressionen und den Beatmungen auch sehr wichtig ist, ist die Defibrillation. Wenn ein Defibrillator verfügbar ist, hat dieser die höchste Priorität, weil die Überlebenschancen mit Defibrillator am besten sind. Falls Sie daher in eine Reanimierungssituation gelangen, bei der Sie nicht alleine sind, sollte eine Person unbedingt den Notruf übernehmen und einen Defibrillator suchen, während die andere Person mit 30:2 Thoraxkompressionen und Beatmungen beginnt. Falls sie jedoch alleine sind, bleiben Sie immer beim Patienten und setzen Sie den Notruf ab, während Sie die Reanimierung vorbereiten (Oberkörper frei machen etc.). Hierbei ist es hilfreich, wenn Sie bei Ihrem Telefon die Lautsprecheranlage aktivieren, da Sie sich dann mehreren Notfallmassnahmen gleichzeitig widmen können.
Wenn man nun alles bisher Erwähnte zusammensetzt, erhält man den korrekten Ablauf einer Reanimierung:
Beim Defibrillator ist es ganz wichtig, dass Sie die Thoraxkompressionen fortführen, während die zweite Person die Elektroden anbringt. Die Kompressionen werden nur während des Schocks durch den Defibrillator unterbrochen. In dieser Zeit darf den Patienten niemand berühren (das Gerät gibt diese Anweisung deutlich). Der Defibrillator schockt alle zwei Minuten. Wechseln Sie die Position, vorausgesetzt Sie sind zu zweit, jedes Mal, wenn das Gerät einen Schock vorbereitet. Diese Wechsel geschehen aus einem ganz einfachen Grund: Thoraxkompressionen über einen längeren Zeitraum sind physisch sehr anstrengend.
Die Medizin im Notfall ist sehr simpel und ein Notfall lässt normalerweise keine Zeit für grosse Überlegungen. Daher ist es enorm wichtig, dass logische Abfolgen gelehrt werden, welche auch für medizinische Laien leicht umsetzbar sind. Um dieses Thema abzuschliessen, möchte ich noch etwas Physiologisches aufgreifen. Im Artikel wurde erwähnt, dass «Herzdruckmassage» eine unglückliche Bezeichnung ist und stattdessen «Thoraxkompressionen» verwendet werden sollte. Die Herzdruckmassage impliziert, dass wir durch das Drücken das Herz der zu reanimierenden Person “massieren“ und so von aussen einen regelmässigen Herzschlag erzeugen. Das ist jedoch nicht korrekt. Die Kompressionen ändern am Herz wenig bis gar nichts. Was jedoch passiert, ist eine intrathorakale Druckveränderung, also eine Druckveränderung im Thoraxbereich. Diese Druckveränderungen ermöglichen einen Blutfluss in den thorakalen Blutgefässen. Wenn das Herz als zentrale Pumpe aufgrund eines Kreislaufstillstands ausfällt, übernimmt also die reanimierende Person durch die Thoraxkompressionen die Druckveränderungen von aussen (vgl. Artikel zur Physiologie des Herzens: «Ohne Druckdifferenz kann kein Blut fliessen!»). Die Vorstellung, dass die reanimierende Person das Herz von aussen zusammenpresst, ist jedoch falsch.