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Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
Anhaltender Durchfall und Bauchschmerzen, einhergehend mit völliger Kraftlosigkeit: das sind die wesentlichen Symptome, wenn sich der menschliche Darm entzündet hat. Treten diese Beschwerden innerhalb kurzer Zeit immer wieder auf, liegt die Diagnose einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung nahe. Dabei sind zwei Krankheitsbilder zu unterscheiden: Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.
Morbus Crohn
Der Morbus Crohn kann den gesamten Verdauungstrakt, vom After bis zum Mund betreffen. Die entzündlichen Prozesse treten aber meist im Darmbereich auf, insbesondere im Bereich des Endabschnittes des Dünndarmes. Da dieser Abschnitt auch "terminales Ileum" genannt wird, heisst der Morbus Crohn auch "Ileitis terminalis" (die Endung "-itis" bedeutet in der Medizin immer "Entzündung").
Die entzündeten Darmabschnitte sind beim Morbus Crohnin der Regel nicht zusammenhängend - krankhaft veränderte und gesunde Bereiche wechseln sich ab.
An den Entzündungsherden sind sämtliche Schichten des Darms befallen, teilweise regelrecht zerstört. Hier können sich dann Eitereinschlüsse (Abszesse) bilden, oder die Entzündung gräbt regelrechte Gänge bis in das benachbarte Gewebe (Fisteln). Überdies kommt es auch zu entzündlichen oder narbigen Verengungen (Stenosen) des Darmes.
Was die Erkrankung konkret auslöst ist noch nicht vollständig bekannt: es handelt sich wahrscheinlich um das Zusammenwirken veschiedener Faktoren. Eine erbliche Veranlagung spielt beim Morbus Crohn eine stärkere Rolle als bei der Colitis ulcerosa. Wenn bei eineiigen Zwillingen einer an Morbus Crohn erkrankt, hat der andere ein Risiko von etwa 50% auch einen Morbus Crohn zu bekommen. Die Hälfte der Ursachen sind damit in einem Bereich der genetischen Neigung oder genetisch bedingten Anlälligkeit zu suchen.Allerdings erklärt allein diese spezifische Auffälligkeit (z.B. im NOD2-Gen) nur eben 50% der Crohn-Erkrankungen. Es gibt auch Betroffene, die keine nachweisbaren genetischen Veränderungen haben.
So viel ist aber auf jeden Fall klar: bei Crohn und Colitis ist die natürliche Barrierefunktion der Darmwand gestört, diese gegenüber Bakterien und anderen möglichen "Eindringlingen" hat. Durch die nicht mehr vollständig intakte Abwehr bei einer Entzündung des Darms, der mehr als zwei Drittel aller menschlichen Immunzellen beherbergt, dringen Bakterien in die Darmwand ein. Dies führt zu einer Abwehrreaktion des Körpers – die schließlich aus dem Ruder läuft: es entsteht eine lokale sowie systemische Entzündungsreaktion, die chronisch wird. Folgen können akute Symptome auch ausserhalb des Darms, sogenannte „extratestinale Manifestationen“ an Gelenken, Bändern und Muskeln, an Haut, Augen und der Leber, sein. Hier kommt es in der Folge der CED ebenfalls zu schmerzhaften Entzündungen; an der Haut z.B. zu Geschwüren oder Knoten. Oftmals vermindert sich bei Crohn- und Colitis-Patienten der Mineralstoffgehalt in den Kochen - unter Umständen auch ein Resultat einer langdauerndenCortison-Therapie.
Außer den identifizierten spezifischen genetischen Anlagen werden als CED-Ursachen weitere Faktoren beschrieben ( Hygiene, Umwelteinflüsse, Ernährungsweise und psychische Gründe) - sicher belegt ist ein negativer Einfluss des Rauchens auf Morbus Crohn. Daher sollten Betroffene mit Morbus Crohn UNBEDINGT auf das Rauchen verzichten!!
Zudem ist, gerade wenn eine chronische, langjährige und unkontrollierte Entzündung des Dickdarmes besteht, das Risiko eines Darmkrebs deutlich erhöht. Auch deshalb sollten IBD/CED-Betroffene einer kontinuierlichen ärztlichen Überwachung unterliegen.
Colitis Ulcerosa
Das Krankheitsbild Colitis ulcerosa (übersetzt: "Dickdarmentzündung mit Geschwüren") unterscheidet sich vom Morbus Crohn maßgeblich dadurch, dass die Entzündung auf den Dickdarms begrenzt ist. Dieser ist kontinuierlich entzündet. Die stärkste Entzündung wird immer im Enddarm (Rektum) gefunden. Befallen ist anders als bei Morbus Crohn jedoch ausschließlich die Schleimhaut als oberste Darmschicht.
Die typische Symptome der Colitis ulcerosa sind blutige Durchfälle. Durch eine damit verbundenen Blutverlust kommt es häufig zu einer Blutarmut ("Anämie") und zu einem Eisenmangel.
Da die Symptome beider Krankheitsbilder meist sehr ähnlich sind, ist ihre Unterscheidung manchmal schwierig. In solchen Fällen, in denen eine Unterscheidung nicht möglich ist,spricht der Arzt von einer " Colitis indeterminata", also von einer Entzündung des Dickdarmes ("Colitis", "Entzündung des Colons"), die nicht eindeutig zuordenbar ("indeterminiert") ist. Auch ist es möglich, daß sich die Diagnose im Laufe der Zeit ändert.
Zudem ist, gerade wenn eine chronische, langjährige und unkontrollierte Entzündung des Dickdarmes besteht, das Risiko für die Entwickung eines Darmkrebs deutlich erhöht. Auch deshalb sollten IBD/CED-Betroffene einer kontinuierlichen ärztlichen Überwachung unterliegen.
Von der Blutuntersuchung über die Endoskopie bis zum Röntgen
Die Symptome einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (IBD) sind zunächst unspezifisch und können vom Arzt verschiedenen Krankheitsbildern zugeordnet werden. Für eine konkrete Morbus Crohn- oder Colitis ulcerosa-Diagnose braucht es daher spezielle, aufeinander abgestimmte Untersuchungsmethoden.
Zunächst wird der/die Betroffene ausführlich zu Beschwerden, ihrer Art und Dauer sowie Vorerkrankungen oder Allergien befragt. Anschließend bedarf es einer ausführlichen körperlichen Untersuchung. Eine Blutuntersuchung ist dann die erste differenzierte Diagnostik. Hier geht es um bestimmte Normwerte, die im Falle von Auffälligkeiten einen ersten Crohn-/Colitis-Verdacht nahelegen können.
Um dem weiter auf den Grund zu gehen, stehen weitere Diagnoseverfahren zur Verfügung. So kann vom Arzt eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden, mit der die Bauch-Organe wie Leber, Magen, Bauchspeicheldrüse, Nieren und Milz, vor allem aber die Darmwanddicke und Beschaffenheit evaluiert werden können. Die für IBD typischen Befunde wie Abszesse oder Fisteln lassen sich ebenfalls sichtbar machen.
Allerdings ersetzt die Ultraschalluntersuchung nicht die Endoskopie. Denn nur im Rahmen der Dickdarmspiegelung können aussagefähige Gewebeproben entnommen werden, die Pathologen im Weiteren unter dem Mikroskop untersuchen. Die Darmspiegelung ist damit die wichtigste Untersuchungsmethode, wenn der Verdacht auf eine chronisch entzündliche Darmerkrankung besteht oder der Verlauf und Therapieerfolg beurteilt werden soll.
Eine weiter differenzierende Diagnostik ermöglicht eine Röntgenuntersuchung (heute zumeist MRT) des Dünndarmes.
So wird dem Arzt eine Unterscheidung zwischen einer Crohn- oder Colitis-Diagnose ermöglicht, da ein sonst schwer erkennbarer entzündlicher Befall des Dünndarms und mögliche Verengungen sichtbar gemacht werden. Dies würde den Verdacht erhärten, daß eine Morbus Crohn-Ekrankung vorliegt.
Weitere Informationen (Links) zu diesem Thema:
Leitlinien der ECCO zu Diagnostik von Morbus Crohn
Leitlinien der ECCO zu Diagnostik von Colitis ulcerosa
Leitlinien der DGVS zu Diagnostik von Morbus Crohn
Leitlinien der DGVS zu Diagnostik von Colitis ulcerosa
SMCCV
IBDNet
Die Behandlung von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
Bei der Therapie von IBD sind die Behandlung eines akuten Entzündungsschubs und das Vorgehen im beschwerdefreien Intervall zur Vorbeugung einer erneuten Entzündung (Remissionserhaltung) zu unterscheiden.
Zur akuten Linderung der Beschwerden des Patienten stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die die Entzündung kurzfristig hemmen und beseitigen sollen, um den Betroffenen schnellstmöglich von den schlimmsten Qualen zu befreien. Diesen Zweck erfüllt vor allem das eigentlich vom menschlichen Körper selbst produzierte Hormon Kortison, das der Mensch in Stresssituationen automatisch ausschüttet. Medikamente mit diesem Wirkstoff können kurzfristig auch in hoher Dosis genommen werden. Sie drängen die Entzündung im Darm meist verlässlich zurück. Wegen der schweren Nebenwirkungen von Kortison bei einer Einnahme über einen längeren Zeitraum - wie Zuckererkrankung, Osteoporose, Hypertonus oder Katarakt - sind diese Präparate für eine andauernde Behandlung jedoch ungeeignet.
Kortisonfreie Medikamente wie Aminosalizylate wirken nur bei leichteren Entzündungsschüben. Bei einigen Patienten, die unter ständig wiederkehrenden Entzündungsschüben leiden, haben sich andere kortisonfreie Medikamente bewährt. Diese basieren auf einem anderen Wirkmechanismus. Die sogenannten Immunsupressiva reduzieren künstlich die im Falle einer Entzündung gesteigerte Aktivität des körpereigenen Abwehrsystems. Dadurch wird die Entzündung vorübergehend zurückgedrängt.
Zur Anwendung gelangen in der IBD-Therapie auch vermehrt sogenannte Biologika, die zur Bekämpfung der Entzündung Antikörper einsetzen. Heute sind Antikörper auch im Labor herstellbar. Sie greifen sehr gezielt einen bestimmten Entzündungsstoff des Patienten wie z.B. Tumor Nekrose Faktor (TNF) an.
Trotz aller Forschungsanstrengungen ist es noch nicht gelungen, die Ursachen der plötzlich auftretenden und regelmäßig wiederkehrenden Darmentzündungen - die mit der Identifizierung genetischer Auffälligkeiten von IBD-Patienten aber immerhin teilweise eingegrenzt sind - zu beheben. Daher wird die Therapie von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa auch vorerst weiter darauf ausgerichtet sein, die beschwerdefreien Zeiträume zu erweitern – um dem Patienten so ein Stück seiner mit der IBD-Diagnose reduzierten Lebensqualität zurückzugeben.
Verschiedentlich kann auch ein operativer Eingriff notwendig sein. Dieser ist vor allem dann unumgänglich, wenn sich Fisteln, Abszesse oder Stenosen in den Entzündungsregionen gebildet haben, die es zu öffnen oder entfernen gilt. Durch die Entwicklung neuer Techniken sind diese chirurgischen Verfahren heute für den Patienten sehr schonend.
Über die medikamentöse Therapie oder die Operation hinaus wird ein auf IBD-spezialisierter Arzt mit seinem Patienten einen Therapieplan zur dauerhaften Behandlung seiner lebenslangen Erkrankung entwickeln. Ziel ist es, jeweils eine erneute Entzündung so lange wie möglich zu verhindern.
Dies streben auch verschiedene Therapieansätze an, die einzelnen Patienten bereits Linderung verschafft haben aber heute noch keine verallgemeinerbaren Standards in der IBD-Behandlung darstellen. Sie sind unter der Rubrik "Weitere Therapien" aufgeführt.