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Im Nordosten von Kongo-Kinshasa ist in zwei Provinzen erneut das Ebola-Virus ausgebrochen. Dutzende Menschen haben sich mit der hochgefährlichen Krankheit angesteckt, einige sind an dem aggressiven Virus gestorben. Jetzt hat man mit einer speziellen Impfaktion begonnen – mit einem Impfstoff, der gar nicht zugelassen ist. Weshalb Kongo immer wieder von der Krankheit heimgesucht wird und warum der Impfstoff nicht zugelassen ist, erklärt Thomas Häusler.
Thomas Häusler
Wissenschaftsredaktor
Thomas Häusler ist Wissenschaftsredaktor bei SRF. Er hat in Biologie doktoriert und eine Weiterbildung in Wassermanagement an der Uni Genf absolviert. Seit 2013 ist er Leiter der Wissenschaftsredaktion.
SRF News: Wie kommt es, dass ein nicht zugelassener Impfstoff eingesetzt wird?
Thomas Häusler: Es zeigt, wie gefährlich Ebola ist. Viele Leute sterben, weil es keine wirksame Behandlung dagegen gibt. Das Virus ist zudem hochansteckend. Deshalb nützt man, was man hat. Und dieser Impfstoff ist bereits bei der grossen Ebola-Epidemie in Westafrika 2014 bis 2015 mit Erfolg eingesetzt worden.
Warum wirkt dieser Stoff so gut?
Bei der Herstellung des Impfstoffs kombiniert man ein ungefährliches Virus mit einem Teil des Ebola-Virus, um Antikörper zu provozieren. Diese Methode zeigt nur wenig Nebenwirkungen und ist normalerweise ungefährlich. Tests während der grossen Ebola-Epidemie haben gezeigt, dass der Impfstoff sehr wirksam ist; diese Tests hat man aber erst sehr spät in der Epidemie machen können.
Die Studie war dementsprechend zu kurz, um saubere Resultate zu bekommen, die man für eine richtige Zulassung hätte nutzen können. Darum ist der Impfstoff formell noch nicht zugelassen. Allerdings hat die WHO schon früher gesagt, dass der Impfstoff eingesetzt wird, sofern das betroffene Land zustimmt. Das hat die kongolesische Regierung bereits getan. Beim Ausbruch in einer anderen Region des Landes vor ein paar Monaten ist dieser Impfstoff auch schon eingesetzt worden. Von dieser Impfung sind noch etwa 3200 Impfdosen übrig.
Das scheint wenig zu sein für eine Region mit Hunderttausenden Menschen.
Das ist so. Aber man will auch nicht alle Menschen in der Region impfen, sondern nur zwei Gruppen: zum einen das Gesundheitspersonal, das in engem Kontakt ist mit Kranken. Sie können dadurch ohne Angst arbeiten.
Man impft quasi einen Ring um die einzelnen Kranken herum.
Zum anderen will man alle Menschen impfen, die in Kontakt gekommen sind mit infizierten Leuten. Man impft quasi einen Ring um diese einzelnen Kranken herum. Es braucht dadurch deutlich weniger Impfstoff.
Es ist bereits der zehnte Ausbruch von Ebola in der sogenannten Demokratischen Republik Kongo. Warum wird man das Virus dort nicht los?
Das Virus zirkuliert in Wildtieren, an denen sich die Menschen immer wieder anstecken. Ziemlich sicher sind das Flughunde, über deren Kot man sich anstecken kann. Aber auch angebissene Früchte oder der Direktverzehr der Fledertiere trägt zu Infektionen bei. Die Flughunde stecken auch Affen und andere Tiere an, und die Menschen dringen immer weiter in abgelegene Waldgebiete vor. Viele Kongolesen essen «Bushmeat» (Wildfleisch), und so kommt es immer wieder zu solchen Fällen.
Wie gross sind die Chancen, dass man im Nordosten Kongos ähnlich schnell erfolgreich ist wie im Mai im Nordwesten?
Es sind viele erfahrene Einsatzkräfte vor Ort, und Kongo hat bewiesen, dass es diese Krankheit bekämpfen kann. Bis jetzt hat der Staat jeden Ausbruch relativ schnell in den Griff bekommen. Die Chancen stehen nicht schlecht. Aber es ist eine sehr grosse Region mit vielen Einwohnern, bewaffneten Konflikten und Flüchtlingen. Das ist eine grosse Herausforderung.
Kann die Krankheit je ausgerottet werden?
Der Impfstoff ist eine sehr grosse Hilfe. Er hat viel verändert, aber man muss die Kontakte zu den Angesteckten finden und in zum Teil in sehr weit entfernte Dörfer kommen. Und das Virus wird auch immer wieder zurückkommen. Ausrotten wird man die Krankheit wahrscheinlich nie.
Das Gespräch führte Isabelle Maissen.