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Soziale Unterschiede bestimmen das Leben im ärmsten Land Südamerikas
Bolivien ist das ärmste Land Südamerikas. Der Entwicklungsindex der Vereinten Nationen von 2007/2008 führt Bolivien auf Rang 117 unter 177 Staaten. Laut Angaben des CIA Factbooks leben 60 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Nach der Wirtschaftskrise Ende der 90er Jahre verzeichnet Bolivien seit dem Jahr 2004 wieder Wachstumsraten: 4,6 Prozent 2004 und 4 Prozent 2007. Trotz der relativen makroökonomischen Stabilität herrscht noch immer eine starke sozioökonomische Ungleichheit im Land: Die ärmsten 10 Prozent der Bevölkerung verfügen nur über 1,3 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP), während die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung über 32 Prozent des Bruttoinlandsprodukt (BIP) verfügen.
Armut auf dem Land am größten
Von der Armut sind insbesondere die ländlichen Gebiete, die indigene Bevölkerung so wie Frauen, Kinder und ältere Menschen betroffen. In den Städten sind es knapp die Hälfte der Menschen, auf dem Land dagegen 78 Prozent. Noch größer ist der Unterschied zwischen indigener und nicht-indigener Bevölkerung: Während mehr als die Hälfte der Indígenas von weniger als einem US-Dollar am Tag lebt, sind es auf Seiten der nicht-indigenen EinwohnerInnen lediglich 27 Prozent. Im ländlichen Raum stieg die extreme Armut unter den Indígenas zwischen 1997 und 2002 sogar auf 72 Prozent an.
Landbesitz und Wirtschaft Boliviens
Auch beim Landbesitz lässt sich eine massive ungleiche Verteilung feststellen. So verfügen laut nationalem Entwicklungsplan 80 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe zusammen nur über drei Prozent der Agrarfläche. Dagegen werden die verbleibenden 97 Prozent ausschließlich von nur 20 Prozent der Betriebe genutzt. Letztere sind überwiegend im Tiefland angesiedelt und produzieren fast ausschließlich für den Export. Die internen Märkte sind kaum entwickelt. Und die lokalen Produkte sind nicht wettbewerbsfähig gegenüber den Importen aus den USA und den südamerikanischen Nachbarländern.
Große Teile der bolivianischen Bevölkerung leiden unter Ernährungsunsicherheit. Jeder fünfte Bolivianer ist unterernährt, davon durchschnittlich acht Prozent aller Kinder unter fünf Jahren. Auf dem Land ist die Situation noch schlechter. Dort sind bei mehr als 30 Prozent der Kinder unter fünf Jahren Entwicklungsverzögerungen aufgrund von Unterernährung festzustellen. Von 1.000 Kindern sterben im ländlichen Raum 90 bevor sie das fünfte Lebensjahr erreicht haben, auf nationaler Ebene liegt die Kindersterblichkeit bei 66 Todesfällen pro 1.000 Lebendgeburten.