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Das Leben auf dem Bauernhof erwies sich als sehr viel langweiliger, als Kunstrahler sich das vorgestellt hatte. Das lag vor allem an der in alle Betriebszweige hineinreichenden Mechanisierung und Automatisierung. So bekam er ausser ein paar in verwinkelten Dachgeschossen hausenden Hilfskräften mit prekärem Aufenthaltsstatus kaum Menschen zu Gesicht. Das Gemüse wuchs in Plastiktunnels, das Vieh stand in hallenartigen Gebäuden, die Bauersleute wirkten im zu modernen Büros umgebauten Ziegenstall. Kunstrahler, der sich von seinem Aufenthalt eine Rückentfremdung von der urbanen Lebensweise und damit einen ursprünglicheren Wesenszustand erhofft hatte, bestellte im Internet einen Zimmerspringbrunnen, dessen Plätschern ihm einen Hauch von Idylle vorgaukelte.
Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Im Dezember 2014 hat die WOZ eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben, das unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich ist. Sein Krimi «Mordgarten» ist unter www.woz.ch/shop/buecher zu haben.