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168 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 17 Jahren sind nach Schätzungen von UNICEF, der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) und der Weltbank Kinderarbeiter. Das heisst, sie müssen unter Bedingungen arbeiten, die sie ihrer elementaren Rechte und Chancen berauben. Mehr als die Hälfte von ihnen, 85 Millionen, müssen unter Bedingungen arbeiten,die gefährlich oder ausbeuterisch sind. Hierzu zählen beispielsweise Sklaverei, der Einsatz von Kindersoldaten und Arbeit, die die Gesundheit und Sicherheit gefährdet, also zum Beispiel Arbeit in Steinbrüchen, das Tragen schwerer Lasten oder sehr lange Arbeitszeiten und Nachtarbeit.
168 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 17 Jahren sind nach Schätzungen von UNICEF, der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) und der Weltbank Kinderarbeiter.
Am anfälligsten für Kinderarbeit ist die Landwirtschaft. Hier arbeiten fast 60 Prozent aller Kinder weltweit. Insbesondere der Kakaosektor, beispielsweise in Westafrika, ist anfällig für ausbeuterische Kinderarbeit. Fairtrade unterscheidet nach Definition der IAO zwischen arbeitenden Kindern und ausgebeuteten Kinderarbeitern. Gerade in der Landwirtschaft helfen Kinder häufig ihren Familien und arbeiten mit, da das Einkommen der Kinder für sehr viele Familien lebensnotwendig ist. „Arbeitende Kinder” sind Kinder, die so arbeiten, dass sie trotz einer Tätigkeit zur Schule gehen können, und deren Bildung durch die Arbeit nicht beeinträchtigt wird. Kinder dürfen keine Arbeit verrichten, die ihrer Gesundheit und Entwicklung schaden. Ausbeuterische Kinderarbeit sowie Zwangsarbeit sind im Fairtrade-System verboten.
Keine Organisation und kein Zertifizierungssystem kann eine 100%ige Gewähr dafür leisten, dass ein Produkt frei von Kinderarbeit ist. Fairtrade verpflichtet sich jedoch dazu, durch seine Programme, Standards und die Mitarbeiter der Produzentennetzwerke vor Ort, Kinder zu schützen. Hierbei liegt ein Schwerpunkt auf Prävention und Aufklärung. Liegt eine Fairtrade-Produzentenorganisation in einem Land, in dem die Wahrscheinlichkeit von Kinderarbeit sehr hoch ist oder handelt es sich um ein Produkt mit einem Risiko für Kinderarbeit (hierbei orientiert sich Fairtrade u.a. an der Liste des US-amerikanischen Arbeitsministeriums „Watch List for Child and Forced Labour“), muss die Organisation Massnahmen ergreifen. Hierzu gehört beispielsweise die Einführung eines eigenen Kontrollsystems, das Kinderarbeit verhindern soll, bevor sie anfällt. Fairtrade legt hierbei Wert darauf, dass die Massnahmen von der Gemeinschaft selbst entwickelt und umgesetzt werden. Fairtrade bietet Schulungen an und steht den Produzentenorganistionen beratend zur Seite.
Wird in einer Produzentenorganisation gegen die Fairtrade-Standards zu Kinderarbeit verstossen, werden sofort Massnahmen ergriffen, um die betroffenen Kinder zu schützen. Alle Vertreterinnen und Vertreter der Produzentennetzwerke vor Ort und FLOCERT sind verpflichtet, sämtliche Fälle von Kindesmisshandlung und Ausbeutung den Produzent/innen zu melden, die für die Umsetzung der Richtlinien zum Kindesschutz zuständig sind. Diese melden den Fall wiederum den Behörden beziehungsweise einer Kinderschutzorganisation, um das Wohlergehen der betroffenen Kinder sicherzustellen. Fairtrade arbeitet mit internationalen (u.a. Unicef und Save the Children) und lokalen Kinderrechtsorganisationen zusammen. Anstatt harter Bestrafungsmassnahmen wird gemeinsam daran gearbeitet, eine Lösung zu finden und für die Zukunft einen Plan zu erstellen, wie ausbeuterische Kinderarbeit verhindert werden kann. Entdeckt FLOCERT bei einer Fairtrade-Produzentenorganisation ausbeuterische Kinderarbeit, so wird dies als schwerwiegender Verstoss gegen die Fairtrade-Standards behandelt.
Die Organisationen müssen darüber hinaus eine Richtlinie einführen, mit der sie sich eindeutig gegen ausbeuterische Kinderarbeit positionieren und diese innerhalb der Organisation umsetzen. Die Fairtrade-Mitarbeiter vor Ort unterstützen und beraten die Fairtrade Produzenten bei diesen Aktivitäten.
Im westafrikanischen Kakaosektor ist ausbeuterische Kinderarbeit noch immer ein virulentes Problem. Daher führt Fairtrade mit drei Fairtrade-Kakaokooperativen aus der Elfenbeinküste ein ambitioniertes Präventionsprojekt durch. Es heisst: „It Takes A Village To Protect A Child“ (zu deutsch: Nur eine Gemeinschaft kann ein Kind schützen). Der Name dieses Projekts ist auch Programm: Die lokalen Gemeinden und insbesondere die Jugendlichen aus den Gemeinden werden einbezogen, um ausbeuterischer Kinderarbeit in der Kakaoproduktion vorzubeugen.
Dafür wählen die Gemeinden zunächst ein Komitee, das die unterschiedlichen Aktivitäten gegen Kinderarbeit steuert und überwacht. Das Komitee organisiert Schulungen zum Thema Kinderrechte für die Gemeindemitglieder und entwickelt mit ihnen zusammen eine eigene Richtlinie, wie Kinder in den Gemeinden besser geschützt werden können. Ausserdem beauftragt das Komitee junge Erwachsene (im Alter von 18 bis 25 Jahren) aus den Gemeinden, eine gross angelegte Umfrage in allen Haushalten durchzuführen. Dabei soll herausgefunden werden, wie viele Kinder zu den jeweiligen Gemeinde gehören, wie alt sie sind, ob sie zur Schule gehen können und ob es für sie Gefahren oder Risiken in der Umgebung gibt.
Im Rahmen des Projekts wird auch die Schulbildung der Kinder intensiv gefördert. Die Produzentenorganisationen setzen zum Beispiel die Fairtrade-Prämie dafür ein, Schulen vor Ort besser auszustatten, Schulwege für die Kinder zu erleichtern oder Stipendien für Schülerinnen und Schüler zu vergeben.
Fairtrade Afrika unterstützt und berät die Kooperativen bei der Durchführung dieser vielfältigen Aktivitäten in Zusammenarbeit mit der ivorischen Kinderrechtsorganisationen Fraternité Sans Limites (FSL). Ziel ist es, dass in Zukunft möglichst viele Fairtrade-Kakaokooperativen in Westafrika ähnliche Projekte durchführen können.
Weitere Projekte nach diesem Vorbild gibt es bereits in anderen Fairtrade-Ursprungsländern und für andere Fairtrade-Produkte, wie zum Beispiel im Zuckersektor in Paraguay.