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Ein Fenster zur Vergangenheit: Für Brasilien ist 22 das Jahr der Befreiung
– 1822: politische und territoriale Befreiung von Portugal
– 1922: kulturelle Befreiung von den europäischen Vorbilder.
„Vom 11.bis zum 18. Februar des Jahres 1922 haben die Künstler des „Movimento Modernista“ (Modernistische Bewegung) mit Unterstützung der „Kaffee-Baronen“ – wie man die Unternehmer aus dem Inneren der Provinz São Paulo nannte – das Stadttheater in Beschlag genommen. In dieser Woche gab es Aufführungen, Ausstellungen, Konzerte und Debatten über das Entdecken einer kulturellen Identität Brasiliens. Man hatte genug vom Einfluss der Kaiserlichen Akademie für Bildende Künste im Rio de Janeiro, welche die aus Portugal importierte Kunstszene bis anhin dominierte. Gleichzeitig bot es den Unternehmern von São Paulo durch ihre Unterstüzung am „Movimento Modernista“ Gelegenheit, die ökonomische Autonomie der Provinz São Paulo zu demonstrieren, auch wenn die politische Macht noch immer in Rio de Janeiro ihren Hauptsitz hatte.Es war auch im Jahr 1922, als Max Wirth, Schweizer Textil-Unternehmer, ein Landstück zwischen Lins und Marília kaufte. Er nannte es Fazenda Suissa zu Ehren seiner Heimat. Gleich fing er an den Urwald durch Kaffeeplantagen und andere Kulturen zu ersetzen. Ausserdem veranlasste er die Erstellung der nötigen Infrastruktur um sein Unternehmen voranzutreiben.
Pioniere wie Max Wirth, Bento de Abreu Sampaio Vidal, Núncio Malzoni, Francisco Junqueira und noch viele andere rodeten zu dieser Zeit den Urwald im Innern der Provinz São Paulo, weil die Eisenahn Linien Noroeste, Sorocabana und Paulista soeben diese neue Region erreichte. Damit war nicht nur der Waren- und Passagier-Transport, sondern auch der Absatz für zukünftige Ernten gewährleistet.
Anhand der Errungenschaften dieser Pioniere wollen wir ein Fenster zur nahen Vergangenheit öffnen, denn als Folge der wirtschaftlichen Entwicklung des Oeste Paulista wurden die Kaffeeplantagen seither immer mehr durch Zuckerrohfelder und Eukaliptus Wälder ersetzt, und der nicht mehr genutzte ländliche Baubestand verschwindet zusehend. Wir glauben, dass jetzt der letzte mögliche Zeitpunkt ist, um diese gefährdeten Bauten zu retten oder mindestens ihre Geschichte zu dokumentieren.“
Geschrieben von Isabel Carolina Wirth Spiller (mehr Geschichte der Fazenda Suissa auf Portugiesisch unter http://22memoria.blogspot.ch ).
Ein Link zur heimatlichen Villa der Familie Wirth bis 1922, der Villa Sonnenbüel in Bütschwil:
http://www.buetschwil-ganterschwil.ch/documents/42.pdf – nach deren Vorbild mehrere der Gebäude später in Brasilien gebaut wurden.
Reiselust? Im Januar mitreisen oder zu einem anderen Zeitpunkt individuell besuchen – mehr Infos bei <email-pii>