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Der VSS wurde als nationaler Dachverband am 19. Juni 1920 in Zürich von den Studierendenschaften der Universitäten Basel, Genf, Neuenburg und Zürich, der ETH Zürich, der Hochschule St. Gallen, der Vereinigung der Tessiner Studenten und einigen Studenten aus Bern gegründet. Die ersten Jahrzehnte des VSS waren von reger internationaler Arbeit geprägt. Bereits zwischen den Kriegen, vor allem aber seit 1945 knüpfte der Verband viele Kontakte zu anderen Studierendenorganisationen, vor allem in Europa.
Der VSS strebte – im Sinne der Solidarität zwischen den Studierenden – verschiedene Arten internationaler Kooperation an, einerseits in der International Union of Students (IUS) sowie in der International Student Conference (ISC), später im Europäischen Dachverband ESIB und in der Folgeorganisation European Student’s Union (ESU). Die umfangreichen Reise-Aktivitäten des VSS führten schliesslich 1962 zur Gründung der Genossenschaft Schweizerischer Studentenreisendienst (SSR), die 1998 von STA Travel übernommen wurde. Der Erlös des Verkaufs wurde in eine neue Stiftung eingebracht, die Stiftung für Solidarität im Tourismus (SST).
1960 wurde der Geschäftssitz des VSS nach Bern verlegt, um den wachsenden Wunsch nach Koordination zwischen der Romandie und der Deutschschweiz nachzukommen. In Zürich gründete der VSS gemeinsam mit den Studierendenschaften der Universität und der ETH die Zeitung das konzept, deren Herausgabeverein später in die Genossenschaft infolink überführt wurde, die heute Trägerin der Wochenzeitung WOZ ist.
Im Jahre 1967 wird zum ersten Mal eine Frau in den VSS-Vorstand gewählt. In den darauf folgenden Jahren nahm die Frauenförderung und Gleichstellung der Geschlechter im Verband immer mehr an Bedeutung zu.
Die Tätigkeit der Studierenden wirkte sich Ende der 60er Jahre auch innenpolitisch aus: im damaligen Hochschul-Förderungsgesetz waren zwei Sitze für den VSS in der Schweizerischen Hochschulkonferenz SHK vorgesehen, in der Stipendienkonferenz IKSK erhielt der VSS ebenfalls einen Sitz. 1970 gewann der VSS, gemeinsam mit den Studierendenschaften aus Zürich das Referendum gegen das ETH-Gesetz, 1972 wurde die erste Volksinitiative zum Ausbildungsbeihilfewesen Lausanner Modell eingereicht (jedoch 1973 gegen den Willen des VSS vom Initiativcomité zurückgezogen).
Diese Ereignisse lenkten das Interesse der Öffentlichkeit und der Politik auf die Studierendenschaften, die durch verschiedene Massnahmen in ihrer Autonomie und politischen Aussagekraft nachhaltig geschwächt wurden: 1973 wurden die Studierendenschaft in Basel aufgelöst und die in Bern finanziell beschnitten, 1978 folgte die Studierendenschaft der Universität Zürich.
Erst in den 90er Jahren konnten sich die Studierendenorganisationen wieder aufbauen und der VSS nahm national wieder eine stärkere Rolle in der Hochschulpolitik ein, auch wenn ohne grossen Erfolg: Sowohl das Referendum zum ETH-Gesetz wie das Projekt einer neuen Stipendieninitiative scheitern an der Unterschriftensammlung. 1993 tritt der VSS unter Protest aus der SHK (heutige SUK, Schweizerische Universitätskonferenz) aus, da diese für die Medizin einen «numerus clausus» einführt.
Ab 2000 verschiebt sich der Fokus des Verbandes deutlich auf die Hochschulpolitik in der Schweiz. Durch die Bologna-Reform und die Aufteilung der Hochschulbildung auf die Fachhochschulen, Universitäten und Eidgenössisch technischen Hochschulen verändert sich die Lebenssituation der Studierenden massgebend, was neue und vielfältige Themenbereichen für den VSS bedeutet: die soziale Lage der Studierenden, sowie die langwierige Implementierung des Bologna-Systems werden von verschiedenen Perspektiven analysiert und diskutiert.
Ab 2008 vertritt der VSS Studierendenschaften aller drei Hochschultypen auf nationaler Ebene und professionalisiert seine Organisationsstruktur. 2010 lancierte der Verband zum dritten Mal eine Volksinitiative zum Stipendienwesen, die im Januar 2012 erfolgreich eingereicht wurde. Im Juni 2015 kam die Vorlage zur Abstimmung, dabei wurde die Initiative abgelehnt womit der indirekte Gegenvorschlag, der auch gewisse Harmonisierungen im Stipendienwesen vorsieht, in Kraft trat. Seit Ende 2015 führt der Verband das Projekt „Perspektiven-Studium“, das sich für einen fairen Hochschulzugang für studentische Geflüchtete einsetzt.
Schriftliche Quellen:
VSS (Hrsg.): Studentenpolitik – Politik mit Studenten? – 60 Jahre VSS. Bern 1980
VSS (Hrsg.): Die Umtriebe der Rechten an den Hochschulen der deutschen Schweiz. Bern 1983
VSS-Archiv
Beiträge von:
VSS-Vorstand 1968 Peter Dürsteler (GPK-Mitglied ca. 1982-2002)