Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03590.jsonl.gz/1236

Warum reden wir darüber?
In der Schweiz arbeiten die Frauen ebenso viele Stunden wie die Männer, erhalten aber weniger Geld. Sie widmen der unbezahlten Haus- und Familienarbeit mehr Zeit und ihr durchschnittliches Gehalt für bezahlte Arbeit ist niedriger.
-
2018 betrug die durchschnittliche Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen in der Schweiz 19,0 %, was 1512 Franken pro Monat entspricht. Diese Differenz erklärt sich durch mehrere Faktoren:
• in den Branchen mit tiefem Lohnniveau oder geringem Mehrwert (öffentliche Hand, Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesen) sind mehr Frauen aktiv;
• sechs von zehn Frauen arbeiten Teilzeit. Dies senkt ihr Einkommen, ihre Altersrente, aber auch ihre Chancen auf eine berufliche Entwicklung und Karriere;
• in höheren Führungspositionen sind weniger Frauen vertreten;
• auch bei gleichwertigen Positionen besteht weiter eine Lohndiskriminierung der Frauen.
-
In der Schweiz arbeiten die Frauen ungefähr zwei Milliarden Stunden mehr unbezahlt als die Männer. Sie kümmern sich namentlich um fast zwei Drittel der Kinderbetreuung und der zusätzlichen Haushaltspflichten, die durch Kinder entstehen.
Diese unbezahlte Arbeit ist für eine funktionierende Gesellschaft grundlegend und leistet einen Beitrag zum Lebensstandard und zur Lebensqualität. Sie wird allerdings in den makroökonomischen Berechnungen nicht angemessen berücksichtigt.
In Geld ausgedrückt entsprach 2016 die unbezahlte Arbeit der Frauen 247,5 Milliarden Schweizer Franken. Dies sind über 85 Milliarden Franken mehr als die nicht entlohnte Arbeit der Männer.
Nicht entlohnte Arbeit
Alle unbezahlten Tätigkeiten, die theoretisch gegen Bezahlung durch eine dritte Person erledigt werden könnten, wie die Haus- und Familienarbeit (z. B. Kinderbetreuung, Kochen, Reinigen usw.), die organisierte (z. B. Vereinsarbeit) und informelle Freiwilligenarbeit (z. B. Unterstützung von Eltern oder Angehörigen).
Der monetäre Wert der unbezahlten Arbeit richtet sich nach dem Gehalt, das einer Person gemäss Marktkosten für eine Arbeit bezahlt worden wäre. Da die meisten dieser Berufe zu den am schlechtesten bezahlten Berufen gehören, wird der berechnete Wert als Mindestbetrag betrachtet.
-
Zählt man zur nicht entlohnten Arbeit der Frauen die Lohndifferenz hinzu, kann man sagen, dass so in der Schweiz jedes Jahr mindestens 100 Milliarden Franken zulasten der Frauen gespart werden.
Geschichte und Gegenwart
-
Die Ziele der Gleichstellungspolitik bestehen seit mehreren Jahrzehnten darin, den Frauen zu ermöglichen, in allen Bereichen und auf allen Stufen am Berufsleben teilzunehmen. Dies soll ihre finanzielle Unabhängigkeit steigern und ihnen eine grössere Freiheit bei ihren Lebensentscheidungen geben. Folgende Fortschritte werden festgestellt:
• ein laufender Anstieg der Erwerbsbeteiligungsquote der Frauen und namentlich der Mütter von Kleinkindern;
• der Bildungsstand der Frauen ist heute gleich und sogar höher als jener der Männer;
die Berufswahl der Frauen diversifiziert sich weiter;
• ein Gesetz für die Bekämpfung der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts im Berufsleben wurde geschaffen (GlG, 1996);
• mit der Einführung der ausserfamiliären Kinderbetreuung und mehr Teilzeitstellen wurden Mittel für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eingeführt.
Warum genügt dies nicht?
-
Die Frauen übernehmen weiter den Grossteil der Haus- und Familienarbeit und müssen so ihre bezahlte Arbeit mit diesen Pflichten vereinbaren. Sie haben zudem Mühe, in die gleichen Arbeitsbereiche und hierarchischen Stufen vorzustossen wie die Männer. Dies weil:
• die Männer weder ihren bezahlten Beschäftigungsgrad gesenkt haben noch sich mehr an den Haus- und Familienpflichten beteiligen;
• die Möglichkeit der Auslagerung der unbezahlten Arbeit durch die sozioökonomische Situation der Familien und durch ihren Wohnort eingeschränkt wird. Zudem wird diese Arbeit auch bezahlt hauptsächlich von Frauen geleistet;
• Teilzeitstellen die Karrierechancen weiter bremsen und in Bezug auf das Gehalt und die Sozialversicherungsbeiträge benachteiligen;
• eine «unerklärbare» Lohndiskriminierung zwischen Männern und Frauen besteht, die seit Jahren auch für gleiche Stellen konstant ist.
-
Trotz der umgesetzten Mittel und Strukturen sind weder die Gleichstellung noch die finanzielle Unabhängigkeit der Frauen Realität; dies weder heute noch in naher Zukunft.
Wie kann das Problem behoben werden?
-
Es ist Zeit, die gesamte Arbeit der Frauen in die wirtschaftlichen Berechnungen miteinzubeziehen und sie in Höhe des gesellschaftlichen Werts zu entlohnen. Diese Überlegung muss folgende Punkte berücksichtigen:
• Aufwertung der Arbeit, die als «Frauenarbeit» betrachtet wird, damit sie mit der sogenannten «Männerarbeit» als gleichwertig gilt;
eine ausgewogenere Aufteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit auf Frauen und Männer;
• eine monetäre Entschädigung für die Unterstützung von Angehörigen (Haus- und Familienarbeit, pflegende Angehörige usw.);
• verbindliche Massnahmen gegen die Lohndiskriminierung;
Revision der Werte und Normen der Berufswelt (weniger Arbeitsstunden, Normalisierung der Schwankungen des Beschäftigungsgrads, Berücksichtigung der Elternschaft, neue Leadershipmodelle usw.);
• Revision des Sozialversicherungssystems und seiner Verknüpfung mit der bezahlten und unbezahlten Arbeit;
• Berücksichtigung der unentgeltlichen Arbeit und ihres Nutzens für die Gesellschaft in den Wirtschaftsindikatoren;
• Entwicklung einer wirtschaftlichen Analyse der (bezahlten und unbezahlten) Care-Arbeit, für den spezifischen Kontext der Schweiz.
Die Arbeit des GFB
Das GFB informiert und berät Personen, private und öffentliche Arbeitgeber/innen sowie die Politik über die Anwendung des Gleichstellungsgesetzes und über andere Gleichstellungsfragen in der Arbeitswelt.
-
Mit Veröffentlichungen, Workshops, Weiterbildungen, Veranstaltungen und punktuellen Aktionen sensibilisiert das GFB das berufliche Umfeld und die Ausbildung für Gender Bias und Geschlechterstereotypen.
-
Das GFB ist mit der Umsetzung des Plans für die Gleichstellung von Frau und Mann in der kantonalen Verwaltung (PGKV) beauftragt. Dieser Aktionsplan soll für eine ausgewogenere Vertretung von Frau und Mann im Kader und in der Gesamtheit der Funktionen der Verwaltung sorgen. Er zielt zudem auf eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ab.
-
Eine Website des GFB mit Informationen zu allen Bereichen des Familienlebens, mit Themen wie Heirat, Scheidung, Sorgerecht, pflegende Angehörige, Verbindung Arbeit/Familie usw.