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Werner Otto Leuenberger war einer der produktivsten und stilistisch vielseitigsten Schweizer Künstler seiner Generation. In einer gut 50-jährigen Karriere schuf er ein Œuvre von mehreren tausend Gemälden, Zeichnungen, Grafiken und Plastiken, das sich in der Rückschau als Lektüre der Welt aus einer ständig wechselnden, mitunter eng am künstlerischen Zeitgeist orientierten Perspektive beschreiben liesse.
Leuenbergers Interesse für zeitgenössische Trends der visuellen Kultur kam nicht von ungefähr: Nach der Ausbildung zum Fotolithografen und dem Besuch der Kunstgewerbeschule in Bern arbeitete er zunächst mehrere Jahre in seinem erlernten Beruf, nebenher begann er zu malen. Nachdem er 1959 mit seinen frühen flächigen Abstraktionen prompt zur Biennale von São Paulo eingeladen worden war, entschied er sich für eine Karriere als freischaffender Künstler. Zahlreiche Stipendien und Preise begleiteten sein meditatives Frühwerk, das Ende der 1960er-Jahre unter dem Eindruck von Pop-Art und Minimal in geometrisierenden Kompositionen mit einem klaren Formenvokabular von hohem Wiedererkennungswert mündete. Ein typisches Beispiel dafür ist der Holzdruck ohne Titel von 1967 aus der Sammlung der Mobiliar. Prägten seine Bilder dieser Werkphase Formen wie Um-Wolke, Geige oder Zahnrad, sickerten zu Beginn der 1980er-Jahre im Zuge der Jugendunruhen zunehmend die politische Wirklichkeit und die visuelle Sprache der Zeit in seine Bilder. Der Strich wurde spontaner, expressiver, die Sujets witziger, existenzieller, absurder – wie etwa die Sternenmädchen von 1981 oder die bizarr verrenkte Figur mit Kerze, Ohne Titel (1982). In seinem Spätwerk wandte sich Leuenberger dann verstärkt wieder der nichtgegenständlichen Abstraktion zu, entwarf einfache Bildräume als Bühnen für radikal reduzierte Farbpaletten wie in Schattenlicht, grau (1997/1998) und Schattenlicht, rot (1998) oder in Schicht über Schicht, Zeit über Zeit (2001).
Leuenberger, der in den 1960er-Jahren mit Künstlern wie Ueli Berger, Herbert Distel oder Markus Raetz zur Berner Avantgarde gehörte und sich ab 1981 oft einfach nur W.O.L. nannte, lässt sich kunsthistorisch keiner Strömung klar zuordnen. Prägend für sein Werk waren eine unbändige Schaffenslust und Neugier auf die Gegenwart.
Werner Otto Leuenberger wurde 1932 in Bern (CHE) geboren und starb dort 2009.
Tätigkeitsbereiche: Malerei, Druckgrafik, Zeichnung, Plastik