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Frederic Bager
«Ich wünsche mir eine internationale Pianistenkarriere als Solist und Kammermusiker und Offenheit für ungewöhnliche, zeitgenössische Programme. Mein grösster Karrierewunsch: eine absolute Freiheit in der Programmauswahl zu haben und von meinen Konzerthonoraren leben zu können.»
Biografie
Meine Ziele
«Ich wünsche mir eine internationale Pianistenkarriere als Solist und Kammermusiker und Offenheit für ungewöhnliche, zeitgenössische Programme. Mein grösster Karrierewunsch: eine absolute Freiheit in der Programmauswahl zu haben und von meinen Konzerthonoraren leben zu können.»
Biografie
2016 schliesst Frederic Bager sein Studium bei Andrew Ball im Royal College of Music in London mit einem First Class Bachelor ab und wird mit dem Kendall Taylor Prize ausgezeichnet. Aktuell bildet sich Bager an der Royal Academy of Music bei Ian Fountain weiter.
Frederic Bager, geboren 1991 in London, wächst in der Schweiz auf und erhält seinen ersten Orgel- und Klavierunterricht im Alter von 4 Jahren. Zunächst wird er privat unterrichtet, später an den Musikhochschulen von Lausanne und Genf.
2007 zieht Bager nach England, wo er seine Schulausbildung an der Wells Cathedral School abschliesst. In dieser Zeit gewinnt er mehrere Musikpreise und ist mit dem Concerto de Grieg auf China-Tournee. Im Jahr 2010 ist er Finalist (Kategorie Klavier) beim Fernsehwettbewerb BBC Young Musician of the Year. Im gleichen Jahr gewinnt er die Moray Piano Competition in Elgin (Schottland). Seitdem tritt er regelmässig in Grossbritannien, der Schweiz und anderen europäischen Ländern auf.
Konzertrepertoire
- Beethoven-Sonaten (op 81a, op 109, op 111 etc.)
- Schubert-Sonaten (D959, D960 etc.)
- Schumann: Fantasiestücke op 12
- Bach: Englische und Französische Suiten (Auswahl)
- Rachmaninow: Präludien (Auswahl)
- Chopin, verschiedene Werke (Concerto no 2, Scherzi, Polonaisen, Mazurken, etc.)
- Debussy: L'Isle Joyeuse
- Prokofiew: Sarkasmen op 17, Sonate no 7 op 83
Auszeichnungen
- 2016: Studienpreis und Förderpreis des Migros-Kulturprozent
- 2016: Preisträger, Beethoven-Wettbewerb (Kendall Taylor Prize), Royal College of Music
- 2015: Studienpreis des Migros-Kulturprozent
- 2010: Finalist, BBC Young Musician 2010, ausgestrahlt auf BBC Four
- 2009: 1. Preis, Moray Piano Competition, Elgin, Schottland
- 2005: 1. Preis, Finale des Concours Suisse de Musique pour la Jeunesse, Lugano
Rezensionen
Klaviermeister in zwei Welten
Talent des Monats
1. Februar 2017, Katharina Nill
Der Nachwuchspianist Frederic Bager hat viel Talent und Grosses vor. Die Aufnahme in die Konzertvermittlung des Migros-Kulturprozent kann da einen Anschub leisten.
Vieles an Frederic Bager ist eine Ausnahme: er hat zwei Heimaten, zwei Nationalitäten, pflegt zwei Sprachen und ist ein Ausnahmetalent am Klavier. Der 25-jährige Pianist gibt das Interview über den Computerbildschirm von Morges aus, wo er als Sohn eines Briten und einer Schweizerin aufgewachsen ist. Bei Morges führt er dieser Tage ein Rezital auf, bevor er wieder nach London zurückkehrt, wo er derzeit Klavier an der Royal Academy of Music studiert.
Aufwachsen unter Musikern
Mit einem Flötisten zum Vater und einer Violonistin zur Mutter, ist das Musizieren für Frederic Bager von klein auf eine Selbstverständlichkeit. «Ich war zu jung, um mich genau zu erinnern, wie alt ich war, als ich mit dem Klavierspielen begonnen habe.» Während Bager sich schon früh zum Klavier hingezogen fühlt, studiert sein Bruder heute Fagott. Eine Entscheidung für oder gegen eine musikalische Laufbahn hat es hierbei nie gegeben: «Es verhielt sich eher umgekehrt: Ich habe mein Leben lang Klavier gespielt und es war immer schon das einzige, was ich tun wollte. In Sachen Musik musste man mich nie vorantreiben!» Als er mit 16 Jahren ein Stipendium erhält und an die britische Wells Cathedral School in Somerset wechselt, führt auf organische Weise eines zum anderen. «Ich habe einfach gemacht, was ich immer schon tat – und wurde besser und besser.»
Der Schritt, nach England zu ziehen, hat zur Folge, dass Bager heute, neun Jahre später, London als seinen Lebensmittelpunkt bezeichnet. Das Leben im dortigen Internat lassen die britischen Wurzeln in dem damals Pubertierenden mit der doppelten Staatsbürgerschaft aufblühen: Schon bald ist sein Englisch auf demselben Niveau wie das Französisch, das er mit seiner Mutter spricht. Gleichzeitig erhält er schon als Schüler eine intensive und vertiefende Ausbildung im Klavierspiel. Mit gerade einmal 17 Jahren tourt er als Solist mit dem Wells Cathedral School Chamber Orchestra durch China. «Das war definitiv ein grosses Erlebnis. Ich hatte Glück in zweierlei Hinsicht: die Ehre, solo zu spielen und das Abenteuer, auf Auslandstournee zu sein. Ich reise nämlich unwahrscheinlich gern.»
Eifer muss sein
Bager, dem die Antworten sonst schnell von den Lippen kommen, denkt lange nach, als er über den emotionalen Aspekt des Musizierens sprechen soll. «Für mich hat es nichts mit Ruhm zu tun», sagt er. «Vielmehr ist das Klavierspielen ein Genuss. Es ist auch eine Art der Kommunikation, tiefgründiger als Reden allein. Das Musizieren erlaubt einem, auf vielfältigere Weise mit dem Publikum zu kommunizieren. Daneben ist das Musizieren natürlich eine meiner Fertigkeiten, es liegt mir im Blut und ich denke ständig darüber nach. Eine Portion Leidenschaft ist aber notwendig, Geld oder Ruhm können als Motivatoren nicht ausreichen.»
Bager glaubt fest daran, dass jeder Mensch mit gewissen Talenten zur Welt kommt, aber er sagt auch: «Ohne Übung nützt das Talent nichts.» Er selbst, der nach seinem Schulabschluss für das Studium an die Royal Academy of Music in London wechselt, hat einen strengen Alltagstakt: «Die Woche ist überwiegend bestimmt vom Unterricht und dem täglichen Üben. Zudem spiele ich sehr gerne Kammermusik und investiere Zeit in die Duos, in denen ich regelmässig spiele.» In London lebt er im Haus einer Dame, die einen Flügel besitzt – an diesem darf er spielen, das erleichtert die Strukturierung seiner Übungspraxis ungemein.
Der junge Mann, der so leidenschaftlich gerne reist, nimmt sich jeweils eine muszierfreie Phase pro Jahr. «Ich leiste mir zwei bis drei Wochen übungs- und spielfreie Ferien. Zwar kehre ich dann erholt zurück, muss aber immer erst auch wieder meine musikalische Technik aufwärmen.»
Klare Zukunftsvisionen
Obwohl er noch im Studium ist, hat seine Zukunft als Berufsmusiker längst begonnen. So tritt er seit seinem Debut-Rezital als Profimusiker im Jahr 2010 in und ausserhalb Englands auf, erweitert sein Repertoire ständig und denkt gründlich über die Programme seiner Konzerte nach. Der Eifer, seine Laufbahn anzupacken, ist spürbar – und Bager ist sich im Klaren, wie diese aussehen soll: «Ich wäre gerne gut etabliert und wünsche mir, selbstgestaltete Programme spielen zu können. Es wäre toll, solo oder solo mit Orchester zu spielen – doch auch Kammermusik ist mir eine Herzensangelegenheit.»
In seinem Repertoire pflegt Bager Beethoven und Schubert-Sonaten und ist seit Neuestem den russischen Komponisten verfallen. Das ist sicher auch seinem generellen Interesse an der russischen Kultur geschuldet: Im vergangenen Sommer ist er mit seinem Cousin in die russische Arktis, nach Sankt Petersburg und Moskau gereist. Aktuell übt Frederic Bager Prokofiev und Skrjabin: «Ihre Musik ist sehr tiefgründig und vor allem Prokofiev ist emotional fesselnd. Ich habe den Eindruck, als sprächen russische Komponisten ein bisschen direkter zur Seele als andere.»
Karriereanschub Wettbewerb
Die Teilnahme an Nachwuchswettbewerben hilft Bager, sich Ziele zu setzen und diese zu erreichen. So kommt Frederic Bager 2010 ins Finale des britischen BBC Young Musician of the Year, gewinnt 2015 zunächst den Studienpreis des Migros-Kulturprozent, im Folgejahr einen zweiten Studienpreis wie auch den Förderpreis desselben. Der Studien- und Förderpreis des Migros-Kulturprozent ermöglichen dem jungen Pianisten – zusätzlich zu den 14´400 Franken – eine individuelle und umfassende Förderung beim Übergang von der Ausbildung in den Beruf. «Mit diesen Fördermitteln ist meine Ausbildung an der Royal Academy of Music gesichert – und durch die Aufnahme in die Konzertvermittlung bekommt meine Karriere einen Anschub», sagt er erleichtert und stolz.
Nächstes Konzert in der Schweiz:
5.2.2017 in Presinge (GE), Rezital mit William Dutton, Violine