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«Ich verdanke dem heiligen Meinrad meine Berufung»
Heute Freitag begehen Kloster und Bezirk Einsiedeln das Fest jenes Heiligen, der am Beginn ihrer Geschichte steht: «Aus der Zelle des heiligen Meinrads entwickelten sich Benediktinerabtei und Dorf Einsiedeln», sagt der 36-jährige Pater Philipp Steiner.
MAGNUS LEIBUNDGUT
Was geschah am 21. Januar im Jahr 861?
Der Legende gemäss haben zwei Räuber den Einsiedler Meinrad an diesem Tage umgebracht, nachdem er sie in seiner Klause gastfreundlich empfangen hatte.
Wo befand sich die Klause des heiligen Meinrads «im finstern Wald»? Die Klause befand sich ziemlich sicher an jenem Ort, wo die Gnadenkapelle steht. Einige Jahre nach dem Tod Meinrads kamen andere Eremiten hierher, und schliesslich entwickelte sich aus der Einsiedelei das Benediktinerkloster.
Was wäre aus Einsiedeln geworden, wenn es hier kein Kloster gegeben hätte? Vermutlich gäbe es hier einen kleinen Ort, vergleichbar mit Rothenthurm, Alpthal oder Unteriberg. Sicher würde dieser Ort auch nicht «Einsiedeln» heissen, und es gäbe keinen Bezirk gleichen Namens. Das Kloster hat vor allem das kulturelle Leben in Einsiedeln geprägt. Wie feiern die Brüder im Kloster den Meinradstag? Neben den feierlichen Gottesdiensten gibt es am Meinradstag mittags und abends ein fest-liches Essen. Wir feiern an diesem Tag auch den Namenstag unseres jungen Mitbruders Frater Meinrad Maria Hötzel. Wie kommt es dazu, dass Bischof Gebhard Fürst Ehrengast ist?
Er ist der «Heimatbischof» des heiligen Meinrads, der um das Jahr 800 in der Nähe der Bischofsstadt Rottenburg am Neckar geboren worden ist. Leider muss der Besuch des Bischofs kurzfristig um ein Jahr verschoben werden.
Wie ist das Haupt des heiligen Meinrads in die Klosterkirche gelangt? Der Leichnam Meinrads wurde auf der Insel Reichenau bestattet. Dies ist ein Beleg dafür, dass die Mönche des Klosters auf der Bodenseeinsel den Eremiten Meinrad schon zu Lebzeiten als einen besonderen Mitbruder betrachtet ha-ben. Im elften Jahrhundert wurden einige Reliquien – darunter der Schädel – nach Einsiedeln überführt. Grund war die Weihe der zweiten Klosterkirche im Jahr 1039.
Haben sich die Festivitäten rund um den Meinradstag im Verlaufe der Zeit verändert? Der Meinradstag ist aufgrund seines Zeitpunkts mitten im Winter immer schon ein «familiärer» Feiertag ohne viele auswärtige Pilger gewesen. Er wurde deshalb immer etwas schlichter begangen als andere hohe Feiertage im Kirchenjahr.
Seit wann gibt es die Prozession und den Segen mit dem Haupt des heiligen Meinrads? Seit dem Jahr 1984 besteht die Reliquien-Prozession mit dem Haupt des heiligen Meinrads. Das war davor nicht möglich, weil die Mönche die Vesper auf der Empore über der Gnadenkapelle gesungen hat-ten und das Haupt des heiligen Meinrads in der Gnadenkapelle aufbewahrt worden ist. Erst im Jahr 1984 wurde es in den von Papst Johannes Paul II. geweihten neuen Hauptaltar im Chor eingesetzt und damit eine Prozession zur Gnadenkapelle möglich.
In welchen Anliegen richten Gläubige ihr Gebet und ihre Fürbitten an den heiligen Meinrad? Der heilige Meinrad stand in Einsiedeln immer im Schatten der Muttergottes. In der letzten Zeit ist der heilige Meinrad zum Patron der Velopilger geworden, die auf dem Meinradweg von Rottenburg nach Einsiedeln fahren. Was bedeutet Ihnen der Meinradstag?
Im Grunde genommen verdanke ich dem heiligen Meinrad meine Berufung als Einsiedler Benediktiner. Darum ist der Meinradstag für mich ein Tag der Dankbarkeit.
Foto: Magnus Leibundgut
Pater Philipp Steiner
Jahrgang: 1985 Wohnort: Einsiedeln Beruf: Wallfahrtspriester, Sakristan, Seelsorger
Hobbys: Lesen, Natur, Sport