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Prof. Federica Sallusto erforscht ganz bestimmte Zellen unseres Immunsystems, die sogenannten T-Zellen. T-Zellen haben die Aufgabe, körperfremde und kranke Zellen zu erkennen und deren Zerstörung einzuleiten. In Ausnahmefällen richten sich T-Zellen jedoch auch gegen körpereigene gesunde Zellen. Dies ist beispielsweise der Fall bei Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose oder Schuppenflechte. Dass autoreaktive T-Zellen auch die Ursache der Schlafkrankheit Narkolepsie sind, konnte Federica Sallusto in Kollaboration mit Prof. Claudio Bassetti des Inselspitals Bern in der renommierten Fachzeitschrift «Nature» publizieren. Narkolepsie, die mit übermässiger Tagesschläfrigkeit, einem Verlust der Muskelkontrolle, Halluzinationen und Schlafstörungen verbunden ist, betrifft etwa 0,05 % der Weltbevölkerung. Kurz gesagt, der Schlaf-Wach-Rhythmus ist gestört. «Mit neuen sensitiven Methoden konnten wir autoreaktive T-Zellen als Verursacher dieser Krankheit identifizieren», erklärt Studienleiterin Federica Sallusto. Sie fügt an: «Diese Zellen können eine Entzündung hervorrufen, die zu neuronalen Schäden führt, oder sie können sogar Hypokretin-produzierende Neuronen zerstören». Das Protein Hypokretin ist für unseren Schlaf-Wach-Rhythmus zuständig. Die Forscher konnten beweisen, dass sich autoreaktive T-Zellen gegen die Nervenzellen richten, die das Hypokretin-Protein produzieren. Bei der Studie konnten die beteiligten Forscher zwei Typen von Gedächtnis-T-Zellen identifizieren (CD4+ und CD8+ T-Zellen), beide richten sich gegen Hypokretin. Mit diesem Wissen können nun Wirkstoffe gefunden werden, die die T-Zellen davon abhalten, Nervenzellen zu zerstören.
CD4+ T-Zellen können sich in weitere Zellarten differenzieren. Beispielsweise T-Helfer-Zellen 1, 2 oder 17. Letztere schützen unseren Körper vor Bakterien und Pilzen, indem sie das Protein Interleukin 17 bilden. Auch T-Helferzellen 17 (TH17) können sich gegen den eigenen Körper wenden und Autoimmunkrankheiten auslösen. Das Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Federica Sallusto charakterisierte zwei Untergruppen menschlicher T-Helfer-Zellen. Federica Sallusto erklärt: «Die sogenannten IL-10-negativen TH17-Zellen scheinen bei Entzündungsreaktionen eine wichtige Rolle zu spielen, während IL-10-positive TH17-Zellen gezielt Gene an- und ausschalten können». Das Verständnis dieser spezifischeren Zellarten eröffnet neue Möglichkeiten für zukünftige Therapien bei Morbus Crohn, rheumatoider Arthritis oder Multipler Sklerose. Die Studie wurde im Oktober 2018 im Journal «Nature Immunology» veröffentlicht.
Federica Sallusto ist 1961 in Italien geboren. Sie erhielt 1988 ihren Doktortitel in Biologie an der Universität La Sapienza in Rom und arbeitete als Postdoc sowohl am römischen Istituto Superiore di Sanità als auch am Basler Institut für Immunologie. Seit 2000 ist Federica Sallusto Gruppenleiterin des Cellular Immunology Laboratory am Institut für biomedizinische Forschung (IRB) im Tessin, wo sie 2016 das Center of Medical Immunology gegründet hat. Im Februar 2017 wurde sie als Professorin für Medizinische Immunologie an die ETH Zürich berufen. Die Immunologie-Professorin ist als erste Frau mit der «Behring Lecture» geehrt worden. Für ihre wissenschaftlichen Leistungen erhielt sie 1999 den Pharmacia Allergy Research Foundation Award und im Jahr 2010 den Science Award der Stiftung zur Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen. Im Jahr 2009 wurde Federica Sallusto als Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, und im Jahr 2011 als Mitglied der European Molecular Biology Organization (EMBO) gewählt. Prof. Federica Sallusto hat vor einem Jahr an der ETH Zürich ein neues Labor aufgebaut und die Humane Immunologie in die Lehre eingebracht.