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Kurzfilme im Kontext, ein explosives Konzept. Auf die 300-Jahr-Feier des Philosophen Jean-Jacques Rousseau hin, die uns diesen Sommer ins Haus steht, wurde diese Kurzfilmreihe konzipiert, die ironisch den Fehler bei Rousseau sucht: La Faute à Rousseau. 50 gestandene und angehende Filmemacher haben je einen drei- bis fünfminütigen Kurzfilm realisiert, ausgehend von den Schriften Rousseaus. in Solothurn wurden heute (die?) fünf Westschweizer Beiträge in einem Block präsentiert, rotzfreche, witzige, provokative und zu Herzen gehende Momente der Auseinandersetzung mit gedanklichem Erbe und Kulturgut.
Im ersten, Leçon de mathématique von Jacob Berger, wird aus dem Off eine absurd-ironische Passage aus Rousseaus Confessions gesprochen, die Geschichte des jungen Mannes, der zu einer Prostituierten geht, entzückt von der göttlichen Schönheit der Frau nach dem Fehler in ihrer Schönheit sucht, der den Grund liefern müsste, warum sie, diese Göttin, ihn überhaupt ans sich heranlässt, und ihn schliesslich findet in der Form ihrer einen Brust. Illustriert wird das sozusagen eins zu eins bis zu dem Moment, da die Frau den frustriert auf dem Bett liegenden Mann im hinausgehen auffordert, doch lieber Mathematik zu studieren. Dadurch, dass die allegorische Ebene des Textes von der filmischen Eben komplett ignoriert wird, entsteht eine urkomische Übereinstimmung von Text und Bild, die den überhöhten Sprachduktus Lügen straft.
Lionel Baier hat sich den Witz Emile de 1 à 5 erlaubt, in dem fünf nackte junge Männer in einer Badewanne über das Recht streiten, die wahre Mutter des Ideals Emile zu sein. Abgesehen vom Witz mit dem Titel, bekommt die Sequenz allein schon durch ihre schwule Fröhlichkeit eine ganz neue Note.
Und auch die anderen Kurzfilme haben es in sich. bis hin zu Thomas Ammanns Canaille, in dem sich Jean-Charles Fontana nackt und bloss in die Paranoia Rousseaus stürzt. Falls es die Filme in der Deutschschweiz nicht ins Kino schaffen werden (was doch sehr anzunehmen ist), werden sie auf jeden fall im Rahmen der grossangelegten Rousseau-Feierlichkeiten in den Programmen von SRF auftauchen. Hingucken und Hören lohnt sich auf jeden Fall!