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Brüder und Schwestern im Herrn,
“Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel …” (Mt 3,16). Innerhalb des Matthäusevangeliums wird an dieser Stelle zum ersten Mal mitgeteilt, dass sich der Himmel öffnet. Die Taufe Jesu wird so zu einer unerwarteten Erfahrung: Der Himmel geht über Jesus Christus auf, der Himmel geht über dem Volk, ja der Himmel geht über der Menschheit auf. Dieses Ereignis ist mit der Anfangsgeschichte zu vergleichen, näherhin mit der Bemerkung im Buch Genesis 3,23-24: “Gott, der Herr, schickte ihn (den Menschen) aus dem Garten von Eden weg, damit er den Ackerboden bestellte, von dem er genommen war. Er vertrieb den Menschen und stellte östlich des Gartens von Eden die Kerubim auf und das lodernde Flammenschwert, damit sie den Weg zum Baum des Lebens bewachten.” Der Garten von Eden ist das Paradies. Es ist der Ort, wo der Mensch herkommt, wo er sein Leben empfangen hat, wo er sich daher zuhause fühlt. Es ist die Umgebung, die ihm entspricht, in der er sich wohl fühlt. Diesen Ort muss er verlassen. Dem Menschen wird gleichzeitig der Weg zum Baum des Lebens abgeschnitten. Das Leben wird für ihn schwer. Das Leben bereitet ihm viel Leid. Alles verschließt sich ihm. Er steht wirklich vor verschlossenem Himmel.
Zu dieser tragischen Geschichte des Anfangs des Menschengeschlechts können wir nun als Kontrast das heutige Evangelium lesen: Der Himmel öffnet sich. Das bedeutet im Zusammenhang des verschlossenen Paradieses, dass der Weg zurück, der Weg zum Ursprung, aufgetan wird. Es gibt einen neuen Zugang zum Paradies und zum Baum des Lebens. Dieser Zugang wird auch konkret bezeichnet: “Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe” (Mt 3,17). Der Zugang zum Himmel, zum Baum des Lebens, heißt “der geliebte Sohn”, heißt “Jesus Christus”, heißt, bei Berücksichtigung der Lesung aus der Apostelgeschichte (10,36), “der Herr aller”. Die Schlussfolgerung ist: Die Zuwendung zu Jesus Christus ist Hinwendung zum Baum des Lebens, ist Rückkehr in den verlorenen Garten von Eden, Aufbruch zur Heimat des Menschen, Aufbruch zum Himmel. Das muss uns beim Anhören dieses Evangeliums mit Dankbarkeit und Freude erfüllen.
Die Liturgie ist immer Feier des Herrn, Feier der Heilsgeschichte, Feier des Wirkens unseres Herrn Jesus Christus, daher auch Feier, die uns immer neu den Himmel erschließt und den Herrn erkennen und erfahren lässt. Dabei ist die Heilige Messe der Höhepunkt. Die weiteren liturgischen Feiern führen uns auf diesen Höhepunkt zu. Deshalb soll unsere ganze Liebe der Liturgie gelten, und wir wollen alles unternehmen, um an der Liturgie, insbesondere an der Heiligen Messe mit Ehrfurcht und Andacht teilzunehmen. Sie enthebt uns dem Alltag und der Not des aus dem Garten von Eden entlassenen Menschen und führt uns zurück zur Quelle des Lebens.
Um aber die Heilige Messe mit Ehrfurcht und Andacht zu feiern, um die Heilige Messe lieb zu gewinnen, ist die Kenntnis der Feier von größter Bedeutung, vor allem die Kenntnis, welche der Erstkommunionunterricht, aber auch eine entsprechenden Erwachsenenbildung vermitteln wird. Vor allem müssen wir uns immer wieder bewusst werden, dass die Heilige Messe das Todesleiden Jesu, das Sühneopfer Jesu für uns vergegenwärtigt. Durch dieses Sühneleiden werden wir aus unserer Not befreit. Wir empfangen die Erlösung. In meinem Jugendkatechismus standen die folgenden Worte, die in mir die Liebe zur Heiligen Messe weckten und die mich bis heute prägen: Auf die Frage „Wozu hat Jesus das allerheiligste Altarssakrament eingesetzt“ folgte die Antwort, „Jesus hat das allerheiligste Altarssakrament eingesetzt, um in der heiligen Messe sich für uns zu opfern, um in der heiligen Kommunion unsere Seelenspeise zu werden, um auch mit seiner Menschheit immer unter uns zu sein.“ Wenn wir dies wissen und dieses Wissen auch unseren Kindern und Jugendlichen weitergeben, dann können wir, können die Menschen mit dem Herzen die Bedeutung der Heiligen Messe aufnehmen und eben mit Andacht und Liebe an diesem hohen Geschehen teilnehmen. Dann geht wirklich der Himmel über uns auf und wir werden hineingenommen in die Herrlichkeit unseres Herrn.
Brüder und Schwestern im Herrn, wir spüren in unserem Leben immer eine gewisse Heimatlosigkeit und eine große Sehnsucht nach dem, was wir verloren haben, die Sehnsucht nach dem Himmel, die Sehnsucht nach Gott. Möge uns deshalb die Liturgie Heimat geben, den Himmel öffnen und uns den Herrn in unserer Mitte schenken, den Herrn, der das geknickte Rohr nicht zerbricht und den glimmenden Doch nicht auslöscht (vgl. Jes 42,3), sondern uns aufatmen und froh werden lässt – und uns hinführt zur ewigen Glückseligkeit, zum Leben der kommenden Welt. Amen.
Brüder und Schwestern im Herrn,