Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03130.jsonl.gz/2106

Wir können auch nicht erkennen, was das Allerkleinste im Kosmos ist, und wir können nicht wissen, was das wirkliche Ganze ist. Selbst wenn man die eine und einzige Theorie für das Ganze sucht - sie ist nicht auffindbar. Weil sich dann eine noch kleinere Einheit zeigt oder eine noch höhere Komplexität des Ganzen. Sich dennoch auf die Realität das Geheimnisvollen einzustellen und dabei sich und seine Erfahrungen diesem Unerkennbaren auszusetzen, ist nur innerhalb des zweiten Erkenntnissystems möglich. Dieses arbeitet mit Erfahrungen, die ebenso wahr sind, wie sachbegründete Verstandeswahrheit, aber unsagbar bleiben. Institutionalisierte Religionen, vor allem die monotheistischen Schriftreligionen, sind dem Sog der Sprache erlegen und haben das Unerkennbare und Unnennbare in Worte gefasst und diesen Worten Relevanz zugesprochen. Daoismus, Buddhismus und Mystiker haben sich solcher Banalisierung des Geheimnisvollen widersetzt. Das erste Kapitel des Dao De Jing sagt: “Das Dao, das man benennen kann, ist nicht das ewige Dao”. Modern gesprochen heisst dies: Wer vom Dao spricht, spricht nicht vom Dao. Dieses ist “nur” erfahrbar.