Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03159.jsonl.gz/2694

14. April 2019
Winzige 0,067 Punkte haben zum Abschluss der Kunstturn-Europameisterschaften im polnischen Stettin Ilaria Käslin am Sonntag, 14. April 2019 zur erhofften Medaille gefehlt. Die Tessinerin, welche sich als Fünfte für den Final am Schwebebalken qualifiziert hat, beendet den Wettkampf mit 12,833 Punkten auf dem vierten Schlussrang. Bis zur letzten Athletin, der frischgebackenen Mehrkampf-Europameisterin Melanie de Jesus dos Santos (FRA), durfte sich Käslin Hoffnungen auf eine Medaille machen. Zuvor bekundeten vor und nach Käslins Auftritt viele Athletinnen ihre Mühe am «Zittergerät». Anders die Schweizerin: Sie zeigte erneut eine sehr gute Übung ohne grosse Fehler. Jedoch wurden verschiedene kombinierte Elemente nicht als solche gewertet, was sich wiederum auch am tieferen Schwierigkeitswert von 4,9 wiederspiegelte. Käslin turnte aber sehr elegant und sicher und dennoch musste sich die 21-Jährige in der Endwertung von drei Athletinnen geschlagen geben. Den EM-Titel sicherte sich am Schwebebalken Alice Kinsella (GBR; 13,566), gefolgt von den beiden Turnerinnen aus Frankreich Melanie de Jesus dos Santos (2.; 13,466) und Lorette Charpy (3.; 12,900).
Steigerung von Gischard
Einen sehr starken Auftritt gelang auch Benjamin Gischard. Einen Tag nach seinem vierten Rang am Boden, turnte der Berner am Sonntag seinen zweiten Gerätefinal an der EM in Stettin. Im Sprungfinal, welcher er wegen der Nationenregelung (nur zwei Athleten pro Nation im Final erlaubt) als Neunter dennoch erreichte, zeigte er eine deutliche Steigerung im Vergleich zur Qualifikation (14,366). Gischard zeigte zwei sehr starke Sprünge. Einzig bei der jeweiligen Landung, musste der Berner jeweils einen kleinen Hupfer in Kauf nehmen. Neben des Kasamatsus (14,500) zeigte Gischard als zweiten Sprung einen Roche (14,466). Mit einer Gesamtnote von 14,483 Punkten landete er so in der Endabrechnung auf dem fünten Rang. Die Goldmedaille am Sprung sicherte sich derweil der Russe Denis Abliazin (14,950).
Flüssige Barren-Übung von Baumann
Eine nahezu perfekte Übung zeigte der dritte Schweizer in einem Einzelfinal am Sonntag. Christian Baumann musste am Barren als letzter von acht Athleten ans Gerät und der Aargauer hielt dem Druck stand. Baumann turnte sehr sauber und flüssig, zeigte bei allen Elementen keinen einzigen Wackler. Nur beim Abgang, beziehungsweise bei der Landung, musste er einen verhältnismässig grossen Hupfer in Kauf nehmen. Ansonsten gab es an der Übung des EM-Bronzemedaillen-Gewinners von 2015 praktisch nichts auszusetzen. Da jedoch die Konkurrenz am Barren vor ihm derart stark geturnt hatte, reichten die 14,566 Punkte von Christian Baumann «nur» für den sechsten Schlussrang. Barren-Europameister wurde der Russe Nikita Nagornyy (15,466).
Trotz sehr guten Leistungen sind die Schweizerinnen und Schweizer an den Kunstturn-Europameisterschaften 2019 in Stettin damit ohne Medaillen geblieben. Die dennoch starken Leistungen, welche Käslin und Co. in Polen gezeigt haben, lassen jedoch für die nächsten Wettkämpfe hoffen. Das Schweizer Kunstturn-Kader, welches im Vorfeld zur EM einige verletzungsbedingte Absenzen vermelden musste, darf mit den insgesamt sieben Final-Qualifikationen dennoch erhobenen Hauptes aus Stettin abreisen.
Text: Thomas Ditzler
Bild: Jasmin Schneebeli-Wochner