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Chronische Schmerzen sind häufig und nehmen mit dem Alter zu. Die Prävalenz liegt je nach Studien zwischen 11 und 24%. Die meisten Patienten klagen über muskuloskelettale Schmerzen, welche von den betroffenen Personen meist tief im Gewebe oder im Knochen empfunden werden. Neben lokalisierten oder regionalen Schmerzsyndromen (z.B. chronische lumbale Rückenschmerzen) werden von den Betroffenen auch generalisierte, an vielen Körperstellen vorhandene Schmerzen beschrieben, welche im angloamerikanischen Raum mit «chronic widespread pain» umschrieben werden.
Die Schmerzsyndrome sind medizinisch meist harmlos, aber für die Betroffenen stark einschränkend. Die Schmerzen sind begleitet von anderen invalidisierenden Symptomen wie massive Müdigkeit, Schlafstörungen, neuropsychologische Defizite und psychischen Problemen wie Depressionen oder Angststörungen. Sie führen meist zu Funktionseinschränkungen auf Körperfunktions- und Strukturebene und zu Aktivitäts- und Teilhaberestriktionen. Die chronischen Schmerzen führen somit in aller Regel zu einer eigentlichen Aktivitätsintoleranz. Alltägliche Belastungen wie die Aktivitäten des täglichen Lebens und ausser häusliche Tätigkeiten werden zur Qual. Die verminderte Belastbarkeit selbst führt zur Schonung, und ein Teufelskreis aus Schmerzen- verminderte Aktivität- reduzierte Belastbarkeit mit Schmerzzunahme Schonung etc... entsteht. Schmerzpatienten neigen somit selbst zur Schonung und Schonung perpetuiert den Schmerz. Behandlungskonzepte müssen daher neben Schmerz lindernden Massnahmen auch Strategien zur Belastungssteigerung und Verminderung der Aktivitätsintoleranz beinhalten. Schonen schadet den Betroffenen. Aktivität hilft, macht aber zu Beginn mehr weh. Schmerzpatienten sind daher im Rahmen der multimodalen Behandlungskonzepte regelmässig zu begleiten und zu betreuen. Dennoch ist es in Kenntnis der Literatur wichtig, dass sich die betroffenen Personen körperlich betätigen. Aus der Literatur ist bekannt, dass ein Schmerz- und Symptom orientiertes Training sich nicht auszahlt. Im Rahmen einer solchen Therapie nehmen- entgegen der eigentlichen Intention- die Schmerzen sogar eher zu, während in Aktivität orientierten Programmen sich die Schmerzen durch Verbesserung der Belastbarkeit reduzieren.
Die Behandlungen selber müssen neben medikamentösen Massnahmen zur Schmerzlinderung auch psychologische Begleitung zum Erlernen von Copingstrategien und aktive Behandlungen wie Einzelphysiotherapien und Kraftausdauertrainiung beinhalten. Evidenzbasiert sind medikamentöse Behandlungen mit einfachen Analgetica und Tramadol, daneben aber auch mit klassischen Antidepressiva Typ Amitryptilin oder SNRI (Duloxetin), Antiepileptica Typ Pregabalin oder 5-HT-Antagonisten (Tropisetron) als Co-Analgetica. Die medikamentöse Behandlung stellt gewissermassen die Basis dar, um die Patienten dann an ein aktives Behandlungsprogramm heranzuführen. Als aktive Behandlungen sind kardiovaskuläre Fitnesstrainings und moderate Kraftausdauertrainings Evidenz basiert zu empfehlen. Trainingseinheiten von 30-45 Minuten 2-3 x/Woche sind ausreichend. Basierend auf der aktuellen Literatur sind Übungsprogramme genau gleich effektiv wie pharmakologische Behandlungen bezüglich den Schlüsseldomänen Schmerzreduktion, Verbesserung der Funktionsfähigkeit und Stimmungsaufhellung bei geringerer Nebenwirkungsrate. Aktive Behandlungsprogramme sind zudem Kosten effektiver als medikamentöse Behandlungen, sofern die betroffenen Personen das Übungsprogramm regelmässig im Sinne eines konsequent durchgeführten Heimübungsprogramms durchführen.
Die Eingangsfrage, ob Schmerzpatienten sich schonen oder ein adaptiertes Trainingsprogramm absolvieren sollen, ist klar zu Gunsten des Trainings zu beantworten.