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Skanda Vale
Die Gemeinschaft Skanda Vale wurde begründet vom Sri Lanker Parcival de Silva alias Guru Sri Subramanium.
De Silva wurde im Jahr 1929 in Sri Lanka geboren, sein Vater war Singhalese, die Mutter stammte aus Südindien und führte einen buddhistischen Tempel, nahm aber auch an Hindu-Prozessionen teil und betonte ihre Verbindung zu Jesus. Schon als Jugendlicher reiste de Silva nach Europa und Palästina und wurde als junger Mann in London ansässig. Hier verdiente er seinen Lebensunterhalt mit einem kleinen Blumenladen, gab daneben aber auch Yogaunterricht und spirituelle Kurse. In einem Zimmer richtete er einen kleinen Tempel ein.
Eine Zeitlang wandte sich de Silva dem indischen Meister Sathya Sai Baba zu, stiess sich dann aber am Personenkult um diesen Guru. Später fühlte sich de Silva selbst zum Meister berufen, nahm den Namen Guru Sri Subramanium an und ging daran, einen Pilgerort zu eröffnen. Eine passende Liegenschaft fand Subramanium im Jahr 1973 in einem abgelegenen Bauernhof in West Wales. Hier baute er mit vier fünf Leuten einen Ashram auf. Auf dem Gelände wurde ein Tempel errichtet, der dem hinduistischen Gott Skanda oder Subrahmanya geweiht ist, welcher als Sohn des Shiva gilt und unter dem Namen Murugan bei der tamilischen Volksgruppe in Sri Lanka besonders beliebt ist. Nach dieser Gottheit wurde auch der Ort benannt: Skanda Vale, Tal des Skanda.
Bald schon setzte grosses Wachstum ein: Der Ashram wurde in den Neunzigerjahren nach und nach zum Pilgerort für tamilischstämmige Menschen in Grossbritannien, dann explodieren die Pilgerströme: die ganze indische Community entdeckte den Ort. 2004 sprach man bereits von 90’000 Pilgern im Jahr.
Die Popularität von Skanda Vale als Pilgerort für Hindus in Grossbritannien beruht, so beobachteten es Ehemalige, auf drei Säulen: Zum einen sind Tempeldienst, Essen und Übernachtung kostenlos. Im Gegensatz zu vielen Hindu-Tempeln nimmt Skanda Vale für Rituale keine festen Gebühren, sondern finanziert sich über Spenden. Zum zweiten wird bewusst auf eine hohe Qualität von Ritualen und Bewirtung geachtet, wodurch sich Skanda Vale von anderen Angeboten in der hinduistischen Szene im Vereinigten Königreich abheben kann. Zum dritten ist für viele Besuchenden faszinierend, dass in Skanda Vale auch Menschen europäischer Herkunft hinduistische Rituale vollziehen.
Als Konsequenz dieser zunehmenden Beliebtheit als Pilgerort stiegen die Spenden-Einnahmen in Skanda Vale beträchtlich an: dies ermöglichte es der Gemeinschaft, weitere Tempel zu bauen, daneben wurde ein Sterbehospiz eingerichtet, das zuerst als Home-Care-Service, dann als Tageszentrum arbeitete. Das Hospiz soll bewusst Menschen aller religiösen Überzeugungen offen stehen.
Im Jahr 2007 starb Guru Subramanium. Die führenden Mönche, Swamis genannt, leiten nun die Gemeinschaft. Strong Men sind heute Swami Brahmananda und Swami Suryananda.
Ende der Achtzigerjahre schloss sich eine Schweizerin Guru Subramanium an, welche den Meister ab dem Jahr 1990 immer wieder für Seminare in die Schweiz einlud.
Im Jahr 1994 wurde in der Schweiz der Verein Skanda Vale gegründet, der ein Berghaus oberhalb des Dorfes Fideris GR aufkaufte und in den folgenden Jahren zu einem Ashram ausbaute. Im Jahr 2016 wurde ein Tempel eingeweiht.
In Skanda Vale wird eine klösterliche Ordnung gepflegt: Die Mönche und Nonnen legen das franziskanische Gelübde ab, denn Guru Subramanium war fasziniert von Franz von Assisi. Die Weihe erfolgt nach einem zweijährigen Noviziat.
Die Mönche und Nonnen leben gemäss den klösterlichen Prinzipien in Armut, Keuschheit und Gehorsam und verzichten, hier der hinduistischen Tradition folgend, auf den Konsum von Fleisch, Fisch und alkoholischen Getränken.
Ehemalige Mitglieder von Skanda Vale berichten, dass die Regeln der Gemeinschaft für Guru Subramanium selbst nicht galten: dieser ass Fleisch und vor allem Fisch, trank Wein und hatte sexuellen Umgang mit manchen männlichen Mönchen.
Ermöglicht wurde dies, so sehen es ehemalige Mitglieder, durch eine ausgeprägte Hierarchie. Guru Subramanium galt als Repräsentant des Göttlichen (so habe Subramanium etwa den sexuellen Umgang mit Mönchen dargestellt als Gelegenheit für diese, mit Gott Sex zu haben).
Gurus Wort wurde als Rede Gottes wahrgenommen und galt absolut. Wer in des Gurus Gunst stand, durfte, so berichten es Ehemalige, am Fleisch- und Fischkonsum des Gurus teilnehmen. So ergaben sich die typischen Guru-Spiele: Um des Gurus Gunst wurde gekämpft, und wer sie erreicht hatte, musste schauen, sie nicht wieder zu verlieren.
Nach dem Tod von Guru Subramanium im jahr 2007 ist es um Skanda Vale wieder ruhiger geworden. Eine Aufarbeitung der damaligen Ereignisse von Seiten der Gemeinschaft fand aber nicht statt.
Skanda Vale pflegt einen interreligiös angereicherten Neo-Hinduismus, die kultische Verehrung hinduistischer Götter mit täglicher Verehrung im Tempel (Puja) und traditionellen hinduistischen Festen wird ergänzt durch Gottesdienste anderer Religionen, so durch einen christlichen Sonntagsgottesdienst.