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Ein Überblick über die Geschichte des Schaffhauser Pressevereins, veröffentlicht zu unserem 100-Jahr-Jubiläum im Jahr 2012
100 Jahre Presseverein
Vom Presseverein erhofften sich die Schaffhauser Journalisten, dass er ihre Interessen angemessen vertritt. Gleichzeitig sollte der 1912 gegründete Verein ein Band zwischen den oft heillos zerstrittenen Zeitungen bilden.
Von Max Ruh
Mit einer knappen Notiz teilte das «Schaffhauser Intelligenzblatt» seiner Leserschaft mit, dass am 4. Juli die Redaktoren der Schaffhauser Zeitungen einstimmig beschlossen hätten, eine Sektion des Schweizerischen Pressvereins zu gründen. Die konstituierende Sitzung fand dann am 10. August 1912 im Restaurant Frieden statt. Der Statutenentwurf wurde durchberaten und einstimmig verabschiedet.
Der anwesende Zentralpräsident des Schweizerischen Pressvereins, Redaktor Albert Hablützel aus Winterthur, orientierte über Sinn und Zweck der Berufsorganisation. Die Vereinigung, welche sich «die Wahrnehmung und Vertretung der gemeinsamen Interessen der schweizerischen Journalistik ohne Unterschied der Parteirichtung» zur Aufgabe machte, war 1883 anlässlich des Journalistentages der Landesausstellung in Zürich aus der Taufe gehoben worden.
Zum ersten Präsidenten der Schaffhauser Sektion des Pressvereins wurde Walter Wettstein, Redaktor des «Schaffhauser Intelligenzblattes», gewählt. Als Vizepräsident und Kassier stellte sich Theodor Lunke, Rechtsanwalt und Redaktor der «Schaffhauser Zeitung», zur Verfügung. Das Aktuariat übernahm Emil Meyer, Arbeitersekretär und Mitarbeiter beim «Echo vom Rheinfall». Schon am Gründungstag durfte der Präsident verkünden, dass der neue Verein bereits acht ordentliche und zwölf ausserordentliche Mitglieder habe.
Ordentliche Mitglieder konnten solche Personen werden, die als Haupttätigkeit den Beruf eines Redaktors, freien Journalisten oder Schriftstellers ausübten. Die Bereitschaft, mitten in der Zeit des Ersten Weltkrieges die Organisation des schweizerischen Pressetages von 1917 zu übernehmen, bedeutete für den jungen Verein eine ernste Herausforderung. Schon 1897 hatte in Schaffhausen die Jahresversammlung des Schweizerischen Pressvereins stattgefunden. Besonders spektakulär war damals der Corso der dreizehn Kutschen, welche die Journalisten (nach den statutarischen Verhandlungen im Grossratssaal) durch die Stadt, ins Mühlental und an den Rheinfall führten. Es hätten auch «mehrere Journalistinnen» teilgenommen.
1917 hiess das «Intelligenzblatt» mit einer mehrseitigen Sonderausgabe, welche zahlreiche Beiträge, unter anderem zur Schaffhauser Pressegeschichte, enthielt, die Journalisten in Schaffhausen willkommen. Redaktor Eugen Müller vom «Tage-Blatt» äusserte sich hingegen recht kritisch zur Veranstaltung. Er brach eine Lanze für die kleinen und mittleren Blätter, die von den «Herren der grossen Presse» dominiert würden. Auch 1917 wurde die Veranstaltung mit Referaten, Ausflügen und Fabrikbesichtigungen zu einem grossen Erfolg. Mangels Protokollen und andern Unterlagen fehlen uns Informationen über die Aktivitäten des Schaffhauser Pressvereins in den folgenden zwei Jahrzehnten. Die politischen Auseinandersetzungen der Dreissigerjahre, als zeitweise in der Stadt Schaffhausen sieben Tageszeitungen miteinander konkurrenzierten, scheinen dazu beigetragen haben, dass sich der Pressverein langsam auflöste.
Neuanfang kurz nach dem Krieg
Am 3. November 1945 meldeten die «Schaffhauser Nachrichten», dass «die im Kanton Schaffhausen tätigen Redaktoren und Journalisten sich zu einem Schaffhauser Pressverein» zusammengeschlossen hätten. Im Unterschied zur Gründung von 1912 sah sich die neue Vereinigung nicht mehr als Sektion des Schweizerischen Pressvereins, sondern bildete eine selbständige regionale Organisation. Ihre Ziele blieben jedoch die gleichen: «Der Schaffhauser Pressverein bezweckt die Wahrung der Würde und der Unabhängigkeit der Presse, die Vertretung und Förderung der beruflichen Interessen ohne Unterschied der Parteirichtung sowie die Pflege kollegialer Beziehungen.»
An der Gründungsversammlung vom 1. November 1945 wurden einerseits die Statuten verabschiedet und andererseits Prof. Hugo Meyer zum Präsidenten gewählt. Seit der Neugründung bot der Verein, verbunden jeweils mit der Jahresversammlung, seinen Mitgliedern Besichtigungen von Unternehmen der Region und Begegnungen mit prominenten Leuten. Zu den Höhepunkten gehörte 1958 eine Studienreise nach Wien. Um 1970 fand erstmals der sogenannte Sylvesterhock statt, der sich dann später zu einer festen Tradition entwickelte. Zum Jahresabschluss werden jeweils Personen aus Politik und Wirtschaft eingeladen, die den Presseleuten Red und Antwort stehen. Ein besonderes Ereignis war der Ende Januar 1971 im «Park Casino» durchgeführte Schaffhauser Presseball, der im November 1979 im Hotel Bellevue in Neuhausen eine Neuauflage erlebte. 1987 feierte der Pressverein seinen 75. Geburtstag mit einem öffentlichen Festakt in der Rathauslaube, einer Ausstellung im Museum zu Allerheiligen («Die Zeitung – ein Medium im Wandel der Zeit») und einem festlichen Unterhaltungsabend.
Zwar hat sich seit der Gründung des Pressevereins im Jahr 1912 auch in der Schaffhauser Medienlandschaft viel verändert, aber im Wesentlichen sind die Aufgaben des Vereins noch dieselben wie vor 100 Jahren: Er soll die Unabhängigkeit der Presse sichern, die beruflichen Interessen der einheimischen Journalisten vertreten und einen Rahmen für die Pflege kollegialer Kontakte und Beziehungen schaffen.
Anders als etwa der Zürcher oder der Berner Presseverein ist der Schaffhauser Presseverein nicht Mitglied von Impressum, dem mit über 5500 Mitgliedern grössten Berufsverband von Medienschaffenden der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein. Er bietet seinen Mitgliedern deshalb auch keinen Zugang zum Berufsregister und zum dazugehörigen «BR-Presseausweis» oder zu den juristischen Beratungsmöglichkeiten, die Impressum-Mitgliedern bei arbeitsrechtlichen Streitigkeiten oder Ähnlichem zur Verfügung stehen. Die beruflichen Interessen der einheimischen Journalistinnen und Journalisten vertritt der Schaffhauser Presseverein vor allem gegenüber den Behörden. Er reklamiert, wenn bei einzelnen Stellen die Informationspolitik nicht funktioniert oder wenn den Berichterstattern in den Parlamenten von Stadt und Kanton die Arbeit unnötig erschwert wird. Seine Generalversammlung verbindet der Presseverein jedes Jahr mit einem kleinen Ausflug. Die Reise führt die Teilnehmer entweder zu einem Medienunternehmen, oder sie schafft die Möglichkeit, in einem spannenden Industriebetrieb hinter die Kulissen zu schauen. So lernten die Mitglieder in den letzten Jahren unter anderem Tele Züri, den «Zürcher Unterländer», den «Südkurier», die Cilag, die GVS-Gruppe und die Uhrenmanufaktur H. Moser & Cie. kennen. Zweiter Fixpunkt im Kalender ist der sogenannte Silvesterhock, zu dem der Vorstand jeweils eine bekannte Persönlichkeit aus Politik oder Wirtschaft einlädt.
Im Moment zählt der Presseverein 170 Mitglieder aus sämtlichen Schaffhauser Medienhäusern. Erfreulich daran: Die Mitgliederzahl steigt weiter, offensichtlich ist der Verein auch für junge Mitglieder attraktiv.