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1988 hat die internationale Headache Society (IHS) die verschiedenen Formen von Kopfschmerzen verbindlich klassifiziert und die entsprechenden diagnostischen Kriterien zusammengestellt.
Es wird zwischen primären Kopfschmerzen (als eigenständige Erkrankung)und sekundären Kopfschmerzen (als Folge von anderen Erkrankungen) unterschieden.
Zu den primären Formen gehören
Migräne,
Spannungs-Kopfschmerzen und
Cluster-Kopfschmerz und
Kopfschmerzen ohne strukturelle Läsionen z.B. durch Kälte, Husten, grosse Anstrengungen.
Formen
Primäre Kopfschmerzen
Bei den primäre Formen sind die Kopfschmerzen die Erkrankung selbst. Dazu gehören:
Migräne mit oder ohne Aura
Spannungs-Kopfschmerzen (episodisch, chronisch)
Cluster-Kopfschmerzen (Cluster)
Sekundäre Kopfschmerzen (als Symptom)
Zu den sekundären Formen zählt man die Kopfschmerzen als Folge einer anderen Erkrankung oder einer Verletzung (=symptomatische Kopfschmerzen). Das können sein:
Nach Schädelhirntrauma (Sturz oder Schlag auf den Kopf)
Arterieller Bluthochdruck
Infektionen
Alkoholkonsum
Erkrankungen (z.B. Infekte oder Tumor) im Bereich des (der) Schädels, Nackens, Augen, Ohren, Nase, Nebenhöhlen, Zähne, Kiefergelenke (z.B. Infekte oder Tumore).
Im übrigen können auch die Ursachen der Spannungskopfschmerzen sekundäre Kopfschmerzen auslösen.
Im weiteren wird nur auf die primären Kopfschmerz-Arten eingegangen.
Ursachen
Migräne
Die Ursache und die Mechanismen der Migräne sind bisher nur teilweise bekannt.
Namhafte Migräne-Forscher sind überzeugt, dass die Migräne eine Folge einer angeborenen, gestörten Reaktionsfähigkeit des Gehirns gegenüber äusseren und innern Reizen darstellt. Diese erhöhte Reizempfindlichkeit führt dazu, dass das Gehirn die Botenstoffe Noradrenalin und Serotonin zu rasch produziert und ausschüttet. Die Folgen sind Gefässerweiterungen und Entzündungen, wodurch die Schmerzen ausgelöst werden.
Eine genetische Veranlagung führt, unter dem Einfluss von verschiedenen Faktoren, zu solchen Kopfschmerz-Attacken. Die folgenden Faktoren (Trigger) können eine Migräne auslösen, verstärken oder beschleunigen:
Bei den chronischen Spannungs-Kopfschmerzen sind die Auslöser oft nicht mehr exakt eruierbar und können die Summe von verschiedenen Faktoren sein.
Cluster-Kopfschmerzen (Cluster)
Die Cluster-Kopfschmerzen (gruppenweises Auftreten von Schmerzattacken) sind deren der Migräne ähnlich, nur viel schmerzhafter. Die Ursachen sind weitgehend unbekannt, aber wahrscheinlich spielen lokalisierte Hirnfunktionsstörungen eine Rolle. Frauen zwischen 40 und 50 sind am meisten davon betroffen. Nikotin und Alkohol können die Beschwerden verstärken oder sogar auslösen.
Symptome (Beschwerden)
Migräne
Bei den meisten Patienten beginnt die Migräneattacke ein bis zwei Tage vor den Kopfschmerzen mit einer Vorstufe, dem sogenannten
Prodromi. Dabei können folgende Beschwerden auftreten:
Licht- und Lärmempfindlichkeit, Sehstörungen (Flimmersehen, Gesichtsfeldausfälle), häufiges Gähnen
Heisshunger oder Appetitlosigkeit, Durst, Durchfall, Verstopfung
Kältegefühl
Beschwerden der Migräneattacke
Typisch sind die mässig bis starken, meist halbseitigen, pulsierenden Kopfschmerzen, die bei Aktivitäten verstärkt werden und oft über Stunden oder Tage anhalten.
Hinzukommen können:
Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheuheit und Lärmempfindlichkeit
Schlafstörungen
Starke Müdigkeit nach der Migräne-Attacke
Aura: bei ca. 15% der Migräniker tritt eine sog. Aura auf. Es handelt sich dabei um eine Funktionsstörung des Gehirns oder des Hirnstammes, welche wenige Minuten bis eine Stunde dauern kann. Dabei treten Sehstörungen, Missempfindungen an den Extremitäten oder im Gesicht auf, seltener vorübergehende Lähmungen.
Spannungs-Kopfschmerzen
Kopfschmerzen sind drückend, ziehend, nicht pulsierend.
Leichte bis mässige Schmerzintensität, körperliche Aktivitäten sind meist noch möglich.
Beideits des Kopfes lokalisiert, oft in der Schläfengegend.
Selten: Schlafstörungen, Schwindel, Übelkeit und Sehstörungen.
Cluster-Kopfschmerzen (Cluster)
Regelmässige, fast fahrplanmässige heftige Kopfschmerzen nach einem sich wiederholenden Zeitraster: z.B. tagsüber über Mittag und/oder nachts kurz nach dem Einschlafen.
Wiederholte, zum Teil tägliche Cluster (in Serien auftretende Kopfschmerzattacken), die während Minuten bis Stunden, ja sogar über Tage bis Wochen hinweg auftreten können.
Danach oft keine Beschwerden über Monate bis Jahre
Diagnose (Untersuchung)
Um die eine oder andere Kopfwehart zu diagnostizieren braucht es eine äusserst differenzierte und ausführliche Kranken- und Familiengeschichte unter Einbezug der Beschwerden.
Die Kopfwehanamnese soll beinhalten:
Beginn, Lokalisation und Dauer der Kopfschmerzen
Frequenz der Attacken und Schmerzintensität (0-10 Skala, 0=kein Schmerz, 10= maximal vorstellbarer Schmerz)
Begleitumstände der Kopfschmerzen (Beruf, Schule, Familie, Angst)
Persönliche Belastbarkeit
Berufs-, Freizeit- und Sozialanamnese
Familienanamnese
Zeitraster (wenn möglich über Jahre)
Bisherige Therapien und deren Erfolg
Medikamentenkonsum (Überkonsum - auch Kopfwehtabletten können zu Kopfschmerzen führen!)
Erwartungshaltung und Motivation
Weitere Untersuchungsmöglichkeiten
Neurologische, körperliche Untersuchungen.
Laboruntersuchungen, CT, MRI zum Ausschluss von Erkrankungen, Tumore etc.
Therapie (Behandlung)
Migräne
Die moderne Medikamentengruppe der Triptane (Naritriptan, Sumatriptan, Rizatriptan) führen einerseits zu einer Gefässverengung und anderseits hemmen sie die Freisetzung von Entzündungsstoffen. Wichtig ist das Führen eines Migränetagebuches als Behandlungsgrundlage für den Arzt.
Kennenlernen und Ausschalten der Triggerfaktoren (Migränetagebuch)
Bettruhe, Dunkelheit, Schlaf, Kälte- oder Wärmewickel
Spannungskopfschmerzen
Zeitweise auftretende Spannungskopfschmerzen können mit Schmerzmittel (Acetylsalicylsäure oder Paracetamol) behandelt werden: Achtung nur kurzfristig und kontrolliert einsetzen; Entspannungsübungen und/oder Massagen können ebenfalls helfen. Wichtig ist der Ausschluss von Risikofaktoren.
Alternative Mittel
Akupunktur, Akupressur
Kälte- oder Wärmebehandlungen
Wechselbäder (Fuss- oder Ganzkörperbad zur Druchblutungsförderung: nicht wärmer als 38°, danach kalt abduschen)
Muskelentspannung, Autogenes Training, Yoga
Cluster-Kopfschmerzen (Cluster)
Bei den Cluster-Kopfschmerz-Attacken kommen Sumatripane zum Einsatz (Spritze oder Nasenspray). Normale Schmerzmittel sind in der Regel unwirksam.
Im Übrigen gelten für den Patienten dieselben Massnahmen, wie bei der Migräne, inkl. Führen eines Kopfschmerztagebuches.