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Der Inhalt von Hermann Kinders «Methusalem-Roman» ist schnell erzählt. Ein Mann in fortgeschrittenem Alter arbeitet in einem Konstanzer Amt und wartet auf seine Pensionierung, während seine Frau unverhofft eine Amtsstelle in Köln findet. Die Kinder sind aus dem Haus, die Ehepartner nun also getrennt, der Protagonist wird verrentet, wie das in Deutschland heisst, und pendelt fortan zwischen Bodensee und dem ihm fremden Köln, wo er sich nicht zurechtfindet, sehr wohl aber die Vereinsamung der Altersgenossen wahrnimmt: Mit vier von ihnen findet er sich auf dem Friedhof Melaten ein, der dem Buch den Titel gibt.
Geschildert werden Stationen des Alterns, Angst vor Verfall und Tod, die sich nicht zuletzt aus den Reaktionen der Umwelt nährt: «Ich würde keine Schlüssel mehr haben, kein Büro, nach einiger Zeit würde ich niemanden mehr kennen, niemand würde sich noch an mich erinnern.» Zum Vorschein kommen so auch die immer noch gültigen Paar- und Ehestrukturen, in denen der Frau die Rolle der Aufpasserin und Mutter zufällt, gegen die der Mann nur heimlich rebelliert. Das wirkt natürlich bedrückend, wird aber mit Ironie und grosser Komik ausgebreitet.
Zur Darstellung kommen soziale Kälte, der (vom Kasinokapitalismus gezüchtete) Egoismus, die Verwahrlosung einer alternden deutschen Gesellschaft, die im Vergleich zu den sechziger und siebziger Jahren in jeder Hinsicht auf dem absteigenden Ast ist. Der Autor verdeutlicht dies immer wieder im Vergleich zum Nachbarland Schweiz: «... während Deutschland immer dreckiger und heruntergekommener wurde, weshalb die Schweizer im deutschen Konstanz nur noch schnell viel im Aldi kauften, langsam und viel danach in Konstanzer Restaurants verspeisten.»
Kinders Buch ist auch eine Liebeserklärung an seine (Wahl-)Heimat. Selten finden sich in der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur ähnlich prächtige Anrufungen von Himmel, Wasser und Land, von See und Ufern beidseits der Grenze. Schade, dass dieses schwarzgallig bitterböse, poetische Buch nur im Versandbuchhandel erhältlich ist.