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Ziegel für Vindonissa: «Einer der ältesten Industriekomplexe der Schweiz»
In seinem Buch «Ziegel für Vindonissa» gibt Simon Jeanloz einen vertieften Einblick in die Funktionsweise und Organisation, der in der Nähe von Vindonissa gelegenen tonverarbeitenden Betriebe, der alten Römer.
Quelle: Illustration: Misha Baldachin, © Kantonsarchäologie, Kanton Aargau
Diese Illustration vermittelt einen Eindruck vom Platzbedarf und den verschiedenen Produktionsschritten bei der Ziegelherstellung.
Ziegel hatten in römischer Zeit grosse Bedeutung, denn sie ermöglichten den Bau komplexer Kuppel- und Bogenkonstruktionen. Sie tauchten zur Zeit Augustus (31 v. Chr. bis 14 n. Chr.) nördlich der Alpen erstmals mit der Stationierung des römischen Militärs auf. Die Legionen ersetzten hölzerne Konstruktionen laufend durch Steinbauten. Die Dächer wurden mit Ziegeln gedeckt, mittels Ziegeln wurden Massivbauten erstellt. Der Bedarf an Ziegeln stieg beständig an. Damit wurden sie zu einem gefragten Gebrauchsgut, wozu man hochspezialisierter Ziegeleien errichten musste, wie in der Einleitung zum vorliegenden Buch, «Ziegel für Vindonissa», zu lesen ist.
Die Untersuchung zeigt die Funktionsweise und Organisation der in der Nähe von Vindonissa gelegenen tonverarbeitenden Betriebe auf. Dazu hat Simon Jeanloz im Rahmen seiner Masterarbeit die Befunde und Funde in den von der 21. Legion (etwa 45 – 70 n. Chr.) und der 11. Legion (etwa 71 – 101 n. Chr.) betriebenen Ziegeleien in Hunzenschwil-Rupperswil AG ausgewertet.
Ton, Wasser, Wälder
Die römischen Legionsziegeleien lagen rund 14 Kilometer südwestlich vom heutigen Vindonissa (siehe Kasten), im Grenzbereich der Aargauer Gemeinden Hunzenschwil und Rupperswil. Das nach Norden hin leicht abfallende Gelände wird heute von der Autobahn A1 und der Aaretal-strasse geschnitten. Das untersuchte Areal umfasst mindestens sechs Hektar.
Jeanloz nennt die Gründe für die Standortwahl der Römer: Das oberflächennahe Tonvorkommen dürfte der Hauptgrund gewesen sein, weshalb die 21. und die 11. Legion hier um die Mitte des 1. Jh. n. Chr. Ziegel herstellten. Ein wichtiger Standortfaktor war auch der Zugang zu Frischwasser, das für die Tonaufbereitung benötigt wird (der Chrümblisbach liegt in unmittelbarer Nähe).
Grosse Holzmengen bildeten eine weitere unabdingbare Ressource. Jeanloz geht deshalb davon aus, dass es damals in der näheren Umgebung ausgedehnte Wälder gegeben haben muss. Er hat aus-gerechnet, dass die Römer für den Betrieb der Ziegeleien und die Herstellung der Ziegel Waldflächen von über 20 Hektaren gerodet haben mussten.
Ziegelproduktion
Dank Grabungen konnte man die wichtigsten technischen Einrichtungen eines römischen Ziegeleibetriebs erfassen. In seinem Buch stellt der Autor Ziegeleien und Arbeitsweisen im Detail vor. Von der Rohstoffbeschaffung bis zum fertigen Ziegel dauerte es mehrere Monate. Die Ziegelherstellung war körperliche Schwerstarbeit und umfasste mehrere Arbeitsschritte. Zur Ziegelproduktion mussten die Soldaten zuerst den Ton stechen, die Rohlinge streichen sowie kontrolliert trocknen.
Als kostengünstigstes Baumaterial wurden die Ziegel aufgrund ihrer einheitlichen Grösse wohl mit Holzformen hergestellt. Der Ziegelbrand dauerte mehrere Tage und dafür benötigte man grosse Mengen an Brennholz. Dieses musste zuvor geschlagen, herangeschafft und getrocknet werden. Dazu kam der Transport der schweren Endprodukte, der je nach Verbraucher über weite Strecken erfolgte.
Die bislang fünf in Hunzenschwil entdeckten Brennöfen entsprechen weitgehend den standardisierten römischen Ofenanlagen. Sie zeichnen sich alle durch einen rechteckigen Grundriss und eine in den Boden eingetiefte Heizkammer aus. Die Öfen verfügen über eine Bedienungsgrube und einen Schürkanal, der aus der lokal vorherrschenden Windrichtung (von Südwesten) abgedreht ist. Als Baumaterial wurden hauptsächlich das Ausschussmaterial der örtlichen Ziegelproduktion und vereinzelt auch Kalksteine benutzt.
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