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Eigentlich wollte ich nie Unschuldigen aus seinem Konzept bringen, aber ich kann einfach nichts dafür, dass der andere sein Konzept hat.
Ich war in Freiburg bei Ulrike in ihrem edlen schönen Teeladen im Oberlinden. Gerne mache ich einen harmlosen Seitensprung, wenn ich auf der Teereise bin. Vis a Vis von ihrem Laden stand eine Kaffeerösterei Mahlwerk. Ich bin süchtig nach Kaffee, das ist klar. Keine Kaffeerösterei würde meine Nase verpassen, es ist auch klar. Also ich lief wie manipuliert in den Kaffeegeruch. Wie in Trance stand ich vor dem Kaffeebohnen und atmete nur ganz gezielt ein – nach einem ganztägigen Seminar mit Tee – ach, endlich wieder etwas anders!
„Madame, könnte ich Ihnen behilflich sein?“ eine freundliche Stimme fragte mich.
„Ja, gerne. Ich möchte gerne einen Kaffee, der nicht sauer und nicht verbrannt schmeckt.“
Er schaute mich unverständlich an. „Wir haben keinen saueren und verbrannten Kaffee.“
„Wie schön. Ich trinke keinen saueren und verbrannten Kaffee.“
„Wollen Sie keinen Espresso?“
„Warum nicht? Ist Espresso verbrannt und sauer?“
„Nein, aber sie möchten keinen starken Kaffee, oder?“
„Doch, aber nicht verbrannt.“ Ich schaute diesen jungen Mann ganz klar in die Augen. Er senkte seinen Blick und wiederholte noch einmal, „Sie wollen keinen Expresso. Dann nehmen Sie doch diesen aus Äthiopien.“
Ich merkte, dass wir nicht miteinander kommunizieren konnten. Verbannt ist nicht gleichbedeutend wie stark geröstet. Nicht sauer ist nicht gleichbedeutend wie mild. Ich hätte ihn diesen Unterschied erklären sollen, aber er sollte mir eigentlich fachlich beraten können! Ihn unterbrach ich, sehr unhöflich und unasiatisch – oder vielleicht sehr asiatisch direkt. Einen Kenya Kaffee kaufte ich – leider ist er nicht hervorragend – das merkte ich erst daheim. Einen bitteren leicht verbannten Abgang spürte ich trotz dem mit behandeltem Wasser.
Der junge Mann war sichtlich erleichtert, als er mich los hatte.
Im Seminar tauchten ebenfalls solche Fragen auf: ist ein brauner Oolong stark fermentiert? Ist ein grüner Oolong wenig fermentiert?
Verwirrungen!
Wer hat solche Begriffe oder Konzepte wie brauner und grüner Oolong erfunden?
Mit wem oder gegen wen hätte ich darüber streiten sollen?
Shuixian Dancong Nantou vor der Röstung
Ein Shuixian Dancong ist genau so stark wie ein Dongding Formosa fermentiert, aber ein Aufguss von Dancong ist sichtbar dunkler, während ein Dongding sichtbar „grünlicher“ aussieht – also braun bedeutet nicht stark fermentiert. Grün ist nicht gleich zu bedeuten wie wenig fermentiert.
Ein Oriental Beauty ist mittel schwer fermentiert und ungeröstet, während Tie Guanyin aus Muzha weniger stark fermentiert, aber stärker geröstet ist. Aber beider Tees sehen ähnlich dunkel im Aufguss aus. Braun ist nicht gleichbedeutend wie geröstet. Ein braun aussehender Oolong könnte genau so leicht fermentiert sein wie ein „grüner“.
Was ist braun und wo ist grün? Ich verstand diese Kriterien nicht, um Oolong zu unterscheiden.
Meine nächste Frage, warum brauchen wir solche Konzepte für den Kopf, um Tee zu verstehen? Wenn Tee doch für sch spricht, weshalb brauchen wir den denkenden Kopf, um Konzepte zu entwickeln? Unseren Körper brauchen wir, Tee zu erleben.
Als ich mit Zen anfing, sagte Michel einmal, „Man macht Zen für nichts. Du bekommst dadurch nichts.“ Was? Ich ertrage die Schmerzen für die halbe Stunde für nichts? Das bracht mich aus meinem Konzept. Das reizte und reizt mich. Bis jetzt bin ich geblieben für nicht, außer einer ganzer Menge Knieschmerzen.
Als ich mit Tee anfing, sagte mein Lehrer zu mir, der Weg des Tees sei ein Flug ohne Rückflug. Wenn man einmal den Geschmack des Tees gekostet hat, ist man nicht mehr das was er einmal war. Wenn man einmal den Tee begegnet, verliert man den Kopf samt Konzepte – vielleicht ähnlich wie die wahre LIebe. Den Geschmack kann man nicht mehr vergessen und will ihn nicht mehr missen. Man ist anders als das, was er einmal war. Man fing an sich zu fragen, was man loslassen muss oder abzugeben hat, um weiter zu kommen.