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triebe mit mehr als 10 Arbeitern unter allen Umständen;
3) Betriebe mit weniger als 6 Arbeitern, die außergewöhnliche Gefahren für Leben und Gesundheit bieten oder den unverkennbaren Charakter von Fabriken aufweisen. Daneben haben einzelne Kantone den Arbeiterschutz durch besondere Gesetze gefördert: Glarus St. Gallen Zürich [* 3] Solothurn [* 4] InFrankreich kommt ein Gesetz vom in Betracht, betreffend die Sicherung des Arbeitslohnes gegen Exekutionen, und aus Belgien [* 5] sind zwei Verordnungen vom zu nennen, betreffend die hygieinischen Verhältnisse der Werkstätten und die Verhütung von Unfällen sowie die Neuregelung des Fabrikinspektorats.
Dazu kommt dann noch als neueste Erscheinung das englische Fabrikgesetz vom Dasselbe betrifft hauptsächlich 1) Verschärfung und Erweiterung der Sanitätsvorschriften (Raummenge, Lüftung u. s. w.);
2) Lebens-, Gesundheits- und Unfallsicherheit;
3) Verringerung der gesetzlich gestatteten Überstundenarbeit für Frauen und jugendliche Arbeiter, und Beschränkung des Mitnachhausenehmens von Arbeit, die nach der Beschäftigung in der Fabrik fertig gestellt werden soll;
4) Verpflichtung der Arbeitgeber, Details über Lohnverhältnisse anzugeben;
5) Ausdehnung [* 6] der Fabrikschutzgesetzgebung auf Dockarbeit, Gebäude mit Maschinenbetrieb, Waschanstalten. In den Vereinigten Staaten [* 7] von Amerika [* 8] ist die Fabrikgesetzgebung nicht Bundes-, sondern Staatsfache, daher ohne innere Abrundung und keineswegs im Einklang mit dem sonstigen großen Fortschritt der Industrie. Zum Teil dürfen noch Kinder unter 12 Jahren beschäftigt werden, und alle Bestimmungen haben nur da Wert, wo eine aufmerksame, tüchtige, in ihrem Personal nicht zu oft wechselnde Fabrikinspektion besteht, wie dies in Massachusetts und Neuyork [* 9] (im Gegensatz zu Ohio und Pennsylvanien) der Fall ist, denn nur da findet die Gesetzgebung seitens der Fabrikherren Beachtung.
Fabrikinspektion. So dankenswert nun die Vervollständigung der Fabrikgesetzgebung ist, so bedarf sie doch, wenn sie wirksam werden soll, einer energischen Beaufsichtigung ihrer Ausführung. Sollen alle die gut gemeinten heilsamen Anordnungen nicht auf dem Papier stehen bleiben, so bedarf es einer ausgedehnten Fabrikinspektion. Das ist neuerdings allgemein anerkannt, und überall giebt es, um den etwaigen Widerstand der Fabrikanten zu brechen und die berechtigten Interessen der Arbeiter wahrzunehmen, staatliche Beamte als Kontrollorgane.
Nur funktionieren sie nicht überall mit gleichem Erfolge. In Deutschland [* 10] leidet zunächst die Thätigkeit der Fabrikaufsichtsbeamten unter einer Unklarheit des Gesetzes. Die Novelle von 1891 hat es nämlich einer kaiserl. Verordnung vorbehalten, mit Zustimmung des Bundesrats den Zeitpunkt festzusetzen, an dem die wichtigern Arbeiterschutzbestimmungen auf alle Werkstätten, in denen durch elementare Kraft [* 11] bewegte Triebwerke nicht bloß vorübergehend gebraucht werden, Anwendung finden sollen.
Diese Verordnung ist noch nicht erschienen, und so ist darüber, welche Etablissements eigentlich überwacht werden sollen, eine Unsicherheit entstanden, unter der der Vollzug des Dienstes leidet. Im übrigen hat gerade die Novelle von 1891 eine Erweiterung des Geschäftsbereichs der Aufsichtsbeamten nach mehrern Richtungen be- wirkt, und diese Vergrößerung ihrer Zuständigkeit hat Veranlassung zu einer Verordnung der, wie man jetzt richtiger sagt, Gewerbeinspektion (statt wie früher Fabrikinspektion, da die Beaufsichtigung auch von Werkstätten geplant ist) geboten. In mehrern Staaten sind neue Dienstanweisungen und Verordnungen ergangen: in Preußen [* 12] und Bayern [* 13] 31. März und Sachsen [* 14] 1. und Württemberg [* 15] 16. Mai Die anzustellenden Beamten sind Landesbeamte, indes in ihrem Wirkungskreis nicht ausschließlich, sondern neben den ordentlichen Polizeibehörden zuständig.
Die Ordnung der Zuständigkeitsverhältnisse zwischen Polizei und Fabrikinspektion bleibt den einzelnen Bundesstaaten vorbehalten. In Bayern z. B. haben die Ortspolizeibehörden die Fabrikinspektoren durch periodische Revisionen der Fabriken zu unterstützen. Im. allgemeinen sollen des Gewerbewesens vollkommen kundige Personen zur Bekleidung dieser Posten ausersehen und die Aufsichtsdistrikte so groß gewählt werden, daß die Kraft eines Beamten für sie ausreicht.
Ist nun auf diese Weise die Zahl der Aufsichtsbeamten erheblich vermehrt worden (in Preußen sind z. B. jetzt 163 Beamte thätig, während Frankreich nur 90, England 16, Osterreich 24, die Schweif 5 haben), so kleben der heutigen Einrichtung doch noch Mängel an. Es bleibt bedauerlich, daß wenigstens in den größern Staaten die Dampfkesselrevision mit der Gewerbeinspektion verbunden, ja die letztere förmlich zu einem Anhängsel der erstern geworden ist. Socialpolitisch durchaus befähigte Männer erscheinen vom Amte ausgeschlossen, sofern sie nicht als Ingenieure oder Baumeister auch die Kesselrevision auszuführen vermögen.
Ärzte, Nationalökonomen und andere geeignete Personen können nicht verwandt werden und die technisch zur Kesselrevision qualifizierten behalten bei Überbürdung nicht genug Zeit für die Gewerbeinspektion übrig. Es ist in Preußen wohl schon davon die Rede gewesen, die Verbindung zu trennen, aber doch zunächst, weil man die Frage noch nicht für spruchreif hält, davon abgesehen worden. Auch in Württemberg hat die Zweite Kammer einen Antrag auf Loslösung der Kessel- von der Fabrikrevision angenommen und sind Erhebungen über die zweckmäßigste Art der Ausführung im Gange, und in Sachsen hat die Kammer im März 1896 ebenfalls der Trennung beider Inspektionen zugestimmt.
Gerügt werden ferner, insbesondere von socialistischer Seite, die mangelhafte Thätigkeit der Ortspolizei, die die Inspektion nicht genügend unterstützt, die ungeschickte Zusammenstellung der einzelstaatlichen Berichte in den «Amtlichen Mitteilungen», die seltsamen Verschiedenheiten, die in den einzelnen Bundesstaaten bezüglich der Veröffentlichung der Berichte bestehen, der geringe Verkehr der Beamten mit den Arbeiterorganisationen. Auf seiten der Unternehmer dagegen werden nicht selten, so neuerdings im März 1896 im sächs. Landtage, schwere Angriffe gegen die Beamten gerichtet, die zu intimen Verkehr mit den Arbeitern pflegen, «Übereifer» in Sachen des Arbeiterschutzes zeigen und über die bloße Unfallverhütung übergreifen sollen. Es ist schwer, zu einem sichern Urteil über die Berechtigung derartiger Beschwerden zu gelangen. Die Pflege engerer Beziehungen zu den Arbeiterkreisen erscheint z. B. als eine unabweisbare Notwendigkeit, und durchaus mit Recht hat die Fabrikaufsicht in Baden [* 16] Sprechstunden für die Arbeiter eingeführt, von denen nur noch wenig Gebrauch gemacht wird. Im ¶
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ganzen machen die «Amtlichen Mitteilungen» doch den Eindruck, daß die Fabrikaufsichtsbeamten einen unausgesetzten hartnäckigen Kampf führen müssen, um dem Gesetz nicht nur bei Unternehmern und Arbeitern, sondern auch bei den Behörden, Staatsanwälten und Gerichten Anerkennung zu sichern. Die wichtigsten Reformforderungen werden außer der Trennung von Kessel- und Gewerbeinspektion sein: Schaffung einer Centralinstanz für das Deutsche Reich, [* 18] Ausstattung des Inspektionspersonals mit einer Unabhängigkeit, die Garantien dafür bietet, daß alles an die Öffentlichkeit kommt, was für sie bestimmt ist, Hinzuziehung von Ärzten, Ausdehnung auf Handwerk, Hausindustrie und Handel.
Besonders lebhaft wird neuerdings von mehrern Seiten die Ernennung weiblicher Fabrikinspektoren befürwortet. Man verlangt sie, weil man denkt, dich es Frauen leichter sein möchte, in denjenigen Industrien, die vorzugsweise oder ausschließlich Arbeiterinnen beschäftigen, diese zur Äußerung ihrer Beschwerden zu veranlassen, vielleicht auch aus Gründen der Sittlichkeit, und beruft sich gern auf das Vorgehen anderer Kulturstaaten. In der That kennt Frankreich diese Einrichtung seit 1874, und seit 1892 giebt es dort 15 Inspektorinnen, von denen 10 in Paris, [* 19] 5 in den Provinzen thätig sind.
Über die Wirksamkeit einer derselben, der Inspektrice von Rouen, [* 20] die die Arbeiterinnen in Rouen, Le [* 21] Havre, [* 22] Dieppe, [* 23] Elbeuf u. s. w. überwacht, hat der Jahresbericht der Fabrikinspektoren für 1894 sich sehr anerkennend geäußert, ihren Eifer und ihre Korrektheit gerühmt. In dieser Auslassung wird gewünscht, daß alle wichtigern Industriemittelpunkte weibliche Inspektoren bekämen. Wie sich die andern Damen bewährt haben, hebt der Bericht nicht hervor, der überhaupt noch nicht seither auf die principielle Seite der Frage einging. In England wurden zum erstenmal 1893 zwei Inspektricen eingesetzt, die schon im folgenden Jahre auf vier vermehrt wurden, und auch hier hat sich der Centralinspektor in seinem Bericht für 1894 lobend über die neue Einrichtung geäußert.
Ihre Notwendigkeit und Nützlichkeit begründet er damit, daß es der weiblichen Arbeiterschaft, die noch dazu der Berufsvereinigungen entbehrt, an einem Organ seither gefehlt Hütte, ihre specifischen Bedürfnisse zu vertreten und an geeigneter Stelle zum Ausdruck zu bringen. Nur den weiblichen Beamtene würde es möglich sein, die richtige Annäherung und Fühlung mit der Arbeiterin in allen Punkten zu gewinnen. Sehr großer Verbreitung erfreut sich das weibliche Fabrikinspektorat min Nordamerika, [* 24] wo es fast in allen Staaten, in denen eine größere Anzahl von Frauen industriell beschäftigt wird, eingeführt ist. In Österreich [* 25] haben im Mai 1896 16 Wiener Frauenvereine eine mit etwa 8000 Unterschriften versehene Eingabe an das Abgeordnetenhaus gemacht, in der sie unter Hinblick auf die oben durchgeführte Enquete über Frauenarbeit unter anderm die Anstellung weiblicher Inspektoren verlangten, denen speciell die Überwachung der Verhältnisse der weiblichen Arbeiterschaft übertragen werden soll. In Deutschland agitierten bereits in den J. 1884 und 1885 die damals in der deutschen Arbeiterinnenbewegung stehenden Frauen für den Gedanken, und die Socialdemokraten haben auf ihren Parteitagen seit 1892 nicht unterlassen, darauf bezügliche Anträge zu erörtern. Im Okt. 1894 wurde dann auf einer Versammlung der Leipziger Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins die Notwendigkeit weiblicher Fabrikinspektoren zum Gegenstand der Verhandlungen gemacht, und schließlich hat der «Bund Deutscher Frauenvereine» den verschiedenen Handelsministerien eine Petition wegen Anstellung weiblicher Inspektoren unterbreitet.
Der preuß. Regierungsvertreter hat sich in der Petitionskommission des Abgeordnetenhauses durchaus nicht ermunternd dazu geäußert, vielmehr die Reform unter Hinweis auf die nicht vorhandene technische Vorbildung der Frauen und auf das zweifelhafte Verständnis, das eine staatlich angestellte Fabrikinspektrice bei der Arbeiterbevölkerung finden würde, abgelehnt. Immerhin hat man hier, wie in Baden, wo die Erste Kammer des Landtags über die Eingabe verhandelte, und wo der Kommissionsbericht Übergang zur Tagesordnung beantragt hatte, sich doch dazu verstanden, die Petition der Regierung zur Kenntnis zu überweisen. Im Großherzogtum Hessen [* 26] hat sich die Erste Kammer gerade infolge lebhafter Befürwortung der Großindustriellen unter ihren Mitgliedern für die weibliche Fabrikinspektion ausgesprochen.
In der Zweiten Kammer aber stand der Antrag des Ausschusses zur Debatte, die Regierung zu ersuchen, «im nächsten Staatsbudget einen Ausgabeposten vorzusehen, um den Fabrikinspektoren weibliche Assistenz beizuordnen». Die Diskussion drehte sich hier gar nicht mehr um das Princip, sondern darum, ob weibliche Assistenten oder selbständige weibliche Fabrikinspektorinnen angestellt werden sollten. Man entschloß sich für Anstellung, mehrerer weiblicher Inspektionsassistenten, und so wird sich vermutlich die Hess.
Regierung das Verdienst erwerben, in dieser Angelegenheit von zweifelloser Bedeutung bahnbrechend vorgegangen zu sein. Lohnsystem. Unter den Maßregeln zur Verbesserung des heutigen Lohnsystems ziehen namentlich die Gewinnbeteiligung und das Prämiensystem die Aufmerksamkeit auf sich. Die Gewinnbeteiligung machte in den letzten Jahren stetige, wenn auch langsame Fortschritte; besonders in den Vereinigten Staaten von Amerika und in England. Auch aus Frankreich, wo die Idee zuerst aufgetaucht ist, sind einige neue Fälle zur Kenntnis gekommen, während in Deutschland und in andern Ländern keine bedeutenden Erfolge zu erkennen sind. Es soll gegenwärtig in Großbritannien, [* 27] Frankreich und Amerika übrigens auch nicht mehr als 100 Firmen geben, die diesem System huldigen, und in allen andern Staaten zusammen vielleicht 50. Diese Statistik, wie unvollständig sie immer sein mag, beweist allein zur Genüge, wie wenig Aussicht auf eine allgemeine Anwendung des Systems vorhanden ist.
In den Vereinigten Staaten sind (1892) die dortigen Anhänger der Idee zu einem Vereine (Association for the promotion of profit sharing) zusammengetreten, dessen Schriftführer, Gilman, eine eigene Zeitschrift herausgiebt. Das Prämiensystem ist neuerdings von einem Amerikaner Halsey empfohlen worden als ein Mittel, den Arbeiter zu der höchsten physisch möglichen Leistung zu veranlassen. Es basiert darauf, daß für jede Stute, die der Arbeiter bei Herstellung der betreffenden Arbeit weniger gebraucht, als der Voranschlag vorgesehen, er eine auf einer vereinbarten Skala basierte Prämie erhält. Es ist aber offenbar dieses System, das gegen Ende des J. 1895 in einigen Webereien Augsburgs Eingang gefunden hat, nicht so im Interesse der Arbeiter, als es den Anschein hat. Hohe Prämien zu erreichen, gelingt nur wenigen sehr geschickten Arbeitern.Die ¶
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zahl muß sich mit geringen Beträgen zufrieden geben oder geht gar derselben infolge besonderer Umstände verlustig. Die Hast, mit der gearbeitet wird, veranlaßt leicht Arbeitsfehler, derentwegen man bestraft wird und die erhoffte Prämie abhanden kommt. Auf die Gesundheit wirkt die fortwährende Anstrengung schädlich ein, und in moralischer Beziehung zieht es, da die Arbeiter vom Meister bei der Berechnung der Prämien abhängig sind, ein schlimmes Schmarotzer- und Denunziantentum groß.
Arbeitseinstellungen. Ist vorstehend ein Bild von der neuern Gestaltung der Arbeitsbedingungen entworfen, so ist es nicht minder belehrend, sich zu vergegenwärtigen, in welchem Umfange die Arbeiter sich selbst zu helfen bemüht sind. Die Selbsthilfe üben sie aus in Arbeitseinstellungen (Streiks) und durch ihre Arbeiterverbände (Gewerkvereine). Es zeigt sich da nun, daß, soweit amtliche Publikationen darüber Auskunft geben, überall die Arbeiter gelernt haben, ihr Koalitionsrecht geltend zumachen, nur freilich nicht immer mit einem für sie günstigen Ausgange. In Preußen (über ganz Deutschland liegen keine amtlichen Angaben vor) offenbart sich glücklicherweise eine entschieden abnehmende Tendenz Zu Arbeitseinstellungen: Zeitraum Anzahl der Streiks Anzahl der Streikenden Vom bis 1. Okt. 1890 931 317926 Vom bis 1891 189 31673 Vom bis 1892 193 15665 Vom bis 1893 190 59952 Vom bis 1894 175 12589 In 10-12 Proz. aller Fälle haben durchschnittlich die Arbeiter ihre Forderungen ganz, in etwa 20 Proz. teilweise durchgesetzt, während fast zwei Drittel aller Einstellungen erfolglos waren.
Die Zahl der Streiks, über die beim englischen Arbeitsamte Berichte einliefen, betrug 1892: 700 mit 356799, 1893: 782 mit 636386, 1894: 1061 mit 324245,1895: 778 mit 243500 Arbeitern. Es endeten in Prozenten aller Fälle eines jeden Jahres: 1892 1893 1894 1895 Erfolgreich 27,5 62,9 22,1 20,1 Teilweise erfolgreich 51,4 24,7 34,2 41,9 Mißlungen 19,9 12,2 42,1 31,4 Unbekannt 1,2 0,2 1,6 6,6 Der große Erfolg der Ausstände von 1893 für die Arbeiter erklärt sich daraus, daß in diese Zeit der 4 ½ Monate dauernde große Kohlenarbeiterstreik fiel, welcher für die Arbeiter günstig endete. In Frankreich kamen vor: Jahre Arbeitseinstellungen Teilnehmer im Durchschnitt Dauer der Arbeitseinstellungen in Tagen 1890 313 380 1340000 1891 267 403 1717200 1892 261 183 917690 1893 634 268 3174850 1894 391 139 1062480 1895 405 113 617469 Der Ausgang war in Prozenten: Erfolgreich 27 34 22 25 25 25 Teilweise erfolgreich 21 26 31 32 32 29 Ungünstig 52 40 47 43 43 46 Italien [* 29] wies auf: Jahre Arbeitseinstellungen Beteiligte Arbeiter 1890 139 38402 1891 132 34733 1892 119 30800 1893 131 32109 Soweit diese Angaben mit denen aus frühern Perioden verglichen werden können, ergiebt sich ein recht erhebliches Anwachsen, da z. B. 1879 nur 32 Einstellungen mit 4011, und 1880: 27 mit 5900 Teilnehmern verzeichnet wurden.
Der Erfolg war den Arbeitern: 1878-91 1892 1893 Günstig 16 21 28 Teilweise günstig 43 29 38 Ganz ungünstig 41 50 34 In Österreich zeigt sich folgendes Bild: Jahre Streiks Teilnehmer Betroffene Geschäfte 1891 104 14025 1916 1892 101 14123 1519 1893 172 28190 1207 1894 159 4407 52468 Der Ausgang war den Arbeitern dort nicht günstiger als in andern Ländern, indem z. B. 1893 nur 33 Streiks vollständig, 55 teilweise gelangen und 48 mit einer Niederlage der Arbeiter endigten.
Der große 1894 in Scene gesetzte Streik in den Steinkohlenwerken zu Mähren [* 30] (Karwin, Ostrau), an dem sich 10000 Arbeiter beteiligten, schloß ebenfalls mit einem Mißerfolge für die Arbeiter. Belgien hatte in den letzten Jahren zahlreiche Arbeitseinstellungen, was wohl im Zusammenhang steht mit dem geringen Schutz, der den Arbeitern gesetzlich zugestanden wird, und der polit. Bewegung, die 1894 das allgemeine Wahlrecht durchgesetzt hat. In der zweiten Hälfte des J. 1894 trat auch in Holland eine lebhafte Streikbewegung zu Tage.
In den Vereinigten Staaten von Amerika gestaltete sich die Lage folgendermaßen: Jahre Streiks Teilnehmer Erfolgreich Proz. Teilweise erfolgreich Mißglückt 1881 471 129521 43 13 44 1885 695 242705 48 9 43 1890 1833 351944 45 14 41 1891 1718 299064 27 8 65 1892 1998 486671 30 8 62 1893 1305 205914 23 16 61 Über Einzelheiten der Arbeitseinstellungen s. Streik. Arbeiterverbände. In ruhigeres Fahrwasser lenkt die Arbeiterbewegung, wenn statt des aufregenden vorübergehenden Streiks versucht wird, die Interessen in einem auf längere Dauer berechneten Verbände zu vertreten.
Indes hat doch auch hierbei, namentlich in den Fällen, wo die Vereinigungen, eine ausgesprochen auf Umsturz
und Abwendung von den heutigen gesellschaftlichen Zuständen gerichtete Tendenz offenkundig zur Schau tragen, die Entwicklung
ihre gefährlichen Seiten. Gleichwohl scheinen in Deutschland zur Zeit die socialdemokratischen Gewerkschaften diese weniger
zu offenbaren. Die Socialdemokratie selbst ist zu einer polit. Partei geworden, die wohl noch die
Arbeiterfrage als
ihr hauptsächlichstes, aber nicht mehr einziges Arbeitsfeld
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