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Urheber von Beethovens Magenverstimmung
Wilhelm Klingenbrunner versorgte Beethoven mit Fisch. Er war aber auch ein beliebter Komponist, der seine Werke mit technischen und aufführungspraktischen Hinweisen versah.
Wilhelm Klingenbrunner (1782–Mitte 19. Jh.), hauptberuflich als «landständischer Cassen-Beamter» beim niederösterreichischen Landobereinnehmeramt tätig, eignete sich, wie es sich für bürgerliche Kreise damals gehörte, Gesang, Flöten-, Klarinetten-, Bassetthorn- und Gitarrenspiel an. Musik nur zum Zeitvertreib, als «Dilettant», zu spielen, reichte ihm aber nicht. Er war ein hervorragender Flötist, Mitglied der 1812 gegründeten Gesellschaft der Musikfreunde und bewegte sich als Komponist und – unter dem Pseudonym Wilhelm Blum – auch als Volksdichter in den künstlerischen Zirkeln seiner Zeit in Wien. Knapp 70 Kompositionen unprätentiösen, aber gefälligen Charakters für Flöte oder Csakan sind von ihm überliefert, aber auch Bearbeitungen (z. B. von Mozarts Zauberflöte) und Instrumentalschulen, etwa eine «auf selbst gewonnenen Erfahrungen basierte Flötenschule in zwei Abtheilungen».
Die Werke der vorliegenden Neuausgabe sind der um 1815 erschienenen «Neuen theoretischen und praktischen Csakan-Schule» entnommen. Diese erfreute sich in kurzer Zeit grosser Beliebtheit, nicht zuletzt der blockflötentechnischen und aufführungspraktischen Anleitungen wegen. So lautet beispielsweise das zeitkonforme Verständnis des «Abstossungs-Zeichens staccato» folgendermassen: «Mit Punckte marquierte Stellen fordern das besondere Anschlagen jedes einzelnen Tones», also nicht wie heute üblich einen kurzen, sondern einen besonders hervorgehobenen Ton.
Die in der Reihe «Diletto musicale» herausgegebene Auswahl vereint neben dem informativen Vorwort 25 kleine Duette aufsteigenden Schwierigkeitsgrads und unterschiedlichen Charakters im leichtfüssigen Stil der Biedermeierzeit. Liedartige Sätze und gängige Tanzformen wie Menuett, Walzer, Alla Polacca oder Angloise wechseln sich ab.
Nicht nur als Komponist «beliebt gewordener Werkchen für die Flöte und den Csakan» (wie es in Gustav Schillings Musikalischem Lexikon von 1840 heisst) scheint Klingenbrunner aber Talent gezeigt zu haben. So besorgte er für Beethoven jeweils den Fisch und wurde von diesem deshalb scherzhaft als Fischoberaufseher bezeichnet. Einmal aber scheint er keinen frischen Fang erwischt zu haben, worauf Beethoven missmutig in sein Konversationsheft schrieb: «Ich habe einen verdorbenen Magen / Klingenbrunner / Er ist für die Flöte das, was Gelinek für das Klavier war. / Nichts als Variationen vom gewöhnlichen Schlage.»
Wilhelm Klingenbrunner: 25 kleine Duette aus op. 40, für zwei Blockflöten in C (Flöten / Oboen / Violinen oder andere Melodieinstrumente), hg. von Helmut Schaller und Nikolaj Tarasov, DM 1490, € 17.95, Doblinger, Wien
Foto: Bärbel selbst / pixelio.de