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Eine Reduktion der Geschwindigkeit ist eine wirksame Massnahme, um Strassenlärm deutlich zu vermindern. Auf diese Weise lässt sich der Lärm an der Quelle bekämpfen. Wenn Tempo 30 statt Tempo 50 gilt, werden die Lärmemissionen um rund drei Dezibel reduziert. Dies entspricht einer Halbierung des Verkehrs.
Die Verminderung des Lärms hängt mit dem geringeren Tempo zusammen, aber auch damit, dass die Automobilistinnen und Automobilisten bei einer geeigneten Strassengestaltung konstanter fahren und weniger oft und weniger lang bremsen und beschleunigen. Dadurch entsteht ein flüssigerer Verkehr.
Lärmwirkung
Um die lärmseitigen Vorteile einer Geschwindigkeitsbegrenzung zu berechnen, müssen sowohl der durchschnittliche Schallpegel, der die Lärmbelastung als gemittelten Wert wiedergibt, als auch der Maximalpegel von Einzelereignissen berücksichtigt werden. Solche Einzelereignisse sind entscheidend für die Lästigkeit des Lärms. Bei Tempo 30 sind hohe Schallpegelwerte deutlich seltener. Der durchschnittliche Schallpegel kann um rund 3 dB(A) reduziert werden.
Vorteile einer Geschwindigkeit von 30km/h gemäss dem VSS-Forschungsprojekt 2012/214:
- Der Strassenlärm wird dank einer Reduktion auf Tempo 30 signifikant vermindert.
- Bei 30 km/h ist der Verkehr flüssig. Brems- und Beschleunigungsvorgänge nehmen ab. Zusätzlich unterstützt werden kann dieses Prinzip durch die Möglichkeit zum Verzicht von Fussgängerübergängen, wodurch der Verkehrsfluss noch regelmässiger wird. Die Benutzer verhalten sich vorsichtiger und kommunizieren besser miteinander.
- Lärmintensive Beschleunigungen kommen viel weniger vor.
- Eine einfache Signalisation (wenn respektiert) ohne bauliche Elemente reicht aus, um den Lärm mit einem Tempo 30 Strecke oder einer Tempo 30 Zone deutlich zu reduzieren.
- Bei Tempo 30 fahren Automobilistinnen und Automobilisten mehrheitlich im 3. Gang, wodurch der Lärm zusätzlich vermindert wird.
- Der Bericht beinhaltet ein Modell zur Einschätzung der Lärmminderung durch eine Geschwindigkeitsreduktion.
Umsetzung
Prüfung der Verhältnismässigkeit
Führt Strassenlärm zur Überschreitung der Grenzwerte ist die Reduktion der Geschwindigkeit eine mögliche Massnahme, welche die zuständige Behörde nur nach Prüfung der Verhältnismässigkeit anordnen kann. Die Rechtsgrundlagen im Umwelt (USG), insbesondere im Lärmbereich (LSV) definieren bis zu einem gewissen Grad die Schritte unter Verwendung präziser Begriffe. Handelt es sich bei der geplanten Massnahme zur Verringerung des Straßenverkehrslärms um eine Geschwindigkeitsreduktion, also um eine Abweichung von der allgemeinen Geschwindigkeitsbegrenzung, so werden in den Rechtsgrundlagen des Strassenverkehrs (SVG, SSV) unterschiedlich bezeichnete, aber gleichwertige Stufen der Verhältnismässigkeitsprüfung vorgeschlagen.
Das unten vorgeschlagene Schema zur Prüfung der Verhältnismässigkeit verbindet die Begriffe der beiden Rechtsgrundlagen und zeichnet die notwendigen Schritte nach, indem es Bewertungsmethoden vorschlägt, um zu einer endgültigen Entscheidung zu gelangen.
Schema Verhältnismässigkeitsprüfung (PDF, 1019 kB, 19.03.2021)Nach EKLB 2015, BAFU 2020
Um eine Prüfung der Verhältnismässigkeit im Rahmen einer Geschwindigkeitsreduktion durchzuführen ist es nötig, deren Auswirkungen zu beurteilen. Im Auftrag des BAFU und in Zusammenarbeit mit Fachleuten wurde eine Methode entwickelt, um die Parameter zu beurteilen, welche durch diese Änderung beeinflusst werden, und um die Vor- und Nachteile zu analysieren.
Best Practice List
Die Liste enthält gute Beispiele von Tempo 30 Zonen und Strecken, die zu einer wahrnehmbaren Minderung des Strassenlärms führen. Jedes Beispiel wird auf einem separaten Blatt beschrieben und ist über die nachstehende Tabelle zugänglich. Diese Beispiele dienen dazu, Ideen für die Umsetzung der Massnahme in Form konkreter Fälle zu liefern. Die Liste wird regelmässig mit neuen guten Beispiele ergänzt werden.
Zusätzliche Vorteile einer Lärmverminderung
Die Einrichtung von Tempo-30-Zonen fördert das Zusammenleben im Quartier und ermöglicht eine Siedlungsentwicklung nach innen. Dies erhöht wiederum die Attraktivität der Städte und verhindert eine Stadtflucht, die zu den wichtigsten Ursachen der Verkehrszunahme und damit des Strassenlärms zählt.
Die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls auf der Strasse wird wesentlich von der Geschwindigkeit beeinflusst. Bei einem geringen Tempo ist zudem die Wahrscheinlichkeit grösser, dass insbesondere Velofahrende und Fussgängerinnen und Fussgänger eine Kollision mit einem Auto überleben.
Während ein/e Fahrzeugführer/in mit 30 km/h vor einem Hindernis zum Stillstand kommt, befindet er/sie sich Tempo 50 noch in der Reaktionsphase. Von zehn Personen überleben drei eine Kollision mit einem Auto, wenn dieses mit Tempo 50 unterwegs ist. Bei Tempo 30 sind es deren neun.
Die notwendigen Eingriffe und baulichen Anpassungen hängen von der jeweiligen Situation ab. Eine Geschwindigkeitsreduktion ist jedoch eine einfache, effiziente und kostengünstige Massnahme. Bereits mit einer einzigen Signalisation kann das volle Potenzial einer Tempo-30-Zone oder eines Tempo-30-Abschnitts voll ausgeschöpft werden.
Je nach Ausgestaltung der Strasse kann die Intensität der Strassenbeleuchtung reduziert werden, was erhebliche Energieeinsparungen ermöglicht.
Lärmbelastungen haben negative Auswirkungen auf die Biodiversität und können die verschiedenen Lebenszyklen stören.
Weiterführende Informationen
Recht
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Letzte Änderung 26.03.2021