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Kartause Ittingen – Geschichte und klösterliche Idylle
Zwischen Kanton Thurgau und Bodensee liegt eines der beachtlichsten Kulturdenkmäler der Nord-Ostschweiz: die Kartause Ittingen.
Das ehemalige Kartäuserkloster wird heute als Kultur- und Seminarzentrum genutzt. Zudem bietet es sich dank seiner Lage, den wunderschönen Gärten, hervorragenden Konzerten, Ausstellungen und Museen als Ausflugsziel an. Nicht zuletzt sollte auch das Restaurant mit ausgezeichneter Küche und herrlicher Terrasse genannt werden.
Ein Ausflug in die Geschichte
Etwa um 1150 wurde die Burg der Truchsessen von Ittingen in ein Kloster verwandelt. Einer Legende nach spielten zwei kleinen Buben der Truchsessen mit einem Messer, wobei ungewollt der eine den anderen erstach. Auch wenn diese schreckliche Tat in kindlicher Unschuld begangen wurde, wollte die Familie diese sühnen, indem sie das Kloster gründete.
Mehrere Jahrhunderte lebten Mönchsgemeinschaften in der Kartause Ittingen, anfangs die Augustiner, ab 1461 die Kartäuser. Zum Zeitpunkt der Übernahme war das Anwesen verarmt und verwahrlost. In der Folge wurde umgebaut und der grosse Kreuzgang angefügt. Es gab keine Annäherung der Bevölkerung mit den Kartäusern, welche zurückgezogen lebten und sogar die Kirche vor der Bevölkerung verschlossen.
Da die Frauen aus Warth unter den Augustinern die Kirche benutzen durften, ihnen dies nun aber verwehrt bleiben sollte, drangen sie gewaltsam in die Klosterkirche ein. Infolge dessen wurde der Prior von der eidgenössischen Tagsatzung verpflichtet, eine Kapelle in Warth zu errichten.
Nachdem im Sommer 1524 der katholische Landvogt einen reformierten Pfarrer in Frauenfeld gefangen nahm, kam es zu einem Volksaufstand, der ausser Kontrolle geriet. Im Aufruhr zündeten Bauern die Kartause Ittingen an und verursachten so beträchtlichen Schaden, dass das Kloster Jahrzehnte brauchte, sich von diesen Verwüstungen zu erholen.
Im 18. Jahrhundert erlebte das Kloster Ittingen seine Blütezeit, bevor es im Jahre 1848 aufgelöst wurde. Das Gebäude kaufte eine Familie, welche dort ihren Wohnsitz hatte und einen Modellbauernhof pflegte. Als der Unterhalt von Privatpersonen nicht mehr getragen werden konnte, wurde schliesslich 1977 eine Stiftung gegründet, die den Namen Kartause Ittingen behielt. Seit 1983 kann in den ehemaligen Klostergemäuern das Ittinger Museum besucht werden.
Die klösterlichen Werte werden bis heute weitergeführt: Gastfreundschaft, Begegnung, Bildung, Pflege von Kultur und Spiritualität wird ebenso gefördert, wie die Selbstversorgung und Fürsorge.
Die Gärten der Kartause Ittingen
Bereits die Kartäusermönche pflegten mit Sorgfalt die Gärten des Klosters. Vor den Zellen hatte jeder Mönch eigene kleine Beete. Diese werden heute vor allem mit duftenden Kräutern bepflanzt, welche auf Tafeln beschrieben sind. Wer die Klostergärten besucht, findet Stille und lässt die Hektik des Alltags hinter sich. Der ganze Zauber dieses idyllischen Geländes erschliesst sich auf einem Spaziergang über die Themenwege der Anlage.
Hier werden alle Sinne angesprochen: Quellen plätschern, Wälder rauschen, Vögel singen, Bienen summen und überall duften die unterschiedlichsten Pflanzen. Es wachsen würzige Kräuter und herber Hopfen. Natürlich darf auch die grösste Rosensammlung der Schweiz nicht unerwähnt bleiben: Mehr als 250, teils historische, Rosenarten erfreuen mit ihrem Blütenzauber.
Am Eingang des Museums sind Informationsmaterial und ein Audioguide erhältlich.
Ittinger Museum und Kunstmuseum Thurgau
Das Museum gibt authentische Einblicke in das Klosterleben ab Mitte des 15. Jahrhunderts. Zu besichtigen sind heute noch die kargen Mönchszellen, der gut ausgestattete Essraum, die Klosterküche und Arbeitsräume. In der prächtigen Kirche erzählen Fresken das Leben des Heiligen Bruno, der als Gründer des Kartäuserordens gilt. Wer durch die Gärten, Kreuzgänge und Arbeitsräume wandelt, bekommt eine Vorstellung vom Leben der Kartäuser. Aufgrund strenger Ordensregeln bleibt dieses normalerweise verschlossen.
Gleich neben dem Ittinger Museum kann das Kunstmuseum Thurgau besucht werden. Ausser interessanten Wechselausstellungen ist eine kleine aber wertvolle Sammlung zu bestaunen. Zu den Exponaten gehören Werke des Thurgauer Malers Adolf Dietrich sowie Bilder weltbekannter Künstler. Diese wirken in den ehemaligen Klosterräumen und der einzigartigen Atmosphäre besonders faszinierend.
Kulinarisches aus der Kartause Ittingen
Nicht nur im Restaurant wird mit frischen Zutaten aus dem Klostergarten gekocht. Im Lädeli gibt es Hausgemachtes wie Gelee, Dörrobst, Tee, Kräuter und Spirituosen. Auch Bücher und Informationsmaterial sind hier erhältlich.
Seit bald 40 Jahren gibt es das bekannte Ittinger Klosterbier. Dieses bernsteinfarbene Spezialbier, gebraut aus verschieden stark gerösteten Malzsorten und mit aromatischem Hopfen aus dem Klostergarten gewürzt, bescherte dem Hopfenanbau der Kartause einen beträchtlichen Aufschwung. Das Ittinger Klosterbräu ist eines der wenigen Schweizer Biere, welches international im obersten Preissegment mithalten kann.
Alte Werte – noch heute geschätzt
Neben Gastwirtschaft, Gärten und Museen werden in der Kartause Ittingen in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Landeskirche Kurse in der Erwachsenenbildung angeboten. Das Zentrum für Spiritualität, Gemeindebau und Bildung lädt ein zur Meditation, zum Tag der Stille, zu Segnungsfeiern und anderen Veranstaltungen. Kurse, Tagungen und Seminaren finden inner- und ausserhalb der Kartause Ittingen statt. Hier werden Seelsorge und Palliative Care angeboten und gibt es Arbeitskreise zu verschiedenen Themen. Der Raum der Stille steht offen zum Innehalten und Kraft tanken.
Man muss die Kartause Ittingen einfach erlebt haben. Wer in dieser unvergleichlichen Oase längere Zeit ausspannen möchte, kann im angeschlossenen Hotel übernachten. Das lohnt sich für Kulturinteressierte doppelt: Auch ausserhalb des Klostergeländes gibt es im Kanton Thurgau viele Schlösser, Burgen, Museen und weitere Klöster zu entdecken.
Oberstes Bild: Die Kartause Ittingen im Kanton Frauenfeld ist ein Ort der Ruhe und Zurückgezogenheit. (© Parpan05, Wikimedia, GNU)