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Luchsweibchen werden mit zwei Jahren geschlechtsreif, Männchen meist erst mit 3 Jahren. Die Paarungszeit (Ranzzeit) liegt beim Luchs im März und Anfang April. Während der Paarungszeit bleiben Luchs und Luchsin mehrere Tage zusammen. Nach einer Tragzeit von 68-72 Tagen bringt die Luchsin Ende Mai bis Anfang Juni 1-4 Junge mit noch geschlossenen Augen zur Welt. In den ersten Lebenswochen werden sie an einem gut geschützten Ort von der Luchsin gesäugt, bis sie der Mutter zu der erlegten Beute folgen können.
Der Luchs ist ein Einzelgänger. Männchen und Weibchen begegnen sich gelegentlich, sie leben aber dennoch getrennt. Nur während der Ranzzeit verbringen sie längere Zeit miteinander. Der Luchs ist hauptsächlich in der Dämmerung und in der Nacht aktiv und ruht während des Tages.
Er jagt meist in der Abenddämmerung oder Nacht, wenn auch seine Beutetiere aktiv sind. Dabei nutzt er die Kunst der Überraschung. Mit Hilfe seiner scharfen Augen und seiner hellhörigen Ohren ortet er seine Beute und pirscht sich an sie heran. Sein geflecktes Fell hilft ihm, nicht erkannt zu werden. Im Überraschungsangriff packt er die ausgewählte Beute mit seinen scharfen Krallen, hält sie fest und tötet sie mit einem gezielten Biss in die Kehle. Oft ist das Reh / die Gämse derartig überrascht, das es gar nicht die Gelegenheit bekommt, sich zu wehren. Hat dieser Angriff keinen Erfolg, so lässt der Luchs von seiner Beute ab und verfolgt sie nicht mehr, wie es hundeartige Raubtiere tun.
Wegen seiner speziellen Jagdtechnik benötigt der Luchs ein grosses Revier. Denn mit jedem Überraschungsangriff werden seine Opfer vorsichtiger und die erfolgreiche Jagd wird immer schwieriger. Dies versucht er zu umgehen, indem er in Gebiete weiterzieht, in denen er länger nicht gejagt hat. Zwischen zwei Rissen lässt der Luchs meist mehrere Tage vergehen.
In der Schweiz stehen 17 Tierarten - vom Eichhörnchen über Hase, Fuchs, Reh, Gämse bis zum Steinbock - auf dem Speisezettel des Luchses. In erster Linie ernährt er sich jedoch von kleineren Huftieren, die etwa gleich schwer sind wie er selber. Dies sind im mitteleuropäischen Raum die Gämse und das Reh, die zusammen mehr als 90% seiner Beute ausmachen (ungefähr 60% Rehe und 30 % Gämsen). Pro Jahr benötigt ein Luchs ca. 60 Gämsen oder Rehe. Luchsweibchen, die Junge mit sich führen, benötigen etwas mehr. Als Überraschungsjäger tötet der Luchs vor allem Beutetiere, die sich unvorsichtig verhalten. Insofern ist sein Jagderfolg auch am grössten, wenn er sich in Gebieten befindet, in denen er über längere Zeit nicht gejagt hat.
Der Europäische Luchs ist ein typischer Waldbewohner. Er besiedelt alle Waldtypen im Gebirge wie im Tiefland. Der Wald bietet ihm eine ausgezeichnete Deckung für seine Überraschungsangriffe. Denn durch seine rotbraune, gefleckte Fellfarbe lässt er sich kaum auf einem laubreichen Waldboden ausmachen. Offene Bereiche wie Wiesen und Felder meidet er, wenn sie nicht direkt am Waldrand liegen. In Zentralasien jedoch bewohnt der Luchs auch waldlose Gebiete wie z.B. Halbwüsten. Im Norden ist der Luchs auch in der Tundra zu finden. Die Revierwahl des Luchses wird vor allem durch das Nahrungsangebot bestimmt. Solange ein Gebiet dicht genug bewaldet ist und ausreichend Beutetiere bietet, kann der Luchs auch in nächster Nähe zu Menschen leben.
Luchse leben in festen Revieren, die durchschnittlich 100-300 km2 umfassen. Die Grösse hängt von der Beschaffenheit der Landschaft und dem Nahrungsangebot ab. In diesen Wohngebieten werden keine anderen gleichgeschlechtlichen Luchse toleriert. Reviere von Männchen und Weibchen können sich aber überlagern. Oft überdeckt das Revier eines Männchen die Wohngebiete von zwei Weibchen. Während Weibchen die meiste Zeit im zentralen Bereich ihres Revier verbringen, halten sich die Männchen in regelmässigen Abständen auch in Randgebieten auf.
Eine Luchspopulation kann nicht beliebig anwachsen. Das Vorkommen der Beutetiere und die soziale Struktur sind sehr wahrscheinlich die wichtigsten Faktoren, die eine Luchspopulation regulieren. Mit der territorialen Struktur regeln die Luchse die Grösse ihrer Population selbst. Nur ein Luchs, der sein eigenes Revier hat, pflanzt sich fort. Da er dazu Neuland suchen oder ein Wohngebiet finden muss, in dem ein Altluchs gestorben ist, bleibt die Zahl der sesshaften Luchse relativ konstant.
Schwankungen in der Populationsgrösse sind somit vor allem auf Schwankungen der Anzahl von Jungluchsen, die noch nicht sesshaft geworden sind, zurückzuführen. Die kritische Phase ist dabei die Zeit nach der Trennung von der Mutter, wenn die Jungluchse lernen müssen, selbstständig zu werden. Sie kennen die Gebiete nicht, wissen nicht, wo sie die Beute finden und sind weniger geschickt bei ihren Überraschungsangriffen. Zudem fallen immer wieder auf dem dichten Strassennetz Jungluchse dem Verkehr zum Opfer.
Der Luchs gehört wie alle Katzen vom Tiger bis zur Hauskatze zur Familie der Katzenartigen (Felidae). Vier Arten werden zur Gattung Lynx (Luchse) gezählt: der Rotluchs (Lynx rufus), der in den USA und in Mexiko zu Hause ist, der Kanadaluchs (Lynx canadensis), der in Kanada und Alaska anzutreffen ist, der Pardellluchs (Lynx pardinus) in Spanien und Portugal, sowie der uns geläufige eurasische Luchs (Lynx lynx), der ausser bei uns in Europa auch in Asien nördlich des Himalaja lebt.
Die im Augenblick wohl aktuellste Erkrankung, die den Luchsbestand in der Schweiz betrifft, ist die Räude. Dies ist eine Hautkrankung, die durch Milben verursacht wird. Beim Luchs in der Schweiz sind bisher zwei Milbenarten gefunden worden: der Erreger der Katzenräude (Notoedres cati) und der Erreger der Fuchsräude (Sarcoptes scabiei). Die Anzeichen der Krankheit treten wenige Wochen, nachdem sich die Tiere angesteckt haben, auf. Die Milben legen Grabgänge in der äussersten Hautschicht an. Dadurch kommt es zur Entzündung der Haut mit Schuppenbildung. Die Haut wirkt lederartig verdickt. Dicke Krusten können die Haut bedecken. Wegen des starken Juckreizes fügen sich die Luchse oft grosse Wunden zu. Die Luchse verhungern qualvoll nach Wochen oder sogar Monaten.

© Wildtier Schweiz· CH-8057 Zürich· Comments · Last modified: 19.03.2002