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4 Edelfalter der Insel Man:
© 2012 Markus Kappeler
C-Falter - Polygonia c-album
Grosser Perlmutterfalter - Argynnis aglaja
Admiral - Vanessa atalanta
Mauerfuchs - Lasiommata megera
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Wie bei vielen anderen Tiersippen ist bei der Ordnung der Schmetterlinge (Lepidoptera), welche die Grossschmetterlinge (Tagfalter und Nachtfalter) sowie die mottenartigen Kleinschmetterlinge umfasst, die Artenvielfalt in den äquatornahen tropischen Erdregionen erheblich grösser als in den klimatisch gemässigten, polnäheren Gebieten. Die Zahl der Schmetterlinge, welche beispielsweise in Südostasien oder Südamerika vorkommen, ist gegenüber derjenigen in Westeuropa geradezu überwältigend.
Innerhalb Westeuropas wiederum ist die Schmetterlingsvielfalt auf dem Festland erheblich grösser als auf den vorgelagerten Inseln. Auf den Britischen Inseln beispielsweise werden weniger als 60 Tagfalterarten verzeichnet, während es im vergleichbar grossen Deutschland fast drei Mal so viele sind, nämlich 150 bis 160 Arten. Da die Grösse eines Territoriums einen erheblichen Einfluss auf die lokale Artenvielfalt hat, ist die Schmetterlingsvielfalt auf der nur 572 Quadratkilometer kleinen, zwischen Irland und Nordengland in der Irischen See gelegenen Insel Man nochmals artenärmer als auf ihren grossen Schwesterninseln. Hier sind nur 19 Tagfalterarten regelmässig zu beobachten.
Mehr als die Hälfte dieser 19 Arten gehören der Familie der Edelfalter (Nymphalidae) an, die mit weltweit etwa 6000 Arten neben den Bläulingen (Lycaenidae) die grösste aller Tagfalterfamilien bildet. Vier davon sind der Grosse Perlmutterfalter (Argynnis aglaja), der C-Falter (Polygonia c-album), der Mauerfuchs (Lasiommata megera) und der Admiral (Vanessa atalanta). Von ihnen soll hier berichtet werden.
Der Grosse Perlmutterfalter
Mit einer Flügelspannweite um 5,5 Zentimeter gehört der Grosse Perlmutterfalter zu den grössten Tagfalterarten auf der Insel Man. Während die Oberseiten der vier Flügel orange-schwarz gemustert sind, finden sich auf den grünlichen Unterseiten der Hinterflügel zahlreiche silberne oder eben «perlmuttfarbene» Flecken, denen die Perlmutterfalter ihren Namen verdanken.
Der bevorzugte Lebensraum des Grossen Perlmutterfalters ist offenes, hügeliges Gelände mit reichlich hohen Gräsern und Krautpflanzen, oft in der Nähe von Waldrändern und lichten Hecken, in denen viele Veilchen (Viola spp.) wachsen, denn diese bilden die Futterpflanzen der Raupen. Auf der Insel Man wird der Grosse Perlmutterfalter am häufigsten in küstennahen Dünengebieten und angrenzenden Wiesen beobachtet.
Die erwachsenen Falter sind auf der Insel Man im späten Juni oder frühen Juli zu beobachten. Sie sind ausdauernde, schnelle Flieger und können sich in den wenigen Wochen, die ihr Erwachsenenleben dauert, mehrere Kilometer weit von ihrem Geburtsort weg bewegen. Vor allem die Männchen patrouillieren auf der Suche nach Weibchen zum Paaren und nach Blüten zum Nektarsaugen viel umher. Begegnet ein Männchen einem Weibchen, zeigten sie zunächst einen kurzen Balzflug. Dabei lässt das Männchen aus den Duftschuppen, die sich wie bei vielen anderen Schmetterlingsarten im hinteren Bereich seiner Vorderflügel befinden, leichtflüchtige Lockstoffe ausströmen und versucht so, das Weibchen zu betören. Anschliessend findet in der Regel die Paarung in niedrigwüchsiger Vegetation statt.
Das Weibchen legt wenig später die befruchteten Eier einzeln an Stängeln und Blättern von Raupenfutterpflanzen, oft aber auch von benachbarten Pflanzen ab. Die Raupen schlüpfen nach zwei bis drei Wochen aus den Eiern. Sie sind anfänglich schwarz, tragen rotorange Punktreihen auf den Seiten und haben lange, schwarze, verästelte Dornen. Sie verkriechen sich sofort tief in die Streuschicht, um in deren Schutz zu überwintern.
Gewöhnlich im April des folgenden Jahres kriechen sie wieder hervor und ernähren sich dann von den frischen jungen Blättern der lokalen Veilchen. Wenn sie mit etwa 3,5 Zentimetern Länge ausgewachsen sind, suchen sie einen Pflanzenstängel an einem geschützten Ort auf, fertigen ein erstaunlich dichtes Gespinst an und verwandeln sich darin zu einer braunen, kopfüber aufgehängten «Stürzpuppe», in welcher im Laufe von etwa vier Wochen die wundersame Umwandlung der Raupe zum Falter erfolgt.
Der Bestand des Grossen Perlmutterfalters auf der Insel Man ist nicht sehr gross und scheint seit längerem leicht rückläufig zu sein. Auf den Britischen Inseln insgesamt hat die Art im Verlauf der vergangenen etwa hundert Jahre deutlich abgenommen, vor allem weil die Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion die Verfügbarkeit von geeignetem Lebensraum stark eingeschränkt hat. Global gesehen ist die Art aber noch immer weit verbreitet und kommt in mehrheitlich gesunden Beständen fast überall in Europa und im gemässigten Asien sowie in Teilen Nordamerikas vor.
Der C-Falter
Anhand seiner gezackten Flügelränder ist der C-Falter gut von allen anderen Tagfalterarten unterscheidbar. Mit einer Flügelspannweite um 4,5 Zentimeter ist er deutlich kleiner als der Grosse Perlmutterfalter. Es kommen zwei verschiedene Farbformen vor. Bei beiden sind die Oberseiten der vier Flügel orange gefärbt und mit einem schwarz-braunen Fleckenmuster versehen. Die Unterseiten sind jedoch bei der einen Farbform dunkel braun-grau-schwarz, bei der anderen Farbform hingegen hell gelb-orange-grau marmoriert. Bei beiden Farbformen findet sich etwa im Zentrum der Unterseite der Hinterflügel eine kleine, aber gut erkennbare weisse C-förmige Zeichnung, die dem Falter sowohl zum volkstümlichen als auch zum wissenschaftlichen Artnamen verholfen hat.
Im Unterschied zum Grossen Perlmutterfalter überwintert der C-Falter als erwachsenes Tier. Die Flugzeit der Art beginnt darum recht früh im Jahr, meist im späten März oder frühen April. Man kann die Falter in dieser Jahreszeit oft an Weidenkätzchen saugen sehen. Die Männchen errichten Territorien entlang von Waldrändern oder Hecken. Dort verwenden sie einen Ast als Warte, von wo aus sie einerseits nach Weibchen, andererseits nach eindringenden Männchen Ausschau halten. Letztere werden sofort verscheucht, Erstere zur Paarung aufgefordert. Nach der Paarung legt das Weibchen bis zu 250 Eier in kleinen Gruppen an geeigneten Raupenfutterpflanzen ab. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Grosse Brennnesseln (Urtica dioica), Hopfen (Humulus lupulus), Ulmen (Ulmus spp.) sowie Johannis- und Stachelbeeren (Ribes spp.).
Mit ihrem langen weissen Fleck im hinteren Bereich des Rückens sehen die älteren Raupen aus einer gewissen Distanz aus wie Vogelkot. Es handelt sich hierbei um eine Tarnfärbung, welche der Vermeidung von Feinden dient. Zu welcher der beiden Farbformen sie sich entwickeln, hängt von der Jahreszeit ab: Raupen, die verhältnismässig früh im Jahr aus den Eiern schlüpfen und von gutem Wetter profitieren, wachsen im Mai und Juni heran und verpuppen sich im Frühsommer. Sie entwickeln sich zu Faltern mit hellen Flügelunterseiten. Diese pflanzen sich ihrerseits noch im selben Sommer fort, gründen also eine zweite Generation.
Ihre Nachkommen leben als Raupen im Juli und August und verwandeln sich gewöhnlich Mitte bis Ende August zu flugfähigen Faltern. Diese gehören stets der dunklen Farbform an - ebenso wie alle Falter, die zwar der ersten Generation angehören, jedoch entweder spät geboren oder als Raupen durch schlechtes Wetter behindert wurden. So oder so sind es die dunklen Falter, welche überwintern. Im Herbst kann man sehen, wie sie eifrig vom Nektar spät blühender Pflanzen wie Sommer- oder Schmetterlingsflieder (Buddleja davidii), Efeu (Hedera spp.) und Wasserdost (Eupatorium spp.) sowie von den Säften von Fallobst saugen, um so die nötigen Zucker zu sich zu nehmen, die sie für die Überwinterung brauchen.
Es scheint, dass der C-Falter erst sehr spät auf der Insel Man angekommen ist. Definitiv verzeichnet wird er erst seit 1995. Inzwischen ist er aber recht häufig geworden und hat die meisten Bereiche der Insel erreicht. Die Kolonisierung der Insel scheint Teil einer allgemeinen Ausbreitungswelle der Art im Bereich der Britischen Inseln zu sein, nachdem die Bestände im 19. Jahrhundert vielerorts markant geschwunden waren. Global gesehen hat der C-Falter ein ähnliches Verbreitungsgebiet wie der Grosse Perlmutterfalter: Er kommt quer durch das nördliche Eurasien von den Britischen Inseln bis nach Japan vor und ist auch in Nordamerika heimisch.
Der Mauerfuchs
Wie die beiden bisher vorgestellten Tagfalterarten ist auch der Mauerfuchs ein oberseits vornehmlich orange gefärbter, dunkel gemusterter Schmetterling. Mit einer Flügelspannweite um 4,5 Zentimeter ist er von ähnlicher Grösse wie der C-Falter. Auf den beiden Vorderflügeln findet sich oberseits je ein markanter schwarzer, weissgekernter Augenfleck, auf den beiden Hinterflügeln sind je vier kleine Augenflecke in einer geschwungenen Linie angeordnet.
Der Mauerfuchs bewohnt vorzugsweise warmes, trockenes Gelände mit vielen Steinen und unbewachsenen Stellen. Nektar saugt er vornehmlich von rot- bis blauvioletten Blüten. Die Männchen patrouillieren im Mai und Juni knapp über dem Boden umher und halten nach Weibchen Ausschau, um sich mit ihnen zu paaren. Manchmal beziehen sie auch auf einem Stein Stellung und warten darauf, dass ein Weibchen vorbeifliegt. Nach der Paarung legt das Weibchen die befruchteten Eier einzeln in Bodennähe an Halme und freiliegende Wurzeln von Schafschwingeln (Festuca ovina), Fiederzwenken (Brachypodium pinnatum) und weiteren Grasarten ab. Es sind dies die hauptsächlichen Raupenfutterpflanzen.
Nach etwa zehn Tagen schlüpfen die Raupen aus den Eiern. Sie sind hell blaugrün gefärbt, kurz behaart und an ihrem dünnen weissen Seitenstreifen gut erkennbar. Etwa einen Monat nach dem Schlüpfen verwandeln sie sich teils zu grünen, teils zu dunkelbraunen Stürzpuppen. Aus diesen entfliegt nach etwa zwei Wochen, zumeist im Juli, die zweite Faltergeneration. Die Raupen dieser Generation schlüpfen im Spätsommer und Herbst aus den Eiern. Sie nehmen zunächst möglichst viel Nahrung zu sich, dann hören sie plötzlich mit Essen auf und überwintern als halbwüchsige Raupen. Im folgenden Frühling beenden sie dann ihre Entwicklung und bilden die erste Faltergeneration des neuen Jahrs. Ein Falter lebt etwa drei Wochen.
Der Mauerfuchs ist auf der Insel Man der häufigste und am weitesten verbreitete Tagfalter. Die Lebensbedingungen sagen ihm hier offensichtlich zu - dies im Unterschied zum Rest der Britischen Inseln, wo seine Bestände im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte markant geschrumpft sind und weiter schwinden. Global gesehen gilt der Mauerfuchs aber nicht als gefährdet, obschon er ein kleineres Artverbreitungsgebiet hat als der Grosse Perlmutterfalter und der C-Falter: Er kommt in Europa, im westlichen Asien und im nördlichen Afrika vor.
Der Admiral
Mit seiner markanten rot-weissen Zeichnung auf schwarzem Grund ist der Admiral ein unverkennbarer Tagfalter. Mit einer Flügelspannweite um 6 Zentimeter ist er der grösste der vier hier vorgestellten Arten. Er ist ein ausgeprägter Wanderfalter, also ein besonders kraftvoller Flieger, der bemerkenswert weite Strecken an Land wie über dem Wasser zurücklegen und neue Regionen erschliessen kann. Tatsächlich fliegen alljährlich zahlreiche erwachsene Admirale vom europäischen Festland her auf die Insel Man und in andere Bereiche der Britischen Inseln. Die ersten von ihnen erscheinen gewöhnlich im späten Mai. Sie halten sich gern in Obstgärten und an Waldrändern auf.
Nach der Ankunft widmen sie sich sogleich der Fortpflanzung. Nach der Paarung legen die Weibchen ihre befruchteten Eier einzeln an Grosse Brennnesseln ab. Etwa zehn Tage später schlüpfen die variabel gefärbten Raupen. Jede spinnt mit Seidenfäden Blätter ihrer Futterpflanze zu einer Tüte zusammen und schafft sich so einen schützenden Unterschlupf, den sie erst verlässt, wenn sie ihn soweit zerfressen hat, dass er keinen genügenden Schutz mehr bietet. Mehrfach spinnt sie sich im Laufe ihrer Entwicklung eine etwas grössere Tüte. Schliesslich verpuppt sie sich in ihrem Unterschlupf zu einer braun-grauen Stürzpuppe, die am Rücken metallisch glänzende Flecken aufweist.
Jeweils ab August fliegen die Falter der zweiten Generation. Sie saugen gern von den Säften von Fallobst, aber auch vom Nektar von Herbstblüten und vom Saft verwundeter Bäume. Im Spätsommer und Frühherbst wandern viele von ihnen von den Britischen Inseln Richtung Süden und versuchen, den Kontinent zu erreichen, doch dürften dies nur wenige schaffen. Admirale überwintern normalerweise als Falter, in gewissen Regionen aber auch als Raupen oder Puppen.
Es scheint, dass bis zu Beginn des 21. Jahrhunderts jeweils wenige bis keine Admirale auf den Britischen Inseln überwintert haben, so dass sich also der Bestand jedes Jahr vollständig neu durch einwandernde Falter aus dem Süden aufbauen musste. In jüngerer Zeit werden jedoch aufgrund der milderen Winter regelmässig Admirale gesichtet, welche an warmen Tagen im Januar und Februar umherfliegen, also auf der Inselgruppe überwintern. Wie viele es sind, ist schwer einzuschätzen. Wir wissen darum nicht, ob der Admiralbestand auf den Britischen Inseln bereits selbsterhaltend ist oder nicht. Global gesehen war und ist der Admiral ein höchst erfolgreicher Besiedler von Neuland: Er kommt in ganz Nordamerika, südwärts bis nach Guatemala, auf den Grossen Antillen, auf Haiti, auf Neuseeland, in Nordafrika, in ganz Europa und in Westasien vor.
Legenden
Der Grosse Perlmutterfalter (Argynnis aglaja) hat eine Flügelspannweite um 5,5 Zentimeter. Während die Oberseiten der vier Flügel orange-schwarz gemustert sind, finden sich auf den Unterseiten der Hinterflügel zahlreiche silberne - «perlmuttfarbene» - Flecken, denen die Gattung der Perlmutterfalter ihren Namen verdanken. Als erwachsener Falter ernährt er sich vorzugsweise vom Nektar violett blühender Korbblütler.
Der C-Falter (Polygonia c-album) hat eine Flügelspannweite um 4,5 Zentimeter. Anhand seiner gezackten Flügelränder ist er gut von anderen Tagfaltern unterscheidbar. Etwa im Zentrum der Unterseite seiner Hinterflügel findet sich eine kleine, aber auffällige weisse C-förmige Zeichnung, die ihm sowohl zum volkstümlichen als auch zum wissenschaftlichen Artnamen verholfen hat.
Wie alle Tagfalter beginnt der C-Falter sein Leben als Ei (links). Nach zwei bis drei Wochen schlüpft daraus die Raupe. Diese wächst rasch heran und häutet sich mehrfach, weil ihr die begrenzt dehnbare Chitinhaut jeweils zu eng wird. Nach etwa sechs Wochen ist sie ungefähr drei Zentimeter lang (Mitte). Im Rahmen einer letzten Häutung verwandelt sie sich zur Puppe (rechts). Im Inneren der starren Puppenhülle erfolgt in zwei bis drei Wochen die wundersame Verwandlung der Raupe zum Falter.
Der Mauerfuchs (Lasiommata megera) hat eine Flügelspannweite um 4,5 Zentimeter. Auf den beiden Vorderflügeln findet sich oberseits je ein schwarzer, weissgekernter Augenfleck, auf den beiden Hinterflügeln sind je vier kleine Augenflecke in einer geschwungenen Linie angeordnet. Die Zeichnung des Männchens (oben) ist etwas kräftiger als die des Weibchens. Der Mauerfuchs setzt sich gern auf Steine und an Mauern, um auszuruhen - daher sein deutscher Name.
Der Admiral (Vanessa atalanta) hat eine Flügelspannweite um 6 Zentimeter. Er ist ein ausgeprägter Wanderfalter, also ein besonders kraftvoller Flieger, der bemerkenswert weite Strecken an Land wie über dem Wasser zurückzulegen und neue Regionen zu erschliessen vermag. Im Spätsommer und Herbst saugt er gern am Saft von Fallobst, speziell an Birnen und Pflaumen, besucht aber auch häufig die Blüten des Sommer- oder Schmetterlingsflieders (Buddleja davidii).
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