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/ Forschung
“Mitten im Kolonialismus”
Julia Tischler und Samuel Bachmann im Interview mit SRF zur anhaltenden Debatte um die «Dekolonialisierung der Museumspraxis»
In seinem Dissertationsprojekt untersucht Samuel Bachmann die kolonialen Provenienzen ethnographischer Sammlungen in der Schweiz. In den Depots des Historischen Museums Bern ist er auf mehrere Hundert Objekte aus der Sammlung des Schweizer Eisenbahningenieurs Victor Solioz gestossen. Solioz arbeitete im Auftrag der deutschen Kolonialmacht, die in Namibia 1904 einen Genozid an den lokalen Herero und Nama verübte. Er selbst verhielt sich loyal zu den Kolonialisten.
Wie Julia Tischler, Professorin für Geschichte Afrikas, im SRF-Beitrag ausführt, stand Solioz «mitten im Kolonialismus, auch wenn er sich vielleicht selbst gar nicht als kolonialer Akteur wahrgenommen hat.»
Die Forschungen von Bachmann leisten nicht nur einen wichtigen Beitrag zu den kolonialen Verflechtungen der Schweiz, sondern auch zur anhaltenden Debatte um die «Dekolonialisierung der Museumspraxis». Wie Tischler betont, ist der Dialog mit Ansprechpartnern vor Ort essenziell: Nur mit ihnen kann die Zukunft der Objekte geklärt werden. Die Zusammenarbeit des Berner Museums mit der Museum Association of Namibia ist Ausdruck dieses Bemühens und ein Schritt in Richtung der dekolonialen Museumspraxis.
Der Beitrag wurde am 24.8. in der Sendung «10vor10» ausgestrahlt: