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Schilddrüse
Lage, Aufbau und Funktion
Die Schilddrüse (Thyreoidea) ist eine der wichtigsten Hormondrüsen und relativ häufig von krankhaften Veränderungen betroffen. Die Schilddrüse liegt direkt vor der Luftröhre unterhalb des Kehlkopfes.
Anatomische Lage der Schilddrüse (Quelle:
www.ksli-hno.ch )
Sie hat die Form eines Schmetterlings, dessen Flügel die beiden Schilddrüsenlappen darstellen. Die Schilddrüse ist bei normaler Grösse von aussen nicht erkennbar. Eine unveränderte, normale Schilddrüse wiegt bei der Frau ca. 18 Gramm, beim Mann ca. 25 Gramm. Von grosser Bedeutung sind nachbarschaftliche anatomische Strukturen der Schilddrüse. Der Stimmbandnerv (Nervus laryngeus recurrens) innerviert die Kehlkopfmuskulatur und ist für das problemlose Funktionieren der Stimme wichtig.
Quelle:
www.medizininfo.de
Hinter der Schilddrüse liegen die Nebenschilddrüsen (Parathyreoidea). Üblicherweise finden sich 4 knapp linsengrosse Nebenschilddrüsen, die das Parathormon produzieren, welches für die Regulierung des Kalziumstoffwechsels im Blut verantwortlich ist.
Quelle: www.medizininfo.de
Die Funktion der Schilddrüse besteht darin, aus Jod und anderen Bestandteilen verschiedene Schilddrüsenhormone (T3, T4 und Kalzitonin) zu produzieren, diese zu speichern und nach Bedarf dosiert freizusetzen. Die Schilddrüsenfunktion wird durch Zwischenhirn und Hirnanhangdrüse (Hypophyse) gesteuert. Vermittler dieser Funktion ist das TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon). Die beiden wichtigsten Schilddrüsenhormone Trijotthyronin (T3) und Tetrajodthyronin (T4) steuern den Energiehaushalt und den Stoffwechsel praktisch aller Körperzellen. Für die ausreichende Produktion von T3 und T4 ist eine angemessene Jodzufuhr unerlässlich und lebenswichtig. In der Schweiz wird aus diesen Gründen dem Speisesalz Jod zugefügt.
Symptome einer Schilddrüsenerkrankung
Krankheiten der Schilddrüse verursachen Symptome durch eine Organvergrösserung und / oder eine gestörte Schilddrüsenfunktion.
Symptome welche durch eine krankhafte Schilddrüsenvergrösserung, einen sogenannten Kropf (= Struma), verursacht werden:
- Schluckbeschwerden
- Sichtbare Grössenzunahmen im Halsbereich
- Engegefühl
Kropf (Quelle: www.dkmic.de )
Symptome, die durch eine vermehrte (Hyperthyreose) oder durch eine verminderte Hormonausschüttung (Hypothyreose) verursacht werden:
Symptome bei Hyperthyreose:
- Gewichtsverlust
- Herzklopfen
- Nervosität
- Schlafstörungen
- Vermehrtes Schwitzen
- Zittern
- Durchfall
- Haarausfall
- Überaktivität
Symptome der Hypothyreose:
- Antriebsschwäche
- Apathie
- Muskelschmerzen
- Verstopfung
- Kälte
- Intoleranz
Abklärung
Anamnese
Am Anfang der Diagnostik steht ein ausführliches Patientengespräch, das Klarheit schaffen soll über die Vorgeschichte der Krankheit, über beobachtete Symptome und Beschwerden, sowie über allgemeine medizinische Begleitumstände. Aus den anamnestischen Angaben lassen sich wichtige Hinweise auf Störungen der Schilddrüsenfunktion und auf Art und Ursache der vorliegenden Schilddrüsen-
erkrankung ableiten.
Körperliche Untersuchung
Zur körperlichen Untersuchung gehört die genaue Abtastung der Schilddrüsenregion zur Erfassung von Grössenveränderungen, Konsistenzveränderungen,
Veränderungen der Verschieblichkeit und Druckschmerzhaftigkeiten der Schilddrüse. Eine allgemeine körperliche Untersuchung ist ebenfalls notwendig, da nicht selten Schilddrüsenkrankheiten zu Veränderungen in entfernten Organen führen können.
Laboranalysen
Zur Erfassung der Schilddrüsenfunktion werden im Labor die Werte von T3, T4 und TSH
bestimmt. Falls Verdacht auf Vorliegen einer sogenannten Basedowerkrankung
besteht, werden zusätzlich die Schilddrüsenantikörper (TRAK) bestimmt. Oft sind
weitere Laboranalysen zur Erfassung von Begleiterscheinungen von
Schilddrüsenerkrankungen in anderen Organen notwendig.
Apparative Untersuchungen
Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse
Die Ultraschalluntersuchung hat sich als sehr wesentliche Schilddrüsenuntersuchung bewährt, da sie ungefährlich und für den Patienten wenig belastend ist. Mit der Ultraschalluntersuchung lassen sich Grösse und Konsistenz (Beschaffenheit) der Schilddrüse bestimmen, und insbesondere auch Knotenbildungen und Zysten (flüssigkeitsgefüllte Hohlräume) nachweisen. Bei Verdacht auf Vorliegen einer Krebserkrankung der Schilddrüse können ultraschallgesteuert mit einer feinen Nadel Gewebeproben zur histologischen (feingeweblichen) Untersuchung gewonnen werden (Feinnadelpunktion).
Schilddrüsenszintigraphie
Da die Schilddrüse das einzige Körperorgan ist, das Jod aufnimmt, kann mit radioaktiv markiertem Jod eine bildliche und funktionelle Schilddrüsendarstellung erreicht werden. Mit einem Detektor lassen sich die in kleinen Mengen verabreichten radioaktiv markierten Jodatome in der Schilddrüse nachweisen. Je nach Funktion eines Schilddrüsenareals werden mehr oder weniger Jodatome eingelagert. So lässt sich z.B. eine Überfunktionen der Schilddrüse insgesamt nachweisen. Bei einzelnen Schilddrüsenknoten kann festgestellt werden, ob sich diese bei der Hormonproduktion der Regulation durch die Hypophyse entziehen (autonome Knoten).
Andere bildgebende Verfahren
Zur Beantwortung von zusätzlichen Fragen (zum Beispiel Verdrängung von Nachbarorganen oder Einwachsen eines Schilddrüsenbefundes in ein
Nachbarorgan) werden gelegentlich eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRI) durchgeführt.
Krankheitsbilder
Die Einteilung der Schilddrüsenkrankheiten unter Berücksichtigung von Funktion und Morphologie (Gestalt und Form) ist komplex. Zusammenfassend lassen sich vier grössere Krankheitsgruppen abgrenzen:
Einfacher Kropf
Es handelt sich dabei um eine gutartige Schilddrüsenkrankheit mit meistens
normaler Schilddrüsenfunktion. In früheren Jahren lag die Ursache dieser Erkrankung
meistens in einer ungenügenden Jodzufuhr. Seitdem in der Schweiz dem Speisesalz Jod hinzugefügt wird, sind die einfachen Kröpfe stark zurückgegangen. Ein einfacher Kropf kann auch bei ausreichender Jodzufuhr entstehen. In einem einfachen Kropf können Areale mit gesteigerter Hormonproduktion auftreten.
Hormonaktiver Kropf
Bei dieser Form des Kropfes sind einzelne Schilddrüsenareale (Knoten) zu einer autonomen Hormonproduktion übergegangen, die sich dem normalen Regelkreis entzieht. Das restliche, gesunde Schilddrüsengewebe wird durch diese vermehrte Hormonproduktion „gebremst“. Man spricht hier von einer kompensierten Autonomie. Falls die lokale Hormonproduktion weiter zunimmt, kann sich eine generelle Schilddrüsenüberfunktion (dekompensierte Autonomie) entwickeln, die dann zu entsprechenden Symptomen im Rahmen der Schilddrüsenüberfunktion führt.
Morbus Basedow
Es handelt sich hier um eine Schilddrüsenüberfunktion auf Grund einer Autoimmunkrankheit. Bei dieser Krankheit bildet das Immunsystem aus bisher nicht völlig geklärten Gründen Autoantikörper (Eiweisse, die sich gegen körpereigene Substanzen richten). Diese Autoantikörper übernehmen unter anderem eine ähnliche Funktion wie das TSH (das schilddrüsenstimulierende Hormon der Hirnanhangsdrüse) und stimulieren damit die Schilddrüse zu einer Überfunktion. Die Autoimmunantikörper (TRAK=
TSH-Rezeptor-Antikörper) lassen sich im Labor bestimmen. Durch die Autoantikörper werden alle Schilddrüsenanteile stimuliert, so
dass es zu einer globalen Vergrösserung der Schilddrüse kommt. Durch die Krankheit werden mehr Männer als Frauen (Verhältnis ca. 7:1) betroffen. Bei 50-60% der von einem Morbus Basedow betroffenen Patienten verursachen die Autoantikörper zusätzlich eine Augenerkrankung (endokrine Ophthalmopathie). Diese ist für die Patienten mit bisweilen sehr unangenehmen und oftmals schwierig zu behandelnden Augensymptomen (Hervortreten der Augäpfel, Reizungen der Augenbindehaut, Liedschwellung und Doppelbilder verbunden).
Schilddrüsenkrebs
Bösartige Schilddrüsentumoren sind definiert durch ein ungebremstes Wachstum von unterschiedlichen Schilddrüsenanteilen. Ein bösartiger Tumor ist charakterisiert durch das Einwachsen in benachbarte Organe und durch die Eigenschaft, Ableger (Metastasen) in Lymphknoten oder in weiter entfernten Organen zu setzten. Glücklicherweise handelt es sich bei vielen Schilddrüsenkarzinomen um gut differenzierte Tumoren mit einer guten Therapierbarkeit und einer günstigen Prognose. Die sehr bösartigen, undifferenzierten Tumoren treten glücklicherweise selten auf und betreffen in der Regel ältere Patienten.
Therapie
Für die Behandlung der unterschiedlichen Schilddrüsenkrankheiten stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, die je nach Situation einzeln oder in Kombination zur Anwendung kommen. Es handelt sich um die medikamentöse Therapie, die Radiotherapie und die chirurgische Therapie. Die für einen bestimmten Patienten beste Behandlungsstrategie wird im interdisziplinären Gespräch festgelegt.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie dient in der Regel der Korrektur einer vermehrten (Hyperthyreose) oder verminderten (Hypothyreose) Hormonausschüttung.
Radiotherapie
Gewisse Krankheiten lassen sich durch eine radiotherapeutische Behandlung günstig beeinflussen oder heilen. Es handelt sich dabei um eine „innere“ Bestrahlung mit radioaktiven Substanzen, die an Jod gebunden ausschliesslich in der Schilddrüse gespeichert werden und andere Organe nicht beeinträchtigen.
Chirurgische Therapie
In vielen Fällen stellt die Schilddrüsenchirurgie die geeignete und für den Patienten optimale Therapie dar. Je nach Art der Schilddrüsenerkrankung werden einzelne Knoten, einzelnen Schilddrüsenlappen (subtotal oder total) oder die gesamte Schilddrüse chirurgisch entfernt.
Quelle:
www.klinikum-rosenheim.de
Quelle:
www.klinikum-rosenheim.de
Quelle:
www.klinikum-rosenheim.de
Komplikationen und Nebenwirkungen
Bei der Schilddrüsenchirurgie besteht auf Grund der anatomischen Verhältnisse die Möglichkeit von Komplikationen, die sich allerdings bei subtiler Operationstechnik auf ein Minimum reduzieren lassen. Es handelt sich hauptsächlich um:
- Eine Schädigung des Stimmbandnerven (Nervus laryngeus recurrens), die zu
einer postoperativen Stimmbandlähmung mit Heiserkeit führen kann. Durch
Darstellung des Nerven lässt sich eine solche Verletzung in der Regel vermeiden.
Ein Grossteil der Stimmbandparesen erholt sich im weiteren Verlauf.
- Hinter beiden Schilddrüsenlappen finden sich zwei kleine sogenannte
Nebenschilddrüsen, die bei ausgedehnten Schilddrüsenoperationen
geschädigt werden können. Ein Verlust der Nebenschilddrüsenfunktion führt
zu Problemen mit dem Kalziumstoffwechsel. Diese Komplikation lässt sich ebenfalls
durch eine subtile Operationstechnik weitgehend vermeiden.
- Nach ausgedehnten Schilddrüsenoperationen kann es notwenig sein, dass dem
Patienten lebenslänglich auf medikamentösem Weg Schilddrüsenhormon
zugeführt wird.
Zusammenfassend erfordern Diagnostik und Therapie von Schilddrüsenerkrankungen eine intensive, interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen dem
Hausarzt, dem Endokrinologen, dem Chirurgen und dem Strahlentherapeuten.
Bei der chirurgischen Therapie handelt es sich heute in der Hand eines routinierten
Operateurs um komplikationsarme Eingriffe, die auf die individuelle diagnostische
Situation und auf den einzelnen Patienten zugeschnitten sind. Es ist jedoch unabdingbar, dass der Patient vor einem chirurgischen Eingriff über mögliche
Komplikationen eingehend ins Bild gesetzt wird.