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Die Progressive Muskeltenspannung, oft auch als progressive Muskelrelaxation bezeichnet, wurde durch den amerikanischen Arzt Edmund Jacobson (1885 – 1976) anfangs des 20. Jahrhunderts entwickelt. Edmund Jacobson war in Chicago und später in New York in eigener Praxis tätig. Seine Forschungen startete Edmund Jacobson 1908 an der Harvard University.
In 64 wissenschaftlichen Arbeiten und acht Büchern konnte er den Zusammenhang muskulärer Anspannung und unterschiedlichen körperlichen und seelischen Leiden belegen. Er fand heraus, dass Angst, Unruhe und psychische Spannungen oft von einer Kontraktion der Muskulatur begleitet werden, und dass Entspannung das genaue Gegenteil dieser Erregungszustände zur Folge hatte.
Seine ersten Schriften zum positiven Effekt der Entspannung auf Körpergefühl und Seelenleben verfasste er 1929 als Fachliteratur für Ärzte. 1934 folgte dann eine allgemeine Publikation unter dem Titel „You must relax“. Diese wurde 1990 erstmals als deutsche Fassung unter dem Titel: „Entspannung als Therapie – Progressive Relaxation in Theorie und Praxis“ veröffentlicht.
Ziel der Progressiven Muskelentspannung ist es, durch die willentliche und kontrollierte Anspannen und Loslassen der verschiedenen Muskeln eine muskuläre Entspannung herbeizuführen, welche sich positiv auf das psychische Erleben auswirkt.
3 Wichitge Faktoren für die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson
- Die willentlich bewusste An- und Entspannung der verschiedenen Muskelgruppen
- Die Konzentration der Wahrnehmung auf subtile Empfindungsunterschiede
- Das tägliche Üben. Durch dieses stellt sich ein Lernvorgang ein, welcher die Umstellung im körperlichen und seelischen Bereich ermöglicht. Daher auch der vorgestellte Begriff ‚progressiv’ im Sinne eines fortschreitenden Entspannungserlebnisses.
„Es gibt vielleicht kein allgemeineres Heilmittel als Ruhe.“
(Jacobson 1938)
Die PME wurde als ganzheitliches Verfahren mit Wirkung auf Körper, Geist und Seele entwickelt. Sie ist ein anspannungs-aktives Entspannungsverfahren, das sich positiv auf das psychische Erleben auswirkt. Durch den Wechsel von An- und Entspannung neutralisiert der parasympathische Effekt des vegetativen Nervensystems die sympathische Wirkung und eine Balance kann sich einstellen. Mit anderen Worten führt die Reduktion des Muskeltonus zu einer Herabsetzung der Aktivität des Zentralennervensystems, was als eine Entspannung wahrgenommen wird.
Auf der Grundlage der bisherigen Forschung durch Jacobsen entwickelte Joseph Wolpe, ein südafrikanisch-US-amerikanischer Psychiater und Psychotherapeut, die systematische Desensibilisierung. Diese Methode aus der Verhaltenstherapie wurde 1958 vermehrt bei Angststörungen, insbesondere bei Phobien, eingesetzt. Heute ist die Vorgehensweise unter dem Begriff Konfrontationstraining bekannt. Dabei lernt der unter einer Angststörung leidende Patient zuerst eine Entspannungsmethode und wird anschließend mit der angstauslösenden Situation konfrontiert. Die Entspannungsmethode hilft ihm dabei, die Angst, im Sinne eines Coping Skills (Bewältigungsstrategie), zu überwinden. Ziel ist es, dass die leidende Person ihre Angst wieder verlernen soll.
Lazarus (1966) entdeckte auf der Basis der Forschung von Jacobsen die Imagination als heilende Kraft. Dabei handelt es sich um Phantasiereisen mit den 5 Sinnesorganen und weniger um die willentliche An- und Entspannung der Muskelgruppen, wie sie in der PME angewendet wird.
Benstein und Borkovec (1992) reduzierten den Durchlauf von Jacobson von 34 auf 16 Muskelgruppen. Die Behauptung, dass mit diesem Vorgehen eine tiefere Entspannung erzielt werde, konnte jedoch nicht oder nur teilweise bestätig werden.