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Die Ruhe vor dem Föhnsturm
Nach dem turbulenten Aprilwetter des Vortags stand der Dienstag 15. September ganz im Zeichen einer vorübergehenden Wetterberuhigung. Zwei neue Sturmtiefs über dem Atlantik sind jedoch bereits im Anmarsch und lassen in den Alpen den Föhn auffrischen.
Stabilisierung der mittleren und oberen Stockwerke der Troposphäre
Nach dem markanten Aprilwetter des Vortags, welches von hochreichend labiler Luft geprägt war, standen die Vorzeichen im grossräumigen Wettergeschehen heute genau umgekehrt. Mit einer starken südwestlichen Höhenströmung wurde im Tagesverlauf in den mittleren und höheren Stockwerken der Troposphäre, wo sich unser Wetter abspielt, Warmluft zugeführt. Die Luft wurde folglich stabilisiert und auch angefeuchtet.
In mehreren Schüben zogen Schichtwolken über die Schweiz hinweg und deckten die Sonne zeitweise komplett ab. Schwache Hebungsprozesse auf Tropopausenniveau setzten am Nachmittag gar die Niederschlagsbildung in diesen Schichtwolken in Gang, so dass gebietsweise etwas Regen fiel. Von diesen Vorgängen verschont blieb einzig das Engadin, wo während rund fünf Stunden die Sonne schien. In den Abendstunden liess die Warmluftzufuhr nach und für ein paar Stunden lockerte die Bewölkung wieder auf, bevor in der Nacht auf Mittwoch bereits das nächste Sturmtief über der Bretagne, das eingangs in der Prognose erwähnt wurde, neuerlich eine Wetterverschlechterung einleitete.
Im Gegensatz dazu spielte sich in den Staugebieten entlang des Alpensüdhangs das Wetter in den untersten, bodennahen Stockwerken der Luft ab: Mit einer mässigen südlichen Anströmung der Alpen wurde die wärmere und etwas feuchtere Luft insbesondere im Simplongebiet und im westlichen Tessin orographisch gehoben und zur Niederschlagsbildung gezwungen. Mit dem stärkeren Höhenwind wurden die in diesen Gebieten gebildeten Niederschlagspartikel über die Alpen hinweg in die angrenzende Gotthardregion und Teile des Bündner Oberlandes verfrachtet.
Atlantische Zyklonen bringen Föhnsturm in den Alpen
Über dem nahen Atlantik vollziehen sich derzeit bemerkenswerte Zyklogenesen: Sturmtief-Entwicklungen. In der Abbildung oben sind zwei junge Tiefdruckwirbel anhand ihrer auffälligen Wolkenstrukturen in der Bildmitte (ex-Tropensturm "Henri") und links (noch junges, in Entstehung begriffenes Sturmtief "Nasar") neben der gealterten und zur Nordsee abgezogenen Zyklone "Michael" erkennbar. Die beiden neuen Zyklonen lenken weiterhin Warmluft zur Alpennordseite und bewirken einen stark sinkenden Luftdruck über Westeuropa - beide Faktoren leiten den ersten Föhnsturm dieses Herbstes in den Alpen ein, der am Mittwoch 16. September um die Mittagszeit seinen Höhepunkt erreicht. Wir werden im nächsten Blog-Beitrag davon berichten.