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Nach dem 1:0-Sieg in Griechenland am Freitag testet die Schweiz heute in Luzern gegen den WM-Teilnehmer Panama. Die Mittelamerikaner nehmen im Sommer in Russland zum ersten Mal überhaupt an Weltmeisterschaften teil.
» Dieser Artikel erschien in leicht abgeänderter Version nach der WM-Qualifikation Panamas im Oktober 2017
Die Entscheidung war knapp und sie fiel spät. Zum ersten Mal in seiner Geschichte konnte sich Panama für eine WM-Endrunde qualifizieren. Es trifft im Sommer in Russland in der Gruppe G auf Belgien, England und Tunesien. Die «Canaleros» setzten sich wegen der besseren Tordifferenz in einem Fernduell gegen Honduras durch. Die Entscheidung fiel erst in der 88. Minute: Roman Torres wurde durch seinen Treffer zum 2:1-Sieg gegen Costa Rica zum gefeierten Matchwinner.
Panama ist ein Fussball-Exot – und auch abseits des grünen Rasens ein für uns Schweizer eher unbekanntes Land.
In Zentralamerika. Das Land bildet den Übergang von Nord- zu Südamerika, eingeklemmt von Costa Rica im Westen und Kolumbien im Osten. Dank dem Panamakanal können Schiffe von der Karibik in den Pazifik fahren und dank dieser Abkürzung verdient das Land viel Geld. Panama gilt dadurch als einer der reichsten Staaten Lateinamerikas.
Rund vier Millionen Menschen leben auf einer Fläche, die knapp doppelt so gross wie die Schweiz ist.
Das Kinderbuch mit diesem Titel ist wohl für viele Menschen im deutschsprachigen Raum die grösste Verbindung zum Staat in Mittelamerika. Janoschs Geschichte handelt von einem kleinen Tiger und einem kleinen Bären, die gemeinsam nach Panama reisen.
Der einstige Fussballstar ist ein Nationalheld, dessen Eltern bei der Wahl des Vornamens einen zweifelhaften Geschmack bewiesen. «El Panzer» wechselte 1986 als erster Fussballer Panamas nach Europa (Teneriffa, Valencia, Albacete). Nachdem er 1993 bei einem Autounfall bloss 27-jährig starb, wurde ihm zu Ehren das Nationalstadion in Estadio Rommel Fernandez umbenannt. Dort schafften seine Nachfolger auch den historischen 2:1-Sieg gegen Costa Rica, der die WM-Teilnahme bedeutete.
Im aktuellen Kader sucht man lange, bis man einigermassen bekannte Namen findet. Man stösst auf Stürmer Gabriel Torres, der bis im Winter in Lausanne spielte und nun beim chilenischen Klub Huachipato beschäftigt ist. Oder man stösst auf die Verteidiger Roman Torres (Seattle Sounders), Michael Murillo und Fidel Escobar (beide New York Red Bulls) oder Mittelfeldspieler Anibal Godoy (San Jose Earthquakes), die ihr Geld in der MLS verdienen. Goalie Jaime Penedo ist die Nummer 1 von Dinamo Bukarest. Den grossen Star gibt es in der Auswahl von Panamas Nationaltrainer Hernan Dario Gomez, einem Kolumbianer, nicht.
Die WM-Qualifikation ist das Beste, was Panama jemals auf einem Fussballplatz geschafft hat. In der Verbandsvitrine setzt wenig Silberware Staub an: Der Erfolg bei der Mittelamerika-Meisterschaft 2009 ist der einzige Titelgewinn der Neuzeit. Hinzu kommen seit 2005 je zwei zweite und dritte Plätze am Gold Cup, der «EM» des CONCACAF-Verbands.
Ruben Blades ist ein gefeierter Salsa-Musiker, der schon mit Michael Jackson zusammenarbeitete. Er gründete auch schon eine recht erfolgreiche Partei, war UNO-Sonderbotschafter gegen Rassismus, während fünf Jahren Tourismus-Minister Panamas und spielte in Hollywood-Filmen wie «Once Upon a Time in Mexico» oder «Safe House» mit.
Gefürchtet war der ehemalige Diktator Manuel Noriega, der in den 80er-Jahren die Macht an sich riss. Im Mai starb der Mann, der CIA-Agent und Drogendealer war, nach 27 Jahren im Gefängnis:
Weitspringer Irving Saladino wurde 2008 in Peking Olympiasieger. Es ist das bislang einzige Olympiagold in Panamas Geschichte und es war erst die dritte Medaille insgesamt nach zwei bronzenen Auszeichnungen des Sprinters Lloyd LaBeach im Jahr 1948.
Eine Legende ist auch Boxer Roberto Duran. Schon mit 16 Jahren wurde das Leichtgewicht Profi; Duran kämpfte, bis er 50 war. Fünf Mal wurde er Weltmeister, unter anderem schlug er Sugar Ray Leonard. Er trug den Spitznamen «Mano de Piedra» («die Hand aus Stein»), weil er als 14-Jähriger angeblich ein Pferd mit einem einzigen Schlag K.o. schlug.
Der berühmte handgeflochtene Strohhut kommt … aus Ecuador. Bekannt ist er dennoch als Panama-Hut. Eine Vermutung für die Verwechslung: Als 1855 ein Hut für Napoleon III. nach Frankreich geschickt wird, wird der Hut in Panama verschifft und die Franzosen glauben daher, dass er aus diesem Land kommt.
Panamas Finanzgesetze bieten Steuerschlupflöcher, die von reichen Ausländern und Firmen gerne genutzt werden. 2016 kamen durch ein Datenleck eine Unmenge vertraulicher Unterlagen an die Öffentlichkeit. Journalisten enthüllten unzählige Gesetzesbrüche und lösten in vielen Ländern eine Diskussion über Geldwäsche, Steueroasen und Briefkastenfirmen aus.
Es gibt verschiedene Theorien, weshalb das Land so heisst. Eine der schöneren lautet, dass Panama in einer Sprache der Ureinwohner «viele Schmetterlinge» bedeute. Eine andere, weit verbreitete Version behauptet, Panama sei einst der Name eines Fischerdorfs gewesen, in dessen Gewässern es besonders viel zu holen gab.
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