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Der Stromtarif, das Marketingelement des Elektrizitätswerkes, muss so gewählt werden, dass der Aufwand für die Beschaffung (Produktion) und Verteilung von Elektrizität gedeckt wird. Bei gleichen Beschaffungskosten und ähnlichen Versorgungsgebieten ist der Tarif ein Mass für die Effizienz des Elektrizitätswerkes, wenn kein übermässiger Gewinn abgeschöpft wird. Trotz der regionalen Monopolstruktur gibt es für den Energieträger Elektrizität Konkurrenten (Heizöl, Erdgas, Solarenergie ...), welche einen Marktpreis setzen. Zusätzlich wirkt der Staat mit.
Mit dem Stromtarif wird die Nachfrage aber auch differenziert beeinflusst (Hoch-/Niedertarif, Sommer-/Wintertarif, Grundtaxe, Leistungs-/Blindleistungstarif, Unterbrechbare Leistung ...). Es gibt auch Gebiete mit Mengenrabatt und branchenspezifischen Tarifen. Für ein Elektrizitätswerk ist der Aufwand für eine Tarifänderung gering, beim einzelnen Kunden beeinflusst der Tarif aber die Rentabilität von Energieanwendungen, das Verhalten und Investitionsentscheide.
Am einfachsten und sichersten könnte die Energie-Effizienz durch eine massive Verteuerung der Energie verbessert werden (weltweit oder aussenhandelsneutral). In den folgenden Vorschlägen werden aber nur Möglichkeiten ohne generelle Tariferhöhung formuliert.
Die Unterteilung in eine hohe Grundtaxe und einen tiefen Arbeitstarif gibt Kunden mit einem kleinen Stromverbrauch einen geringen Anreiz, Strom zu sparen. Obwohl die Grundtaxen den ursachegerechten Kosten des Elektrizitätswerkes am besten entsprechen, ist zu überlegen, ob die Grundtaxen nicht reduziert oder aufgehoben werden können. Eine Aufhebung würde die Kilowattstunde verteuern. Gegen eine Aufhebung der Grundtaxen kann zum Beispiel ein hoher Bestand an Ferienwohnungen sprechen. Die Kosten für diese Kundengruppe würde mit einem reinen Arbeitstarif noch mehr durch die übrigen Abonnenten bezahlt werden.
Stromverbrauch und Erträge der verschiedenen Branchen im Münstertal.
Das Verhältnis von Sommer- zu Wintertarif ist selten proportional zu den Beschaffungskosten des Elektrizitätswerkes. Mit einem teureren Winterstrom und billigeren Sommerstrom würde man dreierlei bewirken:
Die Kunden würden im Winter weniger Strom brauchen.
Die Versorgungssicherheit würde sich erhöhen (geringere Importabhängigkeit).
Der günstigere Sommerstrom verdrängt fossile Energieträger bei thermischen Anwendungen, welche im Teillastbereich einen schlechten Wirkungsgrad haben.
Die Energiesparmassnahmen, welche für die Reduktion des Winterstromes ergriffen werden, wirken auch im Sommer. Die Besitzer von Elektroheizungen würden durch diese Massnahme aber benachteiligt. Eine Anpassung an extremere Saisontarife kann schrittweise erfolgen, indem jeweils nur der Wintertarif angehoben wird.
Es muss immer genau soviel Elektrizität bereitgestellt werden, wie momentan gebraucht wird. Die Stromeinkaufstarif für ein Elektrizitätswerk wird bestimmt von Angbot und Nachfrage auf dem Strommarkt. Ein Elektrizitätswerk bestellt Leistung in Megawatteinheiten für jede Stunde des Tages. In den Stunden vor Mittag ist die Leistung am teuersten, weil dann die Nachfrage am grössten ist, vor allem an einem überraschend kalten Werktag.
Eine gewisse Abbildung dieses Strommarktes auf die Endkunden erfolgt schon mit dem Hoch-/ Niedertarif und Sommer-/Wintertarif. Zusätzlich werden über fixe Tageszeiten gewisse Stromverbraucher (Boiler, Waschmaschinen) mit der Rundsteuerung gesperrt. Gewerbebetriebe und grössere Stromkunden kennen auch den Leistungstarif, bei dem die maximale Viertelstundenleistung einer Abrechungsperiode bezahlt werden muss. Einige Elektizitätswerke haben auch schon mit Sondertarifen Kunden gefunden, welche einen nicht angekündigten Versorgungsunterbruch für Verbrauchergruppen zulassen (unterbrechbare Energielieferung). Mit einigen Grosskunden sind Tarifreduktionen ausgehandelt worden, mit dem Recht, dass zu bestimmten Tagesstunden (Faxankündigung am Vortag) ein hoher Spitzenleistungspreis gilt (Modulation).
Durch die Verlagerung des elektrischen Energiekonsums auf eine nachfrageärmere Zeit wird vor allem Geld gespart. Ein Energiespareffekt erfolgt auch, denn die Kupferverluste von der Turbine bis zum Verbraucher nehmen quadratisch mit der übertragenen Leistung zu.
Ein weiterer Energiespareffekt erfolgt beim Einbau von Leistungs-Otimierungs-Systemen bei Kunden. Bei der dazu erforderlichen Analyse werden Komponenten erkannt, deren Laufzeit ohne Produktivitätseinbusse reduziert werden kann.
Im Münstertal werden an extremen Tagen wie dem 17. Februar 1994 im Mittel etwa
400 kW mehr Leistung bezogen, als an einem durchschnittlichen Wintertag.
Das Rundsteuerprogramme im Münstertal sorgt für ausgeglichene Last.
Wenn durch die neuen Dienstleistungen die energetischen Prozesse der Kunden besser bekannt werden, kann der Leistungsbedarf im Versorgungsgebiet besser koordiniert und dadurch reduziert werden. Für das EW entstehen geringere Beschaffungskosten.
Absprache: Ein Schredderwerk verlagert zum Beispiel die leistungsinteniven Produktionschargen in den Nachmittag, und kommt dadurch zu einen Sondertarif.
Fernwirksystem auf Spitzenlastregler: Es nützt dem EW nichts, wenn zum Beipiel eine Sägerei wegen der Spitze am Nachmittag 2 Stunden auf den Hydraulikkran verzichtet. Auf der anderen Seite wird an einem kalten Vormittag in vielen Betrieben voll am Leistungslimit gefahren, obwohl im Netz der Zeiger auf Maximum steht.
Flexible Tarife: Es gibt Haushalte in denen erst ab 22 Uhr gewaschen wird (Niedertarifpreis), obwohl von 18 bis 22 Uhr die Netzbelastung geringer ist.
Die Hauptaufgabe des Elektrizitätswerkes ist die dauernde Bereitschaft den Kunden beliebig viel Leistung abzugeben. Dieser Aufwand wird über eine Mischrechnung mit dem Arbeitstarif beglichen. Die Idee ist nun, dass der Kunde für den Hauptverteilkasten eine «teure» Sicherung beim Elektrizitätswerk kauft, welche seiner gewünschten Leistung entspricht. Der Arbeitstarif würde für alle reduziert. Zum Beispiel würde eine 5 A Sicherung für 1 Kilowatt 100 Franken im Jahr kosten, für 50 A (30 kW) 3 Tausend Franken. Wenn mehr Leistung benötigt wird, so kann man (wenn es die Installation zulässt) eine grössere Sicherung kaufen.
Der Kunde bestellt pro Saison die Energie, die er benötigen will. Je mehr er bestellt, desto höher ist der Tarif. Wenn er mehr braucht, als er bestellt hat, so zahlt er in der nächsthöheren Kategorie. Zum Beispiel würden bestellte 500 kWh pro Jahr 50 Franken, 5000 kWh pro Jahr 750 Franken und 20 000 kWh pro Jahr 5000 Franken kosten.
Der Vorteil eines solchen Tarifmodells ist, dass sich der Kunde Gedanken über seinen Stromverbrauch macht, und seinen Zielwert einzuhalten versucht. Beim Kunden mit einem geringen Verbrauch lohnen sich Energiesparmassnahmen nicht mehr gross. Die Grossverbraucher wie Hotels werden aber übergebührlich belastet. Der adminstrative Aufwand und die Kunst, ein wirksames und akzeptables Mass zu finden, erschweren die Einführung.
Der Kunde sucht sich den Energieproduzenten aus. Er entscheidet sich zum Beispiel für eine Photovoltaikanlage im Engadin. Das EW übernimmt die Abrechnung zwischen dem Produzenten und ihrem Abonnenten. Obwohl der theoretische Energieaustausch nur aus den Zählerständen errechnet wird, animiert der teure «Spezialstrom» zum Energiesparen. Beim Bezug von alternativen Energiequellen wird die zeit- und witterungsabhängige Leistungsfähigkeit dieser Anlagen auf der Verbraucherseite meistens vernachlässigt.
Elektroheizungen benötigen genau in der Periode am meisten Strom, in der es am wenigsten Wasser(kraft) hat und auch die meisten anderen Stromverbraucher oft benützt werden. Mit Speicherheizungen und einem guten Lastmanagement kann man die Netzbelastung ausgleichen, nicht aber die benötigte Energie ersetzen. Solange im europäischen Kraftwerkspark die meiste Elektrizität aus fossilen Energieträgern (ohne Wärmenutzung) produziert wird, ist das Verheizen von Strom eine energetisch schlechtere Lösung als zum Beispiel eine Ölheizung.
Eine Elektroheizung weist die geringsten Installationskosten auf, benötigt aber den teuren Energieträger Strom. Zum Beispiel verursacht eine Elektrospeicherheizung mit einem Stromverbrauch von 10 000 kWh gegenwärtig nur etwa 1500 Franken Betriebskosten im Jahr, etwa gleichviel wie die Kosten für eine Ölheizung (350 Franken Heizöl, Mehrinvestitionen, Kaminfeger usw.), aber ohne die Umtriebe. Elektroheizungen sollten aus den vorher genannten Gründen vermieden werden, denn diese laufen alle, wenn der Strom knapp ist. Wärmepumpenheizungen laufen auch in dieser Zeit, aber bei ihnen stimmt wenigstens die Energiebilanz, wenn sie nicht mit Aussenluft betrieben werden.
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