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Mit großer Erwartung habe ich diesen Roman zu lesen begonnen, erschien er mir doch als sehr bedeutsam gerade in unserer Zeit des entfesselten Finanzkapitalismus. Es geht hier um die Lebensgeschichte des Millardärssohns Bunny Ross, dessen Vater vom einfachen Fuhrunternehmer zum Ölmagnaten aufgestiegen ist. Es ist die Zeit kurz vor dem ersten Weltkrieg, als in Kalifornien eine Art Goldrausch herrscht, ums schwarze versteht sich. Überall entstehen Bohrlöcher und mit Glück und Geschäftssinn wird so mancher reich. Aber natürlich bleiben viele auf der Strecke, denn der Kapitalismus beruht ja bekanntlich nicht auf sozialer Partnerschaft. Bunny Ross ist hier ein idealistischer Gutmensch, der mit der Sache der Arbeiter sympathisiert und ihnen zu Gerechtigkeit verhelfen will. Sein Vater ist ein cleverer Geschäftsmann mit eigentlich weichem Herzen und dann ist da Paul, ein Angestellter der Familie und Bunnys Freund, der für die Sache der Arbeiter kämpft.
Upton Sinclair schrieb dieses Werk 1927, welches als bedeutsamer Roman über die negativen Auswirkungen des amerikanischen Kapitalismus gilt. Sinclair war ein engagierter Journalist, der sein Anliegen gerne in Prosaform darbringen wollte aber hier beginnt das Problem. Ein thematisch ähnliches Werk ist Emile Zolas Roman Germinal, in dem der Kampf der französischen Kohlekumpel im 19 Jahrhundert um bessere Arbeits- und Lebensverhältnisse geschildert wird. Verglichen damit sind die stilistischen Mängel in Öl unübersehbar. Die Protagonisten sind recht oberflächlich gezeichnet, ohne psychologische Tiefe. So wird nicht recht klar, aus welchem Grund Bunny Ross eigentlich für die Sache der Arbeiter eintritt und ingesamt wirkt das gesamte Romanpersonal ziemlich hölzern. Auch nerven die Dialoge, die häufig so beginnen: " Aber Dad..." oder "Oh Bunny..." Wem es nur um die sachlichen Inhalte geht, bekommt ein engagiertes und informatives Buch zu lesen, Liebhaber von sprachlich ansprechenden Romanen werden eher enttäuscht sein.
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