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Nach der ersten Saisonhälfte, in der alle Spitzengolfer gute Resultate abgeliefert haben, ist der Golfer mit dem letzten guten Eindruck der Topfavorit am US Open: der Amerikaner Dustin Johnson.
Das zweite Majorturnier des Jahres beginnt am Donnerstag. Es findet auf dem traditionsreichen Platz von Shinnecock Hills auf Long Island bei New York statt.
Am letzten Turnier vor dem US Open hatte Dustin Johnson einen brillanten Auftritt. Der 33-Jährige aus Columbia in South Carolina beeindruckte in Memphis nicht nur mit seinem Sieg mit sechs Schlägen Vorsprung, sondern auch mit seiner Form im Allgemeinen und der Rückeroberung der Spitzenposition in der Weltrangliste.
Seinen bislang einzigen Sieg an einem Majorturnier errang Dustin Johnson, der Lebensgefährte von Wayne Gretzkys Tochter Paulina Gretzky, vor zwei Jahren ebenfalls am US Open – wenngleich auf einem anderen Platz, in Oakmont in Pennsylvania. Das US Open kehrt nur sporadisch und in unregelmässigen Abständen an einen bestimmten Ort zurück. Die letzten Sieger in Shinnecock Hills auf Long Island waren die Amerikaner Ray Floyd (1986) und Corey Pavin (1994) sowie der Südafrikaner Retief Goosen (2004). Für Goosen war es damals der zweite Triumph in wenigen Jahren – was es jetzt auch für Johnson werden könnte.
Der immer spektakulär spielende Longhitter Dustin Johnson ist, von allen anerkannt, der eindeutig beste Golfprofi mit dem häufigen Nachnamen Johnson. Dennoch hat ihm der acht Jahre ältere, mit ihm nicht verwandte und vergleichsweise unscheinbare Landsmann Zach Johnson noch das Wichtigste voraus. Der Golfer aus dem provinziellen Bundesstaat Iowa hat als Sieger des US Masters 2007 und des British Open 2015 zwei grosse Titel im Palmarès. Dustin Johnson müsste also in dieser Woche endlich nicht nur der weltbeste Golfer, sondern auch der weltbeste golfende Johnson werden.
Aufgepasst auf Tiger Woods
Tiger Woods war in seiner Comeback-Saison bislang erfolgreicher, als viele es ihm zugetraut hatten. Der 42-jährige Ausnahmekönner mit 14 Majortiteln gewann seit Januar kein Turnier, aber er absolvierte viele Wettkampfrunden, in denen er an das Können seiner besten Jahre herankam. Dass ihm die Konstanz innerhalb einer Turnierwoche teilweise noch abgeht, kann man ihm nicht verdenken nach den fast vier Jahren, in denen er vor allem wegen des lädierten Rückens kaum je richtig spielen konnte.
Es wäre eine wunderbare Geschichte, wenn Woods genau zehn Jahre nach seinem bis heute letzten grossen Sieg wieder gewinnen sollte. Im Juni 2008 triumphierte er am US Open in Torrey Pines bei San Diego auf denkwürdige Weise. Das verletzte Knie liess ihn humpeln, aber er rang den Italo-Amerikaner Rocco Mediate nach einer Stechrunde und einem zusätzlichen Loch nieder, also am 91. Loch. Nur dem Amerikaner Hale Irwin ist es gelungen, das US Open nach einem Unterbruch von mindestens zehn Jahren wieder zu gewinnen. Er siegte 1979 und 1990.
Rose, Day, McIlroy…
Die weiteren Favoriten auf den Sieg am zweiten Major des Jahres haben in dieser Saison mindestens ein Turnier auf dem amerikanischen Circuit für sich entschieden. Gemeint sind Justin Thomas, Justin Rose, Jason Day, Rory McIlroy und der frische US-Masters-Champion Patrick Reed. Ohne Sieg blieb von den Topshots einzig Jordan Spieth. Der Texaner, der mit 24 Jahren schon drei Majortitel in seiner Sammlung hat, überzeugte indes mit einer Reihe von Top-10-Klassierungen.
US Open nichts für die Nummer 1
Aus der Siegerliste des US Open tritt ein schier unglaubliches Phänomen hervor. Nur gerade neun der 32 US Open seit 1986 wurden von Golfern gewonnen, die irgendwann in ihrer Karriere die Weltnummern 1 waren. Drei dieser Siege entfallen auf den Übergolfer Tiger Woods, zwei auf den Südafrikaner Ernie Els. Vier Weltnummern 1 gewannen das US Open je einmal, nämlich der Nordire Rory McIlroy (2011), der Deutsche Martin Kaymer (2014) sowie zuletzt die Amerikaner Jordan Spieth (2015) und Dustin Johnson (2016). Erstaunlich auch: Tiger Woods – bei allen drei Titeln – ist der einzige Golfer, der zum Zeitpunkt eines US-Open-Sieges die Nummer 1 war.
Handkehrum findet man eine lange Reihe illustrer US-Open-Champions, die es nie an die Spitze der im April 1986 eingeführten Weltrangliste gebracht haben. Zu ihnen zählen der 1999 beim Absturz eines Privatflugzeugs ums Leben gekommene Payne Stewart, die weiteren Amerikaner Ray Floyd und Curtis Strange sowie der Südafrikaner Retief Goosen.
Unter den bislang 21 Nummern 1 sind auch zwei Spieler, die bis heute keines der vier Turniere auf Grand-Slam-Niveau für sich entscheiden konnten. Es sind dies die Engländer Lee Westwood und Luke Donald, zwei frühere Sieger des Omega European Masters in Crans-Montana.