Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03575.jsonl.gz/1641

BildGeschichte 04/2016
Autosalon beim Mooshüsli
Von Edith Hausmann
Das Bild ist etwa 1965 auf dem Parkplatz des Schwimmbades Mooshüsli in Emmen entstanden. Ob mich ein Beitrag zum Autosalon in Genf in der Zeitschrift „Das gelbe Heft“ inspiriert hat, so zu posieren?
Meine ersten Erinnerungen an Autos gehen in die 50er Jahre zurück. An Sonntagen zählten wir Kinder die vorbeifahrenden Autos. Mit zunehmendem Verkehr verbesserten wir unsere Zählmethoden. Eines von uns zählte die VWs, ein anderes die Opels, Fiats usw. Mein Vater meinte zur zunehmenden Zahl von Autos auf den Strassen, dass es, wenn es immer mehr Autos gäbe, wärmer würde. Dass der Verkehr auf den Strassen für einen Teil der Klimaerwärmung verantwortlich ist, hat er voraus gesehen. Für diese Weitsicht wurde er verspottet.
Das Auto war Statussymbol. Mein Vater berichtete von einem National- oder Ständerat, der an den Wahlsonntagen mit seinem Auto auf die Bauernhöfe fuhr und den Knechten anbot, sie zum Wahllokal zu fahren. Damals auch noch Knecht, hätte mein Vater diesem gesagt, er würde zu Fuss gehen und wählen, wen er wolle.
Eine Automarke, die es nicht mehr gibt, war Messerschmitt; ein dreirädriges Auto, welches Platz bot für zwei Erwachsene. Ein Nachbar besass eines, war aber auch Vater von neun Kindern. Eines war meine Freundin. So war ich denn mal zu einem Ausflug eingeladen. Meine Freundin sass hinter ihrem Vater, ich zuhinterst. Meine Mutter war nicht begeistert. Wer fährt trinkt nicht, galt damals noch nicht. Und unser Nachbar trank oft über den Durst.
1965 wurde das neue Autobahnteilstück am Lopper eröffnet. Auf unserer sommerlichen Velotour wollte mein Vater dieses neue, schöne Strassenstück befahren. Ich protestierte. Diese Strasse sei nur für Autos gedacht. Mein Vater tat meinen Einwand ab mit der Begründung, wir würden auch Steuern zahlen. Dieses Argument konnten die Polizisten, die uns schon bald stoppten, nicht akzeptieren.
Erwachsen, wurde ich selber Autofahrerin. Der Döschwo war mein Statussymbol. Inzwischen bin ich beim simplen Velo angekommen, weder Bike noch E-Bike. - 6. April 2016
Edith Hausmann (1949) hat in den letzten zehn Jahren vor der Pensionierung bei Caritas Luzern als Fundraiserin/PR-Fachfrau gearbeitet, davor in weiteren NGOs in ähnlicher Funktion. Für Peace Watch Switzerland war sie in Palästina und in Mexiko als freiwillige Menschenrechtsbeobachterin tätig.