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Das Verbot von Absinth ist eine interessante und komplexe Geschichte, die besonders in der Schweiz eine bedeutende Rolle spielte. Der Weg zum Verbot war geprägt von sozialen, politischen und medizinischen Kontroversen, die sich über das späte 19. und frühe 20. Jahrhundert erstreckten.
Ursprünge und Popularität
Absinth, ursprünglich als Arznei entwickelt, gewann im 19. Jahrhundert, besonders in Frankreich und der Schweiz, an großer Popularität. In der Schweiz, wo Absinth eine lange Tradition hatte und in der Region um das Val-de-Travers im Kanton Neuenburg produziert wurde, stieg die Produktion und der Konsum stark an. Diese Popularität führte zu einer Verbreitung in allen Gesellschaftsschichten.
Wachsende Bedenken
Mit der zunehmenden Beliebtheit kamen auch Bedenken auf. Es entwickelte sich eine öffentliche Debatte über die gesundheitlichen, sozialen und moralischen Auswirkungen des Absinth-Konsums. Hauptanliegen waren:
- Gesundheitliche Risiken: Absinth enthielt Thujon, eine Substanz, die in hoher Dosierung neurotoxische Wirkungen haben kann. Medizinische Berichte aus dieser Zeit verbanden den exzessiven Absinth-Konsum mit einer Reihe von Gesundheitsproblemen, darunter die sogenannte “Absinthismus”, eine Form von Sucht, die mit Epilepsie, Halluzinationen und psychischen Störungen in Verbindung gebracht wurde.
- Soziale Auswirkungen: Die hohe Alkoholabhängigkeit und die damit verbundenen sozialen Probleme, wie Vernachlässigung der Familie, Arbeitsunfähigkeit und allgemeine Verwahrlosung, wurden zunehmend mit Absinth in Verbindung gebracht.
Der Wendepunkt: Der Fall Lanfray
Ein Schlüsselereignis, das das Verbot in der Schweiz beschleunigte, war der sogenannte “Fall Lanfray” im Jahr 1905. Jean Lanfray, ein Schweizer Landarbeiter, ermordete nach exzessivem Alkoholkonsum, darunter auch Absinth, seine Familie und nahm sich anschließend das Leben. Obwohl Lanfray neben Absinth auch beträchtliche Mengen anderer Alkoholika konsumiert hatte, wurde der Vorfall in der öffentlichen Wahrnehmung hauptsächlich auf den Absinthkonsum zurückgeführt.
Politische und gesetzliche Reaktionen
Dieser Vorfall löste eine Welle der Empörung aus und führte zu einer verstärkten politischen und gesellschaftlichen Forderung nach einem Verbot von Absinth. Die emotional aufgeladene Atmosphäre und die wachsende Sorge um die öffentliche Gesundheit und Ordnung mündeten in gesetzliche Maßnahmen.
Im Jahr 1908 fand in der Schweiz ein Referendum statt, in dem sich eine Mehrheit für ein Verbot von Absinth aussprach. Dies führte 1910 zur offiziellen Einführung des Verbots, das die Herstellung, den Import und den Verkauf von Absinth in der Schweiz untersagte.
Langfristige Auswirkungen
Das Schweizer Verbot war Teil einer größeren Bewegung gegen Absinth in Europa und den USA und spiegelte die damaligen sozialen und kulturellen Spannungen wider. Der Fall Lanfray und die darauffolgenden Geschehnisse hatten nicht nur Auswirkungen auf die Schweizer Gesetzgebung, sondern beeinflussten auch die internationale Wahrnehmung und Regulierung von Absinth.
Das Verbot markierte das Ende einer Ära und den Beginn eines langen Zeitraums, in dem Absinth in vielen Teilen der Welt verboten oder streng reguliert wurde. Erst in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts begann sich die Einstellung gegenüber Absinth zu ändern, was zu einer Wiederbelebung seiner Produktion und seines Konsums führte, allerdings unter strengen Auflagen bezüglich des Thujongehalts und der Herstellungsmethoden.
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