Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03358.jsonl.gz/1733

Schon vor rund 30 000 Jahren lebten Menschen im Gebiet von Erlenbach und haben ihre Spuren hinterlassen. Ein oft benützter Unterschlupf war die „Chilchlihöhli", die von der Alp Vorderstocken aus erreichbar ist.
Behausungen aus keltischer oder römischer Zeit lassen sich nicht eindeutig nachweisen. Allerdings haben römische Legionäre ihre Spuren (Münzen aus der Kaiserzeit) beim Hinterstockensee und sogar auf dem Stockhorngipfel hinterlassen.
Offenbar wurde Erlenbach im Frühmittelalter wegen seiner strategisch wichtigen Lage zu einer angesehenen Siedlung. Dies geht auch daraus hervor, dass bereits im späten ersten Jahrtausend ein gemauertes Gotteshaus von respektabler Grösse entstand, das im 11. oder anfangs des 12. Jahrhunderts durch die heutige romanische Kirche ersetzt wurde.
Werkzeuge und Waffen früherer Bewohner sind auf dem Pfrundhubel oberhalb der Kirche, wo heute ein Schulhaus steht, entdeckt worden. Diese sind nach neueren Forschungen dem Früh- bis Spätmittelalter zuzuordnen. Hier wurde eine Doppelburganlage aus Holz zu Beginn des 13. Jahrhunderts in Stein umgesetzt. Sie könnte als „Leitanlage" der beeindruckenden ehemaligen Burgenlandschaft am Eingang des Simmentals gedient haben. Von hier aus liess sich das Tal, dieser wichtige Verbindungsweg vom Schweizer Mittelland zu den Pässen ins Wallis, nach Italien und Savoyen überblicken und notfalls sperren.
Erste Ortsbezeichnungen (Arlunbauch, Arlimbac, Herlimbac, Erlibach) und Namen der Freiherren aus ritterlichem Geschlecht werden in Schriften ab 1133 genannt. Über das Schicksal dieser Feudalherren, die nur selten in Urkunden erscheinen, ist uns fast nichts bekannt. Ruinen aus dieser wenig erforschten Zeit finden sich auch auf der horstähnlichen Zufluchtstätte von Gavertschinggen oberhalb Latterbach.
Alle diese Freiherren oder Raubritter wurden bald überflügelt von den mächtigen Herren von Weissenburg, die zur Zeit, als die alten Eidgenossen auf dem Rütli schwuren, die hiesige Gegend weithin beherrschten. Dies freilich unter Wahrung der nicht geringen alten Rechte der Bäuerten und ihrer freien Bewohner. Immerhin waren die Weissenburger zuständig für die Verwaltung der Erlenbacher Kirchengüter. Die ältesten Fresken in der Kirche stammen übrigens aus der Zeit ihrer Herrschaft.
1330 mussten sie dann allerdings, geschwächt vom Kampf gegen das aufstrebende Bern, ihre Erlenbacher Kirchenrechte dem Kloster Interlaken abtreten. Unter der Leitung dieses Klosters erhielt die Kirche kurz nach 1400 ihre prächtige und oft bestaunte gotische Ausmalung, die noch heute Jahr um Jahr viele Besucher anzuziehen vermag. Zu jener Zeit gehörte auch das ganze Diemtigtal kirchlich zu Erlenbach, so dass dieses Gotteshaus das Zentrum eines ganzen Landstrichs bildete. In der Kirche Erlenbach fand auch ein grosser Teil der Landsgemeinden der alten Landschaft „Niedersibenthal" statt. Hier wurden die Rechte der ganzen Region, die inzwischen unter die Herrschaft Berns gekommen war, gehütet und wahrgenommen. Hier war auch eines der massgebenden Zentren der Berner Reformation, die durch den einheimischen Priester und nachmaligen Berner Münsterpfarrer Peter Kunz kräftig vorangetrieben wurde. Er gilt als der „berühmteste Erlenbacher" aller Zeiten. Unter Bern erlebte Erlenbach meist ruhige und gesicherte Zeiten.
Durch Jahrhunderte war die unter dem Namen „Erlenbacher-Schlag" schweizweit bekannte Pferdezucht mit dem hiesigen Haupthandelsplatz, später dann die Vermarktung des Viehs der Simmentaler Reinrasse in weite Teile der Welt von grosser Bedeutung. Der Anschluss Erlenbachs ans Schienennetz im Jahre 1897 erfolgte nicht zuletzt aus diesem Grund. Bereits im 16. und 17. Jahrhundert trieben Erlenbacher Bauern Exportvieh über die Alpenpässe bis nach Süditalien.
Ein furchtbares Geschehnis muss der Dorfbrand von 1765 gewesen sein. Östlich des Dorfbachs wurden 15 Häuser und neun Scheunen ein Raub der Flammen. Glücklicherweise blieb die Kirche verschont. Und gut war es auch, dass das Unglück in eine materiell gesicherte Zeit fiel. 1766 und in den folgenden Jahren wurde Erlenbach in bester Weise wieder aufgebaut. Die Hochblüte der Simmentaler Baukunst, die damals herrschte, hat Erlenbach zu einer Mustersiedlung werden lassen. Einige Häuser tragen sogar die Handschrift des berühmten Meisters Hans Messerli, der damals unserem Tal die schönsten Bauten geschenkt hat. Aber nicht nur im Dorf, sondern auch in allen Bäuerten stehen wertvolle Zeugen alter Zimmermannskunst und machen die Gemeinde zu einem Hort edler Bauernkultur.
Die Hochkonjunktur nach dem Zweiten Weltkrieg hat die Gemeinde nur in sehr abgeschwächter Form berührt. Dafür hat sie auch keinen grossen Schaden anrichten können.
Leider wurde die Gemeinde 1999 auch von „Lothar", dem Sturm des Jahrhunderts heimgesucht. Grosse Waldpartien wurden zerstört. Durch das Hochwasser im Jahre 2005 entstanden wieder erhebliche Schäden. Diese wurden in kürzester Zeit behoben und zusätzliche Schutzvorrichtungen gebaut. Erlenbach verfügt weiterhin über eine intakte Landschaft, die sich auch in der Zukunft als hohes Gut erweisen dürfte.