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Die ehemalige Sklavin Pauline Johanne Fathme kam 1850 nach Deutschland. Sie verbrachte die letzten Jahre ihres kurzen Lebens bei Christian Friedrich Spittler in Riehen.
Ganamee Yaa’ii Shaseedaa Odaa kam 1832 als Tochter von Yaa’ii Shaseedaa Odaa, dem Anführer einer Oromo-Untergruppe im äthiopischen Distrikt Guummaa, zur Welt. Im Alter von sechs Jahren verlor sie ihren Vater. Drei Jahre später wurde sie von Menschenhändlern entführt und zuerst in Sannar, später in Assuan als Sklavin vermarktet. Zwölf Mal wurde Ganamee weiterverkauft, bis sie schliesslich in Kairo als Küchenhilfe in den Besitz von Muhammad Ali Pascha, dem Gouverneur der osmanischen Provinz Ägypten, kam. Ganamee musste sich zum Islam bekennen und erhielt den arabischen Namen Fatima.
1847 oder 1848 übergab Muhammad Ali die etwa 15-jährige Fatima dem württembergischen Adligen John Baron von Müller als Gastgeschenk. In dessen Gefolge kam Fatima 1850 vermutlich als erste Oromo nach Stuttgart. Hier wurde sie in der deutschen Sprache und im katholischen Glauben unterrichtet. Bald setzte sie die Mutter des Barons als Dienerin ein und präsentierte sie ihren Gästen als ägyptisch gekleidete Attraktion. Eine dieser Besucherinnen war die Königinmutter von Württemberg, die für Fatima eine protestantische Erziehung vorsah. Deshalb schickte von Müller sie am 1. Juni 1851 in die pietistische Mädchenschule in Kornthal und gab sie in der Folge aus seiner Herrschaft frei.
Am 12. Juli 1852 wurde Fatima in Kornthal auf den Namen Pauline Johanne Fathme getauft. Als Taufpate bot sich der Basler Pietist Christian Friedrich Spittler an. Im Sommer 1855 zog Fathme zu Spittler nach Riehen ins Klösterli. Nach kurzer Zeit in Riehen erkrankte sie an Tuberkulose. Spittler schickte sie am 16. Juli 1855 zur Pflege in die Diakonissengemeinschaft.
Am 11. September 1855 starb Pauline Johanne Fathme im Alter von 23 Jahren in Riehen.
Fathmes Geschichte erregte in missionarischen Kreisen grosse Aufmerksamkeit. Laut dem späteren Leiter der St. Chrischona Pilgermission Carl Heinrich Rappard habe Fathme in den letzten Wochen vor ihrem Tod Christian Friedrich Spittler darum gebeten, in Äthiopien eine Missionsstation aufzubauen. Ihr letzter Wunsch gilt daher als ausschlaggebender Impuls und als Legitimation für den Aufbau der protestantischen Mission in Äthiopien. Karl Friedrich Ledderhose veröffentlichte kurz nach ihrem Tod eine Biografie über Pauline Johanne Fathme.
Autorin / Autor: Luzia Knobel | Zuletzt aktualisiert am 10.5.2022
Kober, Johannes: Anjama. Bild des äusseren und inneren Lebens einer Tochter Afrikas. Basel 1884. S. 74–78.
Ledderhose, Karl Friedrich: G.-Büchlein. Aus dem Leben der G.-N. Pauline Johanne Fathme. Basel 1856.
Keine Zeitungsartikel als pdf.
Begräbnisrede: Fathme, Pauline, Kornthal, 1855: PA 653a V. 289.
Debrunner, Hans Werner: Presence and Prestige. Africans in Europe. A History of Africans in Europe before 1918. Basel 1979. S. 311f.
Exotisch – höfisch – bürgerlich. Afrikaner in Württemberg vom 15. bis 19. Jahrhundert. Ausstellungskatalog Staatsarchiv Stuttgart. Stuttgart 2001. S. 75.
Kober, Johannes: Christian Friedrich Spittler’s Leben. Basel 1887. S. 78.
Smidt, Wolbert G. C.: The role of the former Oromo slave Pauline Fathme in the foundation of the Protestant Oromo mission. In: Böll, Verena et al. (Hg.): Ethiopia and the Missions. Historical and Anthropological Insights. Münster 2005. S. 77–98.
Smidt, Wolbert: Fathme, Pauline Johanne. In: Encyclopaedia Aethiopica. Bd. 2. Wiesbaden 2005. S. 506f.