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Brasilien kann einen stolzen Erfolg bei der Verbesserung der Lebensbedingungen vorweisen. In den vergangenen zehn Jahren konnte in dem südamerikanischen Land die Zahl der Hungernden um die Hälfte reduziert werden. Erreicht wurde damit bereits eins der Milleniums-Ziele. Nach dem am Dienstag (16.) vorgelegten Bericht der Vereinten Nationen über Nahrungsmittelsicherheit leiden in Brasilien inzwischen weit weniger als fünf Prozent der Menschen an Hunger. Allerdings leben immer noch 1,7 Prozent der Bevölkerung ohne täglich ein ausreichend Nahrungsmittel zu sich zu nehmen.
Dass Brasilien den Anteil der hungerleidenden Menschen von 10,7 Prozent im Jahr 2002 auf heute 1,7 Prozent senken konnte, wird in dem Bericht vor allem auf das vom ehemaligen Präsidenten Luis Ignácio Lula da Silva im Jahr 2003 eingeführte Programm „Zero Fome“ (Ohne Hunger) zurück geführt. Dies wurde von Präsidentin Dilma Rousseff ausgebaut und ist auf verschiedenen politischen, staatlichen und privaten Ebenen verankert. Mittlerweile umfasst es über 40 Programme und Aktionen. Erhöht wurden auch die Ausgaben dafür. Sie haben sich im vergangenen Jahrzehnt verdreifacht und 2013 knapp 11 Milliarden US-Dollar erreicht.
Die UN-Experten heben das Programm „Zero Fome“ als nachahmenswertes Beispiel hervor. Es fußt auf verschiedenen Säulen. Eine ist die „bolsa familia“, eine Art Sozialhilfe, die an Mütter ausgezahlt wird und unter anderem daran geknüpft ist, dass die Kinder regelmäßig die Schulen besuchen und an Untersuchungen zur Gesundheitsvorsorge teilnehmen. Über 43 Millionen Buben und Mädchen erhalten zudem an den öffentlichen Schulen, Kindergärten und Krippen kostenlose Mahlzeiten. Allein mit dieser Maßnahme konnte laut dem Bericht die Unterernährung um ein Drittel gesenkt werden.
Die Förderung der familiären Landwirtschaft ist eine weitere Säule im Kampf gegen den Hunger. Die Kleinlandwirte produzieren etwa 70 Prozent der in Brasilien konsumierten Nahrungsmittel. Über spezielle Programme ist für viele Kleinlandwirte die Abnahme der von ihnen erzeugten Nahrungsmittel garantiert. Auch 80 Prozent der Schulen erwerben mittlerweile Gemüse und andere landwirtschaftliche Produkte ausschließlich von den ortsansässigen Familienbetrieben. In den vergangenen zehn Jahren konnte mit dieser und anderen Maßnahmen erreicht werden, dass das Einkommen der familiären Landwirtschaften um 52 Prozent gestiegen ist und über 3,7 Millionen Landbewohner die unteren Armutsklassen verlassen konnten.
Insgesamt ist die extreme Armut von 14 Prozent der Bevölkerung in 2001 auf 3,5 Prozent in 2012 gesunken und die Armut von 24,3 Prozent auf 8,4 Prozent. Die 20 Prozent der ärmsten Brasilianer konnten zudem eine dreimal höhere Einkommenssteigerung verzeichnen als die 20 Prozent der reichsten Brasilianer. Zur Verbesserung der Situation beigetragen haben ebenso die Anpassung der Mindestlöhne, die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie Kreditprogramme für Kleinfirmen.
Der Kraftakt Brasiliens bei der Bekämpfung des Hungers und der Unterernährung ist beachtlich. Dies wird auch in dem Bericht der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) hervorgehoben. Allerdings erhalten 13,8 Millionen Familien die „bolsa familia“, womit etwa ein Viertel der Bevölkerung des Landes auf staatliche Hilfe zum Überleben angewiesen ist. Etwa 3,4 Millionen Menschen fehlt es nach wie vor an einer täglichen Versorgung mit ausreichend Lebensmitteln. Betroffen sind dabei vor allem der Norden und Nordosten des Landes, die indigenen Völker, Quilombolas und Ribeirinhas (Flußanwohner). Doch sind FAO-Vertreter zuversichtlich, dass in den kommenden Jahren das Ziel erreicht wird, dass in Brasilien keiner mehr an Hunger leiden muss. Sozialministerin Tereza Campello versichert, dass die Arbeit weitergeht, um allen Brasilianern eine ausreichende Ernährung zu garantieren.