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13. Januar 2017
20.00 Uhr «Die Abenteuer des Prinzen Achmed»
Der Silhouettenfilm „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“, der als erster abendfüllender Animationsfilm in die Filmgeschichte einging, entstand in den Jahren 1923-1926 in einem kleinen Atelier in Potsdam. Lotte Reiniger erinnert sich an die Vorgeschichte dieses kühnen Filmprojekts: „Seit Jahrhunderten hatte der Prinz Achmed mit seinem Zauberpferd als Märchenfigur in den Geschichten von Tausendundeiner Nacht ein behagliches Dasein geführt und war beliebt, glücklich und zufrieden. Aus diesem Frieden wurde er eines Tages aufgeschreckt, als eine Filmgesellschaft auf die Idee kam, seine und viele weitere Abenteuer aus derselben Quelle zu einem Trickfilm zu verwenden. Zu diesem Zwecke musste er ‚umgeboren’ werden. Denn es sollte ein Silhouettenfilm werden, weil der Hersteller, der von dieser Idee besessen war, nämlich ich, nichts anderes konnte als Silhouettenfilme machen. … Prinz Achmed selber musste zunächst körperlich erfunden, gezeichnet, geschnitten, beweglich gemacht, beleuchtet, bewegt und aufgenommen werden.“
Das Resultat ist ein wunderbar poetisches Filmgemälde, das zu Recht als Klassiker der Filmgeschichte gilt. Der Zauber der bewegten Silhouetten, die grosse Tiefenwirkung der Hintergrundbilder und die Magie der viragierten (eingefärbten) Bilder zieht auch heute den Zuschauer in seinen Bann. Besonders auffallend ist zudem der Schwung und die perfekte Dramaturgie der Animation.
Erzählt wird von Achmed, Sohn des grossen Kalifen und Bruder von Prinzessin Dinarsade. Am Geburtstag des Kalifen erscheint ein Fremder und stellt sein Wunderwerk vor: ein Pferd, das durch die Lüfte fliegen kann. Der Kalif begehrt dieses Zauberpferd, der Zauberer aber fordert als Gegengabe die schöne Kalifentochter Dinarsade. Das erzürnt ihren Bruder, zugleich möchte er das fliegende Pferd einmal ausprobieren. So beginnt Prinz Achmeds abenteuerliche Reise. Auf der Insel Wak-Wak trifft er die schöne Pari Banu, in die er sich auf den ersten Blick verliebt. Inzwischen sinnt der Zauberer auf Rache und es gelingt ihm ein zweites Mal, dem Prinzen übel mitzuspielen. Er raubt Pari Banu, und Prinz Achmed findet sich in einer öden Gegend auf einem Felsen wieder. In dessen Inneren haust die Todfeindin des Zauberers, die gute Hexe vom Flammenberg. Sie hilft dem tapferen Achmed, doch wieder ist das Glück nur kurz, denn die Dämonen der Insel Wak Wak holen sich ihre Herrin zurück. Nachdem die gute Hexe in einem spektakulären Kampf den bösen Zauberer besiegt hat, gelingt es Prinz Achmed mit Hilfe von Aladins Wunderlampe, Pari Banu aus den Fängen der wilden Dämonen zu befreien und der Kalif kann seine Kinder und deren Geliebte überglücklich in die Arme schliessen.
Insgesamt wurden etwa 250.000 Einzelbilder aufgenommen und schliesslich fast 96.000 verwendet. Die Uraufführung des Stummfilms fand am 2. Mai 1926 in der Berliner Volks-bühne am Bülowplatz statt, dazu erklang die sinfonische Orchestermusik des Filmkomponisten Wolfgang Zeller, die er in Korrespondenz mit Lotte Reiniger parallel zum Film geschrieben hatte und die heute noch verfügbar ist.
14. Januar 2017
20.00 Uhr «My Wife`s Relations»
1922, Buster Keaton
Im Beiprogramm «Steamboat Bill»
1928, Buster Keaton
Die Handlung selbst fusst auf einer einfachen, aber wirkungsvollen Dramaturgie. Zwei verfeindete Reeder, Schiffsbauer am Missisippi, nämlich Steamboat Bill senior, William Canfiled, und J.J. King senior sind seit jeher verfeindet und das Leben besteht für beide darin, den jeweils anderen auszustechen. Dabei ist J.J. King senior zweifelsohne der Chef, was eigenes Aussehen und Ansehen, aber ebenfalls Modernität des Schiffes und Unternehmerkompetenz vor Ort anbelangt.
Unglücklicherweise verliebt sich Steamboat junior, dargestellt von Buster Keaton, der kürzlich aus Boston zurückkehrt, in die Tochter von J.J. King namens Lilliy. Die Liebe scheint aufgrund der Konstellation vollständig aussichtslos. Szenen beispielweise beim Zusammentreffen der beiden beim Barbier sind grotesk und subtil dargestellt. Die abendliche Versuchung Keatons, seine Angehimmelte auf dem anderen Schiff besuchen zu können, landet im wahrsten Sinne des Wortes im Wasser. Immer wieder gibt es seltsame Verstrickungen und Verwirrungen, die das Zueinanderfinden der beiden verunmöglichen.
King erwirkt, dass das Schiff „Stonewall Jackson“ von Stemboat senior wegen technischer Unzulänglichkeiten aus dem Verkehr gezogen wird. Steamboat Bill senior landet darufhin sogar im Gefängnis. Sein Sohn versucht alles, um den Vater zu befreien, versteckt sogar Werkzeug zur möglichen Befreiung in gebackenem Brot, welches er im Gefängnis bei widrigsten Wetterverhältnissen vorbeibringt. Beim Kampf mit dem Gefängniswärter/Sheriff zieht sich Steramboat junior Kopfverletzungen zu und landet letztendlich im Spital. Bei einem unbeschreiblichen Wirbelsturm im Ausmass eines Hurrikans kommt es im Finale zum Einbruch von zahlreichen Häusern, dem Losfahren von befestigten Schiffen, dem Beinahe-Ertrinken von Streamboat senior sowie einer fulminanten Rettungsaktion durch Keaton. Als letzte Lösungsmöglichkeit mündet dies am Ende in der Rettung aller sowie der Versöhnung und Zusammenführung der beiden Familien.
Die Dramatik des Films ist der kleinen unscheinbaren Figur des Steamboat Bill jr., Buster Keaton, zu verdanken, der in seinen weiten Hosen, seiner insgesamt unpassenden Kleidung, seinem kleinen Schnurrbart und seiner ganzen Gestalt meist lachhaft und irgendwie unpassend samt seiner am Anfang noch mitgebrachten Ukulele auftritt. Dabei scheut er keinerlei Mühen jedweder Verfolgungsjagden und steuert am Ende das Boot zur Zusammenführung mit seiner Geliebten Lilly entgegen. Lachen ist garantiert und am Ende siegt das Gute in einer schier unlösbaren Situation.
15. Januar 2017
15.00 Uhr Heiteres Familienprogramm am Sonntagnachmittag
(Organist Andy Quin, GB).