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Niedriges Wachstum und tiefe Zinsen zwingen die Anleger, ihre Strategie zu überdenken, sagt Robert Stewart von J.P. Morgan Asset Management.
Robert Stewart (Bild), Leiter Client Portfolio Management Schwellenländerobligationen, J.P. Morgan Asset Management London
Anleger in Obligationen sind sich der Schwierigkeiten, in denen sich die europäischen Peripherieländer befinden, wohl bewusst: Deren hoher Verschuldungsgrad, ihre enormen Haushaltsdefizite und ihr anämisches Wachstum waren in den vergangenen 18 Monaten für eine weitgehende und regelmässige Belastung der Märkte verantwortlich.
Europa ist aber nicht der einzige Kandidat, der sich im Fokus der Anleiheinvestoren befindet: Der Stand der Staatsverschuldung und des Haushaltdefizits in den Vereinigten Staaten sowie die Unbeweglichkeit der Politik hinsichtlich des Sparprogramms haben letzten Endes zu einem schlechteren Rating der USA durch die Agentur Standard & Poor's geführt.
Obligationen-Anlagen diversifizieren
Als Konsequenz werden ein niedriges Wachstum unterhalb des langfristigen Durchschnitts der entwickelten Länder sowie für einige weitere Jahre niedrig gehaltene Zinsen erwartet.
In diesem Zusammenhang sehen sich Investoren gezwungen, ihre Anlagestrategie und Vermögensaufteilung zu überdenken sowie ihre Obligationenanlagen zu diversifizieren, indem sie den Fokus auf Wertpapiere richten, die eine höhere Rendite und eine bessere wirtschaftliche Basis bieten.
Jenseits der entwickelten Märkte
Generell verfügen Schwellenländer über eine solidere wirtschaftliche Basis. Das Verhältnis von Schulden zum Bruttoinlandprodukt (BIP) und die Haushaltsdefizite sind dort weniger hoch als bei den entwickelten Märkten.
Ausserdem bleibt der Internationale Währungsfonds (IWF) eisern bei seinen Voraussagen hinsichtlich des Wachstums in den Schwellenländern: durchschnittlich 6,4 Prozent gegenüber 2,4 Prozent bei den Industrieländern im Jahr 2011.
Diese Vorteile machen Obligationen der Schwellenländer zu einer äusserst attraktiven Investitionsmöglichkeit für Anleger, die zusätzliche Rendite und Diversifikation jenseits der entwickelten Märkte anstreben. Die Schwellenländerobligationen können in drei verschiedene Segmente aufgegliedert werden:
- Obligationen in «harter Währung» (in der Regel in Dollar)
- Obligationen in lokaler Währung
- Unternehmensanleihen (in der Regel ebenfalls in Dollar)
Es ist bemerkenswert, dass jeder Referenzindex dieser drei Segmente inzwischen mit der so genannten Investment-Grade-Bonität von ‹BBB› oder höher bewertet wird und von einer attraktiven Rendite von 5 bis 7 Prozent profitiert.
Rückgang der Zinsdifferenz
Die soliden Fundamentaldaten der Schwellenländer resultieren wiederum in der besseren Bewertung der Obligationen durch die grossen Rating-Agenturen sowie auch in einem Rückgang der Zinsdifferenz der Schwellenländerobligationen in Hartwährungen (J. P. Morgan Emerging Markets Bond Index Global (EMBIG) im Vergleich zu US-Staatsanleihen.
Interessant ist, dass seit 2003 die Volatilität des so genannten EMBIG-Spread seinen Ursprung nicht in den Krisensituationen der Schwellenländer findet, sondern in denjenigen, welche die Industriestaaten beuteln. Diese Entwicklung ist unserer Ansicht nach begründet, wenngleich gegenüber der fundamentalen Situation nachgelagert. Wir erwarten, dass diese Tendenz weiter anhält.
Relativ illiquide Vermögensklasse
Die Renditen sind repräsentativ für die Risikoprämie, welche Anleger noch erhalten können, indem sie in die Schwellenländerobligationen investieren. Es ist erstaunlich, dass die Renditen und Spreads im Vergleich zu US-Staatsanleihen angesichts der relativen Wirtschaftskraft der Schwellenländer so hoch sind.
Aber diese Risikoprämie macht zweifellos deutlich, dass die Investoren mit dieser Vermögensklasse sowie mit den eher allgemeinen Risiken hinsichtlich Investitionen in Schwellenländer zu wenig vertraut sind.
Die Anleger dürfen nicht vergessen, dass Schwellenländerobligationen, insbesondere Unternehmensanleihen, immer noch eine relativ illiquide Vermögensklasse ist, welche zeitweise von spezifischen Risiken, vor allem in Verbindung mit Inflation und politischer Situation befallen werden kann.
Langfristig sinnvoll
Die Analysen von J.P. Morgan Asset Management zeigen, dass die Allokation von Schwellenländernobligationen im Rahmen eines breitgefächerten Anlageportfolios sowohl hinsichtlich Renditeoptimierung als auch im Rahmen der langfristiger Diversifikation sinnvoll ist.
Die Wirkung ist selbst bei Allokationen von bis zu 10 Prozent deutlich wahrnehmbar. Was aber noch wichtiger ist: diese Diversifikation resultiert nicht allein aus einer schwachen Korrelation. Eine strukturelle Langzeitanalyse bringt die Wirkung ebenfalls zum Ausdruck.
Argumente für Schwellenländer-Bonds
Das Argument für eine grösseren Allokation in Schwellenländerobligationen ist stärker als je zuvor – sowohl für Anleger auf der Suche nach langfristiger Rendite als auch für diejenigen mit dem Fokus auf langfristige Problematiken, wie etwa die Inflation und die Deckung von Verbindlichkeiten.
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