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Der lange Weg zum i9
Der lange Weg zum i9
Der Craig 4508: Damit hat bei mir alles angefangen. Im Herbst 1975 habe ich diesen Taschenrechner trotz Warnungen in New York in der Nähe von Times Square gekauft. Auf dem Rückflug habe ich 8 Stunden lang alles Mögliche berechnet. Das waren die best ange- legten 99 US$.
HP 25: Das war mein zwei- ter Taschenrechner. Was er doch nicht alles konnte: 10 Stellen LCD-Display, 49 Pro- grammschritte... Wahnsinn! Gekauft in 1977.
HP 41C Diesen Taschenrech- ner habe ich zwar selbst nicht besessen, aber er gehörte seit 1979 zu meiner Arbeits- ausstattung.
Ende der Siebzigerjahre passierte etwas Bedeutendes für mich. Ein Freund brach- te einige IMSAI 8080 Kits aus den USA mit und auch einige Exemplare eines un- scheinbaren Buches von Adam Osborne. Damals konnte ich schon leidlich den HP 41C programmieren (Mondlandung, Grosskreisnavigation), hatte aber von Computern noch keine Ahnung. Das kleine blaue Buch mit dem Bild einer CPU auf dem Umschlag änderte alles. Jetzt musste ich nur noch auf einen bezahlbaren home computer warten. Im Herbst 1981 war es dann so weit: Der TI-99/4A kam in der Schweiz auf den Markt.
Der TI-99/4A war ein 16-bit Computer mit eigenwilligem Basic-Dialekt von Bob Wallace und Bob Greenberg (Microsoft), 15 Farben plus Transparenz bei 256 x 192 Pixeln Auflösung, bis zu 32 Sprites und 16 Kilobyte RAM. Das erlaubte mir drei Programme zu realisieren, die leider wegen des damals fehlenden Druckers verloren gegangen sind. Es handelte sich um ein Spiel, in dem sich zwei Bakterienkulturen gegenseitig auffrassen (nach Life von J. H. Conway), dann um die Darstellung von Rubiks Würfel, den man auf dem Bildschirm in allen drei Achsen drehen konnte, der sich aber nicht selbst lösen konnte und schliesslich um eine einfache Mastermind Variante (ein Spieler gegen den Computer). Und das wars dann schon. Die Revolution war jedoch zum Greifen nah...
Die Revolution kam 1983 in Form von Commodore C-64, einem auf der Basis von MOS Technology CPU 6510 (auch MPU genannt) von Robert Russell, Robert Yannes und David A. Ziembicki entwickelten 8-bit Computer mit sagenhaften 64 Kilobyte Memory. Das waren 16 Mal mehr als der Rechner des Apollo 11 Raumschiffs besass! Auflösung: 16 Farben bei 40 x 25 Buchstaben im Textmodus, oder 320 x 200 Pixeln im HiRes Modus und bis zu 8 Sprites. Fast gleichzeitig kam ein von Data Becker herausgegebenes Buch 64 intern heraus. In diesem Buch war das ganze Betriebssytem und die Sprache Commodore 64 Basic V2 genauestens beschrieben. Am Anfang gab es aber so gut wie keine Programme. Also habe ich mir (mit peek und poke) zuerst ein einfaches Monitor-Programm geschrieben (2887 Bytes lang), das auch Programmbefehle in Mnemonics akzeptierte und mit dessen Hilfe ich weitere Programme geschrieben habe.
Unten sieht man zwei Screenshots von meinem Monitor-Progamm und darunter die von meinem Flugsimulator (Boeing 727 imitierend) und von meinem Zeichenprogramm. Der Flugsimulator basierte auf einem Programm von Dipl. Ing. F. Jahnke, der mir freundlicherweise die Verbesserung und die C64-Adaption erlaubte. Damals schrieb ich Programme am laufenden Band und "beglückte" mit ihnen meine Umwelt. Es war meine Computer Pionierzeit.
Doch schon zwei Jahre später, 1985, kaufte ich mir den neuen Commodore C-128, den ich nach an- fänglicher Begeisterung, nur noch im C64 Modus benutzte.
Commodore Amiga 1000: Nach einem Jahr habe ich den C-128 verkauft und mir eine Amiga angeschafft. Grafik, Multitasking, Geschwindigkeit, Kickstart (Amiga Operating System auf Diskette), Workbench (GUI = Grafische Benutzeroberfläche, wie später Windows), Maus, Design... all das war einfach unbeschreiblich grossartig! Die Amiga verdankte ihre Leistung erstens der Motorola MC68000, einer 32 bit CPU und zweitens den drei so genannten "Custom Chips" mit den Namen Agnus (zuständig für das gesamte System-Timing und schnelle Grafikbewegungen), Denise (zuständig für die Grafikausgabe) und Paula (zuständig für Sound und Interruptkontrolle).
Meine Helden hiessen damals Jay Miner (Vater der Amiga und des Agnus Chips), Dave Needle (Agnus, Systemboard, Architektur), David Dean (Denise), Glenn Keller (Paula), Carl Sassenrath (Software: Kernel und Exec, der Vater von "Guru Meditation"), Robert J. Mical (Software: GUI genannt Intuition), Bob "Kodiak" Burns und Neil Katin (Software: Devices), Dale Luck (Grafik), Sam Dicker (Sound) und Joe Pillow (mystische Figur), die sich alle auf der Innenseite des Gehäusedeckels verewigt haben. Und Joe Pillow? Irgendwann wurde ein früher Amiga-Prototyp irgendwo gezeigt, und die Amiga Leute wollten ihn in der Flugzeugkabine mitnehmen und so haben sie dafür einen Sitz gekauft. Die Fluggesellschaft bestand auf einem Namen für den "Passagier", und so wurde Joe Pillow geboren.
Die Programme, die auf Amiga liefen, waren vor allem Spiele: Ports of Call, Defender of the Crown, F/A 18 Interceptor, Jimmy Connors Pro Tennis Tour, Marble Madness. Aber auch einer der besten Grafikprogramme Deluxe Paint II, Textverarbeitung Scribble!, Desktop-Publishing PageSetter, Datenbank SuperBase etc. Es waren schöne zwei Jahre, aber die Zeit für MS-DOS und PC wurde langsam reif.
Im Sommer 1988 began auch für mich ein MS-DOS Leben. Und zwar mit einem Mandax 386 PC mit 25 MHz. Plötlich war man Herr über ein CPU mit 275000 Transistoren, eine 40 MegaByte Harddisk, 5.25" Floppy mit 1.2 MB, später 3.5" Diskette mit 1.44 MB. Eine 256 KB Grafikkarte mit Auflösung 800 x 600 Pixeln in 16 Farben und 640 x 400 Pixeln in 256 Farben! Heute wäre die Harddisk gerade für 8 Fotos gut. Das Betriebssystem war ein MS-DOS 3.3 und die Programmiersoftware Borland Turbo C 2.0. Und meine damaligen Helden? Mark Zbikowski, dessen Initialen am Anfang des Headers jeder EXE-Datei stehen.
Der Kampf mit Segment- und Offsetregistern fing an. Zuerst auf der untersten Ebene mit Borland Turbo Assembler (TASM). Zum Beispiel: konnte das STOSCRE-Programm von MS-DOS mittels <PrtScr> Taste den momentan angezeigten Bildschirminhalt (Text oder Grafik) abspeichern; Text als ASCII und Grafik als ColoRIX-Bild. Was man unter MS-DOS mit dem Umleiten der Interruptvektoren alles anstellen konnte!
Mit QuickBASIC4.5 konnte man schnell und "dirty" programmieren. Ich schrieb damals kleine Programme mit denen man Commodore 64- und Amiga Dateinen (Texte und Bilder) in die Formate von IBM kompatiblen PC's umwandeln konnte. So habe ich viele liebgewonnene Daten auch jetzt nutzen können. Die häufigsten Bildformate waren damals das von Amiga (resp. von Electronics Arts) bekannte LBM, GIF von CompuServe, Microsoft's BMP und ab 1993 das JPG. Das ColoRIX Format gehörte nicht mehr dazu. Die Computerfreaks spalteten sich in zwei Lager, die einen schwörten auf Pascal, die anderen (so auch ich) auf Turbo C, damals in der Version 2.0. Die rotierende Erde von meiner HomePage ist ein Beispiel dafür, was mit C gemacht werden konnte.
Meinen zweiten PC habe ich mir 1995 aus Teilen, die ich bei der Firma PC-Hai gekauft habe, schon selbst zusammengebaut: Triton Motherboard mit 256kB Cache, Intel Pentium CPU 100MHz (diese Zahl leuchtete stolz am Gehäuse), 3.2 Mil. Transistoren, 2 x 8 MByte Edo-RAM, 1.6 GByte Harddisk, 8 speed CD-ROM, SVGA-Grafikkarte S3 mit 1 Mbyte RAM (Auflösung 1024 x 768 Pixel in 256 Farben).
In dieser Zeit wurde die Vernetzung mit den BBS, oder dem CompuServe immer wichtiger. Meine ersten Versuche fallen noch in die Commodore 64 Ära. Mit dem Akustikkoppler dataphon S21-23d habe ich mich in ein paar BBS eingewählt und beobachtet wie mit 300 baud sich langsam der Bildschirm mit Belanglosigkeiten füllte. Und das wars auch schon. Nicht einmal zehn Jahre später (1994) spielte mit Windows für Workgroups 3.11 mit Winsock, dem US-Robotics Courier V34 Modem (später 56K Faxmodem) und Netscape Navigator eine andere Musik. Obwohl die Verbindung oft abstürzte, waren die nächtlichen Tauchfahrten durch die Tiefen des Internets faszinierend. AltaVista, infoseek, WebCrawler und Mozilla sei Dank!
Im Jahr 2002 habe ich ein Dragon-Gehäuse von Chieftec gekauft und es selber bestückt mit Intel Pentium 4 CPU mit 2.1GHz und 55 Mil. Transistoren, MSI Motherboard 845E mit 478 Sockel, 1GB DDR RAM 200MHz, ATI Radeon 8500 AGP Grafikkarte mit 64MB DDR SDRAM (Auflösung 1280x1024 Pixel in true color - 16.7 Mil. Farben), Creative Sound Blaster Audigy Soundkarte, Seagate 3.5" HardDisk mit 120GB. und 2 LiteOn 48x CD-Brenner. Das Betriebssystem war Windows 98 (Bild links).
Im Sommer 2011 füllte ich ein Corsair Graphite Gehäuse mit einem ASUS Sabertooth X58 Motherboard mit Sockel 1366, einem Intel i7 960 (Nehalem) 3.2GHz, 731 Mil. Transistoren, 8GB DDR3 RAM 1600MHz, ASUS GTX 550 Nvidia GeForce mit 1GB GDDR5 RAM, 2 OCZ Sata3 SSD von je 120GB und 2 LiteOn 48x DVD Brennern (Bild rechts).
Und wie sieht die Zukunft aus? Vielleicht wie auf Bild ganz rechts…