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Österreichs Nationaltrainer kommt aus der Schweiz. Roger Bader (53) ist ein Erfolgstrainer, aber im eigenen Land verkannt.
Eigentlich wollten die Österreicher in diesem Jahr die zweitklassige B-WM in Innsbruck organisieren. Aber Roger Bader ist im letzten Frühjahr sensationell aufgestiegen. Er sagt: «Ich habe mich bei den Organisatoren in Innsbruck entschuldigt ...» Die Entschuldigung ist gerne akzeptiert worden. Der Aufstieg ist ein Hockey-Wunder.
Roger Bader ist nach Rudolf Killias der zweite eidgenössische Hockey-Erfolgstrainer in Österreich. Der 2010 im Alter von 66 Jahren verstorbene Bündner war von 1981 bis 1986 Nationaltrainer mit Kultstatus, führte Österreich 1981 in die B-WM zurück und 1984 ans olympische Turnier.
Der Zürcher ist Ende der 1980er-Jahre sechs Jahre lang Assistent beim ZSC (1988 bis 1993). Die Chefs kommen und gehen, Roger Bader bleibt. Timo Lahtinen wird gefeuert, zehn Tage lang ist Roger Bader sogar ZSC-Cheftrainer, dann führt Neil Nicholson die Zürcher im Frühjahr 1989 in die NLA zurück.
Vom nächsten Chef lernt Roger Bader ab Herbst 1990 noch mehr. Der tschechoslowakische Nationaltrainer Pavel Wohl ist einer der Grossen des Welteishockeys. Aber zum Wohl des ZSC kann er zu wenig beitragen, wird in der zweiten Saison gefeuert und durch Arno Del Curto ersetzt – und der wird Roger Bader prägen. «Wir sassen oft mit dem Notizblock bei Spaghetti im Commercio und blieben, bis gegen 2.00 Uhr die neue «Tagi»-Ausgabe verteilt wurde.» Roger Bader – ein Schüler Arno Del Curtos.
Im Frühjahr 1992 sorgt das Duo aus der Zürcher Kultbeiz für die erste Playoff-Sensation unserer Geschichte. Der ZSC (7.) kippt Lugano (2.) aus den Playoffs. Es ist das Ende von John Slettvolls «Grande Lugano». Im Oktober 1993 werden Arno Del Curto und sein Assistent gefeuert.
Nun folgen nach einer Saison in Luzern die sieben fetten Jahre mit Uzwil mit Amateurtitel (1. Liga) und Aufstieg in die höchste Liga mit den Elite-Junioren (1994 bis 2001). Mathias Seger debutierte als 16-Jähriger unter Roger Bader in der 1. Liga.
2001 zügelt der Erfolgstrainer nach Kloten und wird während vier Jahren die rechte Hand von Wladimir Jursinow. Nun scheint er am Ziel. Die russische Trainerikone plant den Rückzug und empfiehlt Roger Bader als Nachfolger. Nach einem schwachen Saisonstart werden die Pläne Makulatur. Beide werden im Herbst 2004 entlassen und Felix Hollenstein übernimmt die Macht – und hat sie, in verschiedenen Funktionen, bis heute behalten.
Nach zwei Jahren als Assistent bei Gottérons Trainer Mike McParland folgen ab 2007 die sechs mageren Jahre mit Uzwil (2007 bis 2013) – mit einem kurzen Abstecher zu den Rapperswil-Jona Lakers. «Es war ein Fehler, nach Uzwil zurückzukehren. In den ersten sieben Jahren hatte ich den gleichen Präsident, den gleichen Sportchef und den gleichen Nachwuchschef. Nach meiner Rückkehr hatte ich während sechs Jahren vier Präsidenten, vier Sportchefs und vier Nachwuchschefs ...» Er wird im Februar 2013 gefeuert.
Was nun? Bevor der Maschinenbau-Ingenieur an eine Rückkehr ins zivile Berufsleben nachdenken kann, kommt unverhofft eine Offerte aus Österreich. Verbandsdirektor Alpo Suhonen sucht einen Ausbildungschef und einen Trainer für die Junioren-Nationalteams. Roger Bader nimmt die Herausforderung an und wird im Herbst 2016 schliesslich Nationaltrainer.
Letzte Saison war Roger Bader noch Nationaltrainer im Mandat mit Wohnsitz in der Schweiz und Hotel-Unterkunft in Wien. Diese Saison hat er einen Anstellungsvertrag mit Dienstwohnung in Wien.
Drei Österreicher mit Schweizer Lizenz stehen im provisorischen WM-Kader. Luganos Stefan Ulmer (26) gehört zu den besten vier Verteidigern. Klotens Patrick Obrist wird im vierten Block zum Zug kommen und Ambris Dominic Zwerger soll die Tore erzielen. Dazu kommt Fabio Hofer, der nächste Saison für Ambri stürmen wird.
Roger Bader sagt, Österreich (9493 registrierte Spieler) habe bei weitem nicht die Breite wie die Schweiz (26'898). «Aber es gibt einige sehr gute Einzelspieler.» Neben den drei «Schweizern» kommen nur noch drei Spieler nicht aus der heimischen Liga: Konstantin Komarek stürmt bei Karlskrona in der höchsten und Lukas Haudum bei Malmö in der zweithöchsten schwedischen Liga.
Star des Teams ist NHL-Dollarmillionär Michael Raffl (Philadelphia). Die heimische EBEL Liga (Erste Bank Eishockeyliga) umfasst 12 Teams. Sie sind in Österreich, Kroatien, Südtirol, Ungarn und Tschechien domiziliert. Also in Ländern, die zum Kaiserreich gehörten, das 1918 untergegangen ist. Die Meisterschaft hat Bozen aus dem italienischen Südtirol im Finale gegen Salzburg sensationell gewonnen.