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Dieses Forschungsergebnis mag überraschen: Auch bei Tieren kommen unterschiedliche Dialekte vor, zum Beispiel bei Murmeltieren. Das konnte eine Gymnasiastin aus Thun im Rahmen ihrer Maturaarbeit aufzeigen. Sarah Marmorosch ging der Frage nach, inwiefern sich die Warnrufe von Alpenmurmeltieren zwischen einer Population im Bündner Münstertal und einer Population im Berner Kiental unterscheiden.
Insgesamt wurden während der Feldarbeit über 80 Warnrufe aufgenommen, welche in die statistische Analyse miteinbezogen werden konnten. Bei der Auswertung konnte sowohl bei den Einzelpfiffen als auch bei Pfiffserien festgestellt werden, dass die Frequenz im Münstertal höher ist.
Schrei statt Pfiff – Wissenswertes über Murmeltiere
- Der Warnpfiff der Murmeltiere ist eigentlich ein Schrei – der Ton kommt aus dem Kehlkopf. Sobald Feinde wie Fuchs oder Steinadler auftauchen, warnen sich die Tiere gegenseitig.
- Murmeltierbauten haben eine Ausdehnung von bis zu 20 Metern und dringen bis in eine Tiefe von 3 Metern vor.
- Ende September ziehen sich die Murmeltiere in den gut ausgepolsterten Winterbau zurück. Während des Winterschlafs nehmen Murmeltiere weder Nahrung noch Flüssigkeit auf.
- Nebst dem Alpenmurmeltier leben weltweit 12 weitere Murmeltierarten, die bis auf eine Art grasreiche, baumlose Steppenlandschaften bevorzugen.
Während bei den Einzelpfiffen aber nur die Endfrequenz und die Frequenz bei höchster Intensität im Münstertal signifikant höher ist, konnte bei den Pfiffserien gezeigt werden, dass alle Frequenzangaben der Schreie im Münstertal deutlich höher sind.
Wie überraschend sind die Ergebnisse?
Zusätzlich konnte bei den Pfiffserien festgestellt werden, dass der erste Schrei jeder Pfiffserie im Münstertal eine längere Dauer aufweist. Kurz: Die Murmeltiere verständigen sich im Bernbiet anders als im Münstertal – für die junge Forscherin jedoch keine Überraschung.
«Murmeltiere sind sehr ortstreu», so Sarah Marmorosch. Deshalb passen sich die Tiere stark den lokalen Begebenheiten an. Im Berner Oberland beispielsweise leben die Tiere in einem Gebiet, in dem es weniger Hügel hat und dementsprechend weniger stark windet als im Bündner Münstertal. «Möglich also, dass sich die Bündner Murmeltiere mit ihren Rufen der windigeren und damit etwas lauteren Umgebung anpassen mussten.»
Gründe für die Unterschiede
Weiter könnten aber auch genetische Unterschiede oder soziale Anpassungen eine Rolle spielen. Die soziale Anpassung könnte daher rühren, dass sich bei einzelnen Individuen Fehler einschleichen können, welche durch soziales Lernen von den Artgenossen übernommen wurden.
Die Arbeit der Schülerin wurde von der Stiftung Schweizer Jugend forscht als «hervorragend» eingestuft. «Sarah Marmorosch greift eine Frage auf, welche in Fachkreisen gegenwärtig intensiv diskutiert wird», so das Lob der Stiftung.
Weitere Forschung?
Die Forscherin möchte nun Murmeltiere umsiedeln, um die genaueren Ursachen zu erforschen. Aber: «Diese Experimente mit wildlebenden Tieren durchzuführen, ist aus ethischen Gründen zweifelhaft.» Eine allfällige Möglichkeit sei der Austausch von Tieren, die bereits in Gefangenschaft lebten. Derzeit ist aber noch nichts Derartiges geplant.