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I Ging
Das Yì Jīng bzw. I Ging (chinesisch 易經 / 易经, „Das Buch der Wandlungen“ oder „Klassiker der Wandlungen“) ist eine alte Sammlung von Strichzeichnungen und kryptischen Texten. Es ist einer der ältesten klassischen chinesischen Texte.
Richard Wilhelm, ein Sinologe der das I Ging studierte und ins Deutsche übersetzte schreibt dazu: „Die im I Ging beschriebene Welt ist ein nach bestimmten Gesetzen ablaufendes Ganzes, dessen Formen aus der permanenten Wandlung der beiden polaren Urkräfte entstehen. Die Grundprinzipien sind das Schöpferische (Bild Nr. 1, = Himmel, Licht, Festes, yang, durchgezogene Linie) und das Empfangende (Bild Nr. 2, = Erde, Dunkel, Weiches, yin, die unterbrochene Linie).“ Hellmut Wilhelm, Richards Sohn schreibt: „Im I Ging ist „eine Zusammenordnung der Situationen des Lebens in all seinen Schichten, persönlichen sowohl wie kollektiven, und in all seiner Ausbreitung versucht.“
Wilhelm, Hellmut (1955): Sinn des I Ging. München.
Sowohl im alten als auch im modernen China dient das I Ging in wichtigen Lebenssituationen, in Krisen, bei Irritation oder in festgefahrenen, scheinbar ausweglosen Situationen als Ratgeber. Nicht im Sinne einer Wahrsagung oder dergleichen, jedoch als Mindopener, um den Blick wieder auf das Ganze zu richten, um so die verlorene Übersicht wieder zu erlangen.
Das I Ging wird auf Grund einer klar gestellten Frage erhalten und anschliessend erörtert, auf dass der Fragende das Wesentliche wieder erkennen kann.
Carl Gustav Jung, Begründer der Analytischen Psychologie und Wegbereiter der modernen Tiefenpsychologie, befasste sich ebenfalls mit den alten chinesischen Schriften. Er und Richard Wilhelm waren zeitlebens befreundet, beide schätzte das I Ging sehr. Jung sah darin eine Möglichkeit des Zugangs zum Unterbewusstseins. Jung verwendete den Begriff synchronistisches Prinzip öffentlich erstmals 1930 in seinem Nachruf auf den Freund (C.G. Jung, Gesammelte Werke, Band 15: Über das Phänomen des Geistes in Kunst und Wissenschaft, Auflage 2001, Walter Verlag):
„Die Wissenschaft des I Ging beruht nämlich nicht auf dem Kausalprinzip, sondern auf einem bisher nicht benannten – weil bei uns nicht vorkommenden – Prinzip, das ich versuchsweise als synchronistisches Prinzip bezeichnet habe.“
Carl Gustav Jung: Nachruf auf Richard Wilhelm