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Die Begeisterung für die Keramik der chinesischen Song-Zeit weckte in Edouard Chapallaz (1921–2016) Mitte der 1940er-Jahre den dringenden Wunsch, die Perfektion dieser Hochtemperaturglasuren in eigenen Arbeiten nachzuvollziehen.
Die diskusförmige Vase aus Steinzeug fügte der Schweizer Keramiker Edouard Chapallaz über einer gedrehten Standfläche aus zwei Platten zusammen. Hell leuchtet der scharfkantige Grat aus der kupferhaltigen tiefroten Glasur hervor, während die petrolfarbene Unterseite als verschattete Partie erscheint. «Meine Keramik soll die Menschen an den Himmel denken lassen, an Gestein, an Wasser oder eine Landschaft», betonte er. Der Impuls dazu ist der tiefen Farbwirkung und Sinnlichkeit chinesischer Keramik geschuldet, die Chapallaz infolge der Öffnung der Grenzen nach dem Zweiten Weltkrieg erstmals im Pariser Musée Cernuschi sah. Den Glasuren mit den sprechenden Namen «bleu de ciel après la pluie», «fourrures de lièvres» oder «sang de bœuf» näherte er sich in langjährigen aufwendigen Versuchen an. Erst in einem selbst entwickelten elektrischen Ofen gelang es ihm, solche Hochtemperaturglasuren in den gewünschten Tönen zu verwirklichen. Nach der Lehre zum Keramiker an der École suisse de céramique in Chavannes-prés-Renens fand Chapallaz zunächst in Thayngen in der industriellen Produktion der dortigen Tonwerke Arbeit. Ab 1945 betrieb er in Duillier bei Nyon ein Atelierhaus, verdiente sein Brot aber weiterhin in verschiedenen Tonwerken. Ende der 1950er-Jahre berief ihn die École des Arts Décoratifs in Genf als Lehrer für Technologie, und weitere zehn Jahre später gelang ihm mit seinen eindrücklichen Vasenobjekten der künstlerische Durchbruch. Aufträge für keramische Reliefs als Kunst am Bau im Bahnhof Lausanne oder in der Schweizer Schule in Mexiko City folgten. (Sabine Flaschberger)