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Den 17. September 2003 wird Gerhard Lehmann nie vergessen: An dem Tag stellte er seine Erfindung dem grössten US-Filmverleiher Warner Brothers vor. Lehmann blickt zurück: «Die kamen zu mir, mit hochkarätigen Managern, schauten sich das an, ich zeigte ihnen vielleicht so 80 Prozent der Erfindung, natürlich unter strengster Vertraulichkeit.»
Man habe vereinbart, Tests zu machen. Doch dazu kam es nicht mehr, denn: «Bereits 14 Tage später stellten wir fest, dass meine Erfindung bereits von Filmverleihern benutzt wurde.»
Lehmanns Erfindung ist zu der Zeit, anfangs der 2002er Jahre, Gold wert: Dank ihr können die US-Filmverleiher feststellen, wo und von wem Filme illegal kopiert werden. Das hilft im Kampf gegen die Filmpiraterie. Diese kostet die Filmverleiher 2003 jährlich 6 Milliarden Dollar.
Was folgt, ist ein Kampf, der 15 Jahre dauern soll. Lehmann interveniert, schreibt Briefe, sammelt Beweise. Doch er wird ignoriert, eingeschüchtert, später bedroht.
Mindestens 100 Millionen Verlust
Zwischen 2003 und 2013 wird seine Erfindung von fast allen US-Filmverleihern und deren Tochtergesellschaften in aller Welt eine Million Mal benutzt. Darunter WarnerBrothers, Technicolor, DeLuxe, Twentieth Century Fox, Paramount Pictures, Walt Disney und viele andere. Lehmann entgehen über die Jahre mindestens 100 Millionen Dollar Lizenzeinnahmen.
2010 reichen seine Anwälte in den USA die erste Patentklage ein. Später folgen Prozesse in Europa. Denn das Patentrecht ist national. Die Kosten sind horrend – mindestens 2 Millionen Euro.
Öffentlich über seinen Fall reden darf der gebürtige Deutsche erst jetzt, nachdem die letzten Vergleichsverhandlungen Ende 2018 in Europa zu Ende sind. Was den totalen Betrag angeht, den er nach Jahren illegaler Nutzung seiner Idee in mehreren Tranchen erhält, ist Lehmann an eine Stillhaltevereinbarung gebunden.
Patentstreitigkeiten kosten schnell mehrere Hunderttausend Franken.
Gestützt auf die entgangenen Lizenzeinnahmen kann man aber hochrechnen, dass Lehmann einen zweistelligen Millionenbetrag erhalten haben muss. Warner Brothers will sich auf Anfrage zum Fall nicht äussern.
Erfinder geben sich mächtigen Konzernen geschlagen
Lehmann sucht die Öffentlichkeit nicht wegen sich selbst, sondern weil er glaubt, kein Einzelfall zu sein. Doch die meisten Erfinder würden sich nicht wehren: Weil sie als kleine Erfinder gegen mächtige Konzerne kaum eine Chance hätten.
Das bestätigen Patentanwälte. Zum Beispiel Martin Wilming aus Wil: «Das Patentsystem ist sicher nicht für kleine Erfinder gemacht. Dafür ist es viel zu teuer. Patentstreitigkeiten kosten schnell mehrere Hunderttausend Franken.»
Lehmanns Kampf geht weiter
Dass sich Erfinder bei Patentverletzungen kaum wehren, darauf weisen auch die tiefen Fallzahlen des Bundespatentgerichtes in St. Gallen hin, dass es seit 2012 gibt: Gerade mal 29 Patentverletzungen wurden 2018 verhandelt.
Lehmann brauchte sich um all das nicht mehr zu scheren: Filmrollen sind passé – und seine Erfindung überflüssig geworden. Doch Lehmann will sich in Zukunft für einen besseren Schutz von kleinen Erfindern einsetzen – auch auf politischer Ebene.