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- Nach Erkrankungen und mehreren Todesfällen im letzten Jahr drohen wegen des Pestizid-Einsatzes in Indischen Baumwollfeldern auch dieses Jahr wieder Vergiftungen.
- Die Bauern verwenden auch ein Produkt des Basler Konzerns Syngenta.
- Jetzt fordern Nichtregierungs-Organisationen wie «Public Eye» ein Export-Verbot.
- Syngenta hält fest, dass ihr Produkt «nicht Auslöser für die Todesfälle und Erkrankungen der indischen Landarbeiter» vor einem Jahr war.
Jahr für Jahr setzen sich Indische Baumwollbauern bei ihrer Arbeit lebensbedrohlichen Gefahren aus. Sie versprühen Unmengen von Pestiziden in den Feldern – meist ohne dabei Schutzanzüge zu tragen. «10vor10» besuchte mehrere Familien in der Region Yavatmal, die das Pestizid Polo von Syngenta eingesetzt haben. Verschiedene berichteten von gereizten Augen, Schwindel und Teilverlusten der Sehkraft.
Hiraman Soyam ist heute gar arbeitsunfähig und kann kaum mehr sprechen. Seine Frau Archana beteuert: «Wir haben nicht gewusst, dass so etwas passieren kann. Bevor wir Polo einsetzten, hatten wir 15 Jahre lange keine Probleme.» Kein Bauer im Dorf habe gewusst, dass man beim Sprühen von Pestiziden Schutzkleidung tragen sollte, wie Archana bestätigt: «Wir haben hier nie Schutzkleidung getragen. Wir wussten überhaupt nichts über die Gefahren.»
In der Schweiz verboten
Polo darf in der Schweiz seit 2009 nicht mehr versprüht werden – «aus Gründen des Gesundheits- und Umweltschutzes», wie es in der entsprechenden Verordnung heisst. Den Hauptwirkstoff für Polo – Diafenthiuron – produzierte Syngenta bis ins Jahr 2016 in der Schweiz, am Walliser Standort Monthey.
Von hier aus exportierte Syngenta Diafenthiuron in alle Welt. Von der Produktionsanlage im Walliser Ort Monthey lieferte Syngenta im letzten Jahr 75'000 Kilo Diafenthiuron nach Indien. Nach den Vergiftungen war der Verkauf von Polo in Teilen des indischen Bundesstaates Maharashtra Ende des letzten Jahres für 60 Tage verboten worden.
Kritik von NGO
Der Verein «Public Eye» kritisiert Syngenta seit Jahren für den Verkauf von hierzulande verbotenen Pestiziden nach Indien und verfügt über Dokumente, welche die Schädigung von indischen Bauern durch Polo belegen. Gemäss Mediensprecher Oliver Classen hält sich Syngenta nicht an internationale Richtlinien zum Schutz der Bauern: «Wir plädieren stark und nachdrücklich für ein Ausfuhrverbot des Produkts. Auch aufgrund der Vorkommnisse in Indien.»
Der kritisierte Basler Konzern weist die Kritik zurück. Den Export von Polo begründet die Firma gegenüber «10vor10» so: «Es kommt häufig vor, dass ein Pflanzenschutzmittel in einem Land registriert ist und in einem anderen nicht – aufgrund unterschiedlicher regulatorischer Kriterien sowie klimatischer und agronomischer Bedingungen oder unterschiedlicher Bedürfnisse der Landwirte.»
Syngenta unterstütze die Landwirte im sicheren Umgang mit den Produkten. Weiter schreibt der Konzern: «Um solch tragischen Unfällen bestmöglich vorzubeugen, weisen wir stetig darauf hin, dass unsere Produkte nur unter strenger Einhaltung der auf jedem Etikett oder Beipackzettel angegebenen Vorgaben angewendet werden dürfen.»
Gegendarstellung
Syngenta hält in einer Gegendarstellung fest: Das Pflanzenschutzmittel Polo ist nicht aus Gründen des «Gesundheits- und Umweltschutzes» in der Schweiz verboten, sondern aktuell nicht mehr zur Registrierung angemeldet.