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Ich war von Kind auf immer in der freien Natur und bin es heute immer noch, und ich gestalte meine Bilder nach dem Sehen und Fühlen, bis zum Tode
Das sagte Nyfeler, als er 70 Jahre alt wurde.
Nyfeler wurde im Oberaargauischen Lünisberg - Ursenbach auf einem abgelegenen Bauernhof mit dem Namen "Spränghüsi", in der Nähe von Langenthal, am 25. September 1883 geboren. Er war das jüngste von 10 Kindern und wurde mit 10 Jahren Halbwaise. Von mütterlicher Seite wurde die Kunst des Schriftenzeichnens weitervererbt, Schon früh war Zeichnen einer seiner Lieblingsbeschäftigungen.
Bei seinem Bruder Fritz erlernte er seinen Beruf als Maler, gleichzeitig nahm er Zeichenstunde in der Handwerksschule Langenthal. Zu dieser Zeit befasste er sich mit der Kunst des Ferdinand Hodler, welchen er in den Jahren von 1917 bis 1925 als den "grössten Meister für Figur und Landschaft" angesehen hat. Er liess sich vorerst von Hodler beeinflussen, wich aber dann später davon ab und suchte seine eigene Wahrnehmung, seine eigene Art Kunst im Bild auszudrücken. Seine Lehre als Maler schloss er dann erfolgreich mit einer Lehrprüfung ab. Frau Adele Tatarinoff schrieb zu seinem 70.Geburtstag in einer Festschrift folgendes: "Als Albert 1902 die Lehrlingsprüfung in Langenthal ablegen sollte, wollten die Examinatoren seine vollkommene Imitation einer Eichenholzmaser nicht als selbstgemacht, sondern als Werk von Malermeister Fritz Nyfeler anerkennen. Sie glaubten ihm erst, als er vor ihren eigenen Augen eine noch schönere Maserierung hervorzauberte. Inspektor Huber vom Technikum Burgdorf schenkte ihm 20 Franken mit den besten Wünschen für seine Malerlaufbahn".
Er arbeitete dann auf diesem erlernten Beruf weiter und besuchte in Basel die städtischen Gewerbeschule. Gleichzeitig war er in Rheinisch Westfalen und an verschiedenen Orten im Jura Kirchenmaler. Aus demselben Grund war er 1906 neben Montreux, Monthey und Bürchen auch in Kippel tätig. Die Kirche wurde von ihm und einem Kollegen restauriert und mit Ornamenten verziert. Dabei verdiente er gerade mal Fr. 2.70 pro Tag. Durch das Malen von Theaterkulissen verdiente er sich noch etwas dazu. Auch verzierte er Wohnstuben, Truhen und alles was ihm gebracht wurde. Da ihn aber die Bergnatur dermassen unwiderstehlich einnahm, trennte er sich nicht sofort nach dem Auftrag vom Tal. Er mietete sich eine Stube am "kleinen Platz" in Kippel, welches für ihn neben dem Wohnen auch als Atelier diente.
Frau Farner-Seiler ermöglichte es ihm dann, in Langenthal in ihrem Haus auszustellen. Dabei konnte er seine Bilder, welche er im Lötschental gemalt hatte, verkaufen und kam mit 3000 Franken wieder ins Tal zurück. Im Lötschental entsprach dies einem damaligem mittleren Verkaufspreis von acht bis zehn Kühen. Dieser Erlös gab ihm dann die Möglichkeit nach München zu gehen, um dort ein Kunststudium zu absolvieren. Er besuchte die städtische Malschule und die königliche Akademie der freien Künste. Und gerade die Motive aus dem Lötschental schufen ihm die Grundlage, ein Leben als Künstler aufzubauen. So gewann er an einem Wettbewerb an dieser Akademie den ersten Preis mit einem fantastischen Bild vom Kippler Friedhof, welchem er den Titel "Die letzte Ruhestätte" gab. Nyfeler blieb 4 Jahre in München, wo Feuerstein, Hengeler und Göber sein Akademieprofessoren waren. Und er wäre noch länger geblieben, hätten ihn nicht die zunehmenden Anzeichen des bevorstehenden Krieges alarmiert. Nur kurz vor dessen Ausbruch kehrte er heim nach Langental zu seiner Familie.
Auch in seinem Grenzbesetzungsdienst war der Zeichenstift sein treuer Begleiter. Zeichnen und malen war ihm ein Lebensbedürfnis. Er pflegte zu sagen: "Rast ich, so rost ich"! Täglich zeichnete er in seine Skizzenbücher. Seine Mutter starb 1920 im Wissen, dass sie einen Sohn zurückliess, welcher sie über alles liebte und ihr durch seine Kunst viel Freude am Leben gab. Viele Bilder seiner Mutter tragen den Titel: "Mein geliebtes Mütterlein".
Nach einer kurzen Zeit in Langenthal, wo er von seiner geliebten Mutter abschied nahm, zog er wieder ins Lötschental. Doch auch ferne Ziele lockten ihn. So zum Beispiel 1920 Italien, welches nicht seine letzte weite Reise sein sollte. 1922 baute er in Kippel ein Haus nach seinen eigenen Ideen. Manch einer dachte er sie ein bisschen verrückt. Die von ihm selbst entworfenen Plänen schienen mehr malerisch als architektonisch zu sein. Doch er verwies gerne auf den Spruch an einem alten Lötschentaler Haus: "Ein jeder baut nach seinem Sinn, denn niemand kommt und zahlt für ihn". Er war Bauherr und Bauleiter zugleich, packte aber auch gerne selber mit an, oder verfolgte das ganze mit Skizzen und Notizbüchern, Bevor er das merkwürdige Haus fertig gebaut hatte, erweckte er Aufsehen bis weit über das Lötschental hinaus. Beim Aushub für das Fundament stiess man auf Funde aus dem 8./ 9 Jahrhundert v. Chr.
Es war nicht etwa so, dass Nyfeler keiner anderen Arbeit als dem Malen hätte nachgehen können. Wiederholt wurde er an Kunstschulen gerufen um als Lehrer zu arbeiten. Er zog jedoch das einfache Leben im Walliser Bergtal vor.
1925 heiratete er seine Frau Lydia Röthlisberger, welche auch aus der Gegend von Langenthal kam, Im Jahre 1929 kam dann ihre Tochter Rea - Nina (Rehli) zur Welt und machte Albert Nyfeler zu einem glücklichen und fürsorglichen Vater.
Albert sagte einmal: "Das Lötschental bietet mir alles was ich fühle, Wasser, Bäume, und Hütten, Tiere, Menschen, Berge mit den gleissenden Gletschern und dem blauen Himmel, wie nirgends farbenrein und dunkel....ich bin froh, dieses Tal gefunden und gewählt zu haben. Dies als Ausgangspunkt für weiteres Arbeiten, verbunden mit den Menschen, dem einfachen, schlichten Bergvolk. Ich könnte mir nicht vorstellen, dass ich heute für immer in einer Stadt leben und arbeiten würde. Immer würde es mich in die Berge ziehen". Für Nyfeler sind die Berge, welche er mühselig bestiegen hat, keine Mysterien, die es zu deuten bedarf, sondern Wirklichkeiten, die es zu erobern gilt, zu Fuss und auch mit Farbe und Pinsel
Er hat Weite in dieses scheinbar enge Tal gebracht und empfindet das Tal mit jedem Tag ein Stück mehr als seine Heimat. Seine weiteren Reisen, und die vielen Ausstellungen überall in der Schweiz und im nahen Ausland liessen ihn weltoffen bleiben. 1924 zog er auf einer Studienreise nach Frankreich um seine Kunst wieder aufzufrischen. Diese wurde dann für seine künstlerische Entwicklung entscheidend. "Entscheidend für Form und Atmosphäre. Ich beginne von Grund aus freier zu werden. mit der Farbe drücke ich das Licht aus, welches sich über die Landschaft, ja über alles ausbreitet." Er kehrte regelrecht "Lichtbesessen" von seiner Reise heim.
So wurde er dann verständlicherweise auch als der Freilichtmaler bekannt, auch deshalb, weil er seine Bilder grösstenteils vor der Natur fertig stellte. Selten wurden nur wenige Stellen im Atelier vollendet. Oft biwakierte er mit seinem Zelt Tagelang in den Bergen und brachte vor Ort Kälte, Wärme. Sonnenschein, und vieles mehr auf die Leinwand oder Papier. In seinem Atelier bemalte er die bekannten Lötschentaler Holzmasken, die "Tschäggätä". Damit wurde im Tal ein regelrechter Handel betrieben. Es war etwas Besonderes, eine durch Meisterhand geschnitzte Maske vom "Kunstmaler" vollenden zu lassen.
In der Malerei hat er die Kunst des Weglassens geübt und beschränkte sich immer mehr aufs Wesentliche. Seine Motive wurden ihm zum Inhalt. Dabei hatte er oft Mut an den Tag gelegt. Wahrscheinlich musste er so etwas wie naturalistischen Gewissensbisse zum Schweigen bringen. Er schaut und malt, und während er malt versuchte er gedankliche Belastung auszuschalten. Er war kein Experimentierer als solches, sondern ein Maler für's Volk, obwohl er sich mit der Gegenwartskunst auch auseinandersetzte. Er glaubte sie auch zu begreifen, konnte ihr aber dennoch nichts abringen, wie er immer wieder betonte. Er war kein öffentlicher Kritiker, seine Kritik galt sich selber und manchmal ging er mit sich arg ins Gericht. Er fand nicht alles gut was er malte. Es kam vor, dass er ein Bild nicht fertig malte, weil es ihm nicht besonders gefiel. Er fühlte sich vor allem der inneren Wahrheit seiner Bilder verpflichtet.
Eines aber ist zu sagen: Nyfeler wurde ein Meister. Er verstand es kindliche Gesichter zu malen, sowie auch alte, vergreiste und furchige Antlitze. Er verstand es, rauschendes Wasser und Glasvasen zu malen. Er war mit Farbe und Pinsel mutig bis frech, und dennoch sind unzählige, zarte Blumenbilder entstanden. Auch verstand er es wie fast keiner, mit nur wenigen Pinselstrichen Personen bei der Arbeit darzustellen. Verglichen wurde er diesbezüglich sogar mit Picasso.
Seine Sujets sind zwar überhaupt nicht auf das Lötschental beschränkt, und doch verschmilzt Nyfeler mit dem Tal zu einer innigen Gemeinschaft. Er hat der Nachwelt viel von altem Brauchtum und alte Handwerke erhalten, indem er zeichnete, malte und fotografierte. Er sammelte scheinbar unwichtige Gegenstände aus den Haushalten, ohne wahrscheinlich wirklich zu wissen, dass sie später Altertumswert haben und Zeugen von vergangenen Zeiten sind. Vielleicht hat er es mit seinen künstlerischen Augen gesehen, mindestens aber sah er Schönheit und Form, Farbe und Material. All diese Gegenstände wurden auch der Grundstock für das heutige Lötschentaler Museum in Kippel. . Weil zur damaligen Nachkriegszeit die Leute arm waren und beim "reichen" Maler gerne an die Stubentür klopften. Viele boten für ein kleines Darlehen eben all die Gegenstände an, andere kamen mit leeren Händen und legten Versprechen für eine Rückzahlung ab. Nyfeler wies niemanden ab, auch jene nicht, von denen er wusste oder annehmen musste, dass er das geliehene Geld nie mehr sehen würde. Albert bedrängte keinen, mit seinem guten Herz überliess er die Buchführung seinem Nächsten, dem lieben Gott.
Mit 70 Jahren erbaute er sich auf der Lauchernalp sein Bergheim, welches zu seinem zweiten Atelier wurde, in dem er oft tagelang malte, Dort juchzte er seine schönsten Töne in die Natur. So manch einer erzählt heute von seinen fröhlichen Gefühlsausbrüchen, Vier Jahre später, 1954 bricht er nochmals zu einer Reise auf, Diesmal nach Spanien und Mallorca. Wieder um viele Bilder reicher kehrte er zurück und malte noch freier, noch mutiger und es scheint dass er nie müde wurde. Zu jener Zeit hatte er auch überall in der Schweiz Ausstellungen, was dazu führte dass er in der ganzen Schweiz eine grosse Anhängerschaft und Anerkennung seiner Werke fand.
Auch nach seinem Schlaganfall im Jahre 1967 konnte er es nicht lassen zu zeichnen und zu malen. Noch im Krankenbett bittet er seine Frau nach Zeichenblock und Stift. Er wollte einfach wissen ob er noch zeichnen konnte, obwohl er linksseitig gelähmt bleib. Er verbrachte Zeit auf der Dachterrasse oder blieb in der Nähe des Hauses. So malte er seine letzten Bilder. Sogar als er kurz vor seinem Tod in Burgdorf im Spital lag, schmiedete er Pläne für seine Heimkehr in sein geliebtes Tal.
"Nur ein Leben, nur ein Schatten, nur ein Glas, das bald zerbricht." (ein altes Lötschentaler Volkslied).... Es hielt 86 Jahre lang und ist mit dem Tod Nyfelers zerbrochen, aber das Werk von Albert Nyfeler bleibt, bereitet Freude, strahlt Licht aus, gibt Zeugnis von einem grossen, kraftvollen, feinfühligen und fleissigen Meister. Es bleibt und wird weiter getragen, ein Andenken an einen liebenswerten, hilfsbereiten, warmherzigen Menschen Albert Nyfeler