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Titel
Genfersee
(Frankreich und
Schweiz, Kt. Genf,
Waadt
und Wallis).
Der
Genfersee ist der grösste
See von
Central-, West- und Südeuropa; an Fläche
wird er übertroffen vom Platten
see (der seiner geringen
Tiefe wegen als blosser
Weier anzusprechen ist),
an
Tiefe von den wichtigsten der oberitalienischen
Seen (Comer-, Langen- und Garda
see). An Volumen übertrifft aber der
Genfersee
alle
Seen Europas mit Ausnahme einiger solchen von Skandinavien und Finnland. Er ist ein sog. Fluss
see (Penck) und wird von
der
Rhone durchflossen. Sein grösster Zufluss ist die
Rhone des Wallis,
sein einziger Abfluss die
Rhone von Genf.
Der Name des
Sees hat im Laufe der Zeiten oft gewechselt: Lemena, Lemanus bei den griechischen und römischen Geographen,
Accion bei Festus Avienus, Lacus Losanete auf der Peutinger Tafel, Mare Rhodani. Zu Beginn des Mittelalters Lacus Lemanus,
bei Aegidius Tschudi 1538 Losner oder
Genfersee, 1570
Lac de
Genève. Im Französischen blieb dann: diese
letztere Bezeichnung bis zum 19. Jahrhundert die vorherrschende, hat aber später wieder allgemein dem Namen
Lac
Léman weichen
müssen. In Uebereinstimmung mit dem Grundsatz einer guten Nomenklatur, dass jedes genügend wichtige geographische Individuum
seinen eigenen Namen tragen soll und mit Hinsicht darauf, dass der Name unseres
Sees derart allgemein
bekannt ist, um über seine Natur keinen Zweifel aufkommen zu lassen, heisst er im Französischen jetzt nicht mehr
Lac
Léman,
sondern kurzweg Le
Léman. Die nichtfranzösischen Sprachgebiete bevorzugen immer noch die Benennung des
Sees nach seinem bedeutendsten
¶
Genfersee
GEOGRAPHISCHES LEXIKON DER SCHWEIZ
Lf. 62
Verlag von Gebr. Attinger Neuenburg.
^[Karte: 4° 10’ O; 46° 25’ N; 1:200000]
|Höhe des Wasserspiegels||372 m.|
|Flächeninhalt||582.4 km2.|
|Kubikinhalt||88920 mill. m3.|
|Grösste Breite||13.8 km.|
|Grösse Länge (in gebogener Linie)||72.3 km.|
|Grösste Tiefe||309.7 m|
|Mittlere Tiefe||152.7 m|
|Equidistanz der Tiefenkurven||50 m|
|Equidistanz der Höhenkurven||100 m|
|Pfahlbauten||o|
1:200000.
MCE. Borel & CIE NEUCHÂTEL
V. Attinger. sc
Nach der Karte 1:1000000 von Dr F. A. Forel.
GENFERSEE ¶
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Uferort:
Genfersee, Lake of Geneva, Lago di Ginevra. Es wäre zu wünschen, dass der kurze und prägnante Ausdruck Leman auch
in der deutschen Sprache allgemeine Verbreitung finden würde. Die geographische Mitte des Genfersees liegt in 46° 27' N.
Br. und 6° 32' O. L. von Greenwich. Der See erstreckt sich über 46' 50" geographischer Länge und 18'
36" geographischer Breite. Die Mittelhöhe des Wasserspiegels ist 371,9 m über dem Mittelwasserstand der europäischen Meere.
Der See bildet einen mit seiner konkaven Seite nach S. schauenden unregelmässigen Halbmond, dessen O.-Horn breiter und tiefer ist als das W.-Horn. Seine grosse Achse ist gleich einem Kreisbogen von 35,5 km Radius und 120° Oeffnung, dessen Kreismittelpunkt 5 km s. vom Roc d'Enfer in Savoyen liegt.
Man teilt den See in zwei durch die nicht sehr stark ausgesprochene Enge von Promenthoux geschiedene Abschnitte ein: den Grand Lac im O. und den Petit Lac im W. Ferner wird unter der Bezeichnung des Haut Lac die ö. der Linie Vevey-Meillerie liegende Fläche des Grand Lac und unter der der Grande Conche die zwischen dem vorgeschobenen Delta der Drance und der Spitze von Yvoire eingeschnittene Bucht verstanden.
An natürlichen Inseln weist der
Genfersee nur die Roches de Salagnon vor Burier bei Clarens, an künstlichen
Inseln den Ilot de Peilz bei Villeneuve, die Roche aux Mouettes bei Clarens und die Ile La Harpe vor Rolle auf. Die Gesamtfläche
dieser Inselchen beträgt nicht einmal ganz eine Hektare, so dass die Insulierung des Genfersees gleich Null ist. Die zahlreichen
vor der Spitze von Yvoire, vor der Mündung der Venoge und anderswo aufragenden Felsriffe sind erratische
Blöcke, die von den diluvialen Gletschern aus den Alpen hierher verfrachtet wurden.
In der Luftlinie gemessen ist der
Genfersee von Chillon am einen bis Genf
am andern Ende 63,4 km lang, während die bogenförmige
Längsachse 72,3 km misst. Die Uferentwicklung des Sees von der Einmündung der Rhone bis zu ihrem Ausfluss
beträgt am N.-Ufer 95 km, am S.-Ufer 72 km, im Ganzen 167 km. Seine grösste Breite, senkrecht zur Bogenachse gemessen,
erreicht er mit 13,8 km zwischen der Bucht von Morges und Amphion. Mittlere Breite (gleich dem Quotienten
aus der Fläche und der Länge der Bogenachse) 8,1 km.
Die Gesamtfläche des Genfersees beziffert sich auf 582,36 km2 (was gleich ist der Fläche eines kreisrunden Sees von 13,6 km Radius), sein Volumen auf 88920 Millionen m3 oder auf rund 89 km3 (was gleich ist dem Volumen einer Kugel von 2769 m Radius). Mittlere Tiefe (gleich dem Quotienten aus dem Volumen und der Fläche) 152,7 m; maximale Tiefe 309,7 m.
Die wichtigsten geographischen Werte für die zwei grossen Abschnitte des Genfersees und für ihn als Ganzes lassen sich wie folgt zusammenstellen:
|Grand Lac||Petit Lac|| |
Genfersee
|Fläche||km2||503||79||582|
|Mittlere Tiefe||m||172||41||153|
|Volumen||km3||86||3||89|
Von der allgemeinen Regel, dass die grossen Wasserflächen, Meere und Seen, international sind, indem die Staatengrenzen (wie
dies z. B. am Bodensee zutrifft) längs der Ufer verlaufen,
macht der
Genfersee eine Ausnahme. In dieser Hinsicht gelten
hier noch die Bestimmungen des Lausanner Vertrages vom der die allgemeine Grenzlinie in die
Seeachse verlegt
und die auf das
Seeufer stossenden Grenzen der einzelnen Staaten bis zu dieser hinaus geradlinig verlängert. Dementsprechend
ist die Gesamtfläche des Sees unter die einzelnen Uferstaaten wie folgt verteilt: Waadt
298 km2, Genf
38 km2,
Wallis
12 km2;
Schweiz 348 km2, Frankreich 234 km2.
Die hydrographische Karte des Genfersees ist im Zeitraum von 1812-1888 von den beiden Ingenieuren des eidgenössischen topographischen
Bureaus in Bern
Ph. Gosset und J. Hörnlimann, vom französischen Ingénieur des Ponts et Chaus
sées A. Delebecque in Thonon
und von Ingenieur Ed. Pictet-Mallet in Genf
aufgenommen worden. Veröffentlicht ist die Karte des Petit Lac (Carte du Lac de Genève)
in 1:12500 von Ed. Pictet-Mallet (Genève 1878), die des ganzen Sees in 1:25000 im Topographischen Atlas der Schweiz (Siegfriedatlas),
in 1:50000 in der vom eidgenöss. topographischen Bureau ausgegebenen Tiefenkarte des Genfersees und im
Atlas des lacs français von A. Delebecque, in 1:100000 in A. Delebecque's Werk Les lacs français (Paris 1898) und im
ersten Band der von F. A. Forel verfassten Monographie Le Léman (Lausanne 1892). Die auf diesen Karten dargestellten Reliefverhältnisse
des Sees beruhen auf 12000 Lotungen. Das unter
seeische Relief der Wanne des Genfersees lässt sich in zwei,
deutlich von einander getrennte, Abschnitte gliedern:
a. Der Grand Lac bildet ein von der Walliser Rhoneebene bis zur Enge von Promenthoux reichendes Thal, dessen Sohle rückläufig, d. h. der allgemeinen Laufrichtung der Rhone entgegen um 1,4% fällt. Der ganze Abschnitt dieses Thales östlich vom Querschnitt Morges-Amphion ist aufgefüllt vom untergetauchten Rhonedelta, das zunächst von O.-W. mit 10% Böschung ziemlich steil fällt, dann allmählig immer flacher wird und schliesslich mit der centralen Ebene des Sees verschmilzt.
Diese an Fläche 60 km2 messende centrale Ebene, die durch den beständigen Schlammabsatz aus dem von der Rhone und den andern Zuflüssen dem See zugeführten Wasser vollkommen horizontal gestaltet worden ist, liegt zwischen Morges, Amphion, Lugrin und Cully und hat eine Tiefe von 309,5 m. Gestört werden die sonst bemerkenswert regelmässig ausgebildeten Seitengehänge des unterseeischen Thales durch die unter Wasser getauchten Schuttkegel der Deltas einiger Zuflüsse.
Das grösste und hier einzig nennenswerte dieser Deltas ist das der Drance, das mit einer Breite von 5 km ansetzt und auf 2 km Länge sich in den See vorschiebt. Die Seitengehänge der Seewanne sind im östlichen Abschnitt des Grand Lac, wo die Wandungen aus verhältnismässig festem Kalk- u. Nagelfluhfels bestehen, stark geneigt: so beträgt die Böschung des Gehänges gegen die Mitte der O.-Hälfte 30-50 und mehr %, um unter den Mauern von Chillon und am Fenalet bei St. Gingolph sogar den Betrag von 100% zu erreichen. In der W.-Hälfte, wo Molasse, Mergel und Thone die Wandungen des Sees bilden, geht dagegen die Böschung der Seitengehänge bis zu Beträgen von 10-5% herunter.
Im untergetauchten Delta der Rhone ist noch des durch ¶
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die Lotungen von Ingenieur Hörnlimann entdeckten unterseeischen Rinnsales dieses Flusses zu gedenken. Es ist dies eine Furche, längs welcher das kalte, mit suspendiertem Material beladene und daher im Sommer milchig getrübte dichte Flusswasser in die grössten Tiefen des Sees abfliesst. Dabei lagert sich infolge des Rückstaues, der bei der Berührung des unterseeisch abfliessenden Wassers mit dem ruhenden Seewasser entsteht, zu beiden Seiten dieser Strömung ein Teil der mitgeführten Alluvionen ab, so dass zwei das Rinnsal rechts und links begleitende Dämme aufgeschüttet werden.
Diese in ihrem Verlaufe mehrfach gewundene Furche ist 500-800 m breit, und ihre Tiefe beträgt bis zu 50 m unter derjenigen der Oberkante der beiden Seitendämme; bei der Isobathe von 230 m ist sie noch 10 m tief, lässt sich in 255 m Tiefe unter dem Wasserspiegel noch erkennen und verschwindet erst in einer Entfernung von 9 km vor der Mündung der Rhone in den See. (Vergl. die Beschreibung der analogen unterseeischen Stromrinne bei der Mündung des Rhein in den Bodensee in diesem Lexikon, Band I, Seite 293).
b. Im Petit Lac ist die Gestaltung der Wanne eine weniger regelmässige, indem hier eine Reihe von sekundären Becken auftreten (Recken von Nyon mit 76 m, Becken von Tougues mit 70 m, Becken von Coppet mit 66 m, Becken von Chevran mit 71 m, Becken von Bellevue mit 50 m Tiefe), die durch wenig scharf ausgebildete unterseeische Barren von einander geschieden werden. Die den Grand Lac vom Petit Lac trennende Barre von Promenthoux liegt mit dem höchsten Punkt ihres Rückens 66 m unter dem Wasserspiegel. Die Tiefe des Petit Lac nimmt von der Barre von Promenthoux an beständig ab bis zur Sand- und Kiesbank von Le Travers in Genf, die das Seebecken von seinem Ausfluss, der Rhone von Genf, abschliesst. Seine maximale Tiefe erreicht der Petit Lac zwischen Nyon und Nernier mit 76,5 m.
Am Boden der Wanne des Sees setzen sich die Sinkstoffe ab, die durch die Brandung von den Seeufern weggewaschen und durch die Zuflüsse in den See verfrachtet werden. Auf dem Strand und der Uferbank bestehen diese Alluvionen aus Blöcken, Geröllen, Kies und Sand, an den Gehängen und auf der Sohle des Sees aus feinem, thonig-mergeligem Schlamm. Die mineralogische und petrographische Zusammensetzung dieser Absätze entspricht derjenigen der Seeufer und des Einzugsgebietes der Zuflüsse zum See; eine grosse Rolle spielt dabei das eiszeitliche Erratikum, das aus alpinen Gesteinen verschiedenster Art sich zusammensetzt.
Die an den Gehängen und auf der centralen Ebene abgesetzten feinen Alluvionen sind in den verschiedenen Abschnitten des Genfersees von verschiedener chemischer Zusammensetzung. Im Haut Lac und auf dem Delta der Rhone herrschen Silikate vor, während die in Salzsäure löslichen Substanzen nur 30% des Ganzen ausmachen; im westlichen Abschnitt des Grand Lac und im Petit Lac, in die die aus Voralpen und Jura herkommenden Zuflüsse münden, treten die in Salzsäure löslichen Kalk- und Magnesiumabsätze etc. in grösseren Massen auf, so dass sie dort 40%, hier 45-50% des Ganzen bilden können.
Die Analysen, die sich der Hauptsache nach auf die dem Dredschnetz allein zugänglichen obersten, rezenten Schichten des Bodenschlammes beziehen, weisen darin nur eine sehr schwache Vertretung von organischer Substanz nach: 3-5% im Maximum, meist aber noch viel weniger.
Der
Genfersee hat Süsswasser, das einen nur sehr geringen Gehalt an mineralischen Bestandteilen aufweist und dessen Zusammensetzung
in allen Abteilungen des Sees und zu allen Jahreszeiten keine merklich verschiedene ist. Die chemische
Analyse ergibt auf 1 kg Wasser des Genfersees an mineralischer Substanz folgende Zahlen:
|Milligramm|
|Schweflige Säure||H2SO3||36.9|
|Chlor||Cl||1.2|
|Kalk||CaO||62.5|
|Magnesia||MgO||9.7|
|Kaliumoxyd||K2O||2.0|
|Natriumoxyd||Na2O||5.6|
|Kieselsäureanhydrid||SiO2||3.6|
Aus diesen Zahlen lässt sich der wahrscheinliche Gehalt an gelösten Salzen in einem kg Wasser des Genfersees wie folgt feststellen:
|Milligramm|
|Kieselerde||SiO2||3.6|
|Kochsalz||NaCl||2.0|
|Glaubersalz||Na2SO4||10.4|
|Schwefelsaures Kalium||K2SO4||3.7|
|Schwefelsaurer Kalk||CaSO4||49.8|
|Kohlensaurer Kalk||CaCO3||74.9|
|Kohlensaure Magnesia||MgCO2||20.4|
|Verschiedenes, organische Substanz||10.2|
|Total an gelöster Substanz||175.0|
Die Gesamtmenge der mittels Kaliumpermanganat bestimmbaren organischen Substanzen ist eine sehr geringe und beträgt etwa 10 mg auf 1 kg Wasser.
Ein Liter Oberflächenwasser enthält an absorbierten Gasen:
|cm3|
|Sauerstoff||7.8|
|Stickstoff||15.4|
|Kohlensäure||8.7|
Das Wasser der tiefen Schichten enthält nahezu die gleichen Mengen gelöster Gase wie das Oberflächenwasser. An der Oberfläche ist das Wasser ganz oder beinahe ganz mit Gasen gesättigt, während die unter grösserem Druck stehenden und daher weit mehr Gase zu absorbieren fähigen tiefern Wasserschichten niemals ganz durchlüftet sind und keine Gelegenheit haben, ein reicheres Quantum von atmosphärischen Gasen zu erhalten.
Die lokalen oder jahreszeitlichen Schwankungen im Gehalt an organischer Substanz oder an gelösten Gasen sind stärker als diejenigen im Gehalt an mineralischen Bestandteilen, obwohl auch sie nicht so beträchtlich werden, dass sie sich verdoppeln könnten.
In thermischer Beziehung gehört der
Genfersee dem Typus der subtemperierten tropischen Seen (Klassifikation Forel) an. In
der pelagischen Region des Grand Lac schwankt die Temperatur des Oberflächenwassers zwischen 4 ° und 24 °C.,
sie kann in der littoralen Region der Buchten und auch in der pelagischen Region des Petit Lac im Winter bis zu 0 ° sinken
und im Sommer in engen Einbuchtungen etwas über 24 ° steigen. Die Temperatur des Wassers in der Tiefenregion
schwankt zwischen 4,0 ° und 5,5 °C.
Die tägliche Wärmeschwankung des Seewassers, die an schönen Sommertagen an der Oberfläche gewöhnlich 2 ° ¶