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Donnerstag 03.09.2020
19.30 Uhr
Konzert ohne Pause
Dauer ca. 80 Min.
Tickets CHF 35
Studenten CHF 15
Nutzen Sie bitte den Vorverkauf
oder
T 041 660 91 18
Konzertkasse 19:00
Unter Freunden
Konzertprogramm
Carl Nielsen
Serenata in vano, Quintett
Anton Reicha
Klarinettenquintett B-Dur
Ludwig van Beethoven
Septett Es-Dur op. 20
Alice Weber . Viola
Katharina Jäckle . Violoncello
Michael von Schönermark . Fagott
Wir begrüssen für dieses Konzert neben unseren altbekannten erstKlassikern zwei Schweizer Festivalgäste:
Michael von Schönermark, Solofagottist des Tonhalle Orchester Zürich und Professor für Fagott an der Musikhochschule Luzern sowie Zora Slokar, Solohornistin des Orchestra della Svizzera Italiana in Lugano
Florian Abächerli kann leider nicht mitwirken, da er kurzfristig bei einer CD-Aufnahme spielen muss. Wir freuen uns aber sehr, mit Zora Slokar eine tolle Hornistin geniessen zu dürfen.
Der dänische Komponist Carl Nielsen schrieb seine Serenata in vano für seinen Freund, den Kontrabassisten Ludvig Hegner. Hegner plante im Sommer 1914 mit Musikerkollegen des Kopenhagener Theaterorchesters eine Konzerttournee mit Beethovens Septett und fragte Nielsen, ob er für dieselbe gemischte Besetzung nicht noch ein Stück komponieren könne. Nielsen willigte ein, für immerhin fünf der beteiligten Musiker ein Stück zu schreiben. Er komponierte die Serenata offenbar im Mai 1914, bereits am 3. Juni fand die Uraufführung statt.
Henrik Knudsen, Pianist und ein Freund Nielsen’s, berichtet in einem Brief: »Einmal, als ich ihn besuchte, lag dort ein gedrucktes Programm für eine Tournee in der Provinz. Darauf stand: Carl Nielsen – Serenade. Sie sollte in etwa einer Woche stattfinden. ›Was ist das?‹, sagte ich. ›Serenade, das kenne ich nicht.‹ ›Ich auch nicht‹, sagte er. Aber sie wurde innerhalb einer Woche komponiert und vollständig geprobt.
Nielsen selbst sagte über sein Werk: »Die ›Serenata in vano‹ ist eine humoristische Kleinigkeit. Zuerst spielen die Herren etwas ritterlich und auffällig, um die Schöne auf den Balkon zu locken, aber sie erscheint nicht. Dann spielen sie in einer leicht schmachtenden Anspannung (Poco adagio), aber auch das hat keine Wirkung. Sie haben vergebens (in vano) gespielt, aber bald kümmert es sie nicht mehr und sie schlurfen nach Hause zu den Klängen des kleinen Schlussmarsches, den sie zu ihrem eigenen Vergnügen spielen.«
1785 trat Anton Reicha im Bonner Hoforchester die Stelle als zweiter Flötist an. Dort lernte er Beethoven kennen, der im Orchester Bratsche spielte. Die beiden verband eine langanhaltende Freundschaft. Nach Auflösung des Orchesters widmete sich Reicha ganz der Komposition. Sein Klarinettenquintett in B-Dur veröffentlichte er 1820. Dass er Mozarts grosses A-Dur-Quintett während seiner Wiener Jahre kennengelernt hatte, hört man seinem ebenfalls viersätzigen Werk an.
Zu Beginn des ersten Satzes wird – ganz wie bei Mozart – ein Dreiklangsthema der Streicher von einem Sechzehntelmotiv der Klarinette beantwortet. Die melodische Führung wechselt stets zwischen Klarinette und erster Violine. Ausgesprochen konzertant ist der Schluss gehalten, mit virtuosen Klarinettenläufen bis in die hohe Lage, grossen Sprüngen und brillanten Trillern.
Das Andante kann das Vorbild zeitgenössischer Opernarien nicht verleugnen. Es handelt sich um ein sogenanntes »Rondo« in Es-Dur, eine pathetische Arienform, wie Reicha sie auch in seinen Bläserquintetten nachahmte.
Im Menuett spielt Reicha im Haydn-Stil mit absteigenden Tonleitern der Streicher, während das Trio sich als einfacher Klarinettenländler ausgibt. Der Wiener Tonfall ist hier ebenso unüberhörbar wie im Finale, das mit seinem Sechsachteltakt, dem einfachen Hauptthema und dem Seitenthema im Fandango-Rhythmus unmittelbar an Mozarts Finale des Divertimentos für Streichtrio, KV 563 erinnert.
Ludwig van Beethoven komponierte im Jahre 1799 mit dem Septett in Es-Dur op. 20 sein längstes sowie bedeutendstes Kammermusikwerk. Dieses widmete er der Kaiserin Maria Theresia, der Enkelin der berühmteren Kaiserin gleichen Namens. Maria Theresia verfügte in Wien über eine der reichsten Musiksammlungen der Kaiserstadt und hatte regelmässig die grössten Sänger und Instrumentalisten zu Gast. Es war also kein Zufall, dass Beethoven sein Werk ausgerechnet ihr widmete – als Entrée zum Kaiserhof.
Das sechssätzige Werk erfreute sich schon bald grösster Beliebtheit, wozu eine Fülle von Bearbeitungen beitrug, wobei nur die Fassung für Klaviertrio von Beethoven selbst war. Die hypertrophe Form des Septetts aus sechs langen Sätzen erinnert an die Tradition der Serenaden und Divertimenti des 18. Jahrhunderts. Auf das erste Allegro und das Adagio folgen gleich zwei Tanzsätze, die einen Variationensatz umschliessen. Auf den zweiten Tanzsatz folgt das Finale. Diese Form fand Beethoven bei Mozart im grossen Divertimento für Streichtrio in Es-Dur vor. Beethoven fügte den Ecksätzen langsame Einleitungen hinzu und erweiterte das Streichtrio um einen Kontrabass sowie um ein Bläsertrio aus Klarinette, Horn und Fagott. Dadurch begründete er die Geschichte der Wiener Kammermusik in quasi-sinfonischer Besetzung.
(Linda Schumacher)