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Val d’Anniviers besitzt einen gut erhaltenen Schatz seit 3500 Jahren, der vielleicht noch älter ist. Bei diesem Schatz handelt es sich um zwanzig Schalensteine oder Näpfchensteine, geheimnisvolle Steine ohne augenscheinliche Bedeutung, hinterlassen von den ersten Talbewohnern und wahrscheinlich ein Zeugnis aus dem späten Neolithikum und der frühen Bronzezeit.
Überreste von Felskunst, (lateinisch « rupes » : Fels) solche Steine findet man in vielen Alpentälern, nordischen Ländern, Nordafrika, Nahen Osten und sogar Indien.
Spuren von Stämmen, die sich in den Alpen ansiedelten
Die Alpenbesiedelung durch Völker ohne namentliche und schriftliche Nachweise ging langsam voran. Vor 10'000 Jahren, zu der Zeit wo das Wallis und seine Seitentäler unter dem Eis lagen, begaben sich Stämme aus den Steppen Zentralasiens runter ins Industal und über Afghanistan zu den Ausläufern des Himalaya, sie durchquerten den Balkan, um sich dann in Europa niederzulassen und wo sie schliesslich nach und nach bis zur Alpenkette vordrangen. Diese indo-europäischen Stämme haben ihre Spuren hinterlassen, eben diese rätselhaften Schalensteine, welche ihren Weg säumen.
Schalensteine sind Blöcke, die eingearbeitete napfförmige Vertiefungen aufweisen. Diese Findlinge wurden wegen ihrer natürlich polierten oder eiszeitlichen Oberfläche ausgewählt. Bestehend aus einem kleinen kreisförmigen oder ovalen Loch, eingearbeitet in den Stein mit einem Durchmesser von 1 bis 20 cm und einer Tiefe von 2 bis 5 cm, ist die Schale bei dieser Felskunst das am meisten anzutreffende Motiv. Solche Vertiefungen werden oftmals mit anderen, nicht erklärbaren Zeichen in Verbindung gebracht, welche im Val d’Anniviers bei einigen dieser geheimnisvollen Schalensteinen vorkommen.
Verschiedene Steinarten
Es gibt unterschiedliche Schalensteine, z.B. solche die ausschliesslich Schalen aufweisen wie dies ist beim Schalenstein des Ravires der Fall ist ; oder welche, wo die Schalen mit Rinnen verbunden sind ; weiter gibt es die mit Schalen und Fussabdrücken ; und gewisse Steine mit eingravierten ovalen Vertiefungen. Bei der Steinplatte « Séjà » in Cuimey, die in der Nähe der Kapelle zu besichtigen ist, handelt es sich um eine einzigartige Stele, welche im Val d’Anniviers entdeckt wurde, mit Schalen und Gravierungen eines Kreuzes, eines Betenden und einer Axt. Zehn andere Schalensteine sind leider verloren gegangen. Dank erfolgreichen Nachforschungen, die im 19. Jahrhundert durch Reber, Kraft, Spahni und den beiden Pfarrer Mariétan und Ersame Zufferey eingeleitet wurden, haben wir davon Kenntnis erhalten.
Steine, wo Menschen geopfert wurden ?
Im Volksmund werden diese Steine, mit Schalen oder Gravuren, auch Opfersteine genannt ; es wird gesagt, dass Menschen geopfert und ihr Blut in die Vertiefungen gegossen wurden. Solche Kulte der einheimischen Bergbevölkerung sind auch der Kirche nicht fremd. Unsere Talbewohner befassen sich viel mehr mit der Bekehrung zum Christentum als Stadtmenschen. Um Bergbewohner von heidnischen Glaubensansichten abzubringen und sie von der Absetzung bestimmter Anbetungsorten zu überzeugen, musste die Kirche extreme Massnahmen ergreifen.
Text : Jean-Louis Claude, Zinal