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Die Staatsbahn

Obwohl am 20. Februar 1898 die Verstaatlichung durch das schweizer Volk beschlossen wurde, dauert es weitere vier Jahre, bis die neuen Schweizerischen Bundesbahnen SBB unter der Obhut des Staates ihren Betrieb aufnehmen konnten. Die Aktien der bisherigen Bahnen mussten vom Staat aufgekauft werden und mancher Aktionär meinte, dass seine Aktien einen höheren Wert hätten, als angegeben wurde. Das verzögerte die Übernahmen der Aktien und somit der Gesellschaft.
Im Jahre 1902 war es dann soweit, der erste Zug der neuen Staatsbahn fuhr los und erreichte die Hauptstadt in Bern. Dazu benutzte man die neuste Lokomotive der ehemaligen JS, eigene Maschinen hatte die Staatsbahn noch nicht. Die Lokomotive war das Flaggschiff der neuen Staatsbahn und musste natürlich den ersten Zug führen. Man hatte nun die grössten Privatbahnen verstaatlicht. Im Betrieb bemerkte man davon anfänglich jedoch herzlich wenig, denn es mussten zuerst neue Strukturen geschaffen werden.
Noch war von der staatlich organisierten Staatsbahn nicht viel zu erkennen, denn das Personal und das Rollmaterial stammten noch von den alten Vorgängerbahnen.
Das einzige, was sich bisher gegenüber den Privatbahnen geändert hat, ist die neue oberste Direktion, die nun natürlich in der Hauptstadt des Landes und somit in Bern angesiedelt wurde.
So hatte der Verkehrsminister, der als oberster Eisenbahner galt, das Direktorium in der Nähe seines Amtssitzes.
Bei einer Staatsbahn werden die verantwortlichen Stellen der Direktion durch die Landesregierung eingesetzt. Das heisst, der oberste Eisenbahner einer Staatsbahn ist immer in der Landesregierung zu finden.
In der Schweiz ist das der Verkehrsminister. Somit wird eine Staatsbahn durch politische Entscheide geleitet. Die Aktiengesellschaften der Privatbahnen hatten bei einer Staatsbahn nichts mehr verloren.
Die Wirtschaft musste sich an den neuen Anbieter gewöhnen. Das tat sie jedoch überraschend schnell, weil die Sabotagen nun verschwunden waren und der Betrieb funktionierte. Sie müssen wissen, die Wirtschaft liebt funktionierende Transportwege und ist nicht so sehr an einen bestimmten Anbieter gebunden. Wichtig ist, dass die Ware ankommt und der Transport nichts kostet. Wobei der letzte Grund auch bei der Staatsbahn nicht auf Wunsch der Wirtschaft änderte.
Mit den Staatsbahnen kamen auch die grossen Streckennetze in die Schweiz. Das heisst, die Schweizerischen Bundesbahnen SBB CFF FFS hatten ein riesiges Streckennetz zu verwalten. Dieses war mittlerweile umfangreicher, wie das Projekt einer Staatsbahn, das ursprünglich von der jungen Eidgenossenschaft ausgearbeitet, aber nie verwirklicht, wurde. Ein grosser Teil der darin enthaltenen Strecken war jedoch mittlerweile gebaut worden.
Als Hinweis muss hier eingefügt werden, dass bei den SBB immer in Mehrzahl gesprochen wird. Im Gegensatz zu anderen Staatsbahnen, sind die SBB Bundesbahnen, was jedoch nur ein anderer Begriff ist, da in der Schweiz oft vom Bund gesprochen wird. Wichtig war aber, dass man sich wegen den fünf grossen Privatbahnen auf die Mehrzahl und somit auf Schweizerische Bundesbahnen SBB einigte.
Solch eine politische Verwaltung der Eisenbahn war aber nicht so schnell neu zu besetzen. Man musste zum Start mit den alten Direktionen arbeiten. Das heisst, die einzelnen Privatbahnen blieben als einen Teil der Staatsbahn weiterhin bestehen. Die bisherigen Generaldirektoren wurden zu Angestellten des Staates und waren nur noch Regionaldirektoren. Einige der bekannten Kontrahenten verliessen jedoch die Unternehmen oder starben wegen dem hohen Alter, das sie erreicht hatten.
Die SBB organisierten sich deshalb nach der Entstehung nicht gänzlich neu. Das heisst, die bisherigen Direktionen der grossen vier Bahnen blieben bestehen. Die fünfte grosse Bahngesellschaft war anfänglich noch nicht dabei und begann nun damit, sein Direktorium nach den Vorgaben aus Bern anzupassen. Jedoch verdiente man immer noch gutes Geld und musste den Fahrzeugpark erneuern. Die Rede ist von der Gotthardbahn.
Es wurde einfach eine neue Generaldirektion besetzt. So war gesichert, dass der Betrieb reibungslos weiter gehen konnte. Die Züge blieben mit dem bisherigen Personal besetzt und die Lohnstrukturen blieben vorerst bestehen. Neu wurde einfach alles von der neuen Generaldirektion in Bern geregelt. Die bisherigen Direktorien bekamen damit eine neue obere Stelle und wurden nur noch zu Verwaltungsbezirken, die aber auch neu benannt wurden.
Eingeführt wurden bei den Schweizerischen Bundesbahnen SBB Verwaltungsbezirke, die den Bereich der bisherigen Privatbahn abdeckten. Diese Verwaltungen nannte man Kreise. Die Direktionen der einzelnen Vorgängerbahnen wurden zu Kreisdirektionen. Der Begriff Kreis beschrieb dabei eine Region, die damit abgedeckt wurde. So bekam die Staatsbahn schnell ein funktionierendes Direktorium.
So ergaben sich für die Schweizerischen Bundesbahnen SBB zu Beginn insgesamt vier Kreisdirektionen. Diese wurden in Lausanne (Kreis 1), Basel (Kreis 2), Zürich (Kreis 3) und St. Gallen (Kreis 4) angesiedelt. Oft blieben die bisherigen Generaldirektionen mit den gleichen Personen besetzt. Diese arbeiteten nun einfach für die neue Staatsbahn. Verschwunden waren die Aktiengesellschaften und die damit verbundenen finanziellen Schwierigkeiten in den Direktorien.
Damit konnten die Schweizerischen Bundesbahnen den Betrieb aufnehmen und sich um die Erneuerung des Fahrzeugparks kümmern. Besonders dessen Vereinheitlichung musste vorangetrieben werden. Jedoch waren nun die Bundesbahnen operativ tätig und man konnte zum Beispiel auch Angleichungen bei den Löhnen vornehmen und die sozialen Punkte des Personals verbessern. Die Situationen bei den Bahnen begannen sich zu beruhigen und es verkehrten wieder direkte Züge zwischen Zürich und Bern.
Eine erste Erweiterung der Schweizerischen Bundesbahnen SBB erfolgte im Jahre 1909. Die Gotthardbahn verlor ihre Konzession und wurde ebenfalls unter das Dach der Staatsbahn gestellt. Das Direktorium der Gotthardbahn wurde in Luzern zur Kreisdirektion des neuen Kreis 5. Die Staatsbahn, die 1898 beschlossen wurde, hatte nun ihren damals geplanten Umfang erreicht. Daneben blieben jedoch noch weitere Privatbahnen, die nicht verstaatlicht wurden und die sich nun mit der neuen Staatsbahn arrangieren mussten.
Die Schweizerischen Bundesbahnen SBB CFF FFS wurden damit eines der grössten Unternehmen in der Schweiz. Die Verbundenheit mit dem Volk wurde von der Staatsbahn immer gefördert und so blieb sie ein beliebtes Transportmittel. An Schulen konnten SBB Mitarbeiter die Kinder auf die Eisenbahn vorbereiten. Die schweizer Bahnen gehörten dem Schweizer Volk und die Staatsbahn bewegte das Volk und das in vielen Belangen.
Die Staatsbahnen blieben jedoch nicht bei dieser Grösse. Die kleinen Privatbahnen hatten oft neben der grossen Staatsbahn einen schweren Stand. Viele konnten sich daher nicht halten und wurden letztlich in die Staatsbahn integriert um eine Stilllegung der Strecke zu vermeiden. Auch hier übernahm der Staat die Aktien, die anschliessend wertlos wurden. Die SBB wurde damit noch etwas grösser und damit mächtiger. Es waren aber keine Übernahmen, wie es sie früher gab.
Seethalbahn: Eine der 1902 nicht verstaatlichten Privatbahnen war die 1883 eröffnete Seethalbahn von Emmenbrücke nach Lenzburg und Wildegg. Sie war darunter zwar eine von vielen Privatbahnen. Trotzdem finde ich, dass sie hier erwähnt werden muss. Denn es war eine sehr spezielle Bahngesellschaft, die nie so richtig in die Schweiz passen sollte. Auch die Staatsbahn sollte daran nichts ändern.
Finanziert wurde die Seethalbahn hauptsächlich durch Engländer und so war sie auch unter dem Namen Lake Valley Railway bekannt geworden. Man baute die Strecke mit einem genügenden Aktienkapital als Strassenbahn. Die Gesellschaft hatte ihr Direktorium im Bereich der Strecke. Wobei man hier die englischen Wurzeln immer wieder bemerkte und es daher immer eine etwas eigene Bahngesellschaft war.
Das Seetal ist ein mit zwei Seen versehenes Tal zwischen Emmenbrücke und dem aargauischen Lenzburg. Die beiden Seen, die dem Tal den Namen gaben sind nur durch eine Landbrücke getrennt worden. Das Tal an und für sich ist aber sehr ländlich und damals kaum wirtschaftlich erschlossen. Die Bahnlinie wurde deshalb zu touristischen Zwecken erbaut und konnte sich wirtschaftlich nie so richtig entfalten, so dass man immer knappe Kassen hatte.
Die Seetalstrecke war jedoch alles andere als ein gelungener Wurf. Die Strecke hatte sehr viele Bahnübergänge und war zeitweise in der Strasse, die durch das Tal führte, trassiert worden. Zudem verfügte die Strecke über grosse Steigungen, die so teure Kunstbauten vermieden. An dieser Situation änderte sich viele Jahre wenig. Man benötigte das vorhandene Geld für Betriebsmittel wie Kohlen und Schmiermittel.
Mit der Elektrifizierung wollte man den Betrieb billiger gestalten. Man wählte aber mit 25 Hertz eine sehr spezielle Frequenz, so dass die Züge nicht nach Luzern weiter fahren konnten, da die elektrifizierten Linien der SBB mit einer anderen Frequenz arbeiteten. Das verhinderte nun, dass die Züge aus dem Seetal direkt nach Luzern fahren konnten. Wegen der Spitzkehre in Emmen behinderte die unterschiedliche Frequenz den Betrieb zwar, jedoch nicht so stark, wie man meinen könnte.
1922 kam dann auch diese Strecke in den Besitz von den Schweizerischen Bundesbahnen SBB. Die Kassen der Gesellschaft waren einfach leer. Die Seetalbahn wurde daher verstaatlicht und dem Kreis II in Basel zugeschlagen. Die Schweiz hatte wieder eine Privatbahn weniger und die schweizerischen Bundesbahnen SBB eine sanierungsbedürftige Strecke mehr. Die Lake Valley Railway Gesellschaft war nun ebenfalls Geschichte.
Erst einige Jahre später wurden dann die Verwaltungsbereiche auf drei Kreise reduziert. Um keine zu grosse Umbenennung zu erhalten, löste man die bisherigen Kreise 4 und 5 auf. Diese wurden den bisherigen Kreisen 2 und 3 zugeschlagen. Dabei verschwanden die Strukturen der VSB gänzlich und der neue Kreis III hatte sein Büro in Zürich. Der neue Kreis II bezog nun die ehemaligen Büros des Kreises 5, respektive der Gotthardbahn in Luzern.
Diese Entwicklung der Staatsbahnen geschah in anderen Ländern auch. Dabei kamen ebenfalls grosse Gesellschaften an den Tag, die in ihrem Land unangefochten an der Spitze lagen. Die DB in Deutschland wurde nahezu zum einzigen Verkehrsmittel im öffentlichen Dienst. Trotzdem mussten sich diese Staatsbahnen auch international orientieren. Die Abmachungen einzelner Staaten sollten abgelöst werden.
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