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Am Fuße des Kirchberges beim Dorfe Brittnau, im Bezirk Zofingen, mußte man im Jahre 1812 von Gemeinde wegen einen Nußbaum auf der Almende umhauen, der vor Alter den Einsturz drohte und die des Weges vorbei Gehenden gefährdete. Unter der Arbeit kam eine Schlange voll mindestens 10 Fuß Länge aus dem Baume hervor, und sogleich waren die Bauern mit allen Mordwerkzeugen hinter ihr her. Dennoch war man nicht im Stande, sie völlig zu töten, immer rührte sie sich und begann fort zu kriechen. Da erschien ein Greis und peitschte sie mit frisch geschnittenen Haselruten.
Dies half, mit dem Untergang der Sonne starb endlich das Tier. Nun aber befürchteten die Leute, es müßten auf diese Begebenheit Teuerungsjahre einfallen, und als diese dann mit dem Hungerjahre 1817 wirklich kamen, erinnerte alles sich wieder der erschlagenen Schlange.
(I. Rob. Widmer von Brittnau.)
Im gleichen Dorfe war ein Untervogt gewesen, ein habsüchtiger, harter Mann. Wenn er Pfändungen und Vergantungen vorzunehmen hatte, kam er nie an den Ort gegangen, sondern stets geritten in Mantel und Degen, um dadurch die Auffallskosten noch zu vergrößern. Als er einst von solchen Geschäften heimkehrte und das Gewicht des mitgebrachten Freikäses untersuchen wollte, hatte sich eine Schlange in die Wage verwickelt, und Niemand als ein gewisser Schlangenkari war im Stande, den häßlichen Wurm aus der Wage zu ziehen. Von dieser Stunde an hatte der Vogt keinen gesunden Tag mehr, er verfaulte bei lebendigem Leibe.
Quelle: E. L. Rochholz, Naturmythen. Neue Schweizer Sagen, Leipzig 1862.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch