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Die Normierung der Papierformate in der Schweiz
von Philipp Messner
sph-Kontakte Nr. 94 | Februar 2012
Der vorliegende Text möchte in groben Zügen die Einführung der heute als DIN-Formate bekannten Papiergrössen in der Schweiz skizzieren, die wichtigsten Protagonisten vorstellen und einen Blick auf die Vorgeschichte dieses grossen Normungsprojekts werfen.
Vorgeschichte
Um 1900 sind in der Schweiz diverse Papierformate im Gebrauch. Bei den Behörden wird als Aktenformat zumeist das sogenannte eidgenössische Folio- bzw. Kanzleiformat (22 × 35 cm) verwendet. Für Geschäftskorrespondenz kommt dagegen hauptsächlich Postquart (22 × 28 cm) zum Einsatz. Daneben existiert eine Vielzahl von «Fantasieformaten». Der Bereich der Drucksachen ist gänzlich ungeordnet.
Hier Abhilfe zu schaffen und eine systematische Formatordnung zu etablieren, das ist es, was der Ostschweizer Karl W. Bührer als seine Lebensaufgabe ansieht. Eine Vereinheitlichung der Papierformate soll zu einer systematischen Wissensorganisation verhelfen. Seine diesbezüglichen Ideen propagiert Bührer im Zusammenhang mit der von ihm initiierten Internationalen Mono-Gesellschaft, ein Vertrieb für künstlerisch gestaltete Werbekarten zum Sammeln. Bührer, der seine Mitmenschen immer wieder von seinen ausgreifenden Ideen begeistern kann, besitzt, wenn es um die Verwirklichung dieser Ideen geht, offenbar weniger Geschick. Die Mono-Gesellschaft wird im Februar 1911, fünf Jahre nach ihrer Gründung, aufgelöst. Dieser Rückschlag ändert wenig an Bührers idée fixe. Seine Überzeugung wird vielmehr bestätigt als kurz darauf der populäre Chemie-Nobelpreisträger und Organisationstheoretiker Wilhelm Ostwald im Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel mit der Forderung nach einer Vereinheitlichung der Papierformate als der materiellen Grundlagen des wissenschaftlichen Informationsaustausches an die deutschsprachige Öffentlichkeit tritt.
Während Bührer die bisherige Formatvielfalt durch ein einziges Normalformat ersetzen wollte, formuliert Ostwald in diesem Text erstmals die Idee einer systematischen Normal-Reihe. Bei einer solchen müssten laut Ostwald die einzelnen Formate «durch einfaches Falzen, d.h. durch Halbieren der Oberfläche aufeinander reduziert oder auseinander hergestellt werden können». Eine zweite allgemeine Forderung besteht darin, dass die so entstehenden verschiedenen Formate untereinander geometrisch ähnlich sind, dass also das Verhältnis von Seite zu Höhe bei all diesen Formaten durch die gleiche Zahl ausgedrückt werden kann. «Diese Forderung lässt sich nur auf eine einzige Weise befriedigen, indem nämlich die beiden Seiten der Formate sich verhalten wie die Seite eines Quadrats zur Diagonale oder, mathematisch ausgedrückt, wie 1:√2.» Auf diesen Grundlagen entwirft Ostwald im Folgenden eine Reihe von Formaten, die für ihn als Weltformate einen Anspruch auf universale Gültigkeit beanspruchen können.
Angespornt durch die Aussicht, im Kreis der Wissenschaft wirken zu können, skizziert Bührer, der sich zu diesem Zeitpunkt gerade in München aufhält, gemeinsam mit einem ebenfalls dort tätigen Schweizer Journalisten, Adolf Saager, die Idee eines unabhängigen Instituts, das sich der Organisation der «geistigen Arbeit» widmen soll. Unter dem Namen Die Brücke wird dieses Institut von den beiden umgehend gegründet. Saager formuliert die Überlegungen Bührers zu einer Programmschrift, deren erklärter Hauptzweck darin besteht, den einflussreichen Wissenschaftler Ostwald für die Organisation zu gewinnen. Das gewagte Unternehmen zeitigt Erfolg und Ostwald erklärt sich einverstanden. Bührer adaptiert Ostwalds Weltformate und entfacht mit der Unterstützung von dessen Renommée und des von ihm für das Unternehmen gestifteten Geldes eine rege Propagandatätigkeit.
Im weiter gefassten Kontext, der von der Brücke angestrebten umfassenden Organisation der materiellen Grundlagen jeglicher Wissenschaft, beschäftigt Bührer weiterhin in erster Linie die Frage der Papierformate. 1911 tritt er in dieser Sache in Kontakt mit Emil J. Locher, dem Generaldirektor der Schweizerischen Landesausstellung, die 1914 in Bern stattfinden soll. Auch dabei ist Bührer erfolgreich: Der Artikel 91 des 1912 publizierten Reglement für die Aussteller besagt, dass die innerhalb der Landesausstellung zur Verteilung gelangenden oder mit ihr in Zusammenhang stehenden Druckschriften als «einheitliches Ganzes» zu verstehen sind und diese Einheitlichkeit durch die systematische Verwendung von Formaten der Weltformat-Reihe zum Ausdruck kommen soll. In der Folge entsprechen alle offiziellen Drucksachen der Ausstellung der Brücke-Norm. Auch das vom Preisgericht ausgewählte Plakat von Emil Cardinaux wird 1913 im Weltformat XIII (64 × 90,5 cm) und XIV (90,5 × 128 cm) angeschlagen. Nach diesem Start beginnt sich das Weltformat im Plakat durchzusetzen, dies allerdings allein für die Inlandwerbung. Die den Markt beherrschende Allgemeine Plakatgesellschaft (APG) stellt ab 1914 in der Schweiz nur mehr Weltformat-konforme Litfasssäulen und Plakatgerüste auf. Das grösstenteils fürs Ausland bestimmte Tourismusplakat pendelt sich derweil auf das Englisch- oder Royal-Format (64 × 102 cm) ein. Das von Ostwald als Briefformat vorgeschlagene Weltformat X (22,6 × 32 cm) findet ausserhalb der Brücke-Kreise keine Verwendung, da es nicht mit den Mappen und Aktenordnern für die gebräuchlichen Folio- und Quartformate kompatibel ist.
Wie zuvor die Mono-Gesellschaft scheitert auch das gross angelegte internationale Institut zur Organisierung der geistigen Arbeit bereits nach kurzer Zeit. Bührer beginnt sich als Geschäftsführer zu verzetteln; er verliert sich in kleinsten Details und stürzt sich gleichzeitig ständig in neue Projekte. Die Geldgeber des Instituts reagieren bald mit dem Zurückziehen von Stiftungsgeldern und -zusagen. Nach knapp drei Jahren ist die Brücke am Ende. Im Juni 1914 versiegelt ein Gerichtsvollzieher das Münchner Büro der Organisation.
Die DIN- bzw. VSM-Formate
Der Erste Weltkrieg bringt sämtliche auf internationale Kooperation abzielenden Projekte in Europa zum Erliegen. Es ist aber dennoch der Krieg, der den Bestrebungen nach Vereinheitlichung der Papierformate den entscheidenden Impuls gibt. In Deutschland wird die Produktion von Rüstungsgütern aus strategischen Gründen dezentralisiert. Dies verlangt nach einer übergreifenden Normung der produzierten Teile und auch der Formate technischer Zeichnungen. Hier liegen die Ursprünge des in Normungsfragen wegweisenden Normenausschuss der Deutschen Industrie (NDI), dem späteren Deutschen Institut für Normung (DIN).
In der Schweiz ist es vor allem die im Verein Schweizerischer Maschinen-Industrieller (VSM) organisierte Maschinenindustrie, die den Anschluss an diese Entwicklungen sucht und zu diesem Zweck im Sommer 1918 das VSM-Normalienbüro ins Leben ruft. Gemeinsam mit einer repräsentativ aus Vertretern der verschiedenen Branchen der Maschinenindustrie zusammengesetzten Normalienkommission soll dieses Erarbeitung und Vertrieb überbetrieblicher Normen organisieren. Neben dem Vorsitzenden der Kommission, Curt Hoenig, ist es der zuvor als Ingenieur bei Brown Boveri in Baden tätige Leiter des Normalienbüros, Hermann Zollinger, der bald zur treibenden Kraft der Papierformatnormung in der Schweiz wird. In einem Vortrag über «Erreichtes und Erstrebtes in der Normalisierung», den Zollinger 1924 am Schweizerischen Städtetag in Davos hält, äussert er sich zu den Umständen der Gründung der Normalienkommis-sionen in Europa. Die in der Nachkriegszeit ungünstigen Verhältnisse für Produktion und Absatz hätten den Gedanken einer umfassenden Rationalisierung befördert. «Die Erkenntnis, dass nebst einer zielbewussten, rationellen Betriebsführung die Normalisierung mit ein wesentlicher Faktor sei, zur Behebung der wirtschaftlich ungesunden Verhältnisse in Industrie, Gewerbe und Staat, setzte sich überall durch.»
Die Ausrichtung der Schweizer Maschinenindustrie auf den internationalen Markt korrespondiert mit einer internationalen Ausrichtung der Arbeit des VSM-Normalienbüros. Bereits im Dezember 1919 reist Zollinger in seiner Funktion als Bürochef nach Berlin und nimmt an einer Reihe von Sitzungen des NDI teil. Dort ringt man zu dieser Zeit gerade heftig um die Festlegung des Formats der ausgegebenen Normalienblätter. Obwohl man mit der Norm DIN 5 bereits die technischen Zeichnungen auf der Grundlage von Ostwalds Weltformat-Reihe normiert hat, gibt es starke Vorbehalte gegen eine Einführung der Weltformat-Reihe als allgemeine Norm für Papierformate. Gleichzeit haben auch weiterhin die «Gewohnheitsformate» Folio und Quart eine starke Lobby. In dieser verfahrenen Situation stellt im November 1918 Walter Porstmann sein Konzept eines «metrischen Formatsystems» vor. Dieses baut wie die Weltformat-Reihe auf dem Seitenverhältnis 1:√2 auf. Der einzige Unterschied zu Ostwald, als dessen Privatsekretär Porstmann einst beschäftigt war, besteht darin, dass das System Porstmanns nicht über eine Seite, sondern über die Fläche an das metrische System angeschlossen ist. Während Ostwald von einem Zentimenter als der kürzeren Seite des kleinsten Formats der Reihe ausgeht, entspricht bei Porstmann die Fläche von A0, dem grössten Format der Reihe, einem Quadratmeter. Diese Modifikation bringt den Vorteil, dass das durch viermalige Teilung des Grundformats abgeleitete Briefformat A4 (21 × 29,7 cm) der Porstmann-Reihe schmaler als Quart und weniger hoch als Folio ist, und so – im Gegensatz zum entsprechenden Format der Weltformatreihe – ohne weiteres in die zu diesem Zeitpunkt gebräuchlichen Ordner und Aktenschränke passt. So legt am 6. Juni 1921 der NDI die Normformate für Zeichnungen gemäss der For-matreihe A des metrischen Flachformats fest.
Der VSM folgt dem deutschen Beispiel. Das sich aus der Porstmann-Reihe ergebende Format für Geschäftsbriefe A4 wird auf dem Normalienblatt
VSM 10310, welches die Zeichnungsformate festschreibt, als VSM-Briefformat bestimmt. Eine allgemeine Festlegung der Papierformate soll aber nicht im Alleingang erfolgen. Im Jahresbericht für das Jahr 1921 wird über den Stand der «Normalisierung» berichtet, dass die Zeichnungsformate festgelegt werden konnten, aber die gemeine Behandlung der Papierformatfrage mit der Papierindustrie und den Behörden noch im Gang sei.
Die Durchsetzung der neuen Einheitsformate, 1921–1941
Während sich solche Diskussion anfangs weitgehend auf den kleinen Kreis der VSM-Mitglieder beschränkt, bietet die Gründung der von Zollinger redigierten Zeitschrift Technik und Betrieb ab 1924 die Möglichkeit, die Arbeit des Normalienbüros einer breiteren Öffentlichkeit zu vermitteln. In der zweiten Ausgabe der Zeitschrift erscheint im Juni 1924 ein Bericht von Zollinger über die Geschichte und den aktuellen Stand der Papierformatnormung. Dabei wird vor allem die Vorreiterrolle der Schweizerischen Post- und Telegraphenverwaltung betont.
Tatsächlich beginnt die Post direkt nach Erscheinen der VSM-Zeichnungsnorm im August 1921 als erste eidgenössische Verwaltung mit der Vereinheitlichung der Formate ihrer zahlreichen Formulare, Drucksachen und Briefumschläge. Die Initiative geht dabei von Oberpostdirektor Reinhold Furrer aus. Furrer, der 1918 mit dem Auftrag, die Postverwaltung zu modernisieren und rationalisieren, an die Spitze der eidgenössischen Postverwaltung berufen worden war, bringt Fragen der Normung und insbesondere der Normung der Papierformate grosses Interesse entgegen. So steht er über die Frage nach einer übergreifenden Regelung der Formate von Briefumschlägen im Spätsommer 1921 nicht nur mit dem VSM, sondern auch mit dem deutschen Normenausschuss für das graphische Gewerbe in Kontakt. Zollinger und Hoenig erkennen in Furrer bald einen wichtigen Verbündeten. Am 1. August 1923 publiziert die Oberpostdirektion eine Sondernummer des Schweizerischen Post- und Telegraphen-Amtsblattes zum Thema «Normung der Papierformate». Die Sondernummer ist eine einzige Hymne auf die Normung der Papierformate, die an der Spitze einer umfassenden Rationalisierung stehe.
Die Bestrebungen des Normalienbüros werden allerdings nicht überall derart euphorisch aufgenommen. Am 2. Juli 1924 erscheint in der Neuen Zürcher Zeitung ein längerer Artikel, der sich kritisch mit den neuen Papierformaten befasst. Der Autor des Artikels konstatiert, dass sich das Drucksachen verbrauchende Publikum und die Geschäftswelt den VSM-Formaten gegenüber äusserst zurückhaltend verhalte, wisse man doch um das Schicksal ähnlicher früherer Bestrebungen, namentlich Mono- und Weltformate, die man heute nur noch dem Namen nach kenne. Der Artikel führt eine ganze Reihe von zu erwartenden Hindernissen auf, die eine Durchsetzung der neuen Formate verunmöglichen müssten. Als besonders störend wird vom Autor die «starre Anlehnung» an den geometrischen Grundsatz 1:√2 empfunden. Dadurch ergäben sich ungerade Formatverhältnisse in Millimetern, die den neuen Formaten den Weg in die Praxis zum vornherein versperrten. Auf den Seiten von Technik und Betrieb begegnet man solchen Einwänden mit Erfolgsmeldungen. Da sich «die Praxis» der Auffassung des Normalienbüros angeschlossen habe, sei eine Diskussion über die Zweckmässigkeit der VSM-Formate schlichtweg überflüssig.
Tatsächlich kann das Unterfangen im Jahr 1924 einige Erfolge verbuchen: Im August 1924 tagt in Stockholm der Jubiläumskongress des 50 Jahre zuvor in Bern gegründeten Weltpostvereins. Für die Format- und Formularfrage hat der Weltpostkongress eine besondere Subkommission eingesetzt, der Länder wie die USA, Argentinien, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und Italien angehören. Geleitet wird sie vom Schweizer Oberpostdirektor Furrer. Der Ausschuss beantragt dem Kongress einstimmig, die Masse aller internationalen Postformulare zu vereinheitlichen und hierfür das Masssystem zu wählen, das in der Schweiz und in Deutschland ausgearbeitet wurde. Der Weltpostkongress stimmt dem Antrag zu, beschliesst die VSM- bzw. DIN-Formate für sämtliche Formulare und erweitert die Höchstabmessung der Postkarte so, dass die im Weltpostverein zusammengeschlossenen Länder auch Postkarten von der Grösse A6 für den internationalen Verkehr herausgeben dürfen.
Auf Antrag der Bundeskanzlei beschliesst der Bundesrat am 4. Juli, die neuen VSM-Formate in der gesamten Bundesverwaltung als Einheitsformate einzuführen. Gemäss diesem Beschluss haben in sämtlichen Verwaltungsabteilungen des Bundes nur noch die Formate der VSM-Reihe zur Verwendung zu gelangen, «sobald die bisherigen Papiervorräte und Formulare aufgebraucht sind». Diese Übergangszeit sollte schliesslich ganze 12 Jahre dauern. Ihr Ende markiert ein Kreisschreiben der Bundeskanzlei vom 12. Februar 1936, das konstatiert, dass nun der Augenblick gekommen sei, die letzten der bisher noch zugelassenen Ausnahmen bei der Anwendung des Bundesratsbeschlusses von 1924 zu beseitigen. Es wird darauf hingewiesen, dass die eidgenössische Baudirektion, welche die Lieferung von Büromobiliar zu besorgen hat, seit dem ersten Januar keine Möbelstücke mehr beschaffe, die für anormale Formate bestimmt seien und dass das eidgenössische Bundesarchiv künftig Dossiers, die in Aktenumschlägen von anderem Format, als dem auf die A4 abgestimmte Hüllformat C4, zurückweisen werde. Des weiteren soll auch all jenen nicht der Verwaltung angehörigen Stellen, denen der Bund Unterstützungsleistungen gewährt, bei der schriftlichen Kommunikation die Verwendung der Normalformate zur Pflicht gemacht werden.
Anfang 1941, nach 20 Jahren Normungsarbeit, ist man in der Schweiz soweit, dass etwas mehr als die Hälfte der Rohformate, die bei den Papierfabriken bestellt werden, für Fertigpapier in Normformaten bestimmt sind und dass etwa 80% des Geschäftsverkehrs sich des Normbriefbogens bedient. Den endgültigen Durchbruch verdankt die Papierformatnorm einem lenkenden staatlichen Eingriff: Als wegen des Krieges in der Schweiz Rohstoffe knapp werden, wird am 25. März 1941 das Kriegsindustrie- und Arbeitsamt (KIAA) dazu ermächtigt, Vorschriften über Erzeugung und Verarbeitung von Roh- und Hilfsstoffen sowie von Halb- und Fertigfabrikaten der Papier- und der papierverarbeitenden Industrie zu erlassen. Die Verfügung Nr. 2 vom 15. April 1941 betreffend Produktions- und Verbrauchslenkung in der Papierbranche hält fest, dass abgesehen von einer langen Liste von Ausnahmefällen «ganz allgemein» für Fertigpapiere nur die Normformate der A-Reihe zulässig sind. Mit dieser Bestimmung etabliert sich das VSM- bzw. DIN-Format in der
Schweiz endgültig als Normalformat. Als die kriegswirtschaftliche Verfügung 1947 wieder aufgehoben wird, werden die darin enthaltenen Normenbestimmungen trotzdem beibehalten.
Fazit
Die Geschichte der Papierformatnormung in der Schweiz lässt sich grob in zwei Phasen unterteilen. In der Vorkriegszeit sind es einzig eine Handvoll Idealisten und «Projektemacher» (Markus Krajewski), welche die Idee einer systematischen Vereinheitlichung der Papierformate verfolgen; hierbei ist als Pionier neben Wilhelm Ostwald auch der ansonsten weitgehend vergessene Karl W. Bührer zu erwähnen.
Nach dem Krieg etabliert sich das heutige Formatsystem im Zusammenhang mit den Bestrebungen zu einer umfassenden Normung, die der Logik von Ratio-nalisierung von Produktion und Distribution folgt. Dabei orientiert man sich hierzulande an Deutschland, das in Fragen der Normung nach dem Ersten Weltkrieg eine Führungsrolle in Europa einnimmt. In der Schweiz ist die Maschinenindustrie der erste Träger des Normungsgedankens. Dieser wird in Folge von reform-orientierten Führungspersonen im öffentlichen Dienst aufgenommen und von diesen in Teilen der Verwaltung durchgesetzt. Auf diese Weise bildet sich langsam die für eine allgemeine Durchsetzung der Norm nötige kritische Masse.
Was eine genauere Betrachtung verdienen würde, ist die auffallende Passivität der Papierindustrie, die in diesem sie doch ganz entscheidend betreffenden Prozess kaum als Akteur auftritt.