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Der CFA-Franc gilt in Afrika als Garant für Stabilität, aber auch als Symbol der Unterdrückung. Wieviel Einfluss soll die einstige Kolonialmacht Frankreich heute noch haben?
19. August 2017, Platz des Obelisken, Dakar, Senegal: Umringt von Anhängern, hält der 35-jährige Kémi Séba sein Feuerzeug an die Banknote, das Papier beginnt zu brennen und verglimmt. Das Flämmchen wirft einen grellen Schein auf Afrika und die Welt. Denn Kémi Séba ist ein Aktivist mit untrüglichem Sinn für Provokation, Dakar der Sitz der Zentralbank der westafrikanischen Staaten – und der Geldschein eine 5000-CFA-Franc-Note.
Der CFA-Franc ist die offizielle Währung des Senegal und 13 weiterer zentral- und westafrikanischer Staaten mit insgesamt 155 Millionen Einwohnern. Die Länder zählen zu den ehemaligen Kolonien Frankreichs in Afrika; die meisten davon waren Teil der früheren «Union Française», einer Staatengemeinschaft nach dem Vorbild des britischen Commonwealth. Der CFA-Franc trägt die koloniale Vergangenheit im Namen: Das Akronym bedeutete nämlich bis 1958 «Colonies Françaises d‘Afrique»; heute steht es für «Communauté Financière d‘Afrique». Die Währung gibt es in zwei Ausführungen: Neben dem zentralafrikanischen CFA-Franc BEAC («Banque Centrale des États d’Afrique Centrale» – Äquatorialguinea, Gabun, Kamerun, Republik Kongo, Tschad, Zentralafrikanische Republik) gibt es den westafrikanischen CFA-Franc BCEAO («Banque Centrale des Etats de l’Afrique de l’Ouest» – Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Guinea-Bissau, Mali, Niger, Togo, Senegal).
Der CFA-Franc zementiert den Einfluss Frankreichs auf die afrikanische Wirtschaft. Denn er ist an die französische Währung gebunden – früher an den Franc, heute an den Euro: Der fixe Wechselkurs von Euro zu CFA-Francs beträgt 1 zu 655,957; ein CFA-Franc hat den Wert von 0,1524 Cent. Die Medaille hat zwei Seiten: Für die afrikanischen Länder hat die Kopplung an den Euro den Vorzug der Stabilität, aber ebenso den Nachteil der Abhängigkeit. 50% der Devisenreserven sind dem Zugriff der CFA-Länder entzogen und müssen bei der «Agence France Trésor» hinterlegt werden als Ausgleich dafür, dass Frankreich die Konvertibilität garantiert.
Das verschafft Frankreich grosse wirtschaftspolitische Macht. Die Noten werden in Frankreich gedruckt, und 1994 beschloss die «Banque de France» gar eine Abwertung des CFA-Francs, ohne die betroffenen zentral- und westafrikanischen Staaten auch nur zu konsultieren. Afrikanische Ökonomen kritisieren, die von Paris kontrollierte Einheitswährung bremse die wirtschaftliche Entwicklung und begünstige die Kapitalflucht. Frankreichs restriktive Geldpolitik verhindere Investitionen in die wirtschaftliche Entwicklung, erschwere lokalen Unternehmern den Zugang zu Krediten und begünstige stattdessen französische und internationale Multis. Die Tage des CFA-Franc müssten daher gezählt sein.
Die brennende Banknote des in Strassburg gebürtigen Kémi Séba hat die alte Diskussion über die langen Schatten des Kolonialismus neu aufflammen lassen. Dennoch hat die Aktion Séba kaum Sympathien eingetragen: Mit seinem offenen Antisemitismus und seinen kruden Rassentheorien hatte er sich in der Vergangenheit zahlreiche Feinde gemacht. 5000 CFA-Francs zu verbrennen, mit umgerechnet 9 Franken nicht wenig Geld, erschien afrikanischen Kleinverdienern als blanker Hohn. Die westafrikanische Zentralbank erstattete Anzeige, die indessen für Séba ohne juristische Folgen blieb. Doch nur eine Woche nach dem Freispruch wurde der Aktivist aus dem Senegal ausgeschafft – Ironie der Geschichte: ausgerechnet in seine Heimat, die einstige Kolonialmacht Frankreich.