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Bei 270° C. erhält man Rotkohle, die Farbe wird dunkler bis zu 340°, von da an schwarz (Schwarzkohle);
bis 432° ist sie noch als Pulverkohle verwendbar. Der Gewinn an Kohle nimmt ab mit der Verkohlungstemperatur und sinkt bei
280-1500° von 36 auf 15 Proz. Diese Thatsache ist zur qualitativen Bezeichnung der Kohle benutzt worden; es ist hiernach 25proz.
Kohle solche, welche dem Gewicht nach 25 Proz. des zur Verkohlung verwendeten lufttrocknen (10 Proz.
Feuchtigkeit) Holzes beträgt. In Deutschland wird zu Gewehrpulver 27,5-, zu Geschützpulver 25proz.
Kohle verwendet. Da der Verkohlungsgrad auf die Offensivität des Schießpulvers ohne Einfluß ist, so wird in Spandau zur
genauern Temperaturmessung ein Pyrometer
[* 13] von Bronze
[* 14] verwendet. Der in Esquardes und Wetteren bei Gent
[* 15] im
Betrieb befindliche Apparat von Violett, in welchem die Verkohlung durch in den Verkohlungscylinder geleiteten überhitzten
Wasserdampf geschieht, liefert einen größern Ertrag an Rot-, nicht aber an Schwarzkohle als die Cylinderverkohlung.
Man bringt deshalb den gemengten Satz noch in ein Läuferwerk (Kollermühle), dessen mühlsteinartige
Läufer aus Hartgußeisen von etwa 5300 kg durch eine horizontale Achse verbunden sind, die von einer senkrechten Welle in wagerechter
Ebene gedreht wird, wobei die Läufer auf dem Boden einer flachen Schale aus Hartgußeisen rollen, auf welchem der mit 8 Proz.
Wasser angefeuchtete Pulversatz ausgebreitet ist. Ein Pflug
[* 22] von Bronze schiebt den auseinander gedrückten
Satz wieder vor die Läufer.
Die Bearbeitung dauert unter mehrmaligem Anfeuchten 1½-2½ Stunden. Die von den Läufern genommenen kleinern und größern
Kuchenstücke kommen in das Quetschwerk, das aus je zwei Paar übereinander liegenden, geregelten, sich gegeneinander drehenden
Bronzewalzen besteht. Zum Pressen des Pulvers dienen hydraulische Pressen oder Walzen, welche durch Hebelwerke
unter einem ganz bestimmten Druck aneinander gepreßt werden. In der hydraulischen Presse
[* 23] werden 40 auf den Preßtisch zwischen
Segeltuch u. Kupferplatten aufeinander gelegte, 20 mm dicke Pulverschichten mit einem Druck von 120-130 kg auf das QZentimeter
gepreßt.
Die Walzenpressen bestehen aus einem System von Trieb- und Druckwalzen, zwischen welche der Pulversatz durch
eine Umlaufbahn (Tuch ohne Ende) geführt wird. Der Hebeldruck beträgt in Spandau 30,000 kg. Die aus der Presse hervorgegangenen
Pulverkuchen kommen, gröblich zerstoßen, in die Körnmaschine, deren zur Zeit zwei Arten im Gebrauch sind. Die ältere, von
Lefebvre
[* 2]
(Fig. 1), besteht aus einem in kupfernen Stangen oder Tauen an der Zimmerdecke beweglich aufgehängten
Holzrahmen D, der an seinem Umfang 8-12 Siebe B trägt, deren jedes mehrere Böden von verschiedener, den zu gewinnenden Körnergrößen
entsprechender Maschenweite hat.
Der obere, aus starkem Messingblech mit großen Löchern, hat zwei Öffnungen mit einer bis nahe zum untern
Siebboden reichenden Schaufel, auf welcher durch die Zentrifugalkraft
[* 24] die zu großen Körner wieder nach oben gelangen, wo sie
durch eine mit ihnen rotierende Holzscheibe mit Bleieinguß weiter zerrieben werden. Auf das obere Sieb führt ein Aufschütttrichter
A mit Schlauch und von jedem Siebboden ein Schlauch C nach unten in Kasten. Die Welle mit Exzenter versetzt
den Rahmen mit 74 Umdrehungen in der Minute in rüttelnde Bewegung. Neuerdings ist zum Körnen der härter gepreßten Pulverkuchen
für grobkörniges Pulver, wozu die Lefebvresche Maschine
[* 25] nicht hinreicht, eine Walzenkörnmaschine eingeführt. Sie besteht
aus mehreren sich gegeneinander drehenden bronzenen Walzenpaaren, deren Man-
tel längs und quer gereifelt ist. Zwischen ihnen werden die Körner nach und nach immer kleiner gebrochen und fallen dann
auf Siebe mit Rüttelbewegung. Das gekörnte S. trocknet man bis zu einem gewissen Feuchtigkeitsgrad, poliert es dann zur
Vermehrung seiner Dauerhaftigkeit in einer hölzernen Trommel mit 3000-3600 Umdrehungen und trocknet es,
auf Rahmen ausgebreitet, mittels erwärmter Luft von 72° vollständig. Sodann wird es im Staubhaus durch eine Welle mit Staubflügeln,
an welchen man die etwa halb mit Pulver gefüllten Staubsäcke befestigt, ausgestaubt. Hierauf folgt das Sortieren nach Körnergrößen.
In Spandau verwendet man hierzu ein geneigtes Cylindersieb mit Achsendrehung, dessen Mantel am Füllende
mit dem engen, am andern mit dem weiten Siebe bekleidet ist. Die so gewonnenen Pulversorten werden dann in den einzelnen Tagesablieferungen
sowie eine Anzahl Tagesablieferungen unter sich vermengt, um ein möglichst gleichmäßiges Fabrikat zu erhalten.
Je feinkörniger und weniger dicht das S. ist, um so schneller brennt es ab, um so größer ist der momentan
erzeugte Gasdruck, welcher bei großen Ladungen eine solche Höhe erreichen kann, daß die Waffe gefährdet wird. Man hat daher
schon früh feineres Pulver für Gewehre und gröberes für Geschütze
[* 27] angewandt. Da nun in gezogenen Geschützen das Geschoß
[* 28] in seiner Bewegung einen gewissen Widerstand findet, so durfte man bei dem gewöhnlichen S. nur geringe
Ladungsverhältnisse anwenden und erzielte dem entsprechend geringe Geschoßgeschwindigkeiten.
Als dann die Artillerievor der Aufgabe stand, den Panzer zu besiegen, mußte man auf ein langsamer verbrennendes S. bedacht
sein, welches mehr drückend als stoßend wirkte und dem Geschoß, solange es noch im Geschütz weilte,
eine steigende Geschwindigkeit erteilte und somit auch eine Vergrößerung der Ladung gestattete, indem sich der Gasdruck nicht
auf den hintern Teil des Rohrs konzentrierte, sondern sich auf das ganze Rohr verteilte. Es war also ein weniger »offensives«
S. aus andern Bestandteilen oder das bisherige S. durch andre Anfertigung weniger offensiv herzustellen.
Man betrat den von den Amerikanern bereits eingeschlagenen Weg, welche bei Ausbruch des Sezessionskriegs den gemengten Pulversatz
für Ladungen zu Kartuschen
[* 29] und Patronen preßten, günstige Resultate aber erst erzielten, als sie diese Pulverkörper längs
und quer durchbohrten. Der amerikanische Kapitän Rodman wurde durch seine Untersuchungen zu der Vermutung
geführt, daß der Gasdruck grobkörnigen Pulvers in Geschützen geringer sei als der des feinkörnigen, woraus hervorgehen
würde, daß man mit ersterm bei gleichem Gasdruck eine größere Anfangsgeschwindigkeit der Geschosse erzielen könne, oder
daß bei gleicher Leistung ersteres das Rohr weniger anstrenge als letzteres. Die Richtigkeit dieser Ansicht
bewies Rodman 1860 durch seinen Gasdruckapparat, bei welchem ein Kolben D
[* 26]
(Fig. 2) ein Messer
[* 30] C gegen die durch die Schraube
A gehaltene Kupferplatte B preßt und in letzterer um so tiefere Kerben erzeugt, je stärker der Gasdruck im Rohr ist.
Mit den Fortschritten der Kalibergröße hat man auch eine entsprechende Vergrößerung des Pulverkorns eintreten lassen.
Die Gewehre von kleinem Kaliber (8 mm etc.) fordern ein S., welches wenig Rückstand hinterläßt, möglichst wenig Rauch gibt
und aus kleinstem Raum eine große Kraft
[* 32] entwickelt. Man benutzte ein grobkörniges, sehr festes Pulver
oder verdichtete die ganze Ladung über einen Dorn, mischte auch die Ladung aus verschieden schnell verbrennendem S. (Progressivladung).
Andre benutzten ein Pikratpulver (Bruyère) oder Mischungen von Schießbaumwolle, S., Salpeter etc.; doch scheint bis jetzt (1888)
die Frage noch nicht zu einem befriedigenden Abschluß gelangt zu sein.
Die Untersuchung des Schießpulvers bezieht sich auf 1) seine chemische Zusammensetzung, 2) seine Beschaffenheit und 3) seine
ballistische Wirkung. Bei der Anfertigung tritt eine, wenn auch unbedeutende, Veränderung des Mischungsverhältnisses durch
Ver-