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Die ersten Etiketten haben Buchdrucker vor mehr als 400 Jahren angefertigt. Dazu haben sie die Etiketten mit einer Buchdruckmaschine oder mit Bildern, die in Holz oder Metall eingraviert waren, auf handgeschöpftem Büttenpapier produziert. Die Druckkraft übte eine hölzerne Handpresse und ein einfacher Schraubenmechanismus aus. Doch es sollte noch 200 Jahre dauern, ehe sich an diesem Verfahren wirklich etwas änderte.
Anfang des 19. Jahrhunderts führte die industrielle Revolution wichtige Änderungen ein. Dazu zählten die erste (dampfbetriebene) Zylinderdruckmaschine, das Offsetdruckverfahren und die Papiermaschine zur durchgehenden Herstellung des Papiers. Ebenfalls in diese Zeit fiel die Entwicklung des gestrichenen Papiers, der Rasterdruckmaschine und des Farbdrucks. Hinzu kam eine ganze Reihe neuer Anwendungen, die die Anfänge dessen begründeten, was wir heute als Etikettenindustrie bezeichnen. Diese neuen Anwendungen des 19. Jahrhunderts betrafen die automatische Massenproduktion von standardisierten Glasflaschen und von Flaschenabfüllanlagen, die ersten Konservenfabriken, die schnelle Zunahme pharmazeutischer Produkte sowie Etiketten auf Schachteln, Gepäck, Zigarrenkisten und -banderolen sowie Streichholzschachteln. Und alle diese wurden jetzt auf Bogenoffset- oder Buchdruckmaschinen gedruckt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts folgten dann die ersten Schmalbahndruckmaschinen für gummierte und selbstklebende Bänder. Für die Schmalbahndrucker kamen die wichtigsten Innovationen von Stan Avery, der es erlaubte, selbstklebendes Material mit einer rückseitigen Trägerschicht zu versehen und auf der Druckmaschine in Form zu stanzen. Erst das Stanzen des Materials auf einem Trägermaterial erlaubte es, die Klebeetiketten auf Rollen zu produzieren. Dann dauerte es nicht mehr lange, bis Druckmaschinenhersteller wie Gallus, Nilpeter und Mark Andy die ersten speziellen Buchdruck- und Flexodruckmaschinen für Rollenetiketten auf den Markt brachten.
Die ersten Selbstklebeetiketten. Später kamen dann der Schmalbahn-siebdruck, der Heissfoliendruck und die Kombinationsdruckmaschinen, UV-härtende Tinten und die moderneren Druckplattentechnologien hinzu. Ende der 70er-Jahre hatten Selbstklebeetiketten bereits einen Anteil von 7 Prozent am europäischen Etikettenmarkt erreicht, wobei alle Druckverfahren zum Einsatz kamen. Heute machen Selbstklebeetiketten etwa 40 Prozent des Verbrauchs aus, der von zahlreichen Innovationen bei Technologien und Druckmaschinen geschürt wird. Diese haben in den vergangenen 30 Jahren dazu geführt, dass sich Etiketten unter anderem schneller, auf breiteren Bahnen, mit Rotations- und Wrap-Around-Werkzeugen, auf Druckmaschinen mit Servoantrieb sowie mit Steuerungen zur Bahnprüfung, Registerkontrolle und Farbverwaltung drucken lassen.
Es ist schwer vorzustellen, aber erst 1978 wurden die ersten Einzelhandel-Barcodes für die Etikettenprodukte des Fine Fare Supermarket gedruckt. Damals kam auf den Druckvorlagen auch erstmals ein Geschwindigkeitscode für die dunklen senkrechten Codebalken zum Einsatz. Heute sind Barcodes ein wichtiger Bestandteil von Etiketten, die der Einzelhandel in ganz Europa verkauft.
Damals haben Unternehmen die Barcode-Etiketten zur Kennzeichnung von frischen Lebensmitteln im Geschäft und bei den Vorverpackern noch aus wärmeempfindlichen Materialien hergestellt. Erst in den 1980er-Jahren begannen sich der Thermodirekt- und dann der Thermotransferdruck durchzusetzen. Gegen Ende des Jahrzehnts wuchsen diese Druckverfahren rasant, um die mit Barcodes versehenen Etiketten mit Preis- und Gewichtsauszeichnung auf selbstklebenden Materialien zu drucken.
Etwa zur gleichen Zeit führte die Etikettenindustrie neue Folienmaterialien aus Polypropylen und Polystyrol und später dann aus Polyethylen für anspruchsvollere Etikettenanwendungen ein. Jetzt forderten die führenden Markeninhaber den qualitativ hochwertigen Druck von Folienmaterialien zum Etikettieren unter anderem von Shampoos, Toilettenartikeln und Industrieprodukten. Damit erhöhten sich die Anforderungen an die Druckmaschinenhersteller und Weiterverarbeiter.
Technische Veränderungen im Etikettendruck. Um den sich ändernden Anforderungen an den Etikettendruck gerecht zu werden, hat sich in den vergangenen 30 Jahren die jeweils vorherrschende Drucktechnik vielfach anpassen müssen: In den 1980er-Jahren hat die Rotationsbuchdruckmaschine die Verkaufszahlen angeführt. Dann kam in den 1990er-Jahren das Flexodruckverfahren auf. Anfang des 21. Jahrhunderts stand der UV-Flexodruck als dominierende Technologie häufig im Mittelpunkt. Seit Mitte der 2000er-Jahre hat sich dann der Digitaldruck relativ schnell entwickelt – zu Beginn mit elektrofotografischer Flüssigkeit und Trockentoner, seit Kurzem mit neuen Generationen von UV- und wasserbasierten Tinten.
Für 2014 ist die Markteinführung des neu entwickelten nanografischen Druckverfahrens von Landa vorgesehen. Hierbei handelt es sich um einen Offset-Inkjet-Prozess, der bei den Druckereien für Etiketten, Faltkartonagen und flexible Verpackungen bereits auf ein reges Interesse gestossen ist. «Ich möchte die Etikettenverarbeiter nicht über Gebühr beunruhigen, aber aktuell werden erhebliche Entwicklungsanstrengungen unternommen, um perspektivisch mit der Inkjet-Technologie direkt auf Glas- oder Kunststoffflaschen und eine Vielzahl von Konservendosenformen und -grössen zu drucken. Diese Versuche mögen heute noch belächelt werden, könnten in Zukunft aber eine echte Bedrohung darstellen», sagt Mike Fairley, Director of Strategic Development, Labels & Packaging Group, Tarsus Exhibitions & Publishing.
Was bringt die Zukunft? Alles in allem besteht für Etikettendruckereien die grösste Herausforderung in der Entscheidung, in welche neue Druckmaschine sie in diesem, im nächsten oder im übernächsten Jahr investieren sollen. Wird es eine weitere konventionelle, analoge UV-Flexodruckmaschine sein? Oder doch eine Offset- oder Kombinationsdruckmaschine? Manche Verarbeiter überlegen vielleicht noch, ob sie auf die digitale Technologie umsteigen. Wenn ja, werden sie in Toner oder Inkjet investieren?
Früher war die Investitionsentscheidung möglicherweise nicht so kompliziert. Heute sind selbst bei der konventionellen analogen Druckmaschinentechnologie weitaus mehr Faktoren zu berücksichtigen. Die Umweltbilanz und der Energieverbrauch der Druckmaschinen könnten wichtige Kriterien sein. Oder der Farbraum und die Anzahl der Farben oder Farbwerke der Maschine.
Doch es stehen noch mehr Fragen im Raum: Welche wertschöpfenden Finishing-Optionen sind im Angebot? Welche Prüf- und Steuertechnologie erfordert die Druckmaschine? Welche Ausgabegeschwindigkeit benötigen die zu produzierenden Aufträge? Wie lange braucht die Druckmaschine für die Umrüstung zwischen verschiedenen Aufträgen? Möchte der Verarbeiter neben Etiketten auch andere Produkte bedrucken wie flexible Verpackungen, Tubenlaminate, Faltkartons oder Beutel? All diese Faktoren beeinflussen die Entscheidung für oder gegen eine Druckmaschine. Natürlich stellen die grossen Druckmaschinenhersteller immer ihre eigenen technischen Ausführungen und Lösungen in den Mittelpunkt.
Der Umstieg auf digital: zusätzliche Faktoren. Wenn es um Investitionen in den Digitaldruck geht, gilt es zusätzlich zu den Fragen der Druckmaschinenauswahl weitere Faktoren zu berücksichtigen. Der Digitaldruck verändert nämlich auch die Arbeitsweise. Er sorgt für ein erweitertes Farbmanagement. Es geht darum, die Entscheidung für oder gegen konventionell oder digital so spät wie möglich zu treffen. Welcher Durchsatz an unterschiedlichen Aufträgen lässt sich jeden Tag noch bewältigen, ehe Mitarbeiter sich in Verwaltungs- und Büroarbeit verlieren? Alle diese Faktoren erfordern wahrscheinlich ausgereifte Management-Informationssysteme (MIS). Das ist eine weitere wichtige Investitionsentscheidung, die Unternehmen treffen müssen.
Dann steht beim Digitaldruck noch die Frage im Raum, welche DPI-Auflösung vorgesehen ist. Ist für Aufträge in einem der Druckköpfe weisse Tinte nötig? Bietet die Druckmaschine einen erweiterten Farbraum? Auch weichen die Verarbeitungsgeschwindigkeiten der Druckmaschinen bei den einzelnen digitalen Etikettendrucktechnologien erheblich voneinander ab. Wie wichtig ist die Geschwindigkeit bei den häufigen Umrüstungen zwischen kleinauflagigen Aufträgen?
Beim Umstieg auf den Digitaldruck muss der Verarbeiter auch entscheiden, ob er in Inline- oder Offline-Finishing investiert. Beim Inline-Verfahren kann jeder Auftragswechsel bedeuten, dass das Unternehmen die Druckmaschine anhalten und die Stanzwerkzeuge austauschen muss. Sind dann mehrere kleine Aufträge zu produzieren, können diese Werkzeugwechsel bereits einen erheblichen Zeitaufwand bedeuten und die eigentliche Laufzeit der Druckmaschine unnötig verringern. Das bedeutet eine niedrigere Ausgabeleistung und eine potenziell schlechtere Rentabilität. Offline-Finishing heisst unter Umständen, dass eine Finishing-Linie die Ausgaben mehrerer Digitaldruckmaschinen verarbeiten kann, sodass die Produktionszeit maximal ausgenutzt wird.
Eine weitere Überlegung wäre die Anschaffung eines Systems zum Laserstanzen, das allerdings mit höheren Anschaffungskosten verbunden ist. Doch ist diese Investition von erheblichem Nutzen, wenn jeden Tag mehrere kleinauflagige Aufträge produziert werden müssen. Das Laserstanzen bietet in Kombination mit der Inkjet-(oder Xeikon-)Technologie – die ohne feste Rapportlängen auskommt – den faszinierenden Vorzug, dass sich die Stapelverarbeitung von Aufträgen quer oder entlang zur Bahn einrichten lässt. Damit können Betriebe die Wirtschaftlichkeit und Leistung maximieren.
Immer schnellere Technologiewechsel. Rückblickend scheint es, als ob in den vergangenen 50 Jahren, vor allem bei Selbstklebeetiketten, mehr Änderungen in der Drucktechnologie eingetreten sind, als in den ganzen 400 Jahren davor. Und die Etikettendruck- und Verarbeitungstechnologie entwickelt sich jeden Tag weiter. Das hat sich auf der Labelexpo Europe 2013 deutlich gezeigt. So hat die Messe den erwarteten Trend von konventionellen zu digitalen Druckmaschinen bestätigt, wie Kurt Walker, Präsident FINAT, sagt: «Die digitalen Anbieter stellten nicht nur eine Vielzahl von Techniken und Geräten vor, sondern bereits vollständige Anlagen mit integrierten Stanzen und Veredelungen. Im Moment zeigen sich die beiden Drucktechnologien digital und konventionell noch grösstenteils getrennt. Jedoch ist in der Zukunft mit der vermehrten Integration von digitalen Systemen in bestehenden Druckmaschinen zu rechnen.» Zudem wird, laut Ansicht des Präsidenten, die Industrie den Kostendruck maschinenseitig mit kürzeren Stillstandszeiten, schnellern Jobwechseln und weniger Makulatur begegnen. Hier kann die Verschmelzung der Technologien zusammen mit der digitalen Vorstufe noch weitere Verbesserungen in Qualität und Kosten bringen. Auch das Thema Umwelt ist in der Etikettenbranche allgegenwärtig. So haben sich verschiedene Aussteller mit Lösungen für Recycling und ressourcenschonende Produkte befasst. Walker nennt dazu das Beispiel von Ritrama/Prati, die das Trägermaterial im Konfektionsprozess als Kaschierfolie verwenden und somit kein Abfall anfällt.
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FINAT