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Bevor ich die Fokolar-Bewegung kennenlernte, war ich Agnostiker. Ein ziemlich starker Agnostiker und sehr kritisch gegenüber allen Religionen, weil ich den Eindruck hatte, dass sie die Welt spalten. Ich habe nur die Fehler gesehen (Terrorismus und Missbrauchsvorwürfe), obwohl ich mich immer gerne für die Bedürftigen eingesetzt habe. Deshalb engagierte ich mich in einer Organisation namens Lions Club International, die sich für die Armen einsetzt.
Im April 2018 schloss meine Mutter, eine der Leiterinnen des Lions Clubs, ein Bündnis mit der Caritas in der Pfarrei in der Nähe meines Wohnorts. Da es darum ging, unterernährten Kindern zu helfen, willigte ich ein, mitzugehen. Sie beteten und sprachen über das Evangelium, aber da machte ich nicht mit. Ich nahm nur teil, wenn es Zeit war, Vitamine zu geben und das Gewicht der Kinder zu kontrollieren.
Bei einer dieser Aktivitäten traf ich eine junge Frau, die meine Aufmerksamkeit erregte, und wir wurden Freunde. Sie hatte ein Porträt von Chiara Lubich[1] für den Pfarrer der Gemeinde angefertigt. Ich fragte sie, wer diese Chiara sei, aber sie wusste es nicht. Ich suchte auf Google nach “Chiara Lubich” und fand heraus, dass sie eine Bewegung gegründet hatte, die nicht nur für Katholiken, sondern auch für die Ökumene, für verschiedene Religionen und auch für Menschen ohne religiösen Glauben offen war. Das erregte meine Aufmerksamkeit, ich fand es gut und sprach die junge Frau darauf an.
Im August 2018 fand im Zentrum der Bewegung in der Nähe von Caracas ein lokales Genfest[2] statt. Der Pfarrer hatte diese junge Frau eingeladen, und sie lud mich ein.
Von der ersten Sekunde an, als ich das Zentrum betrat, war ich schon sehr angetan, weil uns alle mit einem Lächeln und so viel Freude empfangen haben. Am Anfang wurde viel über Jesus gesprochen, was in mir ein gewisses Misstrauen auslöste, aber am Ende des Vortrags bat ich darum, mit dem jungen Mann zu sprechen, der der Veranstalter war. Ich sagte ihm, dass ich Agnostiker sei und mit dem, was sie gesagt hatten, einverstanden sei, aber nicht an Gott glaube. Er antwortete: "Das macht nichts, wichtig ist, dass man lebt, denn Jesus lehrt nur das Gute". Diese Worte waren wunderschön für mich: Der Junge, der gerade über Jesus gesprochen hatte, schloss mir nicht die Tür vor der Nase zu. Im Gegenteil, er öffnete mir die Tür zum Leben.
Eine Woche später gab es ein Treffen in meiner Gemeinde. Ich nahm alle fünf Tage daran teil, um mit dem Gen und den Fokolaren[3] zusammen zu sein. Ich schlief im Pfarrhaus und ging mit ihnen zur Messe, um das zu leben, was sie lebten. Ich lernte drei Menschen kennen, die verstanden, dass es in mir einen Durst nach Gott gab, von dem ich nicht wusste, dass ich ihn hatte.
Eine wunderbare Freundschaft begann. Ich ging gerne in die Kirche, nahm an den Einkehrtagen teil und betete den Rosenkranz, auch wenn ich nicht glaubte. Ich lernte, dass es nicht die Religion ist, die trennt, sondern dass alles, was Jesus lehrt, Liebe ist und Liebe verbindet.
Jetzt kann ich jetzt sagen, dass ich wirklich glaube, dass es Gott gibt. Es war kein einfacher Prozess: Es war ein Kampf in mir, denn ich spürte viele Dinge, die mich zum Glauben führten, aber ich war stolz und wollte es nicht zugeben. Einmal, während eines Gebets, spürte ich, dass Gott mir in die Augen schaute und sagte: "Hör auf, dich selbst zu belügen, du weisst, dass ich da bin". Von diesem Moment an hörte ich auf zu zweifeln und sagte mir: “Jetzt bist du ein gläubiger Katholik”.