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Vogelschäden: Was gibt es für Lösungsansätze?
Bereits bei der Aussaat können Sonnenblumen und Mais Opfer von Vogelschäden durch
Rabenvögel oder Tauben werden.
Die Palette an verfügbaren Produkten mit repulsiver (=abstossender) Wirkung gegen Vögel ist in den letzten Jahren kleiner geworden, was die Krähen ausnutzen und nun vermehrt Kulturen angreifen, welche
bisher durch Saatgutbehandlungen geschützt waren. Im Allgemeinen greifen Rabenvögel Sonnenblumen und Mais von der Aussaat bis
zum 4-Blatt-Stadium an. Sobald dieses Stadium erreicht ist, ist die Kultur kaum mehr gefährdet.
Wirksamkeitsvergleich von zwei Produkten auf dem Markt
Im Maisanbau ist Korit 420 FS (Wirkstoff Ziram) das einzige zugelassene Produkt zur Saatgutbehandlung, das bereits eine gewisse Wirksamkeit bewiesen hat. Es werden aktuell neue Produkte von den Firmen entwickelt, um das Angebot zu erweitern. Im Jahr 2022 verglich Grangeneuve an zwei Standorten zwei Mais-Saatgutbehandlungen (Korit 420 FS und Initio) mit einer unbehandelten Kontrollfläche, um die Wirksamkeit der Produkte zu testen.
© Grangeneuve
Ein Schwarm von etwa 100 Krähen verursachte auf einer der beiden Versuchsparzellen grosse Schäden. Schäden waren von der Aussaat bis zum 4-Blatt-Stadium des Maises zu beobachten. Bei der Aussaat frassen die Krähen die frisch gesäten Körner und sobald der Mais aufgelaufen war, rissen die Krähen die ganzen Pflanzen aus, um an die Körner
zu gelangen. Bei hohem Krähen-Druck betrug der Schaden auf der Parzelle mit Korit 420 FS behandelten Saatgut lediglich 20 %, während auf der unbehandelten Kontrollfläche und beim Initio-Verfahren der Verlust 100 % der Maispflanzen betrug.
Natürliche Produkte
Zusätzlich wurden Geruchs- und Geschmacksrepellents, welche direkt auf das Saatgut aufgebracht werden, untersucht.
Verschiedene natürliche Produkte für den Mais und die Sonnenblumen wurden getestet. Dieses «Screening» (=Vortests verschiedenster Produkte) umfasste z.B. pulverförmige Produkte wie sogenannte kondensierte Tannine, die beim Verzehr austrocknend und gleichzeitig bitter wirken, oder Bird-Eye-Chili, eine der schärfsten in der Schweiz erhältlichen Chilisorten.
Es wurden auch zwei handelsübliche Produkte getestet: ein homöopathisches Produkt namens Jutzi und ein Biostimulans namens PNF 20, das in Frankreich auf dem Markt ist. Schliesslich wurde auch eine «hauseigene» Mischung miteinbezogen, welche enorm abstossend wirken soll und aus einem scharf schmeckenden, wenig appetitlichen Geschmacksaroma und einer Mischung aus fünf stark riechenden ätherischen Ölen besteht (Knoblauch, Pfefferminze, Lavendel, Zitronengras und Geranium).
Trotz der Vielfalt getesteter Produkte wurde kein vielversprechendes Produkt gefunden. Es wurden lediglich minimale Unterschiede zwischen den verschiedenen getesteten Produkten beobachtet. Alle Parzellen, die von Krähen befallen wurden, erlitten erhebliche Schäden. Einige Parzellen mussten gar neu angesät werden.
Andere Parzellen wurden trotz einer (wegen Krähenschäden) geringen Anzahl Pflanzen pro Hektar so beibehalten, dies, um die Anzahl Kulturen in der Fruchtfolge beizubehalten.
Künftige Krähenabwehr?
Angesichts der obengenannten Versuchsergebnisse verfolgt Grangeneuve die Saatgutbehandlung mit natürlichen Produkten nicht weiter und konzentriert sich auf Aspekte der Saattechnik. In der Praxis und gemäss agronomischen Empfehlungen ist die Bereitung eines optimalen Saatbetts essenziell für ein gleichmässiges und schnelles Auflaufen der Kultur. Das Problem? Die Krähen haben über die Zeit gelernt, dass auf Parzellen mit bearbeitetem Boden in regelmässigen Abständen schmackhafte Samen ausgesät wurden.
Deshalb besteht ein aktuelles Projekt von Grangeneuve darin, dieses Problem zu umgehen und die Krähen optisch zu täuschen: Sonnenblumen oder Mais werden in eine noch lebende Deckfrucht gesät. Im Herbst, nach der Ernte der Vorkultur, wird der Boden bearbeitet und anschliessend Roggen als Winterdeckfrucht angesät. Später im April werden die Sonnenblumen direkt in die durch chemische Unkrautbekämpfung geschwächte Deckfrucht gesät.
© Grangeneuve
Ziel ist, die Bedeckung des Bodens durch den Roggen mindestens fünfzehn bis zwanzig Tage nach der Aussaat der Sonnenblumen beizubehalten, damit sie ihre Schutzfunktion gegen Vögel erfüllen kann (Schutzfunktion: Durch Kaschieren der Saatreihen sowie durch Schaffen von unübersichtlicherem Gelände, das Krähen nicht mögen), jedoch auch nicht mit der Kultur konkurrenziert.
Falls die Versuche erfolgreich verlaufen, soll diese Anbautechnik zunächst im grösseren Massstab getestet und dann zusätzlich Varianten mit mechanischer Zerstörung der Deckfrucht (Mulchen oder Hacken) untersucht werden. Ziel ist, mehrmalige Neuaussaaten einer Kultur auf jeden Fall zu vermeiden.
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Wissenschaftlicher Mitarbeiter aus der Pflanzenbau