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Nicht nur Schwellenländer-Anlagen befinden sich im Aufwind, auch exotische Märkte wie Bangladesch, Myanmar oder Pakistan entwickeln sich vielversprechend. Das rät der Experte Carlos von Hardenberg.
China strotzt vor Selbstbewusstsein und die Wirtschaft wächst sogar leicht über Plan. Vor rund einem Jahr war die Wahrnehmung des Riesenreichs im Westen eine ganz andere. Wie sehen Sie das?
Carlos von Hardenberg*: In China sind Reformen an der Tagesordnung. Allerdings ist China meiner Ansicht nach besser darin, aufsehenerregende Ankündigungen zu machen, als all seine Pläne dann umzusetzen. Dies gilt besonders für den Bereich der Privatisierung sowie für andere Reformen des öffentlichen Sektors. Das Wachstum in China, das viele Beobachter im letzten Jahr noch mit grosser Sorge erfüllte, lässt Anzeichen einer dauerhaften Stabilisierung erkennen und behauptet sich im Vergleich zu den meisten anderen grossen Volkswirtschaften auf hohem Niveau. China verfügt nach wie vor über riesige Währungsreserven und ist somit in der Lage, die Währungsabwertung zu kontrollieren. Ebenfalls ist die strukturelle Bewegung hin zu einer stärkeren Binnenwirtschaft klar sichtbar. Der Markt bleibt im Moment vor allem besorgt über den Zustand der Banken, gerade bezüglich der Transparenz und der sehr hohen faulen Kredite.
Apropos faule Kredite – in Indien wurde Urjit Patel zum neuen Gouverneur der Reserve Bank of India gewählt. Wie wird er mit dem Problem der faulen Kredite, die in den Bilanzen vieler indischen Banken schlummern, umgehen?
Anfänglich wurde die Ernennung von Herrn Patel sehr positiv bewertet, denn er hat unter dem vorhergehenden Gouverneur gedient. Da er sich aber während der vor kurzem durchgeführten Geldschein-Reform mit Äusserungen sehr zurückgehalten hat, ist seine Unabhängigkeit zunehmend hinterfragt worden. Bezüglich der Aufarbeitung und Bereinigung der faulen Kredite scheint ein grosser Teil der Arbeit erledigt zu sein. Es handelt sich vornehmlich um Firmenkredite an Unternehmen, die der Regierung nahestehen.
Welche Schwellenländer werden im laufenden Jahr am meisten wachsen?
Indien und China. Russland und Brasilien sind auf gutem Wege, ihre Rezessionen hinter sich zu lassen. Ausserhalb der grossen Schwellenländer haben auch Frontiermärkte sehr gute Wachstumschancen.
Wen meinen Sie?
Bangladesch, Vietnam oder Myanmar. Aber auch viele afrikanische Länder profitieren von Reformen und starken Zuflüssen von ausländischem Kapital.
Und doch - es scheint, als sei es in Anlegerkreisen ruhiger um Frontiermärkte geworden ...
... das Interesse hat sicherlich etwas nachgelassen aufgrund der «Risikoflucht» in den vergangenen Jahren. Ich denke, das ist eine kurzfristige Entwicklung, denn die mittel- und langfristigen Chancen sind nach wie vor sehr vielversprechend. Gerade weil Frontiermärkte derzeit nicht im Fokus von Grossanlegern stehen, haben sich sehr attraktive Einstiegsmöglichkeiten ergeben. Die Stärken liegen weiter auf der Hand – überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum, günstige Bewertungen mit einer hohen Dividendenrendite sowie ein geringer Gleichlauf mit anderen Anlageklassen. Sie sollten daher in keinem breit gestreuten Portefeuille fehlen.
Und welche Aktienmärkte favorisieren Sie derzeit?
Die Märkte, die den grössten Anteil an unserem Portfolio haben, sind Korea, Taiwan und China. Insbesondere Technologieunternehmen sind sehr interessant und werden oft nicht mit Schwellenländern assoziiert. Dabei ist China im E-Commerce weltweit führend; einige der grössten Internetunternehmen weltweit wie Tencent und Alibaba sind dort ansässig. Korea und Taiwan sind Marktführer in der Herstellung von Halbleitern. Relativ zum MSCI Emerging Markets Index haben wir hohe Gewichtungen in Thailand, Peru und Pakistan.
Trump und Mexiko sind kein Liebespaar: Falls die Mauer nun tatsächlich wie angekündigt gebaut wird - wem wird sie mehr schaden?
Enorme Maisimporte nach Mexiko kommen aus dem Mittleren Westen der USA. Die Farmer hätten Riesenprobleme, wenn der Handel gekappt würde. Und die Autoindustrie in den USA hängt von Zulieferern in Mexiko ab. Eine Menge Jobs gingen verloren, wenn die Grenze geschlossen würde. Es ist auch nicht möglich, die hoch wettbewerbsfähige Herstellung von diversen Produkten von Mexiko in die USA zu verlegen. Man kann den Preis des Handels erhöhen, aber das stoppt ihn nicht. Eine Abschottung zu Mexiko würde der US-Wirtschaft schaden und es ist insbesondere mit Blick auf die Tatsache ironisch, dass sich lateinamerikanische Länder derzeit in die entgegengesetzte Richtung entwickeln - weg von einer populistischen Wirtschaftspolitik hin zur freien Marktwirtschaft und zu wirtschaftsfreundlichen Reformen.
* Carlos von Hardenberg ist verantworlich für Frontiermarkt-Strategien bei Franklin Templeton.