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Dieses imaginäre architektonische Projekt ist das Ergebnis von vielen verschiedenen Interessen, die ich habe. Eine dieser Interessen sind die Texte vom Science-Fiction Autor Arthur C. Clarke. Sein Tod letztes Jahr veranlasste mich sein Buch Childhood’s End nach mehr als dreißig Jahren noch ein weiteres Mal zu lesen. Ich wurde in meine frühe Kindheit zurückgeworfen, als ich im Alter von etwa sechs Jahren noch glaubte es würde irgendwann möglich werden auf dem Meeresboden oder im Weltraum zu leben. Ich verbrachte viele Stunden damit Zeichnungen von imaginären futuristischen Städten anzufertigen. Aber warum nun diese Kombination aus Weltraumaufzug (Space Elevator) und Teehaus (Tea House)?
Das Konzept von einem Weltraumaufzug wurde popularisiert von Arthur C. Clarke in seiner Novelle The Fountains of Paradise. Die Idee selbst geht jedoch auf den russischen Physiker Konstantin Tsiolkovsky und den Ingenieur Yuri Artsutanov zurück. Sie kalkulierten, dass es möglich sein sollte einen Aufzug zu entwickeln, der an einem Kabel zu einem Satellit im Erdsynchronorbit in 36000 Kilometer über der Erde hochfahren kann. Bis vor kurzer Zeit schien es unmöglich ein Material zu finden, dass fest genug ist um ein Kabel herzustellen, das so eine lange Distanz umspannen könnte. Dies änderte sich mit der Erfindung der Kohlenstoffnanoröhren. Die NASA und andere Organisationen experimentieren mit der neuen Technologie mit Ambitionen einen Weltraumaufzug für das 22. Jahrhundert zu entwickeln.
Ich war schon immer fasziniert von dem Weltraum, Dinosauriern und Zeitmaschinen. Mein Interesse am Weltall wurde anfänglich durch Filme, Mangas und Novellen geweckt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass ich mit der Zeit begann auch komplexere Texte über Physik zu lesen. Besonders Einsteins Theorien reizten mich, aber nicht nur seine physikalischen Erkenntnisse sondern es faszinierten mich auch seine Texte über Gott, die Beziehung zum Universum und über die Musik Beethovens.
In dieser Hinsicht verdanke ich viel dem japanischen Journalisten Takashi Tachibana, deren Schriften weit über aktuelle Themen, Medizin und Wissenschaft reichen (leider wurde keines seiner Bücher ins Englische übersetzt). Bereits in den späten 1970ern interviewte er Astronauten vom Apollo Programm und ihre russischen und japanischen Kollegen. Es war interessant zu beobachten, dass viele der Apollo Astronauten über die Begegnung mit dem Göttlichen sprachen, während die russischen Astronauten dies nicht taten. Während angenommen wurde, das dies auf die kulturellen Unterschiede zurückzuführen ist, fiel Tachibana auf, dass viele Astronauten, ungeachtet ihrer Nationalität, über die Schönheit und Fragilität der Erde und die Unsichtbarkeit der nationalen Grenzen sprachen. Ein weiteres Mal die Frage: Warum die Kombination aus einem Weltraumaufzug und einem Teehaus? Es hat was mit der Beziehung Person – Teehaus – Raum zu tun.
Das Space Elevator Tea House beleuchtet die Beziehung zwischen dem Raum den wir bewohnen und dem Raum den wir einnehmen. Es soll zum Nachdenken anregen. Wir können auf dem Boden sitzen, wir können auf einem Stuhl sitzen, wir können stehen oder wir können auf dem Boden liegen, oder auf einem Bett. Auf Grund meines japanischen und englischen Hintergrunds, bin ich besonders sensibilisiert für solche Differenzen. Die Art und Weise wie wir Raum einnehmen beeinflusst wie wir mit Anderen interagieren. In Japan, wo viele Familien auf engen Raum zusammenleben, kreieren sich die Menschen einen privaten Raum in ihrer Imagination. In England muss man nur in sein eigenes Zimmer gehen und die Tür hinter sich schließen um Privatsphäre zu erleben. Raum, und darauf kommt es mir an, kann physisch und imaginär entstehen.
Die Teemeister, welche die Tee Zeremonie erfanden, können auch als „soul-seeking perfomers“ gedacht werden. Es gibt viele verschiedene Typen und Größen von Teehäusern. Für dieses Projekt habe ich mich für das Modell des „ viereinhalb tatami- Matten Yuin“ (verborgene Zuflucht) entschieden. Dieses wurde im 17. Jahrhundert von Sen no Sotan erbaut. Eine tatami Matte misst zwischen eineinhalb und zwei Quadratmetern. Es ist grade genug Raum für eine Person um sich hinzulegen und zu schlafen oder für zwei Menschen zum Hinsetzen und Essen. Japanische Architektur basiert auf der Grundeinheit der tatami Matte, welches sich von den Dimensionen des menschlichen Körpers ableitet. Das kleinste Teehaus kann so klein sein wie zwei tatami Matten. Gastgeber und Gast treffen in diesem begrenzten Raum aufeinander und spüren durch die gemeinsame Erfahrung des Teemachens und Teilens die menschliche Interaktion am intensivsten. Das Teehaus kann als Mikrokosmos betrachtet werden. Einsamkeit wird empfunden durch Alleinsein, aber es kann noch stärker gespürt werden in Anwesenheit Anderer. Mein Space Elevator Tea House ist eine Einleitung in diesen Mikrokosmos, in die Weiten des Universums.
Astronauten verbringen Wochen und Monate zusammen in dem begrenzten Raum der Weltall Stationen. Einer der russischen Astronauten beschrieb sein Raumschiff als ein Haus. In einem Umfeld ohne Schwerkraft (in einem Weltraumaufzug würden zwei Drittel des Weges in dieser Art empfunden werden) haben Nähe und Ferne eine Bedeutung, aber Hoch und Runter nicht. Die Kabinen der Apollo Kommando Module messen sechs Kubikmeter oder bloß zwei Kubikmeter für jeden der drei Astronauten, welche in ihm reisen. Aber weil sie sich gegen die inneren Oberflächen lehnen können, fühlen sie sich nicht beengt, wie sie es auf der Erde empfinden würden. Wenn man vergleichsweise einen viereinhalb-Meter-Matten-Teeraum betrachtet und ihn als einen Kubus anlegt, dann wäre das gesamte Oberflächenareal, das für seine Bewohner zugänglich wäre sechs mal vier ein halb, was 27 tatami Matten entspricht.
Space Elevator Tea House präsentiert an der Art Unlimited 2010 ist vergegenwärtigt als ein an den Grenzen der Welt fließendes Gravitationsfeld. Wenn, in dem Gespräch mit dem Architekten und Futuristen Buckminster Fuller, der Apollo 9 Astronaut Rusty Schweickart die Wörter hoch und runter benutzt, sagt Fuller zu ihm „you are still an earth chauvinist“. Ein Fehlen von Schwerkraft begünstigt eine Bedeutungsentleerung von dem Konzept von darüber – darunter und vertikal – horizontal. Welche neuen Entdeckungen könnten wir machen in einem Space Elevator Tea House mit seinen undifferenzierten Böden, Decken und Wänden, Reisen ohne den Halt der Schwerkraft von der Erde und frei von nationalen Grenzen? Dieses Projekt soll ein Anreiz für die Vorstellung sein wie diese Reise aussehen könnte.
Yuko Shiraishi Juli 2009 Übersetzung: Friederike M. Stangier