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Kirche Mühlehorn Geschichte der Kirche Mühlehorn Die Erbauung der Kirche Die Gemeinde Mühlehorn ist eine verhältnismässig junge Ortschaft. Erst seit Beginn des 17. Jahrhunderts entfaltete sie sich. Bis um 1800 war sie ein Teil des weitverstreuten Obstalden, wo spätestens seit der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts die Pfarrkirche des Tagwens Kerenzen steht. Der Kirchweg von Mühlehorn und den Weilern am See nach Obstalden war beschwerlich und lang, im Winter gefährlich oder gar unbegehbar. In Anbetracht dieses mühsamen Kirch- und Schulweges beschlossen die Männer von Mühlehorn, Mühletal, Tiefenwinkel und Vortobel am 18. April 1759, in Mühlehorn eine Kirche mit dem dazugehörenden Pfarrhaus zu bauen. Sie bewilligten eine Bausumme von 4000 Gulden. Als Bauherrn ernannten sie Ratsherr Samuel Zopfi (1729-1806). Zimmermeister Jakob Messmer von Eppishausen im Thurgau entwarf die Baurisse. Bauherr Zopfi übernahm am 24. Juli 1759 den Bau der Kirche. Landvogt Johann Peter Zopfi schenkte der Gemeinde die Bauparzelle. Zur Fronarbeit von sechs Tagwerken verpflichtete sich jeder Dorfbewohner. Ende 1759 wurde das Fundament ausgehoben und im darauffolgenden Frühjahr, am 27. April 1760 der Eckstein gelegt. Im Herbst 1760 erhielt Peter Ernst in Lindau den Auftrag, zwei kleine Glocken zu giessen. Schreinermeister Markus Freuler von Glarus (1697-1766) fertigte die Kanzel und die grosse Kirchentüren an. Der 10. Juni 1761 war der Tag der festlich begangenen Kirchweih. Die Baukosten für die Kirche überschritten die Akkordsumme von 4000 Gulden. Das geplante Pfrundhaus konnte erst 1763 gebaut werden, nachdem die Gemeinde sich verpflichtete hatte für die anfallenden Kosten aufzukommen. An die Baukosten leisteten die Baumeister Jakob Messmer Jakob Messmer ist eine wenig bekannte Baumeisterpersönlichkeit. Von ihm sind bis jetzt ausser der Kirche Mühlehorn nur wenige selbständige Werke bekannt. Alle stehen im Glarnerland, so das Haus Sonnenzeit in Diesbach (1773) und die Kirche von Ennenda (1774). Beide sind nach Architektur und Ausstattung Gebäude von aussergewöhnlicher Schönheit. In einer zeitgenössischen Chronik zum Bau der Kirche von Ennenda steht ein Lob auf Messmer, das seine Bauten bestätigen: »Der erste Hauptbaumeister war Jakob Messmer von Sulgen im Turgau, ein Mann der sich bereits durch viele wohlgerathene Gebau bekant gemacht, der in der Baukunst vielle Gaben besitzt, der auch zu diesem Tempel und Thurmbau nicht nur den Grund Riss angefertiget, sondern denselben auch glücklich vollstreket hatt.« Messmer stand nachweisbar in enger Beziehung zu den Baumeistern Grubenmann aus Teufen. Der bedeutendste Meister dieser Familie, Hans Ulrich (1709-1783); lieferte für Brunnadern SG und 1764 für Erlen TG Pläne für neue Kirchen. An beiden Orten ist Jakob Messmer als ausführender Zimmermann-Polier nachgewiesen. Details an Gewölben und Dachstühlen deuten darauf hin, dass Messmer auch Bauten des 1758 verstorbenen Jakob Grubenmann genau kannte. Jos. Killer hat in einer grundlegenden Arbeit Die Werke der Baumeister Grubenmann schon 1941 bemerkt, dass Hans Ulrich nach 1760 mehrere Kirchen nach dem genau gleichen Schema baute, das innerhalb des Grubenmannkreises erstmals in Mühlehorn auftritt. Ein rechteckiges, dreiseitig schliessendes Schiff und einen axialen Eingangsturm besitzen auch die Kirchen von Oberrieden ZH 1761, Ebnat SG 1762, Erlen TG 1764 und Oberuzwil SG 1765. Eine Mitwirkung Grubenmanns für Mühlehorn ist nicht nachweisbar. Messmer hat offensichtlich diese Kirche selbständig im Stil der Grubenmann entworfen und ausgeführt, wie er es später in Ennenda tat.(Text: Jürg Davatz) Renovation Erste Renovationsausgaben wurden in einem Rechnungsbuch aus dem Jahre 1826 verbucht. Das Innere wurde eingerüstet, das Gewölbe neu gegipst und mit Stukkaturen geziert. Schreinermeister Dürst machte für 108 Gulden zehn neue Fenster und kleinere Arbeiten. "Laut Accort dem Kirchen Gewölb an Mstr Heinrich Ladner als Bau Mstr von der neu renovierten Kirchen insgesamt 246 Gulden bezahlt". Heinrich Ladner, 1777 im vorarlbergischen Hittau geboren, war in jenen Jahren mehrmals in unserem Gebiet tätig. Nach eigenen Plänen errichtete er die Pfarrkirchen von Kaltbrunn (1819/20) und Mols am Walensee (1821 /22); in Weesen baute er 1823/24 an der Pfarrkirche St. Martin ein neues Schiff. 1840 erforderte der Kirchturm eine Instandstellung des Helms und des Verputzes. 1845 erhielt eine der beiden Glocken einen Sprung und wurde notdürftig repariert. Auf die Hundertjahrfeier hin goss Karl Rosenlächer in Konstanz drei Glocken im G-Dur-Akkord.1880 deckte man das Turmdach mit galvanisiertem Eisenblech ein. Doch schon 1888 war diese Dachhaut undicht und eine Neueindeckung mit Blechschindeln erforderlich. In der Zwischenzeit führte Architekt A. Hutter, Uznach, eine Aussenrenovation durch. Am Schiff erstellte er einen Zementsockel und kräftige, 3 cm vorspringende Ecklisenen. Der Seitentüre gab er ein Sandsteingewände. Den Turm versah er am Sockel mit Putzquadern, an den Ecken mit Lisenen und unter dem Zifferblatt mit einem Rundbogenfries. Bestehende Fenster und Schallöcher liess er rundbogig vergrössern und mit Sandsteingewänden fassen. Wie die meisten protestantischen Kirchen des Kantons war also auch diejenige von Mühlehorn mit spröden neuromanischen Rundbogen und Lisenen dem Zeitgeschmack angepasst worden. Zum Preisvergleich sei vermerkt, dass diese umfassende Aussenrenovation mit völlig neuem Verputz und neuen Sandsteingewänden nur 6283.33 Fr. kostete. Das erste Musikinstrument in der Kirche war ein Harmonium, das zuerst 1878 vor der Kanzel und drei Jahre später auf einer schmalen Empore platziert wurde.1899 schenkte Peter Heussi, der Besitzer der Hammerschmiede, eine Orgel mit zehn Registern von der Firma Kuhn, Männedorf. Sie erforderte eine grössere Empore, die zwei dünne Gusseisensäulen stützten. Am 4. April 1904 beschloss die Kirchgemeinde, die Kirche inwendig mit einfachen Dekorationsmalereien zu bemalen. Die Kosten durften 500 Fr. nicht übersteigen. Es reichte für schlichte Schablonenmalereien am Gewölbe! Im gleichen Jahr stiftete ein Winterthurer Kaufmann acht bemalte Kirchenfenster, Kirchenboden und Bänke aus Pitchpine (amerikanische Pechkiefer) sowie Bankdoggen aus Eichen. Gespendet wurde auch ein Taufstein aus weissem Marmor. Ohne die alte Bausubstanz zu verändern. hatte man so zwischen 1883 und 1904 der Kirche aus- und inwendig ein bescheidenes neumodisches «Make-up« aufgesetzt. 1922 wurde das Äussere neu verputzt, 1942 das Turmdach repariert. Die Geschichte der letzten vollendeten Restaurierung begann am 22. Juni 1968. Dem Kirchenrat wurde der Auftrag erteilt, einen Vorschlag für eine Gesamtrenovation vorzulegen. 1969 nahm der Kirchenrat Verbindung mit dem Experten, Architekt Karl Keller von der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege auf. Dieser betreute aus denkmalpflegerischer Sicht die Renovation. Architekt Heinz Brunner, Mollis, erhielt am 8. Februar 1970 den Auftrag zur Ausarbeitung eines Restaurierungsprojekts. Die Restaurierung hat der Kirche ihr ursprüngliches Aussehen weitgehend zurück gegeben. 1974 wurden die Renovationsarbeiten beendet und die Kirche unter Denkmalschutz gestellt.