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Nachhaltigkeit braucht eine einheitliche Sprache
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Die Aufstockung und Neuausrichtung der Finanzflüsse zur Unterstützung der Klima- und Nachhaltigkeitsziele ist von entscheidender Bedeutung. Denn oft wird vergessen, dass die Finanzflüsse ein Abbild der Wirtschaftstätigkeiten sind. Es besteht eine natürliche Wechselwirkung zwischen den Finanzflüssen und der wirtschaftlichen Tätigkeiten.
In den vergangenen Jahren sind Investoren zunehmend dazu übergegangen, den Klimawandel und umfassendere Nachhaltigkeitsbelange in ihre Investitionsentscheidungen und Portfolioallokationen zu integrieren. Verschiedene Finanzmarktakteure haben sich in einem breiten Spektrum nachhaltigkeitsbezogener Initiativen mit unterschiedlichen Zielen engagiert. Infolgedessen gibt es viele unterschiedliche Auffassungen darüber, welche Investitionen nachhaltig sind.
Die Vielzahl der Definitionen von «grünen» und «nachhaltigen» Investitionen wird oft als wichtiges Hindernis für die dringend notwendige Ausweitung grüner und nachhaltiger Investitionen angeführt. Das Fehlen universeller Regeln und Standardisierungen ist dabei eine Begründung, die von den Marktteilnehmern angeführt wird. Die Annäherung an allgemein akzeptierte Definitionen wird deshalb von wesentlicher Bedeutung sein, damit über gesteigerte Effektivität, Effizienz und Integrität die Finanzflüsse nachhaltiger ausgerichtet werden und sie auf diese Weise ihren wichtigen Beitrag zur Transition der Wirtschaft leisten können.
Die EU schreitet voran
Angesichts dieser Herausforderung haben Gesetzgeber begonnen, Bestimmungen zu erlassen, um offizielle Definitionen für nachhaltige Finanzprodukte und Dienstleistungen zu schaffen. So hat die Europäische Union beispielsweise im Mai 2018 eine Verordnung über die Schaffung eines Rahmens zur Erleichterung nachhaltiger Investitionen vorgelegt. Diese Verordnung wurde im Dezember 2019 vom Europäischen Parlament und dem Rat der EU angenommen. Sie wird in der Regel als EU-Taxonomie bezeichnet.
Eine Taxonomie ist ein Klassifizierungsschema und ist weiter gefasst als eine Definition. Im Falle der EU-Taxonomie ist sie ein Rahmen für die Definition der Bedingungen, unter denen eine Wirtschaftstätigkeit als ökologisch nachhaltig im Sinne der EU-Gesetzgebung angesehen wird. Die EU-Taxonomie ist einzigartig in ihrem Versuch, verschiedene Umweltziele auf der Grundlage des «Do No Significant Harm»-Prinzips miteinander zu verknüpfen. Das Prinzip beruht darauf, dass die Erfüllung einzelner Ziele nicht zu negativen Effekten bei den übrigen Nachhaltigkeitszielen führen soll. Ausserdem schafft die EU-Taxonomie Raum für die Transition und ermöglicht Aktivitäten, bei denen die Schwellenwerte im Laufe der Zeit sinken. Sie wird auch für die Schweiz wegweisend sein, beteiligt sich doch die Schweiz ebenfalls an Initiativen wie dem «Network for Greening the Financial System» oder seit kurzem der «International Platform for Sustainable Finance».
Taxonomien sind ein Instrumentarium: Werden sie angemessen gestaltet, können sie ein politisches Werkzeug sein, um die vielfältigen Wege und Dimensionen der Politik in die Leitlinien für die Finanzmärkte einzubetten. Sie können sich an Innovationen anpassen und diese sogar fördern.
Oberflächliche Annahmen statt verlässlicher Daten
Die Verfügbarkeit von Umweltdaten (und noch viel mehr von Social- und Governance-Daten) ist derzeit eine Herausforderung für nachhaltige Finanztaxonomien. Noch viel zu oft müssen heute oberflächliche Annahmen zu nachhaltigen Tätigkeiten erfolgen. So ist die Entwicklung nachhaltiger Finanztaxonomien auf eine begleitende Offenlegungspolitik seitens der Wirtschaft (etwa mittels Corporate Social Responsibility Reporting) angewiesen.
Dies wiederum fördert die Entstehung eines Ökosystems von Umweltdaten, das die Nachhaltigkeitspolitik auf Unternehmens- und öffentlicher Ebene auf verschiedene Weise unterstützen kann.
Taxonomien sollten die Transparenz und Integrität der Finanzmärkte verbessern, wenn sie angemessen konzipiert, verwendet und verifiziert werden und wenn sie parallel zu anderen Massnahmen entwickelt werden. Dazu muss aber insbesondere auch die Wirtschaft mittels Offenlegung ihren Teil beitragen. Dies gelingt am besten mit internationalen Initiativen wie z.B. der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) oder der Non-Financial Reporting Directive (NFRD). Denn wie eingangs erwähnt, besteht zwischen den Finanzflüssen und der Wirtschaftstätigkeit eine enge Wechselwirkung.