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Leptis Magna, am Eingang zum Wadi Lebda gelegen, war ebenso wie Oea und Sabratha eine phönizische Stadtgründung aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. Die Siedlung, die zunächst unter der Oberhoheit von Carthago stand, entwickelte sich zu einer bedeutenden Hafenstadt und war ein wichtiger Umschlagplatz für Handelsgüter aus Afrika. Nachdem Carthago im Dritten Punischen Krieg von den Römern besiegt und völlig zerstört worden war, kam Leptis Magna als Teil der Provinz Africa zum Römischen Reich. Ihre Blütezeit erlebte die Stadt unter Kaiser Septimius Severus, der hier geboren wurde und von 193 bis 211 römischer Kaiser war. Er liess in der Stadt prachtvolle Monumente errichten.
Das Grabungsgelände ist sehr weitläufig, wobei bisher nur ein Teil der Stadt freigelegt ist.
Der Triumphbogen des Septimius Severus wurde in den Zwanzigerjahren von italienischen Archäologen freigelegt und aus vielen verstreuten Bruchstücken sowie aus wieder verwendeter Bausubstanz rekonstruiert und restauriert. Der Kernbau des Bogens ist aus Sandstein, die Reliefplatten sind aus Marmor. Gewissermassen als „Verkehrshindernis“ steht der Bau mitten auf der Kreuzung der beiden Hauptstrassen Cardo Maximus und Cardo Decumanus, Treppen zur leicht erhöhten Plattform verhindern, dass der Bogen durchfahren werden kann. Der Bogen ist als Quadrifons konzipiert, d.h. keine Seite ist als Hauptfassade hervorgehoben. An den Giebelansätzen befindet sich ein umlaufender Fries, der einen Festzug der kaiserlichen Familie zeigt. Septimius Severus, seine Frau Julia Domna sowie die beiden rivalisierenden Söhne Geta und Caracalla sind hier noch oder ausnahmsweise friedlich vereint: nach dem Tode des Spetimius Severus liess Caracalla seinen Bruder Geta ermorden, fiel dann selbst einem Anschlag zum Opfer, und Julia Domna beging aus Kummer in Antiochia Selbstmord. Das Dekorationsprogramm ist reichhaltig und „barock“, umfasst figürliche und ornamentale Darstellungen, die Reliefs sind jedoch grob gearbeitet, ein typisches Zeichen für die Kunst der römischen Spätzeit (der Bogen wurde 203 eingeweiht). Bei der Rekonstruktion wurden die originalen Reliefplatten durch Kopien ersetzt, und die Originalplatten ins Museum von Tripolis verbracht.
Vom Triumphbogen aus führt der Weg durch teilweise noch unausgegrabenes Stadtgebiet zu einem Komplex von Bauten, dessen bedeutendster Teil eine Thermenanlage ist. Diese Bäder entstanden während der Regierungszeit des Kaisers Hadrain (126/127), werden deshalb auch als Hadrianische Thermen bezeichnet und gelten als grösste Anlage dieser Art ausserhalb Roms. Dem Bäderkomplex wurde später ein Gymnasion zur körperlichen Ertüchtigung hinzugefügt, ebenso eine Palaestra, wobei allerdings die Römer in diesen Anlagen eher die lustvolle Entspannung suchten im Gegensatz zu den Griechen, den „Erfindern“ solcher Institutionen, denen Gymnasion und Palaestra für ein hartes, sportliches Training dienten. Seit dem 17. Jahrhundert haben vor allem Engländer und Franzosen viele der mächtigen Säulen aus Cippolino-Marmor demontieren und abtransportieren lassen, und dort, wo sich ehemals das Gymnasion befunden hatte, liegen immer noch Säulen, die man bereits zerschnitten hatte, um sie besser transportieren zu können, aber offensichtlich war es nicht mehr dazu gekommen. Man betritt die Anlage durch einen Vorhof mit einem Wasserbecken. Beidseitig dieses Vorhofes befinden sich grosse, mit Marmor-Klobrillen ausgestatteten Latrinen. Eine dieser „Kloschüsseln“ weist eine Ritzung für den Vorentwurf eines Klositzes auf: der Entwurf war zu nahe an den nächstfolgenden Sitz geraten und deshalb nicht ausgearbeitet worden – vielleicht war das eine Lehrlingsarbeit?
Vom Vorhof aus gelangt man auch in die verschiedenen Räume, die entweder dem Umkleiden (Apodyterien) oder dem eigentlichen Badevergnügen dienten. Zwischen Frigidarium (Kaltwasserbereich) und Caldarium (Heisswasserbereich) lag das Tepidarium (mässig aufgeheiztes Wasser). Es gab auch ein Schwitzbad (Sudatorium) und ein Heisswasserbecken (Caldarium). Durch die Hypokausten wurde heisse Luft vom Heizraum (Praefonium) unter den Boden des Caldariums geleitet und so das Wasser aufgeheizt. Hierfür wurden täglich 5 Tonnen Holz verbraucht. Der Badeluxus der Römer hat wesentlich zur Entholzung der Wälder im nahen Osten beigetragen, neuere Forschungen vertreten jedoch die Ansicht, dass die Entwaldung noch mehr durch den osmanischen Badeluxus verursacht worden war. Die gewaltigen Säulen aus Cippolino-Marmor lassen darauf schliessen, dass die Räume mit Kreuzgewölben überdacht waren. Insgesamt war wohl der ganze Badekomplex überkuppelt, eine Meisterleistung römischer Ingenieurkunst. Hier war an nichts gespart worden, was man an den Fussböden sehen kann: als Bodenbelag wurde Verde antico – thessalischer grüner Marmor – verwendet, ein absoluter Luxus. Eigentlich waren die Römer „wasserscheu“, d.h. sie waren keine Schwimmer. Die Thermen waren gewissermassen ihr „Clubhaus“, dort verbrachten sie ihre Zeit, denn ein „anständiger“ Römer arbeitete schliesslich nicht, das überliess er seinen Sklaven. Im Bad traf man sich, man diskutierte, politisierte, wickelte Geschäfte ab, erfuhr den neuesten Klatsch, fädelte Intrigen ein, Philosophen und Pseudophilosophen hielten hier ihre Reden. Die eigentlichen Baderäume waren eher klein, aber die Aufenthaltsräume waren gross, luxuriös ausgestattet und aufwändig dekoriert.
Nahe bei den Thermen liegt ein Nymphaeum, eigentlich ein Quellheiligtum. Dort mündete das Ende einer Wasserleitung in ein grosses Becken, aus welchem die Bevölkerung ihren Bedarf an Frischwasser schöpfte. Diese Anlage ist typisch für technische Bauten in der Römerzeit: aus Zweckbauten wurden Kunstwerke. Die Schauseite ist reich mit Säulen und Ornamentik geschmückt. Leider stürzte die grosse Apsis 1986 ein, als heftige Regenfälle das Gelände unterspülten. Die eingestürzten Mauern liegen nun hinter dem Monument.
Der grösste Baukomplex in Leptis Magna ist das Forum Septimius Severus, ein riesiger rechteckiger Platz, der in der Antike der Abwicklung von Geschäften diente. An der nordöstlichen Schmalseite des Platzes war die Basilika angebaut, an der südwestlichen Schmalseite ein Tempel für den Kult der Gens Septimia. Alle vier Seiten waren von säulengestützten Wandelhallen umgeben, zur Hofseite hin waren zwischen den Bögen apotropäische Medusenmedaillons angebracht. Heute ist der Platz mit Säulen, Säulenbasen, Kapitellen und Bruchsteinen bedeckt, die Archäologen zusammengetragen und sortiert haben.
Durch einen hohen Tordurchgang gelangt man in die angrenzende dreischiffige Basilika. Ursprünglich war dieses 90 m lange und 40 m breite Gebäude ein Repräsentationsbau, in welchem Audienzen abgehalten wurden. Der ursprünglich eingedeckte Bau hat zwei Apsiden, die von jeweils zwei marmornen Pilastern eingerahmt sind. Auf diesen Pilastern sind in Reliefs die 12 Taten des Herkules sowie Szenen um Bacchus und um das Thema Wein dargestellt. Diese Reliefpfeiler gelten als die schönsten Kunstwerke aus der Zeit des Septimius Severus und seines Nachfolgers Caracalla. Die Säulen, die den riesigen Raum unterteilen, sind aus Rosengranit, den man bei Assuan in Oberägypten gebrochen und auf Schiffen nach Leptis Magna transportiert hatte. In justinianischer Zeit wurde diese Basilika in eine christliche Kirche umfunktioniert. Im Mittelschiff steht noch die Kanzel, deren Brüstung ein Akanthusblatt-Kapitelle ist.
Das Theater von Leptis Magna ist etwa 200 Jahre älter als dasjenige von Sabratha. Vor dem Eingang zum Theater sind so genannte Ehrenstatuen aufgestellt. Um verdiente Bürger zu ehren, pflegte man deren Statuen in Bädern und Theatern aufzustellen. Diese Statuen werden auch als Mantel- oder Togastatuen bezeichnet – die Geehrten tragen immer eine Toga, die Tracht eines römischen Bürgers. Ob die kopflose Statue vor dem Zugang zum Theater eine Statue des Stifters des Theaters, des reichen Bürgers Annobal Tapapius Rufus, war, ist nicht bekannt, aber auf jeden Fall muss Annobal gut bei Kasse gewesen sein, da er schon bereits ein paar Jahre zuvor das Marktgebäude der Stadt gestiftet hatte. Das Theater, in mehreren Phasen errichtet, wurde um die Zeitenwende über einem punischen Friedhof erbaut und gehört zu den ältesten Theatern der römischen Welt.
Hinter dem nicht mehr vorhandenen ehemaligen Bühnenhaus befinden sich auf einem trapezförmigen Areal mehrere Bauten, die Portikus post Scaenam, darunter auch eine Wandelhalle, in deren Mitte die Plattform eines Tempels erhalten ist, der ursprünglich für den Kult der Dei Augusti errichtet worden war.
Von hier aus führt eine Strasse, parallel zum Cardo Maximus, zum Markt mit den beiden imposanten, vom reichen Bürger Annobal Tapapius Rufus gestifteten Marktgebäuden – macellum: zwei, von einer oktogonalen Ringmauer umgebene Pavillons. Zwischen den Arkaden des jeweiligen Säulenumganges waren die Verkaufstische der Händler aufgestellt. Ursprünglich waren beide Bauten aus lokalem Kalkstein errichtet, in severischer Zeit wurde die Peristasis des östlichen Pavillons durch Marmor ersetzt.
Das Alte Forum war vor der Errichtung des Severischen Forums der kommerzielle Mittelpunkt der Stadt gewesen. Um dieses Forum herum waren Tempel für den Kult verschiedener Gottheiten sowie für den Kult des vergöttlichten Kaisers errichtet worden. Auch hier war ein Tempel in eine Kirche umfunktioniert worden, aber ausser den Fundamenten und ein paar wieder aufgerichteten Säulen ist davon nicht mehr viel erhalten. Bemerkenswert sind die Granitsäulen, die im Laufe der Zeit vom Wind zu bizarren Gebilden verformt wurden – trotz des harten Gesteins.
Seit der Gründung der Stadt hatte sich der kleine Ankerplatz aus punischer Zeit zu einem für die ganze Mittelmeerregion wichtigen Umschlagplatz für Handelsgüter entwickelt. An dieser Stelle der Mittelmeerküste mündete das Wadi Lebda, das nach den winterlichen Regenfällen im Frühjahr Unmengen von Geröll mit sich führte, welches das Hafenbecken zuschüttete. Um das Problem der Verlandung durch Erdreich aus dem Wadi Lebda zu lösen, waren unter Kaiser Septimius Severus umfangreiche Befestigungsanlagen und ein Damm gebaut worden, der das Bett des Wadi regulierte und dadurch das Wasser ableitete. Ausserdem Lagerhäuser, Portiken und ein kleiner Tempel dort errichtet worden. Heute ist das Gelände wieder vollständig verlandet. Auf einer Mole zur Einfahrt des ehemaligen Hafens ist der Unterbau des Leuchtturms des Hafens erhalten. Auch diese aufwändig gestalteten Kaianlagen dienten wie so manches Monument in Leptis Magna als Steinbruch: noch heute befinden sich am Meeresufer demontierte und zum Abtransport bereit liegende Säulen.