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Mit 109 Millionen Menschen gehört in China ein zunehmender Anteil der Bevölkerung zum Mittelstand — mit dementsprechenden steigenden Ansprüche. Bis 2050 wird China jährlich Fleisch für 150 Milliarden US-Dollar aus dem Rest der Welt importieren müssen. Schon heute werden auf globaler Ebene Erzeugerpreise wesentlichen vom chinesischen Markt bestimmt werden — beispielsweise beim Soja, das zu mehr als 80 Prozent von China importiert und zu Tierfutter verarbeitet wird.
In Afrika investiert China seit Jahrzehnten grossflächig in Landwirtschaft. In den 1960er Jahren als diplomatisch motiviertes Hilfsprogramm gestartet — um in den Vereinten Nationen die Stimmen afrikanischer Länder für die diplomatische Anerkennung und Aufnahme Chinas zu gewinnen — bauten die Chinesen vorerst hauptsächlich Demonstrationsbetriebe zwecks Training und Technologietransfer. Inzwischen sind es bereits 200 landwirtschaftliche Projekte, 11 Forschungsstationen, 23 Fischereibetriebe und mehr als 60 Investitionsprogramme. Berichte, dass China fruchtbare Agrarflächen halb Afrikas aufkaufen würde, sind jedoch stark übertrieben. Bis heute wurden noch keine Lebensmittel von Afrika nach China exportiert, was jedoch nicht heisst, dass sich dies in Zukunft nicht ändern könnte. Momentan konzentriert sich China jedoch auf den Abbau von Rohstoffen, den Import von afrikanischem Holz und Baumwolle (siehe auch “Mit Offenen Karten – Was will China in Afrika?“, April 2007).
Die Zeiten blosser Hilfsprogramme sind allerdings vorbei, jetzt wollen die Chinesen auch handeln und Gewinne machen. Deutlich wird dies bei Infrastrukturprojekten: beispielsweise haben Chinesische Telekommunikationsanbieter in Afrika grosses Ansehen erreicht, da sie preislich kompetitiv sind und gute Serviceleistungen anbieten. Chinesische Baukonsorten liefern Eisenbahnen, Brücken und Strassen und inzwischen ganze Stadtteile termingerecht und zu Preisen, bei denen westliche und sogar lokale Konkurrenten nicht mehr mithalten können.
In Europa wiederum haben chinesische Staats- und inzwischen immer mehr auch Privatunternehmen ihre Interessen vor allem in Grossbritannien und in Italien angemeldet. Im wirtschaftlich krisengeschüttelten Italien investieren sie vorwiegend in Bereich Industriebeteiligungen wie Mode, Nautik, Ernährung, Energie, Telekom und Immobilien. Wie in Afrika gab es auch in Südeuropa zu Beginn viel beachtete kulturelle Konflikte mit den neuen Investoren aus Ostasien. Inzwischen aber scheinen sich Chinesen und “Locals” in den meisten Fällen gegenseitig assimiliert zu haben.
Die Leitfragen der Sendung sind:
- Wie gross ist der Ressourcenhunger Chinas wirklich?
- Profitieren die lokalen Bevölkerungen von den chinesischen Investitionen oder bleiben sie auf der Strecke?
- Streben die Chinesen nach einer “Sinisierung” der Welt oder wollen sie einfach gute Geschäfte machen?
- Was passiert, wenn der chinesischen Wirtschaft der Schnauf ausgeht?
Quelle
“China, der hungrige Drache“, #SRFglobal, 20.10.2015.
Weiterführende Informationen
- Buchempfehlungen zur Sendung: “‘Hungriger Drache’ für Leseratten“, #SRFglobal, 2.10.2015.
- All the overseas mergers and acquisitions (excluding bonds) with a value above US$100 million that Chinese companies attempted from 2005 to the first half of 2014: Alberto Lucas López and Cédric Sam, “China’s overseas investments“, South China Morning Post, 28.04.2015.