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Warum Stoffwindeln? Gute Frage! Und warum überhaupt Wegwerfwindeln?
Warum Stoffwindeln besser für Mensch & Umwelt sind
Seitdem ich Stoffwindeln benutze, bekomme ich immer wieder die selben Fragen: „Warum nutzt Du Stoffwindeln?“. Viele fragen sogar erstaunt: „Warum tust Du Dir das an?“. Ich denke, die meisten meinen damit den vermeintlichen „Aufwand“ des Waschens. Ehrlich gesagt, habe ich damit gar nicht so viel mehr Arbeit. Das Waschen übernimmt meine fleissige Waschmaschine, gewaschen wird nur mit ökologischen Waschmitteln und es trocknet alles relativ schnell auf der Wäscheleine.
Dennoch kommt es mir so vor, als ob ich mich ständig für das Nutzen von Stoffwindeln rechtfertigen müsste.
Daher erlaube ich mir jetzt mal die Gegenfrage: „WARUM ÜBERHAUPT WEGWERFWINDEL?“
Für die durchschnittliche Wickeldauer eines Babys von 2,5 Jahren benötigt man um die 6.500 Wegwerfwindeln. Dies ergibt über 1,5 Tonnen Müll!
Eine Wegwerfwindel benötigt ca 500 Jahre*, um sich zu zersetzen.
*Quelle: Beil, Susan Crawford. "Cloth Diapering 101 : Diaper Dilemma (Part 2) : Punkin Butt." Cloth Diapering 101 : Diaper Dilemma (Part 2) : Punkin Butt.
Woraus besteht eine Windel?
Eine moderne Wegwerfwindel besteht meistens aus 4 Hauptkomponenten. Die oberste Schicht der Windel, die typischerweise aus Polypropylenen besteht. Oft wird diese auch mit einer Beschichtung mit einer fraglichen Hautpflege, basierend auf Erdöl, versehen. Diese oberste Schicht ist der Teil der Windel, der den direkten Hautkontakt mit dem Intimbereich des Babys hat.
Darauf folgt das sogenannte ADL (Acquisition/distribution layer ), ein Vlies, das die Flüssigkeiten aufnimmt und dann bis zum Kern verteilt. Der absorbierende Kern ist die dritte Komponente der Windel. Besteht meist aus Zellstoff und SuperAbsorbentPolymer - es speichert die Flüssigkeiten und wandelt es in Gel um. Umhüllt wird die Windel von der Plastik-Aussenhülle, die wasserundurchlässig und je nach Hersteller, optional, atmungsaktiv ist. Diese Hülle besteht aus Polyethylen.
Quelle: EDANA, 2005. Sustainability Report: Baby Diapers and Incontinence Products. EDANA, Brussels.
Die verschiedenen Materialien der Wegwerfwindeln werden zugeschnitten und mit Polymer-basierten Klebstoffen verklebt. Die Verpackung besteht aus Polyäthylen-Plastikbeuteln und Wellpappkartons.*
Die Veröffentlichung von *“An updated lifecycle assessment study for disposable and reusable Nappies“ hebt hervor, dass die Herstellung von Einwegwindeln noch größere Umweltauswirkungen hat, als ihre Abfallentsorgung durch Deponien.
Average baby diaper composition 2004
Elastics 1%
Adhesive 3%
Polypropylene 15%
Polyethylene 7%
Superabsorber 27%
Other 4%
Fluff pulp 43% (Zellstoff)
Grafik: erstellt von gluecksbaby.ch anhand der Daten von :
*Quelle EDANA, 2005. Sustainability Report: Baby Diapers and Incontinence Products. EDANA, Brussels.
Was allerdings alles zu „Other“ = anderen Bestandteilen so dazu gehört, würden wir alle gern wissen, oder?
Jedoch ist ein Hersteller von Hygieneprodukten nicht dazu verpflichtet es so genau zu deklarieren!
Der Einfluss auf das Global Warming sowie der Schwund an nicht erneuerbaren Energie pro Windelkind über einen Zeitraum von 2.5 Jahren ist vergleichbar mit einer Autofahrt von ca 1300 bis 2200 Meilen (dies entspricht ca 2.100 KM bis 3.600 KM).*
Also eine Strecke von Zürich bis mindestens Moskau. Über 30 Stunden Autofahrt ohne Pausen…
*Quelle EDANA, 2005. Sustainability Report: Baby Diapers and Incontinence Products. EDANA, Brussels.
Das sind nur einige Fakten zu Wegwerfwindeln. Aber was bedeutet das in tatsächlichen Zahlen?
Für 1 einziges Baby werden folgende Rohmaterialien für seine Wegwerfwindeln innerhalb eines Jahres benötigt:
Über 300 Pfund (ca 136kg) Holz, 50 Pfund (ca 22kg) Erdöl und 20 Pfund (ca 9kg) Chlor und noch eine gewaltige Prise Chemie…
*Quelle: Lehrburger, C., J. Mullen and C.V. Jones. 1991. Diapers: Environmental Impacts and Lifecycle Analysis. Philadelphia, PA: Report to the National Association of Diaper Services ( NADS)
Die wichtigsten Rohstoffe zur Herstellung von Wegwerfwindeln sind also HOLZ und ERDÖL! Erdöl ist das Rohmaterial für Polyethylen- Kunststoffe.
Es benötigt eine Tasse Rohöls um eine Wegwerfwindel herzustellen.
Hochgerechnet bedeutet dies, dass für die gesamte Wickelzeit eines Babys von 6.500 Wegwerfwindeln ca 1.625 Quarts (=1.537 Liter) Öl für die Herstellung benötigt wird.*
* Quelle : http://www.designlife-cycle.com/disposable-diapers/
Bild : Quelle: Modern Natural Baby https://www.facebook.com/ModernNaturalBaby
Nicht nur die Verschwendung der Rohstoffe, sondern auch die Vermüllung unseres Planeten sind Grund genug, um sich Gedanken zu machen, womit man sein Kind wickelt. Befasst man sich mit den Inhaltsstoffen und der ganzen Chemie sowie deren potenziellen Gefahren, wird einem erst bewusst, wieviel Chemie und Plastik die sensible Haut eines Babys umschliesst.
Die Rede ist von Inhaltsstoffen wie Dioxin, Sodium Polyacrylate, Phthalate, Schwermetalle, etc…
Auf der Windelverpackung eines bekannten Herstellers steht zu Inhaltsstoffen nur etwas zur „Hautpflege“ drin: Petrolatum, Stearyl Alcohol, Paraffinum Liquidum, Aloe Barbadensis Extract, CI61565
CI61565 ist ein Farbstoff das zu krebserregenden AZO-Farben gehört- zB: das „grün“ eines weltweit bekannten Herstellers…
In zertifizierter Naturkosmetik ist dieser Farbstoff verboten. Auch in Haarfärbemitteln ist er verboten.* Quelle Öko Test Kosmetik 2010.
Was ist Dioxin?
Chlorbleiche: Da diese Bleiche mit Chlorgas durchgeführt wird, das eine giftige Dioxin Substanz erzeugt (es entsteht als chemisches Nebenprodukt beim Herstellungsprozess), beeinflusst es die menschliche Gesundheit negativ; Dioxin wird assoziiert mit Geburtsfehlern, Fehlgeburten, Krebs und genetischen Schäden.*
Quelle: Beil, Susan Crawford. "Cloth Diapering 101 : Diaper Dilemma (Part 2) : Punkin Butt." Cloth Diapering 101 : Diaper Dilemma (Part 2) : Punkin Butt.
—> Weitere Informationen zu Inhaltsstoffen werden hier nach und nach ergänzt…
Das tückische ist, das wir die Gifte nicht wahrnehmen. Giftige Substanzen reichern sich im Körper an, die Langzeitauswirkungen sind noch nicht untersucht.
Die sog. Öko-Wegwerfwindel-Hersteller (zum Beispiel Moltex und Naty) werben auf ihren Windeln mit hohen Anteilen an biologisch abbaubaren Bestandteilen. Zumindest die Kunststoffteile und der Aufsaugkern aus Polymeren gehören aber nicht in die Bio-Tonne. Und die vollen Windeln zu zerlegen, wäre auch schwierig. Ohnehin müssen gebrauchte Windeln über die Restmülltonne oder spezielle Windelsäcke entsorgt werden.*
*Quelle : http://www.bremer-umwelt-beratung.de/umwelttipps-kinder-windeln.html
Nachtrag: Naty windeln nutzen für die Aussen-Folie (Dient dem Nässeschutz) Pflanzenstärke aus nicht genmanipulierten Ursprungs und es wird nicht auf Erdölbasis hergestellt. Stand 2018.
Wichtig zu wissen ist, dass auch die Öko-Windel im normalen Müll zusammen mit den herkömmlicher Wegwerfwindel landen. Schon alleine wegen der Exkremente dürfen diese nicht in die Grüne Tonne…
Als Stoffwindelnutzer-in kann man viel bewusster mit der gesamten Thematik umgehen. Man achtet auf umweltfreundliches, öko-biologisches Waschmittel, das gut abgebaut werden kann, auf energieeffizientes Waschen und Trocknen. Auch müssen dank der Stoffwindelbenutzung keine Fäkalien im Haushaltsmüll landen. Wie es z.B. bei Wegwerfwindeln geschieht.
So landen in einem Zeitraum von 2,5 Jahren über 727 kg* Fäkalien im Haushaltsmüll. *Quelle An updated lifecycle assessment study for disposable and reusable Nappies
Sowohl die American Academy of Pediatrics und der American Public Health Association raten Eltern, dass Fäkalien nicht in den normalen Hausmüll entsorgt werden sollten, sondern in der Toilette, denn es verunreinigt das Grundwasser und verbreitet Krankheiten.* Quelle: The Many Dangers of Disposable Diapers | Small Footprint Family
Bei den Müllverbrennungsanlagen werden die ganzen Chemikalien sowie Fäkalien nach der Verbrennung in die Luft freigesetzt. Quelle: Beil, Susan Crawford. "Cloth Diapering 101 : Diaper Dilemma (Part 2) : Punkin Butt." Cloth Diapering 101 : Diaper Dilemma (Part 2) : Punkin Butt.
Aus Interesse habe ich bei der Müllverbrennungsanlage Hinwil angerufen. Dort bekam ich die Auskunft, dass für die freigesetzten Schadstoffe spezielle Filter im Einsatz sind, jedoch ist es nicht möglich, die Schadstoffe komplett von unserer Atmosphäre fernzuhalten.
Mindestens genauso schlimm trifft die oben genannte Mischung die Deponien. Die umfangreiche Menge an nicht biologisch abbaubaren Wegwerfwindeln überfüllt die Deponien und greift bedrohlich die Umwelt und Wasserquellen an. Zum Beispiel durch wilde Tiere oder beim Durchsickern in die Böden. *Quelle: Disposable Diapers — Design Life-Cycle
Kritische Stimmen zu Stoffwindeln begründen Ihre Bedenken damit, dass das zusätzliche Waschen, genauso wenig ökologisch erscheint...
Die englische Studie, An updated lifecycle assessment study for disposable and reusable Nappies, kommt zu der Schlussfolgerung, dass Stoffwindeln sehr wohl die bessere Alternative zu Wegwerfwindeln sind. Hier noch eine paar Fakten für Euch:
Für die Wickeldauer von 2,5 Jahren und somit ca 6.500 Wegwerfwindeln wäre der Einfluss auf die globalen Erwärmung ca 550kg Kohlendioxid-Äquivalenten.
Wickelt man jedoch mit Stoffwindeln, so kann das ganze Szenario bestenfalls um 40% reduzieren werden - also stolze 200kg Kohlendioxid pro Kind weniger, wenn man auf folgendes achtet:
•Waschen nicht heisser wie 60°C
•Maschinen ausreichend beladen
•Auf der Wäscheleine draussen trocknen lassen
•Trockner nur so wenig wie nötig benutzen
• Beim Austausch von Geräten auf energieeffizientere Geräte achten (A +Nennmaschinen sind bevorzugt)
—> Achtung mittlerweile gibt es Waschmaschinen und Trockner mit A+++ somit würden die Ergebnisse dieser Studie noch besser aussehen.
• Stoffwindeln wiederverwenden für weitere Kinder
Übrigens lassen sich Stoffwindeln sogar noch zu guten Preisen wiederverkaufen, es gibt unzählige Gruppen zB auf Facebook, da kann man Stoffwindeln in guten Zustand kaufen, tauschen oder verschenken / spenden für einen guten Zweck!
Und wenn Ihr noch mehr lesen wollt, ist hier ein interessanter Artikel zum Thema Wasser sparen https://www.windelmanufaktur.com/de/blog/wassersparen