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| Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)

Erste Rede
33.
Sie hätten also, wenn sie auf ihre Worte bauen, bei diesen auch bleiben und nicht so mannigfach sich ändern sollen. Aber das wollen sie nicht, indem sie mit allem leicht fertig zu werden glauben, wenn sie die Häresie mit diesem Schlagwort decken und den Ausdruck "unentstanden" vorschützen. Denn auch der Ausdruck "unentstanden" hat gar keine Beziehung zum Sohne1, wie auch diese dagegen kreischen mögen, sondern zum Entstandenen. Hierzu mag man eine Parallele finden in den Bezeichnungen "allmächtig" und "Herr der Mächte". Denn wenn der Vater durch das Wort über alles herrscht und gebietet, und der Sohn als Wort und Bild des Vaters die Herrschaft des Vaters führt und die Macht über alles hat, so ist ganz klar, daß damit weder der Sohn zu allen Dingen gerechnet ist, noch auch der Vater seinetwegen Allmächtiger und Herr heißt, sondern wegen dessen, was durch den Sohn entstanden ist und worüber er durch das Wort herrscht und gebietet. Und das Wort "unentstanden" wird sonach nicht im Hinblick auf den Sohn, sondern in Hinsicht auf das, was durch den Sohn entstanden ist, angewandt, und zwar mit Recht, weil Gott nicht wie das Entstandene ist, vielmehr dessen Schöpfer und Bildner durch den Sohn. Wie also der Ausdruck "unentstanden" auf das Entstandene hindeutet, so offenbart auch das Wort "Vater" den Sohn. Und wer Gott einen Schöpfer und Bildner und unentstanden nennt, schaut und begreift die [S. 66] Geschöpfe und die gewordenen Dinge. Wer Gott Vater nennt, erkennt und schaut sogleich den Sohn. Deshalb mag man sich auch wundern ob ihrem hartnäckigen Festhalten an der Gottlosigkeit, weil sie, obschon der Name des Unentstandenen den vorhin angegebenen richtigen Sinn hat und mit Gottesfurcht genannt werden kann, in ihrer Häresie ihn zur Unehre des Sohnes vorbringen, als hätten sie nicht gelesen, daß wer den Sohn ehrt, den Vater ehrt, und wer den Sohn entehrt, den Vater entehrt2. Denn wenn es ihnen überhaupt um die Lobpreisung und Ehrung des Vaters zu tun wäre, dann müßten sie — es wäre besser und nicht mehr als billig — Gott eher als Vater anerkennen und so bezeichnen als mit jenem Namen3 benennen. Indem nämlich jene Gott unentstanden nennen, nennen sie ihn, wie gesagt, bloß nach den gewordenen Werken Schöpfer und Bildner im Glauben, daß sie dann auch das Wort, so wie es ihnen zusagt, als sein Geschöpf hinstellen können. Wer aber Gott Vater nennt, bezeichnet ihn so nach seinem Sohn, wohl wissend, daß, da ein Sohn existiert, alles Entstandene notwendig durch den Sohn geschaffen wurde. Wenn diese ihn "unentstanden" nennen, so bezeichnen sie ihn nur nach den Werken, und auch sie wissen vom Sohne so wenig wie die Heiden. Wer aber Gott Vater nennt, bezeichnet ihn so nach dem Sohne. Wenn er aber das Wort kennt, so weiß er, daß es der Schöpfer ist, und begreift, daß durch dieses alles geworden ist.
1: d. h. er bringt das Verhältnis zwischen Vater und Sohn nicht zum Ausdruck, insofern das Wort "unontstandon1- wohl auf den Vater paßt, aber das Wort "entstanden" nicht auf den Sohn zutrifft.
2: Joh. 5,23.
3: Nämlich: Unentstandener.