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… Vor seinem erfolgreichen Wirken für Hublot hatte er bereits mit Erfolg die Marken Blancpain und Omega verjüngt, die heute beide im Besitz der Swatch Group sind. Bekannt ist Biver auch für seinen selbst hergestellten, exklusiven Schweizer Käse.
Biver genießt in der Schweizer Uhrenindustrie eine führende Stellung, und man hat gar von ihm gesagt, er habe „[die Branche] im Alleingang sic vor dem Quarzwerk gerettet.“ 1980 hatten selbst renommierte Schweizer Marken „zu 70% Uhrwerke in ihren Kollektionen, die mehr oder weniger Quarzwerke waren.“ Seither hat die Schweizer Uhrenindustrie einen „bemerkenswerten Wiederaufschwung“ erlebt; 2010 wurden ihre Exporte auf einen Wert von 16,2 Milliarden CHFgeschätzt.
Anfänge und Laufbahn
Biver wurde am 20. September 1949 in Luxemburg geboren. Im Alter von 10 Jahren zog er mit seiner Familie in die Schweiz, wo er die Schule in Saint Prex besuchte. Später studierte er am Collège de Morges und erwarb einen Abschluss im Fach Betriebswirtschaft an der HEC Lausanne (auch bekannt als Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Lausanne). Nach seinem Abschluss sog Biver im Vallée de Joux die Kultur der Uhrmacherkunst in sich auf und lernte Jacques Piguet kennen, der die Uhrwerk-Manufaktur Frederic Piguet leitete. Jacques‘ Vater machte Biver mit Georges Golay bekannt, dem Chairman und CEO von Audemars Piguet (AP). Biver bekam die Chance, bei Audemars Piguet eine einjährige „Allround“-Ausbildung zu absolvieren; im Anschluss übernahm er die Verantwortung für den Vertrieb und das Marketing in Europa. Bei AP erlernte Biver die „Kunst der Uhrenherstellung“, wenngleich er das Unternehmen nach einem Jahr wieder verließ, weil er glaubte, es anderswo weiterbringen zu können. Biver wechselte als Produktmanager zu Omega, wo er die Regeln und Einschränkungen kennen lernte, die mit der Arbeit für eine große, multinationale Marke verbunden sind. Mehr und mehr begann er sich jedoch nach der Uhrmacherkultur des Vallée de Joux zu sehnen. Nach einem Jahr verließ er Omega, um zur manufacture d’horlogerie im Vallée de Joux zurückzukehren.
Uhrenindustrie
Blancpain
Nach seiner Rückkehr ins Vallée de Joux im Jahr 1981 erwarb Biver 1982 gemeinsam mit Jacques Piguet die Rechte an der Marke Blancpain, die seit 1956 inaktiv gewesen war. Blancpain hatte eine lange Geschichte, war aber mit dem Aufkommen der Quarzuhren aus der Mode gekommen. Genau diesen Umstand nutzten Biver und Piguet jedoch als Stärke für den Wiederaufbau der Marke und positionierten sie nach dem Motto: „Seit 1735 hat es bei Blancpain nie eine Quarzuhr gegeben. Und so wird es auch bleiben.“ Blancpain entwickelte sich schnell zu einer der renommiertesten traditionellen Uhrenmarken und erreichte einen Umsatz von 50 Millionen CHF. 1992 verkaufte Biver die Marke für 60 Millionen CHF (43 Millionen USD) an die SSIH Group (heute Swatch Group). Der ursprüngliche Kaufpreis hatte 22.000 CHF betragen. Biver trat in das Managementteam von Nicolas G. Hayek ein und blieb bis 2003 CEO von Blancpain.
Omega
Nach dem Verkauf von Blancpain trat Biver in die Konzernleitung der Swatch Group ein und wurde mit der Aufgabe betraut, die Swatch-Marke Omega zu erneuern (die in den 1980ern als „Witz der Nation“ galt). Biver übte hauptsächlich in den Bereichen Produkt und Marketing Einfluss aus und nutzte Mittel wie Product-Placement (besonders auch in James Bond-Filmen) und Unterstützung durch Prominente (so etwa Testimonials von Cindy Crawford, Michael Schumacher und Pierce Brosnan).[3][4] Biver verließ Omega 2003, nachdem er die Marke zu einem „glänzenden“ Neuaufschwung geführt hatte. In seiner zehnjährigen Tätigkeit bei Omega hatten sich die Umsätze des Unternehmens nahezu verdreifacht.[3]
Hublot
Ende 2003 entschied sich Biver für ein Sabbatjahr, änderte seine Meinung jedoch sehr bald und beschloss, sich um ein kleines, äußerst profiliertes Unternehmen zu kümmern: Hublot Genève. Als CEO und Mitglied des Verwaltungsrats von Hublot beschloss Biver 2004, die angestammte Philosophie der Marke ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken: die „Kunst der Fusion“, verstanden als „Fusion aus Tradition und Zukunft.“[2] In der Tat hatte Hublot schon 1980 eine Uhr aus Gold und Kautschuk auf den Markt gebracht und damit die Fusion herkömmlicher und neuartiger Materialien in der Uhrenindustrie begründet. Unter Einsatz seines gesamten Wissens und Marketingtalents gelang Biver das Kunststück, binnen eines Jahres – im April 2005 – eine revolutionäre Uhr vorzustellen: die Big Bang. Sie wurde auf der BaselWorld 2005 präsentiert und war auf Anhieb ein voller Erfolg. Die Uhr wurde mit Auszeichnungen regelrecht überhäuft. Ab diesem Zeitpunkt verzeichnete Hublot einen enormen Auftrieb und ein rasantes Wachstum. Wenn man sich heute, im Jahr 2011, ansieht, welchen Weg Hublot in nur sechs Jahren zurückgelegt hat, so lässt sich wirklich sagen, dass Jean-Claude Biver die Wiedergeburt – oder vielleicht sogar Geburt – der Marke bewerkstelligt hat.
Das beeindruckende Wachstum der Marke Hublot ist das direkte Ergebnis von Bivers grenzenloser Energie. Zum einen erzielte er wirtschaftliches Wachstum: mit einem Umsatz, der sich binnen 4 Jahren von 25 Millionen auf mehr als 200 Millionen Schweizer Franken in 2008 erhöhte, als die Marke an den Luxusgüterkonzern LVMH verkauft wurde. Zum anderen wuchs die Marke physisch: mit dem Bau der neuen Hightech-Manufaktur in Nyon, am Ufer des Genfer Sees, die im November 2009 in Anwesenheit von Bernard Arnault eingeweiht wurde. 6.000 m² stehen hier der Uhrmacherkunst und der Herstellung des neuen Uhrwerkes UNICO zur Verfügung, eines bis ins Detail durchdachten Chronographenwerks mit zifferblattseitigem Säulenrad, entwickelt und gefertigt von Hublot. Die Hublot-Kollektionen Big Bang, King Power, Classic Fusion und Masterpiece glänzen mit Komplikationen wie Tourbillon, Minutenrepetition, Schleppzeiger, Foudroyante, retrogradem Datum und GMT, um nur einige wenige zu nennen. Zugleich aber definieren sie die Kunst der Fusion immer wieder neu, mit der Kombination ungewöhnlicher Materialien wie Kohlefaser, Zirkon, Tantal, Wolframkarbid, Magnesium, Keramik, Titan, Kautschuk und Nomex mit herkömmlicheren Materialien wie Gold, „King Gold“, Platin, Stahl, Diamanten und anderen Edelsteinen. Im Jahr 2006 startete Jean-Claude Biver, bekannt für sein Marketing-Gespür, mit Hublot TV den ersten von einer Luxusmarke gegründeten TV-Kanal im Internet. Hublot TV ist ein integraler Bestandteil von Hublot mit eigenem, hausinternem Studio und technischem Equipment, und die dort tätigen Journalisten produzieren mehr als 100 Sendungen pro Jahr.
Die Beständigkeit und Konsequenz der Entwicklung von Hublot ist genauso bemerkenswert wie das Bestreben der Marke, Ideen immer wieder auf den Kopf zu stellen, wie es Jean-Claude Bivers Marketingstrategie illustriert: „Dorthin gehen, wo der potenzielle Kunde ist“. Dieser Strategie folgend, machte Biver Hublot zur ersten Luxusmarke, die Partnerschaften mit der Welt des Fußballs einging. Im Jahr 2008 wurde Hublot „Official Timekeeper“ von Manchester United und „Official Timekeeper“ der EURO. Im Jahr 2010 wurde der Uhrenhersteller der erste „Official Timekeeper“ der FIFA und der nächsten beiden Fußballweltmeisterschaften, unmittelbar nachdem er als „Official Watch“ der Formel 1TM ausgewählt wurde. Zwei Meisterstreiche, die Hublot weltweit außergewöhnlich große Aufmerksamkeit bescheren. Darüber hinaus engagiert sich die Marke im Segelsport – beim Yacht-Club von Monaco unter dem Vorsitz von S.D. Fürst Albert II. von Monaco, dem Real Club Nautico de Palma, der Copa del Rey und sogar beim letzten America’s Cup – sowie über wichtige Wettkämpfe und Markenbotschafter auch im Golf, Polo und Skisport.
Auf der kommerziellen Ebene wurde unter Jean-Claude Bivers energischer Federführung auch das Netzwerk der Hublot-Partnerhändler sehr schnell ausgebaut (mittlerweile verbreiten 700 Verkaufsstellen weltweit die Botschaft der Marke). Im Februar 2007 weihte Biver in der Rue St Honoré in Paris die erste exklusive Hublot-Boutique ein. Im Sommer 2007 wurde eine zweite Boutique in Saint Tropez eröffnet, gefolgt von 33 weiteren in allen Teilen der Welt (Genf, Cannes, Verbier, Moskau, Miami, Shanghai, Peking, Hongkong, Singapur, Ginza, Abu Dhabi, Kuala Lumpur, Beverly Hills, London …). Die beiden neuesten Boutiquen befinden sich am Place Vendôme in Paris (Dez. 2010) und an der Madison Avenue in New York (Feb. 2010) – zwei prestigeträchtige Stores, die von dem New Yorker Stararchitekten Peter Marino entworfen wurden.
Ein Mann mit Überzeugungen
Jean-Claude Biver, eine der Ausnahme-Persönlichkeiten, die die Schweizer Uhrenindustrie entscheidend geprägt haben, gilt als brillanter Unternehmer (Blancpain, Omega und jetzt Hublot), visionärer Geschäftsmann, exzellenter Marketing-Stratege und hervorragendes Kommunikationstalent. In den zahlreichen Interviews, die er gibt, definiert er fünf Elemente als Quelle seines Erfolgs: Fleiß, Visionen, Kreativität, Unterstützung durch andere und – als fünftes Element – Glück, das sich nur dank der ersten vier Elemente einstellen kann.
Ein wichtiger Charakterzug, der aus diesen Interviews hervorgeht, ist Bivers Bestreben, anderen Menschen zu helfen und den Erfolg von Hublot zu teilen.Bei der EURO 08 stellte Biver die Werbeflächen von Hublot der Anti-Rassismus-Kampagne „Unite Against Racism“ zur Verfügung. 2010 gingen 2% des Umsatzes von Hublot an Wohlfahrtsorganisationen und wohltätige Zwecke (Instituto Ayrton Senna, African Wildlife Foundation, Smiling Children, Manchester United Foundation, United for Unicef, Turtle Ridge Foundation, Usain Bolt Foundation, ICM Institute, Raissa Gorbatcheva Foundation, Make a Wish Foundation, Only Watch). Dieser Einsatz für das Gemeinwohl verwundert nicht bei einem Unternehmen, dessen CEO größten Wert darauf legt, den Erfolg von Hublot durch Hilfe für andere Menschen zu teilen.
Awards
Jean-Claude Biver kann zahlreiche Auszeichnungen für sich verbuchen. 2005 wurde die Big Bang beim Grand Prix d’Horlogerie de Genève für das „Beste Design“ ausgezeichnet. Anfang 2007 wurde Biver in einer von der Zeitschrift Business Montres durchgeführten Umfrage unter Uhrenjournalisten zum „Besten Uhrenmanager“ und „Besten Kommunikator“ gewählt sowie zum FT Luxury Summit in Las Vegas eingeladen. Ende 2007 errang er den 5. Platz bei der Wahl zum „Unternehmer des Jahres“, durchgeführt von der Handelszeitung, einer großen Schweizer Wirtschafts-Wochenzeitung – eine Einschätzung, die von 100 Wirtschaftsjournalisten getroffen wurde und Biver in der Top Ten der Schweizer Unternehmer platzierte. Im November 2008 wurde Biver bei den Premier Watches, Jewellery and Pens Awards in Bahrain zum „CEO des Jahres“ ernannt. Das Schweizer Magazin PME kürte ihn 2008 zum „Manager des Jahres“. Ebenso erfolgreich begann für Biver das Jahr 2009, wurde er doch von der italienischen Zeitschrift Orologi da Polso, den französischen Magazinen Revue des montres und Business Montres sowie der Schweizer Zeitschrift GMT zum „Mann des Jahres“ ernannt. Im gleichen Jahr nahm Biver auch an einer Reihe internationaler Konferenzen teil, darunter dem World Economic Forum in Mailand (wo er direkt nach Ex-Präsident Clinton sprach), dem Nikkei IMD Economic Forum in Tokio und den HSM-Konferenzen in Madrid und Lissabon. 2010 wurde Biver bei den Swiss Awards nominiert und in London für seine herausragenden Leistungen bei Hublot mit dem renommierten Walpole Award for Excellence ausgezeichnet.Biver hatte das Privileg, an der HSM-Konferenz in Ägypten teilzunehmen, und erhielt 2010 den Entrepreneurship Gaia Award in der Schweiz (mit dem 2008 auch der mittlerweile verstorbene Nicolas Hayek ausgezeichnet worden war) sowie den Jury Special Award bei den Luxury and Creation Talents Awards. Vor kurzem wurde Biver in Bukarest mit einem Caesar Award für sein „Gesamtwerk und seine Leistungen als visionärer Geschäftsmann und Marketing-Genie“ ausgezeichnet.
Käse
Jedes Jahr produziert Jean-Claude Biver auf seinem Bauernhof in den Schweizer Alpen rund fünf Tonnen Käse. Biver stellt diesen Käse immer nur einige Wochen lang im Sommer her, wenn die Alpenwiesen blühen, was „der Milch und damit auch dem Käse einen blumigen Geschmack verleiht.“] Weil der Käse so exklusiv ist, verkauft Biver ihn nicht, sondern bietet ihn nur seinen Freunden, seiner Familie und bestimmten Restaurants seiner Wahl an, so etwa dem „Restaurant de l’Hôtel de Ville“ in Crissier (Schweiz), das von dem bekannten Drei-Sterne-Koch Philippe Rochat geführt wird. Jean-Claude Biver sagt, dass er die Verbreitung des Käses dank der Weigerung, Bezahlung dafür anzunehmen, zu 100 Prozent kontrollieren kann: „Ich werde der Herr meines Käses bleiben, bis zum letzten Stück.“
Verfasser: Marine Lemonnier Brennan (Hublot SA)