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Tagebücher, Forschungsnotizen, Fotografien, Filme und Audioaufnahmen aus dem Südsudan – der Schweizer Ethnologe Conradin Kwacakworo Perner hat dem Völkerkundemuseum der Universität Zürich das Archiv seiner Feldforschungen bei den Anyuak überlassen.
Perner hat zwischen 1976 und 1983 im heutigen Südsudan geforscht und zahlreiche Bücher zur Sprache und zu kulturellen Praktiken und Weltanschauungen der Anyuak veröffentlicht (https://de.wikipedia.org/wiki/Conradin_Perner). Im Anschluss an seine Forschungen war er als Delegierter des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) im Südsudan tätig und war während des Bürgerkriegs an der Rettung von 10'000 Kindersoldaten beteiligt. Ab 2008 engagierte er sich für den Frieden und wurde nach der Unabhängigkeit des Landes 2011 zum ersten Ehrenbürger des Südsudan ernannt. Er lebt heute in Davos.
Zusätzlich zum Archiv am Völkerkundemuseum gibt es zahlreiche ethnographische Objekte, die sich im Besitz von Perner befinden. Diese Objekte können mit den Archiven in Beziehung gesetzt werden. So können Fragen nach Sammlungsstrategien Perners oder auch nach Materialien, Herstellungstechniken, Objektbiografien oder der in den Objekten eingeschriebenen Könnerschaft der Menschen im Südsudan gestellt werden.
Das Forschungsmaterial soll im Rahmen einer Masterarbeit zunächst erfasst und in den historischen Kontext bzw. in den heutigen Stand der Forschung eingeordnet werden. Beispielsweise forschte bereits E. E. Evans-Pritchard in den 1920er und 1930er Jahren im südlichen Sudan bei den Azande, Nuer und auch den Anyuak – einige der Klassiker der politischen Anthropologie sind daraus entstanden. Heute ist der Südsudan Schauplatz anhaltender Konflikte zwischen politischen Rivalen unterschiedlicher ethnischer Gruppen und dadurch einer der fragilsten Staaten in Afrika.
Gerade vor diesem Hintergrund ist das dichte und vielfältige ethnographische Archiv zur Lebenswelt der Anyuak von grossem Wert. Welche Bedeutung das historische Archiv heute für die Wissenschaft – vor allem aber auch für die Menschen im Südsudan – hat, kann im Rahmen der Forschung erarbeitet werden. Konkrete Forschungsfragen sollen im Gespräch mit dem Betreuer und Conradin Perner erarbeitet werden.
Betreuer: Dr. Alexis Malefakis (<email-pii>)
Dauer der Forschung: 3 Monate (Zürich, Davos)
Voraussetzung: Einschreibung in den Major 90 Ethnologie, gute Englischkenntnisse, Interesse an der Ethnologie Afrikas, materielle Kultur, Archiven, Museumsarbeit
Bewerbungsfrist: offen