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Am Samstag, 5. Februar, 16.30 Uhr feiern wir einen Familiengottesdienst zum Thema: “Wenn das Brot, das wir teilen als Rose blüht..” und verkaufen im Anschluss gesegnetes Agathabrot.
Anfang Februar stehen im katholischen Brauchtum mehrere Heilige und entsprechende Bräuche im Zentrum. Neben dem Blasiussegen, der uns vor Krankheit schützen soll, sowie der dazugehörigen Kerzenweihe, wird an vielen Orten am 5. Februar der Tag der Heiligen Agatha von Catania (Sizilien, 225-250 n.Chr.) mit einer Brotsegnung begangen. Das sogenannte Agathabrot soll gegen Feuer schützen, aber auch Tiere vor Seuchen oder in die Ferne Ziehende vor Heimweh bewahren. Mir gefällt der Brauch, dass man offenbar Tieren, die verkauft wurden oder Kindern, die zum ersten Mal länger in die Fremde gingen, ein Stück des gesegneten Brotes mit auf den Weg gab.
Am 2. Februar wird der „Darstellung des Herrn“ gedacht. Nach alttestamentlichem Gesetz bringen die Eltern eines Neugeborenen 40 Tage nach der Geburt im Tempel ein Opfer dar. In der Bibel wird uns berichtet, dass Simeon, ein frommer Israelit, Zeuge der „Vorstellung Jesu im Tempel“ geworden sei und im Kind zu seiner Freude den verheissenen Messias erkannt habe. Simeon ist ein Greis unter den Heiligen und seine Ergriffenheit über dieses Ereignis rührt offenbar auch daher, dass er so lange sehnsüchtig auf den „Trost Israels“ gewartet und gehofft hat. Seine erlöste Freude wird im „Lobgesang des Simeon“ (Lk 2,25-35) geschildert.
Das Brauchtum, welches sich rund um die Heilige Agatha rankt, ist auf den ersten Blick ziemlich makaber und abstossend. So wird berichtet, dass sie als Strafe, weil sie als fromme Christin den Heiratsantrag des heidnischen Statthalters von Sizilien, Quintianus, zurückwies, einen Monat in einem Bordell verbringen musste. Danach sei sie auch noch gefoltert worden, da sie bei ihrer Überzeugung blieb, wobei ihr die Brüste abgeschnitten worden seien. An den Folgen der Folterungen starb sie. Agatha wird auf Bildern daher meistens mit einem Teller oder einer Schüssel, auf der ihre Brüste liegen, gezeigt. Nun können wir rätseln, wie es dazu kam, dass aus ihren Brüsten Brot wurde. Möglicherweise ist diese Wandlung auf die Prüderie vergangener Generationen zurückzuführen, die auf dem Teller lieber Brote als weibliche Brüste sehen wollten, vielleicht war aber auch einfach die ähnliche Form für die Betrachter irreführend…
Wie auch immer, mir kommt bei Brüsten die „Urnahrung“ der Mutter für ihr Kind in den Sinn. Diese erschöpft sich nicht alleine in der Weitergabe von Nährstoffen, sondern das Kind erhält durch das Gehalten- und Genährtwerden von seinen Eltern das Grundvertrauen: wenn sie da sind, bin ich geborgen. Hier möchte ich anknüpfen: Beide Heiligen, Simeon wie Agatha, scheinen ein tiefe „Urnahrung“ des Glaubens in sich getragen zu haben, die sie in schwierigen Zeiten der Hoffnungslosigkeit und sogar der Misshandlung gestärkt und getröstet hat; anders kann ich mir beider Handeln nicht erklären.
Ich wünsche mir heute solche Glaubensnahrung und hoffe, dass sie mich stärkt, damit auch ich die Kraft habe, meinen Weg zu finden und zu gehen. Wir alle brauchen Kraftquellen, davon bin ich überzeugt. Wie, wo und mit wem wir sie „anzapfen“, bleibt uns selbst überlassen. Ich nehme gerne an unserem „Meditativen Singen zur Nacht“ teil, welches wir zum nächsten Mal am Dienstag, 1. Februar in der Krypta St. Anton anbieten. Dort singen wir zum Schluss immer den schönen Kanon: „Herr bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneiget“.
Gott bleibt, auch wenn es dunkel wird. Das haben Generationen vor uns geglaubt und wir dürfen heute deren Gedenken feiern und als Nahrung für uns selbst nutzen. Niemand erwartet, dass wir MärtyerInnen werden, aber ein Stück Brot, das uns daran erinnert, dass es noch eine andere (Glaubens-)Heimat gibt, kann auch im Hier und Jetzt guttun. Viele stärkenden Erfahrungen und manchen Grund zum Jubeln wie Simeon wünsche ich Ihnen.
Monika Bieri