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Gründung: 1847
Lage: 21 Meter über Meer
Bevölkerungszahl: 60 (Stand 2007)
Grösse/km2: 100 km2
Zusammensetzung dieser Fläche:
35% Mangrove-Dschungel
23% Wald
20% Campos (Steppen)
12% Dünenlandschaft
10% Salzwassersumpf
Klima: warm und feucht (2 Jahreszeiten gut definiert – eine Regenzeit und eine Trockenzeit)
Mittlere Jahrestemperatur: 27° Celsius
Im Zentrum der Insel befinden sich die Campos mit den Cashew-Bäumen, teils wild gewachsen, teils auch angepflanzt. Daher der Name der Insel.
Als die Jesuiten die Insel verliessen – sie wurden von der portugiesischen Aristokratie ausgewiesen – hatten sie auf der Insel einen fantastischen Goldschatz versteckt, den bis heute noch niemand wieder gefunden hat – so geht die Sage.
Nun, das Gold blieb verschwunden, aber es blieb eine fantastische Naturidylle, welche genauso sorgfältig gehütet wird wie ein Goldschatz, nämlich von einer Familie englischer Abstammung, in deren Besitz sich die Insel seit 1847 befindet.
Fünf verschiedene Ökosysteme trifft man auf der Ilha do Cajú:
Mangroven-Dschungel, Sanddünen, Wald, Campos und die Salzwassersümpfe. Diese Verschiedenheit ist eine besondere Attraktion für den Öko-Tourismus und für Abenteurer.
DIE HISTORISCHEN INSELBEWOHNER
Am Anfang wurde die Insel von den Tremembé-Indios bewohnt, die – so sagen die Berichte – gefürchtete Krieger gewesen sein sollen, die das gesamte Delta beherrschten. Der Insel gaben sie den Namen Pará-Mirim und Punaré. Später wurden sie durch die Jesuiten befriedet und christianisiert. Im Jahr 1660 machte der Jesuitenpater Antônio Vieira einen Besuch auf der Insel.
Am 21. April 1727 wird dem Häuptling Manoel Miguel die Herrschaft über die Insel übergeben. 1758 vertreibt José de Carvalho e Melo, der Marquis von Pombal, die Jesuiten aus Brasilien, konfisziert alle ihre Güter und Reichtümer und veranlasst auch die Auflösung der Indianerdörfer im gesamten Delta.
1776 wurde die Ilha do Cajú vom Rinderzüchter João Paulo Diniz ersteigert – er fing eine Viehzucht an. Das Rindfleisch wurde gesalzen und nach Pará und andere brasilianische Bundesstaaten exportiert, auch nach Portugal und Spanien.
1847, als die Nachfahren und Erben des João Paulo Diniz verarmt waren, wurde die Insel an den Oberleutnant Domingos José Gonçalves und seine Ehefrau, Dona Torquata da Cunha e Silva Castello Branco Gonçalves verkauft – für 2 Contos de Reis, dem Gegenwert von 250 Rindern.
Nach dem Tod des Oberleutnants und seiner Gemahlin kam die Insel in die Hand seiner Söhne, Dr. Malaquias Antônio Gonçalves und Dr. Sigismundo Antônio Gonçalves. Und nach dem Tod dieser beiden wurde die Tochter des Dr. Malaquias, Eugênia Mendes Gonçalves D’amorim die neue Besitzerin der Insel. Eugênia war eine Nichte des Barons João José Rodrigues Mendes, verheiratet mit Alberto de Loyo Amorim, Sohn des Barons da Casa Forte.
Am 21. Juli, 1919 verkauft Alberto de Loyo Amorim die Insel an einen englischen Staatsbürger, der mit einer Nichte der Doktoren Malaquias verheiratet war.
Dieser junge Engländer, mit Namen James Frederick Clark, kam nach Brasilien mit einem 5-Jahresvertrag, als Mitarbeiter in der Casa Inglêsa und einem Paul Robert Singlehurst, den die Einheimischen nur als Paulo Inglês titulierten und der als erster Traktoren, Automobile, Motoren und Jeeps nach Brasilien importiert hat. 1884 wurde Frederick Clark zum Teilhaber der Casa Inglêsa berufen und wenige Zeit später ihr einziger Besitzer. Seiner Initiative ist es zu danken, dass das Carnaúba-Wachs auf dem Weltmarkt eine wichtige Rolle spielte. Neben Produkten auf Erdölbasis, lieferte er Ausrüstung und Installation von Stromaggregaten in 153 Munizipien von Maranhão, Piauí und Ceará.
Heute besteht die wichtigste wirtschaftliche Produktion der Region aus dem Öko-Tourismus. Die antiken Gebäude der Fazenda der Ilha do Cajú wurden in Pousadas umgebaut, die Besucher mit echtem Abenteuergeist empfangen, welche hier eines der ausdruckvollsten Natur-Heiligtümer Brasiliens entdecken.
Wer sich für wissenschaftliche Einzelheiten interessiert, der mag nachfolgend Auszüge aus einer Untersuchung des Deltas des Parnaíba verfolgen, die 1981 von den Universitäten aus São Paulo, Piauí und Ceará vorgenommen wurde. Unter der Leitung von Valdemar Rodrigues, von der Uni Piauí, bekamen diese Studien Schützenhilfe von dem Botaniker Afrânio Gomes, aus Ceará und dem Zoologen Luiz Dino Vizzoto, von der Uni São José do Rio Preto im Bundesstaat São Paulo.
Die Sandbewegung und Neuformation von Quarzsand-Dünen verursachen ernste Probleme im Küstengebiet von Piauí, wie zum Beispiel zerstörte Häuser und Strassen und verschüttete Pflanzungen. Ein anderes grosses Problem hängt mit der Anlegung von Weideflächen für die Viehhaltung zusammen. Die Zerstörung der Böden ist unabwendbar und es ist illusorisch zu glauben, dass die Befestigung der Dünen in diesen Gebieten irgendeinen Nutzen bringt und die Verschüttung aufhalten könnte. Der Vegetation kommt in diesem Fall eine besondere Bedeutung in der Konservierung des Bodens zu, besonders deshalb, weil es sich hier um Böden von extrem fragilem Charakter handelt, wie im Fall der Sandböden und der Dünen. Es soll daran erinnert werden, dass die Nutzung des Bodens in Übereinstimmung mit seinem speziellen Charakter von fundamentaler Importanz für seine Erhaltung ist, um zu verhindern, dass sich solche Probleme ergeben.
Im Süden der Insel trifft man auf die Mangrove-Dschungel des Salzwassers, welche 35% der Landfläche bedecken.
Ausflüge innerhalb dieser Mangroven werden per Kanu und kleinerer Boote durchgeführt, unter Benutzung der Ruder und Paddel, um die zahlreiche Fauna nicht durch Motorengeräusch zu verjagen. Den so genannten Fisch mit vier Augen (peixe quatro-olhos) trifft man hier besonders oft. Sein hervorstechendstes Merkmal sind zwei grosse, hervorgewölbte Augen, deren obere Hälfte der Sicht über dem Wasser angepasst ist und die untere Hälfte der Sicht unter Wasser.
Darüber hinaus leben im Dickicht rosarote Löffler (Eudocimus ruber), Ochsenvögel (Butorides striatus), Königsfischer (Ceryle torquata), Kapuzineraffen (Cebus apella), die sich von Krebsen ernähren, Waschbären (Procyon cancrivorus) und verschiedene Arten von Schlangen. Der „Baiacú“, ein interessanter Fisch, der sich bei Gefahr aufbläht wie ein Fussball, ist ebenfalls einer der Bewohner der Mangroven-Wildnis, ebenso der „Caranguejo-uça“ (Urcides cordatus), dessen Spezies von den lokalen Fischern in grossen Mengen zum Verkauf gefangen wird. In diesem Zusammenhang muss darauf hingewiesen werden, dass die grosse Zahl der Fänge, die ausserdem immer an den gleichen Stellen vorgenommen werden, das Überleben der Spezies ernstlich bedroht. Die Mangroven werden ausserdem durch Reispflanzungen, Rinderzucht und Ausholzung für die Holzkohleherstellung gefährdet.
Der Fang des Caranguejo-Uçá im Küstengebiet von Maranhão wird zwischen November bis März betrieben. Genau in dieser Periode liegt aber auch die Reproduktionsphase der Spezies und die Tiere sind dadurch besonders empfindlich. Mit anderen Worten: der Fang geschieht genau in der Zeit, in der er eigentlich untersagt werden sollte. Ein anderer kritischer Punkt ist der, dass die Fänger besonders die jüngeren Exemplare bevorzugen, die aber wiederum zur Reproduktion am besten geeignet wären. Die Gefahr der Ausrottung ergibt sich also besonders aus diesen unkontrollierten Fangmethoden.
Dies sind die Sand-Ablagerungen, welche entweder vom Meer oder von den Flüssen herangetragen werden. Diese Strände bestehen aus Quarz-Körnern – in feinerer oder gröberer Struktur, je nach Bearbeitung durch das Wasser und den Wind.
Diese Sand-Streifen erstrecken sich entlang des gesamten brasilianischen Küstengebietes und bieten Lebensraum für diverse Pflanzen-Spezies, unter ihnen:
Alecrim da Praia
Eine sehr häufige Pflanze, die bei der Befestigung von Dünen eine Rolle spielt.
Salsa da Praia
Immer zusammen mit dem „Alecrim da Praia“, ebenfalls geeignet zur Dünenbefestigung und als Heilpflanze.
Cipó Chumbo
Einer der häufigsten Parasiten der Baumvegetation in brasilianischen Küstengebieten.
Guajeru
Wilder Fruchtbaum, der als Lieferant für Tafelfrüchte veredelt werden könnte – erreicht eine Höhe von 10 Metern.
Chanana
Eine der häufigsten Wildblumen der Gegend. Sie erblüht um 06:00 früh und schliesst sich gegen 11:00. Deshalb auch ihr Name „Onze Horas“ (Elf Uhr).
Algodão de Seda
Die pelzigen Haare werden als Füllstoff für Kissen verwendet.
Coqueiro da Praia
Kokospalme
Oití da Praia, Cajueiro
(Cashew-Baum) und Mangabeira (Mango-Baum) sind Spezies von hohem wirtschaftlichem Nutzen.
Die Strände des Nordostens und ihre Einzugsgebiete besitzen ebenfalls eine sehr reiche Fauna, die aus Muscheln, kleinen Schalentieren, Sandflöhen, Strandkrebsen und anderen besteht.
Charakteristisch für das Delta des Rio Parnaíba sind seine grosse Zahl von grossen und kleineren Inseln, voneinander getrennt durch ein wahres Labyrinth von Wasserarmen.
Unter den grösseren Inseln sind die Ilha Grande de Santa Isabel (Piauí) und die Inseln Ilha das Canárias, Ilha do Cajú und Ilha Grande do Paulino, in Maranhão, zu nennen.
Die Inseln in grösserer Entfernung zum Meer, umgeben von Süsswasser, zeigen eine vegetative Säumung mit Rhizophora mangle (Rote Mangrove) ab, und an in Gemeinschaft mit Montrichardia linifera (Aninga) und Eichornia crassipes (Baroneza oder auch Água-pé). Im Interior dieser Inseln trifft man auf die Spezies Avicennia tomentosa, Drepanocarpus lunatus, Copernicea prunifera (Family: Palmae/Arecaceae (palm family) Common Names: carnauba wax palm und Astrocarium tucumoides.
Während die Inseln umgeben vom Salzwasser an ihrer Peripherie eine Dünenwand aufgebaut haben, auf der, sozusagen als Pioniere, folgende Pflanzengattungen auftreten: Ipomoea pes-capre, Ipomoea asarifolia, Indigifera microcarpa, Cassia tetraphylla und einige Spezies der Gramíneas und der Ciperáceas. In ihrem Innern gleicht die Vegetation allerdings der der anderen, vom Süsswasser umgebenen, Inseln.
Die Ilha do Cajú, als einzige Naturgeschützte Insel, stellt die beschriebenen Biotope zweifellos am besten dar. Geschützt durch den Weitblick und die Initiative ihrer Besitzer, bietet sie sich zum Studium des Ökosystems im Delta am besten an.
Unter Einfluss der Gezeiten und des Windes formen sich an der dem Meer zugewandten Seite Sanddünen, auf denen die ersten Exemplare der Spezies Psamófila und Halófila heranwachsen. Hinter der Dünenmauer entwickelt sich eine Vegetation von höherem Wuchs und schliesst sich langsam zu einem Wald (subcaducifólia) mit einigen Exemplaren von tragenden Bäumen. Die dem Meer abgewandte Seite der Insel ist an ihrer Peripherie von Mangroven vereinnahmt, die sich auch vereinzelt an den sumpfigen Stellen ihres Innern und an den Ufern ihrer Wasserarme finden. Nicht zu vergessen die hydrophyle Vegetation in den kleinen Süsswasser-Tümpeln und Lagunen. Sie unterscheidet sich in der Regel kaum von den übrigen charakteristischen Spezies des brasilianischen Nordostens.
Eine reichhaltige Fauna findet man ebenfalls im Deltagebiet. Und die Insel Ilha do Cajú ist ein besonderes Refugium für alle Spezies, die unter normalen Umständen schon ausgestorben wären. Hier bieten sie ein einmalig harmonisches Beispiel von friedlicher Koexistenz mit den Bewohnern – liefern den Beweis, dass wirtschaftliche Nutzung und Pflege der ererbten natürlichen Ressourcen durchaus möglich sind.
Hier kann man, u. a. folgende Spezies beobachten:
Gürteltiere (Dasypus novencinctus und Euphractus sexcinctus), Agutis (Dasyprocta aguti), gefleckte Maracajá-Wildkatzen (Felis pardalis), Papageien (Pionopsitta barra bandi), Ameisenbären, Tukane (Ramphastus tucanus), Webervögel (Cassicus cela), Brillenkaimane (Caiman crocodilus crocodilus), Waschbären (Procyon cancrivorus), Nasenbären (Nasua nasua), Hirsche (Mazama sp.), Füchse (Dusicyon azarae), Spechte, Fasane (Penelope jacucaca), Affen verschiedener Arten (z. B. Cebus apella), der Rosarote Löffler (Eudocimus ruber), Reiher (Egretta thula), Wildenten (Dendrocycna bicolor), Meeres-Schildkröten (Caretta caretta und Eritmochelys imbricata), Delfine, Seekühe und viele andere.
Es sollte noch erwähnt werden, dass der Erfolg der Erhaltung dieser Fauna auf der Insel nicht etwa nur einem totalen Jagdverbot zu verdanken ist, sondern vor allem aus der Pflege und dem Erhalt der primitiven Ökosysteme zu erklären ist. Nur an Vögeln hat man auf der Insel bereits 100 Spezies klassifiziert. Andere nicht lokale Spezies werden sorgsam eingeführt – wie zum Beispiel das Totenkopfäffchen, der Brüllaffe und das Pinselohräffchen, die sich ohne Komplikationen ins Ambiente einordnen lassen.