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| Theodoret von Cyrus († 466) - Kirchengeschichte (Historia ecclesiastica)

Viertes Buch [363—378]
6. Die Regierung des Valentinian und die Annahme seines Bruders Valens zum Mitkaiser1
Als die Soldaten das plötzliche Ende des Kaisers vernahmen, betrauerten sie den Dahingeschiedenen wie einen Vater und stellten dann jenen Valentinian, der den Tempelknaben mit der Hand geschlagen hatte und dafür auf eine Festung geschickt worden war2, als Kaiser auf3. Derselbe zeichnete sich nicht nur durch Tapferkeit, sondern auch durch Klugheit, Mäßigung, Gerechtigkeit und [S. 209] körperliche Größe aus. Er besaß einen so königlichen und erhabenen Sinn, daß, als das Heer versuchte, ihm einen Mitregenten zu geben, er jene allgemein gepriesene Äußerung machte: „Eure Sache war es, o Soldaten, da es keinen Kaiser gab, mir die Zügel der Regierung zu übergeben; nachdem ich sie aber angenommen habe, ist es nun meine Sache und nicht die Eurige, um die staatlichen Angelegenheiten sich zu kümmern.” Die Soldaten bewunderten und billigten diese Rede und folgten bereitwillig seinen Anordnungen. Er ließ hierauf seinen Bruder aus Pannonien kommen, was besser nicht geschehen wäre, und machte ihn zum Genossen in der Regierung; derselbe hatte damals die verkehrte arianische Lehre noch nicht angenommen. Valentinian übertrug ihm die Herrschaft über Asien und auch über Ägypten, während er für sich selbst Europa behielt. Dann brach er nach dem Abendlande auf, wo er wieder durchaus geordnete Verhältnisse herstellte, beginnend mit der Verkündigung der gottgefälligen Lehre.
1: Valentinian 364—375; Valens 364—378.
2: S. oben III 16, S. 189.
3: Valentinian wurde von den Kriegs- und Staatsobersten zum Kaiser gewählt am 26. Februar 364.