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In der Vergangenheit haben zahlreiche Erhebungen die Verbreitung von Kryptowährungen untersucht. Hierbei ist festzustellen, dass die Zahlen oft stark divergieren, unterschiedliche Erhebungsdesigns unmittelbare Vergleiche erschweren und die Berichte selten über deskriptive Statistiken hinausgehen.
Auf Basis einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage unter 3’864 deutschen Internetnutzern, haben wir die Relevanz von Kryptowährungen erforscht. Ziel unserer Erhebung war es, ein detailliertes Bild davon zu erhalten, wofür Kryptowährungen verwendet werden und welche Faktoren den Besitz, das Wissen und die Vertrauenseinschätzung der Nutzer bestimmen.
Parameter für die Akzeptanz von Kryptowährungen
Die Akzeptanz von Kryptowährungen stellt einen nicht einheitlich definierten Begriff dar. Vielmehr versucht sie, den Zustand der gesellschaftlichen Akzeptanz durch gesellschaftliche und wirtschaftliche Parameter zu beschreiben. Dabei zählen zu den gesellschaftlichen Parametern beispielsweise die Besitzraten in der Bevölkerung und zu den wirtschaftlichen Parametern zum Beispiel die Anzahl der Händler, die Kryptowährungen als Zahlungsmittel akzeptieren oder das Transaktionsvolumen. In unserem Projekt haben wir uns auf die Analyse von Parametern mit gesellschaftlicher Relevanz konzentriert. Da zu dem Zeitpunkt der Analyse viele Parameter noch weitgehend unbekannt waren oder bis dato nur indirekt untersucht wurden, haben wir auf Basis der seinerzeit verfügbaren Literatur eine Kategorisierung wichtiger Messgrößen wie Bekanntheit, Wissen, Besitz, Vertrauenswürdigkeit, sozioökonomische Merkmale der Nutzer, Motive für den Besitz und die Nutzung vorgenommen.
Während verschiedene Erhebungen für Deutschland eine Prävalenz zwischen 3% und 8% angaben, ergab unsere Studie, dass 9.2% der Befragten zum Zeitpunkt der Befragung Kryptowährungen besaßen. Weitere 9.1% haben in der Vergangenheit Kryptowährungen besessen. Der Bekanntheitsgrad von Kryptowährungen in Deutschland ist hoch: 83% der Befragten gaben an Kenntnis von Kryptowährungen genommen zu haben. In unserer Studie haben wir auch das Wissen auf einer Skala von 0 (kein Wissen) bis 10 (ausgeprägtes Wissen) gemessen. Über alle Befragten ermittelten wir einen Durchschnittswert von 3.76, während der Wert für Besitzer von Kryptowährungen bei 6.68 lag. Darüber hinaus haben wir die Befragten gebeten, eine Einschätzung ihres Vertrauens in Kryptowährungen auf einer Skala von 0 bis 10 vorzunehmen. Ergebnis: Das allgemeine Vertrauensniveau unter allen Nutzern lag bei 3.62, bei den Besitzern von Kryptowährungen sogar bei 6.73. Die folgende Abbildung zeigt die Verteilung der Antworten über die jeweiligen Skalen.
Des Weiteren haben wir anhand der repräsentativen Stichprobe ein demografisches und sozioökonomisches Profil der Kryptowährungsnutzer erstellen können. So waren die seinerzeitigen Besitzer von Kryptowährungen in Deutschland im Durchschnitt 38 Jahre alt und zu 74% männlich. Aktuelle Besitzer sind im Durchschnitt ca. 10 Jahre jünger und häufiger männlich als Nicht-Besitzer. Aus den Ergebnissen kann geschlussfolgert werden, dass die hohe Volatilität der Kryptowährungen vor allem junge Männer zum Einstieg veranlasst hat, denen im Allgemeinen eine höhere Risikoaffinität zugeschrieben wird. Im Hinblick auf die sozioökonomische Analyse der Kryptowährungsbesitzer wurden in unserer Studie das monatliche Haushaltsnettoeinkommen, die Ausbildung und der Beziehungsstatus der Befragten erfasst. Das durchschnittliche Einkommen der seinerzeitigen Kryptowährungsbesitzer betrug 2’850 €, das der ehemaligen Besitzer 2’620 € und das der Nichtbesitzer 2’150 €. Die Besitzer von Kryptowährungen verfügten demnach über ein vergleichsweise hohes Durchschnittseinkommen.
Das hohe Einkommen der Kryptowährungsbesitzer steht im Zusammenhang mit ihrem Bildungsstatus. So besaßen 38% der damaligen Besitzer einen Hochschulabschluss und 3% von ihnen einen Doktortitel. Ähnlich wie bei der Einkommensverteilung, handelte es sich bei den Bildungsabschlüssen der seinerzeitigen Besitzer um höhere als bei den ehemaligen Besitzern (32% Hochschulabschluss; 2% Promotion). Am zweithäufigsten wurde eine kaufmännische Ausbildung (22% der seinerzeitigen Besitzer; 14% der ehemaligen Besitzer), gefolgt vom Abitur (17% der seinerzeitigen Besitzer; 23% der ehemaligen Besitzer) angegeben. Die Ergebnisse werfen vielfältige Fragen auf und lassen folglich Raum für unterschiedliche Interpretationen, vor allem bezüglich der Zusammenhänge von Bildung und Attraktivität von Kryptowährungen.
Determinanten von Krypto-Wissen, Besitz und Vertrauen
Der naheliegende nächste Schritt in unserer Studie bestand darin, herauszufinden, welche Faktoren den Besitz von, das Wissen über und die Vertrauenseinschätzungen zu Kryptowährungen beeinflussen. In der nachfolgenden Abbildung erfolgte eine Betrachtung der Korrelationen zwischen den einzelnen Variablen. Korrelationen, die ein Signifikanzniveau von 5% überschreiten, sind fett hervorgehoben. So konnten wichtige Beziehungen zwischen den Besitzvariablen (seinerzeit und früher), den Wissensvariablen (Kryptowährung und Blockchain) und dem Vertrauen identifiziert werden. Seinerzeitige Besitzer von Kryptowährungen gaben tendenziell ein hohes Vertrauensniveau und ein hohes Wissensniveau an. Rein intuitiv durchaus naheliegend, jedoch kein nachweislicher Beleg, weshalb die Beziehung im Rahmen unserer Studie empirisch untersucht und validiert wurde.
Mit dem Ziel die Determinanten für bestimmte Variablen, wie z. B. den Besitz von Kryptowährungen, zu ermitteln, wurde unter Anwendung spezifischer Regressionsmodelle, die Annahme hinsichtlich der Dreiecksbeziehung von Besitz, Wissen und Vertrauen im Detail überprüft. Anhand dessen konnte gezeigt werden, dass nicht nur Wissen und Vertrauen signifikante Prädiktoren für den Besitz von Kryptowährungen sind, sondern auch Wissen und Besitz signifikante Prädiktoren für das Vertrauen in Kryptowährungen. Gleichwohl sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass der gewählte explorative Analyseansatz es weder ermöglicht die Richtung des Einflusses jeder Variable auf die andere zu bestimmen noch sie zu interpretieren. Folglich kann nur gemutmasst werden, ob und inwieweit der Besitz von Kryptowährungen nebst dem damit einhergehenden finanziellen und mentalen Engagement, möglicherweise die Einschätzungen der Befragten über ihr eigenes Wissen oder Vertrauen beeinflusst hat. Auf der anderen Seite ist es vorstellbar, dass ein hoher Wissensstand die Vertrauenswahrnehmung der späteren Besitzer positiv beeinflusst hat, sie Kryptowährungen aufgrund dessen als vorteilhaft oder vielversprechend ansahen und sich schließlich für den Erwerb entschieden haben.
Schlussfolgerung
Die Studie legt das demografische und sozioökonomische Profil von Kryptowährungsnutzern in Deutschland offen und zeigt wichtige Dynamiken der individuellen Akzeptanz von Kryptowährungen auf. Kryptowährungsnutzer sind meist jung, männlich, wohlhabend und gut ausgebildet. Das selbst eingeschätzte Wissens- und Vertrauensniveau spielt eine wichtige Rolle im Prozess des Erwerbs von Kryptowährungen. Die Dreiecksbeziehung zwischen Wissen, Vertrauen und Besitz wurde im Rahmen der Studie aufgedeckt und empirisch anhand einer repräsentativen Stichprobe von Nutzern validiert.
Die Ergebnisse unserer Studie zeigen die Relevanz, welche Kryptowährungen inzwischen im gesellschaftlichen Kontext erreicht haben. Studien wie diese tragen dazu bei, objektive Datengrundlagen zu schaffen, um die vielfältigen Fragestellungen von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, die sich aus der breiten Nutzung von Kryptowährungen ergeben, beantworten zu können. Die hohe Dynamik der Branche zeigt jedoch, dass neue Produkte und Innovationen ständige Veränderungen bewirken, denen durch regelmäßige repräsentative Umfragen und Forschung Rechnung getragen werden muss.