Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03365.jsonl.gz/1167

Die englischen Youngsters von The Kooks haben einen rasanten Karrierestart hingelegt: 2006 veröffentlichten die Jungs aus Brighton, blutjung mit einem Durchschnittsalter von circa 19, ihr Debütalbum „Inside In/Inside Out“ und wurden die neuen Sterne am Indiehimmel. Überfüllte Stadien, Eineinhalb Millionen verkaufte CDs und die vordersten Plätze in den Charts waren die Bilanz des Erstlings. Während sich die Musikjournalisten über Music Promotion Network aufregten und versuchten eine Statistik über den durchschnittlichen Spritzenkonsum von Amy Winehouse und die damit zusammenhängende Umweltverschmutzung aufzustellen, haben sich die Kooks zurückgezogen und begaben sich auf eine spirituelle Reise durch die Musikgeschichte. Wie früher die Beatles haben auch sie nun ihren persönlichen spirituellen „Lehrer“ gefunden, nach dem sogar ihre zweite Platte „Konk“ benannt wurde. Gitarrist Hugh Harris nahm Tink.ch mit auf einen Karmatrip, während dem er über Karma und Schicksal philosophiert, und uns erklärt, dass Engländer Fussballnieten sind.
Hallo Hugh! Ist das ein echtes Tatoo, das du auf deiner Hand trägst? (eine rote, aufgehende Sonne die wie ein religiöses Symbol aussieht)
Ja, das hat mir ein Typ, den ich in Japan in einem Lift getroffen habe, gemacht. Jedes Mal wenn du einen Westler in Japan antriffst, freust du dich und fängst an zu reden. Er sagte, er würde es mir gratis machen. Einfach so.
Hat es eine Bedeutung?
Die japanische Flagge zeigt eine aufgehende Sonne. Ich denke, ich habe es mir stechen gelassen weil ich mich zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben auch wie eine aufgehende Sonne fühlte. Jetzt bin ich eine Mittagssonne, da ich so um die dreissig, vierzig Jahre alt bin.
Du bist doch noch nicht 30, oder?
(Mit todernster Miene) Doch, ich werde jetzt dann 35.
Wirklich? (zwischen Skepsis und Schock hin und her gerissen)
Nein. Sicher nicht. (Alle brechen in Gelächter aus) Ich bin 20.
Fangen wir mal mit einer ernsten Frage an. Gibt es einen Gedanken, der das neue Album „Konk“ wie einen roten Faden durchzieht?
Sex.
Aha…
Nein. (lacht) Es gibt viele Sachen die uns inspiriert haben. Alles was man so gerne tut. Da gibts nicht nur ein Thema. Es sind eigentlich nur Emotionen und Beziehungen.
Wieso habt ihr euer Album „Konk“ genannt? Hat es eine bestimmte Bedeutung?
Ein „Konk“ ist ein Schalentier, sorry, einen 30 cm langen Penis auf dem Kopf hat, zwei Augen, und in einer Muschel am Meeresboden lebt.
Ist das wieder einer deiner Spässe?
Nein, Nein! Das ist wirklich so! In England nennt man das auch „Conch“, was auch „Muschel“ bedeutet. Aber das hat überhaupt keinen Bezug zu unserem Album. (grinst) Wir haben es nach unserem Studio benannt, das „Konk“ heisst. Dieser Ort bedeutet uns sehr viel, da wir unsere beiden Alben dort aufgenommen haben. Das Album ist eine Art Hommage an unser Studio, das gleichzeitig auch unser spirituelles Zuhause ist.
Das bringt uns gerade auf die nächste Frage: Glaubst du an Karma?
Klar! Karma ist die fairste Art, dein Leben zu führen. Ich glaube, dass jeder Mensch eine Seele hat. Religiös bin ich aber nicht wirklich. Ich halte nichts von der Kirche die von dir Geld verlangt, damit du in den Himmel kommst. Ich glaube an einen spirituellen Gott den wir alle in uns tragen, nicht einen, der teilnahmslos im Himmel sitzt. Ich weiss, dass ich auf mein Herz und meinen Geist vertrauen kann und dass diese mich auf den richtigen Weg bringen werden. Viele Leute können das nicht, und brauchen deswegen eine höhere Macht auf die sie vertrauen können.
Was ist mit Schicksal?
Ich glaube an das Schicksal, wenn ich in einem Flugzeug bin: Wenn es dazu bestimmt ist, abzustürzen, dann wird es auch abstürzen. Ansonsten brauche ich nicht daran zu glauben. Ausser wenn was Schlechtes passiert, denn dann weiss ich, dass es einfach passieren musste und so kann ich auch probieren etwas Positives daran zu sehen. Das ist eine sehr spirituelle Konversation die wir hier führen. Ich mag das.
Wenn du wiedergeboren wirst, was würdest du am liebsten sein?
Eigentlich will ich gar nicht wiedergeboren werden. Aber ich bin sicher, es wäre lustig ein Paar Unterhosen zu sein.
Und wenn es ein alkoholisches Getränk sein müsste?
Das ist mir eigentlich egal. (lacht) Ich weiss nicht, welcher Alkohol bringt am meisten Spass? Oder, oh nein, ich möchte als sehr exklusiver teurer Wein wiedergeboren werden. Dann hätte ich ein sehr langes Leben, denn alle würden Angst haben, mich zu trinken. Dann könnte ich ein stilles Leben in meiner sauberen Flasche führen, vor mich hinfermentierend.
Also ein teurer französischer Wein, wie den Château St.Petrus.
Wow, könnt ihr Französisch?
Naja, ein wenig. Kannst du auch andere Fremdsprachen? Oder bist du durch und durch Engländer?
Nein, ich bin zur Hälfte Australier.
Die haben doch so einen tollen Akzent!
Die nerven!
Wieso?
Die haben immer so eine tolle Laune und wollen dass du auch dauerfröhlich bist. Wenn du mal nicht strahlend durch die Gegend läufst, fragen sie dich gleich was du hast.
Australien hat doch immer so geiles Wetter, schon klar sind sie so gut drauf. England vs. Australien.
Genau! Mein Vater ist Australier.
Ist er auch so eine frohe Natur?
Nein, eben nicht mehr. Er lebt jetzt in England. Er war immer traurig in Australien und das konnte er dort nicht sein. Darum kam er nach England, um den anderen Engländern unglücklich zu sein.
Denkst du wirklich so über die englische Mentalität?
Ja. Dort sind alle so scheisse drauf. Die können gar nicht anders. Manchmal möchtest du sie am liebsten durchschütteln und sagen: „Wenn du so unglücklich bist dann bring dich doch um oder mach irgendwas, aber hör auf andere Leute zu nerven.“
Aber ich liebe England, ich liebe „britishness“. (verträumt) Ich liebe Charles Dickens‘ England, schöne Häuser, und Oxford, Tee, Picknicks, Scones und Tee und Kricket schauen oder Pferderennen. Das ist schön. Dann gibts noch eine andere Seite von England, die ist einfach… erbärmlich.
Was war die erste CD die du gekauft hast?
Ich glaube es war „What’s the story (Morning Glory)“ von Oasis. Die waren meine Helden. Ansonsten habe ich viel ABBA gehört wegen meinen Eltern. Als kleiner Junge tanzte ich immer zu „Dancing Queen“, bis ich dann realisierte, wie schwul das eigentlich war. Aber ich tu es immer noch. (lacht) Was gibts bei euch so Peinliches?
Die Pet Shop Boys?
Wuah! Die habens echt drauf. Ich habe sie mal live gesehen und die haben eigentlich alles abgespielt. Einfach den Sound von der Cd laufen lassen. Das möchte ich auch mal machen, auf die Bühne kommen und dann unsere Platte laufen lassen und einfach da stehen. Das wäre so lustig. Es ist witzig, denn wenn du Werbung machst für ein Konzert, dann sagst du: „Komm und schau dir die Kooks an!“. Eigentlich, bist du dann nicht daran gebunden, tatsächlich selbst Musik zu machen. Irgendwann werden wir vor 4000 Zuschauern ein Sofa und eine Bar auf die Bühne hieven lassen und wir werden uns einfach hinsetzen und ein Bierchen trinken und unserer Freunde einladen und so eine Party feiern. Im Stil von: „Du wolltest die Kooks sehen? Niemand hat gesagt wir würden was spielen.“
Nervt es dich eigentlich nicht, dass England nicht an der EM ist?
Nein. Wir waren ja nie wirklich gut.
Wie, ihr wart nie gut? Ihr seid eine Fussballnation. Manchester, Arsenal, Chelsea. Beckhams linker Fuss!
Beckhams linker Fuss?! England ist zwar eine Fussballnation aber wir haben nie was gewonnen. Nicht seit 1966. Wir denken, wir sind die Besten, doch das sind wir nicht.
Und wir sind so arrogant: „Wir haben Fussball erfunden“. Das ist doch vollkommen egal, wir sind trotzdem scheisse. Und Manchester, Arsenal und so, das sind alles ausländische Spieler. Die sind nicht aus England, nicht aus Chelsea. Ich bin aus Chelsea, die nicht!
Wer wird also deiner Meinung nach die EM gewinnen?
England!