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Forever young David Perlman, der älteste Zeitungsredaktor der Welt
- Mittwoch, 8. Februar 2017, 17:53 Uhr
Rente? Fehlanzeige für Wissenschaftsredaktor David Perlman. Er ist fast 100 Jahre alt – und schreibt noch immer eifrig für den «San Francisco Chronicle».
- David Perlman begann 1940 als Copy Boy beim «San Francisco Chronicle» und arbeitete nach dem Zweiten Weltkrieg für die «New York Herald Tribune» als Korrespondent in Paris.
- Ein Buch über das Universum weckte sein Interesse an wissenschaftlichen Themen: Noch im Alter von 88 Jahren reiste er zu Ausgrabungen in die äthiopische Wüste.
- Perlman schrieb über sämtliche Raumfahrtmissionen und gehörte zu den ersten, die über die Aids-Epidemie berichteten.
David Perlman ist der Inbegriff eines rüstigen Rentners. Bloss: Er ist nicht Rentner. Der 98-Jährige hat eine kräftige Postur und eine beeindruckend sonore Stimme, die etwas lauter als nötig ist: «Mein Hörgerät ist zurzeit nicht optimal eingestellt», sagt Perlman entschuldigend und geht an seinem Spazierstock voraus zu seinem Arbeitsplatz.
«Ich bin und bleibe ein Messi»
David Perlman gehört quasi zum Inventar des «San Francisco Chronicle». Im Grossraumbüro der wichtigsten Zeitung dieser Stadt an der US-Westküste deuten nur zwei Stellwände darauf hin, dass Perlman eine Sonderstellung in der Redaktion hat.
Die Stellwände begrenzen sein Büro in der Ecke des Newsrooms und halten die Papierstapel jahrzehntelanger Redaktionsarbeit in Schach. «Ich bin und bleibe ein Messi», sagt Perlman und lacht.
Vom Copy Boy zum Korrespondenten
Die journalistische Erfahrung Perlmans ist beeindruckend. Wenige Wochen nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, im Dezember 1918, kam er bei New York zur Welt. Bereits mit 12 Jahren war sein Traumberuf Zeitungsreporter.
1940 schloss er seine Journalistenausbildung ab. Noch im selben Jahr stieg der damals 22-Jährige beim «San Francisco Chronicle» als Copy Boy ein – als Laufbursche für die Redaktoren. «Da gehörte es auch dazu, Hamburger anzuliefern», erinnert sich Perlman.
Im Zweiten Weltkrieg dient er für die Amerikaner in England und blieb danach als Korrespondent für die «New York Herald Tribune» in Paris, wo er mit seiner Frau eine Familie gründete. 1951 reisten sie nach San Francisco zurück, bezogen ein Haus und er eine Stelle beim «SF Chronicle». Dem Haus und der Stelle ist er bis heute treu geblieben.
Ein Beinbruch mit Folgen
Das Schlüsselerlebnis, das ihn zur Wissenschaft geführt hat, war einem Beinbruch geschuldet, den er sich 1957 beim Skifahren zugezogen hatte. Ein Freund gab ihm ein Buch über das Universum zu lesen. Er fing für die Astronomie Feuer.
Seither hat er über sämtliche Raumfahrtmissionen geschrieben – die erste Mondlandung 1969 inbegriffen. Doch thematisch widmet er sich allen möglichen Forschungsgebieten, die in der vibrierenden Wissenschaftslandschaft in San Francisco, Berkeley und Stanford gerade aktuell sind.
So begleitete er 1964 zwei Monate lang eine Expedition auf die Galapagos-Inseln, als sie noch nicht vom Tourismus entdeckt waren. Oder er besuchte Paläontologen in ihrem Ausgrabungs-Camp in der äthiopischen Wüste. Da war er 88 Jahre alt.
Die Freunde überlebt
David Perlman hat fast alle seiner Zeitgenossen überlebt. Die Frage, ob dies nicht einsam mache, stimmt ihn einen Moment nachdenklich. In der Redaktion habe er kaum mehr wirkliche Freunde.
«Verbittert bin ich nicht», sagt er und erzählt von seiner Lebenspartnerin, die er nach dem Tod seiner Frau kennengelernt habe und mit der er einen grossen Freundeskreis teile.
Das Lob der Chefin
Die Chefredaktorin des «SF Chronicle», die 60 Jahre jüngere Audrey Cooper, lobt David Perlman in den höchsten Tönen: «Sein Erfahrungsschatz ist für unsere Redaktion enorm wichtig.»
Er sei es gewesen, der 1981 als Erster über aufkommende Aids-Fälle in San Francisco recherchierte «und damit dazu beigetragen hat, dass unsere Zeitung bei diesem Thema eine führende Rolle einnahm».
Audrey Cooper sieht keinen Anlass, David Perlman die Pensionierung nahezulegen. Perlman selber denkt mit seinen 98 Jahren nicht daran, in Rente zu gehen. Er kann sich nichts anderes vorstellen, als jeden Tag ins Büro zu kommen («mein Zuhause») und Artikel über neueste Forschungsprojekte zu schreiben: «Ich bin und bleibe ein Zeitungsreporter.»
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4.2.2017, 9:34 Seit 09:34
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