Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03262.jsonl.gz/2044

Ein Buch-Bestseller, eine Lebensgeschichte, gibt Einblick in die Walliser Familienverhältnisse, besonders in die Geburtshilfe im vergangenen Jahrhundert. „Ich, Adeline Favre, Hebamme aus dem Val d’Anniviers“, erscheint 2023 in einer Neuauflage. Erschienen ist die Lebensgeschichte der Hebamme Adeline Favre erstmals 1981.
Die bewegende Lebensgeschichte hat die Hebamme Adeline Favre bereits früh im 20. Jahrhundert herausgegeben. Geboren als Adeline Salamin im Jahr 1908 in Saint-Luc im Val d’Anniviers als eines von vierzehn Kindern, hatte Adeline damals gegen den Willen ihrer Eltern eine Hebammen-Schule in Genf besucht. Im Jahr 1928 kehrte Adeline Favre ins Wallis zurück und arbeitete hier bis zu ihrer Pensionierung als Hebamme. Zuerst hatte sie Geburten zu Hause bei den Familien betreut, zuletzt dann übte sie im Spital von Siders den Hebammen-Beruf aus. Rund 8000 Kinder hatten mit ihrer Hilfe das Licht der Welt erblickt. 1983, im Alter von 75 Jahren, starb Adeline Favre in Siders.
Aussergewöhnliche Leistungen hatte Adeline Favre als Hebamme vollbracht. Vor ihrer Zeit hatten noch Frauen ohne jegliche Ausbildung den Kindern auf die Welt geholfen. Erst Adeline Favre brachte neues Wissen über die Geburtshilfe ins Wallis. Neues Wissen zum Beispiel im Bereich der Hygiene. Erstmals hatte Adeline Favre im Val d’Anniviers eigene Hygiene-Standards eingeführt. Dazu gehört zum Beispiel die Nabelpflege oder das mehrfache Abkochen des Wassers, das man bei der Geburt benutzte. Erstmals hatte Adeline Favre bei der Geburt auch die Ehemänner beigezogen.
Mit ihrem Wissen und mit ihrer erfolgreichen Tätigkeit als Hebamme hatte Adeline Favre einen hohen sozialen Status im Wallis erlangt. Im Dorf Saint-Luc im Val d’Anniviers rangierte damals Adeline Favre in der Rangordnung der Dorfbevölkerung direkt hinter dem Pfarrer. Ihre Biographie brachte sie bereits im Jahr 1981 erstmals in Buchform zu Papier.
Die Quellen und Grundlagen zu Adeline Favres Buch stammen aus Gesprächen, die sie mit ihren Nichten geführt, und die sie gleich selbst auf Audio-Kassetten aufgenommen hatte. Darauf erzählt sie von den Geburten, die sie persönlich betreut und begleitet hatte. Diese Audio-Aufnahmen sind denn auch die wichtigsten Grundlagen für das Buch. Nach der ersten Veröffentlichung in französischer Sprache sind weitere Übersetzungen in deutscher Sprache erschienen. Die Oberwalliser Autorin Susanne Perren hat in einem Nachwort zusätzlich die Entwicklung des Hebammen-Berufs beleuchtet. Dazu gibt sie einen Überblick über die lebendige Geschichte des Val d’Anniviers.
Der Nachlass der legendären Hebamme Adeline Favre wird heute im Staatsarchiv Wallis aufbewahrt. Da sind auch alle Dokumente vorhanden, die als Grundlagen für den Buch-Bestseller gedient hatten.