Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03605.jsonl.gz/1230

Kopie der Zeitung "Mennonitische Rundschau" vom 27. April 1910, Seite 15. (gotisch) von Elena Klassen.
Nikolaipol, Asien, den 25. Januar 1910. Längst schon war mein Vornehmen, von hier wieder einmal etwas einzurücken. Doch blieb`s der vielen Arbeit wegen beim Wollen. Ich erwartete schon längere Zeit von irgend einem unserer Cousinen eine Antwort aufdie Frage der Schwester Pet.Wiebe. Da bisher noch keine erfolgte, so werde ich kurz antworten auf die Frage, wo Peter Janzens und Konrads Kinder seien. Von Konrads Kinder sind Jakob und Heinrich in Sibirien, nähere Adressen kann ich noch nicht angeben; Peter in Alexanderwohl; Abraham und Helena (Peter Hübner) in Alexanderkron, Molotschna, Gerhard am Terek; Peter Janzens und Johann Nickels (Peter Janzens Marie) in Prangenau; Anna (Jakob Neufelds) Friedensruh, Molotschna; Elisabeth (Gerhard Barg) Lugowsk, Samara; Helena (Heinr. Regehr) am Terek Wanderloo; dort ist auch Korn. Janzens Peter von Gnadenthal. Von Hübners Kinder ist Wilhelm auch in Sibirien: Sarah (Korn. Martens) in Kleefeld, Molotschna; Martin Janzens Kinder sind außer Lieschen alle hier; Abram hatte jetzt im Januar Hochzeit. Meine Geschwister und Eltern sind alle hier. Br. Kornelius starb im Juli 1908 in Spat in der Krim, hinterließ drei Söhne: Jakob, Hermann und Kornelius, sind noch dort bei ihrer Mama, jetzt Is.Fasten.
Br. Hermann starb im November 1908 im Alter von 19 Jahren. Br. Peter, Johannes Leh. Agatha (Jak. Peters) Helene (Heinrick Eck) und wir wohnen hier im Dorfe; Abram ist gegenwertig in Berlin, Deutschland in der Bibelschule. Geschw. Joh. Wieben (Marie) Franz und die Eltern wohnen unten am Urmaral, dort wo Geschwister D.Peters im Jahre 1882 Hochzeit feierten, bauen dort eine Wassermühle. Wir durchleben hier samt und sonders eine Krisis im Materiallen, wenig Geld; hoffentlich bessert es sich bald, denn im April d.J. soll den Bahnbau in Angriff genommen werden; dieselbe soll die Zentral-Asiatische, Taschkent-Orenburgische mit der Sibirischen verbunden. Von dort (Sibirien) aus ist schon begonnen.
Unsere Stellung der Regierung gegenüber ist in letzter Zeit eine mehr gespannte, weil die Beamten meistens zu den Rechten gehören. Für uns eine Zeit der Aufrüttlung im Geistlichen.
Manches ist hier schon sehr gehoben; will`s Gott wird`s auch noch mehr. Doch wir wissen, daß wir in der letzter Zeit leben und die Zeit für uns besonders wertvoll und teuer ist, um uns bereit zu halten auf den Augenblick, da der Herr die Seinen entrücken wird vor der großen Trübsal. O, daß wir doch mit all unseren Lie (Lieben? – E.K.) dann mit entrückt werden dürften! Zwei unserer Kinder ergaben sich dem Herrn, Jakob und Marie, dann sind noch Lene und Fränzchen und aus zweiter Ehe noch Tinchen und Anna.
Wir haben ein Jahr voller Heimsuchung hinter uns. Tinchen erkrankte Weihnachten 1908, Sonntag nach Weinachten starb unser Jüngstens, Hermann, nach schwerem Leiden; vorher waren wir beide auch bettlägerich. An Tinchens Bett viele Nächte gewacht, viel gebetet. Endlich stellte sich Besserung ein, und siehe da , das linke Bein war verkrümmt. Nachdem sie körperlich so viel hergestellt war, fuhr ich mit ihr ins warme Bad, etwa 380 Werst östlich von hier, in den Bergen. Es sind das heiße Mineralquellen, von 18 bis 38 Grad Wärme. Es besserte, doch fehlte noch viel zur Genesung.
Von dort noch nicht ganz drei Wochen zu Hause entschlossen wir uns, daß Mama mit ihr nach dem Süden fuhr. Sie blieben zwei Monate weg. Jetzt kann Tinchen allein gehen, doch noch nicht grade. Den 10. Oktober kam ich mit ihnen von der Bahn nachhause.
Am 15. Oktober führte uns der Herr eine neue Heimsuchung zu. Jakob, unser Aeltester ritt, das Pferd stürzte und er brach das linke Bein zweimal unterhalb des Knies. Er ist aber, Gott sei Dank, schon wieder an der Arbeit. Schwager Eck richtete es noch ein; jetzt weilt er in der Krim, sammelt dort mehr Kenntnisse in der Homöopathie und elektrischen Heilkunde, um sich ganz dem Beruf eines Arztes hier unteruns und den Kirgisen widmen zu können; dieses diene unseren Verwandten und Bekannten dort drüben zur Nachricht.
Es wäre uns sehr lieb, auch alle eure Adressen zu erfahren; völlig unbekannt ist uns Jakob und Franz`Adresse. Ferner möchte Martin Gäde, Sohn des Peter Gäde, gebürtig von Liebenau, aufgewachsen aber in Wernersdorf, Molotschna, die Adressen erfahren von Martin Fast, Sohn des Abraham Fast und von Peter Rempel, beide früher Großweide, Molotschna. M. Gäde ist seit Sommer 1908 hier im Dorfe und gibt die herzlichsten Grüße an Obengenannte ab und bittet um ihre Adressen entweder brieflich oder durch die Rundschau. Seine Adresse folgt unten.
Ich lese zuweilen von einem gewissen Joh.Hodel. Ist das derselbe, mit dem ich in den Jahren 1879-80 in Wohldemfürst zur Schule ging? Und wo steckt Heinrich Martens vom Kuban, Jakob Giesbrechts Schwiegersohn? Ich war im Sommer 1903 am Kuban, traf dort viele Bekannte. Wir freuten uns mit einander. Joh. Martens fuhr uns zur Bahn.
Herzliche Grüße, besonders an Eltern und Geschwister in Carpenter, Süd Dakota, an alle gewesenen Turkestaner, besonders meine Schüler. Zwei Winter war ich nicht im Schuldienst, jetzt arbeite ich aber wieder als zweiter deutscher Lehrer. Unsere Ansiedlung am Tschu wird sich schwerlich halten.
Bisher hatten wir einen sehr leichten Winter, auch jetzt nicht kalt, aber gestern fiel ziemlich Schnee. In Köppenthal (Romanowka) ist eine Meierei und Käserei eingerichtet. Die Brüder Heinrich und Robert Janzen fuhren in voriger Woche ab nach Halbstadt mit Schweinefleisch und bringen wahrscheinlich einen Dampfkessel mit für den neuen Sawodd. Jakob Peter Janzen, Abram Jakob Wedel, Cornelius Aron Janzen und Heinrich Franz Ott von hier sind im Jekaterinoslawschen auf der Schule, in Nikolaiewka.
Nebst Gruß an den Editor und Leser von
Heinrich und Maria Janzen.
Anm. Wir haben Deine und K.Goossens Rundschau bis Jan. 11 quittiert und bitte, zahle zehn Rubel an arme Witwen dort und dann ist alles in Ordnung. Gruß – Editor.