Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03634.jsonl.gz/3770

Welche Gebiete umfasst das Hochrheintal?
Der Hochrhein beginnt bei Konstanz
und endet in Basel. Naturräumlich ist für die Region Basel die Strecke Aaremündung–Basel wichtig. Dieser Teil des Hochrheintales ist eine jungquartäre Tallandschaft und besteht hauptsächlich aus Terrassenfeldern. Das Gefälle des Rheins zwischen Koblenz auf 317 m ü. M. und Basel auf 260 m ü. M. ist recht gross und somit war ursprünglich die Fliessgeschwindigkeit des Rheins ebenfalls beträchtlich.
Der Talboden ist maximal vier Kilometer breit. Er wird im Norden durch den Dinkelberg und den Hotzenwald (Schwarzwald) begrenzt. Im Süden bildet der Tafeljura die Grenze. Die Ränder des Hochrheintales sind oft steil und gehen häufig in bis zu 100 Meter hohe Hänge aus Muschelkalk über.
Der Hochrhein während der Eiszeiten
Das Hochrheintal erhielt erst während der Eiszeiten seine heutige Form. Während der vorletzten Eiszeit, der Riss-Eiszeit, floss der gemeinsame Rhein-Aare-Rhône-Gletscher bis Möhlin und hinterliess dort eine Endmoräne. Vielleicht war es auch der Wehra-Gletscher aus dem Schwarzwald, der diese Endmoräne schuf. In diesem Falle wäre der Rhein-Aare-Rhône-Gletscher weiter östlich schon stehen geblieben.
Die Gletscher bewegten während der Eiszeiten grosse Schuttmengen. Diese wurden ausserhalb der Endmoränen von den Flüssen weitertransportiert. Da die Schuttmenge während gewisser Phasen der Eiszeit sehr gross und die Transportkraft der Flüsse lediglich klein waren, konnten die Flüsse diese nicht sehr weit transportieren. Es kam so in jeder der vier Eiszeiten nach Perioden der Taleintiefung (Erosion) zu ausgedehnten Aufschüttungen (Akkumulationen). Diese wurden dann in den nachfolgenden wärmeren Periode (Interglazialzeit) durch den Rhein wieder etwas zerschnitten.
Die Hochterrasse entspricht den Ablagerungen der Riss-Eiszeit und ist als landschaftlich prägendes Element nur im Möhliner Feld vorhanden. Abgelagerte Kiesmassen der letzten Eiszeit (Würm) bilden die grossen Niederterrassenfelder
, auf denen die grossen Siedlungen wie Basel, Muttenz und Pratteln errichtet wurden.
Ähnliche Vorgänge haben auch in früheren Eiszeiten stattgefunden, als die Flüsse allerdings noch hoch über der heutigen Talsohle dahinströmten. So finden wir die Ablagerungen der Günz- bzw. der Mindel-Eiszeit in Form von auf der Rütihard
oder auf den bewaldeten Höhen zwischen dem heutigen Rheintal und der Linie Arisdorf-Olsberg-Magden
.
Da die Gletscher in Möhlin und im Ergolztal bei Frenkendorf stehen blieben, wurde die Region Basel nie vom Eis bedeckt. Der Perma- oder Dauerfrost prägte die Landschaftsformen stark. Diese entstanden durch Solifluktion oder Bodenfliessen, das heisst im Sommer tauten die obersten Schichten des gefrorenen Bodens auf und das Material an den Hängen rutschte langsam hinunter.
Ein Kulturlandschaftswandel findet statt
Ab Mitte des 19. Jh. fand im Hochrheintal ein gewaltiger Kulturlandschaftswandel statt. So führte die Entdeckung der Salzlagerstätten in Muttenz/Pratteln zur Gründung von Industrien. Zur Erzeugung von elektrischem Strom wurden Laufkraftwerke gebaut: Rheinfelden 1898 (Neubau 2010), Augst-Wyhlen 1912, Laufenburg 1914, Riburg-Schwörstadt 1930, Albbruck-Dogern 1933, Birsfelden 1955 und Säckingen 1967.
Auf beiden Seiten des Rheins wurden Eisenbahnlinien gebaut. Auf der deutschen Seite wurde die Hochrheineisenbahn von Basel Badischer Bahnhof bis Bad Säckingen 1856 eröffnet. Auf Schweizer Seite erfolgte der Bau in Etappen: 1857 Basel-Pratteln, 1895 Pratteln-Stein-Säckingen und 1944 Stein-Säckingen-Laufenburg.
Auf beiden Seiten des Rheins wurden Eisenbahnlinien gebaut. Auf der deutschen Seite wurde die Hochrheineisenbahn Basel Badischer Bahnhof bis Bad Säckingen 1856 eröffnet. Auf Schweizer Seite erfolgte der Bau in Etappen: 1857 Basel – Pratteln, 1895 Pratteln – Stein-Säckingen und 1944 Stein-Säckingen – Laufenburg.
Der Transport auf dem Rhein hatte schon immer eine grosse Bedeutung. Mit dem Bau des Auhafens ab 1937 wurde der Massengütertransport ausgeweitet. Endstation der Hochrheinschifffahrt blieb immer Rheinfelden (Kraftwerk).
Zudem entwickelte sich die Bevölkerung Mitte des 20. Jh. – zur Zeit des «Wirtschaftswunders» – rasant. Das untenstehende Diagramm «Beispiel Muttenz» belegt diese Entwicklung. Die sich ausdehnenden Siedlungen und die Zunahme der Verkehrsflächen vor allem durch den Bau der Autobahnen führten zu einem grossen Flächenverbrauch. Heute zieht ein geschlossenes Siedlungsband auf beiden Seiten des Rheins durch das Hochrheintal.
Trinkwasser für die Region
Die Niederterrassenschotter der Hard dienen der Anreicherung des Grundwassers mit Rheinwasser. Ähnlich funktioniert die Wasseranreicherung in den Langen Erlen. Das aus dem Grundwasser gewonnene Trinkwasser versorgt einen Grossteil der Region Basel, insbesondere die Einwohner der Stadt Basel.
Verschiedene stillgelegte Deponien mit Chemieabfällen beeinträchtigen dieses Trinkwasser. Während der ersten Hälfte des 20. Jh. wurden die Schottervorkommen für den (Strassen-)Bau in (Kies-)Gruben ausgebeutet. Diese wurden anschliessend im Zeitraum 1930–1960 mit Hauskehricht, Aushub, aber auch mit Abfällen aus der chemischen Industrie aufgefüllt. In Muttenz wird jetzt die Chemiemülldeponie Feldreben als erste saniert.
HPM