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Die 1617 gegründete Fruchtbringende Gesellschaft leistete frühe Lobbyarbeit für Sprache, Kultur und Wissenschaften. […] In der Fruchtbringenden Gesellschaft gab es darüber eine angeregte Diskussion. Einige Mitglieder vertraten die These, dass man sich bei der Schreibweise nach der Herkunft des Wortes richten solle. Fürst Ludwig hat sich bis zu seinem Tode gegen diese Ansicht gewandt. Der Gebrauch — das was den Leuten vertraut ist — müsse das Regulativ sein. Er war nicht gegen Vereinfachung der Rechtschreibung, aber er wäre ganz scharf demjenigen entgegengetreten, der "Stengel" — so wie jetzt verlangt — mit "ä" hätte schreiben wollen. Diese Geschichtsvergessenheit ist so häufig in Deutschland anzutreffen. Immer wieder muss man dieselben Debatten noch einmal führen.
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Kleindienst, Jürgen
Das menschliche Gehirn ist flexibel. Warum sind es so viele in Deutschland nicht, allen voran die Gruppe von Schriftstellern […]? Natürlich ist die Reform ein Flop. Es gibt nicht zwei Orthographien, eine Schul- und eine Alltags-Regelung, wie die Edelfedern annehmen, sondern so viele, wie es Menschen gibt. Das war schon immer so, und das ist das Gesetz eines komplexen Systems: jeder interpretiert es anders, egal, was von oben verordnet wird. Unsere Schriftkultur ist anderweitig bedroht: von Bildermedien wie Fernsehen und Computer etwa, aber auch von unserem Bildungssystem, das Lesen und Schreiben an den Rand der Ausbildung drängt. Hier sollten sich die Schriftsteller engagieren.
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