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Bauernhaus am Köschenrütiweg. Alte Assek-Nr. 70A für das alte Oberhaus, 104 für das neue Oberhaus. Neue Assek 11. Altes Oberhaus erbaut um 1660, abgebrannt am 30.5.1844, Neubau erstellt neben dem alten bereits 1838, also vor dor dem Brand. Liste der Eigentümer siehe weiter unten! Zuletzt von den Familie Werner Schnellmann und Heinrich Schnellmann bewirtschaftet. Siehe auch unter Werner Schnellmann! und Heinrich Schnellmann! Um 1942 ging das Haus samt Stallungen an die Stadt Zürich. Diese hat im Juli 2008 die Stallungen abgebrochen.
Zur Geschichte des Oberhauses wird neben dem, was offiziell bekannt ist, auch noch einiges mehr an 'Geschichten' herum gereicht, welche unbelegt sind und eher zur Spekuation zu zählen sind. Darüber berichtet die OGS nicht, hingegen hält sie einige Fakten, welche Werner Schnellmann zu diesem Haus noch zu erzählen wusste, für höchst interessant. Als ich diese Ernst Benninger erzählte, war er sehr erstaunt und meinte, dass sie hervorragend zu seine Vermutungen passten. Leider war Ernst Benninger zu diesem Zeitpunkt gesundheitlich bereits angeschlagen und in fortgeschrittenem Alter, sodass er sich der Sache nicht mehr annehmen konnte. Er bat mich aber, alles exakt in der OGS zu vermerken, damit diese Informationen erhalten bleiben. Hier folgen nun diese ergänzenden Angaben. Die Informationen stammen von Werner und Georg Schnellmann, die Schlussfolgerungen dazu meist von der OGS:
- Die Geschichte des Oberhauses ist urkundlich bis auf das Jahr 1660 zurück verfolgbar, da es etwa in diesem Jahr erbaut wurde. Über ein Vorgängerhaus ist weiter nichts bekannt. Das Haus von 1660 brannte am 30.5.1844 vollständig ab. So liest man es gemeinhin, doch so ganz vollständig ist es nicht abgebrannt, denn als in den 1960er oder 1970er Jahren die Erdgasleitung von Rümlang nach Seebach verlegt wurde, kam diese genau zwischen das neu erstellte Bauernhaus und der alten, 2008 abgetragenen Scheune zu liegen. Beim Aushub im Bereich des Vorplatzes stiess man dabei auf Grundmauern, welche scheinbar vom alten Oberhaus stammten. Sie liessen erstmals eine sehr genaue Ermittlung der Lage des alten Oberhauses zu, welches offenbar gleich ausgerichtet war wie das Unterhaus (Bauernwohnhaus Kläusli), jedoch scheint der darunterliegende Weinkeller genau 90° quer und teilweise ausserhalb des Bauernhauses gelegen zu haben, was Spekulationen über ein noch früheres Weinbauernhaus zulässt, jedoch auch ganz andere Gründe haben kann.
- Ausserdem scheint das alte Oberhaus gegenüber dem Neubau etwa 15 Meter weiter westlich gestanden zu haben, vermutlich genau dort, wo später die 2008 abgetragene Scheune stand. Dies berichtete Werner Schnellmann der OGS im Jahre 2002, allerdings war er sehr vorsichtig bei der genauen Lage des alten Hauses, weil ihn die Querlage des Weinkellers irritierte. Leider weiss man dazu nichts näheres, da es für die Köschenrüti keinen Zehntenplan gibt. Der Zehntenplan von 1820 wurde nur für das Gebiet erstellt, welches der Fraumünsterabtei gehörte und dieses endete am Katzenbach. Noch ältere Pläne wie etwa die Gygerkarte von 1660 der Köschenrüti zeigen lediglich zwei Häuser.
- Über die genaue Lage des alten Oberhauses hat Ernst Benninger lange geforscht, auch in alten Archiven, wo er nur teilweise fündig wurde und daher annahm, dass das Oberhaus die gleiche Ausrichtung wie das Unterhaus hatte. Mit dieser Annahme dürfte er Recht haben. So steht es in «Unser Seebach» auf Seite 57. Gar nicht ermitteln konnte er hingegen den präzisen Standort des alten Oberhauses. Georg Schnellmann wusste 2008 zudem noch, dass es beim zweiten Hauseingang zum Tenn unter der dortigen Eisenleiter eine Art liegende Tür gab, wo man in den Keller hinunter konnte und von wo man in westlicher Richtung bis zu einem sehr alten Kellergewölbe vordringen konnte, welches eindeutig als ziemlich grosser Weinkeller verstanden wurde. Dieser dürfte somit nicht nur unter dem neuen Bauerwohnhaus gelegen haben, sondern weiter östlich unter dem Köschenrütiweg hindurch. Je nach Quelle wird in diesem Zusammenhang von Mauerresten oder von Weinkeller gesprochen, was andeuet, dass hier offenbar noch Wissen von älteren Zeitzeugen hinein spielt. Neben den Mauerresten ist auch noch ein altes Kochmesser zum Vorschein gekommen. Beim Abbruch der alten Scheune im Jahre 2008 fand man keine alten Steinmauern unter dem Boden. Aus all diesen Angaben kann recht viel geschlossen werden:
Der Neubau des Oberhauses erfolgte im Jahre 1838, also 6 Jahre bevor das alte abbrannte. Folglich konnte dieses logischerweise nicht den gleichen Standort gehabt haben. Da man um 1970 alte Grundmauern unter dem Vorplatz des neuen Hauses fand und schon zuvor an ähnlicher Stelle ein Weinkeller mit Gewölbe bekannt war, muss das alte Haus folglich westlich des neuen gestanden haben. Da man 2008 keine Grundmauern unter der alten Scheune fand, dürfte das alte Oberhaus etwa dort gestanden haben, wo später die Scheune stand. Mit geschätzten 15 Metern Abstand dürften die beiden Oberhäuser auch genügend weit auseinander gestanden haben, denn es ist nirgends überliefert, dass das neue Haus durch den Brand gelitten hätte. Daraus muss geschlossen werden, dass der alte Weinkeller baulich nicht zum alten Oberhaus gehörte und dass letzteres demzufolge keine Unterkellerung besass.
Letztlich bedeutet das aber, dass der alte Weinkeller die Vermutung bestärkt, dass es schon vor 1660 ein Weinbauernhaus im oberen Teil der Köschenrüti gegeben haben könnte. Dieses Häus wäre dann parallel zum Hang gestanden. Falls es ein solches Haus gegeben haben sollte, wäre auch zu klären, ob das unter «Restaurant zur köstlichen Rüti» erwähnte Gasthaus, welches von Historikern bisher dem Unterhaus zugeordnet wurde, nicht im oberen Haus gewesen wäre.
Das Oberhaus war zu Rümlang kirchgenössig und es musste den Zehnten ebenfalls dorthin abliefern. Das Oberhaus wird urkundlich auch als «Nüwe Behussung» erwähnt. Daraus kann man auch schliessen, dass es somit auch eine alte Behussung gegeben haben könnte. Erbauer waren die Brunners (Vater Hans Heinrich und seine Söhne) vom Unterhaus. Sie betrieben das Oberhaus bis 1689, dann verkauften sie es an Rudolf Mathys. Dieser verkaufte es wiederum 1715 für 5300 Gulden an Rudolf Bänninger. Dieser behielt es, bis es 1844 abbrannte. Erstaunlicherweise hat er rechtzeitig, nämlich schon 1838, ein neues Haus erstellt. Dieses bewohnte er und seine Nachfahren bis 1891, als sie es weiter verkauften und in das von ihnen neu erstellte Restaurant Felsenberg umzogen, wo sie fortan metztgeten und wirteten.
Quellen: - OGS-eigene - Beat Czybik (Hinweis zum Abbruch) - «Unser Seebach», 1983, Ernst Benninger, 57/58 - Werner Schnellmann (Grundmauern, altes Messer) - Georg Schnellmann (Weinkeller, Zugang, Lage, Zusammenhang mit der köstlichen Rüti)