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Eines der Schlüsselelemente des Kohlenstoffkreislaufs ist die Annahme, dass das Leben ein metabolischer Ring aus Wachstum, Reproduktion und Degeneration ist – die konzeptionelle Grundlage der vorherrschenden Biopolitik. aLifveForms betrachtet diese Arrangements des Lebens im Verhältnis zu den technologischen Verfahren der Wartung und Erneuerung.
Die zyklische Kosmologie von aLifveForms, die in einer gemischten Realität angesiedelt ist, schlägt vor, das Selbst nicht nur als biologischen Körper zu betrachten, sondern auch als einen, der durch Technologie verziert ist und in unsere atmosphärische Umgebung hineinreicht. Indem das Selbst Zyklen mit undefinierbaren Grenzen (jenseits von Rationalität und Essentialismus) unterworfen wird, erscheint es als ein unmöglich abstrakter Körper. aLifveForms bringt ein Wesen hervor, das die Komplexität zeitgenössischer Kapitalströme, globaler Reproduktionstechnologie und Fantasien von Klimakontrolle verkörpert. Dieses planetarische Wesen hat andere Organe, einen anderen Reproduktionszyklus und eine Psychorealität, die sich von unserer gewöhnlichen Realität unterscheidet. Die Installation eröffnet somit sowohl eine physische Realität mit Geräten, die von den künstlichen Identitäten gebaut werden, als auch eine ornamentierte Realität, die die Zukunft von Transformella cinis projiziert.
Vier zylindrische Keramiken beherbergen symbolisch die Organe des neuen, unmöglichen Körpers von Transformella cinis. Die Ebene der Entstehung entfaltet sich durch NailFont-Schriften, Logos und Firmennamen, die in den rohen Ton eingeschrieben sind. Climeworks, das metaphorisch für die Lunge steht, ist ein Schweizer Startup-Unternehmen und das erste kommerzielle Unternehmen der Welt, das sich darauf spezialisiert hat, Kohlendioxid aus der Umgebungsluft zu filtern, es in Stein zu pressen und damit den Planeten Erde zu terraformen. Mosa Meat, der Muskel, züchtet in-vitro Rindfleisch, ein NeverLife, das dennoch dem Verfall und der Entropie unterworfen ist. Ancestry bestimmt die genetische Herkunft eines Individuums durch die Extraktion von Daten, die die Stammzelle als Datenmaterial bestätigen und den Zyklus der Reproduktion unterbrechen. Lonité synthetisiert Diamanten aus dem Kohlenstoff, der aus der Asche von Krematorien isoliert wird.
Text von Sarah Theurer.
aLifveForms (fed and cared for by JP Raether)Die Organe von Cinis dienen gleichzeitig als Behälter für ihre AscheOrakel, denn im Rahmen der Thermodynamik in der gemeinsamen Realität bewegen sich alle Prozesse im Universum auf den Wärmetod zu: einen Zustand des unumkehrbaren Verfalls, ohne Potenzial. Diese Gesetze werfen Fragen für die künstlichen Wesen von aLifveForms auf: Wie kann die zyklische Reproduktion die Negentropie in die Welterschaffung einführen? Kann sie den Stoffwechsel einer bewohnbaren Welt wieder auffüllen, den Extraktivismus des Kohlenstoff-Imaginären umkehren und sich dem Leben von seinem bevorstehenden katastrophalen Ende her nähern?
aLifveForms
JP Raether umsorgt in seiner transdisziplinären performativen Arbeit eine Gruppe konstruierter und sich ständig weiterentwickelnder Identitäten. Diese aLifveforms setzen sich aus Sprache, technologischen Häuten, digitalen Geräten und Raethers fleischlichem Körper zusammen, den sie umspannen und von dessen Identität sie sich zugleich immer weiter ablösen. Die SelfSisters oder AlterIdentities sind ortsspezifische, farbenfrohe und mit alltäglichen Objekten verwobene Wesen, deren Arbeiten sich mit der Konstitution von Realität durch Sprache auseinandersetzen. Die AlterIdentities treten innerhalb eines Geflechts von performativen Auftritten, sozialen Interventionen und elaboriertem Vokabular als humanoide Wesen und vollwertige Autor*innen eigener „Arbeit“ in Erscheinung. Momentan „leben“ drei aktive Linien, die sich Themen wie Reproduktions- und Biotechnologien (Transformella), dem globalisierten Tourismus (Schwarmwesen) oder okkulten Substanzen zeitgenössischer Technologie (Protektorama) widmen.
Transformella
Als Teil der aLifveForms werden Transformellae von JP Raether umsorgt und sind eine von drei aktiven Lebenslinien. In ihrer Forschung zu den kapitalistischen Produktionslinien und biotechnischer und sozio-politischer Reproduktionstechnologien beschäftigen sie sich mit künstlicher Befruchtung, Leihmutterschaft in globalen Reproduktionsindustrien oder dem Montageband der traditionellen Kernfamilie namens IKEA. Mit ihren ortsspezifischen Appearances demonstrieren sie, dass in jeder erlebten Realität die Existenzmöglichkeit weiterer Realitäten besteht. So arbeiten sie mit der Ernteabfallender menschlicher Körperzellen, interventionistischen Forschungsreisen und zyklischen Versammlungen ihres ReproTribes auf die Verwirklichung der Reprovulotion hin.