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Anaxagoras,
griech.
Philosoph aus
Klazomenä in
Ionien, geb. um 500 v. Chr., kam mit 20 Jahren nach
Athen.
[* 2] Kurz vor
Ausbruch des
Peloponnesischen
Krieges wurde er wegen Gottlosigkeit angeklagt, verließ die Stadt und starb 428 in
Lampsakos. Seine Naturerklärung ist wie die des Empedokles (s. d.) wesentlich
chemisch: auch er behauptete die Unveränderlichkeit des ursprünglich gegebenen
Stoffs. Während aber
Empedokles noch mit vier Grundqualitäten auskam, nimmt
Anaxagoras alle unendlichen Qualitäten als ursprünglich
an; und zwar sind in allem alle Qualitäten gemischt, nur nach dem überwiegenden schreiben wir dem einen Körper diese,
dem andern jene Qualität zu.
Anaxagoras behauptet darum auch die unendliche
Teilbarkeit nicht bloß des Raumes, sondern auch
der Materie, leugnet das
Leere und läßt den Raum von Materie kontinuierlich erfüllt sein.
Die qualitativ unterschiedenen Teilchen der Materie hießen «Samen»
[* 3] oder
Homöomerien (d. h. qualitativ gleichartige
Teile). Als
Anaxagoras' größtes Verdienst gilt, daß er vom
Stoff eine rein geistige Kraft,
[* 4] den Rus oder die
Vernunft unterschied, aus der er alles Seelische und Vernünftige in der Welt erklärte.
Sein Natursystem hat viel
Ähnlichkeit
[* 5] mit denen der ältern
Ionier, besonders des
Anaximenes, läßt jedoch im einzelnen wichtige
Fortschritte erkennen. So hält er die Gestirne für glühende
Steinmassen, was er durch die
¶
forlaufend
Beobachtung des Falls von Meteorsteinen bewies. Den Mond [* 7] hielt er für so groß wie den Peloponnes, die Sonne [* 8] für vielmal größer. Dem Mond schrieb er nur ein trübes Eigenlicht zu, wahrend er sein gewöhnliches helles Licht [* 9] der Sonne verdanke. Auch die Fixsterne [* 10] und Planeten [* 11] sollten nur erborgtes Licht haben. Von den Ursachen des Regenbogens und der Nebensonnen hatte er richtige Ahnungen. Auch seine physiol. Ansichten zeigen Fortschritte. Das Sehen [* 12] freilich erklärte er durch Spiegelung [* 13] im Augapfel; im übrigen nähmen wir alle Qualitäten wahr nicht durch die gleiche, sondern die entgegengesetzte Qualität in uns.
An den Sinneswahrnehmungen übt er scharfe Kritik; so zeigt er, daß wir die allmähliche Änderung der Qualität (etwa der Farbe durch fortgesetzte Mischung) nicht wahrnehmen, während sie doch zweifellos stattfindet. Seine Erkenntnisregel ist, daß man vom Sichtbaren aufs Unsichtbare schließe. Eine hohe Schätzung der reinen Theorie wird ihm nachgerühmt. Von den Göttern hatte er nichts zu lehren. Schüler des waren Archelaus und Metrodorus von Lampsakos. Auch Diogenes von Apollonia ist von ihm beeinflußt worden.