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Ein Beispiel: Im Jahr 1216 entstand der Dominikaner- oder Predigerorden. Das biblische Wort verkünden, ganz nahe bei den Menschen, das sollte durch die Brüder dieses Ordens möglich werden. Die ersten Brüder erwählten sich dafür die biblische Maria Magdalena als Patronin. Diese Frau ist am Ostermorgen als Erste an Jesu Grab gekommen, in Tränen und grosser Trauer. Doch: Sie erlebt den Toten als Lebenden! Jesus gibt ihr den Auftrag, diese unglaubliche Botschaft den Aposteln zu verkünden. Der Verkündigungsauftrag, dass im Tod letztlich das Leben den Sieg davonträgt, ging an eine Frau. Bis zum Mittelalter galt Maria Magdalena als apostola apostolorum, als Apostolin der Apostel. – Es blieb ein Ehrentitel. – Nur Männer wurden als rechtmässige Nachfolger der Apostel angesehen. Das führte zum Ausschluss von Frauen von kirchlichen Ämtern.
Zweites Beispiel: die heilige Junia. Wir wissen um diese Frau nur, weil Paulus in seinem Brief an die erste christliche Gemeinde in Rom Grüsse ausrichten lässt an sie und ihren Mann Andronikus. Paulus fügt klärend hinzu: Beide haben sich schon vor mir zu Christus bekannt. Kennengelernt hat er seine jüdischen Landsleute im Gefängnis, wo alle drei ihres Glaubens wegen eingekerkert waren; das Entscheidende erwähnt Paulus zuletzt: Andronikus wie Junia sind angesehene Apostel (Röm 16, 7). Jedoch: Beim wiederholten Abschreiben der neutestamentlichen Texte haben sich Fehler nicht nur eingeschlichen, sondern es wurden auch nach Belieben der Schreiber «Korrekturen» vorgenommen. Darüber liegt eine schriftliche Klage vom Kirchenlehrer Hieronymus aus dem Jahr 382 vor. Damit sind wir wieder bei Junia. Ihrem Namen wurde ein einziger Buchstabe zugefügt. Aus Junia wurde Junias, der als Männername verstanden wurde. Eine Frau konnte und durfte nicht als Apostolin in Erscheinung treten.
Historische und theologische Forschungen im 20. Jahrhundert rückten Junia ins rechte Licht. Und das löste in der Schweizer Kirche eine beachtenswerte Junia-Bewegung unter Frauen aus.