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Mit harten Attacken und Anschuldigungen versucht die Opposition eine Wiederwahl von FIFA-Präsident Joseph Blatter in Seoul zu verhindern
Das Rennen um die Präsidentschaft des Weltfussball-Verbandes nimmt alle Formen eines spannenden und dramatischen Wettbewerbs an. Der Schweizer Sepp Blatter, der seinen Titel gegen den Kameruner Issa Hayatou verteidigen will - wehrt sich gegen ein Feld harscher Kritiker.
Hinter allen Anschuldigungen und Gegen-Anschuldigungen stehen zwei Kandidaten mit einer grossen Anzahl umwerfender Ähnlichkeiten, aber auch Differenzen.
Schweres Geschütz
"Wie zur Hölle kann man diese Situation akzeptieren?", fragte Lennart Johansson. Der Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA) prangerte am Montag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den FIFA-Vizepräsidenten Antonio Matarrese (Italien), Chung Mong-joon (Südkorea) und Herausforderer Issa Hayatou (Kamerun) erneut Misswirtschaft und Machtmissbrauch sowie die angebliche Korruption des Amtsinhabers Blatter an.
"Die FIFA steckt in einer ernsthaften finanziellen und politischen Krise. Wir haben einen Präsidenten, der mit den Regeln spielt", kritisierte Chung, "er hat die FIFA zu einer Privatorganisation gemacht." In einer zehnseitigen Dokumentation präsentierten die Blatter-Gegner mögliche Belege für das vermeintlich dubiose Finanzgebaren und für unlautere Machenschaften des Präsidenten im Zuge seiner Wahlkampagne.
Belastende Zahlen
So soll die FIFA im Gegensatz zur Darstellung Blatters in der Zeit von 1999 bis 2002 einen Schuldenberg von 536 Mio. Schweizer Franken angehäuft haben. Dies geht aus einem "Offenen Brief" des britischen FIFA-Vizepräsidenten David Will hervor, der die von Blatter suspendierte interne Untersuchungs-Kommission zur Finanzsituation geleitet hatte.
Der Schweizer selbst teilte dagegen am Sonntag mit, dass in diesem Zeitraum ein Gewinn von 191 Mio. Franken erwirtschaftet worden sei.
Nachdem Blatter sich durch Zahlungen an das russische FIFA-Exekutivmitglied Wjatscheslaw Koloskow und den nigerianischen Schiedsrichter Lucien Bouchardieu Bestechungsvorwürfen ausgesetzt sah, offenbarten nun die aufmüpfigen Vizepräsidenten den Fall Roger Milla.
Der frühere Fußball-Star Kameruns erhielt laut einer vorgelegten Zahlungs-Anweisung 25'000 Dollar von der FIFA als "Subvention" für die Feier seines 50. Geburtstags. Milla wurde mit dem Geld als Wahlhelfer für Blatter gewonnen, lautet die Anschuldigung der Opposition. "Er kauft Stimmen, um den Konsens zu kaufen und im Amt zu bleiben", klagte Matarrese an.
Zwei Welten
Die familiären Hintergründe von Blatter und Hayatou könnten unterschiedlicher nicht sein. Blatter wuchs in den Tälern des Kanton Wallis auf - Hayatou in Garoua, einer Stadt im Norden Kameruns nahe der Sahara.
Blatter ist der Sohn eines Fahrrad-Mechanikers. Hayatou wurde in eine königliche Familie hineingeboren. Sein Vater herrschte über eine ganze Region. Sein älterer Bruder, Sadou, war Premierminister in den frühen 1990er Jahren.
Trotz der unterschiedlichen Startbedingungen hatten beide Herren ein gewisses Talent für Sport, welches sie mit der Zeit in erfolgreiche Sport-Verwaltungs-Karrieren umwandelten.
Die sportliche Seite
Blatters Leidenschaft galt immer dem Fussball - auch wenn er nie Profi wurde. Trotzdem spielte er in der höchsten Amateur-Liga. Hayatou brillierte in Basketball und Leichtathletik und gewann nationale Titel über 400 und 800 Meter.
Eigentlich wäre Blatter schon gerne Profi-Fussballer geworden. Sein Vater zwang ihn jedoch, die Universität Lausanne zu besuchen. Resultat: Den Abschluss in Betriebs- und Volkwirtschaft.
Hayatou besuchte ebenfalls die Universität und diplomierte danach als Sportlehrer und amtierte als Leichtathletik-Trainer. Gleichzeitig wie Blatter zum Vorstand von Neuchâtel Xamax stiess, wandte auch der Kameruner sich der Fussball-Verwaltung zu.
FIFA-Männer
1975 stiess Blatter als Direktor für Entwicklungs-Programme zur FIFA. Innert sechs Jahren stieg er die Karriereleiter hoch bis zum Generalsekretär. Hayatou erfüllte zu dieser Zeit dieselbe Aufgabe im kamerunischen Fussball-Verband. Von 1983 bis 1987 war er für Kamerun der Sportdirektor. 1988 wurde er zum Präsidenten des Afrikanischen Fussballverbandes gewählt.
Diese Position verschaffte Hayatou ein Büro im FIFA-Hauptquartier in Zürich - 13 Jahre nach Blatters Umzug in die Wirtschaftsmetropole der Schweiz. 1990 wurde Hayatou ins Exekutiv-Komitee berufen. Blatter wurde zum CEO befördert und arbeitete eng mit dem alternden Präsidenten João Havelange zusammen.
swissinfo, Mark Ledsom und Agenturen