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Rekonstruktion von Mauricio Kagels "Tactil" und "Unter Strom"
Orpheus Instituut, Gent, Belgien
Mauricio Kagel 'machte' 1969 bzw. 1970 zwei experimentelle Instrumentaltheaterstücke, "Unter Strom" (25') für drei Spieler und "Tactil" (25') für zwei Gitarristen und einen Pianisten. Da keine voll ausgeschriebene, vom Komponisten autorisierte Partitur existiert, wurden diese bahnbrechenden Kompositionen bisher nur von den historischen Aufführenden selbst – Kagel, dazu Wilhelm Bruck, Theodor Ross und Christoph Caskel – aufgeführt und eingespielt. Angesichts der Unzulänglichkeit der existierenden Ton- und Bildaufnahmen (erstere sind schon wegen des ausgeprägten Bühnencharakters der Stücke ungeeignet) führt der einzig adäquate Weg zu einer Wiederaufführung dieser Stücke über die Rekonstruktion der ursprünglichen Aufführungspraxis und die Erstellung von Partituren.
Die Ernst von Siemens Musikstiftung unterstützt die Rekonstruktion der Partituren ausgehend von noch vorhandenen handschriftlichen Entwürfen, historischen Ton- und TV-Aufzeichnungen, persönlichen Notizen und Erinnerungen der damaligen Ausführenden sowie noch erhaltenen Theaterrequisiten. Unter persönlicher Anleitung der drei ursprünglichen Ausführenden werden neue Interpreten anschließend die zwei Werke einstudieren. Beim ORCiM Research Festival findet dann eine öffentliche Live-Aufführung statt, die auf DVD aufgezeichnet wird. Abschließend werden alle drei Produktionsaspekte zusammengeführt: beide Partituren, die DVD (mit den aufgezeichneten Aufführungen und der Dokumentation mit allen Materialien aus sämtlichen Rekonstruktionsphasen) sowie diverse Artikel, die den Rekonstruktionsprozess dieser experimentellen Form von musikalisch-theatralischer Komposition und den Wissenstransfer zwischen den beiden am Projekt beteiligten Musikergenerationen erklären und verorten. Anschließend geht das gesamte Forschungsprogramm auf eine Tournee zu internationalen Festivals und Veranstaltungsorten inner- und außerhalb Europas.
Juli-Dezember 2012
Orpheus Instituut, Gent
Weitere Informationen:
www.orpheusinstituut.be