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Früher füllten Schweizer, die in Singapur lebten, ihre Koffer auf Heimaturlaub mit Cervelat, Aromat oder Raclette-Käse. Heute ist das nicht mehr nötig. Denn all das findet man in Huber's Butchery, einer der beliebtesten Adressen in Singapur. Gegründet wurde der Delikatessen-Laden vom Schweizer Metzger Ernst Huber, welcher in den 70er-Jahren in die asiatische Metropole emigrierte.
«Wo ist Malta?»
Huber ist heute 71 Jahre alt. Er ist gross, hager und trägt Schnauz. Das Handwerk lernte er von der Pike auf. Schon als Kind schielte er seinen Eltern in den Kochtopf. Ihnen gehörte das Restaurant «Burestübli» im zürcherischen Sellenbüren. Ernst lernte Metzger, dann Koch. Doch das kleine Bauerdorf wurde ihm schnell zu eng. Als ein Wirtekollege fragte, ob er im Hilton in Malta kochen wolle, sagte er: «Ja, ich bin interessiert. Wo ist Malta?»
In Sellenbüren hätte ich mit den Leuten im Dorf wieder diskutieren müssen, welche Kuh hinkt.
Auf Malta folgten weitere Stationen in den Hilton-Küchen: Teheran, Nairobi – und dann kam die Frage seiner Eltern, ob er nun endlich zurückkomme und das Restaurant in Sellenbüren übernehme. Huber wollte nicht. Seine Welt war inzwischen eine andere. Das «Burestübli» konnte nicht mithalten mit den grossen Hotels mit 50, 60 Köchen. Und: «In Sellenbüren hätte ich mit den Leuten im Dorf wieder diskutieren müssen, welche Kuh hinkt.»
Und so stieg Ernst Huber an einem Novembertag 1973 aus dem Flugzeug in Singapur. Damals war die Stadt noch nicht das klimatisierte, asiatische Finanzzentrum von heute, sondern eine junge Nation mit einem weitsichtigen Staatschef und vielen wirtschaftlichen Möglichkeiten. Für den jungen Huber bedeutete Singapur Abenteuer und Exotik.
Das Exotische, das Junggesellenleben, und das Essen auf der Strasse gefielen mir.
Das Junggesellenleben war dann aber bald vorbei. Huber heiratete eine Singapurerin, die auch im Hilton arbeitete. Mitte der 90er-Jahre machte er seinen Traum wahr und eröffnete gemeinsam mit zwei Schwagern eine eigene Metzgerei: die Swiss Butchery. Die Geschäftspartner überwarfen sich jedoch, Huber gründete deshalb später mit seinen beiden Söhnen die Huber's Butchery am Fusse des Dempsey Hill, einer edlen Adresse in Singapur.
Heute führen die Söhne zwar das Geschäft, ihr Vater bleibt aber die graue Eminenz im Laden. So hat er das Sortiment auf über 5000 Produkte erweitert – mit Basler Läckerli, Thomy-Senf, Wein, aber auch Fleisch aus Spanien, Australien und Argentinien und natürlich: Käse. «Wir haben schon ein rechtes Sortiment: Emmentaler, Appenzeller, Gruyère und Raclette laufen immer gut.»
Huber's Butchery und das integrierte Bistro ist die beste Adresse für Feinschmecker in Singapur. Doch das Glas Konfitüre für 9 Franken oder die 200 Gramm Appenzeller Käse zum selben Preis muss man sich leisten können. Ein Symbol für das rasante Wirtschaftswachstum der kleinen Nation.
So lange du hier wirtschaftlich etwas beitragen kannst, bist du willkommen.
Abenteuerlich ist Singapur schon längst nicht mehr. Heute schätzt Huber die Sicherheit und Sauberkeit der Stadt. Als Ausländer sei man hier jedoch immer nur Gast. Man sei so lange willkommen, wie man wirtschaftlich etwas beitragen könne. Danach sei man auch willkommen, wieder zu gehen.
Mehr Kritik am autoritären Regime von Singapur liegt nicht drin. Das weiss auch Ernst Huber. Der 71-Jährige will hier bleiben. Schliesslich vermisst er nichts aus der Schweiz, was er nicht selbst in seinem Delikatessen-Laden im Angebot hat.
In Singapur ist der Metzger und Unternehmer aus dem zürcherischen Sellenbüren gern gesehen. Allein der Laden am Fusse des Dempsey Hill macht jährlich einen Umsatz von mehr als 17 Millionen Franken. Die gesamte Firma mit ihren 140 Angestellten realisiert gar den doppelten Umsatz.
Huber selber plant, künftig weniger im Laden zu stehen, dafür mehr Golf zu spielen. Feines Schweizer Essen in der asiatischen Metropole Singapur wird jedoch weiterhin auf seinem Speiseplan stehen, so viel ist klar.