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Die von Günter Wöhe † (ehemals Professor der BWL an der Universität des Saarlandes) erfolgreich begründete und später von Ulrich Döring (Professor em. der BWL an der Universität Lüneburg) und Gerrit Brösel (Professor der BWL an der FernUniversität in Hagen) begleitete bzw. fortgesetzte "Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre" erscheint seit über 60 Jahren und hat sich mit einer zwischenzeitlichen Gesamtauflage von ca. 1,6 Millionen Exemplaren und einem überragenden Marktanteil von gut zwei Drittel unter den auflagenstärksten Einführungen zur BWL schon seit vielen Jahren zum führenden Standardwerk entwickelt. An der inhaltlichen und methodologischen Konzeption des Buches hat sich nach Aussagen seiner Verfasser grundsätzlich nichts geändert. "Mit der 28. Auflage wird am bewährten »Wöhe-Prinzip« festgehalten: Schwierige betriebswirtschaftliche Zusammenhänge werden mit einfachen Worten erklärt".
In einem knappen ersten Abschnitt werden Gegenstand, Methoden und Geschichte der BWL referiert. Der zweite Abschnitt widmet sich dem Aufbau des Betriebes und behandelt die Funktionen, mit denen sich die Unternehmensführung bei der Gestaltung des betrieblichen Prozesses der Leistungserstellung und -verwertung zur Erreichung der betrieblichen Ziele zu befassen hat: Unternehmensziele, Planung und Entscheidung, Organisation, Personalwirtschaft, Kontrolle, Informationswirtschaft und Controlling. Des Weiteren sind von der Unternehmensführung konstitutive Entscheidungen, insbesondere zur Wahl der Rechtsform, zum Zusammenschluss von Unternehmen sowie zur Standortwahl zu fällen und werden im Einzelnen untersucht. Die drei folgenden Abschnitte befassen sich mit den betrieblichen Hauptfunktionen "Produktion" (u.a. Produktions- und Kostentheorie, Produktionsplanung sowie Integration der Produktionsplanung und -steuerung), "Marketing" (u.a. Marktforschung, Produkt-, Preis-, Kommunikations- und Distributionspolitik) sowie "Investition und Finanzierung" (u.a. Investitionsplanung und Investitionsrechnung, Unternehmensbewertung, Finanzplanung, Außen- und Innenfinanzierung sowie Optimierung der finanzierungspolitischen Instrumente). Das Buch wird durch einen umfassenden sechsten Abschnitt über "Betriebswirtschaftliches Rechnungswesen", der vor allem auf den Jahresabschluss (u.a. Bilanz, Erfolgsrechnung, weitere Rechnungslegungskomponenten für Kapitalgesellschaften, Internationaler Jahresabschluss, Konzernabschluss sowie Bilanzpolitik- und Bilanzanalyse) und die Kostenrechnung (u.a. Kostenarten-, -stellen- und -trägerrechung, Kurzfristige Erfolgsrechnung und Plankostenrechnung) eingeht, abgerundet.
Nach wie vor folgt das Lehrbuch der Zielsetzung und den methodologischen Grundpositionen einer wirtschaftstheoretisch fundierten BWL, welche auf eine (ethische) Bewertung unternehmerischer Ziele verzichtet. Als praktisch-normative BWL beschränkt sie sich auf die Prüfung und Bewertung einzelner Instrumente, welche zum Zweck der Zielerreichung eingesetzt werden können. Zu den charakteristischen Ausprägungen dieses Werkes gehören die behutsame Einführung in die komplexe Welt des ökonomischen Denkens, die leicht verständliche und präzise Sprache, die sparsame Verwendung mathematischer Modelle, das Festhalten an einer über alle Branchen hinweg gültigen Allgemeinen BWL, die klare Abgrenzung zu den Nachbarwissenschaften, die Orientierung am Shareholder-Ansatz, die Festlegung auf die Gewinnmaximierung als Unternehmensziel und die Beschränkung auf sekundäre Werturteile, d. h. das Kriterium menschlichen Handelns ist für den Betriebswirt nicht die Moral, sondern die aus dem ökonomischen Prinzip abgeleitete Effizienz. Die Notwendigkeit zur Klärung ethischer Fragen wird dabei jedoch nicht negiert, sondern jenen Disziplinen (z. B. Theologie und Moralphilosophie) überlassen, welche zu dieser Problemlösung über das bessere Instrumentarium verfügen. Es wird auch nicht verkannt, dass die zentrale Figur der traditionellen BWL, der nach langfristiger Gewinnmaximierung strebende Homo-oeconomicus-Unternehmer, sich mit Erkenntnissen der sog. Nachbardisziplinen auseinanderzusetzen und die diversen Ansprüche der unterschiedlichen Stakeholder bei der Erreichung seiner Ziele zu berücksichtigen hat. Die Verfasser halten den Stakeholder-Ansatz zwar für gut gemeint, aber ohne praktische Realisierungschance. Das Konsensmodell scheitert ihrer Meinung nach an den Interessengegensätzen der Individuen bzw. der Stakeholder-Gruppen. Mit dem vertragsbasierten Shareholder-Ansatz wird die Welt so genommen wie sie ist und nicht so wie sie nach Meinung der Vertreter der verhaltenswissenschaftlich ausgerichteten Betriebswirtschaftslehre sein sollte.
Mit der 23. Auflage (2008) reagierten die Autoren bereits auf die neue Situation an den Hochschulen und strafften für die Bachelor-Studiengänge den Stoff zugunsten einer verstärkten Konzentration auf berufspraktische Aspekte der BWL, ohne den Anspruch eines theoriegeleiteten Studiums aus dem Auge zu verlieren. In der vorliegenden aktuellen Auflage schenken die Verfasser vor allem dem hochaktuellen Thema "Nachhaltigkeit" breiten Raum. Dazu erscheinen die Kapitel "Ansprüche der Stakeholder gegenüber dem Unternehmen", "Unternehmensziele", "Nachhaltigkeitscontrolling" und "Nachhaltigkeitsberichterstattung" in neuer, erweiterter Textfassung. Im Gegenzug wurde der Buchtext in den Kapiteln "Unternehmenszusammenschlüsse", "Jahresabschluss nach HGB" und "Jahresabschluss nach IFRS" gekürzt und zum Ausgleich durch Online-Materialien ergänzt.
Die Bewältigung des deutlich größeren Stoffumfangs einerseits und der verkürzten Studienzeiten andererseits führen zu einem erhöhten Lern- und Leistungsdruck bei den Studierenden von heute. Diese erwarten nicht nur im Hörsaal, sondern auch von einem Lehrbuch einen Abbau der Lernbarrieren, u. a. durch praktische Beispiele und gut strukturierte Abbildungen. Die visualisierte Form der Wissensvermittlung drängt somit die herkömmliche Vorlesung immer weiter in den Hintergrund. Diesen veränderten Lehrmethoden haben die Autoren verstärkt Rechnung getragen. Die neue Auflage zeichnet sich wiederum durch eine lesefreundliche, durchgehend zweifarbige Textgestaltung aus und besticht auch durch die Qualität der optischen Stoffaufbereitung. Neben einer Fülle von Infokästen, welche Definitionen und Erklärungen hervorheben, verschaffen über 750 Abbildungen und Übersichten einen schnellen und einprägsamen Überblick über die wichtigsten fachlichen Zusammenhänge. Zudem können die Abbildungen, eingebunden in ein umfangreiches PowerPoint-Skript, von Dozenten vom Wöhe-Portal des Verlags abgerufen werden. Des Weiteren wird nützliches Zusatzmaterial in Form von "Online-Materialien" angeboten.
Alles in allem bietet das Lehrbuch auch in der aktuellen Auflage eine klare Orientierung und kanonisiert gewissermaßen den gesicherten Wissensstand der derzeitigen BWL. Jedem, der sich für betriebswirtschaftliche Fragen interessiert – ob Studenten in wirtschaftswissenschaftlichen oder wirtschaftsnahen Studiengängen, Dozenten oder Praktiker – kann der neue Wöhe/Döring/Brösel zur systematischen Einführung in betriebswirtschaftliche Zusammenhänge oder auch nur als Nachschlagewerk bestens empfohlen werden.
Das Übungsbuch entspricht dem weit verbreiteten Bedürfnis zum Lernen an Fallbeispielen. Der Band orientiert sich eng am Inhalt und Aufbau des Wöhe-Lehrbuchs und versteht sich als dessen passgenaue Ergänzung. Neben mehr als 600 Wiederholungsfragen zum Lehrbuchtext enthält es etwa 500 klausurerprobte Übungsaufgaben mit ausführlichen Lösungen. Anhand von zahlreichen kleinen Fallstudien können sich die Studierenden in der eigenständigen Lösung betrieblicher Problemstellungen üben und dabei ihr Denken in ökonomischen Kategorien schulen. Daneben dienen auch rund 300 Multiple-Choice-Aufgaben der Wissenskontrolle und der gezielten Klausurvorbereitung. Die Neuerungen in der vorliegenden aktuellen Auflage betreffen vor allem die Themenbereiche "Nachhaltigkeitsziele" und "Nachhaltigkeitscontrolling".
Fazit: BWL-Lehr- und Übungsbuch "Wöhe" sind wahrlich ein Must-have für alle Studienanfänger und Fortgeschrittene zur optimalen Vorbereitung auf BWL-Klausuren.