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Der Raub und die Ausbeutung menschlicher Ressourcen sind natürlich keine Erfindungen des europäischen Imperialismus, sondern haben ihre Vorbilder in der Antike.
Der Aufstieg Athens beispielsweise wäre ohne Sklaven nicht denkbar gewesen – sie waren ein wesentliches Element von Gesellschaft und Wirtschaft. Wie viele es gewesen sind, kann nur geraten werden, aber es soll praktisch jeder Bürger mindestens einen besessen haben. Provokant gesagt: Leute wie Sokrates kümmerten sich um Philosophie, Theorie und Erkenntnis, und die Sklaven arbeiteten und schafften Werte.
Um diese ethische Fehlentwicklung zu vertuschen und das Gewissen zu beruhigen, sich also nicht selbst einzugestehen, dass man sich zwar als Zivilisation, vielleicht sogar als Hochkultur begreift, aber im Kern eine räuberische und parasitäre Gesellschaftsform darstellt – von Karl Marx als „Sklavenhaltergesellschaften“ und Schauplatz des ersten Klassenkampfes beschrieben (2) –, wurde eine natürliche Überlegenheit der Sklavenhalter gegenüber den versklavten Menschen konstruiert.
Während sich am Grundprinzip nichts änderte, wandelten sich im Laufe der (ökonomischen) Entwicklungsgeschichte die Formen der Ausbeutung und die Mechanismen der Abhängigkeit. Im Kapitalismus wurden sie verfeinert, wurden subtiler und im Neoliberalismus fast unsichtbar. Der Philosoph Byung-Chul Han schrieb, dass der Neoliberalismus „aus dem unterdrückten Arbeiter einen freien Unternehmer, einen Unternehmer seiner selbst“ formen würde. „Jeder ist heute ein selbstausbeutender Arbeiter seines eigenen Unternehmers. Jeder ist Herr und Knecht in einer Person. Auch der Klassenkampf verwandelt sich in einen inneren Kampf mit sich selbst.“
Der Wettlauf um Afrika und die Aufteilung von MarokkoDer Erkundung des afrikanischen Kontinents Anfang des 19. Jahrhunderts durch Forscher wie David Livingstone, den britischen Offizier Richard Francis Burton oder den Portugiesen Alexandre Serpa Pinto schliesst sich der Wettlauf um Afrika an.
Der offene Imperialismus, der sich direkt in die Angelegenheiten Afrikas einmischte, fiel aber nicht zufällig vom Himmel. Etwa ab 1870 setzte in Europa eine anhaltende Depression ein; die europäischen Märkte (auch bedingt durch ihre Abschottung) schrumpften. Grossbritannien, damals noch die dominierende Weltmacht, und vor allem seine beiden Hauptkonkurrenten auf dem europäischen Festland, Frankreich und das Deutsche Kaiserreich, erkannten in Afrika eine Chance, ihre Wirtschaft zu beleben.
Marokko verliert erst 1912, also am Vorabend des Ersten Weltkriegs, seine Unabhängigkeit, als Sultan Mulai Abd al-Hafiz im Vertrag von Fès auf die Souveränität Marokkos zugunsten Frankreichs verzichtet. Nachdem sich Frankreich und Spanien „geeinigt“ hatten (die Lösung hatten sich die beiden europäischen Nachbarn schon vorher ausgeknobelt), wurde die Beute aufgeteilt in die Protektorate Spanisch-Marokko und Französisch-Marokko. Zwei Weltkriege und unzählige Krisen später ist Frankreichs Einfluss ungebrochen …