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27.11.2015 - Dank der Niederschläge der letzten Tage sind die Abflüsse und Pegel der Flüsse und Seen angestiegen. Damit sie sich nachhaltig erholen, braucht es aber flächige Niederschläge während mehrerer Tage. Im Tessin und in den Bündner Südtälern herrscht noch immer Waldbrandgefahr und Feuerverbote sind in Kraft.
Das BAFU beantwortet die häufigsten Fragen zu den Auswirkungen in seinem Zuständigkeitsbereich:
Meteorologie
Wie hoch - bzw. wie gering - waren die Niederschläge im langjährigen Vergleich für diese Jahreszeit?
Nach den bereits aussergewöhnlich heissen und trockenen Monaten Juli und August, war auf der Alpennordseite und im Wallis auch der September verbreitet trocken. Vor allem im östlichen Mittelland und im Wallis wurden geringe Niederschlagsmengen gemessen. Mit Niederschlagsmengen von meist unter 55 Prozent der Norm blieb der Oktober nördlich der Alpen sehr trocken im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt. Normale bis überdurchschnittliche Mengen registrierten dagegen die Alpensüdseite, Graubünden und Teile des Wallis. Auch die erste Hälfte des Novembers war vergleichsweise trocken und mild, wobei dann ein Tiefdruckgebiet mit Schwerpunkt über Skandinavien am 20. und 21. November zu ergiebigen Niederschlägen auf der Alpennordseite führte.
Die Klimabulletins von September und Oktober finden Sie unter:
Flüsse und Seen
Wie wirkte sich die Trockenheit bisher auf die Wasserführung der Schweizer Bäche und Flüsse aus?
Die Wasserstände sind saisonal bedingt im November und Dezember normalerweise eher tief, doch aufgrund der unterdurchschnittlichen Niederschläge in den letzten Monaten war die Situation ausgeprägter. Eine markante Niedrigwassersituation konnte vor allem vor den Niederschlägen vom 20./21. November festgestellt werden. Im Mittelland und im Jura führten die kleinen und mittleren Fliessgewässer deutlich weniger Wasser als sonst zu dieser Jahreszeit. Die Abflüsse lagen vielerorts im Bereich der langjährigen saisonalen Minima, an zahlreichen Messstationen in den betroffenen Landesteilen wurden Werte aufgezeichnet, wie sie statistisch gesehen nur einmal alle 2 bis 10 Jahre zu erwarten sind. Lokal wurden sogar noch geringere Abflussmengen und damit noch seltener zu erwartende Werte registriert. In den Alpen verblieben die Wasserstände vorwiegend im Bereich des jahreszeitlichen Durchschnitts. Aufgrund der auf der Alpensüdseite ausgebliebenen Niederschläge, sind mittlerweile die Pegel aber auch im Südtessin auf tiefem Niveau.
An den grösseren Fliessgewässern wie Aare, Limmat, Thur und Hochrhein sind die Abflüsse als Folge der intensiven Niederschläge vom 20./21. November markant angestiegen. Mittlerweile befinden sich diese vorwiegend im für die Jahreszeit üblichen Bereich oder leicht unterhalb davon.
Für eine nachhaltige Erholung der Pegelstände auch an den grossen Flüssen braucht es allerdings auch weiterhin länger anhaltende, flächige Niederschläge über mehrere Tage.
Wie sind die Wasserstände der Seen?
Bei den grösseren Schweizer Seen auf der Alpennordseite liegen die Wasserstände nach den Niederschlägen vom 20./21. November wieder mehrheitlich im für die Jahreszeit üblichen Bereich.. Eine deutliche Erholung konnte insbesondere am Walen-, Zürich- und Brienzersee, wie auch an den Jurarandseen beobachtet werden.
Noch immer im Bereich des langjährigen Minimums sind allerdings die Pegelstände des Zugersees und des Lago di Lugano.
Welche Auswirkungen haben die niedrigen Wasserstände der Fliessgewässer auf die Wasserkraftproduktion und die Schifffahrt?
Betroffen von der geringen Wasserführung und entsprechenden Produktionsverlusten sind insbesondere die Laufkraftwerke entlang der Flüsse im Mittelland.
Ein Problemstellt der niedrige Wasserstand auch für die Rheinschifffahrt dar. Im Basler Rheinhafen können die Frachtschiffe noch immer nur einen Teil ihrer regulären Ladung transportieren.
Sind negative Auswirkungen auf die Fische zu befürchten?
Bei vielen hiesigen Fischarten beginnt im Herbst die Fortpflanzungszeit. Für solche, die hierzu kleinere Fliessgewässer aufsuchen, kann der niedrige Wasserstand zum Problem werden, wenn geeignete Laichgründe trocken fallen. Dies betrifft namentlich die Forellen. Lokal mussten Gewässer ausgefischt werden. Anders als während der Sommermonate, als infolge der hohen Gewässertemperaturen auch der Sauerstoff knapp wurde, ist die Lage aber insgesamt nicht dramatisch. Im zurzeit kalten Wasser ist der Sauerstoffgehalt ausreichend.
Könnte sich die Situation bis in den kommenden Frühling verschärfen?
Das hängt von der weiteren meteorologischen Entwicklung ab. Wird der Winter kalt, dürfte die Wasserführung der Fliessgewässer weiter sinken, denn die Niederschläge werden dann im Schnee gelagert. Manche Bäche und Flüsse würden in diesem Fall mit sehr wenig Wasser in den Frühling starten und erst ab Beginn der Schneeschmelze wieder stärker sprudeln. Wird der Winter hingegen mild und regnerisch, könnten die Niederschläge bis zum Frühling für normale Abflüsse sorgen.
Aktuelle Hydrologische Daten und Vorhersagen finden Sie unter:
Grundwasser
Wie steht es mit den Grundwasserständen und Abflüssen an Quellen?
Im Zuge der Trockenheit wiesen Grundwasserstände und Abflüsse an Quellen eine sinkende Tendenz auf. Für die Jahreszeit waren deshalb im Oktober und November verbreitet tiefe Grundwasserstände und Quellabflüsse zu verzeichnen. Insbesondere im Jura und Mittelland wurden vereinzelt neue Tiefststände für Oktober und November registriert. In den Wintermonaten werden allerdings naturgemäss auch noch tiefere Grundwasserstände erreicht.
Die intensiven Niederschläge vom 20./21. November führten - zumindest momentan - zu einer Entspannung der Situation. Um jedoch wieder ein dem saisonalen Durchschnitt entsprechendes Niveau zu erreichen, ist mindestens ein Monat mit landesweit durchschnittlichen Niederschlägen notwendig.
Sind Engpässe bei der Trinkwasserversorgung zu befürchten?
Trotz der Trockenheit waren keine grösseren Probleme bei der Trinkwasserversorgung zu erwarten. In der Regel erfolgt die Wasserversorgung über Verbundsysteme, sodass diese auch beim Ausfall einzelner Grundwasser- oder Quellfassungen gewährleistet ist. So können grössere Städte - wie etwa Zürich oder Lausanne - auch auf aufbereitetes Seewasser zurückgreifen. Dass einzelne kleine Quellen vorübergehend versiegen, kann durchaus vorkommen. Davon könnten lokale Versorgungen, die von einer einzelnen Quellfassung abhängen, betroffen sein. Diese Gemeinden sind jedoch auf solche Situationen, welche dann im Spätsommer und Herbst lokal immer wieder vorkommen, vorbereitet. Mit kurzfristigen Engpässen in der Trinkwasserversorgung wird deshalb nicht gerechnet. Die intensiven Niederschläge vom 20./21. November führten bei den kleinen Quellen ebenfalls zu einer Entspannung der Situation.
Das aktuelle Grundwasserbulletin finden Sie unter:
Wald und Wildtiere
Leiden die Wälder?
Für die Bäume und Sträucher hat die winterliche Wachstumsruhe ebenfalls bereits begonnen. Der Bedarf an Feuchtigkeit ist daher gering. Die Waldbewirtschaftung wird durch die gegenwärtige Trockenheit eher begünstigt, fällt doch diese in die Hochsaison der Holzernte. Trockene Böden sind dafür vorteilhaft: Die Rückgassen für den Holztransport können problemlos befahren werden, und die Erntemaschinen richten kaum Bodenschäden an.
Für die weitere Entwicklung von allfälligen Trockenheitsschäden oder für ein vermehrtes Auftreten von Schadorganismen im Wald sind die Niederschlagsverteilung und -menge bis zum Vegetationsbeginn im nächsten Frühling entscheidend. Problematisch werden könnte es, wenn die Niederschläge wieder weitgehend ausbleiben und zugleich der Boden gefriert. Nadelbäume, die auch im Winter an sonnigen Tagen Wasser verdunsten, könnten dann wegen einer so genannten Frosttrockenheit unter Stress geraten. Zurzeit ist es im Tessin, in den Bündner Südtälern sowie im Unterengadin am trockensten.
Besteht Waldbrandgefahr?
Im Kanton Tessin sowie in den Bündner Südtälern haben die Kantonsbehörden ein absolutes Feuerverbot im Freien ausgesprochen, da in diesen Regionen aufgrund der anhaltenden Trockenheit und der Anreicherung von Brandgut durch die Ansammlung von trockenem Herbstlaub die Waldbrandgefahr als erheblich bis gross eingestuft wird. Die Vorhersagen für diese Regionen weisen weiterhin auf eine trockene Witterung hin. Den Anordnungen der lokalen Behörden ist unbedingt Folge zu leisten.
Eine Übersicht der Gefahrenlagen und der Massnahmen in den Kantonen finde Sie auf:
Ist die gegenwärtige Trockenheit für die Tier- und Pflanzenwelt ein Problem?
Für die Vegetation hat die winterliche Ruhezeit bereits begonnen, und auch die Verdunstung ist im Herbst und Winter geringer als in den warmen Jahreszeiten. Für das, was die Pflanzen jetzt noch brauchen, reicht bereits der Tau am Morgen. Deshalb ist die gegenwärtige Trockenheit längst nicht so problematisch, wie wenn sie im Frühling oder im Sommer auftreten würde. Für die wildlebende Flora verursacht sie keine Probleme.
Dasselbe gilt für die landlebende Tierwelt. Nirgendwo in der Schweiz herrscht für sie akuter Wassermangel. Im Spätsommer ist es für zahlreiche Kleingewässer normal, dass sie trocken fallen. Den Amphibien macht dies nichts aus, denn sie haben bis dann schon längst ihre Landlebensräume aufgesucht.
Klima
Ist die aktuelle Trockenperiode ein Zeichen für den Klimawandel?
Der niederschlagsarme Herbst stellt lokal eine signifikante Abweichung von der Norm dar. Einzelereignisse - auch extreme - können auch unter heutigen Klimabedingungen auftreten. Aus ihnen allein lassen sich keine Rückschlüsse auf eine Änderung des Klimas ableiten.
Wie wird der Klimawandel die Niederschlagsverhältnisse und das Abflussregime der Fliessgewässer verändern?
Die neusten Klimamodelle prophezeien für die Schweiz nebst steigenden Temperaturen tendenziell auch längere und häufigere Trockenperioden im Sommer. Es kann zu einer jahreszeitlichen Verschiebung der Niederschläge kommen. Unter der Voraussetzung, dass sich die Temperaturzunahme auf 2 Grad Celcius beschränken wird, sind ganzjährig gesehen aber keine massgeblichen Veränderungen der Niederschlagsmengen zu erwarten.
Noch ist viel Wasser in den Gletschern gespeichert. Diese werden mittelfristig weiter abschmelzen und die Fliessgewässer speisen. In Zukunft wird die Speisung der Flüsse mit Schmelzwasser im Sommer aber wieder abnehmen. Da zudem die winterlichen Niederschläge mehr in Form von Regen fallen und damit weniger als Schnee zwischengelagert werden, wird sich das Abflussregime der Fliessgewässer verändern. Im Winter nimmt der Abfluss zu und im Sommer wird es häufiger zu Phasen von lokaler Wasserknappheit, Trockenheit und Niedrigwasser kommen.
Könnte es deswegen längerfristig doch zu Problemen bei der Trinkwasserversorgung kommen?
Die Schweiz ist ein wasserreiches Land - das Wasserschloss Europas. Sie wird dies auch bleiben - zumal ja unter dem Strich kein Rückgang der Niederschläge zu erwarten ist. In der Schweiz werden derzeit nur wenige Prozente des jährlich verfügbaren Grundwassers genutzt. Trotzdem dürfte lokal und saisonal zunehmend Wasserknappheit auftreten. Grossräumig wird aber die Trinkwasserversorgung dank Vernetzung und Regionalisierung ungefährdet bleiben, zumal bei Bedarf auch neue Ressourcen - zum Beispiel aufbereitetes Seewasser - erschlossen werden können.
Viele Wasserreserven werden allerdings bereits heute intensiv genutzt, sei es für die Energieproduktion, die landwirtschaftliche Bewässerung, für Freizeit und Erholung oder für die Abwasserbeseitigung. Während Trockenphasen kann es an kleineren und mittleren Fliessgewässern zu Einschränkungen dieser Nutzungen kommen oder die Kantone und Gemeinden können Verbote und Wassersparaufrufe aussprechen. Durch eine vorausschauende Planung der Wasserressourcen durch die Kantone können Konflikte rund um Wasserentnahmen aus Gewässern vermieden und die natürlichen Funktionen der Gewässer, beispielsweise als Lebensraum für Fische und andere Wasserlebewesen, gewährleistet werden.
Der Bund erarbeitet zurzeit zusammen mit Kantonen und Fachverbänden Empfehlungen zum Umgang mit lokaler Wasserknappheit. Zudem werden im Rahmen des Aktionsplans zur Anpassung an den Klimawandel in mehreren Pilotprojekten Lösungen zum Umgang mit lokaler Wasserknappheit und Trockenheit entwickelt. Dazu gehören beispielsweise die Erstellung von Wasserknappheitshinweiskarten, der Anbau von Kulturen mit weniger Wasserbedarf und die Einrichtung eines Messnetzes über die Bodenfeuchte.
Weiterführende Informationen
Letzte Änderung 27.11.2015