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Dass Rassehunde völlig überzüchtet und Mischlinge viel gesünder sein sollen, hört man oft in der Hundewelt. Beim genauen Nachfragen stellt sich dann heraus, dass mit dem umgangssprachlichen Ausdruck «Überzüchtung» meistens nur die Krankheitsanfälligkeit und das Aussehen gemeint sind. In der Fachsprache spricht man von einer Inzuchtdepression.
Was ist eine Inzuchtdepression?
Das Wort «Inzucht» ist beinahe selbsterklärend: «in-züchten» beschreibt die Paarung von nah verwandten Tieren. Die Steigerung von Inzucht ist die Inzestzucht, wo Paarungen des ersten Grades durchgeführt werden: Eltern x Nachkommen sowie Bruder x Schwester. Die Inzucht/Inzestzucht wird in der Hundezucht praktiziert, um relativ schnell ein gewünschtes Erscheinungsbild zu festigen. Je näher verwandt die Hunde miteinander sind, desto einheitlicher ist ihr Aussehen.
Depression (lateinisch deprimere = niederdrücken) heisst «niedergedrückt sein». Im Falle von Inzucht werden die Gene «niedergedrückt», respektive gehen verloren. Das Resultat ist ein optisch schönes Tier mit weniger Genvarianten (Verwandte haben oft die gleichen Gene), welches dadurch meist weniger «fit fürs Leben» ist.
Eine Inzuchtdepression kann sich folgendermassen auswirken:
- kürzere Lebenserwartung
- anfälliger für Autoimmunerkrankungen
- vermehrtes Auftreten von Erbkrankheiten
- weniger belastbar (Wesensprobleme)
- kleinere Würfe
Mischling versus Rassehund?
Die Motivation, sein Leben mit einem Hund zu teilen kann vielfältig sein und bei der Frage «Mischling oder Rassehund» scheiden sich die Geister. Bei einem Mischling weiss man nicht so genau, was aus dem entzückenden Welpen mal werden könnte. Kennt man die Eltern nicht, kann das kleine Wesen wachsen und wachsen und in wenigen Monaten als X-Large-Hund sehr viel mehr Platz benötigen als wir es uns vorgestellt haben. Oder der unbekannte Papa ist jagdlich ambitioniert und seine Welpen werden auch begeisterte Jäger, was seine neuen Besitzer unter Umständen extrem anstrengend finden.
Wer kennt nicht das Beispiel vom gesunden Mischling, der im hohen Alter friedlich in seinem Körbchen einschlafen durfte und der die Tierarztpraxis nur für die nötigen Impfungen von innen sah. Obwohl Mischlinge sicher die grössere genetische Vielfalt aufweisen als Rassehunde, gibt es auch hier Pechvögel, welche von beiden Eltern die «Defekt-Gene» geerbt haben und Stammkunden beim Tierarzt sind. Kurz gesagt, die meisten Mischlinge sind Wundertüten mit einem Potenzial an Überraschungen, die von wunderbar bis sehr ernüchternd sein können.
Bei einem Rassehund sind viele Eigenschaften, wie beispielsweise die Grösse, das Aussehen, das Durchschnittsalter und das Verhalten, einigermassen voraussehbar. Aber leider ist dies nicht (mehr) immer der Fall, vor allem dann, wenn die Rasse aus einem variantenarmen Genpool besteht.
Das neue Zuchtziel der Rassehunde: Schönheit vor Leistung
Früher wurden nur erfolgreiche Arbeitshunde zur Zucht eingesetzt. Leider haben immer weniger Hunde die Möglichkeit, in ihrem ursprünglichen Job zu arbeiten. So gilt heute nicht mehr Leistung vor Schönheit, sondern das neue Zuchtziel heisst vor allem «Schönheit». Damit verbunden ist häufig ein von Menschen gemachtes, absurdes Aussehen, welches die Funktionalität einschränken kann, zum Beispiel Atmung und Beweglichkeit. Klassische Qualzuchtbeispiele sind: zu riesig oder verzwergt, zu langes und zu dichtes Fell, zu kurze Nase mit zu wenig geöffneten Nasenlöchern, zu stark gewölbte Stirn mit zu frontal stehenden und offenen Augenhöhlen, zu grosser und schwerer Kopf, zu schwerer Körper sowie Veränderungen in der Vor- und Hinterhandwinkelung. Dies sind alles körperliche Veränderungen, die meistens einen negativen Einfluss auf das Hundewohl und damit sicherlich oft auch starken Einfluss auf das Wesen haben. Dazu kommt, dass Schönheitschampions meist viel decken dürfen, was wiederum eine Verarmung des Genpools nach sich zieht. Diese Rüden verteilen überdurchschnittlich oft defekte Gene in der Rasse, die sich bei der Linienzucht doppeln und als Erbkrankheiten manifestieren können. (…)
Den vollständigen Beitrag können Sie in der Ausgabe 8/18 lesen.