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Das Schweizerische Musikschulwesen gehört zu den attraktivsten und bestausgebauten in Europa. Der Verband Musikschulen Schweiz (VMS) zählt heute 395 staatlich anerkannte Musikschulen sowie eine Musikschule im Fürstentum Liechtenstein mit 296'000 Fachbelegungen und 12'500 Lehrpersonen. Eines von drei Kindern in der Schweiz besucht demnach den ausserschulischen Musikunterricht. Durch die Annahme des Verfassungsartikels 67a in der Volksabstimmung vom 23. September 2012 erhielt die Musikalische Bildung Verfassungsrang. Die Schweiz ist damit nach Finnland das einzige Land in Europa, das musikalische Bildung zur nationalen Aufgabe erklärt hat. Und dies, obwohl die Schweiz historisch gesehen, eine schlechte Ausgangssituation hatte. Anders als in den durch höfische Tradition geprägten europäischen Nachbarländern gab es in der Schweiz über Jahrhunderte keine hochstehende weltliche Musikszene. Und auch die andernorts als treibende Kraft wirkende Kirche konzentrierte sich zumindest in den reformierten Kantonen fast gänzlich auf die vokale Musizierpraxis. Während in ganz Europa zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit dem Erstarken der bürgerlichen Gesellschaft Orchester gegründet und Konzertsäle gebaut wurden, war man in der Schweiz sehr zögerlich. Die ersten Musikschulen wurden denn auch vergleichsweise spät gegründet (Genf 1835, Bern 1858).
Die Studie soll einen Bogen schlagen über fast 200 Jahre Schweizer Musikschulgeschichte. Der erste Teil befasst sich mit der Entstehung der ersten Schweizer Musikschulen im 19. Jahrhundert, während der zweite Teil das 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart behandelt. Dabei interessiert besonders die unterschiedliche Entwicklung in den einzelnen Landesteilen, dies immer unter Beachtung der sozio-kulturellen Voraussetzungen und den jeweiligen pädagogischen Ideen und Zielsetzungen. Nicht zuletzt soll untersucht werden, welchen Einfluss die Finanzierung durch die öffentliche Hand auf die Entwicklung der Musikschulen bis heute ausübt.