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Publiziert: 22 Juni 2014
Die wahrscheinlich einzigen Zwillinge, die im Tessin gemeinsam Wein produzieren, sind Marco und Vincenzo Meroni in Biasca. Als Hobby-Winzer legen sie mehr Wert auf Qualität als auf Umsatz.
Die wahrscheinlich einzigen Zwillinge, die im Tessin gemeinsam Wein produzieren, sind Marco und Vincenzo Meroni in Biasca. Dabei scheint es einfacher zu sein, mit einem Zwillingsbruder zusammenzuarbeiten, als mit jedwedem anderen Familienmitglied, wie Vincenzo gegenüber TicinoVino erklärt: “Manchmal gibt es eine Auseinandersetzung, aber dann finden wir stets das Einverständnis. Unter Zwillingen ist das einfacher, man gleicht sich aus. Bei uns war das immer so.” Der Wein von Marco und Vincenzo ist nicht nur von hervorragender Qualität, sondern auch unverfälscht und aufrichtig – genauso wie sie selbst. Sie produzieren nur Rotwein, weil sie der Meinung sind, es sei schade, Merlot-Trauben aus Rebbergen, die dreissig Jahre und älter sind, weiss zu verarbeiten. Der Spitzenwein der Kellerei ist der "Rampèda", hergestellt aus Trauben eines alten Merlot-Weinbergs, der sich in einer prächtigen Lage dieses Ortsteils von Loderio befindet. Wenn sie von diesem Wein sprechen, leuchten ihre Augen vor Stolz.
Eine andere Perle ist der "Biasca” (100% Merlot), wie der "Rampèda" in neuen Barriques gereift. Das Basisprodukt der Zwillingsbrüder Meroni ist der "Granato" (100% Merlot), in Edelstahlfässern bereitet. Interessant ist der "Cardo" aus Merlot-Trauben (85%) und Cabernet Franc (15%). Die Kellerei stellt nur geringe Mengen Wein her. Der edle Tropfen wird meist an Freunde und Bekannte verkauft. “Ohne jedes Marketing", erklärt Marco Meroni. “Die Weinproduktion ist für uns ein Hobby. Ich arbeite bei der Eisenbahn, mein Bruder in der Gemeindeverwaltung. Unsere Freizeit widmen wir dieser Tätigkeit, die oft anstrengend ist, doch wenn du den Wein im Glas kostest, wirst du für die ganze Mühe belohnt.” Marco und Vincenzo sind Autodidakten. Sie sind erst relativ spät zum Weinmachen gekommen, auch wenn ihr Vater bereits Wein kelterte.
Marco und Vincenzo haben sich dem Weinbau im Alter von dreissig Jahren genähert, Anfang der Achtzigerjahre. Marco erzählt: “Vorher hatten wir gar kein Interesse, auch wenn unser Vater Wein hergestellt hat. 1984 machte es Klick beim Gespräch mit einem Altersgenossen, dem Apotheker Remy Martinoli, der einen guten Merlot macht. Wir wurden uns bewusst, dass es eine reizvolle Herausforderung sein könnte, den Familienwein zu verbessern. Wir mussten jedoch den Widerstand unseres Vaters überwinden, der nach herkömmlicher Art 60- bis 70jährige Eichenfässer benutzte und Neuerungen skeptisch gegenüberstand. Anfänglich hat er uns behindert, doch als er unseren Einsatz und unsere Begeisterung sah, liess er uns machen. 1986 haben wir unseren ersten traditionellen Merlot in Edelstahlfässern produziert. Ein anderer Unterschied zum Wein unseres Vaters war die Traubenmenge pro Rebstock, die natürlich viel geringer war, um eine bessere Qualität zu erreichen.”