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Salvadors Herausforderung für die WM 2014
Soziale Ungleichheit, Sichtmöglichkeiten der “Fonte Nova” und Engpässe der urbanen Mobilität sind die Herausforderungen der bahianischen Hauptstadt.
Salvador da Bahia de Todos os Santos, die erste Hauptstadt Brasiliens, wurde 1549 gegründet, am Ufer der Allerheiligenbucht. Ihre metropolitane Region, bekannt als “Grande Salvador” (Gross-Salvador) hat heute über 2,8 Millionen Einwohner, und das macht sie zum bevölkerungsdichtesten Stadtgebiet des Nordostens und stellt sie an die fünfte Stelle des Landes.
Diese Stadt präsentiert unzählige Postkartenmotive, wie den “Pelourinho”, den Leuchtturm “Farol da Barra” und die Kirche “Igreja do Bonfim” – sie hat herrliche Strände, viele kulturelle und gastronomische Attraktionen vorzuweisen. Auch ihre Umgebung ist reich an Optionen für Besucher – wie zum Beispiel die touristischen “Dendê” – oder “Descobrimento”-Routen – die “Chapada Diamantina” und die Plätze des “São Francisco”.
Auch die Religion spielt eine grosse Rolle im täglichen Leben der Anwohner und ihrer Besucher. Salvador ist bekannt als die Stadt der 365 Kirchen – eine für jeden Tag des Jahres – sie ist ein Beispiel des religiösen Synkretismus, der sich in einer Mischung von katholischen und mit den schwarzen Sklaven eingeführten afro-spiritualistischen Elementen ausdrückt – den so genannten “Candomblés”.
Es gibt drei: das “Otávio Mangabeira” – bekannt als “Fonte Nova” – das “Manuel Barradas” – sie nennen es “Barradão” – und das “Roberto Santos” in Pituaçu, mitten in einem Naturschutzgebiet! Aber keines davon ist dafür gerüstet, die Partien des Worldcup aufnehmen zu können.
Die Regierung Bahias hat vor, das Stadion “Fonte Nova” zu reformieren – mit öffentlichen und privaten Mitteln. Zur Aufstellung Salvadors als eine der Austragungsstätten der Copa 2014, erklärten die Regierenden, dass das Stadion im Jahr 2011 fertiggestellt wäre und 44.100 Plätze zur Verfügung hätte. Das Problem dieser Ankündigung ist – wie in so vielen anderen Fällen – die wirtschaftliche Unterhaltung des Stadions nach der Copa – denn die kann nicht allein von den niedrigen Eintrittsgeldern für Fussballpartien aufgebracht werden. Die Arena muss also für einen vielseitigen Gebrauch ausgerüstet werden – für Musik-Shows und andere kulturelle Events – nur so kann man mit einem entsprechenden finanziellen Rücklauf rechnen.
Salvador ist eine der Favoritenstädte für die WM 2014, denn sie vereint mit dem Sport ein grosses touristisches Potential. Jedoch bedeutet ihre Wahl als Gastgeberin noch sehr viel Arbeit, um den Bedingungen der Fifa zu genügen. Ausser dem Problem, dass ihr Stadion nicht gerüstet ist, die einzelnen Fussballpartien adäquat zu empfangen, hat die Stadt noch viele Probleme mit der urbanen Mobilität.
Die Copa ist eine Gelegenheit, das historische Zentrum wiederzubeleben, die Infrastruktur der Stadtstrände und Hotels zu modernisieren, die Sicherheitsprobleme in den Griff zu bekommen und die fehlenden Fachleute im touristischen Markt zu ergänzen. Das alles hängt lediglich davon ab, effektive Strategien zu entwickeln, die einen kontinuierlich wachsenden internationalen Touristenstrom garantieren und so Business und Arbeitsplätze stabilisieren.
Das Stadion “Fonte Nova” befindet sich ganz in der Nähe des Hafens, also könnte man einen Teil der Fans eventuell auch auf Schiffen einquartieren. Da gibt es allerdings konträre Reaktionen von Seiten der Hotelführungen, die solche Ideen als Konkurrenz zu ihren Einrichtungen nicht gerne sehen. Ausserdem operieren die grossen Kreuzfahrer in den Monaten Juni und Juli, dem Zeitpunkt der Copa und der “Low Season” in Brasilien, in der Regel im Mittelmeer.
Die grösste Schwäche von Salvadors urbaner Infrastruktur ist die Mobilität ihrer Bürger und Besucher. Das strukturelle Strassensystem hat man auf die Aussenbezirke verlagert, was sämtliche Fahrzeuge auf diesen “Vias principais” zu kilometerlangen Staus während der “Rush-hour” zusammendrängt. Zu dieser Situation gesellt sich noch ein prekäres kollektives Bus-System.
Um dem Besucherstrom gerecht zu werden, welcher sich während der Copa in Richtung des Stadions “Fonte Nova” bewegen wird, hat die Regierung Bahias einen Plan aufgestellt, dessen Realisierung sich in einer Grössenordnung von R$ 1,3 Milliarden bewegt. Die Metro-Strecke, welche bereits existiert, wird erweitert und dürfte eine Kapazität von 250.000 Passagieren pro Tag erreichen – mit Wartepausen von drei Minuten zwischen den einzelnen Zügen. Die Metro-Linie 2 wird den Flughafen, den Hotel-Pool und das Stadtzentrum miteinander verbinden, und wenn sie fertig ist, dürfte sie auch den Verkehr der Umgehungsstrassen BA 093 und BR 324 entlasten.
Ausserdem hat man vor, das gesamte öffentliche Transportsystem von Salvador neu zu strukturieren. Die Stadtbahn wird bis nach Campo Grande erweitert – damit begreift sie ebenfalls das viel besuchte touristische Terminal am Hafen von Salvador mit ein. Verschiedene Fussgängerbrücken und Viadukte stehen ebenfalls auf dem Plan.
Der internationale Airport “Deputado Luís Eduardo Magalhães” befindet sich auf einem Gelände von mehr als 6 Millionen Quadratkilometern – zwischen Dünen und nativer Vegetation – mehr als 30% der Passagierbewegung im Nordosten wird von ihm bewältigt.
Täglich zirkulieren zirka 35.000 Personen innerhalb seines Terminals. Mehr als 16.000 Arbeitsplätze – direkte und indirekte – entstanden hier, um einen täglichen Durchschnitt von mehr als 10.000 Passagieren abzufertigen, 262 Starts und Landungen, 249 nationale und 13 internationale Flüge zu garantieren.
Die grösste Herausforderung Salvadors für die Copa 2014 ist eine Lösung des Unterhaltsproblems des neuen Stadions nach dem Event! Die metropolitane Region Salvadors präsentiert das höchste Niveau sozialer Ungleichheit in ganz Brasilien – Einheiten mit einem IDH von 0,971 leben hier zusammen mit anderen eines IDH von 0,652.
Andererseits braucht Salvador ein Stadion von grossen Ausmassen, wie das “Fonte Nova” nach der Reform, aber dagegen stehen die in diesem Fall notwendigen niedrigen Eintrittspreise. Für eine wirtschaftliche Gangbarkeit müssten diese Preise auf mehr als R$ 30,00 angehoben werden – aber dies scheint gegenüber der Wirtschaft dieser Stadt einfach unmöglich!
Eine andere Herausforderung ist die städtische Mobilität. Die Fehler im Strassensystem bewirken, dass sich die grossen Avenidas zu Stosszeiten in “Fahrzeugstaus im Schneckentempo” verwandeln. Eine grosse Investition in das kollektive Transportsystem ist unumgänglich – hier existieren Studien aber noch keine angefangenen Projekte!
Das Seminar “Desafios da Bahia para a Copa de 2014” vereinte fast einhundert Personen in einer Diskussion über die Segnungen, welche der Worldcup mit sich bringen würde, und darüber, wie sich Bahia den Forderungen der FIFA anpassen könnte – mit verbesserter urbaner Mobilität und touristischer Infrastruktur. Der Event fand am 08. Mai 2008 im Auditorium der “Escola Politécnica da Universidade Federal da Bahia” statt.