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Architektur am Weg
Den Weg gefunden
Das grosse Grundstück, auf dem das Haus zu stehen kam, ist malerisch: ein sanft abfallender Hang direkt am Flussufer mit einem alten Haus in der Mitte, gesäumt von einem weitläufigen Obstgarten. Das neue Haus sollte das alte am selben Standort ersetzen. Trotz des schönen Gartens wollte der Bauherr ein Wohnzimmer im Obergeschoss, da er sich so sicherer fühlte. Die Umgebung lag sowohl dem Bauherrn als auch dem Architekten am Herzen: «Wir wollten die Landschaft nicht verunstalten», sagt der Bauherr. Da das Haus in der Mitte des Grundstücks stehen sollte, musste aber eine Zufahrt geplant werden. Hier kam dem Architekten die rettende Idee: Er würde das vom Bauherrn gewünschte konventionelle Haus in diesen Zufahrtsweg «einwickeln». Nach langen Diskussionen war der Kompromiss zwischen Auftraggeber und Architekt endlich gefunden.
Der Weg windet sich dreimal ums Obergeschoss des Hauses. Jede Windung ist etwas grösser als die vorangehende, sodass sich das Stockwerk zum Fluss hin etwas öffnet. Das Erdgeschoss wurde komplett verglast und geht fliessend in den Garten über. Verglichen mit der markanten Gestalt des Obergeschosses tritt es dezent in den Hintergrund. An der Rückseite des Hauses geht die Zufahrtsstrasse in einem rechten Winkel in eine Wand und anschliessend ins Dach über. Diese vorspringenden Elemente markieren den Eingangsbereich und bieten gleichzeitig Schutz vor Regen und Wind. Nachdem sich der Streifen aus hellem Beton und weisser Dachmembran dreimal um die Wohnräume gelegt hat, löst er sich wie ein Band wieder vom Haus, und zwar in Form eines abfallenden Stegs, der vom Balkon im Obergeschoss hinunter in den Garten führt. Sobald der Steg die Erde erreicht, wird er wieder zum Weg, der sich zwischen den Obstbäumen zum Flussstrand schlängelt. Diese einzigartige Architektur gab dem Projekt seinen Namen: «By the way house» – das Haus am Weg.
Vielseitige Ästhetik
Der Weg, der sich schützend um die Räume im oberen Stock schlingt, ist auch im Inneren des Hauses erkennbar. Innenwände aus dunklem Holz schaffen Kontrast zu den hellen Aussenwänden und der Decke. Selbst die Schnittstellen zwischen den einzelnen «Schlaufen», die der Weg ums Haus legt, sind im Hausinneren sichtbar. In ihnen hat Robert Konieczny gekonnt Lüftungsauslässe und LED-Streifen integriert, um das minimalistische Interieur nicht zu stören. Das Schlafzimmer mit Bad und Ankleide, das Wohnzimmer und die Küche liegen im Obergeschoss. Von hier aus geniessen die Hausbewohner eine grossartige Aussicht auf den Fluss. Über den Steg können sie jederzeit direkt aus dem Wohn- und Esszimmer ins Freie gelangen. Das verglaste Erdgeschoss, wo neben der Garage auch Gästezimmer und ein Fitnessstudio untergebracht sind, öffnet sich hingegen komplett zum Obstgarten und ist durch die Bäume vor fremden Blicken geschützt.
Der Bauherr
«Hätte der Bauherr nicht darauf bestanden, die Wohnräume ins Obergeschoss zu legen, hätten wir sie wie gewohnt im Erdgeschoss geplant, und die Aussicht wäre nie zur Geltung gekommen», sagt Konieczny. «Die speziellen Wünsche des Kunden haben dazu geführt, dass wir eine unkonventionelle Lösung gefunden haben. So haben wir aus diesem Projekt gelernt.» Aber auch für den Bauherrn war die fast siebenjährige Planungs- und Bauphase lehrreich: «Robert ist ein Architekt, der alles gut erklärt und logisch argumentiert», sagt er. «Die Zusammenarbeit mit ihm war für mich wie eine Architekturschule. Mit der Zeit hat sich meine Wahrnehmung von Architektur geändert, sodass Robert und ich uns am Schluss einig waren.» Da gab es beispielsweise den Moment, wo der Bauherr aus Kostengründen auf den Weg und die weisse Dachmembran verzichten wollte. «Ich dachte, das Dach sieht man eh nicht», gibt er zu. Als Robert Konieczny ihm das halbfertige Haus aber von einem nahegelegenen Hügel zeigte, war dem Bauherrn klar: «Dieses Gestaltungselement musste sein. Ich entschloss mich, den Entwurf umzusetzen. Das habe ich nie bereut.»
Auch der Architekt wusste die persönliche Entwicklung seines Kunden zu schätzen. «Heute kann ich mich mit ihm wie mit einem guten Architekten über Architektur und Design unterhalten», sagt er. «Ich war überrascht, als sich sein Sinn für Ästhetik so stark wandelte, dass er statt der traditionellen Einrichtung, die er ursprünglich wollte, ein minimalistisches und modernes Interieur bevorzugte», erinnert sich der Architekt. In enger Zusammenarbeit mit Konieczny hat der Bauherr die moderne Möblierung selbst ausgesucht – mit einem eindrücklichen, neugewonnenen Flair für Design und Stil. «Ich würde rein gar nichts an diesem Haus verändern», sagt der Hausbesitzer. «Es ist der perfekte Ort zum Leben.»
TECHNISCHE ANGABEN
[ ARCHITEKTUR ]
Robert Konieczny | KWK Promes | kwkpromes.pl
[ KONSTRUKTION ]
Massivbau | Membrandach | Fassade: Verputzte Zementplatten
[ Raumangebot ]
Nettowohnfläche: 598,9 m² | Anzahl Zimmer: 5,5
[ Ausbau ]
Fugenlose Bodenbeläge | Rahmenlose Fenster | Wände: Verputz oder Holz
[ Technik ]
Fussbodenheizung | Wärmepumpe mit Heiz- und Kühlfunktion | Lüftung | Hausautomation