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Die Humanitäre Hilfe der Schweiz reagierte sofort, als im Januar 2010 das Ausmass der Erdbebenschäden in Haiti bekannt wurde. Sie stellte insgesamt 170 Tonnen Hilfsgüter für die Erdbebenopfer bereit. Umgehend kam ein Team von 150 Expertinnen und Experten des Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe (SKH) im Erdbebengebiet zum Einsatz. Das Team war in mehreren Bereichen tätig: Wasserversorgung, Hygiene, medizinische Versorgung, Wiederaufbau, Koordination und Logistik.
Nothilfe gefolgt von nachhaltigem Wiederaufbau
In den ersten Monaten nach der Katastrophe behandelte das medizinische Team des SKH über 800 Personen, nahm 620 chirurgische Eingriffe vor und half bei rund hundert Geburten. Die Schweizer Helfer verteilten Notfallkits und Material zum Bau von Notunterkünften. Sie stellten rund 50 Brunnen instand, die seither 50 000 Personen täglich mit Trinkwasser versorgen. Vor mehreren zerstörten Schulhäusern wurden Zelte aufgebaut, damit der Unterricht fortgesetzt werden konnte.
Im März 2010 beschloss der Bundesrat, 36 Millionen Franken für die Wiederaufbauarbeiten in Haiti bereitzustellen. Kurz darauf eröffnete die DEZA in Port-au-Prince ein Kompetenzzentrum für den Wiederaufbau (Centre de compétence reconstruction, CCR), das sich aus Expertinnen und Experten des SKH und des Privatsektors zusammensetzte.
Die DEZA konzentrierte sich auf den Wiederaufbau der Infrastruktur. Sie erhielt als erste Organisation nach dem Beben die Bewilligung des haitianischen Bildungsministeriums zum Bau von permanenten Schulen. Insgesamt wurden 12 Schulhäuser errichtet und über 1000 Maurer ausgebildet. Sämtliche Gebäude wurden nach den Normen für erdbeben- und wirbelsturmsichere Bauten erstellt, damit sie weniger anfällig für Naturkatastrophen sind.
Armut: die andere grosse Herausforderung
Die Schweiz leistete mit ihren humanitären Aktivitäten lebenswichtige Nothilfe für die Überlebenden der Katastrophe. Aber Haiti war – und ist immer noch – mit extremer Armut konfrontiert. Die Karibikinsel ist eines der ärmsten Länder der Welt. Im Jahr 2012, zwei Jahre nach dem Erdbeben, lebten rund 60 Prozent der Bevölkerung unter der nationalen Armutsgrenze von 2,41 US-Dollar pro Tag.
Seit 2013 ist Haiti ein Schwerpunktland der Entwicklungszusammenarbeit der Schweiz. Die DEZA engagiert sich mit längerfristigen Entwicklungsprogrammen, um zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensbedingungen, zur Armutsreduktion und zur Stärkung der lokalen Verwaltungen beizutragen.
Innerhalb einiger Jahre stellte die DEZA für die Entwicklungszusammenarbeit Mittel in derselben Höhe wir für die humanitäre Hilfe bereit. Die DEZA unterstützt zahlreiche Projekte in den Bereichen gute Regierungsführung, Landwirtschaft und Ernährungssicherheit sowie Arbeit und wirtschaftliche Entwicklung.
Weitere Katastrophe im Jahr 2016
Am 4. Oktober 2016 wurde Haiti erneut von einer Naturkatastrophe heimgesucht. Windböen mit Geschwindigkeiten von über 250 km/h fegten über den Südwesten des Landes hinweg. Sie richteten schwere Schäden an und forderten hunderte Todesopfer. Sintflutartige Regenfälle, die zu Überschwemmungen und Erdrutschen führten, verschärften die Situation weiter. Die Humanitäre Hilfe der DEZA schickte wiederum Teams und Material auf die Karibikinsel. Die Schulen, die von der DEZA nach dem Erdbeben 2010 gebaut wurden, hielten dem Wirbelsturm stand. Sie dienten während des Sturms und danach als Schutzunterkünfte für die Bevölkerung.
Angesichts der Bedrohung des Landes durch Naturgefahren und der instabilen gesellschaftspolitischen Lage setzt die DEZA auf die Komplementarität ihres humanitären und entwicklungspolitischen Engagements. Dieses Credo bildet die Grundlage der schweizerischen Kooperationsstrategie für Haiti bis 2021.