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Ursprünge und Anfänge
Die Aeschenvorstadt bekam ihren Namen vom einstigen inneren Aeschentor am oberen Ende der Freien Strasse (später Aeschenschwibbogen genannt, als es seine ursprüngliche Funktion verlor), das urkundlich bereits 1261 als "Eschemarthor" erscheint, vermutlich so benannt nach einem Torwart oder sonstigen Bewohner namens Eschemar. Noch 1610, bei Felix Platter, heisst es "Eschemer Vorstat". Weniger wahrscheinlich ist die Herleitung vom Namen des damals doch ziemlich unbedeutenden Dorfes Aesch im Birstal. Die französische Übersetzung der Aeschenvorstadt als "faubourg des cendres" auf alten Stadtplänen deutete "Aeschen" missverständlicherweise als "Asche". Zum Gebiet der Aeschenvorstadt gehörte bis 1475 auch das Brunnen-, Hirsch- und Sternengässlein und die Elisabethenstrasse, die damals auch Vorstadt "ze Spittelschüren" hiess. Das unüberbaute Gebiet gegen die heutige Dufourstrasse und gegen die heutige Henric Petri-Strasse diente als Reb-, Weide- und Ackerland, ebenso die Areale vor dem Aeschentor, so dass der zwar vorherrschende städtische Betrieb durchaus auch eine dörfliche Komponente aufwies. Noch bis etwa 1900 fanden sich bei mehreren Häusern Hühner-, Kleinvieh-, Kuh- oder Pferdeställe.
Das neue, äussere Aeschentor bildete seit dem Ende des 14. Jahrhunderts den Durchgang für den Personen- und Warenverkehr aus dem Jura und dem Mitelland in die Stadt, und die Vorstadt selbst war eine der wichtigsten und meistfrequentierten städtischen Verkehrsachsen. Sie war Teil einer alten Heerstrasse, die als Fortsetzung der Freien Strasse über die Birsbrücke bei St. Jakob nach Liestal und von dort an die obere und untere Hauensteinstrasse führte. Ihren Anwohnern brachte der rege Betrieb Arbeit, Verdienst und oft ansehnlichen Wohlstand, vor allem den zahlreichen Gastwirten, Fuhrleuten, Schmieden, Wagnern, Bäckern und Krämern. Aber auch andere Gewerbe waren vertreten: wir stossen auf Hosenlismer, "Platter" (Harnischhersteller), Barbierer, Hafner, Schlosser, Schreiber, Kaufleute usw.
Man kann sich das Leben in der alten "Aeschen" kaum bunt und lärmig genug vorstellen, zumal wenn man daran denkt, dass die verhältnismässig kurze Strasse zahlreiche Wirtschaften und Gasthöfe aufwies. Die altehrwürdigsten waren der "Sternen", eines der ältesten und am längsten (seit 1349) bewirtschafteten Gasthäuser der Schweiz, und der "Hirzen", in welchem 1501 die eidgenössischen Gesandten, die zum Bundesschwur am 13. Juli nach Basel gekommen waren, festlich empfangen und bewirtet wurden. Weitere Gasthöfe befanden sich u.a. an der Stelle des späteren "Goldenen Löwen", dessen Fassade heute die St. Alban-Vorstadt bereichert. Auch das Gasthaus "Bären" hatte eine lange Geschichte, es musste aber 1901/1902 dem Neubau des bis 1970 betriebenen und 1976 abgebrochenen "Baslerhof" weichen, einem der ersten Eisenbetonhäuser der Stadt. Geraume Zeit hielt sich auch dort, wo heute das Gebäude der Kantonalbank steht, die Wirtschaft "Glock" (nach einem Inhaber des 19. Jahrhunderts benannt); sie hatte eine eigene Brauerei. In einem Inserat von 1900 steht nach einem Wirtewechsel zu lesen: "Eröffnung der Bier- und Speisehalle Eldorado...Mittagessen zu -.60, -.80 und 1.50...Wöchentlich vier Mal Konzerte der besten in- und ausländischen Gesellschaften." Die letzte Wirtschaft alten Stils war das Restaurant "zum Aeschentor".
Baulicher Charakter der alten Aeschenvorstadt
Dem vorwiegend gewerblichen Charakter der alten Aeschenvorstadt entsprach die Bebauung. Auf meist recht schmalen, aber tiefen Parzellen, deren rhombische Formen wohl auf uralte Ackereinteilung zurückgeht, reihten sich die in der Regel zwei- bis dreistöckigen Häuser aneinander; auf den hinteren Teilen der Parzellen befanden sich Werkhöfe, Lagerräume, Trotten, Ställe, Wasch- und Brennöfen sowie Gärten. Die Kleinmassstäblichkeit der Häuser und die geschwungenen, gleichsam organisch gewachsenen Baulinien zwischen Aeschenschwibbogen und Aeschentor liessen die Strasse viel länger erscheinen, als sie sich heute - begradigt, verbreitert und mit Grossbauten bestückt - dem Auge darbietet.
Die Kleinmassstäblichkeit wurde allerdings auch schon früher gelegentlich unterbrochen; so nahmen seit alters die Gasthöfe "zum Hirzen", "zum Sternen" oder "zum Bären" breitere Parzellen in Anspruch und zeichneten sich durch eine reichere Fassadengliederung aus. "Hirzen" und "Sternen" standen noch bis in die 1960er Jahre. Der "Sternen" samt seinen kostbaren Wand- und Deckenmalereien wurde im St. Alban-Tal wieder aufgebaut. Vor und nach der Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden die prächtigen Bauten des "Goldenen Löwen" und des "Raben". Die Régence-Fassade des "Goldenen Löwen" wurde 1965 in der St. Alban-Vorstadt wieder aufgerichtet. Der barocke "Raben" aber ist zum Glück vollständig am alten Standort erhalten geblieben, desgleichen das 1841 erbauten beidermeierliche Nachbarhaus "zum Paradies".
In einer Zeit, in der die wenigsten Häuser eine eigene Wasserversorgung hatten, waren die öffentlichen Brunnen von grösster Wichtigkeit. Auch in der Aeschenvorstadt gab es deren mehrere, teils als Ziehbrunnen, teils als Laufbrunnen ausgebildet. Sehr bekannt ist der Affenbrunnen, der sich im 17. Jahrhundert auf dem heutigen Bankenplatz befand und dessen Nachbildung heute auf dem Andreasplatz steht. In der Nähe des "Hirzen" wurde 1731 ein Sodbrunnen erstellt, der erst Ende des 19. Jahrhundert wieder eingedeckt werden sollte. In einer Einbuchtung beim alten "Drachen" stand seit 1762 der Tellenbrunnen, der erst 1926 in einen Laufbrunnen umgewandelt wurde, allerdings nach der Strassenkorrektion in den 1950er Jahren für immer verschwand. Der stattlichste und wohl auch älteste Brunnen (bereits 1390 urkundlich erwähnt) trug auf seiner Säule die Statue des heiligen Jacobus d.Ä. Nach einem guten halben Jahrtausend vor dem Wirtshaus Glock musste 1953 auch dieses Monument weichen. Es fand allerdings eine neue Heimstatt an der Hermann Kinkelin-Strasse vor dem heutigen Gymnasium Kirschgarten.
Der grosse WandelObwohl das stets wachsende Verkehrsaufkommen bereits im 19. Jahrhundert Opfer an Altbausubstanz gefordert hatte, veränderte sich das Gesamterscheinungsbild der Aeschenvorstadt bis weit ins 20. Jahrhundert nicht wesentlich. Die Niederlegung des Aeschenschwibbogens 1841 (damit der Verkehr ungehindert aus der Vorstadt in die Freie Strasse fliessen konnte) ermöglichte den Bau des dominanten Schilthofes. Das Aeschentor wurde 1847 erneut restauriert, drei Jahre später wurde sogar über eine Erweiterung der Tordurchfahrt in Betracht gezogen, aber 1861 wurde es geschleift. Dies bot Gelegenheit, dem Aeschenplatz eine neue Gestalt zu geben. Eigentlich hätte er ein städtebauliches Prunkstück werden sollen, wie der Springbrunnen im Zentrum bezeugte. Dieser funktionierte aber nie richtig und musste 1908 den Verkehrsbedingungen weichen.
Quellen
- Eichenberger 1934: 23-37
- Suter 1991: 16-25