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Datierung
1955/1964
Objektmasse
32 x 32 x 15.6 cm
Technik/Material
Siebdruck auf Acrylglas, Holzbox
Nennung
Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung der Sammlung Rolf und Friedel Gutmann
Inv.-Nr.
SK08100
Kinetic Box
Edition MAT
Jesús Rafael Soto (1923, Ciudad Bolívar, VE – 2005, Paris, FR) erlangte seinen Ruf als einer der bedeutendsten Vertreter der kinetischen Kunst in den 1960er-Jahren. Nach seiner Ausbildung an der Escuela de Artes Plásticas y Artes Aplicadas in Caracas 1942–1947 und seiner Lehrtätigkeit an der Kunstschule von Maracaibo begab er sich 1950 mit einem Stipendium nach Paris. Durch den Kontakt zu den konkret und kinetisch arbeitenden Künstlern im Umkreis der Galerien Arnaud und Denise René sowie durch das Studium der frühen Konstruktivisten erfuhr sein Schaffen eine radikale Umorientierung. Zeitweise selbst als Musiker aktiv, begann Soto unter dem Einfluss der Kompositionsstrukturen von Bach, Schönberg und Werken der seriellen Musik, mit permutativen und progressiven Ordnungsprinzipien zu operieren. Von naturwissenschaftlichen Erkenntnissen über die Beschaffenheit und Korrelation von Materie, Raum und Zeit fasziniert, beschäftigte er sich ab Ende der 1950er-Jahre zunehmend mit der Fragestellung, wie «die Materie in ihren eigentlichen Zustand, nämlich den der Energie zurückzuführen» sei, «oder konkreter gesagt, wie ist es zu erreichen, dass die Elemente, die ich bei der Konstruktion meiner Arbeiten verwende, in eine raum-zeitliche Fusion aufgehen, in der sie ihre solide Festigkeit verlieren, um in einen aleatorischen Zustand des Vibrierens überzugehen». Auf der Suche nach dafür geeigneten Materialien, begann Soto mit industriellen Werkstoffen wie Acrylglas, Metallstäben und Nylonschläuchen zu experimentieren, um sich von kleineren Objekten («Kinetic Box») zunehmend auf grossflächige, optisch vibrierende Wandobjekte von geradezu hypnotischer Wirkung zu verlegen. Ende der 1960er-Jahre erfuhr sein Schaffen eine nochmalige Steigerung, indem sich Soto den Raum eroberte. Mit monumentalen, teils hängenden oder stehenden Installationen von überwältigender Opulenz festigte er sein internationales künstlerisches Renommee.
Unter Sotos Werken eignet den ab 1967 mehrfach variierten «Pénétrables» eine besondere Qualität; sie sind interaktiv – jede Bewegung im Karree der hängenden Plastikschläuche setzt sich wellenartig fort – und sie rufen ein gesamtkörperliches Erlebnis hervor. Soto hat den «Pénétrables» darüber hinaus eine weitere Qualität zugesprochen; er verstand sie als der Konzeptkunst zugehörig. Leicht ab- und aufzubauen, lassen sich die Environments temporär und weitgehend ortsunabhängig installieren, was ihnen eine zusätzliche Aktualität verleiht.
Elisabeth Grossmann