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Depressive Störungen sind in der Bevölkerung häufig verbreitet und beeinflussen die betroffenen Personen in ihrem Alltag oft sehr stark. Verschiedene Studien zeigen, dass Patientinnen und Patienten mit einer Depression ein anderes Risiko- und Entscheidungsverhalten zeigen, im Vergleich zu gesunden Personen ohne depressive Störung (von Helversen et al., 2011). In welcher Art und Weise zeigt sich nun ein verändertes Risiko- und Entscheidungsverhalten? Während frühere Studien relativ einfache Aufgabentypen verwendet haben, wollen wir mit Hilfe des Online-Spiels KETO (Kurzer Entscheidungs-Test Online) komplexeres Verhalten untersuchen. Im Szenario von KETO sollen die Probanden Gewürzkisten sicher von Indien nach den Niederlanden verschiffen. Um die Urteilssicherheit in eines von insgesamt vier Optionen (Schiffe) zu erhöhen, können sequenziell 1 bis maximal 5 probabilistische Cue-Informationen (in Form von Händlern) befragt werden. Weitere Handlungsmöglichkeiten bestehen darin, keine Information beizuziehen (Risikosuche) oder die Überfahrt zu vermeiden und die Gewürzkisten auf dem lokalen Markt zu verkaufen (Risikovermeidung). Somit erfasst KETO mehrere Aspekte des Risiko- und Entscheidungsverhaltens, u.a. den Umfang der Informationssuche, die Art des Entscheidungstyps, die Höhe der Angestrebten Urteils-Sicherheit (HAUS), Risikoextremtypen, die Konsistenz des Verhaltens und die Abweichung von einer rationalen Norm.
Eine erste Studie bei 670 gesunden Probanden hat gezeigt, dass der häufigste erfasste Entscheidungstyp ein Satisficer ist, mit einem mehr oder weniger konsistent angewandten HAUS von 78% (SD = 10%; 50-100%). Risikoextremverhalten wird eher selten gezeigt. Die Frage ist nun, in welchen Aspekten und in welche Richtung sich Personen mit einer klinisch diagnostizierten Depression von einer gesunden Kontrollstichprobe und einer klinischen Vergleichsstichprobe unterscheiden. Wir vermuten, dass die depressiven Probanden, im Vergleich zur Kontrollstichprobe, mehr Zeit benötigen um den KETO zu lösen, insgesamt mehr Händler befragen, einen höheren Anspruch an die Urteilssicherheit (HAUS) haben, weniger Risikosuche und dafür mehr Risikovermeidung zeigen (lokal verkaufen). Indem Personen mit Depression also zu viele Informationen suchen, wird der Gewinnertrag schmäler aufallen und die Abweichung zu einem normativen Verhalten grösser sein.
Um auszuschliessen, dass lediglich das Vorhandensein einer psychischen Störung zu unterschiedlichen Resultaten führt (Vergleich mit gesunder Kontrollgruppe), möchten wir zusätzlich noch eine weitere klinische Stichprobe als Vergleichsstichprobe erheben. Hier kommen Personen mit Angst- oder Zwangsstörungen in die engere Wahl. Bei Personen mit Angststörungen vermuten wir, dass sie noch stärker als die depressiven Probanden zur Risikovermeidung neigen, und generell ein inkonsistenteres Entscheidungsverhalten zeigen könnten. Personen mit einer Zwangsstörung hingegen werden vermutlich dazu neigen, noch mehr Informationen zu suchen als die depressiven Probanden. Dadurch, dass wir neben dem KETO auch das Beck-Depressions-Inventar (BDI-II) miterheben, können wir erkennen, wenn ein Proband aus der klinischen Vergleichsstichprobe zusätzlich auch eine depressive Störung aufweist.
Wir versprechen uns durch dieses Kooperationsprojekt mehr über das komplexe Risiko- und Entscheidungsverhalten von Personen mit einer Depression zu erfahren und dadurch die depressive Störungen besser verstehen zu können.
Rekrutierung der Probanden (noch im Detail zu besprechen)
Beginn Datenerhebung Mitte März 2014, fortlaufend
2014-2016
Eigene Mittel
Von Helversen, B., Wilke, A., Johnson, T., Schmid, G., & Klapp, B. (2011). Performance benefits of Depression: Sequential decision making in a healthy sample and a clinically depressed sample. Journal of Abnormal Psychology, 120(4), 962-968.
Hausmann, D., & Läge, D. (2008). Sequential evidence accumulation in decision making: The individual desired level of confidence can explain the extent of information search. Judgment and Decision Making, 3, 229-243.
Weitere Publikationen des Projekts laufend
Ein Ethikgesuch zu diesem Projekt wurde am 17.12.2013 von der Ethikkommission der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich bewilligt. Kontaktadresse: Prof. Dr. Klaus Oberauer (Präsident), Psychologisches Institut, Binzmühlestrasse 14, Box 22, CH-8050 Zürich