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Alan Turing, 1912 geboren in London, war kein normales Kind. Das Lesen soll er sich im Kindergarten innerhalb von drei Wochen selbst beigebracht haben. Daneben liebte er Rätsel und Zahlen. Seiner Mutter schenkte er im Alter von 14 Jahren zum Geburtstag eine Zusammenfassung von Einsteins Relativitätstheorie.
Turing blieb den Zahlen treu und studierte in Cambridge Mathematik. Doch es war seine Liebe zu Rätseln, die wohl einigen Tausend Menschen das Leben gerettet hat. Als Kryptoanalytiker war Turing während des Zweiten Weltkriegs wesentlich an der Entzifferung der deutschen Chiffriermaschine «Enigma» beteiligt. Mit dieser verschlüsselte die Deutsche Wehrmacht ihre Funksprüche.
Turings Arbeit hat den Zweiten Weltkrieg verkürzt
Nachdem der Code geknackt war, wussten britische Admiräle und Generäle Bescheid über die deutschen Einsatzpläne, was ein unbezahlbarer strategischer Vorteil war. Einige Historiker gehen davon aus, dass Turing und seine Kollegen mit ihrer analytischen Arbeit den Zweiten Weltkrieg massgeblich verkürzt haben.
Anerkennung erfuhr er jedoch zeitlebens nicht. Seine krypto-analytischen Arbeiten blieben unter Verschluss. Die britische Öffentlichkeit erfuhr erst Jahrzehnte nach dem Krieg, dass der Enigma-Code geknackt worden war – und von Turings Leistung.
Nach dem Krieg arbeitete Turing als Mathematiker. Er gilt heute als einer der einflussreichsten Theoretiker der frühen Computerentwicklung und Informatik. Er lieferte aber ebenso mathematische Grundlagen für die Biologie.
Angeordnete Hormontherapie machte ihn depressiv
Turing war nicht nur ein brillanter Kopf, sondern auch schwul. Ein Umstand, der die Karriere und das Leben des Mathematikers zerstören sollte. Homosexualität war zu jener Zeit in England – anders als etwa in der Schweiz – strafbar. Nachdem Turing 1952 eine Beziehung mit einem Mann nachgewiesen worden war, verurteilte ihn ein britisches Gericht wegen «grober Unzucht und sexueller Perversion».
Er wurde vor die Wahl gestellt: Gefängnis oder eine Hormontherapie. Die Einnahme des weiblichen Hormons Östrogen sollte heilen, was nach den damals gängigen Vorstellungen als abartig galt. Turing, der zeitlebens ein begeisterter Langstreckenläufer und Tennisspieler war, wurde durch die sogenannte Therapie nicht weniger schwul, sondern dick, träge und depressiv. Zwei Jahre später schluckte Turing Zyankali und beendete sein Leben im Alter von 41 Jahren.
Versuch einer Wiedergutmachung
Es sollte fast 60 Jahre dauern bis Alan Turing offiziell rehabilitiert wurde. «Die tiefe Dankbarkeit, die wir ihm schulden, macht es umso grauenhafter, dass er derart inhuman behandelt wurde», sagte der damalige Premierminister Gordon Brown, als er sich 2009 im Namen der britischen Regierung für das Unrecht, das Turing widerfahren ist, entschuldigte: «Es tut uns leid, Sie hatten so viel Besseres verdient.»
Wenn diese Woche nun die neue 50-Pfund-Note mit dem Porträt von Alan Turing in Grossbritannien im Umlauf kommt, ist dies nicht allein eine Ehre, sondern ebenso ein neuerlicher Versuch einer späten Wiedergutmachung. An Turing und allen anderen Opfern von Vorurteilen jener Zeit, die Besseres verdient hätten.