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Der letzte Buchtipp bezog sich auf ein Werk, welches bereits im Jahr 2009 erschienen ist, der jetzige auf ein brandneues “ sozusagen taufrisches “ Buch, verfasst von einer Autorengruppe aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Titel des Buches lautet: Empowerment durch Schulpraktika. Perspektiven wechseln in der Lehrerbildung. So kann dem Klappentext entnommen werden, dass es bislang an sytematisierenden, national wie international orientierten Darstellungen sowohl der konzeptionellen Elemente von Schulpraktika als auch des übergreifenden Kontextes, fehle. Ebenso hätten sich zwar in letzter Zeit die empirischen Studien zu allgemeinen Schulpraktika vergrössert, insgesamt sei deren Zahl aber noch immer klein. Ziel des Buches sei es deshalb, diese beide Lücken zu verkleinern und einerseits eine umfassende wissenschaftliche Bilanzierung und Grundlegung der Schulpraktika für Deutschland, Österreich und die Schweiz vorzulegen, anderseits aber auch eine integrative sowie innovative Konzeption der Schulpraktika im Rahmen des Empowerment-Ansatzes aufzuzeigen.
Das Buch ist lesenswert: Dies sei bereits vorweggenommen!
Eine umfassende Darstellung würde ein einzelnes Blogposting bei weitem sprengen, weswegen ich nur zwei (meiner Ansicht nach) wesentliche Punkte herausgreifen möchte:
Das Praktikum als Lerngelegenheit für Studierende
Mit Dick (1996) wird argumentiert, dass das Lernen im Praktikum ein Mehrquellenphänomen sei und sich demzufolge aus mehreren Quellen speist. Angegeben werden das Modelllernen, das „Learning by doing“ und das biografische Lernen. Weiter wird ausgeführt, dass “ obwohl als Herzstück bezeichnet “ die Wirksamkeit der Praktika jedoch umstritten sei. Zur Untermauerung werden sechs Kritikpunkte aufgeführt wie z.B. dass die Praktikumslehrpersonen die Lernfortschritte der Studierenden überschätzen würden, oder dass eher eine schulspezifische Sozialisation als ein Kompetenzerwerb stattfände. Meiner Ansicht nach sind die genannten Punkte sicher bedenkenswert, ob damit jedoch tatsächlich die Wirkung verlorengeht ist noch nicht gesagt. Mir scheint eher, dass die tatsächliche Wirkung nicht immer der intendierten Wirkung entspricht. In diesem Zusammenhang kann auch die Einschätzungen der Studierenden von Praktika gesehen werden, welche sich nicht selten im Credo ich mache, also kann ich äussert.
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Weiter werden von den Autoren die Grundmerkmale des Theorie-Praxis-Verhältnisses beschrieben. Dies auch aufgrund der eher ernüchternden Ergebnisse von Nölle (2002), dass nämlich den Studierenden selten eine Verknüpfung dieser beiden Elemente gelingen würde.
Aufgrund dieses alt bekannten Problems der schwierigen Beziehung von Theorie und Praxis, welche auch tatsächlich zwei sehr unterschiedliche Gegenstandswelten darstellen, wird als Lösungsversuch das Praktikum postuliert. Diesem komme eine Brücken- resp. Antizipationsfunktion zu. Ich schliesse daraus, dass die Autorinnen und Autoren darin auch eine Verbesserung der Wirksamkeit der Praktika verorten: sie sollen nicht bloss gelebte Praxis replizieren (was nicht per se schlecht sein muss!), sondern auch theoretische Erkenntnisse mit praktischer Erfahrung kombinieren, was jedoch keine neue Idee ist 😉
Empowerment im und durch das Schulpraktikum
Viel Platz wird im Buch dafür verwendet aufzuzeigen, was die Autorenschaft unter Empowerment im Praktikum versteht. Dies geschieht, indem zu Themenfeldern wie Individualisierung, Emotionsregelung, Feedback, soziale Interaktionen und Schulentwicklung einerseits Grundüberlegungen und zentrale Erkenntnisse dargestellt und andererseits Bezüge zum Empowerment herausgearbeitet werden. Unter Empowerment wird die Kraft der Wirksamkeit und Entfaltung eines Individuums in einem sozialen Kontext verstanden (also die Entwicklung der berufspraktischen Kompetenzen einer Lehrerstudentin/eines Lehrerstudenten im Praxisfeld Schule). Interessant ist die Bemerkung, dass das Konzept des Empowerments, welches v.a. in der Gesundheits- bzw. der Klinischen Psychologie beheimatet sei, einige Überschneidungen mit dem Konzept der Allgemeinbildung aufweise, welches v.a. in der Schulpädagogik und der Allgemeinen Didaktik zum Tragen komme. Und dies, obwohl sich die Allgemeine Didaktik ja nicht in unmittelbarer Nähe der Klinischen Psychologie befände…
Meiner Ansicht nach Kernstück des Buches bilden aber die Modelle für die Implementation des Empowerment-Konzeptes in die Schulpraktika und die Leistungen, welche dahingehend von den Pädagogischen Hochschulen einerseits und den Praxisschulen andererseits vollbracht werden müssen. Weil (wie oben beschrieben) Theorie und Praxis im Grundsatz zwei verschiedene Systeme sind, können sie nur durch Kommunikation zueinander in Beziehung treten. Mögliche Katalysatoren sind laut den Autorinnen und Autoren Lernaufgaben (gerichtete Aufgaben) über die sich die Akteure in beiden Systemen zu verständigen haben. Primär handle es sich dabei um Fragen des Theorie-Praxis- Bezugs resp. um Anliegen zum Empowerment. Der besseren Verständlichkeit dieses Makromodells für das Lernen im Praktikum dient eine Abbildung auf S. 228. Auch bezüglich eines Mikromodells für die Interaktion im Praktikum wird ein Vorschlag unterbreitet. Schliesslich beschreibt die Autorenschaft auch noch ein Kooperationsmodell, welches für beide Systeme (Theorie und Praxis) gilt, falls ein Praktikum gelingen soll, und bei welchem die Akteure beider Systeme sich als Bündnispartnerinnen verstehen um die professionelle Entwicklung der angehenden Lehrpersonen zu unterstützen.
Dem im Buch vorgestellten Ansatz ist es zu wünschen, dass er eine weite Verbreitung findet!
Quelle:
Arnold, K.-H., Hascher, T., Messner, R., Niggli, A., Patry, J.-L. & Rahm, S. (2011). Emowerment durch Schulpraktika. Perspektiven wechseln in der Lehrerbildung. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.
Nachtrag in eigener Sache:
Dies ist mein 150. Blogposting seit Eröffnung des Bildungsfutters: Ein kleiner Grund zum Feiern 🙂