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Sprechstunde: Stürze wegen Rivotril®?
Neue Frage: Ich bin 73-jährig und männlich. Seit 14 Jahren habe ich Parkinson. Neuerdings stürze ich häufig. Könnte dies zusammenhängen mit einer höheren Dosierung von Rivotril®?
Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Stürze sind nach 14-jährigem Krankheitsverlauf bei Parkinson leider nicht so ungewöhnlich. Trotzdem stellen sich wichtige Fragen, um dies genau beurteilen zu können. 1. In welchem Zustand treten die Stürze auf? In der On-Phase – also bei guter Wirkung der Medikamente – oder in der Off-Phase? 2. Treten die Stürze im Rahmen eines Freezings (Gangblockaden) oder einer Festination (unwillkürliche Gangbeschleunigung) auf oder unabhängig davon? Wenn die Stürze im On-Zustand und unabhängig von Freezing/Festination auftreten, ist wahrscheinlich die posturale Kontrolle gestört. Das heisst, die automatischen Reflexe, die uns normalerweise vor dem Stürzen schützen, sind nicht mehr präzis und schnell genug. Die Therapie dieser Situation ist sehr schwierig und der Fokus liegt v. a. in der Prävention der Stürze mit Physiotherapie und Hilfsmitteln. Treten die Stürze jedoch im Off-Zustand oder im Kontext mit Freezing-Episoden auf, kann durch Anpassung der Therapie einiges verbessert werden.
Ich nehme an, dass Sie das Rivotril® aufgrund einer spezifischen Schlafstörung am Abend einnehmen (REM-Schlafverhaltensstörung). Zumeist reicht da eine sehr kleine Dosis für die Behandlung, die in der Regel keinen relevanten Einfluss auf die Sturzgefahr hat. Hier ist jedoch der Zusammenhang zwischen Beginn der Rivotril®-Therapie und den Stürzen sehr wichtig. Wenn Sie vermehrt stürzen, seit Sie Rivotril® nehmen oder die Dosis erhöht haben, kann das ein Puzzlestein sein, der sich negativ auf die Sturzgefahr auswirkt. Bei Rivotril® gilt sicher die Regel; so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Sollte Rivotril® nicht aufgrund einer REM-Schlafverhaltensstörung eingenommen werden, wäre ein Absetzversuch sinnvoll. PD Dr. med. Georg Kägi, Juni 2020
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