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Alfred Roth (geb. 21.5.1903 in Wangen an der Aare, gest. 20.10.1998 in Zürich) nahm 1922 zunächst ein Studium als Maschineningenieur an der ETH Zürich auf, das er nach einem Semester zugunsten des Architekturstudiums beendete. Sein wichtigster Lehrer dort war Karl Moser, bei dem Roth nach seinem Studienabschluss 1925 assistierte. Von Moser wurde Roth an das Büro Le Corbusiers und Pierre Jeannerets in Paris vermittelt, für die er 1926/27 am Projekt des Völkerbundpalastes in Genf und 1927/28 als Bauleiter der beiden Häuser in der Weissenhofsiedlung in Stuttgart arbeitete. Während dieser Zeit schloss Roth Bekanntschaft mit Piet Mondrian, einem der Mitbegründer der Künstlergruppe De Stijl. Die Auseinandersetzung mit den Farbkonzepten De Stijls und Le Corbusiers mündete in einer eigenen Anschauung zur Rolle der Farbe in der Architektur, die Roth um 1930 in der Siedlung Neubühl und später in dekorativen Werken an verschiedenen Bauten anwenden konnte.
Frühe Werke Roths sind sein Ferienhaus für Dr. Lanz in Mammern (1936) und die mit Marcel Breuer und seinem Cousin Emil Roth ausgeführten Doldertalhäuser für Sigfried Giedion in Zürich (1935/36). An beide Modelle knüpfte Roth später an. Das einfache Holzhaus kehrt als Wohnhaus für Hélène de Mandrot in Zürich (1943/44) wieder, den Haustyp im Doldertal entwickelte er 1961 im Fellowship Home in Zürich weiter. Roth engagierte sich zeitlebens stark für den Schulbau. Die Projekte reichen von seinem avantgardistischen Entwurf für das Schulhaus Kappeli in Zürich 1932 über den Bau einer erdbebensicheren Schule in Skopje 1966-69 bis zur Entwicklung von vorfabrizierten Schulen in Jordanien und Kuwait in den 1970er und 80er Jahren. Seine Sicht auf vorbildliche Schulhausarchitektur vermittelte er in dem einflussreichen, dreisprachigen Buch «Das neue Schulhaus», das in mehreren, teils erweiterten Auflagen zwischen 1950 und 1966 erschien. Neben seinen Wohnbauten und Schulhausentwürfen realisierte Roth Fabrikbauten, Inneneinrichtungen (beispielsweise, zusammen mit Richard Paul Lohse, den Schweizer Pavillon der Triennale in Mailand 1957) und zwei grosse Geschäftshauskomplexe: das Einkaufszentrum Schönbühl in Luzern 1967-70 (zusammen mit Alvar Aalto) sowie die Bank Sabbag in Beirut 1966-70.
Roth war seit Anfang der 1930er Jahre Mitglied der CIAM und wurde 1940 mit seiner Publikation «Die Neue Architektur» zu einem Wortführer der modernen Architektur in der Schweiz. Lange Zeit behauptete er eine bedeutende Rolle als Vermittler. Lehraufträgen an der Washington University in St. Louis sowie an der Harvard University in Cambridge, Mass. in den 1950er Jahren folgte eine Professur an der ETH Zürich, die er bis 1971 inne hatte. Roth wirkte beim Aufbau des «Archivs für moderne Schweizer Architektur» mit, einem Vorläufer des heutigen gta Archivs. Zeitlebens blieb er ein Verfechter der modernen Kontinuität und wandte sich gegen «hektisches Trachten nach immer Neuem, dem in Wirklichkeit die objektive, innere Rechtfertigung fehlt» (Roth, Begegnung mit Pionieren, S. 10).
Alex Winiger
Zitierweise: Alex Winiger, Bestandesbeschrieb Alfred Roth, in: Website des gta Archivs / ETH Zürich, Mai 2011, www.archiv.gta.arch.ethz.ch/nachlaesse-vorlaesse/roth-alfred.
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