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Die Honigbiene existiert seit über 30 Millionen Jahren und hat sich an zahlreiche Veränderungen ihrer Umwelt angepasst. Doch in den letzten Wintern verzeichneten die Schweizer Imkerinnen und Imker grosse Völkerverluste, besonders in den Jahren 2003 und 2008. Dasselbe Phänomen wurde im übrigen Europa, in China und den Vereinigten Staaten festgestellt.
Nachdem der Pflanzenschutzmittel-Wirkstoff Clothianidin von verschiedener Seite für das Bienensterben verantwortlich gemacht worden war, sieht die Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux (ALP) in der Milbe Varroa destructor den Hauptverdächtigen.
In einer Medienmitteilung stellte die Forschungsanstalt nun ihre Massnahmen im Kampf gegen das Bienensterben vor: So will man der Varroa-Milbe mit der Entwicklung biologischer Bekämpfungsmethoden zu Leibe rücken, etwa mit krankmachenden Organismen oder Sexuallockstoffen, sogenannten Pheromonen. Auch die Züchtung von Bienen, die weniger milbenanfällig sind, könnte gemäss ALP eine Möglichkeit sein.
Um das Ausmass des Problems zu erkennen, wurde in der Schweiz zudem ein nationales Monitoring-Programm zur Erfassung der Bienenpopulationen lanciert. Weiter sollen es internationale Standards künftig ermöglichen, die Daten zu vergleichen und gemeinsame Benennungen zu finden.
Pestizide nicht verantwortlich für Massensterben
Im Frühling und im Sommer würden ab und zu mehr oder weniger ausgeprägte Schwächungen der Bienenvölker beobachtet. So auch im Frühjahr 2008 in Süddeutschland, wo das Phänomen später mit der Verwendung von Pestiziden in Zusammenhang gebracht wurde. Wie die Forschungsanstalt Agroscope betont, sei jedoch zu unterscheiden zwischen diesen klaren und örtlich begrenzten Vergiftungsfällen einerseits und den bedeutenden Völkerverlusten, zu denen es aus bisher ungeklärten Gründen auf mehreren Kontinenten vornehmlich während der Winterruhe der Völker kommt.
Im Winter bringt ein Bienenvolk keine Jungtiere hervor, und die natürliche Sterblichkeit wäre eigentlich gering. Die Winterbienen schlüpfen von August bis Oktober und sichern den Übergang in die kommende Saison. Die Weiterführung der Aufzucht im Frühjahr hänge von den fünf bis sieben Monate alten Winterbienen ab. Wird ihre Lebensdauer auch nur minimal verkürzt, sei der Neustart im kommenden Frühjahr ebenso wie das Überleben des Volkes in Gefahr. Da die in Europa registrierten Völkerverluste vor allem während der Winterruhe auftreten, konzentriere sich die Forschungsanstalt auf jene Faktoren, welche die Lebensdauer der überwinternden Bienen beeinflussen könnten.
Käme es zu einem starken Rückgang der Bienenvölker, könnte das entscheidende wirtschaftliche und ökologische Folgen haben: Gemäss einer Schätzung der Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux aus dem Jahr 2002 beträgt der Gesamtwert der Frucht- und Beerenernte in der Schweiz 335 Millionen Franken. 80 Prozent davon gehen auf das Konto der Bestäubung durch Honigbienen. In der Schweiz liege der volkswirtschaftliche Nutzen eines Bienenvolkes dank Produkten aus dem Bienenstock und Bestäubung für die Erzeugung von Früchten und Beeren bei 1500 Franken pro Jahr. Bezieht man Feldkulturen, Saatgut und Gemüsekulturen mit ein, so sei dieser Wert sogar höher anzusetzen. Die Schätzungen des wirtschaftlichen Werts der Insektenbestäubung berücksichtigen nur die Kulturpflanzen – der Beitrag, den die Biene bei der Bestäubung von Wildpflanzen leistet, lasse sich schlecht als monetärer Wert ausdrücken. (ALP/31.03.2009)