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| Eusebius von Cäsarea († um 340) - Vier Bücher über das Leben des Kaisers Konstantin und des Kaisers Konstantin Rede an die Versammlung der Heiligen (Vita Constantini et Oratio ad coetum sanctorum)

Buch I
14. Konstantius, der Vater Konstantins, füllt, da ihm von Diokletian seine Armut vorgeworfen wird, die Schatzkammern mit Geld, gibt dieses jedoch denen wieder zurück, die es herbeigebracht haben.
Da weit umher das Gerücht ging, wie milde, wie gut, wie überaus voll von Gottesliebe dieser Kaiser sei, und wie er aus allzu schonender Rücksichtsnahme auf seine Untertanen sich nicht einmal Geld für den Staatsschatz gesammelt habe, ließ ihn der Kaiser, der damals die oberste Herrschergewalt inne hatte, durch Abgesandte ob der Vernachlässigung des Gemeinwohles tadeln und ihm seine Armut vorhalten, indem er zur Begründung des Vorwurfs darauf hinwies, daß Konstantius nichts im Staatsschatz hinterlegt habe. Dieser forderte aber die Gesandten des Kaisers auf, bei ihm etwas zu verweilen, berief sodann aus allen Landschaften seiner Herrschaft die Reichsten seiner Untertanen zu sich und sagte ihnen, er habe Geld notwendig und jetzt sei die Zeit gekommen, in der es einem jeden zustehe, aus freien Stücken seine wohlwollende Ergebenheit gegen seinen Kaiser zu zeigen. Kaum hatten diese davon vernommen, füllten sie, gleich als ob sie schon längst den Wunsch gehegt hätten, ihren guten Willen zeigen zu können, in Eile und mit Eifer die Schatzkammern mit Gold, Silber und anderen Schätzen, wobei sie ihren Ehrgeiz darein setzten, sich gegenseitig durch die Größe ihrer Gaben zu übertreffen; so taten sie es denn auch mit heiterer, freudestrahlender Miene. Darauf ließ Konstantius die Boten des Oberkaisers die Schatze besichtigen, wobei er ihnen auftrug, was sie gesehen hätten, getreulich dem zu berichten, der ihm Armut zum Vorwurf gemacht habe; hinzufügen sollten sie ihrem Bericht, daß diese Schätze nicht die Gaben jammernder Menschen oder die Frucht habsüchtiger Ungerechtigkeit seien; jetzt habe er diese Schätze bei sich zusammenbringen lassen; schon längst aber seien sie ihm bei ihren Eigentümern ebenso wohl verwahrt gewesen wie bei treuen Wächtern, die ein anvertrautes Gut zu hüten hätten. Die Boten ergriff Staunen über diesen Vorfall; nachdem sie aber fortgegangen waren, berief der Kaiser in seiner Menschenfreundlichkeit, wie berichtet wird, die Eigentümer der Schätze und ließ sie alles wieder mit nach Hause nehmen, nicht ohne ihrem Gehorsam und ihrem wohlwollenden Eifer hohes Lob gezollt zu haben. Während diese eine Tat des Kaisers seine Menschenfreundlichkeit beweisen kann, dürfte eine andere klar von seiner gottgefälligen Gesinnung zeugen.