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2 Halbschalen stehen in handbreiter Distanz mit dem Rücken zueinander. In diesem Zwischenraum sind etwa 6 ungefähr 2 Meter lange, vertikale Saiten aufgespannt, wie wir solche von Gitarren oder Geigen kennen. Der Wind bringt diese Saiten zum Klingen, wenn er sich durch die Öffnung zwängt. Dort wird er verdichtet und entlockt der Harfe ein Sirren und Summen, eine natürliche Musikalität. Auf einer Tafel wird darauf hingewiesen, dass ihre Kompositionen unendlich variabel seien und ich kann zusätzlich sagen, dass sie von ergreifender Schönheit sind.
Nicht weit von der Harfe entfernt, steht ein Glasflaschenturm, mit dem der Wind ebenfalls spielen kann. Wenn er in die Flaschen eindringt, bringt er Töne hervor, ähnlich wie sie der Panflöte entstammen. Und Primo wurde sogleich an Signaltafeln von Baustellen hier in Zürich erinnert. Dort tönt es genau so, wenn diese beschädigt sind und der Wind durch ein Loch pfeifen kann.
Beide Windklang-Instrumente sind Teil des Klanggartens „tùn resùn“, der auch in den angrenzenden Wald hineinführt. Dort hängt zwischen 2 Bäumen eine 2 Meter lange und etwa 60 cm breite Blechplatte, mit der Theater-Donner erzeugt werden kann. Hier spielten Kinder nach Herzenslust. Es fehlte nur noch der Blitz, um ein echtes Gewitter vorzutäuschen.
Ebenfalls im Wald fanden wir die Installation, die den Specht hörbar macht. Wir sahen Buben und Mädchen, die begeistert am Seilzug zogen und den klopfenden Specht imitierten. Hier war auf etwa 20 Metern Höhe ein Holzkasten angebracht. An diesen klopfte ein Holzklöppel, wenn die Kinder am Seil zogen.
Andernorts durften Glocken bewegt werden, die ein Herdengeläut nachahmten. An einer in der Erde versenkten Holzstange waren bewegliche Querstangen angebracht und an diesen Seitenarmen verschiedene Glocken aufgehängt. Die Kinder konnten an einem Knebel ziehen und die Glocken zum Läuten bringen. Da tönte es wie auf einer Alpweide.
Dort, wo Glocken dreistufig übereinander in Tonleiter-Anordnung zwischen 2 Bäumen aufgehängt waren, beobachteten wir eine Mutter, die ein Kinderlied anklingen liess.
Und ganz besonders berührten uns die hängenden Granit-Scheiben. Wenn sie leise angestossen wurden und sich gegenseitig anschlugen, tönte es, wie wenn Eis aufbricht.
Der Weg zu diesem Klanggarten mit seiner Urmusik ist gut markiert, Waldmännchen zeigen die Richtung an. Er beginnt hinter dem Gasthaus Orta, bei der Postautostation Lohn.
Etwas sehr Wichtiges wurde hier noch nicht angesprochen: Hier oben waren wir den Sternen nahe. In klaren Nächten funkelte und glitzerte es am Firmament. Der Himmel war offen, schüttete seine Juwelen über uns aus, ohne dass diese auf die Erde fallen mussten. Davon können wir in der Stadt nur träumen. Luftverschmutzung und künstliches Licht verwischen die Schönheit einer klaren Nacht.
Als Felicitas und ich einmal um Mitternacht draussen in den Himmel schauten, bemerkte sie gleich, dass das Firmament rund erscheint und einen Raum andeutet. Da war mir, als hätten wir jene uns schützende Hülle gesehen, in der die gesamte Menschheit aufgehoben ist.