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Bergell--
Engadin folgt und sich durch den Reichtum an guten fahrbaren Uebergängen auszeichnet. Auf den Piz Stella folgen nämlich: Piz Marcio 2906 m, dann der schlecht unterhaltene Saumweg des Septimerpasses 2311 m, Piz Lagrev 3170 m, der Julierpass 2287 m, Piz Julier 3385 m, Piz d'Err 3395 m, der Albulapass 2313 m, Piz Kesch 3417 m, der Scalettapass 2619 m, Piz Vadred 3234 m, der Flüelapass 2405 m, dann die Silvretta mit Piz Linard 3416 m, Piz Buin 3264 m, Fluchthorn 3396 m etc. Von dieser Hauptkette gehen nach N. natürlich auch zahlreiche Querkämme zwischen die kleinen Seitenthäler hinein; am bedeutendsten ist derjenige zwischen Avers und Oberhalbstein mit Piz Platta 3386 m und Piz Curver 2975 m; ferner zwischen Oberhalbstein und Bergün: Piz d'Aela 3320 m und Tinzenhorn 3132 m.
Aus den Höhenzahlen ergibt sich, dass man es auch hier, wie bei Gruppe 1 mit hochalpinen Formen zu tun hat. Die Entwicklung der Gletscher in dieser Kette ist etwas bedeutender; Piz d'Err, Piz Kesch und namentlich das Silvrettamassiv zeigen grössere Schneefelder und Gletscher.
3. Die Plessurgruppe, begrenzt durch Hinterrhein und Albula im W., Davos im S., die Landquart im N. und das Rheinthal im W., ist nicht bloss kleiner, sondern auch weniger hoch und zeigt vorwiegend Voralpencharakter. Der höchste Zug liegt an der Südostseite mit Lenzerhorn 2909 m, Furkahorn 2728 m, Schiahorn 2720 m, Weissfluh 2668 m. Am Schiahorn vorbei führt der Strelapass 2377 m aus dem Schanfigg nach Davos. Von der Weissfluh aus geht zwischen Schanfigg und Prättigau ein Ausläufer nach W., in welchem sich der Hochwang noch zu 2482 m erhebt. Ebenso zieht sich vom Lenzerhorn nach N. ein Kamm mit dem Aroser Rothorn 2901 m und Weisshorn 2777 m. Westlich von dieser Reihe folgt das Trockenthal von Churwalden-Lenz und westlich von diesem wieder erhebt sich fast isoliert, das Stätzerhorn 2576 m.
4. Rhätikongruppe. Das Rheinthal im W., das Prättigau im S. und das Montafonerthal in N. grenzen diese Gruppe scharf ab; einzig im O. hängt sie mit dem Silvrettamassiv zusammen. Als Grenze kann man hier den Pass zwischen Silvrettahorn 3248 m und Gross Litzner 3124 m nehmen. Die Kette ist orographisch einfach: ein Kamm mit kurzen Ausläufern nach N. und S. - Auf den schon genannten Gross Litzner folgen noch das Madrisahorn 2848 m, die Sulzfluh 2842 m, die Scesaplana 2968 m und der Falknis 2566 m. Von Uebergängen sind das Schweizerthor 2170 m und das Schlappinerjoch 2190 m die beiden niedrigsten.
5. Die Süd-Engadineralpen bilden eine Kette, welche an Länge den Nord-Engadineralpen gleichkommt, an Höhe sie noch bedeutend übertrifft. Sie werden im N. durch das Bergell, den Malojapass 1811 m und das Engadin ¶
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begrenzt, im W. durch die Maira von Chiavenna bis Colico, im S. durch das Veltlin bis zum Stilfserjoch 2797 m, im O. durch das Thal der Etsch und die Reschenscheideck 1524 m. Die Hauptkette erhebt sich schon im S.-W. im Monte della Disgrazia zu 3675 m. Von diesem aus gehen nach N. zwei grosse Gletscher, der Albigna- und der Fornogletscher; dazu kommen noch viele kleine. Östlich folgt ein Einschnitt, durch den der Murettopass, 2557 m, führt. Zwischen diesem und dem Berninapass 2334 m liegt die gewaltige Berninagruppe, deren Hauptgipfel, der Piz Bernina, 4052 m misst, während viele andre Gipfel wenig unter 4000 m bleiben, wie z. B. Piz Corvatsch 3458 m, Piz Roseg 3943 m, Piz Morteratsch 3754 m, Piz Zupô 3999 m, Pizzo di Palü 3912 m, Pizzo di Verona 3462 m etc. Hier erreichen auch die Gletscher eine grosse Ausdehnung. Man zählt 8 grosse Thalgletscher und ca 30 Hängegletscher; von den erstern fliessen u. a. nach N. ab der Roseggletscher mit 23,5 km2, der Morteratschgletscher mit 24 km2 Fläche.
Durch das Thal von Pontresina, den Berninapass und das Puschlav wird die Fortsetzung der Kette vom westlichen Teil getrennt.
Gerade östlich von Pontresina erhebt sich, fast isoliert, der Piz Languard 3266 m, welcher deswegen eine
wundervolle Rundsicht bietet. Weiter nach O. ist das Gebirge durch zahlreiche Thäler sehr stark durchfurcht, so dass zwischen
dem Berninapass und dem Ofenpass 2155 m der Hauptkamm eigentlich durch das Val Viola und das Valle di Livigno in drei Kämme geteilt
wird. Im südlichsten liegen Cima di Dosdé 3280 m, Cima di
Colombana ^[Berichtigung: Piazzi] und Piz Umbrail 3034 m;
im mittlern: Cima di Campo 3205 m ^[Berichtigung: Corno di Campo 3305 m] und Piz Murtaröl 3177 m. In der nördlichen Reihe endlich
hat man ausser dem Piz Languard noch Piz Casana 3072 m und Piz Quater Vals 3157 m.
Zwischen dem Ofenpass und der Reschenscheideck liegt der letzte Abschnitt der Südengadineralpen; da treffen wir Piz Plafna 3174 m und Piz Sesvenna 3221 m.
6. Die Luganer-Alpen werden im N. durch die Linie Giubiasco-Joriopass, 1956 m, -Gravedona begrenzt, im W. durch den Langensee, im S. durch die Poebene und im O. durch den Comersee. Auch da lassen sich, getrennt durch den Luganersee und den westlichen Arm des Comersees wieder drei Gebirgsketten unterscheiden, die von S.-W. nach N.-O. streichen. Die nördlichste beginnt beim Joriopass mit dem Monte Camoghé 2226 m und zieht sich, unterbrochen durch den Einschnitt des Monte Cenere 553 m, zum Monte Tamaro 1961 m nach W. In die zweite Kette gehören der Monte Galbiga 1707 m, der Monte Generoso 1695 m, der Monte San Salvatore 909 m und der Monte Campo de Fiori 1227 m. In dem Winkel der beiden Arme des Comersees endlich liegt noch der Monte Palanzolo 1434 m. -
Die Höhen nehmen also nach S. rasch ab; aber auch hier zeigt sich, wie in der Sesia- und Maggiagruppe, dass die Bergformen der Südseite der Alpen im allgemeinen schroffer sind als im N. bei gleicher Höhe.
Ueberblicken wir zum Schlusse noch die Südalpen, so zeigt sich, dass sie nicht den geraden Kamm bilden, wie die Nordalpen. Zwar findet er sich vom Mont Blanc bis zum Monte Rosa und vom Piz Stella bis zum Fluchthorn; aber zwischen Monte Rosa und Piz Stella greifen die Querthäler von Tosa, Maggia, Tessin und Liro (S. Giacomothal) so weit nach N., dass die Wasserscheide im Gotthardgebiet bis fast an die Nordalpen zurückgedrängt wird. - Im allgemeinen sind die Südalpen höher als die Nordalpen: die Walliser Alpen übertreffen die Berner Alpen, die Bündner Alpen ebenso die Glarner Alpen um einige hundert Meter. Hingegen treffen wir sowohl bei den Nordalpen wie bei den Südalpen die längern Querkämme auf der Nordseite, die kürzern im S., weshalb überall der Südabfall der steilere ist.
Karten, die zum Studium der Orographie empfohlen werden können:
1) Uebersichtskarte der Schweiz mit ihren Grenzgebieten 1:1000000. (Topograph. Bureau).
2) Leuzingers Reisekarte der Schweiz 1:500000 (Bern; Schmid und Francke); genügt fast vollständig für die obige Uebersicht 3) Generalkarte der Schweiz 1:250000. 4 Bl. (Topograph. Bureau).
4) Topographische Karte der Schweiz, sog. «Dufourkarte», 1:100000. 25 Bl. (Topograph. Bureau).
5) Topographischer Atlas der Schweiz, sog. «Siegfriedatlas», im Jura und im Mittelland 1:25000, in den Alpen 1:50000. 591 Bl. (Topograph. Bureau).
Anhang. Ausser der hier aufgestellten Einteilung der Alpen gibt es in der Litteratur noch deren viele andre. Einzelne Namen davon werden oft gebraucht, aber mit sehr wechselndem Umfang. So z. B. Penninische Alpen (von Mons Penninus, der Grosse St. Bernhard). Der eine versteht darunter, was oben als Matterhorn-Gruppe bezeichnet ist, der andre die gesamten Walliseralpen. - Unter Lepontische Alpen werden meistens die Gebirge zwischen Simplonpass und Tessin verstanden, also die Monte Leone-Gruppe und Maggia-Gruppe zusammen. Sehr schwankend ist wieder der Begriff Rhätische Alpen. Einer fasst den Begriff als gleichbedeutend mit Bündner Alpen auf und nennt so die Ketten zu beiden Seiten des Engadin. Ein andrer versteht darunter nur die Kette südlich vom Engadin. - Geradezu unfassbar wird der Begriff Vierwaldstätter Alpen, der wohl nirgends bedeutet, was der Name sagt: Alpen der Vierwaldstätte; denn daneben findet man eventuell auf der gleichen Karte noch Schwyzer Alpen, Urner Alpen etc.
Gerade um Verwechslungen zu vermeiden, hält sich die obige Einteilung und Benennung an hervorragende Gipfel oder wichtige Flüsse; alte Namen mit wechselnder Bedeutung, sowie politische Namen sind möglichst vermieden.
B. GEOLOGIE.
Eine Geschichte der Alpengeologie spiegelt alle grossen Bewegungen, welche in der Geschichte der Geologie überhaupt aufgetreten sind. Wohl der erste, der eine Bergbesteigung zu wissenschaftlichen Zwecken unternahm, war Joh. Jakob Scheuchzer (1672-1733) in Zürich. Er war auch der erste, der eine Gebirgsfaltung sah, beschrieb und zeichnete und zwar am Urnersee. Andre befassten sich namentlich mit den Erscheinungen der Gletscher: Bernh. Friedr. Kuhn, helvetischer Minister, erklärte z. B. die Entstehung der jetzigen und frühern Moränen (1787); zum Durchbruch kam aber die Erkenntnis der einstigen grossen Ausdehnung der Gletscher erst durch die jahrelangen Untersuchungen von Perraudin (1815), Ignaz Venetz in Sitten (1826) und Joh. von Charpentier in Bex (1832). - Als Begründer der eigentlichen Alpengeologie darf wohl Horace Bén. de Saussure angesehen werden, der, ein Beobachter allerersten Ranges, 1779-96 seine wissenschaftlichen Expeditionen in die Alpen unternahm. - Von da ab wird die Reihe der Geologen immer zahlreicher; manche davon, wie z. B. Peter Merian von Basel (1795-1883), Thurmann, Gressly in Solothurn u. a. beschäftigten sich besonders mit der Erforschung des Jura, während für die Alpengeologie hauptsächlich Bernhard Studer in Bern (1794-1887) und Arnold Escher von der Linth in Zürich (1807-72) bahnbrechend gewesen sind.
Dem erstern verdankt man die Erforschung und Einteilung der Molasse und eine «Geologie der Schweiz»; der zweite, welcher entschieden der grösste Alpenforscher aller Zeiten gewesen ist, schuf die Einteilung der alpinen Kreideformation und die klassische Untersuchung des Säntisgebietes. Gemeinsam gaben die beiden 1857 die erste, 1868 die zweite Auflage einer geolog. Karte der Schweiz heraus, zu welcher die Beobachtungen Eschers allein die Hälfte des Materials lieferten.
Seit 1860 arbeiten unter der Führung der Schweiz, geolog. Kommission immer eine grössere Anzahl Geologen an der Publikation der «Geologischen Karte der Schweiz in 1:100000», welche in 25 Blättern bis 1887 vollständig erschienen ist. Seither wird an der Revision vergriffener Blätter und an Spezialuntersuchungen weiter gearbeitet. 1894 erschien eine geolog. Karte in 1:500000 von Heim und Schmidt. Was die richtige Auffassung der Geologie der Alpen lange hinderte, war die Vermengung zweier Vorgänge, welche scharf auseinander zu halten sind:
1) Alter und Entstehung der Gesteine.
2) Entstehung und Alter des Gebirges.
I. Alter und Entstehung der Gesteine.
Ein Blick auf die beigegebene geolog. Karte zeigt, dass die Gesteine verschiedenen Alters, wie es für Kettengebirge typisch ist, im allgemeinen in parallelen Streifen angeordnet sind, welche entsprechend dem Streichen der Zentralalpen von W.-S.-W. nach O.-N.-O. verlaufen. Die Südalpen bestehen fast ganz aus krystallinen Schiefern, denen sich nur im S.-O. (Luganer Alpen) noch eine Zone von Sedimenten ¶