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Die vom DFB beauftragten Ermittler haben keine Beweise für einen Stimmenkauf vor der WM-Vergabe 2006 gefunden. Fest stehe jedoch, dass der Verband versucht hat, eine Zahlung von 6,7 Millionen Euro zu verschleiern.
Die ominöse Zahlung von 6,7 Millionen Euro vom Deutschen Fussball-Bund (DFB) an die FIFA im Vorfeld der WM-Vergabe 2006 ist aufgeklärt. Die Zahlung war gemäss der untersuchenden Wirtschaftskanzlei Freshfields von Anfang an nicht für die als Grund angegebene, später abgesagte FIFA-Gala gedacht, sondern für den inzwischen verstorbenen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus.
Die Kernfrage um die WM 2006 dagegen bleibt ungeklärt. Auch die vom DFB beauftragten Ermittler können nicht beweisen, ob vor dem Zuschlag für das Sommermärchen bestochen wurde. «Wir haben keinen Beweis für einen Stimmenkauf gefunden, können diesen aber auch nicht ausschliessen», steht in der Zusammenfassung der 361 Seiten, die Freshfields vorlegte.
Die Rolle von Franz Beckenbauer ist weiter dubios. Die Anwälte der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer, die gut vier Monate lang im Auftrag des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) den Korruptionsverdacht rund um das deutsche Sommermärchen untersuchten, haben immerhin herausgefunden, dass Beckenbauer in die öminöse Zahlung verstrickt ist.
Demnach flossen ab Ende Mai 2002 sechs Millionen Schweizer Franken in mehreren Tranchen von einem Konto, das «Robert Schwan oder Franz Beckenbauer» als Inhaber auswies, auf ein Konto der Kanzlei Gabriel & Müller in Sarnen im Schweizer Kanton Obwalden. Robert Schwan war der Manager von Franz Beckenbauer.
Wenige Tage später sollen diese sechs Millionen gestückelt auf ein Konto der Firma Kemco bei der Doha-Bank in Katar weitergeleitet worden sein – der Firmengruppe des früheren FIFA-Exekutivkomitee-Mitglieds Mohamed Bin Hammam, der 2011 wegen Korruptionsvorwürfen von der FIFA lebenslang gesperrt wurde. Sämtliche Tranchen an Bin Hammam, so Freshfields, seien unter dem Verwendungszweck «Erwerb von TV- und Marketingrechten Asienspiele 2006» gelaufen.
Erst dann kam nach den Erkenntnissen von Freshfields Robert Louis-Dreyfus ins Spiel. Der frühere Adidas-Boss überwies am 16. August 2002 zehn Millionen Schweizer Franken auf ein Konto von Gabriel & Müller bei der Obwaldner Kantonalbank in Sarnen. Das Louis-Dreyfus-Geld wurde wenige Tage später weitergeleitet. Am 3. September 2002 flossen sechs Millionen Franken auf ein Konto Franz Beckenbauers.
Damit erhielt Beckenbauer die Summe zurück, die er Bin Hammam zuvor hatte zukommen lassen. Am 5. September 2002 flossen die restlichen vier der zehn Louis-Dreyfus-Millionen auf ein Konto der Firma Kemco in Katars Hauptstadt Doha. Machte zusammen zehn Millionen Franken für den Katarer, Verwendungszweck: «Asian Games 2006 Schlusszahlung».
Die Aufklärer von Freshfields erhielten die Hinweise auf diese Geldströme und auf die Rolle der Kanzlei Gabriel & Müller in Sarnen erst jüngst vom Zürcher Testamentsvollstrecker des 2009 verstorbenen Louis-Dreyfus. Franz Beckenbauer sagte zu den Freshfields-Anwälten in dieser Woche, er sei überrascht über die gewonnenen Erkenntnisse. Bin Hammam äusserte sich bis Donnerstag nicht zu einer Anfrage von Freshfields.
Der Anwalt Othmar Gabriel sagt, Robert Schwan habe die Überweisungen ab Ende Mai 2002 angewiesen, Beckenbauer sei nie wirtschaftlich Begünstigter eines bei dem Büro geführten Kontos gewesen. Schwan kann dazu nichts mehr sagen, er starb im Juli 2002, vier Tage nach der Überweisung der letzten Tranche der sechs Millionen Franken an Gabriel. (spon/spre)