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«Night on Earth» zeigt nichts anderes als fünf nächtliche Taxifahrten in fünf Weltstädten, während deren Fahrer und Fahrgast jeweils kurz miteinander in Beziehung treten und dabei die seltsamsten Geschichten erleben oder erzählen: In Los Angeles chauffiert Winona Ryder die entnervte Casting-Agentin Gena Rowlands kurz nach Sonnenuntergang durch den Abendverkehr, um schliesslich ein Angebot für eine Rolle zu bekommen; Armin Mueller-Stahl kennt sich weder mit der Automatik seines Taxis noch in den Strassen von New York aus und wird deshalb kurzerhand von seinem Kunden gefahren; in Paris machen sich zwei rassistische Schwarze über Isaach De Bankolés Fahrkünste lustig, bevor ihm von der blinden Béatrice Dalle mit entwaffnender Direktheit seine bescheidenen Grenzen aufgezeigt werden; in Rom liefert Roberto Benigni ungefragt und in einem klassischen Monolog seine Lebensbeichte ab, was für den mitfahrenden Geistlichen verheerende Folgen hat; in Helsinki schliesslich, wo am Schluss des Films die Sonne wieder aufgeht, macht Matti Pellonpää seinen drei mehr oder weniger stark betrunkenen Fahrgästen klar, was ein wirklich schwerer Schicksalsschlag ist.
«Night on Earth» schildert typische folgenlose Begegnungen, zufällig und lakonisch wie das Leben selbst. Jarmuschs filmische Minimal Art in Reinkultur ist mit ihrer Reduktion auf das absolut Wesentliche noch immer bahnbrechend und gerade deshalb bestens gealtert. Einer der geistreichsten Episodenfilme überhaupt.
(Text: Filmprogramm Xenix)