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Der kambodschanische Reisbauer Binchey führt durch die Felder und zeigt traurig auf sein früheres Feldhaus, das nun in Trümmern liegt. Einst bewirtschaftete er zusammen mit den anderen Bauernfamilien des Dorfs das kommunale Ackerland und fing Fische im nahe gelegenen Bach. Doch diese «paradiesische» Zeit ist nun vorbei. Ein Grosskonzern schnappte sich das fruchtbare Land und machte daraus eine riesige Kautschukplantage, die Bauern wurden gewaltsam verdrängt. Durch den Verlust der Lebensgrundlage kollabierten die traditionellen Dorf- und Familienstrukturen. Die Folgen waren verheerend: Trinksucht, Verwahrlosung, Flucht in die Slums der Grossstädte.
«MIRR» («Das Feld») zeigt, wie der Filmemacher und Ethnologe Mehdi Sahebi («Zeit des Abschieds») gemeinsam mit den Betroffenen die Geschichte dieser verhängnisvollen Enteignung filmisch rekapituliert: als dokumentarische Inszenierung. Darin spielen die DorfbewohnerInnen sich selbst, mit Binchey und seiner Frau in den Hauptrollen. Zwischendurch kommentiert die versammelte Dorfgemeinschaft die bereits gefilmten Szenen und ergänzt sie mit weiteren Aussagen über die Geschehnisse. Solche kritischen Reflexionen stärken den analytischen Aspekt des Films und sorgen bisweilen auch für überraschend humorvolle Augenblicke. Sahebi, der selber die Kamera führte und den Film gemeinsam mit Aya Domenig («Als die Sonne vom Himmel fiel») schnitt, gelingt es, die verschiedenen Erzählebenen visuell voneinander abzuheben und elegant zu verweben.
Die partizipative Methode von «MIRR» erinnert an Klassiker des ethnografischen Filmemachens, von Jean Rouchs «Les Maîtres fous» (1955) bis hin zu Joshua Oppenheimers «The Act of Killing» (2012) oder auch, im Schweizer Kontext, Fredi M. Murers «Wir Bergler in den Bergen sind eigentlich nicht schuld, dass wir da sind» (1974). Eine Besonderheit von Sahebis Film sind die Gesangs- und Erzählelemente aus der lokalen Kultur der Bunong, einer ethnischen und sprachlichen Minderheit in Kambodscha, der die Leute in «MIRR» angehören. Trotz anfänglicher Zweifel um den Nutzen eines solchen Filmprojekts freuen sich die Beteiligten schliesslich, dass ihre Geschichte dadurch eine grössere Aufmerksamkeit erhalten könnte. Gegen das Gefühl der Machtlosigkeit hilft das Erzählen.
In: Solothurn, Landhaus, Sa, 21. Januar 2017, 17.45 Uhr, und Mo, 23. Januar 2017, 12 Uhr.