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Was tun bei
Ein Stück hartes Brot, die Zahnspange, Zähneknirschen in der Nacht…. Unser Kiefergelenk muss starken Belastungen standhalten. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass zahlreiche Probleme und Erkrankungen des Kiefergelenks auftreten können. Hätten Sie aber gewusst, dass Kieferprobleme zum Beispiel Tinnitus auslösen können? Oder dass sich Stress negativ auf das Kiefergelenk auswirken kann?
Anatomie
Ober- und Unterkiefer bilden zusammen unser wichtigstes Kauwerkzeug. Der Oberkiefer ist mit dem Schädelknochen verbunden. Das Kiefergelenk setzt sich deshalb eigentlich nur aus der Gelenkpfanne im Schläfenbein (Os temporale) und dem Gelenkkopf des Unterkiefers (Mandibula) zusammen. Zahlreiche Bänder unterstützen das Gelenk. Weiter ist eine faserknorpelige Gelenkscheibe (Discus articularis) an der Gelenkkapsel befestigt. Vier Muskeln sind hauptsächlich am Kauakt beteiligt und setzten am Unterkiefer an.
Die Mechanik des Kiefergelenks ist ziemlich kompliziert. Grundsätzlich kann das Kiefergelenk drei Hauptbewegungen ausführen:
- Scharnierbewegung: Für das Öffnen und Schliessen des Mundes wird hauptsächlich die Scharnierbewegung benötigt. Sie wird von einer Drehbewegung der Gelenkköpfe begleitet.
- Gleit- oder Schlittenbewegung: Der Unterkiefer wird nach vorne und hinten geschoben.
- Mahlbewegung: Bei dieser Bewegung finden im rechten und linken Kiefergelenk gleichzeitig Gleit- und Drehbewegungen statt.
Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)
Sehr häufig ist die sogenannte Craniomandibuläre Dysfunktion. Die beiden Gelenkpartner des Kiefergelenks, bestehend aus dem Schläfenbein des Schädels (Cranium) und dem Unterkiefer (Mandibula), greifen nicht exakt ineinander. Es liegt eine Funktionsstörung (Dysfunktion) im zusammenspiel zwischen Kiefergelenk, Kaumuskulatur und Zähnen vor. Rund 75% aller Menschen hören und spüren das Öffnen des Mundes. Von einer CMD spricht man aber erst, wenn Patienten darunter leiden. Meist klagen Betroffene ganz konkret über Schmerzen der Kaumuskulatur, des Kiefergelenks oder der Ohren. Eine craniomandibuläre Dysfunktion tritt unterschiedlich intensiv auf und hat viele verschiedene Erscheinungsformen. Diese können zusammen oder einzeln auftreten. Eine Auflistung möglicher Symptome finden Sie untenstehend.
Gründe für CMD gibt es viele. Beispiele wären Stress, schlechte Körperhaltung, Entwicklungsstörungen des Kiefers, Zahnfehlstellungen oder schlecht angepasste Zahnfüllungen. Hauptauslöser und gleichzeitig Begleitsymptom ist das Zähneknirschen, im Fachjargon Bruxismus genannt.
Arthrose
Eine Arthrose (Gelenkabnutzung) des Kiefergelenks kann zum Beispiel durch mehrfaches „Ausrenken“ (Luxation) des Kiefergelenks sowie Verletzungen und Entzündungen entstehen. Es tritt ein typisches Gelenkknacken auf. Dieses muss aber nicht unbedingt Hinweis auf eine arthrotische Veränderung sein.
Kieferbruch
Das Kiefergelenk kann zum Beispiel bei einem Sturz oder einem Schlag in das Gesicht gebrochen werden.
Kiefersperre
Kleine Höckerchen an den Gelenkpartnern können sich bei sehr weit geöffnetem Mund so verhaken, dass der Mund nicht mehr geschlossen werden kann. Man spricht von einer Kiefersperre. Kann der Mund nicht mehr geöffnet werden, nennt man dies Kieferklemme.
Symptome und Folgen
Eine Vielzahl von Beschwerden kann aus dem Problem mit dem Kiefergelenk resultieren. Umgekehrt können bestimmte Beschwerden und Probleme, wie zum Beispiel „schlechte Körperhaltung“, welche mit Rückenschmerzen einhergehen, auf Dauer auch zu CMD führen. Einige der aufgeführten Symptome können somit sowohl Ursache als auch Folge sein.
- Verspannungen und Schmerzen der Kaumuskulatur
- Tinnitus oder Ohrenschmerzen
- Kopfschmerzen, Migräne und Gesichtsschmerzen
- Rückenschmerzen und Nackenverspannungen
- Schmerzen im Kiefergelenk
- Knacken und/oder Schmerzen bei Bewegungen des Kiefergelenks
- Probleme bei der Mundöffnung
- Schwindelgefühle
- Zähneknirschen (Bruxismus) und unerklärbare Zahnschmerzen
- Schlafstörungen und Schnarchen uvm.
Diagnosestellung
Bis zur endgültigen Diagnose dauert es oft lange. Da vor allem CMD viele verschiedene Symptome zur Folge haben kann, ist eine exakte Untersuchung und ein „über den Tellerrand blicken“ des Arztes gefragt. Hilfreich ist es, wenn Sie als Patient Ihre Beschwerden, sowie mögliche Ursachen genau im Blick haben. Die Diagnose wird dann meist mithilfe einer Funktionsuntersuchung gestellt. Bildgebende Verfahren können hinzugezogen werden.
Was tun bei Kiefergelenksproblemen?
Die häufigste Problematik in Zusammenhang mit dem Kiefergelenk, die CMD, kann in vielen Fällen durch eine sorgfältige Erfassung der Krankengeschichte und der richtigen Therapie völlig beseitigt werden. Wenn die Ursache nicht behandelt wird, kann sie aber erneut auftreten. Die optimale Behandlung ist eine fachübergreifende Therapie.
Zahnärzte korrigieren zum Beispiel fehlerhaft angepasste Kronen oder Zahnfüllungen. Auch Aufbissschienen gegen Bruxismus werden durch den Facharzt angepasst.
Eventuelle Probleme des Bewegungsapparats, wie Haltungsschwäche werden durch entsprechende Fachärzte und Physiotherapeuten beurteilt und therapiert.
In unserem Video zeigen wir Ihnen wie Sie die Muskulatur des Kiefergelenks selber behandeln können.
Wie hilft die PT bei Kiefergelenksbeschwerden
Ziele der Kieferphysiotherapie sind:
- Schmerzreduktion
- Verbesserung der Gelenksfunktion und muskulären Dysfunktionen im Bereich des Kauapparates, der Halswirbelsäule und des Schultergürtels
- Optimierung der Verhältnisse im Bereich Kopf, Nacken und Schultergürtel
Zur Erreichung dieser Ziele wendet der Kieferphysiotherapeut verschiedene Massnahmen an:
- manualtherapeutische Gelenksmobilisation, craniale Mobilisation
- aktive und passive Entspannungs- und Mobilisationstechniken
- Muskeldehnungen, Weichteiltechniken, Triggerpunktbehandlung
- Stabilisationsübungen, Übungen zur Verbesserung der Koordination von Mund-, Zungen-, Lippen- und Halswirbelsäulenbewegungen
- Patienteninformation über Ursachen und Bewältigungsstrategien der Beschwerden (inkl. Haltungsschulung und Tipps zum Verhalten am Arbeitsplatz)
- Instruktion eines Heimprogrammes
Besonders wichtig ist die enge Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärzten.