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Rohstoffe als Waffen. Reaktionen des Nordens auf die Erdölkrise 1973 und die "Neue Weltwirtschaftsordnung".
Freitag, 10. Juni
16:30 bis 18:00 Uhr
Raum 2056
Rohstoffen kommen in internationalen Machtgefügen eine zentrale Rolle zu. Kaum eine andere Ressource wird in der Nachkriegszeit derart mit Macht assoziiert wie Erdöl. Es wurde zum „Lebenselixier der modernen Welt“. Um dieses zu kontrollieren braucht es militärische, politische, wirtschaftliche, und technische Stärke. Gleichzeitig bildet die Kontrolle von Erdöl wiederum eine Quelle der Macht.
Seit Ende der 1950er Jahren schwebte das Damoklesschwert der „Erdöl Waffe“ als politisches Druckmittel über der Weltwirtschaft. Dieses schnellte 1973 im Zuge des Oktober Krieges in Nahost in Form des selektiven Embargos der arabischen ölexportierenden Ländern herunter. Wie in der Historiographie mittlerweile festgestellt wurde, ist die folgende Vervielfachung des Preises für Erdöl im Zuge dieser Ölpreiskrise nicht direkt auf das Embargo zurückzuführen. Auch war die Preiserhöhung nicht nur ein politisches Druckmittel der arabischen Staaten im Nahostkonflikt, sondern vielmehr Ausdruck des verschobenen Kräfteverhältnisses zwischen den erdölproduzierenden Ländern und den grossen Erdölfirmen. Dennoch stellte die Politisierung eines zentralen Rohstoffes durch Länder der globalen Südens eine Herausforderung für die entwickelten Länder des Nordens dar, die 1974 u.A. mit der Gründung der „Internationalen Energie Agentur“ reagierten. Die erlangte Stärke der Erdölproduzenten erschloss ihnen im Zuge der Preiserhöhung massive finanzielle Ressourcen, welche deren Machtstellung wiederum steigerte. Diese wirkten anziehend auf Exportinteressen der erdölkonsumierenden Länder und löste bewusste handelspolitische Offensiven in Richtung erdölproduzierende Staaten aus. Reaktionen der Schweiz und anderer Ländern des Nordens auf diese Verschiebung der internationalen Kräfteverhältnisse sollen in diesem Panel angesprochen werden, seien diese nun auf institutionell-politischer, oder auf wirtschaftlicher Ebene.
Ein wichtiger Schluss der Länder des Nordens aus der Erfahrung der Erdölpreiskrise war, dass diese sich auf keinen Fall in anderen Rohstoffen verallgemeinern dürfe. Ressourcenreiche Länder der Dritten Welt versuchten ebendies und entwickelten Forderungen zur Änderung der bestehenden internationalen Tauschverhältnisse um die „Neue Weltwirtschaftsordnung“. In diesem Panel soll auch die Frage angesprochen werden, wie die Länder des Nordens mit diesem drohenden Generalangriff des Südens auf die Tauschverhältnisse umgingen und wie die potentielle Machtverschiebung abgewendet werden konnte. Es soll aufgezeigt werden, dass sich in für die Produktion zentralen Ressourcen dynamische Kräfteverhältnisse widerspiegeln.