Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03269.jsonl.gz/2633

Was ist Anorexie und welche Ursachen kann sie haben? Welche Folgen kann Magersucht ausserdem mit sich bringen? Erfahren Sie mehr zu Anorexie, den Heilungschancen und wie man Magersucht überwinden kann.
Anorexie, auch Magersucht genannt, ist eine Essstörung. Sie beginnt oft in der Pubertät und beeinflusst nicht nur das Essverhalten, sondern auch das Selbstbild und die Wahrnehmung des eigenen Körpers. Doch was ist Magersucht genau? Betroffenen ist es nicht möglich, eine gesunde Beziehung zum Essen aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Sie haben Angst vor Gewichtszunahme und ein verzerrtes Bild von ihrem Körper: Sie halten sich für übergewichtig, obwohl sie es nicht sind. Magersucht kann bei Kindern und Jugendlichen, die sich noch in der Wachstumsphase befinden, langfristige Auswirkungen auf die Entwicklung haben.
Der Unterschied zwischen Bulimie und Anorexie besteht darin, dass Menschen mit Bulimie in der Regel normal- oder übergewichtig sind, während Personen mit Anorexie im Verlauf der Erkrankung meist untergewichtig werden. Der zentrale Mechanismus beider Essstörungen ist jedoch derselbe: Die ständige Beschäftigung mit dem eigenen Körpergewicht und der Körperform.
Magersüchtige erreichen ihren extremen Gewichtsverlust durch eine stark eingeschränkte Nahrungsaufnahme, erzwungenes Erbrechen und Abführen sowie exzessive körperliche Aktivität. Ist die Anorexie weit fortgeschritten, kommt es zum Anorexie-Kachexie-Syndrom. Dabei erleiden Betroffene aufgrund langanhaltender Unterernährung einen grossen Verlust an Muskelmasse. Durch diese Kombination von Anorexie und Kachexie fühlen sie sich zunehmend kraftlos und schläfrig.
Menschen mit Bulimie wenden die gleichen Strategien zur Gewichtsabnahme wie Magersüchtige an. Das selbst herbeigeführte Erbrechen steht dabei im Vordergrund und wird von extremen Heisshungerattacken und anschliessenden Essanfällen begleitet.
Anorexie zeigt sich durch eine Reihe von Symptomen. Zu den möglichen körperlichen Anzeichen gehören:
Neben den körperlichen Symptomen gibt es ein typisches Verhalten bei Magersucht. Dieses ist häufig das Ergebnis der Angst vor einer Gewichtszunahme. Betroffene:
Sie vermuten, dass Ihr Kind magersüchtig ist? Suchen Sie das Gespräch, seien Sie einfühlsam und bieten Sie Ihre Unterstützung an. Lassen Sie sich bei Bedarf professionell von einer Ärztin oder einem Therapeuten zu Magersucht bei Teenagern und Kindern beraten und unterstützen.
Der BMI (Body-Mass-Index) beträgt bei Magersucht maximal 17,5 kg/m2. Lebensbedrohlich ist ein Wert von 14,5 kg/m2 oder weniger. Da der BMI altersabhängig ist, gelten diese konkreten Werte nicht für Magersucht bei Jugendlichen und Kindern. Grundsätzlich eignet sich der BMI nicht als einziges Kriterium für die Diagnose von Magersucht. Das liegt daran, dass dieser nur Gewicht, Grösse und Alter einbezieht. Dies lässt aber keine direkten Rückschlüsse auf die Körperzusammensetzung, wie Muskel- oder Fettanteil, zu. Auch individuelle Unterschiede im Körperbau berücksichtigt der BMI nicht.
Magersucht ist eine komplexe Erkrankung, die durch verschiedene Faktoren verursacht werden kann. Psychologische Aspekte können eine Rolle spielen, zum Beispiel eine perfektionistische Einstellung, ein starkes Kontrollbedürfnis, ein geringes Selbstwertgefühl oder Schwierigkeiten im Umgang mit Emotionen. Betroffene greifen dann auf die Kontrolle der Nahrungsaufnahme und des Körpergewichts zurück, um Stress oder negativen Gefühlen zu begegnen.
Auch soziale Faktoren können zu den Ursachen von Magersucht gehören: Der Druck, bestimmten Schönheitsidealen zu entsprechen, kann bei manchen Menschen die Entwicklung einer Anorexie begünstigen. Besonders Kinder und Jugendliche werden mit solchen Idealen konfrontiert, zum Beispiel, wenn sie soziale Medien nutzen. Auch Familiendynamiken und zwischenmenschliche Beziehungen können einen Einfluss haben. Konflikte, zu hohe Erwartungen oder eine fehlende emotionale Unterstützung erhöhen das Risiko.
Darüber hinaus können genetische und umweltbedingte Faktoren, psychologische Anfälligkeit und bestimmte Lebensereignisse Auswirkung auf das Anorexie-Risiko haben. Stressige Lebensumstände, wie ein Schulwechsel, die Trennung der Eltern oder Mobbing, können ein Auslöser sein. Solche Ereignisse führen vor allem bei jüngeren Menschen häufig zu Hilflosigkeit und Verzweiflung. Die Betroffenen versuchen dann, durch die Kontrolle ihrer Ernährung und ihres Gewichts emotionale Stabilität zu erlangen.
Anorexie kann Menschen unterschiedlichen Alters und Geschlechts betreffen. Obwohl Magersucht häufig in der Pubertät aufkommt, können Menschen auch in anderen Lebensphasen daran erkranken – und das unabhängig von ihrem Geschlecht.
Anorexie bei Kindern zeigt sich in der Regel anders als Magersucht bei Erwachsenen. Kinder befinden sich inmitten ihrer Wachstumsphase. Hinzu kommt, dass sie weniger über ihre Gefühle und Gedanken sprechen können. Das erschwert die Diagnose. In vielen Fällen macht sich die Anorexie nicht durch eine starke Gewichtsabnahme bemerkbar, sondern durch einen Mangel an Gewichtszunahme oder Wachstum. Viele Menschen bringen Magersucht mit Mädchen und Frauen in Verbindung, doch Anorexie kann auch bei Männern ein Thema sein. Da dies jedoch seltener vorkommt, wird die Erkrankung bei Männern häufig nicht oder erst spät erkannt.
Bei Magersucht sind die Heilungschancen umso besser, je früher die Erkrankung erkannt und eine psychotherapeutische Behandlung eingeleitet wird. Wie schnell der Genesungsprozess abläuft, ist abhängig von der Schwere der Erkrankung, der Dauer der Symptome und der Unterstützung, die Betroffene erhalten.
Die Behandlung von Anorexie besteht in der Regel aus einer Kombination aus psychotherapeutischer Unterstützung, Ernährungsberatung und medizinischer Betreuung.
Die Psychotherapie erfolgt häufig in Form einer kognitiven Verhaltenstherapie. Dabei lernen die Betroffenen, ungesunde Denkmuster zu erkennen und zu verändern. Im Rahmen einer Ernährungsberatung erhalten Betroffene und ihre Familie Unterstützung, um ein ausgewogenes Essverhalten zu fördern. Einige Fälle erfordern eine zusätzliche medizinische Behandlung – besonders, wenn die Anorexie zu körperlichen Beschwerden geführt hat.
Konkrete Massnahmen, um mit der Anorexie umzugehen, können Folgendes umfassen:
Anorexie kann verschiedene Folgen sowie Spätfolgen haben. Zu den häufigsten Konsequenzen gehören:
Wie auch bei anderen Erkrankungen gilt für die Anorexie: Je früher sie erkannt wird, desto besser. Seien Sie sowohl als Betroffene als auch als Angehörige achtsam und nehmen Sie mögliche Anzeichen ernst.
Die Expertin stand dem Redaktionsteam bei diesem Artikel beratend zur Seite. Jessica Palladino (MSc Psychologie, Klinische Psychologie und Psychotherapie sowie Arbeits- und Organisationspsychologie) arbeitet als Teamleiterin in der Helsana-Gesundheitsberatung. Sie engagiert sich für die Kundinnen und Kunden in den Bereichen psychische Gesundheit, psychologische Beratung und Gesundheitsförderung.
Erfahren Sie monatlich mehr über aktuelle Gesundheitsthemen und erhalten Sie alle Informationen zu den attraktiven Angeboten aller Gesellschaften der Helsana-Gruppe * bequem per E-Mail zugestellt. Registrieren Sie sich kostenlos für unseren Newsletter.
Ihre Daten konnten nicht übermittelt werden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
* Zur Helsana-Gruppe gehören die Helsana Versicherungen AG, Helsana Zusatzversicherungen AG sowie die Helsana Unfall AG.