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Zürich, 24. Januar 2022
Kevin Brühlmann, Mitarbeiter Tagesanzeiger, veröffentlicht ein Porträt der FDP-Stadtratskandidatin Sonja Rueff-Frenkel, überschrieben "Die Frau mit dem Spinnennetz". Der Text ist gespickt mit Anklängen an antisemtische Judenbildern und einer starken Betonung der jüdischen Herkunft der Kandidatin. Er erhält unverzüglich heftige Kritik und die Redaktion ändert ihn in der Online-Version. Am folgenden Tag publiziert die Redaktion eine kurze Berichtigung. Drei Tage entschuldigen sich Co-Chefredaktor Arthur Rutishausser und Co-Chefredaktorin Priska Amstutz: Im Artikel würden "ungewollt antisemitische Klischees bedient". Im Porträt nähmen "die Rolle von Frau Rueff-Frenkels Religion und ihr Privatleben zu viel Raum ein". "Unbeabsichtigt" soll es geschehen sein wiederholen Rutishauser und Amstutz am Schluss. Die Frage aber bleibt: Warum hat keinE Tagesanzeiger-Redaktor*in während der Produktion reagiert, weder auf die antisemitischen Anspielungen noch auf die unfaire Behandlung von Frauen?