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SRF News: Der erste Wahlgang brachte keine Entscheidung. Schafft es der Nationalrat und Landwirt Jacques Nicolet im zweiten Wahlgang?
Barbara Colpi: Seine Chancen sind besser als erwartet. Sagen wir es so: Er hat im 1. Wahlgang ein klar besseres Resultat erreicht, als prognostiziert wurde. Er holte am achtmeisten Stimmen und liegt nur rund 7000 Stimmen hinter SP-Nationalrätin Cesla Amarelle auf Rang 7 zurück.
Erschwerend kommt für Nicolet im zweiten Wahlgang allerdings dazu, dass sämtliche FDP-Kandidaten bereits wiedergewählt sind und die Bürgerlichen schwieriger zu mobilisieren sein werden für den 2. Wahlgang als die Linken. Trotzdem muss die SVP mindestens die Hoffnung noch nicht ganz begraben, vielleicht doch noch in einem Westschweizer Kanton den Sprung in den Regierungsrat zu schaffen.
Das ist aber nicht gerade ein Parmelin-Effekt, den Nicolet erlebt. Warum?
Jacques Nicolet hat sich im Vorfeld der Wahlen teilweise auch selber ins Offside gestellt. Er hat gesagt, er würde bei den französischen Präsidentschaftswahlen die Front-National Kandidatin Marine Le Pen wählen. Dies erklärt sicher auch, dass ihn FDP-Wähler massiv auf der gemeinsamen Liste gestrichen haben müssen.
Dann machte er eine weitere Aussage, die in Bauernkreisen für Kopfschütteln sorgte. Er sagte, auf seinem Hof einen französischen Tierarzt zu berücksichtigen, da kein Schweizer Tierarzt die Fähigkeiten hatte – damals als er sich für einen Veterinär entschied.
Insgesamt hat die SVP in der Waadt zuletzt mit internen Querelen zu kämpfen gehabt. Vor einem Jahr wurde Claude-Alain Voiblet ausgeschlossen, da er bei den Nationalratswahlen Plakate anderer Kandidaten überklebt hatte. Die ehemalige Präsidentin der SVP Waadt, Fabienne Despot, musste ihren Sessel räumen, weil sie heimlich Gespräche der Parteikollegen aufgezeichnet hatte. Alles Gründe, die sich negativ auf einen möglichen Parmelin-Effekt auswirken. Auch das Vorhaben, die Präsenz im Parlament zu verstärken, ist gescheitert.
Pascal Broulis von der FDP und Pierre Yves-Maillard von der SP lieferten sich ein Kopf an Kopf-Rennen um den besten Platz. Sie sind offensichtlich die unbestrittenen Platzhirsche in der Waadt.
Absolut, die beiden holten je rund 60 Prozent der Stimmen, Broulis knapp mehr als Maillard. Die beiden werden am Ende der Legislatur 20, respektive 18 Jahre im Staatsrat gesessen haben. Sie stehen für den sogenannten «compromis dynamique», so nennen die Waadtländer ihre Konsenspolitik.
Die beiden suchen immer wieder gemeinsam nach Lösungen, bei denen die Bürgerlichen und die Linken etwas davon haben. Jüngstes Beispiel ist die kantonale Unternehmenssteuerreform 3, die das Volk mit 87 Prozent angenommen hatte – ein Gesamtpaket von Steuererleichterungen für Unternehmen und gleichzeitigem Ausbau der Sozialleistungen.
Fünf der sechs angetretenen, bisherigen Regierungsräte wurden auf Anhieb wiedergewählt – sind die Waadtländer einfach politisch sehr zufrieden?
Das kann man so sagen und sie haben auch allen Grund dazu: Die Finanzen sind im Lot, die Waadt hat zum zwölften Mal in Folge schwarze Zahlen geschrieben, die Arbeitslosenquote ist tief und die Wirtschaft boomt. Und eben: Diese parteiübergreifenden Kompromisse stellen die Mehrheit zufrieden.