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GESCHICHTE DES IKEBANA
Seit Menschengedenken leben die Menschen in Japan in sehr enger Beziehung zur Natur, im festen Glauben, dass in Bergen und Felsblöcken, Wasserfällen und Pflanzen Götter wohnen. Ikebana wurzelt in ihrem tief empfundenen Respekt für Blumen, Wild-pflanzen und Bäume. In Shinto Tempeln wurden den Geistern der Natur oft immergrüne Zweige in Vasen als Opfergaben dargebracht. Als im 6. Jahrhundert der Buddhismus in Japan Fuss fasste, wurden die Bilder und Statuen Buddhas mit Blumen geehrt. Die ersten Blumenarrangements sind demnach von Priestern geschaffen worden.
Die Muromachi Periode (1333–1568) war eine Zeit grossen künstlerischen Reichtums. Aus den Blumenopfern entstanden bewunderte Kunstobjekte. Seit dieser Zeit werden Zweige und Blumen eines Ikebana Arrangements in Übereinstimmung mit den Jahreszeiten gewählt. Das erste erhaltene Manuskript zum Arrangieren von Blumen, das "Kaoirai no Kadensho", datiert aus dem Jahr 1486.
Im Jahr 1542 schrieb der buddhistische Priester Senno Ikenobo sein berühmtes Buch zur Blumenkunst "Senno Kuden". Er beschrieb darin seine Philosophie zur Darstellung der wahren Natur von Blumen und Pflanzen und stellte auch Regeln für ein formelles Ikebana Arrangement auf. Die neuen Arrangements unterschieden sich enorm von den früheren Formen, in denen der Schönheit der Blumen erste Priorität zugestanden worden war. Aus dem jahrhunderte alten Brauch des Blumenopfers entstand nun eine Kunstform, hoch geschätzt von der Aristokratie wie auch von den Samurai. Am kaiserlichen Hof veranstaltete man zu jener Zeit zahlreiche kulturelle Wettkämpfe, unter anderen auch im Arrangieren von Blumen.
Im 17. Jahrhundert gab es grosse Veränderungen. Das Volk fand Interesse an Ikebana. Vor allem aber begannen auch Frauen Blumen zu arrangieren. Ikebana avancierte in dieser Zeit zur „Kunst des Vergnügens“.
Die Zahl der Ikebana Schulen stieg im 19. Jahrhundert rasch an. In vielen japanischen Häusern gab es nun eine Nische (Tokonoma), worin neben einem aufgehängten Rollbild oder einer Kalligraphie auch ein Ikebana stand als Begleitung der Teezeremonie oder zu Ehren der Gäste.
Das 20. Jahrhundert brachte neue Techniken (flache Schalen, Blumenigel usw.). All dies erlaubte es den Künstlern ihre Kreativität freier ausdrücken. Gleichzeitig fand Ikebana den Weg über die Landesgrenzen Japans hinaus. Weltweit entstanden viele Gruppen begeisterter Anhänger. Auch heute noch wird in einem Ikebana Arrangement die Verbundenheit mit der Natur und ihre Schönheit zum Ausdruck gebracht.