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Das Wichtigste in Kürze
- Der Nachlass von Jonas Fränkel (1879-1965) geht ans Schweizerische Literaturarchiv.
- Dazu gehören auch zahlreiche Manuskripte vom Dichter Carl Spitteler.
- Ab 1908 waren die beiden gute Freunde, später schrieb Fränkel die Biografie von Spitteler.
Der Nachlass des Literaturwissenschaftlers und Herausgebers Jonas Fränkel (1879-1965) geht in das Schweizerische Literaturarchiv über. Die Dokumente umfassen auch zahlreiche Manuskripte, die ihm der Dichter Carl Spitteler überlassen hatte.
Jonas Fränkel förderte die Werke von Carl Spitteler
Das bewegte Leben des jüdischen Gelehrten war auch mit einem dunklen Kapitel der Schweizer Geschichte verbunden. So wurde Fränkel beruflich und persönlich ausgegrenzt und war antisemitischen Tendenzen in Presse, Politik, Justiz, Wirtschaft und Wissenschaft ausgeliefert.
Jonas Fränkel: Vom Rabbiner zum Literaturprofessor
1879 in Krakau geboren, bereitete sich Fränkel zunächst auf eine Laufbahn als Rabbiner vor. 1898 begann er ein Studium an der Universität Wien und wechselte später nach Bern. Dort promovierte er 1902 in der Literaturwissenschaft. Auf Spittelers Empfehlung wurde er 1921 zum ausserordentlichen Professor ernannt.
Die beiden verband ab 1908 eine enge Freundschaft. Für den Schriftsteller war klar, dass Fränkel dereinst sein Biograf und Nachlassverwalter sein würde. Doch die Töchter Spittelers hatten andere Pläne. Sie schenkten den Nachlass 1933 der Eidgenossenschaft mit der Bedingung, Fränkel vom Material fernzuhalten.
Fränkel hatte Zugang zum vorenthaltenen Spitteler-Nachlass
Erst 1961 erhielt Fränkel schliesslich Zugang zum ihm bislang vorenthaltenen Teil des Spitteler-Nachlasses. 1965 starb er, ohne die Biografie fertiggestellt zu haben. Fränkels Familie hielt dessen Nachlass unter Verschluss, bis 2019 eine Urenkelin dem Schweizerischen Literaturarchiv die Übernahme anbot.
Der Spitteler-Teil in Fränkels Nachlass sei nochmals so umfangreich wie die Schenkung der Töchter aus den 1930er-Jahren, schreibt das Literaturarchiv.
Diverse Manuskripte und Notizen
Dazu kommen Werkmanuskripte Fränkels, Notizen und Zettelkästen sowie umfangreiches Dokumentationsmaterial zu seinen Editionsprojekten. Zudem Tagebücher sowie Akten zu juristischen und medialen Auseinandersetzungen. Zu Fränkels Briefpartnern gehörten unter anderem Carl Albert Loosli, Werner Kraft, Rainer Maria Rilke oder Arthur Schnitzler.
Die Dokumente werden nun erschlossen und für die Wissenschaft und die interessierte Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Literaturarchiv ist Teil der Schweizerischen Nationalbibliothek.