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Ich liebe meine Weiterbildung. Ich liebe sie wirklich. Es ist wie ein Frauentausch. Ich tausche mein Leben gegen ein anderes. Ich bin beliebt, ich werde anerkennt, bewundert. Man überhöht mich zuweilen. Man attestiert mir Talente und Kompetenzen. Meine Wirkung auf fremde Menschen ist ziemlich beeindruckend. Ich kann gut beeindrucken. Ich kann gut auftrumpfen. Ich kann gut spielen. Ich kann sogar charismatisch sein. Vermutlich bin ich einfach wohl charismatisch. Der Bericht.
Meiner Rolle als Unbändiger würde ich heute mehr als gerecht-entsprechend. Ich habe meine Abschlusspräsentation absichtlich versaut. Dies bloss, weil ich konnte. Die schriftliche Arbeit habe ich ausgezeichnet abgeschlossen. Mir fehlten bloss noch zwei «Punkte», damit ich ein weiteres Zertifikat erlangen kann. Ich habe meine Abschlusspräsentation nicht vorbereitet, nichts geübt. Nicht einmal das Thema habe ich eingegrenzt. Ich hatte heute vormittags meinen Themen dreimal revidiert.
Die Prüfungsexpertin war irritiert. Seit zehn Jahren nehme sie Prüfungen ab, eidgenössische und so. Wirklich wichtige Anlässe, wo man im Anzug und so auftreten solle. Ich war mit Adiletten, kurzen weissen Hosen, mit einem erotisch aufgeknöpften Hemd. Und ich hatte keinen Plan. Meine Kollegen applaudierten, sie kannten mich. Ein Verdikt eines Kollegen behauptete, ich sei im Unterricht masslos unterfordert gewesen. Vermutlich ja, ich habe etwas in dieser Hinsicht angedeutet, aber wollte niemanden beleidigen.
Die Prüfungsexpertin tat sich schwer, mich zu bewerten. Sie klammerte sich an ihrem Bewertungsbogen. Sie bemängelte dies und das; formal alles gerechtfertigt. Der grosse Mangel war, dass ich nicht abschliessend präsentierte, sondern meine Präsentation als Unterricht gestaltete. Die Mitschüler konnten profitieren, die Prüfungsexpertin erwartungsgemäss nicht. Sie war auch nicht mein Fokus, weil ich bereits meinen Abschluss in diesem Modul sicher wähnte.
Ich habe die Genugtuung erlebt, das System erneut subversiv unterwandert zu haben. Ich triumphierte innerlich, als sie mir vorwarf, dass ich zu schulisch, zu oberflächlich und zu unkonventionell war. Dass ich keine Beispiele hätte. Natürlich hatte ich nichts gestellt, ich habe bloss improvisiert. Ich habe einige Flipcharts spontan gemalt. Ich habe mich aber nicht besonders bemüht, meine Schrift war lausig und kaum lesbar. Ich habe aber die Aufmerksamkeit meiner Klasse gewonnen. Ich bin quasi ein Gewinner der Herzen oder so. Ich bin der grosse Verführer. Ich habe meinen Auftritt als MVP, meine Kernbotschaft, vermarktet.
Im Schlusswort habe ich dramatisch reuig erklärt, meine nächste Abschlusspräsentation werde allen Anforderungen einer Schule genügen. Ich war trotzig. Dies war schliesslich bloss ein MVP, um Annahmen zu testen, um die Anforderungen der Schule zu erheben. Weil schliesslich habe ich mich nicht vorbereitet. Und jede Vorbereitung wäre vergebens, wenn ich nicht unmittelbares Feedback erhalte, das ich sofort umsetzen könnte. Ein Kollege begriff diese grosse Ironie; er hat den MVP-Charakter der Präsentation ausserordentlich gelobt und als learning mitgenommen.
Ja, so eine Schule ist immer ein ego boost, er füllt meine Anerkennungsreserven. Mich irritiert bloss, dass ich immer irgendwie der abgefahrenste Typ bin. Gibt’s niemanden, der mich bodigen kann? Der mich stoppen kann?