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P. Wyss bei Armbruster
und Söhne (Entwurf)
Verlag A. Franke, Bern, 1916
Farblithographie auf Papier
H. 36,5 cm, B. 28 cm
Inv. 1983.82.
Fester Glaube in stürmischer Zeit
Ein grosser weisser Engel schreitet über einen Acker und streut die Saat aus.
Neben dem Engel knien in ehrfürchtiger Haltung ein Junge und ein Mädchen.
Im dunklen Hintergrund des Bildes ist ein Dorf zu sehen, der ganze Landstrich jenseits des Schweizer Grenzsteins steht in Flammen. Über der Szene reitet, das Schwert schwingend, der Todesreiter. Während der schwarze Reiter in früheren Jahrhunderten die Pest mit sich brachte, symbolisiert er hier eine andere Katastrophe: den Krieg. «Gedenkblatt zur Konfirmation im Kriegsjahr 1916» ist am unteren Blattrand neben dem Schweizer Wappen zu lesen.
Gedenkblätter wie dieses erhielten die Jugendlichen als Andenken an die Konfirmation. Auf dem Blatt war ein Bibelspruch, der sog. Konfirmationsspruch, eingetragen. Er sollte als Devise für das ganze Leben verstanden werden. «Einer trage des Andern Last, so werdet Ihr das Gesetz Christi erfüllen», lautet der Spruch für die Baslerin Hedwig Keller (1900 –1997), der sie mit Galater 6,2 an die christliche Tugend der Nächstenliebe und Unterstützung ihrer Mitmenschen mahnen soll.
Dieser Brauch, den Konfirmandinnen und Konfirmanden Scheine abzugeben, entwickelte sich an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert. Zunächst kam ihnen die Funktion einer Bestätigung zu; erst später erhielten sie die Bedeutung eines Andenkens und einer Wegleitung für das Leben und wurden so zunehmend zum Mittel religiöser Erziehung. Darüber hinaus wurden die Blätter in ihrem Gebrauch als Wandschmuck zum Instrument der Popularisierung religiöser Kunst.
Die Konfirmation markiert – als «Rite de passage» – den Übergang ins Erwachsenenleben. In der Vorbereitung auf die Konfirmation wurden die Knaben und Mädchen in lebenskundlichen und religiösen Dingen unterwiesen. Nun waren sie bereit für den Eintritt in die Welt. Klassische Konfirmationsgeschenke wie etwa eine Uhr, ein Siegelring oder ein Schmuckstück deuten darauf hin. In diesem Moment im Lebenslauf, in dem das Kind zum Erwachsenen wird, soll in der Konfirmation der Glaube bewusst bezeugt werden. Die zunächst etwas befremdend anmutende Motivwahl dieses Gedenkblatts, der Krieg, gewinnt damit durchaus Sinn: Auch und gerade in stürmischen Zeiten, die das Leben immer wieder mit sich bringt, ist die Standhaftigkeit im Glauben besonders wichtig.