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Annual Lecture 2019
Reading Turkey from an Arab and Alawi Angle
Donnerstag, 26.9. 18:15
Ort: Hörsaal 120 im Kollegienhaus der Universität Basel (Petersplatz)
Prof. Dr. Yael Navaro, University of Cambridge
This lecture addresses the problematic Turkish-Arab interface from the vantage point of fieldwork in Antakya in the period of the ongoing war in Syria. Public discourse in Turkey is currently infested with racist references to Arabs, particularly targeting refugees from Syria. While scholars have begun to address contemporary Arabophobia in Turkey, the longer term relationality between ‘Turkish’ and ‘Arab’ positionalities, subject-positions, and subjectivities remains insufficiently explored. Likewise, while ‘non-Muslims’ and Kurds have been studied extensively in scholarly literature on ‘minorities,’ as well as Turkish- and Kurdish-speaking Alevis, Arabness has not been addressed as a ‘minority’ position in Turkey. Angling itself in the area in the circumference of Antakya that was incorporated by Turkey via annexation in 1939 and renamed ‘Hatay,’ this lecture provides a critical reading of Turkey’s de-Arabization practices, co-handed with Turkification, from an Arab Alawi point of view. The status of the Arabic language in relation to Turkish, and to inter-generationally and socially defined subjectivities in this region at Turkey’s border with Syria forms the centrepiece of my discussion which will lead to contextualised reflections and analyses on Turkey from an Arab and Alawi angle.
Buchdiskussion: Talat Pasa: Vater der Modernen Türkei, Architekt des Völkermords
Mittwoch, 12. Juni, 19:00 Uhr
Ort: Literaturhaus Basel
Talat Pasa (1874-1921) führte das Triumvirat an, das im Ersten Weltkrieg das späte Osmanische Reich regierte. Er wurde hierdurch zu einem Begründer der modernen Türkei. Gleichzeitig war er auch der Architekt des Völkermords an den Armeniern, der zur systematischen Vernichtung von mehr als einer Million Menschen führen und den Auftakt für ein Jahrhundert bilden sollte, das durch Gräueltaten in einem nie dagewesenen Ausmass gekennzeichnet war. Dies ist die erste englischsprachige Biographie des Revolutionärs, der den Weg für Atatürk und die Gründung der Republik 1923 bereitet und damit die moderne Welt geprägt hat.
Hans-Lukas Kieser porträtiert in diesem brisanten Buch einen Mann, der durch eine starke Mischung aus dem neuen türkischen Ethnonationalismus, dem politischen Islam der Regierungszeit Sultans Abdulhamid II. und der Bereitschaft zu radikalen «Lösungen» und Gewalt an der Macht blieb. Von Talats Rolle in der Jungtürkischen Revolution von 1908 bis zu seinem Exil in Berlin und der Ermordung – einem Paukenschlag im öffentlichen Leben der Weimarer Republik – stellt Kieser das Osmanische Drama wieder ins Zentrum des Weltgeschehens. Er zeigt, wie Talat weitaus mehr Macht ausübte als bisher angenommen, was ihn zum de facto Herrscher des Reiches machte. Der Autor zeichnet Istanbul in Kriegszeiten als blühendes diplomatisches Zentrum nach und zeigt, wie Talats katastrophale Handlungen im gesamten 20. Jahrhundert ihren Widerhall fanden.
«Çok Basel! Transnational Memoryscapes Switzerland-Turkey»
3. Mai – 30. Juni 2019
Wer erinnert? Was wird erinnert? Wie wird erinnert?
Wo wird erinnert? Auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen sind Studierende der Universität Basel im Rahmen eines Seminars den Erinnerungsspuren der Migration
aus der Türkei nach Basel gefolgt. Daraus sind sechs Video- und Audioarbeiten entstanden, in denen die Porträtierten nicht nur die Türen zu ihren Lebensgeschichten öffnen, sondern vor allem zu den Quartieren, Strassen und Schulen, die sie geprägt haben.
Die Ausstellung zeichnet aber nicht nur Geschichten der Migration im urbanen Kontext nach, sondern schafft auch Raum für andere Erinnerungen: So erhalten Besucher*innen im «Büro für Migrationsgeschichten» die Gelegenheit, ihre eigene Einwanderungsbiografie zu erzählen, die vor Ort von Autor*innen niedergeschrieben werden. Die Erzählenden bestimmen danach selbst, was mit ihren Geschichten geschehen soll. Sie können sie entweder mit nach Hause nehmen oder sie an der Ausstellung sowie in der mobilen Aussenstation KIOSK öffentlich zugänglich machen.
Hintergrund
«Çok Basel! Transnational Memoryscapes Switzerland – Turkey» lehnt sich inhaltlich an die Ausstellung «BAK: Revealing the City through Memory» an, in der sich junge Kulturschaffende seit 2013 mit urbanen Erinnerungsräumen in der Türkei auseinandersetzen. In der Ausstellung in Basel werden beide Projekte zueinander in einen transnationalen Dialog gestellt. Das «Büro für Migrationsgeschichten» wird in Kooperation mit dem musée imaginaire des migrations MIM (www.mimsuisse.ch) betrieben.
Initiiert und kuratiert wurde «Çok Basel! Transnational Memoryscapes Switzerland – Turkey» von Gaby Fierz, Kuratorin und Kulturvermittlerin, Verein Yolda – Unterwegs und Prof. Dr. Bilgin Ayata, Universität Basel, Seminar für Soziologie.