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Albrecht Dürer, ein bekannter deutscher Maler, Zeichner und Kupferstecher aus dem 15. Jahrhundert, porträtierte sich selbst schon zu Zeiten, als es weder Smartphones, noch Computer oder sonstige elektronische Geräte zur Aufnahme und Verbreitung solcher Selbstporträts gab.
Das Selfie ist ein Selbstporträt. Eine wichtige Voraussetzung muss gegeben sein, damit ein Bild als Selfie deklariert werden kann: Der oder die Abgebildete muss sich selbst aufgenommen haben. Ein weiterer wichtiger Aspekt liegt in der Verwendung des Bildnisses. Das soeben inszenierte Selfie wird über die entsprechenden Medienkanäle verteilt, beispielsweise über Social Media Plattformen wie Facebook.
Kommunikationsaspekt beim Selfie
Auf diese Weise wird das Selfie zum Kommunikationsmittel, mit dem eine Botschaft in der Öffentlichkeit verbreitet wird. Eine erfolgreiche Kommunikation basiert einerseits darauf, dass das Gegenüber die Aussage versteht und entsprechend darauf reagiert. Nicht anders ist es beim Selfie.
Nach Ulla Autenrieth, Expertin auf dem Gebiet der Medienwissenschaft, ist die «Anschlusskommunikation in Form von Likes oder Kommentaren von Seiten der Peergroup [beziehungsweise] des intendierten Publikums« essentiell für eine erfolgreiche Kommunikation, wie sie in ihrem letztjährig publizierten Artikel zum «Phänomen Selfie« ausführt. Des Weiteren gehört zu dieser Form der Selbstdarstellung, dass Personen sich so inszenieren und vor der Kamera posieren, wie sie es von berühmten Vorbildern kennen.
Denkmal aus Eigeninteresse
Das Selbstbildnis im Pelzrock – ein bekanntes Selbstporträt von Albrecht Dürer – zeigt ihn in einer Pose, die eine Ähnlichkeit mit alten Darstellungen von Jesus Christus aufweist. Mithilfe eines Spiegels, der damals aber nur verzerrte Spiegelbilder lieferte, brachteer es fertig, sich während des Malens beobachten und malen zu können. Bekannt ist, dass diesem Porträt kein Auftrag voranging. Er malte sich aus eigenem Interesse und verbreitete das Bild zeitlebens nicht.
Reinhard Schuster interessierte sich für das Selbstporträt Dürers. Er stellt in einem Blog des Contemporary Art Magazines die Behauptung auf, «dass Dürer sich selbst etwas sagen, sich selbst vergewissern wollte, wer er war, was er konnte, als Mensch und als Künstler. Er wollte hier ein Idealbild, ein Sinnbild von sich und seinem Selbstverständnis als Künstler erfinden«.
Es lässt sich festhalten, dass Dürer wohl nicht in erster Linie die Absicht hatte, eine Diskussion in Gang zu setzen, wie es heutzutage mit Selfies der Fall ist. Es ging ihm vor allem um sich selbst und auch darum, sich seiner eigenen Identität bewusst zu werden. Dennoch, so behauptet Schuster weiter, habe Dürer ganz bewusst die Absicht gehabt, sich ein Denkmal über den Tod hinaus zu setzen. Die Vermutung läge nahe, dass Albrecht Dürer sich bewusst gewesen sei, dass das Bild nach seinem Tod in andere Hände fallen und Anlass zur Diskussion liefern würde.
Schuster deutet es nicht als Provokation, dass sich Dürer an Christus Haltung orientierte. Seiner Meinung nach überträgt Dürer lediglich den Gedanken aus der Bibel, dass der Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen wurde, auf sein Selbstporträt.
Parallelen zum Selfie
Es ist demnach klar zu erkennen, dass Albrecht Dürers Selbstporträt Ähnlichkeiten mit einem Selfie aufweist. Einerseits ist es von der darauf abgebildeten Person selbst angefertigt worden und andererseits bietet es die nötige Voraussetzung für eine Anschlusskommunikation.
Eine weitere Gemeinsamkeit besteht darin, dass sich die oder der Abgebildete an einem Vorbild orientiert. Diese Vorlage kann wie bei Dürer Christus sein oder – wie es bei Selfies heutzutage wohl eher der Fall sein dürfte – eine berühmte Persönlichkeit aus der Promiwelt.
Ein deutlicher Unterschied besteht jedoch in der Art und Weise, wie das Selbstporträt aufgenommen wurde. Anstelle des schnellen Auslösens durch Knopfdruck beim Smartphone, fertigte Albrecht Dürer sein Selbstbildnis zeitlich aufwendig mit Pinsel und Spiegel an. Das Sich-Selbst-Abbilden ist somit keineswegs ein Phänomen, das ausschließlich in der heutigen Zeit praktiziert wird, sondern Jahrhunderte früher bereits gängige Praxis war.