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100 Versuche – und noch immer keinen Mann fürs Leben
Aus heiterem Himmel teilte ihr der Gatte mit, dass er sie nicht mehr liebe: So begann für die Frau eine Odyssee in der Single-Szene, die noch nicht zu Ende ist.
Es gab eine Zeit, da glaubte die Engländerin Janey Maple (57) nicht, dass sie je über ihre Scheidung hinwegkommen würde. «20 Jahre waren wir verheiratet, als Mike mir aus heiterem Himmel eröffnete, dass er mich nicht mehr liebe.»
Kennengelernt hatte sich das Paar 1991 während Ferien in Florida. Nach sechs Monaten zogen sie zusammen, bekamen zwei Söhne: Jack (23) und Harry (21). In ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter ging Janey voll auf. «Als mein Mann dann sagte, er wolle nicht mehr mit mir zusammenleben, riss es mir den Boden unter den Füssen weg. Ich wusste weder ein noch aus.» Die beiden blieben noch ein Jahr zusammen – in der Hoffnung, seine Gefühle würden zurückkehren. Vergebens! 2012 zog Janey aus der Wohnung aus.
«Ich war fast 50, wieder zurück auf dem Singlemarkt, und mein Selbstwertgefühl hatte den Tiefpunkt erreicht. Am liebsten wäre ich in einen tiefen, langen Schlaf gefallen.» Tränen flossen jeden Tag. Plötzlich tauchten auch finanzielle Probleme auf, denn Mike hatte sich um alle diese Belange gekümmert. Früher hatte sie als Fremdsprachenlehrerin gearbeitet. Nun fand sie einen Bürojob und musste auf das Geld achten. «Noch immer dachte ich, Mike würde jeden Moment anrufen.» Doch er meldete sich nie.
Als sie hörte, dass er mit einer viel jüngeren Freundin zusammen war, erwachte Janey aus ihrer Lethargie. Sie wurde Mitglied in einem Ruderclub und betrieb mit einer Gruppe Ahnenforschung. Sie begann zu malen und lernte ganz praktische Dinge wie den Pneuwechsel bei ihrem Auto.
Langsam baute Janey wieder ihr Selbstvertrauen auf. «Doch ein Mann fehlte mir, um wirklich glücklich zu sein.» Aber die Single-Szene hatte sich in all den Jahren verändert. «Ich meldete mich bei verschiedenen Dating-Apps an.» Sie absolvierte ein Treffen nach dem anderen. Während ihrer sechs Jahre dauernden Suche hatte sie 100 Dates. Sie kaufte sich ganz elegante Kleider und schminkte sich dezent, lackierte sich die Nägel.
Gleich bei der ersten Verabredung bekam sie einen Schock. «Der Typ erschien in dreckigen, viel zu knappen Jeans und sah verwahrlost aus.» Ein anderer Bewerber schickte ihr einen Katalog mit Fragen, die er vor dem Treffen beantwortet haben wollte. Ein anderer gefiel ihr zwar, doch es stellte sich heraus, dass er Alkoholiker war. Schlimm war der Mann, der den Fotos, die er ihr geschickt hatte, in keinster Weise ähnlich sah. Er sagte lapidar, dass er die Bilder aus dem Netz «ausgeliehen» habe.
«Jetzt mit 57 lasse ich es langsamer angehen, treffe mich nur noch dreimal pro Monat mit einem Mann.» Heute habe sie den Mut, ein Rendez-vous schon nach kurzem abzubrechen, wenn sie merke, dass er nicht in Frage komme.
Mit Mike war es einst Liebe auf den ersten Blick. Sie wolle das noch einmal erleben. Deshalb sei ihre Odyssee noch nicht am Ende, obwohl sie manchmal aufgeben möchte. «Trotz allem behalte ich meine Suchanzeigen auf dem neuesten Stand, zeige nur aktuelle Fotos von mir.» In ihrem Freundeskreis heirateten vor kurzem zwei Paare. «Diesen bezaubernden Blick und den Glanz in ihren Augen zu sehen, zeigt mir, dass es die wahre Liebe gibt. Ich habe sie einfach noch nicht gefunden.»