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Was bedeutet es, wenn gesagt wird, die Schweiz habe ein "Balkanproblem"? Was ist ein "Balkanraser"? Gibt es einen Zusammenhang zwischen der "Balkanisierung" der schweizerischen Invalidenversicherung, dem Berliner Kongress von 1878 und dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs? Können auch Staaten in Afrika oder Asien "balkanisiert" werden? Eines ist klar: Der Begriff Balkan steht nicht nur für eine historische Region im Südosten Europas. Seit Westeuropa den Weg zur Moderne beschreitet, dient der Balkan auch als Projektionsfläche und Metapher für ein anderes, exotisches, wildes und fremdes "Anti-Europa" an der Peripherie des Kontinents. Den Bewohnerinnen und Bewohnern der Balkanhalbinsel werden negative Stereotypen wie Rückständigkeit, Primitivität, Zügellosigkeit und Barbarei zugeschrieben. Doch wie entstanden diese Vorstellungen? Worauf gründen sie? Und welchen Wandel erfuhren sie im Laufe der Zeit? Im Proseminar erarbeiten wir uns anhand der Forschungsliteratur Wissen über die Grundzüge der Geschichte Südosteuropas in den letzten zweihundert Jahren. Die Studierenden eignen sich anhand theoretischer Texte Kenntnisse über Phänomene und methodische Ansätze wie "Orientalismus", "mental maps" und "Balkanismus" an, deren Ursachen, Auswirkungen und Anwendbarkeiten wir kritisch diskutieren. Durch das Studium einzelner Quellen wie zum Beispiel Reiseberichte, literarische Texte, Analysen oder Reportagen lernen die Studentinnen und Studenten verschiedene Raumkonzepte sowie Fremd- und Selbstwahrnehmungen des Balkans und seiner Bevölkerung vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart kennen und in ihren historischen Kontexten zu verorten.
Was ist der Balkan? Wahrnehmungen Südosteuropas vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart
Universität Basel
HS 2011
Proseminar (2-stündig)
Thomas Bürgisser