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Zu elft waren wir um den Tisch versammelt, um literarische Entdeckungen auszutauschen. Da das Thema für heute frei gestellt war, wurden die Präsentationen auch recht unterschiedlich.
«Meine erste Lüge», Marina Mander
Der zehnjährige Luca wollte um Alles in der Welt verhindern, dass er nach dem Tod der Mutter ins Waisenhaus musste; deshalb verheimlichte er den Tod so lange wie möglich. Er hatte nur die Katze als Gesprächspartner. Bei aller Tragik der Story ist die Sprache auch witzig ("Mutter litt an allen ...gie's").
«Widerwasser», Paul Wittwer
Ein junger Arzt scheitert an einer Fachprüfung, möchte seinem Leben am Berner Aareufer ein Ende bereiten, wobei sich ungeahnt als Alternative ein Identitätswechsel anerbietet, die er mutig packt und dabei in des Teufels Küche gerät. Zum Schluss findet er eine mutige Lösung. Reto war sehr begeistert vom Plot und der Sprache.
«Insel der Vergessenen», Victoria Hislop
Im Nordosten von Kreta gibt es eine kleine Insel, auf der Leprakranke ausgesondert wurden. Kontakt war nur möglich über den Schiffer Georgios, der die Insel mit dem Nötigsten versorgte. Seine Frau und eine seiner Töchter wurden leprakrank. Die andere Tochter gebar ein Mädchen namens Sofia, welches in England aufwuchs. Deren Tochter Alexis versucht das Geflecht aus Intrigen, Verrat und enttäuschter Liebe ihrer Vorfahren zu entwirren. 1957 wurde übrigens die Insel als Leprastation aufgehoben. Marianne war tief beeindruckt von diesem Roman.
«Der lange Abschied», Raymon Chandler
Ein Krimi aus dem Kalifornien der Fünfziger Jahre mit der Hauptperson, dem Privatdetektiv Marlowe, dessen Devise uns heute seltsam vorkommt: "My ethics are my own". Er ist die Vorzeigefigur des "hardboiled detective", ein Asphaltcowboy; im Gegensatz zum europäischen Krimikommissar. Diogenes hat ein schmuckes kleines Reisebuch mit 690 Seiten frisch herausgebracht. Lukas skizzierte die unterschiedlichen Figuren kurz. Die Geschichte spielt über einen längeren Zeitraum und hat ein überraschendes Finale.
«Marie des brebis», Christian Signol
Schafhirten fanden die neugeborene Marie und zogen sie auf (deshalb der Name). Später heiratete sie, verlor den Mann, entdeckte ihre heilenden Hände. Zum Schluss erlitt sie einen Schlaganfall. Ruth war sehr angetan von dieser Historie.
«Grossfürstin Anna», Theres Bichsel
Die Tochter der Herzogin von Coburg heiratet einen russischen Grossfürsten, nicht zuletzt um dank der Apalanchen die finanziellen Sorgen der Familie zu lösen. Nach schwierigen Zeiten kehrt sie zurück nach Deutschland, später in die Schweiz. Aus einer Liaison gebar sie einen Sohn, der in einer Arztfamilie adoptiert wurde. Später kam noch ein Mädchen dazu, das in Deutschland aufwuchs, später nach Bern kam. Davon zeugt der Quartiername "Elfenau". Esther versuchte, uns durch diese bigotten Welten zu führen.
«Hannes», Rita Falls
Nach einem Unfall mit seinem Motorrad lag Hannes im Koma. Sein Freund Ueli besuchte ihn regelmässig und las ihm aus seinen Tagebuchnotizen vor und war voller Hoffnung, dass alles wieder gut wirds. Trudlies war sehr ergriffen von dieser Geschichte.
«Die Listensammlerin», Lena Gorelik
Sofia macht Listen über alles und jedes (peinliche Kosenamen, witzige Neurosen, ...). Sie weiss um ihren "Knacks", stellt aber bei Recherchen fest, dass schon ihr Onkel Grischa der gleichen Leidenschaft fröhnte. Im Buch wird zwischen Sofia und Grischa geswitcht. Nora ist begeistert von diesen originellen Figuren und der mitreissenden Geschichte. (Der eine oder andere am Tisch entdeckte sich selbst ein wenig in diesen Figuren.) Lena Gorelik, geboren 1981 in Sankt Petersburg, kam 1992 zusammen mit ihrer russisch-jüdischen Familie als "Kontingentflüchtling" nach Deutschland und lebt heute in München.
Am 31. März wird Nora Marte ihren neuen Gedichtband vorstellen.
Am 28. April gehen wir literarisch auf Reisen.