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Autor: Carole Schneuwly
«In Freiburg kann man sich an der Historiografie leicht die Finger verbrennen», sagte der Historiker Alain-Jacques Tornare am Mittwoch anlässlich der Präsentation von Christoph Pfisters «Beiträgen zur Freiburger Historiographie des 18. und 19. Jahrhunderts». Oft sei das offizielle Geschichtsbild von Geheimnistuerei und Verfälschungen geprägt gewesen.
«Man könnte meinen, dass gerade Freiburg seit alters her einen besonderen Kult des Geheimen pflegt», so Tornare in seinem Nachwort zu Pfisters Studie. Pfister komme das Verdienst zu, auf diese alten Geister aufmerksam zu machen, selbst wenn man nicht mit all seinen Schlussfolgerungen einverstanden sei.
Vier Geschichtsschreiber
Tatsächlich scheut sich der in Bern geborene und seit seiner Jugend in Freiburg wohnhafte Historiker Christoph Pfister nicht, allgemein anerkannte Fakten zu hinterfragen. So vertritt er in seinem gut 100 Seiten starken Buch die These, dass die Chronisten Franz Guillimann und Wilhelm Techtermann ein und dieselbe Person seien und zusammen mit Franz Rudella und Peter von Molsheim eine Schreibstube gebildet hätten. Und im Schlusskapitel legt er die Gründung der Stadt Freiburg unter Zuhilfenahme der historischen Numerologie auf das Jahr 1179 fest.
In der Hauptsache aber befasst sich Pfister mit den Werken von vier Freiburger Geschichtsschreibern: Jean-Nicolas Berchtold (1788-1860), Alexandre Daguet (1819- 1894), Baron François-Nicolas d’Alt (1689-1770) und schliesslich Franz Guillimann, der von 1568 bis 1612 gelebt haben soll, den Pfister aber eher in den 1730er Jahren ansiedelt.
Christoph Pfister hat zunächst Berchtolds «Histoire du Canton de Fribourg» untersucht, die zwischen 1843 und 1852 erschienene erste Kantonsgeschichte Freiburgs. Er schätze an Berchtold, dass er ehrlich sei und auch über absurde Details schreibe, die sonst von den meisten Historikern weggelassen würden, so Pfister. Von Daguet hat Pfister nicht das Hauptwerk «Histoire de la Confédération suisse» analysiert, sondern verschiedene kleinere historische Beiträge. Darin zeigen sich laut Pfister die analytischen Fähigkeiten Daguets.
In Zusammenhang mit François-Nicolas d’Alts «Histoire des Helvétiens» thematisiert Pfister unter anderem die fremden Kriegsdienste als Mittel der alteidgenössischen Aussenpolitik. Im letzten Teil des Buches schliesslich geht es um Franz Guillimanns Hauptwerke «De rebus Helvetiorum» und «Habsburgiaca».
Überraschende Schlüsse
Pfisters Werk werde sicher zu reden geben, ob man nun mit dem Autor einig sei oder nicht, sagte der Historiker Georges Andrey am Mittwoch. «Das Buch hält überraschende Schlussfolgerungen bereit.»