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Der Aussenhandel ist eine wichtige Quelle wirtschaftlicher Einnahmen vieler Länder, und er ermöglicht es ihnen, Waren und Dienstleistungen zu bekommen, die sie innerhalb ihrer Grenzen nicht herstellen. Besonders in kleinen Ländern wie der Schweiz eröffnet der Aussenhandel zudem vielen Branchen ein beträchtliches Wachstumspotenzial ausserhalb der Landesgrenzen. Es ist somit kein Zufall, dass die Schweiz zu den am stärksten in die Weltwirtschaft integrierten Ländern gehört.
Das verdeutlicht auch die längerfristige Entwicklung des schweizerischen Aussenhandels: Seit 1980 hat sich der Wert der Importe auf rund 177 Milliarden Franken verdreifacht, jener der Exporte sogar auf über 200 Milliarden Franken vervierfacht. Während in den 1980er-Jahren die Importe die Exporte noch übertrafen, hat sich dieser Trend in den frühen 1990er-Jahren umgekehrt. Seit 1993 weist die schweizerische Aussenhandelsstatistik fast ausnahmslos Exportüberschüsse aus. Ermöglicht hat dieses Wachstum nicht zuletzt die 1995 gegründete World Trade Organization (WTO), dank der die bis dahin weltweit bestehenden Zölle und anderen Handelshemmnisse abgebaut werden konnten. Mit der steigenden Zahl von Ländern, die der WTO beigetreten sind (derzeit 157), hat jedoch auch die Komplexität der WTO-Verhandlungsrunden zugenommen. So konnte die 2001 initiierte Doha-Runde, die unter anderem einen besseren Zugang der Entwicklungsländer zu den Agrarmärkten der Industrieländer hätte bringen sollen, bis heute nicht zum Abschluss gebracht werden. Als Reaktion auf die verfahrene Situation haben viele Länder – auch die Schweiz – begonnen, auf bilaterale Freihandelsabkommen zu setzen. Die Schweiz verfügt heute, abgesehen von der EFTA-Konvention und dem Freihandelsabkommen mit der EU, über ein Netz von 28 Freihandelsabkommen mit 38 Partnern ausserhalb der EU.
Die Gründung der WTO sowie die zunehmende Zahl an Freihandelsabkommen dürften die Hauptgründe für die starke regionale Diversifizierung des schweizerischen Aussenhandels sein: Wurden 1990 noch rund 70 Prozent aller ausgeführten Waren nach Europa – allen voran Deutschland – exportiert, hat sich dieser Anteil bis 2010 um 14 Prozentpunkte auf aktuell 56 Prozent reduziert. Und neu kamen China und Hongkong zur Liste der 10 wichtigsten Handelspartner der Schweiz hinzu – Destinationen, die inzwischen bereits 7,2 Prozent der gesamten schweizerischen Warenausfuhren ausmachen.
Die Schweiz könnte jedoch – letztlich zum Wohle der Allgemeinheit – noch viel mehr vom Aussenhandel profitieren, als sie das tut. Sie schottet sich nämlich im Agrarsektor, wie auch die WTO festhält, stark durch tarifäre und nichttarifäre Handelshürden ab. Während die Schweizer Einfuhrzölle ausserhalb der Landwirtschaft bei durchschnittlich 2,3 Prozent liegen, bewegen sie sich im Agrarsektor um etwas über 30 Prozent. So klein die Bedeutung des Agrarsektors für die schweizerische Wirtschaft ist, so gross sind die Konsequenzen dieses Protektionismus auf der internationalen Ebene: Man erinnere sich nur an den Versuch des Bundesrates im Jahre 2006, ein Freihandelsabkommen mit den USA zustande zu bringen. Der Versuch scheiterte kläglich an der Nichtbereitschaft, die Abschottung der Landwirtschaft zu überwinden.
Dieser Artikel erschien in der Osec-Zeitschrift «Go!» vom Dezember 2013.