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Emma hats an der Lunge
Im Frühling erwacht die Natur und mit ihr erwachen die Reptilien. Doch die Schildkröte Emma kann ihre Augen nicht öffnen und Appetit hat sie auch nicht. Die Besitzer sind ratlos.
Nach langem Warten erschien sie endlich: Die Griechische Landschildkröte hatte ihr Winterlager verlassen und versuchte sich mit den ersten Sonnenstrahlen zu wärmen. Die ganze Familie lief in den Garten hinaus, um sie willkommen zu heissen. So fiel ihnen auf, dass Emma die Augen nicht öffnen konnte. Auch schien sie lustlos und matt. In regelmässigen Abständen öffnete sie ihren Schnabel, um nach Luft zu schnappen. Emma war offensichtlich krank. Etwas später untersuchte ich sie in der Praxis. Ihr Gewicht und ihre Grösse waren in Ordnung. Trotz ihrer reptilienhaften Langsamkeit war sie sehr schnell und versuchte mit Kraft, sich aus meiner Hand wegzustrampeln. Reptilien sind gemütliche Tiere. Sie kennen ihre Besitzer ganz genau und reagieren auf Leckerlis und Gesten. Nur bei fremden Menschen scheinen sie abweisend zu sein. Die Besitzer erklärten, dass sie zwar wach war, aber jegliche Nahrung verweigerte. Selbst ihre Lieblingsspeise, Klee, interessierte sie nicht.
Ein Röntgenbild bestätigte meine Befürchtungen. Emma hatte eine Lungenentzündung. Da Reptilien wechselwarme Tiere sind, können sich Krankheiten sehr langsam entwickeln. Wahrscheinlich hatte Emma bereits letzten Herbst Lungenprobleme. Trotzdem war sie in die Winterstarre gefallen und mit einer starken Lungenentzündung erwacht. Die Medikamente wollte Emma natürlich auch nicht. Da sie immer noch nichts ass, erhielt sie ihre Antibiotika als Spritzen. Alle zwei Tage bekam sie eine Wärmeflasche in ihrer Transportboxe. Nach den Spritzen durfte sie wieder nach Hause.
Dort wartete ein speziell eingerichtetes Terrarium mit Sonnenstrahler, UVB-Licht, kleinem Pool und einem nachgebildeten Gärtchen, extra mit ausgestochenem Klee und Löwenzahn bepflanzt. Nach und nach erholte sie sich. Langsam fing sie an zu fressen, zuerst zaghaft, dann mit zunehmendem Appetit. Ihre Augen wurden regelmässig mit Salben behandelt und wurden auch wieder gesünder. «Sobald es draussen schön ist, darf sie wieder raus. Trotz ihrer luxuriösen Privat-Suite sehnt sie sich nach draussen», meinte ihre Besitzerin. Ich nickte und überlegte mir, dass ein Winterschlaf auch bei uns Menschen ganz praktisch sein könnte. Im nächsten Herbst aber darf Emma nur dann in die Winterstarre fallen, wenn es ihr bis dahin wieder gut geht. Sollte sie immer noch leichte Atemprobleme haben, so würde ihr Sommer in ihrer Suite verlängert, bis sie ganz gesund ist.
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