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33 Fragen an Marc Wannhoff, General Manager Galderma Spirig AG
Hatten Sie als Kind einen Traumberuf?
Ja, ich hatte fest vor, Pilot zu werden.
Was würden Sie anders machen, wenn Sie nochmals neu beginnen könnten?
Zum Glück nicht allzu viel. Ich würde versuchen, die Zeiten zu reduzieren, in denen ich Wochenendpendler war. Ich bin in meinem bisherigen Berufsleben insgesamt knapp fünf Jahre lang am Wochenende zwischen Wohn- und Arbeitsort gependelt. Man wird in dieser Zeit seinen privaten Verpflichtungen nicht wirklich gerecht, und zusätzlich kostet es Zeit und Energie.
Wie wurden Sie von Ihren Lehrern eingeschätzt?
Als zielorientiert, in einigen Fächern eher effizient, in anderen als sehr interessiert und engagiert.
Auf welche ausserschulische Leistung in Ihrer Jugend sind Sie noch heute stolz?
Ich war im Golfsport recht gut und habe zusammen in einem Team einige Erfolge erzielt.
Ist die Management-Ausbildung auf der Höhe der Zeit? Und aufgrund welcher Erfahrungen glauben Sie, das beurteilen zu können?
Fachlich ist die Ausbildung in der Schweiz sicherlich überdurchschnittlich gut. Wenn ich mir aber den Anteil der ausländischen Führungskräfte in der Schweiz anschaue, dann scheint es so zu sein, dass der Bedarf an Managern allein aus der Schweiz heraus nicht gedeckt werden kann. Ich sehe daher Optimierungspotenzial bei der Ausbildung, um hier mehr eigene Führungskräfte zu entwickeln.
Wo würden Sie in der Führungsschulung andere Akzente setzen?
Basierend auf meiner vorstehenden Antwort sicherlich in den Bereichen Kommunikations- und Durchsetzungsstärke.
Wer hat Sie am meisten gefördert?
Das war mein erster Vorgesetzter, welcher mir nicht nur bereits sehr früh interessante Auslandserfahrung ermöglicht hat, sondern auch von Anfang an viel Vertrauen geschenkt und wichtige Projekte übertragen hat. Das war für meine spätere berufliche Entwicklung äusserst hilfreich.
Welche Person ist für Sie ein berufliches Vorbild?
Keine bestimmte Person, vielmehr sind es Eigenschaften verschiedener Persönlichkeiten.
Welches sind für Sie die wichtigsten Tugenden eines Vorgesetzten?
Klare Ziele setzen, Vorbild sein, authentisch handeln und motivieren.
Welche Eigenschaften Ihrer Mitarbeitenden sind für Sie besonders wertvoll?
Ziel- und Erfolgsorientierung, persönliche Einsatzbereitschaft, vorausschauend denken und handeln.
Was bringen Frauenquoten?
Nichts. Gute und erfolgreiche Unternehmen haben ein ureigenes Interesse daran, die jeweils bestqualifizierte und geeignete Person für eine Funktion auszuwählen. Dies ist vollkommen unabhängig vom Geschlecht. Natürlich sehen wir immer noch nicht genügend Frauen in Führungspositionen, aber meiner Meinung nach müsste die Förderung von Frauen bei der Vereinbarkeit von Mutterrolle und Beruf ansetzen und nicht in Form von starren Quoten bei der Besetzung von Positionen.
Haben sich Ihre Führungsprinzipien im Lauf der Zeit verändert?
Nein, sie haben sich sicherlich weiterentwickelt, aber nicht grundsätzlich geändert. Mir ist heute noch klarer als früher, dass erfolgreiches Führen einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren ist.
Die Berufswelt sei hektischer, belastender geworden, geht die Klage.
Ja, das ist in weiten Teilen sicherlich zutreffend. Gerade die uneingeschränkte Erreichbarkeit an 365 Tagen im Jahr ist hier ein entscheidender Punkt. Die Zeiten, in denen man wirklich abschalten kann, sind sehr kurz geworden. Man muss sie deshalb sehr bewusst wahrnehmen.
Das Thema Nachhaltigkeit bewegt. Ihr Beitrag, heute und in Zukunft?
Nachhaltigkeit ist für uns ein ganz wichtiges Thema, und wir unternehmen diesbezüglich eine Vielzahl an Aktivitäten. Stellvertretend möchte ich hier einige Daten aus unserer Produktion in Egerkingen nennen. Bei einer Steigerung des Outputs um über 20 Prozent im vergangenen Jahr haben wir den Energieverbrauch um 5 Prozent senken können. Dies entspricht einer Einsparung von 330 MWh und würde ausreichen, um 36 Einfamilienhäuser ein Jahr lang mit Strom zu versorgen. Um dies zu erreichen, haben wir umfangreiche Investitionen in Wärmerückgewinnung und Wärmedämmung getätigt. Wir beschäftigen uns derzeit auch mit der Frage, wie wir langfristig eine komplett CO2- freie Produktion erreichen können.
Wie spüren Sie die gegenwärtige Wirtschaftslage?
Der starke Franken betrifft uns in mehrfacher Hinsicht ganz direkt. So werden etwa die Preise unserer erstattungsfähigen Arzneimittel alle drei Jahre gemäss einem europäischen Länderkorb überprüft. Hier wirkt sich der Wechselkurs direkt auf unsere Verkaufspreise in der Schweiz aus – schwacher Euro heisst niedrigere Preise bei unveränderten Kosten! Leider würde ein wieder stärkerer Euro aber nicht sofort die Rückkehr zum vorherigen Preisniveau bedeuten, da die entsprechenden gesetzlichen Regelungen unverständlicherweise nur Preissenkungen und keine Preiserhöhungen vorsehen. Auch produzieren wir unsere beiden Top-Produkte «Daylong»-Sonnenschutz und «Excipial»-Hautpflege für den weltweiten Bedarf exklusiv in der Schweiz. Im Ausland sinkt daher unsere Marge, und in der Schweiz profitieren wir anders als viele Mitbewerber nicht von gesunkenen Produktionskosten im Ausland.
Worüber haben Sie zuletzt gestritten?
Gestritten zum Glück selten, konstruktiv diskutiert aber sehr oft.
Was bedeutet Ihnen Geld?
Geld gibt Sicherheit, und es macht unabhängig. Es macht einen Menschen aber nicht wertvoller und ersetzt weder Persönlichkeit noch Charakter.
Welches ist der Stellenwert sozialer Netzwerke für Sie, beruflich wie privat?
Soziale Netzwerke erleichtern das Berufs- und Privatleben in vielfacher Weise. Beruflich ist der Hauptnutzen vor allem die Rekrutierung qualifizierter Mitarbeiter und privat die Pflege von Kontakten. Allerdings sehe ich einige Entwicklungen im Bereich der Social Media auch kritisch. Die Kommunikationskultur leidet zum Teil erheblich. Junge Menschen, die noch nie einen Brief formuliert haben, tun sich für den Einstieg in das Berufsleben sicherlich keinen Gefallen.
Serviceklubs?
Ich bin Mitglied im Lions Club.
Hören Sie auf Ratschläge aus Ihrem privaten Umfeld?
Ja, wenn sie aus meiner Sicht nachvollziehbar sind.
Vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl?
Nein, zumindest nicht im beruflichen Umfeld. Ich versuche alle beruflichen Entscheidungen anhand von Fakten und auf der Basis von Erfahrungen zu treffen.
Wo waren Sie jüngst in den Ferien?
In Mallorca, mit zwei kleinen Kindern für uns ein gutes Ziel.
Wie gut kochen Sie?
Obwohl ich gerne gut esse, gehört das Kochen nicht zu meinen grossen Stärken.
Olympische Spiele, grosse Fussballturniere – sind das besondere Tage für Sie?
Nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil, ich finde es eine bedenkliche Entwicklung, dass solche aus Unterhaltungssicht sicherlich interessanten Veranstaltungen eine Bedeutung erlangt haben, die andere, gesellschaftlich viel wichtigere Themen an den Rand drängt.
Was bringt Ihnen wirklich Erholung?
Aktivitäten mit der Familie, Skifahren und Wandern in den Bergen.
Worüber können Sie sich ärgern?
Über Mitarbeiter, die nicht mitdenken oder abwarten und dadurch dazu beitragen, dass vermeidbare Fehler entstehen.
Wie viele Stunden arbeiten Sie pro Tag?
Morgens bin ich nicht der Erste, aber ich verbringe sehr viele Abend- und Nachtstunden im Büro.
Aus welchem Misserfolg haben Sie besonders viel gelernt?
Aus der ein oder anderen suboptimalen Produkt-Neueinführung. Schnelligkeit darf bei solchen Projekten nicht zulasten der Qualität der Vermarktungsaktivitäten gehen.
Auf welchem Gebiet haben Sie sich zuletzt weitergebildet?
In «Situational Leadership».
Welchem Satz misstrauen Sie besonders?
Allen Sätzen, in denen «Change» als Vorwand für fehlende Struktur und Prozesse verwendet wird.
Was missfällt Ihnen als Staatsbürger?
Ich bin deutscher Staatsangehöriger. Insofern fände ich es anmassend und unpassend, auf diese Frage zu antworten. Lassen Sie es mich deshalb so sagen: In Deutschland würden mir zu diesem Thema deutlich mehr Dinge einfallen als in der Schweiz.
Sind Sie zuversichtlich für die Schweiz?
Ja – vorausgesetzt, das Land lernt aus den Fehlern, die anderswo gemacht wurden, und vermeidet diese auch in Zukunft.
ZUR PERSON
Marc Wannhoff, 42, ist seit zwei Jahren General Manager von Galderma Spirig in der Schweiz. Der gebürtige Düsseldorfer und verheiratete Vater zweier Töchter war zuvor in gleicher Funktion für Galderma in Deutschland tätig und hatte davor auch bereits im Schweizer Pharmamarkt gearbeitet. Im Rahmen der Übernahme der Firma Spirig Pharma AG durch Galderma im Jahr 2013 verantwortete er die Integration der beiden Firmen in der Schweiz und leitet nun das Gesamtgeschäft für den Schweizer Markt. Hauptsitz und Produktionsstätte befinden sich in Egerkingen. Die Firma verfügt über ein breites dermatologisches Portfolio von verschreibungspflichtigen und freiverkäuflichen Arzneimitteln, Medizinprodukten und Hautpflegeprodukten sowie von ästhetischen und korrektiven medizinischen Lösungen. Galderma Spirig und die Muttergesellschaft Galderma mit weltweitem Hauptsitz in Lausanne beschäftigen in der Schweiz gut 400 Mitarbeiter. Nach Umsatz gerechnet ist Galderma das drittgrösste schweizerische Pharmaunternehmen.