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Seit 65 Jahren gehört der Name Alpine zum Motorsport, wie das Amen zur Kirche. Jean Rédélé, ein französischer Rennfahrer, am 17. Mai 1922 in Dieppe geboren, gründete die Firma „Société des Automobiles Alpine“ im Jahr 1955. Zur Erinnerung an seinen Sieg beim Coupe des Alpes 1954 auf einem Renault 4 CV 1063 gibt er seinen Schöpfungen den Markennamen „Alpine”. Schon ab 1952 baute Jean Rédélé einen Prototypen, dem ein zweiter folgte. Das Vorhaben, den Wagen in den USA zu bauen und auch zu verkaufen, scheiterte. Er wandte sich in der Folge an die Gebrüder Chappe aus Saint-Maur, die schon damals gute Erfahrungen mit dem Bau von Kunststoffkarosserien auf GFK-Basis hatten und mit René Bonnet zusammenarbeiteten. Gemeinsam entwickelten sie die für die damalige Zeit sehr modernen Kunststoffkarosserien für die Alpine A106 Coach. Das daraus resultierende geringe Gewicht der Autos war für den geplanten Einsatz im Motorsport sehr wichtig. Wie sagt man doch, das Gewicht ist der grösste Feind eines Rennwagens. Ab Ende 1954 wurden die ersten Fahrzeuge des Typs A106 gebaut, weitestgehend in Handarbeit. Das ermöglichte die Berücksichtigung von Kundenwünschen und Sonderanfertigungen. Die Vermarktung der Fahrzeuge lief über die Rue de Forest (11, 13, 18) in Paris, der Werkstatt seines Schwiegervaters, Charles Escoffier, der ihn weiterhin bei seinen Aktivitäten unterstützte. Insgesamt wurden 251 Fahrzeuge in Handarbeit zusammengebaut, 40 weitere stellte Gillet d´Herstal in der Nähe von Lüttich, Belgien, als Lizenzbau her. Es war von Anfang an geplant, die kleinen Fahrzeuge im Motorsport einzusetzen und bereits ein Jahr nach Produktionsstart erzielten Jean Claude Galtier / Maurice Michy den Klassensieg bei der Mille Miglia 1956. Auch Rédélé selber fuhr mit der A106 Rennen, der grosse Durchbruch gelang ihm als Konstrukteur dann aber erst ab 1970 mit der A110.
1957 wurden für den Rennsport speziell vorbereitete Wagen eingesetzt. Viele Komponenten der A106 stammten vom Renault 4CV. Auch den kleinen Vierzylindermotor übernahm Rédélé. Durch gezielte Überarbeitung kitzelten die Motorenkünstler von Alpine bis zu 31 kW/43 PS aus der 747-Kubikzentimeter-Maschine, die wie beim Spenderfahrzeug im Heck eingebaut ist. Damit beschleunigte die 550kg leichte A106 auf maximal 153 km/h. Die Standardversion begnügte sich anfangs mit 15 kW/21 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h. Ab 1957 erhielt die A106 den größeren Motor der Renault Dauphine (845 bis 998 ccm), welcher in der vom Alpine Haustuner Marc Mignotet bearbeiteten Version bis zu 44 kW/60 PS leistete. Ebenfalls speziell für den Rennsport gab es ein 5-Gang-Getriebe von Claude. So gerüstet, ging man im Rennsport an den Start. An der Mille Miglia 1957 waren 5 Alpine A106 am gemeldet.
Auf eines dieser 5 Fahrzeuge möchten wir etwas näher eingehen. Es ist das Fahrzeug, mit dem Jean Vinatier 1957 an der Mille Miglia teilnahm. 1960 kam dieser Wagen in die Schweiz, wo er weiterhin im Motorsport eingesetzt wurde. Irgendwann ging die Frontscheibe zu Bruch und die A106 wurde abgestellt und geriet in Vergessenheit. Jahre später verkaufte Claude Frésard, der im jurassischen Muriaux ein Oldtimermuseum mit Handel betrieb, das ramponierte Fahrzeug ins Tessin, wo es teilweise restauriert wurde. Dann gelangte die A106 an den Bodensee und wurde in Rorschach im Museum ‘Alte Garage’ ausgestellt. Der Wagen, ursprünglich im französischen ‘Rennblau’ lackiert, war mittlerweile hellblau, aber in nicht fahrbereitem Zustand. Teile fehlten oder waren nicht original. Wie auch das Museum vom Claude Frésard musste auch das schöne Museum in Rorschach seine Tore schliessen. Hans Enzler, ein Rolls Royce-Sammler, war Initiant der Sammlung ‘Alte Garage’. Leider verstarb Hans viel zu früh und das Schicksal des ehemaligen Lagergebäudes direkt am Bodensee gelgen, war besiegelt, es wurde abgerissen. Die Fahrzeuge gingen wieder an ihre Besitzer zurück, einige wurden verkauft, so auch die A106. Christian Heussi erwarb die kleine Französin und versetzte sie wieder in einen rennbereiten Zustand. Das war 1997. Christian Heussi nahm zusammen mit seiner damaligen Partnerin, Regine Hansche, an vielen Events im In- und Ausland teil. Eines der Highlights war sicher die dreimalige Teilnahme an der Winterchallenge to Monte Carlo. Wir begleiteten diesen Event ebenfalls einige Male.
Christian Heussi verkaufte die Alpine A106 einige Jahre später nach Frankreich. Eigentlich schade, aber der jetzige Besitzer hat sicher auch seinen Spass mit und an dem Auto.
Anmerkung: Im Artikel schreiben wir DIE Alpine und nicht DER Alpine. Kenner und Fans der Marke verwenden diese weibliche Form. Linguistisch korrekt wäre allerdings DER Alpine. Nach der Übernahme durch Renault war die Sache dann klar, es heisst DER Renault Alpine. Auch dazu haben wir einen Artikel verfasst. Danke Wolfgang Blaube für die detaillierten Erklärungen.