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2000-2003
Grossanlässe
Stufen der Akzeptanz
Im Vorfeld der absehbaren Volksabstimmungen über das Partnerschaftsgesetz (Kanton Zürich 2002, Schweiz 2005) war ein Hervortreten von Schwulen und Lesben einzeln oder in Gruppen entscheidend. Einer möglichst breiten Schicht der "schweigenden Mehrheit" musste klar werden, dass diese Leute zwar anders lieben, sonst aber gleich sind wie alle und sich so verhalten wie jeder andere Nachbar von nebenan: Klischees und Vorstellungen von Knabenschändern, Tunten oder Paradiesvögeln entsprechen nicht der Realität.
Womit erzielt man im Prozess der Wahrnehmung und Meinungsbildung bessere Wirkung als durch Grossanlässe und entsprechende Aufmerksamkeit der Medien? Das wurde getan, nicht nur mit Demos aller Art und CSD- oder Pride-Veranstaltungen.
So konnten die wichtigsten schwul-lesbischen Sport-Spiele Europas, die EuroGames, im Jahr 2000 in Zürich ausgetragen werden. Eine organisatorische Riesenaufgabe für eine recht kleine Minderheit von Leuten, die sich bis an den Rand der Erschöpfung dafür einsetzten. Das Ganze wurde zum vollen Erfolg, auch aus finanzieller Sicht, und hob sich damit von den vorausgegangenen Spielen ab.
Im kulturellen Begleitprogramm der EuroGames realisierte ein ebenso fleissiges Team den ersten "Warmen Mai". Ein voller Monat mit zahlreichen weit gefächerten meist völlig neuen, originellen Angeboten. Dieser lesbisch-schwule Kulturmonat war so erfolgreich, dass er zur Tradition wurde und zehn Jahre lang in verschiedenen Variationen zur Durchführung gelangte. Ein Teil davon sind die noch immer stattfindenden "Lesungen" der Kamilla von Arx, die Samuel Zinsli im Theater Keller 62 oder Oliver Fritz unter "Bühne frei!" anbietet. Vor allem aber das bis heute bestehende les-bi-schwule Filmfestival "Pink Apple" in seiner Zürcher Ausgabe. Der "Warme Mai" ist also noch nicht ganz gestorben.
Eine der "Warmer Mai"-Veranstaltungen war auch die Ausstellung über den KREIS und seine Vorgängerorganisationen (1932-1967). Sie hatte 1999 im Schwulen Museum Berlin grosse Beachtung gefunden. Diesem deutschen Museum war es gelungen, den KREIS als Ganzes erstmals in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Nun konnte die Berliner Ausstellung vor und während der EuroGames auch im Schweizerischen Landesmuseum gezeigt werden. Ein aussergewöhnliches und wiederum vielbeachtetes Ereignis: Den KREIS hier zu dokumentieren bedeutet die Anerkennung dieser Homosexuellen-Organisation als Teil der schweizerischen Sozialgeschichte.
Zwei Jahre später, bereits nach der erfolgreichen Abstimmung zum Partnerschaftsgesetz im Kanton Zürich, wurde eine weitere, wesentlich grössere Ausstellung eröffnet. Diesmal ging es um die gesamte Lesben- und Schwulengeschichte der Schweiz unter dem Titel "unverschämt - Lesben und Schwule gestern und heute". Der zentrale und bedeutungsvolle Ort dafür war das Zürcher Stadthaus. Mit mehr als 13'000 Besucherinnen und Besuchern war sie eine der erfolgreichsten aller dort realisierten Ausstellungen.
Ernst Ostertag, März 2012