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Schafstelze
Die Schafstelze (Motacilla flava) ist in der Schweiz Mitte des 20. Jahrhunderts eingewandert. In der Region Schaffhausen wurde die Art in den 1970er Jahren erstmals als Brutvogel festgestellt (Maumary et al. 2007). Die Schafstelze gilt in der Schweiz als potentiell gefährdet (Keller et al. 2010). Mit gegen 100 Brutpaaren stellt die Region Schaffhausen einen schweizweiten Verbreitungsschwerpunkt dar (Knaus et al. 2018). Schafstelzen besiedeln hauptsächlich den „Oberen Kantonsteil“ inkl. angrenzende Gebiete in den Kantonen Thurgau und Zürich, sowie die Region um Dörflingen.
Die Schafstelze ist ein Bodenbrüter, ihr Nest liegt meist gut versteckt in einer kleinen Bodenvertiefung zwischen Grasbüscheln. In optimalen Gebieten brütet sie in lockeren Kolonien, in denen sie nur die nächste Nestumgebung gegen Artgenossen verteidigt. Als Nestmaterial werden trockene Grashalme und Würzelchen benutzt, die halbkugelige Nestmulde ist fein geglättet und mit Tierhaaren ausgepolstert. Während der Brutzeit von Mai bis August werden ein bis zwei Bruten getätigt. Das Weibchen bebrütet ihre fünf bis sechs weisslichen, sehr dicht graubraun gefleckten Eier während 12-13 Tagen. Die Brut wird regelmässig zur Nahrungssuche unterbrochen. Beide Eltern füttern die Nestlinge, wobei die Jungen das Nest bereits nach 11-12 Tagen verlassen, obwohl sie erst mit 17 Tagen flugfähig sind (Glutz, 1985).
Ursprünglich brüteten Schafstelzen vornehmlich in Feuchtwiesen. Heute brütet diese Art nach unseren Beobachtungen vornehmlich in Kartoffeläckern.
Untersuchungsgebiet
Das Gebiet liegt zwischen den Schaffhauser Gemeinden Ramsen und Hemishofen auf 400 bis 410 m ü.M. Das praktisch ebene Tal ist nord-süd ausgerichtet und im Westen vom bewaldeten Staffelwald und im Osten vom Chrooberg-Wolkensteinerberg begrenzt. Innerhalb des landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebietes befinden sich einige Aussiedlerhöfe, eine Kläranlage und ein Weiler. Auf der östlichen Seite wird das Gebiet durch die Kantonsstrasse sowie die Museumsbahnlinie und auf der westlichen durch die Biber zerschnitten.
Ein Grossteil der Landwirtschaftsflächen kann bewässert werden. Angebaut werden Gemüse (u.a. Bohnen, Karotten), Hackfrüchte, Getreide sowie Spezialkulturen wie Spargeln und Beeren.
Das Bewässerungsprojekt Bibertal
Die Bewässerungsgenossenschaft Bibertal plant in den Gemeinden Buch, Ramsen und Hemishofen ein Bewässerungssystem einzuführen, welches die bewässerte Landwirtschaftsfläche erhöht. Das Wasser soll neu aus dem Rhein statt aus der Biber bezogen werden, die in den letzten Jahren immer wieder Niedrigwasser führte, was die Wasserentnahme verunmöglichte.
Literatur
Maumary, L., L. Vallotton & P. Knaus (2007): Die Vögel der Schweiz. Schweizerische Vogelwarte, Sempach, und Nos Oiseaux, Montmollin.
Keller V., Gerber A., Schmid H., Volet B., Zbinden N. (2010): Rote Liste Brutvögel. Gefährdete Arten der Schweiz, Stand 2010. Bundesamt für Umwelt, Bern, und Schweizerische Vogelwarte, Sempach. Umwelt-Vollzug Nr. 1019.
Glutz von Blotzheim & Bauer (10, 1985): Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Bd. 10/II, S 744-752.