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Die Oper «Salome» von Richard Strauss ist eine schreckliche Familiengeschichte: Ein lüsterner Stiefvater, eine eifersüchtige Mutter, eine Teenagerin, welche vom Opfer zur Täterin wird. Das Luzerner Theater konnte für die Rolle der Salome die junge aufstrebende amerikanische Sängerin Heather Engebretson als Gast gewinnen. Sie wird bei Kritikern sowohl für ihren Gesang wie auch für ihre schauspielerische Leistung gelobt. An der Premiere allerdings war am Sonntag nur ihre schauspielerische Leistung zu sehen.
Die Hauptdarstellerin Heather Engebretson war erkrankt. Sie konnte auf der Bühne zwar spielen, nicht aber singen. Das Luzerner Theater hatte deshalb kurzfristig die freischaffende Opernsängerin Sera Gösch für die Rolle der Salome engagiert. Gösch sang am Bühnenrand den Part der Salome, während Heather Engebretson die Rolle spielte.
Aufführung nicht ganz stimmig
Heather Engebretsons Spiel war beeindruckend. Die zierliche Frau hatte eine unglaubliche Präsenz, spielte engagiert, wirbelte als Salome herum und war jähzornig. Man hätte nur zu gerne auch ihre Stimme gehört.
Dass dies nicht der Fall war, war irritierend. Sera Gösch, die die Rolle der Salome sang, hat die Situation gut gemeistert. Ihr eher schwerer und dramatischer Sopran passte nicht optimal zum leichten Spiel von Heather Engebretson. Besonders erwähnenswert ist die Leistung des Luzerner Sinfonieorchesters, das wunderbar aufspielte.
Auch wenn man trotz dieser aussergewöhnlichen Umstände einen Premieren-Eindruck erhielt, ein vollständiges Bild blieb aus. Regisseur Herbert Fritsch hat seine Inszenierung ganz auf seine Hauptdarstellerin zugeschnitten. Ohne den Gesang von Heather Engebretson blieb das Gefühl, etwas Wesentliches bei dieser Aufführung verpasst zu haben.