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|Scientology gilt vielen Menschen als die Sekte schlechthin. Manche Sektenexperten zählen Scientology wegen der gegenüber anderen Gemeinschaften deutlich unterschiedlichen Struktur (konzernartiger Aufbau, Kursstruktur statt Gruppenrituale) nicht unter die Sekten im engeren Sinne.

Scientology wurde in den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts vom Schriftsteller L(afayette) Ron(ald) Hubbard (1911-1986) gegründet (Buch "Dianetik", engl. "Dianetics" 1950). Als heutiger Leiter der Organisation gilt David Miscavige.
Scientology versteht sich als angewandte religiöse Philosophie und beansprucht den Rang als religiöse Organisation (Selbstbezeichnung "Church of Scientology", dt. "Scientology Kirche"). Weil Lehre und Praxis der Scientology aber weitgehend auf populär-psychologischen Ideen basieren, wird ihr dieser Rang nicht überall zuerkannt.
L. Ron Hubbard geht davon aus, dass der Mensch durch sog. "Engramme" belastet ist, durch Erinnerungsbilder, die im Zustand von Schmerz und Bewusstlosigkeit entstanden. Diese können mit Hilfe des sog. E(lektro)-Meters - ein Hautwiderstandsmesser - aufgespürt und im sog. Auditing durch wiederholtes Erzählen gelöscht werden. Wer keine Engramme mehr hat, ist "Clear", geklärt. Die von Hubbard später hinzugefügten, über den Stand "Clear" hinausgehenden OT-Stufen (von "Operating Thetan", wobei "Thetan" = unsterbliche Seele) versprechen ihrem Absolventen übermenschliche Fähigkeiten.
Scientology ist umstritten einerseits wegen ihrer elitären Ausrichtung (Nichtscientologen können als "raw meat" (rohes Fleisch) bezeichnet werden, Scientology wird als die höchste Religion der Menschheit dargestellt, Auditoren gelten als fähig, die Welt zu retten), andererseits wegen der hohen Kosten, die das Scientology-Kurswesen verursachen kann. Zahlreiche Ehemalige berichten davon, zur Finanzierung von Kursen zur Aufnahme von Krediten gedrängt worden zu sein. Andere haben zu einem äusserst bescheidenen Lohn für die Scientology gearbeitet.
Im Gegensatz zu weltabgewandten Gemeinschaften verfolgt Scientology auch gesellschaftliche Ziele. Scientology-Philosophie soll förderlich in die Gesellschaft und deren Bereiche, etwa das Schulwesen, eingebracht werden. Von Scientologen geführte Privatschulen, oft ZIEL (Zentrum für individuelles und effektives Lernen) benannt, versuchen L. Ron Hubbards Techniken in der Schule umzusetzen. Daneben gibt es zahlreiche weitere Organisationen im Umfeld der Scientology (die in ihrem öffentlichen Auftreten unterschiedlich deutlich auf ihren Zusammenhang mit Scientology verweisen und deshalb von Kritikern auch als Tarnorganisationen angesprochen werden), etwa Narconon, oder die Bürgerkommission für Menschenrechte. Im Zusammenhang mit der Organisation WISE ("World Institute of Scientology Enterprises"), ein Zusammenschluss scientologischer Unternehmer, wird von Kritikern auf die Gefahr der Unterwanderung der Wirtschaft durch Scientology hingewiesen. Aktivitäten von Scientologen auf dem Liegenschaftsmarkt in Deutschland in den neunziger Jahren gaben diesen Befürchtungen dort Auftrieb. In der Schweiz zählen zu den scientologisch geführten Unternehmen keine einflussreichen Firmen.
In Sachen Mitgliederzahlen musste Scientology im deutschen Sprachraum in den letzten Jahren offenbar Einbussen hinnehmen. Schätzungen von Aussenstehenden rechnen für die Schweiz mit zur Zeit wohl weniger als 1000 aktiven Mitgliedern (gegenüber vielleicht 3000 um 1990). Die allgemeine Bekanntheit der Scientology macht Werbung schwierig. Scientologen versuchen, das negative Image mit Goodwill-Aktionen, etwa unter dem Titel "Der Weg zum Glücklichsein", zu mindern.
Ehemalige berichten von hochgradiger Kontrolle des Einzelnen durch das Mittel des Auditing, bei welchem auch intimste Details zur Sprache kommen können. Deutlich ist die in vielen Fällen insbesondere bei Mitarbeitern von Scientology recht hohe zeitliche Inanspruchnahme, die mitunter nur noch wenig Zeit zur Pflege anderer Aktivitäten resp. von intensiveren Kontakten zu Aussenstehenden lässt.