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Armagnac
Armagnac wird als älteste Spirituose Frankreichs bezeichnet. Kaum eine andere Spirituose Frankreichs verkörpert in sich die Möglichkeit nach individuellem Genusserlebnis so ausgeprägt wie Armagnac. Wenn Armagnac auch nie von der Menge her mit seinem jüngeren Brüder Cognac gleichziehen konnte, so hat er sich doch einen ebenbürtigen Spitzenplatz erobern können.
Die Heimat dieses muntersten der französischen Weinbrände ist die Gascogne - die Heimat auch dArtagnans, des vierten der Drei Musketiere. Auch Heinrich IV. von Frankreich, der König, der jedem seiner Bürger sonntags ein Huhn im Topf wünschte, war ein Gascogner. Man erzählt, dass die Lippen des Königs gleich nach seiner Geburt mit einer Knoblauchzehe berührt, mit Jurancon-Wein und mit einigen Tropfen Armangnac befeuchtet wurden. Während die Herstellung des Cognac in das 17. Jahrhundert zurückreicht und Calvados historisch auf 1553 zurückgeführt wird, datiert Armagnac aus dem Jahre 1411, in dem im Departement Landes eine Brennerei für seine Erzeugung bewilligt wurde. Hierauf hatten die Kelten Einfluss, die die Eichenfässer erfanden. Die Mauren in Spanien vervollkommneten seine Erzeugung, indem sie die Weindestillation verbesserten.
Armagnac ist kein Verwaltungsbezirk, kein Departement. Das durch Verordnung von 1909 umrissene Armagnacgebiet umfasst rund 100 km2 Fläche und setzte sich aus Teilen der drei Departements Gers, Landes und Lotet-Garonne zusammen. Mehr als anderswo spielt der Boden für die Qualität des Armagnacs eine besondere Rolle. Ein Teil der Armagnac-Region (und zwar Bas-Armagnac und Ténarèze) weist Bodenformationen von Sand und lehmigem Schutt der Pyrenäen auf, in der östlichen Hälfte erinnern Kreidehänge im Prinzip an die Gognac-Landschaft. Diese Gegend, auch Haut-Armagnac genannt, spielt allerdings für die Armagnac-Herstellung keine besondere Rolle mehr. Die dort wachsenden Colombard-Trauben werden zum grossen Teil zu Tafelwein verarbeitet, obwohl der Boden selbstverständlich auch eine gute Basuis für einen sicher guten Armagnac wäre bzw. ist. Hauptproduktionsgebiet fürArmagnac ist aber - wie erwähnt - zweifellos der westliche Teil der Region, bezeichnet mit Bas-Armagnac und Ténarèze. Hier befinden sich Armagnac-Spitzenlagen, die deswegen auch Grand Bas genannt werden.
Schon die Anfertigung der grossen Fässer aus dem Eichenholz der Gascogne muss mit Sorgfalt geschehen. Sechs Jahre lang wird das Holz gelagert, ehe die Bretter zu Fässern zusammengefasst und mit Eisenringen umspannt werden. Im Gegensatz zu den Fässern für den Cognac, die immer wieder gebraucht werden und mit dem Alter gewinnen, müssen für die Zubereitung des Armagnac jedes Jahr neue Fässer benutzt werden.
Der Herstellungsprozess, angefangen bei der Pflanzung der Rebstöcke bis zur Abfüllung des Armagnac in Flaschen, ist sehr langwierig. Die Rebstöcke müssen ein Alter von fünf Jahren erreicht haben, ehe ihre schweren und goldenen Trauben gepflückt werden dürfen. Im September ziehen die Winzer aus den Pyrenäen nach Armagnac, um einen Monat lang die Ernte einzubringen. Nach traditionellen Regeln wird der Wein zubereitet. Nach dem Keltern füllt man ihn in die Steineichenfässer von etwa 440 Liter Inhalt, in denen sich seine Verwandlung vollzieht. Weder Schwefeldioxid noch Zucker darf zugefügt werden und auch ein Umfüllen während des Prozesses ist verboten.
Die Fässer lagern den ganzen Winter über in einem besonders dafür hergerichteten oberirdischen Weinkeller. Tag und Nacht erwärmt das Feuer des Erlen- und Eichenholzes eine Retorte, die ohne Unterhalt von dem noch jungen Wein gespeist wird. In den folgenden Monaten reift der Wein unter Aufsicht des Kellermeisters heran, wird verfeinert und erhält aus dem Holz die typischen Gerüche der Wälder und die Zeit verleiht ihm neben der edlen Blume seine charakteristische Bernsteinfarbe.
In kupfernen Brennblasen wird der Wein nach dem kontinuierlichen Verfahren nur einmal gebrannt. Hierin besteht der Unterschied zum Cognac, der nach Charenteser-Methode in einer geschlossenen Brennblase zweimal gebrannt wird. Am Schluss steht ein Weinbrand mit dem Alkoholgehalt zwischen 52 und 53% vol. Er darf 63% vol. nicht überschreiten. Jetzt beginnt die langeZeit derErziehung des Weinbrandes (mindestens ein Jahr, mitunter 10-15 Jahre). Ein Fehler des Kellermeisters kann sich verhängnissvoll auswirken. Je nach der Schnelligkeit, mit der das Tanin des Fassholzes arbeitet, muss er frische Luft zuführen oder umfüllen, um die bestmögliche Qualität zu erziehlen. Durch langes Lagern in kleinen Eichenholzfässern bekommt Armagnac seine hellgoldene Farbe und sein unverwechselbares Bukett. Sobald der Armagnac das richtige Alter erreicht hat, wird er in die traditionelle bauchige Flasche mit dem langen Hals abgefüllt.
Die Rebstöcke, die Weinbereitung, Destillation, die Alterung und auch alle Transporte unterliegen der ständigen Kontrolle der französischen Behörden und vom Bureau National Interprofessionnel de l'Armagnac (BNIA). Für die Transporte gibt es auch einen speziellen Pass bzw. Begleitpapier, das Acquit jaune d'or. Sichtbar werden diese Kontrollen nicht zuletzt durch das jeweilige Flaschen-Etikett und die darauf stehenden Bezeichnungen. Steht auf einer Flasche die Bezeichnung Bas-Armagnac enthält sie nur erstklassige Gewächse ohne jeglichen Gebietsverschnitt. Eine Flasche mit der Bezeichnung Appellation Armagnac deutet hingegen darauf hin, dass der Inhalt aus Bränden von Ténarèze und dem Haut-Armagnac oder aus allen drei Appellationen bestehen kann.
Armagnac ist nach den Europäischen Begriffsbestimmungen für Spirituosen kontrollierte Ursprungsbezeichnung. Der Mindestalkoholgehalt beträgt 40% vol.
Quelle: alkohol-industrie 1/95