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Erkunden Sie flanierend das landschaftliche Erbe Mailands und entdecken Sie die Stadt von einer neuen Seite. Mailand wird häufig vorgeworfen, über keine einheitliche Architektur und nur wenig Grünflächen zu verfügen. Nicht dass das komplett falsch wäre. Aber es ist je länger je weniger der Fall. Entdecken Sie mit mir drei Parks in der Innenstadt, in denen man sich Sommer wie Winter herrlich entspannen kann.
Parco Sempione – die ganze Grösse Mailands
Der Parco Sempione ist konkurrenzlos der grösste Park in der Mailänder Innenstadt. Er überzeugt mich auch als der Schönste und Eleganteste von allen. Liegt das an seiner Geschichte? An der Epoche, in der er angelegt wurde? Oder liegt es an den vielen Aktivitäten, die hier stattfinden? Vermutlich ein bisschen an allem zusammen.
Der Parco Sempione wurde Ende des 19. Jahrhunderts vom Architekten Emilio Alemagna entworfen, der seinen Namen auch einer Strasse lieh, die ab der zentralen Piazza Cadorna dem Park entlang verläuft. Heute erstreckt sich der Park auf fast 400‘000 m2 bis zum Castello Sforzesco. Was nicht überraschend ist, wenn man weiss, dass das Terrain im 16. Jahrhundert den Viscontis zur Jagd diente. Schloss und Park bilden zusammen ein fast perfektes Oval und erinnern etwas an den von Napoleon III entworfenen Place d'Armes. Der Park zeichnet sich durch seine majestätische Eingangspforte im Norden aus: Dem Triumphbogen, auch Arco della Pace genannt, ein Überbleibsel des 1815 untergegangenen Kaiserreichs. Dort beginnt das Corso Sempione, eines der elegantesten Wohnquartiere von ganz Mailand.
Nachdem das Gelände bis 1893 sich selbst überlassen war, verwandelte es Emlio Alemagna anschliessend in einen englischen Park mit Wasserläufen, Spazierwegen und sogar einem kleinen Hügel (la collina del Monte Tordo), um der Strenge der Stadt entgegenzuwirken.
1906 war der Parco Sempione Schauplatz der Weltausstellung in Mailand, wovon heute einzig noch der padiglione del acquario zeugt, ein Schmuckstück des Stile Liberty. In den 30er Jahren liess die Stadt dann im südwestlichen Teil des Parks das Museum für zeitgenössische Kunst bauen. Heute auch als La Triennale bekannt, ist es einer der beiden innerstädtischen Schauplätze der Expo 2015. Ein unumgänglicher Ort der Mailänder Kultur, den man auch besuchen sollte, wenn es gerade nicht regnet. Und denken Sie daran, sich danach im obersten Stock auf der Terrasse eine Erfrischung zu gönnen.
Die Kunst findet aber nicht nur im Museum statt. Auch im Park selbst, diesem grünen Juwel unter freiem Himmel, können Sie die Werke der grössten Bildhauer Italiens bestaunen: „Storia della Terra“ von A. Paradiso, „Accumulazione musicale“ von Arman, „Bagni misteriosi“ von Giorgio De Chirico, aber auch „la Torre del Parco“ von Giò Ponti inmitten eines Blumenmeers und einigen Exemplaren von Bäumen, die bereits für sich einen Umweg wert sind, wie die Ulme vor der Statue Napoleons III.
Was ich an diesem Park besonders mag, ist auch die Tatsache, dass er das ganze Jahr über belebt ist. Man begegnet hier zu jeder Stunde des Tages Joggern, Velofahrern, verliebten Paaren auf öffentlichen Parkbänken und spielenden Kindern. Es finden sich auch Konzerte und Filmvorführungen unter freiem Himmel, insbesondere während des Milano Film Festivals, das jedes Jahr im September stattfindet.
Wann? Von 6.30 bis 21.00 Uhr von Oktober bis April, bis 22.00 Uhr im Mai und bis 23.00 Uhr von Juni bis September.
Wo? Via Pagano, Via Bertani, Piazza Castello, Viale Elvezia, Viale Milton, Viale Gladio, Viale Alemagna und Viale Legnano.
Wie kommt man dorthin? Tram (Linie 1-2-4-12-14-19-27); Bus (Linie 43-57-61-70-94); Metro M1 (Cairoli und Cadorna) oder M2 (Cadora und Lanza).
Giardini Pubblici Indro Montanelli – der erste Park Mailands
Die Giardini Pubblici Indro Montanelli sind die zweite grüne Lunge der Mailänder Innenstadt. Ende des 18. Jahrhunderts waren sie der erste öffentliche Park der Stadt. Die später nach dem 2001 verstorbenen Journalisten Indro Montanelli benannte Anlage war auf dem Boden der Klöster von San Dionigi und Carcanine errichtet worden, die während der Herrschaft der Habsburger beschlagnahmt worden waren. Hier finden sich nicht weniger als 172‘000 m2 Bäume und Sträucher, Eichen, Ulmen, Ginkos, aber auch Hortensien und Forsythien, in englischer Tradition angelegt.
Das war allerdings nicht immer so. Ursprünglich war der Park nämlich als französischer Garten angelegt. Verschiedene Renovierungsarbeiten verbanden ihn schliesslich mithilfe von Nivellierungssystemen und des aus künstlichen Felsen erschaffenen Monte Merlo, wo sich dazumal das Park-Café befand und heute ein Kindergarten untergebracht ist, mit den Bastoni-Gärten und denen des Palazzo Dugnani (aus dem 17. Jahrhundert).
Der Park verfügt über mehrere interessante Monumente, wie zum Beispiel das Naturhistorische Museum (1892) im Südosten des Parks. Es wurde anfangs des 20. Jahrhunderts in den Park integriert. Sie können hier also wunderbar nach einer Ausstellung spazieren gehen. Bis in die 80er Jahre beherbergten die Giardini Pubblici auch einen Zoo, von dem heute nur der Löwenkäfig beim Parkeingang an der Porta Venezia übrig geblieben ist. Eine weitere Besonderheit des Ortes ist das Planetarium, dessen Errichtung 1929 vom Schweizer Ulrico Hoepli finanziert wurde. Und wenn wir schon von der Schweiz sprechen: Sie können den Park direkt vom Swiss Corner aus erreichen. Dort befindet sich auch die Statue in Erinnerung an Indro Montanelli, die im Schatten einer hundertjährigen Eiche liegt. Nicht weit entfernt liegen die Gärten der Villa Reale, die über eine grosse Rasenfläche und einen laghetto mit Schwänen und Enten verfügen.
Hier fühlen sich sportliche Seelen und Kinder ganz in ihrem Element. Sogar Velo fahren kann man hier! Und falls sie dabei Durst bekommen, gehen Sie einfach zum Kiosk an der Ecke bei der Via Palestro, der von morgens bis abends geöffnet ist.
Wann? Im Januar und Februar von 6.30 bis 20.00 Uhr, im März und April von 6.30 bis 21.00 Uhr, im Mai von 6.30 bis 22.00 Uhr, von Juni bis September von 6.30 bis 23.00 Uhr, im Oktober von 6.30 bis 21.00 Uhr und im November und Dezember von 6.30 bis 20.00 Uhr.
Wo? Bastioni di Porta Venezia, Via Manin, Via Palestro, Corso Venezia
Wie kommt man dorthin? Tram (Linie 1-9); Bus (Linie 61 oder 94); Metro (Linie M1 Haltestelle Palestro-Porta Venezia oder M3, Haltestelle Repubblica-Turati).
Parco delle Basiliche – eine Einladung zur Meditation
Im Vergleich zu den anderen beiden Parks nimmt sich der Parco delle Basiliche bescheidener aus. Dafür ist er umso ruhiger und friedlicher und hat gar etwas Mystisches an sich. Was nicht überraschend ist, da sich der Park wie ein grüner Korridor zwischen den zwei Basiliken von San Lorenzo und Sant’Eustorgio erstreckt. Der Ort, der auch als Papst Johannes Paul II-Park bekannt ist, bietet jedenfalls die nötige Stille für einen Moment der Ruhe und des Innehaltens.
Ausserdem ist er für die grosse Vielfalt seiner Bäume bekannt: Ulmen, Ahorne, Weissbuchen, Rotbuchen und Platanen. Die Kleinen schätzen den Spielplatz und die Jungen den Volleyball-Platz.
Wie kommt man dorthin? Tram (Linie 3-5) oder Bus (Linie 94).
Die Altstadt bietet weitere kleine Parks, die eifersüchtig gehütet werden bzw. ganz im Verborgenen liegen. Gehen Sie zum Beispiel auf Erkundungstour in die Gärten der Rotonda della Besana, die als einer der aussergewöhnlichsten Orte von Mailand gelten. Der botanische Garten von Berera ist ebenfalls einen Besuch wert. Worauf warten Sie noch? Es ist Zeit, den Bildschirm zu verlassen und die grünen Perlen Mailands zu erkunden! Hinaus an die frische Luft …
Sophie, 6.September 2015