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Ein Blick in die wissenschaftliche Presse
Neben Wasser ist Tee weltweit das am häufigsten genossene Getränk. In Asien werden dem Tee – insbesondere dem Grünen Tee – nicht nur belebende, sondern auch in hohem Grade gesundheitsfördernde Eigen-schaften zugesprochen. Daher ist in den letzten Jahren das wissen-schaftliche Interesse am Grünen Tee – und dem darin enthaltenen Epigallocatechingallat – gestiegen.
Epigallocatechingallat EGCG
Unter den Grüntee-Polyphenolen, welche aus sechs verschiedenen Arten von Catechin und seinen Abkömmlingen bestehen, überwiegt das EGCG – Epigallocatechingallat. Es gilt daher als Hauptwirkstoff des Grünen Tees. Eine einzige Tasse Grüner Tee enthält bis zu 400 mg polyphenolische Antioxidantien, wovon circa 200 mg Epigallocatechingallat sind.
Die Catechine machen in Grüntee etwa 17 bis 30 Prozent des Trockengewichtes aus. Bei schwarzem Tee sind es nur zehn Prozent, da während der Oxidation – Fermentierung – aus einem großen Teil der Catechine höhermolekulare Stoffe wie Theaflavine, Theaflavinsäuren, Theaflagalline und Thearubigine entstehen.
Hinweise auf die Funktionen des Epigallocatechingallats geben die nachfolgenden Studienergebnisse.
Wissenschaftliche Studien
Antibakterielle Eigenschaften
In einer randomisierten klinischen Studie inhalierten 36 Patienten, die im Respirationstrakt MRSA – Methicillin resistenten Staphylokokkus aureus – aufwiesen, sieben Tage lang dreimal täglich nasal mit einem Nebulator eine Lösung von Tee-Catechinen (3,7 g/L, 43 % Epigallocatechingallat) in einer Salz -Lösung. Verglichen mit der Kontrollgruppe von 33 Personen, die nur eine Salz-Lösung inhalierten, war die Reduktionsrate der Erreger bei der Catechin-Gruppe mit 47 % signifikant höher als bei der Kontrollgruppe mit 15 %. Es wurden keinerlei Nebenwirkungen bei der Therapie beobachtet. Catechin-Inhalationen zeigen der Studie zufolge einen wachstumshemmenden Effekt auf MRSA.
Schutz vor Prostata-Karzinom
Ebenfalls in einer randomisierten klinischen Studie bekamen 60 Patienten mit hochgradiger intraepithelialer Neoplasie der Prostata – HG-PIN, Vorstufe des Prostatakarzinoms – entweder drei Mal täglich eine Kapsel mit 200 mg an Grüntee-Catechinen (insgesamt 600 mg pro Tag, bestehend aus 52 % Epigallocatechingallat) oder ein Placebo.
Nach einem Jahr wurde bei den 30 mit Grüntee-Catechinen behandelten Männern nur ein Prostatakarzinom festgestellt, während neun Tumoren bei den Placebo-behandelten Männern auftraten.
Schutz vor Brustkrebs
Zahlreiche experimentelle Studien an Zellkulturen und Tierversuche zeigten, dass Epigallocatechingallat das Wachstum von Brustkrebszellen hemmen kann. Einer Meta-Analyse zufolge kann das Trinken von fünf oder mehr Tassen von Grünem Tee pro Tag das Risiko vermindern, an Brustkrebs zu erkranken. Es wird allerdings betont, dass bisher nur wenige Studien zu diesem Thema durchgeführt worden seien.
Neue Ansätze bei Multipler Sklerose und Morbus Alzheimer
Wissenschaftler um Professor Frauke Zipp vom Institut für Neuroimmunologie der Charité in Berlin fanden heraus, dass Epigallocatechingallat bei autoimmuner Enzephalomyelitis, sowohl ein fehlgeleitetes Immunsystem drosseln, als auch die Nervenzellen vor schädlichen Einflüssen des Immunsystems schützen kann. Sie überprüften die Wirksamkeit der Substanz im Tierversuch und an Zellkulturen.
Doug Shytle, Jun Tan und Mitarbeitern gelang an Versuchstieren der Nachweis, dass Epigallocatechingallat im Stande ist, die Produktion der Beta-Amyloid-Peptide einzudämmen, die als hauptverantwortlich für die Entstehung der für Alzheimer typischen Symptomatik gelten. Diese Peptide führen zur Ausbildung von Plaques – Ablagerungen – im Gehirn. Die Wissenschafter hatten Mäusen, die an einer vergleichbaren Erkrankung litten, über mehrere Monate täglich reines Epigallocatechingallat injiziert – und in diesem Zeitraum einen Rückgang der Plaques um 54 Prozent festgestellt.
Aus randomisierten klinischen Studien geht hervor, dass Epigallocatechingallat zudem folgende Wirkungen hat:
- Schützender Effekt auf HPV (Humanes Papilloma Virus) Infektionen des Gebärmutterhalses Reduzierung von DNA-Schäden, Stimulation der Immunfunktion, Aktivierung von Natürlichen Killerzellen und Lymphozyten.
- Aus diesen Studienergebnissen geht hervor, dass es sich beim Epigallocatechingallat um eine der vielversprechendsten gesundheitsfördernden Substanzen handelt.
(aus Vitalstoff-Lexikon:http://www.vitalstoff-lexikon.de/)
Krebsprävention durch Grüntee –was ist erwiesen?
SchweizerZeitschrift für Ernährungsmedizin 2005(2); 3: 4–9.
Grüner oder schwarzer Tee, der durch unterschiedliche Behandlung der Blätter der Pflanze Camellia sinensis entsteht, ist seit Jahren Gegenstand zahlreicher Untersuchungen, die sich mit der Prävention chronisch-degenerativer Erkrankungen beschäftigen. Teepolyphenole, insbesondere das (-)-Epigallocatechingallat (EGCG), sind für die meisten Wirkungen des Tees verantwortlich, von denen die Vorbeugung von Tumor- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigste ist. In zahlreichen experimentellen Modellen ist die krebshemmende Wirkung von Tee in vielen Organen belegt Beim Menschen wird eine Schutzwirkung gegen Tumoren der Lunge, des Magen-Darm-Trakts und der Leber als wahrscheinlich angesehen. (Abstract)
Ausblick
Bei der Zusammenfassung der in der Literatur beschriebenen Resultate über die Wirkungen von grünem Tee wurden Effekte beschrieben, die als Erklärung für die in vitro und im Tierversuch nachgewiesenen, beim Menschen möglichen krebshemmenden Wirkungen herangezogen wurden. Sie legen den Schluss nahe, dass die Teepolyphenole wirksame Mittel zur Chemoprävention darstellen; das bedeutet jedoch nicht, dass es sich bei grünemTee um ein Allheilmittel handelt. Es ist aber festzuhalten, dass Tee, insbesondere grüner Tee, nachweislich vielfältige pharmakologisch wirksame, krankheitsvorbeugende Inhaltsstoffe enthält, denen bei der Prävention von Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine besondere Rolle zukommt.
Wenn gleichzeitig auf eine gesunde Lebensweise geachtet wird, ist, basierend auf den bisher publizierten experimentellen Daten und epidemiologischen Studien, bei dem allgemein empfohlenen Konsum von sieben Tassen grünem Tee pro Tag, also etwa einem Liter, mit einer Verminderung beziehungsweise einer zeitlichen Verzögerung von chronisch degenerativen Erkrankungen zu rechnen. Damit könnte möglicherweise ein wichtiger Beitrag zur Bekämpfung solcher Erkrankungen im Rahmen der sekundären Prävention geleistet und auf lange Sicht auch eine dringend erforderliche Kostensenkung im Gesundheitswesen erreicht werden.