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Wissenschaftliche Studien belegen seit Jahren, dass sich ein reduzierter Fleischkonsum positiv auf unser Klima und unsere Gesundheit auswirken würde. Trotzdem steigt der Pro-Kopf-Konsum von Fleisch Jahr für Jahr. Ginge das auch anders?
Die Umweltauswirkungen unserer Ernährung
Nach Angaben der Vereinten Nationen ist die Fleischindustrie für rund 15 Prozent der globalen Emissionen an Treibhausgasen verantwortlich. Das ist mehr, als der globale Verkehr verursacht. Eine Kuh stösst pro Tag zwischen 300 und 500 Liter Methangas aus. Methan ist rund 25-mal schädlicher fürs Klima als Kohlendioxid. Zusätzlich verursacht die intensive Nutztierhaltung einen massiven Wasser- und Flächenverbrauch, belastet Böden und Gewässer und toleriert die Umstände in der Massentierhaltung.
Gleichzeitig erlangt eine wachsende Weltbevölkerung einen immer grösseren Wohlstand, der in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern die Art und Weise verändert, wie sich Menschen ernähren. Der jährliche Pro-Kopf-Konsum von Fleisch hat global in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen, von 33,5 Kg (1990) auf 42,9 Kg (2018). In Industrieländern wie z.B. der Schweiz geht der Fleischkonsum zurück, von 64,4 Kg (1980) auf 47,8 Kg (2019). Trotz des Trends zu vegetarischer oder rein pflanzenbasierter Ernährung in gewissen Kreisen bestätigt der Fleischatlas 2021, dass die Produktion und der Konsum von Fleisch in den nächsten Jahren insgesamt weiterhin steigen wird.
Angenommen, die Umstände müssen nicht so bleiben, wie sie sind
Das Forscherteam um Marco Springmann von der Universität Oxford hat berechnet, dass die ernährungsbedingten CO2-Emissionen um drei Viertel zurückgehen würden, wenn sich alle Menschen rein pflanzlich ernährten. Zusätzlich hätte eine weltweite vegetarische Ernährung etwa sieben Millionen weniger Todesfälle pro Jahr zur Folge. Eine neue WWF-Studie belegt, dass es dem Klima bereits helfen würde, wenn Konsument:innen ihren Fleischkonsum um die Hälfte reduzierten.
Würde Fleisch von der Menükarte gestrichen, wären die Umwelt und das Klima die grossen Gewinnerinnen. Doch was würde sich sonst noch zum Positiven verändern? Laut AsapScience würden rund 33 Mio. Km² Weideland frei – die Fläche zur Produktion von Tierfutter ausgenommen. Das entspricht ungefähr der Grösse von Afrika. Ein Grossteil der freigewordenen Landflächen könnte für den Anbau von Gemüse und Obst verwendet werden. Die weltweite Nachfrage nach Soja würde massiv zurückgehen, die aktuell dazu führt, dass in vielen Regionen Brasiliens Teile des Regenwaldes abgeholzt werden.
Die Artenvielfalt würde zunehmen. Pflanzen und Tiere hätten wieder mehr Platz und würden nicht durch die Viehzucht verdrängt. Ein weiterer positiver Effekt wäre, dass weniger Tiere unter teilweise problematischen Bedingungen gezüchtet und gehalten werden. Es würden weniger Tiere geschlachtet und damit das Tierleid zumindest verringert.
Veränderungen sind nie einfach
Der komplette Verzicht auf Fleisch wäre ein zweischneidiges Schwert. Während der globale Norden von Umwelt- und Gesundheitsfolgen profitiert, würde es im Süden die Armut weiter verschlimmern. Die Viehwirtschaft trägt zwar weniger als 1,5 Prozent zum globalen Bruttosozialprodukt bei, trotzdem ist sie für Entwicklungsländer zentral, zur Ernährungssicherung und als Einkommensquelle.
Eine globale vegetarische Ernährung bleibt vorerst eine Utopie. Dass der fleischlose Konsum die richtige Entscheidung für den Klimaschutz und die Gesundheit ist, steht ausser Frage. Ob die Menschen langfristig ihre Ernährung umstellen und auf Fleisch verzichten, ist schwer einzuschätzen und oft sozial sowie kulturell geprägt. Dies kann sich ändern, wenn der Trend zur pflanzlichen Ernährung in einigen wenigen Ländern plötzlich auf andere Länder abfärbt. Ein stärkeres Bewusstsein der weltweiten Auswirkungen der eigenen Ernährung sind ein wichtiger Anfang. Also wieso nicht ein Experiment wagen, und ab und zu auf Fleisch verzichten?