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Der populäre Wissenschaftler Neil deGrasse Tyson hält es für wahrscheinlich, dass wir in einer Computersimulation leben. Ist das nur ein Hirngespinst, ein abstraktes Denkexperiment oder handelt es sich vielleicht wirklich um eine reale Möglichkeit?
An der Isaac Asimov Memorial Debate treffen sich jedes Jahr die führenden Wissenschaftler ihres Fachgebiets und diskutieren über ein zuvor gewähltes Thema. Dieses Jahr wird es sehr philosophisch und die Physiker, darunter der aus Film und Fernsehen bekannte Neil DeGrasse Tyson, sprechen über die Realität der Existenz. Unter dem Motto: «Ist das Universum eine Simulation?» zerbrechen sie sich die Köpfe und halten die Annahme sogar für wahrscheinlich!
Die Frage ist viel älter, als man sich vorstellen könnte. Der Philosoph René Descartes beschäftigte sich bereits im 17. Jahrhundert mit der Frage über die Existenz. Mit den berühmten Worten: «Ich denke, also bin ich» erbrachte er den Beweis für sein eigenes Bewusstsein und leitete das Zeitalter der modernen Philosophie ein. Descartes war in seinem Denken weit voraus und hatte ein vor-digitales Verständnis von einer Simulation. Er schloss beispielsweise die Möglichkeit nicht aus, dass er selbst nur ein Gehirn in einem Fass sein könnte, das mit falschen Erfahrungen genährt wird.
Den heutigen Wissenschaftlern ist dieses 400 Jahre alte Diktum nicht mehr aussagekräftig genug. Vor allem die Tatsache, dass sich Descartes in seiner Theorie wiederholt an Gott wendet, ist den modernen Denkern ein Dorn im Auge. Descartes konnte grundsätzliche metaphysische Probleme nicht klären und fügte in diese Lücken Gott ein; ein Ultimatum, mit dem so gut wie alles geklärt werden konnte. Zwar ohne Gott, aber mit einem ähnlich günstigen (und billigen) Argument versuchen die Theoretiker den logischen Beweis zu erbringen, dass das Universum eine Simulation sei. Anstelle von Gott wird die Unendlichkeit der Zeit als Faktor genommen, hier ihr Denkexperiment:
«Nehmen wir an, dass in der Zukunft eine Simulation des Universums möglich sein wird. Auf einer unendlichen Zeitlinie wird eine Spezies irgendwo das Universum simulieren. Sollte diese Simulation perfekt sein, dann müssen wir die Möglichkeit berücksichtigen, dass wir bereits in so einer Simulation leben. In einer wirklich unendlichen Zeitlinie müssen wir eine fast unendlich grosse Anzahl von Simulationen erwarten, die von einer fast unendlich grossen Anzahl Zivilisationen gemacht wurde. Tatsächlich könnte eine hochentwickelte Simulation sogar ihre eigenen Simulationen hervorbringen. In dieser Realität stehen die simulierten Universen, zum realen Universum im Verhältnis 'Unendlich zu 1' und die Annahme, wir würden im 'echten' Universum leben, wäre die höchste Arroganz.»
Aha, so nun also die Erklärung der Wissenschaftler. Für uns klingt das alles sehr nach dem Philosophen im Elfenbeinturm. Man sollte seinen Verstand stetig schärfen und einen offenen Geist bewahren, jedoch nicht so offen, dass das Gehirn gleich rausfliegt...
Wer sich die ganze Debatte anhören will, kann das hier tun: