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Geschichte Die älteste Sekundarschule des Kantons Bern Im Laufe des Jahres 1833 traten einige Männer aus den Kirchgemeinden Rohrbach, Ursenbach und Madiswil im Bären zu Kleindietwil zusammen, um zu beraten, wie fähige Kinder aus ihren Kirchgemeinden besonders gefördert werden könnten. Aus Madiswil waren dabei der Arzt Dr. Johannes Ammann und Gerichtsstatthalter Johann Huber die treibenden Kräfte. Der gewandte Führer der Gruppe war Pfarrer Jordan aus Ursenbach. Er verfasste die Statuten für den zu gründenden Trägerverein der neuen Schule und er schrieb am 8. Oktober 1833 an das Erziehungsdepartement: „Etwelche Familienväter aus den benachbarten Gemeinden Rohrbach, Madiswil und Ursenbach, von dem Wunsche durchdrungen ihren Kindern einen den Bedürfnissen der Zeit angemessenen und ausgedehnten Unterricht erteilen zu lassen, haben im Verlaufe des verflossenen Sommers den Unterzeichneten angegangen, ihnen zu diesem Zwecke behilflich zu sein."
Pfarrer Jordan berichtet weiter vom Zweck der Schule und was sie lehren soll: „Die Lehrgegenstände: Deutsche und französische Sprachlehre; Schönschreiben und Zeichnen; Rechnen bis zu den höheren Aufgaben und die Anfangsgründe der Geometrie; Vaterländische Geschichte und etwas allgemeine Geschichte; Geographie und Naturlehre; Gesangsübung und biblische Geschichte." Auch über Ort und Dauer des Unterrichts wurde berichtet: Es ist „des Müllers Weidmers Haus zu Kleindietwil, als dem ungefähren Mittelpunkt" und der Unterricht dauert im Winter fünf und im Sommer sechs Stunden täglich. Als erster Lehrer konnte Johann Jakob Ambühl gewonnen werden, bisheriger Lehrer an der Realschule zu Lichtensteig. „Die liebreiche Behandlung der Jugend, seine musterhafte Lehrmethode, seine Leutseligkeit und Bescheidenheit, lassen die Teilnehmer des Vereins die Hoffnung nähren, dass dieser junge Mann die Wahl rechtfertigen wird." Pfarrer Jordan bittet um die Bestätigung der Wahl dieses Lehrers und damit die Anerkennung der Schule vorerst als Privatschule. Die Bestätigung des Erziehungsdepartements kam bereits fünf Tage später: „Diese Bestätigung auf Grund des Gesetzes von 1832 kann als die erste staatliche Anerkennung einer Sekundarschule in unserem Kanton betrachtet werden." - schreibt der Madiswiler und spätere Kleindietwiler Sekundarlehrer, Paul Raeber, in seiner Schulgeschichte von 1933.
So unterrichtete in einer Stube des Bendihofes in Kleindietwil Johann Jakob Ambühl die ersten 30 Kinder in einer Klasse. Bald aber suchten immer mehr Kinder den Weg in die neue Schule. Bereits zwei Jahre später erfolgte die Zweiteilung. Nach sechs Jahren wurde die Existenz der neuen Schule in Frage gestellt.Das Sekundarschulgesetz von 1839 sah in einem Amtsbezirk nur eine Sekundarschule vor. Nun war im Amtsbezirk Aarwangen kurz nach der Gründung der Kleindietwiler Schule auch in Langenthal eine entsprechende Schule entstanden. Welche der beiden sollte das Lebensrecht behalten? Die Schulkommission, welche im Auftrag des Vereins die Aufsicht über die Schule versah, zitterte, als sie das Schreiben aus Bern öffnete. Erleichtert las sie, dass im Amtsbezirk Aarwangen ausnahmsweise zwei Schulen bewilligt werden. Die Schule gedieh. Zunächst als zweiklassige Schule. Vorerst noch nicht in einem eigenen Schulhaus, von 1842-1849 eingemietet im Haus Meyer, von 1849-1885 in der alten Käserei. Nachdem die liberale Verfassung von 1848 in Kraft getreten war, wurde 1856 auch die Schulgesetzgebung erneuert. Sie ermöglichte für die Region des Kleindietwiler Trägervereins zwei Einrichtungen, die erwähnenswert sind: Die eine betrifft die Handwerkerschule, die andere das Kadettenkorps.
Handwerkschule Handwerk und Gewerbe erlangten um die Mitte des 19. Jahrhunderts eine immer grössere Bedeutung. Viele junge Handwerker suchten nach Möglichkeiten, sich während der Berufslehre weiterzubilden, und die Kenntnisse, welche sie während der Schule erworben hatten, in den für sie wichtigen Berufsfächern zu vertiefen. Die Sekundarschulkommission beschloss 1859, die jungen Lehrlinge und jungen Meister aufzufordern, sich zum Besuch eines Kurses in Kleindietwil zu melden.Der damalige Lehrer, Sekundarlehrer Johann Jutzi, wurde zum Erteilen des Unterrichts verpflichtet. Noch 1906 wurde der gewerbliche Unterricht in Zusammenarbeit mit der Sekundarschule erneuert, bis er schliesslich durch die Gewerbeschule Langenthal vollständig abgedeckt wurde.
Kadettenkorps Nachdem die Liberalen die Macht im Staat Bern endlich errungen hatten, waren sie bestrebt, die erlangten Freiheiten zu behaupten und zu verteidigen. Aus diesem Bestreben erwuchs die Förderung des Turnunterrichts und des Kadettenwesens als militärische Vorübung. „Wenn wir uns auch heute aus ethischem Empfinden heraus gegen die militärische Erziehung der Jugend mit Kriegswaffen in der Hand im allgemeinen ablehnend verhalten, so dürfen wir es den Männern vor achtzig Jahren nicht verargen, wenn sie im begeisterten Bestreben, dem Vaterland zu dienen, die Kadettenausbildung in jener alten Form hochhielten." Was Paul RAEBER vor 50 Jahren schrieb, gilt heute noch. Es war eine echte patriotische Überzeugung, die Johann Jutzi leitete, als er 1857 das erste Kleindietwiler Kadettenkorps gründete. Seiner Führung vertrauten sich etwa 50 Knaben an. Die Kommission wollte die Teilnahme obligatorisch erklären - doch sie drang nicht durch. Die Kleindietwiler Kadetten kamen freiwillig zusammen und veranstalteten ihre militärischen Übungen im Hunzenwald. Bis 1877 wurde die Schule ausschliesslich vom Garantenverein getragen und finanziert. Die Gemeinden versagten eine Unterstützung. Erst als der Bau eines Schulhauses in Erwägung gezogen werden musste, dachte man an die Verpflichtung der einzelnen Gemeinden. Nach einer mühsamen Geldbeschaffungsaktion, konnte 1883, zum 50jährigen Bestehen der Sekundarschule, das erste Schulhaus eingeweiht werden. Für den inneren Ausbau der Schule, für das Klima in der Schulstube, sorgte in diesen Jahren ein Madiswiler: Gottfried Wälchli. „Mit hoher Begabung, vereint mit reicher Erfahrung und liebenswürdig-strengem und unparteiischem Wesen hat er während 10 1/2 Jahren unsere Sekundarschule und ihren Schülern wertvolle Dienste erwiesen. Im Herbst 1899 wurde er ans Seminar Hofwil gewählt und später trat er als Versicherungsmathematiker in die technische Abteilung des eidgenösischen Versicherungsamtes ein, der er heute (1933) noch in voller geistiger und körperlicher Frische als beliebter Chef vorsteht." Er erlebte in Kleindietwil 1901 auch die Dreiteilung der Schule. Einige Jahre später ging die Trägerschaft der Schule vom Verein an die Gemeinden über. Als erstes Werk realisierte der 1907 entstandene Gemeindeverband anlässlich der 75-Jahrfeier eine erste Turnhalle. Mit der Einrichtung der erweiterten Oberschule in Madiswil, im Jahre 1910, ergab sich für die Sekundarschule ein beträchtlicher Rückgang der Schüler aus Madiswil. Während im Schuljahr 1909/10 aus Madiswil 30 Kinder nach Kleindietwil fuhren, waren es vier Jahre später bloss noch 19. Auf die 100-Jahrfeier hin (1933) konnte die Schule nochmals um eine Klasse erweitert werden. Sie fand im Schulhaus Platz, dank einer umfassenden Renovation in den Jahren 1931/32.
In den letzten 50 Jahren hat sich die Schule kontinuierlich weiterentwickelt. Allerdings nicht losgelöst von Spannungen. Sie standen vor allem im Zusammenhang mit der Schulorganisation in Madiswil. Bereits als hier die ersten Diskussionen um ein zentrales Schulhaus in der Gemeinde stattfanden, wurde in der Madiswiler Schulkommission immer wieder die Errichtung einer eigenen Sekundarschule für die Gemeinde diskutiert. Vor allem auch als 1968 ein neues Verbandsreglement erarbeitet wurde. Es belastete die grösseren Gemeinden im Verband finanziell mehr als bisher. Als es 1975 an die Planung eines neuen Sekundarschulhauses in Kleindietwil ging, spitzten sich die Verhandlungen mit dem Sekundarschulgemeindeverband zu. Bereits bei der Wahl eines Standortes für den Schulhausbau taten sich die Madiswiler Behörden schwer - erst recht als es um die Bewilligung des Kredites für den Landkauf am Hunzen ging. Während an der denkwürdigen Gemeindeversammlung vom 12. Mai 1972 dem Landkauf mit 82 zu 76 Stimmen zugestimmt wurde, fand der Kredit für die Detailplanung nur dank einer einzigen Stimme die Zustimmung der grössten Verbandsgemeinde. Die Realisierung der heutigen, 10-klassigen Schule am Hunzen, hing tatsächlich an einem Faden! Im Laufe der Realisierung des neuen Werkes in Kleindietwil festigte sich der Faden; bei der Einweihung des neuen Schulhauses 1977 halfen die Madiswiler Behörden und Vereine tatkräftig mit. Der Faden wurde zum Seil. In den letzten 20 Jahren trug Madiswil die Sekundarschule nun auch innerlich mit. Das zeigt sich gerade auch in der Gegenwart im Zusammenhang mit der Erarbeitung einer neuen Schulstruktur im Kanton Bern. Der mögliche Ruf nach einer eigenen Sekundarschule in Madiswil blieb in den Vorberatungen aus. Ein kooperativer Geist weht im Verband. Er hilft mit, dass sich der Übergang in die neue Schulorganisation zum Wohle der Kinder gestaltet.