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Die SGG wurde 1810 in Zürich vom Freundeskreis des Zürcher Stadtarztes Hans Caspar Hirzel (1751-1817) ins Leben gerufen, der namens der Zürcher Hülfsgesellschaft zur Gründung eingeladen hatte. Sie verstand sich als Erbin der Helvetischen Gesellschaft und verfolgte aufklärer.-patriot. Ziele, wobei sie die Gemeinwohlorientierung ins Zentrum stellte und sich in den ersten Jahrzehnten besonders auf die Armutsbekämpfung sowie die Förderung von Bildung, Erziehung und wirtschaftl. Fortschritt konzentrierte. Dabei profilierte sich die SGG, deren liberal gesinnte Angehörigen sowohl ref. wie kath. Herkunft waren, als reformorientiertes Diskussionsforum der polit., wirtschaftl. und geistl.-seelsorger. Eliten und wirkte dadurch national integrierend und staatstragend.
Ab 1823 diskutierte die SGG an ihren Jahresversammlungen auf Basis empir. Vorarbeiten ihrer Mitglieder über konkrete Fragestellungen. Referate und Diskussionsvoten wurden in den "Verhandlungen der SGG" bzw. ab 1862 in der "Schweiz. Zeitschrift für Gemeinnützigkeit" publiziert und stellen ein wichtiges Archiv der sozialpolit. Diskussion dar. Anfänglich überliess die SGG die prakt. Umsetzung ihrer Reflexionen lokalen Akteuren, nach 1830 gewann die eigene prakt. Tätigkeit an Gewicht. Erstmals trat die SGG 1834 mit der Koordination der Geldsammlung für die Geschädigten der grossen Überschwemmungen im Alpenraum öffentlich hervor. Mit dem Ankauf der Rütliwiese (Rütli) 1859 und deren Schenkung an die Eidgenossenschaft schrieb sie sich nachhaltig ins öffentl. Bewusstsein ein. Im 19. Jh. war sie hauptsächlich in den von ihr gegr. und betriebenen Erziehungs- und Besserungsanstalten (Hilfs- und Sonderschulen) aktiv. Ausserdem richtete sie ihr Augenmerk u.a. auf die Bekämpfung des Alkoholkonsums und des Glückspiels um Geld, auf die Popularisierung von Gesundheits- und Ernährungswissen und die Förderung der Berufsbildung. 1901 initiierte die SGG den Fonds für Hilfe bei nicht versicherbaren Elementarschäden.
Um 1900 wurde die SGG zunehmend Destinatärin von Schenkungen und Legaten. Im Lauf des 20. Jh. stieg das verwaltete Vermögen von 180'000 Fr. (1910) auf 5,7 Mio. Fr. (1980) bzw. 63 Mio. Fr. (2009). Die Vergabe von Subventionen und Einzelfallhilfe wurde im 20. Jh. zu einem Schwerpunkt. Parallel verlor die SGG als Diskussionsforum an Gewicht. Gründe waren die komplexen Wechselwirkung zwischen dem Ausbau sozialstaatl. Strukturen und dem zunehmend wertkonservativ, wirtschaftsliberal und sozialstaatskritisch geprägten Selbstbild der SGG sowie die verpasste Integration der sozialistisch orientierten Reformkräfte. Als traditionsreiche sozialpolit. Gesellschaft rief die SGG im 20. Jh. private Wohlfahrtswerke ins Leben, so 1912 die Pro Juventute, 1917 die Pro Senectute, 1918 die Stiftung zur Förderung von Gemeindestuben und Gemeindehäusern und 1978 die Pro Mente Sana. Mit der Gründung und Unterstützung von Konferenzen sowie der Einrichtung eines professionellen Sekretariats 1930 leistete sie einen Beitrag zur Verständigung in der Familienpolitik (1931 Schweiz. Familienschutzkommission), zur Koordination der privaten Wohlfahrtswerke und zur Professionalisierung der Sozialen Arbeit. So konstituierte sie 1932 die Schweiz. Landeskonferenz für soziale Arbeit, welche 1942 die Schweizer Berghilfe gründete. Weiter gab sie 1934 den Anstoss zur Gründung der Zentralauskunftsstelle für Wohlfahrtsunternehmungen (Zewo). Nach 1990 setzte eine Neuorientierung ein, die zur verstärkten Förderung von Freiwilligkeit und sozialer Verantwortung führte.
Organisatorisch wandelte sich die SGG nach 1850 zu einem zentral geführten Verein. Die Mitgliederzahl erreichte 1860 rund 1'000, stagnierte auf diesem Niveau bis um 1890, stieg infolge von Werbeaktionen nach 1920 vorübergehend auf 10'000 an und sank in der Folge kontinuierlich (2010 rund 2'200). Im 19. Jh. waren v.a. Pfarrer, Exekutivpolitiker, Unternehmer und hoch qualifiziertes Bildungspersonal in der SGG vertreten, wobei die Attraktivität für polit. Amtsträger nach 1870 nachliess, dagegen für Unternehmer und Gewerbetreibende stieg. In den 1880er Jahren traten der SGG erstmals vereinzelt Frauen bei, deren Zahl jedoch auch Ende des 20. Jh. noch verhältnismässig klein war. Die Verankerung der SGG in der Westschweiz und im Tessin blieb insgesamt gering.
Archive
– Archiv SGG, Zürich (ab 1960)
– Sozarch (bis 1960)
Literatur
– W. Rickenbach, Gesch. der Schweiz. Gemeinnützigen Gesellschaft, 1810-1960, 1960
– B. Schumacher, Freiwillig verpflichtet, 2010
Autorin/Autor: Beatrice Schumacher