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Die Rigi erhob sich auf der gegenüberliegenden Seite in bewegungsloser Selbstgefälligkeit wegen oder über ihrer Beliebtheit.
Miss Jemimas Tagebuch: Dienstag, 7. Juli 1863 (Fortsetzung)
Schon bald machte der See eine Biegung und wir sahen die Türme von Luzern. Die Rigi erhob sich auf der gegenüberliegenden Seite in bewegungsloser Selbstgefälligkeit wegen oder über ihrer Beliebtheit.
Ganz oben sah man ein winziges Häuschen, es wirkte nicht einmal gross genug für einen Zaunkönig, es konnte aber zwanzig oder dreissig Gruppen wie unsere aufnehmen. Irgendwie mussten wir auf diesen Gipfel kommen, koste es, was es wolle.
In Luzern hatten wir nur vier Stunden Zeit. In dieser Zeitspanne musste ein anständiges Dinner auf anständige Weise verzehrt werden, wir mussten die Hofkirche abhaken, die Malereien in den Giebeln der gedeckten Brücken besichtigen, die mittelalterliche Stadtmauer mit ihren vier Türmen inspizieren – und natürlich durften wir das Löwendenkmal von Thorvaldsen nicht vergessen.
Die Vergolder sind die fähigsten Handwerker von Luzern.
Daher liessen wir es auf einen Sonnenstich ankommen und eilten unter der sengenden Sonne zur Hofkirche.
Hier gelangten wir zur Überzeugung, dass die Vergolder die fähigsten Handwerker von Luzern waren und dass sich ausserdem hier auch Blattgold beschaffen liess. Die drei Altarstücke waren äusserst brillant.
Auf dem Friedhof fanden wir einige merkwürdige alte Gedenksteine mit Halbreliefs, während in der Kirche die Glocke zum Mittagsgebet rief.
So eilten wir davon und erreichten auf Abkürzungswegen das Denkmal für die Schweizergarden, die bei der Verteidigung von Marie Antoinette während der Französischen Revolution gefallen waren – denn dieses Denkmal mussten wir einfach sehen, auch wenn wir dafür riskierten, im Hotel keine Suppe mehr zu erhalten und den bösen Blicken des Oberkellners ausgesetzt zu sein.
Nach mehreren Umwegen auf der Suche nach dem Denkmal standen wir dank der Hilfe eines Jungen endlich vor dem verwundeten Löwen.
Die Sandsteinplastik ist zwölf Meter lang und 5,5 Meter hoch. Sie ist ein äusserst beeindruckendes Gefallenendenkmal. Zweifelsohne lassen sich Treue und Resignation sowie heroisches Leid nicht schöner wiedergeben als hier. Der kolossale Löwe ist verwundet und liegt im Sterben; mit seiner Pranke umfasst er sozusagen instinktiv die Bourbonenlilie.
Der Führer in seiner roten Uniform behauptet, er gehöre zu den Überlebenden des Angriffs.
Als wir beim Hôtel Rigi ankamen, merkten wir, dass wir noch zehn Minuten Zeit hatten – wir verbrachten sie mit dem Weg zu den Brücken und hatten kaum die Strassenecke umrundet, als Mathilde daherkam, unsere Mitreisende in Montenvers und Reisebegleiterin in Grindelwald. Die Zeit reichte allerdings nur für eine flüchtige Begrüssung und einen ebensolchen Abschied.
Man dachte, einen Teller zu sehen, aber in Wirklichkeit ruhte der Blick auf dem baren Tischtuch.
Die Kellner im Hôtel Rigi hatten eindeutig ihren effizienten Tag: Wenn wir nur eine Sekunde mit Essen aufhörten, und sei es, um ein Stück Brot zu nehmen, verschwanden unsere Teller wie von Zauberhand – man dachte, einen Teller zu sehen, aber in Wirklichkeit ruhte der Blick auf dem baren Tischtuch.