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Junge Japanerinnen am Scheideweg
Banana Yoshimoto: “Mein Körper weiss alles” (Erzählungen)
Wer Banana Yoshimoto erst 2010 entdeckt, ist als Rezensent für ihre Erzählungen eigentlich gänzlich ungeeignet. Die frühen und meistgelobten Werke der japanischen Autorin haben mittlerweile 20 Jahre und mehr auf dem Buckel, und wer diese nicht kennt, dürfte Mühe haben zu verstehen, warum die Autorin zu den erfolgreichsten Japans gehört.
Von Lukas Hunziker.
1986 beendete Banana Yoshimoto ihre erste Erzählung “Moonlight Shadow”, die Abschlussarbeit ihres Literaturstudiums, zwei Jahre später erschien ihr Roman “Kitchen”, der in Japan enorm erfolgreich war und es auf über 60 Auflagen brachte. Banana Yoshimoto (mit richtigem Namen Mahoko Yoshimoto) wurde als die neue literarische Stimme junger Japaner gefeiert, welche den Normen der japanischen Gesellschaft durchaus kritisch gegenüber standen. “Kitchen” wurde zweimal verfilmt, 1989 und 1990 erschienen mit “Tsugumi” und “N.P.” bereits zwei weitere Romane von Yoshimoto.
Neuanfänge nach kleineren Krisen
Der Erzählband “Mein Körper weiss alles” (“Karada Wa Zenbu Shitteiru”) erschien in Japan schon 2000, zehn Jahre vor der deutschen Übersetzung. Die dreizehn Ich-Erzählungen sind aus der Perspektive vorwiegend junger Japanerinnen geschrieben, deren Leben von kleineren oder grösseren Ereignissen aus der Bahn geworfen wird, welche aber in den meisten Fällen einen willkommenen Neuanfang ermöglichen. In der ersten Erzählung “Der grüne Daumen”, zum Beispiel, entscheidet sich die Erzählerin nach dem Tod ihrer Grossmutter, mit welcher sie eine Liebe zu Pflanzen teilte, ihren Beruf zu wechseln und einen Blumenladen zu eröffnen. In “Die Wahrheit des Herzens” andererseits bedauert die Erzählerin das Ende ihrer Affäre mit einem verheirateten Mann, bis sie im Traum einen neuen Mann erblickt und sich fortan auf eine neue Liebe freut.
Mangel an Komplexität
Yoshimotos Erzählungen in “Mein Körper weiss alles” sind persönliche Geschichten, in denen Familie, Beziehungen und alltägliche Krisen im Zentrum stehen. In einem oft melancholischen oder nostalgischen Ton erzählt, zeichnen sie einfach und direkt die Gefühlswelten ihrer Protagonistinnen. Diesen fehlt es allerdings oft an Komplexität und oft hat man das Gefühl, die Konflikte dieser Frauen seien ebenso einfach und unspektakulär wie die Sprache Yoshimotos. Der Vorwurf der Oberflächlichkeit, der Yoshimoto von vielen Kritikern gemacht wird, ist leider nicht ganz unbegründet; die Figuren der Autorin bleiben in den meisten Fällen relativ profillos. Vielleicht wäre es an der Zeit, eine andere japanische Autorin auf Deutsch zu übersetzen. Denn wenn man “Mein Körper weiss alles” gelesen hat, fällt es einem schwer zu glauben, dass dies das beste ist, was Japan an Autorinnen zu bieten hat.
Titel: “Mein Körper weiss alles”
Autorin: Banana Yoshimoto
Übersetzung: Annelie Ortmanns und Thomas Eggenberg
Verlag: Diogenes
Seiten: 204
Richtpreis: CHF 33.90