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Mit einer Mehrperformance von 65.12% in den letzten 5 Jahren (31.3.2013-31.3.2018) scheinen heimische Nebenwerte erneut eine weit bekannte Börsenerfahrung zu bestätigen, den Small Cap-Effekt.
In unserer Publikation Navigator vom Dezember 2016 «Gibt es den Small Cap-Effekt?» folgerten wir, dass über längere Zeiträume ein Small Cap-Effekt nur bei Titeln am untersten Rand der Börsenkapitalisierung zu beobachten ist. Im internationalen Vergleich sind dies relativ illiquide Micro Caps. Deshalb könnte die Small Cap-Prämie in der Schweiz vielleicht doch eher eine «Illiquiditätsprämie» sein.
Heute beschäftigen wir uns mit der Frage: woher kommt die Mehrperformance der Nebenwerte genau?
Die folgende Tabelle zeigt die Performance-Zerlegung des Aktienindex SPI Extra ggü. dem SMI. Diese Analyse wird im Finance Jargon als Attributionsanalyse nach Brinson et al. (1985) bezeichnet. Die Vorgehensweise besteht darin, in alle Aktien des SPI Extra gemäss Indexgewichtung zu investieren und dieses Portfolio mit dem Swiss Market Index (SMI) als Benchmark zu vergleichen.
Der SPI Extra hat über die betrachtete Zeitperiode (31.3.2013-31.3.2018) eine Mehrperformance von 65.12% ggü. dem SMI erreicht. Von dieser Mehrperformance können 22.29% auf den Allokationseffekt zurückgeführt werden.
Von der stattlichen Mehrperformance des SPI Extra von 65.12% wird 22.29% durch den Allokationseffekt, d.h. die unterschiedliche Gewichtung der Sektoren in den beiden Indizes, erklärt. Anders formuliert: Hätten wir mit der Sektorgewichtung des SPI Extra in den SMI investiert, dann wäre die SMI Performance um 22.29% höher ausgefallen. Damit können wir einen Drittel der Mehrperformance des SPI Extra ggü. dem SMI mit der unterschiedlichen Sektorzusammensetzung begründen.
Die übrig bleibende Performancedifferenz von 42.82% wird durch die unterschiedliche Auswahl und Gewichtung der einzelnen Aktien erklärt. Dabei sind zwei Sektoren dominant: Unterschiede in den Sektoren Industrie und Gesundheit erklären weitere 24.33%-Punkte der relativen Performance Abweichung. Im Sektor der Industrieunternehmen sind im SMI nur ABB, SGS und Adecco vertreten, während der SPI Extra weitere 50 Industriewerte enthält. Diese erzielten im genannten Zeitraum eine Performance von 87.72%, im Vergleich zu 27.04% für die Performance der Industriewerte des SMI.
Mit einem durchschnittlichen Gewicht von 38.84% ist der Sektor Gesundheit im SMI gegenüber dem SPI Extra um 25.38% übergewichtet. Im SMI sind dies die defensiven Pharma Riesen Roche und Novartis; im SPI Extra dominiert die wachstumsstarke Medizinaltechnik.
Der letzte Teil der Performance Differenz kann auf den Sektor Technologie des SPI Extra zurückgeführt werden, welcher in den letzten 5 Jahren kumulativ 283.95% rentiert hat. Dieser Sektor ist im SMI nicht einmal vertreten.
Börsenweisheiten sind oft nur auf den ersten Blick plausible Narrative. Manchmal gibt es (zufällige) Übereinstimmungen, manchmal auch nicht. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung zeigt unsere letztlich recht einfache Analyse, dass nicht der sogenannte Small-Cap Effekt für die Performancedifferenz zwischen SPI Extra und SMI verantwortlich ist, sondern dass ein gewichtiger Teil der Performance Differenz durch die Unterschiede in der Sektorgewichtung und die Minderperformance des defensiven Sektors Gesundheit erklärt werden kann.