Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03309.jsonl.gz/3114

Mit 18 Jahren wird die Somalierin Waris Dirie (Liya Kebede) in einem Londoner Fastfood-Restaurant vom Starfotografen Terry Donaldson entdeckt. Innerhalb kürzester Zeit wird sie zu einem gefragten Topmodel in der internationalen Modewelt. Trotz Luxus und Erfolg bleibt die junge Frau bodenständig und erinnert sich stets an ihre afrikanischen Wurzeln.
Als Kind wuchs Dirie in einfachsten Verhältnissen in der afrikanischen Wüste auf. Im Alter von drei Jahren fiel sie der brutalen Tradition der Frauenbeschneidung zum Opfer, welche ihr Leben gravierend verändert hat. Mit 13 Jahren flüchtet sie vor einer Zwangsheirat nach Mogadischu, wo sie bei der Familie der Mutter Schutz findet. Diese verschafft ihr eine Anstellung in der somalischen Botschaft in London. Einige Jahre später droht ihr die Abschiebung in die Heimat. Dirie taucht unter, lebt auf der Strasse und lernt zufällig die Lebenskünstlerin Marilyn (Sally Hawkins) kennen. Mit ihrer Hilfe gelingt ihr der Start in ein neues Leben.
In einem Interview mit der Marie Claire schildert sie ihre schwere Kindheit und macht das Thema Beschneidung der Öffentlichkeit zugänglich.
Waris Dirie ist Supermodel und Bestseller-Autorin aus Somalia. Ihre Lebensgeschichte wurde von der deutschen Regisseurin Sherry Hormann auf Film gebannt und kam 2009 unter dem Namen Desert Flower in die Kinos. Der Film und vor allem das darin behandelte Thema der Beschneidung an Mädchen wurde durch die Medien getragen, und so durfte Desert Flower schöne Erfolge einfahren. Der Gewinn des Bayrischen Filmpreises 2009 und eine Nomination für den Deutschen Filmpreis sprechen eine deutliche Sprache.
Der Film hat einen sehr ernsten Hintergrund, von dem man allerdings lange Zeit weder etwas hört noch sieht. Da begleitet man einfach eine junge Frau in ihrem schwierigen Leben, zwischen Flucht und Verstecken muss sie ihr Leben einigermassen auf die Reihe kriegen, bevor dann das Glück doch noch zuschlägt. Sie wird nämlich von einem Fotografen entdeckt und startet eine Weltkarriere als Model. Doch damit nicht genug, denn nun kommen die heiklen Themen zur Sprache. Nur leider ist bis dahin der Zuschauer schon so eingelullt worden, dass ihn die wirklich interessanten und wichtigen Sachen auch nicht mehr gross interessieren.
Schauspielerisch macht Waris Dirie eine solide Figur, man merkt ihr aber an, dass sie genau für diesen Part zwar optimal ist, aber anderes wohl kaum in Frage kommt. Erinnerungen an die Darstellung von Eminem in 8 Mile werden unwillkürlich wach. Auch Timothy Spall, der "Peter Petticrew" aus Harry Potter and the Half-Blood Prince, spielt solide und zeigt, das er eigentlich mehr könnte, als bloss rumzuschwänzeln und Zauberern in den Allerwertesten zu kriechen.
Fazit: Desert Flower ist nicht der grosse Wurf, den man eigentlich hätte erwarten dürfen. Zuviel Drumrum, zuwenig Fleisch am Knochen, und so richtig interessant wird's erst nach etwa 90 Minuten. Bis dahin unterscheidet sich der Film nicht gross von anderen Dramen. Die Beschneidungsszene ist hingegen knallhart und trifft mitten ins Herz...
Die DVD zu Desert Flower ist qualitativ auf der Höhe des Geschehens. Ton und Bild sind hervorragend, klar und sehr sauber. Vor allem in den Szenen in Afrika macht sich die gute Qualität bezahlt. Die Extras finden dagegen als pures Werbematerial Verwendung. Das Making-of ist oberflächlich, die Bilder der Premieren in Venedig und Berlin sind nett, und die entfallenen Szenen reissen ebenfalls niemanden vom Hocker. Der Spot über die Beschneidung von Kindern und deren Bekämpfung ist hingegen nötig, denn das Problem besteht leider noch immer. Weltweit.
Ausserdem ist auf der DVD eine Hörfilmfassung auswählbar, die sich wunderbar für diejenigen eignet, deren Gehör nicht mehr so stark ist.