Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03099.jsonl.gz/1763

Pilze machen keine Photosynthese.
Jetzt schiessen im Wald wieder die Pilze aus dem Boden. Manche sind essbar, andere giftig für den Menschen. Aber Pilze haben noch viel interessantere Eigenschaften. Hast du beispielsweise gewusst, dass Pilze keine Pflanzen sind und dass sie das Internet der Bäume bilden?
In der biologischen Klassifikation bilden Pilze neben Tieren und Pflanzen ein eigenständiges Reich. Wie Tiere ernähren sie sich von organischen Nährstoffen ihrer Umgebung und nicht mittels Photosynthese, wie die Pflanzen.
Ihre Zellen besitzen jedoch wie Pflanzenzellen Vakuolen und Zellwände. Die Zellwand wiederum besteht aus Chitin, das sonst noch z.B. bei Krebsen und Spinnen vorkommt.
Was wir von den Pilzen sehen, sind die Fruchtkörper. Sie sind nur ein kleiner Teil des gesamten Organismus. Der grösste Teil sind hauchdünne Pilzfäden, die unter der Erde verborgen sind. Ein einziger Pilz kann sich über eine Fläche von mehreren hundert Quadratmetern ausbreiten und unzählige Pflanzen unterirdisch verbinden. Davon, dass unter einem Hektar Waldboden bis sechs Tonnen Pilzfäden wachsen, merken wir beim Waldspaziergang nichts.
Man nimmt an, dass etwa 80 bis 90 Prozent aller Pflanzen in ihrem Wachstum von diesen Pilzfäden gefördert werden. Die Pilze umschlingen die Pflanzenwurzeln mit ihren Hyphen und bilden damit einen sogenannten Myzelmantel, über den die Pflanzenwurzeln Nährstoffe aus dem Boden aufnehmen.
Diese Art der Symbiose zwischen Pilz und Pflanze wird als Mykorrhiza (Pilzwurzel) bezeichnet. Bei dieser Symbiose profitieren sowohl der Pilz als auch die Wirtspflanze.
Die Pflanze erhält über den Pilz mehr Nährstoffe, da sein feines Mycel den Boden enger durchwirkt, als ihre eigenen Wurzeln das könnten. Die Pflanzen bekommen Phosphor und Stickstoff geliefert, die die Pilze effektiv aus dem Boden holen. Zudem schützt der Pilz die empfindliche Wurzelspitze vor Schädlingen. Der Pilz erhält quasi als Gegenleistung Nahrung in Form von leicht verwertbarem Zucker, die die Pflanze durch Photosynthese erzeugt hat. Darauf sind die Pilze angewiesen. Ihnen fehlen die nötigen Enzyme, um komplexe Kohlenhydratspeichermoleküle abzubauen.
Die Myzel-Geflechte verbinden sich untereinander und damit die einzelnen Bäume des Waldes zu einem grossen Netzwerk. Über dieses Geflecht tauschen die Bäume mittels chemischer Botenstoffe Informationen aus.
Andere Pilze wirken als Zersetzer von totem organischen Material. Sie sorgen dafür, dass alles schnell kompostiert und wieder dem Boden zugeführt wird.
Vielleicht lösen Pilze einst auch unser Plastikproblem? Es gibt Bestrebungen Plastikverpackungen durch Materialien aus Mycel zu ersetzen. Auch ein lederähnliches Material und Baustoffe lassen sich aus Pilzfäden herstellen.
Im Regenwald Südamerikas wurde ein Pilz entdeckt, der Polyester und Polyurethane abbauten kann. Auch das lässt hoffen. Denn wie wir in Zukunft mit Kunststoffabfällen umgehen ist eine der grössten Herausforderungen unserer Zeit. Kunststoffe verrotten nur extrem langsam und Recycling ist oft nicht möglich.
Wir sind gespannt, mit welchen Überaschungen Pilze in Zukunft sonst noch aufwarten!
Wenn du dich für die regionale Tier- und Pflanzenwelt (und natürlich auch für Pilze) interessierts, dann komm an unsere Vorträge und Exkursionen. Damit du sie nicht verpasst, abonnierst du am besten unter diesem Beitrag den Newsletter.