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Ultramarin,
künstiches ^[richtig: künstliches] (franz. outremer, engl.
ultramarine oder lazuline). Über das natürliche U., das Original, dessen Nachbildung der Chemie zuerst 1828 gelungen
ist, ist im Artikel „Lasurstein“ das Nötige gesagt. Die Idee zu einer künstlichen Darstellung dieser schönen blauen
und so teuer bezahlten Farbe mußte natürlich sofort auftauchen, nachdem die Chemie die Bestandteile derselben ermittelt
hatte. In früherer Zeit vermutete man einen Kupfergehalt als Ursache der blauen Farbe, was später als
irrig erwiesen wurde. Es fanden sich nur Kieselsäure und
Thonerde, Natron und
Schwefel, daneben kleine wechselnde Mengen von
Kalk und
Eisen. Natürlich hielt man nun das
Eisen für den bläuenden Stoff und es wurde schon geraume Zeit U. fabriziert,
bis man sich von dessen Entbehrlichkeit überzeugte.
Im Jahre 1824 wurde in Frankreich eine Prämie für die Entdeckung einer Fabrikationsmethode ausgesetzt; 1828 hatte Guimet eine solche gefunden, behielt sie aber für sich und gründete eine, noch bestehende Fabrik, welche das Blau zu immer noch hohen Preisen verkaufte und ihren Besitzer zum Millionär machte. Gleichzeitig mit Guimet und selbständig hatte sich aber auch Professor Gmelin in Tübingen mit dem Gegenstande beschäftigt und der uneigennützigen Veröffentlichung seiner Erfahrungen ist es zu danken, daß in Deutschland diese Fabrikation sich bald auf selbständiger Basis ausbilden konnte, ein Geschäftszweig, der jetzt bei uns in großartiger Entwicklung dasteht.
Die Darstellungsweise selbst besteht im allgemeinen in einer Vereinigung der gemischten Ingredienzen durch Hitze; in den
Einzelheiten bestehen in den verschiednen Fabriken mancherlei Abweichungen und jedenfalls auch geheim gehaltene Fabrikvorteile.
Die Grundlage bildet reiner Porzellanthon (Kaolin), in welchem Kieselsäure und
Thonerde gegeben sind. Das Natron wird entweder
in Form von
Glaubersalz (schwefelsaures Natron) oder von
Soda (kohlensaures Natron) gegeben. Im ersterem Falle nennt man das
Produkt Sulfat
ultramarin, im letzteren Sodaultramarin. Meistens werden beide
Salze zugleich angewandt. Kohle und
Schwefel sind
die übrigen Bestandteile der Mischung. Bei Sulfat
ultramarin läßt man beim ersten Glühen den
Schwefel weg. Sämtliche Stoffe
müssen wasserfrei sein, daher sowohl der vorher sorgfältig geschlemmte
Thon, als die
Salze erst kalciniert werden. Die Kohle
kann
Holzkohle oder auch gute gesiebte
Steinkohle sein.
Die feinste Pulverisierung und innigste Mischung aller Stoffe ist eine Hauptsache. Die Mischungsverhältnisse sind in verschiednen Rezepten auch schwankend und der Natrongehalt ist geringer oder größer, je nach der Nuance, welche die Farbe erhalten soll. Die Mischung wird als ein gleichmäßig graues, feines trocknes Pulver in Töpfe oder Tiegel von feuerfestem Thon gefüllt und nur mässig eingedrückt. Einige hundert solcher Gefässe werden in einem Brennofen reihenweise und gewöhnlich säulenförmig so aufgebaut, daß eines das andere schließt und nur das obere einer Deckplatte bedarf.
Dann wird gefeuert wie in einem Töpferofen und für allmähliche Steigerung und möglichst gleiche Verteilung der Hitze gesorgt. Zu einer gewissen Periode entweichen Schwefeldämpfe und bilden an den Töpfen blaue Flämmchen. Wenn dies aufgehört hat, wird die Hitze gesteigert bis zum Eintritt schwacher Weißglühhitze. Ein solcher Brand dauert nach Umständen acht bis zehn Stunden oder länger. Hierauf überläßt man den Ofen sich selbst, bis er völlig ausgekühlt ist, nimmt dann die Tiegel heraus und entleert sie.
Der gesinterte Inhalt sieht bei Sulfat
ultramarin grünlich aus, bei Sodaultramarin ist er jedoch sogleich blau,
aber noch von blaßer und unreiner Nüance. Das grüne Produkt wird gemahlen, gesiebt und entweder als grünes U. verkauft,
oder durch Brennen mit
Schwefel in blaues übergeführt. Das grüne U. des Handels ist ein bläulich grünes Pulver von nicht
brillanter Farbe, die aber dauerhaft an Luft und Licht ist und auf
Kalk gut steht. Sie findet ihre Verwendung
da, wo sie hinpaßt. Einzelne Fabriken liefern dieses Grün in besonders wohlgefälligen Nüancen.
Die gebrannte Masse wird, um sie in blaues U. von schöner Färbung zu verwandeln, mit Wasser extrahiert, zunächst mit wenigem, um die in der Masse gebildete Natronschwefelleber in konzentrierter Lösung zu erhalten. Dieselbe wird zur Trockne eingedampft und die Schwefelleber bei einer nachfolgenden Massebereitung mit hinzugenommen, wo sie dann einen Anteil Glaubersalz vertritt. Nachdem nun die Masse noch weiter mit vielem Wasser gründlich ausgewaschen wurde, wird der Bodensatz getrocknet und unterliegt nun dem schwierigsten Teile der Fabrikation, dem Blaubrennen, durch welches dem grünen oder schmutzigblauen Stoffe noch ein Anteil Schwefel einverleibt werden soll, um die schöne blaue Farbe zu entwickeln.
Das Brennen geschieht entweder auf einem überwölbten backofenförmigen Herde oder in eisernen Cylindern, die mit einem Luftloch und einer Rührwelle mit Flügeln versehen sind. Die Öfen, resp. Cylinder, werden in dunkler Rotglut erhalten und das mit einigen Prozent Schwefelpulver gemengte Grün wird in flacher Schicht eingetragen. Der Schwefel entzündet sich und brennt unter beschränktem Luftzutritt langsam ab; die blaue Farbe tritt immer mehr hervor, und man streut neuen Schwefel auf und fährt mit Rühren fort, bis dieselbe sich nicht mehr steigert. Man zieht dann die Masse heraus in eiserne Kästen, wäscht sie nach dem Abkühlen gut aus, trocknet und siebt sie. Um helle rein blaue Nüancen zu erhalten, wird das Blau noch ¶
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mehrere Stunden auf Farbmühlen mit Wasser gemahlen. Durch die Verfeinerung des Korns infolge des Mahlens wird die Farbe heller; das ungemahlene Gut bildet die dunkeln und violettblauen Sorten. -
Das U. bildet ein zartes feurig blaues Pulver, unlöslich in Wasser, Weingeist und alkalischen Flüssigkeiten, völlig unschädlich für die Gesundheit. Die Farbe ist sehr dauerhaft und unveränderlich an Luft und Licht, steht auf Kalkgrund und wird überhaupt von alkalisch wirkenden Stoffen nicht verändert. Dagegen erstirbt das Blau unwiederbringlich durch alles was sauer ist. Stärkere Säuren zersetzen dasselbe sofort unter Abscheidung von Schwefel und Entwicklung von Schwefelwasserstoffgas; sehr verdünnte und schwache Säuren und sauer reagierende Salze, wie z. B. Alaun, vernichten die Farbe langsamer, aber eben so sicher. Es verhält sich überhaupt in allem wie das natürliche U., wie es ja auch der nämliche Stoff ist.
Man hat jedoch auch eine Sorte U., die der zerstörenden Wirkung des Alauns widersteht, aber eine rötlichblaue Farbe besitzt. Dieses alaunfeste U. wird dadurch erhalten, daß man der Mischung vor dem Brennen 5-10% vom Thon fein verteilte Kieselsäure zusetzt. Je mehr von dieser zugesetzt wird, desto mehr spielt die blaue Farbe ins Rote; die Farbe kommt hierbei sofort zum Vorschein, ein weiteres Abbrennen mit Schwefel fällt also hierbei weg. Das U. bildet für sich oder mit Firnis gemischt die schönste blaue Lasurfarbe, unter Zusatz von deckenden Farbstoffen wie Zinkweiß, Kreide u. dergl. Deckfarben. Bleihaltige Zusätze sind jedoch nicht anwendbar, da hierdurch das Blau mit der Zeit verdirbt.
Das U. wird in der Neuzeit in solchen Mengen und so wohlfeil geliefert, daß es die ausgedehnteste Verwendung
gefunden hat. Man benutzt es zum Malen, zu Anstrichen, in der Fabrikation von Tapeten und Buntpapieren, im Zeugdruck, zu
blauen Papieren und in kleinen Mengen zum Anbläuen der weißen, ebenso des Zuckers, der Wäsche. Die Ware findet sich im Handel
in sehr verschiednen Sorten von 80 Pfg. bis 4 Mk. das kg; die Sortimente der
Fabriken stimmen nicht überein. Die wohlfeilsten Sorten zum Anstreichen haben Zusätze von Gips und Thon. Die Fabrikation
wird in England und Frankreich nicht minder stark betrieben als in Deutschland. Hier befinden sich bedeutende Fabriken in
Nürnberg, Schweinfurt, Kaiserslautern, Heidelberg, Pfungstadt im Großherzogtum Hessen, Linden vor Hannover
u. a. O. Die Ausfuhr von U. aus dem deutschen Reiche belief sich 1881 auf 5420000
kg, die Einfuhr auf 245100 kg. Über Kobalt
ultramarin, das eine ganz andre Beschaffenheit
hat, s. unter Kobalt. - U. ist zollfrei. Mit Firnis versetztes U. gem. Tarif im Anh. Nr. 5 a.