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Der deutsche Satiriker Jan Böhmermann kritisiert Kanzlerin Angela Merkel für ihr Verhalten nach der Veröffentlichung seines Schmähgedichts. «Die Bundeskanzlerin darf nicht wackeln, wenn es um die Meinungsfreiheit geht», sagte er.
«Doch stattdessen hat sie mich filetiert, einem nervenkranken Despoten zum Tee serviert und einen deutschen Ai WeiWei aus mir gemacht», sagte der 35-jährige ZDF-Moderator und Grimmepreisträger, der sich bislang zum Wirbel um sein Gedicht kaum geäussert hatte.
Böhmermann machte diese Aussage gegenüber der Wochenzeitung «Die Zeit» (Ausgabe 4. Mai). Am Dienstag zitierte Zeit Online vorab daraus.
Böhmermann hatte Ende März in seiner satirischen TV-Show «Neo Magazin Royale» (ZDFneo) ein Gedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vorgelesen, das Formulierungen enthielt, die unter die Gürtellinie zielten. Erdogan stellte Strafantrag wegen Beleidigung.
Die türkische Regierung wandte sich mit dem förmlichen Wunsch nach Strafverfolgung auf Grundlage des Paragrafen 103 im Strafgesetzbuch an die deutsche Regierung. Der Paragraf stellt die Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten unter Strafe. Dafür muss die Regierung für die Strafverfolgung eine Ermächtigung erteilen. Das hat sie in diesem Fall getan. Ob tatsächlich ein Prozess eröffnet wird, steht noch nicht fest.
Kanzlerin Merkel hatte Böhmermanns Gedicht ausserdem früh als «bewusst verletzend» bewertet. Später sagte sie dazu: «Das war im Rückblick betrachtet ein Fehler.» (whr/sda/dpa)