Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03130.jsonl.gz/328

WASHINGTON (awp international) - Finale nach einer Wahlkampf-Schlammschlacht: Die USA haben am Dienstag über die Nachfolge von Präsident Barack Obama entschieden. Die Demokratin und frühere Aussenministerin Hillary Clinton (69) galt als Favoritin, konnte aber nicht sicher von einem Sieg über ihren republikanischen Kontrahenten Donald Trump (70) ausgehen.
Der Immobilienunternehmer wollte sich auch am Wahltag nicht darauf festlegen, ob er im Fall einer Niederlage das Ergebnis anerkennen wird. Es sollte am Mittwochmorgen (MEZ) feststehen.
Der Sieger wird am 20. Januar in das Weisse Haus einziehen. Obama war der erste schwarze Präsident der USA. Aber auch Clinton hatte jetzt die Chance, Geschichte zu schreiben: Bei einem Sieg wäre sie 240 Jahre nach Gründung der USA und rund 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts die erste Präsidentin des Landes.
Nach einer Rekordzahl von Frühwählern zeichnete sich auch am Dienstag eine hohe Wahlbeteiligung ab. Vor vielen Wahllokalen bildeten sich lange Schlangen, vor allem in stark umkämpften Bundesstaaten wie North Carolina und Michigan.
Vereinzelt kam es zu technischen Problemen, mussten die Organisatoren kurzfristig auf Papierwahlzettel zurückgreifen. Sowohl beide Parteien als auch unabhängige Gruppen entsandten Tausende Wahlbeobachter.
Die Ex-First Lady hatte bereits in den vergangenen Wochen konstant in den meisten Umfragen vorn gelegen. Experte Nate Silver vom Blog "FiveThirtyEight" bezifferte ihre Gewinnchance auf 72 Prozent. Aber auch Trump setzte wegen des extrem engen Rennens in einigen Staaten auf Sieg.
Der Milliardär und Quereinsteiger wählte in seiner Heimatstadt New York gemeinsam mit seiner Ehefrau Melania. "Alles sieht sehr gut aus", sagte Trump, der vor dem Wahllokal mit Buhrufen empfangen wurde. Zuvor hatte er dem Fernsehsender Fox News gesagt: "Ich habe meine Entscheidung getroffen, ich stimme für Trump".
In mehreren Interviews liess er erneut offen, ob er das Wahlergebnis bei einem Sieg Clintons akzeptieren werde. "Man muss es sehen. Man hört so viele schreckliche Geschichten, und man sieht so viele Sachen, die falsch sind", sagte er. "Also werden wir uns das anschauen." Trump hatte im Wahlkampf immer wieder erklärt, dass das Wahlsystem "gezinkt" sei.
Hillary Clinton und ihr Ehemann, der frühere Präsident Bill Clinton, gaben in einem Wahllokal in ihrem Wohnort Chappaqua (New York) ihre Stimme ab. "So viele Menschen bauen auf den Ausgang der Wahl heute", sagte die Kandidatin. "Ich tue das Beste, was ich kann".
Ein historischer Wahlsieg hätte für Clinton einen bitteren Beigeschmack, wenn ihre Demokraten bei der zeitgleichen Parlamentswahl nicht wenigstens die Mehrheit im Senat zurückerobern. Auf eine Mehrheit in der zweiten Kammer, dem Abgeordnetenhaus, konnten die Demokraten laut Umfragen von vornherein nicht rechnen.
Als Präsidentin oder Präsident können Clinton oder Trump viel, aber längst nicht alles ohne den US-Kongress entscheiden - beispielsweise in der Gesetzgebung, bei der Besetzung hoher Regierungsämter oder bei der Ernennung von Richtern für den Obersten Gerichtshof.
In den letzten Stunden des Wahlkampfs hatten beide Kontrahenten noch einmal alles versucht, in besonders heiss umkämpften US-Staaten die Bürger auf ihre Seite zu bringen. Beide investierten noch einmal Millionen Dollar in TV-Werbespots.
Clinton hielt nach Mitternacht am Wahltag zusammen mit Popstar Lady Gaga noch eine Veranstaltung in Raleigh (Bundesstaat North Carolina) ab. Sie gab ihren Anhängern eine Empfehlung mit auf den Weg, für den Fall, dass deren Kinder und Enkel sie später fragten, was sie im Jahr 2016 getan hätten, "als alles auf dem Spiel stand". Die Antwort laute: "Ihr habt für ein stärkeres, faireres, besseres Amerika gestimmt - ein Amerika, wo wir Brücken bauen, nicht Mauern."
Trump schloss derweil seinen letzten Tag als Kandidat in Grand Rapids (Michigan) ab. "Heute ist unser Unabhängigkeitstag", zitierte er leicht verändert einen Spruch aus dem Hollywood-Film "Independence Day" von 1996. "Wir beenden endlich das Kapitel der Geschichtsbücher über die Clintons, ihre Leben, ihre Machenschaften, ihre Korruption."
Wahlberechtigt waren etwa 219 Millionen Menschen. Voraussetzung war, dass sich ein Wähler registrieren liess und nicht von der Wahl ausgeschlossen wurde - beispielsweise wegen einer kriminellen Vergangenheit. Mehr als 42 Millionen Amerikaner hatten bereits frühzeitig abgestimmt.
Am Ende gewinnt nicht der Kandidat, der landesweit die meisten Stimmen auf sich vereint. Denn der US-Präsident wird nur indirekt vom Volk gewählt. Jeder Bundesstaat hat eine bestimmte Zahl von Stimmen in einem 538-köpfigen Gremium aus Wahlmännern und -frauen zu vergeben. Deren Zahl richtet sich nach der Bevölkerungsgrösse eines jeden Staates. Wer ins Weisse Haus einziehen will, braucht mindestens 270 Wahlmännerstimmen.
Die Wahllokale schlossen ab 18.00 Uhr Ortszeit. Erste Ergebnisse einzelner Staaten wurden nicht vor 1.00 Uhr (MEZ) erwartet./da/DP/he
(AWP)