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Mangueira formt Block mit Publikum und besingt 50 Jahre “Cacique de Ramos”
Die Samba-Schule Mangueira entschied sich für eine Erweiterung des neu restaurierten Sambadroms, indem sie 72.500 Zuschauer auf die Paradepiste lotste. Beim diesjährigen Karneval versuchte die Grün-rosa Schule zu demonstrieren, dass die Avenida Marquês de Sapucaí auch eine Bühne für die traditionellen Strassenblöcke sein könnte – und erzählte mit ihren Allegorien die Geschichte des Strassen-Blocks “Cacique de Ramos“, der im Jahr 2011 sein 50-jähriges Bestehen feierte.
Die Empathie des Publikums mit dem Thema erschreckte niemanden: Nach zirka zwanzig Minuten der Parade, als die Percussion und der Samba-Interpret plötzlich schwiegen, begann das Publikum den Themen-Samba zu schmettern: “Vou festejar! Sou Cacique, sou Mangueira“ (Ich werde feiern! Bin Cacique, bin Mangueira!)
Im vergangenen Jahr erreichte die “Mangueira“ den dritten Platz mit dem Thema über Nelson Cavaquinho – 2012 träumt sie wieder von der Bestnote der Juroren. Ausser den Innovationen der “Bateria“ – dirigiert von Maestro Ailton Nunes – kann die Schule sich auf luxuriöse Allegorien und Kostüme stützen, mit denen sie bestimmt gute Noten bekommt.
Eine Änderung in der Paradeaufstellung auf der Avenida erklärt das Motiv der Schule, warum sie die Position ihrer “Front-Kommission“, des ersten und zweiten “Mestre-sala/ Porta-bandeira-Paares“, sowie der Percussions-Gruppe, im Voraus nicht bekannt gegeben hatte: Etwa in der Hälfte ihrer Parade schuf die “Bateria“ zusammen mit dem ersten Paar “Mestre-sala & Porta-bandeira“ einen besonderen Moment der Mangueira-Parade. Die Instrumente schwiegen – die Rhythmiker teilten sich und machten Platz für das Paar, zusammen mit einem Tripé, das einen “Pagode“-Tisch darstellte.
Mit dem Wagen “Abre-alas“, unter dem Titel “Sou Cacique, sou Mangueira“ (Bin Cacique, bin Mangueira), ehrte die Schule den Gründer des Karneval-Blocks “ „Cacique do Ramos“ mit einer gigantischen Skulptur eines Indios, der auf eine Bauchtrommel schlug, dem Symbol der Schule in Grün und Rosa. Der zweite allegorische Wagen war betitelt mit “Praça XI – A pequena África de Tia Ciata” (Platz XI – Das kleine Afrika der Tante Ciata) – er erinnerte an die Umgebung des Hauses von “Tia Ciata”, die als “Mutter des Samba” verehrt wird.
Der vierte Wagen folgte in Form eines geschmückten Karrens – dem ersten allegorischen Vehikel des Karnevals von Rio. Die fünfte Allegorie “Festa da Penha, A Festa do Samba” (Das Fest der Penha – das Fest des Samba) repräsentierte jene Feste, die einstmals im Atrium der Kirche der “Nossa Senhora da Penha“ stattfanden.
Der sechste Wagen “Duelo da Alegria“ (Duell des Frohsinns) präsentierte zwei rivalisierende Blöcke: den “Bafo de Onça“ versus “Cacique de Ramos“. Die dem Wagen folgenden “Alas“ (Themengruppen) riefen die bekanntesten Sambas des Blocks in Erinnerung.
Der letzte Wagen der “Mangueira“ präsentierte eine “Roda de Samba“ (Samba-Event) des “Cacique de Ramos“ – ein Event, aus dem Stimmen wie die von Beth Carvalho, Almir Guineto, Zeca Pagodinho, Arlindo Cruz und Jorge Aragão hervorgegangen sind. Die Allegorie zeigte die Reproduktion einer “Tamarineira“ (Tamarindenbaum), eines Baumes, in dessen Schatten jene “Sambistas“ einst ihrer Musik frönten.
Unidos da Tijuca zelebriert das Hundertjährige von Luiz Gonzaga
Als vorletzte Schule auf der Sapucaí, in der zweiten Nacht der Paraden von Rio de Janeiro, präsentierte sich die Sambaschule Unidos da Tijuca mit “Vaqueiros“ (Kuhtreibern), “Sanfonas“ (Ziehharmonikas) und “Baião“ (typischer Tanz des Nordostens), um den unvergessenen Luiz Gonzaga zu ehren, der 2012 einhundert Jahre alt geworden wäre.
Der Verein setzte noch einmal auf die Kreativität des Karnevalisten Paulo Barros, berühmt wegen seiner verschiedenen Innovationen, die er auf den “Samba-Laufsteg“ gebracht hat. Die Schule hatte für jeden allegorischen Wagen das entsprechende dekorative Kunsthandwerk speziell aus dem Nordosten importiert.
Die “Bateria“ um Maestro Casagrande, mischte “Forró“ unter das Thema über den “König des Baião“. Vor der Perkussions-Gruppe gab die schnuckelige “Rainha da Bateria“ Gracyanne Barbosa ihr Debüt.
Die 80 “Baianas“ der Tijuca drehten ihre Pirouetten auf der Avenida und repräsentierten die Geschicklichkeit der nordöstlichen Kunsthandwerker und ihre Kreativität mit dem Palmstroh – einer der bedeutendsten Rohstoffe für das überleben vieler Menschen im Nordosten.
Auch die Keramikkunst wurde auf der Avenida repräsentiert vom zweiten Paar “Mestre-sala & Porta-bandeira“, Vinícius (22) und Jackellyne (23) – Geschwister, die Lehmpuppen Leben lebendig werden liessen. Wie schon im vergangenen Jahr, als die Schule durch ihre illusionistischen Tricks auf der Avenida von sich reden machte, hatte die Front-Kommission auch diesmal wieder ein paar Tricks parat: Die Darsteller hauchten den Ziehharmonikas ihres verehrten “Gonzagão“ Leben ein – mittels der Akrobatik eines rumänischen Gymnastikers. Die Choreographie stammte von Pricilla Mota und Rodrigo Neri, Choreographen und Ballett-Solisten des Teatro Municipal von Rio de Janeiro.
Der “Abre-Alas-Wagen“ der “Unidos da Tijuca“, unter dem Titel “Desembarque real“ (königliche Landung), präsentierte einen ganzen Hofstaat mit Königen und Königinnen aus verschiedenen Ländern, die zu den Krönungsfeierlichkeiten des “Sertão-Königs“ gekommen waren – unter Hervorhebung von Carla Horta, der Königin des “Cangaço“ und João Helder, dem königlichen „Cangaceiro“.
Der Tag brachte eine Extra-Feier für Marquinhos und Giovanna, dem ersten Paar “Mestre-sala & Porta-bandeira“, die in diesem Jahr zum zwanzigsten Mal im zusammen im Karneval auftreten.
Der grösste Erfolg Luiz Gonzagas, “Asa Branca“ (Weisser Flügel), wurde mit dem letzten allegorischen Wagen gewürdigt – mit drei gigantischen Torten, bestückt mit Radios, die den Riesenerfolg symbolisierten, den der beliebte Komponist und Interpret landesweit geniest. Nino, hoch droben auf dem Wagen postiert, stellte den verstorbenen Musikkünstler dar. Und noch eine Überraschung: Weisse Tauben entschlüpften dem Innern des Wagens, um sich auf ihren “weissen Flügeln“ in die Luft zu erheben – lebendig gewordene Erinnerung an den unvergessenen Luiz Gonzage und den Lieblings-Song seines Publikums.
Insgesamt bestand die Parade der “Unidos da Tijuca“ aus 3.600 Komponenten, unterteilt in 33 “Alas“ (Themengruppen) – der Themen-Samba wurde interpretiert von Bruno Ribas, Enkel des Komponisten Manacéa, und weiteren acht Sängern zur Unterstützung.
Die Grande Rio beendet den Karneval von Rio mit dem Thema “Überwindung“
Die Sambaschule Grande Rio bezog sich in ihrer Parade auf Geschichten von Brasilianern, die sich irgendwann einmal gewissen Herausforderungen gegenüber gesehen und sie überwunden hatten – die “Grande Rio“ marschierte in dieser zweiten Nacht des Karnevals von Rio als letzte Samba-Schule der “Grupo Especial“. Das Thema wurde vom Karnevalisten Cahê Rodrigues entwickelt.
Die “Front-Kommission“ eröffnete die Parade mit Darstellern, die als Kinder verkleidet, von den Ängsten erzählten, die man bereits im Kindesalter zu überwinden hat. Ein Gestell, das wie ein grosses Bett aussah, und mit einer Matratze bedeckt war, simulierte Bewegungen, und die Matratze schleuderte die Kinder aus dem Bett – ausserdem krochen unter dem Bett gespenstische Wesen hervor.
Der “Abre-alas“-Wagen, betitelt mit “Anjos anunciam a luz que vem do céu” (Engel verkünden das Licht, das vom Himmel kommt), repräsentierte die göttliche Macht. Die Schauspielerin Christiane Torloni war eine der Hauptfiguren dieses Wagens. Der zweite symbolisierte den täglichen Kampf von Männern und Frauen gegen die unterschiedlichsten Herausforderungen. Mit dem Titel “Derrubando Gigantes“ (Riesen zu Fall bringen), zeigte die Konstruktion einen Riesen auf ihrem Dach, und die Schauspielerin Betty Lago besetzte einen der Prestige-Plätze dieser Allegorie.
“O som da vida: melodias de superação” (Der Klang des Lebens: Melodien der Überwindung) war das Thema des dritten Wagens. Er ehrte den nordamerikanischen Sänger und Pianisten Ray Charles, der sein Augenlicht im Alter von sieben Jahren verlor und dieses Manko mit Hilfe seiner Musik überwand.
Die Schule widmete ihre “Alas“ (Themengruppen) auch Jenen, die ihre Probleme mittels des Sports überwunden haben: Zum Beispiel Lars Grael, Ronaldo Fenômeno und Clodoaldo Silva befanden sich unter den Repräsentanten. Sportliche Wettkämpfe waren auch Thema des vierten Wagens, “Superação sobre rodas“, (Überwindung auf Rädern). Er transportierte Athleten des Behindertensports der brasilianischen Auswahlmannschaft, die von ihren Rollstühlen aus eine stark applaudierte Demonstration ihrer Geschicklichkeit gaben, indem sie während der Parade Bälle in Basketball-Körbe warfen – offensichtliche Überwindung der Behinderung.
Der fünfte Wagen rollte zu Ehren des schwarz-afrikanischen Präsidenten Nelson Mandela, dessen heroische “Überwindung seiner eigenen Hoffnungslosigkeit“ heute wie ein Wunder anmutet.
Der sechste und letzte Wagen wendete sich an die Nation selbst: “Brasil que se supera“ (Brasilien, das sich selbst überwindet). Nun, das haftet uns, und allen, die Brasilien lieben und verehren, schon lange als Herausforderung im Gedächtnis – eine Überwindung, die anscheinend zu den schwersten gehört.
Noch eine Bemerkung zum Schluss:
Was die Samba-Schulen Brasiliens in diesem Jahr gezeigt haben ist kaum in Worte zu fassen. Unserer Meinung nach sind sie alle Karnevals-Champions in dieser “Greatest Show on Earth!“ Und da fragt man sich: Können so viel Inspiration, überraschende Kreativität, berauschende Farben, mitreissender Rhythmus und explodierende Begeisterung im nächsten Jahr überhaupt noch gesteigert werden? Allerdings wissen wir aus Erfahrung – weil wir uns diese Frage schon Jahre zuvor gestellt haben – dass es den Brasilianern immer wieder gelingt, ihren Karneval noch überraschender, noch fantasievoller, noch üppiger und noch mitreissender zu gestalten und mit ihm die ganze Welt zu begeistern.
Also freuen wir uns auf die Karnevals-Paraden der Spitzengruppe im nächsten Jahr, die im Sambadrom von Rio de Janeiro am 10/11. und 11./12. Februar 2013 stattfinden werden.