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World Wide Web: Die Geschichte einer Revolution
Es ist nichts weniger als eine Revolution: Vor 20 Jahren gab es Medien,
Bücher, Filme, es gab Radio und Fernsehen, es gab Kunst, und es gab
Werbung. Vor 20 Jahren gab es Computer, Computernetzwerke, die wiederum
untereinander weiter vernetzt wurden - doch das Web, das heute unseren
medialen Alltag entscheidend prägt, stand noch in den Sternen.
Obwohl es das Internet längst gab: Es bestand aus dem wissenschaftlich-militärischen Arpanet der 1960er Jahre, aus dem später das so genannte Internet hervorging. Das Internet, eine Weitervernetzung bereits bestehender Computernetzwerke von US-Verteidigungsministerium und grosser Universitäten, war noch wenig spektakulär und ging weitgehend an der Öffentlichkeit vorbei.
Mit der Erfindung des Web im Jahr 1989 allerdings sollte sich das nachhaltiger ändern, als es sich selbst der Erfinder des Web, Tim Berners Lee, in seinen kühnsten Träumen vorzustellen gewagt hätte. Das Web ist heute eine Art Supermedium, obgleich es streng genommen gar kein Medium ist: es ist ein immenses Konglomerat aus den althergebrachten Medien wie Schrift, Bild, Ton und Film.
Die eigentliche Revolution des Web aber besteht nicht aus der Verschmelzung der Medien, sondern aus einer völlig neue Eigenschaft: die Nichtlinearität seiner Inhalte. Zwar lassen sich im Web Texte ohne weiteres wie Texte, also linear, lesen, doch die Erfindung des Hyperlinks lässt uns springen, wohin wir immer mögen - an eine andere Stelle im selben Dokument, in einen völlig anderen Text, in ein anderes Medium, an einen anderen Ort auf dem Globus. Das Web ist zur legendären Bibliothek von Alexandria geworden und ebenso zur Werbemaschine, die jährlich Dollarmilliarden umsetzt. Und das Web ist omnipräsent - bereits hält es Einzug in unsere Handys und damit in die Hosentasche.
Das Web hat soviele Facetten, wie es Seiten hat - und deren Anzahl wird bereits auf gegen 50 Milliarden geschätzt. Dass das heute omnipräsente Web aber eine erst sehr kurze Geschichte hat, wird gern vergessen. Grund genug für einen Rückblick.
Thomas Weibel