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Das Leben in Ägypten beschränkt sich seit dem Beginn vor über 5‘000 Jahren bis heute auf einen über 1000 km langen und nur 10 – 20 km breiten Landstreifen längs des Nil, der sich im Nildelta, einer äusserst fruchtbaren Schwemmebene, zum Mittelmeer hin verbreitert.
Die Fruchtbarkeit des Niltales ist immer eng mit den jährlich wiederkehrenden Sommer-Hochwassern des gut 5’600 Kilometer langen Nils verbunden gewesen. Der Fluss hat dann den fruchtbaren Schlamm auf den Feldern abgelagert. Das Ausbleiben der Überschwemmungen bedeutet Hunger. Darum gilt der Nil den alten Ägyptern als heilig, denn er bestimmt das Schicksal der Menschen. Heute verhindert der Assuan-Staudamm die Nilüberschwemmungen. Aber heute gibt es Kunstdünger, um die Felder fruchtbar zu halten.
Die Ankunft der Flut vorauszusagen, ist in der Zeit der Pharaonen überlebenswichtig. Deshalb entwickeln die Priester, die gleichzeitig Gelehrte und Astronomen (Astrologen) sind, schon früh einen Kalender, der 365 Tage aufweist. Zeitmesser ist ein bestimmter Stern (Sirius), der einmal im Jahr kurz vor der Sonne im Osten über dem Horizont aufsteigt.
Wasser ist ein bedrohliches und gleichzeitig kostbares Element. Schon früh werden Kanäle gebaut, um das kostbare Gut auf den Feldern zu verteilen und Dämme, um den Besitz der Bauern vor dem Hochwasser zu schützen. Das verlangt nach einer weitreichenden Organisation (Beamtentum) und Kenntnissen in Geometrie für die Landvermessung.
Die frühe Besiedlung des Niltals verliert sich im Dunkel der Geschichte, sicher aber ist, dass dort schon vor 7'000 Jahren Menschen in einem geordneten Staatssystem gelebt haben, dem frühsten, das wir kennen. In der nebenstehenden Ständepyramide steht an der Spitze der Hierarchie der Pharao („das hohe Haus“), der als Sohn des Sonnengottes verehrt wird. Eine Stufe tiefer stehen die Priester und die Schreiber, aus denen sich auch die Hofbeamten rekrutieren. Den dritten Stand bilden die Kaufleute und den untersten Stand die Handwer-ker, Bauern und Arbeiter.
Quellentext:
"Hast du schon einmal an den Bauern gedacht, der den zehnten Teil der Ernte abliefern muss? Scharen von Mäusen bevölkern die Äcker; Heuschrecken fallen darüber her; das Vieh weidet sie ab; die Vögel stibitzen. Wenn der Bauer sich von dem Rest nur einen Augenblick abwendet, sind Diebe am Werk... Dann aber entsteigt der königliche Beamte dem Boote am Land¬steg, um die Steuer einzutreiben. Die Wächter der G-treidespeicher kommen mit Prügeln und die Negerpolizisten mit Palmruten, und jeder schreit: „Los, her mit dem Korn!“ Wenn der Bauer keines hat, wird er zu Boden geworfen. Gefesselt zerren sie ihn zum Kanal und tauchen ihn mit dem Kopf voran hinein. . . Hat der Metallarbeiter mehr Ruhe als der Bauer? . . . Nachts, wenn man glaubt, er sei frei, muss er noch arbeiten nach all der Mühsal des Tages. Der Maurer muss immerzu Steine tragen und auf staubigen Baugerüsten umhersteigen Wenn der Weber einen Tag hinter der vorgeschriebenen Arbeit zurückbleibt, wird er gefesselt. Den Soldaten sperrt man schon in früher Jugend in die Kaserne. Man streckt ihn aus und prügelt ihn halbtot. Wenn er vom Krieg heimkommt, ist er nicht mehr wert als ein vom Wurm zerfressenes Holz. ... Der Beamte dagegen ist ein angesehener Mann. Wer lesen und schreiben kann, ist dadurch allein schon etwas Besseres."
Brief eines Vaters an seinen studierenden Sohn, ca. 2000 v. Chr.
Aufgaben und Recherchen
Was ist das besondere an der Landschaft Ägyptens, das sein Leben bis in die heutigen Tage prägt?
Warum entwickelte sich in Ägypten schon früh ein Beamtensystem?
Wo entspringt der Nil und welche afrikanischen Staaten durchfliesst er? Schaue in einem Atlas, wo er durch-fliesst!
Der Nil setzt sich aus zwei Quellflüssen zusammen, wie heissen sie und welches ist der Hauptfluss? (R)
In welchem Monat war die Zeit der Nilschwemme? Warum bleiben sie heute aus? (R)
Wie lang ist der Nil und welchen Rang nimmt er in der Liste der längsten Flüsse der Erde ein? (R)
Was finden wir im Gebiet der heutigen Schweiz zur Zeit, als in Ägypten bereits eine hochstehende Städtekultur
mit einer Ständeordnung existierte?
Erkläre den Begriff "Ständeordnung" bzw. "Ständepyramide"!
Wie leben die Menschen im Alten Ägypten? Was liest du aus dem Quellentext?
Was rät der Vater seinem Sohn?