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Mit Knorpel statt Knochen und ohne Schwimmblase: von Rochen und Haien.
Fisch ist nicht gleich Fisch: Etwa vier Prozent der bekannten Fischarten besitzt nicht ein knöchernes, sondern ein aus Knorpel bestehendes Innenskelett. Zu dieser als Knorpelfische bezeichneten Gruppe zählen die Haie und Rochen. Sie zeichnen sich zudem durch weitere Merkmale aus. Sie haben zum Beispiel keine Schwimmblase, die im Wasser für Auftrieb sorgen kann. Bewegen sie sich nicht, sinken sie auf den Grund. Zum Auftrieb tragen bei diesen Fischen das leichte Knorpelskelett, das in der Leber enthaltene Öl sowie beim Schwimmen die waagrecht abstehenden Brustflossen bei.
Die Haut fühlt sich wie Sandpapier an. Sie ist mit feinen Schuppen besetzt, die verknöcherten Hautzähnen entsprechen (Placoidschuppen; bestehen aus Zahnbein und Zahnschmelz). Die Oberflächenstruktur der Haut hat so für die Fortbewegung im Wasser vorteilhafte Gleiteigenschaften. Auch die eigentlichen Zähne gehen auf Hautknochen zurück. Sie sind nicht im Kiefer, sondern in Bindegewebe verankert und in mehreren Reihen hintereinander angeordnet. Sie können zeitlebens ersetzt werden. Die Kiemen sind nicht durch einen Kiemendeckel abgedeckt, sondern liegen hinter fünf bis sieben Kiemenspalten. Der Mund ist unterständig. Sinne wie das Sehen, Riechen, Hören, Wahrnehmen von Druckunterschieden und elektrischen Feldern sind gut ausgebildet.
Männchen haben ein paariges Begattungsorgan aus umgebildeten Bauchflossen. Diese sind schon bei der Geburt deutlich zu erkennen und erlauben schon früh eine Geschlechtsbestimmung. Es erfolgt eine innere Befruchtung. Es gibt Arten, die Eier ablegen und solche, die lebende Junge gebären. Bei den lebendgebärenden Arten entwickeln sich die Eier bis zum Schlupf im Mutterleib (Ovoviviparie). Bei einzelnen Arten werden die sich entwickelnden Jungen über den Uterus zusätzlich mit Nährstoffen versorgt (plazentale Ovoviviparie).
Haie und Rochen leben räuberisch. Wenn auch der Grossteil der rund 1200 Arten eher klein bleibt, finden sich in dieser Gruppe die grössten Vertreter der Fische. Der Walhai etwa, ein Planktonfresser, kann eine Länge von 15 Metern und ein Gewicht von 30 Tonnen erreichen. Mantarochen haben zuweilen eine Spannweite von 7 Metern und ein Gewicht von 1,35 Tonnen. Die kleinsten Haie messen gerade mal 20 Zentimeter.
Im Raub- und Giftfisch-Becken des 2016 erneuerten Aquariums im Zoo Zürich leben zwei Hai- und eine Rochenart: Epaulettenhai, Korallenkatzenhai und Blaupunktrochen.
Epaulettenhai (Hemiscyllium ocellatum)
Der Epaulettenhai erreicht eine Länge von 70 bis 90 Zentimetern. Seine Färbung ist beige-bräunlich mit braunen Flecken. Markantes Merkmal sind die beiden grossen schwarzen, weiss umrandeten, Flecken hinter den Brustflossen.
Der Epaulettenhai lebt im Bereich von Korallenriffen. Er ist als Einzelgänger unterwegs und vorwiegend nachts aktiv. Tagsüber hält er sich in natürlichen Höhlen unter Felsen oder Korallen auf. Seine Fortbewegung am Boden gleicht eher einem Laufen als einem Schwimmen und erinnert an das Bewegungsmuster eines Salamanders: Es sind schlängelnde Bewegungen, bei denen auch die Brust- und Bauchflossen eine Rolle spielen. Der Epaulettenhai kann auch über Land gehen, was ihm zugutekommt, wenn er in einem Gezeitentümpel eingeschlossen ist. In solchen Tümpeln kommt er notfalls auch mit einer geringen Sauerstoffsättigung des Wassers zurecht.
Der Epaulettenhai ernährt sich opportunistisch von verschiedenen Wirbellosen und kleinen Fischen. Mit kauenden Kieferbewegungen knackt er die harten Schalen von Krabben, Schnecken oder Seeigeln.
Mit einer Länge von etwa 50 bis 65 Zentimetern wird der Epaulettenhai geschlechtsreif. Das Weibchen legt in längeren Intervallen 20 bis 50 Eier ab, die nach einer Entwicklungszeit von etwa 120 bis 130 Tagen schlüpfen.
Das Verbreitungsgebiet dieses Hais liegt im westlichen Pazifik.
Korallenkatzenhai (Atelomycterus marmoratus)
Dieser Hai zeichnet sich durch einen sehr schlanken und beweglichen Körper sowie einen kurzen, schmalen Kopf aus. So gleitet er im Korallenriff geschmeidig auch durch enge Spalten. Seine Grundfärbung ist braun-grau mit hellen Flecken, die von dunklen Flecken umrandet sind. Die Flossenspitzen zieren weisse Säume.
Bezüglich Lebensraum, Aktivität und Ernährung weisen Epauletten- und Korallenkatzenhaie grosse Ähnlichkeiten auf. Auch der bis etwa 70 Zentimeter messende Korallenkatzenhai legt Eier ab. Für ihre Entwicklung benötigen diese vier bis sechs Monate. Die rechteckige, hornartige Hülle der einzelnen Eier hat an den Ecken Fäden, mit denen die Eier verankert werden.
Das Verbreitungsgebiet des Korallenkatzenhais umfasst seichte Küstenregionen zwischen Indien, Thailand und Papua-Neuguinea. Der Status der Art wird als potentiell gefährdet eingestuft. Diese Beurteilung basiert auf der illegalen Fischerei mit Dynamit, der Gewässerverschmutzung und dem Abbau von Korallenriffen zur Gewinnung von Baustoffen im Verbreitungsgebiet des Hais.
Blaupunktrochen (Taeniura lymma)
Auch der Blaupunktrochen ist ein Bewohner von Korallenriffen. Sein stark abgeflachter, kreisförmiger Körper kann eine Länge von 70 Zentimetern erreichen. Etwa gleich lang wird der pfeilförmige Schwanz, der an seiner Spitze zwei Giftstacheln besitzt. Die Körperoberseite ist ockerfarbig und übersät mit blauen Punkten, die im Schwanzbereich in blaue Bänder übergehen. Der Rochen kann die Intensität der blauen Farbe variieren. Will er sich unsichtbar machen, gräbt er sich im Sand ein oder sucht eine Höhle auf.
Die Augen sind hervorstehend und können bei Gefahr schnell eingezogen werden. Die Pupille ist U-förmig und regelt den Lichteinfall. Auch in der Dunkelheit sehen Rochen gut. Gleich hinter den Augen befinden sich die Spritzlöcher, über die am Boden liegende oder eingegrabene Tiere Wasser ohne Sand- oder Schlammpartikel aufnehmen und zu den Kiemen führen können.
Zu seiner Verteidigung besitzt der Blaupunktrochen zwei Giftstachel an der Spitze seines Schwanzes. Die Stacheln bestehen aus Kalk und sind von einer Haut überzogen, in der das Gift eingelagert ist. Etwa alle sechs Monate werden die Stacheln durch neue ersetzt. Bereits neugeborene Rochen besitzen die Stacheln.
Die saumartig vergrösserten, die seitlichen Rundungen bildenden Brustflossen sorgen mit ihren wellenförmigen Bewegungen für die schwimmende Fortbewegung. (Bei anderen Rochen sind die Brustflossen «flügelartig» angelegt). Jagd machen die Rochen auf Weichtiere, Garnelen, Krebse, Muscheln und Würmer.
Der Blaupunktrochen ist lebendgebärend. Das Weibchen trägt seine Eier 4 bis 12 Monate mit sich herum und bringt dann 1 bis 7 Jungrochen mit einer Körperlänge von etwa 10 bis 12 Zentimetern zur Welt. Zwei Jungtiere sind bis heute im Zoo Zürich geboren worden, das jüngste am 22. Februar 2018.
Das Verbreitungsgebiet des Blaupunktrochens liegt in den küstennahen Gewässern des Indischen Ozeans und des westlichen Pazifiks. Auch dieser Fisch wird als potentiell gefährdet eingestuft. Nebst der Beeinträchtigung seines Lebensraumes trifft den Blaupunktrochen auch die Befischung und der Fang für den Zierfischhandel.
Die drei hier aufgeführten Arten haben den Schwerpunkt ihrer Aktivität in der Dämmerung und nachts. Im Aquarium werden sie aber tagsüber gefüttert, was der Aufmerksamkeit der Fische nicht entgeht. Und so stehen die Chancen gut, einen der sechs Haie (drei von jeder Art) und zwei Rochen beobachten zu können. Es sind dies allesamt in Menschenobhut geborene Tiere. Einer der beiden Jungrochen ist zudem zurzeit im Becken nebenan bei den bunten Korallenfischen untergebracht.