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Kuba, das kleine karibische Land ist nicht gerade bekannt dafür, Polarforschung zu betreiben. Mittlerweile ist es bereits über 40 Jahre her, als die ersten Kubaner die Antarktis betreten haben. Dies war Anlass der Abteilung für Meteorologie des Höheren Instituts für Technologie und angewandte Wissenschaften (InSTEC) der Universität Havanna im Juni 2022 zur Erinnerung an die drei gemeinsamen kubanisch-sowjetischen Expeditionen eine Zeremonie zu veranstalten. Die Expeditionen fanden von 1982 bis 1985 auf der inzwischen geschlossenen Molodyozhnaya-Station in Enderby Land in der Ostantarktis statt.
Die ersten Kubaner, die in dieser kalten Region ankamen, waren der Geograf Doktor Julio Pérez, ein Spezialist für Funkortung und sein Kollege Valentín Fernández Martínez, ein Experte für Umweltverschmutzung.
Pérez und Martinez trafen am 1. Januar 1982 in der Molodyozhnaya Station ein und waren Teil der Sowjetische Expedition Nummer 28. Später nahmen kubanische Wissenschaftler an drei weiteren Expeditionen teil.
Die Molodyozhnaya Station war die antarktische Hauptstadt der Sowjetunion
Auf einer Erkundungsfahrt mit dem dieselelektrischen Eisbrecher «Ob» entlang der Küste entdeckte die Besatzung die Alasheyev Bay und die Oase Thala Hills. Hier, am Südufer der Bucht von Alasheyev, wurde im Februar 1962 die Station Molodezhnaya, auf einer Höhe von 42 m über dem Meeresspiegel eingerichtet.
Das Gebiet um die Station besteht hauptsächlich aus Felskämmen, die durch schneebedeckte Senken und Seen getrennt sind. Als wichtigste Trinkwasserquelle wurde der See Lagernoe ausgewählt.
Das Meer in der Nähe der Station ist fast das ganze Jahr über mit Packeis bedeckt. In der Gegend gibt es viele Eisberge. Am Ende des Winters ist das Packeis bis auf 100 Kilometer zum Meer gefroren. Der Aufstieg zum antarktischen Eisdom beginnt 1,5-2,0 km vom Ufer entfernt.
Das Klima ist ganzjährig durch negative Lufttemperaturen mit einer durchschnittlichen Temperatur von -11° C und häufigen Stürmen gekennzeichnet.
Zu Sowjetzeiten wurde die Station Molodezhnaya in die antarktische Hauptstadt umgewandelt, das wichtigste meteorologische Zentrum und das Hauptquartier der sowjetischen Antarktisexpeditionen. Die Siedlung zählte mehr als 70 Bauten, darunter Wohn- und Bürogebäude, eine Messe, eine Höhenmessstation, ein aerologisches Gebäude, ein Kraftwerk, ein Funkzentrum und Lagerhäuser.
In den 1970er Jahren war Molodezhnaya zu einer der größten Siedlungs- und Forschungseinrichtung auf dem antarktischen Kontinent herangewachsen und beherbergte bis zu 400 saisonale Mitarbeiter.
Der Flugplatz der Molodezhnaya-Station lag 12 km entfernt in der Nähe des Vechernyaya-Berges und war in der Lage schwere IL-18TD-Transportflugzeuge mit Radfahrwerk aufzunehmen. Im Jahr 1989 wurde die Station grösstenteils stillgelegt und nimmt seit 2006 während des Polarsommers nur ein saisonales Forschungsteam auf.
Heiner Kubny, PolarJournal