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Christine, 2 Jahre alt,
in Guinea operiert
„Nach einem dreimonatigen Leidensweg hatten wir es geschafft, meine Tochter und ich!“
Seit 1987 in Guinea tätig, bekämpft Terre des hommes (Tdh) die verheerenden gesundheitlichen Folgen von Laugenverätzungen bei Kindern. Seifen, Waschmittel, Unkrautvertilgungsmittel und andere Tinkturen werden manuell zuhause hergestellt, ohne dabei die notwendigen Sicherheitsmassnahmen vorzunehmen. Deshalb passiert es immer wieder, dass Kinder dieses chemische Produkt versehentlich schlucken, was gravierende Folgen hat: schwere Verletzungen von Mundhöhle, Lippen und Zunge, sowie Verätzungen der Speiseröhre. Das Kind ist dadurch ausserstande zu trinken und kann sich nicht auf normale Weise ernähren. Das führt zu ernsthafter Mangelernährung mit schlimmen Folgen.
Christine blieb diese Tortur nicht erspart. Das Kind befand sich In Obhut ihrer neunjährigen Schwester Fatou und einer Nachbarin, die Seife herstellte, als es die Lauge mit Wasser verwechselte. Die 26-jährigen Mutter berichtet, dass die Hoffnung, ihre Tochter gesundpflegen zu können, von Tag zu Tag schwand – bis zu ihrem Zusammentreffen mit einem durch Tdh vermittelten Chirurgen. Durch ihn gewann sie wieder Hoffnung: er konnte Christine in Guinea behandeln.
„Als mein Mann uns verliess, weil ich ein Mädchen statt eines Knaben geboren hatte, begann ich, auf dem Markt von N’Nzérékoré Gemüse zu verkaufen. Es war sehr schwierig, allein mit einem Säugling und meiner anderen, neunjährigen Tochter Fatou durchzukommen.“ In der Morgendämmerung machte sie mich auf den Weg, um ihre Waren auszustellen. Man hat keinen festen Platz und muss deshalb möglichst früh dort sein.
„Komm schnell, dein Baby hat Lauge verschluckt!“
Eines Tages, als die Mutter von Christine Auberginen auf dem Markt verkaufte, hörte sie plötzlich ihre Nachbarin schreien: „Komm schnell, Dein Baby hat Lauge verschluckt!“ „Fatou hatte vergessen, den Becher mit Wasser neben Christines Essen zu stellen. Während sie das Geschirr wusch, trank die Kleine die wie Wasser aussehende Flüssigkeit in der Flasche. Sie hatte jedoch die ätzende Lauge, die meine Nachbarin zur Herstellung von Seife benutze, getrunken.“ Im Spital von N’Nzérékoré verschrieben ihr die Ärzte Medikamente für zwei Wochen, aber Christine konnte nicht schlucken und ihr Zustand verschlimmerte sich zusehends.
In der vierten Woche wurde sie in einer Privatklinik aufgenommen, aber auch dort trat keine Besserung ein. „Nach einigen Wochen sagten mir die dortigen Ärzte, dass der Fall von Christine ihre Kompetenzen überschreite“, erinnert sich die Mutter. „Daraufhin ging ich nach Conakry; meine Nachbarin und die Frauen des Quartiers hatten für 700‘000 CFA (70 Euro) gesammelt, damit ich mein Kind ins Spital bringen konnte. Diese Geste hat mich sehr gerührt. Wieder konnte ich hoffen, Christine doch noch zu retten“
„Ich bin Tdh und dem Chirurgen unendlich dankbar für die Rettung meines Kindes“
„Ein Onkel in Conakry hat uns aufgenommen und ins Krankenhaus Ignace Denn begleitet. Der erste Arzt, den wir dort konsultierten, meinte, wir sollten Christine nach Europa schicken. Hierfür müssten wir aber die nötige Summe für Visa, Reise, Unterkunft, Pflege, Medikamente und anderes aufbringen. Damit verlor ich auf einen Schlag die bisher gehegte Hoffnung.“ Da ihre Ressourcen bereits aufgebraucht waren, dachte sie, sie würde ihr Kind nicht retten können. Trotzdem blieb sie noch etwas länger in Conakry, und ihr Onkel zog weitere Erkundigungen ein. Eines Tages erfuhr er von einem Chirurgen, der dank Unterstützung Terre des hommes das Kind hier in Guinea behandeln könne. „Unverzüglich suchten wir diesen Arzt auf. Er erklärte uns, dass Christine an einer partiellen, durch die Lauge verursachten Verätzung der Luftröhre leide. Er sagte, dass wir kein Visa bräuchten und keine Reise unternehmen müssten, und dass er die Operation selber vor Ort vornehmen werde; für die Kosten der Behandlung, der Hospitalisierung und der Medikamente werde Tdh aufkommen.
Zum ersten Mal mussten wir nichts bezahlen. Ich konnte mich nun voll und ganz Christines Rekonvaleszenz widmen. Nach einem dreimonatigen Leidensweg hatten wir es geschafft, meine Tochter und ich! Ich bin Tdh und dem Chirurgen unendlich dankbar für die Rettung meines Kindes. Heute ist Christine vier Jahre alt und völlig genesen. Manchmal schauen wir zusammen die Fotos ihrer Behandlung an und wissen, wir haben einen weiten Weg zurückgelegt.“