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Die grossen US-Profiligen sind Gelddruckmaschinen – für die Spieler wie für die Besitzer. Es vergehen kaum noch Monate ohne gebrochenen Rekord. Der neueste Bestwert: Der Baseballer Bryce Harper erhält einen mit 330 Millionen Dollar dotierten Vertrag.
Am vergangenen Donnerstag war es wieder so weit: Auf Twitter meldeten Journalisten im Sekundentakt atemlos Details zu einem Rekordvertrag: Der Baseballer Bryce Harper, 26, wird von den Philadelphia Phillies mit einem Vertrag über 13 Jahre und 330 Millionen Dollar vergoldet. Hochgerechnet wird er pro «plate appearance», pro Mal, bei dem ein gegnerischer Pitcher ihm Bälle zuwirft, 44'929 Dollar erhalten. Es ist der lukrativste Kontrakt in der Geschichte der fünf grossen nordamerikanischen Profiligen NLF, NBA, MLB, NHL und MLS, ein echter Albatros. Zum Vergleich: Das durchschnittliche jährliche Haushaltseinkommen in Philadelphia beträgt 41'500 Dollar.
Die Ligen gleichen in diesen Tagen Gelddruckmaschinen, für die Mehrzahl der Athleten, und vor allem für die Inhaber. Gigantische Verträge für Übertragungsrechte haben aberwitzige, fast inflationäre Summen in die Kassen gespült. Alleine die Verträge der Basketball Profiliga NBA bringen zwischen 2016 und 2025 satte 24 Milliarden Dollar ein. Die bis 2022 gültigen Abkommen der NFL sind 22 Milliarden wert. Ted Leonsis, dem in Washington die NBA- und NHL-Franchise gehört, sagte kürzlich: «Es hat noch nie einen besseren Zeitpunkt gegeben, um ein Sportteam zu besitzen.»
Stephan Anliker, der Präsident der Grasshoppers, würde ihm vermutlich widersprechen, aber auf Nordamerika reduziert, trifft die Einschätzung zu, es herrscht eine Art Goldgräberstimmung: Leonsis, ein Amerikaner, der seine ersten Millionen im Medienbereich scheffelte, zahlte im Jahr 2000 den Betrag von 551 Millionen Dollar für die Washington Wizards. Der Wert des Basketballteams hat sich inzwischen verdreifacht, obwohl die Wizards eine der dysfunktionalsten Organisationen der NBA sind, sportlich chronisch erfolglos. Wirtschaftlich prosperiert das Unternehmen dennoch, und die Entwicklung bei den Wizards steht exemplarisch für einen beispiellosen Boom.
Das NFL-Team Dallas Cowboys, das wertvollste Sportunternehmen der Welt, wird inzwischen mit drei Milliarden Dollar kotiert – auch das ist, natürlich, Rekord. Und Seattle, das ab 2020/21 die 32. NHL-Organisation stellen wird, zahlt eine Aufnahmegebühr von 650 Millionen Dollar. Beim Eintritt der Nashville Predators von 1998 waren noch 80 Millionen fällig geworden – selbst inflationsbereinigt sind das lediglich 124 Millionen.
Ein Ende der Spirale ist nicht in Sicht. «Forbes» schrieb kürzlich: «Die Sport-Blase platzt nicht.» Denn die Ligen sind Big Business, gewaltige Unterhaltungsmaschinen, die nie ruhen. Ihr Aufregungszyklus wird 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr bedient. Die Übertragungs- und Medienrechte sind entsprechend gefragter denn je. Neben den traditionellen TV-Stationen bieten auch Streamingdienste und Wirtschaftsschwergewichte wie Amazon mit. Selbst Facebook versucht, Fuss zu fassen: 2018 zahlte die Plattform mehr als 30 Millionen, um 25 Baseball-Partien streamen zu können.
Niemand profitiert vom Reibach mehr als die milliardenschweren Besitzer, in den meisten Fällen alte, weisse Männer. Doch auch die Gehaltsobergrenzen und somit in letzter Konsequenz die Einkommen der Spieler steigen kontinuierlich. In der NBA betrug das Durchschnittssalär 2017/18 7,71 Millionen Dollar, es war der global höchste Wert, was auch damit zusammenhängt, dass in einem NBA-Team nur 14 Spieler auf der Lohnliste stehen, substanziell weniger als in den anderen Sportarten. Zum Vergleich: In der MLB betrug der Durchschnitt 4,50, in der NFL 2,91, in der NHL 2,78 Millionen und in der erst 1994 gegründeten, aber beständig wachsenden MLS 375'257 Dollar.
Kaum jemand darbt, und zu den üppigen Entschädigungen der Spieler durch die Klubs kommen individuelle Werbeverträge hinzu. Bei Stephen Curry, dem bestbezahlten Basketballer der Welt, übersteigen die Sponsoringeinnahmen mit 42 Millionen sein eigentliches Salär. Und LeBron James, der Weltstar der Los Angeles Lakers, unterschrieb bei Nike einen lebenslangen Vertrag, der ihm bis zu eine Milliarde einbringen kann.
Der Gigantismus in der Glitzerwelt des US-Profisports kennt keine Grenzen. Scott Boras, der machiavellistische Agent von Bryce Harper, verhandelte monatelang, um den Vertrag des Baseballers Giancarlo Stanton von 13 Jahren und 325 Millionen zu toppen. Er erreichte das Ziel, Harper erhält 5 Millionen mehr, doch die Bestmarke wird nicht lange halten: Der nächste Rekord kommt bestimmt.