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"Öko" ist ein oft ideologisch verwendetes Label, das zwei korrespondierende Bedeutungen hat:
Öko ist quasi-etymologisch an das griechische "oikos" (Haushalt) angelehnt. Öko singnalisiert Projektionen von Haushalt auf andere Verhältnisse: In der Oekologie werden natürliche (oder naturgesetzliche) Verhältnisse, in der Oekonomie werden warenwirtschaftliche Verhältnisse wie Haushalte dargestellt.
Ökologie und Ökonomie suggerieren vernünftiges Haushalten, obwohl oder gerade weil sie keinen Haushalter haben. In der Oekologie zeigt sich die vermeintliche Vernunft in Fliessgleichgewichten wie sie etwa durch die Räuber-Beute-Gleichungen beschrieben werden. In der Ökonomie zeigt sie sich beispielsweise als "unsichtbare Hand", die zum Wohle Aller in der Nation schaut. Menschen erscheinen in beiden Lehrenn als Störgrössen.
Der eigentliche, von Menschen geführte Haushalt ist gemeinschaftlich und wird bewusst in einem Fliessgleichgewicht gehalten. In der Ökologie fehlt das Bewusste, in der Ökonomie das Gemeinschaftliche.
Sprachkritik
Weil die ideologische Funktion der Vorsilbe Öko im verbreiteten Sprachempfinden tief verwurzelt ist, bezeichne ich das bewusste Haushalten im eigentlichen Sinn als Oikonomik, die Lehre dazu als Oikologie.
K. Marx bezeichnte die Ökonomie der Warengesellschaft in seiner Kritik als politische Ökonomie, um die Differenz hervorzuheben.
Was ist der Unterschied zwischen ÖkoNomie und ÖkoLogie? Wenn ich den etymologie-schnickschnack mitmache, glaube ich, dass Öko für Haus steht, Nomos für Geld(gesetzmässigkeiten) und Logie für Lehre. Ökonomie würde also Geldgesetzmässigkeiten im Haus oder Haushalt bezeichnen und Ökologie wäre ein Lehre über das Haus oder das Haushalten.
Ich neige aber dazu, Kunstwörter wie Öko nicht so einfältig zu deuten, sondern darauf zu achten, welche Differenzen sie bezeichnen: Was heisst Öko im Unterschied zu Haus oder Haushalt? Denn diese beiden Wörter hatten wir ja bereits, als Ernst Haeckel 1866 den Ausdruck kreierte und schrieb: „Unter Oecologie verstehen wir die gesammte Wissenschaft von den Beziehungen des Organismus zur umgebenden Außenwelt, wohin wir im weiteren Sinne alle ‚Existenz-Bedingungen‘ rechnen können. Diese sind theils organischer theils anorganischer Natur.“ Mir fällt auf, dass E. Haeckel einen sehr spezielllen Haushalt beobachtete, nämlich den Organismus selbst und nicht den äusseren Haushalt, in welchem der Organismus lebt. Öko bezeichnet in diesem Sinn also eine metaphorische Übertragung auf den Organismus, welcher von E. Haeckel als haushälterische Organisation beobachtet wurde. Wenn ich von meinem Haushalt spreche, spreche ich normalerweise nicht von meinem Körper, aber ich spreche durchaus auch von meinem Körperhaushalt.
Als sich lange vor „Ökologie“ der Ausdruck „Oekonomie“ ab dem 16. Jhd in den europäischen Sprachen einbürgerte, war auch nicht der Haushalt gemeint, sondern der Staatshaushalt, also auch eine Metapher. Man könnte sagen, dass der eigentliche Haushalt nach oben und nach unter projiziert wurde, und dass diese Verschiebung durch Öko bezeichnet wurde.
Hinreichend abstrakt kann man mit Öko-nomie/logie die Effizient bezeichnen, mit welcher „Öko“systeme ihre Umwelt verarbeiten. Nomie und Logie bezeichnen dabei in einem hier nicht klärbaren Sinn verschiedene Momente derselben Projektion. Öko steht in diesem Sinn für die Differenz zwischen Öko und Haushalt, wobei Haushalt einen gemeinschaftlichen Prozess bezeichnet, in welchem nicht getauscht wird, während Öko einen gesellschaftlichen Prozess bezeichnet, in welchem die fehlende Gemeinschaftlichkeit politisch vermittelt wird.
Mich interessiert der Haushalt radikal und die Ökologie und die Ökonomie reflektieren die Metapher in dem Sinne, als sie zeigen, was gerade nichts mit Haushaltung zu tun hat. Darin sehe ich eine spezifische Form der Differenz: ich beobachte den Haushalt durch dessen Negationen. Also: Was ist der Unterschied zwischen ÖkoNomie und ÖkoLogie? Egal, beide negieren das, was ich als Haus bezeichne.