Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03443.jsonl.gz/1003

Ein besonderer Star ist sich schon jetzt grosser Beachtung sicher: der Ocean Course, auf dem ab Donnerstag gespielt wird.
Gerade für das amerikanische Golf ist der grandiose Platz an der Atlantik-Küste auf dem mit Golfplätzen übersäten Kiawah Island im Bundesstaat South Carolina eine Art Wallfahrtsort.
Alles geht auf den September 1991 zurück. Auf dem Ocean Course bekämpften sich seinerzeit die je besten zwölf Golfer der USA und Europas am Ryder Cup. Dieser Kontinentalwettkampf ging als «War on the Shore» («Krieg an der Küste») in die Historie ein. In den zwölf Einzeln am Sonntag ging es um jeden halben Punkt. Den Europäern, den Titelverteidigern, hätte ein Unentschieden (14:14) gereicht, um den Cup zu behalten. Im zweitletzten Duell spielten zwei renommierte Majorturnier-Gewinner gegeneinander: Deutschlands Star Bernhard Langer gegen den US-Golfer Hale Irwin. Am 18. Loch blieb Langer ein Putt zum Par aus deutlich weniger als zwei Meter. Der üblicherweise nervenstarke Schwabe hielt dem ungeheuren Druck nicht stand. Der Ball strich über die rechte Lochkante, die Amerikaner siegten 14,5:13,5 und holten den 1985 verlorenen Pokal zurück.
Wer in dieser Woche der Star unter den Golfern wird, ist offener als je. Betrachtet man die vier grossen Turniere, die nach dem coronabedingten Unterbruch ab August 2020 durchgeführt werden konnten, entdeckt man nur einen Sieger, mit dem unbedingt zu rechnen war. Es ist Dustin Johnson, der als Leader der Weltrangliste die Konkurrenz am US Masters in Augusta im November deutlich distanzierte und den längst fälligen zweiten Triumph an einem Majorturnier in sein Palmarès brachte. Nicht zu rechnen war hingegen mit dem Japaner Hideki Matsuyama als Gewinner des US Masters vor gut einem Monat, nicht mit dem amerikanischen Kraftpaket und Longhitter Bryson DeChambeau als US-Open-Champion im September und am wenigsten mit dem US-Golfer Collin Morikawa, der als kompletter Aussenseiter im August die US PGA Championship in San Francisco gewann und deshalb in dieser Woche als Titelverteidiger antreten wird.
Dustin Johnson, der Schwiegersohn von Wayne Gretzky, ist auch heute noch der überlegene Erste der Weltrangliste, aber in seinen acht Turnieren dieses Jahres auf dem amerikanischen Circuit war er nie besser als Achter. Auch Nordirlands Star Rory McIlroy, der auf Kiawah Island seinen fünften grossen Sieg anstrebt, gelang in diesem Kalenderjahr lange Zeit nicht viel. Aber erst vor kurzem zeigte sich McIlroy bei seinem Sieg in Charlotte plötzlich in bester Form.
Die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch, dass die 103. US PGA Championship einen erstmaligen Majorturnier-Gewinner hervorbringen wird. Er könnte Jon Rahm heissen. Der spanische Vielspieler mit Schweizer Wurzeln gewann heuer noch kein Turnier, klassierte sich jedoch neunmal in den Top 10. Erstmals in der Geschichte taucht ein Norweger im Favoritenkreis eines Majors auf. Der konstant auf hohem Niveau spielende, erst 23-jährige Viktor Hovland hat sich mit einer Reihe guter Ergebnisse an die 11. Stelle der Weltrangliste verbessert. Hovlands Sieg wäre für das norwegische Golf eine Sensation. Noch vor 15, 20 Jahren lag Norwegens Profigolf hinter dem schweizerischen zurück.