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Büchsenschmied/in
Büchsenschmiede* stellen Gewehr- und Pistolenläufe her. Sie schmieden Metallplatinen, überwiegend Eisen und Stahl, im rotglühenden Zustand zu Rohren. Die Rohre werden verschweisst und anschliessend ausgebohrt. Letzteres geschieht mit Hilfe von Stangenbohrern, die mit spiralförmigen Schneiden ausgestattet sind. Abschliessend werden die Rohre geschliffen und poliert. Die Produkte des Büchsenschmieds werden vom Büchsenmacher zu fertigen Handfeuerwaffen weiterverarbeitet.
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Das Handwerk des Büchsenschmieds kann in der Schweiz heute nicht mehr über die reguläre Berufsbildung erlernt werden. Als Basis empfiehlt sich die vierjährige Ausbildung zum Metallbauer EFZ, Fachrichtung Schmiedearbeiten.
Geschichte
Nachdem Schiesspulver in China bereits im 8./9. Jahrhundert für Feuerwerkskörper verwendet wurde, kam es in Europa erst im 13. Jahrhundert auf. Ab ca. 1320 wurde es hier für Geschütze eingesetzt. Die „Donnerbüchse“ war das älteste geschmiedete Handgeschütz in deutschen Raum. Daraus entwickelte sich über Knall- und Hakenbüchsen durch die Einführung des Luntenschlosses die Muskete und aus dieser schliesslich das Steinschlossgewehr, das vom ausgehenden 17. bis ins frühe 19. Jahrhundert die militärische Standardwaffe darstellte.
Das Handwerk der Büchsenschmiede ging aus dem der Grobschmiede hervor. Grobschmiede stellten Werkzeuge und Geräte wie Schaufeln, Hämmer, Äxte, Pflugscharen, Schiffsanker, Radreifen, Radachsen und viele andere mehr her. Bis zur zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts fertigten sie auch Büchsenrohre und Handkanonen. Als die Nachfrage nach Feuerwaffen anstieg, begannen einige Grobschmiede, sich auf deren Herstellung zu spezialisieren; es entstand das selbständige zünftige Gewerbe der Büchsenschmiede. Die schnell zunehmende Bedeutung von Handfeuerwaffen einerseits, vortreffliche Schmiedearbeit und hochwertige Produkte andererseits brachten dem Büchsenschmied im Laufe des 16. Jahrhunderts wachsendes Ansehen.
Die Ausstattung der Gewehr- und Pistolenläufe mit Feuerschlössern oblag zunächst den Schlossern. Auch hier bildete sich durch Spezialisierung und Abspaltung ein eigener Berufszweig, zuerst der der Feuerschlossmacher, aus diesem wiederum entstand ab Mitte des 16. Jahrhunderts das Handwerk der Büchsenmacher als eigenständiges Gewerbe innerhalb der Kleinschmiedegilde.
Im 17. Jahrhundert war in Deutschland der Bedarf an Handfeuerwaffen bereits so gross geworden, dass die handwerkliche Produktion in Büchsenmacherwerkstätten zur Deckung nicht mehr ausreichte. Verlagsartige Strukturen kamen auf: Gewehrhändler bezogen fertige Läufe vom Büchsenschmied und Schafthölzer vom Schäfter und stellten Büchsenmacher ein, um die Waffen zusammenzubauen und zu überarbeiten. Im 18. Jahrhundert wurden die ersten Gewehrmanufakturen gegründet. Die handwerkliche Produktion verlor seither zunehmend an Bedeutung.
Im Gegensatz zu Deutschland erlangte in der Schweiz die Herstellung von Feuerwaffen bis ins 20. Jahrhundert keine Bedeutung, entsprechend schwach vertreten waren auch Büchsenschmiede. Die Schweiz deckte ihren Bedarf an Feuerwaffen beinahe vollständig durch Importe aus Deutschland, Italien, Frankreich oder Belgien. Bis zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurden fertige Musketen und Büchsen importiert, von da an nur noch Läufe und Schlösser, welche von lokalen Büchsenmachern zusammengebaut wurden. Auch in der Schweiz wurde das Handwerk schliesslich von Fabriken zurückgedrängt: In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Rüstungsbetriebe gegründet. Vorerst produzierten diese ausschliesslich für den Eigenbedarf, in den 1920er Jahren kam es schliesslich zur Einrichtung exportorientierter Betriebe.
* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird nur die männliche Form verwendet.
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Literatur
Berufsverzeichnis des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation SBFI, www.bvz.admin.ch/bvz/berufe → Eintrag Metallbauer EFZ/Metallbauerin EFZ, http://www.bvz.admin.ch/bvz/grundbildung/index.html?detail=1&typ=EFZ&item=739&lang=de, abgerufen am 18.08.2014.
Glage Wolfgang: Büchsenmacher und Büchsenschäfter, in: Reith Reinhold (Hg.): Das alte Handwerk. Von Bader bis Zinngiesser, München 2008, S. 54-57.
Hug Peter: Waffenproduktion und -handel, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 26.08.2013, URL: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D13982.php, abgerufen am 06.08.2014
Palla Rudi: Verschwundene Arbeit. Ein Thesaurus der untergegangenen Berufe, Frankfurt am Main 1994, S. 59-61 / 62-65 / 126-128.
Schiesspulver, in: Die Brockhaus Enzyklopädie Online, Gütersloh/München, abgerufen am 18.08.2014.
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