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Martin Vosseler, eine Lichtgestalt der Umwelt- und Friedensbewegung
Der «Mitweltarzt» und Solarpionier ist einem Verkehrsunfall zum Opfer gefallen
«Man soll seine Anliegen so vertreten, dass man auch selber Freude daran hat. Enthusiasmus funktioniert besser als Drohbotschaften.»
Martin Vosseler, der selbstlose, bescheidene «Mitweltarzt», der scheinbar mühelos so Grosses in die Welt brachte, war ein Meister seiner selbst: klar, hartnäckig und immer freundlich. «Man soll seine Anliegen so vertreten, dass man auch selber Freude daran hat», sagte er mir einmal. «Enthusiasmus funktioniert besser als Drohbotschaften.» Und damit ich ihn ja richtig verstehe, erklärte er gleich noch die Herkunft des Wortes: «en theo einai» ist griechisch und heisst wörtlich «in Gott sein». Dieser Enthusiasmus war wohl sein Geheimnis.
Der Internist und Psychosomatiker (*1948) war eine Lichtgestalt der Umwelt- und Friedensbewegung der Schweiz. Er hat das Rampenlicht weder gebraucht noch gesucht, aber oft bekommen. Er gründete 1981 den Schweizer Ableger der «ÄrztInnen für soziale Verantwortung und zur Verhütung eines Atomkrieges (PSR/IPPNW Schweiz)». 1985 unterstützte er massgeblich die Aktion «Luft ist Leben»; zwei Jahre später war er einer der fünf Gründer der «Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz» wurden. In den 1990er Jahren war Mitinitiant der Bewegung SONNEschweiz und der SUN21, die sich zum weltweit wichtigsten Treffen der Solarenergie entwickelte und die er mehrere Jahre als Geschäftsführer leitete. 2005 campierte er auf dem Gelände der Zollfreistrasse in Basel und trat zu ihrer Verhinderung in den Hungerstreik. 2006/07 überquerte er den Atlantik im Solarboot und 2007 wurde er mit dem Europäischen Solarpreis ausgezeichnet.
Martin Vosseler war aber nicht nur in vielen Gruppen und Organisationen aktiv und wirksam, sondern oft auch ganz mit sich allein unterwegs. 30’000 Schritte sollen sein Tagespensum gewesen sein.
Er wanderte für den Frieden nach Jerusalem und nach St. Petersburg und für die Sonnenenergie quer durch die USA. Dabei besuchte er Projekte, sprach mit Politikern und trat in Talkshows auf. Vor allem aber war er mit sich allein und rezitierte Gedichte. 250 Gedichte und ein paar Dutzend Lieder umfasste sein Repertoire. Begonnen hat er mit dieser Übung im Alter von fünfzehn Jahren, als er erkannte, dass alle seine Vorbilder im Gefängnis waren und dass einem dort alles genommen wird bis auf die Gedichte.
Am 23. Oktober ist Martin Vosseler in Basel auf dem Velo von einem Lastwagen erfasst und getötet worden. Sein Unfalltod kann nur einen Sinn haben, wenn tausend Hände seine Fackel in die Welt hinaustragen – mit Enthusiasmus.
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