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Den bislang letzten Auftritt beim French Open hatte Federer 2015. Damals verlor er den Viertelfinal in drei Sätzen gegen den späteren Sieger Stan Wawrinka. Ein Jahr später beschränkte sich sein Gastspiel in Roland Garros auf ein Training, das er mit Knie- und Rückenbeschwerden abbrach. 2017 und 2018 passte er dann freiwillig. Die Freude am Sand war ihm abhanden gekommen, am Spiel auf dieser Unterlage, die so unberechenbar ist, je nach Wetter so unterschiedliche Eigenschaften hat.
Nun ist Federer zurück bei jenem Grand-Slam-Turnier, das ihm am wenigsten Titel beschert und immer im Schatten des wenige Wochen später stattfindenden Wimbledon gestanden hat. In Paris bezog er zahlreiche schmerzhafte Niederlagen gegen Rafael Nadal - eine im Halbfinal, vier im Final -, feierte aber auch 2009 den Titel, der seinen Karriere-Slam vollendete. "Es war einer der schönsten Momente meiner Karriere" erinnerte sich Federer im Interview mit der französischen Sportzeitung "L'Equipe". Dieser Titel rangiere in den Top 3 seiner persönlichen Rangliste.
2009 hatte Federer nach dem Achtelfinal-Out von Rafael Nadal gegen Robin Söderling für den Rest des Turniers die ganze Last des Favoriten zu tragen. Zehn Jahre später präsentiert sich die Situation ganz anders. Der 37-Jährige darf, muss aber nicht. In Madrid und Rom hat er beweisen, dass er wie erwartet konkurrenzfähig ist. Aber der Druck ist gering. Federer kann befreit aufspielen und geniesst es. Scheitert er in Paris, wird sein Fokus rasch wieder auf Wimbledon gerichtet sein.
Am Dienstag trainierte Federer erstmals auf dem Court Philippe Chatrier, im Hauptstadion, das in den letzten Monaten fast komplett neu erbaut wurde und für die Austragung 2020 ein Dach bekommen wird. Nach seinem Forfait in Rom vor dem Viertelfinal gegen Stefanos Tsitsipas wegen Schmerzen im rechten Bein liess der Basler in der unmittelbaren Vorbereitung auf das am Sonntag beginnende Turnier keinerlei Beschwerden erkennen. Die Aufgabe in Rom war wie vermutet in erster Linie eine Vorsichtsmassnahme.
Rafael Nadal kam in Italiens Hauptstadt zu seinem ersten Turniersieg des Jahres und festigte oder sicherte sich - je nach Sichtweise - den Status des Topfavoriten. Der elffache Sieger führt die Liste der aussichtsreichsten Titelanwärter vor Novak Djokovic und Vorjahresfinalist Dominic Thiem an. Seit seinem Zwischentief mit dem Viertelfinal-Out 2015 und der Aufgabe 2016 hat Nadal die letzten beiden French Open mit insgesamt nur einem Satzverlust für sich entschieden. Von den ganz Jungen überzeugte zuletzt der Grieche Tsitsipas am meisten.
Wo Stan Wawrinka steht, ist nicht auszumachen. Dass der Waadtländer durchaus hoch gehandelt wird, hat mehr mit seiner mehrmals bewiesenen Fähigkeit, sich bei Majors Runde für Runde zu steigern, zu tun als mit den letzten Resultaten. Seit der 34-Jährige in Madrid mit drei eindrücklichen Siegen in den Viertelfinal vorgestossen ist, hat er dreimal in Folge verloren, zuletzt diese Woche in Genf gegen den Bosnier Damir Dzumhur. Seine Form schwankte zuletzt von Satz zu Satz in beeindruckendem Ausmass.
In Sorge ist Wawrinka trotz der enttäuschenden Auftritte in Rom und Genf aber nicht: "Ich weiss, was ich ändern muss." Es gelte, die Puzzleteile zusammenzubringen, erklärte der dreifache Major-Champion. Derzeit stimme vieles, er bewege sich gut. "Aber zu einem gewissen Zeitpunkt mache ich nicht mehr genug." Das habe viel mit fehlendem Selbstvertrauen zu tun. Nun hofft Wawrinka, in Paris wieder die für sein Spiel nötige Selbstsicherheit zu finden.
(sda)