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Der Park zählt auf rund 70 Lehrer der 14 Ethnien, welche in 36 Schulen tätig sind, die sich innerhalb der Dörfer und auf den Indianerschutz-Posten befinden. Heute gibt es rund 1.260 Schüler. Die Lehrer haben das “Projeto Político e Pedagógico“ (Politisch-Pädagogisches Projekt) ihrer Schulen entsprechend redigiert – es besteht aus der Ersten bis Vierten Etappe (entspricht den ersten vier Klassen der brasilianischen Grundschule).
Die Mehrheit dieser indianischen Schulen ist an die “Secretaria de Estado de Educação de Mato Grosso“ gekoppelt, darunter gibt es sieben Schulen, die mit Distrikten in direkter Nachbarschaft des Parks verbunden sind. Ab dem Jahr 1994 hat man mit Hilfe der Lehrer, und dem Beistand von Linguistikern, Alphabete in allen gängigen Indianersprachen geschaffen. Die Lehrer produzieren ihre eigenen didaktischen Bücher in ihrer jeweiligen Indianersprache, sowie in Portugiesisch, für den Unterricht.
Die Gesundheit der Indianer betreffend, ist die Diskussion über die Neuorganisation der medizinischen Betreuung 1990 neu aufgeflammt, unter Leitung von Studenten der UNIFESP (Escola Paulista de Medicina) sowie einigen eingeborenen Gesundheits-Agenten und ein paar lokalen Führern. Die Unterhaltung eines regulären Programms zur Ausbildung der eingeborenen Sanitäter, die von der Gesundheits-Equipe der ATIX entwickelte Arbeit und deren Führungsgremium, ermöglichten die Schaffung einer Verbindung mit den einzelnen eingeborenen Kommunen zur Diskussion ihrer Gesundheitsprobleme. Zur gleichen Zeit ermöglichten sie eine bessere zwischenmenschliche Artikulation, an der sich die FUNASA (Fundação Nacional de Saúde), die FUNAI, die “Secretaria de Estado da Saúde de Mato Grosso“ (SES/MT) und die “Secretarias Municipais de Saúde“ (SMS) als Vertreter öffentlicher Institutionen beteiligten, ausserdem einige Distriktsvertreter rund um den “Parque Indigena do Xingu“. Sie alle setzten sich für eine bessere Organisation und Überwachung der Gesundheit ihrer indianischen Nachbarn ein. Das Resultat war die Schaffung des “Distrito Sanitário Especial Indígena do Xingu (DSEI/ Xingu), welcher sich durch ein vollkommen neues medizinisches und sanitäres Vorsorgekonzept auszeichnet.
Der DSEI/XINGU begann offiziell am 12. August 1999 mit seinen Aktivitäten, nach einer zwischen der FUNASA und der UNIFESP getroffenen Vereinbarung. Entsprechend ihres Inhalts ist die UNIFESP verantwortlich für die Ausführung der medizinischen Grundversorgung aller Dörfer. Die FUNASA hat ihrerseits für die benötigten finanziellen Mittel zu sorgen, alle Aktionen zu begleiten und aufzuzeichnen, sowie die Kontrolle von endemischen Krankheiten, wie Malaria und Dengue, zu übernehmen.
Das gesamte Territorium des PIX wurde in drei Gesundheitssektoren aufgeteilt, jede gehört zu einem Basispol: dem Posten Leonardo, dem Posten Pavuru und dem Posten Diauarum. Jeder Basispol kann auf ein medizinisch ausgebildetes multiprofessionelles Team zählen: es setzt sich aus Ärzten, Krankenpflegern, Hilfsschwestern und indianischen Sanitätern zusammen.
Erste Hilfe wird in der Regel innerhalb der Dörfer selbst geleistet, regelmässige Besuche zu vereinbarten Zeiten von einer sanitären Equipe sind üblich. Dort werden die Menschen auf sanitäre Missstände hingewiesen, die Schulen werden von diesem Team besucht, Gesundheitsvorsorge ist auch ein Unterrichtsthema geworden. Wenn es nicht möglich ist, ein Gesundheitsproblem im Dorf selbst zu lösen, werden die Kranken in die Krankenstation des Basispols verbracht.
Es gibt sehr viele verschiedene Herausforderungen, die man in den Griff bekommen muss, um die Erhaltung des “Parque Indígena do Xingu“ garantieren zu können. Einige davon haben ihre Wurzeln in der Geschichte der Verfassung eines Indianer-Territoriums, welches intern enorme Unterschiede aufweist – sowohl vom soziokulturellen Gesichtspunkt als auch vom ökologischen – und in dessen Umfeld der Prozess der Besetzung durch Neusiedler und die durch sie verursachte unkontrollierte Abholzung und Gewässerverschmutzung inzwischen bedrohliche Formen angenommen hat. Auf der anderen Seite gibt es die Herausforderungen, welche aus der Tatsache entstehen, dass diese indianischen Gesellschaften sich heutzutage mit den ihnen vorgegebenen Grenzen ihres Territoriums abzufinden haben.
Zu diesem Bild gesellt sich noch eine signifikante Änderung in der Politik der Administration des Parks: Jene vermittelnde Administration, paternalistischer Vorstand des PIX seit seiner Gründung 1961, zieht nun seine historischen Verantwortlichkeiten Schritt für Schritt zurück. So sind die Indianer in Eigenverantwortung gezwungen etwas zu tun, mit dem sie sich bisher nie haben befassen müssen: sich politisch zu organisieren und die Themen zu erarbeiten, mit denen sie der Aussenwelt des Parks gegenübertreten wollen.
Wenn gewisse Prozesse, die ausserhalb des PIX ablaufen, seinen Bestand aber direkt beeinflussen, dann hängt seine Erhaltung nicht nur von den Massnahmen der Indianer und Nichtindianer ab, die, wie die Equipe der ISA, innerhalb des Parks agieren. Mit anderen Worten: es ist nötig, einen Weg zu finden, die Politik ausserhalb des Parks zu beeinflussen, in ihr mitzusprechen, mögliche Alliierte zu entdecken und zu versuchen, die Öffentlichkeit für die Probleme des PIX zu sensibilisieren – vor allem auch darauf aufmerksam zu machen, dass es sich dabei nicht nur um die Probleme der indianischen Bevölkerung sondern auch um die Verteidigung der Biovielfalt Amazoniens handelt.
Mit diesem Ziel vor Augen ist die einfache Denunzierung des landräuberischen Prozesses im Umfeld des Parks ungenügend, er muss von Daten begleitet werden, die Beweiskraft haben und zeigen, was da geschieht, und was daraus entstehen kann. Deshalb wurde von der ISA die Diagnose einer sozioambientalen Studie des Quellgebiets des Rio Xingu in Auftrag gegeben, deren Absicht es ist, einen weitläufigen und qualifizierten Dialog bezüglich der politischen Absichten hinsichtlich des Entwicklungsmodells der Xingu-Region zu provozieren.
Obwohl man auf dem Gebiet der Ökologie in Brasilien zahlreiche neue und vielversprechende Ideen in die Tat umgesetzt hat und noch umsetzt, regiert in der Xingu-Region immer noch die Mentalität, dass Entwicklung Synonym der Waldabholzung sei, der Monokultur und der Viehzucht. Die Zeit, eine effektive Diskussion hinsichtlich des regionalen Entwicklungsmodells in die Wege zu leiten, ist überreif.
Und über die externen Artikulationen hinaus ist es nötig, die Herausforderungen innerhalb des Parkgeländes nicht zu vergessen. Seine Bevölkerung, die sich 4.000 Personen nähert, mit einer Wachstumsrate von 3% pro Jahr, hat keine weitere Expansionsmöglichkeit. Daraus folgt, dass das Leben in den Dörfern eine progressive Sesshaftigkeit seiner Bewohner annimmt, im Gegensatz zum traditionellen Halbnomadentum. Der sie umgebende Raubbau an der Natur, der ihre gewohnten Proteinquellen vom Park fernhält und dezimiert (Wild, Fische, etc.) vervollständigt ein Bild, in dem die Reproduktion der natürlichen Ressourcen problematisch zu werden droht – mit zunehmender Tendenz.
Das Palmstroh “Inajá”, zum Beispiel, es wird zur Dachbedeckung der indianischen Häuser verwendet, ist in einigen Dorfbereichen bereits rar geworden. Der unkontrollierte Einsatz von Feuer zur Brandrodung beeinträchtigt die natürlichen Ressourcen. Dasselbe gilt für den Kommerz mit Kunsthandwerk nach ausserhalb des Parks, der den Einsatz von Rohmaterialien in viel grösserem Umfang erforderlich macht, als es vorher für den Tausch innerhalb der Völker des Parks notwendig war.
Die gesamte drängende Problematik und die Realität der Situation erlauben es nicht, den Dialog zwischen den Indianern des PIX und unserer Gesellschaft noch länger hinaus zu schieben. Wie viel Zeit wurde schon vergeudet, bis wir uns endlich auf die Grenzen der Erhaltung bestimmter natürlicher Ressourcen besonnen haben? Wieviele davon sind nicht für immer verschwunden, bis endlich das Gewissen der Menschheit anfing zu schlagen, und man Schritte unternahm, damit andere uns erhalten blieben? Es ist klar, dass ein Einbegreifen der Indianer in eine solche Diskussion von bedeutenden Einzelheiten begleitet sein wird. In der okzidentalen Gesellschaft ist die Relation des Menschen mit der Natur und ihren Ressourcen dermassen kompliziert und hat so viele Masseinheiten, dass man ihre Herkunft glatt vergisst. In diesem Sinn ist die Position der Indianer, die direkter von der Natur abhängen und dieses Verhältnis auch leichter zu kontrollieren verstehen, vergleichsweise unkompliziert.