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Als Reaktion auf die kürzlich von der OECD veröffentlichten Ergebnisse der PISA-Studie 2022 fordert dpsuisse von der Schweizerischen Erziehungsdirektorenkonferenz einen ausgewogenen Bildungsansatz in dem die Bedeutung von gedrucktem Unterrichtsmaterial weiterhin seinen wichtigen Stellenwert im Lernprozess beibehält.
Gemäss der jüngsten PISA-Studie 2022 sind die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in den OECD-Länder um 10 Punkte gesunken. Ein Rückgang, der dem Lernstand eines halben Jahres entspricht! Diese Entwicklung ist in der Geschichte von PISA beispiellos. Der OECD-Durchschnitt beim Lesen hat sich zwischen zwei aufeinanderfolgenden Bewertungsjahren nie um mehr als fünf Punkte verändert.
Zwar scheint die COVID-19-Pandemie ein beeinflussender Faktor zu sein, der zu diesem Rückgang beiträgt, doch eine Trendanalyse zeigt, dass die Leseleistung bereits vor der Pandemie abgenommen hat, was auf ein langfristiges Problem hindeutet. Laut PISA 2022 schneiden Singapur, Irland, Japan, Korea, Chinesisch-Taipeh und Estland beim Lesen am besten ab. Lediglich Schweden und die Schweiz schneiden im europäischen Vergleich gut ab. Wobei die Studie schonungslos aufdeckt, dass rund 25 Prozent der Jugendlichen grosse Mühe beim Lesen von Texten bekunden und kaum Texte verstehen. siehe LCH
Im Durchschnitt werden 26 Prozent der Schülerinnen und Schüler in den OECD-Ländern als leistungsschwach im Lesen eingestuft. 68 Prozent der Schülerinnen und Schüler in den OECD-Ländern verfügen nur über begrenzte oder gar keine digitalen Navigationsfähigkeiten (PISA 2018).
Die kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass eine mässige Nutzung digitaler Geräte mit besseren schulischen Leistungen einhergeht, während eine übermässige Nutzung oder ein Missbrauch mit schlechteren schulischen Leistungen verbunden ist. Interessant ist auch, dass 45 Prozent der Schülerinnen und Schüler ohne ihre digitalen Geräte Ängste empfinden, die sich auf die Lebenszufriedenheit und Stressresistenz auswirken.
Professorin Anne Mangen vom Lesezentrum der Universität Stavanger weist in ihrer Arbeit auf einen starken Zusammenhang zwischen dem Lesen langer, linearer Texte in gedruckter Form und besseren Lesefähigkeiten hin und erläutert die negativen Auswirkungen von Bildschirmen auf das Leseverständnis, insbesondere bei Informationstexten. Diese Erkenntnisse werden durch die Ergebnisse von 54 Experimenten
1mit über 170'000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gestützt, die durchweg einen deutlichen Vorteil für das Lesen auf Papier zeigen, vor allem bei Informationstexten.
Die Forschung legt nahe (Delgado et al. 2018; PISA 2022), dass digitale Umgebungen weniger geeignet sind, ein tiefes Verständnis zu fördern, während das Lesen auf Papier in Situationen, die eine erhöhte geistige Anstrengung erfordern, wie beispielsweise das Lesen unter Zeitdruck oder die Auseinandersetzung mit komplexen Texten, einen grösseren Vorteil bietet. Ausserdem führt das Lesen am Bildschirm eher zu einer oberflächlichen Verarbeitung, während das Lesen in gedruckter Form das vertiefte Lesen besser unterstützt, insbesondere bei längeren und komplexeren Texten. Die Forschung weist daher auf einen negativen Zusammenhang zwischen extensivem digitalen Lesen und der allgemeinen Lesekompetenz hin.
dpuisse fordert eine umfassendere Betrachtung der Auswirkungen digitaler Geräte auf das Verständnis und die Entwicklung von Fähigkeiten. Angesichts der Besorgnis über abnehmende Lese- und Schreibfähigkeiten im Zusammenhang mit der übermässigen Digitalisierung im Bildungswesen fordert dpsuisse einen Marschhalt in der Digitalisierungsstrategie der einzelnen Kantone.
In diesem Zusammenhang verweist der Verband auf die Entwicklungen in Schweden. Obwohl die schwedischen Schülerinnen und Schüler im Lesen immer noch besser sind als der europäische Durchschnitt, hat der zwischen 2016 und 2021 beobachtete Rückgang dazu geführt, dass die Bildungsmethoden in Schweden überdacht werden. Das Land hat für gedruckte Schulbücher rund 650 Mio. SEK (über 55 Mio. Franken) im Jahr 2023 und 500 Mio. SEK (42,5 Mio. Franken) im Jahr 2024 vorgesehen, mit dem Ziel, ein Buch pro Schüler und Fach in den Grundschulen bereitzustellen.
Die Lese- und Schreibfähigkeit ist nach wie vor eine der wichtigsten Säulen der heutigen Gesellschaft. In Anbetracht des beispiellosen Rückgangs der Lesekompetenz und um das Schweizer Bildungssystem zukunftssicher zu machen, empfiehlt dpsuisse dringend einen durchdachten Ansatz und eine forschungsbasierte Entscheidungsfindung, wenn es darum geht, sich für digitale oder gedruckte Medien in der Bildung zu entscheiden. Es ist wichtig, ein Gleichgewicht zwischen gedruckten und digitalen Unterrichtsmaterialien zu finden und dabei die Stärken und Schwächen der beiden zu berücksichtigen. Da gedruckte Bücher eindeutige Vorteile in Bezug auf Konzentration, Verständnis, Behalten und die Entwicklung tiefgreifender Lesefähigkeiten bieten, ist es wichtig, gedruckte Bücher als integralen und dauerhaften Bestandteil der schulischen Bildung anzuerkennen.
1 Pablo Delgado, Cristina Vargas, Rakefet Ackerman, Ladislao Salmerón, Don't throw away your printed books: A meta-analysis on the effects of reading media on reading comprehension, Educational Research Review, Volume 25, 2018, Pages 23-38, ISSN 1747-938X, https://doi.org/10.1016/j.edurev.2018.09.003. ( https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1747938X18300101)