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Ende der 1950er und Anfang der 1960er-Jahre kamen viele Kinder mit verstümmelten Beinen oder Armen auf die Welt, nachdem ihre Mütter während der Schwangerschaft das Schlafmittel Contergan genommen hatten. Das war an Tieren getestet und als ungefährlich eingestuft worden. Vermitteln Tierversuche eine falsche Sicherheit?
So gut alle Tests auch sein mögen, man kann lediglich das Risiko verringern, dass unerwünschte Wirkungen auftreten. Man kann sie aber niemals vollkommen ausschliessen.
Thalidomid, der Wirkstoff von Contergan, einem Beruhigungsmittel und Schlafmittel, wurde vor der Markteinführung in den 1950ern an Nagetieren getestet. Die Schäden, die Contergan in den ersten Wochen der Schwangerschaft den menschlichen Embryonen zufügte, wurden in den Tierversuchen nicht entdeckt. Damals wurde noch nicht standardmässig an trächtigen Tieren getestet. Kurz nach dem Contergan-Skandal wurden Versuche an trächtigen Kaninchen gemacht, bei denen es genau zu den Missbildungen kam, die beim Menschen aufgetreten waren. Wäre Thalidomid bereits im Tierversuch an trächtigen Tieren getestet worden, hätte man die Veränderungen an den tierischen Embryonen also höchstwahrscheinlich bemerkt und dadurch gewusst, dass die Substanz diese schlimmen Effekte auf Embryonen verursacht. Solche (teratologischen) Tests sind heutzutage ein vorgeschriebener Teil der vorklinischen Entwicklung eines Medikamentes.
Im Zellversuch ist Thalidomid aber weder toxisch, noch verändert es das Erbgut. Mit den Alternativmethoden, die heute zur Verfügung stehen, wären die Missbildungen wahrscheinlich ebenfalls nicht entdeckt worden. Dies erklärt auch, warum es nicht ganz ohne den Einsatz von Tieren geht.