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im Altertum berühmte
Stadt in Zeugitana auf der Nordküste von Afrika,
[* 4] im Innern eines Meerbusens, war dem größten Teil nach von dem Tunesischen
See und dem Meer umflossen und hing mit dem Festland nur durch einen 25 Stadien breiten Isthmus zusammen.
Ihr ältester Teil war die 60 m hohe Burg, Byrsa genannt, um welche herum die Stadt allmählich erwuchs. Gegen die Seeseite
hin, wo das Ufer steil abfiel, ward letztere durch eine einfache, gegen die Landseite hin aber durch eine
starke, 16 m hohe und 9 m breite Mauer geschützt, welche mehrstöckig war und in ihrem Erdgeschoß Stallungen für 300 Kriegselefanten,
im mittlern für 4000 Pferde
[* 5] enthielt.
Nach neuern Berechnungen betrug der Umfang der Stadt höchstens 58-60 Stadien (11 km), der Umfang der Byrsa
aber 15 Stadien. Auf dem höchsten Punkte der letztern befand sich der vornehmste Tempel
[* 6] Karthagos, der des Esmun (Asklepios).
[* 7] Die Stadt hatte zwei Seehäfen, welche an einer nur ungefähr 100 m breiten, von dem Isthmus östlich zwischen dem Meer und
dem See hinauslaufenden Landzunge lagen und durch einen 70 Fuß breiten Kanal
[* 8] miteinander verbunden waren.
Der äußere war für Kauffahrteischiffe bestimmt.
Der innere oder der Kriegshafen hieß nach einer inmitten desselben sich hoch erhebenden Insel Kothon. Aus letzterer lagen
die Zeughäuser, und rings um sie her war Platz für 220 Kriegsschiffe. In der Nähe des letztern Hafens lag der Marktplatz,
von welchem drei mit hohen Häusern besetzte Hauptstraßen nach der Byrsa führten. Nordwestlich von der Byrsa auf einer flachen
Höhe lag ein besonderer, neuerer Stadtteil, Magalia (»Höhe«) genannt, der mit einer eignen Mauer umgeben war und durch eine 75 km
lange Wasserleitung
[* 9] versehen wurde. Die Bevölkerung
[* 10] der Stadt soll sich beim Anfang des dritten PunischenKriegs auf 700,000 Menschen belaufen haben. Nach ihrer Zerstörung 146 v. Chr. (s. unten) vom KaiserAugustus wieder aufgebaut,
wurde sie bald wieder so bedeutend, daß sie bis
Später (die Zeit ist nicht genau zu bestimmen) wurde dem Geschlechtersenat ein zweiter, der der Hundertmänner (die genauere
Zahl war 104), an die Seite gesetzt, welchen Aristoteles mit dem Ephorat der Spartaner vergleicht, welcher wohl ein kontrollierender
Gerichtshof war, und welcher demnach, obwohl er, wie ebenfalls von Aristoteles bezeugt wird, aus den reichsten Bürgern bestand,
einen demokratischen Charakter gehabt zu haben scheint, was im Lauf der Zeit zu innern, den Staat zerrüttenden
Parteikämpfen führte.
Die Kriegsmacht war vornehmlich Seemacht. Am stärksten war dieselbe während des ersten PunischenKriegs; dann sank sie unter
der Herrschaft der Barkiden, da diese zur Ausführung ihrer Eroberungspläne einer Seemacht weniger bedurften
als einer tüchtigen Landmacht. Zur Zeit der Kriege mit Syrakus
[* 14] hatte Karthago eine Flotte von 150-200 Kriegsschiffen, im ersten Krieg
mit Rom
[* 15] aber auf 350 Kriegsschiffen 150,000 Bewaffnete. Die trefflich eingeübten Ruderknechte waren gewöhnlich afrikanische
Sklaven.
Das Hauptgebiet des karthagischen Handels war das westliche Mittelmeer, und hier bildeten besonders die sizilischen und
süditalischen Seestädte die Stapelplätze für denselben. Die Karthager holten hier Öl und Wein und versahen damit teils
ihre Hauptstadt, teils andre Gegenden; dagegen brachten sie schwarze Sklaven aus dem innern Afrika, Edelsteine,
[* 16] Gold,
[* 17] afrikanische
Früchte und karthagische Manufakturwaren, von denen besonders die Webereien sehr berühmt waren.
Mit der ängstlichsten Sorgfalt wirkten sie jeder möglichen Konkurrenz mit andern Völkern entgegen und legten selbst ihren
Kolonien Beschränkungen in Bezug auf die Handelsfreiheit auf. Während daher der Hafen der Hauptstadt allen fremden Kaufleuten
offen stand, wurden die Häfen der Kolonien diesen, so lange es nur möglich war, verschlossen oder doch
nur unter lästigen Bedingungen geöffnet. Gleich den Phönikern, hatten die Karthager auch an der Westküste EuropasKolonien
und besuchten, um Zinn zu holen, die britischen Inseln (Kassiteriden). Es ist ferner wenigstens wahrscheinlich, daß sie des
Bernsteins wegen auch den Kanal und den Sund durchsegelten und die Küsten der Ostsee besuchten.
An der Westküste von Afrika, an der sie bis zum GrünenVorgebirge vordrangen, tauschten sie gegen Putzsachen und allerlei
Gerätschaften sowie gegen Wein und ägyptische LeinwandElfenbein und Felle ein; auch fingen sie hier den Thunfisch, der
ihnen so wertvoll erschien, daß sie die weitere Ausfuhr desselben verboten. Was den Landhandel anlangt, so hören
wir von Herodot, daß sich in dem ägyptischen Theben Libyer und Karthager, unzweifelhaft des Handels wegen, aufhielten, wohin
¶
Von dem Kultus ist nur der in ähnlicher Weise auch anderwärts vorkommende Gebrauch zu bemerken, dem Moloch
(statt dessen aber auch oft Baal genannt wird) Menschenopfer darzubringen. Es war üblich, jedes Jahr ein Kind und zwar das
einzige Kind vornehmer Eltern in die Arme des ehernen, über einem glühenden Ofen stehenden Standbildes des Gottes zu legen,
von wo es in den Ofen herabglitt. Außerdem geschah dies auch noch bei besondern Gelegenheiten, oft mit
einer großen Menge von Kindern, wie denn z. B., als Karthago durch Agathokles schwer bedroht war, deren 200 geopfert wurden. - Über
die Litteratur ist nichts Näheres bekannt. Es wird indes berichtet, daß bei der Zerstörung der Stadt mehrere Bibliotheken
vorgefunden wurden, welche die Römer,
[* 25] mit Ausnahme des Werkes eines Mago über den Ackerbau, verschenkten; dieses letztere
eigneten sie sich an, und es wurde von D. Silanus ins Lateinische übersetzt. Ferner ist zu bemerken, daß von einem Reisebericht
(Periplus) Hannos, welcher eine Entdeckungsreise an der Westküste von Afrika machte, noch eine griechische
Bearbeitung erhalten ist. Die Sprache
[* 26] der Karthager war die phönikische.
Geschichte.
Wir kennen die Geschichte Karthagos nur aus fremden Schriftstellern und zwar solchen, die nicht zur Blütezeit des Staats gelebt
haben. Nach der Sage gründete Dido (s. d.) oder Elissa, eine tyrische Königstochter, die Stadt und zwar nach Angabe
der meisten alten Schriftsteller 814 (vielleicht auch 846) v. Chr. Als von den Phönikern abstammend, hießen die Bewohner
der neuen Stadt Pönier oder Punier, und immer herrschte zwischen ihnen und den Tyriern ein Gefühl der Verwandtschaft.
Die Karthager entrichteten anfangs an die Libyer, von denen sie die Erlaubnis zur Niederlassung erkauft
hatten, einen Tribut und traten mit den Eingebornen bald in lebhaften Verkehr, infolge dessen sich viele der letztern in Karthago niederließen,
welchem Beispiel auch benachbarte phönikische Kolonisten, durch Karthagos günstige Lage angelockt, gefolgt sein mögen. Bald
fühlten sich aber die Karthager stark genug, nicht nur den Libyern den Tribut zu verweigern, sondern
sich dieselben durch Bekriegung auch dienstbar zu machen. So wurde das Gebiet Karthagos südlich bis an den Tritonsee, die
Grenzmarke zwischen dem fruchtbaren Land und der Wüste, östlich bis zum Turris Euprantus und bis zu den Arae Philaenorum ausgedehnt,
während es sich im W. bis in die Gegend von Hippo Regius (Bona), der Residenz der numidischen Könige, erstreckte.
Die
bis an den Tritonsee und bis an die numidische Grenze wohnenden Libyer oder Libyphöniker waren Unterthanen der Karthager,
mit Ausnahme der altphönikischen StädteUtica, Groß-Leptis, Hadrumetum, Klein-Leptis, Hippo Zarytos, welche in einem (jedoch
meist untergeordneten) Bundesgenossenverhältnis zu Karthago standen; das weiter östlich gelegene
Land war von nomadischen Völkerschaften bewohnt, weshalb daselbst keine feste Herrschaft der Karthager begründet werden
konnte.
Der Kampf um den ausschließlichen BesitzSiziliens nahm zwei Jahrhunderte lang die angestrengteste Thätigkeit
des Handelsstaats in Anspruch. Zuerst setzten sich die Karthager auf dem westlichen Teil der Insel fest, bemächtigten sich
der phönikischen Niederlassungen zu Motye und Panormos und dehnten sodann, die fortwährenden Streitigkeiten unter den griechischen
Städten ausbeutend, ihre Herrschaft weiter nach Osten aus. Nach Herodot rief der durch Theron von Agrigent
vertriebene Tyrann Terillos von Himera die Karthager zu Hilfe, und diese sollen 480 unter Hamilkars Anführung ein 300,000 Mann
starkes Heer nach Sizilien gesandt haben; Theron ward jedoch von Gelon von Syrakus unterstützt, und dieser brachte den Karthagern
bei Himera eine völlige Niederlage bei, in der ihr ganzes Heer vernichtet wurde.