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Am 12. Februar 1961 spielten Louis Armstrong und seine All Stars in der Festhalle in Bern. Ich hatte das Vergnügen, als Teenager das Konzert mitzuerleben, weiss allerdings heute nicht mehr, was ich als pubertärer Jazzfan damals empfand.
Die Aufnahme des Chicago-Konzertes, das zwar ein Jahr später und in leicht veränderter Besetzung stattfand (Joe Darensbourg ersetzte Barney Bigard an der Klarinette, und statt Mort Herbert war nun Billy Cronk am Bass), sollte meine Erinnerungen und Eindrücke von damals auffrischen.
Harte Jugendjahre
Louis «Satchmo» Armstrong hatte beim Chicago-Konzert bereits 61 bewegte Jahre hinter sich. Details können im Buch «Mein Leben in New Orleans» nachgelesen werden, das im englischen Original in diversen Formaten zum Gratisdownload zur Verfügung steht.
Seine Gesundheit war, gelinde gesagt, angeschlagen – nicht zuletzt deshalb, weil der bekennende Vielesser dauernd mit Gewichtsproblemen kämpfte, von Laxativen abhängig war und – im Gegensatz zu vielen seiner Musikerkollegen – zwar kaum Alkohol konsumierte, dafür aber regelmässig Marihuana rauchte. «It’s much better than Whisky», pflegte er zu sagen.
Hitsammlung
Armstrong war in diversen Hollywoodstreifen aufgetreten und hatte häufige Gastauftritte bei den damals so beliebten musikalischen US-TV-Talkshows.
Als begnadeter Musiker, Sänger und vor allem auch Showman begnügte er sich an seinen Konzerten in den 60er-Jahren damit, beinahe ausschliesslich seine Hits zu spielen. Zwar erwarteten damals wohl viele Konzertbesucher diese Hits, doch war dies musikalisch eher enttäuschend – zumindest aus meiner heutigen, persönlichen Sicht. Schliesslich wäre «The King of Jazz» (wahrscheinlich) zu viel mehr fähig gewesen.
Das vorliegende Album ist denn auch die Konzertform seiner Hitsammlung. Der Titelsong ist die Referenz an Ella Fitzgeralds Bemerkung in ihrem berühmten Berlinkonzert (siehe «Oldies but goodies #6»).
Das gekürzte Konzert
Der erste Titel «When it’s Sleepy Time Down South» war der traditionelle, kurze Eröffnungs- und Schlusssong vieler All-Stars-Konzerte. Danach wärmt sich die Band mit «(Back home again in) Indiana» auf: Jeder der sechs Musiker kann sich in einem kurzen Solo profilieren.
Ruhiger geht es in «Give Me A Kiss to Build a Dream On» zu und her. Die Mitmusiker unterstützen Armstrongs Trompete und Gesang. In «The Bucket’s Got a Hole In It» hat jeder Bläser ein Solo, und Trummy Young gar eine kurze Gesangseinlage.
Auf «Mack the Knife» scheint das Publikum, wie der Intro-Applaus verrät, gewartet zu haben. Dann folgt der Fats-Domino-Hit «Blueberry Hill». Beide Stücke sind für Satchmo reine Gesangsnummern.
Das eher zahme «When the Saints» scheint im Konzert die Vorpausennummer gewesen zu sein. Doch anschliessend geht’s gleich etwas aufgeheizter weiter mit dem Klassiker «Ole Miss». Nun folgen die Hitsongs «High Society Calypso», «C’est si bon», «La vie en rose» und «The Faithful Hussar».
Wieso sich die 2xHD-Leute auf diese zwölf Songs beschränkten und erst noch diverse amüsante Ansagen von Louis herausschnitten, weiss ich nicht. Die Originalaufnahmen umfassten 17 Stücke, unter anderem den «Basin Street Blues» und «Undecided» – Nummern, die Armstrongs Stil meiner Ansicht nach mehr entsprachen. Schade.
Enttäuschendes Remastering
Nachdem ich die 2xHD-remastered-Aufnahme mit der 1984 in der «Masters of Jazz»-Serie erschienenen Version direkt vergleichen konnte, musste ich feststellen, dass sich die Tonarten der Stücke leicht unterscheiden: Bei 2xHD sind sie fast einen Halbton tiefer. Das lässt nicht nur Armstrongs Stimme (unnatürlich) tiefer klingen, sondern nimmt einigen Stücken den Elan, den Swing. Wieso dies bei einer erneuten Abmischung geschehen kann, ohne dass die Tempi hörbar langsamer werden, ist mir ein Rätsel. Zudem geht die vorhandene Wärme der neuen Mischung teilweise auf Kosten der Transparenz verloren.
Immer noch «The King»
Armstrongs Trompetenstil ist immer noch einmalig, sein Gesang (oft imitiert, aber nie erreicht) ebenfalls. Das lässt die kommerziellen Anpassungen an den Publikumsgeschmack verschmerzen.
Und dass er drei Jahre nach diesem Konzert mit «Hello Dolly» (aus dem Film mit Barbra Streisand) sogar die Beatles vom Topplatz der Charts verdrängte und für seine Interpretation einen Grammy erhielt (als damals ältester Grammy-Gewinner), ging in die Musikgeschichte ein.
Fazit
Auch wenn das Chicago-Konzert nicht zu den absoluten Höhepunkten der langen und bewegten Karriere des Louis Armstrong gehört, so ist es als Zeitdokument absolut empfehlenswert. Nur hinter den Zusammenschnitt und die Tonqualität des 2xHD-Remasterings setze ich diesmal ein grosses Fragezeichen.