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Sandkatze
Felis margarita
© 1999 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)
Als der französische Naturforscher Victor Loche in den Jahren 1855 und 1856 an einer Expedition zur Erkundung der Ouargla-Oase in der nördlichen Sahara teilnahm, stiess er auf eine hübsche kleine Katze, die er als bislang unbekannte Art identifizierte. Zu Ehren des Expeditionsleiters Capitaine Margueritte gab er ihr den wissenschaftlichen Namen Felis margarita, also «Margueritte-Katze». Da margarita aber das griechische Wort für «Perle» ist, wurde die kleine Katze später - in Unkenntnis des Ursprungs ihres Namens - oft «Perlkatze» genannt. Auch die Bezeichnungen «Wüstenkatze» und «Dünenkatze» tauchten gelegentlich auf. Heute verwendet man jedoch allgemein den Namen «Sandkatze».
Die Sandkatze ist eine reine Wüstenbewohnerin. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom westafrikanischen Senegal ostwärts über die gesamte Sahara und die Wüsten der Arabischen Halbinsel bis in die Trockengebiete der westasiatischen Republiken Turkmenistan, Usbekistan und Kasachstan. Innerhalb ihres weiten Verbreitungsgebiets zeigt die Sandkatze eine deutliche Vorliebe für sandige, dünenreiche Wüstenstriche; in felsigen und buschbestandenen Gebieten findet man sie seltener. Wie die meisten Wüstentiere ist sie hauptsächlich nachts unterwegs. Die heissen Tagesstunden verschläft sie in einer selbst gegrabenen Höhle, mitunter auch im Schatten eines Strauchs.
Mit einer Schulterhöhe von rund 25 Zentimetern, einer Kopfrumpflänge von 40 bis 55 Zentimetern, einer Schwanzlänge um 30 Zentimeter und einem Gewicht von 2 bis 3,5 Kilogramm ist die Sandkatze eines der kleinsten Mitglieder der Katzenfamilie, kleiner noch als unsere Hauskatze. Den Bedingungen des Wüstenlebens ist sie hervorragend angepasst. So besitzt sie unter ihren Pfoten dicke Pelzkissen, welche aus langen, zwischen ihren Sohlenballen hervorwachsenden Haaren bestehen. Diese «Filzpantoffeln» ermöglichen es der Sandkatze, festen Tritt im lockeren Dünensand zu finden und sich mit erstaunlicher Leichtigkeit auf dieser Unterlage fortzubewegen. Ausserdem schützen sie die haarigen Polster davor, ihre Sohlen auf dem heissen Sand zu verbrennen, wenn sie gezwungen ist, tagsüber ihr Versteck zu verlassen.
Eine bemerkenswerte Anpassung der Sandkatze an ihren öden Lebensraum ist ferner ihr auffallend breiter, abgeflachter Schädel mit den weit aussen am Kopf ansetzenden Ohrmuscheln. In der Wüste gibt es ja fast keine Pflanzen, hinter denen sich die kleine Katze bei der Jagd verstecken kann. Dank ihrer Kopfform vermag sie sich aber so flach zu machen, dass ihr selbst die geringsten Bodenunebenheiten als Deckung genügen.
Über die Lebensweise der Sandkatze in freier Wildbahn sind nur wenige Einzelheiten bekannt: Wie fast alle Katzen lebt sie einzelgängerisch. Auf ihren nächtlichen Streifzügen erbeutet sie hauptsächlich kleine Wüstennager wie Springmäuse, Sandmäuse und Rennmäuse. Sie ist aber keineswegs wählerisch und nimmt auch gerne Nestlinge und Eier bodenbrütender Vögel sowie Echsen, Schlangen und grosse Insekten, wann immer sie solche erwischen kann. Ihren Flüssigkeitsbedarf vermag sie vollständig über ihre Nahrung zu decken und muss darum nie trinken.
In Westasien bringen die Sandkatzenweibchen im Allgemeinen im Frühling oder Frühsommer zwei bis vier Junge zur Welt. Die Kätzchen bleiben bis im Herbst mit ihren Müttern zusammen und werden bis dahin sorgfältig ins Handwerk des Beutegreifens eingeführt. Dann lösen sich die Familien auf, und die Jungen machen sich auf die Suche nach eigenen Wohngebieten in ihrer kargen Wüstenwelt.
Die Sandkatze bewohnt besonders ungastliche und daher selten begangene Winkel unseres Planeten. Es ist deshalb schwierig, ihre gegenwärtige Bestandssituation auch nur einigermassen exakt abzuschätzen. Immerhin wissen wir, dass der Lebensraum des kleinen Wüstenraubtiers in keiner Weise bedroht ist: Weder im nördlichen Afrika noch in Arabien oder Westasien herrscht Mangel an Wüstengebieten mit Sanddünen...
Allerdings weist die Sandkatze von jeher nirgendwo hohe Bestandsdichten auf und ist darum sehr anfällig auf die direkte Nachstellung seitens des Menschen. Tatsächlich hat dies gebietsweise zu einem Rückgang der Bestände geführt. Es wäre gewiss wünschenswert, wenn der hübschen kleinen Wüstenbewohnerin ihr ohnehin nicht leichtes Leben in ihrer kargen Heimat nicht noch zusätzlich erschwert würde.
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