Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03160.jsonl.gz/1115

Neural Response to Catecholamine Depletion in Unmedicated Remitted Bulimic Subjects and Healthy Controls
Prof. Dr. med Gregor Hasler, Universitätsklinik und Poliklinik für Psychiatrie, Universität Bern
Kurze Zusammenfassung: Der Nervenbotenstoff Dopamin, der einen wichtige Funktion im Belohnungszentrum des Gehirns hat, spielt eine wichtige Rolle in der psychischen Störung Bulimie. Mit diesem Projekt soll untersucht werden, welche Strukturen und Prozesse im Gehirn dieser Erkrankung zugrunde liegen. Darüber hinaus werden genetische Faktoren, die das Dopamin-System beeinflussen, betrachtet. Diese Ergebnisse sollen in Zukunft helfen, individuelle pharmakologische und psychotherapeutische Therapien zu entwickeln.
Hintergrund: Die Bulimie, die auch Ess-Brech-Sucht genannt wird, ist eine schwerwiegende psychische Störung. Sie ist charakterisiert durch unkontrollierbare Essanfälle und Verhaltensweisen wie herbeigeführtes Erbrechen oder der Missbrauch von Abführmitteln, um einer Gewichtszunahme entgegen zu wirken. Oft hat die Störung einen chronischen Verlauf. Sie kann schwerwiegende Nachteile zu Folge haben wie die Ausdünnung des sozialen Netzes, Arbeitsunfähigkeit und körperlichen Erkrankungen (Speisenröhrenentzündung, Osteroporose). Häufig junge Frauen leiden unter dieser Störung und es gibt Anzeichen dafür, dass die Anzahl der Betroffenen besonders auch in der Schweiz zunimmt.
In einer von Schweizer Nationalfonds geförderten Studie konnte Prof. Gregor Hasler, Bern, nachweisen, dass Dopamin eine wichtige Rolle in der Bulimie spielt. Dopamin ist ein Nervenbotenstoff im Gehirn, der für die Verarbeitung von Gewinnen und Verlusten zuständig ist und damit auf das Belohnungssystem wirkt. Das Belohnungssystem hat einen Einfluss darauf hat, wie Menschen Belohnungen in Ihrer Umwelt wahrnehmen und auch beim Konsumverhalten spielt es eine wichtige Rolle. Die Studie zeigte insbesondere, dass Frauen, die früher an Bulimie litten, unter Dopaminmangel einen vermehrten Essdrang hatten und dass ihr Belohnungssystem unflexibel wurde: sie waren nicht mehr fähig, subtile Belohnungsreize für die Lösung von Aufgaben zu verwenden.
Ziel: Die vom Nationalfond unterstützte Folgestudie wird mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie untersuchen, welche Strukturen und Prozesse im Gehirn der Entwicklung von bulimischen Symptomen und der veränderten Verarbeitung von Belohnungen zugrunde liegen. Diese Untersuchung kann darüber Aufschluss geben, welche Veränderungen der Belohnungsverarbeitung zu dem Wiederauftreten von Essstörungssymptomen führen.
Bedeutung der Studie: Diese Einsichten werden helfen, pharmakologische und psychotherapeutische Strategien zu entwickeln, um die Wirksamkeit von Bulimie-Behandlungen zu verbessern. Da eine Reduktion der Dopaminkonzentration einen direkten Einfluss auf die Symptome der Störung hatte, könnten Medikamente, die eine umgekehrte Wirkung auf das Dopaminsystem haben, zu einer Besserung der bulimischen Symptome führen. Ausserdem könnten sich durch ein genaueres Verständnis des Belohnungssystems spezifische psychotherapeutische Strategien entwickeln lassen, die den Betroffenen helfen, ihre dysfunktionale Verarbeitung von Belohnungen zu erkennen und zu verändern, um einen Rückfall zu vermeiden. Ferner wird die Studie spezifische genetische Faktoren, die das Dopamin-System beeinflussen, untersuchen. Die Identifikation genetischer Risikofaktoren der Bulimie wird dazu beitragen, individuelle Unterschiede bei der Wahl und Durchführung von Therapien zu berücksichtigen.