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In diesem Beitrag wollen wir die Situation von Frauen in Rumänien noch ein wenig genauer untersuchen – hier kommt Teil I:
Der Gender Inequality Index (GII) misst die weltweite Geschlechterungleichheit, indem er in jedem Staat verschiedene Indikatoren, z.B. Bildung und Anzahl Parlamentssitze pro Geschlecht, und den Entwicklungsstand des jeweiligen Staates untersucht. Die Schweiz belegt im weltweiten Ranking dem dritten Platz, während sich Rumänien auf dem 54. Platz befindet. Im europäischen Vergleich ist das ein schlechtes Ergebnis, nur Bulgarien befindet sich noch weiter unten und sogar Saudi-Arabien oder Qatar erzielen bessere Ergebnisse. Woran kann das liegen? Folgende Gründe könnten eine Erklärung bieten: erstens sind nur 58 % der 20- bis 64-jährigen Frauen erwerbstätig, bei den Männern liegt die Quote bei 77 %. Die Chancengleichheit bei der Jobsuche ist nicht gegeben, zu häufig werden Frauen wegen ihres Geschlechts nicht eingestellt.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Bildung: Frauen sind deutlich schlechter gebildet als Männer, erstens gehen Frauen weniger lange zur Schule und zweitens brechen mehr Frauen die Schule ab, und haben so auch weniger Chancen auf eine gut bezahlte Arbeitsstelle. Viele rumänische Frauen ohne oder nur mit geringer Bildung sind auf Tagelöhnerarbeiten angewiesen. Als dritten Punkt lässt sich die weibliche Vertretung in der Politik erwähnen, so sind z.B. nur 14 % der Parlamentarier weiblich. Wie sollen Gesetze und Politik die Vorstellungen der Bevölkerung repräsentieren, wenn ein Teil der Bevölkerung in derart geringem Ausmass an der Gesetzgebung beteiligt ist?
Laut Eurostat waren im Jahr 2015 37.4 %, also jede dritte Person, der rumänischen Bevölkerung gefährdet, in Armut abzurutschen. Bei den Kindern sind es gar 46 %. Dies entspricht dem zweittiefsten Wert der ganzen EU, nur die Bevölkerung Bulgariens ist noch armutsgefährdeter. Zum Vergleich: im EU-Durchschnitt waren es 23 %. Rumänien ist folglich das zweitärmste, oder je nach Indikator gar das ärmste, Land der EU. Welche Möglichkeiten haben nun arme und schlecht gebildete Frauen, ein Einkommen zu generieren, wenn sie niemand einstellen will und staatliche Hilfe fehlt? Das erfährt ihr im nächsten Beitrag.
Quellen:
Gender Inequality Index: http://hdr.undp.org/en/content/gender-inequality-index-gii