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Eine erfahrene Winzerin warnte mich unlängst, jedes Jahr eine Frostrute stehen zu lassen. Man würde die Reben unnötig schwächen und auslaugen. Stimmt das wirklich? Zumal mir ein ebenfalls erfahrener Winzer einst gesagt hat, er lasse bei wüchsigen Sorten (wie Sauvignon) sogar extra eine Frostrute stehen, damit die überschüssige Energie der Pflanze ein wenig verpufft. Wer hat nun recht?
J.M. aus O.
In frostgefährdeten Lagen werden regional Frostruten (Abb.) zum normalen Anschnittniveau angeschnitten/stehen gelassen. Allgemein kann diese Methode als Risikominimierung angesehen werden. Die Ertragssicherheit wird erhöht, nicht nur wegen allfälligen Frostereignissen, sondern auch beispielsweise bei Bruch durch die Biegearbeit beim Binden. Nach dem Austrieb werden die im Normalfall nicht eingekürzten Frostruten entfernt. Durch das Stehenlassen der Frostruten wird der Austrieb gehemmt respektive verzögert und es kann über die kritische Phase der Spätfröste helfen. Werden die Frostruten sehr spät abgeschnitten, verlieren die Reben teilweise eingelagerte Reservestoffe, die besonders von jungen Stöcken gebraucht werden, was zu einer Depression führen kann. Bei starkwüchsigen Anlagen oder Sorten besteht diese Gefahr weniger und Frostruten können helfen, die Wüchsigkeit etwas zu bremsen.
Thierry Wins, Agroscope
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