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Der 1963 in Athen geborene Aristide Antonas, Architekt, Philosoph, bildender Künstler und Schriftsteller, legt in seinem ersten auf Deutsch in der Edition Romiosini / CeMoG erscheinenden Text „Das Schaufenster“ eine philosophische Erzählung mit kriminalistischen Elementen vor, in der der besessene Protagonist Tarken seine eigene Befindlichkeit in Bezug zu den ihn umgebenden „Gegenständen“ beobachtet.
„Lederportemonnaies mit tausendfach befingerten schmutzigen Geldscheinen vergammeln übelriechend in meiner Tasche. Eine regelrechte Kloake, in der Notizen, Formulare und Gegenstände versinken und verwesen wie tote Mäuse. […] Ich ekele mich vor der Tasche. Manchmal ertrage ich es kaum, sie anzusehen oder nur an sie zu denken. Dann überwältigt mich Trauer, ich finde den Zustand der Tasche absolut unerträglich. Dann mache ich sie auf und spucke hinein. Ich spucke in die Tasche. […] Ich spucke hinein, um das saubere Blatt schmutzig zu machen, ich spucke auch, um mich gegen die schmutzige Tasche aufzulehnen.“
Tarken ekelt sich vor allen Gegenständen, und versucht, ihnen zu entkommen, verstrickt sich dabei aber in ein noch schlimmeres Dilemma. Auf der Flucht vor den Gegenständen entdeckt er eines Nachts einen ermordeten Mann in einem erleuchteten Schaufenster und beginnt sich vorzustellen, dass dieser inszenierte Mord eine symbolische Tragweite hat, die den Mord als solchen in den Schatten stellt. Tarken seinerseits begreift seine eigene Verbindung zu diesem Verbrechen nicht. Weitere Personen wie der „Büroleiter“, der ihn in eine Falle lockt, und der „Höhlenmann“, dem er in einem Lager in der Nähe des Fundortes der Leiche begegnet, wirken wie Spiegelbilder seiner selbst, die seinen inneren Monolog nach außen tragen. Der Leser gerät zunehmend in eine Rolle, in der er die Realität des Helden Tarken infrage stellen muss. Dadurch fordert Antonas seinen Leser zu Wachsamkeit auf und erlaubt es ihm nicht, sich auf seine Rolle als „Konsument“ der Erzählung zu beschränken. Was verbindet Tarken und die Leiche im Schaufenster? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten.