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Weltgeschichte
Die Guillotine
Erfinder der Guillotine
Ironischer Weise war der französische Arzt Joseph Ignace Guillotin ein Gegner der Todesstrafe. Zu seiner Zeit wurden Todesstrafen auf grausame Weise ausgeführt (zum Beispiel durch Verbrennen, Hängen oder Vierteilen). Nur der Adel und die Reichen konnten einen schnellen Tod, meist durch Schwert oder Axt, erkaufen. Als eine Übergangslösung, so lange die Todesstrafe bestand, schlug Guillotin am 10. Oktober 1789 eine einheitliche Hinrichtungsform vor, bei der eine Maschine „schmerzlos enthauptet“. Nach Guillotins Vorstellung hätte die Hinrichtung privat und würdevoll vollzogen werden sollen. 1791 wurde sein Vorschlag als Gesetz erlassen, nach dem in Frankreich die Todesstrafe nur noch über so eine Maschine vollstreckt werden sollte. Guilliton selbst beteiligte sich nicht an der Entwicklung der Maschine, die bis heute seinen Namen trägt.
Guillitons Familie bat nach seinem Tod, den Namen der Hinrichtungsmaschine zu ändern. Nachdem die Regierung dies abgelehnt hatte, änderte die Familie ihren eigenen Namen.
Die erste Hinrichtung mit der Guillotine
Die erste Hinrichtung per Guillotine wurde am 25. April 1792 auf der Pariser Place de Grève vollzogen. Delinquent ist der Dieb Nicolas-Jacques Pelletier. Die Schnelligkeit und Präzision der Maschine enttäuschte jedoch die zahlreichen Schaulustigen, die ihrem Unmut lautstark Ausdruck verliehen. Die erste Guillotinierung eines politisch Verurteilten – Louis-David Collenot d’Angremont – fand am 21. August 1792 statt.
Am 21. Januar 1793 wurde König Ludwig XVI. hingerichtet und am 16. Oktober des gleichen Jahres auch Königin Marie Antoinette.
40’000 Guillotinierte während der französischen Revolution
Während der „Terrorherrschaft“ von Maximilien de Robespierre waren in Frankreich landesweit zirka 50 Guillotinen in Betrieb. Allein die Pariser Maschinen – die Hinrichtungen erfolgten auf der Place de Grève, der Place du Carrousel, dem Champ des Mars, der Place de la Révolution [Place de la Concorde], der Place Saint Antoine [Place de la Bastille] und der Barrière du trône renversé [Place de la Nation] – waren im Juni/Juli 1794 bis zu 6 Stunden täglich im Einsatz. Die Anzahl der Hinrichtungen in der Hauptstadt wird auf 19’639 geschätzt. Landesweit fielen im gleichen Zeitraum etwa 42’000 Menschen der Guillotine zum Opfer.
Bis zur Abschaffung der Todesstrafe 1981 wurden in Frankreich Todesurteile durch die Guillotine vollstreckt. Bis 1939 geschah dies öffentlich (die letzte öffentliche Hinrichtung in Frankreich war 1939 in Versailles), danach in den jeweiligen Gefängnishöfen (die letzte Hinrichtung fand am 10. September 1977 statt).
Wann tritt der Tod ein?
Seit der Einführung der Guillotine streiten sich Ärzte und Wissenschaftler, ob der abgetrennte Kopf sofort das Bewusstsein verliert oder noch eine Weile weiterlebt.
1880 führte Dr. de Ligniéres einen Versuch an einem abgetrennten Kopf durch, der ihm drei Stunden nach der Hinrichtung übergeben wurde. Er pumpte das Blut eines lebendigen Hundes in den abgetrennten Kopf. Bei diesem Versuch soll sich der Kopf errötet haben, und die Lippen und Augen zuckten für zwei Sekunden. Dabei konnte es sich aber nur um Reflexe der Nerven gehandelt haben, denn nach drei Stunden ist das Gehirn eines Menschen mit Sicherheit tot.
Im Jahr 1905 stand Dr. Beaurieux unter der Guillotine, als der Kopf des Verurteilten Languille durch eine Öffnung im Boden des Schafotts direkt auf die durchtrennte Fläche des Nackens fiel. Dr. Beaurieux schrieb in seinem Bericht:
„Die Augen und der Mund von Languille bewegten sich noch krampfhaft. Nach ca. sieben Sekunden hörten sie auf. Daraufhin rief ich ihn mit seinem Namen “ Languille!“. Die Augen öffneten sich wieder, und er schaute mir direkt in die Augen. Es waren keine leblosen Augen, sondern Augen die lebten und genau wussten, was sie taten. Dann schlossen sie sich wieder, und ich rief nochmals seinen Namen. Wieder öffnete er seine Augen und schaute mich an, nach ca. 10 Sekunden schlossen sie sich wieder. Beim dritten Mal kam keinerlei Reaktion mehr. Ich öffnete seine Augenlieder, doch die Augen waren starr und glasig. Von der Trennung des Kopfes vom Rumpf bis zum zweiten Schliessen der Augen vergingen 30 Sekunden.
Nach dem heutigen Stand der Medizin ist davon auszugehen, dass ein Gehirn in einem abgetrennten Kopf nach zirka zwei Minuten abstirbt. Bis zu diesem Zeitpunkt kann davon ausgegangen werden, dass das Opfer sich seines Zustandes im klaren war.
Die Vorstellung alles um sich zu sehen, seinen Henker, Zuschauer, seinen abgetrennten Leib, allein diese Vorstellung ist grauenhaft.