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Wurzelbehandlung
Der Ausdruck Wurzelbehandlung umschreibt alle Tätigkeiten, die notwendig sind, um das Innere einer Zahnwurzel, die sogenannten Wurzelkanäle zu säubern und dicht zu verschliessen. Ein Zahn muss einer Wurzelbehandlung unterzogen werden, wenn sein Nerv entzündet, oder bereits abgestorben ist.
Wie ist ein Zahn aufgebaut?
Jeder Zahn besteht aus einer Krone und einer oder mehreren Wurzeln. Die Krone ist der im Munde sichtbare Anteil des Zahnes. Die Wurzeln dienen der Verankerung des Zahnes im Knochen und sind normalerweise nicht sichtbar. Im Zentrum jeder Wurzel verläuft ein feiner Längskanal, der sogenannte Wurzelkanal. Dieser beginnt an der Wurzelspitze und endet bei einwurzeligen Zähnen in der Mitte der Zahnkrone. Bei mehrwurzeligen Zähnen vereinigen sich die Kanäle im Zentrum der Krone zu einem kleinen Hohlraum dem sogenannten Cavum (lateinisch: Höhle). In den Wurzelkanälen und dem Cavum befinden sich Blut- und Nervengewebe („Zahnnerv“), die den Zahn versorgen bzw. ihn „am Leben erhalten“. Dieses Gewebe wird als „Pulpa“ bezeichnet.
Wie kommt es zu einer Zahnnerventzündung?
Unter bestimmten Umständen kann die Pulpa mit Bakterien infiziert werden. Dies geschieht zum Beispiel bei einer sehr tiefen Karies („Loch“) oder wenn ein Zahn bei einem Unfall im Bereich der Pulpa abbricht, so dass letztere frei liegt. Sind Bakterien in die Pulpa eingedrungen, beginnen sie das Pulpagewebe aufzulösen, gelangen so bis zur Wurzelspitze und schliesslich darüber hinaus in den umgebenden Knochen. Einmal dort angelangt sind die Bakterien in der Lage, auch den Knochen aufzulösen. Es bildet sich dort ein Eiterherd (Knochenabszess), der Zahn steht also im Eiter („Eiterzahn“). Von jetzt an sind verschiedene Verläufe möglich.
Der Eiterherd kann sich still verhalten und für unbestimmte Zeit in eine chronische Form, das sogenannte Granulom übergehen. Er kann sich aber auch weiter im Knochen ausdehnen, die Wurzeln der Nachbarzähne angreifen und/oder in das den Kieferknochen umgebende Weichgewebe eindringen. Es bildet sich dann ein Weichgewebeabszess. Der darin enthaltene Eiter entleert sich im günstigeren Fall über eine Öffnung (Fistel) in die Mundhöhle.
Im ungünstigeren Fall kann es zu einer Ausdehnung des eitrigen Prozesses in angrenzende Weichgewebe wie Wange, Zunge, nach oben bis zur Schädelbasis oder via Hals nach unten - im Extremfall bis in den Brustraum - kommen. Der Verlauf bis ins Stadium des „Eiterzahns“ kann völlig schmerzfrei sein.
Was wird bei einer Wurzelbehandlung gemacht?
Die Wurzelbehandlung hat zum Ziel, die Wurzelkanäle so gut wie möglich zu reinigen und anschliessend dicht zu verschliessen, so dass keine Bakterien mehr eindringen können. Normalerweise benötigt eine Wurzelbehandlung zwei Sitzungen. In einer ersten Sitzung wird das Pulpagewebe mechanisch so vollständig wie möglich entfernt und die Kanäle gründlich gespült. Anschliessend werden die Kanäle mit einem desinfizierenden Medikament (Einlage) gefüllt und der Zahn mit einer provisorischen Füllung verschlossen.
Je nach Präparat sollte die Einlage mindestens zwei Wochen im Kanal belassen werden, damit es seine Wirkung entfalten kann. Ist der Zahn nach zwei bis drei Wochen beschwerdefrei, können die Wurzelkanäle in einer zweiten Sitzung mit einem definitiven Füllungsmaterial (Wurzelfüllung) dicht verschlossen werden. Nach weiteren 24 Stunden, ist die Wurzelfüllung ausgehärtet und die Wurzelbehandlung somit abgeschlossen. Nun kann die Versorgung der Zahnkrone in Angriff genommen werden.
Was ist eine Wurzelspitzenresektion?
In gewissen Fällen gelingt es nicht, die Wurzelkanäle von der Zahnkrone her aufzubereiten. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Wurzelkanal verkalkt ist, oder durch einen bereits früher eingebrachten und nun nicht mehr entfernbaren Stift versorgt wurde. In solchen Fällen wird das betäubte Zahnfleisch im Bereich des betroffenen Zahnes leicht eröffnet und die Wurzelspitze durch sanftes Entfernen von Knochen freigelegt. Die ersten Millimeter der Wurzelspitze werden abgetragen (reseziert) und die Wurzelkanäle mit einem speziellen Ultraschall-Gerät aufbereitet. Der Verschluss der Kanäle erfolgt mit einer Zementabdichtung. Das Operationsgebiet wird gespült und mittels feinster Nähte verschlossen. Die Fäden können in der Regel schon nach einigen Tagen entfernt werden.
Autor Dr. med. dent. Dr. med. Balthasar Zaugg