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Seit den 1830er Jahren entstanden zunächst kant., ab 1870 auch lokale und regionale L. Sie stehen in der Tradition physiokrat. Bemühungen um den Aufschwung der Landwirtschaft. Der älteste Verein, der auf dieses Bestreben zurückgeht, ist die 1759 gegr. Ökonomische Gesellschaft des Kt. Bern (Ökonomische Gesellschaften). 1863 schlossen sich die Vereine der dt. Schweiz im Schweiz. Landwirtschaftl. Verein (SLV) zusammen. In gleicher Weise entstand 1881 neben der bereits bestehenden kleinen Société d'agriculture de la Suisse romande die Fédération des sociétés d'agriculture de la Suisse romande. 1885 wurde aus den örtl. Vereinen des Tessins die Società cantonale d'agricoltura gebildet.
Diese Zentralvereine wurden - zusammen mit dem kleinen Alpwirtschaftl. Verein - im Bundesbeschluss von 1884 als "landwirtschaftl. Hauptvereine" anerkannt; in der Zwischenkriegszeit traten der 1932 gegr., 2001 etwa 68'000, 2010 63'490 Mitglieder zählende Schweizerische Landfrauenverband und die Gartenbauvereine der dt. und franz. Schweiz hinzu. Aufgrund dieses Beschlusses kamen die Vereine in den Genuss direkter Beziehungen zur Abt. für Landwirtschaft (heute Bundesamt für Landwirtschaft) beim Eidg. Volkswirtschaftsdepartement (EVD) sowie regelmässiger Bundesbeiträge, welche bis heute ihre wichtigste Einnahmequelle bilden.
Der SLV trat zunächst v.a. als Träger landwirtschaftl. Versuche und der im 19. Jh. häufig stattfindenden Ausstellungen auf. Der Schwerpunkt der Tätigkeit lag aber bei den kant. Vereinen, die oft ein eigenes Organ herausgaben. Sie organisierten Ausstellungen, Kurse und Wandervorträge; in manchen Kantonen gründeten sie auch Landwirtschaftliche Genossenschaften. Interregionale Fachverbände wirkten in ähnl. Richtung.
Die L., die von modernisierungsfreudigen "Freunden der Landwirtschaft" aus Wissenschaft und Politik, von Honoratioren, Politikern und Grossbauern gegründet und geführt wurden, vermochten im 19. Jh. die breite Masse der Bauern nicht zu organisieren. Die Nähe zu den Behörden schloss eine pointierte Interessenpolitik aus. Impulse in diese Richtung gingen eher von der 1882 wegen Differenzen im SLV gegr. Gesellschaft schweiz. Landwirte aus, in welcher sich eine schmale agrar. Elite v.a. aus der Ostschweiz versammelte. Die Gesellschaft wurde 1994 aufgelöst. Doch ab den 1890er Jahren nahm der SLV einen Aufschwung. Mit seiner Zeitschrift "Die Grüne" erreichte er allmählich mehr Bauern.
Die Zentralvereine enthalten sich seit der 1897 erfolgten Gründung des Schweizerischen Bauernverbands (SBV), dem sie seit Beginn angehören, jeglicher wirtschaftspolit. Tätigkeit. Zunächst konzentrierten sie sich auf fachl. Aufgaben und die Vermittlung von Unfall- und Haftpflichtversicherungen (Versicherungen), dann wandten sie sich v.a. Bildungsaufgaben zu. Sie spielten eine wichtige Rolle bei der Modernisierung und Professionalisierung der Landwirtschaft, die in der Zwischenkriegszeit einsetzte, etwa bei Betriebsberatungen, der bäuerl. Berufslehre und der Meisterprüfung. Ergänzend engagierten sie sich in der Nachkriegszeit für die Förderung der "Bauernkultur". In einzelnen Kantonen traten sie aber auch bei der Gründung von Bauernparteien hervor, so in Zürich 1917, oder übernahmen gar, wie im Thurgau bis 1985, zeitweise deren Funktion.
Die Mitgliederbestände nahmen lange Zeit kontinuierlich zu. Während 1917 auf zwei selbstständige Landwirte ein Mitglied kam, entsprachen 1945 die Mitgliederzahlen in etwa der Anzahl selbstständiger Landwirte. Allerdings sind die zahlreichen Doppelmitgliedschaften und nichtlandwirtschaftl. Mitglieder zu berücksichtigen. So machte sich die massive Schrumpfung des Agrarsektors seit den 1950er Jahren lange Zeit weniger bei den Mitgliederzahlen bemerkbar als in wachsenden Orientierungsschwierigkeiten der L.
Literatur
– H. Brugger, Schweiz. Landwirtschaftl. Verein, 1863-1963, 1963
– H. Brugger, Landwirtschaftl. Vereinigungen der Schweiz 1910 bis 1980, 1989
– W. Baumann, Bauernstand und Bürgerblock, 1993 (mit Bibl.)
Autorin/Autor: Werner Baumann, Peter Moser