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Philip Anthony Hopkins wurde am 31. Dezember 1937 in der walisischen Ortschaft Margam geboren. Seine Mutter, eine geborene Yeats, war mit dem berühmten Dichter William Butler Yeats entfernt verwandt. An seine Kindheit hat Hopkins nicht nur gute Erinnerungen: Als Legastheniker hatte er in der Schule oft Mühe und er war nicht besonders beliebt. «Ich war ein schlechter Schüler, womit ich Angriffsfläche für Spott bot und was mir einen Minderwertigkeitskomplex einbrachte. Ich wuchs in der festen Überzeugung auf, dumm zu sein», sagte Anthony Hopkins einmal. Glücklicherweise gab es dennoch Bereiche, in denen der junge Mann aufblühte: beim Malen und Klavierspielen. Wäre er etwas selbstbewusster gewesen, hätte sich Hopkins an einer Kunsthochschule eingeschrieben. Immerhin studierte er ab 1953 vier Jahre am Royal Welsh College of Music and Drama in Cardiff. Danach hielt er sich mit verschiedenen Gelegenheitsjobs über Wasser und diente für zwei Jahre als Kanonier in der britischen Armee.
Eine glückliche Begegnung
Die 1950er Jahre legten den Grundstein für Hopkins’ Schauspielkarriere. Er interessierte sich früh fürs Kino und war begeistert von Schauspielern wie Humphrey Bogart oder James Cagney. Mit 15 Jahren begegnete er seinem grossen Vorbild Richard Burton, der damals nur wenige Strassen von ihm entfernt wohnte. Dies brachte Anthony Hopkins auf die Idee, eine Schauspielausbildung zu absolvieren. Nach seinem Hochschulabschluss bekam er bald erste, vorerst unbezahlte Engagements als Theaterschauspieler. 1960 hatte er seinen ersten bezahlten Auftritt in «Have A Cigarette» und erhielt im gleichen Jahr einen der begehrten Studienplätze an der Royal Academy of Dramatic Art in London, wo er seine Ausbildung 1963 abschloss. Zwei Jahre später lud der erfolgreiche britische Bühnenschauspieler Sir Laurence Olivier den jungen Anthony Hopkins ans Royal National Theatre ein und wurde dessen Mentor. «Ein junger, vielversprechender Schauspieler namens Anthony Hopkins war meine Zweitbesetzung. Er verschwand mit der Rolle des Edgar wie eine Katze mit einer Maus zwischen den Zähnen», erinnert sich Olivier an seinen Schützling.
Sich erstmals auf der Bühne profilieren konnte Hopkins 1967, als er in «Dance of Death» für den erkrankten Laurence Olivier einsprang. Sein Auftritt schlug hohe Wellen – so begann Anthony Hopkins im gleichen Jahr damit, seine schauspielerische Tätigkeit aufs Filmgeschäft auszuweiten. In der Produktion «A Flea in Her Ear» war er erstmals im britischen Fernsehen zu sehen. Ein Jahr später trat er als Ritter Richard Löwenherz im Kinofilm «The Lion in Winter» auf. Es folgten weitere Filmauftritte, bald auch Hauptrollen. Im Jahr 1971 wurde Anthony Hopkins von Richard Attenborough entdeckt, der ihn «den besten Schauspieler seiner Generation» nannte und ihn in fünf seiner Filme engagierte. Hopkins gewann zunehmend Ansehen in der Filmwelt, blieb aber weiterhin auch dem Theater treu.
Eine erfolgreiche Filmkarriere
Anthony Hopkins spielte in zahlreichen Kassenschlagern mit, darunter «Der Glöckner von Notre Dame» (1982), «Was vom Tage übrigblieb» (1993), «Mission: Impossible II» (2000) und «Das Ritual» (2011). Besonders gern scheint Hopkins Berühmtheiten zu mimen. So hat er bereits zwei amerikanische Präsidenten gespielt, Richard Nixon im Film «Nixon» und John Quincy Adams in «Amistad». In «Mein Mann Picasso» schlüpfte er in die Rolle des weltberühmten Malers; in «The Two Popes» porträtierte er Papst Benedikt XVI. Sein vielleicht bemerkenswertester Auftritt in der Rolle einer historischen Person war in «Der Bunker»: Für seine nuancenreiche Performance als Adolf Hitler erhielt Anthony Hopkins 1981 die Auszeichnung «Hervorragender Hauptdarsteller» der British Academy of Film and Television Arts (BAFTA).
1991 erhielt Hopkins das Angebot seines Lebens. Der Regisseur Jonathan Demme suchte einen Schauspieler für die Rolle des Psychopathen Dr. Hannibal Lecter im Film «Das Schweigen der Lämmer». Die Hollywood-Berühmtheiten Gene Hackman, Robert Duvall, Brian Cox und Jeremy Irons hatten das Angebot abgelehnt – Anthony Hopkins nahm es an, und erlangte mit dieser Rolle Weltruhm. Noch heute bringen viele Filmfans Hopkins in Verbindung mit dem gefürchteten Dr. Lecter, den er später noch in zwei weiteren Filmen verkörperte. Sein Auftritt in dieser Rolle ist erschreckend und beeindruckend zugleich. Angesprochen auf seine Fähigkeit, anderen das Fürchten zu lehren, sagte Anthony Hopkins: «Ich weiss nicht warum, aber ich habe immer gewusst, was Menschen erschreckt. Als ich ein Kind war, erzählte ich den Mädchen in meinem Quartier die Geschichte von Dracula.» Dabei habe er die Geräusche des blutsaugenden Monsters imitiert. «Die Mädchen rannten schreiend davon».
Hopkins erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter mehrere Emmys, vier Preise der BAFTA und sechs Film Critics Awards. Im Jahr 1987 wurde er zum Commander of the Order of the British Empire ernannt, dem dritthöchsten Rang in diesem britischen Ritterorden. Im Jahr 1993 erhob ihn Königin Elisabeth für seine schauspielerischen Verdienste in den persönlichen Adelsstand als Knight Bachelor. Seither darf er sich «Sir» nennen. Im Jahr 2006 erhielt Hopkins den Golden Globe Award für sein Lebenswerk. Auch die wohl begehrteste Auszeichnung für Filmschauspieler, der Oscar, wurde Anthony Hopkins zuteil. Sechsmal wurde er nominiert, zweimal gewann er den Preis als bester Hauptdarsteller: 1992 für «Das Schweigen der Lämmer» und 2021 für seine Hauptrolle als Demenzkranker in «The Father». Mit dem zweiten Oscar hatte er jedoch nicht gerechnet, weil er davon ausging, dass der im Jahr zuvor verstorbene Chadwick Boseman postum die Auszeichnung erhalten würde. Anthony Hopkins blieb deshalb der Verleihung fern und soll sie sogar vor dem Fernseher verschlafen haben.
Dunkle Jahre
Anthony Hopkins hat auch schwere Zeiten erlebt. In den späteren 1960er Jahren machte dem Schauspieler, der sich als Einzelgänger bezeichnet, die wachsende öffentliche Aufmerksamkeit zu schaffen. Er begann zu trinken und litt in den Folgejahren unter Alkoholproblemen, die mit der Zeit zunahmen. Am 29. Dezember 1975 war er am Tiefpunkt angekommen, als er irgendwo erwachte und keine Ahnung hatte, wo er war und wie er dorthin gekommen war. Hopkins trat den Anonymen Alkoholikern bei, wo ihn die Aussage einer Frau endgültig zum Aufgeben seiner Trinkerei bewegt haben soll. Der Star sagte dazu: «Ich habe diesen Quantensprung gemacht, als ich um Hilfe bat. Diese fand ich, eine Frau redete mit mir und sagte: ‹Vertraue einfach auf Gott›. Und ich sagte mir: ‹Warum nicht? ›» Seither ist Anthony Hopkins trocken. Er geniesst das Leben als Nicht-Trinker und sieht das nicht als selbstverständlich an. «Ich kann nicht glauben, dass ich das Leben führe, das ich führe, denn eigentlich hätte ich damals in Wales im Suff sterben sollen.»
Obgleich Hopkins Gottes Kraft an jenem Wintertag bei den Anonymen Alkoholikern erlebt hatte, würde er sich wohl nicht als Christ bezeichnen. Er sah sich lange Zeit als Agnostiker, der im Grunde nicht weiss, was er glaubt. Kürzlich hat er sich jedoch vom Agnostizismus distanziert. Er spüre, dass es eine übergeordnete Kraft gebe, die alles zusammenhalte: «Der Agnostizismus ist eine seltsame Sache. Der Agnostiker zweifelt, der Atheist leugnet. Ich bin kein heiliger Johannes, sondern bloss ein alter Sünder wie jeder andere. Heute glaube ich mehr denn je, dass es einen riesigen Bereich unseres eigenen Lebens gibt, über den wir nichts wissen. Ich muss glauben, dass es etwas Grösseres als mich gibt. Ich bin nur eine Mikrobe. Das ist für mich das grösste Gefühl der Erleichterung – anzuerkennen, dass ich wirklich nichts bin. Ich sehe mich gezwungen zu sagen: Wer immer die Show leitet, vielen Dank!»
In dieser Äusserung scheint Hopkins‘ gereifte Persönlichkeit durch. Ein Mensch, der viel nachdenkt, war er schon immer. Trotz seines Erfolgs blieb Anthony Hopkins stets bescheiden. Er sucht nicht die Aufmerksamkeit, sondern gute Filmrollen. Immer noch sieht sich Hopkins nicht als sonderlich geselligen Menschen. Er gibt zu, keinen einzigen Freund aus dem Filmbusiness zu haben. Über seine heutige Frau sagte er einmal, sie sei sein bester Freund. Seit dem 1. März 2003 ist er mit der Schauspielerin Stella Arroyave verheiratet. Davor war er von 1967 bis 1972 mit der Antiquitätenhändlerin Petronella Barker liiert, mit der er eine Tochter hat. Von 1973 bis 2002 war Jennifer Lynton die Frau an seiner Seite.
Weiter, immer weiter
Nebst der Schauspielerei ist Hopkins ein leidenschaftlicher Maler. Zudem ist er Lehrer an der Ruskin School of Acting in Santa Monica, Kalifornien. Er hat sich finanziell für den Erhalt des Snowdonia-Naturparks in seiner Heimat eingesetzt und ist Mitglied bei Greenpeace. Übrigens hat Hopkins nicht im Sinn, demnächst kürzerzutreten. «Meine Frau hat gesagt, wenn ich in Rente gehe, sterbe ich. Solange ich Rollenangebote bekomme, werde ich weitermachen – bis alle meine Zähne oder meine letzten Haare ausfallen.»
Quelle: Blaues Kreuz 5/2021