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Berndeutsch oder „Bärndütsch“, wie dieser schweizerdeutsche Dialekt ebenfalls häufig genannt wird, wird großteils in der Region des Berner Mittellandes und der näheren Umgebung gesprochen. Die Sprache kann der hochalemannischen Sprache zugeordnet werden bei der es sich um eine oberdeutsche Form des deutschen Dialekts handelt, der unter anderem in vielen Teilen der Schweiz, Liechtenstein oder auch in Südbaden sowie im Elsass gesprochen wird.
Eine klar abgegrenzte Region, in der ausschließlich Berndeutsch gesprochen wird, existiert zwar nicht, allerdings kann man grob festhalten, dass der Dialekt üblicherweise im deutschsprachigen Teil von Bern anzutreffen ist. Wenngleich auch in den Kantonen Freiburg, Solothurn, Aargau oder in Luzern Dialekte finden lassen, welche dem Berndeutsch mitunter stark ähneln.
Ganz anders im Berner Oberland, wo die Menschen einen Dialekt sprechen, welcher den höchstalemannischen Dialekten zugeordnet werden kann, den sogenannten Berner Oberländischen Dialekt, der sich sehr stark von dem Berndeutsch im Mittelland von Bern unterscheidet.
Im französischen Teil des Kantons Bern, wie beispielsweise in Jura, wird das Berndeutsch dagegen nur in verschiedenen Regionen, wie dem Sonnenberg oder auch in Biel, gesprochen. Und sogar in den Vereinigten Staaten, im Bundesstaat Indiana, wird Berndeutsch in einer Gemeinde von etwa 6000 Amischen Bürgern, im Adams County, ebenfalls gesprochen.
Die Geschichte des Stadt – Berndeutsch
Innerhalb Berns existierten noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts eine Reihe unterschiedlicher Dialekte, von denen viele heutzutage nur noch sehr selten zu hören sind. So sprachen unter anderem die Patrizier in einen, der deutschen Sprache ähnlicheren, Dialekt, das Patrizier-Berndeutsch. Dieser Dialekt zeichnete sich unter anderem durch L-Vokale und nd-Velarisierung aus, sodass beispielsweise aus dem Wort „Milch“ das Wort „Miuch“oder aus „anders“ das Wort „angers“ wurde. Dagegen wurde die Endung -ng zumeist beibehalten, sodass aus „Zeitung“ somit „Zytung“ wurde.
Die Menschen, die zu der Mittel- und Oberschicht gehörten, sprachen zumeist das eher gehobene Stadt-Berndeutsch, das sich von dem Dialekt, welches in der unteren Mittel- und Unterschicht gesprochen wurde ebenfalls unterschied.
Der moderne berndeutsche Stadtdialekt beruht zum Großteil auf den verschiedenen Landdialekten, hinzu kommen jedoch zudem auch einige Begriffe die ursprünglich aus dem Mattenglischen stammen sowie zudem auch viele neue Wörter, die ursprünglich aus dem Deutschen oder Englischen Sprachgebrauch kommen. Natürlich hat der Stadtdialekt auch Auswirkungen auf umliegende Gebiete, wodurch mit der Zeit die verschiedensten Dialektformen rund um Bern entstanden sind.
Weitere Varianten des Berndeutsch
Das Berndeutsch welches man in Biel heutzutage in der Regel zu hören bekommt, ähnelt zumeist dem nördlichen Berndeutsch. Allerdings weist der Bieler-Dialekt, wie das traditionelle Stadt-Berndeutsch, keine L-Vokalisierungen oder nd-Velarisierungen auf.
Die heute am meisten gebräuchliche Form des berndeutschen Dialekts, findet sich unter anderem im Seeland, Oberaargau oder im unteren Emmental. Größter Unterschied zu dem Stadt-Berndeutsch ist hier der a/o-Unterschied, wodurch aus „Jahr“ das Wort „Johr“ wird.
Je weitere man ins Alpengebiet vorrückt, desto mehr hört man auch das ursprünglich im gesamten Berner Mittelland verbreitete südliche Berndeutsch, zu dessen Merkmalen beispielsweise der Schwund eines „n“ vor einem folgenden „ch“ oder „k“ gehören. So wird in dieser Region aus „trinken“ beispielsweise „treiche“. Ebenfalls typisch für diese Region sind unter anderem Begriffe wie, Giis / Geis, glüübe / glauben oder zwüü / zwei. Allerdings ist diese Form des Berndeutsch heute immer weniger verbreitet, wenngleich das südliche Berndeutsch bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch in großen Teilen des mittleren und südlichen Mittellandes, ausgenommen der Stadt Bern, verbreitet war. Heute findet man den Dialekt zumeist in eher ländlichen Gebieten, wie beispielsweise in den Voralpen oder auch im Oberland.
Genau dort, im Oberland von Bern, trifft man noch heute auf eine größere Vielfalt an Dialekten als beispielsweise im Mittelland. Die hier gebräuchlichen Dialekte, welche auch die des früheren Amtsbezirks Schwarzenburg miteinbeziehen, können den höchstalemannischen Dialekten zugeordnet werden. Dies ist zumeist erkennbar an den hier gebräuchlichen Vokabeln, bei denen die mittelhochdeutschen Vokale meist bewahrt werden, wie im Fall des Wortes schneie/schnye / schneien. Zugleich fehlen auch im Berner Oberland zumeist die L-Vokalisierungen sowie auch die nd-Valarisierungen. Häufig werden nur die Dialekte im Berner Mittelland als Berndeutsch bezeichnet, wohingegen die Oberländer Dialekte als „Berner Oberländisch“, Briezer- oder Haslitaler-Dialekt bezeichnet werden.
Die berndeutsche Aussprache
Das wohl wichtigste Merkmal, welches den berndeutschen Dialekt von einem Großteil der hochalemannischen Dialekte unterscheidet, ist die, auf die Position vor einem „T“ beschränkte Kürzung von langen Vokalen.
- schrybe – schreiben
- wit – weit
Im Unterschied zu der hochdeutschen Sprache, findet im größten Teil des berndeutschen Sprachgebiets keine Vokaldehnung statt. Aus diesem Grund werden Wörter wie Laden / Lade oder Lesen / Läse, mit einem kurzen Vokal ausgesprochen.
Eine weitere Besonderheit des berndeutschen Dialekts, lässt sich auch im Bereich der L-Vokalisierung und der nd-Velarisierung feststellen. So wird ein „L“ vor einem Konsonanten oder am Ende einer Silbe als „U“ oder „W“ ausgesprochen, wie im Falle von Miuch / Milch. Ein „ND“ wird dagegen häufig durch ein „G“ ersetzt, sodass aus dem Wort „anders“ beispielsweise das Wort „angers“ wird. Es gibt allerdings auch einige Ausnahmen, bei denen es nicht zu einer nd-Valarisierung kommt, wie im Fall von „Fründ“, was für das deutsche Wort „Freund“ steht.
Von den Dialekten, die im Norden und Süden der Schweiz gesprochen werden, wie beispielsweise in Zürich, unterscheidet sich das Berndeutsch vor allem durch die Aussprache von doppelten Vokalen. So wird das Wort „Frau“ hier beispielsweise als „Frou“ ausgesprochen.
Der berndeutsche Wortschatz
Vor allem in den vergangenen Jahrzehnten sind viele der spezifischen berndeutschen Wörter immer mehr verloren gegangen, weshalb der berndeutsche Wortschatz in der heutigen Zeit zu großen Teilen dem schweizerdeutschen Wortschatz entspricht. Doch auch zwischen diesen existieren immer noch einige Unterschiede, so wird ein Brötchen im Berndeutschen bis heute als „Mütschli“ bezeichnet, wohingegen in anderen Teilen der Schweiz der Begriff „Semmeli“ gebräuchlich ist.
Typische berndeutsche Schibbolethe sind unter anderem die mattenglischen Wörter „ieu“ oder „iu“, was so viel wie „ja“ bedeutet oder auch die Worte „Gieu“ und „Modi“, die für Knabe und Mädchen stehen. Vereinzelt lassen sich im Berner Dialekt bis heute äußerst starke Einflüsse aus der französischen Sprache erkennen sowie in der heutigen Zeit zudem auch immer mehr Worte, die ursprünglich aus dem englischen stammen.
Berndeutsche Grammatik
Wenngleich sich die berndeutsche Grammatik in vielen Teilen von der deutschen unterscheidet, so ist diese dennoch weitgehend identisch mit der Grammatik anderer alemannischer Dialekte. Verbsequenzen weichen hier beispielsweise viel häufiger von der Deutschen Sprachen ab, als dies zum Beispiel bei den Dialekten im Osten der Schweiz der Fall ist. Jedoch werden, wie in vielen anderen alemannischen Dialekten Relativsätze, auch im berndeutschen Dialekt, mit „wo“ gebildet.
Um eine ebenfalls typisch berndeutsche Besonderheit, handelt es sich zudem auch bei der Pluralendung „–e“, wie im Fall von „e Wääg“ (ein Weg), „e Stei“ (ein Stein) oder „zwe Steine“ (zwei Steine). In jüngster Zeit weitet sich die Pluralendung „-e“ auch immer weiter in anderen deutschen Teilen der Schweiz aus. Um mehrere Personen eines Geschlechts zu benennen, werden, wie auch sonst im schweizerdeutschen Sprachgebrauch, die zwei und drei recht häufig verwendet, wie beispielsweise zwe Manne/zwei Männer oder zwöi Ching / zwei Kinder.
Da im Berndeutschen, wie in vielen anderen oberdeutschen Dialekten, kein Imperfekt existiert, würde dem deutschen „wir schauten“ die berndeutsche Redewendung „mir hei gelugt“, was so viel bedeutet wie „wir haben geschaut“ und somit in der völligen Vergangenheit, dem Perfekt, gebildet wird.