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Vierzehn Jahre hat es gedauert, bis die CD von Madame Luckerniddle erscheinen konnte. Am 23. Mai 1998 fand im französischen Vandœuvre-lès-Nancy ein spontanes und ergreifendes Gedenkkonzert für den Cellisten Tom Cora statt. Einige Wochen zuvor war er im Alter von 44 Jahren an Krebs gestorben.
Der aus New York stammende Musiker schrieb eine Musik für das Theaterstück «Die heilige Johanna der Schlachthöfe» von Bertolt Brecht. Die Handlung spielt nach dem grossen Börsencrash von 1929 und hat – wie die Musik von Tom Cora – nichts von ihrer Dringlichkeit verloren.
Marie-Joël Rio inszenierte 1998 «Sainte Jeanne des Abattoirs» in Frankreich. Die Musik zu den Aufführungen spielten und improvisierten Tom Cora, Zeena Parkins (elektrische Harfe), Luc Ex (Bassgitarre) und Michael Vatcher (Schlagzeug). Den Namen für eine geplante Band, die nicht mehr zusammenfinden konnte, entlehnten sie bei Brecht: Madame Luckerniddle.
Auf der Bühne des Centre Culturel André Malraux versammelten sich FreundInnen von Tom Cora, um seine Musik beim Festival Musique Action zu spielen. Catherine Jauniaux, die belgische Sängerin und Frau von Cora, und Phil Minton, die Urgewalt aus England, erzählen und singen die Geschichte von Madame Luckerniddle voller Zärtlichkeit und Wut. Otomo Yoshihide aus Tokio und Christian Marclay aus New York bedienen die Plattenspieler, Veryan Weston spielt das Piano dazu. Parkins, Ex und Vatcher sind natürlich mit dabei. Aus dem Moment heraus entsteht abenteuerliche Musik von grosser Intensität.
Ganz zum Schluss des Konzerts stellte sich Minton allein auf die dunkle Bühne und sang ein traditionelles walisisches Trauerlied. Er nutzte weder Mikrofon noch Verstärkung. Sein Solo war von Empathie getragen und kam aus tiefstem Herzen. Das Aufnahmegerät war schon ausgeschaltet, aber der Song ist gut aufgehoben in der Erinnerung.