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Leissigen
Kirche Leissigen
Leissigen ist eine der so genannten «Zwölf Thunerseekirchen». Durch archäologische Grabungen anlässlich der Kirchenrenovation von 1973/74 konnten die verschiedenen Bauetappen seit dem 8./9. Jahrhundert aufgezeigt werden. Diese sind heute in insgesamt acht verschiedenen Grundrissen dokumentiert und zeigen eindrücklich die lange Geschichte der denkmalgeschützten Leissiger Kirche auf. Der heutige Bau enthält romanisches Mauerwerk und wurde 1675 zum barocken Predigtsaal umgebaut.
Von der «ersten Kirche» in Leissigen ist nichts mehr erhalten. Grabfunde weisen jedoch auf einen schlichten Kirchenbau aus dem 8./9. Jahrhundert hin. Die Datierung erfolgte aufgrund der Anordnung der Gräber, was auf eine Innenraumbestattung schliessen lässt und aufgrund der bei Alemannen in dieser Zeit üblichen Bestattung mit am Körper angelegten Armen.
Ein erster dokumentierter Grundriss zeigt ein gedrungenes, beinahe quadratisches Schiff mit eingezogenem, querrechteckigem Altarhaus, das ins 9./10. Jahrhundert datiert werden kann. Dieser Bau wurde wohl im 11. Jahrhundert zu einer romanischen Saalkirche mit halbrunder Apsis erweitert. Im 14. Jahrhundert wurde dieser Saalkirche der Turm mit dem Grundriss 4,7 x 4,7 Meter angebaut. In dieser Zeit entstand auch der eindrückliche Taufstein, der vor rund 700 Jahren aus einem Stück gehauen wurde. Zudem konnte bei der Grabung 1973/74 ein frühes Taufsteinfundament entdeckt werden, welches aus einem ausgedienten Mühlstein gefertigt wurde.
Ab 1312 bis zur Reformation 1528 gehörte die Kirche Leissigen zum Kloster Interlaken. Der Altar der Kirche war der Hl. Katharina geweiht. 1663 brannten Kirche und Pfarrhaus Leissigen. Bald wurde, wohl unter der Leitung von Abraham Dünz, Werkmeister am Berner Münster, die Sanierung der Kirche in Angriff genommen. Die halbrunde Apsis wurde entfernt, die Kirche Leissigen in einen «barocken Predigtsaal» umgebaut.
Die von Hans Jakob Güder und Matthias Zwirn geschaffenen Wappenscheiben in der Kirche zeigen die Gönner der Umbaukosten, Venner und Säckelmeister des Kantons Bern. Wohl ebenfalls aus dieser Zeit stammen die so genannten «Grisaille»-Malereien (benannt wegen der grauen Farbe), die Wände und Fensterrahmen schmücken. 1834–1836 wurde für den Einbau der ersten Orgel auf der Ostseite wiederum eine halbrunde Ausbuchtung errichtet – nicht als Apsis im liturgischen Sinn, sondern um Raum für die Aufnahme des Orgelwerks zu gewinnen. 1840 kam auf der Westseite der zweigeschossige Anbau mit Unterrichtsraum dazu. Der Anbau war im Erdgeschoss zunächst offen, wurde erst 1943 bei einer kleinen Renovation geschlossen und in die heutige Form gebracht.
Der Kirchenraum präsentierte sich mit der Orgel auf der Ostseite, der Kanzel links (Seeseite) und mit blau bemaltem Chorgestühl und blau bemalter Kanzel. Die umfassende archäologische Grabung in den Jahren 1973/74 und die daran anschliessende Rückführung des Kirchenraums in den «barocken Predigtsaal» brachten den Abbruch des halbrunden Anbaus auf der Ostseite der Kirche mit sich. Die Orgel wurde durch die Gebrüder Wälti auf der Empore eingebaut, die blaue Farbe vom Chorgestühl und der Kanzel entfernt und das Chorgestühl an der mit Fenstern versehenen Ostwand wieder vollständig eingebaut. In der Kirche können Ausgrabungen aus früheren Kirchenbaustadien und die Glockengussgrube besichtigt werden. Leider befindet sich die darin gegossene Glocke nicht mehr im Turm, sie kann jedoch im Historischen Museum Bern besichtigt werden.
- Kunstführer durch die Schweiz, hg. von Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2006-2012, Bd. 3, S. 462.
- Eggenberger, Peter, Susi Ulrich-Bochsler et al., Leissigen, Pfarrkirche: die archäologischen Forschungen von 1973/74, Bern: Rub Media, 2009.
- Lutz, Samuel, Die Kirche Leissigen. Illustrierte Jubiläumsschrift zur Feier der 750 Jahre der beiden zur Kirchgemeinde gehörenden Gemeinden Leissigen und Därligen im Jahre 1992, Interlaken: Schlaefli AG, 1992.