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Umweltschutz und die 'Rettung des Klimas' haben nur die gewöhnliche Bevölkerung etwas anzugehen.
Oder:
Warum der Weltuntergang nur ein Weltunter-Gag ist.
Das fängt so an:
Eine Druckmaschine benötigt grundsätzlich vier Farben um ein Foto so zu drucken, damit es korrekt wiedergegeben wird: Die drei Buntfarben Cyan, Magenta und Yellow, sowie Black als Kontrastfarbe, abgekürzt CMYK. Cyan kann man grob mit Blau beschreiben, Yellow mit Gelb, Magenta mit Rot, und K (Key) steht für Black, also Schwarz.
Als wir Drucker damals Ende 70er-, Anfangs 80er-Jahren die Berufsprüfung absolvierten, wurde in der Regel auf Einfarbenmaschinen gedruckt - auf Maschinen also, die nur ein einziges Druckwerk haben, und somit wurden für einen Vierfarbendruck entsprechend vier Druckgänge benötigt. Dazwischen mussten Farb- und Feuchtwerk gewaschen werden. Natürlich gab es schon damals Vier- oder Fünffarben-Maschinen, die eine Bogenseite fixfertig in nur einem einzigen Druckgang bedrucken konnten. Die eigentlich korrekte Farbreihenfolge wäre YMCK, weil damit die hellere Farbe nicht von der jeweils dunkleren verschmutzt werden konnte. Auf Einfarbenmaschinen haben wir mit Cyan begonnen, weil man Yellow auf weissem Papier von Auge sehr schlecht erkennt und somit kaum eine Farbabstimmung machen konnte. Das Problem der Verschmutzung stellte sich auf Einfarbenmaschinen ohnehin nicht, weil es kein nass-in-nass-Druck war. Gute Farbdichtemessgeräte (Densitometer) gab es damals zwar schon, aber meist nur eines pro Druckerei. Druckereien liehen sich sogar Densitometer untereinander aus... Wir Lehrlinge wurden zwar auch darauf ausgebildet, doch eigentlich druckte man damals noch ausschliesslich 'nach Auge'. Ausserdem war die Druckauflage an der Abschlussprüfung dermassen niedrig, dass man mit den manuellen densitometrischen Messungen viel zuviel Zeit vertan hätte.
In Postkartendruckereien war die Farbreihenfolge nochmals anders: Dort wollte man das Blau des Himmels besonders sauber aufs Papier bringen, weshalb diese Farbe möglichst als letzte aufgedruckt wurde. Eine andere Philosophie besagte, diejenige Farbe zuerst zu drucken, welche insgesamt am wenigsten Fläche hat; am Schluss dann die Farbe mit dem grössten Flächenanteil. Da fast jeder Druckauftrag diesbezüglich anders sein konnte, und man deshalb nicht jedes Mal die Maschine auf eine andere Farbe waschen wollte, beliess man es bei praktischen statt theoretischen Lösungen. Als Einfarben-Druckerlehrling also bei CYMK. Technische Berufe waren schon immer praktisch. Theoretische Berufe legen die Messlatte, ohne welche es kein Qualitätsstreben geben würde.
Ja, seither ist einige Zeit vergangen. Die Schweiz weist inzwischen wohl die grösste Dichte an Druckwerken weltweit auf; entsprechend sind die Kapazitätsüberschüsse, und die Löhne haben sich um mehrere zehn Prozent nach unten entwickelt (während sich Wohnungsmieten im selben Zeitraum locker verdoppelt oder verdreifacht haben für ein und dasselbe Objekt). Densitometer gehören längst zum Standard, so wie heute fast jeder ein Smartphone hat. Druckereien helfen sich gegenseitig nach wie vor unkompliziert aus - und doch freut es jeden, wenn wieder eine Druckerei eingeht - vorausgesetzt, es ist nicht die eigene.
Auch die Technik hat sich weiterentwickelt: Inzwischen hat sich der Digitaldruck soweit verbessert, dass er in unteren und mittleren Auflagenbereichen dem Offsetdruck das Wasser merklich abgraben kann - worauf dieser natürlich auch elektronisch auf- und preislich abrüstete. Hätte man sich früher als Offsetdrucker beruflich verselbständigen wollen, hätte man wohl eine viertel Million Franken ausgeben müssen für eine gebrauchte, ausgeleierte Druckmaschine. Als Einmannbetrieb wäre das sowieso schon gar nicht möglich gewesen: Litho und Satz sowie Druckplattenherstellung hätten wohl mindestens ein Dreierteam benötigt - Redundanz und Weiterverarbeitung (Ausrüstung) nicht mitgerechnet. Heute kann man für einen Bruchteil des Geldes eine Digitaldruckerei ins Leben rufen. Die ersten Jahre arbeitet man zwar auch heute noch 7x18 Stunden, aber man sieht fast immer Land.
Nun könnte man meinen, dass Papier und Druckfarbe zu den Standardverbrauchsmaterialien gehören würden und dementsprechend verfügbar sein müssten. Doch auch die Lagertechnik hat sich modernisiert: Wo man früher seine Produktionsmittel für einige Tage oder Wochen in der Halle hatte, gibt es heute dank just in time-Materialwirtschaft keine Lagerhallen mehr. Alles wird auf die Minute angeliefert. Schneit es einmal zwei Zentimeter höher als es die Wetter-Applikation voraussagte, bleiben Fliessbänder von Automobilfabriken umgehend stehen, weil die Lieferanten mit ihren Fahrzeugen nicht aus dem Hof kommen. Die Kosten, die man einsparte mit den Hallen, verliert man heute mit stillstehenden Fliessbändern. Aber dafür gibt's Versicherungen, oder wegrationalisierbare Arbeitsplätze von Arbeitern, die dem Stress nicht mehr gewachsen sind: deren Kosten werden somit den Krankenkassen oder sonst der öffentlichen Hand anbefohlen. Und - Klimaerwärmung sei Dank - schneit es auch nicht mehr so oft so hoch wie anno dazumal.
Doch es sind auch positive Beispiele zu vermelden: Noch heute gibt es Druckfarbenfabriken, die - wenigstens in der Schweiz - imstande sind, eine beliebige Sonderfarbe innert vier gemächlichen Stunden zu mischen und zu liefern, auch wenn es gar eine ausgefallene Neonfarbe sein sollte. In beliebiger Menge, völlig ohne Ankündigung, und auch wenn man dort nicht Kunde ist. "Wenn es eilig wäre, ginge es allerdings auch schneller" meinte der Farbenmischerchef, ohne den Tonfall zu verändern. Das ist zwar jetzt kein just in time-Beispiel, aber eine Meisterleistung. In anderen westeuropäischen Ländern dauert dies 7 Tage oder länger (Lieferzeit nicht eingerechnet), und man "darf die Farbenmischer nicht hetzen, weil sie sonst extra gleich noch langsamer arbeiten".
Zurück zum Digitaldruck: Seit Jahren haben wir eine Maschine von Xerox. Diese lässt, obwohl sie noch im unteren Preissegment angesiedelt ist, nur wenige Wünsche offen. Die allermeisten Druckaufträge können in einer Qualität angefertigt werden, die auch heiklen, qualitätsverwöhnten Offsetdruckern kaum noch die Schamröte ins Gesicht treibt. Auch diese Maschinen arbeiten grundsätzlich mit den CMYK-Farben, wobei hier Toner eingesetzt wird (Elektrofotografie) statt normaler Druckfarbe. Wie es die Technik nun so will, muss gelegentlich Toner nachbestellt werden. Toner ist ein Massengut: es werden ganze Schiffsladungen davon produziert.
Seit ebenso vielen Jahren haben wir folgendes Problem: Bestellen wir von zwei oder drei der vier Farben je eine Tonerkartouche, dann treffen die Toner in zwei oder drei Lieferungen an verschiedenen Tagen ein, also vier bis sieben Tage nach Bestellung (bei Schönwetter). Xerox hält seine Kunden zudem dazu an, quasi keinerlei Vorrat anzuhäufen, kann aber andererseits nicht just in time liefern. Vorräte dienen dazu, trotzdem weiterzudrucken, wenn mal eine Tonerkartouche (oder eine ganze Serie der selbigen) neudefekt - also gar nicht einsatzfähig - ist. Und welcher Drucker hat schon Lust und Zeit, Kartouchen aufzuschneiden und den Toner mit Espressolöffelchen in die Maschine zu schütten? Vorräte dienen auch dazu, weiterzudrucken, wenn Banken gegen Ende Jahr Toner einkaufen und bunkern wie die Weltmeister - der Tonermarkt für normalsterbliche Drucker also leergefegt ist. Und Vorräte dienen dazu, weiterzudrucken, wenn doch mal etwas mehr Schnee fällt als angesagt.
Es gibt jedes Mal die grössten Diskussionen mit Xerox, wenn dem mit einer Phobie behafteten Druckermenschen die in der Maschine eingesetzte halbleere ('halbvolle' - ich weiss schon...) Druckerkartouche an 'Vorrat' einfach nicht genügt und er eine (1) zusätzliche im Regal haben möchte. Erst wenn ich beginne zu weinen, drückt der Callcenter-Mitarbeiter die grüne Freigabetaste. Ja - inzwischen kenne ich die Unterwürfigkeitsspiele und erwidere wie bei den Wölfen einen hochgestellten Schwanz mit einem eingezogenen plus hängenden Ohren. Wegen Lieferengpass bei Xerox mussten wir auch schon notfallmässig Schweizer Distributoren für Expresslieferungen anbetteln. Egal: Steigen die Kosten insgesamt, steigen dem Drucker seine Klickpreise. Das ist ein recht einfaches Weltbild; zwar nicht ökologisch oder ökonomisch, aber durchaus überschaubar.
Masse ist träge, das weiss ich noch aus der Physik. Oder vom Treppensteigen. Deswegen kann die just in time-Philosophie nur begrenzt funktionieren. Und die Tiere im Wald legen auch Vorräte an - nix just in time während des Teilwinterschlafs. Dann war da noch jene Fabrik in Albbruck, die freitags einen Lastwagenzug mit Papier beladen hatte, ihn unter freiem Himmel abstellte und es uns montags anlieferte. Jenes Wochenende herrschten 18 Grad Celsius minus. War wieder nichts mit just in time, weil wir das Papier erst eine Woche auftauen (akklimatisieren) mussten.
Sie sehen: Umweltschutz und Verminderung von Treibhausgasen haben nicht die Elite zu betreffen, sondern die Arbeiterbienen. Da ruft es bloss ein bitteres Lächeln hervor, wenn Xerox auf seiner Website darstellt, seit 2012 die Treibhausgasemissionen bereits um 20% gesenkt zu haben. In Bezug auf die unnötigen Einzellieferungen von höchstgewöhnlichem Verbrauchsmaterial haben wir den Eindruck, dass amerikanische 'Planung' und die berüchtigte Planwirtschaft (die mit den leeren Ladenregalen und den stillstehenden Erntemaschinen) sich näher sind, als man tatsächlich glauben möchte.
Wie sollen wir Füdlibürger denn Eisbären oder Klima retten, wenn die Oberschicht nicht mitmacht? Richtig: Wir haben ja nur deren Abgangsentschädigungen zu retten und eine Abgaskompensation zu leisten.
Ein weiteres brennendes Thema in Bezug auf Umweltschutz und Ressourcen wäre das Thema 'Tintenpatronen für Heimdruckgeräte': Warum die Tinte in 100-ml-Patronen verkaufen, wenn der Kunde für den gleichen Preis auch 7 bis 13 ml- Patrönchen akzeptiert? Ist ja auch gut für die Hersteller von Umverpackung und unbefüllten Patronen. Damit wäre die Elite wieder unter sich. Umwelt, Klimaschutz, Eisbären und Konsumenten sollen selber schauen, wo sie bleiben. Je mehr der Konsument in Panik und Weltunterga(n)g-Stimmung versetz wird, desto mehr ist er bereit, für Kompensationen und Einführung neuer Techniken zu bezahlen, für deren Bereitstellung eigentlich die Industrie zuständig wäre. Gewinne werden gerne privatisiert, Verluste trägt die globale Community.
Demnächst wird es - wie schon bei Fantômas - eine Steuer für das Recht auf Leben geben. Diesmal erweitert um die Option, CO₂ abatmen zu dürfen.
Liebe Leserinnen und Leser, Sie werden sich an diesen Blogbeitrag erinnern.