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Allradantrieb – dass ist doch nur was für Traktoren und Geländewagen. Doch der Antrieb über alle vier Räder setzte sich im Rallyesport durch, bewies auch auf Asphalt überlegene Traktionseigenschaften unter schwierigen Bedingungen und wurde so unverzichtbarer Bestandteil in Porsches Technik-Baukasten.
In den sieben Jahrzehnten seiner Unternehmensgeschichte nahm Porsche die Rolle eines Technologie-Schrittmachers für die gesamte Automobilbranche ein. Die leidenschaftliche Suche nach der noch besseren Lösung und der harte Wettbewerb im Motorsport motivierten die Ingenieure, sich nie mit dem Erreichten zufrieden zu geben.
Die aus Schweizer Sicht wohl wichtigste Innovation dürfte der 1988 – also vor 30 Jahren – in die Grossserie eingeführte Allradantrieb sein. Schon im Jahr 1900 hatte Ferdinand Porsche mit dem vollelektrischen Lohner-Porsche mit Radnabenmotoren an allen Rädern sein erstes Allradauto konstruiert. Danach trieb einmal mehr der Motorsport die Entwicklung voran: Im Jahr 1947 schuf das Büro Porsche im Auftrag von Cisitalia einen Formel-1-Boliden mit Zwölfzylinder und zuschaltbarem Allradantrieb, der jedoch aufgrund der Pleite des Auftraggebers nie eine Rennstrecke sah.
Im Jahr 1984 folgte mit dem Typ 953 wieder ein Porsche mit zuschaltbarem 4×4, der die Rallye Paris-Dakar gewann. Zwei Jahre später folgte ein Doppelsieg mit dem ebenfalls allradgetriebenen 959, dessen in 292 Exemplaren gebaute Serienversion als Über-Sportwagen der 1980er-Jahre gilt. Doch es dauerte noch weitere zwei Jahre, bis mit dem 911 Carrera 4 der erste Serien-Porsche mit 4×4 erschien. Per Planetengetriebe wurde das Drehmoment in festem Verhältnis von 31 zu 69 Prozent auf Vorder- und Hinterachse verteilt. Im Jahr 1994 folgte dann ein variabler Allrad, bei dem eine Visco-Kupplung die Vorderachse nur bedarfsweise und je nach Reifenhaftung für den Vortrieb nutzte. Den nächsten Entwicklungsschritt brachte der Cayenne im Jahr 2002, bei nicht nur Haftung, sondern auch Geschwindigkeit, Lenkwinkel und Beschleunigung in die Berechnung der Antriebskraftverteilung per hydraulischer Kupllung einbezogen wurden.
Mit Ausnahme der 718er-Reihe bietet Porsche heute in allen Baureihen den Allradantrieb an – in den SUVs Macan und Cayenne sowie im Panamera sogar ausschliesslich. Abgesehen von den überlegenen Traktionseigenschaften im Winter unterstützt der variable 4×4 auch auf trockener Strasse Beschleunigung und Kurvenstabilität und verbessert durch gezielte Verteilung der Antriebskraft auch die Effizienz.