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Die Kirche der einst weitläufigen Urpfarrei, zu der bis 1565 auch die Stadt Lenzburg gehörte, wuchs in mehreren Bauphasen ab dem 10. Jahrhundert zu ihrer heutigen Gestalt. Am Beginn steht eine längsrechteckige Saalkirche, die im 11./12. Jahrhundert nach Westen verlängert wurde und einen Turm beigestellt bekam. In diese Bauphase fällt auch die erste Erwähnung der Pfarrei im Jahre 1101. Eine einseitige Erweiterung nach Norden schuf im 14. Jahrhundert die heutige Situation mit dem aus der Mittelachse zur Seite gerückten Chor. Eine weitere Verlängerung brachte im 14./15. Jahrhundert das Kirchenschiff auf die jetzige Ausdehnung. Den gotischen Neubau des polygonalen Chors mit seinen Masswerkfenstern machte ein Blitzschlag im Jahr 1419 notwendig. Um 1435/40 wurden die Fenster mit einem Glasmalereizyklus geschmückt, dessen erhaltene Teile in den drei Fenstern des Chorhauptes vereinigt sind. Das 18. Jahrhundert fügte der Kirche das Vorzeichen an und schenkte ihr eine neue Ausstattung (Kanzel und Decke um 1720, Taufstein 1765). Prägend blieben bis heute der gotische Neubau des Chors mit seinen Glasmalereien und die barocke Neuausstattung des Innern.
Die Glasgemälde im Chor sind rund hundert Jahre nach den Verglasungen in Königsfelden und zeitlich nahe zum Zyklus in der Stadtkirche in Zofingen entstanden. Ihre stilistischen Merkmale weisen in den elsässisch-südbadischen Raum, wo sie vermutlich von einem oberrheinischen Meister geschaffen und auf den Staufberg geliefert wurden.
In Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege leitete Architekt Castor Huser, Baden, die Restaurierung in zwei Etappen: Im Innern wurden 1995/96 die Zutaten des späten 19. Jahrhunderts entfernt (Experten Denkmalpflege: Bund: Dr. Peter Felder, Kanton: Alexander Schlatter / Jürg Andrea Bossardt) und am Äussern 2001 – 2003 die Umgestaltung der Glockengeschosse von 1949 rückgängig gemacht (Denkmalpflege Kanton: Jürg Andrea Bossardt).
Die Aussenrestaurierung der Kirche umfasste auch das Brunnenhaus mit dem Sodbrunnen. Die Mechanik von Laufrad und Seilwinde wurde ergänzt und wieder funktionsfähig gemacht und bildet ein einzigartiges Denkmal der Geschichte der Wasserversorgung. Während 424 Jahren, von 1488 – 1912 stellte diese Einrichtung die Versorgung mit Trinkwasser sicher!
Das Ensemble mit Kirche, Pfarrhaus und -scheune,
Sigristenhaus, Wasch- und Brunnenhaus steht seit 1960 unter kantonalem
Denkmalschutz, die Kirche selbst seit 1998 auch unter dem Schutz des Bundes.
Die Kirche Schafisheim ist Teil des Aargauer Hugenottenwegs, der am 28. September 2013 eröffnet wird.
Verfasst von Jürg Andrea Bossardt
Der Verfasser dankt Brigitte Kurmann-Schwarz, sowie der Kantonalen Denkmalpflege und der Kantonsarchäologie Aargau für wertvolle Hinweise und Auskünfte.
Die Fotos wurden von der Denkmalpflege des Kantons Aargau zur Verfügung gestellt.