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Basiert die US-Nationalhymne auf einem bierseligen Song?
- Sonntag, 14. September 2014, 13:04 Uhr
Die USA feiern den 200. Geburtstag ihrer Nationalhymne, «The Star-Spangled Banner», auf Deutsch: «Die sternenbesetzte Flagge». Der Weg bis zur heutigen Nationalhymne war lang. Aber auch eine Bilderbuch-Karriere.
Vor 200 Jahren deutete noch nichts auf die spätere Karriere des Gedichts «The Defense of Fort McHenry» hin: Die US-Armee steckt in ihrem zweiten Unabhängigkeitskrieg, diesmal gegen die Briten. In der Schlacht von Fort McHenry bei Baltimore kämpfen die amerikanischen Soldaten gegen die überlegene englische Kriegsflotte. Niemand glaubt an einen Sieg der USA.
In der Nähe des Kriegsschauplatzes hält der amerikanische Anwalt Francis Scott Key den Atem an. Es ist früher Morgen am 14. September 1814, als er plötzlich die vertraute Flagge mit den Sternen und den Streifen über dem Schlachtfeld wehen sieht.
«Faulige Fussabdrücke»
Bewegt über diesen Triumph, schreibt der Hobby-Poet ein patriotisches Gedicht. In vier Strophen preist er Gott und die Fahne, und demütigt den unterlegenen Gegner: «Ihr Blut hat die Verpestung durch ihre fauligen Fussabdrücke ausgewaschen.» Kein Wunder, dass heute niemand mehr diese dritte Strophe singen will.
Nun beginnt der 117 Jahre dauernde Weg, bis dieser Text zur offiziellen amerikanischen Hymne wird. Die Melodie kommt hinzu; sie stammt von einem damals bekannten Song, den britische Gentlemen in einem Männerclub in London zu singen pflegten. Bis heute denken deshalb viele Amerikaner, dass ihre Hymne ein Biertrinkersong ist.
Ernst oder feucht-fröhlich?
Experten wie Mark Clague dementieren dies zwar immer wieder: Im exklusiven Herrenclub, der «Anacreontic Society», habe man keine Bierlieder geschmettert, sondern zweistündigen Haydn-Synfonien gelauscht, weiss der Musikprofessor von der Universität Michigan.
In Baltimore im Bundesstaat Maryland, an dem Ort, wo der Hymnen-Text entstand, ist Garry Domnisse anderer Meinung: «Aber sicher stammt die Musik von einem flotten Biertrinkersong», ist er überzeugt. Garry ist Kapitän eines Ausflugschiffes, das Touristen an den früheren Kriegsschauplatz bringt. Deshalb hätten die Amerikaner das Lied auch so gerne gesungen, lange bevor es zur Hymne wurde.
Gar nicht leicht zu singen
Obwohl seine Melodie so umstritten ist, kennt man den Komponisten, einen Engländer namens John Stafford Smith, kaum. Warum? Susan Key, Chefin der «Star-Spangled»-Musikstiftung, meint: «Er war einfach kein bedeutender Komponist.»
Der «Star-Spangled Banner»-Song war in den USA so populär, dass er 1931 offiziell zur Nationalhymne erklärt wurde. Nicht alle Amerikaner sind heute glücklich darüber. Manche können ihre Hymne einfach nicht singen. Der Text ist sperrig und die Melodie umfasst mehr als eineinhalb Oktaven. Nicht einfach für Laien, bestätigt Musikspezialist James Wintle von der Library of Congress in Washington D.C.: «Das Lied wurde für professionelle Sänger gemacht.»
Aguilera hat einen Blackout, Steve Tyler krächzt
Doch die fehlbaren Sängerinnen und Sänger aus dem Volk sind in bester Gesellschaft. Denn sogar Stars haben Mühe, die Nationalhymne korrekt wiederzugeben.
Christina Aguilera etwa sang vor dem riesigen Superball-Publikum nur noch das, was sie noch wusste. Michael Bolton hielt mittendrin inne, um sich an die nächste Textzeile erinnern zu können. Fast Mitleid erzeugte Aerosmith-Sänger Steve Tyler. Nicht nur brachte er den Text durcheinander, er konnte auch die hohen Töne nur krächzen. Superstar Beyoncé hingegen wusste sich an der zweiten Inaugurationsfeier für Präsident Obama vor einer Blamage zu schützen. Sie sang playback.
Sendung: Radio SRF 1, Morgenprogramm, 12.9.2014, 9:40 Uhr
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