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|Jakobus, der Bruder Jesu|

Der Historiker Flavius Josephus berichtet in seinem Text "Jüdische Altertümer" von einer Sitzung des Hohen Rates im Jahr 62, in der Todesurteile ausgesprochen wurden (20,200). Einer der Delinquenten wird dort namentlich aufgeführt als "der Bruder des Jesus, der Christus genannt wird, mit Namen Jakobus". |
Der damals zwar unübliche, aber vermutlich echte Namenszusatz wäre überflüssig gewesen, hätte keiner diesen Jesus gekannt. War also Jesus doch eine historische Gestalt?
Genau genommen besagt der Hinweis nur, dass es im Jahr 62 einen Jakobus gab, der von sich behauptete, der Bruder Jesu zu sein, der zu dieser Zeit schon 32 Jahre tot war.
Jakobus war, historisch verbrieft, ein angesehenes Mitglied der judenchristlichen Gemeinde in Jerusalem. Er war aber auch der Anführer einer dogmatischen Gruppe, die sich in heftige Auseinandersetzungen mit Paulus und seiner Lehrmeinung verstrickte.

Jakobus war also ein beherzter Anhänger Jesu und damit ein "Bruder des Herrn", wie er sich auch nennen ließ.|
"Was die Bezeichnung Bruder genau bedeutet," schreibt Peter Calvocoressi in seinem "Who's who in der Bibel", "ist unklar." Jakobus sprach jedenfalls auch Mitglieder seiner Gemeinde als Brüder an (Jak 1,2): "Meine lieben Brüder."
Der Jerusalemer Judenchrist Jakobus ist auch der Autor eines Briefes, der erst nach langen Debatten Eingang in die Bibel gefunden hat. Noch im 4. Jahrhundert äußerte Kirchenvater Eusebius Zweifel, ob der Brief in den Kanon der Bibel passte und Martin Luther bezeichnete ihn als "stroherne Epistel".
In diesem Jakobusbrief bezeichnet sich der Autor jedenfalls nicht als Bruder Jesu, sondern als (Jak 1,1) "Jakobus, ein Knecht Gottes und des Herrn."
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|©Johannes Maria Lehner|

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