Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03452.jsonl.gz/2660

Separatbündnis der kath. Orte Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug, Kath.-Glarus, Freiburg, Solothurn, Appenzell Innerrhoden sowie der Landschaft Wallis und Republik der sieben Zenden mit Frankreich, das an einer vom Ambassador Charles-François de Vintimille Gf. Du Luc auf den 27.4.1715 nach Solothurn einberufenen Tagsatzung ausgehandelt und am 9. Mai in der St. Ursenkirche beschworen wurde. Gründe für das Abkommen waren einerseits die Bestimmungen des 4. Landfriedens von 1712, welche die Verlierer des 2. Villmergerkriegs die Unterstützung Ludwigs XIV. suchen liessen, andererseits die unsichere Zukunft des Hauses Bourbon, die Gf. Du Luc bewog, wenigstens die kath. Stände zur Erneuerung des 1723 auslaufenden Bündnisses mit Frankreich zu veranlassen. Der 35 Artikel umfassende Vertrag bekräftigte im Wesentlichen die Allianz von 1663. Darüber hinaus versprach der König, seine Verbündeten gegen Angriffe äusserer und innerer Feinde zu schützen und bei Streitigkeiten zwischen den Kantonen als Schiedsrichter zu wirken (Art. 5). Die kath. Orte verpflichteten sich, den Feinden Frankreichs keine Söldner zu stellen (Art. 20). Im Beistandsfall gewährten sie den franz. Truppen freien Durchmarsch durch ihre Territorien (Art. 29). Den unbestimmt gehaltenen Art. 5 ergänzten Ambassador Du Luc und die schweiz. Bündnispartner eigenmächtig um einen aus acht Abschnitten bestehenden Reversbrief "zur Wiederherstellung der Katholizität". Dem franz. König wurde darin die Verpflichtung auferlegt, Zürich und Bern erst nach der Restitution der Grafschaft Baden und der Unteren Freien Ämter in eine Gesamtallianz aufzunehmen. Im Kriegsfall sollten franz. Generäle die Schweizer Truppen kommandieren, allfällige Eroberungen würden den kath. Ständen zufallen. Der geheime Zusatz wurde im Archiv des kath. Vororts Luzern in einer versiegelten Blechbüchse (im Dialekt eben auch Trucke oder Trückli) aufbewahrt. Das Separatbündnis belastete die Beziehungen zwischen den Konfessionen jahrzehntelang und verlor erst mit der Erneuerung der Allianz durch sämtl. Orte und Zugewandte 1777 seine Gültigkeit.
Quellen
– EA 7, 77-82, 1361-1381
Literatur
– F. Gröbli, Ambassador Du Luc und der T. von 1715, 2 Bde., 1975
Autorin/Autor: Andreas Fankhauser