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Der gezielte Einsatz von Short- und Leverage-ETF ermöglicht Anlegern ihr Portfolio abzusichern oder gezielt Renditechancen wahrzunehmen. Durch das tägliche Rebalancing sind die Renditen allerdings pfadabhängig.
In einer Marktlage wie der jetzigen, die gekennzeichnet ist von eng aufeinander folgenden Allzeithochs einerseits und der Angst vor plötzlichen Kurseinbrüchen anderseits, verbunden mit einem gewachsenen Sicherheitsbedürfnis der Anleger, können Short- und Leverage-ETF nützliche Bausteine bei der Portfoliostrukturierung sein. Sie ermöglichen auch privaten Investoren, die Wertentwicklung von Indizes auf täglicher Basis umgekehrt beziehungsweise gehebelt in Form eines Fondssondervermögens nachzuvollziehen und so ihr Portfolio abzusichern oder gezielt Renditechancen wahrzunehmen.
Zu beachten ist bei diesen ETF vor allem, dass sich die Ziele auf die tägliche Basis, also nicht auf die Gesamtperiode, beziehen. Das tägliche Rebalancing bewirkt, dass die Renditen über längere Zeitfenster pfadabhängig werden. Über das Ergebnis entscheidet folglich nicht mehr allein der Endwert eines Basisindex, sondern auch der Pfad, auf dem dieser erreicht wird.
Dazu ein Beispiel mit zwei Szenarien der Kursentwicklung eines inversen ETF: In beiden Szenarien erfährt der Index einen Verlust von 10 Prozent innerhalb von zwei Tagen. In Szenario 1 fällt der Kurs erst von 100 auf 95 und dann von 95 auf 90. Die Rendite des Short-ETF beträgt in diesem Fall mehr als 10 Prozent. Grund ist das Rebalancing nach dem ersten Tag. Dadurch wird der Gewinn der zweiten Periode auf einer höheren Basis erwirtschaftet.
In Szenario 2 steigt der Kurs erst auf 110 und fällt anschließend auf 90. Hier beträgt die Rendite des Short-ETF weniger als 10 Prozent, da der Gewinn der zweiten Periode, bedingt durch das Rebalancing, auf einer geringeren Basis generiert wird. Diesen Effekt sollten Anleger kennen, wenn sie ETF einsetzen wollen.
Mit dieser Pfadabhängigkeit begründen Kritiker auch ihre Vorbehalte gegenüber Short- und Leveraged-ETF. Für Privatanleger seien sie ungeeignet, da diese die Komplexität der Produkte und die damit verbundenen Risiken nicht verstünden. Nun sollten die Risiken aber nicht allein auf Basis der komplexen Struktur beurteilt werden. Vielmehr ist der tatsächliche Umgang des Investors mit diesen Instrumenten in die Betrachtung einzubeziehen.
Anleger können das Risiko ihres Investments insbesondere über das Investitionsvolumen und die Haltedauer steuern. Wie eine kürzlich veröffentlichte Studie zum Investitionsverhalten bei Short- und Leveraged-ETF gezeigt hat, lässt sich die Kritik empirisch nicht belegen. Es hat sich stattdessen gezeigt, dass Privatanleger die Risiken im Wesentlichen richtig einschätzen und diese Instrumente überwiegend kurzfristig halten.