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Bild: Die Restauratoren Markus Gross (r.) und Stephan Lohrengel an der Arbeit. Foto Andri Pol, © Succession H. Matisse
Die Fondation Beyeler führt seit 2009 ein umfangreiches Restaurierungsprojekt mit Unterstützung von Nationale Suisse durch, das Henri Matisse’ Acanthes (1953, 311 x 350,5 cm), einem Hauptwerk aus der Serie seiner grossformatigen Scherenschnitte (Papiers découpés), gewidmet ist. Nachdem die kunsttechnologische Erforschung und die Restaurierung des Werks abgeschlossen sind, wird nun ein neuer Zierrahmen mit Verglasung angefertigt.
In der Sammlung Beyeler gehört Acanthes zu den grössten Werken und ist das grösste gerahmte und verglaste Bild. Bislang besass das Werk einen schlichten weissen Holzrahmen, der vermutlich Ende der 1970er-Jahre im Kunstmuseum Basel angefertigt wurde, wo das Werk lange Jahre als Dauerleihgabe von Ernst Beyeler ausgestellt war. Allerdings entspricht die gesamte Rahmenkonstruktion nicht mehr den aktuellen konservatorischen Anforderungen.
Durch die Recherchen konnte nachgewiesen werden, dass Matisse Acanthes als eigenständiges und in seinen Massen definiertes Werk geschaffen hat. Die Neurahmung soll die nach Matisse «auf das Wesentliche reduzierte Form» akzentuieren. Als «Fenster in die Welt des Bildes» spielt ein Zierrahmen bei der Erfahrbarkeit des Kunstwerks eine bedeutende Rolle. Er ist Vermittler zwischen dem Werk und seiner Umgebung. Der Rahmen sollte das umschlossene Bild nicht dominieren, ihm aber auch ein angemessenes Gegengewicht bieten, damit das Bild seine Wirkung zu entfalten vermag. Bei vielen modernen und zeitgenössischen Arbeiten entspricht eine Rahmung des Werks allerdings nicht mehr dem Bildkonzept. So sind die aktuell in der Fondation Beyeler gezeigten grossformatigen Gemälde von Jeff Koons allesamt bewusst ungerahmt. Die Rahmung ist aber auch eine wesentliche konservatorische Massnahme, da sie dem Schutz des Werks dient. Ein Rahmen stabilisiert die Struktur, und durch eine spezielle Verglasung werden empfindliche Oberflächen vor Schmutz, mechanischen Beschädigungen und schädigenden Lichtstrahlungen geschützt.
Von besonderer Wichtigkeit war der internationale Vergleich mit den anderen grossformatigen Papiers découpés von Henri Matisse. Die besitzenden Sammlungen haben bei deren Rahmung unterschiedliche Konzepte entwickelt und umgesetzt. In den meisten Fällen hat man sich für eine Rahmung mit einer Holz- oder Aluminiumleiste und Acrylglas oder Spezialglas entschieden.
Besondere Sorgfalt wurde bei Acanthes auf ein ästhetisch optimales Ergebnis gelegt. Während des intensiven Findungsprozesses arbeiteten die Restauratoren eng mit Rahmenspezialisten und den Kuratoren der Fondation Beyeler zusammen. Dazu wurde zum einen der Frage nachgegangen, welche Holzart mit welcher Fassung am besten zum Werk passt, zum anderen, wie breit das Profil der Rahmenleiste sein kann, um einen harmonisch proportionierten Rahmen zu erhalten.
Hinsichtlich der schützenden Verglasung ist es glücklicherweise heute möglich, durch eine Sonderanfertigung eine Acrylglasscheibe aus einem Stück zu erhalten. Im Gegensatz zur ehemaligen Scheibe ist nun keine störende Klebenaht mehr vorhanden, und zugleich ist ein optimaler Schutz vor schädigender UV-Strahlung gewährleistet.
Mit Abschluss des Projekts im Juli 2012 wird Acanthes in seinem neuen Rahmen zu sehen sein und in der Sammlungspräsentation 2013 einen prominenten Platz einnehmen.