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Das «Kapital» von Joseph Beuys wird wohl bald nicht mehr in Schaffhausen stehen. Keiner der vier Männer, die sich um das Kunstwerk stritten, wird dieses künftig noch besitzen.
Die Installation «Kapital Raum 1970–1977» von Joseph Beuys ist verkauft. Erik Birgelen, der Anwalt der vormaligen Eigentümer, bestätigte dem Lappi eine entsprechende Meldung der «schaffhauser az»: «Dass ein Verkauf stattgefunden hat, ist richtig», sagte er.
Auch Hans B. Wyss, einer der drei bisherigen Besitzer, bestätigte den Verkauf. Wer das «Kapital» erworben hat, wollten die beiden jedoch nicht bekannt geben. Es sei vereinbart worden, dass weitere Informationen nur von der Käuferseite preisgegeben würden. Mit einer Mitteilung sei bald zu rechnen, so Birgelen. Auch zum Verkaufspreis gibt es keinerlei Informationen. Der Versicherungswert liegt bei 4,5 Millionen Franken.
Skurrile Posse um die Kunstinstallation
Das «Kapital» ist eines der wichtigsten Werke von Joseph Beuys (1921–1986). Ursprünglich für die Biennale in Venedig 1976 entstanden, wurde es 1984 von Beuys selbst und Urs Raussmüller in den Hallen für neue Kunst installiert. Der Verkauf des «Kapitals» ist die vorerst letzte Episode in der zunehmend skurril anmutenden Geschichte, die sich um die Frage des Eigentums des Werkes entspann.
Nach einem jahrelangen Rechtsstreit bestätigte das Schaffhauser Obergericht im Dezember 2013 in zweiter Instanz, dass das Werk zu gleichen Teilen den drei Sammlern Hans B. Wyss, Wirtschaftsanwalt und ehemaliger Stiftungpräsident der «Hallen», Robert Strebel und Michael Liebelt gehört. Urs Raussmüller, der Kurator der «Hallen», der sich selbst als Eigentümer des Werks sieht, unterlag.
Der Prozess führte durch einen Dschungel von Indizien, denn angebliche Abmachungen zwischen Beuys und Raussmüller oder zwischen den Eigentümern und Raussmüller waren nicht schriftlich festgehalten worden.
Der Streit um die Eigentumsrechte des «Kapitals» führte am Ende zur Schliessung der Hallen für Neue Kunst: Die Anwalts- und Prozesskosten von über 400 000 Franken trieben die Stiftung für neue Kunst, welche die «Hallen» betrieb, in den Konkurs. Urs Rausmüller, der die Werke seiner Raussmüller Collection in den Räumen ausgestellt hatte, hat seine Kunstwerke «abgebaut und transportiert, die Leihgaben restituiert und die Büros verlagert», wie er auf seiner Webseite verkündet.
Überwogen finanzielle Interessen?
Der Umstand, dass die Eigentümer das «Kapital» so kurz nach ihrem Sieg vor Obergericht verkaufen, lässt den Verdacht zu, die «Kunstfreunde» hätten vor allem aus finanziellen Interessen um die Eigentumsrechte gekämpft. War das «Kapital» für sie nichts weiter als Kapital?
Beuys-Biograf Hans Peter Riegel als auch die Witwe des Künstlers äusserten öffentlich, dass man das Werk nicht entfernen und anderswo wieder aufbauen könne, ohne es zu zerstören. Das Urteil des Obergerichts liess denn auch bewusst die Möglichkeit offen, dass der Bund hätte versuchen können, mit einer denkmalschützerischen Verfügung einen Abbau des Werkes zu verhindern – der Staat mischte sich aber nicht ein. Nun ist anzunehmen, dass der oder die neuen Eigentümer das «Kapital» aus den Hallen abtransportieren werden.
Gemeinsam mit Urs Raussmüller und durch den Kampf gegen ihn haben die Sammler dafür gesorgt, dass sowohl das «Kapital» als auch die anderen in den «Hallen» gezeigten Werke seit knapp einem Jahr von niemandem mehr betrachtet werden können.
Das Schmierentheater, das sich um das «Kapital» und die «Hallen» entspann, offenbart kleinliche Streitereien um Geld und Besitz. Geradezu absurd wirkt es im Vergleich zum weltmännischen Pathos, mit dem Beteiligte und BeobachterInnen jeweils die «internationale Ausstrahlung» des «einzigartigen Kunstortes» lobpriesen und verzweifelt den Eindruck hochzuhalten versuchten, es gehe nicht um Eigentum, sondern nur um Kunst.