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Das kulturelle und damit auch gesellschaftliche Schaffen dieses faszinierenden Intendanten, Regisseurs und Filmemachers wird dieser Tage in allen Medien gebührend besprochen und gewürdigt - angesichts seines Lebenswerkes mit unvergesslichen Theateraufführungen ist das mehr als nur angebracht.
In Basel vollbrachte Düggelin vor allem zwischen 1968 und 1975 Famoses, als er aus der bisherigen Provinzbühne, als die das Theater Basel galt, ein Dreispartenhaus mit internationalem Ruf machte. Die Liste seiner Inszenierungen unter anderem in Berlin, Basel und Zürich ist lang, die Erinnerungen auch an populäre Volksfilme mit Niveau, etwa dem Werk "Taxifahrer Bänz" oder an einen bemerkenswerten Fernsehfilm über Johann Sebastian Bach, bei dem er Regie führte und für den er zusammen mit Maja Hoffmann auch das Drehbuch geschrieben hatte, sind bleibend.
Sein Theaterleben begann Düggelin als Beleuchter beim Schauspielhaus Zürich. Danach arbeitete er als Assistent des wunderbaren Regisseurs Leopold Lindtberg, der ihm riet, in Paris das Handwerk des Regisseurs zu erlernen. In der Folge war "Dügg" einer der ersten deutschsprachigen Regisseure, die Stücke von Samuel Beckett, Eugène Ionesco, Georges Schehadé, Albert Camus, Jean Genet und Paul Claudel in deutscher Sprache inszenierten. 1995 erhielt er den Kulturpreis der Stadt Basel, am 29. Juni 2014 auch jenen der Stadt Zürich.
Die Frage, weshalb über diesen einzigartigen und gleichzeitig bodenständigen und politisch bewussten Kulturmenschen diese Zeilen auf einer Fussball-Website erscheinen, gründet auf der bis zuletzt andauernden tiefen Freundschaft zwischen Düggelin und dem ersten grossen FCB-Erfolgstrainer der Gesichte, Helmut Benthaus.
Benthaus kam drei Jahre vor Düggelin nach Basel. Als dann der Regisseur 1968 ans Theater Basel kam, entstand eine bis heute im Schweizer Sport wohl einmalige Verbundenheit: Zwei Macher mit im Kern nicht einmal sonderlich unterschiedlichen Aufgaben, die neue, kreativen und auch mutige Ideen nach Basel brachten, befreundeten sich, und zwar auch deshalb, weil es zum einen Benthaus ein Anliegen war, seine Fussballer auch über den Strafraum hinaus zum Denken zu motivieren und deshalb mit dem FCB mehrfach auch Theateraufführungen besuchen ging. Umgekehrt war Düggelin ein glühender Fussballfan und dergestalt auch oft im Joggeli anzutreffen.
Es gab kaum ein Interview mit Helmut Benthaus, in dem er nicht sofort auch auf Düggelin zu sprechen kam, wenn der Fussballlehrer zum Thema "Popularität" des FCB Auskunft gab. "Düggelin half entscheidend mit, den Fussball im allgemeinen und den FCB im besonderen in Basel auch in jenen Kreisen aus einem tiefen Ansehen zu einem sehr akzeptierten Teil der Gesellschaft zu machen - und das eben auch in jenen Kreisen, in denen man zuvor noch gerne über den 'Proletensport' Fussball die Nase gerümpft hatte", hat Benthaus sinngemäss immer wieder betont.
Daneben hatte diese freundschaftliche Partnerschaft zwischen zwei Basler Institutionen und deren "Dirigenten" noch weiterreichende Dimensionen: Die 1940 gegründete "Nitoba", die grösste Basler Lotterie, ehe sie 2013 (vorübergehend?) eingestellt wurde, hatte die Spezialität, dass jedes Los garantiert einen Gewinn darstellte, unter anderem eben Eintrittskarten ins Theater und/oder zu FCB-Heimspielen. Der Erlös der Tombola ging an kulturelle Zwecke in der Stadt.
Der Verlust Düggelins ist gross. Aber er macht die Stadt und das Land deshalb nicht einfach ärmer. Zu gross ist nämlich das kulturelle und gesellschaftliche Werk Düggelins, als das es in Vergessenheit geraten könnte. Und zu wertvoll die Banden, die Düggelin und Benthaus gemeinsam zwischen den vielen gesellschaftlichen Schichten namentlich in Basel gesponnen haben.
Werner Düggelin möge in Frieden Ruhen, und unter den zahlreichen Gedanken und Grüssen, die ihm jetzt nachfolgen, sollen auch viele rotblaue Wünsche gehören.