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"Die Anfänge des Crowdfunding liegen bereits Jahrzehnte zurück, das bekannteste Beispiel aus der Geschichte ist wohl jenes der "Lady Liberty". Der Sockel der Freiheitsstatue der Vereinigten Staaten von Amerika wurde über Crowdfunding finanziert und gilt heute als Pionier-Projekt für diese alternative Finanzierungsmethode.
Als die Freiheitsstatue, ein diplomatisches Geschenk Frankreichs an die USA, 1885 New York erreichte, fehlte der Großteil des nötigen Betrags von 250’000 USD, um das Granitfundament der Statue aufzustellen. Erst als der Herausgeber Joseph Pulitzer in seiner Zeitung "The New York World" die Einwohner New Yorks dazu aufforderte, für die Errichtung des Fundaments zu spenden, konnte das nötige Kapital aufgebracht werden. Mit mehr als 160’000 Spendern – von Kindern, Straßenhändlern, Managern bis hin zu Politikern – kam in nur fünf Monaten ein Betrag von 101’091 USD zusammen und die "Lady Liberty" konnte schlussendlich errichtet werden" (S. 1).
Mit diesem charakteristischen Beispiel einer Crowdfunding-Kampagne unterstreichen die Autoren schon zu Beginn ihrer Einführung die typischen Komponenten einer modernen Online-Kampagne: ein kurzer Aktions-Zeitraum für die Aufbringung des benötigten Betrags, eine Vielzahl an Spenden in kleinen Beträgen und eine Umsetzung des gesamten Prozesses seitens nur einer einzigen Stelle. In den letzten Jahrzehnten wurde Crowdfunding zunehmend populär. Insbesondere durch die Musik- und Filmindustrie konnten ganze Alben und Filme durch dieses System finanziert werden. Zwischenzeitlich haben sich Crowdfunding und Crowdinvesting auch im deutschsprachigen Raum zu Finanzierungsformen für Start-ups und KMU entwickelt.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung haben die Herausgeber (Paul Pöltner und Daniel Horak, Co-Gründer und Vorstandsmitglieder der CONDA AG, sowie Robert Michels, Office Managing Partner im Frankfurter Büro von Dentons), zusammen mit fünf weiteren praxiserfahrenen Experten, einen Praxisleitfaden entwickelt, der eine umfassende 360º-Betrachtung von Crowdfunding und Crowdinvesting aus wirtschaftlicher, steuerrechtlicher und gesellschaftlicher Sicht bietet. Die fünf Kapitel des Buches widmen sich den folgenden Schwerpunkten:
1. Crowdinvesting – eine Einführung: nach einem Rückblick auf die Entstehung des Crowdfunding werden die Formen des schenkungs-, kredit-, vergütungs- und eigenkapitalbasierten Crowdfunding (letzteres wird als Crowdinvesting bezeichnet) behandelt. Danach werden die Funktionsweisen und Plattformen sowie die Entwicklung von Crowdfunding/-investing in Österreich, Deutschland und der gesamten EU referiert. Abschließend werden hierzu zwei Fallbeispiele präsentiert.
2. Rechtsgrundlagen für Crowdinvesting in Österreich: seit dem September 2015 gibt es in Österreich mit dem Alternativfinanzierungsgesetz (AltFG) und den begleitenden Änderungen des Kapitalmarktgesetzes (KMG) die erste rechtliche Grundlage für Crowdfunding. Seit dem wurde das AltFG mehrfach novelliert und es wurden auch entsprechende Änderungen des KMG vorgenommen. Die wesentlichen Regelungen und Neuerungen der einschlägigen Rechtsbestimmungen, angefangen vom Anwendungsbereich bis hin zu den Informationspflichten und Regelungen für das Betreiben einer Internetplattform, sind vor allem Gegenstand dieses Kapitels, das mit speziellen Exkursen, u. a. zum vereinfachten KMG-Prospekt und zu konzessionsrechtlichen Fragen, abgerundet wird.
3. Rechtsgrundlagen für Crowdinvesting in Deutschland: Ausgelöst durch die Insolvenz des Windanlagenbetreibers Prokon, durch welche mehr als 75’000 Anleger etwa 40% ihrer Investitionen verloren haben, hat der Deutsche Bundestag 2015 das sog. Kleinanlegerschutzgesetz beschlossen, welches insbesondere die Crowdfinanzierung in Deutschland und die dadurch vertriebenen Anlagen regeln sollte. Trotz der damit vorgesehenen Verschärfung der Informations- und Transparenzpflichten für Vermögensanlagen sowie der grundsätzlichen Erweiterung des Anwendungsbereichs auf partiarische bzw. Nachrangdarlehen und auf "sonstige Anlagen" wollte der Gesetzgeber die neu entstehende Finanzierungsform über sog. "Crowdfunding"-Plattformen nicht regulatorisch ersticken und hat später eine Reihe von Befreiungstatbeständen bzw. Lockerungen beschlossen. Die entsprechenden Regelungen hierzu, insbesondere im Bereich des Vermögensanlagengesetzes (VermAnlG), des Gesetzes über das Kreditwesen (KWG) und des Wertpapierprospektgesetzes (WpPG), werden in diesem Kapitel behandelt.
4. Crowdinvesting – mehr Chance als Risiko? Zuerst werden grundlegende Zusammenhänge, die mit dem Thema Investieren einhergehen, betrachtet. Im Mittelpunkt dieses umfassenden Kapitels stehen jedoch zahlreiche Tipps im Hinblick auf die Rentabilität, Liquidität und Sicherheit bzw. Risiko von Investitionen aber auch wertvolle Hinweise darüber, wie man selbst Crowdinvesting-Projekte beurteilen kann. Dabei geht es u. a. um das Alleinstellungsmerkmal, Geschäftsmodell, Marketing & Vertriebsziele, Marktsituation, Managementteam sowie Finanzierung und Planzahlen. Es werden auch Parameter zur Beurteilung von alternativen Beteiligungsmodellen erläutert und am Beispiel der Plattform CONDA näher ausgeführt. Abschließend setzt sich noch ein spezieller Abschnitt mit den einschlägigen steuerrechtlichen Rahmenbedingungen auseinander.
5. Crowdinvesting als Finanzierungsinstrument: Nach einem generellen Überblick über die alternativen Formen der Unternehmensfinanzierung werden die unternehmensbezogenen Vorteile der Finanzierungsform durch Crowdinvesting zusammengefasst und Tipps für den erfolgreichen Aufbau einer Crowdinvesting-Kampagne gegeben. Mit der Erörterung der diesbezüglichen steuerrechtlichen Rahmenbedingungen wird dieses Kapitel abgeschlossen.
Das vorliegende Werk überzeugt durch einen gelungenen Mix aus theoretischer Fundierung und praxisorientierter Darstellung aller Facetten des Crowdfunding und Crowdinvesting. Die Chancen und Risiken sowie die Vor- und Nachteile für Investoren als auch für Unternehmer werden umfassend untersucht und anhand von vielen Beispielen illustriert. Es wird aber auch deutlich, dass es kein "One size fits all"-Muster geben kann, sondern Investoren und Unternehmen ihre Investitions- bzw. Finanzierungs-Konzepte jeweils für den Einzelfall sorgfältig zu prüfen haben. Schlussendlich kann für das Crowdfunding/-investing konstatiert werden, dass durch das Zusammenspiel von Risikostreuung, höheren Renditen und Risiken ein völlig neues Investitions- bzw. Finanzierungsinstrument für Investoren bzw. Unternehmen entstanden ist, welches das Potential hat, Engpässe in der Unternehmensfinanzierung zu verringern.