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Thesen Todesco
Inhaltsverzeichnis
Rolf Todesco: Technikorientiertes Menschenbild
Thesenpapier zur AG2: Was ist der Mensch (Was sind MMK-Thesenpapiere?)
Vorwort: Die Aufhebung der "Was-ist"-Frage
Hartmut, der Moderator, bringt (vorderhand) eine Was-ist-Frage und eine Unterscheidung zwischen Technologie und Philosophie ins Spiel. Ich will die Frage und die Unterscheidung aufheben.
Eigentliche Philosophie kompensiert mangelde Technologie, wobei ich vieles, was als Philosophie bezeichnet wird, als Theologie (also als moralisierende Ethik) auffasse und hier gerade nicht (mit-)meine. Philosophie war (und ist) ein erster primitiver Zugriff auf die Welt, der in der sogenannten Aufklärung durch Naturwissenschaft aufgehoben wurde (Gott ist tot). Die Was-ist-Frage wurde durch die Wie-funktioniert-das-Frage ersetzt. Die Naturwissenschaft brachte aber - sozusagen als ungewollte Nebenwirkung - ein paar Fragen hervor (Würfelt Gott?), die einerseits zur Re-Naissance einer Philosophie führten, die bei den griechischen Sklavenhaltern (Aristoteles) verortet wird - und andererseits zu einem Perspektivenwechsel führten, den ich als Konstruktivismus (Kybernetik, Systemtheorie) bezeichne. Heute habe ich die Wahl zwischen verphilosophierten Wissenschaften und Konstruktivismus. (H. von Foerster schlägt vor science und systemics zu unterscheiden).
Im Konstruktivismus ist die beobachterfreie (ich-freie) Naturwissenschaft aufgehoben. Das Fragen wird subjektiv: Wer beobachtet was? Ich frage mich auf dem konstruktivistischen Pfad also nicht: Was ist der Mensch (wirklich)?, sondern Wie "re-konstruiere" ich den Menschen? Was erkenne, erzeuge oder eben beobachte ich, wenn ich mir den Menschen vorstelle? Welche Bilder verbinde ich mit dem Ausdruck Mensch? (Logischerweise sagen meine Antworten mehr über mich als über "den" Menschen aus).
Der Moderator charakterisiert seine Was-ist-der-Mensch-Frage durch einen Kontext, den er als von uns selbst gestalteten mittlerweile digitalen Welt, die uns immer mehr beschleunigt und entfremdet" umschreibt. Es geht vielleicht nicht um den Menschen schlechthin, sondern um den Menschen in einer bestimmten Umwelt, die als "digitale Welt" bezeichnet wird. Wenn ich diesen vorerst vagen Kontext aufgreife, frage ich mich: Was sagt diese digitale Welt über den Menschen? Wie muss ein Mensch sein, gesehen werden, damit er in diese oder zu dieser digitalen Welt passt?
Digitale Welt
Der Ausdruck "digital" ist ein sogenannntes Plastikwort, das jede beliebige Bedeutung annehmen kann. Ich nehme vorderhand in einer Art commonsense-Haltung an, dass von einer Welt mit allerlei Arten von irgendwie vernetzten Computerprozessoren die Rede ist, also von Technik. Aber natürlich muss man diese Computerwelt nicht technisch sehen. Viele Philosophen neigen dazu, von Medien statt von Technik zu sprechen (vielleicht, weil sie glauben, von Medien mehr zu verstehen als von Technik (was ein Teil meiner These ist)).
Man kann meines Erachtens unsere Problematik so aufziehen, dass wir versuchen, die "digitale Welt" genauer zu beschreiben. Meine These lautet, dass jede denkbare "digitale Welt" keinerlei Probleme macht, also nichts so beschleunigt, dass wir nicht folgen können und nichts so gegen uns stellt, dass wir uns fremd werden. Die Technik (oder die Medien, was immer das sein soll) machen uns keine Probleme, ausser Gestaltungsprobleme.
Beispiel: unser Wiki
Diese Wiki sehe ich unter Gestaltungsgesichtspunkten:
Das Wiki "ist" eine Software, die ich - wie jede Maschine - benutzen können muss. Da kann ich mich fragen, ob man das ganze nicht "benutzerfreundlicher" machen könnte, respektive, was von einem Menschen verlangt wird, der hier etwas schreiben will. (Was für ein Menschenbild wird verwendet?)
Wenn ich mich mit der Bedienung des Wikis angefreundet habe, kann ich das Wiki als Hypertext sehen. Dann kann ich mich fragen, was das Konzept Hypertext von einem Menschen verlangt. Wie muss "der" Mensch denken, damit Hypertext Sinn macht?
Hypertext als "digitale Welt"
Ein Hypertext ist ein Konglomerat von spezifisch verbundenen Text-Teilen. Die Verbindungen heissen (Hyper)-Links. Hypertexte sind Textgrundlagen, die im Wissen konstruiert werden, dass der Hyper-Leser selbst entscheidet, was er wann und in welcher Reihenfolge liest, also Grundlagen für Hypertext-Texte, bei welchen die Unterscheidung zwischen Autor und Leser aufgehoben ist, weil der jeweils gelesene Text, also der Hypertext-Text erst im Hyper-Lesen selbst entsteht.
Man kann Hypertext abstrakt auffassen, dann sind alle Texte mit irgendwelchen Verweisen Hypertexte. Konkret ist aber ein Hypertext eine "digitale Sache", also ein Text, der auf einem Bildschirm erscheint und dort durch Anklicken von Links ersetzt werden kann. In diesem Sinne kann ich von einer Beschleunigung sprechen, weil ich den Text, auf welchen verwiesen wird, nicht erst durch ein Nach-hinten-Blättern oder gar durch einen Gang in die Bibliothek sehen kann, sondern ihn sofort am Bildschirm habe.
Darin kann ich aber keinerlei Nachteil erkennen. Allerdings ergibt sich durch diese Art eines "digitalen Textes" ein Reihe von Komplikationen relativ zum Textverständnis, das aus einer Bücherwelt stammt.
Fortsetzung kommt bald ;-))
Anhänge
"Man kann immer noch mit dem Sachverhalt ueberraschen, dass Martin Heidegger ausgerechnet von der Technik der Gegenwart - viel eher als zum Beispiel von der Fach-Philosophie - "Wahrheitsereignisse" erhoffte, Momente der "Selbstentbergung des Seins," wie er es nannte. Was koennte also das "Sein" sein, welches sich in der Technik elektronischer Kommunikation entbirgt - diesseits aller Science Fiction-Euphorie und jenseits allen kulturkritischen Gejammeres?" (H. Gumbrecht im FAZblog)