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Samuel sprach zu Saul: Du aber steh jetzt still, dass ich dir kundtue, was Gott gesagt hat. 1. Samuel 9,27
Die Geschichte zu diesem Satz? Da sucht einer seine entlaufenen Eselinnen – und findet seine Lebensaufgabe: Wie der Bauernsohn Saul beim Seher Samuel nach den verlorenen Tieren fragen will, wird er mit unerwarteter Ehrerbietung empfangen. Und was ihm Samuel dann beim Abschied kundtut, ist keine mündliche Botschaft, sondern eine Zeichenhandlung. Er salbt Saul «zum Fürsten über Gottes Erbbesitz».
Wenn ich die Losung zum Anlass nehme, um in der Bibel den ganzen Text zu lesen, begegne ich dieser erstaunlichen Erwählungsgeschichte. Was aber mache ich mit dem einen Satz, wenn er mir an heutigen Novembertag einfach so zufällt, wie es eben das Wesen einer Losung ist? Ich stehe still und höre. Und was sagt mir da Gott? Nichts? Oder kommt aus einer meiner Bewusstseinsschichten eine Botschaft? Eine Zusage? Ein Trost? Eine Hilfe für jetzt und hier?
Zitate, aus dem Zusammenhang gerissen, haben einen schlechten Ruf. Aber es gibt manche Sätze, die mir viel bedeuten – bis ich ihnen innerhalb ihres Originaltextes begegne und feststelle: Sie gehören zu einem komplizierten Gedankensystem oder zu einer Gewaltgeschichte. Darf ich mir das ersparen? Darf ich aus einer alten Geschichte einen Satz ganz allein in meine Geschichte aufnehmen? Mir zur Hilfe? Kann mir Gott auch so etwas kundtun?
Von Käthi Koenig