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Es gibt Naturereignisse, nach denen könnte man die Uhr stellen. Zur Zeit ist es das allabendliche Ausschwärmen der zahlreichen, laut surrenden Junikäfer (Amphimallon solstitiale).
Sie ähneln dem Maikäfer, trotzdem gibt es einige Unterscheidungsmerkmale.
Unterschiede Junikäfer Maikäfer: Die hier abgebildeten Junikäfer sind – wie auf meinen Bildern gut erkennbar – ziemlich stark behaart, ganz im Gegensatz zum Maikäfer. Zudem ist der Junikäfer etwas heller als der Maikäfer, vorallem die Flügel. Auch ist der ganze Körper des Junikäfers mehr oder weniger einheitlich braun, während beim Maikäfer das Halsschild schwarz ist und seine Flügel eher rötlich braun.
Der Maikäfer ist mit 2,5 – 3 Zentimeter einiges grösser als der Junikäfer, der nur ca. 1,3 bis 1,8 Zentimeter gross wird.
Eigentlich wäre die Bezeichnung Gerippter Brachkäfer besser, denn Junikäfer ist ein Trivialname, der auch für einige andere Käfer (beispielsweise den Gartenlaubkäfer) verwendet wird. Aber ich bleibe jetzt trotzdem bei Junikäfer, ist kürzer.
Der hier gezeigte Junikäfer gehört zur Familie der Blatthornkäfer. Sein Lebenszyklus dauert insgesamt drei Jahre:
Gegen Ende Juli legen die Weibchen bis zu 35 Eier im Boden ab und sterben bald darauf. Die Larven (Engerlinge) verbringen nun zwei Winter in der Erde. Während dieser Zeit wachsen sie und ernähren sich von Wurzeln und Pflanzenresten. Nach dem zweiten Winter verpuppen sie sich im Frühjahr des dritten Jahres.
Jetzt, in warmen Nächten von Ende Juni bis anfangs Juli, fliegen die erwachsenen Käfer nicht selten in grossen Schwärmen in der Dämmerung. Bei uns ist das meistens von ca. 20.30 bis 21.15h. Von einer Minute auf die andere sind sie da – und auch wieder verschwunden. Sie ernähren sich hauptsächlich von Blättern und Blüten.
Gerade entlang von Hängen und Böschungen fliegen sie abends besonders zahlreich umher, so, dass man sich beim Vorbeispazieren ihrer fast nicht erwehren kann. Manchmal hat man fast den Eindruck, sie fliegen völlig verwirrt umher, denn sie fliegen einem immer wieder mal direkt an. Auch ich werde nicht verschont, obwohl ich mit 1.65 Meter nicht gross bin. Sie fliegen nämlich gerne hohe Gegenstände an, Bäume oder Hausdächer und manchmal eben auf der Suche nach Nahrung und während der Paarungszeit auch Menschen.
Es gehört nicht unbedingt zu meiner Lieblingsbeschäftigung, die «anhänglichen» Junikäfer aus meinen langen Haaren zu lösen, an die sie sich ziemlich hartnäckig klammern.
Ich mag mich noch sehr gut an ein Sommerständchen der hiesigen Musikgesellschaft erinnern, als der Jodelclub ein Lied zum Besten gab. Die Darbietung fiel just auf die abendliche Flugzeit der Junikäfer, die in besagtem Jahr in ausserordentlich grossen Schwärmen auftraten. Die armen Damen in ihren schönen Trachten schlugen zwar wild um sich, trotzdem verfingen sich die laut surrenden Käfer in ihren Haaren und wer besonderes Pech hatte, dem flog einer während des Jodelns gar in den offenen Mund.
Eine andere Erinnerung geht noch weiter zurück, in meine Kindheit. Da besuchten wir manchmal die abendliche Maiandacht in der Kirche und auf dem Heimweg hörte man jeden Abend das verzweifelte Kreischen der Frauen, die gegen die anhänglichen Käfer kämpften.
Die Junikäfer haben bei uns schon öfters an sommerlichen Gartenfestchen Gäste in die «Flucht», sprich ins Haus getrieben.