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Die
Berichte über einen Aufenthalt des Friesenherrschers Radbod (um 700)
und über die Missionierung durch den heiligen Willibrord (Bischof
von Utrecht 696 - 738) beziehen sich wahrscheinlich auf Helgoland. Daß
die Insel mit dem in der Kirchengeschichte des Adam von Bremen (zwischen
1072 und 1075 verfaßt) genannten "Heiligland" identisch ist, gilt
aufgrund der recht genauen Lagebeschreibung als gesichert (24.2.). Im Erdbuch
Waldemars II. (1231) wird bereits auf die Zugehörigkeit Helgolands
- obwohl phasenweise in die Herrschaftsbereiche Hamburgs, Bremens, Sta-des
und auch Holsteins einbezogen - zum dänischen Staatsverband hingewiesen.
Lange Zeit bot die Insel einen idealen Schlupfwinkel für die auf den Hansehandel ausgerichtete Piraterie. 1402 setzte ein Hamburger Flottenverband hier schließlich die "Vitalienbrüder" des Claus Störtebeker fest (24.1.). Während der Kontinentalsperre - 1806 von Napoleon gegen England verfügt - entwickelte sich Helgoland zu einem lebhaften Schmuggelplatz. 1807 besetzten englische Truppen die Insel und gliederten sie als Kolonie in Großbritannien ein. 1841 dichtete hier der in Deutschland politisch verfolgte Hoffmann von Fallersleben das "Lied der Deutschen".
Bereits in der "englischen Zeit" war mit der Gründung des Seebades (1826) ein bis in die Gegenwart bedeutsamer Erwerbszweig für die Bewohner Helgolands hinzugekommen, deren Existenzgrundlage von jeher das Meer mit Fischfang, Lotsenfahrt und Bergung von Strandgut gebildet hatte. Beschränkungen der rechtlichen Eigenständigkeit, von der früheren dänischen Landesherrschaft zugestanden, führten in der Bevölkerung zu Ablehnung und Widerstand, wie das Beispiel der Beschwerdeschrift von 1866 gegen den Gouverneur Maxse zeigt (24.3., 24.4.). 1890 wurde die Insel im Austausch gegen ostafrikanische Kolonialrechte von Großbritannien an das Deutsche Reich übergeben (24.5.).
Nach dem Ausbau zum Marinehafen mußten alle Einwohner Helgoland während des Ersten Weltkrieges verlassen. Zurückgekehrt erlebten sie dann im Zuge der nationalsozialistischen Kriegspolitik die erneute militärische Befestigung und schließlich den Untergang ihrer Ortschaft in den alliierten Bombenangriffen von 1945 (24.6.). Die Helgoländer erlitten in den Folgejahren ein ähnliches Schicksal wie Millionen andere Heimatvertriebene. Nach der vollständigen Räumung der Insel zerstreuten sie sich in über 150 Städte und Dörfer des Festlandes, und obwohl jeglicher politischer Zusammenschluß untersagt war, blieben die menschlichen Bindungen weiter bestehen. Die Sprengung vom 18. April 1947 zerstörte neben den Militäranlagen auch die markante Südspitze des Buntsandsteinfelsens. Nach Protesten gegen die fortdauernde Bombardierung zu Übungszwecken durch die Royal Air Force wurde Helgoland am l. März 1952 von Großbritannien freigegeben (24.7.). Im Rahmen des bald darauf beginnenden Wiederaufbaus der Gemeinde war bereits 1960 Raum für über 2000 Rückkehrer entstanden. Gegenwärtig (1991) hat die Insel 1750 Einwohner.
Helgoland ist Zollfreigebiet!
Helgoland bildet auf Grund ihrer Lage in der Hochsee eine Ausnahme im EU-Gesetz. Helgoland besitzt den
Status eines Drittlandes. Das bedeutet, es gehört zwar zum deutschen Wirtschaftsgebiet, zollrechtlich aber
nicht zur Europäischen Union. Neben Zigaretten, die etwa halb so teuer sind wie auf dem Festland, und Spirituosen,
die immerhin bis zu 30 Prozent günstiger sind, locken auch zahlreiche andere mehrwertsteuer- und zollfreie Waren
die Kunden in die Läden und Boutiquen. Beliebt sind vor allem Parfüm, Uhren, Schmuck, optische Geräte,
und Markenbekleidung. Die Zollbestimmungen erlauben nur geringe Mengen zur Ausfuhr, doch wer geschickt einkauft,
hat den Fahrpreis zur Insel schnell heraus.
Erlaubt sind pro Person 200 Zigaretten oder 50 Zigarren beziehungsweise 250 Gramm Tabak, ein Liter Spirituosen über 22 Prozent Alkoholgehalt, oder 2 Liter über 22 Prozent Alkoholgehalt, 50 Gramm Parfüm und je fünf Kilo Butter, Käse oder Fleisch.
Küstenschifffahrt früher und heute
Noch Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Waren größtenteils auf den Wasserstraßen transportiert. Der Grund: Wasserwege waren vorhanden, während die Straßen und Eisenbahnschienen erst später angelegt wurden. Tief eingeschnittene Buchten machten die Beschiffung mit den relativ kleinen Schiffen bis an viele Siedlungen und Höfe möglich. Die Abwicklung der Geschäfte über den Seeweg war lebensnotwendig, da die Infrastruktur des Binnenlandes unzureichend war.
Nach der Eindeichung um 1000 n. Chr. konzentrierte sich die Schifffahrt zwangsläufig an den Deichdurchlässen, den Sielen. An den Sielen münden die Tiefs, die der Entwässerung der Marsch dienen. Zu diesen schiffbaren Gewässern gehören die Außentiefs, die sich seewärts hinter den Schleusen befinden. Nur hier war das Erreichen der Küste aufgrund der Wassertiefe möglich.
Hauptprodukte aus der Marsch
waren Getreide, Milchprodukte, Fleisch und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse.
Der Bevölkerung konnte im Gegenzug Holz aus Skandinavien, Manufakturwaren
aus England sowie Kolonialwaren aus Hamburg, Bremen und anderen Hansestädten
angeboten werden. Zusätzlich wurde Torf aus den Fehngebieten sowie
Ziegel aus den vielen Ziegeleien Ostfrieslands und Frieslands transportiert.
Durch das Fehlen der Infrastruktur im Hinterland waren die Sielhafenorte nur von regionaler Bedeutung. In diesen Orten bildeten sich trotzdem einflußreiche Kaufmanns- und Schifferfamilien, die teilweise sogar in Übersee tätig wurden.
Mit dem Einsatz der Dampfer ab ca. 1850 stiegen die Probleme der Küstenschiff-fahrt. Die Sielhäfen konnten wegen der mangelnden Tiefe von Dampfern nicht angelaufen werden. Die Vertiefung der Häfen hatte ein größeres Hinterland als Absatzmarkt erfordert. Durch den Ausbau des Straßennetzes sowie die Einweihung der Eisenbahnlinie Oldenburg - Wilhelmshaven im Jahr 1867 und Sande - Jerver kam für die Schifffahrt nochmals Hoffnung.
Billiger, amerikanischer Weizen überschwemmte den europäischen Markt - ein Grund für die endgültige Abkehr der Sielhäfen war vorprogrammiert. Mit der Produktionsumstellung der Bauern änderte sich auch ihr Absatzmarkt, der nun hauptsächlich ins Ruhrgebiet verlagert wurde. Diese Änderung der Märkte war inzwischen durch die gebauten Straßen und Eisenbahnschienen möglich. Die Gründung des deutschen Reiches 1871 mit den Reichszöllen brachte das endgültige Aus für die Sielhäfen. Die Küstenorte mußten sich mehr und mehr Richtung Binnenland orientieren.