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TENERIFE
Teneriffa ist mit über zwei Tausend Quadratkilometern die grösste Insel des Kanarischen Archipels und zählt rund eine Million Einwohner, heute Tinerfeños genannt. Etwa fünf Mal so viele Leute besuchen jedes Jahr die Insel als Touristen. Imposantestes Merkmal ist sicher der fast 4000 m hohe Pico de Teide, ein typischer Vulkankegel der von rund herum oft bis 50 Seemeilen sichtbar ist.
Es ist der höchste Berg Spaniens. Viele Monate im Jahr ist er schneebedeckt. Die deutlich unterscheidbaren Höhen- bzw. Vegetationszonen bestimmen das Landschaftsbild wie auf keiner andern Insel des Archipels, wobei es wie auf Gran Canaria den grossen Unterschied zwischen Norden und Süden gibt, hier aber zusätzlich die Abstufungen mit der Höhe.
Bis 1833 war Laguna die Hauptstadt der Insel. Die Eroberer fühlten sich dort oben sicher vor Piraten, hatten Wasser in der von einem Bach durchflossenen Lagune und das Gelände war eben, so dass sie Landwirtschaft betreiben konnten.
In Laguna
Die armen Leute wohnten unten am Hafen von Santa Cruz, wurden von den Lagunern als Chicharrones bezeichnet, eine abfällige Bezeichnung für die Fischer, welche von Chicharro (Bastardmakrele), einem Billigfisch leben mussten. Doch der Hafen entwickelte sich stark und die Nähe zum Meer bot so viele Vorteile, dass sich dort immer mehr Handel und Verwaltung ansiedelte. 1833 wurde dann Santa Cruz oder wie es mit vollem Namen seit 1803 heisst Muy Leal, Noble e Invicta Villa, Puerto y Plaza de Santa Cruz de Santiago, sehr treue, edle und unbesiegte Stadt, Hafen und Ort des Heiligen Kreuzes von Sankt Jakob, zur Hauptstadt Teneriffas.
Doch durch den Bau einer Tramlinie zwischen Santa Cruz und La Laguna im Jahr 1901 begannen die beiden Städte zu der Área metropolitana de Santa Cruz de Tenerife zusammenzuwachsen.
Der Kern von Laguna hat seinen Charakter behalten. Wir flanierten dort durch die Gassen und bestaunten die vielen Gebäude aus der Kolonialzeit.
Aber auch Santa Cruz selber hat viele Plätze und interessante Gebäude, wirkte auf mich aber eher etwas zu grossstädtisch und heruntergekommen. Wohl das interessanteste Gebäude ist das von Salvador Calatrava erbaute Auditorio unten am Hafen. Dieses Bauwerk dient den heutigen Seefahrern auch als Ansteuerungspunkt zum Hafen.
Einer der Plätze ist Las Ramblas, wo sich ebenso Marktstände finden, wie beim grossen Schwesterplatz in Barcelona. Nach dem Anschlag auf las Ramblas Barcelona war dieser Platz durch schwer bewaffnete Polizei strengstens bewacht. Wahrscheinlich gut so.
Im Norden der Stadt findet sich die Playa de las Teresitas, eine Bucht, durch eine Mole geschützt, in welche Millionen von Tonnen Sand aus der Sahara geschüttet wurden, damit die armen Stadtbewohner auch irgendwo baden können. Ansonsten ist dieser Küstenstreifen nämlich durch Industrie überbaut oder felsig. Mehr als eine Notlösung für badebedürftige Chicharrones kann dieser Strand aber nicht sein, verglichen mit den schönen Stränden im Süden.
Die Nordspitze Teneriffas ist gebirgig und wolkenverhangen. Es gibt hier im Anaga-Gebirge aber auch ein paar kleine Dörfer, insbesondere entlang der Küste, die wir mit unserem Mietauto besuchten. Die kurvenreiche Strasse führt durch ausgedehnte, dunkle Lorbeerwälder, die im Regen und Nebel fast schwarz erschienen.
Im Süden besuchten wir Las Galletas, fuhren hinauf zu den Felsen Los Gigantes und warfen einen Blick hinunter auf Garachico. Garachico war eine der bedeutesten Handels- und Hafenstadt, bevor es 1706 bei einem verheerenden Vulkanausbruch der Montaña Negra durch zwei Lavaströme teilweise zerstört wurde. Es wurde wieder aufgebaut und entwickelte sich zu einem der bezauberndsten und ursprünglichsten Orte Teneriffas. Durch das Orotavatal, der Landwirtschaftsgegend von Teneriffa, ging es zurück zum Schiff.
Acantilado de los Gigantes
Garachico mit seinem Hafen
Die schönsten und interessantesten Touren führten aber sicher jeweils über den Cumbre Dorsal, die hinauf führen zu las Cañadas del Teide. Der Weg führt durch schöne Wälder und über viele Aussichtspunkte, wo wir immer wieder anhalten mussten, um die Gegend auf uns wirken zu lassen. Oberhalb der Baumgrenze fährt man dann durch die vulkanische Mondlandschaft, die so vielfältig ist, wie eine Blumenwiese in unseren Alpen.
Die Mondlandschaft
Alles wird überragt vom stolzen Teide, den wir mittels Seilbahn bezwangen. Ein Ticket für diese Bahn muss man schon im Voraus bestellen und reservieren. Einmal oben fehlen dann noch immer die letzten 300 Meter, für welche man ebenfalls eine Bewilligung braucht. Diese war für uns unmöglich zu erhalten, was uns einen beschwerlichen und wohl öden Aufstieg unter der sengenden Sonne ersparte.
Roques de Garcia
Einen Tag besuchten wir das Observatorium und liessen uns Einblick geben in die verschiedenen Instrumente und Methoden der Beobachtung der doch von uns etwas weiter entfernten Nachbarn. Die Kanarischen Inseln, Teneriffa und La Palma, sind berühmt für ihre astronomischen Forschungsstätten und werden von Forschern aus ganz Europa genutzt. Die Lage so weit oben vermindert die atmosphärischen Störungen, und die ständige, durch den Passat gebildete,darunter liegende Nebeldecke verhindert, dass das Licht der Zivilisation hier stören kann. Und über dem ganzen Gebiet gilt eine Flugverbotszone, damit keine Abgase oder Verwirbelungen der Luft die Beobachtungen der Astronomen stören. In dieser Gegend ergeben sich über 300 Tage, an welchen die Bedingungen zur Weltraumbeobachtung günstig sind. Eine Stunde Teleskop kostet rund 10’000 Euro (und wir wissen immer noch nicht, woher wir kommen). Interessant ist auch, dass immer weniger Forscher hierher kommen, sondern ihre Arbeit zufrieden zuhause via Internet erledigen können. Das erspart ihnen zumindest die Reise- und Beherbergungskosten.
Am 3. September verabschiedeten wir uns von den freundlichen Damen im Hafenbüro und fuhren nordwärts bis zur Punta da Antequera, wo wir in der Ankerbucht vor imposanter Kulisse und unter ebensolchen Windböen die Nacht verbrachten.
Am andern Morgen segelten wir zur Nordspitze Teneriffas, wo wir noch ein paar schlafende Wale sahen. Der Wind war schwach und auf die Nase, weshalb wir entschieden mit etwas Wind aus dem Dieseltank nachzuhelfen. Naa dis naa entschwand Teneriffa aus unserem Blickfeld. Dabei sahen die vielen Plastiktreibhäuser im Orotavatal aus, als ob es geschneit hätte.
In der Nacht nahm der Wind stetig zu. Gegen die Südspitze von La Palma gerieten wir in die Acceleration-Zone, in welcher der Passatwind beschleunigt wird. Schliesslich hatten wir morgens um fünf Uhr 36 kn Wind und drei Reffs im Gross. Dann rundeten wir das Kap im Süden und… brauchten den Motor um noch vorwärts zu kommen. Zwei Stunden später fiel unser Anker in der Bucht von Tazacorte und wir in unsere Kojen für eine Mütze voll Schlaf.
Nun freuen wir uns auf La Palma….Bis bald!