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Wie sieht Ihr gewöhnlicher Tagesablauf aus?
Ich stehe morgens um 5 Uhr auf, um das Frühstück für mein kleines Mädchen vorzubereiten. Ich wecke sie auf, wasche ihr Gesicht und die Hände und bereite sie für die Schule vor. Nachdem sie zur Schule gegangen ist, kümmere ich mich zuerst um die Hühner, dann putze ich das Haus und ziehe mich an. Um etwa 7 Uhr mache ich mich auf den Weg zu der zwei Kilometer entfernten Schule und melde mich bei der Ankunft im Lehrerzimmer an. Ich bin ich für die Sauberkeit des Schulhofs verantwortlich und sorge dementsprechend dafür, dass die Wasserbehälter aufgefüllt sind, so dass die Kinder ihre Hände nach dem Besuch der Toiletten sowie vor und nach dem Essen waschen können. Die meisten Kinder kommen gegen 7.45 Uhr. Nachdem ich die Sauberkeit ihrer Hände, Gesichter und Schuluniformen kontrolliert habe, beten wir zusammen. Ich bin verantwortlich für insgesamt 110 Kinder im Alter zwischen sechs und acht Jahren und unterrichte täglich sieben dreissigminütige Lektionen. Die Schule endet 15 Uhr. Danach reinige ich das Klassenzimmer und die Toiletten. Das muss unbedingt täglich gemacht werden. Die Kinder aber sind zu jung, um sich darum zu kümmern. Gegen 16.30 Uhr bin ich wieder zuhause. Ich beginne dann mit der Zubereitung des Abendessens, wasche Kleider und kümmere mich um die Hühner und meinen Garten. Wir essen früh zu Abend und ich gehe dann spätestens 21 Uhr zu Bett.
Was mögen Sie an Ihrem Dorf?
Es ist sehr klein. Nur etwa 50 Familien leben in meinem Dorf. Ich wurde in diesem Dorf geboren und meine Schwester wohnt ganz in der Nähe. Ich mag besonders meinen Garten. Ich kann Obst und Gemüse anpflanzen, so muss ich nicht alle Produkte, die ich benötige, auf dem Markt kaufen gehen. Die meisten Familien in meinem Dorf haben einen Garten.
Was bereitet Ihnen momentan Schwierigkeiten?
Es ist schwierig für mich, für die Ausbildung meiner Söhne aufzukommen. Der Jüngere geht aufs Gymnasium, mein älterer Sohn studiert Informatik. Die Kosten für beides sind eine grosse finanzielle Belastung, die ich alleine bewältigen muss. Eine weitere Schwierigkeit sind die langen Wege zum Wasserholen. Ich gehe rund zwei Kilometer zu Fuss bis zur Wasserquelle. Da ich als Lehrerin den ganzen Tag arbeite, muss ich am Wochenende genug Wasser für die ganze Woche holen. Wenn ich mich angespannt und traurig fühle, lese ich die Bibel oder höre mir christliche Lieder an.
Was bedeutet Glück für Sie?
Zu geniessen, was ich tue: die Erziehungsaufgabe in meiner Familie und den Beruf als Lehrerin.
Was wünschen Sie sich?
Ich möchte glückliche Kinder grossziehen und die Menschen in meiner Gemeinde so gut als möglich unterstützen.
Worauf sind Sie stolz?
Ich bin stolz auf die Arbeit, die ich an meiner Schule leiste. Mein Job als Lehrerin bedeutet mir sehr viel und die Sauberkeit in der Schule hat sich weiter verbessert, seit ich 2012 am Kurs von Caritas Schweiz teilgenommen habe. Ich bin sehr glücklich, dass ich in diesem Jahr an der Weiterbildung zu Menstruationshygiene teilnehmen konnte. Dies ist sehr wichtig für meine tägliche Arbeit. Viele Mädchen kommen zu mir und bitten mich um Rat, wenn sie ihre erste Periode haben. Sie wissen nicht, was zu tun ist, da es in unserer Gesellschaft nicht üblich ist, dass Mütter mit ihren Töchtern darüber sprechen. Jetzt weiss ich, wie ich ihnen helfen kann, und ich kann es auch meinem kleinen Mädchen erklären.
Das Interview wurde von Janne Christ im Mai 2015 geführt.