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Sternstunden-Moderator Yves Bossart erinnert sich Annemarie Pieper als philosophisches Vorbild zurück: «Sie hat die Philosophie auf ganz unterschiedliche Arten und Weisen in die Öffentlichkeit getragen.» Pieper ist einem breiten Publikum aufgrund ihrer Medienarbeit bekannt, unter anderem moderierte sie die SRF-Sendung «Sternstunde Philosophie».
Während 40 Jahren war Pieper Mitglied des Stiftungsrats der Basler Karl-Jaspers-Stiftung, hiess es in einer am Mittwoch veröffentlichten Todesanzeige in der «Neuen Zürcher Zeitung».
Vorreiterin feministischer Philosophie
Geboren wurde Pieper 1941 in der deutschen Stadt Düsseldorf. 1981 war sie als eine der ersten Frauen an die Universität Basel berufen worden, auf den Lehrstuhl des deutsch-schweizerischen Philosophen und Psychiaters Karl Jaspers. Das ging aus einem 2020 veröffentlichten Interview mit CH Media hervor.
Sie war ein weiblicher Sokrates, der die Philosophie auf die Strasse gebracht hat.
Zeitlebens hatte sie mit männlichen Widerständen zu kämpfen – und machte sich gerade dadurch einen Namen. Die feministische Philosophie entwickelte sich zu ihrem Forschungsgebiet. Im SRF-Interview sagte sie einmal: «Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Männer die Frage ‹Was war zuerst, das Huhn oder das Ei?› auf die Weise bündig entschieden haben: Am Anfang war der Hahn.»
Mit 60 Jahren liess sie sich frühzeitig pensionieren. «35 Jahre an der Universität lehren, das reicht», habe sie gesagt. Die Schwerpunkte der Philosophin lagen vor allem auf dem Gebiet der Ethik, der feministischen Philosophie und der Existenzphilosophie. Ihre Einführung in die Ethik gehört zu den Standardwerken des Faches.
Selber denken!
Neben ihrer Tätigkeit an der Universität war sie ausserdem als Autorin tätig. Mit Sachbüchern, wie «Selber denken. Anstiftung zum Philosophieren» und Romanen, wie «Die Klugscheisser GmbH» ebnet sie den Zugang zur Philosophie und regt zur eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema an. «Sie war so etwas wie ein weiblicher Sokrates, der sozusagen die Philosophie auf die Strasse gebracht hat», erinnert sich Yves Bossart.
Dazu gehörten für Pieper auch ethische Fragestellungen: «Themen wie Freiheit, Solidarität, Verantwortung standen im Zentrum ihrer Philosophie. Das betrifft natürlich unser Leben im Alltag als Gemeinschaft und als politische Subjekte», so Bossart.
Die Essenz des Werkes von Annemarie Pieper sehe er in der Einsicht, dass Philosophie uns dabei helfen kann, ein besseres und bewussteres Leben zu führen. Die deutsche Philosophin ist bereits am 15. Februar mit 83 Jahren verstorben.
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