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Mario Botta ist in Mendrisio geboren, wo er lebt und arbeitet. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der zeitgenössischen Architektur. Berühmt wurde er unter anderem mit seinem Entwurf des «Museum of Modern Art» in San Francisco, der Kathedrale im französischen Évry oder dem «Museum Jean Tinguely» in Basel. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und hat weltweit viele Bewunderer.
Sie sind im Tessin aufgewachsen, an der Grenze zu Italien. Hat diese geografische Lage Sie beeinflusst?
Ich glaube, es ist ein Vorteil, in Grenznähe zu leben. Es bietet die Möglichkeit, den sozialen Wandel im Kontext immer globalerer Wechselbeziehungen besser zu erfassen.
Bringt die heutige Zeit mit ihren grossen Veränderungen eine besondere Verantwortung mit sich?
Ja. Wir müssen in der Lage sein, die positiven Werte unserer Zeit aufzuzeigen.
Sie bezeichnen Gebäude für Institutionen, in denen sich gemeinsame Aktivitäten abspielen, als Räume des Gedächtnisses. Warum?
Die Architektur ist eine öffentliche Kunst par excellence. Daher rührt die Aufgabe, Emotionen und Gefühle zu vermitteln, die die tiefere Bedeutung unserer Identität zum Ausdruck bringen sollen. Die Geometrie und die Solidität meiner Gebäude befriedigen vermutlich das Sicherheitsbedürfnis der Menschen, eine Aufgabe, die die Architektur gerade heute, in einer Welt, in der das Alltagsleben immer komplexer wird, erfüllen muss.
Man nennt Sie einen Meister des Raums. Ihre Architektur entwirft eine plastische Sprache mit Aushöhlungen und vielen Zwischenbereichen zwischen dem Innen und Aussenbereich.
Die Übergangsbereiche sind die Lebensbereiche für den Benutzer; hier ist es möglich, soziale Beziehungen zu leben und mit dem Lauf der Sonne abwechselnd die Landschaft oder die Stadt zu geniessen. Ich verwende oft massive Baumaterialien wie Natursteine, Ziegelsteine oder Zement, die Licht und Schatten zu einer einfachen Formensprache verbinden. Die Architektur sollte immer einen Bezug zur Umgebung haben. Die traditionellen Materialien haben den Vorteil, dass sie gegenüber den sogenannten modernen Materialien langsamer – und besser – altern. Ausserdem sind sie manchmal sogar kostengünstiger.
Sie haben mit dem Centre Dürrenmatt in Neuenburg einen Ausstellungsraum für einen bedeutenden Schweizer Schriftsteller entworfen. Was hat Sie dazu bewogen, diesen Auftrag anzunehmen?
Ich hatte einige kurze Begegnungen mit Friedrich Dürrenmatt während seiner letzten Jahre. Später habe ich das Centre Dürrenmatt in Neuenburg, wo er wohnte, entworfen und realisiert. Eine scharfsinnige, faszinierende Persönlichkeit, die durch ihr literarisches Schaffen tief in die Prekarität des Menschen eingedrungen ist, dessen Isolierung und Einsamkeit er auf paradoxe und groteske Weise offengelegt hat. Neben seiner Arbeit als Schriftsteller hatte ich auch Gelegenheit, seine Arbeit als Maler und Graveur zu entdecken, die er sein ganzes Leben lang geduldig als ergänzende Ausdrucksformen für sein Denken gepflegt hat. Ich schätze ihn auch sehr, weil er in der Lage war, Zeugnis von seiner «Swissness» abzulegen, diesem Zugehörigkeitsgefühl, in dem auch ich mich wiedererkenne, vor allem in diesen Zeiten der Globalisierung.
Ist Ihr Beitrag zur Gründung der Akademie für Architektur Mendrisio Ausdruck Ihrer Verbundenheit mit der Region?
Das Leben des Menschen bringt immer auch eine ethische Verpflichtung über den eigenen Beruf hinaus mit sich.
Entdecken Sie Mario Bottas Bellinzona mit dem Treno Gottardo.
Anfahrt: mit dem Treno Gottardo nach Bellinzona.