Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03467.jsonl.gz/464

Das Recht auf schriftliche Kündigungsbegründung
Im schweizerischen Arbeitsrecht gilt der Grundsatz der Kündigungsfreiheit. Um ein Arbeitsverhältnis zu kündigen, muss kein besonderer Kündigungsgrund vorliegen. Trotzdem darf nicht missbräuchlich gekündigt werden. Die missbräuchliche Kündigung ist auch gültig, sie wird aber mit einer Entschädigungszahlung von bis zu 6 Monatslöhnen sanktioniert.
Deshalb hat der Arbeitnehmer das Recht, eine schriftliche Begründung der Kündigung zu verlangen. Sie bietet ihm die Beurteilung, ob die Kündigung missbräuchlich war.
Auch der Arbeitgeber hat das Recht, von seinem Mitarbeiter eine schriftliche Kündigungsbegründung zu verlangen.
Verlangt eine Partei eine schriftliche Begründung der Kündigung, so muss diese wahr und vollständig sein und ist innerhalb von ein bis zwei Wochen vorzulegen.
Die Gründe zur Kündigung sind sorgfältig zu formulieren. Emotionen und subjektive Empfindungen gehören nicht in eine Begründung. Die Begründung darf nicht falsch sein. Abstrakte Formulierungen wie «Unzuverlässigkeit, Unfreundlichkeit» oder «schlechte Pflichterfüllung» sind zu wenig spezifisch. Es empfiehlt sich, ehrlich zu sein und keine unwahren Angaben wie «Kündigung aus betrieblichen Gründen» anzugeben, obwohl ein Arbeitnehmer aufgrund seiner schlechten Leistungen entlassen wurde. Der Grund «schlechte Leistung» muss nachgewiesen werden können, falls ein Arbeitsgericht über die Kündigung urteilen wird.
Der Arbeitgeber muss die Kündigungsgründe gegenüber der Arbeitslosenkasse offenlegen. Die Gründe haben Auswirkungen auf die Leistungen der Arbeitslosenkasse – eine selbstverschuldete Kündigung führt zu Kürzungen.
Eine falsche oder ausbleibende Begründung hat keine direkten Sanktionen zur Folge, sie kann sich aber auf die Kosten- und Entschädigungsfolgen im Prozess auswirken, sogar wenn die Kündigung nicht missbräuchlich war.