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Student Nelson Paco Chipana erzählt, welche Bräuche in Peru zum Weihnachtsfest gehören und wie er und seine Familie trotz begrenzter finanzieller Mittel feiern.
Wenn die Weihnachtstage in Peru bevorstehen, ist es normal, dass die Mehrheit der grossen Einkaufszentren, Schulen, Universitäten, Spitäler und andere Organisationen eine Krippe am sichtbarsten Ort in ihren Gebäuden aufstellen. Die Krippe zeigt die Geburt Jesus. Es gibt sie in verschiedenen Grössen, jeder kreiert die Landschaft auf seine Weise. Aber wenn es eine der vielen Krippen gibt, die hervorsticht, ist es aus meiner Sicht die mechanisierte Krippe in Arequipa, wo ich wohne. Wenn Sie mehr davon sehen wollen, können Sie das in diesem Video (die Präsentation der Krippe beginnt in Minute 11).
Etwas anderes, das bei uns zu Weihnachten gehört, ist, dass in der Nacht des 24. Dezembers Feuerwerk gezündet wird. Das geschieht in ganz Peru, bei uns zündet jeder das Feuerwerk, das er sich wünscht, es gibt keine grosse Kontrolle darüber. Deshalb gibt es leider auch viele Unfälle, in den meisten Fällen verlieren die Involvierten eine Hand oder Finger. Das passiert aufgrund von Rücksichtslosigkeit beim Umgang mit Feuerwerk oder auch einfach, weil das Feuerwerk teilweise schlecht verarbeitet ist. Sie finden hier einige Links, in denen Sie sehen können, wie die Weihnachtsnacht in einigen Departementen in Peru abläuft:
Was neben dem Feuerwerk auch noch zu Weihnachten gehört, ist das Schmücken der Hausfassaden – mit Lichtern und allem möglichen Weihnachtsschmuck.
Weihnachten in meiner Familie
Seit ich in Arequipa studiere und nicht mehr zu Hause wohne, gehört es für mich zu Weihnachten, dass wir uns als Familie in unserer Heimatstadt Juliaca, wo meine Eltern noch immer wohnen, versammeln. Juliaca liegt auf rund 3825 Metern über Meer, weshalb es dort sehr kalt ist. Meine Schwester und ich reisen jeweils los, sobald das Semester an der Universität zu Ende ist. Wenn wir in Julica ankommen (normalerweise zwischen dem 20 und 22. Dezember) ist unser Haus schon geschmückt.
Die richtige Arbeit beginnt am 24. Dezember, an diesem Morgen gehen wir immer einkaufen. Was wir zu essen kaufen ist sehr unterschiedlich. Früher gingen wir anschliessend immer jede Menge Feuerwerk einkaufen, weil es mich faszinierte, es in den Himmel steigen zu lassen. Leider hatte ich einmal Pech mit einem schlecht verarbeiteten Produkt. Es ist in der Nähe meines Gesichts geplatzt. Mir wurde ein bisschen schwindlig, ich hatte einen kleinen Schaden am rechten Auge und konnte lange Zeit nicht richtig hören. Seit diesem Tag bin ich nicht mehr so Fan von Feuerwerken. So zündet heute nur noch mein Vater Feuerwerk an, um den Brauch nicht zu verlieren. Ich glaube, dass es heute einen Wettbewerb unter Nachbarn gibt, wer das schönere und länger dauernde Feuerwerk hat. Auch deshalb macht es mein Vater wahrscheinlich weiter.
Kuchen und heisse Schokolade
Manchmal, wenn wir genügend Geld haben, kaufen wir auch Kleider. Es heisst, je besser man an Heilig Abend aussehe, desto besser gehe es einem diesen Tag, und dass das Glück bringe für das kommende Jahr. Leider sind wir uns in unserer Familie nicht an Geschenke gewöhnt. Als wir noch Kinder waren, haben wir welche bekommen, aber später haben wir beschlossen, dass dies Geldverschwendung sei und haben mit dem Schenken aufgehört (auch weil es uns finanziell nicht sehr gut ging). Trotzdem habe ich dieses Jahr ein Geschenk für meine Eltern, es ist ein Geheimnis. Zum Essen kauft meine Mutter Kartoffeln, Süsskartoffeln, Poulet und Gewürze, Schweinefleisch, verschiedene Früchte, Paneton, Schokolade und Pisco, ein peruanisches Getränk. Was absolut nie fehlen darf an Weihnachten ist eine heisse Schokolade mit Paneton. Am Weihnachtstag veranstalten viele Firmen sogenannte Chocolatadas, das sind Anlässe, bei denen sie Schokolade und Paneton an die Kinder schenken, die es am meisten brauchen. Ich werde diese Chocolatadas nie vergessen, ich habe sie immer ganz scheu erwartet als Kind.
Feuerwerk: Sorge um die Haustiere
An Weihnachten 2015 haben wir für unsere Familie einen kleinen Ofen gekauft. Seither bereiten wir das Essen in diesem Ofen zu. Normalerweise kümmert sich mein Vater mit meiner Hilfe darum, den Ofen aufzuheizen, meine Mutter und meine Schwester bereiten das Essen vor. Wenn alles fertig ist, gehen wir schlafen oder warten einfach, bis es Mitternacht ist. Um 12 Uhr gehen wir dann alle nach draussen, um das Feuerwerk anzuschauen und unseres abzubrennen. Ich versuche, meine Haustiere zu beruhigen: Ich habe zwei kleine Hunde und jetzt auch eine kleine Katze. Sie haben an diesem Tag sehr viel Angst, weshalb ich bei ihnen bleibe. Der grössere Hund (Vlady) ist schon 3-jährig! Wie schnell sie wachsen, dieses Jahr hat er bereits sein drittes Weihnachten erlebt. Der andere Hund, Dom, wird dieses Jahr einjährig, er hat seine ersten Weihnachten erlebt. Die Katze, Misi, ist erst drei Monate alt. Diese drei machen die ganze Familie noch besser.
Jedes Jahr führen wir neue Bräuche ein – wir werden die Geschenke wieder einführen, jupii! Gleichzeitig verabschieden wir uns von anderen Bräuchen wie beispielsweise dem Feuerwerk. Es ist schön, dass wir an Weihnachten zusammen sein können, denn um ehrlich zu sein, ist es nicht selbstverständlich. Ich erinnere mich, dass wir ein Jahr nicht nach Juliaca reisen konnten, weil uns das Geld fehlte. Da haben wir Weihnachten getrennt verbracht und es war natürlich sehr viel einfacher und bescheidener.