Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03661.jsonl.gz/2794

Uganda – die «Perle Afrikas». Dieses Symbol schrieb Winston Churchill dem Land wegen seiner fruchtbaren Böden und seines angenehmen Klimas zu. Da Uganda auf einem Plateau ca. 1000 m ü.M. liegt, betragen die Temperaturen das ganze Jahr tagsüber 25°C bis 30°C und nachts ca. 17°C. Die günstigsten Reisezeiten sind die Trockenperioden von Dezember bis Februar und Juni bis August. In der Regenzeit verkommen die verschlammten Strassen oft zu Flussbetten, und eine Reise mit dem Auto wird sehr beschwerlich.
Uganda liegt am afrikanischen Grabenbruch und verfügt aufgrund der vielen Flüsse und Seen über ausreichend Wasser. Zirka 15% der Oberfläche Ugandas sind von Wasser bedeckt. Das Land ist ungefähr 5½ Mal so gross wie die Schweiz. Der tiefste Punkt liegt mit 610 m ü.M. am Albertsee, während der höchste Punkt, der Mount Stanley im Ruwenzori-Gebirge im Westen Ugandas, mit seinen 5110 m ü.M. noch archaische Abenteuer für Bergsteiger bietet. Das Ruwenzori-Gebirge wurde 1994 ins Weltnaturerbe aufgenommen.
Weil die Savanne Ostafrikas in den Regenwald Westafrikas übergeht, bietet Uganda eine grosse Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren. Trotz den heftigen Bürgerkriegen und den Diktaturen unter Amin und Obote bis Ende der 80er-Jahre konnte das Land mit neun Nationalparks und Wildreservaten wieder bedeutende Naturschutzgebiete einrichten: im Nordwesten der Murchison Falls National Park mit seiner grossen Anzahl seltener Vögel und riesigen Nilkrokodilen, der Queen Elizabeth N.P. mit Elefanten, Giraffen, Zebras, Leoparden, Löwen, Hyänen und vielen Antilopenarten im Westen, im Süden der Bwindi Impenetrable N.P. mit einer ansehnlichen Population von Berggorillas, die für viele Besucher des Landes das Highlight sind. Der Bwindi-Regenwald blieb ursprünglich und entwickelte sich aus der letzten Eiszeit heraus. Der Park steht seit 1994 auf der UNESCO-Liste des Weltnaturerbes. Ebenfalls im Süden kann man den Lake Mburo N.P. mit Kolonien von Nilpferden und vielen Wasserbüffeln zu Fuss, per Schiff und Auto, immer in Begleitung von Rangern, erleben. Die Parks sind touristisch weniger erschlossen als diejenigen in Kenia oder Nordtansania und bieten deshalb noch ursprüngliche und exklusive Tierbeobachtungen. Übernachten kann man je nach Wunsch in luxuriösen Lodges, einfachen Bandas (Hüttchen) oder fest installierten Zelten.
Uganda gibt 2009 eine Bevölkerungs- zahl von 30 Mio. Leuten an. Mehr als 1,5 Mio. leben in der Hauptstadt Kampala. Ursprünglich war Kampala, dessen Namen sich von Kasozi K’Empala (Hügel der Antilopen) ableitet, der Sitz der Könige von Buganda. Diese hielten sich gezähmte Antilopen. In der Kolonialzeit war Entebbe, früher eine wichtige Hafenanlage und heute Ort des internationalen Flughafens, die ursprüngliche Hauptstadt. 1962 wurde Kampala in Ehren der Tradition der Buganda zur Hauptstadt bestimmt. Alle vier Könige der Buganda wurden in den Kasubi Tombs begraben. Diese Grabmäler der Könige auf dem Kasubi-Hügel in Kampala werden seit 2001 zum Weltkulturerbe gezählt. Der Schrein der Buganda ist sowohl ein spiritueller Ort als auch eine architektonische Trouvaille.
Seit der Unabhängigkeit vom britischen Protektorat 1962 ist Uganda politisch eine Präsidialrepublik, welche 1967 dem Commonwealth beitrat und 1995 eine neue Verfassung in Kraft setzte. Im ugandischen Parlament sitzen 303 Mitglieder. Nach dem Sturz Obotes 1986 übernahm Yowery Kaguta Museveni, der viele Jahre im Busch gegen die Diktaturen Amins und Obotes gekämpft hatte, das Amt des Regierungs- präsidenten. Er wurde 1996 erstmals gewählt und bis heute immer wieder im Amt bestätigt.
Milton Obote, erster Premierminister des unabhängigen Landes 1962, wollte eine moderne Demokratie einführen und löste deshalb die alten Königreiche auf. Museveni hingegen setzte neben dem Parlament wieder vier Könige ein, die Bugandas im Zentrum des Landes, die Ankole im Süden, die Bunjoro um den Albertsee und die Toro im Westen. Deren Aufgabe besteht bis heute darin, die Regionen in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Museveni förderte die Regionalisierung des Landes und teilte Uganda in Distrikte (district), Bezirke (county), Unterbezirke/Stadtbezirke (subcounty/town council), Gemeinden (parish) und Einzelgemeinden (local parish) ein.
Die Wirtschaft im Süden, im Westen und in der Mitte des Landes prosperiert. Hauptausfuhrgut ist Kaffee, welcher mehr als die Hälfte der Exporterlöse bringt. Die Handelspapiere des Kaffees sind fast ausschliesslich in der Hand von Schweizer Firmen wie Nestlé und Volcafe. Zusätzlich wird im Süden Tee angepflanzt, am Viktoriasee sind Fische ein wichtiges Produkt, im kleineren Umfang wird Gold gewonnen und werden Bananen, Tabak und Kakao exportiert. Kürzlich wurde im Albertsee auch Öl gefunden. Uganda hat sich mit einem jährlichen Wirtschaftswachstum von 5 bis 6 Prozent unter Museveni stabilisiert. Trotzdem rangiert das Land 2008 im Human Development Index (HDI) von 179 Ländern der Welt durchschnittlich nur auf Platz 156, bei der Geburtensterblichkeit auf Platz 160. Bei der Rate der über 15-jährigen Analphabeten allerdings auf Platz 106, bei der Armut auf Platz 94, bei der Wahrscheinlichkeit, älter als 40 Jahre alt zu werden, auf Platz 118 und beim Zugang zu gutem Wasser auf Platz 96.
Gender-Untersuchungen weisen darauf hin, dass immer mehr Mädchen die Primar- und Sekundarschulstufe besuchen können, offenbar von den Familien unterstützt werden, jedoch auf der tertiären Bildungsstufe, der Berufsausbildung, anzahlmässig deutlich abnehmen. Mädchen heiraten früher oder gleiten in die Prostitution, weil sie weniger Zugang zur höheren Bildung bekommen als Jungen.
Der Tourismus ist in den letzten Jahren stetig gewachsen und zieht heute vermehrt Investoren an. Grosse Fortschritte wurden in der Infrastruktur der Nationalparks erzielt und neue Sektoren wie Klettertourismus, Wildwasser-Rafting oder Sportfischen für den Tourismus erschlossen. Uganda bietet mit seinem guten Hotelstandard, seiner Bilderbuchlandschaft, seinen faszinierenden Nationalparks und den würdevollen und zuvorkommenden Menschen ein unvergessliches Erlebnis einer Afrikareise.