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“Visit to a Small Planet" heisst die fünfteilige Videoinstallation, die die englische Künstlerin Georgina Starr für ihre Ausstellung in der Kunsthalle fertiggestellt hat und zum ersten Mal gezeigt wird. Sie basiert auf der Erinnerung an einen Film desselben Titels mit Jerry Lewis und Dean Martin in den Hauptrollen, den sie als kleines Mädchen gesehen hat. Bruchstücke aus dem Unterbewusstsein hervorholend, begann sie eine Art inspirierte Rekonstruktion ihrer Erinnerung, dabei Schlüsselmotive des Films, die sich dem Mädchen damals eingeprägt hatten, in Videostücken mit ihr selbst als Akteurin neu erschaffend. Mittels des illusionsträchtigen Zaubers der Videotechnik verfügt sie über die magischen Fähigkeiten des ausserirdischen Kindheitsidols "Jerry". Wie er mit einem orangen Helm mit Antenne ausgestattet, kann sie sich kraft der Phantasie über die Gesetze der Realität hinwegsetzen: sich unsichtbar machen, mit Tieren kommunizieren als auch die Gedanken der Menschen lesen.
Georgina Starr
© Photo: Alexander Troehler
In den für die Ausstellung konzipierten kubischen “Raumstationen“, die meist betretbar und mit objekthaften Versatzstücken ausgestattet sind (wie etwa dem genannten Helm oder einem Teller Ravioli, die sich einst “Little Georgina" vor dem Fernseher einverleibt hatte), lebt die kindliche Identifikation wieder auf. Ein “Trailer" in Grossprojektion führt in die unbekümmert fabulierenden und zugleich scharf umrissenen Inszenierungen und Experimente von Georgina Starr ein, ergänzt um ein comicartig gezeichnetes Storyboard, Fotografien und einem eigens gestalteten Plakat. Das gleichzeitig erscheinende Artistbook ist ein von der Künstlerin verfasstes Drehbuch, das über die 1994 in Amsterdam realisierten Videos hinausgeht, diese sowohl mit familiären Szenen im heimatlichen Leeds im Jahr 1978 verknüpft als auch mit einer Neuschöpfung des von Jerry mit einer fliegenden Untertasse unternommenen Besuchs der Erde, wo er in einem Feld irgendwo in Amerika landet und an einer Party den lebenslustigen Künstler Dino kennenlernt. Das Screenplay gibt die Ausmasse an, wie die filmisch-installative Realisation von G. Starr weiterwuchern könnte. Die verschiedenen Erzählebenen bewegen sich in raschen Wechseln in Zeit und Raum und legen mit humoristisch-hintergründiger Verve die Verhaltensweisen und Wunschträume des Menschen bloss. So wundert sich Georgina Starr mit Jerry etwa über die heuchlerische Natur des Menschen, über die Kluft zwischen wahren Gedanken und den sie verschleiernden Aussagen, über Schein und Sein.
Ist es hier ein Erinnerungsmoment aus der Kindheit, das Exkursionen zwischen Faszination und Parodie auslöst, konnten in anderen Werken so alltägliche Szenen wie der Fund eines an eine ihr unbekannten Person namens “Erik" gerichteten Notizzettels zu einem fiktivem Portrait führen, oder die unangenehme Situation, alleine in einem Restaurant essen zu müssen, zu einer Geschichte und Fotosequenz mit dem Titel “Dining Alone". Immer hält sich Georgina Starr spielerisch offen für die unvorhersehbaren Ereignisse des täglichen Lebens, die das Rohmaterial für vielgestalte Transformationen liefern, wobei die schöpferische Imagination mehr und mehr vom eigentlich trivialen Ausgangspunkt abheben kann.