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Marcel Farine, ein Pionier der Emmaus-Bewegung
Charles Fässler, Präsident der Schweizerischen Emmaus-Vereinigung
Marcel trug viel dazu bei, dass die von Abbé Pierre gegründete Emmaus-Bewegung in der Schweiz Fuss fasste, und prägte während Jahrzehnten die Entwicklung dieser humanitären Idee.
Beeindruckt
vom eindringlichen Appell, mit dem Abbé Pierre am 7.2.1956 im
Kursaal in Bern zur Solidarität mit den Notleidenden aufgerufen
hatte, lancierte Marcel Farine schon wenige Tage danach zusammen mit
Freiwilligen die Gruppe Freunde von Emmaus Bern, um in Not geratene
Personen und Familien mit Hilfsgütern zu unterstützen.

Durch seine Initiative entstand 1959 die Aussätzigenhilfe Emmaus Schweiz (heute Leprahilfe Emmaus Schweiz). Marcel Farine leitete diese Institution bis 1989. Nach Begegnungen mit dem bekannten, oft als "Apostel der Leprakranken" bezeichneten Raoul Follereau wurde er im Jahre 1966 zum Gründungspräsidenten der Internationalen Vereinigung der Leprahilfswerke (ILEP) ernannt, eine Organisation mit Sitz in London, welche die weltweiten Leprabekämpfungsprojekte koordiniert.
< © Internationalen Vereinigung der Leprahilfswerke ILEP ( 25. September 1966 in Bern)

Sein Einsatz gegen menschliches Elend und für mehr soziale Gerechtigkeit war ausserordentlich. Während 32 Jahren (1958-1990) stand er ebenfalls der durch seine Initiative entstandenen Schweizerischen Emmaus-Vereinigung vor.
Ein
besonderer Höhepunkt war, als er vom 24-26. Mai 1969 im Nationalratssaal
des Bundeshauses in Bern die erste Generalversammlung von Emmaus International
leitete und zum Gründungspräsidenten dieser Dachorganisation
der weltweit tätigen Emmaus-Institutionen gewählt wurde. Dieses
Amt übte er während 10 Jahren aus.

Bei
seinem sozialen Engagement für die Ärmsten dieser Welt kam
ihm seine berufliche Laufbahn sehr zu Nutze. Als Beamter beim Weltpostverein
(UPU) vertrat er diese Organisation bei den Vereinten Nationen und in
fast allen grossen, ihnen angeschlossenen Sonderinstitutionen (FAO,
WHO, UNESCO, ILO). Dadurch sammelte er reiche Erfahrungen auf dem Gebiet
der Entwicklung ärmster Länder und knüpfte wertvolle
Kontakte mit bedeutenden Persönlichkeiten.

© Gründung von Emmaüs International (24. Mai 1969)
Abbé Pierre und Marcel Farine

Noch heute engagiert er sich unermüdlich für die sozialen Probleme dieser Zeit und bis vor kurzem hat er Vorträge über Entwicklungshilfe und Sozialfragen in Unternehmen, Schulen, Universitäten, Pfarreien, etc. gehalten. Als Autor mehrerer Bücher ("Das verlorene Paradies des Eugen Drewermann", "Eine bessere Welt ist möglich", "Das Zeichen des Widerspruchs") appelliert er zur Solidarität mit den Ärmsten. In seinem Buch "Begegnungen der Hoffnung" beschreibt er auf eindrücklicher Weise seine Erlebnisse mit Notleidenden und seine Kontakte mit bekannten Persönlichkeiten wie Mutter Teresa, Schwester Emmanuelle, Edmond Kaiser, Dom Helder Camara, Raoul Follereau, etc.
Lieber Marcel,
empfange unseren Dank und die besten Wünsche für Deine weitere
humanitäre Arbeit!