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Er war der Prototyp des Lebemanns und Gentleman-Playboys der 60er und 70er Jahre. Aus einer Deutschen Unternehmerdynastie, reich, kreativ, gesegnet mit Stil und Niveau, vielseitig interessiert und begabt. Sie war eine der betörendsten Frauen der damaligen Zeit. Verführerisch, eine Lolita mit Klasse und Kussmund, sinnlich und erotisch. Eine Mensch gewordene Venus. In den 1950er Jahren wird das kleine ehemalige Fischerdorf Saint-Tropez zum Wallfahrtsort der Oberen Zehntausend. Jedoch erlangt der Ort erst durch den Film «Und immer lockt das Weib» mit Brigitte Bardot Weltberühmtheit. Als die blonde französische Göttin den blonden Deutschen Lebemann Gunter Sachs trifft, explodierten Leidenschaft und Lebenslust zu einer Supernova. Bis ins 20. Jahrhundert ist Saint-Tropez, benannt nach dem Heiligen Torpes, ein einfaches Fischerdörfchen im Süden Frankreichs an der Côte d’Azur. Benannt nach dem Heiligen Torpes, der ein Beamter Kaiser Neros und christlicher Märtyrer war. Die «blaue Küste» mit ihrem angenehmen Klima und der lockerer Lebenskunst des französischen Savoir Vivre reizen schon seit dem 19. JahrhundertKünstler, Literaten und Komponisten. Intellektuelle aus allen Ecken der Welt ergeben sich hier in dem kleinen authentischen Fischerdörfchen der Inspiration.
Muschel im Meer
Der französische Schriftsteller Guy de Maupassant beschreibt das Saint-Tropez des 19. Jahrhunderts als «…eines jener guten, kleinen, bescheidenen Städtchen, die wie eine Muschel ins Meer getaucht sind, ernährt vom Fisch und der Meeresluft.» Bald sind es nicht mehr die Fischer und Fangnetze, die Saint-Tropez ernähren, sondern der Jet Set, der sich auf knapp 12 Quadratkilometern ein Stelldichein liefert. Der französische Maler und leidenschaftliche Segler Paul Signac erklärt sich zum Entdecker des damals noch unberührten paradiesischen Fleckens Erde. 1893 beschliesst er, sich in Saint-Tropez niederzulassen und zieht Maler wie Henri Matisse, August Renoir, Henri Matisse und Pierre Bonnard an. Es ist das besondere Licht, das die Landschaft verzaubert, das sie alle suchen, einfangen und in Öl auf Leinwand verewigen wollen.
In the Heat of The Night
Wo noch ein blanker Busen als absoluter Skandal gilt, will sich der Jet-Set in den 50ern von Zwängen und Regelnd befreien. Die Schickeria strömt ins malerische Hafenstädtchen, das nicht nur die europäischen Aristokraten magisch anzieht, sondern auch Schauspieler, schillernde Persönlichkeiten und schräge Vögel. Wer heute an Saint-Tropez denkt, verbindet den Namen unweigerlich mit Brigitte Bardot, Gunter Sachs, Roger Vadim, Audrey Hepburn oder Jeanne Moreau. Das erste Mal begegnen sich La Bardot und der Gentleman-Playboy im Nachtclub L’Esquinade in Saint Tropez. Sachs ist eher ein schüchterner und sentimentaler junger Mann, Brigitte strotzt vor Wildheit und Sexappeal. Auf den Tag ihres Kennenlernens genau zehn Jahre später besiegeln La Bardot und Sachs ihre Liebe mit einer glamourösen Hochzeit. Der Mythos Saint-Tropez ist geboren und Sachs erlebt an der Seite des französischen Filmstars einen plötzlichen Bekanntheitsgrad. Wie leidenschaftlich und fast schon anstrengend das dreijährige Eheleben ist, lässt ein Satz erahnen, den Sachs Jahre später preisgibt. Auch Jahrzehnte nach der Scheidung halten sie einen losen Kontakt und schreiben sich gelegentlich. Bei so losem Kontakt könne man sich nicht streiten, meint Sachs.
BB
Mit «Und immer lockt das Weib» hat BB den Durchbruch geschafft, mit Filmen wie «Die Wahrheit», «Die Verachtung» und «Viva Maria» schreibt sie Filmgeschichte und zeitweise überstiegen ihre Auslandseinnahmen ihrer Filme die Exporterlöse der Renaut-Werke. Als sie mit 15 Jahren eine Karriere als Hut-Model startet, wird sie innerhalb kurzer Zeit zu einem der meistgefragtesten Mannequins von Paris. Ihre sinnliche Schönheit gepaart mit kindlicher Unschuld fallen auch dem Regisseur Marc Allégret auf. Doch mit Allégret verbindet sie nur eine geschäftliche Beziehung. Viel mehr interessiert sie Roger Vadim, der Mitarbeiter Allégrets und Sohn eines russischen Aristokraten, mit dem sie eine Liebesaffäre beginnt. Als Brigitte volljährig wird, heiraten sie und Brigitte avanciert zu Vadims Protegée, während er ihre Karriere vorantreibt. In der Schönheit mimt dem fast schon unerträglichen Sexappeal stecken mehr Talente, als ihr Eros verbirgt. BB ist mit einer Komik gesegnet, die im Widerspruch zu ihrem provokativen Körper steht, bewegt sich so geschmeidig wie eine Katze und hat eine tänzerische Begabung.
Die naiv verführerische Kindfrau, die scheinbar das gleissende Licht der Scheinwerfer und die Blitzlichter der Papparazzi wie die Luft zum Atmen braucht, hasst jedoch ihre Star-Rolle und die Fotografen. Nichts bleibt der Öffentlichkeit verborgen und sie gibt ihnen die Mitschuld an ihren drei gescheiterten Ehen, dass ihr Sohn bei seinem Vater aufwächst und dass ihre Liebhaber immer jünger werden. Mit 40 Jahren entschliesst sie sich, keine Filme mehr zu drehen und sich stattdessen dem Tierschutz zu verschreiben. Unermüdlich kämpft sie seit dreissig Jahren gegen Tiertransporte und den Walfang.
Der erste Deutsche Playboy
Es scheint, als hätte das Leben Gunter Sachs von seiner Geburt im Jahr 1932 an dazu eingeladen, sich nicht nur auf der Sonnenseite zu bewegen, sondern mit den Strahlen zu tanzen. Er ist der jüngere Sohn des deutschen Industriellen Willy Sachs, der Alleininhaber des Sachs-Konzerns ist und Enkel des Geheimrats Ernst Sachs, dem Erfinder des Fahrrad-Freilaufs und Mitgründer des Unternehmens. Der Grossvater mütterlicherseits ist Wilhelm von Opel, der Sohn des Opel-Gründers Adam Opel. Den grössten Teil seiner Schulzeit und Studienjahre verbringt Sachs in der Schweiz und studiert Mathematik und Wirtschaft in Lausanne, erwirbt ein Dolmetscherdiplom und macht eine Lehre als Bankkaufmann. Seiner Frohnatur verdankt er seit den 60er Jahren sein Image als Lebemann und Playboy, doch er selber wertet dies nie als Beleidigung. Sachs verstand darunter wohlwollende, junge Männer, die wissen, wie man Feste feiert und mit schönen Frauen parliert.
Leben für die Kunst
Trotz der Unternehmerdynastie, in die Sachs hineingeboren wird, interessieren ihn Kunst und Fotografie und in einem Interview antwortet er auf die Frage, was für ihn Luxus darstellt, dass ihm genau das den Luxus beschert, Dinge zu tun, die er gerne macht, denn oft scheitern Künstler an Geldmangel. Er verfügt über mehr als genug davon, um seine Talente zu entfalten und was er macht, ist immer von Erfolg gekrönt. 1959 wird er Junioren-Europameister im Zweierbob, produziert in den 60er und 70er Jahren sechs Dokumentarfilme, für die er mehrfach ausgezeichnet wird und macht sich als Kunstsammler einen Namen. Er kauft Werke von damals noch unbekannten Künstlern wie Andy Warhol und Roy Lichtenstein auf, um sie später mit Millionengewinn zu verkaufen. Zu seinem Freundeskreis gehören Romy Schneider, Jean-Paul Belmondo, Twiggy und Alain Delon. Geschmackvoll, mit Stil und Niveau, versammelt der Paradiesvogel des Internationalen-Jetsets die schönsten Frauen um sich. Als er und Brigitte Bardot heiraten, gelten sie als Traumpaar dieser Zeit und verleiht Brigitte ihm genau die Unsterblichkeit, die auch Saint-Tropez mit dem berühmten Liebespaar erhält.
Am 7. Mai 2011 wählt Gunter Sachs den Freitod und in seinem Abschiedsbrief erklärt er seinen letzten Schritt «…habe ich erkannt, an der ausweglosen Krankheit A. zu erkranken. Jene Bedrohung galt mir schon immer als einziges Kriterium, meinem Leben ein Ende zu setzen. Der Verlust der geistigen Kontrolle über mein Leben, wäre ein würdeloser Zustand, dem ich mich entschlossen habe, entschieden entgegenzutreten.»