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Wie ist es um das Gesetz im Alten und Neuen Testament bestellt? In einem Podcast (45 Minuten) erörtere ich die reformierte Position, wie sie Willem A. VanGemeren in “Five Views on Law and Gospel” darstellt.
- Der Bund der Werke, der mit Adam geschlossen wurde, enthielt die Verheißung des Lebens “unter der Bedingung des vollkommenen und persönlichen Gehorsams”. Der Gnadenbund erstreckt sich vom Fall der Menschheit bis zur neuen Schöpfung und erscheint in zwei Verwaltungen: Gesetz und Evangelium.
- Beide Testamente enthalten die Offenbarung eines einzigen Gottes, die den Menschen gegeben wird, die aus Glauben leben, von seiner Gnade getragen werden, die Gemeinschaft mit ihm als seinem Bundesvolk genießen und im Glauben verharren.
- Das Naturgesetz blieb trotz menschlicher Sünde und Rebellion unveränderlich bestehen, denn es ist Gott, der die Schöpfung gnädig aufrechterhält. Das Naturgesetz ist die moralische Ordnung, die Gott den Menschen ermöglicht hat, aus der Schöpfung zu abzuleiten.
- Das moralische Gesetz wurde in den Zehn Geboten niedergeschrieben und in den mosaischen Bund aufgenommen. Der Dekalog fasst das moralische Gesetz zusammen und ist klarer, fester und effektiver als das Naturgesetz.
- Der mosaische Bund ist eine Entwicklung von Gottes Bund mit der Schöpfung (d. h. eine souveräne Verwaltung der Gnade) und mit Abraham (d. h. eine souveräne Verwaltung von Gnade und Verheißung).
- Das Gesetz des Alten Testaments steht nicht gegen das Evangelium. Es ist Ausdruck der Fürsorge Gottes. Es stand im Interesse der Erziehung seiner Kinder, wie sie mit ihm umgehen und gesunde Beziehungen zueinander entwickeln sollen. Es erläuterte für sie seine Erwartungen in Gesetzen und Verordnungen.
- Der grösste Teil regelte den Gottesdienst und das Zusammenleben als Bundesvolk. Auch im Alten Testament ging es um die Haltung des Herzens.
- Die Verwaltung des Neuen Bundes ist im Wesentlichen die gleiche wie der alte Bund (die mosaische Verwaltung), in ihrer Form jedoch unterschiedlich. Der formale Unterschied liegt in der Ankunft Jesu Christi begründet: seiner Sühne, seinem gegenwärtigen Amt und dem Werk des Heiligen Geistes.
- Mit dem Kommen Jesu Christi wurde das Zeremonialgesetz aufgehoben, nachdem es an das Kreuz genagelt worden waren (Kol. 2,14). Die Judizialgesetze wandten die letzten sechs Gebote auf den Kontext der Existenz Israels als Nation an.
- Da der Christ bereits zur neuen Schöpfung gehört, ist das Gesetz Gottes, wenn es durch den Geist Gottes verinnerlicht wird, ein wirksames Werkzeug der Gerechtigkeit und ein Mittel zur Gestaltung der neuen Gemeinschaft.
- Zwei Prinzipien zur Anwendung des Moralgesetzes (Calvin): (1) Das Gebot bezieht sich auf innere und geistliche Gerechtigkeit; (2) die Gebote und Verbote enthalten immer mehr, als in Worten ausgedrückt wird.
- Wesentliche Differenz zum Dispensationalismus (Wayne Strickland): Jesus Christus hat das mosaische Gesetz nicht beendet. Vielmehr wurde das Moralgesetz in der Person und Lehre Jesu Christi weiter präzisiert. Dieser pocht auf eine starke Diskontinuität zwischen dem israelischen Recht und dem Glauben der Kirche.
- Wesentliche Differenz zum modifizierten lutheranischen Standpunkt (Douglas J. Moo): Das mosaische Gesetz wurde als Ganzes Israel für eine begrenzte Zeit und einen begrenzten Zweck gegeben und ist für den Christen nicht mehr unmittelbar maßgebend. Die mosaischen Gebote sind also nicht direkt auf uns anwendbar, sondern nur so, wie sie von Christus an uns weitergegeben werden.
Weiterhören: Wie ist das mit der Heiligung? (30 Minuten)