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Südkoreas Auferstehung
Südkorea war schon fast ausgeschieden, qualifizierte sich dann auf dramatische Weise doch noch für die Achtelfinals. Eine grosse Erleichterung für die Spieler der fussballbegeisterten Nation.
Südkorea war schon fast ausgeschieden, qualifizierte sich dann auf dramatische Weise doch noch für die Achtelfinals. Eine grosse Erleichterung für die Spieler der fussballbegeisterten Nation.
Es waren Minuten, die den Koreanern wie Stunden vorgekommen sein müssen. Nach dem Last-Minute-Sieg gegen Portugal versammelten sich die Spieler auf dem Rasen und verfolgten Arm in Arm die letzten Momente des Parallelspiels in der Gruppe H. Dieses sollte bei Abpfiff des Südkorea-Spiels noch rund zehn Minuten andauern. Ein weiteres Uruguay-Tor hätte zur Folge gehabt, dass Südkorea den Einzug in die Achtelfinals doch noch verpasst hätte.
Auch auf den Rängen waren die Blicke zumeist auf die Smartphones gerichtet und viele Hände zum stillen Gebet verschränkt - es herrschte gespenstische Ruhe im Education City Stadium. Gut 25 Kilometer entfernt kamen die Südamerikaner in der 100. Minute zu einem Freistoss aus vielversprechender Position, den Ghana-Goalie Lawrence Ati Zigi jedoch entschärfte. Kurz darauf folgte der Schlusspfiff und bei den Südkoreanern entluden sich die Emotionen.
Sons Befreiung
Vier Tage zuvor, nach der 2:3-Niederlage gegen Ghana, hatte kaum jemand noch an ein Weiterkommen der Asiaten geglaubt. Mit nur einem Punkt aus zwei Spielen schien das Team zum dritten Mal in Folge in der WM-Vorrunde zu scheitern - und damit auch in der fussballerischen Entwicklung zu stagnieren. Seit dem Effort an der Heim-WM 2002, als Südkorea den vierten Platz erreichte, kam das Team nur noch einmal über die Gruppenphase hinaus: 2010 scheiterte man im Achtelfinal an Uruguay.
Kritik musste sich in den vergangenen Tagen vor allem das Aushängeschild Heung-Min Son anhören, der wegen einer Gesichtsverletzung noch immer mit Maske spielt. Gerade weil der 30-jährige Stürmer von Tottenham Hotspur und Schlüsselspieler der Nationalmannschaft in seiner Heimat Kultstatus geniesst, sind die Ansprüche an ihn höher als an andere.
Dann kam die 91. Minute in der Partie gegen Portugal und Son rannte nach einem geklärten Eckball auf Höhe des eigenen Strafraums los, bis er vor dem gegnerischen Sechzehner von drei Spielern umzingelt wurde. Kurz schaute er hoch und passte im genau richtigen Moment auf Hee-Chan Hwang, der zum 2:1 vollendete. Entsprechend gelöst war Son nach dem Schlusspfiff und vergoss bereits da Tränen der Freude und wohl auch der Erleichterung. «Das ist grossartig, doch das Turnier ist noch nicht vorbei», sagte Son im Anschluss. «Ich hoffe, wir können ein weiteres Wunder vollbringen.»
Glückwünsche des Präsidenten
Im Achtelfinal trifft das Team mit Turnierfavorit Brasilien auf den wohl schwerstmöglichen Gegner. Doch an der WM in Katar hat es schon viele Überraschungen gegeben. Immer wieder zeigte sich, dass vermeintliche Favoriten an Teams scheiterten, in denen die Spieler leidenschaftlich kämpften und in den entscheidenden Momenten an ihre Chance glaubten.
Genau das also, was Südkorea gegen Portugal gelang, wie auch Präsident Yoon Suk Yeol in einer Glückwunschbotschaft in den sozialen Medien festhielt: «Die Spieler und die Betreuer haben die Menschen dieses Landes mit ihrem Kampfgeist und ihrer Leidenschaft stark beeindruckt.» Er hoffe, dass sich das Potenzial des südkoreanischen Fussballs jenseits von Sieg oder Niederlage zeige.