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Hat ein Chef zehn Leute in seinem Team, sind ihm sicher fünf davon fachlich überlegen, vielleicht nicht durchs Band, aber doch in mehreren betrieblich wichtigen Angelegenheiten. Wie soll er sich nun verhalten? Wenn er eine Führungspumpe ist, dann hat er grundsätzlich zwei Optionen: Nachgeben und Platz machen oder Mobben und Hinausekeln. Option 1 ist aber masochistisch und funktioniert normalerweise nur, wenn er von seinem eigenen Vorgesetzten desavouiert wird. Option 2 hingegen ist zwar infantil und «alte Schule», leider aber nach wie vor sehr populär. Das Motto ist «Teile und herrsche», d.h. man hetzt die Cracks aufeinander los, indem man ihnen zum Beispiel identische Aufträge erteilt, ohne dass sie das merken. Oder man gibt ihnen für ein und dasselbe Geschäft unterschiedliche Anweisungen usw.
Wenn der Chef keine Führungspumpe ist, dann weiss er, dass seine Rolle nicht darin besteht, überall der fachlich Beste zu sein (das geht ja gar nicht), sondern darin, sein Team so zu moderieren, dass es erfolgreich zusammenarbeitet. Zudem sichert er in der Betriebshierarchie die Verbindung nach oben und auch seitwärts ab; der «Aussenminister» kann nur er sein und nicht irgendeiner aus dem Team. Macht er diese beiden Arbeiten gut, ist er der beste Chef, was auch fünf Shootingstars neidlos anerkennen. Die freuen sich sogar darüber, weil sie sich ungestört ihren Ambitionen widmen können und nicht blödsinnig herumschimpfen «müssen».
Im Fussball schaffen es nur wenige Superspieler, Supertrainer zu werden, und wenn doch, dann waren sie früher entweder Stürmer, Mittelfeldler, Verteidiger oder Torhüter und sicher nicht alles zusammen. Und wenn einer die Wiener Philharmoniker dirigiert, dann hat er garantiert sein eigenes Instrument nie so gut beherrscht wie mindestens 90% der Musiker, die ihm folgen sollen. Welcher Fagottist wird denn schon Dirigent? Oder haben Sie vielleicht gemeint, das Fagott sei betrieblich unwichtig?