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Vortrag von Dr. Cristina Murer (FU Berlin)
Wiederverwendung und Transformation von Vergangenheit. Zum Phänomen spätantiker Grabplünderungen in Italien
Kollegiengebäude, Petersplatz 1, Hörsaal 114
Aus antiken Städten des Mittelmeerraumes sind zahlreiche spätantike Bauten (Kirchen, Nymphäen, Domus, Villen und Thermen) bekannt, in welchen (Grabmaterial) Sarkophage, Grabinschriften oder Grabaltäre sichtbar in Boden- und Wanddekorationen dieser Bauten integriert wurden. Stellenweise wurde auch auf Grabstatuen von Verstorbenen zurückgegriffen, um diese in gewandelter Funktion als ornamenta, für die Skulpturenausstattung spätantiker Repräsentationsbauten wiederzuverwenden. Somit muss es gleichzeitig zu gezielten Plünderungen der in Vergessenheit geratenen kaiserzeitlichen Grabanlagen gekommen sein. Dies können zahlreiche vom 3. – 6. Jh. in Rom, Mailand und Antiochia von Kaisern erlassene Edikte bestätigen. Auch in literarischen Quellen der Zeit wird der Grabraub im Spannungsfeld christlicher und paganer Diskurse thematisiert. Auf einzelnen Statuenbasen wird sogar erwähnt, dass gewisse Standbilder aus „schmutzigen“, ex sordentibus locis, oder „abgelegenen“ Orten, ex locis abditis, wiederverwendet wurden, womit Grabbauten gemeint sein könnten.
Gesamtprogramm