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Filmtipp
Alita: Battle Angel
Eine Heldin, die zu 100 Prozent aus dem Computer stammt. Eine Handlung, die auf einem Manga-Comic basiert. Massenhaft Anleihen bei anderen Science-Fiction-Filmen. Kann das für ein breites Publikum funktionieren? Ja, wenn Grössen wie James Cameron und Robert Rodriguez zusammenarbeiten.
Filmbewertung
Die Geschichte kennen wir ja alle: Mädchen trifft Junge, verliebt sich, Junge ist nicht ganz ehrlich, Mädchen ist enttäuscht, er kämpft darum, ihr Vertrauen zurückzugewinnen. So ähnlich ist einer der Erzählstränge bei «Alita: Battle Angel». Aber eben nur so ähnlich, denn während der Junge aus Fleisch und Blut ist, ist das Mädchen ein Cyborg. Eine Maschine, die zwar fühlen und weinen kann, aber nichtsdestotrotz eine Maschine. Und auch das Thema der künstlichen Intelligenz ist schon zuhauf thematisiert worden: von «Blade Runner» (1982/2017) über «A.I.» (2001) und «I, Robot» (2004) bis zum preisgekrönten «Ex Machina» (2014). Also schon der zweite Erzählstrang.
Doch das ist noch nicht alles, was James Camerons («Terminator», «Avatar») Drehbuch hergibt. Ebenso erzählt er die Geschichte eines Mädchens, das sein wahres Ich entdecken muss, und das in einem Szenario aus zweigeteilter Gesellschaft, ähnlich deutlich wie in «Elysium»: Unten das Fussvolk in einem Schmelztiegel der Sprachen und Kulturen namens «Iron City», darüber schwebend eine Insel der High Society genannt «Zalem». Das naturbedingte Ziel der meisten Bewohner ist der Aufstieg, was den meisten ebenso naturbedingt nicht gelingt. Das ist eigentlich nur über den Sport möglich, sofern man die brutalen Gladiatoren-Wettkämpfe des «Motorball» als Sport bezeichnen möchte. Und da wären wir auch schon bei den nächsten Anleihen aus Science-Fiction-Filmen: «Rollerball» (1975/2002) und «Running Man» (1987).
Da stellt sich natürlich die Frage, ob ein Film mit so vielen Referenzen überhaupt eine eigene Identität aufbauen kann. Regisseur Robert Rodriguez («Sin City», «Desperado») gibt mit «Alita- Battle Angel» eine eindrückliche Antwort, denn erzählt die Geschichte seiner zu hundert Prozent animierten Titelheldin so packend, dass man wider Erwarten mit ihr mitfiebert wie mit einem echten Menschen. Der Cyber-Arzt Dyson Ido (Christoph Waltz) findet auf einem Schrottplatz den Torso eines weiblichen Cyborgs (Rosa Salazar) und montiert ihn auf jenen Roboter-Körper, den er einst für seine gelähmte, aber tragischerweise ermordete Tochter Alita gefertigt hat. Sofort wächst ihm deshalb das Robotermädchen ans Herz, das sich mit überraschender Menschlichkeit und noch viel überraschenderen Kampfkünsten in der rauen Grossstadt behauptet.
Alitas Auftauchen bringt ganz Iron City in Aufruhr. Während der coole Hugo (Keean Johnson) durch seine Gefühle für das toughe und doch sensible Mädchen an seinem Ziel, dem Aufstieg nach Zalem zweifelt, sieht Idos Ex-Frau Dr. Chiren (Jennifer Connelly) in ihr die Möglichkeit, ebendieses Ziel zu erreichen. Denn der skrupellose Vector (Mahershala Ali) muss dem Herrschers von Zalem Alitas aussergewöhnliches Herz bringen. Diese wiederum will als Kopfgeldjägerin für Recht und Ordnung sorgen und die Lücken in ihrem Gedächtnis durch das Bestehen von Kampfsituationen füllen, weshalb sich ihr Ziehvater die Haare rauft. Klingt nach Chaos? Ja. Dass es ein kurzweiliges, actionreiches und spannendes Science-Fiction-Abenteuer geworden ist, das auf dem Manga «Gunnm» basiert, ist das Verdienst der Klasse von James Cameron und Robert Rodriguez.