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Viele der klassischen Volkskrankheiten (Asthma, Adipositas, Allergien, Bluthochdruck, Herz-Kreislauferkrankungen, metabolisches Syndrom u.a.), entstehen nicht erst im Erwachsenenalter, sondern sind multifaktorielle Erkrankungen, deren Beginn und/oder Auslöser im frühen Kindesalter liegen. Ein Teil dieser Erkrankungen haben ihren Ursprung sogar pränatal und/oder sind genetisch (mit-)bedingt. Als einfachstes, aber sehr anschauliches Beispiel für «early life matters» sei das Wachstum des Menschen genannt. Das Wachstum beginnt bereits intrauterin: Diese Phase sowie die ersten Lebensmonate und Jahre wirken sich entscheidend auf das weitere Leben aus. So kann z.B. der Kleinwuchs im Erwachsenenalter nicht mehr aufgeholt werden und auch für spätere krankhafte Entwicklungen wie Adipositas ist die Gewichtszunahme in den ersten Lebensjahren prägend (Barker-Theorie).
Obwohl man genau weiss, dass verschiedene Faktoren und Erkrankungen im frühen Kindesalter einen grossen Einfluss auf die Entwicklung des Kindes und signifikante Folgen für das Erwachsenenalter haben, fehlen immer noch gute Marker, um diejenigen Kinder zu identifizieren, bei denen eine Intervention sinnvoll ist. Zwei Beispiele sollen dies veranschaulichen: So weiss man, dass Kinder mit Adipositas mit einer 80%-igen Wahrscheinlichkeit im Alter von 30 Jahren auch adipös sein werden, und somit eine erhöhte Morbidität und Mortalität haben. Dennoch fehlen zur Risiko-Stratifizierung einfach einsetzbare Parameter und Messmethoden, die eine gezielte Prävention und/oder Behandlung ermöglichen.
Ein weiteres Beispiel ist die Lungenentwicklung, bei dem ebenfalls «early life matters» gilt. Die COPD wird inzwischen nicht mehr als «Raucher-Krankheit» des hohen Alters gesehen, sondern als klassische Krankheit für das Konzept des «early-life origins of later disease». Verschiedenste pränatale (u.a. Schwangerschaftskomplikationen, Frühgeburtlichkeit) und frühkindliche Faktoren (u.a. frühe respiratorische Infekte, Rauchexposition) haben einen signifikanten Einfluss auf das Lungenwachstum und die spätere Entwicklung von Lungenerkrankungen wie Asthma und COPD («fetal programming»). Auch hier sind die beeinflussenden Faktoren und Mechanismen und deren Langzeitfolgen nicht umfassend erforscht und es fehlen repräsentative, reproduzierbare und klinisch einfach einsetzbare Parameter und Messmethoden.