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Die Schweizer Bevölkerung wächst und wächst. Für das kleine alpine Land wird bis 2050 ein Anstieg von heute 8.7 Millionen auf über 10 Millionen Einwohner prognostiziert. Hat die Schweiz dafür Platz? Wir schauen uns die Zahlen an.Dieser Inhalt wurde am 21. August 2020 - 13:00 publiziert
Die Schweiz: Atemberaubende Berglandschaften, Seen, Kuhweiden und Käsereien. Auch die Schweiz: ein wohlhabendes, modernes Land, in dem drei Viertel der Bevölkerung in städtischem Gebiet wohnen.
Wo steht die Schweiz zwischen ländlicher Idylle und urbanem Leben? Leben die Schweizerinnen und Schweizer im internationalen Vergleich dicht aufeinander? Und wie ist die Bevölkerung in der Schweiz überhaupt geografisch verteilt? Mithilfe von Daten gehen wir diesen Fragen auf den Grund.
Wie und womit vergleichen?
Normalerweise, wenn man herausfinden möchte, ob etwas in einem Land gross oder klein, gut oder schlecht, stark oder schwach ist, zieht man andere Länder als Vergleichsgrösse heran.
Für den Vergleich gibt es mindestens zwei grundsätzliche Fragen, denen man sich stellen muss. Erstens: Welche Kennzahl(en) vergleicht man? Zweitens: Mit welchen Ländern vergleicht man?
Als Kennziffer bietet sich die Bevölkerungsdichte an. Sie stellt die Einwohnerzahl eines Gebietes in Relation zur Fläche. Die Bevölkerungsdichte ist einfach zu berechnen, da man von den meisten Ländern sowohl Fläche und Einwohnerzahl kennt und daher breit verfügbar.
Die breite und einfache Verfügbarkeit der Daten erlaubt einen globalen Vergleich. Um die Übersicht zu behalten, fasst die folgende Grafik abgesehen von den Nachbarländern der Schweiz die Gebiete in grössere Regionen zusammen.
Europa hat im globalen Vergleich eine eher hohe Bevölkerungsdichte. Die Schweiz hat dabei nochmals deutlich mehr Einwohner pro km2 als der Durchschnitt der EU.
Allerdings: In Südasien, insbesondere in Indien, wohnen die Einwohner noch viel näher aufeinander. Im grossen Nachbarn Deutschland ist die Bevölkerungsdichte ebenfalls höher als in der Schweiz. Auch wenn man die Grenze im Süden nach Italien überschreitet, gibt es dort ähnlich viele Personen pro km2.
Sucht man nach einem passenden Ländervergleich, versucht man in der Regel, Vergleichbarkeit zu schaffen, indem man ähnliche Länder miteinander vergleicht. Durch den Vergleich mit den Nachbarstaaten etwa stellt man Länder gegenüber, die sich geografisch, historisch und kulturell nahe sind.
Verändert sich viel, wenn man die Schweiz stattdessen mit Ländern vergleicht, die eine ähnliche Flächengrösse haben?
Unter den Ländern, die der Schweiz flächenmässig nahekommen, ist die Schweiz bezüglich Bevölkerungsdichte in der vorderen Hälfte anzutreffen. Man sieht jedoch, dass es in Europa mit Belgien und den Niederlanden doch Länder mit deutlich mehr Einwohner pro km2 als in der Schweiz gibt.
Zwischen den dicht besiedelten Niederlanden und Belgien sowie der Schweiz gibt es einen deutlichen Unterschied, der sich merklich auf die Platzverhältnisse auswirkt. Während die Benelux-Staaten sehr flach sind, ist die Schweiz bekannt für die Alpen.
Die topografischen Gegebenheiten der Schweiz mit ihren Bergen und Seen sorgen dafür, dass grosse Flächen gar nicht besiedelbar sind. "Wenn man den besiedelbaren Raum vergleicht, ist die Schweiz eher dicht besiedelt", zieht Damian Jerjen, Direktor von EspaceSuisse, dem Schweizer Verband für Raumplanung, Fazit.
Wachstum in der Peripherie
Richten wir den Blick etwas genauer auf die Situation innerhalb der Schweiz. In den Bergen ist bebau- und bewohnbare Fläche ein rares Gut. Das zeichnet sich in der Verteilung der Bevölkerung ab. In der folgenden Karte – eingefärbt nach Bevölkerungsdichte pro Gemeinde – entsprechen die Gemeinden mit wenigen Einwohnern pro Fläche ziemlich genau den Berggebieten.
Die am dichtesten bevölkerten Gebiete, hier dunkel eingefärbt, finden sich in der Umgebung der grösseren Städte, besonders auffällig ist etwa die Agglomeration um Zürich bis weit in den Aargau.
In der unteren der beiden Karten sind die Gemeinden nach dem prozentualen Bevölkerungswachstum zwischen 2010 und 2018 eingefärbt. Hellblau bedeutet in diesem Fall, dass die Gemeinde 2018 weniger Einwohner hatte als 2010.
Es zeigt sich: Nicht nur haben die alpinen Gemeinden weniger Einwohner, viele sind in den vergangenen Jahren sogar noch kleiner geworden.
Wo zieht es die Leute dann stattdessen hin? Im Verhältnis zur Einwohnerzahl gab es das grösste Wachstum nicht in den grossen Städten, sondern in der Peripherie. Augenscheinlich ist das etwa zwischen Genfer- und Neuenburgersee.
Verallgemeinert gesprochen fand das grösste Wachstum dort statt, wo es noch viel Platz hatte. Sprich: nicht in den Städten und auch nicht in den Agglomerationsgemeinden, sondern in den relativ gut erschlossenen Dörfern etwas ausserhalb der Zentren. Was man hier sieht, ist Zersiedelung.
Wachstumspotential in den Städten und Agglomerationen?
Die Antwort auf die Zersiedelung ist verdichtetes Bauen. "Raumplanerisch sollte das Wachstum in die gut erschlossenen Gebiete gelenkt werden", so Jerjen. In den nächsten 15-20 Jahren werde die Schweiz vor allem in den drei grossen Metropolitanräumen Zürich, Basel und Genf-Lausanne wachsen. Diese werden entsprechend dichter.
Doch gibt es in den Zentren überhaupt noch Platz, um zu wachsen und somit die Zersiedelung zu verhindern? Blickt man ins Ausland, lautet die Antwort klar ja.
Dazu muss man die Schweiz nicht einmal mit Stadtstaaten oder Grossstädten wie Singapur oder Hongkong vergleichen. Das SRF hat durchgerechnet, wie viele Einwohner die Schweiz hätte, wenn die Agglomerationen der grossen Städte eine ähnliche Bevölkerungsdichte wie die Agglomeration Groot-Amsterdam hätte. Resultat: In der Schweiz hätte es Platz für über 17 Millionen Einwohner, rund doppelt so viel wie heute.
"Das ist ein gutes Bild um aufzuzeigen, was möglich ist.", findet Jerjen. Er ist überzeugt: "Auf absehbare Zeit wird es nicht zu eng in der Schweiz." Es sei aber wichtig, dass man sich Gedanken über eine qualitativ hochstehende Verdichtung mache, das heisst zum Beispiel auch über Grün- und Freiräume.
Serie Raumplanung
In einer Serie gehen wir aktuellen raumplanerischen Fragen in der Schweiz nach. Hier einige Beiträge: