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Der Naturschutz entstand als Reaktion auf den Verlust von Naturräumen in Ballungsgebieten. Auslöser der Bewegung waren der Rückgang von Tier- und Pflanzenarten, die Monotonisierung der Landschaft sowie Belastungen von Wasser, Boden und Luft. Als Bürgerbewegung gegründet, entwickelte sich der Naturschutz zu einer gesellschaftlichen Aufgabe auf Gesetzesbasis.
Veränderungen von Natur und Landschaft
Im 19. Jh. fand in Europa eine rasante Industrialisierung statt. Die neu gegründeten Fabriken konnten viele Produkte rascher, in grösserer Menge und preisgünstiger herstellen als Kleinbetriebe. Kleine Städte wuchsen zu Industriezentren heran. Die Produkte konnten dank der neuen Eisenbahn und der Schifffahrt rasch in alle Welt transportiert werden. Das Wachstum von Siedlung und Bevölkerung in Ballungsgebieten, aber auch die Gewinnung von Energieträgern wie zum Beispiel Holz beanspruchten viel Fläche und veränderten die Landschaft stark. In der gleichen Zeit erlebte die Erforschung der regionalen Tier- und Pflanzenwelt einen Aufschwung. Die Naturforscher, die sich für sie interessierten, bemerkten die negativen Auswirkungen dieser Prozesse auf die Organismen sowie den Lebensraumverlust und begannen sich für den Erhalt der Arten und Lebensräume zu engagieren.
Naturdenkmäler bewahren
Nachdem Charles Darwin im 19. Jh. mit seiner Evolutionslehre ein Geschichtsbewusstsein der Natur begründet hatte, entwickelte sich das Ziel, die unersetzlichen Naturdenkmäler für die Nachwelt zu erhalten. Zu den ersten Naturschutzmassnahmen in der Schweiz zählten 1838 der Erhalt und der Schutz eines Findlings aus den Alpen in Neuchâtel. Weitere Schritte waren 1870 die Schaffung des ersten Reservats am Creux-du-Van und 1878 die erste Pflanzenschutzverordnung im Kanton Obwalden. Langsam setzte sich die Forderung durch, dass das Allgemeingut «Natur» einen gesetzlichen Schutz vor Eingriffen benötigt. Das Ringen mit den Behörden zum Schutz eines Findlings in Monthey veranlasste Mitglieder der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft um 1906 zur Gründung der Schweizerischen Naturschutzkommission (SNK). Das Ziel der vom Basler Fritz Sarasin präsidierten Kommission war das Erstellen eines Inventars der bestehenden und geschützten Naturdenkmäler der Schweiz und die Suche nach neuen schützenswerten Objekten. Eine frühzeitige Planung sollte die Erhaltung von Naturdenkmälern sicherstellen.
Nationalpark als Wiege
Der wichtigste Schritt für die schweizerische Naturschutzbewegung war die Gründung des Nationalparks am bündnerischen Ofenpass durch die SNK. Zur Deckung der Pachtkosten für ein erstes Urwaldreservat im Val Cluozza wurde 1909 der Schweizerische Bund für Naturschutz (SBN) mit dem Basler Paul Sarasin, dem Cousin von Fritz Sarasin, als Präsidenten gegründet. Im Jahr 1913 wurden weitere Gebiete gepachtet, und nach einem entsprechenden Bundesbeschluss wurde schliesslich 1914 die Einweihung des Nationalparks gefeiert. Die SNK mit ihren kantonalen Kommissionen bewirkte verschiedene Naturschutzerlasse, die sich auf die Ausführungsgesetzgebung des Zivilgesetzbuches von 1907 stützten. Meist handelte es sich um Bestimmungen für den Pflanzenschutz wie Pflückverbote.
Meilenstein Bundesgesetz
Trotz zahlreichen Vorstössen dauerte es lange bis endlich eine eine gesetzliche Grundlage vorlag. Die Einführung des Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz von 1966 war deshalb ein Meilenstein. Das Gesetz beauftragte den Bund, Schutzbestimmungen für die Tier- und Pflanzenwelt zu erlassen und die Kantone finanziell beim Vollzug des Natur- und Heimatschutzes zu unterstützen. Seit den 1970er-Jahren sind beim Bund und bei den Kantonen Naturschutzfachstellen entstanden, die für den Vollzug der Gesetze sorgen. Im privaten Sektor engagieren sich auf nationaler Ebene neben kleineren Gruppierungen vor allem Pro Natura, WWF–Schweiz und BirdLife Schweiz. Alle besitzen auch kantonale Sektionen, oftmals sogar Gruppierungen in einzelnen Gemeinden.
Basler Naturschutz
Im Jahr der Gründung der Schweizerischen Naturschutzkommission 1906 wurde auch eine Sektion beider Basel gegründet. Diese erreichte, dass der Regierungsrat des Stadtkantons 1913 das erste geschützte Reservat in der Schweiz, die Rheinhalde oberhalb der heutigen Schwarzwaldbrücke, unter Schutz stellte. Erst 1955 kam es zur Gründung des Basler Naturschutzes, der kantonalen Sektion des Schweizerischen Bundes für Naturschutz (heute: Pro Natura). Diese betreute lange Zeit Naturschutzgebiete in der Umgebung der Stadt oder engagierte sich zum Beispiel für den Schutz der Petite Camargue Alsacienne im Elsass. Seit dem 1985 veröffentlichten Pionierprojekt Basler Natur-Atlas stehen jedoch konsequent der Schutz und die Förderung der sehr artenreichen städtischen Natur im Zentrum. Mit dem kantonalen Natur- und Landschaftsschutzgesetz (1995) und der Schaffung der kantonalen Naturschutzfachstelle, wurde auch im Stadtkanton der Vollzug des Naturschutzes in die Verwaltung integriert.
Naturschutz in Baselbiet
Die Anfangsphase des Naturschutzes im Kanton Baselland wurde durch Franz Leuthardt geprägt. Der Paläontologe und Lehrer an der Bezirksschule Liestal war der erste Präsident der 1906 gegründeten Naturschutzkommission beider Basel. Mit der Gründung der Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Heimatschutz Baselland (ANHBL) wurde 1949 in Liestal eine Dachorganisation aller Körperschaften aus dem Bereich des Schutzes der Natur- und Kulturdenkmäler gegründet. Die Arbeitsgemeinschaft übernahm anfangs viele Koordinationsaufgaben, verlor jedoch an Bedeutung als 1960 die Geschäftsstelle für Natur- und Heimatschutz bei der Baudirektion integriert wurde. Nach 1971 wurde die Kantonale Fachstelle für Naturschutz ausgebaut. Diese ist heute im Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain in Sissach integriert. Um 1976 wurde die Baselbieter Naturschutzkommission nach der Gründung des Bundes für Naturschutz Baselland (heute Pro Natura Baselland) aufgehoben. Auf der Ebene der Gemeinden engagiert sich heute neben den kommunalen Umweltfachstellen vor allem der Basellandschaftliche Natur- und Vogelschutzverband (BNV). Seine Gemeindesektionen setzen sich in ihrem lokalen Umfeld für die Erhaltung und den Schutz der Natur ein.
DK