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Um den Kinderstrich von Varna zu finden, sagt die Quelle, braucht ihr bloss vom Stadtstrand nordwärts zu gehen. Bei einem von einer Mineralquelle gespiesenen Warmwasserbassin findet die Kontaktaufnahme statt. Der Puff selber sei ein anliegendes waldartiges Parkgebiet.
Am frühen Nachmittag beim Bassin angekommen, tut sich nichts. Einige Männer halten die Füsse in ein Flüsschen, das aus dicken Betonrohren die Böschung herab ins Meer geleitet wird. Vor dem Eingang in den Wald stehen ein paar Halbstarke. Nachdem wir auf der Strasse eine Weile warten, kommt immer mal wieder jemand auf uns zu, dreht dann wieder ab, stellt sich in fünfzig Meter Abstand auf und beobachtet uns. Wir brechen ab.
Am nächsten Tag um die Mittagszeit versuchen wir es noch einmal. Dieses Mal nähern wir uns von oben, durch den Stadtpark. Doch das Gestrüpp ist dicht, es ist nichts zu sehen. Schmale Fusspfade führen ein Stück in den Wald hinein. Ein Mann kommt uns entgegen, mustert uns, geht weiter. Schliesslich, am oberen Ende der Betonrohre, wo sich das Wasser über einen Wasserfall strandwärts ergiesst, spricht uns ein etwa 25-jähriger Mann an, dem Anschein nach ein Roma. Wir unterhalten uns auf Russisch.
- Willst du Sex?
- Ich suche einen Jüngeren. Gibt es das hier?
- Nicht hier im Wald, du musst weitergehen bis zu einem Haus. Ich kanns dir zeigen.
- Wie alt sind die Jungs dort?
- 15.
- Wie viel kostet das?
- 30 Euro.
- Gibt es auch Jüngere? Gibt es einen Zehnjährigen?
- Ja, aber nicht hier. Ich kann mit dem Taxi einen holen gehen.
Der Mann bekreuzigt sich, um zu sagen: Ihr könnt mir vertrauen, ich bring euch den Jungen. Wir sagen, wir würden es uns überlegen und verlassen den Park.
Der Kinderstrich, sagt man uns, ist ein offenes Geheimnis in Varna und den Behörden bekannt. Er wird aber zumindest geduldet und im Grunde ist das der eigentliche Skandal. Spricht man mit jungen Roma über diese Form der Prostitution, zucken sie mit den Schultern. Was soll man auch tun, wenn man kein Geld zum Leben hat.
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