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Titel
Herodes,
Name mehrerer jüd. Könige idumäischer Abstammung, die unter römischer Oberhoheit regierten. Die namhaftesten sind:
1)
Herodes der
Große, geboren um 72
v. Chr., Sohn des Idumäers (Edomiters)
Antipatros, welcher von
Cäsar dem jüdischen
Fürsten
Hyrkanos II. als Staatsverwalter zur Seite gesetzt worden war.
Früh
Mut und bedeutende geistige
Anlagen verratend, erhielt er
im
Alter von 25
Jahren von seinem
Vater die
Verwaltung der
Provinz
Galiläa
übertragen, wurde später, trotz der Gegenbestrebungen
der auf den wachsenden Einfluß der
Familie eifersüchtigen jüdischen
Großen,
Statthalter von Cölesyrien
und schlug den Prätendenten
Antigonos, den Sohn des
Aristobulos, zurück. Eine Gesandtschaft des Synedriums erhob zwar bei
Marcus
Antonius, als derselbe nach der
Schlacht bei
Philippi nach
Syrien kam,
Klagen über
¶
mehr
die Allgewalt der Söhne des Antipatros, der kurz zuvor durch einen treulosen Vertrauten vergiftet worden war; allein es gelang
dem schlauen und gewandten
Herodes, die Gunst des Triumvirs in dem Grad zu gewinnen, daß dieser ihn nebst seinem Bruder Phasael
zur Tetrarchenwürde erhob. Bald darauf brach aber Antigonos, von den Parthern unterstützt, von neuem in
Judäa ein, und
Herodes mußte ihm 40 ganz Judäa überlassen. Er floh hierauf nach Rom und
[* 3] erhielt hier durch Vermittelung seines
Gönners Antonius durch einen Beschluß des Senats die Königswürde von Judäa.
Von römischen Truppen begleitet, kehrte er nach Palästina
[* 4] zurück, setzte sich zuerst in den Besitz Galiläas
und erstürmte 37 nach zweimaliger Belagerung Jerusalem,
[* 5] wo er Antigonos gefangen nahm und als erster Ausländer den jüdischen
Thron
[* 6] bestieg. In dem Bürgerkrieg zwischen Antonius und Oktavian stand er anfangs auf seiten des erstern, trat aber nach der
Schlacht bei Actium 31 zu der siegenden Partei über und wußte auch Oktavians Gunst zu erlangen, so daß
ihn dieser nicht nur in seiner Würde bestätigte, sondern auch dem jüdischen Staate durch Trachonitis, Auranitis und Batanäa
einen bedeutenden Zuwachs gab.
Herodes regierte mit Klugheit und Energie, verfolgte aber aufs grausamste alle, die seiner Herrschaft
gefährlich schienen. Er ließ nicht nur seine Gemahlin Mariamne, eine Enkelin des Hyrkanos II., nebst
den übrigen Gliedern der hasmonäischen Dynastie, sondern auch seine mit Mariamne erzeugten Söhne Alexander und Aristobulos
sowie eine große Anzahl ihm abgeneigter Juden hinrichten.
Hierdurch sowie durch seine Aufnahme heidnischer Gebräuche und ausländischer Sitten (er baute Theater [* 7] und Gymnasien, feierte zu Ehren des Kaisers die Ludi quinquennales und führte selbst eine Art Olympischer Spiele ein) entfremdete er sich die Herzen der Juden, und der von ihm errichtete prachtvolle Neubau des Salomonischen Tempels, die Herstellung vieler andrer nützlicher oder zur Zierde der Hauptstadt dienender Bauten und die Fürsorge für die Bedürfnisse des Volkes zur Zeit einer drückenden Hungersnot waren nicht vermögend, ihm die Sympathien der Juden zu gewinnen. Nachdem er mehreren meuchelmörderischen Angriffen auf sein Leben entgangen war, starb er an einer qualvollen Krankheit 4 v. Chr. (d. h. zwei Jahre nach der wirklichen Geburt Christi). Seine Geschichte ist ausführlich von Josephus in den Antiquitäten erzählt; der bethlehemitische Kindermord (Matth. 2, 16). wird von Josephus nicht erwähnt.
Vgl. de Saulcy, Histoire d'Herode, roi des Juifs (Par. 1867).
2)
Herodes Antipas (Antipatros), Sohn des vorigen und der Malthake, einer Samariterin, erhielt nach seines Vaters Tod gemäß dem
Testament desselben Galiläa und Peräa als Tetrarchie und bemühte sich vergeblich, von Augustus die Königswürde
zu erlangen. Er war der Landesherr Jesu
(Luk. 23, 7). Anfangs war er mit Arete, der Tochter des arabischen Königs Aretas, vermählt,
verband sich aber sodann mit Herodias, der Gemahlin seines Halbbruders
Herodes, die ihn nach dem evangelischen Bericht
(Matth.
14, 4). zur Hinrichtung Johannes' des Täufers verleitete. aber wurde von Aretas bald mit Krieg überzogen
und erlitt eine solche Niederlage, daß nur die Einsprache der Römer
[* 8] seinem gänzlichen Sturz vorbeugte. Auf Andringen seiner
eitlen und herrschsüchtigen Gattin reiste er nach dem Regierungsantritt des Kaisers Caligula zum zweitenmal nach Rom, um
den Königstitel zu erlangen, der seinem Neffen
Herodes Agrippa verwilligt worden; allein er wurde auf
ebendessen Anklage hin 39 n. Chr.
durch kaiserlichen Spruch seines Throns verlustig erklärt und erst nach Lyon
[* 9] in Gallien, dann nach Spanien
[* 10] verwiesen, wo er
starb.
3)
Herodes Agrippa I., König von Judäa, Bruder der Herodias, Enkel
Herodes' d. Gr., Sohn des Aristobulos und
der Berenike, kam kurze Zeit vor dem Tod seines Großvaters nach Rom, wo er mit dem nachmaligen Kaiser Claudius erzogen ward.
Eine drückende Schuldenlast nötigte ihn später zur Flucht nach Palästina, doch kehrte er bald nach Rom zurück und erhielt
von Tiberius die Obhut über seinen Enkel Tiberius Gemellus anvertraut. Der enge Verkehr zwischen ihm und
dem nachmaligen Kaiser Caligula machte ihn jedoch dem argwöhnischen Tyrannen so verdächtig, daß er den Palast mit dem Kerker
vertauschen mußte.
Nach sechsmonatlicher Haft erlöste ihn der Regierungsantritt des Caligula nicht nur, sondern er sah sich plötzlich
auch mit dem Diadem gekrönt und zum Beherrscher der Tetrarchien des verstorbenen Philippus und des Lysanias erhoben. Des Antipas
Sturz vergrößerte sein Gebiet noch um dessen ganze Tetrarchie, und 41 n. Chr. erhob ihn sein Jugendgenosse Claudius zum Herrscher
über das ganze Reich
Herodes' d. Gr., weshalb er auch von jetzt an den Beinamen
des Großen führte. Während einer kurzen Regierung that er viel zum Besten seines Staats. Aus Nachgiebigkeit gegen die Juden
ließ er 44 Jakobus, den Bruder des Apostels Johannes, enthaupten, Petrus aber ins Gefängnis werfen
(Apostelgesch. 12, 1. ff.).
Er starb 44 in Cäsarea.
4)
Herodes Agrippa II., Sohn des vorigen, war bei dessen Tod 17 Jahre alt und wurde deshalb auf Anstiften der
Günstlinge des Kaisers Claudius von der Thronfolge ausgeschlossen, erhielt aber dafür das Fürstentum Chalkis, welches Agrippas
I. Bruder
Herodes besessen hatte, nebst der Aufsicht über den jerusalemischen Tempel
[* 11] und der Befugnis, den Hohenpriester zu
wählen, vier Jahre später aber statt des genannten Fürstentums die ehemalige Tetrarchie des Philippus
und Lysanias mit dem Königstitel. Später fügte Nero noch Tiberias, Tarichää, Julias und 14 andre benachbarte Flecken hinzu.
Herodes that viel für Jerusalems Verschönerung, stand aber gleichwohl bei den Juden wegen seiner Willkür im Ab- und Einsetzen
der Hohenpriester und andrer Fehlgriffe in geringer Achtung. Nach dem Ausbruch des jüdischen Kriegs hielt er treu zu den Römern,
wohnte der Belagerung von Jerusalem durch Titus bei und starb um 100 n. Chr.
5) Herodes Philippus, Tetrarch, Sohn von Herodes 1) und der Kleopatra, machte sich in seinem Gebiet durch Weisheit und Gerechtigkeit verdient, erhob den Flecken Bethsaida durch Bauten und Ansiedelungen zum Rang einer Stadt, welche er Julias nannte, und starb nach 37jähriger friedlicher Regierung (34 n. Chr.) kinderlos, daher sein Land erst zu Syrien geschlagen, dann aber Herodes Agrippa I. zugeteilt wurde.