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Sportliche Grossanlässe werden seit Jahrzehnten von Sportlern genutzt, um zu flüchten – auch jetzt in London. Über ein Dutzend Olympia-Teilnehmer aus afrikanischen Ländern sind spurlos verschwunden.
Tausende Olympia-Sportler aus der ganzen Welt sind am Montag aus London in ihre Heimatländer zurückgereist. Nicht alle der rund 10000 Athleten haben aber ihren gebuchten Flug angetreten.
Vier Mitglieder des kongolesischen Teams werden seit Montag vemisst. Judoka Cedric Mandembo, sein Trainer Ibula Masengo sowie ein Boxtrainer und der technische Direktor des Leichtathletikteams sind spurlos verschwunden. Sie haben das olympische Dorf nach der Schlussfeier mit ihrem Gepäck verlassen, berichtet die «Daily Mail».
Schon letzte Woche erklärten fünf Boxer aus Kamerun, dass sie nicht ausreisen und um Asyl bitten werden. Boxer Thomas Essomba sagt der «BBC»: «Wir bleiben nicht, weil wir unser Heimatland nicht mögen, sondern weil wir den Sport, den wir lieben, ausüben möchten. Wir wollen Profis werden und können nicht nach Kamerun zurückkehren. Wenn wir zurückkehren, werden wir nicht mehr trainieren.»
Ebenso war kurz vor seinem Start über die 50 Meter Freistil ein kamerunischer Schwimmer untergetaucht und eine kamerunische Fussballerin setzte sich ab, als sie kurz vor Olympia aus dem Kader gestrichen worden war. Gemäss britischen Medien sollen zudem zwei sudanesische und ein äthiopischer Sportler einen Asylantrag in Grossbritannien gestellt haben.
Die britische Einwanderungsbehörde nimmt an, dass die Zahl von asylsuchenden Sportlern oder Delegationsmitgliedern noch stark steigen wird. Die speziellen Olympia-Visa sind noch bis November 2012 gültig. Bis dahin haben die vermissten Sportler rechtlich nichts zu befürchten.
Die Flucht von Sportlern bei Anlässen in Ausland ist seit Jahrzehnten verbreitet. Die Athleten kehren der Heimat vor allem aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen den Rücken.
Zu Zeiten des Kalten Krieges bis Ende der 1980er Jahre waren es vor allem Sportler aus dem Ostblock, die Reisen zu Qualifikationsspielen oder Grossanlässen zur Flucht in den Westen nutzten. Mehr als 600 Athleten aus der DDR gehörten dazu.
Heute sind es besonders Sportler aus afrikanischen Nationen, aber auch Kuba oder Nordkorea, die sich bei Gelegenheit absetzen und auf ein besseres Leben hoffen. 2002 beantragten beispielsweise über 20 Westafrikaner Asyl nach den Commonwealth-Spielen in Grossbritannien. Und das kubanische Frauen-Fussballteam erlebt regelmässig Spielerinnen, die flüchten. 2008 suchten gleich sieben Asyl nach einem Quali-Spiel in den USA. (rib)