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| Ephräm d. Syrer († 373) - Das Leben des heiligen Ephraem des Syrers (Vita)

Version 1
10.
Ephraem hatte viele Schüler. Unter ihnen Zenobius, Diaconus der Kirche zu Edessa, Isaac, Simeon, Abraham und Andere, deren Namen wir hier nicht weiter anführen.1 Aber jeglichem seiner Schüler war Gnade gegeben, dass sie Reden und Briefe schreiben konnten und mit göttlichem Lichte erleuchtet wurden, und dass sie Viele vom Wege der Verkehrtheit abwendeten. — Um diese Zeit hörte Ephraem viel von dem Bischofe zu Cäsarea in Kappadocien, Basilius [S. 16] dem Grossen und er brannte vor Verlangen ihn zu besuchen. Da betete und flehte er zu Gott, er möge ihm doch die Erhabenheit des heiligen Basilius offenbaren. Als er nun gebetet hatte, siehe da erschien ihm vor dem Altare eine Feuersäule, die vom Himmel bis zur Erde reichte, und er hörte eine Stimme vom Himmel: "Gleichwie die Feuersäule ist, die du siehest, so ist Basilius".2 Seit dieser Zeit entbrannte in ihm die Begierde, Basilius den Grossen zu besuchen. Da machte er sich auf den Weg und nahm einen von seinen Schülern, der Griechisch verstand, mit sich. Kaum aber befand er sich auf dem Meere, so drangen gewaltige Wogen in das Schiff, auf dem er und sein Schüler sich befanden. Da erbebten die Schiffer vor der Menge der Wogen, die bis zum Himmel emporstiegen und wiederum in die Tiefe hinabstürzten, und sie beschlossen sich in's Meer zu werfen. Aber der heilige Ephraem ermahnte sie und sprach: "Meine Brüder fürchtet nicht, dass auch nur Einer von euch verderbe; der Gott, der des Paulus Schiff bewahret hat, der wird auch dieses Schiff erretten." Die Schiffer hielten ihn aber seines schlichten Wesens wegen für einen Thoren. Als Ephraem ihre Kleingläubigkeit sah, wunderte er sich sehr über sie, und sogleich stand er auf, breitete seine Hände aus, betete zu Gott und sprach zum Meere hingewendet: "Ich sage dir, höre auf; verstumme im Namen unseres Herrn Jesu Christi, der dich schweigen hiess zur Zeit seiner heilevollen Leitung." Kaum hatte er diese Worte gesprochen, so trat eine tiefe Stille auf dem Meere ein und die Wogen ruhten. Als die Schiffer das sahen, die Kaufleute und Alle, die sonst im Schiffe waren, da eilten sie herzu, fielen dem heiligen Ephraem zu Füssen und sprachen: "Wahrlich, du bist unser Vater, du hast uns errettet vom Tode." Und von Stunde an wurde Ephraem angesehen in ihren Augen. So fuhr das Schiff glücklich über eine weite Meeresfläche. Da plötzlich, mitten auf dem Meere, stürmte [S. 17] ein Ungeheuer auf sie los, und Alle fürchteten sich auf dem Schiffe. Der heilige Ephraem aber machte dem Ungeheuer das Zeichen des Kreuzes entgegen; sogleich zerbarst es und zerfloss über die Fläche des Meeres hin. Bei diesem Anblicke staunten Alle, die im Schiffe waren und lobeten und priesen Gott, und eine grosse Freudigkeit kam unter sie. — Kurze Zeit darauf stieg der heilige Ephraem mit seinem Schüler aus und trennte sich von den Uebrigen. Er zog hinauf nach Aegypten, wo er schon lange wünschte die Klöster zu sehen und die Mönche darinnen zu besuchen. Und er kam nach der Stadt Antinum, und er fragte die Bewohner, auf welchem Wege er nach der Wüste käme. Sie zeigten ihm den Weg. Ephraem ging also in die Wüste, und sein Schüler war Dolmetscher. Da kamen sie in eine Höhle, wo sie den Erwählten Gottes, den Vater Bischvai, trafen. Aber der heilige Bischvai verstand nicht Syrisch, und der heilige Ephraem nicht Aegyptisch; da flehten sie zu Gott, und er erfüllete ihnen ihr Flehen, dem Bischvai, dass er Syrisch sprach; dem Ephraem, dass er Aegyptisch sprach. Und der heilige Ephraem freute sich gar sehr, dass er gewürdigt wurde, den Auserwählten Gottes, den Vater Bischvai, zu sehen. - Vom Herrn war dem heiligen Ephraem nämlich schon verheissen, als er sich noch auf dem Berge von Edessa befand: "Dein Lohn im Himmelreiche soll sein, gleichwie der auserwählte Vater Bischvai belohnt wird." — Ephraem blieb bei dem Erwählten Gottes sieben Tage lang, und Beide nützten einander durch ihren Umgang. — Dann trennte sich Ephraem von dem heiligen Vater Bischvai und verweilte in Aegypten acht Jahre, und während der ganzen Zeit hörte er nicht auf, den rechten Glauben zu lehren und den Weg der Wahrheit zu zeigen.
1: Vergl. über Ephraem's Schüler Sozom. lib. 3, c. 16. Am ausführlichsten spricht über sie Ephraem selbst in seinem Testament S. 402.
2: Dasselbe berichten die Armenier im Menologium 18. Januar.