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Natürlich beeinflusst das Aussehen eines Menschen die Wahrnehmung der anderen. Das wurde in vielen Untersuchungen bestätigt. Und das ist mit ein Grund, weswegen in England oder in den USA keine Porträtfotos auf den Lebensläufen zu finden sind. Denn jeder Bewerber soll die Gelegenheit bekommen, dass sein «Resume» unbeeinflusst gelesen wird, so die gängige Meinung im englischen Sprachraum.
Und natürlich gibt es Berufsfelder, wo schon immer mehr Wert auf die äussere Erscheinung gelegt wurde, als in anderen. Unvorstellbar im Flugzeug das Essen von einem ungepflegten Flight Attendant mit stähnigem Haar, speckiger Haut und Schweissperlen serviert zu bekommen. Unglaubwürdig ist auch ein übergewichtiger Fitnesscoach.
Je hässlicher, desto mehr Lohn
Werden diese Berufsgruppen aber ausgenommen, sind die Karrierechancen für unattraktive Menschen gar nicht so schlecht, wie bisher angenommen. Ganz im Gegenteil, wie die Umfrage der beiden Autoren Satoshi Kanazawa (GB) und Mary Still (USA) bestätigt. Erstaunlicherweise verdienen die sehr unattraktiven Befragten sogar mehr als die unattraktiven. Und sie verdienen manchmal auch mehr als die durchschnittlich Aussehenden oder die attraktiven Befragten.
Keine Spur also von der weitherum verinnerlichten These der «Schönheitsprämie». Wie die Studie zeigt, verschwand der Vorteil der Schönheit vollständig, sobald auch die Gesundheit, die Intelligenz und die Persönlichkeitsfaktoren (Big Five) berücksichtigt wurden.
Schönheit reicht nicht
Die Ergebnisse früherer Untersuchungen, wonach schöne Menschen im Vorteil seien, erklären sich die Forscher so: Die Attraktiven würden nicht aufgrund ihrer Schönheit mehr verdienen, sondern weil sie gesünder, intelligenter, gewissenhafter, extravertierter und weniger neurotisch seien. Ausserdem habe man früher die wenig attraktiven und die unattraktiven Menschen nicht gesondert betrachtet beziehungsweise nur sehr unattraktive mit sehr attraktiven Personen verglichen.
Hässlichkeitsprämie
Gegen den «Schönheitsbonus» gibt es einige Thesen, die noch zu untersuchen sind. Zum Beispiel die Annahmen, dass schöne Frauen nicht mit Führungspositionen in Verbindung gebracht werden und sich daher mehr beweisen müssen oder dass unattraktive Menschen bevorzugt ihresgleichen einstellen.
Zum ersten mal wurde die Annahme einer «Schönheitsprämie» nun wissenschaftlich widerlegt. Die neue Studie zeige, dass sehr unattraktive Arbeitnehmer nicht nur viel mehr verdienen, als bisher angenommen, sonder auch mehr als die körperlich attraktiveren Mitbewerber. Und das deute, so die Forscher, auf eine potenzielle «Hässlichkeitsprämie» hin.
Kritische Stimmen
Kritisch wird die Studie vom Pionier der Attraktivitätsforschung, dem US-Ökonomen Daniel Hamermesh und dem deutschen Arbeitsökonomen Thomas Bauer beurteilt. Für beide war die Gruppe, der als unattraktiv eingeschätzten Personen, zu klein. Das mache die allgemeine Aussage schwer haltbar, dass sehr unattraktive Menschen mehr verdienen würden als viele besser aussehende.