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Hintergrund:
Patienten mit Hüftgelenksarthrose, unabhängig von Schmerzen und dem Schweregrad der Arthrose, wird oft eine Physiotherapie verschrieben. Bisher gibt es wenig Evidenz, welche die Wirksamkeit dieser Massnahme, in erster Linie körperliche Übungen und Manualtherapie, unterstützen würde.
In dieser Studie wird der Effekt einer multimodalen Physiotherapie mit einer Scheinphysiotherapie auf Schmerzen und Funktion verglichen.
Einschlusskriterien:
- Patienten über 50 Jahre, erfüllen die Schmerz-Kriterien des American College of Rheumatology
- Radiologische Zeichen einer Hüftarthrose
- Hüft- oder Leistenschmerzen länger als 3 Monate und Intensität mehr als 40 mm auf Visual Analog Skala (0-100) in der Woche vor Einschluss in die Studie und,
- Moderate Probleme in der Verrichtung täglicher Aktivitäten
Ausschlusskriterien:
- Operationen an Knie, Hüfte, Wirbelsäule
- Patienten die regelmässig mehr als 30 Minuten pro Tag gehen
- Regelmässige strukturierte körperliche Übungen
Studiendesign und Methode:
Randomisiert, Teilnehmer und Assessor-verblindet,
Studienort:
Australien
Interventionen:
- Gruppe 1: Physiotherapie, insgesamt 10 Sitzungen in 12 Wochen durch erfahrene und speziell instruierte Physiotherapeuten; die ersten beiden Sitzungen dauerten 45 bis 60 Minuten, die restlichen 30 Minuten. Patienten erhielten Instruktionen für Übungen zuhause. Während der 6-monatigen Nachbeobachtungszeit wurde den Patienten empfohlen 3 mal wöchentlich die Übungen zuhause zu machen
- Gruppe 2: Diese Patienten hatten gleich viele Sitzungen, allerdings wurde ihnen bei den Sitzungen nur ein inaktiver Ultraschall in der Hüftregion appliziert und die Region mit einem Gel eingeschmiert. Patienten wurden instruiert während der ganzen 6-monatigen Beobachtungszeit das Gel dreimal wöchentlich für 5 Minuten zu applizieren.
Outcome:
Primärer Outcome
- Schmerzintensität in der Woche vor der Erfassung (12 und 36 Wochen nach Randomisierung), gemessen mit VAS 0 bis 100; der minimal klinisch relevante Unterschied ist 18 mm; d.h. eine Veränderung um 18 mm im Vergleich zur Messung bei Baseline wird von den Patienten in der Regel als merkbare Besserung interpretiert.
- Körperliche Funktion gemessen mit dem WOMAC (ein validierter Fragebogen), der minimal klinisch relevante Unterschied bei dem Fragebogen sind 6 Punkte
Sekundäre Outcomes
- Schmerzen beim Laufen, Lebensqualität und eine Liste anderer
Resultat:
- Von 1441 Freiwilligen, die sich für die Teilnahme an der Studie meldeten, wurden 102 in die Studie eingeschlossen: Bei 96 (94%) Patienten konnten die Outcomeparameter nach 13 und bei 83 (81%) nach 36 Wochen erhoben werden.
- Das mittlere Alter betrug gut 60 Jahre, etwas weniger als die Hälfte waren Männer
- In beiden Gruppen trat nach 12 Wochen eine statistisch signifikante Abnahme der Schmerzen ein (gemessen mit VAS, im Mittel, in der Physiotherapiegruppe um 17.7 mm und in der mit Scheintherapie behandelten Abnahme um 22.9 mm); auch die körperliche Funktion verbesserte sich in beiden Gruppen, aber zwischen der mit Physiotherapie und der mit Scheintherapie behandelten Gruppe war kein signifikanter Unterschied nachweisbar. Auch nach 36 Wochen waren keine relevanten Unterschiede zwischen den Gruppen vorhanden.
- Unerwünschte Nebenwirkungen wurden signifikant mehr in der Physiotherapiegruppe berichtet; sie waren alle mild und nur vorübergehend; verstärkte Schmerzen in der Hüfte, oder in Rücken waren die wichtigsten davon.
Kommentar:
- Eine multimodale Physiotherapie über 3 Monate bei Patienten mit symptomatischer Hüftarthrose scheint weder nach 3 noch nach 6 Monaten, im Vergleich zu Patienten die mit einer „Scheintherapie“ behandelt werden einen Effekt zu haben.
- Der „Effekt“ der Scheintherapie ist beachtlich!
Literatur:
Bennell KL et al. Effect of physical therapy on pain and function in patients with hip osteoarthritis. A randomized clinical trial. JAMA 2014;311:1987-1997