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«Wir haben ganz verschiedene Gaben,
so wie Gott sie uns in seiner Gnade zugeteilt hat.»
(Römerbrief 12,6)
Anton Schenker kommt aus einfachen, bäuerlichen Verhältnissen. Er wurde am 31. August 1928 geboren und starb mit 92 Jahren. Anton (wir nannten ihn Tony) lebte 59 Jahre lang in Rhodesien/Zimbabwe. Er stammte von Niederwil bei Rickenbach LU. Die Primarschule beendete er in Rickenbach. Zur Sekundarschule radelte er nach Beromünster, durch einen Wald und durch Gunzwil. Im Winter gab es jeweils an der Schule eine warme Schulsuppe und einen «Mocken» Brot. Tony wählte den Schuhmacher-Beruf und schloss seine Berufsschule in Hochdorf ab. Zudem erlernte er auch die Kenntnisse eines Sattlers. Es zog ihn dann nach Lausanne. Die Meisterausbildung erwarb er sich in Deutschland, nämlich in Göttingen. In diesen Lehrjahren reifte in ihm der missionarische Beruf.
Er meldete sich im damaligen Missionsseminar Schöneck an. 1961 war es dann soweit: Ausreise nach Rhodesien! Zunächst widmete er sich einige Monate lang dem Sprachstudium in «Shona». Während vier Jahren half er tüchtig mit als Maurer und Landwirt in Mukaro und in Zaka (St. Anthony’s Mission), eine Missionsstation nach seinem Namen.
Ab 1965 gab’s eine Wende für ihn. In Bondolfi errichtete er eine Lehrwerkstätte für Schuh- und Lederarbeiten. Eine grosse Zahl von jungen Afrikanern fand bei Tony über die Jahre eine Lehrstelle. Er verarbeitete einheimisches Leder und produzierte verschiedene Lederwaren: Hocker, Geldbeutel, Etuis, Taschen, Schlüsselanhänger und Tierfelle, meist von Impalas. Aber diese Produkte brauchten einen Markt. Den fand er teils an Touristenorten wie Zimbabwe Ruins, Victoria Falls, Wankie game park, und vor allem in der Schweiz.
1993 übergab er die Leitung und Verantwortung für die Lederwerkstatt an einheimische Kräfte. Bis 2004 widmete er sich auch dem Unterhalt der Missionsstation Bondolfi: Landwirtschaft, Garten und Schweinemast.
Tony erlebte hautnah den Befreiungskrieg, auch in Bondolfi. Am 28. No-vember 1976 kam unser Mitbruder Gieri Jörger von seinem Sonntags-gottesdienst nicht mehr zurück. Für viele Jahre war es nicht klar, ob er verschleppt oder umgebracht wurde. Die Leute, die etwas wussten, waren unter Drohung gezwungen worden, zu schweigen. Viele Jahre nach dem Krieg wurde bekannt, dass Gieri Jörger getötet wurde. Diese lange Ungewissheit plagte Tony, er litt sehr daran durch all diese schwierigen Jahre.
Der Tag des Abschieds von Bondolfi kam. Nach vierzig Jahren zog Tony nach Gweru; sieben Jahre lang umsorgte er einen Mitbruder und pflegte die Blumen und den Gemüsegarten.
2011 entschloss er sich für das Altersheim in Driefontein. Hier verlebte er einen ruhigen Lebensabend, bis der Herr ihn zu sich rief, am Valentinstag, Freitag 14. Februar 2020.
Tony war ein sehr solider Arbeiter und Lehrmeister: hingebungsvoll, gewissenhaft, verständnisvoll und pünktlich. Er hat über hundert junge Menschen ausgebildet, die später Arbeit fanden in einer Schuhfabrik oder eine Stelle im benachbarten Ausland: in Namibia, Botswana, Malawi, Süd-Afrika. Einige machten sich selbständig.
Zum Schluss ein E-Mail, das Hugo Dietschi an Tony Wey gesandt hat am 22. November 2018, 20.19 Uhr! Hugo Dietschi erlebte Folgendes und beschreibt es in diesem E-Mail im Zusammenhang mit Tony Schenker: «Kürzlich bat mich ein Mann für eine Mitfahrt im Auto. Ich nahm ihn mit. Im Gespräch erkundigte er sich nach Br. Anton Schenker. Er habe bei ihm in Bondolfi zwei Jahre lang eine Schuhmacherlehre gemacht und das habe ihm zu einer Existenz verholfen. ‹Ich bin ihm heute noch dankbar›, fuhr er weiter, ‹ich habe bei der grossen Schuhfabrik BATA Arbeit gefunden bis heute, ich habe mir eine entsprechende Nähmaschine gekauft, und nebenbei erledige ich private Schuhreparaturen, ein willkommener Nebenverdienst. Wir sind eine ganze Anzahl ehemaliger Bondolfi-Lehrlinge bei BATA. Drei von ihnen haben in Botswana ihr eigenes Geschäft eröffnet. Mit meinem Verdienst konnte ich mir ein kleines Landgut erwerben mit einer kleinen Land-wirtschaft, wo meine Familie lebt und ich mich zurückziehen kann über das Wochenende und später, wenn ich einmal in Pension bin.› Angekommen an seinem Reiseziel verabschiedeten wir uns freundlich und», so schreibt Hugo Dietschi, «gab er mir ein nettes Trinkgeld für die Fahrt.» Tony Schenker freute sich sehr an dieser Geschichte, und seine blauen Augen und sein Gesicht strahlten.
Wir danken Tony für seinen langjährigen, treuen, missionarischen, erfolgreichen Dienst in der Kirche von Zimbabwe.
Nun darf er ausruhen und viel Neues, Unbekanntes lernen in der neuen Welt Gottes.
Josef Christen