Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03537.jsonl.gz/3029

Inhalt:
Die Osteopathie ist eine rein manuelle Therapie, welche vom Amerikaner Andrew Taylor Still (* 1828 in Virginia, USA) Mitte des 19. Jahrhunderts begründet wurde. A.T. Still war praktizierender Arzt, er diente u.a. als Stabsarzt im amerikanischen Bürgerkrieg, und seine Erfahrungen liessen ihn an der Medizin des 19. Jahrhunderts zweifeln. Trotz invasiver Therapien mit vielen Nebenwirkungen war der Heilungserfolg der damaligen Medizin mässig (Still verlor drei seiner Kinder durch eine Meningitis-Epidemie). Durch intensives Forschen und Beobachten der anatomischen Strukturen und deren Funktion formulierte Still folgende Grundprinzipien, die heute noch ihre Gültigkeit besitzen und die Grundlage der osteopathischen Medizin bilden:
Andere Aussagen Still's zeigen auf, dass er für seine Zeit ungewöhnlich und neue Wege gehen wollte und dies auch tat:
1874 gründete er die erste American School of Osteopathy in Kirksville USA. Einer seiner ersten Schüler war William Garner Sutherland, welcher später die kraniosakrale Osteopathie begründete. 1917 gründete John Martin Littlejohn (1865 - 1974) die British School of Osteopathy, die erste europäische Osteopathieschule. Von England aus breitete sich diese Therapieform zuerst im frankophonen Europa (Frankreich und Belgien) aus, wo sie heute ein wichtiges Element im Gesundheitssystem darstellt.
In den letzten Jahrzehnten fasste die Osteopathie auch im deutschsprachigen Raum und im übrigen Europa Fuss - zu recht, denn es ist eine sanfte, wirksame und wissenschaftliche Therapieform. Ausbildungsanforderungen, Curricula und Prüfungen an den verschiedenen Schulen in Deutschland sollen in den nächsten Jahren angeglichen werden. Die deutschen Verbände sind sehr um Qualitätssicherung und gegenseitige Anerkennung der verschiedenen Richtungen innerhalb der Osteopathie bemüht.
In Amerika, England und Frankreich ist die Osteopathie ein anerkannter und eigenständiger Bereich in der Gesundheitspflege. Beeinflusst vom französischen Nachbarn ist die Osteopathie daher in der französischen Schweiz viel stärker verbreitet als in der Deutschschweiz. Ich gehe davon aus, dass sich dies in den nächsten Jahren zugunsten der Deutschschweiz verändern wird.
Die vielen osteopathischen Techniken haben alle das Ziel, in seiner Bewegung eingeschränktes Gewebe zu befreien (z.B. Gelenke, Knochen, Bänder, Muskeln, Faszien, Organe). Der Wechselwirkung zwischen Struktur und Funktion des Gewebes wird Rechnung getragen. So kann eine eingeschränkte Struktur (z.B. verkürztes Band, verspannter Muskel) die Funktion (Bewegungsumfang im Gelenk) beeinträchtigen. Oder eine Funktionsstörung (Stuhlverstopfung) kann die Strukturen verändern (Blockaden im Kreuzbein-Darmbeingelenk). Das genaue osteopathische Diagnostizieren von so genannten Dysfunktionen im Gewebe ermöglicht das Finden der eigentlichen Ursache einer Störung, welche unter Umständen weit vom akuten Beschwerdebild entfernt sein kann. Dies ist auch in der Osteopathie die "hohe Schule" und erfordert von der Therapeutin eine grosse Berufserfahrung.
Die Osteopathie ist wie z.B. die Homöopathie oder Akupunktur eine eigenständige medizinische Richtung, die bei sehr vielen Gesundheitsstörungen angewendet werden kann. Hier entscheidet auch die Ausbildung und Erfahrung der Therapeutin über den Behandlungserfolg. Eine gute Zusammenarbeit mit Ihrem Arzt bzw. Ihrer Ärztin ist wichtig, da oft differentialdiagnostische Untersuchungen gemacht werden müssen (Labor, Röntgen). Bei vielen Erkrankungen kann die Osteopathie zusätzlich zur Allopathie (Schulmedizin) angewandt werden, was den Heilungsprozess sehr verkürzen kann (z.B. nach einem Unfall oder einer Operation).
Osteopathie kann im chronischen wie im akuten Bereich helfen, da sie mithilft, die gestörten Bereiche wieder ihrer Integrität zuzuführen. Dadurch können die dem Körper innewohnenden Selbstheilungskräfte wieder ihre Wirkung entfalten und der Patient bzw. die Patientin wird so in den Zustand der Gesundheit zurückgeführt.
Durch die vielen wissenschaftlichen Erkenntnisse im Bereich der Ursachen für Krankheiten ist man heute gezwungen, die Denkweise Still's um diese Erkenntnisse zu erweitern. Nebst den inneren Disharmonien spielen auch viele äussere Faktoren eine wichtige Rolle für die Entstehung von Krankheit. Beispielsweise Strahlenexposition, die Aussetzung gegenüber zahlreichen karzinogenen Stoffen, Krankheitserreger wie Bakterien, Viren, Parasiten, schwächen das Immunsystem zusätzlich, ohne primär die anatomischen Strukturen zu schädigen. Selbstverständlich können diese äusseren Ursachen sekundär die Gewebe und Strukturen schädigen (Verklebungen im Bindegewebe nach Entzündungen, Verdauungsprobleme durch Überlastung der Leber u.a.m.).
Die Osteopathie arbeitet im parietalen Gewebe ( = aktiver und passiver Bewegungsapparat), im visceralen Gewebe ( = Organe), im fascialen Gewebe ( = Körper- und Organfascien), und im kranio-sakralen Bereich ( = Schädel, Hirnhäute, Kreuzbein).
Vor jeder Erstbehandlung erfolgt ein ausführliches Anamnesegespräch. Es ist wichtig für die Osteopathin zu erfahren, welche Traumen (inkl. Geburtstraumen), Unfälle, Zahnkorrekturen und Krankheiten Sie durchgemacht haben. Möglicherweise haben diese Geschehnisse Spuren im Körper hinterlassen, die es zu behandeln gilt, um Ihre heutigen Beschwerden zu kurieren. Bringen Sie bereits vorhandene ärztliche Diagnosen, Laborbefunde, Röntgenbilder usw. mit in die Behandlung.
Anschliessend wird der Körper einer genauen Inspektion unterzogen. Dies geschieht im Stehen, Sitzen und Liegen. Mit diversen Tests werden im Körper die wichtigsten osteopathischen Dysfunktionen (Bewegungseinschränkungen im Gewebe) gesucht und anschliessend mit geeigneten Techniken behandelt. Die Behandlung erfolgt auf der Therapieliege.
Um die geweckten Selbstheilungskräfte zu unterstützen, ist es wichtig, am Tag der Behandlung und auch danach viel zu trinken (Anregung des Stoffwechsels). Ebenso ist es sinnvoll, grosse körperliche Anstrengung unmittelbar nach einer Behandlung zu unterlassen, um dem Körper die Zeit und den Raum zu geben, die erhaltenen Impulse zu verarbeiten.
Eine osteopathische Behandlung dauert 30 - 60 Minuten. Ich habe die Ausbildung am COE im November 2005 abgeschlossen und bin auf der EMR-Liste als Osteopathin anerkannt.
Über Kosten und Krankenkassenrückerstattung schauen Sie bitte auf der Seite über Shiatsu nach.