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Zwischen 2020 und 2021 stieg die Zahl der stationären Spitalaufenthalte wegen psychischer und Verhaltensstörungen bei Mädchen und jungen Frauen im Alter von 10 bis 24 Jahren um 26 %,
bei gleichaltrigen Männern um 6 %. Von den 19'532 im Jahr 2021 wegen psychischer Störungen hospitalisierten 10- bis 24-Jährigen waren 60 % junge Frauen. Zum ersten Mal waren psychische Störungen die häufigste Ursache für eine Hospitalisierung bei dieser Alterskategorie.
2021 wurden 3124 Patientinnen und Patienten im Alter von 10 bis 24 Jahren wegen Selbstverletzung oder Suizidversuch hospitalisiert, was gegenüber 2020 einer Zunahme von 26 % entspricht. 70 % dieser Hospitalisierungen betrafen Mädchen und junge Frauen. Eine Krisenintervention in Form einer raschen Behandlung der Patientinnen und Patienten war in 34 % der Fälle notwendig. Die Spitalaufenthalte dauerten durchschnittlich 27 Tage. Bei der erwachsenen Bevölkerung ab 25 Jahren verlief die Entwicklung, trotz Corona, mit einem sehr moderaten Plus von 1 % völlig anders. Dies geht aus einer Analyse des Bundesamtes für Statistik (BFS) hervor, die sich mit der Behandlung von psychischen Störungen bei jungen Menschen in den Jahren 2020 und 2021 befasst.
UNICEF Schweiz und Liechtenstein hat im Frühjahr/Sommer 2021 eine Online-Umfrage zur psychischen Gesundheit von jungen Erwachsenen zwischen 14 und 19 Jahren durchgeführt. Das Ziel der Umfrage war, individuelle, familiäre, soziale und umweltbedingte Risiko- und Schutzfaktoren im Zusammenhang mit der psychischen Gesundheit zu ermitteln. Laut dieser Umfrage sind 37 Prozent der Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren von psychischen Problemen betroffen. 17 Prozent der Jugendlichen mit Anzeichen einer Angststörung und/oder Depression haben bereits versucht, sich das Leben zu nehmen; davon haben sogar fast die Hälfte mehrere Suizidversuche unternommen.
Mit dem eigenen Leben hadern, ist darauf zurückzuführen, in einem Umfeld leben zu müssen, das nicht den natürlichen, menschlichen Bedürfnissen entspricht. Laut Umfrageergebnis sehen 27,9 % der Befragten für sich keine Zukunft. Die Erwartungen an die Jugendlichen im Elternhaus, im Schulumfeld und bewirkt durch das Internet, sind hoch. Allzu hoch für Mädchen und junge Frau, wenn sie mit neuen Einflüssen auf sich allein gestellt sind und damit fertig werden müssen.
Unsere Gesellschaft sieht vor, die Kinder in den Jugendjahren in ihrer Entwicklung zu begleiten und zu unterstützen. Umfragen zeigen indes, dass häufig niemand hilfreich zur Seite steht. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn die Eltern selber im „Lebensstress“ stehen oder zwischen ihnen und dem Kind Unfrieden herrscht, weil das Kind nicht derart funktioniert, wie es die Eltern erwarten.
In den Schulen wird mit psychologischen Diensten versucht, persönliche Probleme einzelner Schüler zu lösen; immer mit dem Ziel, die schulischen Leistungen zu erfüllen. Ohne Erfolg! 29,1 % der Jugendlichen behalten ihre Probleme für sich. Nur drei Prozent wenden sich an Fachleute aus dem Gesundheits- oder Bildungsbereich. Die Vorstellung, ein Kind würde sich mit seinen innersten Problemen offen einer fremden Person anvertrauen, ist naiv. Ohne Vertrauensverhältnis, fehlt das unabdingbare Mitwirken des „Patienten“ und Sitzungen bleiben erfolglos. Ein dienliches Vertrauensverhältnis aufbauen aber braucht nicht nur Zeit, sondern lebensbegleitende Kontakte. Im gleichen Haushalt wohnende Omas haben früher unbewusst und ohne Psychologie-Diplom hervorragendes geleistet. Das zeigen bemerkenswerte Erinnerungen der Enkel an ihre Omas und Opas.
Dass sich die Probleme der Mädchen und jungen Frauen gerade in den letzten Jahren verschärft haben, wird dem Internet und dem Abschieben von der elterlichen Präsenz in die KITAS angelastet. Instagram und heute TikTok gaukeln den Mädchen perfide vor, nur zweitklassig zu sein, wenn die Brust, der Po, die Hüfte, die Gesichtshaut, die Augen nicht dem geltenden Standard entsprechen. "Bin ich hübsch genug, um geliebt zu werden?". Die Anerkennung unter Seinesgleichen setzt auch voraus, dass man bei den Kleidern, Schuhen, bei der Haarfarbe und bei den Freizeitbeschäftigungen dem Modetrend folgt. „Richtige“ Mädchen essen nicht, das, was der Körper braucht, der aktuelle Figuren Trend muss schliesslich beachtet werden. Wurde vermeintlich am Tisch einmal zu viel gegessen, kein Problem, mit dem Finger im Hals lässt sich der Sollzustand wieder herstellen. Schlussendlich zeigen Medien den jungen Frauen, mit Übertragungen vom roten Teppich und von Sportveranstaltungen, mit welchem Millimeter knappen Outfit der Frauenkörper zur Geltung gebracht werden muss, um erfolgreich zu sein. Wer da nicht mitspielt, sieht sich umgehend Mobbing ausgesetzt.
Die Mehrheit der Mädchen leben in einem günstigen Umfeld und entwickeln sich natürlich. Um die steigenden seelischen Belastungen, der in suboptimalen Verhältnissen aufwachsenden 30 % der Mädchen und jungen Frauen zwischen 10 und 24 Jahren zu meistern, ist die Anpassung ihrer Lebensweise notwendig. Hilfreich sind in jedem Fall ein gutes soziales Netz und Aktivitäten in Form von Sport oder anderen Hobbys, die einem Spass machen. Liebe Menschen im persönlichen Umfeld, die zuhören und ein Gespräch auf Augenhöhe führen können, sind das beste Mittel, um psychisches Unwohlsein ins Lot zu bringen. Hinweise für mögliche Verbesserungen lassen sich auch aus dem Faible der Mädchen zu Pferden herleiten.
Pferde ersetzen das bis anhin geliebte Kuscheltier. Mädchen verstehen sie als Freunde, als Schmuse Partner, denen man etwas anvertrauen kann. Das Reiten steht nicht im Vordergrund. Mädchen sind oft schon glücklich und selig, wenn sie ein Pflegepferd haben, das sie aus der Box führen und dem sie die Hufe auskratzen können. Es geht mehr um die Übernahme von Verantwortung, das Lernen von Selbstständigkeit und resultierenden Erfolgserlebnissen, um den Selbstwert zu erkennen. Wenn Mädchen merken, boah, ich kann mit diesem grossen, starken Tier etwas bewegen, was sonst niemand in der Familie oder in der Schule sich traut, macht das stolz und selbstsicher und vermittelt Lebensfreude. Die Mädchen sind dort befreit von ihrer strengen Lebenswelt, in der sie auf Sauberkeit, reizvolles Aussehen und sympathisch wirken, getrimmt werden. Sie finden als Reiterin einen natürlichen Lebensraum, ohne erzwungene Regeln unserer „modernen“ Gesellschaft.
Suizidversuche, manches Leid und psychische Spitaleinweisungen lassen sich vermeiden, wenn jedem Mädchen die Möglichkeit gegeben wird, seine persönlichen Neigungen und Fähigkeiten auf natürliche Art, ohne gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Druck, zu entwickeln.