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Informatik-Ingenieure haben im Moment gut lachen - Arbeit ist im Überfluss da. Wie sieht es aber in 20 Jahren aus, wenn die Schweiz endgültig zu einem reinen Banken- und Dienstleistungsland verkommen ist?
von Diego Künzi
Sollte es soweit kommen, würden die Firmen gar keine technischen Software-Ingenieure mehr benötigen - eine beachtliche Anzahl müsste über die Klinge springen. Der Ausscheider, engagiert in sozialen Fragen, hat nachgeforscht und Beschäftigungen gesucht, denen der Ingenieur nach seiner Kündigung nachgehen kann:
Der arbeitslose Informatik-Ingenieur wird...
... Politiker, weil er am Anfang eines Software-Projekts auch immer das Blaue vom Himmel verspricht, um dann die Anforderungen schrittweise zu reduzieren.
... Occasions-Auto-Verkäufer, weil er es immer wieder schafft, selbst das lausigste und fehlerhafteste Programm als Qualitätsprodukt an den Mann zu bringen.
... Orakel-Sprecher zu Delphi, weil er als Projektleiter nur sehr vage und schwammige Aussagen über den Verlauf eines Projekts machen kann.
... Vorsteher des EMD (Eidg. Militär Departement), weil er es als Projektleiter mühelos fertigbringt, das ohnehin schon überrissene Budget jährlich um 20 Prozent zu überschreiten.
... Theater-Schauspieler in Tragödien, weil er seinen Vorgesetzten zum Weinen bringt und ihn überzeugt, dass er zur Zeit hoffnungslos ausgelastet ist und unter keinen Umständen einen weiteren Auftrag annehmen kann.
... professioneller Pokerspieler, weil es ihm locker gelingt, in jeder Lage vor dem Bildschirm das typische unbewegliche Programmierer-Gesicht zu mimen, sei es bei einer Doom-Session oder beim Strip-Poker.
... Berufs-Freestyle-Kletterer, weil ihm, abgehärtet durch die Arbeit mit Windows, die gelegentlichen Abstürze nichts mehr anhaben können.
... Fernseh-Dauertester bei Grundig, weil das stundenlange regungslose Starren in eine Röhre zu seiner Hauptbeschäftigung gehört.
... Pianist in einer Freejazz-Band, weil er sowieso die meiste Zeit unkoordiniert und in einem schwindelerregenden Tempo auf die Tastatur einhämmert.
... Tisch-Härte-Tester beim Möbel Pfister, weil er bei seinen Wutausbrüchen, hervorgerufen durch unerwartete Compilerfehler, jedesmal mit der Faust auf den Tisch einschlägt (je nach Veranlagung auch Tastatur-, Maus- oder Bildschirm-Härte-Tester).
Falls selbst aus dieser umfangreichen Auswahl von Möglichkeiten keine neue Anstellung gefunden wird, bleibt immer noch ein letzter Weg offen, der jedoch nur in einer absoluten Notlage in Frage kommt:
Der arbeitslose Software-Ingenieur wird...
... Dozent an einer HTL,
... Abteilungsvorstand an einer HTL,
oder beides.