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Das im Jahre 1968 entwickelte Gamma-Knife ist ein Strahlentherapiegerät, das dank vieler technischer Weiterentwicklungen und vor allem durch die Kombination mit modernen Computern heute zu einem wirkungsvollen Bestrahlungsgerät geworden ist. Weltweit wurden bisher rund eine halbe Million Menschen mittels Gamma-Knife bestrahlt (bis zum Jahr 2000 rd. 20.000 Akustikusneurinome).
Das Gamma-Knife arbeitet mit natürlicher Gamma-Strahlung aus 201 kleinen Kobalt 60-Strahlungsquellen. Bewegliche Teile im Bereich der Quellen wurden bewusst vermieden. In einen grossen Stahlblock wurde hochpräzis ein Strahlenführungssystem aus 201 Strahlenkanälen gefräst. Das Strahlenführungssystem besteht aus einem Vorkollimator im Quellenbehälter und einem zweiten Kollimator an der Patientenliege. Letzterer ist wie ein Helm geformt. Beim Durchlaufen der Bohrungen werden die Strahlen parallelisiert (=kollimiert) und gebündelt.
Mit Hilfe eines Blendensystems wird aus jeder der 201 Quellen ein feiner Strahl geformt, der sich mit allen anderen Strahlen im Fokuspunkt überlagert. Damit trägt jeder einzelne Strahl mit 0,5% zur Gesamtdosis bei, die nötig ist, um den Krankheitsherd auszuschalten. Einzelne Strahlenpforten können durch Blenden verschlossen werden, so dass bestimmte Gewebestrukturen von der Bestrahlung ausgenommen werden können.
Die nadelförmigen Strahlen treffen sich mit einer Genauigkeit im
Zehntel-Millimeter-Bereich sternförmig in einem vorher berechneten Punkt, im
Akustikusneurinom.
Wegen der langen Halbwertszeit von Kobalt müssen die Dosen nur alle zwei Jahre geeicht werden.
Die radiochirurgische Behandlung mit dem Gamma-Knife wird
ambulant durchgeführt, in der Regel in einer Sitzung.
Als erster Behandlungsschritt wird ein stereotaktischer Rahmen mit vier kleinen Dornen am Kopf des Patienten befestigt. Das geschieht unter örtlicher Betäubung. Der Rahmen dient als Bezug für die exakte Lokalisierung des Krankheitsherdes mit Hilfe der bildgebenden Verfahren. Das ist erforderlich, um die hohe lokale Präzision am Kopf zu gewährleisten.
Lage und Form des Akustikusneurinoms sowie Einzelheiten der knöchernen Strukturen werden durch MRT- CT-Aufnahmen und DSA (digitale Subtraktionsangiografie) unmittelbar vor Beginn der Therapie ermittelt, um aktuelle Daten zu haben. Alle Daten werden durch eine Bearbeitungssoftware im Computer zu einem dreidimensionalem Patientenmodell und zu einem Bestrahlungsplan verdichtet.
Die Lokalisierung in den Bildern, d.h. die Berechnung ihrer Raumkoordinaten,
geschieht dabei mit Hilfe von Markierungen am stereotaktischen Rahmen.
Während der Bestrahlung liegt der Patient auf der Liege, der sogenannte Helm ist am Kopf befestigt und mit einem halbkugeligen Kollimator verbunden. Die Liege wird dann so in das Bestrahlungsgerät gefahren, dass die Bohrungen im Vorkollimator des Quellenbehälters mit den Bohrungen im Kollimator der Patientenliege übereinstimmen. Nach Öffnung der Quellenbehälter und der Blenden vor den Bohrungen kann die berechnete Strahlung durch die 201 Bohrungen der Kollimatoren in das berechnete Zielgebiet im Kopf des Patienten, in das Akustikusneurinom, treffen. Es wird dabei jeweils ein zuvor berechneter Punkt, genauer gesagt ein kleines kugeliges Volumen, für eine bestimmte Zeit bestrahlt. Im weiteren Verlauf wird ein kleines Kugelvolumen nach dem anderen, überlappend, im sog. Rasterverfahren bestrahlt, bis das gesamte Akustikusneurinom in seiner individuellen Form behandelt ist. Das geschieht üblicherweise bis zu 15 Mal, d.h. 15 Mal wird die Liege aus dem Gerät gefahren, der Strahlenmittelpunkt wird neu justiert, die Liege wird in das Gerät gefahren.
Die Bestrahlung ist völlig schmerzfrei, lautlos und dauert
ein bis zwei Stunden. Die Patienten werden dabei durch vier Kameras beobachtet
und können über eine Gegensprechanlage am Gerät ständig Kontakt zum Behandlungsteam
aufnehmen. Auf Wunsch können Sie während dieser Zeit Musik hören. Die
Behandlung kann jederzeit unterbrochen werden, um eine Pause einzulegen.
Nach der Behandlung werden der stereotaktische Rahmen sofort wieder abgenommen und die Befestigungsstellen mit einem Pflaster versorgt. Normalerweise können am übernächsten Tag die Haare wieder gewaschen werden und die Befestigungsstellen verheilen in der Regel ohne Spuren.
Der nicht entfernte, sondern «nur» inaktivierte Tumor muss
nach der Bestrahlung unter Beobachtung bleiben. Ausserdem ist zu ermitteln, ob
und welche Nebenwirkungen aufgetreten sind. Anhand neuer MRT-Aufnahmen wird das
Tumorvolumen genau ausgemessen. Wegen der langen Schrumpfungsdauer gutartiger
Tumore wie dem Akustikusneurinom werden Kontrollintervalle von anfangs wenigen
Wochen bis dann einem Jahr vereinbart. Das ist lebenslang erforderlich.
Neben MRT-Aufnahmen findet auch stets eine neurologische Untersuchung statt.
In Deutschland werden für privat krankenversicherte Patienten die Kosten der Gamma-Knife-Behandlung nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) berechnet und von privaten Krankenkassen erstattet.
Im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gibt es derzeit keine einheitliche Regelung. In den einzelnen Bundesländern und zwischen einzelnen Krankenkassen und einzelnen Gamma-Knife-Zentren gibt es verschiedene Regelungen. Auskünfte über den aktuellen Stand können sowohl die Krankenkassen als auch die Therapiezentren geben. Beispielweise hat das Gamma-Knife-Zentrum Krefeld bereits mit der DAK, der TK, der HMK und einigen Betriebskrankenkassen die Kostenübernahme durch diese Kassen vereinbart.
Daher müssen die Patienten die Kostenübernahme für eine ambulante
radiochirurgische Behandlung noch immer zunächst bei Ihrer Krankenversicherung
beantragen.
In Deutschland und Österreich haben nachfolgende Zentren Erfahrungen bei der Bestrahlung von Akustikusneurinomen:
Darüber hinaus werden Gamma-Knife Bestrahlungen in mehreren Universitätskliniken durchgeführt.