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Auch ein Jahr nach dem Pferdefleischskandal habe sich die Haltungsbedingungen der Schlachtpferde in Kanada nicht verbessert. „Wir haben erneut dort kontrolliert, wo die Pferdefleischproduktion stattfindet. Auf Auktionen, Transportern, Sammelstellen, Grenzübergängen und Schlachthöfen“, sagt York Ditfurth, Präsident des Tierschutzbundes Zürich. „Das Ergebnis ist unverändert inakzeptabel“. Nach wie vor werden Pferde vernachlässigt und nicht ausreichend versorgt. Laut Ditfurth beziehen Avec, Migros und Spar ihr Pferdefleisch ausschliesslich aus Kanada. Aldi und Denner lassen in Kanada und Uruguay Pferde schlachten. Denner hat bereits reagiert: Laut einer Mitteilung verkauft Denner vorerst kein Pferdefleisch mehr.
Die Tierschutz-Bund-Recherche wurde 2013/2014 in fünf Ländern durchgeführt. Als fünftes Land wurde Uruguay in die Prüfung aufgenommen, weil Denner seit Sommer 2013 und Aldi seit Anfang 2014 von dort zusätzlich Pferdefleisch beziehen. Das Ergebnis der TSB-Recherche zeigt, dass sich die Produktionsbedingungen nicht verändert haben. „Noch immer werden kranke, verletzte und schwache Tiere über Tage ohne jede Versorgung transportiert und bleiben in den Sammelstellen und Mastanlagen sich selbst überlassen“, berichtet TSB-Projektleiterin Sabrina Gurtner. „Eine medizinische Versorgung ist nicht einkalkuliert bei Pferden, die ab neun Dollar auf US-Auktionen an sogenannte Kill Buyer verkauft werden.“ Nach tagelangen Transporttorturen ohne jede Versorgung landen US-amerikanische Pferde entweder direkt im kanadischen Schlachthof Viande Richelieu (ALDI) oder in den Mastanlagen des Schlachthofes Bouvry Exports (AVEC, DENNER, MIGROS, SPAR) im kanadischen Fort Macleod. Geschwächt, verletzt oder krank werden sie in überfüllte Pferche entladen. Rangkämpfe, fehlende Rückzugsmöglichkeiten und nicht vorhandener Witterungsschutz setzen den Pferden weiter zu.
Der TSB hat die Detailhändler ALDI, AVEC, DENNER und SPAR erneut gefragt, wie die Lebens-, Transport- und Schlachtbedingungen in den Herkunftsländern sind. „Die Pferde würden artgerecht aufgezogen, schonend transportiert und nach EU- Standards betäubt, getötet und geschlachtet werden“, fasst Sabrina Gurtner die Antworten der Detailhändler zusammen. Was das TSB-Team vor Ort findet, sind unhaltbare Zustände: „Im Prime Feedlot, der grössten Pferdemastanlage von Bouvry, findet unser Team eine tote Stute mit ihrem toten Fohlen. Der Verwesungszustand zeigt, dass sie seit mindestens vier Tagen dort liegen. Ein klarer Beleg dafür, dass seit Tagen nicht mehr kontrolliert wurde und keine medizinische Hilfe geleistet wurde“, kritisiert Sabrina Gurtner. „Aus diesem Pferch importiert die Schweizer Importfirma Skin Packing ihr Fleisch u.a. für die MIGROS und SPAR.“
Der TSB Zürich fordert ALDI, AVEC, DENNER, MIGROS und SPAR auf, den Import von Pferdefleisch aus Qualproduktion zu stoppen. „Wer in anderen Ländern Pferdefleisch produzieren lässt, muss sicherstellen, dass die Produktion nach EU- und Schweizer Standards durchgeführt wird. Wenn das nicht möglich ist, muss der Import gestoppt werden“, so York Ditfurth. „Die Tierschutzgesetzgebung in Kanada und den USA unterscheidet sich von der Schweizer Tierschutzgesetzgebung eklatant. Die rechtliche Einflussnahme auf die Produktionsländer in Übersee ist unrealistisch, deshalb sollten die Schweizer Detailhändler entweder ganz auf Pferdefleisch verzichten wie VOLG und LIDL oder aber auf einen europäischen Liefe- ranten ausweichen wie COOP“, schlägt der TSB vor.
Der Film zur Recherche auf Youtube:
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Anmerkung: Der Discounter Denner hat den Verkauf von Pferdefleisch suspendiert. Die Massnahme wird voraussichtlich bis im Sommer aufrechterhalten. Bevor wieder Pferdefleisch verkauft wird, will Denner die Einrichtung neuer Standarts und Zertifizierungen abwarten. Dies sagte eine Dennersprecherin heute in der Westschweizer Tageszeitung „Le Matin“.
Infos: tierschutzbund-zuerich.ch