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Alle halten zusammen und tanzen
Die grössten aller Feste sind die Panigyria, an welchen jedes Dorf einmal im Jahr seinen Schutzheiligen feiert.
„Gläubige strötmen am Vortag aus allen umliegenden, ja sogar aus den weit entlegenen Dörfern zur Kirche in die Abendmesse. Man kam zu Fuss, barfuss, manche waren Stunden unterwegs. Die guten Schuhe trug man in der Hand, damit sie durch den steinigen Weg nicht ruiniert würden, man wusch sich dann am Brunnen angekommen (Katharsi) und zog die Schuhe erst vor der Kirche an. Alle, auch die Popen der anderen Gemeinden, fanden sich ein zur gemeinsamen Messe und anschliessenden Nachtwache. Anderntags, am eigentlichen Namenstag des Schutzheiligen, wurde morgens die Liturgie zelebriert. Danach begann das Fest. Die Musiker begannen mit den so genannten ,,Europäischen“ Tänzen, wie Walz, Tango und Fox Anglais. Danach folgten die Inseltänze wie Syrtos, Balos, Kalamatianos und Sousta. Und dann wurde der Ikariotiko angespielt. Der Ikariotiko konnte bis zu einer Stunde dauern, bis die Menschen in Trance waren.“
Besitz, Arbeitsteilung und Tauschhandel
In Ikaria besassen immer alle mehr oder weniger gleich viel. Es gab keine Grossgrundbesitzer. Jeder hatte seinen Hof und sein ererbtes Land und aus diesem Grund gab es auch keine Fremdarbeiter oder keine Mitgift bei der Heirat. Wenn jemand Unterstützung brauchte, beispielsweise um ein Haus zu bauen, Terrassen zu mauern oder eine Ernte einzubringen, rief er seine Verwandten und Nachbarn, welchen er dann wiederum bei Bedarf den Gefallen durch eigene Arbeitsleistung zurückzahlte. Diese Art von Arbeitsteilung nannte man „Allaksa“ – Austausch seit alter Zeit. Selten benutzte man Geld in Ikaria, da alle Schulden durch Lebensmittel, Gebrauchsgegenstände oder Arbeitsstunden beglichen werden konnten.
Foto: Archiv von Christos Malachias
Ab 1960 bis heute
In den 70er Jahren, der Zeit der grossen Armut, wandelten sich die alten Kirchenverwaltungen in Dorfinteressengemeinschaften, um die bitterarmen kleinen Gemeinden zu unterstützen. Sie versammelten alle ihre Verwandten und Bekannten und verwandelten die Dorffeste (Panigyria) von einfachen Kirchenfesten in eine Möglichkeit der finanziellen Unterstützung der Dorfgemeinschaft.
Zum ersten mal bezahlten die Besucher (diejenigen die konnten) an den Panigyria mit Geld. Die Einnahmen wurden dann zu einem gemeinnützigen Zweck verwendet – Strassennetz, Wasserversorgung, Dorfplätze, Häfen, all dies sind Errungenschaften aus den gesammelten Mitteln und der freiwilligen Arbeit der Einwohner.
So wird es auch heute noch gehalten. Die Panigyris dienen der Dorfgemeinschaft und alle helfen freiwillig mit. Sogar die Schutzheiligen des jeweiligen Dorfes unterstützen durch ihr grosszügiges Dulden, dass ihr Namenstag, und somit das Fest, aus finanztechnischen Gründen in die Sommermonate, der Zeit der vielen Besucher, verlegt wird, und dadurch der kleinen Gemeinde grössere Gewinne zu teil werden. Die Tavernen des Dorfes schliessen am Festtag aus Solidarität zum Fest. Das Essen und der Wein werden schliesslich für einen guten Zweck verkauft, das unterstützt die Dorfkasse, das gilt für alle gleichermaßen, Einheimische wie Touristen!
Besonders aktuell wieder seit Beginn der Wirtschaftskrise 2009. Vom Staat ist ja keine Unterstützung zu erwarten. Alle halten zusammen und tanzen. Eindrücklich ist, dass sich die Lust und Lebensfreude der Ikarioten unverändert an den Tanzfesten manifestiert.
Diese wiederum spiegeln eine lokale Zivilisation, welche durch die Jahrhunderte ein starkes soziales Netzwerk entwickelt hat, dessen Grundstein auf dem Gemeinbewusstsein, der alternativen Sozialökonomie und der antikonsumhaltigen Lebensweise basiert.
Ich freu mich auf deinen Kommentar!
Warst du auch schon an einem griechischen Fest und hast fansziniert die ausgelassen tanzende Menge bewundert? Schreib uns deine Erfahrungen in den Kommentaren…