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Beantwortet von: Katja Gmünder, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, von der Kinder- und Jugendpraxis Emme in Burgdorf
Den richtigen Umgang mit Menschen zu finden, die ein zu kleines Selbstwertgefühl haben ist nicht ganz einfach. Dass sie über ein zu kleines Selbstwertgefühl verfügen, zeigt sich oft an sich entwerteten Äusserungen wie beispielsweise „ich kann das eh nicht“, ich bin zu blöd, ungeschickt etc. dafür“, „andere können das besser als ich“ oder darin, dass diese Personen sich vieles nicht zutrauen, beispielsweise vor anderen Menschen zu sprechen. Meist wollen sie auch auf keinen Fall auffallen. Solchen Menschen ist dabei manchmal selbst gar nicht bewusst, dass sie über ein zu geringes Selbstwertgefühl verfügen. Ein erster Schritt kann also sein, durch wiederholtes, gezieltes Nachfragen oder entsprechende Äusserungen die Person überhaupt erst darauf aufmerksam zu machen, dass sie über ein kleines Selbstbewusstsein verfügt, beispielsweise „wieso meinst du, dass du das nicht kannst, hast du es schon einmal versucht?“ oder „wieso denkst du so negativ von dir?“ Durch Äusserungen wie diese regt man das Gegenüber dazu an, über sich und die eigenen Fähigkeiten nachzudenken, im Idealfall setzt dies einen selbstwertstärkenden Prozess in Gang. Es kann auch hilfreich sein, solche Menschen mit der Realität zu konfrontieren, ihnen beispielweise aufzuzeigen, dass ihre Umgebung durchaus positiv auf sie reagiert, z.B. „es haben sich doch alle darüber gefreut, dass du zur Party erschienen bist“ oder „hast du gesehen, wie dieser Mann dich angelächelt hat“.
Lob ist natürlich an sich eine positive Sache, gerade Kinder brauchen beim Aufwachsen immer wieder positive Verstärkung oder Anerkennung für „Geleistetes“. Forschungsergebnisse zeigen allerdings, dass eine Person, die selbst ein negatives Selbstbild hat, also schlecht über sich denkt besser mit Informationen umgehen kann, die ihrem (negativen) Selbstbild entsprechen als mit gegenteiligen, d.h. also besser mit negativen Rückmeldungen als mit positiven. Vereinfacht gesagt, wer ein schlechtes Bild von sich hat, hat Mühe, Lob anzunehmen, er kann es nicht in sein Selbstkonzept integrieren. Eine solche Person wird Mühe haben, der lobenden Person überhaupt zu glauben. Lobt man die Person für aus ihrer Sicht selbstverständliche Dinge, kann es gar die gegenteilige Wirkung haben, dass die Person sich entwertet fühlt. Trotzdem kann es hin und wieder sinnvoll sein, die Person für ihre Vorzüge zu loben, wobei das Lob jedoch stets ehrlich gemeint sein, eher sparsam eingesetzt werden und nicht zu plump daher kommen sollte.