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Carmelo Bene - Nostra Signora dei Turchi
110 Nostra Signora dei Turchi, Carmelo Bene, IT 1968, 35mm, 141:42 min
Sonntag, 25. Mai 2014, 20:15h, Festivalkino Cinema Z3
In Zusammenarbeit mit Centro Sperimentale di Cinematografia - Cineteca Nazionale di Roma.
Carmelo Bene ist nicht nur einer der Väter des experimentellen Theaters in Italien, sondern auch einer der originellsten Underground-Regisseure. Nach seinem Einstand als Schauspieler in Pasolinis Edipo Re (1967), produzierte Bene verschiedene skandalöse Filme, die visionär-obszön mit der Sprache der klassischen Tragödie von der Endlichkeit des modernen Menschen erzählen. Nostra Signora dei Turchi ist ein Klassiker des absurden Films, ein phantasmagorisches Kaleidoskop aus Klang und Farbe. Der Film entstand nach einem Roman von Bene selbst, inspiriert von seinen Kindheitserinnerungen an die Hafenstadt Otranto auf der Apenninen-Halbinsel. Der Film, in dem Bene gleichzeitig als Regisseur und Hauptdarsteller-Autor fungiert, schildert ein Ereignis im August 1480, als eine osmanische Flotte die Stadt Otranto einnahm und 800 Einwohner_innen mordete. Es ist eine irre Szenenfolge aus radikal variierenden Schnittrythmen und trickreichen Einstellungen, symbolisch aufgeladenen Handlungen, surrealen Fantasmen, Sakrilegen, albtraumhaften Visionen, provokanten Reizen, manchmal realistisch, dann plötzlich absurd, überspitzt und voller blühendem Blödsinn. Wer bereit ist, der rauschhaften-delirierenden Filmkunst zu folgen, wird mit einmaligem Genuss belohnt.
Der Film wird in der langen Version gezeigt, die kürzlich von der Cineteca Nazionale aus den Original-Negativen restauriert wurde. Sie geht einer kürzeren Version voran, die 1968 an der Mostra Internazionale del Cinema di Venezia eingereicht wurde.
(Über die Ziele der von Sultan Mehmed II. initiierten Expedition auf das italienische Festland wird heute spekuliert. Möglicherweise steht sie im Kontakt der andauernden Auseinandersetzungen zwischen dem Osmanischen Reich und der Republik Venedig. Eine andere mögliche Erklärung ist, dass das Osmanische Reich einen Hilferuf des von den spanischen Königreichen Kastilien und Aragon angegriffenen Emirats von Granada erhalten hatte und daher lediglich einen Ablenkungsangriff auf die spanischen Besitzungen in Süditalien führte.)
Founder of one of Italy’s most famous experimental theatres, poet, actor, author, playwright, and leading avant-gardist, Carmelo Bene is an unknown genius of contemporary cinema. Bene’s films are visual, lyrical and auditory cataclysms, whose lava-like outpourings are of unequalled hallucinatory perversity. Their visual density and creative exuberance defy description. (Amos Vogel)