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Álvaro Palacios, als Winzerkind in fünfter Generation in Alfaro auf dem Rioja-Weingut Palacios Remondo der Familie aufgewachsen, studierte in Bordeaux Önologie und machte in seinen Lehr- und Wanderjahren in Frankreich auch ein Praktikum auf Château Pétrus, das damals von Christian Moueix geleitet wurde. Anschliessend bildete er sich in Kalifornien weiter, auf Stag’s Leap im Napa Valley.
1989 kehrte er nach Spanien zurück, nicht in den elterlichen Betrieb, zu unterschiedlich waren die eigenen Ansichten verglichen mit jenen des Vaters. Álvaro Palacios ging ins damals ziemlich unbekannte, verschlafene Priorat. Nach Gratallops. Dort wurde er als Jüngster Teil einer wilden, ambitionierten Winzertruppe um René Barbier, José Luis Pérez, Carles Pastrana und Daphne Glorian, die den Weinbau im Priorat revolutionieren, die gemeinsam die kleine Region im bergigen Hinterland auf die Weltkarte des Weins bringen sollten. Palacios hatte damals den Übernamen Dofi bekommen, was auf Katalanisch so viel wie Delphin heisst. Und so kam sein erster Wein zu seinem Namen: Clos Dofi (heute: Finca Dofi).
Das Konzept der jungen Priorat-Winzer war bestechend einfach: erstens Weingärten mit uralten Garnacha-Reben zu finden, zweitens diese mit jungen Cabernet-Sauvignon-Reben zu cuvetieren und drittens in neuen kleinen französischen Barriques auszubauen. Das sorgte vor allem in den USA und den dortigen Medien für viel Wirbel und hohe Bewertungen. Ein Durchbruch, der den grossen internationalen Erfolg brachte.
Als der Vater, José Palacios Remondo, mit 78 starb und Álvaro Palacios als siebtes von neun Kindern im Jahr 2000 neben den Betrieben in Bierzo und im Priorat das elterliche Weingut in der Rioja Baja mit 150 Hektaren übernahm, veränderte sich sein ganzes Leben.
Auf das erste Label, den Clos Dofi aus einem 10-Hektaren-Weinberg, folgte bald der Basiswein Les Terrasses (144 000 Flaschen). Und sein Topwein L’Ermita (1440 Flaschen), dessen Trauben von einer steilen 5-Hektaren- Parzelle stammen; erster Jahrgang war der 1993er, mit Jahrgang 2017 wurde der Ermita als Gran Vinya Classificada qualifiziert, was einem Grand Cru entspricht. Eine Premiere.
Die Weiterentwicklung kam mit den Jahren, der Erfahrung und neuen Erkenntnissen. In Álvaro Palacios Priorat-Weinen findet sich heute kein Cabernet Sauvignon mehr; Garnacha ist die tragende Sorte, als Partner fungieren heute Cariñena bzw. minimale Anteile weisser Rebsorten wie Garnacha blanca, Macabeo oder Pedro Ximénez. Wert legt Palacios nach wie vor auf alte Reben. Beim Ausbau wurde zudem der Neuholzanteil bei den Barriques verringert, es werden auch grössere Holzfässer verwendet. Eine Vergärung mit den eigenen Hefen bzw. längere Mazerationszeiten sind für Álvaro Palacios ebenfalls wichtig geworden. Untermauert werden solche Weiterentwicklungen mit Sätzen wie «Säure ist die Schönheit des Garnacha».
Entstanden sind 2007 zwei weitere neue Weine, der preiswerte Camins del Priorat (240 000 Flaschen) und der Village-Wein namens Gratallops Vi de Vila (10 000 Flaschen). Jüngste Priorat-Innovation von Palacios ist ein Lagenwein namens Les Aubaguetes, der mit Jahrgang 2015 erstmals abgefüllt worden ist und zu zwei Dritteln aus Garnacha und einem Drittel Cariñena von sehr alten Reben besteht.
«Mit drei Weingütern in drei verschiedenen Weinregionen ist man dauernd unterwegs. In der Erntezeit fahre ich jede Woche 1800 Kilometer»
Álvaro Palacios
1999 stürzte sich Álvaro Palacios in ein weiteres Weinabenteuer, mit seinem Neffen Ricardo Pérez Palacios. In Corullón in der Region Bierzo gründete er mit ihm das Weingut Descendientes de J. Palacios (das J steht für José, den Vater resp. Grossvater). Im kühlen und feuchten Klima der lange etwas unterschätzten Weinregion im Nordwesten Spaniens ist seit Jahrhunderten die Rebsorte Mencía heimisch, eine mit dem Cabernet franc verwandte Traube. Inzwischen bearbeiten die beiden 40 Hektaren Reben verteilt auf über 60 Parzellen in teils extrem unwegsamem Gelände, das mit Pferden und Mauleseln anstelle von Traktoren gepflegt werden muss. Zur Palette des Weingutes gehören ein sehr erfolgreicher, regionaler Wein für Einsteiger, der Pétalos (350000 Flaschen), sowie der Village-Wein Villa de Corullón (17000 Flaschen). Aus Trauben von alten Reben entstehen zudem Lagenweine von kleinen Parzellen wie Moncerbal, Las Lamas und der, ähnlich dem L’Ermita, nur in extrem limitierter Zahl erhältliche La Faraona (600 Flaschen).
Im Jahr 2000 starb der Vater, José Palacios Remondo, und Álvaro Palacios kehrte nach Hause zurück und übernahm zusätzlich das elterliche Weingut in der Rioja Baja mit 150 Hektaren westlich von Alfaro. Auch in dieser für Tempranillo bekannten Region setzte Álvaro Palacios auf Garnacha und auf alte Reben. Seiner Meinung nach ist das Klima in Haro in der Rioja Alta besser für Tempranillo geeignet, deshalb wurden fast alle der alten Weingärten auf Garnacha umgepfropft.
Palacios’ Rioja-Weine überzeugen mit einem hervorragenden Preis-Genuss-Verhältnis in Kombination mit einer stattlichen Produktionsmenge. Mit Jahrgang 2014 debütierte sein Spitzen-Rioja namens Quiñón de Valmira, ein Einzellagen-Wein, dessen äusserst limitierte Produktionsmenge sich auch preislich niederschlägt.
Álvaro Palacios bewirtschaftet die Weingärten in allen drei Regionen biologisch oder biodynamisch. Obwohl er seinerzeit in Bordeaux lernte, setzte sich bei seinen Weingütern eine Klassifikationspyramide ähnlich jener im Burgund durch, mit Gebiets-, Orts- und Lagenweinen. Allen gemein ist, dass das jeweilige Terroir in seiner feinsten Art und Weise in die Flasche gebracht werden soll.
Der Jahrgang 2018 war für Álvaro Palacios in allen drei Regionen schlichtweg spektakulär. Nach den äusserst trockenen letzten Jahren war der Winterregen höchst willkommen.
Im Priorat ist so viel Regen unüblich, vor allem bis in den Mai hinein. Die Trauben konnten aber unter perfekten Bedingungen geerntet werden und überzeugen mit ihrer Frische und Energie.
«Der Jahrgang 2018 war in allen drei Regionen, Priorat, Bierzo und Rioja, schlichtweg spektakulär»
Álvaro Palacios
In Alfaro in der Rioja Baja gab es im Frühjahr 35 Prozent mehr Regen als normalerweise, was zu einem erhöhten Mehltaudruck führte, vor allem in den biologisch bewirtschafteten Weingärten. Im Sommer setzte dann eine Hitzewelle ein, aber rechtzeitig zur Ernte normalisierten sich die Temperaturen, es regnete auch ein bisschen. Letztlich konnte eine sowohl quantitativ als auch qualitativ gute Ernte eingebracht werden.
In Corullón in Bierzo war 2018 das erste normale Jahr seit 2013. Heftige Regenfälle im Frühjahr erforderten auch hier viel Arbeit in den biologisch bewirtschafteten Weinbergen. Juli und August waren dann komplett trocken, und die Ernte konnte unter guten Bedingungen eingebracht werden. Was laut Álvaro Palacios zu einem «exzeptionellen Bierzo-Jahrgang» führte.