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Die Bundesratswahlen haben eine unerwartete Wendung genommen: Dem umstrittenen Justizminister Christoph Blocher verweigerte das Parlament die Wiederwahl. An Stelle von Blocher wurde die Bündner SVP-Regierungsrätin Eveline Widmer-Schlumpf in den Bundesrat gewählt. Ob sie die Wahl annimmt, bleibt offen.
Die Diskussion um die Wiederwahl von Christoph Blocher hat die Bundesratswahl bis zum letzten Moment geprägt – und für Überraschungen gesorgt: Das Parlament hat am Mittwoch die Bündner Regierungsrätin der Schweizerischen Volkspartei (SVP), Eveline Widmer-Schlumpf, an Stelle von Christoph Blocher in den Bundesrat gewählt.
Bei einem absoluten Mehr von 122 Stimmen erhielt die fast über Nacht ins Rennen geschickte Widmer-Schlumpf im zweiten Wahlgang 125 Stimmen, während SVP-Bundesrat Blocher mit 115 Stimmen geschlagen blieb.
Die Tochter des früheren Bundesrates Leon Schlumpf war von der Sozialdemokratischen Partei (SP), der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP) und den Grünen kurzfristig lanciert worden. Offiziell wurde ihre Kandidatur in der Vereinigten Bundesversammlung am Mittwoch nicht mitgeteilt.
Warten auf Widmer-Schlumpf
Offen bleibt zunächst, ob die Bündnerin die Wahl annehmen wird. Widmer-Schlumpf liess sich einen Tag Bedenkzeit geben, ob sie die Wahl annimmt. Ihren Entscheid wird sie am Donnerstag, den 13. Dezember um 8 Uhr der Vereinigten Bundesversammlung bekannt geben.
Der vor vier Jahren in die Regierung eingezogene Bundesrat Blocher ist damit noch nicht definitiv abgewählt.
Eveline Widmer-Schlumpf
Widmer-Schlumpf ist die Tochter des ehemaligen Bundesrates Leon Schlumpf. Sie wuchs in Felsberg auf, wo sie noch heute wohnt, und besuchte das Gymnasium in Chur, das sie 1976 mit der Matura Typus B abschloss. Anschliessend studierte sie an der Universität Zürich Rechtswissenschaften und legte 1981 das Lizentiat ab. Es folgte 1983 das Bündner Anwaltspatent, 1986 das Bündner Notariatspatent und 1990 das Doktorat. Von 1987 bis 1998 arbeitete Widmer-Schlumpf als Rechtsanwältin und Notarin.
1985 wurde Widmer-Schlumpf ins Kreisgericht Trins gewählt; von 1991 bis 1997 präsidierte sie den Kreis. Von 1994 bis 1998 gehörte sie dem Bündner Grossen Rat an. Am 15. März 1998 wurde sie als erste Frau zur Regierungsrätin des Kantons Graubünden gewählt, es folgte die Berufung zur Vorsteherin des Finanz- und Militärdepartements und 2001 und 2005 jeweils die Regierungspräsidentschaft.
via SwissInfo