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| Gregor v. Nazianz († 390) - Reden

XVIII. Rede
8.
Das Weib, welches dem Adam zur Unterstützung gegeben worden war, weil es nicht gut war, daß der Mensch allein blieb, wurde ihm keine Gehilfin, sondern [S. 358] eine Feindin, keine Genossin, sondern eine Gegnerin. Durch Sinnlichkeit hatte sie ihren Mann verführt und durch den Baum der Erkenntnis hatte sie ihn um den Baum des Lebens gebracht. Meinem Vater aber war das Weib, das ihm Gott geschenkt hatte, nicht nur eine Gehilfin, was noch nichts Besonderes wäre, sie wurde ihm auch eine Führerin, die ihn durch Wort und Tat persönlich zum besten geleitete. Sie hielt es für das beste, sich dem Gesetze der Ehe zu fügen und sich darum dem Manne unterzuordnen, doch schämte sie sich nicht, sich als Lehrerin in religiösen Fragen anzubieten. Seine Frau verdient es, daß man sie deswegen bewundert, noch größere Bewunderung aber gebührt ihrem Manne, weil er ihr gerne nachgab. Im Gegensatz zu anderen Frauen, welche sich auf ihre natürliche oder gekünstelte Schönheit viel einbilden, kannte sie nur eine einzige Schönheit, nämlich die der Seele und des göttlichen Ebenbildes, das sie entweder bewahrte oder nach Kräften wieder reinmachte. Künstlich aufgetragene Schönheit überließ sie den Schauspielerinnen. Wahre Vornehmheit sah sie nur im frommen Leben und in der Erkenntnis unseres Ursprunges und unseres Zieles. Das Almosen für Gott und an die Armen, vor allem an unglückliche Verwandte, hielt sie allein für sicheren, unentwendbaren Reichtum. Ihnen nur das Notdürftigste zu bieten, erschien ihr nicht als Linderung der Not, sondern als Erinnerung daran; nur durch freigebiges Spenden glaubte sie ihre Ehre zu retten und andere vollständig zu trösten. Während die einen Frauen sich durch Sinn für häuslichen Wohlstand, andere durch Frömmigkeit auszeichnen ― zu Wohlstand und Frömmigkeit zugleich zu gelangen ist nämlich schwer ―, hat sie alle Frauen in beiden Beziehungen übertroffen. Nicht nur erreichte sie in beider Hinsicht das Höchste, sie allein hat es auch verstanden, beides zu einen. Den Wohlstand ihres Hauses erhöhte sie gemäß den von Salomo für die starke Frau gegebenen Anleitungen und Bestimmungen durch ihre Sorgfalt und Umsicht in einer Weise, als hätte sie von Frömmigkeit nichts gewußt; Gott und dem göttlichen Leben widmete sie sich in einer Weise, als wenn sie sich um das Familienleben [S. 359] gar nicht gekümmert hätte. Der weltliche Dienst war ihr kein Hindernis für den göttlichen Dienst; vielmehr forderte der eine den anderen.