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Baden-Württemberg - Kultur
«Elefanten»-Übersetzerin Swetlana Geier gestorben
Sie starb im 87. Altersjahr in ihrem Heim bei Freiburg im Breisgau
Von Redaktion
Swetlana Geier mit Dieter Forte am 14. Juni 2005 im «Schmiedenhof» in Basel fotografiert von J.-P. Lienhard, Basel © 2010
Die Übersetzerin der grossen russischen Dichter, Swetlana Geier, starb am Sonntagabend, 7. November 2010, wie der S. Fischer Verlag mitteilte. Sie wurde 1923 als Tochter russischer Eltern als Swetlana Michailowna Iwanowa in Kiew geboren und übersetzte nebst Tolstoi, Bulgakow und Solschenizyn vor allem die von ihr so genannten «Elefanten», die fünf grossen Romane von Dostojewski. Vor etwas mehr als einem Jahr drehte Vadim Jendreyko über sie einen viel beachteten Dokumentarfilm mit dem Titel «Die Frau mit den fünf Elefanten».
Die «fünf Elefanten» werden Dostojewski umfangreiche Romane «Der Idiot», «Böse Geister», «Ein grüner Junge», «Die Brüder Karamasow» sowie «Verbrechen und Strafe», geheissen. Letzterer ist im deutschen Sprachraum wohl bekannter unter dem Titel «Schuld und Sühne», was Swetlana Geier jedoch präziser in «Verbrechen und Strafe» aus dem Russischen übersetzte. Ebenso interpretierte sie «Die Dämonen» um in «Böse Geister»; «Der Jüngling» wurde «Ein grüner Junge». Solche Finessen der sprachlichen Treffsicherheit waren die Spezialität der 87-jährig verstorbenen Literatur-Übersetzerin. Ihre Arbeit wurde berühmt und begehrt, weil sie versuchte den Rhythmus in der russischen Sprache so zu bewahren, wie er in Dostojewskis Dichtungen den «Ton» angibt.
Swetlana Geier lebte seit 1944 in der Nähe von Freiburg im Breisgau und war Hochschuldozentin an den Universitäten von Freiburg i.Br und Karlsruhe sowie von Witten-Herdecke in Nordrhein-Westfalen. Für ihre Übersetzungen beschäftigte sie eine Sekretärin, der sie ihre Interpretationen während eines stets gleichablaufenden Arbeits-Rituals diktierte. Sie konnte sich für ihre Übersetzungen viel Zeit nehmen, da sie aufgrund ihrer Dozententätigkeit nicht auf die Einnahmen aus der Übersetzerinnen-Tätigkeit angewiesen war.
Sie und ihre Mutter galten bei den Russen als Kollaborateurinnen, weshalb sie nach ihrer Flucht aus Russland in Dortmund in Lagerhaft genommen wurden, wo sie aber mithilfe von Freunden nach wenigen Monaten entkommen konnten. Nach ihrer Heirat nahm Swetlana den Namen Geier an und gebar zwei Kinder. Sie lebte bis zu ihrem Tod am Sonntag, 7. November 2010, im Freiburger Vorort Günterstal in Baden-Württemberg.
Von Redaktion