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Über den Ursprung des Seebacher Weinbaus können derzeit nur Vermutungen angestellt werden. Ernst Benninger als profunder Kenner des Seebacher Bauerntums, wozu auch die Weinbauern gehören, sagte der OGS einmal, dass die frühesten Anfänge des Weinbaus in Seebach nicht vor 1100 oder 1200 anzusetzen sind. Da Seebach seit etwa dem Jahr 550 v. Chr. ununterbrochen besiedelt ist, kämen rein rechnerisch schon die Kelten als erste sesshafte Seebacher für den Weinbau in Frage, denn man weiss heute, dass diese den Weinbau kannten und im Wallis schon um 700 v. Chr. Wein anbauten. Diese Vorstellung kann man aber im Falle Seebachs vergessen. Nicht nur haben wir hier durchschnittlich etwa 2-3° kühleres Wetter als im Wallis, sondern die kleinklimatischen Verhältnisse sind ebenfalls schlechter, womit speziell die hier im Winter vorherrschenden Bisenlagen gemeint sind.
Die damaligen Weinstöcke hätten unsere winterlichen Dauerbisenlagen und die gelegentlich viel kälteren Winter nie überstanden. Ausserdem war früher die Gegend entweder sumpfig oder bewaldet, speziell die Südhanglagen. Die Bevölkerung Seebachs war sowohl unter den Kelten, den Römern, den Gallorömern und den ersten Alemannen stets so klein, dass diese sicher nicht auch noch die Musse gehabt hätten, Weinbau zu betreiben. Diese waren bereits mit der damaligen Lebensweise hart an der Grenze des Zumutbaren. Es ist zwar bekannt, dass die hiesigen Kelten den Wein der Römer sehr gerne mochten und auch bereit waren, viel für ein Fass voll Reben zu bezahlen, wenn es denn einmal den Weg nach Seebach fand. Doch an einen eigenen Anbau war kaum zu denken. Die Kenntnisse über Weinbau waren bei den Kelten sehr lokal und beschränkten sich auf wärmere Gegenden. Die La-Tène-Zeit (450 bis 50 v. Chr.) zeichnete sich durch eine Abkühlung aus und der Weinbau ging auch im Wallis zurück.
Als die Römer unsere Gegend in Besitz nahmen (15 v. Chr.), haben auch sie ziemlich sicher auf den Weinanbau verzichtet, da die Abkühlung des Klimas gar keinen Weinbau zuliess. Auch hier gilt wiederum die Ausnahme ganz speziell geeigneter Gegenden anderswo in der Schweiz. Sie liessen sich daher den Rebensaft aus Italien heran karren und konnten sich das offenbar leisten. Dies ist gesichert aus römischen Streufunden in Seebach. Da es aber nur relativ wenige Römer gab, welche hier lebten, hielt sich deren Bedarf in Grenzen.
Die während der römischen Besatzungszeit zumindest sprachlich und kulturell zu Gallorömern gewordenen Kelten, welche nach dem Abzug der Römer um 402 wieder die Macht in die eigenen Hände nahmen, waren nicht so zahlreich. Die Besiedlung unserer Gegend war so dünn und die Lebensweise der Bewohner so einfach, dass sie nicht einmal nennenswerte Spuren hinterliessen. Dies verleitete manchen Historiker dazu, anzunehmen, unsere Gegend sei nach dem Abzug der Römer unbewohnt geblieben. In Wirklichkeit war sie aber ganz dünn besiedelt und die wenigen Bewohner lebten in einfachsten Verhältnissen.
Auch die seit etwa 800 n. Chr. nach Seebach zugewanderten Alemannen, welche sich mit den wenigen Gallorömern mischten, hatten nach ihrer Wanderung andere Sorgen als den Weinbau. Sie benötigten ein paar Jahrhunderte, um die vorherrschenden Wälder auszulichten, ihre Behausungen zu bauen und die gesellschaftlichen Strukturen wieder aufzubauen, welche sie vor ihrer Wanderung in den Süden pflegten. Erst deutlich nach dem Jahr 1000 dürften die ersten Weinbauern in Seebach aufgetaucht sein, denn das Klima hatte sich wieder zum Besseren gewendet. Denkbar ist auch, dass sich ein paar Seebacher Bauern von anderswo dazu inspirieren liessen. Für Höngg ist beispielsweise der älteste urkundliche Hinweis auf Weinbau auf die Zeit um 1200 anzusetzen. Und das könnte dann auch das Startjahr für den Seebacher Weinbau gewesen sein. Dies stimmt auch mit den Vermutungen von Ernst Benninger bestens überein.
Das recht warme Klima zwischen 1200 und 1500 ist neben den paar idealen Sonnenhänge für Seebach und den überlieferten Angaben zur Köschenrüti das einzige Indiz für einen frühen Weinbau. Der Weinbau hatte in Seebach aber nie eine grosse Rolle gespielt. Ganz konkrete schriftliche Hinweise auf Weinbau finden sich in Seebach erst relativ spät. Der OGS liegt die Kopie eines von Hand gefertigten Gemeindeplans von Seebach vor, welcher von 1844 stammt, welcher die Käshaldenreben deutlich darstellt. Eine noch ältere Darstellung der Käshaldenreben findet sich auf der Kantonskarte von Gyger aus dem Jahr 1667. In einem Schuldbrief von 1671 (StAZ B XI, S.80) wird erwähnt, dass die Köschenrüti "5 Jucharten Räben" umfasse. Leider war die Jucharte kein exaktes Flächenmass und schwankte von 1 bis zu über 60 Aren. In unserer Gegend ging man von etwa 37 Aren aus, was 1.85 Hektaren ergäbe, also nicht besonders viel.
Spekulationen, dass in Seebach durchgehend seit der römischen Besetzung Wein angebaut wurde, gehören wohl eher ins Reich der Fantasie. Gesamtschweizerisch und bezogen auf das heutige Gebiet der Schweiz ist die Annahme aber richtig, betraf damals aber mehr das Welschland, das Mittelwallis, Südbünden und das Tessin, wo man seit der Keltenzeit Wein anbaute. Es waren dann aber die Römer, welche den Weinanbau in der Schweiz weiter förderten, aber eben nicht in Seebach. Hier gilt das weiter oben Gesagte: Vermutlich seit dem Jahr 1100 bis 1200, gesichert seit dem Jahr 1300.
Zur Zeit ist die OGS daran, die verschiedenen Namen der Seebacher Weine, mit welchen die Flaschen beschriftet wurden, ausfindig zu machen. Dafür müssen viele hundert Seiten Text durchforstet werden. Gesichert ist bisher, dass in Seebach die Rebsorte Räuschling, Elbling, Gewürztraminer (bis 1916) und Gutedel (um 1940-65) angepflanzt wurde. Beim Gewürztraminer ist es sogar nur eine Sage.
Die Seebacher Weinberge im Einzelnen
Asphölzli
Das Asphölzli ist die Fortsetzung der Käshalden. Obwohl der Flurname auf einen Wald hindeutet, ist damit aber der ganze längst gerodete Abhang gemeint, welcher noch 1850 (siehe Wildkarte 1950) fast vollständig mit Reben bepflanzt war. Zur Zeit besitzt die OGS noch keine Unterlagen, welche Hinweise gäben, seit wann dieser Abhang als Weinberg diente. Die einzigen Hinweise liefern derzeit alte Gemeindepläne, wobei eher die Zeichnungen Hinweise zum Weinberg liefern, während der Gemeindegeometer Th. Baumgartner dafür die einzelnen Parzellen minutiös einzeichnete. Für 1915 sind dort 12 Parzellen aufgeführt, welche früher einmal als Weinberge betrieben wurden. Sie trugen die Nummern 943, 947, 948, 949, 950, 951, 954, 955, 956, 957, 931 und 932 sowie ein Teil der Parzelle 828 entlang der Aspstrasse, waren aber seit etwa 1900 nicht mehr bestockt. Die Grösse dieser Parzellen dürfte um 3.5 bis 4 Hektaren umfasst haben. Der Ertrag dürfte im besten Falle etwa 30'000 Liter betragen haben, was gegen 40'000 7dl-Flaschen ergab. Diese Zahlen fussen auf einem Spitzenjahr. In schlechteren Jahren konnte sich die Menge bis auf 1/3 reduzieren. Die Trauben vom Asphölzli wurden ziemlich sicher im zweiten Trotthaus in der Köschenrüti gekeltert.
Egg/Halden
Der Weinberg wird im Helvetischen Kataster von 1801 als Rebberg aufgeführt, Ernst Benninger schreibt in seinem Flurnamenbuch auf Seite 33 unter Egg: "Das Ackerland wurde aber bereits im 16. Jahrhundert (also etwa 1550) zu einem Rebberg umgebrochen, von dem 1850 noch eine kleine Parzelle übrig blieb. Im Zehntenplan von 1820 wird die Grösse des Weinbergs sehr präzise definiert mit den Parzellen 1207, 1211, 1212 und 1215. Auf der Wildkarte von 1850 wird nur noch die Parzelle 1211 als Rebberg aufgeführt. Um 1915 war diese Parzelle dann nicht mehr mit Reben bepflanzt. Über den Egger Wein selbst ist wenig bekannt. Immerhin lässt sich aufgrund des Erstellungsjahres der Trotte sagen, dass der Weinberg seit mindestens etwa 1650 betrieben wurde. Auch 1850 ist er in der Wildkarte gut erkennbar. Die verwendete Rebsorte ist noch nicht identifiziert. Der Name des Weins dürfte allenfalls als Egger, Vögelisegger oder Haldemer bezeichnet worden sein. Von diesem Wein ist bekannt, dass nicht der gesamte Ertrag als Eggerwein verkauft wurde. Ein Teil diente zur Herstellung eines Seebacher Verschnittes, welcher mit half, die Weinqualität zu stabilisieren. Wann dieser Weinberg aufgegeben wurde, ist nicht bekannt, doch nach 1900 dürfte er nicht mehr bestockt gewesen sein, soviel geht aus den Dorfplänen hervor.
Die Egger Trauben wurden ab Gründung des Weinbergs im Trotthaus (Assek.-Nr. 110) an der Seebacherstrasse gegenüber dem Bauernhaus von Caspar Gossweiler (später Kuhn) gekeltert, welcher auch der Betreiber des Weinberges in der Egg war. Vor 1841 war es Heinrich Benninger. Mitbesitzer am Hof war bis 1854 auch noch die Familie Klöti. Wegen dieses Doppelbesitzes kann bis 1854 nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob nur die Klötis, die Benningers oder die Gossweilers die Weinbauern waren oder alle drei. Erst ab 1854, als Caspar Gossweiler des Hof ganz übernahm, ist gesichert, dass er der einzige Weinbauer in der Egg war. Die Grösse dieser Parzellen dürfte um 3.5 bis 4 Hektaren umfasst haben. Der Ertrag dürfte im besten Falle etwa 30'000 Liter betragen haben, was gegen 40'000 7dl-Flaschen ergab. Diese Zahlen fussen auf einem Spitzenjahr punkto Menge. In schlechteren Jahren konnte sich die Menge bis auf 1/3 reduzieren.
Eichenrain
Im Eichenrain, heute Eichrain, wurde beim Bauernhaus Eichrain (Vorgänger von Kuster) eine kleine Parzelle mit Reben bepflanzt, welche ausser auf der Wildkarte von 1850 sonst nirgends erwähnt wird. Ob es wirklich Reben waren, welche Wild dort einzeichnete, ist doch fraglich, denn auf der Siegfriedkarte, welche auf der Wildkarte basierte, findet man keinen Rebberg mehr. Auch der Grossvater von Frau Frei-Blaser (Gärtnerei ganz in der Nähe) hat ihr gegenüber nie von einem Rebberg im Eichrain berichtet, das wusste Frau Frei-Blaser noch ganz genau. Aus diesem Grund steht über dem Eichrainwein ein sehr grosses Fragezeichen. Möglicherweise wurde von weniger geübten 'Geografen' der Guldinenwein zum Eichrain gezählt, was das Gerücht über den Eichrainwein auch erklären könnte.
Felsenberg
Auf der Wildkarte von 1850 ist noch fast die ganze obere Buhn bewaldet. Auf der Siegfriedkarte von 1876 wird dann ein Rebberg ausgewiesen. Dort waren es die Parzellen 435, 436, 437, 438, 439, 440, 441, 442, 443, 444, 445, 446, 447, 448, 449, 450, also auch die gesamte spätere Kiesgrube Süd. Dieser Rebberg wurde irgendwann zwischen 1860 und 1870 erstellt und noch vor 1900 wieder aufgegeben. Vor allem die Parzelle 950, auf welcher die Kiesgrube Süd errichtet wurde, scheint schon 1875 wieder aufgegeben worden zu sein, denn auf dieser Parzelle wurde ab 1876 Kies abgebaut.
Auf dem Gemeindeplan von 1915 ist dieser ehemalige Weinberg nicht mehr eingezeichnet. Noch bis zum Bau des Höhenrings um 1932 nannte sich der Verbindungsweg ab Weisshau(weg) zur Buhnstrasse Rebenweg, was als eine gute Bestätigung für die Existenz der damaligen Reben gilt. Auch das Trotthaus an der Buhnstrasse deutet an, dass in der Nähe ein Weinberg gewesen sein muss. Dieses Trotthaus diente der Kelterung des Felsenbergweines.
Ernst Benninger schreibt in seinem Flurnamenbuch von 2001, Seite 84: In den 1870er Jahren liessen einige Seebacher einen Rebberg am sonnigen Südwesthang der Buhn anlegen. Man versprach sich eine zusätzliche Einnahmequelle. Der Boden wurde mit Karst und Haue bearbeitet, man pflanzte Rebstöcke in die Erde und spritzte diese gegen den damals auftretenden Mehltau. Der Versuch scheiterte, der grosse Aufwand lohnte sich nicht. Anstatt die Rebstöcke nach 25 Jahren zu verjüngen, verzichtete man enttäuscht auf die Weiterführung des Experiments.
Der Wein von diesem Rebberg wurde entsprechnd der Gegend als Felsenberger bezeichnet, die Rebsorte ist noch nicht ermittelt. Die Grösse dieser Parzellen dürfte knapp 3.5 Hektaren umfasst haben. Der Ertrag dürfte etwa 25'000 Liter betragen haben, was gegen 35'000 7dl-Flaschen ergab. Diese Zahlen fussen auf einem Spitzenjahr. In schlechteren Jahren konnte sich die Mengen bis auf 1/3 reduzieren. Gekeltert wurde dieser Wein im Trotthaus an der Buhnstrasse.
In Guldinen
Im Norden des Binz gab es einen steileren Abhang, welcher eigentlich die Fortsetzung der Käshalden darstellte. Dieser nach Osten immer niedriger werdende Abhang war nach Süden geneigt und wurde mit einer Rebenpflanzung versehen. Es handelte sich um das Grundstück Nr. 816. Die Lage muss günstig gewesen sein, denn der Name 'In Guldinen' bedeutet ein Grundstück, das Gold wert ist. Ein anderer Name war 'uf Guldinen'. Der Flurname ging zwar in Vergessenheit, aber er lebt im Namen der umbenannten Aspstrasse gänzlich auf Rümlanger Boden weiter. Die Strasse wurde inzwischen auf «In den Guldinen» umbenannt, sodass der alte Name des Rebbergs am Leben bleibt. Auf diesem Grundstück wurden vor allem Reben gepflegt, welche für den Namen möglicherweise mit prägend waren. Wenn dies zutrifft, muss dort eine bessere Rebsorte gepflanzt worden sein als der Räuschling oder der Elbling. Es könnte sein, dass hier der mehrfach bemühte Seebacher Gewürztraminer angebaut wurde, denn diese Rebsorte wurde für Seebach gegenüber der OGS mehrmals als kleiner Rebberg erwähnt. Die genau Lage des Weinbergs ist für 1850 durch die Wildkarte gesichert. Es ist der nördliche Abhang der dortigen Caspar-Wüst-Strasse und zwar beim 90°-Knick. Über den Wein selber, die Rebsorte und die Menge konnte die OGS noch auf keine Quellen stossen. Der Gewürztraminer ist eine reine Vermutung oder besser gesagt, eine Assoziation der OGS aufgrund mehrerer alter Zeitzeugen. Auch dieser Weinberg dürfte um 1900 nicht mehr bestockt gewesen sein.
Der Name des Weines hiess vermutlich gleich wie der Weinberg, also «Uf Guldinen». Aufgrund von Erfahrungswerten kann mit einem Ertrag von 25 bis 90 Hektoliter je Hektare gerechnet werden. Da die Grösse des Weinberg etwa 30 x 75 m betrug, ergibt dies 0.225 ha, der Ertrag lag somit bei etwa 2000 Litern oder rund 2800 7dl-Flaschen. Diese Annahme liegt an der oberen zu erwartenden Grösse. In schlechteren Jahren konnte sich die Menge bis auf 1/3 reduzieren. Die Trauben dieses Weinbergs dürften im zweiten Trotthaus in der Köschenrüti gekeltert worden sein.
Käshalden
Die Gründung der Aussenwacht 'In Rütinen', heute Köschenrüti genannt, in der Zeit um 1200 oder ganz kurz danach war keinesfalls ein reines Weinbauerngut gewesen. Der Weinbau am idealen Sonnenhang Käshalden war von Anfang an als Nebenerwerb der dortigen Leute gedacht, als wichtiger allerdings. Zur Hauptsache aber betrieben sie Viehwirtschaft und Ackerbau.
Die Rebberge in der Käshalde gehen auf eine Zeit um 1200 oder etwas später zurück, als man in der Köschenrüti, die damals noch nicht so hiess, einen Weinbauernhof errichtete. Zuerst musste aber das ganze Gebiet entwaldet werden. Der Weinbau wurde ab der Zeit um 1000 in unserer Gegend wieder vermehrt möglich, weil sich das Klima deutlich erwärmte und zwischen 1200 und 1600 seinen Höhepunkt erreichte. Danach wurde es wieder kühler und die Arbeit mit den Reben lohnte sich wieder weniger. Unentwegte hielten aber noch durch die ganze «kleine Eiszeit» durch. Auf dem Gemeindeplan von 1915 konnten die folgenden Grundstücke als Käshalden-Rebberge identifiziert werden: 943, 947, 948, 949, 950, 951, 980, 983, 984, 985, 986, 990, 991, 992, 994 996, 997, 999, 1000, 1001, 1003, 1004, 1007, 1008, 1009, 1010, 1011, 1012, 1279, 1280, 1281, 1284. Das waren insgesamt 32 Parzellen allein auf Seebacher Boden. Erst 1917 wurden die letzten Seebacher Rebstöcke entfernt, nachdem zahlreiche, kühle und verregnete Jahre schlechte Ernten und entsprechende Ertragsausfälle brachten. Schon zuvor sorgte auch die Reblaus für zusätzlichen Verdruss. Angebaut wurden die Rebsorten Räuschling und Elbling, das berichtet Kurt Pfenninger in «Unser Seebach». Der Wein trug den Namen Käshalden oder Käshaldemer. Es war damals in Seebach noch nicht üblich, die Weinflaschen mit gedruckten Etiketten zu bekleben, daher gibt es ausser den wenigen Hinweisen aus dem Rebkataster keine überlebenden Weinetiketten und somit auch keine schriftlich überlieferten Namen.
Einstmals war das ganze Käshaldengebiet samt dem Asphölzli bis weit auf Rümlanger Gebiet hinein ein einziger Weinberg. Das kann man auf der Wildkarte von 1850 noch deutlich erkennen. Es waren denn auch über ein Dutzend verschiedene Weinbauernfamilien alleine in Seebach, welche sich den ganzen Hang teilten. Zuletzt waren es nur noch fünf. Heute erinnert nur noch das alte Trotthaus bei der Familie Kläusli an diese Zeit des Seebacher Weinbaus in der Käshalde. Die letzten Jahrgänge des Käshaldemers in den 1910er Jahren sollen der Überlieferung nach als Ranzenklemmer bezeichnet worden sein, da ihre Säure stark überwog. Die Grösse dieser Parzellen dürfte ursprünglich 7 Hektaren umfasst haben. Der Ertrag dürfte etwa 50'000 Liter betragen haben, was gegen 70'000 7dl-Flaschen ergab. Diese Zahlen fussen auf einem Spitzenjahr. In schlechteren Jahren konnte sich die Mengen bis auf 1/3 reduzieren. Der Weinberg Käshalden war um 1908 der letzte noch bestockte Weinberg und die Fläche wird für dieses Jahr mit rund 5 Hektaren angegeben.
Dank Werner Schnellmann jun. konnten die letzten Seebacher Eigentümer der ehemaligen Rebenparzellen an der Käshalde noch rekonstruiert werden. Es waren dies von Ost nach West: Jakob Frischknecht's Vorgänger (?), Rudolf Bänninger, Friedrich Weder, Karl Streuli und Hans Meier in der Waid. Dank der Liste der alten Assekuranznummern konnte ermittelt werden, dass dieser an der Schwandenholzstrasse eine Trotte erstellen liess. Zwei Vorgänger dieser Weinbauern werden im Neujahrsblatt Zürich 11/12 von 1985 erwähnt unter Beutler auf Seite 16: Es waren dies Rudolf (1817-1878) und David Beutler (1821-1875). Die Trauben der Käshalden dürften in einem der beiden Trotthäuser in der Köschenrüti gekeltert worden sein.
Rebenbuck
Der Rebenbuck wurde auch «Alte Reben» genannt. Er wird letztmals im helvetischen Kataster von 1801 erwähnt. Er befand sich auf der Südseite des kleinen Hügels an der Frohbühlstrasse. Die Parzelle trug die Nummer 718. Die Weinbauern, welche diesen Rebberg pflegten, wohnten im Ausserdorf. Das schreibt Ernst Benninger in seinem Flurnamenbuch auf Seite 13. Der Name «Alte Reben» wird erstmals auf der Wildkarte von 1850 urkundlich, was bedeutet, dass der Flurname erst nach 1801 entstanden sein kann. Wie lange dort Reben gepflanzt wurden und wann der Rebberg aufgegeben wurde, konnte bisher nicht genau ermittelt werden, denn auf der Wildkarte von 1850 sieht man keinen Rebberg mehr, während die Siegfriedkarte von 1876 den Rebberg wieder darstellt. Das Ende des Rebberges muss somit nach 1876 angesetzt werden. Interessant ist noch, dass schon Wild 1850 von «Alten Reben» schrieb, während Siegfried 26 Jahre später den Rebberg erneut einzeichnete. Der Rebberg dürfte also nochmals bestockt worden sein. Ebenso interessant ist auch, dass Bauer Hermann Ganz im Jahr 1950 den Rebberg noch unter dem Namen «Alte Reben» kannte, ebenso Frau Törok-Meier vom Frohloch im Jahre 2002, welche den Hügel als «Rebenbuck» bezeichnete.
Welche Rebsorte hier angepflanzt wurde, ist unbekannt. Der Name des Weines ebenfalls. Sicher ist einzig, dass er nicht «Alte Reben» geheissen haben kann. Und wenn, dann schon eher Rebenbuck. Da damals noch ein Weiher am Fusse des Rebbergs lag, könnte auch dieser Weiher in den Namen eingeflossen sein oder aber das umgebende Schilf mit den Kolben. Die ungefähre Grösse des Rebbergs kann aufgrund alter Landkarten ermittelt werden und falls die ganze südliche Flanke mit Reben bepflanzt war, dann waren es etwa 50 x 75 Meter, was 0,375 Hektaren ergibt. Bei einem durchschnittlichen Ertrag von 90 Hektolitern pro Hektare ergibt das 3375 Liter oder 4800 7dl-Flaschen. Diese Zahlen fussen auf einem Spitzenjahr. In schlechteren Jahren konnte sich die Mengen bis auf 1/3 reduzieren. Die Trauben vom Rebenbuck dürften in einem noch nicht bekannten Trotthaus im Ausserdorf gekeltert worden sein, wo der Weinbauer wohnte.
Waid
Von heute nicht mehr bekannter Seite hörte die OGS um etwa 1960, dass in der Waid ebenfalls Reben angebaut wurden. Bis heute konnte die OGS für diesen Weinberg keine Bestätigung finden. Auf der Wildkarte von 1850 werden dort zwei kleine Flächen zeichnerisch so dargestellt, dass es die gesuchten Weinberge sein könnten, doch scheint die Lage für einen Weinberg nicht sehr zu überzeugen. Vielleicht wollte Wild damit eher einen Bohnengarten darstellen. Hierüber könnte vielleicht Thuri Meier mehr sagen. Möglich ist auch, dass der OGS-Informant damit den Egger Weinberg gemeint hat, welcher ganz in der Nähe liegt und weiter oben bereits beschrieben wurde. Auch die Tatsache, dass einer der Waidbauern in der Käshalde bis 1916 einen Weinberg betrieb, könnte den Informanten zu dieser Aussage verleitet haben. Ernst Benninger schreibt in seinem Flurnamenbuch nichts über einen Rebberg in der Waid. Mehr kann zur Zeit über den Rebberg in der Waid nicht gesagt werden. Auch Werner Schnellmann jun. wusste noch, dass in den Käshalden auch ein Bauer aus der Waid mit dabei war, doch konnte er keinen Namen nennen.
Scherbenberger
Letzter echter Seebacher Wein aus der Gutedel-Traube, angebaut auf dem Grundstück von Ernst Schaffner. In den Jahren 1940 bis etwa 1965. Der Jahresertrag betrug jeweils um die 500 Flaschen und diente allein dem Eigenbedarf, natürlich nicht nur der Familie, sondern auch für Geschäftsfreunde. Der Wein wurde auch degustiert von Kurt Pfenninger, welcher im Buch «Unser Seebach», Seite 81 über den Rebbau in Seebach schrieb. Dass er dort den Scherbenberger nicht erwähnte, lag wohl an Diskretionsgründen. Nach so langer Zeit darf nun aber über dieses Kleinod der Seebacher Weingeschichte mit Einverständnis von Hans Kaspar Schaffner berichtet werden.
Der Weinberg entstand auf der ehemaligen Sandsteingrube an der Rümlangstrasse, die anscheinend um 1665/6 die Steine für den Bau der alten Kirche Seebach lieferte. Die Grube wurde von den Schaffners anfänglich als Abfallgrube für zerbrochene Tontöpfe verwendet. Sie wurde um 1936 von Ernst Schaffner mit Aushubmaterial aus anderen Baustellen hinterfüllt und verdichtet. Das so gewonnene Land wurde teilweise mit Rebstöcken bepflanzt und spätestens um 1940 herum dürfte der erste dort gewachsene Wein gekeltert worden sein. Es gab somit 25 Jahre lang ohne Wissen der meisten Seebacher doch noch einen Seebacher Wein. Nach der Kelterung und dem Abzug auf Flaschen schauten für die Gärtnerfamilie über die Jahre gerechnet rund 500 Flaschen pro Jahr als mittlerer Ertrag heraus. Das reichte gerade für den Eigenbedarf und für die nicht ganz seltenen Gäste der Gärtnerei. Ganz selten gab es eine solche Flasche auch für einen guten Kunden oder Lieferanten.
Der Weinberg bekam seinen Namen in Anlehnung an die vormalige Tonscherbengrube. Die nebenan abgebildete Weinettikette ist ein Geschenk von Hans Kaspar Schaffner an die OGS-Seebach und wird als Original streng gehütet.
Die Namen der Seebacher Weinbauern
Die Namen der letzten 5 Weinbauern in den Käshalden sind bekannt. Es waren dies:
- Rudolf Bänninger von der Köschenrüti, allenfalls auch ein Nachfolger, denn Bänninger verkaufte seinen Hof ab etwa 1892 in Raten. - Ein Frischknecht, doch ein solcher fehlt im Adressbuch von 1913, vermutlich war es sein Vorgänger. - Karl Streuli, im Adressbuch von 1913 erwähnt. - Ein gewisser Weder wird ebenfalls als Weinbauer genannt, doch fehlt er im Adressbuch von 1913, vermutlich war es sein Vorgänger. - Johann Meier von der Waid.
Dies sind die Namen der Weinbauern, welche bei der Aufgabe des Weinbaus im Jahr 1916 genannt wurden, doch bestehen da noch etliche Zweifel.
Für das Unterhaus in der Köschenrüti hat Ernst Benninger die folgenden Besitzer/Pächter ausfindig machen können, welche ebenfalls Weinbauern gewesen sind, wahrscheinlich aber eher so nebenbei:
1250 Fraumünster Zürich 1420 Keller, von Fällanden 1420-1450 Hans Gsell 1420-1450 Hans Leemann 1420-1450 Hans Appenzeller, von Höngg 1420-1450 Gebrüder Wyss, von Wipkingen 1450-1472 Ulrich + Hans Stolz 1472-1512 Hans Kösch, Vater und Sohn 1512-1529 Johannes Berger (Besitzer, Bauer nicht bekannt) 1529-1555 Hans Schnorf 1555-1595 Junghans und Felix Meyer 1595-1625? Uely Wüst, nebenbei Besenbeiz, daher auch der Pächter 1625-1689 Hans Heinrich Brunner und Söhne 1690-1724 Kienast, von Zollikon 1724-1818 Klöti und Söhne 1818-1903 Heinrich Gujer und Söhne 1903-? Jakob Kläusli
Noch nicht gesichert ist, wann die Besitzer/Pächter des Unterhauses den Weinbau aufgaben. Einzig von Albert Kläusli ist gesichert, dass er keinen Rebberg mehr betrieb, daher ist er auf der Liste auch nicht aufgeführt. Jakob Kläusli wird für das Jahr 1916 auch nicht mehr genannt, doch da nicht bekannt ist, wann das Unterhaus den Weinbau aufgab, muss er vorerst noch in der Liste bleiben.
Die Trotthäuser
In «Unser Seebach» erwähnt Ernst Benninger auf Seite 61, dass es im Jahre 1798 nicht weniger als 7 Trotthäuser gegeben habe. Inzwischen konnten dank der von Walter Aeberli erstellten Lister aller Assekuranznummern sämtliche Seebacher Trotthäuser ermittelt werden. Die Standorte der Trotthäuser zeigen auf, dass sie jeweils ziemlich nahe beim Wohnhaus des Weinbauern lagen und da die Weinberge meist auch in der Nähe der Wohnhäuser angelegt wurden.
Standorte der Seebacher Trotthäuser:
- Ausserdorfstrasse rechts, alte Assek-Nr. 10 - Ausserdorfstrasse links Nr. 2, beim Augustinerhof, alte Assek-Nr. 16 - Ausserdorfstrasse links Nr. 2, beim Bohlenständerhaus, alte Assek-Nr. 18B - Binzmühle, alte Assek-Nr. 1C - Buhnstrasse, alte Assek-Nr. 37B - Hertensteinstrasse bei der Sennerei, alte Assek-Nr. 28C - Köschenrüti Unterhaus, alte Assek-Nr. 69A - Köschenrüti Oberhaus, alte Assek-Nr. 70C - Schwandenholzstrasse 161, Bauernhaus Johann Meier, alte Assek-Nr. 232 - Seebacherstrasse beim Restaurant Bürgli, alte Assek-Nr. 31/32 - Seebacherstrasse 109/111, Bauernhaus Kunz, alte Assek-Nr. 110 - Seebacherstrasse 109/111, Bauernhaus Klöti, alte Assek.-Nr. 42B
Dazu ist noch zu ergänzen, dass die 7 von Ernst Benninger für das Jahr 1798 erwähnten Trotthäuser ein Stichjahr darstellen, während die oben aufgeführten 10 Trotthäuser die bisher ermittelte Gesamtzahl aller Trotthäuser darstellt. Anhand der Abbruchdaten muss nun noch weiter geforscht werden. Beim Trotthaus des Unterhauses Köschenrüti bestehen noch gewisse Zweifel.
In «Unser Seebach» erwähnt Ernst Benninger auf Seite 57, dass in einem alten Dokument zur Köschenrüti die dortige Weintrotte im Plural genannt wird. Von der Anbaufläche her, welche dort noch im vorletzten Jahrhundert bestockt war, ist die Annahme von zwei Weintrotten in der Köschenrüti gerechtfertigt. Zu den eizelnenTrotthäusern gibt es eigene Einträge mit weiteren Details, siehe dort!
Verdienst
Es galt mit den damaligen Mitteln die Faustregel: Pro Hektare Weinberg = 2'300 Stunden Arbeit. Pro Hektare rechnete man mit durchschnittlich 25 Hektoliter Wein = 3'500 Flaschen. Dazu kam die Kelterung, das Abfüllen, Etikettieren und Verkaufen. Somit ergab das in einem Jahr: 1 Stunde Arbeit pro Flasche Wein. Vergleicht man das mit heute, so sind das Fr. 5.-- bis 7.-- pro Stunde Arbeit. Nicht gerade umwerfend. Die letzten Jahre brachten nur noch einen Bruchteil davon. Zwischendurch gab es auch gute Jahre, wie etwa 1905.
Produktionszahlen Erträge
Hierzu bezieht sich die OGS auf den Beitrag von Kurt Pfenninger in «Unser Seebach» auf Seite 81. Er weist darauf hin, dass der Kanton Zürich seit 1876 Erhebungen über die Weinernte durchführt und dass dieser im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Reblaus seit 1881 ein Rebkataster führt. Dort erfährt man, dass es in Seebach bis 1908 rund 5 Hektaren Rebberge gab. Zählt man die Fläche der obenstehend aufgeführten Weinberge zusammen, welche um 1908 noch bestanden, dann ergibt das eben diese 5 Hektaren, denn um 1908 gab es nur noch einen Restbestand am Käshalden-Weinberg. Kurt Pfenninger nennt die damaligen Erträge von 20 bis 90 Hektoliter pro Hektare noch als einigermassen befriedigend. Ab 1909 nahmen infolge späten Frösten, schlechtem Blütewetter und ungünstiger Witterung die Erträge weiter ab.
Zu Beginn des letzten Jahrhunderts war 1905 mit einem Ertrag von 466,6 Hektolitern das beste Jahr. Befriedigend waren auch 1901, 1903, 1906, 1908 und 1909. Alle anderen Jahre verliefen enttäuschend. 1911 gilt als der beste Jahrgang. Der Wein war gut, aber die Menge mit einem Ertrag von 25,6 Hektolitern pro Hektare sehr gering. Das drückte den Preis und damit den Ertrag in Franken in die Höhe. 1911 betrug die Anbaufläche noch 3 Hektaren.
Ein paar Produktionszahlen:
1905 466,6 hl 1907 128 hl 1908 322 hl 1909 136 hl
Die Küfereien
In Seebach gab es noch bis zu Beginn des letzten Jahrhunderts Küfereien. Die letzten bekannt gewordenen Seebacher Betriebe waren diejenigen des Heinrich Duttweiler und des Jacob Schurter, welche beide für das Jahr 1894 nachgewiesen sind, dann noch Robert Baumann, Zürichstrasse Assek.-Nr. 528 und Karl Landolt an der Köschenrütistrasse Assek.-Nr. 198, beide für 1913 nachgewiesen. Erstere befanden sich beide im Dorf, vermutlich an der Seebacherstrasse oder in deren Nähe. Ob diese beiden vollamtlich den Beruf ausübten oder nebenbei noch bauerten, ist nicht mehr bekannt. Die beiden letzten werden ausschliessslich als Küfer bezeichnet. Da der Weinbau in Seebach 1917 aufgegeben wurde, dürften sie bald danach im angestammten Beruf keine grosse Zukunft mehr gehabt haben.
Fazit:
Über die Qualität der Seebacher Weine liest man meist nur Hinweise aus jüngerer Vergangenheit, als das Wetter die Beeren nicht richtig ausreifen liess und statt eines Weines eher ein Ranzenklemmer heranreifte, wie es Thuri Meier treffender nicht hätte sagen können. Die OGS wird versuchen, mit indirekten Schlussfolgerungen noch etwas mehr über jenen Seebacher Wein zu vermelden, welcher in besseren Zeiten zur Reife gelangte. Vom 1911er wird berichtet, dass er seit Jahrzehnten der Beste gewesen sei.
Auch ein Besuch im Archiv der Holzkorporation wird dazu gehören, wo die OGS insbesondere hofft, noch etwas älteres Material über den Seebacher Weinbau zu finden.
Der Beitrag wird in nächster Zeit noch erweitert! Letztes Nachführdatum: 31. März 2011.
Quellen: - «Unser Seebach», Kurt Pfenninger, 1983, 81 (Weinbau) - «Unser Seebach», Ernst Benninger, 1983, 45 (Egger Wein) - Thuri Meier (Ranzenklemmer) - Hans Kaspar Schaffner (Scherbenberger) - Emma Schulthess-Meier (div. Infos aus ihren Lebenserinnerungen) - Ernst Benninger 2001 (div. Hinheise zu allen Rebbergen)