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unser tägliches Brot gib uns heute
Das Motto der elften Vollversammlung des LutherischenWeltbundes greift eine entscheidende Überlebensfrage des Planeten Erde und seiner Bewohner auf: Ist genug für alle da?
Gegenwärtig leiden knapp eine Milliarde Menschen an Hunger. Das ist ein Sechstel der Weltbevölkerung! Jedes Jahr sterben etwa 8,8 Millionen Menschen, hauptsächlich Kinder, an Hunger, was einem Todesfall alle 3 Sekunden entspricht.
Die Erfahrung, dass Menschen hungern und dass klug gewirtschaftet werden muss, um Ernährungssicherheit und Ernährungsgerechtigkeit herzustellen, spiegelt sich schon in der alten Josefsgeschichte (1. Mose 41):
„Es war aber kein Brot im ganzen Lande, denn die Hungersnot war sehr schwer, so dass Ägypten und Kanaan verschmachteten vor Hunger.“ Eine Analyse, die bis heute u.a. für die asiatische Pazifikregion (524 Mio.), für Afrika südlich der Sahara (206 Mio.) und für Lateinamerika (52 Mio.) gilt. Neben den durch Naturkatastrophen verursachten Hungersnöten macht jedoch inzwischen der chronische Hunger, der strukturell und politisch bedingt ist, den überwiegenden Teil des Welthungers aus. Die Geschichte von Josef macht deutlich, dass politisch vorausschauendes Handeln in den „fetten Jahren“ und die Bereitschaft zum Teilen in „dürren Jahren“ eine Lösungsperspektive eröffnet. „Und Josef sammelte die ganze Ernte der sieben Jahre, da Überfluss im Lande Ägypten war, und tat sie in die Städte. … Als nun im ganzen Lande Hungersnot war, tat Josef alle Kornhäuser auf und verkaufte den Ägyptern; und alle Welt kam nach Ägypten, um bei Josef zu kaufen.“
Das Korn wird nicht verschenkt, es wird verkauft. Zu welchem Preis? Wie können heute arme Länder Zugang zum Weltmarkt erlangen, sodass sie nicht als abhängige Bittsteller, sondern als souveräne Akteure ihre Produkte auf dem Weltmarkt verkaufen dürfen? Und wie kann verhindert werden, dass subventionierte Agrarprodukte aus den reichen Nord-Ländern in Drittweltländern die Preise kaputt machen? De facto produziert die Welt genügend Nahrungsmittel. Sie sind nur ungleich verteilt. Und sie werden unterschiedlich stark subventioniert.
Der Lutherische Weltbund setzt sich dafür ein, dass Entwicklungsländer ihre eigenen Kräfte für nachhaltiges Wirtschaften stärken, Zugang zum Weltmarkt finden und in einen fairen Wettbewerb eintreten können. Agrarsubventionen im reichen Norden müssen reduziert, die regionalen Wirtschaften in Drittweltländern gestärkt werden. Das Land und seine Erzeugnisse müssen gerechter verteilt
werden. Es kann nicht angehen, dass in Afrika europäisches Obst und Gemüse (aus subventionierten Überschüssen) billiger angeboten wird als heimische Produkte. Teilen beginnt damit, dass in Drittweltländern die regionale Wirtschaft gestärkt wird. Kleinkredite an Familien haben in vielen Ländern dazu beigetragen, dass eine regionale Lebensmittelwirtschaft entstanden ist. Familien haben Land oder Saatgut bekommen, das sie nun anbauen, mit dem sie wirtschaften. So entstehen kleine Wirtschaftsrkeisläufe, die die Gefahr des Hungers bannen können.
Und was können wir tun? Wir leben im Überfluss. Wir verschwenden Energie, Geld, Brot. Teilen ist nicht nur eine Frage des Abgebens, es ist eine Frage der Teil-Gabe an Bildung, Ernährung, an Zu-Gang zu Märkten, zu Wasser, zu Saatgut. Es gibt viel zu tun. Die Kirchen als „global player“ übernehmen diese Verantwortung und helfen – oft im Kleinen und Verborgenen.
Unser täglich Brot gib uns heute – die Bitte Jesu aus dem Vaterunser heißt: Wir. Nicht: Ich. Heißt: unser Brot, nicht: mein Brot. Die Perspektive auf die anderen ist notwendig.
Nehmen wir sie wahr.
Ihr Marc Blessing