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Inhalationsallergien
Eine Inhalationsallergie ist eine Unverträglichkeitsreaktion auf natürliche Stoffe, die über die Luft verbreitet werden (Fachbegriff: aerogene Allergene). Dazu gehören Pollen, Hausstaubmilben, Tiereiweisse und Schimmelpilzsporen. Die Beschwerden äussern sich meist durch allergischen Schnupfen und juckende, gerötete Augen. Im schlimmsten Fall kann Asthma eine Folgeerscheinung sein.
Inhalationsallergien sind in der Schweiz sehr verbreitet. Fast jeder fünfte Einwohner leidet an Heuschnupfen, nahezu jeder zehnte an einer Hausstaub- oder Tierallergie. Die wichtigste Behandlung ist die Meidung der Allergene. Während es sich für Betroffene von Tierallergien empfiehlt, ihren Hund oder die Katze abzugeben, können Heuschnupfengeplagte in der Pollenflugsaison nur auf Medikamente zurückgreifen. Alternativ ist eine spezifische Immuntherapie oder Hyposensibilisierung zwar erfolgsversprechend, aber auch sehr langwierig.
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Symptome
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Haben Sie im Frühling häufig Niesattacken?Juckt es Sie im Herbst und zu Beginn der Heizperiode oft in Mund und Rachen?
Diese Symptome sind typisch für allergisch bedingten Schnupfen (allergische Rhinitis), den Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare oder Schimmelpilze auslösen. Zu den weiteren Symptomen gehören eine laufende und verstopfte Nase, es juckt in den Ohren und Augen. Die Augen tränen und sind gerötet, manchmal sogar lichtempfindlich. Die Augenlider können geschwollen sein (allergische Bindehautentzündung, Konjunktivitis). Wenn Symptome an Nase und Augen gleichzeitig auftreten, sprechen die Mediziner von einer Rhinokonjunktivitis.
Etagenwechsel
Treten neben den beschriebenen Symptomen auch Beschwerden wie Husten, pfeifender, rasselnder Atem auf, im schlimmsten Fall verbunden mit Atemnot, handelt es sich möglicherweise um allergisches Asthma. Dann ist die Allergie von den oberen Atemwegen nach unten zur Lunge gewandert. Etagenwechsel sagen die Ärzte zur Verlagerung der Symptome vom einen zum anderen Organ.
Symptome einer Inhalationsallergie:
- Nase: Dauerschnupfen und Niesanfälle, Juckreiz und Schwellung der Nasenschleimhaut
- Augen: Juckreiz und angeschwollene, tränende, rote Bindehaut, geschwollene Lider
- Ohren: Juckreiz
- Hals und Rachen: Juckreiz und Halsschmerzen
- Lunge: asthmatische Reaktion wie Husten, pfeifender Atem, Atemnot
- Haut: Juckreiz, Ekzeme und Nesselfieber
- Im weiteren Verlauf: Müdigkeit und Krankheitsgefühl
Viele Symptome gleichen denen der Erkältungen, doch es gibt Unterschiede. Erkältungen kündigen sich meist mit Kopfschmerzen oder Kratzen im Hals an, eine Allergie beginnt urplötzlich mit Niesattacken. Der mit dem Heuschnupfen verbundene Juckreiz in Nase, Augen, Mund fehlt oft bei einer Erkältung. Zudem ist bei einem Infekt das Nasensekret sehr dickflüssig, bei Allergien dünnflüssig.
Die Inhalationsallergien im Einzelnen
Alle Inhalationsallergien lösen ähnliche Beschwerden aus. Deshalb ist es nicht immer einfach, Überempfindlichkeiten gegen Tiere, Pollen, Hausstaubmilben oder Schimmelpilze voneinander abzugrenzen.
- Pollen: Heuschnupfen ist eine von Pflanzenpollen ausgelöste allergische Entzündung der Nasenschleimhaut. Er ist die häufigste Allergie überhaupt und tritt saisonal zwischen Frühjahr und Herbst auf, wenn die Pollen von Bäumen, Gräsern und Kräutern durch die Luft fliegen.
- Hausstaub: Eine Hausstaubmilbenallergie ist eine Überempfindlichkeit des Körpers gegen die Ausscheidungen der superkleinen Spinnentiere. Also nicht die Milben selbst sind für die Beschwerden verantwortlich, sondern ihr Kot löst Symptome aus, wenn Betroffene ihn einatmen oder mit ihm in Berührung kommen. Die Beschwerden der Hausstauballergie bestehen im Allgemeinen ganzjährig beim Aufenthalt in geschlossenen Räumen, können aber im Spätherbst verstärkt auftreten, wenn die Heizungsperiode beginnt. Dann sinkt die Luftfeuchtigkeit in den Räumen und die Mehrzahl der Milben stirbt ab, wodurch vermehrt Allergene freigesetzt werden.
- Tiere: Eine Tierhaarallergie oder besser Tierallergie ist eine Unverträglichkeit gegen bestimmte Stoffe, die in Speichel, Hautschuppen, Schweiss, Talg, Urin und Kot von Tieren vorkommen. Tierhaare selbst sind nicht für die Allergien zuständig, deshalb kann ein Mensch auch auf Vögel allergisch reagieren.
- Schimmelpilzsporen: Eine Allergie auf Schimmelpilze ist eine übersteigerte Reaktion des Immunsystems auf Sporen und abgestorbene Bruchstücke der Schimmelpilze. Schimmelpilze können ganzjährig sowohl in feuchten Innenräumen als auch in der Natur vorkommen. Dazu gehören beispielsweise Kellerräume oder der Komposthaufen im Garten.
Was passiert im Körper bei einer Inhalationsallergie?
Warum reagieren bestimmte Menschen auf an sich harmlose Stoffe wie Pollen, Tierhaare, Hausstaubmilben oder Schimmel mit unangenehmen Beschwerden? Das hängt damit zusammen, dass das menschliche Immunsystem eine wichtige Aufgabe erfüllen muss: Es soll den Körper vor Angreifern schützen. Sobald der Körper einen fremden Stoff über Nase, Haut oder Magen-Darm-Trakt aufnimmt, beginnt sein Immunsystem mit der Überprüfung. Ist der fremde Stoff harmlos oder gefährlich?
Entdeckt das Immunsystem eine Gefahr, wie z.B. Bakterien und Viren, ist es seine Aufgabe, eine Abwehrreaktion zu starten. Bei Allergikern ist das Immunsystem nicht immer in der Lage, zwischen schädlichen und unschädlichen Umweltstoffen zu unterscheiden. Es stuft manche harmlose Substanz wie eben die Hausstaubmilben als gefährlich ein. Schon beim ersten Kontakt bildet es Antikörper, die Immunglobuline der Klasse E (Abk.: IgE). Diese Phase heisst Sensibilisierung, weil allergische Beschwerden erst einmal ausbleiben.
Erst beim erneuten Kontakt mit dem vermeintlichen Angreifer beginnt die eigentliche Abwehrarbeit. Das Immunsystem schickt die gebildeten IgE-Antikörper los, sogenannte Mastzellen zum Handeln anzuregen. Sie schütten Entzündungsbotenstoffe aus, der bekannteste ist Histamin. Innerhalb von Minuten, aber spätestens nach zwei Stunden bewirkt Histamin die typischen Beschwerden mit juckenden Augen und Schniefnase. Damit gehört die Hausstauballergie zum allergischen Soforttyp (Typ-1-Reaktion).
Kreuzallergien
Viele Betroffene von Inhalationsallergien leiden gleichzeitig an anderen Unverträglichkeiten. Das hängt damit zusammen, dass einige Allergene gleich oder ähnlich sind. So können Katzenallergiker auch auf Hunde allergisch reagieren oder Menschen mit Heuschnupfen bestimmte Nahrungsmittel nicht vertragen (siehe Nahrungsmittelallergien). Dieses Phänomen nennt sich Kreuzallergie.
Beispiele für Kreuzallergien:
- Pollen: Wer beispielsweise auf Frühblüher wie Birke reagiert, hat oft auch Probleme beim Biss in einen Apfel. Beifussallergiker vertragen vielfach keinen Sellerie, keinen Paprika und keine rohen Rüebli. Die Kreuzallergien müssen nicht immer auftreten, sie können auf die Zeit der jeweiligen Pollenflüge beschränkt sein.
- Hausstaubmilben: Bei Hausstauballergien sind Kreuzallergien mit Krustentieren wie Krebsen, Krabben und Langusten bekannt, auch scheinen Weichtiere wie Muscheln und Schnecken schlecht vertragen zu werden.
- Tierallergien: Menschen, die allergisch auf Katzen reagieren, vertragen manchmal auch kein Schweinefleisch. Personen, die allergisch sind auf zu Hause gehaltene Wellensittiche oder Papageien, können auch eine Unverträglichkeit auf Hühnerfleisch und Eier entwickeln. Etwas häufiger sind Beschwerden nach dem Essen von (halb) rohem Eigelb. Bei einer Rinderallergie sind Kreuzreaktionen mit rohem Rindfleisch und roher Milch bekannt. Gekocht werden die Lebensmittel in der Regel vertragen.
Essen Betroffene diese Lebensmittel, bilden sich rote und juckende Stellen, auch Quaddeln können an verschiedenen Körperstellen entstehen. Gesicht, Lippen und Mund- und Rachenraum können anschwellen. Mund und Zunge fühlen sich pelzig an, und es juckt im Rachen. Ausserdem können die Betroffenen an den üblichen Beschwerden der Rhinokonjunktivitis leiden. Im schlimmsten Fall stürzt der Kreislauf ab und kalter Schweiss tritt aus. Dann handelt es sich möglicherweise um einen allergischen (anaphylaktischen) Schock.
Sofort zum Arzt
Ein allergischer (anaphylaktischer) Schock kann das Leben bedrohen. Er macht sich sehr schnell bemerkbar. Zu den typischen Kennzeichen zählen: Bildung von Quaddeln, der Hals schwillt zu, es kribbelt an Händen und Füssen – die Symptome eines allergischen Schocks sind vielfältig. Wichtig: Bei den ersten Schockanzeichen sofort den Notarzt rufen.
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Behandlung
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Viele Menschen nehmen chronische Schnupfenbeschwerden auf die leichte Schulter. Sie gehen nicht zum Arzt, obwohl sie über Jahre morgens unter Niesanfällen und laufender Nase leiden. Dabei besteht die Gefahr, dass das Immunsystem auf immer mehr Stoffe allergisch reagiert. Zudem kann sich aus einer Überempfindlichkeit allergisches Asthma entwickeln.
Fachärzte für Inhalationsallergien sind Allergologen. Sie werden fragen, unter welchen Umständen die Beschwerden auftreten und wie lange sie andauern. Gibt es einen bestimmten Zeitpunkt, an dem sich Symptome verstärkt zeigen, z.B. eher morgens oder abends? In der Wohnung oder in der Natur? Das ganze Jahr über oder saisonal, also nur im Frühjahr, Sommer oder Herbst? Lebt ein Tier im Haushalt oder haben Betroffene beruflich mit Tieren zu tun? Wer über seine Beschwerden ein sogenanntes Allergietagebuch führt, hilft dem Arzt bei der Diagnose.
Auf welche Stoffe die Betroffenen reagieren, lässt sich anhand folgender Tests klären:
- Prick-Test: Verschiedene Allergene werden auf den Unterarm getropft. Anschliessend wird mit einer feinen Lanzette oder Nadel die Haut unterhalb der Tropfen oberflächlich angeritzt oder eingestochen, was im Allgemeinen schmerzfrei abläuft. Bilden sich juckende Quaddeln oder Rötungen an bestimmten markierten Stellen, kann der Allergologe ablesen, welche Sensibilisierungen stattgefunden haben.
- Bluttest: Bluttests geben Aufschluss über das Vorhandensein von Antikörpern der Klasse E (Immunglobulin E, IgE). Dabei kann die Gesamtmenge an IgE-Antikörpern (RIST-Test) bestimmt werden. Da die Gesamtmenge an IgE- Antikörpern nicht nur bei Allergien, sondern auch bei anderen Krankheiten erhöht ist, dient dieser Wert nur als Anhaltspunkt. Bei einem zweiten Bluttest (RAST-Test) lässt sich das Blut auf spezifische Antikörper untersuchen, die gegen die entsprechenden Eiweisse gebildet worden sind.
- Provokationstest: Ist die Diagnostik schwierig, gibt es die Möglichkeit, einen Provokationstest durchzuführen. Der Mediziner versucht unter Überwachung in einer Praxis oder Klinik eine allergische Reaktion zu provozieren. Dabei wird das Allergen beispielsweise auf die Nasenschleimhaut geträufelt. Provokationstests werden aber heute eher selten durchgeführt, weil nicht abzuschätzen ist, wie stark die allergische Reaktion sein wird.
Therapie
Haben die Tests gezeigt, welches Inhalationsallergen für die Beschwerden verantwortlich ist, steht die Therapie auf mehreren Beinen: Auslöser verringern, Symptome akut behandeln und mit einer spezifischen Immuntherapie bei den Ursachen ansetzen. Ausserdem gibt es neben der Schulmedizin alternative Heilmethoden.
An erster Stelle steht die Vermeidung (Fachausdruck: Karenz) der Auslöser. Personen, die stark auf das eigene Haustier allergisch reagieren, sollten sich, wenn möglich, davon trennen. Die Belastung durch Hausstaubmilben lässt sich durch Massnahmen wie z.B. die Umhüllung aller Matratzen, Kopfkissen und Bettdecken mit milbenundurchlässigen Encasings eindämmen. Wer auf Schimmelpilze im Komposthaufen allergisch reagiert, sollte die Gartenarbeit delegieren. Mehr Infos dazu finden sich bei den jeweiligen Krankheitsbildern (Heuschnupfen, Hausstaubmilbenallergie, Tierallergie, Schimmelpilzallergie).
Medikamentöse Therapie
Medikamente können die Ursachen der Beschwerden nicht beseitigen, aber sie können viele Symptome lindern. Antihistaminhaltige Nasensprays und Augentropfen lassen sich zur akuten Linderung der Symptome verwenden. Antihistaminika in Tablettenform bekämpfen die Symptome über den Blutkreislauf im ganzen Körper. Deshalb helfen sie nicht nur bei allergischem Schnupfen, sondern lindern auch Beschwerden durch Kreuzallergien, z.B. Nahrungsmittelallergien.
Führt eine Tierallergie zu Juckreiz, Hautrötung und Ausschlag, können diese Beschwerden in leichten Fällen einfach mit speziellen Cremes behandelt werden. Besondere Inhaltsstoffe wie Harnstoff (Urea) bewirken, dass die Haut mehr Feuchtigkeit speichert und weniger austrocknet. Bei wiederkehrenden Ekzemen und Juckreiz werden die Hautstellen mit kortisonhaltigen Salben und Cremes behandelt.
- Antihistaminika (Histaminrezeptorblocker, Histaminrezeptorantagonisten): Diese Wirkstoffe lassen sich sowohl zur lokalen Therapie als auch systemisch für den ganzen Körper anwenden. Gerade typische Beschwerden an Nase und Augen sprechen schnell auf Antihistaminsprays und -tropfen an. Tabletten mit modernen Antihistaminika wie Cetirizin und Loratadin führen kaum zu Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Schläfrigkeit. Allerdings reagieren Anwender sehr unterschiedlich. Deshalb empfiehlt es sich, die Mittel auszuprobieren, bevor man am Strassenverkehr teilnimmt. Sicherheitshalber sollten sie vor dem Schlafengehen eingenommen werden, da ihre Wirkung im Allgemeinen 24 Stunden andauert. Der gezielte Einsatz von älteren Antihistaminika als Schlafmittel bei Kindern sollte nur in Einzelfällen und unter Befolgen der Alters- und Gewichtsbeschränkungen erfolgen.
- Mastzellstabilisatoren: Diese Wirkstoffe (z.B. Cromone wie die Cromoglicinsäure) hindern die Mastzellen daran, Histamine oder andere Botenstoffe auszuschütten. Dazu brauchen die Medikamente einen gewissen Vorlauf, das heisst, sie wirken nicht sofort, sondern mit Verzögerung. Mit der Anwendung von Nasensprays oder Augentropfen, die diese Wirkstoffe enthalten, sollte also mindestens eine Woche vor dem erwarteten Pollenflug begonnen werden.
- Glukokortikoide (z.B. Kortison): Kortisonpräparate sind Hormone der Nebennierenrinde oder leiten sich chemisch von Nebennierenrindenhormonen ab. Sie wirken stark antiallergisch und entzündungshemmend. Sie sind Bestandteile von Salben (Fachbegriff: Dermakortikoide, topische Glukokortikoide), Nasensprays und Inhalationslösungen. Auch wenn ein Teil der Salben und Nasensprays mit einer geringen Dosierung an Glukokortikoiden nicht verschreibungspflichtig ist, sollten die Mittel über einen längeren Zeitraum nur nach fachlicher Beratung angewendet werden. Salben können bei zu langer Anwendung z.B. zu Hautschädigungen führen. Diese Nasensprays sind für Kinder und Jugendliche nicht zu empfehlen, Schwangere und Stillende sollten sich vor der Einnahme von ihrem Arzt oder Apotheker beraten lassen.
- Beta-2-Sympathomimetika (z.B. Salbutamol, Fenoterol, Salmeterol): Diese Mittel weiten die Bronchien. Sie sind in Asthmasprays gegen akute Anfälle oder in länger wirkenden Mitteln zur Dauertherapie enthalten.
- Leukotrienantagonisten (z.B. Montelukast): Die Andockstellen bestimmter Botenstoffe (Fachbegriff: Leukotriene) werden durch diese Wirkstoffe blockiert. Mittel wie Montelukast nehmen Betroffene als Tabletten oder Kautabletten einmal täglich ein und können auf die für Asthmapatienten übliche Inhalation verzichten. Deshalb werden diese Arzneimittel gern bei Kindern eingesetzt. Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Hautausschlag, Infektionen der oberen Atemwege und Fieber.
Notfall-Set
Allergiker, die bekanntermassen auf bestimmte Stoffe stark reagieren, sollten ein Notfall-Set bei sich tragen. Die Zusammensetzung bestimmt der Allergologe. Meist sind Antihistaminika (Tropfen, Saft oder Tabletten), Kortisonpräparate (Saft, Tabletten oder Zäpfchen) und eine Adrenalin-Notfallspritze in so einem Set enthalten. Bei bekanntem Asthma kann ein Notfall-Set auch ein Beta-2-Sympathomimetikum und eventuell ein Adrenalinpräparat zum Inhalieren enthalten.
Spezifische Immuntherapie oder Hyposensibilisierung
Bei Fachleuten gilt die Hyposensibilisierung, Desensibilisierung oder Allergie-Impfung als einzige Therapie, die bei der Ursache ansetzt und nicht nur Symptome behandelt (Fachbegriff: allergenspezifische systemische Immuntherapie, Abk.: ASIT oder SIT). Eine Hyposensibilisierung funktioniert so, dass mit langsam ansteigenden Dosen des die Allergie auslösenden Stoffs das Immunsystem langsam daran gewöhnt wird, das Allergen zu tolerieren. Eine Hyposensibilisierung dauert in der Regel drei Jahre.
Es gibt zwei Verfahren: Bei der subkutanen Immuntherapie (Abk.: SCIT) wird das Allergen unter die Haut gespritzt. Bei der sublingualen Immuntherapie (Abk.: SLIT) wird das Allergen als Tablette unter die Zunge gegeben. Die subkutane Immuntherapie ist aufwendiger, da der Betroffene für jede Behandlung zum Arzt muss (am Anfang wöchentlich, später monatlich oder zweimonatlich), um eine mögliche allergische Reaktion abzuwarten. Bei der sublingualen Therapie wird die erste Tablette unter ärztlicher Aufsicht eingenommen, die folgenden Pillen nehmen Betroffene allein zu Hause. Besserung tritt eventuell erst nach 8 bis 14 Wochen ein.
Alternative Methoden
Es gibt Studien, die die Wirksamkeit von Akupunktur bei allergischem Schnupfen untersuchten. Dabei stellte sich heraus, dass Akupunktur nicht nur bei saisonalen allergischen Beschwerden wie dem Heuschnupfen hilft, sondern auch bei dauerhafter allergischer Rhinitis.
Inwieweit homöopathische Mittel wirken, ist wissenschaftlich nicht belegt. Die Behandlung zeigt aber in der Regel keine Nebenwirkungen. Methoden wie Bioresonanz, Eigenbluttherapie und Elektroakupunktur gelten als ungeeignet oder nutzlos für die Behandlung von allergischen Beschwerden
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Verlauf, Komplikationen, Besonderheiten
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Eine Inhalationsallergie kann sich teilweise bereits sehr früh in der Kindheit entwickeln und bleibt oft ein Leben lang. Falls die Betroffenen wissen, auf welche Stoffe aus der Luft sie allergisch reagieren, können sie den Kontakt weitgehend vermeiden und eventuell eine Hyposensibilisierung vornehmen. Damit lassen sich die Beschwerden stark verringern oder gänzlich beseitigen. Allerdings kann die Allergie nach Jahren auch wiederkommen.
Bei sorgfältiger Meidung der Allergene kann die Überempfindlichkeit im Lauf der Jahre wieder nachlassen (Fachbegriff: Allergiekarenz). Wird die Inhalationsallergie dagegen nicht behandelt, können sich bei einem Teil der Betroffenen weitere Allergien oder allergisches Asthma entwickeln.
Komplikationen
Niesen und Schnupfen sind an sich nicht lebensgefährlich. Nehmen Betroffene eine Inhalationsallergie allerdings nicht ernst, können weitere Allergien und Asthma die Folge sein. In äusserst seltenen Fällen kann ein Asthmaanfall lebensbedrohlich werden (Fachbegriff: Status asthmaticus). Bei einem solchen Status asthmaticus helfen keine Medikamente mehr. Der Gasaustausch in der Lunge kann versagen, Betroffene bekommen zu wenig Sauerstoff. Die Situation wird lebensbedrohlich.
Sofort zum Arzt
Bei schwerer Luftnot und wenn die vom Arzt verordneten Medikamente nicht mehr wirken, unbedingt den Notarzt rufen. Es herrscht akute Lebensgefahr.
Nur in ausserordentlich seltenen Fällen lösen Inhalationsallergien einen anaphylaktischen Schock aus (siehe Abschnitt «Kreuzallergien»).
Besonderheiten
Eine besondere Form der Inhalationsallergie ist die exogen-allergische Alveolitis (Abk.: EAA). Dabei kommt es zu einer allergisch bedingten Entzündung des Lungengewebes, vor allem der Lungenbläschen (Fachbegriff: Alveolen). Auslöser sind Schimmel oder Vogelfedern z.B. beim Umlagern von verschimmeltem Heu oder bei der Säuberung eines Taubenschlags.
Die EAA ist sehr selten und gehört zu den verzögert auftretenden allergischen Reaktionen (Kombination der Immunreaktionen Typ III und IV). Innert vier bis zwölf Stunden können Symptome wie Atemnot im Ruhezustand, Reizhusten, Krankheitsgefühl, Fieber, Schüttelfrost und Gliederschmerzen auftreten. Diese Beschwerden klingen nach wenigen Tagen ohne Therapie ab, wenn der Auslöser gemieden wird. Bei ständigem Kontakt kann die Krankheit chronisch werden, z.B. bei Landwirten oder Taubenzüchtern.
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Ursachen, Risikofaktoren und Häufigkeit
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Menschen mit einer Inhalationsallergie reagieren überempfindlich auf bestimmte Eiweisse von Stoffen in der Luft wie Pollen, Hausstaubmilben, Schimmelpilzsporen oder Tiere.
- Pollen: Obwohl es in der Schweiz 3500 verschiedene Pflanzen gibt, lösen nur 20 allergische Beschwerden wie Heuschnupfen aus. Die Pollensaison beginnt fast schon im Winter, wenn Frühblüher wie Erle und Hasel zu blühen anfangen. Ab Frühsommer bis Ende Oktober verteilen Gräser, Getreide und Kräuter ihre Pollen.
- Hausstaubmilben: Die kleinen Spinnentiere selbst sind harmlos. Ihre bevorzugte Nahrung sind menschliche Hautschuppen, deshalb halten sie sich hauptsächlich in Betten, also in Matratzen, Kopfkissen und Bettdecken auf. Ausserdem leben sie gern in Polstermöbeln und Teppichen. Am wohlsten fühlen sich Hausstaubmilben bei Temperaturen ab 25 °C und einer Luftfeuchtigkeit zwischen 65 und 80%.
- Tiere: Ursache für Tierallergien sind bestimme Eiweisse, die an den Hautschuppen und Haaren von Tieren kleben. Aggressivste Auslöser für Tierallergien sind kleine Fellträger wie Katzen, Kaninchen und Meerschweinchen. Aber auch Hunde, Pferde und Rinder können Beschwerden verursachen. Die Symptome können auch durch Begegnungen mit Tierhaltern ausgelöst werden.
- Schimmelpilz: Schimmelpilzallergien werden meist dadurch ausgelöst, dass Betroffene Pilzsporen, also die Fortpflanzungszellen, oder Teile der Pilze selbst einatmen. Die Sporen finden sich überall in der Luft, sie sind in der freien Natur genauso zu finden wie in geschlossenen Räumen (z.B. Keller, Bad, Komposthaufen, Gewächshaus).
Risikofaktoren
Ob jemand eine Allergie entwickelt, das bestimmen die Erbanlagen. Hat ein Elternteil Allergien, liegt das Risiko bei 30%, dass ein Kind die Neigung erbt. Sind beide Eltern Allergiker, steigt die Wahrscheinlichkeit auf über 50% an. Die Mediziner sprechen von Atopie, wenn ein Kind mit einer erhöhten Bereitschaft zu bestimmten allergischen Krankheiten zur Welt kommt. Zu diesen Krankheiten des sogenannten atopischen Formenkreises gehören Neurodermitis, allergische Rhinitis (vergleiche Schimmelpilzallergie, Hausstaubmilbenallergie, Heuschnupfen) und allergisches Asthma.
Das geringste Risiko, Allergien zu bekommen, haben Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen. Das Phänomen nennt sich Bauernhof-Effekt. Die Verfasser diverser Studien nehmen an, dass das Immunsystem der Bauernhofkinder durch Spielen im Dreck und Kontakt mit einer Vielzahl an Erregern lernt, von welchen Stoffen nun Gefahr lauert und welche harmlos sind. Stadtkinder dagegen wachsen unter zu sauberen Bedingungen auf, was das menschliche Immunsystem aus dem Gleichgewicht bringt.
Häufigkeit
Inhalationsallergien sind die häufigsten Allergien in der Schweiz. Fast jeder fünfte Mensch leidet an Heuschnupfen, nahezu jeder zehnte bekommt von Hausstaub, Tieren oder beidem eine Schniefnase, während zwei von hundert Personen allergisch auf Schimmelpilze reagieren.
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Vorbeugung
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Einer Allergie lässt sich nicht vorbeugen. Einzige Möglichkeit scheint zu sein, dass Risikofamilien mit allergischer Vorbelastung eines Elternteils oder beider Eltern vor der Geburt ihres Kindes auf einen Bauernhof umsiedeln und dort auch ihren Nachwuchs aufziehen.
Auch sonst gibt es einige Massnahmen, die Babys und Kinder gut gegen Allergien wappnen:
- Ernährung während der Schwangerschaft: Ganz generell sollten sich Schwangere, Stillende und Kinder ausgewogen und nährstoffreich ernähren und dabei möglichst schadstofffreie Lebensmittel zu sich nehmen. Diäten während der Schwangerschaft sind zu vermeiden. Mögliche allergieauslösende Lebensmittel einfach wegzulassen, hat keinerlei vorbeugenden Effekt. Dagegen wirkt sich Fisch auf dem Speisezettel sowohl in der Schwangerschaft als auch während der Stillzeit positiv aus und schützt vor späteren Krankheiten aus dem atopischen Formenkreis.
- Stillen und Alternativen: Eine Stillzeit von vier Monaten ist die optimale Vorbeugung gegen Allergien, das haben viele Studien bewiesen. Ist Stillen nicht möglich, sollten Risikobabys mit hydrolysierter oder hypoallergischer Nahrung aus vorverdauter Kuhmilch gefüttert werden. Speziallebensmittel auf Sojabasis sind als Mittel zur Allergieprävention nicht zu empfehlen. Da Kleinkinder nach vollendetem vierten Lebensmonat mehr Nährstoffe benötigen, ist eine Fütterung mit Beikost wichtig, eine Verzögerung der Beikost kann sich sogar negativ auf die Entwicklung des Kindes auswirken.
- Haustierhaltung: Inwieweit Haustierhaltung sich auf den Ausbruch von Allergien auswirkt, ist umstritten. Besteht kein erhöhtes Allergierisiko, müssen die Kinder nicht auf ihre pelzigen Freunde verzichten. Es gibt aber auch keine Belege dafür, dass eine gezielte Haustierhaltung vorbeugend gegen Allergien hilft.
- Klima: Alle Kinder brauchen ein vorteilhaftes Klima zum Aufwachsen, nicht nur solche mit Allergierisiko. Dazu gehören gut durchlüftete Räume ohne Tabakrauch, hohe Luftfeuchtigkeit (Schimmelbildung!) und Innenraumluftschadstoffe z.B. von neuen Möbeln oder Maler- und Renovierungsarbeiten.
- Impfungen: Es gibt keinerlei Belege dafür, dass Impfungen das Allergierisiko bei Kindern erhöhen. Daher wird empfohlen, alle Kinder, auch Risikokinder, nach den Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) impfen zu lassen.
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TopPharm hilft!
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Bei Verdacht auf eine Allergie kann Ihr Gesundheits-Coach Sie in vielerlei Hinsicht beraten:
- Er hat einen TopPharm Ratgeber zum Thema Allergien zur Hand.
- Sie können bei Ihrem Gesundheits-Coach einen Prick-Test durchführen lassen. Dieser zeigt auf, ob Sie Sensibilisierungen auf Pollen, Tierhaare, Hausstaubmilben, Schimmelpilze, Nahrungsmittel oder Latex haben.
- Ihr Gesundheits-Coach gibt Ihnen ebenfalls Auskunft darüber, welche Medikamente Ihnen gegen akute Beschwerden Ihrer Allergie helfen und wann Sie einen Facharzt aufsuchen sollten.
- Sollten Sie mit einem Notfall-Set zur Soforthilfe ausgerüstet werden, kann Ihr Gesundheits-Coach Sie praktisch in dessen Handhabung einweisen.
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Wirkstoffe
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Weitere Informationen
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