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Gründungsdatum: November 1939
Fläche: 11.800 Hektar
Ökosystem: Atlantischer Regenwald
Relief: Bergig, mit steilen Felsen und Höhen zwischen 400 und 2.263 Metern.
Aktivitäten: Wanderungen, Überquerungen, Klettertouren, Canyoning, Foto-Trekking und Umwelterziehung.
Ort: Bundesstaat Rio de Janeiro – Munizipien Guapimirim, Magé, Petrópolis und Teresópolis.
Der Park wurde 1939 gegründet, in der Absicht, die Quellen von Teresópolis zu schützen und die bewaldeten Höhen für wissenschaftliche Forschungen und für den Tourismus zu erhalten. Der Name “Orgelgebirge“ entstammt der religiösen Vorstellungskraft der katholischen Kolonisatoren aus Portugal. Es ist am wahrscheinlichsten, dass ihnen die Ähnlichkeit der “wie die Orgelpfeifen dastehenden“ Bergspitzen aufgefallen ist und sie zu dieser Bezeichnung bewogen hat.
Dieselbe Region, welche schon 1817 die beiden deutschen Naturwissenschaftler Von Spix und Von Martius begeistert hat, als sie sich in den damals noch kaum bekannten Landschaften Brasiliens umsahen, zog auch den Kaiser Dom Pedro I. um 1830 magisch an – er akquirierte Ländereien in dieser Gegend. Deshalb der Name Petrópolis – der Ort wurde in seinem Namen getauft. Später beherbergte das Städtchen die Sommerresidenz des Kaisers, und bis zum heutigen Tag hat es sich einen gewissen Charme bewahrt, der Ihro Majestät damals so faszinierte. In den 30er Jahren gingen andere bedeutende Persönlichkeiten der brasilianischen Geschichte dazu über, diese Region zu frequentieren – wie zum Beispiel der damalige Präsident Getúlio Vargas, der 1939 den Nationalpark gründete – den dritten auf brasilianischem Boden!
Weil das Parkgebiet in unmittelbarer Nähe der Metropole Rio de Janeiro gelegen ist, und weil es ausserdem umgeben ist von weiteren Munizipien mit hoher Bevölkerungskonzentration, wird es von Invasoren und Landbesetzern konstant bedroht – obwohl sich in der Stadt Teresópolis ein Sitz der IBAMA (Naturschutzbehörde) befindet, deren Beamte das Gebiet kontrollieren.
Das bergige Relief ist die besondere Attraktion des Parks, der eine Fläche von 11.800 Hektar umfasst, auf die sich 10 Berge mit mehr als 2.000m Höhe verteilen – und weitere 6 mit mehr als 1.500m – eine Sammlung von Gipfeln, die für Brasilien einmalig ist! Der “Pedra do Sino“ (Glockenberg) ist der höchste von ihnen, mit 2.263 Metern – und der berühmte “Dedo de Deus“ (Gottesfinger), mit 1.692 Metern, der sich ebenfalls innerhalb des Parks erhebt, ist eine ganz besondere Attraktion! Aber nicht nur die Gipfel verschönern das Szenario. Die Flüsse der Region sind das Ergebnis des lokalen Relief-Typus: sie sind kurz, voller Wasserfälle und ergiessen sich bald in die Küstenebene, wo sie nach ebenso kurzem Verlauf in die Baia de Guanabara münden. Was die Flora betrifft, so sind die Orchideen und Bromelien verschiedener Arten und Farben sicherlich am bemerkenswertesten – aber auch ein paar seltene alpine Arten verschönern das Gebiet.
Der Park präsentiert im grossen Ganzen eine Vegetation, welche aus drei unterschiedlichen Arten besteht, und die fallen je nach Höhenlage verschieden aus – abhängig von den Temperaturen und den jeweiligen Niederschlägen. Unterhalb 1.400 Meter wird die Landschaft vom tropischen Atlantischen Regenwald beherrscht – mit breitblättrigen, fleischigen Pflanzen. Zwischen 1.400 und 1.800 Metern hat sich der tropische Regenwald der Berge breit gemacht. Oberhalb 1.800 Meter geht die Landschaft in “Campos de altitude“ über – hier dominieren kleinere Bäume, Büsche, Kräuter und Gräser, die sich rund um die Steine und Felswände angesiedelt haben, welche teilweise von Flechten und Moosen bedeckt sind. Die bedeutendsten Flora-Spezies und ihre vorherrschenden Kommunen auf jedem Höhenabschnitt, gleichen im allgemeinen denen des Itatiaia-Nationalparks – obwohl man auf dessen “Campos de altitude“ eine sehr viel grössere Zahl von Kräutern und blühenden Gräsern antrifft!
Obwohl die Flora durchaus üppig erscheint, ist doch ein grosser Teil des Parks mit sekundärer Vegetation bedeckt, das heisst, eine Pflanzendecke, welche bereits in der Vergangenheit genutzt und ausgedünnt worden ist. Auf den schwer zugänglichen Abschnitten ist der Originalwald noch vorhanden. Fachleute halten es für wahrscheinlich, dass man in der Serra dos Orgãos, nur 80 km weit weg von der Metropole Rio de Janeiro, durchaus noch Pflanzenarten finden wird, die der Wissenschaft noch unbekannt sind – besonders innerhalb der Höhenvegetation – Pflanzen, die intensiver Kälte angepasst sind. Ein solches Beispiel ist die “Cravina-do-campo“ (Schultesia guianensis), eine endemische Spezies, die nur in diesem Gebiet wächst!
Die Tierwelt des Parks ist eine reiche Palette der im Atlantischen Regenwald am häufigsten vorkommenden Arten, inklusive Primaten, Reptilien, Amphibien, diverse Vogelarten und unzählige Insekten. Die Naturwissenschaftler Spix und Martius haben damals eine riesige Sammlung aus diesem Gebiet zusammengetragen und, in Übereinstimmung mit der Theorie der “Fluchtwege aus dem Pleistozen“, welche von K.S.Brown aufgestellt wurde, befindet sich der Park genau im Zentrum dieser Fluchtwege. Danach ist die Serra dos Órgãos Teil eines bedeutenden Zentrums biologischen Reichtums, in dem endemische Spezies von Flora und Fauna innerhalb extrem gegensätzlicher klimatischer Bedingungen überleben und ihre weitere Umgebung neu kolonisieren, wenn dort das Klima angenehmer geworden ist.
Aus einer Publikation hinsichtlich der Führung des Parque Nacional Serra dos Órgãos von 1980 geht hervor, dass das geschützte Gebiet eigentlich “drei- bis viermal grösser“ sein müsste, um seine Flora und Fauna adäquat zu schützen. Fachleute registrierten mindestens 13 Tierarten, die innerhalb der Parkfläche vom Aussterben bedroht sind. Eine davon ist der Muruqui oder auch Macaco-aranha (Ateles paniscus) oder Mono-carvoeiro, der grösste amerikanische Primat. Unter den Vögeln droht dem Papagaio-de-peito-roxo (Amazona vinacea), dem Bicudo (Oryzoborus maximiliani) und dem Jacutinga (Pipile jacutinga) das gleiche Schicksal.
Tropisch und sehr feucht, mit mittleren Jahrestemperaturen um 18°C – ohne definierbare Trockenzeit. Während des Winters – zwischen Juni und August – kann die Temperatur bis auf 0°C fallen. Niederschläge variieren zwischen 1.250 und 1.500mm jährlich.
Besucherzentrum und Grünes Szenario
Liegt gleich hinter dem Parkeingang, in Teresópolis, und bietet Informationen über den Park auf Tafeln, Fotos und mit Modellen.
Das Von-Martius-Besucherzentrum
Es besitzt restaurierte Originalarbeiten des Botanikers Von Martius, mit Gemälden und Karten. Es befindet sich im antiken Sitz der “Fazenda Barreiras“, auf der einst der Kaiser Dom Pedro II. Zu Gast weilte – heute wird der Landsitz zur Umwelterziehung genutzt.
Die Kapelle Nossa Senhora da Conceição
Ein historisches Denkmal, gebaut 1713, es befindet sich in der Nähe des Fleckens Guapimirim.
Cachoeira Véu da Noiva
Dieser Wasserfall, einst der Liebling des Kaisers Dom Pedro I., wird heutzutage von den Praktikanten des Canyoning regelmässig aufgesucht. Er stürzt von 32 Metern Höhe herab, und um ihn zu erreichen, gibt es einen leicht zu begehenden Weg von Petrópolis aus.
Cachoeira das Andorinhas
Ein Fall von 15m Höhe, der in einen Brunnen mit ruhigem Wasser fällt – herrlich für ein erfrischendes Bad nach einer schweisstreibenden Wanderung! Er befindet sich etwa 10 Minuten weiter hinter dem “Véu da Noiva“.
Dedo de Deus – der “Finger Gottes“
Ist zum Symbol der Serra dos Órgãos geworden – und er ist auch der von den Bergsteigern am meisten anvisierte Gipfel dieser Region – mit 1.692m Höhe. Die Wanderung zur Basis hin und zurück nimmt etwa einen Tag in Anspruch. Wer vorhat, ihn zu erklettern, muss sich von der IBAMA eine entsprechende Erlaubnis einholen – obwohl die Kletterei für erfahrene Bergsteiger ziemlich einfach ist.
Dedo de Nossa Senhora – der “Finger der Gottesmutter“
Mit einer Höhe von 1.406m, ist ein weiterer Gipfel, welcher viele Kletterer anzieht. Bs zur Basis gelangt man über einen Pfad durch den Wald – etwa 4 Stunden zu Fuss. Zum Erklettern braucht man ebenfalls die vorherige Genehmigung der IBAMA und die Begleitung eines erfahrenen lokalen Guides.
Pedra do Sino – der “Glockenstein“
Ist der höchste Gipfel der Serra do Órgãos, mit 2.263 Metern. Man erreicht seine Basis von Teresópolis aus, auf einem Trail von 14km Länge und in 1.120m Höhe. Der erste Teil dieser Wanderung führt durch Wald – er ist das steilste Stück, mit einer Bepflasterung aus der Zeit des Kaiserreichs. Auf dem Weg gibt es zwei Wasserfälle, an denen man eine Erfrischungspause einlegen kann. Der folgende Teil der Wanderung ist leichter, und man wird mit Ausblicken in die herrlichen Landschaften rund um die Serra dos Órgãos für alle Anstrengungen entschädigt. Im westlichen Abschnitt des Berges befindet sich die schwierigste Kletterroute Brasiliens. Man nennt sie auch “Ort der Giganten“ – eine Felswand von zirka 500 Metern, vollkommen negativ, die man von dem Verbindungweg zwischen Petrópolis und Teresópolis aus einsehen kann. Um sie zu erklimmen, muss man vorher die Erlaubnis des Bergsteiger-Sektors des Nationalparks einholen.
Pedra do Açu
Ist auch unter dem Namen “Castelo do Açu“ bekannt – eine Formation von enormen Felsen in Reihe – etwa 10m hoch – auf dem Kamm der Gebirgskette. Der Weg dorthin ist 7km lang und beginnt im Vale do Bonfim, in Petrópolis. Die Wanderung ist schwierig, im Durchschnitt braucht man 4 Stunden bis zum Gipfel, von wo man einen herrlichen Blick auf die gesamte Baia de Guanabara (Rio de Janeiro) geniesst – wenn die Luft klar ist!
Poço Verde – der Grüne Brunnen
Ist ein Natur-pool, der sich zu einem wunderbaren Badeplatz entwickelt hat. Er befindet sich in der Nähe des Fleckens Guapimirim – erreichbar auf einem Weg von etwa 30 Minuten Dauer.
Trilha Beija-Flor – der Kolibri-Weg
Von zirka 3 Kilometern ist ideal geeignet für Birdwatchers – besonders die kleinen “fliegenden Edelsteine“ bekommt man hier leicht zu Gesicht und vor die Kamera. Der Pfad beginnt hinter dem “Cenário Verde“ und ist leicht zu begehen.
Trilha da Primavera – der Frühlings-Weg
Ist der einfachste im Park – er kann von Besuchern aller Altersklassen begangen werden. Er besitzt Informationsschilder entlang des gesamten Weges, der im Durchschnitt innerhalb von nur 15 Minuten zurückgelegt werden kann.
Trila Mozart Catão
Eine relativ einfache Wanderung von etwa 40 Minuten bis zum Aussichtspunkt Alexandre Oliveira. Von dort oben kann man einen Teil der Stadt Teresópolis einsehen. Die Namen des Weges und der Aussichtsplattform ehren Alpinisten der Stadt, die 1998 starben, als sie den Südhang des Aconcágua in den Anden zu erklettern versuchten.
Trilha Petrópolis-Teresópolis
Dieser Weg ist der bedeutendste des Nationalparks und einer der meist besuchten von den Liebhabern des Trekking. Dieser Pfad durchquert die Serra dos Órgãos in einer Länge von 42km – unterwegs kommt man am Pedra do Sino und am Castelo do Açu vorbei. Während dieser Durchquerung, die in der Regel drei Tage in Anspruch nimmt, müssen die Teilnehmer in Zelten übernachten. Es empfiehlt sich, diese Wanderung nur unter Begleitung erfahrener lokaler Führer zu unternehmen!
Die beste Jahreszeit für diese Region ist zwischen Mai und September, wenn es weniger regnet und der Himmel klar ist, um die wunderbaren Ausblicke geniessen zu können. Obwohl die herrliche Landschaftsszenerie den Besucher zum Klettern einlädt, sollte dieser sich in guter physischer Kondition befinden, um Urwald zu durchqueren, Flüsse in der Regenzeit zu bezwingen und selbst intensiver Kälte während des Winters zu trotzen.
- Grundkenntnisse der Ersten Hilfe und gute Orientierungsfähigkeit in der Natur sind ebenfalkls hilfreich – und niemals allein gehen!
- Bei der langen Wanderung auf dem Trail zwischen Petrópolis und Teresópolis sind Taschenlampen mit einem starken Lichtstrahl von grossem Nutzen – und vergessen Sie die Ersatzbatterien nicht! Die Kälte entlädt die Batterien schneller als Sie glauben!
- Nehmen Sie einen Rucksack mit leichten Nahrungsmitteln und komfortablem Kälteschutz mit. Die Kleidungsstücke sollten Sie in Plastiksäcke verpacken, um sie vor Regen zu schützen!
- Trockennahrung, Integralbrot, weisser Käse, Rosinen oder Trockenfrüchte, Schokolade, Nüsse, Kekse und Rohzucker sind leichte Nahrungsmittel, die Energie geben.
- Gehen Sie sparsam mit dem mitgebrachten Mineralwasser um, damit es nicht plötzlich ausgeht!
- Trotz der niedrigen Temperaturen in der Serra dos Orgãos sind offene feuer wegen der Waldbrandgefahr nicht erlaubt!!
- Denken Sie auch daran, dass exzessiver Lärm die Tiere verscheucht und andere Gruppen beeinträchtigt, die Ruhe suchen!
- Und vergessen Sie nicht: Der Park ist in seinem Gesamt ein Schutzgebiet, deshalb sammeln Sie bitte allen von Ihnen produzierten Abfall wieder ein und nehmen Sie ihn mit zurück!!