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SRF: Wann haben sie das erste Mal vom sogenannten «Spanischen Meister» gehört?
Christoph Leon: Ich habe mich dem «Spanischen Meister» stufenweise angenähert. In den 80er Jahren habe ich den Namen zum ersten Mal gehört. 1999 sind mir verschiedene verdächtige Stücke im Katalog «Royal Portraits and the Hellenistic Kingdoms» von Robin Symes, ein mittlerweile verurteilter Kunsthändler, ins Auge gestochen.
Im Jahr 2000 entdeckte Professor Stefan Lehmann, Archäologe an der Uni Halle, dass eine im Winkelmann-Museum ausgestellte Alexander-Büste mutmasslich gefälscht war. Die letzten 10 Jahre tauchten auf dem Markt immer mehr gefälschte Bronzebüsten auf. Die stilistischen Ähnlichkeiten lassen auf den «Spanischen Meister» schliessen.
Ich glaube, ich habe den Mann gefunden.
Steckt dahinter eine Fälscherwerkstatt mit verschiedenen Künstlern oder ist es eher eine Einzelperson?
Der Name ist eine Arbeitshypothese. Wir vermuteten aber immer schon, dass der Mann in Spanien arbeitet, wegen einem spanischen Relief, das bei Christies hätte verkauft werden sollen.
Erst in den letzten Monaten hat sich herausgestellt, dass der Mann tatsächlich in Spanien gelebt hat. Ich schreibe dazu einen Artikel und glaube, den Mann gefunden zu haben. Mehr kann ich dazu noch nicht sagen. Das alles wird demnächst publiziert.
Lebt er noch, man schreibt ihm ja Objekte aus den späten 70er Jahren zu?
Ja, er hat schon früh angefangen, das ist ein ausserordentlich begabter Künstler. Trotzdem macht er auch stilistische Fehler, das wird ja auch im Film «Der Spanische Meister» gezeigt. Er ist sehr clever, braucht altes Material, antiken Schrott und Münzen, die er einschmilzt.
Schon etliche Spekulanten haben sich mit Fälschungen eine blutige Nase geholt.
Sie bewegen sich seit 40 Jahren im Antikenhandel. Wie hat er sich verändert?
Es gibt viel mehr Fälschungen als früher. Seit 10, 15 Jahren ist sehr viel Geld im Markt. Die Finanzwelt hat die Antiken entdeckt, die Preise sind extrem gestiegen. Es wird spekuliert und versucht mit Antiken Geld anzulegen, Geld zu waschen. Mittlerweile haben sich aber auch schon etliche Spekulanten eine blutige Nase geholt, weil sie auf Fälschungen reingefallen sind.
Der Kunst- und Antikenhandel ist eine verschwiegene Welt. Sie sind eine Ausnahme, wieso reden Sie heute?
Ich will die Öffentlichkeit aufmerksam machen. Nicht alles, was glänzt, ist Gold. Wenn ich in die Online-Kataloge der Kunsthändler schaue, graut es mir. Da werden knallhart Fälschungen verkauft. Die Nachfrage ist gross und der Nachschub an echten Stücken ist zusammengebrochen.
Eine Ausstellung in einem Museum adelt jeden Bronzekopf.
Sie sagen, Museen können Kunst «waschen» – wie Geld. Wie geht das?
Kunsthändler geben schöne Stücke absichtlich als Leihgaben in Museen. Dort werden sie einige Jahre ausgestellt, dann werden sie verkauft. Es heisst dann beispielsweise: ausgestellt im Metropolitan Museum. Eine Ausstellung in einem Museum adelt jeden Bronzekopf.
Das Gespräch führte: Denise Chervet
Zur Person
Christoph Leon hat in Fribourg, Paris, Bern und Innsbruck studiert. Nach seiner Promotion, begann er in den 70er Jahren eine Karriere als Kunsthändler für Antiken. Er verkaufte fast nur an Museen.