Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03114.jsonl.gz/3885

Die deutsche Bezeichnung „Bärentraube“ spiegelt sich im wissenschaftlichen Namen dieser Heilpflanze wieder: Arctostaphylos uva-ursi. „Arktos“ ist griechisch und heisst „Bär“, genauso das lateinische „urs“. Das griechische „staphyle“ steht wie das lateinische „uva“ für Traube. Man sagt, dass sie zu ihrem Namen kam, weil Bären die Früchte gerne fressen.
Erst im Mittelalter wird die Bärentraube zum ersten Mal schriftlich erwähnt: Der früheste Hinweis findet sich in einem englischen Arzneibuch aus dem 12. Jahrhundert, wo sie im Zusammenhang mit Harnwegsinfekten genannt ist. Man geht aber davon aus, dass sie vor allem in Nordeuropa längst als Heilpflanze geschätzt wurde. Doch das Wissen ging verloren. Erst im 18. Jahrhundert erkannten die Gelehrten, wie wertvoll die Bärentraube für die Naturheilkunde ist. Seitdem fehlt sie in keinem Arzneibuch mehr. Sie wurde bei Erkrankungen der Harnwege und bei Gallenleiden empfohlen. In der Volksheilkunde vertraute man auch bei Blasensteinen, Nierengries oder Bettnässen sowie bei Bronchitis darauf. Die frischen Blätter legte man auf Wunden. Neben der therapeutischen hatte die Pflanze in der Vergangenheit auch eine mythische Bedeutung: So schützten sich die Isländer vor vermeintlichen „Gespenstern“, indem sie die Pflanze bei sich trugen. Nordamerikanische Indianer rauchten sie, um Krankheiten zu vertreiben.
Im 18. Jahrhundert waren die Blätter in England sehr begehrt. Dort reicherte man Pfeifentabak damit an. In Russland und Nordeuropa verwendete man sie wegen ihres hohen Gerbstoff-Gehalts auch zum Gerben von Leder. Die Früchte nutzte man, um Leder sowie Wolle zu färben; sie ergeben einen gelblich-bräunlichen Farbton.
Die Bärentraube zählt zu den Heidekraut-Gewächsen und bildet, wie viele ihrer Verwandten, Zwergsträucher, die nicht höher als 60 Zentimeter werden. Doch sie sind robust und können ein Alter von über hundert Jahren erreichen.
Charakteristisches Merkmal sind immergrüne, ledrige, ovale Blätter mit glänzender Oberseite. Weil sie Buchsblättern ähneln, heisst die Pflanze auch Wilder Buchs. Die oft flach am Boden wachsenden Sträucher entwickeln weisslich-grünliche, manchmal auch rosafarbene glockenförmige Blüten. Die fünf Kronblätter sind verwachsen, ihre Zipfel leicht zurückgeschlagen. Drei bis zehn Blüten stehen in einem traubigen Blütenstand am Zweigende oder hängen herab. Blütezeit ist März bis Juni. Bestäubt werden sie vorwiegend von Hummeln, die auch schon bei kühleren Temperaturen im Frühjahr aktiv sind.
Auffälliger als die Blüten sind die Früchte der Bärentraube: erbsengrosse, kugelrunde, leuchtend rote Beeren, die an Preiselbeeren erinnern. Botanisch handelt es sich um Steinfrüchte, da sie kleine Steinkerne enthalten. Sie hängen oft bis weit in den Winter hinein an den Sträuchern. Vor allem Vögel laben sich daran, scheiden anschliessend die Samen aus und verbreiten sie so weiter. Das hilft der Pflanze nicht nur, neues Terrain zu erobern: Im Verdauungstrakt der Vögel wird zudem die harte Schale der Samen angegriffen, was das Keimen erleichtert. Früher wurden die Früchte auch durch Bären verbreitet. Uns schmecken sie wegen ihres mehligen Geschmacks nicht; sie können aber getrocknet oder zu Marmelade verarbeitet werden.
Die Sträucher sind fast auf der ganzen nördlichen Halbkugel verbreitet. Im Norden gedeihen sie auch in tieferen Lagen, in Europa vor allem in Mittelgebirgen und im Gebirge bis in Höhen über 3’000 Meter. In der Schweiz sind sie jedoch so selten, dass sie unter Schutz gestellt wurden. Auch in Deutschland steht die Bärentraube auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Sie wächst auf nährstoffarmen, oft sandigen Böden in Heiden und Nadelwäldern, vor allem zusammen mit Kiefern. Als Pionierpflanze kann sie Rohböden besiedeln, wie sie etwa nach einem Sturmwurf, einem Bergrutsch oder einem Kahlschlag entstehen.
Der Extrakt aus frischen Bärentraubenblättern und –triebspitzen wird in Kombination mit dem blühenden Kraut vom Roten Sonnenhut traditionsgemäss von Frauen zur Behandlung der Symptome bei wiederkehrenden Infekten der ableitenden Harnwege (Blasenentzündung Cystitis) eingesetzt.
Die getrockneten Blätter der Bärentraube nutzt man häufig für Tee. Er sollte maximal eine Woche lang angewendet werden, für Schwangere und Stillende ist er nicht ratsam.
Für ihre Wirkung bei Infekten von Blase und Niere ist vor allem das Glykosid Arbutin verantwortlich, das im Körper zu Hydrochinon umgewandelt wird. Es hemmt die Vermehrung von Bakterien und wirkt entzündungshemmend.