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Mit der Vergrösserung der Kantons- und Universitätsbibliothek sowie dem Neubau der Rechtsfakultät neben dem Thierryturm stehen zwei grosse Bauprojekte in Freiburg an. Die Vergabe der Arbeiten für die Planung von Heizungs-, Lüftungs-, Sanitär- und Elektroanlagen sorgt nun aber für Diskussionen: Obwohl es ein teureres Angebot machte als mehrere Freiburger Büros, hat beide Male das Berner Büro Gruner Roschi AG das Mandat erhalten.
«Nicht verständlich»
Es sei klar, dass die Vergabe solcher Arbeiten den Regeln des öffentlichen Beschaffungswesens unterliegen müssten, um ein Gebäude von hoher Qualität zu einem vorteilhaften Preis zu erhalten und eine Günstlingswirtschaft für die lokalen Unternehmen zu vermeiden, schreiben die Grossräte Jean-Daniel Wicht (FDP, Givisiez) und Pierre Mauron (SP, Bulle) in einer Anfrage an den Staatsrat. «Hingegen ist es nicht verständlich, dass ausserkantonale Unternehmen gegenüber Freiburger Unternehmen favorisiert werden.» Schon bei der Ausarbeitung der Offertenausschreibung sei nicht ein Freiburger, sondern mit Techdata ein Berner Büro beauftragt worden. Auch sei die Gewichtung des Preises mit 20 Prozent für ein solches Projekt relativ gering: Diese Gewichtung des Preises ist eigentlich für sehr komplexe Bauprojekte vorgesehen.
Mauron und Wicht schreiben, dass meist die billigste Offerte das Mandat hole. Nicht so in Freiburg: Für die beiden Mandate sehe das Siegerbüro Kosten von insgesamt 3,12 Millionen Franken vor. Die billigsten Angebote der Freiburger Büros kämen hingegen über 900 000 Franken billiger, schreiben die Grossräte. Sie wollen deshalb vom Staatsrat wissen, warum das Hochbauamt nicht ein Freiburger Büro mit der Ausarbeitung der Offertenausschreibung beauftragt hat. Auch fragen sie, wie der Staatsrat zulassen könne, dass der Kanton 900 000 Franken mehr an ein Berner Büro bezahle für Arbeiten, die ein Freiburger Büro hätte ausführen können, «ohne dieses Geld unnötig auszugeben». «Hat der Staatsrat noch Vertrauen in die Freiburger Unternehmen und in ihre Fähigkeit, grosse Arbeiten ausführen zu können, auch wenn sie billigere Offerten machen als Unternehmen aus anderen Kantonen?»
Schlechte Bewertung
Nicht nur auf der politischen Ebene, auch bei den Freiburger Unternehmen hat die Vergabe der Arbeiten für Reaktionen gesorgt: Gleich drei Unternehmen haben Rekurs gegen die beiden Vergaben eingelegt. Und der Freiburgische Verband der Beauftragten des Baugewerbes hat allen Staatsratsmitgliedern einen Brief geschrieben. Er stelle die Qualität des Berner Büros nicht infrage, betont Jacques Spicher, der gemeinsam mit Jean Imfeld und Yvan Chappuis den Verband präsidiert. Jedoch seien das Resultat und insbesondere die Bewertung der Unternehmen doch erstaunlich. So hätten von den acht Freiburger Bewerbern sieben ein billigeres Angebot gemacht als das Berner Büro und damit bereits einen Vorsprung bei der Verteilung der Punkte gehabt. Jedoch sei bei den qualitativen Kriterien keiner der Freiburger Bewerber gleich gut eingestuft worden wie das Berner Büro. «Das verstehen wir nicht», sagt Spicher. Denn die beteiligten Büros hätten ausgewiesene Kompetenzen und seien auch an ausserkantonalen Projekten beteiligt. «Und die auszuführenden Arbeiten sind zwar nicht alltäglich, aber doch Standard.»
Noch deutlicher wird ein Mitarbeiter eines der Büros, der nicht mit Namen genannt werden will. «Die Ausschreibung schien fast wie gemacht für jemanden.» So sei etwa viel wert auf Referenzen bezüglich universitärer und öffentlicher Gebäude gelegt worden. Etwas, das in Freiburg kaum ein Büro aufweise. «Hier wurden in den letzten Jahren weniger solche Gebäude gebaut als etwa in Bern oder in Lausanne.» Auch sei es nicht sehr geschickt vom Kanton, die beiden bedeutenden Aufträge an dasselbe Büro zu vergeben. «Was ist, wenn die Zusammenarbeit nicht funktioniert? Dann stockt es bei beiden Projekten.»
Kanton: Erstmals drei Rekurse
K antonsarchitekt Thierry Bruttin verteidigt die Vergabe der Arbeiten bei der Kantonsbibliothek und der Rechtsfakultät: «Die Arbeiten sind sehr komplex, darum haben wir den Preis mit 20 Prozent gewichtet», sagte er gestern den FN. «Wir haben die Freiburger nicht benachteiligt; sie haben ja auch sehr gut abgeschnitten, einfach nicht am besten.» Die Arbeiten seien vor allem wegen den energetischen Vorgaben sehr komplex, dies hätten zwei Experten bestätigt. «Und es zeigt sich, dass dies stimmt: Einige Ingenieurbüros haben Lösungen abgeliefert, die nicht realistisch sind», sagt Bruttin. «Wir haben uns entschieden, auf die Qualität zu setzen, und haben darum den Preis weniger stark gewichtet.»
Laut Bruttin ist es das erste Mal, dass gleich drei Büros gegen Arbeitsvergaben rekurrieren – darunter auch solche, die wissen, dass sie auch bei einer Neubeurteilung keine Chance hätten, unter die Besten zu kommen. njb