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Wann kommt endlich der Bankrott?
Die neusten Zahlen von Eurostat zeigen es, und der «Economist» wiederholt es in seiner neusten Ausgabe: Die Schulden einiger Länder in der Eurozone sind zu hoch. Selbst Irland, das wegen seiner rigorosen Krisenpolitik immer wieder gelobt wird, steckt tief im Schuldensumpf, sobald man die Unternehmensverschuldung dazurechnet. Italien sieht besser aus bei den privaten Schulden, dafür wächst die Staatsverschuldung ungebremst.
Hier ist die Grafik des «Economist»:
Längst bekannt ist auch, dass ein Abbau der Schulden kaum zu erwarten ist. Man versucht, die Illusion der Solvenz aufrecht zu erhalten, so lange es nur geht. Die Restrukturierung der griechischen Schulden, die vor ein paar Jahren stattgefunden hat, bleibt ein Einzelfall.
Dabei wäre ein Teilbankrott bei den Staatsschulden eine Massnahme, die einen entscheidenden Beitrag zu einer wirtschaftlichen Erholung leisten könnte. Die Ökonomin Carmen Reinhart, eine ausgewiesene Kennerin der Finanzgeschichte, hat dies in einem neuen Beitrag anhand von historischen Daten einmal mehr bestätigt (hier). Sie untersucht die Staatsschuldenabschreibungen in der Zwischenkriegszeit und in der Zeit von 1978 bis 2010. Die Grafik zeigt, wie häufig und wie hoch solche Teilbankrotte waren:
Die nächste Grafik zeigt die Wirkung des partiellen Staatsbankrotts, der beim Punkt 5 angegeben wird. Die rote Linie bildet die Dreissigerjahre ab. In den vier Jahren vor 1934 schrumpfte das Pro-Kopf-Einkommen zunächst dramatisch und pendelte sich dann auf einem tiefen Niveau ein. Nach 1934 hingegen wuchs die Wirtschaft. Wie viel genau der partielle Staatsbankrott zum Aufschwung beigetragen hat, kann die Studie nicht sagen. Aber es besteht kein Zweifel, dass der Beitrag substanziell war.
Einen positiven Effekt sieht man auch bei den Ländern, die zwischen 1978 und 2010 einen partiellen Staatsbankrott erlitten haben. Sie sind in der grünen Linie zusammengefasst. Hier zeigt sich ein ähnliches Bild: Kaum sind die Schulden teilweise abgeschrieben, geht es wieder deutlich aufwärts.
Das bringt uns wieder zurück zur Eurozone. Stresstests für Banken sind gut, eine gemeinsame Bankenaufsicht auch, aber sie lösen das Grundproblem nicht. Man muss bereit sein, einen partiellen Bankrott zuzulassen – je früher, desto besser!