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a. An der Zurzacher-Strasse beim sogenannten Brünneli liegt Nachts ein gewaltiger Mann quer über den Weg; man muss über ihn hinwegschreiten. Andere sehen an der gleichen Stelle stocksteif einen Hund. Aber er und der Mann fahren krachend in den Wald hinein, sobald man flucht. Man hat an dem einen rothe Strümpfe bemerkt, übrigens ist er schwarz.
b. Am Grütt, nahe beim Schachen, wo der Waldweg nach Reckingen führt, hat eine Familie in der Einöde gewohnt; aber der furchtbare Lärmen eines Nachthundes vertrieb sie; derselbe liegt an der Kreuzlikapelle in Reckingen, und läuft des Nachts um die ehedem dazu gestifteten Landgüter, welche Gotteshöfe heissen; er trägt einen besonders grossen Schinnhut, seine Augen glühen und sind gross, wie ein Teller.
c. Letztes Jahr am Ostervorabend waren zwei Bursche auf ihrem Heimgänge nach Dettingen, als plötzlich der Dorfpudel zwischen ihnen lief, pechschwarz, in der Grösse eines Mastkalbes. Aber am Steg, der über den Bach führt, musste er sie verlassen. Seinen gewöhnlichen Standpunkt hat er beim Nussbaum am untern Ende des Dorfes gegen Klingnau hin.
d. In Obermumpf heult der Angerhund; es setzt einen geschwollenen Kopf, wenn man dabei zum Fenster hinausschaut. Der Schlosshund daselbst und in Münchwiler zeigt durch sein heiseres Bellen schlechtes Wetter an.
e. Der Dorfhund in Muri ist der Schlossherr jener Burg, die im dortigen Heiterech-See (No. 19.) versunken liegt; er läuft zwischen der Bächelematten und Täfelitanne im Tüfelsgässli.
f. Der Dorfhund in Wohlen wirft auf einer Wiese unterhalb der Jslerischen Fabriken die Vorbeigehenden zu Boden.
g. Das Dorfthier zu Denschbüren läuft in Hunde- und in Stiergestalt um und heisst Langböri. Beherzte Nachtwächter haben schon nach ihm geschlagen, doch war's, wie wenn man in einen Aschensack haue.
h. Strassenhund heisst auf der Kreuzstrasse zwischen Aarburg und Zofingen jener Berner-Bauherr, der zur Anlegung der neuen Postwege ins Aargau gesendet war und dabei die Bauern um ihre Grundstücke betrog. Jetzt zeigt er das schlechte Wetter an.
i. Der Bornhund läuft mit seinem W. Jäger und auch allein auf dem Bornberge und um Aarburg herum; er trägt ein Schellenhalsband und klingelt laut, wenn das Wetter wechseln will.
k. Der Baschishund in einem Hause zu Wallbach trägt eine rothe Mütze und soll ein heidnischer Edelherr sein, der hier die Kriegskasse vergraben. Einmal ist er auch als ein Jäger, den Federbusch am Hute, am Tage durch die verschlossenen Thüren des Hauses geschritten. Vgl. No. 255
l. Der schwarze Dorfhund in Tegerfelden kommt in der Sylvesternacht von der Schlossruine herab, bis zu des Ries Büngerte (Baumgarten) an der Surb; legt sich den Leuten mit den Vorderpfoten auf die Schultern und sprengt sie umher, bis sie halbtodt sind. Dem Wächter soll er zwar auch, aber schadlos nachlaufen, dieser muss jedoch das Ungethüm dann eine Strecke weit „chretzen", d.h. wie einen Tragkorb über die Achsel hernehmen. Er ist schwarz und trägt ein hochrothes Halsband. An Sommertagen badet er in der Surb beim Eheibengraben. Vgl. No. 167.
m. Eine allgemein giltige Redensart sagt „heulen wie ein Trübelhund." Es ist damit der gespenstische Hund gemeint, der allenthalben in den Weinbergen unter verschiedenartigen Namen haust.
n. Der schwarze Hund läuft zu genau bestimmten Fristen durch die Dörfer Stein und Möhlin nach Basel; er ist ein ehemaliger Fuhrmann.
o. Zwischen Obermumpf und Schupfart geht auch ein Thier, bald Hund, bald Katze, seinen geweisten Weg. Man heisst es die Rochelenmoor. Vgl. No. 89. Wenn es aber von der Bühlmatt zu Schupfart durch des Martinis Gass und des Linggen Schopf läuft, hat es den Namen Pudelhund und Bachpflätschi. Ein solcher Pflätschi wandelt im benachbarten Dorf Hellikon bis zu des Baschis Haus.
p. Das Jonenthier im Freienamte ist von vielfach wechselnder Gestalt und hält sich nicht blos im Jonengewässcr, sondern überhaupt im oberen Freienamte auf. Es hat hervorquellende rothe Augen von besonderer Grösse und sein Rücken ist blutunterlaufen.
q. Das Dorfthier in Kulm ist ein so geselliges, dass es die Leute in ihrer Behausung heimsucht.
r. Das Zofinger-Stadtthier ist ein Hund in der Grösse eines Kalbes. Seine Farbe ist brandschwarz, seine Haare sind zottig und rauh, sie reichen bis zur Erde, das Rund seiner Augen gleicht einem glühenden Teller. Er läuft in den heiligen Nächten von der Oberstadt hinab über den Kirchhof zur Kellnerei. Wer ihn erblickt, bekommt einen gedunsenen Kopf, wer ihn streift, ein böses Bein.
In Niederwil im Wiggernthal wird dieser Hund das Mättelithier und Rollenthier genannt. Er streicht auf dem nächsten Bergrücken bis zum Hölzli, und bei einem dortstehenden Hause steckt er seinen Kopf in die Küchenthüre hinein. Im Walde von Ryken nach Niederwil lässt er sich in Begleitung eines Herrn und einer Dame sehen. Man darf nicht nach ihm deuten. Einem Manne erlahmte in dem Augenblicke der Arm, als er die Hand gegen die Matte hin richtete und zu seinem Begleiter sagte, dorten hat gestern der Mättelihund gebrüllt. Sein Name verräth Zusammenhang mit dem reichen Schlossvogt Metteli, No. 131.
s. Der Bachpfaddli, auch Bachpflotschi geheissen, läuft zwischen den Frickthalerdörfern Wölfliswil und Oberhof und hockt unter dem dortigen Brücklein. Wer da Nachts darüber geht, sieht oft statt seiner, zwei Mädchen drunten im Wasser sitzen.
E. L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 2, Aarau 1856
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.