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Der Eigernordwand-Bezwinger Anderl Heckmair ist im Alter von 98 Jahren gestorben. Dem Berner Oberland und dem Eiger blieb er bis ins hohe Alter verbunden.
Mit seiner Nordwand-Erstbesteigung gelangte der Deutsche 1938 zu Weltruhm.
Heckmair wuchs in einem Münchner Waisenhaus auf. Als er im Alter von elf Jahren zu einem Erholungsaufenthalt in die Schweiz geschickt wurde, entflammte sein Herz für die Berge.
In der Weltwirtschaftskrise, in der er seinen Job als Gärtner verlor, wandte er sich ganz der Bergsteigerei zu.
Letzte Herausforderung Eigernordwand
Mit einer Gruppe von kühnen Kletterern machte er sich an vielen extremen Wänden in Österreich, Italien und Frankreich einen Namen, bevor er 1938 in die Schweiz aufbrach, um die Durchsteigung der berühmt-berüchtigten Eigernordwand in Angriff zu nehmen.
Schon acht Bergsteiger hatten hier ihr Leben verloren. Es war die "letzte ungelöste Herausforderung der Alpen", wie Heckmair die Unternehmung bezeichnete.
Am 21. Juli 1938 brachen Heckmair und sein Freund Ludwig Vörg sowie die Österreicher Heinrich Harrer und Fritz Kasparek getrennt zu ihren Versuchen auf. Erst in der Wand, nach einem Schneesturm mit Lawinenniedergang, schlossen sie sich zusammen.
Heckmair übernahm die Führung. Am 24. Juli erreichten sie den 3970 Meter hohen Gipfel, wo Harrer die Hakenkreuz-Fahne hisste. Den Erfolg am Eiger verfolgten Filmteams und Journalisten aus aller Welt.
Von den Nazis vereinnahmt
Das damalige nationalsozialistische Regime sah in der Vereinigung der beiden Seilschaften ein Symbol für den Anschluss Österreichs an Deutschland, der am 13. März 1938 erfolgt war, und schlachtete den bergsteigerischen Erfolg propagandistisch aus.
Die Alpinisten wurden von Hitler empfangen. Im Gegensatz zu Harrer besass Heckmair aber nie ein Nazi-Parteibuch, er galt den Nazis später sogar als politisch unzuverlässig.
Harrer in Tibet, Heckmair als Schmuggler
Harrer machte sich im Zweiten Weltkrieg durch seine Flucht aus englischer Gefangenschaft in Indien 1944 und seinen siebenjährigen Aufenthalt in Tibet einen Namen, wo er den jungen Dalai Lama unterrichtete. Sein 1953 erschienener Erlebnisbericht "Sieben Jahre in Tibet" wurde 1996/97 mit Brad Pitt verfilmt.
Heckmair war im Krieg Infanterist an der Ostfront und schlug sich danach als transalpiner Schmuggler durch. Mitten im deutschen Wirtschaftswunder lernte er den Multimillionär Otto-Ernst Flick kennen, der ihn als persönlichen Bergführer anheuerte - aufs Matterhorn, den 4600 Meter hohen Ruwenzori in Afrika, durch die Anden, und auf den Popocatépetl in Mexiko (5300 Meter).
Dem Berner Oberland stets verbunden
Dem Berner Oberland und dem Eiger ist Anderl Heckmair bis ins hohe Alter verbunden geblieben. Seine Aufstiegs-Route gilt immer noch als die "klassische" Route zur Durchsteigung der Nordwand.
Bis 2003 verbrachte Heckmair regelmässig Urlaubstage in Grindelwald, wie Walter Egger, Präsident der SAC-Sektion Grindelwald, sagte. Er schilderte ihn als offenen, humorvollen Menschen, der trotz seinem Erfolg bescheiden geblieben sei.
60. Jahrestag in Grindelwald
Heckmair stieg bis vor einigen Jahren im Bergrestaurant Alpiglen ab. Das direkt unter der Nordwand gelegene Bergrestaurant hatte ihm 1938 als Ausgangsbasis für die Erstdurchsteigung gedient.
An diese Erstdurchsteigung erinnert heute noch eine Gedenktafel in der Station Eigerwand der Jungfraubahn. Sie war 1998 anlässlich des 60. Jahrestags der Erstdurchsteigung im Beisein von Harrer und Heckmair eingeweiht worden.
Damals waren Heckmair und Harrer nach Grindelwald gekommen, um ihres Erfolges zu gedenken.
Bis vor wenigen Jahren noch hatte Heckmair Oberstdorfer Kurgäste auf botanischen Wanderungen durch die Allgäuer Alpen geführt. Nach einem kurzen Aufenthalt in einem Pflegeheim starb er im Oberstdorfer Spital in Deutschland.
swissinfo und Agenturen
Fakten
Andrl Heckmair ist in einem Münchner Waisenhaus aufgewachsen.
Als 11-Jähriger entdeckte er während eines Erholungs-Aufenhaltes in der Schweiz seine Leidenschaft für die Berge.
Am 1. Februar 2005 starb Heckmair im Alter von 98 Jahren in einem Spital in Obersdorf.
In Kürze
Am 24. Juli 1938 erreichten die beiden Deutschen Anderl Heckmair und Ludwig Vörg sowie die zwei Österreicher Heinrich Harrer und Fritz Kasparek den 3979 Meter hohen Gipfel des Eiger.
Die nationalsozialistische Regierung schlachtete den Erfolg der Alpinisten propagandistisch zu ihren Zwecken aus.