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Der Aargauer Grafiker und Maler Oskar Tröndle (1883–1945) wuchs in Möhlin als jüngerer Sohn von Xaver und Amalie Tröndle-Waldmeyer auf, dem Wirtepaar in der "Sonne".
Er heiratete 1906 in München die Solothurner Malerin Amanda Amiet-Engel, Protagonistin meines Romans "Im Sommer sind die Schatten blau".
An einem heissen Julisonntag reisen der Musikus und ich nach Möhlin, um vielleicht mehr über Oskars Herkunftsfamilie zu erfahren.
Dieser Brief aus dem Jahr 1900 ist an "Oskar Tröndle, Kantonsschüler, Möhlin" adressiert.
Oskar Tröndle war fast 22 Jahre jünger als Amanda. Es ist eine seltsame Vorstellung, dass er als Knirps in kurzen Hosen am Dorfbach gespielt haben mag, während seine zukünftige Frau Amanda Amiet-Engel als jungverheiratete Frau bereits in Solothurn Malunterricht gab, Schulexamen begleitete und Tagebuch führte.
MöHlin Als Malerisches Dorf Und Kurort
Möhlin war ein beliebter und weitherum bekannter Kurort. Knochen- und Gelenktuberkulose, Gicht und Rheumatismus, Neuralgien und viele andere Krankheiten wurden mit Solbädern behandelt. Zur Wirkung des Salzwassers bot Möhlin "noch besonders den Vorteil des Landaufenthaltes", wie der Arzt Dr. A. Welti schrieb, der 1905 eine Broschüre über den Kurort herausgab. "Möhlin ist der Typ des behaglichen Bauerndorfes ... Welche Pracht, wenn's da grünt und blüht", schwärmt A. Welti. "Das ganze, fast 1/2 Stunde lange Dorf durchfliesst der Möhlinbach, über den in malerischen Formen wohl ein Dutzend Brückchen und Stege führen ..."
Familienverhältnisse
Die heutigen Brücklein kommen uns nicht gar so malerisch vor, und der Möhlinbach führt zur Zeit nur wenig Wasser. An seinem Ufer treffen wir auf eine junge Frau, die alle 32 Enten darin unterscheiden kann. Sie nennt sie mit Namen und kennt ihre Familienverhältnisse, weiss, welche Entenmutter wie viele Junge und welche "Stress mit ihrem Erpel" hat.
Die Verwandtschaftsverhältnisse der Waldmeyer (bzw. Waldmeier) seien hingegen komplizierter, sagt sie, da es sich um eine sehr weitverzweigte Familie handle.
Leute namens Tröndle kenne sie keine im Dorf. Ihren Grossvater hätten wir fragen müssen. Der habe das Möhlin noch gekannt, als man hier nur mit Ross und Wagen unterwegs war. Nur lebt er leider nicht mehr.
Wir sind nicht um viele Informationen, doch um einige Eindrücke reicher, als wir Möhlin verlassen. Wir kommen wieder – vorläufig wenigstens
virtuell:
Bild- und Tonarchiv der Gemeinde mÖhlin
Die Gemeinde Möhlin hat ein interessantes Bild- und Tonarchiv online gestellt. Man kann sich mit der umfangreichen Postkartensammlung von Robert Soder vergnügen, Filme anschauen und diverse Dokumente herunterladen.
BIBLIOGRAFIE
- Adolf Welti: Soolbad Kurort Möhlin-Ryburg, hrsg. vom Verschönerung- und
Verkehrsverein. (Reprint des Originals von 1905 durch die Schweizerische Nationalbibliothek)
- Mara Meier: Im Sommer sind die Schatten blau: Amanda Tröndle-Engel. Romanbiografie. Basel: Zytglogge, 2022
Bildnachweis
Vorschau-Bild: Möhlinbach- Foto: Mara Meier, 2022
Illustration im Text: Möhlin, Mitteldorf mit Kirche. Ansichtskarte, ca. 1905 (Privatbesitz Mara Meier).
Illustrationen im Text: Brief an Oskkat Tröndle und Möhlinbach. Fotos: Mara Meier, 2022.