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[bild19049w200l]«Nach dreieinhalb Wochen Meerfahrt sind sie bereits wohlbehalten im Ziele angekommen.» So meldete der «Missionsbote der Kapuziner» (daraus entstand später das a) in der ersten Nummer von 1960. Es handelte sich um die Brüder René Roschy aus Freiburg (der einige Jahre später nach Peru zog und dort vor anderthalb Jahren starb) und Franz Xaver Brantschen, Randa VS, sowie Ewald Beck, Sursee LU.
Statt Afrika
Die drei jungen Kapuziner hatten Suahili studiert, um in Tansania (damals Tanganyika) zu wirken. Es war sozusagen die Weltgeschichte, die sie zwang, ihre Pläne zu ändern. Im Zuge des neu erwachten Nationalgefühls verbot die indonesische Regierung Holländern, ins Land zu kommen. Die neutralen Schweizer waren im Gegensatz zu Bürgern der ehemaligen Kolonialmacht willkommen. So beschloss die Schweizer Kapuzinerprovinz, ihre neuen Missionare nach Indonesien zu schicken, während neue holländische Missionare ins damalige afrikanische Missionsgebiet der Schweizer zogen. Es gab zwar Bedenken, ob die Bergler mit den Leuten aus den flachen «Nederlanden» sich verstehen würden. Franz Xaver Brantschen erzählt uns: «Ich sagte dem Provinzial, für mich gäbe es nur Mitbrüder. Die Nationalität spiele keine Rolle.»
Unvorbereitet – bespitzelt
«Pastor Franz», wie er heute auf Borneo genannt wird – erinnert sich: «Wir kamen frisch aus dem Studium und waren auf die Aufgabe völ- lig unvorbereitet.» Schon anderthalb Jahre nach seiner Ankunft musste der Walliser eine Pfarrei übernehmen, ohne einen ältern Mitbruder an seiner Seite. Heute ist er übrigens der Senior seiner Kapuzinerprovinz. Die «Revolution» von 1963 stand vor der Türe. Alle Ausländer wurden als Feinde betrachtet, ungeachtet ihrer Nationalität. Dazu Pastor Franz: «Weiss war für sie Weiss, ob Schweizer oder Holländer.» Die Militärpolizei observierte die Fremden. In den Gottesdiensten sassen oft Spitzel. Die Missionare warnten einander mit einem geheimen Code.
Flöhe und Würmer
Ewald Beck erzählt uns bei unserem Besuch von dem alltäglichen Leben der ersten Jahre. Er wirkte in der jungen, sehr weitläufigen Pfarrei Pusat Damai, die 2000 Katholiken zählte – heute sind es 25000. Zuerst ging er zu Fuss in die Dörfer hinaus, später mit einem Militärvelo. Die Missionare stiegen beim Dorfhäuptling ab. Bald war das ganze Dorf versammelt, da ein Weisser eine Sensation darstellte. Die Messe wurde in den traditionellen Langhäusern gefeiert, selbstverständlich auf Lateinisch. «Manche Kinder hingen an den Brüsten ihrer Grossmütter. Viele wurden gelaust», erinnert sich «Pastor Ewald». Nach der Messe sass man mit den Leuten auf dem Boden: «Auf Matten voller Läuse, Flöhe und Würmer. Dann schliefen alle in einem Raum des Langhauses, ebenfalls auf den Matten. Morgens um zwei oder drei Uhr wurden wir von dem Stampfen der Reis-Mörser geweckt, mit denen die Frauen das Frühstück vorbereiteten.»
Kirche fördert Entwicklung
Warum entschlossen sich die Einheimischen vom Volk der Dayak, Christen zu werden? Die beiden Missionare können nicht bloss «übernatürliche» Motive nennen: «An vielen Orten waren wir die Einzigen, die von auswärts ins Dorf kamen. Nicht mal Regierungsleute verirrten sich dorthin. Niemand kümmert sich um das Volk. Wir aber gaben ihnen zum Beispiel Medikamente.» Vor allem förderte die Kirche die Bildung der einfachen Bevölkerung: «Wenn es die Kirche nicht gegeben hätte, hätte es keine Schulen gegeben. Die Menschen wären völlig unvorbereitet vom gesellschaftlichen Wandel überrollt worden.»
Walter Ludin