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Rätsel um die Römerruine
Diese Woche von Wagen nach Schmerikon und Eschenbach (SG)
Frühmorgens musste ich zum Zahnarzt, der Weisheitszahn. Während ich lag und litt, stellte ich mir eine Route am oberen Zürichsee vor, die ich am Vorabend geplant hatte für irgendwann.
Und ich dachte: Du hast heute frei, Widmer, und du hast Turnschuhe an, bist also wanderfähig. Wenn du hier lebend rauskommst, solltest du dir etwas Schönes gönnen!
Das Masclus-Rätsel
Eine Stunde später nahm ich, derweil der Krater links hinten unheilvoll pochte, in Zürich den Zug nach Jona und wechselte dort auf den Bus. Im Dorf Wagen stieg ich aus, Wanderstart, ich bog gleich von der Strasse rechts ab und hielt auf den schütteren Kamm des Chlosterwaldes zu. Nachdem ich die Oberlandautobahn überquert hatte, kam ich im Wald ins Gebiet Salet. Auf meiner Karte war eine Ruine eingezeichnet, ein römischer Gutshof, wie ich im Internet gelesen hatte.
Ich wich vom Weg ab, stolperte durchs Kraut, fand die Ruine beim besten Willen nicht. Ich war enttäuscht. Und meine Hosen schmutzig.
Mit dem Gutshof, nebenbei, ist ein Rätsel verbunden. Die Archäologen fanden eine antike Wandkritzelei mit dem Satzfragment: «Masclus hat seinem Sohn erlaubt, über …»
Ja, was jetzt? Was erlaubte Masclus seinem Sohn? Über den See zu schwimmen? Meine Fantasie drehte. Das wiederum lenkte mich von meinem Mund ab, der vollends erwacht war. Ich ging weiter aufwärts. Vom Scheitelpunkt des Chlosterwaldes sah ich den Obersee, der Föhn peitschte das Wasser und bewirkte wilde Wellen. Weit hinten machte ich den Mürtschenstock aus, einen breiten Klotz mit je einer kecken Spitze auf beiden Seiten, was an Katzenohren erinnert.
Als ich unten war, erblickte ich am Weg von Rapperswil nach Schmerikon die Wirtschaft zum Hof. Und das frühgotische Kapellchen St. Meinrad etwas weiter vorn zum Wasser hin.
Parallel zum See zog ich Richtung Osten, das Röhricht wogte, die Enten hoben und senkten sich mit jeder Welle – ein Wunder, dass die nicht seekrank werden, dachte ich. Bald war ich in Schmerikon. Im Restaurant Bad am See, einem historischen Haus, in dem ich mehrmals gut gegessen hatte, fand ich das perfekte Gericht für meine eingeschränkte Beissfähigkeit: Bouillabaisse. Die Suppe duftete fein nach Pernod, mein Glück war definitiv.
Die Kantonsarchäologie hilft
Während des Essens musterte ich durch das Fenster jenen Ort an der Spitze des Obersees, an dem der Aabach einmündet. Ich beschloss, einen Abstecher dorthin einzulegen, wieder einmal. Ganz vorn an der Mündung war ich mutterseelenallein; ich setzte mich auf einen Stein und genoss die Ruhe.
Dann hielt ich zurück nach Schmerikon. Von dort visierte ich Eschenbach an, querte also wieder, jetzt etwas östlicher, den Kamm über dem See. Im Wald raschelte es unter meinen Schuhen, der Laubteppich roch nach Zimt. Bald darauf langte ich an meinem Ziel an. Ich war bester Laune. Eine Wanderung kann einen schlechten Tag jederzeit kehren. Eine Bouillabaisse sowieso.
Ein Nachtrag zum römischen Gutshof Salet. Von der St. Galler Kantonsarchäologie habe ich dies erfahren: Die Ausgrabung fand kurz nach dem Zweiten Weltkrieg statt, man sicherte die Mauerkrone des Gutshofes mit Beton. 2000 stellte man fest, dass die Mauern unter dem Beton faulten. Auch hatten Leute Steine entfernt, um Feuerstellen anzulegen. Man deckte die Mauern mit einer speziellen Decke, Geotextil, ab und überschüttete das Gelände mit einer Erdschicht. Kein Wunder, ist nichts mehr zu sehen von den Römern.
Was Masclus damals seinem Sohn erlaubte – werden wir es je wissen?
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Route: Wagen, Alte Post – Moos – Wirtschaft zum Hof/St. Meinrad – Schmerikon – Abstecher zur Aabach-Mündung und retour – Chrüzliweg – Eschenbach, Post. Längere Stücke auf Hartbelag.
Wanderzeit: Knapp drei Stunden. Verlängerung: Von Eschenbach via Seewadel wieder nach Wagen, eine Stunde mehr.
Höhendifferenz: 195 Meter auf- und 148 Meter abwärts.
Wanderkarte: 226 T Rapperswil, 1:50’000
GPX-Datei: Hier downloaden.
Charakter: Sehr leichte Wanderung zwischen Herbst und Winter mit romantischen Abschnitten am Obersee.
Höhepunkte: Der Anblick des Obersees von der Krete des Chlosterwaldes. Die Visite bei der Kapelle St. Meinrad. Die Einkehr in Schmerikon. Die Rast an der Einmündung des Aabaches.
Kinder: Passt gut.
Hund: Passt auch gut.
Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.
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