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Voraussetzungen:
Mit dem Experiment in der Gerbergasse wollten wir eine andere Technik testen und herausfinden, wie die Leute im öffentlichen Raum auf eine unerwartbare Installation reagieren, die ihre Bewegungen mit einem Lichtschweif nachzeichnet.
Das Experiment wurde in der Gerbergasse in Basel installiert, eine von Fussgängern stark frequentierte Strasse. Mit der Kamera suchten wir schliesslich die Reaktionen der Passanten einzufangen, die sich plötzlich von einem Lichtschweif „verfolgt“ sahen. Interessant war auch die Fragestellung, ob sich eine Veränderung ihres Verhaltes erkennen liesse, nachdem sie auf den Lichtschweif aufmerksam geworden waren.
Reflexion
Es liessen sich klare Verhaltensunterschiede zwischen Erwachsenen und Kindern nachweisen. Erstere suchten sich – nach einem kurzen Überraschungsmoment und der Vergewisserung, dass ihnen der Lichtschweif tatsächlich nachfolgte – dem Tracking relativ rasch zu entziehen. Die Passanten, die den Effekt an einer Person vor sich beobachten konnten, reagierten mehrheitlich auf die gleiche Art und Weise: Sie nahmen eine beobachtende Position ein und sahen dem Treiben aus sicherer Entfernung interessiert zu.
Die Kinder wiederum reagierten sehr offen und liessen sich auf das Lichtspiel ein. Während sich ihre Eltern grösstenteils passiv verhielten, animierten sie ihre Kinder dazu, sich in die Trackingzone zu begeben.
An dieser Stelle möchte ich einen wichtigen Hinweis zu Auftritten im öffentlichen Raum anfügen: Gewisse Personen reagierten höchst unerwartet – bei einigen Menschen lösten unsere Aktionen grosse Verunsicherung bis starke Aggressionen aus. Dies müsste vielleicht zu einem erneuten Überdenken von Aktionsspielräumen im öffentlichen Raum veranlassen.
Voraussetzungen:
Ein Experiment im Kindergarten sollte zeigen, ob Kinder offener als Erwachsene auf ihre visualisierten Bewegungen reagieren. Die Installation wurde am Morgen im Kindergarten aufgebaut, bevor die Kinder eintrafen. Sie wurden bei ihrem Eintreffen nicht darüber informiert, was es mit den farbigen Punkten an der Wand auf sich hat. Die Erfassung war auf die Zone ausgerichtet, in der sich die Kinder bevorzugt zum Spielen aufhielten. Die Visualisierung wurde an eine zugehörige Wand dieses Bereichs projiziert. Früher oder später mussten die Kinder also darauf aufmerksam werden.
Re flexion:
Es war sehr interessant, zu sehen, wie unterschiedlich die Kinder beim Betreten des Kindergartens auf die „Lichtpunkte“ reagierten.
Einigen Kindern gefielen die Punkte an der Wand als farbige Abwechslung, andere verstanden sofort, dass ihre Bewegungen in direktem Zusammenhang mit dem Farbenspiel an der Wand standen. Es war deutlich zu sehen, dass die Kinder viel offener damit umgehen konnten und sofort anfingen, mit der Visualisierung „zu spielen“ sowie andere darauf aufmerksam zu machen. Zusätzlich animierten sie die anderen Kinder, welche die Systematik der Installation nicht sofort begriffen hatten, sich auf der Erfassungsfläche zu bewegen, um zu sehen, wie sich zusätzliche Bewegungskörper auf die Projektion auswirken würden. Dies ist der klare Beginn eines klassischen Schwarmverhaltens. Ein interessantes aber unerwartetes Verhalten war, dass die – laut der Kindergärtnerin – in der Entwicklung weiter fortgeschrittenen Kinder die Funktionsweise der Installation nicht nur sofort verstanden, sondern dem Treiben der anderen Kinder eher passiv beobachtend beiwohnten. Zwar fungierten sie als Motivator der anderen Kinder, Experimente wurden selbst jedoch nur hin und wieder aktiv. Ein Mädchen, das die Kinect sofort entdeckt und die Systematik der Installation durchschaut hatte, wollte sich dem spielerischen Experiment gar ganz entziehen. Es testete die Reichweite der Erfassung und bewegte sie sich dann ausserhalb dieses Bereichs, um genau zu beobachten, wie die übrigen Kinder, die Kindergärtnerin und ich auf das Treiben der Anderen reagierten. Gemäss Vereinbarung mit der Kindergärtnerin klärten wir die Kinder nach zwei bis drei Stunden über die Versuchsanordnung, die Gerätschaften und deren Funktionsweise auf. Die meisten zeigten sich sehr interessiert und wollten das Ganze anschliessend mit mir zusammen „testen“, um herauszufinden, ob sich die Visualisierung im Zusammenhang mit einer grösseren Person verändert präsentiert. Das Experiment hat ganz klar gezeigt, dass Kinder viel schneller bereit sind, sich mit ihrem eigenen Abbild zu beschäftigen und damit zu spielen. Sie sind auch sofort bereit, andere Kinder dazu zu animieren, es ihnen gleich zu tun. Bereits in diesem Alter hat sich jedoch bei einigen gezeigt, dass sie die eigenen und die Bewegungen der Gruppe kritisch betrachten. Man kann wohl davon ausgehen, dass sich dieses Verhalten mit zunehmendem Alter noch verstärken wird.
Hintergründe
Das „wildwuchs“ ist ein „Kulturfestival für Solche und Andere“[1] und findet alle zwei Jahre auf dem Kasernenareal in Basel statt:
„wildwuchs fördert eine Kultur, die unterschiedlichsten Menschen, vor allem aber Menschen mit einer Behinderung, die kreative Teilhabe am Leben in den Strukturen des Gemeinwesens ermöglicht. wildwuchs stellt künstlerisches Schaffen ins Zentrum, verzichtet auf jegliche Etikettierung bestimmter Gruppen und geht von der Heterogenität menschlicher Gemeinschaften als Normalzustand aus. wildwuchs ist ein Vermittler von Begegnungen zwischen Künstlerinnen und Künstlern mit und ohne Behinderung und ein Produzent von kleineren und grösseren Projekten, welche gleiche Chancen für künstlerisches Schaffen für Alle gewährleisten und kulturelle Zugehörigkeit trotz Verschiedenheit ermöglicht.“
Voraussetzungen:
Mit dem Experiment am HyperWerk wollten wir herausfinden, ob sich die Kinect im Zusammenspiel mit Max/MSP und Python zum Aufzeichnen und Darstellen der Bewegungen von Personen eignet und ob nach einer gewissen Zeit ein Bewegungsmuster erkennbar wird.
Diez hat natürlich seine Software auch getestet, vielen Dank an dieser Stelle.
Reflexion
Das Experiment war aus technischer Sicht sehr aufschlussreich. Wir konnten herausfinden, unter welchen Bedingungen das Equipment funktionieren und wann es Probleme verursachen würde.
Obwohl die Versuchsanordnung in erster Linie ein Techniktest war, liessen sich die anwesenden Personen auf die Spielerei ein und animierten weitere Studenten zu einer Teilnahme. Gemeinsam koordinierten sie ihre Bewegungen, um Muster und Linien zu kreieren. Andere wiederum versuchten sich so im Erfassungsbereich zu bewegen, dass sie ein eigenständiges Bewegungsmuster schufen. Dass die Anwesenden auch andere zum Mitmachen motivieren wollten, um das Muster zu verstärken, machte deutlich, wie rasch eine Schwarmdynamik auslösbar ist.