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Die Artillerie ist die Schwergewichtswaffe auf der Taktischen Stufe. Sie kann die Kampfkraft eines Gegners massiv herabsetzen, seine Handlungsfreiheit einschränken und das Gefecht der eigenen Kampfelemente unterstützen. Die Wichtigkeit des indirekten Feuers vertritt die SOGART unterstützen.
Am 2. März 1984 wurde in Luzern die «Schweizerische Gesellschaft der Offiziere der Festungstruppen» (SGOF) gegründet. Diese stand unter dem Zeichen, die Belange der kurz zuvor gebildeten Festungstruppen bei den zuständigen Behörden und in der Öffentlichkeit gebührend zu vertreten. Es bestand die Ansicht, dass Bewaffnung, Ausrüstung und Ausbildung trotz der Bildung dieser neuen Waffengattung vernachlässigt wurden. Rasch darauf wurde erkannt, dass die mobile Artillerie mit gleichen Herausforderungen konfrontiert ist. Mit weitsichtigem Blick war man sich einig, zukünftig für eine gemeinsame Artillerie (mob/Fest) einzustehen. Somit wurde die Gesellschaft 1988 zur «Schweizerischen Offiziersgesellschaft der Artillerie und Festungstruppen» (SOGAF) umbenannt und der Vereinszweck entsprechend ergänzt. Später wurde auch die Schweizerische Gesellschaft der Artillerie-Übermittlungsoffiziere integriert. Die Armee XXI schaffte die Festungstruppen als eigenständige Truppengattung ab und gab den weitblickenden Festungsartilleristen von 1988 Recht, denn fortan gab es nur noch eine Artillerie. Diese beinhaltet alle Bogenschusswaffen mit einem Kaliber ab 12cm. Folglich fand die Umbenennung von SOGAF zur «Schweizerischen Offiziersgesellschaft der Artillerie» (SOGART) statt. Mit diesem Schritt wurde unterstrichen, dass die SOGART alle Artilleristen der Armee vertritt.(1)
Heutige Bedeutung von indirektem Feuer
Indirektes Feuer wird praktisch in allen militärischen Konflikten eingesetzt. Es bestehen keine Anzeichen, dass sich daran in absehbarer Zukunft etwas ändern würde. Jüngstes Beispiel für das Potential der Artillerie aus dem Ukraine-Krieg ist die Zerschlagung von zwei ukrainischen Bataillonen der 24. Mechanisierten Brigade innerhalb weniger Minuten.(2) In Europa gibt es denn auch keine Armee, die auf indirektes Feuer verzichtet. Auch wenn die Anzahl der Geschütze in vielen Ländern reduziert wurde, wird die Fähigkeit Kampftruppen auf unterschiedliche Distanzen mit Artilleriefeuer zu unterstützen, praktisch überall weiterentwickelt. Dabei wird angestrebt mit zahlenmässig weniger Mittel, gleiche oder grössere Wirkung zu erzielen.
Zustand des Artilleriesystems in der Schweiz
Unsere heutige Artillerie umfasst alle Elemente, die zur Planung, Führung und Leitung von indirektem Feuer benötigt werden. In diesem Sinne ist das Gesamtsystem vollständig vorhanden. Es entspricht aber nicht allen Einsatzanforderungen. Mängel bestehen insbesondere in vier Bereichen:
1. Reichweite: Mit dem Verlust der Kanistermunition hat sich die Reichweite von 27 auf rund 20km verkürzt. Hingegen kann mit weitreichenden Artilleriesystemen (über 50km) aus dem grenznahen Ausland auf fast alle Gebiete in der Schweiz geschossen werden.
2. Präzision: Beide in der Schweizer Armee verfügbaren intelligenten Munitionssorten (15.5cm-Suchzündermunition SMArt 155 und 12-cm STRIX-Munition) sind von älterer Generation. Sie sind primär auf die Bekämpfung von gepanzerten Fahrzeugen in offenem Gelände ausgelegt.
3. Mobilität: Zahlreiche Führungs- und Logistikfahrzeuge sind Raupenfahrzeugen, welche auf dem über 50-jährigen Schützenpanzer M-113 basieren und hohe Betriebskosten verursachen.
4. Einsatzverfahren: Die heutigen Abläufe sind primär auf eine Auseinandersetzung mit einem konventionellen Gegner ausgerichtet. So ist es mit dem Fargo-System (Berechnung der Flugbahn) nicht möglich, mit einzelnen Geschützen gleichzeitig auf mehrere Ziele zu schiessen.
Den Mängeln gegenüberzustellen sind insbesondere zwei laufende Verbesserungen:
1. Mörser 16: Damit wird die Lücke des indirekten Feuers auf kurzer Distanz (bis 10km) geschlossen. Zudem wird den Einsatzverbände die Möglichkeit gegeben gerade im überbauten Gebiet auch Einzelziele zu bekämpfen.
2. Taktisches Aufklärungssystem (TASYS): Die Aufklärungs- und Beobachtungsmittel werden so organisiert, dass nebst den Schiesskommandanten auch den Aufklärern das Leiten von Unterstützungsfeuer ermöglicht wird. Dies bewirkt eine Vervielfachung der so wichtigen Sensoren.(3)
Notwendige Modernisierung der Artillerie
Verschiedene Komponenten des Gesamtsystems Artillerie werden ab 2025 die Grenzen ihrer technischen Nutzungsdauer erreichen. Dies trifft insbesondere auf die Panzerhaubitze M-109 zu, die Waffenplattform für indirekte Feuerunterstützung mittlerer Distanz (10-50km). Für deren Ablösung bestehen zahlreiche Optionen, von Ersatz durch moderne Geschütze in geringerer oder gleicher Anzahl über eine erneute Kampfwertsteigerung, einer zwei Flottenstrategie bis hin zum Verzicht auf Artillerie mittlerer Reichweite.
Bevor jedoch einzelne Komponenten erneuert werden, müssen die Anforderungen an die zukünftige Artillerie klar definiert sein. Dabei wird man um ein bewusstes in Kaufnehmen von Fähigkeitslücken aus Kostengründen nicht herumkommen. Erschwerend kommen zwei Entwicklungen hinzu, welche gewichtig zu berücksichtigen sind:
1. Die zunehmende Zersiedelung und Verstädterung machen eine Bekämpfung von gepanzerten Fahrzeugen in offenem Gelände immer unwahrscheinlicher. Wichtiger werden Einzelziele in überbautem Gebiet, wobei es Kollateralschäden an der Zivilbevölkerung und Infrastruktur zu vermeiden gilt.
2. Eine hybride Bedrohung zwingt die Armee ein breites Spektrum militärischer Herausforderungen zu bewältigen. Fähigkeiten sich in einem Gefechtsfeld mit staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren durchzusetzen, gilt es auch bei der Artillerie aufzubauen.(4)
Der SOGART erscheint es wichtig, den Anforderungskatalog einer modernen Artillerie rasch zu definieren, sodass ein Ersatz der wesentlichen Komponenten des Waffensystems Artillerie ab 2025 bereitsteht.
Quellen
(1) Kevin Guerrero und Peter E. Leuthold, 20-Jahr-Jubiläum: Von der SGOF zur SOGART, SOGAFLASH 2005, S. 37-38.
(2) Frank Leidenberger (Hg.), Thesenpapier I, Wie kämpfen Landstreitkräfte künftig?, S. 6.
(3) Generalsekretariat VBS (Hg.) Projektbericht VBS, Projektbeurteilung per 31.12. 2017, S. 44.
(4) Zukunft der Artillerie, Bericht des Bundesrates in Erfüllung des Postulates 11.3752, 2016.