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Wasser ist der Quell allen Lebens, dem wir unsere Existenz verdanken. Auf vielfältige Art und Weise kann Wasser Krankheiten lindern und unser Wohlbefinden stärken.
«Das Prinzip aller Dinge ist Wasser; aus Wasser ist alles und ins Wasser kehrt alles zurück.» Thales von Milet (624–546 v.Chr.)
Schon die Philosophen der griechischen Antike ergründeten das Wesen der Materie. Sie waren der Ansicht, dass die vielfältigen Erscheinungsformen in unserer Welt von vier Elementen bestimmt werden. Nach der Vier-Elemente-Lehre besteht alles Sein in bestimmten Mischungsverhältnissen aus den vier Grundelementen «Wasser», «Feuer», «Luft» und «Erde» als Prinzipien des Festen, Flüssigen, Gasförmigen und glühend Verzehrenden. Die vier Elemente wurden als ewig existierende und unveränderliche Grundsubstanzen betrachtet, die durch Mischung die ganze Vielfalt der Stoffe bilden. Damit sollten die mannigfachen Erscheinungen in der Welt erklärt werden. Es sind die Urfragen nach den Geheimnissen des Universums, die schon die griechischen Philosophen umtrieben: Woraus besteht die Welt? Was hält sie zusammen? Was bewegt sie? Über zwei Jahrtausende war die antike Lehre von den vier Elementen das beherrschende Denksystem des Abendlandes.
Schon Empedokles (um 495–435 v.Chr.) nahm an, dass sich alle Stoffe aus den vier Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer der Erde aufbauten. Bereits in jener Zeit wurde die revolutionäre Idee geboren, dass die ganze Welt in ihren vielfältigen Formen aus einem einzigen Urstoff bestehe. So war Leukipp im 5. Jh. v. Chr. davon überzeugt, dass, wenn man einen stofflichen Körper immer wieder teile, man schliesslich zu einem kleinsten, unteilbaren und unveränderlichen Teilchen gelange. Demokrit (um 460–370 v.Chr.) baute auf Leukipps Lehre auf und nannte diese nicht sichtbaren kleinsten Teilchen Atome (aus griechisch: átomos = unteilbar). Thales von Milet (624–546 v. Chr.) hingegen ging davon aus, dass alle Stoffe des ganzen Kosmos nur verschiedene Aspekte des Urstoffs Wasser darstellen. Er hielt fest: «Das Prinzip aller Dinge ist Wasser; aus Wasser ist alles und ins Wasser kehrt alles zurück.»
Eigenschaften des Wassers
«Alles Leben entspringt dem Wasser. Das Wasser ist demnach die eigentliche Lebensquelle. Grund genug, sich mit dieser genau zu befassen», schrieb der österreichische Wasserforscher Viktor Schauberger. Wasser, Quell allen Lebens, dem wir unsere Existenz verdanken, symbolisiert Weisheit, Beständigkeit und Ausdauer; Wasser kann Feuer besänftigen und einen Brand löschen. Im 11. Jahrhundert schrieb ein chinesischer Gelehrter: «Von allen Elementen sollte der Weise sich das Wasser zum Lehrer wählen. (. . .) Wasser erobert durch nachgeben; es greift nie an, aber gewinnt immer die letzte Schlacht.»
Vor unserer Geburt, im Mutterleib leben wir im Wasser, das uns schützend umhüllt. Wird der Mensch geboren, besteht sein Körper zu rund 80 Prozent aus Wasser. Mit zunehmendem Alter sinkt der Wasseranteil im Körper, da die Fähigkeit der Wasserspeicherung abnimmt. Der grösste Wasseranteil befindet sich innerhalb der Zellen. Darin enthalten sind Enzyme und Nährstoffe zusammen mit Natrium- und Kaliumionen. Weniger Flüssigkeit in den Körperzellen heisst somit weniger Salz beziehungsweise Mineralstoffe, so genannte Elektrolyte. Da eine bestimmte Menge davon jedoch für bestimmte Körperfunktionen unerlässlich ist, wird zu wenig Wasser für den menschlichen Körper sehr schnell zum Problem. So kann eine zu geringe Wasserzufuhr zu Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen und ernsthaften Gesundheitsschäden führen. Wasser ist auch der Treibstoff unseres Stoffwechsels und ermöglicht den Transport von lebenswichtigen Vitaminen und Spurenelementen. Wasser regelt alle Funktionen des Organismus wie den Stoffwechsel, die Verdauung, die Herz-Kreislauf-Funktion und vieles mehr.
Auch der Seele tut die Anwesenheit von Wasser gut. An einem Seeufer oder Fluss zu sitzen, hat eine beruhigende Wirkung und baut nachweislich Stress ab. Viele Angler sitzen wohl deshalb gerne stundenlang am Wasser. Dabei ist nicht der Fischfang das erste Ziel, sondern Ruhe und Entspannung.
Vom Jungbrunnen...
Nach altem Volksglauben bildet Wasser immer wieder eine Grenze zwischen den Lebenden und den Toten. In vielen Kulturen findet man die Jenseitsorte in einem Unterwasserreich, auf einer Insel, der Toteninsel, oder auf der anderen Seite des (Lebens-)Flusses. Magische Tore werden oft durch Brunnen manifestiert, die in eine andere Welt führen – so auch im Märchen von Frau Holle der Gebrüder Grimm.
Die uralte Verbindung von Wasser, Mond und weiblichem Schoss, die das Wasser mit einem dreiteiligen Rhythmus verknüpft, weist auf Leben, Tod und Wiedergeburt hin. Sie verbildlicht die Vorstellung, dass alles Leben aus dem Wasser kommt, wieder dahin zurückkehrt und von Neuem wiederkehrt. Diese Vorstellung spiegelt ebenso den tatsächlichen Kreislauf des Wassers, der ewig lebendig bleibt.
Wasser ist auch ein Symbol für Vitalität, Sinnlichkeit, Reinigung und Heilung. Auch das kommt nicht von ungefähr. Der englische Arzt Richard Russell entdeckte bereits im Jahre 1750, dass sich erkrankte Lymphknoten durch die Behandlung mit Meerwasser wieder verkleinerten. So entstanden während des 18. Jahrhunderts immer mehr Heilbäder, die Thalasso-Anwendungen (Behandlungen mit Meerwasser) anboten. In Deutschland wurde 1793 in Heiligendamm das erste Seeheilbad gegründet. Heilbäder sind allerdings keine «Erfindung» der Neuzeit. Die Römer nutzten bereits heisse Dämpfe, Mineral- und Thermalquellen zu therapeutischen Zwecken und bauten entsprechende Heilbäder. Im antiken Griechenland und bei den Römern hatte die Badekultur einen sehr hohen Stellenwert. Und auch schon im Reich des Alten Ägyptens (ca. 2700–2200 v.Chr.) und in Mesopotamien (um 2000 v. Chr.) existierten gross angelegte Badeanlagen. Seit der Antike bis heute wird also die Heilkraft des Wassers genutzt. Im Mittelalter hielt sich gar der Glaube vom Jungbrunnen – bestimmte Bäder sollten nicht nur heilen, sondern den Menschen sogar verjüngen können.
...zum Thermalbad
In Thermalbädern wird mineralhaltiges Wasser aus der Tiefe verwendet, das aus warmen oder heissen Quellen stammt, die oft durch eine Tiefenbohrung erschlossen werden. Thermalwasser wirkt entspannend auf die Muskulatur und regt den Kreislauf an; es lindert mit seinen mineralischen Bestandteilen chronische Erkrankungen der Gelenke sowie Rheuma und mitunter auch Allergien. Im Wasser ist man viel leichter, deshalb werden die Wirbelsäule und die Bandscheiben entlastet, die Muskulatur gelockert und die Beweglichkeit verbessert. Zudem steigern Bäder und andere Wasseranwendungen das allgemeine Wohlbefinden.
Zu den wichtigen Bestandteilen von Thermalwasser gehören Eisen, Fluor, Jod, Kalium, Kalzium, Kohlensäure, Magnesium, Natriumchlorid (Kochsalz) und Schwefel. Allerdings gibt es bei Thermalwässern grosse Unterschiede bezüglich der Temperatur und den mineralischen Inhaltsstoffen. Nach dem hauptsächlich enthaltenen Mineralanteil benannt, gibt es Solebäder (viel Salz), Jodbäder, Schwefelbäder, Kohlesäurebäder usw. Heute werden in etlichen Kurorten Wasserkuren mit Bade- und/oder Trinkkuren angeboten. Sehr verbreitet ist auch die Kneipp-Therapie, ein nach dem Pfarrer Sebastian Kneipp (1821–1897) benanntes Behandlungsverfahren, das Wasseranwendungen, Pflanzenwirkstoffe, Bewegungs- und Ernährungsempfehlungen kombiniert.
Wasser – wissenschaftlich betrachtet
Wasser ist eine chemische Verbindung von zwei Wasserstoff- und einem Sauerstoffatom. Das Aussehen unserer Erde wird vor allem durch das grosse Vorkommen von Wasser geprägt. Ein Astronaut, der unseren Globus betrachtet, erblickt blaue Ozeane und weisse Wolkenbänder, die unserem Planeten die charakteristische blau-weisse Farbe verleihen – das «Markenzeichen» für Leben. «Wasser» müsste unser Planet eigentlich heissen, nicht «Erde», denn 71 Prozent unserer Planetenoberfläche sind mit Ozeanen bedeckt. 1,3 Milliarden Kubikkilometer Wasser sind auf unserem Planeten vorhanden. Auch ausserhalb der Erde existieren riesige Wassermengen. Überall, wo es in grossen Mengen vorkommt, besteht die Möglichkeit, dass sich Leben entwickelt.
Warum auf der Erde deutlich mehr Wasser vorkommt als auf den anderen inneren Planeten unseres Sonnensystems, ist für die Wissenschaftler bis heute ein Rätsel. Die bedeutendste und zugleich unbegreiflichste Konsequenz aus dem Vorhandensein von Wasser auf unserem Planeten war die Entwicklung des Lebens. In den Ozeanen der Urzeit bildeten sich aus kleinen organischen Molekülen komplexe Verbindungen, aus denen schliesslich lebende Organismen hervorgingen. In den ersten drei Milliarden Jahren der Erdgeschichte war das Leben ausschliesslich an das Wasser gebunden. Wasser kann ganze Gebirge abtragen und Wüsten zum Erblühen bringen. Flüsse oder Meere formen die Landmassen und Gletscher können ganze Landschaften umgestalten. Aus den Weltmeeren verdunstet das Wasser in die Atmosphäre und verteilt sich mit den verschiedenen Windsystemen in Form von Wasserdampf und Wolken über den gesamten Planeten. Als Regen oder Schnee fällt es vom Himmel und tritt seine grosse Reise wieder in den Ozean an – ein immerwährender Kreislauf, ohne den kein Leben auf unserem Planeten möglich wäre.
Buchtipps
Viktor Schauberger «Das Wesen des Wassers», AT Verlag 2015, ca. Fr. 35.–
Theodor Schwenk «Das sensible Chaos. Strömendes Formenschaffen in Wasser und Luft», Freies Geistesleben 2010, ca. Fr. 50.–
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