Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03260.jsonl.gz/917

eine Seite zurück
eine Seite weiter (Seite 2 von 7)
Seine Nachfolge im Löwen tritt 1580 Heini Fänner an, der aber bereits 1582 im Leibsteuerbuch durchgestrichen ist. Statt seiner steht nun Rudi Näf, Wirt unden am Albis. Verena Näf, verheiratete Habersaat, wird am 9. Juni 1588
im Taufbuch der Kirche Thalwil als Gotte aufgeführt und Wirtin genannt. Wenn man nun in den Familiengeschichten der Näf, Vogel und Habersaat ein wenig blättert, so wird klar, auf welchem Wege die folgenden Besitzerwechsel des Löwen stattfanden. Am 25. Januar 1568 heiraten Rudolf Näf und Verena Habersaat. Bereits ein Jahr später ist Rudolf Näf bei der Taufe Rudolf Habersaats, Sohn von Hans Habersaat (vermutlich Bruder von Verena) als Pate dabei. Patin ist Magdalena Oesenbry, die Frau des Pfarrers zu Thalwil. Es ist dieselbe Familie Habersaat, bei der auch Hans Vogel Götti ist, und zwar bei Hansli Habersaat am 15. Februar 1572. So geht die Verbindung von Vogel über den gemeinsamen Bekannten Habersaat zu Näf.
Als nun 1589 der nunmehr 20-jährige Rudolf Habersaat heiratet, begeht er einen unverzeihlichen Fehler: Er lädt wohl seinen Taufpaten, nicht aber seine Gotte Magdalena Oesenbry zum Feste ein. Ihr Mann, der Pfarrer, kann es sich nicht verkneifen, eine Randbemerkung zum Eheeintrag ins Register zu schreiben:
«Wiewol min Husfrouw des Rudolf Habersaaten rechte Taufgotten war, ward si doch an das Hochziit nid geladen von wegen der nydigen, hessigen und rachegierigen Habersaatinen, der Wirtin unden am Albis, die gar mit einemufblasnen, arbetseligen und tüflerischen Geist begabt. Gott der Herr verlychne uns allen ein rechten demütigen Geist, amen.»
Die Näfs waren eine kinderreiche Familie. Findet man doch im Register nicht weniger als 17 Tauf-Eintragungen. Man stelle sich die Grossfamilie einmal vor in den engen und niedrigen Räumen des Unteralbis. Während Rudolf Näfs Zeit wütete in Langnau die Pest, und anscheinend wurde auch der Löwen mitbetroffen:
«…Starbend zwei Handwerchsgesellen, die warendt von Sant Gallen und sind gfloche (geflüchtet), als ihnen ir Meister und Hussgsind daselbst an der Pestilenz starbend. Sy kammendt biss im Wirtshuss unden am albis, da wurdend sy bed krank. Der erste hiess Andres Hönger, starb am 8. September; der ander Jakli Root von Herisouw, starb 11. September 1594»
Wirt Näf kaufte am16. Januar 1601 von Hans Schwytzer im Rängg die Oberund Untermühle von Langnau. Bereits drei Monate später starb er: «lag fünf tag kranck am stich (Lungenentzündung), hatt vil lüth übel gruhen» Anscheinend war er ein bekannter Mann, dass es «viele Leute gereut» hat.
Wiederum gibt uns das Steuerbuch des Maschwanderamtes Auskunft, wer die Wirtschaft weiterführte. Es heisst 1601: Rudi Näfs, des Wirts unden am Albis, selige Witwe. Also seine Frau Verena. 1620 dann aber ist dieser Eintrag durchgestrichen und dafür Felix Näf als Wirt eingetragen. 1621 finden wir, wiederum als Taufzeugin, eine Dryna Eichholzer, Wirtin unten am Albis. Vielleicht Felix Näfen Frau, 1622 sind es die Gebrüder Hans-Heinrich und Felix Näf, die das Anwesen haben. 10 Jahre später wechselt alles auf Heinrich Ammann über.
Je 50 Jahre lang waren die Familien Vogel und Näf nun auf dem Löwen gewesen. 1639 finden wir als Wirt immer noch Heinrich Ammann, anscheinend aber hatte er mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, so verkaufte er im selben Jahr einen Acker, lieh sich bei Hauptmann Frymann vom Rütibol 200 Gulden, ja er versucht sogar 1642 sein Tavernenrecht dem Hirschenwirt zu verkaufen:
«Der Wirt unden am Albis, Heinrich Ammann, hat dem Wirt uffem Albis, Jagli Kleiner, syn inhabenden Grechtigkeit zu wirten mit namen Zum Läüwen uffrecht und redlich zekaufen geben. In kein wyss noch wäg ze wirten. Ussbedingt was imme wachst vomzapfnen oder
bim Eimer, weg zu geben, aber nie stelzen»
Das will heißen, er verkaufe sein Wirtschaftsrecht an den Hirschen, dürfe wohl aber noch
weiter Weinausschenken (Zapfnen), aber Keynesfalls mehr Essen (selzen) abgeben. Der Hirschenwirt hätte daran wohl seine Freude gehabt, denn dann wären alle Reisenden auf ihn angewiesen gewesen, falls sie ein Bett und etwas zum Essen gewollt hätten. Doch obwohl bereits eine Vorkanzleiung stattgefunden hatte, kam der Verkauf nicht zustande. 1646 veräussert Ammann seinen ganzen Besitz an Felix Näf. Ob der weitergewirtet hat, ist nicht bekannt, und ob er mit dem Verkauf seines Besitzes auch den Löwen mitverkauft hat, liess sich nicht abklären. Jedenfalls war er 1646 bereits in Rüschlikon niedergelassen. 1671 treffen wir wieder auf einen Wirt: Heinrich Widmer. Nach einem Bevölkerungsverzeichnis des Jahres 1650 wohnte im Unteralbis der 64-jährige Jakob Widmer mit seiner Frau und fünf Kindern, wovon eines der spätere Wirt Heinrich ist. Ob der Vater auch schon gewirtet hat? Zu dieser Zeit zählte Langnau 413 Einwohner, verteilt auf 64 Haushaltungen, wie man einem ähnlichen Verzeichnis entnehmen kann. In diesem Rodel wird aber auch aufgezählt, wer 1676 alles zur Wirtefamilie gehörte: «Heinrich Widmer, der Wirt unden am Albis, 46 jährig; Catharina Stapfer, seine Frau, 46 jährig. Kinder: Heinrich, 18 jährig; Hansjakob 16 jährig; Heinrich, 12iährig; Elsbeth, 9 jährig; Margareth, 7 jährig; Hansjakob, 2 jährig»
Aus weiteren Dokumenten ist ersichtlich, dass des Wirtes Bruder, der 5 Jahre ältere Hansjakob, eine Elsbeth Amann zur Frau hatte. Ob sie wohl mit dem
einstigen Wirt Ammann, der 1682 als 82-jähriger begraben wurde, verwandt war?
eine Seite zurück
eine Seite weiter (Seite 2 von 7)