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Die Hochjagd dauert in einer ersten Phase bis einschliesslich 12. September, wird dann für eine Woche unterbrochen, um vom 20. bis 30. September weitergeführt zu werden. Die Niederjagd ihrerseits ist für die Zeit vom 1. Oktober bis Ende November terminiert, die Steinwildjagd dauert einen Monat und beginnt am 5. Oktober.
Was Jahr für Jahr über 5000 Jägerinnen und Jäger in den Bann zieht – die freie Jagd – hat in Graubünden eine lange Tradition und geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Schon damals war es laut dem kantonalen Amt für Jagd und Fischerei (AJF) grundsätzlich jedem Bürger freigestellt, die Jagd auszuüben.
Weil um das Jahr 1850 herum in Graubünden bis auf die Gämse alle Schalenwildarten ausgerottet waren und auch der Steinbock schon seit 200 Jahren aus dem ökologischen Gefüge verschwunden war, wurden 1877 restriktive Jagdgesetze erlassen und auch die Patentjagd eingeführt. Seither hat sich vieles verändert. Hirsch und Reh wanderten vor einem Jahrhundert erstmals wieder von Norden und Osten her nach Graubünden ein, während ab 1920 Steinwild sogar systematisch angesiedelt wurde. Das diesbezügliche Paradebeispiel ist die Wiederansiedlung des Bündner Wappentieres, des Steinbocks. Mittlerweile haben sich die Wildtierbestände trotz dem Aufkommen natürlicher Feinde wie dem Wolf stark entwickelt.
Zahlen des AJF zeigen, dass die geschätzten Wild-Frühlingsbestände von rund 16 000 Hirschen, 15 000 Rehe, 24 000 Gämsen, 6000 Steinböcken und zusehends auch vereinzelten Wildschweinen ausgehen. Letztere haben den Schritt ins Engadin noch nicht geschafft, beginnen aber in den Südtälern Einzug zu halten. Zusammen mit den zahlreichen Vogelarten zeugt diese Vielfalt an Wildtieren von weitgehend intakten Lebensräumen mit entsprechender Biodiversität. Die Jagd dient laut offizieller Schreibweise der Regulierung der Wildtierbestände und der Konfliktlösung in den Bereichen Forst- und Landwirtschaft, soll aber ganz klar auch der Nahrungsmittelbeschaffung dienen, attraktiv sein und den Beteiligten Freude bereiten. Die EP/PL hat am 21. August die traditionelle Jagdbeilage veröffentlicht.
Autor: Jon Duschletta, Foto: Claudio Gotsch