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Südlich von Oberriet, auf einem Querriegel zum Rheintal, stehen die Ruinenteile der Burg Blatten. Gut sichtbar ist der Bergfried, welcher noch gute fünf Stockwerke hoch reicht. Er ist 1976 umfassenden renoviert worden. Er hat einen quadratischen Grundriss von über zwölf Metern Seitenlänge bei einer Mauerdicke von ungefähr 2.5 Metern. In rund sechs Metern Höhe ist auf der Nordostseite der Hocheingang mit ehemals geradem Sturz erhalten. Der ebenerdige Zugang ist erst in der zeit nach 1468 entstanden, als die Burg nicht mehr voll wehrfähig zu sein hatte, sondern den äbtischen Vögten von Kriessern als Amtssitz diente. An den Ecken sind Bossenquadern mit Kantenschlag aufeinander gesetzt. Auf der Südseite sind übereinander in drei Stockwerken in der Mitte drei schmale Luftschlitze angebracht. Sie sind nach innen geweitet und weisen einen horizontalen Sturzstein auf. Die Fenster des vierten und fünften Stocks wurden mit hölzernen horizontalen Stürzen versehen, die obersten zeigen Stichbogenabschlüsse. Der oberste Kranz verfügt über zwei schmale Scharten, ist aber bei der Rennovation rekonstruiert worden.
Der Turm steht in der Südwestecke eines grossen Burgplatzes, der von einer Ringmauer geschützt war. Original sind davon nur noch einzelne Fundamentreste. Das heutige aufgehende Mauerwerk ist weitgehend ergänzt. Gegen die Berglehne hin vermag man noch einen leichten Halsgraben zu erkennen.
Die Burg Blatten liegt in den Gemarkungen des alten Reichshofs Kriessern, einer ehemaligen Zone von Urwald, Sumpf und Weiden. Reichshof bedeutete Königsgut und umfasste meist mehrere Unterhöfe, in unserem Fall Oberriet, Montlingen, Diepoldsau und andere. Die Rechte und Pflichten der Bewohner wurden von einem vom König eingesetzten Vogt geregelt.
Wir kennen kein Geschlecht von Blatten. Erst Kuchimeister nennt die Burg Blatten. Gemäss der Anlage muss die Fest kurz nach 1230 erbaut worden sein, nachdem König Heinrich, der Sohn Friedrichs II, den Hof Kriessern dem Kloster St. Gallen geschenkt hatte. Ob sie an Stelle einer älteren Siedlung errichtet worden ist, lässt sich mit Sicherheit nicht nachweisen, ist aber wahrscheinlich. Der Überlieferung nach war der erste Vogt als Lehnsmann der Abtei St. Gallen auf Blatten Ammann Feer von Altstätten. Genauere Unterlagen liegen jedoch erst von der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts an vor. 1274 zog Rudolf von Habsburg, der seit einem Jahr König war, den Hof an das Reich zurück, die Burg Blatten jedoch verblieb dem Kloster. Im selben Jahr verpfändete Rumo von Ramstein, Abt von St. Gallen, die Burg an den klösterlichen Ministerialen Ulrich von Ramschwag. Bis 1457 blieb das Lehen in dieser Familie, welche kurz nach der Übernahme der Burg von König Rudolf von Habsburg auch den Reichshof Kriessern, in dessen Gemarkungen die Burg ja stand, erhalten hatte. Mit dieser Gabe zeigte sich der König gegenüber Heinrich Walter von Ramschwag dafür erkenntlich, dass dieser seinem Herrn in der Schlacht auf dem Marchfeld bei Wien das Leben gerettet hatte.
Als geschickte Diplomaten suchten sich einzelne Ramschwager schon sehr früh mit den Appenzellern zu arrangieren, während andere Verwandte sich tüchtig auf der äbtischen Seite schlugen. Während der Befreiungskriege hielten jeden darum als Verbündete den Appenzellern die Burg offen. Dafür blieb sie, im Gegensatz zu den meisten Burgen der Region, vor Brandschätzungen verschont. Diese Unbotmässigkeit gegenüber dem Lehnsherrn führte wiederum dazu, dass zeitweise die Feste den Ramschwagern von der Abtei St. Gallen entzogen wurde. Auf jeden Fall standen die beiden Brüder Ulrich und Burkard während des gesamten dritten Viertels des 14. Jahrhunderts wegen des Besitzes um Blatten mit Abt Hermann von Bonstetten im Streit. Infolge Verarmungen waren 1458 die beiden Brüder Walter Heinrich und Ulrich gezwungen, Burg und Herrschaft Blatten auf die Ganz zu bringen, wo sie Jakob Mangold, Bürger zu Konstanz, um einen beschiedenen Preis erwarb. Zehn Jahre hernach kaufte sie Abt Ulrich VIII Rösch zurück, und von da an diente Blatten bis 1798 den äbtischen Vögten von Kriessern als Amtssitz. Zur Ruine wurde die Burg erst 1799, als Franzosen und Österreicher sich hier befehdeten. Die Oberrieter Bewohner benützten in der Folge die Burg als Steinbruch. Erst 1911 wurden vom Kanton erste Sicherungsarbeiten durchgeführt. Den heutigen Zustand verdankt die Anlage der eingehenden Restaurierung von 1976. Der Hof ist der Öffentlichkeit geöffnet. Eine Hütte, fliessendes Wasser und Feuerstellen erlauben einen angenehmen Aufenthalt auf dem historischen Platz.
Bibliographie