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"Schwarzbuch WWF"Der Handel wird als eine wichtige Aktivität angesehen, um die wirtschaftliche Entwicklung von Ländern (auch "Ökonomien" genannt) zu fördern ("Wachstum") und den Wohlstand der Menschen ("Affluence").
[Glossar einiger Abkürzungen weiter unten ]
Viele Nichtregierungsorganisation und Regierungsinstanzen haben das gleiche Wachstumsleitbild.
Einige sehr grosse und einflussreiche NGOs arbeiten eng mit der Wirtschaft zusammen und verwässern damit zumindest den Nutzeffekt ihrer Aktivitäten. Der WWF, gemäss den Aussagen seines Präsidenten und vieler seiner Funktionäre, glaubt fest an "nachhaltiges Wachstum" - an sich bereits ein Wahnwitz ohne gleichen.
Im "Schwarzbuch WWF" gibt der Author Wilfried Huismann einige Beispiele von direkt-negativen Wirkungen der "Umweltschutz"-Anstrengungen des WWF.
"Schwarzbuch WWF", - Wilfried Huismann, Gütersloher Verlagshaus, 2012. ISBN 978-3-579-06675-2, Auszüge und Übersetzung aus wissenschaftlichen Überlegungen, ohne Gewinnabsicht.)

[S. 234]

Die belgische Regierung konnte sich 1997 mit ihren Bedenken nicht durchsetzen und für den WWF hat sich das Bündnis mit der mächtigen und reichen Weltbank als genialer Coup erwiesen. Seit 1997 tauchen Weltbank und WWF meistens gemeinsam auf, wenn es um das Schicksal der Wälder in verschiedenen Teilen der Welt geht: in Sumatra, Amazonien, Papua und im Kongo. Bei den Verhandlungen mit den beteiligten Regierungen haben sie meistens schon einen gemeinsamen Masterplan für »nachhaltige Waldwirtschaft« in der Tasche. Sie haben auch die Macht und das Geld, ihre Strategie durchzusetzen.
Vereinfacht ausgedrückt: Weltbank und WWF schließen die Wälder der Erde für Energie- und Agrarkonzerne auf die im Hintergrund warten, um Milliarden in die natürlichen Ressourcen des Südens zu investieren. Erst kommen die Kartografen und Missionare, dann die Financiers und zum Schluss die Eroberer.
Die Eroberung Papuas
Dr. Jason Clay hat in seinem Standardwerk Globale Landwirtschaft und Umwelt aus dem Jahr 2004 behauptet, es gebe allein in Indonesien noch 20 Millionen Hektar »degradiertes« Land, das für Plantagen genutzt werden könnte. Diese vermutlich recht frei geschätzte Zahl fand schnell ihren Weg in die Weltbank. In ihrer Studie mit dem Titel »Kernprobleme der Nachhaltigkeit im Palmölsektor beruft sich die Weltbank auf die Zahlenangabe von Jason Clay und befürwortet auf ihrer Grundlage eine Expansion der indonesischen Palmölindustrie auf 20 Millionen Hektar »degradiertem« Waldland.
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Die Weltbankstudie liefert auch gleich eine Definition für »degradierten« Wald mit: »Degradierte Wälder sind Wälder, in denen es weniger Struktur, Artenvielfalt, Biomasse und/oder weniger Überschirmung mit Baumkronen gibt als in ursprünglichen und jungfräulichen Waldgebieten.«63 Nach dieser Definition kann nahezu jeder Wald auf der Erde als »degradiert« eingestuft und deshalb gerodet werden - egal wie viele Menschen, Menschenaffen, Tiger und Elefanten in ihm leben. Der Autor dieser Weltbankstudie ist übrigens Cheng Hai Teoh, Generalsekretär des vom WWF gegründeten Runden Tisches für nachhaltiges Palmöl (RSPO), vorher war er in der Führung des WWF Malaysia tätig. So schließt sich der Kreis.
Ein Netzwerk von Auserwählten entscheidet über Schicksalsfragen ganzer Nationen und Kontinente. Jason Clays Studien und Zahlenspielereien werden von den Lobbyisten der Agrarindustrie aufgesogen und verbreiten sich wie ein Virus auf ihren Kongressen und Fachtagungen. Und ehe man sich versieht, enden sie nicht selten in sozialer Gewalt.
Wo sind die 20 Millionen Hektar »ungenutztes und degradiertes« Land, die Jason Clay in Indonesien gefunden hat? Auf den Hauptinseln Sumatra und Borneo gibt es fast keinen Urwald mehr, den man noch roden könnte. Selbst die Wortführer der Palmölkonzerne und das Wirtschaftsministerium in Jakarta sehen ein Potential von höchstens 10 Millionen Hektar für zusätzliche Plantagen. Wie kommt Jason Clay also auf 20 Millionen? Hat er etwa das Land der Papua schon mit eingerechnet?
Die weit 1m Westen Indonesiens gelegene Insel Papua ist seit Jahren die Achillesferse der indonesischen Politik. Hier es noch Naturlandschaften, die bislang von der Plantagenwirtschaft verschont geblieben sind - fruchtbares Land, auf das die Agrokonzerne seit langem ein Auge geworfen haben.
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Ihr Problem ist: Dieses Land gehört den Papua-Stämmen. Wer es erobern will, riskiert einen Krieg.
Indonesien hat sich die Halbinsel Westpapua nach dem Ende der niederländischen Kolonialherrschaft mit Gewalt einverleibt und ist seitdem damit beschäftigt, ihre Bewohner zu unterwerfen und zu assimilieren. Mit einem riesigen. Umsiedlungsprogramm sind Hunderttausende Menschen anderer Ethnien und von anderen Inseln des Landes nach Papua verfrachtet worden, um den Widerstand der Urbevölkerung zu brechen. Die Papua sind heute eine Minderheit im eigenen Land, aufgegeben haben sie ihre Heimat noch nicht. Ihre Bastion ist der Wald.
Das Nutzungsrecht der Stämme an den Wäldern ist in der indonesischen Verfassung verankert - ein Ergebnis der internationalen Intervention in den Konflikt. Um die Papua endgültig in die indonesische Nation einzugliedern, plant die Regierung jetzt, ihnen den Wald mit der Begründungwegzunehmen, die Provinz müsse sich wirtschaftlich entwickeln. Papua soll nach den Plänen der Regierung in ein Paradies für die industrielle Landwirtschaft umgewandelt werden: Zuckerrohr, Holz und Ölpalmen. Die Weltbank kümmert sich um die Finanzierung des Projektes und der WWF hilft, die anfallenden ökologischen und sozialen Probleme zu bewältigen.
Im April 2007 trafen sich auf Bali hochrangige Vertreter des WWF und der Weltbank mit den Gouverneuren der in indonesischen Provinzen Aceh, Papua und West-Papua. Bei diesem Runden Tisch wurde über die Zukunft der Regenwälder diskutiert: Welche Wälder können für eine [S. 237] »nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung« erschlossen werden und welche sollen erhalten bleiben, damit man mit ihnen Geld aus dem UN-Programm für »vermiedene Emissionen» verdienen kann? Die Zentralregierung in Jakarta hafte das Planziel vorgegeben: 10 Millionen Hektar Wald sollen allein in Papua verschwinden, um Platz für Plantagen zu schaffen. Per Gesetz will die Regierung das Land für 95 Jahre an die Konzerne verpachten. Für die vertriebenen »Ethnien« sind laut Gesetz Entschädigungszahlungen vorgesehen.
Am Ende der Beratungen verkündeten WWF und Weltbank ihren »Erfolg«: Nicht 10 Millionen, sondern nur 9 Millionen Hektar Wald sollen in Papua »Wirtschaftszonen» werden. Eine Million Hektar bleiben als Nationalparks erhalten. In Wirklichkeit hat der. WWF nur den Schutz von 500.000 Hektar durchsetzen können, die anderen 500.000 Hektar waren schon vor dieser Verhandlung gesetzlich geschützter Nationalpark. Auch bei der praktischen Umsetzung der Beschlüsse von Bali spielt der WWF eine aktive und vorantreibende Rolle: Er hat es übernommen, das Land der Eingeborenen zu kartografieren.
Ronny ist Leiter des WWF-Büros für West-Papua mit Sitz in Merauke. Er stammt aus Java und ist damit in den Augen der Papua ein Repräsentant der Besatzungsmacht Indonesien. In seinem Büro hängt eine Landkarte mit der zukünftigen Zonierung Papuas: Welche heiligen Orte der Stämme müssen verschont werden, wo gibt es dokumentierte Landnutzungsrechte der Papua, und wo kommen die Plantagen hin? Die Kartografierung ist ein zweischneidiges Schwert: Sie kann im Einzelfall indigene Landrechte sichern; auf der anderen Seite legitimiert sie den Landraub durch die Invasoren.
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[Bild: Ronny (WWF Papua)]
Auf die Frage, warum der WWF sich dafür hergibt, der Industrie bei ihrem Vormarsch zu helfen, antwortet Ronny: »Es gab keine Chance, den Wald zu retten, also müssen wir mit den Unternehmen zusammenarbeiten, um wenigstens einige hochwertige Waldgebiete zu schützen.»64
Auch die Frage, wem der Wald eigentlich gehört, der mit seiner Hilfe portioniert wird, kann den WWF-Mann nicht erschüttern: »Den lokalen Gemeinschaften. Noch gehört das Land den Stämmen.» Wissen die, dass 9 Millionen Hektar mit Ölpalmen bepflanzt werden sollen? Bei dieser Frage schüttelt Ronny den Kopf und korrigiert: »Hier in der Provinz Merauke sind es doch nur eine Million Hektar. Man muss die Stämme [S. 239] informieren, damit sie erfahren, was geplant ist. Sonst geben sie ihr Land nicht her. Das würde zu Konflikten führen. Manche machen sich Sorgen: Wenn ich mein ganzes Land verkaufe, wo soll ich dann leben? Sie können sich nicht vorstellen, auch einmal auf einer Plantage zu arbeiten. Andere dagegen denken: Wenn ich für eine Milliarde Rupiah verkaufe, kann ich 50 Jahre von dem Geld leben. Die haben es verstanden.»
Der WWF meint es wirklich gut mit den Wilden. Aber wollen die wirklich in der schönen, neuen Welt des WWF leben? Gefragt hat sie keiner. Ihr Land wird aufgeteilt: in eine Wirtschaftszone und in eine Naturschutzzone. In beiden Zonen können sie sich nicht mehr frei bewegen.
Der WWF erzählt den Papua bei Besuchen in den Dörfern, dass auf sie »neue Job-Chancen» und »Einkommensmöglichkeiten» durch den Tourismus warten. In der Wirklichkeit läuft diese hohle Floskel auf den Tod der Papua-Kultur hinaus. Ohne ihren Wald haben die Stämme keine Produktionsmittel mehr. Sie enden im ethnologischen Zoo der Tourismusindustrie, in den Slums der Städte oder als unterbezahlte Leiharbeiter auf den Plantagen. Bei der Vertreibung der Papua spielt der WWF die Rolle der Vorhut und gibt ideologischen Flankenschutz, so wie die Priester, die vor 500 Jahren als Wegbereiter der spanischen Conquista in die Urwälder Amerikas gingen, um die Eingeborenen mit den Vorzügen der »Zivilisation» vertraut zu machen.
Kasimirus’ Ende
[S. 240] Die Reise durch das grüne Empire des WWF endet an einem Ort, der auf der Landkarte des WWF-Büroleiters Ronny markiert ist. Hier sollen eine Million Hektar mit Ölpalmen vollgepflanzt werden. Die Landschaft ist buschig, karg, zum Teil Sumpfland. Bis an die Grenze des Nationalparks Wasur sollen sich die geplanten Plantagen erstrecken.
Im Nationalpark liegt das Dorf der Kanume. Inge Altemeier hat sie besucht, um ihre Meinung zu den Veränderungen zu hören. Häuptling Kasimirus Sanggara hat den Besuch genehmigt. Die 90 Familien des Dorfes werden von 80 Soldaten der indonesischen Armee bewacht, zusätzlich noch von den bewaffneten Parkwächtern. Eine hochmilitarisierte Zone. Die Armee hat Angst vor den Kämpfern der Unabhängigkeitsbewegung OPM, die mit Pfeil und Bogen gegen die Besatzer kämpfen. Die Antwort der Armee auf den Widerstand ist blutig: Viele Papua werden verhaftet und gefoltert, einige sind verschwunden, ohne eine Spur zu hinterlassen.
Auch hier im Nationalpark ist Kriegsgebiet. Die Ruhe im Dorf täuscht. Obwohl der Häuptling nicht als »terrorverdächtig« gilt, traut die Besatzungsmacht ihm nicht. Der WWF hat ihm versprochen, dass sein Stamm hier im Nationalpark vor den Bulldozern der Palmölindustrie sicher ist, aber Kasimirus ist mit dem Parkreglement unglücklich: Sein Stamm darf keine Schweine halten und er darf hier keine Kängurus mehr jagen.
Jedes Jahr im Juni zieht Kasimirus Sanggara mit seinen Männern los, uni außerhalb des Nationalparks zu jagen - fünf Monate lang. Auch dort ist seit Menschengedenken Stammes gebiet der Kanume. Jetzt stoßen die Jäger immer häufiger auf gerodetes, rauchschwarzes Land: Die ersten Palmölplantagen entstehen. [S. 241] Häuptling Kasimirus Sanggara sieht aus, als habe er sich für die Rolle in einem Hollywoodfilm herausgeputzt: Sein Gesicht ist mit den Farben des Kriegers bemalt, große Federbüsche an den nackten, muskulösen Armen künden von seiner Macht. Er besitzt als Einziger im Dorf ein Fahrrad. Auf den WWF ist er nicht gut zu sprechen: »Die dürfen mein Dorf nicht mehr betreten,« sagt er. Eines Tages seien hier WWF-Leute unter dem Schutz der Armee aufgetaucht und hätten ihnen ein angenehmes, neues Leben im Nationalpark Wasur in Aussicht gestellt: Geld, ein neues Dorf, eine Schule für die Kinder und neue Einkommensmöglichkeiten.
[Bild: Häuptling Kasimirus Sanggara]
[S. 242]
Die Worte der WWF-Gesandten klangen wohlgesetzt, aber Kasimirus Sanggara fühlt sich von ihnen »betrogen«: Der WWF habe ihm das Jagdverbot verschwiegen, und um ihm für den Nationalpark zu gewinnen, habe man ihm außerdem ein neues Eukalyptus-Projekt in Aussicht gestellt. Der Stamm dürfe aus den Bäumen des Waldes Eukalyptusöl herstellen, der WWF werde ihm bei der Vermarktung helfen. Doch daraus sei nichts geworden. Am Ende seines »Dialogs« mit dem WWF und der Staatsmacht steht der Stamm der Kanume mit leeren Händen da.
Der WWF sieht die Geschichte anders. Er bezeichnet Häuptling Kasimirus im Faktencheck gar als »Freund von uns« - und schickt ihm nach der Ausstrahlung des WDR-Filmes Der Pakt mit dem Panda eigens eine kleine Delegation, um mit ihm ein »Gespräch über die Intentionen seiner Aussagen« zu führen. Auf dem vom WWF veröffentlichten Video wirkt Kasimirus Sanggara sehr bedrückt - als stünde er unter großem Druck. Ein Dementi kann der WWF ihn aber nicht entlocken, nur die Aussage, dass es nicht der WWF gewesen sei, der ihm die Jagd und den Holzeinschlag verboten hätte: »Verboten wurde es durch die Einheimischen«. Der WWF macht sich nicht die Finger schmutzig - er liefert die Expertise und die Vorplanungen.
Dem WWF folgten Landvermesser, um im Stammesgebiet außerhalb des Nationalparks das Gebiet für die Palmölplantagen festzulegen. Aber Häuptling Sanggara glaubt nicht, dass es jemand wagen wird, den Wald abzuholzen. Demi auch dort, außerhalb der Grenzen des Parks, gelte das Gesetz seines Stammes, denn es gehört zu seinem Jagdgebiet. Niemand habe das Recht, seinen Wald anzutasten: »Die können nichts [S. 243] machen, wenn ich nicht einverstanden bin, denn im Wald habe ich die Macht.«65 Er kann nicht glauben, dass seine Zeit abgelaufen ist.
Mit einer ausladenden Armbewegung zieht der Häuptling der Kanume einen imaginären Kreis um sein grünes Reich: »Die Soldaten haben gute Waffen, aber sie können gegen mich nichts ausrichten, sie respektieren mich. Wenn ich will, kann ich sie mit einem Zauber belegen. 1m Wald leben die Götter und unsere Ahnen. Der Wald ist die Quelle des Lebens. Wir schützen ihn. Niemand kann ihn zerstören.«
Kommentar ecoglobe: Die eingeborenen Urvölker haben nur eine Hoffnung:, dass die Zeit nach dem heutigen Ölfördermaximum schell anbricht. In der neuen Era wird die Globalisierung zurückgedrängt werden und dadurch die Ausbeutung durch die Invasoren gestoppt. Nachher werden sie die grösseren Chancen haben um zu überleben, in einer lehrgeraubten Welt, in der es keine moderne Zivilisation mehr gibt.
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