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| Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).

Sechstes Buch
IX. Kapitel
76.
1. Wie sollte dieser noch Tapferkeit nötig haben, da er nicht in Gefahren gerät, er, der nicht mehr hier gegenwärtig, sondern mit dem Geliebten bereits völlig vereint ist?
2. Wozu ist aber auch Enthaltsamkeit nötig für den, der ihrer nicht bedarf? Denn solche Begierden zu haben, daß man Enthaltsamkeit nötig hätte, um sie zu beherrschen, das wäre ein Zeichen dafür, daß er noch nicht rein, sondern noch von Leidenschaften beherrscht ist.
3. Und auch die Tapferkeit eignet man sich wegen der Furcht und Feigheit an; denn es geziemt sich wirklich nicht, daß der Freund Gottes, den Gott vor Erschaffung der Welt im voraus dazu bestimmt hat, daß er in die vollkommene Kindschaft aufgenommen werde,1 noch in Regungen von Lust oder Furcht verfällt und sich mit der Bekämpfung seiner Leidenschaften abmühen muß.
4. Denn ich möchte sogar wagen, so zu sagen: Gleichwie der Vorherbestimmung nach bereits festgesetzt ist, was er einmal infolge seiner künftigen Taten erhalten wird, so besitzt er auch selbst seiner eigenen Vorherbestimmung nach [S. 289] bereits den, den er lieb gewann, weil er ihn kennengelernt hatte, wobei für ihn die Zukunft nicht ein dunkles Geheimnis ist wie für die Masse, die in ihrem Leben auf das unsichere Raten angewiesen ist, er vielmehr das, was den übrigen unbekannt ist, bereits durch seinen gnostischen Glauben erlangt hat.
1: Vgl. Eph 1,4 f.