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Landwirtschaft. Industrielle Ortschaft. Uhrenmacherei: Fabriken von Rohbestandteilen und Uhrenschalen mit 200 Arbeitern.
Selzach ist durch seine Passionsspiele weltbekannt geworden, die im Sommer stattfinden und tausende von
Besuchern, worunter eine grosse Anzahl Engländer anziehen. Die Vorstellungen, bei denen etwa 500 Personen aus der Gemeinde
selbst mitwirken, datieren seit 1893 und sind vom Fabrikanten Schläfli ins Leben gerufen worden. Bronzezeitliches
Grab mit
einem spiralförmigen Schmuckgegenstand.
Grabhügel auf dem Seidenbühl. Am
«Brüggli» auf einem Sennberg hat man römische Ziegel und im Fluracker römische Ziegel,
Münzen und Mauerreste aufgefunden. Weitere Reste aus der Römerzeit am Seuset, sowie beim
Spielhof und Brühlgut. Die bedeutendste
römische Siedelung der Gegend scheint sich bei
Altreu befunden zu haben, wo man Reste von Befestigungsanlagen
und einer Aarebrücke entdeckt hat. 1558 fand man bei Selzach einen mit römischen Münzen angefüllten Topf, wie auch heute
noch kleinere Münzfunde nicht gerade selten sind. In
Haag und am
Leberberg Gräber aus der Zeit des ersten Alemanneneinfalles.
Selzach steht an der Stelle der römischen SiedelungSalsae Aquae oder
SalisAquae, die ihren Namen von
seither durch einen
Bergsturz verschütteten salinischen Quellen erhalten haben soll. 1389 verkaufte
GrafUlrich von Neuenburg
die
HerrschaftLebern mit Selzach an Solothurn.
1181 und 1245: villa Selsacho.
Elektrisches Licht vom Werk Les Tombeys (im Bagnesthal). Gerberei. Obwohl Sembrancher seit alter Zeit
einen starken Durchgangsverkehr aufweist, hat es doch noch kein modernes Hotel, sondern bloss einen alten Bauerngasthof.
Nahe der
Notre DameKapelle steht ein altes Krankenhaus, das auch als Schulhaus und Landjägerposten dient. Die grauschwarzen
alten
Häuser des Dorfes harmonieren gut mit dem strengen Landschaftscharakter, den die auf drei
Seiten
nahe herantretenden Bergwände bedingen.
Einzig gegen O. liegen schöne
Wiesen und gut bewässerte Gärten mit zahlreichen Ostbäumen. Ein Teil des Grundbesitzes der
heute ausschliesslich der Landwirtschaft sich widmenden Bewohner liegt jenseits der
Dranse auf Boden der Gemeinde Vollège,
so namentlich ein 7-8 ha umfassender
Weinberg unter den nackten
Wänden des
Armanet, der einen sehr geschätzten
Tropfen erzeugt. Die Umgebungen von Sembrancher liefern ausgezeichnete
Kalksandsteinplatten. Südwestl. vom Dorf baut man
am
O.-Hang des
Catogne an der Les
Fahys genannten Stelle eine dem untern Lias angehörige Schieferlage ab, deren Produkt zum
Eindecken von
Häusern verwendet wird und eines guten
Rufes sich erfreut.
Eine gefährliche Stelle ist der das SO.-Ende des
Roc deVence bildende
Felsen von
Saint Martin, den eine mächtige Spalte vom
Bergkörper trennt und dessen Absturz namentlich den NO.-Abschnitt des Dorfes bedrohen würde. Schon vor etwa 20 Jahren hat
man diesen
Felsen auf seine Festigkeit untersuchen lassen. Unter der
Herrschaft der
Grafen von Savoyen bildete
Sembrancher bis zum 15. Jahrhundert einen hauptsächlichen Sammelpunkt des Adels. Hier besass im Jahr 1377 die Familie Imthurn
(La Tour) aus
Saint Maurice, ein jüngerer Zweig der
Herren von Imthurn-Gestelenburg
(La TourChâtillon) einen kleinen
Burgturm.
Auf dem
Rücken einer bewaldeten Anhöhe s. vom Dorf und rechts vom Eingang in die
Vallée d'Entremont steht in 899 m
Höhe
eine St. Johanneskapelle, die die Stelle des Wohnturmes der ehemaligen Burg einnimmt, welche 1475 von den siegreich vorrückenden
Leuten aus dem Ober Wallis
in Asche gelegt worden ist. Hierauf verlegten die Burgherren ihren Wohnsitz in den
Flecken selbst. Im
Haus Arlettaz sieht man eine schön geschnitzte Decke und interessante Möbel, die von Deserteuren der über
den Grossen
St. Bernhard ziehenden Armee Bonaparte's verfertigt worden sind.
Ein bei der
Brücke über die
Dranse stehendes anderes merkwürdiges
Haus besitzt in einem
Zimmer noch Täfelwerk
aus dem Jahr 1505. Das aus 1602 stammende ehemalige Rathaus mit einem viereckigen
Turm und einer sehr alten St. Pankrazkapelle,
das um die Mitte des 19. Jahrhunderts baufällig geworden war, hat 1892 einem schönen Gemeindehaus
Platz machen müssen.
Die heutige Pfarrkirche, deren Glockenturm aus dem 14. Jahrhundert stammen soll, wurde 1676 erbaut und
ist dem h. Stephan geweiht.
Vor dieser Zeit diente die eben genannte Pankrazkapelle als Pfarrkirche. Der Name des
Ortes, den einige Geschichtsforscher
Saint Brancher schreiben, ist vom h. Pankraz herzuleiten. Urkundliche Namensformen: 1177 Sancti Pancratii de Branchi; 1199 deSancto Brancherio, 1217 de Sancto Brancacio (Metathesis für Pancratio). Ein 1239 von Amadeus IV. von
Savoyen ausgestellter und von den
Grafen Amadeus V. und Eduard erneuter Freibrief verlieh dem
Ort verschiedene Vorrechte, wie
z. B. einen zweiten Jahrmarkt, einen Wochenmarkt und zahlreiche Steuerfreiheiten.
Die Nachbarschaft von
Martigny hat, besonders seit dem Bau der Eisenbahn, dem Dorf Sembrancher jegliche
Bedeutung als Handelsplatz genommen, so dass es jetzt bloss noch als Bezirkshauptort und Sitz des Bezirksgerichtes einen
gewissen
Rang behauptet. Hier wurde 1742 der 1818 gestorbene Kaplan Murith geboren, der sich als Bergsteiger und gelehrter
Botaniker auszeichnete und nach welchem sich die
Walliser Naturforschende Gesellschaft «La Murithienne»
benennt.
Grab aus der Bronzezeit mit Scheibennadeln auf dem Plat
Choëx; nahe dem Dorf
Grab aus der gallisch-römischen Eisenzeit
mit einem Skelett, Glasringen und Stecknadeln vom sog.
Walliser Typus.