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Etrit Hasler über die schlechtesten Verlierer der Sportgeschichte
Es gibt einen Satz im US-Sport, der so vielen UrheberInnen zugeschrieben wird, dass er Sprichwort geworden ist: «Zeig mir einen guten Verlierer, und ich zeig dir einen Verlierer.» Für unsere Ohren mag das nach typisch amerikanischem Leistungswahn klingen, doch seien wir ehrlich: Niemand verliert gern. Meine Lieblingsgegnerin beim Backgammon zum Beispiel bewirft mich jeweils mit Zigaretten, wenn sie verloren hat. Und das, obwohl sie sich eigentlich daran gewöhnt haben müsste. Und ja – für den Nachsatz werde ich büssen. Wobei ich selber kein bisschen besser bin: Niederlagen machen mich zickiger als eine ungefütterte Hauskatze, wenn man sie unvorbereitet streicheln will.
Und gerade weil wir eigentlich alle schlechte VerliererInnen sind, nehmen wir es ausgerechnet SportlerInnen äusserst übel, wenn sie diese Eigenschaft öffentlich zeigen. Mag sein, die öffentliche Häme variiert von Sportart zu Sportart: Einen Eishockeyspieler, der die Fäuste ausfährt, nehmen wir als fast normal hin. Im Fussball kann man sich schon über Trainer enervieren, die ihrem Gegenüber nach einer Niederlage den Handschlag verweigern. Im Cricket kann dafür ein gewedelter Finger in Richtung eines Schiedsrichters zu einer Staatsaffäre führen wie 1987 bei einem Länderspiel zwischen Pakistan und England.
Klar, es gibt gewisse Dinge, die gehen einfach nicht: Auf ewig bekannt bleiben wird zum Beispiel der kubanische Taekwondokämpfer Angel Matos, der an den Olympischen Spielen in Beijing 2008 nach seiner Disqualifikation wegen Zeitverzögerung dem Schiedsrichter ins Gesicht trat. Oder der mythische Besitzer der New York Yankees, George Steinbrenner III, der sich 1981 seine Hand brach, als er in eine Wand schlug – und sich damit herausredete, er habe sich mit zwei gegnerischen Fans geprügelt.
Doch es braucht nicht gleich physische Gewalt, um als legendär schlechteR VerliererIn in die Geschichtsbücher einzugehen. Der koreanische Boxer Byun Jong Il blieb nach seiner Niederlage an den Olympischen Spielen 1988 so lange aus Protest im Ring sitzen, bis in der Halle die Lichter gelöscht wurden – eine geschlagene Stunde lang. Und der US-Sprinter Jon Drummond legte sich an der Leichtathletik-WM 2003 nach seiner Disqualifikation wegen Fehlstart weinend auf die Strecke, bis das gesamte Rennen verschoben wurde. Sogar sein eigener Manager nervte sich so über sein Verhalten, dass er den Medien danach erzählte, man habe Drummond in der Garderobe Wasser verabreicht, damit er vor lauter Heulerei nicht dehydriere.
Tennis ist voll mit schlechten VerliererInnen – ihre Ikone ist wahrscheinlich John McEnroe, dessen Hasstiraden gegen Schiedsrichter bis heute Hits auf Youtube sind. Doch auch kleinere Nummern können austicken: Marcos Baghdatis zerschmetterte bei seiner Niederlage gegen Stanislaw Wawrinka aus Wut vier Rackets – zwei davon noch originalverpackt. Wobei er immerhin ein bisschen cleverer war als der vorherige Rekordhalter Goran Ivanisevic, der während eines Matchs am Brighton Open seine drei mitgebrachten Rackets kaputt schlug – und dann aufgeben musste, weil er keines mehr hatte, um weiterzuspielen.
Doch es geht noch peinlicher: Nachdem sein Gegner, der aufstrebende Snookerstar Ronnie O’Sullivan, an der WM 1996 ein ganzes Frame lang mit links gespielt hatte, war Alain Robidoux so beleidigt, dass er eine Beschwerde beim Verband einreichte wegen respektlosen Verhaltens. O’Sullivan musste daraufhin dem Verband in einem Testspiel gegen einen Ex-Vizeweltmeister beweisen, dass er auch mit der linken Hand auf Profiniveau spielen könne. O’Sullivan gewann die «Beweispartie» zu null.
Apropos schlechte Verlierer: Ich habe vor vier Jahren an dieser Stelle geschrieben, wenn Sepp Blatter wiedergewählt werde, würden Sie an dieser Stelle 635-mal das Wort «fuck» lesen. Ich kann es mir diesmal verkneifen. Aber auch nur ganz knapp.
Etrit Hasler verliert sehr ungern. Was sich zwar schlecht mit seiner SP-Parteimitgliedschaft vereinbaren lässt, aber er hält Konsequenz ohnehin für überbewertet.