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- Bild: zvg
Es war an einem Freitagvormittag im September: Die Kundin ruft aufgeregt an, dass ihrem Hund das Auge auslaufe. Es sei bereits jemand mit dem Hund unterwegs für die Notfallkonsultation. Tatsächlich tränte ein Auge des Labrador-Rüden relativ stark und er hatte eine starke Bindehautentzündung.
Beim genaueren Augenuntersuch stellten wir fest, dass der Augapfel selber unverletzt war. Welche Überraschung aber, als im Bindehautsack und hinter der Nickhaut kleine weisse bewegliche Fäden sichtbar wurden: Augenwürmer! Ein einziges Mal bisher hatten wir einen identischen Fall in unserer Praxis gesehen. Für uns also eine sehr seltene Erkrankung. Die Besitzerin war zuvor einige Wochen mit ihrem Hund im Tessin, wo sich der Hund mit den Larven dieser Würmer angesteckt hatte.
Die Thelazien, also Augenwürmer, werden von einer Fruchtfliege (Drosophila) übertragen, welche sich von Fruchtsaft und Tränenflüssigkeit bei Fleischfressern ernährt. Dabei transportiert sie die Larven der Augenwürmer von einem Tier zum anderen. Früher wurde die Krankheit nur in südlichen Gebieten beobachtet, jedoch werden nun auch Fälle in Norditalien und im Tessin beobachtet. Die Behandlung ist glücklicherweise recht einfach: Zuerst werden möglichst viele der sichtbaren Würmer aus dem Auge gespült und mechanisch entfernt. Dann muss die Bindehautentzündung behandelt werden und mit einem Antiparasitika (einer Wurmtablette, welche auch zur regelmässigen, routinemässigen Entwurmung benutzt wird) werden die nicht sichtbaren Larven oder verbliebenen Würmer abgetötet. Wir empfehlen Hunde, welche in den Süden reisen mit diesem Wurmmittel nach der Rückkehr zu behandeln, da das Medikament auch gegen Herzwürmer, ebenfalls eine Krankheit, welche von Mücken in südlichen Gebieten übertragen wird, Wirkung zeigt.
Der Labrador-Rüde hatte die Praxis noch nicht verlassen, als im zweiten Behandlungszimmer der Kleinpudel auf dem Tisch stand, welcher schon einige Tage Probleme mit den Augen hatte. Spasshalber frage ich. «Na, waren Sie im Tessin mit Ihrem Hund?», worauf die Besitzerin erstaunt antwortete: «Ja, wieso wissen Sie das?» Und Sie ahnen es schon: Im Bindehautsack des Pudels sahen wir Augenwürmer!
Autor: Dr. med. vet. Patrick Curschellas, Kleintierpraxis Dr. Küng, 6215 Beromünster