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Können Sie die Rolle der Schweizerischen Nationalbank bei der Stabilisierung der Wirtschaftslage des Landes erläutern?
Der gesetzliche Auftrag der SNB zielt auf die Gewährleistung der Preisstabilität ab. Sie soll die Inflationsrate, das heisst den jährlichen Anstieg des Verbraucherpreisindexes, zwischen 0 % und 2 % halten. Um das Inflationsrisiko zu bekämpfen, muss die Nationalbank ihre Geldpolitik straffen. Dies kann sie unter anderem durch eine Erhöhung des Leitzinses tun, wodurch Kredite teurer werden und die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen sinken wird. Dadurch wird der Schweizer Franken aufgewertet, was auch die Importpreise senkt. Umgekehrt wird einem Deflationsrisiko durch eine Zinssenkung entgegengewirkt, die die Nachfrage ankurbelt.
Wie beurteilen Sie derzeit die Wirtschaftslage in der Schweiz?
Das Bruttoinlandsprodukt verzeichnete im ersten Quartal 2023 ein anhaltendes Wachstum. Die Wertschöpfung hat sich im Dienstleistungssektor intensiviert, während sie in der Industrie nur leicht anstieg. Der Arbeitsmarkt bleibt solide und die Produktionskapazitäten sind bislang gut ausgelastet. Für den Rest des Jahres rechnen wir jedoch mit einem bescheidenen Wachstum. Die Verlangsamung dürfte auf die schwache Auslandsnachfrage, den teuerungsbedingten Kaufkraftverlust und die strengeren Finanzierungsbedingungen zurückzuführen sein. Insgesamt dürfte das BIP in diesem Jahr um etwa 1 % wachsen.
Seit über einem Jahr ist die Schweiz mit einer höheren Inflation konfrontiert. Welche Massnahmen hat die SNB ergriffen, um dieser entgegenzuwirken?
Ab Ende 2021 liess die SNB den Schweizer Franken aufwerten, wodurch die importierte Inflation eingedämmt wurde. Seit Juni 2022 hat die SNB den Zinssatz fünfmal in Folge erhöht, von -0,75 % auf 1,75 %. Wie sie bei ihrer vierteljährlichen Überprüfung im Juni 2023 betonte, wird sie ihre Geldpolitik bei Bedarf weiter straffen.
Wie sehen Sie als Mitarbeiter der SNB die kurz- und langfristige Entwicklung der Freiburger Wirtschaft?
Wie die übrige Schweizer Wirtschaft hat auch die Freiburger Wirtschaft einen soliden Start ins Jahr 2023 erlebt. Die Unternehmen scheinen trotz der internationalen Unsicherheiten optimistisch in die unmittelbare Zukunft zu blicken. Die gute Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur und die ausgezeichnete Innovationsfähigkeit tragen zu dieser Zuversicht bei. Die Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Rohstoffen oder Materialien lassen nach, aber der Mangel an Arbeitskräften hat sich in Freiburg wie auch in der übrigen Schweiz zur Hauptsorge der Unternehmen entwickelt.
Wie verkraftet die regionale Wirtschaft die Übernahme der Credit Suisse durch die UBS?
Bei unseren Kontakten mit Unternehmen äusserten einige von ihnen in den Wochen unmittelbar nach der Übernahme der Credit Suisse durch die UBS Bedenken hinsichtlich der Finanzstabilität. Diese Bedenken haben sich jedoch schnell gelegt. Alle systemrelevanten Funktionen blieben erhalten, wodurch unangenehme Folgen für die Unternehmen vermieden wurden. Dies hindert einige von ihnen jedoch nicht daran, den möglichen Verlust ihres gewohnten Bankpartners zu beklagen.
Welche Lehren zieht die SNB aus dem Fall Credit Suisse?
Aus der Krise der Credit Suisse sollten möglichst viele Lehren gezogen werden, um die Widerstandsfähigkeit der Banken zu stärken und eine Wiederholung einer solchen Vertrauenskrise möglichst zu vermeiden. Die SNB wird sich aktiv an diesen Arbeiten beteiligen.
Was wäre eingetroffen, wenn die UBS die Credit Suisse nicht übernommen hätte?
Ein Zusammenbruch der Credit Suisse hätte schwerwiegende Folgen für das globale Finanzsystem und dramatische Auswirkungen auf die Realwirtschaft gehabt. Wir wissen, dass Rezessionen, die durch Finanzkrisen ausgelöst werden, extrem langlebig und zerstörerisch sind. Es wäre daher unverantwortlich gewesen, unter diesen Umständen nicht zu handeln. Es musste schnell eine Lösung gefunden werden, um die Finanzstabilität zu gewährleisten und die Schweizer Wirtschaft zu schützen.