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Deutschland
16.10.1927, Danzig - 13.4.2015, Lübeck
Malerei, Grafik, Skulpturen, Schriftsteller
Herkunft, Biografie
Günter Grass besuchte die Volksschule und das Gymnasium in Danzig. 1944/45 erlebte er noch ein Jahr lang den 2. Weltkrieg als Soldat. Er wurde verwundet, kam in amerikanische Kriegsgefangenschaft, und wurde 1946 entlassen. Danach arbeitete er als Landarbeiter in einem Kalibergwerk.
Bereits 1947 begann er eine Steinmetz-Lehre in Düsseldorf. Daneben studierte er an der dortigen Kunstakademie. Nach Reisen durch Italien und Frankreich zog er 1953 nach Berlin, wo er an der Hochschule für bildende Künste studierte und Schüler des Bildhauers Hans Hartung wurde.
1954 heiratete Grass die Schweizer Ballettstudentin Anna Schwarz. Aus der Ehe gehen vier Kinder hervor. Nach ersten Erfolgen als Schriftsteller, der sich autodidaktisch fortentwickelte, zog das Ehepaar 1956 nach Paris. Dort entstand auch das Manuskript für «Die Blechtrommel». Mit diesem, seinem ersten Roman, gelang 1959 dem damals 31-jährigen der literarische Durchbruch.
Auch ausserhalb seines literarischen Schaffens war Grass politisch aktiv. Er kommentierte häufig das politische und gesellschaftliche Tagesgeschehen.
Nach seiner Rückkehr 1960 nach Berlin engagierte er sich politisch stark, indem er eine aktive Rolle in den Wahlkämpfen der dortigen SPD übernahm. Für Willy Brandt zog er Mitte und Ende der 60er Jahre auch in die bundesweiten Wahlkämpfe. Von 1982 bis 1992 war er Mitglied der SPD.
Von 1972 bis 1987 lebte Grass in Wewelsfleth in Schleswig-Holstein.
1972 trennten sich Günter Grass und Anna Schwarz.1974 wurde Helene geboren, die gemeinsame Tochter aus der mehrjährigen Beziehung zu Veronika Schröter. 1979 wurde sein sechstes Kind, Nele Krüger, Grass’s Tochter mit der Lektorin Ingrid Krüger geboren. Im selben Jahr heiratete er in zweiter Ehe die Organistin Ute Grunert, die selbst zwei Söhne in die Ehe mitbrachte.
Wohl vor allem für sein früheres literarisches Hauptwerk «Die Danziger Trilogie» («Die Blechtrommel», «Katz und Maus», «Hundejahre»), erstveröffentlicht zwischen 1959 und 1963, erhielt er 1998 den Literatur-Nobelpreis.
Günter Grass lebte seit 1987 bis zu seinem Tod in Behlendorf bei Lübeck. In Lübeck befindet sich das Günter-Grass-Haus mit dem überwiegenden Teil seiner literarischen und künstlerischen Originalwerke.
Künstlerisches Schaffen
Man kennt ihn zumeist als Schriftsteller, Stückeschreiber, Dichter und politisch Engagierten. Doch schon immer verband er Gedichte mit Grafiken und Schriften mit Zeichnungen. Er selbst betonte, dass häufig die Zeichnung vor dem Text stand oder «ihm ins Wort fällt», genauso wie ein Satz den Lauf einer Linie bestimmen oder verändern kann. Manchmal sogar musste es bei Zeichnungen und Skizzen bleiben, wenn es ihm buchstäblich die Sprache verschlug, so z.B. auf seiner Kalkutta-Reise in den frühen 1990er Jahren geschehen.
Die meisten Portraits sind von ihm selbst, von seiner zweiten Frau Ute und seinen Freunden. Häufiger als Motiv sind jedoch die Stillleben mit den z.T. auch in den literarischen Werken verewigten Tieren wie dem Butt, der Ratte, den Aalen, Unken, Käfern, oder mit «Abfall» als Zeugen einer Geschichte, als Strandgut eines Vorfalls. Und immer wieder taucht die Frau in seinen Bildern auf als leise Bestimmende und Verführende. Die Bildwerke sind nicht blosse Illustrationen seiner Texte, eher Erweiterungen, Ergänzungen oder Voraussetzungen der Prosa. Technisch brillant zeigt sich in ihnen die Erotik, die Betroffenheit, die Empörung, der Zorn und die Trauer. Sie sollen den Betrachter zum beteiligten Hinsehen und Nachdenken zwingen in einer Zeit, in der das Wegschauen und Überfliegen zu einer elementaren Überlebenstechnik geworden ist, weil einem die «Informationsüberflutung» keine andere Wahl mehr lässt. Die Aufgabe des bildenden Künstlers Günter Grass ist es, in einem Meer der Hast und Abstumpfung Inseln der Ruhe und der Re-Sensibilisierung zu schaffen.
Porträtfoto: Margie Landolt, Basel
Werkverzeichnis Grafisches Werk
Günter Grass - «In Kupfer, auf Stein. Die Radierungen und Lithographien»
1972-1986. Göttingen 1986