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Um 1000 schien die islamische Welt auf dem besten Weg, schiitisch zu werden. Daher waren die Fatimidenkalifen (909-1171) als schiitische Dynastie keine Ausnahmeerscheinung, sondern eine führende Großmacht im Mittelmeerraum, bis sie schließlich von Saladin gestürzt wurden, der das Reich am Nil wieder unter sunnitische Herrschaft stellte. Anhand dieser Dynastie sollen einige zentrale Aspekte der vormodernen arabischen Geschichte erarbeitet werden. Die Fatimiden vertraten eine ausgeprägt „theokratische“ Konzeption ihres schiitischen Kalifats, das sich als „Imamat“ als eine der göttlichen Säulen des Kosmos verstand. Gleichzeitig herrschten die Kalifen von Kairo über eine Untertanenschaft – die mehrheitlich christlich, sunnitisch und jüdisch war – ohne eine systematische Bekehrungspolitik durchzuführen. Die Frage, wie dieser theokratische Herrschaftsentwurf in einer multireligiösen Umgebung und mit einer weitgehenden religiösen Toleranz verwirklicht wurde, ist einer der faszinierendsten Aspekte der fatimidischen Geschichte und wird daher mit im Zentrum des Kolloquiums stehen. Darüber hinaus werden unter anderem die Stellung der Frau, die fatimidische Position gegenüber den Kreuzfahrerreichen und die Frage, ob und wie sich die nahöstliche Geschichte grundsätzlich von der westeuropäischen Geschichte unterscheidet, erörtert werden. Auf dem Gebiet der Geschichtstheorie werden wir uns eingangs mit der Orientalismus-Debatte und der eurozentristischen Ausrichtung der sogenannten allgemeinen Geschichtswissenschaft beschäftigen und diese Punkte als den roten Faden des Kolloquiums an konkreten Beispielen der fatimidischen Geschichte diskutieren.
Zielgruppe: Studierende im Hauptstudium
Voraussetzungen: Gute Englisch- und Französischkenntnisse.
Bemerkungen: Die Beschäftigung mit einer nicht-europäischen Region, für die in der Regel wenig Vorkenntnisse vorhanden sind, erfordert etwas mehr Einsatz als üblich. Studierende, die über Arabisch-Kenntnisse verfügen, können sich auf Wunsch an einigen arabischen Quellen versuchen, aber diese Lehrveranstaltung ist nicht als arabische Lektüre-Übung ausgelegt.
Die Zahl der Teilnehmenden ist auf 40 begrenzt.