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Die Lenzerheide war einst Teil der römischen Heeresstrasse und des stark frequentierten Saumpfades über den Septimer von der Lombardei nach Rätien.
Die Passlandschaft bildete die Gras- und Heukammer der Obervazer Bauern. Entlang der Strasse und leicht erhöht am Hang bauten diese allmählich ihre Maiensässe.
Die Bauernfamilien zügelten im Frühjahr mit Vieh und Hausrat in ihre „Aclas“ (Maiensässhäuser). Inmitten ihrer Heuwiesen und Weiden hielten sich die Bauern von Mai bis in den Herbst vorwiegend auf, soweit nicht die Bestellung der Äcker zur Selbstversorgung die Rückkehr ins Dorf verlangte. Im Winter waren die Maiensässe unbewohnt.
Die Stammsiedlungen Lain, Muldain und Zorten waren eine zusammenhängende Ackerlandschaft. Der untere (nach Zorten) und der obere (nach Lain) Weg, lediglich mit schmalen Karren befahrbar, verbanden die Dauersiedlungen mit den Maiensässen.Der gemächliche Bauernalltag auf der Heide wurde einzig vom Saum- und Postkutschenverkehr belebt.
Der Bau der Kommerzialstrasse über den Julier ins Engadin führte nach 1840 zu Veränderungen in den Maiensässweilern. Paul Caspar Hartmann richtete in seiner Acla die Postablage ein. 1854 baute Anton Lenz-Dosch am nördlichen Waldrand das „Wirtshaus am Marktplatz“. Dr. Luzius Brügger-Jochberg, später leitender Arzt des Kreuzspitals, verbrachte seit den 1850er Jahren mit seiner Frau nun den Sommer in Fadail und setzte sich energisch für das Aufblühen der Lenzerheide ein. In- und ausländische Botaniker und Zoologen suchten in der noch unberührten Landschaft nach seltenen Pflanzen und Insekten. So auch Kantonsschullehrer Dr. Christian Brügger aus Churwalden.
In den 1870er Jahren wurden erste Schritte zum Fremdenverkehr eingeleitet. Die 1874 eröffnete Heidsennerei bot Ziegenmolke für Molkenkuren an und im „Waldhof“ fanden erste „Kuranten“ Unterkunft. 1879 kaufte Joachim Cantieni-Parpan die Sennerei und baute sie in ein kleines Gashaus mit 30 Betten um.
Die Eröffnung des „Curhaus“ am Johannistag 1882 als erstes Hotel auf der Lenzerheide gilt als Geburtsstunde des Kurortes. Nach dem frühen Tod von Joachim Cantieni wurde sein Sohn Leonhard zur prägenden Gestalt im jungen Kurort. Die wilde Heide wurde zu einem vielbesuchten sommerlichen Aufenthaltsort erholungsbedürftiger Stadtmenschen. Zu den bescheidenen Gasthäusern gesellten sich stattliche Hotelbauten mit Gartenanlagen. Immer mehr Bewohner der Stammdörfer verlegten ihren Wohnsitz ins Maiensäss.
Als der Postkutschenverkehr über den Pass nach Eröffnung der Eisenbahnlinie ins Engadin einbrach, wurde die Heide auf Initiative der Kurhauspioniere zum Wintersportplatz. Der erste Skikurs der Schweiz vom Januar 1903 machte die ideal geneigten Hänge der Westflanke als Skigebiet allerersten Ranges bekannt.
Wer noch mehr erfahren will, erhält im Ortsmuseum in Zorten umfassenden Einblick in die wechselvolle Geschichte der Lenzerheide. Dort und bei LMS sind auch lokalhistorische Dokumentationen zur Gemeinde Vaz/Obervaz, zu der die Lenzerheide gehört, erhältlich.