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Literatur
Ava auf der Spur des Geldes
Der erste Eindruck: ansprechendes Format, leserfreundlicher Satzspiegel, das Buch liegt gut in der Hand; besonders gefallen mir die roten Seitenränder, klassische Krimis kamen so daher, zumindest glaube ich das so zu erinnern, und ein klassischer Krimi ist Ian Hamiltons "Der Rote Stab von Macao" in der Tat. Zudem einer, der nicht nur gut erzählt ist, sondern ebenso lehrreich ist. So lernt man etwa einiges darüber, wie es in chinesischen Familien so zu und her geht. Und dass man in China vorzugsweise per Handschlag Geschäfte besiegelt. Und dass Macao das am dichtesten besiedelte Gebiet der Welt ist - und dazu noch die weltweit höchste Lebenserwartung aufweist.
Ava Lee, schön, lesbisch und in der Kampfsportart Bak Mei bewandert, ist auf Geldeintreibungen spezialisiert. Ihr Halbbruder Michael hat sich in dubiose Immobiliengeschäfte in Macao eingelassen und ist drauf und dran 20 Million Dollar zu verlieren. Und das heisst, die Familie, seine und Avas, würde das Geld verlieren, denn ihr Vater würde als Familienoberhaupt dafür gerade stehen. Der Spur des Geldes zu folgen wird für Ava zu einem privaten Fall.
Michael und sein Partner Simon sind an die Triaden geraten, genauer an den "roten Stab". Simon wird von diesem entführt. Onkel, Avas Geschäftspartner, klärt sie darüber auf, dass ein "roter Stab" gleichbedeutend mit Vollstrecker sei und mit einem solchen sei naturgemäss nicht zu verhandeln. Das Geld und Simon scheinen verloren. Doch Onkel hat Beziehungen in China und lässt sie spielen.
Die Atmosphäre von Hongkong und Macao ist gut getroffen, ein Grossteil des Geschehens findet in Hotels statt, auch wird viel gegessen in diesem vorzüglichen Kriminalroman, in dem auch immer mal wieder angenehm trockene Ironie aufscheint. "Der Kellner servierte den Wein. Ava übernahm die rituelle Weinverkostung und erklärte ihn zum gefühlten tausendsten Mal in Folge für trinkbar."
"Der rote Stab von Macao" ist spannend erzählt, das Finale überraschender als ich es mir vorgestellt hatte, und flüssig übersetzt, auch wenn es da gelegentlich Sätze beziehungsweise Ausdrücke gibt, die mich einigermassen verständnislos zurück liessen. Hier zwei Beispiele: "Als sie auf den Cotai Strip einbogen, klappte Ava der Mund auf." "'Das hier ist Amanda, die Verlobte meines Bruders.' Die letzten Worte betonte sie für Carlo, der sich für unwiderstehlich hielt und alles angrub, was nicht bei drei auf den Bäumen war."
Fazit: "Der rote Stab von Macao" ist ein gelungener, atmosphärisch dichter Krimi. Und die smarte Ava Lee eine faszinierende Heldin.