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1975-1983
Sichtbarwerden!
Überblick
In den nun folgenden Kapiteln geht es nicht mehr um die Geschichte der einzelnen grossen Gruppierungen, sondern um bewusst geplante Schritte in die Öffentlichkeit, um Fakten, Aktionen, Ereignisse. Dazu gehörte primär das Schaffen von Solidarität innerhalb aller Gruppierungen und danach die Organisation und Durchführung der gemeinsam geplanten Schritte. Das grosse Ziel hiess: Bewusstseinsänderung in der Gesellschaft.
Das eigentliche Sichtbarwerden begann 1978 mit der Telearena des Schweizer Fernsehens und setzte sich nahtlos in den jährlichen Aktionen und Veranstaltungen zum Christopher Street Day (CSD) fort.
Ein erster "Probelauf" ergab sich im selben Jahr 1978 mit der Einladung zur ersten Tagung im evangelischen Zentrum Boldern (ZH). Das von Boldern gewählte Thema hiess "Probleme der Homophilie". Die Einladung erging auch an die Homosexuellen Arbeitsgruppen Zürich (HAZ) und die Schweizerische Organisation der Homophilen (SOH). Es bedurfte der gemeinsamen Vorbereitung aller Beteiligten. Der Anlass wurde zwei Monate später wiederholt.
Beide Tagungen auf Boldern brachten die wichtige Erfahrung des Zusammenarbeitens sowohl von Mitgliedern der HAZ mit solchen der SOH als auch mit Frauen lesbischer Gruppierungen. Es entstanden erste Kanäle der Kommunikation. Diese entwickelten sich sofort zur Basis für den Angriff auf die Schwulenregister der Zürcher Polizei. Das erreichte Aufheben dieser Listen wurde zum Fanal für die Schwulenaktivisten in den übrigen grossen Städten des Landes. Abschaffung der Homoregister war das grosse Thema der CSD-Demonstrationen und Schwulen/Lesben-Befreiungstage von 1979 (Bern) und 1980 (Basel).
Zunächst aber werfen wir einen Blick auf die Entwicklungen in der Romandie. Dadurch wird die Geschichte der Schwulenbefreiung im gesamtschweizerischen Rahmen sichtbar.
Mit in die Bestrebungen um nationales Sichtbarwerden gehören nun auch die erste Kontaktstelle für Eltern von homosexuellen Töchtern und Söhnen, die Entwicklung der schwulen Zeitschriften und die Vereinigung schwuler und lesbischer Lehrer und Lehrerinnen auf schweizerischer Ebene. Christlich geprägte Homosexuelle suchten gleichzeitig den Dialog mit der Kirche und gründeten einen Verband von kantonalen Gruppen.
Ernst Ostertag, Dezember 2006