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Das Kind liegt selig in der Krippe auf Stroh, Maria sitzt daneben und lächelt froh. Ein Strahlen geht von den beiden aus. Und Josef?
Josef verscheucht die Fliegen, die das Gesichtchen des Kleinen umschwirren, und verstopft die Ritzen im Stall notdürftig mit Lappen und Stroh, damit das Pfeifen des kalten Nachtwinds das Kind nicht weckt. Seiner Frau legt er den Mantel enger um die Schultern.
Als die Hirten kommen, um das Kind zu sehen, ermahnt sie Josef, leise zu sein, das Kind schlafe. Und nachher bietet er ihnen Wasser an und Datteln und plaudert mit ihnen noch ein Weilchen über Schafe und Kaiser Augustus und wer dümmer sei.
Als die Könige kommen, um das Kind zu sehen, getraut sich Josef nicht, etwas zu sagen. Er ärgert sich still, als sie den Kleinen aufwecken. Und Maria braucht doch auch Ruhe, die Reise und die Geburt haben sie erschöpft. Nachher bietet er ihnen Wasser und Oliven an, mehr hat er nicht, und als die drei Weisen zu plaudern beginnen, nickt er nur, denn er versteht nichts vom Lauf der Gestirne und vom Regieren. Die Hirten waren ihm lieber.
Und überhaupt ist ihm ganz sturm vom Rummel um das Kind.
Sein Kind?
Er macht Feuer und kocht Hirsebrei für seine Frau und wäscht die dreckigen Windeln am Brunnen mit kaltem Wasser aus, auch wenn die anderen Frauen ihm dabei mitleidige Blicke zuwerfen. Und er füttert den Esel und er putzt den Mist des Ochsen weg, damit es nicht gar so stinkt.
Und des Nachts, wenn Maria weint vor Erschöpfung und weil die Brustwarzen schmerzen und der Kleine nicht richtig trinkt und nur quengelt, dann küsst Josef seine Frau in den Schlaf und nimmt das Baby auf den Arm. Stundenlang trägt er es im Stall herum, wiegt es leise, singt ihm Lieder vor, immer und immer wieder, massiert ihm sein geblähtes Bäuchlein, freut sich über jedes Fürzchen, das dem Kleinen Erleichterung verschafft, und wechselt klaglos die Windeln.
Zwischendurch denkt er, wie es nun wohl weitergeht mit Maria und ihm und dem Kind, und ob sein Verdienst als Zimmermann ausreicht, und was aus dem Kleinen mal werden wird.
So vergeht die Nacht. Er wiegt und trägt das Kind und kitzelt es mit seinem Bart an den Füsschen. Er schaut in seine kleinen Augen und erkennt darin sich selbst. Und lässt es dann nuckeln an seinem kleinen Finger, bis es – endlich – einschläft.
Wie Josef sie so sieht, Maria, das Kind, seine Familie, die ihm heilig ist, da lächelt er und schläft ein.
Seinen Sohn im Arm.
Stephan Moser ist freischaffender Journalist und Autor und fest angestellter Familienmann.