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Joe Biden hat laut US-Medien im Bundesstaat Pennsylvania inzwischen mehr Stimmen als Amtsinhaber Donald Trump. 98 Prozent aller Wahlzettel sind gemäss AP in Pennsylvania ausgezählt. Bleibt es dabei, hätte Biden die erforderlichen 270 Elektorenstimmen zusammen – und würde neuer Präsident der Vereinigten Staaten. SRF-Korrespondentin Isabelle Jacobi zum Herzschlagfinale um die US-Präsidentschaft.
Isabelle Jacobi
USA-Korrespondentin, SRF
Nach dem Studium in den USA und in Bern arbeitete Jacobi von 1999 bis 2005 bei Radio SRF. Danach war sie in New York als freie Journalistin tätig. 2008 kehrte sie zu SRF zurück, als Produzentin beim Echo der Zeit, und wurde 2012 Redaktionsleiterin. Seit Sommer 2017 ist Jacobi USA-Korrespondentin in Washington.
SRF News: In den zwei heftig umkämpften Bundesstaaten Georgia und Pennsylvania hat Biden Trump überholt. Kann sich Biden schon ein wenig zurücklehnen?
Isabelle Jacobi: Das Rennen ist sehr eng. Man muss also sehr vorsichtig mit Prognosen sein. Der Trend ist aber klar, und das freut natürlich die Biden-Kampagne und Joe Biden selber. Es werden immer noch Stimmen ausgezählt, diese dürften eher an Biden gehen, weil sie aus demokratischen Städten wie Philadelphia, Pittsburgh oder Atlanta kommen. Hier wird Biden seinen Vorsprung auf Präsident Trump wohl noch vergrössern können.
Georgia war lange eine republikanische Hochburg. Warum konnte Biden hier Trump den Rang ablaufen?
Die Demokraten haben den konservativen Südstaat seit 1992 nicht mehr gewonnen. Das schaffte zuletzt Bill Clinton. Zu verdanken hätten die Demokraten diesen Sieg dem demographischen Wandel und einer beispiellosen Mobilisierung der afroamerikanischen Wählerschaft. Diese macht über 30 Prozent aus in Georgia.
Anders verläuft die Dynamik in Arizona. Dort liegt Biden zwar auch vorne, aber Trump holt auf. Könnte Arizona zurück zu Trump kippen?
Der Staat steht tatsächlich auf der Kippe. Präsident Trump holt dort auf, weil überraschend viele Republikaner per Brief gewählt haben. Wie es aussieht, braucht Biden den Südwesten gar nicht, um die nötigen Elektorenstimmen zu sammeln. Wenn er in Pennsylvania siegt, hat er die 270 Elektorenstimmen beisammen.
Trump hat Heerscharen von Anwälten in Stellung gebracht und will das Land mit Klagen überziehen. Können sie noch ausschlaggebend sein?
Wohl kaum. Zumindest bisher hat die Trump-Kampagne keine Beweise für einen vermeintlichen Wahlbetrug geliefert. Sie äussern einen generellen Verdacht – das schürt zwar Proteste, vor Gericht wird eine blosse Vermutung aber nicht standhalten. Da müsste es einen konkreten Betrugsfall geben.
Es wird lange dauern, bis wir wissen, wer wie viele Elektorenstimmen erhält, und wer schliesslich Präsident wird oder bleibt.
Es wird aber fast sicher zu Nachzählungen kommen, zum Beispiel in Georgia oder auch in Wisconsin. Dort kann die Trump-Kampagne erst am 1. Dezember klagen, wenn das Resultat zertifiziert ist. Es wird lange dauern, bis wir wissen, wer wie viele Elektorenstimmen erhält, und wer schliesslich Präsident wird oder bleibt.
Das Gespräch führte Danièle Hubacher.