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sowie der untern Extremitäten, von welchen letztern die Fähigkeit des aufrechten Ganges besonders abhängt. Von den Anthropoiden hat nur der Gibbon einen aufrechten Gang, [* 3] der ihm aber nur ermöglicht wird, indem er mit den weit fortgestreckten langen Oberextremitäten den schwankenden Körper im Gleichgewicht [* 4] hält. Die andern Anthropoiden gehen nicht vollständig aufrecht, sondern sie benutzen beim Gehen die Rückenfläche der Hände zur Stütze; somit gehen sie also auf allen Vieren.
Einem allgemeinen Gesetze zufolge liegt in der
Teilung der
Arbeit ein Princip der höhern Vervollkommnung, und es steht deshalb
der
Affe,
[* 5] bei dem alle vier Extremitäten in
Händen endigen und gleichmäßig sowohl zum Greifen als zur
Ortsbewegung
[* 6] benutzt werden, tiefer als der
Mensch, obgleich
Hände mit entgegenstellbarem Daumen an und für sich weiter entwickelte
Organe sind als Füße, deren Großzehe mit den übrigen Zehen in derselben Ebene liegt. In zoolog.
Hinsicht ist deshalb die
Bildung der Füße für den
Mensch charakteristisch und auszeichnendes
Merkmal gegenüber
den
Affen.
[* 7]
Der
menschliche Fuß unterscheidet sich durch die
Größe und
Dicke der ersten Zehe, die Kürze der übrigen Zehen, die feste
Verbindung der
Knochen
[* 8] des Mittelfußes und der Fußwurzel, die ein elastisches
Gewölbe
[* 9] bilden, durch die
Größe und Ausbildung
des
Fersenbeins, das den hintern Stützpunkt des Fußgewölbes abgiebt. Bisweilen ist aber die zweite
Zehe etwas länger als
die erste. Mit dieser Bestimmung des
Beins als Stütz- und Bewegungsorgan hängt auch zusammen die
Größe
und Festigkeit
[* 10] des Schienbeins und namentlich des Schenkelbeins, das beim
Mensch allein den längsten
Knochen des
Skeletts bildet,
während bei den
Affen das Oberarmbein den Schenkel an Länge übertrifft oder ihm wenigstens gleichkommt;
ferner die
Breite
[* 11] und
Ausdehnung
[* 12] des
Beckens, besonders der
Darmbeine, die großenteils das Gewicht der
Eingeweide
[* 13] bei der aufrechten
Stellung zu tragen haben; die doppelt S-förmige
Krümmung der Wirbelsäule, sowie in den weichen
Teilen namentlich die Konzentration
der
Muskeln
[* 14] des
Unterschenkels zu einer
Wade, des Oberschenkels und des
Gesäßes zu abgerundeten
Massen.
Weit geringer sind, abgesehen von ihrer weit beträchtlichern Länge und
Stärke,
[* 15] die Unterschiede der
Arme und
Hände; doch
ist bei dem
Affen der Daumen weniger ausgebildet und namentlich der Ballenmuskel des Daumens weniger vorstehend, sowie der
Oberarm bei dem
Mensch im Verhältnis zu den übrigen
Teilen,
Vorderarm und
Hand,
[* 16] länger.
Endlich beruht in der
aufrechten
Stellung und der damit zusammenhängenden Balancierung des
Kopfes auf der Wirbelsäule die geringere Ausbildung
der
Dornen der Halswirbel und des Nackenbandes, das sich einerseits an diese
Dornen, andererseits an das Hinterhaupt festsetzt.
Der Unterstützungspunkt des
Kopfes ist bei dem
Affen an dem Hinterrande der Schädelbasis, bei dem
Mensch sehr annähernd in der
Mitte gelegen, was für die aufrechte Haltung des
Kopfes beim
Mensch von Wichtigkeit ist.
Der
Kopf des
Mensch unterscheidet sich wesentlich durch die sehr beträchtliche Ausbildung des Gehirnschädels und
des
Gehirns im Verhältnis zum
Gesicht.
[* 17] Zwar hat der
Mensch weder das absolut größte
Gehirn
[* 18] in der
Tierwelt
(Elefant,
[* 19]
Walfisch übertreffen ihn in dieser Hinsicht), noch auch das größte
Gehirn im Verhältnis zum Körper (einige kleine
Affen und
Singvögel stehen ihm hierin voran), auch steht er nicht in
Bezug auf die Ausbildung aller
einzelnen
Teile des
Gehirns höher als die übrigen
Tiere (der
Hund z. B. übertrifft ihn durch die große Ausbildung des Riechlappens);
aber die für die geistigen Funktionen allerwichtigsten
Teile des
Gehirns, die Großhirnhemisphären, sind in ihrem Verhältnis
zu den übrigen
Teilen des
Gehirns bedeutend größer als bei allen
Tieren, auch übertreffen sie die tierischen
Großhirnhemisphären ganz wesentlich durch bedeutend größere Zahl und Ausbildung der sog.
Gehirnwindungen, und hiermit durch eine erhebliche Vergrößerung der Großhirnrinde und durch eine
Vermehrung der in der
letztern liegenden Ganglienzellen.
[* 20]
Die Hinterhauptslappen der Großhirnhemisphären ragen nur bei dem
Mensch über die Hemisphären des Kleinhirns hinaus
und verdecken dieselben gänzlich; bei den
Tieren bleiben die letztern teilweise unverdeckt, und zwar sind sie um so weniger
verdeckt, je niedriger die
Stufe ist, auf welcher die Tierart steht. Man hat sich über die Frage gestritten,
ob der
Mensch besondere
Hirnteile besitze, die andern
Tieren und namentlich auch den
menschenähnlichen
Affen nicht zukämen, und
es war namentlich der Vogelsporn oder kleine Seepferdefuß (s.
Gehirn, Bd. 7, S. 676 a), dessen Anwesenheit für das Affengehirn
geleugnet wurde.
Dieser Streit ist jetzt durch genaue Erörterung der Thatsachen dahin entschieden, daß nur quantitative, aber keine qualitativen Unterschiede existieren;
daß die Affen alle wesentlichen Hirnteile besitzen, welche der auch hat;
daß ihre Windungen des Großhirns im ganzen nach demselben Plane angelegt sind;
daß sich der
Mensch aber unterscheidet durch die
größere
Komplikation der Windungen, durch die Ausbildung der auf dem Augendache ruhenden untern Vorderhirnwindungen und
durch die größere
Masse, Höhe und
Breite des Großhirns, das überhaupt als Organ der Intelligenz zu
bezeichnen ist.
Dieser Ausbildung des Gehirns entsprechend, ist die knöcherne Kapsel desselben, der Schädel, über das Gesicht herübergewölbt und namentlich über die Augen herübergeschoben, so daß eine wirkliche, mehr oder minder senkrecht stehende Stirn gebildet ist, die den Tieren entweder ganz fehlt oder nur eine stark geneigte Fläche darstellt. Die Schädelkapsel ist dabei rundlich, harmonisch gewölbt, und es sind keine vorspringenden Leisten zur Anheftung der Muskeln an ihr ausgebildet.
Hiermit in Übereinstimmung sind das
Gesicht und ganz besonders die
Kiefer weit weniger entwickelt, nicht schnauzenförmig
vorstehend, die
Nase
[* 21] dagegen vorragend und auch ein vorspringendes
Kinn gebildet, während bei allen
Affen
der
Unterkiefer von den Schneidezähnen an zurückweicht, ohne eine vordere oder untere
Ecke zu bilden, ein
Kinn also bei ihnen
nicht zur
Entwicklung kommt. Hinsichtlich der Zahl und
Bildung der
Zähne
[* 22] stimmt der
Mensch mit den
Affen der
Alten Welt überein.
Von allen
Affen aber unterscheidet er sich dadurch, daß die
Kronen
[* 23] seiner Eckzähne nicht über die der andern
Zähne hervorragen
und also auch keine
Lücken in der Zahnreihe sich finden, in welche diese vorspringenden Eckzähne eingreifen.
Über das Verhältnis der Ordnung und Gattung
Mensch zu den
Affen besteht noch immer heftiger Streit. Die Darwinianer
sehen im M. die Vollendung des in den
Affen begonnenen
Typus und betrachten den Dryopithecus
[* 24] Fontani (s. d.) als das Missing
link, den «Vormenschen» oder Proanthropos. Ganz neuerdings hat Eugen Dubois
in den von ihm in
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Trinil auf Java gefundenen Resten des Pithecanthropus erectus den Übergang vom Affen zum Mensch erkennen wollen. Andere sehen in diesen Resten nur Teile eines riesigen fossilen Gibbon. Eine Anzahl von Naturforschern nimmt für den Mensch einen besondern Schöpfungsakt an.
Über die Lage der lebenswichtigen Organe des menschlichen Körpers giebt die beigefügte Tafel: Der Körper des Menschen (Durchschnitt) Aufschluß, die nach dem Durchschnitt in der Mittellinie einer gefrorenen männlichen Leiche angefertigt ist. Der Kopf zerfällt in den Schädel und das Gesicht; von den einzelnen Schädelknochen ist auf dem Durchschnitt das Stirnbein mit der Stirnhöhle sowie das Hinterhauptsbein zu erkennen. In der geräumigen Schädelhöhle liegt, von den Gehirnhäuten umschlossen, das Gehirn mit den beiden Großhirnhemisphären, dem Hirnbalken, der Zirbeldrüse und den Vierhügeln, darunter das Mittelhirn mit der Varolsbrücke und dem verlängerten Mark, sowie das Kleine Gehirn mit dem Lebensbaum (s. Gehirn).
Unterhalb der Schädelhöhle befinden sich die Nasenhöhle, von der man auf dem Durchschnitt nur die Nasenscheidewand erblickt, sowie die Mundhöhle [* 26] mit ihrem knöchernen Dach, [* 27] dem harten Gaumen, mit dem beweglichen weichen Gaumen und dem Zäpfchen, die die Grenze zwischen Mund- und Rachenhöhle bilden, mit der Zunge, dem Unterkiefer und dem Schließmuskel des Mundes. Der Hals, dessen knöcherne Grundlage die sieben Halswirbel bilden, vermittelt die Verbindung zwischen dem Kopf und dem Rumpf und enthält außer zahlreichen wichtigen Nerven [* 28] und Blutgefäßen das Zungenbein, den Kehlkopf, von dem man auf der Tafel den durchschnittenen Schild- und Ringknorpel sieht, die Luftröhre mit der vorgelagerten Schilddrüse, dahinter die Speiseröhre, die Halswirbelsäule mit dem eingeschlossenen Rückenmark, die Zwischenwirbel- und Nackenmuskeln sowie das starke Nackenband.
In der von dem Brustbein, den Rippen und den Rückenwirbeln umschlossenen und durch das Zwerchfell von der Bauchhöhle getrennten Brusthöhle liegen das Herz mit seinen beiden Kammern und Vorkammern, die Lungen, von denen in der Mittellinie nur ein kleiner Teil der rechten Lunge [* 29] sichtbar ist, der untere Teil der Luftröhre mit dem rechten und linken Bronchus, die Speiseröhre und die großen Blutgefäße, von denen auf der Tafel die Schlüsselbeinschlagader, die unbenannte Blutader (s. Anonyma), die aufsteigende und die absteigende Brustschlagader sichtbar sind; an der hintern Wand der Brusthöhle liegen die Wirbelsäule mit ihren Wirbelkörpern und Dornfortsätzen, das Rückenmark und die Rückenmuskulatur. (S. Brust.) Die vom Bauchfell fast allenthalben ausgekleidete Bauchhöhle enthält die Leber mit der Gallenblase und Pfortader, den Magen, [* 30] den Darmkanal mit dem Zwölffingerdarm, dem Dünndarm und Grimmdarm (s. Darm) [* 31] sowie die Bauchspeicheldrüse.
Milz und Nieren sind auf der Tafel nicht sichtbar, weil sie nicht in der Mittellinie liegen; nur die linke Nierenblutader ist erkennbar. Von sonstigen Blutgefäßen erblickt man die große Bauchschlagader, die obere und untere Gekrösblutader sowie die linke Hüftblutader. In der Beckenhöhle endlich, die vorn vom Schambein, hinten vom Kreuzbein und Steißbein begrenzt wird, liegen beim Manne die Harnblase mit dem Anfangsteil der Harnröhre und der Vorsteherdrüse sowie der Mastdarm, der nach außen durch einen kräftigen Schließmuskel verschlossen wird. Über die Extremitäten s. Arm und Bein. -
Vgl. auch die Artikel Bänder, Bauch, [* 32] Blutgefäße, Brust, Gehirn, Gehör, [* 33] Herz, Muskeln, Nerven, Schädel, Skelett [* 34] mit den zugehörigen Tafeln.
In Bezug auf seine Entwicklung im Mutterleibe weicht der Mensch durchaus nicht von dem für die übrigen Wirbeltiere gültigen Plane ab. (S. Embryo.) Die Differenzierung in zwei verschiedene Geschlechter scheint nach neuen Untersuchungen, namentlich von Nagel, schon in der ersten Keimanlage vor sich zu gehen. Es entwickeln sich, abgesehen von der Verschiedenheit der Geschlechtsteile, eine große Anzahl sog. sekundärer Geschlechtscharaktere, unter denen Geschlechtsunterschiede in dem Bau des Schädels, des Gehirns, des Beckens, des Hautsystems mit seinem Zubehör, der innern Organe u. s. w. zu nennen sind.
Auch in Bezug auf die Wachstumsverhältnisse, auf die Größe und das Körpergewicht finden sich Unterschiede zwischen den beiden Geschlechtern, ebenso in der Sterblichkeit (s. Sterblichkeitsstatistik). Im erwachsenen Zustande scheint bei allen Menschenrassen [* 35] (s. d.) das Weib kleiner zu bleiben als der Mann, die Größenverhältnisse des letztern zeigen aber sehr erhebliche Schwankungen, welche teils individueller Natur, teils durch den Rasseneinfluß bedingt werden.
Ähnlich verhält es sich mit dem Körpergewicht. Auch die Entwicklung von den kindlichen zu den erwachsenen Zuständen, der Eintritt der Pubertät, findet bei verschiedenen Völkern in verschiedenem Lebensalter statt. Im allgemeinen tritt die Pubertät bei dem weiblichen Geschlecht früher ein als bei dem männlichen, und bei beiden Geschlechtern in tropischen und subtropischen Gegenden frühzeitiger als in der kalten Zone. Das Studium des Mensch hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer besondern Wissenschaft herausgebildet, zu der Anthropologie (s. d.).
2) Anthropometrie. Die Forschungen über die Naturgeschichte des Mensch (somatische Anthropologie und Rassenanatomie) haben besonders in der neuesten Zeit einen sehr bedeutenden Aufschwung genommen, teils durch die Entdeckung des größten und menschenähnlichsten Affen, des Gorilla (s. d.), teils durch die sich immer häufiger bietende Gelegenheit, Vertreter fremder Rassen in Europa [* 36] oder in ihrer Heimat durch anthropologisch geschulte Forscher untersuchen zu können.
Dafür wurden exakte Meßmethoden der Anthropometrie (Menschen- oder Körpermessung) ausgebildet, die nicht nur den Schädel in allen seinen Teilen, sowie seinem Innenraum nach, in Betracht ziehen (Kraniometrie), sondern ebenso genau jeden einzelnen Knochen des Skeletts und vor allem auch eine exakte vergleichende Aufnahme lebender Mensch gestatten. Wesentlich sind diese Forschungen gefördert worden durch die Stiftung anthropol. Gesellschaften (Berlin, [* 37] Wien, [* 38] München, [* 39] Paris, [* 40] London, [* 41] Brüssel, [* 42] Rom, [* 43] Petersburg [* 44] u. a.), die in ihren Gesellschaftspublikationen die wichtigsten Forschungsmethoden und -Ergebnisse mitteilen. In Frankreich (Paris) arbeiteten in dieser Richtung vor allem Broca (s. d.) und seine Schule, Topinard, Manouvrier u. a. und bildeten die Methoden der Technik namentlich für die Messung der einzelnen Knochen (Osteometrie) auf das feinste aus. Die von Göttingen [* 45] ausgegangene, von Retzius (s. Menschenrassen) zuerst ausgebildete Schädelmessung wurde auch in Deutschland [* 46] hauptsächlich fortgebildet, in der neuesten Zeit namentlich durch Virchow und seine anthropol. Schule, der es gelang, 1882 eine ¶
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Verständigung über ein gemeinsames kraniologisches Verfahren (die von Virchow, Kollmann und Ranke ausgegangene Frankfurter Verständigung) zwischen der Mehrzahl der hervorragendsten Kraniologen des Kontinents zu stande zu bringen, der sich 1886 eine «Internationale kraniologische Vereinigung» anreihte, an der sich auch die Franzosen und Engländer, welche letztern die Anregung dazu gegeben hatten, beteiligten. Neue, sehr ins Einzelne gehende kraniometrische Methoden stellten Benedict und von Török auf. Für die anthropol. Aufnahmen und Messungen lebender Mensch wird von den deutschen Forschern ein von der Berliner [* 48] Anthropologischen Gesellschaft herausgegebenes, von Virchow entworfenes Schema benutzt, das alle Körperverhältnisse bis ins Einzelnste in Betracht zieht. Für die messende Bestimmung der Haut- und Haarfarben dient die Farbentafel in Brocas «Instructions générales de la Société d'anthropologie» (2. Aufl., Par. 1879) und Raddes «Farbentafeln». -
Vgl. P. Topinard, Éléments d'anthropologie générale (Par. 1885);
(E. Schmidt, Anthropol. Methoden (Lpz. 1888);
Bertillon, Das anthropometrische Signalement (deutsch von Surg, Bern [* 49] und Lpz. 1895).
3) Kulturgeschichtliches. Die niedrigste Kulturstufe der sog. Wilden entspricht etwa der der prähistor. Bewohner Europas in der Steinzeit [* 50] und der beginnenden Metallperiode: Jäger-, Krieger- und Fischervölker mit dem Übergang zu Viehzucht [* 51] und Ackerbau, mit den für diese Kulturformen nötigen Künsten und Handwerken, Waffen [* 52] und Geräten, die überall die größte Übereinstimmung erkennen lassen. Die Kunst des Feuerschlagens, Feuerreibens oder Feuerbohrens fehlte keinem der historisch bekannten oder der heutigen Kulturvölker.
Ebenso finden sich überall irgend welche Gefäße aus Stein, Holz, [* 53] Geflecht, Fruchtschalen, Thon u. a. Die Kunst der Thontöpferei ist jedoch nicht allgemein verbreitet; trotzdem werden die Speisen, namentlich Fleisch, überall, wenn auch oft in der primitivsten Weise, gekocht oder gebraten. Man kennt auch kein Naturvolk, das neben der freilich bei vielen sehr vorwiegenden Fleischnahrung (über Anthropophagie s. Kannibalismus) nicht auch Vegetabilien verzehrte.
Dabei finden sich aber auch bei Naturvölkern auffallende Speiseverbote teils für alle, teils für bestimmte Familien, teils nur für Mutter oder Vater vor. Auch nervenreizende Genußmittel und namentlich auch Alkoholika scheinen nirgends zu fehlen (Tabak, [* 54] Sirih, Betel, Kaffee, Thee, Bier, Kawa u. s. w.). Kein Naturvolk entbehrt der Kunst des allerdings oft sehr primitiven Wohnungsbaues, wenn auch mehrfach namentlich für die ungünstige Jahreszeit Höhlen benutzt werden.
Nacktheit bei einem oder bei beiden Geschlechtern scheint in tropischen Klimaten bei Erwachsenen als Volkssitte nur ausnahmsweise, dagegen bei Kindern relativ häufig vorzukommen; aber dann fehlt fast niemals wenigstens Schmuck der verschiedensten Art, der ebenso bis zu einem gewissen Grade als Ersatz für die Kleidung angesehen werden kann, wie die über die ganze Welt, auch unter den Kulturvölkern verbreitete Sitte des Tättowierens. Die ursprünglichste Kleidung ist die Tierhaut oder das Feder- oder Blätterkleid.
Die Gerberei, aber auch die Künste des Flechtens, Nähens und Webens gehören zu den Urkünsten der Menschheit; doch findet man in der Südsee wie in Centralafrika, Südamerika [* 55] u. s. w. auch vielfach Stoffe aus geklopfter Rinde (Tapa). Im allgemeinen zeigt sich die Kleidung, wo sie sich findet, wie die Wohnung dem Schutz gegen Witterungseinflüsse angepaßt. Kein Naturvolk läßt das Bestehen der Familie vermissen, welche sich wie schon im Altertum so auch heute noch teils auf die Zugehörigkeit zur mütterlichen (Matriarchat), teils auf die zur väterlichen (Patriarchat) Familie gründet.
Auch die Ehe (s. d., Monogamie und Polygamie) fehlt nirgends, und gerade bei sonst in der Kultur sehr tief stehenden Stämmen, z. B. den Wedda auf Ceylon [* 56] u. s. w., ist sie monogam und wird sehr streng von beiden Ehegatten gehalten. Nirgends fehlen die ersten Grundzüge eines öffentlichen oder staatlichen Lebens mit feststehenden Rangunterschieden, meist sich anschließend an die Familie. Ebenso sind bestimmte gesetzliche Vorschriften vorhanden. Auch primitive religiöse Anschauungen und Kulthandlungen mit Symbolen, sehr oft im Zusammenhang mit der Ausübung der Medizin, finden sich, wie es scheint, ausnahmslos, ebenso Tänze, die nicht selten zum Gottesdienste geboren, und Musik mit einfachsten oder höher entwickelten Musikinstrumenten.
Die Bezeichnung der civilisierten Völker als Schriftbesitzende und der uncivilisierten als schriftlose Völker ist nicht mehr streng richtig, da man auch bei den in der Kultur am tiefsten stehenden Australiern Schriftsurrogate an Botenstöcken u. s. w. aufgefunden hat; eine Bilderschrift scheint keinem Volke zu fehlen. Auch zur Zählkunst sind alle Stämme fortgeschritten, indem sie zur Bildung des Mehrheitsbegriffes, zunächst zur Zahl Zwei (die beiden Redenden), nächstdem zur Zahl Drei (die beiden Redenden und noch ein Anderer) und dann zur Zahl Fünf (entsprechend den Fingern einer Hand) u. s. w. gelangten. Das geistige und Gemütsleben zeigt überall auf der Erde die überraschendsten Analogien und Übereinstimmungen («Völkergedanke»),
das Gleiche gilt für die primitiven Künste und Industrien; die Ornamente [* 57] sind überall teils Bilderschrift oder wenigstens aus solcher entstanden, teils der veredelte Ausdruck der Spuren der Herstellungstechnik.
4) Psychologisches, s. Psychologie und Völkerpsychologie.
5) Über Urgeschichte s. d.
6) Verbreitung des Mensch über die Erde, s. Bevölkerung. [* 58]
Die neuere Litteratur der Naturgeschichte des Mensch ist zum Teil enthalten in den Verhandlungen der anthropol. Gesellschaften von Berlin (Verhandlungen in der «Zeitschrift für Ethnologie»),
Paris («Mémoires » und «Bulletins», seit 1860),
London («Journal of the Anthropological Institute of Great Britain and Ireland», seit 1863), Wien, Stockholm [* 59] und Kristiania; [* 60] ferner im Archiv für Anthropologie (Braunschweig), [* 61] im Centralblatt für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte (Breslau), [* 62] in der Revue mensuelle de l'École d'anthropologie (Paris), in der Zeitschrift L'Anthropologie (ebd.), in den Beiträgen zur Anthropologie und Urgeschichte Bayerns (München) und in einzelnen größern Reisewerken. Von Specialwerken sind außer den unter Urgeschichte genannten zu nennen: Prichard, Naturgeschichte des Menschengeschlechts (4 Bde., Lpz. 1840-48);
Nott und Gliddon, Types of Mankind (Philad. 1857);
Karl Vogt, Vorlesungen über den Mensch, seine Stellung in der Schöpfung und der Geschichte der Erde (2 Bde., Gießen [* 63] 1863-65);
Charles Darwin, Die Abstammung des Mensch (übersetzt von V. Carus, 5. Aufl., Stuttg. 1890);
Lyell, Das Alter des ¶