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Rebecca, 1976
Bald würde der Sommer zu Ende sein. Schon wurde es abends früher dunkel, und es war kühler als in den sonnenverwöhnten Wochen zuvor. Nur noch zwei Tage bis zum Ende der Sommerferien! Dann war es mit der süßen Freiheit vorbei, und das frühe Aufstehen und Pauken ging wieder los. Doch diese zwei Tage würde Rebecca noch voll auskosten, obwohl ihre Mutter gesagt hatte, dass sie den Lernstoff vom letzten Schuljahr durchgehen und Bücher und Hefte einpacken sollte. Pah! Welch eine Zeitverschwendung! Das konnte sie auch Sonntagabend fix erledigen.
Rebecca klemmte sich das zusammengerollte Handtuch unter den Arm, angelte vorsichtig ihre Strickjacke von der Garderobe und hielt die Luft an, weil einige leere Kleiderbügel klackend aneinanderstießen. Sie blickte zur Küche hinüber, wo ihre Mutter Pflaumenkuchen buk. Eine süße Wolke zog aus dem Backofen unter der Tür hindurch und erfüllte den schmalen Flur mit seinem Duft. Rebecca lief das Wasser im Munde zusammen. Den Kuchen würde es morgen Nachmittag geben; sie freute sich schon sehr darauf. Jetzt aber musste sie aufpassen, leise zu sein. Sie hatte keine Lust auf Mamas Fragen und auch nicht darauf, sie schon wieder anlügen zu müssen.
Erst als sie aus der Küche Abwaschgeräusche vernahm, atmete sie auf, schlich auf leisen Sohlen nach draußen in die Dämmerung und zog die Haustür hinter sich sanft ins Schloss. Nachdem sie die Handtuchrolle auf dem Gepäckträger ihres Hollandrades, das an der Hauswand lehnte, verstaut hatte, schwang sie sich auf den Sattel und hielt sich links, damit sie nicht an der Schreinerei ihres Vaters vorbeimusste. Sie fuhr über das unebene Kopfsteinpflaster bis zu der schmalen Gasse zwischen zwei Fachwerkhäusern, die eine Abkürzung zum Wald darstellte. Gerade wollte sie in deren Schatten abbiegen, als sie aus dem Augenwinkel einen roten Haarschopf wahrnahm. Mist, an der Bushaltestelle bei »Haushaltswaren Esser« stand ihre ältere Schwester Ruth und quatschte mit ihrer Busenfreundin Birgit. Bestimmt waren die zwei gerade mit dem Bus aus Brüggen von der Eisdiele zurückgekommen. Jetzt blieb nur zu hoffen, dass Ruth sie nicht gesehen hatte!
Kaum war Rebecca raus aus dem Dorf, wurde die Luft kühler, und von den Feldern wehte ein erdiger Herbstgeruch herüber. Leises Bedauern mischte sich in ihre Vorfreude. Bald wären die Treffen mit der Clique hier draußen vorbei. Sie holperte über einen unebenen Feldweg, der zwischen einem Rübenacker und einer Pferdekoppel entlangführte, und umklammerte die Griffe des Lenkers fester, um ihre Geschwindigkeit beibehalten zu können. Ihr Rad klapperte bei jeder Senke und jedem Grasbüschel, das ihr unter die Reifen geriet; Erdklümpchen flogen. Auf dem geebneten Waldweg, auf den sie schließlich abbog, fuhr es sich gleich viel ruhiger. Unter dem Dach aus Kiefernzweigen und Buchenlaub rollte sie leicht abwärts in Richtung See, dessen Wasser sie nun schon silbern zwischen den Stämmen aufblitzen sah. An einem von Farn gesäumtem Trampelpfad sprang sie vom Sattel, um das Fahrrad die letzten Meter bis zum Ufer zu schieben. Nun musste sie sich nur noch vorsehen, dass sie sich die nackten Beine nicht an den Dornen der Brombeerranken aufriss, die in den kaum erkennbaren Weg ragten.
Bald h