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Die Schweiz, die für ihr Management der ersten Welle von Covid-19 international viel Lob erhalten hat, gilt in der aktuellen Corona-Pandemie als einer der Hotspots in Europa. Kommunikations-Expertin Diana Ingenhoff erklärt die Auswirkungen auf das Image der Schweiz im Ausland.
Diana Ingenhoff
Professorin für Organisationskommunikation
Diana Ingenhoff ist Professorin für Organisationskommunikation und Public Diplomacy an der Universität Freiburg. Sie ist Expertin in der Reputationsforschung.
SRF News: Wie wird die Schweiz im Ausland im Vergleich zur ersten Welle wahrgenommen?
Diana Ingenhoff: Geografisch nahe und kulturell ähnliche Länder wie Deutschland, Italien oder Frankreich nehmen die Massnahmen der Schweiz in Sachen Covid-19 viel genauer wahr als weiter entfernte Länder. Das Management der beiden Wellen wird jeweils vor dem Hintergrund des eigenen politischen Handelns beurteilt.
Länder, die ähnlich wie die Schweiz gehandelt haben und sehr wenige Restriktionen hatten, führen die Schweiz als positives Beispiel an – Länder, die einen harten Lockdown forcierten, werden nun Gründe haben, die Schweiz für ihren Umgang mit der zweiten Welle zu kritisieren.
Ein verändertes Image wird aber erst im Nachhinein und nur anhand empirischer Analysen – wie einer Inhaltsanalyse der ausländischen Medien und einer repräsentativen Befragung der Bevölkerung in den jeweiligen Ländern – attestiert werden können.
Die jetzigen Massnahmen der Schweiz ähneln denjenigen von Schweden in der ersten Welle. Wirkt sich das auf die Glaubwürdigkeit der Schweiz im Ausland aus?
Das hängt zum einen davon ab, ob die Bevölkerung eines anderen Landes von den Unterschieden des Managements der ersten und zweiten Welle überhaupt erfährt, und zum anderen, ob es die Unterschiede auch in Erinnerung behält.
Es ist zu erwarten, dass zum Beispiel in Schweden die Schweiz sehr viel positiver bewertet wird als in Österreich.
Auch die Kultur spielt hier sicherlich eine Rolle: Jede Nation vergleicht andere Länder jeweils mit dem eigenen Land und bewertet dies auf dieser Grundlage. Es ist also zu erwarten, dass zum Beispiel in Schweden die Schweiz bezüglich ihres Covid-19-Managements sehr viel positiver bewertet wird als in Österreich.
Wie denken weiter entfernte Länder über unseren Massnahmen?
Dort wird in den Medien weniger berichtet. Personen aus solchen Ländern greifen bei der Landesbewertung stärker auf Stereotype zurück. So verbindet man die Schweiz in den USA oder in Indien öfter mit der schönen Landschaft und hohen Bergen – von unserem politischen System haben viele nur eine geringe Vorstellung. Wahrscheinlich verhält es sich hier genauso mit der Einschätzung zum Management in Sachen Covid-19.
Glauben Sie, dass die aktuellen Umstände langfristige Auswirkungen auf das Bild der Schweiz im Ausland haben kann?
Grundsätzlich zeigt sich in unseren langjährigen Untersuchungen, dass das Schweizer Landesimage im Ausland sehr stabil und extrem positiv ist. Es ist also nicht zu erwarten, dass die Schweiz nun aufgrund eines eventuell nicht optimalen Managements der zweiten Covid-19-Welle gleich an Glaubwürdigkeit verliert oder einen starken Reputationsschaden erleidet.
Auch die Innovationskraft, zum Beispiel die weltweit erste Lizenz-Erteilung an Blockchain-Finanzdienstleister durch die Finma oder der Forschungsplatz Schweiz mit Nobelpreisen für Physik an die Schweizer Michel Mayor und Didier Queloz, spielen beim Image eine wichtige Rolle.
Genauso tragen auch der Umgang der Schweiz mit dem Klimawandel, die Europapolitik und das Image des Finanzplatzes zum Konstrukt des Schweizer Images bei. Aber schlussendlich können wir hierzu nur Aussagen auf der Grundlage von empirischen Analysen machen, und die stehen derzeit noch aus.
Das Gespräch führte Luisa Böbner.