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Alma-Tadĕma,
Lourens, einer der bedeutendsten, eigentümlichsten Maler der Gegenwart, dessen fast ausschließliches Fach die Schilderung des öffentlichen und Privatlebens der alten Völker ist, das er mit einer Fülle von archäologischem Wissen in wunderbar vollendeter Weise behandelt. Geboren zu Dronryp in Friesland als Sohn eines Notars, fand er, wie viele Künstler, anfangs große Hindernisse gegen seine Neigung zur Kunst. Schon auf dem Gymnasium zu Leeuwarden fesselte ihn bei der Lektüre der alten Klassiker das Leben der Griechen und Römer in hohem Grad; er setzte es daher durch, daß er 1852 nach Antwerpen auf die Akademie ging, wo er zwar Schüler von Wappers und Dyckmans wurde, aber viel mehr von der archaistischen Weise des Leys, in dessen Atelier er 1859 trat, und von dem Verkehr mit dem Archäologen de Taye beeinflußt wurde. Er nennt sich daher gern nur einen Schüler von Leys, strebte aber nicht nach altertümelnder Manier der Darstellung, wie sein Lehrer sie ausgebildet hatte, sondern nach höchster Vollendung der modernen Technik.
Das erste Werk, das, von ihm selbständig ausgeführt, einen durchschlagenden Erfolg hatte, war 1861 die Erziehung der Söhne Klothildens, der Gemahlin Chlodwigs, das in den Besitz des Königs der Belgier überging. Da er in dieser Weise eine künstlerische Individualität dargelegt hatte, trat er Reisen an und besuchte im Lauf der Jahre Köln, London wiederholt, Italien und Paris. Jenem ersten Werk folgten in den nächsten Jahren: 1862 der ebenfalls sehr gelungene Fortunatus, der Held des bekannten Volksromans aus dem Anfang des 16. Jahrh.;
1863 das Bild: wie man sich vor 3990 Jahren unterhielt, das durch seine bis dahin gänzlich unbekannte Darstellung des altägyptischen Lebens das größte Interesse erregte, zumal da es auch technisch und koloristisch von höchster Bedeutung war;
1864 Fredegunde und Prätextatus, 1865 ein ägyptisches Spiel und Catullus bei der von ihm gefeierten Lesbia, 1866 der Eingang in ein römisches Theater, 1867 die in Paris ausgestellte Mumie, die an Farbenpracht sein erstes ägyptisches Bild noch übertrifft und in den Details ein ungemeines antiquarisches Studium verrät.
Unter den dann fast alle Jahre folgenden sind die interessantern: Phidias bei seiner Arbeit am Fries des Parthenon, Tarquinius Superbus mit den Gesandten seines Sohns Sextus, der römische Kunstliebhaber, der pyrrhichistische Tanz, ein römisches Interieur (besser: die Genesende), ein römischer Kaiser, d. h. eine sehr krasse Scene der Ermordung des Caligula, der Kämmerer des Königs Sesostris, das 1872 besonders in Deutschland bewunderte, in Paris ziemlich kühl aufgenommene Fest der Weinlese im alten Rom, der Tod des erstgebornen Sohns des Pharao, Joseph als Intendant des Pharao, die Audienz bei Agrippa, der höchst pikante Claudius Imperator, der ¶
forlaufend
Improvisator, das Bildhaueratelier (1878) und als das neueste (1879 ausgestellt) die freilich nicht zu seinen Meisterwerken gehörende Morgengabe der Galeswintha. Wie er 1878 auf der Pariser Ausstellung eine höchst interessante Auswahl seiner Bilder hatte, so auch 1879 in München das genannte Bildhaueratelier, den Spiegel, die Witwe und das reizende Bildchen: eine Frage. Fast alle diese Bilder malte er mit bewunderungswürdiger Technik und einem in verschiedener Weise erfreulichen malerischen Eindruck, bald in hellerm Ton, bald in tieferer Färbung, aber stets mit absoluter Vollendung. 1871 verlegte er seinen Wohnsitz von Brüssel nach London, wo 1874 bei einer Explosion in der Nähe des Regent-Parks sein in pompejanischem Stil eingerichtetes Haus nebst seinem Atelier, das zahlreiche Kunstschätze enthielt, großenteils zerstört wurde. - Auch seine Gattin Laura A., eine geborne Engländerin, malt in ihres Gatten Atelier, aber nicht in seinem Stil. Bis jetzt stellte sie nur einige Genrebilder aus.