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von Dr. Miriam Depping
Wer sich selbst kennt, fällt die besseren Entscheidungen. Das klingt vielleicht zunächst ganz zweifellos richtig. Weil ich weiss, dass „Erdbeer“ meine Lieblingseissorte ist, werde ich diese immer allen anderen vorziehen und dann auch mit meiner Wahl zufrieden sein.
Nicht alle Entscheidungen die wir fällen sind jedoch von unseren Gewohnheiten und Vorlieben geleitet, vor allem dann nicht, wenn die Entscheidung für uns neu ist. In diesen Situationen wissen wir nicht genau, welche Folgen unsere Entscheidung haben kann und ob die Folgen möglicherweise sogar schlecht für uns sind. Es handelt sich um riskante Entscheidungen für uns, die eine gewisse Risikobereitschaft erfordern.
Forscher der Yale University beschäftigten sich mit einem bestimmten Aspekt der emotionalen Intelligenz, der Fähigkeit seine eigenen Emotionen zu erkennen und dem Einfluss dieser Fähigkeit auf riskante Entscheidungen. Die Fähigkeit die eigenen Emotionen zu erkennen, bezieht sich dabei nicht nur darauf zu wissen, dass man schlecht gelaunt ist, sondern auch warum. Dieses Wissen ermöglicht es, die Auswirkung der Emotion auf andere Ereignisse, Interaktionen oder Entscheidungen einzudämmen. Was genau die aktuelle Gefühlslage ausgelöst hat, ist dann wichtig, wenn man die Ursache sonst vielleicht fälschlicher Weise einem anderen Auslöser zuordnet.
In einer Studie konnten sie zeigen, dass Personen, die besser darin sind, ihre eigenen Emotionen zu erkennen, auch weniger von Emotionen die nicht im Zusammenhang mit der Entscheidung stehen beeinflusst werden. Im Fall dieser Studie wählten die Forscher Angst als Emotion. Um den Einfluss von Angst auf die Entscheidung zu untersuchen, haben die Forscher den Teilnehmenden der Studie eine von zwei Aufgaben gegeben um entweder Angst auszulösen oder eine neutrale Vergleichsgruppe zu haben. Weil öffentliches Reden eine der meist gefürchteten Aktivitäten ist, wurde dies als Aufgabe verwendet um Angst auszulösen. Die Teilnehmenden sollten in 60 Sekunden eine 3-minütige Rede über sich als Arbeitnehmende vorbereiten. Die Rede würde auf Video aufgenommen und anderen Personen gezeigt, damit diese den Vortrag bewerten. Die anderen Teilnehmenden hatten die Aufgabe, 60 Sekunden lang eine Einkaufsliste zu erstellen. Im Anschluss an die 60 Sekunden Vorbereitungszeit der Rede oder den 60 Sekunden Einkaufszettel schreiben, wurden die Teilnehmenden gebeten kurz ein paar Fragen für eine andere Studie zu beantworten. Bei diesen Fragen, handelte es sich um die Entscheidungsaufgaben und einem Fragebogen, der die aktuelle Angst der Teilnehmer erfasste . Es zeigte sich dabei, dass Personen mit höherer Angst eine wesentlich geringere Risikobereitschaft in den Entscheidungsaufgaben zeigten als andere. Darüber hinaus waren Personen mit höherer emotionaler Intelligenz besser darin, Gefühle der Angst, die nichts mit der aktuellen Entscheidung zu tun hatten, die Entscheidung nicht beeinflussen zu lassen. Emotionale Intelligenz wurde für diesen Zweck mit einem Fragebogen erfasst, in dem Teilnehmende unter anderem einzelne Komponenten von einem Gefühl richtig zuordnen mussten. Die Fähigkeit, die eigenen Emotionen zu verstehen und deren Ursachen zu erkennen hilft demnach, unverfälschtere Entscheidungen zu treffen. In einer zweiten Studie konnten die Forscher darüber hinaus zeigen, dass ein Hinweis darauf, dass sich die Teilnehmenden bei ihren Entscheidungen nicht von der Angst vor der Rede beeinflussen lassen sollten, ebenfalls half den Einfluss der Emotion auf die Risikobereitschaft zu kontrollieren.
Das Wissen über die Ursachen der eigenen Emotionen – ob selbst erkannt oder durch Hinweis von anderen – schützt also davor, sich bei eigenen Entscheidungen nicht von Emotionen, die nichts mit der Entscheidung zu tun haben, beeinflussen zu lassen.
Quelle: Yip, J. a., & Cote, S. (2012). The Emotionally Intelligent Decision Maker: Emotion-Understanding Ability Reduces the Effect of Incidental Anxiety on Risk Taking. Psychological Science. doi:10.1177/0956797612450031
Bitte beachten Sie, dass diese Studie nicht in unserem Labor durchgeführt wurde. Wenn Sie an einer Studie in unserem Labor teilnehmen möchten, finden Sie dazu hier weitere Informationen.