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Die drei Siebe des Sokrates
Eines vorweg: Es gibt keine historischen Beweise dafür, dass die Geschichte tatsächlich von Sokrates stammt oder dass Sokrates sie erzählt hat. Sie wurde im Laufe der Zeit zu einer bekannten Anekdote und wird oft verwendet, um Lehren über Achtsamkeit zu vermitteln. Mich hat sie inspiriert, weshalb ich sie aufgreife:
Eines Tages eilte ein Mann aufgeregt zu Sokrates und rief: "Hey Sokrates, ich muss dir unbedingt etwas erzählen!"
Sokrates unterbrach ihn sanft und sagte: "Einen Moment, mein Freund. Bevor du mir etwas mitteilst, hast du es durch die drei Siebe gesiebt?"
Der Mann war verwirrt und fragte: "Drei Siebe? Was meinst du damit, Sokrates?"
Der weise Sokrates erklärte ruhig: "Ja, mein Lieber, lass uns herausfinden, ob das, was du mir sagen möchtest, durch die drei Siebe hindurchgeht. Das erste Sieb ist das Sieb der Wahrheit. Hast du geprüft, ob das, was du mir erzählen möchtest, wahr ist?"
Der Mann zögerte und antwortete: "Nun, ich habe es von jemand anderem gehört, aber ich bin mir nicht sicher, ob es tatsächlich wahr ist."
Sokrates nickte verständnisvoll und fuhr fort: "Verstehe. Dann lass uns das zweite Sieb anwenden - das Sieb der Güte. Ist das, was du mir sagen möchtest, zumindest gut?"
Der Mann seufzte und sagte: "Ehrlich gesagt, nein. Es ist keine nette Sache."
Sokrates lächelte sanft und führte ihn weiter: "Und das dritte Sieb ist das Sieb der Notwendigkeit und Wichtigkeit. Ist es notwendig und wichtig, dass du mir erzählst, was dich so aufregt?"
Nach einem Moment des Nachdenkens gestand der Mann: "Nein, es ist eigentlich weder notwendig noch wichtig. Es tut mir leid, dass ich dich damit belästigt habe."
Sokrates beruhigte ihn und sagte mit einem Lächeln: "Es ist in Ordnung, mein Freund. Wenn das, was du mir mitteilen möchtest, weder wahr, noch gut, noch notwendig oder wichtig ist, dann lass es lieber ungesagt. Es wird uns nur unnötig belasten."
Informationen, Inhalte und Worte filtern
Die Anekdote verdeutlicht meiner Meinung nach auf einfache Weise die Bedeutung von achtsamer Kommunikation und Filterung von Informationen. Die Siebe sind sowohl hilfreich um zu prüfen, ob ich etwas überhaupt sagen will, als auch um zu entscheiden ob, wie lange und welche Inhalte ich den Tag hindurch konsumieren möchte. Die Gewaltfreie Kommunikation kann beim filtern hilfreich sein:
Wahrhaftigkeit: In der Gewaltfreien Kommunikation ist die Wahrhaftigkeit ein zentraler Wert. Ähnlich wie das erste Sieb von Sokrates, das die Wahrheit repräsentiert, ermutigt uns die GFK, ehrlich und aufrichtig zu kommunizieren. Wenn wir mit anderen sprechen oder Informationen konsumieren, ist es hilfreich, sie auf Fakten/Beobachtungen zu checken und uns nicht in Interpretationen oder Verzerrungen zu verstricken.
Wertschätzende Ausdrucksweise: Die GFK legt grossen Wert auf eine Ausdrucksweise, bei der wir unsere Bedürfnisse und Gefühle klar und respektvoll kommunizieren, ohne andere zu beschuldigen oder zu kritisieren. Ähnlich dazu erinnert uns das zweite Sieb von Sokrates, das die Güte repräsentiert, daran, dass wir darauf achten sollten, dass unsere Haltung auf Augenhöhe ist, weil so auch die Chance steigt, dass die Worte weniger verletzend oder negativ sind, wenn wir sie mit anderen teilen.
Empathisches Zuhören und Zeitmanagement: Ein weiterer Aspekt der Gewaltfreien Kommunikation ist das empathische Zuhören, die Fähigkeit, die Bedürfnisse und Gefühle anderer nachzuvollziehen. Im Zusammenhang mit dem Konsum von Inhalten können wir diese Fähigkeit nutzen, um bewusst auszuwählen, welche Informationen und Medien wir aufnehmen. Ähnlich wie das dritte Sieb von Sokrates, das die Notwendigkeit und Wichtigkeit repräsentiert, können wir uns fragen, ob die Inhalte, die wir konsumieren möchten, für unser persönliches Wachstum und unsere Wissenserweiterung relevant und wichtig sind oder ob sie uns eher belasten oder negativ beeinflussen.
Bedürfnisorientierte Kommunikation: Die Gewaltfreie Kommunikation basiert auf der Anerkennung und Erfüllung von Bedürfnissen. Ähnlich können wir bei der Auswahl unserer Gesprächsthemen und Inhalte darauf achten, dass sie unseren eigenen Bedürfnissen nach Wissen, Inspiration, Unterhaltung oder anderen Aspekten gerecht werden. Gleichzeitig können wir uns bewusst sein, wie unsere Worte die Bedürfnisse anderer beeinflussen könnten und versuchen, respektvoll damit umzugehen.
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Foto-Quelle: koko rahmadie via Pexels.com