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Einzellige Bakterien können in Seen ganze Wasserschichten mischen. Nicht etwa indem sie mit ihren Geisseln das Wasser umrühren, vielmehr indem sie sich lokal ansammeln und so die Dichte des Wassers erhöhen. Das Absinken des schwereren Wassers verursacht dann eine Verwirbelung. Erstmals haben Forschende diesen Prozess nicht nur im Labor, sondern auch in der Natur, im Tessiner Cadagno-See, nachgewiesen.
Die international zusammengesetzte Forschergruppe unter Leitung der Eawag hat die Biokonvektion erstmals nicht nur experimentell im Labor nachgewiesen, sondern auch im Tessiner Cadagno-See. Bakterien der Art Chromatium okenii sind dort in der Lage bis zu zwei Meter dicke Wasserschichten vollständig zu durchmischen. Sie kommen vorwiegend in Seetiefen vor, wo das Wasser keinen Sauerstoff mehr enthält und bilden im Cadagno-See eine dicke Schicht in rund 12 Metern Tiefe. Darin haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit automatisierten Methoden aus der Trinkwassermikrobiologie über Zehntausend der geisselbewehrten Organismen pro Milliliter Wasser gezählt; das sind über 10 Milliarden pro Kubikmeter.
Die Bakterien schwimmen aufwärts Richtung Licht, aber nur bis an die Grenze zum sauerstoffhaltigen Wasser. Unterhalb dieser Grenze sammeln sich die Zellen an und erhöhen die Dichte des Wassers um einige Promille. Das reicht aus, um das schwerere Wasser absinken zu lassen und die Durchmischung in Gang zu setzen (siehe Grafik und Computersimulation). Im See führt dies dazu, dass mitten im Sommer Messgrössen wie Temperatur oder Salzgehalt in einer Seetiefe von rund 11 bis 13 Metern plötzlich einheitlich bleiben, statt wie erwartet mit der Tiefe weiter ab- oder zuzunehmen.
Umweltforscher Tobias Sommer, Erstautor der Studie, ist fasziniert von den Ergebnissen: «Nebst dem von uns untersuchten Bakterium gibt es noch viele andere Organismen, die Biokonvektion auslösen können. Darum gehen wir davon aus, dass das bisher unterschätzte Phänomen weit verbreitet und für die Ökologie von Seen und Ozeanen eine Rolle spielt, zum Beispiel bei bestimmten Algenblüten.»