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Wenn jemand aus dem engeren Familienkreis an einer Zwangsstörung leidet, so ist oft die ganze Familie in Mitleidenschaft gezogen. Dies hat z.B. Einfluss auf...
- ...das persönliche Befinden der Angehörigen:
Sie fühlen sich vielleicht ohnmächtig, weil Sie machtlos zusehen müssen, wie Ihr Angehöriger leidet; oder Sie verlieren die Hoffnung, dass Sie je wieder ein normales Familienleben führen können; oder Sie sind wütend, dass dieses Unheil ausgerechnet Sie betrifft; oder Sie ärgern sich darüber, dass die erkrankte Person nichts zur Besserung unternimmt.
- ...den Umgang der Familienmitglieder untereinander:
Oft fällt es den Familienmitgliedern schwer, einen liebevollen Umgang miteinander zu finden, wie er vor der Erkrankung möglich war und wie er so wichtig für eine Besserung der Krankheit wäre; im Gegenteil: der Alltag ist vielleicht geprägt von Aggressionen, von Hetze, Stress und Überforderung. Der Betroffene ist verzweifelt über seine Situation und möglicherweise noch mehr darüber, dass seine Verwandten nicht bereit sind, ihm die erwartete Beruhigung zu verschaffen, indem sie ihm versichern, dass alles in Ordnung ist, Kontrollen für ihn übernehmen oder sich an seinen Säuberungsritualen beteiligen; diese Verzweiflung kann sich z.B. in Abkapselung oder Beschimpfungen äussern.
- ...Kontakte zu Personen ausserhalb der Familie:
Manchmal bewirkt eine Zwangsstörung in der Familie, dass die Familienmitglieder weniger Kontakte zu anderen Personen haben; obwohl es sehr wichtig wäre, ein Familienleben "ausserhalb" der Krankheit führen zu können, sind die Probleme oft so gross, dass alle Aufmerksamkeit auf die Krankheit gerichtet ist; man lässt sich weniger auf aussenstehende Personen ein, da man seine Probleme ja dort sowieso nicht besprechen kann; ausserdem ist das Aus-dem-Haus-gehen und Verabredungen-einhalten vielleicht schwierig, weil die durchzuführenden Rituale so zeitaufwendig sind oder sich der betroffene Patient davor fürchtet.
- ...die Funktionsfähigkeit der Familie generell:
Eine Familie dient ja unter anderem dazu, den einzelnen Mitgliedern eine Heimat zu geben und sie bei der Erfüllung ihrer Aufgaben zu unterstützen; wenn die Zwangsstörung nun das Familiengeschehen dominiert, ist beides nur noch zum Teil möglich; je nachdem, ob Mutter, Vater oder Kinder betroffen sind, wird möglicherweise die Berufsausübung und damit der Verdienst eingeschränkt oder die Ernährung und Hygiene ist nicht mehr sichergestellt.
Bei all dem ist wichtig zu beachten, dass niemand persönlich an diesen Störungen schuld ist, sondern dass eine Krankheit zugrunde liegt. Damit es der Familie wieder besser gehen kann, muss einerseits die Krankheit behandelt werden und andererseits die Familie lernen, wie sie stressfreier mit der Erkrankung umgehen kann. (Hinweise zur Behandlung finden Sie im Kapitel "Hilfen für Betroffene
")