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Ein britisches Gutachten kritisiert die Homöopathie wegen fehlender Wirksamkeit. Der Ausschuss für Wissenschaft und Technologie des britischen Unterhauses bescheinigt der Homöopathie in einem 275 Seiten umfassenden Gutachten nichts weiter als einen Placeboeffekt. Da Homöopathika ihre Wirksamkeit nicht mit Studien belegen können, sollen sie nach Ansicht der Kommission aus dem Leistungskatalog der britischen Krankenversicherung gestrichen werden. Auch sollen sie sich in Zukunft nicht mehr mit medizinischen Effekten kennzeichnen dürfen, solange diese nicht nachgewiesen worden sind. Weil der Ausschuss homöopathische Arzneimittel nicht als Medikamente einstuft, sollen sie zudem nicht mehr von der zuständigen Behörde zugelassen werden.
Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) hat den Placebovorwurf entschieden zurückgewiesen. Der Verein verweist auf einen Bericht der Schweizer Regierung (Health Technology Assessment) zur Homöopathie von 2006, welcher homöopathischen Arzneimitteln sowohl Wirksamkeit als auch Sicherheit bescheinigt habe.
Quelle: http://www.pharmazeutische-zeitung.de / 26.02.2010 l PZ
Kommentar & Ergänzung:
Ich kann die Qualität und Relevanz dieses britischen Gutachtens nicht beurteilen. Das PDF zum Gutachten findet sich hier:
http://www.publications.parliament.uk/pa/cm200910/cmselect/cmsctech/45/45.pdf
Wenn allerdings der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) auf einen Bericht der Schweizer Regierung (Health Technology Assessment) zur Homöopathie von 2006 verweist, welcher die Wirksamkeit der Homöopathie bescheinigt habe, dann wirft dies schon einige Fragen auf:
Wenn dadurch nämlich der Eindruck erweckt wird, dass die Schweizerische Regierung hinter diesem Bericht steht und damit die Wirksamkeit der Homöopathie bestätigt, so ist dieser Eindruck falsch. Die Schweizer Regierung hat zwar diesen Bericht in Auftrag gegeben, seine Schlussfolgerungen aber ausdrücklich nicht übernommen. Hier wird quasi die Schweizer Regierung in einem Kampf als Verbündete vereinnahmt, was nicht den Tatsachen entspricht.
Die von der Schweizer Regierung im Rahmen des „Programms Evaluation Komplementärmedizin“ (PEK) in Auftrag gegebenen HTA-Berichte zu fünf Methoden der Komplementärmedizin – Homöopathie, Anthroposophische Medizin, Traditionelle Chinesische Medizin, Neuraltherapie und Phytotherapie (die real m. E. nicht zur Komplementärmedizin gehört, siehe hier) – spiegeln eher den jeweiligen Binnenkonsens bezüglich der untersuchten Komplementärmedizin-Methoden wieder. Sie sind nicht im Ansatz unabhängig und neutral. Im Bericht zur Homöopathie haben überwiegend Homöopathinnen bzw. Homöopathen entschieden, welche Studien zur Beurteilung der Homöopathie zugezogen werden sollen. Selbstverständlich geschah dies selektiv aus dem Blickwinkel von Homöopathie-Befürwortern.
Zur Problematik der HTA-Berichte:
Im Schlussbericht zum Programm Evaluation Komplementärmedizin, der die erwähnten HTA-Berichte zusammenfassend bewertet, steht beispielsweise auch der Satz:
“Die vorliegenden placebokontrollierten Studien zur Homöopathie belegen aus Sicht der Autoren der Meta-Analysen keinen eindeutigen Effekt über Placebo hinaus. Für die Phytotherapie zeigt sich dagegen wie im Bewertungsbericht ein positives Ergebnis, für die traditionelle chinesische Arzneitherapie ist eine klare Beurteilung nicht möglich“
(PEK-Schlussbericht, S. 5)
…aber der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte vereinnahmt den Bericht inklusive Schweizerische Regierung vollumfänglich für seine Zurückweisung des Placebovorwurfs.
Das ist Desinformation pur. Hier wird einfach das herausgepickt und der Öffentlichkeit präsentiert, was die eigene Position stärkt. Weggelassen wird, was die eigene Position in Frage stellen könnte.
Es ist diese oft hoch einseitige, selektive Argumentation, welche mir im Bereich Komplementärmedizin immer wieder Anlass zu kritischen Fragen gibt. Eine offene Diskussion auf der Basis von Argumenten würde ganz anders aussehen und wäre sehr nötig.
Für mich steht im übrigen fest, dass Homöopathie als Therapiesystem im manchen Fällen positive Effekte zeigt. Fraglich ist meines Erachtens nur, ob dies mit den homöopathischen Globuli zusammenhängt, oder mit dem therapeutischen Kontext (Erwartungshaltung, therapeutische Beziehung, Überzeugung von PatientIn und TherapeutIn etc.).
Für die Wirksamkeit der Globuli sind die Belege jedenfalls nicht gerade überzeugend.
Auf der politischen Ebene wäre eine kritische, differenzierende Diskussion rund um die Komplementärmedizin auch in der Schweiz notwendig. Die Mehrheit des eidgenössischen Parlamentes drückt sich aber um diese Auseinandersetzung und macht auf Populismus.
Siehe dazu:
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch