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Felix Mendelssohn-Bartholdys «Elias» für fünf Sängersolisten, grossen Chor und Orchester gehört zu den zentralen Werken im Oratorien-Repertoire des 19. Jahrhunderts und steht in der grossen Tradition protestantischer Kirchenmusik, zu der der Komponist neben seinen eigenen Werken auch mit der Wiederaufführung von Bachs Matthäus-Passion im Jahr 1829 einen wesentlichen Beitrag geleistet hat.
Felix Mendelssohn-Bartholdy entstammt einer traditionsreichen jüdischen Familie, die zum Protestantismus konvertierte. Gleich nach seiner Geburt wurde er christlich getauft, das war der Weg der Assimiliation und Emanzipation, den im 19. Jahrhundert viele Juden nahmen. Felix Mendelssohn-Bartholdy war ein überzeugter Christ und blieb trotzdem in seiner jüdischen Identität vewurzelt. Als Enkel des bedeutenden jüdischen Philosophen und Aufklärers Moses Mendelssohn wuchs er in einem familiären Milieu auf, in dem berühmte Künstler und Wissenschaftler ein- und ausgingen. Mendelssohn-Bartholdy war bekannt mit den intellektuellen Grössen seiner Zeit von Alexander von Humboldt bis Johann Wolfgang von Goethe und komponierte seine sakralen Werke weniger aus der Perspektive eines untertänigen Diener Gottes, als aus der eines unfassbar begabten und intellektuell hellwachen, hochreflektierten Künstlers.
Über zehn Jahre beschäftigte ihn der alttestamentarische Stoff um den Propheten Elias, eine Figur, die ihn als Wegbereiter von Christus faszinierte. Das 1946 uraufgeführte Oratorium bewegt sich im Spannungsfeld seiner doppelten religiösen Identität. Anhand dieses Werkes ist viel darüber diskutiert worden, ob und wie sehr ihm ein Bekenntnis zu seiner jüdischen Herkunft einkomponiert ist. Eine offene Diskussion über Mendelssohn-Bartholdys Glaubens-Identität wurden lange von der antisemitischen Rezeption seiner Musik überlagert, die von Richard Wagners Pamphlet «Über das Judentum in der Musik» bis zur Mendelssohn-Ächtung im Dritten Reich reichte.
Es ist vielleicht kein Zufall, dass Mendelssohn-Bartholdys «Elias»-Oratorium in Birmingham seine Uraufführung erlebte und dort auf begeisternde Resonanz stiess. Im viktorianischen England mit seiner, den Frühkapitalismus befeuernden protestantischen Arbeitsmoral aus Fleiss, Demut und harter Arbeit sah man den Leipziger Komponisten als einen der ihren an. Auch die Schweiz hat ein inniges Verhältnis zu Mendelssohn-Bartholdy, was wohl nicht zuletzt damit zusammenhängt, dass der Komponist zu seinen Lebzeiten vier ausgedehnte Reisen in die Schweiz unternahm und seine Eindrücke in vielen Briefen und Bildern festhielt.
Die Zürcher Aufführung von Felix Mendelssohn-Bartholdys Oratorium «Elias» in Zusammenarbeit mit dem Jubiläum «500 Jahre Zürcher Reformation» wird vom Generalmusikdirektor des Opernhauses Zürich, Fabio Luisi, geleitet. Es spielt die Philharmonia Zürich und es singt der Chor der Oper Zürich. Der international renommierte Bass Christof Fischesser ist in der zentralen Partie des Elias zu erleben.