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In den «Freiburger Nachrichten» vom 16. November 2005 wurde von einer Notgrabung berichtet, die im Augenblick im Innenhof des Kreuzgangs von Altenryf vorgenommen wird, der offenbar im Hochmittelalter als Friedhof diente. Dabei sind neun Skelette zum Vorschein gekommen, die einige Rätsel aufgeben. Dass sie keinen Kopf haben, lässt sich allenfalls noch damit erklären, dass der Friedhof bereits einmal angegraben worden war: als man im 18. Jahrhundert den Innenhof des Kreuzgangs vergrössern wollte und zu diesem Zweck den Südflügel des Kreuzgangs verschob.
Mehr Kopfzerbrechen bereitet den Archäologen die Tatsache, dass von neun Skeletten offenbar vier von Frauen stammen, denn sie hatten nur Männer erwartet: die ersten Mönche des zwischen 1131 und 1137 gegründeten Zisterzienserklosters Altenryf. Was die Frauen betrifft, so vermutet Gilles Bourgarel vom Archäologischen Dienst, dass es sich dabei um Freiburgerinnen handeln könnte, die sich zusammen mit ihren Männern um das Kloster verdient gemacht hatten und deshalb an deren Seiten im Friedhof des Klosters Altenryf beerdigt wurden.
Diese Vermutung wird zur Gewissheit, wenn man weiss, dass der Bischof von Lausanne, Roger von Vicopisano (1178-1212), den «Baronen» von Freiburg am 6. Juni 1182 erlaubte, sich bei den Zisterziensern von Altenryf oder bei den Prämonstratenserchorherren von Humilimont (Marsens) oder bei den Cluniazensern von Payerne beerdigen zu lassen. Die entsprechende Urkunde liegt im Staatsarchiv Freiburg; sie ist gedruckt in dem von Ernst Tremp herausgegebenen Kartular von Hauterive, und eine französische Zusammenfassung findet sich unter den vom Zisterzienserpater Gumy herausgegebenen Regesten des Klosters Altenryf.
Der Bischof von Lausanne reagierte damit auf ein entsprechendes Begehren der «Barone» von Freiburg, bei denen es sich zweifellos um die ersten, teilweise auch adeligen Bürger der 1157 gegründeten Stadt handelte. Da die bischöfliche Erlaubnis die Rechte des Leutpriesters von Freiburg tangierte, erteilte auch dieser, ein gewisser Hugo, sein Einverständnis. Es war ausserdem nicht selbstverständlich, dass die betroffenen Orden – Cluniazenser, Zisterzienser und Prämonstratenser – zuliessen, dass Laien auf ihren Friedhöfen beerdigt wurden; im Fall von Altenryf scheint es sich um ein besonders frühes Einverständnis zu handeln, das von einem guten Einvernehmen zwischen der Abtei und der Stadt Freiburg zeugen könnte. Die weiblichen Skelette im Klosterfriedhof von Altenryf sind also weniger überraschend, als man auf den ersten Blick denken könnte.