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Ein Bericht über die Kinderrechte in GuatemalaTue, 07/04/2017 - 09:10 | Melanie Sutter
Marlene Grajeda ist die neue Bildungsverantwortliche in Guatemala und arbeitet seit zwei Monaten für die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi. Kürzlich besuchte sie die UN Kinderrechtkommission in Genf. Im Interview erzählt sie vom Besuch bei der Organisation der Vereinten Nationen (UNO) und was sie dort gemacht hat.
Aus welchem Grund hast du die UNO in Genf besucht?
Gemeinsam mit sechs anderen Delegierten reichte ich bei der UN Kinderrechtkommission den Alternative Report von Guatemala ein. Wir sind alle Teil von Red Niña Niño, ein Netzwerk aus mehreren Nichtregierungsorganisationen in Guatemala. Diese Organisationen beschäftigen sich alle mit Kinder- und Menschenrechte und gehören zur Zivilgesellschaft. Das Kinderdorf Pestalozzi ist ebenfalls Mitglied von diesem Netzwerk.
Was ist der Alternative Report und was soll er bezwecken?
Der Alternative Report von Guatemala ist ein Bericht über die momentane Situation der Kinderrechte im Land, der von der Zivilbevölkerung verfasst wird. Mit diesem wollen wir zeigen, dass nach wie vor Probleme im Bereich der Kinderrechte im Land bestehen. Es ist eigentlich der Gegenbericht zum offiziellen Bericht der Regierung des Landes. Der offizielle Bericht beinhaltet die aktuellen Zahlen und Fakten zu den verschiedenen Kinderrechten in Guatemala.
Was waren denn die Kernaussagen von diesem Bericht?
Die Kernaussage des Alternative Report von Guatemala umfasst vier wesentliche Punkte:
- Verletzung der Kinderrechte
- Recht der Kinder auf Schutz
- Ernährung und Ausbeutung
- Recht auf Mitwirkung der Kinder
All diese Punkte müssen in Guatemala angepackt und verbessert oder verhindert werden.
Was sind die nächsten Schritte, die du mit dem Alternative Report vorhast?
Wir haben den Bericht vorgelegt und die UN-Kommission hat anschliessend die dringendsten Punkte definiert, die sie der Regierung besonders ans Herz legt. Im Januar 2018 präsentiert dann die Regierung ihren offiziellen Bericht. An dieser Präsentation dürfen wir dann als beobachtende Partei anwesend sein.
Welche Punkte aus dem Bericht sollte die Regierung dringendst umsetzen?
Erstens soll die Regierung das Schutzsystem der Kinder unterstützen. Es gibt momentan Diskussionen in Guatemala über ein neues Gesetz, welches das Schutzsystem der Kinder stärkt. Der zweite Punkt ist, dass die Kinder durch die Regierung unterstützt werden. Momentan erhält jedes Kind einen Dollar pro Tag. Mit diesem müssen alle Kinderrechte gedeckt werden: genügend Essen, Zugang zu Bildung, ein Dach über dem Kopf und so weiter. Dieser Betrag soll auf zwei Dollar erhöht werden.
Ausserdem soll der Zugang zu Ernährung und zur medizinischen Versorgung verbessert werden. Viele Leute in Guatemala haben gar keinen Zugang zu diesen Ressourcen. Der letzte Punkt ist die Bildungsqualität. Hier ist es vor allem wichtig, dass der zweisprachige Unterricht gefördert wird. Viele guatemaltekische Kinder wachsen mit ihrer indigenen Muttersprache auf. Später verstehen sie nichts in der Schule, weil dort Spanisch gesprochen wird. Ziel ist es, den Unterricht in Spanisch und in der jeweiligen Muttersprache zu gestalten.
Wie sieht die momentane Lage in Guatemala aus deiner Sicht aus?
Die Lage in Guatemala ist prekär. 50 Prozent der Kinder zwischen null und sechs Jahren leiden an einer chronischen Unterernährung. Die Zahl der Kinder die zur Schule gehen können, hat sich in den letzten Jahren verschlechtert. Dies, weil die Regierung das Geld für die Bildung gekürzt hat.