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Video: Zwangsarbeit in Indien
„We request you to bring us the lovely girls you know and make their lives prosperous as a lighthouse". Mit diesen Worten werben indische Fabriken junge Mädchen als Angestellte für ihr sog. „Sumangali-Programm“. Sie bieten ihnen damit vermeintlich die Chance, Geld für eine (offiziell verbotene) Mitgift zu verdienen.
Eine Mitgiftforderung ist zwar in Indien seit 1961 gesetzlich untersagt, aber im ländlichen Indien immer noch sehr verbreitet. Viele Familien verschulden sich, um die Mitgift für ihre Töchter aufbringen zu können. Das Sumangali-Programm indischer Textilfabriken verspricht neben einer einmalig ausbezahlten Geldsumme für die Mitgift auch Unterkunft, Verpflegung sowie Freizeit- und Weiterbildungsaktivitäten. Dieses Angebot ist besonders attraktiv für arme Familien.
Einmal in der Fabrik angekommen, sind die Mädchen nichts anderes als Zwangsarbeiterinnen: Die versprochene Summe für die Mitgift, welche am Ende des dreijährigen Programms ausbezahlt werden soll, ist kein Bonus, sondern Teil des regulären Verdienstes. Dieser Lohnanteil wird vom Arbeitgeber während der Zeit der Anstellung zurückbehalten, und in der Praxis am Ende häufig nicht ausgezahlt, wenn die Mädchen zum Beispiel vor Ablauf der drei Jahren erkranken und/ oder entlassen werden.
Zielgruppe des Sumangali-Systems: Die Ärmsten Indiens
Das Sumangali-Programm wurde 2001 von Textil- und Bekleidungsfabriken in den indischen Bezirken Coimbatore und Tirupur eingeführt. Heute ist das Programm sehr verbreitet im Westen und im Zentralland des indischen Bundesstaates Tamil Nadu. Gemäss Schätzungen unserer Partner-Organisation SOMO sind rund 120'000 Arbeiterinnen in diesem Programm beschäftigt. Rund 60% der Sumangali-Arbeiterinnen sind Dalits, und gehören damit den tiefsten Kasten im indischen Kastensystem an.
Wer bezieht Kleidung aus Sumangali-Fabriken?
Der im Mai 2011 erschienene Bericht "Captured by Cotton" von SOMO und der niederländischen Clean Clothes-Partnerorganisation “India Committee of the Netherlands” (ICN) belegt, dass viele international bekannte Kleidermarken ihre Ware aus Fabriken beziehen, die mit dem Sumangali-System arbeiten (oder bis vor kurzem gearbeitet haben). Auch die beiden Schweizer Firmen Migros und Charles Veillon gehören dazu.
Seither haben Markenfirmen verschiedene Anstrengungen unternommen, um die Zwangsarbeit der Sumangali-Mädchen zu beenden. Zwar gab es gewisse Verbessrungen v.a. in den Nähereien, die direkt westliche Kunden beliefern. Dennoch schlussfolgern SOMO und ICN im 2012 erschienenen Folgebericht “Maid in India”, dass grundlegende Arbeitsrechtsverletzungen v.a. in den Spinnereien bestehen bleiben.
Auch der 2014 erschienene Bericht „Flawed Fabrics (PDF, 3.2 MB)“ kommt zum Schluss, dass ausbeuterische Arbeitsbedingungen in Spinnereien immer noch weit verbreitet sind. Während sich die meisten Kontrollen vor Ort nur auf die direkten Lieferanten reduzieren, werden Vorlieferanten wie Spinnereien nicht auf die Einhaltung von Arbeitsrechten überprüft. Die fünf im Bericht untersuchten Fabriken produzieren für bekannte Markenfirmen wie C&A, H&M und Primark.
Weiterführende Informationen
Dokumente
— This report by our fellow NGOs SOMO and ICN describes how South Indian girls and young women who make the yarn and fabrics for our clothes are being subjected to exploitation and forced labour.
— This report by our fellow NGOs SOMO and ICN shows that European and US garment brands and retailers have failed in their attempts to structurally improve labour conditions at their suppliers in Tamil Nadu, South India.
— This report highlights several labour rights violations faced by girls and young women employed under the Sumangali Scheme in the Tamil Nadu garment industry. Published by our fellow NGOs Somo and ICN.