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Im letzten Jahrzehnt wurde die Fischereiindustrie allein in den Ländern des Westens mit mindestens 10 Milliarden US-Dollar pro Jahr subventioniert, schätzt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Andere Schätzungen gehen von weltweiten Fischereisubventionen von 14 bis 35 Milliarden US-Dollar pro Jahr aus – laut der Deutschen Stiftung Meeresschutz ist das mehr als ein Drittel der globalen Fischereikosten. Ohne Subventionen müssten viele Fischereien dicht machen, weil bei zunehmend erschöpften Fischbeständen der Fangaufwand grösser ist als der wirtschaftliche Ertrag. Besonders hoch sind die Subventionen für die Fischereiindustrie von Japan, Spanien, China, Südkorea und den USA – weit höher als die Fischereieinnahmen.
Die Fischereisubventionen sind ein wichtiger Treiber der fortschreitenden Überfischung. Zugleich fördern sie den Verbrauch von Schiffsdiesel, der den Lebensraum der Fische und das Klima zusätzlich belastet. Allein die Fischerei der EU belastet die Atmosphäre jährlich mit fast 7.3 Millionen Tonnen CO2, schätzt die Organisation Our Fish – gefördert mit bis zu 1.5 Milliarden Euro Subventionen pro Jahr. Ganz abgesehen davon, dass mit den Fischereisubventionen, die vor allem in die industrielle Fischerei fliessen, die systematische Quälerei von jährlich mehr als tausend Milliarden Tieren finanziert wird.
Auch rein wirtschaftlich betrachtet sind diese Subventionen ein Unsinn. Gemäss einer Schätzung der UNCTAD führen sie zusammen mit der Überfischung zu einem Verlust an Nettonutzen in der Höhe von 89 Milliarden US-Dollar.
Zwanzig Jahre lang verhandelten die Staaten über eine Begrenzung der Subventionen für ihre Fischereiindustrie. Im Juni 2022 endlich konnte sich die Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) auf eine Vereinbarung einigen. Damit sie in Kraft tritt, muss sie nun von zwei Dritteln der WTO-Mitgliedsländer ratifiziert werden.
Die Vereinbarung zielt auf eine legale und nachhaltige Fischerei, lobt Alice Tipping vom International Institute for Sustainable Development (IISD), weist aber auf die Lücken in der Vereinbarung hin. So liegt es etwa im Ermessen des subventionierenden Staates, für wie lange er die Subvention an eine illegale Fischerei aussetzen will. Nicht einigen konnten sich die Minister auf Regeln, die das Subventionieren von Überkapazität und Überfischung generell verbieten wollten. Die Vereinbarung enthält aber einen Mechanismus zur Weiterentwicklung; sie gibt insgesamt Anlass zur Hoffnung.