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Im 19. Jh. fand in Europa eine rasante Entwicklung statt. Die neu gegründeten Industriebetriebe konnten viele Produkte rascher, in grösserer Menge und erst noch preisgünstiger herstellen. Kleine Städte wuchsen zu Industriezentren heran. Die Produkte wurden auf neu errichteten Verkehrswegen in alle Welt transportiert. Die wachsenden Siedlungen, die wachsende Bevölkerung, aber auch der Abbau von Energieträgern wie Holz oder Kohle beanspruchten viel Fläche und veränderten die Landschaft stark. In der gleichen Zeit erlebte die Erforschung der Tier- und Pflanzenwelt einen bisher nicht gekannten Aufschwung. Die Naturforscher, die neue Arten beschrieben, deren Verbreitung untersuchten oder die zeitlichen Veränderungen der Landschaft studierten, wurden auch auf den Wandel der Landschaft aufmerksam.
Mit dem neuen Geschichtsbewusstsein der Naturwissenschaften wuchs das Ziel, die unersetzlichen Naturdenkmäler für die Nachwelt zu erhalten. Zu den ersten Naturschutzmassnahmen zählte 1838 der Erhalt und Schutz eines Findlings aus den Alpen in Neuchâtel. Weitere Meilensteine waren 1870 die Schaffung des ersten Reservats am Creux-du-Van und 1878 die erste Pflanzenschutzverordnung im Kanton Obwalden. Langsam setzte sich die Forderung durch, dass das Allgemeingut Natur einen gesetzlichen Schutz vor Eingriffen benötigt. Das Ringen mit den Behörden zum Schutz eines Findlings in Monthey veranlasste Mitglieder der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft um 1906 zur Gründung der Schweizerischen Naturschutzkommission (SNK). Das Ziel der vom Basler Fritz Sarasin präsidierten Kommission war, ein Inventar der bestehenden und geschützten Naturdenkmäler der Schweiz zu erstellen und neue schützenswerte Objekte zu finden. Frühzeitige Planung sollte die Erhaltung von Naturdenkmälern sicherstellen.
Der wichtigste Schritt für die schweizerische Naturschutzbewegung war die Gründung des Nationalparks am bündnerischen Ofenpass durch die SNK. Zur Deckung der Pachtkosten für ein erstes Urwaldreservat im Val Cluozza wurde 1909 der Schweizerische Bund für Naturschutz (SBN) mit dem Basler Paul Sarasin (Vetter von Fritz Sarasin) als Präsidenten gegründet. Im Jahr 1913 wurden weitere Gebiete gepachtet und schliesslich wurde 1914 feierlich der Nationalpark eingeweiht. Die SNK mit ihren kantonalen Kommissionen bewirkte verschiedene Naturschutzerlasse, die sich auf die Ausführungsgesetzgebung des Zivilgesetzbuches von 1907 stützten. Meist handelte es sich um Bestimmungen für den Pflanzenschutz wie Pflückverbote.
In Basel war der Naturschutz schon in seinen Anfängen aktiv und erreichte, dass der Regierungsrat des Stadtkantons 1913 das erste geschützte Reservat in der Schweiz, die Rheinhalde oberhalb der heutigen Schwarzwaldbrücke, unter Schutz stellte. Private Organisationen wurden in Basel-Stadt 1955 mit dem Basler Naturschutz und im Kanton Basel-Landschaft mit der Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Heimatschutz Baselland gegründet. Ein Erfolg für den Naturschutz war die Einführung des Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz von 1966. Dieses beauftragte den Bund, Schutzbestimmungen für Flora und Fauna zu erlassen und die Kantone finanziell beim Vollzug des Natur- und Heimatschutzes zu unterstützen. Seit den 1970er-Jahren sind beim Bund und bei den Kantonen Naturschutzfachstellen entstanden, die für den Vollzug der Gesetze sorgen. Im privaten Sektor engagieren sich auf nationaler Ebene neben kleineren Gruppierungen Pro Natura, WWF–Schweiz und BirdLife Schweiz. Alle besitzen auch kantonale Sektionen, oftmals sogar Gruppierungen in einzelnen Gemeinden.
Obwohl bereits von Naturschutzorganisationen Umweltschutz betrieben wurde, kam der Umweltschutz als eigenständige Disziplin erst später auf. Verschmutzte Gewässer, verdreckte Luft und die verbaute Landschaft wurden nicht nur als Bedrohung für die Natur, sondern auch als Beeinträchtigung der Menschen und deren Lebensgrundlagen erkannt. Der Begriff Umweltschutz kam erstmals Anfang der 1970er-Jahre auf und erlebte einen raschen Aufschwung. Das Buch «Die Grenzen des Wachstum» des Club of Rome zerstörte den Glauben an den unbegrenzten Fortschritt. Der schweizerische Verfassungsartikel zum Umweltschutz wurde 1971 mit 92,7 % Ja-Stimmen angenommen.
Seit den 1980er-Jahren riefen verschiedene Katastrophen wie das Waldsterben, der Atomkraftwerkunfall in Tschernobyl, die Brandkatastrophe von Schweizerhalle, das Ozonloch und die Klimaerwärmung in Erinnerung, dass ohne Schutzanstrengungen die Lebensgrundlagen der Menschheit akut bedroht sind. Aufbauend auf dem 1987 eingeführten Begriff der Nachhaltigkeit wurde am Weltgipfel in Rio de Janeiro 1992 die Agenda 21 als weltweites Aktionsprogramm vorgeschlagen. Nach 1990 trat der Umweltschutz in der politischen Agenda wieder etwas zurück. Mit Massnahmen zur Verminderung von Schadstoffemissionen konnte jedoch seit 1980 viel erreicht werden. Aus der Umweltbewegung sind verschiedene Parteien und Gruppierungen hervorgegangen, wie die Grüne Partei, die Schweizerische Gesellschaft für Umweltschutz oder auch Greenpeace. Bereits etablierte Vereine, wie der Schweizerische Bund für Naturschutz (heute Pro Natura) oder der WWF, haben vom neuen Umweltbewusstsein profitiert und konnten ihre Mitgliederzahlen ab 1970 stark erhöhen.
Die Fischer erkannten als erste die Gewässerverschmutzung als negative Folge der Industrialisierung. Drastische Rückgänge der Fischbestände und Fischsterben führten 1888 zum ersten eidgenössischen Fischereigesetz, das die Einleitung von Abwasser in Gewässer untersagte. Bis zum ersten Gewässerschutzgesetz von 1957 blieb das Fischereigesetz die einzige gesetzliche Grundlage gegen Gewässerverschmutzungen. Die entstehenden Sauerstoffdefizite, die Bildung von giftigem Ammoniak und toxische Industrieabwässer waren für fast alle Gewässertiere und -pflanzen in stark belasteten Flüssen und Seen tödlich. Es kam auch zu Verunreinigungen des Trinkwassers. Seit der Einführung des Gewässerschutzgesetzes ist der Anteil der an Kläranlagen angeschlossenen Bevölkerung von 10 % auf 97 % angestiegen. Mit dem Phosphatverbot in Textilwaschmitteln und der Einführung der Phosphatelimination in Kläranlagen konnte der Zustand der Seen seit den 1980er-Jahren verbessert werden.
Die Schädigung der Lebensgemeinschaft im Rhein als Folge der Brandkatastrophe von Schweizerhalle hat die Umsetzung vieler Massnahmen zur Störfallvorsorge beschleunigt, die chronischen Belastungen durch Chemikalien reduziert und eine Risikodiskussion in Gang gebracht. Die Qualität des Rheinwassers ist heute deutlich besser als noch 1980. Es gibt immer noch vereinzelte Seen mit einer zu hohen Phosphatbelastung. Diese erhalten weiterhin eine künstliche Belüftung. Gegenwärtig stossen die konventionellen Gewässerschutzmassnahmen an ihre Grenzen. Unzählige Mikroverunreinigungen, wie Pestizide, Medikamente, Hormone, Kunststoffe und viele andere Stoffe, kommen jährlich neu auf den Markt. Viele wirken bereits in kleinsten Konzentrationen und verändern das Fortpflanzungsvermögen oder das Verhalten von Gewässertieren. Die Abwasserreinigungsanlagen müssen erneut verbessert werden. Zudem hat sich der Gewässerschutz zu einer Querschnittaufgabe entwickelt. Er befindet sich im Spannungsfeld von Hochwasserschutz, Revitalisierung, Grundwasserschutz, Förderung bedrohter Gewässertiere, Restwasserstrecken und Gewässerraum.
DK