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Schwanden
521 m ü. M.
2523 Einwohner
Das Dorf am Zusammenfluss von Linth und Sernf ist das Zentrum des Glarner Hinterlands. Der Weiler Thon, auf der erhöhten Westseite des Ortes gelegen und in der alten Siedlungsstruktur erhalten geblieben, war bis 1876 eine selbständige Dorfschaft. Südlich von Schwanden erhebt sich der 1548 als ältestes Jagdbanngebiet der Schweiz eingerichtete Freiberg Kärpf. Im Westen erstreckt sich das Gemeindegebiet über die Guppenalp bis zum Vrenelisgärtli (2903 m. ü. M.).
Spärliche Funde aus der Umgebung stammen aus keltischer und römischer Zeit. Der Name des Dorfes hat aber seinen Ursprung wohl im althochdeutschen swanta, was soviel heisst wie zum Verschwinden bringen. Ähnlich wie die Bezeichnungen der Dorfteile Rüti oder Grüt führt das Wort Schwanden auf das Waldroden zurück. Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes stellt vielleicht eine Urkunde dar, die mit der Jahrzahl 1240 datiert worden war. Ein Henricus de Swando erscheint darin als Zeuge. Seine freiherrliche Familie beanspruchte wahrscheinlich die Burg Benzingen, die auf der Moräne am nördlichen Dorfeingang stand. Jedenfalls wurde sie im 13. Jahrhundert erbaut und schon nach wenigen Jahrzehnten verlassen. Nach Ägidius Tschudis Schrift “Chronicon Helveticum“ fiel die Burg zu Benzingen, als Besitz des Freiherren Burkhard von Schwanden, mit der Burg “Sola“ bei Mitlödi im Jahre 1298 durch Österreich. 1304 führte ausgerechnet ein Freiherr Burkhard von Schwanden in seinem Siegel einen stehenden Schwan. Haben wir hier den Ursprung des Gemeindewappens vor uns? Jedenfalls trugen andere Angehörige desselben Adelsclans mit nachweislich engen Kontakten zum Tal der Linth zwei Schwanenhälse als Helmzier, so die Rapperswiler Grafen. Aus der gleichen Zeit stammt der gemauerte Teil des ältesten noch erhaltenen Hauses, des “Turehuus“ im Thon.
Schwanden war vom Ende des 15. bis zum 18. Jahrhundert ein sogenannter grosser Tagwen. Eine Brunnenfigur mit erhobener Schwurhand erinnert in der “Landsgemeindehoschet“ daran, dass hier 1448–1623 meist (manchmal auch im Däniberg) die ordentlichen Landsgemeinden und 1623–1837 jene der Reformierten tagten, jeweils eine Woche vor den gemeinsamen in Glarus. Um 1757 wurde in Schwanden der Pulverturm (heute ein Ortsmuseum) für den reformierten Landesteil erbaut, ein Zeichen aufflackernder konfessioneller Auseinandersetzungen.
Früher zur Kirche von Glarus gehörig, bauten die Schwander 1349 eine eigene Kirche, die vorerst Filiale von Glarus war. Ab 1528 wurde sie paritätisch genutzt, die Messe jedoch 1558 abgeschafft. Zur evangelischen Kirchgemeinde Schwanden gehören seit früher Neuzeit die dem Wahltagwen Mitlödi angegliederten Dörfer Sool und Schwändi, ferner das dem Wahltagwen Betschwanden zugeteilte Haslen (inklusive Leu und Zusingen), weiter Nidfurn sowie bis zur Ablösung im Jahre 1752 Luchsingen. Die Brüder Jacob und Hans Ulrich Grubenmann erweiterten die Kirche 1753 beträchtlich. 1895 weihten die Katholiken ihr neu errichtetes Gotteshaus, welche sie 1973 durch einen Neubau ersetzten.
Unmittelbar südlich der reformierten Kirche muss der ursprüngliche Dorfkern gelegen haben. Der älteste Blockbau der Gemeinde und des Kantons aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts mit prächtigen Wandmalereien ist heute im “Rysläuferhus“ (jetzt ein Museum) am Weibelplatz zu bewundern. Die fremden Kriegsdienste spielten eine wichtige Rolle für das Dorf, daneben die Produktion und der Export von Waffen, sowie der Handel mit Tee oder Ziger.
Die Viehwirtschaft hatte bereits im 14. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung gewonnen. Pferde und Kühe wurden in Schwanden gezüchtet und nach Zürich sowie später vor allem nach Oberitalien verkauft. Zahlreiche grosse Steinhäuser zeugen vom Reichtum, den der Handel und die Reisläuferei der neuen Schwander Führungsgruppe des ausgehenden Mittelalters brachte: Das Rothaus (in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstanden), das Hoschethaus (1545) oder das obere Blumerhaus (1558).
1525 wurde am Guppen ein Eisenbergwerk eröffnet, das man aber nach etwa 30 Jahren wieder aufgab. Im 17. Jahrhundert woben die Einwohner von Schwanden vor allem halbwollene Tücher, sogenannte Mäzzen, stellten Schiefertische und -tafeln her und handelten mit wollenen Strümpfen und Mützen. Eine Färberei entstand 1680. Im Jahr 1701 zählte man 278 evangelische Schwander Männer. 1740 führte Peter Blumer die Baumwollspinnerei im Verlagssystem ein. Rund 25 Jahre später lebten bereits rund 1150 Personen im Dorf. In Schwanden und Sool lieferten sich 1799 die zurückziehenden Russen und Österreicher unter General Suworow heftige Gefechte mit nachstossenden Franzosen.
Nach kriegsbedingten Krisenjahren setzte zwischen 1820 und 1830 die Industrialisierung ein mit der Gründung einer Spinnerei, der späteren Textil AG (bis 1989 existierend), der Textildruckerei Blumer (bis 1980) sowie einer Rotfärberei und Druckerei der Unternehmerfamilie Tschudi in der “Herren“. Hinzu kam die heute noch bestehende Brauerei Adler. Schliesslich stand im 19. Jahrhundert am nördlichen Rand der Gemeinde ein Kalkofen. Vom Reichtum der Textilindustriellen zeugen zum Beispiel das Gemeindehaus und eine ehemalige Fabrikantenvilla. Bis zum Jahr 1850 war die Einwohnerzahl Schwandens auf fast 2300 gestiegen; 50 Jahre später betrug sie sogar knapp 2400.
In den 1830er Jahren entstanden verschiedene kommunale Einrichtungen, so 1830 die Sekundarschule, ab 1838 mit eigenem Schulhaus, und 1834 eine Gemeindesparkasse. Ein zweites Schulhaus wurde 1896 erbaut. Ende 1839 zeichneten 200 Einwohner Aktien einer Bäckerei. 1853 wurde für die Arbeiter und Angestellten der Textildruckerei eine betriebliche Fürsorgestiftung geschaffen. Um die Einführung des kantonalen Fabrikgesetzes (1864) zu beschleunigen, rief man 1863 in Schwanden den ersten Fabrikarbeiterverein des Kantons ins Leben. 1864 gründete der Textilfabrikant Jean Jenny-Riffel in Schwanden die erste Konsumgenossenschaft der Schweiz.
1879 erhielt die Gemeinde Anschluss an die Nordostbahn. Zu den bedeutendsten Schwandern gehörte Eduard Blumer (1848–1925); er war 38 Jahre lang Glarner Landammann, ausserdem Nationalratspräsident und Ständerat. In seiner Regierungszeit im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts stimmten die Schwander Bürger drei grossen öffentlichen Vorhaben zu: der Guppenrunsverbauung (1891–1904), der Einrichtung einer Wasserversorgung (1893) und dem Bau des Elektrizitätswerks am Niederenbach (1897). Dieses arbeitet seit 1929 eng mit der damals gegründeten Kraftwerke Sernf-Niederenbach AG zusammen, welche in den 1930er Jahren den Damm des Stausees Garichte auf Mettmen baute. Zudem nahm 1905 die elektrische Sernftalbahn zwischen Schwanden und Elm ihren Betrieb auf. (Im Jahr 1969 wurde sie durch einen Autobusbetrieb ersetzt.)
Seit 1907 besteht die Therma AG, eine Fabrik für elektrische Apparate. In jüngster Zeit sind im Industriequartier Tschachen Produktionsstätten für Kunststoff, Metallwaren und Stahlbau entstanden. Dazu kommen an anderen Standorten eine Druckerei und eine Webblätterfabrik. Zu Beginn der 1960er Jahre wohnten über 3000 Menschen im Dorf.
Bauten von regionaler Bedeutung wie das Alters- und Pflegeheim, das Oberstufenschulhaus, das an der Linth gelegene Schwimmbad und weitere Sportanlagen setzen neue Schwerpunkte. Aufgaben erwachsen der Gemeinde überdies durch die Pflege der ausgedehnten Bergwälder (grosse Sturmschäden im Jahr 1990).