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Franz Marc - Pferde
Biografie und Ausstellung in der Staatsgalerie
Stuttgart. Bis
10. September 2000. Katalog bestellen bei Amazon.de.
[Hinzugefügt 2006: Siehe auch den Artikel
Franz Marc Die Retrospektive].
Artikel vom Juli 2000
Die Ausstellung
Es ist kein Zufall, dass die thematische Ausstellung zu Franz Marcs
Pferden in der Staatsgalerie Stuttgart stattfindet, denn das Haus besitzt
zwei Hauptwerke des Künstlers in diesem Bereich: Kleine Blaue Pferde
(1911) und Kleine Gelbe Pferde (1912; siehe das untenstehende Foto).
Die Aussteller haben 129 Werke zu diesem zentralen
Thema im Schaffen von Franz Marc zusammengetragen: Ölbilder,
Zeichnungen, Aquarelle, Graphiken, seine berühmten Postkarten und eine
Skulptur. Als früheste
Arbeiten sind seine Naturstudien aus den Jahren 1905/06 zu sehen. Der
Bogen spannt sich von seiner Absicht der "Animalisierung der
Kunst" über die poetisch-symbolischen Meisterwerke der Jahre 1910
bis 1913 bis zum Aufgehen seiner expressionistischen Tiergestalten in
abstrakten Kompositionen. Den
Abschluss der Ausstellung bildet das Skizzenbuch aus dem Felde,
mit dem das Schaffen Franz Marcs endet, da der Künstler im März 1916, im
Alter von erst 36 Jahren, bei Verdun fiel.
Unter den nach Stuttgart
ausgelehnten Hauptwerken befinden sie die Grossen Blauen Pferde (1911)
aus dem Walker Art Center, Minneapolis, sowie die Roten Pferde (1911),
die 1939 von einem amerikanischen Privatsammler bei der berühmt-berüchtigten
Auktion bei Fischer in Luzern erworben wurden und sich heute als "anonyme
Leihgabe" im Busch-Reisinger Museum der Harvard University in
Cambridge, Mass., befinden. Diese zwei Hauptwerke sind zum ersten Mal seit
Ende der 1930er Jahre wieder in Europa zu sehen. Einige weitere Arbeiten von
Franz Marc wurden überhaupt noch nie zuvor der Öffentlichkeit vorgestellt.
Unter den fehlenden Hauptwerken befinden sich eigentlich nur verschollene und
zerstörte Arbeiten (wie der Turm der Blauen Pferde), die
selbstverständlich in Bild und Analyse im Ausstellungskatalog vertreten sind.
Die Staatsgalerie Stuttgart bietet folglich eine Gesamtdarstellung von Marcs
künstlerischen Hauptthema.
Biographie von Franz Marc
(dem Ausstellungskatalog entnommen):
Franz Marc (1880-1916) wurde in München als zweiter Sohn einer aus dem Elsass
stammenden Mutter, die ihre Kinder strikt calvinistisch und zweisprachig erzog,
geboren. Alle Briefe Marcs an sie sind französisch geschrieben. Sein Vater
hatte zwar Jurisprudenz studiert, doch war er nun als Professor für Malerei an
der Münchner Akademie tätig.
1897 fühlt sich Marc ernsthaft vom
Berufsbild des evangelischen Pfarrers angezogen. Nach dem Abitur zwei Jahre
später schreibt er sich für das Studium der Theologie und Philologie an der
Ludwig-Maximilians-Universität in München ein. Doch zuerst muss er seinen
einjährigen Militärdienst absolvieren, den er im Rang eines Unteroffiziers
abschliesst. Im städtischen Umfeld aufgewachsen, kommt Franz Marc hier erstmals
in direkten Kontakt mit Pferden, lernt ihre Pflege und das Reiten. Nach diesem
Jahr der Reflexion entscheidet er sich im Herbst 1900, das Studium der Malerei
an der Münchner Akademie aufnehmen. Zu seinen Lehrern gehören
Gabriel von Hackl (1843-1926), Zeichnen, und Wilhelm von Diez (1839-1907), Malen.
Im darauffolgenden Jahren unternimmt Marc Reisen nach Florenz, wo sein Bruder
Byzantinistik studiert, Padua und Verona. 1903 reist er für drei Monate nach
Paris, wo er japanische Holschnitte kauft. Die oben abgebildeten Ruhenden
Pferde (1911/12) sind ein später Zeuge dieses Einflusses.
1904 entscheidet er sich dafür, die Akademie
zu verlassen und zieht in ein eigenes Atelier in der Münchener Kaulbachstrasse.
Dort entstehen in der Folgezeit druckgraphische Arbeiten (Radierungen,
Lithografien und Holzschnitte) sowie vor allem Zeichnungen und kleine
Ölgemälde. Gleichzeitig behält er den Kontakt zur akademischen Welt. Darüber
hinaus orientiert er sich am Münchens bekanntem Tiermaler
Heinrich von Zügel (1850-1941) und an Adolf Hoelzel (1853-1934). 1905
schliesslich begegnet Marc dem jungen Schweizer Tiermaler Jean Bloé Niestlé
(1884-1942). Ihre Freundschaft hat auf einen befreienden Effekt auf seine
Kunst. Marc löst sich von seinen damaligen Porträts und Naturstudien und
wendet sich allmählich Tiermotiven zu. Bis 1908 entstehen so u.a. viele
anatomische Zeichnungen.
1907 heiratet Marc Marie Schnür, wohl vor
allem, damit diese ihr uneheliches Kind, mit einem anderen Münchner Maler
gezeugt, behalten kann. Die Ehe erweist sich rasch als eingestandener Fehler und
wird bereits im folgenden Jahr wieder geschieden. 1908 wird Maria Franck die
neue Frau an seiner Seite, mit der er den Sommer in Lenggries verbringt.
1909 kann Marc seine ersten Werken den Münchnern
Kunsthändlern Franz Joseph Brakl und Heinrich Thannhauser verkaufen. Ein
Jahr später beginnt seine Freundschaft mit August Macke (1887-1914).
Dessen Onkel ist der Berliner Metallwarenfabrikant Bernhard Koehler
(1849-1927), der nicht nur Werke Marcs kauft, sondern ihm später sogar
eine monatliche Leibrente zusichert - verrechenbar gegen Bildankäufe.
Dieser Kontakt kommt später auch den Malern der Neuen
Künstlervereinigung München sowie dem Blauen Reiter zu gute.
Im
selben Jahr wird Marc von der Gaugin-Ausstellung in München beeindruckt,
die seine bestehende Bewunderung für den französischen Maler noch
verstärkt. Marc beschäftigt sich mit Cézanne, Denis, Matisse und
Signacs Schrift zur Farbentheorie. Zu Marcs Arbeiten jener Zeit gehört
die Gestaltung des Umschlags einer kleinen Cézanne-Monografie von Julius
Meier-Graefe, bei Piper erschienen. Der junge Verleger Reinhard Piper
(1879-1953) gehörte zuvor bereits zu den wenigen Käufern, der eine
Lithografien von ihm erwarb.
1910 besucht Marc die 2. Ausstellung der
Neuen Künstlervereinigung
München in der Galerie Thannhauser in München, organisiert unter der
Schirmherrschaft des Direktors Hugo von Tschudi, der die Moderne seit 1906
förderte. Der noch unbekannte Marc wandte sich im Artikel "Zur
Ausstellung" gegen die an den Künstlern vorgebrachten Kritiken und
öffentlichen Attacken. Bald darauf lernte er die die Künstler Jawlensky, Marianne von Werefkin
und
Wassily Kandinsky kennen. Der letztere wurde zu einem engen Freund. In den
Jahren 1911 und 1912 schuf Marc seine berühmtesten Pferde-Gemälde und stellte,
zusammen mit Kandinsky, im Frankfurter Kunstsalon M. Goldschmidt & Co. aus.
Marc heiratete Maria Franck
in London, doch aus auf Grund eines Einspruchs seiner ersten Frau wurde die
Eheschliessung in Deutschland nicht anerkannt.
Im Jahr 1911 erarbeitete Marc zusammen mit
Kandinsky die Idee des jährlichen Almanachs Der Blaue Reiter und
verfasste drei Artikel für seine erste Ausgabe. Zusammen mit
Kandinsky, Gabriele Münter und Alfred Kubin, verliess Marc die Neue Künstlervereinigung
München im Dezember 1911. Im selben Monat noch organisierten sie die erste
Ausstellung des
Blauen Reiters.
Entgegen Kandinskys Widerstand knüpfte Marc
1912 Kontakte zur anderen Hauptgruppe des deutschen Expressionismus, Die Brücke.
Diese Beziehung verstärkte sein Interesse für den Holzschnitt. Marc erklärte
in der März-Ausgabe der Zeitschrift Pan von Paul Cassirer seine
künstlerischen Grundsätze. Als Max Beckmann (1884-1950) sich in emotionaler
Weise gegen Marcs Position wandte, antwortete Marc ihm erneut in Pan in
seinem angriffigen "Anti-Beckmann"-Artikel.
Bei einem Besuch in Paris knüpfte Marc
Kontakte zu Robert Delaunay, der ihn künstlerisch beeinflusste. Im Mai 1913
vollendete er zwei wichtige Gemälde, den Turm der Blauen Pferde (vermisst)
und Die Ersten Tiere (bei einem Brand beim Transport 1917 zerstört). Er
heiratet erneut Maria
Franck - und diesmal wird die Heirat anerkannt.
Unter
dem Einfluss des Futurismus und des Orphismus wird Marcs Formensprache
abstrakter, wozu auch seine Begegnung mit Lyonel Feininger (1871-1956) beitrug.
Ein Jahr später entstanden seine abstrakten Farbfantasien. Der Ausbruch des
Ersten Weltkriegs brachte seine malerischen Tätigkeiten zum Erliegen, da er
sich im Moment der Mobilmachung als Reserveoffizier sofort zum Kriegsdienst
meldete und unmittelbar darauf mit dem 1. Königlich-Bayerischen
Feldartillerie-Regiment Prinzregent Luitpold einrückte. Ab Ende August 1914
wurde er bereits als Meldereiter im Oberelsass eingesetzt. Im September erlebte
er die härtesten Vogesenkämpfe und, körperlich geschwächt, erkrankte er
schwer an der Ruhr. Der Blaue Reiter Zerfiel und sein enger Freund
August Macke fiel am 26. September 1914 an der Front, was Marc schwer
erschütterte. Doch noch hat er seinen Glauben in den Krieg als positive Kraft
im Sinne einer kulturellen und gesellschaftlichen Erneuerung nicht verloren:
"er wird die Menschen nicht zurückwerfen, sondern Europa reinigen."
Im Februar 1915 beendete Marc seine Sammlung
von 100
Aphorismen, die er während der vergangenen zwei Monate in ein Formularbuch
der französischen Gendarmerie notiert hatte. Gleichzeitig entstanden seine zwei
Essays "Das geheime Europe", veröffentlicht in der März-Ausgabe der
Zeitschrift Das Forum, und "Der hohe Typus". Am 10. August
1915 wurde Franz Marc das Eiserne Kreuz verliehen. Am 13. Oktober erfolgte die
Beförderung zum Leutnant der Landwehr.
Ab Februar 1916 schliesslich bemühte sich
das Ministerium der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten um die
"Förderung der Betätigung der im Felde stehenden Künstler." Ihnen
sollte mehr künstlerischer Freiraum gewährt werden bzw. ein Abzug von der
Front wurde möglich. Auch Maria Marc erhielt eine Benachrichtigung in diesem
Sinne. Doch bevor Franz Marc davon profitieren konnte, wurde er bei Braquis im
Zusammenhang mit der Schlacht um Verdun durch einen Granatsplitter tödlich an
der Schläfe getroffen - bei einem Erkundungsritt zu Pferde.
Franz Marc - Pferde: Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart. Bis 10.
September 2000. Siehe unsere Links-Seite
für die Webseiten des Museums. Katalog: Hatje Cantz, 2000, 220 S., 220
Illustrationen, davon 140 in Farbe. In der Ausstellung erhältlich wie
auch im Buchhandel. Bestellen bei Amazon.de.
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Franz Marc, Ruhende Pferde, 1911/12.
Abgebildet im Ausstellungskatalog. Zu sehen in der Staatsgalerie Stuttgart.
Als
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Franz Marc: Die kleinen gelben Pferde, 1912. Abgebildet im Ausstellungskatalog.
Zu sehen in der Staatsgalerie Stuttgart. Als
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