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Das Berner Oberland erlebt in den kommenden Tagen ungewohnten Trubel: Eine 200-köpfige Filmcrew dreht die letzte Folge des vom Duo Steven Spielberg und Tom Hanks produzierten TV-Zehnteilers "Band of Brothers".
Der 100-Mio-Dollar-Produktion liegt der gleichnamige Roman des US-Historikers Stephen Ambrose zugrunde, der auch als Vorlage des Kinofilms "Saving Private Ryan" diente. Mit von der Partie ist neben anderen der US-Fernsehstar David Schwimmer.
Erzählt wird die Geschichte des 506. US-Fallschirmspringer-Regiments, das sich im Zweiten Weltkrieg als "unzertrennliche Bande" quer durch Europa geschlagen und im Mai 1945 die Gegend um den Obersalzberg bei Berchtesgaden in Beschlag genommen hat.
"Eagles Nest" im Trickverfahren
Das Berner Oberland dient den Filmemachern während zehn Tagen als Filmkulisse für die Gegend in Südbayern, wo sich in den 30-er Jahren die Nazi-Prominenz ansiedelte und neben Berlin faktisch einen zweiten Regierungssitz installierte. Am Grimselpass etwa wird die kampflosen Übergabe von Hitlers Berghaus auf dem Kehlstein an die US-Truppen gedreht.
Das von den Amerikanern später "Eagles Nest" (Adlerhorst) getaufte Geschenk der NSDAP zum 50. Geburtstag des Führers wird an der Grimsel jedoch nicht originalgetreu aufgebaut, sondern in einem Trickverfahren ins Bild gesetzt, wie der Wengener Filmproduzent Stefan Zürcher sagte.
Zürcher ist als Location Manager zusammen mit dem Luzerner Filmproduzenten Leonard Gmür im Auftrag einer englischen Produktionsfirma für die Aufnahmen im Berner Oberland verantwortlich. Unter anderem wirkte das Duo bereits bei rund einem Dutzend Bond-Filmen mit.
Militärparade in Unterseen
Die spektaktulärsten Dreharbeiten finden jedoch im Städtchen Unterseen statt, das im Film das österreichische Zell am See darstellt. Hier wird laut Gmür mit rund 300 Statisten und rund 40 Originalfahrzeugen eine Militärparade der US-Truppen gefilmt.
Aus Gründen der Authentizität werden auf dem Unterseener Stadthausplatz für einen Drehtag alle Wegweiser und Strassenmarkierungen entfernt und die Strassenlaternen durch "zeitgerechte" Modelle ersetzt, wie Gemeindepräsident Hans Schütz auf Anfrage sagte.
Die Umbauten würden von der Filmgesellschaft bezahlt. Auf den zuerst geplanten und rund 60'000 Franken teuren neuen Anstrich für das Stadthaus habe diese aber schliesslich verzichtet.
20 Minuten für 3 Mio. Franken
Gedreht werden im Berner Oberland ab Dienstag. 20 Minuten oder rund 50 Prozent der zehnten und letzten Episode. Kostenpunkt: Rund 3 Mio. Franken. Insgesamt wurden in den letzten Wochen rund 75 Lastwagenladungen Material von England ins Berner Oberland gekarrt, darunter rund 1'000 teils echte Waffen.
Weitere Drehorte im Berner Oberland sind Interlaken (im Film Berchtesgaden), der Flugplatz Interlaken, Schwanden bei Brienz und das Grandhotel Giessbach bei Brienz, welches im Film für das Hauptquartier der amerikanischen Armee steht.
Werbeeffekt fürs Berner Oberland
Auch wenn Steven Spielberg und Tom Hanks im Oberland voraussichtlich nicht persönlich anwesend sein werden, erhofft man sich im Berner Oberland von den Dreharbeiten einen touristischen Werbeeffekt.
Das grosse Medieninteresse könne der Region nur nützlich sein, sagte Hannes Imboden, der Direktor von Berner Oberland Tourismus (BOT). Bereits der 200-köpfige Filmtross bringe Hotels und Gewerbe zum Beginn der Zwischensaison einen willkommenen Zustupf.
swissinfo und Agenturen