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Der diesjährige Nobelpreis für Wirtschaft geht an einen Finnen und einen Briten. Bengt Holmström und Oliver Hart erhielten die höchste Auszeichnung in der Ökonomie für ihre Beiträge zur Vertragstheorie.
Die Arbeiten der zwei in den USA lehrenden Forscher lieferten die intellektuelle Grundlage für viele Bereiche, «vom Konkursrecht bis zur politischen Verfassung», begründete die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Montag in Stockholm ihre Entscheidung.
«Verträge sind ganz fundamental, wir sehen sie überall in der Gesellschaft», sagte der Vorsitzende des Nobelkomitees, Per Strömberg. Die von den beiden Preisträgern entwickelten Theorien helfen etwa Firmen dabei, die Gehälter von Topmanagern festzulegen, oder zu entscheiden, wann eine Privatisierung von staatlichem Eigentum sinnvoll ist.
Holmström habe dabei die Grundlage für diese Arbeit in den 1970er Jahren gelegt. Hart habe dann in den 1980er Jahren eine darauf aufbauende Theorie zu unvollständigen Verträgen entwickelt, sagte Strömberg weiter. Der gebürtige Brite Hart lehrt heute an der Elite-Universität Harvard, der Finne Holmström am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT), ebenfalls an der amerikanischen Ostküste.
Grundlage für Bonuszahlungen
Mit seinem Werk habe der 68-jährige Hart einen Beitrag zum Verständnis geliefert, welche Unternehmen fusionieren sollten und wie die Finanzierung gelingen könne, erklärte die Akademie. Auch habe er zum Verständnis beigetragen, wann öffentliche Einrichtungen wie etwa Schulen besser privatisiert werden sollten. Die Arbeiten des 67-jährigen Holmström wiederum hätten dazu beigetragen, Verträge für Führungskräfte zu gestalten.
Abkommen wie die zwischen Aktionären und Top-Managern, zwischen Versicherern und Autobesitzern oder einer Behörden und ihren Lieferanten würden Interessenkonflikte in sich bergen. Die beiden Preisträger hätten mit ihren Forschungen auf dem Gebiet der Vertragstheorie dabei geholfen, Probleme zu analysieren und zu Lösungen zu formulieren - etwa für eine leistungsgerechte Entlöhnung von Führungskräften oder Selbstbehalte und Zuzahlungen bei Versicherungen.
Überraschte Preisträger
Holmström, der auch Mitglied des Beirates der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich ist, zeigte sich «sehr überrascht» über die Auszeichnung. «Ich habe das überhaupt nicht erwartet», sagte an der Pressekonferenz nach der Verkündung in Stockholm, der er per Telefon zugeschaltet war. Er sei «sehr glücklich und dankbar» über die Auszeichnung.
Die Nachricht vom Nobelpreis erreichte Hart in den USA wegen der Zeitverschiebung gleich nach dem Aufwachen. «Ich bin um 4.40 Uhr wach geworden und habe mich gefragt, ob es zu spät ist, als dass es dieses Jahr sein kann, aber dann hat zum Glück das Telefon geklingelt», sagte Hart der Nobelpreis-Stiftung zufolge. Als Erstes habe er seine Frau umarmt und seinen Sohn geweckt.
Kein Preis von Alfred Nobel
Der Wirtschaftsnobelpreis geht nicht auf den Stifter Alfred Nobel zurück. Nobel hatte 1895 lediglich die Preise in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden geschaffen. Die Auszeichnung für die Wirtschaft kam erst im Jahr 1968 durch eine Stiftung der schwedischen Reichsbank hinzu.
Offiziell heisst er deshalb «Preis der schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften zum Andenken an Alfred Nobel». Verliehen wird die Auszeichnung aber gemeinsam mit den anderen Nobelpreisen am 10. Dezember, dem Todestag Nobels.
Während die Stockholmer Jury seit der ersten Preisvergabe 1969 vor allem US-Ökonomen mit der Auszeichnung bedacht hat, kommen die Preisträger der vergangenen beiden Jahre aus Europa. 2014 bekam der Franzose Jean Tirole den Preis für seine Forschung über Marktmacht und Regulierung. Im vergangenen Jahr erhielt der Schotten Angus Deaton die Auszeichnung, der aber wie viele andere Preisträger in den USA lehrt.
Die Ehre wurde bislang nur einmal einer Frau zuteil: 2006 bekam die US-amerikanische Umweltökonomin Elinor Ostrom die Auszeichnung. (sda/dpa/reu)