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Holitna und Unalakleet River 1996
Nach der ersten Woche in der wohlvertrauten Umgebung des Lake Creek fliegen wir zu dritt mit einer Beaver - ausgerüstet mit Schwimmern - zum ersten Mal an den Holitna River, der in den Kuskokwim mündet. Lediglich mit den Koordinaten ausgestattet, führte der rund zweistündige Flug in westlicher Richtung verschiedenen mäandernden Flussläufen entlang. Dies um die zu den wilden Alaska-Range gehörenden Revelation Mountains in ihrem Sattel zu traversieren. Unter uns immer die gleiche Landschaft: Buschgebiet mit unendlichen Wäldern, durchzogen von Seen und Flüssen. Schliesslich wasserten wir wohlbehalten, auch wenn etwas durchgeschüttelt, am Holitna River. Auf Anhieb hat der erfahrene Pilot die Cabins unter dem üppigen Grün der Baumwipfel gefunden. Weit und breit ist keine menschliche Behausung auszumachen. Der nächste Indianer lebt ungefähr 40 Kilometer entfernt und die nächste Siedlung trägt den schönen Namen Red Devil. Sie besteht lediglich aus ein paar Holzhütten und einer armseligen Schotterpiste. Von dort benötigt ein Boot rund 4 Stunden, um zu unserem Camp zu gelangen.
Früher gab es in der Kuskokwim Region (Georgetown District) eine Red Devil Mine, die der grösste Produzent von Quecksilber (mercury) in Alaska war.
Wir entladen die Beaver und schleppen die Gepäckstücke das Steilufer hoch. Dort erwarten uns Dave und Greg. Sie führen uns zu den beiden Cabins, die an gut geschützter Stelle im Birkenwald erbaut wurden. Wir befinden uns etwa 4,5 Meilen unterhalb des Zusammenflusses vom Hoholitna mit dem Holitna River (jeder der beiden Flüsse ist ca. 80-100 m breit). Von hier aus sind es mit dem Boot gut 20 Stunden, um den Oberlauf des Hoholitna zu erreichen. Also genügend Platz, um irgendwo in der unbeschreiblichen Wildheit der Holitna-Aera ungestört und in Einsamkeit angeln zu können.
Das Camp teilen wir mit einer vierköpfigen Amerikaner-Gruppe. Die Jungs sind okay: ein schwuler Banker aus New York - ein pensionierter CIA-Mann, der leidenschaftlich gerne Streamer bindet und Schnüre verschiedener Hersteller testet - und noch 2 Kollegen.
Abgeschnitten von der Umwelt - kein Telefon, kein Radio, kein Motorboot oder Wasserflugzeug - geniessen wir die erhabene Stille, die uns manchmal fast ungeheuerlich erscheint. Jede Vogelstimme ist aus grösserer Entfernung hörbar und das Gekreische der Möwen auf der anderen Flussseite verfolgt uns, als kreisten sie direkt über uns. Kein Wunder, dass in dieser unberührten Wildnis praktisch an jeder Flusskurve ein Elch anzutreffen ist. Jeden Tag können wir die hervorragenden Schwimmkünste dieser grossen Säuger beim Flussüberqueren bestaunen. Im Kielwasser der Mutter folgen strampelnd meist 1 oder 2 Junge. Vom Boot aus ist es eine Leichtigkeit, dieses Schauspiel aus nächster Nähe zu geniessen und zu filmen. Ab dem zweiten Tag liess sich am gegenüberliegenden Ufer, da wo wir die Fische reinigen, regelmässig der Bär blicken.
Wir gewöhnen uns schnell an das einfache Leben mit Zähneputzen am Fluss und dem Zubereiten unserer Mahlzeiten in einem längshalbierten Fass. Oben mit einem Rost abgedeckt, dient es uns als Grill. Längst haben wir mit den Amerikanern vereinbart, unsere Nahrungsmittel und Getränke mit den Ihrigen zu teilen und die bescheidene Infrastruktur zeitgleich zu nutzen.
Wir atmen Wildnis pur und lassen den Hauch der Unberührtheit dieses grossen, weiten Landes auf uns einwirken. Erstaunlicherweise halten sich die kleinen Plagegeister (Moskitos) dieses Jahr stark zurück. Den Ausklang der langen Tage (um Mitternacht noch Sonnenschein) verbringen wir am Lagerfeuer. An unterhaltsamen Gesprächsthemen fehlt es nicht. Da das gesamte Gebiet von der amerikanischen Regierung als "dry area" (kein Alkohol) eingestuft wurde, geniessen wir jeden Schluck des von uns mitgebrachten Alkohols. Brüderlich teilen wir unsere Ration an Bier, Wein und Whiskey mit unseren neuen Freunden.
Die fischereilichen Möglichkeiten sind hervorragend. Die Tageslimite für den Königslachs ist mit drei Stück festgelegt (davon zwei über 28 inches). Als Köder sind sogar Lachseier erlaubt. Freiwillig beschränkten wir uns auf je einen King pro Tag.
Somit blieb genügend Zeit, um uns auch den anderen Fischarten zu widmen. Der gemächlich fliessende, breite Fluss weist einen sehr guten Hechtbestand (bis zu 1,30m Länge) auf. Nebst dem Königslachs sind auch Rot- und Silberlachs sowie Regenbogenforellen, Dolly Varden, Arctic Char und die arktische Äsche vorhanden. Fast auf jedem Wurf erfolgte ein Biss. Als einer der wenigen Flüsse kommt im Holitna River auch der Sheefish vor. Ruedi beschreibt diesen wie folgt:
Sheefisch (Stendus leucichtys nelma) auch Nelma oder Inconnu (der Unbekannte) genannt
"Unter diesem Namen verbirgt sich eine der seltsamsten und seltensten Fischarten dieser Welt. Der Sheefish ist die grösste Coregonenart (Renken- resp. Feclhenart) der Welt. Er wird bis zu 70 Pfund schwer und sein Vorkommen ist auf Nordamerika und Sibirien beschränkt. In Alaska kommt er in den Flussgebieten Kuskokwim, Yukon und Kobuk/Selawik vor.
Der Sheefisch überwintert im Brackwasser vor den Flussmündungen und zieht nach der Schneeschmelze in grossen Schwärmen die Flüsse hinauf, um dort zu laichen. Nach dem Ablaichen im Herbst, wandert er wieder flussabwärts. Diese Fische werden ziemlich spät laichreif, der Milchner nach 6-7 Jahren und der Rogner sogar erst nach 8-9 Jahren. Der Inconnu erreicht ein hohes Alter, weit über 20 Jahre und laicht mehrmals in seinem Leben ab. Nach der Geschlechtsreife ziehen die Fische jedes zweite oder dritte Jahr flussaufwärts zu den Laichgründen. Die Jungfische wachsen sehr langsam. Sie leben hauptsächlich von der Lachsbrut und anderen kleinen Fischen. Die erwachsenen Fische fressen alles, was im Wasser schwimmt und treibt: Fische, Mäuse, Lemminge, Jungenten usw. Das grosse Maul des Sheefisches ist zahnlos. Die Beute wird geradezu eingesaugt und gleich verschluckt. Das Fleisch des Fisches ist schneeweiss, grätenarm und schmeckt hervorragend.
Der Inconnu ist, wie bereits erwähnt, ein unbekannter aber umso attraktiver Sportfisch. Er ist ein aggressiver Räuber und starker Kämpfer, der auf Streamer und kleine Löffel (Blinker, Spinner) beisst. Meist sitzt der Haken vorne im Maul. Dieses ist relativ sehr weich und es gehen deshalb viele Fische verloren. Aber mit sorgfältigem Drill und Gefühl, kann dieser silberne Torpedo dann doch gelandet werden. Wegen seiner Körperform und seines silberblanken Schuppenkleides wird der Sheefisch vielfach auch "Eskimo Tarpon" oder "Tarpon of the North" genannt. Sein Kampfverhalten im Drill, mit rasanten Fluchten und hohen Sprüngen erinnern an den Tarpon. Leicht ist es nicht, die guten Fangplätze zu erkennen, doch eine gute Beobachtungsgabe macht es möglich."
Am Vorabend unserer Weiterreise fliegt der Campeigentümer "Reverent Rocky" mit dem Wasserflugzeug ein. Was für ein Bild. Wir fragen uns, ob Hollywood einen neuen Western dreht. Doch sind weder Kameras noch eine Filmcrew auszumachen. Wie ein Stuntman hangelt sich Rocky aus der Maschine und hängt sich in die Streben der rechten Tragfläche. Nur ein Fuss steht auf dem Schwimmer. Sein langes, wallendes Haar und die Stösse seines schwarzen Gehrockes flattern im Wind. Das Flugzeug dreht noch eine kleine Schlaufe und setzt dann zur Wasserung an. Was für ein verrückter Kerl. Doch die Show war beeindruckend.
Beim Abendessen erzählt uns Rocky, dass er sich jungen Menschen annimmt. Meist sind es Drogen- oder Alkoholabhängige, die er irgendwo aufgabelt. Diese bringt er dann ins Camp und gibt ihnen die Möglichkeit sich, durch Arbeit und Übernahme von Verantwortung, wieder in die Gesellschaft eingliedern zu können. Auch dies ist eine Art von Entziehungskur. Guter Kerl, denke ich, der lebt nach dem Motto "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst".
Unalakleet River
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In der dritten Woche wollen wir die fischereilichen Möglichkeiten am Unalakleet River erkunden. Mit unserem Gepäck und 30 Filets Königslachs beladen wir Rockys Flugzeug, das uns bis Red Devil bringt. Zwei sitzen eingeklemmt mit einem kleinen Gebinde Bier auf dem Rücksitz. Vorne darf ich Platz nehmen. Auf meinen Knien ruht ein grosser Karton mit Wein, Bier und einer Flasche Jack. Rocky will die Türe schliessen und sieht den Karton. Er hebt den Deckel, inspiziert den Inhalt und stellt fest: Übergewicht! Er reisst den Karton von meinen Knien, knallt die Türe zu, hebt den Daumen der rechten Hand und der Pilot startet. Überraschungseffekt durch einen Geistlichen gelungen. So bleibt quasi unser gesamter Alkoholvorrat für die kommende Woche am Holitna zurück. Doch nicht so ein guter Kerl, denke ich, offensichtlich ist ihm das Motto "Du sollst nicht stehlen" fremd. Ärgerlich, den auch Unalakleet gehört zur "dry area".
In Red Devil wechseln wir das Buschflugzeug und fliegen gut zwei Stunden nordwestlich über die Kuskokwim Mountains und den Yukon in Richtung Unalakleet. An der Küste herrscht dichter Nebel, die Wolkendecke hängt tief. Nach einiger Zeit reisst diese kurz auf. Was wir sehen ist Wasser und nochmals Wasser. Das genügt dem Piloten, um sofort ein Wendemanöver einzuleiten. Er sucht die Küste und findet sie.
Eine Viertelstunde später sind wir über Unalakleet, einem Eskimodorf mit rund 850 Einwohnern, das direkt an der Beringsee - also am Anfang der westlichen Welt - liegt. Kurz danach landen wir. Erstaunlicherweise ist der Flughafen bei unserer Ankunft am Sonntag um die Mittagszeit vollkommen verwaist. Sämtliche Türen des Gebäudes sind verriegelt. Auch der Wagen der Brown's Lodge ist nirgends zu sehen. Zusammen mit dem Piloten nehmen wir den Weg Richtung Dorf unter die Sohlen. Zuerst queren wir den Friedhof, der gleich neben der Piste liegt. Teilweise verwitterte Holzkreuze und überall blühender arktischer Mohn (Arctic Poppy). Nach einer Viertelstunde erreichen wir die ersten Häuser. Wir versuchen in der anscheinend ausgestorbenen Siedlung wenigstens eine Menschenseele zu finden. Plötzlich kommt uns ein kleiner Eskimojunge auf einem ratternden Quad entgegen. Wir fragen ihn, wo wir telefonieren können. "Mum, mum" stottert er. Wir folgen ihm. Seine Mutter heisst Maggi und ist die Frau vom Sheriff. Sie hilft uns weiter. Neben dem Haus wird gebaut. Sie erklärt uns, dass hier ein B+B entstehen soll, das spätestens 1997 fertiggestellt sein wird.
Wir erreichen die Brown's Lodge, die direkt am Dorfplatz und nur wenige Meter vom Unalakleet River entfernt liegt. Wir bringen unser Gepäck auf die Zimmer und werden von Mary, der Besitzerin, über die Gepflogenheiten des Hauses informiert. Überraschung stellt sich ein, als wir erfahren, dass das Abendessen jeweils spätestens bis 18.00h zu bestellen sei, da das Restaurant (es gibt nur dieses) jeden Abend ab 19.00h geschlossen wird. Zudem ist Alkohol tabu. Halb so schlimm, konnten wir doch für eine ganze Woche und drei Mann lediglich neun Dosen Bier vor Rockys Zugriff retten. Wir stellen uns auf lange Abende ein. Zu sehen gibt es nicht viel und unternehmen können wir auch nicht viel. Also: Strandspaziergang, bei der Fischfabrik den Jungs beim Angeln zuschauen, dann weiter zu den Lachs-Trockungsgestellen, vorbei an angeleinten Husky-Teams, deren Gekläff uns bis zum Dorfende begleitet. Zurück durch die Hauptstrasse zum kleinen Einkaufscenter, vorbei am Dorf-Dampfbad, vielen Heringskuttern und wir stehen bereits wieder vor der Lodge.
Beim Frühstück teilt man uns mit, dass um 09.30h Jack - unser Guide - mit seinem Boot hinter der Lodge auf uns wartet. Da befinden sich auch die Tiefkühler und Trocknungsgerüste für Lachse. Linkerhand liegt eine Insel voller Baumstrünke und Schwemmholz (Heizvorrat für das ganze Dorf), die zugleich mehreren Rudeln Huskies als Revier dient.
Jack fährt uns den Unalakleet hoch. Bei einer grossen Kiesbank gehen wir an Land. Gleich unterhalb einer natürlichen Schwelle befindet sich vor uns ein viel versprechender Pool. Wir ziehen unsere Löffel (Blinker) durch und haben Biss auf Biss. Alles Hundslachse, die einen guten Drill bieten. Jack ist nicht zufrieden, dass wir diese zurücksetzen. Er erklärt uns, dass dies der bevorzugte Lachs der Dorfbewohner zum Lufttrocknen sei. Angelt weiter, ich werde diese mitnehmen.
Alsdann versuchen wir es auf der anderen Flussseite, wo die Strömung stärker ist. Der Haken wird mit Lachseier bestückt. Dann erfolgt der erste Biss, Anschlag, die Rute biegt sich durch, die Rolle quietscht und das Duell beginnt. Eine Viertelstunde später liegt der erste King mit 25 Pfund am Ufer. Freddy übernimmt, gleiches Spiel. Prima, die Königslachse sind da. Der Dritte im Bunde sitzt unbeteiligt am Flussbord und liest Reader's Digest. "Was ist das Tageslimit für Königslachs" fragen wir Jack - Antwort "keines, alle Fangmethoden sind erlaubt". In der ersten Woche ist von der ganzen Gruppe wenig gefangen worden. Also beschliessen wir noch einen King für unseren Leser, der mittlerweile zu schnarchen begonnen hat, zu behändigen.
Etwas später möchten wir uns den Fluss weiter oben ansehen. Die Fahrt dauert gut zwei Stunden. Der Unalakleet River ist ein 145 km langer Fluss, der in den Kaltag Mountains entspringt und südwestwärts zur Mündung in den Norton Sound bei Unalakleet fliesst. Er liegt im Übergangsgebiet des Buschlandes zur Tundra und ist im unteren Teil gezeitenabhängig (im Mündungsgebiet: bei Flut 100-120 Meter breit, bei Ebbe 40-50 Meter). Der mehrarmige Fluss ist ausgesprochen ideal für Liebhaber der Uferangelei. Unzählige Kiesbänke von 100-250 Meter Länge säumen den Flusslauf und bieten auch für den härtesten Drill genügend Platz. Fischbestand: siehe North River.
Am Mittwochabend leihen wir uns 3 Quads. Wir möchten die umliegenden Hügel sowie das nähere Hinterland erkunden. Hat man sich einmal an das Vehikel und sein Verhalten bei Lenkmanövern gewöhnt, kommt Freude auf. Das macht so richtig Spass. Nach Tieren Ausschau zu halten ist wegen des Motorengeräusches sinnlos. Vor uns liegt ein kegelförmiger Hügel. Wer zuerst oben ist, hat gewonnen. Ich entscheide mich zu einer Direttissima, die beiden andern wählen eine einfachere, dafür längere Strecke. Die ersten zwei Drittel sind steil, doch nun wird die Steigung noch extremer. Trotz Vollgas verliert der Motor im letzten Drittel zusehends an Kraft. Reicht es noch, reicht es nicht? Falls nein, auf welche Seite verabschied ich mich ohne bei einem Sturz unter das Vehikel zu geraten? Unter keinen Umständen darf ich in Rückenlage geraten und mit einem ungewollten Salto nach hinten über den Quad kippen. Also mein gesamtes Gewicht nach vorne verlagern. Schweiss bricht aus. Meine Gedanken jagen sich. Im Steilhang kann ich das Gefährt alleine nicht halten. Was passiert mit dem fahrerlosen Quad? Rollt er hinab oder überschlägt er sich bis er unten ankommt? Shit, was hab ich mir da wieder eingebrockt! Jetzt drehen die Räder stellenweise durch. Noch gut vier Meter, dann hab ich's geschafft. Zentimeterweise geht's vorwärts,jetzt greift kein Rad mehr, ich stehe. Ja nicht mit dem Gas zurück! Subtil mit dem Körpergewicht balancieren. Kleiner Terraingewinn. Ich versuch's mit Rucken, es geht ein wenig voran, dann drehen die Räder wieder durch. Erneut alle Tricks wiederholen. Der Motor heult. Ich bin im Nebel, doch der kommt vom Auspuff. Ich rucke wieder und gewinne einen halben Meter. Körper weiter nach vorne verlagern, die Räder greifen, ein letzter Ruck und ich bin oben. Endlich geschafft! Doch da stehen schon zwei und gratulieren mir zum dritten Platz. Wir gönnen uns eine Pause und ich darf mir den Kommentar der beiden Zuschauer anhören. Dann geht's weiter und kurz vor Mitternacht nehmen wir den Heimweg in Richtung Unalakleet unter die Räder. Wir bringen die Quads dem Besitzer zurück. Der strahlt über das ganze Gesicht. Freut er sich, dass wir ihm diese in unbeschädigtem Zustand übergeben oder dass unsere Knochen heil geblieben sind? Wir verabschieden uns: "good night and sleep well".
Am Freitag wollen wir den ersten rechtseitigen Zufluss befahren, der den Namen North River trägt. Ein Paradies in einer traumhafen Landschaft gelegen. In dem sich windenden Fluss folgen Pool auf Pool. Zweimal müssen wir das Boot über querliegende Baumstämme hieven. Abenteuerliche Gefühle kommen auf. Im extrem sauberen, glaskaren Wasser sind jeder Baumstrunk und alle übrigen Hindernisse leicht zu erkennen. Die Pools sind voll der verschiedensten Fischarten: Kings, Buckel- und Hundslachs, Äschen, Dolly Varden sowie Artic Char. Hier erfüllen sich kühnste Fischerträume. Gegen Mitte August steigt dann noch der Silberlachs ein. Übrigens hat der Unalakleet River mit seinen Zuflüssen einer der besten Cohoruns von Alaska.
Für den Transport der King-Filets kaufen wir eine grosse Fischbox (bezahlen dafür korrekterweise den Preis für das Übergewicht) und treffen in Anchorage den Rest der Gruppe. Seit Jahren angeln wir in einen Pool, damit auch Neulinge ein paar "Versucherli" mit nach Hause nehmen können. Dieses Jahr waren die Fangergebnisse am Lake Creek, wie auch in King Salmon, äusserst bescheiden. 2/4
Bei einer späteren Reise (1999) in der gleichen Zeitspanne war die Flussmündung voller driftender Eisschollen und -berge, was die Lachse am Einsteigen hinderte. Da bekanntlich nur ein 1/7 - 1/9* eines Eisberges aus dem Wasser ragt, konnte man so schön das richtige Navigieren des Bootes üben. Diese Kältephase führten die Einheimischen auf den sogenannten "Counter El Niño" zurück. El Niño (warmer Bruder) hat eine kalte Schwester (la Niña), die auch Counter El Niño genannt wird.
* Erklärung: Eisberge sind entweder abgebrochene Randstücke antarktischen Schelfeises mit zum Teil mehreren tausend km² Grösse und hunderten Meter Dicke, von denen ca. 1/5 über das Wasser hinausragt. Oder die Eisberge stammen aus Gletschereis der Arktis und haben bizarre Formen. Bei ihnen ragen nur 1/7 bis 1/9 über das Wasser hinaus.