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Jährlich erkranken etwa 1‘200 Menschen in der Schweiz an Blasenkrebs. Etwa drei Viertel der Betroffenen sind Männer, die meisten Patienten haben zum Zeitpunkt der Diagnose bereits das 70. Lebensjahr überschritten.
Die Tumorerkrankung der Harnblase entwickelt sich oft ohne wahrnehmbare Symptome: Meist bildet sich der Krebs in der Schleimhaut der Harnblase, bevor er im fortgeschrittenen Stadium in deren Muskelwand eindringt. Daneben kann sich der Tumor auch auf andere Bereiche des Urogenitalbereichs ausbreiten und die Nierenbecken, die Harnleiter und den direkt an die Blase ansetzenden Teil der Harnröhre befallen.
Zahlreiche bekannte Risikofaktoren
Blasenkrebs hat keine konkrete Ursache, wohl aber sind zahlreiche Risikofaktoren bekannt:
- Rauchen: Aktiver und passiver Tabakkonsum verantwortet etwa die Hälfte aller Blasenkrebs-Vorfälle.
- Chemikalien: Einige Baustoffe und Elemente in der Farb-, Textil- und chemischen Industrie (sogenannte aromatische Amine) wirken krebsauslösend.
- Medikamente: Die Wirkstoffe Pioglitazon (verabreicht bei Diabetes) und Cyclophosphamid (zur Behandlung von Blut- oder Brustkrebs eingesetzt) gelten als blasenkrebsfördernd.
- Chronische Blasenentzündung: Die längerfristige Reizung der Blasenschleimhaut durch unzureichend behandelte Infekte oder Blasensteine erhöht das Krebsrisiko.
- Genetische Veranlagung: Je früher Eltern an Blasenkrebs erkranken, umso höher ist das Risiko für deren Kinder, ebenfalls einen Tumor zu entwickeln.
- Strahlentherapie: Eine Behandlung im unteren Becken, beispielsweise im Rahmen einer Gebärmutterhalskrebstherapie, kann das Risiko für Blasenkrebs erhöhen.
- Ernährung: Wer fettreich isst und zu wenig Obst zu sich nimmt, erhöht sein individuelles Blasenkrebsrisiko.
- Umweltgifte: Schadstoffe, auch aus verschmutzter Luft, können das Blasenkrebsrisiko beeinflussen.
Eindeutige Symptome erst im späteren Stadium
Blasenkrebs verursacht in seinem frühen Stadium unspezifische Beschwerden. Mit Blut versehener, rötlich verfärbter Urin kann auf einen Tumorbefall hinweisen. Häufig stellen sich auch Schmerzen im Unterbauch oder in der Nierenregion sowie ein gesteigerter Harndrang ein. Halten diese Symptome über mehrere Tage an, sollten sie medizinisch abgeklärt werden.
In seinem fortgeschrittenen Stadium kann sich Blasenkrebs – je nach Ausmass des Tumors und eventueller Tochtergeschwüre – durch geschwollene Lymphknoten, Unterleibs- und Knochenschmerzen bemerkbar machen.
Im Verdachtsfall wird eine Urinprobe auf Blut untersucht und der Zustand der Blase mittels Ultraschall und Spiegelung überprüft. Kleinere Tumore können bereits während der Spiegelung mit einer Elektroschlinge entfernt werden. Wird ein grösserer Tumor ausfindig gemacht, helfen eine Computertomografie oder eine Röntgenuntersuchung des Mediziners, den Krebs in Lage und Umfang einzuschätzen.
Vielfältige Therapien für das beste Resultat
Je nach Stadium des Blasenkrebses bieten sich verschiedene Behandlungsmöglichkeiten an: Kleine, auf die Blasenschleimhaut begrenzte Tumore werden üblicherweise durch eine Spiegelung entfernt. Regelmässig in die Blase gegebene Medikamente senken das Risiko für einen Rückfall.
Ist der Tumor bereits in die Muskelwand der Harnblase eingewachsen, muss die Harnblase operativ entfernt werden. Dabei entnimmt der Chirurg ausserdem beim Mann die Prostata und das Samenbläschen und bei der Frau die Gebärmutter, die Eierstöcke, die Eileiter und Teile der Scheidenwand. Eine Chemotherapie sichert den Erfolg des Eingriffs ab, je nach Therapieplan kann auch eine Bestrahlung erfolgen.
Wird die Blase entfernt, muss ein künstlicher Harnabgang geschaffen werden. Dies geschieht durch eine Ersatzblase oder durch ein Urostoma: Hierbei wird ein Abgang über den Bauchraum gelegt.
Blasenkrebs-Vorsorge: jeder ist gefragt
Verlässliche Tests zur Früherkennung gibt es bislang nicht; die Treffsicherheit von Verfahren, die bestimmte Biomarker im Urin oder Blut nachweisen, konnte noch nicht wissenschaftlich bestätigt werden. Die Gefahr eines ‘blinden Alarms’ begleitet derartige Tests nach wie vor. Risikogruppen wie Rauchern, Personen mit Blasenkrebsfällen in der Familie und Personen, die mit krebsauslösenden Chemikalien Kontakt hatten, sollten mit ihrem Hausarzt individuelle Routinechecks besprechen.
Zur Vorsorge empfiehlt sich die Meidung sämtlicher Risikofaktoren: Bei der Bestrahlung und der Vergabe von krebsauslösenden Medikamenten wägen die behandelnden Ärzte Nutzen und Risiken ab, im Umgang mit Chemikalien sind die geltenden Sicherheitsvorschriften zu berücksichtigen – am Arbeitsplatz und im privaten Raum. Auch eine gesunde Ernährung, der Verzicht auf Nikotin und ein bewusster Schutz vor Luftverschmutzung gehören zu den dringenden Vorsorgemassnahmen, die jeder individuell treffen kann.