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Inhalt
a) Die Pferdebranchen im Wandel
Seit einigen Jahren sind praktisch alle Sparten der Pferdebranche in Europa voll im Wandel begriffen, sei es bei der Zucht, bei der Ausübung des Sports, bei den Pferderennen, beim Handel, bei den privaten Strukturen, bei der öffentlichen Hand oder betreffend die Frage, ob die Equiden ihren Platz in der Landwirtschaft haben sollen oder nicht.
b) Die öffentliche Hand zieht sich zurück
Die öffentliche Hand jedes Landes hat spezifische hoheitliche Aufgaben übernommen, aber derzeit zieht sie sich schrittweise aus ihrer Führungs- und Finanzierungsrolle in der Pferdebranche zurück. Jetzt sind es private Organisationen gesellschaftlicher oder beruflicher Natur, die die Führungsfunktion wahrnehmen, insbesondere zur Orientierung der Versorgung, zur Definition der Qualitätsnormen und zur Organisation des Handels. In der Europäischen Union können die Akteure der Pferdebranche profitieren von den Massnahmen des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes.
Mehrere Organisationen öffentlicher oder privater Natur begleiten als Querverbindungen die Pferdebranche, unter anderem bei der Berufsausbildung, beim Austausch von Kenntnissen, bei der wissenschaftlichen Forschung, bei der Ausbildung junger Pferde, bei den sportlichen Aktivitäten sowie bei der Gesundheit und dem Wohlbefinden der Tiere.
Die nachhaltige Entwicklung, insbesondere in der Landwirtschaft (Vielfalt der Rassen, genetische Ressourcen) bleibt jedoch unter verschiedenen Aspekten eine Domäne der Gemeinschaft, sei es unter dem Blickwinkel der Ökonomie, der Gesellschaft oder der Umwelt.
c) Die Nachfrage nach Equiden für die Freizeit wächst
Die Entwicklung der Versorgung mit Equiden ist insbesondere gekennzeichnet durch die wachsende Internationalisierung (Austausch von Zuchthengsten und mühelose Zirkulation von Samen) der Sportpferdezucht (Springen, Dressur), durch die steigende Nachfrage nach Equiden für die Freizeit (Pferde, Ponys, Esel, Kreuzungen) und durch den schrittweisen Rückzug der öffentlichen Hand aus ihrer Rolle als Führung und Unterstützung der Zucht (Finanzierung, Logistik, nationale Gestüte). Betreffend die Zuchtorganisationen ist festzuhalten, dass sie allgemein unter sich wenig koordiniert sind und ihnen die Mittel fehlen, um den Wandel zu managen, ihre Aufgaben wahrzunehmen und angemessene Massnahmen zur Orientierung ihrer Produktion zu ergreifen .
d) Welche Stellung hat man dem Pferd in der Landwirtschaft belassen?
Die Länder geben abweichende Antworten auf die Frage, welche mit dem Pferd verbundenen Tätigkeiten mit der Landwirtschaft zusammenhängen oder eben nicht. Wenn die Zucht von Equiden unseres Wissens überall als landwirtschaftliche Produktion anerkannt ist, so gilt dies nicht auch für die Ausbildung junger Pferde, für das Halten von Pensionspferden oder das Betreiben eines Reitsportzentrums, diese Aktivitäten werden in gewissen Ländern als ausserhalb der Landwirtschaft erachtet und in anderen als eine Erweiterung der Zucht oder als zusätzliche Unterstützung der landwirtschaftlichen Nutzung. Jedes Land untersucht folglich, welche Teile der Branche von welchen fiskalischen, soziologischen und ökonomischen Bestimmungen abhängen und welche Rolle das Pferd im ländlichen Raum spielt.
Bild: Schweizer Nationalgestüt SNG, Avenches
e) Das Monopol der Pferdewette PMU wird in Frage gestellt
Die traditionellen Pferdesportdisziplinen (Springen, Dressur, Fahren, Concours complet) sind bestens strukturiert dank der Rolle der nationalen Verbände, die der FEI (Fédération Equestre Internationale) angeschlossen sind. Die Branchen der Pferderennen (Galopp- und Trabrennen) sind sehr gut strukturiert, sowohl auf nationaler wie auf internationaler Ebene, haben aber mit einer wichtigen Herausforderung zu kämpfen, denn das Hinterfragen des Monopols der Pferdewette in gewissen Ländern und die unkontrollierte Öffnung der Online-Wetten lassen einen massiven Einbruch der Einkommensquellen befürchten.
Es bestehen mehrere Annäherungsansätze, um die Wertschöpfung der Pferdebranche zu bestimmen. Diese schrittweisen Operationen beginnen mit der Beschaffung (Zucht, Einfuhr, Austausch) und enden, nach dem Durchlaufen der verschiedenen Etappen der Wandlung, Bewertung und Verteilung auf der Ebene der Konsumenten für die verschiedenen Formen der Nutzung des Pferdes und der mit dem Pferd verbundenen Dienstleistungen.
Der Markt spielt bei dieser Analyse eine sehr wichtige Rolle. Aber er allein vermag die Komplexität aller Phänomene dieser vielfältigen Branche nicht eindeutig aufzuzeigen, denn sie ist fachübergreifend. Insbesondere die Kreisläufe des Austauschens und die Einflüsse zwischen den zahlreichen sozioökonomischen Akteuren, die vom Pferd abhängen, spielen sich meistens ab im abgeschotteten, auf verschiedenen Ebenen und in einem sozialen oder aber lokalen, regionalen, nationalen oder internationalen Rahmen. Die segmentierte Analyse der Branche bleibt also unbefriedigend, sofern sie nicht systemisch die politischen, finanziellen, geografischen und sozialen Einflüsse einbezieht, wie Erwartungen, Strategien und sozioökonomische Herausforderungen der verschiedenen Akteure, oder die besonderen Beziehungen - zum Beispiel emotionelle oder symbolische - die zwischen Mensch und Tier geflochten werden.