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Mehr als 60 Millionen Mädchen, manche gerade einmal zehn Jahre alt, werden in Entwicklungsländern zur Ehe gezwungen. Meist werden sie schon bei der Geburt im weiteren Familienkreis oder einem befreundeten Clan versprochen. Ihre Ehemänner sind dabei teilweise zweimal so alt wie sie selbst. Mit der Heirat wird der Lebensweg des Mädchens asphaltiert: keine Schulbildung, viele Kinder, ein Leben in Armut und Demut, im schlimmsten Falle mit einem schlagenden Ehemann.
Je jünger die Frau, desto schneller gewöhnt sie sich an ihren unterwürfigen Status, desto weniger eigene Wünsche und Vorstellungen kann sie entwickeln. Wird die Ehefrau in der Pubertät schwanger, so ist ihr Leben in Gefahr. Ihr kindlicher Körper ist noch nicht reif für Schwangerschaft und Geburt, die meisten Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren sterben an Komplikationen. All diesen Mädchen wird ihr Menschenrecht auf ein selbstbestimmtes Leben und körperliche Unversehrtheit verwehrt.
Doch Rechte, genau wie Gesetze, die eine Zwangsheirat verbieten, sind in vielen Gegenden der Entwicklungsländer nichts als Regen in der Wüste, der zu selten kommt, um sich davon beeindrucken zu lassen. Eltern verheiraten ihre Töchter aus wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zwängen. Sie bekommen dafür ein Brautgeld oder können familiäre Bande festigen.
Und sie sind in ihrer Welt davon überzeugt, dass ihre Tochter nun sicher ist, dass sie keine illegitimen Kinder bekommt und keine Schande über die Familie bringt. Doch dieses traditionelle Sicherheitsbedürfnis übersieht, dass die Tochter eine höhere Chance auf ein wohlhabendes Leben hat, wenn sie zur Schule geht.
Mit einer Schulausbildung findet sie eine besser bezahlte Arbeit, bekommt erst später Kinder und dann meist weniger, als noch ihre Eltern, und kann ihre Kinder gesünder erziehen und ihnen wiederum eine Ausbildung bieten. Damit kann sie den Armutskreislauf durchbrechen. Und dann ist vielleicht für ihre Töchter die Hochzeit der glücklichste Tag in ihrem Leben anstatt das Ende ihrer Kindheit.
Aus: care_affair / care.de