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Unser Weg beginnt in Monte Spluga, 1920 m, das bereits jenseits des Splügenpasses auf italienischem Boden liegt. Bis hierher sind wir mit der Post oder dem Privatauto gefahren. Am Westufer des Stausees Lago di Monte Spluga gehen wir bis an dessen südliches Ende zur westlichen Staumauer und über die Krone dieser Mauer bis zum Weg, der zur östlichen Staumauer führt. Eine Granittafel macht uns auf den alten Weg aufmerksam. Nun geht es ziemlich steil talwärts, und schon bald erblicken wir die in die Felsen gehauene Weganlage, welche bei nasser Witterung nur mit Vorsicht zu begehen ist. Gewölbte Felspassagen und alte Stützmauern erinnern an die einstige Strassenbaukunst der Bündner, die bis 1797 über die Landschaft Chiavenna herrschten.
Bei Soste, 1544 m, wendet sich der Talfluss Liro, der bei Chiavenna in die aus dem Bergell herabfliessende Mera (auf schweizerischem Gebiet: Maira) mündet und eine Länge von 57 km aufweist, plötzlich südwärts; wir überqueren ihn und steigen auf der rechten Talseite zum Dörfchen Rasdeglia hinauf, wo uns einzelne alte Holzbauten an die Walser im benachbarten Rheinwald erinnern. Weiter verläuft der dem steilen Hang entlangführende Pfad nach Mottaletta. Dem Fahrsträsschen entlang gelangen wir nach Isola, das dem Wanderer vor Jahrhunderten wirklich wie eine «Insel» inmitten der Bergwildnis vorkam. In Isola gibt es eine gute italienische Trattoria, wo wir uns bei Speis und Trank von der anspruchsvollen Wanderung erholen können. Zurück nach Splügen geht es mit der Post; es werden aber pro Tag nur zwei Kurse geführt!
Cardinellschlucht: Der Ausbau des Weges durch die Cardinellschlucht, der bis 1823 dem gesamten Splügentransit diente, erfolgte bereits 1643. Unzählige Säumerschicksale haben hier ihr tragisches Ende gefunden. Der Durchmarsch einer französischen Armee unter Marschall Macdonald im Dezember 1800 forderte gar einige hundert Todesopfer. Harmonischer, wenn auch nicht ohne besondere Anstrengung verlief hier Goethes Reise Ende Mai 1788. Heute ist es im Val del Cardinello ruhig geworden, denn seit dem Bau des Stausees von Stuetta donnern keine furchterregenden Wassermassen mehr talwärts.