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Autor: Anton Jungo
Am 3. Januar 1978 hat Peter Haymoz die erste Gemeinderatssitzung in Brünisried protokolliert. Er hat das Amt des Gemeindeverwalters und -kassiers unter fünf Ammännern ausgeübt. Wie er in einem Gespräch ausführt, gab es während dieser Zeit nie Kampfwahlen. Entweder fanden stille Wahlen statt oder es wurde eine Einheitsliste eingereicht. An parteipolitische Auseinandersetzungen kann sich Haymoz nicht erinnern. Es habe im Gemeinderat schon Meinungsverschiedenheiten gegeben, betont er. «Doch es ist praktisch nie vorgekommen, dass man nach einer Sitzung nicht noch gemeinsam etwas trinken gegangen ist.»
Sie sind der letzte Gemeindeschreiber, der seine Arbeit im Nebenamt ausführte. Sehen Sie sich nicht ein wenig als Relikt vergangener Zeiten?
Ich hatte als Gemeindeschreiber nie einen schriftlichen Arbeitsvertrag und auch die Stellenprozente waren nicht festgelegt. Einzig der Lohn war fix. Es gab bei mir keine strikten Bürozeiten. So konnte es vorkommen, dass ich am Ostersonntag eine Identitätskarte ausstellte, weil jemand am Ostermontag in die Ferien fahren wollte. Gewisse Geschäfte wurden auch erledigt, wenn mich jemand auf dem Spaziergang antraf.
Die vergangenen fünf Jahre war ich als Lehrer pensioniert. Ich spürte, dass ich an meine Grenzen komme. Beides zusammen hätte ich wohl nicht mehr lange ausführen können.
Was hat Sie bewogen, das Amt als Gemeindeschreiber zu übernehmen?
Nachdem ich während acht Jahren in der Stadt Freiburg unterrichtet hatte, trat ich 1974 die Stelle als Lehrer in Brünisried an. Als mein Vorgänger German Julmy 1977 als 77-Jähriger seine 25 Amtsjahre erreicht hatte, fragte mich der damalige Ammann an, ob ich die Gemeindeschreiberei übernehmen wolle. Die Stelle wurde nicht ausgeschrieben.
1982 habe ich auch das Amt des Gemeindekassiers übernommen. Roger Mauron hatte die Gemeindekasse ebenfalls im Nebenamt verwaltet und war gleichzeitig Gemeinderat. Dieses Doppelmandat war nach dem neuen Gemeindegesetz, das 1982 in Kraft trat, nicht mehr möglich.
Wie konnten Sie die Doppelaufgabe als Lehrer und Gemeindeverwalter bewältigen?
Die Arbeitsbelastung war auszuhalten. Ich wohnte im Schulhaus und hatte keinen Arbeitsweg. Dadurch habe ich freie Zeit gewonnen. Die Gemeindeverwaltung war in einem kleinen Zimmer im Schulhaus untergebracht. Dieser Raum diente zugleich als Sitzungszimmer. Wichtig war für mich auch die Zusammenarbeit mit dem Oberamt und den anderen Gemeindeverwaltern. Ich konnte jederzeit mit ihrer Hilfe und Auskunft rechnen.
Was war der schwierigste Entscheid, den Sie protokollieren mussten?
In den vergangenen 30 Jahren gab es ein einziges Mal an einer Gemeindeversammlung – meiner ersten Gemeindeversammlung als Schreiber – eine geheime Abstimmung. Es ging damals um die Bewilligung an die Musikgesellschaft, auf Gemeindeland einen Pavillon aufzustellen. Wohl vor allem wegen befürchteter Lärmbelästigung wurde die Bewilligung abgelehnt.
Das grösste Projekt, das während meiner Amtszeit realisiert wurde, war der Bau des Mehrzweckgebäudes; eine Investition von rund drei Millionen Franken. Mit diesem Neubau erhielt Brünisried zweckmässige Räumlichkeiten für die Gemeindeverwaltung.
Fällt Ihnen der Abschied schwer?
Ich bin froh über die gewonnene Freizeit. In den vergangenen Jahren war ich eigentlich nie länger als zehn Tage weg von Brünisried.
Das Amt des Gemeindeschreibers habe ich immer als eine Bereicherung empfunden. Es tat gut, es neben den Schülern auch mit Erwachsenen zu tun zu haben.
In einem gewissen Sinn habe ich sicher für die Kontinuität in der Verwaltungsarbeit garantieren. Dies ist bei wechselnden Zusammensetzungen des Gemeinderates wichtig. Bei Sitzungen wurde ich oft gefragt, wie der Rat in ähnlichen Fällen entschieden hat.
Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung Brünisrieds? Wird es als eigenständige Gemeinde überleben können?
Jetzt zählt die Gemeinde erstmals über 600 Einwohner. Auch beim Wohnungsbau läuft einiges. Ich denke nicht, dass es leichter wäre, Gemeinderäte für die fusionierten Oberland-Gemeinden zu finden. Wenn die drei Gemeinden Plaffeien, Oberschrot und Zumholz fusionierten, würde natürlich auch der Druck auf Brünisried erhöht.