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Hergestellt von Japan Radio Co., Tokyo.
5 Jahre nach der Vorstellung des überaus erfolgreichen Stationsempfängers NRD-525 stellte die japanische Herstellerfirma JRC, welche sich im Amateurfunk- und Seefunkbereich einen hervorragenden Namen gemacht hat, mit dem NRD-535 einen Nachfolger vor, der als bedeutendste Neuerungen zum einen über eine stufenlose Bandbreitenregelung, zum andern über einen Synchrondemodulator zum ECSS-Empfang verfügte, vor. Hier bleibt anzumerken, dass vom Empfänger verschiedene Versionen existieren, nur der NRD-535DG (Europaversion) resp. 535D (US-Version, mit goldenem Schriftzug) ist von Haus aus mit der ECSS-Platine, der BWC-Platine und dem schmalen 1 kHz-ZF-Filter ausgestattet, in den frühen Geräten bis SerienNo. 56005 funktionierte die variable Bandweitenregelung BWC nur mit dem INTER-Filter im SSB-Betrieb.
Von seinen Abmessungen (33 x 13 x 28,7 cm, 9 kg) her gleicht der NRD-535 seinen Vorgängern, die anthrazit-graue Gehäusefarbe und die Aufteilung der Frontplatte mit dem Gasfluoreszenzdisplay hinter der rot-braunen Kunststoffabdeckung wurde ebenfalls beibehalten; mit weicheren Formen der Bedienelemente und abgerundeten Tasten wurde das Design auf die neunziger Jahre angepasst.
Der Empfänger kann im Stationsbetrieb mit 100 - 240 V Netzstrom oder alternativ mit 12 - 16 V Gleichspannung beispielsweise von einer Autobatterie gespiesen werden.
Unter einem Grill im oberen Gehäusedeckel findet sich ein Monitorlautsprecher, der immerhin zur Kontrolle dienen kann, ob das Radio wirklich „spielt“, zum ernsthaften Hören muss ein externer Lautsprecher angeschlossen werden. Neben dem NVA-88 (eigentlich zum NRD-525 gehörig) hat JRC den mit einem NF-Filter ausgestatteten kostspieligen NVA-319 Lautsprecher im Angebot.
Die Anordnung der Bedienelemente auf der Frontplatte wurde leichtgradig verändert. Der dreistufige Netzschalter mit einer Stellung zum Aktivieren des Timerbetriebs ist nach links versetzt worden, rechts unterhalb der Zahlentasten finden sich der Lautstärkeregler und die Tonblende. Die Zifferntasten zur direkten Frequenzeingabe sind unverändert an der Gerätevorderseite hochkant angeordnet, nach längerem Betrieb mit häufigen Frequenzeingaben riskiert man den typischen NRD- Handgelenkskrampf (die Zifferntasten des Drake R-8 sind weiter unten angeordnet, hier ändert sich lediglich der Charakter der Handgelenksschmerzen…). Die sechs Tasten oberhalb des Hauptabstimmknopfes ändern die Funktion der grossen UP/DOWN-Tasten. Je nach Einstellung, die von einer kleinen Leuchtdiode markiert wird, verändern diese Tasten die Frequenz, Bandbreite, AGC-Ansprechgeschwindigkeit, Abstimmschrittweite und -Geschwindigkeit, rufen die Speicher auf oder aktivieren den ECSS- Betrieb.
Sechs gewohnt griffige Drehregler links des grossen, auch bei diesem Empfänger angenehm leichtgängigen, Hauptabstimmknopfes dienen zu Einstellung der HF-Verstärkung (RF-Gain), des Notchfilters zur Ausblendung eines unerwünschten Störsignals, der Rauschsperre, des Passband-Tunings, der regelbaren Bandbreite (BWC) und der Aktivität des Störaustasters. JRC hat darauf reagiert, dass Fehlbedienungen von Neulingen im Kurzwellenempfang mit versehentlicher Verstellung dieser Regler teils den Empfang verunmöglichten, so wird die Aktivierung jeder Funktion im Display als Warnung mit einem kleinen rotleuchtenden Hinweis (ATT, PBS, NOTCH, etc.) angezeigt. Sehr zur Übersichtlichkeit trägt auch bei, dass auf Doppelpotis wie auch auf doppelte Funktionsbelegung dieser Drehregler verzichtet wurde. Sechs Tasten in einer leicht abgeschrägten Leiste unterhalb des Displays erlauben den direkten Zugriff auf die verschiedenen Betriebsarten. Über eine Doppelfunktion können mit den gleichen Tasten die weniger häufig benötigten Timer und Scanfunktionen und der Abschwächer aufgerufen werden. Etwas weniger Rücksicht auf die Kritik aus Hörerkreisen hat JRC bei der Gestaltung des Displays genommen, das S-Meter ist weiterhin als farbiger nervös auf- und abzuckender Balken ausgeführt, die grossen gut lesbaren Ziffern zeigen alternativ die Empfangsfrequenz auf 10 Hz genau, oder die Uhrzeit an, beides gleichzeitig ist nicht zu haben. Die Anzeige des Speicherplatzes ist wesentlich kleiner ausgefallen, noch kleiner die Marken für die aktivierte Betriebsart, Bandbreite, AGC-Geschwindigkeit und die Betriebszustände der oben erwähnten Sonderfunktionen. Immerhin kann davon ausgegangen werden, dass wenn auf einer unbenutzten Frequenz der S-Meter-Balken ganz links steht und keine rote Markierung aufleuchtet, sich der NRD-535 in einem normalem Betriebszustand befindet, das Grundrauschen sollte nun hörbar werden.
Die Rückseite gleicht der des NRD-525, lediglich die fehlenden VHF/UHF-Antennenanschlüsse und die Modellbezeichnung NRD-535 deuten darauf hin, hinter welchem Empfänger man sitzt. Der Antenneneingang ist von einer hochohmigen Langdrahtantenne auf einen Koax-Eingang umschaltbar.
Die RS-232-Computerschnittstelle ist beim NRD-535 serienmässig eingebaut, optional kann auch in diesen Empfänger die vom Vorgänger her bekannte RTTY-Decoderplatine zum Empfang von Funkfernschreibsendungen eingesteckt werden. Der Betrieb mit einem internen VHF/UHF- Konverter ist am NRD-535 allerdings nicht mehr möglich.
Im praktischen Einsatz zeichnet sich der NRD-535 durch seine mit den Vorgängern mindestens ebenbürtige hohe Eingangsempfindlichkeit im Kurzwellenbereich und Grossignalfestigkeit aus, das Auftreten von „Geisterstationen“ als Folge von internen Mischprodukten ist dank der automatischen Preselektion und der hochliegenden ersten ZF eine Rarität. Dank der hohen Empfindlichkeit bringt der NRD-535 auch an improvisierten Drahtantennen gute Empfangsresultate und muss zum andern nicht wegen Überladung an einer richtig langen Langdrahtantenne kapitulieren. Die Möglichkeiten, Störsignale zu eliminieren, sind dank Passbandtuning und regelbarer ZF-Bandbreite sehr gut, die Güte vor allem der breiteren ZF-Filter wurde in den frühen Geräten bemängelt. Die Beschneidung der Bandbreite durch die BWC erscheint mir nicht so steilflankig, in schmalen Stellungen wird der Ton gern muffliger als mit dem Collins R-390A in der 4- resp. 2 kHz-Bandbreite. Das NF-Rauschen wurde beim NRD-535 gegenüber dem Vorgänger erheblich reduziert, dass der Empfänger so ruhig ist, ist zum Beginn richtig gewöhnungsbedürftig. Der ECSS-Betrieb mit wählbarem Seitenband - in diesem automatisierten SSB-Modus wird ein im Empfänger generiertes Trägersignal der empfangenen Seitenbandinformation zugemischt, die Verständlichkeit nimmt als Folge dieses Manövers stark zu, da das Signal nicht mehr so stark mit dem Fading des Trägersignals schwankt - ist problemlos, die Schaltung rastet zuverlässig ein. Sie ist allerdings mit Vorsicht zu bedienen, wenn zusätzlich noch mit PBS und BWC am Signal herumgefeilt wird, wenn der Empfänger die Synchronisation verliert kommt es zu einem Aufheulen.
Der NRD-535 eignet sich gleichermassen zum RundfunkDX vor allem bei schwachen und durch Interferenzen beeinträchtigten Signalen wie auch hervorragend zum Empfang von CW- oder Funkfernschreibsignalen für den Utility-Dxer. Rasch nach seinem Erscheinen wurde der NRD-535 zum Referenzempfänger der meisten Tester geschlagen, bevor der Nachfolger NRD-545 und der Watkins Johnson HF-1000 mit der digitalen (DSP)-Signalverarbeitung die Bühne betraten. Wie immer nach Erscheinen des Nachfolgegerätes kann der NRD-535 als Gebrauchtgerät erworben mit einem sehr guten Preis- Leistungsverhältnis Empfänge der Spitzenklasse ermöglichen, es ist allerdings vor dem Ankauf eines gebrauchten NRD-535 darauf zu achten, ob das Gerät wirklich mit den gewünschten Optionen ausgestattet ist. Andernfalls gilt es entweder zu verzichten, kostspielig nachzurüsten (der Einbau der optionalen Platinen ist im Handbuch beschrieben) oder bzgl. des Preises zu „markten“.
Nachdem ich mir mit einigen Lötarbeiten ein entsprechendes serielles PC-Kabel zubereitet habe, nahm mein PC mit dem NRD-535 - als endlich die Pin-Belegung des Kabels stimmte - problemlos Kontakt auf. Mit den im Handbuch gut dokumentierten Steuersequenzen lässt sich der Empfänger mit einem Terminalprogramm ansprechen, ich setze zur Steuerung des Programm Smart NRD Control von Mark Fine ein, mit dem eine Station aus der Frequenzdatenbank auf Mausklick aus dem NRD ertönt. Die schöne Sache wird lediglich durch PC-bedingte HF-Störungen, die ganz schwache Signale beeinträchtigen können, etwas getrübt - zum richtigen DXen setze ich mich direkt an den Empfänger.
Das HF-Signal durchläuft zunächst ein 35 MHz-Tiefpassfilter und den schaltbaren 20dB-Abschwächer, dann wird vom elektronisch mitlaufenden Preselektor der Weg nur noch für Signale aus dem eingestellten Frequenzbereich geöffnet. Nach einer Verstärkerstufe erfolgt die Umsetzung auf die hohe erste Zwischenfrequenz von 70,455 MHz, nach weiterer Verstärkung auf die zweite ZF von 455 kHz. Auf dieser Ebene wirkt auch der Noise Blanker, der unerwünschte Knack- und Prasselstörungen eliminieren hilft. Nach den umschaltbaren ZF-Filtern kann die ZF-Bandbreite mit der Bandwidth control-Schaltung auf elektronischem Weg reduziert werden, bei Einsatz des Inter-Filters immerhin von 2,4 auf 0,5 kHz. Nach einer erneuten Umsetzung auf die dritte Zwischenfrequenz von 97 kHz - hier wirken das HF-Notchfilter um störende Pfeiftöne von benachbarten Trägersignalen auszublenden, das Passbandtuning, um die Filterdurchlasskurve zu verschieben und so einem störenden Nachbarkanalsender den Garaus zu machen, und der Synchrondetektor zum automatischen ECSS-Empfang - wird das so mehrfach bereinigte Signal demoduliert, und je nach Einstellung der Rauschsperre (Squelch) dem Lautsprecher und dem Ohr des geneigten Hörers zugeführt. Auf der Prozessorplatine geschieht die Speicherverwaltung und die Steuerung der Anzeige, die Oszillatorfrequenzen werden von einem sehr rauscharmen DDS-PLL- Synthesizer mit einer Genauigkeit von 1Hz (in einem Abstimmbereich von 30 MHz) aufbereitet.
Das Gerät ist halbleiterbestückt.