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Wichtige geschichtliche Angaben zu Bad Zurzach

Topografische Gegebenheiten|
Der historische Kern von Bad Zurzach liegt auf einer Möränenterrasse zwischen Rhein und Jura-Ausläufer. Die mittelalterliche Siedlung entwickelte sich entlang einer wohl schon seit Urzeiten benützten Route, die vom Mittelland ins Donaugebiet führte und von den Römern zu einer Heeresstrasse ausgebaut wurde.
Urgeschichte
Funde aus der Jungsteinzeit, der Bronze- und Eisenzeit lassen auf menschliche Ansiedlung in vorrömischer Zeit schliessen. Dafür spricht auch der vermutlich keltische Ortsname Tenedo, der in römischer Zeit noch in Gebrauch war. Eigentliche vorrömische Siedlungsspuren konnten bis heute jedoch nicht nachgewiesen werden.
Frühgeschichte, Zeit der Römer
Besser erforscht sind die Hinterlassenschaften der römischen Zeit. Dazu gehören u.A. zwei militärische Einrichtungen: ein frührömisches Militärlager aus der Eroberungsphase samt Zivilsiedlung des 1. Jh. beim sogenannten Schlosspark und ein spätrömisches Brückenkastell (Verteidigungswerk) des 4. Jh. auf Kirchlibuck und Sidelen.
Spätantike
Mehr zur heiligen Verena finden Sie hier: www.st-verena.ch
Frühmittelalter
Nach dem Abzug der römischen Truppen nach 401 stand das Kastell Kirchlibuck der verbliebenen Bevölkerung als Schutzbau zur Verfügung. Darin wurde im 5. Jh. eine Pfarrkirche mit Baptisterium errichtet.
Die Entdeckung des Verenagrabes im 5. Jh. bei den Gräbern an der römischen Strasse hat die Entwicklung des frühmittelalterlichen Zurzach entscheidend beeinflusst. Während die einsetzende Wallfahrt zum Verenagrab zunehmend an Bedeutung gewann, wurde der sichere Ort im Kastell aufgegeben und die Siedlung in die Nähe des Heiligengrabes verlegt. Auch die alte Kastellkirche wurde aufgegeben und eine neue Pfarrkirche neben dem Verenamünster erbaut.
Vom Wallfahrtsort zum Marktflecken
Wo sich alljährlich zahlreiche Pilger einfinden, sind auch gute Voraussetzungen für die Entwicklung als Marktort gegeben. Dank der beliebten Wallfahrt zum Verenagrab blühte das Dorf Zurzach zum bedeutendsten Marktflecken im Gebiet der heutigen Schweiz auf. Bis 1855 bildeten die Verena- und Pfingstmesse die Existenzgrundlage für Zurzach.
Aufkeimende Industrie
1872 kam die Rettung für die Zurzacher Bevölkerung: der Appenzeller Jakob Zuberbühler brachte mit seiner Stickereiunternehmung Arbeitsplätze in den ehemaligen Marktflecken. Innert kürzester Zeit wuchs das Unternehmen zu einem Glücksfall für die ganze Region heran. Junge Frauen und Männer fanden hier Ausbildungsplätze. Eine der Zuberbühler Fabriken ging später an die Firma Triumph Spiesshofer und Braun über. Seit 1983 hat die Weltholding des Konzerns Triumph International ihren Sitz in Bad Zurzach.
1907 siedelte sich in Zurzach ein weiteres Unternehmen an, die «Mechanische Bauschreinerei und Glaserei» sowie die «Korbwaren- und Rohrmöbelfabrik» von Franz Minet.
1914 wurde die Schweizerische Sodafabrik mit Sitz in Zurzach gegründet, die bis Ende der 1980er-Jahre ein wichtiger regionaler Arbeitgeber blieb. Die Bohrung nach Salz und weiteren Bodenschätzen führte 1914 zur Entdeckung der Thermalquelle. Doch besondere Umstände hatten die Nutzung dieser Entdeckung damals nicht ermöglicht.
Aus Zurzach wird Bad Zurzach
Die Tatsache, dass tief unter dem Zurzacher Boden eine nutzbringende Thermalquelle schlummert, liess einige Pioniergeister nicht mehr los. 1955 standen die nötigen Mittel zur Finanzierung einer Neu-Erbohrung der Quelle zur Verfügung, und am 5. September 1955 konnten die Initianten Dr. med. Martin Erb, Dr. jur. Walter Edelmann und Paul Weber die geglückte Wiedererbohrung der Quelle verkünden.
1957 wurde die Gemeinnützige Stiftung Zurzacher Kuranlagen gegründet (heute Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach+Baden). Die Rheuma- und Rehabilitationsklinik ist zweifellos das Hauptwerk der Stiftung. 1973 in Betrieb genommen, ist sie in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gewachsen und hat sich zu einer der führenden Spezialkliniken der Schweiz entwickelt. 1991 kam das Fortbildungszentrum für Physio- und Ergotherapie dazu, eine heute international renommierte Institution. 2003 schloss sich die Rehabilitationsklinik Bad Zurzach gemeinsam mit der Badener Rehabilitationsklinik Freihof und der Höhenklinik Braunwald zur «RehaClinic» zusammen.
2006 wurde der bisherige Ortsnamen Zurzach offiziell in Bad Zurzach geändert.
Museum
Besuchen Sie das Bezirksmuseum «Höfli»!
Hier können Sie vertieft erfahren, was auf dieser Seite nur summarisch gestreift wird.
Schwerpunkt der Ausstellung bilden ur- und frühgeschichtliche Funde aus dem ganzen Bezirk, vor allem aber solche von Tenedo, dem römischen Bad Zurzach. Hier erbrachten Ausgrabungen im Bereich der Umfahrungsstrasse zahlreiche neue Erkenntnisse über die Zeit, als sich römisches Militär in unserem Gebiet aufhielt. Sie können aber auch viele weitere Themenbereiche erkunden, beispielsweise die Heilige Verena, die Burgen im Zurzibiet oder die ehemaligen Zurzacher Messen.
Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Museums: www.museumzz.ch
Bildlegende: Zurzach, Vedute von Matthaeus Merian 1642.
Text Alfred Hidber, Mai 2016