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Fjodor Dostojewskijs 1867 erschienener Roman «Der Spieler» handelt von einer russischen Familie und den Gästen im fiktiven deutschen Kurort Roulettenburg. Der Ich-Erzähler Alexej Iwanowitsch ist bei einem verwitweten General als Lehrer für dessen beiden Kinder Mischa und Nadja angestellt. Alexej Iwanowitsch steht in einem komplizierten Verhältnis zu Paulina Alexandrowna, der Stieftochter des Generals: Er würde alles für sie tun und gesteht ihr offen seine Liebe. Sie weist ihn ab, doch scheinen ihr seine Liebesbekundungen und seine sklavenhafte Schwärmerei zu gefallen.
Der General ist verschuldet und hat sein Gut dem Franzosen Marquis de Grieux verpfändet. Mlle. Blanche de Cominges, eine 25jährige französische Adelige, die sich mit ihrer Mutter Madame veuve Cominges im Kurort aufhält, will den 55jährigen General heiraten, sobald er das Erbe seiner Grosstante Antonida Wasiljewna Tarasewitschewa antreten kann. De Grieux erhielte sein Pfandgeld zurück, der General könnte sein Gut behalten. Das sehnlich erwartete Telegramm, das den Tod der alten und kranken Grosstante ankündigen soll, bleibt jedoch aus. Mr. Astley, ein reicher und schüchterner Engländer, hat Gefallen an Paulina Alexandrowna gefunden. Mit de Grieux hat er einen zwar finanziell weniger gut gestellten, aber charmanteren Nebenbuhler.
Paulina Alexandrowna gibt Alexej Iwanowitsch Geld, das er beim Roulettespiel für sie vermehren soll. Als er mit dem Gewinn zurückkehrt, kündigt er an, künftig nur noch für sich selber zu spielen. Seinen Vorsatz bricht er jedoch schon bald, als Paulina ihm gesteht, das sie Schulden habe. Alexej Iwanowitsch verliert ihr Geld, bestreitet aber vor Paulinas Angehörigen, dass er für sie gespielt habe.
Auf einem Spaziergang fordert Paulina Alexej Iwanowitsch zu einer Dummheit heraus: Er nähert sich den Spaziergängern Baron und Baronin Würmerhelm und spricht die Dame an. Der Baron hält ihn für einen Verrückten und jagt ihn davon. Der General entlässt Alexej Iwanowitsch darauf aus seinen Diensten und kommt nicht länger für dessen Unterkunft auf. Er wolle im Falle eines weiteren Skandals nicht mit ihm in Verbindung gebracht werden können. Alexej Iwanowitsch möchte aber die Angelegenheit mit dem Baron selbständig aus der Welt schaffen und redet davon, den Baron zu einem Duell zu fordern. De Grieux kann Alexej Iwanowitsch im Auftrag des Generals von weiteren Schritten abhalten – zwar nicht mit seiner Überredungskunst, jedoch mit einen Brief von Paulina, worin sie ihn bittet, von weiteren Dummheiten abzusehen.
Mr. Astley klärt Alexej Iwanowitsch über die Verhältnisse auf: Mlle. Blanche sei schon vor einiger Zeit in Roulettenburg als die Frau eines italienischen Fürsten Barberini aufgetaucht und habe sich nach dessen plötzlichen Verschwinden Mlle. Selma genannt. Eine Madame veuve Cominges habe es damals nocht nicht gegeben. Auch de Grieux soll sich erst seit kurzem einen Marquis nennen. Mlle. Selma habe damals ihr ganzes Vermögen verspielt und den Baron Würmerhelm gebeten, für sie etwas Geld zu setzen. Als die Baronin davon erfuhr, erwirkte sie ein Hausverbot für Mlle. Selma. Inzwischen sei sie aber wieder zu Geld gelangt, und Mr. Astley hegt den Verdacht, dass der General und de Grieux sich bei ihr verschuldet hätten. Auch Paulina warte nur noch auf den Tod der Grosstante, da sie aus der Erbschaft eine Mitgift erhalten und de Grieux heiraten könnte.
Anstelle des ersehnten Telegramms trifft die Grosstante, die «Baboulenka», persönlich in Roulettenburg ein. Ihr sei es plötzlich besser gegangen und wolle auf der Kur vollständig genesen. Den General hat sie durchschaut: Die ständigen Telegramme mit der Frage nach ihrem Gesundheitszustand seien nicht aus Sorge, sondern aus Habgier verschickt worden. Sie lässt sich von Alexej Iwanowitsch zum Roulette begleiten, wo sie mit waghalsigen Einsätzen auf die Null zunächst mehrmals verliert, den Tisch aber bald mit einem stolzen Gewinn verlässt.
Der General, de Grieux und Mlle. Blanche haben vom leichtsinnigen Spiel der Baboulenka erfahren und machen sich Sorgen, sie könnte ihr ganzes Vermögen und somit die Erbschaft des Generals verspielen. Sie ersuchen Alexej Iwanowitsch um Hilfe. Er allein habe Einfluss auf die Baboulenka und solle sie von weiteren Spielen abhalten. Nach zwei äusserst verlustreichen Spielen – die Baboulenka hat ihr ganzes Barvermögen verspielt – entschliesst sie sich zur Abreise, nur um kurz darauf ihr Reisegeld und ihre Wertpapiere zu verspielen: Die Baboulenka ist ruiniert, das Erbe dahin. Mlle. Blanche wendet sich vom General ab und will ihn nicht einmal mehr kennen. Sie lässt sich fortan von einem kleinen Fürsten begleiten. Mr. Astley leiht der Baboulenka Geld für die Rückreise.
In einem Brief an Paulina kündigt de Grieux an, das verpfändete Gut des Generals verkaufen zu wollen. Aus Gnade wolle er ihm aber fünfzigtausend Franken erlassen, die Paulina aufgrund der leichtfertigen Handlungsweise ihres Stiefvaters gerichtlich von ihm einfordern solle. De Grieux verabschiedet sich; aus ihrer Ehe wird nichts. Alexej Iwanowitsch freut sich darüber, dass Paulina mit ihrem Anliegen zu ihm gekommen – und nicht zu Mr. Astley gegangen ist. Aus heiterem Himmel fasst er den Entschluss, sein restliches Geld im Roulette zu setzen. Nach einer lang anhaltenden Siegesserie hat er an zwei Roulettetischen die Bank gesprengt und an einem «Trente et quarante»-Tisch eine hohe Summe gewonnen: Er verlässt den Kursaal mit hunderttausend Gulden, präsentiert Paulina das Geld und gibt ihr fünfzigtausend Franken – Geld, das sie nun von de Grieux nicht mehr nötig habe. Doch sie schleudert ihm das Bündel Banknoten ins Gesicht.
Am nächsten Morgen ist Paulina verschwunden und versteckt sich bei Mr. Astley. Dieser wimmelt Alexej Iwanowitsch ab und prophezeit, dass er seinen Spielertrag in Paris verprassen werde. Tatsächlich gelingt es Mlle. Blanche Alexej Iwanowitsch zu überreden, mit ihr und ihrer Mutter nach Paris zu fahren. Dort verschwendet sie den ganzen Gewinn in wenigen Wochen für Kleidung, Schmuck, Wohnungseinrichtung und Soiréen, was Alexej Iwanowitsch mit Gleichmut erträgt. Mlle. Blanche lädt den General nach Paris ein und heiratet ihn. Zum Abschied gibt sie Alexej Iwanowitsch Geld fürs Roulette: Er soll mit dem Gewinn zu ihr zurückkehren.
Ein Jahr und acht Monate später rekapituliert Alexej Iwanowitsch das in der Zwischenzeit Geschehene. In den deutschen Kurorten hat er sein ganzes Geld verspielt und war sogar im Schuldengefängnis gelandet, woraus ihn ein Unbekannter durch die Anweisung einer hohen Geldsumme herausgeholt hat. Er diente als Sekretär und später als Lakai. In Homburg trifft er auf Mr. Astley, der ihm vom Schicksal der Seinigen erzählt: Der General sei an einem Schlaganfall gestorben, die Baboulenka lebe auch nicht mehr. Paulina habe er bei seiner Familie in England untergebracht. Er sei in ihrem Auftrag nach Homburg gekommen, um sich nach Alexej Iwanowitsch zu erkundigen, worüber dieser sich sehr freut: Paulina liebe ihn also wirklich! Zum Abschied überreicht Mr. Astley ihm einen kleinen Geldbetrag fürs Roulette. Danach wolle Alexej Iwanowitsch das Spielen lassen – endgültig, wieder einmal.
Fjodor M. Dostojewskij: Der Spieler, Düsseldorf: Artemis und Winkler (2001), ISBN-13: 978-3-538-06345-7