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Vom Kuriositätenkabinett der Anfänge zum Museumsnetzwerk der Gegenwart
Der Ursprung der Walliser Kantonsmuseen liegt in einer kleinen naturwissenschaftlichen Sammlung für Chemie und Physik. Der Geistliche Etienne Elaerts (1795-1853), Professor am Jesuitenkollegium Sitten, richtet ab 1829 eine Sammlung für die Studenten ein. Dieses Kuriositätenkabinett erhält schnell die Zustimmung und finanzielle Unterstützung von Stadt und Kanton und wird, obwohl für den Unterricht eingerichtet, bald darauf als Kantonsmuseum bezeichnet. Die Sammlung wird allmählich mit Gegenständen aus Archäologie, Geschichte und Regionalkultur ergänzt.
Im Jahr 1879 gründet der Walliser Grosse Rat eine neue Institution, und versucht damit, den zahlreichen Verkäufen von Objekten von kulturhistorischer Bedeutung aus dem Kanton, entgegenzuwirken. Das Kantonale historische Museum wird 1883 im Schloss Valeria untergebracht, welches damals renoviert wurde. Reich ausgestattet, dank der Dauerleihgabe zahlreicher Objekte des Domkapitels, den Eigentümern des Schlosses - darunter ein Ensemble prestigeträchtiger liturgischer Truhen aus dem 13. Jahrhundert - übernimmt das Kantonale historische Museum Valeria die Sammlung des alten Kantonsmuseums. Die naturwissenschaftlichen Sammlungen bleiben dem Kantonalen Kollegium unterstellt, unter dem Namen Naturhistorisches Museum.
1893 erhält die numismatische Sammlung eigene Räume und einen eigenen Status, die kantonale Münzsammlung entsteht. Dies ist der Startschuss für eine Verselbstständigung der verschiedenen Sammlungen, welche im interdisziplinären, kantonalen historischen Museum vereint sind. Das Wallis schliesst sich damit der Tendenz an, welche in Europa vorherrscht: ein Museum pro Sammlungstyp die ganzheitliche Darstellung des Kulturerbes tritt in den Hintergrund. Im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts erhalten drei Sammlungen ihre Autonomie. Zuerst ergänzt ein grosses Legat des Malers Raphy Dallèves 1947 die bestehende Kunstsammlung. Dies führt zur Eröffnung des kantonalen Kunstmuseums in Sitten, in den Räumen des Schlosses Majoria und des Viztumsschlosses. Im Jahre 1974 kommt es zur Gründung des militärhistorischen Museums im Schloss St. Maurice, welches Zeugnisse der Militärgeschichte im Wallis seit dem Eintritt in die Eidgenossenschaft 1815 aufbewahrt. 1976 führen schliesslich die bedeutenden archäologischen Entdeckungen am Petit-Chasseur zur Eröffnung des Kantonalen Museums für Archäologie. Ein bemerkenswertes Ensemble von anthropomorphen Stelen, welche kunstvoll graviert sind, ergänzt die alten Sammlungen. Schlussendlich wir das Kantonale naturhistorische Museum vom Kollegium Sitten gelöst und den fünf kantonalen Museen angegliedert.
Von den achtziger Jahren an, zählt das Wallis also 6 kantonale Museen unter der Leitung einer Direktion, eine Struktur, welche seit 1946 vorgezeichnet ist. In den letzten zwanzig Jahren des 20. Jahrhunderts wird dieses Modell mit zentralen Dienstleistungen versehen (Verwaltung, Logistik, Sicherheit). Die wissenschaftlichen Abteilungen und die Dokumentationsstellen werden professionalisiert. Die Institution Walliser Kantonsmuseen wird durch zahlreiche Ausstellungen und Veröffentlichungen bekannt.
2001, um die Rollen zu klären und eine übersichtliche Darstellung des Walliser Kulturerbes zu erhalten, wird die Organisation umgebaut und damit eine neue Walliser Museumslandschaft geschaffen. Die Sammlungen des Kantonalen Museums für Militärgeschichte, der Kantonalen Münzsammlung und des Kantonalen Museums für Archäologie werden in das Kantonale Museum für Geschichte integriert. In den frischrenovierten Räumen von Schloss Valeria, seit 2008 vollständig umgestaltet und unter dem neuen Namen Geschichtsmuseum Wallis, profiliert sich das Museum als interdisziplinäre Referenzinstitution für die Walliser Kulturgeschichte. Das Kunstmuseum, neu positioniert und gestaltet im Jahre 2007, trägt von nun an den Namen Kunstmuseum Wallis. Das Naturmuseum Wallis präsentiert sich seit 2013 an der Rue des châteaux mit einer neuen Szenographie, die die Beziehung des Menschen zur Umwelt thematisiert.
Gleichzeitig werden mit der Eröffnung eines gemeinsamen Ausstellungszentrums (2000) und der Schaffung eines kantonalen Sammlungszentrums (2005) im Bereich der Infrastruktur Synergien genutzt und die transversale Zusammenarbeit gefördert. Dazu kommt 2006 eine Stelle für Bildung und Vermittlung, welche das seit 1990 bestehende zentrale Dienstleistungsangebot ergänzt. Die professionelle Solidarität wird 2003 durch die Gründung des Museumsnetzes Wallis erhöht, um die wissenschaftliche Vormundschaft für Sammlungen und Objekte von kantonaler Bedeutung mit anderen Museen des Kantons zu teilen.