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Im Gegensatz zu seinem Namensvetter im antiken Griechenland hat Hercule Barfuss nicht zwölf, sondern nur eine einzige Arbeit zu bewältigen: das Leben.
Im Winter 1813 erblickt in einem Bordell in Königsberg ein grässlich verunstalteter Junge das Licht der Welt. Der Mutter (einer der Angestellten des Etablissements) ist nicht mehr zu helfen, aber das Kind lebt, jawohl, die kränkliche und taubstumme „Missgeburt“ (wie man damals sagt) lebt, scheinbar sämtlichen Naturgesetzen zum Trotz. Auf den Namen Hercule Barfuss getauft, wächst der Kleine im Freudenhaus auf und lernt, wegen seiner verkrüppelten Arme und Hände, viele Dinge mit den Füssen beziehungsweise den Zehen zu erledigen. Seine einzige Gefährtin ist Henriette, in der gleichen Nacht im gleichen Bordell zur Welt gekommen wie er. Hinter Hercules abstossendem Äusseren verbirgt sich eine einmalige Begabung: Er kann Gedanken lesen, die Gefühle und Empfindungen der Menschen erkennen, ja sogar (obwohl sonst stumm) in Gedanken mit den Leuten kommunizieren. Nach der Schliessung des Bordells verlieren sich die Kinder aus den Augen. Für Hercule beginnt eine Odyssee: Irrenhaus (wo er jahrelang angekettet dahinvegetiert), Kloster (wo er das Orgelspiel erlernt), Rom (wo ihn die Inquisition untersucht und, zwecks Vernichtung von Dämonen, am liebsten sofort töten würde). Zuflucht findet Hercule schliesslich im Wanderzirkus von Barnaby Wilson. Hier, unter lauter „Freaks“, fühlt er sich zum ersten Mal nicht mehr als Aussenseiter. Aber sein Leben ist trotzdem hart; die Leute erschrecken wegen Hercules Aussehen, verachten ihn wegen seines Andersseins, sind gleichzeitig fasziniert und abgestosssen von seinen übersinnlichen Fähigkeiten. Manche betrachten ihn als Wesen vom Himmel, andere als Ausgeburt der Hölle, doch kaum jemand sieht in ihm schlicht und einfach einen Menschen. Hercule wird nur von einer Motivation angetrieben, nämlich der, irgendwann seine Henriette wiederzufinden.
Der Verfasser des Romans Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe ist Carl-Johan Vallgren. Vergleiche zu ähnlichen Themen die Blogs vom 23. Juli 2019 und vom 24. Juli 2018.