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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

39. Vortrag
1.
[Forts. v. [S. 582] ] Die Worte unseres Herrn Jesu Christi, die er an die Juden richtete, dabei seine Sprache so beherrschend, daß die Blinden nicht sahen und die Gläubigen die Augen öffneten, diese heute aus dem Evangelium vorgelesenen Worte lauten: „Da sprachen die Juden: Wer bist Du?“ Weil der Herr vorher gesagt hatte: „Wenn ihr nicht glaubet, daß ich es bin, werdet ihr sterben in euren Sünden“, so sagten also darauf jene: „Wer bist Du?“ gleichsam wißbegierig, an wen sie glauben sollten, um nicht in ihrer Sünde zu sterben. Auf ihr Frage: „Wer bist Du?“ antwortete er und sprach: „Der Anfang, weil ich auch zu euch rede“. Wenn der Herr sich selbst für den Anfang erklärte, so kann man fragen, ob auch der Vater der Anfang sei. Denn wenn der Sohn, der einen Vater hat, der Anfang ist, um wieviel leichter ist als Anfang Gott der Vater zu erkennen, der zwar einen Sohn hat, dem er Vater ist, der aber niemand hat, von dem er ist? Denn der Sohn ist des Vaters Sohn, und der Vater natürlich des Sohnes Vater; aber der Sohn wird Gott von Gott genannt, der Sohn wird Licht vom Licht genannt; der Vater dagegen wird zwar Licht genannt, aber nicht von dem Lichte; der Vater wird Gott genannt, aber nicht von Gott. Wenn also Gott von Gott, das Licht vom Lichte „Anfang“ ist, um wieviel leichter wird als Anfang erkannt das Licht, von dem das Licht ist, und Gott, von dem Gott ist? Es erscheint also unpassend, Teuerste, daß wir den Sohn Anfang nennen und den Vater nicht Anfang nennen.