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Meistertrainer Arno Del Curto (58) erklärt, warum der HC Davos nach drei verlorenen Viertelfinals wieder Meister geworden ist und wie er nach dem Coup seine Ruhe finden will.
Gratulation, Arno Del Curto. Ist dieser 6. Titel der schönste für Sie?
Arno Del Curto: Nein. Jeder Titel ist für mich genau gleich (er gewann mit Davos auch 2002, 2005, 2007, 2009 und 2011 die Meisterschaft – die Red.)
Ach, kommen Sie. Diese Dramatik. Ausgerechnet Reto von Arx erzielt den
entscheidenden Treffer.
Ja und? Reto hat für uns schon so viele wichtige Tore erzielt.
Aber es ist doch immerhin der überraschendste Titel.
Nein, nein. Ich habe es doch soeben gesagt. Jeder Titel ist für mich genau gleich. Wenn ich jetzt sage, diese Meisterschaft sei die schönste, dann rede ich ja gegen Josef Marha oder Joe Thornton oder Rick Nash oder Jonas Hiller oder Sandro Rizzi und alle die anderen, die mit uns schon Meister geworden sind.
Aber es ist der Titel, an dem Sie als Trainer den grössten Anteil haben.
Sicher nicht. Für jede Meisterschaft mussten wir alle hart arbeiten und wir alle müssen immer und immer wieder lernen. Ja, sogar der grosse Joe Thornton. Ich erinnere mich, wie wir damals 2005 im Viertelfinale gegen die Lakers 0:1 zurücklagen und Joe ganz aufgeregt zu mir kam und verlangte, man müsse jetzt sofort auf zwei Linien umstellen.
Setzen Sie sich jetzt, da Reto von Arx den entscheidenden Treffer erzielt hat,
für einen Vertragsverlängerung ein?
So, und was wird die nächste Frage sein?
Eine fachliche. Aber vorerst bitte ich Sie um eine Antwort auf die Frage: Wie
weiter mit Reto von Arx.
Ich nehme für mich jetzt das Recht heraus, erst zu feiern und gar nicht erst auf diese Frage einzugehen. Ich kann doch jetzt nicht sagen, was sein wird.
Werden Sie jetzt Ihren Vertrag beim HC Davos verlängern?
Ich nehme für mich jetzt das Recht heraus, erst zu feiern und gar nicht erst auf diese Frage einzugehen. Sie können mich gerade so gut fragen, ob ich als US-Vizepräsident neben Hillary Clinton kandidieren werde. Das kann ich genau so wenig beantworten, da ich ja erst noch nach Amerika zu einer Besprechung fliegen müsste.
Sie bleiben also?
Die nächste Frage, bitte.
Gut, gut. Wir wollen Sie nicht plagen. Also fahren wir mit einer ganz fachlichen Frage fort: Wann haben Sie in dieser Serie gespürt, dass es reichen könnte?
Nach dem zweiten Spiel, als wir auf die 0:3-Niederlage in Zürich reagieren konnten. Wir trainierten am nächsten Tag etwa 20 Minuten lang und ein paar Spieler sagten mir, jetzt hätten sie wieder Beine. Da wurde mir klar, dass die längere Pause vor dem Finale uns doch etwas aus dem Rhythmus gebracht hatte und dass wir dazu in der Lage sein würden, zu reagieren.
Gab es bereits früher in der Saison einen Punkt, am dem Sie realisierten, dass dies eine Meistermannschaft werden könnte?
Ja. Nach drei oder vier Spielen sah ich, dass das, was wir aufbauen, auch funktionieren kann. Nein, nein, falsch. Vorher schon, Anfang August in einem Vorbereitungsspiel gegen St.Petersburg. Wir verloren zwar hoch (1:6 – die Red.), aber wir spielten phasenweise auf Augenhöhe und unserem ersten Block gelangen unglaublich gute Spielzüge. Da wurde mir klar: Wenn wir so wie in den besten Phasen dieses Spiels in der Meisterschaft spielen können, dann ist alles möglich. Wir sind dann während der Saison zwischendurch etwas aus dem Tritt geraten. Wir haben oft unser Spiel nicht durchgezogen und sind passiv geworden. Nicht, weil wir das wollten, sondern weil wir erst wieder lernen mussten wie es ist, ein paar Spiele hintereinander zu gewinnen. Siegen kann man lernen. Verlieren übrigens auch.
Was ist die entscheidende Differenz zur Mannschaft des Vorjahres?
Wir sind ausgeglichener geworden. Wir haben wieder vier Blöcke.
Und Leonardo Genoni war Weltklasse. Wie haben Sie ihn dazu gebracht, wieder sein bestes Hockey zu zeigen?
Das machte unser Torhütertrainer (Marcel Kull – die Red.)
Sie haben vor der Saison noch davon gesprochen, das Ziel sei die Playoff-Qualifikation …
Ja, ja, das gehört halt dazu. Wenn Sie mich vor der neuen Saison wieder fragen, werde ich vielleicht sagen, es werde schwierig, den 11. Platz zu erreichen.
Aber die Steigerung ist schon bemerkenswert. Dreimal hintereinander die Viertelfinals verloren und jetzt Meister.
Wir brauchten diesen Rückschlag für den Neuaufbau. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder fällt man auf die Schnauze und muss wieder aufstehen und von vorne anfangen wie wir–- oder man kauft laufend die besten Spieler. Wobei das sehr oft ja auch nicht funktioniert.
Sie haben mit Félicien Du Bois einen der besten Spieler geholt und einen Königstransfer gemacht. Waren Sie, als Sie ihn holten, sicher, dass er eine so wichtige Rolle spielen kann?
Ja, absolut, von der ersten Sekunde an. Er spielt in unserer Mannschaft eine zentrale Rolle. Wenn Sie so wollen, ist er ein entscheidendes Teilchen zum Meistermosaik. Er bringt uns in der Verteidigung Ruhe und hat einen grossen Anteil daran, dass sich unsere jungen Verteidiger so gut entwickeln. Ich mag ihm den Titel so sehr gönnen.
Wie geht es jetzt weiter?
Jetzt muss ich mich auf die Siegerparty konzentrieren und vorbereiten.
Sie müssen sich konzentrieren und vorbereiten? Sie haben ja schon fünf Titel gefeiert.
Ja, das muss ich. Die letzte Meisterfeier ist schon so lange her, ich weiss gar nicht mehr wie das geht.