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Über die Zeit, nachdem die jungen Schleiereulen das elterliche Nest verlassen haben, war bislang wenig bekannt, obwohl dies eine kritische Phase im Leben ist und viele kurz nach dem Ausfliegen sterben. Um zu untersuchen, welche Habitatstrukturen das Überleben während der Zeit der ersten Jagdversuche und der Abwanderung begünstigen, haben wir junge Schleiereulen vor ihrem ersten Ausflug mit kleinen Sendern ausgestattet. Zusätzlich haben wir vor den Nistkästen eine Sitzwarte mit integrierter Waage und einem Chip-Identifikationssystem befestigt. Die Schleiereulen wurden mit einem Plastikring mit eingebautem Chip ausgestattet, so dass jedes Mal, wenn sie sich auf die Sitzwarte vor dem Nistkasten setzen, ihr Chip und ihr Gewicht registriert wurden.
Die Kombination dieser neuen Technik mit Senderdaten hat einige neue Erkenntnisse erbracht: Junge Schleiereulen fliegen durchschnittlich im Alter von 62 Tagen zum ersten Mal aus, wobei das stark von den Umweltbedingungen abhängt. Ist das Nahrungsangebot rund um den Nistkasten reichhaltig, fliegen die Jungen später aus und sind auch körperlich weiterentwickelt. Dies wiederum erhöht ihre Überlebenschancen nach dem Ausfliegen. Dann müssen die jungen Schleiereulen das Jagen erlernen. Bis sie etwa 75 Tage alt sind, kehren sie jedoch immer wieder zum Nistkasten zurück, wo sie noch gelegentlich von den Eltern gefüttert werden, bis sie schliesslich selbständig werden. In dieser Phase sind die jungen Eulen auf ein gutes Nahrungsangebot in der Nähe des Nistkastens angewiesen.
Je mehr Nahrung sie dort finden, desto früher werden sie von den Eltern unabhängig und können sich selbst versorgen. Auch die Umgebung spielt eine Rolle: Je mehr Biodiversitätsförderflächen in der Umgebung des Nistkastens vorhanden sind, umso später und in besserer körperlicher Verfassung verlassen die jungen Schleiereulen schliesslich das elterliche Revier. Dies hat weitreichende Konsequenzen: Je mehr Energiereserven sie beim Verlassen des elterlichen Reviers haben, desto höher sind ihre Überlebenschancen.
All diese Erkenntnisse zeigen, dass die Schleiereule eine reich strukturreiche Landschaft braucht, in der sie einerseits das ganze Jahr über ausreichend Nahrung findet, andererseits viele Ansitzwarten zum Jagen. Dies ist nur möglich, wenn wir in der intensiv genutzten Landschaft weiterhin Biodiversitätsförderflächen wie Buntbrachen, mehrjährige Ackerschonstreifen, sowie Hecken und Biotopbäume fördern.