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Ach die Franzosen! Laben sich an ihren Croissants, essen fettreiche Mahlzeiten, rauchen, und trinken Wein. Trotzdem fanden Forscher in den 1990er-Jahren heraus, dass unsere Nachbarn weniger oft an Herzinfarkten starben als Menschen in vergleichbaren Industrienationen.
Als «Französisches Paradoxon» bezeichneten die Forscher diesen Fakt fortan. Als Grund nahm man den hohen Rotweinkonsum der Grande Nation an.
Dieser Schluss lag nahe, denn Wein enthält Resveratrol, ein Stoff, dem eine herzschützende Wirkung nachgesagt wird. Resveratrol versteckt sich unter anderem in Beeren, Pflaumen, Erdnüssen und eben Weintrauben – insbesondere in deren Schalen. Da Weisswein ohne Schalen hergestellt wird, enthält Rotwein rund zwanzig Mal mehr Resveratrol als Weisser.
Massvoller Weingenuss galt daher lange Zeit als gesund. Allerdings weisen neuere Studien darauf hin, dass es keineswegs erwiesen ist, dass die tiefere Herzinfarktrate der Franzosen mit deren Weinkonsum zusammenhänge. Möglich ist auch, dass die mediterrane Ernährung einen Einfluss hat. Andere Analysen zeigten, dass die Wirkung von Resveratrol wohl überschätzt wurde. Denn auch der – sehr moderate – Genuss von anderen alkoholischen Getränken senkte das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.
Am Kardiologenkongress von 2008 in München kamen die anwesenden Experten zur Überzeugung, dass ein massvoller Weingenuss das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 30 Prozent reduzieren würde. Sie mussten aber einräumen, dass das Resultat auch deswegen so positiv ausgefallen sei, weil massvolle Weintrinker oft generell einen gesünderen Lebensstil hätten.
Diese These unterstützt die tschechische Studie «In Vino Veritas», die 2014 vorgestellt wurde. Regelmässiger, moderater Konsum von Rot- oder Weisswein würde das Risiko, an Arterienverkalkung zu erkranken, nicht verringern. Ein moderater Weingenuss habe nur dann eine positive Wirkung auf die Herzgesundheit, wenn die Probanden mindestens zweimal pro Woche Sport trieben.
So umstritten die positive Wirkung gewisser Inhaltsstoffe von Wein ist – so unbestritten ist die negative Wirkung von Alkohol. Ein Stoff, der erwiesenermassen abhängig macht, den Körper schädigt und die Zellstrukturen angreift. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) propagiert in seinen aktuellen Ernährungsempfehlungen deshalb einen mässigen Alkoholgenuss von 10 bis 20 Gramm Alkohol pro Tag. Dies entspricht etwa 1 bis 2 Deziliter Wein. Allerdings sollte dieser Wert laut BAG nicht als Empfehlung zum täglichen Alkoholkonsum missverstanden, sondern als Richtwert für eine maximale Zufuhr betrachtet werden. Denn die mit einem moderaten Konsum verbundenen allfälligen positiven Aspekte würden durch die gesundheitlichen Risiken übertroffen.
Doch was eigentlich fast wichtiger ist als die Frage nach gesund oder ungesund: Ein Gläschen Rotwein in Ehren bedeutet für viele Menschen auch einfach ein Stück Genuss und Lebensqualität. Und solche Glücksmomente sind es doch, die – falls nicht dem Körper – so zumindest der Seele guttun.