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Dritter Artikel. Gott und die Verblendung oder Verhärtung.
a) Gott verursacht nicht die Verblendung und Verhärtung.Denn: I. Augustin (83 Qq. 3.) sagt, Gott mache es nicht, daß der Mensch schlechter wird; was der Fall ist, wenn er blind und verhärtet wird. II. Fulgentius (de dupl. praedest. ad Maximum 19.) schreibt: „Gott ist nicht der Rächer dessen, was Er gemacht hat.“ Gott aber ist der Rächer des verhärteten Herzens nach Ekkli. 3.: „Das harte Herz wird es schlimm haben am letzten Tage.“ Also macht Er nicht die Verhärtung des Herzens. III. Die nämliche Wirkung wird nicht zugleich zwei entgegengesetzten Ursachen zugeschrieben. Sap. 2. aber nennt als Ursache der Herzensverhärtung die Bosheit: „Geblendet hat sie ihre eigene Bosheit;“ und 2. Kor. 5. nennt den Teufel: „Verblendet hat die Seelen der Ungläubigen der Teufel.“ Also Gott ist nicht Ursache der Verhärtung. Auf der anderen Seite heißt es Isai. 6.: „Verblende das Herz dieses Volkes und beschwere ihre Ohren;“ und Röm. 9.: „Er erbarmt sich, wessen Er will; und Er verhärtet, wen Er will.“
b) Ich antworte, Verblendung und Verhärtung schließen zweierlei ein: Das Erste ist die Thätigkeit oder Bewegung der Seele, insoweit sie dem Übel anhängt und vom göttlichen Lichte entfernt ist; — und davon ist Gott nicht die Ursache, wie Er auch nicht die Ursache der Sünde ist. Das Zweite ist die Entziehung der Gnade, woraus folgt, daß der Mensch nicht von Gott her erleuchtet wird, um recht zu sehen; und daß sein Herz nicht erweicht wird, um recht zu leben; — mit Rücksicht darauf ist Gott die Ursache der Verblendung und Verhärtung. Dabei ist zu erwägen, daß Gott die allumfassende Ursache ist für die Erleuchtung der Seelen nach Joh. 1.: „Er war das wahre Licht, welches erleuchtet jeden Menschen, der zur Welt kommt;“ wie die Sonne die allumfassende Ursache für die Beleuchtung der Körper ist. Jedoch besteht da Verschiedenheit. Denn die Sonne beleuchtet auf Grund natürlicher Notwendigkeit; Gott aber erleuchtet kraft seines freien Willens gemäß der Ordnung seiner Weisheit. Die Sonne, soweit es an ihr ist, beleuchtet zudem alle Körper und findet sie für ihr Licht ein Hindernis in einem Körper, so läßt sie diesen im Dunkel; so z. B. wenn man die Fenster eines Hauses schließt. Von diesem Dunkelbleiben aber ist die Sonne in keiner Weise die Ursache. Denn nicht von ihrem Urteile hängt es ab, daß das Licht nicht hineindringt; die Ursache davon ist jener, der das Fenster geschlossen hat. Gott aber läßt auf Grund eigenen Urteils das Licht der Gnade nicht dahineinleuchten, worin Er ein Hindernis findet. Und sonach ist die Ursache der Entziehung des Lichtes nicht nur jener, welcher der Gnade ein Hindernis entgegensetzt; sondern auch Gott, der nach seinem weisen Ratschlüsse die Gnade nicht verleiht. Demgemäß also ist Gott Ursache der Verblendung, der Beschwerung der Ohren, der Verhärtung des Herzens. Es wird dies aber unterschieden gemäß den verschiedenen Wirkungen der Gnade, welche sowohl durch die Gabe der Weisheit die Vernunft erleuchtet als auch durch das Feuer der heiligen Liebe das Herz erweicht. Und weil zu der vernünftigen Erkenntnis in hohem Grade zwei Sinne dienen, das Ohr und das Auge, wovon der letztere dem Finden dient, der erstere dem Unterrichte, so werden da unterschieden: Verblendung und Beschwerung; während mit Rücksicht auf die Hinneigung gesetzt ist: Verhärtung des Herzens.
c)I. Verblendung und Verhärtung sind von seiten der Entziehung der Gnade gewisse Strafen; und soweit also wird der Mensch nicht schlechter. Vielmehr schlechter gemacht durch eigene Schuld wird er in dieser Weise gestraft. II. Um die Schuld handelt es sich nicht, soweit die Verursachung von seiten Gottes in Frage kommt. III. Die Bosheit verdient die Verblendung etc., wie die Schuld die Strafe verdient; und so ist auch der Teufel Ursache der Verblendung und Verhärtung, weil er zur Schuld antreibt.