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Mit dem Hauptdurchschlag des Gotthard-Basistunnels und den laufenden Bauarbeiten am Ceneri-Basistunnel stellt sich die Frage, ob überhaupt weitere Bahnausbauten erforderlich sind und gegebenenfalls welche. Die Frage soll mittels vier Thesen beantwortet werden.
These 1: Der Ablauf des Planungsprozesses und situative Zufälligkeiten führten zu vorab finanziell begründeten Reduktionen des NEAT-Ausbauprogrammes. Die NEAT gemäss Alpentransit-Beschluss wird faktisch nur in Teilen realisiert.
These 2: Die Projektreduktionen betrafen betrieblich sensible Streckenabschnitte, welche für die Kapazität limitierend sind. Infolge dessen kann die Leistungsfähigkeit der NEAT auf absehbare Zeit gar nicht ausgeschöpft werden.
These 3: Die NEAT allein wird die ursprünglichen verkehrspolitischen Erwartungen nicht erfüllen können. Dazu ist zunächst international eine ökologischer orientierte Verkehrspolitik nötig. In der Schweiz sind aber auch die Nord-Süd-Korridore konsequenter auszubauen.
These 4: Die Schweiz entwickelt sich langfristig primär in den Metropolitanräumen Léman, Zürich und Basel. Das schweizerische Bahnnetz ist mittels einer markanten Beschleunigung der Ost-West-Achse darauf auszurichten.
Für die Netzentwicklung bedeutet dies:
1. In Ost-West-Richtung ist ein Hochgeschwindigkeits-Y zwischen St. Gallen und Genève respektive Olten und Basel zu realisieren. Dieses soll die Reisezeiten um mindestens eine Stunde verkürzen.
2. Die Nord-Süd-Achse ist für eine höhere Kapazität und Flexibilität im Güterverkehr auszubauen. Auf weitere Geschwindigkeitssteigerungen ist zu verzichten, da sie nie eine relevante Rolle im Personentransit spielen wird.
Durch diesen Paradigmenwechsel lassen sich die Transitgüterachsen kostengünstiger und raumverträglicher stärken als bisher geplant. Dies setzt die Mittel frei, um das Bahnnetz zeitgerecht für die neue Raumnutzungsstruktur der Schweiz zu ertüchtigen.