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Vom Wochenmarkt zum Warenhaus: das Konsumverhalten der Schweizer Bürger änderte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf dem Land und in der Stadt grundlegend.
Der wöchentliche Gang zum Markt gehörte für viele Hausfrauen zur Gewohnheit. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in der Schweiz gegen 600 Waren- und Viehmärkte, wo Kunden von Gemüse über Brot, Blumen, Nutztiere und Geschirr bis hin zu Hosenträgern fast alles relativ günstig ergattern konnten. Unter anderem wegen des neu aufkommenden Verkehrs, dem viele Marktstände weichen mussten, und weil sich die Konsumgewohnheiten um die Jahrhundertwende wesentlich änderten, verlor der Wochenmarkt jedoch nach und nach an Bedeutung.
Die Warenhäuser kommen ins Spiel
In den Städten traten vermehrt spezialisierte Branchengeschäfte auf, die den Wochenmarkt konkurrenzierten. Um 1900 entstanden in der Schweiz die ersten Warenhäuser. Ursprünglich ein Modegeschäft, öffnete 1899 die «Jelmoli AG» in Zürich als Kaufhaus seine Türen. Die «Magazine zum Globus AG» nahm 1908 und 1909 in Basel, St. Gallen und Chur ihre ersten Filialen in Betrieb. Und in Bern wurde aus dem Verkäufer für Strickwolle «Gebrüder Loeb AG» ein Warenhaus mit Papeterieartikel, Parfümerie, Textil- und Spielwaren sowie Haushaltsgegenständen.
Die neuen Warenhäuser konnten viele Produkte günstiger anbieten als Fachgeschäfte und warben mit Inseraten, Prospekten und Katalogen für ihr Sortiment. Kleinhändler versuchten sich vergeblich gegen diese Entwicklung zur Wehr zu setzen.
Konsumvereine
In ländlichen Gebieten der Schweiz war um die Jahrhundertwende der «Krämerladen» typisch. Von seinem breiten Sortiment waren nur wenige Lebensmittel fertig abgepackt, das meiste wurde offen angeboten und beim Kauf abgewogen. Nicht selten wurde jedoch beim Wägen betrogen oder schlechte Lebensmittel verkauft. So festigte sich auch in der Schweiz bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die in Grossbritannien entstandene Idee der Konsumentengenossenschaften. Arbeiter, Angestellte und Bauern schlossen sich zusammen, um sich gegen die unehrlichen Krämer zu wehren. Es entstanden Konsumvereine, die unter anderem eine ehrliche Geldpolitik mittels Barzahlung und den Verkauf von nicht manipulierten Lebensmitteln förderten.