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Im Rahmen der Ausstellung der Autographen-Sammlung Karl Geigy-Hagenbach wurde ein Transkriptionsworkshop durchgeführt. Im Plenum versuchten die Teilnehmenden den Brief des Basler Isaak Iselin an den Verleger Friedrich Nicolai zu entziffern. Mit dem Herausfinden einzelner Worte liess sich allmählich einen Satz bilden, der dem ersten Abschnitt dieses Briefes zu entnehmen ist.
«Ich sollte freylich mehr als eine Einwendung gegen das Ansugen zu machen haben[…]. Ich bin mehr als überzeuget, dass mein Bildnis das Liebhaben der Gelehrtenheit ganz gleichgilitg sein soll […].»
Damit für das Transkribieren ein Brief ausgewählt werden kann, muss ein geeignetes Schreiben im Autographen-Katalog herausgesucht werden. Prof. Dr. Dieter Martin, der gemeinsam mit Dr. Maximilian Bach den Workshop leitete, machte die Teilnehmenden mit den Recherchefunktionen auf der Webseite der Ausstellung vertraut.
Mit den Suchfiltern «Entstehungsdatum» (1700-1800), «Sprache» (Deutsch) und dem «Entstehungsort» Basel lieferte die Suchmaschine den Brief von Isaak Iselin vom Februar 1767 als Resultat.
Folgt man dem Link im Rechercheergebnis gelangt man zum Katalogeintrag des Briefes. Dieser wurde hochauflösend digitalisiert und lässt sich nun direkt am Computerbildschirm ansehen.
Sauber und ordentlich wurden die Worte niedergeschrieben. Das Lesen des Briefes bereitete den Teilnehmenden trotzdem einige Mühe. Der Text ist in der Deutschen Kurrentschrift abgefasst. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Kurrent die Handschrift, die im deutschsprachigen Raum an den Schulen gelehrt wurde. Die Kenntnisse und das Entziffern dieser Schrift ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Gerade in Archiven, historischen Sammlungen und Museen liegen Dokumente, die bis anhin noch nicht von Fachpersonen transkribiert und für die Allgemeinheit zugänglich gemacht worden sind. Sinn und Zweck der Transkriptionsübung war es nun, diesem Brief von 1767 sein Geheimnis zu entlocken.
Dem Katalogeintrag ist zu entnehmen, dass bereits jemand mit der Transkription begonnen hat.
Möchte man nun selber den Text weiter transkribieren und für die Interessierten digital zur Verfügung stellen, folgt man dem Link auf e-manuscripta. Auf dieser Online-Plattform lassen sich Handschriften, Bilder und Landkarten aus Schweizer Bibliotheken und Archive als Digitalisate ansehen. Das Kooperationsprojekt, das von der Zentralbibliothek und der ETH Zürich und der Universitätsbibliothek Basel getragen wird, lädt Privatpersonen dazu ein, sich bei der Transkription der digitalisierten Handschriften und Briefen zu beteiligen. Gerade in historischen und gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen ist kooperatives Mitwirken durch Freiwillige wie beim Crowdsourcing oder beim Citizen Science fester Bestandteil in der Forschung geworden.
«Ich bellte fonglich mal eine Eindbandung gegen den Anfuge zu mage sage […]» Obwohl der Text, der die Texterkennungssoftware der Community «Transkribus» ausspuckt, wenig Sinn ergibt, staunen die Teilnehmenden der Transkriptionsübung nicht schlecht. Eigentlich arbeitet die Software mit «optical character regognition» (OCR) und war bis anhin nur mit den Schriftzeichen von maschinellen Schriften vertraut. Unterdessen mussten viele Freiwillige im Hintergrund der Software beigebracht haben, Handschriften zu lesen. In dem sie der Software das Schriftbild und den transkribierten Text zur Verfügung stellen, kann sie aus dem Schriftbild lernen und Vergleiche aus weiteren Handschriften heranziehen. Die Fähigkeiten der Texterkennungssoftware sind dennoch limitiert. Jede neue Handschrift hat ihre Eigenheiten, die der Software unbekannt sind. Solange sie keine kontextuellen Bezüge innerhalb eines Textes versteht, wird sie kaum fehlerfrei transkribieren können.
Sie möchten nun wissen, was es mit dem Bildnis auf sich hat, das Isaak Iselin in seinem Brief an Friedrich Nicolai erwähnt hatte? Helfen Sie mit beim Transkribieren in dem Sie sich unter diesem Link anmelden. Entdecken Sie weitere Berichte und Texte, deren älteste Vertreter aus dem 14. Jahrhundert stammen.