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Quelle: PilatusToday/Andreas Wolf
«Jeden Morgen um 7 Uhr treten die Kinder zur «Assembly» an, der offiziellen Versammlung, und reihen sich nach Klassenstufe ein. An der Riverside-Schule in Nkurenkuru wird von der 1. bis zur 7. Klasse unterrichtet, pro Stufe gibt es eine Klasse. Sobald alle Schülerinnen und Schüler in Reih und Glied stehen, beginnen sie zu singen. Die Direktorin singt und klatscht vor, die Kinder singen und tanzen nach. Anschliessend wird eine Stelle aus der Bibel vorgelesen und die Direktorin informiert über wichtige Neuigkeiten. Nach der offiziellen Assembly suchen alle Kinder ihre Klassenzimmer auf.»
So beschreibt Anna Hartmann, die für die Organisation Comundo im Norden Namibias tätig ist, ihre Eindrücke des ersten Schultags an der Schule «Riverside Christian Academy».
Schule weit weg von der Familie
Nach den langen Sommerferien – in Namibia sind diese, wenn bei uns Winter herrscht – kehren die Kinder von ihren Familien und ihrem Zuhause zurück in ihre Schulen. Da viele Dörfer abgelegen sind und der Transport teuer ist, leben die Kinder während der Schulzeit in sogenannten «Hostels», in denen Mädchen und Jungs getrennt in grossen Schlafsälen mit Kajütenbetten untergebracht sind.
«In der 10-Uhr-Pause fragte ich die Schülerinnen und Schüler, was sie mal werden wollen und warum die Schule für sie wichtig ist. Liina, das einzige Mädchen in der 7. Klasse, will Ärztin werden, wenn sie gross ist, und eine Drittklässlerin Wissenschaftlerin. Ein Junge meinte: «Schule ist wichtig, damit wir später nicht auf der Strasse leben müssen». Der Austausch mit den Kindern war sehr bereichernd. Sie fragten mich: «Wie kalt ist Schnee?» und «Wie weit weg ist die Schweiz von Namibia?» oder «Sind deine hellbraunen Haare wirklich echt?».»
Privatschulen können sich nicht alle leisten
Die Riverside-Schule, die Hartmann besucht hat, ist eine Privatschule. Die Lehrpersonen sind gut ausgebildet, die Klassen klein und es ist genügend Schulmaterial vorhanden. «Wer es sich in Namibia leisten kann, schickt sein Kind auf eine private Schule. Die grosse Mehrheit der namibischen Bevölkerung kann aber die Schulgebühren für eine Privatschule nicht aufbringen,» erklärt die 34-jährige Krienserin, die im Bildungsdirektorat von Kavango-West arbeitet.
Anders sieht es jedoch an staatlichen Schulen aus. Obwohl in Namibia die Rahmenbedingungen für eine gute Schulbildung in öffentlichen Schulen gegeben und im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern sehr fortschrittlich sind, hapert es teilweise bei der konkreten Umsetzung, wie Hartmann sagt. Zwar ist die Primar- und Sekundarschulbildung für alle Kinder und Jugendlichen kostenlos, doch die Repetitions- und Abbruchrate sei sehr hoch und viele Kinder schaffen den Übertritt in die Sekundarstufe nicht. «Zahlreiche Mädchen brechen die Schule frühzeitig ab, weil sie schwanger werden. Oft als Folge einer Vergewaltigung,» so die Comundo-Mitarbeiterin.
Zu grosse Klassen, zu unerfahrene Lehrpersonen
Ein weiteres Problem ist die Unterrichtsqualität. Die Klassen seien oft zu gross und das Lehrpersonal zu wenig gut ausgebildet oder zu unerfahren, erzählt Hartmann. Und dies, obwohl der Staat jährlich ca. 20 Prozent des Staatshaushalts in die Schulbildung investiert. Namibia gebe zwar viel Geld für die Bildung aus, aber ein grosser Teil dieser Summe fliesse in Löhne und Zulagen der Lehrer, Schulleiter, Inspektoren und Direktoratsmitarbeitenden, erklärt die Business-Administration-Spezialistin.
Umso wichtiger sei ihr Einsatz für Comundo, ist die Krienserin überzeugt. Denn dieser trage dazu bei, die öffentlichen Schulen in Namibia zu verbessern. «Davon profitieren die Kinder und Jugendliche in Namibia. Bildung ist der Schlüssel zu einer sozialen, gerechten und leistungsfähigen Gesellschaft. Ich bin dankbar, dass ich die Chance habe, einen kleinen Beitrag dazu zu leisten.»