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Die brasilianische Gesundheitsbehörde Anvisa hat den Rauchern gestern im wahrsten Sinne des Wortes den Krieg erklärt. Nach einer nun vorgelegten Gesetzesinitiative soll in Brasilien das Rauchen „in Bars, Gaststätten und Restaurants sowie in geschlossenen Räumen, unabhängig davon ob sie öffentlich oder privater Natur sind“ verboten werden. In diesem Zusammenhang würden auch alle bisherigen Raucherzonen wegfallen. Laut der Behörde würde diese jetzige Regelung nicht einen Nichtraucher vor dem passiven Rauchen schützen.
Die einzigen Orte, wo zukünftig noch geraucht werden darf, sind nach Vorstellungen der Behörde spezielle „Raucherzimmer“. Diese müssen neben einer automatisch schliessenden Tür mit speziellen Warnhinweisen versehen werden, es müssen mit Sand gefüllte Aschenbecher aufgestellt werden und der Raum muss entsprechend klimatisiert sein. Zudem darf er flächenmässig nicht grösser sein als 1/5 der Nichtraucherzone. Im Inneren dürfen weder Speisen noch Getränke verkauft oder serviert werden, jegliche Freizeitaktivitäten wie z.B. Billard oder Tischfussball sind ebenso verboten. Lediglich ein Fernseher darf dort aufgestellt werden.
Diese Regel würde dann für das ganze Land und für jegliche Art von geschlossenen Räumen gelten, in Behörden genauso wie in Privatunternehmen. Die dortigen Raucher, die derzeit während der Arbeit auf dem Flur oder im Treppenhaus ihrer Sucht nachgehen, würden in entsprechende Räume verbannt werden. „Wenn sie unbedingt Rauchen wollen, dann müssen sie es eben in speziellen Zimmern machen“ erläutert Humberto Martins, zuständig für Tabakkonsum und dessen Folgeschäden bei der brasilianischen Gesundheitsbehörde. „Das Verbot soll für jeglichen geschlossenen Raum gelten. Damit soll endlich dem Gesetz von 1996 nachgekommen werden, welches die Menschen vor Passivrauchen schützen soll. Was helfen denn die Schilder, die z.B. in Gaststätten die Nichtraucherbereiche von den Raucherzonen abtrennt? Oder kann Rauch inzwischen lesen?“
Derzeit gilt in allen öffentlichen Gebäuden und Behörden mit Publikumsverkehr ein striktes gesetzliches Rauchverbot. Betroffen sind jedoch nur die „öffentlichen Bereiche“, wie z.B. die Wartehallen in Flughäfen und Busbahnhöfen oder die Eingangsbereiche und Wartezimmer in Rathäusern oder Polizeidienststellen. In Gaststätten müssen lediglich entsprechende Zonen eingerichtet, jedoch nicht räumlich abgetrennt werden.
Das brasilianische Gesundheitsministerium macht schon seit Jahren vehement gegen die Anhänger des Nikotins mobil. So setzte die Behörde 2002 eine Abschreckungskampagne auf Zigarettenpackungen durch, welche Menschen mit Ekelbildern den Konsum verleiden will. Neben Personen mit Krebsgeschwüren und Raucherbeinen wurden dabei sogar kurzzeitig Fotos von Leichen auf die Packungen gedruckt.
Das brasilianische Vorbild war damals Kanada, wo solche Schockfotos schon seit dem Jahr 2000 auf den Packungen zu finden sind. Inzwischen sind Singapur und Venezuela (2004), Thailand (2005), Australien und Uruguay (2006) sowie Belgien seit Januar diesen Jahres dem Beispiel gefolgt.