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Massarys Titel wie «Eine Frau weiss, was sie will» oder «Josef, ach Josef, was bist du so keusch» lassen es noch heute erahnen: Die wilden 1920er-Jahre hatten es in sich – zumindest musikalisch gesehen. Was damals mit leicht doppeldeutigem Text daherkam, waren regelrechte Ohrwürmer in den Gassen der Grossstädte.
Kaschierte Makel
Fritzi Massary kam am 21. März 1882 als Kind einer jüdischen Familie in Wien zur Welt. Kaum erwachsen geworden, fasste sie mit ihrer ausgeprägten Soubretten-Stimme Fuss in Operetten und Revuen. Ihr Tonumfang war zwar eher beschränkt und optisch entsprach sie nicht dem gängigen Schönheitsideal. Mit Charisma und ausdrucksvoller Interpretation verstand sie es aber ihre Makel zu kaschieren.
Wahlheimat Berlin
Ihre Wahlheimat wurde alsbald Berlin, wo sie zu einem regelrechten Star avancierte. Hier spielte sie erfolgreiche Hauptrollen in Werken wie «Die Czardasfürstin» oder «Die lustige Witwe». Einige Operetten wie «Letzter Walzer», «Perlen der Cleopatra» oder «Spanische Nachtigall» wurden eigens für sie komponiert.
Der Beginn einer Karriere ist ein Geschenk der Götter. Der Rest ist harte Arbeit.
Massarys Einfluss war zeitweise so gross, dass sich die Damenwelt sogar modisch an ihr orientierte. Daher wurde auch die Werbeindustrie auf sie aufmerksam. Mitunter warb Massary für eine Zigarettenmarke.
Anfangs konnte man Massarys Lieder nur auf der Bühne hören. Als Schellackplatten populär wurden, konnten sich die sogenannten Operetten-Schlager als eigenständige Lieder durchsetzen. Davon profitierte Fritzi Massary natürlich wiederum. Aus heutiger Sicht kann man sagen, dass sie die erste deutschsprachige Schlagersängerin war.
Flucht vor den Nazis
Ihre Glanzzeiten dauerten bis in die 1930er-Jahre hinein. Weil die Bedrohung durch die Nazis immer grösser wurde, musste sie ihr geliebtes Berlin verlassen und flüchtete für ein paar Jahre in die Schweiz. Sie lebte in einem Haus in Lugano und wanderte später in die USA aus, wo sie 1969 in Beverly Hills CA verstarb.
Stars und Hits im Rampenlicht
Im «Schlagermosaik» nimmt Roger De Win jeden Montag einen Schlagertitel unter die Lupe und bringt interessante Fakten ans Licht.