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Paul Hornstein wurde am 6. November 1949 in Winterthur geboren. Die Familie wohnte im Zürcher Oberland. Als kleiner Bub erkrankte Paul an Kinderlähmung und bereitete deshalb den Eltern viele Sorgen. Er erholte sich jedoch wieder und erlebte eine schöne, behütete und unbeschwerte Kinderzeit.
1959 zog die Familie nach Basel. Der Umzug in die Stadt machte Paul grosse Mühe. Paul vermisste das ländliche Dorf Weisslingen. In Basel wechselte er an das Gymnasium, welches er mit der Wirtschaftsmatur abschloss. Während dieser Zeit engagierte er sich in der Jungwacht, wo er viele Freunde fand und wertvolle Erfahrungen für sein weiteres Leben machte.
Nach der Matur entschloss sich Paul für ein Wirtschaftsstudium. Nach zwei Semestern erlitt er einen Bandscheibenvorfall. Er musste viele Wochen ins Spital. Während dieser Zeit reifte der Entscheid, sich beruflich anders zu orientieren. Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen hatte ihn schon immer fasziniert. So nahm er die Ausbildung am Katechetischen Institut Luzern in Angriff, welche er nach drei Jahren abschloss. Paul liebte seinen Beruf als Katechet, entschloss sich dann aber noch für ein Studium der Theologie. Während dieser Zeit musste er eine weitere heimtückische Krankheit, Krebs, hinnehmen. Eine Operation und die Therapie waren erfolgreich, Paul konnte sein Studium abschliessen. Er trat mit Begeisterung seine erste Stelle an der Hofkirche in Luzern an.
Während dieser Zeit reifte der Entscheid, sich als Priester weihen zu lassen. Intensiv bereitete sich Paul darauf vor.
Einige Monate nach Empfang der Priesterweihe, am 18. Juni 1978 in der Kathedrale Solothurn, schlug der Krebs erneut zu. Während dieser schwierigen Zeit wuchs unsere gegenseitige Liebe. Nach einer Zeit des Ringens entschied er sich, sein Priesteramt niederzulegen. Das war sehr schwer, denn er musste seine geliebte Arbeit aufgeben und bekam keine Stelle mehr in der Kirche. Irgendwann ging dann doch eine Tür auf, er fand eine Anstellung an der Sonderschule Hohenrain als Religionslehrer. Berufsbegleitend absolvierte er die Ausbildung in Heilpädagogik. Im Mai 1987 heirateten wir. In unserer neuen Wohnortspfarrei Hitzkirch engagierte sich Paul ehrenamtlich in verschiedenen Gruppierungen und im Pfarreirat. Der damalige Pfarrer Willi Hofstetter gelangte eines Tages mit der Anfrage an Paul, ob er die Pfarrei Müswangen leiten möchte. Wer hätte gedacht, dass aus dieser Anfrage eine fast dreissigjährige Geschichte mit dem Dorf Müswangen werden würde.
Paul war sehr glücklich, dass er wieder als Seelsorger wirken konnte. Das kleine Dorf, die Nähe zu den Menschen, die naturnahe Umgebung, alles entsprach Pauls Innerem zutiefst. Zusammen mit mir engagierte er sich in vielen Bereichen. So war er Mitinitiant des Spielplatzes am Sägekanal. Er übernahm den Religionsunterricht an der Schule Hämikon bis zu seinem 65. Lebensjahr. Mit Weitblick intensivierte er die Zusammenarbeit mit der Pfarrei Hitzkirch und arbeitete auf den Seelsorgeverband zwischen den beiden Pfarreien hin. Später entstand eine enge Zusammenarbeit mit den Pfarreien Aesch und Schongau. Die Idee für den Besinnungsweg zum Sulzerkreuz mit den besinnlichen Texten entstand auf seine Initiative. Ein grosses Projekt war die Durchführung der Kirchenrenovation. Sein Engagement weitete sich auch über die Pfarreigrenze aus als Mitglied der Synode des Kantons Luzern und in den letzten acht Jahren als Dekanatsleiter des Dekanates Hochdorf.
Erholung fand Paul in der Stille der Natur. Oft ging er zum Durchlüften des Kopfes den Weg zum Sulzerkreuz oder in den Wald. Zusammen verbrachten wir viele Ferientage im geliebten Engadin, Puschlav und Bergell. Auf herrlichen Bergtouren konnten wir neue Kräfte tanken für die Herausforderungen des Alltags. Mit grossem Interesse besuchte er auch andere Länder und Städte.
Auch nach seinem 65. Lebensjahr arbeitete Paul weiter bis zum Advent 2017. Leider erkrankte er noch einmal schwer, sodass er Mitte 2018 seine geliebte Arbeit niederlegen musste. Ein langes Jahr der Behandlungen und Chemotherapien folgte. Paul ertrug die Strapazen mit unendlicher Geduld und Hoffnung. Während dieser Zeit kam sein wunderbares Wesen noch stärker zum Vorschein. Er verbrachte viel Zeit im Garten, die Natur spendete ihm Kraft. Viele Menschen begleiteten ihn mit ihren Gedanken, Gebeten und Besuchen. Dafür war er zutiefst dankbar.
Die ersehnte Operation am 2. Oktober verlief zwar erfolgreich. Leider kam es danach zu Komplikationen, von denen Paul sich nicht mehr erholte. Seine Kraft war zu Ende. So wie er gelebt hat, so ist er auch gestorben: geradlinig, klar, mit einem unerschütterlichen Vertrauen in seinen Schöpfer.
Ich muss nun ohne meinen geliebten, einzigartigen Lebensgefährten und Ehemann, mit dem ich fast vierzig Jahre Freud und Leid teilte, weitergehen. Darüber bin ich zutiefst traurig, aber auch voller Dankbarkeit, dass ich mit diesem wunderbaren Menschen so lange den Lebensweg gehen durfte.
Heidi Hornstein-Schnider