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Basel, um 1550
Öl auf Kupfer; vergoldeter Holzrahmen
Dm. 13 cm (Rahmen); Dm. 9 cm (Bildausschnitt)
Inv. 2011.172.
Die zwei Rundbildnisse zeigen jeweils im Dreiviertelprofil eine junge Frau im roten Kleid und mit roter geflochtener Haarhaube und einen schwarz gekleideten Mann mit Barett. Die Bilder stammen aus einer Reihe von Porträts, die verschiedener Köpfe aus dem Umfeld der Basler Reformation gedenken und sind mit grosser Sicherheit mit Aletheia Oekolampad und ihren Ehemann Christoph Söll zu identifizieren. Erstere wurde 1531 als Tochter des Basler Reformators Johannes Oekolampad und seiner Gattin Wibrandis Rosenblatt geboren. Nachdem Oekolampad 1531 gestorben war, zog seine Witwe mit den gemeinsamen Kindern nach Strassburg, wo sie nacheinander die Reformatoren Wolfgang Capito und Martin Bucer heiratete. Aletheia, deren griechischer Name zu Deutsch "Wahrheit" bedeutet, wuchs dort auf und ehelichte 1548 den gebürtigen Tiroler Christoph Söll (1517–1551). Während wir über Aletheia wenig wissen, ist über ihren Gatten durch sein öffentliches Wirken mehr bekannt: Er wandte sich schon in jungen Jahren der Reformation zu, studierte zuerst 1537/1538 in Wittenberg, zog dann nach Strassburg und bekleidete dort verschiedene kirchliche Ämter. Die Kontakte zwischen den einflussreichen Reformatoren in Strassburg waren eng, und ohnehin wohnte Söll mit Bucer, Wibrandis Rosenblatt und ihren Kindern – also auch Aletheia – zusammen unter einem Dach. Bereits 1552, also vier Jahre nach der Eheschliessung verstarb Christoph Söll. Aletheia heirate ein weiteres Mal und starb zu einem unbekannten Zeitpunkt nach 1565.
Die Identifizierung der beiden Bildnisse ist einer umfangreichen Korrespondenz von Paul Ganz, Daniel Burckhardt-Werthemann und ihrem Vorbesitzer Alfred R. Weber-Oeri aus dem 20. Jahrhundert zu entnehmen. Ein weiteres Paar von Miniaturbildnissen Sölls und Oekolampads findet sich zusammen mit Bildnissen der Elterngeneration im Besitz des Fürsten zu Hohenlohe-Langenburg auf Schloss Langenburg (Baden-Württemberg). Die rückseitige Bezeichnung des Bildnisses Aletheias mit "filia Oecolampadij" führte schliesslich zu den Namen der Dargestellten. Weitere Bildnisse, mit denen sich die Identität der Porträtierten stützen liesse, sind allerdings nicht bekannt.
Auf dem Basler Herrenbildnis finden sich die irreführenden Angaben "A(nn)o 1520" und "HH / Ae(tatis) 23", so dass man das Bild mitunter als Selbstbildnis des 23-jährigen Hans Holbein d. J. (1497/98–1543) deutete. Dem steht jedoch die Kleidung des jungen Mannes entgegen, die der Mode des fortgeschrittenen 16. Jahrhunderts entspricht. Vermutlich sind die beiden Porträts oder ihre Vorlagen im Umfeld der Hochzeit 1548 entstanden. Die geringe Zahl überlieferter Quellen nachreformatorischer Künstler am Oberrhein wird eine Zuschreibung weiterhin erschweren. Gleichzeitig besitzt das Museum mit den Porträts nun zwei rare Zeugnisse oberrheinischer Bildkunst der Reformationzeit.