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Die zweiten 7 Samba-Schulen der “Grupo Especial“ (Spitzengruppe) haben ihre Parade zum Karneval 2013 im Sambadromo von Anhembi am Sonntagmorgen (10) beendet. Die Siegerschule aus São Paulo wird am kommenden Dienstag, 12. Februar bekanntgegeben.
Nenê de Vila Matilde
Die erste Samba-Schule, die an diesem Samstag (9) im Sambadromo von Anhembi paradierte, die “Nenê de Vila Matilde“, brachte volkstümliche Bewegungen und Revolten der Vergangenheit und der Neuzeit auf die Avenida, eine Show des Kampfes für Gleichheit und Gerechtigkeit.
Mit dem Thema “Da Revolta dos Búzios à atualidade. Nenê canta a igualdade“ (Von der Búzios-Revolte zur Gegenwart. Nenê besingt die Gleichheit) hat das Team, mit drei verantwortlichen Karnevalisten für die Parade in diesem Jahr, hart gearbeitet, um das Vakuum von mehr als zehn Jahren ohne einen Titel beim Karneval von São Paulo, endlich zu füllen.
Ausser der Titel-Revolte zum Thema – die im 18. Jahrhundert in Bahia stattfand und damit endete, das vierzig Aufständische gefangen genommen und vier exekutiert wurden – zeigten die 22 Alas mit 3.000 Komponenten insgesamt Bewegungen wie die Französische Revolution und die brasilianische “Cabanagem“, den Kampf des Syndikats um die Agrar-Reform und um die Verschiedenheit der Geschlechter. Die Gleichheit der Rassen, die Rechte der Alten und der Kampf um “eine Erziehung für alle“ wurden ebenfalls propagiert.
Die Mitglieder der Front-Kommission stellten das Duell zwischen den dunklen Mächten gegen das Licht dar, den Kampf zwischen Gut und Böse und zwischen Unterdrücker und Unterdrückten. Auf dem grossen Wagen “Abre-alas“, der fast die gesamte Breite von vierzehn Metern der Sambadromo-Piste einnahm, wurde diese Dualität zwischen Gut und Böse dargestellt in Kostümen aus unterschiedlichen Farben: Blau und Weiss, auf der einen Seite, und Rot und Weiss, auf der andern. Adler-Puppen (das Symbol der Schule), getragen von Personen, die mit Seilen abgesichert waren, wurden von achtzehn Mitgliedern innerhalb des Wagens bewegt.
Die Ala der Bahianerinnen (Baianas) war gleich am Anfang der Parade platziert worden, hinter dem “Abre-alas“. Sie trugen eine Bekleidung aus edlem Stoff, einem Satin mit Relief, der exklusiv für diese Parade von einer Textilfabrik entwickelt worden war.
Die prämierte Perkussion-Gruppe wurde von Mestre Renato geführt, der 250 Rhythmiker kommandierte. An der Spitze marschierte die Königin Deborah Caetano, kostümiert als Teufel, und die Diva Adriana Bonbon, die einen Engel verkörperte.
Eine weitere Muse, die in diesem Jahr für die “Nenê“ paradierte, war Jessica Lopes, die als “Peladona de Congonhas“ (die Nackte von Congonhas) bekannt wurde, weil sie dabei ertappt wurde, wie sie sich in einem Auto, auf einem Parkplatz des Flughafens von São Paulo, umzog.
In der Ala, die den Aufstand von Canudos darstellte, interpretierte der Theaterdirektor José Celso Matinez den Anführer der Revolte, Antônio Conselheiro. Weitere historische Figuren, wie der Schriftsteller Euclides da Cunha, wurden ebenfalls dargestellt.
Einer der Wagen ehrte die Musikgruppe Olodum und ihren Einfluss auf die Geschichte des Pelourinho (in Bahia). Die Perkussions-Gruppe nahm an der Parade teil, und auch verschiedene Kinder, die auf den Balkonen der bunten Häuschen jenes historischen Zentrums von Salvador paradierten, das auf dem Wagen neu erschaffen worden war.
Der Karnevalist der Schule, Pedro Alexandre, genannt Magoo, hat an der Seite von Eduardo Caetano und Rafael Condé die fünf allegorischen Wagen entworfen.
Der Themen-Samba wurde von Celsinho interpretiert. Das erste Paar “Mestre-sala und Porta-bandeira“ wurde von Titio und Rúbia dargestellt.
Das Thema der “Nenê“ in diesem Jahr 2013 entstand aus einem Vorschlag der Gruppe Olodum aus Bahia. Zu Anfang sollte der Samba sich nur mit der “Revolta dos Búzios“, im 18. Jahrhundert, befassen, aber das Thema der Gleichheit fing an, sich auszubreiten, und die besagte Revolte belegte dann nur den ersten Sektor der Parade, mit dem Kampf zwischen Gut und Böse und der Darstellung des Lebens im Bahia des 18. Jahrhunderts.
Die “Nenê de Vila Matilde“ wurde 1949 von Seu Nenê gegründet, der 47 Jahre lang Präsident der Schule gewesen ist. Die Schule besitzt 11 Titel des Karnevals von São Paulo.
Gaviões da Fiel
Sie waren die zweite Samba-Schule, die “Gaviões da Fiel“, die in der Nacht zum Sonntag (10) auf der Avenida von Anhembi paradierten und die Geschichte und Bedeutung der “Propaganda“ (Werbung) im Leben der Brasilianer demonstrierten.
Besonders beliebt durch ihre Feste im Stadion, mit denen sie ihren Verein Corinthians anzufeuern pflegt, wurde die Schule auf der Avenida von einem euphorischen Publikum empfangen. Mit Feuerwerk – innen und ausserhalb von Anhembi – Fahnen und zahllosen Spruchbändern, gab das Publikum der Schule das Gefühl, wieder dort zu sein, wo viele ihrer Mitglieder sich am wohlsten fühlen: in einem Fussballstadion.
Die Schule paradierte mit 3.800 Komponenten, unterteilt in 25 Alas und mit fünf allegorischen Wagen. Die Perkussion präsentierte 250 Rhythmiker, kostümiert als Kaffee-Barone. Das erste Paar “Mestre-sala und Porta-bandeira“ wurde von Bozó und Gisleine dargestellt.
Die Front-Kommission schuf den Eindruck einer Abteilung für künstlerische Kreativität in einer Werbeagentur. Die Idee der Schule beabsichtigte, das Publikum in Klima und Ambiente der Kommunikation und der Werbung einzuführen.
Mit dem Thema “Ser fiel é a alma do negócio“ (Treu sein ist die Seele des Geschäfts) überraschte die “Gaviões“ mit einem Wagen “Abre-alas“ von 60 Metern Länge. Die Allegorie “Gaviões no Carnaval“ bestand aus 43 goldenen Falken, die der Welt zeigen sollten, wie die Schule den Karneval von São Paulo in der Welt promoviert.
Die Patin der Perkussion, Sabrina Sato, war verantwortlich für die Promotion des Sektors, der das “Herz der Schule“ darstellte.
Der zweite Wagen der Schule “Espanto dos Índios“ (Schock der Indios) erzählte von der Überraschung der brasilianischen Eingeborenen, als sie die portugiesischen Invasoren erblickten. Der dritte Wagen “Mascate, a riqueza do Oriente“ (Händler, der Reichtum des Orients) erinnerte an die ersten fliegenden Händler und die Anfänge der Propaganda (Werbung) in Brasilien, die mit den ersten Zeitungen entstanden.
Der vierte allegorische Wagen brachte viel Technologie auf die Avenida. Mit einer riesigen Büste wurde der Entertainer Chacrinha geehrt als ein grosser Meister der Kommunikation. Die Schule behandelte auch das Thema der irreführenden Propaganda (Werbung) – mit Stativen, auf denen Sprüche prangten wie “ich bring’ deine Liebe zurück in drei Tagen“, und den falschen Versprechungen der Schönheits-Industrie.
Der letzte Wagen der Schule transportierte einen riesigen Falken, der einen hohen, schrillen Ton von sich gab. Er propagierte den Torhüter Cássio, vom Team Corinthians, der nach der Eroberung des Weltmeistertitels zum besten Spieler gewählt wurde, und den cornthianischen Werbefachmann Washington Olivetto. “Das wichtigste hier ist, Corinthianer zu sein und nicht Werbefachmann. Die Gaviões ist wie die Mangueira in Rio, unabhängig davon, ob sie gewinnt, hat sie schon gewonnen“, sagte Olivetto nach der Parade.
Mit viel Emotion, vor der Parade, lobte der Präsident der “Gavões da Fiel“ die Weltmeisterschaft der Clubs, die von den Corinthians im Dezember, in Japan, gewonnen wurde. Er sagte, dass die Mitglieder des Vereins sich verpflichtet fühlen, die Anstrengungen ihres Teams zu würdigen, indem sie ebenfalls den Titel in Karneval gewinnen.
Die Schule hat seit 2003 keinen Titel mehr beim Karneval gewonnen und hofft, dass sie in diesem Jahr wieder den Pokal des Karneval-Champions erringen wird.
Mocidade Alegre
Mit dem Karneval 2013 in São Paulo wollte die Samba-Schule “Mocidade Alegre“ die Aufmerksamkeit des Publikums und der Jury auf eine Einladung in die Versuchung und einem Umsturz der allgemein gültigen Werte lenken.
Die Schule landete im Karneval des vergangenen Jahres 2012 auf dem Spitzenplatz, mit einem Thema über das Jahrhundert des Schriftstellers Jorge Amado – in diesem Jahr präsentierte sie ihre Parade durch den Sambadromo von Anhembi an dritter Stelle, in der zweiten Nacht (10) der paulistanischen Paraden. Ihre Parade brachte 3.200 Komponenten auf die Piste, fünf allegorische Wagen und 25 Alas.
Um ihr Thema “A sedução me fez provar, me entregar à tentação… da versão original, qual será o final?” (Mich der Verführung hinzugeben, hat die Versuchung mir bewiesen … wie wird das Ende der Originalversion sein?) einzuleiten, bediente sich die Schule des guten Humors. Die Idee drehte sich um die Wiedergabe von Dogmen der Menschheit, in einem Versuch, Wahrheiten und Konzepte infrage zu stellen, die von Generation zu Generation überliefert worden sind.
Die Aussagen von Legenden und Märchen wurden im Verlauf der Parade verdreht und umgestürzt: Schneewittchen, zum Beispiel, wurde zu einer bösartigen Jungfrau, die Kinder verspeiste, und die Königin wurde zum allseits verehrten Mädchen der Geschichte – Pinocchio wollte weiterhin eine Holzpuppe bleiben, und die Stiefmütter wurden zu “Herzensmüttern“ (von den Baianas dargestellt).
“Von allem, was uns im Lauf der Zeit so erzählt worden ist, bis zu welchem Punkt sind wir in der Lage, die Herren unserer eigen Wege und der Wahrheiten zu sein, die uns als solche präsentiert werden ? Also ist unser Vorschlag, uns dieser Geschichten zu bemächtigen und ihren Verlauf nach unserem eigenen Gutdünken zu beeinflussen“, erklärte der Karnevalist Sidnei França.
Getauft als “Die Macht der Verführung“, lud die Front-Kommission das Publikum ein, in den “Apfel der Verführung“ zu beissen. Kostümiert als Schlangen, mit den Protagonisten Nani Moreira, die schon als Königin der Perkussion bei der Mocidade geglänzt hatte und nach einer Auszeit von zwei Jahren nun wieder zurückgekehrt war, und Robério, der einst der erste magere “König Momo“ des Karnevals von São Paulo gewesen ist.
Der Wagen “Abre-alas“ zeigte auch die Geschichte des ersten Sündenfalls von Adam und Eva, mit einer gigantischen Schlange, die einen Apfel hielt. Das Gesicht der Schlange war von Robérios Gesichtszügen inspiriert worden.
Die folgenden Alas stellten die Kapitalsünden dar. Teilnehmer, bekleidet mit Kostümen voller Süssigkeiten, verkörperten die Begierde. Kostüme mit blitzenden Augen-Amuletten den Neid – Pfauenfedern, die Eitelkeit und sich verführende Paare, die Zügellosigkeit. Jeder der 240 Rhythmiker der Perkussion trug ein spitz zulaufendes Kostüm, inspiriert am K.O.-Faustschlag, der die Sünde des Zorns demonstrieren sollte.
Nach so vielen Sünden kam die Ala der Erlösung. Ein allegorischer Wagen stürzte die klassische Idee des Himmels um und zeigte ihn als ein grosses Fest, mit elektronischer Musik, bei dem Sankt Petrus im Empfang sitzt und die Personen entweder einlässt oder sie ablehnt. Im Universum der “Mocidade“ gehen alle Sünder dorthin.
In bestimmten Momenten legte die Perkussions-Gruppe des Mestre Sombra (der mit der Präsidentin der Schule, Solange Bichara, verheiratet ist) längere Pausen ein, um Publikum und Mitgliedern der Schule Gelegenheit zu geben, den Themen-Samba zu singen. Die Königin der Perkussion war Aline Oliveira.
Adriana Gomes, die zehn Jahre lang die erste Porta-bandeira (Standartenträgerin) der Schule gewesen ist, konnte in diesem Jahr ihre Rolle nicht besetzen, weil sie einen Unfall gehabt hat. Sie verletzte sich das Knie, als der Aufzug, in dem sie sich befand, in einem Gebäude in Copacabana, vom siebenten Stock plötzlich abstürzte. Adriana fuhr auf einem der allegorischen Wagen mit und wurde von Karina Zamparolli ersetzt, die zusammen mit dem “Mestre-sala“ Emerson Ramires die Rolle der “Porta-bandeira“ übernahm.
An die Filme “Avatar“ von James Cameron, “Künstliche Intelligenz“, von Steven Spielberg und “Der Zauber von Aquila“, von Richard Donner, wurden in einigen Alas erinnert.
Auch paradierten Komponenten, die als Vampire und Zombis kostümiert waren – mit ausgezeichneten Details. Ein Paar der “Mestre-salas und Porta-bandeiras“ war als Romeo und Julia kostümiert.
Der fünfte Sektor beendete die Parade mit einer Demonstration des Endes, welches sich die Schule für alle Geschichten wünscht: Ein glückliches Ende! Die Alas demonstrierten den Weltfrieden, einen reich gedeckten Tisch des Brasilianers und auch einen vereinten Karneval in São Paulo.
Tom Maior
Die Samba-Schule “Tom Maior“ reizte die Sinne derer, die sich die Parade der vierten Schule in dieser zweiten Nacht des paulistanischen Karnevals 2013 ansahen. Mit dem Thema “Parque dos Desejos – O Seu Passaporte Para o Prazer“ (Park der Wünsche – Dein Pass zur Lust) stellte die Schule eine Betrachtung der Sexualität auf der Avenida dar.
Das Thema, ausgewählt in Partnerschaft mit einem der Sponsoren der Schule, ein Unternehmen der Verhüterli-Industrie, bezog sich auf eine der weltweit populärsten Methoden zur Empfängnisverhütung. Absicht der Schule sei es, so wurde behauptet, eine Warnung zur Verhütung von sexuell übertragbaren Krankheiten zu demonstrieren.
Der Wagen “Abre-alas“ brachte den Garten Eden auf die Piste, um die erste Art von Liebe und Lust darzustellen. Der zweite Wagen zeigte andere Arten der Liebe – wie zum Beispiel die Beziehung zwischen den Dinosauriern der Prähistorie. Einer von ihnen war ganz wild und liess hohe Töne der Erregung vernehmen.
Der dritte Wagen war Bacchus gewidmet, dem römischen Gott der Lust, bekannt als Veranstalter von Orgien. Die Komponenten der Perkussion trugen Kostüme, die das Feuer sexueller Erregung verkörpern sollten.
Jener Wagen, der versprach, eine ordentliche Polemik zu verursachen, war in letzter Minute etwas entschärft worden: Das Paar beim Sexualverkehr, dargestellt als riesige Statuen, war mit einem ebenso riesigen Betttuch verhüllt worden – auf wessen Initiative, ist noch nicht bekannt.
Der vorletzte Wagen der Schule stellte die 1001 Liebesnächte der Scheherazade dar. Die Parade endete mit einem Wagen, der demonstrierte, wie Freud die sexuellen Phantasien und die Regeln für Liebe und Lust erklärt.
Insgesamt bestand die Parade aus 2.500 Komponenten, unterteilt in 23 Alas und fünf allegorische Wagen. Der Karnevalist Marco Aurélio Ruffino – es war sein sechster Karneval mit der Schule – präsentierte hier seine unterschiedliche Auffassung der Intimität.
Unidos de Vila Maria
Die technologisch ausgerüsteten, bunten und riesengrossen Wagen für die Parade der “Unidos da Vila Maria“ zogen die Aufmerksamkeit aller bereits am Sammelpunkt auf sich – sie war die fünfte Schule, die in der Nacht zum Sonntag (10) auf der Avenida des Sambadroms von Anhembi paradieren sollte. Ihre Parade schloss exakt in der vorgeschriebenen Zeist von 65 Minuten ab.
Das Thema “Made in Korea“ ehrte das 50jährige Jubiläum koreanischer Einwanderer in Brasilien. Insgesamt wurden 210 Fächer aus Korea importiert, um die Kostüme des Vereins zu ergänzen. Auch der Stadtteil Vila Maria trug mit Kopfbedeckungen, Perücken und Kimonos für bestimmte Figuren zum Gelingen der Parade zu Ehren ihrer Heimat bei.
Der erste Wagen präsentierte einen grossen Drachen, dekoriert mit 50.000 Schuppen, alle handwerklich produziert von der Equipe der Schule. Die Allegorie wurde im Lauf von vier Monaten erstellt.
Einer der Höhepunkte der Allegorie war ein Doppelgänger des Sängers Psy, dem Autor des Hits “Gangnam Style“, dem meist besuchten Video der YouTube, mit fast 1,3 Milliarden Klicks. Der erste Wagen brachte auch eine Ala der Kinder – die waren kostümiert als Bären, nach der koreanischen Legende, die den Menschen als vom Bären abstammend darstellt, nicht vom Affen.
Die Parade enthielt viele koreanische Elemente, inklusive das Symbol der Nationalflagge jenes orientalischen Landes. Eine der Alas der “Vila Maria“ marschierte mit dem Symbol “Taegeukgi“ mit den Kräften des Yin und Yang. Die Technik, die wirtschaftliche Potenz der asiatischen Tiger, die Traditionen und die Geschichte der Koreaner, geprägt von Kriegen, kamen zur Geltung. Der Karnevalist Chico Spinosa unterteilte die 4.500 Komponenten in 27 Alas und fünf allegorische Wagen.
Die Perkussion der Schule betrat die Avenida in goldenen Kimonos, ausserdem mit Perücken, die das Haar antiker Samurais imitierten.
Der zweite Wagen der Schule war ein Höhepunkt der Technik und der mechanischen Bewegungen. Ein futuristischer Tiger transportierte ein Symbol, welches der Flagge von Südkorea ähnelte. Der Wagen, ausgerüstet mit LED-Paneelen, machte tiefen Eindruck auf das Publikum in Anhembi.
Der vierte Wagen der “Vila Maria“ präsentierte eine Maschine, die Seifenblasen produzierte und einen gigantischen Kraken, mit vielen aquatischen Tieren. Der Krake stiess schwarzen Rauch aus und simulierte damit die Tinte, die die Kraken zu ihrer Verteidigung ausstossen.
Der letzte Wagen der Schule erinnerte an eine koreanische Persönlichkeit, die auch im Okzident Berühmtheit erlangte – die Zeichentrick-Figur Pucca. Sie erschien als einen riesengrosse Puppe, und auf ihrem Kopf trug sie das bekannte früchte-Arrangement der brasilianischen Carmen Miranda.
Acadêmicos do Tucuruvi
Die sechste Schule in dieser Morgendämmerung zum Sonntag (10) auf der Avenida des Sambadroms von Anhembi war die “Acadêmicos do Tucuruvi“. Die Farbenpracht der Samba-Schule war eine tolle Überraschung für alle, die auf diese Parade gewartet hatten. 3.500 Komponenten, unterteilt in 23 Alas und fünf allegorische Wagen.
Mit dem Thema “Mazzaropi: o adorável caipira. 100 anos de alegria“ (Mazzaropi: der verehrungswürdige Bauer, 100 Jahre Frohsinn.) erzählte die Schule die Geschichte des brasilianischen Schauspielers und Filmemachers mit fünf allegorischen Wagen. Die Parade portraitierte die einzelnen künstlerischen Sektoren, in denen Mazzaropi während seines Lebens tätig war, wie Zirkus, Theater, Radio, Fernsehen und Kino.
Der Karnevalist der Schule, Wagner Santos, sagte, dass es die Absicht der Schule war, “viel Farbe und viel Freude in das Thema Mazzaropi zu bringen, da er stets eine so fröhliche und unbekümmerte Figur gewesen ist“. Ausser den Farben, animierte der fröhliche Themen-Samba das Publikum und liess die Zuschauer tanzen – obwohl es fünf Uhr in der Frühe war.
Der erste Wagen der “Acadêmicos do Tucuruvi“ erinnerte an einen grossen, bunten Zirkus und die Kostüme der Front-Kommission glichen denen der Clowns. Die Alas der Schule erweckten verschiedene Filmtitel Mazzaropis zum Leben, wie zum Beispiel “O Corintiano“.
Die zweite Allegorie der Parade überraschte das Publikum mit Puppenköpfen, die aus Holzkisten starrten. Der dritte Wagen hob die Karriere Mazzaropis im Radio hervor.
Die Rhythmiker der Schule waren als “Jeca Tatu“ kostümiert, eine Figur aus dem Werk des Schriftstellers Monteiro Lobato, der von Mazzaropi einst dargestellt wurde. Sogar die Helfer und Helfershelfer der “Tucuruvi“ waren als Caipiras (Bauern) kostümiert.
Der vierte allegorische Wagen präsentierte das Programm “Rancho Alegre“, in dem Mazzaropi 1950 mitwirkte – es war das erste humoristische Programm des brasilianischen Fernsehens. Der fünfte und letzte Wagen – riesengross und mit vielen beweglichen Teilen, erinnerte an das Kino, wo Mazzaropi den Höhepunkt seiner Karriere erreichte.
Império de Casa Verde
Die letzte Samba-Schule an diesem frühen Morgen des Sonntags (10) im Sambadromo von São Paulo, die ihre Parade in der Spitzengruppe (Grupo Especial) präsentierte, war die “Império de Casa Verde“. Mit einer traditionellen Parade gelang es der Schule, dem Publikum, das nun seit acht Stunden auf den Tribünen ausgeharrt und sich verausgabt hatte, noch Wellen begeisterten Applauses abzuringen.
Mit dem Thema “Pra todo mal a cura, quem canta seus males espanta“ (Für jede Beschwerde die Heilung, wer singt der vertreibt seine Beschwerden) begann die Parade des Vereins mit einer Heilung durch Schamanen. Die Front-Kommission, kostümiert im afrikanischen Tribal-Look, zelebrierte ein Ritual rund um einen grossen Baobab-Baum. Der Wagen “Abre-alas“ erschuf die hängenden Gärten der Samurais neu, aus dem antiken Babilonien, und die Suche nach Heilung durch die Natur.
Der zweite Wagen der Schule zelebrierte das antike Ägypten und die ersten rudimentären chirurgischen Eingriffe. Die Thematik ergänzend, erschien die Perkussions-Gruppe kostümiert als Mumien. Teile der Kostüme einiger Mitwirkenden zeigten anscheinend auch ein paar zwischen den Kostümfalten herauslugende Organe.
Die Ala der Bahianerinnen beeindruckte das Publikum mit einer Präsentation der tausendjährigen chinesischen Medizin durch das Gleichgewicht von Ying und Yang.
Der vierte allegorische Wagen präsentierte die Religiosität, die aus Afrika stammt – mit Trommeln und Götterbildern aus Stroh und aus Holz.
Um sämtlichen Beschwerden und Krankheiten den Kampf anzusagen, brachte die “Império“ zahlreiche Orixás (Gottheiten) auf die Avenida. Der Verein sprach auch über preventive und heilende Medizin und über alternative Therapien – durch Kristalle, Blumen und die spirituellen Heilungen durch den Glauben – entweder an Gott oder an die Orixás.
Der letzte Wagen der Schule fuhr in die Avenida ein mit Kindern, die den schön dekorierten Themen-Samba brüllten. Diese Allegorie richtete sich an alle Wissenschaftler, Ärzte und Gesundheits-Profis, die ihre Studien und ihr Leben zur Entwicklung von Heilmethoden und Medikamenten gegen Krankheiten einsetzen. Die Berühmten artikulierten Tiger begleiteten den letzten Wagen und beendeten den Karneval der “Império de Casa Verde“ und auch den von São Paulo.