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Von Barbara Sträuli-Eisenbeiss
Die Vorstellungen über die Bedeutung von Glück sind zahllos. Sie lassen sich jedoch in zwei Kategorien einteilen: Das eine ist ein egoistisches Glück, das allein das Wohl der eigenen Person und allenfalls noch der eigenen Familie zum Inhalt hat. Das andere ist ein Glück, das das eigene Glück an dasjenige des Nächsten und an das Wohl aller Geschöpfe knüpft. Diese zweite Definition konfrontiert einen unweigerlich mit dem Begriff der Gerechtigkeit. Ohne Gerechtigkeit gibt es kein umfassendes Glück. Die Gültigkeit dieses Gesetzes wird täglich und überall auf der Welt offenbar. Was aber heisst eigentlich Gerechtigkeit? Was muss der einzelne Mensch und was muss die Gesellschaft als Ganzes leisten, um gerecht zu sein? Eine der bedeutendsten Erörterungen zu diesem Thema ist Platons »Staat«. Hier unternimmt es Sokrates, anhand von Bildern und Vergleichen das Prinzip der Gerechtigkeit als Ordnung in allen Dingen und als Oberbegriff aller Tugenden anschaulich zu machen. Er fasst damit in einfach verständliche Worte, was vom Menschen konkret gefordert ist. Platons »Staat« enthält das umfangreichste und auch vielschichtigste Lehrgespräch Sokrates’. Im begrenzten Rahmen dieses Artikels kann nur die hauptsächliche Linie seiner Gedankenführung herausgeschält und nur ein Bruchteil seiner Erklärungen vorgestellt werden. Ein Ziel der vorliegenden Arbeit soll indes sein, den Leser zur eigenen Lektüre des Dialogs anzuregen; denn dort sind Wahrheiten über Ursache, Sinn und Ziel irdischen Lebens aufgezeigt, wie sie nur in wenigen Werken zu finden sind.