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Nahezu in Lebensgrösse malt Marguerite Frey-Surbek das «Portrait de Jeanne Carlin», in einem schlichten, eher dunklen Wohninterieur mit Bücherkommode und zwei blühenden Hyazinthen darauf und einem Teppich am Boden. Die Konzentration aufs Wesentliche verschafft der Malerei umso mehr Spielraum, einschliesslich des stärker ausgearbeiteten, hervortretenden Ganzfigurenporträts gegenüber dem reduzierten Interieur. Die Komposition und malerische Umsetzung erinnert an Vorbilder der französischen Moderne, denen die Künstlerin bereits in jungen Jahren in Paris begegnet ist. In ihrer aufrechten Haltung und mit dem Buch in der Hand, verkörpert die Porträtierte ein für die damalige Zeit fortschrittliches Frauenbild. Als Tochter des liberalen Diplomaten Gaston Carlin (1859–1922), der mit Ferdinand Hodler befreundet war und wie Frey-Surbek aus Delémont stammte, genoss Jeanne Carlin (1899–1958) gleichermassen Bildung und Kultur. Auch die frühlingshaften Hyazinthen versinnbildlichen ein Aufblühen, das von der Porträtierten ausgeht.
Marc Munter
Fast lebens-gross steht eine Frau im Raum.
Der Maler beschränkt sich aufs Wesentliche.
Nur wenige Gegen-stände möblieren die Stube.
Ein Teppich, eine Kommode und Blumen im Topf.
Die frisch aufgeblühte Hyazinthe passt zur jungen Frau.
Die Blume ist ein Symbol für die Lebens-Phase der 24-Jährigen.
Sie verkörpert ein damals fort-schrittliches Frauen-bild.
Das zeigt das Buch in der Hand.
Die Frau ist die Tochter eines Politikers.
Sie wuchs mit Kultur auf
und genoss Bildung.
Sara Smidt