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Felix Kauf
H stellt sich vor: Kurz- und Kürzestgeschichten
2010
«H.» noch kürzer kann der Name einer Figur nicht sein. H. ist eine gemeinsame Erfindung von Felix Kauf und Michel Mettler. In ihrem Buch «H. stellt sich vor» lassen sie ihren Helden durch die Strassen streifen, sie lassen ihn nachdenken, lesen, schreiben, träumen. H. ist unterwegs wie eine Sonde, H. ist offen für alles, er phantasiert, er hat Wünsche. «H. versteht es wie kein zweiter», heisst es einmal, «seine Kräfte so fein zu streuen, dass nur ihre Summe im Bereich der sichtbaren Wirkungen erscheint.»
Aus: Michel Mettler. H stellt sich vor: Kurz- und Kürzestgeschichten. 2010
Es gibt Tage, da schreibt H. Gedichte - aber nur, wenn es ihm sehr schlecht geht. Also selten. H. ist ein kluger Mensch, also wirft er seine Gedichte nach spätestens drei Tagen fort. Kluge Menschen werfen ihre Gedichte fort, vernichten sie, weiss H. Er aber wirft seine Gedichte nicht fort, weil er klug sein will, sondern weil er an ihrer Unvollkommenheit leidet. Denn H. ist Poet. Poeten leiden an der Unvollkommenheit ihrer Gedichte. Je grösser der Poet, desto tiefer das Leiden. Die grössten Poeten leiden so sehr an der Unvollkommenheit ihrer Gedichte, dass sie sie auf der Stelle vernichten müssen. Noch grössere Poeten wür- den aus Scham niemals Gedichte schreiben, kein ein ziges, wären also gar keine Poeten, denkt H.