Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03282.jsonl.gz/2674

In London ist ein Mann zu einer sechsmonatigen Haftstrafe verurteilt worden, weil er einen Polizisten angehustet und diesem mit einer Corona-Infektion gedroht hatte.
Der 55-Jährige war von dem Beamten gestoppt worden, als er an den Türgriffen von geparkten Wagen herumgefingert hatte, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte. Der Mann habe daraufhin ausgerufen, dass er mit dem Coronavirus infiziert sei und den Beamten anstecken werde.
Der Mann hustete den Angaben zufolge daraufhin in Richtung des Polizisten. Ausserdem habe er dem Beamten ins Gesicht gespuckt und gedroht, diesen zu beissen. Der 55-Jährige wurde nun auf Grundlage eines Gesetzes verurteilt, das seit November 2018 in Kraft ist und bis zu einjährige Haftstrafen für Angriffe auf Sicherheitskräfte während Einsätzen in Notfallsituationen vorsieht.
NACHRICHTENÜBERBLICK INTERNATIONAL
Kreuzfahrt: US-Regierung will Briten und Kanadier von «Zaandam» holen
Die US-Regierung will einen Teil der Passagiere von dem Kreuzfahrtschiff "Zaandam" holen, auf dem sich das Coronavirus ausgebreitet hat und das sich in Gewässern vor dem US-Bundesstaat Florida befindet.
Präsident Donald Trump kündigte am Mittwoch in Washington an, kanadische und britische Staatsbürger würden von dem Schiff geholt und an die Behörden ihrer Heimatländer übergeben. Zu diesem Zweck werde medizinisches Personal an Bord geschickt.
Wieviele Kanadier und Briten sich auf der "Zaandam" aufhalten, sagte Trump nicht. Insgesamt befanden sich nach Angaben der Reederei Holland America Line, zu der das Kreuzfahrtschiff gehört, noch rund 450 Passagiere und 600 Besatzungsmitglieder an Bord. Darunter sind laut Medienberichten auch 10 Schweizer Bürger.
Das Schiff hat eine wochenlange Irrfahrt hinter sich, da mehrere Häfen in Südamerika ihm wegen der Infektionsfälle an Bord die Einfahrt verweigert hatten.
Die "Zaandam" war am 7. März in Buenos Aires gestartet und hatte das Kap Horn umfahren. Vier Menschen an Bord starben an der von dem Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19. Mindestens neun Passagiere wurden nach Angaben der Reederei positiv auf das neuartige Virus getestet. Zudem seien bei knapp 200 Menschen an Bord grippe-ähnliche Symptome aufgetreten.
Der Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, lehnte ein Anlegen der "Zaandam" und seines Schwesterschiffs "Rotterdam" im Hafen von Fort Lauderdale zunächst ab. Am Mittwoch deutete er jedoch sein Einlenken an. Die "Rotterdam" war vom kalifornischen San Diego aus losgeschickt worden und hatte bereits einen Grossteil der Passagiere von Bord der "Zaandam" geholt.
Mehrere hundert Menschen in gesundem Gesundheitszustand wechselten vor der Einfahrt in den Panama-Kanal über "Sanitätsgänge" das Schiff, wie die Reederei mitteilte. Ausserdem versorgte die "Rotterdam" die "Zaandam" mit Lebensmitteln, Personal und Corona-Tests.
Häftlinge in US-Gefängnissen werden wegen Coronavirus isoliert
Wegen der Coronavirus-Pandemie sind in allen Bundesgefängnissen der USA Isolationsmassnahmen verhängt worden. Die betroffenen insgesamt fast 170'000 Häftlinge dürfen mindestens 14 Tage lang ihre Zellen und Trakte nicht mehr verlassen, wie die für die Haftanstalten der US-Bundesregierung zuständige Behörde BOP am Mittwoch mitteilte.
Zuletzt hatte sich der neuartige Erreger in US-Bundesgefängnissen ausgebreitet. In einer Haftanstalt im Bundesstaat Louisiana starben mindestens zwei Insassen an der von dem Virus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19. Bislang steckten sich mindestens 57 Häftlinge und 37 Mitglieder des Wachpersonals in den Haftanstalten der US-Bundesregierung mit dem Coronavirus an.
EU-Staaten befürchten Gefahr für Demokratie
Deutschland und zwölf weitere EU-Staaten haben Sorge über Corona-Notmassnahmen geäussert, die gegen Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Grundwerte verstossen könnten.
Dies geht aus einer Erklärung hervor, die das niederländische Aussenministerium am Donnerstagabend im Namen der 13 Länder veröffentlichte.
In Ungarn hatte Ministerpräsident Viktor Orban sich Anfang der Woche wegen der Pandemie weitreichende Befugnisse erteilen lassen, unbefristet per Dekret ohne weitere Mitwirkung des Parlaments zu regieren. Die Verbreitung von Falschnachrichten soll streng bestraft werden, so dass Journalisten um kritische Berichterstattung fürchten.
Die Erklärung der 13 Länder nennt Ungarn nicht. Doch heisst es: "Notmassnahmen sollten auf das Nötigste begrenzt sein, sie sollten verhältnismässig und befristet sein, regelmässig überprüft werden und die genannten Grundsätze und internationalen Rechtsverpflichtungen respektieren. Sie sollten nicht die freie Meinungsäusserung oder die Pressefreiheit beschränken."
Über der Erklärung stehen neben Deutschland und den Niederlanden auch Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, Portugal, Spanien und Schweden. "Wir müssen diese Krise gemeinsam überwinden und auf diesem Weg gemeinsam unsere europäischen Prinzipien und Werte hochhalten", erklären sie und begrüssen die Ankündigung der EU-Kommission, die Notmassnahmen in allen Staaten im Auge zu behalten. Der Ministerrat für allgemeine Angelegenheiten solle sich gegebenenfalls damit befassen.
Deutsche Spitäler erhöhen Zahl der Intensivbetten auf rund 40'000
Die Kliniken in Deutschland haben wegen der Corona-Krise die Zahl der Intensivbetten von etwa 28'000 auf rund 40'000 erhöht. Gegen 20'000 Betten davon seien frei.
Dies sagte der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gass, der "Rheinischen Post" vom Donnerstag.
Zugleich stieg die Zahl der Betten mit Beatmungsgerät seit Beginn der Pandemie von etwa 20'000 auf mittlerweile rund 30'000. Zum Teil seien die Beatmungsgeräte aus anderen Bereichen wie beispielsweise aus Aufwachräumen geholt oder aber neu gekauft worden, sagte Gass. Zum Teil seien auch ausgemusterte Geräte reaktiviert worden.
Der Spitalchef gab sich "zuversichtlich", dass in den kommenden zwei Wochen für alle Covid-19-Patienten, die beatmet werden müssen, ein Gerät zur Verfügung stehen werde. Aktuell seien etwa 2000 Betten mit Covid-19-Patienten belegt.
Auch bei den Nichtintensivbetten schafften die Kliniken zusätzlichen Platz. Ein nennenswerter Teil an planbaren Behandlungen sei bereits zurückgefahren worden, betonte Gass. Die Normalauslastung der Spitäler liege bei 75 bis 80 Prozent. Zurzeit seien noch etwa 50 Prozent der Betten belegt.
Nach überstandener Corona-Infektion wahrscheinlich immun
Experten zufolge sind Menschen nach einer überstandenen Infektion mit Sars-CoV-2 wahrscheinlich zunächst immun gegen den Erreger. Stand heute wisse man, dass der Mensch nach der Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus Antikörper bildet, erklärten die Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig und Friedemann Weber, Leiter des Instituts für Virologie an der Universität Giessen. Es sei davon auszugehen, dass der Immunschutz nach der Infektion ein bis zwei Jahre anhält. Diese Annahme basiere auf der Erfahrung mit anderen humanen Coronaviren.
"Aller Voraussicht nach ist man nach Ansteckung mit dem Sars-CoV-2-Virus mindestens ein paar Jahre lang vor einer erneuten Infektion geschützt", sagte auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Thomas Kamradt. Nach allem, was man von ähnlichen Viren wisse, schützten die als Reaktion vom Körper gebildeten Antikörper vor einer erneuten Infektion. Wie lange dieser Schutz anhält, hängt Kamradt zufolge davon ab, in welchem Tempo die Konzentration der Antikörper im Blut, der sogenannte Antikörper-Titer, abnimmt.
Dem ärztlichen Direktor des Instituts für Laborationsmedizin am Marienhospital Stuttgart, Matthias Orth, zufolge lässt sich allerdings noch nicht gesichert sagen, ob die gebildeten Antikörper vor einer erneuten Infektion schützen. Noch sei unbekannt, ab welcher Konzentration von Antikörpern ein Schutz besteht und wie häufig doch erneute Infektionen auftreten.
Bayer will möglichen Covid-19-Wirkstoff auch in Europa produzieren
Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer schafft nun auch in Europa Produktionsmöglichkeiten für den Wirkstoff Chloroquin im möglichen Kampf gegen die Lungenkrankheit Covid-19. Dies kündigte Bayer-Chef Werner Baumann am Donnerstag im Interview mit dem "Handelsblatt" an.
Produktionsanlagen sollen nun auch in Europa für die Fertigung des Medikaments Resochin mit dem Wirkstoff Chloroquin angepasst werden. Bisher wird das Mittel, das Bayer in der Krise kostenlos an Regierungen spenden will, nur an einem Standort in Pakistan hergestellt.
Das bereits in den 1930ern entwickelte Medikament zur Malariaprophylaxe ist schon seit einigen Wochen im Gespräch, nachdem Tests an Zellkulturen eine Hemmung der Vermehrung des neuartigen Coronavirus gezeigt hatten, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann.
"Es gibt Hinweise darauf, dass Resochin im Labor und in ersten klinischen Untersuchungen die Viruslast senkt", sagte Baumann dem Blatt. Es seien aber weitere klinische Studien notwendig, um das Verhältnis von Nutzen und Risiko zu klären. Diese würden nun unter anderem von der Weltgesundheitsorganisation WHO gestartet.
Chloroquin war im März auch ausserhalb von Fachkreisen verstärkt ins Gespräch gekommen, nachdem US-Präsident Donald Trump für den Einsatz des Malaria-Medikaments bei der Behandlung von Coronavirus-Erkrankten geworben hatte. Experten sind angesichts möglicher Nebenwirkungen aber vorsichtig und warnen vor einer Selbstmedikation. So ist etwa in Frankreich die Behandlung von Coronavirus-Erkrankten nur bei schweren Verläufen und nach Abstimmungen mit Ärzten erlaubt.