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Postkutsche
Mit der Gründung des schweizerischen Bundesstaates im Jahre 1848 wurde das Postregal von den Kantonen auf den Bundesstaat übertragen; so auch die Beförderung von Personen. Die eidgenössische Post, 1849 gegründet, verpflichtete sich, alle bestehenden Postkurse zu übernehmen und weiterzuführen. Der Reisepostbetrieb war anfangs der wichtigste Betriebszweig der schweizerischen Post. 1850 standen 498 Wagen und 247 Schlitten bereit, der Höchststand im Jahr 1913 umfasste 3 290 Fuhrwerke, davon 1059 Schlitten. Am Flüelapass stieg die Zahl der Reisenden in den Jahren 1870 bis 1900 von jährlich 2 660 auf 13 073 Passagiere. Die beiden Pässe Albula und Julier steigerten ihre Passagierzahlen in diesem Zeitraum noch deutlicher: Albula von 6 620 auf 22 469, Julier von 11314 auf 22706. Der alpine Tourismus befand sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Aufschwung. 1903 wurde die Albulabahnstrecke eröffnet.
Der Pferdepostbetrieb Die Eidgenössische Postverwaltung betrieb die Alpenpostkurse nicht selbst, sondern übertrug sie Unternehmern, den Postpferdehaltern. Postführungsverträge regelten die fixen Kurszahlungen und legten die Zahl der benötigten Pferde, der Fahrten und die Fahrzeiten fest. Die Postverwaltung stellte die Hauptkurswagen, während der Postpferdehalter für die nötigen Beiwagen zu sorgen hatte. An wichtigen Postrouten standen Großunternehmer als Partner der Post im Einsatz. Um 1900 am Simplonpass musste der Postpferdehalter in Domodossola stets mindestens 150 Postpferde bereithalten, die Postpferdehalter in Samaden (Engadin) hatten 230 bis 260 Pferde zu stellen. So aufwändig der Pferdepostbetrieb, so hoch waren seine Kosten und letztlich auch die Tarife. Ab 1873 betrug der Tarifansatz zehn bis 15 Rappen pro Kilometer, wobei auf Alpenkursen erhöhte Taxen von 20 und 25 Rappen pro Kilometer zu zahlen waren. Für Vorzugsplätze mussten pro Kilometer fünf Rappen Zuschlag gezahlt werden. Nur gut betuchte Zeitgenossen konnten sich das Reisen leisten. Eine 50 Kilometer lange Passfahrt kostete zehn bis zwölf Franken, wofür ein Handwerker um 1900 etwa 25 bis 30 Stunden arbeiten musste. Lag der Eigenwirtschaftlichkeitsgrad der Eidgenössischen Reisepost in den 1870er-Jahren noch bei rund 60 Prozent, verschlechterten sich die Betriebsergebnisse danach zusehends – trotz hoher Tarife und steigender Passagierzahlen –, weil die Eisenbahn die Postkutschenkurse von den Hauptrouten verdrängte und ihnen nur die Funktion eines Zubringers blieb.