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Falls Sie aus irgendeinem Grund immer noch glauben, die Wissenschaft sei ein aufgeklärtes und nobles Unternehmen, gönnen Sie sich die Lektüre eines Artikels, den der amerikanische Psychologe Seth Roberts 1990 für das inzwischen eingestellte Satireblatt «Spy Magazine» verfasste. Er heisst «Lab Rat», kann im Internet abgerufen werden und schildert die aberwitzigen Schandtaten von Robert Gallo, jenem Wissenschafter, der die Entdeckung des Aidsvirus für sich beanspruchte, während er es in Wirklichkeit vom wahren Entdecker, Luc Montagnier am Pasteur-Institut, gestohlen hatte.
Am Ende siegte die Gerechtigkeit: Montagnier bekam den Nobelpreis, Gallo nicht, und die Wissenschaft schritt weiter. Ein Satz aus Roberts’ köstlichem Artikel ist mir über all die Jahre im Gedächtnis geblieben, es war der Ausspruch eines ungenannten Kollegen von Gallo: «Hätte Machiavelli sein Buch heute geschrieben, hätte er es ‹Der Laborchef› genannt.»
Das ist vielleicht ein wenig übertrieben. Machiavelli, ein äusserst scharfer Beobachter menschlichen Verhaltens, hätte wahrscheinlich festgestellt, dass es zwei Wege an die Spitze der Wissenschaft gibt, einen mehr als seinerzeit in der Politik der Toscana. Der erste Weg ist, Grosses zu leisten und anderen gegenüber fair und grosszügig zu bleiben, alle Karten auf den Tisch zu legen und der stets präsenten Versuchung zu widerstehen, die Macht zu missbrauchen, die einem übertragen wurde. Ich nenne dies den Marc-Aurelschen Ansatz. Der andere Weg ist der, zu dem Machiavelli in seinem Handbuch ruchloser Fiesheiten auffordert, die Geschäftsleitung nach Art des Julius Cäsar: Eigenlob, rücksichtslose Brutalität, Verschlagenheit und Berechnung. Es versteht sich fast von selbst, dass letzteres Verfahren zuverlässiger zum Ziel führt als ersteres – vorausgesetzt, man kann die Iden des März auf unbestimmte Zeit verschieben. Was Cäsar zu Fall brachte, war der Umstand, dass seine Kollegen genau so schnell mit dem Schwert waren wie er. Die meisten Wissenschafter sind friedfertige Burschen, die schweigend die Tyrannei erdulden und den Gaunern dadurch weitere Vorteile verschaffen.
Hat sich seit 1990 etwas daran geändert? Überraschenderweise ja. Das Internet ist hinzugekommen. Zwei Beispiele aus jüngerer Zeit illustrieren die Umwälzung, die es gebracht hat. Das erste ist die Kontroverse über den vom Menschen verursachten Klimawandel, wo Panikmacher im Stile Cäsars durch Missbrauch des Peer-Review-Systems versuchten, Leute mit anderen Meinungen mundtot zu machen und Forschungsmittel, Publikationen und öffentliche Wahrnehmung zu monopolisieren. Der Betrug flog auf, als jemand den konspirativen E-Mail-Verkehr ins Netz stellte, wo ihn alle Welt lesen konnte. Der Klimaskandal ist noch nicht vorbei, aber allmählich hellen sich die Dinge auf, und eine ausgewogenere Auffassung beginnt sich durchzusetzen.
Das zweite Beispiel ist die Rezeption der verblüffenden Theorie eines Genforschers aus Athens, Georgia, namens Eugene McCarthy. Sie besagt, der Mensch sei durch zufällige Hybridisierung von Schimpansen und Schweinen entstanden. Man mag an dieser Idee aus ästhetischen Gründen Anstoss nehmen, und McCarthy wäre der erste, dies zuzugeben. Aber die Argumentation auf seiner Website Macroevolution.net ist so fundiert und brillant geschrieben, dass sie gehört wird. Ich glaube nicht, dass dergleichen zu Gallos Zeiten möglich gewesen wäre. Halbzeitstand: Julius Cäsar 0, Marc Aurel 2.