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Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg
Uralte Lieder, die schon zur Zeit des Tacitus aus ferner Vorzeit stammen, singen von den drei göttlichen Ahnen, nach denen sich die drei westgermanischen Stämme bezeichneten (Germ. 2). Die Namen der Ingwäonen, Erminonen und Istwäonen sind durch die Alliteration gebunden; sie sind altgermanischer Poesie entnommen und bildeten, wie die Dreizahl der Stäbe vermuten läßt, einen zweiteiligen Langvers. Was bedeuten die Namen der drei Ahnherrn, die in urgerm. Form *Ingwaz, *Ermnaz, *Istwaz lauten würden? sind es Brüder, verschiedene Göttergestalten oder uralte Epitheta einer Gottheit, die ihnen von den drei Stämmen beigelegt wurden ?
Daß Tius bei den Erminonen, deren Wohnsitze sich von der Donau bis zur Spree erstreckten, der oberste Gott war, weiß Tacitus zu berichten (Germ. 39; D. S. 365). Im Lande des ältesten erminonischen Stammes, der Semiionen, zwischen der mittleren Elbe und Oder (Mark Brandenburg) kamen alle Stämme desselben Blutes zusammen. In einem schaurigen Haine begannen die Amphiktyonen die hohe Feier durch das Opfern eines Menschen. Als den allwaltenden Gott, den alles in knechtischem Gehorsam verehrt, als den Urahnen des Volkes (tamquam inde initia gentis), als den größten und höchsten der Götter , nannten sie ihn *Tiwaz erinnaz, d. i. den Erhabenen (oQfUvoi;). Die Erminonen betrachteten sich also als Zeussöhne und verehrten den „erhabenen Himmelsgott“ (lrmin) als Ahnherrn und Gründer ihres Stammes. Die Seinnonen, eine Abteilung Schwaben, verrichteten hei dem gemeinsamen Kultus Priesterdienste, wie die Nahanarvalen bei den Ostgermanen.
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Buchübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg
Vorrede
Wie ich einst unter dem Eindruck jahrelang fortgesetzter kulturhistorischer Wanderungen und Studien des Volklebens im nördlichen Deutschland den Versuch gemacht habe, in der Schrift »Der heutige Volksglaube und das alte Heidentum« aus den noch jetzt herrschenden Sagen und Traditionen die niedere, volkstümliche Mythologie der betreffenden Stämme in der Anlehnung der mythischen Gestalten an die Natur zu entwickeln: so beabsichtige ich mit den Untersuchungen, welche ich mit diesem Buche beginne, in aufsteigender Linie bis zur indogermanischen Mythologie vorzudringen, d. h. in großen Umrissen den Glaubensstand zu zeichnen, welcher sich etwa für die Zeit der Trennung der arischen Stämme, als sie Kolonisatoren nach Ost und West wurden, zu ergeben scheint.
Denn wenngleich, wie ich verschiedentlich schon ausgeführt habe, die religiöse Entwickelung derselben zu jener Zeit noch nicht zu dem Begriff des Göttlichen, selbst nicht im Homerischen Sinne, vorgedrungen war, sondern sich noch mehr oder weniger innerhalb des Stadiums einer einfachen »Naturanschauung« bewegte und die mythischen Elemente selbst noch in gewissem Sinne flüssig waren, so macht sich doch daneben schon ein gewisser homogener Hintergrund in betreff einer allgemeinen, mythisch-religiösen Weltanschauung bemerkbar, der als eine gemeinsame Entwicklungsphase in dieser Hinsicht anzusehen ist, die nur dann während und mit der Zeit der Sonderung der einzelnen Stämme zu Völkem teils zurückgedrängt, teils unterbrochen wurde, so daß eben nur aus den Niederschlägen, die sie in der Tradition gefunden hat, noch ein Bild derselben zu gewinnen ist.
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