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Neuromythos Nr. 2: Lernen = Gehirnwachstum
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Lernen ist gleichbedeutend mit dem Wachstum von Verbindungen zwischen Nervenzellen im Gehirn.
Diesem populären Neuromythos zufolge schlagen sich Lernprozesse auf neuronaler Ebene stets in der Bildung neuer Verbindungen im Gehirn nieder. Demnach gilt: Je mehr Verbindungen bestehen, desto besser ist dies für die geistigen Leistungen.
Tatsächlich verhält es sich aber so, dass Lernprozessen auf neuronaler Ebene zwei ganz unterschiedliche Vorgänge entsprechen – nämlich einerseits das Entstehen von neuen Verbindungen zwischen Nervenzellen sowie andererseits das gezielte Deaktivieren von solchen Verbindungen, die nicht benötigt werden. Dieser zweite Prozess, der als „Pruning“ bezeichnet wird, hat also die Funktion, die Informationsverarbeitung im Gehirn effizienter zu machen, denn es entstehen beim Lernen zunächst sehr viel mehr Verbindungen, als später benötigt werden. Man spricht daher auch von „neuraler Effizienz“, um die Tatsache zu beschreiben, dass die Gehirne von Personen, die in einem bestimmten Gebiet „Experten“ sind, deutlich weniger Aktivierung zeigen und weniger Energie verbrauchen als die Gehirne entsprechender „Novizen“. Aus diesem Grund gilt die schlichte Gleichung „Lernen = Wachstum von Verbindungen zwischen Nervenzellen im Gehirn“ also nicht.
Literatur:
- John Brewer (2003). Der Mythos der ersten drei Jahre. Beltz-Verlag
- Aljoscha Neubauer & Elsbeth Stern (2007). Lernen macht intelligent. Warum Intelligenz gefördert werden muss. DVA
- Sarah J. Blakemore & Uta Frith (2006). Wie wir lernen. Was die Hirnforschung darüber weiß. DVA