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Die Schweiz engagiert sich in der europäischen Wissenschaft, schon länger als es die Europäische Union gibt. Bereits 1954 beteiligte sie sich an der Gründung des CERN in Genf. Im Jahr 1975 war sie eines der Gründungsmitglieder der Europäischen Weltraumorganisation. Seit 1987 nimmt sie als Drittland an den europäischen Forschungsrahmenprogrammen teil, denen sie 2004 durch die Bilateralen I als assoziiertes Land beitrat. Seitdem wurde die Assoziierung für jede Programmgeneration neu verhandelt. Die Diskussionen über Horizon Europe 2021 –2027 wurden bis zum Abschluss des Rahmenabkommens ausgesetzt.
Heute sieht sich die Forschung als Geisel in einem politischen Spiel. Der Zeitplan arbeitet gegen sie. Vor einem Monat brach der Bundesrat die Verhandlungen über das Rahmenabkommen ab, und letzte Woche gab die Europäische Kommission bekannt, dass die Schweiz nicht auf der Liste der Länder steht, für die in naher Zukunft eine Assoziierung mit dem Programm Horizon Europe vorgesehen ist.
Der Abstieg in den Drittlandstatus bedeutet, dass
- Schweizer Forschende und Unternehmen können europäische Projekte nicht mehr koordinieren. Im letzten Programm, Horizon 2020 2014 –2020, haben Schweizer Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen 1185 Projekte koordiniert, das sind 3,9 % des Gesamtvolumens. Ein Projekt zu koordinieren bedeutet, die zukünftigen Prioritäten der europäischen Forschung mitzubestimmen und damit die Entwicklung des Forschungs- und Innovationsraums auf kontinentaler Ebene zu gestalten.
- Forschende in der Schweiz können keine ERC-Grants des European Research Council mehr erhalten. Im letzten Programm machten diese hochkompetitiven Zuschüsse 40 % der gesamten europäischen Fördermittel aus, die der Schweiz gewährt wurden, d.h. mehr als eine Milliarde Schweizer Franken.
- Die KMU in der Schweiz sind betroffen, da sie das Herzstück der dritten Säule des europäischen Programms sind, die der Entwicklung und Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen gewidmet ist. Fast 25 % der in Horizon 2020 geförderten Schweizer Projekte wurden von KMUs geleitet, ein Anteil, der auf 36 % steigt, wenn man die Industrie mit einbezieht. Diese direkte Förderung hat kein äquivalentes Instrument in der Schweiz.
Der Zugang zu europäischen Programmen ermöglicht es der Schweiz auch, die besten Talente für die Schweizer Hochschulen zu gewinnen. Ohne eine Assoziierung werden sie die Schweiz verlassen und sich in anderen europäischen Ländern niederlassen. Die fehlende Assoziierung betrifft auch die Zukunft junger Menschen in Ausbildung, da sie ihnen den Zugang zum europäischen Forschungsnetzwerk erschwert - und dies in einem Kontext, in dem die Mobilität der Studierenden bereits geschwächt ist, da die Schweiz nicht mehr an Erasmus+ beteiligt ist. Heute werden die ersten Projektausschreibungen von Horizon Europe lanciert, von denen Schweizer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausgeschlossen sind.