Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03251.jsonl.gz/2071

29. June 2016
-
Jean-Louis Richard, Senior Financial Analyst
Nachdem die Urnen in Grossbritannien kaum geleert waren, war die Politik in vollem Aufruhr. Das Spektrum der Möglichkeiten ist sehr breit. Die Idee einer neuen Abstimmung wurde lanciert; gewisse Experten schlagen einen minimalen Austritt aus der Europäischen Union vor, um kein zweites Referendum in Schottland zu provozieren, welcher mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Spaltung des Vereinten Königreichs mit sich führen würde. Logischerweise muss London seinen zukünftigen Status in Europa verhandeln; dieses muss von den Parlamenten der 27 verbleibenden Staaten der Union gutgeheissen werden, ein langwieriger Prozess an dem die Britten am kürzeren Hebel sitzen. Das Wahrscheinlichste ist, dass die politische Ungewissheit sich über Jahre hinauszieht.
Ein solches Umfeld ist für die Wirtschaft ungünstig; dies wird sich mit einem schwächeren, vielleicht sogar negativen Wachstum im Vereinten Königreich auszahlen. In einer nach der Abstimmung veröffentlichten Umfrage (Financial Times vom 27. Juni 2016), plant ein Viertel von Unternehmensführern in Grossbritannien keine neuen Arbeiter mehr einzustellen und ein Drittel will Investitionen senken. Die wichtigsten Handelspartner des Vereinigten Königsreichs, die Europäischen Länder, sollten abgeschwächt beeinflusst werden. Nimmt man etwas Abstand, sollte diese Europäische politische Krise keinen grossen Abdruck auf dem weltweiten Wirtschaftswachstum hinterlassen. Es handelt sich um ein regionales politisches Ereignis – es wird sehr wahrscheinlich kein globales wirtschaftliches.