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Etwa einer von 100 Menschen erkrankt im Laufe seines Lebens an Schizophrenie. Wahnvorstellungen oder Halluzinationen sind nur einige der möglichen Symptome.
Ausgegrenzt, gemieden, verspottet: Menschen mit Schizophrenie stossen immer wieder auf Ablehnung. Fast jeder Dritte möchte nicht mit einer Person zusammenarbeiten, die an Schizophrenie erkrankt ist. Das ist das Ergebnis einer Umfrage mit 3'600 Personen aus dem Jahr 2011. Im Jahr 1990 war es noch jeder Fünfte.
Mögliche Ursachen dieser Stigmatisierung sind eine Abnahme von Mitleid und Hilfsbereitschaft, aber auch Unwissenheit. Viele denken, schizophrene Menschen seien grundsätzlich gewalttätig und unberechenbar. Fest steht: Aggression und Gewalt können zwar während einer akuten Krankheitsphase vorkommen – die allermeisten Menschen mit Schizophrenie werden anderen gegenüber jedoch nicht gewalttätig.
Dass eine Schizophrenie viele verschiedene Facetten und Ausprägungen hat und nicht unbedingt mit Aggression, Halluzinationen oder Wahnvorstellungen einhergehen muss, ist Aussenstehenden oft gar nicht bewusst.
Eine Schizophrenie kann sich durch viele unterschiedliche Symptome bemerkbar machen.
Zu den Symptomen einer Schizophrenie gehören vor allem Realitätsverlust sowie Wahrnehmungs- und Denkstörungen. Teilweise tritt die Schizophrenie in Schüben auf.
Fachärzte für Psychiatrie (Psychiater) unterscheiden verschiedene Formen der Schizophrenie. Sie orientieren sich an den Symptomen, die am deutlichsten auftreten. Herrschen zum Beispiel Wahn und Halluzination vor, sprechen sie von einer paranoiden Schizophrenie.
Die Ursachen einer Schizophrenie sind bis heute noch nicht genau bekannt. Man vermutet, dass eine genetische Veranlagung in der Familie eine entscheidende Rolle spielt.
Um Schizophrenie festzustellen, wird die Ärztin sich einen Eindruck des Betroffenen machen. Anschliessend schliesst sie Erkrankungen aus, die mit ähnlichen Beschwerden wie die Schizophrenie einhergehen, zum Beispiel Entzündungen im Gehirn, andere psychische Erkrankungen oder Vergiftungen.
Dazu können unter anderem Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) sinnvoll sein. Verschiedene standardisierte Fragebögen unterstützen die Diagnostik.
Die Therapie der Schizophrenie erfolgt in erster Linie mit sogenannten Psychopharmaka. Dies sind Medikamente, die die Psyche des Menschen beeinflussen. Ausserdem unterstützt eine Psychotherapie die Betroffenen darin, mit ihrer Krankheit umzugehen und ihren Alltag zu bewältigen.
Unter Schizophrenie versteht man eine Gruppe psychischer Störungen, die zu den Psychosen zählen. Eine Psychose ist eine Erkrankung, bei der das eigene Erleben und die Wahrnehmung gestört sind, sodass der Bezug zur Realität verloren geht. Eine Person, die gerade eine Psychose erlebt, nimmt ihre Umwelt und sich selbst anders wahr, als sie es normalerweise tut.
Frauen und Männer sind etwa gleich häufig von einer Schizophrenie betroffen. Männer sind im Durchschnitt drei bis vier Jahre jünger als Frauen, wenn die Diagnose gestellt wird.
Die einzelnen Ausprägungen von Schizophrenie sind so verschieden, dass es ein typisches Krankheitsbild gar nicht gibt. Psychiatrische Fachleute sprechen daher stattdessen oft vom «schizophrenen Formenkreis».
Schizophrenie tritt bei einigen Formen in Schüben auf. Das heisst: Die psychotischen Symptome halten für eine gewisse Zeit an und klingen nach einigen Wochen bis Monaten vollständig oder teilweise wieder ab. Die Beschwerden können aber auch kontinuierlich vorhanden sein und langsam an Intensität zunehmen.
Die Symptome einer Schizophrenie können sehr unterschiedlich sein. Dazu zählen vor allem
Schizophrenie wird im Volksmund manchmal mit einer «gespaltenen Persönlichkeit» gleichgesetzt. Möglicherweise liegt das daran, dass Mediziner die Schizophrenie früher als «Spaltungsirresein» bezeichnet haben. Mit einer Persönlichkeitsspaltung hat die Schizophrenie jedoch nichts zu tun.
Wenn ein Mensch mehrere Persönlichkeiten in sich vereint, spricht man von einer dissoziativen Identitätsstörung (früher: multiple Persönlichkeitsstörung). Diese Störung wird sehr selten diagnostiziert. Bei Schizophrenie ist die Persönlichkeit nicht «gespalten», vielmehr sind das innere Erleben und die Wahrnehmung der Umwelt stark gestört.
In der Psychiatrie unterscheiden Ärzte verschiedene Formen der Schizophrenie. Je nach Ausprägung der Symptome teilen sie sie unter anderem in folgende Untertypen ein:
Die Wahrscheinlichkeit eines Menschen, im Laufe seines Lebens schizophren zu werden, wird auf etwa 1 Prozent geschätzt, das heisst: Etwa eine von hundert Personen erkrankt. Frauen und Männer sind etwa gleich häufig schizophren.
Die genauen Ursachen der Schizophrenie sind noch nicht bekannt. Forscher nehmen an, dass eine genetische Veranlagung (Disposition) bei der Schizophrenie eine zentrale Rolle spielt.
Die Krankheit bricht jedoch nur aus, wenn mehrere begünstigende und auslösende Faktoren zusammentreffen. Fachleute sprechen von einer multifaktoriellen Entstehung. Zu begünstigenden Faktoren zählen:
Die Wahrscheinlichkeit, Schizophrenie zu bekommen, ist erhöht, wenn schon Verwandte erkrankt sind. Je enger jemand mit einer erkrankten Person verwandt ist, desto höher sein Risiko:
Ist ein eineiiger Zwilling an Schizophrenie erkrankt, bekommt also der andere Zwilling nicht zwangsläufig ebenfalls Schizophrenie. Dies beweist, dass eine genetische Komponente nicht allein die Ursache einer Schizophrenie sein kann – denn Zwillinge haben ein identisches Erbgut. Wäre Schizophrenie eine reine Erbkrankheit, müssten stets beide Zwillinge erkranken. Es müssen also noch weitere Ursachen hinzukommen, die dann in der Summe zur Schizophrenie führen.
Schon Monate bis Jahre vor dem eigentlichen Ausbruch können bestimmte Anzeichen auf eine mögliche spätere Schizophrenie hinweisen. Dieses Vorstadium der Schizophrenie bezeichnen Psychiater als Prodromalphase. Eine Schizophrenie kann aber auch plötzlich ohne vorherige Anzeichen auftreten.
In der Prodromalphase ziehen sich die Betroffenen immer mehr aus ihrem sozialen Umfeld zurück. Sie wirken distanziert, sind häufig depressiv und nehmen die Realität unter Umständen bereits verzerrt wahr.
Wichtig zu wissen: Symptome wie sozialer Rückzug, Depressionen oder andere Beschwerden sind nicht zwangsläufig Anzeichen einer beginnenden Schizophrenie. Sie können auch im Rahmen anderer Erkrankungen auftreten. Meist lässt sich erst im Nachhinein beurteilen, ob die Beschwerden tatsächlich mit einer sich ankündigenden Schizophrenie in Zusammenhang standen.
Eine akute schizophrene Episode kann je nach Form und Ausprägung mit verschiedenen Symptomen einhergehen. Man unterscheidet
Positive Symptome (Plussymptome) sind verschiedene Phänomene, bei denen das normale Erleben übersteigert ist. Zu positiven Symptomen zählen etwa Wahnvorstellungen oder Halluzinationen.
Von negativen Symptomen (Minussymptomen) sprechen Ärzte hingegen, wenn bestimmte Bereiche im Vergleich zum gesunden Menschen eingeschränkt sind. Mögliche negative Symptome sind mangelnder Antrieb, Aufmerksamkeitsstörungen, die Unfähigkeit, sich zu freuen und sozialer Rückzug.
Mögliche Symptome einer Schizophrenie sind:
Wahnvorstellungen gelten als typische Schizophrenie-Symptome. Etwa 80 Prozent der Menschen mit Schizophrenie haben im Verlauf der Erkrankung Wahnvorstellungen. Die Vorstellungen und Überzeugungen des Erkrankten weichen stark von der Realität ab oder er interpretiert das, was um ihn herum passiert, falsch. Personen mit Wahnvorstellungen fühlen sich beispielsweise von anderen verfolgt oder sie glauben, über besondere Macht zu verfügen.
Ein Beispiel: Ein Betroffener sieht, dass in seiner Strasse Bauarbeiter die Strasse aufreissen. Er bezieht diese Aktion sofort auf sich und ist felsenfest davon überzeugt, dass das Ganze stattfindet, damit ihn die Bauarbeiter – die eigentlich Geheimagenten sind – ständig beobachten können und unterirdische Abhörleitungen bis in die Wohnung des Betroffenen verlegen.
Das Besondere an Wahnideen ist, dass sie für Aussenstehende sehr bizarr wirken und häufig magisch-mystische Einschläge aufweisen. Zum Beispiel könnte der Betroffene sich als Gottheit ansehen oder meinen, über besondere Kräfte zu verfügen, die man von Märchen- oder Fantasy-Figuren kennt.
Halluzinationen sind ebenfalls häufige Schizophrenie-Symptome, die bei etwa der Hälfte der Betroffenen auftreten. Eine Halluzination ist eine Sinnestäuschung. Hierbei empfinden Menschen mit Schizophrenie etwas als real, für das kein tatsächlicher Sinnesreiz vorhanden ist.
Sie sehen beispielsweise Gesichter, die gar nicht vorhanden sind (optische Halluzination); oder sie hören Stimmen, die sonst niemand wahrnimmt (akustische Halluzination). Akustische Halluzinationen kommen sehr häufig als Schizophrenie-Symptome vor. Oft äussern sie sich durch Stimmen, die dem Erkrankten Befehle erteilen (sog. imperative Stimmen) oder ihr Verhalten kommentieren (sog. kommentierende Stimmen). Manche Betroffene hören auch Stimmen, die sich untereinander unterhalten (sog. dialogisierende Stimmen). Auch das sogenannte Gedankenlautwerden gehört zu den akustischen Halluzinationen. Dabei glauben Betroffene, die eigenen Gedanken zu hören. Generell können Halluzinationen jedes Sinnesorgan betreffen, also auch das Riechen, Tasten und Schmecken.
Für die Betroffenen selbst sind Halluzinationen und Wahnvorstellungen in sich schlüssig und vollkommen real. Sie hören zum Beispiel Stimmen genau so, wie man eine reale Stimme hören würde. Menschen mit Schizophrenie haben den Bezug zur Realität verloren. Sie lassen sich nicht davon überzeugen, dass ihre Ansichten nicht der Wirklichkeit entsprechen.
Bei Ich-Störungen verschwimmen für den Betroffenen die Grenzen zwischen «Ich» und «Umwelt». Psychiater unterscheiden zum Beispiel folgende Ich-Störungen:
Formale Denkstörungen sind Schizophrenie-Symptome, die bei etwa zwei von drei Schizophrenen auftreten. Dabei ist der Denkablauf gestört. Das Denken vieler Betroffener ist zerfahren und zusammenhangslos. Die Gedankengänge sind sprunghaft und unlogisch, was sich in der Sprache niederschlägt:
Die Betroffenen verschmelzen zum Beispiel verwandte Sachverhalte (sog. Kontamination). Teilweise erfinden sie Wörter neu, die völlig absurd klingen können und keinen Sinn zu haben scheinen (sog. Neologismen). Sie reden in einem einzigen Satz über völlig unterschiedliche Dinge, sodass der Zuhörer gar nicht weiss, worüber sie sprechen. Sie sagen Wörter vor sich hin, ohne Sinn, Grammatik und besonderen Inhalt. Bei manchen Betroffenen bricht das Denken in einem Gespräch plötzlich ohne erkennbaren Grund ab (sog. Gedankensperrung).
Bei fast allen Menschen mit Schizophrenie treten affektive Symptome auf – die Schizophrenie wirkt sich also auch auf die Gefühlswelt der Betroffenen aus.
Im Gespräch wirken von Schizophrenie Betroffene zum Beispiel emotional abwesend oder gefühlsarm. Oder sie zeigen unangemessene Gefühle: Manche reagieren auf eine traurige Geschichte mit großer Freude. Oder sie werden traurig, wenn sie eine positive Nachricht bekommen. Ihre Mimik passt häufig nicht zu der Situation.
Weitere Schizophrenie-Symptome sind völlig entgegengesetzte Gefühle, die Schizophrene gleichzeitig erleben können – insbesondere die hebephrene Schizophrenie ruft bei Betroffenen gegensätzliche Emotionen hervor. Sie lieben und hassen zum Beispiel zur selben Zeit oder können etwas wollen und gleichzeitig nicht wollen (sog. psychotische Ambivalenz).
Besonders wenn die akute Phase der Schizophrenie abgeklungen ist, bleibt bei den Betroffenen häufig eine Gefühlsarmut bestehen. Die Erkrankten erleben Gefühle wie Freude oder Trauer dann nicht mehr so intensiv wie früher.
In einigen Fällen zeigen Menschen mit einer Schizophrenie Störungen in ihren Bewegungen (Motorik), die eng mit ihrer Psyche zusammenhängen (psychomotorisch).
Psychomotorische Störungen als Schizophrenie-Symptome können beispielsweise dazu führen, dass Betroffene nicht mehr in der Lage sind, sich zu bewegen, obwohl sie bei vollem Bewusstsein sind. Sie liegen dann wie erstarrt da – ein sogenannter katatoner Stupor – und wirken verängstigt und innerlich angespannt. Aussenstehende können Schizophrene in dieser Situation aber bewegen – sie nehmen die neue Haltung ein wie eine Schaufensterpuppe.
Bei einigen Betroffenen begleitet eine starke motorische Unruhe die Schizophrenie-Symptome. Die Schizophrenen fühlen sich getrieben und neigen dazu, bestimmte Bewegungen immer wieder auszuführen (Bewegungsstereotypen), beispielsweise den Körper hin- und herzuwippen.
Auch die Fähigkeit, mit anderen Menschen zu kooperieren, leidet unter der Schizophrenie. Manche Betroffene führen etwa automatisch genau das Gegenteil von dem aus, was man ihnen sagt (sog. Negativismus); oder sie erledigen Aufgaben so, als ob sie eine Maschine oder ein Automat wären (sog. Befehlsautomatie).
Schizophrenie kann sich in ganz unterschiedlichen Symptomen äussern. Daher ist es gerade zu Beginn der Erkrankung oft nicht leicht, eine genaue Diagnose zu stellen.
Es gibt keinen speziellen Test, mit welchem man eine Schizophrenie eindeutig nachweisen könnte. Besonders wichtig zur Diagnosefindung sind Gespräche/Beobachtungen sowie eine gründliche körperliche und neurologische Untersuchung.
Im Gespräch kann sich der Arzt (oder Psychologe) einen ersten Eindruck verschaffen. Dabei wird er unter anderem auf das Verhalten, die Sprechweise und die Gedankengänge des Patienten achten. Die Schilderungen von Angehörigen oder Freunden (sog. Fremdanamnese) sowie standardisierte Bewertungsverfahren/Fragebögen können ebenfalls hilfreich sein. Die Ärztin/Psychologin wird vielleicht wissen wollen,
Um die Diagnose Schizophrenie stellen zu können, muss die Ärztin zunächst sicherstellen, dass nicht doch eine körperliche Ursache hinter den Beschwerden steckt. Erkrankungen, die zu ähnlichen Beschwerden wie bei einer Schizophrenie führen, sind:
Um solche Krankheitsbilder ausschliessen zu können, ist immer eine sorgfältige Untersuchung durch einen Arzt notwendig. Er wird
Gegebenenfalls wird er prüfen, ob sich im Urin Drogen nachweisen lassen.
Die Diagnose Schizophrenie wird der Arzt nur stellen, wenn
Patienten müssen mindestens eines der folgenden Symptome (oder mehr, wenn die Symptome nur schwach ausgeprägt sind) zeigen:
Alternativ müssen mindestens zwei der folgenden Symptome vorliegen:
Welche Behandlung bei Schizophrenie am besten geeignet ist, richtet sich zum einen nach den individuellen Bedürfnissen der Patientin. Zum anderen spielt eine Rolle, ob die Patientin gerade einen akuten Schub erlebt oder ob es darum geht, einen erneuten Schub zu verhindern. Darüber hinaus muss berücksichtigt werden, welche Form der Schizophrenie vorliegt.
Insbesondere bei einem akuten Schizophrenie-Schub mit Wahnvorstellungen und Halluzinationen sehen viele Betroffene nicht ein, dass sie eine Behandlung benötigen, denn sie haben kein Krankheitsgefühl und demzufolge auch keine Behandlungsbereitschaft. Sie sind daher zu Beginn häufig nicht bereit, mit Ärzten und Therapeuten zusammenzuarbeiten.
Gerade bei Wahnvorstellungen, Suizidgedanken oder grosser Erregung ist meist ein stationärer Aufenthalt erforderlich. Wenn die psychotischen Symptome abgeklungen sind, gilt es, gemeinsam mit dem Betroffenen die weitere Therapie zu planen.
Zu wichtigen Therapie-Elementen zählen:
Nicht zuletzt ist ein stabiles soziales Netz von Bedeutung: Patienten, die Hilfe und Unterstützung von Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern bekommen, können in der Regel besser mit der Schizophrenie umgehen.
Besonders in der akuten Phase einer Schizophrenie ist die Therapie mit Psychopharmaka der wichtigste Baustein – Psychiater setzen vor allem sogenannte Antipsychotika (früher: Neuroleptika) ein. Bei der Dosis gilt: so niedrig wie möglich, so hoch wie nötig. Welches Medikament im Einzelfall infrage kommt, hängt von den jeweiligen Symptomen ab.
Antipsychotika beeinflussen die Konzentration verschiedener Botenstoffe im Gehirn, so zum Beispiel von Dopamin. Dies kann insbesondere die sogenannten Positiv-Symptome wie Wahnvorstellungen oder Halluzinationen reduzieren. Heilbar ist eine Schizophrenie dadurch jedoch nicht.
Klassische Antipsychotika können zu verschiedenen, teils starken Nebenwirkungen führen. Hierzu zählen vor allem Störungen der Motorik wie Bewegungsunruhe und unwillkürliche Bewegungen, Zittern oder Bewegungsarmut, aber auch Gewichtszunahme.
Heutzutage kommen häufig Antipsychotika der zweiten Generation oder atypische Antipsychotika (Atypika) zum Einsatz. Ihre Nebenwirkungen fallen im Vergleich zu klassischen Antipsychotika geringer aus.
Bis die Medikamente wirken, dauert es meist einige Wochen. Sind die akuten Symptome abgeklungen, nimmt der Betroffene die Antipsychotika noch über einen längeren Zeitraum ein (sog. Erhaltungstherapie), meist für mindestens zwei Jahre. Treten immer wieder Rückfälle auf, kann eine dauerhafte Medikamenteneinnahme sinnvoll sein.
Durch die Psychoedukation soll der Patient (und gegebenenfalls seine Angehörigen oder andere Vertrauenspersonen) ausführlich und verständlich über seine Erkrankung informiert werden. Wichtig ist, zu verstehen,
Eine Psychotherapie ist grundsätzlich in allen Erkrankungsphasen geeignet. In der Psychotherapie lernt die Erkrankte Schritt für Schritt, mit der Schizophrenie umzugehen. Ausserdem erarbeitet sie mit der Therapeutin die individuellen Auslöser für den Krankheitsausbruch und die Faktoren, die einen erneuten Schub begünstigen oder verhindern können.
Die Psychotherapie kann zudem dabei helfen, aktuelle Probleme und Lebensentscheidungen zu besprechen und Lösungen zu finden, ohne die Erkrankte dabei zu über- oder unterfordern. Über- und Unterforderungen können einen erneuten schizophrenen Schub auslösen.
Vor allem die Verhaltenstherapie hat sich bei der Behandlung der Schizophrenie bewährt. Grundannahme der Verhaltenstherapie ist, dass sich Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen gegenseitig beeinflussen. Die Patientin erarbeitet mit der Therapeutin etwa Strategien, um die Aufmerksamkeit von bedrohlichen Halluzinationen abzulenken. Oder sie lernt, Auslöser für einen erneuten Schub zu vermeiden.
Ein weiteres häufiges Behandlungsverfahren ist die Familientherapie. Dabei bezieht die Therapeutin gezielt andere Familienmitglieder in die Behandlung ein. So wird unter anderem analysiert, wie die einzelnen Mitglieder miteinander umgehen und in welcher Beziehung sie zueinander stehen. Im Rahmen der Sitzungen lernen sie, die Patientin bei der Krankheitsbewältigung zu unterstützen.
Die sogenannte Soziotherapie im Rahmen der Schizophrenie-Therapie fördert die Fähigkeiten der Betroffenen, die sie im alltäglichen Leben benötigen, zum Beispiel im Umgang mit anderen. Ziel ist, beruflich und sozial wieder Fuss zu fassen und mit so wenig Einschränkungen wie möglich leben zu können. Soziotherapeutische Angebote sind unter anderem Arbeits- und Beschäftigungstherapie. Ausserdem zählen auch Massnahmen zur Wiedereingliederung (Rehabilitation) in verschiedenen Einrichtungen zum soziotherapeutischen Angebot.
Schizophrenie verläuft häufig in Schüben. Die Gefahr liegt darin, dass nach jedem Schub bestimmte Symptome dauerhaft bestehen bleiben oder sich nicht vollständig zurückbilden. Vor allem Negativsymptome wie
schränken Betroffene dann zunehmend ein. In seltenen Fällen bilden sich sogenannte positive Symptome wie Wahn oder Halluzination nicht mehr vollständig zurück. Wenn Symptome zurückbleiben, sprechen Ärzte von einem Residuum.
Nicht jede Schizophrenie ist heilbar. Jedoch lässt sich die Erkrankung heutzutage gut behandeln, sodass viele Erkrankte ihren Alltag selbstständig bewältigen können. Paradoxerweise lassen sich sehr akute Formen mit ausgeprägter Plussymptomatik besonders gut behandeln und haben auch eine günstigere Prognose als die symptomarmen hebephrenen Formen.
Der Verlauf einer Schizophrenie ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich:
Generell gilt: Je früher und umfassender die Schizophrenie behandelt wird, desto besser kann ihr Verlauf positiv beeinflusst werden. Deshalb wird ständig nach Früherkennungsmöglichkeiten geforscht. Relativ neu sind Erkenntnisse von Veränderungen an der Netzhaut (Retina), die einen einfachen Zugang als diagnostische Methode ermöglichen.
Erbliche Faktoren scheinen bei der Schizophrenie eine grosse Rolle zu spielen – was die Möglichkeiten zum Vorbeugen stark einschränkt. Als genetisch vorbelastet gelten Menschen, deren Eltern an einer Schizophrenie erkrankt sind oder waren. Aber auch soziale und psychische Faktoren wie Stress, Traumata und belastende Ereignisse begünstigen den Ausbruch der Krankheit. Aus diesem Grund empfiehlt man Menschen mit einer erblichen Vorbelastung für Schizophrenie, Stress weitestgehend zu vermeiden und keine Drogen zu konsumieren.