Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03128.jsonl.gz/480

Kinderarbeit
Heute wird dem Thema Kinderarbeit viel Aufmerksamkeit zuteil. Kinder werden in zahlreichen Branchen beschäftigt, vom Haushalt bis zur Schwerindustrie. Die Zahl der betroffenen Kinder ist alarmierend.
Aufgrund ihrer Illegalität ist es meist schwierig, statistische Zahlen über Kinderarbeit zu sammeln. Schätzungen belaufen sich auf etwa 250 Millionen arbeitende Kinder zwischen 5 und 14 Jahren weltweit. 120 Millionen arbeiten Vollzeit, 130 Millionen Teilzeit [Bemerkung].
Kinderarbeit gibt es auch in vielen Industrieländern und gerade in osteuropäischen Ländern nimmt sie stark zu (siehe auch den Abschnitt „Kinder“).
Die revidierte Europäische Sozialcharta hat, im Vergleich zur Charta von 1961, den Schutz für Kinder und Jugendliche am Arbeitsplatz verstärkt. Artikel 7(1) besagt: „Um die wirksame Ausübung des Rechts der Kinder und Jugendlichen auf Schutz zu gewährleisten, verpflichten sich die Vertragsparteien: das Mindestalter für die Zulassung zu einer Beschäftigung auf 15 Jahre festzusetzen, vorbehaltlich von Ausnahmen für Kinder, die mit bestimmten leichten Arbeiten beschäftigt werden, welche weder ihre Gesundheit noch ihre Moral noch ihre Erziehung gefährden“. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO), die wichtigste normgebende Organisation, widmet sich seit langem der Beseitigung der Kinderarbeit und hat zu diesem Ziel Empfehlungen und Übereinkommen verabschiedet. Zwei wichtige Übereinkommen befassen sich eigens mit der Kinderarbeit [Bemerkung]:
- Das ILO-Übereinkommen über das Verbot und unverzügliche Maßnahmen zur Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit (1999) trat 2000 in Kraft. Frühere Versuche zur Beseitigung der Kinderarbeit sind gescheitert und die allgemeine Situation arbeitender Kinder verschlechtert sich weiterhin. Aus diesem Grund beschloss die internationale Staatengemeinschaft, nach dem Motto „ein Schritt nach dem andern“, zunächst die schlimmsten Formen der Kinderarbeit vollständig zu beseitigen. Bis November 2001 haben 108 Länder dieses Übereinkommen unterzeichnet.
- Das ILO-Übereinkommen über das Mindestalter für die Zulassung zur Beschäftigung (1973) ist ein weiteres Beispiel. In Artikel 1 heißt es: „Jedes Mitglied ... verpflichtet sich, eine innerstaatliche Politik zu verfolgen, die dazu bestimmt ist, die tatsächliche Abschaffung der Kinderarbeit sicherzustellen und das Mindestalter für die Zulassung zur Beschäftigung oder Arbeit fortschreitend bis auf einen Stand anzuheben, bei dem die volle körperliche und geistige Entwicklung der Jugendlichen gesichert ist.“
Das Übereinkommen über die Rechte des Kindes besagt in Artikel 32(1): „Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes an, vor wirtschaftlicher Ausbeutung geschützt und nicht zu einer Arbeit herangezogen zu werden, die Gefahren mit sich bringen, die Erziehung des Kindes behindern oder die Gesundheit des Kindes oder seine körperliche, geistige, seelische, sittliche oder soziale Entwicklung schädigen könnte.“
Neuerdings wirkt sich die Globalisierung stark auf die sozialen Rechte aus.[1] In der Tat werden dabei zunehmend soziale Garantien in Frage gestellt, die allgemein als minimale Schutzgarantien für elementare Arbeitsbedingungen gelten. Im Zuge der Durchsetzung einer freien Marktwirtschaft betrachten viele Unternehmen mangelnden sozialen Schutz als „attraktiv“ für Investitionen und billige Warenproduktion. Die Verlagerung von Industrien aus Ländern, in denen Arbeitsgarantien zwingend vorgeschrieben sind, in andere Länder, in denen solche Garantien für Arbeiter/innen nicht existieren, gilt als realisierbare und lukrative Option.
In einem Kontext, in dem die Priorität der meisten Unternehmen auf der Profitmaximierung liegt, selbst auf Kosten sozialer Arbeitnehmer/innenrechte, sind die internationalen und regionalen Menschenrechtsinstrumente, die soziale und wirtschaftliche Rechte gewährleisten, für den Schutz der Arbeiter/innenrechte unverzichtbar.
Prozentzahlen der arbeitenden Kinder zwischen zehn und vierzehn Jahren: 30,1% in Bangladesch, 11,6% in China, 14,4% in Indien, 17,7% in Pakistan, 24% in der Türkei, 20,5% in der Elfenbeinküste, 11,2% in Ägypten, 41,3% in Kenia, 25,8% in Nigeria, 31,4% im Senegal, 4,5% in Argentinien, 16,1% in Brasilien, 6,7% in Mexiko, 0,4% in Italien und 1,8% in Portugal.
Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung von und im Kampf für die Garantie von Arbeiter/innenrechten gespielt. Sie hat zur Ausbildung geeigneter Strukturen für die Förderung von Arbeiter/innenrechten beigetragen. www.ilo.org
- Siehe Hintergrundinformationen zur Globalisierung.