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Der Norweger Jon Lech Johansen scheint keine Angst vor grossen Tieren zu haben. Nachdem sich "DVD Jon" mit dem Knacken der DVD-Verschlüsselung und des iTunes Kopierschutzes bereits mit der Filmindustrie und Apple angelegt hat, hat er sich nun Microsoft vorgeknöpft.
Konkret hat Johansen einen proprietären Algorithmus entschlüsselt, mit dem ".NSC"-Dateien für Microsofts Windows Media Player geschützt werden. Diese Dateien enthalten gewisse Informationen, zum Beispiel den Port, der von einem Stream benutzt wird. Diese Infos braucht ein Media Player, um ein solchen Stream abspielen zu können – solange sie verschlüsselt sind, können die Streams also nicht über alternative Player abgespielt werden.
Johansens Ziel war es nun, die Windows Media Player-Streams auch für den Open Source-Player "VideoLAN" abspielbar zu machen. Johansen hat dazu einen Decoder entwickelt, der die .NSC-Dateien öffnen kann. An einer Integration des Decoders in den VideoLAN wird anscheinend nun gearbeitet.
Johansen rechtfertigt sich damit, dass die Verschlüsselung der .NSC-Dateien nur dazu da sei, um andere Clients als den Windows Media Player auszuschliessen. Dies habe nichts mit dem Schutz von Inhalten gegen unerlaubtes Kopieren zu tun. Die Port-Informationen seien ausserdem einfach über Netzwerk-Status-Utilities zugänglich, sobald der Windows Media Player einmal gestartet worden sei.
Bisher ist Johansen mit seiner Art der Argumentation gut durchgekommen. Ein norwegisches Gericht schmetterte zum Beispiel Anfang 2003 eine Klage der Motion Picture Association of America (MPAA) wegen des "DeCSS"-Programms, mit dem Johansen die DVD-Verschlüsselung knackte, ab. Johansen hatte erklärt, er habe dieses Programm nur geschrieben, um DVDs auch auf Linux-PCs abspielbar zu machen. Apple hat bisher darauf verzichtet, Johansen zu verklagen. (hjm)