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(franz. Teinture, engl. Dyeing), die Kunst, verschiedenen Stoffen eine beliebige Färbung zu geben, welche
entweder nur an der Oberfläche haftet, oder die ganze zu färbende Substanz durchdringt. Im ersten Fall
kann man mit einem Bindemittel (Leimlösung, trocknende Öle,
[* 3] Firnisse, Wasserglas) gemischte Farbe in gleichmäßiger, dünner
Schicht auftragen (Anstreichen), wobei die Farbe nach dem Trocknen hinreichend fest haftet, oder man trägt die Farbe, welche
aus gepulvertem, leicht schmelzbarem Glas
[* 4] besteht, mit einem vorläufigen Bindemittel auf und befestigt
sie durch so starkes Erhitzen, daß das Glas zum Schmelzen kommt.
Durch verschiedene Bronzierverfahren und namentlich auch durch Anwendung des Galvanismus
[* 7] erzeugt man mannigfache Effekte. Hier
schließt sich das Vergolden, Versilbern, Verzinnen an, sofern dadurch ebenfalls die Farbe metallener und nichtmetallener Gegenstände
geändert wird. Legierungen lassen sich färben, indem man durch Behandeln mit Chemikalien der oberflächlichen
Schicht den einen Bestandteil mehr oder weniger vollständig entzieht. Scheidemünzenmetall wird weiß, silberartig, wenn man
aus der oberflächlichen Schicht in einem geeigneten Bade das Kupfer entfernt.
Eigenartig ist
das Färben der Gespinstfasern,
[* 10] und dieses allein bildet den Gegenstand der Färberei im engern Sinn. Tränkt man Gespinste
oder Gewebe
[* 11] mit einer Farbstofflösung und läßt sie trocknen, so erscheinen sie gefärbt; doch nur in
seltenen Fällen haftet der Farbstoff fest auf der Faser, man kann ihn vielmehr durch Spülen und Waschen leicht wieder entfernen.
Einige Farbstoffe zeigen freilich so große Verwandtschaft zu der Faser, daß sie ohne weiteres sich dauerhaft mit derselben
verbinden.
In allen diesen Fällen wird der unlösliche Farbstoff ohne Dazwischenkunft eines Bindemittels auf der Faser fixiert; doch findet
hierbei nicht etwa eine chemische Verbindung statt, vielmehr zeigen mineralische Körper oft ein ganz ähnliches
Verhalten und lassen sich in gleicher Weise färben, wenn sie dem sich ausscheidenden Farbstoff eine große Oberfläche darbieten.
Das Haften des Farbstoffs an der Faser ist rein physikalisch durch Flächenwirkung zu erklären, alle Merkmale einer chemischen
Verbindung zwischen Faser und Farbstoff fehlen der gefärbten Faser durchaus.
¶
Tränkt man Baumwolle mit Alaunlösung und wäscht sie dann aus, so gelingt es schwer, die letzten Spuren des Alauns zu entfernen.
Diese werden durch Flächenwirkung zurückgehalten, und bringt man nun die so mit Alaun
[* 18] gebeizte Baumwolle
in eine Abkochung von Rotholz, so färbt sie sich sehr viel intensiver und dauerhafter als ungebeizte. Was hierbei vorgeht,
ist leicht zu erkennen: auch ohne Baumwolle bildet eine sehr geringe MengeAlaun in Rotholzabkochung einen roten Niederschlag,
und dieser schlägt sich, wenn man gebeizte Baumwolle anwendet, auf die Faser nieder.
BeimZeugdruck, wo nicht das ganze Gewebe mit der Beize gleichmäßig getränkt, diese vielmehr nur an bestimmten Stellen aufgedruckt
wird, kann man mittels Anwendung mehrerer Beizen nebeneinander durch einen einzigen
Farbstoff verschiedene Farbentöne auf
einem und demselben Gewebe erhalten. Bisweilen läßt man auch Beizen (schwach saure oder alkalische Flüssigkeiten,
Seifenbäder oder andre Farbebrühen) auf schon gefärbte Stoffe einwirken, um die Farbe lebhafter und reiner hervortreten
zu lassen (Schönen, Schauen, Avivieren) oder zu modifizieren (Modifikationsbeizen).
Die Operation des Färbens selbst ist in der Regel ebenso einfach wie die Apparate und Werkzeuge,
[* 19] die dabei in Anwendung kommen.
Die Baumwollfärberei, welche meist mit kalten oder lauwarmen Farbstofflösungen (Flotten) arbeitet, benutzt kleine hölzerne
Wannen ohne Heizvorrichtungen. LoseBaumwolle packt man inNetze oder Körbe, bringt sie mit diesen in die Flotte und preßt und
wringt sie nach dem Herausnehmen aus. Garn wird in einzelnen Strähnen auf Stöcke gezogen, welche mit ihren
Enden auf den Rändern der Wanne liegen, und, um gleichmäßige Färbung zu erzielen, von Zeit zu Zeit »umgezogen«,
wobei der Teil des Garns, welcher bisher aus der Flotte herausragte, nun in dieselbe gebracht wird.
Die Kette ist so konstruiert, daß man darin die mit Garnsträhnen behängten Stücke einlegen kann, und diese werden nun dreimal
bis an die Decke
[* 22] des Kastens gehoben und steigen dreimal wieder herab. An einem Ende des Kastens tritt das
nasse Garn ein, und am andern wird das trockne herausgenommen. Ein Ventilator saugt die feuchte Luft aus und veranlaßt den
Eintritt erwärmter trockner Luft. Baumwollene Gewebe werden in den Rollenständern (Klotzmaschinen, Clapots) behandelt.
In der Seidenfärberei arbeitet man mit kleinen kupfernen Kesseln ohne Feuerung oder mit Holzwannen und erreicht die nötige
Temperatur von 50° durch Zugießen von heißem Wasser oder durch eine Dampfschlange. Es wird fast nur Garn gefärbt, welches
man ebenso wie die Baumwolle auf Stöcken behandelt. Zum Chevelieren dient eine Maschine, in welcher die
Strähnen senkrecht stehen und um sich selbst gedreht werden. Die wieder aufgedrehte Seide wird kräftig auf einen polierten
Kupferblock geschlagen, um ihr Glanz zu geben, und zur Erhöhung desGlanzes in der Lüstriermaschine mit Dampf
[* 24] behandelt. Die
Seidensträhnen laufen hierbei straff gespannt über zwei polierte eiserne Walzen in einem Kasten, in welchen
Dampf einströmt. Seidene Gewebe werden selten gefärbt, da sie meist aus gefärbtem Garn hergestellt werden.
Garne werden nicht immer gleichmäßig gefärbt. Die Ombrés zeigen nur eine Farbe, aber verschiedene Nüancen derselben, so
daß die Strähne z. B. am Kopf dunkelrot ist und nach unten allmählich hellrosa, selbst weiß wird. Um
dies zu erreichen, taucht man die Strähne zuerst nur ein wenig in die Flotte ein, dann etwas tiefer, nach einiger Zeit wieder
etwas tiefer und so fort, bis endlich auch der Kopf der Strähne sich in der Flotte befindet. Sobald dieser die gewünschte
Nüance erreicht hat, unterbricht man die Operation und findet dann die einzelnen Teile der Strähne um
so dunkler gefärbt, je länger sie sich in der Flotte befunden haben.
Diese Latten bilden den Boden eines Kastens, aus welchem der Teil des Garns heraushängt, der zunächst
gefärbt werden soll. Man behandelt denselben wie gewöhnlich in der Flotte, spült dann, löst die Latten, zieht das gefärbte
Garn in den Kasten und färbt einen andern Teil der Strähne in einer andern Flotte. Das Zusammenpressen des Garns verhindert
das Aufsteigen der Flotte über die Latten hinaus und grenzt also die einzelnen Farben gegeneinander scharf ab. Unter dem NamenMignon hat man eine Art der Rayes eingeführt, auf welchen ein Teil der Strähne beim Färben weiß gelassen und später mit
verschiedenen Farben bedruckt wird. Windet man vor dem FärbenKnoten in das Garn und färbt, so erhält
man nach dem Aufknoten weiße, nach beiden Seiten in die Hauptfarbe abschattierte Stellen. Man kann auch das Garn in einer
beliebigen Farbe färben, dann knoten und eine andre Farbe darüber färben. Auf solche Weise erhält man die überraschendsten
Effekte.
Stets muß die Flotte vollkommen klar und von mechanischen Beimischungen, wie Splitter, Staub etc., frei sein. Die Farben, welche
der Färber erzeugt, sind entweder einfache oder
zusammengesetzte; sie werden in zahlreichen Abstufungen modifiziert und
zwar entweder durch Anwendung verschiedener Beizen oder durch abweichende Behandlung bei und nach dem Färben. Zusammengesetzte
Farben erzeugt man auch durch Vermischen mehrerer Beizen miteinander, durch Flotten, in denen verschiedene Farbstoffe gelöst
wurden, oder dadurch, daß man erst eine Farbe auf der Faser befestigt und dann noch eine zweite auf der
ersten anbringt. Über topische Färberei s. Zeugdruckerei.
LetztereMethode, bei welcher die Wolle zuerst angesotten wird, liefert auf Schafwolle die schönsten und
echtesten Farben, während die erstere Methode zwar sicherer und schneller zum Ziel führt, aber mehr Farbstoff verbraucht und
doch weniger echte und schöne Farben gibt. Sie findet namentlich bei dunkeln Farben Anwendung, indem man die Wolle erst in
den Farbebädern kocht, dann herausnimmt, in den Bädern die Beizsalze löst, die Stoffe von neuem einlegt,
darin herumnimmt und noch einige Zeit kocht, bis die gewünschte Farbe erreicht ist.