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[Vorgeschichte]
[Arbeit]
[Gefahren]
[Meditation]
[Energiewert]
[Lagebericht]
[Zukunftsvision]
[Vasektomie]
[Verteilung]
[Konsequenzen]
[Provokation]
[Notiz]
[Kurzfassung]
[Fazit]

Meditation über die Zukunft des Menschen
Mein Vorschlag - statt Geld Energiewerteinheit - bedeutet eine epochemachende Veränderung im Leben der Menschen und der Menschheit. Im Energiewerteinheitssystem ist jeder Mensch - heute ausgedrückt - ein Lohnempfänger. Jeder Mensch bekäme nun statt Lohn bzw. Geld einen Gutschein (Kalorienschein) in die Hand, mit welchem er in Warenhäusern die zum Leben notwendigen Gebrauchsgüter eintauschen könnte. Es ist wichtig in diesem neuen System, dass sich die Menschen nicht mit einem vorbereiteten Paket «Ratio» der Gesamtproduktion begnügen müssen, sondern sie können individuell nach ihren Bedürfnissen die «Ware» verlangen und erhalten, genauso wie in der jetzigen Geldwirtschaft.
Die Produktion der Güter steigt oder füllt nach dem Prinzip von Nachfrage und Angebot, wie in der Geldwirtschaft. Die auf die einzelnen Personen fallende Quantität der Energiescheine sollte wegen der beruflichen Vielfalt wie bei den «Löhnen» (die sich zwischen Fr. 3000.- und 10 000.- entsprechend bewegen oder bewegen sollten), d. h. die Menge der Scheine wie in der Geldwirtschaft je nach Studium bzw. Bildung und Verantwortlichkeit -, in etwa fünf Stufen aufgeteilt werden.
Der Unterschied zwischen der Geldwirtschaft und der Energiewerteinheit ist, dass im neuen System keine Vermögensbildung mehr möglich ist. Dank meiner persönlichen Erlebnisse habe ich den Mut bekommen und bin das Wagnis zu der revolutionären Idee, ohne Vermögen zu leben, eingegangen.
Nach meiner Matura im 1914 wurde ich im Jahr nach Ausbruch des Weltkrieges zum Militärdienst einberufen, wo ich den Grad eines Leutnants erreicht habe. Am Ende des Krieges - meine Eltern starben inzwischen - blieb ich allein, ohne Vermögen, ohne Existenz.
Im Alter von 23 Jahren bin ich ins Erwerbsleben eingetreten. Durch Zufall erhielt ich die Möglichkeit, für eine grosse Importfirma für technische Artikel eine Filiale in einem guten Absatzgebiet zu eröffnen. Die Firma stellte mir Waren in Millionenwerten in Konsignation (ohne voraus zu bezahlen) zur Verfügung. Mein Anteil von 10% des Umsatzes war vertraglich gesichert. Mit viel Ambition und Eifer leitete ich das Unternehmen, auch der materielle Erfolg blieb nicht aus. Dann traten Komplikationen auf (Inflation usw.), welche dem Volumen nach einen Roman ergäben.
Im Jahre 1936 gründete ich eine Tuchfabrik. Der Aufbau gelang, Fabrikgebäude und Maschinen waren auf dem neuesten Stand. Das Wohnhaus mit Tennisplatz und Schwimmbad lag wunderschön in einem Blumenpark. Es ging mir ausgezeichnet.
1939 brach der Zweite Weltkrieg aus, und nach dem tragischen Ende besetzten die Russen meine Heimat Siebenbürgen. Die kommunistische Herrschaft begann. In der Folge wurde mein ganzer Besitz und mein ganzes Vermögen, ohne jegliche Entschädigung, enteignet. Dieser Vorgang konnte nicht aufgehalten werden, es war auch keine Appellation möglich. Nach der kommunistischen Lehre war ich ein «Ausbeuter der Arbeiter». Es war mir unmöglich, eine neue Existenz zu schaffen.
Endlich, 1961 erhielt ich einen Emigrations-Pass. Der Preis dafür war hoch: Verlust meiner Staatsbürgerschaft und eine Verzichtserklärung auf Entschädigungsanspruch meiner früheren Besitztümer.
Das ist die Geschichte meiner persönlichen Erlebnisse, welche mich überzeugt hat, dass es leichter und besser ist, ohne Vermögen zu leben, als alles zu verlieren.
Seit 1962 (65-jährig) lebe ich in der Schweiz. Mein Lebensunterhalt wird eigentlich von der Wohltätigkeit bestritten - meine Ideen können vielleicht als Gegenleistung angesehen werden. Durch gelegentliche Arbeiten wie technisches Zeichnen, Konstruktionen, Betriebsrationalisierungen, die ich durch Vermittlung des HEKS (Hilfswerk der evangelischen Kirche der Schweiz) erhalten habe, wurde mein Leben etwas erträglicher.
Am 8. November 1979 wurde ich feierlich eingebürgert und seitdem lebe ich von der AHV-Rente. Zur gleichen Zeit habe ich mit der Hochschule St. Gallen Kontakt aufgenommen, um meine Erfahrungen zu ordnen, zusammenzufassen und zu schreiben.
Als Ergebnis meiner Lebenserfahrungen stelle ich hier die grosse Frage, ob die Menschheit ohne Geld und ohne Vermögen lebensfähig ist. Meine Antwort: 85% der Menschen leben in der heutigen Geldwirtschaft ohne Vermögen, sondern nur von einem Monatslohn. So könnte doch auch der Rest von 15% ohne Schwierigkeiten und Komplikationen ohne Vermögen leben. Im Energiewertsystem gäbe es keine Arbeitslosigkeit, sondern Befreiung der Menschen von der physischen Arbeit und von der Sorge, was der nächste Tag bringt. Das Leben wird in einem vernünftigen, gesetzlichen Rahmen verlaufen und frei sein von den durch die freie Marktwirtschaft geschaffenen Leistungsanreize durch Werbung, die die Ansprüche laufend in die Höhe treiben.
Nach den Möglichkeiten der noch verfügbaren Naturschätze und -kräfte wird ein nationales Industriepotential garantiert. Es gewährleistet ein den Verhältnissen entsprechendes angenehmes Leben für alle Menschen.
Ich habe meine Lebenserfahrungen und die sich daraus ergebenden Konklusionen zusammengefasst und dem Nobelpreiskomitee zur Prüfung und Entscheidung nach Stockholm geschickt. Ich bin kein Historiker, der Wasser predigt und Wein trinkt. Deshalb hätte ich, falls ich den Nobelpreis bekommen hätte, das Geld nicht für meine persönliche Bereicherung verwendet, sondern eine Stiftung gegründet, die meine Vorschläge weiterentwickelt und vervollständigt hätte - bis zur Praktifizierung.
Jetzt müssen wir in die Zukunft sehen. Die Einsicht, dass das Geld schädlich und mit der Zeit unerträglich wird und abgeschafft werden muss für eine den Bedürfnissen der Evolution entsprechende bessere Lösung bzw. ein System, wird kommen. Die rapide Vermehrung der Menschheit wird uns vor ununterbrochene und unaufhaltbare neue, noch nie da gewesene Probleme stellen.
Die wichtigste erste Aufgabe ist es, vorherzusehen, wie viel Ressourcen unsere Erde hat und wie viel der Mensch braucht. Wie lange die Menschheit mit den vorhandenen Naturvorräten noch leben kann.
Das zweite Problem: Ist die menschliche Vernunft fähig, die natürlichen Ressourcen zu schützen, zu konservieren, aufzubewahren und so zu verteilen, dass sie auch von den künftigen Generationen genutzt werden können. Wie lange noch?
Schon in naher Zukunft, wenn sich die Menschheit verdoppelt hat, wird es unvermeidlich sein, von der von Leistungsanreiz getriebenen freien Marktwirtschaft Abschied zu nehmen. Man wird dazu übergehen, die Güter mit mathematischer Präzision und sozialer Gerechtigkeit zu verteilen.
Es ist eine Tatsache, dass die Menschheit - in nicht ferner Zukunft - an der Schwelle eines geschichtlichen Zeitalters ankommen wird, wo die Ressourcen für die lebensnotwendigen Erfordernisse erschöpft sein werden. Es ist notwendig, dass die Psychologen die Menschheit aufklären und Kirchen, Schulen und Massenmedien die Menschen auf die Gefahren aufmerksam machen.
Fazit: Die hier beigelegten Schriften enthalten die Grundlage eines neuen Wissenschaftszweiges, welcher die Möglichkeit schafft, ohne Geld zu wirtschaften und zu leben. Die Evolution der Geschichte erreicht eine Stufe, an welcher das Geld mit seinen überwiegend schlechten Eigenschaften untragbar wird und den Menschen zwingt, ohne Geld zu leben. Um mich verständlicher auszudrücken: statt den heute existierenden Systemen der freien Marktwirtschaft und dem marxistischen Sozialismus - die beide ausgedient haben -, muss ein neuer Weg, eine neue Alternative gefunden werden.
In diesem neuen System stellt sich die Aufgabe, mit technischen Mitteln Wege zu finden, um die für Produktion verwendete Energie zu berechnen, um damit den «Wert» von jedem einzelnen Stück oder der ganzen Menge registrieren zu können. In dieser Phase ist das neue System ein rein technisches Problem und müsste an der ETH und nicht an der Hochschule für Wirtschaft und Sozialwissenschaft gelöst werden. Es ist sehr wichtig, dass der bei der Produktion festgestellte «Wert» unverändert bleibt und nicht manipuliert werden kann (ETH = Eidgenössische Technische Hochschule).
Die beim Transport beschäftigten Menschen werden für ihre Arbeit in Energiewerten entschädigt. Der «Energiewert» ist die Menge der Energie, welche bei der Produktion verbraucht wird, berechnet auf die einzelnen Stücke, die mit Hilfe der Computer addiert werden. Als letzte Phase wird die addierte totale Menge auf die einzelnen Menschen verteilt. Nach dem technischen Ablauf folgt die rein rechnerische Arbeit, welche der gerechten Verteilung der Güter dient und sie auch garantiert.
Nun folgen die Grundsätze der geldlosen, auf Energiewerteinheit aufgebauten Verteilung der Konsumgüter, d. h. der neuen Lebensart der Menschen. Dazu möchte ich als erstes feststellen, dass das Geld nicht ein unbedingtes Mittel zur Aufrechterhaltung des menschlichen Lebens ist, wie die Sonne, die Luft und das Wasser. Das Geld ist eine menschliche Erfindung und kann deshalb durch bessere Mittel ersetzt werden. Als besseres Mittel empfehle ich die Energiewerteinheit.
Was ist Energiewerteinheit? Die Grundsätze der Energiewerteinheit sind folgende. Die Rohmaterialien sind nicht geeignet, die menschlichen Bedürfnisse und Ansprüche zu decken. Die Rohmaterialien haben für die Menschen nur dann einen «Wert», wenn sie in Verwendung mit Energie zu Gebrauchsgütern geformt werden. So haben die Güter grundsätzlich soviel «Wert», wie Energie für ihre Herstellung benötigt wurde - eine unanfechtbare Tatsache. Die Folgerung daraus ist, dass Arbeit nichts anderes ist als die zielbewusste Verwendung der Energie zugunsten der Menschen.
Die Frage ist nun: Wie lässt sich das Geld durch Energiewerteinheiten ersetzen? Zuerst möchte ich betonen, dass am Anfang das Geld ausschliesslich Tauschmittel und nichts anderes war. In der vergangenen Zeit entwickelten sich auch verschiedene andere Funktionen (Glücksspiel usw.), auch verlor der Geld-«Wert» seine Stabilität an der Börse. Der von den Menschen geleistete Wert der Energie bzw. Arbeit wurde unstabil.
Mit Strassendemonstrationen erpressen die Gewerkschaften höhere Löhne. Der sogenannte Leistungsanreiz ermöglicht, mit weniger Arbeit viel Geld zu verdienen und so ein Vermögen zu bilden. Alle diese Funktionen des Geldes, mit seinen unzähligen Varianten, erreichen eine Stufe, bei der das Geld kein geregeltes, gesetzliches Mittel ist.
Die Wirtschaftswissenschaft ist unfähig, das Geld in gesetzlichen Schranken zu halten, das Geld vagabundiert zwischen Menschen, die Erde ist ein riesiges Spielkasino geworden. Der beiliegende Bericht von Heinrich Jaenecke: «Treiben wir in die Katastrophe?» bestätigt meine Verzweiflung über die Zukunft der Menschheit, falls die Geldwirtschaft nicht neu geordnet wird.
Die Vorteile des Energiewerteinheitssystems: Das ganze Verfahren wickelt sich gesetzmässig ab. Die Menge der produzierten Güter ergibt die gleiche Anzahl Energiescheine. Diese werden an die Menschen verteilt und können in lebensnotwendige Produkte umgetauscht werden. Die in der Produktion festgestellten «Werte» bleiben unverändert. Die weiteren Manipulationen, wie jene im Transport, in der Lagerung und in der Verteilung Beschäftigten, werden mit den auf jeden einzelnen fallenden Energiescheinen entschädigt. Alles wird automatisch laufen wie ein Uhrwerk, so dass die heutiqe Wirtschaftswissenschaft - aufgebaut auf Geld - gegenstandslos wird. Statt dessen werden Techniker und Mathematiker die Funktionen der Produktion und der Verteilung regeln.
Es ist klar, dass die Umstellung von der Geldwirtschaft auf das Energiewerteinheitssystem einer gründlichen Vorbereitung bedarf. In meiner Phantasie schwebt mit eine ähnliche Organisation vor wie die der NASA für die Weltraumforschung. Auch eine Mondlandung war einmal Utopie, doch kraft des menschlichen Verstandes konnte sie verwirklicht werden. Meine Empfehlung - Energiewerteinheit statt Geld - wurde von manchen Wirtschaftswissenschaftern so kritisiert: «Das vorliegende Expose mutet futuristisch an, d. h. es konfrontiert mit den bekannten, traditionellen nationalökonomischen Theorien. Die vertretenen Ansichten bewegen sich in der Zukunft.»
Eigentlich bin ich sehr zufrieden mit dieser Kritik, weil mein Vorschlag ja wirklich futuristisch anmutet (im Gegensatz zur traditionellen Nationalökonomie). Eine bessere, zutreffende re Kritik kann ich von niemandem erwarten. Mein Vorschlag benötigt sicher eine lange, gründliche Vorbereitung, aber ich bin sicher, dass mit der rapiden Vermehrung der Menschheit sich die Zeit nähert, wo meine Vorschläge für die Menschheit die rettende Lösung sein werden.
Albert von Péterffy
P.S.