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Ich erwache früh und stehe auf, in der Hoffnung auf einen schönen Sonnenaufgang. Aber daraus wird nichts, ein Wolkenband verdeckt die Sonne.
Dann verlasse ich den Felsvorsprung auf dem ich übernachtet habe und fahre in die Ebene hinunter.
Hier ist der Wind deutlich schwächer und so kann ich noch ein Panorama aufnehmen.
Zurück auf der Hauptstrasse komme ich zu einem interessanten Haus und halte an.
Eine Tafel informiert, dass es sich hier um das "Lake Hamilton Eating House" handelt.
Zwischen 1851 - 1857 erwarb ein Mr. Maurice Price das Anwesen "Sheringa Run" und hielt darauf 29'000 Schafe und 250 Pferde.
Das auf dem Grundstück liegende Eating House war bis 1880 ein Zwischenstopp für Pferdekutschen auf dem Weg zur fernen Westküste.
1972 wurde das Gebäude restauriert. Es steht heute hier als eine Erinnerung an längst vergessene Zeiten.
Etwas später folge ich dem Wegweiser zum Cummings Monument. Eine raue Strasse führt bergauf und endet bei der Klippe.
Die Aussicht ist traumhaft. Hier entlang der Südküste gibt es hunderte solcher Plätze, aber Campen ist bei den meisten verboten.
Gegen Mittag erreiche ich Coffin Bay. Ob sich mein Wunsch nach Austern hier erfüllen wird?
In der Rezeption des Platzes frage ich die Frau, ob sie mir ein Lokal empfehlen könne, wo ich Austern essen könne.
Sie meint, dass das 1802 meinen Vorstellungen sicher entsprechen würde. Um sicher zu sein, schaut sie aber noch im Internet nach, ob das Restaurant geöffnet hat.
Die Auswahl ist gross und überraschend kreativ.
Was soll ich wählen?
Alle drei Varianten sind ausserordentlich schmack-haft, aber am Interessantesten finde ich die G&T, von der ich noch einen Nachschlage bestelle.
Den Rest des Nachmittags verbringe ich mit Verdauen.
Das Angebot "Oysters 3 Ways" finde ich ideal. So kann ich mir 3 verschiedene Kreationen aussuchen und vergleichen.
Ich wähle von links nach rechts:
Gin and Tonic, Natural und French
Dazu trinke ich einen Apple Cider
9. September 2019, Coffin Bay - Whyalla
Mein erster Halt mache ich in Port Lincoln.
Port Lincoln gilt als "The Seafood Capital of Australia".
In Port Lincoln ist die grösste kommerzielle Fischfangflotte Australiens beheimatet und Fischzucht ist die Haupteinnahmequelle der Stadt. Der Ort hat eine Eisenbahnstation mit einer grossen Kapazität, die als Umschlagplatz für Lebensmittel-konserven von Fisch, Fleisch und Lammfleisch, Tunfisch und für regional erzeugte Wolle dient. Der Tunfisch wird vorrangig aufgrund seiner guten Qualität nach Japan verkauft.
Von der Fischindustrie habe ich aber nichts gesehen.
Im Übrigen aber gefällt mir die Stadt. Sie ist voller Leben.
Ich fahre weiter der Küste entlang. Die kleinen Buchten und die ebenso kleinen Orte haben es mir angetan. Erstaunlich ist, dass es den Schein macht, als ob sie schlafen würden. Ganz selten sieht man jemanden auf der Strasse. Nur gerade Kinder sind kurz vor halb 9 zu sehen, wenn sie in die Schule gehen.
Hier werden die Schulwege auch immer durch Eltern in Leuchtwesten gesichert. Zudem kommt noch, dass zu diesen Zeiten die Geschwindigkeit auf 40 kmh beschränkt ist.
In Port Neill sehe ich zum ersten Mal viele und verschiedene Wildblumen. Bisher waren sie nur vereinzelt zu sehen. Aber ich denke, es werden später noch mehr sein.
In Arno Bay sehe ich einen Hinweis auf einen Mangroven Trail. Nichts wie hin.
Aber leider komme ich zu Unzeit - es ist Ebbe. Bei Flut würde das hier ganz anders aussehen. Trotzdem war es den Abstecher wert.
Nach einem einfachen Mittagessen (Brot, Käse und Birne), will ich heute wieder einmal etwas "Richtiges" kochen.
10. September 2019, Whyalla - Adelaide
Fahrtag.
Vor einer Woche habe ich ein paar Dinge im Internet bestellt, mit Lieferadresse "Poste Restante" in GPO Post Shop Adelaide.
Aber als ich am frühen Mittag in Adelaide ankomme, realisiere ich schnell, Dass ich im Stadtzentrum keinen Parkplatz finde. Alle Autos werden in Tiefgaragen geparkt. Was nun?
Ich fahre zu IKEA, da hat es ja einen grossen Park-platz, und fahre von dort die 4 Kilometer bis zur Hauptpost mit Uber und auch wieder zurück. Leider ist aber erst eines der zwei Pakete angekommen.
Ich versuche morgen nochmals mein Glück.
Am Abend stehe ich Brownhill Creek Tourist Park, in einer ruhigen Gegend, am Rande der Stadt.
11. September 2019, Adelaide - Lake Bonney
Auch heute gibt es kein zweites Paket für mich.
Als ich die Bestellbestätigung nochmals genauer anschaue, stelle ich fest, dass der Lieferant in Hongkong ist. Da ist es unwahrscheinlich, dass die Ware wie angegeben innerhalb einer Woche hier ist.
Ich habe eine feuerfeste Tasche für den Transport von Batterien im Flugzeug bestellt. Wegen den 6 Franken warte ich nicht noch länger, zumal ja wirklich nicht klar ist, wann es ankommt.
Da ich schon in der Stadt bin, benutze ich die Gelegenheit mich etwas umzusehen. Interessant ist zu sehen, wie hier Historisches mit Modernem verbunden wird.
Wenn ich durch die Orte fahren, fallen wieder die vielen grossen, weissen Silos auf. Anfangs waren es im Barossa noch Weinsilos, jetzt sind es aber zur Hauptsache Getreidespeicher.
In Waikerie stosse ich wieder auf prächtig bemalte Silotürme.
Nach den vielen Wochen an der rauen Küste sehe ich jetzt, wo ich ins Landesinnere fahren, dass die Vegetation hier schon viel weiter voran ist. Der Weizen ist bereits einen halben Meter hoch und die Rebstöcke tragen schon die ersten Blätter.
Dann komme ich an einer Orangenplantage vorbei und nehme ein Muster mit. Mal sehen, ob sie schon schmeckt.
Kurz nach Mittag fahre ich los. Ich will heute noch an den Lake Bonney. Ich habe mir da einen wilden Platz direkt am Ufer ausgesucht.
Gegen 5 erreiche ich den Lake Bonney und fahre dem Ufer entlang. Hier befinden sich immer wieder kurze Abstecher zum Ufer hinunter. Ich suche mir den schönsten Platz aus.
Dann gehe ich daran, das eindrückliche Ufer zu fotografieren.
Dann warte ich auf den Sonnenuntergang.
Blick aus dem WoMo (kein Poster!)
12. September 2019, Lake Bonney - Lake Hattah
Der Morgen danach - unvergleichlich schön!
Zwischen Renmark und Paringa überquere ich den Murray River auf der historischen Paringa Brücke.
Anschliessend wurden auf beiden Seiten Fahr-spuren hinzugefügt, um den Strassen- und Schie-nenverkehr zu trennen.
Der letzte Zug überquerte die Brücke am 21. Mai 1982, und die Strecke nach Renmark wurde am 7. März 1984 offiziell gesperrt. Die Eisenbahnschienen wurden 1986 entfernt und der Mittelstreifen in einen gemeinsamen Fuss- und Radweg umge-wandelt.
Die Brücke wird weiterhin täglich um ca. 9.30 Uhr und 14.30 Uhr angehoben. Das Heben der Brücke ist eine kostenlose Dienstleistung, jedoch muss eine Buchung vor den zugeteilten Zeiten vorge-nommen werden.
Um das Heben der Brücke zu arrangieren, rufen Sie bitte mindestens zwei Stunden vor der zuge-wiesenen Zeit die Nummer 0408 955 322 an, um eine Buchung vorzunehmen.
Eigentlich bin ich nach Renmark gefahren um dort an einer öffentlichen Wasserstelle den Tank zu füllen. Aber leider gab es da kein Wasser - bis morgen reicht es jedoch noch.
Die Art und Vielfalt, wie der Murray River die Land-schaft geprägt hat ist schon wunderbar. Das muss ich einfach fotografieren.
Dann überquere ich wieder einmal eine Staats-grenze, diesmal von South Australia nach Victoria. Dunlop verabschiedet mich, aber gleich dahinter ist wieder eine Bio-Security Kontrolle.
Bdim Tanken fragt mich die Frau an der Kasse, wohin ich fahren würde. "Richtung Osten", sage ich und sie meint, dass dort ein Sandsturm aufkommen würde. Ich solle vorsichtig sein. Ich bedanke mich und fahre weiter.
Aber schon bald bläst der heftige Wind Sand über die Fahrbahn und trübt die Sicht, der Himmel färbt sich rot.
Selbst mit ausgeschalteter und geschlossener Innenraumbelüftung ist der Staub zu riechen und reizt den Hals.
Kurze Zeit später bin ich aber hindurch, der Sandsturm liegt hinter mir.
Etwa 20 km vor dem Ziel biege ich auf einen Scenic Drive, der 25 km länger ist. Dafür ist die Strasse nicht kilometerweit geradeaus - Abwechslung für das Auge.
Am Ende dieser staubigen Strecke komme ich am Lake Hattah an. Rolf ist schon da. Auf der Wiese vor dem Ufer weiden Emus. Die Drohne versetzt sie in Aufregung. Nach ein paar Bildern lasse ich sie wieder in Ruhe.
Abends um 5 ist es immer noch warm, wärmer als in den vergangenen Tagen. Wir nutzen die Gelegen-heit, wieder einmal im Freien zu braten.
Anschliessend sitzen wir noch vor dem Feuer und leeren die letzten Weinflaschen.
13. September 2019, Lake Hattah - Torrumbarry
Entlang des Murray River Valley gibt es viele kleine und grössere Seen. Um diese Jahreszeit sind aber die meisten trocken und versalzt.
Ich fahre wieder durch ein landwirtschaftlich intensiv genutztes Gebiet. Die Felder sind riesig gross. Da hätten bei uns ganze Dörfer mitsamt dem umlie-genden Land Platz darin. Vielerorts sind diese Felder rund damit sie automatisch bewässert werden können.
Auf einem der Felder sind gerade Arbeiter mit einem Traktor daran Setzlinge zu pflanzen. Daneben steht das eine Ende des Bewässerungsgefährts. So aus der Nähe habe ich es noch nicht gesehen.
Noch eine Superlative: Sonnenkollektoren. Ich fahre an einigen unglaublich grossen Kollektor-anlagen vorbei. Erst mit der Aufnahme aus 250 Meter wird deren Umfang richtig sichtbar.
Kurz nach Sea Lake überquere ich den gleich-namigen Zufluss zum Lake Tyrrell. Anstelle der neuen Brücke benutze ich den alten Übergang, eine Furt wenn sie den Wasser führen würde.
Das ganze Flussbett ist so interessant, dass ich anhalten muss. Im Hintergrund ist der Lake Tyrrell zu sehen.
Die erste grössere Stadt die ich heute erreiche ist Swan Hill.
1853 fuhr Francis Cadell mit seinem Raddampfer Lady Augusta den Murray River von seiner Mündung in Südaustralien nach Swan Hill. Er traf am 17. September 1853 ein und schlug William Randell von Mannum knapp , der 4 Stunden später in der PS Mary Ann eintraf. Dies demonstrierte die Machbar-keit des Flussverkehrs, der bis zur Einführung der Eisenbahn florierte.
Ich bin wieder auf der Suche nach Wasser. An keiner der 3 Tankstellen im Ort gibt es Wasser. Ebenso wenig bei einer öffentlichen Toilette.
Am Lake Boga mache ich Mittag. Als ich weiterfahre, sehe ich wieder eine öffentliche Toilette, diesmal aber mit einem Wasserhahn. Endlich kann ich den Wassertank füllen. Jetzt reicht es bestimmt wieder für 2-3 Tage.
Auch hier führt eine alte Hebebrücke über den Murray River. Sie wird immer noch gebraucht.
1883 wurde der erste von mehreren roten Ziegel-wassertürmen gebaut, um die wachsende Stadt mit Wasser zu versorgen. Wasser wurde von einer holzbefeuerten Dampfmaschine aus dem Fluss in die Turmspitze gepumpt und floss dann durch Schwerkraft in die umliegenden Geschäfte und Privathäuser. Viele dieser Türme sind immer noch in der Stadt zu sehen.
Am Ortsende stosse ich auf eine Tafel, welche auf ein Fliegermuseum hinweist. Also drehe ich nochmals um und fahre wieder zurück.
Die Station am Lake Boga wurde im November 1947 geschlossen.
Der unterirdische Kommunikationsbunker wurde zum Flying Boat Museum umgebaut. Catalina (A24-30) wurde als Denkmal für das Personal rekonstruiert, das während des Zweiten Weltkriegs im Reparaturdepot für Flugboote Nr. 1 diente.
Heute Nacht stehen wir in Torrumbarry am Murray River. Er durchzieht die Region mäandrisch.
Inzwischen ziehen immer mehr Wolken auf und weil es morgen vielleicht regnen könnte, lasse ich die Drohne noch heute fliegen. Nebst dem Kartenaus-schnitt zeigen die Bilder in eindrücklicher Weise den Verlauf des Flusses.
Später verziehen sich die Wolken wieder und ich gehe wegen des Sonnenuntergangs nochmals los.
14. September 2019, Torrumbarry - Lake Hume, Ludlows Reserve
In der Nacht hat es nicht geregnet.
Frühmorgens liegt leichter Nebel über dem spiegel-glatten Murray River. Film
Seit dem heutigen Start fahre ich immer wieder an leuchtend gelben Rapsfeldern vorbei. Jetzt will ich es wissen. Ich halte an um sie von oben zu betrachten.
Zu beiden Seiten der Strasse und bis zum Horizont erstrecken sie sich.
Am Mittag komme ich auf die Great Alpine Road.
Die Great Alpine Road windet sich durch Berge, Täler und Wälder, über Flüsse und vorbei an Weingärten und Farmen. Mit ihrer Länge von 303 km ist sie Australiens höchste, ganzjährig befahrbare, befestigte Strasse. Der Abschnitt über Mount Hotham steigt bis auf eine Höhe von 1840m über dem Meeresspiegel und ist im Winter schnee-bedeckt, sodass er täglich geräumt werden muss. Bei starkem Schneefall kann es passieren, dass die Straße zwischen Harrietville und Omeo gesperrt wird.
Nun dieser beeindruckende Strassenabschnitt erlebe ich nicht. Ich bewege mich während fast 2 Stunden zwischen 250 und 500 Meter.
Die hüglige Gegend erinnert mich stark an zu Hause. Sie sehen aus wie bei uns die Drumlins.
Einzig die Häuser mit ihren Blechdächern erinnern mich, dass ich in Australien bin.
Ich durchfahre Beechworth und sehe manches historische Haus. Darum halte ich an um den Ort zu besichtigen.
Beechworth ist eine gut erhaltene historische Stadt im Nordosten von Victoria, die für ihr starkes Wachstum während des Goldrausches Mitte der 1850er Jahre bekannt ist.
Gold
In seiner goldenen Blütezeit von 1852–1857 war dies eine fabelhafte Goldregion und ein Regie-rungszentrum. aber seine Macht, sein Reich-tum und sein Einfluss waren nur von kurzer Dauer.
In seinen wildesten Augenblicken der Goldent-deckung berichtete der Schreiber Woods, wie eine frühe Gruppe von Goldsuchern eine Pfanne mit Gold und einem Gewicht von 6,4 kg wegtrug. Eine andere glückliche Gruppe, sagte Woods, räumte etwa 23 kg Gold in einer Woche ab. Und so begann ein Ansturm in diese entlegene Region.
Während des ersten Wahlkampfs im Jahr 1855 ritt ein Kandidat, Daniel Cameron, ein Pferd, das mit massiven goldenen Hufeisen beschlagen war. Die Extravaganz dieses Ereignisses wird immer noch gewürdigt, da das Logo für Beechworth ein goldenes Hufeisen ist.
Kurz vor dem Ziel, in Albury, fahre ich auf den Huon Hill. Von hier oben kann ich das Land überblicken. In der Ferne sehe ich den Lake Hume, wo ich später Rolf treffen will. Die Strasse ist ausserordentlich steil, oft muss ich sogar im 1. Gang kriechen.
Aber der Ausblick lohnt sich.
Am frühen Nachmittag komme ich am Lake Huon an. Einige Autos stehen am Ufer und es werden Motorboote zu Wasser gelassen. Nur zum Schwim-men ist es zu kalt. In den Wiesen und unter den Bäumen wird auch Picknick gemacht. Dazu gibt es auch die Barbeque Plätze, wo jeder kostenlos und nach Belieben grillen kann.
Um 5 beginnen wir im Freien Lamb Steaks und Bratkartoffeln zu braten, mit der Absicht, auch draussen zu essen.
Aber da die Sonne hier früher hinter einem Hügel verschwindet, wird es sofort unangenehm kalt. Und so beschliessen wir, dass wir drinnen essen - jeder in seinem WoMo.
Das nächste Mal müssen wir daran denken, dass wir eine Stunde früher beginnen.
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