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Das Internationale Olympische Komitee sperrt die russischen Langläufer Alexander Legkow und Jewgeni Below lebenslänglich.
Somit sind die ersten Urteile nach den vom Schweizer Anwalt Denis Oswald geleiteten Untersuchungen um mutmassliches Staatsdoping in Russland während der Winterspiele 2014 in Sotschi gefällt. Die Sperren dürfte auch die FIS übernehmen, denn Legkow (34) und Below (27) waren vom Internationalen Skiverband schon im vergangenen Winter suspendiert worden.
Legkow und Below gehören zu den bekannten russischen Langläufern. Legkow ist Olympiasieger über 50 km - Dario Cologna, der zuvor in Sotschi zweimal Gold gewonnen hatte, stürzte in jenem Rennen in aussichtsreicher Position in der Abfahrt vor dem Schlussanstieg - und Silbermedaillengewinner mit der Staffel an den Spielen 2014. 2013 gewann er die Tour de Ski. Below, der an Junioren-Weltmeisterschaften gross abräumte, bei Olympia aber leer ausging, stand an der Tour de Ski 2015 als Zweitklassierter auf dem Podest.
Das IOC aberkannte Legkow das Gold von Sotschi - auf den Rängen 2 und 3 rutschen zwei weitere Russen nach, wobei der mögliche Gold-Erbe Maxim Wylegschanin auch schon seit knapp einem Jahr suspendiert ist - und der russischen Mannschaft die Silbermedaille über 4x10 km. Legkow verliert die Medaille nicht wegen eines positiven Dopingtests, sondern, weil er nach Ansicht der Oswald-Kommission vom Dopingsystem profitiert hat. Die genauen Gründe gab das IOC im Communiqué nicht bekannt. Denkbar ist, dass die Urinproben im Kontrolllabor manipuliert wurden.
Verdacht bestand schon lange
Die beiden Gesperrten standen schon seit geraumer Zeit mit vier weiteren russischen Langläufern im Verdacht, von jenem staatlichen Dopingsystem profitiert zu haben, das Russland 2014 in Sotschi Medaillen im Dutzend bescherte. Die Russen gewannen die Nationenwertung dank 13 goldenen, 11 silbernen und 9 bronzenen Medaillen.
Das IOC hatte wegen Dopingverdachts kurz vor Weihnachten 2016 ein Disziplinarverfahren gegen 28 russische Teilnehmer der Winterspiele 2014 eingeleitet. Daraufhin hatte die FIS sechs Langläufer gesperrt, unter ihnen Legkow und Below. Auslöser war der Bericht des Sonderermittlers Richard McLaren für die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA. Der Bericht enthält die Namen von rund 1000 russischen Sportlern. Sie sollen in Manipulationen von Dopingproben verwickelt sein. Die internationalen Fachverbände prüften danach die einzelnen Fälle.
Im Fall von Legkow und Below ist mit den Fachverbänden die FIS angesprochen. Sie muss nun entscheiden, ob sie das IOC-Urteil auch umsetzen will - nach der bereits erfolgten Suspendierung im letzten Winter ist davon auszugehen.
Die Athleten werden beim Sportgerichtshof CAS in Lausanne Berufung einlegen. Dies kündigte ihr deutscher Anwalt Christof Wieschemann umgehend an und nannte das IOC-Urteil "skandalös". Mit dem Entscheid gehe das IOC ohne weitere Ermittlungen und ohne weitere Beweise weit über die Angaben des McLaren-Reports hinaus. Legkow sagte gemäss der Nachrichtenagentur dpa nach der Anhörung am Montag vor der IOC-Disziplinar-Kommission der Agentur R-Sport: "Wenn es nötig sein wird, werde ich mein ganzes Leben lang beweisen, dass ich unschuldig bin." Auch der russische Verband will das Urteil anfechten.
Offen bleibt weiterhin, was das IOC-Urteil für Russlands Teilnahme an den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang bedeutet. Es gibt Forderungen an das IOC, das russische Team komplett von den Spielen vom 9. bis 25. Februar in Südkorea auszuschliessen. Das IOC-Exekutive will darüber vom 5. bis 7. Dezember befinden.
Schweizer Trainer
Legkow und Below wurden in den Jahren um die Spiele in Sotschi vom Schweizer Reto Burgermeister trainiert. Der Zürcher Oberländer arbeitete während fünf Jahren mit russischen Langläufern, jedoch ausserhalb der regulären Strukturen des russischen Skiverbandes. Legkow beendete die Zusammenarbeit mit Burgermeister nach dem Olympia-Winter, Below trennte sich im Sommer 2016 vom Schweizer.
SDA-ATS