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Die Bücher von Bernard Cornwell zu lesen, lässt sich wohl nur mit dem Knabbern von Erdnüssen vergleichen, denn einmal angefangen, ist es dem Leser schier unmöglich damit wieder aufzuhören.
Uhtred ist nach seinen Abenteuern in Northumbrien nach Wessex zurückkehrt und hat sich gemeinsam mit seiner Frau Gisela und seinen Schwurmännern in Coccham (heutiges Cookham, Berkshire) niedergelassen. Dort baut er im Auftrag des Königs Alfred die Stadt zu einer Burg aus, um den Grenzfluss Temes (Themse) gegen die weiter anhaltenden Überfälle der Nordmänner zu sichern. Keine einfache Ausgabe, die noch dadurch erschwert wird, das Uhtred seitens Alfreds nur wenig Unterstützung zuteil wird. Der wiederum träumt insgeheim schon von einem vereinten England und hat bereits ein neues Ziel vor Augen: Lundene (London).
Unter der Führung seines verhassten Cousins Æthelred soll Uhtred die von den Dänenbrüdern Sigefrid und Erik Thurgilson besetzte Stadt einnehmen. Ein Unterfangen, das sich als schwierig darstellt, zumal Æthelred von Strategie und Taktik keinen blassen Schimmer hat. Einmal mehr muss sich also Uhtred in seine Rüstung werfen, um für den verhassten Alfred die Kohlen aus dem Feuer zu holen...
Vorneweg: Die auf dem Klappentext angegebene Jahreszahl 855 ist ein Fehler seitens des Verlags. Vielmehr spielt sich die hier erzählte Geschichte zwischen den Jahren 885 bis 887 nach Christus ab, wenngleich die Geschehnisse um Uthred dieses Mal mehr auf Fiktion beruhen (Cornwell gibt dazu im Nachwort eine Erklärung ab) und sich nur in einigen Punkten mit den historischen Fakten kreuzen. Kein wirklicher Nachteil, da Cornwell diesen Freiraum bestens zu Nutzen weiß und mittlerweile ein Gespür dafür entwickelt hat, beides miteinander zu verbinden, um es dem Leser informativ und dennoch unterhaltsam nahe zu bringen. Überhaupt bleibt er wieder strikt seinem Stil treu, lässt er die Geschichte in Ich-Form aus Sicht eines alten Uhtred erzählen, ohne dabei sprachlich die Hand vor den Mund zu nehmen. Unverblümt, roh und gnadenlos schildert er das harte frühe Mittelalter, wobei der Leser unversehens Teil der Geschichte wird. Auf bestürzende Art und Weise wird man mit in das Getümmel der Schlacht gezogen, watet man zwischen Regen, Matsch und Blut, um den Dänen das Fürchten zu lehren. Das Sterben und Töten im Schildwall gewinnt dabei braveheartsche Züge, so fesselnd und mitreißend bringt Cornwell das schreckliche Gemetzel auf Papier.
Und trotz dieser Brutalität verliert sich der Autor nie in Schwarweiß-Malerei, gibt er beiden Seiten eine Stimme, weshalb man in Reihen der Dänen genauso liebenswerte Halunken wie bei den Sachsen findet. Als verbindendes Element dient zudem Uhtred, ein vielfältiger, eigenwilliger und keinesfalls perfekter Charakter, dessen Loyalität vor allem dem Kriegsgott Thor und seinen Freunden gilt, und der, selbst Sachse, mit der klerikalen Gesinnung seines Königs nur wenig anfangen kann. Besonders gegen Ende wird das Buch seinem Titel dann mehr als gerecht, wenn Cornwell über knapp 40 Seiten ein Actionwerk der Sonderklasse abbrennt.
Insgesamt ist "Schwertgesang" trotz des fortschreitenden Verlustes an historischer Substanz erneut ein packender, sehr emotionaler historischer Schmöker, den ich inbrünstig verschlungen habe und der das Warten auf den fünften Band wieder unerträglich macht. Mitreißend und absolut süchtig machend.
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