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Dass Schweizer Fussballer balkanischer Herkunft die Siege im Fussball mit dem Adlerzeichen feierten, hat nach dem WM-Sieg gegen Serbien von Freitagabend für heisse Kontroversen gesorgt. Das rückt die Albanisch sprechende Community im Land in den Fokus – die viertgrösste ausländische Gemeinschaft in der Schweiz.
Was ist passiert?
Zwei Schweizer Fussballspieler mit kosovo-albanischen Wurzeln, Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri, sorgten am Freitag bei ihrem Sieg gegen Serbien an der Weltmeisterschaft 2018 für Kontroversen. Die beiden legten ihre offenen Hände zusammen, um den doppelköpfigen schwarzen Adler auf der albanischen Flagge nachzuahmen.
Auch Kapitän Stephan Lichtsteiner machte die Geste während des Spiels. Die Serben waren unbeeindruckt. Gefragt nach der Adlergeste nach dem Spiel, sagte Shaqiri: "Im Fußball hat man Emotionen. Du kannst sehen, was ich getan habe. Es waren nur Gefühle." Die Spieler stehen nun allerdings vor einer Untersuchung und einem möglichen Disziplinarverfahren durch den Fussballverband FIFA.
Die Schweizer Fussballmannschaft hat einen sehr gemischten Migrationshintergrund – wie viele sind albanischsprachig?
Von den 12 ausgewählten Mittelfeldspielern und Stürmern sind zehn im Ausland geboren oder haben Eltern, die in die Schweiz ausgewandert sind.
Xhaka, Shaqiri und Mittelfeldspieler Valon Behrami - aber nicht Lichtsteiner - haben ethnisch ein albanisches Erbe im Zusammenhang mit dem Kosovo, einer ehemaligen serbischen Provinz, die 2008 ihre Unabhängigkeit erklärte. Serbien erkennt diese Unabhängigkeit nicht an. Ein vierter Schweizer Spieler, Blerim Dzemaili, wurde in Tetovo, einer ethnisch albanischen Stadt an der Grenze zwischen Mazedonien und Kosovo, geboren.
Shaqiri wurde im Kosovo geboren, aber als er ein Kind war, floh seine Familie aus dem vom Krieg zerrissenen Land in die Schweiz. Für das Spiel gegen Serbien trug Shaqiri Stiefel mit der Flagge der Schweiz auf der linken Ferse und der Flagge des Kosovo auf der rechten Seite.
Behrami, der im nördlichen Kosovo aufgewachsen ist, zog in den 1990er-Jahren mit seiner Familie in die Schweiz. Auf seiner rechten Wade hat Behrami eine Tätowierung des kosovarischen Adlers. Auf seinem linken Arm befinden sich die Fahnen des Kosovo und der Schweiz.
Xhaka, dessen Familie aus dem Kosovo stammt, der aber im schweizerischen Basel geboren wurde, hat auch in den sozialen Medien über seine kosovo-albanische Identität gesprochen.
Hat Politik oder die ethnische Vielfalt der Schweizer Fussballmannschaft in der Vergangenheit zu Reibungen geführt?
Die Schweizer Nationalmannschaft hatte in den letzten Jahren einen sehr unterschiedlichen Migrationshintergrund.
Sowohl vor dem Spiel am Freitag als auch danach vermieden die Schweizer und serbischen Trainer Fragen oder Bemerkungen zur Nationalität oder Politik und bestanden darauf, dass der Sport im Zentrum stehe.
Die Debatte über den Migrationshintergrund des Schweizer Teams taucht jedoch von Zeit zu Zeit auf. Im Jahr 2015 gab Lichtsteiner Journalisten ein Interviewexterner Link, in dem er eine Nationalmannschaft mit der "richtigen Mischung" forderte. "Mir geht es nicht um 'richtige Schweizer' und die 'anderen Schweizer'", sondern darum, dass sich das Volk weiterhin mit dem Nationalteam identifizieren kann", erklärte er. Er entschuldigte sich später und sagte, seine Bemerkungen seien falsch interpretiert worden.
Am Samstag nach dem Spiel gegen Serbien verteidigte er die Adlergeste und beklagte sich über den Druck und die Provokation gegenüber den Schweizer Spielern. "Man muss etwas intelligenter sein und ihre Geschichte verstehen", sagte er der Zeitung Le Matinexterner Link.
Die Adlergesten irritierten nicht nur einige Serben, sondern auch eine Handvoll Schweizer Politiker, darunter Natalie Rickli von der rechtkonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP). "Ich kann mich nicht wirklich freuen. Die beiden Goals sind nicht für die Schweiz gefallen, sondern für den Kosovo. Falls die Kosovo-Nati dereinst gewinnt, freue ich mich für sie, aber an der WM spielen und fänen wir für die Schweiz", schrieb sie auf Twitter.
Wie viele Albaner leben in der Schweiz?
Laut Bundesamt für Statistikexterner Link gab es 2016 rund 260'000 albanischsprachige Personen in der Schweiz, bei einer Gesamtbevölkerung von 8,4 Millionen Einwohnern. Die verschiedenen Bevölkerungsgruppen aus dem Kosovo, Mazedonien, Albanien, Serbien und Montenegro bilden nach Italienern, Deutschen und Portugiesen die viertgrösste ausländische Gemeinschaft.
Was lässt sich über die Geschichte der Einwanderung von Albanern in die Schweiz sagen?
Die Migration von Kosovaren und anderen Albanern aus dem südlichen Balkan in die Schweiz geht auf die Mitte der 1960er-Jahre zurück, als die ersten Wellen von Saisonarbeitern kamen, gefolgt von ihren Familien in den 1980er-Jahren.
Seit Ende der 1980er-Jahre und während der 1990er -Jahre mit dem blutigen Bürgerkrieg führte die sich verschlechternde politische Lage auf dem Balkan zu einem Zustrom von Tausenden von Asylbewerbern aus dem ehemaligen Jugoslawien. Der Peak lag 1999 bei 30'000.
Nach Angaben des Staatssekretariats für Migrationexterner Link sind die meisten Asylsuchenden aus dem Kosovo nach dem Konflikt nach Hause zurückgekehrt und die Wohnbevölkerung setzt sich heute überwiegend aus ehemaligen Saisonarbeitern, deren nahen Familienangehörigen und Nachkommen zusammen, die in der Schweiz geboren oder aufgewachsen sind. Noch immer kommen im Rahmen des Familiennachzugs jedes Jahr mehrere Tausend Menschen aus dem Kosovo.
Was bedeutet der "doppelköpfige albanische Adler" für ethnische Albaner?
Bashkim Iseni, Chefredakteur von Albininfo.chexterner Link, das Nachrichten und Informationen für die albanische Gemeinschaft in der Schweiz veröffentlicht, sagte, die Adlergeste sei üblich und ein positives Symbol für Identität und Freiheit, verbunden mit der Idee des "Abhebens", aber sie enthalte keine Gewalt. "Es wird in Folkloretänzen verwendet", sagte er gegenüber der Gratiszeitung 20 Minutenexterner Link. "Den Adler mit den Händen zu formen, ist dasselbe wie wenn Brasilianer nach einem Tor den Samba tanzen."
(Übertragung aus dem Englischen: Sibilla Bondolfi)