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Sowjetische Fotografie der 20er und 30er Jahre
Die Ausstellung leitet vom Piktorialismus und Konstruktivismus zum Sozialistischen Realismus in der Sowjetunion über. Die piktorialistische Fotografie, die sich an der impressionistischen und symbolistischen Malerei orientierte, erlebte bis in die 20er Jahre weltweit eine Hochblüte. Russlands bekannte piktorialistische Fotografen – Alexander Grinberg, Juri Jeremin, Nikolaj Andrejew, Leonid Schokin und Wassily Ulitin – waren nicht nur Landschaftsfotografen, sondern auch Meister des Genrebildes, des fotografischen Porträts und des Stillebens. Parallel zu dieser „kunstfotografischen“ Szene begann sich im Lauf der 20er Jahre die Fotografie auf ihr eigenes Ausdrucksvermögen zu konzentrieren. Fotografien sollten wie Fotografien und zeitgenössisch aussehen: Klar, direkt, mit neuen Einsichten. In Russland gilt Alexander Rodtschenko – neben El Lissitzky und Boris Ignatowitsch – als Wegbereiter des „fotografischen Konstruktivismus“. Der Konstruktivismus, der die Kunst bei der Gestaltung des proletarischen Alltags einbeziehen wollte, war inhaltlich die radikalste Avantgardebewegung der 20er Jahre. Plötzlich war es auch an den Künstlern, sich aktiv beim Aufbau der neuen sozialistischen Gesellschaft zu engagieren. In den 30er-Jahren jedoch, seit der Proklamation des Sozialistischen Realismus zur einzigen verbindlichen Kunstform, wurde der grosse schöpferische Reichtum der sowjetischen Avantgarde in eine neue Richtung gelenkt. Das stalinistische System verband die Ästhetik mit Ideologie.
Die Ausstellung wurde von Olga Sviblowa kuratiert. Eine Zusammenarbeit mit dem House of Photography, Moskau, und der Galerie Alex Lachmann, Köln.
Hauptsponsor: Dr. Carlo Fleischmann Stiftung