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Was macht ein Dichter, wenn sein lyrisches Werben auf taube Ohren stösst? Er schenkt seiner Herzdame einen Ring. Leider hatte Goethe auch damit bei Wilhelmine Herzlieb keinen Erfolg. Das Schmuckstück ist jedoch erhalten geblieben.
Andrej Abplanalp
Historiker und Kommunikations-Chef des Schweizerischen Nationalmuseums.
Goethe verzauberte nicht nur die Literaturliebhaber, sondern auch die Frauenwelt. Seine zahlreichen Liaisons waren aber nicht nur Amüsement, sondern beeinflussten auch das Werk des Dichters. So verarbeitete er beispielsweise die Beziehung mit Charlotte Buff in den Leiden des jungen Werther, und aus der gemeinsamen Zeit mit Friederike Brion entstanden die Sesenheimer Lieder.
War Johann Wolfgang von Goethe in seinen jungen Jahren leidenschaftlich und ungestüm, veränderte sich sein Beziehungsverhalten während seiner Reise durch Italien (1786 bis 1788). Er wurde ruhiger und war mehr auf Stabilität bedacht. Im Herbst seines Lebens flammte die Sturm-und-Drang-Phase aber noch einmal auf. Goethe, bereits weit über 50, verliebte sich in Wilhelmine «Minchen» Herzlieb und bezirzte sie mit einigen Sonetten. Die junge Frau nahm Goethes zu Papier gebrachte Schwärmerei allerdings nicht zur Kenntnis. Griff der alternde Dichter vielleicht deshalb zu einer handfesteren Liebesbekundung?
1820 schenkte Goethe der 18-jährigen Wilhelmine einen Fingerring aus Rotgold. Den Ring zieren drei Steine in verschiedenen Farben mit den eingeschnittenen Symbolen für Glaube, Liebe und Hoffnung. Letztere erfüllte sich allerdings nicht, denn Minchen Herzlieb konnte sich nicht für Johann Wolfgang von Goethe begeistern. Sie schenkte den Ring später ihrer besten Freundin Auguste Wittig und heiratete den deutschen Rechtsprofessor Karl Friedrich Walch. Diese Ehe war aus reiner Vernunft geschlossen worden und endete für Wilhelmine Herzlieb tragisch. Sie fiel in eine Depression und starb mehrere Jahrzehnte später in einer Nervenheilanstalt.Minchens Ring blieb in der Familie von Auguste Wittig und wurde schliesslich 1981 in London an die Sammlung Alice und Louis Koch versteigert. Diese umfasst über 2500 Ringe und befindet sich seit 2015 im Besitz des Schweizerischen Nationalmuseums. Anders als der Dichter haben die Besucher Glück, denn das bedeutende Schmuckstück ist in der Sammlungsausstellung «Die Sammlung im Westflügel» des Landesmuseums zu sehen.