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Am Freitag, 13. September 2019 fand eine Studientagung an der STH Basel statt, die der Frage «Ist Theologie eine Wissenschaft?» nachgegangen ist. Die fünf Vorträge des Tages finden Sie hier zum Nachhören.
Anlass hierfür hatte das kürzlich veröffentlichte Buch von Prof. Sven Grosse «Theologie und Wissenschaftstheorie» gegeben. Eben dieser eröffnete die Tagung mit dem Coverbild seines Buches, das vier Gestalten zeigt, welche die Wissenschaften symbolisieren, wobei eine davon etwas abseits steht und ein Buch in der Hand hält. Diese, so Grosse, stehe für die Theologie. Die eröffnende Frage knüpfte dann an diese Gestalt an: Gehört sie nicht auch in den Kreis der anderen Gestalten hinein?
Eine «Praktische Kunst»
Eine erste Antwort auf diese Frage gab Ingolf U. Dalferth, Professor an der Claremont Graduate University Kalifornien, mit seinem Vortrag: «Mehr als eine Wissenschaft». Er betonte den Unterschied zwischen Erklärungs- und Orientierungswissenschaft. Letzteres sei die Theologie. Sie sei eine «praktische Kunst», die durch Unterscheidungen im Denken erstens dazu anleitet, wie Menschen sich an letzter Gegenwart orientieren können und zweitens Menschen durch die Auslegung des Evangeliums Orientierung für Ihr Leben biete. Das Interesse der Theologie gehe also über das Interesse der Erklärungswissenschaften hinaus, die sich bloß mit dem Aspekt der Schöpfung beschäftigen. Die Theologie hingegen mache den Schöpfer selbst zum Gegenstand ihres Nachdenkens.
Vernünftiges Nachdenken
Im Anschluss daran betrat Holm Tetens, Professor Emeritus der FU Berlin, das Rednerpult und behandelte das Thema: «Unerklärlicher Erfolg. Der Realitätszugang der Wissenschaften und der methodische Atheismus.» Er legte scharfsinnig dar, dass das Nachdenken über Gott sehr wohl als vernünftiges Nachdenken angesehen werden könne. Tetens zeigte anhand von Argumentationsbeispielen, dass die Art und Weise der Begründung der Urknallhypothese ebenso auf die Plausibilisierung der Existenz Gottes angewendet werden könne. Mit seinen Argumenten konnte er die Existenz Gottes als Schöpfer nicht beweisen, schloss aber nach allen Regeln der Vernunft darauf, dass es absolut rational sei, «die Aussage über Gottes Schöpfungswollen bis auf weiteres zu akzeptieren.»
Die umfassendste aller Wissenschaften
Darauf erhielt der jüngste der Redner die Aufmerksamkeit. Prof. Dr. Benedikt Göcke, Ruhr-Universität Bochum, widmete sich der Frage: «Theologie als Königin der Wissenschaften? Trans- und interdisziplinäre Aspekte theologischer Arbeit». Er tat dies in analytischer Weise, indem er in einer Reihe von Argumenten darlegte, dass die Theologie nicht in einzelnen wissenschaftlichen Teildisziplinen aufgehe, sondern die «umfassendste aller Wissenschaften» sei, da sie etwas über die Wirklichkeit und der Stellung des Menschen in ihr aussage.
Das Ganze in den Blick nehmen
Den Wissenschaftsreigen am Vormittag beschloss Prof. Dr. Daniel von Wachter, Philosoph an der IAP Lichtenstein. Er bestätigte seinen Vorredner in dem Punkt, dass die Theologie tatsächlich die Königin der Wissenschaften sei, weil sie das Ganze der Wirklichkeit einschließlich der Offenbarung in den Blick nehme. Dass die Annahme von Offenbarung mit Wissenschaftlichkeit nicht vereinbar sei, ist nach Von Wachter nicht denknotwendig. Offenbarung ist eine mögliche Erkenntnisquelle. Im zweiten Teil seines Vortrags zeigte er dann überzeugend, dass ein Einwirken Gottes in diese Welt die Naturgesetze nicht verletze, sondern ihnen eine Kraft entgegensetze, die im Kausalzusammenhang der Naturgesetze lediglich nicht beschreibbar sei, darum auch nicht ausgeschlossen werden kann. Somit beantwortete er die Frage seines Titelthemas: «Ist die Annahme von Offenbarung und von göttlichen Eingriffen unwissenschaftlich?» in beiden Punkten negativ.
Den Platz selbstbewusst beanspruchen
Prof. Dr. Harald Seubert eröffnete die Podiumsdiskussion am Nachmittag mit einem Impulsreferat, in welchem er die sieben, von Prof. Grosse formulierten, Thesen kurz, prägnant und scharfsinnig beleuchtete. Diese Thesen waren dann auch Grundlage einer sehr gehaltvollen Podiumsdiskussion, die gegen Ende der Tagung für alle Teilnehmer geöffnet wurde.
In einem kurzen Schlusswort ging Prof. Dr. Sven Grosse noch selbst auf eine Auswahl seiner Thesen ein und resümierte so wichtige Gedankenstränge dieser Tagung.
Wie ist die Theologie nun einzuordnen? Muss sie abseits der anderen Wissenschaften stehen bleiben oder darf sie sich mitten unter sie stellen? Nach dieser Tagung ist für mich klar: Als Disziplin, die sich nicht nur mit der empirischen Wirklichkeit, sondern mit der alles bestimmenden Wirklichkeit, Gott, auseinandersetzt, muss die Theologie selbstbewusst inmitten der anderen Gestalten ihren Platz beanspruchen. Die Klärung der Frage, wie sie dies tun soll, bedarf weiterer packender Tagungen wie dieser.
Benjamin Penner, MTh Student STH Basel