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Schon von klein auf muss Cecilia Cueni auf dem elterlichen Bauernhof mithelfen: Kartoffeln waschen, Schweine füttern, Holz holen. Doch durch die kriegsbedingte Abwesenheit ihres Vaters wird die Verantwortung grösser. Aus der Ferne schreibt der Vater in einem Brief, dass Cecilia auf dem Hof nun das Melken übernehmen müsse. Wenn die 85-Jährige heute darüber spricht, kommen ihr Tränen. Erst Jahre später kann sie einordnen, weshalb die Situation damals so war, wie sie war.
Viel Arbeit für ein kleines Mädchen
Für die Neunjährige beginnt der Tag auf dem Hof frühmorgens um 4.30 Uhr. Sie melkt die Kühe und mistet den Stall aus. Dann bringt sie die Milch mit dem Pferd zur Käserei. Zurück auf dem Hof, versorgt sie das Pferd, geht frühstücken und danach zur Schule.
Mein Vater wollte, dass wir fünf Kinder alle ein Jahr ins Welschland gehen, damit wir Französisch lernen und lernen, ‹fremdes Brot› zu essen.
«Unser Hof war immer voll Militär», teilt Cecilia Cueni eine weitere Erinnerung aus ihrer Kindheit während des Zweiten Weltkriegs. Besonders erfreulich war die Anwesenheit des Militärs, wenn die Soldaten für einmal nicht nur für ihre Kompanie, sondern auch für die Familie kochten.
Welschlandjahr
Für Cecilia selber wird Kochen später zur alltäglichen Beschäftigung. Sie verbringt ihr Welschlandjahr in Porrentruy, im Spital der Ingenbohler Schwestern. So schwer es ihr zuerst fällt, den elterlichen Hof zu verlassen, so gerne wäre sie nach einem Jahr für immer in Porrentruy geblieben.
Auf ein Kompliment folgt ein Bad im Brunnen
Ihr Zuhause sieht sie während des Welschlandjahrs nur für zwei Wochen, in denen ihre Hilfe auf dem Hof benötigt wird. Wegen des Umbaus von Scheune und Stall sitzen am Mittagstisch nebst der Familie noch neun Bauarbeiter.
Cecilia übernimmt das Kochen, um ihre geschwächte Mutter zu entlasten und erntet prompt Komplimente – und ein Bad im Brunnen.
«Die Männer wollten sich bedanken und kamen in die Küche. Doch ich war schüchtern und wollte mich nicht zeigen. Prompt trug mich einer der Männer zusammen mit meinem Vater vors Haus und warf mich in den Brunnen», erzählt sie mit einem Schmunzeln.
Die eigene Familie
Mit 22 Jahren lernt Cecilia Cueni an einem Kirchenbasar ihren späteren Ehemann kennen, fünf Jahre später werden sie zum ersten Mal Eltern. Es folgen noch drei weitere Kinder, eines davon wird im sechsten Schwangerschaftsmonat tot geboren.
Arbeit in der Keramikfabrik mit variablem Lohn
Cecilia Cuenis Mann Markus arbeitet in einer Keramikfabrik für einen Lohn von 2000 Franken pro Monat. Im Februar muss die Familie allerdings mit 100 Franken weniger auskommen, denn im kürzesten Monat des Jahres, gibt es auch weniger Lohn.
Einmal bringt ein Arbeitsunfall die Familie in finanzielle Not. Markus Cueni gerät mit der Hand in die Schneidmaschine, verliert drei Finger und bleibt für drei Monate arbeitsunfähig. Geld gibt es weder von einer Versicherung noch von der Fabrik. Doch wie so vieles im Leben hat Cecilia Cueni gemeinsam mit ihrem Mann auch diese schwierige Zeit gut gemeistert.
Es war trotz allem einfach schön
Und wenn sie heute auf ihr Leben zurückblickt meint sie überzeugt, sie würde es noch einmal genau so leben. Sie würde ihren Mann wieder heiraten, ihre Kinder wieder haben wollen und die gleichen Arbeiten verrichten. «Weil es so einfach schön war», meint sie überzeugt.