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Nicht zum ersten Mal gab ein Outfit von Serena Williams zum Auftakt eines Grand-Slam-Turniers mehr zu reden als ihre sportliche Leistung. Die 23-fache Grand-Slam-Siegerin präsentierte sich am ersten Turniertag in der Rod Laver Arena in einem extravaganten, schwarz-orange-pink gestreiften langärmligen Kleid mit unterschiedlicher Beinlänge.
Der klare 6:1, 6:1-Sieg in nur 56 Minuten gegen die Deutsche Laura Siegemund verkam zur Randnotiz, ebenso die Schulterprobleme, die sie Ende letzter Woche geplagt hatten. «Das war ein guter Start. Definitiv ‹Vintage Rena›», sagte Serena Williams. Ihr Look in Down Under ist angelehnt an denjenigen der früheren Sprinterin Florence Griffith-Joyner, die dreifache Olympiasiegerin von Seoul 1988 und Weltrekordhalterin über 100 m und 200 m, die 1998 mit erst 38 Jahren verstarb. «Sie war eine wunderbare Athletin in meiner Kindheit», sagte Williams. «Und ihre Outfits waren immer unglaublich.»
Der sportliche Zahn der Zeit nagt inzwischen auch an Serena Williams. Ende September feiert sie ihren 40. Geburtstag. Auf der Tour ist nur ihre 15 Monate ältere Schwester Venus noch älter. Die von vielen als Nachfolgerin der Williams-Sisters gehandelte Cori Gauff ist im März 2004 geboren - Serena Williams hatte da bereits sechs Grand-Slam-Titel gewonnen.
Schwangerschaft als Karriereknick
Dass sie aber noch nicht zum alten Eisen gehört, bewies Williams am Montag zum wiederholten Mal. Siegemund, immerhin der Nummer 49 der Welt, hatte nicht den Hauch einer Chance, womit die Amerikanerin ihre Erstrunden-Bilanz an Grand-Slam-Turnieren auf 76:1 verbesserte. Die Französin Virginie Razzano schaffte es 2012 am French Open in Paris als bislang Einzige, Williams in einer Startrunde zu besiegen.
«Es war einer der schlimmsten Tage meiner Karriere», erinnerte sich Williams am Montag zurück. Aber er habe diese komplett verändert. Als Folge des sportlichen Fiaskos wechselte Williams zu Patrick Mouratoglou, der noch heute ihr Trainer ist. Der Wechsel läutete die erfolgreichste Phase in Williams' Karriere ein. Sie gewann zehn der nächsten zwanzig Grand-Slam-Turniere, ehe die Schwangerschaft ihren Lauf stoppte.
Der Sieg in Melbourne 2017 ist Williams' bislang letzter Major-Titel geblieben. Nach der Geburt ihrer heute dreijährigen Tochter Alexis Olympia und dem Comeback im März 2018 stand sie viermal nur einen Sieg von der Einstellung des Rekords entfernt, die eigenen Nerven und starke Gegnerinnen machten ihr aber jeweils einen Strich durch die Rechnung. In den Wimbledon- und US-Open-Finals 2018 und 2019 blieb Williams chancenlos. Dass der letzte Schritt oft der schwierigste ist, schien sich zu bestätigen.
«Unstoppable Queen»
Williams tat sich jahrelang schwer, sich vor Turnieren zu diesem Thema zu äussern, obwohl Trainer Mouratoglou immer wieder betont hatte, dass der Rekord von Margaret Court der Grund ist, warum Williams nach ihrer Babypause überhaupt zurückgekommen ist. Vor Beginn des Australian Open sagte diese nun: «Klar, habe ich diese Zahl in meinem Kopf - und klar spüre ich diese Bürde auf meinen Schultern.» Inzwischen sei sie sich dies gewohnt und deshalb auch entspannter.
Inzwischen geniesst die Tochter die höchste Priorität. «Jeden Tag ihres Lebens habe ich mit ihr verbracht.» Williams' sportlicher Ehrgeiz ist aber dennoch nicht kleiner geworden. Und dass das Alter gerade für Ausnahmeathleten nur eine Zahl ist, wurde ihr am Montag gleich zweimal vor Augen geführt. Ihre ein Jahr ältere Schwester Venus, zeitlebens eine Inspiration für Serena, zog dank einem Zweisatzsieg gegen Kirsten Flipkens in die 2. Runde ein. Und Tom Brady, der Quarterback der Tampa Bay Buccaneers, gewann seine 7. Super Bowl - mit 43 Jahren!
«Unglaublich ist das einzige, was ich dazu sagen kann. Einfach unglaublich!», sagte Williams an der Medienkonferenz zur Leistung von Brady. Ihr T-Shirt war nun farblich zwar etwas dezenter, ihre Message mit der Aufschrift «Unstoppable Queen» dafür unmissverständlich. Auch in Melbourne hat Serena Williams nur ein Ziel: den Gewinn des 24. Grand-Slam-Titels.