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Ende Januar 2020 ist für Cinélibre mit dem plötzlichen Tod seines Geschäftsführers Robert Richter eine Epoche zu Ende gegangen. Den Mitgliedern von Cinélibre wird Robert auch in Erinnerung bleiben als Stimme auf dem Anrufbeantworter, als Gestalter des ersten und des neuen Internetauftritts des Verbandes – sein letzter grosser Wurf 2019 – und als Erbringer von diversen Dienstleistungen: Suisa-Meldungen, Filmschadenversicherung, Vereinbarung mit Jack Bell betreffend Filmklassiker und Filmerbe, Organisator von Filmreihen mit polnischen und vor allem italienischen Filmen.
Robert Richter interessierten aber auch die Hintergründe, die Entstehungsgeschichte sowie das politische und soziale Umfeld, in dem Filme entstehen.
Mit dem Vorstand zusammen initiierte er, dass Filme von Nyon – die keinen Schweizer Verleiher fanden, aber im Sinne der Cinélibre-Statuten kulturell wertvoll sind – von Cinélibre in den Verleih aufgenommen wurden. Er begründete ausserdem die Archivierung der Unterlagen von Cinélibre und der Fédération Internationale des Ciné-Clubs (FICC) in der Cinémathèque suisse in Penthaz (VD) und verhalf dem Cinélibre-Filmfonds ebendort zur Wiederentdeckung. Sein riesiges privates Netzwerk wusste er immer zum Wohl des Verbandes zu nutzen.
Robert war aber weit mehr als der Administrator eines Verbandes. Konzeption, Regie, Schnitt und Ton eines Kinofilms beherrschte er ebenso wie das Schreiben und Diskutieren über das fertige Produkt. Er publizierte seine Texte in «Der Bund», der «NZZ», im «Cinébulletin», dem deutschen Fachmagazin «Filmecho» sowie in Festivalkatalogen, Büchern und auf Online-Plattformen. Er leitete Podiumsdiskussionen, Seminare und Weiterbildungen zum Filmbereich. Ihn interessierten aber auch die Hintergründe, die Entstehungsgeschichte sowie das politische und soziale Umfeld, in dem Filme entstehen. All dies dokumentierte er in seinen journalistischen Texten. Er kannte sich aus in der Programmation von Kinos, Verleih und Vertrieb, Finanzierung und Vermarktung von Filmen. Er lobbyierte im Bundeshaus. Er pflegte die Länderschwerpunkte Iran und ehemalige Ostblockländer für seine Arbeit als Delegado des Festivals von San Sebastian. Daraus resultierten wiederum viele bereichernde, persönliche Freundschaften.
Barbara Müller Richter