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«Grosse Staaten haben grosse Nachteile. Die Gesetze entstehen an einem Ort, der von denen, an denen sie Anwendung finden sollen, so weit abgelegen ist, dass ernste, sich häufende Irrtümer die unvermeidliche Folge dieser Entfernung sind … Die Bewohner entlegenster Provinzen werden plötzlich durch unerwartete Neuerungen, unverdient strenge Massnahmen oder verwirrende Anordnungen überrascht, die alle ihre Berechnungen und alle dem Schutz ihrer Interessen dienenden Einrichtungen über den Haufen werfen, weil zweihundert Meilen entfernt lebende Männer, die ihnen gänzlich unbekannt sind, gemeint haben, irgendwelchen Gefahren im Voraus begegnen zu müssen, irgendeine Unruhe zu erraten oder irgendeinen nützlichen Zweck zu erkennen.»
«Man redet unaufhörlich von dem grossen Reich, der Nation in ihrer Gesamtheit, das heisst von abstrakten Begriffen, die keine tatsächliche Realität besitzen. Das grosse Reich ist ein Nichts, wenn man es unabhängig von den Provinzen betrachtet; die Nation in ihrer Gesamtheit ist nichts, wenn man sie von den einzelnen Gruppen abstrahiert, aus denen sie sich zusammensetzt. Indem man die Rechte dieser Gruppen verteidigt, verteidigt man das Recht der gesamten Nation, denn sie findet sich in jedem Einzelnen ihrer Teile wieder.»
«Man hat bislang die lokale Gewalt als einen Zweig der Exekutive und damit als von ihr abhängig angesehen. Das Gegenteil muss der Fall sein: Jene darf diese zwar niemals behindern, sie soll jedoch keineswegs von ihr abhängig sein.»
«Der Lokalpatriotismus ersteht sozusagen von neuem aus der Asche, sobald der Zugriff der Zentralgewalt sich einen Augenblick lockert … In den Staaten, in denen man auf solche Weise jedes regionale Leben zerstört, bildet sich im Zentrum ein Staat im Kleinen heraus; in der Metropole ballen sich alle Interessen zusammen; alle Formen des Ehrgeizes regen sich dort. Der Rest verharrt in Erstarrung.»
Diese Zitate von Benjamin Constant stammen aus dem Buch «Die liberale Demokratie – Ein Benjamin-Constant-Brevier» von Karen Ilse Horn (Hrsg.), publiziert in der Reihe «Meisterdenker der Freiheitsphilosophie» bei NZZ Libro.