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2 Dorfspiegel Dietlikon / Wangen-Brüttisellen Kurier Nr. 45 5.11.2020 Stelle steht. Damit lässt sich die genaue Entfernung zwischen Erde und Mond berechnen. Die ersten Menschen auf dem Mond haben von dort auch Mondstaub mitgebracht. Dieser ist splitterig-grobkörnig und auch nicht ungiftig, wenn er in eine menschliche Lunge gerät. Man könne diese Substanz am ehesten mit Asbest vergleichen. Entstanden sei der Staub, wie die zahlreichen Krater auf der Mondoberfläche auch, durch Meteoriteneinschläge. Guido Schwarz lässt die Faszination für die Raumfahrt aufleben. (Foto yz) fachmann und Initiant und Leiter des Projekts «Swiss Space Museum» Schwarz seit seiner Kindheit, insbesondere die Apollo-Programme der amerikanischen Nation. Mit Hilfe von Beamer und Leinwand holte er an diesem Abend die faszinierende Zeit der Sechzigerjahre mit zahlreichen originalen Filmsequenzen zurück. John F. Kennedy war 1961 Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, als die ersten Raumfahrer der «National Aeronautics and Space Administration» (NASA) ihre erste Reise ins All antraten. Die bisherige Erfahrung in der Raumfahrt, so Schwarz, beschränkte sich bei den Amerikanern bis dahin auf ein Minimum. Und es war ein Russe, welcher bereits im April 1961 der erste Mensch per Rakete im Weltraum gewesen war: Juri Gagarin. Damit war die Sowjetunion zu Beginn des Zeitalters der Raumfahrt zur führenden Raumfahrtnation aufgestiegen. Das suchten die Amerikaner zu überbieten. Am 25. Mai 1961 hielt der US-Präsident eine berühmte Rede an sein Volk, welche gleichzeitig der Startschuss für die Apollo-Missionen war. Geplant war, dass die Amerikaner ihre Astronauten in sieben Missionen bis zum Ende der Sechzigerjahre auf dem Mond landen lassen und diese auch wieder sicher zur Erde zurück befördern wollten. Aus den sieben Missionen wurden insgesamt 17. Der Mond befindet sich übrigens von unserem Planeten Erde aus gesehen in einer Distanz von 384 400 Kilometern, welche ein Raumschiff in etwa drei Tagen zurücklegen kann. Trotz Rückschlägen stellten sich Erfolge ein Schwarz berichtete von einem schweren Rückschlag bei einem Bodentest am 27. Januar 1967: Im Kommandomodul brach ein Feuer aus. Die Kommandokapsel war nicht mit gewöhnlicher Luft, sondern mit reinem Sauerstoff gefüllt. Dadurch wurde binnen weniger als einer Minute aus einem kleinen elektrischen Funken ein Feuer, in dem die drei Astronauten Gus Grissom, Ed White und Roger Chaffee verbrannten. Umfangreiche Änderungen an der Kommandokapsel waren die Folge. Dem Test wurde nachträglich die Bezeichnung «Apollo 1» verliehen. Es folgten weitere Versuche. Am 24. Dezember 1968 war es geschafft: der als «Apollo 8» bezeichnete, im Bundesstaat Florida am Kennedy Space Center gestartete Flug mit seinen drei Besatzungsmitgliedern Frank Borman, James Lovell und William Anders umrundete den Mond insgesamt zehn Mal. Ihre Rakete war 111 Meter lang und auf der Erde um die 3000 Tonnen schwer. Die fünf Triebwerke haben beim «Launch» pro Sekunde (!) 14 Tonnen Treibstoff verbraucht. Es war die erste Rakete, die es schaffte, ohne Fehlstarts die Astronauten durchs All zu befördern. Die Raumfahrenden erblickten die hintere Hemisphäre des Mondes und sie sahen einige Male die Erde aufgehen. Ergriffen von den Ereignissen, zitierten sie in einer Weihnachtsbotschaft an die Erdbewohner die ersten Sätze aus der «Genesis», der biblischen Schöpfungsgeschichte. «Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde ... Und Gott sprach: Es werde Licht. Und es ward Licht.» Die TV-Übertragung endete mit den Worten: «Gute Nacht, viel Glück und fröhliche Weihnachten. Gott schütze euch alle, euch alle auf der guten Erde.» Drei Tage später landete die Raumkapsel südlich von Hawaii im Pazifik. Im folgenden Jahr wurde der Wunsch des amerikanischen Präsidenten, Menschen sicher zum Mond und zurück zu bringen, erfüllt. Die ersten beiden Astronauten, Neil Armstrong und Edwin Aldrin, landeten im Rahmen der Mission «Apollo 11» am 20. Juli 1969 mit den letzten Treibstoffreserven um 21.17 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf dem Mond. Sechs Stunden später, am 21. Juli gegen drei Uhr nachts, betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Dabei sprach er den berühmt gewordenen Satz: «Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, jedoch ein grosser Sprung für die Menschheit.» 1965 geboren, war Schwarz bei der ersten bemannten Mondlandung der Amerikaner ein vierjähriger Knabe. Er bedauerte, dieses wichtige Geschehen nicht am Fernseher mitverfolgt haben zu dürfen. Seine Eltern haben ihn dafür schlicht nicht geweckt. Was befindet sich auf dem Mond? Im All, also auch im reisenden Raumschiff, herrscht Schwerelosigkeit. Auf dem Mond beträgt die Anziehungskraft der Dinge ein Sechstel dessen, was die mitgeführte Ware und Personen hier auf der Erde wiegen würde(n). Und es gibt auf dem Mond keinen Sauerstoff. Diesen mussten die Mondreisenden von der Erde mitführen. Nachdem Armstrong und Aldrin den Mond betreten hatten, ging es darum, dieses wichtige Ereignis zu dokumentieren. Sie haben zuerst ein Sonnen-Wind-Experiment aufgestellt, welches übrigens von der Universität Bern entwickelt worden ist. Dann erst steckten die Mondreisenden die amerikanische Flagge in die grau-silbrige, staubige Oberfläche des Mondes. Diese ist voller unterschiedlich grosser Krater. Auch Felsen erheben sich und formen gemeinsam mit den Kratern eine Mondlandschaft. Die Lichtverhältnisse auf dem Mond unterscheiden sich von jenen unserer Erde. Es herrscht UV-Licht vor, aber auch die Sonne bescheint den Erdtrabanten. Ein Mond-Tag dauert einen ganzen Monat. Armstrong und Aldrin stellten einen Laserreflektor auf, welcher noch heute an dieser Abschliessend: Zeit, um Fragen zu stellen Nach einer guten Stunde der Wissensvermittlung um die Raumfahrt gab Schwarz dem Publikum ein Zeitfenster, um Fragen zu stellen. Eine vife Jugendliche wollte wissen, wie das Raumschiff von «Apollo 11» vom Mond ohne Treibstoff wieder zurück auf die Erde habe gelangen können. Schwarz, sichtlich erfreut über ihr Mitdenken, meinte dazu: «Die Mondlandefähre besteht aus einer Abstiegs- und einer Aufstiegsstufe. Beide Stufen hatten je ein Triebwerk. Der Treibstoff der Landestufe war beinahe verbraucht, aber die Aufstiegsstufe verfügte für die Rückreise über ausreichend Treibstoff.» Ein Besucher in einem Alter, welcher die Mondlandung noch mitbekommen haben könnte, fragte: «Welche Geräte, die wir in unserem Alltag nutzen, wurden ursprünglich für die Raumfahrt hergestellt?» Hier betonte Schwarz vor allem die Miniaturisierung der Geräte, da beim Flug ins All möglichst Gewicht gespart werden soll. Die Astronauten sollten und sollen die Möglichkeit haben, via Satellitentelefon eine Verbindung zur Erde herstellen zu können. Deshalb haben wir heute mit unseren Handys Computer, die in die Hosentasche passen. Häufig werden in der Weltraumforschung Instrumente gebraucht, die es noch nicht gibt. Diese werden zuerst für die Raumfahrt entwickelt und finden später Anwendung im Alltag der Menschen, wie beispielsweise der Akku-Staubsauger und die Sonnenbrille. Das «Apollo-Programm» kostete die USA übrigens fast 24 Milliarden Dollar. Es arbeiteten daran bis zu 400 000 Menschen. Das «Swiss Space Museum» (www.swissspacemuseum.ch) ist in der Projektionsphase. Noch hat das Museum keine eigenen Räume, macht aber hin und wieder Gastausstellungen und Events und berichtet auf Social Media wie Facebook über aktuelle Ereignisse aus Raumfahrt und Weltraumforschung. Guido Schwarz möchte zudem wechselnde Ausstellungen darin stattfinden lassen. Es soll die Bildung unterstützen und der Technikaffinität der Bevölkerung nachhelfen.
Kurier Nr. 45 5.11.2020 Dorfspiegel Wangen-Brüttisellen 3 Thema Energiewende in Wangen-Brüttisellen Wie sich der Klimawandel lokal eindämmen lässt Am 20. Oktober traf sich das Forum einmal mehr in Gsellhof, um sich mit dem Klimawandel und der Energiewende zu beschäftigen. Das Forum setzte sich zum Ziel, herauszufinden, wie man den Klimawandel lokal eindämmen kann. Die grosse Handlungsbereitschaft war auch im Publikum direkt spürbar. Aline Leutwiler Beim Betreten des Raumes fallen zuerst die Stühle auf. Sorgfältig aufgereiht bleiben zwei Meter Platz zwischen jedem Sitzplatz. Alle tragen ausnahmslos Masken und gar der Kugelschreiber für die Registration wird desinfiziert. Dennoch ist die Atmosphäre entspannt und die beiden Redner treffen auf aufmerksame Zuhörer. Stefanie Huber und Achim Schneider engagieren sich sowohl beruflich als auch privat für die Energiewende. An jenem Abend möchten die beiden Impulse geben, was unsere Gemeinde als auch jeder Einwohner, jede Einwohnerin zum Klimawandel beitragen kann. Referate von Experten Kantonsrätin Huber ist Energieund Umweltbeauftragte von Dübendorf. Ihr Fokus der viertelstündlichen Präsentation liegt auf dem Handlungsspielraum einer Gemeinde. «Es ist vor allem wichtig, eine Strategie zu haben und diese systematisch umzusetzen», so die Umweltbeauftragte. Nur schon bei den kommunalen Gebäuden könne eine Gemeinde viel erreichen. Bevor Sanierungen überhaupt angepackt werden, lohne sich eine erste Betriebsoptimierung. Wo wird unnötig Energie verbraucht, die man einfach einsparen könnte? So könnte man auch beispielsweise die Strassenbeleuchtung überdenken. Mit der Optimierung einer Strassenbeleuchtung erreicht eine Gemeinde schon viel. Noch mehr bewirken kann sie allerdings mit einer umfangreichen Energiestrategie. Diese ist für Stefanie Huber eine der entscheidenden Massnahmen: «Mit einer Energieplanung hat man die grösste Hebelwirkung im Klimaschutz. Denn ein wichtiger Teil aller Treibhausemissionen stammt von verbrauchter Energie.» Dazu gehöre auch eine Bauund Zonenordnung und eine kompetente Energieberatung für alle BürgerInnen. Zusammenarbeit ist alles Dank Zusammenarbeit kann eine Gemeinde die Bevölkerung beim Energiesparen unterstützen. Zudem sei Kooperation mit den lokalen Unternehmen notwendig, um gemeinsame Ziele zu erreichen. Huber sieht noch viel Potenzial in der Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden: «Ohne das Energiestadt Label erwerben zu müssen, macht es Sinn, in dessen Netzwerk einzutreten.» So hätte die Gemeinde direkten Zugang zu nützlichen Informationen. Huber betont auch, dass Synergien wichtig seien. Das heisst, jede Handlung der Gemeinde soll gleichzeitig nachhaltig gestaltet werden, um eine Verdoppelung der Projekte zu verhindern. Vorausplanung lohnt sich Synergien sind auch für den Umweltwissenschaftler Achim Schneider sehr wichtig. «Eine Sanierung allein lohnt sich nicht. Erst wenn die Sanierung notwendig wird, soll sie vollzogen werden. Dafür dann richtig.» Schneider gibt in seiner Kurzpräsentation Tipps für jeden. Zuerst soll die Situation im eigenen Haus analysiert werden. Was für Geräte sind im Besitz und wann müssen diese wieder ersetzt werden? Die Planung ist essenziell. «Ich weiss genau, was ich wann in meinem Haus ersetzen muss und womit ich es dann austausche», erzählt Schneider stolz. Zur Planung gehört auch eine nachhaltige Finanzierung. Schneider weiss, dass sich eine teurere, aber qualitativ hochstehende Neuerung langfristig lohnt, weil weniger Energie während der Nutzung verbraucht wird. Und deshalb tiefere Energiekosten bezahlt werden. «Wenn das Gerät dann aussteigt, sollte man nicht direkt zum erstbesten Händler gehen und sich irgendetwas einbauen lassen», führt der Lehrbeauftragte aus. Die nächste Sanierung ist entscheidend Für Schneider ist es wichtig, dass die nächste Sanierungsrunde des Eigenheims richtig durchgeführt wird. «Bis 2030/40/50, wenn wir unsere Klimaziele erreichen wollen, steht in den meisten Häusern noch genau eine Sanierung an. Diese müssen wir hinbekommen», so Achim Schneider. Langfristiges, cleveres Handeln ist deshalb entscheidend. Schneider empfiehlt aus diesem Grund auch Fachleute in den Entscheidungsprozess einzubeziehen. Aber Möglichkeiten, um Energie zu sparen, gäbe es genug. Von E- Ladestationen bis hin zum PV- Dach. Das sind auch Themen, welche die Anwesenden interessiert. Aus dem Publikum kommen einige Fragen von Einwohnern, die sich gerne stärker einsetzen möchten und noch die nötige Unterstützung suchen. Der Drang, sowohl als Einzelperson als auch als Gemeinde verstärkt zu handeln, ist durchaus vorhanden. Denn wie Achim Schneider treffend zusammenfasst, sei die beste Energie noch immer jene, die man nicht braucht. Achim Schneider und Stefanie Huber informierten im Gsellhof. (Fotos al)