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Plutarchi Chaeronensis Moralia. quae usurpantur. sunt autem omnis elegantis doctrinae Penus: Id est, varij libri: morales, historici, physici, mathematici, denique ad politiorem litteraturam pertinentes & humanitatem: Omnes de Graeca in Latinam linguam transscripti summo labore, cura, ac fide: Guilielmo Xylandro Augustano interprete... Basel: Thomas Guarin 1570. Fol.
1570 erscheint eine neue Übersetzung der sogenannten Moralia in Basel, nun bei Thomas Guarin, der aus konfessionellen Gründen aus seiner Vaterstadt Tournai zunächst nach Lyon ausgewandert und dort als Buchhändler tätig gewesen, dann 1557 in Basel Bürger geworden war und eine Tochter Isingrins geheiratet und nach dessen Tod in diesem Jahr dessen Offizin weitergeführt hat. Im Titel wird schon fachphilologisch darauf hingewiesen, dass der seit 1541 eingebürgerte Titel Moralia nicht korrekt sei, dass es sich um einen "Vorrat" verschiedenster Schriften moralischen, historischen, naturphilosophischen, mathematischen und allgemein literarischen und pädagogischen Inhalts handle. Der Übersetzer ist der Heidelberger Professor publicus für Philosophie Wilhelm Xylander, der diesen "zweiten Band seines Plutarchs" am 13. August 1570 in Heidelberg dem Sohn seines Landesherrn, dem späteren Kurfürsten Ludwig von der Pfalz (1539 bzw. 1576-1583) gewidmet und sich um ein kaiserliches Privileg seiner Übersetzung gegen Nachdruck dieses Drucks Guarins auf zehn Jahre bemüht hat. Ausserdem enthält der Druck ein Privileg des Königs von Frankreich vom 8. August 1570 für "Jacques Dupuys, marchant Libraire iuré en la ville & université de Paris, & à Thomas Guerin, aussi marchant bourgeoys & Imprimeur de la ville de Basle..." gegen Druck, Handel und Verkauf der Plutarchübersetzungen Xylanders und Hermann Cruserius' ebenfalls auf zehn Jahre. Letztere ist, um 1567 vollendet, dann 1573 bei Guarin erschienen.
Er widme ihm das Werk, beginnt Xylander, da es allgemein für eines Fürsten würdig gelte und er in der humanitas seinen Schutzbefohlenen (clientes) gegenüber seinem Vater (Kurfürst Friedrich der Fromme) folge. Schon als er diesem vor etwa zehn Jahren den andern Band der Werke Plutarchs gewidmet habe, habe er den zweiten für dessen ältesten Sohn vorgesehen (die Übersetzung der Vitae von Xylander war 1561 gemeinsam beim aus Basel nach Heidelberg gezogenen Drucker Ludwig Lucius, Academiae typographus in Heidelberg, und Oporin in Basel erschienen). Etwas über den Autor zu sagen dränge ihn nicht nur der Stoff selber, sondern auch die nicht ungeschickte Sitte der Vorrede, die wohl vor allem für die Leser eingeführt worden sei. Er wolle daher nicht ihn und seine Vorfahren lange loben. Doch wozu bedürfe Plutarch eines Lobs? Zudem habe er ihn ausführlich in der Vorrede zu den Viten behandelt (diese besitzt die Basler Bibliothek leider nicht). Einiges müsse er aber doch aus seiner Verehrung für den Autor heraus sagen (worauf er es immerhin noch auf fünf Folioseiten gebracht hat). Zunächst: er kenne keinen Autor, der so verschiedenerlei Stoffe beherrscht und behandelt habe und den studiosi so viele philosophische und philologische Hilfsmittel vertrauenswürdig in die Hände gegeben habe. Er habe ungeheuer viel für das ganze zukünftige Menschengeschlecht geleistet, sein Werk sei verdientermassen eine Bibliothek zu nennen, und dies obwohl längst nicht alle seine Schriften erhalten seien, wie Zitate bei Eusebius, Stobaeus und Gellius zeigten. Worauf Xylander solche verlorene Werke kurz aufzählt und auf den eingebürgerten Titel Moralia zu sprechen kommt, der von der Mehrzahl moralischer Traktate oder von der Bedeutung der Moralphilosophie herkomme. Um zu zeigen, dass diese Mehrzahl so nicht stimme, will er aber nicht alle Schriften aufzählen, sondern verweist dafür auf das Inhaltsverzeichnis seiner Übersetzung, das die Schriften zur Naturlehre, Mathematik, Logik, Geschichte usw. zeige. Zu seiner Arbeit weist er darauf hin, dass man ihn nach dem Erscheinen seiner Übersetzung der Viten gebeten, gedrängt habe, auch diesen Band in gleicher Weise zu übersetzen. Er habe lange gezögert, da bisher niemand allein diese Arbeit in Angriff zu nehmen gewagt habe, da man dazu die gesamte Philosophie und Literatur beherrschen, viel gelesen und ein scharfes Urteilsvermögen, schliesslich auch eine Begabung im Formulieren haben müsse. Er habe gesehen, wie sich hier auch die besten Gelehrten die leichtesten und ruhmträchtigsten Schriften zur Übersetzung herausgefischt und die schwierigeren und weniger ansehnlichen ausgelassen hätten. So hätten einige (falls ihm nicht etwas entgangen sei) bis heute noch keinen Übersetzer gefunden gehabt. Er wolle aber auch nicht die Fehler der bisherigen Übersetzer aufzählen. Schliesslich habe er sich von der Berechtigung der Aufforderungen, der Öffentlichkeit (respublica) mit der Übersetzung zu nützen, überzeugen lassen, die Übersetzung begonnen und zum bestmöglichen Abschluss gebracht. Wenn man den Umfang des Werkes betrachte, seine Buntheit und Bedeutung, die Vielzahl der hinderlichen Fehler und Lücken (deren Mehrzahl seine Vorgänger nicht beachtet oder geflissentlich übersehen hätten, wogegen er jeweils mit Sternchen seine Ratlosigkeit bekannt habe), dann wie viele verschiedenste Verse in Gedichtform wiederzugeben, wie viele Zitate des Autors im Dienste des Lesers herauszufinden und zu kommentieren gewesen seien, dann werde man es nicht vermessen finden, dass er seine Arbeit ihm widme. Urteile Gelehrter fürchte er nicht, solange diese sachkundig und aufrichtig seien; die übrigen seien ihm gleichgültig. Er habe nicht nur für die übersetzt, die, der griechischen Sprache unkundig, Plutarch entweder gar nicht läsen oder sich oft mit einem von dem des Autors abweichenden Sinn in den gängigen Übersetzungen abfänden, sondern auch für die, die das Griechische einigermassen beherrschten, bei solch verschiedenartigen Stoffen aber über eine Vergleichsmöglichkeit in beiden Sprachen froh seien. Er habe, wie man sage, das Eis gebrochen (secui). Um die Pedanterie derer, die nur Ciceronianisches, Geschniegeltes und weiss wie Geschliffenes gelten liessen, kümmere er sich nicht; er habe sich um Klarheit bemüht, das Wichtigste für einen Übersetzer. Er habe lieber gebräuchliche eindeutige Begriffe verwendet, als in der Bemühung um irgendeine Latinität den Inhalt zu verdunkeln. Bei der Erklärung von Philosophischem habe er sich sogar zuweilen neue Wortbildungen erlaubt, um den Sinn verständlich zu machen. Wie in den Vitae - was er dort (1561) in der Vorrede erklärt habe - habe er sich Freiheiten da erlaubt, wo es die Sache verlangt habe. Er glaube, das ihm gewidmete Werk werde öffentlich und den Einzelnen (ad rempub. & ad privatos homines) Nutzen bringen, und man solle wissen, dass man es ihm, dem Fürsten, verdanke. Gewiss dürften einige diesen Schluss seiner Widmung zudringlich und unedel finden, aber er sei sicher, dass dies der humanitas des Fürsten willkommener sei, als durch Schmeicheleien und Ränke sich um seine Freigebigkeit zu bemühen. Es werde keine Schande und kein Schaden für ihn sein, wenn sein Werk mit einem Hinweis auf seine Grosszügigkeit an die Öffentlichkeit (ad rempublicam) trete. So bitte er Gott für ihn, seine Gattin, seine Kinder und alle Seinen um Wohlergehen.
B c II 109a
Bibliothekskatalog IDS
Signatur: Bc II 109a