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Die Vision der Verlierer
Die europäischen Verträge und die aus ihnen hervorgehenden europäischen Institutionen und politischen Handlungsmuster entspringen einer Vision, die davon ausgeht, dass Struktur und innere politische Ordnung der Europäischen Gemeinschaft in erster Linie von der Aussenwelt abhängig sind und dass sie sich entsprechend den Vorgaben dieser Aussenwelt zu gestalten haben. Nach dieser politischen Grundvorstellung, deren Autonomieverständnis sich auf die Verknüpfung zwischen unserer europäischen Kulturwelt und der fremden Aussenwelt bezieht, ist die Gemeinschaft dann autonom bzw. unabhängig, wenn sie in der Lage ist, kritische Einschränkungen in ihrem Verhalten, die ihr von der Aussenwelt auferlegt werden, abzubauen. Autonomie ist laut diesem in vielen politischen Kreisen der Europäischen Gemeinschaft vorherrschenden Verständnis somit eine Restgrösse, die bei guter Politik entsteht, indem die europäischen Staats- und Regierungschefs und ihre Regierungen durch gute Wahl der Gestaltungsmöglichkeiten in der heutigen absoluten Gebundenheit der Europäischen Gemeinschaft im globalen Netz grössere Handlungs- und Freiheitsspielräume für ihre Bürgerinnen und Bürger erarbeiten. Ist der politische Leistungsausweis hingegen negativ, und das ist er schon seit geraumer Zeit, schrumpft die Restgrösse zusammen, die Handlungs- und Freiheitsspielräume der Europäischen Gemeinschaft und ihrer Bürgerinnen und Bürger werden kleiner.
Christian Staub
, geboren 1962, studierte Rechtswissenschaft in der Schweiz und in Frankreich. Er widmet sich seit mehreren Jahren der Schriftstellerei. «Wer sind wir? Die Identität Europas» ist das erste einer Reihe von Büchern, die ab Mitte 1999 geschrieben wurden.