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Bibelübersetzungen für Länder mit «ernsthafter Christenverfolgung»
Die Organisation gibt aus Sicherheitsgründen in ihrer Presseerklärung nicht näher an, um welche Region der Welt es sich handelt. Sie teilt weiter mit, dass einheimische Christen aus der Region die Übersetzungsarbeit leisten werden, weil die Organisation keine westlichen Christen für längere Zeit in dieses Gebiet schicken kann. «Christen werden gejagt und Räuberbanden können jederzeit ohne Ankündigung über Gebiete herfallen.»
«Ja, es ist gefährlich», hielt Bruce Smith, CEO der 'Wycliffe Associates' in einem Statement fest. «Aber so viele Menschen haben Gottes Wort noch nie in ihrer eigenen Herzenssprache gelesen. Darum müssen wir möglichst schnell einheimische Übersetzer schulen.»
«Revolutionäre» neue Übersetzungs-Strategie
Um die Ausbildung nationaler Übersetzer unterstützen zu können, nutzt die US-Organisation eine neue Übersetzungsmethode, die den ersten Entwurf einer Übersetzung des Neuen Testaments in weniger als einem Jahr ermöglichen soll. Die Methode mit dem Namen Mobilized Assistance Supporting Translation (MAST, auf Deutsch etwa: Mobile Hilfe zur Unterstützung von Übersetzungen) reduziert die Zeit drastisch, die Übersetzer für eine genaue Übersetzung in ihre Sprache benötigen. Am Anfang eines neuen Projekts werden die Übersetzer in der MAST-Methode geschult. «Dieser Durchbruch durch die MAST-Strategie beschleunigt die Übersetzung drastisch – mehr als alles, was wir uns noch vor ein paar Jahren vorstellen konnten», erklärte Smith. «Wir müssen nicht mehr Übersetzer aus dem Westen in die betroffenen Länder schicken – wir bilden örtliche Christen aus, die Bibel selbst in ihre eigene Sprache zu übersetzen.»
Das Herz der MAST-Strategie besteht darin, dass mehrere Teams parallel an Texten arbeiten. Dazu werden die Übersetzer mit der Technologie ausgerüstet, simultan zu arbeiten und Informationen auszutauschen. Schliesslich erhalten sie auch Werkzeuge, geheim zu arbeiten, ohne zu riskieren, entdeckt zu werden.
Expansion trotz Druck
Gewalt durch Extremisten hat in der Vergangenheit immer wieder einmal dazu geführt, dass Bibelübersetzer ihre Arbeit unterbrechen oder gar aufgeben mussten. Dennoch ist Wycliffe entschlossen, sich von der Verbreitung des Evangeliums nicht abhalten zu lassen. Einschliesslich der 10 Projekte, deren Start für den nächsten Monat angekündigt ist, plant die Organisation insgesamt 80 Bibelübersetzungen in «feindlichen Gebieten» und ist momentan dabei, für diese Pläne 400'000 Dollar zusammenzubringen. «Die Christen in diesen Ländern flehen uns an, Übersetzer zu schulen. Die Menschen sehnen sich nach Gottes Wort in ihrer Herzenssprache. Die MAST-Strategie wird hier völlig neue Dimensionen eröffnen», freut sich Smith.
Kein Allheilmittel
Die «Wycliffe Associates» (Orlando/Florida) sind eine von über 100 Bibelübersetzungsorganisationen, die weltweit in der «Wycliffe Global Alliance» zusammengeschlossen sind. Die Schweiz ist in dieser Allianz mit "Wycliffe Switzerland" vertreten. Direktor Thomas Deusch (Biel) bestätigte, dass die MAST-Methode «unter gewissen Bedingungen» die Bibelübersetzung tatsächlich beschleunigen könne; sie sei aber kein Allheilmittel, das man jetzt einfach überall anwenden könne. Denn sie setze eine beträchtliche Anzahl einheimischer Übersetzer voraus; in Sprachgruppen, wo es bisher noch kaum Christen gebe, sei es aber oft gar nicht möglich, solche Übersetzer zu rekrutieren und auszubilden. Darum werde die MAST-Methode unter den 100+ Mitgliedern der Wycliffe Global Alliance durchaus differenziert angesehen und angewendet.
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Datum: 12.02.2016
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet