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125 Jahre Pfarrkirche - ihre Geschichte
Etwas abgehoben vom Strassenniveau steht die Pfarrkirche Ennetbürgen mitten im Dorf. Abgehoben ist auch ihre mittelalterlich-gotische Erscheinung in einer Siedlung, die sich in den letzten Jahrzehnten enorm verändert hat. Als die Pfarrkirche vor 125 Jahren geweiht wurde, sah man nur sie in der weiten Landschaft. Von einem Dorf noch kaum eine Spur. Die Kaplanei stand dabei, und das Sigristenhaus. Dafür waren die zahlreichen, locker verteilten Bauernhöfe am Bürgen noch viel deutlicher präsent.
Die Pfarrei Ennetbürgen entsteht
Die Gründung der Pfarrei Ennetbürgen entbehrte nicht der Dramatik. Obwohl eigentlich alles ganz harmlos begann. Denn 1867 beschlossen die Ennetbürger, ihre baufällige Antoniuskapelle, die am Ort der heutigen Kirche stand, zu renovieren. Doch dann besann man sich eines Besseren. Rückkommen wurde beantragt. Man solle auf die Renovation verzichten und eine neue Kirche bauen. Eine Pfarrkirche musste es sein. Obwohl man immer noch zur Pfarrei Buochs gehörte. 1868 erfolgte der Grundsatzbeschluss einer Abtrennung der Pfarrei Ennetbürgen von Buochs. Das erwies sich als sehr kompliziert, weil die Nidwaldner Pfarreien auch Armengemeinden waren und eine Aufteilung viele Diskussionen auslöste. Ennetbürgen hatte mehr Arme als Buochs und nur ein Drittel des Steuervermögens. Die Verhandlungen zwischen Buochs und Ennetbürgen, aber auch mit der Nidwaldner Regierung und dem Bischof von Chur, dauerten Jahre. Sogar das Bundesgericht wurde 1875 angerufen. Es entschied gegen die Abkurung, obwohl der Churer Bischof zugestimmt hatte, weil eine solche der Kantonsverfassung widerspreche. Tatsächlich war der Kanton Nidwalden gemäss Verfassung in sechs Pfarrgemeinden eingeteilt, wobei Buochs und Ennetbürgen eine solche bildeten. Erst 1881, nach 13 Jahren Verhandlungen, konnte die Pfarrei Ennetbürgen gegründet und von Buochs losgelöst werden.
Zur Urpfarrei Buochs gehörten Beckenried, Emmetten und Ennetbürgen. Emmetten wurde um 1474 eine selbständige Pfarrei, Beckenried 1638, Ennetbürgen schliesslich 1881. Schon 1750 hatte der Ablösungsprozess begonnen. Damals wollten die „Bergleute am Bürgen“ eine eigene Kaplaneipfrund haben, doch die Buochser lehnten ihr Ansinnen ab. Eine Kapelle gab es bereits, die Antoniuskapelle auf der Au, am Bürgenstad, die 1705-1708 neu gebaut worden war. Sie war dem Bauernheiligen Antonius Eremita geweiht und etwa gleich gross wie die ältere, 1346 erwähnte Kapelle St. Jost. Wie diese war sie eine beliebte Wallfahrtskapelle. Jährliche Bittgänge von Stans, Beckenried, Emmetten, Dallenwil, Büren und von Buochs gleich viermal fanden statt.
1798 brannten die Franzosen das Dorf und die Pfarrkirche Buochs nieder. Die Antoniuskapelle in Ennetbürgen wurde nun als Pfarrkirche verwendet. Um den Bau der neuen Pfarrkirche Buochs brach ein Streit aus. Die Ennetbürger wollten sie auf der Au mitten in der Ebene haben, noch lieber wollten sie sich von Buochs trennen. Die Forderung wurde abgelehnt, die neue Pfarrkirche von Buochs entstand 1802-1808 am alten Platz. Dafür erhielten die Ennetbürger 1802 nun endlich eine Kaplaneipfrund und bauten das Pfrundhaus neben ihre Antoniuskapelle.
Die neue Pfarrei und ihre Kirche
Am 30. Juli 1882 wurde der erste Pfarrer gewählt und am 20. August in Ennetbürgen feierlich installiert. Es war Josef Maria Käslin (1856-1927), der seit 1881 im Kollegium Schwyz als Lateinprofessor wirkte. Er war gerade einmal 26 Jahre alt und verfügte über keine pastorale Erfahrung. Aus diesem Grund wollte er das Amt nicht annehmen und reiste eigens zum Bischof nach Chur. Der aber beschied ihm: „Ins Kollegium kann ich wieder einen jungen Geistlichen schicken, aber gegen den Willen der Ennetbürger ihnen einen Pfarrer geben kann ich nicht.“ So übernahm er denn das eben erst geschaffene Amt und erfüllte es mit Bravour. Er lebte sich rasch in die neue, anspruchsvolle Aufgabe ein, bewährte sich sowohl als Pfarrer, als auch als Bauherr hervorragend und blieb bis 1914 Pfarrer in Ennetbürgen. In seiner Amtszeit wurde die Pfarrkirche geplant, gebaut und vollendet. Dann wurde er Pfarrer in Stans und Kommissar von Nidwalden. Eine Gedenktafel in der Kirche erinnert an ihn. Unterstützt wurde er von einer sehr gut besetzten, tatkräftigen Baukommission. Klug und besonnen gingen sie gemeinsam ans grosse Werk.
Nachdem das Pfrundhaus renoviert und ausgebaut worden war, beschloss die Kirchgemeinde 1883 den Bau der Pfarrkirche. Allerdings wolle man mit dem Bau erst dann beginnen, wenn die Hälfte der Bausumme beisammen sei. Das war bei der sehr bescheidenen Steuerkraft eine grosse Herausforderung. Die Rohbaukosten veranschlagte der Luzerner Baumeister Wilhelm Keller aufgrund von Planskizzen des Luzerner Architekten Johann Meyer auf Fr. 90‘000.-. Die Kirchgemeinde sprach Fr. 15‘000.- mit üblichen Steuern, alles andere musste durch Kollekten in der Gemeinde, im Kanton und auswärts zusammengebracht werden. 1892 standen Fr. 103‘000.- zur Verfügung. Im gleichen Jahr bewilligte die Nidwaldner Regierung eine Lotterie für den Kirchenneubau.
Mit der Fronarbeit wurde schon 1884 begonnen. 500 Fronpflichtige standen während 20 Tagen à 6 Stunden zur Verfügung. Diese 10‘000 Arbeitstage ergänzten weitere 2000 Tage freiwilliger Fronarbeit. Die Ennetbürger Bevölkerungsstatistik wies für das Jahr 1900 151 Häuser, 228 Familien, 922 Personen, davon 913 Katholiken und 9 Protestanten aus. Buochs hatte etwa 300 Einwohner mehr.
Der Sand wurde aus dem See bei der Aa gewonnen und mit dem Nauen ins Regenloch geführt. Schon 1884 erhob sich auf dem Platz beim Wirtshaus Schlüssel ein über 100 m3 grosser Sandberg. Schliesslich kostete der Sand nur Fr. 700.-. Die Bruchsteine (wohl Kalk, wie allgemein am Bürgen) sprengte man aus dem Steinbruch von Balthasar Achermann im Regenloch. Er verlangte nur Fr. 200.- Entschädigung.
Erst 1889 begann die Baukommission mit der Beschaffung eines Bauplanes. Das war schwierig, da die zahlreichen Ratgeber ebensoviele Meinungen vertraten: Romanik sollte es sein, Gotik und Renaissance, eine frühchristliche Basilika oder eine Saalkirche, ein Architekturwettbewerb oder ein Direktauftrag. Da suchte die Baukommission Rat bei P. Albert Kuhn in Einsiedeln. Dieser damals einflussreichste katholische Kunstsachverständige riet zur Gotik, weil in Unterwalden kaum Gotisches vorhanden sei, die einfache Gotik mit wenig Mitteln eine schöne Gliederung bei edlen Formen ergebe und die Gotik unter den kirchlichen Stilen stets einen ehrenvollen Platz einnehmen werde.
Gespräche mit den Architekten Heinrich-Viktor Segesser-Crivelli, Wilhelm Hanauer, Arnold Cattani, Johann Meier und Wilhelm Keller fanden statt. Zahlreiche Kirchen wurden besichtigt und Massvergleiche angestellt: Beckenried, Buochs, Stans, Wolfenschiessen, Hergiswil, Gersau, Weggis, Kriens, Luthern, Neuenhof AG, Winterthur, Alpthal, Aarau, Bünzen, Gäbisdorf und Küssnacht. Man studierte die Baupläne der Kirchen in Bennau und Reichenburg sowie der projektierten Kirche in Wettingen. Die Zählung der Kirchenbesucher diente als weitere Grundlage. Schliesslich entschied sich die Baukommission am 31. Mai 1889 für eine geostete Kirche im frühgotischen Baustil mit 400-500 Sitzplätzen im Schiff, breiten Gängen für Prozessionen und drei Altären. Die Westempore für die Orgel und den Chor bot weitere 40-50 Sitzplätze Der Turm kam links neben den Chor zu stehen und konnte 4-5 Glocken aufnehmen. Die untere und obere Sakristei wurden an der Chorsüdseite platziert. Die neue Kirche soll 5-7 Fuss (ca. 2 m) über das bestehende Terrain angehoben und innen inklusive Chor 36 m lang und 14 m breit werden.
Der Architekt für eine erste, flüchtige Planskizze war Heinrich-Viktor Segesser-Crivelli. Er zeichnete einen Situationsplan und dazu einen Grundriss, der nicht in allen Teilen gefiel. Dann legte er den Entwurf für eine dreischiffige Kirche vor. Diese war zwar sehr schön, aber zu teuer. Die Baukommission wollte eine einschiffige Saalkirche, weil Pfeiler den Blick auf die Altäre hemmen. Ein dritter Plan kam den Wünschen näher. Pfarrer Käslin kannte Architekt Wilhelm Hanauer persönlich. Dieser schlug eine dreischiffige Kirche vor, die aber nicht gefiel. Nun zeichnete Regierungsrat Josef Maria Wyrsch genau nach den Wünschen der Baukommission selbst einen Grundriss. P. Albert Kuhn fand ihn gut. Man beauftragte Wilhelm Hanauer, damit ein Projekt zu entwerfen. Er schuf eine Planskizze für eine Kirche, die Fr. 150‘000.- gekostet hätte, was zu teuer war. Nach langen Diskussionen zwischen Wilhelm Hanauer und P. Albert Kuhn lieferte Hanauer schliesslich einen Plansatz mit fünf Ansichten. Er entsprach allseitig den Wünschen der Baukommission. Am 31. Mai 1891 stimmte die Kirchgemeindeversammlung dem Projekt zu. Auch der Bischof und der Landrat waren einverstanden.
Eine Notkirche aus Holz wurde mit dem Dachstuhl der abgebrochenen Antoniuskapelle eingedeckt. Baumeister war Alois Müller von Gersau. Das 1 m hohe und 1.5 m breite Betonfundament ruht auf über 300 5-6 m langen Pfählen. Der Granit für die Strebepfeiler und Sockel wurde bei Herrn Restelli in Gurtnellen bezogen. Den Muschelkalkstein für die Portal- und Fensterpfosten lieferte die Firma Widmer und Achermann in Mägenwil AG. Der Sandstein kam von der Firma Bründler in Root. Francesco Rapelli und Bernardo Zanini mauerten das Chorgewölbe in Backstein, im Schiff ist es ein Gipslattengewölbe. Es ragt drei Meter in den Dachstock hinauf, weil man die Seitenmauern niedriger aufführte. Darum musste der Dachstock mit einer Eisenkonstruktion der Firma Bell in Kriens statisch verstärkt werden. Der Grundstein befindet sich im linken Eckpfeiler an der Front.
- Rudolf Blättler von Einsiedeln entwarf die Kartons zu den Fenstern im Chor. Sie wurden 1883 von Karl Holenstein, Glasmaler in Rorschach, ausgeführt. Jene im Langhaus schuf Christian Härer, Glasmaler in Zürich. Das Geläute der Firma Rüetschi, Aarau, ist identisch mit jenem der Pfarrkirche Lungern, das man sich bei deren Kirchweihe anhören ging. Es umfasst vier Glocken, die am 23. August 1894 gegen 19 Uhr auf einem von einem Dampfschiff gezogenen Schleppnauen eintrafen. Flintenschüsse im Buochli begrüssten die Schiffe, Mörser donnerten am Landungsplatz des Bürgenstads. Am 26. August war die Glockenweihe, in den nächsten Tagen zog man die Glocken in den Turm auf, am 4. September fand das Probeläuten statt. Aus der alten Antoniuskapelle wurde ein fünftes Glöcklein in den Turm gehängt. Es kann aber nur alleine geläutet werden, denn es passt nicht zu den andern Glocken.
Die Ausstattung
Anlässlich der Weihe am 30. September 1894 war die Kirche noch weit davon entfernt, vollständig ausgestattet zu sein. Die Wände und Gewölbe waren vom Flachmaler Karl Wyrsch in Buochs weiss und gelb gestrichen worden, die Sockel, Rippen, Säulen und Fensterrahmen sowie der Chorbogen sandsteinfarbig herausgefasst. Pfarrer Käslin erläutert in seinem Buch, warum dem so war: „Mit der Farbenfassung der Altäre hat die katholische Kirche stets die Bemalung der Kirche verbunden, dadurch das Innere zum einheitlichen Ganzen gestaltet und die Ausrüstungsgegenstände mit dem Bau vereinigt. So wird auch unsere Kirche, die schon durch ihre schöne Gliederung günstig wirkt, durch die Bemalung jedenfalls noch viel gewinnen. Die grosse Chorbogenfläche eignet sich trefflich für Aufnahme einer monumentalen Darstellung in Farben; und ein würdiges Gemälde wird an dieser Stelle umso erbaulicher wirken, da es beständig den Blicken der ganzen Kirche ausgesetzt ist. Erst durch die Ausmalung werden die herrlichen Altäre zur vollen Geltung kommen und nicht mehr wie blosse Zutaten in fremdem Raume stehen. … Übrigens hielt uns bisher nicht bloss der Mangel an den erforderlichen Mitteln von diesem Unternehmen zurück. Es ist auch ein Gebot der Klugheit, mit der Bemalung einer neuen Kirche einige Jahre zuzuwarten, da das Austrocknen des Mauerwerkes an einzelnen Stellen lange Zeit braucht, und kleine Senkungen und damit Risse in den Fensterbogen erst nach Jahren sich zeigen.“
Die Emporenbrüstung, die Kanzel, zwei Beichtstühle, die Chorschranke und die Chorstühle waren 1894 geliefert worden. Die Bildhauerarbeiten führte A. Zgraggen von Hergiswil nach Zeichnungen des Ravensburger Altarbauers Theodor Schnell in weissem Marmor aus. Schnell hatte schon die Altäre in der Pfarrkirche Lungern geliefert. Seine Altäre trafen 1896 in Kisten per Schiff ein. Die Orgel mit 21 Registern baute Friedrich Goll von Luzern im Herbst 1897 ein. Das Orgelgehäuse schuf er nach Zeichnungen von Theodor Schnell. Am 5. Juli war das Werk am Bürgenstad eingetroffen und mit Mörserschüssen begrüsst worden. Die Kapitelle unter der Empore und am Hauptportal entwarf Joseph Vetter mit seinen Schülern an der Kunstgewerbeschule Luzern. Der Boden im Langhaus bestand aus Platten der Steingutmanufaktur Saargemünd, zwischen Strassburg und Kaiserslautern. Im Chor sind es in der Masse gefärbte Tonplatten von Mettlach, Villeroy & Boch aus dem Elsass. Aussen wurde die Kirche im Besenwurf mit Tuffsand von Büren verputzt. Die belgischen Doppelschiefer für das Dach lieferte die Firma von Arx, Olten. Die Gerüstung am Turm bestand aus zwei Eisenstangen, die im Abstand von 80 cm in das Gebälk gebohrt wurden, und einem Brett darauf, auf dem zwei Dachdecker sassen. Adalbert Baggenstos von Stans malte den hl. Christophorus an den Kirchturm. Die Turmuhr lieferte Johann Mannhardt von München.
Die Reliquien des hl. Märtyrerknaben Justinus wurden 1896 von Rom nach Ennetbürgen gebracht und in feierlicher Translation im rechten Seitenaltar beigesetzt. Hierzu schreibt Pfarrer Käslin: „Gar gerne hätten wir etwas Näheres über die Lebensumstände und das Martyrium unseres Heiligen in Erfahrung gebracht… Leider umsonst. Seine Eminenz, der HH. Kardinalvikar Parocchi liess uns sagen: ‚Der hochw. H. Pfarrer und die Gemeinde sollen sich freuen, dass sie den hl. Leib des jugendlichen Märtyrers haben, sie sollen an seinem Glaubensmut sich erbauen und stärken – sein Märtyrertod im jugendlichen Alter ersetzt eine ganze Lebensgeschichte‘.“
Zehn Jahre später, 1907, erhielt die Kirche die heute sichtbare Bemalung. Einerseits schuf P. Rudolf Blättler das grosse Chorbogengemälde, anderseits gestaltete Xaver Stöckli die Gewölbe und die Wände. Schliesslich wurde 1910 das elektrische Licht installiert. Nun war die Kirche vollendet.
Der Raum
Die Ausstattung der Kirche fügt sich in ein komplexes theologisches Programm ein, das wohl von Pfarrer Käslin entworfen worden war. Deutlich sichtbar ist die damals übliche Teilung in eine Frauen- und eine Männerseite. Das Chorbogengemälde, die Seitenaltäre und die Glasgemälde folgen dieser Tradition.
Zu den Fenstern schreibt Pfarrer Käslin: „Das Volk will im Allgemeinen helle Kirchen haben. Man muss bei jeder Witterung im Gottesdienste lesen können… Indessen soll die Kirche doch auch kein Glaspalast mit grellem Tageslichte sein, gedämpftes Licht, das sogenannte ehrwürdige Dunkel des Gotteshauses ist zu wahren. Dafür spricht auch die Geschichte der kirchlichen Baukunst, namentlich diejenige der Gotik.“ P. Albert Kuhn riet zu Antikglas und stellte Figuren- oder Teppichfenster, also Scheiben, die nur mit Ornamenten verziert werden, zur Wahl. Man entschied sich für Figurenfenster und fand für jedes Stifter. Die Fenster im Chor: Links die Weihnacht, gestiftet von Pfarrer Anton Agner, Beckenried und Pfarrer Josef Maria Käslin, Ennetbürgen. Rechts die Auferstehung, gestiftet von Franziska Hanauer-Diebold, Baden, Mutter des Architekten. Dazu zwei Teppichfenster. Im Langhaus links, auf der Frauenseite, von vorne: Die Mutter Anna, gestiftet von Fräulein Anna Odermatt, Stans. Der Schutzengel vom Mütterverein Ennetbürgen. Elisabeth von Kirchmeier Josef Maria Mathys und seiner Frau Elisabeth Mathys-Vonbüren. Cäcilia vom Kirchenchor Ennetbürgen. Rechts, auf der Männerseite, von vorne: Aloisius von Pfarrhelfer Andreas Rigert. Wendelin von der Älplergesellschaft Ennetbürgen. Sebastian vom Wehrverein Ennetbürgen. Bruder Klaus von der Genossenkorporation Buochs-Bürgen.
Den Hochaltar bekrönt die Kreuzigungsgruppe, beidseits Antonius Eremita und Antonius von Padua, unten links die Brotvermehrung, rechts Christus mit den Jüngern in Emmaus. Zusammen mit dem Tabernakel sind hier also die Eucharistie und der Opfertod Christi dargestellt. Auf dem linken Seitenaltar, auf der Frauenseite, Maria mit dem Jesuskind, Monika, die Mutter des hl. Augustinus als Patronin des Müttervereins und Agnes mit dem Lamm, die Patronin des Jungfrauenvereins. Auf dem rechten Seitenaltar Josef, die Vermählung mit Maria und die Darstellung des guten Todes.
An der Kanzel die vier lateinischen Kirchenväter: Hieronymus mit rotem Kardinalshut, Augustinus mit dem Herzen, Papst Gregor der Grosse mit der Tiara und der Mailänder Bischof Ambrosius.
Das Chorbogengemälde malte P. Rudolf Blättler (1841-1910). Er wuchs in Buochs auf und war schon als Kollegischüler in Stans Modell im Atelier von Melchior Paul Deschwanden. 1852 wechselte er in das Gymnasium des Klosters Einsiedeln. 1864 wurde er zum Priester geweiht und unterrichtete als Zeichnungslehrer. Seit seiner Jugend hatte er gezeichnet, insbesondere Porträts waren seine Stärke. 1871 veröffentlichte er erste Illustrationen im Einsiedler Kalender. 1875 weilte er kurz bei Deschwanden in Stans, dann vier Monate in der Benediktinerabtei Beuron, 1875-1876 an der Kunstakademie München. 1882-1883 und nochmals 1896 hielt er sich in Italien auf, wo er unter vielen anderen die Werke von Giotto und Fra Angelico studierte und bewunderte.
- Albert Kuhn schrieb über seinen Mitbruder: „P. Rudolf ist kein Moderner. Nein, keiner im weitesten Sinn – in Auffassung, Komposition, Technik, weil ihm manches mit der religiösen Kunst seiner Auffassung weniger verträglich schien. Modern ist er in dem Sinne, dass er seinen Werken ein ausgesprochen persönliches Gepräge gab. Wir nennen ihn auf dem Titelblatte einen modernen Fiesole. Es war sein höchstes Bemühen, im Geiste des Fra Angelico da Fiesole zu schaffen. Es ist ihm gelungen, aber er übersetzte – mit Fug und Recht – des Quattrocentisten Formen in die moderne Kunstweise.“
Das Chorbogengemälde stellt den Heiligenhimmel dar. Um den zentralen Gnadenstuhl, die Dreifaltigkeit, knien Maria und Johannes sowie Eva und Adam als Vertreter des Neuen und des Alten Testaments. Auf Wolkenbändern reihen sich in drei Rängen Figuren auf, kniende Engel, sitzende Gestalten des Alten und des Neuen Bundes, Moses zum Beispiel, die Apostel Petrus und Paulus, die Evangelisten sowie zwei Gruppen von weiblichen und männlichen Heiligen, Elisabeth, Agnes und Cäcilia, Bruder Klaus und die beiden hl. Antonius.
- Rudolf Blättler war nie stark von Deschwanden und den romantisch-religiösen Nazarenern oder der geometrisch strengen, dem Symbolismus zugetanen Beuroner Schule beeinflusst. Er fand einen durchaus eigenen Stil, realistischer, menschlicher, bäuerlicher. Man hat den Eindruck, er habe Einheimische an der Chorwand porträtiert. Alle sind brav, wohltuend ruhig aufgereiht und fügen sich gut in das Ambiente dieser frühgotischen Kirche ein. Ganz anders als etwa Franz Vettigers lärmig dominantes Chorbogengemälde in der Pfarrkirche Rapperswil oder das Jüngste Gericht, das Deschwanden 1865 an die Chorwand in der Oswaldskirche Zug malte.
Ebenfalls 1907 schmückte Xaver Stöckli von Stans die Gewölbe und die Wände. Im Chor schuf er, schon deutlich dem Jugendstil verpflichtet, eine verspielte, luftige Gartenlaube, im Schiff nahm er Rücksicht auf das von Wilhelm Hanauer eingeführte Motiv der dreischiffigen Kirche, denn die Wandvorlagen sind wie Säulen tief heruntergezogen und suggerieren Seitenschiffe.
Das Gesamtkunstwerk
Die Pfarrkirche Ennetbürgen ist zwar über eine relativ lange Zeitspanne von 20 Jahren hinweg entstanden. Bis hin zu den liturgischen Gewändern und Geräten fügen sich aber alle Bau- und Ausstattungselemente in einem homogenen Ganzen zusammen. Auch die Renovationen und baulichen Anpassungen hat die Kirche recht gut überstanden, sodass sie noch heute als das von ihren Schöpfern gewollte stimmungsvolle neugotische Gotteshaus erlebt werden kann.
Heinz Horat
Literaturhinweise
Josef Maria Käslin, Geschichte der Pfarrei und des Kirchenbaues zu St. Anton in Ennetbürgen. Altdorf 1901.
Werner Scheuber und Oskar Frank, 100 Jahre Pfarrei St. Anton Ennetbürgen. Ennetbürgen 1981.
Albert Kuhn, Der Maler P. Rudolf Blättler, ein moderner Fiesole. Einsiedeln 1910.