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von Hans Speck
Unser Protagonist hiess Felix Leuzinger und wohnte im gleichen Haus wie der “Chüpferi Schaag“, ein weiteres bekanntes Netstaler Original, über welches ich schon geschrieben habe. Der “Felgg“ war einer der vielen Taglöhner hier in Netstal, welche nebst gelegentlichen Arbeiten auf Abruf mehrheitlich ihre “Freizeit“ in den örtlichen Beizen verbrachten und ihr sauer verdientes Geld in Alkohol umsetzten. In diesem Zusammenhang möchte ich aber gleich umgehend klar stellen: Der “Chugeli Felgg“ gehörte keineswegs zu dieser Sorte Taglöhner. Vielmehr achtete er peinlichst darauf, mit seinem verdienten “Rappen“ sparsam umzugehen. Zwar liebte er es, ab und zu in einer örtlichen Beiz einen “Römer“ zu trinken, aber ihn als chronischen Trinker zu betiteln wäre falsch und völlig unangebracht. Er war ein kurliger, eher introvertierter Mensch. Sein Markenzeichen waren seine Selbstgespräche. Minutenlang bewegten sich seine Lippen auf und ab, ohne einen Ton von sich zu geben. Sein “Informationsbedürfnis im Stillen“ schien unerschöpflich. Wie man sich erzählt, hatte der “Chugeli Felgg“ damals für Private, aber auch für Forstbetriebe und Sägereien, die Sägen geschliffen. Zusätzlich verdiente er zu seinem sonst spärlichen Lohn ein paar Franken als passionierter Holzscheiter. Die Leute im Dorf konnten bei einem anstehenden Holzerproblem jederzeit den “Felgg“ rufen und für ein bescheidenes Entgelt seine Dienste nutzen.
Im Dorf wurde auch gemunkelt, dass der “Chugeli Felgg“ in jungen Jahren Lokomotivführer gewesen sei. Die nachfolgende, fast unglaubliche Geschichte wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten. Ob sich das Nachfolgende auch wirklich zugetragen hat, bleibe dahingestellt. Der “Chugeli Felgg“ muss in seinen jungen Jahren tatsächlich den Beruf als Lokiführer erlernt haben und war Angestellter bei der SBB. Wie man weiss, waren die Lokomotiven damals dampfbetrieben. Eines Abends hatte der “Felgg“ die glanzvolle Idee, eine kleine Spritzfahrt ins Tessin zu machen. Von einem seiner Arbeitskollegen tatkräftig unterstützt – vermutlich war das der Heizer – fuhren die beiden nach einem ausgiebigen Saufgelage mit einer dampfschnaubenden Loki mitten in der Nacht nach Bellinzona. Die Strafe der Vorgesetzten folgte nach dieser Nacht- und Nebelaktion auf dem Fusse. Jedenfalls muss der “Felgg“ kurz danach sein Domizil wieder nach Netstal verlegt haben, wo er die schnaubende Dampfloki mit einem Schleifstein für Sägen tauschte. Aber nochmals, ob diese Geschichte erfunden ist, weiss ich nicht. Von zwei bekannten, absolut glaubwürdigen Netstaler Oldies wurde sie mir zugetragen. Also muss sicher etwas Wahres an dieser Story sein!