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«Die Erde Alabamas ist rot wie die Westafrikas», schreibt Teju Cole, «staubig, wenig verheissungsvoll. Man traut ihr nicht zu, überhaupt etwas hervorzubringen, aber hier wächst alles.»
Ein paar Zeilen später zitiert der Autor den Schriftsteller James Baldwin, den das Rot vor allem an das Blut erinnert, das von der Sklaverei bis in die Zeit der Segregation in Alabama von den Bäumen rann. Auch eine Trauerrede Martin Luther Kings fällt Cole ein, als er das «klagende Saxophon zu arpeggierenden Klavierakkorden» in John Coltranes Jazzklassiker «Alabama» auf seiner Reise vernimmt. Tatsächlich symbolisiert Coltranes Instrumentalphrase eine Rede, die King 1963 hielt, nachdem vier junge Mädchen einem rassistischen Bombenanschlag auf die 16th Street Baptist Church in Birmingham zum Opfer gefallen waren.
«In Alabama» ist einer von vielen bemerkenswerten Essays des 1975 in New York geborenen und in Nigeria aufgewachsenen Schriftstellers und Kunsthistorikers Teju Cole. Der Band «Vertraute Dinge, fremde Dinge» versammelt die in verschiedenen Zeitschriften und Zeitungen erschienenen Arbeiten des Autors, der so grossartig darin ist, Verbindungen vom Offensichtlichen zum Halbverdeckten zu ziehen.
Mit seinen nachdenklichen Stadtporträts «Jeder Tag gehört dem Dieb» und «Open City» hat Cole auch hierzulande einige Berühmtheit erlangt. Es ist dieselbe Haltung eines konzentriert in der Tiefe umherschweifenden Erzählerblicks, die Cole auch in seinen Essays einnimmt. Ums Fremdsein und Unterwegssein (in den USA, in Lagos, Jerusalem, Italien, Brasilien) geht es, um Literatur, Jazz und Blues, Fotografie, Kunst, Politik und politische Moral. Und natürlich immer wieder um die Geschichte und Gegenwart von Rassismus und Gewalt.
Als Cole von seiner Reise in Alabama zurück in New York ist, zieht er mit Zehntausenden durch Lower Manhattan, um gegen rassistische Polizeigewalt zu demonstrieren. Coltranes «Alabama» hat er noch im Ohr. Er schreibt: «Die Geschichte lässt uns nicht los.»