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Der Bauunternehmer im Zentrum der grössten Korruptionsaffäre in Brasiliens Geschichte, Marcelo Odebrecht, ist am Dienstag aus dem Gefängnis entlassen worden.
Mit einer elektronischen Fussfessel versehen, sollte er von seiner zwölf Quadratmeter grossen Zelle in der südbrasilianischen Stadt Curitiba zu seiner Luxusvilla in São Paulo gebracht werden.
In dem Medienberichten zufolge 3000 Quadratmeter grossen Anwesen mit Schwimmbad muss Odebrecht die restlichen siebeneinhalb Jahre seiner Strafe im Hausarrest verbringen.
Zunächst darf der 49-Jährige seinen goldenen Käfig nicht verlassen, erst im Laufe des Jahres 2020 wird ihm das ab und zu möglich sein. Ursprünglich war Odebrecht im März 2016 wegen Korruption, Geldwäsche und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung zu 19 Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden. Durch ein umfangreiches Geständnis erreichte er, dass seine Strafe auf zehn Jahre Haft reduziert wurde.
Kartell gebildet
Die Odebrecht-Gruppe hatte der Justiz zufolge mit anderen Unternehmen ein Kartell gebildet und bei Ausschreibungen des brasilianischen Ölkonzerns Petrobras systematisch betrogen, um Grossaufträge zu erhalten.
Etliche Firmen, zumeist grosse Baukonzerne, sollen Schmiergelder an Petrobras gezahlt haben, um an lukrative Aufträge zu kommen. Petrobras zahlte ebenfalls Bestechungsgeld, unter anderem an Politiker. In den riesigen Korruptionsskandal sind dutzende Abgeordnete, Gouverneure und frühere Wahlkampfmanager sowie Unternehmenschefs verwickelt.
Weitverzweigte Affäre
Die weitverzweigte Affäre zieht Kreise auch über die Grenzen Brasiliens hinaus. Der peruanische Präsident Pedro Pablo Kuczynski ist diese Woche mit einem möglichen Amtsenthebungsverfahren konfrontiert, weil er Schmiergelder von Odebrecht erhalten haben soll.
Der Odebrecht-Konzern hatte vergangene Woche enthüllt, zwischen 2004 und 2013 insgesamt knapp fünf Millionen Dollar an zwei Beratungsfirmen gezahlt zu haben, die eng mit Kuczynski verbunden waren. Während eines Teils dieser Zeit hatte der ehemalige Wallstreet-Banker verschiedene Posten in der Regierung von Alejandro Toledo (2001 bis 2006) inne.
Dieser soll von Odebrecht für einen gigantischen Bauauftrag 20 Millionen Dollar an Schmiergeld bekommen haben. Kuczynski hatte lange Zeit Geschäfte mit dem Odebrecht-Konzern bestritten. Anfang Dezember räumte er dann ein, Beratergelder von dem Konzern erhalten zu haben. Diese seien völlig legal gewesen.
Mehrere Staaten erschüttert
Die Schmiergeldaffäre um den Odebrecht-Bauriesen erschüttert derzeit mehrere Staaten Lateinamerikas. Seit 2014 förderten die Ermittlungen nach und nach ein ausgeklügeltes System zur Zahlung von Schmiergeldern an Politiker, Parteien, Staatsbeamte und Manager zutage.
So war kürzlich Ecuadors Vize-Präsident Jorge Glas zu sechs Jahren Haft verurteilt worden, weil er 13.5 Millionen Dollar an Schmiergeldern kassiert hatte. (sda/afp)