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Im Rahmen der zweigeteilten klass. Grundherrschaft des Früh- und HochMA war der F. das herrschaftl. und wirtschaftl. Zentrum eines Hofverbandes (auch Villikation). Grosse Grundherrschaften, v.a. von Königen und Kirchen, bildeten z.T. weit verzweigte Netze solcher Hofverbände mit Ober-, Haupt- und Nebenhöfen aus.
Der F. selber, in den Quellen meist villa oder curtis (dominica) genannt, war Sitz des Grundherrn oder seines lokalen Verwalters (Meier, Cellerar). Die Bedeutung und Ausstattung eines F.s reichte vom wenig herausragenden Bauernhof bis zum Grossbetrieb mit zahlreichen unfreien Hofhörigen, Herrenhaus, diversen Nebengebäuden und befestigter Hofstatt. Oft fand sich eine Kirche angegliedert, die dort, wo ein eigentl. F. fehlte, dessen Funktion z.T. übernahm. Unmittelbar zum F. gehörte Bodeneigentum, das als sog. Salland in Eigenwirtschaft bebaut wurde. Es bestand v.a. aus Ackerland, konnte aber auch Weiden, Waldungen, Sonderkulturen wie Wein- und Obstgärten oder spezielle Einrichtungen wie Mühlen und Fischteiche umfassen. Den Gegenpol im zweigeteilten Hofverband bildeten die Huben der abhängigen Bauern, die zu Abgaben und Frondiensten auf dem F. verpflichtet waren.
Die Fronhofsverfassung breitete sich vom 7. Jh. an im Frankenreich aus, gefördert v.a. durch das Königtum und die mit ihm verbundenen Kirchen. Auch wenn die Quellenbegriffe villa und curtis nicht immer F.e anzeigen, so gehen erste Hinweise auf zweigeteilte grundherrschaftl. Strukturen im Gebiet der Schweiz doch ins 8. Jh. zurück: In einer frühen St. Galler Güterliste findet sich in Hinwil ein maior (als Hubeninhaber), und hier wie andernorts weisen die St. Galler Quellen nebeneinander Salland und Huben aus. Das sog. Tellotestament (765) gibt einen herrschaftl. Hof in Sagogn bis in Einzelheiten zu erkennen, mit einem z.T. aus Stein gebauten Herrenhaus, zugehörigem Herrenland und angegliederten Bauerngütern (coloniae). Das um 840 entstandene Churrät. Reichsgutsurbar nennt Huben, Herrenhöfe und Salland in grosser Zahl, die u.a. in Graubünden und im südl. Teil des Kt. St. Gallen lagen. Hier, wie vereinzelt in St. Galler Urkunden, sind auch früh Frondienste belegt, ein wichtiges Kriterium, um die klass. Grundherrschaft von andern Formen der Agrarverfassung (Rentengrundherrschaft, Gutsherrschaft, Pacht usw.) abgrenzen zu können.
Obwohl Quellenlage und Forschungsstand für andere Gebiete und allgemein für die folgende Zeit ungünstiger sind, finden sich weitere Hinweise auf grundherrl. Villikationen. Fronhöfe bestanden in langobard.-karoling. Zeit (8.-9. Jh.) vielleicht im Südtessin. Noch für das 11. und 12. Jh. sind in den Grundherrschaften der Klöster Saint-Maurice, Romainmôtier, Muri, Allerheiligen und St. Gallen klass. Verhältnisse erkennbar.
Im Zug des mit zunehmender Geldwirtschaft und Marktorientierung verbundenen Strukturwandels von Landwirtschaft und Grundherrschaft lösten sich die Fronhofverbände im 13.-14. Jh. allmählich auf. Die Fronhöfe und ihr Salland wurden ganz oder in Teilen den Meiern oder bäuerl. Hofleuten verliehen, die Frondienste durch Geldzinsen ersetzt, die Funktionen der Meierämter im Wesentlichen auf die niedere Gerichtsbarkeit beschränkt (Hofrecht). Reformorden wie die Zisterzienser führten neue Formen der Eigenwirtschaft (Grangie) ein, die jedoch schon im 14. Jh. wieder verschwanden. Mit der Dorfbildung überlagerten kommunale Strukturen die alten Hofverbände, die indes mancherorts noch im 15. und 16. Jh. Gerichtseinheiten darstellten.
Literatur
– Le grand domaine aux époques mérovingienne et carolingienne, hg. von A. Verhulst, 1985
– M. Zufferey, Die Abtei Saint-Maurice d'Agaune im HochMA (830-1258), 1988
– LexMA 4, 989 f.
– G. Vismara et al., Ticino medievale, 1990
– W. Rösener, Grundherrschaft im Wandel, 1991
– Grundherrschaft und bäuerl. Gesellschaft im HochMA, hg. von W. Rösener, 1995
Autorin/Autor: Sebastian Grüninger