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Die Zeitschrift 'Gemeinschaft' in Blindenschrift
Taubblinden können mittels Blindenschrift lesen. Wie wird die Blindenschrift kreiert?
Vorgeschichte der Möglichkeit den Taubblinden die Zeitschrift in Blindenschrift zu umwandeln
In den Jahren 1966-1990 gab die Christliche Gehörlosen-Gemeinschaft (Deutschland) eine christliche Zeitschrift für Gehörlose heraus. 1980 lernten wir taubblinde Menschen kennen. Wir merkten dass sie durch Blindheit Schwarzschrift-Zeitschriften (z.B. Bücher, Bibel, Zeitung) mit dem Auge nicht mehr lesen können. Blinde lesen oder ‹hören› die Zeitschrift mit geschickten Fingern. Ihre Finger ertasten in Spezialpapier gedrückte Punkte und erkennen sie als Buchstaben, als Wörter.
Einige gehörlose Christen haben damals darüber nachgedacht: Wie können wir diesen Taubblinden (= doppelbehinderte) Menschen helfen? Sie wussten, dass die Liebe Gottes auch den taubblinden Menschen gilt. Und dass Jesus Christus ihrem Leben den rechten Sinn geben kann. Sie haben sich viel Zeit und Mühe genommen, das Lormen zu lernen. Dadurch wurde eine Kommunikation mit Taubblinden erst möglich. Dann halfen sie, mit, dass christliche Zeitschriften in Blindenschrift gedruckt werden können. So konnten die Taubblinden Menschen vom Gottes Wirken in der Welt erfahren und miterleben.
Wie wurde damals den Bericht in Blindeschrift hergestellt?
Damals war es ein mühsamer Weg, wie Berichte von Schwarzschrift in Blindenschrift hergestellt wurden. Davon will der folgende Bericht erzählen.
Früher konnten Blinde und Taubblinde untereinander durch eine mechanischen Blindenschrift-Schreibmaschine Briefe oder Berichte schreiben. Mit ihr konnte man keine Serienausdrucke anfertigen. Dafür gab es einen anderen Weg.
Zuerst musste von einer sehenden Person jeder Satz der Zeitschrift in die Hand eines Taubblinden gelormt (= geschrieben) werden. Der Taubblinde hat dann diesen Satz nachgesprochen. Damit konnte man sehen, ob er den Satz richtig verstanden hat. Dann hat der Taubblinde mit geschickten Händen den Text aus vorsortierten Punktschriftstempel in einen Setzkasten gesetzt. Dieser Vorgang dauerte viele Tage und erfordert hohe Konzentration. Wenn das geschafft war, musste der Taubblinde prüfen, ob alle Buchstaben richtig gesetzt waren und die Rechtschreibung richtig ist. Es waren nur 6 Setzkästen vorhanden. Damit konnten sechs Punktschriftseiten ‹gedruckt› werden. Von Hand wurde ein kräftiges Papier auf den Setzkasten gelegt. Mit einer rollenden Handwalze wurden die Punkte für die Blindenschriftpunkte ins Papier gedrückt. Diese Punkte konnten nun mit den Händen abgetastet werden.
Die Zeitschrift «Gemeinschaft» in Blindenschrift (Format A4)
Wenn sechs Seiten fertig gedruckt waren, wurden die Punktschriftstempel aus dem Setzkasten wieder abgeräumt und nach Buchstaben vorsortiert. Danach musste die ganze Arbeit für die nächsten Seiten –wie vorher beschrieben – wiederholt werden. Bis die ganze Zeitschrift in Blindenschrift erstellt war.
Das war damals die einzige Möglichkeit, damit taubblinde Menschen geistliche Literatur bekommen können. Es war ein zeitraubender Weg. Es dauerte bis zu einem Monat, um 20 DIN-A5-Seiten in Blindenkurzschrift herzustellen.
Alle, die damals bei der Herstellung von Blindenschrift mitgeholfen hatten haben viel Zeit geopfert. Sie haben auf viele schöne, bequeme Dinge im Leben verzichtet, damit auch taubblinde Menschen Gottes Wort ‹hören› dürfen. Sie sind auf eigene Kosten oft weite Wege gefahren. Sie haben nicht an sich gedacht. Sie haben es aus Liebe zum HERRN Jesus und zu den Taubblinden getan. Das war ihnen selbstverständlich. Sie lebten ganz praktisch nach dem Bibelwort (1. Petrus 4,10):
Dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als gute Haushalter der mannigfachen Gnade Gottes
Sie wollten nicht sehen, wenn Taubblinde in der Gemeinschaft unter Gehörlosen als eine Randgruppe dastehen mussten.
Heute der Computer gibt es in Blindenschrift heraus
Inzwischen haben sich die Zeiten gewandelt. Im heutigen Computerzeitalter gibt es die Möglichkeit, in kurzer Zeit Schwarzschrifttexte in Blindenschrift herzustellen und viele Stücke auszudrucken. Wichtig ist, dass auch die Taubblinden nicht zu kurz kommen. Auch die Zeitschrift ‹Gemeinschaft› der CGG Schweiz wird durch Computer in Blindenschrift herausgegeben. Immer, wenn ein neues Heft der ‹Gemeinschaft› fertig ist, sendet Daniel Fenner die Texte per E-Mail an Werner Gross nach Rottweil und an Josef Schmid nach Filderstadt. Werner und Josef machen die Blindenschrift-Ausgaben der ‹Gemeinschaft›.
Ob mit viel Liebe durch Hand gesetzt oder durch Computer gedruckt: Die christlichen Taubblinden sind dankbar, dass es diese Möglichkeit in Blindenschrift gibt und dass sie teilnehmen dürfen am Wirken Gottes überall in der Welt. Sie können das Wirken und den Segen Gottes miterleben. Das macht die Taubblinden froh. Es ist eine Ermunterung für ihr Leben, dass sie nicht vergessen sind.