Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03363.jsonl.gz/682

Ein US-amerikanisches Magazin veröffentlicht heftige Vorwürfe gegen den Festivaldirektor des «Lucerne International Film Festivals». Guido Baechler soll Filme ohne Lizenz auf Online-Plattformen verkauft haben. Doch dies sind noch lange nicht die einzigen Ungereimtheiten. Mit involviert sind auch die Stadt und das Verkehrshaus Luzern.
Der Festivaldirektor des «Lucerne Int’l Film Festival» (Liff) Guido Baechler verkaufe Filme online, ohne die Rechte daran zu besitzen – so die Vorwürfe. Ein Artikel lässt Baechler und das Festival in keinem guten Licht dastehen. Der Beschuldigte spricht auf Nachfrage von zentralplus von einer böswilligen Schmierkampagne, einer persönlichen Hetzjagd und bestreitet sämtliche Vorwürfe. Viele seiner Argumente werden jedoch entkräftet, sobald man bei den angeblichen Partnern in Luzern nachfragt. Betroffen ist auch das Verkehrshaus Luzern.
Die Vorwürfe
Doch worum geht es überhaupt? Über seine eigene Firma «Jeridoo» sowie über Vimeo und Amazon soll Baechler Filme von namhaften Regisseuren wie Terrence Malick, Pedro Almodovar und zahlreichen unbekannten Filmemachern verkauft haben, ohne die Rechte dafür zu besitzen. Einer dieser Filmemacher hatte sich an das Online-Fachmagazin für Independent-Filme und Filmkritiken «IndieWire» gewendet, welches schliesslich einen ausführlichen Artikel veröffentlichte.
Der Filmer Ethan Steinmann habe den Stein ins Rollen gebracht, nachdem er im Anschluss an das Festival 2014 entdeckte, dass sein Film «Glacial Balance» erst auf Vimeo und ein Jahr später – nachdem sich Steinmann beschwert hatte – auch auf Amazon verkauft wurde. Zur selben Zeit entdeckte gemäss «IndieWire» ein weiterer Filmemacher, dass sein Film auf Amazon angeboten werde.
Dutzende andere Filme, darunter auch Terrence Malicks «The Tree of Life» und Pedro Almodovars «The Skin I Live In» seien betroffen, schreibt die Plattform. Baechler habe in einem Interview argumentiert, dass «Jeridoo» die Rechte an diesen und an rund 3’500 weiteren Filmen besitze. Anders sehen dies offenbar Lionsgate International und Sony. Und Amazon bestätigt, dass die Filme mit einem Account hochgeladen wurden, der die offizielle E-Mail-Adresse des Luzerner Festivals verwendete.
«Mit Photoshop kann man viel machen.»
Guido Baechler, Festivaldirektor
Fast ein Jahr später werden offenbar noch über 50 «Liff»-Filme auf Amazon zum Kauf angeboten. In 17 davon sei Baechlers Name gar als Regisseur, Produzent oder Schauspieler gelistet. Nach Angaben der betroffenen Vertreiber und Filmemacher vertreibt er die Filme ohne deren Einverständnis und ohne das gültige Copyright dafür. Von seinem Namen in der Produktionsauflistung ganz zu schweigen. So auch bei einem Film von Vivian Ducat, welche kurz vorher das Angebot von Baechler, ihren Film zu vertreiben, abgelehnt habe.
Baechler: «Eine böswillige Schmierenkampagne»
Auf Anfrage von «IndieWire» sprach Baechler bereits von Missverständnissen. Auf Nachfrage von zentralplus spricht er gar von einer böswilligen Schmierenkampagne. Ethan Steinmann habe mit der Annahme der AGBs bestätigt, dass sein Film nach dem Festival auch als Online-Showcase angeboten werden dürfe. Eskaliert sei die Situation, als dieser dort schlichtweg nicht gekauft worden sei. «Er wollte sich damit nicht abfinden und hat uns Vorwürfe gemacht», sagt Baechler. Steinmann führe deshalb seither einen persönlichen Krieg gegen ihn. Die Screenshots und weiteren Beweise, die «IndieWire» im Artikel aufführt, seien verdreht und gefälscht. «Mit Photoshop kann man viel machen», betont Baechler. Er habe sich über drei Stunden mit dem Journalisten unterhalten und ihm zum Beweis auch Verträge zugeschickt. Das habe jedoch nichts gebracht.
Es handle sich bei dem Artikel um Rufmord mit Urkundenfälschung, betont Baechler. Er werde nun wohl per Anwalt dagegen vorgehen. «Denn solche Aussagen und Artikel sind für ein Festival existenzgefährdend.» Alles sei per Vertrag geregelt und legal. Er sei tatsächlich Produzent der Filme, die auf Amazon so bezeichnet seien. Zudem seien einige der im Artikel aufgeführten Filme gar nie in den Verkauf gegangen. Bei anderen Filmen gibt Baechler zu, dass Fehler passiert seien. Dabei handle es sich jedoch ausschliesslich um Missverständnisse, Übersetzungsfehler und technische Unstimmigkeiten, die einem der 40 freiwilligen Mitarbeiter des Festivals unterlaufen sei.
Es steht also Aussage gegen Aussage.
In Luzern wird’s schräg
Fragt man in Luzern nach, wird die ganze Geschichte aber noch abstruser. Auf der Webseite des Festivals steht, das Festival finde auch diesen September im «IMAX» des Luzerner Verkehrshauses statt. Doch weder das Museum noch das Kino haben davon Kenntnis. Baechler spricht von einem Fünfjahresvertrag und von einer Partnerschaft. Das Festival habe nur ein einziges Mal im Jahr 2014 im Verkehrshaus stattgefunden, sagt hingegen der Kommunikationsleiter Olivier Burger. «Für das Jahr 2017 haben wir keine Reservation des Festivals und auch keine Anfrage», so Burger.
Baechler hingegen betont, das Verkehrshaus wisse oft selbst nicht, wann was genau bei ihnen stattfinde. Die Reservation laufe über einen Partner und aufgrund von Terminverschiebungen sei das wohl untergegangen. Der angebliche dritte Partner weiss jedoch bei einem Anruf von zentralplus ebenfalls nichts von Verträgen für ein Festival 2017.
Das Festival finde voraussichtlich doch nicht im September, sondern im November statt, heisst es auf Nachfrage.
Auf der Facebook-Seite des Liff wird das Ganze nochmals komischer:
Dabei handle es sich um eine private Seite eines Mitarbeiters, sagt Baechler hierzu.
Dubioses Festival
Albin Bieri, Vorsitzender der Innerschweizer Filmfachgruppe und Projektleiter der Filmförderung Kanton Luzern, kennt das Festival und den Direktor ebenfalls. Beim Kanton Luzern habe man sich dazu entschieden, das Festival nicht zu unterstützen. «Die kantonale Kulturförderung konnte es nicht unterstützen, weil es die Qualitätskriterien nicht erfüllt. Das Liff hat zu wenig Substanz in Bezug auf das Festivalprofil, das Programm und die Positionierung des Festivals im nationalen Kontext.»
Konkret heisst das: Weder die internen Strukturen, die Auswahlkriterien der Filme noch die Finanzierung werden offengelegt. Es gibt kein klares Konzept, kein Profil des Festivals. In der Stadt Luzern und im Umfeld der Filmemacher wird das Festival als «dubios» bezeichnet. Auch, da das Festival weder in der hiesigen Presse stattfindet noch mit der lokalen Filmszene in Verbindung steht. Als einziger Pressepartner ist auf der Webseite «Tele4» aufgelistet. Eine weitere Unbekannte in dieser Gleichung.
Baechler hingegen wirft Stadt und Kanton vor, man habe ihm 10’000 Franken Förderungsgelder geboten unter der Bedingung, dass sie das Programm und beim Festival-Ort mitbestimmen dürften. Das habe er abgelehnt.
Stadt und Kanton jedoch betonen, man habe für die Förderung lediglich irgendeine Form von Konzept gefordert.
Wie sich die Geschichte weiterentwickelte, lesen Sie hier.
Ja
Nein