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Das musst du wissen
- Datenschutz beschreibt rechtliche Regulierungen, Datensicherheit beschreibt technische Aspekte der Datenverwaltung.
- Wie eine Studie zeigt, deckt sich das Verständnis der Bevölkerung dieser zwei Begriffe nicht mit diesen Definitionen.
- Darum sollte das Wissen der Bevölkerung von Datenschutz und Datensicherheit erhöht werden.
Seit die Digitalisierung immer tiefer in unsere Gesellschaft eindringt, sind zwei Begriffe aus den Diskussionen nicht mehr wegzudenken: Datenschutz und Datensicherheit. Das sind komplexe Konzepte, die oftmals synonym verwendet werden, obwohl es eine klare Unterscheidung gibt: Datenschutz – im Englischen «data protection» – fokussiert auf den Schutz personenbezogener Daten im Sinne der informationellen Selbstbestimmung und bezieht sich demnach auf rechtliche Regulierungen. Hingegen beschreibt Datensicherheit – im Englischen «data security» – die technischen Komponenten des sicheren Datenmanagements. Damit bezeichnen die beiden Konzepte zwei unterschiedliche Perspektiven – die technische und rechtliche –, wie öffentliche oder private Institutionen und Akteure mit personenbezogenen Daten der Gesellschaft und Kundschaft umgehen. Doch es gibt noch eine dritte Perspektive: die subjektive, die Aspekte aus der Sicht des Endnutzenden umfasst. Im Gegensatz zur rechtlichen und technischen Perspektive steht bei der subjektiven das Verständnis des Individuums der beiden Konstrukte sowie dessen Befürchtungen und Bedenken im Zentrum.
Wie verwenden die Medien die Begriffe?
Bestehende Forschung zeigt, dass das Verständnis der Öffentlichkeit von Datenschutz und Datensicherheit eher begrenzt ist, während die Sensibilität der Bevölkerung gegenüber Datenschutzverletzungen und unethischem Umgang mit Daten wächst. Um mehr über das Verständnis der Bürgerinnen und Bürger zu erfahren, führten Forschende der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften eine Analyse der Medienberichterstattung und eine Online-Befragung durch. Erstere liefert Erkenntnisse über das Verständnis der Öffentlichkeit, da die Medien als Transportmittel für Informationen dienen und die öffentliche Meinung formen. Untersucht wurden zwei deutsche und zwei britische Zeitungen, bestehend aus jeweils einer eher konservativen (The Times und Die Welt) und einer eher liberalen (The Guardian und Die Süddeutsche) Tageszeitung. Die Ergebnisse zeigten, dass sich die Berichterstattung in den beiden Ländern nicht erheblich voneinander unterscheidet. Die Artikel befassten sich zu einem Drittel mit der technischen Perspektive von Datenschutz und Datensicherheit und zu knapp zwei Dritteln mit der rechtlichen. Lediglich sechs Prozent behandelten die subjektiven Perspektive.
Science-Check ✓Studie: Making public concerns tangible: An empirical study of German and UK citizens’ perception of data protection and data securityKommentarDies ist ein Kommentar der Autorin / des AutorsDie Studie basiert auf einer Online-Befragung, die beim Thema Digitalisierung eine gewisse Selbstselektion der Befragten hervorrufen kann. Dies, da Personen mit einer sehr geringen digitalen Affinität vermutlich seltener an Online-Befragungen teilnehmen, als digital affine Personen. Zudem gibt es nicht für alle im Englischen verwendeten Begriffe auch eine deutsche Übersetzung, was Unterschiede in der Vertrautheit mit bestimmten Wörtern in Deutschland und Grossbritannien erklären könnte.Mehr Infos zu dieser Studie...Zuverlässigkeit: Peer-reviewed, je 500 Personen aus Deutschland und Grossbritannien befragt, 128 Artikel ausgewertet.Studien-Art: Beobachtungsstudie.Geldgeber: keine Angaben.Alle Informationen zum higgs-Science-Check
Nur jede zweite Person kennt den Unterschied
Um die zugrundeliegende Hypothese zu untersuchen, dass die Bevölkerung nicht ausreichend zwischen den Begriffen Datenschutz und Datensicherheit differenziert, wurden die Befragten zu Beginn der Umfrage direkt gefragt, ob sie der Ansicht seien, dass es einen Unterschied zwischen Datenschutz und Datensicherheit gebe. Insgesamt wurden je fünfhundert Personen aus Deutschland und Grossbritannien befragt. Rund sechzig Prozent bejahten diese Frage, während knapp zwanzig Prozent der Ansicht waren, dass es keinen Unterschied gebe und etwa gleich viele die Frage mit «weiss nicht» beantworteten.
Um die subjektive Perspektive – also die das individuelle Verständnis, Befürchtungen und Bedenken – genauer zu erfassen, wurden die Befragten gebeten, drei Stichworte zu den Begriffen Datenschutz und Datensicherheit zu nennen. Die Forschenden unterschieden hier nicht mehr zwischen den beiden Begriffen, da ein Grossteil der Befragten den Unterschied nicht kannte. Die häufigsten Antworten waren Schlüsselwörter aus den Kategorien Sicherheit, Privatsphäre und Cyberkriminalität. Dies deckt sich mit früherer Forschung, die zeigen konnte, dass verschiedene Aspekte im Zusammenhang mit Datenschutz und Datensicherheit für Individuen von besonderer Bedeutung sind. Neben Sicherheit und Privatsphäre auch wahrgenommene Kontrolle über persönliche Daten, Vertrauen und Risikowahrnehmung, wobei der kulturelle Hintergrund für diese Wahrnehmung ebenfalls eine Rolle spielt.
Unterschiedliche Sorgen in Deutschland und Grossbritannien
Die befragten Personen aus Deutschland zeigten sich weniger besorgt, persönliche Daten im Internet preiszugeben als Personen aus Grossbritannien. Generell scheinen Personen aus Grossbritannien stärkere Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Datensicherheit aufzuweisen als deutsche Befragte. In beiden Ländern bestehen die stärksten Bedenken bezüglich «missbräuchlicher Verwendung von Daten» und «Datendiebstahl». In Grossbritannien folgt an dritter Stelle die Angst vor «Identitätsdiebstahl», wohingegen deutsche Befragte fürchten, dass Unternehmen aus den eigenen Daten Profit schlagen. Insgesamt ist die befragte britische Bevölkerung bedeutend vertrauter mit technischen Begriffen. Auch die Gesetzeslage ist ihnen geläufiger: 37 Prozent der Britinnen und Briten würden sich zutrauen, den Begriff «Data Protection Act» zu erklären. Unter den deutschen Befragten würden sich lediglich 15 Prozent zutrauen, das deutsche Äquivalent «Bundesdatenschutzgesetz» zu erklären.
Subjektive Wahrnehmung vermehrt einbeziehen
Die Resultate bestätigen, dass es die subjektive Perspektive gibt und sich diese Verständnis der Bevölkerung von der rechtlichen und technischen Perspektive unterscheidet. Den Forschenden zufolge ist die subjektive Perspektive quasi die Summe aus den beiden Begrifflichkeiten, wo nicht unterschieden wird. Im Zusammenhang mit der zunehmenden Digitalisierung von Verwaltungsleistungen unterstreicht dies, wie wichtig die Sicherstellung von Datenschutz und Datensicherheit aus Bevölkerungssicht ist. Das bedeutet: Die subjektive Perspektive der Bevölkerung sollte stärker in den öffentlichen Diskurs einbezogen und konkret adressiert werden.