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Doch beide Politiker gingen auf den möglichen Beitrag der Kernenergie zur Lösung dieses Problems erst auf Anfragen ein. Tony Blair verwies auf das Weissbuch seiner Regierung. Es schliesse diese Option nicht aus, doch die Regierung könne noch keinen gesellschaftlichen Konsens über die Kernenergie feststellen. Michael Howard meinte, nur eine Regierung könne über die Zukunft der Kernenergie entscheiden und die Konservativen würden die nötigen Entscheide treffen, wenn sie wieder die Regierung stellten.
Diesen offensichtlichen Mangel an Mut der Politiker hält der Präsident der Royal Society und frühere wissenschaftliche Chefberater der Regierung, Lord May, für enttäuschend. Die drohende Klimaveränderung verlange von Grossbritannien, den Bau neuer Kernkraftwerke in Betracht zu ziehen. Das Land könne ohne Kernenergie die CO2-Emissionen kaum reduzieren. Politiker müssten den Mut aufbringen, über das "unpopuläre Kind Kernenergie in der Energiefamilie" zu sprechen. Die Idee, den Energiebedarf allein mit erneuerbaren Energien zu decken, sei reines Wunschdenken. In Wahrheit wäre es für Grossbritannien schwierig, die Klimafrage mittelfristig anzugehen, ohne neue Kernkraftwerke zu bauen. Bis zur Mitte des Jahrhunderts seien die CO2-Abgaben um rund 60% zu vermindern, um die schlimmsten Klimaszenarien zu verhindern.
Lord May schliesst sich mit seinen Äusserungen dem heutigen Wissenschaftsberater der britischen Regierung, Sir David King, dem Umweltwissenschafter Prof. James Lovelock und weiteren Schlüsselpersönlichkeiten an, die sich in Grossbritannien in den letzten Monaten in der Öffentlichkeit für eine Neubesinnung der Politik auf die Kernenergie eingesetzt haben.
Quelle
P.B. nach NucNet, 21. September 2004