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Die sprechende Make-up-Palette Daniela Katzenberger und ihr Mann Luca Cordalis fahren nach Finnland zu einem Schauspieler, der als Weihnachtsmann verkleidet in einer Holzhütte sitzt. Luca Cordalis, ein speziell naives Stück Fleisch, sagt: «Ich mein, wir waren dieses Jahr beim Papst. Aber jetzt den Weihnachtsmann zu besuchen, ist – noch grösser.» Logisch, der Papst war ja echt. Der Weihnachtsmann ist ein Märchen. Fiktion schlägt Fakten. 2016 sowieso.
Daniela Katzenberger ist seit sieben Jahren am Fernsehen. Sie hat dort versucht, in Hugh Hefners Playboy-Mansion reinzukommen, den Luca gefunden, geheiratet und geboren. Sie macht Schuhe, Parfums und Bücher. Eigentlich erstaunlich, dass ihr Vermögen erst drei Millionen Euro beträgt. Verona Pooth zum Beispiel hat aus wenig zwanzig Millionen Euro gemacht. Kim Kardashian 150 Millionen Dollar.
Und Donald Trump Milliarden. Und eine amerikanische Präsidentschaft. In der «Vanity Fair» meldet sich ein ehemaliger Produzent von Trumps Reality-Format «The Apprentice». Er beschreibt, wie das Fernsehen 2004 dem Publikum einen Mann, dessen Firma dem Ruin entgegen schlitterte, als megaerfolgreichen Milliardär und Geschäftsmann verkaufte:
Bis 2015 geisselte Trump die Kandidaten in «The Apprentice», entliess sie mit den Worten «You're fired!», oft ergänzt um «You're terrible!» oder «You're stupid!». 14 Staffeln lang war er der Unterdrücker, 7 Staffeln lang – bis sein Imperium saniert war – konnten die Kandidaten einen mit 250'000 Dollar verbundenen Einjahresvertrag in einem seiner Unternehmen gewinnen.
Sein «You're fired!» wurde genauso zum geflügelten Slogan der Populärkultur wie ab 2006 Heidi Klums «Ich habe leider kein Foto für dich» und seit 2002 das von diversen Bachelors und Bacheloretten geäusserte «Ich habe keine Rose für dich». Die jüngeren unter Trumps Wählern sind mit ihnen aufgewachsen. Das Reality-TV hat sie gelehrt, dass es gegenüber Chefs und Partnern vor allem eine Taktik gibt: Unterwerfung. Kein Wunder, wurde «Fifty Shades of Grey» in den letzten Jahren zum Überhit.
«Weapons of mass distraction» – Waffen der Massenzerstreuung – nennt der kluge George Monbiot im «Guardian» die Klums, Trumps und Bachelors, die Katzenbergers und Kardashians dieser Welt. Man kann die Waffen in zwei Kategorien einteilen: In die Ermöglicher (Trump, Klum, Bachelor etc.) und in die autarken Celebrities (Kardashian, Katzenberger). Beide haben ein schlichtes gemeinsames Ziel: aus Fame Geld zu machen.
Die Celebrities definiert Monbiot so: «Ihre Rolle ist es, in unseren Köpfen zu existieren.» Ihre Aufgabe ist das reine Dasein. Das Gesichtsein von etwas, das sich verkaufen lässt. Träume und die dazugehörigen Produkte.
Die Ermöglicher sind perfider. Ihre Aufgabe ist die explizite Vermessung des Menschen. Sie dürfen den Kandidaten ihrer Sendungen direkt ins Gesicht sagen, dass sie nichts taugen, dass sie zu wenig schön, sexy, interessant, leistungsfähig, stark oder smart sind. Dass sie wertlos sind. Die Ermöglicher finden zwar jeweils einen Sieger, schaffen aber Dutzende von Losern.
Oft sind sich die Loser nicht zu schade, im Kampf um Fotos, Rosen, Stellen, Sendezeit und Aufmerksamkeit alles abzulegen, was sie normalerweise zu sozial verträglichen und funktionierenden Wesen macht. Sie werden intrigant, ordinär, vergessen Bildung (Heidi Klums regelmässiges «Du denkst zu viel!» spricht Bände), Würde und Anstand. Oder anders: Sie werden unterhaltsam. Wir lieben sie dafür. Das ist okay. Vorbilder sind sie keine. Nie.
Donald Trump nimmt seine alte Reality-Rolle nun mit ins Weisse Haus. «Ich bin der Einzige, der weiss, wer die Finalisten sind!», twitterte er am 16. November über die anstehenden Ernennungen neuer Kabinettsmitglieder.
Ich bin der Einzige. «L'état c'est moi», der Staat bin ich, wird dem absolutistischen französischen König Louis XIV (1638-1715) zugeschrieben. Trump baut seine Türme. Louis XIV baute Versailles. Das Schloss, in dem Kim Kardashian und Kanye West heirateten.
Alles gehört zusammen. Das kapitale Blendwerk des französischen Hofes scheint auf die medial geborenen Fake-Royals unserer Zeit. So werden Analogien geschaffen und symbolische Stammbäume gebastelt.