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| Augustinus (354-430) - Vier Bücher über die christliche Lehre (De doctrina christiana)

3. Buch
Inhalt
Das dritte Buch ist der Besprechung der bei den eigentlichen und bildlichen Zeichen vorkommenden Zweideutigkeiten gewidmet; diese beruhen entweder auf einer zweifelhaften Interpunktion, auf einem zweideutigen Silbenmaß oder auf einer verwirrenden Wortfolge. Die christliche Glaubensregel, das Licht klarer Stellen und die Vergleichung mehrerer Handschriften wird für alle wesentlichen Punkte Gewißheit verschaffen (1—4).
Sehr viele Stellen dürfen aber nur im bildlichen Sinne aufgefaßt werden, sonst gerät der Mensch in eine schlimmere Knechtschaft als die einem engherzigen Buchstabendienst verfallenen Juden; diese dienten aber immerhin dem einen Gotte im Gegensatz zu den einem verwerflichen Götzendienst frönenden Heiden; daher wurden durch das Christentum auch die jüdischen Zeichen nicht abgeschafft, sondern erfüllt, während die heidnischen ganz beseitigt wurden (5—9).
Augustinus wendet sich sodann in einer etwas an Mangel an Ordnung leidenden Erörterung der Beantwortung der Frage zu, wann im einzelnen ein eigentliches und wann ein bildliches Zeichen vorliegt. Im eigentlichen Sinn ist alles zu verstehen, was die Glaubens- und Sittenlehre betrifft. Stellen, die auf Gott oder die Heiligen den Schein der Grausamkeit werfen, beweisen, richtig verstanden, nur seine göttliche Gerechtigkeit. Schändliche Taten können von den Heiligen aber nur im figürlichen Sinn ausgesagt sein; vielfach sind solche Taten aus den verschiedenen Zeitverhältnissen heraus gerechtfertigt, wie z. B. die Polygamie. Alle für die Liebe, das Ziel aller Schrifterklärung, sprechenden Stellen, alle Gebote, die etwas Gutes befehlen, und alle Verbote, die etwas Böses untersagen, sind im eigentlichen, alle gegenteiligen Gebote und Verbote aber im bildlichen Sinne zu nehmen. Wenn Handlungen, die gegen unser sittliches Bewußtsein verstoßen, gelobt werden, so sind sie figürlich zu erklären; sie können aber wie die Polygamie in den Zeitverhältnissen gerechtfertigt sein, weshalb z. B. in der Vielweiberei unter Umständen eine viel größere Enthaltsamkeit herrschen konnte als in mancher monogamen Ehe. Die wirklichen Sünden großer Männer sind für uns eine Mahnung zur Vorsicht (10—24). — Ein und dasselbe Wort kann an verschiedenen Stellen verschiedene, ja sogar entgegengesetzte Bedeutung haben; dunkle Stellen erhalten ihre Beleuchtung durch andere klare Stellen; eine bloß auf Vernunft gründe sich stützende Erklärung ist nur im Notfalle gestattet und bleibt immer bedenklich. Ein wichtiges Hilfsmittel zur Erklärung bildlicher Ausdrücke bietet die Kenntnis der rhetorischen Figuren (25—29j. — Den Schluß des Buches bildet eine längere Auseinandersetzung mit den sogenannten sieben Regeln des Tychonius (30—37).