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Fachjury geht auf Distanz
Die Fachjuroren distanzieren sich vom Entscheid, das neue Thermehotel von Thom Mayne bauen zu lassen.
Die 7132 AG, Eigentümerin des Hotels Therme in Vals, verschickte am 4. Februar eine Pressemeldung mit dem Titel «Architekturwettbewerb entschieden». Im Studienauftrag für ein neues Fünf-Sterne-Hotel mit 100 Suiten unmittelbar neben der Zumthor-Therme habe man sich für das Konzept von Morphosis Architects (Thom Mayne) entschieden. Die Jury habe sich, so die Pressemeldung, für drei finale Projekte ausgesprochen. «Die Projekte von Steven Holl Architects, New York, 6a Architects, London und Morphosis Architects, Los Angeles werden der Bauherrschaft als Empfehlung genannt.» Auf die Wahl eines Siegesprojektes habe man verzichtet, «da der Investitionsentscheid in hohem Mass von der Unternehmensstrategie und vom Business Model bestimmt wird».
Heute nehmen Fachjuroren Louisa Hutton, Stefan Cadosch, Vittorio Magnago Lampugnani, Sacha Menz und Daniel Niggli zum Ergebnis Stellung. In einer Pressemeldung des SIA schreiben sie, die 7132 AG habe den Sachverhalt mehrfach unkorrekt dargestellt. «Der Studienauftrag wurde weder entschieden, noch hat sich das Beurteilungsgremium für drei finale Projekte ausgesprochen bzw. diese als Empfehlung an die Bauherrschaft genannt.» Zu den Projekten heisst es, sie stellten im Grundsatz unterschiedliche Lösungsansätze dar, «die in Teilen faszinierende Antworten zur gestellten Aufgabe geben, in anderen Bereichen aber wichtige Fragen offen lassen.» Nach einer zusätzlichen Beurteilungsrunde habe kein eindeutiger Sieger des Verfahrens bestimmt und keine Einigkeit für ein Siegerprojekt erzielt werden können. Die mögliche Option einer Bereinigungsstufe, d.h. eine Überarbeitung der vorgelegten Projekte in der engeren Wahl habe das Beurteilungsgremium verworfen, «da auch eine Überarbeitung betreffend die unterschiedlichen Haltungen der Projektvorschläge der engeren Wahl kaum zu einer Klärung der aufgeworfenen Fragen geführt hätte.» Abschliessend und einstimmig habe das Beurteilungsgremium beschlossen, das Verfahren ohne Ergebnis und ohne Empfehlung zu beenden.
Die unterzeichnenden Architektinnen und Architekten haben sich nur dann einverstanden erklärt im Beurteilungsgremium mitzuwirken, wenn das Verfahren nach den Vorgaben der SIA 143 ‹Ordnung für Architektur- und Ingenieurstudienaufträge› durchgeführt wird. Das sei «mustergültig» geschehen, schreiben sie. Bis zur Pressemeldung.
Auch zum Projekt, das nun den Auftrag bekommen soll, äussern sie sich in der Meldung: «Das letztendlich durch die Bauherrschaft gewählte Projekt zur Weiterbearbeitung weist in Bezug auf die architektonische Ausformulierung, die Massstäblichkeit, die Einbindung in die ortsspezifischen Gegebenheiten, die Ankunftssituation und Übergänge zum Bestand sowie die Materialisierung erhebliche Fragezeichen auf. Entsprechend distanzieren sich die unabhängigen Fachexperten des Beurteilungsgremiums von der Wahl des Projektes von Morphosis Architects zur Weiterbearbeitung durch die Ausloberin des Studienauftrags.» Im März möchte die 7132 AG in New York das Projekt vorstellen.