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1. Definition
Die Chiropraktik (der Begriff setzt sich aus den griechischen Wörtern für «Hand» und «Tätigkeit» zusammen) ist eine medizinische Behandlungsmethode mit dem Ziel, die normale Beweglichkeit der Gelenke – besonders an der Wirbelsäule – wiederherzustellen. Dabei werden sowohl das gestörte Gelenkspiel als auch die Wirbelverschiebung berücksichtigt. Mithilfe der Chiropraktik können diese Beschwerden diagnostiziert, behandelt und wenn möglich verhindert werden.
2. Philosophie
Die Begründer der Chiropraktik beriefen sich auf eine universelle Energie, die in allen Lebewesen die Gleichgewichte aufrechterhält. Diese Kraft bewahrt das gesundheitliche Gleichgewicht und setzt Selbstheilungsprozesse in Gang. Der Mensch wird als Ganzes gesehen, seine Funktionen befinden sich in Harmonie mit dem Universellen. Mit ihrer umfassenden Sicht des Menschen gehört die Chiropraktik zu den ganzheitlichen Therapien und hat das Ziel, auf möglichst natürliche Weise den freien Energiefluss, der durch Wirbelprobleme gestört ist, wiederherzustellen.
3. Plausibilität des Konzepts
Bereits im alten Ägypten, in China und Griechenland wurden Gelenke manuell behandelt. Zur Zeit des Römischen Reiches setzte man die Chiropraktik zur Linderung und Behandlung von Schmerzen bei Gladiatoren ein.
Die Chiropraktik als Wissenschaft nahm erst mit Daniel David Palmer (1845–1913) ihren Anfang. Dieser hatte beobachtet, dass die Wirbelsäule nicht nur als Stütze für den Körper wichtig ist. Mit ihrer Lage inmitten des zentralen und des peripheren Nervensystems spielt sie eine wesentliche Rolle für das gesundheitliche Gleichgewicht: Störungen im Wirbelsäulengefüge können sich auf das Nervensystem übertragen, und eine schlecht funktionierende Wirbelsäule bringt die vom Nervensystem transportierten Informationen durcheinander. Diese Theorie wurde vom Sohn des Gründers, Bartlett Joshua Palmer (1882–1961), weiter untersucht.
Ende des 19. Jahrhunderts gründeten Vater und Sohn Palmer in Davenport im Bundesstaat Iowa (USA) das Palmer College of Chiropractic, das erste Institut für Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Chiropraktik.
4. Belege für die Wirksamkeit
Mehrere, in verschiedenen Ländern durchgeführte Studien belegen die Wirkungen der chiropraktischen Behandlung. Die Patienten werden schneller gesund, sind weniger lang körperlich eingeschränkt und benötigen weniger Medikamente und chirurgische Eingriffe.
5. Anwendung
Die chiropraktische Behandlung ist angezeigt, wenn eine statische oder dynamische Störung des menschlichen Körpers ein gesundheitliches Problem hervorruft. Solche Störungen können krankheits-, unfall- oder einfach altersbedingt sein. Mit Chiropraktik werden auch vorübergehende Beschwerden behandelt, wie Hexenschuss, eine Diskushernie, die nicht operiert werden muss, Schleudertrauma usw.
6. Selbstbehandlung
Die Chiropraktik erfordert vertiefte Kenntnisse des menschlichen Körpers, des Nerven-, Knochen- und Gelenksystems. Diese Therapie eignet sich deshalb nicht für die Selbstbehandlung.
7. Anwender und ihre Ausbildung
Bis vor Kurzem war es nicht möglich, an einer Schweizer Fakultät eine Ausbildung in Chiropraktik zu absolvieren. Wer den Titel eines Doktors der Chiropraktik erlangen wollte, musste nach Kanada oder in die USA reisen. Der Zugang zu diesem Lehrgang setzte ein Maturitätszeugnis und das erste Propädeutikum in Medizin voraus. Zurück in der Schweiz, musste der Therapeut oder die Therapeutin ein interkantonales Examen bestehen, um zur klinischen Nachdiplomausbildung zugelassen zu werden (Praktika im Spital und bei einem zugelassenen Chiropraktor sowie Kurse am Chiropraktik-Institut in Bern). Mit bestandener interkantonaler Schlussprüfung erhielt man das Recht zur Berufsausübung.
Seit September 2008 besteht nun die Möglichkeit, Chiropraktik in der Schweiz an der Universität Zürich zu studieren. Ein Lehrstuhl für Chiropraktik wurde neu geschaffen; die Ausbildung erfolgt zusammen mit dem Medizinstudium.
8. Behandlung und Ablauf
Das Ziel der chiropraktischen Behandlung ist die Wiederherstellung der Gesundheit und die Behebung von Gelenkfunktionsstörungen. Dazu dienen spezifische, sanfte und gezielte Handgriffe.
Vor dem Behandlungsbeginn muss der Chiropraktor jedoch eine Diagnose stellen. Dies erfolgt über mehrere Schritte:
Krankengeschichte: Der Chiropraktor nimmt die Patienten- und Krankengeschichte auf.
Klinische Untersuchung: Mithilfe neurologischer und orthopädischer Methoden wird zunächst der Bewegungsapparat (Knochen, Muskeln und Gelenke) untersucht. Dabei werden Veränderungen der Gelenkbeweglichkeit, motorische oder sensorische Störungen mit neurologischer Ursache, Beeinträchtigungen der Kraft und des Muskeltonus festgestellt. Die spezifische, manuelle und visuelle chiropraktische Untersuchung fördert sodann Haltungs- und statische Störungen zutage sowie Gelenkfunktionsstörungen.
Mit Zusatzuntersuchungen können die Ergebnisse der klinischen Untersuchung verfeinert, bestätigt oder ausgeschlossen werden. Eingesetzt werden bildgebende Verfahren (Röntgen, Computertomografie, MRI usw.) und Laboruntersuchungen. Anschliessend ist der Therapeut oder die Therapeutin in der Lage, die Diagnose zu stellen.
Steht die Diagnose fest, kommen je nach Beschwerden verschiedene Behandlungsmethoden infrage.
Gelenkmanipulation oder chiropraktische Adjustierung: Manuelle Korrektur der Gelenkverschiebung, gezielt und mit minimalem Kraftaufwand verabreicht. Diese Behandlung erfolgt auf einem speziell dafür vorgesehenen Behandlungstisch.
Weichteilbehandlung: Behandlung der Muskeln, Sehnen und Bänder. Die Behandlung erfolgt durch manuellen Druck, Kälte oder Wärme, Elektrotherapie usw.
Prophylaxe: Basierend auf den Empfehlungen des Therapeuten oder der Therapeutin trägt ein korrektes Verhalten bei beruflichen, privaten oder sportlichen Aktivitäten zur Vorbeugung bei. Zudem wird der Rücken gestärkt und der Körper besser geschützt. Für die Prophylaxe und Therapie kommen verschiedene Methoden zur Anwendung, zum Beispiel Entspannung, Kräftigung, Mobilisation oder Dehnung. Diese Therapien werden vom Chiropraktor selbst oder von einem Physiotherapeuten auf Verschreibung des Chiropraktors durchgeführt.
9. Grenzen und Risiken
Chiropraktik kann nicht helfen, wenn die Läsionen unabänderlich sind und somit die Selbstheilungskräfte des Körpers die Gesundheit nicht mehr vollständig wiederherstellen können. Bei Knochenbrüchen und Tumoren bleibt diese Therapieform erfolglos. Es gibt keine Altersgrenzen für eine chiropraktische Behandlung.
10. Praktische Tipps
Zwar leiden die meisten Patientinnen und Patienten, die einen Chiropraktor aufsuchen, an Rücken- oder Nackenschmerzen, viele kommen aber auch wegen Kopf- oder Bauchschmerzen vorbei. Klinische Beobachtungen haben gezeigt, dass durch Chiropraktik die inneren Funktionen verbessert werden können. Diese Zusammenhänge zwischen dem Somatischen und dem Viszeralen werden zurzeit in kontrollierten Studien untersucht und erste Resultate demnächst veröffentlicht.
11. Zahlt die Krankenkasse?
Die chiropraktischen Behandlungen werden von der Grundversicherung der Krankenkassen übernommen.