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Der botanische Gattungsname des Löwenzahn lautet Taraxacum. Er lässt sich in den arabischen Raum zurückverfolgen und leitet sich von den arabischen Wörtern „tarak“ und „sahha“ ab. Dies bedeutet so viel wie „pissen lassen“. In der Tat hat der Löwenzahn eine entwässernde Wirkung und anscheinend hatten dies bereits arabische Ärzte des 10. und 11. Jahrhunderts erkannt. Erst im Spätmittelalter taucht die Pflanze schliesslich auch im deutschsprachigen Raum in Kräuterbüchern auf.
Löwenzahn und Eitelkeit
Hieronymus Bock schreibt anno 1546:
„die weiber pflegen sich auch under augen mit diesem wasser zu weschen / verhoffen dadurch ein lautter angesicht zu erlangen / und die rote purpur oder bläterlin damit zu vertreiben.“
Die Rede ist hier von einem Löwenzahnwasser, mit dem eitle Damen versuchten, ihre Sommersprossen zum Verschwinden zu bringen. Auch heute noch kursieren solche Schönheitsrezepte, doch der Nutzen ist nicht eindeutig belegt.
Wo überall finden wir den Löwenzahn?
Der Löwenzahn ist mit vielen Unterarten und Varietäten auf der gesamten Nordhalbkugel beheimatet und wurde sogar nach Südamerika eingeschleppt. Er ist sehr anpassungsfähig und wächst auf Äckern, an Wegrändern, zwischen Pflastersteinen, in Parks, auf Golfplätzen oder in Gärten. Dabei ist er nicht immer ein gern gesehener Geselle und wird mitunter auch schon mal als Unkraut bekämpft. Auf stickstoffreichen Böden gedeiht er besonders gut und kann dort im Frühjahr riesige, gelbe Teppiche bilden.
Vom Winde verweht
Wissen Sie, was den Löwenzahn, den Kopfsalat und die Sonnenblume verbindet? Sie gehören alle zu den Korbblütlern (Asteraceae). Ein typisches Merkmal dieser grossen Pflanzenfamilie sind Köpfchen oder Körbchen mit Zungen- und Röhrenblüten. Das Körbchen des Löwenzahns weicht allerdings von dieser Norm ab, denn es besteht nur aus Zungenblüten. Nach der gelben Pracht bildet sich dann die Pusteblume. Vor allem Kinder lieben es, die weissen Schirmchen mit den kleinen Früchten in die Luft steigen zu lassen. Mit dem Wind können sie bis zu fünfzehn Kilometer weit getragen werden und gelangen so an die entferntesten Orte.
Kennen Sie auch das Pusteblumenorakel? Die Anzahl der zurückgebliebenen Früchte nach dem Abpusten soll Auskunft über die Grösse der zukünftigen Kinderschar oder die Jahresanzahl bis zur Hochzeit geben!
Ein Blick unter die Erde
Die einzelne Blüte sitzt auf einem Stängel, der blattlos und innen hohl ist. Lanzettliche, tief eingeschnittene und gezähnte Blätter bilden am Grund eine Rosette. Im Boden ist der Löwenzahn durch eine Pfahlwurzel fest verankert:
Sie ist aussen dunkelbraun bis schwarz und hat eine Länge von bis zu einem Meter.
Aus den Wurzeln kann ein Kräuter-Kaffee hergestellt werden. Ältere Leser kennen diesen Kaffee-Ersatz vielleicht noch. Die ausgegrabenen Wurzeln werden gereinigt und zerkleinert. Anschliessend werden sie im vorgetrockneten Zustand in einer Pfanne oder im Backofen geröstet, bis sie schön braun sind. Anschliessend mahlen und wie Kaffee mit heissem Wasser aufbrühen. Nach Belieben können Sie das heisse Getränk natürlich mit Milch und Zucker verfeinern.
Inhaltsstoffe des Löwenzahns
Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen des Löwenzahns gehören die Bitterstoffe. Diese fördern die Bildung von Gallen- und Magensaft und wirken dadurch appetitanregend und verdauungsfördernd. Löwenzahn wird somit bei Störungen des Gallenflusses, Magenproblemen und Appetitlosigkeit verwendet. Erwähnenswert ist auch der hohe Gehalt an Kalium von bis zu fünf Prozent. Darauf wird die entwässernde Wirkung des Löwenzahns zurückgeführt. Gerade im Frühjahr wird er deswegen auch gerne für Entschlackungskuren eingesetzt.
Erntezeit
In der Heilkunde werden die Wurzeln und das Kraut verwendet. Diese werden vor der Blüte im April und Mai gesammelt. Die gesäuberten Wurzeln werden der Länge nach halbiert und zusammen mit dem Kraut an einem luftigen Ort zum Trocknen ausgelegt oder aufgehängt. Für die Verwendung als Tee müssen die getrockneten Pflanzenteile noch zerkleinert werden. Als Alternative kann aus dem frisch geernteten Löwenzahn eine Tinktur mit Alkohol angesetzt werden.
Der Gummi-Löwenzahn
Wissen Sie, welcher Zusammenhang zwischen Löwenzahn und Gummi besteht? Aus Löwenzahn kann auch Kautschuk, ein natürlicher Gummi, gewonnen werden. Allerdings ist die Ausbeute bei unserem heimischen Löwenzahn (Taraxacum officinalis) gering. Doch die Wurzel des russischen Löwenzahns (Taraxacum kok-saghyz) enthält bis zu zehn Prozent Kautschuk und ist dafür bestens geeignet. Bereits während des zweiten Weltkriegs nutzten Russland und das Deutsche Reich diesen Löwenzahn als Kautschuk-Ersatz. Heute rückt diese Verwendungsmöglichkeit wieder in den Vordergrund. Denn die Preise für Naturkautschuk aus südostasiatischen Kautschukbäumen (Hevea brasiliensis) steigen derzeit aufgrund einer zunehmenden Nachfrage.
Löwenzahn-Tee
Geben Sie zwei Teelöffel getrockneten Löwenzahn in eine grosse Tasse und schütten Sie heisses Wasser darüber. Der Aufguss muss zehn Minuten ziehen. Nach Bedarf können Sie bis zu dreimal täglich eine Tasse vor den Mahlzeiten trinken. Der Tee hilft bei Appetitlosigkeit und kurbelt die Gallensäfte für eine gute Verdauung an.
Bei Gallensteinleiden und einem Verschluss der Gallenwege sollte auf eine innerliche Anwendung des Löwenzahns jedoch verzichtet werden.
Löwenzahn-Blütenlikör
30 g Löwenzahnblütenblätter
1 unbehandelte Zitrone
100 g Zucker
5 dl Wodka
Zupfen Sie die gelben Löwenzahnblütenblätter ab und sortieren Sie die grünen Pflanzenteile aus. Lösen Sie dann den Zucker im Schnaps auf. Im nächsten Schritt geben Sie den frisch ausgepressten Zitronensaft und die Löwenzahnblütenblätter in ein grosses Gefäss. Beispielsweise ein Einweckglas eignet sich dafür sehr gut. Schütten Sie den Alkohol darüber, wobei alle Pflanzenteile bedeckt sein müssen. Den Ansatz zwei Wochen ziehen lassen, zwischendurch umrühren und danach durch ein feines Sieb in eine saubere Flasche abfüllen.
Ein Schnapsglas mit Löwenzahnblütenlikör hilft bei Magendrücken nach einem fettigen Essen.
Buchtipp:
Kräutermärchen
Folke Tegetthoff
Nymphenburger Verlag
155 Seiten
ISBN: 978-3-485-00789-4
Fr. 11.90