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Auch wenn sich der Mensch gerne als Krone der Schöpfung sieht, begegnet uns in unserer Umwelt zuweilen Erstaunliches. Viele technologische Fortschritte setzten das Kennenlernen und Verstehen natürlicher Phänomene voraus. In unseren sozialen Beziehungen sind es jüngere Entdeckungen in der Tierwelt, die vielleicht einen Impuls für eine gesellschaftliche Weiterentwicklung geben können. Es ist die Geschichte einer Pavianfamilie, der eine friedliche Revolution gelang.
Zu Beginn der 80er Jahren beobachten Forscher in Kenia einen Sozialverband von rund 60 Pavianen. Diese verhielten sich arttypisch und zeigten eine hohe Aggressivität und prägten eine strenge Hierarchie. An der Spitze standen die stärksten Männchen. Dies sollte sich 1986 ändern, als diese Anführer einen nahegelegenen Müllplatz als Futterquelle erschlossen. Aufgrund einer Seuche, die dort grassierte, erkrankten sie und verendeten. Überlebt haben nur die Weibchen und die schwachen Männchen, die von der Futterquelle ausgeschlossen waren.
Für die Forschung schien die Waldhorde nun uninteressant geworden zu sein, da die Überlebenden einen atypisch friedlichen Umgang miteinander pflegten: Es gab kaum Streit um Futter und die Weibchen waren auch ohne «Imponiergehabe» fortpflanzungswillig. Erst zehn Jahre später wurden die Beobachtungen wieder aufgenommen, mit einem überraschenden Ergebnis. Die Gruppe war immer noch genauso sozial verträglich und friedfertig. Und das, obwohl kein einziges der verträglichen Männchen aus der Vergangenheit noch der Horde angehörte, denn Pavianmänner verlassen mit der Pubertät stets ihre Familien und schliessen sich anderen Verbänden an. Offenbar passten sich die «neu zugezogenen» Tiere den örtlichen Begebenheiten an, anstatt ihre ursprünglichen, rauen Sitten durchzusetzen.[1]
Diese lokale Friedenskultur war nicht frei von Hierarchien. Es herrschte aber keine Tyrannei und das Zusammenleben der Tiere unterschiedlicher Rangordnung gestaltete sich wesentlich entspannter. Der geringere Druck und weniger aggressives Verhalten der Männchen wurde womöglich auch mit mehr Zuwendung der Weibchen belohnt. Die Beobachtungen zeigten jedenfalls bei Weibchen allgemein freundlich entgegenkommendes Verhalten – auch gegenüber neu eintreffenden Männchen. Es gab für sie somit keinen Grund zu kämpfen oder bei Schwächeren gewaltsam Frust abzubauen.
Die Geschichte ermutigt, dass der friedliche Umgang miteinander individuell erlernt werden kann. Dazu ist das über Generationen tradierte Wissen ebenso wertvoll wie das selbst Erlebte. Den Zugang dazu finden wir als Menschen über unseren Verstand, verinnerlichen und weitergeben können wir das Gelernte aber über unsere Gefühle und die Freundschaft zueinander. Die Akademie vermittelt Sichtweisen, um ein friedliches Miteinander selbst aktiv gestalten zu lernen.
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