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Laut IEA-Bericht «Belgium 2022 – Energy Policy Review», muss Belgien «schnell handeln», um sicherzustellen, dass die Nachrüstarbeiten im Zusammenhang mit der Laufzeitverlängerung der beiden Einheiten Tihange-3 und Doel-4 um zehn Jahre «rechtzeitig und kostengünstig» abgeschlossen werden können. Wenn keine Massnahmen ergriffen werden, ist es unwahrscheinlich, dass die «notwendigen Investitionen und Regulierungsverfahren» rechtzeitig abgeschlossen werden, damit Tihange-3 und Doel-4 ihren Betrieb über 2025 hinaus fortsetzen können, warnt die IEA. Der IEA zufolge zeigen die Erfahrungen aus den Laufzeitverlängerungen der belgischen Einheiten Tihange-1 sowie Doel-1 und -2, dass mindestens vier bis fünf Jahre benötigt werden, bis die Reaktoren, deren Laufzeit verlängert wird, voll betriebsfähig sind.
Die belgische Nuklearaufsichtsbehörde, die Federal Agency for Nuclear Control (FANC-AFCN), ist offen für eine Verschiebung nicht notwendiger Nachrüstungen, um einen realistischen Zeitplan zu gewährleisten. Darüber hinaus könnten rechtliche Herausforderungen, wie die Notwendigkeit neuer Umweltverträglichkeitsprüfungen und mögliche Verzögerungen bei den Regulierungsverfahren, den Abschluss der Laufzeitverlängerungen verlangsamen.
Das belgische Bundesgesetz vom 31. Januar 2003 schreibt den Kernenergieausstieg des Landes vor. Das Gesetz wurde 2013 und 2015 dahingehend geändert, dass die Einheiten Tihange-1 sowie Doel-1 und -2 bis 2025 in Betrieb bleiben können.
Angesichts des russischen Einmarsches in der Ukraine im Februar 2022 und des Ziels, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern, beschloss die belgische Regierung im März, die notwendigen Schritte zu unternehmen, damit Tihange-3 und Doel-4 zehn Jahre länger betrieben werden können, also bis 2035.
Kernenergieausstieg führt zu höheren CO2-Emissionen
Um die Stromversorgung während des Kernenergieausstiegs und darüber hinaus sicherzustellen, entwickelte die belgische Regierung einen Kapazitätsvergütungsmechanismus (Capacity Remuneration Mechanism, CRM), der mit Hilfe von Auktionen den Aufbau zusätzlicher Erzeugungskapazitäten und die Beibehaltung bestehender Kapazitäten fördert. Die erste CRM-Auktion wurde im Oktober 2021 durchgeführt und vergab Zahlungen für 4,4 GW an Kapazität, hauptsächlich für Erdgas.
Die regionale Umweltgenehmigung für eines der geplanten neuen Gaskraftwerke wurde im November 2021 verweigert. Im März 2022 kündigte die Regierung den CRM-Vertrag für dieses Kraftwerk und wies den belgischen Netzbetreiber Elia an, die Auktion vom Oktober 2021 erneut zu lancieren, um zusätzliche Projekte aus den vorhandenen Geboten auszuwählen, um die Stromversorgung im Lieferjahr 2025 sicherzustellen. Dem Bericht zufolge ist zu erwarten, dass dies zu einem neuen CRM-Vertrag mit einem Gaskraftwerk führen wird.
Kritiker haben den Entscheid, aus der Kernenergie auszusteigen und neue fossile Gaskraftwerke über die CRM zu finanzieren, als «paradox und kontraproduktiv» bezeichnet. Ein belgischer Abgeordneter hat eine dringende schriftliche Anfrage an das Europäische Parlament gerichtet, in der er darauf hinweist, dass die Pläne zur Abschaltung von Kernkraftwerken dazu führen, dass umweltschädliche Gaskraftwerke benötigt würden, was wiederum zu einem Anstieg der CO2-Emissionen führen werde.
Die IEA stellt fest, dass der Kernenergieausstieg zu einem Anstieg der Gaskraftwerke und der CO2-Emissionen führen wird. Mit einem Anteil von 70% an der kohlenstoffarmen Stromerzeugung ist die Kernenergie die wichtigste kohlenstoffarme Stromquelle Belgiens.
Quelle
M.A. nach NucNet, 20. April 2022 und Elia, Medienmitteilung, 31. Oktober 2021
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