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Falltitel: Flickflack
Schlüsselsatz: Schon während der Demonstration merkt die Lehrperson, dass die neuen Matten sehr hart sind, und dass es einem bei der Landung einen ziemlichen Schlag versetzt
Begewungsfeld: Bewegen an Geräten
Disziplin/Sportart: Boden
Methodik: Grundformen des Unterrichtens
Didaktischer Zugang:
Didaktisches Thema:
Textsorte: Chronik
Stufe: Sekundarstufe II
Schuljahr: 10
Fallbeschreibung:
Ort: Gymnasium
Zeit: nachmittags ab 17.00 Uhr (die Mädchen haben schon den ganzen Tag Schule)
Klasse: 12 Mädchen , Prima
Thema: Überschlag rückwärts (Flickflack)
Spezielles: Der Lehrer ist Praktikant
Nach einem Einlaufen und einer kurzen Dehnungsfolge verkündet der Lehrer, welchen Themenbereich sie gemeinsam in der Lektion bearbeiten werden. Die Begeisterung seitens der Schülerinnen hält sich in Grenzen. Die Lektion ist so aufgebaut, dass der Lehrer jeweils eine Übung vorzeigt und die Schülerinnen ausprobieren und anschliessend die nächste Übung folgt.
Der Lehrer demonstriert die erste Übung: Sprung rw. auf die Weichmatte eine Art Flop ohne aber die Beine nach der Landung nachzuziehen. Schon während der Demonstration merkt die Lehrperson, dass die neuen Matten sehr hart sind, und dass es einem bei der Landung einen ziemlichen Schlag versetzt. Die Schülerinnen führen aber die Übung trotzdem durch, wenn auch mit Widerwillen.
Die zweite Übung: Die Schülerinnen stehen einen Meter von der Wand entfernt. Den Rücken der Wand zugewandt. Mit einer Bewegung lassen sie sich gegen die Wand "fallen", wobei die Arme die Flickflack-Bewegung ausführen, und die Hände sich an der Wand abstützen.
Die dritte Übung: Endform, aber in Zeitlupentempo ausgeführt. Die ausführende Schülerin wird von zwei Helferinnen unterstützt, welche die Bewegung am Rücken und an den Oberschenkeln sichern. Nur mit Mühe findet der Lehrer eine Halbfreiwillige, welche sich zum Vorzeigen zur Verfügung stellt. Der Lehrer demonstriert die Übung zusammen mit der Schülerin und wendet sich anschliessend sofort einer schwächeren Schülerin zu. Er versucht nun diese schwächere Schülerin zu motivieren und ihr die Angst vor der Übung ein wenig zu nehmen.
Als der Lehrer sich wieder den restlichen Schülerinnen zuwendet sitzen alle am Boden und machen nichts. Nun muss der Lehrer die Schülerinnen regelrecht zwingen, damit sie die Übung doch noch ausführen. Als Zückerchen stellt er ihnen das Spiel in Aussicht, welches nach dem Geräteturnteil folgen soll.
Fallinterpretation:
Dieser Text stammt aus einem Kolloquium, in der die Studierenden Erfahrungen aus ihrem Praktikum im Team auswerten. Jeder Studierende bringt seine Erfahrungen in der Form von Unterrichtsnotizen und Selbstbeobachtungen mit, die wir dann gemeinsam in Kleingruppen diskutieren (vgl. narratives Instrument: Im Team vergleichen, Kap. 10). Aus der Beschreibung geht nicht klar hervor wie die Übungen zu verstehen sind. Trotzdem können wir hier verschiedene Widersprüche ausmachen, die sich lohnen weiter zu verfolgen. Die Matten sind steinhart und deshalb für den Zweck den sie erfüllen sollen nicht brauchbar. Scherler & Schierz (1993) sprechen von Zweckmässigkeit von Unterrichtshandlungen und -hilfen. Hier steht der Kontext (Matten) und die Handlungen der Schülerinnen im Widerspruch. Dieses Problem lässt sich allerdings so einfach beheben, dass es sich nicht lohnt darüber zu viele Worte zu verlieren (vgl. 9-Punkte-Problem, Kap. 2). Der Praktikant kann die Matten durch weichere ersetzen, womit das Problem gelöst ist. Falls er keine weicheren Matten zur Verfügung hat, muss er sich welche besorgen. Dies führt aber nicht zu einem didaktischen Problem, sondern eher zu einem organisatorisch-verwaltungstechnischen Problem. Die Handlungen des Lehrers nach der harten Landung überraschen. Er lässt die Übung trotz den eigenen Erfahrungen turnen und führt den Unterricht wie geplant durch. Damit geraten seine Unterrichtshandlungen in einen Widerspruch mit den Konsequenzen, dem Streik der Schülerinnen. Üblicherweise sind die Konsequenzen von Anweisungen von Lehrpersonen, dass Schüler diese durchführen. Hier wird aber offensichtlich gestreikt, was ich als Leser sogar irgendwie nachfühlen kann. Der Widerspruch zwischen den Handlungen des Lehrers und seinen Konsequenzen lohnt sich, weiter diskutiert zu werden. Weshalb bleibt der Lehrer so stur und reagiert nicht auf seine eigenen (schmerzhaften) Erfahrungen (b)? Warum müssen die Schülerinnen die Übungen trotzdem turnen (c und d)? Weshalb streiken die Schülerinnen (e)? Die Fragen weisen auf einen weiteren Aspekt hin, den der Praktikant erst im Auswertungsgespräch geäussert hat. Er selbst kann den Flic-Flac nicht turnen und damit auch nicht vorzeigen. Dies führt zu seiner Unsicherheit, die sich auf die Schülerinnen überträgt, obwohl er ihnen sein Nicht-Können nicht mitteilt. Wahrscheinlich liegt hier auch ein wesentlicher Widerspruch, der zum Streik der Schülerinnen führt. Dass er den Flic-Flac selbst nicht turnen kann, ist wohl weiter nicht schlimm, aber dies sollte er den Schülerinnen mitteilen. Der Widerspruch entsteht zwischen der Person des Lehrers (indem er sein Nicht-Können nicht äussert) und den Handlungen der Schülerinnen (die etwas turnen sollten, das der Lehrer selbst nicht kann).