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Das Wort Tattoo kommt vom polynesischen «tatau», was «markieren» bedeutet. Die ersten frühzeitlichen Belege für Tätowierungen fanden sich in Ägypten. Im alten Rom wurden Verbrecher und Sklaven mit Tätowierungen gebrandmarkt. In Asien wurden Tattoos zur Unterscheidung der gesellschaftlichen Klassen und zur Kennzeichnung des sozialen Status verwendet. Bei den Maori in Neuseeland gab es das «Moko», eine komplizierte Gesichtstätowierung, die den Wert und Rang eines Kriegers darstellte.
Manche Völker tätowieren ihre Jugendlichen, um diese so als Erwachsene anzuerkennen. Seefahrer brachten die Kunst des Tätowierens in den Westen. Heute dienen Tattoos als Körperschmuck oder bringen eine persönliche Haltung zur Geltung.
Gasttätowierer im Studio
Eva-Maria Ruffieux ist die Besitzerin des Tattoo-Studios Mia’s Tattoo Parlour in Giffers. Sie und ihr Mann tätowieren nicht selber, sie arbeiten mit Gasttätowierern aus verschiedensten Ländern, die jeweils eine Zeit lang bei ihnen wohnen. Deshalb nennen sie ihr Studio auch «The House of Nomad Tattooist».
Beim Besuch der Klasse 11 in Mia’s Tattoo Parlour wird gerade eine Frau am unteren Rücken tätowiert. Der argentinische Tattoo-Künstler Pablo Viner führt konzentriert Stiche mit einer elektrischen Tätowiermaschine aus. Das ist eine mit Farbe gefüllte Nadel, die sehr schnelle, wiederholte Stiche macht. Bereits zum zweiten Mal ist die Kundin hier, um sich ein altes Tattoo durch ein neues überdecken zu lassen – ein sogenanntes Cover-up. Nach etwa sieben Stunden Arbeit wird eine farbige Lotusblüte ihren Rücken zieren. «Es fühlt sich an wie eine starke Verbrennung», meint die Kundin zu den Schmerzen. Vor allem über dem Knochen sei es schmerzhaft.
Laut Ruffieux muss das neue Tattoo farbig sein, wenn man ein altes überdecken will. Eine andere Möglichkeit, ein Tattoo zu entfernen, ist das Lasern. Das kann aber Narben und weisse Flecken hinterlassen. Es sollte am besten gar nicht dazu kommen: «Bevor man ein Tattoo sticht, wird bei uns lange über das Motiv, den Ort oder die Grösse des Tattoos gesprochen», sagt Ruffieux.
Verschiedene Techniken
Die elektrische Tätowiermaschine ist heute am meisten verbreitet. Eva-Maria Ruffieux kennt niemanden in der Schweiz, der die traditionellen Tätowiertechniken anwendet. Es gibt jedoch noch andere Techniken, um ein Tattoo zu stechen: Bei einer dieser Techniken werden Schmuckformen in die Haut eingebrannt und die Wunden mehrmals verschmutzt. Weil der entstandene Schorf immer wieder abgerissen wird, entstehen Narben, welche die gewünschten Verzierungen bilden. Bei anderen Techniken werden farbgetränkte Fäden unter der Haut durchgezogen, oder es werden Ornamente in die Haut eingeritzt oder gestochen, in die man Farbstoffe reibt.
Eine sterile Zone
Die Hygiene sei das Wichtigste beim Tätowieren, sagt Ruffieux. In Mia’s Tattoo Parlour gibt es eine sterile Zone, die nur der Tattoo-Künstler betreten darf. Der Tätowierer trägt bei der Arbeit immer Handschuhe und darf nichts ausserhalb der sterilen Zone berühren. Alle Instrumente, die er für die Arbeit braucht, sind steril, und sie werden nur einmal benutzt. Nach dem Gebrauch werden die Instrumente in einem Spezialbehälter entsorgt. Alle Tattoos, die Tätowierer bei Ruffieux in Giffers stechen, hängen als Zeichnung an einer Pinnwand. Auf die Frage, was Pablo Viner ausser dem Zeichnen an seinem Beruf mag, sagt er: «Ich liebe es, dass ich auf der ganzen Welt meinen Beruf ausüben kann.»
Umfrage
Mehr Frauen als Männer
Eine Umfrage der Klasse 11 im Dorf Plaffeien hat ergeben, dass von 45 befragten Personen zwölf ein Tattoo haben. Sieben davon sind Frauen. Von den Befragten tragen also mehr Frauen als Männer ein Tattoo. Die Personen waren zum Zeitpunkt, als sie sich tätowieren liessen, durchschnittlich 26 Jahre alt. Das Durchschnittsalter der Frauen war 24 Jahre und dasjenige der Männer 30 Jahre. Die meisten tragen ihr Tattoo am Fuss oder am Arm. Die Befragten haben im Durchschnitt 219 Franken für ein Tattoo bezahlt.