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Die Covid-19-Pandemie verschärft weltweit die soziale Ungleichheit. Während die 1000 reichsten Menschen ihre Verluste in der Corona-Krise in nur neun Monaten wettmachten, könnte es mehr als ein Jahrzehnt dauern, bis sich die Ärmsten von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie erholt haben. Darauf weist die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam in einem neuen Bericht hin, der im Vorfeld der virtuellen Veranstaltung „Davos-Agenda“ erscheint.
Für den Bericht „The Inequality Virus“ hat Oxfam 295 Ökonom*innen aus 79 Ländern befragen lassen. 87 Prozent der Wissenschaftler*innen, darunter führende Ungleichheitsforscher*innen wie Jeffrey Sachs, Jayati Ghosh und Gabriel Zucman, erwarten als Folge der Pandemie in ihrem Land eine "Zunahme" oder einen "starken Anstieg" der Einkommensungleichheit. Für diesen Fall prognostiziert die Weltbank, dass noch 2030 mehr Menschen in Armut leben werden als vor der Pandemie. Einige weitere Ergebnisse des Oxfam-Berichts sind:
- Die Corona-Krise ist für die Reichsten vorbei: Die Vermögen der (im Dezember 2020) zehn reichsten Männer der Welt sind seit Februar 2019 um fast eine halbe Billion US-Dollar auf 1,12 Billionen US-Dollar gestiegen. Dieser Gewinn wäre mehr als ausreichend, um die gesamte Weltbevölkerung gegen Covid-19 zu impfen und sicherzustellen, dass niemand durch die Pandemie verarmt. Gleichzeitig erlebt die Welt die schlimmste Jobkrise seit über 90 Jahren, mit Hunderten Millionen Menschen, die Einkommen oder Arbeit verloren haben.
- Frauen sind am stärksten betroffen, wieder einmal: In den Sektoren, in denen durch die Pandemie besonders grosse Einkommens- und Arbeitsplatzverluste drohen, etwa im Gastgewerbe sind 49 Prozent der berufstätigen Frauen beschäftigt, aber nur 40 Prozent der Männer. Frauen stellen weltweit auch etwa 70 Prozent der Arbeitskräfte im Gesundheits- und Sozialwesen – wichtige, aber oft schlecht bezahlte Jobs, die sie einem grösseren Risiko aussetzen, an Covid-19 zu erkranken.
- Ungleichheit kostet Leben: In Brasilien ist die Gefahr, an Covid-19 zu sterben, für People of Colour 40 Prozent höher als für weisse Menschen. In den USA würden fast 22'000 Schwarze Menschen und Menschen mit lateinamerikanischer Migrationsgeschichte noch leben, wäre die Gefahr an Covid-19 zu sterben für sie genauso gross wie für weisse Menschen. Untersuchungen aus Grossbritannien zeigen ausserdem, dass die Todesrate von an Covid-19 erkrankten Menschen in einkommensschwachen Gegenden doppelt so hoch ist wie in wohlhabenden. Ähnliche Ergebnisse gibt es auch aus Frankreich, Spanien und Indien.
Unterstützung des Globalen Südens und Demokratisierung der Wirtschaft
Kurzfristig braucht es eine Steuerpolitik, die Unternehmen und Superreiche angemessen an der Finanzierung unseres Gemeinwesens beteiligt. Die Steuergelder werden dringend benötigt, um insbesondere in Ländern des globalen Südens Menschen in Armut zu unterstützen und öffentlich finanzierte Systeme für Bildung, Gesundheit und soziale Sicherung auszubauen, von denen vor allem Menschen mit niedrigem Einkommen profitieren. Geld hierfür ist genug da: Hätte man die Extragewinne der 32 globalen Konzerne, die im vergangenen Jahr trotz Pandemie die grössten Zuwächse hatten, mit einer einmaligen Steuer belegt, wären 104 Milliarden US-Dollar zusätzlich verfügbar.
Notwendig ist zudem eine gerechte Verteilung von Gewinnen innerhalb der Lieferketten und die Einhaltung fairer Handelspraktiken. Gemeinwohlorientierte Unternehmen müssen besonders gefördert werden, zum Beispiel durch Bevorzugung bei öffentlicher Beschaffung und bei Wirtschaftshilfen.