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Der Begriff Epithese leitet sich vom griechischen Wort „Epithema“ ab und bedeutet „Deckel“, womit zugleich die primäre Aufgabe, nämlich die Defektdeckung, geschrieben wird. Gesichtsdefekte, meist Folge von Tumorresektionen oder Unfällen, können sowohl chirurgisch rekonstruiert als auch epithetisch versorgt werden. Bei der epithetischen Versorgung von Gesichtsdefekten steht, neben der rein medizinischen Problematik, der Erhalt bzw. die Wiedererlangung der psychischen Stabilität des Patienten im Vordergrund. Mit einer gut gelungenen Epithese kann dies erreicht werden.
Die Herstellung von künstlichen Gesichtsteilen war bereits im 16. Jahrhundert eine weit bekannte Kunst. In den Anfängen beschränkte sich die Anfertigung einer Epithese allerdings auf das blosse Wiederherstellen der äusseren Kontur des verlorengegangenen Gesichtsteils.
Die Ästhetik konnte aufgrund der zur Verfügung stehenden Materialien, wie z.B. Metall, Leder oder Papiermaché, nicht berücksichtigt werden. Ein früher Epithesenträger war der dänische Astronom Tycho Brahe (1546-1601), der nach einer Duellverletzung mit einer Nasenepithese aus einer kupferhaltigen Gold-Silber-Legierung versorgt wurde. In der Folgezeit wurden die vorhandenen Werkstoffe und Verarbeitungstechniken verfeinert, um zu ästhetisch ansprechenden Ergebnissen zu kommen. Im 19. Jahrhundert schliesslich tauchten mit Kautschuk und Zelluloid zwei völlig neue Materialgruppen auf, die einerseits die Herstellung einer Epithese etwas vereinfachten und andererseits bessere ästhetische Resultate ermöglichten.
Die kontinuierliche Forschung in unserem Jahrhundert führte schliesslich zur Entwicklung der heute überwiegend eingesetzten Polymethylmethacrylate (PMMA) und der Silikone. Mit diesen Materialien ist, in Verbindung mit verschiedenen Effektmassen und Malfarben, eine weitgehende Angleichung der Epithese an das umgebende Gewebe möglich.
Für die Befestigung einer Epithese bestehen verschiedene Möglichkeiten. Eine häufig angewandte Technik ist fie Fixierung des fertigen Ersatzes durch Implantate. Daneben kommt die Befestigung durch eine Brille oder die chemische Fixierung mittels Hautkleber in Betracht. Die Eignung der Befestigungsart ist in jedem Fall individuell.
Am Ende der Behandlung wird der Umgang mit der Epithese ausführlich erklärt und die Handhabung geübt. In der Regel braucht es eine gewisse Zeit, um sich an den Ersatz zu gewöhnen.