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„Lass uns das in einem Call besprechen.“ „Haben Sie sich schon das Datum für den nächsten Best Practices Workshop notiert?“ „Im nächsten Townhall gibt es wieder ein Update zum Change-Projekt.“ Möchten Vorgesetzte mit dem Gebrauch solcher Anglizismen lediglich ihre Kompetenz für die englische Sprache beweisen? Oder bietet die Verwendung von englischen Worthülsen eine Möglichkeit, sich von unliebsamen Nachrichten zu distanzieren? Wann machen Anglizismen in der Sprache der Führung wirklich Sinn? Und wann sollten Sie als Führungskraft eher darauf verzichten? Hier gibt es einige Gedankenanstösse dazu.
Gehen wir davon aus, dass Sie als Führungskraft ihren Mitarbeitenden gegenüber positive Absichten hegen. Ebenso stehen Sie der zunehmenden Verbreitung der englischen Sprache in einer globalisierten Geschäftswelt gelassen gegenüber. Anglizismen sind Ihnen geläufig. Doch eine klare, authentische und präzise Kommunikation mit möglichst kleinem Spielraum für Fehlinterpretationen ist Ihnen genauso wichtig. Worauf gilt es nun, in der Führungssprache zu achten?
Empfehlungen zum Gebrauch von Anglizismen in der Führungssprache
Als einfache Faustregel zur Verwendung von Anglizismen im Geschäftsumfeld schlage ich vor: Verwenden Sie Anglizismen eher sparsam als inflationär. Das heisst:
1. Wenn es eine eindeutige deutsche Entsprechung für einen englischen Begriff gibt, entscheiden Sie sich möglichst für den deutschen. Dies trifft beispielsweise für Anglizismen zu wie Goal (Ziel), Credibility (Glaubwürdigkeit), Team-Setup (Zusammenstellung des Teams) und Cost Benefit Analysis (Kosten-Nutzen-Analyse).
2. Können Anglizismen mehrfach gedeutet werden, wie im Fall von Best Practices (Erfolgsmethode, Erfolgsmodell oder Erfolgsrezept), verwenden Sie diese nur, wenn Sie eine deutsche Erklärung dazu liefern oder sicher sind, dass Ihre Mitarbeitenden sie verstehen.
3. Davon abzuraten ist, englische Verben deutsch zu konjugieren wie im Fall von „downgeloadet“ oder „gepushed“. Diese bilden einen Zungenbrecher und werden nicht immer auf Anhieb verstanden. Wenn Sie schon Anglizismen benutzen, dann sollten Sie darauf achten, dass sich diese an der deutschen Grammatik orientieren: Die Phrasen „Loggen Sie sich ein.“ oder „Lassen wir das benchmarken.“ kommen einfacher über die Lippen.
4. Wenn Sie eine wichtige Botschaft, insbesondere eine kritische oder schlechte Nachricht, zu kommunizieren haben, sollten Sie das so einfach, klar und direkt wie möglich tun und ohne englische Worthülsen auskommen. Denken Sie aber auch daran, dass Sie bei der Überbringung von schlechten Nachrichten Verhalten kritisieren dürfen, die Wertschätzung für den Menschen dagegen nicht fehlen darf. So signalisieren Sie nicht nur, dass Sie wissen, wovon Sie reden, sondern erzeugen auch Nähe und Authentizität.
5. Einen Sonderfall bilden Anglizismen, die sich im Laufe der Zeit über ihre herkömmliche Bedeutung hinaus eine weitere, neue Bedeutung angeeignet haben. Beispielsweise ist mit dem Town Hall (Rathaus) im heutigen Unternehmenskontext eine Präsentation der Geschäftsleitung vor allen Mitarbeitenden gemeint. Auch der CEO steht heutzutage für mehr als „nur“ den Geschäftsführer. Anglizismen solcher Art erschliessen durch ihre erweiterte Bedeutung den sprachlichen Zugang zu neuen Konzepten und bilden eine Bereicherung für die deutsche Sprache. Deren Verwendung steht also nichts im Wege.
6. Dann gibt es noch die ganz neuen, einzigartigen Begriffe, die sogenannte Neologismen. Diese füllen eine Lücke in der deutschen Sprache. Sie sind oft in der IT-Welt zu finden und betreffen beispielsweise neue Technologien (Blockchain) oder Vorgehensweisen (Scrum). Auch kommen Sie häufig bei neuen Konzepten in der Führung von Unternehmen vor (Lean Management, Outsourcing, Smart Work). Dass es sich empfiehlt, solche Anglizismen zu verwenden, versteht sich von selbst. Werfen Sie jedoch nicht mit englischen Fachbegriffen um sich, wenn Sie deren Bedeutung nicht kennen.
Machen Sie nun den Test: Loben Sie Ihr Team kurz und knapp für seine „Soft Skills“ und gratulieren Sie zur ausgezeichneten „Performance“? Oder holen Sie lieber etwas aus und spezifizieren Sie, für welche persönlichen, sozialen und/oder methodischen Kompetenzen Sie Ihre Teammitglieder loben? Und gehen dann dazu über, zur hervorragenden Leistung zu gratulieren? Es gibt kein richtig oder falsch. Vielfach haben Anglizismen nicht nur mit persönlichen, sondern auch mit kulturellen Gepflogenheiten zu tun. Sollten Sie in einem globalen Konzern arbeiten, in welchem Englisch die am häufigsten verwendete Sprache ist, gehören Anglizismen einfach dazu.
Lesen Sie auch Teil 1 dieses Blogbeitrags: Wenn Führungskräfte Angliszimen verwenden
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Quellen und weiterführende Informationen
Egger, R. (2019). Führen durch Sprache: Leadership und die Macht der Worte. Wiesbaden: Springer Verlag.
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