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Bei einem Spaziergang durch ein Einfamilienhausquartier im Leimental wähnte sich der Autor dieser Zeilen in den Niederlanden. Tulpen hier, Tulpen dort, Tulpen da: Kein Zweifel, die Tulpen sind auch hier beliebte Boten des Frühlings. Von März bis April verzieren sie die Gärten, machen Lust auf sonnige Tage und erfreuen mit ihrer Farbenvielfalt, gerade wenn das Wetter sich eher in vielerlei Grautönen bewegt. «Tulpen = Holland», diese Gleichung machen die meisten. Mehr als 80 Prozent der heute bei uns verkauften Tulpen kommen von dort, und es gibt je nach Quelle zwischen 4000 und 5000 Sorten. Aber wussten Sie, dass die ursprüngliche Heimat der Tulpen gar nicht Europa ist? Als Heimat der Tulpen gelten Mittel- und Zentralasien, der heutige iranische, afghanische und kasachische Raum. Nomaden brachten das Zwiebelgewächs von dort in das Osmanische Reich, wo es unter dem Namen Lale rasch sehr beliebt wurde.
Türkische Nationalblume
Die Lale ist in der Türkei heute noch die Nationalblume und omnipräsent. Die Bezeichnung Tulpe stammt vom flämischen Adligen Ogier de Busbecq, der am Hof von Sultan Ahmed III als Gesandter der Habsburger wirkte. Wegen sprachlicher Verirrungen nannte er in seinen Briefen die Pflanze «tulipa», was auf den türkischen Begriff für Turban (Tülbent) zurückgeht. Durch Ogier de Busbecq kam die Pflanze im 16. Jahrhundert von Konstantinopel nach Wien und von da aus in die Niederlande, wo man beste Zuchtbedingungen vorfand. Sie wurde von Professor Charles de l’Ecluse an der Universität Leiden ausschliesslich zu wissenschaftlichen Zwecken gezüchtet. Durch einen Diebstahl kamen die Tulpenzwiebeln auf den freien Markt, und es brach eine regelrechte Tulpenmanie aus. Tulpenzwiebeln wurden zu Spekulationsobjekten, die den Gegenwert von Häusern hatten. Überliefert ist der Preis von 10 000 Gulden für eine «Semper Augustus»-Zwiebel. Die Spekulationsblase endete 1637 mit einem Börsencrash. Die Tulpe hat eine abenteuerliche Geschichte. Heute ist sie für alle erschwinglich. Aber eines hat sich nicht geändert: Die Tulpe erfreut die Menschen und ist beliebter denn je. Wie ein Blick in die Gärten zeigt.Patrick Herr