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Mit der Laune eines Menschen variiert auch seine Sicht der Welt. Das gilt nicht nur im übertragenen Sinne, lässt ein Experiment kanadischer Neurowissenschaftler vermuten. Negativ gestimmte Probanden nehmen Objekte am Rand ihres Blickfeldes demnach weniger deutlich wahr als positiv gestimmte.
“Eine positive Stimmung vergrößert buchstäblich das Fenster, durch das wir die Welt sehen”, erklärt Taylor Schmitz von der University of Toronto. Diese umfassendere Perspektive könne unter Umständen jedoch von Nachteil sein, “etwa bei der Bedienung gefährlicher Maschinen oder bei der Gepäckkontrolle am Flughafen”, so der Forscher.
Schmitz und Kollegen versetzten ihre Versuchsteilnehmer in eine positive, neutrale oder negative Stimmung und zeigten ihnen dann ein Bild, das ein Gesicht inmitten von Häusern und Platzansichten zeigte. Während die Teilnehmer das Geschlecht der abgebildeten Person bestimmten, wurde ihre Gehirnaktivität per funktioneller Kernspintomographie kartiert. Es zeigte sich, dass die Aktivität im Hippocampus, einem alten Teil des Großhirns, mit den Versuchsbedingungen variierte.
Das galt insbesondere für eine Region des Hippocampus, die bevorzugt auf visuelle Information mit Ortsbezug anspricht. Diese “Place Area” wurde bei negativ gestimmten Teilnehmern weniger stark aktiviert als bei positiv gestimmten, fanden die Forscher. Offenbar wurde Information aus der Peripherie des Gesichtsfeldes bei missgestimmten Teilnehmern regelrecht ausgeblendet. Vermutlich erfolgt diese Konzentration des Blicks schon in frühen Verarbeitungsstufen im Sehsystem.
Forschung: Taylor W. Schmitz, Eve De Rosa und Adam K. Anderson, Department of Psychology, Neuroscience Program und Rotman Research Institute, University of Toronto, Toronto
Veröffentlichung Journal of Neuroscience, Vol. 29(22), pp 7199-207, DOI 10.1523/JNEUROSCI.5387-08.2009