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Mitten in der Corona-Krise sollen die Profi-Vereine eine wichtige Entscheidung über die Zukunft des Schweizer Fussballs treffen. Teleclub-Experte Rolf Fringer hält das für keine gute Idee.
Am 16. März hätten die 20 Schweizer Profi-Klubs der SFL anlässlich einer ausserordentlichen Generalversammlung über eine Modusänderung in der Super League und die Aufstockung auf zwölf Teams ab der Saison 2021/22 abstimmen sollen. Aufgrund der Entwicklungen in Zusammenhang mit dem Coronavirus musste die Abstimmung auf ein unbestimmtes Datum verschoben werden.
Weil die Durchführung einer physischen Versammlung aktuell aber immer noch nicht möglich ist, will die Liga die Stimmen der Klubs in dieser Woche auf elektronischem oder schriftlichem Weg einholen. Ende Woche soll das Ergebnis vorliegen und entschieden sein, ob die Super League reformiert wird oder nicht.
«Bluewin» beantwortet mit Hilfe von Teleclub-Experte Rolf Fringer die wichtigsten Fragen:
Was könnte sich in der Super League ändern?
Die Klubs stimmen ab, ob die Super League ab der Saison 2021/22 wieder aus zwölf Teams bestehen wird, wie das bis 2003 in der damaligen Nationalliga A der Fall war.
Abgestimmt wird ausserdem über die Einführung des sogenannten «Schottischen Modus»: Die zwölf Mannschaften spielen je dreimal gegen jedes andere Team, also gibt es 33 «Qualifikationsrunden». Danach wird die Liga geteilt – die zwei 6er-Gruppen spielen noch einmal fünf Spiele um den Meistertitel beziehungsweise den Abstieg. Die Punkte aus der Qualifikation werden mitgenommen. In Schottland wird dieser Modus seit Jahren angewendet.
Was sind die Vorteile einer 12er-Liga?
Rolf Fringer: «Eine Aufstockung würde für die Vereine bedeuten, dass sie etwas durchatmen können und sich weniger vor dem Abstieg fürchten müssen. Wir haben in der Schweiz schon zwölf Vereine, die wirtschaftlich in der Super League spielen könnten. Im Frühling gäbe es einen Strichkampf, der Spannung versprechen würde.»
Was sind die Nachteile einer 12er-Liga?
Rolf Fringer: «Ich bin nicht davon überzeugt, dass es eine Änderung ist, die der Schweizer Fussball zwingend braucht. Wir sind mit der Zehnerliga eigentlich auch gut gefahren. Und jetzt in der Corona-Krise ist es meiner Meinung nach nicht der richtige Moment, einen Entscheid dieser Tragweite zu fällen. Ich finde: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.»
Was spricht für den «Schottischen Modus» – und was dagegen?
Pro: Mit einer Meister- und einer Abstiegsrunde sowie dem Strichkampf würde die Liga spannender werden. Da in den letzten fünf Spielen die besten Teams aufeinandertreffen, ist die Chance grösser, dass der Tabellenführer noch Punkte abgibt und es ein heisses Finish gibt. Und auch der Kampf um die Europacup-Plätze verspricht Hochspannung.
Contra: Es würde eine Wettbewerbsverfälschung drohen, da die Heim- und Auswärtsspiele unmöglich gerecht verteilt werden können. Es kann vorkommen, dass ein Team drei Heimspiele gegen den gleichen Gegner hat und nur einmal auswärts antreten muss, was für viele Mannschaften im Nachhinein als unfair angesehen werden könnte.
Warum will die SFL jetzt über eine Modus-Änderung entscheiden?
Weil die Ausschreibung der TV- und Marketingrechte im Rahmen der Zentralvermarktung der SFL ab der Saison 2021/22 bevorsteht. Deshalb ist die Abstimmung über das Format der Meisterschaften für die nächste Vertragsperiode zwingend erforderlich.