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Rezension über Hochpotenzen – physikalisch/chemische Aspekte – Teil 1
Paolo Bellavite, Marta Marzotto, Debora Olioso, Elisabetta Moratti und Anita Conforti haben in „Homeopathy (2014) eine spannende Rezension bezüglich homöopathischer Hochpotenzen publiziert.1 Der Artikel ist der erste Teil einer Übersichtsarbeit. Der zweite Teil kann auf der Website des HVS unter „Forschung“ nachgelesen werden. Diese Arbeit hat Paolo Bellavite die Überschrift „pharmakologischer Wirkungsmechanismus“ gegeben.
In der Diskussion über die Wirksamkeit der Homöopathie ist es ein wichtiges Anliegen, eine plausible Erklärung für die therapeutische Wirksamkeit von Hochpotenzen zu finden. Untersuchungen von homöopathischen Hochpotenzen sind heute ein immer grösser werdendes interdisziplinäres Feld mit immer mehr Publikationen in mitunter wichtigen wissenschaftlichen Zeitschriften. Zwischenzeitlich ist ein Punkt erreicht, wo der Forschungsstand so weit ist, dass man bei der Wirkung von Hochpotenzen nicht mehr von „Unwahrscheinlichkeit“ sprechen kann. Die Homöopathieforschung hat zwei wesentliche Pfeiler: 1) klinische, veterinär und Feldforschung mit der grundlegenden Frage „wirkt Homöopathie“ und 2) Grundlagenforschung mit der Frage „wie wirkt Homöopathie“.
Diese beiden Ansätze bilden den Schwerpunkt und werden zurzeit mit unterschiedlichen experimentellen Modellen untersucht.
Labormodelle legen den Schluss nahe, dass Hochpotenzen mehr sind als lediglich Placebos. Es braucht aber mehr widerspruchsfreie und detaillierte Beweise sowohl im Rahmen der Klinik als auch im Labor. Es braucht Arbeitshypothesen, welche helfen, eine einheitliche Theorie zu entwickeln für die Erklärung der physikalischen/chemischen Eigenschaften von Hochpotenzen und welchen Einfluss sie auf lebende Organismen haben.
Bellavite und sein Team durchsuchten das Pubmed 2 bezüglich Publikationen im Bereich von Hochpotenzen. Im Pubmed fanden sie Hunderte wissenschaftliche Arbeiten, die Hochpotenzen und deren Effekte analytisch untersuchten. Allerdings fanden sie keine einzige Arbeit, die homöopathische Hochpotenzen untersuchte.3 Bellavite ist der Ansicht, dass Hochpotenzen demzufolge nicht im Reich der klassischen Pharmakologie angesiedelt werden, weil die hierbei beobachteten Phänomene unerklärlich erscheinen.
Viele haben schon versucht, physikalisch-chemische Erklärungsmodelle zu formulieren, um die Wirkung von homöopathischen Hochpotenzen zu erklären. Die meisten dieser Modelle gehen von einem „nicht-molekularen“ Informationsaustausch aus. Information, die in der Struktur der Flüssigkeit (Wasser oder Wasser-Alkohol-Gemisch) „aufgedruckt“ wird und durch die Resonanz des biophysikalischen Regulationssystems des Organismus wirkt.
In seiner Arbeit zeigt Bellavite ausführlich die bemerkenswerten Eigenschaften von wasserähnlichen Flüssigkeiten auf. Es würde den Rahmen sprengen, die in der Arbeit detaillierten Hinweise hier darzulegen. Es sei hier deshalb nur in grobem Umfang auf die in der Arbeit ausführlich dargelegten Tatsachen hingewiesen. Wer sich tiefer mit dieser Thematik beschäftigen will, sei auf die Originalarbeit von Bellavite verwiesen.
Viele Eigenschaften des Wassers sind noch immer rätselhaft. Obwohl noch immer nicht im ganzen Umfang verstanden, kann man nicht ausschliessen, dass Wasser sich als „Depot“ und Träger von bedeutsamen biologischen Informationen darstellt. Trotz der Einfachheit seiner Moleküle zeigt Wasser ein komplexes Verhalten sowohl während der Übergangsphasen in verschiedener Zustände als auch in seiner flüssigen Form. Es scheint, als ob Wasser ein offenes System wäre, welches Energie mit der Umgebung austauscht. Wenn ein Molekül in Wasser aufgelöst wird, passt sich die Wasserstruktur den Struktur-Eigenschaften des zugegebenen Moleküls an. Mit verschiedenen Untersuchungsmethoden wurde Wasser untersucht.
Analytische Anhaltspunkte
Es gibt eine ausgedehnte thermodynamische Studie.4 Des Weiteren wurden Untersuchungen mit Thermolumineszenz bei tiefen Temperaturen durchgeführt mit dem Ziel, die besondere Struktur bei Hochpotenzen zu verstehen. 5 Einige Forscher haben mit Hilfe der nuklearen Magnetresonanzmethode (NMR) Beweise bzw. Belege für eine supramolekulare Organisation des Wassers in hochverdünnten Proben gefunden. 6 Hierbei muss angefügt werden, dass diese Messungen bei anderen Forschern zu keinem Ergebnis geführt haben. Diese Untersuchungsmethode ist jedoch technisch äusserst anspruchsvoll, so dass diese Untersuchungen mit mehr Methodik und Standardisierungen wiederholt werden müssten, bevor man daraus Schlüsse für die Eigenschaften von Hochpotenzen ableiten kann.
Andere Forscher sind der Meinung, dass die ultraviolette und die Raman Spektroskopie (eine Untersuchung der Materialeigenschaften bezüglich Lichtstreuung an Molekülen oder Festkörpern) relative einfache und wertvolle Instrumente wären, um den Unterschied zwischen homöopathischen Hochpotenzen und reinem Wasser zu messen. 7
Magnetfelder
Magnetische Felder können die Struktur von reinem Wasser beeinflussen, vorausgesetzt es enthält gelösten Sauerstoff. 8 Weitere Experimente zeigten, dass die Aktivität der hochpotenzierten Agonisten durch ein oszillierendes Magnetfeld aufgehoben wurde und dass dies keinen Einfluss auf die Moleküle hatte. Dies legt nahe, dass die Aktivität in Hochpotenzen elektromagnetischen Feldern zuzuschreiben ist.9
Wer mehr darüber erfahren möchte, sei auch hier auf die Originalarbeit verwiesen.
Die Ausführungen von Bellavite erklären darauffolgend die verschiedenen „Wasser-Modelle“ sehr eindrucksvoll. Er geht auf die noch nicht abschliessend geklärten Fragen ein, welche die Struktur und das Verhalten des Wassers noch immer aufwerfen. Es zeigt unter anderem auf, dass das einfache Erklärungsmodel gewisser Homöopathen von „Wasser speichert die Information der Urtinktur“ etwas zu kurz gegriffen ist.
Spannend ist der Abschnitt, in welchem der Autor auf die Nanopartikel zu sprechen kommt. Bellavite nimmt in seiner Arbeit Bezug auf die Arbeit von Chikramane et al. (eine Zusammenfassung dieser Publikation ist auf der HVS-Seite aufgeschaltet). Zusammenfassend hält Bellavite bezüglich der Arbeit von Chikramane folgendes fest: die Möglichkeit, dass die Übertragung eines signifikanten Teils von Nanopartikeln von einer Verdünnung zur nächsten stattfindet, ist ein wichtiger technischer Aspekt Chikramane’s Untersuchung / Experimenten. Dies könnte eine mögliche Erklärung sein, warum eine genaue Reproduzierbarkeit dieser Untersuchungen nicht möglich ist.
In einem weiteren Abschnitt beleuchtet Bellavite andere spekulative Hypothesen, unter anderem die „Verschränkung“ (ein weiterer Artikel auf der HVS-Website, Harald Walach). Auch den Zusammenhang zwischen Fraktalen 10 und homöopathischem Mittel wird vom Autor ausführlich erläutert. Hierbei geht es darum, dass chaotische Systeme die besondere Eigenschaft besitzen, fraktale Strukturen zu bilden. Es wird angenommen, dass diese fraktalen Eigenschaften des Wassers Aspekte der Potenzierung erklären können. 11
Fazit und Ausblick
Es besteht nach wie vor die Tatsache, dass man die Eigenschaften oder die Beschaffenheit eines aktiven Bestandteiles in Hochpotenzen nicht festmachen kann. Aber aufgrund des aktuellen Standes der Forschung darf davon ausgegangen werden, dass Wasser bzw. die in ihr gelöste Substanz eine fundamentale Rolle im Wirkmechanismus von Hochpotenzen spielt. Wasser ist ein unglaublich komplexes System und eine weitere Vielschichtigkeit wird diesem System zugefügt durch die Anhäufung von anderen Materialien, elektromagnetischen Prozessen und die Anwesenheit von Ethanol. Die Forschung mit Wasser hat aber bis heute noch keine definitive Antwort für die Wirkungsweise von Hochpotenzen geliefert.
Die Forschung in Laboren gibt Hinweise darauf, dass die „Phänomene“, die in Experimenten mit Hochpotenzen beschrieben werden, existieren. Diese Arbeiten sind aber zum Teil schwer reproduzierbar, da aufgrund von auch nur minimalen technischen Unterschieden und anderen Verhältnissen (z.B. das Geschick des Forschers, die Jahreszeit etc.) die Resultate nicht genau übereinstimmen.
Alle in der Arbeit von Bellavite besprochenen Modelle zur Erklärung der Wirkungsweise von Hochpotenzen haben ihre Vor- und Nachteile, keines ist in sich selber überzeugend und abschliessend. Unabhängige Reproduzierbarkeit ist entscheidend, um stabile Modelle zu entwickeln. Aus diesem Grund ist es unabdingbar, dass weiterhin intensiv Grundlagenforschung betrieben wird.
Für die Wissenschaftsgruppe
Literatur
1 Review, High-dilution effects revisited. 1. Physicochemical aspects, Paolo Bellavite, Marta Marzotto, Debora Olioso, Elisabetta Moratti and Anita Conforti, Homeopathy (2014), 103, 4-21
2 Pubmed ist eine englischsprachige textbasierte Meta-Datenbank mit medizinischen Artikeln bezogen auf den gesamten Bereich der Biomedizin der nationalen medizinischen Bibliothek der Vereinigten Staaten.
3 Betti L, Trebbi G, Olioso D, Marzotto M, Bellavite P. Basic research in homeopathy and ultra-high dilutions; what progress is being made? Homeopathy 2013; 102: 151-154
4 Elia V, Baiano S, Duro I. Napoli E, Niccoli M., Nonatelli L. Permanent physico-chemical properties of extremely diluted aqueous solution of homeopathic medicines. Homeopathy 2002; 93: 144-150
Elia V., Napoli E., Niccoli M., Nonatelli L., Ramaglia A., Ventimiglia E. New physico-chemical properties of extremely diluted aqueous solutions. A calorimetric and conductivity study at 25°C, J Thermal Anal Calorim 2004; 331-342
Elia V., Niccoli M. New physico-chemical properties of extremely diluted aqueous solutions. J Thermal Anal Calorim 2004; 815-836
5 Rey LR. Thermoluminescence of ultra-high dilutions of lithium chloride and sodium chloride, Physica 2003; A323: 67-74
Rey L. Can low-temperature thermoluminescence cast light on the nature uf ultra-high dilutions? Homeopathy 2007; 96: 170-174
6 Becker-Witt C., Weisshuhn TE, Ludtke R, Willich SN. Qality assessment of physical research in homeopathy. J Altern Complement Med 2003; 9: 113-132
Sukul A, Sarkar P, Sinhababu SP, Sukul NC, Altered solution structure of alcoholic medium of potentized Nux vomica underlies iths antialcoholic effect. Br Homeopath J 2000; 89: 73-77
Sukul NC, Gosh S, Sinhababu SP, Sukul A. Strychnos nux-vomica extract and its ultra-high dilution reduce voluntary ethanol intake in rats. J Altern Complement Med 2001; 7: 187-193
Demangeat JL. NMR water proton relaxation in unheated and heated ultrahigh aqueous dilutions of histamine: evidence for an air-dependent supramolecular organization of water. J Mol Liq 2009; 144: 32-39
7 Luu C. Etude des Diluitions Homéopatiques par Spectroscopie Raman-Laser. Paris: Ed. Boiron, 1976
Sukul NC, Sukul A. High dilution effects: physical and biochemical basis. Dordrecht: Kluwer, 2003
Rao ML, Roy R, BellI. Characterization of the structure of ultra dilute sols with remarkable biological properties. Mater Lett 2008; 62: 1487
Wolf U, Wolf M, Heusser P, Thurneysen A, Baumgartner S. Homeopathic preparations of quartz, sulfur and copper sulfate assessed by UV-Spectroscopy. Evid Based Complement Alternat Med 2011; 2011: 692798
8 Ozeki S, Otsuka I. Transient oxygen clatherate-like hydrate and water networks induced by magnetic fields. J Phys Chem B 2006; 110: 20067-20072
Otsuka I, Ozeki S., Does magnetic treatment of water change its properties? J Phys Chem B 2006; 110: 1509-1512
9 Benveniste J. Further biological effects induced by ultra high dilutions. Inhibition by a magnetic field. In: Endler PC, SchulteJ (eds). Ultra High Dilution Dordrecht: Kluver Acad. Publ., 1994, p. 35-38
Benveniste J, Guillonnet D. QED and digital biology. Riv Biol 2004:97:169-172
Weber S, Endler PC, Welles SU, et al. The effect of homeopatically prepared thyroxine on highland frogs: influence of electromagnetic fields. Homeopathy 2008; 97: 3-9
10 Fraktale sind Gebilde oder Muster, die einen hohen Grad eine Selbstähnlichkeit besitzen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn ein Objekt aus mehreren verkleinerten Kopien seiner selbst besteht. Geometrische Objekte dieser Art unterscheiden sich in wesentlichen Aspekten von gewöhnlichen glatten Figuren.
11 Shepperd J. Chaos theory: implications for homeopathy. J Am Inst Homeopath 1994; 87: 22e29.
Bellavite P, Signorini A. The emerging science of homeopathy: complexity, biodynamics, and nanopharmacology. Berkeley (CA): North Atlantic, 2002. 138 Mandelbrot BB. The fractal geometry of nature. New York.