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Fast 50 Jahre — ihr ganzes Leben — hat die asiatische Elefantenkuh Mara in Gefangenschaft, in Zoos und Zirkussen verbracht. Seit 1995 war sie in einem Zoo in Buenos Aires, Argentinien, eingesperrt. Die Freiheit hat sie nie gekannt. Nie hat sie einen Boden betreten, der ihrem natürlichen Lebensraum nahe käme oder zumindest entfernt ähnelte, nie den dringend benötigten sozialen Kontakt zu ihren Elefantenkameradinnen und -kameraden haben können. Natürliches Licht sah sie, wenn überhaupt, nur für wenige Stunden am Tag. Dank der intensiven und hartnäckigen Arbeit der Fondation Franz Weber (FFW) konnte Mara am 9. Mai 2020 den Zoo in Buenos Aires für immer verlassen. Ihr Ziel? Ein Elefantenschutzgebiet in Brasilien, das ‚Global Sanctuary for Elephants‘, in der Nähe von Cuiabá, der Hauptstadt des Bundesstaates Mato Grosso.
Etwa 2’700 km trennten sie von dieser lateinamerikanischen Oase für Elefanten. Ihre Reise, die am 9. Mai begann, dauerte mit dem Lastwagen fast vier Tage, wobei je nach den Bedürfnissen der Elefantendame alle zweieinhalb bis drei Stunden Ruhepausen eingelegt wurden. Alles verlief gut in dieser Zeit: Mara hat stets gegessen und gut geschlafen. Das allgegenwärtige Covid-19 verkomplizierte die Rettungsmission jedoch etwas: Aufgrund der Schliessung der Grenzen brachte ein Team der FFW und dem Zoo in Buenos Aires den Elefanten bis an die brasilianische Grenze. Am darauf folgenden Morgen übernahm dann das Team des ‚Sanctuary‘ die Führung, um den Transport zum Elefantenschutzgebiet abzuschliessen. So konnte Mara schliesslich am Mittwoch, den 13. Mai, ihr neues Zuhause kennenlernen.
Ihre Ankunft im Reservat wurde auf Video festgehalten und konnte von Tausenden von Menschen verfolgt werden: Wir sehen, wie die Elefantendame sich zunächst einige Minuten Zeit nimmt, um alles zu beobachten, um alles mit dem Rüssel zu berühren und zu ertasten. Die Akklimatisierung muss schrittweise erfolgen. Mara wurde daher in einem speziell für Neuankömmlinge konzipierten Pferch untergebracht. Noch am selben Tag wurde sie dann in ein grösseres Gelände mit Bäumen und Platz zum Gehen, Riechen und Schauen verlegt. Dort hatte die Elefantenkuh —noch über Sicherheitszäune —ihren ersten Kontakt mit den drei asiatischen Elefanten, die bereits im ‚Sanctuary‘ leben. Der Direktor des Reservats, Scott Blais, ist ein Experte für das Verhalten von Elefanten, und wird fachmännisch beurteilen, wann Mara bereit sein wird, sich zu den anderen Elefanten zu gesellen und die Weiten von Mato Grosso zu erkunden. Mit der Ankunft im Elefantenschutzgebiet in Brasilien ist für Mara ein Leben voller Qualen in Gefangenschaft zu Ende gegangen.
«Maras neues Leben ist für die FFW ein wahr gewordener Traum», erklärt Vera Weber, Präsidentin der auch in Argentinien tätigen Schweizer Stiftung. «Seit Jahren arbeitet unser Team unermüdlich, verhandelte mit den Behörden, den Zoos und dem brasilianischen Schutzgebiet, um der Elefantendame ihre Würde zurückzugeben.» Ein erster wichtiger Schritt dazu wurde getan, als 2017 ein Abkommen mit dem Zoo von Buenos Aires unterzeichnet wurde, mit dem dieser die Artenschutz-Empfehlungen und -Leitlinien der FFW übernahm.
In Zusammenarbeit mit dem ‚Global Sanctuary for Elephants‘ verfolgt die FFW das grosse Ziel, alle derzeit in Lateinamerika gefangenen Elefanten zu befreien. Der nächste Schritt? Die afrikanischen Elefanten, die sich derzeit noch im Zoo von Buenos Aires befinden, sollen sich ebenfalls auf die Reise in das Schutzgebiet in Brasilien machen können. Dies wird möglich sein, wenn das Reservat einige Erweiterungsarbeiten abgeschlossen hat.