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Epilepsie
Ein Anfallsleiden wirkt sich bei Schwangeren sehr unterschiedlich aus. 70 % der schwangeren Epileptikerinnen stellen gar keine Veränderungen ihrer Epilepsie fest, etwa 15 % registrieren eine Besserung, und bei den restlichen 15 % kommt es zu einer Verschlechterung. Keinesfalls ist eine Epilepsie ein Grund, von einer Schwangerschaft abzuraten. Über 90% aller Epileptikerinnen erleben eine komplikationslose Schwangerschaft und bekommen ein gesundes Kind.
Die geburtshilfliche Betreuung während der Schwangerschaft unterscheidet sich kaum von der gesunder Frauen. Das Risiko für Frühgeburten, Kaiserschnitte, Blutungen in der Schwangerschaft oder vorzeitige Wehen ist bei Schwangeren mit Epilepsie, die Antiepileptika einnehmen, nach der derzeitigen Datenlage nicht wesentlich erhöht. Lediglich bei Patientinnen, die zusätzlich rauchen, ist ein erhöhtes Risiko für vorzeitige Wehen beschrieben. Das Risiko für intrauterine Wachstumsverzögerungen (SGA, „small for gestational age“) ist vermutlich verdoppelt.
Die Entbindung sollte dann in einem Zentrum mit Geburtshilfe, Neurologie, Neonatologie und Anästhesie erfolgen. Von Hausgeburten ist abzuraten. Eine Epilepsie stellt zunächst einmal keinen Grund für einen geplanten Kaiserschnitt oder eine Geburtseinleitung dar. Bei mehreren kleinen Anfällen täglich oder bei mindestens einem generalisiert tonisch-klonischen Anfall pro Woche wird jedoch eine Schnittentbindung empfohlen. Ein notfallmässiger Kaiserschnitt kann sich bei übermässig langer Dauer der Geburt ergeben, da der Schlafentzug insbesondere bei generalisierten Epilepsien das Anfallsrisiko erhöht. Bei fokalen Epilepsien ist der Einfluss von Schlafentzug deutlich geringer. Wichtig ist, auch unter der Geburt auf eine regelmässige Antiepileptika-Einnahme zu achten.
Schlafentzug im Wochenbett (z.B. durch nächtliches Stillen) kann Krampfanfälle auslösen, weshalb eine Unterstützung und Beratung der Mütter erforderlich ist. Die Kinder sollten auf dem Boden gewickelt werden, um bei Anfällen mit Bewusstseinsstörung Stürze des Babys vom Wickeltisch zu vermeiden. Säuglinge sollten nur im Beisein anderer Erwachsener gebadet werden. Gegenwärtig wird Müttern mit Epilepsie nicht vom Stillen abgeraten. Alle Antiepileptika gehen allerdings in unterschiedlicher Konzentration in die Muttermilch über und aufgrund der noch nicht ausgereiften Leber der Neugeborenen kann es zur Ansammlung der Medikamente im kindlichen Blut kommen.
Wünschenswert ist es, dass die Schwangerschaft einige Monate im Voraus geplant und vom Frauenarzt und Neurologen gemeinsam intensiv und engmaschig betreut wird. Der Grund ist vor allem, dass einige Antiepileptika teratogen wirken, d.h. angeborene Fehlbildungen beim Kind verursachen können. Hat man genug Vorbereitungszeit, kann in Ruhe eine Einstellung mit den am besten verträglichen Medikamenten erfolgen. Sie müssen aber trotzdem Anfallsfreiheit gewährleisten. Denn epileptische Anfälle können durch den resultierenden Sauerstoffmangel sowohl Ihnen als auch Ihrem Baby schaden und sind nach Meinung der Fachleute gefährlicher als die meisten krampfhemmenden Medikamente. Ausserdem besteht die Gefahr einer fetalen Blutung, einer Fehlgeburt oder sogar Totgeburt. Beim anfallsbedingten Sturz einer Schwangeren kann es zu Gebärmutterverletzungen, Plazentablutungen oder einer vorzeitigen Plazentalösung kommen. Ganz falsch wäre es also, aus Angst vor der unerwünschten Medikamentenwirkung die Behandlung während der Schwangerschaft plötzlich zu unterbrechen.
Grundsätzlich sollten alle Epileptikerinnen möglichst schon vier Monate vor und dann während der ersten drei Monate der Schwangerschaft Folsäure in höherer Dosis (ca 4-5 mg pro Tag) einnehmen als Frauen ohne Krampfleiden. Folsäure senkt nachweislich das Risiko für einen Neuralrohrdefekt (z.B. offener Rücken) beim Kind, das bei Epileptikerinnen erhöht ist.
Besteht die Gefahr, dass durch ein Epilepsie-Medikament Blutungen beim Neugeborenen verursacht werden können, empfiehlt sich für das Neugeborene sowie schon eine Woche vor der Geburt für die werdende Mutter die Einnahme von Vitamin K.
Für viele Frauen mit einem Krampfleiden spielt die Sorge, diese Krankheit an ihr Kind vererben zu können, eine grosse Rolle. Das genetische Risiko wird aber oft überschätzt. Denn Epilepsie ist keine Erbkrankheit im engeren Sinn. Vererbt werden genetische und nicht-genetische Faktoren und damit eine gewisse Bereitschaft zu Krampfanfällen - das heisst aber, dass noch einige andere Faktoren hinzukommen müssen, damit sich die Krankheit äussert. Das Wiederholungsrisiko beträgt in der Regel nur wenige Prozent, statistisch ca. 4-5 % für Kinder erkrankter Mütter und ca. 2 % für Kinder erkrankter Väter. Bei mehr als 90% aller Betroffenen findet man keine weiteren Erkrankten in der Familie.
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Letzte Aktualisierung : 05.2016, BH