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Tatsächlich! Die Erfinderin des Muttertags wollte den Feiertag nach seiner Popularisierung wieder rückgängig machen.
Aber erst einmal von vorn: Am Sonntag, 9. Mai 2021, ist es so weit: Wir feiern den Muttertag. Wieso gibt es diesen Tag überhaupt, woher kommt er, wird er überall gleich gefeiert und wieso wollte ihn die Begründerin wieder abschaffen? Das musst du zum Feiertag der Mutter und der Mutterschaft wissen:
Als Gründerin des heutigen Muttertags gilt die Amerikanerin Anna Marie Jarvis. Was eigentlich als Gedenktag für ihre verstorbene Mutter gedacht war, entwickelte sich zum Tag zu Ehren der Mutter und der Mutterschaft. Die Amerikanerin hatte am 12. Mai 1907 – nach dem zweiten Todestag ihrer Mutter – einen Gedenktag in ihrer Heimat West Virginia organisiert.
Im Jahr darauf, ebenfalls an einem Sonntag, widmete man in derselben Kirche, wo der Gedenktag stattgefunden hatte, eine Andacht an alle Mütter. Verantwortlich für den kurzen Gottesdienst war Jarvis. Um den Feiertag zu Ehren der Mütter im ganzen Land bekannt zu machen, schrieb die gebürtige Amerikanerin etliche Briefe an Geistliche und an Politiker. Mit Erfolg. Bereits 1909 wurde der Muttertag fast landesweit gefeiert.
Am 8. Mai 1914 folgte dann die gesetzliche Verankerung. Im Zeichen der Liebe der Mütter soll der zweite Sonntag im Mai als Muttertag gefeiert werden. Dafür soll der Präsident der Vereinigten Staaten die öffentlichen Gebäude beflaggen lassen. Noch im selben Jahr hatte Präsident Woodrow Wilson den Muttertag als nationalen Feiertag eingeläutet.
Mit steigender Verbreitung und Kommerzialisierung des Muttertags drehte Jarvis' Einstellung gegenüber «ihrem» Feiertag. Die Gründerin engagierte sich nun wieder für die Abschaffung des «Mother's Day». Sie ärgerte sich darüber, dass die Menschen am Muttertag aus Faulheit nur Grusskarten statt Briefe versendeten. An einem Protest gegen den Feiertag engagierte sie sich derart intensiv, dass sie kurzfristig ins Gefängnis musste. Ihr Kampf war erfolglos. Die Tradition bleibt bis heute erhalten.
Bald darauf gelangte die Tradition auch nach Europa. England übernahm die Idee des Muttertags als erstes Land im Jahr 1912. Daraufhin – im Jahr 1914 – ergriff die Schweiz zusammen mit einer zweiten Gruppe von Ländern die Initiative zur Einführung des Ehrentags. Obwohl diese erfolgreich war, blieb der Tag bis in die zwanziger Jahre eher unbekannt. Durch Flugblätter und die Presse kam es in den dreissigern dann zum grossen Muttertags-Durchbruch.
In Norwegen feiert man den Muttertag bereits am 2. Sonntag im Februar, in England, Irland und Nigeria am vierten Fastensonntag und in Spanien, Ungarn, Portugal und einigen weiteren Ländern am 1. Sonntag im Mai. In einigen Ländern wie Armenien, Serbien oder Bulgarien findet der Muttertag auch gleichzeitig mit dem Frauentag, am 8. März, statt.
Obwohl es ordentlich was zu feiern gäbe, ist der Muttertag in der Schweiz nicht als gesetzlicher Feiertag festgelegt. Trotzdem haben die meisten Leute frei, weil er stets auf einen Sonntag fällt.
Meistens wird der Feiertag im ähnlichen Stil wie hierzulande gefeiert. Man verschenkt Blumen, Schokolade oder versendet liebe Worte oder Grosskarten. Trotzdem passt der Spruch «andere Länder, andere Sitten» auch zum Muttertag. Ein paar Beispiele der unterschiedlichen Traditionen:
In Grossbritannien feiert man den «Mothering Sunday» am vierten Sonntag der Fastenzeit. Die Fastenzeit, auch Passionszeit benannt, beginnt jeweils am Aschermittwoch und zieht sich hin bis zu Ostern. Früher haben die Kinder an diesem vierten Sonntag der Fastenzeit für ihre Eltern einen «Simnel Cake» gebacken. Noch heute ist der Brauch des Früchtekuchens weit verbreitet – sowohl am Muttertag als auch an Ostern.
In Griechenland schenkt man seiner Mutter traditionsgemäss ebenfalls einen Kuchen – und zwar einen süssen Honigkuchen. Auch zur Tradition gehört, dass die gesamte Wohnung mit bunten Blumen verziert wird.
In Mexiko gehört der «Dia de la Madre» neben dem «Dia de los Muertos» (Tag der Toten) zu den wichtigsten Feiertagen des Jahres. Er findet jährlich am 10. Mai statt. In Mexiko wird diesem Tag so viel Bedeutung geschenkt, dass in der Hauptstadt seit 1949 sogar eine grosse Skulptur aufgestellt wurde. Zu Ehren der Mütter werden in den Schulen Feste veranstaltet. In einigen Regionen erhalten die Mütter sogar einen freien Tag.