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Von Nihal Özkara
Wahrscheinlich würden deutlich mehr als 90 % aller Menschen
eine unbewusste Angst gegenüber Haien nicht ableugnen können,
ohne zu wissen, dass es «den Hai» nicht gibt.
Tatsächlich existieren über 460 Haiarten, mit Grössen von
30 cm bis über 13 Metern.
In welcher Weise sich diese Angst
manifestiert ist unklar. Ist es eine archaische Angst, die in unseren
Genen ihren Ursprung findet oder handelt es sich um eine Folge von
Lernprozessen, die hauptsächlich durch die Medien ihren Weg in
unser Bewusstsein gefunden haben? Es gibt wahrscheinlich Anhänger
beider Theorien, die jeweils für sich selbst versuchen, ihre Angst
auf die eine oder andere Weise zu erklären.
Der Wissenschaftler an
sich versucht, anhand der vorliegenden Forschungen zu erklären,
warum der Mensch diese Angst vor dem Hai empfindet. Der
Verhaltensforscher wird versuchen zu beweisen, dass diese Angst etwas
Erlerntes ist und durch Filme wie «Der Weisse Hai» ihren Weg
zum Menschen und zu seinem Bewusstsein gefunden hat. Der
Verhaltensgenetiker vertritt die These, dass die Angst genetisch
determiniert ist.
Über Jahre hinweg wurde über die Medien dem
Menschen suggeriert, dass der Hai ein höchst gefährliches Tier
ist, und alles, was sich ihm in den Weg stellt, verschlingt -
einschliesslich Menschen. Diese Aussagen entbehren jedweder Grundlage,
und wurden willkürlich aufgestellt ohne das Verhalten dieser Tiere
genau beobachtet zu haben.
Wichtig ist, durch Aufklärungsarbeit den
Menschen deutlich zu machen, dass der Hai nicht dem Bild entspricht, das
uns jahrelang vermittelt wurde. Der Hai erfüllt eine wichtige Rolle
im Ökosystem des Meeres. Er ernährt sich von schwachen und
kranken Meerestieren und sorgt so für ein Gleichgewicht.
Je weiter
die Forschung sich auf diesem Gebiet entwickelt, um so mehr kann man das
Verhalten von Haien definieren und somit schrittweise die alten
Klischees vom Hai als einer bösartigen Bestie widerlegen.
Eine
wichtige Rolle hierbei spielt die Vorgehensweise bei der
Bewältigung der Angst bei Personen, die eine
Angstneurose/Angststörung im Hinblick auf Haie entwickelt haben.
Das kann Personen betreffen, die einen direkten negativen Kontakt mit
Haien hatten (z.B. Sporttaucher, Fischer), aber auch Personen die nur
eine ungeklärte Angst vor Haien haben. In so einem Fall würde
es sich empfehlen, eine Therapie in Anspruch zu nehmen.
Eine der
häufig angewandten Therapien hierbei ist die systematische
Desensibilisierung. Zu diesem Zweck wird eine Liste mit Angst
auslösenden Situationen zusammengestellt, die hierarchisch
angeordnet wird. Die Liste beginnt mit der am wenigsten Angst
auslösenden Situation und endet mit der Situation, die am meisten
Angst auslöst. Im Anschluss daran werden Entspannungstechniken
angewendet, um einen tiefen Entspannungszustand zu erreichen. Wenn
dieser Zustand erreicht ist, stellt man sich schrittweise mehrere
Situationen vor -beginnend mit der am wenigsten Angst auslösenden
Situation. In diesem Zustand völliger Entspannung wird die
Entstehung der Angst gehemmt und man kann sich immer Angst
einflössendere Situationen vorstellen, ohne Angst zu empfinden.
Durch mehrere Therapiesitzungen hindurch lernt man, mit den
vorgestellten Situationen angstfrei umzugehen, um so seine Angst zu
bewältigen bzw. zu verarbeiten.
Eine weitere Methode die bei
Angststörungen angewandt wird, ist die «flooding
therapy». Hierbei wird man der Quelle der Angst in voller
Intensität ausgesetzt. Diese Therapieform kann wirkungsvoll sein,
wenn alle anderen Mittel versagt haben. Welche Therapiemethoden bei wem
am effektivsten sind, ist unter anderem von der
Persönlichkeitsstruktur der betreffenden Person abhängig.
Diese wird zu Beginn jeder Therapie durch Gespräche und
entsprechende Persönlichkeitstests ermittelt, um eine der
Persönlichkeit angepasste Therapie anzuwenden.
Man ist mit seiner
Angst in keinster Weise alleingelassen. Das Team von Dr. Erich Ritter
(Green Marine) veranstaltet bereits seit geraumer Zeit
Therapien/Seminare bzw. Kurse, wobei die oben genannten Therapieformen
ebenfalls zur Anwendung kommen. Mit ihren Methoden konnten sie bereits
einen grossen Erfolg bei der Bewältigung der Angst vor Haien
erzielen.
Die Erfolg versprechendste Möglichkeit, die allgemeine
Angst in der Bevölkerung vor Haien zu nehmen, besteht wohl in einer
umfassenden Aufklärungskampagne. Diese sollte sich auf die bisher
gemachten Forschungen stützen und versuchen, anhand dessen das
Verhalten der Haie zu erklären.
Es sollte uns zu denken geben, dass
viele Haiarten heute als gefährdet betrachtet werden müssen
und von mehreren Ländern, unter anderem USA, Südafrika und
Australien, unter Schutz gestellt worden sind. Es ist höchste Zeit,
etwas zu unternehmen, wenn wir nicht wollen, dass diese Tiere von der
Erdoberfläche verschwinden. Die Natur hat ihnen ihre Aufgabe
vorgegeben, und wir sollten nicht durch unsere Unwissenheit der Natur
ins Handwerk pfuschen und somit das Gleichgewicht zerstören.
* Nihal Özkara,
ist Diplom Psychologe an der Klinik für
Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, J.W.Goethe
Universität Frankfurt.
Veröffentlichung nur mit Quellenangabe: Shark Info / Nihal Özkara