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„Paul Celan übersetzt Gedichte von Jules Supervielle“
Vortrag und Diskussion mit Dr. Larisa Cercel (Universität Leipzig)
Thursday 18 April 2019 (13h15 - 14h45) - Anthropole - 5081
Das Korpus der Übersetzungen Paul Celans aus der Dichtung von Jules Supervielle (1884-1960) weist zwei Besonderheiten auf: Durch seinen Umfang (35 Gedichte) zählt es zu den größten in Celans Übersetzungswerk. Nach ihrer Erstpublikation in verschiedenen Zeitschriften wurden die Supervielle-Übersetzungen auf Celans Initiative 1968 im Insel-Verlag auch als eigenständiger Band veröffentlicht. Eine weitere Besonderheit dieser Übersetzungen besteht darin, dass Supervielle der einzige Autor ist, den Celan über längere Zeit (1957-1967) und in unterschiedlichen Phasen seiner Übersetzungspoetik übertragen hat. Am „singulären Fall von Jules Supervielle” (Bernhard Böschenstein) würden sich – so die herrschende Meinung in der Celan-Forschungsliteratur – die divergenten Übersetzungsverfahren im translatologischen Œuvre Celans deutlich ablesen lassen: Celans eigene dichterische Stimme, die in den poetologischen Übertragungen der 1950er Jahre unmittelbar zu hören sei, würde in den „wörtlichen”, durch große Nähe zum Original gekennzeichneten Übersetzungen der 1960er Jahre, verstummen. Am Beispiel des Supervielle-Korpus soll diese klare Zweiteilung seiner Übersetzungspoetik kritisch hinterfragt werden. Zugleich stellt das vielgestaltige Celan-Supervielle-Korpus ein privilegiertes Beobachtungsfeld von verschiedenen Facetten der Verbindung von Hermeneutik und Kreativität im Übersetzen dar. Im Seminar soll diesen beiden Gedanken anhand der Analyse ausgewählter Übersetzungen nachgegangen werden.
Larisa Cercel forscht und lehrt am Institut für Angewandte Linguistik und Translatologie der Universität Leipzig. Sie ist Herausgeberin der Buchreihe Zeta Series in Translation Studies und Geschäftsführerin des Forschungszentrums Hermeneutik und Kreativität (Universität Leipzig & Universität des Saarlandes). Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Hermeneutik, Translator Studies und Textperformances. Sie ist die Autorin der Übersetzungshermeneutik. Historische und systematische Grundlegung (Röhrig, 2013). Neueste (mit)herausgegebene Publikationen: Friedrich Schleiermacher and the Question of Translation (Walter de Gruyter, 2015), Kreativität und Hermeneutik in der Translation (Gunter Narr, 2017), Philosophy and Practice in Translational Hermeneutics (Zetabooks, 2018).
Contact: Angela Sanmann (<email-pii>)
Rencontre dans le cadre du séminaire BA « Paul Celan als Lyriker und Übersetzer zwischen den Sprachen und Kulturen » (conférence en allemand)