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Bei der Entkernung einer kleinen Wohnung in Prag wurde der Grundriss neu ausgerichtet und ein Arbeits-/Gästezimmer hinzugefügt. Obwohl das Projekt in Bezug auf Grösse und Budget bescheiden ist, wird eine spielerische, kreative und dabei dennoch klare Sprache geschaffen, die die neuen „eingefügten Elemente“ in einen Dialog mit der bestehenden historischen Bausubstanz setzt. Diese „eingefügten Elemente“ sind abstrakte, skulpturale Geometrien, die Programme enthalten – ein eigenes Bad und einen begehbaren Kleiderschrank.
Ferngesteuert
Der Entwurfsprozess sowie die Bauarbeiten fanden während der Pandemie statt, so dass das Entwurfsteam von alepreda architecture nicht in der Lage war, die Baustelle vor Ort zu besuchen und zu erleben. Daher wurde der gesamte Prozess, von der Ideenfindung bis zur endgültigen Fertigstellung, aus der Ferne gesteuert.
Eingefügt
Die Aufgabenstellung erforderte eine Neuausrichtung der Räume innerhalb der 80 m2 grossen Wohnung. Der ursprüngliche Grundriss hatte nur ein Schlafzimmer und zwei Bäder, die sich ungünstigerweise zu einem grossen Foyer hin öffneten. Da die Wohnung völlig baufällig war und über keine modernen Systeme und Einbauten verfügte, war eine grundlegende Renovierung die einzige Konsequenz. Zudem wollte der Kunde ein zusätzliches Arbeits-/Gästezimmer einrichten – wofür er jedoch nur ein kleines Budget zur Verfügung hatte. Die Lösung fanden die Architekten in einer spielerischen, ortsspezifischen Architektur, bei der „eingefügte Elemente“ zur Unterbringung neuer Programme eingesetzt wurden, der Bewegungsfluss geändert wurde, vorhandene Elemente (z. B. Türen und Bodenbeläge), wo immer möglich, wiederverwendet wurden und weitere Innenöffnungen eingeführt wurden, um dunklere Räume zu erhellen. Einfach, funktionell und vor allem kostenbewusst.
(Um-)Strukturiert
Zunächst wurde das Programm neu organisiert und umstrukturiert, indem die Küche nach Süden verlegt wurde, um die Fenster für das neue Arbeitszimmer freizugeben. Die neue Pantry-Küche ist kompakt, aber funktional und erhält natürliches Licht durch ein Innenfenster mit Blick auf das neue Arbeitszimmer/Gästezimmer. Eine stufenförmige, hohe Fensteröffnung verbindet das Wohnzimmer mit der Küche und sorgt für noch mehr Licht. Die Stufe bringt den niedrigeren Bezugspunkt der Arbeitszimmertür mit der höheren Öffnung, die in das Foyer führt, in Einklang. Schlichte Schränke von Ikea werden durch handgefertigte Subway-Fliesen und einen Palladiana-Boden aufgewertet – ein Hinweis auf den Italien-Bezug des Architekturbüros. Das übergrosse Foyer wurde durch die Einführung einer skulpturalen, abgestuften Geometrie reduziert, das einen begehbaren Kleiderschrank beherbergt und eine Schwelle zum Hauptschlafzimmer bildet. Ein weiteres Stufenelement beherbergt ein eigenes Badezimmer, das durch ein rundes Fenster, dessen Höhe auf den Kopf einer duschenden Person abgestimmt ist, natürliches Licht erhält.
Zweideutig
Die Verwendung dieser gestuften Geometrie führt dabei zwei Gründe: Optisch heben die Stufen die neuen Volumen von der vorhandenen Bausubstanz ab. Pragmatisch gesehen bieten die geformten Regale Platz für die Präsentation von Objekten oder für zusätzlichen Stauraum. Die Verwendung von Farbe verstärkt die Unterscheidung zwischen den vorhandenen und den eingefügten Geometrien, die weiss belassen werden.
In Farbe
Die Materialpalette für die Haupträume ist bewusst neutral gehalten. Der vorhandene Eichenholzboden wurde, wo immer möglich, abgeschliffen und aufgefrischt. Im Foyer war jedoch ein neuer Holzboden erforderlich, der schräg verlegt wurde, um ihn von dem historischen Fischgrätparkett zu unterscheiden. Die Ausstattung kleinerer Räume, wie der Nasszelle, des Badezimmers und der Küche, ist verspielter und nutzt bunte Schränke, Fliesen, Fugen und Farben, um jedem kleinen Raum einen eigenen Charakter zu verleihen.