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Die wirtschaftliche Entwicklung, verbunden mit dem konjunkturellen Aufschwung in der zweiten Hälfte der 60er Jahre, führte generell zu einem zunehmenden Fleischverbrauch. In besonderem Masse profitierte der Schweinefleischkonsum vom neuen Konsumverhalten. Als Erste reagierten die Ostschweizer Käsereibesitzer mit der Aufstockung ihrer Schweinebestände. Dadurch belebte sich die Nachfrage nach Mastjagern zwangsläufig. Da sich die Ferkelerzeugung bis dato vorwiegend auf kleinere, bäuerliche Einheiten konzentrierte, führte die Durchmischung von vielen kleineren Mastjagerposten vielfach zu schwerwiegenden Erkrankungen in den Mastbetrieben. Dies wiederum führte zu grossen Problemen und massiven Ertragseinbussen. Die angestammte Händlerschaft war damals nicht in der Lage, auf die veränderte Situation einzugehen und nach Lösungen zu suchen. Deshalb waren die fortschrittlichen Produzenten aufgerufen, mit Selbsthilfemassnahmen dem neuen Umfeld zu begegnen.
Als Vorgängerin zur Genossenschaft PROSUS gründeten weitsichtige Produzenten am 15. September 1966 unter dem Namen SPS (SanaPorcSuisse) einen Zucht- und Mastring. Oberstes Ziel dieser jungen Organisation war die Produktion von gesunden Schweinen. In einem streng abgeschirmten Zuchtbetrieb mit angegliedertem Labor wurden die mittels Hysterotomie (Kaiserschnitt) gewonnenen Ferkel aufgezogen. So entstand eine Primärherde. Die Nachfrage nach SPS-Zucht- und Masttieren war reissend. Der jungen Organisation war es gelungen, in den schweineproduzierenden Gebieten Ostschweiz, Freiamt und Innerschweiz die bekannten und führenden Züchter für das Sanierungsprogramm zu interessieren. Auch in züchterischen Belangen waren die Initianten aktiv. Schon im Jahre 1965 errichteten sie in Münchwilen einen Testbetrieb. Unter Mitwirkung des späteren MLP-Direktors Dr. C. Gerwig wurden private Mast- und Schlachtleistungsprüfungen durchgeführt. Resultat einer aus der damaligen Zeit absoluten Spitzengruppe: «Anteil wertvolle Fleischteile (AwF) 48% und Futterverwertung (FV) 3.5 kg». Die noch junge Organisation musste sich schon bald mit diversen Interessenskonflikten auseinandersetzen. Gewisse Kräfte bemühten sich mit aggressiven Methoden um eine Futterintegration. Dies führte zwangsläufig zu harten Auseinandersetzungen. Als Folge davon wurde schliesslich am 17. Juli 1969, anlässlich einer ausserordentlichen Generalversammlung, die neue Vermarktungsgenossenschaft PROSUS gegründet. Der Name PROSUS entstammt der lateinischen Sprache und heisst:
Bäume wachsen nicht in den Himmel. Dies musste auch die PROSUS zur Kenntnis nehmen. Nach einer überaus erfolgreichen Wachstumsphase kam als erste grosse Herausforderung die grosse Reinfektionswelle mit enzootischer Pneumonie. Aufgrund der gemachten Erfahrungen suchte die PROSUS die Lösung darin, dass sie neue von der angestammten Herde völlig unabhängige Basisbetriebe aufbaute. Der Aufbau dieser Primärherden via Aufzuchtstation Ellbach war für die PROSUS ein lebenswichtiger Entscheid und eine sehr gute Investition. Denn damit stand für den weiteren Aufbau der PROSUS-Herde eine breite Basis zur Verfügung. Die zweite grosse Herausforderung in der noch jungen Geschichte der PROSUS war die Bewältigung der finanziellen Auswirkungen, die mit der Übernahme des in Zahlungsschwierigkeiten geratenen Fleischhandelsbetriebes Carnag in Winterthur entstanden. Im Nachgang zu den vorerwähnten Herausforderungen musste die PROSUS alle Hebel in Bewegung setzen, um das Image und den Umsatz wieder auf Vordermann zu bringen. Mit dem Aufbau eines eigenen Zucht- und Kreuzungsprogrammes und zunehmenden Dienstleistungen konnte die PROSUS wieder auf Erfolgskurs steuern.
Die Genossenschaft PROSUS nimmt heute als genossenschaftlich organisiertes Unternehmen in diesem Markt eine wichtige Aufgabe wahr. Mit der zunehmenden Liberalisierung und den damit verbundenen Veränderungen ist ein Schulterschluss und eine professionell organisierte Interessensvertretung der Produzenten unumgänglich. Mit kompetenter Geschäftsführung, effizienter Beratung, moderner Logistik sowie einer lückenlosen Administration sind die Voraussetzungen zur Wahrnehmung dieser Interessen vorhanden. Damit übernimmt die Genossenschaft PROSUS auch im 21. Jahrhundert Verantwortung und beweist, dass der Genossenschaftsgedanke noch lange nicht ausgedient hat.