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Das Atelier 5, 1955 in Bern von Erwin Fritz, Samuel Gerber, Rolf Hesterberg, Hans Hostettler und Alfredo Pini gegründet, ist ein Architektenkollektiv, dessen Büro noch heute besteht. Bereits 1956 kamen Niklaus Morgenthaler und 1959 Fritz Thormann dazu und waren beim Bau der weltweit berühmt gewordenen Siedlung Halen mit dabei. In den Anfangsjahren berief sich das Atelier 5 stark auf das Vorbild Le Corbusiers, ihr Stil war dem Brutalismus zuzurechnen. Den Idealen der Moderne verpflichtet waren auch spätere Wohnüberbauungen wie Thalmatt oder der Dreikönigshof in Mainz, es folgten Spital- und Gewerbebauten sowie städtebauliche Projekte.
von Gabrielle Boller
Als die Siedlung Halen, in einer Waldlichtung über der Aare nördlich von Bern gelegen, 1961 eingeweiht wurde, war sie in mehr als einer Hinsicht revolutionär. In einer Zeit, da sich der Traum vom Eigenheim im schnuckeligen Häuschen im Grünen erfüllte, taten sich fünf junge Architekten zusammen und planten, geschult an den Ideen Le Corbusiers, eine Reihenhaussiedlung im Betonlook, organisiert wie eine kleine, autofreie Stadt mit Dorfplatz und Klubraum, Laden, Einstellhalle, Tankstelle, Sportanlage und Schwimmbad. 79 in Terrassen angeordnete Häuser schmiegen sich da an den Hang; die meisten sind dreigeschossig und in zwei Grundtypen entweder vier oder fünf Meter breit, in Reih und Glied streng diszipliniert angeordnet und durch ein hierarchisch organisiertes Wegsystem erschlossen. Ein wenig erinnern diese schmalen, aneinandergereihten Hausparzellen auch an die Zähringerstadt Bern, die ähnliche Strukturen aufweist – ihre Inspiration fanden die Architekten also nicht nur in den Idealen der Moderne. Trotz der verdichteten Bauweise sollen sich alle Bewohner der Siedlung ungestört zurückziehen können. Die nach Süden ausgerichteten Gärten – jeder ein kleiner Hortus conclusus –, Balkone, Terrassen und natürlich auch die gut schallisolierten Innenräume sind deshalb vor fremden Einblicken geschützt, während im Norden ein kleiner Patio vor der Küche einen Übergang vom öffentlichen zum privaten Raum markiert: Hier kann die Tür offen stehen lassen, wer Besuch möchte. Über den Hof gelangt man ins Haus, in dem dank der durchgehenden Schottenbauweise ohne tragende Zwischenwände bei schlichter und funktionaler Grundausstattung ein individueller Innenausbau möglich ist, der immer wieder neuen Bedürfnissen angepasst werden kann.
Als ein wenig besonders galten sie damals schon, in den sechziger Jahren, die Bewohner der Siedlung Halen – Nonkonformisten eben, die in diesen «Kaninchenställen», wie Umschwungverliebte meinten, einer irgendwie besonderen Lebensform nachgingen. Tatsächlich waren unter den Pionieren viele Architekten, Künstler und junge Familien mit reformerischen Erziehungsvorstellungen, die sich in der Eigentümergesellschaft engagierten und die Vielzahl der öffentlichen Begegnungsräume schätzten – zum Haus gehören auch Anteile an den gemeinsamen Anlagen und dem umgebenden Wald. Kinder, die hier aufgewachsen sind, kommen oft als Erwachsene zurück und schwärmen von den frühen Jahren als einer überaus glücklichen Zeit. Den Architekten von Atelier 5 ist also weit mehr gelungen als bloss ein Gegenentwurf zur beginnenden Zersiedelung der Landschaft; sie schufen Lebensraum, einen fast mediterranen, ohne Dichtestress. 2003 wurde die Siedlung Halen unter Denkmalschutz gestellt. Eine Ehre, die viele skeptisch stimmt, denn sie fürchten um die Wandelbarkeit der Siedlung. Und mulmig kann es einem ja schon werden, wenn die visionären Ideen der Moderne zu Denkmälern erklärt werden.