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Keine Frage: Dario Cologna war ein grossartiger Langläufer. Er war vier Mal Olympiasieger. Er hat vier Mal den Gesamtweltcup gewonnen. Und er ging vier Mal als Sieger aus der Tour de Ski hervor. Auch nach seinem Rücktritt wird er noch gesponsert – unter anderem von Atomic.
Der österreichische Skihersteller schaltet Inserate, in denen er Dario Cologna mit seinem «Redster S9 Gen S» abbildet und die Siege an Olympischen Spielen, im Weltcup und an der Tour de Ski auflistet.
Immer auf Fischer
Nur: Cologna war bei keinem dieser Erfolge mit Skis von Atomic unterwegs, sondern stets mit denjenigen von Fischer. Nur in seiner allerletzten Saison – seiner schlechtesten seit 15 Jahren – lief er auf Atomic-Ski.
Atomic schreibt auf die Fragen von Infosperber: «Wir wollten mit diesem Inserat keinesfalls den Eindruck erwecken, Dario Cologna hätte seine Erfolge auf dem Atomic-Ski errungen.» Vielmehr sei es darum gegangen, «die Person Dario Cologna näher zu umschreiben». Atomic bemühe sich, künftig «keinen Raum für solche Missverständnisse zu lassen».
Wie schlafen Schweizer?
Anderes Beispiel: Der Matratzen-Fabrikant Emma wirbt in der Schweiz mit dem Slogan: «Entwickelt für die Schweiz.» Deshalb fragte Infosperber bei Emma nach:
- Was bedeutet «Entwickelt für die Schweiz» konkret?
- Welche besonderen Anforderungen stellt ein Schweizer Schläfer an eine Matratze?
- Worin unterscheidet sich diese Matratze von Matratzen für andere Länder?
Leider gab es auch auf zweimalige Nachfrage keine Antwort. Der Verdacht liegt nahe, dass vor allem der Preis von 999 Franken für eine Einzelbett-Matratze auf die Schweizer ausgerichtet ist.
Emma bezeichnet sich auch als «Schweizer Marke des Jahres 2021/2022». Das klingt, als hätte Emma eine bedeutende Auszeichnung erhalten. Wer sich aber die Mühe nimmt, der Sache auf den Grund zu gehen, stellt fest: Die Rangliste stammt von einem «Schweizer Institut für Qualitätstests». In der Gesamtrangliste belegt Emma Rang 92, in der Rangliste der Bettwaren-Anbieter Rang 5. Das ist gleichzeitig der letzte Platz.
Edel-Tomaten aus Belgien
Seit Oktober 2005 führt die Migros die Nobelmarke «Sélection». Bei der Lancierung kündigte sie an: «Die Einkäufer wählen aus dem weltweiten Nahrungsmittelangebot die besten Produkte aus.» Und: Jedes einzelne Produkt habe «eine eigenständige, authentische Geschichte und ist geprägt durch die geografische Herkunft sowie die Menschen, die mit viel Sorgfalt und oft in Handarbeit für die Qualität garantieren». Weiter: «Die Gewinnung und Verarbeitung geschieht meist in kleinen Familienunternehmen, die seit Generationen ihr Handwerk pflegen.»
Industrietomaten
Und wie sieht die Realität bei den Sélection-Produkten aus? Das Angebot hält die eine oder andere Überraschung bereit. So stammen etwa die «Cherrytomaten am Zweig» nicht aus Italien oder Spanien, sondern aus Belgien. Die Firma Den Berk aus Merksplas pflanzt sie in riesigen Treibhäusern bei 28 Grad unter einer LED-Beleuchtung an. Sie wachsen ganzjährig. Die Pflanzen wurzeln nicht im Boden, sondern hors-sol. Was da wächst, sind reinste Industrietomaten.
Es kann keine Rede sein von Produkten mit «einer eigenständigen, authentische Geschichte», und von «kleinen Familienunternehmen, die seit Generationen ihr Handwerk pflegen». Das muss nach den Infosperber-Recherchen auch die Migros zugeben. Die Firma Den Berk Delice besteht nicht seit Generationen, sondern seit 2014. Es ist kein Familienunternehmen, sondern ein Industriebetrieb.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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