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Studie untersucht die Wirksamkeit diverser Antikörper gegen Omikron
Studie untersucht die Wirksamkeit diverser Antikörper gegen Omikron
Seit Pandemiebeginn laufen die Forschungen zu Sars-CoV-2 auf Hochtouren. Jede neu auftretende Variante wurde eingehend begutachtet. Auch wurde jeweils untersucht, ob der Impfschutz weiterhin gewährleistet ist. Nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Mutation Omikron Ende November 2021 als besorgniserregend einstufte, untersuchten Forschende unter anderem die Wirksamkeit diverser Antikörper gegen die neuartige Mutation, welche in der Fachzeitschrift Nature publizierte wurde. Ein Artikel von Report-24 griff diese Studie auf mit dem Hinweis, sie sei «in einer sehr spezifischen Fachterminologie verfasst». Welche Behauptungen stellt der Report-24-Artikel auf und was war tatsächlich Gegenstand der Studie?
Der Artikel von Report-24 behauptet, eine Omikron-Infektion sei ähnlich gefährlich wie ein Schnupfen und die Virusvariante würde Geimpfte wie Ungeimpfte gleichermassen befallen. Kein Wunder: Die Entwicklung der Impfstoffe habe begonnen, als das Virus «noch nirgendwo auf der Welt isoliert worden war», ist im Artikel zu lesen. Generell wird die natürliche Entstehung der Variante Omikron angezweifelt. Ein Facebook-User empörte sich: Die «Halbgefangenschaft» der Schweizer Bürgerinnen und Bürger sei unverzüglich zu stoppen. Was steckt hinter den Behauptungen?
Der Artikel gibt die Nature-Studie nicht korrekt wieder, die Behauptungen sind somit falsch. Eine Covid-Erkrankung ist gefährlicher als eine Grippe. Die Sars-CoV-2-Impfstoffe wurden auf den in China entdeckten Wildtyp konzipiert und reduzieren das Risiko eines schweren Verlaufs. Der Impfschutz wirkt auch bei der Variante Omikron, wobei dieser Effekt mit der dritten Impfdosis verstärkt wird.
Artikel gibt Studie nicht korrekt wieder
Der Nature-Artikel weist einen verminderten Schutz durch neutralisierende Antikörper gegen Omikron nach und bietet eine Instruktion zur Entwicklung von Impfstoffen, welche spezifisch auf Omikron und zukünftige Varianten abgestimmt sein soll. Der Report-24-Artikel gibt die wissenschaftliche Veröffentlichung jedoch nicht korrekt wieder, wie der deutsche Immunologe Carsten Watzl gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA darlegt. Die Studie weise lediglich nach, dass die Antikörper der Genesenen und Geimpften nicht so gut gegen die Sars-CoV-2-Variante Omikron wirken. Dass die Impfung «fast wirkungslos» sei, gehe daraus hingegen nicht hervor.
Die Studienautoren untersuchten die Wirksamkeit diverser Antikörper gegen die Omikron-Variante und stellten fest, dass über 85 Prozent der 247 bekannten neutralisierenden Antikörper nicht gegen Omikron wirken. Sie unterschieden dabei nicht, ob diese Antikörper nach einer Impfung oder während einer Infektion gebildet wurden.
Eine Covid-Erkrankung ist gefährlicher als ein Schnupfen
Eine Infektion mit der Omikron-Variante ist deutlich gefährlicher als eine Grippe, sagte der deutsche Immunologe Carsten Watzl gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Diese Tatsache hat Keystone-SDA bereits in einem früheren Faktencheck detailliert dargelegt.
Sars-CoV-2 kursiert aktuell nicht endemisch und es ist unklar, wann dies eintreffen wird. Gemäss Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel ist aktuell noch nicht absehbar, ob die Omikron-Welle mit einer Grippewelle vergleichbar sei. Zwar verläuft eine Omikron-Infektion meist milder als eine Delta-Infektion, doch die Langzeitfolgen sind nicht bekannt. Der Professor rät, eine Impfung sei einer Omikron-Infektion vorzuziehen.
Impfung schützt von schweren Covid-Verläufen – auch bei einer Infektion mit Omikron
Studien wiesen nach, dass der Impfschutz gegen die Omikron-Variante zwar geringer ist als bei den vorangegangen Varianten - Forschende warnten entsprechend früh von vermehrten Durchbruchsinfektionen. Aber auch bei Omikron bietet eine Impfung einen erheblichen Schutz gegen schwere Verläufe und Spitaleintritte.
Neuere Studien wiesen nach, dass insbesondere eine dritte mRNA-Impfdosis den Impfschutz wiederherstelle. Dieser sei gegen Omikron effektiver als eine natürlich erlittene Infektion oder eine Grundimmunisierung mittels zweier Impfdosen. Eine vollständige Immunität kann aber auch mit einer dritten Impfung, der Booster-Impfung, nicht garantiert werden.
Der Hersteller Pfizer/Biontech fand in Laborstudien heraus, dass drei Impfdosen den Impfschutz um das 25-fache steigern würde im Vergleich zu zwei. Geimpfte, insbesondere geboosterte Personen, sind somit einem geringeren Risiko ausgesetzt, einen schweren Krankheitsverlauf zu erleiden bei einer Infektion mit Omikron. Die Nature-Studie setzt sich für die weitere Forschung und Entwicklung von Sars-CoV-2-Arzneimittel ein und zeigt auf, welche Antikörper am besten die Omikron-Variante neutralisieren. In einer älteren Version des Nature-Artikels schreiben die Forschenden, die Impfstoffe seien das wichtigste Instrument, um die Sars-CoV-2-Pandemie zu beenden.
Der Notfallausschuss der WHO stufte Mitte Januar 2022 Sars-CoV-2 weiterhin als gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite ein.
Die Impfstoffentwicklung basiert auf der Virussequenzierung
Die derzeit genutzten Impfstoffe wurden auf Grundlage das Wildtyps konzipiert - also des ursprünglich zirkulierenden Stamms, der Ende 2019 in China entdeckt wurde. Die chinesischen Behörden veröffentlichten am 12. Januar 2020 dessen genetische Sequenzierung. Damit war ersichtlich, dass Sars-CoV-2 mithilfe der Spike-Proteine an die menschliche Zelle andocken kann. Anschliessend begann die Entwicklung der Impfstoffe.
Das pandemische Potential von Coronaviren war seit längerem bekannt und Gegenstand von Forschungsprojekten, wie in einem früheren Faktencheck erörtert wurde. Auch an der mRNA-Impfstofftechnologie wurde schon lange vorher geforscht.
Alle Viren mutieren
Viren entwickeln sich, dabei passen sie sich der Umgebung an und verändern sich so auf natürliche Weise. So entzieht sich zum Beispiel die Omikron-Variante stärker dem Impfschutz, Durchbruchsinfektionen werden häufiger. Die natürliche Bildung von Mutationen erläuterte die Keystone-SDA ebenfalls bereits früher.
Ende Februar 2022 informierte die WHO, dass die Unterlinie der Omikron-Variante BA.2 vermehrt auftrete und fordert auf, diese Sequenzen zu überwachen und zu untersuchen.
Die «Halbgefangenschaft» dürfte auf jeden Fall wie gefordert bald beendet sein. Seit dem 17. Februar 2022 sind etliche Massnahmen gelockert worden, das Covid-Zertifikat findet in der Schweiz nirgends mehr Anwendung. Die Covid-Verordnung «besondere Lage» soll Ende März 2022 ausser Kraft treten. Ab dem 1. April soll wieder die normale Lage gelten.
Report-24: Artikel über die Publikation in der Fachzeitschrift Nature, 26.12.2021 (archiviert)
Nature: Omikron entkommt den meisten Sars-CoV-2-Antikörper, 23.12.2021 (archiviert) DOI
Nature: Abstract des Artikels, 23.12.2021 (archiviert)
Nature Medicine: Vermehrte neutralisierende Aktivitäten gegen Omikron mit der mRNA Booster-Immunisierung, 27.12.2021 (archiviert) DOI
Ältere Version der Studie von Nature, 9.12.2021 (archiviert)
Studie über die reduzierte Neutralisation der Omikron-Variante, 11.12.2021 (archiviert) DOI
Studie über Impfschutzentweichung von Omikron, 3.1.2022 (archiviert) DOI
Studie über neutralisierende Antikörper gegen Omikron, 28.12.2021 (archiviert) DOI
Biontech: Pressemitteilung Update zur Omikron-Variante, 8.12.2021 (archiviert)
Pfizer: Pressemitteilung Update zur Omikrion-Variante, 8.12.2021
Biontech: Chronologie Projekt Lightspeed (archiviert)
Universität Basel: Interview mit Richard Neher, 26.1.2022 (archiviert)
SCNAT: Forschung mRNA-Impfstofftechnologie (archiviert)
WHO: Chronologie der ersten 2 Monate der Covid-Pandemie, 20.1.2020 (archiviert)
WHO: Tracking Sars-CoV-2-Varianten (archiviert)
WHO: Erklärung zu Omikron-Unterlinie BA.2, 22.02.2022 (archiviert)
WHO: Erklärung des Notfallausschusses zur Pandemie, 19.01.2022 (archiviert)
Bundesrat: Medienmitteilung Beendung der Covid-Massnahmen, 16.02.2022 (archiviert)
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