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Rudolf Hetzel (1881 - 1949)
Am 1. Mai 1906, zwei Jahre nach seiner Wohnsitznahme in Grenchen, gründete der aus dem badischen Gengenbach stammende Malergeselle Rudolf Hetzel sein eigenes Geschäft. Die Werkstatt befand sich im südlichen Vorbau des Restaurants «Rössli» an der Breitengasse. Rudolf Hetzel bot alle Arbeiten des damaligen Malergewerbes an. Zum Tagesgeschäft gehörten damals Arbeiten die heute als Spezialitäten gelten wie Öllasur-Techniken, Holzimitationen und das Vergolden.
Der Betrieb Rudolf Hetzels nahm einen raschen Aufschwung. 1907 arbeiteten bei ihm bis zu fünf Gesellen. Doch der Ausbruch des Ersten Weltkrieges unterbrach jäh die Aufwärtsentwicklung des Geschäftes. Als gebürtiger Deutscher musste Rudolf Hetzel in Kaiser Wilhelms II Armee einrücken und stand an der französischen Front im Einsatz.
Die Nachkriegszeit bescherte ihm und allen andern Zeitgenossen viele Probleme. Auf das Boomjahr 1919/1920 folgte die schwere Wirtschaftskrise 1920-1922 mit der Rieseninflation in Deutschland und den vielen Arbeitslosen auch in Grenchen. Ab 1923 erholte sich das Wirtschaftsleben wieder. Doch dann brach im Oktober 1929 unvermittelt die grosse Weltwirtschaftskrise aus. «Sich über Wasser halten», das war die allgemeine Lösung. Auch für Rudolf Hetzel. Mit Klein- und Kleinstaufträgen (Anfertigen einer Weinkarte für Fritz Roth, Wirt, Fr. 12.-; Auffrischen von zwei Grabkreuzen zu Fr. 5.- das Stück; Auffrischen eines beschädigten Brückenwagens inkl. schwarz Lackieren der Eisenteile zu Fr. 95.-) und anderen Malerarbeiten brachte er sich über die Runden.
Willy Hetzel (1909 - 1965)
1931 übernahm sein Sohn Willy im Alter von 22 Jahren das Geschäft. Trotz der sich verschärfenden Wirtschaftskrise - Innert dreier Jahre waren beispielsweise die gesamtschweizerischen Uhrenexporte von 307 Mio Franken (1929) auf 86 Mio Franken (1931) gefallen - setzte sich Willy Hetzel dank seiner Tüchtigkeit, Zuverlässigkeit und Qualitätsarbeit durch. Kontinuierlich wuchs sein Unternehmen. 1935, im Jahr des Erwerbs des Grenchner Bürgerrechtes, beschäftigte er zeitweise zehn Malergesellen und Lehrlinge, 1939 hatte er gar bis zu 18 Mitarbeiter. 1937 bestand Willy Hetzel als zweiter Maler des Kantons Solothurn die eidgenössische Meisterprüfung und durfte sich fortan diplomierter Malermeister nennen. 1938 bezog er an der Gibelstrasse 12 in der ehemaligen Garage Maire eine neue Werkstatt, darüber errichtete er ein schönes Zweifamilienhaus.
Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 veränderte die wirtschaftliche Lage wiederum grundlegend. Die Materialien begannen zu fehlen, Aufträge wurden rarer, zugleich setzte eine Teuerungswelle ein. Doch Willy Hetzel hatte immer Beschäftigung für seine sieben Mitarbeiter. Als 1945 nach dem Friedensschluss die Hochkonjunktur einsetzte, ging es mit seinem Malergeschäft steil aufwärts. Die damit einhergehende rasante technische Entwicklung im Malergewerbe mit der Ablösung der altbewährten Anstrichmittel wie Öl- und Kalkfarben durch synthetische Materialien wie Dispersion und Kunstharze sowie deren Applikation mit Farbroller und Spritzpistole statt mit Pinsel und Bürste bereitete ihm nie Probleme. Ebenso wenig die parallel verlaufende kaufmännische Revolution, d. h. die Kostenverlagerung vom Material- zum Arbeits- bzw. Lohnaufwand.
Georg Hetzel (*1940)
Am 4. Mai 1965 erlag Willy Hetzel ganz unerwartet einem Herzschlag, und so musste sein Sohn Georg im jugendlichen Alter von 25 Jahren das Geschäft weiterführen. Nun war ihm, der kurz vor der Meisterprüfung stand, die Aufgabe übertragen, die theoretischen Kenntnisse unvermittelt in die Praxis umzusetzen.
Auch Georg Hetzel blieben turbulente Jahre nicht erspart. Von 1965 bis 1975 herrschte Hochkonjunktur mit der Hauptschwierigkeit, zuverlässige Mitarbeiter zu finden. Radikal anders präsentierten sich die Probleme im zweiten Jahrzehnt seiner Geschäftstätigkeit. Im Verbund mit der Ölkrise von 1973 und der grossen Uhrenkrise 1975-1985 herrschte allerorts eine wirtschaftliche Flaute. Wiederum kein Honigschlecken bescherte Georg Hetzel sein drittes Jahrzehnt: Auf ein Zwischenhoch Ende der Achtzigerjahre mit ihrem Kennzeichen «Explosion der Immobilienpreise» folgten wiederum schwierigere Jahre.
Doch unbeeindruckt von all diesen Unannehmlichkeiten oder gerade deswegen passte Georg Hetzel die Betriebseinrichtungen den neuesten Erkenntnissen an. Eine moderne Spritzwerkstatt mit Hochleistungsgeräten entstand an der Sportstrasse 17. Trotz der zunehmenden Technisierung wurden die alten Maltechniken weitergepflegt, ebenso wurde der farblichen Gestaltung der Häuser stets grosse Beachtung geschenkt. 1999 durfte die Firma Hetzel in einem gesamtschweizerischen Wettbewerb über Fassadengestaltung den ersten Preis entgegennehmen.
Christian Hetzel (*1967)
Nach Lehr- und Wanderjahren und dem Erwerb des Diploms als Malermeister (1993) trat 1996 mit Sohn Christian die vierte Generation in das Unternehmen ein. Auf den 1. Januar 2000 übernahm er es und gab ihm den Namen «Hetzel Maler und Gipser». Er erweiterte das Angebot für Renovationen und Umbauten mit Gipserarbeiten und Trockenbau, Aussenwärmedämmung und individuellen Verputzarbeiten. 2004 wandelte Christian Hetzel die Firma in eine Aktiengesellschaft um.
Heute deckt der Betrieb eine grosse Anforderungspalette im Baugewerbe ab. Neben dem traditionellen Malen und Gipsen pflegt Christian Hetzel vermehrt Spezialitäten wie Lasurtechniken, Stucco Veneziano und viele andere dekorative Wandtechniken. Auch die alten Anwendungen wie Vergolden und Patinieren vernachlässigt er nicht. Grosses Augenmerk legt der jetzige Geschäftsinhaber auf den Umgang mit der Farbe. Die farbliche Gestaltung soll nicht nur modisch sein, sondern sie soll vor allem Harmonie und Wohlbefinden ausstrahlen. Denn Farbe ist nicht nur Schutz. Im Alltag des Menschen bildet sie einen wichtigen Faktor des Wohlbefindens. Deshalb wird die Firma Hetzel auch in Zukunft einer farblich gestalteten und interessant strukturierten Oberfläche die gebührende Beachtung schenken.