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Eigentlich freue ich mich fast ein bisschen auf den drohenden Stromausfall. Für einen Winter-Blackout hätte ich schon weitgehend vorgesorgt. Anstelle der Erdsondenheizung (die am Ende ja auch eine Elektroheizung ist) würde ich auf das historische Redundanzsystem in Form der funktionstüchtigen Kachelöfen zurückgreifen. Ein paar Ster trockenes Brennholz habe ich eingelagert. Heisses Wasser könnte ich im Wasserschiff des Holzherdes machen. Was im Kühlschrank ist, könnte ich draussen an die Kälte stellen oder in den immer kühlen Gewölbekeller.
Einzig bei der Toilettenspülung bräuchte ich noch einige Handgriffe des Sanitärs, um die elektrisch betriebene Druckleitung vom Regenwassertank ans normale Leitungsnetz umzuhängen. Dank eines Reservoirs am höchstgelegenen Punkt der Gemeinde funktioniert die Wasserversorgung noch immer allein durch hydraulischen Druck.
Der Nachbar und Notstromspezialist
Bei einem längeren Stromausfall wäre wohl auch auf die Nothilfe meines Nachbarn zurückzugreifen. Er hat ein international erfolgreiches Unternehmen aufgebaut, das auf die Notstromversorgung spezialisiert ist, nachdem ein grosser Technologiekonzern diese Sparte nicht mehr betreiben wollte.
Bis vor wenigen Jahren hätte er den Strom sogar ins gemeindeeigene Elektrizitätswerk einspeisen können. Mit der sogenannten Strommarktliberalisierung sah sich die Gemeinde gezwungen, ihr Werk an einen grösseren Betreiber zu verkaufen, paradoxerweise weil ab dann die regulatorischen Vorgaben nicht mehr im Milizamt zu bewältigen waren.
Wie ernst die Prognosen über einen drohenden Stromausfall zu nehmen sind, weiss man als Laie nicht so genau. In der Schweizer Politik wird der Untergang des Landes regelmässig bei jeder Volksabstimmung von einer Seite heraufbeschworen.
Je nach politischem Standpunkt liegt die Hauptschuld für eine eventuelle Stromknappheit im Nichtzustandekommen des Stromabkommens mit der EU, das als zwingendes Junktim mit dem gescheiterten Rahmenabkommen dargestellt wird; der blauäugigen Energiewende (Atomausstieg), die drei Bundesrätinnen nach Fukushima dem Schweizervolk untergejubelt haben; der zu zögerlichen Installation von Photovoltaikanlagen (wobei meist dann mehr Strom benötigt wird, wenn die Sonne gerade nicht scheint); in den ausufernden Beschwerden von Natur-, Heimat- und Landschaftsschützern gegen Staumauern, Flusskraftwerke und Windparks.
Ertüchtigung der bestehenden Atomkraftwerke
Nach den Erfahrungen aus der Corona-Pandemie muss man davon ausgehen, dass das schönste Stromabkommen nichts hilft, wenn auch die umliegenden Staaten selbst knapp an Strom sind. Dann schauen sie zuerst für sich selbst, und das internationale Papier muss geduldig sein. Die Schweiz wird darum um zwei Dinge nicht herumkommen: Erstens als Sofortmassnahme die bestehenden Kernkraftwerke ertüchtigen und so lange wie möglich laufen lassen. Zweitens eine Strom-Strategie verfolgen, die auf eine möglichst autonome und ausreichende Stromproduktion in der Schweiz setzt, gewissermassen eine Re-Nationalisierung der Strompolitik.
Was uns in der Landwirtschaftspolitik mit einem eigenen Verfassungsartikel recht ist («Ernährungssicherheit; Zur Sicherstellung der Bevölkerung mit Lebensmitteln …») sollte uns in der Energiepolitik nur billig sein, etwa mit folgendem Ziel: Zur Sicherstellung der Bevölkerung mit ausreichender Energie, schafft der Bund die Voraussetzungen für eine inländische Stromproduktion, die ausreicht, um den gesamten Bedarf an elektrischer Energie der Wirtschaft und der Bevölkerung abzudecken.
Dezentrale Kleinkernkraftwerke
Vielleicht liegt die Zukunft ohnehin in kleinen dezentralen Energiequellen, für jedes Quartier oder für jede Liegenschaft. Von meinem Bruder, der in der Kleinkraftwerkszene aktiv ist, höre ich, dass er an irgendeinem Projekt (mehr verrät er mir natürlich nicht) mit einem schwedischen Unternehmen mitwirkt, das demnächst so etwas wie eine Art Kernkraftwerk im Taschenformat vorstellen werde. Wir sind gespannt!