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Der Ausdruck Kategorie wird sehr vielfältig verwendet, ein paar spezifische Aspekte habe ich ausgelagert:
Als Kategorie bezeichne ich ein Resultat einer begrifflichen Analyse einer Anschauung in Form von fundamentalen Unterscheidungen. [ ]
Jeder Gegenstand der Anschauung hat Eigenschaften, aufgrund derer ich in klasssifiziere(n kann). Wenn ich mir mein Beobachten bewusst mache, erkenne ich, dass ich die Eigenschaften einem Gegenstand zuschreibe und welche Kategorien ich dabei verwende.
Die Eigenschaften sind Eigenschaften des Gegenstandes, die Kategorien sind relevant gewordene Abstraktionen von Eigenschaften in meinem Beobachten. Meine Kategorien bestimmen, welche Eigenschaften ich erkennen kann. Meine Kategorien zeigen sich mir in den Eigenschaften, die ich erkenne.
Der Mann ohne Eigenschaften fungiert als Träger ohne Eigenschaften, der nur durch Zuschreibungen eine Sache - in diesem Fall eine Person - wird.
Ein einfaches oder anschauliches Beispiel:
Ein Gegenstand, beispielsweise ein Auto kann gelb, gross und teuer sein. Das sind drei Eigenschaften, die ich dem Auto zuschreibe. Ich kann das Gelb nicht durch Grün ersetzen. Das Auto ist gelb oder eben nicht. Gross und teuer dagegen sind relative Zuschreibungen. Gleichwohl beschreibe ich damit Eigenschaften, die ich quantifizieren kann und die in diesem Sinne dem Auto zukommen, wie seine Farbe. Ein Mercedes 500 ist gross und teuer, ein Fiat 500 ist klein und nicht teuer, wenn ich den entsprechenden Massstab verwende.
Ich klassifiziere nach Bedarf: Beispielsweise alle gelben Autos, egal welche Grösse sie haben, und unabhängig davon, ob teuer mit der Grösse korreliert. Beim Klassifizieren kann ich mich für die Farbe der Gegenstände interessieren. Dabei unterscheide ich verschiedene Farben, die ich als Werte einer Eigenschaftsdomäne auffasse. Diese Eigenschaften kenne ich aber jenseits der Gegenständen, die ich klassifiziere. Ich weiss unabhängig von Autos, was ich mit Farbe und mit gelb bezeichne.
Das, was ich mit Farbe jenseits einer Eigenschaft bezeichne, bezeichne ich als Kategorie. Die Kategorie bestimmt, was ich wahrnehmen kann. Wenn ich über die Kategorie Farbe verfüge, kann ich Farben als Eigenschaft von etwas wahrnehmen. Kategorien sind Bestandteile meine Kognition.
Ein komplizierteres Beispiel:
Ich nehme nicht nur Eigenschaften wahr, sondern Gegenstände. Wenn ich ein gelbes Auto sehe, sehe ich ein Auto, egal welche Farbe es hat. Ich sehe aber auch, dass es ein Artefakt ist, wenn ich über die entsprechende Kategorie verfüge.
G. Bateson bezeichnet - im Prinzip - dieselbe Kategorie anders. Er sieht nicht, dass etwas ein Artefakt ist, sondern dass etwas ein Lebewesen ist - oder eben nicht.
Kategorien sind in diesem Sinne Unterscheidungen, die mir zur Verfügung stehen. Und als Unterscheidungen bestimmen sie meine Anschauung insgesamt.
Theorie
Als Theorie bezeichne ich eine explizite Reflexion (Widerspiegelung) der Kategorien, die ich beim Beobachten von Sachverhalten verwende. Verschiedene Theorien unterscheiden sich durch die je verwendeten Kategorien. Jenseits einer Theorie haben Kategorien für mich keinen Sinn, während sie für I. Kant eine Voraussetzung, also nicht einen konstitutiven Teil der Theorien darstellen. Theorien beobachten heisst für mich, deren Kategorien explizit und bewusst zu machen.
Beispiele:
In meiner Theorie verwende ich in Anlehnung an A. Leontjew die Kategorie Tätigkeit. A. Leontjew hat in seiner Theorie die Kategorien der Psychologie beobachtet und kritisiert. Er selbst bezeichnet für seine Theorie die Kategorien Tätigkeit, Bewusstsein und Persönlichkeit. Allerdings verwendet er einen anderen Tätigkeitsbegriff als ich.
Weil Kategorie sehr vieldeutig verwendet wird, verzichten viele Autoren auf den Ausdruck und sprechen stattdessen beispielsweise nur von Unterscheidungen oder von Differenzen im Sinne von Différance.
Weitere Anmerkungen:
Oft wird der Ausdruck Kategorie im Sinne einer Eigenschaftsdomäne verwedet. S. Schmidt gibt dafür ein Beispiel: "Jung, schön und Mädchen machen Sinn, indem sie die in der Unterscheidung unbeobachtet mitlaufende Differenz zu alt, hässlich und Mann in Bezug auf die Kategorien Alter, Aussehen und Geschlecht ausnutzen" (S.32). Er spricht dabei von der Einheit der Differenz: "Insofern können Kategorien als Einheit der Differenz von semantischen Differenzierungen und Unterscheidungen beschrieben werden" (S.32) Das Beispiel von S. Schmidt ist so gewählt, dass sich die Einheit als Domäne leicht benennen lässt. Es zeigt aber nicht, weshalb oder wann anstelle von Eigenschaftsdomäne von Kategorie gesprochen wird.
Die radikalen Konstruktivisten haben diese Vorstellung als Kamera-Modell kritisiert und durch Aufmerksamkeit", die vom Individuum gesteuert wird, aufgehoben. S. Ceccato hat den Unterschied zwischen einer Kamera und dem Auge hervorgehoben, letzteres nimmt nicht einfach Bilder auf, sondern ist aufmerksam. H. Maturana hat das auf den Punkt gebracht: "Wir sehen mit den Füssen", wir richten unsere Aufmerksamkeit auf uns interessierende Dinge. Allerdings bleibt bei den Konstruktivisten wie bei Aristoteles und I. Kant offen, was uns weshalb interessieren könnte. Die von den Konstruktivisten eingeführte aber nicht bezeichnete Kategorie, bezeichne ich als Konstruktion. Bei der Konstruktion interessiert mich nicht, wie die Welt ist, sondern was ich machen kann.
Die Konstruktivisten - angefangen bei S. Ceccato und J. Piaget, der den Ausdruck geliefert hat, beobachten mentale Operationen, die sie der Psyche zurechnen. Dabei spielen die hergebrachten aristotelischen Kategorien, die den Wahrnehmungsgegenstand bestimmen, keine Rolle mehr, sie werden durch kybernetischen Kategorien ersetzt, die die Wahrnehmungsoperationen bestimmen. Beobachtet wird aber immer noch die Wahrnehmung als solche, nicht die Wahrnehmung als Mittel. E. von Glasersfeld hat beispielsweise die Viabilität als Kategorie eingeführt, er hat sie aber noch auf die mentale Abbildung bezogen.
Literatur:
M. Foucaults Diskursanalyse beispielsweise führt den Begriff eines historischen Apriori ein, der wie folgt beschrieben wird:
„Ich will damit ein Apriori bezeichnen, das nicht Gültigkeitsbedingung für Urteile, sondern Realitätsbedingung für Aussagen ist. Es handelt sich […] darum […] die Bedingungen des Auftauchens von Aussagen, das Gesetz ihrer Koexistenz mit anderen, die spezifische Form ihrer Seinsweise und die Prinzipien freizulegen, nach denen sie fortbestehen, sich transformieren und verschwinden. Ein Apriori nicht von Wahrheiten, die niemals gesagt werden oder wirklich der Erfahrung gegeben werden könnten; sondern einer Geschichte, die gegeben ist, denn es ist die der wirklich gesagten Dinge.“ (Archäologie des Wissens, S. 184f).