Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03322.jsonl.gz/295

Hermann Hesses Betrachtungen und Gedichte über seine Wanderung in das Tessin gehören zu den schönsten Texten des Dichters. Nach mehrjährigem poetischen Verstummen (durch Hesses Einsatz im Dienst der Kriegsgefangenenfürsorge) in den Jahren 1917/18 entstanden, schildern diese Reiseimpressionen gleichnishaft die Grenzüberschreitung aus der Kühle und Abstraktion des Nordens in die Wärme und kreative Sinnlichkeit des Südens, seine Abkehr vom Bürgerlichen zum Vaganten und Abenteurer. Gleichzeitig zeigen sie seinen Wechsel von der Vita activa zur Vita contemplativa: Sie bilden den Auftakt zu den kurz darauf in rascher Folge entstehenden »Klingsor«-Erzählungen, zu »Siddhartha« und »Steppenwolf«.
Hermann Hesse, geboren am 2.7.1877 in Calw/Württemberg als Sohn eines baltendeutschen Missionars und der Tochter eines württembergischen Indologen, starb am 9.8.1962 in Montagnola bei Lugano.
Er wurde 1946 mit dem Nobelpreis für Literatur, 1955 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Nach einer Buchhändlerlehre war er seit 1904 freier Schriftsteller, zunächst in Gaienhofen am Bodensee, später im Tessin.
Er ist einer der bekanntesten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts.