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Lebenslauf von Geri Keller
Kindheit und Jugend
Geri Keller wurde am 19. Juni 1931 als erstes Kind von Reinhard und Rosa Keller-Sommer in Winterthur geboren. Die väterlichen Vorfahren kamen aus dem Tösstal. Dort besass der Grossvater eine Stickerei, bevor die Familie in der Zeit der Rezession nach Winterthur umziehen musste. Seine Mutter stammte aus einem Bauerngeschlecht mit einem ansehnlichen Hof in Tollhausen, ganz in der Nähe von Winterthur.
Aufgewachsen mit seiner um sieben Jahre jüngeren Schwester Ruth verbrachte der strebsame Junge seine Schulzeit bis zur Matura am altsprachlichen Gymnasium in Winterthur. Das Studium der Theologie in Zürich und Basel, u. a. bei Emil Brunner und Karl Barth, schloss er mit Bestnote ab, sodass einer der Professoren ihn als Assistenten behalten wollte und ihn zur akademischen Laufbahn an der Uni empfahl. Doch im Herzen von Geri brannte ein anderes Feuer.
Bemerkenswert ist, dass Geri während seines Studiums in der Nacht als Industriemaler arbeitete, um die keineswegs begüterte Familie zu entlasten. Er liebte schon damals die einfachen Leute und das einfache, bescheidene Leben. Zwei seiner Onkel waren Landstreicher, mit denen er enge Beziehungen pflegte. Mit seinem Studienfreund und Lerngefährten Ernst Sieber verband ihn eine tiefe Freundschaft und Wertschätzung. Ich erinnere mich gut daran, dass Ernst Sieber an einem der ersten Fernsehgottesdienste, die Geri verantwortete, mit einem Esel durch Zürichs Strassen zog und ausgerufen hat: «A dä Pfingschte gahts am Ringschte!»
Geri verbrachte viel Zeit auf dem Bauernhof bei seiner geliebten Grossmutter mütterlicherseits. Dort half er im Stall, auf dem Feld, legte Hand an, wo es nötig war, und genoss es, wenn sein «Groseli» ihm auf der Ofenbank biblische Geschichten erzählte.
Von seiner legendären Velotour im 4. Gymi, die ihn zusammen mit einem Freund nach Sizilien führte, hat er immer wieder mit Vergnügen erzählt. Sie hätten sich verbotenerweise oft hinten an die Lastwagen gehängt und seien wegen Geldmangel halb verhungert nach Hause zurückgekehrt! Als aktives Mitglied der Pfadfinder und Rover von Winterthur genoss er viele Freundschaften, was später dazu führte, dass er 1969 beim Bundeslager der Pfadfinderinnen und Pfadfinder im Bleniotal TI einer der leitenden Mitarbeiter war. Schon in jungen Jahren entwickelte Geri eine Leidenschaft zum Gospel. Er begleitete sich auf der Gitarre und sang sich in die Herzen von begeisterten Zuhörerinnen und Zuhörern, genauso wie sein Vorbild Mahalia Jackson, die er sehr verehrte.
Seine geistliche Entwicklung war geprägt durch die Heilsarmee, wo er als Kind eingesegnet wurde. Die Sonntagsschule besuchte er in der Brüdergemeinde, wurde in der FEG konfirmiert und war für eine Zeit in der Chrischona, wo seine Eltern eine geistliche Heimat gefunden hatten. Geri führte seine Liebe zum Reich Gottes, zum Wort Gottes, zu den Denominationen und zu den Grosskirchen auf dieses reiche Erbe an geistlichem Leben in den unterschiedlichen Ausprägungen zurück. Mit grosser Dankbarkeit und Hochachtung sprach er von den verschiedenen «Farben des Geistes», die ihm in seinen Kinder- und Jugendjahren begegnet waren und in ihm ein Verständnis für den Leib Jesu geschaffen hatten.
Mit etwa sieben Jahren hatte Geri ein tiefes Berufungserlebnis, welches dazu führte, dass in ihm eine unverrückbare Gewissheit war, dass er Pfarrer werden würde. Auf einem Ausflug in die Innerschweiz mit der Familie hatte Geri eine offene Vision. Er sah Jesus, der ihm zuwinkte, ihn zu sich rief und zu einer nahe stehenden Kapelle führte. So wurde der kleine Junge Zeuge, wie sich der Herr sehr tief bücken musste, um den Innenraum des Gotteshauses zu betreten. Eine prägende Gotteserfahrung!
Sturm- und Drangjahre
Nach dem Studienabschluss unterrichtete Geri am hiesigen Gymnasium Religion. Nach kurzer Zeit berief ihn der damalige Rektor Hans Peter Jäger an die Mittelschule Samedan. Als Internatspfarrer und Lehrer für verschiedene Fächer gründete er mit seinen Schülern einen Antiraucherklub. In seinen Erzählungen war es Geri ein Vergnügen, zu betonen, dass die Antiraucher gegen die Raucher eines anderen Internats in einem Fussballspiel gewonnen hatten! Mit Hans Peter Jäger verband ihn bis zu dessen Tod eine herzliche Beziehung, die auch durch das gemeinsame Gebet im Kapuziner-Kloster Olten, mit Bruder Tilbert Moser, Martin und Georgia Bühlmann und anderen, vertieft wurde.
Die Berufung zum Gemeindepfarrer nach Bauma
Geri liebte seine erste Gemeinde leidenschaftlich. In den Jahren 1957–1960 inszenierte er mit der ganzen Dorfbevölkerung vier Freilicht-Spiele: den Jedermann, die Alsfelder Passionsspiele, das grosse Thüringer Mysterium und Caedmon von Erica von Schulthess. Die Menschen strömten mit Extrazügen zu den Veranstaltungen, welche für die Dorfgemeinschaft segensreich waren.
Nach sieben Jahren wurde seine erste Ehe im Jahr 1965 geschieden. Die Jahre darnach waren schwierig und herausfordernd. Überzeugt, dass er niemals mehr eine Kanzel betreten würde, machte Geri noch ein Studium in Heilpädagogik, eine Ausbildung am Schweizer Fernsehen zum Filmemacher und wurde Verantwortlicher für die ersten Fernsehgottesdienste. Daneben arbeitete er mit einem reduzierten Pensum in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrischen Klinik Rheinau als Hilfspfleger. Er strebte auch die Taxiprüfung an, reüssierte aber nicht, weil er dem Experten die Funktionen des Motors nicht erklären konnte.
Eine entscheidende Weichenstellung
Im Nachhinein war es Gottes Vorsehung, dass der damalige in Christus verwurzelte Kirchenratspräsident dem «gescheiterten Pfarrer» nachging und ihn berief, eine Stelle als kantonaler Hilfsprediger anzunehmen. So stand Geri während ca. drei Jahren jeden Sonntag auf einer anderen Kanzel im Kanton Zürich, wenn er nicht gerade eine längere Vertretung in einer Gemeinde hatte. Im Ringen mit seinem Gott um seine Identität und um eine neue Lebensperspektive lernte er den ganzen Römerbrief auf Griechisch auswendig. Ein Schatz, der ihm bis ins hohe Alter erhalten blieb und für ihn eine sprudelnde Quelle von Inspiration, Gotteserfahrung, Trost, Freude und Ermutigung war.
In dieser aufwühlenden, von Scham behafteten Zeit hatte Geri während des Schriftstudiums sein zweites einschneidendes Gotteserlebnis. Als er zum 8. Kapitel des Römerbriefes kam, traf ihn die überschwängliche Erkenntnis über die Gnade Gottes wie ein Blitz. Freude, Annahme und Licht durchflutete seine geplagte Seele und liess seinen Leib tanzen. Sein Leben hatte wieder Sinn und die gestutzten Flügel seiner Berufung begannen von Neuem zu wachsen.
Heirat – Berufung nach Pfäffikon ZH
In diesem Lebensabschnitt lernten wir uns kennen, die um 15 Jahre jüngere Musikerin Lilo Baur und der Regisseur Geri Keller. Bei der gemeinsamen Probenarbeit für eine Aufführung der «Zeller Weihnacht» von Paul Burkhart mit 700 Pfadfindern aus Winterthur wuchs eine zarte Liebe zwischen uns beiden heran. Am 30. Mai 1968 – also vor fast 55 Jahren– haben Geri und ich in der Kirche Rosenberg in Winterthur geheiratet.
Wir zogen nach Tollhausen in das Bauernhaus der Grossmutter, in dem wir eine ganz einfache alte Wohnung mit Plumpsklo mieten konnten. Im April 1969 erfolgte die Berufung von Geri als Gemeindepfarrer nach Pfäffikon Zürich. Im selben Jahr wurde unser erster Sohn, Emanuel, geboren und 1971 kam unser zweiter Sohn, Andreas, zur Welt.
Insgesamt war es eine wilde, aber auch sehr fruchtbare Zeit mit grossem sozialem und kulturellem Engagement von uns beiden. Nebst dem Vorantreiben von sozialen Wohnungsbauten, einem Jugendhaus und einer Kinderkrippe war Geri auch leidenschaftlicher «Gefängnispfarrer». Das äusserte sich auch darin, dass nicht selten ein entlassener Gefängnisinsasse bei uns im Pfarrhaus landete. Erinnerungen an übervolle Weihnachtsfeiern im Pfarrhaus, zu denen Geri Menschen vom Rande der Gesellschaft zusammenkarrte, sind eine unvergessliche Kostbarkeit. Da kam der «geliebte Kehrichtmann», bei dem die Kinder verbotenerweise manchmal mitfahren durften, die Frau, die keine Schuhe mehr tragen konnte und der geliebte Schäfer.
Es war ein offener Himmel, auch wenn vieles «drunter und drüber» ging und mich zeitweise überforderte, obwohl unser damaliger Pflegesohn uns tatkräftig unterstützte. Trotz äusserlichen Erfolgen und einer vollen Kirche führte die Tatsache, dass wir im Rahmen unseres Engagements im Pfarrhaus für einen ehemaligen Konfirmanden Drogen versteckten, zu einer Glaubenskrise bei Geri. Als der junge Mann plötzlich vor unserer Haustür stand und erzählte, wie er im Gefängnis zum Glauben gekommen war, lernten wir den «Gott, der Wunder tut» kennen. Eine neue Welt tat sich für uns auf. Wir wurden Hanspeter und Anita Vogt von der Drogenentzugsstation Nieschberg vorgestellt, die später unsere Freunde wurden. Das führte dazu, dass sich Geri zusammen mit ehemaligen Drogensüchtigen taufen liess und eine Herzensbeziehung zu meinem späteren geistlichen Vater Jakob Rietmann entstand.
Frankfurt am Main, Deutschland
Ein Einkehrwochenende bei der Jesus-Bruderschaft in Gnadenthal, Deutschland führte zu einem dritten einschneidenden Gotteserleben von Geri. Als er nach seiner Lebensbeichte in das Gesicht des Bruders sah, der sein Geständnis anhörte, spiegelte sich im Gesicht dieses Hirten das glänzende Antlitz Jesu Christi. Diese unaussprechliche Erfahrung, die Freude über die Vergebung und die neu gewonnene Freiheit durch das Blut Jesu äusserte sich darin, dass Geri, wie er gerne erzählte, laut jubelnd durch den nahe gelegenen Wald lief und im wahrsten Sinne des Wortes trockene Baumstämme umstiess.
1976 wurde Geri an die Lukaskirche in Frankfurt am Main berufen, an der vormals Pfarrer Wilhelm Busch gewirkt hatte. Es kam zu einem erwecklichen Aufbruch unter der Jugend. Regelmässig fuhren wir zu Konfirmandenlagern in die Rämismühle, Schweiz. An diesem Erweckungsort, wo Georg Steinberger sein Büchlein «Dem Lamme nach» geschrieben hatte, übergaben fast alle Konfirmanden ihr Leben Jesus. So wurden ganze Familien von diesem gewaltigen Gott gerettet, geheilt und freigesetzt zum Dienst. Mit diesen Jugendlichen führten wir auch die Musicals «Zeller Josef» und «Noah» von Paul Burkhard auf.
Es war eine Zeit von vielen geistlichen Aufbrüchen: John Wimber besuchte zum ersten Mal Berlin, wo Geri mit ihm und anderen zusammen für seine angeschlagene Gesundheit beten durfte. JMEM und der Dienst von Keith und Marion Warrington waren am Blühen, freundschaftliche Beziehungen zur katholischen Erneuerung trugen reiche Früchte, die bis heute andauern. Auch Kontakte zur Bethel-Familie, wo wir Mario Schaub kennenlernten, dem Marburger Kreis und vielen anderen christlichen Bewegungen wie Projektion J und Ken Janz, der GGE (Geistliche Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche) unter der damaligen Leitung von Wolfram Kopfermann, den Evangelischen Marienschwestern und der Kanaan-Franziskus-Bruderschaft in Darmstadt und Latrun (Israel) und der Schweiz bereicherten unser Leben. Wunderbare Freundschaften sind als kostbarer Schatz geblieben.
Was uns in der Frankfurter Zeit auch sehr geprägt hat, sind die Kontakte in den Osten Deutschlands. Unvergesslich bleiben die Besuche in unserer damaligen Partnergemeinde Stendal, die oft von abenteuerlichen Schmuggelaktionen von Druck-Matrizen, Lebensmitteln und anderen wichtigen Dingen begleitet waren. Aber auch die Begegnung und das Gebet mit so manchen kriegsgeschädigten, traumatisierten Menschen lastete manchmal schwer auf unseren Herzen. Wie gross wurde uns da das Erbarmen und die Treue Jesu!
Winterthur-Seen
Durch eindrückliche Träume und Visionen wurden wir von Gott darauf vorbereitet, dass es nach fünf Jahren in der Grossstadt zurück in die Schweiz gehen würde, raus aus einer blühenden und geliebten Arbeit. Auf den 1.1.1982 wurde Geri ins Pfarramt der Kirchgemeinde Winterthur-Seen berufen. Auch da setzte sich ein Strom von Segen, neuem Leben und Gottes Leidenschaft für die Menschen durch. Erweckungsluft wehte unter den alten Leuten, Frauen und Jugendlichen. Die ersten Lobgottesdienste starteten und die erste Tagung der AGGA-Arbeitsgemeinschaft für Gemeindeaufbau wurde in Winterthur-Seen durchgeführt. Seen war auch die Geburtsstätte für verschiedene Dienst wie den «Läbesruum» von David Schneider und den Verein Ismael, jetzt GDV, von Marcel und Regula Rebiai.
Trotz Opposition und öffentlicher Anschuldigungen, bis hin zu einer misslungenen Unterschriftensammlung, die zur Abwahl führen sollte, konnte die Leidenschaft und das Feuer für das Reich Gottes in Geri nicht ausgelöscht werden. Im Gegenteil. Es trieb ihn ins Gebet, in eine tiefere Gottesbeziehung und in die Gewissheit, dass «der Vater es schon recht macht», wie er zu sagen pflegte. Eine grosse Mitarbeitergemeinde entstand und der «Windechreis», eine Gruppe von Leitern, traf sich wöchentlich zur Anbetung, zur Weisung aus dem Wort und zum Austausch im Pfarrhaus. Die ersten Seelsorgewochen für Pfarrer/Prediger auf dem Sternenberg, zusammen mit Utta und Christoph Häselbarth, wurden für manche Teilnehmer zum Lebenswendepunkt und Neustart.
Mit Häselbarths verband uns eine lebenslange Freundschaft. Zusammen führten wir unzählige Seminare und Konferenzen im In- und Ausland durch. Einige davon in Burgdorf, Thun, Winterthur, Hannover, Leipzig, Chemnitz, Innsbruck, Imst und zusammen mit ihnen und Maria Prean die Drei-Länder-Konferenzen in Friedrichshafen.
Viele bedürftige Menschen gingen im Pfarrhaus ein und aus. Es war ein fruchtbares Umfeld für eine Reihe von wunderbaren Vikarinnen und Vikaren, die in Geri einen Mann fanden, der mit Leib und Seele Pfarrer war und die Menschen, egal aus welchem Umfeld sie kamen, liebte. Angemeldet und unangemeldet landeten in unserem «Familiennest» Propheten und geistliche Leiter aus dem In- und Ausland wie Frans Schadee, Doug und Beryl Maskell, Erich Reber, Ortwin Schweitzer, Paul Cain, Paul Keith David, Bobby Conner, Rick Joyner, Steve Thompson und Pat Holloran. Auch ein buntes «Völklein» von Musikern, Tänzern und Künstlern bereicherte unser Leben. Da blühte die musische, künstlerische Seite von Geri auf.
Ein grosser Glaubensschritt
Ab Januar 1991 starteten wir die Reithalle-Gottesdienste. Mit 60 Jahren, auf Ende 1991, kündigte Geri nach einem längeren Ringen mit Gott seine Stelle, um nochmals aufzubrechen in eine ungewisse Zukunft. Ich erinnere mich gut, wie Geri in den Entscheidungsprozessen einmal für einen Tag im Wald verschwand mit der Absicht, Gott um die letzte innere Klarheit zu bitten für diesen ungewöhnlichen Schritt. Im Glauben, dass wir beide richtig gehört hatten, verliessen wir auf das Wort hin die Stelle, obwohl wir nicht wussten, wohin der Weg führen würde. Gottes Versprechen war, dass ER unser «Weg-Weiser» sein würde, und so war es dann auch.
Die Stiftung Schleife
Die Stiftung Schleife wurde im August 1992 mit dem Ziel gegründet, Gott und dem Leib Jesu mit einem vielfältigen Weiterbildungsangebot zu dienen. Ab 1994 starteten wir die Dienstagsgottesdienste, die aus dem sogenannten Toronto-Segen entstanden waren und bis heute ein Ort der Anbetung, der Wortverkündigung und der Heilung sind. 2003 übertrug Geri mir die Leitung der Stiftung Schleife, die ich auch für fünf Jahre innehatte. Ab 2008 haben Andreas und Stephanie Keller-Weiner schrittweise die Leitung der Schleife übernommen und sind seit 2014 Gesamtleiter der Stiftung. Mit der Schleife-Gemeinschaft, die heute von Thomas und Katharina Bänziger geleitet wird, entstand um uns eine Truppe von Jesus-Liebhabern, die sich zu einem verbindlichen Miteinander verpflichtet haben. Sie war und ist das menschliche Rückgrat für alle Dienste und unser geistliches Zuhause.
In unsere aktive Schleife-Zeit fallen viele entscheidende prägende und im Nachhinein auch prophetische Seminare und Konferenzen mit Freunden aus dem In- und Ausland. Die Levitencamps in Frauenfeld 2001und in Wiesendangen 2005 mit bis zu 10 000 Besuchern waren gewaltige Höhepunkte. Lebensfreunde wie Don Potter, Rick Joyner, Bob Jones, Lothar Kosse, Ken Janz und viele andere haben unser eigenes wunderbares Team dabei kräftig unterstützt. Eine Schule für Versöhnung und Prophetie entstand und Einsätze in Israel wurden durchgeführt. Unvergesslich sind auch die Anbetungszeiten in der Negev-Wüste, die wir dreimal mit der Reithalle-Band und Fürbittern zur Ehre Jesu, ohne Publikum, durchführten.
Da waren auch Missionseinsätze mit M107 und Peter Wichmann nach Kiew, mit Walter Heidenreich in die Mongolei, mit Schweizer Leitern nach Korea und mit der Watchmen-Bewegung um David Demian nach Charlotte Town, Kanada, Jerusalem und zuletzt, als Geri schon 87 war, nach Ägypten. Zusammen mit seinem Sohn Andreas hat er an jenem Gathering erlebt, wie sich die Erfüllung der Prophetie aus Jesaja 19 zu entfalten begann. Im Geist wurde weiter am Highway von Assyrien nach Ägypten gebaut, was ein Herzensanliegen von Geri war.
Der Ranft
Zur katholischen Erneuerung hatte Geri eine spezielle Beziehung, denn einer seiner Lieblingsheiligen war Niklaus von der Flüe. Der Ranft war sein zweites Zuhause; er liebte den Klang des Wassers der Melchaa und den kleinen Weg zur Kapelle von Bruder Ulrich. Die Beschäftigung mit Bruder Klaus zog sich wie ein roter Faden durch sein Leben und die Visionen des Einsiedlers trugen für Geri eine zukunftsweisende Komponente, denn er entdeckte in ihnen den Mahn- und Segensfinger Gottes.
Bücher
Zum 70sten Geburtstag von Geri überreichten ihm seine Freunde Michael Herwig und Ken Janz das Manuskript zum Vaterbuch, welches sie nach seinen Reithalle-Predigten zusammengestellt hatten. Später hat es Geri mit seiner sonoren Stimme selbst für ein Hörbuch gelesen. Zum 80sten war es unser Freund Walter Wieland, der Geri mit dem Buch «Verstasch», einer Sammlung von Lebensbildern, überraschte. Auch ein Sammelband mit den Predigten über die Offenbarung ist entstanden, und in dem kleinen Bändchen «Israel und die Nationen» wirbt Geri aus seiner tiefen Beziehung zum jüdischen Volk und dessen Staat Israel um die Bedeutung dieses Augapfels Gottes. Darüber hinaus finden Geris Aufzeichnungen über Bruder Klaus von der Flüe mit den Deutungen seiner wegweisenden Visionen bis heute – auch in katholischen Kreisen – einen tiefen Nachhall und leuchten wie ein Vermächtnis einer verwandten Seele.
Geri der Mystiker
Geri war, seinem Wesen nach, ein Mystiker, ein Einsiedler und einer, der gerne schwieg. Er äusserte sich nicht viel über seine Freundschaft mit dem Vater im Himmel, seine Liebe zu Jesus und seine bewundernde Beziehung zum Heiligen Geist – er lebte sie. Seine Bibliothek zeugt von einem Mann, der nie aufgehört hat, Gott in seinen verschiedenen Facetten zu suchen, zu erforschen und zu lieben. So war die Wolke der Zeugen für ihn eine Realität, mit der er lebte. Die Wüstenväter, der Pfarrer von Ars, Seuse, Sadduh Sundar Sing, die Heilige Thérèse von Lisieux, die Bewegung der Starzen, die Ikonenmaler und die «lebendigen Heiligen unserer Zeit» (um nur einige zu nennen) waren für ihn eine Quelle von Inspiration und Gotteserfahrung.
Natur und Kreatur gehörten wie die Kleider zu seinem Leben. Er betete selbstverständlich mit kranken Tieren, Pflanzen und Bäumen, die der Herr auch wieder gesund machte. Und er liebte es, mit seinem Gott in den Wäldern herumzustreifen, auf seinem Hausberg, dem «Hörnli», die Aussicht zu geniessen oder einfach auf einer Bank zu sitzen und schweigend «da zu sein»!
Ein gemeinsamer Zufluchtsort
Während ca. 15 Jahren gehörte uns eine Cabin (Hütte) in den Moravian Falls, einem winzigen Ort in den Wäldern von North Carolina, USA. Dort verbrachten wir jedes Jahr zwei bis drei Monate im Verborgenen mit unserem Gott. Nie haben wir aufgehört, Gott für dieses Vorrecht und die gewaltige Horizonterweiterung zu danken.
Auch dort hatte Geri seinen Gebetfels auf einer nahen Anhöhe, durchwanderte die Wälder und tränkte die Atmosphäre mit seinen Gebeten, während ich in meinem «Prophetenstübchen» im Hören und Warten auf Gott und in der Anbetung wunderbare Stunden verbrachte. Durch unsere Freundschaften mit Don und Christine Potter, Suzy und Kamran Wills-Yaraei, Bobby und Carolyn Conner, Rick und Julie Joyner und vielen anderen «auf dem Berg» bekamen wir eine amerikanische Familie. Dadurch waren wir involviert bei manchen Einsätzen bei MorningStar, der All Nations Church bei unseren Freunden Bonnie und Mahesh Chavda, den internationalen Summits mit Gary Oates, Bob Jones, Larry Randolph, Bruder Andrew Miller etc. und manch anderen Gelegenheiten.
Lebensabend
Geri liebte seine Familie. Unsere Söhne, Schwiegertöchter und die vier Enkelkinder waren immer in seinem Fokus und standen an erster Stelle auf seiner Gebetsliste. Kein Anliegen war ihm zu klein oder zu gross, wenn es darum ging, die Herzen der nächsten Generation auf Gott hin zu stärken und zu unterstützen. Auch für seine Schwester Ruth war Geri bis zuletzt ein wichtiges Gegenüber.
Er war ein Mann des Wortes Gottes und ein leidenschaftlicher Anbeter des Vaters im Himmel, dem Schöpfer von Himmel und Erde. Er war ein Liebhaber und Freund von Jesus und ein Bewunderer des Heiligen Geistes. Je schwächer Geris Körper wurde, desto stärker wurde sein Geist und seine Liebe zu Gott. Ich hörte ihn oft sagen: «Lieber Vater, du bist so schön!» Oder er flüsterte einfach den Namen Jesu oder äusserte die Bitte: «Komm Heiliger Geist!» Bis zuletzt war im Umgang mit ihm die Dankbarkeit ein Markenzeichen. Grossherzig, wie er war, fand er immer eine Gelegenheit, ein Lob oder eine Ermutigung auszusprechen. Auch seine liebende Aufmerksamkeit mir gegenüber hat im Alter noch zugenommen und er sagte mir oft kleine Sätze wie: «Du siehst aber schön aus!», «Du hast heute speziell gut gekocht!» oder «Du bist so lieb zu mir!»
In seinem letzten Lebensjahr hat Geri von der kommenden Erweckung geträumt – so real, dass er nach dem Erwachen ganz sicher war, dass «die Lawine» angerollt ist. Auch wurde er oft in den Himmel genommen, sah und schmeckte dort «unaussprechliche Freude» und träumte immer wieder von einem wunderschönen Schloss. Ich glaube, es war sein himmlisches Zuhause, welches ihm vom Vater im Himmel im Voraus gezeigt wurde. So gäbe es vieles zu erzählen, was Geri in der Freundschaft mit Gott hörte, erlebte, wusste, mitteilte und im Leben umsetzte. Gott weiss.
Nun ist mein Geliebter umgezogen und eingezogen in die Herrlichkeit Gottes, für deren Sichtbarwerden auf der Erde er gelebt, gelitten und geliebt hat.
Den Lebenslauf von Geri Keller kann man als PDF hier herunterladen.