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Wie umbricht man Text besser in zwei Zeilen z.B. in Überschriften. Folgt man dem Prinzip der Leseabschnitte oder sollte man in der 1. Zeile signalisieren, dass der Text noch weitergeht?
Also:
Der Duft von Wald und Blumenwiesen
oder:
Der Duft von Wald und Blumenwiesen
Gibt's dafür in der traditionellen Setzerkunst eine Regel? Oder entscheidet man grundsätzlich von Fall zu Fall? Jedenfalls würden mich Meinungen zu diesem und jenem Prinzip interessieren. . Grüße von Michael
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Schönheit ist das Weglassen von Überflüssigem. (Michelangelo)
eine allgemeine Regel ist mir nicht bekannt. Wahrscheinlich ist es am Ende eine Geschmacksache.
Bei mir hat sich die Anweisung meiner Lieblingsherstellerin im Kopf festgesetzt: "und runter!". Entsprechend behandle ich in der Regel auch Artikel und Adjektive.
Durch die Gestaltung der Überschrift (Abstände davor und danach, von der Grundschrift abweichende Schriftgröße, ggf. auch abweichender Schnitt) sollte das Signal für die Fortführung des Textes bereits gegeben sein.
Sinnvoll deutet auf eine Orientierung am Sinn (Bedeutungseinheiten) hin. ;-)
Für mich tut sich eine Ergänzungsfrage auf:
Ist der optimale Zeilenfall einer Überschrift unabhängig von der Ausrichtung (linksbündig oder mittig) oder sollte bei linksbündiger Ausrichtung die Zeile möglichst gefüllt werden, während bei der mittigen Ausrichtung die Zeilen möglichst ähnlich breit sein sollten?
Viele Grüße Martin
(Dieser Beitrag wurde von Martin Fischer am 16. Aug 2018, 09:33 geändert)
Moin Michael, das ist ein alter Streitpunkt. Ich plädiere grundsätzlich für »Zeige, dass es weitergeht«, also für’s »und« in der oberen Zeile. Und erhalte in diesem Fall dann sogar den schöneren, weil deutlicheren Flattersatz. Aber ich bin da nicht dogmatisch, die Ästhetik spielt mit. Sehr viele andere, vor allem Lektorate in Buchverlagen, plädieren für den anderen Fall: »und« muss unten stehen, keine Diskussion. Hier wird aus dem Flattersatz dann nahezu Blocksatz. Wenn Du Glück hast, findest Du im Antiquariat das Buch »Deutschland Deutschland über alles« von Kurt Tucholsky in der Gestaltung von John Heartfield (Berlin 1929): »meisterhafte Typographie« schrieb HP Willberg in Lesetypographie nicht nur deswegen, weil »der Leser durch das Abbrechen des neuen Satzes nach dem Wort ›und‹ zum Weiterblättern gezwungen wird.«
Hallo Michael, ich gehe da nach „Wortrhythmik“ (an erster Stelle) und Optik (an zweiter Stelle). Die Korrektoren in der Zeitungsdruckerei empfahlen diese Vorgehensweise gefolgt von der Regel, dass eine sehr lange erste Zeile und deutlich kurze zweite Zeile „unschön“ ist.
In Deinem Beispiel würde ich das „und“ in Zeile 2 schieben, weil ich beim laut lesen das „und Blumenwiesen“ zusammenhängend, als ästhetischer empfinde.
danke für den Hinweis mit der Zeitung: es kommt selbstverständlich stark darauf an, um was für ein Produkt es geht. Zeitung, Zeitschrift, Buch, Plakat sind vier unterschiedliche Fälle. Ich bezog mich auf Bücher im Allgemeinen.
leider sieht man in deinem Beispiel nur die Überschrift, nicht wie die restliche Seite aussieht. Vermutlich sind die Spalten etwa so lang wie im 2. Beispiel. Dann schaut es vermutlich nicht gut aus, wenn drüber die Überschrift quasi im Blocksatz deutlich schmäler steht – dann würde ich die 2. Variante bevorzugen. Generell sollte die Anmutung von Blocksatz vermieden werden, wenn es kein Blocksatz sein soll. Das frei fliegende "und" im 2. Beispiel ist aber auch nicht wirklich schön. Optimal wäre, wenn das Lektorat oder der Autor sich entschließen würde, auf das "Der" am Anfang zu verzichten. Rein typografisch ist dein Beispiel aus meiner Sicht nicht befriedigend lösbar.
Markus Markus Keller Grafik - Satz - Bild Schongau
Vielen Dank für die Stellungnahmen. Das mit der Überschrift war allerdings nur als allgemeinverständliches Beispiel gedacht, weil ich nicht detailliert erklären wollte, dass es eigentlich um einen Flattersatz unter Notenzeilen geht. Vierzeilige Psalmstrophen sollen sinnvoll unter den Notenzeilen (meist zwei) zu stehen kommen. Meist passen zwei Textzeilen unter eine Notenzeile und es bleibt etwas Platz übrig. Beginne ich dann bereits mit der 3. Textzeile oder umbreche ich sie komplett unter die 2. Notenzeile. Falls ich ersters tue: Schreibe ich soviel Text in die Zeile wie reinpasst oder folge ich beim Umbrechen der Sinngliederung.
Weil das – wie zu sehen ist – etwas kompliziert darzustellen ist, habe ich ein enfaches Beispiel gewählt, um die beiden Grundprinzipien zu klären: Hinweis auf Fortsetzung bzw. sinnvolle Textgliederung.
Mir ist das "und runter!" von Martins Lieblingsherstellerin recht sympathisch. also: sinnvolle Textgliederung. . Grüße von Michael
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Schönheit ist das Weglassen von Überflüssigem. (Michelangelo)
Moin Michael, Notensatz ist aber etwas völlig anderes als der Überschriften-Umbruch?
Für richtigen Notensatz stehen die Silben unter der Note, auf die sie gesungen werden, dazu kommen Trenn- und Melismenstriche. Das überlässt man besser jemanden, der die nötige Software hat und auch bedienen kann. Hier scheint es mir aber weniger um Noten- als um Gedichtsatz zu gehen, also werden die Gedicht- beziehungsweise Psalmenzeilen nicht getrennt. Zwischen die beiden Textzeilen, die in einer gesetzten Zeile stehen, kommt dann am besten ein /: »Reim dich / oder ich fress dich«
Um diesem Missverständnis vorzubeugen, hatte ich das Beispiel mit der Überschrift gewählt. Es geht eben gerade nicht um notenorientierten Textsatz, bei dem die Silben vereinzelt werden, sondern um textorientierten Notensatz, bei dem die Noten über den durchlaufenden Text geschrieben werden. Hierzu habe ich eigens einen Notenzeichensatz fürs Textprogramm entwickelt. (Beispiele unter http://www.kantorale-simplex.de z.B. Psalm 29)
Das ist wohl ein zutreffender Vergleich und in etwa auch die verfolgte Linie. Als Zeilentrenner fungiert ein Geviert (nachfolgend als | dargestellt). Die Frage stellt sich an den Zeilenenden: vollmachen bis zum Satzspiegelrand oder lieber etwas Leerraum entstehen lassen und dafür sinnvoll umbrechen. Im oben genannten Beispiel aus Ps 29 also:
1–2 Bringt dar dem Herrn, ihr Himmlischen, | bringt dar dem Herrn Ehre und Macht! | Bringt dar dem Herrn die Ehre seines Namens, | werft euch nieder vor dem Herrn in heiliger Majestät!
3ac–4 Die Stimme des Herrn über den Wassern: | der Herr über gewaltigen Wassern. | Die Stimme des Herrn voller Kraft, | die Stimme des Herrn voll Majestät.
3b.9b.10 Der Gott der Ehre hat gedonnert, | In seinem Palast ruft alles: Ehre! | Der Herr thronte über der Flut, | der Herr thronte als König in Ewigkeit.
In der letzten Strophe würde die Regel "und runter" dafür sprechen, wenigstens das "über" in die nächste Zeile zu umbrechen. Musikalische Fragen sollen jetzt mal nicht ablenken (die Versanfänge haben meist ohnehin nur einen durchlaufenden Rezitationston und nicht für jede Silbe einen eigenen Ton). Aber es bleibt die Frage der Abwägung zwischen den beiden Prinzipien: Fortsetzung signalisieren oder sinnvoll umbrechen. . Grüße von Michael
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Schönheit ist das Weglassen von Überflüssigem. (Michelangelo)