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Doris Trachsel nahm in der Saison 2012/13 an acht Weltcup-Rennen teil. Über zwei 36. Ränge (Sprint in Liberec und 10-km-Verfolgungsrennen in Kuusamo) kam die 29-Jährige aber nicht hinaus. Und auch an den nationalen Meisterschaften blieben die Medaillen für einmal aus. Die Folgen dieser enttäuschenden Saison waren für die Freiburgerin gravierend. Von Swiss-Ski wurde Trachsel aus dem Nationalkader gestrichen. Trotzdem will sie sich für die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi qualifizieren. Gefordert sind zwei Top-25-Klassierungen oder ein Top-12-Platz plus Bestätigung (Top 30) im Weltcup. Für Trachsel wäre es die zweite Teilnahme an Olympia, nachdem sie 2010 in Vancouver im Sprint 30. geworden war.
Doris Trachsel, inwiefern hat Sie der ausbleibende Erfolg der letzten Saison über die Sommermonate noch beschäftigt?
Ich habe die Saison vorzeitig beendet und entschlossen, das Frühlingssemester (Red.: Trachsel steht im Studium zur Sekundarlehrerin) zu unterbrechen. Es war sowieso geplant, das Herbstsemester auszusetzen. So konnte ich herunterfahren, mich auf das Training konzentrieren und mir Gedanken machen, wie es weitergehen soll.
Zu welchem Schluss sind Sie bei Ihren Überlegungen gekommen?
Dass ich diese Saison laufen will mit dem Ziel Sotschi. Um dies zu erreichen, werde ich nochmals Vollgas geben. Ende Saison entscheide ich dann, wie es weitergehen wird. Entweder ich hänge noch eine Saison dran, oder aber es beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Es war wichtig für mich, dass ich mich mit diesen Gedanken auseinandergesetzt habe. Ich möchte einen Plan für meine Zukunft haben und nicht plötzlich in ein grosses Loch fallen.
Welche Gefühle ruft die Ausbootung aus dem Nationalkader in Ihnen hervor?
Es ist nicht so, dass ich eine Wut im Bauch habe. Für mich steht weniger im Vordergrund, es den anderen zu zeigen. Am ehesten noch den Trainern, weil meine Erfahrungen aus dem letzten Winter nicht positiv waren. Ich will es mir selbst beweisen. Ich will zeigen, dass ich eine Kandidatin für Sotschi bin und man mich berücksichtigen muss. Ich habe schon ein wenig das Gefühl, dass ich abgeschrieben worden bin. Das lasse ich so nicht auf mir sitzen.
Ohne den Status eines Kadermitgliedes war die Vorbereitung gewiss eine andere als im Vorjahr.
Auch ohne das Kader hatte ich eine gute Vorbereitung. Ich konnte mein Training selber zusammenstellen, was es für mich stressfreier gemacht hat. Das Training hat mir Spass bereitet, dass war wichtig. Zudem nahm ich mit den Biathleten an einem Lager teil und hatte so Selina Gasparin (Red.: eine Weltcup-Biathletin) als Vergleich. Auch mit dem B-Kader war ich im Juni für eine Woche in Oberstdorf. Am Donnerstag (gestern) geht es für elf Tage nach Finnland. Ich bin meinem ehemaligen Junioren-Trainer Albert Manhart zu Dank verpflichtet, dass ich bei ihm mittrainieren darf.
Wissen Sie, wo Sie im Vergleich zu den Athletinnen des A-Kaders stehen?
Das Nordic-Weekend im September, bei dem sich die Schweizer Langlauf-Familie zu einem Leistungstest über drei Tage trifft, gab mir Anhaltspunkte. Letztes Jahr konnte ich die Tests gewinnen, diesmal wurde ich Dritte. Das zeigt, dass ich auf einem guten Weg bin. Bei den Testrennen in Davos auf Kunstschnee hat sich gezeigt, dass ich im Skating im Vergleich zu den Kader-Läuferinnen noch Potenzial habe. Im 10-km-Rennen vom Montag über die klassische Distanz war ich aber zwei Sekunden schneller als Bettina Gruber, was motivierend ist.
Die Olympischen Spiele von Sotschi finden bereits im Februar statt. Viel Zeit, um sich zu empfehlen, bleibt nicht.
Das stimmt. Die Selektionen erfolgen Ende Januar. So viele Möglichkeiten gibt es nicht. Darum gilt es, die Chancen optimal zu nutzen. Sicher ist, dass ich beim Weltcup in Davos am Start sein werde (Red.: vom 12. bis 15. Dezember). Dann will ich in Topform sein. Keine Frage, in Davos müssen gute Resultate her.
Überspitzt formuliert: Stehen und fallen Ihre Chancen auf Sotschi in Davos?
Das ist tatsächlich etwas überspitzt. Sollte ich in Davos gut laufen, ergäben sich sicher weitere Möglichkeiten, im Weltcup zu starten. Andernfalls müsste ich mich über den Swiss- und Continental-Cup empfehlen.
In Sotschi wird der Sprint im Skating ausgetragen. Ist dies ein Nachteil für Sie?
Ich habe im Sommer beide Stile trainiert. Sicher liegt mir der klassische Sprint mehr und die Herausforderung im Skating ist grösser. Aber der Team-Sprint in Sotschi findet im klassischen Stil statt, das habe ich im Auge. Eigentlich ist es ganz einfach, ich muss nur schnell laufen und zeigen, dass ich eine Kandidatin fürs Team bin.
Wann gilt es für Sie zum ersten Mal ernst?
Die ersten Rennen finden im Rahmen des Swiss Cups am 7./8. Dezember im Goms statt. Unter Umständen bestreite ich zuvor in Finnland Wettkampftrainings.
«Ich habe schon ein wenig das Gefühl, dass ich abgeschrieben worden bin.»
«Ich muss nur schnell laufen und zeigen, dass ich eine Kandidatin für das Team bin.»