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Durchbruch sieben Jahre nach dem Durchbruch
Vor sieben Jahren verbesserte sich Belinda Bencic in Australien auf Platz 7 der Weltrangliste. Sieben Jahre nach diesem Durchbruch soll - endlich - der endgültige Durchbruch gelingen.
Vor sieben Jahren verbesserte sich Belinda Bencic in Australien auf Platz 7 der Weltrangliste. Sieben Jahre nach diesem Durchbruch soll - endlich - der endgültige Durchbruch gelingen.
Gewiss: Belinda Bencic holte 2021 in Tokio die Goldmedaille an den Olympischen Sommerspielen. Aber ihre Ausbeute an Grand-Slam-Turnieren ist für eine Spielerin ihres Formats unterirdisch schlecht.
In 27 Grand-Slam-Turnieren seit dem Durchbruch in die Top 10 verlor sie 17 x in der ersten Turnierwoche, nur 3 x überstand sie die erste Woche (mit der Halbfinalqualifikation am US Open 2019 als Höhepunkt). Sieben Mal fehlte Bencic entweder verletzt - oder weil ihr Ranking für die Teilnahme nicht gut genug war.
Im Januar 2023 gibt es eindeutige Anzeichen dafür, dass Bencic auch an Grand-Slam-Turnieren endlich ihren Ansprüchen gerecht werden kann - ohne dass wir die ersten Siege gegen Viktoriya Tomova (WTA 92) und Claire Liu (WTA 62) überbewerten wollen. Erstens: Bencic spielt vorzüglich. Zweitens: Sie arbeitet mit einem neuen Trainer zusammen (Dimitri Tursunow), der weiss, wie man gewinnt. Drittens: Belinda Bencic glaubt daran, dass sie ein Grand-Slam-Turnier - oder genauer: das Australian Open 2023 - gewinnen kann.
Alle schon geschlagen
Im Prinzip hätte Bencic das schon lange wissen müssen. Es gibt aktuell keine Top-10-Spielerin, die sie nicht schon geschlagen hat - und nur gegen die in Melbourne schon ausgeschiedene Daria Kassatkina weist sie eine negative Bilanz aus (2:3). Ausserdem wimmelt es in der Weltrangliste von schlechter klassierten Spielerinnen, die alle schon Major-Turniere gewonnen haben (Andreescu, Asarenka, Halep, Kenin, Kvitova, Muguruza, Ostapenko, Raducanu, Rybakina, Stephens).
«Ich wollte in der Vergangenheit den Erfolg an den Grand-Slam-Turnieren zu sehr», vermutet Bencic, «ich setzte mich unter viel zu grossen Druck.»
Der neue Trainer
Der neue Trainer ist mit ein Grund, dass sich das nicht wiederholen soll. Seit Mitte Oktober begleitet der Russe Dimitri Tursunow (40) die Schweizerin. Tursunow spielte sich 2006 bis auf Platz 20 der ATP-Weltrangliste vor und beendete 2017 seine Aktivkarriere. Seither arbeitet er mit grossem Erfolg als Coach bei den Frauen. Er führte Aryna Sabalenka von den Top 100 unter die ersten zehn der Weltrangliste. Dann verbesserte sich unter ihm auch die Estin Anett Kontaveit aus den Top 30 bis auf Platz 2 nach vorne.
Bencic warb Tursunow der Britin Emma Raducanu ab. Im letzten Sommer deponierte sie bei Tursunow ihr Interesse. Im Herbst meldete sich Tursunow, dass er jetzt verfügbar wäre. Zuerst an Trainingstagen in Bratislava und später am Turnier in Guadalajara probten sie die Zusammenarbeit. In Mexiko verlor Bencic den Achtelfinal gegen die Amerikanerin Sloane Stephens. Seither geht sie kaum noch als Verliererin vom Platz.
12:1 Siege
Vier Siege an der Team-WM, eine 1:1-Bilanz am United Cup, dann fünf Siege in Adelaide, jetzt vorerst zwei Erfolge in Melbourne: 12 ihrer letzten 13 Einzel gewann Bencic. In Adelaide besiegte sie drei Top-10-Spielerinnen; die einzige Niederlage in den letzten drei Monaten setzte es gegen Iga Swiatek ab, die Nummer 1 der Welt. «Und auch in diesem Spiel kam ich zu Chancen», so Bencic.
Tursunow tut Bencics Tennis offensichtlich gut: Endlich ein Trainer, der nicht zur Familie oder zum näheren Umfeld gehört - einer, der sie auch mal aus der Wohlfühloase raus zwingt. Tursunow tut aber auch Bencics Selbstvertrauen gut: Weil er Emma Raducanu verliess, um mit ihr zusammenzuarbeiten. Weil Bencic spürt, dass Tursunow, der bislang erst mit jüngeren Spielerinnen arbeitete, ihr unausgeschöpftes Potenzial erkannt hat.
Wie ist es Tursunow gelungen, in derart kurzer Zeit Bencics Tennis wieder auf Erfolg zu trimmen? Belinda Bencic: «Er hilft mir bei meinem Spiel. Er bringt neue Ideen ein. Ich will auch Neues hören, nachdem ich vorher jahrelang der Meinung war, nur ja nichts an meinem Spiel ändern zu wollen. Dimitri (Tursunow) versucht bewusst, jahrelange Routinen aufzubrechen.»
Bislang hat das funktioniert. Aber auch Bencic weiss: Die harten Prüfsteine am Australian Open folgen erst noch.