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Genau vor fünf Jahren sind durch das schwere Erdbeben in Haiti 300’000 Menschen ums Leben gekommen. 1,3 Millionen Menschen wurden obdachlos. Helvetas ist nicht auf Nothilfe spezialisiert, aber seit 1983 mit Wasserprojekten im Land tätig. Mit Eric Chevallier, der Programmkoordinator für Haiti ist, habe ich über die Folgen und die heutige Situation gesprochen.
Eric, es ist genau fünf Jahre her, dass ein furchtbares Erdbeben Haiti heimsuchte und einige Regionen dieses bitterarmen Landes verwüstete. Wie ist Helvetas dieser Naturkatastrophe begegnet?
Unser Programmdirektor stellte den Bewohnern des Viertels, in dem sich unser Büro befindet, unverzüglich Trinkwasser zur Verfügung. Unser Programmkoordinator ist sofort an Ort und Stelle gereist, um auszuloten, was die Antwort von Helvetas als Entwicklungshilfeorganisation im Rahmen einer derartigen Notlage sein könnte.
In Artibonite, einer Region, die nicht unmittelbar vom Erdbeben betroffen war, identifizierten wir gemeinsam mit den Bürgermeisterämtern auf dem Gebiet ihrer Kommunen mehrere laufende Bauprojekte. Wir schufen für die Flüchtlinge aus Port-au-Prince und ihre Gastfamilien vorübergehend Arbeitsplätze. So erhielten diese Menschen eine Einkommensquelle. Weil uns damals Erfahrungen in Nothilfemassnahmen fehlten, war diese Lösung leider nur vorübergehend. Es war und ist uns aber wichtig, die Kriterien für langfristige Entwicklung einzuhalten, daher arbeiten wir mit den örtlichen Institutionen und stärken ihre eigene Reaktionsfähigkeit auf Krisen.
Wie sind diese Erkenntnisse in die weitere Arbeit von Helvetas in Haiti eingeflossen?
Unsere operationelle Strategie haben wir zweigleisig aufgebaut. Sie besteht aus Notfallmassnahmen und Risikomanagement. Ebenso sind wir der Alliance2015 beigetreten, einem Zusammenschluss europäischer NGOs, von denen einige über Erfahrung und Know-How im Bereich Katastrophenschutz verfügen. Unsere Beteiligung an diesem Netzwerk ist ein wichtiger Schritt, um das Risikomanagement im Katastrophenfall in unseren Programmen zu koordinieren.
Was denkst Du über die internationale Hilfe, die in Haiti geleistet wurde?
Im Jahr 2010 gab es massive Hilfe, aber sie war nicht koordiniert. Einige Organisationen, die sonst nicht im Land tätig waren, kamen und arbeiteten ohne Rücksicht auf die haitianischen Behörden und ohne Kenntnisse des örtlichen Kontexts. Als Organisation, die schon lange vor Ort arbeitet, haben wir gleichzeitig das Beste und das Schlimmste gesehen. Bestimmte Mechanismen der Solidarität wurden beispielsweise vom Überfluss humanitärer Hilfe unterbrochen. In aller Eile wurden neue Viertel gebaut, ohne die Bevölkerung einzubeziehen. Sie stehen noch immer leer, niemand möchte dort wohnen.
Wie sieht die Zukunft des Landes aus?
Haiti ist kein verlorenes Land, es ist ein Land auf der Suche nach sich selbst. Helvetas begleitet alle Akteure und insbesondere die administrativen Institutionen bei der Umsetzung ihrer Initiativen und Aufgaben. Im Übrigen beweist die Zivilgesellschaft Haitis grosse Kraft im Umgang mit Widerständen. Wir haben mitbekommen, wie lokale Organisationen bestimmte negative Aspekte der internationalen Hilfe anprangerten. Wir müssen geduldig sein, mit der Stärkung der Kompetenzen der Behörden auf Kurs bleiben und den Schwerpunkt auf das Risikomanagement legen.
Wir arbeiten daran, die Widerstandskraft zu stärken, damit die Institutionen und die Bevölkerung besser mit den Folgen einer Naturkatastrophe umgehen können. Zum Beispiel durch die Einrichtung eines Frühwarnsystems und die nötige Weiterbildung dafür. Auf diese Weise kann sich die Bevölkerung auf Hochwasser vorbereiten. Viehzüchter lernen beispielsweise, ihre Tiere in Sicherheit zu bringen. Katastrophen werden weiterhin geschehen, aber auf die daraus entstehenden Krisen können sich die die Bevölkerung und die haitianischen Institutionen vorbereiten.
Unser Einsatz in Haiti
Neben den erwähnten Reaktionen auf die Katastrophe hat Helvetas in kürzester Zeit ein Notprogramm zur Reparatur zerstörter Wasserversorgungen auf die Beine gestellt. Mit Hilfe der Glückskette, der DEZA und mit eigenen Spendengeldern wurden Trinkwasserzisternen und Quellfassungen repariert oder ganz ersetzt. Eine Reportage dazu gibt es in der Partnerschaft 212.
Beispiele für Wasserprojekte in der Region Petit Goâve im Kurzfilm von Felix Karrer (2011)