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Von Abendmahlskelchen, Brot und Oblaten um 1635
Bei den wertvollen Abendmahlskelchen, welche heute noch verwendet werden, handelt es sich um vier silbervergoldete Renaissance-Kelche aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Wie der Umgang mit ihnen nach ihrer Ingebrauchnahme gehandhabt wurde, schildert der folgende Text.
«Als 1635 unsere sauber gearbeiteten und edel geformten Kelche in Gebrauch kamen, wurde das Nachtmahl schon fast genau gleich wie heute gefeiert: Einer der beiden Pfarrherren erklärte das «Geheimnis», indem er aus der Bibel die entsprechende Schriftstelle vorlas; dann folgen Gebet, Austeilung und Danksagung. In der Republik Bern wurden beim Nachtmahle noch lange Oblaten verwendet. Nicht so jedoch in Aarau, wo die Prädikanten von Anfang an das Brot brachen und es der Gemeinde – zuerst den mit dem Seitengewehr bewaffneten Männern, hernach den schwarz gewandeten Frauen – darreichten. Der Wein ward aus den grossen Gemeinschaftskelchen getrunken. Unmittelbar nach Abschaffung der Messe mussten die Gläubigen nicht selten ermuntert werden, Brot und Kelch nur ungescheut in die Hand zu nehmen. Wer sich dessen aus Ehrfurcht weigerte, erhielt Brot oder Oblate auf die Zunge gelegt und den Wein eingegeben. Während die Menge gemessenen Schrittes zum Tische des Herrn trat, wurde seit 1620 von der Kanzel herab oder vom Lettner herab aus der Bibel vorgelesen. Damit abwechselnd erklang Psalmengesang. Dieser musste aber wenig erhebend gewirkt haben, weil es damals noch an Orgeln gebrach, die ihn hätten beschwingen können. Darum wurde das Nachtmahlsingen ein Jahrhundert später wieder abgestellt.»
Aus: Paul Erismann, Die Aarauer Stadtkirche, Aarau 1949, S. 13.