Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03223.jsonl.gz/2673

Ihr Warenkorb ist leer.
Schmelzende gletscher
wieso schmelzen gletscher?
Gletschereis schmilzt, wenn die Temperaturen über den Gefrierpunkt von 0°C steigen. Schmelzprozesse bei Gletschern sind sehr unterschiedlich und hängen davon ab, wo sich die Gletscher befinden. Der Begriff Ablation beschreibt den Abbau des Gletschereises. Folgende Prozesse sind wichtig: Abschmelzen infolge direkter oder indirekter Sonneneinstrahlung an der Oberfläche, das Abbrechen von Eis oder das Windabtragen von Material an der Oberfläche. Auch die Reibungswärme an der Basis eines Gletschers verstärkt den Abbau des Eises. Zudem kann eine dünne Schuttbedeckung von unter 2-4 cm zur Schmelze beitragen, weil die Rückstrahlung (Albedo) auf der Gletscheroberfläche reduziert wird und sich dadurch der Schutt erwärmt. Ist die Schuttbedeckung grösser als 2-4 cm, so wirkt sie isolierend für das Eis. Übersteigen die Ablationsprozesse die Akkumulation, so führt dies mit der Zeit zum Verschwinden des Eises.
wieso schmelzen heutzutage gletscher?
Gletscher schmelzen hauptsächlich aufgrund der globalen Temperaturzunahmen. Der weltweite Ausstoss von Treibhausgasen trägt massgeblich zur Gletscherschmelze bei. Auch längere Trockenperioden können den Eisabbau beschleunigen. Zudem fördert die Verschmutzung des Eises durch Russ- und Schmutzpartikel die Schmelzvorgänge.
wo schmelzen gletscher?
Wegen der weltweiten Temperaturen ist das Schmelzen der Gletscher auf der ganzen Welt zu beobachten. Betroffen sind sowohl die Polregionen mit der Antarktis und der Arktis mit Grönland, als auch alle vergletscherten Hochgebirge wie etwa die Anden, Himalaya, Kaukasus oder Alpen. Der an der Universität Zürich angesiedelte «World Glacier Monitoring Service» (WGMS.ch) beobachtet die Entwicklung der Gletscher weltweit.
wieso, warum, wofür sind gletscher wichtig?
SCHMELZWASSER ALS RESSOURCE FÜR MENSCH UND TIER
Gletscher haben einen grossen Einfluss auf die Art des Wasserabflusses in den Flüssen. In Gebirgsregionen ist der sommerliche Abfluss des Schmelzwassers eine wichtige, mitunter sogar entscheidende Ressource für die Landwirtschaft und die Haushalte (Trinkwasser). Ein grosser Teil der Alpengletscher und damit ein wichtiger Wasserspeicher wird bis zum Ende des 21. Jahrhunderts verschwunden sein. Drei Viertel aller weltweiten Süsswasserreserven sind im Gletschereis gespeichert. Langfristig wird die Gletscherschmelze also zu Trinkwasserknappheit und zu knappen Wasserreserven in der Landwirtschaft führen.
NATURGEFAHREN
Im Gebirge hält das Eis loses Gestein zusammen. Mit dem Schmelzen der Eismassen und des Permafrostes kann es zu Bergrutschen und Eislawinen kommen. Durch den verbreiteten Rückzug der Gletscher entsteht eine grosse Zahl an neuen Seen. Plötzliche Seeausbrüche können für die unterliegenden Siedlungen zur Gefahr werden.
wie verändern gletscher die welt?
Gletscher sind neben den Eisschildern die grössten gefrorenen Wasserspeicher der Welt. Diese sind sehr wichtig für die umgebenden Länder, da das Schmelzwasser zur Wasserversorgung der Bevölkerung und der Landwirtschaft und zur Energiegewinnung beiträgt. Gerade in der Schweiz wird mehr als die Hälfte des inländischen Stroms durch Wasserkraftwerke erzeugt.
Forscherinnen und Forscher der Universität Zürich haben beobachtet, dass auf der ganzen Welt so viel Gletschereis schmilzt, dass es zu einem jährlichen Meeresspiegel-Anstieg von 1 mm beiträgt. Das sind 335 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr und dreimal das Gletschervolumen, das aktuell noch in den Europäischen Alpen liegt. Damit tragen Gletscher 25-30% zum globalen Meeresspiegelanstieg bei (ohne die Grönländischen und Antarktischen Eisschilde gerechnet). Tief gelegene Insel- und Küstenregionen kämpfen zunehmend mit dem ansteigenden Meeresspiegel.
KLIMAREKONSTRUKTION
Gletscher haben in den letzten hunderttausend Jahren unsere Landschaft geprägt. Ein Grossteil der Schweizer Landschaft wurde durch die Vergletscherung während der Eiszeiten geformt. Das können wir an den zurückgebliebenen Moränen, U-Tälern, Seen, Drumlins und weiteren glazial geprägten Landschaftsformen erkennen. Und die verbliebenen Gletscher in den Alpen können heute für Klimarekonstruktionen verwendet werden. Zum Beispiel durch die Analyse von Eisbohrkernen und Moränensedimenten.
was kann man gegen die gletscherschmelze tun?
Die wichtigste Massnahem gegen die weltweite Erwärmung und die Gletscherschmelze ist die Reduktion der Treibhausgase, insbesondere von Kohlendioxid und Methan. Kohlendioxid entsteht bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen wie Öl, Erdgas und Kohle. Methan entsteht durch eine intensive Landwirtsacht und einen hohen Fleischkonsum. Das Verhindern von Luftverschmutzung mit Russpartikel und Feinstaub hat ebenfalls einen positiven Einfluss. Denn diese aus der Verbrennung von fossilen Brennstoffen stammenden Partikel färben das Eis dunkler, was die Eisschmelze zusätzlich fördert.
Seit Beginn der Industrialisierung um 1850 haben die Alpengletscher bereits die Hälfte ihrer Masse verloren. Die Grösse eines Gletschers bestimmt, wie schnell er auf eine weitere Klimaerwärmung reagiert. Grosse Gletscher reagieren erst mehrere Jahrzehnte später auf eine Veränderung, während sich kleine Gletscher schneller an das neue Klima anpassen. Das bedeutet auch, dass grosse Alpengletscher heute eine Ausdehnung haben, die einem früheren Klima entspricht. Selbst entschiedene Massnahmen gegen die Klimaerwärmung wirken sich also erst mit grösserer Verzögerung positiv auf die Gletscher aus.
Technische Massnahmen wie Abdecken oder Beschneiung sind kein Mittel gegen die globale Gletscherschmelze. Im Einzelfall können sie aber, zum Beispiel auf Gletscher-Skipisten, positive Auswirkungen haben. Durch das künstliche Beschneien entsteht eine isolierende Schneeschicht, was der Eisschmelze entgegenwirkt. Das Abdecken mit weissem Vlies fördert die Rückstrahlung des Sonnenlichts. Dadurch entsteht weniger Wärme und das Eis bleibt geschützt. Beide Methoden sind kosten- und energieaufwendig.