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Am 25. Oktober wurden in Basel Tanja Soland (SP), Beat Jans (SP), Conradin Cramer (LDP) und Lukas Engelberger (CVP) gewählt. Vier Sitze sind belegt, drei sind noch offen. Am 29. November findet der 2. Wahlgang statt. Für rot-grün treten Heidi Mück (GB) und Kaspar Sutter (SP) an. Für die bürgerlichen sind es Stephanie Eymann (LDP) und der bisherige Baschi Dürr (FDP). Als heimliche Favoritin wird Esther Keller (GLP) gehandelt. Telebasel hat mit dem Politologen Michael Hermann über den kommenden 2. Wahlgang gesprochen:
Telebasel: Wie beurteilen Sie die Ausgangslage für die Regierungsratswahlen?
Michael Hermann: Es ist höchst spannend, da es wie ein Schachspiel ist. Es gibt viele Varianten und taktische Möglichkeiten, die auf die Realität der Wähler trifft.
Was sehen Sie für Varianten?
Man kann damit rechnen, dass Kaspar Sutter von der SP und Stephanie Eymann von der LDP gewählt werden. Das Resultat des ersten Wahlgangs zeigt das. Zwei der drei Sitze sind somit besetzt. Der dritte Sitz macht es spannend. Es gibt zwei Lager. Kann sich eines durchsetzen oder lösen sich die Lager auf? Die Bevölkerung könnte sich nämlich für Esther Keller als dritte Person entscheiden, wenn man etwa die bürgerliche oder rot-grüne Mehrheit verhindern will.
Da müsste ein Wählerstamm ihre Partei verlassen. Bei welcher Partei sehen Sie das am ehesten?
Grundsätzlich muss man sich bewusst sein, dass die wenigsten Bürger in einer Partei sind. Die meisten sind also nicht an eine Partei gebunden und denken nicht in diesen Blöcken. In anderen Regionen sieht man, dass die GLP oft von Mitte-links Wählern Stimmen erhält. Aber in Basel muss das nicht heissen, dass man Keller statt Mück wählt, sondern Keller als dritten Namen wählt. Im LDP-FDP-Spektrum werden auch Wähler die dritte Linie füllen.
Aber wo wird es mehr «Abweichler» geben?
Wenn die GLP Erfolg haben will, das zeigen die Beispiele Winterthur oder St. Gallen, dann muss die Partei Mitte-links orientiert sein, oder zumindest in diesem Spektrum nicht abschreckend wirken. Dann wird sie zu einer variablen Alternative.
Um die SP gibt es eine Gruppe, die für Keller wirbt. Durch diese Gruppe, sowie mit der Kommunikation um die Kandidatur von Heidi Mück gab es durchaus chaotische Momente. Haben Sie den Eindruck, dass dieses Chaotische einen Einfluss auf das Wahlverhalten haben wird?
Am Schluss machen die Wähler, was sie wollen. Aber ich denke, es ist mehr ein Ausdruck davon, dass in dem Mitte-Links-Spektrum Keller von Gewissen als Alternative angesehen wird. Ich sehe es mehr als Symptom als eine Ursache von etwas. Gleichzeitig sollte man mit Blick auf die Wahlen von vor vier Jahren Mück nicht unterschätzen. Rot-Grün ist nach wie vor das stärkste Spektrum. Für Mück sieht es nicht schlecht aus.
Wird Mück auch unterschätzt, gerade etwa in Vergleich mit Keller, die sehr medienwirksam agiert?
Esther Keller wurde schon als Medienliebling beschrieben. Aber das Resultat war zu gut, um es nur auf die Medienpräsenz zurückzuführen. Aber von ihrer Art her ist Mück eher jemand, der unterschätzt wird. Keller hingegen passt vom Feeling zu der Wahrnehmung vieler Medienschaffender, die durchaus zum Mitte-Links-Spektrum gehören.
War es ein Fehler, dass die bürgerlichen wie auch rot-grün nur zwei Kandidaten in den 2. Wahlgang senden?
Tatsächlich ist es ein taktisches Problem. Leute neigen dazu, die Linien zu füllen. Gibt es also eine geeignete Person, dann wird die aufgeschrieben. Hingegen wenn einer der Blöcke drei Personen aufgestellt hätte, dann wären klar Stimmen an alle drei gegangen. Das hätte Kellers Chancen deutlich geschmälert.
Bei Heidi Mück heisst es immer wieder, sie sei linksextrem. Teilen Sie die Einschätzung?
Linksextrem ist ein Kampfbegriff. Das braucht man selten. Es erstaunt mich, dass man den Begriff hier braucht. Vor vier Jahren war das deutlich weniger der Fall. Sie wurde damals als sehr valabel wahrgenommen. Es wird sicher nicht gelingen, sie in diesen Ecken zu stellen.