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Wo ist der Leopard? Gab es das in den 68 Festivaljahren eigentlich schon mal, dass das Tier überhaupt nicht auf den Plakaten zu sehen war? Also nur als Zitat? Jetzt sind es gelbe Gesichter mit schwarzen Leberflecken, also nicht richtigen Leberflecken, irgendein UV-Licht-Filter hat sie gemacht, aber die meisten der 11 neuen Plakatmotive sehen schaurig aus. Der Pluto ist eine ebenmässige Schönheit dagegen.
Egal. Am 5. August geht's los, am 15. zu Ende, und auf Folgendes kann man sich schon mal sehr freuen:
Denn Edward Norton, eben noch oscarnominiert für «Birdman» und auf ewig die bessere Hälfte von Brad Pitt in «Fight Club», kommt und nimmt den Excellence Award Moët & Chandon mit nach Hause.
Amy Schumer kommt. Amy fucking Schumer. Die derzeit prominenteste amerikanische Comedienne. Die Frau, die sich neulich vor Kanye und Kim auf einen roten Teppich schmiss und ihnen die Show stahl. Ihr Film «Trainwreck» (Regie: Judd Apatow) läuft am 8. August als Europapremiere auf der Piazza.
Der grosse darling of darkness, Udo Kier, kommt, er muss in der grossen Jury arbeiten und hat sicher enorm viel zu tun.
Andy Garcia, der Casinobesitzer aus den «Ocean's»-Filmen, der Vincent Mancini aus den «Godfather»-Filmen, kommt (am 7. August) und nimmt den Leopard Club Award mit nach Hause.
Auf der Piazza werden gleich zwei Filme mit Meryl Streep, die leider nicht kommt, zu sehen sein: nämlich der Musikfilm «Ricky and the Flash» von Jonathan Demme, in dem Ms Streep nach «Mamma Mia» mal wieder viel singen darf (am 5. August), und «The Deer Hunter» (am 9. August), wo sie die Frau an der Seite von Robert De Niro und Christopher Walken spielt.
Auch der Highschool-Krebs-Film «Me and Earl and the Dying Girl», der heuer Sundance schier in einem Tränenmeer ertränkte mit dem 24-jährigen Hauptdarsteller Thomas Mann (ja, so heisst er), läuft auf der Piazza (am 14. August).
Joel Basman spielt am 12. August in «Amnesia» von Barber Schroeder auf der Piazza und kommt ganz bestimmt. Im Gegensatz zu Jake Gyllenhall, der schon am 7. August die Hauptrolle in «Southpaw» von Antoine Fuqua spielt.
Die brutalsten Filme werden nicht von den Jungen und auch nicht von den Mitteljungen, sondern von einem Toten sein: Die grosse Retrospektive ist Sam Peckinpah gewidmet, dem grossen Western-Regisseur also, der als erster in Filmen zeigte, wie eine Kugel, die in einen Körper eintritt, auch wieder austritt. Und wie man Tieren den Kopf wegschiesst. Und wie Dustin Hoffmann zum Psychoslasher wird. Senta Berger, die in einem Western und einem Kriegsfilm von Peckinpah mitgespielt hat, wird in Locarno sein Werk erklären.
Ach ja, der längste Film (nicht auf der Piazza, es wär ein schönes Experiment) ist der japanische Frauenfilm «Happy Hour» von Ryusuke Hamaguchi im internationalen Wettbewerb: 317 Minuten. 5 Stunden und 17 Minuten.
PS. Ein Skandal, wie letztes Jahr mit Roman Polanski, ist 2015 in Locarno nicht zu erwarten. (sme)