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Die Sonne stand hoch am Himmel und sandte ihre Strahlen direkt in Monikas Schlafzimmer. Es war Sonntag und sie hatte noch keine Lust, sich aus ihrem Bett zu fläzen. Sie hielt ihren e-Reader in der Hand und versuchte sich auf das Buch zu konzentrieren. Mit wenig Erfolg. Ihre Gedanken schweiften ständig ab. Sie dachte an den morgigen Tag, an dem sie ihre neue Arbeitsstelle antreten wird. Bis vor wenigen Wochen war sie als Abteilungsleiterin in einer Unternehmensberatungsfirma tätig. Eigentlich hätte sie in diesem Jahr Partnerin werden sollen; so weit kam es leider nicht. Sie wurde bei der Beförderung übergangen, was sie ungemein ärgerte und tief verletzte. Die mitleidigen Blicke ihrer Kollegen ertrug sie nicht weiter. Monika suchte sich eine neue Herausforderung und fand diese sehr schnell.
Sie stand unmotiviert auf, ass eine Kleinigkeit zu ihrem Espresso und ging ins Fitness-Studio. Vielleicht half ihr ein Training, sich ein wenig abzulenken. Als sie zurück in ihre leere Wohnung kam, fühlte sie sich besser. Sie setzte sich vor den Fernseher und liess sich mit bedeutungsloser Unterhaltung berieseln. Nach dem obligaten Telefongespräch mit ihrer Mutter, welches immer am Sonntag gegen Abend statt fand, schob sie sich eine Tiefkühlpizza in den Ofen und öffnete eine Flasche Chianti Classico. Gedankenverloren stand sie in der Küche, schwenkte das Glas mit dem Wein in der Hand und wartete bis die Pizza die richtige Bräune erlangte. Sie zwang sich, nicht an Michael zu denken. Schon den ganzen Tag versuchte sie ihn aus ihrem Kopf und ihren Gedanken zu drängen. Es gelang ihr schon ein wenig besser, wie sie mit einer gewissen Genugtuung bemerkte. Sie schaute sich den Tatort an und ging danach ins Bett.
Um Punkt sechs Uhr morgens wurde sie von ihrem Wecker unsanft aus dem Schlaf gerissen. Schlaftrunken stand sie auf und ging unter die Dusche. Lange stand sie vor ihrem Kleiderschrank, um sich ein passendes Outfit auszusuchen. Sie entschied sich für einen schwarzen Hosenanzug und eine weisse Bluse – ein unspektakulärer Klassiker. Nach dem Espresso und einem Blick auf die Newsportale im Internet, verliess sie ihre Wohnung. Sie hatte rund fünfzehn Minuten zu Fuss bis zu ihrem Arbeitsplatz, was mitunter eine entscheidende Rolle bei der Stellenwahl gespielt hatte. Sie meldete sich am Empfang und ihr neuer Vorgesetzter holte sie mit einem sympathischen Lächeln im Gesicht ab. Sie haben sich beim Vorstellungsgespräch schon sehr gut verstanden und sie freute sich auf die Zusammenarbeit mit ihm. Er zeigte Monika ihr neues Büro. Nachdem sie ihre Tasche deponiert hatte, folgte sie ihm zu ihren neuen Mitarbeitenden, welche sich ein Grossraumbüro teilten. Nach der Vorstellungsrunde gingen sie weiter zur Abteilung 2, die für eine andere Region als Monikas Team zuständig war.
Als sie zum Büro des Abteilungsleiters geführt wurde, stockte ihr der Atem; ihr Herz setzte für einen kurzen Moment aus und das Blut rauschte in ihren Ohren. Vor ihr stand Michael, der sie mit einem leicht verrutschten Lächeln und mit grossen Augen ungläubig anstarrte.
Wie durch einen dichten Nebel hörte sie ihren Chef sagen: „Michael, das ist Monika, welche die Abteilung 1 in Zukunft führen wird. Wie besprochen, wirst du für ihre reibungslose Einarbeit zuständig sein.“