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B.5 Ausgrabungen in Kehrsiten
Zeichnung: Unterwasserarchäologie Stadt Zürich
Bei einer archäologischen Ausgrabung werden alle Grabungsflächen detailliert dokumentiert, Funde und Holzproben für dendrochronologische Untersuchungen geborgen. Die Grabungsfläche wird dabei in ein Raster unterteilt, sodass die Fundstücke im Nachhinein genau dem Fundort auf der Fläche des Dorfes zugeordnet werden können. Das ist wichtig, um beispielsweise verschiedene Nutzungen der Gebäude als Wohnhäuser, Ställe, Vorratsgebäude oder Werkstätten erschliessen zu können. Selten lassen sich auch gesellschaftliche Schichtungen erkennen, wenn sich zum Beispiel ein Gebäude durch besonders reiche und wertvolle Funde auszeichnet, die vielleicht von der gehobenen Stellung seines Bewohners zeugen.
Die verschiedenen Schichten (siehe Abbildung unten), die sich im Laufe der Jahrtausende abgelagert hatten, werden für die archäologischen Untersuchungen freigelegt. Aus den Schichten wird Material herausgekratzt, um es später im Labor zu untersuchen. Die verschiedenen Schichten, deren Ablagerungen Zeugen zeitlich unterschiedlicher Siedlungen sind, erlauben auch Aussagen über zeitliche Entwicklungen. Dabei ist alles, was die Menschen hinterlassen haben – Geschirr, Werkzeug, Speise- und Schlachtabfall, Fäkalien, Holz –, für die Bestimmung einer sogenannten Kulturschicht wichtig. Als Kulturschichten werden in der Archäologie Sedimente bezeichnet, in denen Geräte, keramische Überreste, Mahlzeitenüberreste und ähnliche Spuren menschlicher Tätigkeit gefunden werden.
In Kehrsiten konnten in den drei Schnitten der Grabung von 2008 drei verschiedene Kulturschichten festgestellt werden. Die sogenannten Schnitte sind auf den Bildern oben zu sehen. Ein Grabungsschnitt erlaubt einen Einblick in eine archäologische Fundstelle, wobei der Schichtaufbau untersucht und ein Querschnitt der vorkommenden Funde geborgen werden kann.
In den Bodenablagerungen von Kehrsiten wurden Hinterlassenschaften von mehreren, zeitlich nacheinander erbauten Siedlungen gefunden: Gegenstände aus der Cortaillod-Kultur, 4300–3900 vor Christus, aus der Pfyner Kultur, 3900–3500 vor Christus und einige wenige aus der Horgener Kultur, 3400–2800 vor Christus. Diese Kulturbegriffe beziehen sich jeweils auf Fundorte, an denen für die Kulturgruppe charakteristische Funde gemacht wurden. Cortaillod ist ein Ort am Neuenburgersee, Pfyn liegt im Thurgau, und Horgen liegt am Zürichsee.
Fotos: Unterwasserarchäologie Stadt Zürich