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«I’m every woman, it’s all in me» sang Chaka Khan 1978, im Geburtsjahr von Liv Strömquist. In ihrem neuen Comic «I’m every woman» widmet sich die schwedische Comiczeichnerin den Frauen der Geschichte, die bis heute oft vergessen gehen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Bänden, die auf Deutsch von ihr erschienen sind (über die Liebe und über die Vulva), hat «I’m every woman» kein übergeordnetes Thema. Der Band versammelt kürzere Comics, die auf Schwedisch teils schon Anfang der nuller Jahre erschienen sind.
Wie eine Talentshow aufgemacht ist «Die unsäglichsten Lover der Weltgeschichte»: ein Ranking von berühmten Männern wie Picasso oder Elvis, die äusserst schlechte Ehemänner waren, aber dafür kaum je öffentlich zur Rechenschaft gezogen wurden – Hauptsache, Genie. Interessanter noch sind die Geschichten über weniger bekannte Namen wie die Anarchistin Voltairine de Cleyre. Sie entschied sich aus Prinzip gegen dauerhafte Zweisamkeit mit einem anderen Menschen und schrieb Anfang des 20. Jahrhunderts viele kluge Dinge, etwa «They who marry do ill», eine Brandrede gegen die Ehe.
Einige Kapitel sind argumentativer und erklären etwa, wieso homosexuelle Tiere nicht als Argument gegen Homophobie funktionieren (muss man erst ein Tier finden, das Auto fährt, damit Autofahren in Ordnung ist?). Ein anderes widmet sich der Gleichstellung: Ob es, so fragt Strömquist rhetorisch, besser fürs Ökosystem im Nigerdelta wäre, wenn die Hälfte des Shell-Aufsichtsrats aus Frauen bestünde? Und räumt an gleicher Stelle auch gleich mit dem Vorurteil auf, Frauen wären sanfter und darum die besseren Menschen. Kapitalismus ist eben auch dann noch Kapitalismus, wenn er von Frauen gemacht wird.
Vieles in «I’m every woman» ist nicht wirklich neu, einiges auch naheliegend. Allerdings scheint einem ja kaum etwas anderes übrig zu bleiben, als diese Geschichten und Argumente immer und immer wieder neu aufzulegen – bis sich etwas ändert. Umso besser, wenn das so unterhaltsam geschieht wie bei Liv Strömquist.