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EARN
(Teil 2)
Ein außerirdisches DatennetzIn DS 25 gab es den ersten Teil des Artikels zum EARN. Erstmal die Berichtigungen zu diesem ersten Teil:
Also. Das US-Gegenstück zum EARN heißt natürlich NICHT Bitnic, sondern Bitnet. Bitnic ist der zentrale Knoten in New York, der die Verwaltung für alle Bitnet-Knoten und angeschlossenen Netze (EARN, GuldNet) übernimmt. Die Nodes im EARN haben meistens ein System in ihrem Namen. Zum Beispiel bedeutet DOLUNI1 nichts weiteres als:
D Deutschland (Land)
Ist also ziemlich klar. Andere Kennzahlen für das Betriebssystem sind unter anderem: O-Cypher, 4-BS3000, 5-VAX/ VMS, 6-Unix. Leider wird diese sinnvolle Einteilung nur in Europa eingesetzt. Namen wie WEIZMANN, SUNRISE, etc. wird man aber nach längerer Nutzung vom EARN/Bitnet von selbst kennenlernen.
Jedes Zentralnode eines Landes bieten zwei Informationsdienste an. Das eine ist der [email protected]<centralnode>. Das andere ist der [email protected]<centralnode>. Beim Netserver kann man sich Hilfsprogramme zum chatten (Z.B. CHAT für VM/SP oder XYZZY für VAX/VMS) schicken lassen. Außerdem bekommt man dort verschiedene Informationen über die einzelnen Nodes bzw. User. Der Listserver ist da etwas anders. Man kann sich in Listen für bestimmte Themen eintragen: UNIX, ATARI XL, Psychologie des Hundes, usw. Dann bekommt man zu diesen Themen immer das neuste zugeschickt. Aber es gibt auch mehrere E-Mail Zeitschriften wie z.B. BITMONTH. In dieser Zeitschrift wird monatlich alles wissenswerte über das Bitnet veröffentlicht. Bei den Listservern gibt es auch geschlossene Gruppen, die nur für bestimmte Leute (z.B. Systemer, Node Admin,etc.) zugänglich sind. Sinnvolle Kommandos für solche Listserver sind z.B. HELP, GET BITEARN NODES (Liste der erreichbaren Nodes) oder GET BITNET SERVERS (Liste der ereichbaren Server auf dem Bitnet).
Dann gibt es noch private Server wie UH-INFO oder TRICKLE DBOTUI11. Diese werden von Firmen oder Universitäten betrieben. Von dieser Art von Server gibt es etwa 200 auf EARN. Dann gibt es auch noch Mailboxen-Systeme, da aber auf EARN selten Compaterfreaks zu finden sind, haben Mailboxen Seltenheitswert. Es gibt auf der ganzen Weit nur drei Mailboxen, die auch so funktionieren, wie man es von einer anständigen Box gewöhnt ist.
[email protected]
[email protected]
[email protected]
[email protected]
Die Hipparco und die Chamas verwenden eine geoähnliche Benutzungsoberfläche, soweit dies auf einem Netz wie EARN möglich ist.
Ein anderer Dienst von EARN sind die Gateways zu anderen Netzen. Dadurch sind bequem andere Netze wie EuNet/ UUCP Janet/UUCP, DFN/X.400 (EAN), Arpa-Inter-Net leicht erreichbar. Auf VM/CMS Systemen gibt es entweder ein Programm namens CROSSNET oder namens MAIL. Mit diesen kann man in andere Netze Nachrichten verschicken, da diese Programme die entsprechenden Envelopes (Mailformate) automatisch bilden können. Auf VAX/VMS gibt es ein Kommando namens gMAIL. Dieses muß aber nicht umbedingt vorhanden sein. Wenn man Pech hat, muß man sich seinen Envelope selbst basteln. Die dazu notwendigen Formate sind bekannt unter dem Namen BSMTP und RFC822. Die Beschreibungen für diese Umschläge sind auf allen Servern der Zentralknoten (in Deutschland DEARN) zu bekommen. Diese Abkürzungen hören sich schlimm an, beschreiben aber im Endeffekt nur paar Zeilen vor und nach der eigentlichen Nachricht. Auch für andere Netze wie z.B. EuNet oder UseNet sind diese Formate interessant. Wenn man mit diesen Formaten umgehen kann, sind auch Mailboxen und Server auf dem InterNet erreichbar. Beispielsweise gibt es einen Server [email protected] Dort kann man Massen von Atarisoftware abfordern. Dafür muß man nur den Befehl INDEX oder HELP in der Subject-Zeile (auswärts für Betreff) angeben. Natürlich kann man auch von anderen Netzen aus ins Bitnet senden. Das geht z.B. vom UUCP aus mit dem Path:
..!tmpmbx!<node>.BITNET!<userid>
Man sollte aber immer dran denken, daß das Senden in andere Netze Probleme bringen kann, da es auf diesen Netzen vielleicht andere Topologien, Organisationen und Kostenstrukturen gibt. Im Zweifelsfall sollte man immer einen SysOp oder Postmaster fragen. Das verwendete Protokoll auf den EARN/Bitnet ist NJE. Dies steht für Network Job Entry und ist ein Produkt von IBM. Bis heute habe ich noch keine vernüftige Beschreibung für dieses Protokoll gefunden, da es sich um 'restricted documents' handelt. Ein beliebtes Hobby von Firmen wie IBM und DEC. Die Verbindung unter den Nodes wird mit einem Softwareprogramm namens RSCS aufrecht gehalten. Dieses RSCS ist eine Art Pseudo-User und ist daher auch ansprechbar. Man kann ihm unter anderen Kommandos schicken.
Wichtige Befehle des RSCS sind z.B.
Das Backbonenetz von EARN wurde bis Ende 1987 von IBM finanziert. Seitdem wird es vom Bundesministerium für Forschung und Technologie bezahlt. Die Finanzierung läuft Ende 1989 aus. Das hätte normalerweise das Ende von EARN in Deutschland bedeutet, wenn nicht IBM gesagt hätte, daß sie die Finanzierung eventuell wieder übernehmen. Man könnte jetzt meinen, daß die Universitäten dahinterher sein müßten, EARN attraktiv zumachen, um durch hohe Benutzerzahlen IBM endgültig eine Zusage abzuringen. Im Gegenteil: In letzter Zeit wird der Zugang immer schwieriger. Stattdessen will man sich an das DFN (Deutsches Forschungsnetz) hängen. Dieses (auf X.400 basierende) Netz läuft über Lattex. Als Begründung wird angeführt, das man nicht von einer Firma (IBM) abhängig sein will. Das hört sich gut an. Bei DFN wäre man ja nur von der Bundespost abhängig. Und... DFN müßte sicher für die Allgemeinheit gesperrt werden. Das Übertragungsmedium ist ja Datex-L. Das ist teuer und ziemlich unsicher (wenigstens im Vergleich zu EARN). Außerdem bietet DFN weder Server, noch Messages, noch Relays. Allerdings ist das Thema Netze der Universitäten noch nicht entschieden. Das letzten Reste von EARN werden wohl im nächsten Jahr in das AGFNet integriert. Das AGFNet ist das Netz der 'Arbeitsgemeinschaft Großforschungseinrichtungen'. An dieses AGFNet wollen sich jetzt auch ein paar Universitäten anschließen, um die Leistungen vom Bitnet weiter direkt nutzen zu können. AGFNet bietet sogar weitergehende Leistungen wie Remote Login. Außerdem hat die Post angeboten, ein wissenschaftliches Datennetz für die Universitäten einzurichten. Dieses ist praktisch Datex-P, wird aber von den Universitäten pauschal bezahlt, also nicht nach Volumen. In wie weit Studenten diese Netze nutzen können, werden die einzelnen Rechenzentren entscheiden müssen. Inzwischen haben sich unter anderem die Universitäten in Niedersachsen entschlossen, auch über das Jahr 1990 hinaus am EARN/Bitnet angeschlossen zu bleiben. Als Übertragungsmedium wird ebenfalls das wissenschaftliche Hochschulnetz dienen, da auch der deutsche Betreiber (Gesellschaft für Mathematik und Datentechnik) inzwischen versichert hat, den deutschen Zentralknoten DEARN weiter zu betreiben.
In Deutschland kann man weitergehende Informationen über EARN/Bitnet von IBM Heidelberg, von der GMD in Darmstadt oder Bonn oder aber von mir bekommen.
Terra