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In einem Anfang Juli erschienenen Bericht weist der Verband für Verkehr und Umwelt, in dem mehr als 50 europäische Nichtregierungsorganisationen zusammengeschlossen sind, auf den katastrophalen Anstieg des Verbrauchs von Palmöl in Europa hin. Vor allem im Verkehrssektor wird immer mehr Palmöl verbraucht – weil es fälschlicherweise als «Biokraftstoff» betrachtet wird. Biologisch wird Palmöl indessen nicht hergestellt, weshalb man von Agrartreibstoff reden muss.
So erreichte die Verwendung von Palmöl auf europäischer Ebene in diesem Jahr ein Rekordhoch: Sie stieg um sieben Prozent auf 4,5 Millionen Tonnen, obwohl die Nahrungsmittelindustrie weniger Palmöl verbrauchte.
Die Nahrungsmittelindustrie ist in Europa der Sektor, in dem traditionell am meisten Palmöl verbraucht wird. Nach einem historischen Rückgang des Verbrauchs benötigte die Lebensmittelindustrie in diesem Jahr allerdings «nur» noch 2,8 Millionen Tonnen Palmöl. Trotz diesem Rückgang ist der gesamte Verbrauch in Europa gestiegen – weil Palmöl immer öfter für die Herstellung von Dieselkraftstoff verwendet wird.
«Europäische Union hat die Umweltkosten nicht verstanden»
Wie Cristina Mestre, Leiterin des Bereichs Agrarkraftstoffe beim Verband für Verkehr und Umwelt, gegenüber französischen Medien sagt, sei der Anstieg von Palmöl im Kraftstoff-Bereich durch eine Kombination von zwei Faktoren zu erklären: Erstens sei Palmöl sehr billig in der Herstellung, zweitens habe die Europäische Union die Umweltkosten, die durch die Produktion von Palmöl anfallen, noch nicht verstanden.
Sylvain Angerand ist Direktor von Canopée, einer Vereinigung, die sich für den Schutz von Wäldern in Frankreich und auf der ganzen Welt einsetzt. Gegenüber «mediapart» sagt er: «Der Mensch benutzt das Auto immer mehr, und gleichzeitig gibt es immer weniger Öl. Die Gleichung ist einfach.»
Für die Hälfte der weltweiten Entwaldung verantwortlich
Der Bericht des Verbands für Verkehr und Umwelt kommt zum Schluss, dass Agrarkraftstoffe nicht umweltfreundlich sind. Demnach seien Agrarkraftstoffe dreimal schlechter für das Klima und würden über 80 Prozent mehr CO2 ausstossen als fossile Brennstoffe. Dies geht auch aus der Arbeit mehrerer Forscher hervor, darunter zum Beispiel Helga-Jane Scarwell, die in ihrem Buch «Biocarburants, les temps changent!» feststellt, dass «der Anbau der Pflanzen, die Agrarkraftstoffe produzieren, Probleme aufwirft, die sie nicht als ideale Lösung für alle Übel erscheinen lassen.»
Eine Meinung, die durch die im April 2016 von der Europäischen Kommission veröffentlichte Globiom-Studie bestätigt wird.
Die Studie des Verbands für Verkehr und Umwelt erinnert an die verschmutzende Natur von Palmöl, dessen Anbau für die Hälfte der weltweiten Entwaldung verantwortlich ist. Nach Angaben des indonesischen Ministeriums für Umwelt und Forstwirtschaft wurden zwischen 1990 und 2015 24 Millionen Hektar Tropenwald für die Produktion von Palmöl zerstört.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
keine