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- An den 55. Solothurner Filmtagen wird ein alter Film neu uraufgeführt: «Anna Göldin – Letzte Hexe, Link öffnet in einem neuen Fenster» aus dem Jahr 1991 der Regisseurin Gertrud Pinkus.
- Der Streifen wurde vollständig digitalisiert und farblich erneuert. Zusammen mit der besten Tonqualität ist er ab Februar über Streaming-Portale verfügbar.
- Hinter dem Projekt steht die Online-Edition filmo. Sie will die wichtigsten Schweizer Filme digital zugänglich machen.
1782 in Glarus: Anna Göldin wird geköpft. Sie ist verurteilt worden als «Hexe». Sie ist die letzte Frau in Europa, die diesem «Straftatbestand» zum Opfer fällt. Anna Göldin gehörte zu jener halben Million Frauen, die in den 300 Jahren zuvor während der Hexenverfolgungen getötet worden waren. Göldin wurde vorgeworfen, ein Kind verhext zu haben. Dieses gehörte einer Familie, in der sie als Magd angestellt war.
Justizmord an Anna Göldin
Der Publizist Walter Hauser kam 2007 zum Schluss, dass Anna Göldin vermutlich ein Verhältnis hatte mit ihrem Dienstherrn. Weil er als überführter Ehebrecher kein politisches Amt hätte ausüben dürfen, habe der Dienstherr beschlossen, Anna Göldin zu beseitigen. Dazu initiierte er den Hexenprozess mit dem Vorwurf, Göldin habe sein Kind vergiftet.
2008 beschloss der Regierungsrat des Kantons Glarus, den Tatbestand der Vergiftung fallen zu lassen. Dem Parlament beantragte er, den Prozess von 1782 als Justizmord zu bezeichnen. Dieser Antrag kam einstimmig durch. Das Glarner Kantonsparlament entschied, dass das Verfahren von 1782 nicht rechtmässig gewesen sei, Göldin sei das Opfer eines Justizmordes. (Quelle: Wikipedia)
Göldin war die letzte «legale» Hexen-Hinrichtung in Europa. Das Urteil löste grosse Empörung aus. Und es beschäftigte viele Jahre später den Schriftsteller Kaspar Freuler. Er veröffentlichte 1945 den Roman «Anna Göldi. Die letzte Hexe der Schweiz.» Auch die Autorin Eveline Hasler griff das Thema auf. 1982 erschien ihr Tatsachenroman «Anna Göldin, letzte Hexe».
1991 kam das Schicksal von Anna Göldin als Film in die Schweizer Kinos. Das Werk löste viele Diskussionen aus, weil es die Hexenverfolgung zurück ins Bewusstein der Öffentlichkeit brachte. Zu reden gab der Film aber auch, weil er für Schweizer Verhältnisse sehr teuer war, nämlich 3 Millionen Franken. Drehorte waren Glarus, das Freilichtmuseum Ballenberg und die Stadt Solothurn.
Von der Leinwand zu den Streaming-Diensten
In Solothurn erinnern sich noch viele Menschen an eine Szene vor dem alten Zeughaus mit Clown Dimitri. Sogar die «Tagesschau» berichtete damals darüber. Solothurn musste herhalten als Kulisse für das alte Glarus. Und was im Film die Glarner sind, waren in Tat und Wahrheit Solothurnerinnen und Solothurner. Der Film war damals im Kino ein grosser Erfolg.
Seit vielen Jahren war er aber auf den Leinwänden nicht mehr zu sehen. Jetzt aber läuft er wieder im Kinosaal, als Vorpremiere , Link öffnet in einem neuen Fensteran den Solothurner Filmtagen. Und ab dem 6. Februar kann man ihn dann auch abrufen über fast jeden Bildschirm in Schweizer Haushalten. In der neuen digitalisierten Version mit 4K, Dolby Vision und HDR (Farbbestimmung mit High Dynamic Range) ist «Anna Göldin – Letzte Hexe» auf den Streaming-Diensten Teleclub, Apple TV, UPC, Sky und Cinefile erhältlich.
Luca Kurt spielte damals als 8-Jährige mit
Die Solothurnerin Luca Kurt spielte damals, vor 30 Jahren, das Anne-Miggeli, jenes Kind, das von der Magd Anna Göldin verhext worden sein soll.
Luca Kurt ist heute 38, Sozialpädagogin und ist heute nicht mehr beim Film. Sie erinnert sich aber gut an die Dreharbeiten damals. «Wir mussten in der Schule eine Szene spielen, ich wusste nicht genau für was, ich machte einfach, was man mir sagte. So kam ich zum Film», so Kurt heute im Interview.
Ich wusste nicht genau, für was ich in der Schule die Szene spielte.
Ihre Mutter habe sie jeweils zu den Dreharbeiten in Glarus begleitet. Für Luca Kurt war es ein willkommener, schulfreier Tapetenwechsel, erinnert sie sich. Die Mutter sei aufgeregt gewesen, ob die Tochter das alles packe, die Erwartungen der Regisseure erfülle, aber es habe geklappt, sagt Luca Kurt heute.
Das düstere Thema der Hexenverfolgung, das sei ihr als 8-Jährige nicht so richtig bewusst gewesen, so Luca Kurt heute. Sie sei gespannt auf die digitale Version des Films, den sie selbst seit rund 20 Jahren nicht mehr gesehen hat. Sie selbst spielte noch ganz kurz im Film «Kinder der Landstrasse», erinnert sie sich. Aber es sei keine Liebe auf den ersten Blick gewesen, wie mit dem Film «Anna Göldin». Deshalb sei die Filmkarriere dann auch nicht weitergegangen.