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Gründung der Dermatologischen Klinik
1916 wurde Bruno Bloch von Basel als erster Professor für Haut- und Geschlechtskrankheiten und Direktor der neu gegründeten Klinik nach Zürich berufen. Er wünschte unter anderem, dass aus dem Einrichtungskredit für 3000 Franken "Moulagen und Material zur Anfertigung von Moulagen" bezogen werden können. Moulagen stellten ein wichtiges Lehrmittel im Hörsaal dar und Bloch hatte die Sammlungen in Wien, Berlin und Paris bereits in seiner Ausbildung schätzen gelernt. Er schrieb 1922: "Eine dermatologische Klinik ohne eigene Moulagensammlung und ohne die Möglichkeit, die in ihr vorkommenden, praktisch oder theoretisch wichtigen Fälle moulagieren zu lassen, ist nicht vollständig".
Durch den Krieg war 1918 Lotte Volger (1883 - 1956) aus Deutschland in die Schweiz gekommen. Sie hatte die Moulagentechnik in Berlin bei Fritz Kolbow (1873 - 1946) gelernt und begann nun an der Zürcher Klinik mit dem Aufbau einer dermatologischen Moulagensammlung. Im 1924 fertiggestellten Neubau der Dermatologische Klinik waren die Moulagen in unmittelbarer Nähe des Hörsaals untergebracht und für die Vorlesung griffbereit.
Unter Paul Clairmont (1875 - 1942), dem Leiter der Chirurgischen Klinik, wurden in den Jahren 1919 bis 1927 Moulagen von chirurgischen Krankheitsbildern in Auftrag gegeben. Etwa 500 chirurgische Moulagen wurden von Adolf Fleischmann (1892 - 1968) hergestellt. Fleischmann war am Kantonsspital als wissenschaftlicher Zeichner angestellt und wurde von Lotte Volger zu diesem Zweck als Moulageur ausgebildet. Er erlangte später als Kunstmaler und Pionier der Konkreten Kunst Weltruf. Chirurgische Moulagen sind eine Rarität, die nur in Paris und Zürich zu finden ist.
Die Moulagensammlung genoss auch die Förderung Guido Mieschers, dem Nachfolger von Bruno Bloch als Direktor der Dermatologischen Klinik, der keinen Zweifel darüber offen liess, "dass Moulagen eine grosse didaktische und wissenschaftliche Bedeutung besitzen".
1956 trat Ruth Beutl – Willi aus familiären Gründen zurück, nachdem sie mit Guido Miescher zuvor eine weitere Volger – Schülerin, Elsbeth Stoiber (1924-2014), im Ausland ausfindig gemacht hatte. Unter dem neuen Klinikdirektor Hans Storck arbeitete Elsbeth Stoiber ein zweites Mal in Indien und moulagierte Fälle von Lepra und anderen tropischen Hautkrankheiten. In Zürich führte sie eine Ausstellung von ausgewählten Moulagen im Hörsaal ein, die jeweils auf die vorhergegangene Vorlesung abgestimmt waren. Raumnot in der Dermatologischen Klinik führte dazu, dass die bis anhin im Klinikparterre befindlichen Moulagen weggeräumt und im Keller–Moulagenraum untergebracht werden mussten. Die Sammlung wurde mehrmals neu angeordnet und diente den Examenskandidaten zum Selbstunterricht. Auch wurden zahlreiche Führungen für das Pflegepersonal durchgeführt.
Durch die verbesserte Farbfotografie und schliesslich durch die Möglichkeit von Eidophorprojektionen im Hörsaal gerieten die Moulagen zunehmend in Vergessenheit. 1972 wurde Elsbeth Stoiber beauftragt, alle dermatologischen Moulagen einzuschmelzen. Glücklicherweise führte sie den Auftrag nicht aus, sondern setzte sich mit grosser Energie für den Erhalt und die Bewahrung der wertvollen Objekte ein.
Die Renaissance
Weltweit wurden die Moulagen im Laufe der 1960er Jahre durch die verbesserten Möglichkeiten der Farbdiaprojektion und Fernsehbildübertragung aus den Hörsälen verdrängt. Eine Moulagensammlung ist ungleich schwieriger zu betreuen und auszubauen als eine Diasammlung - ganz abgesehen vom grossen Platzbedarf. In den 1970er Jahren gerieten die Moulagen in Zürich auch bei den Ärzten zunehmend in Vergessenheit, ja man wollte die platzkonsumierenden Objekte sogar fortgeben oder vernichten. Das dies verhindert wurde, ist dem Einsatz und der Initiative von Einzelpersonen, besonders der Moulageuse Elsbeth Stoiber, zu verdanken.
Urs W. Schnyder, Klinikdirektor der Dermatologischen Klinik Zürich von 1979 bis 1991, unterstützte 1979 zusammen mit Elsbeth Stoiber den damaligen Konservator des Medizinhistorischen Museums der Universität Zürich, Urs Boschung, bei der Durchführung einer Sonderausstellung im Medizinhistorischen Museum zum Thema „Wachsbildnerei in der Medizin“. Die Ausstellung sollte vor allem der nunmehr aussterbenden Moulagen-Kunst gewidmet sein. Sie stand am Anfang einer Renaissance der Moulagen in Zürich. In einer Tonbildschau von Elsbeth Stoiber wurde erstmals die Technik der Moulagenherstellung präsentiert.
In den folgenden Jahren wuchs das Interesse an Moulagen. Es entstanden Filmbeiträge, Publikationen über die Arbeiten von Elsbeth Stoiber erschienen in der Presse und Moulagen wurden an Kongressen ausgestellt (Sylt, Berlin, Pavia, Zürich). Die Moulagen konnten in Vitrinen im alten Heizungskeller der Dermatologischen Klinik von Staatsexamenskandidaten, Assistenten und Pflegepersonal studiert werden. Ein grosser Teil der Objekte wurde vorübergehend dem Medizinhistorischen Institut zur Lagerung übergeben.
1984 konnten die bisher in der Chirurgischen Klinik gelagerten von Adolf Fleischmann hergestellten "chirurgischen" Moulagen vor ihrer Vernichtung gerettet, in die Kellerräume des Schulungszentrums (früher Anatomisches Institut) umgelagert und später in die Sammlung integriert werden. Schliesslich wurden die Dermatologischen Moulagen mit den Vitrinen aus der Dermatologischen Klinik in den Untergeschossräumen des Schulungsgebäudes (Gartenhüsli) des UniversitätsSpitals neu eingerichtet und Führungen zu Moulagen und Epithesen angeboten.
Ein grosser Teil der 1990 begonnenen Restaurierungsarbeiten an den Chirurgischen Moulagen wurde von Günter Siemiatkowski aus Dresden übernommen. 1993 wurde am UniversitätsSpital Zürich ein Neubau an der Haldenbachstrasse 14 mit einem modernen, gut ausgerüsteten Museumsraum eröffnet, der Platz für ca. 600 Moulagen bietet. Neben der Moulagensammlung war in diesem Gebäude auch die historisch aus der Moulagenabteilung gewachsene Abteilung für Epithetik untergebracht.
Die über 1800 Moulagen der Zürcher Sammlung wurden von den emeritierten Professoren Urs W. Schnyder (Dermatologie) und Heinz Eberle (Chirurgie) im neuen Museum für die Studenten und ein breites Publikum und in der alten Sammlung für Fachärzte neu geordnet und ausgestellt. Dazu wurde ein farbig illustrierter Moulagenkatalog erarbeitet. Erstmals konnte das Museum an einem Nachmittag in der Woche auch für die Bevölkerung geöffnet werden.
Die Verantwortung zur Pflege der Sammlung wurde einem Kuratorium übertragen, mit dem Vorsitz durch den Klinikdirektor der Dermatologischen Klinik, Prof. Günter Burg, und den Mitgliedern Prof. Victor Meyer (Klinikdirektor der Wiederherstellungschirurgie), Prof. Beat Rüttimann (Direktor des Medizinhistorischen Institutes der Universität), Herr lic. iur H.P. Sinniger (Verwaltungsdirektion UniversitätsSpital) und Frau Elsbeth Stoiber (Moulageuse und Konservatorin).
1994 wurde die Abteilung für Epithetik von der Moulagenabteilung getrennt und der Wiederherstellungschirurgie zugeordnet. Nach dem Rücktritt von Elsbeth Stoiber im Frühjahr 1999 hat Michael Geiges die konservatorischen Aufgaben übernommen, nachdem er von ihr in den Jahren zuvor auch in die Technik der Moulagenherstellung eingeführt worden war.
Das Moulagenmuseum ist seit 1996 Mitglied im Verein Zürcher Museen (VZM) und seit 1999 auch im Verband der Museen Schweiz (VMS). Seit 1999 ist das Moulagenmuseum über eine Website im Internet zu finden. Die Öffnungszeiten konnten erweitert werden und im Museum informieren Begleittexte über Medizinisches und Historisches im Zusammenhang mit den gezeigten Moulagen.
Am 19. Oktober 2000 konnte die erste Sonderausstellung mit dem Titel «Vom Erbgrind zum Fusspilz» - Moulagen dokumentieren den Wandel der Krankheit Hautpilz" eröffnet werden.