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«Teilen und herrschen» mit einem Impfangebot?
19. Januar 2022
Eine Gruppierung von Methodisten mit traditioneller Haltung in den USA kündigte Anfang des Jahres an, Reisekosten zu finanzieren, damit Delegierte der Generalkonferenz in Afrika, Eurasien und auf den Philippinen Zugang zu Impfstoffen erhalten. In einer Erklärung beurteilen methodistische Bischöfe diesen Vorstoss als kolonialistisch.
Am 7. Januar 🔗gab die Wesleyan Covenant Association (WCA) bekannt, dass sie und andere gleichgesinnte Gruppen mit einer theologisch konservativen Haltung Gelder für Reisen sammeln, damit Delegierte der 🔗Generalkonferenz in Afrika, Eurasien und auf den Philippinen Impfungen erhalten können. Die Generalkonferenz ist das oberste Leitungsgremium der weltweiten Methodistenkirche. 🔗In einer Erklärung, die am 18. Januar veröffentlicht wurde, beanstanden drei methodistische Bischöfe, dass der Plan nur dazu diene, bestimmten Delegierten die Teilnahme an der Versammlung zu ermöglichen, anstatt der Gemeinschaft als Ganzer zu helfen.
Durchführung ermöglichen
Keith Boyette, methodistischer Pfarrer und Präsident der 🔗Wesleyan Covenant Association, erklärte gegenüber dem methodistischen Nachrichtenkanal UM News, dass das Hauptziel seiner Gruppe darin bestehe, die zweimal verschobene Generalkonferenz in diesem Jahr voranzutreiben. Der Schlüssel dazu sei die Erfüllung der Anforderung US-Behörden, dass Menschen bei der Einreise in die USA vollständig mit von der Weltgesundheitsorganisation zugelassenen Impfstoffen geimpft sein müssen.
Kosten werden erstattet
Boyette sagte, dass die WCA-Initiative den Delegierten Mittel zur Deckung der Reise-, Unterbringungs- und Verpflegungskosten für die beiden Impfungen in staatlich betriebenen Kliniken zur Verfügung stellen würde. Die Delegierten müssten Quittungen vorlegen. Boyette schätzt die Kosten für die gesamte Aktion auf 135 000 US-Dollar.
Eine Frage der Gerechtigkeit
«Mit unserer Initiative für den Zugang zu Impfungen tun die WCA und andere Organisationen alles in ihrer Macht Stehende, um gläubigen Methodisten in aller Welt zu helfen, sich impfen zu lassen, damit sie an der Generalkonferenz teilnehmen können», sagte Boyette per E-Mail gegenüber UM-News. «Ihre Teilnahme ist eine Frage der Gerechtigkeit. Ihre Stimmen müssen gehört werden, wenn die Kirche über sehr wichtige Angelegenheiten berät, die ihre Ortsgemeinden und ihr Leben betreffen.»
Zweckgerichtete Begünstigung
Die Bischöfe Eben Nhiwatiwa aus Simbabwe, Harald Rückert aus Deutschland und Rodolfo «Rudy» Juan aus der Davao Area auf den Philippinen beurteilen den Vorstoss in ihrer Eklärung grundsätzlich anders. «Das Angebot von Impfstoffen für Delegierte der Generalkonferenz oder die Übernahme der Kosten für die Reise der Delegierten zu Orten, an denen sie geimpft werden können, ist kein Ausdruck von Impfgerechtigkeit», heisst es in der Erklärung. «Vielmehr erscheint es als ein Versuch, diejenigen zu begünstigen …, von denen die Spender möchten, dass sie einen bestimmten Zweck erfüllen.»
Kolonialismus
Der Plan trage «alle Zeichen des Kolonialismus» und der «Teile-und-herrsche-Taktik», die in Afrika die Saat des Chaos gesät habe, so die Bischöfe. Die drei Bischöfe bekleiden Führungspositionen unter ihren Bischofskollegen in den methodistischen 🔗Zentralkonferenzen in Afrika, Europa und auf den Philippinen. Eine Reihe weiterer Leitungspersonen äusserten sich 🔗gegenüber UM News ebenfalls kritisch zum Vorstoss der WCA.
Weitere Hürden
Auch die Verantwotlichen der Kommission für die Generalkonferenz, die für die Organisation des internationalen Treffens zuständig ist, haben ethische Bedenken. Zudem gebe es für die Durchführung der Generalkonferenz noch weitere grundlegende Schwierigkeiten. Alle Delegierten von ausserhalb der USA benötigen ein Visum.Die anhaltende Pandemie und andere Beschränkungen innerhalb des US-Konsularsystems hätten zu einem Flickenteppich unterschiedlicher Ansätze der einzelnen Botschaften geführt, die die Verantwortung und das alleinige Ermessen für die Erteilung solcher Visa haben. «Einige Botschaften vergeben aufgrund der Pandemie und des Rückstaus nicht einmal Termine», hiess es aus der Kommission.
Wichtige Zukunftsfragen
Die Wesleyan Covenant Association hat ein Interesse an den Angelegenheiten, die der Generalkonferenz vorgelegt werden. Insbesondere setzt sich die Gruppe für das vorgeschlagene 🔗Protokoll «Versöhnung und Gnade durch Trennung» ein. Diesen von vielen Konfliktparteien befürworteten Plan für eine Trennung der weltweiten Methodistenkirche hatte Boyette mit ausgehandelt.
Einvernehmliche Trennung ermöglichen
Der Vorschlag sieht vor, dass Kirchen und Konferenzen, die Beschränkungen für die Homo-Ehe und die Ordination von Homosexuellen befürworten, dafür stimmen können, mit dem Kircheneigentum auszutreten und eine neue traditionalistische Konfession zu bilden. Das Protokoll sieht auch vor, dass die neue Konfession 25 Millionen US-Dollar von der fortbestehenden United Methodist Church erhält.
Die WCA arbeitet an der Gründung dieser neuen traditionalistischen Denomination, der Global Methodist Church. Damit das Protokoll in seiner jetzigen Form in Kraft treten kann, ist jedoch die Annahme durch die Generalkonferenz erforderlich.
Mehrmals veschoben
Die kommende Generalkonferenz sollte sich ursprünglich im Mai 2020 mit dem Protokoll und anderen Rechtsvorschriften befassen. Aufgrund von pandemiebedingten Schliessungen von Veranstaltungsorten und Reisebeschränkungen musste die internationale Versammlung jedoch 🔗zweimal verschoben werden. Ihr Durchführung ist nun in der Zeit vom 29. August bis 6. September in Minneapolis geplant.
Miteinander verbunden
In ihrer Erklärung, in der sie die WCA kritisieren, betonen die Bischöfe, dass sie sehr unterschiedliche Ansichten zu Fragen der menschlichen Sexualität haben. «Aber wir sind uns einig und stehen gemeinsam für den Zusammenhalt und die Einheit unserer geliebten United Methodist Church ein», heisst es in der Erklärung der Bischöfe. «Wir werden uns nicht davon abbringen lassen, uns gegenseitig als Brüder und Schwestern in der Kirche zu sehen.»
Heather Hahn, UM News / S.F.
Beitragsbild: hakan german, Pixabay
Generalkonferenz
Die Generalkonferenz ist das oberste Leitungsgremium der weltweiten Methodistenkirche (🔗United Methodist Church). Die Konferenz kann das Kirchenrecht revidieren und Resolutionen zu aktuellen moralischen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Fragen verabschieden. Sie genehmigt auch Programme und Budgets für kirchenweite Aktivitäten. Die für 2020 vorgesehene 🔗Tagung in Minneapolis (USA) ist inzwischen auf den 29. August bis 6. September 2022 verschoben worden.
Zentralkonferenz
In Afrika, Europa und auf den Philippinen bilden die Jährlichen Konferenzen (Synoden) einer grösseren Region sogenannte Zentralkonferenzen. In Europa sind dies die Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa, die Zentralkonferenz Nordeuropa und Eurasien sowie die Zentralkonferenz Deutschland. Diese drei Zentralkonferenzen erstrecken sich über 32 Länder und zehn Zeitzonen in Europa und Asien. Die Zentralkonferenz bildet eine administrative Einheit, die die gemeinsame Arbeit und Mission koordiniert und auch ihren Bischof oder ihre Bischöfin wählt. Die an eine Zentralkonferenz entsandten Delegierten sind zu gleichen Teilen Laien und pastorale Mitglieder. Die Jährliche Konferenz (Synode) Schweiz-Frankreich-Nordafrika ist Teil der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa, deren Bischof seit 2006 Dr. Patrick Streiff (Zürich) ist. 15 weitere Länder von Polen bis Nordafrika gehören zu dieser Zentralkonferenz.