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Was verstehen wir unter Kommunikation? Einfach ausgedrückt, ist es das Übermitteln einer Botschaft von einem Sender zu einem Empfänger. Die Botschaft kann nonverbal oder verbal sein. Kommunikation findet also immer mit mindestens einem Gegenüber statt. Kommunikation ist ein Teil der sozialen Interaktionen. Soziale Interaktion bezeichnet das gesamte wechselseitig aufeinander bezogene Handeln. Kommunikation muss zumindest mit einem Minimum an Bewusstheit und Intention stattfinden, wenn eine Botschaft zielgerichtet übermittelt werden soll und zwar von beiden Seiten. Der Sender möchte dem Empfänger eine Mitteilung übermitteln in der Absicht, dass der Empfänger darauf reagiert. Und schon wird der Empfänger zum Sender, weil der wiederum eine Botschaft an sein Gegenüber vermittelt.
Das ist eine sehr vereinfachte lineare Darstellung von Kommunikation. Das 4 Seiten - Modell von Schulz von Thun bezieht mehrere Ebenen mit ein:
1. die Sachinformation: worüber ich informiere (Inhalt der Nachricht)
2. die Selbstkundgabe: was ich damit über mich aussage (Absicht, Gefühle)
3. den Beziehungshinweis: was ich von meinem Gegenüber halte und wie wir zueinander stehen
4. die Appellseite: wozu ich das Gegenüber auffordern oder veranlassen möchte.
Im Zusammenleben mit unseren Hunde finde ich zudem 2 Kommunikationsaxiome von Paul Watzlawick spannend:
1. Wir können nicht nicht kommunizieren
2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, wobei letzterer den ersteren überwiegt.
Natürlich sind die Modelle für die Kommunikation zwischen Menschen konstruiert worden. Ich finde es aufschlussreich, einige Aspekte rauszugreifen und bezüglich Kommunikation zwischen Mensch und Hund anzuschauen.
An dieser Stelle ein einfaches Beispiel:
Du bist mit deinem Hund auf einem Spaziergang, dein Hund läuft frei. Da kommt ein angeleinter Hund entgegen mit seinem Menschen. Du erkennst die Situation und deine Intention ist, deinen Hund zu dir zu rufen, um ihn anzuleinen. Dein Hund hat auch eine Intention: er sieht den Hund und möchte zu ihm hinrennen. Die Ausgangslage ist schon mal so, dass zwei unterschiedliche Interessen aufeinander treffen. Dem sagt man: Konflikt. Und da du diese Situation möglicherweise schon öfters so erlebt hast, könnte die Kommunikation so ablaufen:
Sachinformation ist ein Hörzeichen oder Sichtzeichen, damit dein Hund zu dir zurückkommt, weil da ein anderer Hund sich nähert. Nehmen wir das Hörzeichen HIER. Das Hörzeichen wurde vorher kodiert, sodass beide dieselbe Information damit verknüpft haben.
Selbstoffenbarung könnte sein: es ist mir peinlich, wenn mein Hund dort hinrennt. Oder: ich habe Angst, dass etwas passiert und bin ziemlich nervös. Aus diesem Grund rufe ich das HIER mit einem scharfen Unterton. Der Beziehungshinweis könnte sein: ich weiss genau, dass du dorthin willst und ich bin ganz und gar unsicher, ob du auf meinen Rückruf hörst, du Schlitzohr. Appellseite: ich will, dass du zu mir kommst und nicht dorthin spurtest gefälligst!
Und der Hund? Der entschlüsselt auf SEINEM Selbstkundgabeohr, wie sein Mensch gestimmt ist. Die Sachinformation ist zwar angekommen, aber er weiss genau, dass sein Mensch unsicher ist und gerade alles andere als souverän drauf und deshalb sagt ihm sein Beziehungsohr, dass es sich eher lohnt, dem Kollegen dort Hallo zu sagen. Und das macht der Hund jetzt auch. Und schon haben wir wieder einen weiteren Informationsaustausch, nun von Hund zu Mensch: Hund Selbstoffenbarung: der andere Hund ist mir wichtiger, da renne ich hin; Beziehungshinweis: du Mensch bist mir im Moment nicht souverän genug; Appellseite: lass mich doch schnell zu dem Kollegen hin, take it easy. Sachinformation fragst du dich gerade? Dem Menschen das Hinterteil zudrehen und in die andere Richtung rennen, was eine Richtungsänderung impliziert. Und der Mensch auf dem Selbstkundgabeohr: frecher Hund, der macht was er will; Beziehungsohr: ich fühle mich verraten von meinem Hund, der liebt mich nicht, der macht das extra; auf dem Appellohr: der Hund sagt mir, komm doch , wenn du kannst und fang mich ein. Ich kann gerade nicht.
Tja, und schon sind wir mittendrin im Spiel der Kommunikation.
Und wenn man noch die 2 Axiome von Watzlawick anschaut, wird es noch spannender. Zum 1. Axiom: der Hund kommuniziert zwar nicht wie vom Menschen erwünscht, aber er kommuniziert eindeutig, wenn auch in eine andere Richtung, nämlich weg vom Menschen. Und wenn der Hund dann zurückkommt und der Mensch denkt: „mit dem rede ich jetzt aber nicht mehr für die nächste halbe Stunde“ und davon ausgeht, dass er nicht kommuniziert, schon wieder auf dem Holzweg. Auch Schweigen ist Kommunikation und beinhaltet ja offensichtlich die Intention der Bestrafung. Wären wir beim 2. Axiom Inhalts- und Beziehungsaspekt: der Hund wird ziemlich sicher sehr irritiert sein über das vermeintliche Nicht - Kommunizieren seines Menschen, weil das Schweigen nicht von einem entspannten Menschen ausgeht, sondern von einem verärgerten, und das fühlt sich deutlich anders an. Folglich ist er verunsichert und weiss nicht, wie er sich verhalten soll. Der Mensch denkt: so, jetzt hat er aber ein schlechtes Gewissen, beim nächsten Mal klappt`s dann sicher.
Sehr spannend ist die Tatsache, dass der Mensch öfters so anders denkt als der Hund. Da wir als Menschen die Fähigkeit haben, zu interpretieren, ist immer gleich eine Erklärung für ein Verhalten parat. Und wir gehen ja sowieso meistens davon aus, dass wir als Mensch sowieso der Sender sind und unsere Hunde die Empfänger. Fataler Irrtum. Würden wir ganz genau beobachten (ohne zu interpretieren), was unsere Hunde uns SENDEN, gäbe es vermutlich oder ziemlich sicher weniger Missverständnisse in der Kommunikation. Hunde sind keine Befehls - Empfänger, sondern Interaktionspartner auf sehr hohem Niveau. Auch wenn ihre kommunikativen Möglichkeiten etwas anders und ich wage zu behaupten, differenzierter gelagert sind. Was müssen doch die armen Fellnasen alles an Fremdwörtern lernen, damit die vom Mensch gesendeten Appelle auch korrekt auf ihrem Appellohr ankommen. Erschwerend für den Hund kommt dazu, dass der Mensch sogar für einen APPELL mehrere Kodierungen benutzt. Ist der Zweibeiner vergesslich? Denk sich da der Hund und kratzt sich am Ohr. Ich finde es äusserst wichtig und hilfreich, sich als Mensch über sein Kommunikationsverhalten klar zu werden. Etwas mehr Sachinformation und gerne weniger Selbstkundgabe. Ausser, sie ist positiv untermalt. Auch die Sache mit dem Beziehungshinweis hat sehr viel damit zu tun, wie ich über meinen Hund denke, wie ich ihn sehe, was ich für ihn empfinde; kurz mit Wertschätzung und Respekt.
Die Hunde wollen in den meisten Fällen nicht, dass wir „graue Haare bekommen“, sondern sie verstehen nicht, was genau wir von ihnen wollen. Heute so, morgen so; jedes Mal wird der Satz anders formuliert: Belllo chum; Bello chum sofort do hi; Bello, hiiiier; Bello jetzt chunsch aber sofort Hier.
Wenn ich Hund wäre, hätte ich auch Mühe, als Empfänger das Relevante rauszufiltern. Und als Hund würde ich meinem Menschen mitgeben: Kommunikation ist immer reziprok. Und als Mensch finde ich, dass Hunde die besten Lehrmeister für eine klare, eindeutige, wertschätzende, unmittelbare, analoge und (art-) gerechte Kommunikation sind. Und sie führen uns dahin, unsere digitale und analoge Kommunikation in Einklang zu bringen. Und nochwas: ohne Dein Herz und Deine Freude geht gar nichts. Höre und schaue einfach hin!
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