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… Dann öffneten sie ihre Schätze und brachten ihm Geschenke dar, Gold, Weihrauch und Myrrhe. (Matth. 2.7)
Aber was sollte das Jesuskind damit anfangen? Diese Geschenke machen auf dem Hintergrund der geschilderten Verhältnisse irgendwie keinen Sinn, wenn man sie als materielle Güter betrachtet. Verkennt man nicht viel mehr bis heute deren wahre Bedeutung? Liefert nicht vielleicht die TCM den wahren Schlüssel zum Verständnis der Bedeutung dieser Geschenke? Könnte es sein, dass diese Weisen vielleicht orientalische Heiler waren, die ihre wertvollste Medizin überbrachten? Alle drei Mittel sind für medizinische Anwendung von grosser Bedeutung. Selbst die westliche Schulmedizin benützte beispielsweise bis vor Kurzem noch Gold als Basistherapeutikum gegen rheumatoide Arthritis. In der Literatur sind viele Quellen zu finden, die dessen Verwendung auch in traditionellen Medizinsystemen beschreiben. Paracelsus beschrieb Aurum potabile, das trinkbare Gold und rühmte dessen Wirkung mit diesen Worten: ‚Unter allen Elixieren ist das Gold das höchste und das wichtigste für uns, denn es kann den Körper unzerbrechlich erhalten. Aurum potabile heilt alle Krankheiten, es erneuert und stellt wieder her.’
In der TCM ist die Verwendung der beiden weiteren Geschenke der Weisen aus dem Morgenlande besser bekannt: Myrrhe (Mo Yao) und Weihrauch (Ru Xiang) gehören zu den häufig verwendeten Mitteln der TCM. Sie befinden sich im Kapitel derjenigen Mittel, die das Xue regulieren und sie werden oft als Paar in entsprechenden Rezepturen verabreicht, denn sie ergänzen sich in ihren Wirkungen bestens. Während Ru Xiang ein wärmendes Mittel ist, das auf der Qi-Ebene wirkt, entfaltet Myrrhe als bitteres und im Wärmeverhalten neutrales Mittel die Xue-Ebene und es löst Blutstasen.
Sowohl Myrrhe, als auch Weihrauch sind in China nicht zu finden, sondern beide werden aus arabischen oder afrikanischen Ländern importiert.
China hat eine lange Tradition im Umgang mit seinen Heilmitteln und weiss, wie man die optimale Wirkung aus den Rohstoffen gewinnt. Im vorliegenden Fall werden Myrrhe und Weihrauch einem sog. Pao Zhi-Verfahren unterworfen, d.h. einem Bearbeitungsschritt, der hier in der Behandlung mit Essig besteht. Die zwei Produkte werden so besser verträglich.
Stasen des Xue, also des Blutes, zeigen sich in vielen verschiedenen Formen. Man denkt primär an Thrombosen oder an Koagula, etwa in der Gynäkologie. Aber Verklumpungen können auch ganz anderer Art sein. Tumoren jeglicher Dignität gehören auch in dieses Gebiet.
Interessanterweise liegen Berichte vor, wonach Weihrauch bei Hirntumoren günstige Wirkungen zeigt, indem das Mittel zumindest das perifokale Begleitödem vermindert.
Mit Myrrhe wird in enger Zusammenarbeit mit westlichen Schulmedizinern experimentiert und es konnte eine gute Wirkung gegen Prostatakrebszellen gefunden werden. Weiter fanden sich antientzündliche Eigenschaften, die nicht steroidbedingt sind und auch eine cholesterinsenkende Wirkung konnte nachgewiesen werden. Doch das ist noch lange nicht das Ende der positiven Wirkungen von Myrrhe, denn sie wirkt auch mykostatisch, antibakteriell, antioxidativ, chondroprotektiv und analgetisch.