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Geschichte
Prinz Eisenherz: Rom und die Barbaren
"And what of Sir Gawain? He had long loved wisely but not too well. Has he found true live at last?", heißt es in Band 14 der Serie in Anlehnung an Shakespeare’s Othello Zitat "Then must you speak/Of one that love’d not wisely but too well" und wie einst die Sassaniden die römische Festung Dura Europos in Syrien unterhöhlten, um deren Mauern zum Einsturz zu bringen, so gelingt es auch Uwe Baumann in seinen einleitenden Essays zur Prinz-Eisenherz-Serie beim Bocola-Verlag, die eigentlichen Mauern der Erzählung zu stützen: denn neben einem fundierten historiographischem Wissen, weisen Cullen Murphys Illustrationen und die Texte seines Sohnes auch ein breites literarisches Wissen auf. Hal Fosters Prinz Eisenherz wird in der Fortführung von Murphy Father & Son zu mehr als nur einem Geschichtsbuch voller Abenteuer und historischer Ereignisse, denn die beiden verweben kunstvoll auch die Alltagsgeschichte jener Zeit in das eigentliche Narrativ der Geschichte.
Grotten des Grotesken
Freilich könnten bei genauerem Hinsehen einige chronologische Mängel festgestellt werden, worauf Baumann im Vorwort zu Band 16 hinweist: "die zeitliche Abfolge der Abenteuer des Prinzen sind nicht konsistent", dies habe sich aber schon beim Schöpfer des Prinzen, Hal Foster, abgezeichnet. "Deutlicher lässt sich die anhand sicher datierbarer historischer Details konstatierte chronologische Inkonsistenz der Saga kaum akzentuieren, wobei sich durchaus analoge Inkonsistenz auf der Basis der Veröffentlichungsrhythmen ebenso ergibt." Die Bandbreite an historischem Wissen aber auch das verwendete Vokabular zeugen von der mit außerordentlicher Akribie gemachten Recherche, die Murphys Sohn für seinen Vater tätigte. Wenn etwa von Dionysius in der vorliegenden Geschichte die etymologischen Erklärung des Lexems "grotesk" erklärt wird, dann schlagen die Herzen aller gebildeten Humanisten, die sich in der Prinz Eisenherz Saga wahrlich verlieren können, hoch. Tatsächlich bedeutet nämlich "grotta" Höhle und wer mal eine solche Grotte - etwa in Florenz im Garten des Palazzo Piti - gesehen hat, wird verstehen, was das eine mit dem anderen zu tun hat.
Rom und die Barbaren
Immer wieder verweise die Saga mit referentiellen und intertextuellen Bezügen auf die Literatur und Kultur Europas und liefere so eine "kulturgeschichtliche Grundierung des Erzählten und Illustrierten", schreibt Baumann, "was einen zusätzlichen Reiz ausmacht". Die "sprechenden Statuen" in Rom, die sich Arne in einem der hier vorliegenden Abenteuer zu Nutze macht, knüpft an einen römischen Brauch an, Aushänge an prominente Statuen zu hängen. Auf diese Weise wurden schnell Nachrichten in der ganzen Stadt verbreitet, so die Saga. Allerdings stamme die eigentliche Praxis erst aus dem 16. Jahrhundert und wäre damit also weniger römisch in imperialem Sinne, sondern eher stadtgeschichtlich: Pasquino hatte Spottverse über die jeweiligen Machthaber in der Nähe der Piazza Navona in Rom an diversen Torsos prominenter Römer gehängt, um sie so in der Stadt zu verbreiten. Allein die detaillierten sowohl im Text als auch in den Illustrationen beeindruckenden Vorstellungen des Paradieses oder Textstellen wie die folgende machen die Prinz-Eisenherz-Saga auch heute noch zu einer wertvollen Erfahrung und kulturgeschichtlichen Bereicherung: "In diesem wie ausgehöhlt wirkenden Areal vermeint Prinz Eisenherz die Blutgier der erregten Menge zu verspüren - so wie man in einer Muschel noch die Meeresbrandung rauschen hört. Die Historiker berichten, dass 'Barbaren' den Sturz Roms herbeigeführt haben, aber Rom selbst konnte auch ein barbarischer Ort sein. War es denn nicht barbarisch gewesen, in dieser Arena in einem blutigen Kampf Mann gegen Mann oder Mann gegen Tier zu stellen?"