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In einer französischen Stadt, nicht allzuweit von der Schweizer Grenze, gibt es einen Bus ausschliesslich für Jugendliche. In diesem Bus wird ihnen ihre Lieblingsmusik geboten, oder sie hören, mit apathischem Gesicht, in ihren Walkman. Der Unternehmer, der den Bus in Betrieb genommen hat, hält, auf die unheilvolle Separierungstendenz angesprochen, mit der Ausrede nicht zurück: Natürlich trage das zur Aufsplitterung der Gesellschaft bei, aber der Markt verlange das.
Henry Brandt zeigt diesen Bus in seinem Film Le blé des pharaons. Der Dokumentarfilm will Anstösse geben, diese Separierung der Gesellschaft in Alte und Junge zu überwinden, und er zeigt nicht nur den Jugendbus, sondern auch Tanzanlässe der Jugendlichen und diejenigen der Betagten. In der letzten Einstellung allerdings tanzen ein alter Herr mit einer jungen Schwarzen und ein Junge mit einer Dame.
Ein Dokumentarfilm von Henry Brandt unterscheidet sich natürlich von dem, was junge Regisseure heute anstreben; schliesslich ist der Autor 1921 geboren und seit 1953 im Film-Fach tätig. In Le dernier printemps ist ihm 1977 in der Gestaltung des Betagten-Problems ein Meisterwerk gelungen. In Le blé des pharaons allerdings rückt sein ausgeprägter Wille zur formalen Durchdringung des Stoffes den Film in die Nähe des Stereotypen und allzu Distanzierten und nimmt ihm alles Spontane und Frische. Deutlich wird das, wenn Brandt eine Gruppe junger Menschen, adrett gekleidete und artige Lehrlinge, zusammennimmt. Die Jugendlichen werden von einem über 90jährigen Mann und später von einer über 70jährigen Frau besucht — eine gute Idee des Gedankenaustauschs zwischen den Generationen, im Film aber Durchexerzieren von Auswendiggelerntem und — bedingt durch die Auswahl der Gesprächsteilnehmer auf beiden Seiten — ein Umschiffen wirklicher Klippen: Die beiden Betagten sind im Grund jugendlicheren Geistes als die „angepasst“ braven Jugendlichen, in denen nichts von aufbegehrenden eigenen Ansprüchen sichtbar wird.
Diese Gespräche sind das Zentrum des Films, der das Thema nicht gerade mit kräftigem Zugriff anpackt und einer „klassizistisch“ anmutenden Gestaltung und Aufgliederung des Stoffes verpflichtet ist. Sorgfalt und Engagement des Realisators konzentrieren sich dabei mehr auf die formale Aufbereitung des Stoffes als auf das Thema selber, dessen Bedeutung für die Gesellschaft mehr Auseinandersetzung und mehr Härte der Positionen rechtfertigen würde.