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Der weltweite Reallohnzuwachs hat sich 2013 auf 2 Prozent verlangsamt, nach 2,2 Prozent im Jahr 2012. Damit liegt der Zuwachs unter dem Niveau von jährlich rund 3 Prozent vor der Finanzkrise, wie die Internationale Arbeitsorganisation ILO am Donnerstag bekannt gab.
Getragen war das spärliche Lohnwachstum fast vollständig von den Schwellenländern, vor allem China. In den Schwellenländern der G20 erhöhten sich die Reallöhne um 5,9 Prozent. In den Industrieländern erreichte das Wachstum hingegen nicht mehr als 0,2 Prozent.
"In den zwei vergangenen Jahren folgte der Lohnzuwachs in den Industrieländern fast einer flachen Kurve, die in einigen Ländern sogar nach unten zeigte", sagte die stellvertretende ILO-Generaldirektorin Sandra Polaski bei der Präsentation des alle zwei Jahre erscheinenden Berichts zur weltweiten Lohnentwicklung in Genf.
Die schwache Lohnentwicklung habe Druck auf die wirtschaftliche Leistung ausgelöst, zu einer schwachen Erholung in der Mehrheit der entwickelten Länder geführt und damit das Risiko einer Deflation in der Eurozone erhöht, fügte Polaski hinzu.
Vergleichsweise hohes Wachstum in der Schweiz
In einigen Industrieländern lagen die mittleren Löhne 2013 sogar unter dem Niveau von 2007, so etwa in Spanien, Griechenland, Italien, Grossbritannien und Japan. In der Schweiz dagegen fiel das Wachstum der Reallöhne im vergangenen Jahr mit 0,9 Prozent verglichen mit den anderen Industrieländern überdurchschnittlich aus.
Weltweit gibt es grosse Unterschiede in der Lohnentwicklung. 2013 erhöhten sich die Löhne in Asien beispielsweise um 6 Prozent, in Lateinamerika hingegen nur um 0,8 Prozent. Für die Hälfte des globalen Lohnzuwachses ist das seit 15 Jahren anhaltende Lohnwachstum in China verantwortlich.
Der Bericht zeigt zudem, dass sich die durchschnittlichen Löhne der Schwellenländer in den letzten zehn Jahren langsam an diejenigen der Industrieländern angenähert haben. Allerdings sind die in Kaufkraft gemessenen Löhne der reichsten Länder im Durchschnitt mit 3000 Dollar immer noch drei Mal so hoch wie in den Schwellen- und Entwicklungsländern. So beträgt der mittlere Monatslohn in den USA etwa mehr als das Dreifache als in China.
Gefährlicher Druck auf die Löhne
Der ILO-Bericht zeigt weiter, dass Frauen, Einwanderer und Arbeiter der Schattenwirtschaft weiterhin bei den Löhnen benachteiligt werden.
Zudem wies die Arbeitsorganisation auf eine besorgniserregende Entwicklung hin: Die Arbeitsproduktivität wachse weiterhin schneller als die Löhne in den Industrieländern. Die Arbeitseinkommen machten einen immer geringeren Anteil am Bruttoinlandprodukt (BIP) aus.
Wenn mehrere Länder versuchten, ihre Exporte auf Kosten der Löhne und der Sozialleistungen zu erhöhen, könnte dies die Produktion und den Handelsverkehr stark hemmen, warnte die Arbeitsorganisation. Der Druck auf die Löhne erhöhe zweifellos das Deflationsrisiko in Europa, sagte Polaski.