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Einführung
Grundsätzlich sollten alle neu aufgetretenen Rundherde der Lunge weiter diagnostisch abgeklärt werden. Zwar finden sich in der Lunge auch gutartige Neubildungen und entzündliche Veränderungen, aber die Unterscheidung ist nicht selten nur durch eine Operation möglich.
Wesentlich häufiger finden sich jedoch bösartige Tumore. Hierbei ist das zahlenmässig wichtigste das Bronchialkarzinom (Lungenkrebs). Des weiteren finden sich Karzinoide (Tumor mit neuroendokrinem Ursprung), Sarkome und Lymphome mit primärem Lungenbefall.
Ebenfalls häufig in der Lunge finden sich Ableger (Metastasen) von anderen Krebsarten wie Dickdarmkrebs, Brustkrebs oder Nierenzellkrebs. Dies liegt daran, dass die Lunge sehr gut durchblutet ist und in den feinen Blutgefässen (Kapillaren) ausgeschwemmte Tumorzellen hängen bleiben und Tochtergeschwülste bilden.
Das Bronchuskarzinom
Das Bronchuskarzinom ist die häufigste bösartige Erkrankung weltweit (12-25% aller bösartigen Tumoren). In einer Sterbestatiskik von 1912 konnte man hingegen nur in 0.5% der obduzierten Patienten ein Bronchuskarzinom nachweisen, da kaum geraucht wurde!
Allein in der Schweiz gibt es jährlich zirka 2800 Todesfälle - das ist mehr als an AIDS, harten Drogen, Alkohol, Verkehrsunfällen, Morden und Selbstmorden zusammen sterben.
Bei weitem die Hauptursache ist Nikotingenuss (ca. 90% aller Fälle; ein Paket pro Tag über 20 Jahre hindurch geraucht, erhöht das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, gegenüber Nichtrauchern um das 60-fache). Sehr selten entsteht ein Bronchialkarzinom spontan (wahrscheinlich durch genetische Veranlagung), durch natürliche Radongasbelastung wie in einigen Dörfern im Kanton Bern, Feinstaub, Benzolverbindungen, Chrom, Nickel oder Arsen.
Männer sind im Verhältnis 3:1 häufiger als Frauen betroffen, allerdings besteht eine deutliche Tendenz zum Ausgleich im Auftreten.
Symptome(körperliche Beschwerden):
Sind leider selten und unspezifisch; es gibt kein sicheres Frühzeichen. Umgekehrt gilt, dass jeder Husten, der länger als drei Wochen anhält, durch den Hausarzt weiter abgeklärt werden sollte.
Häufigkeit der Symptome:
Husten 21%
Hämoptoe/Hämoptysis (Bluthusten) 21%
Schmerzen Brust/Schulter 16%
Atemnot 12%
Gewichtsverlust 5%
Spätsymptome (d.h., die Erkrankung ist schon weit fortgeschritten):
Recurrensparese (Heiserkeit)
Phrenicusparese (Zwerchfelllähmung)
Pleuraerguss (Flüssigkeitsansammlung im Brustkorb)
Poststenotische Pneumonie (Lungentzündung aufgrund vom Verschluss der Luftwege)
Pleuraempyem (bakterielle Brustfellentzündung)
Diagnostik (Abklärungen):
Klinische Untersuchung
Laboruntersuchungen
Röntgenbild des Thorax
CT-Thorax (Computertomographie) mit Oberbauch (genauere Aussagen über Ausdehnung / Infiltration, Metastasen.
In speziellen Fällen kann eine Magnetresonanz-Tomographie notwendig sein. Um Metastasen des Hirns auszuschliessen kann eine CT des Kopfes durchgeführt werden.
PET-CT (erfasst die Stoffwechselaktivität des Gewebes, welche bei bösartigen Tumoren typischerweise erhöht ist)
Bronchoskopie (Infiltration des Tumors im Bronchialsystem? Biopsien zur histologischen Untersuchung/Bronchialschleimhaut/Lymphknoten)
Diagnostische Mediastinoskopie (Mittelfellspiegelung) (Lymphknotenbiopsien zur histologischen Untersuchung)
Einteilung von Lungenkrebs
Einteilung:
Das kleinzellige Bronchuskarzinom ("Kleinzeller"; SCLC=small cell lung carcinoma) macht ca. 15-25% aller Fälle mit Lungenkrebs aus. Es zeichnet sich durch ein sehr schnelles Tumorwachstum aus und wird auch deshalb nur in zwei Stadien (limited/extensive disease) eingeteilt. Bei "limited disease" ist die Erkrankung auf die Brusthöhle einer Seite beschränkt. Umgekehrt wird jede Manifestation ausserhalb des ipsilateralen Hemithorax, wie sie sich in 60-70% der Betroffenen bereits bei Diagnosestellung findet, als "extensive disease" bezeichnet.
Typischerweise findet sich eine grosse hiläre (also im Bereich der Lungenwurzel gelegene) Masse mit Lymphknotenvergrösserung im Mittelfell.
Das SCLC bildet sehr früh Metastasen.
Der Tumor spricht typischerweise zunächst sehr gut auf Chemo/Radiotherapie an; meist kommt der Tumor jedoch nach einiger Zeit wieder (Rezidiv). Dementsprechend ist das Gesamtfünfjahresüberleben im Durchschnitt nicht gut. Die Chirurgie ist keine Standardtherapie, allerdings muss gelegntlich die Diagnose eines "Kleinzellers" durch einen diagnostischen Eingriff wie z.B. eine thorakoskopische Biopsie gestellt. Die Behandlung besteht zur Zeit in einer Kombination von Radiotherapie und Chemotherapie. Häufig ist eine Prophylaktische Ganzhirnbestrahlung angezeigt, um das Auftreten von Metastasen im Zentralnervensystem zu verhindern. Bei Tumorschmerzen durch z.B. Einwachsen in die Rippen kann unabhängig vom Tumorstadium eine "Schmerzbestrahlung" notwendig sein.
Die nichtkleinzelligen Bronchialkarzinome (NSCLC; "non small cell lung carcinoma") machen über dreiviertel aller Bronchuskarzinome aus und werden entsprechend ihrer feingeweblichen Unterschiede (Histologie) weiter unterschieden:
Plattenepithelkarzinome verhornend/nichtverhornend
Diese machen noch ca. 45% aller NSCLC aus und sind eher abnehmend, da typischerweise durch filterlose Zigaretten verursacht. Durch den Zigarettenrauch entsteht eine chronische Schleimhautreizung, die sich zur Plattenepitheldysplasie verschlimmert, aus der dann schliesslich Krebszellen entstehen.
Die meisten Plattenepithelkarzinome wachsen zentral und führen dadurch u.U. zu Symptomen wie Atemnot, Husten und Lungenentzündung durch Verlegung der Luftwege. Auch sind Ulzerationen und Blutungen aus dem Tumor häufig.
Adenokarzinom/Alveolarzellkarzinom
Diese machen mittlerweile die meisten NSCLC aus und nehmen in ihrer Häufigkeit zu und treten gelegentlich auch bei Nichtrauchern auf. Frauen sind hier häufiger betroffen als bei den anderen NSCLC. Die Adenokarzinome nehmen ihren Ausgang von schleimproduzierenden Zellen und finden sich auch in Narbengewebe, z.B. von alten Tuberkulosenarben ausgehend. Typischerweise sind sie eher peripher lokalisiert und wachsen langsam. Einige können aber dafür früh metastasieren.
Ein Sonderfall ist das seltene bronchiolo-alveoläre Karzinom. Es macht 1-9% aller Bronchialkarzinome aus und wächst langsam und innerhalb der anatomischen Strukturen. Auf dem Röntgenbild sieht es eher aus wie eine Lungenentzündung.
Grosszelliges Karzinom
Das grosszellige Karzinom macht ca. 10-15% aller Bronchialkarzinome aus. Es ist in der Regel undifferenziert und metastasiert früh. Eine Variante leitet sich wie das kleinzellige Bronchialkarzinom aus den neuroendokrinen Zellen ab und zeigt rosetten-, trabekel- oder nestförmiges Wachstum. Die Behandlung erfolt zur Zeit wie bei den anderen Formen des NSCLC.
Sulcus superior-Tumor (Pancoast-Tumor)
Diese seltenen Tumoren gehen von der oberen Lungenfurche/Sulcus superior und stellen ein peripheres Bronchialkarzinom dar. Als sogenannter "Ausbrecherkrebs" wächst er frühzeitig in Rippen, Wirbelkörper, Muskulatur und Weichteile ein und führt dadurch zu Beschwerden, z.B. durch Schulter-Arm-Schmerzen, Parästhesien (Gefühlsstörungen) am Unterarm, Handmuskelatrophie (Verkümmern der Handmuskulatur), obere Einflussstauung (Schwellung der Venen am Hals), Rippenschmerzen und Hornersyndrom (durch Einwachsen in den Sympathikusgrenzstrang).
Als Therapie ist häufig eine konkommittierende Radiochemotherapie angezeigt, dann kann mit modernen chirurgischen Verfahren in eine Resektion erfolgen.
Behandlung
Therapie des nichtkleinzelligen Bronchuskarzinoms
Grundsätzlich gilt, dass die Therapie stadiengerecht erfolgen sollte. Hierzu ist zunächst ein sog. "staging" notwendig, bei dem durch Untersuchungen wie Computertomographie (Schichtröntgen), PET-CT (schwach radioaktiver Zucker markiert Krebszellen), Bronchoskopie (Spiegelung der Luftwege) und Mediastinoskopie (Mittelfellspiegelung) das genaue Ausmass der Erkrankung erfasst wird. Frühe Stadien werden dann direkt operiert. Operationen bei sehr stark fortgeschrittene Stadien können meist das Ueberleben nicht verbessern, so dass hier eine Domäne der Chemotherapie, ggf. in Verbindung mit Strahlentherapie, besteht. Die mittleren Stadien, d.h. bei Befall der Lymphknoten im Mittelfell oder an der Lungenwurzel, werden nach modernen Konzepten kombiniert durch chirurgische Entfernung und Chemotherapie ( vor - oder nach der Operation) behandelt.