Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03421.jsonl.gz/1779

Ein weiterer sehr aktueller Buchtipp meines Mannes:
Die Tyrannei der Gebildeten
Wenn morgen Trump die US- Wahlen gewinnt, gegen Biden so wie vor 4 Jahren gegen Frau Clinton, bewahrheitet sich die Warnung des Philosophen Michael Sandel in seinem soeben erschienen Buch «the Tyranny of Merit»! Er beschreibt, wie zwei Gräben die Gesellschaft spalten (wie auch bei uns?!): 1% der Amerikaner verdienen so viel wie die untere Hälfte der Ameri-kaner zusammen, deren Einkommen seit 40 Jahren stagniert. Die Studierten mit Collegeabgang verachteten die weniger Gebildeten («the deplorables» gemäss Hillary Clinton), die aber 2/3 der Wähler ausmachen und Trump weiter unterstützen. Der amerikanische Traum vom sozialen Aufstieg («you can make it if you try») existiere nicht mehr, ausser in Dänemark und in China! «Smarte» Technokraten wie Obama und die meisten Ökonomen glaubten, dass mehr Informationen über Fakten die Bürger an die Wissenschaft glauben lasse und das Allgemeinwohl fördern könnten. Dabei gehe der demokratische Diskurs verloren, die Eliten blieben unter sich und würden die Banken stützen, statt der wachsenden Ungleichheit mit höheren Steuern zu begegnen…
Michael Young, der englische Soziologe kreierte 1958 erstmals den Begriff «Meritokratie» (lat.: meritum, das Verdienst und griech.: ??ate??, herrschen), dass allein die Leistung des einzelnen zähle. Er sagte voraus, dass dann aber der Übermut dieser Eliten zu einer Revolution der weniger Gebildeten dagegen führen würde, etwa um 2034- Brexit und die Wahl von Trump haben dies schon 2016 vorweggenommen.
Sandel plädiert dafür, den Wert der Arbeit wieder höher zu gewichten (wie wir in der Schweiz mit der Lehre als zweitem Bildungsweg), statt der Löhne die Vermögenserträge stärker zu besteuern. In der Coronapandemie sollten die Arbeitseinkommen mit Kurzarbeitsentschädigung und nicht nur mit Arbeitslosengeld gestützt und dafür die elektronischen Finanztransaktionen stärker belastet werden, ähnlich wie andere «Sünden» wie Tabak, Alkohol und Casinos. Die aufgeblähte Finanzwirtschaft würde zwar das GDP vergrössern, aber schade heute der Realwirtschaft immer mehr. Letztendlich bleibe entscheidend, dass beide, die Gewinner und die Verlierer, sich wieder zusammenfinden, zum Wohl der Allgemeinheit! Biden könnte das schaffen!
2.November
2020
Michael
J. Sandel, geboren 1953, ist politischer Philosoph. Er studierte
in Oxford und lehrt seit 1980 in Harvard. Seine Vorlesungsreihe über
Gerechtigkeit begeisterte online Millionen von Zuschauern und machte ihn
zum weltweit populärsten Moralphilosophen. »Was man für
Geld nicht kaufen kann« wurde zum internationalen Bestseller. Seine
Bücher beschäftigen sich mit Ethik, Gerechtigkeit, Demokratie
und Kapitalismus und wurden in 27 Sprachen übersetzt.