Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03273.jsonl.gz/480

Es wäre ein klassischer Fall von Frontrunning. Das zumindest wirft der Financier Tariq Hamoodi der Genfer Privatbank Lombard Odier in einem Zivilprozess vor. Der von Mailand aus operierende Hamoodi ist auf «Prozessfinanzierung, Vermögensverfolgung und Investitionen in Sondersituationen» spezialisiert.
Mitte August reichte er beim Londoner High Court eine Klage gegen Lombard Odier Asset Management (LOAM) ein. Darin wirft er der Gesellschaft «Falschaussagen» vor und fordert Schadenersatz in noch nicht bezifferter Höhe, wie das Westschweizer Justizportal Gotham City schreibt.
Bei dem Rechtsstreit geht es um eine Investition in das britische Start-up Nanoco Group. Das in London gelistete Unternehmen hält mehrere Patente auf sogenannte Quantenpunkt-Technologien, die in bestimmten Fernsehgeräten zum Einsatz kommen.
Patentklage bestimmte Börsenwert
Im Jahr 2020 verklagte Nanoco den koreanischen Techriesen Samsung in den USA wegen Verletzung dieser Patente und erhoffte sich Schadensersatzzahlungen in Höhe von mehreren hundert Millionen US-Dollar. Der Börsenwert des Unternehmens hing stark vom Ausgang dieses Vergleichs ab.
Lombard Odier Asset Management und Tariq Hamoodi waren beide bedeutende Aktionäre von Nanoco. Die Bank hielt über ihren Hedgefonds 1798 Volantis rund 27 Prozent der Aktien, Hamoodi rund 4 Prozent.
Der LOAM-Hedgefonds konnte mit Henry Turcan einen Manager in den Verwaltungsrat von Nanoco entsenden. Damals ging das Start-up davon aus, im Rechtsstreit mit Samsung einen Vergleich in Höhe von rund 250 Millionen US-Dollar zu erzielen, was den Aktionären einen zweistelligen Millionenbetrag eingebracht hätte.
Der Lombard-Hedgefonds begann sein Engagement zu reduzieren, obwohl das Unternehmen laut Klageschrift seinen Investoren immer wieder von den Erfolgsaussichten vorschwärmte. Im Mai 2022 verkaufte der Volantis-Fonds rund 1 Prozent der Aktien, was Tariq Hamoodi hellhörig machte.
«Herr Hamoodi war von dieser Entscheidung überrascht», erklärten die Anwälte des Investors laut Gothman City in der Klageschrift, «da Nanoco kürzlich positive Ankündigungen über seine Aussichten im Samsung-Prozess gemacht hatte». Kurz darauf habe ein Vertreter von Lombard Odier Hamoodi angerufen und versichert, dass die Verkäufe das Ergebnis einer Neuausrichtung des Fonds seien und bald beendet würden.
Lombard Odier stiess die Hälfte ihrer Position ab
Einen Monat nach diesem Anruf, im Juli 2022, trat derselbe Vertreter der Bank an Tariq Hamoodi heran und bot ihm an, ihm 5 Millionen Nanoco-Aktien zum Preis von 1,7 Millionen Pfund, also 34 Cent pro Stück, zu verkaufen. Hamoodi willigte ein.
Einige Monate später gab Nanoco bekannt, sich mit Samsung auf einen Deal über 150 Millionen US-Dollar geeinigt zu haben – weit weniger als die erwarteten 250 Millionen US-Dollar. Die Nachricht löste einen Kurssturz aus, die Aktie verlor innerhalb weniger Tage die Hälfte ihres Wertes.
Tariq Hamoodi wirft Lombard Odier vor, über Henry Turcan vertrauliche Informationen über die Verhandlungen mit Samsung erhalten zu haben. Die Bank habe dies ausgenutzt, um ihre Position gegenüber den anderen Investoren zu verkleinern, insbesondere beim Verkauf von Aktien an Tariq Hamoodi im Juli 2022.
Henry Turcan schied im September 2022, fünf Monate vor dem Vergleich, aus dem Verwaltungsrat des Start-ups aus. Vor der Bekanntgabe des Vergleichs hatte Lombard Odier ihre Beteiligung auf 12 Prozent reduziert. Seither blieb der Anteil unverändert. Die Bank schreibt in einer Stellungnahme: «Lombard Odier Asset Management (UK) weist die Behauptung entschieden zurück und wird sich gegen die Klage verteidigen.»
Das Volantis-Investment-Management-Team wechselte 2016 zu Lombard Odier. Es ist auf Long-/Short- und Long-only-Strategien auf britische Aktien spezialisiert.