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Die Entwicklung der heutigen Haushaltsgeräte geht eng mit dem Bau von leistungsfähigen Elektrizitätswerken einher. Die ersten Wasserkraftwerke, welche gegen Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts Strom erzeugten, waren noch schwach. Zudem war der Strompreis sehr hoch. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Hochspannungsnetz ausgebaut. Im Haushalt bedeutete das den massenhaften Einsatz des elektrischen Bügeleisens, dem ersten elektrischen Haushaltsgerät neben der elektrischen Nähmaschine.
Im Ortsmuseum Lindengut in Flawil sind zahlreiche Haushaltsgeräte aus früherer Zeit zu betrachten. Über diese Haushaltsgeräte kann Ella Steurer viel erzählen. Die 88-jährige Flawilerin arbeitet seit mehr als 25 Jahren ehrenamtlich im Ortsmuseum und ist am Aufbau des Museums beteiligt.
Die alten Haushaltsgeräte im Ortsmuseum funktionieren ohne Strom. Körpereinsatz und Handarbeit im Haushalt war früher an der Tagesordnung. Die Wäsche war eine mühsame und anstrengende Aufgabe. «Die schmutzigen Kleider mussten im Waschzuber mit einem Wäschestössel bearbeitet werden», weiss Ella Steurer. «Sogar der Kaffee wurde von Hand in Kaffeemühlen gemahlen. Zuvor wurde der Kaffee in einer Röstpfanne über dem Feuer geröstet.» Die Hausfrau von früher hatte alle Hände voll zu tun. Sie machte die Lebensmittel ein, salzte und pökelte, räucherte und dörrte. Wenn die Zeit drängt, greift die heutige Hausfrau einfach zur Dose. Die Blechdose wurde 1810 von Peter Durand aus England patentiert. Ab 1814 wurde die englische Armee mit Dosenfleisch beliefert. Die ersten Konservenbüchsen trugen den Hinweis, dass sie am besten mit Hammer und Meissel zu öffnen seien. Erst 1875 wurde der erste Büchsenöffner erfunden. Er bestand aus Stahl oder Gusseisen.
Viele Haushaltsgeräte funktionierten mechanisch. Tätigte man die Kurbel, kamen das Gerät in Bewegung: Fleischwolf, Beerenpresse, Kräutermischer oder der Kartoffelschäler. «Dieser kam in grossen Haushaltungen zum Einsatz», erzählt Ella Steurer und demonstriert das imposante Gerät mit den Zahnrädern. Man steckte die Kartoffel auf die herausragende Spitze des Geräts. Mit der Kurbel drehte sich der Schäler um die Kartoffel, zugleich drehte sich die Knolle um die eigene Achse. Auch Mixer funktionierten mechanisch. Von Hand betriebene Zerkleinerungs- und Mixgeräte gab es seit Mitte des 18. Jahrhunderts.
Bevor die industrielle Nahrungsmittelproduktion ihren Triumphzug antrat, verkauften die Bauersfrauen Gemüse, Eier, Käse, Obst und Butter auf dem Markt. Das wichtigste Gerät zum Buttern war das Butterfass. Im Museum sind kleinere Buttermaschinen ausgestellt. «Die Bäuerinnen drehten die Kurbel von Hand, und bewegten so die Rührschaufeln im Innern des Gefässes», erzählt Ella Steurer.
Die Küche war, wie heute auch, oft das Herz eines Hauses. Bevor es den Herd gab, wurde auf offenem Feuer gekocht. Später auf einem offenen Herd. 1802 bekam der Brite George Bodley ein Patent für einen geschlossenen Herd. Diese setzten sich in den 1840er Jahren in den Haushaltungen durch. Wohl gab es 1890 bereits Elektroherde. Das Installieren der Elektrizität und die Anschaffung des Herds waren aber teuer. Stolz war, wer einen solchen Herd sein Eigen nennen durfte. Aber auch das Küchenbüffet war der ganze Stolz der Hausfrau. Hier wurde das Geschirr aus Porzellan, Keramik und Email präsentiert. Und manchmal ging das Geschirr auch zu Bruch.
«Wissen sie, woher der Ausdruck Häftlimacher stammt?», fragt Ella Steurer? «Der Häftlimacher kam ins Dorf und reparierte das Keramik-Geschirr mit Häften», erklärt sie und präsentiert ein Stück aus dem Museum.
«Sehr viele Haushaltsgeräte haben sich bewährt», stellt Ella Steurer schmunzelnd fest. Es gäbe sogar Haushaltsgeräte die sich kaum verändert haben und heute noch in vielen Küchen zu entdecken seien: Das Passevite, die Gurken- oder Muskatnussraffel zum Beispiel. Diese praktischen Geräte sind auch aus einer modernen Küche nicht wegzudenken.
Der Verein «Ortsmuseum Flawil» wurde 1980 von einigen geschichtlich interessierten Einwohnern gegründet. Ziel ist es, Gegenstände aus früheren Zeiten zusammenzutragen und die Geschichte von Flawil und Umgebung der Öffentlichkeit näher zu bringen. Die umfangreiche Sammlung ist in der Liegenschaft «Lindengut» untergebracht. Führungen sind ab fünf Personen nach individueller Vereinbarung möglich. Kontakt: Urs Schärli, 071 371 14 09 oder <email-pii>.
Interessiert an Geschichtlichem? Siehe auch: «Die vergessene Madonna»