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Forschungsprojekte
An erster Stelle steht ein Forschungsvorhaben zum Thema normative powers (normative Kompetenzen bzw. Fähigkeiten), das an verschiedene meiner Arbeiten der letzten Jahre anschließt. Hier geht es darum, ein möglichst genaues Verständnis davon zu gewinnen, auf welche Weise und in welchem Umfang Personen durch bestimmte kommunikative Handlungen auf zielgerichtete Weise die eigene normative Situation und die normative Situation anderer gestalten können. Diese Projekt hat Implikationen für Fragen der normativen Ethik ebenso wie der Metaethik. Unter anderem gehe ich hier den folgenden Fragen nach: Mit Bezug auf welche Dimensionen normativer Bewertung (zum Beispiel Handlungsgründe, relationaler oder nicht-relationaler deontischer Status, evaluative Eigenschaften) erscheint das Postulat normativer Kompetenzen plausibel? Inwieweit kann der Wert solcher Kompetenzen erklären, dass wir sie haben? Welche Rolle spielen in solchen Erklärungen die deontischen Korrelate solcher Kompetenzen, sogenannte liabilities? Ziel dieser Untersuchungen ist es, bestimmte wichtige Phänomene unserer praktischen Lebenswelt wie etwa Autorität, Delegation, Einwilligung, Versprechen, aber auch Eigentum und Vertrag besser zu verstehen.
Ein zweites aktuelles Forschungsthema betrifft die normative Relevanz institutioneller und nicht-institutioneller sozialer Rollen, insbesondere die Frage, inwieweit das Innehaben einer solchen Rolle spezifische Pflichten, Rechte, Kompetenzen sowie (in der Terminologie W. Hohfelds) liabilities und immunities impliziert und ob und auf welche Weise soziale Rollen solche deontischen Status nicht nur implizieren, sondern auch (mit) erklären. Letzteres ist ein innerhalb und außerhalb der Philosophie weit verbreiterer Gedanke, der sich aber bedeutenden Herausforderungen ausgesetzt sieht. Den Zugang zu diesem Thema bildet für mich die Frage, auf welche Weise sich eine Rollenzuordnung handelnder Personen in dem praktischen Überlegen sowohl dieser Personen als auch in dem praktischen Überlegen anderer manifestiert oder manifestieren sollte. Es geht also unter anderem darum, was es bedeuten könnte (und ob und inwiefern es jemals vernünftig sein kann), „als ein X“ zu handeln oder zu empfinden oder „als ein X“ auf die Handlungen anderer zu reagieren, wo „X“ für einen Rollenbegriff steht. Die Beantwortung dieser und verwandter Fragen hat Implikationen nicht nur für die normative Ethik, sondern auch für die politische Philosophie und die Rechtsphilosophie.