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|Kaiserbesuch

Der Kaiserbesuch
Im Hinblick auf den bevorstehenden Besuch des deutschen Kaisers Wilhelm II. anlässlich der Manöver der 5. und 6. Division sollen "vorab die bestehenden Anlagen, Wege und Bänke im Burgstall und Hofberg gehörig in Stand gestellt werden". Diskutiert wird auch, "ob es nicht angezeigt erscheine, für die Manövertage Privatquartiere bereitzustellen, indem ja ausser Zweifel ein Massenandrang von Fremden während dieser Zeit zu erwarten sei." Mittels Inseraten sollen entsprechende Offerten entgegengenommen werden. "Es erscheint wünschenswert, dass photographische Aufnahmen vom Kaiserbesuch gesammelt und dem Museum einverleibt werden" (Comité 13.8.1912). "Die Abrechnung des Quartierbüros betreffend die Uebernachtungen während der Zeit der Kaisermanöver ergab bei Einnahmen von Fr. 1'954.- und Ausgaben von Fr. 1'977.- ein Defizit von Fr. 23.-, das durch die Vereinskasse zu decken ist." Den Gesuchen um Quartier konnte "hinlänglich entsprochen werden" (Comité 30.5.1913).
Der Kaiserplatz auf dem Hofberg
In der gleichen Comitésitzung vom 30.5.1913, in der die ablehnende Stellungnahme von Friedrich Pestalozzi zum Turmbau erfolgte, macht Paul Truniger "die Anregung, einen Erinnerungsplatz auf dem Hofberg an den denkwürdigen Kaiserbesuch vom 4. und 5. September 1912 zu schaffen, um diesen wichtigen Moment auch einem späteren Geschlecht in Erinnerung zu halten." Das Comité beschliesst einen Augenschein auf dem Hofberg und eine Unterredung mit dem Grundbesitzer Jakob Kuhn. Diese Verhandlungen verlaufen erfolglos "trotz der schönen Offerte von Fr. 650.- für den Bodenerwerb" (Comité 30.5.1913). "Die von Jakob Kuhn geforderte Summe von Fr. 2'000.- für den Erwerb des Kaiserplatzes wurde auf Fr. 900.- reduziert. Dazu kommen die Handänderungs- und Fertigungskosten zu Lasten des Vereins. Für die Erstellung eines Weges und der Anlage belaufen sich die Kosten nach Voranschlag auf Fr. 500.-. Für die Finanzierung will man eine Anleihe von Fr. 1'200.- bei der Schweizerischen Bankgesellschaft übernehmen, rückzahlbar in vier Jahresraten (zu) Fr. 300.-" (Comité 27.8.1913). An der HV vom 4.9.1913 wird beschlossen, zur Finanzierung des Kaiserplatzes zusätzlich eine Kollekte zu veranstalten. Diese ergibt schliesslich Fr. 522.- und der Gemeinderat leistet dazu einen Extrabeitrag von Fr. 300.-. Der Gedenkplatz ist erstellt und mit einer Baumpflanzung kann demnächst begonnen werden (Comité 13.11.1913). "Es wird in Aussicht genommen, zu gegebener Zeit die stets kränkelnde Linde auf dem Hofberg durch eine andere zu ersetzen" (Comité 2.7.1918). "Der Vorsitzende macht darauf aufmerksam, dass der Platz bei der Kaiserlinde im Hofberg stark verunstaltet sei und derselbe gejättet werden sollte, ebenso wird die Anregung gemacht, dass der Platz gelegentlich mit passenden Bäumen bepflanzt werden soll" (Comité 16.7.1924). Der Platz auf dem Hofberg wird heute im Volksmund "Kaiserlinde" genannt und ist zur Zeit mit einem Ahornbaum bepflanzt.
(aus: 125 Jahre Wil Tourismus 2009)