Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03652.jsonl.gz/370

Gestern war Schulbesuchstag an der Schule unserer Kinder. Und obwohl diese Stunden, die wir als Eltern mitbekommen, nicht ganz dem Schulalltag der Kinder entsprechen: «Mami, normalerweise ist er
/ sie nie so nett!» - das war schon bei uns so - geben sie doch ein gutes Bild über den Betrieb in der Klasse ab.
In der dritten Stunde sank die allgemeine Stimmung gleich zu Beginn um gefühlte 10 Grad. Ein Kind kam mit dem Znüni in der Hand von der Pause zurück und machte auf seinem Platz ein paar Faxen. Es wurde mit einem harschen Ton und folgenden Worten gemassregelt: «Nur weil jetzt Besuchstag ist, kannst du dir nicht alles erlauben und hör auf damit mich zu provozieren!» Alle Kinder zogen den Kopf ein, manche Eltern auch und die Stimmung blieb fast die ganze Stunde gedrückt. Und das alles nur weil die Lehrperson davon ausging, dass Kind mache das nur, um die Lehrperson zu ärgern und provozieren. Und reagiert auf diese Interpretation, als sei es eine Tatsache. Es könnte jedoch auch sein, dass das Kind nervös ist, weil da all diese Eltern sind. Oder es ist traurig, weil seine Eltern nicht kommen und überspielt das, in dem es den Clown markiert. Oder es übernimmt die Spannung der Lehrperson und agiert das aus. Oder - es ist ja einfach ein Kind (und kein kleiner Erwachsener) und grad übermütig.
Es gibt eine einfache und sehr wirkungsvolle Selbstmanagement-Methode, genannt The Work, von Byron Katie. The Work basiert auf der Erfahrung, dass jedes belastende Gefühl die Folge von einschränkenden, bewertenden oder «negativen» Gedanken ist.
The Work funktioniert so, dass man im ersten Schritt die ärgerlichen Gedanken aufschreibt. Zu jedem Gedanken, den man aufgeschrieben hat, beantwortet man nachher vier Fragen.
Machen wir das am Beispiel der Lehrperson:
Gedanke der Lehrperson: «Der Schüler will mich provozieren.»
1. Ist der Gedanken wahr? «Ja, ich bin ärgerlich und fühle mich schon wieder von diesem Schüler provoziert!»
2. Können Sie mit absoluter Sicherheit wissen, dass der Gedanke wahr ist? «Naja, ob er mich wirklich damit provozieren will, kann ich nicht ganz sicher sagen»
3. Wie reagieren Sie, wenn Sie den Gedanken glauben? «Ich bin wütend und will dem schon zeigen wo der Bartli den Most holt; mich so zu blamieren vor den Eltern. Ich fühle mich angespannt und mein ganzer Körper wird eng. Ich sehe nur noch diesen einen Schüler.»
4. Wer wären Sie ohne den Gedanken? «Hmmm, dann würde ich vielleicht das Witzige der Situation sehen und könnte den Schüler mit einem Spruch zur Ordnung rufen. Oder ich würden den traurigen, kleinen Jungen in ihm sehen und könnte einfach drüber hinweg gehen. Ich hätte nicht mehr so einen Druck auf der Brust und würde zuerst mal ruhig durchatmen.»
Nachdem man die vier Fragen beantwortet hat, geht es im nächsten Schritt darum, die sogenannten Umkehrungen zu dem Gedanken zu finden. Die Umkehrungen sind eine Gelegenheit, das, was man für wahr hält, aus einer anderen Perspektive zu betrachten. In dem man in einem weiteren Schritt Beispiele dafür findet, warum das auch wahr ist, kann man neue Einsichten gewinnen.
Umkehrung ins Gegenteil: «Der Schüler will mich nicht provozieren.»
«Er wollte mich zum Lachen bringen.»
Umkehrung zum anderen: «Ich will den Schüler provozieren.»
«In dem ich immer das Negative bei ihm sehe, provoziere ich ihn zu mehr Negativem.»
Umkehrung zu dich selbst: «Ich provoziere mich selber.»
«Wenn ich mir innerlich sage, lass dir das ja nicht bieten, provoziere ich mich zu einer vorschnellen
Reaktion.»
Bei The Work geht es um die Beobachtung des eigenen Verstandes: Welcher Gedanke ist jetzt gerade da und welche Reaktion ruft er in mir hervor? The Work hilft uns dabei bewusster wahrzunehmen, wie wir die Welt durch den Filter unserer Überzeugungen und Interpretationen deuten und auf diese Deutungen reagieren.
Weitere Informationen: