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Erich Fromm: Entfremdung
Wir brauchen oft die Parole „Den Kindern das Wort geben“,
um den roten Faden zu benennen, der unsere Arbeit leiten soll.
Bei Célestin Freinet lesen wir:
„Et il y a un autre ordre (…) qui donne à l’enfant voix au chapitre,
tant pour l’organisation de la classe, que pour l’organisation du travail.“
in: Célestin Freinet. Les plans de travail. Bibliothèque de l’École Moderne, Cannes 1962, Seite 13
Das bedeutet, dass das Kind bei der Arbeit in der Schule
als Person ernst genommen wird.
Das Gegenteil ist „entfremdete Arbeit“.
Dazu ein Text von Erich Fromm (1900 bis 1980),
Philosoph und Psychoanalytiker.
Er beschreibt das Gegenteil von dem, was wir anstreben
und was uns zwar nicht immer, aber doch immer wieder gelingt.
Die „Entfremdung“, wie Fromm sie beschreibt, könnte uns dienen, so wie uns die Mauer beim Schwimmen dazu dient,
uns mit dem Fuss kräftig vor einer neuen Länge abzustossen.
Erich Fromm: Entfremdung
Unter Entfremdung
ist eine Art der Erfahrung zu verstehen,
bei welcher der Betreffende sich selbst
als einen Fremden erlebt.
Er ist sozusagen sich selbst entfremdet.
Er erfährt sich nicht mehr als Mittelpunkt seiner Welt,
als Urheber seiner eigenen Taten
– sondern seine Taten und deren Folgen
sind zu seinen Herren geworden, denen er gehorcht,
ja die er sogar möglicherweise anbetet.
Der entfremdete Mensch hat den Kontakt
mit sich selbst genauso verloren,
wie er auch den Kontakt mit allen anderen Menschen
verloren hat.
Er erlebt sich und die anderen so,
wie man Dinge erlebt
– mit den Sinnen und dem gesunden Menschenverstand,
aber ohne mit ihnen und der Aussenwelt
in eine produktive Beziehung zu treten.
in:
Erich Fromm. Wege aus einer kranken Gesellschaft (1955)
Gesamtausgabe, Band IV, S. 88
Ein halbes Jahr vor dem Tod Erich Fromms hat Heiner Gautschy (1917-2009) diesen in Hinterzarten im Schwarzwald zu einem einstündigen Gespräch getroffen.
Wer Erich Fromm beim Denken zuhören und zusehen möchte, hat hier die Gelegenheit: