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Dieses sehr gut organisierte Symposium wurde von 120 Teilnehmern aus 24 verschiedenen Staaten aus mehreren Kontinenten besucht. Die Vorträge waren von überdurchschnittlich hohem wissenschaftlichen Inhalt. Wahrscheinlich war der ausgeschriebene und mit Fr. 10'000 dotierte Novartis-Preis ein starkes Magnet.
Dieser Preis wurde gesplittet.
Den 1. Preis erhielt das Referat von Qi B.Q. et al. aus Parkville, Australien, mit der Arbeit "Intrinsic innervation of oesophagus in fetal rats with OA-TOF". Diese Arbeit zeigt, dass die intrinsische Innervation des Oesophagus bei Ratten mit einer Oesophagusatresie und tracheoösophagealer Fistel signifikante Abnormalitäten zeigt, in dem Sinne, dass Substantce-P-Neurone in craniocaudaler Richtung abnehmen und im Bereiche des unteren Oesophagussphinkters vollständig fehlen. Diese Gruppe hatte bereits früher am gleichen Modell gezeigt, dass Abnormalitäten im Verlauf des oesophagealen Vagus und in der Aufzweigung desselben bestehen.
Den 2. Preis holte sich die Gruppe von Pollok J.M. et al. aus Hamburg mit der Arbeit "Formation of spheroidal aggregates of hepatocytes on biodegradable polymers under continuous flow bioreactor conditions". Nachdem diese Gruppe in Zusammenarbeit mit J. Vacanti aus Boston gezeigt hatte, dass ein Bioengineering von Leberzellen prinzipiell möglich ist, hat nun die Züchtung von Hepatozyten in einem Konstantflussbioreaktor gezeigt, dass dies zu einer spheroiden Aggregation von Hepatozyten im Sinne von Azini führt.
Der 3. Preis schliesslich ging an die Arbeitsgruppe Nemeth L. et al. aus Szeged, Ungarn, für die Arbeit "Effect of an intracellular histamine receptor antagonist on ischemia-reperfusion induced brain edema formation in rats". Es scheint, dass intrazelluläre Histaminrezeptoren (HIC) eine wesentliche Rolle in der Regulation der Bluthirnschrankenpermeabilität haben. Hingegen zeigt eine Behandlung mit einem neuen HIC-Antagonisten (NN-Diethyl-2-4-Phenylmethyl-phenoxyetamin-HCL (DPPE) keinen präventiven Effekt auf ein postischämisches vaskuläres Hirnödem bei Ratten. Zudem zeigte die Studie, dass NO eine entscheidende Rolle in der Pathophysiologie der postischämischen Hirnverletzungen hat.
Die Guest-Lecture mit dem Titel "Bacterial translocation" wurde von Coran A.G., Ann Arbor / USA, gehalten. Prof. Coran hat eine ausgezeichnete Uebersicht über die bisherigen Untersuchungen zum Thema bakterielle Translokation gegeben. Zusammenfassend kann man sagen, dass diese Translokation im terminalen Ileum oder Zoekum stattfindet, dass es zur Hauptsache aerobe und gramnegative Bakterien sind und dass die Translokation bedingt ist durch eine Unreife der intestinalen Mucusbarriere. Diese setzt sich zusammen aus dem GALT (Gut Associated Lymphoid Tissue), dem Phospholipidgehalt des Mucus sowie dem EGF (Epidermal Growth Factor). Es gibt eine initiale Phase der Protektion gegen eine bakterielle Translokation, die bei Termingeborenen etwa 6 Tage, bei Frühgeburten 10-14 Tage andauert.
Breslow G.D. et al. aus New York haben in ihrem Vortrag "Specific laminin epitope mediates ductal differentiation of embryonic pancreas" gezeigt, dass ein Gel aus Basalmembran die ductale Differenzierung vom embryonalen Pankreas induzieren kann, welche durch Antilaminin-Antikörper dosisabhängig blockiert werden kann.
Wheatley J.M. et al. aus Victoria, Australien, haben bei Kindern mit schwerer Obstipation die Rolle von Neurotransmittern, im speziellen der Substance-P untersucht. In ihrem Referat "Intractable constipation with a decrease in substance-P-immuno-reactive fibres: a congenital motility disorder" haben sie dargestellt, dass bei vielen Fällen von schwerer Obstipation eine wahrscheinlich congenitale Dysfunktion des Colons durch ein Fehlen von Substanz P-Nerven bedingt sei. Dieser Approach zum Problem der funktionellen Motilitätsstörungen scheint eher klarer zu sein, als die mitteleuropäischen morphologischen Erklärungsversuche.
Unter dem Titel "Cryopreservation and transplantation of fetal adrenal glands in adrenalectomized rats" haben Till H. et al. aus München berichtet, dass fetale Nebennieren von Ratten mit Hilfe der Cryopreservationstechnik erfolgreich aufbewahrt werden können und nach Transplantation in adrenalektomierte Empfänger eine gewisse adrenocorticale Funktion übernehmen. Die endokrinologische Kompetenz dieser Transplantate ist aber nicht entsprechend gut wie bei frisch transplantierten fetalen Nebennieren.
Der Vortrag "Skin transfection after local gene delivery" von Meuli M. et al. Zürich und San Francisco hat dargestellt, dass die intradermale Injektion von Reportergenen sowie von biologisch relevanten Genen eine konsistente und reproduzierbare, zeitlich begrenzte, lokalisierte Transfektion der Dermis zur Folg hat. Diese Untersuchung ist insofern brisant, als durch lokale Applikation von Genen (Transfektion) offenbar eine nur lokal begrenzte Gentransfektion ohne systemische Transfektion möglich ist.
Eine weitere interessante Studie wurde von de Lagausie P. et al. aus Paris, mit dem Titel "Pulmonary vasodilatation is not impaired in congenital diaphragmatic hernia (CDH)" präsentiert. Diese Autoren haben die pulmonale Vasodilatation nach chirurgisch angelegter Zwerchfellhernie bei 83 tägigen Lammfeten zwischen Tag 128 und 132 untersucht. Die Konklusion ihrer Untersuchungen ist, dass die pulmonale Vasodilatation im Zwerchfellhernienmodell bei Lammfeten erhalten ist und dass die veränderte pulmonale Vasoreaktivität nicht die Ursache für die persistierende pulmonale Hypertension des Neugeborenen, wie sie bei Patienten mit einer Zwerchfellhernie gefunden, verantwortlich sei. Dies wäre eine Erklärung für die oft ungenügende Antwort auf eine NO-Inhalation bei Patienten mit einer Zwerchfellhernie, was offenbar eher durch die pulmonale oder/und Linksherzhypoplasie bei Patienten mit einer Zwerchfellhernie begründet ist.
Ein "Hit" in der gastroenterologischen kinderchirurgischen Forschung scheinen zur Zeit die interstitiellen Gajal-Zellen des Darmes zu sein, die sich ja als die intestinalen Pacemakers entpuppt haben.
Der erste Vortrag von Kenny S. et al. aus Liverpool zu diesem Thema trug den Titel "Ontogeny of interstitial cells of cajal in the human bowel". Diese Autoren haben Präparate von embryonalem Dünndarm von Früh- und Termingeborenen sowie von älteren Kindern im Hinblick auf die Verteilung der interstitiellen Cajal-Zellen (ICC) im Verhältnis zum enteralen Nervensystem untersucht. Sie fanden, dass ICC's vom frühesten Stadium der Darmentwicklung an vorhanden sind, und dass die ICC-Population sich postnatal weiter entwickelt, sich aber innerhalb des gesamten Darmes unterschiedlich verhält.
Den zweiten Vortrag zu diesem Thema hielt De Leat M.H. aus Brüssel unter dem Titel "Involvement of the interstitial cells of Cajal (ICC) in pseudo-Hirschsprung's disease". Zusammen mit Vanderwinden J.M. hat De Laet die Verteilung der Cajal-Zellen bei Patienten mit Pseudoobstruktion untersucht und gefunden, dass einerseits eine Hyper- und Dysganglioniose allgemein vorhanden war, aber in den meisten Fällen auch eine abnormale Verteilung der Cajal-Zellen vorlag. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass bei Pseudo-Hirschsprung resp. Pseudo-Obstruktion des Colons die pathologische Untersuchung nicht lediglich im Hinblick auf eine intestinale Neurodysplasie beschränkt, sondern auch die Verteilung der Cajal-Zellen berücksichtigt werden soll, da diese als Schlüsselelemente der intestinalen Motilität gelten.
In der Sektion Urologie stach der Vortrag von Gobet R. et al. aus Boston mit dem Titel "Fetal vesicoureteral reflux in a sheep model produces interstitial fibrosis" heraus. Diese Autoren konnten zeigen, dass ein steriler Reflux, wenn pränatal vorhanden, eine interstitielle Fibrose in der Niere hervorruft, sodass das Dogma, dass ein steriler Reflux keine Beeinträchtigung der Nierenfunktion habe, massiv ins Wanken zu kommen scheint.
Der 11. Kongress über kinderchirurgische Forschung findet am 3. und 4. September 1998 in Helsinki statt.