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IPCC-Bericht zu globaler Erwärmung um 1,5 Grad
Bild IPCC
2015 haben die Vertreter von 195 Ländern an der 21. Klimakonferenz in Paris ein Klimaabkommen verabschiedet mit dem Ziel, den globalen Temperaturanstieg unter zwei Grad zu halten (Lignum Journal online vom 14.12.2015). Doch wenn möglich soll die Erwärmung noch geringer ausfallen. Denn so wären viele ihrer Auswirkungen wahrscheinlich weniger einschneidend.
Was eine höher gelegte Latte bedeutet
Die Zwischenstaatliche Sachverständigengruppe für Klimaänderungen (International Panel on Climate Change IPCC, Weltklimarat) hat deshalb von der Klimakonvention der Vereinten Nationen den Auftrag erhalten, einen Bericht über die Auswirkungen einer Klimaerwärmung um 1,5 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit sowie über die nötigen Emissionsreduktionspfade zur Erreichung dieses Ziels auszuarbeiten. 91 Autoren aus 40 Ländern haben sich nach der Annahme des Pariser Abkommens an diese Aufgabe gemacht.
Aus dem gestern vorgestellten Bericht geht hervor, dass unter dem 1,5-Grad-Ziel die globalen Treibhausgasemissionen bis 2030 um 45% gegenüber 2010 sinken und weltweite CO2-Neutralität bis 2050 erreicht werden müsste. Das heisst, dass ab diesem Zeitpunkt die CO2-Menge in der Atmosphäre nicht mehr steigen dürfte. Die dann noch durch die menschlichen Aktivitäten erzeugten CO2-Emissionen wären durch Abscheidung und Lagerung von CO2 zu kompensieren, zum Beispiel mittels Aufforstungen.
Rasches und sehr weitreichendes Handeln notwendig
Eine Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius brächte gegenüber einem Level von zwei Grad die Möglichkeit, absehbare Umweltveränderungen zu beschränken. Der globale Ozeanpegel stiege beispielsweise wahrscheinlich 10 cm weniger; die Arktis wäre nur alle hundert Jahre einmal eisfrei statt einmal pro Jahrzehnt. Die Korallenriffe würden zwar enorm leiden, gingen aber vermutlich nicht komplett verloren, wie dies bei einem Temperaturanstieg um zwei Grad vermutlich der Fall wäre. Anders gesagt: Das Risiko langfristiger oder gar irreversibler Veränderungen ist geringer.
Den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu limitieren ist aus Sicht der Wissenschaft möglich, jedoch wären dafür Umwälzungen nötig, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat (‹unprecedented changes›). Es gilt im Auge zu behalten, dass die Reduktionsziele, die im Rahmen des Pariser Klimaübereinkommens von den Staaten formuliert wurden, nicht ausreichen, um die Klimaerwärmung nur schon auf zwei, geschweige denn auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken. Deshalb hält der Bericht fest, dass für das 1,5-Grad-Ziel rasche und weitreichende Massnahmen in den Bereichen Landnutzung, Energie, Industrie, Transport, Gebäude und Stadtraum notwendig wären.
Schweiz überprüft ihr Reduktionsziel 2050
Die Schweiz verschärft ihre Reduktionsziele für Treibhausgasemissionen schrittweise. Bis 2020 müssen sie um 20% sinken. Für den Zeitraum 2021–2030 hat sich die Schweiz im Rahmen des Klimaübereinkommens von Paris zu einer Emissionsreduktion von 50% verpflichtet. Um dieses Ziel zu erreichen, muss das CO2-Gesetz der Schweiz revidiert werden. Der Bundesrat hat den Entwurf der Totalrevision im Dezember 2017 genehmigt. Die Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Nationalrats hat dieses Jahr mit der Beratung der Vorlage begonnen.
Im Februar 2015 hat der Bundesrat ein indikatives Emissionsreduktionsziel von 70–85% bis 2050 kommuniziert. Am 21. September hat er nun das Bundesamt für Umwelt BAFU beauftragt, zusammen mit den anderen zuständigen Ämtern die Auswirkungen der neuesten wissenschaftlichen Befunde des Weltklimarates zu prüfen und gegebenenfalls ein revidiertes Reduktionsziel für 2050 vorzuschlagen.