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In den 1970er Jahren wurde erstmals ein Zusammenhang zwischen Flurchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) und der Zerstörung der Ozonschicht hergestellt. Der Chemiker Frank Sherwood Rowland war einer der ersten, der eine – damals noch umstrittene – Theorie über das Zerstörungspotential der Stoffe erarbeite. Die Industrie verwendete die FCKW zu dieser Zeit im grossen Stil als Treib- bzw. Kühlmittel, z.B. in Spraydosen und Kühlschränken. Im Laufe der 1980er Jahre wurde Rowlands These dann nach und nach von Wissenschaftlern auf der ganzen Welt anerkannt, was vermehrt zu politischen Diskussionen führte. Als dann 1985 das Ozonloch über der Antarktis entdeckt wurde, hielt man es zuerst für ein Resultat von Messfehlern; denn das Ausmass der Ozonverluste war unglaublich. Letztlich wurden die Resultate bestätigt und zwei Jahre später wurden im sogenannten Montrealer Protokoll (Deutscher Text des Montrealer-Protokolls) Rettungsmassnahmen für die Ozonschicht formuliert.
Mittlerweile haben 197 Staaten das Protokoll anerkannt, und die FCKW sind fast überall auf der Welt verboten. Das Abkommen gilt somit als eines der wenigen erfolgreichen Protokolle im Umweltschutz. Kofi Annan bezeichnete es sogar als das «wahrscheinlich einzige erfolgreiche internationale Abkommen überhaupt». Der Erfolg geht unter anderem auf das Mitwirken der Industrie und dem grossen politischen Rückhalt, beispielsweise auf Seiten der USA, zurück. Tatsächlich ist die Ozonschicht heute auf dem Weg zur Besserung. So wurde im Jahr 2012 über der Antarktis offenbar das kleinste Ozonloch seit langem festgestellt. Blaise Horisberger vom Bundesamt für Umwelt geht davon aus, dass das Montrealer Protokoll den Abbau der Ozonschicht zwischen 1990 und 2010 um 50 Prozent reduziert hat. Ohne diese Massnahme hätten wir bereits heute grosse Probleme mit der dünnen Ozonschicht.
Das Montrealer Protokoll ist "wahrscheinlich das einzige erfolgreiche internationale Abkommen überhaupt."
Kofi Annan, ehemaliger UNO-Generalsekretär
Dennoch hat die Erfolgsgeschichte von Montreal auch Schattenseiten. Obwohl die industrielle Verwendung von FCKW verboten wurde, sind sie heute noch in zahlreichen alten Kühlgeräten, Gefriertruhen und Schaumstoffmaterialien enthalten. Werden diese nicht sachgerecht entsorgt, gelangen erneut grosse Mengen der Stoffe in die Atmosphäre. Im Protokoll gibt es aber keine Regelung über die Entsorgung alter Geräte und Materialien. Dies ist besonders problematisch, denn ein wichtiges Detail wurde beim Abkommen ausser Acht gelassen: Die FCKW sind nicht nur „Ozonkiller“, sondern auch extrem potente Treibhausgase, die ein tausend Mal höheres Erwärmungspotential als CO2 besitzen. Dies gilt aber nicht nur für die FCKW sondern auch für deren Ersatzstoffe! Infolge des Verbots wurden die FCKW nämlich zu einem grossen Teil durch HFKW (Teilhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe) abgelöst, die zwar die Ozonschicht nicht belasten, aber enorme Treibhausemissionen verursachen. Die FCKW-Ersatzstoffe beschleunigen also potentiell die Erderwärmung, und gefährden somit möglicherweise erneut die Ozonschicht. Eine Erwärmung der Erdatmosphäre in den unteren Schichten führt nämlich tendenziell zu einer Abkühlung der oberen Schichten, und somit auch der Ozonschicht. Je kälter die Atmosphäre, desto stärker die Wirkung der ozonschädlichen Stoffe. Diese sind in kalter Umgebung besonders aggressiv, deshalb ist auch die Ozonschicht über den Polen am meisten gefährdet (Ozonloch Antarktis). So wird die Ozonschicht durch den Klimawandel ebenfalls gefährdet.
Bei den internationalen Treibhausverhandlungen geht es meist nur um CO2 – und beim Montrealer Protokoll nur um die FCKW. Vorschläge, die Treibhausgas fördernden Ersatzstoffe ebenfalls ins Abkommen aufzunehmen sind bisher von verschiedensten Staaten, vor allem von Schwellenländern, blockiert worden.