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Nach dem «Nein» im Wallis sagen jetzt auch die Stimmbürger im kanadischen Calgary «Nein» zu den Olympischen Winterspielen 2026. Damit hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) einen weiteren herben Rückschlag erlitten. Die Bürgerinnen und Bürger der kanadischen Stadt Calgary, wo die Olympischen Winterspiele bereits 1988 ausgetragen wurden, haben sich in einer Abstimmung mit über 56 Prozent Nein-Stimmen gegen die Austragung der Spiele im Jahr 2026 ausgesprochen. Die Referendums-Abstimmung ist zwar rechtlich nicht bindend, sie wird der Kandidatur trotzdem den Todesschlag versetzen. Im Vorfeld hatte das Bewerbungs-Komitee erklärt, es werde die Bewerbung im Falle eines negativen Ergebnisses zurückziehen.
Die Olympia-Kritiker in Calgary verwiesen vor allem auf die hohen Kosten, die die Stadt im Falle eines Zuschlags hätte tragen müssen. Damit sammelten sie genügend Olympia-Gegner hinter sich. Dem IOC blieb nur das Bedauern. In einer Stellungnahme heisst es: «Es ist enttäuschend, dass die Argumente bezüglich der sportlichen, sozialen und langfristigen Vorteile einer Austragung der Olympischen Spiele die Abstimmung nicht beeinflusst haben.»
Dem IOC gehen die Bewerber aus
Nach dem Rückzug von Calgary verbleiben mit der schwedischen Hauptstadt Stockholm und der italienischen Region Mailand/Cortina d’Ampezzo nur noch zwei Kandidaten im Rennen um «Olympia 2026». Damit bleibt «Olympia 2026» für das IOC ein Sorgenkind. Auch bei Stockholm und Mailand/Cortina d’Ampezzo ist nicht klar, ob sie ihre Bewerbungen bis zur Wahl des Austragungsortes im Juni 2019 aufrecht erhalten können.
Anfang Oktober erteilte der neu gewählte Stadtrat von Stockholm einer Olympia-Kandidatur eine Absage. Die führenden Parteien des Stadtrats einigten sich, keine Steuergelder für die Ausrichtung von «Olympia 2026» locker zu machen. Neben dem finanziellen Aspekt entdeckte der Stadtrat Widersprüche zur Umwelt- und Klimapolitik der Stadt. Stockholm sehe sich anderen Herausforderungen ausgesetzt. Aus diesen Gründen werde Stockholm die Winterspiele 2026 nicht ausrichten, sagte Karin Ernlund von der ZentrumsparteiFüssen. Zwar befürwortet die italienische Regierung die Kandidatur, will aber partout keine Kosten übernehmen.
Misstrauensvoten statt Neubeginn
Für das IOC ist der Wegfall von Sion und Calgary sowie der sehr wahrscheinliche Rückzug von Stockholm weit mehr als nur ein Ärgernis. Es ist eine Ohrfeige, ein Misstrauensvotum – aber auch die logische Konsequenz einer verpassten Chance.
Bereits bei den Bewerbungen für die Olympischen Winterspiele 2022 hatte das IOC immense Probleme. Insgesamt gab es in fünf Länder Bürgerentscheide oder Beschlüsse von Volksvertretern, die zur Einstellung der Bewerbungen geführt hatten. Graubünden zog sich zurück, auch München, Stockholm, Krakau und Oslo schmissen die Bewerbungen in den Papierkorb. Mit Almaty in Kasachstan und der chinesischen Hauptstadt Peking mit Zhangjiakou, blieben zwei Bewerber im Rennen, die vor allem mit Demokratiedefiziten auffallen.
Also reagierte das IOC und winkte an seiner 127. Vollversammlung in Monaco im Eiltempo die «Agenda 2020» durch. «Sich ändern, oder geändert werden», sagte IOC-Präsident Thomas Bach in der Eröffnungsrede und unterstrich damit die Wichtigkeit von Reformen. Die Sportfunktionäre nickten brav und sprachen sich im Anschluss für die «Agenda 2020» aus. Mit ihr wollte das IOC Kostenreduzierungen und Transparenz umsetzen und so verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Vertrauen, das in der Vergangenheit wegen Korruptions- und Dopingaffären, Kostenüberschreitungen und Umweltzerstörungen massiv gelitten hatte.
Lippenbekenntnisse reichen nicht
Dazu hätte es allerdings echte Reformen gebraucht – und nicht nur schwammige Formulierungen, die sich schön lesen und zitieren lassen. So blieben die versprochene Transparenz, die Nachhaltigkeit und die Kostensenkungen nur Empfehlungen mit grossem Interpretationsspielraum. «Grundlegende Änderungen der IOC-Strukturen und Regelwerke sowie die Garantie von demokratischen Grundwerten in den Austragungsländern werden nach wie vor nicht diskutiert», kommentierte zum Beispiel die Internationale Komission für den Schutz der Alpenregionen (CIPRA).
Dass das IOC den Zuschlag für die Spiele 2022 – nur ein Jahr nach der Verabschiedung der Agenda 2020 – in einer geheimen Abstimmung an Peking vergab, ist bezeichnend. Peking hat nicht nur Demokratiedefizite, es liegt auch in den niederschlagsärmsten Regionen der Welt. Das bedeutet den flächendeckenden Einsatz von Kunstschnee, der die Wasserknappheit in der Region noch weiter verschärfen wird. Im Gegensatz dazu fällt bei der kasachischen Stadt Almaty Schnee – was vom IOC nicht berücksichtigt wurde, obwohl in der «Agenda 2020» das Wort «Nachhaltigkeit» zehn Mal erwähnt wird.
Das Aus im Wallis
«Sion 2026» sollte ein sportliches Fest werden. Ein Grossanlass der Superlative, den nicht nur die ganze Schweiz, sondern auch die Walliserinnen und Walliser niemals vergessen sollten. Das Organisationskomitee der Olympischen Winterspiele «Sion 2026» scheute keine Mühen: Fackelabfahrt, Mahnfeuer auf dem Matterhorn, Werbekampagne, prominente Unterstützung, Informationsveranstaltungen, Werbegeschenke. Die Liste ist weit länger und lässt rückblickend den Schluss zu: Das Organisationskomitee zog alle Register.
Gebetsmühlenartig betonte es die «6000 Jobs», die dank «Sion 2026» entstehen sollten, wies auf die Milliarde Franken hin, die vom Bund kommen sollte, pochte auf die gesicherte Finanzierung und die nicht vorhandene Gefahr einer Verschuldung. Das wichtigste Argument war aber die «Agenda 2020» des IOC, dank der sich die Spiele dem Gastgeber anpassen sollten. Das IOC werde dem Wallis keine horrenden Auflagen machen, waren sich Organisationskomitee und Befürworter von «Sion 2026» einig. «Unser Kanton bekommt mit ‚Sion 2026‘ die Chance, mit den ersten sozial verträglichen Olympischen Spielen des 21. Jahrhunderts in die Geschichte einzugehen», jubelte zum Beispiel Diego Clausen, Fraktionschef der CSP Oberwallis. «Wir organisieren also Spiele, wie wir sie wollen».
Aber die Mehrzahl der Walliserinnen und Walliser wollte die Spiele nicht. Zu gross war das Misstrauen gegenüber dem IOC und der schwammigen «Agenda 2020». Am 10. Juni legten knapp 54 Prozent ein «Nein» in die Urne.
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Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
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