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Ab dem 40. Lebensjahr beginnt in der Regel die Sehkraft langsam nachzulassen, die Alterssichtigkeit stellt sich ein. Mit zunehmendem Alter können Krankheiten wie Grauer oder Grüner Star und die gefürchtete Makuladegeneration (AMD) auftreten. Eine ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen – Vitaminen und Mineralien – die der Körper selbst nicht bilden kann, ist für den Erhalt der Sehkraft notwendig. Aber gibt es sie wirklich, die augengesunde Ernährung?
Herr Prof. Michels, beeinflusst das Essverhalten die Augengesundheit?
Vorab: Es ist sehr schwierig, Studien zu Vitaminen durchzuführen, denn wir nehmen täglich mit unserer Nahrung unterschiedliche Mengen an Vitaminen auf, die zudem individuell resorbiert werden. Das kann in Vitamin-Studien nur unzureichend kontrolliert und dokumentiert werden.
Erste Studien in Bevölkerungen mit unzureichender Vitaminversorgung haben nahegelegt, dass durch eine Vitaminsubstitution das Fortschreiten des Grauen Stares verlangsamt werden kann. Eine einfache Möglichkeit der Behandlung des Grauen Stars wäre von grosser medizinischer und sozioökonomischer Bedeutung. Entsprechend sind mehrere grosse, kontrollierte Studien in westlichen Industrienationen durchgeführt worden. Leider konnte weder für Vitamin C, Beta-Carotin, Vitamin E noch Omega-3-Fettsäuren ein relevanter Nutzen gezeigt werden. Daher ist in unserer gut mit Vitaminen versorgten Bevölkerung eine zusätzliche Vitaminsubstitution zur Prävention des Grauen Stares nicht zu empfehlen.
Helfen Vitamine gegen das Fortschreiten des Grünen Stares?
Es gibt Hinweise dafür, dass Antioxidantien eine mögliche schützende Wirkung beim Grünen Star haben könnten. Das scheint nach aktueller Wissenslage vor allem für Vitamin C und Vitamin B1 der Fall zu sein.
Leider kommen jedoch nicht alle Studien zu diesem Ergebnis, sodass eine generelle Empfehlung zur Vitaminsubstitution in Tablettenform beim Grünen Star nicht gegeben werden kann. Auf eine ausreichende Vitamin C- und Vitamin B1-haltige Ernährung sollte aber geachtet werden.
Ist der Verzehr von Karotten und Blaubeeren hilfreich gegen Nachtblindheit?
Karotten enthalten viel Beta-Carotin (Provitamin A), das im Körper in Vitamin A umgewandelt wird. Dieses Vitamin spielt eine wichtige Rolle bei der Signalübertragung während des Sehvorgangs und ist für das Sehen in der Dämmerung von grosser Bedeutung. Durch einen Vitamin A-Mangel kann die Hell-Dunkel-Adaptation und das Sehen im Dämmerlicht eingeschränkt sein. Ein echter Vitamin A-Mangel ist bei uns in der Schweiz bei einer ausgewogenen Ernährung allerdings nicht zu erwarten.
Es gibt jedoch seltene erbliche Erkrankungen wie die Retinitis Pigmentosa, bei der die Sehzellen zunehmend ausfallen. Bei diesen Patienten steht die Nachtblindheit zu Beginn der Erkrankung im Vordergrund. In Studien konnte ein Nutzen durch die zusätzliche Substitution von Vitamin A, Omega-3-Fettsäuren und Lutein aufgezeigt werden.
Kann eine vitaminreiche Ernährung die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) vorbeugen?
Wir wissen heute, dass diese Erkrankung in erster Linie genetisch bedingt ist, jedoch externe Faktoren wie Rauchen die Erkrankung beeinflussen. Eine vermehrt ablaufende Entzündungskaskade scheint dabei eine wesentliche Rolle zu spielen.
In grossen Studien zur AMD wurden auch Vitamingaben bewertet. Hierbei konnte gezeigt werden, dass bei Patienten mit deutlichen trockenen Veränderungen durch eine Vitamingabe (Vitamin C, Vitamin E, Zink, Lutein, Zeaxanthin) das Risiko für ein Fortschreiten zu einer schweren Form der AMD um etwa 25 Prozent reduziert werden kann.
Bei gering ausgeprägter und sehr fortgeschrittener Form der AMD zeigte die Vitamingabe jedoch keinen Vorteil. Auch scheint der Nutzen grösser bei Patienten, die keine ausreichende Vitaminversorgung über die Nahrung erhalten. Omega-3-Fettsäuren haben in diesen Studien keine Wirkung gezeigt.