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Bisher: Michael Kunz ist auf dem Nachhauseweg von einem Businesstrip, den er nach dem Verlust seines Koffers handy- und laptoplos zubringen musste.
Michael Kunz sitzt im Flieger und liest ein Buch. Ja, ein Buch.
Das Buch hat er sich an seinem letzten Tag in der Stadt gekauft, nachdem er seinen Aufenthalt um einen Tag verlängert hat. Ist schliesslich Wochenende. Frau Plüss war ganz verblüfft, als er ihr sagte, er komme erst am Montag ins Geschäft, um die Korrespondenz und die verpassten Anrufe aufzuarbeiten. «Aber Sie kommen doch samstags immer ins Geschäft, Herr Kunz», hatte sie gesagt.
«Diesen Samstag nicht.»
Kunz hatte sich einen Stadtführer gekauft, und als er im Buchladen in der Schlange stand, um ihn zu bezahlen, sah er das Buch. Es war kein Literaturklassiker, aber es war ein Buch. An diesem Samstag schlenderte Kunz durch die Stadt, setzte sich im Park auf eine Bank und las. Eine Stunde, zwei. Es war völlig egal.
Am Morgen hatte ihn ein Arbeitskollege aus der Schweiz im Hotel zu erreichen versucht. Es ging um ein gemeinsames Projekt in der Endphase. Als der Rezeptionist jedoch fragte, ob Kunz den Anruf annehmen wolle, sagte er: «Nein. Sagen Sie, ich melde mich Montag zu Bürozeiten.» Danach hatte er ein schlechtes Gewissen, das aber denkbar kurz anhielt. Etwa genau so lange, bis er auf der Hotelterrasse den ersten Bissen seiner Eggs Benedict mampfte.
Nach dem Handy griff er nun kaum noch und er vermisste es lediglich einmal – als er mit einer netten Dame in der U-Bahn über Jack Nicholson diskutierte und gerne gegooglet hätte, wie alt dieser war. Auch hatte er mit der Zeit das unangenehme Gefühl abgelegt, in den Pausen oder am Abend etwas erledigen zu müssen. Viel eher begann er sich zu fragen, wie selten er eigentlich Pausen machte. Richtige Pausen. Ohne summendes Handy, eingehende E-Mails oder einen Mitarbeiter, der «nur ganz schnell» über ein Projekt reden will. Mit gutem Essen, das man im Sitzen zu sich nimmt, aber nicht vor dem Computer. Mit ausreichend Schlaf und genügend Bewegung.
Er konnte sich nicht erinnern.
Als Michael Kunz an diesem Sonntag nach Hause kommt, reisst er alle Fenster auf, macht sich einen Kaffee und setzt sich an seinen Desktop-Computer. Er öffnet das Mailprogramm – geht jedoch nicht zum Postfach, sondern zu den Einstellungen und gibt für alle kommenden Wochenenden einen Autoresponder ein.
«Besten Dank für Ihre Kontaktaufnahme. Gerne melde ich mich am Montag bei Ihnen in aller Frische.
Bis dahin bin ich offline. Ihr Michael Kunz.»