Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03541.jsonl.gz/2245

Das schweizerische Berufsbildungssystem
Anders als in den meisten europäischen Ländern ist die berufliche Grundbildung in der Schweiz der am häufigsten gewählte Bildungsweg von Schulabgängerinnen und -abgängern. Zwei Drittel der Jugendlichen entscheiden sich für eine berufliche Grundbildung, das restliche Drittel orientiert sich in Richtung einer allgemeinbildenden Schule (Fachmittelschule, Gymnasium). Es gibt allerdings regionale Unterschiede. So entscheiden sich in der deutschsprachigen Schweiz mehr Jugendliche für eine Lehre, während in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz die Wahl häufiger auf allgemeinbildende Schulen fällt.
« Die Berufslehre: der meist gewählte Bildungsweg von Jugendlichen »
68 Prozent der Jugendlichen, die sich für eine Berufsbildung entscheiden, beginnen eine Lehre, die an drei Lernorten stattfindet. Die berufspraktische Ausbildung erfolgt an drei bis vier Tagen pro Woche im Lehrbetrieb. An einem bis zwei Tagen pro Woche besuchen die Lernenden die Berufsfachschule. Beim dritten Lernort handelt es sich um die überbetrieblichen Kurse, die die Lernenden punktuell besuchen, um sich einheitliches theoretisches Wissen und grundlegende Fertigkeiten ihres Berufs anzueignen. Die restlichen Lernenden machen eine vollschulische Ausbildung und erlernen die berufliche Praxis in Lehrwerkstätten. Auch hier gibt es Unterschiede zwischen den Kantonen. In der französisch- und italienischsprachigen Schweiz etwa ist die vollschulische Ausbildung beliebter als in der Deutschschweiz.
Es gibt 230 Lehrberufe und zwei Berufsabschlüsse. Die meisten Jugendlichen absolvieren eine drei- oder vierjährige berufliche Grundbildung, die mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) abgeschlossen wird. Die zweijährige berufliche Grundbildung wurde 2004 mit dem neuen Berufsbildungsgesetz eingeführt. Sie führt zum eidgenössischen Berufsattest (EBA). Jugendliche, die eine EBA-Ausbildung abgeschlossen haben, haben grundsätzlich die Möglichkeit, ihre Ausbildung fortzusetzen und ein EFZ zu erlangen. Ein Drittel der EBA-Inhaberinnen und -Inhaber nimmt diese Möglichkeit in Anspruch.
Die Lehre hat eine lange Tradition. Sie wurde Ende des 19. Jahrhunderts geschaffen und hat in der Bildungslandschaft der Schweiz, aber auch im Ausland einen hohen Stellenwert. Sie gilt als Bildungsweg, der einen erfolgreichen Einstieg in die Arbeitswelt erleichtert und damit nicht nur das Erlenen eines Berufs, sondern auch eine gelungene berufliche Integration ermöglicht. Gegenwärtig liegt der Fokus der Berufsbildung bei der Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Bildungswegen, vom EBA–EFZ-höhere Berufsbildung oder Fachhochschule (wobei für letztere eine Berufsmaturität vorausgesetzt wird). Häufig wird die niedrige Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz mit dem Berufsbildungssystem in Verbindung gebracht. Dass die Berufslehre so erfolgreich ist, liegt aber auch an der günstigen Konjunkturlage der Schweiz.Die Schwierigkeiten