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Teens schlafen anders
Sylvia Frey, Christian Cajochen
Punkto Schlafverhalten dauert die Pubertät beim Menschen fünf bis sechs Jahre. Dann gleicht sich der Schlaf-Wach-Rhythmus langsam dem Muster von Erwachsenen an.
Die meisten Eltern erleben die Pubertät ihrer Kinder als einen dramatischen Wandel im alltäglichen Familienleben. Dies ist nicht verwunderlich angesichts der Dynamik der körperlichen und psychosozialen Reifung während der Adoleszenz. Eine Frage, die sich viele Mütter und Väter stellen, ist daher: Wann geht diese unruhige Zeit eigentlich zu Ende und wann fängt ungefähr das Erwachsenenalter an? Die Frage lässt sich nun anhand des Schlaf-Wach-Rhythmus annähernd beantworten. Die Abteilung Chronobiologie der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel hat kürzlich eine Studie über das Schlaf- Wach-Verhalten bei Jugendlichen veröffentlicht, für die 1’187 Mädchen und Frauen im Alter von 5 bis 51 Jahren befragt wurden. Anzugeben hatten sie ihr Schlafverhalten an Werktagen und Wochenenden sowie den Zeitpunkt der sogenannten Menarche, des ersten Auftretens der Menstruation als Beginn der Pubertät.
Später ins Bett
Als Resultat konnte gezeigt werden, dass die weiblichen Jugendlichen in den ersten fünf Jahren nach dem Auftreten der Menarche während der Schultage immer später ins Bett gehen. Da die Aufstehzeiten wegen des Schulbeginns immer gleich früh angesetzt sind, nimmt somit ihre Schlafdauer unter der Woche ab. Dafür kompensieren sie jeweils an den Wochenenden ihr angesammeltes Schlafmanko, das bis zwei Stunden betragen kann – indem sie ausschlafen. Das heisst: Die Jugendlichen gehen spät ins Bett, sind morgens kaum ausgeschlafen und brauchen das Wochenende zur Erholung. Dieses für die Pubertät typische Schlaf-Wach-Verhalten normalisiert sich interessanterweise ab dem sechsten Jahr nach der Menarche und nähert sich darauf allmählich dem Muster der Erwachsenen an. Die Unterschiede zwischen dem Schlafverhalten unter der Woche (wenig Schlaf) und an den Wochenenden (viel Schlaf) sind unmittelbar nach der Menarche am grössten; in den folgenden Jahren nehmen sie wieder ab und verschwinden darauf fast ganz. Weibliche Jugendliche gehen unter der Woche ab etwa zwei Jahren nach der Menarche ungefähr zur gleichen Zeit ins Bett wie die Erwachsenen, stehen allerdings wegen des Schulbeginns früher auf. Erwachsene stehen dafür am Wochenende meist früher auf als noch während der Pubertät.
Schule verschieben?
Die Studie lässt den Schluss zu, dass punkto Schlafverhalten das Erwachsenenalter fünf bis sechs Jahre nach dem Beginn der Pubertät beginnt. Ähnliches gilt auch für männliche Jugendliche, für die anstatt der Menarche der Zeitpunkt des Stimmbruchs als unabhängige Variable verwendet wurde. Ausgang bis weit in den späten Abend, aber auch frühmorgens angesetzte Schulstunden haben weitere wichtige Einflüsse auf die Schlafenszeiten. Naheliegend ist, dass ein späterer Unterrichtsbeginn am Morgen für Jugendliche in der Pubertät Sinn machen könnte. Andere Studien haben gezeigt, dass zu wenig Schlaf während der Woche zu einem erhöhten Risiko für Stimmungsschwankungen, verminderte Schulleistungen, hohe Tagesschläfrigkeit bis zu Suchtverhalten führen kann. Besonders junge Frauen sind während der Pubertät anfällig für Schlafstörungen.