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Die Landschaftsdarstellung steht im Zentrum von Fred Stauffers Schaffen. Wiederholt malte er Ausschnitte aus der Umgebung seiner Wohnorte, die er innerhalb der Region Bern häufig gewechselt hat. So stammen denn die meisten seiner Sujets aus dem Berner Oberland und aus dem Emmental; das Gemälde Bei Chexbres hingegen gehört zu den wenigen Landschaftsbildern aus dem Genferseegebiet.
Der in Gümligen bei Bern aufgewachsene und hier verwurzelte Stauffer, der das Lehrerseminar in HofwiI besucht hatte, ging wegen seines Entschlusses, die Laufbahn eines Malers einzuschlagen, schon in jungen Jahren ins Ausland. In München wurde er Schüler beim "Malerfürsten" Franz von Stuck, bei dem schon Paul Klee und Wassily Kandinsky im Zuge ihrer Ausbildung Station gemacht hatten. Dort kam er auch in Berührung mit dem Werk des Norwegers Edvard Munch, das ihn weit mehr beeindruckte als der akademische Unterricht. Vor allem die flächig-abstrahierten, durch Linien strukturierten Bildkompositionen des als Expressionisten bekannten Malers und Grafikers nahm sich der junge Stauffer zum Vorbild. Obschon die Moderne für den Schweizer einen wichtigen Orientierungspunkt darstellte, setzte er sie in seinem Werk formal eher in massvoller Art und Weise um.
Das Gemälde Bei Chexbres, das den Blick auf einen Rebhang freigibt, zeigt eine durch Flächen und Linien rhythmisierte Landschaft. Wie ein weit verzweigtes weisses Liniennetz spannen sich die Steinmäuerchen über die Szenerie, unterbrochen vom unebenen Fussweg, der den Blick in die Tiefe führt. Dagegen scheint die dezente Farbgebung weniger die Topografie als die Stimmung eines verhangenen Vorfrühlingstages anzudeuten. Der Hintergrund mit dem Genfersee, über dem sich der Horizont gleichsam im Dunst der Luftperspektive aufzulösen scheint, ist noch ganz der impressionistischen Wahrnehmung verpflichtet, während der expressive Farbauftrag am rechten Bildabschluss dem Fauvismus huldigt: Einflüsse, denen sich offen eingestellte Kunstschaffende der Generation Fred Stauffers kaum entziehen konnten. Die kahle Landschaft des Vordergrundes mit ihren einfachen, auf Details verzichtenden Formen schlägt eine Brücke zu Stauffers druckgrafischem Werk. Die Alltagsmotive seiner Lithografien zierten manches bürgerliche Heim seiner Generation.
(Quelle: Katalog ‚Innovation und Tradition‘, Bern 2001)
Fred Stauffer wurde 1892 in Gümligen (CHE) geboren; er starb 1980 in Thörishaus (CHE).
Tätigkeitsbereich: Malerei, Zeichnung, Grafik