Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03499.jsonl.gz/2495

Auf dem heutigen Kurplatz betrieb die Stadt Baden nämlich bis 1840 die beiden offenen ca 1.80m tief im Platz eingelassenen Thermalbecken, das Frei- und St. Verenabad. Eingerichtet waren sie vermutlich in ursprünglich römischen Bassins, davon geht die Aargauer Kantonsarcheologie jedenfalls aus. Als öffentliche Gemeinschaftsbäder waren das Verena- und Freibad der einfachen Bevölkerung und Laufkundschaft vorbehalten, denen der Zugang zu den feinen Bäderhotels und Badehöfen verwehrt blieb. Während für das einfache Volk und die Armen zumeist körperliche Leiden Anlass zu einer Badenfahrt waren, schwelgte die Oberschicht aus aller Welt stets in den privaten Bäderhöfen der frivolen Heiterkeit. Eine Modernisierungswelle Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte Badens Bäderviertel noch einmal zum international beachteten Kurort, liess aber die öffentlichen Bäder unter freiem Himmel endgültig verschwinden. Nur Otto Glaus‘ 1964 eröffnetes und 2012 verlottert wieder geschlossenes Thermalhallenbad vermochte dem Wunsch nach einem öffentlichen Thermalbad noch einmal zu entsprechen. Nun, da die angekündigte Eröffnung des umstrittenen Botta-Bades einmal mehr in die Zukunft rückt, darf 2016 auf den vor 600 Jahren, 1416, von Poggio Bracciolini geschilderten Bäderbetrieb in Baden geschielt werden. Bemerkenswert: Der Humanist und bekennende Republikaner im Dienst der römischen Kurie beschreibt im siebenseitigen Brief an seine Florentiner Freunde wie „vor aller Augen auf beiden Seiten des Platzes, die Badebecken der Menge und des gewöhnlichen Volkes (liegen), in die Frauen und Männer, junge Burschen und unverheiratete Mädchen und der ganze Bodensatz der Herumtreiber hinabsteigen“. In den von der Natur gespendeten Reichtum. Bracciolini macht es Spass, dem herrlichen Schauspiel zuzusehen und er erkennt darin nichts, was an eine soziale Privilegierung gebunden wäre. Ja, in Baden darf gebadet werden!