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Der 83-jährige Japaner Yoshiro Mori musste im Februar den Vorsitz des Japanischen Olympischen Komitees abgeben, weil er gesagt hatte, dass Frauen zu geschwätzig sind und deshalb Sitzungen unnötig lange dauern.
Kompetente Männer
Das Vorurteil, Frauen seien geschwätzig, sei alt und halte sich hartnäckig, sagt Ginka Toegel, die an der privaten Wirtschaftshochschule «IMD Business school» in Lausanne menschliches Verhalten in Führungsgremien erforscht. Redefreudige Männer gelten als kompetent. Redefreudige Frauen hingegen als geschwätzig und inkompetent. Davon zeuge im Deutschen das Sprichwort «Ein Mann, ein Wort – eine Frau, ein Wörterbuch».
Geschwätzige Frauen
Zahlreiche Studien belegen, dass Frauen in Führungsgremien an Sitzungen nicht zu viel, sondern zu wenig sprechen, sagte Toegel in der Zeitung «Le Temps». Trotzdem halte sich das Vorurteil der geschwätzigen Frauen. Toegel nennt dafür folgende Gründe:
- Frauen sind meist in der Minderheit. Damit fallen sie mehr auf und was sie sagen, erhält mehr Aufmerksamkeit.
- Frauen verwenden für dieselbe Aussage mehr Wörter. Sie nutzen mehr Füllwörter wie «ich meine» oder «irgendwie» und stellen Fragen wie «was denken Sie?» oder «nicht war?». Damit entsteht der Eindruck, dass Frauen länger sprechen, weil nicht jedes Wort absolut nötig ist. Frauen verwenden Füllwörter und stellen Fragen, weil es ihnen darum geht, mit anderen ins Gespräch zu kommen. Männer hingegen wollen an Sitzungen ihr Wissen zeigen und ihren Status signalisieren.
Frauen hört man nicht zu
Frauen müssen nach wie vor kämpfen, damit man ihnen überhaupt zuhört, sagt Veronica Rueckert, US-Radiojournalistin und Kommunikationsexpertin. Ein Mann könne dies als gegeben voraussetzen. Problematisch sei es für Frauen, oft das Wort zu ergreifen: «Ein Mann wird umso mächtiger wahrgenommen, je mehr er spricht. Für Frauen existiert diese Korrelation nicht. Im Gegenteil», sagte Rueckert im Online-Magazin «Republik». Frauen, die viel sprechen, bringe man zum Schweigen (Silencing). Beispielsweise unterbricht man sie an Sitzungen häufiger. Ihre Vorschläge werden schneller abgetan oder erst ernst genommen, wenn ein Mann später fast das Gleiche sagt. Hinzu kommt laut Rueckert, dass die Stimme der Autorität traditionell weiss und männlich ist. «Frauen klingen nicht, wie Macht sich für uns anhört.»
Redezeiten messen
Die meisten Männer seien sich dieser Mechanismen nicht bewusst, sagt Rueckert. Es sei deshalb wichtig, sie darauf aufmerksam zu machen. Man könne zum Beispiel vorschlagen, Redezeiten zu messen oder Beschlüsse nicht per Mehrheitsentscheid, sondern per Konsens zu fassen. Das stärke den Einfluss der Frauenstimmen.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
keine