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Articulus 3
Iª q. 1 a. 3 arg. 1
Ad tertium sic proceditur. Videtur quod sacra doctrina non sit una scientia. Quia secundum philosophum in I Poster., una scientia est quae est unius generis subiecti. Creator autem et creatura, de quibus in sacra doctrina tractatur, non continentur sub uno genere subiecti. Ergo sacra doctrina non est una scientia.
Iª q. 1 a. 3 arg. 2
Praeterea, in sacra doctrina tractatur de Angelis, de creaturis corporalibus, de moribus hominum. Huiusmodi autem ad diversas scientias philosophicas pertinent. Igitur sacra doctrina non est una scientia.
Iª q. 1 a. 3 s. c.
Sed contra est quod sacra Scriptura de ea loquitur sicut de una scientia, dicitur enim Sap. X, dedit illi scientiam sanctorum.
Iª q. 1 a. 3 co.
Respondeo dicendum sacram doctrinam unam scientiam esse. Est enim unitas potentiae et habitus consideranda secundum obiectum, non quidem materialiter, sed secundum rationem formalem obiecti, puta homo, asinus et lapis conveniunt in una formali ratione colorati, quod est obiectum visus. Quia igitur sacra Scriptura considerat aliqua secundum quod sunt divinitus revelata, secundum quod dictum est, omnia quaecumque sunt divinitus revelabilia, communicant in una ratione formali obiecti huius scientiae. Et ideo comprehenduntur sub sacra doctrina sicut sub scientia una.
Iª q. 1 a. 3 ad 1
Ad primum ergo dicendum quod sacra doctrina non determinat de Deo et de creaturis ex aequo, sed de Deo principaliter, et de creaturis secundum quod referuntur ad Deum, ut ad principium vel finem. Unde unitas scientiae non impeditur.
Iª q. 1 a. 3 ad 2
Ad secundum dicendum quod nihil prohibet inferiores potentias vel habitus diversificari circa illas materias, quae communiter cadunt sub una potentia vel habitu superiori, quia superior potentia vel habitus respicit obiectum sub universaliori ratione formali. Sicut obiectum sensus communis est sensibile, quod comprehendit sub se visibile et audibile, unde sensus communis, cum sit una potentia, extendit se ad omnia obiecta quinque sensuum. Et similiter ea quae in diversis scientiis philosophicis tractantur, potest sacra doctrina, una existens, considerare sub una ratione, inquantum scilicet sunt divinitus revelabilia, ut sic sacra doctrina sit velut quaedam impressio divinae scientiae, quae est una et simplex omnium.

Dritter Artikel.
Die heilige Wissenschaft ist eine durchaus einheitliche.
a) Es scheint zuvörderst gegen einen Grundsatz des Aristoteles zu sein, daß der heiligen Wissenschaft wesentliche Einheit innewohnen sollte.
I. Denn, sagt Aristoteles, „nur dann ist die Wissenschaft eine einige, wenn ihr Gegenstand oder Subjekt von einer und derselben Art ist." In [S. 88] der heiligen Wissenschaft aber wird gehandelt vom Schöpfer und von den Geschöpfen. Da kann also gewiß nicht von einer einheitlichen Art des Subjekts die Rede sein.
II. Dasselbe geht hervor aus der Analogie mit den philosophischen Wissenschaften. Denn die heilige Wissenschaft handelt von den Engeln, von den körperlichen Geschöpfen und von den Sittenregeln für die Menschen. Über dieselben Gegenstande aber handeln verschiedene philosophische Wissenschaften, wie die Metaphysik, Physik, Ethik. Also scheinen auch verschiedene heilige Wissenschaften angenommen werden zu müssen.
Auf der anderen Seite sagt jedoch die Schrift: „Und Er gab ihm die Wissenschaft der Heiligen" (Sap. 10.), spricht also wie von einer durchaus einheitlichen Wissenschaft.
b) Ich antworte, daß die heilige Wissenschaft nur eine sei. Es ist nämlich allerdings die Einheit eines Vermögens oder einer Fähigkeit gemäß dem entsprechenden Gegenstande des Vermögens oder der Fähigkeit zu beurteilen; — jedoch darf dieser Gegenstand nicht nach seinem einzelnen subjektiv-materialen Bestande genommen werden, sondern danach, was in ihm der Natur oder dem Wesen der betreffenden Fähigkeit oder des fraglichen Vermögens entspricht. So z. B. besteht im Menschen, im Esel und im Steine gleichmäßig der Formalgrund für den Gegenstand des Auges: das Farbigsein; — und danach sind diese verschiedenen Materialobjekte alle zusammen ein einziges Formalobjekt für das Auge, insofern sie alle farbig sind und das Auge ein jedes von denselben nur sieht auf Grund der Farbe. Nun betrachtet aber die heilige Schrift und demgemäß auch die heilige Wissenschaft alle ihre Gegenstande unter dem formalen Gesichtspunkte des von Gott Geoffenbarten; denn gerade die Offenbarung liefert ihr die maßgebenden Principien und somit den ganzen Grund ihres Seins. Und somit ist allem, was dem Geoffenbarten untersteht und von ihm sich ableitet, oder was ihm unterstehen und von ihm sich ableiten kann, gemeinsam der formale Gesichtspunkt für die Offenbarung oder für die Beziehung dazu. Deshalb ist also gemäß diesem einheitlichen Formalobjekt des Geoffenbarten auch die darauf gerichtete heilige Wissenschaft nur eine.
c) I. Danach fällt der erste Gegengrund. Die heilige Wissenschaft betrachtet nämlich Gott und die Geschöpfe nicht, insofern Gott ein eigenes selbständiges Sein hat und die Geschöpfe ebenfalls ein eigenes Sein, wie etwa das Auge sieht und das Ohr hört; sondern die Geschöpfe sind nur darum Gegenstand der heiligen Wissenschaft, weil sie zu Gott als ihrem ersten wirkenden Grunde und ihrem letzten Zwecke Beziehung haben.
II. Aus der Analogie mit den philosophischen Wissenschaften klann gleichfalls das Gewünschte nicht geschlossen werden. Denn nichts steht dem entgegen, daß mehrere niedrige Fähigleiten erfordert sind für mehrere Gegenstande, wie das Tischlerhandwerk für die Holzarbeit, das Schmiedehandwerk für die Eisenarbeit; während eine einzige höhere Fähigkeit all diese Gegenstände unter einem einheitlichen Gesichtspunkte auffaßt, wie dies im gegebenen Beispiele die Baukunst thut. So ist auch der Gegenstand des Auges die Farbe, der des Ohres der Ton; der Gemeinsinn, sensus communis, aber im Innern des Menschen erstreckt sich auf alle Sinne, weil er eine höhere Fähigkeit ist, er urteilt über Farbe, Ton, Geschmack, Gefühl, Geruch; indem er das eine vom anderen unterscheidet (vgl. später Kap. 78, Art. 8). In derselben Weise faßt die heilige Wissenschaft als die höhere die zahlreichen Gegenstande der verschiedenen philosophischen Wissenschaften unter [S. 89] einem gemeinsamen einheitlichen Gesichtspunkte auf. Ihr Formalgrund und deshalb Hr Haupt- und leitender Gegenstand ist das Geoffenbarte und was zu demselben in Beziehung treten kann. In diesem Sinne ist sie eine alle Gegenstände der Kunst und Wissenschaft umfassende; denn alles kann Bezug haben zur Offenbarung. Und trotzdem ist sie eine streng einige; denn sie betrachtet alles unter einem einigen formalen Gesichtspunkte. Sie ist ein reines Abbild der göttlichen Wissenschaft, die im höchsten Grade einfach ist und doch alles durchdringt.