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Seit ungefähr 30 Jahren ist auch wissenschaftlich nachgewiesen, dass wir im Bauch ein zweites Gehirn haben. Es besteht aus denselben Neuronen (100 Millionen) wie jene im Gehirn und wurde von Michael Gershon von der Columbia University entdeckt. In seinem Buch Der kluge Bauch zeigt er, dass dieses Bauchhirn (englisch: belly brain oder gut brain) unabhängig vom Gehirn funktioniert, intelligente Schlüsse ziehen kann und so die Funktion der inneren Organe steuert. Es ist charakterisiert durch so genannte Plexen, Nervenknoten des vegetativen Nervensystems (VNS). Der buddhistische und hinduistische Tantrismus stellt sich zu diesen körperlichen Plexen parallele Chakras vor, die dessen Hauchkörperaspekt darstellen. So entspricht beispielsweise das manipura dem Solarplexus (s. Abbildung unten).
Michael Gershon beweist in seinem Buch, dass das Bauchhirn die Prozesse in den inneren Organen selbständig, das heisst, ohne Hilfe des Kopfhirns, regelt. Meine Entdeckung bezieht sich auf die Tatsache, dass das „Denken“ des Bauchhirns darin besteht, autonom, also ohne Mithilfe des Kopfhirns, innere Bilder und vegetative Körperempfindungen zu erzeugen.
Ein berühmtes Beispiel für dieses Geschehen sind Christian Buddenbrooks Körpererfahrungen in Thomas Manns Buddenbrooks, wie beispielsweise jene, dass die Nerven seiner linken Körperseite zu kurz seien, und er daher am Stock gehen müsse. Die „Wortmagie“ (C.G. Jung) der Medizin beschreibt dieses Verhalten in abwertender Weise als Hypochondrie oder Hysterie.
Läge Christian Buddenbrook auf meiner Therapieliege, würde ich ihn jedoch genauer fragen, wie er diese Körperempfindungen erlebt. Im Zustand der Halbtrance der Symptom-Symbol-Transformation (SST) würde er sie dann in dazu parallele innere Bilder übersetzen, oder er würde die Körperempfindung mit Hilfe eines Satzes „Das ist, wie wenn…“ weiter führen. Er würde beispielsweis spontan erleben, dass sein Körper sich als Folge der „zu kurzen Nerven“ in die Haltung eines Embryos zusammenzieht, und er würde sich vor seinem inneren geistigen Auge vielleicht kurz auch als Embryo sehen und empfinden (sense). Eben dieses spontane Erlebnis entspricht der Erfahrung des Hauchkörpers oder subtle body, des von Paracelsus so genannten Astralkörpers. Im abgeblendeten Zustand des Eros-Bewusstseins hat Christian die „Innenansicht des Körpers“ (oder das Bauchhirn) erlebt. Er erlaubt dem mit dem Zentralnervensystem erlebten Symptom (der zu kurzen Nerven) sich in ein Symbol [inneres Bild und/oder vegetative Empfindung (sensation)] des vegetativen Nervensystems zu transformieren. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass die Schau solcher innerer Bilder und/oder die bewusste Erfahrung solcher vegetativer Empfindungen physische und psychische Krankheiten heilen kann. Symbolisch gesprochen können wir sagen, dass unser imaginierter Christian Buddenbrooks auf der Therapieliege in der Anwendung der SST seine „innere Heilerin“ gefunden hätte.