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Nigeria: Saubere Hände dank Schwerkraft
Terre des hommes (Tdh) setzt auf Innovation, um die Körperhygiene und das Händewaschen in Krisengebieten zu verbessern. Das Projekt Gravit’eau, das von April bis September 2019 in Nigeria in Realverhältnissen getestet wird, zielt darauf ab, das Risiko einer Epidemie zu verringern. Wie das ermöglicht wird? Durch ein nahezu autonomes Händewaschsystem, das Wasser und Seife recycelt und zu geringen Kosten einfach zu installieren und zu warten ist.
Ein Waschbecken mit sauberem Wasser und Seife für einen Monat, etwa 10’000 Mal Händewaschen und 1000 Liter gespartes Wasser ohne zusätzliche Wasserversorgung oder Elektrizität - diese Idee wurde von Tdh in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Nordwestschweiz, der Eawag-Sandec und der SKAT entwickelt. Sie wird erstmals im Vertriebenenlager Mafa im Staat Borno in Nigeria, dem Epizentrum der humanitären Krise in diesem Gebiet, eingesetzt. Die Prototypen werden nächsten Monat in kinderfreundlichen Räumen und non-formalen Bildungszentren angeboten.
Verbesserung der Hygiene in den Vertriebenenlagern
In Krisengebieten ist Wasser knapp. Bei Mangel wird das wenig verfügbare Wasser hauptsächlich getrunken oder zum Kochen verwendet. Der Zugang zu Wassereinrichtungen ist in Lagern wie dem von Mafa oft problematisch. Die Wartezeit, um zu Wasser zu kommen, kann 3 bis zu 6 Stunden dauern. Die Situation hat sich seit dem Brand 2018 eines Teiles des Lagers noch verschlimmert. Dazu kommen die erneuten Spannungen zwischen der nigerianischen Armee und der islamistischen Boko Haram Gruppe im Nordosten des Landes, was die Anzahl der Vertriebenen im Lager noch erhöht. Unter diesen Bedingungen sind Körperhygiene und Händewaschen zweitrangig, obwohl das Händewaschen mit Seife die Ausbreitung von Krankheiten erheblich verringert. Das WASH-Programm (Wasser, Sanitäreinrichtungen und Hygiene) zeigt: Diese einfache Massnahme trägt dazu bei, die Häufigkeit von Durchfall und Lungenentzündungen bei kleinen Kindern um 50% und die Risiken einer Cholera-Epidemie erheblich zu verringern. Ziel des Projekts Gravit’eau ist, sauberes Wasser für die Körperhygiene bereitzustellen, ohne jedoch das Wasser für die Grundbedürfnisse der Menschen in Anspruch nehmen zu müssen. Eine solche selbstragende Technologie ist eine Premiere in humanitären Projekten. So wird das Händewaschen stark erleichtert und der logistische Aufwand reduziert.
Und das alles dank der Schwerkraft
Gravit’eau verwendet einen Filter, der dank der Schwerkraft funktioniert. Schmutziges Wasser wird in einem Tank gesammelt und durch eine Membrane automatisch gefiltert, ohne dass Strom oder Chemikalien zugeführt werden müssen. Diese ist so dünn, dass sie sogar Bakterien und Viren herausfiltert. Mit einer Fusspumpe kann das saubere Wasser in ein Spülbecken für eine erneute Verwendung befördert werden. Ein ähnliches System für die Wiederverwendung von Seife ist in der Testphase. Die Entwicklung dieses innovativen Systems wird die Gesundheit von Kindern in von humanitären Krisen betroffen Gebieten um einiges verbessern.
Dieses Projekt wird von der Glückskette finanziert.
Bildnachweis : ©Tdh