Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03431.jsonl.gz/3135

Jungpaläolithikum
Vor 50’000 Jahren bis vor 11’500 Jahren
In der jüngeren Altsteinzeit machte sich eine neue Hominidenart auf, um in Europa sesshaft zu werden. Unsere direkten Vorfahren, Homo sapiens sapiens, die später nach dem Fundort in Frankreich “Cro-Magnon” benannt wurden.
Andererseits nahm das Schicksal der Neandertaler in dieser Zeit seinen Lauf, die erst aus dem Osten und später auch im Westen verschwanden. Ihre letzten Spuren verloren sich in Südwesteuropa, an der Südspitze der iberischen Halbinsel, in Gibraltar. Das grosse Rätsel ihres Verschwindens bleibt bis zum heutigen Tag ungelöst.
In der jüngeren Altsteinzeit beginnt aber noch eine andere Zeit, die Zeit der Kunst. Immer mehr Funde bringen die unglaubliche Kunstfertigkeit der Menschen der jüngeren Altsteinzeit ans Licht. Mit einfachsten Mitteln schufen sie erstaunliche Kunstwerke und plastische Formen. Sie schienen es zu lieben, sich zu schmücken und trieben grossen Aufwand mit der Herstellung von Schmuck und allen möglichen Accessoires.
Besondere Sorgfalt liessen sie auch beim Bau ihrer Jagdwaffen walten. Davon zeugen zum Beispiel Funde von Speerschleudern, die mit Schnitzereien reich verziert worden waren.
Die Menschen am Ende der jüngeren Altsteinzeit, erlebten auch den letzten grossen Klimawandel von der Würm-Kaltzeit zur Holozän-Warmzeit, die aber zu Beginn vom zweiten Kältemaximum, dem Dryas, scharf durchschnitten wurde. 2’000 Jahre lang herrschte erneut Eiszeit.
Als die Holozän-Warmzeit sozusagen im zweiten Anlauf dann wirklich eintrat, wurde die hohe Anpassungsfähigkeit des Menschen ein weiteres Mal stark gefordert, denn die Temperaturen stiegen pro Generation um durchschnittlich 6 Grad Celsius an. Die Eispanzer der dicken Eisschilder der Gletscher schmolzen dahin und gaben Unmengen von Wasser frei. Das Festland zwischen Nordeuropa und Grossbritannien, wo grosse tierreiche Tundrengebiete und reiche Jagdgründe lagen, versank in der Nordsee.
Die grossen Wanderungen
des Homo sapiens sapiens
Von welcher Seite her der moderne Mensch einst nach Europa kam, weiss man noch nicht so genau. Natürlich hätte auch die Möglichkeit bestanden, dass Homo sapiens sapiens über die Meeresenge von Marokko (Nordafrika) nach Gibraltar (Südspanien) gekommen sein könnte.
Man rechnet eigentlich damit, dass Homo sapiens sapiens vor 40’000 Jahren Europa besiedelte. In der gleichen Zeit, so weiss man, wanderte der Mensch bereits schon in ein Land auf der anderen Seite der Erdkugel ein, nach Australien. Vor 35’000 Jahren hatte der Mensch schon China erreicht, stiess weiter vor nach Nordchina, Japan und nach Sibirien. Von dort aus, zogen manche Gruppen weiter nach Amerika.
Vor 40’000 Jahren –
Homo sapiens sapiens wandert in Europa ein
Wie konnte Homo sapiens sapiens
in der Kälte überleben?
Man kann sich vorstellen, dass in der Eiszeit, weite Gebiete in Mitteleuropa, wie die heutige Tundra Skandinaviens ausgesehen haben.
Dort ziehen auch heute noch grosse Rentierherden umher, wie einst in Mitteleuropa. Während der Eiszeit waren die europäischen Tundren die Heimat von vielen anderen grossen Tierherden, wie Wildpferde, Büffel, Mammuts, Steinböcke, Auerochsen, Gemsen, und Riesenhirsche.
Homo sapiens sapiens’ Leibspeise schienen allerdings Rentiere gewesen zu sein. Denn anhand der zahlreichen Knochenfunde, stellten die Forscher fest, dass Rentiere am Ende der jüngeren Altsteinzeit, die am meisten gejagte Beutetiere der Menschen waren.
Die Rentiere lieferte den Menschen die wichtigsten Rohstoffe zum Überleben in der Kälte: Gut isolierende und wärmende Felle und weiches Leder für die Herstellung von Kleidern und zum Bau von Zelten. Horn zum Herstellen von Werkzeugen und Schmuck. Von den Tieren, die man erlegte wurde das Meiste verwertet.
Das Wichtigste zum Überleben in der Kälte war nebst warmer Kleidung und guten Zelten auch Fleisch und Fett, denn sie enthalten viele wertvolle Proteine und das Vitamin B12. Das Fett ist zusätzlich wichtig, damit der Körper die Vitamine aufnehmen kann und liefert dem Körper sehr viel Brennstoff und das benötigten die Menschen der Eiszeit um zu überleben.
Auf den Wanderungen wurden die leichten Zelte mit den verfügbaren Materialien geheizt. Holz war oft rar. So loderten auch Feuer aus Dung, Knochen oder man nutzte Tierfett zum Heizen.
Vor 27’000 Jahren
Was geschah mit den Neandertalern?
Diese Frage gibt nach wie vor Rätsel auf. Die modernen Menschen und die Neandertaler, so weiss man heute, lebten sicher mindestens 10’000 Jahre nebeneinander, vielleicht sogar zeitweilig auch miteinander. Waren sich die beiden Arten friedlich gesonnen, oder waren sie verfeindet?
Haben die modernen Menschen die Neandertaler ausgerottet? Oder gingen die Neandertaler entgegen aller Vermutungen und bisherigen Forschungsergebnissen, eben doch im modernen Menschen auf, beziehungsweise, hatte sich einst vermischt? Man hat herausgefunden, dass der Neandertaler erst im Osten vor 45’000 Jahren, dann im Westen vor rund 27’000 Jahren, verschwand. Der Neandertaler hat sein Geheimnis sozusagen mit in sein Grab genommen. Oder tragen wir es in uns? Jeder neue Fund kann wieder neue Erkenntnisse bringen.
Die Levallois-Schlagtechnik
Die Neandertaler waren vermutlich die Erfinder der Levallois – Schlagtechnik, mit welcher sie die Blattspitzen-Faustkeile hervorbrachten. Die Levallois-Technik wurde nach ihrem ersten Fundort in Levallois-Perret (Ile de France), nordwestlich von Paris benannt. Solche geformten Feuersteine verwendeten die Homo sapiens sapiens später als Speerspitzen. Im Laufe vieler Jahrtausende später, wurde diese Form in Metall übernommen. Auch die Kelten kannten Speere mit bronzenen und später eisernen Blattspitzenformen. Diese Speerform wird übrigens bis zum heutigen Tag hergestellt, wie zum Beispiel Speere aus Afrika.