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Tony Sevi schaut auf das Industriequartier von Youngstown, Ohio: Es ist ein Schatten seiner selbst. «Wir hatten so viele Möglichkeiten. Als ich 1979 aus der Schule kam, da gab’s hier ‹General Motors›, mehrere Stahlfabriken, Schmelzen, Walzwerke. ‹Republic Steel› war die grösste Arbeitgeberin. Oder sie schien mir die grösste. Das Fabrikareal war endlos», erzählt Sevi.
Die Stadt Youngstown im US-Bundesstaat Ohio bot Arbeitsplätze für Zehntausende Fabrikarbeiter. Wie sein Vater arbeitete Sevi an einem Hochofen von «Republic Steel». Als die Stahlfirma 1984 geschlossen wurde, kam Sevi bis 2008 bei einem lokalen Aluminium-Unternehmen unter. Seither muss er sich mit Gelegenheitsjobs durchschlagen, im Moment als Lastwagenfahrer.
Der Niedergang der Industrie begann in Youngstown zwar schon Ende der 1970er Jahre. Doch für den 57-Jährigen sind der Nafta-Freihandelsvertrag mit Mexiko und Kanada und der Beitritt der USA zur Welthandelsorganisation WTO Schuld an der desolaten Lage.
Als Sevi Donald Trump im Fernsehen sah und hörte, wie dieser gegen Freihandelsverträge wetterte, da habe er gewusst: «Das ist mein Mann!» Dass Sevi bis jetzt stets für die Demokraten gestimmt hat, kann er sich nur so erklären: «Ich bin einer Gehirnwäsche unterzogen worden, habe nie hinterfragt, was abgeht», sagt er und lacht trocken.
Sevi ist nicht das einzige Gewerkschaftsmitglied, das Trump unterstützt. Umfragen zeigen, dass der Kandidat der Republikaner mit seiner klaren Haltung gegen den Freihandel bei Fabrikarbeitern besonders gut ankommt.
Die Globalisierung und ihre Verlierer
Das musste auch Tim O’Hara von der mächtigen Autogewerkschaft «United Auto Workers» feststellen. Er ist Vizepräsident der Sektion, die für die General Motors-Fabrik in Youngstown zuständig ist. Hillary Clinton habe mit den Arbeitern gestreikt, Trump sei hingegen der Grund für Streiks, fasst er etwas plakativ zusammen, warum die Gewerkschaft offiziell die Demokratin unterstützt.
Doch auch in seiner Sektion gebe es Trump-Anhänger: «Die Industrie wurde in den letzten Jahren stark automatisiert. Auch ohne Freihandelsverträge braucht es heute für dieselbe Arbeit weniger Leute. Und die US-Firmen wären nicht mehr wettbewerbsfähig, wenn sie als einzige die Vorteile der Globalisierung nicht nutzen können. Das würde sogar noch mehr Stellen kosten.»
Der Trend sei nicht mehr aufzuhalten. Doch die Politik, Demokraten und Republikaner, hätten sich stärker um die Verlierer der Globalisierung kümmern müssen, meint Porter: «Städte wie Youngstown hätten viel mehr Hilfe benötigt, um aus der Negativspirale herauszufinden und den Übergang in die neue Wirtschaft zu schaffen.»
Enttäuschte Hoffnungen
Die massiven Steuerausfälle haben zur Folge, dass auch das Schulwesen in eine Krise stürzte. Oder Ausbildungsprogramme fielen weg, nach denen Arbeiter nicht nur einen Schmelzofen, sondern auch einen Computer bedienen könnten. Alles Massnahmen, die im Wirtschaftsprogramm von Donald Trump nicht zu finden sind. Und auch bei Hillary Clinton stehen sie nicht im Zentrum.
Das alles interessiert Gewerkschaftsmitglied Sevi nicht. Er will, dass endlich alles wieder gut wird – mit einem Republikaner im Weissen Haus: «Er habe aufgegeben darauf zu hoffen, dass die Demokraten etwas für Youngstown in Ohio tun.»