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Mit dem Frieden von Campoformio im Oktober 1797 und der Besetzung des südlichen Teils des ehemaligen Fürstbistums Basel durch die Franzosen im Dezember 1797 hatte die Bedrohung in der Eidgenossenschaft zugenommen. Anfang 1798 war es an mehreren Orten zu revolutionären Bewegungen gekommen. Bern hatte sich bereits aus der Waadt zurückgezogen und die Regierung versuchte mit politischen und militärischen Mitteln, ihre Macht zu erhalten: politisch durch die erwähnte Erweiterung des Grossen Rats um die Abgesandten vom Land; militärisch, indem sie die Grenzen besetzte.16 Dazu wurden auch die oberländischen Regimenter, das Regiment Thun und selbstverständlich die bernische Artillerie aufgeboten, in der etliche Thuner als Offiziere dienten. Thuner kämpften denn auch am 5. März 1798 in der Schlacht von Neuenegg, so unter anderem Niklaus Friedrich Anneler (1771–1846), Johann Friedrich Deci (1769–1838), Rudolf Müller (1752–1812), Karl Koch (1771–1844) und sechs weitere Offiziere.17 Zwei Thuner Soldaten starben an den Folgen der Kriegsverletzungen.18
Das um 1840 entstandene Aquarell von Johannes Knechtenhofer (1793–1865) zeigt den Freiheitsbaum in Thun. Am 12. März 1798 wurden drei Ratsmitglieder damit beauftragt, einen Freiheitsbaum «nach dem Beyspiel der Hauptstadt» zu pflanzen, der dann am folgenden Tag aufgestellt und feierlich eingeweiht wurde.
Die Bürger waren aufgerufen, «mit einer grünen Kokarde auf dem Hut» dem Umzug beizuwohnen. Grün galt als Symbol der Freiheit; die Kantonsregierungen in der Helvetik trugen grüne Schärpen.
Der Thuner Rat selbst hatte bereits am 4. März im Einvernehmen mit dem Thuner Schultheissen verkünden lassen, dass «niemand forthin bey einem allfälligen Anmarsch fremder Truppen keinen Schuss oder sonst Gegenwehr thun solle, ohne Befehl». Um Ruhe und Ordnung zu gewährleisten, wurde ausserdem bei Strafe verboten, jemanden mit «Worten und Werken» zu beleidigen oder «Zedel und Pasquellen» zu verteilen. In diesen Tagen flüchtete der letzte Berner Schultheiss Niklaus Friedrich von Steiger (1729–1799) über Thun in die Innerschweiz und von dort ins Ausland.
Nach der Niederlage Berns im Grauholz am 5. März 1798 hatten die französischen Generäle das Sagen. Einer der ersten Befehle des französischen Generals Guillaume Brune (1763–1815) war es, alle Waffen einzuziehen. General Brune proklamierte zunächst die Errichtung einer Rhodanischen Republik, die neben den Kantonen Léman, Saane und Broye, Wallis und Tessin auch einen eigenen Kanton Oberland hätte beinhalten sollen. Diesen Beschluss nahm er schon wenig später zurück, stattdessen wurde die unteilbare Helvetische Republik verkündet.19 An der Trennung des Kantons Oberland – mit Thun als Kantonshauptort – vom Kanton Bern wurde jedoch festgehalten. In Thun sollte wie überall in den neuen Distrikten eine Urversammlung abgehalten werden. Bis dahin wurde die Stadt durch einen provisorischen Ausschuss regiert, der sogleich damit begann, die neu geltenden Regeln einzuführen. Am 16. März wurde Folgendes beschlossen: «alle Titulaturen sollen von nun an abgeschaffet und einzig das Praedicat Bürger gestattet (sein)».20 Die helvetische Revolution hatte Thun erreicht und die Loslösung von Bern wurde nun auch symbolisch vollzogen.