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Bethaus am Galgenweg
Westlich des Städtchens Laufenburg steht eingeklemmt zwischen Hauptstrasse und Eisenbahnlinie die nach Osten hin offene Hohkreuzkapelle. Bis zum Bau des Bahntrassees 1892 gabelte sich hier die Landstrasse nach Kaisten und Sisseln. Ein bei der Wegverzweigung etwas erhöht stehendes Kreuz wurde spätestens in der Mitte des 16. Jahrhunderts überdacht, wie die Jahreszahl 1547 an der Kapelle vermuten lässt. Eine zweite Jahreszahl, 1823, weist auf eine Restauration hin. Eine Sage berichtet über den Bau der Kapelle: Während eines Kriegs schoss ein Soldat in der Stadtkirche auf eine Statue. Beim Abzug der Truppen stürzte der Übeltäter beim Hohen Kreuz vom Pferd und blieb tot liegen. Fromme Leute errichteten an dieser Stelle eine Gebetsstätte. Die Kapelle dürfte jedoch einen anderen Ursprung haben: Ganz in der Nähe stand der Laufenburger Galgen. Noch heute erinnert westlich der Kapelle die Flur Galgenrain an die schon 1428 erwähnte Richtstätte. Es war üblich, dass an einem Galgenweg ein Kreuz, ein Bildstock oder eine Kapelle stand, wo ein zum Tod verurteilter Mensch, begleitet von einem Geistlichen, ein letztes Mal beten und seine Sünden bereuen konnte.
Wallfahrtsstätte für Schwangere
Ausgerechnet die Laufenburger Galgenkapelle entwickelte sich zu einer Pilgerstätte, die besonders von schwangeren Frauen aus dem Fricktal und dem nahen Schwarzwald aufgesucht wurde. Wann die Wallfahrt einsetzte und aus welchem Grund, ist nicht bekannt. Als sie erloschen war, wollte die Ortsbürgergemeinde die baufällige Kapelle beseitigen. Pfarrer und einige «Altertumsfreunde» erreichten jedoch die Übernahme der Kapelle durch die Kirchgemeinde und veranlassten 1925 eine Renovation. Dabei sind leider die vielen Votivtafeln entfernt und vernichtet worden – ein moderner Bildersturm, wenn man so will, und für die Volkskunde ein herber Verlust.
Arma Christi
Bis auf ein schlichtes Holzkreuz ist die Kapelle heute ausgeräumt. Die frühere Ausstattung bestehend aus Kreuzwegstationen und einer Kreuzigungsgruppe befindet sich in der Stadtkirche. Vom einstigen Freskenschmuck zeugen lediglich noch einige Farbspuren an den Kapellenwänden. Vor dem Bethaus stehen im Schatten eines Baumes zwei Bänke. Zur Kreuz- und Galgenkapelle passt das Firstkreuz mit einer Lanze und einem Stab mit Schwamm. Kreuz, Lanze und Stab mit Essigschwamm zählen zu den Leidenswerkzeugen, den Arma Christi, die bei der Folter und Hinrichtung von Jesus verwendet wurden. (lh)
Spiritueller Impuls: Nicht in meinem Namen!
Gott spricht: „Nicht in meinem Namen!“ - Am 27. März 2012 veröffentlichte Amnesty International den jüngsten Bericht zur Todesstrafe: «Im Jahr 2011 wurden mindestens 676 Menschen in 20 Ländern hingerichtet. … 2011 wurden knapp 2000 Todesurteile ausgesprochen. Insgesamt sitzen weltweit annähernd 19`000 Menschen in Gefängnissen und warten auf die Vollstreckung ihrer Todesurteile.» Mit dem grossen schlichten Kreuz und den Folterwerkzeugen der Kreuzigung Jesu erinnert uns die ehemalige Laufenburger Galgenkapelle an einen Gott, der selbst Opfer staatlicher Lynchjustiz wurde. Die österliche Botschaft, «der Gekreuzigte lebt», lässt sich in dieser Perspektive auch als Protest unseres biblischen Gottes des Lebens gegen jegliche Ungerechtigkeit und Gewalt deuten. In Gottes Namen darf keinem Menschen das Leben genommen werden, auch nicht von staatlicher Seite. «Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern», beten wir im «Vater unser».
Standort Laufenburg
Die Kapelle steht am westlichen Rand Laufenburgs an der Hauptstrasse nach Sisseln.
Fussgänger gehen Richtung Altstadt bis zur Baslerstrasse (Hauptstrasse). Dann nach Westen der Strasse entlang ca. 900 m bis zur Kapelle (Trottoir und Fussweg auf der rechten Strassenseite). Beim letzten Haus, ca. 50 m vor der Kapelle, Strasse überqueren und den Wiesenpfad entlang der Leitplanke benutzen.
Autofahrer finden auf der Burgmatte vor dem Eingang zur Altstadt genügend Parkmöglichkeiten. Bei der Kapelle gibt es keinen Parkplatz.
Öffnungszeiten
Die Kapelle ist jederzeit zugänglich.
Kontakt: Pfarreisekretariat Laufenburg,
Tel. 062 874 31 48.