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Jede Kontaktaufnahme über meine Webseite freut mich, vor allem wenn es sich dabei um einen Namensvetter handelt. So erhielt ich kürzlich eine Anfrage aus Florida zu einem Ur-Ur-Grossvater aus der Schweiz. Es handelt sich um einen gewissen John Amsler, geboren 1806 und seine Ehefrau Anna Brock. John Amsler ist ein Name der in der Schweizer nicht gebräuchlich ist. Vermutlich ist es einfach die anglisierte Version des Namen Hans Amsler.
Spuren in der Schweiz
Obwohl es damals in der Schweiz zahlreiche Ehepaare namens Hans und Anna Amsler gab, wurde ich trotzdem bald fündig, und zwar im Familienregister von Bözen. Glücklicherweise wurden die genauen Geburtsdaten in der Anfrage angeführt. Es scheint sich hier um das gesuchte Ehepaar zu handeln
168
Hans Heinrich Amsler, Rudolfs, geboren 8. Juli 1806
(siehe Pag 30)
cop, d. 8ten October 1830 mit
Anna Brack, von Bötzen (siehe Pag 51), geboren 4. December 1802
Kinder:
Hs Jakob, geboren 19. Januar 1831
Der Taufname des Familienvaters ist also Hans Heinrich, dies wurde kurz und bündig als “John” übersetzt. Aus Anna Brack wurde Anna Brock. Auch diese Schreibweise ist einfach nachvollziehbar. Die beiden tauften nur einen einzigen Sohn in ihrer Heimat, Hans Jacob, geboren am 19. Januar 1831.
Auf Seite 30 im Familienregister finden wir den Eintrag der Eltern, Rudolf Amsler (1760-1825) und Maria Brack (1771-1832). Der Familienvater war auch bekannt als "Schwarzen Rudi", ein Übername unbekannter Herkunft. Wir erfahren dass die zwei jüngsten Kinder im April 1832 nach Amerika ausgewandert waren. Sehr wahrscheinlich war auch ihr Bruder Hans Heinrich dabei, er war damals 26 Jahre alt. Die älteren Geschwister waren bereits verheiratet und hatten eigene Familien gegründet.
Deren Mutter Maria war seit 7 Jahren verwitwet, ihr Mann Rudolf starb 1825. Nun war sie von drei ihrer Söhne verlassen worden, der jüngste war nur 16 jährig. Dieser Schicksalsschlag brach ihr das Herz. Alleine und verzweifelt nahm sie sich wenige Wochen nach deren Abreise ihr Leben.
30
Rudolf Amsler, Schwarzen Rudi, geboren 8. Merz 1760
gestorben d. 9ten Juli 1825
cop: 14 Juli 1795 mit
Maria Brack, geboren 26 Oct. 1771
gestorben hat sich gehenkt d. 18. Juny 1832
Kinder:
Hs Jakob (siehe pag 153), geboren 10 April 1798
Johannes (siehe pag 167), geboren 25 Dec. 1801
Hs Heinrich gestorben, geboren 15 Jun. 1804
Hans Heinrich (sieh pag 168), geboren 8 July. 1806
nna Maria (siehe pag 170), geboren 15 Jan. 1810
Rudolf, geboren 10 Febr. 1813
Heinrich, geboren 30 Jan. 1816
Notiz zu Rudolf und Heinrich: ziechend d 26. Aprill 1832 nach Amerika
Spuren in Amerika
Dass wir das junge Einwandererpaar eindeutig identifizieren können, verdanken wir einer anderen Quelle, nämlich der „Standard History of Jasper and Newton Counties Indiana“ (The Lewis Publishing Company - Chicago and New York – 1916).
Die Jasper County Biographien von beschreiben das Leben von Henry Amsler. Er hatte sich 1893 mit seiner Familie in Rensselear niedergelasssen. Dieser Auszug enthält Angaben zu Henry’s Eltern:
Henry Amsler, aus Woodford County, Illinois, wurde am 5.Dezember 1838 geboren, Sohn von John und Anna (Brock) Amsler. Beide Eltern wurden in der kleinen Republik Schweiz geboren... Während rund 4 Jahren lebten sie in Pennsylvania, zogen dann westwärts und betrieben für ein Jahr eine Farm in der Nähe der Stadt Peoria, Illinois. Von dort zogen sie in das Woodford County und später Tazewell County, wo sie den Rest ihres Lebens verbrachten. Sie waren Eltern von neun Kindern, wovon eines in der Schweiz geboren wurde. Vier von ihnen sind heute noch am Leben…
Dies sind eindeutige Hinweise auf Hans und Anna Amsler-Brack und deren erstes Kind, welches noch vor ihrer Abreise in der Schweiz geboren wurde.
In der amerikanischen Volkszählung von 1860 finden wir die nebenstehend erwähnten sechs Mitglieder der Familie.
Der älteste Sohn, geboren in der Schweiz, soll 1851 nach Oregon gezogen sein. Seit 1870 habe man von ihm nichts mehr gehört. Es gibt Hinweise, dass er ledig blieb und im Alter von 82 Jahren in Eureka verstarb.
Von den anderen Kindern fehlt jede Spur, sie sind wohl früh verstorben.
Die Nachkommen von Henry und seiner Ehefrau Emma Jane Clark sind gut dokumentiert. Mehrere Generationen blieben in Indiana wohnhaft.
Die ersten 8 Kinder dieser Schweizer Einwanderer sind hier aufgeführt, zusammen mit ihren Partnern.
Bürgerkrieg
In derselben Biographie werden die Erlebnisse von Henry Amsler (1838-1923) im amerikanischen Bürgerkrieg geschildert:
Als der Bürgerkrieg den Zerfall der Union bedrohte, meldete er sich zu einem der kritischen Zeitpunkte des Kampfes, am 27. August 1862, in der Kompanie F der fünfundachtzigsten Illinois-Infanterie. Er ging an die Front bei Louisville, Kentucky, und war wenige Tage später erstmals unter Beschuss in der Schlacht von Perryville, Kentucky. Sein Regiment nahm an einer Reihe kleinerer Gefechte sowie an der grossen Schlacht am Stone River teil. Später kämpfte er am Missionary Ridge und war auch bei der Expedition dabei, die zur Entlastung nach Knoxville geschickt wurde. Er schloss sich Shermans Kommando an, um am grossen Feldzug durch den Norden von Georgia teilzunehmen. Er war in den hunderttägigen Kämpfen zwischen Chattanooga und Atlanta dabei und nahm an der Belagerung und dem Fall von Atlanta teil, einem der wichtigsten strategischen Zentren der Konföderation. Nach der Einnahme von Atlanta folgte er Shermans Armeen auf ihrem grossartigen Marsch zum Meer, eine 60 Meilen breite Schneise durch den Bundesstaat Georgia schlagend. Von dort aus zog er durch die Carolinas und beendete seine militärische Karriere in der grossen Parade in Washington. Er wurde im Juli 1865, nach fast drei Jahren ununterbrochenen Dienstes, im Rang eines Wachtmeisters entlassen.
Quelle: Jasper County Biographien von 1916
Sein Schwert aus dieser Zeit soll sich noch im Familienbesitz befinden.
Henry und Emma ziehen nach Rensselaer
Im Alter von 55 Jahren zogen Henry Amsler und seine Ehefrau vom benachbarten Illinois ins Jasper County in Indiana. Dort konnten die beiden 280 Hektaren (700 Acres) Land erwerben, rund 10 km nördlich von Rensselaer. Bald darauf folgten seine Söhne James und Bert mit ihren Familien. Die Farm blieb über hundert Jahre im Familienbesitz. Henrys Nachkommen leben heute noch in Jasper County und der näheren Umgebung.
Dies sind die Nachfahren von Henry und Emma, einige Ehepartner werden in Klammern aufgeführt.
Dank der tatkräftigen Mithilfe meiner entfernten Cousine Julie und Cousin Kevin konnten wir zusammen drei weitere Generationen mit den vielen noch lebenden Familienmitgliedern dokumentieren. Bei Interesse an diesen Daten bitte ich Sie um Kontaktaufnahme hier.
Vom Leben in der neuen Welt
Eine kleine und willkürliche Auswahl aus den vielen Schicksalen gibt uns ein Bild über die Nachkommen der Einwanderer. Wie schon Ihre Vorfahren in der Schweiz, blieben die Amsler über Generationen der Landwirtschaft treu.
Floyd Chase Amsler (1888-1956) war der jüngste Sohn von Henry und Emma, er heiratete Opal Seibert (1889-1989). Von ihr ist ein Lebenslauf erhalten, den sie im Alter von 92 Jahren schrieb. Opal war das jüngste von neun Kindern. Ihre Familie stammte aus Breman, Ohio. Ihre Eltern zogen nach Michigan City, damals eine blühende Stadt. Sie wohnten dort in einem grosszügigen und modernen Haus, komplett mit Orgel und Klavier.
Opal lernte ihren zukünftigen Mann in der High School kennen, auch er besuchte die ausgezeichneten Schulen in Michigan City. Nach der College Ausbildung an der heutigen Butler Universität arbeitete Opal einige Jahre als Lehrerin und Buchhalterin. Die Heirat mit Floyd war im April 1909. Opal beschreibt sich als „unerfahrenes Mädchen aus der Stadt, das keine Ahnung von der Landwirtschaft hatte“.
Doch bald lernte sie mit Pferden umzugehen und Hühner und Truthähne zu besorgen. Sie kauften einen Traktor und ein Auto und sie war die erste Frau im Bezirk die ein Auto fahren konnte. Dann kam die Gelegenheit, das anstossende Land zu erwerben, sie bewirtschafteten nun über 1000 Acres oder rund 400 Hektaren. Opal erzählt von den modernen Errungenschaften und Neuerungen im Haus, wie Heizung, Wasserpumpe, elektrische Beleuchtung, Kühlschrank sowie dem Bau einer „sehr grossen Scheune“.
Zur Krise von 1929 schreibt Opal kurz und prägnant: „dann kam die grosse Krise und die Banken gingen unter“.
Ihr Ehemann und die drei Söhne wurden aktiv im 4-H Club. Opal organisierte und führte den ersten 4-H Girls Club in der Gegend. Dank diesem Förderungsprogramm konnten die drei Söhne an der Purdue Universität studieren. Dazu gehörte auch eine militärische Ausbildung, die drei wurden eingezogen und dienten im 2. Weltkrieg.
Gegen Ende des Krieges und mit abnehmender Gesundheit ihres Mannes mussten die beiden die Farm vermieten. Sie zogen in die Stadt. Erst als der jüngste Sohn seine Universitätsausbildung beendet hatte, konnte er die Farm wieder übernehmen. Von den zwei anderen Söhnen wurde der eine Lehrer und der andere übernahm die Iroquois Mühle, bis sie 1977 niederbrannte.
Opal war Zeit ihres Lebens aktiv und engagiert in einer Vielzahl von Ämtern, sei es in der Kirche, bei den Freimaurern, als Sicherheitsbeauftragte von Indiana und in gemeinschaftlichen Unterstützungs-programmen. Ihr Bericht schliesst mit den Worten: „Gott meinte es gut mit mir. Meine Gesundheit war recht gut und so war es mir möglich zu arbeiten und vieles zu unternehmen. Dafür werde ich immer dankbar sein“.
Das 4-H Programm
Dieses Programm, auch bekannt als 4-H Club, war ein Förderprogramm zur Ausbildung von jungen Menschen. Das 4-H Programm begann 1902 mit dem Ziel, öffentliche Schulen näher an das landwirtschaftliche Leben zu bringen. Dazu gehörte die Vermittlung von praktischen Lernerfahrungen und verbesserten Techniken in der Agrikultur. Das Programm ist der Schweizerischen Berufslehre ähnlich. Die vier H stehen für Kopf, Herz, Hand und Gesundheit (head, heart, hands, and health).
Opal’s Söhne Floyd, Henry und Roger waren erfolgreiche Teilnehmer des 4-H Programmes und gewannen zahlreiche Preise mit der Zucht von reinrassigen Schweinen und Schafen.
Der damals erst 15-jährige Floyd Seibert Amsler (1915-1993) zeigt stolz seine preisgekrönten Shropshire Lämmer. Er gewann den ersten Preis in der 4-H Klasse. Im Hintergrund stehen die ebenso stolzen Eltern. Im gleichen Jahr gewann er auch den ersten Preis für ein junges Mutterschaf.
Frauen spielen eine sehr wichtige Rolle im Leben von Indiana, so zum Beispiel Susan M. Amsler-Smith (1936-2020). Susan war die Tochter von Bert Amsler, ein Cousin von Floyd. Sie war Besitzerin der Smith Oil Company und diente in der Stadtregierung von Rensselaer während 14 Jahren als Finanzvorstand. Darauf wurde sie zur ersten Bürgermeisterin von Rensselaer gewählt für die Zeit von 1996-2000. Sie blieb Mitglied des Stadtrates bis 2004. In diesem Jahr verlieh ihr der Gouverneur Joe Kernen den höchsten Orden im Staate Indiana, den „Sagamore of the Wabash“.
Einer meiner besten Freunde stammte aus Indiana. In den 40 Jahren unserer Freundschaft haben wir uns gegenseitig oft besucht, sei es in der Schweiz, in Japan oder in Amerika. Mein letzter Besuch in Indiana war im Sommer 2016, anlässlich seiner Beerdigung im Friedhof von Lowell (Lowell Memorial Cemetery).
Nun habe ich einen erneuten Grund in den mittleren Westen zurückzukehren, nämlich um einige meiner kürzlich entdeckten Verwandten zu treffen.