Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03661.jsonl.gz/1793

Endlich ist sie ein «braves Müeti»! Nach der russischen Prostituierten und später dem Aufstieg zur Bardame freut sich Wanda Wylowa, 45, über ihre verkorkste Hauptfigur in der SRF-Serie «Seitentriebe». «Die Rolle ist herausfordernd und so ganz anders als ich», sagt die Schauspielerin.
Das Müeti Monika ist schüchtern und verheiratet. Wanda hingegen nimmt kein Blatt vor den Mund und ist unverheiratet. In einer polnischen Sage ist Wanda eine Prinzessin, die sich weigerte, einen Fürsten zu ehelichen. «Lieber stürzte sie sich in den Fluss.»
In der Wohnung ist sie die Chefin
Gemeinsam mit ihrer Serien-Figur hat Wanda Wylowa aber das Muttersein. Von den Vätern von Ismael, 17, und Vadim, 10, lebt sie getrennt. Vor vier Jahren ist ihr Lebenspartner, der Schauspieler Nikolai Bosshardt, 34, in die Wohnung in Zürich Altstetten eingezogen. Zu viert mit den männlichen Neon- und Guppyfischen im Aquarium leben sie im vierten Stock. «In der Wohnung bin ich etwas die Chefin.»
Aufgewachsen ist die Tochter einer Appenzellerin und eines Tschechen im Kreis 5. Ihre Eltern lernten sich als Kassiererin und Bühnenmeister im Theater Neumarkt kennen. Später arbeitet die Mutter als Kantine-Mitarbeiterin und der Vater als Tontechniker im Schauspielhaus. «Als Kind war das Theater mein zweites Zuhause.» Auch Wylowas Söhne haben schon TV-Luft geschnuppert. Ismael als Statist bei «Seitentriebe», Vadim verkörperte in «Der Bestatter» den jungen Luc Conrad (Mike Müllers Figur).
Im Wohnzimmer ertönt Klaviermusik aus Vadims Zimmer. Sein Vater ist Komponist. Auch Mutter Wanda beherrscht das Instrument. Manchmal begleitet sie ihn, dann spielen sie vierhändig. Sie wuschelt ihrem Jüngsten durch das Haar, schliesslich hat sie ihm die Frisur verpasst. «Nach der Matura wollte ich Maskenbildnerin werden. Die dafür benötigte Coiffeurlehre hat mich aber abgeschreckt. So bin ich Schauspielerin geworden.»
«Ich vergesse gern mein Alter»
«PiffPaffPuff», «Lüthi & Blanc», «Der Bestatter» – Wylowa hat schon in einigen Schweizer Serien mitgespielt. 2004 legte sie sich für den Film «Ferienfieber» an der Seite von Beat Schlatter den Künstlernamen Wanda Wylowa zu. Ihr tschechischer Nachname Vyslouzilova war schlicht unaussprechbar.
Die Produzentin befragte einen Numerologen, der Wylowa empfahl, was so viel wie Kommunikation bedeutet. Sie selber hat es jedoch nicht so mit Zahlen. «Ich vergesse gern mein Alter», sagt die Schauspielerin und schaut wie ein ertappter Teenager. «Auch mache ich mich immer zwei Zentimeter grösser, als ich bin. Eigentlich doof, Madonna und Kylie Minogue sind ja auch klein.»
2015 gewinnt Wanda Wylowa den Schweizer Filmpreis als beste Nebendarstellerin in «Der Hamster». «Danach geschah einfach nichts. Gerade mal ein Casting brachte mir die Auszeichnung ein.» Heute erhalte sie die interessanteren Rollen, auch weil immer mehr Frauen selber Drehbücher schreiben.
«Zudem wird die Luft nach oben für Frauen immer dünner. Viele in meinem Alter hören wegen den Kindern auf – zu meinem Vorteil.» Sie selber hat stets als Schauspielerin gearbeitet. Anhand diverser Werbe-Sprechrollen verfügt sie über ein monatliches Grundeinkommen, das ihr hilft, ihre dreiköpfige Familie über die Runden zu bringen.
«Ich habe nie Geld von einem Mann genommen»
«Ich habe nie Geld von einem Mann genommen, sondern fand es immer wichtig, mein eigenes zu haben.» So bezieht sie keine Alimente, weil es ihr mehr wert ist, dass die Papis gleichermassen zu den Kindern schauen. «Das gibt mir die Freiheit, auch mal zwei Wochen am Stück zu proben, in den Ausgang oder etwas trinken zu gehen.»
Bald beginnt das Theaterstück «Traumfrau Mutter –Windlä, wenig Sex und anderi Kataschtrophä». Allein im Monat April steht Wylowa 28-mal auf der Bühne. «Heute sind meine Kinder in einem Alter, wo alles einfacher wird.» Wie im Stück als alleinerziehende Alison verherrlicht sie die Mutter-Rolle nicht.
«Ich war nie ein Baby-Mami.» Mit 26 wurde sie schwanger, «weil ich dachte, es sei cool. Dabei mutierst du für fünf bis sechs Jahre einfach zur Krankenschwester und Putzfrau.» Erst jetzt, da sie mit den Söhnen diskutieren, Bücher lesen und streiten kann, rockt es für sie. «Langsam kommt der Lohn.»
Auf dem langen Holztisch steht ein Cheesecake. Selbst gebacken. «Bei aller Freiheit bin ich doch sehr häuslich.» – «Ihr Essen ist besser als das im Hort», lobt Vadim. Wanda Wylowa ist stolz auf ihre Söhne und ihr Leben. «Heute finde ich es super, trotz Existenzängsten. Auf dem Sterbebett werde ich nur bereuen, dass ich zu wenig getanzt habe.»
In Aktion: Ab April steht Wanda Wylowa auf der Bühne. www.traumfrau-mutter.ch