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Die Stadt Freiburg wurde gegen 1157 auf einem Felssporn in einer Flussschleife der Saane gegründet. Dort hat der Fluss auf einer Seite eine natürliche Mauer von fast 60 m Höhe im Molassefelsen geschaffen. Am rechten Ufer senkt sich die Höhe von Schönenberg bis zum Berntor. Gegenüber, viel abrupter, führt die Staldenshy;rampe zum historischen Herzen der Stadt. Der Bau einer Brücke drängte sich in der Mitte des 13. Jh. auf, um ein neu entstandenes Quartier auf der rechten Saaneseite in die Stadt zu integrieren.
Die Bernbrücke
Die Bernbrücke ist das erste Bauwerk über den Lauf der Saane zwischen dem Greyerzerland und ihrer Mündung in die Aare bei Laupen. Sie existierte wohl bereits 1275 und war damals ganz aus Holz. Das Konstruktionsprinzip stammt von den Kelten und wurde von den Römern übernommen. Der Abstand der Pfeiler betrug ungefähr acht Meter. Die Brücke wurde von Barrieren geschützt und war gedeckt. Wie die Rechnungen der Stadt zeigen, wurde sie bei Hochwasser oft beschädigt und 1402 sogar zerstört. Deshalb wurden die hölzernen Pfeiler gegen 1526 durch vier gemauerte ausgetauscht. 1653 ersetzte ein einziger Pfeiler seine Vorgänger. Die Fahrbahn blieb aus Holz, musste nun allerdings etwa 20 m überspannen. Im Laufe der letzten Jahrzehnte wurde die Konstruktion durch Teile aus Metall verstärkt.
Die Mittlere Brücke und die Sankt-Johann-Brücke
Die Malteser, Nach der Eroberung Jerusalems durch Sultan Saladin 1187 zogen sich die Kreuzritter, und damit auch die Johanniter, in die stark befestigte Hafenstadt Akkon zurück. Die Festung Akkon fiel erst 1291, d.h. fast 120 Jahre nach der Schlacht bei den Hörnern von Hattin, wo Saladin 1187 das Kreuzfahrerheer besiegt hatte. Von Akkon zogen sich die Johanniter auf die Insel Zypern zurück. Kurz danach, zwischen 1306-1309, eroberte der Ritterorden der Johanniter die Insel Rhodos, wo sie über 2 Jahrhunderte blieben. 1522 wurden die Johanniter von den Truppen des osmanischen Sultans Süleyman des Prächtigen, nach 6 Monaten Belagerung, aus Rhodos vertrieben. Kaiser Karl V. übergab den Johannitern 1530 die Insel Malta, die kleine Insel Gozo (westlich von Malta) und Tripolis an der Küste Libyens als Lehen. Erst von dieser Zeit an bürgerte sich die Bezeichnung „Malteser“ als Namen allmählich ein. Die Tätigkeit des Ordens hatte sich im 15.-16. Jahrhundert zunehmend auf den Schutz der (Handels-)Schifffahrt im Mittelmeer gegen Piraten und gegen die feindlichen Osmanen verlagert. die aus den Johannitern hervorgegangen sind
erhielten 1259 in Freiburg ein Stück Land, um für Kranke und Reisende Hilfe leisten zu können. Der Orden gründete eine Komturei und errichtete ein Hospiz und einen Friedhof. Der Ort war durch den Fluss und die Felsen vom Stadtgebiet getrennt. Ebenfalls in jener Zeit entstand die Abtei Maigrauge, ein Zisterzienserinnenkloster, und ein Siechenhaus in Bürglen (Bourguillon). Der Bau einer weiteren Brücke in die Stadt war nötig. Bezeugt ist sie seit 1279. Nach dem Bau der Sankt-Johann-Brücke (nachgewiesen 1353) nannte man sie Mittlere Brücke. Das Bauwerk wurde in der Folge laufend beschädigt und erforderte einen teuren Unterhalt. Deshalb ersetzte man es im 18. Jh. durch eine Konstruktion aus Tuffstein. Trotz zunehmendem Verkehr wurden die Brücken zum Leidwesen der Fussgänger bis heute nicht verbreitert, um die charakteristische Silhouette in den alten Quartieren nicht zu beeinträchtigen.
Bilder von der Mittleren Brücke (Pont du Milieu)
Bilder von der Komturei und der Sankt Johann Brücke
Die Grosse Hängebrücke und ihre Nachfolgerin
Zu Beginn des 19. Jh. hatte die Saane ihre Bedeutung als Verteidigungsstellung verloren und die Freiburger forderten einen leichteren Übergang. Man hörte von neuen Brückenbauten aus Eisen. Joseph Chaley, ein in Waterloo verwundeter ehemaliger Offizier, traf auf Marc Seguin, Erfinder und Konstrukteur. Dieser kam 1830 nach Freiburg und erklärte sich bereit, die Brücke für 300'000 Franken zu bauen. Zudem erhielt er das Recht, während 40 Jahren einen Brückenzoll zu erheben. Sollte die Brücke mehr als der vereinbarte Betrag kosten, würde das zu seinen Lasten gehen. Die Grosse Hängebrücke bestand aus einer durch eine Brüstung versteiften Fahrbahnplatte aus Holz, welche an vier Drahtseilen aufgehängt war. Die Kabel wurden im Fels verankert. Die Portale baute Seguin aus Freiburger Molasse in einem monumentalen dorischen Stil. Der Bau war damals mit 265 m Spannweite die längste Hängebrücke der Welt und zog Besucher aus allen Ländern an. 1924 musste die Hängebrücke durch einen Betonbau ersetzt werden und heisst heute Zähringerbrücke. Ihre zweifelhafte Ästhetik hat die Eleganz der Belle-Epoque zerstört.
Die neue Poyabrücke
Nachdem der Pilger einen überdimensionierten Kreisverkehr, welcher die St. Bartholomäus-Kapelle wie eine Krake umschliesst, passiert hat, kommen die Pfeiler der Poyabrücke nach und nach in sein Blickfeld. Dieses Bauwerk, benannt nach dem Schloss La Poya am westlichen Brückenende, wurde 2014 eröffnet und ermöglicht es dem motorisierten Verkehr, die Altstadt um die Kathedrale St. Nikolaus zu umfahren. Dort leiden die historischen Bauten seit langem unter der Luftverschmutzung. Die Poyabrücke ist eine Schrägseilbrücke mit 196 m Spannweite, einem Schweizerrekord. Die Brücke ist auch für Fussgänger zugänglich und eröffnet einen grandiosen Blick sowohl in Richtung Altstadt wie auch zur Umgebung. Wählt der Pilger diesen Weg, kommt er direkt zur schattigen Promenade und zum Murtentor, einem Eingang zur Altstadt.
Der Grandfey-Viadukt
Zwischen 1830 und 1860 löste die Eisenbahn nach und nach die Postkutschen ab. So wurde auch die Linie von Bern nach Freiburg in Angriff genommen. Um über den tiefen Graben der Saane zu kommen, war eine gigantische Brücke notwendig. Baute man früher auf Erfahrungswerte, wurden die Brücken neu exakt berechnet. Die britischen Ingenieure taten sich als Konstrukteure von Lokomotiven hervor. Ihre Kollegen der französischen Ecole des ponts et chaussées leisteten hingegen Pionierarbeit mit den Bau von Brücken sowie von Bahnhofshallen. Der Bau des Grandfey-Viadukts mit total 383 m Länge und sechs Pfeilern wurde denn 1857 auch einer französischen Firma anvertraut. 20'000 m3 Steine und über 3000 Tonnen Eisen waren nötig. Auch diese Brücke machte später Probleme. Parallel zu ihrem Altern erhöhte sich das Gewicht der Züge. 1925 erhielten die sechs vollständig einbetonierten eisernen Fachwerkstützen weite Betonbögen. Wie die Hängebrücke hat auch dieses Werk Rekorde geschlagen. Es blieb lange die längste Brücke im Schweizer Bahnnetz. Die Berühmtzeit zeigte sich auch in der Legendenbildung. So wurde die Konstruktion Gustave Eiffel zugeschrieben, obwohl dessen Ingenieurkunst erst später zum Tragen kam (Eiffelturm 1889). Bei dieser Passage befindet sich eine moderne Skulptur des amerikanischen Künstlers Richard Serra. Das Kunstwerk stellt einen L-förmigen Stahlträger dar und wurde im Jahr 1987 erstellt. Es wird auf einer Tafel Robert Maillard gewidmet. Dieser hätte den Umbau geleitet. Es handelt sich jedoch um einen weiteren Irrtum. Der berühmte Brückenbauer war nur am Rand als Experte beteiligt. Der Übergang ist für Fussgänger zugänglich. Der Pilger verlässt die markierte Strecke Nr. 4 bei der Kapelle von Uebewil, geht bis Kastels nach Norden und durch Balliswil, von wo ihn eine schöne Allee zur Brücke führt. Ein toller Rundblick belohnt den Umweg.
Quelle: Ultreïa No 60. Der Autor Pierre Zwick ist Ingenieur und Spezialist für historische Tiefbauten.