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Eine Geschichte von Barbara Kummer
Schon in der Jungsteinzeit lebten Menschen in unserer Gegend. Funde von Tonscherben, Steinbeilen und Pfeilspitzen belegen das. Auch die Römer waren hier daheim. Reste ihrer Villen fand man in Koppigen und Ersigen. Nach dem Abzug der Römer besiedelten Alemannen diese fruchtbare Gegend, sie brachten eine neue Sprache mit und bauten hier ihre Häuser: die sogenannten «Alemannenhäuser», aus denen später unsere schönen Berner Bauernhäuser entstanden.
In Zielebach, an der Schulhausstrasse 5, steht noch so ein altes Alemannenhaus oder «Hochstudhaus», wie es oft genannt wird. Erbaut wurde es im Jahr 1600 und bis auf einzelne kleinere Reparaturen oder Anpassungen hat dieses Haus mehr oder weniger 400 Jahre an seinem Platz gestanden. Auch wenn ein Haus nicht sprechen kann, erzählt es doch viel von seinem Bau, den Handwerkern, den Bräuchen, der Witterung und den Menschen, die unter seinem Dach lebten.
Wenn man um 1600 bauen wollte, musste man ein Gesuch an den Landvogt von Landshut stellen. Landvogt war von 1599 bis 1604 Herr Sebastian im Hag. Er beauftragte den Bannwart (heute Oberförster) mit dem Bauherrn im Wald nach geeigneten Eichen zu suchen. Der Wald war «Burgerwald», d. h. nur die Burger (Alteingesessenen) hatten das Recht unentgeltlich zum Hausbau Holz aus dem Wald zu beziehen. Diese sogenannte «Schwelleneichen» waren das Fundament für das Haus. Sie mussten im Wald geschlagen und auf den Bauplatz geführt werden, damit die Zimmerleute das Holz mit Axt und Breit-Axt behauen (bearbeiten) konnten.
Es gab keine Pläne oder Zeichnungen, der Zimmermeister hatte sämtliche Einzelteile des geplanten Hauses im Kopf und ordnete die Balken und Hölzer auf dem Bauplatz an, indem er mit dem Stechbeitel Kerben oder Markierungen in die Balken schlug. Wenn das Gebälk und der Dachstock vollständig am Boden ausgelegt waren, kam «Teamwork» zum Tragen. Die schweren Balken konnten nur gemeinsam zusammengefügt und aufgerichtete werden. Die Gefährlichkeit dieser Arbeit beim Aufrichten, d. h. in schwindelnder Höhe die schweren Balken zusammenzufügen, bedingte perfektes «Timing».
Wenn der letzte Dachsparren festgenagelt war, so wurde «abgeklopft»: alle Zimmerleute setzen sich auf den Firstbalken und klopfen mit ihren Beilen im Takt auf die Sparren. Dann wurde das «Richtbäumli» mit farbigen Bändern aufgesteckt und der Bauherr richtete für die Zimmerleute ein Fest aus. Das Dach wurde mit Stroh oder Schindeln gedeckt. Diese steilen Dächer hatten den Vorteil, dass Regen und Schnee schnell abliefen und das Material nicht verfaulte.
Mehr als 400 Jahre steht dieses Haus an seinem Platz, was hat es alles erlebt: Kurz vor dem Bau, im Jahre 1528 wurde im Kanton Bern die Reformation eingeführt. Bern wurde reformiert, Solothurn blieb katholisch und Zielebach lag genau zwischen diesen beiden Lagern. Beide Seiten bekriegten sich mit unvorstellbarer Grausamkeit.
Im Jahr 1653 brach der Bauernkrieg aus und die Strafen der Obrigkeit sollten abschrecken. Die Bauern in unserer Kirchgemeinde verfassten einen Brief, in welchem sie demütig und unterwürfig um Gnade bettelten. Am 5. März 1798 fand in Fraubrunnen die letzte Schlacht gegen die Franzosen statt und nun gab es eine neue Ordnung im Kanton Bern.
Neun Monate später kamen allein in der Stadt Solothurn über 800 Frauen ins «Kindbetti», auf dem Lande hat man diese «Franzosenkinder» nie gezählt.
Sie waren ein «Schandfleck», man wollte sie nicht, man gab sie weiter von Dorf zu Dorf. Als sie aber in die Schule mussten, da brachte man diese Kinder wieder zurück in die Heimatgemeinde der Mutter, die sollte zahlen. Hier wurden diese Kinder nach altem Alemannischem Recht auf die alten Höfe verteilt.
Diese Rechte nannte man «Firstrechte», sie waren unveräusserlich und lagen auf dem Hof, egal wer gerade der Besitzer des Hofes war. Jeder Hof hatte das Recht, Holz aus dem Wald zu beziehen und Vieh auf die Allmende (allgemeine Weide) zu treiben, musste aber im Gegenzug auch Waisen, Arme und Alte, je nach Grösse des Hofes, für kurze oder längere Zeit in «Kost und Logis» nehmen.
Das waren die sogenannten «Verdingkinder» über die der Dichter Jeremias Gotthelf in seinem Roman «Der Bauernspiegel» schreibt. Auch Zielebach wird in einem seiner Romane beschrieben. Er nennt das Dorf Raxigen: «Die Häuser von Raxigen hoben ihre braunen Dächer über die grünen Bäume und die mit Misthaufen besäeten (bedeckten) Äcker; schon sah man Storchennester auf den bemoosten Dächern… «
Aber das ist wieder eine andere Geschichte.
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