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Es handelt sich um jene Champagnerflasche, die seit einiger Zeit insbesondere in deutschen Medien als älteste aller Zeiten schlagzeilt, aber, so Demarville: «Die Flasche stammt definitiv nicht aus dem 18. Jahrhundert, wie ursprünglich spekuliert wurde, sondern wohl eher aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts. Sie ähnelt der seinerzeit üblichen Maubeuge-Form. Es handelte sich um eine bauchige, fast 1 kg schwere, mundgeblasene Flasche.»
Unglücklicherweise, so Demarville, stammt der kostbare Fund nicht aus den Clicquot-Kellern. Auf dem Korken sei zwar ein Anker zu sehen gewesen; bei diesem Symbol handelt es sich um ein Warenzeichen, das sich die umtriebige Madame Barbe-Nicole Clicquot (1777-1866) schon 1798 hatte gesetzlich schützen lassen. Neben dem Anker aber war der Name Juglar vermerkt - ein inzwischen nicht mehr existenter Händler aus Châlons, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts eng mit dem Champagnerhaus Jacquesson zusammenarbeitete.
Perrier-Jouet aus dem Jahr 1825
Der älteste in den letzten Jahren geöffnete Champagner war 2009 eine Flasche 1825er Perrier-Jouët. Ob die Ostsee-Bouteille noch älter oder doch jünger ist, lässt sich derzeit allerdings nicht sagen.
Der Hype um alte Champagnerflaschen ist verständlich, einfach deshalb, weil diese Schätze sehr selten geborgen werden. Nachdem sie 84 Jahre auf dem Boden der Ostsee lag, wurde 1998 die «Jonköping» geborgen. Zutage traten beim Aufttauchen des Schiffswracks immerhin 2000 trinkbare Flaschen Champagne Heidsieck-Monopole Goût Américain des Jahrgangs 1907. Versteigert wurden einige davon bei Christie‘s für 2400 Pfund pro Stück.
Diesmal freilich gibt es nichts zu versteigern, was niemand besser als der Finder weiss. Noch 70 weitere Flaschen lagern nach Aussagen Christian Ekströms offenbar vor den Küsten Ålands, einer autonomen Provinz Finnlands. «Was mit den Flaschen passiert, das liegt im Entscheidungsbereich der regionalen Regierung», erklärt Ekström. Der Taucher betreibt in der Hochsaison das Kobba café & sjömansbar, gleichzeitig gibt er Tauchkurse für Touristen. Denn Schiffswracksuchen ist in Åland eine Art Volkssport, es existiert sogar ein Museum mit den Funden. Ekström wird gar leicht pathetisch: «Jedes Wrack hat eine Geschichte, und man muss die Geschichte der Flaschen mit denen des Wracks zusammenbringen.»
Ein Schluck nach dem Tauchgang
Gefunden wurde die Flasche am 6. Juli 2010 in 50 m Tiefe. Anschliessend öffnete der Taucher sie mit sieben Freunden. Der Rest - wohl schon eher die Neige in der Grösse einiger weniger Milliliter - ging nach Frankreich zu Champagne Veuve Clicquot Ponsardin. Und damit sozusagen zum offiziellen «Nachuntersuch».
Ekström beschreibt den Geschmack des getrunkenen Champagners als bestens konserviert, süsslich mit rauchigen Aromen und wenigen Kohlendioxidperlen.
Ähnlich äussert sich Kellermeister Demarville. Und der muss es schliesslich als Fachmann wissen. Sein Urteil: Es handle sich um einen, wie seinerzeit üblich, süssen Champagner, vermutlich mit einem Zuckergehalt von 60 g pro Liter. Die ungewöhnlichen Lagerbedingungen mit geringer Meeresströmung, konstantem Druck und gleich bleibender Temperatur von 5 Grad Celsius bei völliger Dunkelheit hätten den Wein tadellos erhalten. Die Zeit stand, der Ostsee sei Dank, für diesen Champagner still. Hoffentlich wissen das auch diejenigen, die dabei sind, wenn die nächsten Flaschen entkorkt werden.