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Kleines Schützen-ABC
A
Abkommen: Dieses Wort ist erst in jüngster Zeit entstanden aus dem Bedürfnis einer zusammenfassenden technischen Bezeichnung für die Tätigkeit des Zielens und Schiessens. Schlechtes "Abkommen" heisst ein Abweichen vom Zielpunkt und Schusspunkt. Dagegen ist es eigentlich paradox, von einem "guten" Abkommen zu sprechen. Die Vorsilbe "ab" bedeutet ja so viel wie "weg, fort", also würde ein Abweichen des Schusses vom Ziel damit bezeichnet.
Abkrümmen: ist ein anschauliches und klar verständliches Zeitwort, das nichts anderes bedeutet, als "den Finger krumm machen" am Abzug. Das Wort ist erst mit der Entwicklung der Handfeuerwaffe - wohl erst am Ausgang des letzten Jahrhunderts - üblich geworden.
Abzug: scheint zurückzuführen in die Zeit der alten Vorderlader und Musketen, bei denen die Pulverexplosion noch durch das Abziehen einer Zündschnur bewirkt wurde. Heute ist Abzug nur noch für den Feuerbeutel an Schusswaffen gebräuchlich. Das Zeitwort "abziehen" drückt die entsprechende Tätigkeit aus.
Armbrust: Dieses Wort scheint "rein deutsch" zu sein und ist doch nur eine geschickte Volksdeutung des Fremdwortes arcubalista. Zusammengesetzt aus lateinisch arcus = Bogen, Schleuder und griechisch ballein = werfen heisst dieses Wort eigentlich "Schleudermaschine, Wurfmaschine". Die Armbrust ist also ihrer sprachlichen Bedeutung nach ursprünglich nicht - wie die Volksmeinung glaubte - eine Waffe, die man auf die Brust aufsetzt und mit dem Arm hält. Die Franzosen verwandelten arcubalista zu arbaléte, italienisch heisst es balestra. Die Einführung des Wortes ins Mittelhochdeutsche als Armbrust geschah im 12. Jahrhundert.
B
Büchse: Die Benennung kommt vom "Buchs" her (vgl. griechisch pyxos), einem für Drechslerarbeiten besonderes geeigneten Holz. Die Bezeichnung für das Holz wurde ausgedehnt auf die gedrechselte Arzneibüchse, griechisch pyxis "Dose aus Pyxosholz". Über lateinisch buxis ist das Wort in unsere Sprache gelangt, althochdeutsch buhsa, mittelhochdeutsch bühse. Aus der Bedeutung "Hohlzylinder" wurde dann seit dem 14. Jahrhundert "Büchse" zur Feuerwaffe wegen der zylinderähnlichen Form des Laufes entwickelt. Zuerst wurde das Wort auf Geschütze übertragen, auf die sogenannte Donner-Büchse, und von hier aus auf leichtere Schusswaffen, die Hand- und Hakenbüchsen. Seit dem 16. Jahrhundert ist "Büchse" auch noch gebräuchlich für das leichtere Gewehr. Jetzt gilt es vor allem für das Jagdgewehr für Kugel, im Gegensatz zur Flinte mit Schrot.
D
Diopter: ist ein aus dem griechischen diopteuin (durchspähen, überblicken, auskundschaften) übernommenes Fremdwort. Es wurde von hier übertragen auf die Zielvorrichtung zum Hindurchsehen. Die Visierlinie ist der Durchblick durch zwei im Abstand hintereinander liegende sehr feine Öffnungen. Das Diopter dient an vielen wissenschaftlichen Instrumenten zur Einstellung.
G
Gewehr: Zu einem althochdeutschen Zeitwort werian "wehren" gehört das Sammelwort giweri, "was zur Verteidigung dient, Schutzwehr", mittelhochdeutsch gewer. Die Bedeutung wurde zunächst eingeschränkt auf "Schusswaffe", im weiteren Verlauf der Sprachentwicklung aber erweitert auf "Waffe" überhaupt. Schliesslich wurde in der Neuzeit mit "Gewehr" die Feuerwaffe bezeichnet. Der ursprüngliche Sinn "Wehr, Abwehr" liegt noch im "Seitengewehr" und im "Stossgewehr". In der Waidmannsprache sind die Hauer des Wildebers "Gewehr", also eigentlich Schutzwaffe zur Abwehr. Besonders reizvoll ist die Urbedeutung des Wortes veranschaulicht in einem Gedicht "Lob des Kriegsgottes" von Martin Opitz, dem Sprachreformer des 17. Jahrhunderts:
"Dir trägt ein beer die klaw, ein hundt den scharffen zahn, ein löwe seinen schwantz, unnd jedes was es kan. Nicht eines liebt den todt; sie lernen alle kriegen, empfinden ihr gewehr, ersehn das ziel zue siegen."
H
Hahn: Der "Hahn" im Gewehr, seit Ende des 16. Jahrhunderts in dieser Beziehung gebräuchlich, ist ursprünglich nach der Gestalt des Hahnes (Vogel) benannt. "Den Hahnen gespannt - ziehet den Hahn auf!" sind militärische Kommandoworte des 17. Jahrhunderts. Mit Entwicklung der Schiesstechnik wurde aus dem einfachen "Hahn" das Doppelwort "Abzugshahn".
K
Kaliber: geht zurück auf griechisch kalopodion = Holzfüsschen, gemeint ist damit der Schusterleisten. Über das Aramäische gelangte das Wort ins Arabische, wo es zu qalib mit der Bedeutung "Form, Modell" wurde. Das mittellateinische calibrum erweiterte den Sinn auf "Halseisen der Gefangenen, Kummet der Zugtiere". Die ältere Ballistik übernahm dann den Ausdruck zur Bezeichnung der Lehre von der Bestimmung des Durchmessers und des Gewichts der Kanonenkugeln. Im lateinischen calibro und französischen calibre wurde eine Bedeutung "Durchmesser der Gewehrschützmündungen bzw. des Geschosses" entwickelt. Das im Deutschen gebräuchlich gewordene Wort Kaliber kam als Lehnwort aus dem Französischen zu uns. Der Ausdruck Kleinkaliber ist sehr jung und erst mit Ausbildung des modernen Schützenwesens eingebürgert worden.
Kimme: hat die gleiche Grundbedeutung und die sprachlich gleiche Wurzel wie Kieme, d.h. "Kerbe, Einschnitt". Es handelt sich also um ein und dasselbe Wort, das die Atmungswerkzeuge des Fisches bezeichnet, die Kerben in den Dauben des Fassbodens und die Kimme, die auf dem Gewehrlauf sitzt.
Korn: ist ein Teil der Zielvorrichtung vorne auf dem Gewehrlauf. Das Wort wurde von der Form des Getreidekorns her in die Sprache der Schiesstechnik übernommen. Von Vollkorn spricht der Schütze, wenn das Korn über die Kimme hinausspitzt, von Feinkorn, wenn der obere Rand der Kimme höher liegt, als die Spitze des Korns. Gestrichenes Korn sagt man, wenn Kimme und Korn eine Gerade bilden. Geklemmtes Korn bedeutet: Das Korn steht - wenngleich es richtig "gestrichen" wurde - nicht genau in der Mitte des Korns, sondern rechts oder links der Kimmenmitte. Die Redewendung "jemanden aufs Korn nehmen" ist ein bildlicher Ausdruck für "auf ihn mit Worten zielen, ihn scharf ins Auge fassen".
Kolben: Althochdeutsch kolbo, mittelhochdeutsch kolbe bedeutet noch "Keule als Waffe, Knüppel". Von der Form der hölzernen Keule her wurde das Wort dann auf den Kolben des Gewehrs übertragen, der ja auch zugleich als "Keule" dient.
Kugel: Das Wort bezieht sich auf die ursprünglich runde Kugelform, die in früheren Jahrhunderten vor allem für Geschosse verwendet wurde. Die älteste Kugel ist die Geschützkugel, später kamen Musketkugel, Drahtkugel, Flintenkugel hinzu. Man hat die runden Geschosskugeln oft mit Kegelkugeln verglichen, wie Anno 1465 Michael Beheim in seinem "Buch von den Wienern":
"in unser paider hüten (Hütte, Zelt) zwain wart geschossen ain puchsenstain als grosz sam ain poszkugel (Kegelkugel)."
L
Lauf: Der "Lauf" das Rohr der Handfeuerwaffe, ist der Hauptteil jedes Gewehres. Die Bezeichnung deutet auf das Zeitwort "laufen" zurück. In der Sprache der Schiesstechnik meint Lauf eigentlich ein Werkzeug oder einen Raum zum Laufen, also das Rohr, worin die Kugel "laufen" kann. "Denn wenn die Kugel aus dem Lauf, ist sie kein totes Werkzeug mehr", heisst es bei Schiller (Wallensteins Tod 3,21).
M
Munition: kommt von lateinisch munire "verschanzen", munito "Wehrbau, Befestigung". Im Französischen wurde die Bezeichnung munition (de guerre) auf den "Kriegsbedarf" überhaupt ausgedehnt. Das in den deutschen Sprachgebrauch übernommene französische Wort ist um 1525 zum erstenmal bezeugt in der Bedeutung "Schiessbedarf"; Heute werden unter Muniton die Schiessmittel der Feuerwaffen verstanden, bestehend aus Hülsen, Geschoss, Treibladung und Zündmittel.
P
Patrone: ist im Grunde das gleiche Wort wie lateinisch patronus "(väterlicher) Beschützer, Schutzherr, Verteidiger" (pater = Vater). Der Ausdruck erlangte die Bedeutung "schützende Hülse" bzw. Musterform. Dieser Sinn fand in die deutschen Mundarten und in die Fachsprache Eingang. Die regelrechte Bedeutung "Geschosshülse" ist aus dem französischen Heereswort patron entlehnt, das seinerseits auf lateinisch patronus zurückgeht. Für uns ist Patrone immer auch die Munition für Handfeuerwaffen, die in ihr Hülse, Geschoss, Pulver und Zündung vereinigt.
Pistole: führt zurück auf tschechisch pisk "Pfiff", woraus pistal "Pfeife" gebildet wurde. Nach Erfindung der Feuerwaffen wendete man diese Bezeichnung auf das "kurze Handrohr" an. Das Wort Pistole, das während der Hussitenkriege in den deutschen Sprachraum kam, erschien zwischen 1421 und 1429 in schlesischen Geschichtsquellen. Im westeuropäischen Gebiet wurde dagegen französisch pistolet eingeführt, das zu Pistole "eingedeutscht" wurde.
Punkt: kommt von lateinsch punctum = (mit Griffel und Wachstafel) gestochenes Zeichen, zu lateinisch pungere = stechen. Verallgemeinernd wurde daraus "Tüpfelchen, runder Flecken, das Festgesetzte" u.a. Haltepunkt, Druckpunkt, Zielpunkt, Treffpunkt sind leichtverständliche Ausdrücke, die sich der Schütze selbst erschaffen hat. Er will damit den höchsten Grad der Genauigkeit für die einzelnen Tätigkeiten des Schiessens bezeichnen.
R
Ring: bedeutet ursprünglich das Kreisförmige und den Kreis selbst. Das Wort wurde übertragen auf die gemalten bzw. gezeichneten oder gedruckten Ringe der Scheibe.
S
Schaft: Die althochdeutsche Form scaft "Speer, Lanze", altsächsisch skaft "Speer", altnordisch skapt "Stange, Spiess", erlangte im Neuhochdeutschen die Bedeutung "Schaft" als hölzerner Teil des Gewehres, in den der Lauf und das Schloss eingelassen sind. Mit Schaft hängt das Ursprungswort "schaben" zusammen, da in frühester Zeit unter "Schaft" der abgeschabte und geglättete junge Baum verstanden wurde.
Scheibe: deutet auf das germanische skibo - "vom Baumstamm abgeschnittene Platte" zurück. Allgemein wurde dann etwas Rundes damit bezeichnet und im besonderen die kreisrunde Schiessscheibe. Später trat an Stelle der runden Scheibe vielfach die viereckige, die Figurenscheibe oder Kopfscheibe usw. Als stehende Wendung kann man oft hören "die Scheibe fehlen, die ganze Scheibe fehlen", d.h. sich irren, einen Missgriff tun. Der Ausruf: "Scheibe!" hat einen negativen Sinn: Die Kugel des Schützen sitzt nur in der Scheibe, ohne Ringe oder Spiegel getroffen zu haben.
Schiessen: Der ursprüngliche Wortinhalt ist "schnell, plötzlich hervorbrechen". Althochdeutsch skiozan, mittelhochdeutsch schiezen und krimgotisch schieten bedeuten "den Pfeil abschiessen". Man spricht auch vom "Schiessen" des Raubvogels, wofür der Dichter Hagedorn ein hübsches Beispiel gibt:
"wie gegentheils die sau die eiche nicht verlässt, damit der Adler nicht auf ihre ferkel schiesze."
Allgemeine Redewendungen lassen die Urbedeutung noch gut erkennen: Der Salat, die Saat schiesst - ins Kraut schiessen - den Zügel schiessen lassen - der Schreck schiesst jemandem in die Glieder - die Farbe schiesst. Wenn einer sich plötzlich und heftig in ein Mädchen verliebt, sagt man "er ist in sie verschossen". Die Zusammensetzungen Schiessstand = der Stand zum Schiessen bzw. Schiessstätte, Schiessplatz, sind ohne weiteres verständlich.
Schuss: des Schützen und Jägers bedeutet eigentlich ein "plötzliches Fortschleudern des Geschosses". Im Nibelungenlied wird noch das Schleudern der Lanze (ger) als "Schuss" bezeichnet:
"des starken geres snide / al durch den schilt gebrach, daz man das fiwer lougen / uz den ringen sach des schuzzes beide struchten / die kreftige man."
Was ein Schuss ist, wurde in dem 1763 erschienenen Büchlein "Einheimisch - Ausländischer Wohlredender Jäger" von Heppe köstlich erklärt: "der knall, so von dem Pulver entsteht; denn, wenn der jäger einen knall höret, so sagt er: es ist ein schusz gefallen."
Schütze: ist ein Ableitung von der germanischen Sprachwurzel skut, die in "schiessen" enthalten ist. Davon stammen althochdeutsch scuzz(i)o, niederdeutsch schütte. Ursprünglich ist Schütze also der Entsender von Geschossen, von Pfeil und Speer, später der Kugel, kurz "der Schiessende". Schon bei den Minnesängern des Mittelalters kommt der Schütze vor:
"zwene schützen sach ich spannen unde schieszen."
In der Waidmannsprache heisst Schütze ein Jäger, der sich auf den Umgang mit Büchse und Flinte versteht. Auch in der soldatischen Ausdrucksweise wird der Schütze häufig verwendet. Im übertragenen Sinne tritt der Liebesgott Amor oder Cupido als blinder kleiner Schütze mit Pfeil und Bogen oder Armbrust auf, so bei dem Barockdichter Paul Fleming (17. Jahrhundert):
"das kleinen schützen heize polzen die stecken allzu tief in mir."
Spiegel: ist ein eingedeutschtes Lehnwort aus lateinisch speculum (zu specio = ich sehe), mittellateinisch speglum, das im italienischen zu speglio, dann specchio wurde. In der Schützensprache heisst Spiegel der von den Ringen eingeschlossene innerste Zielfleck.
Stand: ist von dem Zeitwort stehen gebildet, eigentlich "Handlung, Art oder Ort des Stehens". Das zusammengesetzte Hauptwort Schiessstand bezeichnet den abgegrenzten Platz, auf dem der Schütze beim Schiessen steht.
Stutzen: eigentlich "Abgeschnittenes", kommt vom Zeitwort "stutzen" das soviel wie beschneiden, verkürzen meint. Die Bezeichnung wurde dann auf die kurze (gestutzte), zum Schutz des Laufes ganz geschäftete Büchse angewendet, vor allem auf Jagd- und Scheibenbüchse. Gottsched (17. Jahrhundert) kennt noch die "halbe Flinte":
"auzer dem hatte er eine menge stutzen, halben flinten, pistolen, tschinken."
T
Treffer: vom Zeitwort treffen, althochdeutsch treffan, "treffen, stossen, schlagen" abgeleitet. Das Wort kennzeichnet den Schuss ins Ziel.
V
Verkanten: Ein Ausdruck der Schiesstechnik. Von Verkanten spricht man, wenn der Visierkamm nicht waagerecht liegt, sondern seitlich, nach rechts oder links, geneigt.
Visier: Aus italienisch visiera, französisch visère, die auf lateinisch videre "sehen" zurückgehen, wurde mittelhochdeutsch visier(e) "bewegliches Helmgitter, Helmsturz mit Augenlöchern". Das Wort, das ursprünglich nur die Sehspalte im Helm bezeichnete, stammt also aus dem ritterlichen Sprachschatz. Durch Ritterschauspiel und Ritterroman wurde es im deutschen Sprachraum verbreitet. Mit der Entwicklung der Schiesstechnik ist das Wort auf die Zielvorrichtung bei Feuerwaffen angewendet worden.
Visieren, anvisieren: heisst zur Richtungsbestimmung über Kimme und Korn durch einen Diopter oder ein Fernrohr mit Fadenkreuz auf einen festen Punkt zielen.
W
Waffe: Ist ein gemeingermanisches Wort: gotisch wepna, altsächsisch wapan, althochdeutsch waffan. In frühester Zeit war die Bedeutung "Kampfgerät", vor allem vom eisernen Werkzeug zum Hauen, Schneiden usw. gebraucht. Heute ist in Sportschützenkreisen auch einfach vom Sportgerät die Rede.
Z
Ziel: Im Gotischen erscheint tilardis "zum Ziel strebend" als Speername, gatilon "erzielen", gatils "passend", die zu einer gemeinsamen Sprachwurzel gehören. Das althochdeutsche zilon bedeutet noch "sich beeilen zu etwas hin". Ziel der Mittelpunkt der Zielscheibe, ist also die Grundbedeutung "angestrebter Endpunkt". Die Bezeichnung Zielscheibe kam erst um 1800 auf.