Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03121.jsonl.gz/563

SMN: Was bedeutet die
Karte?
Aleksz: Im positiven Sinn bedeutet sie Intuition. Sie ist eine
Königin, welche die Verbindung zwischen Wasser und Erde herstellt. Sie
steht auch für Musik, allgemein für die Künste. Der Beruf einer
«Queen of cups» könnte Musikerin sein, aber auch Ärztin oder
Heilerin. Also eine sehr emotionale Ebene.
SMN: Womit verdienst du dein Geld?
Aleksz: Eigentlich möchte ich irgendwann mein Geld
hundertprozentig mit Musik verdienen. Mittelfristig muss es 50/50 sein.
Momentan arbeite ich als Webdesignerin und Webprogrammiererin. Ich habe
mit einer Kollegin eine Firma. Ich war früher Informatikerin.
SMN: Nach Jahren in verschiedenen Formationen, was hat dich dazu
bewogen, auf Solopfaden zu wandeln?
Aleksz: Das ganze hat vor ungefähr drei Jahren angefangen.
Damals war ich in einer persönlichen Krise, die mich fast dazu
verleitet hätte, die Musik aufzugeben. Ich wurde dann aber immer wieder
damit konfrontiert, dass ich Musik machen muss. Die meisten Songs auf
«Queen of cups» sind vor circa drei Jahren entstanden, einige aus
dieser Krise heraus. Langsam musste ich einen Weg finden, wie ich diese
Songs in eine Form bringe. Sie drängten darauf, veröffentlicht zu
werden. Diese Songs waren ein Geschenk. Das habe ich am Anfang aber
nicht so gesehen. Es war mehr eine Last, die ich loswerden wollte.
Irgendwie hat es sich aber lange so ergeben, auch aus finanziellen
Gründen, dass ich nicht weitergekommen bin. Mein Bruder hat ein Studio
in Basel. Dort hätte ich alle Möglichkeiten gehabt. Aus irgendwelchen
Gründen haben wir es aber nicht geschafft, dass Produkt in einem
professionellen Studio aufzunehmen. Ich wurde zudem immer wieder in
Situationen gedrängt, in denen Musiker etwas mit mir machen wollten,
dann aber wieder ausstiegen. Die Dinge waren oft sehr kompliziert.
Trotzdem ging ich beständig weiter meinen Weg, bis es schlussendlich
ein Soloalbum wurde. Auch, weil ich nicht mehr auf die anderen Leute
warten wollte.
SMN: Die Songs klingen introvertiert, teilweise melancholisch.
Hat das mit der Krise damals zu tun, oder ist das ein Teil deiner
Persönlichkeit?
Aleksz: Ich würde mich nicht als melancholisch bezeichnen, eher
als ein ruhiger Mensch. Ich kann aber auch sehr fröhlich sein. Ein
extrovertierter Mensch bin ich aber auch nicht. Ich würde mich als
extrovertierte Introvertierte bezeichnen (lacht). Ich habe übrigens
nicht das Gefühl, dass meine Lieder melancholisch klingen. Es sind
Situationen, die viele schon erlebt haben.
SMN: Was inspiriert dich, Songs zu schreiben?
Aleksz: Letztendlich bloss die Beschäftigung mit meinen Leben
und mir selber. Das Betrachten, was passiert innerlich oder auch
äusserlich mit mir. Es ist ein Drang oder Wunsch mich der Welt
mitzuteilen.
SMN: Bist du in deinen Texten absolut offen oder gibt es eine
Grenze?
Aleksz: Wahrscheinlich versteht man nicht das allerletzte Detail.
Anders gesagt: Vielleicht wird man nicht das gleiche Bild sehen, das ich
sehe, aber das ist gar nicht wichtig. Jeder Mensch hat seine eigene
Wahrheit. Wenn ich blau sehe, sehe ich möglicherweise ein anderes blau
als du, trotzdem sehen wir beide ein blau. In meinen Texten geht es mehr
um ein Gefühl und um Puzzlebilder, die man sich anhand der Wörter
zusammenreimen kann. Das ist die Wahrheit für jeden einzelnen. Wer sich
von meinen Songs angesprochen fühlt, dem ist etwas Gutes widerfahren.
Wer sich nicht angesprochen fühlt, wird sich auch nicht näher mit den
Texten befassen und es ist dann auch sinnlos, dass so eine Person etwa
versteht.
SMN: Hast du auf «Queen of cups» ein Lied, das dir besonders
ans Herz gewachsen ist?
Aleksz: Das wechselt, momentan ist es das Titelstück, thematisch
gesehen das zentrale Lied. Und es ist auch musikalisch am Stärksten
ausgearbeitet. Ich bin stolz darauf und begeistert von den Ideen, die
ich hatte, obwohl ich mich nicht mehr daran erinnern kann, dass ich sie
hatte (lacht).
SMN: Neben Violinen- hattest Du auch E-Bass-Unterricht. Wie bist
du dazu gekommen? Es gibt ja nicht so viele Bassistinnen.
Aleksz: Ich finde es schade, dass nur wenige Frauen ein
Instrument spielen. Aber zu deiner Frage: Ich bin durch puren Zufall zum
Bassspielen gekommen. Als ich 18 Jahre alt war, ging ich mit meinem
Bruder Csaba in ein Brockenhaus, um Instrumente zu kaufen. Wir erstanden
eine Gitarre und einen Bass für 150 Franken. Ich hab den Bass bekommen.
Ich habe es mir aber nicht ausgesucht. Bezahlt hab ich aber trotzdem
dafür. Das ist ja normal als ältere Schwester (lacht). Dann hab ich
jemanden kennen gelernt, der Bass spielt und mir Unterricht gab. Bass
spiele ich auch heute noch sehr gerne. Eigentlich war das eine
Schicksalsfügung, weil Bass ein Kontrapunkt zu meinem Gesang setzt.
Mittlerweile singe ich sehr oft in hohen Lagen. Der Bass erdet mich. Er
hält mich am Boden, während der Gesang mich fortträgt.
SMN: Du hast Bass in einer Band namens The Hämmorhoids gespielt.
Was habt ihr für Musik gespielt?
Aleksz: Damals (1992 bis 1997) hatten wir eine Funkband mit dem
Namen Funcameleon. Die Hämmorhoids waren ein Ableger davon, bei der es
bloss um Spass ging. Wir haben unseren Stil Holzfäller-Funk genannt. Es
war wirklich eine Experimentalband, die nicht sehr lange existierte.
Eigentlich müsste man das gar nicht erwähnen.
SMN: Wann hast du eigentlich gemerkt, dass du singen kannst?
Aleksz: Von 10 bis 15 habe klassischen Violinenunterricht
genossen. Damals hat mich meine Lehrerin immer dazu animiert, die
Etüden zuerst zu singen bevor ich sie spiele. Sie hat immer gesagt:
Sing, sing, sing, du hast eine schöne Stimme. Ich wollte aber gar nicht
singen, weil ich dachte, dass ich es nicht kann. Zuhause habe ich immer
Aufnahmen mit Kassetten gemacht, die auch meine Stimme enthielten. 1990,
als ich 24 Jahre alt war, hat mein Bruder ein Tonstudio eröffnet. Er
hat zudem ein Label ins Leben gerufen. Dafür brauchte er ein Produkt.
Er hat mich überredet, ein paar meiner Songs bei ihm unter dem Namen
Odd aufzunehmen. Ich habe bei ihm meine erste CD aufgenommen, ohne
Hintergedanken. Da drauf habe ich zum ersten Mal wirklich seriös
gesungen. Trotzdem ging es noch sehr lange bis mir klar wurde, dass ich
berufsmässig Musik machen wollte.
SMN: Wie waren die Reaktionen auf diese CD?
Aleksz: Sie lief sehr gut in meinem Bekanntenkreis. Es gab sogar
eine Plattenfirma, die Interesse daran gehabt hätte. Ich stand damals
aber voll im Berufsleben, deswegen hatte ich kein Interesse etwas zu
machen. Diese CD war aber auch der Ausschlag, dass ich Funcameleon ins
Leben gerufen habe, mit denen wir auch eine CD veröffentlichten.
SMN: Welche Sängerinnen inspirieren dich?
Aleksz: Stevie Wonder ist für mich der grösste Knüller. Ich
habe sehr viel zu seinen Platten gesungen. Dann kam Al Jarreau. Und erst
später kamen Frauen dazu, im speziellen Sara Vaughan. Sie hat sehr
schöne Sachen gesungen. Sie hat ihre Stimme gepflegt. Sie hatte eine
ästhetische Stimme. Billie Holiday hat nur ihren Schmerz rausgesungen.
In erster Linie möchte ich Musik machen, die nicht weh tut. Sie soll
berühren aber einem nicht die Luft abschnüren. Sara Vaughan ist erst
später dazu gekommen, als ich eine gewisse Reife erlangt hatte. Als
Teenager wird sie einem kaum gefallen.
SMN: Welche Momente, Begegnungen oder Gruppen waren in der
Vergangenheit für deine Entwicklung wichtig.
Aleksz: Funcameleon waren wichtig. Ich habe viel Zeit in diese
Band investiert. Sie hat mir dabei geholfen, mich in einem geschützten
Rahmen weiterzuentwickeln. Mein erstes grosses Erlebnis war, als wir
Vorband von Maceo Parker ins Liestal waren. Der Saal war voll mit circa
400 Leuten. Ich sah die Masse und füllte mich absolut super. Maceo
Parker hat uns ein Kompliment gemacht. Ein weiterer wichtiger Moment war
am Jazzfestival in Zollikon. Dort bin ich mit einer Big-Band
aufgetreten. Ich als Sängerin der Big-Band habe einen Spezialpreis
erhalten. In der Jury sassen Pepe Lienhard, Hazy Osterwald und George
Gruntz. Das hat mich natürlich geehrt.
SMN: Was hast du für Ziele mit der CD?
Aleksz: Aleksz ist ein Teil von mir, die Popschiene. Sonst
arbeite ich noch an anderen Sachen. «Queen Of Cups» ist sehr wichtig
für mich als Türöffner. Endlich bin ich rausgegangen und habe etwas
ins Rollen gebracht, nur für mich. Nicht für die Presse oder das
Fernsehen. Darum geht es mir nicht. Das Album ist ein Anfang. Ich habe
noch viel mehr Projekte im Kopf, die in andere Richtungen gehen. Mein
Ziel ist es, von der Musik leben zu können. Was mit dieser CD passiert,
ich weiss es nicht? Wenn es den Leuten gefällt, bin ich sehr froh.
SMN: An welchen anderen Projekten arbeitest du sonst noch?
Aleksz: Momentan arbeite ich an Meditationsmusik. Ich meditiere
selber. Ich will versuchen, ob ich Musik schreiben kann zu der Leute und
ich meditieren können. Dann habe ich viele Kompositionen, die rein
instrumental sind. Was ich damit mache, weiss ich noch nicht. Filmmusik
würde mich interessieren.
Interview Robert Pally
Zur CD-Besprechung