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«En nous séparant à jamais sur le Nanga Parbat, cette passion [de l’alpinisme] allait décider de nos vies. Lui, Günther, perdit la sienne là-haut et j’entamai de mon côté, en survivant et sans en être conscient, le parcours qui m’a conduit à devenir ce que se suis: un aventurier connu, même de ceux qui ne connaissent pas la montagne. Ce n’est pourtant pas la célébrité qui m’a permis de comprendre, bien des années plus tard, que j’avais un frère que je ne connaissais pas. Pas un frère de sang; un de cœur qui partageait avec moi un idéal, une vision de la vie proche de la mienne. Dans l’esprit et avant tout dans l’action, Walter Bonatti est un frère inespéré.»
Schreibt, gewandt wie immer, einer der grössten Alpinisten aller Zeiten über einen der besten, den es je gab: Reinhold Messner (geb. 1944) über Walter Bonatti (1930-2011). In einem von Messner zusammen mit Sandro Filippini verfassten Buch, das genau vor einem Jahr auf Italienisch herauskam: „Il fratello che non sapevo di avere“. Der Bruder, von dem ich nicht wusste, dass ich ihn habe. Oder, wie es in der gestern erschienenen französischen Ausgabe heisst: „Walter Bonatti, mon frère de cœur“. Mein Herzensbruder. Emotional und elegant zugleich. Auf der Rückseite eine grossartige Foto, aufgenommen bei der Verleihung des Piolet d’Or an Messner für sein Lebenswerk im Jahr 2010, ein Jahr nachdem Bonatti den gleichen Preis erhalten hatte: Reinhold, die Augen geschlossen, umarmt Walter, der den Kopf an seinen um 14 Jahre jüngeren Landsmann lehnt. Magnifique! Ein erinnerungswürdiges Bild zur Geschichte des Alpinismus, einmal ohne Fels und Firn.
Und ein Buch, das genau so menschliche Seiten aufschlägt. Messner erzählt, wie er Mitte der 1950er Jahre zum ersten Mal dem Namen Walter Bonatti begegnete, in einem Buch über grosse Bergsteiger und ihre Touren. Da las er von einem Italiener, der sich alleine in sechs Tagen durch den Südwestpfeiler der Petit Dru im Mont-Blanc-Massiv hochkämpfte, auf schier verlorenem Terrain und doch zuletzt oben bei Madonna ankommend. Von dieser Lektüre an kreuzten sich die Wege der beiden, zunächst etwas einseitig. 1971 jedoch widmete Bonatti sein zweites Buch „I giorni grandi“ Reinhold Messner – „junge und letzte Hoffnung des groβen, klassischen Bergsteigens.“ Kaum zu glauben: Erst am 5. August 2004 trafen sich die beiden erstmals, im Messner Mountain Museum auf dem Monte Rite.
Davon handelt das Buch. Von der nicht ganz leichten Annäherung zweier Persönlichkeiten bis endlich zur Begegnung und Umarmung. Unterbrochen wird diese Geschichte durch die grossen Bergfahrten Bonattis und auch von Messner. Als Fil rouge dient die Erstbesteigung des K2 durch Achille Compagnoni und Lino Lacedelli 1954, bei der Bonatti eine entscheidende Rolle spielte, aber zuletzt um eine mögliche Gipfelbesteigung geprellt, ja in höchste Gefahr gebracht wurde – ein Skandal, der von offizieller Seite erst Jahrzehnte später zugegeben wurde. Sieben ausführlich beschriebene Szenen Ende Juli hoch oben am zweithöchsten Berg der Welt und die Folgen davon: die Schlüsselstelle im Leben von Bonatti. Diejenige für Reinhold Messner war das Verschwinden seines Bruders Günther am Nanga Parbat im Juni 1970. Brüderliche Parallelen, festgehalten durch Bücher.
„Après avoir souligné maints passage, je n’avais plus qu’une idée en tête: devenir aussi bon que Bonatti“, heisst es bei Messner. „Ich lebte in einer anderen Welt, wenn ich Rébuffat las.“ Gestand einer, der sich wie Bonatti und Messmer dem Bergsteigen verschrieb, einer, der nach Messner und Jerzy Kukuczka der dritte Mensch war, der alle 8000er bestieg: Erhard Loretan. Geboren am 28. April 1959 in Bulle, in die Tiefe gestürzt am 28. April 2011 am Grünhorn in den Berner Alpen. „Loretan war zweifellos der bisher erfolgreichste und beste Schweizer Bergsteiger“, hielt Oswald Oelz kürzlich in der NZZ fest. „Seine Einstellung, seine Schnelligkeit und sein Stil der Reduktion auf die eigenen Kräfte und des Verzichts auf Hilfsmittel machten ihn zu einem Impulsgeber des Weltalpinismus.“ Loretans Leben war nicht frei von Tragik, schüttelte er doch seinen sieben Monate alten Sohn zu Tode. Dafür wurde er 2003 zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt. Vor Gericht sagte er: „Die Strafe, die Sie mir auferlegen, ist kein Vergleich zu dem, was ich bis zum Ende meiner Tage mit mir trage.“ Auch in dieser Hinsicht ein Leben am Abgrund. So heisst der Untertitel der neuen Biografie über Erhard Loretan, die der französische Alpinjournalist Charlie Buffet verfasst hat. Ein dichtes, starkes, packendes Buch über einen Mann, der die Berge und das Leben meisterte – meistens.
Loretan, Messner, Bonatti: drei überlebensgrosse Alpinisten. Wer ihnen begegnen möchte, hat drei Möglichkeiten:
Erstens am 24. Oktober 2014, 19.00 Uhr, im Alpinen Museum der Schweiz in Bern. Dann wird der gesamte Nachlass von Erhard Loretan mit Fotos, Filmen, Tonbändern, Tagebüchern und Ausrüstungsgegenständen der Sammlung des Alpinen Museums übergeben.
Zweitens am 31. Oktober 2014 bei den Éditions Guérin in Chamonix, an der „soirée exceptionnelle que nous consacrons à Reinhold Messner“.
Und drittens, mais bien-sûr, in ihren neuen Büchern.
Reinhold Messner et Sandro Filippini: Walter Bonatti, mon frère de coeur. Éditions Guérin, Chamonix 2014, 24.90 €.
Charlie Buffet: Erhard Loretan. Ein Leben am Abgrund, AS Verlag, Zürich 2014. Fr. 39.80.