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| Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).

Sechstes Buch
VIII. Kapitel
66.
1. Wer indessen behauptet, daß die Philosophie vom Teufel ausgegangen sei, soll auch daran denken, daß die Schrift sagt, der Teufel nehme die Gestalt eines "Lichtengels"1 an. Zu welchem Zweck? Offenbar, um als Prophet aufzutreten. Wenn er aber in der Gestalt eines Lichtengels weissagt, so wird er doch wohl Wahres sagen.
2. Wenn er Worte weissagt, die eines Engels und des Lichtes würdig sind, so wird er auch Nützliches dann weissagen, wenn er die Art eines fremden Wesens an sich nimmt, indem er diesem in seiner Tätigkeit ähnlich wird; mag er in Wirklichkeit auch von anderer Art sein, weil bei ihm der Grundcharakter durch seinen Abfall bestimmt ist.
3. Denn wie könnte er jemand täuschen, wenn er nicht zuerst durch wahre Worte das Vertrauen des Wißbegierigen gewinnen und ihn so erst später in die Lüge verstricken würde?
4. Überdies würde es sich auch erweisen, daß er die Wahrheit kennt, wenn auch nicht mit vollem Verständnis, aber doch so, daß er ihrer nicht ganz unkundig ist.
5. Demnach ist die Philosophie nicht unwahr, wenn auch der Dieb oder der Lügner die Wahrheit nur deswegen sagt, weil er in seiner Tätigkeit die Art eines fremden Wesens an sich genommen hat; und darf auch nicht wegen dessen, der spricht, törichterweise auch das von ihm Gesprochene von vorneherein verurteilen (ein Grundsatz, der auch hinsichtlich derer zu beachten ist, die gerade jetzt als Propheten genannt werden); man muß vielmehr untersuchen, ob sich das Gesprochene mit der Wahrheit verträgt.
1: 2Kor 11,14.