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100 Jahre kaiserlicher Zeitzeuge
Prinz Mikasa, der Onkel von Kaiser Akihito, ist am 27. Oktober 2016 im hohen Alter von 100 Jahren an einem Herzversagen gestorben, wie NHK News berichtet. Er war bereits seit Mai wegen einer Lungenentzündung im Krankenhaus behandelt worden. Sein Zustand verschlechterte sich schliesslich schlagartig. Er hinterlässt seine 92-jährige Frau Yuriko zwei Töchter im Alter von 72 und 65 Jahren. Seine drei Söhne sind bereits verstorben. Am 2. Dezember 2016 wäre Prinz Mikasa 101 Jahre alt geworden.
Damit hat Japan auch einen wichtigen Zeitzeugen seiner modernen Geschichte verloren. Prinz Mikasa war die Nummer 5 in der Thronfolge und das einzige Mitglied der kaiserlichen Familie, das jemals die Schwelle von 100 Altersjahren überschritten hat. Das mag in dieser Familie überraschen. Denn die japanischen Kaiser der Neuzeit sind im internationalen Vergleich überdurchschnittlich lange im Amt. Seit Beginn der Meiji-Zeit 1868 gab es gerade mal vier Tennos. Doch keiner hat es bis 100 geschafft. Hirohito war bei seinem Tod 1989 immerhin schon 89 Jahre alt. Der aktuelle Kaiser, Akihito, ist 82 Jahre alt.
Ein ganzes Jahrhundert
Prinz Mikasa selbst kann auf ein bewegtes Leben voller Umbrüche zurückblicken. Am 2. Dezember 1915 kam er als Prinz Takahito auf die Welt. Sein Vater war der Taisho-Kaiser, der zwischen 1912 und 1926 amtete. Japan hatte damals mehr als ein halbes Jahrhundert der rasanten Modernisierung hinter sich gebracht und war in den Klub der Grossmächte aufgestiegen.
Als jüngster Bruder von Hirohito, der seinem Vater auf den Thron folgte, machte Prinz Takahito Karriere in der Armee und erhielt 1936 von seinem Bruder den Titel Mikasa no miya, «Prinz Mikasa», verliehen, womit er einen neuen Zweig in der Kaiserfamilie begründete.
Prinz Mikasa war bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges als Stabsoffizier in der Armee tätig, mit der er zwischen 1943 und 1944 in China stationiert war. Diese Zeit hatte ihn geprägt. Er soll sich später kritisch über den Mangel an militärischer Disziplin und die Gräueltaten der japanischen Armee an Zivilisten China geäussert haben, wie die Asahi Shimbun schreibt.
Ruhige Nachkriegsjahre
Nach der Kapitulation begann er eine Laufbahn als Akademiker. An der Universität Tokio liess er sich zum Experten für den Nahen Osten und semitische Sprachen ausbilden. Später forschte und unterrichtete er an verschiedenen Universitäten. In den letzten Jahren führte er ein zurückgezogenes Leben mit Frau Yuriko.