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1386 wurde das Grossfürstentum L. mit Polen vereinigt, mit dem es ab 1569 einen gemeinsamen Staat bildete. 1795 fiel es bei der dritten poln. Teilung an Russland. 1918 erklärte L. seine Unabhängigkeit. Der Bundesrat anerkannte die erste litauische Republik im Aug. 1921. In der damaligen Hauptstadt Kaunas wurde ein Konsulat errichtet. L. hatte ab 1918 eine Mission in Bern, die der litauischen Botschaft in Berlin zugeordnet war. Die durch die sowjet. Annexion 1940 unterbrochenen Beziehungen wurden unmittelbar nach dem gescheiterten Putsch in Moskau im Aug. 1991 erneuert. Der Schweizer Botschafter in Riga ist auch in L. akkreditiert. Für die Schweiz zuständig ist der litauische Botschafter in Rom. L. unterhält Konsulate in Genf und Zürich. Das seit 1992 entstehende bilaterale Vertragsnetz wird weiter ausgebaut. Ein Doppelbesteuerungsabkommen ist seit Dez. 2002 in Kraft. 1995 war der litauische Ministerpräsident Adolfas Šleževičius zu Gast in der Schweiz, Bundesrat Flavio Cotti reiste im gleichen Jahr zu einem offiziellen Arbeitsbesuch nach Vilnius. 2001 stattete Bundespräsident Moritz Leuenberger dem litauischen Staatspräsidenten Valdas Adamkus einen Besuch ab. 2004 beliefen sich die Exporte der Schweiz nach L. auf 95 Mio. Fr. (v.a. Fahrzeuge, Maschinen, chem. Produkte), die Importe aus L. auf 46 Mio. Fr. (v.a. Möbel, Textilien). Zur Förderung der Wirtschaftsbeziehungen wurde 2004 in Vilnius ein Büro der Handelskammer Schweiz Baltikum eröffnet.
Ab dem 16. Jh. studierten Litauer an der Univ. Basel. Gegen Ende des 19. Jh. nahm ihre Zahl sprunghaft zu. Bevorzugter Studienort der kath. Litauer war Freiburg. Einige der Studierenden waren später in wichtigen Funktionen in L. tätig, u.a. Ebf. Jurgis Matulaitis und der Philosoph, Professor und Rektor der Univ. Kaunas, Stasys Šalkauskis. Während des 1. Weltkriegs waren versch. litauische Organisationen in der Schweiz politisch oder für wohltätige Belange tätig. Für die Unabhängigkeit L.s setzte sich das von Joseph Gabrys in Lausanne geleitete litauische Informationsbüro ein, dem ein Verlag angeschlossen war. In der Zwischenkriegszeit lehrten an der Univ. Kaunas Joseph Ehret (dt. und franz. Literatur), Alfred Senn (Sprachwissenschaft) sowie der Russlandschweizer Constantin von Regel (Botanik). In Basel und Neuenburg befasste sich Prof. Max Niedermann mit der litauischen Sprache. Seit der polit. Wende wird im Bereich der Kulturbeziehungen besonders der wissenschaftl. Austausch gepflegt. Wie in Estland und Lettland wurden auch in den grösseren Städten L.s Schweizer Lesezimmer bzw. -ecken eingerichtet. 2004 waren in L. 20 Schweizer gemeldet, in der Schweiz lebten 411 Litauer.
Archive
– EDA, Dok.
Literatur
– S. Sužiėdelis, Historical Dictionary of Lithuania, 1997
– Zwischen Vilnius und Bern, hg. von M. Schweizer, 2002
Autorin/Autor: Heinrich Riggenbach