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Den Niesen geniessen, mit einem Prachtsband.
„Der Niesen erhebt sich von fern betrachtet dreiteilig oder dreiwinklig.“
Das hielt Benedikt Marti 1587 fest in „Kurze Beschreibung des Stockhorns und Niesens, Schweizerberge im Gebiet der Berner, und der auf ihnen wachsenden Pflanzen“, auf Lateinisch allerdings. In beiden Sprachen zu finden in „Niesen und Stockhorn: Bergbesteigungen im 16. Jahrhundert“ von Max A. Bratschi (Ott Verlag 1992). Marti, der sich Aretius nannte, bestieg als einer der Ersten Stockhorn und Niesen, schrieb darüber einen begeisternden Bericht – zu einer Zeit, als die Berge mehrheitlich als gefährliche Zonen galten. Andere SchriftstellerInnen sind ihm gefolgt. Eine kleine Auswahl in zeitlicher Reihenfolge:
„Trois jour après la catastrophe du Cervin, et le jour même où cette sommité fut pour la première fois atteinte par le versant italien, l’auteur de ces lignes faisait sa première ascension dans les Alpes, celle du Niesen, près de Thoune.“
William Augustus Brevoort Coolidge: Les Alpes dans la nature et dans l’histoire. Payot, Lausanne-Paris 1913. Der US-Amerikaner Coolidge verbrachte 33 Saisons hintereinander vor allem in den Westalpen, führte rund 1750 Touren aus, darunter fast 80 Erstbesteigungen und Erstbegehungen. Auf dem Niesen am 17. Juli 1865 war seine Tante Meta Brevoort dabei, der Hund Tschingel noch nicht.
„Einst habe ich Dich den Berg der Berge genannt. Heute nenne ich Dich einfach den Berg. Denn Du bist das Urbild eines solchen. Was im menschlichen Bewusstsein je Berg geheissen hat und heissen wird, ist in Deinem Bilde verkörpert, in Deiner Gestalt gegeben und vollendet.“
Hermann Hiltbrunner: Zwiesprache mit dem Berg, in: Neue Schweizer Bibliothek, Band 47, Schweizer Druck- und Verlagshaus, Zürich um 1940.
„Wohin gehen wir nun?“
Das wollen die sechs Kinder vom Grossvater zu Beginn der Sommerferien wissen. Dieser macht es ganz anschaulich und baut mit seinen Enkeln ein Relief in den Sandkasten und fragt nun die vier Buben und zwei Mädchen:
„Und nun hier, der Kander entlang, ein anderer Bergzug, ungefähr rechtwinklig zum Thunersee?“
„Der Niesen“, schrie Werner.
Gertrud Heizmann: Die Sechs am Niesen. Eine Feriengeschichte für Kinder von 8 bis 12 Jahren. Francke Verlag, Bern 1941. Das Niesen-Buch ist die Fortsetzung von „Sechs am Stockhorn“ (1939).
„Dann am Seeufer in Gunten. Der Wind wirft kleine Wellen auf. Das blaue Geglutsch und Geschwapp sagt mir wenig im Moment, es kommt mir albern vor. Jenseits des Sees, näher jetzt, noch eindrucksvoller, der Niesen. Das Stockhorn, weiter weg, hüllt sich in dunstige Wolken.“
Kurt Marti: Höhenluft, Niesenblicke, in: Högerland. Eins Fussgängerbuch. Luchterhand Literaturverlag, Frankfurt aM 1990.
Der Niesen, Pyramide und Wahrzeichen des Thunersees, war seit dem 16. Jahrhundert immer wieder ein Anziehungspunkt für Literaten – und für bildende Künstler. Die auffällige Form wusste diverse Künstler zu inspirieren, was zu einer Vielzahl von Abbildungen des Niesen führte. Annäherung und Untersuchung der Wahrnehmung unternimmt Matthias Fischer mit Gefährten im Bildband „Der Niesen im Spiegel der Kunst“. In der Neuauflage des Originalwerks von 1999 wird die Auswahl an Darstellungen noch erweitert. Mit 172 Abbildungen illustriert Fischer, wie unterschiedlich der Niesen wahrgenommen wurde, von Diebold Schilling anno 1484/85 über Hodler, Amiet und Klee bis Christian Helmle im Jahr 2015. Grossartig sind die Holzschnitte von Martha Cunz und die Ölbilder von Martha Steller. Etwas mager ist das Kapitel zu den Tourismus-Plakaten. So fehlt das geniale Plakat von Clara Ibach mit dem Wortspiel Niesen und geniessen. Es ist allerdings brandneu, nämlich von 2019.
Matthias Fischer: Der Niesen im Spiegel der Kunst. Mit Textbeiträgen von Rosmarie Hess und Thomas Schmutz. Werd & Weber Verlag, Thun/Gwatt 2019, Fr. 49.-
Buchvernissage am Mittwoch, 27. November 2019, um 18.15 Uhr im Kunstmuseum Thun. Anmeldung bis zum 25. November unter <email-pii>