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Welches Ziel verfolgt Russland und was sind die Antworten des Westens?
Die Situation ist derzeit unübersichtlich und ändert sich rasch. Das mögliche Endziel von Russland bleibt unklar. Im besten Fall zieht sich Russland nach der Eroberung von ukrainischen Militärstützpunkten zurück. Im schlechtesten Fall geht die Invasion weiter und wird zu einer Bedrohung für die NATO-Staaten. Westliche Staaten reagierten mit Sanktionen auf die Invasion der Ukraine. Banken aus Russland wird der Zugang zum internationalen Zahlungsverkehr verwehrt. Weiter wurden Vermögen von Einzelpersonen eingefroren. Diese Wirtschaftssanktionen sind primär mittel- bis langfristig ausgelegt. Ein Einfluss auf den unmittelbaren Verlauf ist nicht zu erwarten.
Wie beeinflussen die Sanktionen Russland?
Die russische Wirtschaft befindet sich in einer deutlich stärkeren Verfassung als dies bei den westlichen Sanktionen im Jahr 2014 der Fall war. Die bis jetzt erlassenen Sanktionen werden der Wirtschaft aber zweifelsohne längerfristig Schaden zufügen. Je nach Schweregrad weiterer Sanktionen kann das Wirtschaftswachstum in Russland mit bis zu 5 Prozent negativ beeinflusst werden.
Wie reagieren die Rohstoffmärkte?
Russland hat in der globalen Energieversorgung eine zentrale Rolle. Die Europäische Union importiert beispielsweise 40 Prozent vom Erdgas und 30 Prozent vom Rohöl aus Russland. Zudem ist Russland Hauptexporteur von Rohstoffen aus dem Agrarbereich und nimmt bei der Produktion von Industriemetallen wie Aluminium oder Palladium eine wichtige Rolle ein. Die Rohstoffpreise sind bereits deutlich angestiegen. Der Preis für Rohöl befindet sich aktuell bei knapp 100 US-Dollar. Selbst wenn der Westen die Sanktionen zu einem späteren Zeitpunkt auflöst, werden Rohstoffpreise erhöht bleiben. Der Gaspreis könnte im Frühling allerdings fallen, wenn die Nachfrage aus Europa aufgrund der wärmeren Temperaturen nachlässt.
Was ist der Einfluss auf die Inflation?
Haupttreiber der Inflation sind die den höheren Rohöl- und Gaspreise. Ein Preisanstieg auf 130 US-Dollar pro Barrel führt zu anhaltend hoher Inflation. Hoffnungen auf einen baldigen Rückgang der Inflation zerstreuen sich. Schätzungen gehen von einem Effekt von plus 1 bis 1.5 Prozent auf die Inflation aus, sofern die Energiepreise auf erhöhten Niveaus verharren. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir Ende 2022 Inflationswerte sehen, welche deutlich über dem Ziel der Notenbanken liegen, ist gestiegen. Als Gegenmassnahme könnte der Preisanstieg für Konsumenten durch fiskalpolitische Unterstützung abgefedert werden.
Wie werden die Zentralbanken antworten?
Der Anstieg der Rohölpreise setzt die Notenbanken stärker unter Zugzwang. Steigende Rohstoffpreise werden das Wirtschaftswachstum schwächen. Die Notenbanken befinden sich auf einer Gratwanderung. Sie müssen die Aufwärtsrisiken bei der Inflation den Abwärtsrisiken beim Wirtschaftswachstum gegenüberstellen. Die geplante Normalisierung der Geldpolitik wird weitergehen. Die derzeitigen Ereignisse in der Ukraine werden aber dazu führen, dass die Notenbanken vorsichtiger werden. Die US-Notenbank wird im März die Leitzinsen wohl um 25 Basispunkte erhöhen. Ein grösserer Schritt ist wenig wahrscheinlich. Die EZB wird sich am nächsten Meeting im März alle Optionen offenhalten und keine definitiven Beschlüsse fassen.
Was ist der Einfluss auf die globale Wirtschaft?
Es gibt keine exakte historische Parallele zur aktuellen Krise. Der Einfluss auf die globale Wirtschaftsentwicklung hängt vom weiteren Verlauf der russischen Aktionen sowie den Sanktionen des Westens ab. Die untenstehende Tabelle gibt einen Überblick zu vergangenen Kriegs- und geopolitischen Ereignissen und zeigt, wie sich Wirtschaftsdaten und die Aktienkurse im Zeitraum danach verändert haben. Mit Blick auf sechs Monate hatte die Mehrheit der Ereignisse keinen erkennbaren Effekt auf die Wirtschaftsentwicklung. Dies trifft im besten Fall auch auf die aktuelle Krise zu.
Werden die Ereignisse in der Ukraine zu einer globalen Rezession führen?
Russland sowie die Ukraine tragen mit zwei Prozent lediglich einen kleinen Teil zur globalen Wirtschaftsentwicklung bei. Die Auswirkungen werden sich somit in Grenzen halten. Eine globale Rezession halten wir nach wie vor als unwahrscheinlich. Gemäss Schätzungen wird die globale Wirtschaft im laufenden Jahr knapp vier Prozent zulegen. Somit besteht, selbst bei negativen Zeitrundeneffekten via höherer Rohstoffpreise, ein genügend hoher «Puffer».
Was ist der Einfluss auf die Finanzmärkte?
Die russischen Finanzmärkte befinden sich in einer Abwärtsspirale. An den globalen Märkten war in einer ersten Reaktion ein klarer Risk-off-Modus zu erkennen. Risikobehaftete Anlagen, insbesondere Aktien von direkt betoffenen Unternehmen aus dem Finanzsektor, reagieren stark negativ. Auf der anderen Seite waren Safe Haven Anlagen wie der US-Dollar oder Gold gesucht. Je nach Entwicklung kann sich dieses Muster in den kommenden Wochen beschleunigen. Neben geopolitischen Aspekten ist insbesondere die Antwort der Notenbanken entscheidend für die weitere Entwicklung an den Finanzmärkten. Sollte sich auf Seiten der Notenbanken eine gewisse Zurückhaltung abzeichnen, könnte dies ein positives Signal für die Märkte darstellen.
Ist es aktuell ein guter Zeitpunkt, den Rückgang an den Aktienmärkten für Zukäufe zu nutzen?
Den optimalen Einstieg am Aktienmarkt zu finden ist bekanntlich schwierig. Das Aktienexposure zum aktuellen Zeitpunkt zu erhöhen wäre gewagt. Die Einstiegspreise sind im Vergleich zum Vorjahr aber attraktiv. Wer also noch eine erhöhte Liquidität hält, kann auch erste Käufe tätigen. Die Märkte werden in den kommenden Wochen im Spannungsfeld zwischen geopolitischen Ereignissen und der Inflationsentwicklung stehen. Die Volatilität dürfte somit anhalten. Der Gegenwind für Aktien ist in der kurzen Frist erhöht. Wir halten an unserer aktuellen Positionierung fest und empfehlen eine neutrale Aktienquote.