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Wie der Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), Mohamed ElBardei, am 25. April 2001 an einer Veranstaltung vor dem Jahrestag unterstrich, stellte das tragische Ereignis einen wichtigen Wendepunkt in der Entwicklung der Kernenergie dar. Die Auswirkungen des Unfalls auf Mensch und Umwelt in der Ukraine, in Weissrussland und Russland seien verheerend gewesen. Doch habe die Katastrophe auch die internationale Zusammenarbeit verstärkt. Die gezogenen Lehren sowie die ausgelösten Hilfsprogramme sollten dazu beitragen, künftig die Sicherheit bei der Nutzung der Kernenergie weiter zu verbessern. Die Unfallursachen sowie der Hergang würden heute gut verstanden. Auslegungsprobleme zusammen mit der groben Verletzung von Fahrvorschriften seien der Grund gewesen.
Provisorisch fällt laut einer Aufstellung des französischen Institut de protection et de sûreté nucléaire (IPSN) trotz der vielen Untersuchungen weiterhin die Gesundheitsbilanz aus. Neben den direkten und sofortigen Folgen wie Strahlenkrankheit und Verbrennungen bei einer verhältnismässig kleinen Zahl von Menschen seien bei den rund 600'000 mit den Aufräumarbeiten betrauten sogenannten Liquidatoren und den fast 7 Millionen in der näheren und weiteren Umgebung lebenden Menschen Späteffekte zu erwarten. Sie wären allerdings schwierig aufzudecken. Gemäss Untersuchungen des United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation UNSCEAR sind bei Menschen aus der Umgebung, die 1986 noch Kinder waren, wegen des Unfalls rund 1800 Fälle von Schilddrüsenkrebs aufgetreten. Weitere Erkrankungen seien zu erwarten. Bei rechtzeitiger Diagnose ist diese Krebsform heilbar. Hingegen konnte das UNSCEAR keine wissenschaftlich haltbaren Beweise für das gehäufte Auftreten anderer Krankheiten feststellen, die mit Strahlung zu tun haben.
Die kontaminierten Ländereien können heute nach und nach wieder für die Nutzung freigegeben werden. An der IAEO-Tagung wurde über einen erfolgreichen Versuch berichtet, bei dem auf 50'000 Hektaren Rapspflanzen angesät wurden. Sie entzogen dem Boden Radionuklide, ohne dass der Rapsölsamen kontaminiert war. Laut Angaben des IPSN wurde durch gezielte Massnahmen erreicht, dass die Kontamination eines grossen Teils der weiteren landwirtschaftlichen Produkte aus den betroffenen Gebieten ebenfalls unterhalb der Grenzwerte liegt.
Quelle
P.B. nach Mitteilung der IAEO, 25. April 2001, und des IPSN, 13. April 2001