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Der Schweizer Pharmakonzern Novartis plant ein umstrittenes Forschungsprojekt zu Organtransplantationen in China.
Etwa 10.000 Organe werden in China jedes Jahr transplantiert. Gemessen an der Zahl, liegt das Land damit nach den USA weltweit an zweiter Stelle. Nicht verwunderlich also, dass der Schweizer Pharmakonzern Novartis in diesem Jahr eine dreijährige Beobachtungsstudie zu Nierentransplantationen in China begonnen hat, das ein großer Markt ist. Dafür sucht das Unternehmen 500 Patienten, denen eine Niere neu transplantiert wurde. Es möchte untersuchen, wie die Probanden auf das Präparat Myfortic reagieren, das die körpereigene Immunabwehr gegen ein Transplantat unterdrückt.
Solche Beobachtungsstudien dienen oft auch dem Marketing, weil ein Pharmakonzern das untersuchte Medikament später überzeugender bewerben kann. Die Herkunft der Organe für die Patienten der Novartis-Studie wirft allerdings Fragen auf: Noch 2013 stammte der Nachrichtenagentur Reuters zufolge, die sich auf Angaben der chinesischen Regierung bezog, mehr als die Hälfte aller in China transplantierten Organe von hingerichteten Strafgefangenen.
An Patienten zu forschen, die Organe von Hingerichteten erhalten haben, verstößt gegen Prinzipien des Weltärztebunds und der Transplantation Society, in der Organisationen und Chirurgen weltweit zusammengeschlossen sind. Organspende beruhe auf Freiwilligkeit, argumentieren die beiden Institutionen – und Gefangene könnten nicht frei entscheiden.
Novartis kann angeblich sicherstellen, dass an der hauseigenen Studie keine Patienten teilnehmen, die von Gefangenenorganen profitiert haben: Es sei “eine vollständig überprüfte Dokumentation zur Organherkunft erforderlich”, teilt Konzernsprecher Patrick Barth auf Nachfrage mit. “Hingerichtete Gefangene werden zur Gruppe der hirntoten Spender gezählt. Novartis schließt bei ihren Studien die Organe von hirntoten Spendern ausnahmslos aus.”
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