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Brasilien: GfbV fordert Schutz der unkontaktierten Indigenen im Gebiet des Megastaudamms Belo Monte
17.11.2010
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ist besorgt, dass beim Bau des Megastaudamms Belo Monte in Brasilien insbesondere unkontaktierte Indigene bedroht sein könnten. Sie fordert von der brasilianischen Regierung, dass diese ein grossräumiges Schutzgebiet erhalten. Alle weiteren vom Staudammprojekt betroffenen Indigenen sollen ein Mitentscheidungsrecht erhalten, so wie dies die von Brasilien ratifizierte ILO-Konvention 169 festschreibt.
Im Amazonasgebiet gibt es nur noch wenige unkontaktiert lebende Indigene. Diese leben nicht in offiziellen Schutzgebieten, sondern nomadisieren. Im Rahmen einer Recherche über die möglichen Auswirkungen des Belo Monte-Staudamms ist eine Vertreterin der GfbV kürzlich auf aktuelle Informationen über unkontaktierte Indigene gestossen - dies in nur 70 km Entfernung vom Ort, wo der Bau des Belo Monte-Staudamms geplant ist.
Indigene, welche in derselben Region in offiziellen Schutzgebieten leben, teilten der GfbV-Vertreterin Rebecca Sommer mit, sie seien unkontaktierten Indigenen begegnet. Vertreter der Indianerschutzbehörde FUNAI bestätigten der GfbV-Delegierten die Präsenz von unkontaktierten Indigenen in diesem Gebiet. Trotz den deutlichen Anzeichen für die Anwesenheit von unkontaktierten Indigenen in der Nähe des geplanten Mega-Staudamms hat die brasilianische Regierung bislang keine speziellen Schutzmassnahmen ergriffen.
Die unkontaktierten Indigenen sind nach Ansicht der GfbV jedoch durch die mit dem Staudamm einhergehende wirtschaftliche Entwicklung bedroht. Der geplante Bau des Megastaudamms wird gemäss brasilianischer Umweltverträglichkeitsprüfung rund 100'000 Menschen anziehen. Unkontaktierte Indigene sind besonders empfindlich auf die Kontaktnahme durch Zuwanderer. Ihnen fehlen zum Beispiel Abwehrkräfte gegen von Siedlern eingeschleppte Krankheiten. Der Siedlungsdruck bedroht somit die physische und kulturelle Existenz dieser Indigenen. Die GfbV fordert von der brasilianischen Regierung, dass diese den unkontaktierten Indigenen schnellstmöglich grossräumige Schutzgebiete zuweist und diese sodann für den Zugang von Siedlern und Unternehmen sperrt.
Des Weiteren ist die GfbV besorgt über den Umgang der brasilianischen Regierung mit denjenigen Indigenen, welche in den Reservaten leben. Ein formelles Einverständnis dieser Indigenen zum Bau des Belo Monte-Staudamms, wie dies die ILO-Konvention 169 verlangt, wurde bisher nicht eingeholt. Die GfbV fordert Brasilien auf, den vom Bau des Belo Monte-Staudamms direkt und indirekt betroffenen Indigenen eine wirkliche Mitsprache zu ermöglichen.
Medienmitteilung der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV)