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Hand aufs Herz. Oder Finger aufs Komma. Jeder Sprachschaffende unter Ihnen – möge er in der Interpunktion noch so sattelfest sein – ist schon einmal in seinem Leben bei der Kommasetzung kurz gestolpert. Dieses kleine, aber feine Satzzeichen: Wann kann es, wann muss es unbedingt und wo ist es gänzlich fehl am Platz? Wir zeigen in den fünf kniffligsten Fällen, wie es richtig geht.
Auf die Kommata (Kommas), fertig los!
1. Bei Infinitivkonstruktionen
Das Komma ist fakultativ
- bei Infinitivgruppen mit zu ohne weitere Ergänzung:
Ich versuche[,] nach Hause zu gehen.
Das Komma ist Pflicht,
- wenn die Infinitivgruppe von einem Substantiv abhängt oder durch ein anderes Verweiswort (dazu, daran, dabei etc.) angekündigt wird:
Er hatte den Verdacht, betrogen worden zu sein.
Sie dachte daran, den Job anzunehmen.
- wenn der Infinitivsatz von dem Korrelat es abhängt:
Es ist schön, dich zu kennen.
- wenn die Infinitivgruppe mit um, ohne, statt, anstatt, ausser oder als eingeleitet wird:
Er ging davon, ohne zurückzublicken.
Wir hatten angerufen, um zu reservieren.
Es darf kein Komma gesetzt werden,
- wenn der Infinitiv von den Verben brauchen, pflegen oder scheinen abhängig ist:
Du scheinst krank zu sein.
Ihr braucht euch keine Sorgen zu machen.
2. Zwischen Adjektiven
Das Komma steht
- zwischen gleichrangigen Adjektiven, die im Sinne einer Aufzählung verwendet werden und in ihrer Reihenfolge austauschbar sind:
Die attraktive, junge Frau
Das ist ein seltenes, teures, aussergewöhnliches Kunstwerk.
Kein Komma steht
- bei festen Verbindungen zwischen Adjektiv und Substantiv:
Die neue deutsche Rechtschreibung
Wir wünschen euch ein frohes neues Jahr
Wir träumen von guten alten Zeiten
Bei Unsicherheit hilft folgender Test: Lässt sich ein und zwischen die Adjektive setzen, ist das Komma nötig. Andernfalls nicht. Ebenfalls nützlich: Achten Sie auf die Betonung beim Sprechen – wird zwischen den Adjektiven eine Pause gemacht, wird ein Komma gesetzt.
3. Bei Konjunktionen
Ein Komma kommt
- vor nebengeordnete, entgegensetzende und einschränkende Konjunktionen (einerseits – andererseits; aber; jedoch; sondern):
Nach dem Auflug waren wir müde, aber glücklich.
- vor aneinanderreihende Konjunktionen (bald – bald, je – desto, umso – umso, nicht nur – sondern auch, halb – halb, teils – teils):
Je mehr wir schreiben, desto besser werden wir.
Kein Komma gehört
- vor die Konjunktionen und; oder; sowie; beziehungsweise; entweder – oder; weder – noch; nicht – noch; sowohl – als auch:
Bei ihrer ersten Begegnung fanden sie sich weder sympathisch noch optisch ansprechend.
Wir können entweder den ganzen Tag rumsitzen oder endlich nach draussen gehen.
Sie hatten keine Lust mehr beziehungsweise wollten nur noch nach Hause.
Ausnahmefälle, bei denen das Komma auch für die oben genannten Konjunktionen Pflicht ist:
- wenn sie auf einen Einschub (Nebensatz, Partizipial- oder Infinitivgruppe) folgen:
Die Mutter kam nach Hause, wo die Kinder warteten, und ging in die Küche.
Tim, vor Wut bebend, sowie seine Schwester warteten vor der Tür.
- wenn sie einen Zusatz einleiten:
Ich muss seine Nachricht lesen, und zwar so schnell wie möglich.
4. Bei Vergleichssätzen mit als und wie
Ein Komma muss stehen,
- wenn als und wie mit einem Verb auftreten und einen Nebensatz abgrenzen:
Kannst du mir sagen, wie die Kommasetzung funktioniert?
Der Leser tauchte in die Geschichte ein, als wäre er selbst dabei.
Es darf kein Komma stehen,
- wenn die Konjunktionen vergleichend verwendet werden und sich nur einzelne Satzteile anschliessen:
Der Leser konnte sich drinnen besser konzentrieren als draussen.
Ich kann genauso gut Geschichten erzählen wie du!
- bei nachgestellten Erläuterungen mit wie, die für das Satzverständnis notwendig sind:
Ein Künstler wie Van Gogh hielt dieses Bild für ein Kapitalverbrechen.
Das Komma nach wie ist fakultativ
- bei nachgestellten Erläuterungen, die für das Satzverständnis nicht zwingend nötig sind:
Grosse Metropolen[,] wie Paris oder Berlin[,] sind immer einen Besuch wert.
- bei verkürzten Nebensätzen:
Weisst du[,] wie weiter?
5. Bei Ausrufen, Anreden und Hervorhebungen
Das Komma wird gesetzt,
- wenn der Ausruf, die Anrede oder Hervorhebung vor- oder nachgeschoben wird:
Ja, das stimmt.
Du nervst mit deiner Kommasetzung, Angela.
Herrje, so teuer.
Auf Wiedersehen, Herr Meier.
Das Komma darf weggelassen werden (ist somit freiwillig)
- bei kurzen Anreden in Briefköpfen oder E-Mails:
Guten Tag[,] Frau Huber
Hallo[,] Tom
Voilà. Das waren unsere fünf Kommahürden. Vielleicht haben wir Sie ja bei einer erwischt (und mit unserer Erklärung hoffentlich gleich wieder aufgefangen). Falls nicht, Chapeau. So oder so gehören Sie nun aber offiziell in den Kreis der ganz grossen Kommatiger. Und falls noch Unklarheiten bestehen: Wir helfen[,] jedes Komma aufzuspüren. Oder sind da, um es zu eliminieren.
Titelbild via Supertext