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Bald beginnt die Zeit der heftigen Herbst- und Winterstürme. Sie entstehen wegen des in dieser Zeit besonders grossen Temperaturunterschieds zwischen Nord- und Südeuropa. Das ist seit Urzeiten so – und die Konfrontation mit Wind und Sturm schlägt sich auch in unserem Wortschatz nieder.
Angefangen beim GrundwortWind: Dieses geht wie französisch vent oder italienisch vento auf die indogermanische Wurzel *hwē 'wehen, stürmen' zurück und bedeutet wörtlich 'der Wehende'. Während in den Dialekten der Nordwestschweiz, der Zentralschweiz und des Wallis vomWind die Rede ist, spricht man im Westen und Osten der Deutschschweiz traditionell vom Luft (männlich).
Daher luftet es im Westen und Osten, während es in den anderen Gebieten windet. Ausserdem spricht man in den verschiedenen Dialekten auch von wääje oder blaaschte und, wenn es besonderst stark windet, von chuute.
Westwind und Bise
Wie die Meteorologie unterscheiden auch die Mundarten die Winde nach der Richtung, aus der sie kommen – eben nach der Windrichtung. Der Westwind – oder in der älteren Sprache Wester(wind) – heisst in einigen schweizerdeutschen Dialekten auch Wätterwind, Wätterluft oder Rägeluft, weil er oft Regen (umgangssprachlich: Wätter) bringt.
Bise, Biiswind, Biisluft, Oster oder Guetwätterwind bezeichnet den oft kalten, beissenden Nordostwind im Schweizer Mittelland. Umgangssprachlich wird auch nördlich des Juras und in Südwestdeutschland der Wind aus Nordosten Bise genannt – die Meteorologie spricht dort aber von Nordostwind.
Das Wort Bise wird bereits vor über tausend Jahren erwähnt, aber die genaue Herkunft ist ungeklärt. Vermutlich ist es verwandt mit dem althochdeutschen Verb bĭsōn 'zügellos sein, umherrennen wie von Bremsen geplagtes Vieh'. Aber auch eine lautmalerische Nachahmung des Windgeräusches könnte am Ursprung des Wortes Bise stecken.
Föhn
Neben diesen beiden «Hauptwinden» (zumindest im Schweizer Mittelland) spielt in den Alpen und Voralpen der Föhn eine wichtige Rolle. Der Föhn ist ein trockener Fallwind: Im Fall der Alpennordseite hat sich die feuchte Luft im Süden der Alpen ausgeregnet und bringt nun warme Luft mit. Der Tessiner Nordföhn hat genau den umgekehrten Weg hinter sich.
Das Wort Föhn ist aus der spätrömischen Umgangssprache entlehnt: Vulgärlateinisch faōniu bezeichnete auch schon diese trockenen Fallwinde. Über die verschiedenen romanischen Nachbarsprachen kam das Wort als Föhn ins Schweizerdeutsche.
Schillers «Wilhelm Tell» machte das Wort schliesslich im gesamten deutschsprachigen Raum bekannt. Und so kam es, dass eine deutsche Firma 1908 das handliche Gerät, welches warme Luft zum Trocknen der Haare produziert, Fön nannte.
Windige Redewendungen
Auch in etlichen Redewendungen finden Wind und Sturm sich wieder.
Wer von etwas Wind bekommt, erfährt von etwas Geheimem. Diese Redewendung stammt aus der Jägersprache: Wittert das Wild den Jäger, befindet sich dieser sich wohl in Windrichtung und der Wind trägt seinen Geruch zum Wildtier.
Was wie der Wind geschieht, passiert schnell und unverhofft – klar. Dasselbe bedeutet das schweizerdeutsche wie s Bisiwätter. Bisiwätter, wörtlich 'Bisen-Wetter', meint im Bezug aufs Wetter eigentlich einen Sturm oder ein Unwetter. Der Ausdruck wie s Bisiwätter hat also keine direkte Verbindung zur Bise, sondern bezieht sich eher auf die Gewalt oder das Tempo von Sturmwinden.
Und auch das schweizerdeutsche Gstürm 'Gejammer, Streit' bezieht sich auf den Sturm. Wer stürmt, verhält sich aufbrausend, unberechenbar oder gar gewaltsam – genau wie ein Sturm.
Wind im Flurnamen
Der Wind war im Alltag der Menschen der letzten Jahrhunderte derart wichtig, dass er in etlichen Orts- und Flurnamen vorkommt. Die vielen Orte namens Allenwinden bzw. Allenlüften etwa dürften auf allen Seiten dem Wind ausgesetzt sein. Auch auf einer Luftmatt weht oft der Wind. Und eine Bisegg ist besonders der Bise ausgesetzt.
Regelrecht stürmen tut es wohl öfter in den Fluren namens Sturmebode, Sturmhöchi oder Stürmbüchel – besonders jetzt in der Zeit der Herbststürme.