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Von Flurina Meier
Ein Highlight des diesjährigen «International Forum for Quality and Safety in Healthcare» war die Präsentation von Dr. med. Wendy Levinson, Chair von Choosing Wisely Kanada. Choosing Wisely ist eine Initiative aus den USA, welche versucht, überflüssige und möglicherweise sogar schädliche Behandlungen im Gesundheitswesen zu vermeiden oder zumindest zu verringern. Erreicht wird dieses Ziel mit bottom-up erstellten Listen von unnötigen oder gar schädlichen Behandlungen, welche zukünftig vermieden werden sollen. Die Listen sind absichtlich kurz gehalten – sie beinhalten meist ca. 5 Empfehlungen – und die Empfehlungen sind einfach und evidenzbasiert. Erstellt werden die Listen von medizinischen Fachgesellschaften oder Fachgesellschaften anderer Berufsgruppen aus dem Gesundheitswesen. In der Schweiz kennt man diese Bewegung auch unter dem Namen Smarter Medicine.
Mittlerweile ist Choosing Wisely in 21 Ländern gestartet. Nicht in allen Ländern hat die Bewegung bereits so viel Geschwindigkeit aufgenommen, wie in Kanada und den USA. Ein Direktvergleich in Zahlen zeigt, dass die Schweiz noch einen weiten Weg vor sich hat:
- Bis 2012 hat die USA 500 Empfehlungen zur Vermeidung von überflüssigen Behandlungen von 80 ärztlichen Fachgesellschaften publiziert.
- Bis 2014 hat Kanada 300 Empfehlungen zur Vermeidung von überflüssigen Behandlungen von 70 ärztlichen Fachgesellschaften und Fachgesellschaften anderer Berufsgruppen aus dem Gesundheitswesen publiziert.
- Bis heute hat die Schweiz unter der Schirmherrschaft von Smarter Medicine 39 Empfehlungen zur Vermeidung von überflüssigen Behandlungen von 6 ärztlichen Fachgesellschaften publiziert. (Quelle: http://www.smartermedicine.ch/de/infos-fuer-fachpersonen.html)
Erste Auswertungen zeigen, dass die Listen in Kanada bereits erste Früchte tragen und die überflüssigen Behandlungen – etwa die Anzahl unnötiger Bluttransfusionen, oder die Anzahl verschriebener Benzodiazepine bei Seniorinnen und Senioren – in der Praxis tatsächlich abgenommen haben. Man wünschte sich, dass auch die Schweiz bei dieser Bewegung vorne mit dabei ist, für unsere Gesundheit und unsere Sozialwerke. Sie selbst können dazu beitragen, indem Sie sich und gegebenenfalls Ihrem Arzt jeweils vier Fragen stellen:
- Brauche ich diesen Test / diese Behandlung / dieses Medikament wirklich?
- Was sind mögliche Nachteile?
- Gibt es einfachere oder sicherere Optionen?
- Was passiert, wenn ich nichts unternehme?
Flurina Meier ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fachstelle Versorgungsforschung am WIG.