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Heinrich Glarean
Werke
- Zweiter Trostbrief an Aegidius Tschudi
- Elegie an einen Schüler
- Brief an Peter Gölin: Lebensrückblick und Freundschaftserklärung
- Brief an Oswald Myconius: Finanzielle Schwierigkeiten; Probleme mit seinen Schülern; Myconius und seine Frau
- Das Martyrium der Heiligen Felix, Regula und Exuperantius
- De Geographia und De arithmetica: Widmungsbriefe und Vorrede
- De Geographia: De ventis, De regionibus extra Ptolemaeum
- Anmerkungen zu den zwölf Büchern des Quintus Curtius
- Vorreden zum Liviuskommentar und zur Chronologia
- Elegie an Erasmus von Rotterdam
- Gedicht über die Entstehung des Kartäuserordens
- Gedicht an Johann Hartung
- Poetische Autobiographie
- Gedicht über die Ruinen von Avenches
- Ode auf den Hl. Theodul, Bischof von Sitten
- Helvetiae descriptio: Einleitung, Uri, Schwyz, Glarus, Schluss
- Das Epos vom Heldenkampf bei Näfels
- Reise in sein Vaterland (Hodoeporicon)
- Brief an Aegidius Tschudi: Gespenstererscheinung und Russland
- Panegyrisches Gedicht auf die Montaner Burse zu Köln
- Helvetiae descriptio: Freiburg im Üechtland (mit dem Kommentar des Myconius)
- Rede über Sueton
- Erster Trostbrief an Aegidius Tschudi
- Brief an Aegidius Tschudi: Heiraten, Politik, Religion und Literatur
- Isagoge in musicen
Autor(en): David Amherdt (deutsche Übersetzung: Clemens Schlip). Version: 03.07.2023.
Glareans Humanismus ist ein exemplarischer Humanismus. Glarean strebte danach, die Ideen eines christlichen Humanismus zu verbreiten, und als mustergültiger Lehrer weihte er sein ganzes Leben seinen Schülern, der Herausgabe und Kommentierung von Texten sowie der Abfassung von Werken, die für seine Studenten bestimmt waren. Auch wenn sein Werk – und besonders seine Korrespondenz – uns den historischen Übergang von einer katholischen zu einer konfessionell zwischen Katholiken und Protestanten gespaltenen Schweiz vor Augen führt, ist die Religion nicht sein Hauptthema. Dennoch ist sie ihm sehr wichtig, und dies wird in seinem gesamten Werk sehr deutlich.
Glareans Leben
Heinrich Loriti, genannt Glareanus (der «Glarner»), wurde 1488 in dem Dorf Mollis im Kanton Glarus geboren; daraus erklärt sich sein Beiname.
Von 1501 bis 1507 studierte er in Rottweil bei Michael Rubellus (Röteli), nachdem er vielleicht einige Zeit in Bern verbracht hatte. In Rottweil studierte er Latein, Poesie und Musik. Unter seinen Mitschülern finden wir Oswald Myconius, mit dem er freundschaftlich verbunden war; die beiden Humanisten beendeten ihre häufigen wechselseitigen Besuche allerdings, als Myconius sich endgültig der Reformation anschloss.
Von 1507 bis 1514 hielt Glarean sich in Köln auf, wo er die Gelegenheit hatte, Griechisch zu lernen. 1510 erlangte er den Grad eines Magisters. Er setzte seine Studien fort und begann zu unterrichten. In dieser Zeit korrespondierte er mit Zwingli, der damals Pfarrer von Glarus war; auch zu ihm brach er später jede Beziehung ab. 1512 hielt Kaiser Maximilian in Köln einen Reichstag ab. Glarean verfasste zu seinen Ehren ein panegyrisches Gedicht; der davon entzückte Kaiser verlieh ihm dafür den Titel poeta laureatus, «gekrönter Dichter». In dieser Lebensphase nahm er immer mehr für den Humanismus Partei. Er interessierte sich auch für Geschichte und Geographie.
Anschliessend lebte er von 1514 bis 1517 in Basel. Er wurde in die Artistenfakultät der Universität aufgenommen und erhielt auch das Recht, ein eigenes Internat zu eröffnen. Damals hielt sich auch Erasmus in Basel auf: Die beiden Männer wurden Freunde; der Einfluss des Humanistenfürsten auf Glarean sollte erheblich sein. Seine Beziehungen zu den Basler Professoren waren eher schlecht, da sie ihn daran hinderten, Vorlesungen abzuhalten. Sein Internat dagegen war ein grosser Erfolg. 1514 veröffentlichte er seine Helvetiae descriptio, einen Lobpreis auf die Schweiz, der gut aufgenommen wurde: Der Freiburger Peter Falck, ein Politiker und Förderer der Humanisten, verschaffte ihm ein Stipendium für einen Studienaufenthalt in Pavia, das Maximilian Sforza, der Herzog von Mailand, finanzierte. Glarean begab sich im Frühjahr 1515 nach Pavia, aber die dortigen schwierigen politischen Verhältnisse zwangen ihn im September dazu, nach Basel zurückzukehren.
1517 bis 1522 hielt sich Glarean in Paris auf. Dank Peter Falck aus Freiburg erhielt er für Paris ein Stipendium von König Franz I.; er wurde auch von Erasmus dafür empfohlen. In Paris leitete er wiederum ein Internat für Schweizer Studenten, in dem Latein gesprochen wurde (Französisch erlernte er niemals). Die Sorbonne und die dort geführten absurden Disputationen missfielen ihm. Es waren für ihn glückliche Jahre: Er konnte sich seinen Studien widmen und seine Griechischkenntnisse verbessern. Allerding litt er beständig unter Geldproblemen. Er hoffte auf eine Rückkehr in die Schweiz, konnte aber in dieser Hinsicht keine Erfolge erzielen (eine Zeitlang hoffte er, dass Zwingli ihm einen Posten in Zürich verschaffen würde).
1522 bis 1529 war er wiederum in Basel. Er kam dort im Februar 1522 an. Im November heiratete er Ursula Offenburg; die Ehe war glücklich, blieb aber kinderlos. Dank seines Schwiegervaters verbesserte sich seine finanzielle Situation: er konnte aufs Neue ein Internat eröffnen und Unterricht geben. Schliesslich gelang es ihm, einen Posten an der Universität zu erhalten; er wurde Dekan der Artisten- und Philosophenfakultät. Von Religionsstreitigkeiten hielt er sich fern. Schliesslich erklärte er sich aber gegen die Reformation und wurde ihr erbitterter Gegner. Da Basel protestantisch war, sah Glarean seine Situation dort als unhaltbar an und begab sich 1529 nach Freiburg im Breisgau.
Freiburg im Breisgau ist sein Aufenthaltsort von 1529 bis 1563. Er war dort bis zu seinem Lebensende als Professor und Erzieher tätig; 1530 wurde er zum ordentlichen Professor für Poetik ernannt; gleichzeitig leitete er sein Internat. Er wurde zu einer anerkannten und wichtigen Persönlichkeit. Er veröffentlichte zahlreiche Werke. 1537 lehnte er das Angebot einer Professur in der katholischen Zentralschweiz ab. Er sprach sich gegen die Gründung einer Universität in der Zentralschweiz aus, ermutigte aber den dortigen Schulunterricht. Durch Tschudi wurde er über das politische und religiöse Leben in der Schweiz auf dem Laufenden gehalten. Seine Frau starb 1539; er heiratete hierauf eine Witwe, Barbara Speyr, um deren fünf Kinder er sich kümmerte. Den Kontakt zu seinen Verwandten hielt er aufrecht. Sein Lebensende war von verschiedenen Gesundheitsbeschwerden überschattet. Glarean verstarb in der Nacht vom 27. auf den 28. März 1563 und wurde in der Dominikanerkirche in Freiburg im Breisgau beigesetzt.
Glareans Werk
Glareans dichterisches Werk
Wie viele andere Humanisten (Bèze, Gwalther) widmete sich Glarean besonders zu Beginn seiner Laufbahn der Dichtkunst. Der grösste Teil seiner bekannten Dichtungen ist in einer lateinischen Handschrift der Bayerischen Staatsbibliothek in München erhalten, die einem ehemaligen Schüler Glareans gehörte und wahrscheinlich auch von seiner Hand geschrieben ist. Glarean selbst hat nur einen kleinen Teil seiner Gedichte veröffentlicht: sein panegyrisches Gedicht auf Kaiser Maximilian I. (1512 und 1514); seine Descriptio de situ Helvetiae (besonders 1514 und 1519); seine zwei Elegienbücher (1516); ein Gedicht auf die Musik, das in seiner Isagoge (1516, fol. E3ro) und seinem Dodekachordon (1547, S. 470) abgedruckt war, aber schon in dem Tetrachordum Musices Joannis Coclei Norici des Johannes Cochlaeus erschienen war (dieses Gedicht ist somit eines seiner frühesten, wenn nicht sogar das früheste bekannte Gedicht unseres Autors); und ein kurzes Lobgedicht auf Johannes Hartung, das dieser in seiner Decuria locorum quorundam memorabilium veröffentlichte. Mehrere von Glareans Gedichten wurden erst nach seinem Tode publiziert, vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Die poetische Produktion Glareans, die vom Gelegenheitsgedicht bis zum panegyrischen Gedicht reicht und dabei auch die Ode und die Autobiographie streift, ist von antiken Motiven durchzogen und hat Anteil an seinem Bemühen, seine jungen Leser in den humanistischen Wissenschaften zu unterrichten. Exemplarische Gestalten aus dem Altertum sind darin überall anwesend. Ausserdem ist sein dichterisches Werk geprägt von seiner Sorge um die Frömmigkeit seiner Leser; nicht zufällig enthält es auch zahlreiche Stücke mit religiösen Sujets.
Es ist nicht leicht, seine Gedichte zu klassifizieren. Ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit und in dem Bewusstsein, dass jede Kategorisierung und sogar die Zuschreibung einer lateinischen Gattungszugehörigkeit mit Vorsicht zu geniessen ist, lässt sich doch das Folgende festhalten:
Es findet sich eine gewisse Anzahl von patriotischen Gedichten, deren Ziel es ist, die Grösse und die Schönheit der Schweizer Geschichte und Landschaft zu besingen: die Helvetiae descriptio (veröffentlicht 1514), die Geographie und Geschichte der Schweiz zusammen behandelt; das Gedicht zur Feier des Siegs über die Habsburger bei Näfels von 1388 (verfasst in Köln), ein Epos zu Ehren der Eidgenossen.
Glarean hat eine grosse Anzahl von Gedichten zum Lobe bedeutender Persönlichkeiten verfasst: den Panegyricus auf Kaiser Maximilian (veröffentlicht 1512), der ihm die Krönung zum poeta laureatus einbrachte (auf das Preisgedicht folgen drei sapphische Strophen, in denen Glarean dem Kaiser dafür dankt, dass er ihm eine Krone geschenkt hat, sowie eine sapphische Strophe, in der er bekräftigt, dass nur die Tugend es erlaubt, in den Himmel zu gelangen, nicht Wissen oder Schönheit); das 1516 erschienene erste Buch der Elegien, welches das Lob von neun Humanisten, Universitätsangehörigen und religiös wie politisch bedeutenden Persönlichkeiten enthält, darunter Erasmus von Rotterdam, Oswald Myconius und René von Savoyen (Elegien, 1,1-9); eine vermutlich in Köln entstandene Elegie richtet sich an einen gewissen Jacob von Strassburg, dem schon die Elegie 1,9 gewidmet war. Ausserdem ist zu erwähnen der zweite Teil der Versautobiographie (in Freiburg i. Br. entstanden), der eine Eloge auf Karl V. und vor allem auf Ferdinand von Habsburg enthält.
Lobpreis steht auch im Zentrum mehrerer Gelegenheitsgedichte: zu erwähnen ist das für Peter Wenck zum Antritt seines Basler Universitätsrektorats im Mai 1515 verfasste Gedicht, in dem Glarean das Wissen des Rektors rühmt; das Gedicht Ad Sigismundum Pelimnum sacrae religionis presbyterum carmen, das wahrscheinlich aus der gleichen Zeit stammt und in dem er das Wissen dieser Persönlichkeit rühmt (mehrere Verse aus diesem Gedicht finden sich auch im Gedicht für Wenck wieder); ein an Johannes Hartung gerichtetes Gedicht von siebzehn Versen, wahrscheinlich ein Geleitgedicht bei der Übersendung des Dodecachordon (1547); ein an denselben Hartung gerichtetes Gedicht von zehn Versen aus der Freiburger Zeit, in dem Glarean kurz und bündig die philologische Arbeit dieses Freiburger Griechischprofessors rühmt.
Zu diesen Elogen kann man noch eine Reihe von moralischen bzw. moralisierenden Gedichten rechnen, die auch zum Teil Lobpreis enthalten. Das ist der Fall bei den zehn Gedichten, die das zweite Buch der Elegien bilden (erschienen 1516 in Basel); sie richten sich an Jugendliche, Studiengenossen oder Schüler des Dichters, unter denen man den Luzerner Ludwig Carinus findet. In diesen Elegien fordert Glarean die jungen Leute dazu auf, tugendhaft zu leben – besonderen Wert legt er dabei auf die Tugend der Keuschheit – und als Ziel das ewige Leben mit Gott im Himmel vor Augen zu haben.
Das ist auch der Fall bei einer Serie von drei an Johannes Bedburguntinus gerichteten und wahrscheinlich in Köln entstandenen Gedichten (er studierte zur gleichen Zeit wie Glarean in Köln). Das erste ist eine Elegie von 50 Versen, in der Glarean die Intelligenz des Johannes rühmt und ihn vor den Gefahren des Lebens warnt; das zweite ist eine in Dialogform gehaltene Elegie von ebenfalls 50 Versen Umfang, in der er Johannes, der in einem Händel steckte, zur Mässigung und zur Tugend auffordert; eine sapphische Strophe beschliesst die beiden Elegien.
Das Gesagte gilt auch für eine Serie von fünf wahrscheinlich in Köln entstandenen Gedichten, die sich an einen jungen Freund richten, einen Kölner Studienkollegen namens «Nicolaus aus Thum»; diese Gedichte entsprechen im Tonfall dem zweiten Elegienbuch von 1516 und bringen die Freundschaft Glareans mit Nicolas zum Ausdruck: Es handelt sich um ein vierzehnstrophiges sapphisches Gedicht und vier Gedichte in elegischen Distichen (zwei umfassen vier, eines acht und eines achtzehn Verse).
Zu diesen Lobgedichten auf Personen kann man noch Lobgedichte auf Orte oder Institutionen hinzunehmen. So das Panegyricon in Montanum Gymnasium (aus der Kölner Zeit), in dem Glarean seine Lehrer vom Gymnasium Montanum rühmt, einem der vier «Gymnasien» bzw. der vier «Bursen» der Kölner Artistenfakultät; dieser Text ist auch in autobiographischer Hinsicht wichtig. Aus der Kölner Zeit stammt auch ein kurzes Lobgedicht auf die Stadt Rottweil, in der Glarean einige Jahre verbrachte (In laudem Erytropolis).
Glareans dichterisches Werk enthält auch einige religiöse Gedichte. Sie offenbaren das grosse Interesse des Dichters am Glaube und den Heiligen, wovon auch zwei Prosatexte zeugen, die Vita divi Bernardi de Monte Iovis (erschienen 1515 in Cologne bei Quentel) sowie der Divorum Felicis, Regulae et Exuperantii agon, der erst 1667 veröffentlicht wurde. Ausserdem finden sich: ein Gedicht auf Christus; eines über die Gründung des Kartäuserordens durch den heiligen Bruno von Köln; eines auf Thomas von Aquin; eines auf die hl. Katharina von Alexandrien; eines auf den hl. Fridolin, den Patron von Glarus; eines auf den hl. Theodul von Sion. Alle diese Texte stammen aus der Kölner Zeit.
Es gibt auch autobiographische Gedichte: Glareans Autobiographie in 186 Versen (verfasst zwischen 1529 und 1548), deren erster Teil den verschiedenen Stationen der Laufbahn des Dichters gewidmet ist und deren zweiter in einem Lobpreis Karls V. und Ferdinands I. besteht (s. oben); ein Gedicht von 338 Versen Umfang über eine Reise in seine Heimat (1511: Köln, Rottweil, Glarus, Wallfahrt nach Einsiedeln, Strassburg, Köln), dieser Text gehört zur Gattung des Odoeporicon bzw. Hodoeporicon (Reisebericht), die bei den Humanisten sehr beliebt war.
Zuletzt kann man noch kurze Gelegenheitsgedichte von meist epigrammatischem Charakter über verschiedene kulturelle, moralische oder religiöse Themen erwähnen: den Epitaph des Johannes, eines Bruders des Humanisten und Mäzens Peter Falck (1518); ein Trauergedicht anlässlich des Todes des Johannes Froben; ein Gedicht auf die Musik, das 1511 erstmals veröffentlicht wurde (s. oben); ein Gedicht von vierzehn Versen über die Bedeutung der Geschichte (wahrscheinlich aus der Kölner Zeit); ein moralisches Gedicht von drei Versen Umfang mit der Botschaft, dass man sich nicht an menschliche Dinge klammern soll (wahrscheinlich aus der Kölner Zeit); ein Gedicht von sechs Versen über die Ruinen von Avenches (1515); ein ins Deutsche übersetzter satirischer Vers gegen die Protestanten (wahrscheinlich aus der Zeit in Freiburg i. Br.).
Glareans Korrespondenz
Glareans Korrespondenz ist fast vollständig auf Latein verfasst. Mehr als 150 Briefe sind erhalten, von denen die meisten in Büchern, Artikeln oder verschiedenen Beiträgen veröffentlicht sind. Die Edition, die Übersetzung und das wissenschaftliche Studium der gesamten Korrespondenz würden für eine bessere Kenntnis Glareans sehr nützlich sein, und auch für eine vertiefte Einsicht in die Geschichte des Humanismus und der Reformation.
Unter seinen Korrespondenten findet man mehrere Schweizer: Ulrich Zwingli, Oswald Myconius und Joachim Vadian, zu denen er infolge des Konfessionskonflikts jede Beziehung abbrach; der Historiker Aegidius Tschudi; der Freiburger Peter Falck, der für Glarean und andere Humanisten ein wahrhafter Mäzen war. Er stand auch in Kontakt zu verschiedenen Persönlichkeiten des zeitgenössischen Humanismus sowie des religiösen Lebens, wie vor allem Erasmus von Rotterdam, aber auch Johannes Reuchlin, Willibald Pirckheimer, Friedrich Nausea und Jean de Lasco.
Es handelt sich um eine sehr lebendige Korrespondenz, in der der Briefautor von seinem Alltagsleben, seinen Schülern und seinen Familienangelegenheiten erzählt und über seine Werke, literarische Fragen und aktuelle politische und religiöse Entwicklungen spricht. Es ist auch die Korrespondenz eines kultivierten und humorvollen Humanisten, die geradezu überquillt von Zitaten aus antiken Autoren.
Handbücher und Epitomen
Ein nicht zu vernachlässigender Teil von Glareans Werk widmet sich direkt der schulischen und universitären Ausbildung. Es umfasst besonders eine grosse Anzahl von Epitomen und Handbüchern, die aus seinen Vorlesungen hervorgingen und dazu bestimmt waren, ein Themengebiet klar und einfach zu vermitteln.
Schon 1516, als er in Basel unterrichtete, veröffentlichte Glarean seine Isagoge in musicen, ein Handbuch zur Einführung in die Musik. Im gleichen Jahr veröffentlichte er eine De ratione syllabarum brevis isagoge über die Qantitätsregeln von Silben und die Regeln der lateinischen Metrik, begleitet von einem Werk De figuris über die wichtigsten rhetorischen Figuren. Sein Bemühen, das Erlernen der lateinischen Sprache leichter zu machen, wird auch in der Herausgabe (1526) der Ars minor des Donat mit selbstverfassten Erklärungen deutlich; es folgten zusammenfassende Darstellungen zu verschiedenen Aspekten der Grammatik (De generibus nominum, De constructionis regulis et syntaxi, etc.). 1527 kam in Basel die erste Auflage von De Geographia heraus. Es handelt sich um ein Handbuch, das die verschiedenen geographischen Begriffe präsentiert und mit zahlreichen schematischen Abbildungen versehen ist. 1539 veröffentlichte Glarean die erste Auflage von De VI arithmeticae practicae speciebus epitome, die sich zu einem Drittel der Grammatik der Zahlen widmet (Kardinalzahlen, Ordinalzahlen, Distributivzahlen, multiplizierende Adverbien etc.); der Rest beschäftigt sich mit Rechnen, Zahlenfolgen und Proportionen, wobei Glarean diese Begriffe durch Beispiele erhellt, die er der Literatur entnimmt. 1550 veröffentlichte er De asse, ein Werk, das Ordnung in das Chaos der Gewichts- und Massdefinitionen bringen sollte. Schliesslich brachte er 1557 zusammen mit Johann Wonnegger auf Deutsch und Latein eine gekürzte Fassung des Dodekachordon (1547) heraus, seines opus magnum über die Musik; es handelt sich nicht im eigentlichen Sinne um ein Handbuch, sondern vielmehr um einen universitären Text, der sich an Studenten der freien Künste richtet.
Werke über die Musik
Zwei für die Schule oder die Universität gedachte Texte über die Musik wurden bereits erwähnt, sowie auch sein grosser Traktat über die Musik, das Dodekachordon, 1547 veröffentlicht. In diesem Werk, dessen Einfluss sehr gross war, fasst Glarean die bisherige Musiktheorie zusammen und führt (eine wegweisende Pioniertat) eine zwölftönige Tonleiter ein. Es verdient einen Hinweis, dass eine CD-Aufnahme mit einigen in diesem Werk von Glarean angeführten Kompositionen existiert. Man kann auch noch den Lobgesang erwähnen, den er 1547 zu Ehren Karls V. veröffentlichte; es handelte sich um elf auf Deutsch verfasste Strophen, die von einer aus einem Gesang des Ludwig Senfl entnommenen Melodie sowie einer lateinischen Übersetzung begleitet werden.
Editionen, Kommentare und Anmerkungen
Als guter Humanist interessierte Glarean sich für die Texte des Altertums, die er edierte und kommentierte oder (und dies war meistens der Fall) mehr oder weniger ausgiebig mit Anmerkungen versah. Die Anmerkungen zu antiken Autoren stammen häufig aus seiner Unterrichtstätigkeit stammen. Seine Sorge für die Ausbildung der Studenten, die dennoch nicht allgemein das primäre Publikum dieser Texte sind, wird weniger offensichtlich als in seinen Handbüchern oder Epitomen, selbst wenn pädagogische Absichten niemals völlig fehlen, mögen sie literarische sein (Ausbildung in der edlen Literatur) oder moralische (Erziehung zu gutem sittlichen Betragen). Glareans Anmerkungen beziehen sich vor allem auf die Textkritik, besonders aber auch auf chronologische, prosopographische und genealogische Fragen, wobei sein Endziel immer darin besteht, zu einem besseren Verständnis der Texte beizutragen.
Glarean gab die Ars minor des Donat heraus (1526); er edierte Livius (1531) und versah ihn mit Anmerkungen (1540) und verfasste zu seinem Werk eine Chronologia (1531); er edierte die Antiquitates Romanae des Dionysios von Halikarnassos, verfasste Anmerkungen zur lateinischen Übersetzung dieses Werkes von Lapus Biragus und verfasste auch dazu eine Chronologia (1532); er edierte mit Anmerkungen die Carmina des Horaz (1533); er verfasste Anmerkungen zu den Metamorphosen des Ovid (1534), dem Bellum Gallicum und dem Bellum Civile Caesars (1538), den Historien Sallusts (1538), den Komödien des Terenz (1540) und Ciceros De Senectute (1544); er beteiligte sich an der Edition der Werke des Boethius (1546); er gab die Batrachomyomachia heraus, zusammen mit einer lateinischen Übersetzung von Joachim Mynsinger (1547); er edierte mit Anmerkungen die Pharsalia des Lucan (1550); er edierte mit Anmerkungen die Facta et dicta mirabilia des Valerius Maximus (1553); er beteiligte sich an der Edition des Breviarium des Eutropius und verfasste Anmerkungen dazu (1555); er verfasste Anmerkungen zur Dialektik des Johannes Caesarius (1556), einem Werk aus dem Jahre 1529; er edierte mit Anmerkungen die Historia Alexandri Magni des Quintus Curtius (1556); er verfasste Anmerkungen zu den XII Caesares des Sueton (1560) sowie die Epitome zu Pompeius Trogus von Justin (1562).
Die Unterrichtsmethode
Einen genauen Eindruck von den Zielen, dem Inhalt und der Methode von Glareans Unterrichtstätigkeit gewinnt man durch ein genaues Studium seiner Einführungstexte und des Inhalts seiner philologischen, historischen, geographischen mathematischen und musikalischen Arbeiten, von denen einige als unterstützendes Material für seine Vorlesungen dienten, die er in Basel, Paris und Freiburg i. Br. hielt; und auch durch das Studium von Notizen, die sich seine Studenten auf der Basis von Anmerkungen ihres Meisters in gedruckten Büchern oder seiner mündlichen Äusserungen während der Vorlesungen machten.
Die Unterrichtsmethode Glareans wird von verschiedenen Studien erhellt, besonders denen von Inga Mai Groote, die die von Glarean selbst mit Anmerkungen versehenen Bücher seiner Bibliothek mit den Notizen seiner Studenten in ihren eigenen Exemplaren verglichen hat. Es handelt sich vor allem um Texte von klassischen Autoren (Caesar, Ciceros De officiis Horaz, Livius, Sueton) oder der Renaissance (Valla), aber z. B. auch um seine eigenen Handbücher zur Arithmetik, zur Geographie und Musik, sowie um seine Chronologia (1540). Es handelt sich zum einen, um Notizen, die während der Vorlesungen (in der Universität oder im Internat) auf der Basis von Äusserungen des Professors entstanden (persönliche Notizen oder solche, die er diktiert hatte), zum anderen aber hauptsächlich um getreue Transskriptionen von Glossen aus einem von Glarean für seine Schüler zu diesem Zwecke vorbereiteten Exemplar.
Das Studium dieser Notizen zeigt tendenziell, dass Glarean ein leidenschaftlicher, origineller und amüsanter Lehrer war, der mit einem grossen pädagogischen Talent begabt war und sich eher auf allgemeine Prinzipien und zentrale Ideen konzentrierte, wobei er eine gewisse Neigung zu moralischen Urteilen erkennen liess und beständig darauf aus war, die Aktualität der von ihm behandelten Texte für die Gegenwart zu verdeutlichen, indem er Parallelen zwischen dem Altertum und seiner eigenen Zeit zog. Er nutzte ausserdem seine Vorlesungen über alle Gebiete dazu, um die Lateinkenntnisse seiner Schüler zu verbessern, indem er das Studium der eximii authores als Basis der Erziehung beibehielt; schliesslich besass hier wie überall in seinem Werk die Frömmigkeit eine zentrale Bedeutung.
Schlussfolgerung
Der allgemein als grösster eidgenössische Humanist angesehene Glarean war eine originelle und farbige Persönlichkeit, über die man sich viele Anekdoten erzählt, die seinen Witz, seinen Humor und sein theatralisches, genauer: närrisches Naturell verdeutlichen. Erasmus, der ihn zweimal sehr lobt, spricht von seinem lebhaften und heiteren Temperament und seinem Hang, als Spassmacher aufzutreten.
Glareans Leben war dem Unterricht und der Ausbildung gewidmet. Der Glarner stellte seinen ganzen Schwung und seine Leidenschaft in den Dienst der wissenschaftlichen und moralischen Formung junger Leute: Als guter christlicher Humanist und Erasmusschüler hat er niemals eine Trennung zwischen dem Wissen auf der einen und der Ehrbarkeit und der Tugend auf der anderen Seite akzeptiert, und durch seine erbauliche Lebensführung hat er seine Ideale auch praktisch vorgelebt.
Das Studium seiner Korrespondenz, seines dichterischen Werks und der Zeugnisse seiner Zeitgenossen (unter denen sich auch Erasmus von Rotterdam befindet) zeigt, dass der Gelehrte Glarean leidenschaftlich für die Antike brannte und danach strebte, seinen jungen Studenten die Prinzipien des christlichen Humanismus nahezubringen. Er war wahrhaft ein praeceptor der katholischen Schweiz und ein humorvoller Mann von gutem und wohlwollendem Charakter. Er war kommunikativ begabt, und er war ein Pädagoge, wie es keinen zweiten gab. Kurzgesagt, er war ein vir bonus dicendi et docendi peritus, um diesen von Cato geprägten Ausdruck zu verwenden, den uns Quintilian überliefert.
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In: Historia ecclesiastica, Bd. 8, hg. von J. H. Hottinger, Zürich, Schaufelberger, 1667, 1061-1077.
Für eine Liste dieser Vorlesungen s. Groote, «Glarean als Universitätslehrer. Musica zwischen Allgemeinbildung, Poetik und kultureller Identität», in Heinrich Glarean – ein Universitätslehrer (s. oben, Anm. 3), 24.