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1934 hatte die Wirtschaft einen beängstigenden Tiefpunkt erreicht. Zum Schutz vor übermässigem Kapitalexport erliess der Bund strenge Importrestriktionen, die unter anderem auch die Einfuhr von Automobilen empfindlich beschnitten.
In jener schweren Zeit, als sich Bund, Kantone und Gemeinden um das Schicksal der Arbeitslosen sorgten und sich um die Ansiedlung neuer Industrien bemühten, sah sich die General Motors in der ganzen Schweiz nach geeigneten Anlagen zur Errichtung eines Automobil-Montagewerkes um.
Während der Planungszeit erreichte ein Telefonanruf aus Biel den in Genf weilenden Generaldirektor der General Motors. Die Stimme aus Biel sagte am Telefon in gebrochenem Englisch: "Biel braucht Ihre Fabrik, und wenn Ihnen die leerstehenden Werkstätten nicht passen, wird die Stadt auf ihre Kosten ein geeignetes Gebäude nach Ihren Wünschen aufstellen."
Im Herbst 1934 fuhr der Generaldirektor der General Motors in Gesellschaft einiger Mitarbeiter nach Biel. Bei fürchterlichem Wetter besahen sie sich das von der Stadtverwaltung vorgeschlagene Grundstück. Die Männer versanken beim Betreten des Areals bis zu den Fussknöcheln im aufgeweichten Boden. Dem Generaldirektor gefiel das Areal in der Nähe des Bahnhofs Biel jedoch gut. Mit den Worten "Hier bringe ich Ihnen die Erde, auf der wir unsere Fabrik bauen werden", kratzte er sich eine Handvoll Lehmerde von den Schuhen und legte sie dem Stadtpräsidenten, Dr. Guido Müller, auf den Tisch.
Das gemeinsame Unternehmen der Stadt Biel und der General Motors war für beide Partner mit bedeutenden Risiken verbunden. Die Finanzen der Stadt waren auf einem Tiefpunkt, und die erforderlichen zwei Millionen Franken für den geplanten Fabrikbau aufzutreiben, entsprechend schwierig.
Das notwendige Kreditbegehren wurde jedoch vom Bieler Souverän in öffentlicher Abstimmung mit überwältigender Mehrheit genehmigt. Die General Motors Suisse SA wurde am 2. Mai 1935 gegründet.
Die Stadt Biel stellte der General Motors rund 30'000 m2 Gelände mit Geleisanschluss in der Nähe des Bahnhofs gratis zu Verfügung und errichtete auf ihre Kosten das Fabrikgebäude nach Plänen von General Motors gegen einen Mietzins von 8 % der Erstellungskosten, ohne Erhebung einer Gemeindesteuer auf dem Einkommen.
Bereits am 5. Februar 1936 verliess der erste in Biel montierte Wagen, ein Buick 8-Zylinder, das Band. Die Produkte der neuentstandenen Schweizer Automobilindustrie fanden sofort ihre Liebhaber. Die ersten Jahre des jungen Unternehmens standen im Zeichen einer erfreulichen Entwicklung. Rund 2'000 Wagen wurden jährlich montiert und verkauft.
Im Jahre 1939 trat eine nicht vorausgesehene Katastrophe ein: Der Zweite Weltkrieg. Er stellte das Begonnene für Jahre in Frage. Ein grosser Teil der Belegschaft war mobilisiert; für die zu Hause Verbliebenen galt es, Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen. Ein Teil der Fabrikgebäulichkeiten wurden an das Rote Kreuz vermietet. In den übrigen Werkhallen wurden komplett neue, in keinem Zusammenhang mit dem Automobil stehende Arbeitszweige eingerichtet: Die Autosattler stellten Tornister für die Armee her, die Schweisser begannen Munitionskisten für die schweizerische Waffenfabrik in Altdorf zu fabrizieren. Parallel dazu wurden Azetylen-Generatoren zum Antrieb von Personenwagen entwickelt und gebaut. Den wesentlichsten Beitrag zur Überbrückung der kritischen Beschäftigungsperiode aber leistete der grösste Konkurrent des Automobils: die Eisenbahn. In der Fabrik in Biel wurde eine Reparaturwerkstätte für Eisenbahnwaggons der Schweizerischen Bundesbahnen eingerichtet.
Mit dem Jahre 1946 brach eine neue Zeit an. Um sich für das wiedereinsetzende Automobilgeschäft zu rüsten, kaufte die General Motors Suisse SA im Jahre 1947 die Fabrikgebäude von der Stadt und stellte sie wieder instand.
Ein gewaltiger Nachholbedarf zeichnete sich ab - auch für Automobile. Für die Schweiz wurde ein langfristiger Konjunkturaufschwung mit einem jährlichen Gesamtabsatz von 10'000 Personenwagen prognostiziert. Die damaligen Schätzungen wurden von der tatsächlichen Entwicklung jedoch bald überholt: Der PW-Markt stieg schon 1950 auf 28'000 Einheiten, zehn Jahre später, 1960, waren es bereits 90'000.
Die General Motors Suisse zeigte festes Vertrauen in die Zukunft des Automobils und baute 1957 ein neues Ersatzteillager mit einer Lagerfläche von 11'400 m2. Gleichzeitig wurde die Produktionskapazität des Montagewerkes durch ein 24 Millionen Franken Ausbauprogramm auf jährlich ungefähr 14'500 Personenwagen verdoppelt.
Zu diesem Zeitpunkt waren die Verkäufe jedoch auf über 32'000 Einheiten angestiegen. Davon entfielen rund die Hälfte auf Lieferungen nach Österreich und Italien, welche seit 1947 von der General Motors Suisse betreut worden waren. 1962 erfolgte die Gründung von eigenen GM Niederlassungen in Österreich und Italien.
Zur Erleichterung der Instandstellung und Auslieferung fertig importierter Wagen wurde 1966 in Studen bei Biel ein 100'000 m2 grosses Lager- und Auslieferungszentrum in Betrieb genommen, das 6'000 Fahrzeugen Platz bietet und über einen eigenen Bahnanschluss mit 4 Geleisen verfügt.
Je länger je mehr überstieg aber der Inlandbedarf die Montagekapazität. 1970 verkaufte die General Motors Suisse in der Schweiz 28'017 PW, wozu die Bieler Produktion trotz voller Auslastung nur 17'102 Wagen beitragen konnte.
1973 wurden über 5 Millionen Franken für einen zentralen europäischen Zusammenbau der grossen Opel-Modelle investiert. Die erfreuliche Entwicklung des Bieler Montagewerkes wurde jedoch durch den Beitritt der Schweiz in die EFTA und später durch das Assoziationsabkommen mit der EG unterbrochen: Im Rahmen dieser internationalen Abkommen musste die Schweiz auch die zollpräferentielle Behandlung von Montageteilen aufgeben, wodurch der lokalen Montage die Voraussetzung der wirtschaftlichen Existenz entzogen wurde.
Als letztes der schweizerischen Automobil-Montagewerke wurden in Biel 1975 die Bänder stillgelegt - nachdem insgesamt 329'864 Wagen gebaut worden waren. Am 15. August 1975 fuhr das letzte Fahrzeug – ein Opel Rekord Caravan – vom Band.
Die Schliessung bedingte die Entlassung von 450 Mitarbeitern. Der vom Unternehmen offerierte Sozialplan war später wegweisend für künftige Sozialpläne in der Schweiz.
Die frei gewordenen Fabrikationsgebäude wurden sektorweise an die Coop Biel Seeland, die PTT sowie an den Opel Händler Merz & Amez-Droz verkauft und künftig, zusammen mit den weiterhin von der General Motors Suisse genutzten Bürogebäuden, durch die GM Suisse in einer Eigentümergemeinschaft verwaltet.
Produktionszahlen - die wichtigsten Daten:
Eckwerte:
1936
1. Fahrzeug „Montage Suisse“
1957 50‘000. Fahrzeug
1961 100‘000. Fahrzeug
1964 150‘000. Fahrzeug
1967 200‘000. Fahrzeug
1970 250‘000. Fahrzeug
1973 300‘000. Fahrzeug
Jahresproduktion:
1936
969 Fahrzeuge (erstes Produktionsjahr)
1940 979 Fahrzeuge
1945 0
1950 2‘955 Fahrzeuge
1955 5‘871 Fahrzeuge
1960 14‘391 Fahrzeuge
1965 14‘792 Fahrzeuge
1970 17‘102 Fahrzeuge
1975 7‘932 Fahrzeuge (letztes Produktionsjahr)
Spitzenjahr war 1969 mit
18‘265 montierten Einheiten
Tageskapazität 1974: 75 Fahrzeuge