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Shihan (Sensei) Nobuyoshi TAMURA (2.3.1933 – 9.7.2010)
Seit 1964 hat Nobuyoshi TAMURA Shihan sein Leben der Entwicklung des Aikido in Europa gewidmet. Von seinen Schülern respektvoll «Sensei» genannt, war er einer der einflussreichsten und bekanntesten Aikido-Lehrer in Europa und auch weltweit.
TAMURA Sensei, bekannt für seine Effizienz und seine virtuose Technik, hat drei Bücher veröffentlicht. Die beiden Ersten, «Méthode nationale d’Aïkido» und «Aïkido», sind heute vergriffene Lehrbücher zur Technik. Das Dritte, «Etiquette et Transmission», ist ein Werk über den Geist und den Kern des Aikido.
Geboren in Osaka beginnt er in der Schulzeit mit Judo- und vor allem Kendo-Training. Dies unter der Leitung eines Freundes seines Vaters, welcher selbst Lehrer in dieser Disziplin war. In seinen Jugendjahren besonders vom Zen-Buddhismus angesprochen, wird er Anhänger der durch Georges OHSAWA begründeten Makrobiotik.
Nach dem Tod seines Vaters sucht Nobuyoshi die völlige Selbständigkeit. 1952 entdeckt er Aikido und wird von vielen Leuten unterstützt. Unter ihnen Seigo YAMAGUCHI, welcher zur Vermählung in seine Heimatstadt zurückkehren muss. Er schlägt ihm vor, bis zu seiner für zwei Monate später vorgesehenen Rückkehr in seinem Haus zu wohnen. Zurück mit seiner Angetrauten legt ihm Meister YAMAGUCHI nahe, Uchi-dechi zu werden. Damit wären zumindest ein Dach über dem Kopf und die Verpflegung gesichert.
Der junge Tamura folgt dessen Rat und tritt am 5. August 1952 als Internatsschüler ins Aikikai Hombu Dojo ein. Er besucht hauptsächlich den Unterricht von Kisaburo OSAWA und von Doshu Kisshomaru UESHIBA. Rasch wird er zu einem der bevorzugten Schüler des Begründers Morihei UESHIBA. Während mehreren Jahren begleitet er O Sensei meistens bei dessen Reisen und wird zu dessen bevorzugtem Partner bei öffentlichen Demonstrationen.
Am 13. März 1955 wird er zum Shodan (1. Dan) ernannt. Zum Instruktor am Hombu Dojo avanciert, unterrichtet er ebenfalls am US Navy Special Service Center in Yokohama sowie in anderen Dojos in Tokio. Am 25. Oktober 1959 wird er zum 5. Dan befördert. 1962 wird ihm zusammen mit Koichi TOHEI die Ehre zuteil, den Begründer auf dessen ersten Reise ausserhalb Japans nach Hawaii zu begleiten.
1964 macht Nobuyoshi TAMURA im Hombu Dojo die Bekanntschaft von Rumiko, einer neuen Schülerin, die er kurze Zeit später heiratet. Da er vorhatte, auf seiner Hochzeitsreise Europa zu bereisen, beauftragte ihn das Aikikai So Hombu, die Verbreitung des Aikido in Frankreich über die Verbandsstrukturen zu studieren.
Bei seiner Ankunft in Marseille wird er von Meister NORO und Meister NAKAZONO empfangen. Letzterer lädt ihn nach Paris ein und lässt ihn in seinem Dojo unterrichten. Nach elf im Aikikai Tokyo verbrachten Jahren entschliesst sich Meister Tamura, sich definitiv in Frankreich niederzulassen. Er tritt der von Meister NORO gegründeten Assosiation Culturelle Française d’Aikido (ACFA) bei. 1971 schliesst er sich den zur Fédération Française de Judo et Disciplines Associées (FFJDA) gehörenden Gruppen an.
Durch die Verbindungen von NAKAZONO Senseï und des Makrobiotischen Zirkels lernt TAMURA Senseï den Zen-Meister Taisen DESHIMARU kennen und wird dessen Freund. Als Shihan, 7. Dan und offizieller Delegierter des Aïkikaï So Hombu entwickelt Meister Tamura je länger desto mehr einen persönlich geprägten Stil.
Er ist Mitbegründer der Union Nationale d’Aïkido (UNA) und etabliert 1973 das technische und pädagogische Prüfungsprogramm für das staatliche als Aikido-Lehrer Brevet. 1975 entwickelt er in Zusammenarbeit mit Hiron MOCHIZUKI und André NOCQUET die der französischen Haltung und Mentalität entsprechende «Méthode Nationale d’Aïkido» (Nationale Aikido Methode). Aus diversen Abspaltungen und Neugründungen in der französischen Verbandstruktur entsteht 1985 nach einer Namensänderung die Fédération Française d’Aïkido et de Budo (F.F.A.B.). Meister Tamura wurde damals zum „Nationalen Technischen Direktor“ ernannt.
1989 feiert Meister Tamura seinen 25jährigen Aufenthalt in Europa. Doshu Kisshomaru UESHIBA, damals noch Waka Sensei, besucht ihn aus diesem Anlass und überbringt seine Glückwünsche persönlich.
Im September 1995 weiht Tamura Shihan sein eigenes Dojo in Bras (Departement Var) ein. Die feierliche Eröffnung erfolgt in Anwesenheit seines Freundes Masando SASAKI, Yamagake San’in Shinto-Priester und Shihan, 8. Dan Aikikai Tokyo, nach Shinto Tradition
1999 erhält er die Auszeichnung eines Ritters des Nationalen Verdienstordens.
Während beinahe vierzig Jahren hat Tamura Shihan unzählige Lehrgänge in den französischen Regionalverbänden geleitet und dabei mehrere Generationen Lehrer und Lehrerinnen, sowie Ausbilder mit hohem technischem Level herangebildet. Stets blieb er dabei bemüht, der Basis der Teilnehmenden nahezubleiben.
Als besonders geschätzter, weltweit bekannter Meister hat er zudem Lehrgänge in aller Welt geleitet. Als Delegierter des Aikikai Tokyo für Europa ganz speziell in vielen europäischen Ländern wie: Deutschland, Österreich, Spanien Italien, Portugal, Belgien, Niederlande, Schweiz, Schweden Russland, ….
Jeden Sommer leitete Tamura Shihan drei internationale Lehrgänge in Frankreich (Lesneven, Saint-Mandrier und La Colle sur Loup), die manchmal von über 500 Teilnehmern besucht wurden.
Seinen letzten Lehrgang hat er Ende März 2010 in Madrid geleitet. Meister Tamura ist am 9. Juli 2010 im Alter von 77 Jahren in Saint Maximin-la Sainte-Baume verstorben.
Originaltext Website FFAB,
Adaptation und Übersetzung Harry Liengme