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Er starb jung und war bestimmt nicht einer der bedeutendsten Herrscher im alten Ägypten. Doch heute, gut 3300 Jahre nach seinem Tod, ist er wohl der bekannteste Pharao: Tutanchamun.
Und der altägyptische König, dessen reich ausgestattetes Grab 1922 von dem britischen Archäologen Howard Carter entdeckt wurde, sorgt erneut für Schlagzeilen: Einer der beiden Dolche, die Carter damals bei der Mumie fand, hat eine Klinge aus nichtrostendem Eisen, das nicht von der Erde stammt.
Das haben italienische und ägyptische Wissenschaftler jetzt mit Hilfe der Röntgenfluoreszenz-Analyse festgestellt. In ihrer Studie, die sie im Fachmagazin Meteoritics and Planetary Science veröffentlichten, kommen sie zum Schluss, dass die Klinge des Dolches aus einer Eisenlegierung mit einem hohen Anteil an Nickel besteht.
Der Nickelanteil von 10,8 Prozent sowie Kobaltspuren (0,6 %) wiesen deutlich auf einen ausserirdischen Ursprung hin. Die meisten irdischen Erze enthalten nämlich weniger Nickel. Diese Zusammensetzung sei typisch für Meteoriten, sagt Professor Francesco Porcelli von der Polytechnischen Universität Turin. Eisenmeteoriten können typischerweise bis zu 35 Prozent des Metalls enthalten.
«Es war aber völlig unmöglich, die Legierung in der damaligen Epoche auf künstliche Weise zu gewinnen», so Porcelli. Das Meteoriteneisen wurde vermutlich zufällig gefunden und dann für die Grabbeigabe verarbeitet. «Während der Bronzezeit war dieses Eisen sehr selten und daher wertvoller als Gold», ergänzt Daniela Comelli vom Polytechnikum Mailand. «Man verwendete dieses Eisen daher vor allem für ornamentale, rituelle und zeremonielle Objekte.»
Der 30 Zentimeter lange Dolch, der sich am rechten Oberschenkel der Mumie befand, ist solch ein Objekt. Er hat einen Griff aus feinem Gold, der mit Stegen und Dellen dekoriert ist und in einem Bergkristall endet.
Aus welchem Meteoriten die Klinge geschmiedet wurde, konnten die Forscher anhand einer Datenbank eruieren, die alle Einschläge in einem Umkreis von 2000 Kilometer um das Rote Meer enthält. Nur einer der 20 Meteoriten, die in die engere Wahl kamen, wies Nickel- und Kobalt-Werte auf, die mit der Zusammensetzung der Dolchklinge übereinstimmten: der Kharga-Meteorit.
Bruchstücke dieses Metallbrockens wurden im Jahr 2000 ungefähr 200 Kilometer westlich von Alexandria im Kalksteinplateau bei Mersa Matruh gefunden. Allerdings sind sich die Forscher nicht sicher, ob der Dolch tatsächlich aus dem Metall dieses Meteoriten gefertigt wurde.
Der Dolch aus Meteoriten-Metall war nicht die einzige «extraterrestrische» Beilage im Grab des Pharaos. Der Skarabäus, der im prachtvollen Halsschmuck des Pharaos prangt, ist aus sogenanntem Impaktglas gefertigt. Impaktglas besteht aus Wüstensand, der bei einem Meteoriten-Einschlag schmolz und danach zu einer glasartigen Masse erstarrte.