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Raumkapseln/
In «vers une architecture» schwärmte Le Corbusier 1923 von der Eleganz und Effizienz des Autobaus. Wäre es nicht wunderbar, wenn auch Häuser so wie Autos produziert werden könnten? Der berühmte Architekt proklamierte denn auch, Wohnmaschinen zu bauen. Diese Idee wurde in verschiedenen Utopien der 60er Jahre wieder aufgenommen.
Ron Herron, Walking Cities 1964. Aus: Werk, bauen + wohnen 3/1974
Die Immobilie sollte mobil werden. Als Vorbilder dienten bald nicht mehr Autos, sondern Raumstationen: Ron Herron der britischen Gruppe Archigram träumte 1964 von futuristischen «Walking Cities», grossen Roboterhäusern, die frei durch die von einem Atomkrieg zerstörten Städte ziehen. Kenzo Tange entwarf 1960-61 «a plan for Tokyo»: Eine Stadt auf dem Wasser in der Bucht der Millionenmetropole, in der sich Wohnkapseln an eine feste Erschliessungsstruktur andocken. Dieses Gefühl des effizienten Wohnens in einer technischen Hülle lässt sich im Bivouac du Dolent in den Walliser Alpen heute noch erleben.
Systeme für klein und gross
Stoff für Utopien waren auch die unerhört leichten Raumgebilde des Künstler-Ingenieurs Buckminster Fuller. Seine geodätischen Kuppeln kamen mit einem Minimum an vorproduziertem Material aus. Er hatte die Idee, ganze Städte zu überkuppeln, um sie vor ungünstigem Klima zu schützen. Eine schweizerische Interpretation dieser bekannten Halbsphären auf der Basis von gleichseitigen Dreiecken ist neben der Satellitenbodenstation Brentjong in Leuk zu finden.
Auch Fritz Haller beschäftigte sich mit Systemen in verschiedenen Massstäben: Nach der Entwicklung der weltweit erfolgreichen USM-Möbel wandte er sich Bausystemen für Fabriken und Häusern zu, um schliesslich Pläne für «Die totale Stadt» mit 120 Millionen Einwohnern in Buchform zu präsentieren.
> Zu Jürg Grasers Artikel «Denken in Systemen» (Werk, bauen + wohnen 5/2010)