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der südlichen Erdhälfte die Schafzucht in Angriff genommen und zu solcher Ausdehnung gebracht haben, daß eine bedeutende Rückwirkung auf die europäische Wollzüchterei schon seit einer Reihe von Jahren vorhanden ist und auch in Zukunft fühlbar sein wird. In frühern, auch schon eine bedeutende Tuchweberei aufweisenden, Jahrhunderten verarbeitete man die W. wie sie die gewöhnlichen Landschafe gaben, doch bestanden auch da schon Qualitätsunterschiede je nach den verschiednen Ländern; namentlich galt die englische W. als die beste und längste und wurden große Mengen davon für die niederländischen Tuchmachereien ausgeführt, bis 1660 die Ausfuhr streng verboten wurde, eine Maßregel, die sich bis 1825 erhalten hat.
Vor etwa 100 Jahren begann eine neue Periode in der Wollproduktion durch Einführung der edeln spanischen Schafe, womit man zuerst in dem Kurfürstentum Sachsen Erfolge erzielte. Die hier gezüchteten feinen Wollschafe waren meistens Eskurials und werden seit dem Leipziger Wollzüchterkonvent, 1825, Elektorals genannt, weil sie die feinste Wolle geben. Die edeln spanischen oder eigentlich maurischen, aus Afrika stammenden Schafe, die Merinos, zerfallen in die Träger der Elektoralwolle, und in die Negrettis.
Die ersteren sind nur Stallvieh; die andern mit dichterem, kräftigem und nicht ganz so feinem Vließ, aus jenen entstanden, sind auch Weidevieh und führten in Spanien ein Wanderleben, indem sie im Sommer in den Gebirgen von Altkastilien und Arragonien, im Winter in den Ebenen von Estremadura und der Mancha geweidet wurden. Nach dem Vorgange Sachsens haben dann auch die übrigen Länder, Österreich, Ungarn, England, Frankreich, spanische Schafe aus Spanien oder Deutschland eingeführt und ihre Herden durch spanisches, bzw. sächsisches Blut veredelt, teils durch Elektorals, teils durch Negrettis.
Die meisten Schäfereibesitzer halten jetzt mehr oder weniger veredeltes Vieh und streben durch Kreuzungen bei möglichster Wollfeinheit nach Wollmenge und Körperschwere. Edle Zuchtwidder sind immer sehr teuer. Das reine Merinoschaf ist klein und für Fleischlieferung nicht vorteilhaft, daher die Engländer schon lange dessen Haltung aufgegeben haben, jedoch nicht ohne daß ihre eigenen Rassen durch Kreuzung mit spanischen Widdern bedeutend gewonnen hätten. Es wird in England hauptsächlich auf großen Schafen die lange, kräftige und glänzende Wolle gezüchtet, welche zu Kammgarn erforderlich ist.
Die Verpflanzung der spanischen Edelschafe ist nirgends besser gelungen als in Sachsen und in Preußen; die Merinowolle ist hier meist besser, weicher und zarter, als in ihrem Vaterlande. Die englischen Firmen, welche hochfeine Wolle kaufen müssen und früher von Spanien bezogen, kaufen jetzt die Hauptmenge in Deutschland, besonders in Schlesien, Sachsen, Altenburg, Preußisch-Sachsen, Pommern, Brandenburg und Westpreußen. Im Süden ist die Feinzucht unbedeutend, in Württemberg, Baden und Franken hauptsächlich die Zucht großer Fleischschafe für den Export nach Frankreich vertreten und zwar mit deutschem Vieh und mit durch englisches Mastvieh veredelten Tieren. In Österreich besteht bedeutende Schafzucht in Mähren, Schlesien, Böhmen und Ungarn.
Hier gibt es auf Großgütern, wie die von Esterhazy, Sina u. a., die großartigsten Herden veredelter Schafe. Man nimmt das Erzeugnis der österreichisch-ungarischen Monarchie durchschnittlich auf etwa 24250000, das Deutschlands auf 35 Mill. kg an. Von andern europäischen Ländern ist namentlich Rußland von Bedeutung, das in seinen südlichen Provinzen sich der Zucht veredelter Schafe befleißigt und jährlich etwa 17715000 kg W. produziert. Die Türkei und Griechenland haben keine eigentliche Wollkultur und produzieren nur geringe W., weil sie das Schaf nur als Fleischtier halten. Bis zu einem gewissen Belauf gilt dies auch von Frankreich, das feine W. nicht hinlänglich selbst produziert. Das Feinste liefern dort die Schafe aus Roussillon. Die Rambouillets der gleichnamigen staatlichen Stammschäferei sind aus Negrettis gezüchtet. Bedeutende Mengen W. erhält Frankreich jetzt aus Algerien. Ostindische W., die in England und Frankreich verarbeitet wird, ist nur zu Teppichen und Decken brauchbar. -
Das Merinoschaf ist aber auch in ferne Länder verpflanzt worden, welche selbst keine Wollindustrie besitzen und daher ihre W. nach Europa senden müssen. Die hauptsächlichsten dieser neuen Wollländer sind Australien, die Laplatastaaten in Südamerika und die Kapkolonie. Neuseeland scheint ebenfalls eine größere Bedeutung zu gewinnen und selbst von Honolulu sind schon Sendungen herübergelangt. Die Produktion der drei erstgenannten Länder wuchs in der Mitte der sechziger Jahre gewaltig, zumal die dortigen Züchter keine Ausgabe für edle Zuchttiere scheuen (vergl. Viehhandel).
Die massenhaften, im Preise sinkenden Zufuhren an den Londoner Markt und der plötzlich in Nordamerika auf rohe W. gelegte hohe Eingangszoll brachten nach 1866 eine schwere Krisis über die deutsche Wollproduktion mit gewaltigen Preisstürzen und Schwankungen aller Verhältnisse, deren Nachwehen noch heute verspürt werden. Es wurden 1868 aus Australien, wo die Schafzucht so viel Spielraum hat und beinahe kostenlos ist, 491000, vom Laplata 234000, vom Kap 141000, zusammen also die kolossale Menge vou ^[richtig: von] 866000 Ballen W. nach Europa gebracht; 1878 dagegen 800000, 270000, bezüglich 170000 Ballen, also zusammen 1240000 Ballen.
Diese W. sind namentlich für die Mittel wollen eine starke Konkurrenz, denn zu feinen Sachen besitzen dieselben noch nicht genügende Qualität, sodaß die feinen deutschen W. immer englische, französische und niederländer Käufer haben und überhaupt am wenigsten von der Krisis berührt worden sind. Für die übrigen kommt es darauf an, ob die Kolonien ihre Wollzucht noch mehr erweitern oder darin nachlassen werden. In Deutschland hat die Krisis auf Einschränkung der Schafzucht gewirkt, die ohnehin in die jetzigen landwirtschaftlichen Verhältnisse im allgemeinen nicht recht mehr passen will. Ein schlimmer Umstand bei der Wollfrage war, daß viele Wollzüchter, aus Rücksicht auf die ¶
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allerdings sehr gesunkenen Preise, nur noch Fleischschafe züchteten, andre die W. schlechter lieferten, schweißbeladen, unausgeglichen und nachlässig behandelt, während ihnen die Verhältnisse gerade das gegenteilige Verfahren hätten nahelegen sollen. Hierin ist längst Besserung eingetreten, aber die Wollproduktion hat sich nicht gehoben. - Zur Zeit ist der Streit, ob Woll- oder Fleischschaf, noch nicht entschieden, für Viele aber nur jenes, für Andre dieses am Platze.
Die großen Verschiedenheiten in der Beschaffenheit der W. hängen sowohl von den verschiednen Rassen und Mischlingsarten, als von Klima, Boden, Nahrung und Pflege ab. Man unterscheidet im allgemeinen kurze und lange W.; indes ist bei dem heutigen fortgeschrittenen Stande der Spinnerei dieser Unterschied nicht mehr so wesentlich, da man jetzt auch kurze W. zu Zwecken verwenden kann, wozu man früher lange haben mußte. Wichtig dagegen ist die Unterscheidung von weich und hart, denn hiernach charakterisiert sich die Ware entweder als Streich- oder als Kammwolle; harte W. ist nicht wie weiche verfilzbar.
Weichwollige Tiere gedeihen am besten auf reichem lehmigem oder thonigem Boden. Bei der W. sind zu berücksichtigen Feinheitsgrad, Härte oder Weichheit, Kräuselung, Glanz, Elastizität und Festigkeit, Gleichförmigkeit und Geschmeidigkeit. Um die Feinheit, d. h. den Stärkegrad der einzelnen Wollhaare, besser zu ermitteln, hat man feine Instrumente, die Wollmesser oder Eriometer; die Praktiker geben indes nicht viel darauf. Unter Kräuselung versteht man den wellenförmigen Verlauf des einzelnen Wollhaares.
Diese Bogen sind bei der Merinowolle am feinsten und am meisten zusammengedrängt, sodaß bis dreißig auf 25 mm kommen, bei ordinärer W. vielleicht nur zehn und noch weniger. Die Gleichmäßigkeit kann in verschiednem Sinne verstanden werden, einmal so, daß die Vließe eines Postens, unter sich verglichen, keine wesentlichen Verschiedenheiten zeigen, dann daß die einzelnen Vließe an den verschiednen Körperstellen nicht zu abweichend beschaffen sind, wie dies allerdings in der Natur liegt, aber durch Zucht verbessert werden kann, und endlich soll auch das einzelne Haar gleichmäßig, nicht unten stärker als oben, oder gar an verschiednen Stellen verschieden dick, es soll „treu“ sein.
Zeigt das Haar dicke und dünne Stellen, ist es hier gehörig gekräuselt, dort schlicht, so heißt es zweiwüchsig. Die von Natur beste W. sitzt auf den Schulterblättern, an den Seiten des Leibes und an den Keulen. Unter Stapel versteht man den Bau des Vließes und zugleich die Faserlänge (lang- und kurzstapelig). Das Wollhaar vereinigt und teilt sich in einzelne Büschel und Locken, welche locker oder gedrungen, gleich- oder ungleichförmig sein können. Die Merinos und andre veredelte Rassen haben den feinsten, gedrungensten und gleichmäßigsten Stapel. - Auf den Wollmärkten unterscheidet man gewöhnlich zunächst die W. in Ritterguts- und Bauernwolle, wovon meist die erste mehr oder weniger veredelt ist, die andre von gewöhnlichen Landschafen kommt. Die veredelte scheidet sich wieder in hochfein, fein, mittelfein etc. Vor dem Verspinnen wird die W. sortiert;
man legt die W. von den verschiednen Körperteilen für sich zusammen und bezeichnet die gebildeten sechs bis acht, bis zehn Sorten mit Superelekta, Elekta, Prima, Sekunda, Tertia etc.;
oder mit Buchstaben, vom Geringeren aufwärts, mit C, B, A, AA, AAA. - Die W. wird von den Produzenten in den ganzen abgeschorenen und aufgerollten Vließen an den Markt gebracht;
die W. des Schwanzes, der Backen und der Füße bildet Stücke für sich.
Nach der Schurzeit unterscheidet man Einschurwolle, die meiste, die nur einmal im Jahr, um Pfingsten von den Tieren genommen wird. Langwollige Schafe werden dagegen oft zweimal geschoren und zwar Ende März, (Winterwolle), und Ende September, (Sommerwolle). Ferner werden separat gehalten die feine seidenartige Lammwolle, von erst einjährigen Schafen, die von Weißgerbern gelieferte, gewöhnlich mit Kalk verunreinigte Gerberwolle, die aber recht wol ^[richtig: wohl] zum Spinnen brauchbar ist, und als die schlechteste die Sterblingswolle von krepierten Tieren. - Die W. kommt meistens gewaschen zu Markt; Deutschland hat fast allgemein die sog. Rücken- oder Pelzwäsche, bei welcher das Vließ am lebenden Tier gewaschen wird. In Spanien, zum Teil auch in Frankreich und anderwärts, geschieht das Waschen am abgetrennten Vließ.
Zur Schafwäsche ist warme, trockene Witterung eine Hauptbedingung; sie kann nur mit weichem, also Fluß- oder Teichwasser geschehen und wird mehr oder weniger gründlich betrieben. Man schwemmt entweder die Tiere nur, indem man sie ins Wasser wirft und eine Strecke schwimmen lässt, oder man wendet die Handwäsche an, bei welcher das im Wasser stehende Tier mit den Händen geknetet wird, oder die Spritzwäsche, wobei die eingepferchten Schafe mit Spritzen bearbeitet werden.
Zuweilen bringt man die vorher geschwemmten Tiere auch noch unter ein Sturzbad. Als eigentliche Waschmittel, wenn solche angewandt werden und durch welche die Wäsche gründlicher geschieht, dienen am besten Auszüge von Seifenwurzel und der Quillajarinde. Durch die Wasserwäsche verliert die W. 20-70%, durch die Waschmittel noch einige Prozente mehr an Gewicht; der Abgang besteht aus Staub und Schmutz und aus dem Schweiß, zum großen Teil eine natürliche Kaliseife, die sich im Wasser auflöst; auch von dem wirklichen Fettgehalt wird ein Teil mechanisch mit fortgeschwemmt.
Der größere Teil des Fettes bleibt in der W. und ist zu ihrer Konservation nötig. Ob gut oder schlecht gewaschen ist, bildet eine Hauptfrage des Wollkäufers, dem es natürlich nicht gleichgültig sein kann, ob ihm der Produzent 10-20% Schweiß darin gelassen hat. Auch der Wassergehalt der W. ist von Bedeutung; es kann eine feucht gelagerte W. viel Wasser verschlucken, ohne darum feucht zu erscheinen. Über viele Eigenschaften der W. gibt das geübte Gefühl Auskunft, mehr noch als das Gesicht. - Die zu Markte kommende W. ist auch im Fall guter Wäsche in der Regel zum Verarbeiten noch nicht rein genug und eine dem Verspinnen ¶