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Trondheim – zu Besuch in Norwegens alter Hauptstadt
Wenn heute von der norwegischen Hauptstadt die Rede ist, denkt man automatisch an Oslo. Die Metropole im Süden war aber nicht immer die Kapitale des skandinavischen Landes. Im Mittelalter residierten Norwegens Könige in Trondheim. Die Stadt in Mittelnorwegen hat diese Funktion zwar lange verloren, trotzdem gehört sie heute noch zu den bedeutendsten urbanen Zentren des Landes.
Mit einer Einwohnerzahl von gut 180’000 ist Trondheim die drittgrösste Stadt Norwegens. Ihre Lage ist malerisch. Die Stadt erstreckt sich an der Mündung des Flusses Nidelv in den Trondheimfjord, einen tief ins Land einschneidenden Meeresarm mit zahlreichen Ausbuchtungen. Selbst in einer Ebene gelegen, wird Trondheim auf der Landseite überwiegend von Bergen umgeben, nur nach Süden hin steigt die ebene Fläche zum Heimdalsplateau hin an. Zum Bild der Stadt gehört auch die kleine Insel Munkholmen, die sich vorgelagert aus dem Fjordwasser erhebt.
Als Nidaros gegründet
Der strategisch günstige Platz veranlasste den norwegischen König Olav I. Tryggvason im Jahr 970, hier eine Stadt zu gründen. Damals hiess sie Nidaros, der Name verweist auf die Lage an der Mündung des Nidelv. Erst im Spätmittelalter bürgerte sich die Bezeichnung „Kaupangen i Trondheimen“ – Handelsplatz in Trondheim – oder einfach nur kurz Trondheim ein. Zentrale Bedeutung erhielt die Stadt durch König Olav II. Haraldsson. Er vollendete die Christianisierung Norwegens. Nach seinem gewaltsamen Tod in einer Schlacht im Jahr 1030 wurde er kurze Zeit später heilig gesprochen. Seine Gebeine wurden nach Trondheim überführt und in dem späteren Nidarosdom in einem Schrein aufbewahrt.
Der Nidarosdom – das Wahrzeichen
Dies war der Ausgangspunkt einer grossen Wallfahrtsbewegung. Trondheim entwickelte sich neben dem politischen auch zum kirchlichen Zentrum Norwegens. Hier residierte lange der Erzbischof der norwegischen Kirchenprovinz. Seine Kirche war der Nidarosdom, in dem auch die norwegischen Könige gekrönt wurden. Erst im Zuge der Reformation und der dänischen Herrschaft über Norwegen ging die Stellung als Hauptstadt und erzbischöflicher Sitz verloren. Der Nidarosdom ist aber bis heute der bedeutendste Kirchenbau Norwegens geblieben.
Er ist ein Bauwerk vieler Jahrhunderte, was seine heute einheitliche neugotische Erscheinung nicht vermuten lässt. Im 11. Jahrhundert wurde hier zunächst eine Holzkapelle errichtet, die später durch einen Steinbau ersetzt wurde. Es folgten Erweiterungen, wiederholter Wiederaufbau nach Bränden und zeitweiliger Verfall. Im 19. Jahrhundert wurde eine umfassende Rekonstruktion vorgenommen, die allerdings zum Teil auch eine Neuschöpfung darstellte. Ihr verdankt der Nidarosdom sein heutiges Bild mit der mächtigen Fassade, den beiden Seitentürmen und dem dominierenden Vierungsturm. Unter seinem Dach vereint der Bau romanische, gotische und neugotische Baustile. Südlich schliesst sich das ehemalige erzbischöfliche Palais an. Inmitten von baumbestandenen Grünanlagen bilden Dom und Palais ein wunderbares Gebäudeensemble.
Planmässig – das historische Zentrum
Nach einem grossen Brand im 17. Jahrhundert wurde die Innenstadt Trondheims neu angelegt. Es ist daher nur noch wenig aus der Zeit vorher erhalten. Nur südlich des Kanalhafens gibt es noch einige Bereiche, in denen sich die früher typischen engen Gassen halten konnten. Ansonsten wird das Zentrum von breiten Strassen und Avenuen geprägt. Sie wurden planmässig so konzipiert, dass ein Feuer hier möglichst wenig Nahrung finden sollte. Das Zentrum des historischen Trondheim bildet der grosszügige Marktplatz, der durch eine Allee, die Munkegaten, mit dem Nidarosdom verbunden ist.
An der Munkegaten liegt auch ein weiteres Wahrzeichen Trondheims, das Palais Stiftsgarden. Das in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert entstandene Gebäude ist der grösste Holzbau Skandinaviens. Ursprünglich als Treffpunkt vornehmer Trondheimer Kaufmannsfamilien errichtet, ist Stiftsgarden heute die Residenz des norwegischen Königs in der Stadt. Nach aussen präsentiert sich Stiftsgarden im klassizistischen Stil, im Inneren dominiert Barock.
Ausflugsziel Munkholmen
Zu den weiteren baulichen Sehenswürdigkeiten Trondheims gehören die bunten Lagerhäuser am Kanalhafen, die Stadtbrücke Gamle Bybroen und die Festung Kristiansten. Sie befindet sich gut 20 Minuten zu Fuss vom Zentrum entfernt. Vom Festungsberg aus hat man einen schönen Panoramablick über die Stadt. Ein beliebtes Ausflugsziel ist auch die Insel Munkholmen. Sie bietet nicht nur alte Festungsmauern, sondern ist auch ein gerne genutzter Platz zum Picknicken und zum Sonnenbaden. Hier liegen Trondheims begehrteste Badeplätze. Wer sich ins frische Fjordwasser stürzen will, ist hier richtig.
Eine Studentenstadt
Trondheim ist auch eine junge Stadt. Sie beherbergt die Technisch-Naturwissenschaftliche Universität Norwegens, die als bedeutendste Hochschule des Landes gilt. In ihrem Umfeld haben sich etliche weitere Forschungs-, Lehr- und Studieneinrichtungen etabliert. Mehr als 30’000 Studenten gehören zur Bevölkerung. Sie geben Trondheim ein ausgesprochen jugendliches Flair und machen den besonderen Charme der Stadt aus. Es überrascht daher nicht, dass Besucher hier alles finden, was zu typisch studentischer Kultur gehört.
Die Verbindung von Tradition und langer Historie mit jugendlicher Leichtigkeit ist es, die einen Besuch in Trondheim lohnenswert macht.
Oberstes Bild: Herbst in Trondheim (© Orcaborealis, Wikimedia, CC)