Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03399.jsonl.gz/1680

- Kann ich nach der Therapie noch schwanger werden?
-
Bei den meisten gynäkologischen Karzinomen besteht zumindest in den Frühstadien und bei wenig aggressiven Tumoren eine Möglichkeit, die Fruchtbarkeit zu erhalten. Manchmal können hierfür spezielle Massnahmen, wie etwa die Entnahme von Eizellen oder Eierstockgewebe, vor Therapiebeginn erforderlich sein.
Beim Gebärmutterhalskrebs kann in sehr frühen Stadien ein Erhalt der Gebärmutter möglich sein. Die Behandlung erfolgt dann durch Konisation oder Teilamputation des Muttermundes („Trachelektomie“) sowie Lymphknotenentfernung im kleinen Becken. Nach Abschluss der Familienplanung sollte dann eine Gebärmutterentfernung durchgeführt werden.
Beim Eierstockkrebs kann, falls die Erkrankung ausschliesslich einen Eierstock betrifft, auf eine Entfernung des anderen Eierstocks und der Gebärmutter verzichtet werden. Auch hier ist jedoch eine Lymphknotenentfernung notwendig und nach Abschluss der Familienplanung sollte der nicht betroffene Eierstock sowie die Gebärmutter entfernt werden.
Beim Krebs der Gebämutterschleimhaut kann eine medikamentöse Therapie, zusammen mit wiederholten Auskratzungen der Gebärmutter, einen vorübergehenden Erhalt der Fruchtbarkeit bei dringendem Kinderwunsch erlauben.
Insgesamt lässt sich sagen, dass die Behandlung junger Frauen mit Beckenkarzinomen und Kinderwunsch immer einen individuellen Therapieplan benötigt und dass frühzeitig Spezialisten für Fortpflanzungsmedizin miteinbezogen werden sollten.
- Kann meine Erkrankung minimal-invasiv behandelt werden?
-
Gebärmutter- und Gebärmutterhalskrebs können in der Regel mittels Bauchspiegelung behandelt werden, selbst wenn eine Lymphknotenentfernung notwendig ist. Eierstockkrebs bedarf, bis auf wenige Ausnahmen, einer offenen Operation.
- Welchen Vorteil haben minimal-invasive Methoden?
-
Geringerer Blutverlust, weniger Wundinfekte, raschere Erholung und Wiederaufnahme der Alltagsaktivitäten.
- Muss eine Lymphknotenentfernung immer radikal erfolgen?
-
Bei Tumoren der Zervix (Gebärmutterhals) und der Vulva (äusseres Genitale), welche eine bestimme Grösse nicht überschreiten, kann ein „Sentinel“ oder „Wächterlymphknoten“-Verfahren durchgeführt werden. Hierbei wird nur ein einzelner Lymphknoten entfernt und untersucht. Wenn er keine Krebszellen enthält, kann auf die Entfernung der übrigen Lymphknoten verzichtet werden.
Kleine, wenig aggressive Tumoren der Gebärmutterschleimhaut benötigen gar keine Lymphknotenentfernung. Um dies feststellen zu können, wird bereits während der Operation der Tumor in der Gebärmutter auf seine Ausdehnung hin untersucht.
Bei Tumoren des Eierstocks muss, wenn eine optimales Operationsergebnis erreicht wird, immer eine radikale Lymphknotenentfernung erfolgen.
- Wie rasch muss eine Operation durchgeführt werden?
-
Oft handelt es sich um grössere Eingriffe, die eine entsprechende Planung und den Einsatz eines spezialisierten Teams benötigen. Allgemein wird ein Zeitraum von maximal 4 Wochen zwischen Diagnose und Therapie als Ziel angesehen. Oft ist es aber möglich, diese Zeitvorgabe zu unterbieten.
- Muss ein künstlicher Darmausgang (Stoma) angelegt werden?
-
Vor allem bei der Behandlung des Eierstockkrebses kann dies in manchen Fällen erforderlich sein, um das bestmögliche Operationsergebnis zu erreichen. Nicht immer jedoch handelt es sich um einen dauerhaften Zustand, da ein Stoma auch nur vorübergehend, zum Schutz des Darms, angelegt werden kann. Vor der Operation sollte dies immer besprochen werden, aber in dem Wissen, dass ein dauerhafter künstlicher Darmausgang zumeist nicht notwendig sein wird.
- Wann benötige ich eine Chemotherapie?
-
Bei Eierstockkrebs ist in der Regel immer eine Chemotherapie erforderlich. Diese erfolgt meist im Anschluss an die Operation, kann in bestimmten Fällen aber auch schon zuvor begonnen werden. Gebärmutter- und Gebärmutterhalskrebs benötigen in den Frühstadien oft keine Chemotherapie.
- Besteht die Möglichkeit einer psychologischen Unterstützung? Wo bekomme ich diese?
-
Ein wichtiger Teil der ganzheitlichen Therapie ist die psychologische Unterstützung krebskranker Frauen und deren Angehörigen, manchmal auch durch professionelle Therapeuten. Speziell auf den Umgang mit Tumorerkrankten geschulte Psychologen („Psychoonkologen“) können hier Unterstützung und Rat anbieten. Diese steht den Betroffenen und bei Bedarf auch ihren Angehörigen, zu jedem Zeitpunkt der Therapie offen. Eine kurze Kontaktaufnahme mit unserer Abteilung genügt, damit wir kurzfristig einen Termin organisieren.
- Ist meine Erkrankung möglicherweise erblich?
-
Gebärmutterhalskrebs ist nicht erblich, da er fast ausschliesslich durch einen Infekt entsteht.
Bei Eierstock- und Gebärmutterkrebs sind genetische Veränderungen bekannt, die zu einem erhöhten Risiko für diese Tumoren führen, und auch an die Nachkommen vererbt werden können. Insgesamt gesehen wird aber nur ein verhältnismässig kleiner Teil dieser Erkrankungen durch uns derzeit bekannte Genmutationen verursacht. Bei Vorliegen eines entsprechenden Risikoprofils wird daher die Empfehlung zur genetischen Beratung ausgesprochen, wie sie vor einem Gentest obligatorisch ist. Grundsätzlich sollte zunächst immer die erkrankte Person getestet werden. Wenn diese aber keine Testung durchführen möchte, oder nicht mehr am Leben ist, können auch nicht erkrankte Nachkommen eine Testung durchführen lassen. Diese Tests werden nur unter gewissen Voraussetzungen von der Krankenkasse übernommen, so dass das vorgängige Einholen einer Kostengutsprache erforderlich ist.
- Was sind Risikofaktoren für Gebärmutterkrebs und gibt es eine Vorsorge?
-
Der wichtigste Risikofaktor ist das Übergewicht. Ca. 40% aller Erkrankungen sind hierauf zurückzuführen. Auch Diabetes, Bluthochdruck und Rauchen sowie eine Hormonersatztherapie ausschliesslich mit einem Östrogen und das Medikament Tamoxifen (zur Behandlung von Brustkrebs) können das Risiko erhöhen.
Die wichtigste Vorsorge sind regelmässige gynäkologische Kontrollen und eine sofortige Vorstellung beim Frauenarzt im Falle sehr unregelmässiger Monatsblutungen oder bei Blutungen nach den Wechseljahren.
- Was sind die Risikofaktoren für Gebärmutterhalskrebs und gibt es eine Vorsorge?
-
Da es sich beim Zervixkarzinom um eine durch einen Infekt mit Humanen Papillomaviren (HPV) verursachte Erkrankung handelt, wird das Risiko durch Zustände oder Verhaltensweisen erhöht, die entweder die Chance auf einen Infekt erhöhen, oder die Abheilung eines bereits bestehenden Infektes erschweren.
Risikofaktoren sind eine grössere Anzahl an Sexualpartnern, frühe erste Sexualkontakte, Rauchen, angeborene oder erworbene Erkrankungen des Immunsystems (v.a. HIV), andere HPV-bedingte Erkrankungen des äusseren Genitales oder des Afters sowie gewisse sexuell übertragbare Erkrankungen (z.B. Chlamydien)
Aufgrund der ausgezeichneten Vorsorgemöglichkeiten ist der allergrösste Teil der Zervixkarzinome vermeidbar. Heute bieten sowohl der in regelmässigen Abständen durchgeführte „Krebsabstrich“ vom Muttermund (je nach Alter und Risiko alle 1-3 Jahre) sowie die zunehmend eingesetzte Testung auf Hochrisiko HPV-Typen eine zuverlässige Früherkennung.
Als echte Vorsorge steht die Impfung gegen die wichtigsten Hochrisiko HPV-Typen (Gardasil®, Cervarix®) zu Verfügung. Wenn diese jungen Mädchen vor Aufnahme der sexuellen Aktivität verabreicht wird, besteht kaum noch ein Risiko dafür, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Auch eine Impfung bei Jungen macht Sinn, da diese dann das Virus nicht übertragen können.
- Was sind die Risikofaktoren für Eierstockkrebs und gibt es eine Vorsorge?
-
Wichtige Risikofaktoren sind Alter > 55 Jahre, familiäre Belastung mit Brust- oder Eierstockkrebs, Brustkrebserkrankung, genetische Faktoren (Mutationen in den BRCA1 und 2 Genen)
Eine wirksame und sinnvolle Vorsorge gegen den Eierstockkrebs gibt es nach heutigem Wissen nicht, wahrscheinlich auch deswegen, weil es sich um eine seltene Erkrankung handelt. Frauen mit BRCA-Mutation wird eine Entfernung der Eierstöcke nach abgeschlossener Familienplanung empfohlen. Auch wird vermutet, dass eine Entfernung der Eileiter im Zuge anderer Operationen, wie etwa Gebärmutterentfernung oder Unterbindung, das Risiko deutlich reduziert. Ob die Kombination aus regelmässigen Ultraschalluntersuchungen und die Bestimmung eines Tumormarkers (CA-125) im Blut zu einer die Prognose verbessernden Früherkennung führt, ist derzeit noch nicht sicher geklärt.