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Im Herbst 2011 wurden anerkannte Zertifizierungsdiensteanbieter (CSPs)
angegriffen. Dabei gelang es den Angreifern falsche SSL und TLS-Server-Zertifikate auszustellen. Die Melde- und Analysestelle Informationssicherung Melani hat anlässlich dieses Vorfalls dessen Auswirkungen analysiert.
Erstens: Alle im Einsatz stehenden Mechanismen für die Widerrufung von Zertifikaten auf der Basis von Sperrlisten versagen für solche Zertifikate. Es bräuchte eine Unterscheidungsmöglichkeit für autorisierte und nicht autorisierte Zertifikate. Laut Melani könnte ein "Whitelisting" oder eine Art "Clearance" korrekt abgewickelter Bestell- und Bezahlprozesse weiterhelfen. Allerdings wären solche Ansätze auch nicht resistent gegenüber Insider-Angriffen.
Zweitens: Es habe sich gezeigt, dass das Vertrauensmodell von ITU-T X.509 grundsätzlich problematisch ist.
"Wird in diesem Modell ein CSP bzw. eine als vertrauenswürdig anerkannte Root CA kompromittiert, dann sind davon alle Entitäten betroffen, die sich auf diese CA berufen", schreibt Melani.
Mögliche Vorkehrungen
In dem Papier rät Melani, mit kurzen Listen vertrauenswürdiger Root CAs oder mit einer selektiven Aufnahme von nur bestimmten Root CAs zu arbeiten, wenn man am Vertrauensmodell keine Änderungen vornehmen kann. Google nutzte diese Möglichkeit bereits seit Chrome Version 13 unter dem Begriff „Public Key Pinning“. Wolle man den Ansatz auf beliebige Domänen verallgemeinern, dann biete sich eine Verbindung zum Domain Name System (DNS) an.
Wenn man aber Änderungen am Vertrauensmodell vornehmen kann, dann
böte sich ein Vertrauensmodell an, in dem Kompromittierungen auch nur lokale Auswirkungen haben. Ein solches Modell müsse zwingend verteilt sein und dynamische Vertrauensbeziehungen unterstützen. (lvb)