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Schönstes Maiwetter über der Box-Welt
Floyd Mayweather jr. besiegt Canelo Alvarez in Las Vegas nach Punkten
Rod Ackermann – Neue Zürcher Zeitung vom 16. September 2013
Es war der «Fight des Jahres» und überdies der schlagende Beweis dafür, dass das Preisboxen allen Unkenrufen zum Trotz ein Publikumsmagnet bleibt, zumindest im nordamerikanischen Stammland. Vor allem aber war es eine brillante Demonstration der Einmaligkeit von Floyd Mayweather jr., der in seinem 45. Profikampf den 45. Sieg erzielte und dafür die Rekordgage von 41,5 Mio. Dollar einstrich. 36 Jahre alt und 68,3 Kilogramm leicht, verfuhr Mayweather in der Nacht auf Sonntag in Las Vegas mit dem um 13 Lenze jüngeren und 14 Pfund schwereren Mexikaner Saul «Canelo» Alvarez quasi nach Belieben, weshalb er nach zwölf Runden zum Sieger nach Punkten ausgerufen wurde. Schönstes Maiwetter über der Box-Welt!
«Pretty Boy» und «Money»
Auch der letzte Sieg einer 17 Jahre langen Erfolgsserie ändert jedoch nichts daran, dass es Mayweather seiner zwielichtigen Persönlichkeit wegen an wahrer Beliebtheit mangelt. In armseligen Verhältnissen in Grand Rapids (Michigan) aufgewachsen und 1996 in Atlanta zu Olympiabronze gekommen, nimmt der wahlweise mit den Spitznamen «Pretty Boy» oder «Money» beehrte Weltmeister in fünf Gewichtsklassen (Leicht bis Superwelter) einen ähnlichen Status ein wie einst der Schwergewichtschampion Mike Tyson: respektiert, aber insgeheim verachtet.
Nachdem er vergangenes Jahr infolge häuslicher Gewalt an einer Ex-Freundin 90 Tage hinter Gittern verbracht hatte, revanchiert sich der höchstbezahlte Athlet der Welt - Jahreseinkommen 2012: 85 Millionen Dollar - umso demonstrativer mit einem ausschweifenden Lebensstil. Er reist mit seiner umfangreichen Entourage in zwei Privatjets, liess bei einem Besuch in seiner Heimatstadt 30 000 Dollar in Hunderternoten unters Volk werfen und in Las Vegas, seinem Hauptwohnsitz, ein riesiges Plakat mit der Aufschrift «Welcome to Las Vegas - Home of Floyd Mayweather» anbringen. Dessen ungeachtet standen die Sympathien des Publikums im prallvollen MGM-Casino überwiegend aufseiten des Underdogs Alvarez.
Am mexikanischen Unabhängigkeitstag hätte der bisher stärkste aller Gegner Mayweathers das Monument endlich ins Wanken bringen sollen. Weil aber bloss 22 Prozent der Schläge Alvarez' ankamen, der defensiv sowie taktisch überlegene 5:2-Favorit hingegen eine Trefferquote von 46 Prozent zustande brachte, war abermals nichts auszurichten. Die Unparteiischen werteten mit 116:112, 117:111 und unverständlicherweise mit 114:114 (die Amerikanerin C. J. Ross). Immerhin bequemte sich der Sieger zum Kompliment an einen jungen Gegner, der «eine Niederlage einstecken und wieder hochkommen» könne. Mayweather hat gut lachen, denn weit und breit ist niemand in Sicht, der ihm den Platz an der Sonne wegzunehmen droht. Schon gar nicht der als einzig Ebenbürtiger eingestufte Manny Pacquiao, dem er so lange auswich, bis der «Pac-Man» aus den Philippinen zu verlieren begann. Inzwischen haben sich die Träume von einem Gipfeltreffen in Luft aufgelöst. So ist denn angesichts seiner jüngsten meisterlichen Vorstellung anzunehmen, dass Mayweathers Regentschaft übers Preisboxen noch lange nicht vorbei ist. Mit seinem Kabel-TV-Vertragspartner, der den Fight mit Alvarez zum Pay-per-View-Preis von 74 Dollar 95 millionenfach verkaufen konnte, hat «Money» noch mindestens vier weitere Kämpfe in petto. Diese dürften nach dem bewährten Szenario des Suchens, Findens und Aufbauens eines Kontrahenten vor sich gehen, worauf das zahlungswillige Publikum zubeisst und Mayweathers Kasse abermals zum Klingeln bringt. So schön ist das Preisboxen.
Der Steuervogt wartet
123 Millionen habe er auf dem Konto, behauptete der «Pretty Boy» vor einigen Wochen und zeigte dem Reporter eines US-Sportmagazins zum Beweis einen Bankauszug mit neun Stellen vor dem Komma. Die Summe wird nach Abrechnung aller Einnahmen nun um mindestens die Hälfte zunehmen. Im Hintergrund wartet jedoch wie immer der Steuervogt vom IRS (Internal Revenue Service), mit dem sich Mayweather wie die allermeisten seiner Berufskollegen wiederholt in die Haare geriet.
Daher wird auch «Money» erleben müssen, dass die letzten Akte seiner Karriere nicht durch irgendwelche Promotoren und nicht einmal durch seine persönliche Eitelkeit gestaltet werden, sondern durch die Begehrlichkeit des Steueramts. Mayweathers nach wiederholten Streitereien wieder als Trainer amtierender Herr Papa, der es als einstiger Faustfechter wissen muss, hat dem millionenschweren Sohn ein Ende in der Gosse vorausgesagt. So unerbittlich ist das Preisboxen.
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16.09.2013 (JS) - Der Weltboxverband WBC hat swissboxing.ch via Peter Stucki phantastische Bilder des Kampfes zur Verfügung gestellt, die wir den Box-Aficionados nicht vorenthalten wollen:
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