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Das Gymnasium bereitet Dich auf ein Studium vor und ermöglicht Dir ein breites Allgemeinwissen. Hier erfährst Du, ob das Gymnasium für Dich eine Option sein könnte.
Das Ziel des Gymnasiums besteht in erster Linie in der Erreichung einer Hochschulreife, sprich Maturität. Das Gymnasium bereitet die Schülerinnen und Schüler schrittweise auf die Maturitätsprüfungen im letzten Schuljahr vor. Die Prüfungen finden laut dem Maturitätsanerkennungsreglement MAR in mindestens fünf Schulfächern statt: der Erstsprache, einer zweiten Kantonssprache, Mathematik, dem Schwerpunktfach und in einem weiteren Fach, das je nach Kanton variiert (oft wird Englisch geprüft). Eine bestandene Maturität ermöglicht den prüfungsfreien Zugang zu Schweizer Universitäten.
Die Schweizer Gymnasien weisen viele kantonale Unterschiede auf. Deshalb empfiehlt es sich, sich genauer auf den kantonalen Webseiten der Gymnasien zu informieren. Die Unterschiede beginnen schon mit dem Namen; in einigen Kantonen wird das Gymnasium Kollegium oder „Kanti“ genannt.
Auch die Dauer des Gymnasiums und das Eintrittsalter variieren von Kanton zu Kanton. Als Grundregel gilt, dass die Ausbildung bis zur Maturität insgesamt mindestens zwölf Jahre dauern muss. In vielen Kantonen sind sowohl ein Langzeitgymnasium als auch ein Kurzzeitgymnasium möglich. Bei bestandenen Aufnahmeprüfungen kann nach dem sechsten Schuljahr das Langzeitgymnasium besucht werden, welches sechs Jahre dauert. Das Kurzzeitgymnasium jedoch wird erst nach der Sekundarstufe besucht und dauert vier Jahre. In der französisch- und italienischsprachigen Schweiz gibt es keine Langzeitgymnasien. Hier finden die Aufnahmeprüfungen in der achten oder neunten Klasse statt. Im Kanton Wallis besuchen die Schülerinnen und Schüler nach zwei Jahren Sekundarschule während fünf Jahren das Gymnasium.
Auch die Zulassung an das Gymnasium zeigt den Schweizer „Kantönligeist“ auf. Jeder Kanton legt selbstständig die Aufnahmebedingungen für die gymnasialen Maturitätsschulen fest. Für den Übertrittsentscheid werden unterschiedliche Leistungen der Schülerinnen und Schüler beurteilt. In einigen Kantonen sind die Noten der Schüler entscheidend, in anderen die Resultate der Aufnahmeprüfungen. In einigen Kantonen spielen sowohl die Noten als auch die Resultate der Aufnahmeprüfungen eine Rolle.
Im Kanton Zürich haben angehende Gymnasiasten eine zentrale Aufnahmeprüfung, auch „Gymiprüfung“ genannt, zu bestehen. Die Anmeldungen haben bis Mitte Februar zu erfolgen, die Prüfungen finden normalerweise im März statt. Als Faustregel bezüglich der Eignung für das Langzeitgymnasium wird empfohlen, dass die intensive Prüfungsvorbereitung nur für die Kinder Sinn macht, die in Fächern wie Deutsch und Mathematik einen Notendurchschnitt von mindestens einer Fünf haben. Die Prüfung für das Langzeitgymnasium besteht aus einer schriftlichen Mathematikprüfung, einem Aufsatz auf Deutsch und einer schriftlichen Deutschprüfung. Schlussendlich macht die Prüfung 50% der Note aus, die Schulnoten zählen ebenfalls 50%. Bestanden hat, wer mindestens eine 4.5 erreicht. Bei der Prüfung für das Kurzzeitgymnasium werden keine Vornoten gezählt, nur das Prüfungsresultat ist relevant. Die Prüfung für das Kurzzeitgymnasium besteht aus denselben Fächern wie diejenige des Langzeitgymnasiums, wird aber durch eine schriftliche Französischprüfung ergänzt. Am Gymnasium zugelassen ist, wer mindestens die Gesamtnote 4.0 erreicht.
Im Kanton Wallis erfolgt der Eintritt ins Gymnasium ohne Prüfungen, nur die Schulnoten zählen. Klingt in der Theorie gemütlich, heisst aber in der Realität, dass im ersten Schuljahr sehr viele Schülerinnen und Schüler durchfallen. Die Noten der Schülerinnen und Schüler sind zwar ein Aufnahmekriterium, aber nicht immer sehr aussagekräftig, da die Sekundarschulen unterschiedlich streng bewerten. Ebenfalls prüfungslosen Zugang erhält man unter anderem in den Gymnasien des Kantons Freiburg.
Eine Gemeinsamkeit der Gymnasien besteht in den Schwerpunktfächern. Als Schwerpunktfach wird ein frei wählbares Pflichtfach bezeichnet, welches man am Ende des ersten Jahres auswählen kann. Das Schwerpunktfach gehört der Gruppe der Hauptfächer an. Die Anzahl Stunden pro Woche fällt je nach Kanton unterschiedlich aus. Wählbare Schwerpunktfächer sind: alte Sprachen (Latein, Griechisch), moderne Sprachen wie Englisch, Russisch, Italienisch oder Spanisch, Physik und Anwendungen der Mathematik (abgekürzt PAM), Biologie und Chemie, Wirtschaft und Recht, Philosophie, Psychologie und Pädagogik, Bildnerisches Gestalten und zu guter Letzt Musik. In der französischsprachigen und italienischsprachigen Schweiz ist auch die Wahl des Schwerpunktfachs Deutsch möglich. Eine Sprache kann nur dann als Schwerpunktfach gewählt werden, wenn sie als Fremdsprache gilt und nicht Kantonssprache ist. Deshalb ist etwa die Wahl des Fachs Italienisch im Kanton Tessin nicht möglich. Nicht jedes Schwerpunktfach wird an jedem Gymnasium unterrichtet. Deshalb gilt es, die bevorzugten Schwerpunktfächer bei der Schulauswahl einzukalkulieren. Weiter kann es auch vorkommen, dass ein Gymnasium ein Schwerpunktfach in gewissen Schuljahren nicht anbietet, weil die Nachfrage zu klein ist.
In der zweiten Hälfte der Schulzeit können Gymnasiasten ein zweites Wahlfach, das Ergänzungsfach wählen. Dieses fällt stundenmässig weniger ins Gewicht als das Schwerpunktfach und zählt als Nebenfach. Es ist nicht möglich, das Scherpunktfach auch als Ergänzungsfach zu wählen. Möglich Fächer sind: Physik, Chemie oder Biologie, Geschichte, Geographie, Philosophie, Religionslehre, Wirtschaft und Recht, Pädagogik und Psychologie, Bildnerisches Gestalten, Musik, Sport oder Informatik.
Nach der obligatorischen Schulzeit gerät manch Einer ins Grübeln, ob er ein Gymnasium besuchen sollte oder nicht. Es macht nur Sinn, sich für das Gymnasium zu entscheiden, wenn man gerne lernt und bereit dazu ist, für viele weitere Jahre die Schule zu besuchen. Das Gymnasium ist eine langfristige Entscheidung. Vom ersten Gymnasiumsjahr an dauert es je nach Kanton noch mindestens sieben Jahre bis zum ersten Universitätsabschluss. Es ist also sicherlich Ausdauer gefragt. Andererseits bezeichnen viele Absolventen die Gymnasiumszeit als eine der schönsten im Leben. Aufgrund des Schwerpunktfachs verbringst Du Deinen Alltag mit Gleichgesinnten, die sich mehr oder weniger für dieselben Fächer interessieren wie Du. Wurdest Du in der Sekundarschule vielleicht noch als Streber bezeichnet, ist es plötzlich legitim, gerne Matheaufgaben zu lösen. Die meisten Gymnasien bieten zudem interessante Freifächer wie etwa diverse Sportaktivitäten oder Chöre an.
Einige Schülerinnen und Schüler entscheiden sich für das Gymnasium, weil sie ein bestimmtes Berufsziel vor Augen haben. Wenn Du etwa Arzt werden willst, führt kein Weg am Gymnasium vorbei. Andererseits kann ein Gymnasium auch hilfreich sein für diejenigen, die noch kein konkretes Karriereziel haben und ein wenig Zeit brauchen, um verschiedene Bereiche kennenzulernen.
Es ist davon abzuraten, ein Gymnasium zu besuchen, nur weil dieser Weg in Deiner Familie als traditionell und prestigereich gilt. Wenn Du Dich zum Gymnasium gezwungen fühlst, wirst Du langfristig nicht glücklich. Heutzutage stehen Dir auch nach einer Berufslehre viele Möglichkeiten offen, etwa eine Berufsmaturität und ein anschliessendes Fachhochschulstudium. Vielleicht musst Du dies Deiner Familie vor Augen führen. Falls Du aber vom Gymnasium überzeugt bist, wirst Du tolle (wenn auch manchmal anstrengende) Jahre erleben, die Dich und Dein Leben prägen.
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