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Erste Hilfe bei Depressionen und Burnout
Behandlung Eine Depression ist eine äusserst komplexe Erkrankung. Sie wird diagnostiziert, wenn eine Person vorwiegend von negativen Gefühlen geplagt ist und sich energielos und leer fühlt. Oft geht ihr ein Burnout voraus.
Traurige Stimmung, Hoffnungslosigkeit, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Ermüdungserscheinungen, das Gefühl eigener Wertlosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und wiederkehrende Gedanken an Selbstmord: Das alles sind deutliche Zeichen, dass jemand an einer Depression erkrankt ist. Schon im Frühstadium einer depressiven Verstimmung können Konzentrationsstörungen auftreten.
Wer unter einem schweren Burnout oder einer Depression leidet, verliert die Fähigkeit, sich am Leben zu freuen. Auch die Zeit mit der Familie und Freunden kann nicht mehr richtig genossen werden.
Selbst Routinetätigkeiten brauchen mehr Zeit für ihre Erledigung. «Vieles bleibt dann liegen, was den Stress Betroffener zusätzlich verstärkt», sagt der Facharzt Joe Hättenschwiler. Neben den psychischen Symptomen müssen alle körperlichen Beschwerden wie zum Beispiel Schmerzen auf der Brust oder Atembeschwerden untersucht werden. Dies, um eine körperliche Erkrankung auszuschliessen.
Es sei aber nicht ungewöhnlich, dass ein Burnout beziehungsweise eine Depression zu körperlichen Symptomen wie Herzklopfen, Schwindel, Ohnmacht, Spannungskopfschmerzen, Atemnot und zu Magen- und Darmproblemen führen, sagt Hättenschwiler. «Wenn sich solche Symptome häufen, sind Betroffene in ihrem Alltag und im Beruf zunehmend eingeschränkt und können oft ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen.»
Müde und erschöpft
Ein durch chronischen Stress ausgelöstes Burnout beziehungsweise eine Depression schwächen den ganzen Körper. Betroffene sind nicht nur anfälliger für Infektionen, Erkältungen, Grippe sowie andere Erkrankungen des Immunsystems, sondern auch für Störungen des Herz-Kreislauf-Systems und des Stoffwechsels. «Bereits in den frühen Phasen eines Burnouts oder einer Depression kann Schlaflosigkeit zu einem grossen Problem werden», so Hättenschwiler.
Viele Betroffene gingen früh zu Bett, könnten aber lange nicht einschlafen beziehungsweise nicht durchschlafen und würden immer wieder aufwachen. «Mit dem Resultat, dass sie am Morgen noch erschöpfter sind und kaum aus dem Bett kommen.» Während der schlaflosen Phasen kreisen die Gedanken dann oft um die scheinbar unüberwindliche Menge an Arbeit und andere Pflichten, die es zu erledigen gibt.
«Schlaflosigkeit kann zur nächtlichen Tortur werden», sagt der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Tagsüber quält Betroffene eine starke Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit, sodass alles zur manchmal unüberwindbaren Anstrengung wird. Häufig treten zudem Angstgefühle auf. In einigen Fällen sind diese Gefühle so stark, dass sie zu Panikattacken führen können.
Traurigkeit und Wut
Die meisten Menschen kennen das Gefühl von vorübergehender Traurigkeit. Schon im Rahmen eines Burnouts, das unbehandelt oft in eine Depression mündet, kann dieser Zustand über längere Zeit anhalten. Viele Betroffene sind zudem verstimmt und reizbar. Auch Schuldgefühle treten häufig auf. Vielfach stellt sich bei Betroffenen auch Wut ein. Sie fühlen sich als Versager.
In der Anfangsphase kann sich dies in zwischenmenschlichen Spannungen mit Arbeitskollegen, der Familie oder mit Freunden manifestieren. «Wenn sich die Wutausbrüche häufen und sogar zur körperlichen Auseinandersetzung etwa mit Arbeitskollegen oder dem Ehepartner führen, sollten Betroffene, ohne zu zögern, ärztliche Hilfe suchen», so Hättenschwiler.
Zunehmende Isolation
Wer unter einem schweren Burnout oder einer Depression leidet, verliert die Fähigkeit, sich am Leben zu freuen. Auch die Zeit mit der Familie und Freunden kann nicht mehr richtig genossen werden. Betroffene ziehen sich dann oft zurück, was im Umfeld vielfach auf Unverständnis stösst. Bei der Arbeit dominieren Gedanken, wie man ein Projekt vermeiden oder der Arbeit insgesamt entkommen könnte. Erkrankte beginnen oft sich zu isolieren. Einem gemeinsamen Mittagessen mit Arbeitskollegen oder Freunden wird ausgewichen.
Dies kann zu Spannungen am Arbeitsplatz und zu Hause führen. Zunehmend werden auch soziale Kontakte vernachlässigt beziehungsweise vermieden. In schweren Phasen einer Depression kann es dazu kommen, dass jemand seine Wohnung gar nicht mehr verlässt und sich völlig einigelt. Ein schweres Burnout wie auch das Vollbild einer Depression können im schlimmsten Fall dazu führen, dass Betroffene Job, Familie, Freunde sowie Selbstwertgefühl und Identität verlieren.
«Deshalb ist es wichtig, dass Warnzeichen frühzeitig erkannt und in der Folge – ohne Scheu – ärztliche Unterstützung und Hilfe gesucht wird», fasst Hättenschwiler zusammen. «Selbst schwere Depressionen beziehungsweise ein Burnout sind heute gut behandelbar.»