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Viele Menschen lernen Gongfu Cha um Teegeräte zu bedienen, um eine ritualisierte Teezubereitung einzueignen oder um stilvoll den Teegenuss zu gestalten. Ich verstehe Gongfu Cha eigentlich anders. Je mehr ich es verstehe, desto freier fühle ich mich von Teegeräte oder von den ritualisierten Handlungen.
Das war eigentlich mein Herzenswunsch, diesen Gedanken mit anderen im Seminar zu teilen. Wenn wir anhand verschiedenen Material die Vielfalt des Tees zum Ausdruck bringen könnten, wenn wir die feinen Nuance einzelnen Tee durch unterschiedenen Teegeräte zur Geltung bringen könnten, wenn wir durch Manipulation von Ziehzeit, Menge und Wasser das Gesicht des Tees unterschiedlich verfeinern könnten, verstehen wir dass es illusorisch ist, fest an einer bestimmten Vorstellung zu klammern.
Ein Jade Oolong aus einer Glaskanne hinterließ bei Dirk einen interessanten Abgang, während er von dem duftenden Aufguss einer Porzellan Kanne fasziniert war. Nico, unser 17järiger anwesender Teenachwuchs war fest überzeugt von dem Süße des Jade Oolong aus dem Glas, während Mario und Bettina von dem facettenreichen Aufguss aus der Steinkanne gefesselt waren. Was für Material wäre besser für welchen Tee? Muss man unbedingt einen bestimmten Tee in einer bestimmten Teekanne zubereiten?
Eine Vision braucht Geld und Zeit und eine Entdeckung ebenfalls. Meine Steinkanne aus dem schwarzen Jade gefiel allen Anwesenden. Fast allen, die sie erlebten. Marion äußerte mit seinem „Macho-Ausdrucksweise, dass diese Steinkanne den männlichen Geschmack entspricht, während das Porzellan eher dem weiblichen. Es ist eigentlich wieder eine Vorstellung. Diese Kanne ist schön, rar, einzigartig und kostbar. Aber muss man sie unbedingt haben, um einen bestimmten Tee und bestimmten Geschmack zu befriedigen? Meine Antwort ist Nein. Bist Du ein wirklicher Teekenner, wenn Du einen bestimmten nur in einer bestimmten Teekanne zubereiten musst und nur so kannst?
Ich möchte gerne alle Tees in einer einfachen Schale zubereiten können. In der Einfachheit den Tee zum Sprechen bringen zu können ist für mich die höchste Kunst des Tees. Natürlich kommt man erst dahin, wenn man das Labyrinth verstanden hat, was für Material für welchen Tee welche Einflüsse erzeugt. Genussvoll oder nicht, ist eine individuelle Sache.
In den ersten zwei Stunden versuchte ich den Teilnehmern die Haltung sowohl körperlich als auch geistig zu erklären. Solche Haltung wird in Taiwan eigentlich innerhalb der Familie bereits vermittelt, die Art wie man sich bewegt, läuft, Gäste empfängt und Respekt erbringt. In Deutschland beobachte ich ein anderes Verständnis von Erziehung in Bezug auf die Körperhaltung und menschliche Beziehung. Diese Differenz wird oft durch den Tee widerspiegelt. In diesem Sinne ist Tee wohl auch eine kulturelle Brücke.
Nachmittags experimentieren wir, wie das Material, Ziehzeit und Temperatur auf die Zubereitung des Tees beeinflusst. Die Gruppe wird zu drei Unterguppe geteilt: eine Gruppe für Glaskanne, eine Gruppefür Porzellan und eine Gruppe für Steinkanne.
Romeo und Mario „verschwendeten“ meinen Jadeoolong, um ihre Experimente zu machen. Sie versuchen die Menge zu manipulieren, um mögliche „Geschmack“ zu finden. Zwei Spielfreunde.
Nun schreibe ich paar Notizen auf, vielleicht ist es aufschlussreich für andere abwesenden Teefreunde
Teemenge 1/3 von der Teekanne bedeckt
Ziehzeit gleich
Teesorte bei allen bei jedem Vergleich identisch
Phönix Dancong 2005 Nantou: in Steinkanne – ölig, Duft nach frischer Bäckerei, rund, wohltuend; in Porzellan – Duft elegant, sauber, heiter, erhebend, fröhlich, in Glas – nicht nennenswert.
Zhenshan Xiaozhong Tongmuguan 2008: Ein sogar schmeckender Rauchtee! Glas – fein, nicht so rauchig, lieblich; in Porzellan – starker Marzipan-Duft, Süß! In Stein – charaktervoller Abgang. Beim 2. Aufguss: in Steinkanne – leicht nach Pfefferminz duftend, frisch, rund; in Porzellan – rauchig; in Glas – der Duft sehr deutlich, aber nicht nachhaltig.