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«Wahrscheinlich hätte ich nie geschrieben, hätte ich nicht von dieser Erfahrung zu erzählen gehabt», sagte Primo Levi 1979 und meinte die Zeit, die er 1944/45 in Auschwitz verbracht hatte. «Se questo è un uomo?» hiess 1947 sein Bericht, für den er die Kraft fand, weil er in Lucia Morpurgo die Liebe seines Lebens und jene Zuhörerin gefunden hatte, der er in einem Gedicht zugestand: «Ich kam zurück, weil es dich gab.» Levi war am 31.Juli 1919 in Turin als Kind einer alten jüdischen Familie zur Welt gekommen und hatte seine Leidenschaft auf den Beruf eines Chemikers verwandt, den er in einem Bergwerk ausgeübt hatte, bevor er 1943 zum Widerstand ging und nach seiner Verhaftung nach Auschwitz deportiert wurde. So dass er, was er da erlebte, in «Ist das ein Mensch?» völlig nüchtern aus der Optik eines Chemikers beschrieb, der eine zwecks physischer Vernichtung von Millionen Menschen errichtete biologische Versuchsanordnung analysiert und das Unbegreifliche zu verstehen sucht. In gleicher «chemisch-sachlicher» Weise schilderte Levi 1963 in «Die Atempause» die Odyssee, die er erlebte, als er durch Polen, Russland und Ungarn nach Turin heimkehrte, wo er am 19.Oktober 1945 ankam. Und ganz der Chemie verpflichtet war auch sein übriges Leben, das er 1975 in der Autobiographie «Das periodische System» in Elemente wie Nickel, Chrom oder Zink einteilte, während er die amorphe Materie als «Hyle» charakterisierte, feindselig und stumpf wie die menschliche Dummheit, die zu überwinden Aufgabe des Wissenschaftlers sei. Einfach so weggesteckt kann Levi das Auschwitz-Trauma aber nicht haben. Als er 1986 von den Holocaust-Leugnern hörte, klagte er Giovanni Tesio, dass offenbar alles, was er schrieb, nichts genützt habe. In tiefster Depression bekannte er einer Freundin, dass er «auch privat» eine Zeit durchmache, die «schlimmer als Auschwitz » sei, und am 11.April 1987 stürzte er sich in seinem Turiner Geburtshaus vom dritten Stock den Treppenhausschacht hinab. Am Arm des Toten registrierte die Polizei die Nummer 174517, die ihm in Auschwitz eingebrannt worden war.