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Auf der Website des Unternehmens FTTH (Fibre to the Home) Freiburg AG zeigt eine Karte des Kantons, welche Gebiete an das Glasfasernetz angeschlossen sind. Seit Mittwoch ist eine neue Zone auf Grün geschaltet: der Westen Murtens zwischen Bahnhof, Freiburgstrasse, Merlachfeld und verschiedenen Industrie- und Gewerbebetrieben.
Das bedeutet, dass dieser Perimeter an die Glasfaser-Technologie angeschlossen ist und die Anbieter von TV, Telefon- und Internetdienstleistungen dort um Kunden werben können.
FTTH Freiburg ist das erste Glasfasernetz-Projekt, das einen Kanton flächendeckend erschliessen soll. Es geht zurück auf das Jahr 2008, als Groupe E und Swisscom gemeinsam eine Studie lancierten. Aufgrund von Kartellbestimmungen konnten sich die beiden Unternehmen nicht zu einer Gesellschaft zusammenschliessen, weshalb die FTTH FR AG als eigenständiges Unternehmen gegründet wurde. Beteiligt sind Groupe E mit drei Viertel der Aktien, der Staat, Gruyère Energie und die IB Murten. Das Unternehmen baut das Netz gemeinsam mit Swisscom und stellt es Telecom-Anbietern zur Verfügung.
«Per Ende des ersten Quartals 2015 sind 5000 Gebäude und damit 27 000 Haushalte am Glasfasernetz angeschlossen», sagt Frédéric Mauron, Direktor von FTTH, gegenüber den FN. «Wir kommen wie geplant voran.»
Der offizielle Startschuss zu den Erschliessungsarbeiten fand im Mai 2013 in Estavannens im Greyerzbezirk statt. «Diese Gemeinde hatte kein Kabelfernsehen, und die Übertragungsgeschwindigkeit war dort sehr schlecht.»
Estavannens war symbolisch für das Projekt, weil es den Willen ausdrückte, dass jeder Einwohner des Kantons unabhängig vom Wohnort Anrecht auf die gleich gute Infrastruktur zum gleichen Preis hat.
Wie Mauron sagt, sollen im Durchschnitt während 15 Jahren je 10 000 Haushalte pro Jahr angeschlossen werden. Bis 2027 oder 2028 wären dann 150 000 Haushalte oder fast der ganze Kanton erschlossen.
Vier Phasen geplant
Wie Frédéric Mauron erklärt, sind für die Erschliessung vier mehrjährige Phasen vorgesehen. Jede Phase umfasst einen Mix aus dicht und dünn besiedelten Gebieten. In der ersten Phase bis 2017 ist der Anteil an urbanen Gebieten noch höher. So sind derzeit Arbeiten in der Freiburger Altstadt oder in den Quartieren Cormanon und Daillettes in Villars-sur-Glâne im Gang.
In der letzten Phase ab 2025 sollen zwar immer noch 4000 Gebäude pro Jahr angeschlossen werden, aber deutlich weniger Mehrfamiliengebäude.
Dieses Konzept entspricht einer Grobplanung; die Feinplanung wird zwei Jahre im Voraus gemacht. Dabei versucht FTTH, die Erschliessung mit sowieso geplanten Leitungsarbeiten zu kombinieren. «Wir erhalten aber auch Briefe, Telefonanrufe und Mails aus Gemeinden, wo die heutigen Verbindungen schlecht sind», sagt Mauron. «Man kennt uns mittlerweile.»
FTTH ist eine kleine Firma mit einem Dutzend Angestellten, die sich je zur Hälfte um die Netzarchitektur sowie den Betrieb und die Verwaltung kümmern. Das Netz selber wird durch Subunternehmen im Mandatsverhältnis aufgebaut. Je weiter das Netz entwickelt ist, umso mehr nimmt der Betrieb zu und die Netzarchitektur ab, so Mauron.
FTTH-FR wird auch nach der Fertigstellung des kantonalen Netzes gemeinsam mit der Swisscom Besitzerin bleiben: Pro Leitung besitzen beide Partner je zwei Fasern.
«Heute sind wir nicht rentabel», sagt Mauron. «Das ist aber auch nicht möglich: Wir haben zu Beginn hohe Investitionen. Rentabel wird es erst in ein paar Jahren.» Für die Aufbauphase hat der Staat ein zinsloses Darlehen gewährt.
Das Geschäftsmodell, von dem Mauron überzeugt ist, sieht vor, dass die Dienstleister wie Netplus, Senselan und Sunrise (siehe Kasten) in freier Konkurrenz um Kunden werben und dann FTTH-FR und Swisscom für die Benützung der Infrastruktur bezahlen. «Die Kommerzialisierung ist Sache der Partner», sagt Mauron. «Wir haben keine Produkte und keine Endkunden.»
Betreiber: Neuer Anbieter für den Kanton
D erzeit haben sich drei Anbieter von Fernseh-, Telefon- und Internetdienstleistungen als Partner für das Glasfasernetz von FTTH-FR und Swisscom gemeldet: Sunrise, Senselan und Netplus. Dabei ist insbesondere NetplusFR eine Art Schwester zur FTTH-FR AG, wurde diese Firma doch 2012 eigens zur Kommerzialisierung des Freiburger Glasfasernetzes gegründet. Auch die Aktionäre sind mit Ausnahme des Staates die gleichen wie bei FTTH-FR: Groupe E, Gruyère Energie und die IB Murten. Allerdings sind die Aktienanteile etwas anders verteilt.
Andere Anbieter wie UPC Cablecom verkaufen ihre Produkte über eine eigene Infrastruktur.
Wie Groupe-E-Generaldirektor Dominique Gachoud sagt, müsse NetplusFR die Marktpräsenz im Kanton noch verstärken. «Wir haben eine grosse Kundschaft im Süden des Kantons», sagt er. Dabei spiele auch die Position von Gruyère Energie mit 15 000 Kunden eine Rolle. «Jetzt gilt es, auch im Kantonszentrum die Präsenz zu verstärken», so Gachoud. Beispielsweise gebe es in Bulle einen Netplus-Laden, und man trage sich mit dem Gedanken, auch in Freiburg einen zu eröffnen.
NetplusFR hat ihren Sitz in Bulle; seit knapp einem Jahr ist Frédéric Sudan Direktor. Der erste Direktor Erick Caron hatte den Posten Ende Oktober 2013 verlassen.
Netplus vereint verschiedene Netzbetreiber in der Westschweiz. Insbesondere ist die Gruppe in den Kantonen Waadt und Wallis vertreten. uh