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Die Dialog-Veranstaltung untersteht einem Protokoll, das ein Setting beschreibt. Wir haben einige Ideen aus dem Buch von D. Bohm übernommen, und uns mehr oder weniger gut daran gehalten. Nach einer gewissen Zeit haben wir mit Experimenten begonnen, in welchen wir das bewusst Setting veränderten. Dabei haben wir gemerkt, dass wir immer im Experiment waren und bleiben werden. Jetzt gibt es vier Textabschnitte, die grob etwas über den Verlauf des Experimentes berichten. Wir fingen an mit einem Setting, das wir wie folgt formulierten. Unsere bewussten Veränderungen stehen weiter unten. Wir werden jetzt das Setting laufend diskutieren: Diskussion des Settings.
1. das setting am Anfang (2001)
2. eine bewusste Reflexion (2006)
3. Erfahrungen mit dem neuen Setting
4. Diskussion des Setting
der dialog ist eine praxis, die geübt werden kann. eine form der übung ist das praktizieren des dialoges in einem setting mit spielregeln, die sich aufheben. d. bohm schlägt dafür ein anfänglich moderiertes "containement" vor. h. hesse hat ein umfassendes containment als glasperlenspiel beschrieben.
das bohmsche containement besteht in einem dialograum, in welchem die dialogteilnehmer in einem kreis sitzen. ein moderator erläutert uebungen und überwacht die einhaltung der entsprechenden contraints oder spielregeln. die teilnehmenden gleichen sich mit der entwicklung ihrer fähigkeiten dem moderator an und übernehmen seine funktion, so dass er überflüssig wird.
der dialog lässt sich mit beliebig vielen regeln üben. da sich die regeln wie die moderation selbst aufheben, spielt es keine entscheidende rolle, mit welchen regeln geübt wird. die wahl der regeln erfolgt pragmatisch.
ich verwende in meinen Sätzen nicht "man", sondern "ich", weil ich über mich, nicht über die menschen überhaupt spreche.
natürlich kann man solche regeln verschieden restriktiv interpretieren. im setting kann man anfänglich das"man" ganz verbieten, oder in bestimmten modalen konstruktionen, in welchen das "man" die teilnehmenden nicht zwingend einbezieht, zulassen. ich höre nicht dasselbe, wenn ich höre "man muss ..." wie wenn ich höre "man kann ..".
wenn bespielsweise gesagt wird: "wo kommunikation als mittel der mitteilung verstanden wird, versucht man den kommunikationsprozess zu beenden, weil man den zweck erreichen will", kann man das "man" mit sehr verschiednen ohren hören. man kann hören, dass sich das "man hier auf die im teilsatz "wo kommunikation als mittel ..." angesprochenen bezieht, also nicht auf alle. man kann aber hören, dass es sich innerhalb dieser menge auf alle bezieht. man kann ohnehin hören, was man hören kann.
und man kann die regel als anlass dazu nehmen, sich der eigenen sprache - in bezug auf "man" - bewusst zu werden. man kann und ich tue es.
ich spreche nicht zu einzelnen mitspielern, sondern in die mitte. ich gebe und erwarte keine antwort. ich stelle fragen, aber ich frage mich.
ich ziehe niemanden zur verantwortung und ich werde von niemandem zur verantwortung gezogen.
ich mache keine "objektiven" aussagen, sondern spreche über das, was für mich stimmt.
der dialog hat keinen anfang. ich mache den anfang, indem ich mich bewusst auf den dialog einlasse. dieses "sich bewusste einlassen" kann ich äusserlich mit impliziten und expliziten regeln organisieren. die regeln des spiels sind gegenstand des spiels. ich stelle mir den anfang des spieles wie folgt vor:
die mitspieler spielen auf mehreren ebenen: sie spielen, sie achten auf die spielregeln, sie verändern die spielregeln.
am anfang gibt es keine gemeinsamen regeln, weil die spieler sich auf keine regeln geeinigt haben, das heisst, die mitspieler wissen nicht, wie die andern sich das spiel vorstellen ... natürlich weiss ich auch nicht, welches spiel ich mitspielen will, denn das ist ja von den vorstellungen der andern abhängig. ich weiss einige spiele, die ich nicht spielen will. ich kann das spiel per feedback bestimmen und sagen, was mir von dem, was geschieht, passt und was mir nicht passt. ich kann sagen, was ich gerne hätte ...
ich wünsche mir von ganzem herzen mitspieler, die mir helfen im spiel zu bleiben.
da mir die erfahrung des dialoges gefällt, kann ich an imer mehr orten so tun, als ob das setting gelten würde. schliesslich erlebe ich es überall, dann ist es kein setting mehr.
ein beispiel dafür ist die deutung der moderation. das was der moderator sagt, kann ich als anweisung auffassen oder als persönlichen ausdruck darüber, wie es im am wohlsten ist.
Das Buch von D. Bohm heisst "Der Dialog. Das offene Gespräch am Ende der Diskussionen." Wir werden den Untertitel künftig etwas expliziter umsetzen und VOR dem Dialog diskutieren, so wie wir das bisher NACH dem Dialog am Stammtisch gemacht haben. Ich schlage dazu ein neues Setting vor.
V. Flusser hat in seiner Kommunikologie eine bewusste Vermischung von Dialog und Diskurs vorgeschlagen. Wir werden dem entsprechend mit der Architektur des Settings spielen. Vielleicht gelingt es uns mit der Zeit alle Unterscheidungen aufzuheben. Vorerst geht es mir eher ums Gegenteil, nämlich darum einige Unterscheidungen bewusster zu machen. Deshalb will ich Diskurs und Dialog nicht nur unterscheiden, sondern die beiden Haltungen auch in der Veranstaltung trennen. Wer in seinem Alltag ohnehin genug Diskussionen hat, kann in diesem Setting einfach in die Dialogphase einsteigen, also vorerst um 19.00 dazukommen. Und wer lieber nur diskutiert, kann uns umgekehrt um 19.00 verlassen.
In der Diskussionveranstaltung werden wir einerseits über den Dialog, über das Verfahren und über seine Verwendung diskutieren. Vielleicht hilft uns das, den Dialog danach bewusster zu gestalten. Ich verstehe den Vorschlag als Experiment. Wir werden sehen, wohin es uns führt - und natürlich auch, ob wir das Experiment zustande bringen.
In der Diskussionveranstaltung werden wir andrerseits auch die Themen diskutieren, die uns in den Dialogen begegnen. Wir können so die Form des Dialoges, also die Differenz zwischen Dialog und Gespräch hervorbringen.
noch mehr: Wir haben jetzt auch das Setting des Dialoges selbst problematisiert
Wir haben angefangen, mit der Dialog-Veranstaltung zu experimentieren.
Das Buch von D. Bohm heisst "Der Dialog. Das offene Gespräch am Ende der Diskussionen." Wir werden den Untertitel künftig etwas expliziter umsetzen und VOR dem Dialog diskutieren, so wie wir das bisher NACH dem Dialog am Stammtisch gemacht haben. Ich schlage dazu ein neues Setting vor. Wer in seinem Alltag ohnehin genug Diskussionen hat, kann in diesem Settig einfach in die Dialogphase einsteigen, also um 19.00 dazukommen. V. Flusser hat in seiner Kommunikologie eine bewusste Vermischung von Dialog und Diskurs vorgeschlagen. Wir werden dem entsprechend mit der Architektur des Settings (Arena) spielen. Vielleicht gelingt es uns mit der Zeit alle Unterscheidungen aufzuheben. Vorerst geht es mir eher ums Gegenteil, nämlich darum einige Unterscheidungen bewusster zu machen. In der Diskussionveranstaltung werden wir einerseits über den Dialog, über das Verfahren und über seine Verwendung diskutieren. Vielleicht hilft uns das, den Dialog danach bewusster zu gestalten. Es ist ein Experiment. Wir werden sehen, wohin es uns führt - und natürlich auch, ob wir das Experiment zustande bringen. In der Diskussionveranstaltung werden wir andrerseits auch die Themen diskutieren, die uns in den Dialogen begegnen. Wir können so die Form des Dialoges also die Differenz zwischen Dialog und Gespräch hervorbringen.
Ich habe vor allem wahrgenommen, dass bei unserem ersten Versuch (Nov 06) in dem Sinne keine Diskussion zustande gekommen ist, als ich kaum Unterschiede zum Dialog wahrnehmen konnte. Ich will das in den nächsten Veranstaltungen noch thematisieren.
Ein erstes Resultat stellte sich gleichwohl sofort ein: Wir beginnen mit dem Dialog selbst auch zu experimentieren. Wir verwerfen für eine gewisse Zeit eine der elementarsten (wenn nicht die wichtigste) Dialogregel und geben dem Dialog einen vorbestimmten Inhalt. Da wir noch nicht recht wissen, was als Inhalt taugt und wie wir zu einem Inhalt kommen, werden wir im Diskussionsteil darüber diskutieren, was Inhalt im Dialog heisen könnte - und warum sich "Inhalt" nicht selbst einstellt, sondern (von uns) vorweg vereinbart werden muss.
Es gab auch gute Argument gegen den Versuch den Dialog an ein Thema zu binden. Vielleicht finden wir zurück, indem wir einen Umweg machen. Es könnte sein, dass die Wahl eines Themas die Grenze zwischen Diskussion und Dialog verschmiert. Vielleicht hilft es uns, die Grenzen zu finden. Wir haben beschlossen Erfahrungen zu sammeln - und müsse deshalb Themen finden.
Wir haben schon einige Anregungen zum Thema "Ein Thema zu haben":
Die sozialen Verhältnisse in der Schweiz (Grundlohn, Managerlohn) oder die Intifada (etwa: falls es ein Krieg ist, welcher und welche > Lösungen bieten sich an? Was liesse sich auf den Irak übertragen?
oder
wir könnten uns nicht nur für die Diskussion, sondern auch für den Dialog thematisch an der Arena DRSFS1 orientieren. Das wäre wohl pseudo-konkret (Rolf T)
Damit etwas dabei herausschaut, brauchen wir - glaube ich - ein Thema, das alle irgendwie juckt. Möglicherweise sogar ein unangenehemes Thema. Mir fällt da im Moment zuerst die Antirassismusstrafnorm ein.
Persönlich beschäftigt mich seit längerer Zeit die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen unserer Dialogtheorie und Praxis. Soeben las ich in der NZZ einen Artikel zur Frage "Was ist eine gute Religion?" von einem gewissen Mark Lilla. Der letzte Abschnitt bringt den Punkt, der mich juckt, ziemlich gut auf den Punkt. Viellieicht wäre auch das ein Thema für uns. Ich zitiere: "Einer der zahlreichen Mythen, die der religiöse Liberalismus über die Jahrhunderte hinweg gepflegt hat, ist die Behauptung, dass Dialog und gegenseitiger Respekt zwischen den Glaubensgemeinschaften stets möglich seien. Das mag für liberale Gruppierungeh zutreffen, aber es ist nachweislich falsch im Blick auf orthodoxe Traditionen, die dem spirituellen Schicksal des Menschen mehr Bedeutung beimessen als seinem irdischen Dasein. Im heutigen Konflikt zwischen religiöser Orthodoxie und modernem Liberalismus geht es letztlich nicht um Werte wie Frieden und Toleranz; es geht um die Frage, ob die Relgion die Dienerin einer guten Politik sein soll oder ob die Politik lediglich ein Werkzeug im Dienst der wahren Religion sei. Diejenigen, die an den Primat der Offenbarung glauben, stehen am einen Ufer und fragen sich, wie sie ihre Politik mit dem göttlichen Willen in Einklang bringen können. Die anderen, die jenen Glauben nicht teilen, befassen sich mit der Frage, ob die Religion zum Frieden und zur Bereicherung des modernen Lebens beitragen könnte. Dazwischen gibt es keine Brücke, nur einen reissenden Fluss (Heiner)
Das Experiment Diskussion und Dialog zu einem vorgegebenen Thema spricht mich an. Ich finde wichtig, dass wir mit diesem Versuch nicht auch eine (unausgesprochene) Leitung einführen und so allenfalls eher zu einer TZI (Themen zentrierte Interaktion nach Ruth Cohn) Gruppe werden könnten. Das kann leicht geschehen, wenn Entscheidungsporzesse wie z.B. Themenfindung anstehen. Ich kann mit allen vorgeschlagenen Themen gut leben, habe aber einen Vorschlag zur Themenfindung: Wir könnten folgende Regel einführen: Wer an einem Abend Interesse hat, ein Thema einzubringen, schreibt es so auf, dass es als Einführung zur Diskussion gelten kann. Alle eingebrachten Themen werden in einen Hut gelegt, und eines wird gezogen- Was auf den gezogenen Zettel steht ist Thema und erstzer Satz des Diskussions-Dialoges (Verena)
Und wie wäre es, wenn wir unseren Worten (dem Dia-Log) auch Taten (Dia-Fact) folgen liessen? Ich meine damit das Entwickeln konkreter, praktischer Resultate, ein Verfahren oder ein anwendbares Produkt. Ein relevantes Thema wäre beispielsweise: "Mechanik des Vandalismus und konkrete, effektive, handhabbare Verfahren zu seiner Vermeidung". Mit diesen erarbeiteten intelligenten Vorkehrungen, Verfahren und Ratschläge liessen sich in unserer Gesellschaft Millionen einsparen. Sie wären relevant und wären auch eine Pioniertat. Anregungen, Bedenken und Kritik sind in Bezug auf diesen Diskussions- und Dialogvorschlag erwünscht. Ausserdem kommt mir gelegentlich die Frage und der Zweifel auf: genügt es ewig nur gescheit zu plappern und nichts konstruktiv, verantwortlich zu tun? (Rolf S)
Es gibt auch eine gundsätzliche Erwägungen:
Fakten statt Worte
Ich mag Sport. Ich mag nicht nur eine Sportart. Fast jede fasziniert. Ich mag Fussball, Tennis, Eishockey und viele andere auch. Jede dieser sportlichen Disziplinen vollzieht sich unter Einhaltung einer spezifischen Regelmenge. Dieser Satz von Regeln macht sie zu dem, wonach ich sie benenne und vielleicht auch zu dem, was sie ist - aber da bin ich mir auch schon nicht mehr so ganz sicher. Eher neige ich dazu, dass es erst notwendig ist die jeweilige Sportart auszuführen, dabei mich bis an die Grenzen meiner mentalen und physischen Leistungsfähigkeit heranzutasten, um schliesslich zu erkennen, was es mit dieser Sportart auf sich hat.
Ich glaube, dass auch unser "Dialog" (1. Ordnung oder mit Bohm'schem Regelwerk) sich zu einem neuen "Dialog" (2. oder n. Ordnung d.h. mit anderem Regelwerk) mutieren kann. Ich glaube auch, dass Mutationen ihre Chance kriegen sollten evolutionär zu wirken. Orthodoxie mag ich nicht. Sie produziert tödliche Langeweile. Ich dagegen mag das Leben. Und Leben heisst für mich Veränderung.
Und wie wäre es, wenn wir unseren Worten (dem Dia-Log) auch Taten (Dia-Fact) folgen liessen? Ich meine damit das Entwickeln konkreter, praktischer Resultate, ein Verfahren oder ein anwendbares Produkt. (Rolf S)
Wir überlegen uns ziemlich oft, wie wir unseren Dialog (anders, besser) führen könnten. Die Frage, zu welchem Zweck wir dialogisieren, sprechen wir selten direkt an. Ich vermute, dass ein Dialog zu diesem Thema interessant sein könnte.
Ein Beispiel. Wenn ich mich recht erinnere, handelt das Buch von Bohm von einem Dialog mit einer klaren Zielsetzung. Er ist dort ein Werkzeug zur Konflikbewältigung und Friedensförderung. Noch ein Beispiel. Ich glaube (meistens), dass meine Wahrnehmungen, Entscheidungen und Handlungen vorwiegend von (ziemlich unflexiblen) Glaubenssätzen und Hoffnungen "gesteuert" werden. Für mich ist der Dialog ein Werkzeug, um (bewusste und unbewusste) Glaubenssätze (bei mir und anderen) aufzudecken und zu überlegen, wie nützlich sie (für mich) sind.
Wie jedes Werkzeug hat für mich der Dialog - in der Art und Weise wie wir ihn führen - einen begrenzten Anwendungsbereich. Ich würde sagen, er eignet sich relativ gut, um mir eigene Glaubenssäze bewusst zu machen, mittelmässig, um Glaubenssätze bei anderen aufzdecken und schlecht, um Glaubenssätze zu untersuchen, (bis es quietscht) (Heiner)
Wir werden sehen !