Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03474.jsonl.gz/657

Mit einer schwachen Altschneedecke und perfektem Bergwetter kam es zu zahlreichen Lawinenauslösungen durch Schneesportler. Lawinen konnten leicht ausgelöst und auch fernausgelöst werden. Bei einem Lawinenunfall in Arosa (GR) verunglückte am 16. März eine Person tödlich.
Vom Donnerstag, 16. März bis zum Samstag, 18. März war es in den Bergen sehr sonnig und mild. Die Erwärmung erreichte ihren Höhepunkt am Freitag, 17. März, als die Nullgradgrenze bis auf rund 3300 m anstieg (Abbildung 1). Der Wind wehte meist schwach bis mässig aus südwestlicher Richtung. Am Sonntag, 19. März trübte es von Westen her ein und am Nachmittag und in der Nacht auf Montag, 20. März fiel in Schauern etwas Schnee. Im Westen und Norden fielen oberhalb von rund 2000 m lokal 10 bis 20 cm Schnee.
Die Neu- und Triebschneeschichten der zweiten Märzwoche lagen besonders an Nordhängen oberhalb von 2200 m verbreitet auf kantig aufgebauten Schwachschichten. Im Wallis und am Alpennordhang waren diese Schwachschichten meist mächtig überdeckt. Lawinen konnten dort besonders noch an eher schneearmen Stellen in diesen kantig aufgebauten Altschneeschichten ausgelöst werden. In Graubünden und teils im nördlichen Tessin waren diese Schwachschichten näher an der Schneeoberfläche und damit vielerorts leicht auslösbar. Während der dritten Märzwoche bestätigten zahlreiche Lawinenmeldungen (Abbildung 2) das akute und anhaltende Altschneeproblem.
Während in der Vorperiode (vgl. Avablog vom 15.03.) noch viele Lawinen spontan niedergingen, stand in dieser Periode die Lawinenauslösung durch Schneesportler im Vordergrund. Die Lawinengefahr war in vielen Gebieten der Schweizer Alpen anhaltend erheblich (Stufe 3) für trockene und zeitweise auch für nasse Lawinen. Abbildung 2 zeigt die aktuelle Lawinenperiode im Vergleich zu derjenigen von Anfang Februar 2023. In der aktuellen Situation wurden Lawinen häufiger und verbreiteter durch Personen ausgelöst als Anfang Februar. Dies lag an den sehr ausgeprägten und vor allem auch sehr verbreitet vorhandenen Schwachschichten in der Altschneedecke. Diese bildeten sich vor allem während der Schönwetterperiode im Februar. Zudem bildete sich Anfang März an der Schneeoberfläche verbreitet Oberflächenreif (vgl. AvaBlog vom 13. März). Diese Schichten waren gebietsweise nur geringfügig überdeckt und daher sehr störanfällig (vgl. AvaBlog vom 15. März).
Nicht selten wurden die Lawinen auch fernausgelöst. Ursache für die hohe Auslösebereitschaft waren die Schwachschichten in der Altschneedecke, die besonders an Nordhängen verbreitet flächig vorhanden waren. Lawinen waren oft mittelgross bis gross (vgl. Bildstrecke). Die grösste gemeldete Lawine war eine grosse bis sehr grosse Lawine im Unterwallis, die am Samstag, 18. März auf rund 2600 m fernausgelöst wurde. Das Schneebrett löste sich über den ganzen Hang hinauf bis auf rund 3000 m und floss bis in den Bach auf rund 2400 m (Abbildung 3). Glücklicherweise kamen keine Personen zu Schaden.
Mit der starken Erwärmung in dieser Periode sowie mit dem Regen am 19. März gingen auch spontane feuchte und nasse Lawinen nieder (Abbildung 4). Insgesamt war die gemeldete Aktivität von Nass- und Gleitschneelawinen aber nicht sehr hoch.
Die Durchfeuchtung der Schneedecke ist an Südhängen schon weit fortgeschritten und reicht bis in hochalpine Lagen. Auch an Westhängen wurde die Schneedecke schon bis gegen 3000 m durchfeuchtet. An Osthängen ist die Durchfeuchtung zwischen 2300 und 2700 m im Gange, an Nordhängen zwischen 1500 und 1800 m.
Aufgrund der teils ergiebigen Schneefälle in der zweiten Märzwoche hat sich die Schneelage in der Höhe im Wallis und am Nördlichen Alpenkamm gegenüber Anfang März etwas verbessert. Die Schneehöhen waren dort am 20. März nur leicht unterdurchschnittlich. In den übrigen Gebieten sowie allgemein unterhalb von rund 2000 m waren sie nach wie vor meist stark unterdurchschnittlich (Abbildung 5).
Vom 16. bis am 20. März kam es zu 10 Lawinenunfällen mit 15 erfassten Personen. Am 16. März wurde im freien Gelände in der Nähe des Skigebiets von Arosa (GR) eine Person ganz verschüttet, die in der Folge ihren schweren Verletzungen erlag. Während Anfang März die Opferzahlen noch deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt lagen, waren sie am 20. März mit 14 Todesopfern nur leicht unterdurchschnittlich (Durchschnitt per 20. März: 16 Todesopfer).
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.