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Vielen Dank für die übersichtliche Zusammenstellung der Datenreihen, dazu noch schön verwoben mit der eigenen Biographie. Interessant wären hierzu auch die Ergebnisse von Befragungen, welche Modelle präferiert und welche dann schlussendlich gelebt werden. Dabei stellt sich heraus, dass viele - vor Partnerschaft, Familiengründung oder Berufseinstieg - sich eine gleichmässigere Aufteilung von Lohn- und Sorgearbeit wünschen, aber dann viel weniger nach diesem Modell leben. Die Folgefrage wäre: Warum? Was sind die persönlichen und was die strukturellen Gründe?
So geben sich bei Abstimmungen zu diesem Themenkomplex - wie etwa beim Vaterschaftsurlaub - viele Wirtschaftsvertreter gerne familienfreundlich, etwa was die Offenheit für mehr Teilzeitarbeit betrifft. Eine Charme-Offensive, die dann als Pro-Argument für "Eigen-Verantwortung" und "Selbst-Regulierung" dient (und ein Kontra-Argument gegen Regulierung). Für die meisten jedoch, sieht die Wirklichkeit dann wieder anders aus.
Auch der monetäre Anreiz durch die ungleiche Entlöhnung unter den Geschlechtern trägt zum Teufelskreis bei. Doch kann es sein, dass Lohngerechtigkeit eine Hol-Schuld von "verhandlungsstarken" Arbeitnehmer*innen sein soll, wodurch abermals Verantwortung auf das Individuum abgewälzt wird? Eine Denkweise, die wir spätestens mit dem Neoliberalismus internalisiert haben ("Sie haben sie offenbar frei dazu entschieden, also ist es gut so"). Weshalb denkt man hier nicht wie sonst daran, dass Freiheit immer von Rahmenbedingungen, von impliziten oder expliziten Regeln des Spielraumes, kurz von Strukturen abhängig ist? Sollte man also hier nicht eher von "struktureller Verantwortungslosigkeit" zum Zweck der Maximierung von laissez faire und der Minimierung von Arbeitsrechten sprechen?