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|Abt Joseph von Rudolfi (1717-1740)

Abt Joseph von Rudolphi
Joseph von Rudolphi, 1717-1740. *16.5.1666 (Wolfgang Ernst) als Sohn des Johann Christoph von Rudolphi aus Laibach (Krain), Oberstleutnant und kaiserlicher Kommandant in Konstanz, und der Maria Salome von Berneck. Am 14.10.1683 kam er an die St. Galler Schule. Profeß am 6.5.1685. Niedere Weihen am 30.3.1686, Subdiakon am 12.5.1688, Diakon am 18.9.1688, Priester am 22.9.1690. Am 5.12.1691 wurde er Subcustos, am 4.1.1693 Grammatiklehrer, zugleich ist er als Unterküchenmeister, Gastpater und Subgranarius genannt. Am 18.1 1.1694 wird er zum Küchenmeister in St. Gallen, am 26.6.1686 in St. Johann und am 19.11.1699 in Rorschach bestimmt. Am 29.1 1.1707 wurde er Brüdermagister, am 13.8.1708 Custos, am 12.10.1708 Beichtiger in Notkersegg, am 5.5.1712 Subprior. Auf Schloß Neu-Ravensburg wurde er am 16.12.1717 unter Vorsitz des Einsiedler Abtes Thomas Schenkli einstimmig zum Abt gewählt. Konfirmation am 27.4.1718 durch Papst Clemens XI. Die Benediktion, die von Bischof Johann Franz Schenk von Stauffenberg von Konstanz unter Assistenz der Äbte von Einsiedeln und der Mehrerau vorgenommen wurde, verzögerte sich bis zum 24.6.1721. Nach seiner Wahl suchte der neue Abt sogleich einen Frieden herbeizuführen; anfangs Mai 1718 begannen die Verhandlungen in Baden. Am 15.6.1718 konnte das 84 Punkte umfassende Friedensinstrument unterzeichnet werden. Obwohl das Stift alle Güter wieder zurückerhielt und in seiner Herrschaft restituiert wurde, mußte es den Toggenburgern Konzessionen machen und beträchtliche Rechte einräumen. Am 6. August überbrachte der äbtliche Legationssekretär Joseph Anton Ledergerber den vom Abt ratifizierten Vertrag nach Zürich und Bern. Zürich ratifizierte ihn seinerseits am 11. August, Bern einen Tag später. Papst Clemens XI. verwarf den Frieden am 10. 10.1718 in einem Breve, das jedoch an den Tatsachen nichts mehr änderte. Bald ergaben sich Schwierigkeiten der Interpretation des Vertrags im Toggenburg, wo es zu Ausschreitungen kam. Abt Joseph kehrte am 7.9.1718 nach sechsjährigem Exil über Lindau und die Mehrerau nach Rorschach zurück. Sogleich begann er im Toggenburg, dann auch in den anderen Gebieten die Huldigung entgegenzunehmen. Am 11. Oktober zog er, freundlich empfangen durch eine städtische Grenadier- und Reiterkompanie, in St. Gallen ein. Am 15. Oktober konnten Tischlesungen und Silentium, am folgenden Tag auf Verlangen des Konvents die Mitternachtsmette wieder eingeführt werden. Die erste Predigt, am Gallusfest, hieltJohann Georg Schenkli. Erst am 23.3.1719 konnte Abt Joseph einen großen Teil (100 Zentner) der zu Beginn des Krieges nach Zürich gebrachten Bibliothek in Empfang nehmen. Weitere Gegenstände aus der Beute der Berner, acht Glocken und sieben Feuerspritzen, trafen am 5.5.1721 in St. Gallen ein. Am 27.5.1719 nahm Abt Joseph io Knaben in die Schule auf. Eifrig setzte er sich für die Verbesserung der Seelsorge ein: Er gründete neue Pfarreien (Aufteilung von Gossau, Oberriet); gründliche Visitationen führte er 1719-1722, 1724-1726, 1730 und 1735-1736 durch. Dabei versuchte er, sich einen Überblick auch über die örtlichen schulischen Verhältnisse zu verschaffen und sie zu verbessern. Am 8. und 9.5.1737 ließ er in St. Gallen eine Synode durchführen. 1721 beauftragte er Bruder Kaspar Moosbrugger, einen Riß für die neue Klosterkirche zu zeichnen. Als umsichtiger und sparsamer Verwalter der klösterlichen Ökonomie tat er alles, um die wirtschaftliche Bilanz wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Mit den an St. Gallen angrenzenden Herrschaftsgebieten galt es, die genauen Grenzverläufe festzustellen und festzuhalten. Es mußten die Wechselkurse fixiert und die Währung vereinfacht werden. Für Güterkäufe "in bonum Religionis" wandte er einen Betrag von 102'300 fl. auf. Die Allianz mit Frankreich aus dem Jahre 1663 erneuerte er am 29.4.1731. Im Toggenburg kam es am 8.12.1735 nach einer Reihe von vorausgegangenen Auseinandersetzungen zur Ermordung der äbtlichen Beamten Johann Baptist Keller und Niklaus Rüdlinger, die früher die Opposition gegen die Abtei angeführt hatten. Die von Frankreich geförderte Konferenz über das Toggenburger Mannschaftsrecht endete am 9.1.1739 in Frauenfeld ergebnislos. Auf den 11. März rief Abt Joseph die Kaufleute und Gewerbetreibenden zu einer Konferenz nach Rorschach zusammen, um Handelsfragen zu erörtern und die Einführung einer Handels- und Gewerbeordnung zu besprechen, die am B. April verabschiedet und beschworen wurde. Den Konstanzer Offizial Dr. Franz Andreas Rettich, der im bischöflichen Auftrag die St. Galler Pfarreien visitieren wollte, wies er am 21.9.1739 aus dem äbtlichen Territorium. Abt Joseph starb am 7.3.1740. Als letzter Abt wurde er noch in der alten Kirche beigesetzt.
(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)