Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03652.jsonl.gz/2253

forlaufend
«im Unterküfel die Zähn ausgezogen werden» (gewiss ein radikales Vorgehen). Als Universalmittel wird je und je der «Bann» angewendet, d. h. es wurde in gewissen, namentlich den höher gelegenen Wäldern der Holzschlag gänzlich untersagt. Bis 1750 war überhaupt in Obwalden all und jeder Holzverkauf ausserhalb des Landes verboten und in Nidwalden die Ausfuhr nur ganz gering. 1760 hält die Gemeinde Giswil «bittlich» an, man möchte den Glasbrennern im Flühli einen Waldkomplex zu verkaufen gestatten, aber «meine gnädigen Herrn» finden das sehr bedenklich und es wird rundweg aberkannt.
Erst mit Anfang des 19. Jahrhunderts schlägt dieses exzessive Sparsystem ins Gegenteil um: grosse Verkäufe finden statt, und es wird schonungslos massenhaft Holz geschlagen. Eine Schiffsbaufirma in Marseille kaufte 1833 den Wengenwald am Pilatus und transportierte die besten Stämme daraus auf einer damals als etwas unmögliches angestaunten Rutschbahn über tiefe Schluchten und Abhänge ins Thal. Am Alpnachersee wurde das Holz dann in kleine Flösse verbunden und nun die Reuss und den Rhein hinunter spediert.
Schon 1811 hatte ein Holzhändler aus Württemberg den Neubrüchliwald durch eine aus Balken hergestellte und über 8 km lange Rutschbahn ausgebeutet. Eine Gemeinde verkaufte gleich 10000 Klafter Holz miteinander. 1857 wurde in Obwalden ein Gesetz zur Verhütung schädlichen Holzschlages erlassen und darin das Prinzip aufgestellt, dass zu jedem grössern Schlag eine regierungsrätliche Bewilligung notwendig sei. Nidwalden erliess später eine gleiche Verordnung. Unter dem Einfluss des eidg. Forstgesetzes ist jetzt für alle Gemeinden Unterwaldens ein Wirtschaftsplan aufgestellt, der Holzschlag streng geregelt und für ausgibige Aufforstung und Anpflanzung gesorgt. Obwalden und Nidwalden haben je einen Kantonsförster mit der nötigen Anzahl Bezirksförster und Bannwarte.
Unter den Laubhölzern des Waldes ist am wichtigsten die Buche und unter dem Nadelholz die Rottanne (Fichte). Die Buche geht bis auf 1200, die Fichte ausnahmsweise bis auf 1700 m Höhe; erstere gedeiht am freudigsten auf Kalkunterlage, aber beide gedeihen auch noch auf Flysch recht gut. Nicht allein die Ueberlieferung sondern auch direkte Tatsachen sprechen dafür, dass vor Zeiten der Waldgürtel höher hinauf ging als heute. Auf Melchsee z. B. kamen früher sogar noch sehr starke Tannen vor, wie es deren Wurzelstöcke im Boden jetzt noch beweisen.
Jetzt ist in diesem Hochthal schon längst aller Baumwuchs verschwunden. Das Zurückgehen der Waldgrenze lässt sich besonders deutlich beobachten auf dem Grenzgebiet zwischen Unterwalden und Luzern, den obersten Gräten des Schwendiberges, wo der oberste Teil des Waldes stellenweise nur mehr aus absterbenden und abgestorbenen, verkümmerten Tannen besteht. Es soll dies noch zusammenhängen mit jenem furchtbaren Hagelschlag, der diese Gegend im Jahr 1861 heimsuchte und von dem sich die höchstgelegenen und am meisten ausgesetzten Wälder nie mehr ganz erholten.
Ueberall aber wo der Wald noch gedeiht, zeigt er sich, besonders im Gebirge, in seiner imposantesten Majestät, indem gerade in Unterwalden wahre Riesenbäume vorkommen. Jene gigantischen Buchen und Tannen, wie sie Dr. Christ in seinem Buch Ob dem Kernwald noch 1869 nach Beobachtungen im Sakramentswald bei Giswil schilderte, sind zwar verschwunden, aber einzelne beachtenswerte Bäume kommen immer noch da und dort vor. So steht eine gewaltige Buche im Wald nahe oberhalb dem Zollhaus am obern Ende des Sarnersees.
Einige prächtige Exemplare von Tannen finden sich noch in den Wäldern der Korporation Schwendi, ebenso ein Riesenexemplar in der Alp Blumatt ob Stans. Nur vereinzelt, aber doch sehr zahlreich und in oft prachtvollen Vertretern kommt der Bergahorn vor; bekannt ist der grosse Ahorn in der Alp Ohr im Melchthal, der in einer Höhe von einem Meter über der Erde einen Stammumfang von 11 m zeigt und als einer der grössten Bäume der Schweiz gilt. Ein ähnliches, etwas kleineres Exemplar steht in Nieder Rickenbach (Nidwalden). Während die Eibe noch relativ häufig vorkommt, ist die Arve sozusagen nirgends selbständig vorhanden, obwohl sie in den künstlichen Aufforstungen, bei Bachverbauungen u. s. w. vorzüglich gedeiht. Gleich in der Nachbarschaft Unterwaldens steht am Engstlensee (Ober Hasle) ein Wäldchen sehr schöner Arven.
Von weitern Nutzbäumen beherrscht das Pflanzenbild besonders der Nussbaum, dieser typische Vertreter eines milden Klimas, der früher noch häufiger als jetzt in Unterwalden vorkam. Haben auch Möbelschreinerei und vor allem Gewehrschaftfabrikation barbarisch mit diesem langsam wachsenden, teuern Holz aufgeräumt, so findet man ¶
forlaufend
doch noch immer ansehnliche Ueberreste. In unmittelbarer Nähe des Dorfes Stans z. B. wurden für die Nussbäume einer einzigen Wiese 12000 Fr. geboten, und Angebote von 400-500 Fr. für den einzelnen Baum sind gar nicht selten. In einem guten «Nussjahr» werden immer noch für 40000-50000 Fr. Nüsse gesammelt. Ein der Föhnzone und dem milden Klima überhaupt ausschliesslich angehörender Baum, die zahme Kastanie, ist innerhalb relativ kurzer Zeit aus Unterwalden verschwunden. Vor 30-25 Jahren kam sie in Kersiten noch ziemlich zahlreich vor. Jetzt ist dort kein Exemplar mehr zu finden, während sie bei Vitznau und Weggis am andern Seeufer noch vorzüglich gedeiht. Das Abgehen dieses Baumes ist sicher weniger auf klimatische als auf andre Umstände zurückzuführen. Alle übrigen Obstarten gedeihen vorzüglich, durchschnittlich bis auf 800 m, an geschützten Standorten (Engelberg) auch bis auf 1000 m Höhe.
11. Kulturtechnik.
Erwähnung verdienen die in Unterwalden ausgeführten Fluss- und Bachverbauungen und in deren Anschluss die Aufforstungen in den bezüglichen Einzugsgebieten. Ebenso kann man auch auf die gänzliche und teilweise Trockenlegung zweier Seen hinweisen. Obwalden mit seinen steilern Abhängen und den als Einzugsgebiet dienenden grossen Hochthälern musste auf diesem Gebiet notgedrungen mehr leisten als das in dieser Beziehung günstiger gelegene Nidwalden. Schon 1761 wurde der Aasee zwischen Lungern- und Sarnersee, der damals die Gegend hinter der Kirche in Giswil (das jetzige Aaried) bedeckte, durch einen 10 m tiefen Einschnitt abgelassen; doch gelang das Unternehmen nur sehr mangelhaft, indem an Stelle eines Sees ein Sumpf entstand.
Erst 1850 wurde dann die Trockenlegung, hauptsächlich auf Initiative von Dr. Halter in Giswil, wieder frisch aufgegriffen, der Ablaufkanal um 2 m vertieft und dadurch etwa 80 ha gut kulturfähiges Land gewonnen. 1836 wurde der Lungernsee zum Teil durch einen Stollen abgelassen und damit etwa 170 ha Land gewonnen. Es war das ein für die damalige Zeit gewaltiges und schwieriges Unternehmen. Während diese Arbeiten nur Vermehrung des Kulturlandes bezweckten, drängten die vielen Bergbäche mit ihren periodisch wiederkehrenden Ueberschwemmungen gebieterisch dazu, dass etwas zum Schutze des anstossenden und darunter liegenden Gebietes getan werde.
Ueberschwemmungen kamen schon in den ältesten Zeiten vor, als das Einzugsgebiet noch reichlich bewaldet war. 1626 überschwemmte die Laui in Giswil die ganze Gegend, zerstörte Kirche und Friedhof und verursachte grossen Schaden an Häusern und Wiesen. Aehnliches wiederholte sich 1739. Seit der intensiven Abholzung um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Ueberschwemmungen entschieden häufiger und gefahrdrohender. Die Verbauungen nahm man hauptsächlich nach dem System der Thalsperren, teilweise auch mit Ausschalung des Bachbettes vor. Der Erfolg hat leider lange nicht überall den Erwartungen entsprochen, hauptsächlich deshalb nicht, weil man anfänglich der Sicherung des Einzugsgebietes und dessen Aufforstung zu wenig Aufmerksamkeit schenkte, sowie auch die Maximalwassermenge unterschätzte. In Obwalden wurden bis 1907 hauptsächlich folgende Bachkorrektionen ausgeführt:
|Jahr||Kosten Fr.|
|1. Dreiwässerkanal in Giswil||1875-1876||38280|
|2. Eibach-Verbauung in Lungern||1888-1894||275739|
|3. Melchaa-Korrektion in Sarnen||1879-1880||352236|
|4. Kleine Schliere in Alpnach||1879-1907||421400|
|5. Lauikorrektion in Lungern||1886-1900||187437|
|6. Eichbühl-, Rüti- und Rosenbach in Giswil||1894-1907||215653|
|7. Grosse Schliere in Alpnach||1897-1907||504000|
|8. Dorfbach in Sachseln||1897-1904||168443|
|9. Wolfort- und Widibach in Alpnach||1898-1900||30000|
|10. Lauibach und Rotmoosgraben in Giswil||1897-1904||493305|
|11. Blattibach in Sannen||1903-1907||34603|
|12. Mühlebach in Engelberg||1903-1907||8319|
|13. Rufibach in Kerns||1904||3551|
Diese Ausgaben bedeuten für einen Kanton, dessen steuerbares Vermögen kaum 40 Mill. Fr. beträgt, eine gewaltige Summe. Die Durchführung dieser Arbeiten wäre ohne eine ausgibige Bundesunterstützung ganz unmöglich gewesen. Alle jene Unternehmungen, die bis 1907 noch nicht vollendet waren, brauchen bis zu ihrer gänzlichen Durchführung noch immer annähernd 2 Mill. Fr. Zur Sicherstellung dieser Arbeiten wurden bis jetzt für Wiederaufforstungen im Einzugsgebiet rund 145000 Fr. ausgegeben. Nidwalden ist mit seinen Gebirgsbächen, etwas weniger gefährdet, hat aber immerhin bis jetzt folgende Verbauungen ausführen müssen:
|Jahr||Kosten Fr.|
|1. Lieli- und Drästlibach in Beckenried||1884-1906||542150|
|2. Steinibach in Hergiswil||1886-1906||297790|
|3. Rübe- und Dorfbach in Buochs||1897-1906||81510|
|4. Kohlerbach in Hergiswil||-||9250|
Für Aufforstungen im Einzugsgebiet dieser Bäche wurden rund 70000 Fr. ausgegeben.
12. Jagd und Fischerei.
Unterwalden hat das Patentsystem zu sehr niedrigen Taxen. Selbstverständlich kann hiebei kein guter Wildstand aufkommen, doch hat sich trotzdem der Gemsen- und Rehstand gehoben, teilweise sogar stark. Die Rehe waren bis 1904 gebannt, und auch jetzt noch dürfen nur Böcke geschossen werden. Die Gemsen wechseln hauptsächlich aus dem Schutzgebiet in die umliegenden Grenzgebiete aus und zerstreuen sich von da in früher unbewohnte Gebiete, so z. B. in die Gegend zwischen Giswilerstock und Pilatus gegen das Entlebuch hin, wo sie jetzt überall wieder heimisch sind.
Im Jahr 1906 wurden in Obwalden 138 und in Nidwalden 97 Jagdpatente gelöst und hiefür an Gebühren eingenommen: in Obwalden 2134 und in Nidwalden 1047 Fr. Unterwalden unterhält mit Unterstützung des Bundes in seinem Banngebiet 3 Wildhüter, die aber immer noch nicht genügen, um allem Wildfrevel in diesem Bezirk vorzubeugen. Der Bannbezirk Hutstock-Uri Rotstock erstreckt sich vom Melchthal bis an das Ufer des Urnersees und ist gemeinsam mit Uri; das in Unterwalden gelegene Gebiet des Bezirkes umfasst 115 km2, wovon auf Obwalden 75 km2 und auf Nidwalden 40 km2 entfallen.
Die Fischerei wird nur mehr als Nebengewerbe betrieben, denn in ganz Unterwalden lebt kein Fischer, der sie als ausschliesslichen Broterwerb betriebe. Die Balchenfischerei, in frühern Zeiten äusserst einträglich, ist aus unbekannten Gründen sehr stark zurückgegangen; im Sarnersee wurde sie bis vor 5 Jahren über 40 Jahre gar nicht mehr betrieben. Am ausgibigsten ist noch der Fang der tieflaichenden Edel- und Weissfische. Eine verhältnismässig ordentliche Summe wirft jährlich noch der Fang der Bachforelle ab, die trotz allen Nachstellungen noch immer merkwürdig oft vorkommt. Der eigentliche Brotfisch der Fischer jedoch ist der Hecht, der in ¶