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Nach dem gescheiterten Immobilienverkauf verdüstert eine weitere Komplikation die Zukunft von Jelmoli. Durch den Verkauf der Elektronik- und Haushaltskette Fust an Coop werden Anleihen im Werte von von 375 Mio Fr. fällig. Das erschliesst sich aus dem «Kleingedruckten» im 60-seitigen Emissionsprospekt für die 4%-Anleihe von 175 Mio Fr. mit einer Laufzeit bis 2011 sowie einer weiteren Anleihe von 200 Mio Fr. für 3,125% mit einer Laufzeit bis 2013. Laut Bankinsidern zerbrechen sich die Juristen bereits den Kopf darüber, wie die Bestimmungen der Anleihen zu interpretieren sind und welche Folgen sie haben könnten.
Laut Prospekt hat die Credit Suisse (CS) alle ausstehenden Obligationen «unverzüglich und ohne weiteres als fällig zu erklären», falls ein Ereignis wie «die Veräusserung eines wesentlichen Teils der Aktiven», die «Änderung der Gesellschaftstätigkeit» oder die «Abspaltung eines wesentlichen Unternehmensteils» eintreten sollte. Es sei denn, die CS erachte die Situation der Obligationäre als ausreichend gesichert.
*Vertrauen hat gelitten*
Solange der Verkauf nicht abgeschlossen sei, wolle sich die Credit Suisse zum geplanten Vorgehen nicht äussern, sagt der zuständige Pressesprecher. Die Wettbewerbskommission hat dem Verkauf noch nicht zugestimmt. Sie hat bis zum 26. November Zeit, den Zusammenschluss zu prüfen. Nachdem die Weko bereits die Übernahme von Denner durch Migros genehmigt hat, wird sie wohl auch diesem Kauf zustimmen. Allenfalls ist mit Auflagen zu rechnen.
Dass die Elektronik- und Haushaltskette Fust mit einem Jahresumsatz von 840 Mio Fr. bei einem Konzernumsatz von 1079,8 Mio Fr. (2006) ein «wesentlicher Teil» von Jelmoli ist, kann kaum bestritten werden. Trotzdem geht Jelmoli-Finanzchef Roland Walder davon aus, dass der Verkauf von Fust nicht automatisch zu einer Rückzahlung der ausstehenden Anleihen führt. «Dieses Thema wird aber in Anbetracht des nicht zustande gekommenen Immobilienverkaufs mit den zuständigen Banken nochmals aufgenommen. Bei einem Verkauf der Immobiliensparte wäre die Einberufung der Gläubigerversammlung sicher angebracht gewesen», meint er.
Der Verkauf von Fust an Coop soll 990 Mio Fr. in die Kasse spülen. Das weckt Begehrlichkeiten auch bei Aktionären, die über eine Sonderausschüttung eine Beteiligung am Verkaufserlös fordern. Denn der Aktienkurs befriedigt die Aktionäre momentan gar nicht. Seit Wochenbeginn ist er bis Dienstagmittag um 7% gefallen. Das ist kein Zufall. Grossaktionär Georg von Opel hat am letzten Wochenende im Interview mit «Le Temps» erklärt, dass die Trennung von Detailhandels- und Immobilienaktivitäten kein Thema sei und dass ein Börsengang des Immobilienteils überdies riskant wäre.
Tatsächlich hat das Vertrauen in die Strategie des Grossaktionärs und seines Managements arg gelitten, nachdem es Jelmoli nicht gelungen ist, die 3,4 Mrd Fr. vom israelischen Käuferkonsortium einzutreiben. Trotzdem kann Jelmoli-Chef Harald Pinger nicht verstehen, dass der Aktienkurs auf Talfahrt ist: «Es ist doch ein Zeichen der Stärke, dass wir nicht billiger verkaufen als abgemacht. Zudem haben wir eine klare Strategie.»
Jelmoli werde mit drei Säulen weitermachen, sagt Pinger. Dazu gehören die Immobiliensparte, der Detailhandel mit dem Warenhaus Jelmoli und eine neue Investmentsparte, die Jelmoli mit den Erlösen aus dem Fustverkauf gründen und finanzieren wolle. Die Investmentsparte werde auch operative Beteiligungen eingehen und nicht einfach nur Aktienanlagen kaufen und im Depot halten. Allerdings ist der Aktienkurs erst seit dem Moment auf kräftiger Talfahrt, als von Opel erklärt hat, mit den Jelmoli-Immobilien nicht an die Börse gehen zu wollen. Auch vermag die unklare Strategie der Investmentsparte wenig zu überzeugen.
*Traktandenliste steht noch nicht*
Pinger will erst an der ausserordentlichen Generalversammlung von Ende November mitteilen, ob die Aktionäre eine Sonderausschüttung erhalten. «Aber die Traktandenliste steht noch nicht fest.» Sie werde erst am 9. November bekannt gegeben. An der GV werden nach dem Rückzug von VR-Präsident Walter Fust auch neue Verwaltungsräte gewählt. Dass diese die Interessen des Mehrheitsaktionärs von Opel vertreten werden, scheint absehbar zu sein.