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ENSEADA DA PINHEIRA
Es gibt nicht viele Leute, die diese Bucht kennen oder sogar besuchen. Für uns Segler bietet sie aber eine der letzten Schutzmöglichkeiten vor dem langen Schlag nach Uruguay. Dieses Gebiet wird oft von rauen Kaltfronten tangiert, die ihren Ursprung in den Tiefdruckgebieten haben, welche an der Südspitze des Kontinents durchziehen. Sie sind entsprechend giftig und gefürchtet, dazu auch wirklich kalt. In dieser Bucht aber hat man die Möglichkeit auf ein günstiges Wetterfenster zu warten, das während zirka einer Woche warmen Nordwind verheissen muss. Zum Warten ankert man bei Südwind im Süden der Bucht, entsprechend bei nördlichen Winden im Norden neben der Austernzucht. Tönt gut und simpel, oder? Ein Blick ins Logbuch zeigt, dass wir während etwa drei Wochen so etwa jeden dritten Tag die Ankerbucht gewechselt haben. Im Südteil der Bucht gab es die Bar da Passerinho, in welcher wir bald gut bekannt waren. Wir assen dort hauptsächlich Salat und Fisch.
Betrieben wurde das Lokal von einem ehemaligen Fischer, der sein Boot verkaufte, eine Familie gründete und sesshaft wurde. Das Fischen konnte er allerdings nicht lassen. Mit seinen Kollegen fischte er jeweilen mit einem Netz am Strand, wenn die Fische von links nach rechts sprangen. Das war jedes Mal ein Halihallo und musste schnell gehen. Dabei gab es auch viel Beifang, der, meist von uns Touristen, wieder ins Meer zurückgebracht wurde: kleinere Fische, Krabben. Einmal war auch ein Knurrhahn dabei. Dabei handelt es sich um einen Verwandten der fliegenden Fische, der aber nicht einmal schwimmen kann.
Mit ihren wie Flügel ausgebildeten Flossen laufen sie über den meist sandigen Grund und verursachen dabei ein ächzendes, knarrendes Geräusch, das durchaus an eine Tür im Geisterschloss erinnert. Die Tiere werden bis zu 75cm gross und gelten als geschätzte Speisefische. Hier in dieser Gegend werden sie aber zu ihrem Glück verschmäht. Es blieb uns ein Geheimnis, wie die Männer jeweils ihren Fang aufteilten.
Jedenfalls brachte uns Zico, der Fischer, des Öfteren auch einen Fisch aufs Boot, den wir dann im Ofen schmorten.
Er hat uns aber auch zu sich nach Hause eingeladen um abends gemeinsam die Moqueca, ein typisch brasilianischer Fischeintopf, zuzubereiten.
Zu Hause bei Zico mit seiner Frau Daniela. Die knapp jährige Clara ist am Schlafen. Neben Zico sitzt noch Alfredo, ein gestrandeter, argentinischer Strassenmusikant, der ihm in seiner Bar hilft.
Nach gemeinsamen Essen (und Trinken) fuhr er uns spät in der Nacht mit seinem VW-Käfer zurück zum Strand, von wo aus wir mit unserem Dingi noch zum KAMA* hinausrudern mussten.
Wenn wir nicht gerade die Bucht wechseln mussten unternahmen wir weite Spaziergänge hinaus auf die Kaps oder entlang dem langen Sandstrand, der sich um die ganze Bucht zieht
Ein schöner Weg führt über die kleine Hügelkette nach Guarda do Embaú, einem kleinen Dorf an der Mündung des Rio da Madre.
Diese Ortschaft steht auf der Liste der besten Surfspots Brasiliens.
Um zu den Stränden zu gelangen durchwatet man den Fluss, oder lässt sich in einem der kleinen Boote hinüberbringen.
Hier also hat Katja kurzerhand einen Surfkurs gebucht. Sie konnte die Wartezeit zur Weiterreise so sinnvoll nutzen und von dem besonderen Flair dieses Spots mit der linksbrechenden Welle profitieren. Um hin und her zu gelangen, durfte sie das Fahrrad von Zico benutzen. Das ganze Ambiente hat ihr so gut gefallen, dass sie sogar später dorthin zurückgekehrt ist.
Trotz der entspannten Atmosphäre mussten wir stets wachsam sein und das Wetter im Auge behalten. Eines Abends flüchteten wir vor einem aufziehenden Nordsturm in die Nordbucht. Es war schon fast dunkel, als Katja den Anker schmiss. Dieser wollte aber in dem ansonsten günstigen Grund nicht halten, was uns zwang, die Kette wieder aufzunehmen. Wir staunten nicht schlecht, als am Ende der Kette gar kein Anker mehr vorhanden war, einfach weg war er. Schnell musste der Ersatzanker montiert werden, der glücklicherweise den Dienst unseres verloren gegangenen Hauptankers übernehmen konnte. In den nächsten Tagen haben wir mit Unterstützung der hiesigen Fischer und Richard, dem französischen Einhandsegler lange und intensiv nach diesem Anker gesucht. Keine Chance, dieses Eisen im trüben Wasser und morastigen Grund zu finden.
Aber was wir fanden waren wieder viele Freunde, unglaublich hilfsbereite Menschen, die für uns Fremde alles unternähmen und geben, was sie können oder haben. Und sie haben viel weniger, als wir. Uns blieb, uns mit einer Torte für ihre Bemühungen zu bedanken.
Wir nutzten die Zeit auch, um unsere Vorräte auf dem Schiff aufzufüllen und KAMA* einer genauen Inspektion zu unterziehen.
Dazu gehörte auch die Kontrolle des Mastes mit all seinen Kabelzügen.
Endlich, an Ruths Geburtstag, am 28. 3. zeigt sich das Wetter einsichtig, so dass wir uns von all unseren liebgewonnenen Freunden verabschieden und uns, versehen mit den besten Wünschen, wieder hinaus begeben aufs Meer, um unsere Reise Richtung Süden fortzusetzen.