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Trimm-Anleitung von Dave McComb.
Die nachfolgende Anleitung ist eine freie Uebersetzung aus dem legendären Nachschlagewerk “The Sandbag” des Amerikaners Dave McComb. Dave ist einer der hervorragensten Tempest-Segler und grosser Promotor der Klasse. Er war mehrere Jahre Präsident der International Tempest Association (ITA) und heute noch aktiver Teilnehmer an Weltmeisterschaften. Es sei Ihm an dieser Stelle herzlich gedankt.
Das Rigg
Der Mast wird im Boot aufgestellt. Die Vorderkante des Mastprofiles soll 11-12cm vom vorderen Cockpit-Schott entfernt sein. Bevor der Mast aufgestellt wird, soll geprüft werden, ob die Diamonds gleich lang sind, also den Mast nicht verziehen. Dann wird geprüft, ob beide Wanten gleich lang sind. Nun werden Wanten und Vorstag angebracht. Der Mastandrücker soll völlig frei sein. Nun wird das Vorstag so fest angespannt, dass der Mast in der Mitte etwa um Profil-Länge ausbiegt. Jetzt wird mit dem Grossfall ein 10m Massband aufgezogen und die Distanz zwischen Fallrolle und mitte Oberkante Spiegel gemessen. Sie sollte etwa 9,05m betragen. Achtung: nicht vergessen den Bereich vom Grossfall-Schäkel bis zum Anfang der Messskala dazuzurechnen! Wenn das Mass wesentlich abweicht, muss das Vorstag gelockert und die Spannschrauben entsprechend nachjustiert werden. Eine Umdrehung verändert das achterne Mass um etwa 1cm. Wenn nun das Mastfall stimmt , soll die Vorstageinstellung markiert werden um reproduzierbar zu bleiben. Zum Segeln muß dann der Mastandrücker entsprechend eingestellt werden. Gute Bootsgeschwindigkeit verlangt, dass der Mast in der Mitte nicht zu weit nach vorne ausbiegt. Die Sicherheit verlangt, dass er in der Mitte nicht nach hinten biegen kann (dadurch würde sich die Mastnut aufbiegen, oder der Mast sogar brechen). Also soll der Mast immer in beide Richtungen fixiert werden.
Das Grosssegel
Ausser Grossschot und traveller gibt es fünf weitere Möglichkeiten das Grosssegel zu trimmen: Der Mastkontroller (Mastandrücker): der Einfluss seiner Einstellung auf das Grosssegel ist sehr heikel. Er muss für jedes Segel durch Experimentieren herausgefunden werden. Spiele mit dem Mastkontroller , bis du das Gefühl hast, die richtige Stellung gefunden zu haben. Die für die jeweiligen Bedingungen (Segel, Mannschaftsgewicht, Windverhältnisse, Wellen) als richtig erkannten Einstellungen müssen reproduzierbar sein. Markierungen machen! Hilfen, um eine Änderung zu bemerken, sind der Winkel des Mastandrückers zum Mastprofil, bzw. die Stellung des Endes der Diamondspreize zum Fockachterliek. Der Baumniederholer: er soll auf der Kreuz lose sein. Achtung, wenn der Baumniederholer im Boot hinter dem Mast angeschlagen ist, spannt er sich selbst, wenn das Segel gefiert wird. Der Unterliekstrecker: er beeinflusst das Segelprofil im unteren Bereich. Die meisten Segler stellen ihn einmal ein (sie spannen ihn so weit, bis Längsfalten auftreten und lassen dann ein wenig nach) und kümmern sich dann nicht weiter darum. Eine Verstellung ist nur nötig, wenn sich die Windverhältnisse wesentlich ändern. Der Cunningham: er kontrolliert die Tuchspannung entlang des Segelvorlieks und damit die Lage der grössten Profiltiefe im unteren Bereich des Segels. Die richtige Cunningham-Einstellung variiert von Segel zu Segel. Allgemein gesagt, sollen die Falten aus dem Segel herausgezogen werden, nicht mehr. Wenn Falten von der Mitte des Vorlieks zum Schothorn laufen, richte den Mast gerade. Dafür ist das Cunningham nicht verantwortlich. Der Achterstag: wie der Baumniederholer hat auch der Achterstag auf der Kreuz keine Funktion. Er kann als trimmhilfe genutzt werden (siehe “Achterstagregel”) und hilft den Mast ruhig zu halten, wenn das Boot durch Wellen geht. Dafür soll er so angesetzt werden, dass er gerade nicht durchhängt, jedoch ohne den Mast-trimm zu beeinflussen.
Das Vorsegel
Es gibt drei Faktoren, die die Fock-Einstellung beeinflussen: Die Riggspannung: sie muss gross genug sein, um das Fockvorliek – auch unter der plötzlichen Belastung durch Wellen – nahe der Mittschiffslinie zu halten. Die Fockfallspannung: sie hat dieselbe Funktion wie das Grosssegel-Cunningham, nämlich die Spannung am Segelvorliek zu kontrollieren. Sie sollte auch entsprechend eingesetzt werden. Vermeide zuviel Spannung! Die Holepunkt-Position: die Lage der Schiene legt die seitliche Position des Holepunktes fest. Die Holepunkt-Position auf der Schiene muss für jedes Segel einzeln gefunden werden. Hier kommt es vor allem darauf an, wie das Schothorn geschnitten ist. Das Segel soll gleichmässig im WInd stehen, wobei die oberen Windfäden ewas früher unruhig werden sollen als die unteren. Stelle die Fock so ein, dass das Achterliek etwa 8cm Abstand zur Diamondspreize hat. Wenn nun die oberen Windfäden zu früh flattern, stelle den Holepunkt weiter nach vorne. Wenn die unteren Windfäden zuerst flattern, stelle den Holepunkt zurück. Bei der nun gefundenen Einstellung wird die gedachte Verlängerung der Fockschot durch die Mitte des Segelvorlieks gehen. Diese Einstellung passt für dasselbe Segel für alle Windverhältnisse.
Trimmen an der Kreuz
Die Grosssegel-Stellung wird durch Grossschot und traveller bestimmt. Die Schot gibt die form des Segels vor, während der traveller den Anströmwinkel einstellt. Nun kommt es darauf an zu wissen, wie beide richtig zusammenspielen. Bei Leichtwind soll der Grossbaum ziemlich in Mittschiffslinie gefahren werden, aber das Achterliek soll nicht “zumachen”. Also holen wir den traveller nach Luv, bis seine Mitte etwa auf Höhe der luvseitigen Kante des “Podests” vorne am Reitbalken ist und stellen die Schot so ein, dass der Grossbaum etwa um Baumbreite über die Schiffsmitte geht. Wenn du jetzt zum Segel hinaufschaust, erkennst du, dass das Achterliek vom Schothorn bis zur zweiten Segellatte von oben parallel zum Achterstag ist. Das nennen wir in der Folge “Achterstagregel”. Beobachte wie starke Auswirkungen kleine Veränderungen der Grossschot haben, indem du nach der “Achterstagregel” überprüfst. Beobachte auch, wie stark geringe Windstärke-Aenderungen die Segelform verändern (der Winddruck bei 4 Knoten Windgeschwindigkeit ist viermal so gross wie bei 2 Knoten). Die “Achterstagregel” gilt bei allen Windstärken. Um sie bei Böen von 3-4 Beaufort einzuhalten, muss der traveller etwas nach Lee gefahren werden, wenn die Schot dichtgeholt wird, weil sonst der Baum zu sehr in die Mitte kommt und das Boot mehr krängt als Fahrt aufnimmt. Im Bereich von 4-5 Bft muss mit traveller und Schot gearbeitet werden, wobei der traveller genug gefiert werden muss, um das Boot aufrecht segeln zu können. Irgendwann, so gegen Windstärke 5, wird das Baumende über die Deckskante reichen. Nun ist die Grossschot praktisch dicht und du kannst nur mehr mit dem traveller arbeiten (bis etwa Windstärke 6). Schwierig wird es bei stärkerem Wind (wobei geübte Segler oft gerade das als das faszinierendste am Tempestsegeln ansehen). Dann produziert die Fock schon einen gehörigen Gegenbauch im Gross, und man kann kaum Druck aufs Achterliek bringen, ohne sofort stark wegzukrängen. Hier kann man nur den traveller ganz nach Lee lassen und mit der Grossschot aufmachen, wenn der Druck zu gross wird. Der Focktrimm wird stark durch die Vorstagsspannung beeinflusst. Wenn das Vorstag zu stark durchhängt, wird die Fock bei richtiger Schotstellung einen Gegenbauch im Gross erzeugen. Du wirst dann die Schot etwas fieren, aber dann kannst du das Grosssegel nicht ordentlich trimmen, ohne bei gut angeströmter Fock zu viel Lage zu schieben. Kurz gesagt: es gibt keine zufriedenstellende “am Wind Segeleigenschaften”, wenn das Rigg nicht entsprechend gespannt ist (oder werden kann). Wenn das Vorstag richtig gespannt wird, ist der Focktrimm, wie schon erwähnt, eine Sache von Holepunkt und Schotzug. Die Holepunktposition haben wir schon eingestellt, aber wie kontrollieren wir den richtigen Schotzug? Glücklicherweise gibt es im Grosssegel ein Fenster, durch das der Abstand des Segel-Achterlieks von der Diamondspreize beobachtet werden kann. Etwa 8cm Abstand ist richtig und wenn beide Segel gut zusammenpassen, wird die Fock nur im unteren Bereich einen leichten Gegenbauch im Grosssegel hervorrufen. Nennen wir diese Erkenntnis “Diamondspreizregel”. Sie gilt ebenso wie die “Achterstagregel” für alle Windstärken. Beobachte auch hier, wie sich geringste Änderungen auf die Fockstellung auswirken. 1cm Schotweg bewirkt 6-8cm bei unserem Kontrollmass. Wenn du beobachtest, wie kleinste Windstärken-Unterschiede das Fock-Achterliek beeinflussen, dann wird dir klar, wie wichtig es ist, mit der Schot auf jede Böe zu reagieren (vor allem auch bei schwächer werdendem Wind ist die Schot nachzulassen). Dabei hat der Steuermann meist die bessere Position um die “Diamondspreizregel” zu überprüfen. Manche Boote sind so ausgerüstet, dass er dann selber nachtrimmen kann, sonst muss er seinen Vorschoter anweisen.
Trimmen auf Vorwind I
Das Achterstag wird gelöst und der Mast gerade gerichtet. Ein gebogener Mast macht das Boot am Vorwindkurs langsam, weil die projizierte Segelfläche verringert wird. Dann setze das Achterstag wieder an, ganz besonders bei Starkwind, sodass der Mast keine Chance hat, sich im top nach vorne zu biegen. Das Cunningham sollte gelöst werden bis fast keine oder gar keine Spannung mehr drauf ist. Der Baumniederholer wird angesetzt; wieviel ist schwer zu sagen. Auch hier gilt es zu experimentieren, bis man die richtige Einstellung gefunden hat. Viele Leute holen ihn auf Raumschotkursen zu viel, auf Vorwindkursen aber zu wenig dicht. Hier gilt es zu probieren und dabei auch andere Boote zu beobachten. Der toppnant sollte so eingestellt werden, dass der Spinnakerbaum an das Vorstag gelassen, einen rechten Winkel zu diesem bildet. Diese Stellung sollte nur verändert werden, wenn der Spinnaker bei Leichtwind nicht steigen will. Hier kannst du ihm helfen, indem du den Baum tiefer stellst.
Trimmen auf Vorwind II
Den Spinnaker richtig zu segeln ist natürlich der Schlüssel zum Erfolg auf diesem Kurs. Vergiss nicht, dass der Spinnakerbaum, im Gegensatz zu den meisten Booten, schräg aufwärts weisen soll. Es gibt zwei Prinzipien, die beim Spinnakersegeln angewendet werden sollen. Erstens soll vom Cockpit aus die Luvkante der unteren vier Bahnen des Spinnakers parallel zum Vorstag erscheinen. Wir wollen das “Vorstagregel” nennen. Da es aber mehrere Kombinations-Möglichkeiten von Luvschot und Achterholer gibt, die diesen Effekt erreichen, gilt als zweite Regel, dass wir möglichst viel Segelfläche dem Wind aussetzen wollen. Wenn wir diese beiden Prinzipien anwenden, wird der Spinnaker an der Schulter anfangen unruhig zu werden. Während man jetzt ständig mit der Schot arbeiten muss, weiss man gleichzeitig, dass man den Spi gerade an der Kippe fährt, was die beste Wirksamkeit bedeutet. Spinnaker-Segeln ist immer heikel, auch wenn man ihn nicht vom Trapez aus fährt. Daher sind die grundsätzlichen Handgriffe wichtig: Hole den Luvbarberholer immer dicht (bzw. hänge die Luvschot in den Haken ein). Klemme die Luvschot immer ein. Bei ganz wenig Wind kannst du dann vor dem Barberholer oder dem Haken die Schot direkt führen. Bei mehr Wind spannst du die Schot zwischen Barberholer und Spibaum um deine Kraft besser einsetzen zu können (die Schot nie kurz belegen; du kannst sonst nicht schnell fieren). Den Achterholer sollst du nie belegen. Verwende einen Rätschblock und schalte ihn nur bei ganz wenig Wind aus. Lass den Leebarberholer ganz aus, ausser platt vor dem Wind, wenn er dir helfen kann, dass die Schot nicht über den Grossbaum kommt, oder auf einem sehr spitzen Raumkurs bei ganz wenig Wind, wenn der Barberholer helfen kann, das Luvliek des Spinnakers aufzubauen. Das Grosssegel soll immer so weit wie möglich aufgefiert sein, ohne einen Gegenbauch zu machen. Auf spitzen, raumen Kursen muss man manchmal dichter nehmen, weil sonst der Spinnaker einen Gegenbauch produziert. Auf Raumschot-Kursen bei Starkwind sollen die Windfäden an den oberen Latten immer flattern. Manchmal muss der Baumniederholer etwas nachgelassen werden, damit der Baum nicht durchs Wasser gezogen wird. An Vorwind-Kursen soll der Niederholer dichtgeholt werden, wenn der oberste Windfaden sowieso nicht mehr auswehen kann.