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Zur Ostasienreise eines Rorschachers
Mein Fortün zeigt mir Gott in Ostindia Auf der grossen Insel Java in der Stadt Batavia. Ich segelte durch den Oceanum hin und her Mit Glück kam ich nach Haus, Gott sei Ehr‘.
Herr Johann Georg Gruober, des Gerichts allhier und wohlbefreiter Leutenambt (1677).
Der Verfasser obiger Zeilen ist also Johann Georg Gruber aus Rorschach. Er war in der ganzen Gegend als «Indianer» bekannt, das war natürlich falsch. Man hätte ihn Inder nennen müssen, da er die Hauptstadt der holländischen Compagnie besucht hatte. Aber es ist begreiflich, denn das 17. Jahrhundert beschäftigte sich mit der Neuen Welt. Wir haben unterdessen auch die Wohnung Grubers gefunden. In einem Zimmer ziert dieser eingangs angeführte Erinnerungsspruch die Decke. Es ist das Obere Hoffmann‘sche Haus (Das untere ist das Brugger‘sche), Mariabergstrasse 11. Das Haus trägt die Jahreszahl 1672 und hat viele Wohnungen. Vermutlich haben die Hoffmann eine dieser Wohnungen an Gruber vermietet.
Dr. Paul Staerkle, Stiftsarchivar, hat in einer historischen Studie im Rorschacher Neujahrsblatt 1964 alles, was man über den «Indianer weiss, veröffentlicht. Wir lassen einen stark gekürzten Bericht folgen.
Die Familie Gruber geht in Rorschach auf den Anfang des 16. Jahrhunderts zurück. Unser Indianer wurde am 7. Juni 1637 getauft. Er sollte eine landbekannte Persönlichkeit werden. Er muss nicht nur in Batavia, sondern in den Molukken gewesen sein, denn dort sind Pfeffer, Muskatnuss, Zimt und Gewürknelken zu suchen. Damals war der Gewürzhandel ein lukratives Geschäft. Wahrscheinlich reichte das Vermögen Grubers nicht aus, einen Handel im Grossen zu betreiben. Man vermutet, der St. Galler Bürger Jakob Zollikofer sei sein Patron gewesen, da er in der selben Zeit sich auf den Gewürzinseln aufgehalten hat. Wahrscheinlich müssen wir die Zeit von 1665 bis 1669 für sein Abenteuer ansetzen (wenn nicht nach dem Spruch 1677). Und es war ein Abenteuer, wenn man an die weite Fahrt denkt, an die Stürme, die schlechten Schiffe, die Hitze, den Skorbut und andere Krankheiten. War das Ziel erreicht, musste für die Rückfahrt der Wintermonsun abgewartet werden, was Monate dauern konnte.
Gruber führte den Gewürzhandel in Rorschach und Umgebung ein. Er hielt einen und war am Rorschacher Donnerstagsmarkt vertreten. Es gelang ihm eine kleine Aktiengesellschaft, bei der er Verwalter wurde, zu gründen. Sogar Fidel von Thurn, der äbtische Gesandte, mit seinen Freunden wurde Teilhaber. Er betrieb eine Pfefferstampfe am Mühlbach (Schulbach), doch die Aktiengesellschaft hatte aus unerfindlichen Gründen keinen Erfolg und stürzte ihn in Schulden.
Er gewann sich auch Sympathien. Er hatte den Gedanken, die von Rom gespendeten Reliquien, des hl. Märtyrers Constantius von Steinach über den See nach Rorschach zu führen. Als Generalbefehlshaber der Galeeren und Schiffe machte er seine Sache vorzüglich. Grubers praktischer Sinn empfahl ihn den Leuten. Er wurde Vermittler in privaten Auseinandersetzungen und Fürsprech in rechtlichen Angelegenheiten. Er wird Richter, Pfleger über die «armen Leute am Feld» (Spital beim Cardinal), Seckelmeister und erreicht das höchste Amt, das Rorschach zu vergeben hatte, Hofammann. Da hatte er im Frühling und im Herbst öffentlich Gericht zu halten. Da Rorschach zu jener Zeit kein Rathaus besass, fanden die Gerichtssitzungen in seinem Hause statt. Gruber wurde im äbtischen Milizwesen zum Hauptmann befördert.
Doch das alles war vergänglich. Ein Vieh- Zollhandel, an dem er sich beteiligte, kostete ihn die Ammann- und Richterwürde. Ja er wurde mit dem Ammann Jakob Eberli von Mörschwil in den Turm von St. Fiden gesteckt. Doch die Fürbitte von über 100 Personen liessen sie nach zwei Tagen befreien. Die Angelegenheit mit dem Vieh- Zoll möge man im Rorschacher Neujahrsblatt nachlesen (S. 79). Weil der Gewürzhandel keine Einnahmequelle mehr war, handelte Gruber mit Korn und Holz. Wegen Schulden vor Gericht gezogen, kommt er 1695 in Konkurs. Franz Paul Hoffmann kaufte auf der Gant einige Grundstücke.
Es scheint, dass Gruber Rorschach verlassen hat.
Richard Grünberger