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Musik in der Schule: Ein Trauerspiel Schweizer Musikzeitung Oktober 2008
(SMZ) Seit 1995 wird in der Schweiz offiziell für eine bessere Musikausbildung in der Schule gekämpft. Der Autor zeigt auf, welche Rolle dabei der Schweizer Musikrat und weitere Organisationen gespielt haben. Mit einem neuen Antrag soll die Musikausbildung doch noch Eingang ins Kulturförderungsgesetz finden.
Ernst Waldemar Weber
Im Jahre 1999 wurden in den Eidgenössischen Räten in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Musikrat (SMR) zwei gleichlautende Motionen eingereicht. Es waren die Motionen von Ständerat Hans Danioth und Nationalrätin Käthi Bangerter mit dem Wortlaut:
Förderung der Musik-Ausbildung
Der Bundesrat wird beauftragt, in Ausführung von Art. 69, Absatz 2 der Bundesverfassung, gesetzliche Grundlagen zu schaffen, um eine landesweite und ganzheitliche Förderung der Musikausbildung zu ermöglichen.
Dieses Ziel soll insbesondere wie folgt erreicht werden:
Die Pflege der Musik, insbesondere des Singens in der Schule, ist gezielt zu fördern.
Die fachdidaktischen, organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen für die Ausbildung von Lehrkräften in Musik sind gesamtschweizerisch zu harmonisieren und zu verstärken.
Die Zusammenarbeit mit den Kantonen und weiteren Trägern der Musikerziehung ist generell sowie durch die Bildung einer Fachgruppe Musik und gegebenenfalls eines schweizerischen Kurszentrums Musik zu koordinieren.
Es sind hiezu Konkordate anzustreben.
Beide Motionen wurden als Postulate überwiesen, und sie waren – neben drei weiteren, weniger gewichtigen Postulaten – der Anlass für den Auftrag des Bundesrates an das Bundesamt für Kultur zur Ausarbeitung eines Kulturförderungsgesetzes (KFG) aufgrund des Artikels 69,2 der Bundesverfassung.
Der Musikrat und das KFG
Da sich schon seit einiger Zeit abgezeichnet hatte, dass die Musik in der Schule im Kulturförderungsgesetz keinen Platz finden würde, wurde der Vorstand des SMR an der Delegiertenversammlung 2006 beauftragt, einen Bericht darüber vorzulegen, was er im Laufe der Jahre für die Umsetzung der beiden Motionen getan habe. Dieser Bericht wurde leider vergessen, wofür sich der damalige Präsident Alois Koch an der DV entschuldigte. Aber auch an der DV 2008 lag der Bericht noch immer nicht vor.
Es sieht so aus, als ob sich der Musikrat um diesen Auftrag drücken möchte, und die Vermutung liegt nahe, dass hier eben gar nichts zu berichten wäre, weil sich der SMR überhaupt nicht um die Umsetzung bemüht hat, weder im Rahmen des Kulturförderungsgesetzes noch in der Form eines Gesetzes über die Musikerziehung in der Schule.
Dabei hätte der SMR diese Möglichkeiten durchaus gehabt: Er war in der Steuergruppe, die das KFG vorbereitete, durch Isabelle Mili, seine heutige Präsidentin, vertreten. Ob sie sich in diesem Gremium für die Umsetzung der Motionen eingesetzt hat, wurde nie kommuniziert, obschon an den Delegiertenversammlungen entsprechende Fragen gestellt wurden. Es ist also davon auszugehen, dass Isabelle Mili in dieser Beziehung untätig war.
Als der Expertenbericht über den Stand der Musikerziehung in der Schweiz mit einer irreführenden, der Expertenmeinung völlig widersprechenden Zusammenfassung veröffentlicht wurde, verzichtete der SMR auf einen Protest. In dieser Zusammenfassung wurde behauptet, mit den öffentlichen Schulen in der Schweiz sei für jedes Kind im Rahmen seiner Klassengemeinschaft ein kostenfreier und obligatorischer Zugang zu musikalischer Bildung gewährleistet. Und als 2006 aufgrund dieses Berichts die Motion Danioth mit abstruser Begründung abgeschrieben wurde, hat es der Musikrat nicht einmal bemerkt.
Der Motion Bangerter erging es etwas besser: Im Jahre 2006 beantragte die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Nationalrats (WBK-N) bei ebendiesem Rat mit Erfolg, mit der Abschreibung der Motion zuzuwarten, bis diese «im Rahmen des Kulturförderungsgesetzes umgesetzt» sei. Nun hat die WBK-N das KFG behandelt, aber im bereinigten Entwurf, der den Räten vorliegt, ist auch nicht der leiseste Ansatz zugunsten der Musik in der Schule auszumachen.
Zwei Dinge sind dabei interessant: Der Musikrat hatte in der Vernehmlassung zum Gesetzesentwurf sein Versäumnis in der Steuergruppe gutzumachen versucht mit dem Vorschlag, in Artikel 6 (heute Art. 10) als neues Alinea den verbindlichen Bundesauftrag für die Förderung und Koordination auch der schulischen und ausserschulischen musikalischen Bildung einzufügen. In die Fassung des Bundesrates wurde diese Forderung jedoch nicht aufgenommen, und deshalb hätte Nationalrätin Brigitte Häberli-Koller (sie sitzt auch im Vorstand des Musikrates!) eigentlich in der WBK-N darauf zurückkommen müssen. Sie hat es nicht getan, und auch an die Motion Bangerter (und die Stellungnahme der WBK-N von 2006) hat sie offenbar nicht erinnert. Es gab keinen Antrag zugunsten der Musik in der Schule, und in dieser enttäuschenden Fassung ist das Kulturförderungsgesetz in der Herbstsession 2008 vor den Nationalrat gekommen. Glücklicherweise konnte es nicht abschliessend behandelt werden, so dass sich in der Dezembersession eine letzte Chance ergibt.
Ein Gesetz über die Musikerziehung
Aber auch die zweite Möglichkeit, die Erarbeitung eines eigenen Gesetzes über die Musikerziehung, hat der Musikrat völlig ausgeblendet, obschon seit 1999 ein Entwurf vorlag. Als die SP-Fraktion sich damit befasste, gab es von unbekannter Seite ein Sperrfeuer mit persönlichen Verunglimpfungen, was leider zum Abbruch der Beratung führte. Und als der Entwurf der Parlamentarischen Gruppe Musik vorgelegt wurde, zeigte diese (ebenso wie der Musikrat) keine Reaktion.
So sah der Entwurf aus:
Gestützt auf Art. 69, Absatz 2 der Bundesverfassung erlassen die eidgenössischen Räte folgendes
Gesetz über die Ausbildung in Musik
Die Kantone gewährleisten die sorgsame Pflege des Gesangs in den Volksschulen und genü- genden Unterricht in den Grundlagen der Musik auf allen Stufen.
Der Bund unterhält in Zusammenarbeit mit den Kantonen eine Fachgruppe Musik, in die jeder Kanton einen Fachbeauftragten delegiert.
Die Fachgruppe Musik erarbeitet
Richtlinien für die musikalische Ausbildung der Lehrkräfte der Grund- und Primarstufe (z.B. Aufnahmebedingungen in die Ausbildungsstätte, Rahmenlehrpläne für die Ausbildung, Mindestanforderungen für die Erlangung eines integralen Lehrpatents,
Aufnahmebedingungen für das Studium des Faches Musik auf der Sekundarstufe I,
Rahmenlehrpläne für den Unterricht in Musik auf der Grundstufe, der Primarstufe, der Sekundarstufe I und der Sekundarstufe II,
einen Katalog der Aufgaben und Kompetenzen der kantonalen Fachberater Musik,
Modelle für die Zusammenarbeit der Schule mit Musikschulen und Blasmusiken,
Unterlagen und Richtlinien für die Förderung des frühkindlichen Singens,
Unterlagen für den Aufbau eines schweizerischen Kurszentrums (z.B. Musiklager jeglicher Art von Kindern und Jugendlichen, Kurse für Schulinspektoren, Ausbildungskurse für Dirigenten von Kinder- und Jugendchören- und Orchestern, Instruktionskurse für Leiter von Brassbands, Kurse für Animatoren des Mutter-Kind-Singens, Lehrerfortbildung).
Eine schweizerische Dokumentationsstelle für Musikdidaktik dient als Hilfe für die regionalen Zentren.
Eine Verordnung regelt den Übergang, bis der nötige Ausbildungsstand bei allen Lehrkräften erreicht ist.
Koordination der Musikerziehung
Wenn man sich fragt, warum sich der Musikrat in den Belangen der schulischen Bildung im Fach Musik so schwer tut, stösst man auf die Koordination Musikerziehung Schweiz (KMS). Diese wurde im Jahre 1995 gegründet und umfasste alle Musikverbände, die sich auch mit Nachwuchsfragen beschäftigen: den Eidgenössischen Musikverband, den Eidgenössischen Jugendmusikverband, den Eidgenössischen Orchesterverband, die Schweizerische Chorvereinigung, den Schweizerischen Kirchengesangsbund, den Verband Musikschulen Schweiz, die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Jugendmusik und Musikerziehung, den Schweizerischen Musikpädagogischen Verband, die Arbeitsgemeinschaft der Schulmusik-Seminarleiter und die Schweizer Konferenz Schulmusik (SKSM). Unter der Leitung der SKSM legte die KMS von Anfang an ein forsches Tempo vor. Schon innerhalb des ersten Jahres ihres Bestehens verarbeitete sie drei grosse Brocken:
Zunächst war sie – im Unterschied zum Musikrat – an der Vernehmlassung zur Reform der Bundesverfassung beteiligt und hat vorgeschlagen, den Artikel über Turnen und Sport um «Musik» zu erweitern. Dann hat sie sich intensiv mit dem neuen Maturitäts-Anerkennungs-Reglement und seinen Auswirkungen auf die Kunstfächer Musik und Zeichnen/Bildnerisches Gestalten auseinandergesetzt und sich mit den daraus resultierenden Empfehlungen an die einzelnen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren gewandt. Schliesslich ging es um die Umsetzung der «Empfehlungen» der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) vom Oktober 1995 und damit um die zukünftige Gestaltung der Lehrerbildung in den Kantonen. In ihrer Eingabe an die EDK wies die KMS auf «die Gefahr (hin), dass Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen und Lehrer zukünftig ohne genügende musikalische Fähigkeiten in ihren Klassen stehen und damit die breite Verankerung unserer musikalischen Kultur gefährden würden».
In der KMS wurde auch die Idee «Jugend+Musik» erstmals vorgetragen und in der Folge mit dem Musikfest J+M lanciert. Und die Revision der Bundesverfassung begleitete die KMS in engem Kontakt mit Nationalrat Remo Gysin, der den Vorschlag in der Verfassungskommission 3 vertrat und, weil er damit nicht durchkam, in den nachmaligen Artikel 69,2 umwandelte. Da dieser dann in der Gesamtkommission scheiterte, übernahm ihn Nationalrat Ostermann als Minderheitsantrag und hatte damit im Nationalrat mit 82 gegen 77 Stimmen knapp Erfolg. Aber die Kommission des Ständerates wollte darauf nicht eingehen. Drei Tage vor der Verhandlung gelang es der KMS, Ständerat Hans Danioth für das Anliegen zu gewinnen. In seinem engagierten Plädoyer verwendete er die Argumente der KMS, und er wies auch (als Antwort auf Bedenken von Bundesrat Koller) auf die dahinter stehenden 240 000 Mitglieder hin. Und mit dem deutlichen Resultat von 21 zu 10 Stimmen stimmte der Ständerat dem Minderheitsantrag Ostermann zu. Hätte die KMS den Musikrat machen lassen, wäre der Ständerat auf das Geschäft nicht eingetreten, und der Artikel wäre sang- und klanglos aus Abschied und Traktanden gefallen.
Verweigerung des Musikrates?
Die KMS hatte sich in den Schweizer Musikrat integrieren lassen. Das brachte den Vorteil grösseren Gewichts, führte aber zu unliebsamen Interventionen der Generalsekretärin. Die letzte eigentliche Aktion der KMS war der Beschluss vom 4. Dezember 1998, aufgrund des neuen Verfassungsartikels die Schaffung eines Gesetzes über die Musikerziehung in die Wege zu leiten. Dieser Auftrag führte nach umfangreichen Abklärungen innert kurzer Zeit zu den Motionen Danioth und Bangerter. Aber weil das Geschäft ausdrücklich nicht dem Generalsekretariat übertragen worden war, konnte dieses sich den Erfolg nicht gutschreiben, wie es beim Verfassungsartikel und bei J+M (unberechtigterweise) geschehen war.
Konnte sich der Musikrat deshalb mit den Motionen nicht identifizieren? Mussten sie deshalb «verdrängt» und die Urheber kleingemacht werden? Jedenfalls hat der Vorstand des Schweizer Musikrates «seine» Motionen nie wirklich unterstützt, er hat zu ihrer Umsetzung nie etwas unternommen. Und wenn er an Delegiertenversammlungen daran gemahnt wurde, reagierte er unwillig oder gar nicht. Durch dieses Verhalten hat er die Anliegen der KMS – und damit seine eigenen – verraten.
In seinem Rechenschaftsbericht über die Motionen – wenn er ihn denn endlich vorlegt – müsste der Schweizer Musikrat auch auf die erwähnten Vermutungen eingehen. Sollten sie sich bewahrheiten, dann müsste man sich ernsthafte Gedanken machen über die Führung dieses Dachverbands. Natürlich tragen der Vorstand und die Präsidentschaft letztlich die Verantwortung, aber niemals dürften strategische Entscheide von persönlichen Empfindlichkeiten einer tüchtigen Generalsekretärin abhängig sein.
Die Initiative Jugend + Musik
Der Anstoss zu dieser Initiative kam nicht vom Musikrat, sondern vom Verband Musikschulen Schweiz und vom Verein Jugend+Musik. Dass der Schweizer Musikrat darauf eingetreten ist, obschon die Ziele der Initiative mit denen der Motionen weitgehend übereinstimmen, stützt die oben geäusserte Vermutung; diesmal mussten keine Rücksichten genommen werden.
Im Unterschied zum Initiativtext, der allgemeiner gefasst ist, sind die Motionen konkreter formuliert: Sie legen Wert auf das Singen und auf den Kern der Misere, die Ausbildung der Lehrkräfte, und sie zeigen den Weg zur Verwirklichung, nämlich über die Konkordanz der Kantone. Deshalb gäbe ich den Motionen den Vorzug. Die Initiative ist nach meiner Ansicht dennoch nötig, mindestens um Druck zu machen auf die Politik.
Am 23. März 2007 sagte ich vor der Parlamentarischen Gruppe Musik unter anderem: «Bei aller Begeisterung ist jedoch zu bedenken, dass dieser Weg erst nach 10 bis 15 Jahren zu Gesetzen und damit zu den gewünschten Wirkungen führen kann. Zum Glück müssen wir nicht so lange warten; denn Sie können jetzt schon handeln, und zwar aufgrund des Artikels 69,2. Sie können die Umsetzung der erwähnten Motionen (die genau das konkretisieren, was in der Verfassungsinitiative gefordert wird) in Gang setzen oder ein Gesetz einbringen, wie es schon vor acht Jahren zur Diskussion stand.
Das Ja zu dieser Initiative darf nicht nur eine Absichtserklärung sein, die allenfalls erst Jahre später einzulösen ist. Ihr Ja zu dieser Initiative soll ein Bekenntnis dafür sein, heute schon für diese Anliegen einzutreten durch Vorstösse und deren Unterstützung.»
Leider waren diese Worte in den Wind gesprochen. Dabei mag bei Politikern auch eine Rolle spielen, dass bis zur Stunde der Wahrheit, nämlich der Umsetzung dieser Ideen, ein ganzes Jahrzehnt verstreichen wird. In diesem Zusammenhang sei an den ersten Punkt des Statements von Hans Ambühl, dem Generalsekretär der EDK, am 2. November 2007 in Aarau erinnert: «Das schweizerische Bildungssystem steht in einer Entwicklungsphase, welche an die musikalische Bildung zentrale Herausforderungen stellt. Wir können die damit verbundenen Chancen für lange Zeit nur einmal verpassen: jetzt.»
Letzte Hoffnung in der Dezembersession
Von der KMS war seither kaum mehr etwas zu hören. Sie dümpelte als Arbeitsgruppe dahin, bis sie im Jahr 2007 aufgelöst wurde. Vielleicht sollten sich die betroffenen Verbände – sie sind ja ein gewichtiger Teil des Musikrates – zurückmelden.
Zum Thema Musik in der Schule zeigt der Musikrat weiterhin eine schwer verständliche Haltung. Dass er in der WBK-N noch den eigenen Vorschlag (aus der Vernehmlassung) preisgegeben hat, ist nicht nachvollziehbar. Einer Eingabe, die eine repräsentative Studie über die musikalischen Fähigkeiten von Schulabgängern vorschlug, verweigerte er – mit einer Begründung von blauäugiger Unbedarftheit – die Weiterleitung an den Adressaten, die Parlamentarische Gruppe Musik. Diese Eingabe musste übrigens dreimal eingereicht werden, weil sie immer wieder verloren gegangen war!
Erfreulicherweise hat im Nationalrat Susanne Leutenegger Oberholzer die Initiative ergriffen und für die Behandlung des Kulturförderungsgesetzes in der Dezembersession den folgenden Antrag gestellt:
Art. 10 a (neu) Musikalische Bildung
Der Bund fördert in Ergänzung zu kantonalen und kommunalen Bildungsmassnahmen die musikalische Bildung.
Begründung:
Die Förderung der musikalischen Bildung ist als Auftrag in der Bundesverfassung (Art. 69 Abs. 2 BV) verankert - dies nach einer eingehenden Diskussionen im Parlament. Die Bestandsaufnahme über das bestehende Angebot der musikalischen Aus- und Weiterbildung in der Schweiz im Bericht des Bundesrates „Musikalische Bildung in der Schweiz" (Frühjahr 2005) zeigt die Defizite deutlich auf. Es ist deshalb von zentraler Bedeutung, dass die musikalische Bildung im Kulturförderungsgesetz explizit verankert wird.
Wie im Sport kann ohne eine breite musikalische Bildung und Förderung kein Nachwuchs aufgebaut werden. Die ausser- und vorschulische Nachwuchsförderung im Bereich Musik beginnt bei Kindern im Vorschulalter, das heisst, lange vor der beruflichen Ausbildung. Die Analogie zur Bedeutung des Jugendsportsports liegt auf der Hand. Im Bereich des Sports wurde gestützt auf die BV (vgl. Art. 68 BV) bereits 1972 ein Gesetz über die Förderung von Turnen und Sport erlassen.
Das Kulturförderungsgesetz bietet eine ganz ausgezeichnete Chance, nicht nur die Kulturpolitik in unserem Land auf eine neue Ebene zu stellen, sondern auch in der Bildungslandschaft neue Akzente zu setzen. Mit der expliziten Erwähnung im dritten Abschnitt zu den Förderungs- und Unterstützungsmassnahmen wird der Bedeutung der musikalischen Bildung Rechnung getragen.
Dieser Vorstoss entspricht etwas abgeschwächt ungefähr dem Vorschlag des Schweizer Musikrates. Er ist die letzte Chance, dass im Rahmen des Kulturförderungsgesetzes etwas von dem verwirklicht werden kann, was der Gesetzgeber mit dem Zusatz im Artikel 69,2 der Bundesverfassung eigentlich wollte. Für den Musikrat wäre es den Einsatz wert, über seine Verbände möglichst viele Nationalrätinnen und Nationalräte dafür zu gewinnen und so die Scharte endlich ein wenig auszuwetzen.