Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03480.jsonl.gz/12

Tschernobyl: Ursachen und Folgen der Katastrophe
Am Samstag, den 26. April 1986 explodierte im AKW von Tschernobyl ein Druckröhrenreaktor. Konstruktions- und Bedienungsfehler führten zur Kernschmelze und zur Explosion des Reaktormantels. 32 Menschen starben auf der Stelle.
Ein druckfester Sicherheitsbehälter fehlte, Trümmer und spaltbares Material wurden hinausgeschleudert.
Weite Gebiete verstrahlt
In den Flammen stiegen die radioaktiven Partikel kilometerhoch auf. Südwind trug einen Grossteil der radioaktiven Wolke in das benachbarte Weissrussland. 150'000 Quadratkilometer in Weissrussland, der Ukraine und Russland mit zusammen fünf Millionen Einwohnern wurden verseucht.
In den folgenden Wochen gab es auch in West- und Nordeuropa Strahlenalarm. Teilweise gelangten die kurz- und langlebigen Radionukliden in den Nahrungsmittelkreislauf.
Schweigen der Sowjetführung
Über Tage verschwieg die Führung der Sowjetunion das Ausmass der Katastrophe. Erst nachdem in Skandinavien auffällige Werte gemessen wurden, räumte Moskau den GAU ein. Allerdings hatten auch die Verantwortlichen falsche Informationen übermittelt. So hiess es stundenlang, der explodierte Reaktor sei intakt geblieben - dabei waren die verstrahlten Trümmer nicht zu übersehen.
Die Führung der Sowjetunion schickte rund eine Million Männer ins Katastrophengebiet. Die meisten der so genannten «Liquidatoren» waren junge Soldaten.
In Minuten-Einsätzen bauten die oft ahnungslosen Männer eine provisorische Schutzhülle, den Sarkophag um den Reaktorkrater, oder entsorgten verstrahltes Material. Viele von ihnen erkrankten später schwer.
Umstrittene Opferzahlen
Wie viele Todesopfer das Unglück von Tschernobyl forderte, ist bis heute nicht klar. Studien über Opfer sind weiterhin eine Definitions- und Glaubensfrage. Besonders umstritten ist die Zahl der Menschen, die an den Spätfolgen der Verstrahlung starben.
Im Vorfeld des 20. Jahrestages der Tschernobyl-Katastrophe sorgte eine Publikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei Atomkraftgegnern für Empörung. Demnach gab es «weniger als 50 Opfer» direkt im Umfeld des Reaktors, bei denen die Strahlung nachweislich zum Tode führte.
Später bezifferte die WHO die Zahl der Toten infolge der Katastrophe insgesamt auf 14'000 bis 17'000. Atomkraftgegner sprechen dagegen von bis zu 100'000 Toten. (bat, dpa)