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Was kann in diesen düsteren Tagen mehr Vergnügen bereiten, als einen von Christian Herdeg (*1942, Zürich) illuminierten Raum zu betreten und in ein verführerisches Farb- und Lichtbad zu tauchen. Selten erlebt man eine so sinnliche Form von konkreter Kunst und Minimal Art. Doch hinter diesem Wellnesseffekt steckt ein ausgeklügeltes System, das sich dank permanenter Forschungen ständig ausweitet und differenziert. Ausgehend von einem konsequenten Vokabular von geometrischen Formen betreibt Herdeg — phasenweise in Auseinandersetzung mit Dan Flavin, Keith Sonnier und Stephen Antonakos — ein zunehmend komplexes Spiel zwischen Lichtstrahlung und Flächenwirkung. Zunächst manipuliert er künstliches Licht mit Argon- und Neonlichtröhren. Während mit Argongas betriebene Röhren eine Blau-Entladung zeigen, bewirken diejenigen mit Neon eine Rot-Entladung. Monochrome Farbflächen lässt der Künstler mit Licht interagieren. So studiert er die formgebende Kraft des Lichts und seine malerische Qualität, sein Absorptions- und Emanationspotenzial, und ergründet, wie das Licht seinen Raum einnimmt. Mit Chemikern der Leuchtstoffwerke Heidelberg entwickelte Herdeg rund 300 Farbnuancierungen für Leuchtstoffröhren, darunter verschiedene Weisstöne. Die skulpturalen und reliefartigen Lichtobjekte erfordern ein profundes handwerkliches Geschick, ist doch jede Lichtröhre von Hand gefertigt.
Der ausgedehnte Parcours, bestückt mit verwirrenden Wahrnehmungsspielen, verblüfft und vereinnahmt das Publikum. Er führt von den narrativen Post-Pop-Gebilden, wie <Red Explosion>, 1971, den Werkzyklen mit Objekten von geometrisch reduziertem Vokabular, wie <Boundless II>, 1975, über die Farblichtfelder mit zwei hintereinander montierten, verschiedenfarbigen Leuchtstoffröhren, zu Arbeiten mit Gegensätzen, wie <Small Square>, 2005. Mit den seit 2005 entstehenden <Discs>, kreisrunden einfarbigen Platten mit einem leuchtenden Loch in der Mitte, lässt Herdeg das Licht selbst sich flächig ausdehnen und die massive Scheibe entmaterialisieren.
Geradezu fantastisch nehmen sich die <Blacklights> aus. In <Magic Circle meets Square>, 2012, sind Schwarzlichtröhren, ein Quadrat bildend, einer blau fluoreszierenden Kreisfläche vorgelagert. Diese reflektiert die Lichtstrahlung des für uns unsichtbaren UV-Lichts, so dass das Licht bald als malerische Fläche, bald als Höhlung in Erscheinung tritt. Die Arbeit wirkt wie eine Synthese von Herdegs Schaffen zwischen wissenschaftlicher Materialrecherche und unergründlichem Leuchten.
Christian Herdeg – Lyrical Minimalism, Museum Haus Konstruktiv, bis 15.1.2017. www.hauskonstruktiv.ch