Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03399.jsonl.gz/2248

ZSV – Zentralverband Schweizer Volkstheater
Der Z. wurde am 18.11.1906 in Zürich als Zentralverband Schweizerischer Dramatischer Vereine (ZSDV) gegründet. Federführend waren der Dramatische Verein Herisau (→Herisauer Bühne), der die Initiative zum Zusammenschluss vorbereitet hatte, und der →Dramatische Verein Zürich. Sieben Vereine und neun Einzelmitglieder erklärten in der konstituierenden Delegiertenversammlung ihren Beitritt und bestätigten die ausgearbeiteten Ziele: das "Interesse seiner Mitglieder (Sektionen) zu wahren", die "Volksbühnen und dadurch auch die Volksbildung zu heben und zu veredeln", sowie "ungesunde Auswüchse zu bekämpfen". Der Bekämpfung "ungesunder Auswüchse" diente beispielsweise die Resolution gegen "Hosenrollen", männliche Rollen, die von Frauen gespielt wurden. Für die Verbesserung der "Volksbildung" setzte sich der ZSDV von Anbeginn ein. Bereits im Gründungsjahr fanden erste Kurse für Amateurspielerinnen und -spieler statt: ein Regie- und ein Sprechtechnikkurs. 1979 schloss sich der ZSDV mit der Gesellschaft für das Schweizerische Volkstheater zum Z. zusammen, seit dem 1.1.1995 ist er als Dachverband mit acht autonomen Regionalverbänden organisiert. Der Zentralvorstand (mit Präsidium) ist das beschliessende Organ, das aus den Präsidenten und Präsidentinnen der Regionalverbände besteht. Der geschäftsführende Ausschuss bearbeitet sämtliche Fragen und Aufgaben, die Geschäftsstelle setzt die Beschlüsse um. Eine jährliche Generalversammlung ermöglicht es den Mitgliedern, direkt Einfluss zu nehmen.
Auch heute steht die Aus- und Weiterbildung der Mitglieder an erster Stelle, um den Vereinszweck zu erfüllen, der inzwischen darin besteht, "im Gebiet der deutsch- und rätoromanischsprachigen Schweiz sowie im Fürstentum Liechtenstein das Volkstheater sowie das Kinder-, Schul-, Jugend- und Seniorentheater" zu fördern. Kurse in allen Bereichen des Theaters (unter anderem Regie-, Technik- und Schminkkurse) können von den Volkstheaterschaffenden genutzt werden, Vorträge, Konferenzen und Versammlungen ermöglichen Wissensvermittlung und Austausch. Zudem bietet der Z. mehrere Datenbanken im Internet an: einen umfassenden Spielkalender, der die Aufführungsdaten der Theatergruppen publiziert, eine Stückdatenbank mit bisher über 1600 Einträgen, eine Theaterbörse, an der von der Kulisse bis zu Textbüchern fast alles erworben werden kann, eine Liste der Publikationen zum Volkstheater; ausserdem führt der Z. eine Theater- und Fachbibliothek. Der Verein arbeitet eng mit der →Schweizerischen Theatersammlung in Bern zusammen. Dort wird Material über die Mitgliedergruppen gesammelt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Eine elektronische Datenbank mit über 8800 Datensätzen erschliesst das Repertoire vieler Gruppen, teilweise seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Bereits wenige Jahre nach der Gründung konnte der ZSDV seine Informationen über nicht verbandseigene Zeitschriften verbreiten, 1930 wurde das Verbandsorgan "Die Volksbühne" gegründet, das 1973 vom "Dialog" abgelöst wurde. Seit 1981 wird die Verbandszeitschrift "Theater-Zytig" elf Mal jährlich herausgegeben. Der Z. arbeitet mit zahlreichen Institutionen im In- und Ausland zusammen, er ist beispielsweise Mitglied der Association internationale du théâtre amateur und durch Freundschaftsverträge unter anderem mit der →FSSTA und der →FFSI, dem Bund Deutscher Amateurtheater e. V. und dem Österreichischen Bundesverband für Schulspiel, Jugendspiel und Amateurtheater verbunden. Er finanziert sich hauptsächlich durch Beiträge des Bundesamts für Kultur und der Regionalverbände sowie der Kollektivmitglieder. 2005 zählte er rund 600 Theatergruppen und 650 Einzelmitglieder, was fast 65’000 Aktiv- und Passivmitgliedern entspricht.
Literatur
- 75 Jahre Zentralverband Schweizer Volkstheater, 1906–1981, 1981.
Autor: Redaktion
Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:
Redaktion: ZSV – Zentralverband Schweizer Volkstheater, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2156–2157.