Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03483.jsonl.gz/859

Christian Ambord, in den Statistiken treten nebst der Rubrik der Infizierten und Toten immer wieder auch die «Genesenen» oder «Geheilten» auf. Was für Patienten fallen unter diese Rubrik? Sind das nur die sehr schweren,
hospitalisierten Fälle, die nach langer Pflege genesen sind?
«In der Schweiz werden alle positiven Testresultate gemeldet, weitere Informationen erhalten wir aber nur über die Patienten, welche ins Spital kommen oder über jene, die verstorben sind. Alle anderen haben nur einen leichten Verlauf und es kann davon ausgegangen werden, dass diese nach fünf bis zehn Tagen wieder gesund sind. Konkret heisst das für das Wallis, dass am Donnerstagmorgen bisher insgesamt 1185 Personen ein positives Testresultat hatten, von diesen sind bisher insgesamt 243 hospitalisiert worden (21%) von welchen 78 (32%) inzwischen schon wieder nach Hause gehen konnten – darunter vier Personen, welche auf der Intensivstation gewesen sind. 35 Personen der insgesamt 1185 positiv getesteten Personen sind verstorben. Das heisst, dass 79% der 1185 positiv getesteten Personen nur einen leichten Verlauf gehabt haben und grösstenteils mittlerweile wieder genesen sind.»
In der Schweiz haben wir nun über 18 000 Infizierte. Die Dunkelziffer dürfte aber deutlich höher sein. Auf wie hoch schätzen Sie diese?
«Das ist die 1 Million-Frage. Aktuell kann dazu keine Aussage gemacht werden, da wir nicht wissen, wie viele Personen vielleicht sogar gar keine Symptome haben. Da aber jetzt Bluttests vorhanden sind, in welchen man durch das Vorhandensein von Antikörpern nachweisen kann, ob jemand infiziert gewesen ist oder nicht, werden entsprechende Studien in der Gesamtbevölkerung gemacht werden , welche uns darüber Auskunft geben werden.»
Sollten in der Schweiz umfassende Antikörper-Tests durchgeführt werden, um festzustellen, wie hoch die Durchdringung des Virus in der Bevölkerung ist?
«Entsprechende Studien sind in Vorbereitung.»
Wenn man die Sterblichkeit der verschiedenen Länder miteinander vergleicht, fällt auf, dass diese in Italien mit über zehn Prozent deutlich höher ist als in anderen Ländern. Das Virus ist in Italien aber kaum gefährlicher als bei uns. Weshalb diese grosse Diskrepanz zwischen den Mortalitätsraten?
«Die Mortalitätsraten in den Ländern hängen von sehr vielen verschiedenen Faktoren ab unter anderem von der Altersstruktur der Bevölkerung, So ist in Italien ein grosser Anteil der Bevölkerung über 70 jährig – und diese Personen haben ein deutlich höheres Risiko an der Krankheit zu versterben. Ein anderer Faktor könnte auch die soziale Vernetzung der Generationen sein: in Italien leben viele junge Erwachsene noch bis deutlich über 30 jährig bei ihren Eltern, was natürlich das Ansteckungsrisiko der Älteren auch stark erhöht. Ebenfalls ein Punkt ist die Zusammensetzung der Testpopulation. In Italien wurden zuerst viel mehr ältere Personen getestet, wobei automatisch natürlich auch die Mortalität der Getesteten höher ist.»
A propos Mortalität: aufgrund der Dunkelziffer dürfte diese deutlich tiefer liegen, als die aufgrund der Statistiken
errechneten zwei Prozent für die Schweiz. Teilen Sie diese Meinung?
«Das ist sicher so.»
Was ist das Durchschnittsalter der aufgrund des Corona-Virus verstorbenen Personen im Wallis?
«84 Jahre.»
Als Risikopersonen gelten ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen. Was ist mit den langjährigen Rauchern?
«Langjährige Raucher haben meist auch eine COPD, was als Risikofaktor gilt.»
Wie sieht die Situtation derzeit in den Walliser Spitälern aus? Wie gross sind die freien Kapazitäten an Akutbetten? Wie viele hat der Kanton jetzt neu?
«Aktuell sind 56% der Spitalbetten belegt – diese tiefe Belegung wurde dadurch erreicht, dass alle nicht dringenden Operationen abgesagt wurden um Platz und Personal für die zu erwartenden COVID 19 Patienten bereit zu stellen. Daneben kann die Aufnahmekapazität weiter ausgebaut werden durch den Einbezug der Rehabilitationskliniken und der SUVA Klinik. Dies wird jedoch etappenweise gemacht, je nach Entwicklung der Lage und Bedürfnisse. Zusätzlich steht dem Spital Wallis das Gesundheitsfachpersonal der beiden Privatkliniken zur Entlastung und Unterstützung zur Verfügung.»
Wie ist die Stimmung unter den Pflegefachpersonen und Ärzten?
«Die Pflegefachpersonen und die Ärzte sind sich der Lage sehr bewusst – sowohl in den Spitälern, wie auch im ambulanten Bereich wurde sehr viel unternommen, um sich auf die schwierige Situation einzustellen. Ich möchte hier nur ein Beispiel unter vielen die Einrichtung der ambulanten Abklärungszentren durch die Walliser Ärztegesellschaft erwähnen. Diese haben zum Ziel, dass Patienten mit einer möglichen COVID Erkrankung nicht in die Arztpraxen gehen, sondern direkt in diese Zentren, damit wird das Ansteckungsrisiko für andere Patienten mit Risikofaktoren erheblich gesenkt – und nicht vergessen: www.coronacheck.ch gibt eine erste Groborientierung, wie vorzugehen ist. Und nicht unerwähnt lassen möchte ich das enorme Engagement in den Alters- und Pflegeheimen, wo das ganze Personal auch an COVID 19 Erkrankte weiterhin mit viel Hingabe pflegt und gleichzeitig die Isolation der anderen Heimbewohner etwas zu erleichtern versucht.
Noch ist es zu früh um Prognosen zu wagen, doch die Kurven scheinen sich abzuflachen. Wie ist Ihre Einschätzung der Situation?
«Es ist tatsächlich noch zu früh, um irgendwelche Prognosen abzugeben, aber man kann sicher sagen, dass die schlimmsten Szenarien bisher nicht eingetroffen sind, wahrscheinlich auch durch das gute Einhalten der vom Bundesrat erlassenen Regeln des Abstandhaltens. Ein Nachlassen in der Disziplin wäre wahrscheinlich sehr schlimm. Es wird nicht einfacher in den nächsten Tagen und Wochen, da Ostern und schöne Frühlingstage vor der Türe stehen. Ich kann hier aber nur den Aufruf des Bundesrates und unserer Kantonsregierung wiederholen: Bleibt zu Hause und haltet Abstand!»Werner Koder