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3 Monate sind es noch bis zu den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen. Sieg Obama bilanzieren die wesentlichen Analysetools, wenn auch mit etwas unterschiedlicher Deutlichkeit, die sich in erster Linie aus den verwendeten Tools ableitet.
Karl Rove war der Mann, der die Analysen zu George W. Bushs Wahlsiegen lieferte. Nationale Uebersichten interessierten ihn wenig, spezifischen Zielgruppe dagegen viel. So kümmert er sich vor jeder Wahl detailliert um die Lage in den Bundesstaaten, und er ist bemüht, die Stimmung vor Ort zu beeinflussen. Auch 2012 schreibt und spricht Rove via elektronische Medien zugunsten des republikanischen Kandidaten Mitt Romney: Er ist aber erfahren genug, um Wunsch und Wirklichkeit nicht zu verwechseln.
Seine Uebersicht über den Stand der Dinge in den Bundesstaaten lässt letztlich nur einen Schluss zu: Präsident Obama wird wiedergewählt! 179 Elektoren hat er auf sicher, 101 neigen auf seine Seite. Zusammen sind das 10 mehr als die berühmten 270, die für die Wahl nötig sind. Roves Werte für Herausforderer Romney lauten: 111 sichere und 71 mögliche. Da würde es auch nicht reichen, wenn der Republikaner alle 76 Stimmen für sich gewinnen könnte, die der republikanische Parteimann für offen hält.
Im Detail weichen die verschiedenen Tools zu den anstehenden Präsidentschaftswahlen voneinander ab; im Kern haben sie aber alle die gleiche Botschaft: Obamas Sieg ist wahrscheinlicher als der von Romney!
Am schnellsten und am klarsten hat 2012 Historiker Alan LichtmanPosition bezogen: Aufgrund seiner im Rückblick auf früheren Entscheidungen entwickelten 13 Keys to the White House legte er sich schon im Frühsommer 2011 eindeutig zugunsten von Barack Obama fest – eine gewichtige Aussage, wenn man bedenkt, dass Routinier Lichtman bei den 7 vorhergehenden Präsidentschaftswahlen immer richtig hatte.
Kritisiert wird an solchen Modellrechnungen allerdings, dass sie einzig oder zu stark auf der Makro-Ebene argumentierten und im Wesentlichen die bisherigen Erfahrungen extrapolierten. Nate Silver, Kolumnist der New York Times und mit “538”seit der Wahl Obamas 2008 einer der führenden amerikanischen Blogger, ist denn auch vorsichtiger als Lichtman. Rein ökonomische oder (aussen)politisch begründete Prognose hält er für zu riskant, weshalb sein Modell mit weiteren Faktoren arbeitet, mit denen er den Wahlkampf tagtäglich verfolgt.
In der Volkswahl hat Silver Präsident Obama mit 51 zu 48 vor Herausforderer Romney. Etwas deutlicher sieht er die Elektorenstimmen verteilt: 300 für den Demokraten, 238 für den Republikaner ist hier der Stand der Dinge. Die Chance, dass Obama in drei Monaten gewinnt, beziffert er mit 71 Prozent. Tagesschwankungen gehören hier zum Geschäft, auch wenn dieses in der Bilanz stets das Gleiche ergibt.
Weitgehend tagesaktuell verfährt die Plattform “RealClearPolitics”, von der man sagt, sie stehe den Republikanern nahe. Sie bilanziert den Stand der Dinge jedoch ohne eine explizite Prognose zu machen. Entsprechend sieht alles etwas offener aus: Das Mittel der nationalen Umfragen liegt bei 47 zu 44 für den Präsidenten, der hier mit 247 Elektorenstimmen gegenüber 191 für seinen Widersacher rechnenkann. Entscheidend sind bei RCP die Battleground-States, jene Bundesstaaten, wo mit viel werberischem Aufwand, aber auch Aktivitäten vor Ort um jede Stimme gekämpft wird. In 10 der 12 umstrittenen Staaten sieht RCP dabei Vorteile für den Amtsinhaber. Entsprechend fällt die Bilanz aus: 58 Prozent Wiederwahlchancen hat Obama gemäss dieser Plattform.
Selber stelle ich am meisten auf ein weiteres Tool ab, das sich, mit kleinen Abstrichen 2010, nicht nur in der Hauptfrage bewährt hat, sondern auch genaue Prognosen liefert. Meinen LeserInnen ist die “pollyvote2012” ja nicht unbekannt, wo mit (gewichteten) Umfragen, Wahlbörsen, Personen- und Kampagnedaten, Makro-Analysen und Experten-Urteilen gearbeitet. 51,5 zu 48,5 lautet die Prognose hier, wenn man alle Stimmen für Aussenseiter weglässt. Der Einwand hier: Eine Umrechnung auf Eelktorenstimmen gibt es nicht, indes ist sie bei dem Hauptergebnisse auch nicht zwingend nötig.
Spannend finde ich dieses Experiment, weil es die verschiedensten Tools gleichzeitig miteinbezieht. Demnach ist Lichtman der Optimist, was die Wiederwahl des Präsidenten angeht. Das gilt auch für meisten Profilanalysen der Kandidaten und ihrer Kampagnen. Rein fiskalische oder ökonomische Modelle bilden dagegen den Gegenpart. Sie sehen alles viel düsterer für den Amtsinhaber.. Zahlreiche Experten (und JournalistInnen), die sich gerne hierauf stützen, machen ähnliche offene Prognosen. Die Börse und die Umfragen liegen etwas dazwischen, nahe beim Gesamtwert, den der beste Papagei der Wahlprognostiker für realistisch hält.
Claude Longchamp