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Bereits vor Beginn der Schweizerisch-türkischen Ausgrabungen galt der Sirkeli Höyük als einer der grössten bronze- und eisenzeitlichen Orte Kilikiens, einer kulturgeschichtlich immens bedeutsamen Region an der Schnittstelle zwischen der Levante (Syro-Mesopotamien), Zypern und Anatolien.
Die aktuellen Forschungen haben den Nachweis erbracht, dass die antike Siedlung nicht nur erheblich grösser war als bislang vermutet, sondern auch eine extrem komplexe innere Struktur aufwies.
Der eigentliche Hügel ist als Zitadelle zu identifizieren, um den sich eine ausgedehnte, befestigte Unterstadt und
extramurale Werkstätten in der umliegenden Flussebene, eine Höhensiedlung auf dem südlich benachbarten Bergrücken und eine Vorstadt auf dem gegenüberliegenden Flussufer gruppierten. Mindestens in
der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends und dann, nach einer Periode der Reduktion der Siedlungsfläche, wieder im 1. Jahrtausend v. Chr. war das gesamte Terrain dicht besiedelt und wies
unzweifelhaft urbanen Charakter auf. Die dadurch sich ergebende herausragende Bedeutung des Ortes für das Siedlungssystem Kilikiens kann durch die Lage des Ortes an der wichtigsten Handelsroute
durch Kilikien und an einer Gebirgsenge, durch die sich der Ceyhan (Pyramos) an dieser Stelle zwängt und die vom Sirkeli Höyük kontrolliert wird, erklärt werden. Die Anbindung des Ortes an den
überregionalen Handel dokumentieren zahlreiche Importfunde und Imitationen derselben aus alle Nachbarregionen. Weiterhin liegen Hinweise auf eine örtliche Metallproduktion vor. Dass die Siedlung
darüber hinaus als Kultort offenbar eine über Kilikien hinausgehende Bedeutung hatte, bezeugen die hethitischen Felsreliefs und der Fund zweier Siegelabrollungen hieroglyphenluwisch beschrifteter
»Brotsiegel«.
Auch wenn bereits wichtige Erkenntnisse zur Urbanistik und Chronologie erzielt werden konnten, bleiben doch wesentliche Fragen noch zu klären. So zeigte sich, dass statt einem kompakten,
geschlossenen Siedlungsgebiet eine ausgedehnte, morphologisch heterogene Stadtlandschaft vorliegt, ohne dass die Art der funktionalen, strukturellen und räumlichen Verbindung der einzelnen
urbanen Elemente zu einem gesamten urbanen Organismus bekannt wäre. Auch ist noch unbestimmt, ob diese komplexe Struktur Ergebnis eines sukzessiven Wachstumsprozesses oder einer punktuell
erfolgten stadtplanerischen Massnahme war. Diesen Fragen will sich das neue Projekt gezielt widmen und dabei v.a. auch einige bereits partiell
ergrabene Gebäude vollständig freilegen, um deren Funktion zu ermitteln. Auch gilt es, die imposante Stadtmauer in ihrem Verlauf weiter zu verfolgen. Die explizite Zielsetzung des in einen
grösseren Forschungsverbund integrierten und auf enge Kooperation mit benachbarten Ausgrabungsprojekten achtenden Unterfangens lautet, die Struktur einer komplexen altorientalischen
Stadtlandschaft und die Dynamik des Prozesses zu deren Bildung exemplarisch zu erforschen, wodurch das Projekt eine über die Kulturgeschichte Kilikiens hinausgehende Relevanz erhält. Daneben wird
die Politik der Öffentlichkeitsarbeit vor Ort durch die Präsentation der Forschungsergebnisse in Form von Didaktiktafeln und Zugangswegen zu den Baubefunden und Reliefs sowie durch auf den
3D-Scans der Reliefs basierende virtuelle Rekonstruktionen der gesamten Kultanlage im Nordosten des Sirkeli Höyük, welche als Internet-Veröffentlichungen zugänglich gemacht werden sollen,
weiterverfolgt. Ein erster wichtiger Schritt hierfür war die Eröffnung des Forschungs- und Besucherzentrums im ehemaligen Bahnhof der Baghdad-Bahn am Fuss des Sirkeli Höyük.
Hier waren bei der geophysikalischen Prospektion ein Strassensystem, eine gut erhaltene Wohnhausarchitektur sowie ein doppelter Stadtmauerring und ein Stadttor entdeckt worden. Die ältesten
bislang entdeckten Siedlungs-spuren datieren in die Kulturstufe OCI (ca. 2000-1500 v. Chr.). Der gewachsene Boden wurde noch nicht erreicht, also ist nicht ausgeschlossen, dass Bebauung in
Unterstadt noch weiter zurückreicht. Nach einem Hiatus während der Kulturstufe MCI (1500–1200) wurde die Unterstadt zu Beginn der Kulturstufe NCI (1200-300) wieder besiedelt, zunächst durch die
Anlage von Produktionsstätten (Keramik- und Metallverarbeitung). Kurze Zeit später wurde die Stadtmauer gegründet. Diese Bauphase wurde durch eine Feuersbrunst zerstört, es konnten noch
zahlreiche voll-ständige Inventare gefunden werden, ausserhalb der Mauer fand sich etwa ein Eisendolch. Nach dem gewaltsamen Ende der älteren Nutzungsphase erfolgte eine grundlegende
Reorganisation des gesamten Siedlungsbereichs: Die Stadtmauer wurde auf Stümpfen der ursprünglichen Stadtmauer neu errichtet. Im Bereich des Stadttores bestand sie nun aus sauber bearbeiteten
Quadersteinen. Zudem wurde die ebenfalls aus Quadersteinen bestehende äussere Stadtmauer errichtet, die noch sechs Blocklagen hoch erhalten, also über 2 m, hoch erhalten ist. Das Stadttor be-sass
eine mindestens 3,5 m tiefe und wahrscheinlich ca. 8,5m breite Torkammer, die in diesen Ausmassen aussergewöhnlich ist für die Torbauten dieser Zeit. Sowohl in der Torkammer als auch an südlichen
Torturm zeigte sich, dass die Fussböden dieser Phase mehrfach erneuert wurden. Dadurch fanden sich aber auch sehr gut stratifizierte Keramikkollektionen. Diese Nutzungsphase wurde offenbar
ebenfalls gewaltsam beendet, an der Aussenfassade der Stadtmauer fanden sich entsprechende Belagerungsspuren. Im Anschluss erfolgten erneute Umbaumassnahmen, durch den nun deutlich verengten
Torraumes verlief ein grosser Entwässerungskanal, an der Innenseite der Stadt-mauer wurde ein grösseres Gebäude angesetzt. Zu dieser Zeit bestand der Aufbau der beiden Stadtmauern aus einem
zementartigen Gemisch aus Kalk und Lehm. Sukzessive wurden die Böden zwischen der äusseren und der inneren Stadtmauer mehrfach erneuert. Die Keramik dieser jüngeren Nutzungsphase zeigt
assyrischen Einfluss und dürfte daher in das 7. Jh. v. Chr. datieren. Weitere, spätere Bauzustände sind zwar belegt, lassen sich aber architektonisch nicht mehr gut fassen. Gegen Ende der
Eisenzeit wurde die Stadtmauer schliesslich aufgegeben, in hellenistischer Zeit wurde das Gebiet nur noch als Abfallbereich genutzt.
Sollee, A. 2016: Krieg in Kilikien. Spuren einer neuassyrischen Belagerung von Sirkeli Höyük? Antike Welt 3/16, 78–83.
Sollee 2016 - AW.pdf
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Ebenfalls als Folge der geophysikalischen Prospektion, die entlang der Nordkante des Hügels lineare Strukturen zeigte, wurde die kleine Sondage in Sektor B geöffnet. Hier konnte die Oberkante der
Stadtmauer erfasst werden, die offensichtlich am Fuß des Zitadellenhügels verlief.
Seit 2006 wird hier das Steingebäude A1 freigelegt, in dem die mutmassliche Fundstelle einer 1936 entdeckten Säulenbasis aus Basalt in Form zweier Löwen lokalisiert werden konnte. Das Gebäude war
nach Auskunft der Radiocarbondaten früh in der Kulturstufe MCI Mitte des 2. Jt. v. Chr. gegründet worden. Der originale Fussboden bestand aus Steinplatten. Zu Beginn der Kulturstufe NCI wurde es
massiv umgebaut, mindestens zwei aufeinander folgende Lehmestrichböden wurden eingezogen. In einem der Räume fand sich eine steinerne Säulenbasis in situ und gibt zusammen mit der erwähnten Basis
einen Hinweis darauf, dass das Gebäude A1 in dieser Zeit als ein Bau im Hilāni-Typus zu rekonstruieren sein dürfte. In der hellenistischen Zeit (Kulturstufe LCI 1-2) wurde das Gelände mit einer
mehrphasigen Wohnhausarchitektur überbaut. In dieser fanden sich zum Teil gut erhaltene Rauminventare und mehrere Münzen. Die jüngste Münze datiert auf Tarkondimotos I. und bezeugt die Aufgabe
der Siedlung im späten 1. Jh. v. Chr.
Nördlich des Gebäudes wurde ein Hangschnitt angelegt. Dabei wurden massive Bauschichten der Kulturstufe OCI entdeckt, zudem traten Scherben der Stufe ECI, dem 3. Jt. v. Chr. zu Tage.
Ahrens, A 2014: John Garstang at Sirkeli Höyük, Cilician Plain, in 1936-1937. Old Photographs and New Evidence from the Renewed Excavations. Anatolica XL, 47-60.
Ahrens_Garstang_at_Sirkeli.pdf
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Im Zentrum des Plateaus der Zitadelle ist auf Luftbildern sowie in der geophysikalischen Prospektion ein großes, rechteckiges Gebäude erkennbar, das genordet ist und sich offenkundig um einen
zentralen Hof oder eine Halle gruppiert. Kleinere Sondagen (Sektor C) zeigten, dass es sich dabei um ein Bauwerk der hellenistischen Zeit handelt, das direkt auf anders orientierter
Vorgängerbebaung der ausgehenden Eisenzeit (Kulturstufe NCI 5-6) sitzt. Hier fanden sich auffällig viele Eisenobjekte, v.a. Waffen.
Im Nordosten des Plateaus, direkt oberhalb der Felsreliefs, wurde bei Ausgrabungen in den Jahren 1994-7 ein Steingebäude partiell ausgegraben, dessen Funktion und Datierung lange unklar geblieben
ist. Aufgrund der architektonischen Besonderheiten lag eine Datierung in die hethitische Grossreichszeit nahe, da der anstehende Felsen in die Architektur in einer Form einbezogen wurde, wie dies
aus Hattusa bekannt ist. Die Breite der Mauern und das Fehlen häuslicher Installationen legten zudem eine sakrale Funktion nahe. Die Nachuntersuchungen am diesem Steinbau E1 brachte mindestens
zwei Lehmestrichböden zu Tage, die zur Hauptnutzung des Bauwerks gehörten und auf denen sich spätbronzezeitliche Inventare (u.a. hethitische »Drab Ware« und zyprische Importgefässe) fanden,
darunter zwei mit Siegelabrollungen versehene Keramikscherben. Bei den Siegeln handelt es sich um Rollsiegel mit luwischen Hieroglypheninschriften. Schon dieser Umstand ist recht ungewöhnlich,
noch interessanter wird der Fund dadurch, dass die Siegelinschriften zur Gruppe der »Brotsiegel« gehören, die nach den Forschungen von Dr. Annick Payne (Bern) Rationenlieferungen im Zusammenhang
mit rituellen Handlungen im kultischen Kontext markieren. Daraus lässt sich nunmehr schliessen, dass das Steingebäude E1 nicht nur sicher grossreichszeitlich datiert, sondern auch – wie vermutet
– kultische Funktionen erfüllte. Reste eines jüngeren Lehmestrichbodens mit eisenzeitlichen Scherben, der sich nördlich der Aussenmauer des Hauptraums fand, belegen eine Nachnutzung des Bereiches
im 1. Jt. v. Chr. Ein funktionaler Zusammenhang mit zwei «shallow cups» an der Oberseite der Felsen unmittelbar neben dem Gebäude und mit den Felsreliefs liegt folglich nahe. Denkbar wäre, dass
es sich um ein hegur-Haus für den auf dem Relief dargestellten König Muwattalli II. gehandelt hat.
Kozal, E / Novak, M. 2017: Facing Muwattalli:
Some Thoughts on the Visibility and Function of the Rock Reliefs at Sirkeli Höyük, Cilicia, in: E. Kozal, M. Akar, Y. Heffron, Ç. Çilingiroğlu, T.E. Şerifoğlu, C. Çakırlar, S. Ünlüsoy und E. Jean (Hg.), Questions, Approaches, and Dialogues
in the Eastern Mediterranean Archaeology Studies in Honor of Marie-Henriette and Charles Gates, Alter Orient und Altes Testament 445, Münster, 373–390
Kozal_Novak_FacingMuwattalli.pdf
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Im Bereich der »Inneren Zitadelle« fokussieren sich die Arbeiten auf Sektor D auf der höchsten Kuppe. Hier wird seit 2012 ein weiteres, dank der Geophysik entdecktes monumentales Gebäude, Bau D1,
freigelegt. Dieses zeigt in der Geophysik einen nahezu quadratischen Grundriss um einen zentralen Raum/Hof. Die Freilegung begann im Südwesten des Bauwerkes und umfasst mittlerweile sieben
partiell freigelegte Innenräume sowie den sich südlich anschliessenden Aussenbereich. Die ältesten erreichten Fussböden datieren nach Aussage der Inventare (hethitische »Drab Ware«, zyprische
Importkeramik, einzelne »Black-Impressed«-Scherben etc.) und den Radiocarbondaten in die Kulturstufe MCI, das Gebäude wurde aber unter sukzessiver Erneuerung der Fussböden bis ins späte 8. Jh. v.
Chr. weiter genutzt. Interessant ist, dass das Gebäude offensichtlich am Hang terrassiert angelegt wurde, weswegen die spätbronzezeitlichen Böden der südlichen Räume zum Teil über anderthalb
Meter tiefer liegen als in den nördlich anschliessenden Räumen. In den ältesten Boden war u.a. ein grosses, über 1,20m hohes Vorratsgefäss eingelassen, welches typologische Parallelen in Ḫattuša
findet. Daneben lag eine vollständige Schale der »Drab Ware«. In unmittelbarer Nähe waren zwei kreisrunde (Dm ca. 1,70m), mit Lehmziegeln gemauerte und mit einem Kalkestrichboden abgedichtete
Vorratsgruben ebenfalls in den Boden eingetieft. Offensichtlich liegt hier ein Vorratsbereich vor. Der Befund zeigt deutliche Zeichen einer Zerstörungsschicht in Form von Brandschutt. Zu Beginn
der Eisenzeit wurden neue Mauer eingezogen, welche teilweise die Vorratsgruben überlagerten, woraus ein Bruch in der funktionalen Nutzung des Bereiches ersichtlich wird. In den Räumen wurden im
Verlauf der Eisenzeit mehrere Fussböden übereinander angelegt, auf denen sich zahlreiche vollständige Gefässe der Rauminventare fanden, daneben aber auch zahlreiche Terrakottafigurinen und
Objekte aus Metall und Glas. Interessant ist u.a. ein Eisenstichel mit Knochengriff sowie eine Bogenfibel mit anhängender Bronzekette. Die Keramikgefässe erlauben eine sehr detaillierte
Rekonstruktion der Entwicklung der eisenzeitlichen bemalten Zypro-Kilikischen Waren und ihre sukzessive Verdrängung durch zumeist unbemalte assyrisierende Keramik ab dem 8. Jh. v. Chr.