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Nach einer mehr als elfstündigen Inspektion am 10. Januar 2022 wurde die Ocean Viking, ein von der europäischen Seenotrettungsorganisation SOS MEDITERRANEE gechartertes und in Partnerschaft mit der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) betriebenes Rettungsschiff, im Hafen von Trapani (Sizilien) festgesetzt. Nur etwas mehr als ein Jahr nachdem das Schiff aus einer fünfmonatigen Festsetzung entlassen wurde, wird es nun erneut festgehalten. Dies aus Gründen, die mit der vorherigen Festsetzung nichts zu tun haben.
Im Juli 2020 wurde die Ocean Viking aufgrund neuer geforderter Sicherheitsstandards in Sizilien festgesetzt. Daraufhin unternahm SOS MEDITERRANEE gemeinsam mit der Reederei der Ocean Viking und den Behörden des norwegischen Flaggenstaats alle administrativen und technischen Anstrengungen, um die von den italienischen Behörden geforderten Standards zu erfüllen. Im Dezember 2020 wurde bei einer weiteren Hafenstaatkontrolle (Port State Controls) – der Inspektion ausländischer Schiffe in nationalen Häfen – bestätigt, dass alle Anforderungen erfüllt und alle bei der vorherigen Inspektion festgestellten Mängel behoben wurden. Seitdem haben die Teams auf der Ocean Viking im Jahr 2021 in 33 Einsätzen 2’832 Männer, Frauen und Kinder gerettet und an einen sicheren Ort gebracht.
Seit Anfang Dezember 2021 stieg die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Inspektion der Ocean Viking im Rahmen der jährlichen Hafenstaatkontrollen gemäss der Pariser Vereinbarung (Paris MoU). Diese regelmässige Inspektion fand gestern statt. Diesmal betreffen die von den Beamten der Hafenstaatkontrolle festgestellten Hauptmängel einen anderen Bereich des Schiffes: die Containerstrukturen auf dem Achterdeck der Ocean Viking. Bei dieser Inspektion wurde festgestellt, dass die Containerstrukturen, welche zur Lagerung der Ausrüstung und zum Schutz der Überlebenden auf das Schiff gebaut wurden, anders registriert werden müssen. Die Zertifizierung dieser Container als Frachtgut wird nun in Frage gestellt, zweieinhalb Jahre nachdem diese in einer professionellen Werft installiert und von allen zuständigen Aufsichtsbehörden validiert wurden. Seit Beginn unserer Tätigkeit mit der Ocean Viking wurden 5’108 Menschen aus Seenot gerettet und in diesen Strukturen sicher untergebracht.
„Wir bedauern, dass unser Schiff weiterhin so genau unter die Lupe genommen wird. Dies war die sechste Hafenstaatkontrolle, der sich die Ocean Viking seit Aufnahme ihrer Rettungseinsätze im zentralen Mittelmeer im August 2019 unterziehen musste. 2021 war das tödlichste Jahr im zentralen Mittelmeer seit 2017 und durch diese Kontrolle wird die Wiederaufnahme unserer Rettungseinsätze wieder verzögert. Allein im letzten Monat ertranken mindestens 240 [1] Menschen vor den Toren Europas. Humanitäre Schiffe wie die Ocean Viking füllen die Lücke, welche von den europäischen Staaten in der Seenotrettung hinterlassen wird und sind deswegen unerlässlich, um diese fortwährenden Schiffsunglücke zu verhindern“, sagt Caroline Abu Sa’Da, Geschäftsführerin von SOS MEDITERRANEE Schweiz.
Wir werden uns nun mit der Reederei, den Seebehörden und den Aufsichtsbehörden besprechen, um die gewünschten Anpassungen möglichst schnell umzusetzen. Nur so kann eine schnelle Freilassung der Ocean Viking garantiert werden und wir können ohne weitere Verzögerungen bei unseren Rettungseinsätzen Menschen in Seenot zu Hilfe kommen.
[1] Quelle: Missing Migrants Project, International Organization for Migration
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Fotonachweis: Anthony Jean / SOS MEDITERRANEE