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Analyse der Kybernetik unter dem Gesichtspunkt einer trans-klassischen Logik, die mehr als zwei theoretische Werte (positiv,negativ) verwendet. Diese skizzenhafte Darstellung einiger philosophischer Grundgedanken über Mehrwertigkeit und ihre Beziehung zum Bewusstseinsproblem.
Zusammenhang von Bewusstsein, Maschinentheorie und Mehrwertigkeit
Gordon Pask: Pask’s Bemerkungen über den Unterschied von „kognitiven“ und Bewusstseinssystemen - ein Bewusstseinssystem muss kognitiv sein, aber eine kognitive Operation ist per se noch kein Bewusstseinsakt - und seine Feststellungen über die Abhängigkeit der potentiellen Tiefe (profundity) eines Reflexionssystems von dem Grad der Selbstbezogenheit (feedback), die dem betreffenden System eigen ist, gehen überraschenderweise genau in die Richtung in der sich die transzendental- dialektische Logik von Kant bis Schelling entwickelt hat.
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Die Antithese von Geist und Materie, die das menschliche Bewusstsein durch Jahrtausende beschäftigt hat, ist heute im Begriff als philosophisches Problem zu verschwinden - freilich nicht, weil man es gelöst hat, sondern weil es durch neue Fragestellungen überholt und damit uninteressant geworden ist.
Hier wird lediglich behauptet, dass alle regionalen Hochkulturen ihre Existenz und ihre Gestalt einer generellen Bewusstseinslage des Menschen verdanken, eine Bewusstseinslage, die dadurch gekennzeichnet ist, dass sich in ihr antithetische Erlebnismotive, prinzipiell unfähig zu einer echten Versöhnung unerbittlich bekämpfen.
Und es wird weiter behauptet, dass alle historischen Gestalten, die diese Antithese annehmen, grundsätzlich gleichwertig und einander ebenbürtig sind und dass man im Lichte der Kybernetik, die eine radikal neue historische Bewusstseinslage zu erzwingen im Begriffe ist, sich für keine dieser Gestalten mehr entscheiden kann.
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Wandlung des Begriffs Maschine Heinz von Foerster
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Es wird betont, dass die traditionelle Unterscheidung von einfacher Subjektivität und antithetischer Objektivität zu grob und zu primitiv sei. Die bisherige Annahme der klassischen Metaphysik, dass sich das Wesen der Wirklichkeit und speziell der menschlichen Existenz aus zwei, und nur zwei metaphysischen Realitätskomponenten, nämlich Materialität und Spiritualität, erklären lasse, beruhe auf einem Irrtum. Denn, ganz gleichgültig wie man jenen urphänomenalen Gegensatz auch interpretiere - etwa als Subjekt und Objekt, als Sein und Denken, als Tod und Leben, usw. stets bliebe einer heute exakt definierbare Bereich von Phänomenen übrig, der sich weder auf der physikalisch-materiellen noch auf der subjektiv-spirituellen Seite unter bringen lassen.
Jener nicht einzuordnende Restbestand wird heute in der Kybernetik gewöhnlich mit dem Kennwort Information bezeichnet,…
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Die Kybernetik macht erstens die metaphysische Annahme, dass es Objekte gibt. Alle Technik tut das qua Technik. Zweitens aber setzt sie die metaphysische Prämisse, dass Subjektivität und Selbstbewusstsein ebenfalls als „existente“ Größen vorausgesetzt werden müssen, wenn kybernetischen Theorien möglich sein sollen.
Die Setzung einer metaphysischen Komponente, wie wir Innerlichkeit, Subjekt oder Selbstbewusstsein nennen können, ist aus zweierlei Gründen notwendig. Der erste ist methodisch, der zweite sachlich.
Das sachliche Argument, mit dem die Annahme der selbstständigen Existenz von Subjektivität oder Selbstbewusstsein so grundlegenden Voraussetzung für alle Kybernetischenanalysen gemacht wird. Es wird dabei auf den folgenden Tatbestand hingewiesen: es ist möglich, dass ein beliebiger Bewusstseinsvorgang, den wir bisher für rein subjektiv, psychisch und spirituell gehalten haben, als objektiv darstellbarer Mechanismus entlarvt wird.
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Wir haben deshalb nach kybernetischen Auffassung mit drei protometaphysischen Komponenten unserer phänomenalen Wirklichkeit zu rechnen. Erstens dem gegenständlich transzendenten im Objekt. Zweitens der Informationskomponente. Und drittens dem subjektiv Introszendenten Selbstbewusstsein!
Mit dieser Trinität nicht ineinander überführbarer Begriffskomplexe werden aber letzte Grundvoraussetzungen unseres bisherigen Weltbildes erschüttert. Unsere ganze geistige Tradition, ja die gesamte objektive Struktur unserer abendländischen Kultur beruht auf einigen Kernmotiven der auf die Griechen zurückdatierenden Identitätsmetaphysik und der ihr korrespondierenden klassischen Logik, die unser Denken auch heute noch fast ausschließlich beherrscht.
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Das absolute Sein ist der Ursprung zweier metaphysischer Realitäts-komponenten, nämlich von objekthaft Seiendem und subjekthafter Reflexion oder Denken. Im Absoluten fallen diese Komponenten zusammen und sind miteinander identisch. Sie bilden dort, wie die spätere Formulierung des Nikolaus Cusanus lautet, die göttliche Einheit aller Gegensätze, die coincidentia oppositorum. In dem aber, was wir als die empirisch wirkliche Welt, als unser Diesseits, betrachten, treten sie als scheinbar unversöhnliche Gegensätze auseinander. Alle uns umgebende Realität hat nach dieser identitätstheoretischen Auffassung eine sach- und dinghafte objektive und eine sinn- oder geisthafte subjektive Seite.
An diesem Weltbild ist zweierlei bemerkenswert. Erstens schließt es aus, dass an dem Aufbau der Wirklichkeit mehr als zwei transzendentale Komponenten beteiligt sein können. Zweitens aber impliziert diese Weltanschauung, dass die beiden metaphysischen Wurzeln des Seins in ihrem exklusiven Gegensatzverhältnis jederzeit genau identifizierbar sein müssen.(Theologisch ist diese Tatsache durch die Idee des jüngsten Gerichts ausgedrückt. Es kann kein letztes Gericht über die Welt geben, wenn der Gegensatz von Materialität und Spiritualität, also auch von Böse und Gut nicht durch alle Zeiten hindurch eindeutig feststünde.) Mit anderen Worten: es gibt nur einen einzigen, absolut eindeutigen logischen Schnitt zwischen Sein und Denken, zwischen Ich und Welt, zwischen Reflexion und Gegenstand der Reflexion. Und ein Datum, das nicht auf die eine Seite gehört, steht unvermeidlich auf der anderen. Dieser einzige und urphänomenale Schnitt, der durch das gesamte Universum unserer Erfahrung geht, ist so gelegt, dass Subjekt und Objekt zwar nicht empirisch, wohl aber metaphysische zur genauen Deckung kommen müssen. Das ist die klassische Dualitätstheorie des Absoluten.
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… es kann für dieses Denken niemals ein Zweifel daran bestehen, was sein totes Ding und was lebendiges Subjekt ist.
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…dass die klassische, abstraktive und identitätstheoretische Logik unbedingt voraussetzt, dass in jedem konkreten Akt des Denkens und in jeder überhaupt möglichen theoretischen Situation jederzeit eindeutig zwischen dem Denken als subjektivem Prozess und dem Gedachten als seinem bloßen Inhalt unterschieden werden kann.
Formal logisch betrachtet sind diese ontologischen Konzeptionen des aristotelischen Systems insofern relevant, als auch sie voraussetzen dass sich unsere gegebene Wirklichkeit ohne Restbestand (ausgeschlossenes Drittes) in Objekt und Subjekt, also in Gedachtes und Denken, dichotomisch aufspalten lässt. Und was nicht das Eine ist, ist unvermeidlich das Andere.
Diese urphänomenale Inversion von Innerlichkeit und Äußerlichkeit, von Spiritualität und Materialität repräsentiert das metaphysische Schema unserer klassischen Logik, die essenziell zweiwertig ist. Ihren beiden Werten, die man in reflexivem Sprachgebrauch als“positiv“ und „negativ“ und in irreflexiver Terminologie als „wahr“ und „falsch“ bezeichnet, entspricht eine rationale Erlebnis- und Bewusstseinstruktur, in der sich ein „Ich-überhaupt“ ganz unvermittelt einem „Etwas“ gegenüber sieht. Sein und Denken stellen in diesem Schema streng unterschiedene protometaphysische Realitätsdimensionen dar.
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Analyse der fundamentalen Beziehung zwischen Subjektivität als Prozess des Erkennens (cognition)
und Subjektivität als aktive Willensäußerung (volition)
Die Problematik des Gegensatzes von Vernunft und Wille ist so alt wie die Geistesgeschichte der Menschheit. Der menschliche Verstand hat sich durch Erfahrung ein elementares Wissen darüber erworben, dass alle Ereignisse, die in unserem Universum auftreten, anscheinend zwei gegensätzlichen Kategorien angehören . Wir glauben, dass wir zwischen unpersönlichen objektiven Ereignissen im Bereich der unbeliebten Dinge - ausgelöst durch physische Ursachen - und subjektiv begründeten Handlungen lebendiger Organismen mit anscheinend eigentümlicher Spontaneität ganz klar unterscheiden können. Die Ausdrucksformen oder Produkte des subjektiven Willens nennen wir Entscheidungen. Obwohl wir Kausalverknüpfungen, welche die objektiven Tatsachen zusammenhalten und Entscheidungen, die ein steuernder Wille bewirkt, nicht eindeutig auseinanderhalten können, haben Denker immer schon behauptet, dass es zwischen ihnen einen wesentlichen Unterschied geben muss.
Eine alte Tradition sagt uns, dass die objektive Seite des Universums voll durch Kausalität determiniert sei, dass indessen lebende Systeme - obwohl auch sie teilweise von einem strengen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang bestimmt werden - zusätzlich einen Bereich besitzen, indem sie undeterminiert und frei zu sein scheinen.
Ein unbelebter Gegenstand ist völlig identisch mit sich selbst und stellt eine ungebrochene Kontextur dar. Genau aus diesem Grund ist er ausschließlich ein Produkt determinierender Ursachen.
Ein lebendes System hingegen repräsentiert - nach der Tradition und funktionell gesehen - eine grundlegende ontologische Dualität. Es ist sowohl ein System kontemplativer Erkenntnis als auch Quelle aktiven Wollens. In seiner Erkenntnismöglichkeiten ist es an seine Umgebung insofern gebunden, als es nur erkennen kann, was da ist - einschließlich seiner eigenen Einbildungen und Irrtümer. Als Willensaktivität behauptet es andererseits eine gewisse Unabhängigkeit von seiner Umgebung. Es kann seine Umweltbedingungen in Grenzen ändern und die Einflüsse, die die Welt auf es ausübt, teilweise negieren. Diesen grundsätzlichen Unterschied zwischen theoretischer Vernunft und pragmatischem Willen entspreche noch andere kategoriale Gegensatzpaare, von denen wir einige nennen wollen. Auf die Seite der theoretischen Vernunft gehören Begriffe wie Beobachtung, Ordnung, Notwendigkeit und objektive Wahrheit. Mit dem pragmatischem Willen hingegen verbinden sich Ideen wie das Gute, Hoffnung, Zweck und persönliche Unabhängigkeit.
Dem menschlichen Verstand fällt die Entscheidung schwer, wenn er folgende Frage beantworten soll: Was bestimmt die Wirklichkeit und ist von ontologischem Vorrang? Ist es das Objekt in Verbindung mit der theoretischen Vernunft oder das Subjekt als Verkörperung des Willens und Aktivator schöpferischer Entscheidungen? In der Schöpfungsgeschichte ist jede Existenzform Ausdruck des unergründlichen Willens Gottes: die Welt wurde von ihm hervorgebracht, nicht als logische oder physische Notwendigkeit sondern als Offenbarung einer ursprünglichen Entscheidung, die grundlos und tiefer als jegliche Vernunft ist. Das ist die Lehre vom Primat des Willens.
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Wille und Vernunft sind Ausdruck ein und derselben Tätigkeit des Geistes, jedoch von zwei verschiedenen Gesichtspunkten aus betrachtet. Mit anderen Worten: Vernunft und Wille oder einerseits theoretische Reflexion und andererseits kontingente Entscheidung sind nur Manifestationen ein und derselben ontologischen Konfiguration, die durch die Tatsache erzeugt werden, dass ein lebendes System sich durch dauernd wechselnde Einstellungen auf seine Umgebung bezieht. Es gibt keinen Gedanken, der nicht stetig vom Willen zum Denken getragen wird, und es gibt keinen Willensakt ohne theoretische Vorstellung von etwas, das dem Willen als Motivation dient. Ein Wille der nichts als sich selbst will, hätte nichts Konkretes, das ihn in Bewegung bringen könnte; und ein Denken, das bloß mentales Bild ist ohne einen Willens Prozess, der es erzeugt und festhält, ist gleichermaßen unvorstellbar.