Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03382.jsonl.gz/438

Der Steinbock, König der Berge
Zugegeben – der Steinbock wird in der Bibel (Luther 2017) nur zwei Mal erwähnt (5.Mo 14,5; Ps 104,18), die Ziege immerhin 62 Mal. Wenn sie hier trotzdem miteinander besprochen werden, dann deshalb, weil die beiden miteinander verwandt sind und derselben Gattung angehören. Verglichen mit den kräftig gebauten Alpensteinböcken sind die in Israel vorkommenden nubischen Steinböcke kleiner, zierlicher und heller.
Es handelt sich um wunderschöne Tiere, deren Anblick in freier Natur begeistert. Wohl deshalb und wegen ihrer schön geschwungenen, langen, sichelartigen Hörner wurden Steinböcke schon in vorjüdischer Zeit als Gottheiten verehrt. David hat sich bei der Oase En-Gedi («Böckchen-Quelle»), einem Gebiet, wo heute noch Steinböcke leben, vor David versteckt (1.Sam 24,2). Nach David sind die hohen Berge Israels den Steinböcken vorbehalten (Ps 104,18). Sie gehören zu den reinen und damit essbaren Tieren. Ihre Lebensweise in den bergigen Gebieten dürfte sie in alten Zeiten jedoch nur schwer jagdbar gemacht haben. Sie sind heute unter anderem durch die Hausziegen bedroht, welche sie aus ihrem Lebensraum zurückdrängen. In Israel sind die Steinböcke heute geschützt.
Die Hausziege wurde und wird in Palästina oft zusammen mit Schafen gehalten. Im Gegensatz zu den ruhigen Schafen sind Ziegen putzmuntere Tiere, die gerne Kapriolen (von Capra) machen. Sie können von karger Vegetation leben, ertragen Hitze und Dürreperioden. Im Hebräischen hat die Ziege verschiedene Namen, u. a. «die Freche» und «die Haarige». Geschätzt werden bis heute die nahrhafte Ziegenmilch, Ziegenkäse und Ziegenfleisch, vor allem von Jungtieren. Die robusten Ziegenhaare dienten der Herstellung von Zeltplanen und aus Leder wurden Schläuche gefertigt.
Bis zur Zerstörung des 2. Tempels wurden die Sünden des Volkes am Versöhnungstag durch den Hohepriester auf einen ausgewählten «Sündenbock» gelegt. Danach wurde der Bock «in die Wüste geschickt» (3.Mo 16,1-21).
Jürg Meier