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Skulptur der Gemeinschaft - Auf dass ihr eins werdet
Im Jahr 1963 wurde in der Parkanlage Bühlermatte, vor dem Verkehrshaus, die «Skulptur der Gemeinschaft – Auf dass ihr eins werdet» des Luzerner Bildhauers und Grafikers Rolf Luethi enthüllt. Seit einem Vandalenakt vor über 30 Jahren fehlt diese. Die Stadt Luzern hat zusammen mit den Landeskirchen des Kantons Luzerns, der städtischen Denkmalpflege sowie dem Sohn von Rolf Luethi, ein Replikat der Skulptur erstellen lassen.
Die Skulptur «Ökumenisches Zeichen» stammt vom Bildhauer und Grafiker Rolf Luethi. Rolf Luethi wurde am 10. April 1933 in Basel geboren und liess sich 1959 in Luzern nieder.1 Er starb am 14. Oktober 2015.2 Die Geschichte seiner Plastik «der Gemeinschaft - Auf dass ihr eins werdet» ist etwas verschlungen. Folgende Ausführungen wurden aufgrund der im Stadtarchiv Luzern (SALU) vorhandenen Unterlagen zusammengestellt.
Gesuch anonyme Gruppe
Am 27. Oktober 1962 gelangte eine «anonyme Gruppe» mit einem Gesuch an den Stadtrat von Luzern, auf dem Trottli eine Plastik aufzustellen.3 Hintergrund bildete unter anderem das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965), welches auch die Wiedervereinigung aller Christen zum Thema hatte. Die anonyme Gruppe hatte die Idee, eine moderne Plastik auf dem Stadtgebiet aufzustellen, welche «in einfacher und jedermann verständlicher Form die Annäherung aller Christen symbolisieren» sollte. Vorgeschlagen wurde das Trottli-Areal beim General-Guisan-Quai; der Platz biete genügend «Ruhe der Natur» und sei ausserhalb des «Verkehrs-rummels» der Stadt. Der Entwurf der Plastik stammte von einem «namhaften Luzernerkünstler (sic!), der ebenfalls anonym bleiben möchte». Die Plastik sei ungefähr ein Meter hoch und komme auf ein Podest von 1,8 Meter zu stehen. Der Entwurf stelle «mit der würdevollen Schlichtheit und der beabsichtigten edlen Ausführung [...] ein gutes Beispiel moderner Sakralplastik dar». Das Werk wurde als Geschenk der anonymen Gruppe an die Stadt präsentiert. Die Gruppe wollte für alle Kosten aufkommen, der Künstler arbeite ebenfalls «um Gotteslohn». Die Verbindung zu den städtischen Behörden geschehe über einen «Vertrauensmann», der sich bei Stadtbaumeister Alfred Fehlmann melden wird.
Im anonymen Gesuch vom 27. Oktober 1962 war diese Situationsskizze beigelegt.3
Signal erhalten
Am 12. April 1963 folgte ein weiteres Schreiben.4 Offenbar hatte die anonyme Gruppe unter Vermittlung von Baudirektor Louis Schwegler ein positives Signal bekommen, «mit der Auflage, dass einige Persönlichkeiten mit ihrem Namen unterzeichnen». Dafür erklärten sich Mitglieder zweier Gruppen bereit, die nicht unbedingt der anonymen Gruppe angehörten. Einerseits Vertreter des Ökumenischen Kreises Luzern (Prof. Otto Karrer, Katechet Ernst Wüest, Pfr. Dr. Hugo Sonderegger, Gottfried Helber, dipl. Arch. SIA, Pfr. Dr. Otto Gilg, Pfr. Gottfried Konrad, Prediger Hermann Schaad) und andererseits die Rektoren der vier städtischen Mittelschulen (Jos. Emmenger, Dr. Lorenz Fischer, Dr. Werner Karrer, Dr. Pio Fässler).
Skulptur aufgestellt und enthüllt
1963 wurde die Skulptur fertiggestellt und am Samstag, 21. Dezember 1963, feierlich vorgestellt. Vaterland, Luzerner Tagblatt und LNN berichteten über die Feier, die mit Beiträgen von Eduard Winter, Otto Karrer und Hugo Sonderegger am Quai und im Verkehrshaus Luzern abgehalten wurde.
Künstler Rolf Luethi hat ein Jahr später den Anerkennungspreis erhalten
Bereits ein Jahr später war der Künstler aber bekannt und kam zu grossen Ehren. Rolf Luethi wurde am 20. Dezember 1964 vom Stadtrat der Anerkennungspreis der Stadt Luzern verliehen, «in Würdigung seines künstlerischen Schaffens und als Ansporn zu neuer schöpferischer Arbeit». In der Laudatio, die Pfarrer Martin Bäumle hielt, aber auch in den verschiedenen Presseberichten zur Feier, wurde Luethi als Schöpfer der Skulptur der Gemeinschaft genannt, mit dem er «einer breiteren Öffentlichkeit» (Luzerner Tagblatt, 21. Dezember 1964) bekannt wurde.
Seit dem 9. Mai 2023 wieder vollständig
Während über 30 Jahren präsentierte sich die Skulptur leider unvollständig. Was mit dem oberen Teil der Plastik («Flammen») geschehen ist, konnte aufgrund der Unteralgen im Stadtarchiv Luzern nicht eruiert werden. 2020 fand das 50-Jahr-Jubiläum der Katholischen Kirche im Kanton Luzern und der Reformierten Kirche Kanton Luzern statt. Damals nahm sich die Reformierte Kirche Kanton Luzern dem Denkmal an. Ihr Anliegen, ein Replikat der Skulptur zu erstellen, stiess bei der Stadt Luzern auf offene Ohren. Unter der Leitung von Stadtgrün Luzern und gemeinsam mit Piet Luethi, dem Sohn von Rolf Luethi und der städtischen Denkmalpflege wurde ein Konzept erstellt. Beauftragt mit der Skulptur wurde die Kunstschlosserei Villiger aus Bünzen. Als Vorlage konnte auf ein 1:2-Modell der Skulptur aus dem Familienbesitz der Luethis zurückgegriffen werden. Finanziert wurden die Arbeiten durch die Stadt Luzern, die Albert Koechlin Stiftung AKS, die Josef Müller Stiftung, die Katholische Kirche im Kanton Luzern, die Reformierte Kirche Kanton Luzern und die Christkatholische Kirchgemeinde Luzern.
«Dass wir zusammenkommen konnten, haben wir Ursula Stämmer-Horst zu verdanken. Von 2000 bis 2016 war sie Stadträtin in Luzern und danach amtete sie als Synodalratspräsidentin der Reformierten Kirche Kanton Luzern. Die Skulptur und die Geschichte begeisterten Ursula und sie wollte diese wiedersehen an diesem wunderbaren Platz. Die Idee musste sie dann jedoch als Wunsch und Vision an ihre Kolleginnen und Kollegen im Synodlarat weitergeben, da sie am 21. März 2020 verstorben ist. Wie hätte sie sich gefreut, dabei sein zu können und mit uns diesen festlichen Akt zu feiern.»
Lilian Bachmann, Synodalratspräsidentin Reformierte Kirche Kanton Luzern
Quellen
1 Von Moos, Stani: Der Bildhauer Rolf Luethi.
2 Vgl. Todesanzeige in der Neuen Luzerner Zeitung vom 21.10.2015.
3 Auch für die folgenden Zitate: SALU B3.29/A 362:8, Gesuch um Aufstellung einer Plastik auf dem Trottli, 27.10.1962.
4 Auch für die nachfolgenden Zitate: SALU B3.29/A 362:8, Gesuch um Aufstellung einer Plastik auf dem Trottli, 12.04.1963.
SALU B3.3/A 78, Verleihung des Kunstpreises 1964 (Dr. Kuno Müller, Rolf Luethi), 1964–1965.
SALU B3.29/A 362, Erwerb und Aufstellung von Freiplastiken, 1929-1970.
SALU B3.29/A 362:8, Ökumenisches Zeichen, General-Guisan-Quai, Rolf Luethi, 1962–1963.
SALU F2 PA 17/424, Portraits: Rolf Luethi, Bildhauer, 1964–1968.
SALU F2a/KUNSTGEGENSTÄNDE/22, Ökumenisches Denkmal, Foto Werner P. Wyler, ca. 1963.
LNN Nr. 296 vom 23.12.1963, S. 5 (SALU F8/Z3:217).
Luzerner Tagblatt Nr. 296 vom 23.12.1963, S. 7 (SALU F8/Z2:295).
Vaterland Nr. 296 vom 23.12.1963, S. 11 (SALU F8/Z1:236).