Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03374.jsonl.gz/2117

Modul 3: Dissertationsprojekt mit dem Arbeitstitel:
Reformpolitik und Verwaltung – Strategien der Umsetzung
|Bearbeiterin:||lic. phil. Regula Wyss|
|Betreuung:||Prof. Dr. André Holenstein|
Vinzenz Bernhard Tscharner (1728-1778): führendes Mitglied der Oekonomischen Gesellschaft und Berner Magistrat
Die führenden Mitglieder der Oekonomischen Gesellschaft strebten die praktische Umsetzung ihrer agrarischen Reformideen an, sie wollten sie aus den Stuben ins Land hinaus tragen. Darum wurde Vinzenz Bernhard Tscharner nicht im Salon belassen, in dem er auf dem ursprünglichen Bild ist, sondern er wurde quasi ins Land hinaus gesetzt.
(Fotomontage von Regula Wyss, nach einem Gemälde von Emanuel Handmann, Historisches Museum Bern, Inv. Nr. 57940)
Die Oekonomische Gesellschaft setzte sich unter anderem zum Ziel, ihre Reformideen in die Praxis umzusetzen. Im Gegensatz zu anderen Sozietäten strebte sie nicht allein den Diskurs unter Gelehrten an, sondern suchte die konkrete Umsetzung.
Auffallend viele Mitglieder der Oekonomischen Gesellschaft hatten Ämter in der bernischen Staatsverwaltung inne. Als Patrizier aspirierten sie auf eine Karriere im Staatswesen, die üblicherweise mit der Wahl in den Grossen Rat begann und deren Krönung der Einzug in den Kleinen Rat war. Der Einsitz im Grossen Rat ermöglichte die Übernahme einer Landvogtei oder die Mitgliedschaft in einer der unzähligen Kommissionen und Kammern.
Das Hauptinteresse in diesem Modul liegt in der Frage, wie die Akteure der Oekonomischen Gesellschaft im Rahmen ihrer Ämter die Reformideen in die Verwaltungspraxis einbrachten. Welche Themen und Begriffe brachten die OeG-Mitglieder in die Diskussion ein? Wie wurden ihre Vorschläge von anderen Ratsmitgliedern aufgenommen? Welche Umsetzungsstrategien wurden erarbeitet?
Die Verwaltungstätigkeit der OeG-Akteure soll auf verschiedenen Ebenen untersucht werden. Auf der Ebene der Kommissionen und Kammern steht neben weitern Gremien die Landesökonomiekommission im Vordergrund, die 1764 auf Anregung der Oekonomischen Gesellschaft ins Leben gerufen wurde und deren personelle Verflechtungen mit der Oekonomischen Gesellschaft sehr eng waren. Eine interessante Akteursgruppe sind die OeG-Mitglieder im Kleinen Rat, dem Zentrum der Macht in Bern. Nicht weniger von Interesse sind die Landvögte, die dezentralen Verwalter des bernischen Territoriums. Mit dem Blick auf Männer, die in der Helvetik oder der anschliessenden Restaurationsphase ein Amt bekleideten, soll der Bogen über das 18. Jahrhundert hinaus gespannt werden.