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Noch bis vor einem Jahr konstruierte Andrew Howe (28) Gebäude im Luxussegment. Er arbeitete als Bauingenieur bei einem Unternehmen in London, das für seine Projekte bereits zahlreiche Designpreise gewonnen hatte. Der Engländer war auf dem besten Weg zu einer glänzenden Karriere. Doch die Bilder am TV über den Bürgerkrieg in Syrien liessen ihm keine Ruhe. Darum kündigte er seinen Job und heuerte bei Medair an. Die Hilfsorganisation schickte ihn in den Libanon, wo er nun seit acht Monaten das Shelter-Team (für Unterkünfte) leitet. In seinem Einzugsgebiet, im Bekaatal, gibt es 380 inoffizielle Flüchtlingssiedlungen, in denen insgesamt rund 63'000 Personen leben. Andrew Howe und seine lokalen Mitarbeiter unterstützen die Flüchtlinge beim Bau und der Abdichtung der einfachen und meist selbst gebauten Hütten und Zelte – mit Fachwissen und Material. Zuweilen raubt ihm seine Arbeit den Schlaf: «Der Grossteil der Flüchtlinge stammt aus der Mittelklasse. Ihr Leben war vor dem Krieg gar nicht so viel anders als mein eigenes in London. Da fragst du dich automatisch: Was wäre mit mir, wenn ich alles zurücklassen müsste? Wenn Familienmitglieder vor meinen Augen sterben würden?» Andrew Howe sieht seine Aufgabe darin, den Menschen etwas Würde und Hoffnung zurückzugeben.
Autor: Andrea Freiermuth, Silja Kornacher