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Zürich, 2011–2015
Projektwettbewerb, 2011, 1. Preis
Städtebau und Quartier
Das Areal Guggach liegt an einer topographisch wie auch städtebaulich markanten Lage: im Sattel zwischen den beiden Hügelzügen Käfer- und Zürichberg sowie an der Schnittstelle zwischen den Zürcher Quartieren Unterstrass und Oerlikon respektive der Zürcher Innen- und Nordstadt. Das Projekt bringt diese stadträumlich zentrale Lage zum Ausdruck. Die zuvor ungenutzten Grundstücke bieten an dieser Lage die Möglichkeit sinnvolle innerstädtische Verdichtungen vorzunehmen und begehrten Wohnraum zu erstellen. Dieses Potential soll in einer neuen Urbanität Form finden.
Das Projekt besteht aus vier städtischen, sieben- und achtgeschossigen Apartmenthäusern, die das gesamte Areal in seiner Ost-West Ausdehnung umklammern. Die «neue Urbanität» wird durch eine Konzentration der hohen Dichte und weitläufige Aussenräume erzeugt. Die städtebauliche Stellung der Volumen reflektiert die spezifische Lage, indem jede Wohnung Ausblick in den westlich angrenzenden Wald, nach Norden oder Süden über die Dächer der Stadt sowie ins Innere des Areals bietet. Diese geografische Verortung stiftet Orientierung und ist identitätsbildend. Zudem bietet die städtebauliche Stellung trotz der Dichte ein hohes Mass an Privatsphäre, da die Nachbargebäude in grosser Distanz zur eigenen Wohnung liegen.
Aussenraum und Erschliessung
Das Guggach Areal wird als öffentlicher und durchlässiger Raum verstanden, der über zwei das Grundstück durchkreuzende Wege an das Quartier angebunden ist. Die primäre Wegführung in Ost-West Richtung führt von einem Platz an der Hofwiesenstrasse im Nordosten durch das Areal zur Käferholzstrasse, die entlang des Waldes verläuft. Die sekundäre Erschliessung in Nord-Süd Richtung sorgt für eine Verknüpfung an die bestehende Siedlung im Süden und die geplante im Norden. Eine Abzweigung von der Käferholzstrasse leitet direkt zur Abfahrt der Tiefgarage und befreit das Areal von alltäglichem Durchgangsverkehr. Die Hauszugänge befinden sich jeweils an der Nordseite der Gebäude.
Die Bewohner des Guggach Areals profitieren von der unmittelbaren Nähe zum Erholungsgebiet des Käferberg-Waldes. Der Freiraum der Anlage ergänzt dieses Angebot um einen Aussenraum mit artifiziellen Qualitäten: Polygonale Wasserbecken gliedern ihn in öffentliche und private Bereiche. Über die Reflexionen beziehen die flachen Wasserspiegel die mit Gussglas bekleideten Fassaden in die Aussenraumbildung mit ein und schaffen einen gefassten, weitläufigen urbanen Raum. Zusammen mit verschiedenen Bepflanzungen trennen Wasserspiegel und Grünflächen die privaten Gärten der Erdgeschosswohnungen von den öffentlichen Zugangswegen und schützen vor ungewünschten Einblicken.
Wohnungen
Die Wohnungen bauen im Grundriss auf einer Kreuzfigur auf, welche die Nord-Süd-Orientierung der Gebäudekörper gewissermassen zu einer Allseitigkeit erweitert, indem in die Küche und in einen Teil des Wohnraumes Morgen- als auch Abendlicht fallen. Jede Wohnung verfügt über zwei Loggien, welche die Gebäude auch nach Aussen hin «allseitig» machen. Der Bewohner blickt damit nirgends auf eine «Rückseite». Der kreuzförmige Typus erlaubt zudem die Wohnungen in ihrer Diagonalität auszudehnen und dadurch die Distanzen im Innenraum zu vergrössern. Privatzimmer sind peripher um diese Kreuzfigur angeordnet. Nebenräume wie Reduit, Ankleide oder Bäder sind den einzelnen Zimmer zugeordnet. Verbindungstüren zwischen Zimmern und Wohnraum erweitern diesen zusätzlich und spielen die Abwicklungen der Loggiaverglasungen im Innenraum frei.
Die Wohnungen im Erdgeschoss sind analog zu den Regelgeschossen organisiert. Einzig der Wohnraum zum Garten ist höher ausgebildet, um einerseits mehr Tageslicht einzubringen und andererseits im Aussenraum eine zusätzliche Distanz zur darüber liegenden Wohnung zu schaffen. In der zweigeschossigen Attika werden zwei grundsätzlich andere Wohnungstypen angeboten. Der eine entwickelt sich über zwei Geschosse und gleicht einem «Einfamilienhaus auf dem Dach». Der andere beschreibt eine schmale, südorientierte Wohnraumfigur, die sich einzig über ein Zimmer mit der Nordseite verbindet. Unter den rund 200 Wohnungen werden 60 verschiedene Wohnungstypen angeboten.
Architektonischer Ausdruck
Das Farb- und Materialkonzept der Wohnüberbauung Guggach wurde vor dem Hintergrund seiner städtebaulichen Stellung und Bedeutung entwickelt. Damit ist ein Ausdruck gemeint, der einerseits eine städtische Eleganz vermittelt, welche der zukünftigen Bedeutung des Quartiers um den Bucheggplatz als Gelenk zwischen Innen- und Nordstadt entspricht. Andererseits ist die unmittelbare Nähe zum Landschaftsraum des Käferbergs respektive der «dunkle Hintergrund» der steil ansteigenden Waldflanke bestimmend – die Wohnüberbauung setzt dabei mit ihren in dunklen Farbtönen gehaltenen Fassaden nicht auf eine Kontrastbildung, sondern auf eine integrative und vermittelnde Wirkung.
Die Fassade wurde mit einer Glashaut bekleidet. Die ambivalente Eigenschaft des mit dunklen Farbtönen (Weinrot, Aubergine, Petrolgrün) hinterlegten Gussglases, das einmal schwer und massiv wirkt und zugleich reflektierend und empfänglich für den Wechsel des Lichts ist, verleiht dem Projekt seine spezifische Wirkung. Die Gebäudekontur wird über Spiegelungen und Glanzlichter gebrochen. Die Spiegelungen der flachen Wasserbecken komplettieren diese Wirkung im Aussenraum und verankern das Projekt zusätzlich im Landschaftsraum.
Mitarbeiter Wettbewerb
Peter Baumberger, Karin Stegmeier, Ron Edelaar, Elli Mosayebi, Christian Inderbitzin, Andrea Irène Grolimund, Luca Pestalozzi, Michael Brotzer, Lorenz Mörikofer
Mitarbeit Planung und Ausführung
Peter Baumberger, Karin Stegmeier, Ron Edelaar, Elli Mosayebi, Christian Inderbitzin, Projektleitung: Michael Reiterer, Andrea Irène Grolimund, Architekten: Kevin Dröscher, Désirée Flury, Celestin Rohner, Franziska Maria Singer, Manuel Burkhardt, Mathis Keller, Julia Werlberger, Julian Fischer, Heghine Berkowitsch, Praktikanten: Jens Nehring, Julia Neubauer, Dominique Kühnhanss, Manuel Gulcz, Michele Schweri, Michael Brotzer, Lukas Gschweitl
Zusammenarbeit
Baumberger & Stegmeier Architekten (BS+EMI Architektenpartner AG)
Bauherrschaft
Allreal Generalunternehmung AG, Zürich
Generalunternehmer: Allreal Generalunternehmung AG, Zürich
Landschaftsarchitekt: Blau und Gelb Landschaftsarchitekten HTL, Rapperswil
Ingenieur: wlw Bauingenieure AG, Zürich
HLS-Planer: Planungsbüro Roman Böni GmbH, Oberentfelden
Elektroplaner: Schäfer Partner AG, Lenzburg
Bauphysiker: MIchael Wichser + Partner AG, Dübendorf
Publikation
Zürcher Wohnungsbau 1995–2015, Quart Verlag 2017
BlickPunkt, 2/2016
Modulor, 1/2012
www.tagesanzeiger.ch, 17.1.2012
Auszeichnung
best architects 17