Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03551.jsonl.gz/1327

Medienorientierung des Vorstands PRO REGIO THUN vom 1. März 2000
Preisüberwacher will bestehende Kehrichtverbrennungsanlagen besser auslasten
Erläuterungen im aktuellen Jahresbericht zur KVA Kapazitätssituation
Ende letzter Woche, am 24. Februar 2000, ist der Jahresbericht 1999 von Preisüberwacher Werner Marti erschienen. Darin äussert er sich unter anderem auch zu dem von ihm in Auftrag gegebenen Gutachten betreffend Kapazitätssituation in Kehrichtverbrennungsanlagen nach dem Jahr 2000. Die Verfasser des Gutachtens stellten vor rund einem Jahr beträchtliche Überkapazitäten im Bereich der Kehrichtverbrennung fest. Sehr zur Freude der Opposition gegen die geplante Verbrennungsanlage in Thun bestätigt der Preisüberwacher das Fazit der Studie (Zitat): "Die Gutachter kamen zum Schluss, dass sich allfällige Unterkapazitäten selbst in einem sehr pessimistischen Szenario mit einer Reihe von nicht baulichen Massnahmen praktisch vollständig beheben lassen."
Unter der Annahme, dass die KVA Freiburg gebaut wird, kamen die Gutachter zum Schluss, dass eine Unterkapazität auch ohne den Bau der geplanten Anlagen im Tessin und in Thun nur dann zu erwarten sei, wenn von einem extrem pessimistischen Szenario ausgegangen wird. Doch selbst im Falle eines sehr pessimistischen Szenarios liessen sich die Unterkapazitäten mit einer Reihe von nicht baulichen Massnahmen praktisch vollständig beheben: Erhöhung der Jahresbetriebsstunden und der gesamten Betriebsdauer der KVA's sowie die Befreiung politisch blockierter Kapazitäten. Diese Massnahmen sind gemäss den Gutachtern kostengünstiger als Neubauten.
Das Gutachten endet deshalb mit der Handlungsempfehlung, dass eine realistische Planung zur Zeit und bis auf Weiteres aus ökonomischen Gründen Abstand vom Bau der geplanten Anlagen im Tessin und in Thun nehme.
Seit dem 1. Januar 2000 ist das Ablagerungsverbot für brennbare Abfälle nun in Kraft, wovon jene Anlagen profitieren, die in den vergangenen Jahren nicht ausgelastet werden konnten. Aus Sicht des Preisüberwachers sind die Auswirkungen des Ablagerungsverbotes erfreulich, denn infolge der verbesserten Auslastung der bestehenden Anlagen ist eine Senkung der Verbrennungspreise zu erwarten, als Beispiel wird hierzu die KVA Winterthur angeführt. Auch im Kanton Aargau rechnet man infolge Ablagerungsverbot mit günstigeren Verbrennungspreisen, denn die Betreiber der drei Aargauer KVA's haben sich vertraglich verpflichtet, während einer Zeitspanne von vier Jahren jährlich rund 32'500 Tonnen brennbare Abfälle aus dem Berner Oberland zu übernehmen. Diese Art von interkantonaler Zusammenarbeit wurde vom Preisüberwacher schon lange als Alternative zur Bereitstellung von regionalen Reservekapazitäten oder Neubauten propagiert. Wichtig ist allerdings, dass die empfohlenen Handlungsmöglichkeiten aufrecht erhalten und nicht z. B. durch vorzeitige Schliessungen von Ofenlinien Faits accomplis geschaffen werden.
Der Jahresbericht sowie das vollständige Gutachten des Preisüberwachers sind im Internet abrufbar (www.preisueberwacher.admin.ch).
|06.03.2000|