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Sonntag,
Schweizer Kammerensemble & Amar Quartett
Schweizer Kammerensemble
Martin Huber, Flöte / Fabio di Casola, Klarinette / Sarah Verrue, Harfe
Amar Quartett
Anna Brunner, Violine / Kirsten Harms, Violine / Aida-Carmen Soanea, Viola / Marcin Sieniawski, Violoncello
Claude Debussy (1862-1918): L’Après-midi d’un faune (1894)
Maurice Ravel (1875-1937): Introduction et Allegro (1905)
Gabriel Fauré (1845-1924): Pelléas et Mélisande, op. 80 (1898)
Camille Saint-Saëns (1835-1921): Tarentelle, op. 6 (1857)
Die Vier Franzosen Camille Saint-Saëns, Gabriel Fauré, Claude Debussy und Maurice Ravel sind Schwergewichte in der Musikwelt Frankreichs im 19ten und dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Saint-Saëns als Lehrer von Fauré und dieser wiederum als Lehrer von Ravel bilden eine Linie, Debussy steht hier etwas aussen vor, gewissermassen auf eigenen Beinen. Hält man die Lebensdaten des Quartetts übereinander, so ergibt sich doch eine beachtliche Spanne von fast 20 Jahren parallelen Lebens und Komponierens. Zum einen sind da die beiden ‚Alten‘; Fauré als Vertreter des Salons grösstenteils dem fin de siècle zugeordnet und natürlich Saint-Saëns. Er, zu unrecht als konservativ, eklektizistisch und reaktionär verschrien. Nicht zuletzt von einem der beiden ‚Jungen‘ auf der anderen Seite, Claude Debussy. Letzterer steht zurecht für eine Erneuerung der Musik französischer Prägung, ebenfalls Ravel. Gleichfalls hat Saint-Saëns im Laufe seines langen Lebens zahlreiche musikalische Innovationen eingeführt: er komponierte zum Beispiel die erste Filmmusik der Geschichte überhaupt, er verwendete als erster das Xylophon im Orchester und schrieb als erster Franzose sinfonische Dichtungen.
Diese Zeiten kompositorischer Graben- und Stellungskämpfe sind nun mehr als 100 Jahre vorbei und so darf man sich getrost des reichhaltigen Oevres dieses hochkarätigen Quartetts bedienen.
Paris - Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein pulsierendes Zentrum der musikalischen Welt. Als Claude Debussy 1894 sein Orchesterwerk 'Prélude à l'après-midi d'un faune' präsentierte, begründete sich damit nicht nur sein Weltruhm. Es war gleichzeitig der Startschuss für die musikalische Moderne. Also gewissermassen der Ausgangspunkt einer musikalischen Reise, welche die Musik im 20. Jahrhundert bis heute in alle möglichen und unmöglichen Ecken der musikalischen Ausdrucksformen führte.
10 Jahre später wurde Debussy von der Pleyel Company mit einem Werk für Harfe und Orchester beauftragt, um deren neueste Entwicklung einer chromatischen Harfe zu promoten. Erard, die Konkurrenzfirma, beauftragte daraufhin seinen jüngeren Kollegen Maurice Ravel ebenfalls mit einer Komposition für sein eigenes Produkt, die Doppel-Pedal Harfe. Ravel komponierte 'Intruduction et Allegro'in sehr kurzer Zeit. Es ist das erste Stück für die moderne Harfe, welches die ganzen Möglichkeiten dieses Instrumentes vollumfänglich ausreizt. Ein Stück voller Charme, ein kammermusikalisches Juwel und bis heute das wertvollste Stück seiner Gattung.
Camille Saint-Saëns schliesslich darf in unserem Kontext als Urgestein der französischen Musik gelten. Wenngleich seine Musik aus Sicht der jungen Wilden wie Debussy und Ravel veraltet und wenig progressiv erschien. Kraft seiner langen Lebensdauer hat Saint-Saëns ein umfangreiches Oevre hinterlassen. Wir hören heute ein wenig beachtetes, kleines Stück Musik aus seiner Feder. Die Tarentelle op.6 ist ungemein witzig und konsistent geschrieben - Saint-Saëns war nicht von ungefähr bekannt als Schöpfer unterhaltsamer Musik.
Die Suite zu ‘Pelléas et Mélisande’, nach einem Stück von Maurice Maeterlinck, feierte seine Premiere im Paris im Jahr 1893. Gabriel Fauré benötigte für die Vollendung nur gerade einen Monat. Bemerkenswert an dem viersätzigen Werk ist nicht nur die unsentimentale, nie aufgesetzt wirkende Expressivität, sondern auch die wie schwerelos daherkommenden, verschlungenen Linien in ihrer musikalischen Vieldeutigkeit. Fauré schuf mit der Orchestersuite nicht nur ein sinfonisches Meisterwerk, sondern zugleich eines, das die schillernd-mystische Abgründigkeit des Dramas eben-so intensiv wie ergreifend deutet. Dieses entfaltete übrigens über Fauré hinaus seine Kraft: Im Anschluss an Fauré bemächtigte sich Claude Debussy der Dichtung, und auch Jean Sibelius und Arnold Schönberg fanden Gefallen an seiner dichterisch verschleiernden Sprache.
Ein Konzert in Zusammenarbeit mit SRF 2 Kulturclub
Ort: Neue reformierte Kirche Witikon