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Botswana, bisher eine Oase des Friedens für den afrikanischen Elefanten, hat gerade die Wiedereröffnung der Elefantenjagd auf seinem Territorium angekündigt. Der Präsident hob ein generelles Jagdverbot auf, das der Elefantenpopulation in den vergangenen Jahren die Erholung ermöglicht hatte. Die Fondation Franz Weber (FFW) bedauert diesen grossen Rückschritt der Regierung von Botswana zutiefst. Seit mehr als 30 Jahren setzt sich die FFW für den Schutz der Elefanten ein, insbesondere im Rahmen des Übereinkommens über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten (CITES)*.
Die Nachricht kam vor kurzem: Botswana hat beschlossen, die Jagd auf Elefanten auf seinem Territorium wieder zu eröffnen. Diese komplette Umkehr der Politik wurde letzten Monat angekündigt auf einem multinationalen Elefantengipfel unter der Leitung des Präsidenten von Botswana.
Neben der erneuten Erlaubnis zur Trophäenjagd will Botswana – wie Südafrika, Namibia und Simbabwe – den internationalen Elfenbeinhandel wieder tolerieren. Eine Entscheidung, die für die Elefanten absolut katastrophale Folgen haben kann. Die African Elephant Coalition (AEC), die Allianz von 32 afrikanischen Ländern**, die die überwiegende Mehrheit des Verbreitungsgebietes der Elefanten darstellt, lehnt diesen Vorschlag entschieden ab. Im Gegenteil: Die AEC fordert das endgültige Ende des Elfenbeinhandels auf der ganzen Welt.
Im Jahr 2008 führten von CITES genehmigte Verkäufe von Elfenbein in China und Japan zu einem massiven Anstieg der Wilderei. Der Elfenbeinhandel ist nicht die Lösung im Kampf gegen die Ausrottung dieser Spezies, sondern bewirkt genau das Gegenteil. Dennoch hat Botswana nun einen Vorstoss zur Wiederaufnahme des Elfenbeinhandels eingereicht für die nächste Konferenz der CITES-Vertragspartner (Conference of Parties CoP18), welche im August in Genf stattfinden wird.
Botswana begründet seine Position mit einem «Boom» seiner Elefantenpopulation, der zu immer mehr Konflikten zwischen Menschen und Elefanten führen würde.
Laut Ross Harvey, einem unabhängigen Wirtschaftswissenschaftler, «war die Zahl der Elefanten vor dem 2014 eingeführten Jagdverbot innert 10 Jahren um 15% gesunken, Missbrauchsfälle waren weit verbreitet und lokale Gemeinschaften erhielten keinerlei Vorteile aus der Jagd». Darüber hinaus verschärfte die Jagd den Konflikt zwischen Menschen und Elefanten nur noch zusätzlich, da sie die Aggression der gejagten Tiere verstärkte, so Ross Harvey.
Die Entscheidung der Regierung Botswanas weckt den Verdacht, dass die neue Politik von Präsident Mokgweetsi Masisi Ziele verfolgt, welche in völligem Gegensatz stehen zu denjenigen seines Amtsvorgängers Ian Khama, der sich stark für den Schutz der Tier- und Pflanzenwelt einsetzte. Es scheint, als erhoffe sich Masisi in Hinblick auf die Wahlen im Oktober mit dieser neuen Elefantenpolitik die nötigen Stimmen für den Wahlsieg der Demokratischen Partei Botswanas von der ländlichen Bevölkerung zu erhalten. Diese erträumt sich von der Elefantenjagd fälschlicherweise einen Vorteil, obwohl in der Realität nicht sie, sondern skrupellose Wilderer und Händler vom Elfenbeinhandel profitieren.
Botswana beherbergt einen Drittel aller afrikanischen Elefanten und wurde bisher als letzter «sicherer Hafen» für Elefanten angesehen. Die Fondation Franz Weber, seit 30 Jahren offizieller Beobachter der CITES (Übereinkommen über den internationalen Handel mit bedrohten Arten), ist äusserst besorgt über die neue Politik Botswanas. Vera Weber, Präsidentin der FFW: «Der Präsident Botswanas handelt aus rein egoistischen politischen Gründen. Wenn dieser Vorschlag von der kommenden CITES-Konferenz angenommen würde, wäre dies ein schwerer Schlag gegen den afrikanischen Elefanten auf dem ganzen Kontinent.»
Eine aktuelle Studie der Gruppe «Elefanten ohne Grenzen» aus dem Jahr 2018 schätzt, dass sich in Botswana die Elefantenpopulationen zwischen 2014 und 2018 lediglich stabilisiert, aber nicht erhöht haben. Dies steht in klarem Gegensatz zu dem, was die botswanische Regierung jüngst verlauten liess. Laut Ross Harvey «könnte die Wilderei in Botswana zur Regel werden wie in Tansania, wo in den letzten fünf Jahren 60% der Elefantenbestände ausgerottet worden sind».
Die FFW stellt, wie auch andere Umweltschutzorganisationen, nicht in Abrede, dass Menschen, die den Lebensraum von Elefanten teilen, den Gefahren –Verlust von Ernten, Eigentum oder sogar ihres Lebens – ausgesetzt sind. Doch anstatt Elefanten systematisch zu töten, muss die Regierung andere Wege finden, um Konflikte zwischen Menschen und Elefanten zu verhindern, beispielsweise durch die Einrichtung sicherer Zäune, Migrationskorridoren oder mit Hilfe von Bienenstöcken, die wie Zäune wirken. Anstelle der intensiven Nutzung von Arten, die bereits vom Aussterben bedroht sind, sollte die Koexistenz von Mensch und Tier gefördert werden.
Botswana riskiert, den guten Ruf des Landes für seine bisher wahrgenommene Umweltverantwortung zu verlieren. So hatte der Tourismus dank dem positiven Image, dass sich Botwsana mit der Erhaltung der Umwelt und dem Respekt für seine Arten erarbeitet hatte, in den letzten Jahren floriert. Angesichts der wachsenden öffentlichen Ablehnung gegen die Vermarktung von Wildtier-Produkten spielt Präsident Masisi mit dem Feuer, indem er alle Erhaltungsprinzipien aufgibt, die sein Land bisher übernommen hat.
Schlimmer noch ist, dass Botswana nicht das einzige Land ist, das sich vom Artenschutz entfernt. Die südlichen afrikanischen Regierungen versuchen um jeden Preis, ihr Elfenbein zu verkaufen. Simbabwe droht sogar damit, von der CITES zurückzutreten, falls die Vertragsstaaten den internationalen Elfenbeinhandel nicht wieder aufnehmen. Im Vergleich zu den in Aussicht gestellten vielen Dollars wird der Elefant zum Fliegengewicht.
Am CoP18 im August werden vehemente Verteidiger der Elefanten auf diejenigen Länder treffen, die auf unmittelbare Profite aus dem Handel mit Elfenbein aus sind, einschliesslich Botswana. Die FFW hofft, dass bei diesem Zusammentreffen die Vernunft obsiegen wird, und zählt auf die vereinten Kräfte der African Elephant Coalition sowie die starke öffentliche Meinung: «Wenn die Menschen wüssten, was an der CITES vor sich geht, würde dies die Empörung der Allgemeinheit hervorrufen. Es ist darum höchste Zeit, dass die Vertragsländer sich der veränderten Einstellung und Moral der Öffentlichkeit stellen, welche den Schutz von Arten fordert, und nicht den Handel mit überflüssigen Gütern wie dem Elfenbein», so Vera Weber.
Information
Die Fondation Franz Weber ist offizieller Beobachter der CITES seit 1989. Im August wird sie bei der CITES-Konferenz der Vertragsparteien (CoP18) dabei sein – dem Entscheidungsgremium dieses Übereinkommens über den Handel mit bedrohten Arten, das alle drei Jahre stattfindet. Das Ziel ist einfach: Ein vollständiges Verbot des Elfenbeinhandels weltweit. «Vor fast genau dreissig Jahren, im Oktober 1989, hatte die CoP7 in Lausanne beschlossen, alle Elefanten in den CITES-Anhang I aufzunehmen, um ihnen den höchsten internationalen Schutz zu gewähren. Es folgte ein Zeitraum von knapp zehn Jahren, in welchem Elefanten aufatmen konnten und sich ihre Populationen allmählich erholten. Diese Geschichte muss wiederholt werden. Es geht um das Überleben des afrikanischen Elefanten», betont Vera Weber, Präsidentin der FFW.
Ebenfalls wird die FFW im August ein gemeinsam von der Schweiz, der EU und den USA eingereichtes Dokument über den internationalen Handel mit Zierfischen unterstützen. Darin wird gefordert, bessere Daten und Kontrollen über diesen Handel zu erhalten, der derzeit wenig bekannt und noch weniger reguliert ist. Der Vorstoss bedeutet einen wesentlichen ersten Schritt, um einen wirksamen internationalen Schutz für Meerestiere zu erwirken.
*Die CITES CoP18 hätte vom 23. Mai bis 3. Juni 2019 in Colombo, Sri Lanka stattfinden sollen. Durch die grausamen Attentate an Ostern in Colombo wurde die CoP vertagt. Am 12. Juni 2019 wurde bekanntgegeben, dass die Konferenz vom 16. bis 28. August 2019 in Palexpo Genf stattfinden wird.
**Mitgliedsländer der AEC: Äthiopien, Äquatorialguinea, Benin, Burkina Faso, Burundi, Kamerun, DR Kongo, Eritrea, Gambia, Gabun, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Elfenbeinküste, Kenia, Komoren, Liberia, Mali, Mauretanien, Niger, Nigeria, Republik Kongo, Ruanda, Senegal, Sierra Leone, Somalia, Sudan, Südsudan, Togo, Tschad, Uganda, Zentralafrikanische Republik.