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Angorawolle
(Angorahaar, Kämelhaar, unrichtig Kamelhaar). Das Kämelhaar kommt von der Kämelziege, einem in der Gegend von Angora in Kleinasien gezüchteten kleinen Schlag von Ziegen mit gewundenen Hörnern und Hängeohren, deren Name durch das arabische chamal = zart, fein, erklärt wird. Die ihr ähnliche persische Ziege, mit demselben Haarwuchs, liefert ihr Haar unter derselben Bezeichnung. Andre Ziegenhaare aus der Levante sind weniger geschätzt und wohlfeiler.
Das Kämelhaar ist lang (das beste hat 30 cm), fein, weich, seidenartig glänzend und krauslockig, meistens ganz weiß, zuweilen grau und am seltensten schwarz. Die schwarze und die weiße Sorte sind am meisten geschätzt. Eine geringere Sorte ist die sogenannte Wickelwolle (Pelotage). Die Stadt Angora und ihre Umgegend ist seit langer Zeit berühmt wegen des feinen Garnes, das die Weiber dort aus dem Ziegenhaar zu spinnen verstehen, und der daraus gewebten vorzüglichen Zeuge, die unter dem Namen Kamelotte, Serge und Shawls von Angora bekannt sind, in größter Menge in der Levante selbst verbraucht werden, früher auch nach Europa kamen. In großen Mengen aber wurden die im Orient gesponnenen Garne in verschiedenen Feinheitsgraden in Europa eingeführt, während man hier seit einigen zwanzig Jahren immer mehr nur den Rohstoff von dorther bezieht und die Spinnerei selbst besorgt.
Die Einfuhr des Kämelhaars in Europa ist im Abnehmen; sie soll in England jährlich etwa 100000 kg betragen. Die Ausbildung der Kammgarnspinnerei mit ihren jetzt so schönen Erzeugnissen hat dem Artikel Abbruch gethan, wenn schon die Kammgarne an Glanz nicht den Kämelgarnen gleichkommen. Die Ziegenwolle heißt bei den Franzosen Poil de chevre, bei den Engländern Mohair, und unter dieser Bezeichnung gehen denn auch die verschiedenen Webwaren, in welche der Stoff ganz oder teilweise eingeht (s. d. Artikel). - Das eigentliche Kamelhaar und das vom Trampeltier ist ebenfalls ein Spinnstoff, den man aber in den Ländern, wo das Tier gehalten wird, meistens selbst verarbeitet und von dem wenig nach Europa kommt. Es ist auch nicht so beschaffen, daß es mit dem Kämelhaar verwechselt werden könnte.
Das Haar wird vom Rücken, Hals und Bauch genommen; das vom Rücken ist das beste und in der Qualität überhaupt steht das persische obenan. Es kommt in den Farben schwarz, rot und grau vor, und in dieser Reihenfolge gehen auch die Preise abwärts. Das feinste Haar gibt ziemlich gute, doch glanzlose Kamelotte, die geringere Sorte gröbere Zeuge, Filzdecken u. s. w. Das nach Frankreich und England gehende Haar wird teils zur Hutmacherei, teils zu feinen Pinseln benutzt. - Zoll: Gemäß Tarif im Anh. Nr. 41 a bis d.