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Nutella feiert Geburtstag Die Nuss-Nougat-Creme hat es nicht leicht
- Donnerstag, 20. April 2017, 7:57 Uhr
Süsse Versuchung für die einen, umweltfeindlicher Dickmacher für die anderen – an keinem anderen Brotaufstrich scheiden sich die Geister so emotional, wie an Nutella. Heute vor 53 Jahren lief das erste Glas vom Band.
- Nutella entstand nach dem Zweiten Weltkrieg aus einer Not: In Italien war Kakaopulver rationiert. Haselnüsse dagegen gab es in Hülle und Fülle.
- Nutella ist ein Kunstwort aus dem Englischen «nut» für Nuss und der italienischen weiblichen Verkleinerungsform «-ella».
- Nutella wurde immer wieder kritisiert, da es es zu rund einem Fünftel aus dem umstrittenen Palmöl besteht.
- Für Nutella wird heute rund ein Viertel der gesamten weltweiten Haselnussernte verwendet.
Als im piemontesischen Städtchen Alba am 20. April 1964 die Abfüllanlage das erste Glas mit Nutella füllte, konnte Michele Ferrero kaum ahnen, was für einen Erfolg sein Produkt haben würde. Dass die Mischung in Italien ein Renner war, hatte sein Vater Pietro allerdings schon bewiesen.
Die Geschichte von Nutella beginnt 1946. Im mausarmen Nachkriegs-Italien war Kakaopulver rationiert. Haselnüsse dagegen gab es im Piemont in Hülle und Fülle. Also mischte Pietro Ferrero ein wenig Schokoladepulver mit vielen Nüssen und verkaufte das Produkt in seiner Bäckerei als «Pasta Gianduja» zunächst als festen Block.
«Super» ist nicht erlaubt
Ab 1951 dann unter dem Namen «Supercrema» erstmals als weichen Brotaufstrich. 1962 verbot es ein Gesetz in Italien, das Wort «Super» in Markennamen zu verwenden und so wurde die Crème 1964 umbenannt in Nutella – ein Kunstwort aus dem Englischen «nut» für Nuss und der italienischen weiblichen Verkleinerungsform «-ella».
Der Rest ist Geschichte. Nutella ist heute im entlegensten Winkel der Erde erhältlich. Ferrero setzt pro Jahr über 8 Milliarden Euro um und beschäftigt mehr als 34’000 Menschen in über 50 Ländern. Für Nutella wird heute rund ein Viertel der gesamten weltweiten Haselnussernte verwendet. Die Fernsehwerbung empfiehlt Nutella als nahrhaften Start in den Tag.
Doch im Jahr 2012 zogen dunkle Wolken am freundlichen Frühstückshimmel auf. In den USA hatten Konsumentengruppen eine Sammelklage wegen irreführender Werbung eingereicht. Nutella sei nicht, wie behauptet, «Teil eines nahrhaften Frühstücks». Ferrero erklärte sich bereit, 3 Millionen US-Dollar Entschädigung zu zahlen und seine Werbung zu ändern. Das war im April.
Problematisches Palmöl
Im November schlug in Frankreich der sozialistische Senator Yves Daudigny eine Vervierfachung der Besteuerung auf Palmöl vor. Da Nutella zu rund einem Fünftel aus Palmöl besteht, war schon bald von einer «Nutella-Steuer» die Rede. Naturschutzorganisationen hatten zuvor kollektiv zum Sturm geblasen auf diesen ebenso weit verbreiteten wie problematischen Rohstoff.
Erstens werden für den Anbau der Ölpalmen in Südostasien Millionen Hektar Regenwald abgeholzt, Orang-Utangs und andere Wildtiere in ihrem Lebensraum bedroht und die Luftqualität durch die Brandrodung beeinträchtigt. Zweitens warnte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit im letzten Mai vor verschiedenen unerwünschten Stoffen, die sich bei der Verarbeitung von Palmöl bilden.
Nutella ohne Palmöl? Unvorstellbar!
Vor allem Glycidol steht im Verdacht, das menschliche Erbgut zu verändern und krebserregend zu sein. Während in Italien die Supermarktkette Coop und der Lebensmittelhersteller Barilla inzwischen ganz auf Verkauf und Verwendung von Palmöl verzichten, bewirbt Ferrero das Flüssigfett geradezu aggressiv: Ein Nutella ohne Palmöl wäre ein schlechter Ersatz für das Original, heisst es.
Ausserdem sei das Palmöl bei Ferrero sicher, weil es bei niedrigen Temperaturen verarbeitet werde. Nun hat sich die Europäische Kommission des Themas angenommen. Bis Ende Jahr soll laut deren Sprecher eine Richtlinie veröffentlicht werden. Erwogen werde ein Grenzwert für Glycidyl-Fettsäureester, ein vollständiges Verbot von Palmöl stehe jedoch nicht zur Diskussion.
Dem weiteren Siegeszug von Nutella sollte also zumindest vorläufig nichts im Wege stehen.
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