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Der Drückerfisch drückt den Knopf. Es rumst, die Kabine schwankt leicht, die Seile knirschen, dann steht der Lift. Still.
Der gemeine Argusfisch hat es nicht verhindern können. Der Lift steht, die Tür ist zu. Sie sind gefangen. Der Fächerfisch lockert als erster den Krawattenknopf, er sucht in seinem Aktenkoffer ein Taschentuch (der Argusfisch erkennt, dass es gebügelt wurde) und fächelt sich Luft zu. Auch auf der Stirn des Beulenkopfmaulbrüters stehen dicke Schweisstropfen. Normalerweise ist der Beulenkopfmaulbrüter ein friedliches Wesen, doch in zehn Minuten beginnt die Redaktionssitzung, und er hat sich noch nicht vorbereitet. Er holt sein Handy aus der Tasche und beginnt zu telefonieren. Neben ihm, Flosse an Flosse, steht sportlich und sehnig sein schärfster Konkurrent, der Grosslippenmaulbrüter.
Der leckt sich die Lippen und geniesst. Er wird sich ab heute von niemandem mehr vorwerfen lassen müssen, das Parfüm seiner Sekretärin zu kennen. Er notiert sich den Namen in seinen Palm.
Der Drückerfisch grinst. Er grinst in die grossen Augen der Sekretärin, ein Grossaugenmaulbrüter. Jetzt sitzt sie fest, jetzt muss er sie sehen. Wochenlang hat sie ihre Augen anderswo gehabt, beim Grosslippenmaulbrüter natürlich, der sie auch mittags immer beschäftigt hält, bis alle Kollegen essen gegangen sind, und er mit ihr allein ist. Der Drückerfisch hat sie genau beobachtet. Er hat sich in den leeren Gängen herumgedrückt und hantierte am Drucker, wo er zusehen konnte, wie der Grossaugenmaulbrüter und der Grosslippenmaulbrüter zusammenstanden.
Als der Argusfisch die Notsirene drückte, als der Beulenkopfmaulbrüter als erster aus dem Lift gerettet wurde, als der Grosslippenmaulbrüter dem Grossaugenmaulbrüter grosszügig den Vortritt überliess, als der Fächerfisch sich etwas vordrängelte, weil er bereits nervös geworden war, als schliesslich auch der Drückerfisch auf dem Trockenen sass, war die Unterredung, die seinetwegen anberaumt worden war, bereits auf Unbestimmt verschoben. Die Anschuldigungen seines Ressortleiters wären wie immer ungerechtfertigt gewesen, doch dass er sich dieses Mal gedrückt hatte, das hätte gestimmt. Er blickt dem Grossaugenmaulbrüter nach, wie sie neben dem Grosslippenmaulbrüter in einen Gang verschwindet. «Von hinten sieht sie aus wie ein Schwarzschwingen-Beilbauchfisch», denkt er sich. In seinem Büro legt er die Füsse auf den Tisch und wählt er als erstes ihre Nummer.
Daniele Muscionico ist Journalistin bei der «NZZ» und Trägerin des Zürcher Journalistenpreises 2004.