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Wald,
jede mit wildwachsenden
Bäumen bestandene größere
Fläche. Man setzt dabei ein nicht zu
niedriges
Alter des Holzes und eine gewisse Form der
Bestockung voraus. Die Benutzung des
Wald für die wirtschaftlichen Zwecke
der
Menschen ist zeitlich und örtlich verschieden. Sie wächst mit der steigenden Kultur. Der civilisierte Europäer achtet
den
Wald hoch, weil ihm seine Produkte unentbehrlich geworden sind, und
weil er die, wenn auch örtlich
beschränkte, Einwirkung des
Wald auf
das Klima, die Gesundheit, Wohnlichkeit und
Fruchtbarkeit des
Landes kennt.
Die Erkenntnis dieser Thatsachen verschaffte dem Wald in neuester Zeit eingehende Beachtung auch in Nordamerika [* 2] und in Britisch-Indien. Die Natur hat die Waldungen ohne menschliche Beihilfe erzeugt, würde sie auch als Urwald (s. d.) in denselben jedem Boden, Klima [* 3] und jeder Lage entsprechenden Baumgeschlechtern forterhalten, wenn sie sich selbst überlassen blieben. Mit dem Wachsen der Bevölkerung [* 4] muß der Wald immer mehr schwinden, weil die Erhaltung zahlreicherer Volksmassen eine Ausdehnung [* 5] des Ackerbaues verlangt.
Ausrodungen sind die nächste Folge davon. Aber auch der Wald selbst wird mehr und mehr in Anspruch genommen, er muß bei einem ackerbauenden und industriellen Volke durch seine Rohstoffe an Brenn- und Nutzholz, durch die Beweidung, durch Entnahme von Dungstoff u. s. w. einen reichlichen Beitrag zur Erhaltung der menschlichen Existenz geben. Dadurch wird die Natur in ihrer freien Wirkung gestört, die natürliche Fortpflanzung des Wald gefährdet, die Waldmasse vermindert, der Waldzustand verschlechtert, der Wald auf die weniger fruchtbaren Örtlichkeiten zurückgedrängt.
Die erste Folge des größern Angriffs der Menschen auf den Wald ist eine allmähliche Veränderung der Holzarten, indem, wie sich das fast in ganz Europa [* 6] herausgestellt hat, die Laubhölzer, wie Eichen, Buchen, Rüstern u. s. w., die zu ihrem gedeihlichen Wachsen eine größere Bodenkraft erfordern, den genügsamen Nadelhölzern Platz machen. Die Fichte [* 7] hat im Gebirge, die Kiefer in der Ebene die Oberhand erhalten. Die zweite Folge ist, daß die wichtige Funktion, die die Wald im Haushalt der Natur haben, gestört wird.
Sie sollen das Gleichgewicht [* 8] der Wärme [* 9] und der Feuchtigkeit in der Atmosphäre örtlich vermitteln, die Bäche und Flüsse [* 10] mit Wasser speisen, Schutz gegen die versengende Sonnenhitze gewähren, Stürme brechen, Sturzfluten, Lawinen, Schnee- und Sandtreiben aufhalten und unschädlich machen. (S. Bannwald und Schutzwald.) Mit der Abnahme oder dem Verschwinden des Wald zeigen sich in den Ländern aller Zonen die Folgen in der Wasserarmut der Flüsse, Unfruchtbarkeit u. s. w. Palästina, [* 11] das in alten Zeiten eine zahlreiche Volksmasse nährte, kann jetzt kaum eine sehr spärliche Bevölkerung erhalten, weil es keinen Wald mehr hat; die Flüsse Griechenlands und Spaniens sind teilweise versiegt.
Der Wald der Hochalpen wurde durch die Hand [* 12] des Menschen, durch Weidevieh vielfach zerstört, häufigere und furchtbarere Sturmfluten und Geröllüberschüttungen verheeren seitdem die Thalgründe. Auch in Skandinavien, Rußland u. s. w. treten mit der Zerstörung des Wald ähnliche Nachteile hervor. Die Erkenntnis davon und das Steigen der Holzpreise führte nicht bloß allmählich zu einer bessern Forstwirtschaft, sondern auch zu dem Verlangen, die Waldungen unter besondern Schutz des Staates zu stellen. In Europa nimmt jetzt der Wald ungefähr reichlich ein Viertel der Bodenfläche ein, die Verteilung desselben ist jedoch in den verschiedenen Ländern eine sehr verschiedene, und die darüber veröffentlichten statist. Angaben sind meist sehr ¶
forlaufend
unsicher. (S. Waldfläche.) Ein ganz vergebliches Bemühen ist es, eine bestimmte Normalziffer für die Bewaldung einzelner Länder feststellen zu wollen. (S. auch Forst, [* 14] Forstwirtschaft, Forstpolizei, Forststatistik, Waldbau, Waldeinteilung.)
Vgl. Roßmäßler, Der Wald (3. Aufl. von Willkomm, Lpz. 1881);
Ebermayer, Die Physik.
Einwirkungen des Wald auf Luft und Boden und seine klimatologische und hygieinische Bedeutung, Bd. 1 (Aschaffenb. 1873); Die Bodenkultur des Deutschen Reichs (hg. vom kaiserl. Statistischen Amt, Berl. 1881); T. Nördlinger, Der Einfluß des Wald auf die Luft- und Bodenwärme (Berl. 1885).