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Die Ausgrabungsstätte Sutton Hoo im südostenglischen Sussex schlug ein: Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges wurde ein Schiffsgrab aus dem 7. Jahrhundert freigelegt. Es brachte Licht in die historisch schlecht dokumentierte Zeit der Angelsachsen. Mit einer Entdeckung dieser Durchschlagskraft hatte niemand gerechnet – auch nicht Gutsbesitzerin Edith Pretty, die die Ausgrabung initiierte.
2004 begann der Journalist John Preston sich für die Geschichte von Sutton Hoo zu interessieren. Drei Jahre danach veröffentlichte er den Roman «Die Ausgrabung», mit verstärktem Augenmerk auf seine Tante Peggy Piggott (gespielt von Lily James), die bei der Ausgrabung mitwirkte. Nun folgt die Filmadaption unter der Regie von Multitalent Simon Stone.
Er bleibt nahe an der Romanvorlage und versucht allen möglichen Figuren gerecht zu werden. Im Zuge dessen geht die Tiefe etwas verloren, und einige Nebenfiguren bleiben oberflächlich. Dafür schafft es Stone, einen grossen Bogen über die ganze Geschichte zu spannen, obwohl eigentlich gar nicht so viel passiert. Er entscheidet sich vermehrt dazu, Szenen ohne Dialog zu zeigen und gleichzeitig einen angelehnten Dialog aus dem Off einzuspielen.
Dieser Kniff ermöglicht es ihm, mehrere Handlungsstränge dichter ineinander zu verweben. Dies gelingt jedoch nicht immer: Manchmal sorgt die Zweispurigkeit für Verwirrung und unterbricht somit den Fluss eher, als für geschmeidige Übergänge zu sorgen. Doch die wunderbaren Bilder von Kameramann Mike Eley («Meine Cousine Rachel»), der gefühlvolle Soundtrack des Spielfilm-Novizen Stefan Gregory sowie das verschrobene Spiel von Ralph Fiennes tragen gut über die kleinen Unstimmigkeiten hinweg.
Letztgenannter gibt den lokalen Amateur-Archäologen Basil Brown, der einen eigenartigen Hügel auf dem Grundstück von Edith Pretty (Carey Mulligan) unter die Lupe nehmen soll. Entgegen jeglichen Erwartungen legt Brown schon nach kurzer Zeit die Teile eines Schiffs frei, das er in angelsächsische Gefilde verortet. So wird aus dem privat losgetretenen Unternehmen eine Ausgrabung von internationalem Interesse.
Diese Entwicklung ruft den gewichtigen Archäologen Charles Phillips (Ken Stott) auf den Plan, der die Ausgrabungen übernimmt– sehr zum Missmut von Brown. Doch gemeinsam wird das Schiff geborgen.
Angesichts der hereinbrechenden Wirrungen des Zweiten Weltkriegs stellt sich dann die Frage, wie viel Mühe und Aufwand in die Erhaltung einer solchen kulturellen Stätte investiert werden soll. Das Ende des Films liefert eine Antwort in Form eines Kompromisses, der hier noch nicht verraten werden soll.
Heute sind die ausgegrabenen Schätze im British Museum ausgestellt – den Weltkrieg überlebten sie in einer Londoner U-Bahn- Station. Nach dem Namen Basil Browns suchte man allerdings jahrelang vergeblich: Erst vor kurzem wurden seine Verdienste anerkannt und sein Name auf der zugehörigen Plakette ergänzt.
Netflix | Biopic | GB 2021
Mit Carey Mulligan, Ralph Fiennes, Lily James, Johnny Flynn, Ben Chaplin; Regie: Simon Stone
Kratzt eher an der Oberfläche, interessant aber allemal!
Seit 29. Januar