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Besuch des Kommandobunkers bei Haslen
Im Rahmen des Programms „Leben gestalten Live“ besuchte die Reformierte Evangelische Kirche Rorschach am Freitag 18. November 2022 den Kommandobunker der Grenzbrigade 8 bei Haslen. Pfarrer Patrick Marchlewitz gestaltete die Exkursion unter dem Motto „Eine feste Burg ist unser Gott“ nach dem bekannten Kirchenlied von Martin Luther, das er nach dem Psalm 46 dichtete.
* Text von Werner Nef
Nach Besammlung bei der Reformieren Kirche fuhren 24 Teilnehmer mit Privatautos ins Appenzellerland. Beim Festungseingang begrüsste unser Kirchgemeindemitglied Hans Paul Candrian, der einige Jahre im Bunker seinen Militärdienst in vorgesetzter Stellung leistete, die Teilnehmer. Zur besseren Übersicht wurden wir in drei Gruppen aufgeteilt.
Als 1938 die Lage in Europa sich zuspitzte, beschloss die Landesregierung die Schweizer Landesgrenze mit 11 Grenzbrigaden zu sichern. Im kalten Krieg erwarb die Armee 1959 bei Haslen ein 25‘000 m2 grosses Gelände für 40‘331 Franken. 1961 begannen die Bauarbeiten der Festungsanlage. Um die Geheimhaltung so gut als möglich zu gewähren, bestand der grosse Teil der Bauarbeiter aus Griechen, die beim Bau der Grande-Dixence Kraftwerke im Wallis ihre Arbeit beendeten. Die Anlage konnte 1963 dem Betrieb übergeben werden. Ihre Aufgabe war der Neutralitätsschutz und der Kampf ab Landesgrenze. Aussdem wirkte die Grenzbrigade 8 als Sperrverband. 80 Mann leisteten im Dreischichtbetrieb in total 35, teils kleinen Räumen, tief im Felsen ihren Wehrdienst. Nebst einer Energiezentrale mit zwei Benzinmotoren gibt es eine Küche, Schlafräume für die Mannschaft und Unteroffiziere, diverse Büros und ein Krankenzimmer. Die ganze Infrastruktur musste ausreichen, um mindestens 80 Tage im Berg überleben zu können. Sogar eine wenig einladende Arrestzelle, die laut Aussage Candrians nie benutzt wurde, ist vorhanden. Herzstück ist der Kommandoraum, wo der Stab, bestehend aus vier Mann, stets die neuesten Nachrichten verfolgte und dann seine Strategien wie beim Schachspiel entwickelte. Die Ergebnisse wurden sofort per Funk an die Aussenposten weiterleitete. Wichtigstes Instrument war eine einwandfreie Kommunikation mit guten, schnellen und zuverlässigen Informationen. So konnte das Gebiet von Horn über das Rheintal bis zum oberen Toggenburg zurück an den Bodensee überwacht und mit Verteidigungslösungen versorgt werden. Besondere Gefahr lauerte im Gebiet gegen den Bodensee, während die Übergänge am Stoss und dem Toggenburg einfacher zu kontrollieren waren. Weil der Bunker nicht zum Kämpfen ausgelegt war, findet man ausser den persönlichen Gewehren und Pistolen der Besatzung keine Waffen.
2013 wurde die Anlage nach 50 Jahren ausser Dienst gestellt. 2017 kaufte der Bezirk Schlatt-Haslen das Gelände samt Festung. Zeitgleich beschloss die Generalversammlung des Vereins Festungsmuseum Heldsberg den Kommandobunker als Militärhistorisches Museum zu übernehmen. Wie lange das Museum so attraktiv mit ehemaligen Besatzungsmitgliedern betrieben werden kann ist ungewiss. Alle werden älter und ob es jungen Leuten gelingt, die Leistungen der früheren Generationen, die vor allem im zweiten Weltkrieg und darnach vollbracht wurden, würdevoll und fesselnd an den Mann zu bringen, ist sehr unwahrscheinlich.
Nach der hoch interessanten Führung traf man sich in der Soldatenstube zu einem „Chäshörnli Schmaus mit Apfelmus“. Zum Schluss dankte Pfarrer Marchlewitz den Führern und weiteren Helfern für den interessanten Abend. Mit der Frage: „Was ist eure feste Burg, die euch bei Krisen und Problemen persönliche Sicherheit und Schutz bietet, wie diese Festung dem Vaterland,“ lenkte Marchlewitz die Tischgespräche beim gemütlichen Beisammensein in eine besinnliche Richtung.