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1943-1967
Der KREIS
… und sein Umfeld
Mit KREIS ist die Organisation gemeint, während die Zeitschrift (wie alle Zeitungen und Magazine) stets kursiv gesetzt ist: Der Kreis.
Ab 1943 nannte Karl Meier / Rolf die zweisprachige Zeitschrift neu DER KREIS - LE CERCLE. Redaktor des französischen Teils war "Charles Welti", den alle nur unter diesem Pseudonym kannten. Dahinter stand der Geschäftsmann und Bankier Eugen Laubacher.
Die bisherige Abonnenten-Vereinigung wurde nun zum Lesezirkel DER KREIS. Rasch entwickelte sich daraus eine Organisation mit regelmässigen Anlässen in eigenen Klubräumen, mit fachkundiger Betreuung sowohl psychologisch-seelsorgerlich als auch durch Ärzte und Rechtsanwälte, mit Leihbibliothek und Verkauf von Büchern, Kunstblättern, Fotos, mit vielfältigen Kontaktmöglichkeiten und Kontaktanzeigen im Beiblatt der Zeitschrift.
International wurde der KREIS ab 1952 mit einem bald regelmässig erscheinenden Teil in englischer Sprache und dem (ab 1954) dafür zuständigen Redaktor Rudolf Burkhardt (eines der Pseudonyme von Rudolf Jung). Vom Heft 8/1954 (August) an hiess die Zeitschrift DER KREIS - LE CERCLE - THE CIRCLE.
Nach dem Krieg entstanden im Ausland unter Mithilfe und nach dem Vorbild des KREIS neue Organisationen und Zeitschriften:
- 1946 das noch heute bestehende COC in Amsterdam
- 1948 der noch heute existierende Verband "Forbundet af 1948" in Kopenhagen, der seine Idee auch nach Norwegen und Schweden exportierte, wo er ebenfalls bis heute aktiv geblieben ist
- 1950 die "Kameradschaft die runde" in Reutlingen (Bundesrepublik Deutschland, BRD), die später zur einzigen Gruppe mit Zeitschrift (die runde) in Deutschland wurde. Sie bestand bis 1969, als in der BRD die jedem Rechtsstaat zuwiderlaufenden Homosexuellen-Paragraphen aus der Hitler-Diktatur endlich fielen.
- 1952 durch André Baudry, Mitarbeiter im Kreis-Redaktionsteam, "Le Cercle de France" in Paris, aus dem Baudry 1954 die Zeitschrift ARCADIE entstehen liess (mit gleichnamiger Organisation). Sie existierte bis 1984.
- 1953 entwickelte sich aus der zwei Jahre zuvor gegründeten Mattachine Society in Los Angeles die Zeitschrift ONE. Sie nahm Der Kreis - The Circle zu ihrem Vorbild. Enge Kontakte mit Austausch von Artikeln und Kurzgeschichten und gegenseitigen Besuchen bestanden bis Ende 1967. ONE als Organisation mit gleichnamiger Zeitschrift zog bald nach San Francisco und existiert dort noch heute unter "ONE, National Gay and Lesbian Archives".
Ende der 50er Jahre erreichte die Zeitschrift Der Kreis ihren Höhepunkt mit gegen 2000 Abonnenten, davon 1/3 hauptsächlich im europäischen und nordamerikanischen Ausland. Gemäss Umfragen lasen 4 bis 6 Personen jede an einen Abonnenten gehende Nummer, sodass mit 10'000 Lesern gerechnet wurde.
Die grossen Bälle des KREIS im Frühjahr (Maskenball), sowie im Sommer und/oder Herbst galten weltweit als bedeutendste und originellste Szene-Events der Zeit. Es kamen bis zu 800 Abonnenten mit ihren Gästen. Dabei gab es tänzerische und kabarettistische Einlagen aller Art und zum Herbstfest und an der Weihnachtsfeier stand ein Theaterstück im Mittelpunkt des Programms, aufgeführt von der internen Laienspielgruppe unter Rolfs Regie. Die Weihnachtsfeier war den einsamen Kameraden gewidmet und fand ohne Gäste statt. Ein Silvesterball (mit Gästen) gehörte hingegen samt Fortsetzung am Neujahrsnachmittag zur Tradition. Alle diese Anlässe wurden ab 1948 im heutigen Neumarkt-Theater durchgeführt, also mitten in Zürichs Altstadt.
Ernst Ostertag, August 2007