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Raw Frand zu Parschat Emor 5768
Weshalb darf ich neben dem Friedhof nicht Ball spielen?
Raschi zitiert eine Lehre von Chasal (unseren Weisen) über den scheinbar überflüssigen Ausdruck im ersten Pasuk von Parschat Emor. Die Parscha beginnt mit "Haschem sagte zu Mosche: SAGE zu den Kohanim, den Söhnen von Aharon, und du sollst ihnen SAGEN..." [Wajikra 21:1].
Raschi zitiert die talmudische Lehre, die von dieser Wiederholung abgeleitet wird: "Um die Erwachsenen für das Handeln der Kinder verantwortlich zu machen" [Jewamot 114a].
Dies lehrt uns, dass Eltern oder das Bet Din Kindern, unter Bar/ Bat Mizwa nicht erlauben dürfen, ein Verbot zu übertreten. Auch wenn Minderjährige noch nicht verpflichtet sind, die Gebote der Torah zu halten, haben Erwachsene die Verantwortung, sicherzustellen, dass Kinder nicht gegen die Konzepte der Torah verstossen.
Aus diesem Grund darf man einem Kleinkind kein nicht-koscheres Essen geben, oder es den Schabbat entweihen lassen. Das ganze Konzept, dass man Kinder von jung auf dazu erzieht, die Gesetze der Torah einzuhalten, lernt man von dieser Wiederholung von "SAGE zu den Kohanim, den Söhnen von Aharon, und du sollst ihnen SAGEN..."
Raw Jaakow Weinberg sz’l frägt, weshalb die Torah diese Stelle von Tumat Kohanim (rituelle Unreinheit der Priester) wählt, um uns das Thema der Verantwortung der Erwachsenen für ihre Kinder nahe zu bringen. Raw Weinberg bemerkt, dass die Erziehung, die Kohanim ihren Kindern zu vermitteln haben, einen spezifischen Grundsatz des Chinuch (jüdische Erziehung) beinhaltet.
Stellen wir uns das Folgende vor: Eine Gruppe Kinder spielt mit einem Ball. Die Wiese liegt neben einem Friedhof. Was geschieht, wenn Kinder Ball spielen? Wenn sie den Ball weit werfen, wird er auf den Friedhof rollen. Was tun die Kinder? Jemand rennt auf den Friedhof, um den Ball wieder zu holen. Dies ist vielleicht ein wenig respektlos gegenüber den Toten, doch theoretisch spricht nichts gegen ein solches Benehmen... ausser wenn man ein Kohen ist. Denn wenn man ein Kohen IST, dann darf man nicht auf den Friedhof rennen.
Der Vater muss seinem Sohn sagen, "Mosche, du darfst nicht mit den anderen Kindern beim Friedhof Ball spielen." Der Sohn wird fragen, "Was heisst, ich darf nicht mit den anderen Kindern spielen? Alle anderen spielen beim Friedhof. Weshalb darf ich nicht mit den anderen Kindern spielen?" Der Vater erklärt, "Weil du ein Kohen bist und ein Kohen darf nicht auf einen Friedhof gehen." Das Kind protestiert noch immer, "Aber alle anderen tun es doch auch!" Der Vater muss dem Kind dann erklären, "Weil du anders bist als alle anderen, kannst du nicht alles tun, was die anderen tun können. Was für die anderen gut ist, ist nicht notwendigerweise auch gut für dich."
Dieses Konzept muss jeder Vater seinem Kind übermitteln können. Dies ist – wie Raw Weinberg sagt – eine der grössten Herausforderungen jüdischer Erziehung. Wir müssen unseren Kindern erklären, dass sie sich selbst sein müssen. Sie müssen zu einem eigenständigen Menschen heranwachsen – nicht, zu etwas, was andere sind. Sie müssen erwachsen werden – ohne nachzuahmen, was anderen tun und was andere sind. Jeder Mensch muss sich selber sein. Und manchmal heisst sich selber sein, anders sein.
Wir verstehen, dass es für den Kohen eine Herausforderung ist, sein Kind zu lehren, dass es anders ist als alle anderen. Deshalb ist es angebracht, dass diese Lektion betreffend Chinuch in diesem Zusammenhang erscheint, und dass wir es von hier auf alle jüdischen Eltern anwenden.
Man könnte noch einen anderen Grund vorschlagen, weshalb die Torah gerade in diesem Zusammenhang einen Grundsatz von Chinuch vorstellt.
Es ist recht einfach, Kindern beizubringen, dass sie ihre Eltern ehren sollen, dass sie zu Bedürftigen nett sein sollen, dass sie Wohltätigkeit üben sollen, nicht schlecht über andere sprechen sollen usw. Dies sind vernünftige Richtlinien, die wir Kindern erklären können.
Doch es ist eine gänzlich andere Aufgabe – um beim obigen Beispiel zu bleiben – einem jungen Kind zu erklären, dass es nicht auf einen Friedhof gehen kann, weil es dort "Tumah" hat. "Wo ist ‘Tumah'? Was ist 'Tumah'? Kann ich es fühlen? Kann ich es berühren? Kann ich es riechen?"
Im Endeffekt müssen wir unseren Kindern erklären "Dies ist ein himmlischer Entscheid (Geserat hakatuw)". Dies ist ein 'Chok' – etwas, das nicht mit Vernunft verstanden werden kann. Hier liegt die Schwierigkeit beim Versuch unseren Kindern die Anforderungen der Torah weiterzugeben. Die grundlegende Aufgabe jüdischer Erziehung ist, unseren Kindern zu vermitteln, dass sie manche Einschränkungen akzeptieren müssen, auch wenn sie den Grund dafür nicht verstehen. Beim Konzept von "Na'aseh wenischma" (zuerst tun und dann verstehen) wird Chinuch schwierig. Deshalb wählte die Torah die Parscha von ritueller Unreinheit von toten Menschen (Tumat Met) um uns den Gedanken von "die Erwachsenen für das Verhalten der Kinder verantwortlich zu machen" – mit anderen Worten - jüdische Erziehung nahezubringen. Hier gilt es, seinen Einsatz im Chinuch zu leisten.
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