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Westlich des Schlosses Bettwiesen stand einst die stolze Burg der ehemaligen Freiherren von Bettwiesen. 1471 ging der Wehrbau an das Kloster Fischingen über, zerfiel jedoch allmählich und lieferte 1643 nur noch die Bausteine für den Bau der Kirche von Bettwiesen.
1627 baute der Fischinger Abt Placidus Brunschweiler gegenüber der alten Burg, auf der Höhe des Bettwieser Rebhanges, ein "heiteres" Schlösschen. Ausser dem "gar angenehmen und über die Masse schönen Prospekt (Aussicht)" war auch die gesunde und in "Pestzeiten sehr dienliche Luft", die ihn bewog, sich hier diesen reizenden Sommersitz zu bauen. Und wirklich, als die Pest drohte, zog sich der päpstliche Nuntius mit seinem Gefolge bis zum Erlöschen der Seuche auf den Bettwiesenberg zurück.
Aber auch politische Gründe des baufreudigen Abtes hatten zur Errichtung eines Schlosses auf der Krone des Bettwiesener Weinberges geführt. der Abt beabsichtigte damit nicht nur eine kluge Weitererhaltung der dem Kloster vergabten Burgüter (Weinberg), sondern er gewann dadurch auch einen weiteren Stützpunkt zur Überwachung der in der Umgebung gelegenen Lehenshöfe.
Nach dem Zinsurbar des Gotteshauses Fischingen aus dem Jahre 1643 wurden Zinsen, Renten und Gülden von 25 verschiedenen Dörfern und Höfen - vorallem von Bettwiesen, Sädel, Braunau und Maugwil - jährlich auf das Schloss geliefert und dort verrechnet. Die eigentliche Verwaltung des Gutsbetriebes hatten jeweils die Hausvögte inne. Ausser dem Schloss und der Kapelle zählen auch eine Scheune, ein Pferdestall sowie eine Trotte zu den ältesten Gebäuden der Anlage.
Vom Schloss als Sommer- und Feriensitz der Fischinger Äbte und Mönche erzählen uns die vielen Wappen. Das Wappen des Gründers - ein Brunnen mit zwei gestielten Rosen - ziert den hofseitigen Haupteingang. Daneben befinden sich Reste von Wappen des letzten Abtes Franz Fröhlicher (1836 - 1838).
1751 goss Rosenlächner in Konstanz eine neue Glocke für die Kapelle. 1757 erfolgte die Erneuerung der Kapelle, die im Sommer 2001 mit Unterstützung des Rotary-Clubs Oberthurgau teilweise renoviert worden ist.
Es kamen zierliche Fresken und Stukkaturen im Sinne des Barocks hervor. Die Decke schmückt das Wappen des Abts Niklaus Degen. An der Rückwand befindet sich eine leicht geschweifte, ehemals von der Wohnung aus erreichbare Empore, die wohl als Abtloge diente.
Mit der Aufhebung der thurgauischen Klöster im Jahre 1848 ging auch Schloss Bettwiesen an den Staat über. Dieser verkaufte es bald an Privatleute, und es entstand ein mächtiger Gutsbetrieb, auf dem im Sommer und im Herbst immer viele Taglöhner benötigt wurden.
Wie bekannt damals die Qualität diese Rebsaftes war, zeigt uns das geografische Lexikon der Schweiz (1902): "Die gut gepflegte Rebe liefert den besten Wein des Thurgaus, der nach Zürich, St.Gallen und Wil ausgeführt wird".
Eine fröhliche Zeit erlebte das Schloss gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Damals wurde es dank seiner prächtigen Lage als beliebter Ausflugsort benutzt. Am Sonntag-Nachmittag zog jeweils jung und alt hinauf und vergnügten sich in der "Lusthütte" auf der "vorderen Schlosswiese". Die übrigen aber lauschten im Schlossgarten ehrfürchtig den Klängen der Wiler Stadtmusik. Wenn der Tag zur Neige ging, lud der Saal über der Kapelle zum Tanz ein.
Bis gegen 1900 dauerte das lustige Treiben auf Bettwiesen, dann wurde die Wirtschaft aufgegeben, und die Anlage wird seither als landwirtschaftlicher Betrieb geführt.
Bibliographie