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Heisser Juli
Der Juli war zu warm mit überdurchschnittlichen Niederschlägen. Im letzten Monatsdrittel verursachte ein extremer Gewittersturm massive Schäden in der Region La Chaux-de-Fonds.
Die ersten beiden Monatsdrittel des Juli zeigten sich vorwiegend hochdruckbestimmt mit typisch sommerlichem Wetterverlauf. An vielen Tagen zogen Gewitter auf, die regional Regen, kräftige Böen und zum Teil auch Hagel brachten.
Mit der Annäherung einer Kaltfront entwickelte sich am 11. Juli gegen Abend westlich der Schweiz ein riesiger Gewitterkomplex, der anschliessend schnell über die Schweiz zog. Der Gewitterdurchzug brachte lokal starke Windböen. An mehreren Standorten wurde ein neuer Windrekord für die Sommermonate (Juni bis August) verzeichnet.
Extremer Gewittersturm im Jura
Beim Durchzug eines heftigen Gewitters am 24. Juli gegen Mittag wurden in La Chaux-de-Fonds extreme Windgeschwindigkeiten gemessen. An der MeteoSchweiz Messstation beim Flugplatz lag die höchste 1-Sekunden-Böe bei 217 km/h. Eine Messstation des Flugplatz-Betreibers etwas ausserhalb der Stadt (Mont Cornu) meldete als höchste 3-Sekunden-Böe 165 km/h. Der Sturm, ein sogenannter «Down-Burst», forderte ein Menschenleben und 40 Verletzte. Zahlreihe Gebäude wurden zum Teil massiv beschädigt und etliche Bäume entwurzelt. An vielen Fahrzeuge gab es Schäden durch umstürzende Bäume oder herunterfallende Gebäudeteile. Der Sturm warf einen Baukran um und knickte den Masten einer Hochspannungsleitung. Schwer getroffen wurde auch die Bahn-Infrastruktur. Der Zugsverkehr war unterbrochen (siehe dazu auch Online-Artikel mit vielen Bildern auf gebaeudetechnik.ch).
Im Norden vorübergehend kühl: Nach der heftigen Gewitteraktivität am 24. Juli und einem Kaltfrontdurchgang am 25. Juli, floss aus Nordwesten kühle Polarluft zur Schweiz. Sie stammte aus der Region zwischen Grönland und dem Nordmeer. In allen Landesteilen fiel Niederschlag und auf der Alpennordseite sank die Schneefallgrenze bis gegen 2000 m hinunter. Vom 27. bis am 31. Juli wurden auf der Alpennordseite wieder vielerorts Tagesmaxima von 25 °C und mehr gemessen.
Monatsbilanz Juli 2023
Die Julitemperatur lag in weiten Gebieten der Schweiz 1,0 bis knapp 2,0 °C über der Norm 1991−2020. Auf der Alpensüdseite und im Engadin erreichten die Werte meist 0,6 bis 1,3 °C über der Norm. Im landesweiten Mittel brachte der Juli 1,4 °C über dem langjährigen Mittel. Im Juli fielen vor allem in der Nord- und Nordostschweiz, auf der Alpensüdseite und im Engadin sowie im oberen Wallis in grösseren Gebieten überdurchschnittliche Monatssummen. Lokal erreichten die Werte 130 bis 160 % der Norm. Deutlich unterdurchschnittlich blieben die Mengen hingegen im Jurabogen vom Genfersee bis zum Neuenburgersee. Lokal gab es nur 30 bis 40 % des langjährigen Mittels.
Die Sonnenscheindauer lag im Juli in den meisten Gebieten der Schweiz im Bereich der Norm. In Gipfellagen und entlang des östlichen Alpennordhangs blieben die Werte lokal unter 90 % des Durchschnitts.
Achterbahnfahrt der Temperaturen im August
Im ersten Monatsdrittel zeigte sich der August kühl mit Schneefall in den Bergen. Ab dem zweiten Monatsdrittel meldete sich der Hochsommer zurück und brachte Temperaturen bis über 38 °C. Das erste Monatsdrittel zeigte sich vorwiegend tiefdruckbestimmt. Mit der Umstellung auf sonniges Hochdruckwetter stiegen die Tageshöchstwerte ab dem 11. August beidseits der Alpen zunächst gebietsweise auf 30 °C und mehr. Ab dem 14. August wurde die 30 °C Marke verbreitet erreicht oder überschritten.
Die Hitze erreichte ihr Maximum am 24. August. Die Tageshöchstwerte erreichten vielerorts 35 °C oder mehr, in der Westschweiz lokal 38 bis über 39 °C. An 27 Messstandorten mit längeren Messreihen gab es neue Augustrekorde. An acht Messstandorten mit längeren Messreihen wurde die absolut höchste Temperatur seit Messbeginn registriert. In der Nacht vom 20. auf den 21. August 2023 erreichte die Nullgradgrenze über der Schweiz die Rekordhöhe von 5298 m. Der bisherige Rekord von 5184 m vom 25. Juli 2022 wurde damit deutlich übertroffen.
Ergiebige Niederschläge: Ab dem 25. August strömten aus Südwesten und Süden feuchtwarme Luftmassen zur Schweiz. Am 25. August wurde das Tessin von einem verheerenden Hagelschlag heimgesucht. Besonders in den Regionen Losone, Locarno, Muralto, Minusio und auch in Ascona gab es grosse Schäden an Gebäuden und Fahrzeugen.
Vom 26. bis am 29. August fielen zunächst auf der Alpensüdseite, später auch in Graubünden und weiteren Teilen der Ostschweiz grosse Niederschlagsmengen. Im Tessin und im Misox gab es gebietsweise 3-Tagessummen von 200 bis 300 mm. Die Starkniederschläge führten an 17 Messstandorten mit längeren Messreihen zum nassesten August seit Messbeginn. Mit einer Abkühlung zum Monatsende sank die Schneefallgrenze auf rund 2000 m.
Monatsbilanz August 2023
Die Augusttemperatur lag in der Schweiz verbreitet 1,0 bis 1,7 °C über der Norm. In der Westschweiz gab es lokal auch Werte zwischen 2.1 und 2,4 °C über dem Durchschnitt. Im Engadin sowie lokal am zentralen und östlichen Alpennordhang und im Oberwallis bewegte sich die Augusttemperatur zwischen 0,6 und 1,1 °C über der Norm. Das landesweite Mittel lag 1,2 °C über dem langjährigen Mittel.Mit dem Starkniederschlag Ende Monat stiegen die Monatssummen regional weit über den Durchschnitt. Auf der Alpensüdseite, im Kanton Graubünden sowie am zentralen und östlichen Alpennordhang lagen die Werte verbreitet zwischen 120 % und 180 % und lokal um 200 % der Norm. An einigen Messstandorten mit längeren Messreihen war es der nasseste August seit Messbeginn. Auch in den Walliser Südtälern erreichten die Monatssummen lokal um 200 % des langjährigen Mittels. In der westlichen Hälfte der Schweiz blieben die Monatssummen hingegen verbreitet unter der Norm.
Die Sonnenscheindauer erreichte im August in den meisten Gebieten der Schweiz zwischen 90 und 100 % der Norm. Auf der Alpensüdseite stiegen die Werte verbreitet auf 100 bis 110 % des langjährigen Mittels.
Warmer und trockener September
Eine anhaltend sehr milde und sonnige Periode zum Monatsbeginn führte zum wärmsten und lokal zum sonnigsten September seit Messbeginn. Im letzten Monatsdrittel fielen auf der Alpensüdseite regional grosse Niederschlagsmengen. Anhaltend sonniges Hochdruckwetter vom 1. bis am 11. September führte zu extrem milden Bedingungen. Auch die Periode vom 24. bis am 29. September war sehr sonnig. Auf der Alpennordseite wurde schliesslich regional einer der sonnigsten September seit Messbeginn verzeichnet.
Mehrere Messstandorte registrierten schliesslich die deutlich wärmste 14-Tagesperiode für den Monat September. Lokal lagen die Werte rund 2 °C über den bisherigen Höchstwerten.
Neue Temperaturrekorde: Neue Septemberrekorde gab es bei der Tagesmaximum-Temperatur an 15 Messstandorten und bei der Tagesmittel-Temperatur an 27 Messstandorten mit längeren Messreihen. Sie wurden in der Periode vom 4. bis am 12. September verzeichnet. Die Rekorde kamen aus unterschiedlichen Regionen der Schweiz wie dem Jura, dem Wallis, dem Mittelland, dem Engadin und auch von Gipfellagen. Auch die Anzahl Hitzetage stieg lokal in den Rekordbereich. In der Nacht vom 3. auf den 4. September stieg die Nullgradgrenze auf eine Höhe von 5253 m. Das ist der zweithöchste je gemessene Wert. Der Rekord von 5298 m stammt vom 21. August 2023.
Viel Niederschlag auf der Alpensüdseite: Am 18. sowie zwischen dem 20. und 22. September fielen südlich der Alpen starke Niederschläge. Die höchsten Tagessummen wurden im nordwestlichen Tessin gemessen. Die Werte erreichten 145 bis knapp 170 mm. Auch im benachbarten Kanton Graubünden gab es am 21. und 22. September heftige Niederschläge mit Summen zwischen 120 und 130 mm. Gegen Ende des Ereignisses fiel Schnee bis auf 1200 m hinunter.
Monatsbilanz September 2023
Die Septembertemperatur lag in der Schweiz verbreitet 3,5 bis 4,5 °C über der Norm. Gipfellagen in den Alpen und im Jura meldeten lokal 4,5 bis knapp 5 °C über dem Durchschnitt. Das landesweite Mittel lag 3,8 °C über der Norm. Es war der bei weitem wärmste September seit Messbeginn 1864.
Die Niederschlagssummen stiegen auf der Alpensüdseite regional auf 140 bis 160 % und lokal auf 170 bis 180 % der Norm. Im Kanton Graubünden gab es gebietsweise Mengen von 140 bis 170 % des Durchschnitts. In den meisten übrigen Gebieten der Schweiz bewegten sich die Monatssummen zwischen 50 und 70 % des langjährigen Mittels. Lokal fielen jedoch massiv überdurchschnittliche Septembersummen, wie zum Beispiel in Pully mit 173 % oder in Buchs-Aarau mit 172 % der Norm.
Die Sonnenscheindauer erreichte im September nördlich der Alpen verbreitet 140 bis 160 % der Norm. An mehreren Messstandorten mit längeren Messreihen war es der sonnigste September seit Messbeginn. Auf der Alpensüdseite bewegte sich die Sonnenscheindauer vielerorts zwischen 110 und knapp über 120 % des langjährigen Mittels.