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Hergestellt von Sony Corp., Tokyo.
Der Sony ICF-6800W nahm in der Hierarchie der Weltempfänger aus dem Hause Sony einen Sonderplatz ein, aufgrund seiner Empfangseigenschaften wäre er eher den professionellen Geräten aus der CRF-Serie zuzuschlagen, vom technischen Aufbau und der Preisgestaltung her gehörte er in die Reihe der Heim- Kurzwellenempfänger, auch die Typenbezeichnung weist auf diese Empfängerkategorie hin. Nach einer ersten Serie wurde der ICF-6800W besonders hinsichtlich seines ungenügenden Grosssignalverhaltens überarbeitet und erhielt schmälere ZF-Filter, die hohe Empfindlichkeit wurde an die Signalstärken in Mitteleuropa angepasst:
Mit dem Schwestermodell ICF-6700W hat der Sony ICF-6800W die nur diesen Sony-Geräten eigene Brotkastenform in Form eines länglichen Quaders gemeinsam. Das anthrazitgraue 45,3 x 18,4 x 22,7 cm grosse und 6,2 kg schwere Gerät verfügt zwar über seitliche Traggriffe mit Ösen zum Einschlaufen eines Tragegurtes, der Sony hat aber doch das Format eines ausgewachsenen Stationsempfängers.
Die Stromversorgung kann mit 110/220 V Wechselstrom übers Netz wie auch mit 6 UM-1 - Batterien, die ins Batteriefach unter dem mit einer Weltzeituhrtabelle und einer Rundfunkbandübersicht bedruckten Klappdeckel auf der Geräteoberseite eingelegt werden, erfolgen.
Das linke Drittel der Frontplatte wird vom gelochten Lautsprechergrill eingenommen, unten liegen die getrennten Höhen- und Bassregler und der Lautstärkeregler in einer Reihe, es schliessen sich zu beiden Seiten die Kopfhörerbuchse resp. die Buchsen für einen Tonbandausgang und eine Timersteuerung an, erst bei kurzgeschlossenen Kontakten wird der Empfänger aktiviert. Auf der Frontplatte liegt links oben der Netzschalter, darunter zwei kleine Drucktaster, der eine aktiviert bei Batteriebetrieb die Skalenbeleuchtung und zeigt die Batteriespannung am S-Meter an, der andere dient dazu, die digitale Frequenzanzeige zur Energieersparnis abzuschalten. Das grosse runde S-Meter ist gut ablesbar, ist aber mit 1 - 9 am Vollausschlag nicht den üblichen Konventionen entsprechend geeicht. Rechts davon liegen die Drucktasten für UKW, MW und Kurzwelle, daneben der als Drehschalter ausgeführte Betriebsartenschalter, mit dem in AM die beiden ZF- Filterbandbreiten und im SSB-Empfang die beiden Seitenbänder unabhängig gewählt werden können.
Der Drehschalter weiter rechts wählt die 1 MHz-Segmente des Kurzwellenbereiches, mit dem Drehknopf wird die letzte MHz-Stelle geschaltet, ein Knebelschalter wählt den 0-10, 10-20 resp. 20 - 30 MHz-Abschnitt - auf diesen Schalter möchte ich hier schon speziell hinweisen: bei vielen gebraucht zum Verkauf stehenden ICF-6800W sind ein oder mehrere dieser 10 MHz-Bereiche ausgefallen, in der Regel sind Bauelemente der MHz-Synthesizer - Schaltung aus der Toleranz gelaufen, was dazu führt, dass der Synthesizer nicht mehr rastet und die Anzeige bei einem Wert um 80000 endlos durchläuft, und der Empfänger in diesem Bereich schweigt. Entgegen mutmachenden Hinweisen auf den eBay-Seiten „ein Tropfen Kontaktspray wird's schon richten“, ist es damit nicht getan, es müssen zahlreiche Bauelemente ersetzt werden, wozu sich kaum noch Werkstätten finden, die sich die Reparatur zutrauen.
Rechts neben dem MHz - Bereichsschalter findet sich als letztes der RF-Gain - Regler, der die HF-Verstärkung regelt. Die Abstimmung des Preselektors auf Signalmaximum muss feinfühlig mit dem darunter gelegenen Knopf erfolgen, eine kleine Hilfsskala gibt Auskunft über die Preselektoreinstellung. Neben dem Hilfsskalenfenster verbergen sich hinter unklem Plexiglas die roten LED-Ziffern der digitalen Frequenzanzeige, die bei Beleuchtung des Gerätes von vorn schlecht ablesbar sein kann. Wie einige Stationsempfänger in den frühen Achzigerjahren verfügt der ICF-6800W nicht nur über die auf 1 kHz genaue digitale Frequenzanzeige, sondern auch über eine analoge Trommelskala, die mit Marken alle 5 kHz eine Frequenzbestimmung auf 2,5 kHz genau problemlos möglich macht. Der Eichstrich kann mit einem Rändelrad verschoben werden, entsprechend der Digitalanzeige resp. der Frequenzansage einer empfangenen Station. Linkerhand unterhalb des S-Meters liegt die Hilfsskala des UKW-Teils und der Schalter der automatischen Frequenzkorrektur, bei meinem Gerät hilft die Analogskala nur zur groben Bestimmung der UKW-Frequenz. Und zuletzt muss noch ein fast einzigartiges Feature des ICF-6800 W erwähnt werden, hinter einer kleinen Klappe an der Unterseite der Frontplatte verbirgt sich ein Lämpchen, das dazu dient, zu nachtschlafener Zeit das Logbuch des immer noch wachen DXers zu beleuchten…
Im praktischen Einsatz ist beim ICF-6800 W vor allem auf eine feinfühlige Einstellung des Preselektors zu achten. Schon beim Betrieb an der Teleskopantenne ist der ICF-6800W ein sehr empfindliches Gerät, wird eine Langdrahtantenne an die Klemmen angeschlossen, so kann es aufgrund des eingeschränkten Dynamikbereiches zu Intermodulationserscheinungen mit Durchschlagen starker Stationen auf anderen Frequenzen kommen. Mit dem Preselektor wird nur ein schmales gewünschtes Segment aus dem ganzen Kurzwellenspektrum, das am Antenneneingang anliegt, auf den ersten Mischer gegeben. Diese Einstellung muss beim ICF-6800W manuell geschehen, mit dem Preselektorknopf kann das Signal ge„peakt“ werden, die Preselektor- Hilfsskala unterstützt den Hörer dabei, dass er nicht auf Signalmaximum einer „Geisterstation“ abstimmt.
Durch diesen Kunstgriff erhält der ICF-6800W trotz hoher Eingangsempfindlichkeit ein akzeptables Grossignalverhalten, an langen Antennen an Winterabenden in überfüllten Rundfunkbändern muss dennoch gelegentlich zur Signalabschwächung mittels RF-Gain gegriffen werden. Die frühere „weisse“ Version des ICF-6800W zeigte bei noch etwas höherer Empfindlichkeit mit einer aktiven Verstärkerstufe im Preselektor noch mehr dieser Grosssignalprobleme. Da eine Feinabstimmung fehlt, ist beim SSB-Empfang zur Abstimmung mit dem Hauptabstimmknopf eine ruhige Hand vonnöten, SSB-Empfang und ECSS-Empfang, bei dem bei AM-Stationen der geräteinterne Hilfsträger zugemischt wird, sind aber bei sehr guter Frequenzstabilität gut möglich, für einen portablen Empfänger sind die Empfangsleistungen überdurchschnittlich. In der „orangen“ Version werden schmalere ZF-Filter eingesetzt, die sehr praxisgerecht sind, das originale AM-wide - Filter der „weissen“ Version war zum Einsatz in Rundfunkbändern mit 5 kHz-Stationsabstand ungeeignet.
Im UKW-Bereich machte das Gerät Testern in USA bei geringerer Stationsdichte einen guten Eindruck, zum UKW-DX in Europa sind andere Empfänger mit schmaleren ZF-Filtern und digitaler Frequenzanzeige vorzuziehen, zum Empfang der Lokalstation auf UKW zur Abwechslung reicht's aber allemal. Der Sony ICF-6800W ist ein „bare bone“- Kurzwellenempfänger, er verfügt weder über eine Digitaluhr noch über Speichermöglichkeiten und auch nicht über erweiterte Möglichkeiten der Signalnachbearbeitung wie Passbandtuning oder Notch-Filter. Auch Sony grösste Kurzwellenempfänger verfügten nie über solche von Geräten aus der Amateurfunkindustrie oder Profi-Geräten her bekannte Zusatzschaltungen.
Ein Negativpunkt ist der komplizierte mechanische Aufbau, der Servicearbeiten extrem mühsam macht, und der Umstand, dass im Gegensatz zu Profigeräten bei fünfzehn bis zwanzig Jahre alten Geräten sehr häufig technische Probleme bei der Bandschaltung auftauchen. Sehr häufig sind bei angebotenen Geräten ein oder mehrere 10 MHz-Bereiche nicht mehr abstimmbar, wenn der Bandschalter in einem betroffenen Bereich steht, hört man nur Rauschen und das Display zeigt eine Zahl um 80000 an… Dieser Defekt dürfte durch aus der Toleranz laufende Bauteile bedingt sein, die den MHz-Synthesizer nicht mehr auf der entsprechenden Oberwelle des die 10 MHz- oder MHz-bestimmenden Oszillators einrasten lassen. Die Reparatur ist aufwendig und wird von Sony selbst schon lange nicht mehr durchgeführt, nur wenige Experten wagen sich daran, diesen Defekt des Frequenz- Bandsynthesizers zu beheben. Vor Erwerb eines Gebrauchtgerätes sollten - wenn man nicht selbst Servicefachmann ist - sämtliche Funktionen gut durchgecheckt werden. Ein ICF-6800W in gutem Zustand bleibt aber ein hervorragender DX-Empfänger der auch im Tropenbandbereich gut eingesetzt werden kann und das HF-Signal bei geringem Rauschen sehr angenehm hörbar macht.
Das Hochfrequenzsignal durchläuft nach dem Preselektor und dem RF-Gain-Regler eine Verstärkerstufe und wird auf die erste Zwischenfrequenz von 19,055 MHz umgesetzt, nach der Umsetzung auf die zweite ZF von 455 kHz und den ZF-Filtern wird das Signal auf den AM- und den SSB- Produkt-Detektor gegeben, hier wird auch zum CW-Empfang der Hilfsträger des BFO zugemischt. Nach weiterer Verstärkung, Klangregelstufe gelangt das Signal über den Endverstärker an den Lautsprecher.
Im UKW-Bereich arbeitet der ICF-6800W als Einfachsuper mit einer Zwischenfrequenz von 10,7 MHz, bei getrennten Signalwegen wird hier nur die Verarbeitung des Tonsignals geteilt.
Das Gerät ist halbleiterbestückt.