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Sieben mal sieben
Woran denkt ihr, wenn ihr «Geld für Alle!» hört? An eine sozialistische Vision? An das bedingungslose Grundeinkommen? An Égalité? Daran, dass in der Geschichtsstunde vor Jahren der Lehrer erzählt hat, dass nach dem Krieg jeder Deutsche gleich viel Geld in die Finger gedrückt bekommen habe und nach einigen Monaten die einen es vermehrt hatten und […]
Woran denkt ihr, wenn ihr «Geld für Alle!» hört? An eine sozialistische Vision? An das bedingungslose Grundeinkommen? An Égalité? Daran, dass in der Geschichtsstunde vor Jahren der Lehrer erzählt hat, dass nach dem Krieg jeder Deutsche gleich viel Geld in die Finger gedrückt bekommen habe und nach einigen Monaten die einen es vermehrt hatten und die anderen wieder auf Grund gelaufen waren? (Möglicherweise verstümmelt diese Version die Realität entsetzlich; falls jemand sagen kann, wie herum die Geschichte stimmt, freue ich mich auf Infoaustausch.) Denkt jemand bei der Forderung «Geld für Alle!» an Kunst?
Doch genau das ist die Frage, auf die die Ausstellung im Nextex Antworten sucht. Es geht dabei nicht um die wirtschaftliche Überlegungen, wie mit Kunst Geld gemacht wird, sondern um die Idee, das Kunst selber eine Währung ist.
Initiiert hat das Projekt der Basler Johannes Burr. Der Künstler der in Berlin, Moskau und London studiert hat und heute in Berlin wohnt, verfolgt die Idee seit mehreren Jahren. Angefangen hat es schon, als er noch an der Kunstakademie studierte. Einen Film ohne Geld, über Geld wollte er machen, der dann vieles einspielen sollte. «Das liess sich nicht realisieren», lachte Burr an der Vernissage gestern im Nextex.
2006 war die Geburtsstunde des Kreditkoffers. Burr machte sich selber zur Bank und übergab seinen Kreditkoffer, ausgestattet mit allem technisch Nötigen, demjenigen, der bereit ist diesen Kredit anzunehmen – mit allen Bedingungen die vertraglich festgelegt sind. Sieben Tage hat der Kreditnehmer Zeit die Aufgabe zu lösen und muss dann den Koffer weitergeben. Sieben Mal wandert er und kehrt dann zu Burr zurück. Sechs Mal war der Koffer schon unterwegs. In Basel, in Berlin, in Brasilien und Polen. Die Sieben voll, macht nun St.Gallen.
Sieben Kettenfilme mit fast 49 «Einzelteilen» sind seit 2006 unter dem Titel «Kredit #1-7» entstanden. Die Rückzahlung des Kreditkoffers missglückte nur zwei Mal. Einmal in einem Asylheim, weil einer der Teilnehmer überraschend versetzt wurde und einmal in Brasilien, da dort die sieben Tage grosszügiger interpretiert wurden und Burrs Aufenthalt nur drei Monate dauerte. In St.Gallen klappte es reibungslos und jetzt bilden die sieben Videos das Herz der Ausstellung «Geld für Alle!». Per Kopfhörer kann man sich in die Geschichten und Antworten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer versenken und gleichzeitig seinen eigenen Gedanken nachhängen.
Zentral ist Burr – wie auch dem Nextex, dessen Räume diskursiv genutzt werden sollen – die Interaktionen zwischen den Teilnehmern, die im Kabelsalat der sieben schwarzen TV-Kisten mit den sieben DVD-Playern und den sieben Kopfhörern für die Besucher nur erahnbar sind. Das ist ein bisschen wie mit den Geldscheinen in unseren Portemonnaies.
Die Antworten auf die Frage «Was ist Kunst» sind bis zum 5. Juli im Nextex zu hören und zu sehen. An einer breitangelegten Veranstaltungsreihe werden weitere Antworten zwischen Kunst und Ökonomie gesucht, ob im in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern, wie den Riklins oder der Wiener Künstlergruppe «Wochenklausur», oder im Kinok, das eine Reihe dazu auf die Beine gestellt hat. Die Filme stehen auch hier nie alleine, sondern sind samt und sonders in Gespräche eingebettet. Wohin man blickt: Es geht immer um Austausch.