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Demnächst wird Donald Trump darüber entscheiden, wer Präsident der US-Notenbank sein wird. Dieser Job wird von vielen als der wichtigste der Welt bezeichnet.
Der amerikanische Präsident kann den berühmt-berüchtigten Knopf drücken, der einen apokalyptischen Atomkrieg auslöst. Er kann aber auch etwas tun, das die Weltwirtschaft ins Elend stürzen kann: Er entscheidet darüber, wer Chef der US-Notenbank, der Fed, wird. Die Geldpolitik der mächtigsten Zentralbank wiederum hat einen gewaltigen Einfluss auf das Wohlergehen der Weltwirtschaft.
Donald Trump wird diesen Entscheid demnächst fällen. Bereits hat er verschiedene Kandidaten vorgeladen und mit ihnen Job-Interviews geführt. Das sind die Kandidaten, die die grössten Chancen haben:
Die vernünftigste Lösung für Trump wäre, die amtierende Fed-Präsidentin Janet Yellen für weitere vier Jahre im Amt zu bestätigen. Sie hat dafür gesorgt, dass sich die US-Wirtschaft in den letzten Jahren kontinuierlich erholt hat, und erhält deshalb von fast allen Seiten uneingeschränktes Lob.
Trump hätte für diese Wahl auch handfeste Gründe: In einer Zeit, in der die Russland-Affäre immer noch über dem Weissen Haus schwebt, in der ein Atomkrieg mit Nordkorea und neuerdings auch mit dem Iran möglich geworden ist, und in der eine Steuerreform durch den Kongress gepeitscht werden muss, müsste der Präsident eigentlich alles Interesse haben, dass an der Wirtschaftsfront Ruhe herrscht.
Deshalb wäre Yellen die logische Wahl. Sie wäre ein Garant für eine unaufgeregte Geldpolitik. Ideologisch hätte Trump kein Problem. Er könnte sich in eine illustre Tradition einreihen: Ronald Reagan hat Paul Volcker im Amt bestätigt, Bill Clinton Alan Greenspan und Barack Obama Ben Bernanke.
Nur gehört Logik nicht zu Trumps Kernkompetenz. Zudem will er offensichtlich alles zerstören, was Barack Obama geschaffen hat. Daher ist zu befürchten, dass Yellen das Rennen nicht machen wird.
Taylor ist Ökonomie-Professor an der Stanford University und hat sich mit der Taylor-Rule einen internationalen Ruf geschaffen. Sie besagt, dass sich die Geldpolitik einer Zentralbank am Verhältnis der Produktionslücke und der Inflation orientieren soll (fragt nicht!).
Taylor gilt als Hardliner, er wäre gewissermassen die Anti-These zu Yellen. Das würde bedeuten, dass die Fed die Leitzinsen in rascher Folge massiv erhöhen würde.
Ob eine solch ideologisch geprägte Geldpolitik der Fed Trump nützen würde, ist fraglich. Die geplante Steuerreform wird zumindest kurzfristig für eine massive Erhöhung des Staatsdefizits sorgen – wahrscheinlich auch langfristig, aber das ist eine andere Geschichte. Sollte die Fed gleichzeitig einen harten Kurs fahren, dann wird ein Absturz der US-Wirtschaft ein realistisches Szenario.
Powell ist ein ehemaliger Investmentbanker. Er ist bereits Mitglied des Federal Reserve Board of Governors, dem Aufsichtsgremium der Fed. Er gilt als gemässigter Hardliner und konservativer Republikaner.
Er unterstützt ausdrücklich die Steuerpolitik des Präsidenten und wurde von ihm bereits als möglicher Fed-Chef ins Gespräch gebracht. Gegen ihn spricht, dass er kein gelernter Ökonom ist.
Warsh hat ebenfalls keine ökonomische Ausbildung und stammt wie Powell aus der Finanzindustrie. Er ist zudem erst 47 Jahre alt und damit für das Amt eines Fed-Präsidenten relativ jung.
Warsh könnte jedoch von seinen Beziehungen profitieren. Sein Vater ist Milliardär und gut mit Trump befreundet. Gleichzeitig unterstützt er Trumps Steuerpolitik und hat keinerlei Bedenken, die Staatsschulden weiter auszuweiten. Er wird deshalb als Favorit für das Amt des neuen Fed-Präsidenten gehandelt.
Aussenseiterchancen haben Gary Cohn und Neel Kashkari. Cohn ist ehemaliger Goldman-Sachs-Banker und derzeit ökonomischer Berater von Trump. Er galt lange als Kronfavorit, doch nach den Nazi-Krawallen in Charlottesville hat er den Präsidenten öffentlich kritisiert. Das mag dieser nicht, deshalb gilt Cohn nun als chancenlos. Kashkari wäre eine Art «Yellen-light», so gesehen eine vernünftige Option. Gerade das dürfte sei Handicap sein.