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OVER THE RAINBOW
von
John McLane
2 Originaltitel OVER THE RAINBOW
Originalausgabe ©2001 - 2015 John McLane Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf - auch teilweise - nur mit Genehmigung von John McLane wiedergegeben werden. Umschlaggestaltung: John McLane Umschlagabbildung: http://johnmclane.jimdo.com/ https://www.facebook.com/pages/John-McLane/1569516223263144 https://twitter.com/JohnMcLane1960
4. Die Gärten des Lebens
Die Villa lag am Südufer des Sees vor einem grauen, steilen Bergmassiv, das sich östlich und westlich um den See fortsetzte. Nur am Nordufer begrenzte ein dichter Nadelwald den See. Er lag völlig eingeschlossen in dem weiten Tal, silbern schimmernd im Licht der Abendsonne, die langsam im Westen hinter den Bergen versank. Schilfbewachsen lag er da, ein ruhiges, stilles Wasser, die Oberfläche wurde von keinem Windhauch gekräuselt.
Es schien keinen Weg hinüber zu der alten Villa zu geben. Ein schmiedeeiserner Zaun, verziert mit Symbolen aus uralter Zeit, umgab sie. Der Zaun endete an einem großen, hohen, schmiedeeisernen Tor, dessen beiden Flügel fest verschlossen waren. Der Zaun und das Tor schimmerten mit silberner Farbe gestrichen und die Schmiedearbeiten zeugten von großer Geschicklichkeit. Hinter dem Zaun lag ein kleiner Park, hohe, uralte Eichen, mit weiten, ausladenden Ästen. Ein breiter, gepflegter Kiesweg führte zur Eingangstür der Villa hinauf, gesäumt von Blumenbeeten.
Die Villa selbst war weiß gestrichen, hatte eine breite, ausladende Veranda, und auch im ersten Stock über der Veranda führte ein breiter Holzbalkon um das Haus. Das Dach wirkte verspielt durch die Ansammlung von Erkern, Türmchen und Schornsteinen.
Die Villa selbst stand hier seit Ewigkeiten, niemand wusste, wer sie erbaut hatte. Sie sah noch immer so aus wie am ersten Tag, zeigte auch nach Jahrhunderten keinerlei Alterserscheinungen. Sturm und Regen getrotzt, hatte ihr Aussehen nicht gelitten.
Langsam versank die Sonne hinter den Bergen und der See und die Villa wurden verschluckt von völliger Dunkelheit. Erst nach einiger Zeit kamen die Monde hervor und sandten ihre silbernen Strahlen herunter.
Ein paar Stunden später wurde der Waldrand plötzlich lebendig. Gestalten in weißen Kutten huschten geschäftig herum, vermummt bis auf das Gesicht. Runenzeichen verzierten ihre Kutten, verrieten, welche Stellung die Gestalten in der Gemeinschaft der Druiden einnahmen.
Auf einem kleinen Hügel stand eine einsame Gestalt in einer roten Kutte. Der Mann schien noch jung zu sein, obwohl er nach Anzahl der Jahre, die er auf dieser Welt verbracht hatte, längst gestorben sein musste. Sein Name war Ragnor, er war der Anführer der Druiden.
Sein langes blondes Haar fiel ihm bis auf die Schultern herab und umrahmte ein jungenhaftes, bartloses Gesicht, dass wie das Antlitz eines Engels wirkte. Doch in Wahrheit war er das genaue Gegenteil, ein finsterer, eiskalter Geselle, der mit dunklen Mächten paktierte.
„Beeilt euch“.
Laut hallte seine Stimme durch den Wald, während er seine Untertanen beobachtete, die schnell Holz aus dem Wald heranschleppten und zu einem riesigen Scheiterhaufen aufschichteten. Ragnor war hochgradig nervös. Bald hielt ihn nichts mehr auf seinem Hügel und er ging hinab, mischte sich unter seine Gefolgsleute, trieb sie mit Zurufen und Schlägen an. Wenn ihm einer der 5 anderen zu nahe kam, beeilte er sich weiter zu kommen und wich Ragnor aus, denn dessen Grausamkeit und Ungeduld war seinen Gefährten nur allzu bekannt.
Endlich hatte der Scheiterhaufen die vorgesehene Höhe erreicht. Die gesichtslosen Druiden bildeten einen Kreis um das aufgestapelte Holz und fassten sich bei den Händen.
Ragnor stellte sich an die Stelle des Kreises, von der aus er genau nördlich des Scheiterhaufens stand. Er nahm die beiden Ketten von seinem Hals, in jede Hand eines der Runenzeichen, die er um den Hals getragen hatte. Seine Gefährten rechts und links von ihm griffen nach seinen Händen, umschlossen mit ihm die Runenzeichen, schlossen den magischen Kreis.
Der Anführer der Druiden warf den Kopf zurück, richtete den Blick zum Sternenhimmel.
Ein jeher Windstoß fegte die Wolken beiseite und machte den Blick frei auf das Sternzeichen der Todesfee.
Ragnor stieß einen wilden Schrei aus. Seine Augen begannen in einem blutigen Rot zu leuchten.
Das war das Zeichen für einige Druiden, die innerhalb des Kreises standen. Sie entzündeten hastig Fackeln und warfen sie auf den Scheiterhaufen. Gierig tanzten die Flammen über das trockene Holz und mit einem Knall brannte der riesige Scheiterhaufen an. Blutrot beleuchteten die Flammen das Schauspiel, die Gluthitze trieb die Druiden innerhalb des Kreises ein Stück zurück.
„Bringt es her“.
Ragnor brüllte wie von Sinnen. Als ein nahe stehender Druide dem Befehl nicht gleich folgte, schoss aus Ragnors Augen ein roter Blitz und verbrannte den Unglücklichen augenblicklich zu Asche. Daraufhin beeilten sich die anderen, um nicht das Schicksal des Unglücklichen zu teilen.
„Feuer brenne heiß und rot, Blut dazu, dann kommt der Tod...“ Ragnors Stimme überschlug sich. Zwei Druiden führten ein schwarzes Einhorn herbei, ein sehr seltenes Tier, dass die Druiden lange Zeit gesucht hatten. Sie führten das Einhorn dicht zu dem Scheiterhaufen. Das Tier zitterte, wehrte sich, bäumte sich auf, aber die Druiden ließen nicht locker.
„Tut es, jetzt“!
Ragnors Befehl schnitt peitschend durch die Nacht. Einer der Druiden zog ein langes Messer mit blau schimmernder Klinge unter der Kutte hervor. Mit wenigen Schritten war er bei dem Einhorn und stach zu. Das Tier brach sofort zusammen. Die Druiden hoben es gemeinsam hoch und schleuderten es auf den Scheiterhaufen.
Sofort stimmte der Kreis der Druiden einen hohen Singsang an. Dumpf hallten die Stimmen weit durch den Wald, über den See hinaus und brachen sich als Echo an den Felsen der Berge.
Das Feuer wuchs und die Flammen schlugen höher und höher.
Ragnor spürte gewaltige Energie in sich hineinströmen, die Runenzeichen in seinen Händen verbrannten seine Haut, sein Fleisch. Aber er spürte die Schmerzen nicht, konzentrierte sich völlig auf seine Aufgabe, die zu tun er geboren war. Heute Nacht erfüllte sich die Weissagung und er tat, was das Schicksal ihm vor Urzeiten vorbestimmt hatte.
Die Kraft der Energie in ihm sprengte seinen Körper fast auseinander und mit einem wilden, heiseren, nicht enden wollenden Schrei riss er den Kopf hoch, fixierte das Sternbild der Todesfee und wie zuvor schossen Blitze aus seinen Augen, nur diesmal mitten in das Sternbild hinein. Ragnor schrie und schrie...
Schemenhafte, durchsichtige Wesen stiegen aus dem Scheiterhaufen hervor. Sie sahen aus wie Engel, unglaublich schön anzusehen auf den ersten Blick, doch wer genau in ihre Gesichter schaute, wurde schnell eines besseren belehrt. Auf den geflügelten, feingliedrigen, durchsichtigen Körpern saßen Köpfe mit abstoßenden, hässlichen Fratzen. Das war der Preis den die Todesfeen zahlen mussten, als sie sich von den Elfen ab- und der Finsternis zuwandten. Schauriges Heulen drang aus ihren Kehlen und dort wo sie den Scheiterhaufen verließen, bildete sich eine dicke Eisschicht. Nicht einmal die glühende Hitze des Scheiterhaufens vermochte das Eis zu schmelzen.
Ragnors Schrei erstarb. Er brach auf die Knie und starb, bevor sein Körper die Erde berührte. Dieser Abend war sein Schicksal, war vorherbestimmt und nun hatte er die Vorsehung erfüllt.
Ein Druide war unachtsam, stolperte über einen Stein und fiel mitten durch eine Todesfee hindurch. Sein Körper erstarrte zu Eis und als er aufschlug, zersprang er in unzählige Eissplitter.
Das riss den Rest der Druiden aus ihrer Starre. In weiten Sprüngen hetzten sie in den dunklen Wald, getrieben von Todesangst ergriffen sie die Flucht.
Die Todesfeen sammelten sich am See. Ihre Füße berührten die Erde nicht, sie schwebten dicht darüber. Eine von ihnen, ihre Führerin trug ein Amulett um den Hals, deutete über den See und stieß ein hasserfülltes Fauchen aus.
Sofort setzten sich die Todesfeen in Bewegung. Sie schwebten über den See, berührten nicht die Wasseroberfläche, es war ein gespenstischer Anblick.
In kürzester Zeit erreichten sie die Villa. Einige berührten den Zaun. Dort, wo sie ihn berührten, lief das silberne Metall schwarz an und bekam Rostflecke. Eine berührte das Tor. Es wurde ebenfalls schwarz, schwang auf und ein Flügel fiel ins Gras, während der andere schief an einer Türangel hängen blieb.
Gemeinsam schwebten sie den Kiesweg entlang und dort, wo ihre Aura Blumen und Bäume streifte, verwelkten die Blumen, fielen Blätter ab und Bäume wurden grau.
Plötzlich stand er vor ihnen, der Bewahrer der Erde. Er stand still da, hielt ihnen den Stab entgegen.
" Du kannst uns nicht aufhalten," raunte es in seinem Kopf.
"Geht nicht weiter," antwortete er. " Verschont meine Gärten, sie garantieren alles Leben."
Seine Stimme war ein heiseres Flehen, geboren aus Hilflosigkeit. Er konnte sie nicht aufhalten, dass wusste er, dass mussten andere tun.
Gib den Weg frei, du Narr," keifte die Anführerin.
Widerstrebend trat er zur Seite, tiefe Trauer erfüllte sein Inneres und Tränen rannen über seine Wangen. Die Berührungen der Todesfeen verwandelten das schöne, weiße Haus in einen Haufen unansehnliches, graues, faulendes Holz. Sie schwebten einen dunklen Gang entlang, erfüllten die ehemalige Wärme des Hauses mit ihrer Eiseskälte.
Nachdem sie mehrere Türen und Räume hinter sich gelassen hatten, erreichten sie die Gärten, die versteckt vor der Welt hinter einer magischen Wand lagen. Da sie selbst Wesen der Magie waren, durchschritten sie diese ohne Schwierigkeiten.
Hier wurde die Magie geboren, gab dem Bewahrer der Erde Kraft und Nachschub, wenn er auf seinen Reisen durch die Welt die Erde heilte, wo der Mensch sie verletzt hatte.
Alle Arten von Pflanzen wuchsen hier bunt durcheinander, farbenprächtig anzusehen. Kleine, bärtige Gestalten flitzten herum, schnitten hier ein Blatt ab, pflanzten dort neu oder begossen die Pflanzen mit Wasser. Nach vielen Jahrhunderten unter der Erde, zum Abbau des Gesteins, hatten die Zwerge ans Tageslicht zurückgefunden, pflegten seither für den Bewahrer die Gärten mit Hingabe und Liebe.
Doch nun rannen ihnen Tränen in die dichten Bärte, als sie zusehen mussten, was die Todesfeen hier anrichteten.
Diese schwebten durch die Gärten, und dort wo sie die Pflanzen berührten, verwandelten sich die Farben in hässliches stumpfes Grau, hörten die Pflanzen auf zu wachsen, erstarb jegliches Leben. Einige Todesfeen fingen wahllos ein paar Zwerge ein und legten sie in Eisketten. Die Zwerge wunderten sich verängstigt darüber, dass sie nicht zu Eis erstarrten. Sie konnten nicht ahnen, dass die Todesfeen in der Lage waren, ihre Magie so zu steuern, dass die Zwerge am Leben blieben.
Innerhalb kürzester Zeit waren die prächtigen, blühenden Gärten in ein graues, hässliches Nichts verwandelt.
Ihre Gefangenen in der Mitte, verließen die Todesfeen die Villa. Auf dem Kiesweg trafen sie erneut auf den Bewahrer der Erde.
" Wo wollt ihr mit ihnen hin?"
" Wir nehmen sie als Geiseln mit," höhnte die Anführerin, "als Garantie dafür, dass du dich nicht einmischt."
"Sie schwebten einfach an ihm vorbei und hilflos konnte er ihnen nur nachsehen. Kämpfen war ihm verboten, er durfte nur heilen. Als sie das Ufer des Sees erreichten, lösten sie sich einfach auf, so als seien sie nie da gewesen.
Mit hängenden Schultern ging der Bewahrer der Erde ins Haus, betrat seine Gärten. Seine Schultern zuckten, als er sich auf den grauen Boden setzte. Er weinte lange und anhaltend, spürte tiefen, verzweifelten Schmerz in seinem Inneren. Wer sollte nun die Erde heilen, sie hegen und pflegen?
Die Magie der Gärten war verloren, weil die Menschen ihre Träume verloren hatten. Nur deshalb war es den Todesfeen möglich gewesen, in seine Welt zu gelangen. Die Mauern, die sie fernhielten, bröckelten und so gelangten sie hierher.
Vielleicht gab es Hoffnung. Er dachte an den Wolf und das Einhorn...
Aber so Recht mochte er daran nicht glauben. Er war verloren, wie seine Gärten.
Langsam kamen die restlichen Zwerge aus ihren Verstecken, umringten den alten Mann, überschütteten ihn mit Fragen. Er schüttelte stumm den Kopf und deutete in das Grau vor sich, machtlos, ihre Fragen zu beantworten.
Wieder weinte er hilflos. Eine Zwergenfrau lief los und holte eine Kanne mit Wasser. Verzweifelt versuchte sie das Unmögliche und goss Wasser an einen Busch. Als sie sah, dass ihr Versuch fehlgeschlagen war, brach sie auf den Boden zusammen, ihre Schultern hoben und senkten sich und sie weinte hemmungslos. Der Bewahrer der Erde trat zu ihr, hob sie wie ein Kind vom Boden auf und umarmte sie, das bärtige Gesicht vom Kummer verzerrt.
Und alle Zwerge weinten mit ihm. Einzelne umarmten sich, versuchten sich gegenseitig zu trösten, andere starrten finster und hilflos vor sich hin.
Doch alle wussten, was das Versiegen der Magie der Gärten des Lebens für die Erde und ihre Lebewesen bedeutete...
Eine Rezension zu "Over the Rainbow
von
Hilde Köbel
(freundlich zur Verfügung gestellt)
Lange habe ich mit mir herumgemacht, Uwe Tiedje, ehe ich dein Buch endlich zur Hand nahm. Nun, ich habe nie verheimlicht, dass „Fantasy“ nicht so mein Ding ist.
Manchmal muss ich mich von meinen Kindern bei gemeinsamen Fernsehabenden arg überreden lassen, „Filme dieses Schlags“ mit anzuschauen. Meistens fordereich dabei eine Fußmassage, wenn ich mir das schon ankucken muss . Aber das konnte ich von dir ja wohl schlecht verlangen .
Zuweilen schlafe ich dann bei diesen Filmen ein; hin und wieder faszinieren sie mich aber doch, und meine Tochter sagte schon oft: „Siehste Mama, aber erst musst du immer so bockig
sein!“
Da hat sie wohl recht. Wenn ich denke, ich will etwas nicht, dann will ich es halt nicht. Aber hin und wieder sollte man den Dingen auch eine Chance geben. Z. B. auch ein hintergründiger Gedanke, der in deiner Geschichte rüberkommt ...
Jemand schrieb: „Over the Rainbow“ sei keine Fantasy in dem Sinne, es wäre so etwas wie Unterhaltungsfantasy. Ja, ich glaube, das trifft’s.
Also … begleitete ich Nora und Nic bei ihrer bedeutsamen Wanderung „zwischen den Welten“. Eine Nacht, JENE Nacht, des Kampfes zwischen Gut und Böse. Sie erweckte Einhorn und Wolf und ungeahnte Kräfte. Begegnungen mit mystischen Wesen, die alle in dieser Geschichte ihre Bedeutung haben, Bewahrer, Zauberer, Drachen. Und Todesfeen, die magische Eiswände zaubern können und ihre Macht nur deshalb bekamen, weil in den Menschen die Träume starben.
Wirklich sehr eindrucksvolle bildliche Beschreibungen von Szenerie und Naturkulisse und sehr berührend das, was hinter der Geschichte steht … was der Lauf des Lebens aus den Menschen machen kann, wenn die Realität ihre Träume verdrängt und somit auch manche Hoffnung.
„Die Magie holte in jener Nacht auf der Suche nach den Rettern Teile eurer Seele und formte daraus die Tiere, denen euer Charakter entsprach.
Solange ihr den Glauben nicht hattet, beschützten sie euch und gaben euch Kraft und Mut.
Doch nun habt ihr eure Aufgabe erfüllt und wir geben euch den Teil, den wir entnahmen, wieder zurück.“
Das, lieber Uwe, ist wirklich sehr, sehr ...
Und ja Uwe, irgendwie ist es zu spüren, dass dieses Buch geschrieben wurde in einer Zeit der Veränderungen und des Umbruchs … in deinem Leben.
P.S. Außerdem hatte ich die ganze Zeit über ständig einen Ohrwurm … „Somewhere over the rainbow“ … auch jetzt noch