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Zucker kann man heute in jedem Supermarkt für wenig Geld kaufen. Früher war das ganz anders: Im Mittelalter kostete das «weisse Gold» ein Vermögen: Für ein Kilo Zucker wurden schon mal zwei Ochsen getauscht. Doch weshalb war Zucker eigentlich so wertvoll?
Zuckerrohr war lange Zeit die einzige Pflanze, aus der Zucker gewonnen werden konnte. Um gut zu wachsen, braucht Zuckerrohr ein heisses und feuchtes Klima. Deshalb konnte es nur in tropischen Ländern angebaut werden und wurde erst dann nach Europa verschifft – ein aufwendiges und teures Unterfangen.
Mitte des 18. Jahrhunderts machte ein deutscher Chemiker jedoch eine bahnbrechende Entdeckung: Die bei uns heimische Runkelrübe enthält Zucker. So wurde 1899 die erste Zuckerrübenfabrik der Schweiz in Aarberg gegründet. Die Fabrik wurde bei einem Brand 1912 vollständig zerstört, kurz darauf aber wieder aufgebaut. In Frauenfeld eröffnete 51 Jahre später eine zweite Zuckerfabrik. 1997 schlossen sich die beiden Unternehmen zusammen und wurden zur Schweizer Zucker AG (SZU AG).
90 Prozent des Zuckers stammt heute aus Zuckerrüben. Der Rübenanbau ist deshalb sehr wichtig für die Schweizer Landwirtschaft.
Zuckergewinnung
Zucker hat in der heutigen Gesellschaft Hochkonjunktur. Zuckerrüben waren bis vor wenigen Jahren eine lukrative Kulturpflanze für die Schweizer Landwirte. Durch die in- und ausländischen Umstrukturierungen im Agrarbereich (wie z. B. Abbau von Subventionen und Zöllen, EU-Zuckermarktreform) gerät die Branche aber zunehmend unter Druck.
Nur rund ein Viertel der weltweiten Zuckerproduktion macht der Rübenzucker aus. Von weit grösserer Bedeutung ist Zuckerrohr, das vor allem in Süd- und Zentralamerika, Afrika, Asien und Australien angebaut wird. Die Zuckerrübe wird indessen vorwiegend in Europa, Nordamerika und anderen Überseeländern kultiviert.
Der Rohstoff
In der Schweiz bauen rund 5500 Landwirte auf einer Fläche von rund 20 000 ha Zuckerrüben an. Auf einer Hektare wachsen bis zu 90 000 Pflanzen, woraus 10 000 bis 15 000 kg Zucker gewonnen werden – genug für 400 Konsumenten. Das Anbaugebiet erstreckt sich vom Genfersee über den Jura, das Mittelland und die Zentralschweiz bis ins Rheintal. Von der Aussaat Mitte März bis zur Ernte und Verarbeitung ab Ende September werden die Pflanzen aufwendig kultiviert und gepflegt.
Aussaat
Die Zuckerrübe bevorzugt tiefgründigen, eher lehmigen Boden mit reichlich Nährstoffvorrat. Die Aussaat erfolgt von Mitte März bis Mitte April, sobald der Boden abgetrocknet ist. In Abständen von 16 bis 20 cm werden die etwa 5 mm grossen, zu runden Pillen geformten Samen im Boden abgelegt. Vertreter der Rübenpflanzer und der Schweizer Zucker AG legen in der jährlichen Saatgutkonferenz die Sortenliste für das kommende Anbaujahr fest. So stehen den Pflanzern jeweils mehrere leistungsstarke, konventionelle Sorten und eine Bio-Sorte zur Verfügung. Schweizer Saatgut ist nachweislich frei von Gentechnik.
Pflege
In der ersten Vegetationsphase muss der Gesundheitszustand der Rübe regelmässig geprüft und Unkraut entfernt werden. Auch der herbizide, insektizide und fungizide Schutz sowie eine ausgewogene Düngung sind wichtig. Die Rübenpflänzchen entwickeln sich in ca. 180 Tagen zu stattlichen Rüben.
Wachstum
Für gute Erträge sind hinreichende und vor allem regelmässige Niederschläge wichtig. Der Zuckergehalt schwankt abhängig von Sorte, Witterung und Standort jedoch von 15 bis 20 Prozent. Von jeder Rübenlieferung wird eine Probe von zirka 30 kg Rüben genommen. Anhand dieser Probe werden im Labor der Zuckergehalt und andere wichtige Inhaltsstoffe der Rüben jeder Lieferung festgestellt.
Kampagne
Die Zeit der Rübenernte und -verarbeitung heisst Kampagne. Sie beginnt Ende September und dauert 80 bis 100 Tage. Vollerntemaschinen legen die Zuckerrübe zunächst am Feldrand ab, wo sie zwischengelagert werden. Mit Vlies abgedeckt, sind sie bis zum Transport in die Fabrik gut vor Frost und Regen geschützt.