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Am 24. April 2020 ist Erhard Taverna in seinem 77. Lebensjahr verstorben. Er war viele Jahre als Landarzt und Kantonsarzt von Appenzell Ausserrhoden tätig. Mehr als zwei Jahrzehnte war er zudem aktives Mitglied der SÄZ-Redaktion, sein Name ist untrennbar mit dem «Gelben Heft» verbunden.
Geboren und aufgewachsen ist Erhard Taverna in der Altstadt von Chur, wo die Familie Taverna von 1882 bis 1969 das historische Hotel Stern zum beliebten Treffpunkt einheimischer und fremder Gäste gestaltete. Erhard kam früh in Kontakt mit Künstlern, Käuzen und Koryphäen aller Art und durfte sogar an einer Iphigenie-Aufführung des Stadttheaters mitspielen.
Land- und Kantonsarzt
Nach der Matura entschied sich Erhard Taverna für das Medizinstudium. Sein Weg führte ihn nach Zürich und Wien. 1970 bestand er das Staatsexamen, zwei Jahre später folgte der Doktortitel.
Ebenfalls 1972 heiratete er Katharina Würmli, auch sie ist Ärztin. Das Paar wanderte nach Neuseeland aus, kehrte jedoch bereits ein Jahr später in die Schweiz zurück. 1974 wurde Tochter Claudia geboren, 1978 kam Tochter Anna zur Welt.
Während seiner Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin machte Erhard Taverna als Assistenzarzt Station in Chur, St. Gallen und Herisau, wo er anschliessend eine Stelle als Oberarzt in der Chirurgie innehatte. 1979 zog die Familie nach Urnäsch, weil Erhard Taverna in die bereits bestehende Landarztpraxis von Walter Irniger einstieg. Die beiden kannten sich seit mehreren Jahren. Die Gemeinschaftspraxis sollte fast zwei Jahrzehnte lang bestehen.
Im Jahr 1985 wurde Erhard Taverna zum Kantonsarzt von Appenzell Ausserrhoden ernannt. Dieses Amt übte er ganze 23 Jahre mit viel persönlichem Einsatz und Engagement aus.
Als sich Walter Irniger 1997 altersbedingt aus der Landarztpraxis zurückzog, ergab sich auch mit dessen Nachfolger, Thomas Bodenmann, eine gute, kollegiale Zusammenarbeit.
2009, mit 66 Jahren, entschied sich Erhard Taverna schliesslich für den Ausstieg aus der Arzttätigkeit.
Langjähriges Mitglied der SÄZ-Redaktion
Über zwei Jahrzehnte prägte Erhard Taverna als «Spezialarzt für Horizonterweiterungen» wie kein anderer den Kulturteil des «Gelben Hefts». In mehr als 800 Beiträgen schrieb er über unzählige Themen, besuchte Ausstellungen, berichtete von den Nobelpreistagungen und rezensierte diverse Literatur. In vielen Geschichten liess er uns zudem an seinen Gedanken und seinem Leben teilhaben.
Ende 2019 schied er auf eigenen Wunsch aus der SÄZ-Redaktion aus. Sein langjähriger Weggefährte Bruno Kesseli, ehemaliger Chefredaktor der SÄZ, verabschiedete ihn daraufhin mit einem Nachruf zu Lebzeiten in der Rubrik «Zu guter Letzt». Darin würdigte er Erhard Taverna als «feinfühligen und grossherzigen, intellektuell brillanten und äusserst belesenen Kollegen», den er auch als Freund schätze.
Erhard Taverna schrieb weiterhin Artikel für das «Gelbe Heft» – nun als freier Autor. Sein letzter Beitrag ist in Heft 23–24 vom 3. Juni veröffentlicht.
Abschied
Nach 10 Jahren Leben mit einer Krebserkrankung hat sich Erhard geistig frisch, aber körperlich müde und zermürbt entschieden, die Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen.
Erhard Taverna hinterlässt eine grosse Lücke. Und die Erinnerung an einen bis zuletzt wachen Geist.
Tanja Kühnle und Bernhard Gurtner
Adresse de correspondance
tanja.kuehnle[at]emh.ch
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