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Wenn es um Macht und Pracht geht, dann sind diese selten so direkt fassbar wie auf einer Karte. Grenzen, Reiche, Pläne und Schlachten werden in erstaunlicher Klarheit anschaulich. Mit Hilfe von Karten kann man sich auf eine Reise durch Zeit und Raum begeben und sehen, wie beispielsweise die Schweiz und ihre Kantone durch Krieg und Frieden, Politik und Wohlstand geformt wurden.
Eine erfindungsreiche Landkarte stellt den Kanton Bern in der Gestalt eines mächtigen Bären dar, erzählt dabei aber nicht die ganze Wahrheit. So sind Kanton und Stadt Freiburg ausgelassen worden, da sie als «Loch» im Leib des Bären erschienen wären. Ähnliches war nötig, um den Kanton Zürich als Löwenkopf abzubilden. Ab 1798 war die Schweiz fünf Jahre lang eine französische Republik und damit wurde der alte Staatenbund der unabhängigen Kantone durch einen Zentralstaat abgelöst. Für eine nicht erfolgte aber als Möglichkeit erwogene Eroberung diente die russisch beschriftete Karte der Stadt Basel, die zur Zeit des Kalten Krieges in der UdSSR angefertigt wurde. Eine kartographierte Utopie schliesslich liegt mit den Plänen für die Stadt Henripolis am Neuenburgersee vor, das im 17 Jahrhundert zu einer der grössten Schweizer Städte hätte werden sollen. Und schliesslich lässt sich auch eine Karte der Schweiz zeichnen, wie sie aussehen würde, wenn die Geschichte anders verlaufen wäre.
Pläne und Politik, Fakten und Fiktion, Geheimnisse und Lügen, allen begegnet man in diesen sechs Schweizer Karten. Jede ist anders, hat ihren eigenen Charakter und individuelle Gründe für ihre Entstehung, und doch sind sie alle auch ähnlich. Alle sind graphische Darstellungen von Macht, ob real oder nur imaginiert.