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Coronavirus schneller als Tierversuche
Der deutsche Verein Ärzte gegen Tierversuche fordert von der Politik seit langem, humanrelevante In-vitro-Methoden massiv zu fördern, die eine schnelle und zuverlässige Medikamentenentwicklung ermöglichen.
Humane Lungenmodelle und Multiorganchips mit Mini-Organen des Immunsystems sind für die Coronavirus-Forschung im Gegensatz
zum langwierigen und nicht übertragbaren Tierversuch hoch geeignet.
Zahlen wir jetzt den Preis dafür, dass in solche innovativen Testsysteme nicht genug investiert wird? Testungen am Tier sind langwierig – viel zu langwierig, um in einer Situation wie dieser mit der rasanten Verbreitung des Virus mitzuhalten. Viele Forscher arbeiten daran, das Coronavirus in genmanipulierten „Tiermodellen“ zu erforschen, und weisen darauf hin, es müsse erst die „richtige“ Tierspezies gefunden werden, die für die Forschungen geeignet sei. Die Tatsache, dass in einer Notsituation wie der, die wir erleben, Tierversuche umgangen werden und dass Medikamente zur Bekämpfung von Coronaviren nach langen In-vitro-Tests direkt an menschlichen Probanden getestet werden – gemäss einer Entscheidung des US National Institutes of Health “zeigt, dass Tierversuche für die Entwicklung und Diagnostik von Medikamenten absolut nicht notwendig sind”, sagt Frau Dr. Tamara Zietek, wis- senschaftliche Koordinatorin vom Verein Ärzte gegen Tierversuche.
Die modernen, menschenbasierten tierversuchsfreien Methoden sind weltweit auf dem Vormarsch. Vor kurzem haben Forscher des Harvards Wyss Institute for Biologically Inspired Engineering in Boston, USA, zwei Studien veröffentlicht, die ein noch relevanteres und komplexeres System beschreiben: den 10-Organ-Chip, das den menschlichen Körper in Miniatur repräsentiert. Dieses innovative Forschungssystem war in der Lage, die bekannten Nebenwirkungen von Medikamenten korrekt zu replizieren und wichtige neue Wirkmechanismen zu entdecken, die in Tierversuchen nicht aufgetreten sind (1, 2). In einer anderen Studie verwendeten Forscher der Wake Forest School of Medicine menschliche Mini-Organe, um 10 zugelassene Medikamente zu analysieren, die aufgrund schwerer unerwarteter Nebenwirkungen vom Markt genommen wurden.
Diese Nebenwirkungen wurden fast alle durch die Mini-Organe bestätigt (3). “Nach diesen Erkenntnissen wäre die weitere Durchführung von Tierversuchen in der Medikamentenentwicklung höchst unverant- wortlich und würde eine fahrlässige Patientenschädigung darstellen”, so Frau Dr. Dilyana Filipova, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Ärzte gegen Tierversuche. „Die Corona-Krise ist somit eine Chance für Forschung und Politik, endlich zu erkennen, dass Tierversuche aufgrund ihrer nicht zu leugnenden Ineffektivität die menschliche Sicherheit gefährden und den medizinischen Fortschritt aufhalten. Moderne, humanbasierte Testsysteme müssen stattdessen massiv gefördert werden“ so die Expertin abschliessend.
WWW.AERZTE-GEGEN-TIERVERSUCHE.DE
QUELLENANGABEN:
(1) NOVAK R. ET AL.: ROBOTIC FLUIDIC COUPLING AND INTERROGATION OF MULTIPLE VASCULARIZED ORGAN CHIPS. NAT BIOMED ENG 2020; DOI: 10.1038/S41551-019-0497-X (2) HERLAND A. ET AL.: QUANTITATIVE PREDICTION OF HUMAN PHARMACOKINETIC RESPONSES TO DRUGS VIA FLUIDICALLY COUPLED VASCULARIZED ORGAN CHIPS. NAT BIOMED ENG 2020; DOI: 10.1038/S41551-019-0498-9 (3) SKARDAL A. ET AL.: DRUG COMPOUND SCREENING IN SINGLE AND INTEGRATED MULTI-ORGANOID BODY-ON-A-CHIP SYSTEMS. BIOFABRICATION. 2020; 12(2): 025017