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Donald Judd, Untitled 1970, purple lacquer on aluminum and cadmium red light enamel on cold-rolled steel and Untitled 1967, green lacquer on galvanized iron, MoMA, New York
© arthag
Donald Judd, geboren 1928 in Excelsior Springs, Missouri und gestorben 1994 in New York
Die betrachtende Person bestimmt wieviel Information sie zum Werk von Donald Judd erhalten möchte. Die folgenden Ausführungen sind deshalb gegliedert in Beschriftung, Betrachtung, Kontext und vertiefte Beschäftigung mit dem Thema. Letztere wird mit dem Einfügen von Hyperlinks zu Seiten von Wikipedia (Creative Common Lizenz) angeboten.
Betrachtung
Die Werke von Donald Judd sind als Objekte der Wahrnehmung gedacht, Objekte, die mit der Erfahrung des Betrachtenden zu verstehen sind, schreibt Rosalind Kraus in ihrem Essay Allusion and Illusion in Donald Judd. Für ihn sind es weder Gemälde noch Skulpturen, obwohl sie mit diesen einige Gemeinsamkeiten aufweisen können, für die Gemälde ist es die Farbe und für Skulpturen die räumliche Darstellung. Es zeigt aber auch Merkmale der Architektur in Form einer Ausführungsplanung auf. Dabei wird bei der Ausführung nicht selbst Hand angelegt, dies überlässt Judd der handwerklichen Fachkraft oder dem Gewerbebetrieb. In der perfekten Ausführung entspricht es der industriellen Fertigung von höchster Qualität.
Das ästhetisch ansprechende Objekt weist vier Standpunkte für die betrachtende Person auf, von vorn, seitlich und schräg zu beiden Seiten. In der Frontalansicht präsentiert es sich an der Wand hängend, bestehend aus einer violetten horizontalen Aluminiumschiene und darunter, in Mangenta, fünf Quader mit demselben Querschnitt, aber von unterschiedlicher Länge. Diese scheinen an der Schiene zu hängen.
Aber seitlich ist zu sehen, dass die Quader an der Wand befestigt sind und die Schiene auf ihnen liegt. Es entspricht in der Architektur den Säulen (Quader) auf welchem der Architrav (Schiene) ruht.
Die Länge der Quader (umschlossener Raum) sind unterschiedlich von rechts nach links im Verhältnis 1 zu 2 zu 4 zu 8 zu 16. Die Zwischenräume weisen ein Verhältnis von 8 zu 4 zu 2 zu 1 auf. In Leserichtung verhält es sich genau umgekehrt, was die Quader und die Zwischenräume betrifft.
Seitlich wird der umschlossene Raum der offenen Schiene sichtbar.
Die Sicht schräg auf das Objekt ermöglicht uns eine perspektivische Sicht. Die Schiene, im Sinne wie wir es erwarten, und die Kästchen, mit ihren Zwischenräumen invers und abwechselnd zueinander verstärkt oder vermindert, dies in Abhängigkeit von der Schrägsicht von links oder von rechts.
In einer ähnlichen Arbeit von Donald Judd entspricht das Verhältnis der Länge der Zwischenräume zueinander der Fibonacci-Folge. Sie nähert sich dabei in einer unendlichen Abfolge immer mehr dem Goldenen Schnitt an.
Donald Judd, Untitled (eloxiertes Aluminium), 1970, 21/409/21 cm, Kunstmuseum Basel
© Judd Foundation / 2022, ProLitteris, Zurich
Kontext
Die Arbeiten von Donald Judd setzen die Wahrnehmung und die Erfahrung der Betrachtenden voraus. Sie besitzen keine metaphorische, mythologische und ikonographische Bedeutung.
Die Objekte stehen für sich, sind spezifisch und stehen in ihrem eigenen Recht.
Die meisten Kästchen entsprechen bei Judd einem Quader, entweder singulär oder in einer Serie, an der Wand befestigt oder auf dem Boden stehend.
Judd beschäftigt sich mit unterschiedlichen Materialien, Farbkombinationen, Masstäben, Proportionen und Zahlen. Wie andere Künstler der Minimal Art interessieren ihn dabei vor allem neue und ungewöhnliche Kombinationen von Materialien und unterschiedlichste Präsentationen.
Donald Judd schreibt in seinem Essay Specific Objects, dass ältere Arbeiten von Gemälden, Skulpturen oder Architekturen dann grossartig sind, wenn sie vollendet sind. Wenn wir uns eine Verkündigungsdarstellung von Tiziano Vecellio ansehen, dann ist es im Verständnis der Renaissance in perfekter Perspektive, mit Kenntnissen der Geometrie, der Mathematik, der Optik, der menschlichen Proportionen, der Farben und der Komposition ausgeführt. Die Ikonographie und Narration des Verkündigungsmotivs verstehen wir sofort. Die Perspektive entspricht aber einer Illusion und die Ikonographie einer Allusion, genau dies möchte aber Judd vermeiden.
Die Perspektive und der Raum sind beim vorgestellten spezifischen Objekt real und jegliche Bedeutung fehlt. Sie ist der Wahrnehmung und der Erfahrung des Betrachtenden vorbehalten.
Aus dem Vermittlungsprojekt Digitales Angebot (QR-Code) für die Vermittlung von Kunstwerken