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Dee Dee Bridgewater
Biografie, Albums, CDs, Konzert
Artikel 15. November/14. Dezember 1999
Biographie
Denise "Dee Dee" Bridgewater wurde am 27. Mai 1950 in Memphis, Tennesse,
als Denise Eileen Garrett
geboren. Sie wuchs mit Musik auf. Ihr Vater, Matthew Garrett, war Trompeter
und Musiklehrer an der Manassas High School in Memphis. Er unterrichtete
u.a. Booker Little und George Coleman. Zudem spielte er in der Band von
Dinah Washington Trompete. Zusammen mit ihrer Mutter sang Dee Dee die Lieder
auf den Platten von Ella Fitzgerald und Sarah Vaughan nach. Mit sechzehn
Jahren war Dee Dee Teil eines Rock- und Rhythm'n'Blues-Vokaltrios. 1969
erhielt sie erstmals die Chance, ihr Talent zu beweisen, als sie mit der
University of Illinois Big Band auf Tournee durch die damalige Sowjetunion
ging. Ein Jahr später zog sie mit ihrem damaligen Mann Cecil Bridgewater
nach New York, der ein Engagement beim Pianisten Horace Silver annahm.
Dee Dee Bridgewater ihrerseits arbeitete ab 1971 vier Jahre lang als Lead-Sängerin
für die Thad Jones - Mel Lewis Band. Sie konnte u.a. mit Sonny Rollins,
Dizzy Gillespie, Dexter Gordon, Max Roach und auf Platten mit Stanley Clarke,
Frank Foster oder Norman Connors zusammenarbeiten. Ihr schauspielerisches
Talent ermöglichte ihr neben der Jazzkarriere Rollen in mehreren Musicals.
Sie spielte am Broadway, später in Tokyo, London, Los Angeles und
Paris. Für ihre Rolle 1974 als Glinda, die gute Hexe des Südens,
in The Wiz erhielt sie den Tony Award verliehen. Für "Lady
Day" wurde sie als beste Schauspielerin für den "Laurence Olivier
Preis" nominiert. Sie spielte Hauptrollen in den Produktionen von "Sophisticated
Ladies", "Cosmopolitan Greetings", "Black Ballad", "Carmen Jazz" und "Cabaret".
Wenn möglich, war Dee Dee Bridgewater zwischen diesen Produktionen
als Jazzsängerin unterwegs, vornehmlich in Europa, insbesondere in
Frankreich. Für ihr Album "Live in Paris" (1987) wurde sie für
den Grammy nominiert.
Ihre grosse Stunde kam 1990 in Montreux, als Dee Dee Bridgewater ihr
durch Krankheit verhindertes Vorbild Ella Fitzgerald am von Claude Nobs
organisierten Jazz Festival vertreten durfte. Wir gehörten damals
selbst zu jenen happy few, die dabei waren. Als Student hatten wir
SFR 150.- für den Galaabend hingeblättert und waren - um einen
Euphemismus zu gebrauchen - enttäuscht, dass die perfekteste Jazz-Sängerin
aller Zeiten verhindert war. Zudem spürten wir instinktiv, dass wir
Ella wohl nie mehr auf der Bühne live sehen würden. Nach Mitternacht,
ein Teil der Zuschauer- und hörer war übrigens bereits gegangen,
kam Dee Dee Bridgewater, die wir zum ersten Mal sahen, auf die Bühne:
als Diva in einem silbrigen Glitzerkleid. Sie begeisterte uns an jenem
Abend in Montreux, und wir haben sie seither wieder und wieder gesehen
(in Genf, in Morges, im Zürcher Opernhaus, etc.). Doch Dee Dee ist
nicht Ella, mit der sie seit jenem Abend zu unrecht immer wieder verglichen
wird. Ella Fitzgerald war die personifzierte technische Perfektion. Auch
die emotionale Tiefe einer Bille Holliday wird Dee Dee Bridgewater nie
erreichen. Dafür hat sie andere Qualitäten. Im Gegensatz zu Ella
ist sie extrovertiert, ein geborenes Showtalent. Als Entertainerin kann
sie die Zuschauer mühelos zwischen den einzelnen Songs mit Geschichten
unterhalten. Dee Dee Bridgewater live, das ist immer mehr als nur
Gesang und in dieser Beziehung einmalig.
Mit ihrem Trio bestehend aus Thierry Eliez (piano), Hein Van De Geyn
(bass) und André Ceccarelli (drums) interpretierte Dee Dee Bridgewater
1992 auf Keeping Tradition Jazz Standards und andere Stücke
aus dem "Great American Songbook" und wurde dafür mit dem "Django
d'Or" ausgezeichnet. Weitere CDs folgten mit dem Grammy nominierten Nachfolger Love
and Peace: A Tribute to Horace Silver. Auf der CD sind neben ihrem
Trio noch die Brüder Belmondo, Trompeter Stéphane und Saxophonist
Lionel, Jazzlegende Jimmy Smith an der Orgel sowie Horace Silver selbst
zu hören. Das Album vereinigte 13 Kompositionen von Horace Silver
mit für Dee Dee extra neu geschriebenen Texten, für das die Sängerin
mit dem "Billie Holiday" Preis ausgezeichnet und für den Grammy nominiert
wurde.
Dee Dee Bridewater und Thierry
Eliez - Konzert in der Tonhalle
Zürich vom 13. November 1999
In einem von All Blues organisierten
Konzert in Zürich trat Dee Dee Bridgewater am 13. November mit ihrem langjährigen
Pianisten Thierry Eliez (Klavier und Hammond-Orgel) vor ausverkauftem Haus
auf. Sie begann mit What a little moonlight getting to you und mit
einer ihrer Stärken, dem Scat. Zuerst stören uns allerdings akkustische
Probleme mit der Verstärkung des Tons von Klavier und Orgel. Nicht
klar ist, ob das Problem erkannt und mit dem Fortschreiten des Konzerts
besser in den Griff bekommen wurde oder ob wir uns einfach daran gewöhnt
haben. Auch ihr zweites grosses Plus spielte Dee Dee Bridgewater ebenfalls
bereits im ersten Lied aus: ihr komödiantisches Talent, das in einer
parodierenden Arien-Einlage zum Zuge kam. Danach folgte Cole Porters What
is this thing called love. In ihrem glamourösen goldenen Abendkleid
setzte sie sich auf einen Stuhl und hörte Thierry Eliez bei seinen
Solo-Passagen zu. Das war insofern nötig, als sie für die gut
90-minütige Vorstellung keine Pause (für ihre Stimme) vorgesehen
hatte. In einer längeren Einlage erzählte Dee Dee Bridgewater
eine Geschichte der Verführung mittels Damenstrümpfen und Strumpfhaltern.
Da Französisch ihre Konversationssprache des Abends war, wurde dank bas
und jarretelles die erotische Komponente verstärkt. Was auf
den von ihr zum Schluss angedeuteten Striptease folgte, überliess
sie der Vorstellung des Publikums. Das ganze diente als Einleitung zum
nächsten Lied Shiny Stockings, bei dem sie von Thierry Eliez
erstmals an der Hammond-Orgel begleitet wurde.
Während der Horace-Silver Ballade Love Vibrations entledigte
sich Dee Dee Bridgewater ihrer drückenden neuen Schuhe. Neben Cole
Porters It was just one of those things, mit erneuten Scat-Einlagen,
und Birds do it (Let's fall in love) folgten Gershwins Lady be
good und sowie zwei Lieder von Kurt Weill. Besonders ihre Version von Mack
the Knife, in das sie eine Zeile von A-Tisket, A-Tasket einbaute,
bildete einen der zahlreichen Höhepunkte des Abends. Zuvor hatte sie
das Publikum mit einer improvisierten Persiflage von Tina Turners Private
Dancer, von der sie sich fast nicht mehr lösen konnte, begeistert.
Als Tribute to Satchmo and Ella folgte Basin Street Blues,
wobei Dee Dee überzeugend Louis Armstrongs Trompete sowie - eher misslungen
- Satchmos Stimme imitierte. Das mittelmässig vorgetragene Chanso Feuilles
mortes folgte, unterbrochen durch einen lästigen Zurufer aus dem
Publikum, der es fertigbrachte, drei Mal am Abend zu stören. Als Autumn
leaves fortgesetzt, überzeugte das Lied weit besser. Auch Cherokee
war kein Höhepunkt. Dee Dees Scat ist manchmal einfach nur laut, effekthascherisch,
zu billig. In ihren zwei Zugaben eröffnete die Sängerin den Zuhörern
ganz neue Welten: Zuerst zeigte sie mit Dr. Feelgood funkigen Soul,
der so manchen Popstar vor Neid erblassen liesse und Dee Dee Bridgewater
eigentlich jederzeit eine kommerzielle Mainstream-Karriere eröffnen
könnte. Zum Schluss zeigte sie mit einem zurückhaltenden Gospel
(Grace will lead me home) noch ihre zart-besinnliche Seite. Eine
bessere Entertainerin, von einem langjährigen Pianisten und Hammond-Orgelspieler
auch in der Improvisation hervorragend unterstützt, gibt es zur Zeit
nicht.
Diskographie von Dee Dee Bridgewater (Auswahl)
Afro Blues. Trio records.
Dee Dee Bridgewater. Atlantic.
Bad for Me. Elektra.
Dee Dee Bridgewater, Elektra.
Live in Paris. Justine, 1987.
Victim of Love. Polydor, incl. "Precious Things" mit Ray Charles 1989.
Live in Montreux. Polydor, 1990.
Keeping Tradition (Polygram Jazz/Verve) 1992. Bestellen bei Amazon.de.
Love and Peace: A tribute to Horace Silver (Verve) 1995. Bestellen bei Amazon.de.
Dear Ella. Verve, 1997. Bestellen bei Amazon.de.
Just Family. Wea/Elektra, 1998.
Live At Yoshi's. Verve, 2000. Bestellen bei Amazon.de.
This Is New. Verve, 2002.

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Dee Dee Bridgewater: Dear Ella, Verve, 1997. Dee Dee Bridgewaters CD Dear Ella aus dem Jahr
1997 ist eine Hommage an die perfekteste Jazzsängerin. Alle dreizehn
Songs, Duette, Trio- sowie Big Band-Aufnahmen, sind dezent - nicht radikal
- modernisiert, den neunziger Jahren angepasst worden. Sie wirken nicht
verstaubt und haben trotzdem ihren Charme behalten. Sogar zwei Songs aus
Ella Fitzgeralds Standardrepertoire, A-Tisket, A-Tasket und Mr.
Paganini, die wir sonst nicht ausstehen können, sind in Dee Dee
Bridgewaters Version, auch dank Slide Hampton's Rearrangements der zwei
Songs, selbst für uns zu einem hörbaren Genuss geworden. Keines
der dreizehn Stücke fällt ab, auch nicht das Duett dear Ella
von Dee Dee mit Kenny Burrell. Der Gitarrist hat selbst das Titelstück
für die CD komponiert. Dee Dee Bridgewater hat bei der CD auf Instrumentalisten
zurückgegriffen, deren Karrieren eng mit der von Ella Fitzgerald verbunden
waren: Pianist Lou Levy, Gitarrist Kenny Burrell, Schlagzeuger Grady Tate,
Vibraphonist Milt Jackson, Posaunist Slide Hampton and Bassist Ray Brown,
der von 1947 bis 1953 mit Ella verheiratet und ihr musikalischer Leiter
war. Daneben ist auch Dee Dees Ex-Mann Cecil Bridgewater als Trompeter,
Arrangeuer und Dirigent der Big-Band mit von der Partie.
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CD-Kritik am 25.12.2003 aus Cosmopolis Nr. 12 Jazz hierher
verschoben: Live at Yoshi's von Dee Dee Bridgewater ist empfehlenswert, weil
es die Konzert-Ambiance einfängt und die Entertainer-Qualitäten
der Sängerin dokumentiert, die bereits im ersten Track, Undecided,
zu ihrem unnachahmlichen Geschichtenerzählen ansetzt. Slow Boat
to China ist ein Höhepunkt des Albums und in der Ballade Stairway
to the Stars beweist sie, dass sie nicht nur laut singen kann und den
Scat beherrscht. In Sex Machine persifliert sie James Brown, aber
auch die Rapper. Ihr Gemisch aus Jazz und Populärmusik-Ansätzen,
aus Kunst und Entertainment, wird von Jahr zu Jahr bessser - und sie ist
erst 50.
Dee Dee Bridgewater: Live in Montreux. Veröffentlicht 1991. CD bestellen
bei Citydisc Schweiz.

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