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Der erste Kaiser von China wollte sich auch im Tod mit der einem Kaiser angemessenen Pracht umgeben. 700'000 Zwangsarbeiter arbeiteten über Jahrzehnte an seinem Mausoleum, das die Grabbauten des Alten Ägyptens weit in den Schatten stellt. Insgesamt misst die Anlage 56 Quadratkilometer und entspricht damit etwa der Fläche von Manhattan.
Ein Grab voller Geheimnisse und Mythen
Die 8000 tönernen Soldaten, Pferde und Offiziere, von denen nun ein kleiner Trupp im Historischen Museum in Bern ausgestellt ist, machen nur einen Bruchteil dieser Grabanlage aus. Unzählige Nebengräber und Gruben mit prachtvollen Grabbeigaben wurden und werden immer noch entdeckt. Und längst sind nicht alle Geheimnisse der Grabanlage gelüftet.
Das grösste Geheimnis umgibt das eigentliche Grab Qin Shi Huangdis, das sich in einem pyramidenförmigen Grabhügel befindet. Noch ist das Grab ungeöffnet. Aus konservatorischen Gründen, wie es heisst.
Die Phantasien überschlagen sich: Gibt es tatsächlich Selbstschussanlagen im Grab? Fliessen darin Quecksilberströme, die die Weltmeere symbolisieren, wie es die Geschichtsschreiber überlieferten? Und wovor fürchten sich die chinesischen Archäologen, dass sie sich bis jetzt noch nicht ins Innerste vorgewagt haben?
Ein riesiger Beamtenapparat
Was war das für ein Mensch, der sich dieses monumentale Grab errichten liess? Qin Shi Huangdi, «Erster Erhabener Kaiser von Qin», nannte er sich, nachdem er seine sechs Nachbarstaaten unterworfen hatte und so zum Herrscher des bevölkerungsreichsten Staats seiner Zeit wurde.
Als Herrscher organisierte Qin Shi Huangdi mit Hilfe eines riesigen Beamtenapparats sein Reich neu und führte weitreichende Reformen durch. Masse, Normen, Währungen und Schrift liess er vereinheitlichen. Im Fieber der Vereinheitlichung schrieb er auch die Achsbreiten der Wagen vor, die Menge an Fett, mit der die Räder geschmiert werden durften, ja selbst wie der Schnurrbart und die Haarknoten bei den Männern zu sitzen hatten.
Qin Shi Huangdis Regentschaft hatte weitreichende Wirkung: Er liess an der chinesischen Mauer weiterbauen und ein 6 800 Kilometer langes Strassennetz errichten, das zum Teil noch erhalten ist. Und noch heute erinnert die administrative Gliederung Chinas in manchen Landesteilen an die Einteilung der Qin-Zeit.
Der meistgehasste Mann des Reiches
Doch all dies gelang Qin Shi Huangdi nur, weil er mit unvorstellbarer Brutalität und Härte vorging. Hunderttausende wurden zur Arbeit zwangsrekrutiert, Widersacher hingerichtet – und mit ihnen manchmal die Bevölkerung ganzer Landstriche.
Mit einer umfassenden Bücherverbrennung zerstörte er einen Teil des damaligen literarischen und philosophischen Wissens. 460 Gelehrte, die dagegen protestiert hatten, liess er töten. Kein Wunder, war Qin Shi Huangdi der meistgehasste Mann seines Reiches, der selber mehreren Attentaten nur knapp entging.
Das Elixir der Unsterblichkeit
Dabei fürchtete er sich vor nichts mehr als vor dem Tod. Der mächtige Kaiser unternahm alles, um unsterblich zu werden und zeigte im Alter zunehmend Zeichen von Verfolgungswahn.
Er gab Unsummen für Expeditionen aus, um sich das Elixier der Unsterblichkeit zu besorgen, umgab sich mit Alchemisten und Magiern. Diese erteilten ihm – in Unkenntnis der Wirkung – den verhängnisvollen Ratschlag, quecksilberhaltige Mittel einzunehmen, um den Tod zu überwinden. So starb Qin Shi Huangdi im Jahr 210 vermutlich an einer Quecksilbervergiftung.
Spuren bis heute
10'000 Generationen werde sein Reich überdauern. Das hatte er verkündet, als er sich als Kaiser ausrief. Doch Qin Shi Huangdis Nachfolger zerrieben sich in Machtkämpfen. Drei Jahre nach seinem Tod war die Qin-Dynastie bereits wieder Geschichte. Qin Shi Huangdi selber wurde zum Mythos, von dessen Ruhm und Pracht heute die Terrakottakrieger berichten.
Die Ausstellung
Die Ausstellung «Qin – Der unsterbliche Kaiser und seine Terrakottakrieger» wird vom 15. März – 17. November 2013 im Bernischen Historischen Museum gezeigt.