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| Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron

Der zweite Tag. Dritte Homilie (Gen 1,6-10)
III. Kapitel. Das Firmament nicht identisch mit dem Himmel. "Das Wasser über der Himmelsveste": seine Möglichkeit, Wirklichkeit, Zweckmäßigkeit. Feuer und Wasser paralysieren gegenseitig ihre verheerenden Wirkungen. Der Sternenhimmel eine glühende Feuerzone, die Sonne ein Feuerball.
14.
Eine so leidenschaftliche Sucht zur Bekämpfung der Wahrheit aber steckt in jenen, daß sie der Sonne selbst den natürlichen Hitzezustand absprechen, deshalb weil sie weiß und nicht nach Art des Feuers rot oder rötlich sei. Sie sei, behaupten sie darum, überhaupt von Natur nicht feurig, und wenn sie etwas Wärmegehalt besitze, so sei dies, wie sie meinen, eine zufällige Wirkung aus der übergroßen Drehungsbewegung. Sie glauben dies deshalb behaupten zu sollen, damit es nicht scheine, als absorbiere sie irgendwelche Feuchtigkeit, nachdem sie eine natürliche Wärme nicht besitze, durch welche die Feuchtigkeit verringert oder so manches Mal aufgezehrt werde. Doch sie erreichen nichts mit ihrer Finte, weil es gleichgültig ist, ob ein [S. 64] Ding von Natur oder durch äußere Einwirkung oder sonst aus einem Grund Wärme besitzt; denn jedes Feuer zehrt Feuchtigkeit oder ähnlichen derartigen Stoff, den Feuer zu verbrennen pflegt, auf. Mag man mit Blattwerk das Feuer auffangen, das man nicht einmal aus halbverbrannten, sondern nur aneinandergestoßenen Holzklötzen schlägt: es lodert die Flamme auf, als würde man eine Fackel am Feuer anzünden. Oder mag man das Licht an einer Flamme anfachen: die Art und Natur des Lichtes ist die gleiche, als hätte nicht natürliches Feuer es entfacht, sondern eine zufällige Ursache es erzeugt. Man sollte doch wenigstens von dem Gesichtspunkt aus die Sonnenwärme ins Auge fassen, daß Gott ihr deshalb auf ihrem Lauf verschiedene Standorte und Zeiten festgesetzt hat, damit sie nicht, wenn sie stets an den gleichen Orten verweilte, dieselben durch ihre tägliche Hitzeausstrahlung versenge. Vom Meere geben sie selbst zu, es habe deshalb salzhaltiges und bitteres Wasser, weil das Flußwasser, das in seine Becken einmünde, durch die Wärme absorbiert werde. Und zwar werde soviel durch die Wärme tagüber absorbiert, als Tag für Tag durch der Ströme Lauf von verschiedenen Seiten her zugeführt werde. Man führt den Grund hiervon auf eine unterschiedliche Wirkung der Sonne zurück, die was klar und leicht ist an sich zieht, was schwer und erdenhaft ist zurückläßt. Aus letzterem Grund bleibt nun das Salzhaltige und Trockene zurück.