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In vielen Strafverfahren finden sich wichtige Beweismittel auf dem Smartphone der beschuldigten Person.
Auf einem modernen Smartphone sind die Daten standardmässig durch starke Verschlüsselung geschützt. Wenn eine beschuldigte Person ein sicheres Passwort verwendet und dieses Passwort der Polizei oder Staatsanwalt nicht freiwillig nennt, können die Daten auf einem Smartphone nicht ohne weiteres direkt ausgewertet werden.
Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, dass die Behörden ein sicheres Passwort durch das inzwischen gängige Entsperren mittels biometrischen Daten wie Fingerabdruck (Touch ID) und Gesichtserkennung (Face ID) umgehen können, wie Cybercrime-Staatsanwalt Stephan Walder kürzlich erklärte:
«[Wir dürfen] beschlagnahmte Mobiltelefone auswerten. In diesem Fall ist die Entsperrung des Handys der kritische Schritt.»
Und (mit Hervorhebung):
«Das ist eine taktische Herausforderung. Die Polizei versucht, das Gerät in einem Moment sicherzustellen, in dem es vom Besitzer verwendet wird. Eine spätere Entsperrung ist schwierig, weil der Beschuldigte nicht verpflichtet ist, sich selbst zu belasten. Wir dürfen ihn also nicht dazu zwingen, uns den Code bekannt zu geben. In bestimmten Fällen wird es aber als vertretbar erachtet, dass wir Fingerabdrücke nehmen und Fotos machen, um dieses Material für die Entsperrung eines Mobiltelefons zu verwenden.»
Im Klartext: Die Strafverfolgungsbehörden versuchen, den Fingerabdruckleser oder die Gesichtserkennung von Smartphones zu überlisten. Wie das funktionieren kann, hat der Chaos Computer Club (CCC) bereits vor Jahren für Touch ID gezeigt.
Smartphones: Kein Zwang zum Entsperren, aber …
Unabhängig davon kommt es vor, dass es Polizisten für eine gute Idee halten, anlässlich einer Hausdurchsuchung oder Personenkontrolle zu versuchen, das Smartphone einer betroffenen Person mittels Fingerabdruck oder Gesichtserkennung zu entsperren. Faktisch ist es für eine betroffene Person nicht möglich, sich sinnvoll zu wehren, wenn ein Polizist versucht, sie zu «fotografieren» oder ihren Zeigefinger auf den Fingerabdruckleser zu legen.
In den USA untersagte ein Gericht in Kalifornien dieses Vorgehen in einem Einzelfall.
… wer auf Nummer sicher gehen möchte, muss sich selbst schützen
Wer möglichst auf Nummer sicher gehen möchte, sollte das Entsperren mit biometrischen Daten deaktivieren. Es kann schon helfen, die Funktion bei Situationen, wo mit einem Behördenzugriff gerechnet werden muss, vorläufig zu deaktivieren – zum Beispiel bei der Teilnahme an einer Kundgebung, beim Grenzübertritt oder bei absehbarem Kontakt mit der Polizei bei einer Hausdurchsuchung oder bei einer Verkehrskontrolle.
Wer das Entsperren mit biometrischen Daten vor dem Schlafengehen deaktiviert, verhindert ein Entsperren im Schlaf. Man sollte vor dem Einschlafen das Smartphone sowieso zur Seite legen …
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Solche Massnahmen sind allerdings nur dann hilfreich, wenn ein sicheres Passwort verwendet wird und ein solches Passwort der Polizei oder Staatsanwaltschaft nicht freiwillig mitgeteilt wird. Eine PIN, das heisst f Passwort nur aus Zahlen, egal ob vier- oder sechsstellig, ist kein sicheres Passwort. Ein sicheres Smartphone-Passwort sollte nicht nur aus Zahlen bestehen, sondern immer auch Buchstaben oder Sonderzeichen umfassen.
Ausserdem sind solche Massnahmen nur dann hilfreich, wenn die Daten, die aufgrund starker Verschlüsselung nicht direkt von einem Smartphone ausgelesen werden können, nicht noch anders und ohne Verschlüsselung zugänglich sind. Beim iPhone von Apple beispielsweise besteht dieses Problem bei der Datensicherung mittels iCloud Backup. Als Alternative gibt es – vorläufig noch – die Möglichkeit, ein verschlüsseltes iPhone-Backup mittels iTunes zu erstellen.
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