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Staatsrat ist offen für neue Verkehrssysteme
Die Ideen von Grossrat Nicolas Bürgisser inspirieren die Freiburger Regierung
Nicht eine Eisenbahn, aber eine moderne Standseilbahn könnte eines Tages durchs Perolles und andere Teile der Stadt Freiburg verkehren. Der Staatsrat will neue Verkehrssysteme prüfen.
Von ARTHUR ZURKINDEN
Der Sensler CSP-Grossrat Nicolas Bürgisser wartet gerne mit bahnbrechenden Ideen auf. So wollte er, dass die Erschliessung der Perolles-Ebene, wo sich die Schulen konzentrieren, mit der Bahn geprüft werde. Nach seinen Vorstellungen könnte das stillgelegte, aber grossenteils noch bestehende Industriegeleise genutzt werden, um die regionalen Schüler-Züge vom Bahnhof Freiburg ans Ende des Perolles weiterzuleiten. In einem zweiten Postulat schlug er gar vor, die Poya-Brücke zu nutzen, um eine Eisenbahnlinie bis ins Schönberg-Quartier zu ziehen.
Nein zur Bahnerschliessung
Der Staatsrat war der Idee einer Bahnerschliessung der Perolles-Ebene anfänglich nicht ganz abgeneigt. Er befürwortete jedenfalls die Überweisung des Postulats, um diesen Lösungsansatz genauer studieren zu können. Nun liegt seine Studie vor. Und er sagt ganz klar Nein zur Bahnerschliessung, die «offensichtlich nicht die richtige Lösung für das Verkehrsproblem auf der Perolles-Ebene ist». Aus Kostengründen und wegen ungenügender Passagieraufkommen lehnt er auch eine U-Bahn, eine Stadtbahn oder ein Tram ab. «Eine günstige Lösung läge im Einsatz von zusätzlichen Bussen während der Stosszeiten», verrät er seine Präferenzen, weist aber auf eine andere, innovativere Variante hin: Der Bau eines automatischen Verkehrssystems.
Sympathie
für leichte Transportsysteme
Der Staatsrat denkt dabei an zwei leichte Transportsysteme, die kürzlich auf den Markt gekommen sind. Es handelt sich einerseits um das System «Cable Liner» der Firma Doppelmayr und andererseits um die Minimétro der Firma Leitner Systeme, die sich technisch ähnlich sind: Ein seilgezogener Wagen mit 20 bis 50 Plätzen fährt auf einer eigenen Schiene. Dank einer Automatik können die Intervalle zwischen den Wagen sehr kurz gehalten werden. «Dadurch ist die Wartezeit an den Haltestellen vernachlässigbar klein, und stündlich können bis zu 6000 Passagiere transportiert werden», weist der Staatsrat auf die Vorzüge des «Cable Liners» hin. «Diese Systeme lassen sich leicht in die städtischen Verhältnisse einfügen und können ohne weiteres grössere Höhenunterschiede überwinden, so dass Steigungen kein Problem darstellen», fährt der Staatsrat fort.
Bis nach Villars-sur-Glâne
oder Granges-Paccot
Seiner Ansicht nach könnte ein derartiges Verkehrssystem zwischen dem Bahnhof und der Perolles-Ebene entweder bis zum künftigen Gottéron-Village oder in Richtung Agy-Ebene weitergezogen werden. «In Verbindung mit dem Bau eines Pendlerparkings nahe der Autobahn würde dieses System der Agglomeration Freiburg zu mehr Mobilität verhelfen. Die Kosten könnten ferner durch die Aufhebung einer städtischen Linie in beträchtlichem Masse kompensiert werden», fügt er bei und lässt verlauten, dass diese Variante heute noch nicht genauer geprüft werden könne. Der Staatsrat will aber die Erfahrungen anderer Städte nutzen und die Machbarkeit sowie die Investitions- und Betriebskosten abklären.
Busverbindung verstärken
Im Hinblick auf die aktuelle Situation ist aber eine erhöhte Frequenz auf den bestehenden Buslinien die naheliegendste Lösung, wie der Staatsrat in seinem Bericht weiter schreibt. Mit einem zusätzlichen Gelenkbus könnten vier Hin- und Rückfahrten pro Stunde mehr angeboten werden, was die Kapazität um rund 600 Personen erhöhen würde. Dies würde jährliche Mehrkosten von 125 000 Franken verursachen. Der Staatsrat ruft auch in Erinnerung, dass mit der Eröffnung der OS in Avry-sur-Matran der Schülerstrom im Perolles abnehmen werde.
Teure Bahnerschliessung
Er führt mehrere Gründe auf, weshalb er eine Bahnerschliessung der Perolles-Ebene ablehnt. So verweist er auf eine Studie der Städtischen Verkehrsbetriebe (tpf), die ergeben hat, dass allein die Instandsetzung des stillgelegten Industriegeleises und der Anschluss an die SBB-Infrastruktur auf rund 14,5 Mio. Franken zu stehen kämen. Er gibt auch zu verstehen, dass sich nicht alle Regionalzüge zeitlich einen «Abstecher» ins Perolles-Quartier leisten könnten. Die Betriebskosten für die Verlängerung der Linien aus Murten und Yverdon ins Perolles-Quartier etwa werden jährlich auf eine Million Franken geschätzt.
Ungünstig würde sich zudem die Länge der Züge auf den Strassen-verkehr auswirken. Laut Staatsrat weist ein Regionalzug mit sieben
Wagen eine Länge von 187 m auf
gegenüber den 18 m eines Gelenkbusses. Dabei gibt der Staatsrat zu bedenken, dass der Zug die Industrie- und Giesserei-Strasse über-queren müsste. Dies würde bedeuten, dass die Schranken jedesmal während zwei Minuten geschlossen werden müssten. «Der Verkehr wäre stündlich während acht Minuten blockiert, womit die Durchgangskapazität der betroffenen Strassen um 13 Prozent reduziert würde», begründet er seine ablehnende Haltung
weiter.
Gegen Bahn ins Schönberg-Quartier
Im Gegensatz zum Perolles-Quartier will der Staatsrat eine Bahnerschliessung des Schönberg-Quartiers via Poyabrücke nicht weiter studieren. Er empfiehlt deshalb dem Grossen Rat, das Postulat von Jean-Pierre Dorand (CVP, Freiburg) und Nicolas Bürgisser (CSP, Giffers) abzulehnen.
In ihrer Antwort ruft die Freiburger Regierung in Erinnerung, dass die Poyabrücke in erster Linie das Burgquartier vom Individualverkehr entlasten soll, wodurch der öffentliche Verkehr freier durch dieses Quartier und ins Stadtzentrum fliessen könne. Die Anpassung der Brücke würde laut Staatsrat zwar nur etwa zehn bis fünfzehn Prozent Mehrkosten verursachen. Dagegen sei die Verbindung mit der bestehenden SBB-Linie in St. Leonhard nur schwer realisierbar, besonders aufgrund des grossen Höhenunterschiedes zwischen dem Bahntrassee und der Strasse. «Ausserdem müsste ein zweiter Tunnel für die Bahn gebaut werden, der hohe Kosten verursachen würde. Schliesslich besteht aufgrund des begrenzeten Platzes ein hohes Konfliktrisiko mit Privatinteressen: Schutz des Poyaparkes, bestehende und geplante Bauten», hält der Staatsrat in der Antwort des Postulates fest. az