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Ohne gutes Trinkwasser in genügender Menge können die Menschen nicht leben. Darum siedelten sich die ersten Einwohner unserer Gegend dort an, wo sich solche Wasservorkommen zeigten. Es wurden einfache, offene Leitungen zu den Dorfbrunnen gebaut. In unserem Gebiet hatte die älteste bekannte Wasserversorgung das ehemalige Rütner Kloster mit dem köstlichen Nass beliefert. Die Klosterbrüder fassten eine Quelle bei der Hauptstrasse nach Tann. Das Wasser leiteten sie zuerst im offenen Kanal, später wahrscheinlich in hölzernen Känneln zum Kloster. Im Laufe der Zeit entstanden für andere Quartiere weitere Fassungen und Leitungen.
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es in unserer Gemeinde nur private Wasserversorgungen. Zum Teil hatten sich die Interessenten zu Genossenschaften zusammengeschlossen. Es bestanden damals acht Brunnengenossenschaften. Jede Genossenschaft suchte dort Wasser, wo sie es am ehesten zu finden hoffte. Unsere Gegend war reich an Quellen. An vielen Stellen liegt über dem Nagelfluhfelsen eine 20–30 Meter dicke Schicht Kies und Sand. Dieses Material hat wahrscheinlich die damalige Jona in einem, vom Linthgletscher gestauten See abgelagert, längst bevor sie ihr tiefes Tobel graben konnte. Solche Kies- und Sandmassen sind vortreffliche Filter für das Wasser, welches weiter oben, am Abhang des Bachtels, versickert. Namen wie «Brunnenbühl» oder «Wurstbrunnen» sind Beweise, dass die Bevölkerung von Ober-Tann dort schon während Jahrhunderten Wasser holte und sich eine einfache Wasserversorgung mit öffentlichen Brunnen erstellte.
Die ersten Brunnenstuben und Reservoire waren aus Holz gebaut und die Fugen mit Lehm verstrichen. Auch die ersten Wasserleitungen waren hölzern. Sie wurden aus geraden Föhrenstämmen hergestellt, in die man von beiden Seiten etwa vier Zentimeter dicke Löcher hinein bohrte. An den Verbindungsstellen schlug man beiderseits eiserne Manschetten ein, damit ein guter Übergang gewährleistet war. Solche Leitungsstücke hiessen «Tüchel». Bevor so ein Föhrenstamm bearbeitet werden konnte, musste er während langer Zeit gewässert werden, damit er später keine Sprünge bekam. Dies geschah in eigens dafür hergerichteten Weihern, den sogenannten «Tüchelroosen» (Teuchelweiher). Der Name Roosriet lässt sich davon ableiten.
Als in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts Rüti gewaltig zu wachsen anfing, wurde auch mehr Wasser benötigt, und so begann 1877 die Honeggersche Brunnengenossenschaft ganz in der Nähe der Tanner Wasserfassung zu graben. Begreiflich, dass dies die Tanner nicht mochten. Die Rütner mussten sich für die damals riesige Summe von 3600 Franken einkaufen und erhielten dadurch die Erlaubnis, mit einer gusseisernen, zwölf Zentimeter dicken Röhre einen Anschluss an die bestehende Brunnenstube herzustellen.
1885 wurden wieder Grabungen in der Umgebung vorgenommen. Diesmal war die Herrenholz-Brunnengenossenschaft auf Rüti die Urheberin. Sogleich begannen die Tanner den eigenen Wasserzufluss zu kontrollieren und zu messen. Sie stellten bald fest, dass er zurückgegangen war. Zugezogene Experten rieten zuerst die Brunnenstube zu erneuern. Die teilweise aus Holz und Steinplatten bestehende Brunnenstube wurde durch eine aus Beton ersetzt. Als diese im Jahre 1899 endlich erstellt war, stand plötzlich die dreifache Wassermenge zur Verfügung und alle Genossenschaften konnten Ihren Bedarf decken.
Dieser Zustand dauerte allerdings nicht lange, denn laufend wurden in der wachsenden Gemeinde neue Anschlüsse installiert. So musste man bereits im Jahre 1901 das kleine Reservoir im Laufenbach vergrössern. Die dazu benötigten Geldmittel, sowie diejenigen für das Aufstellen der vorgeschriebenen Hydranten in der ganzen Gemeinde überstiegen das Vermögen der Genossenschaften bei weitem. Deshalb beschloss die Gemeindeversammlung, die grösseren Genossenschaften aufzukaufen. Damit beginnt die eigentliche Geschichte der Rütner Wasserversorgung.
Der Aufbau unserer Wasserversorgung kann erst richtig verstanden werden, wenn man die geschichtlichen Hintergründe kennt. Dass zwei Reservoire auf unterschiedlicher Meereshöhe bestehen, die das gleiche Gemeindegebiet versorgen, rührt davon her, dass diese einst vor verschiedenen Brunnengenossenschaften gehörten. Als sie in Gemeindebesitz übergingen, wurden sie selbstverständlich durch das Leitungsnetz zusammengeschlossen. Da das Reservoir Nauen, Tann, auf 513 m.ü.M., Laufenbach hingegen auf 536 m.ü.M. liegt, würde das erstere ständig überlaufen, während das letztere leer stünde. Deshalb ist im Reservoir Nauen eine Pumpe eingebaut worden. Der Quellenzulauf zum Reservoir Schlaad, welches die höhergelegenen Gemeindeteile und Fägswil beliefert, genügte bald nicht mehr. Deshalb wurde eine Verbindungsleitung mit Pumpe zwischen dem Reservoir Laufenbach und Schlaad gebaut.
Im Jahre 1905 verpassen die Rütner die Gelegenheit, ein Wasserbezugsrecht von der grossen Goldinger Quelle zu erwerben (Preis: Fr. 100.–). Nachdem das Goldinger Wasser auf Fr. 5000.– angestiegen ist, verzichten sie erneut, bauen jedoch dafür das erste Grundwasserpumpwerk im Reckholderboden, weil der Quellenzufluss nicht mehr genügte.
Als 1911 das Pumpwerk im Reckholderboden in Betrieb genommen wurde, musste jeweils ein Angestellter per Velo zum Reservoir radeln, um den Wasserstand zu kontrollieren und anschliessend, auf Grund dieses Augenscheins, zur Pumpstation fahren und dort die Motoren so lange in Gang halten, bis nach seinem Gefühl das Reservoir voll sein musste. Heute geschieht dies alles automatisch.
Die verschiedenen Pumpen und der Wasserbezug der Gruppenwasserversorgung werden auf Grund von dauernden Messungen automatisch ein- und ausgeschaltet. Auch ausserhalb der Arbeitszeit, das heisst in der Nacht oder Samstag, Sonntag und an Feiertagen, ist ständig ein Mann der Wasserversorgung Rüti auf Pikett. Jeder Unregelmässigkeit an der Wasserversorgung löst einen Alarm aus. Auch telefonische Meldungen sind nicht selten. Das Pikett muss durchschnittlich 1 - 2 mal pro Woche ausrücken, um kleinere oder grössere Schäden zu beheben, während wir alle behaglich zu Hause sitzen.
Für das Seewasser der Gruppenwasserversorgung Zürcher Oberland braucht es für Rüti keine Pumpe, weil das Reservoir Mühlehölzli auf 610 m liegt und Laufenbach auf nur 536 m. Die Wasserversorgung Rüti hat eine Maximalmenge von gegenwärtig 5000 m3 optiert. Die Pumpe, welche für Wald das Seewasser fördert, ist im Pumpwerk Laufenbach untergebracht. Da einzelne Rütner Höfe, der Sunneberg, Büel, Goldbach, Oberwies zu hoch liegen um auch vom Reservoir Schlaad nich mit dem nötigen Druck bedient werden können, sind diese an die Walder-Leitung angeschlossen. Sie müssen dadurch nicht mehr ihre eigenen, teils spärlichen oder unsauberen Quellen am Batzberg benutzen.
Alle drei alten Rütner Reservoire fassen zusammen 2030 m3. Das war im Vergleich zu einem durchschnittlichen Tagesverbrauch von 4500 m3 und einem maximalen von 6760 m3 am 19. Juni 1973 sehr wenig. Von Reserve, abgesehen von der bescheidenen Feuerlöschreserve, konnte nicht gesprochen werden.
Um der kommenden Entwicklung der Gemeinde und des Wasserverbrauchs Rechnung zu tragen, wurde in den Jahren 1974/75 im Rüteli (Barenberg,. Bubikon) ein neues, grosses Reservoir erstellt. Es ist ein Gemeinschaftswerk der Gemeinden Rüti und Jona, aber mit getrennten Kammern. Beide Reservoire umfassen je 3000 m3, davon je 200 m3 Löschreserve. Sie werden aus einer direkten Leitung der Gruppenwasserversorgung gespiesen. Das Joner Reservoir wird zusätzlich mit Wasser aus der Goldinger Leitung versorgt. Und da für Notfälle eine Verbindung zwischen den beiden Reservoiren eingebaut wurde, hat Rüti nun, nach 70 Jahren, doch noch eine Verbindung zur Goldinger Leitung bekommen.
Der verhältnismässig weit abgelegene Standort im Barenberg wurde deshalb gewählt, damit das neue Reservoir die gleiche Wasserspiegelhöhe aufweist wie dasjenige im Laufenbach. Der Vergleich zwischen dem Total der Reservoire und dem Tagesverbrauch sieht so aus:
Reservoirinhalte total: 5830 m3
Durchschnittlicher Tagesverbrauch 2000: 2933 m3
Spitzenwert Mai 2001: 3127 m3
Im Jahre 1901 entstand durch die Übernahme bestehender Wasserversorgungs genossenschaften die Gemeinde-Wasserversorgung.
Die Angliederung der Wasserversorgung an die Werkbetriebe fällt in das Jahr 1920.