Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03502.jsonl.gz/727

Berger, Peter L. / Luckmann, Thomas: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie. Frankfurt am Main: Fischer Verlag, 1969, ISBN 3-596-26623-8 (Original: The Social Construction of Reality: A Treatise in the Sociology of Knowledge (1966)
Institution
P. Berger beginnt seinen Konstruktivismus mit einem Menschenbild. Hier ist nicht wichtig, wie er den Menschen sieht, sondern dass er zuerst den Menschen beschreibt. (unwichtig: Er beschreibt den Menschen als instinktarm in einer Umwelt überfordert, was er durch gesellschaftliche Ordnung kompensiert, wobei er seine Weltoffenheit zugunsten der Ordnung (teilweise) aufgibt).
Berger konstatiert eine gesellschaftliche Ordnung und fragt, wie sie entsteht. Er nennt den entsprechenden Produktionsprozess Institutionalisierung.
Die Erläuterung der Institutionalisierung beginnt P. Berger mit der Handlung, die habitualisiert wird.
Beispiel Schule als Institution (Warum ist sie Inst und keine Organisation? Objekt und Instanz!)
die Eltern lehren ihre Kinder rechnen. Mit der Zeit machen das alle Eltern (Sozialisation). Dann merken sie es und stellen einen Lehrer an und produzieren einen handlungsbezogenen Typ, der die Handlung als Lehrerhandlung typisiert. Die Lehrer werden von päda-Gogos (die die Schüler zu hause besuchen) zu Lehrer in einer Schule und produzieren damit einen (ortsbezogenen) Typ, der den Ort als Schule typisiert.
„Institutionalisierung findet statt, sobald habitualisierte Handlungen durch Typen von Handelnden reziprok typisiert werden“
Die Institution "Schule" zwingt dann die Menschen in die Schule zu gehen. Die Externalisierung findet statt in die Lehrer und in die Schule. Die Objektivierung findet statt im Lehrer und in der Schule, die es dann gibt und die Internalisierung findet statt, wenn Lehrer und Schule als Wirklichkeit angenommen werden.
Als Wirklichkeit wird die Schule dann mit Hilfe von Sanktionen durchgesetzt (also nicht mehr mit ihrer Enstehungsgeschichte begründet)
Der Institutionalisierungsprozess wiederholt sich in der Sprache, beim über die Institutionen Reden, indem das Reden auch wieder habitualisiert und typisiert wird (wobei auch Routinebildung und der Trivialisierung wiederholt werden).
Im Beispiel: Vergessen wird die Päda-Gogos-Funktion, der Lehrer gewöhnt sich daran und wird zum Lehrer und in der Sprache erscheint dann der Lehrer nicht mehr als Päda-Gogos sondern als Meister des Wissens und des Vermittelns.
Bestimmte Handlungstypen werden als Rollen typisiert. „Nur in ihrer Repräsentation durch Rollen manifestiert sich die Institution als wirklich erfahrbar“ (S.79). Somit entsteht rollenspezifisches Wissen. Man erfährt DEN Lehrer (egal, wie er personell besetzt ist) und nicht die Schule, weil die Schule keine Rolle ist.