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Horizon Europe, das 9. Rahmenprogramm der Europäischen Union für Forschung und Innovation, ist das Nachfolgeprogramm von Horizon 2020 und läuft von 2021 bis 2027. Die Schweiz gilt bei Horizon Europe und damit verbundenen Programmen und Initiativen (Euratom, Digital Europe Programme, Forschungsinfrastruktur ITER) bis dato als nicht assoziiertes Drittland. In diesem Status können sich Forschende und Innovatoren in der Schweiz an ungefähr zwei Dritteln des Programms beteiligen; die Fördermittel dafür erhalten sie direkt vom Bund. Für nicht zugängliche Programmteile stehen nationale Übergangsmassnahmen bereit.
Die Schweiz wird bei Horizon Europe und damit verbundenen Programmen und Initiativen bis auf Weiteres als nicht assoziiertes Drittland behandelt, wobei dieser Status jederzeit geändert werden kann. War die Schweiz am Vorgängerprogramm Horizon 2020 assoziiert, strebt der Bundesrat für Horizon Europe den gleichen Status an. Aktuell können sich Projektteilnehmende in der Schweiz an der Mehrheit der Verbundprojekte beteiligen. Die Fördermittel für positiv evaluierte Projekte erhalten die Schweizer Forschenden dabei aber nicht von der Europäischen Kommission, wie dies bei einer Assoziierung der Fall wäre, sondern vom Staatsekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI). Demgegenüber ist eine Teilnahme an sogenannten Einzelprojekten prinzipiell ausgeschlossen. Dazu gehören Ausschreibungen des Europäischen Forschungsrats (European Research Council, ERC), der Marie Skłodowska-Curie Aktionen, und des Europäischen Innovationsrats (European Innovation Council, EIC).
Neuer Finanzierungsmodus
Die Schweiz kommt unabhängig von ihrem Beteiligungsstatus finanziell für die Teilnahme von Schweizer Partnern an Horizon Europe auf. Auch als assoziiertes Land würde die Schweiz wie andere assoziierte Länder die Teilnahme ihrer Forschenden und Innovatoren durch ihren Pflichtbeitrag an die Europäische Kommission finanzieren. Gemäss dem neuen «pay as you go»-Prinzip bezahlt jedes assoziierte Land prinzipiell so viel, wie seinen Forschenden an EU-Projektfinanzierung gewährt wird.
Nationale Übergangsmassnahmen
Es ist nicht das Ziel der Schweiz, die Beteiligung an Horizon Europe durch nationale Programme grundsätzlich zu ersetzen. Der Bundesrat sieht aber verschiedene Massnahmen vor, um die Situation bis zu einer Assoziierung zu überbrücken. So werden Forschende und Innovatoren in der Schweiz im Rahmen von Übergangsmassnahmen direkt für ihre Teilnahme an zugänglichen Horizon-Europe-Projekten finanziert. Dadurch können Forschende und Innovatoren in der Schweiz weiterhin an internationalen Projekten im Rahmen von Horizon Europe mitwirken und bleiben für ihre europäischen Kolleginnen und Kollegen attraktive Partner. Dies erlaubt ihnen, gemeinsam Spitzenforschung zu betreiben und wichtige internationale Netzwerke zu pflegen.
Für die Instrumente, bei denen Teilnehmende in der Schweiz aktuell nicht zugelassen sind, hat das SBFI verschiedene Institutionen beauftragt, Übergangsmassnahmen einzuleiten. Diese orientieren sich so weit wie möglich an den Ausschreibungen von Horizon Europe und sorgen dafür, dass bei den Akteuren keine Finanzierungslücken entstehen. Die Stärken der Forschenden und Innovatoren in der Schweiz sollen somit optimal gefördert werden. Beispiele für solche Übergangsmassnahmen sind die SNSF Consolidator Grants 2022 (angelehnt an die Consolidator Grants des Europäischen Forschungsrats und durchgeführt vom Schweizerischen Nationalfonds) oder der Swiss Accelerator 2022 (angelehnt an den Accelerator des Europäischen Innovationsrats und durchgeführt von Innosuisse).
Damit fliesst ein Teil der finanziellen Mittel, die die eidgenössischen Räte als Pflichtbeitrag an die Europäische Kommission für die assoziierte Beteiligung der Schweiz an Horizon Europe vorgesehen hatten, direkt an Schweizer Teilnehmende in den Projekten. Insgesamt belaufen sich die vom SBFI eingeleiteten Übergangsmassnahmen für die Jahre 2021 und 2022 auf gut 1,2 Milliarden Franken. Die direkte Finanzierung von Teilnahmen an zugänglichen Verbundprojekten macht dabei den grössten Teil aus.
Nationale Ergänzungs- und mögliche Ersatzmassnahmen
Unabhängig von einer Schweizer Assoziierung an Horizon Europe sind Ergänzungsmassnahmen vorgesehen. Sie haben zum Ziel, die internationale Ausrichtung der Schweizer Forschung und Innovation in ihren Exzellenzbereichen zu diversifizieren und zu stärken. Diese Massnahmen können je nach Entwicklung der nächsten Jahre skaliert werden. Es geht dabei um die Förderung von bi- und multilateralen Forschungskooperationen mit Ländern inner- und ausserhalb Europas in Forschungsbereichen von strategischer Bedeutung für die Schweiz, sowie die Lancierung einer nationalen Förderinitiative «Quantum», welche Infrastrukturen und Technologieplattformen national koordiniert auf- und ausbaut. Sie stärkt – mit den bereits geleisteten Investitionen der Hochschulen und des Bundes – eine wichtige Grundlage für internationale Partnerschaften. Im Bereich Quantum leistet die Schweiz international führende Beiträge und der Bund fördert den Fortschritt in diesem Gebiet seit geraumer Zeit.
Allfällige Ersatzmassnahmen sollen eingeleitet werden, falls eine Assoziierung am Horizon-Paket längerfristig nicht realisierbar sein sollte. Der Bundesrat wird zu einem späteren Zeitpunkt über die Notwendigkeit von Ersatzmassnahmen entscheiden.
Alle erwähnten Massnahmen sollen dazu beitragen, dass die Schweiz weiterhin ein führender Forschungs- und Innovationsstandort in Europa und der Welt bleibt. Der Bundesrat, das WBF und das SBFI setzen sich engagiert dafür ein, dass dieser Status weiter gefestigt werden kann und dass den Forschungs- und Innovationsakteuren in der Schweiz die bestmöglichen Rahmenbedingungen zur Verfügung stehen.
Horizon Europe, das Forschungs- und Innovationsförderprogramm der EU, ist das weltweit grösste und mit 95,5 Milliarden Euro ambitionierteste Zusammenarbeitsinstrument im Bereich F&I. Es zielt darauf ab, die Wissenschafts- und Technologiegewinnung in Europa durch vermehrte Investitionen in hochqualifizierte Arbeitskräfte und Spitzenforschung zu stärken. Gleichzeitig soll Horizon Europe dazu beitragen, die strategischen Prioritäten der EU voranzutreiben. Dazu gehört beispielweise die Stärkung einer widerstandsfähigen, integrativen und demokratischen europäischen Gesellschaft, die auf Bedrohungen und Katastrophen vorbereitet ist und darauf reagieren kann. Aber auch die Widerherstellung und Sicherstellung der Ökosysteme und der biologischen Vielfalt in Europa ist von grosser Bedeutung, um eine saubere und gesunde Umwelt zu gewährleisten. Somit soll Horizon Europe auch zum grünen und digitalen Wandel beitragen und den Europäischen Forschungsraum stärken. Die Ausgestaltung des EU-Rahmenprogramms orientiert sich zudem an den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDG).
Autorinnen
Anna Fill, SBFI
Wissenschaftliche Beraterin Ressort EU-Rahmenprogramme
Brita Bamert, SBFI
Wissenschaftliche Beraterin Ressort EU-Rahmenprogramme
Catrina Diener, SBFI
Wissenschaftliche Beraterin Ressort EU-Rahmenprogramme
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