Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03646.jsonl.gz/350

Die Geschichte der Bürgergemeinde beginnt mit der Geschichte von Derendingen. Bis zur Trennung in Einwohner- und Bürgergemeinde im 19. Jahrhundert gab es die sogenannte «Einheitsgemeinde» Derendingen.
Unser Dorf wurde am 4. Dezember 1291, am Barbaratag, zum ersten Mal erwähnt. An diesem Tag verkaufte die Witwe des Ritters von Oenz ihre Güter zu «Theradingen» an das Kloster St. Urban. Die Originalurkunde ist erhalten und befindet sich im Staatsarchiv Luzern.
Die St. Urbangasse erinnert heute noch daran wo sich die Grundstücke befanden.
Im Jahr 1466 verkaufte Kunigunde von Spiegelberg ihren Besitz im Wasseramt, die Herrschaft Halten, an die Stadt Solothurn. Somit kam unser Dorf für über 300 Jahre in den Besitz der Stadt Solothurn.
Die solothurnischen Gemeinden, somit auch Derendingen, waren bis zum Franzoseneinfall im Jahr 1798 reine Gemeinschaften der Ortsbewohner zur Nutzung von «Weid, Holz und Feld».
Rechtsprechung und Gerichtsbarkeit ging vom Stadtstaat Solothurn aus (Stadt Solothurn).
Das einzige Recht, respektive Pflicht, das die Gemeinden hatten, war ab 1551 die sogenannte eidgenössische Bettelordnung. An der Tagsatzung zu Baden wurde beschlossen, dass jede Gemeinde für ihre armen Ortsbewohner selbst zu sorgen hatte.
Im 18. Jahrhundert erhielten viele Gemeinden einen sogenannten Dorfbrief von der Regierung in Solothurn. Derendingen erhielt im Jahr 1757 einen Dorfbrief. Darin wurden zum ersten Mal die Bedingungen für den Erwerb des Bürgerrechtes behandelt.
Ab 1798, nach der Besetzung der Schweiz durch Napoleon, bekamen die Gemeinden eine gewisse Unabhängigkeit, wie zum Beispiel beim Schulwesen. Derendingen errichtete im Jahr 1808 sein erstes Schulhaus an der Biberiststrasse, ebenso folgte die Gründung eines Schulfonds.
Zwischen 1803 und 1831 wurde die sogenannte «alte Ordnung», wiedereingeführt. Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war geprägt von ständigen Veränderungen der politischen Verhältnisse.
Am 15. Juli 1831 trat das sich auf die Kantonsverfassung stützende Gemeindegesetz in Kraft. Die alten Gerichtsorganisationen, die vor dem Jahre 1831 als Obrigkeitsinstitutionen die Verwaltungsaufgaben erfüllt hatten, wurden damit aufgehoben.
Derendingen bekam seinen ersten Gemeinderat, und mit Jakob Steiner seinen ersten Ammann.
Obwohl nun die Gemeinden ihre Souveränität erhielten, waren aber immer noch nicht alle Bewohner wahl- und stimmberechtigt. Gerade in Derendingen, dass mit der Industrialisierung innerhalb von 20 Jahren seine Bevölkerung mehr als verdreifachte, wurde das Verhältnis von Ortsbürgern zu den «Niedergelassenen» immer grösser.
Im Jahr 1872 wurde zum ersten Mal drei Vertreter der «Niedergelassenen» in den Gemeinderat gewählt.
Fünf Jahre später, im Jahr 1877, wurde zum ersten Mal ein Einwohnergemeinderat, sowie ein Bürgergemeinderat gewählt.
Als erster Bürgerammann wurde Urs Josef Glutz gewählt und als Statthalter Josef Gasche.
Als Geburtsstunde der Bürgergemeinde kann der 23. August 1876 bezeichnet werden. An diesem Datum wurde die erste Bürgergemeindeversammlung abgehalten.
Die Bürgergemeinden umfassen alle in ihrer Gemeinde Heimatberechtigten, ohne Rücksicht auf deren Wohnsitz. Stimm- und wahlberechtigt ist in der Heimatgemeinde aber nur, wer in der Gemeinde selbst wohnhaft und angemeldet ist.
Die Bürgergemeinde Derendingen zählt rund 1700 Personen, davon sind ca. 370 in Derendingen wohnhaft.
Die Bürgergemeinde besitzt per Ende 2020 rund 122 Hektaren Wald und rund 8 Hektaren Kulturland.
Dreigliedriges Bürgerrecht
Die Schweiz ist wohl das einzige Land der Welt, das über ein sogenanntes «Dreigliedriges Bürgerrecht» verfügt.
Jede Schweizerin und jeder Schweizer besitzt gleichzeitig das Gemeindebürgerrecht, das Kantonsbürgerrecht und das Schweizerbürgerrecht. Die Bürgergemeinde Derendingen entscheidet über die Erteilung des Bürgerrechts von Derendingen.
Im Jahr 1851 wurde Carl Thoma aus dem Grossherzogtum Baden in Derendingen eingebürgert. Carl Thoma gründete 1850 in Derendingen eine Wollfabrik. Aus dieser entstand später die Baumwollspinnerei Emmenhof.
Text:
«Von Herrn Carl Thoma, Wollenfabrikant, für die Einkaufstaxe Franken 600.- erhalten»
Trennung der Einheitsgemeinde in Einwohner- und Bürgergemeinde Derendingen
Ab 1876 – Trennung der Einheitsgemeinde in Einwohner- und Bürgergemeinde Derendingen. Im Jahr 1877 wurde zum ersten Mal ein Bürgergemeinderat gewählt. Als erster Bürgerammann wurde Urs Josef Glutz gewählt und als Statthalter Josef Gasche.
1880 – Die Bürgergemeinde übergibt das Schulwesen der Einwohnergemeinde
Auf dem Bild von 1876 Lehrer Franz Josef Stampfli vor dem Schulhaus im Oberdorf. Lehrer Stampfli unterrichtete ab Herbst 1864 im neuen Schulhaus als Unterlehrer die ersten drei Jahrgänge. Seine Klasse umfasste 37 Schüler.
Lehrer Stampfli lebte von 1818 bis 1889 und war bis zu seinem Tod Lehrer in Derendingen.
Das Foto aus dem Jahr 1876 dürfte wohl eine der ältesten Abbildungen von Derendingen sein.
Der Eichholzwald
1914 – Der Eichholzwald kommt 1914 mit dem «Aussonderungsbeschluss» zwischen der Einwohnergemeinde und der Bürgergemeinde Derendingen in den Besitz der Bürgergemeinde.
Auf dem Bild sieht man auch die Kirchgasse, die durch den Eichholzwald zur Kirche nach Kriegstetten führt. (Bild um 1930)
Affolterwald
1925 – Derendingen mit dem Affolterwald. Neben dem Eichholzwald ist der Affolterwald das zweite grosse Waldgebiet der Bürgergemeinde Derendingen. Die Einnahmen aus dem Holzverkauf bilden für die meisten Bürgergemeinden die wichtigste Einnahmequelle. So konnte die Bürgergemeinde Derendingen im Jahr 1965 für 218’000 Franken Holz verkaufen. Rund 80% waren Bau – und Sagholz, der Rest Papierholz, sowie ein kleiner Teil Eichenholz (32 m3).
Verkauf Wasserversorgung
1922 – Die Bürgergemeinde verkauft der Einwohnergemeinde ihre Wasserversorgung (Niederdruckleitung). Anschliessend baut die Einwohnergemeinde die neue Hochruckwasserleitung, bereits versehen im einem Hydrantennetz.
Das Foto aus dem Jahr 1936 zeigt den Neubau der reformierten Kirche. Links sieht man einen der über 100 Hydranten von der neuen Wasserversorgung.
Bauprojekt Hochwasserschutz
Bild 1
Ab 2016 – Bauprojekt Hochwasserschutz und Revitalisierung an der Emme, sowie Sanierung der Deponie «Schwarzweg».
Bild 2
2016 / 2017 – Sanierung Deponie Schwarzweg. Auf einer Fläche von 19’000 m2 wurden rund 80’000 Tonnen Abfall entsorgt.
Heute dient die ehemalige Deponie als Überflutungsfläche für die Emme.
Sanierung und Erweiterung des Blockhauses
Bild 1
Im Jahr 1973 entschied sich die Kommission «Erholungsgebiete an der Emme» zum Bau eines Blockhauses.
Mit viel Fronarbeit wurde dann im Frühling 1974 das Blockhaus an der Emme erstellt, und konnte im Juni 1975 mit einem grossen Fest eingeweiht werden.
Bild 2
Im Jahr 2021 wurde das Blockhaus saniert und erweitert. Grosszügige Flügelfenster lassen nun das natürliche Licht eindringen und gewähren je nach Jahreszeit einen interessanten, abwechslungsreichen Blick nach aussen.