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Autor: Lukas Schwab
«Wenn die Gemeinde mehr Einfluss auf die Ansiedlung von Industrie- und Grossbetrieben nehmen will, muss sie selber Industrieland anbieten können», erklärt Susanne Schwander, Gemeindepräsidentin von Kerzers. Deshalb versucht man in Kerzers, vermehrt selber Industrieparzellen zu kaufen oder mittels Verträgen mit den Grundbesitzern vor der Einzonung eine aktive Bodenpolitik zu betreiben.
Mehr Einfluss durch Verträge mit Grundbesitzern
In der revidierten Ortsplanung von Kerzers, die momentan vom Kanton geprüft wird, ist eine neue Industriezone von 10,8 Hektaren vorgesehen. «Davon gehört eine grössere Parzelle bereits der Gemeinde, für die weiteren Parzellen werden Verträge mit den Grundbesitzern abgeschlossen», erklärt die Gemeindepräsidentin. So muss ein Grundbesitzer, der selber einen Käufer für sein Grundstück suchen will, einen Nutzungsvertrag mit der Gemeinde abschliessen: Wird die Parzelle nicht innerhalb von zwölf Jahren bebaut, kann die Gemeinde das Land zu einem festgelegten Preis kaufen. «Dadurch können wir verhindern, dass das eingezonte Land ungenutzt bleibt», erklärt Susanne Schwander.
Landwirten als Grundbesitzern wird ein Landabtausch angeboten. «Die Gemeinde besitzt im Grossen Moos Agrarland, das sie als Ersatz anbietet», so Schwander. Die Berechnung der Landwerte und des Tauschverhältnisses wird durch das Landwirtschaftliche Institut Grangeneuve vorgenommen. Mit verkaufswilligen Grundbesitzern schliesst die Gemeinde einen Vorverkaufsvertrag ab, ist die Umzonung vollzogen, kauft die Gemeinde das Land.
Die Lehren aus der Vergangenheit gezogen
«Will ein Grundbesitzer keinen Vertrag abschliessen, sehen wir von einer Einzonung des Grundstückes ab», erklärt Schwander. Bisher habe es aber kaum Probleme gegeben, die Diskussion mit den Landbesitzern sei ruhig verlaufen. Die Verträge sollen im ersten Quartal 2009 abgeschlossen werden.
Laut der Gemeindepräsidentin hat Kerzers in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht. So wurde vor einigen Jahren im Biberenzelgli Industrieland eingezont, ohne dass die Gemeinde Einfluss auf die Grundbesitzer nahm. Einige Parzellen sind bis heute nicht bebaut, auf anderen liessen sich Betriebe nieder, die kaum Arbeitsplätze geschaffen haben. «Das bringt der Gemeinde praktisch nichts», so das Fazit von Susanne Schwander.
In Zukunft soll rasches Handeln möglich sein
«Die Grobplanung für die Erschliessung der neuen Industriezone steht», so Susanne Schwander. Die Erschliessung soll beginnen, sobald die Ortsplanungsrevision rechtskräftig ist, was voraussichtlich 2010 der Fall sein wird. «Durch das verfügbare Land wird ein rasches Handeln im Falle von Interessenten möglich», erklärt die Gemeindepräsidentin. Für die Parzelle, die der Gemeinde gehört, stehe bereits ein Käufer bereit. «Mit dem Erlös aus dem Landverkauf kann die Erschliessung der Zone finanziert werden», so Schwander.
Das Konzept mit Landkäufen und dem vertraglichen Instrumentarium wurde von der 2006 gegründeten Wirtschaftsförderungskommission erarbeitet. «Meines Wissens ist Kerzers die einzige Gemeinde der Region, die über eine solche Kommission verfügt», erklärt Susanne Schwander.