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verwirft das eleatische Ansichsein und behauptet allein den subjektiven Schein; Gorgias glaubt die Eleatische Seinslehre durch ihre eigene Konsequenz zu vernichten; die Mehrzahl der Sophisten aber wendet sich von der Spekulation überhaupt ab und sieht in der vernünftigen Gestaltung der menschlichen Thätigkeiten ihr alleiniges Ziel. Gegen sie tritt Sokrates auf mit der entschiedenen Forderung der Kritik, denn sein «Wissen des Nichtwissens» hatte kritische, nicht skeptische Bedeutung.
Dadurch, und durch die Voranstellung der ethischen Betrachtung eröffnet er ein neues Zeitalter der Begriffen wurde seine Absicht zwar unter allen seinen Nachfolgern bloß von Plato, der auf der Basis eines gründlichern Verständnisses für das wahre Verhältnis der beiden Grundkräfte der Erkenntnis, Sinnlichkeit und Verstand, das Doppelreich der Erscheinung und der Ideen ausbaute, und zugleich zu einer kritischen Grundlegung der Erfahrungswissenschaft auf mathem. Boden mächtige Anregungen gab. Sein Nachfolger Aristoteles hat zwar die kritischen Keime der Sokratisch-Platonischen Philosophie nicht zur Entfaltung gebracht, aber er hat dennoch durch seine erweiterte Empirie, großartige Systematik und sorgsame logische Bearbeitung der gewonnenen Erkenntnis der klassischen Periode der ihren Abschluß gegeben und zugleich eine fast grenzenlose Fülle neuer Aufgaben den Nachfolgern hinterlassen.
Schon die stoische Philosophie arbeitet fast nur mit gegebenem Material; neben ihr behauptet sich die Epikureische Philosophie, eine stark verflachende Wiederholung der Anschauungen Demokrits. Es ist ein bedenkliches Zeichen des Verfalls, daß ein Plato und Aristoteles durch Zeno und Chrysipp, ein Demokrit durch Epikur verdrängt werden konnte. Gegenüber dem plumpen Dogmatismus dieser beiden Richtungen verdient die dritte, skeptische Richtung, die an Protagoras anknüpft, aber von der Sokratik wie von Demokrit nicht unberührt ist, wissenschaftlich vielleicht den Vorrang; thatsächlich blieb sie ohnmächtig.
Den vollen Verfall bezeichnet aber erst das Eindringen des Eklekticismus seit dem letzten vorchristl. Jahrhundert, der bald in eine vollständige Erschlaffung alles wissenschaftlichen Interesses ausartete. Es zeugt von der schöpferischen Kraft [* 2] des hellenischen Geistes, daß noch mitten aus diesem allgemeinen Zerfall heraus eine tiefsinnige Spekulation wie die der Neuplatoniker sich erheben konnte. Aus den Trümmern der alten Philosophie rettete das Christentum vieles; aber indem es die Philosophie der Religion dienstbar machte, veränderte es, bei reichlicher Übernahme ihres Begriffsmaterials, doch ihren ganzen Charakter, für den erst der Renaissancezeit wieder das Verständnis aufging.
Einen befruchtenden Einfluß übte die alte Philosophie von da ab auf die der Neuzeit aus; man kann sagen, daß in den großen Systemen der Modernen, in Descartes, Leibniz und Kant, aber auch im Empirismus und Materialismus des 17. und 18. Jahrh. die alte Philosophie wieder aufgelebt ist, bereichert durch die Errungenschaften der modernen Naturwissenschaft. Daraus begreift sich auch das Interesse, das man der Philosophie der Alten gerade im 19. Jahrh. zugewandt hat.
Vgl. Brandis, Handbuch der Geschichte der griech.-röm. Philosophie (3 Bde. in 6 Abteil., Berl. 1835-66);
desselben kürzer gefaßte Geschichte der Entwicklungen der (2 Tle., ebd. 1862-64);
Zeller, Die Philosophie der Griechen (3 Tle., 5. Aufl., Lpz. 1892 fg.);
ders., Grundriß der Geschichte der (3. Aufl., ebd. 1889).
In Überwegs «Grundriß der Geschichte der Philosophie. 1. Teil: Das Altertum» (7. Aufl., bearb. von Heinze, Berl. 1886) finden sich speciellere Litteraturangaben, namentlich auch zu den einzelnen Philosophen.