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«Hältst du die ganze Klimadiskussion auch für übertrieben?», will mein Gegenüber von mir wissen. Meine Warnlampen blinken. Beantworte ich die Frage mit «nein», weil mir beispielsweise das Schmelzen der Gletscher Sorgen bereitet, lande ich womöglich in der Schublade «grüner Umweltaktivist». Sage ich «ja», weil die Art, wie Forderungen oftmals gestellt werden, für mich mit zu viel Moralin getränkt sind, sieht mich der Fragesteller als Verbündeter, während ich für andere zum «Klimafeind» mutiere.
Wie schnell landet man in einer Schublade und wird auf eine bestimmte Aussage festgenagelt.
In drei Tagen feiern wir den Palmsonntag. Damals zog Jesus auf einem Esel sitzend in Jerusalem ein, wo ihn die Menschenmenge mit Palmenzweigen bejubelte und als König begrüsste. Eine knappe Woche später wechselte Jesus beim Volk aus der Schublade «König» in die Schublade «Verbrecher».
Am Karfreitag wurde er buchstäblich am Kreuz festgenagelt. Wir wissen wohl alle, wie es sich anfühlt, missverstanden und kategorisiert zu werden. Gleichzeitig besitzen wir selber ein mehr oder weniger ausgeprägtes Schubladensystem.
Darin ordnen wir nicht nur Menschen ein, sondern oft auch Gott, zum Beispiel den strafenden Richtergott oder den harmlosen, lieben Gott. Unser Gottesbild wurde von den Eltern geprägt, der Kirche oder wie wir eigene Erfahrungen interpretiert haben. Der durch sein Leiden bekanntgewordene Hiob drückte es so aus: «Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört; nun aber hat dich mein Auge gesehen.» Hiob gingen die inneren Augen auf. Die persönliche Begegnung mit ihm wischte alles Einseitige weg, das Hiob bisher von Gott gehört oder gedacht hatte.
Vielleicht gehen mir in der Osterwoche wie Hiob die Augen auf, wenn ich in Jesus am Kreuz den Gott entdecke, der aus Liebe zu mir die Strafe für meine Schuld getragen hat.
Jedenfalls will ich Gott bitten: «Zeige dich mir so, wie du wirklich bist.»