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„Einer seiner Jünger sagte zu ihm: ‚Herr, lehre uns zu beten.‘“
Liebe Schwestern und Brüder
Das heutige Lukasevangelium macht uns darauf aufmerksam, dass wir uns in allen Lebenslagen im Gebet an Gott wenden sollen. Es erinnert uns daran, dass das Gebet der Schlüssel ist, um Gottes Gnade zu finden. Heute gibt uns Christus selbst diesen Schlüssel zum Erfolg. Er lehrt uns, wie wir beten sollen, und ermutigt uns, unaufhörlich zu beten.
Wir hören manchmal das Argument: Warum manche Gebete scheinbar erhört werden und andere unerhört bleiben? Ich habe keine guten Antworten oder Erklärungen dafür, aber ich habe einige sehr unangenehme gehört. „Du hast nicht genug gebetet”. „Du hast nicht genug Glauben“. „Du hast um das Falsche gebeten”. „Es ist alles ein Geheimnis und eines Tages werden wir es verstehen.“ „Alles geschieht aus einem bestimmten Grund.“ „Etwas Besseres wird kommen.” „Manchmal sagt Gott nein.“ „Gott stellt dich auf die Probe.“ Wenn Sie diese Dinge schon einmal gehört haben, wissen Sie, wie wenig hilfreich aber verletzend sie sind.
Ich frage mich, ob wir diesen Text und das, worum es beim Gebet wirklich geht, nicht missverstanden haben. Was ist, wenn wir nicht schuld sind an unerhörten Gebeten, aber Gott auch nicht? Was wäre, wenn Gott weder Antworten, Dinge oder das, was wir wollen, spendet noch zurückhält?
Irgendwann kam ich auf die Idee, dass ich, wenn ich meinen Kopf beuge, meine Augen schließe, meine Hände falte, gut und brav bin, von ganzem Herzen glaube und Gott sage, was ich will oder brauche, es bekommen werde. Kommt Ihnen etwas davon bekannt vor? Ich vermute, dass viele von uns auf diese Weise unterrichtet wurden oder mit einer Version davon als unser Verständnis von Gebet gelebt haben.
Gott ist kein göttlicher Getränkeautomat und war es auch nie. Man wirft seine Münzen des Glaubens und des guten Verhaltens ein, trifft eine Wahl und bekommt, was man will. Das funktioniert so lange gut, bis die Transaktion nicht mehr gut funktioniert. Und das Gebet ist keine Transaktion zwischen uns und Gott. Denn Gott ist für alle da, aber nicht für alles.
Dietrich Bonhoefer hat es treffend formuliert: „Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber er erfüllt seine Verheißungen.“ Und Gottes Verheißungen sind wohl größer als unsere Vorstellungen; sie sind weiter als unsere Herzen und viel heilbringender als unsere Gedanken und unsere Gebete oft sind.
Ich glaube nicht, dass Jesus das Bitten, Suchen und Anklopfen jemals als Blankoscheck auf Gottes Konto betrachtet hat. Seine Anweisung, zu bitten, zu suchen und anzuklopfen, ist mit dem verwandt, was wir heute das Vaterunser nennen. Wir sollen unser Leben beharrlich darauf ausrichten, Gottes Namen zu heiligen, Gottes Reich in unserem Leben und in unseren Beziehungen zu verwirklichen. Vater, Dein Reich komme, so betet Jesus – und das heißt wohl: Nicht unsere kleine enge Welt, in der wir so oft meinen, wir seien der Mittelpunkt, ist die Erfüllung, sondern sein Reich, das Gottes Reich mit all seiner Weite und Größe.
Wenn Jesus lehrt, zu bitten, zu suchen, anzuklopfen, dann lehrt er keine Technik oder Zauberformel, mit der wir alles bekommen, was wir wollen. Er beschreibt eine bestimmte Haltung, eine Art und Weise, wie wir vor Gott stehen, wie wir uns einem heiligen und lebensspendenden Geist aussetzen und auf ihn reagieren. Vielleicht geht es beim Gebet mehr darum, was wir tun, als darum, was Gott tut. Vielleicht sind die Worte und Taten, die wir als Antwort auf Gottes Ruf und Forderung in unserem Leben anbieten, unser wahres Gebet. Ein solches Gebet öffnet den gegenwärtigen Moment für „die Möglichkeit von etwas Neuem, die Chance auf etwas anderes, etwas, das die Gegenwart in etwas anderes verwandelt“.
Es hält uns offen für die Zukunft. Und wo es eine Zukunft gibt, sei es eine Stunde, ein Tag, ein Monat oder zwanzig Jahre, da gibt es die Möglichkeit von Leben und wertvollem Leben. Das ist es, was Jesus im heutigen Evangelium verspricht. Und das ist es, was ich will, Sie nicht auch? Ich will die Möglichkeit des Lebens und ewigen Lebens. Amen.