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Gil Mellé Intrada Special Collection Volume 194 60:31 Min./19 Tracks
Borderline ist ein Actionfilm aus dem Jahr 1980 mit Charles Bronson als Grenzwächter, der gegen Menschen- und Drogenschmuggler antritt. In dem Film von Jerold Freedman hatte Ed Harris übrigens einen seiner ersten Kinoauftritte, notabene als übler Scherge.
Das einzige was mir von Gil Mellé bislang bekannt war, diskografiemässig, war The Andromeda Strain, 2010 ebenfalls bei Intrada erschienen. Die CD-Rezi von damals sagt genug über die spezielle Natur jenes „Scores“ aus. Borderline wurde von Intrada ebenfalls als leicht „experimental“ angekündigt, da sträubten sich die Nackenhaare wieder. Doch siehe da, diese Musik ist ein Klasse Action- und Spannungsscore, der mehr nach 70er als 80er Jahre klingt. Nun gut, wie im Booklet zu erfahren ist, musste Mellé damals nochmals antreten und in England mit dem London Symphony Orchestra einiges nachkorrigieren, was zuvor den Produzenten doch etwas zu speziell tönend vorkam – immerhin erfand Mellé für diesen Score ein neues Instrument, „the clam“. Doch den Produzenten war der Clam zu speziell und sie forderten Mellé auf, dieses Ding doch aus dem Score zu entfernen. So also fuhr er wie erwähnt nach London. Intrada hatte Zugriff auf beide Aufnahmen, die der ersten Session in den USA und jene mit dem LSO und so bekommen wir hier einen umfassenden Einblick.
Der Score beginnt in der Tat experimentell mit elektronischen und jazzigen Klängen der Holzbläser, ehe Streicher und schliesslich das Blech einsetzen. Die Rhythmussektion bleibt aber vorerst synthetischer Natur, gespielt von den „Electronauts“. Etwas traditioneller, aber immer noch mit Jazzstilistiken, wird es dann in „Borderline Titles“ mit dem Titelthema. Ich bin übrigens immer noch nicht sicher, wo genau dieser Clam zu hören ist, aber ich denke es dürfte der Klang sein, der zB. zu Beginn von „This is the Place“ zu hören ist (mit dem E-Bass), ebenso zu Beginn von „News to Deliver“. 70er Feeling kommt in diesem Track auf alle Fälle auf (man vergesse nicht, es ist ein 80er Film), lebendiger und fein orchestrierter Suspense, E-Gitarren, Schlagzeug (Ride, Snare) und die Blech/Holzbläser-Kombi.
Source music wird in „Tijuana Bar“ präsentiert, Mellé benutzt dazu sein Hauptthema aus „Borderline Titles“, gespielt von einer E-Gitarre mit Disco-mässiger Unterstützung von E-Bass, Keyboard und Rhythmussektion, während in „Tijuana Trouble“ Trompete und Saxofon übernehmen, Mellés Spannungsmotiv wird hier aufgepeppt verwendet.
Flotte Action folgt in „Fight for Survival“ mit Timpanis, Snare und einer staccato-Streicher/Synthie Paarung, gefolgt vom Clam-Sound und mehr Suspense. Track 10, „The Big Haul Begins“ mit dem fortissimo der Hörner und Posaunen erinnert in seiner Intensität kurz an Shores Cop Land (so um Minute 1 herum), später übernehmen die Timpanis das Motiv und führen in eine weitere Spannunsgsequenz. Peppig mitschunkelnd wird es in „Busting Karl“ mit vorantreibender Basslinie
So in etwa kann Boderline umschrieben werden, um sich aber ein abschliessendes Urteil über die Art der Musik zu bilden, ist reinhören sicher nicht das falsche Rezept. Und da Intrada keine Limitierungen mehr anbietet, dürfte das Album noch ein Weilchen erhältlich sein (ausserdem ist die Gefolgschaft von Gil Mellé sicherlich weniger gross als bei anderen Komponisten, auch der Film hat nun wirklich alles andere als Kultstatus). Primär ist Borderline insbesondere für Fans von funkigen, jazzigen Scores à la Fielding und Schifrin empfehlenswert. Mag man diesen Stil, dann bekommt man eine gelungene, spannende und überraschend „swingende“ Filmmusik zu hören. Mir persönlich sagt der speziellere Stil à la „The First Two Thoughts“, „The Watchdog“, „Prepare to Siege“ etwas mehr zu, als wenn Mellé ins konventionellere Fach wechselt. Und interessanterweise klingt Borderline trotz analogen Synthies und funkigem E-Bass auch heute nicht sonderlich veraltet.
Phil, 11.3.2012