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Zunft Spycher
Wie die Egli-Zunft zum Spycher kam
(von Josef Scherer)
Es begann mit einer provokanten Frage im Juni 1980, anlässlich einer Zunftratssitzung! Sie lautete: wollen oder brauchen wir ein Zunfthaus oder -lokal? Man einigte sich schnell und kurzum erhielt ein Duo den Auftrag, nach einem geeigneten Objekt Ausschau zu halten. Im gleichen Monat wurden die Sucher fündig. Die Familie Willy in Ettiswil bot ihren „Luzerner Spycher" aus dem 18. Jahrhundert zum Verkauf an. Trotz einigen Altersschwächen des Gebäudes (Holzwurm und Fäulnis) entschloss der Zunftrat, den Spycher zu kaufen. An der ausserordentlichen Generalversammlung vom September 1980 wurde der Kauf einstimmig abgesegnet.
Wo sollte nun der Spycher hingestellt werden? Dank guter Beziehungen stellte uns die röm. kath. Kirchgemeinde ein Stück Bauland im Baurecht unentgeltlich zur Verfügung. Die notwendigen Bewilligungen seitens der Einwohnergemeinde Horw (Wasser, Abwasser usw.) wurden spontan erteilt und es konnte weiter geplant werden. Im März 1981 wurde der Holzbau in Ettiswil durch Zunftmitglieder zerlegt und nach Horw transportiert. Im April gleichen Jahres begannen die Aushub - und Fundamentsarbeiten und anschliessend erfolgte der fachmännische Aufbau durch die zunfteigenen Zimmerleute. Etwa ein Viertel des Bauholzes musste wegen "Altersschwäche" ersetzt werden. Ca. 4 Wochen später erhielt der Spycher sein neues Dach, bestehend aus alten "Biberschwanzziegeln", die von einer Abbruchscheune stammten. Anschliessend erfolgte die Montage der Vordächer: die Fassade wurde gereinigt und die verschiedenen Ornamente ausgeschnitten. Ab November 1981 nahm man den Innenausbau in Angriff, wie Keller, elektrische Installationen, Küche, WC usw. Diese Arbeiten wurden mehrheitlich durch Fachleute der Zunft bewerkstelligt. Nach den Umgebungsarbeiten im Sommer 1982 wurde der Spycher den Zünftlern präsentiert und zur Benützung freigegeben. Dort, wo der gefällige Bau heute steht, ist er nicht mehr wegzudenken. Die Zunft ist stolz, ein eigenes Heim zu haben. Ein Heim, das sie auch gerne Nichtzünftlern für verschiedene Anlässe zur Verfügung stellt.
Kosten
Der Kaufpreis betrug Fr. 34'000. Dazu kamen Baumeisterarbeiten, Transporte, diverses Material, Gebühren, Bauzinsen usw. im Betrag von Fr. 86'000. Die Eigenleistungen betrugen Fr. 45'100. Die Zunftmitglieder leisteten ca. 3000 Fronstunden. Dadurch konnten die Kosten auf einem erträglichen Stand gehalten werden. Die LUZERNER KANTONALBANK stellte der Egli-Zunft einen Bankkredit von Fr. 75'000 zur Verfügung und die Gemeinde Horw übernahm die Bürgschaft.
Der Inhalt dieser Seite wurde von Katrin Alder, Tocher von Alt-Eglivater Ernst I. recherchiert und aufgearbeitet. Im Namen der Egli-Zunft danke ich Katrin herzlich für den interessanten und wertvollen Beitrag.
Frühere Nutzung
Lange Jahre diente er als Getreidespeicher und im oberen Stock roch es nach Dörrbirnen und süssen Apfelschnitzen. Auch guten Apfelträsch und Birnenschnaps hatte er beherbergt. Oft diente er auch als Versammlungsort für Politiker. Doch egal ob konservativ oder liberal, es war immer etwas los. Später ist es dann ruhiger geworden um ihn. Er galt nur noch als Abstellplatz für alte Fässer und gar ein altes Kuhjoch. Damit weidendes Jungvieh Unterstand hatte, wurde ihm wenig später noch ein Schopf angebaut. Zu guter Letzt stellte man auch noch ein riesiges Futtersilo daneben. Man sah ihm an, dass seine Tage auf der 'Schnarzen' gezählt waren.