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Auf Freiers Füssen im Ausland
In Sachen Liebe litt Manuel Gasser unter der Belastung, die ihm sein Job abverlangte, und er vermisste die Grossstadt mit ihrer Anonymität. Umso mehr genoss er gelegentliche Reisen. Auf einer 1937 erfolgten längeren Belgien-Reise lernte er seine erste dokumentierte grosse Liebe kennen, den 19-jährigen Maurits Onderbeke, den er vom Bildhauer Karl Geiser porträtieren liess. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde diese Beziehung unterbrochen, da Maurits in die belgische Armee eingezogen wurde.
Der Aktivdienst, den Gasser als Wachtmeister bei einer Gebirgs-Mitrailleur-Kompanie leistete, war eine willkommene Gelegenheit, aus der Redaktion und in die Gesellschaft von Kameraden zu gelangen. Feuilletons konnte er auch vom Feld aus in die Redaktion schicken. Während des Aktivdienstes verliebte sich Gasser hintereinander in zwei vielversprechende Velorennfahrer und widmete ihnen seine ganze freie Zeit, als Sponsor, Begleiter und Liebhaber.
Nach Kriegsende litt Gasser unter der Vorstellung, wieder in die Zürcher Redaktion zurückkehren zu müssen. Er sehnte sich nach dem Ausland, das während der sechs Kriegsjahre auch für einen Journalisten nicht mehr leicht erreichbar gewesen war. So wurde Gasser auf eigenen Wunsch ausgerechnet im kriegsversehrten Deutschland Auslandkorrespondent der Weltwoche.
Dort blieb er bis 1949 und lebte mit verschiedenen jungen Deutschen zusammen. Als er gesehen hatte, was er sehen wollte, liess er sich für zwei Jahre nach England versetzen. Auch hier – trotz der drastischen Gesetze, die damals im Königreich noch zur Anwendung kamen und zum Beispiel Alan Turing in den Suizid trieben – konnte er unbehelligt verschiedene Liebschaften pflegen. Golo Mann riet Gasser:
"Treibe es im Londoner Zwielicht und Abendnebel nur recht gründlich, damit Du dann den Zürchern dich als gesättigten Gast zeigen kannst."1
Als er im Winter 1951/1952 wieder als Feuilletonredaktor an den angestammten Platz zurückkehrte, machte ihm Karl von Schumacher klar, dass er sich in Sachen Liebe zurückzuhalten habe.
David Streiff, Januar 2017
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Brief Golo Manns vom 15. Oktober 1951, Schweizerisches Literaturarchiv