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im allgemeinen Bezeichnung für den Angehörigen eines Gemeinwesens, insbesondere des Staats oder einer Gemeinde.
Indessen wird der Ausdruck nicht nur von den Angehörigen eines politischen Gemeinwesens gebraucht, wie man denn z. B. auch
von akademischen Bürgern zu sprechen pflegt und darunter diejenigen versteht, welche einer Akademie als Studierende
angehören. Das Bürgerrecht der antiken Welt war ein andres als dasjenige unsers modernen Staatslebens. In Hellas und Rom
[* 3] war
der Bürger bei der Leitung des Staatswesens unmittelbar beteiligt, und das, was heutzutage den Bürger ziert,
Gewerbfleiß und Arbeit, blieb vielfach den Sklaven oder Fremden überlassen.
Darum war die persönliche Freiheit die Voraussetzung des Bürgerrechts, und das Bürgerrecht (civitas)
selbst war wiederum in Rom die Voraussetzung der vollen Rechtsfähigkeit, welche zugleich dem Bürger (civis) zur Zeit der Republik
die verfassungsmäßige Teilnahme an den Staatsgeschäften sicherte. Der Ursprung des modernen Bürgertums fällt in das 9. Jahrh.,
wo die Streifereien der vom Morgenland hereinbrechenden kriegerischen Völker und die beständigen innern
Unruhen in dem weiten und an der Grenze schlecht geschützten Reich den Kaiser und seinen Adel die Wichtigkeit der Burgen
[* 4] schätzen
gelehrt hatten, und wo man die größte Sicherheit in befestigten Ortschaften erblickte.
Daher schreibt sich der Unterschied zwischen civitates und castra, welch letztere befestigte Städte bedeuten.
Die Verteidiger der befestigten Orte nannte man, wie die Dienstmannen der Burgen, Bürger, burgenses. Bald zeigte sich in den durch
ihre Mauern gegen äußere Feinde gesicherten Städtebewohnern eine Einigkeit und Kraft,
[* 5] welche ihnen, durch zunehmenden Wohlstand,
ja Reichtum unterstützt, dem bisher allein mächtigen Adel gegenüber zu selbständiger Macht verhalf.
Die Autonomie der Städte gewann neben der Feudalherrschaft festen Fuß, und seit dieser Zeit war Bürger Ehrenname jedes Städtebewohners,
welcher an den städtischen RechtenAnteil hatte. Sobald die Städtebewohner zu dieser Bedeutung gelangt waren, konnte es freilich
nicht fehlen, daß innerhalb der Gemeinde selbst Einzelne den Versuch machten, sich über die andern zu
erheben, und so entstanden Stufen in der Bürgerschaft. Zur ersten Klasse erhoben sich die sogen. vollberechtigten Einwohner
die Ratsmänner, Handelsherren und Mitglieder der höhern Zünfte. Danach standen alle Städtebewohner, deren Erwerbszweig
das Recht der Zunftfähigkeit noch nicht erworben hatte, den Bürgern als bloße Handwerker gegenüber.
Aber auch noch dann, als sich diese zurückgesetzten Gewerbe nicht nur das Zunftrecht, sondern, durch offenen Aufruhr gegen
die ratsfähigen Geschlechter im Mittelalter auch die Ratsfähigkeit verschafft hatten, machten sich, obwohl alle berechtigten
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Die Bürger der einzelnen Gemeinden dagegen bezeichnet man als Orts- oder Gemeindebürger. Wo aber die Verfassung
der Stadtgemeinden von derjenigen der ländlichen Ortschaften noch wesentlich verschieden ist, pflegt man noch jetzt mit
Bürger den Angehörigen der städtischen Gemeinde zu bezeichnen, während der Landbewohner Nachbar genannt oder mit einem dem Sprachgebrauch
der Gegend und der Gesetzgebung entsprechenden anderweiten Ausdruck bezeichnet wird, insofern er Bürger der Landgemeinde ist.
Im übrigen ist der Unterschied zwischen und Bauer in rechtlicher Beziehung vollständig verwischt worden (s. Bauer).
Als Staatsbürger stehen sich die Angehörigen der früher streng geschiedenen beiden Stände, Bürger- und Bauernstand, völlig
gleich, und ebenso sind die Unterschiede zwischen Bürger- und Adelstand in rechtlicher Beziehung nahezu vollständig beseitigt
(s. Adel). Auch die Abstufungen innerhalb des Bürgerstandes, welche Sitte und Sprachgebrauch bis in die
neuere Zeit beibehalten hatten, sind heutzutage gegenstandslos. So hat man wohl die Gewerbtreibenden in den Städten vorzugsweise
als Bürger bezeichnet, im Gegensatz zu den Beamten, Künstlern etc. Auch unterschied man zwischen höherm und niederm
Bürgerstand; indessen sind solche Unterscheidungen heutzutage nicht mehr am Platz. In neuester Zeit
suchen freilich die Anhänger der Sozialdemokratie den Arbeiterstand zu dem Bürgerstand in einen gewissen Gegensatz zu bringen,
und der »Bourgeois« wird von ihnen als der eigentliche Vertreter der kapitalistischen Produktionsweise hingestellt und
bekämpft, ohne daß sich jedoch ein solcher Unterschied aus der rechtlichen Stellung des sogen. vierten
Standes im Gegensatz zu dem als dritter Stand bezeichneten Bürgertum rechtfertigen lassen könnte.
Das Gemeindebürgerrecht hat daher in neuerer Zeit an Bedeutung erheblich verloren. Die darin enthaltenen
Befugnisse waren und sind teils politischer, teils privater Natur. Zu den erstern gehören die aktive und passive Wahlfähigkeit
zu allen Gemeindeämtern und das Stimmrecht in den Gemeindeversammlungen. Privatrechtliche Befugnisse waren früher: das Recht
des ständigen Aufenthalts innerhalb der Gemeinde;
in der Regel jeder Unterthan des betreffenden Staats, welcher sich im Besitz des Staatsbürgerrechts befindet. Bei der Aufnahme
zum Bürger muß man noch Bürgerskinder von andern Personen unterscheiden: erstere sind geborne Bürger (cives originarii), wenn die
Eltern zur Zeit der Geburt das Bürgerrecht hatten, oder sie erlangen das Bürgerrecht doch leichter als
die Fremden, nämlich gegen Entrichtung eines geringern Bürgergeldes. Uneheliche Kinder folgen ihrer Mutter, haben Anspruch
aufs Bürgerrecht, erlangen es aber vielfach erst dann, wenn sie die Erfordernisse, die das Gesetz vorschreibt, erfüllen,
nämlich erlangte Mündigkeit, ein gewisses Vermögen, einen bestimmten Nahrungszweig etc. nachweisen; andre Personen werden
nur durch die Aufnahme Bürger (cives recepti s. novi).
Bei der Aufnahme wird der Name des neuen Bürgers in das Bürgerbuch (Bürgermatrikel, Bürgerrolle) eingetragen; derselbe
leistet nach manchen Stadtverfassungen den Bürgereid, daß er den Bürgerpflichten nachkommen wolle, entrichtet an die Kämmerei
der Stadt für seine Aufnahme das sogen. Bürgergeld und empfängt dann den Bürgerbrief,
eine Urkunde über seine Ausnahme. Personen, die sich ein besonderes Verdienst um eine Stadt erworben haben, oder die der Rat
aus irgend einem Grund auszeichnen will, erteilt derselbe auch aus eignem Antrieb das Bürgerrecht, Ehrenbürgerrecht, und
zwar ohne denselben die Bürgerpflichten mit zu übertragen. Verloren geht das Bürgerrecht durch ausdrückliche
Aufgebung, durch Wegziehen von einem Ort, ohne daß man sich jenes an demselben vorbehält, und durch Verheiratung einer Frauensperson
mit einem Nichtbürger.
Dazu gehörte in den meisten Fällen die Teilnahme an allen nicht eigens oder ausschließlich für wirkliche
Bürger errichteten Gemeindeanstalten; dagegen waren sie von den politischen Gemeinderechte ausgeschlossen, konnten jedoch in Angelegenheiten
von gemischter Natur, die auf ihre besondern Interessen von Einfluß waren, mit beratender oder auch zählender Stimme begabt
werden und vom Staat wohl auch einen Anspruch auf die Armen- oder Versorgungsanstalten der Gemeinde zugewiesen
erhalten.
Solche Einwohner waren daher auch verpflichtet, von den allgemeinen Lasten ebenfalls ihren Teil zu tragen. Ausmärker (Forensen,
Markgenossen) sind diejenigen Staatsbürger oder Fremden, welche nicht in der Gemeinde domizilieren, aber ein bürgerschaftliches
Besitztum, auch ein Grundrecht oder eine Werkstätte etc. in der Gemeinde haben, wofür sie demnach den Schutz
von seiten der Gemeinde in Anspruch nehmen, deshalb teilhaben an allen Anstalten, welche mittel- oder unmittelbar ihrem Gut
förderlich sind, und aus demselben Grund verhältnismäßig zu den allgemeinen Lasten beisteuern.
Gegen seine Neigung, nur aus Verlangen seines Großvaters begann er 1764 das Studium der Theologie zu Halle, ward aber wegen
seiner oft zügellosen Lebensweise von seinem Großvater abberufen und durfte erst Ostern 1768 von neuem die Universität beziehen
und zwar diesmal Göttingen,
[* 15] um sich nun dem Studium der Rechte zu widmen. Bald aber erneuerten sich hier
die alten Ausschweifungen, so daß der erzürnte Großvater ihm endlich alle weitere Unterstützung entzog. Aus diesem Zustand
tiefer Gesunkenheit riß ihn die Hand
[* 16] der Freundschaftempor.
Boie, Sprengel, Biester u. a. wußten die Liebe zu den Studien von neuem in ihm anzufachen und ihn schonend
auf die Bahn der Ordnung und Regelmäßigkeit zurückzuführen. Nachdem esBoie 1772 gelungen war, Bürger die Stelle eines Amtmanns
von Altengleichen im Hannöverschen zu verschaffen, trat auch mit dem jungen Dichterkreis in Göttingen (Hölty, Voß, Miller,
Cramer, die GrafenStolberg
[* 17] u. a.) in Beziehung. Sein Großvater söhnte sich jetzt mit ihm aus und schenkte
ihm 1000 Thaler, deren Bürger zum Antritt des übertragenen Amtes bedurfte; doch ward dieser sehr bald darauf um den größten
Teil des Geldes betrogen. Im Herbst 1774 heiratete Bürger eine Tochter des Justizamtmanns Leonhart zu Niedeck
und zog bald darauf nach Wölmershausen, einem Dorf seines Gerichtssprengels.
Aber auch aus seiner Verheiratung gingen für ihn nur traurige Folgen hervor: er faßte die heftigste Leidenschaft für die
jüngere Schwester seiner Frau, die in seinen Liedern unter dem NamenMolly überschwenglich gefeierte Auguste, welche nach dem
Tod ihres Vaters (1777) eine Zeitlang unter seinem Dach
[* 18] lebte, und das Doppelverhältnis zu den beiden Schwestern
bereitete ihm jahrelang die aufreibendste Gewissensqual. Dazu kamen mancherlei durch geringe Einkünfte, häufige Krankheitsfälle
und eine 1780 übernommene Pachtung zu Appenrode verursachte häusliche Sorgen. Von seinen Vorgesetzten obendrein wegen nachlässiger
Geschäftsführung angeklagt, wurde in der angeordneten Untersuchung zwar freigesprochen; doch entschloß
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