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Schon in prähistorischen Zeiten war Bernstein von der Nordseeküste ein geschätztes Gut. Bekannt war er unter anderem auch als Grabbeigabe. 2015 fand die Internationale Gemmologen-Konferenz (IGC) in Vilnius (Litauen) statt. Dort ergab sich die Gelegenheit, über baltischen Bernstein mehr zu erfahren, und auch einige Muster zu behändigen.
Bernstein (Succinit) ist ein fossiles Harz und besteht aus verschiedenen organischen Verbindungen. Generell kann man sagen, dass je älter das ursprünglich klebrige Harz ist, umso mehr flüchtige Bestandteile hat es verloren. Wenn die ätherischen Öle abdampfen verdichtet sich das Harz zunehmend und die Struktur wird fester. Die meisten Harze aus dem Baltikum besitzen ein Alter von 35 Millionen Jahren. Die Schichten, in welche die Bäume eingebettet wurden, werden heute vom Meer abgetragen oder durch den Bergbau angegangen, beziehungsweise ausgegraben. Die Förderung findet mehrheitlich im Samland (um Kalinigrad) statt, entweder durch Fischen oder Aufsammeln an der Küste. Durch seine geringe Dichte von rund 1.06 Gramm pro Kubikzentimeter schwimmt baltischer Bernstein im Meerwasser.
Bernstein (Brennstein) brennt bei offener Flamme, daher kommt der Name. Im Vergleich zum baltischen Bernstein gibt es weltweit auch deutlich ältere und jüngere Vorkommen. Junge fossile Harze, beispielsweise aus Madagaskar, werden als Kopal-Harz bezeichnet. Sie sind noch nicht ausgehärtet und werden – anders als Succinit – von Äther angelöst. Im gemmologischen Labor werden Bernstein und seine Imitationen mittels Infrarot-Spektren charakterisiert und identifiziert. Bernstein aus der Dominikanischen Republik ist im Handel ebenfalls stark vertreten. Er hat gelegentlich eine bläulich-grüne Farbe und fluoresziert stark im UV-Licht.
Kugeln und Fantasieformen
An der Exkursion vor der IGC wurde die Firma Napoleonas besucht, die Ostsee-Bernstein verarbeitet (napoleonas.com). Wir wurden dort freundlich empfangen und durften alle Verarbeitungsschritte aus der Nähe betrachten. Die Rohharz-Brocken liegen zuerst als durchsichtige aber auch als trübe Stücke von gelber bis orangebrauner Farbe vor. Je nach Nachfrage werden die Harzbrocken in Autoklaven erhitzt und geklart. Dabei bilden sich die charakteristischen Blitzer aus. Bernsteinstücke mit gut erkennbaren Einschlüssen von Insekten werden getrennt verarbeitet. Die Mehrheit des Materials wird zu Kugeln oder Fantasieformen geschliffen. Schöne Rohstücke werden für zwei Euro pro Gramm verkauft. Eine Kugelkette in der üblichen Länge gibt es ab 30 Euro.
Eine urzeitliche Katastrophe
Im Koniferenwald tobte vor Millionen Jahren ein wilder Sturm. Bäume zerbarsten, wurden entwurzelt und stürzten in den Morast. Harz floss aus den Wunden der Stämme und bildete glänzende, süss riechende Massen. Einige Insekten liessen sich anlocken und landeten auf dem vermeintlichen Nektar. Ein tödlicher Irrtum: Sie blieben kleben und strampelten sich in die zähe Masse. Eine Echse erkannte das Geziefer als leichte Beute. Das Unheil nahm seinen Lauf. Heute können wir diese Insekten als Inklusen in Bernstein betrachten. Im Naturhistorischen Museum Basel ist auch die im Harz versunkene Echse zu betrachten. Ebenfalls eine Rarität, wenn auch künstlich hergestellt, ist ein Stück Kauri-Gum-Harz mit eingebetteter, zeitgenössischer Echse, so gesehen im SSEF Labor 2006.
Info
www.gemexpert.ch