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Samuel Bürgi wurde am 12. April 1935 als sechstes von sieben Kindern geboren. Seine Eltern, Johannes Bürgi und Bertha geb. Widmer, führten das christliche Heim „Auf der Grube“ für 40 Knaben ohne Elternhaus, in Niederwangen BE.
Schon beide Grosselternpaare waren Heimleiter gewesen: diejenigen väterlicherseits in Freienstein ZH, die Eltern der Mutter auf der sog. „Linthkolonie“ im Kanton Glarus. In solcher Familientradition wuchsen auch Sämi und seine Geschwister auf, im Kreis der vielen Buben des Heimes. Es war eine glückliche Kinder- und Jugendzeit für die sieben Geschwister. Diese genossen viel Freiheit. Bei Tisch wurde gebetet; morgens und abends las der Vater kurze Texte aus der Bibel vor. Es war ein herrliches Leben auf dem Land, inmitten von Wiesen und Wäldern.
Das Heim führte eine eigene Schule mit zwei Klassen: Die vier ersten Jahrgänge in der Unterstufe wurden von einer Lehrerin unterrichtet, in der Oberschule bis zum neunten Schuljahr war ein Lehrer tätig. Fähige Schüler besuchten vom fünften Schuljahr an die Sekundarschule in Köniz, so auch Samuel. Er war kein besonders ehrgeiziger Schüler und hatte stets viele Freunde. Nach der Konfirmation trat er ins freie Gymnasium in der Stadt Bern ein, wo er sich die gute Mittelschulausbildung bis zur Maturität erwarb. Darauf begann er das Studium an der Theologischen Fakultät der Universität Bern. Einige Vorlesungen besuchte er auch in Basel – speziell zu Füssen des grossen Karl Barth – und zwei Semester absolvierte er im südfranzösischen Montpellier. Nach dem Studienabschluss folgte das Vikariat bei Pfr. Müller im Emmental, in Lotzwil BE.
Mit ihm und seiner Familie entstand eine lebenslange Freundschaft.
Am 14. Mai 1964 wurde Samuel zum VDM konsekriert, in der Kirche zu Utzenstorf-Wiler, dem Ort seiner neuen Wirksamkeit, wo er am 12. Juli 1964 nach der ehrenvollen Wahl sein erstes Pfarramt antrat. Während fünf Jahren wirkte er in Wiler. Daneben wurde er auch in den Dienst eines Feldpredigers der Schweizer Armee berufen. Als 1969 der Utzenstorfer Pfarrer König in den Ruhestand trat, wechselte Samuel ins altehrwürdige Pfarrhaus in diesem Dorf. Er war sehr glücklich und wirkte 35 Jahre lang mit vollem Einsatz in der Gemeinde, die ihm sehr ans Herz wuchs. Hier im Emmental war auch der geschichtsträchtige Boden für das Wachsen seiner immensen Gotthelf-Kenntnisse. Während mehrerer Jahre war er auch Aktuar des kantonalbernischen Pfarrvereins.
Als er 1999 in den Ruhestand trat, zog er nach Schaffhausen, wo die Familie seiner Schwester lebte, mit der er sehr verbunden war. Schon bald knüpfte Samuel hier viele neue Kontakte insbesondere mit aktiven und pensionierten Pfarrern der Region. Regelmässig nahm er teil am monatlichen Treffen der pensionierten Pfarrer, Pfarrerinnen, Pfarrfrauen. In diesem Kreis hielt er in den letzten zwei Jahrzehnten 18 Vorträge, z.B. über Rudolf von Tavel, Adrian von Bubenberg, Madame de Meuron, Ulrich Dürrenmatt, mehrmals über Jeremias Gotthelf und dessen Romane, zwei Mal über den Juristen und Liederdichter Mani Matter, dies zusammen mit seinem singenden und Gitarre spielenden Freund André Schaad. Fünf reichhaltige Exkursionen in seine alte Heimat organisierte und leitete er für den Seniorentreff. Am kulturellen Leben in der Stadt Schaffhausen nahm er regen Anteil, ebenso in der Kirchgemeinde Schaffhausen-Steig, wo er z.B. mit deren betagten Gemeindemitgliedern zusammen mehrmals an Seniorenferien teilnahm. Noch volle 19 Jahre lang genoss er so seinen „dritten Lebensabschnitt“ und fühlte sich wohl in dieser neuen Heimat.
Doch eine bösartige Erkrankung, die er ohne Jammern erduldete, machte im Frühsommer 2019 eine Spitalpflege nötig, und hernach für kurze Zeit den Aufenthalt in der Pflegeabteilung des Alterszentrums Kirchhofplatz in Schaffhausen, wo er professionell und liebevoll betreut wurde. Er fand, er habe ein gutes und glückliches Leben gehabt, und sehnte sich am Ende vertrauensvoll nach den „himmlischen Wohnungen“. Am 21. August 2019 durfte er sein Leben dem himmlischen Vater zurückgeben. Er bleibt uns in dankbarer und lieber Erinnerung.
Rosette Wanner-Bürgi, Schaffhausen, und Christoph Buff, Stein am Rhein