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Irgendwann musste es zum Bruch zwischen Stadt und Land kommen. Danach fühlte sich der Basler etwa so wie ein verlassener Ehemann, der plötzlich merkt, wie wichtig ihm seine Frau war, obwohl er sich nie wirklich um sie gekümmert hatte.
Die Geschichte der beiden Basel ist eine der Widersprüche, der Boshaftigkeiten und des Streits. Und sie begann mit Gewalt, Anfang des 19. Jahrhunderts, als die Forderungen der Französischen Revolution nach Freiheit und Gleichheit auch in der Region ankamen und die Landschäftler nicht mehr ohne Weiteres bereit waren, für die feinen Herren in der Stadt auf den Feldern und an den Webstühlen zu «chrampfen». Sie forderten eine angemessene Vertretung im Grossen Rat, zuerst ganz anständig in Bittschriften. Doch die Städter wollten sich vom Landvolk nicht dreinreden lassen und beharrten auf den alten Privilegien.
Nun mochten die Baselbieter nicht mehr zurückstehen und begannen, sich der Stadt zu widersetzen. Die Auseinandersetzung eskalierte – weniger wegen der Truppen, die die Basler Aristokraten zur Disziplinierung der Landschaft ausschickten, als vielmehr wegen ihres überzogenen Entscheides, eine Reihe kritischer Gemeinden aus dem Kantonsgebiet zu verbannen. Daraufhin hatten die Baselbieter genug. Sie standen auf die Hülftenschanze und holten die Basler von ihrem hohen Ross. Nach der Schlacht vom 3. August 1833 war der Bruch zwischen Stadt und Landschaft endgültig.
Zur Kränkung kamen auch noch finanzielle Probleme hinzu
Es war eine unangenehme Situation für die Basler. Etwa so wie für einen verlassenen Ehemann, der plötzlich merkt, wie wichtig ihm seine Frau war, obwohl er sich nie wirklich um sie gekümmert hatte. Als ob dieses Gefühl der Kränkung nicht schon schlimm genug sei, kommen in einem solchen Fall meistens noch finanzielle Probleme hinzu. Das war 1833 nicht anders. Basel musste den Baselbietern einen Teil des Staatsvermögens überlassen und hatte danach kaum noch Geld für wichtige Institutionen wie die Universität.
Natürlich gab es in der Folge immer wieder Versuche, die schmerzhafte Trennung rückgängig zu machen. Der Ablauf war immer der gleiche: Die Stadt signalisierte Offenheit, vermied aber allzu offensichtliche Avancen, um die eigenwilligen Landschäftler nicht kopfscheu zu machen. Auf dem Land warnten trotz aller Zurückhaltung viele vor neuen Abenteuern, und nicht wenige beschimpften die Fusionswilligen als Fahnenflüchtige und Landesverräter. Bei den Abstimmungen waren die Ergebnisse jeweils klar, zuletzt 1969, als Basel mit einem Stimmenverhältnis von 2:1 für eine Wiedervereinigung stimmte und das Land fast ähnlich deutlich ablehnte.
Nächster Versuch einer Wiedervereinigung
Mehr als vierzig Jahre später wagen die Grünen in den beiden Basel nun den nächsten Anlauf: Im Herbst 2011 lancierten sie eine neue Initiative für eine Wiedervereinigung der beiden Kantone. Die ersten Reaktionen waren die altbekannten. Darum schrieb die Basler Zeitung das Begehren unmittelbar nach dessen Ankündigung bereits ab: Die Initiative käme zu früh und sei sogar gefährlich, hiess es im Kommentar. Ein emotionaler Abstimmungskampf könnte den Kanton spalten und der Zusammenarbeit mit Basel schaden. Möglicherweise ist das aber zu kurz gedacht – und zu ängstlich.
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