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Kenotafas
Audrius Stonys
Litauen, Frankreich, 61 min
Während des Zweiten Weltkriegs fand ein litauischer Bauer in der Nähe seines Hauses die Leichen dreier Soldaten, zwei Russen und ein Deutscher. Aus Angst vor Repressalien begrub er sie in einer Schlucht und pflanzte an dem Ort einen Baum, um ihn wiederzufinden. Sein Sohn organisiert siebzig Jahre später Grabungen, um die sterblichen Überreste zu finden und würdig zu bestatten. Damit beginnt Cenotaph (VDR 2014) und verfolgt geduldig diese gewagte Suche, als spiele Sisyphus in einem Theaterstück, dessen zweiter Akt in den Archiven spielt, dem Ort der institutionellen Erinnerung. Stonys fördert damit eine verwirrende Wesenseinheit von Zerfall/Rückgabe des Körpers an die Erde und seinem «Phantom», einem auf einer Kartei vermerkten Namen in einem Regal, zu Tage, der darauf wartet, dass der, der ihn trug, wieder in die menschliche Gemeinschaft aufgenommen wird. Der litauische Filmemacher tritt eine schwindelerregende Meditation über Zeit und Raum los, die insgeheim auch eine Hommage an die Stärke und die Tiefe der menschlichen Gefühle ist.
Emmanuel Chicon