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Hintergründe
Was heisst eigentlich Nachhaltigkeit?
Der Begriff «Nachhaltigkeit» stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Ein Forstbetrieb funktioniert auf die Dauer nur, wenn nicht mehr Bäume gefällt werden, als auch nachwachsen. Eine solche Wirtschaftsweise wird «nachhaltig» genannt.
Ganz ähnlich kann man das auch beim Planeten Erde sehen: Leben mit anhaltender oder steigender Qualität ist nur möglich, wenn wir nicht mehr Ressourcen verbrauchen, als regeneriert werden können. Das ist im Moment nicht der Fall. Weil die Erde ein komplexeres System ist als ein Forst, macht sich eine nicht nachhaltige Wirtschaftsweise erst nach und nach bemerkbar. Die grösste Last werden künftige Generationen zu tragen haben.
Diesen Umstand bezieht auch die Schweiz als Staat in ihre Definition von Nachhaltigkeit ein, die lautet: «Eine nachhaltige Entwicklung befriedigt die Bedürfnisse der Gegenwart ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.»
So einfach Nachhaltigkeit als Idee ist, so schwierig ist es, sie zu messen. Eine populäre Methode ist der ökologische Fussabdruck, bei dem diverse Arten von Umweltbelastungen (z.B. CO₂-Ausstoss) in die Fläche umgerechnet werden, die zu ihrer Neutralisierung nötig wäre (z.B. Grünflächen).
Umweltbelastungen können somit einfach verglichen und kommuniziert werden. Ein Nachteil dieses Systems ist, dass es sehr stark vereinfacht und einige Belastungsarten schlecht abbilden kann. Wer genauer messen möchte, verwendet daher komplexere Systeme wie den Sustainable Process Index oder die Methode der ökologischen Knappheit.
Wo liegt das Problem?
Im Moment verbraucht die Menschheit viel mehr Energie, Wasser, Flächen und andere Ressourcen, als eine nachhaltige Entwicklung es erlauben würde. Dazu einige Fakten:
- Der Erdüberlastungstag (earth overshoot day) ist der Tag im Jahr, an dem wir so viele Ressourcen aufgebraucht haben, wie die Erde regenerieren kann. Dieser Tag fällt seit einiger Zeit bereits in den August.
- Wir verbrauchen also jedes Jahr mehr, als wir uns leisten können - im Moment sind es ungefähr 1,7 Planeten Erde. Damit leben wir auf Kredit kommender Generationen.
- Die Tendenz ist steigend. Wenn alle Länder auf dem gleichen Standard wie die Schweiz leben würden, würden wir fast 3 Planeten brauchen. Mit fortschreitendem Wirtschaftswachstum wird sich der Fussabdruck der Menschheit also voraussichtlich weiter vergrössern.
- Das in der Schweiz einflussreiche Konzept der 2000-Watt-Gesellschaft wurde in den 90er Jahren entwickelt. Inzwischen ist die Weltbevölkerung etwa um den Faktor 1,3 gewachsen. Ausserdem ist die Schweiz selbst von 2000 Watt noch weit entfernt - berechnet man die in Importgütern enthaltene Energie ein, werden pro Kopf etwa 8000 Watt verbraucht.
Aus dieser Situation entstehen viele Probleme von globalem Ausmass, zum Beispiel Klimawandel und Klimamigration, Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzung oder die Übersäuerung der Ozeane. Die Folgen treffen oftmals die wirtschaftlich Schwächsten zuerst, stellen aber auch reiche Länder wie die Schweiz vor grosse Herausforderungen - insbesondere die kommenden Generationen.
Vom Planeten in die Nachbarschaft
Sehen wir uns einmal an, wo Umweltbelastungen hauptsächlich anfallen:
Ernährung und Wohnen sind die wichtigsten Bereiche. Mobilität belegt nur Platz 3, auch wenn man bei Umweltbelastungen häufig an Autos und Flugzeuge denkt. Diese drei zusammen sind für den Grossteil aller Umweltbelastungen verantwortlich - und die gute Nachricht ist, dass sie ganz in unserer Hand liegen.
Es gibt viele neue Technologien, die Abhilfe versprechen - man denke etwa an In-vitro-Fleisch, intelligente Stromnetze oder Wasserstoffbatterien. Bisher spricht aber wenig dafür, dass diese allein genug Gewicht auf die Waage bringen, um unser Erdüberlastungsproblem zu lösen, unter anderem wegen dem Rebound-Effekt. Wir müssen also auch unser Verhalten ändern.
Nur wie? Die Politik bewegt sich insbesondere bei der Steuerung von Ernährung und Mobilität sehr langsam und ist insbesondere auf der globalen Ebene kaum handlungsfähig - schade, bedenkt man, dass etwa 60% der Umweltbelastungen, die die Schweizer Bevölkerung verursacht, im Ausland anfallen! Die privaten Konsumenten und Konsumentinnen bewegen sich, aber die Angebote sind oft noch nicht attraktiv genug und Skaleneffekte fehlen.
Wir schlagen vor, das Problem selbst in die Hand zu nehmen. Aber nicht ganz allein, sondern in Nachbarschaften, also mit je 499 anderen. Nachbarschaften machen es für den einzelnen leichter und attraktiver, nachhaltig zu leben. Sie sind sind auch deshalb interessant, weil sie im Kern Wohnprojekte sind: Im Bereich Wohnen wurde für die Nachhaltigkeit schon einiges getan und das Zusammenleben schafft einen wichtigen Raum für Austausch, Inspiration und Konvergenz.