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Interview
Carine Clivaz Varone
Spielen wir Psychologin: Erzähl uns von deiner Kindheit!
Ich hatte eine ziemlich „klassische“ Kindheit, da ich die Älteste von drei Geschwistern war. Meine Eltern würden Ihnen wahrscheinlich sagen, dass ich als Teenager rebellisch war, und ich kann ihnen nicht widersprechen. Ohne grosse Überzeugung ging ich in die Mittelschule, um Latein zu lernen, mit dem Ziel, Romanautorin oder Literaturlehrerin zu werden. Ich glaube, was mir mehr Spass machte als das Lernen war, den Herzensgeschichten und Problemen meiner Klassenkameraden zuzuhören.
Welche Ausbildung hast du danach absolviert?
Ich schwankte zwischen Psychologie und … einer Polizeischule. Da ich mich mit einer Waffe in der Hand jedoch nicht wohl fühlte, entschied ich mich für die erste Option. Da ich mich aber immer noch für die Polizeiarbeit interessierte, schickte ich 1993, mit meinem Universitätsabschluss in der Tasche, mein erstes Bewerbungsschreiben an Kommandant Geiger, der mein Vorgehen wahrscheinlich etwas seltsam fand. Ich fand rasch eine Stelle bei der kantonalen IV-Stelle Wallis und begleitete dort 28 Jahre lang gesundheitlich beeinträchtigte Menschen, damit sie sich durch Ausbildung und Arbeit sozial integrieren konnten.
Da ich gerne lerne, habe ich parallel dazu eine Spezialisierung in Notfallpsychologie absolviert und war mehrere Jahre lang die Präsidentin der Walliser Vereinigung der Notfallpsychologen. Mein allererster Einsatz führte mich zur Zusammenarbeit mit dem heutigen Oberstleutnant Vuigner. Er war es, der mir als Erster von der Verhandlungsgruppe erzählte, die damals eine Psychologin für eine mögliche Zusammenarbeit suchte. Ausserdem bilde ich seit 2006 Aspiranten in Savatan aus und seit 2009 arbeitete ich auf Mandatsebene für die Kantonspolizei Wallis bei der Verhandlungsgruppe und der Debrieferzelle.
Was erhoffst du dir, bei der Kantonspolizei zu finden?
Ich hoffe, einen anderen Kontext vorzufinden als den, mit dem ich in meinem früheren Job konfrontiert war. Früher habe ich mich um Menschen gekümmert, die gesundheitlich beeinträchtigt waren. In meiner jetzigen Stelle möchte ich darüber nachdenken, wie man den Alltag von Menschen verbessern kann, denen es eigentlich recht gut geht.
Was hoffen Sie, den Mitgliedern unseres Polizeikorps zu vermitteln?
Mit der Zeit fühle ich mich mehr zu den Grundsätzen der positiven Psychologie hingezogen, die auf die Entfaltung und das Wohlbefinden des Einzelnen abzielt. Nur weil es den Menschen gut geht, heisst das nicht, dass man ihnen keine Ideen geben kann, wie es ihnen noch bessergehen kann. Dies liegt mir umso mehr am Herzen, weil die Kantonspolizei Wallis meinem zweiten Sohn eine hervorragende Ausbildung zum Informatiker ermöglicht hat und ich somit auf meine Weise all jenen danken möchte, die sich für ihn eingesetzt haben.
Eine Botschaft, die du gerne an alle deine Kollegen weitergeben würdest?
Psychologen haben nicht die Fähigkeit, Ihre Gedanken zu lesen oder alles über Sie zu erraten. Sie können sich selbst davon überzeugen, indem Sie mit mir einen Kaffee trinken.
Vielen Dank, Carine, dass du dich so vorgestellt hast, und viel Erfolg für deine weitere Karriere bei uns!
Interview
Seraphina Zurbriggen
Spielen wir den Psychologen: Erzähl uns von deiner Kindheit!
Ich bin am Zürichsee aufgewachsen und liebe es daher seit meiner Kindheit im und am Wasser zu sein. Ich ging nach der Primarschule für zwei Jahre an die Stiftsschule in Einsiedeln und wechselte dann an das öffentliche Gymnasium Liceo Artistico in Zürich, wo wir wöchentlich viel Italienisch und verschiedene Kunstfächer hatten. Malen, Zeichnen und Fotografieren zählen seither zu meinen Hobbies, wie auch Draussen in der Natur und den Bergen hier im Wallis zu sein. Insgesamt hatte ich eine wohlbehütete Kindheit, wie man so schön sagt, in welcher ich meinen Interessen und Fähigkeiten nachgehen konnte. In meiner Familie war es selbstverständlich, dass Frauen und Männer erwerbstätig sind, was in der Schweiz zur Zeit meiner Kindheit ungewöhnlich war. Geprägt dadurch, bin ich bis heute Verfechterin vom Aufteilen der Erwerbs- und Familienarbeit.
Wie war nach dem Gymnasium dein Werdegang?
Ich habe Psychologie an der Universität in Zürich studiert und dort das Doktorat in Entscheidungspsychologie im 2009 abgeschlossen. Daraufhin konnte ich verschiedene Projekte als wissenschaftliche Mitarbeiterin begleiten: z.B. an der Universität Lugano zu sprachkulturellen Unterschieden in der Wahrnehmung von Rückenschmerzen oder an der Universität Lausanne zu Sprachkompetenzen von Arbeitssuchenden in den verschiedenen Sprachregionen der Schweiz. Seit 2013 arbeite ich als selbstständig erwerbende Psychologin in den Bereichen Coaching, Supervision und Notfallpsychologie im Wallis. Als zertifizierte Notfallpsychologin bin seit 2019 auf Mandatsebene bei der Polizei in der Verhandlungsgruppe und der Debrieferzelle tätig und seit 2021 auch in der Selektion der Aspiranten. Seit dem 1.12.2021 habe ich nun eine 20% Festanstellung bei der Kantonspolizei Wallis.
Was erhoffst du dir, bei der Kantonspolizei zu finden?
Ich habe bis jetzt sehr viele, sehr engagierte und spannende Personen in der Kantonspolizei Wallis angetroffen. Mit diesen Menschen und ihren Erfahrungen zu arbeiten, freut mich sehr und ich lerne viel dabei. Auch entwickle ich sehr gern neue Projekte und setze sie um und evaluiere sie kritisch, weshalb mich diese neu entstandene Stelle der Polizeipsychologin reizt. Ich denke es gibt ein Entwicklungspotential für die Professionalisierung der psychologischen Aspekte in der Polizeiarbeit und ich erhoffe mir, diesen Wandel mitgestalten zu können.
Was möchtest du den Kollegen unseres Polizeikorps vermitteln?
Gerne möchte ich das theoretische und praktische Wissen der Psychologie, welches ich mir in den letzten Jahren angeeignet habe, weitervermitteln: im persönlichen Gespräch, in der Praxisberatung oder in Weiterbildungen. Ein Thema, das mich speziell interessiert sind Entscheidungsfindungen. In diesem Bereich gibt es zahlreiche Forschungsresultate, die meines Erachtens viel dazu beitragen können, individuelle Wahrnehmungen zu differenzieren und gute Entscheidungsprozesse zu definieren.
Welche Botschaft möchtest du deinen Kollegen überbringen?
Ich wünsche mir, dass es in der Polizei aber auch in der Gesellschaft immer selbstverständlicher wird, dass physische und psychische Belastungen mitgeteilt werden können. Denn Mitteilen («mit-teilen») heisst für mich eine Belastung mit jemandem Teilen, ganz im Sinne von: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Wenn man mit jemand über diese Belastungen sprechen und Gründe dafür differenziert betrachten kann, ist das schon ein erster Schritt zur Erhaltung der physischen und psychischen Gesundheit.
Vielen Dank, Seraphina, für deine Vorstellung und viel Erfolg für deine weitere Karriere bei uns.