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Konfrontation mit dem Vater: Die Töchter Emmanuèle (Sophie Marceau) und Pascale (Géraldine Pailhas, rechts) wollen André (André Dussollier) keine Sterbehilfe leisten. (Filmcoopi)
Sein letzter Wunsch und Wille
Das Wort Freitod trifft die Frage nach dem Wunsch, aus dem Leben zu scheiden, besser oder soll man sagen eleganter als Suizid oder Selbstmord. Das griechische Wort Euthanasie bedeutet ursprünglich «schöner Sterben», wurde dann aber unter den Nazis im Zuge der «nationalsozialistischen Rassenhygiene» zum Begriff für Krankenmord.
Im französischen Drama «Tout s'est bien passé» geht es tatsächlich um «schöner und leichter Sterben», heisst : um selbstbestimmtes Sterben. Der Film geht intensiv vor allem auf das Problem Sterbehilfe ein. François Ozons Spielfilm basiert auf den autobiographischen Erinnerungen Emmanuèle Bernheims. Sie hatte darin ihre Erlebnisse und Empfindungen um den Tod ihres Vaters verarbeitet und sollte ursprünglich die Hauptrolle im Filmprojekt Alain Cavaliers spielen, verstarb dann aber 2017 im Alter von 61 Jahren. In der Verfilmung von Ozon übernahm dann Sophie Marceau den Part der Emmanuèle – sehr ausdrucksstark, sensibel überzeugend.
Den deutsche Filmtitel «Alles ist gut gegangen», der sich an den französischen anlehnt, kann man verschieden lesen: Was ist gut gegangen? Sind Absicht, Verlauf, oder das Ende gemeint oder alles zusammen? Als ihr 85-jähriger Vater André (André Dussollier), ein renommierter Kunstsammler, einen Schlaganfall erlitten hatte und halbseitig gelähmt war, fasste er einen radikalen Entschluss. Er will bewusst und selbstbestimmend aus dem Leben scheiden, und seine Tochter Emmanuèle (Marceau) sollte diesen Wunsch erfüllen. Die andere Tochter Pascale (Géraldine Pailhas) oder sein Sohn Gérard (Grégory Gadebois) kämen dafür nicht in Frage, meint er. Emmanuèle, die ihre Schwester ins Vertrauen zieht, weigert sich jedoch, glaubt an eine Genesung und ein geziemendes Weiterleben. Letztendlich gibt sie nach und will ihren Vater beim «menschenwürdigen Sterben» unterstützen. Auch Claude (Charlotte Rampling), die ehemalige Geliebte des Vaters, ist gegen Selbsttötung. In Frankreich ist Sterbehilfe nicht erlaubt, also illegal. Deshalb nimmt Emmanuèle Verbindung zu einer Schweizer Sterbehilfe-Organisation auf und organisiert mit Madame Suisse (Hanna Schygulla) einen Termin in Bern.
François Ozon, Buch und Regie, spannt das Thema weiter. Nicht der Akt des Freitods steht dabei im Zentrum, sondern Anliegen, Gefühle sowie Verantwortungsbewusstsein der Beteiligten. Zentrale Figur ist Emmanuèle, die ein eher angespanntes Verhältnis zu ihrem energischen, bestimmenden Vater hatte. Diese nicht immer schönen Erinnerungen werden in Rückblenden geschildert. Die stärksten Momente hat der Film, wenn Vater und Tochter um Leben und Tod diskutieren und «kämpfen».
In seinem 20. Filmwerk beweist Ozon einmal mehr meisterhafte Sensibilität, getragen von einem hervorragenden Ensemble – von einer faszinierenden Sophie Marceau bis Hanna Schygulla als Sterbemanagerin. Das Schlusswort Ozons an den Filmfestspielen in Cannes 2021 bringt Kern und Philosophie des Films auf den Punkt: «André möchte sterben, weil er das Leben liebt. Das ist das ganze Paradox des Films. Es ist die Liebe zum Leben, es nicht geniessen zu können, die ihm den Wunsch gibt, in Würde sterben zu wollen.»
Frankreich 2021
113 Minuten
Buch und Regie: François Ozon
Kamera: Hichame Alaouie
Mitwirkende: Sophie Marceau, André Dussollier, Géraldine Pailhas, Éric Caravaca, Charlotte Rampling, Hanna Schygulla
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