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Die häufigsten Augenerkrankungen
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Hintergründe und Symptome
Das Trockene Auge ist eines der häufigsten Krankheitsbilder in der Augenheilkunde überhaupt. Es handelt sich dabei um eine chronische, entzündliche Erkrankung der Augenoberfläche, welche starken Schwankungen unterliegen kann. Häufig sind ältere Menschen davon betroffen. Der Übergang von normaler Alterserscheinung zur lästigen Befindlichkeitsstörung zur Erkrankung im engeren Sinn ist fliessend. Das Grundproblem ist eine Befeuchtungsstörung der Augenoberfläche, leider oft unklarer Ursache. Sie tritt auf, wenn der Tränenfilm in seiner Qualität und Quantität gestört ist. Ein normaler Tränenfilm hat mehrere Schichten: innen Schleim (aus Zellen der Augenoberfläche), in der Mitte Salzwasser (aus der Tränendrüse) und aussen Öl zum Schutz vor Verdunstung (aus den Talgdrüsen der Lider). Er bildet eine optisch glatte Oberfläche, versorgt die Augenoberfläche mit Nährstoffen und transportiert Stoffwechselprodukte ab.
Charakteristischstes Symptom des Trockenen Auges ist ein Sand- oder Fremdkörpergefühl. Es können zusätzliche Beschwerden vorkommen wie Brennen, Jucken, Sehstörungen oder Leseschwierigkeiten (meist vorübergehend), Tränen, rote Augen und Blendung. Die Symptome nehmen oft zu im Lauf des Tages, in der
Heizperiode, bei Wind und bei stundenlanger Bildschirmarbeit. Andere Augenkrankheiten können sich aber ähnlich äussern. Es ist somit nicht möglich, allein aufgrund der
Beschwerden die Diagnose Trockenes Auge zu stellen.
Ursachen
Die Ursachen des Trockenen Auges sind vielfältig. Allen Formen gemeinsam ist eine Tränenfilmstörung, welche durch eine verminderte Tränenproduktion und/oder (häufiger) durch eine vermehrte Verdunstung entsteht. Frauen sind etwas öfter betroffen als Männer, v.a. nach den Wechseljahren.
Störungen der Ölschicht sind die häufigste Ursache für eine vermehrte Verdunstung der Tränenflüssigkeit. Studien zeigen, dass ca. 75% der Betroffenen an einer Störung der Ölschicht, etwa 10% an einer Störung der wässrigen Schicht und ca. 40% an kombinierten Störungen leiden. Störungen der Ölschicht treten auf, wenn die Talgdrüsen an der Lidkante erkrankt sind oder das Öl durch eine bakterielle Entzündung an der Lidkante zu stark zersetzt wird. Wird nicht mehr genug Öl für den Tränenfilm produziert, können veränderte Umweltbedingungen mit geringer Luftfeuchtigkeit und starkem Luftzug den Tränenfilm schneller zum Verdunsten bringen. Das ist meist der Fall, wenn jemand zuhause noch beschwerdefrei ist, aber die Augen draussen an Wind und Kälte zu tränen beginnen.
Eine verminderte Tränenproduktion und somit eine Störung der wässrigen Schicht des Tränenfilms zeigt sich oft mit zunehmendem Alter. In Tränendrüsen von älteren Menschen finden sich häufiger entzündliche Veränderungen als bei Jüngeren. Auch Autoimmunerkrankungen können die Tränendrüse oder sogar direkt die Bindehaut befallen, z.B. gewisse Formen von rheumatischen Krankheiten. Schädigungen von Hornhautnerven durch Verletzungen, Operationen, UV-Strahlung, Stoffwechselstörungen (z.B. Diabetes mellitus oder Schilddrüsenerkrankungen), langjähriges Kontaktlinsentragen oder Nervenerkrankungen können über die verminderte Nervenfunktion zu einem Trockenen Auge beitragen. Es gibt Hinweise darauf, dass Menschen mit Schmerzsyndromen (auch anderswo im Körper) öfter zu denjenigen Betroffenen gehören, die bei gleich ausgeprägten Befunden überdurchschnittlich starke Symptome wahrnehmen. Der Grund ist unklar, könnte aber mit einer erhöhten Reaktionsbereitschaft des ganzen Nervensystems zu tun haben. In diesen Fällen kann die Abgrenzung zum sogenannten neuropathischen Schmerz, der im Nervensystem entsteht, schwierig sein. Ein instabiler Tränenfilm kann aber auch verursacht werden durch einen Vitamin A- Mangel, eine Augenallergie, Konservierungsmittel in Augentropfen und verschiedene Medikamente. Wenn Sie eine Medikamenten-Nebenwirkung vermuten, setzen Sie das fragliche Medikament bitte nicht einfach ab, sondern besprechen die Lage mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Augenärztin.
Diagnose
Wegweisend sind Ihre Beschwerden. Achten Sie auf Faktoren, welche die Symptome lindern oder verschlimmern. Falls Sie bereits Augentropfen verwendet haben, notieren Sie sich den Namen oder bringen Sie die Packung in die Praxis mit – auch wenn die Tropfen nicht geholfen haben. Falls Sie regelmässig Medikamente einnehmen, bringen Sie eine Liste mit.
Nach einer genauen Befragung kann die Diagnose durch verschiedene Tests in der augenärztlichen Praxis bestätigt werden. Dazu gehört eine Untersuchung der Lider und der Bindehaut. Der Tränenfilm lässt sich mit einem fluoreszierenden Farbstoff (Fluorescein) darstellen. So sieht man, ob er einen stabilen, glatten Film bildet oder rasch in einzelne Tröpfchen zerfällt, wie es bei Störungen der Ölschicht typisch ist (sog. Tränenfilm-Aufreisszeit). Derselbe Farbstoff zeigt auch, ob die Hornhaut ausgetrocknete Stellen aufweist. Ferner kann man die wässrige Tränenproduktion durch den sog. Schirmer-Test messen, bei dem ein Streifen Filterpapier in den Lidwinkel eingelegt wird. In schweren bzw. therapieresistenten Fällen können weitere Abklärungen an spezialisierten Zentren sinnvoll sein.
Therapie
Es gibt keine standardisierten Richtlinien zur Behandlung des Trockenen Auges. Ausschlaggebend ist neben den objektiven Befunden auch der subjektive Leidensdruck. Leichte Formen eines Trockenen Auges muss man nicht zwingend behandeln. Entscheidet man sich jedoch zu einer Therapie, muss sie bei jedem/r Patienten/in aufgrund von Erfahrungswerten individuell zusammengestellt und je nach Verlauf angepasst werden. Die Behandlung braucht deshalb von allen Beteiligten Geduld und Durchhaltevermögen. Manchmal führt erst eine Kombination von Massnahmen zu Verbesserungen.
Wenn Sie an einem Trockenen Auge leiden, so können Sie selber schon einiges tun, damit die Beschwerden abnehmen. So ist es wichtig, genug Flüssigkeit zu trinken und auf eine gesunde Ernährung zu achten inkl. omega-3-Fettsäuren (siehe unten). Auch sollte die Luft in Innenräumen nicht zu trocken werden. Dabei helfen Lüften, Luftbefeuchter, das Trocknen der Wäsche in der Wohnung oder Zimmerpflanzen. Achten Sie bitte darauf, ob sich die Beschwerden verschlimmern, wenn Sie Kontaktlinsen oder Make-Up tragen, und vermeiden Sie solche auslösenden Faktoren wenn möglich. Bei Lidrandentzündungen empfiehlt sich eine gute Lidrandhygiene (s. Anhang 1). Sollten die Augen draussen tränen, so ist eine gut deckende Sportbrille oder Sonnenbrille sinnvoll. Es kann allenfalls schon vor dem Hinausgehen ratsam sein, einen befeuchtenden Augentropfen als Schutz ins Auge zu geben, damit Wind und Kälte die Augenoberfläche nicht irritieren.
Die lokale Behandlung umfasst sogenannte «künstliche Tränen» in Form von Tropfen, Gels, Salben oder Sprays. Zudem können Entzündungshemmer als Tropfen oder Salbe angewendet werden. Es gibt Substanzen mit und ohne Konservierungsmittel. Konservierte Augentropfen sollten maximal viermal pro Tag angewendet werden, da die Konservierungsmittel Tränenfilm und Augenoberfläche beeinträchtigen können. Bei häufiger Anwendung sind konservierungsmittelfreie Augentropfen zu bevorzugen. An befeuchtenden Augentropfen gibt es Präparate mit niedriger Viskosität, die eher wässrig sind, und solche mit hoher Viskosität, die eher gelartig sind und zwar länger wirken, dafür aber im ersten Moment die Sicht leicht trüben können. Tropfen mit entzündungshemmender Wirkung gibt es verschiedene. Sie kommen vor allem beim moderaten bis schweren Trockenen Auge zum Einsatz und sind mit Vorsicht anzuwenden. Wenn kommerziell erhältliche Tropfen nicht helfen, kann man an spezialisierten Zentren als letzte Option auch Eigenserum-Augentropfen herstellen (aus dem eigenen Blutplasma).
Therapien zum Einnehmen als Tabletten, Kapseln oder mit der Nahrung beinhalten omega-3-Fettsäuren, die auch in der Nahrung vorkommen. Omega-3-Fettsäuren haben eine entzündungshemmende Wirkung. Sie kommen natürlicherweise vor in gewissen Fischölen, Algen und pflanzlichen Ölen. Fischöl und Algen werden für den Einsatz in medizinischen Präparaten bevorzugt, weil die wirksamen Anteile Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) in höherer Konzentration vorliegen als bei pflanzlichen Ölen. - Bei deutlicher Lidrandentzündung, die auf lokale Massnahmen nicht anspricht, können niedrig dosierte entzündungshemmende Tetracycline zum Einsatz kommen. Das ist allerdings eine Langzeitbehandlung über Monate.
Bei unbefriedigendem Ansprechen auf eine konservative Behandlung können die ableitenden Tränenwege mittels sogenannten Punctum Plugs verschlossen werden. Das sind kleine Stöpsel, die in die Tränenpünktchen (den Abgang der Tränenkanäle) eingesetzt werden und den Abfluss der Tränenflüssigkeit in die Nase verhindern. Komplikationen sind selten. Wenn der Plug zu einer Linderung der Beschwerden führt, kann man den Tränenpunkt dauerhaft verschliessen. Dafür gibt es zahlreiche chirurgische Techniken.
Schweren Fällen vorbehalten sind Operationen wie die Verengung der Lidspalte mit dem Ziel, die exponierte Augenoberfläche zu verkleinern. Solche Eingriffe kommen v.a. in
Betracht bei Patienten mit gestörtem Lidschluss oder nicht heilenden
Augenoberflächendefekten. Auch hier gibt es verschiedene Operationsmethoden. Noch aufwändiger sind Speicheldrüsenoperationen in der Absicht, die fehlende Tränenflüssigkeit durch Speicheldrüsenflüssigkeit zu ersetzen.
Anhang 1: Lidrandhygiene
Zu guter Letzt noch eine wichtige Information für Betroffene, die wegen einer Lidrandentzündung an trockenen Augen leiden. Folgende Massnahmen können Sie regelmässig durchführen:
- Lider wärmen: Die Lider sollten ein- bis zweimal pro Tag für 5-10 Minuten gewärmt werden. Ideal geeignet sind warme (nicht heisse) Schwarzteebeutel oder ein warmer Waschlappen. Das Wärmen hat das Ziel, das Sekret der Talgdrüsen in den Lidern zu verflüssigen und seinen Abfluss zu verbessern. Der Talg schmilzt bei knapp über 40°.
- Nach dem Wärmen die Lider massieren: Drücken Sie aussen im Bereich der Lider sanft auf die Lidkante, in Richtung Augapfel. Beim Massieren des Unterlids nach oben schauen, beim Massieren des Oberlids nach unten. Mit diesem feinen Druck auf die Lidkante werden die Talgdrüsen massiert und ausgedrückt.
- Nach dem Massieren können Sie die Lidkante reinigen, entweder mit verdünntem Babyshampoo (ein Tropfen in ein Glas Wasser) oder mit speziell erhältlichen Lidreinigern.
Weiterführende Informationen:
Inhalt wurde erstellt von der Arbeitsgruppe Trockenes Auge und Augenoberfläche der SOG.
Links für Patientinnen und Patienten:
• Internationale Tränenfilmgesellschaft
• Leitlinie des Berufsverbands Deutscher Augenärzte/-innen und der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft zum Trockenen Auge
• Infos für Betroffene von der Vereinigung der US-amerikanischen Augenärztinnen und -ärzte AAO
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Was ist eine AMD?
Die altersbedingte Makuladegeneration, oft «AMD» genannt, ist eine Augenkrankheit, die in fortgeschrittenen Stadien zu einer Sehverschlechterung führt. In Ländern mit hoher Lebenserwartung ist sie die häufigste Ursache für schwere Sehbehinderungen. Sie befällt vor allem Menschen im höheren Lebensalter. Raucher/innen sind zwei- bis viermal häufiger betroffen. Ein leicht erhöhtes Risiko haben auch Frauen, Menschen mit hellen Augen und Leute mit erhöhtem
Blutdruck.
Die sogenannte Makula ist die Mitte der Netzhaut, der Ort des schärfsten Sehens. Die Netzhaut kleidet das Innere des Augapfels aus wie eine Tapete. In ihrer Funktion entspricht sie dem bildaufnehmenden Element in einer Kamera. Wenn wir einen Gegenstand direkt anschauen, wird er auf unserer Makula abgebildet. Weil die Netzhautmitte ein Bild mit hoher Auflösung produzieren muss, hat es vor der Makula keine Blutgefässe, anders als in der peripheren Netzhaut. Daher ist die Netzhautmitte anfälliger für Durchblutungsstörungen und Abnutzungserscheinungen als andere Strukturen im Auge. Es gibt zwei Formen der AMD: die trockene AMD und die feuchte AMD. Die trockene ist häufiger und verläuft langsamer. Dabei kommt es zur Ablagerung von Stoffwechselprodukten unter der Netzhaut, später auch zu einem Schwund der Netzhaut selbst. Die feuchte AMD befällt nur etwa 10- 15% der Betroffenen, verläuft ohne Behandlung jedoch rascher. Dabei bilden sich unter der Netzhaut Gefässe mit undichten Wänden, die lecken oder bluten und so die Netzhaut verformen und beschädigen. Die trockene Form kann in die feuchte übergehen, an einem Auge können auch beide Formen gleichzeitig vorliegen. Die Krankheit beginnt oft einseitig, wird im Verlauf aber häufig beidseitig. Dabei können die beiden Augen unterschiedlich stark betroffen sein.
Symptome
Im Frühstadium treten oft noch keine Beschwerden auf. Bei der trockenen AMD kommt es in der Regel zu einer langsamen Sehverschlechterung, die typischerweise zuerst beim Lesen auffällt: z.B. braucht man viel mehr Licht als früher oder eine Lupe, oder bemerkt verschwommene Stellen im Bild. Bei der feuchten AMD kann sich die Sicht sehr schnell verschlechtern. Gerade Linien können verzerrt aussehen, oder es können verschwommene oder dunkle Flecken im Bild auftreten. Weil die AMD nur das Zentrum der Netzhaut betrifft, bleibt das periphere Gesichtsfeld erhalten. Das heisst: ganz blind wird man durch eine AMD extrem selten.
Wenn Ihre Sicht sich rasch verschlechtert oder wenn Sie Wellen oder Flecken sehen, sollten Sie sich so bald wie möglich augenärztlich untersuchen lassen. Der Augenarzt/die Augenärztin kann die Makula direkt mit Hilfe eines Untersuchungsmikroskops untersuchen. Um zu unterscheiden, ob eine trockene oder eine feuchte Form vorliegt, sind Zusatzuntersuchungen hilfreich wie z.B. eine optische Kohärenztomographie (OCT, eine Schichtbildaufnahme der Netzhaut), eine optische KohärenzAngiographie oder eine Fluoreszenzangiographie, bei welcher ein Kontrastmittel gespritzt wird, um die leckenden Gefässe genau darzustellen.
Behandlung
Falls eine feuchte AMD vorliegt, ist die Prognose ohne Behandlung schlecht. In diesen Fällen ist eine Therapie sinnvoll. Die häufigste Behandlung besteht aus Spritzen ins Auge, welche die Bildung SOG Patienteninformation AMD - März 2022 3 von leckenden neuen Blutgefässen verhindern. Diese Spritzen werden unter lokaler Betäubung durchgeführt. Ihre Wirkung ist zeitlich begrenzt. Zu Beginn der Therapie sind monatliche Injektionen nötig. Im weiteren Verlauf genügen oft weniger häufige Injektionen, jedoch muss die Behandlung in der Regel über mehrere Jahre fortgeführt werden. Andere Therapien kommen nur noch in Ausnahmefällen zur Anwendung.
Für die trockene AMD gibt es momentan noch keine wirksame Behandlung. Allerdings ist dank intensiver Forschung damit zu rechnen, dass in absehbarer Zukunft Behandlungsmöglichkeiten entstehen werden. Zudem gibt es neben dem Alter und den Genen mehrere Risikofaktoren für die Erkrankung, die man selbst vermeiden oder verbessern kann. Wer nicht raucht oder mit dem Rauchen aufhört, bekommt deutlich seltener eine AMD. Auch ein Bluthochdruck, ein erhöhter Cholesterinspiegel und Übergewicht sind beeinflussbare Risikofaktoren. Ebenso hilft eine gesunde Ernährung, der Krankheit vorzubeugen. Hier spielen verschiedenste Substanzen eine Rolle, von Gemüse und Früchten in allen Farben bis hin zu Omega-3-Fettsäuren z.B. aus Fisch und Meeresfrüchten. AMD-Patienten/innen mit Appetitmangel oder Unverträglichkeiten profitieren u.U. von Vitaminen oder Nahrungsergänzungsmitteln. Ob das auch vorbeugen hilft, ist weniger klar. So
oder so ist es sinnvoll, die Einnahme solcher Präparate mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Hausarzt zu besprechen.
Die beste Behandlung kann manchmal nicht verhindern, dass die AMD zu einer Sehbehinderung führt. Um den Verlust an Lebensqualität und Autonomie zu verhindern, arbeiten Augenärztinnen und Augenärzte eng mit den lokalen Beratungsstellen für sehbehinderte Menschen und Patientenorganisationen zusammen. Falls die Sicht deutlich eingeschränkt ist, helfen optische Hilfsmittel wie z.B. Lupen, Lupenbrillen, Leuchtlupen bis hin zu Bildschirmlesegeräten, die Sehaufgaben im Alltag zu meistern. Wer mit Tablets und Smartphones umgehen kann, lernt oft auch diese Geräte als Hilfsmittel zu verwenden. Um die Sehbeeinträchtigung nach aussen sichtbar zu machen, kann auch ein weisser Stock hilfreich sein. Es gibt zahlreiche Beratungsstellen für Sehbehinderte, wo spezialisierte Fachleute sich Zeit nehmen können für Ihr Anliegen. Adressen finden Sie unter «Vereine und Stiftungen».
Das Glaukom, auch Grüner Star genannt, ist eine chronische und unheilbare Krankheit, die den Sehnerv schädigt. Das Glaukom ist weltweit und auch in der Schweiz eine der Hauptursachen für Erblindung bei Menschen über 60 Jahren – grundsätzlich kann aber jeder und jede an einem Glaukom erkranken, auch jüngere Menschen.
Ein Glaukom kann lange symptomlos sein. Betroffene bemerken häufig erst spät, dass sie an dieser Augenkrankheit leiden, denn ein zentraler Sehverlust tritt erst im Endstadium auf. Leider kann der Schaden am Sehnerv und der damit verbundene Funktionsverlust nicht mehr rückgängig gemacht werden. Nur Augenärztinnen und Augenärzte können vollumfassende Untersuchungen zum Ausschluss oder zur Bestätigung eines Glaukoms durchführen oder nach einer Screening-Untersuchung die Risikofaktoren korrekt einschätzen. Frühzeitig erkannt, kann eine Glaukomerkrankung über Jahrzehnte erfolgreich behandelt, stabilisiert und so eine Erblindung verhindert werden.
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Was ist eine Katarakt?
Die Katarakt, auch Grauer Star genannt, bezeichnet eine zunehmende Trübung derAugenlinse. Hierbei handelt es sich um die weltweit häufigste Augenerkrankung. Der Graue Star tritt in der Regel bei Menschen ab dem 60. Lebensjahr auf, vereinzelt kann er aber auch früher auftreten oder angeboren sein. Der graue Star kann in beiden Augen oder auch nur in einem Auge auftreten und bildet sich von allein nicht zurück. Wenn der graue Star nicht behandelt wird, kann er bis zur Erblindung führen.
Symptome
Ein grauer Star führt dazu, dass das Sehvermögen allmählich nachlässt. Die Linsentrübung entwickelt sich meist langsam über Jahre. Das Sehen wird zunehmend unscharf und verschwommen, es kommt zu einer Beeinträchtigung des Kontrastsehens und zudem kann
eine vermehrte Blendempfindlichkeit auftreten. So beschreiben Patienten typischerweise, dass sie mehr Licht zum Lesen benötigen und empfinden das Autofahren nachts als anstrengend. Unbehandelt kann der graue Star zur Erblindung führen. Es muss aber nicht so weit kommen – manche Patientinnen und Patienten haben Glück und erfahren nur leichte Seheinschränkungen. Bei anderen schwindet das Sehvermögen hingegen rasch und bis zur vollständigen Erblindung. Im fortgeschrittenen Stadium ist der Graue Star schon optisch erkennbar: die Pupille erscheint wegen der starken Linsentrübung grau. Als positive Nebenerscheinung kann es in manchen Augen vorkommen, dass eine beginnende Katarakt durch die Erhöhung der Brechkraft der Augenlinse dazu führt, dass das Lesen ohne Brille wieder möglich ist. Dieses verbesserte Sehvermögen ohne Brille hält jedoch nicht lange an. Schmerzen, Kratzen und Tränen gehören nicht zu Symptomen des grauen Stars.
Ursachen und Risikofaktoren
Der Graue Star entwickelt sich in den allermeisten Fällen altersbedingt. Somit ist das zunehmende Alter der grösste Risikofaktor für die Entwicklung einer Linsentrübung. So haben etwa 20% der Menschen im Alter von 65 und 74 Jahren eine Katarakt und bei den über 75-Jährigen ist bereits mehr als die Hälfte betroffen. Weitere mögliche Ursachen und Risikofaktoren können sein:
- eine erbliche Veranlagung
- Rauchen
- Exposition gegenüber Strahlung, z.B. UV-Licht oder Röntgenstrahlung
- Systemerkrankungen wie Diabetes mellitus
- Unterernährung
- Augenentzündungen (Uveitis)
- Traumata oder frühere Augenoperationen
- Längere Einnahme von Kortison
Viele Menschen haben keine anderen Risikofaktoren als das Alter. Einige Katarakte sind angeboren mit einer genetischen Ätiologie oder mit einem oder mehreren systemischen Syndromen oder Krankheiten assoziiert. Besonders in den ärmeren Entwicklungsländern
ist die Katarakt noch heute die häufigste Ursache für eine Erblindung und kann dort auch häufiger jüngere Menschen betreffen. Experten schätzen, dass von 36 Millionen blinden Menschen weltweit mehr als jede dritte Person aufgrund des Grauen Stars ihr Augenlicht
verliert. In den reicheren Industrieländern können Augenärztinnen und -ärzte die Erblindung oft – dank einer kurzen Operation – umkehren. Verschiede Faktoren, die die Entwicklung des Grauen Stars begünstigen, können durch einen angepassten Lebensstil vermieden werden:
- Schutz vor UV-Strahlung: das Tragen einer qualitativ hochwertigen Sonnenbrille, wenn Sie in die Sonne gehen, schützt vor chronischer UV-Belastung
- Tragen Sie eine Schutzbrille, wenn Ihre Augen im Beruf oder in der Freizeit gefährdet sein könnten. Diese schützt vor Strahlung, aber auch vor Augenverletzungen.
- Verzichten Sie auf das Rauchen – am besten fangen Sie erst gar nicht damit an. Versuchen Sie ansonsten einen Rauchstopp. Er wirkt sich insgesamt positiv auf Ihre Gesundheit aus.
- Vor einer Schwangerschaft sollen sich Frauen gegen Röteln und Masern impfen So verhindern Sie, dass Ihr Nachwuchs mit Grauem Star geboren wird.
- Wenn Sie längere Zeit Kortison einnehmen müssen – besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob es Alternativen gibt.
Diagnose
Bei der Diagnosestellung einer Katarakt wird zuerst im Gespräch mit dem Augenarzt eruiert, ob und wie lange die Symptome bestehen, ob Grunderkrankungen wie z.B. ein Diabetes mellitus vorliegen, oder ob es eine Vorgeschichte zu Augenoperationen oder Verletzungen am Auge gibt. Es folgt die Untersuchung durch den Augenarzt; es wird ein Sehtest zur Beurteilung der Sehkraft gemacht, dann erfolgt die klinische Untersuchung an der Spaltlampe. Wichtig ist es, andere Augenerkrankungen auszuschliessen. Denn nicht immer ist der Graue Star die Ursache für die Sehverschlechterung.
Das Vorhandensein weiterer gesundheitlicher Probleme kann das Ergebnis des Eingriffs beeinflussen. So können z.B. ein grüner Star (Glaukom), eine altersabhängige Makuladegeneration oder durch Diabetes entstandene Augenschäden dazu führen, dass sich die Sehleistung trotz der Graustaroperation nicht signifikant verbessern lässt. Zur vollständigen Untersuchung gehört deshalb unter anderem auch die Erweiterung der Pupillen mit Augentropfen, so dass einerseits die Linse besser ersichtlich ist und andererseits die Netzhaut genau untersucht werden kann. Der Graue Star präsentiert sich als Trübung der Augenlinse, zur Veranschaulichung untenstehend ein Bild einer klaren Linse und daneben ein Spaltlampenfoto einer Katarakt. Fällt die Entscheidung zur Operation, wird jedes Auge mittels Biometrie vermessen, um die Stärke der einzusetzenden Kunstlinse zu ermitteln. Allenfalls sind noch weitere Untersuchungen notwendig, wie die Ausmessung der Hornhaut (Topografie), die Messung der Hornhautzellen (Endothelzellmessung) oder eine Lasermessung der Netzhaut (Tomografie).
Behandlung
Nach heutigem Forschungsstand existiert nur eine einzige wirksame Behandlungsmöglichkeit des Grauen Stars: die Entfernung der trüben Linse und ihr Ersatz durch eine Kunstlinse – die Kataraktoperation. Dies ist weltweit die am häufigsten durchgeführte Operation und gilt als sehr sicher und wirksam. Allein in der Schweiz lassen sich jedes Jahr rund hunderttausend Patientinnen und Patienten operieren. Alternativen zur Operation gibt es nicht. Zwar kann häufig eine Brillenanpassung vorübergehend die Sehkraft verbessern. Wenn das Sehvermögen schon stark zurückgegangen ist oder sich sehr schnell verschlechtert, bleibt nur eine Operation, um eine dauerhafte Verbesserung zu erreichen. Schlussendlich droht ohne Behandlung die Erblindung. Noch heute ist die Katarakt in den Entwicklungsländern die häufigste Ursache der Erblindung, weil sich Patienten dort die Operation nicht leisten können. Der richtige Zeitpunkt für die Operation hängt von der subjektiven Beeinträchtigung im Alltag ab. Entscheidend kann unter anderem sein, ob die Sehkraft wichtig ist für die Ausübung des Berufs, ob der Patient Auto fährt oder ob die Sehverschlechterung einschränkend ist beim Ausüben von sportlichen Aktivitäten oder beim Lesen. Sofern der Patient sich nicht eingeschränkt fühlt, kann eine Operation meist problemlos hinausgezögert werden. Dies auch deshalb, weil der Schweregrad der vorhergegangenen Linsentrübung meist keinen Einfluss darauf hat, wie gut die Sich mit der neu eingesetzten Linse sein wird. Nur wenn der Graue Star schon sehr weit fortgeschritten ist, wird die Operation anspruchsvoller. Dies auch deshalb, weil die Ausmessung zur Berechnung der Kunstlinse schwieriger wird. Weitere Gründe, dass die Kataraktoperation medizinisch notwendig wird, sind Dickenwachstum der Linse (in einem eher kleinen Auge) und Druckprobleme (Grüner Star). Nach dem Eingriff sehen neun von zehn Operierten wieder schärfer und kontrastreicher als zuvor. Die Nah- und Fernsicht verbessert sich ebenfalls. So kann der Eingriff eine deutliche Erhöhung der Lebensqualität bedeuten.
Anästhesie und Operationsablauf
Normalerweise reicht für den Eingriff eine örtliche Betäubung aus. Hierzu werden in der Regel betäubende Augentropfen appliziert, seltener ein Anästhetikum, das neben das Auge injiziert wird. Beide Methoden haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile: Patientinnen und Patienten, die eine Spritze erhalten, klagen statistisch gesehen über weniger Schmerzen während der Operation. Unter Umständen hält diese Wirkung auch nach dem Eingriff an. Gleichzeitig erhöht eine Spritze aber auch das Komplikationsrisiko. Beim Einsatz von Augentropfen sind Komplikationen sehr selten – Sie treten in weniger als einem Prozent aller Fälle oder ungefähr siebenmal seltener auf als bei der Betäubung mit Spritzen. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass die Betäubung mit Tropfen keinen Einfluss auf die Augenmuskulatur hat, das heisst der Patient kann seine Augen weiterhin bewegen und muss während der Operation die Anweisungen des Operateurs befolgen. Da diese Konzentration und Kooperation nicht für alle Patientinnen und Patienten möglich sind, kann in einigen eher seltenen Fällen auch eine Narkose (Allgemeinanästhesie) notwendig und möglich sein. Die Kataraktoperation wird in den meisten Fällen einseitig, bzw. zweizeitig durchgeführt. Wenn beide Augen operiert werden, wird das zweite Auge typischerweise 3-4 Wochen nach dem ersten Auge operiert. In einigen auserwählten Fällen kann auch eine beidseitige, gleichzeitige Operation beider Augen erfolgen.
Orientierungshilfe zum Thema Staroperation und Kunstlinsen finden Sie hier.
Das Sehvermögen von Kindern kann aus unterschiedlichen Gründen beeinträchtigt sein. Häufige Sehschwächen sind die Myopie (Kurzsichtigkeit), die Hyperopie (Weitsichtigkeit), der Astigmatismus (Hornhautverkrümmung), die zu den Fehlsichtigkeiten gezählt werden sowie der Strabismus (Schielen) und die Amblyopie (Schwachsichtigkeit).
Fehlsichtigkeiten
Bei Fehlsichtigkeiten entsteht auf der Netzhaut kein scharfes Bild. Sie können an beiden Augen gleich oder ganz unterschiedlich vorkommen. Ist nur ein Auge betroffen, verhalten Kinder sich meist unauffällig und zeigen gelegentlich nur Mühe bei Tätigkeiten, bei denen räumliches Sehen gefragt ist, wie etwa beim Spielen mit Bauklötzen. Die Früherkennung und Behandlung von Fehlsichtigkeiten bei Kindern ist wesentlich, um eine Amblyopie (Schwachsichtigkeit) zu vermeiden, die einen bleibenden Sehverlust darstellt.
Zu den Fehlsichtigkeiten zählen die Hyperopie (Weitsichtigkeit), die Myopie (Kurzsichtigkeit) und der Astigmatismus (Hornhautverkrümmung).
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Was sehen Sie, wenn Sie Ihrem Gegenüber tief in die Augen schauen?
Natürlich viel mehr als wir Augenärztinnen und Augenärzte, denn so etwas machen Sie nur mit Ihren Liebsten. An Hinweise auf Krankheiten denken Sie in dieser Situation hoffentlich nicht.
Dennoch können auch Sie unter Umständen einen sehen: Ein weisslicher Ring um die Pupille ist vor oder in der Lebensmitte oft die Folge von deutlich erhöhten Blutfettwerten, die ein Risiko für Arterienverkalkung und damit für Schlaganfälle, Herzinfarkte und andere Gefässverschlüsse mit sich brächten. Daher sollte eine Blutuntersuchung veranlasst werden, falls ein solcher Ring auffällt. Im hohen Alter hingegen ist dieser Befund normal und wird auf deutsch als Greisenbogen bezeichnet.
Ebenfalls schon von blossem Auge kann auffallen, dass die Pupillen beider Augen nicht gleich gross sind. Die Nerven, welche die Pupillengrösse regeln, verlaufen komplex und nicht nur durchs Gehirn, sondern teils auch durch den Hals. Entsprechend können verschiedenste Ursachen hinter einer unterschiedlichen Pupillengrösse stecken, von einer harmlosen angeborenen oder bei der Geburt erworbenen Störung bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen wie einer Gefässerweiterung im Gehirn (sog. Aneurysma) oder einem Riss in der Halsschlagader (sog. Carotisdissektion), bei Neugeborenen auch einem bösartigen Tumor (sog. Neuroblastom). Fällt ein solcher Unterschied neu auf, ist eine ärztliche Untersuchung unbedingt zu empfehlen. Sagt Ihr Gegenüber hingegen, das habe sie oder er seit jeher oder seit vielen Jahren, dann ist der Befund meist harmlos.