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Zum Jahresende hin überraschte uns die Gesellschaft Pro Wartenberg mit Arbeiten am Vorderen Wartenberg in Muttenz. An der Ostmauer der Burg, der letzten grossflächig erhaltenen Mauerpartie im Originalzustand des 12./13. Jahrhunderts, war mit einer Sanierung begonnen worden. Es konnte erreicht werden, dass die Arbeiten eingestellt und ihre Fortsetzung auf das Frühjahr 2009 verschoben wurden. Bis dahin wird die Bauherrschaft zusammen mit der Archäologie Baselland und mit der Beratung des Bundesexperten Dr. Lukas Högl eine Planung für die Arbeiten erstellen, so dass diese Mauerpartie fachgerecht gesichert werden kann.
Die mit den Flickarbeiten beauftragte Baufirma hatte bereits vor unserem Eintreffen in der Flucht der Ostmauer, in einem Bereich, der bereits früher abgestürzt war, eine Stützmauer errichtet. Nachträglich konnte die Archäologie Baselland die Profilwände der etwa 3 x 2.5 Meter grossen Baugrube dokumentieren.
Dieser Bodeneingriff ergab zum ersten Mal in der Geschichte der Erforschung des Vorderen Wartenbergs einen Einblick in Kulturschichten, die an die dort noch erhaltenen Reste der östlichen Ringmauer anstossen. Ältere Bodeneingriffe sind bisher nie wissenschaftlich dokumentiert worden.
Viel archäologische Substanz wurde 1939/41 bei Festungsarbeiten der Schweizer Armee zerstört.
Beim Freilegen der drei Profile wurde Gefässkeramik vom 11. bis 14. Jahrhundert geborgen, und es zeigte sich, dass in der Burganlage trotz mannigfaltiger neuzeitlicher Eingriffe offenbar doch noch ungestörte Kulturschichtreste vorhanden sind.
Die Lage der geplanten Mauersanierung und der dokumentierten Profilwände
In den Profilen liessen sich im Wesentlichen vier Schichten unterscheiden. Die unteren beiden stellen mit grosser Wahrscheinlichkeit die Verfüllschichten der ehemaligen Baugrube der Ringmauer dar. Die Baugrube wurde nach der Erstellung der Mauer wieder verfüllt und das Gelände im Burginnern eingeebnet. Bei der oberen der beiden Verfüllschichten handelt es sich um einen gelben, mergeligen Lehm, dessen Oberkante im Profil horizontal verläuft.
Das nördliche Profil mit einer deutlichen gelben Planieschicht. Rechts die Überreste der Ringmauer.
Dadurch wirkt die Schicht wie ausplaniert. Eine dünne, stark holzkohlehaltige Schicht liegt auf
dieser Oberfläche auf: ein Hinweis darauf, dass die Oberfläche eine zeitlang offen stand und sich so Holzkohle als Folge der Siedlungsaktivität ablagern konnte. Für eine Brandschicht, die auf die Zerstörung der Burg hinweisen könnte, ist sie allerdings zu dünn. Den oberen Abschluss der Schichtenfolge bildet eine dicke und weitgehend homogene Humusschicht, die sich im Laufe der Jahrhunderte nach der Aufgabe der Burg gebildet hat. Obwohl der beobachtete Ausschnitt nur klein war, ergab er doch einen sehr interessanten Einblick in
die Geschichte des Vorderen Wartenbergs. Es zeigte sich ein kleiner Querschnitt der Burggeschichte vom Bau der Ringmauer bis zu der Zeit, als die Burg längst aufgegeben war.
Aus dem Jahresbericht Archäologie Baselland 2009
Im Zuge von geplanten Sanierungsarbeiten an der Ruine Vorderer Wartenberg dokumentierte die Archäologie Baselland im winterkalten Januar bei Schnee und Eisregen die Aussenseite der südöstlichen Ringmauer (vgl. Jahresbericht 2008, 50–53). Ziel war es, den mittelalterlichen Originalzustand dieses Abschnitts der ansonsten bereits stark restaurierten Burg steingerecht zu erfassen, bevor Flickarbeiten an der Mauer stattfinden.
Muttenz, vorderer Wartenberg. Die Zusammensetzung der einzelnen Zeichnungen ergibt einen Überblick
über die gesamte Mauer
Da die zu untersuchende Mauerpartie bereits mit einem Gerüst versehen war, kam eine photogrammetrische Entzerrung nicht in Frage. Stattdessen kam ein «Pantograph» zum Zuge. DieseZeichenmaschine funktioniert wie folgt: Auf einer Grundplatte wird ein leeres Blatt befestigt. An der über dem Blatt aufgebauten, beweglichen Metallkonstruktion ist ein Bleistift montiert. Die schwenkbare Konstruktion ist über zwei Fäden mit einem grossen Metallstift verbunden, die der Zeichnende in den Händen hält. Jede Bewegung, die man nun mit dem Metallstift macht, wird über die Fäden und die Metallkonstruktion auf den Bleistift übertragen,
und dieser bildet die exakt gleiche Bewegung auf dem Papier im Massstab 1:20, also zwanzig Mal kleiner, ab.
«Pantograph»
Quelle und Fotos: Archäologie Baselland, Jahresberichte 2008 und 2009