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Entdeckungsreisen seit der Renaissance: Wegbereiter des heutigen Tourismus
Wenn wir heute durch die Weltgeschichte reisen können, dann hat das mit gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen zu tun, die vor allem in einer Zeitspanne zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert ihren Anfang nahmen.
Alle anderen grösseren „Reisebewegungen“ waren meist ungewollt veränderten Lebensbedingungen, Kriegen oder der Not geschuldet. Aber mit Beginn der Renaissance, vor allem durch die aufstrebende Seefahrt, begannen die Entdeckungsreisen und die Abenteuer, in deren Windschatten wir heute unsere Reisen planen und durchführen.
Worauf wir heute so selbstverständlich zurückgreifen, musste durch Entdeckungen erst geschaffen werden: Reisewege, sowohl zu Wasser als auch über Land. An die heutigen Flugreisen ist hier noch gar nicht zu denken. Meist bildeten sich dann in den fremden Ländern erste Stützpunkte, wie etwa New York, durch die später kontinuierliche Reiseunternehmungen möglich wurden.
Hinaus in neue Welten
Die wichtigste Entdeckung war zweifelsohne die des Seeweges nach Amerika. Bekannt ist, dass der Weg eigentlich bis nach Indien gedacht war. Ermöglicht wurde die erfolgreiche Reise durch Verbesserungen im Schiffbau und bei der Navigation.
Die resultierende Verbindung zwischen Europa und Amerika kann für die Weltgeschichte nicht hoch genug eingeschätzt werden. Alle Segelreisen, vom Wochenendtörn bis zum extremen Einhandsegler, sind davon geprägt.
Für die Entwicklung von Wissenschaft und Naturforschung sei hier Alexander von Humboldt genannt. Seine Wege führten unter anderem zwischen 1799 und 1804 auch nach Amerika. Dass heute noch manche Schule, Universität oder andere Bildungseinrichtung seinen Namen trägt, ist nur verdient.
Für den Kontinent Afrika öffneten vor allem die Reisen von David Livingston den Zugang, der 1855 die Victoria Wasserfälle entdeckte. Etwas früher war es John Franklin, der erste Polarreisen unternahm und die legendäre Nordwest-Passage finden wollte, dabei aber verschollen ist. Über ihn gibt es den sehr lesenswerten fiktiven Roman „Die Entdeckung der Langsamkeit“, den Sie Ihrer Bibliothek unbedingt hinzufügen sollten.
Dass auch die Welt Asiens erreichbar wurde, dafür steht der Name Heinrich Harrer. Seinen Reisen nach Indien und Tibet 1939 bis 1951 wurde der Kinofilm „Sieben Jahre in Tibet“ nachempfunden. Harrer nutzte dann auch schon das Flugzeug, das vor allem nach dem ersten Atlantikflug 1927 von Charles A. Lindbergh seine Zuverlässigkeit bewiesen hatte.
Was den Tourismus möglich macht
Aus ersten Reiserouten wurden in Folge feste Handelsrouten. Dies war zu Lande so und auch auf dem Wasser. Schliesslich entwickelten sich aus Handelsposten, die die Reisetrecks versorgten und ausrüsteten, Vorläufer heutiger Restaurants und Hotels. An neue Sprachen und Währungen gewöhnte man sich schnell, in Aussicht stehende Gewinne durch Handel waren eine hohe Motivation.
Schiffs- und Zugreisen waren lange das probate Mittel, weite Strecken zu reisen. Nach dem 2. Weltkrieg war es verstärkt möglich, für eine grosse Anzahl von Passagieren zuverlässige Flugreisen anzubieten. Dies hat die Touristik bis heute am entscheidendsten dynamisiert.
Wer sich heute moderne Trekkingausrüstung anschaut, der kann darin die hier grob skizzierte Geschichte noch erkennen: Von der Seefahrt wurde die Entwicklung wasser- und windfester Kleidung motiviert. Trekkingschuhe sind in heutiger Version vor allem den Erfahrungen mit dem Schuhwerk der ersten Bergsteiger Hillary und Co. nachempfunden. Moderne Materialen lassen schliesslich die heutigen Rücksäcke leichter sein als die der ersten Pioniere, die das Tragen auf dem Rücken aber auch schon praktizierten. Aber ist das Wichtigste nicht vor allem das Feuer der Neugier, das die Menschen bis heute hinaustreibt in ihnen unbekannte Regionen?
Oberstes Bild: Nachbau der „Santa Maria“ von Christoph Kolumbus vor Funchal (© Leo-setä, Wikimedia, CC)