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Seit 2009 beschäftigt sich Luisa Splett mit dem Schweizer Komponisten, Pianisten und Klavierpädagogen Emil Frey (1889-1946). Seit Oktober 2015 promoviert sie über ihn an der Universität der Künste Berlin bei Prof. Dr. Ulrich Mahlert. Neben der wissenschaftlichen Arbeit organisiert sie Konzerte, um die Musik des Komponisten aufzuführen und bekannter zu machen. Beim englischen Label Toccata Classics ist eine Gesamtaufnahme seiner Klavierwerke geplant, Vol. I erschien im Februar 2016.
Wer heutzutage in der Schweiz auf den Namen „Emil Frey“ angesprochen wird, denkt sofort an den Autohändler mit demselben Namen, selbst in der Musikwelt kennt man diesen Komponisten kaum. Dass Emil Frey auch in seiner Zeit mehr als Klaviervirtuose bekannt war, macht es nicht einfacher. Er selber sah sich immer als beides und hatte sich auch während seiner Lebzeiten gewünscht, mehr Anerkennung als Komponist zu finden. Bei einer kurzen Untersuchung seiner Werke wird klar, woran es liegen könnte, dass Emil Frey als Komponist nicht die Beachtung gefunden hat, die ihm zusteht. In Konzertkritiken seiner Zeit wird ihm oft vorgeworfen, seine Werke hätten keinen richtigen eigenen Stil und liessen sich zu gut als „ähnlich wie die Werke von Komponist XY“ abstempeln. Mit dieser Auffassung wird jedoch dem Komponisten Emil Frey grosses Unrecht getan, sind doch seine Werke sicherlich beeinflusst von den berühmter gewordenen Komponisten seines Umkreises und seiner Zeit, gewissermassen inspiert von diesen, zeigen doch aber alle seine Werke eine grosse schöpferische Individualität und einen unglaublichen Ideenreichtum.
Das Leben Emil Freys war von äusseren geschichtlichen Einflüssen geprägt, die sich auch auf sein Werk und sein künstlerisches Schaffen ausgewirkt haben. So musste er beispielsweise nach dem Ausbruch der Russischen Revolution 1917 in die Schweiz zurückkehren, obwohl er lieber noch längere Zeit am Moskauer Konservatorium gelehrt hätte. Der Einfluss dieser Zeit in Moskau, der Russischen Schule auf das Werk Emil Freys wird in meiner Arbeit eine zentrale Rolle spielen.
Es gibt einige Aspekte des Lebens von Emil Frey, die man bereits in den gängigen Musiklexika nachlesen kann, andere jedoch sind immer noch unklar, wie die eben genannte Beziehung zu Russland, aber beispielsweise auch sein Aufenthalt in Berlin und der damit verbundene Einfluss auf das Berliner Musikerleben in den Jahren 1907 bis 1910. Eine historisch korrekte und belegbare Biografie steht in der Dissertation an erster Stelle.
Wie vielfältig und bunt das Werk Emil Frey ist, sieht man schon auf den ersten Blick, wenn man sein Werkverzeichnis studiert. Dieses existiert jedoch nur fehlerhaft und inkomplett. Der zweite Teil meiner Arbeit wird sich also intensiv mit seinem Werk beschäftigen und wird als Resultat einen kompletten Werkkatalog beinhalten, der zukünftigen Interessenten an Emil Freys Musik einen schnellen Überblick garantiert.
Im dritten Teil widme ich mich der Pädadogik von Emil Frey. Sein Buch „Bewusst gewordenes Klavierspiel“ wurde seinerzeit schon von Béla Bartok gelobt und empfohlen, ist aber heutzutage kaum mehr im modernen Klavierunterricht aufzufinden. Dies gilt es, zu ändern, werden doch in diesem Werk auf entwaffnend einfache Weise die komplizierten technischen Komponenten des Klavierspiels beschrieben.
Emil Frey hat als Komponist einen Platz in der heutigen Musikwelt verdient, und das soll mit einer Dissertation über sein Leben und Werk belegt werden.