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Franz Hodjak (DE)
Aus dem Roman mit dem vorläufigen Arbeitstitel «Harald Frank oder lange Weg zur Grenze»; s.a. Entwürfe 3/4, 1994
1993
Aus: Franz Hodjak. Landverlust. 1993
Harald Frank schloss den Garnisonsarrest ab und ging in die Stadt. Er wollte an die frische Luft. Und er brauchte Luft für seine Gedanken. Wenn Harald Frank ernsthaft nachdachte, tat er es immer laut. Er führte eine Art Selbstgespräche. Erst wenn die Worte laut ausgesprochen waren, erhielten sie Klarheit und scharfe Konturen. In geschlossenen Räumen jedoch hatte er stets den Eindruck, die Gedanken erstickten schon im Keim an Luftmangel. Die Worte blieben irgendwo in nebligen Tiefen, kamen nicht über die Lippen. Oder, fragte sich Harald Frank, war es all die Jahre bloss die instinktive Angst der Worte vor Mikrophonen? Harald Frank war überrascht von diesem Gedanken. Er ging durch dunkle Strassen, voller Schlaglöcher. Er versuchte über seine Lage nachzudenken, doch es fiel ihm nichts Gescheites ein. Rechts und links halbfertige Wohnblocks, die gespenstisch verfielen. Niemand hatte Geld, und alle hatten andere Sorgen. An interessierte ausländische Firmen wollte man sie nicht verkaufen, viel zu tief in Herzen und Hirnen sass die Parole des Diktators, wir verkaufen unser Land nicht. Harald Frank schien es, als sei es ein unerbittlicher Racheakt, was sich da abspielte. Die Nacht war so tief und still, dass Harald Frank plötzlich buchstäblich zu hören glaubte, wie die Blocks zerfielen.