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Kultur: Unsere Favoriten in Cannes
Text: Kerstin Hasse; Fotos: Festival de Cannes
«Happy End» von Michael Haneke
Zweimal hat Regisseur Michael Haneke bereits die goldene Palme abgestaubt, mit seinem Film «Happy End» könnte er jetzt einen Hattrick landen – das ist in 70 Jahren noch keinem Regisseur gelungen. Sein neuester Film handelt von einer gutbürgerlichen Familie (unter anderem besetzt von Isabelle Huppert und Jean-Louis Trintignant), die in der Nähe von Calais lebt. Obwohl das Flüchtlingsdrama den Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner der Hafenstadt betrifft, bekommt die Familie in ihrer wohlbehüteten Welt kaum etwas davon mit – bis der Sohn in die Flüchtlingskrise verwickelt wird.
«The Beguiled» von Sofia Coppola
Für Regisseurin Sofia Coppola sind es nicht die ersten Filmfestspiele: Für ihrem Film «Marie Antoinette» erhielt Coppola 2006 Standing Ovations in Cannes, 2013 eröffnete ihr Werk «The Bling Ring» die Sektion «Un certain Regard» des Festivals, die nicht Teil des Hauptwettbewerbs ist. Mit dem Film «The Beguiled» nimmt sie in diesem Jahr wieder am Rennen um die goldene Palme teil. Das düstere Drama spielt in einem Mädcheninternat in Zeiten des amerikanischen Bürgerkrieges. Colin Farell spielt darin den Soldaten John McBurney, der von der Internatsleiterin Miss Martha (Nicole Kidman) verletzt im Internat aufgenommen wird. Die Anweseneheit des Mannes sorgt für Spannungen zwischen den isoliert lebenden Frauen. Zuerst kommt es zu Intrigen zwischen den Bewohnerinnen, dann aber richten sich Wut und Schmerz gegen den Soldaten.
«Aus dem Nichts» von Fatih Akin
Der deutsche Film «Toni Erdmann» galt 2016 für viele Kritiker als grosser Favorit auf die goldene Palme, dennoch ging die deutsche Produktion leer aus. Mit «Aus dem Nichts» ist nun erneut ein deutscher Regisseur im Wettbewerb und wieder rechnen ihm Kritiker Chancen aus, als bester Film ausgezeichnet zu werden. Der Thriller mit Diane Kruger und Denis Moschitto handelt von Katja (Kruger), deren Welt zerbricht, nachdem ihr Mann und ihr Sohn bei einem Bombenanschlag sterben. Die junge Frau trauert, sinnt sich aber bald schon nach Rache für den Tod ihrer Liebsten.
«Le Redoutable» von Michel Hazanavicius
Auch Frankreich ist im Hauptwettbewerb vertreten. Regisseur Michel Hazanavicius erzählt die Geschichte der Liebesbeziehung zwischen Schauspielerin Anne Wiazemsky (Stacy Martin) und dem Regisseur Jean-Luc Godard (Louis Garrel). Hazanavicius erlangte internationale Anerkennung durch seine Stummfilm-Hommage «The Artist», die 2012 unter anderem mit fünf Oscars und drei Golden Globe Awards ausgezeichnet wurde.
«Rodin» von Jacques Doillon
Der Liebesfilm von Hazanavicius bekommt unter anderem französisiche Konkurrenz durch ein Werk des Regisseurs Jacques Doillon, der sich mit dem Leben, der Arbeit und den Geliebten des berühmten französischen Bildhauers Auguste Rodin (gespielt von Vincent Lindon) auseinandersetzt. Hauptdarsteller Lindon wurde 2015 die Palme als bester Schauspieler für seine Arbeit in «Der Wert des Menschen» in Cannes verliehen.
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Die Filmfestspiele sind eröffnet! Am 27. Mai wird die Jury um den spanischen Regisseur und Produzenten Pedro Almodóvar die goldene Palme für den besten Film verleihen, insgesamt 18 Filme konkurrieren im Wettbewerb um den renommierten Filmpreis.
Für einen kleinen Tumult sorgte die Tatsache, dass in diesem Jahr gleich zwei Netflix-Produktionen («Okja» von Bong Joon-ho und «The Meyerowitz Stories» von Noah Baumbach) für die goldene Palme nominiert sind. Beide Filme haben noch keinen Kinostart in Frankreich, was bei Kinobetreibern und Medienvertretern für Unverständnis sorgte. Filme, die nur für Netflix-Abonennten, nicht aber fürs breite Kinopublikum zur Verfügung stehen? Geht gar nicht, lautete der Tenor. Auch Jury-Präsident Almodóvar betonte auf der ersten Medienkonferenz sein Unverständnis für die Wettbewerbs-Teilnahme von Netflix: «Ich werde mein Leben lang dafür kämpfen, dass Filme auf der grossen Leinwand gesehen werden», sagte der Regisseur. Die laute Kritik scheint gefruchtet zu haben: Die Leitung der Filmfestspiele gab bekannt, dass ab 2018 alle Wettbewerbsbeiträge über einen französischen Kinoverleih verfügen müssen.
Unsere fünf Favoriten laufen alle im Kino – in der Bildergalerie können Sie sich durch unsere Filmtipps aus dem Cannes-Wettbewerb 2017 klicken.