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Eine Hitzewelle kann auch als Gluthitze beschrieben werden. Es handelt sich hier um eine Hitzeperiode von mehreren Tagen oder Wochen mit ungewöhnlich hohen Temperaturen, die von einer beträchtlichen Erwärmung eines grossen Gebietes verursacht werden. In der Schweiz wird eine Hitzewarnung ausgegeben, wenn während mindestens 3 aufeinanderfolgenden Tagen Tagestemperaturen von über 33° - 34°C vorhergesagt werden.
Gefahren
Der Organismus erträgt eine enorme Belastung nach einer verlängerten Exposition gegenüber Hitze. Ein Hitzschlag kann demnach schlimm sein: der Körper kann seine Temperatur nicht mehr kontrollieren und diese steigt schnell (bis 40°C). Der Hitzschlag wird durch einen Verwirrtheitszustand, Schwindel, Brechreiz oder Muskelkrämpfe gekennzeichnet. Wenn diese Symptome auftreten, muss die betroffene Person Wasser trinken, sich erfrischen und einen Arzt konsultieren. Eine Hitzewelle kann also schwere Gesundheitsfolgen (einschliesslich Tod) haben, insbesondere bei schutzbedürftigen Personen wie:
- Kleinkindern
- Kindern unter 5 Jahren
- Personen, die im Freien arbeiten
- Personen, die innen arbeiten
- Alten und einsamen Menschen oder Menschen in Pflegeheimen
- Alleinstehenden Personen
- Geistig behinderten Personen
- Patienten mit chronischen Krankheiten
- Sozial benachteiligten Personen
- Haustieren
Begriffserklärungen
Dehydratation
Exzessive Abnahme und sogar quasi-Ausscheidung des Wassers aus unseren Geweben. Die Dehydratation kann verschiedene Formen haben: Extrem starker Durst, trockene Haut und Schleimhäute und Abnahme der Menge des Urins.
Hyperthermie
Die Hyperthermie ist die Erhöhung der Temperatur des Körpers oder eines Körperteils über den menschlichen Normalwert von durchschnittlich 37° C.
Hitzschlag, Überwärmung
Schnelle Erhöhung der Körpertemperatur über 40° C mit neuropsychischen, Herzkreislauf-, Atem- und Stoffwechselstörungen. Diese kann das Ergebnis einer intensiver Muskelanstrengung bei warmen Bedingungen (zum Beispiel: Marathon oder Radrennen in der Hitzeperiode) oder einer verlängerten Exposition gegenüber einer grossen Hitze beim Kleinkind oder älteren Menschen sein.
Ohnmacht
Kurze, völlige, brutale und umkehrbare Bewusstlosigkeit in Folge einer Abnahme der Sauerstoffversorgung des Gehirns.
Ozon
Gas, das ein natürlicher Bestandteil der Atmosphäre ist und sich unter Einwirkung des Sonnenlichts bildet. In den unteren Schichten der Atmosphäre wird es als Schadstoff betrachtet, da es das Atmungssystem belästigt und die sensibelsten Pflanzen verbrennen kann.
Feinstaub
Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometern. Der Feinstaub schwebt und bleibt während mehreren Tagen in der Luft. Diese sehr kleinen Aerosole können also tief in die Lungen bis in die Lungenbläschen gelangen.
Eine weitere Besonderheit dieser Aerosole ist die Tatsache, dass sie zu Kondensationskernen werden, mehr Feuchtigkeit und Schadstoffe (Blei, Schwefeldioxid, usw.) auffangen und folglich giftiger werden können.
Smog
Der Smog ist ein „Umweltverschmutzungsdunst“, der sich bei sehr stabilen Wetterbedingungen (sehr schwacher Wind) bildet.
Der Sommersmog besteht mehrheitlich aus troposphärischem Ozon und Feinstaub. Der Ozon bildet sich wesentlich bei Sonnenlicht und hohen Temperaturen während der Feinstaub mehrheitlich von den Industrieemissionen (Landwirtschaft, Bausektor) und den Fahrzeugemissionen kommt.
Hitzeindex (Hitzewelle-Index oder „heat index“)
Der Hitzeindex ist das Ergebnis einer Formel, die die Feuchtigkeit und die maximale Hitze des Tages berücksichtigt. Das entspricht ungefähr einer maximalen Temperatur von 34° C in unseren Regionen, resp. einer Tagestemperatur von mindestens 30° C und einer Nachttemperatur von mehr als 20° C.
Kompetenzen
Um sich einer Hitzewelle zu stellen sind verschiedene Akteure in der Bewältigung der Krise involviert, nämlich:
Staatsrat: ist für die politische Führung des Ereignisses zuständig; er trifft politische Entscheide und gibt zuhanden des KFO Weisungen.
KFO: sichert durch die Koordinierung der Operationen auf kantonaler Ebene die kantonale operative Führung. Zu diesem Zweck wird es je nach Lage durch Spezialisten ergänzt.
GFO: ist zuständig für die operationelle Führung auf lokaler Ebene; koordiniert die Operationen auf Gemeindeebene. Es erhält vom KFO die notwendigen Anweisungen.
Blaulichtorganisationen: umfasst die Kantonspolizei, die Feuerwehrkorps und die Einheiten des Gesundheitsbereichs. Sie führt vor Ort die durch das KFO getroffenen Entscheide aus.
ZS: bietet der Blaulichtorganisation einerseits bei der Gewährleistung der Nachhaltigkeit eines Einsatzes Unterstützung, andererseits ist er ein wichtiges Element für die Instandstellung.
Ereignisbeispiele
2015, Schweiz
Vom 1. bis 7. Juli 2015 hat die Schweiz eine der intensivsten Hitzewelle-Wochen seit Beginn der Messungen vor anderthalb Jahrhundert erlebt. Der gemessene Mittel der Maximaltemperaturen war von 33° bis 36°C im Mittelland und von 31 bis 32°C auf der Alpensüdseite. Am 7. Juli 2015 hat die Station in Genf die höchste auf der Alpennordseite je gemessene Temperatur mit 39.7°C aufgewiesen. Sie hat mit zirka 1°C den vorherigen Rekord von 38.9°C vom 28. Juli 1921 gebrochen.
Im ganzen Land haben die Experten von MeteoSchweiz zwei Hitzewellenperioden gemessen. Die erste vom 1. bis 7. Juli, die zweite vom 14. Bis 23. Juli 2015.
2003, Schweiz/Europa
Laut einer Studie von pro clima war der Sommer 2003 der wärmste seit mindestens 500 Jahren in Europa. In der Schweiz blieben die Temperaturen während 12 aufeinanderfolgenden Tagen über 33°C, mit einem Rekord von 41,5°C in Grono (GR) am 11. August.
Die Folgen dieser Hitzewelle waren sehr schwer in der Schweiz: im Sommer stieg die Übersterblichkeit bis 1000 Personen.
Verhaltensempfehlungen für die Bevölkerung
- Sich ausruhen.
- Die Wärme draussen lassen, sich erfrischen.
- Viel trinken, sich leicht ernähren.
- Die körperliche Aktivität reduzieren.
- Zu Hause bleiben.
- Die Raumtemperatur soll weniger als 28°C sein.
- Während des Tages Fenster, Fensterläden, Storen und Vorhänge schliessen, während der Nacht gut durchlüften.
- Aussen im Schatten aushalten.
- Helle, leichte und weite Kleider tragen.
- Sich mit regelmässigen Duschen oder feuchten Kompressen auf dem Körper erfrischen.
- Ernährung und Getränke
- Regelmässig trinken und nicht warten, bis man durstig ist.
- Funktionierender Kühlschrank mit genug Lebensmitteln von guter Qualität und mit gutem Ablaufdatum.
- Kalte wasserreiche Mahlzeiten einnehmen: Früchte, Salate, Gemüse und Milchprodukte.
- Sich bei einer Behandlung oder einer chronischen Krankheit von seinem Arzt beraten lassen.
- Alkohol vermeiden, da er die negative Auswirkung der Wärme und die Dehydratisierung verstärkt.
- Nicht zögern Angehörigen oder Nachbarn um Hilfe zu bitten, wenn die Wärme problematisch wird.
- Sich über den Gesundheitszustand seiner Angehörigen und Nachbarn informieren und besonders auf einsame und hilfsbedürftige Personen aufpassen.
Verhaltensempfehlungen für Personen, die im Freien arbeiten
Anfangsphase
- Überarbeit vermeiden.
- Schattenbereiche für die am stärksten ausgesetzten Arbeitsplätze und für Pausen planen.
- Überwachung verstärken.
- Die nicht wesentlichen aufwändigen Aufgaben verschieben.
- Belastende Arbeiten am Anfang des Tages ausführen.
- Trinkwasser zu Verfügung stellen.
- Sonnenbrillen mit UV-Schutz.
- Kopfbedeckung.
- Sonnenschutzcreme.
- Immer bedeckende Kleider tragen.
Akut Phase
- Den Arbeitsrhythmus an die Bedingungen anpassen.
- Die individuellen Anstrengungen reduzieren (Verteilung der physischen Lasten zwischen den Arbeitern).
- Die Menge der kleinen täglichen Pausen erhöhen (5 bis 10 Minuten alle 1 bis 2 Stunden).
- Die Situation regelmässig beurteilen!
Verhaltensempfehlungen für Personen, die innen arbeiten
- Die ausgesetzten Fenster mit Storen ausstatten.
- Wenn möglich, die Fenster während der Nacht oder spätestens am frühen Morgen öffnen.
- Die Fenster und die Fensterläden oder die Storen während des Tages schliessen.
- Lüfter zur Verfügung stellen.
- Gegebenenfalls eine Klimatisierung installieren.
- Die Luftbewegungen begünstigen.
Verhaltensempfehlungen für die Kinder
Die Kleinkinder können bei grosser Hitze nicht korrekt reagieren, da sie wegen ihres Alters die Auswirkungen der Hitzewelle nicht wahrnehmen. Daher müssen sie vor der Hitze geschützt werden und sich erfrischen.
- Die Kinder vor der Hitze schützen.
- Die Räume am Morgen und in der Nacht gut lüften.
- Morgendliche Aktivitäten im Schatten bevorzugen.
- Die Kinder nicht der Sonne aussetzen.
- An Hut, T-Shirt und Sonnencreme denken.
- Nie ein Kind in einem Auto oder unbewacht lassen.
- Die Kinder erfrischen.
- Die Kinder mit lauwarmen Duschen oder einem feuchten Tuch auffrischen.
- Ihnen regelmässig Trinkwasser anbieten.
- Ihnen erfrischende, kalte und leichte Mahlzeiten geben.
- Kurze Kleider tragen.
- Auf kranke Kinder besonders aufpassen.
- Die Kinder mit Herzkreislauf-, chronischen und neurologischen Krankheiten besonders berücksichtigen.
- Die Erschöpfungs- und Ermüdungszeichen sowie die Haut- und Lippentrockenheit überwachen.
- Im Zweifelsfalle einen Arzt konsultieren, insbesondere bei Durchfall (auf die schnelle Dehydratisierung achten).
Verhaltensempfehlungen für älteren Menschen
Die älteren Menschen und die Kleinkinder sind besonders zu beobachten. Ein spezifischer Flyer wird für diese beiden Risikogruppen geschickt.
Die älteren Menschen leiden besonders an der Hitze. Die Regulation ihrer Körpertemperatur ist weniger wirksam, sie schwitzen weniger und ihr Durstgefühl vermindert sich. Daher ist es wichtig, dass ihre Angehörigen sich des Risikos einer Hitzeperiode bewusst sind, dass sie sich regelmässig über die älteren Personen informieren und dass sie sich organisieren, um rechtzeitig die nötigen Schutzmassnahmen bei grossen Hitzen zu treffen.