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Das Jahr 2015: Im Süden so warm wie noch nie
- Samstag, 12. Dezember 2015, 17:52 Uhr
2015 wird global als wärmstes Jahr in die Geschichte eingehen, und auch im Tessin war es wo warm wie noch nie. In Locarno und Lugano wurden die höchsten Jahresdurchschnittstemperaturen verzeichnet. Im Norden gehört das Jahr 2015 ebenfalls zu den fünf wärmsten, dazu war es auch sonniger als sonst.
2014 war weltweit, aber auch in der Schweiz das wärmste Jahr seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen Mitte des 19. Jahrhunderts. Weltweit gesehen übertraf 2015 noch einmal den Vorjahresrekord, und auch im Tessin geht 2015 als wärmstes Jahr der jüngeren Geschichte in die Jahrbücher ein. Nördlich der Alpen wurden zwar die Höchstwerte der Jahre 2014 und 2011 in der Regel verpasst, an den meisten Orten liegt aber der Jahreswert im Bereich der fünf wärmsten Jahre.
Wärmstes Jahr im Tessin
Im Tessin wurden mit je 13,8 Grad in Locarno und Lugano die höchsten Jahresdurchschnittstemperaturen seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen registriert. In Lugano datierte der alte Höchstwert aus dem Vorjahr, in Locarno galt bisher 2007 als wärmstes Jahr. In Lugano lagen alle Monate über der Referenz der Jahre 1961 bis 1990. In Locarno war nur der September minimal zu kühl. Den grössten Wärmeüberschuss gab es im Juli. In Locarno war es exakt 5 Grad wärmer als in einem Durchschnitts-Juli. Verbreitet wurde im Tessin der heisseste Juli seit Messbeginn verzeichnet. Die höchsten Juli-Mittelwerte wurden aber auch im Engadin und in den Bündner Südtälern registriert. Auch nördlich der Alpen ragte in Sachen Hitze der Juli heraus. In Basel und Zürich betrug der Wärmeüberschuss 4,6 bzw. 4,7 Grad, dennoch waren an vielen Orten der Juli 1983 und der Juli 2006 noch eine Spur heisser. In der Romandie reichte es dagegen für neue Rekordwerte. Nördlich er Alpen wird 2015 aber nicht als wärmstes Jahr in die Geschichte eingehen. Schon im Februar war es kälter als üblich, und auch im September und im Oktober lagen die Temperaturen unter dem langjährigen Durchschnittswert.
39,7 Grad, das Mass aller Dinge
In der aktuellen Diskussion über die globale Erwärmung sind zwar die Jahrestemperaturen von Bedeutung. In Erinnerung bleiben aber die Einzelrekorde. In Genf wurden am 7. Juli 39,7 Grad verzeichnet. So ein hoher Wert wurde bis jetzt nördlich der Alpen noch nie registriert. Bis dahin galten die 38,9 Grad vom 28. Juli 1921 als Rekord, ebenfalls in Genf registriert. Der absolute Schweizerrekord vom 11. August 2003 mit 41,5 Grad, gemessen in Grono im Misox, wurde aber verfehlt. Trotzdem war es auch im Süden sehr heiss. Dort wurde das absolute Maximum mit 36,8 Grad am 22. Juli in Locarno aufgezeichnet. Dies war die dritthöchste Temperatur, die in Locarno je gemessen wurde. In der Zentral- und Ostschweiz wurden die Jahreshöchstwerte erst im August gemessen. Am 7. August zeigte das Thermometer auch an der Aaremündung 37,1 Grad, am Flughafen Zürich waren es gleichzeitig 36,5 Grad.
Der untere Teil der Skala
Kälte war abschliessend nicht das Thema in diesem Jahr. Der tiefste offizielle Wert wurde am 30. Januar mit -24,2 Grad auf dem Jungfraujoch gemessen, dicht gefolgt von den -24,1 Grad in Samedan am 26. Januar. La Brévine, der Eiskasten der Schweiz, wurde mit einem Tiefstwert von -23,4 Grad seinem Ruf bei weitem nicht gerecht. Notabene wurde die tiefste Temperatur erst am 24. November aufgezeichnet. Im Mittelland lagen die absoluten Tiefstwerte bei -10 Grad. So wurden am 9. Februar im Norden der Stadt Zürich -10,9 Grad gemessen, in Koppigen im Kanton Bern gab es schon am Neujahrsmorgen -13,3 Grad.
Trockenheit war ein Dauerthema
Vor allem im Süden war das Jahr 2015 viel zu trocken. Im Mittel- und Südtessin gab es nur etwa 80 bis 90 Prozent des üblichen Jahresniederschlages. In Ascona fiel im November nicht ein einziger Regentropfen. Extrem sind auch die Unterschiede zum Vorjahr: In Locarno fiel 2014 fast doppelt so viel Regen wie 2015. Nördlich der Alpen war es vor allem im Westen zu trocken. Auch in Genf fielen nur 80 Prozent des üblichen Jahresniederschlages. Im Osten entsprachen die Niederschlagsmengen ungefähr dem langjährigen Durchschnitt, bzw. sie waren sogar leicht höher. So gab es in St. Gallen einen Niederschlagsüberschuss von rund 10 Prozent. Allerdings sagen Jahreswerte noch wenig über das Niederschlagsregime aus. Die Dürre kam nicht nur wegen der Trockenheit zustande. Im Sommer gab es tagelang maximalen Sonnenschein und entsprechend war auch die Verdunstung sehr gross. Glücklicherweise gab es im Frühling grosse Niederschlagsmengen, so dass der Grundwasserspiegel zu Beginn des Sommers an den meisten Orten hoch war.
Überschwemmungen im Mai
Dabei geht fast vergessen, dass es anfangs Mai sogar Überschwemmungen gab. Vor allem im südwestlichen Wallis, an den westlichen und zentralen Voralpen und am Jura gab es riesige Niederschlagsmengen. Auf der Station Clusanfe, im südwestlichen Wallis, fielen allein in drei Tagen 270 Millimeter Niederschlag, davon 193 Millimeter innerhalb von 24 Stunden. Dabei gab es im Wallis stellenweise Überschwemmungen. Hochwasser gab es aber auch in der Stadt Genf, wo die grossen Wassermassen aus Savoyen kamen. Grosse Niederschlagsmengen gab es anfangs Mai aber auch im Oberaargau. Auf der Station Wynau wurde mit 102 Millimetern die grösste Eintages-Niederschlagsmenge seit Errichtung der Station anfangs der 80er-Jahre verzeichnet.
Die Sonne legte sich recht ins Zeugs!
Im Tessin gab es zum Teil mehr als 2300 Stunden Sonnenschein. Dennoch betrug in der Sonnenstube der Schweiz der Überschuss an Sonnenscheinstunden nur gut 10 Prozent. Prozentual gesehen war der Osten die Sonnenstube. In Zürich und St. Gallen gab es rund 30 Prozent mehr Sonnenschein als in einem durchschnittlichen Jahr. Absolut gesehen zeigte sich die Sonne dort 400 Stunden länger als normal.
Entwicklung in der Schweiz
Das Jahr 2015 ist nach 2011 und 2014 bereits das dritte Jahr im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts, das unter die fünf wärmsten zu liegen kommt. Die aktuellen Temperaturen liegen rund 1,8 Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990, der klimatologisch relevanten Referenz. Im Süden liegt der entsprechende Wert sogar knapp über 2 Grad dem Mittel. Der Trend des Temperaturanstieges scheint ungebremst, bzw. seit Beginn dieses Jahrzehnts scheint der Trend wieder deutlich nach oben zu gehen. Bei Niederschlagsmengen und Sonnenscheindauer gibt es zwar grössere Schwankungen von Jahr zu Jahr, eindeutige Trends sind aber nicht zu erkennen.