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48 Jahre Patientin. Seit Kindheit besteht ein Übergewicht, welches nach drei Schwangerschaften nochmals zugenommen hat.
Folgeerkrankungen : Jahrelange arterielle Hypertonie und Dyslipidämie mit cerebrovaskulärem Insult im 2001 und 2002.
Diabetes mellitus Typ 2 seit 2005, seit Sept. 2008 therapiert mit Insulin 80 E steigernd bis auf 230 E im Nov. 2009 ; in der Folge diabetische Nephropathie und Polyneuropathie.
Obstruktives Schlafapnoesyndrum seit Jan.2008 mit BIPAP-Therapie.
Diskushernie L4/5.
Konservative Therapieversuche : Weight watchers, Ernährungsberatung, Modifast über mehrere Jahre. Unter Therapie stieg das Gewicht von 110 kg auf 131 kg im Nov. 2009.
Chirurgische Therapie : Nov. 2009 laparoskopische sleeve resection bei BMI 51,2 kg/m2.
Verlauf nach Operation : Stopp Insulin im März 2010 bei einem Gewicht von 102 kg, Stopp oraler Antidiabetica im Mai 2010, Schlafapnoe und arterielle Hypertonie deutlich gebessert, Gewicht ein Jahr nach Operation : 78 kg (Body mass index – BMI 30,4 kg/m2).
Mit der Diagnose der Adipositas liegt eine schwere Erkrankung vor. Die Lebenszeit des Patienten ist um einige Jahre verkürzt. Adipositas darf nicht als Nebendiagnose oder nur als Risikofaktor abgetan werden. Sehr häufig ist die Adipositas die Ursache vieler Folgeerkrankungen. Für das Metabolische Syndrom ist dies bekannt (Tabelle 1).
In der Regel konzentrieren sich verschiedener Fachdisziplinen auf die Behandlung der Folgeerkrankungen und nicht auf die Ursache. Durch eine Beseitigung der Adipositas können auch die Folgeerkrankungen geheilt werden, wenn nicht bereits irreversible Schäden eingetreten sind.
Die konservative Therapie zielt insbesondere auf eine «livestyle»-Veränderung. Dies mit Hilfe der Ernährungsberatung, vermehrter körperlichen Aktivität und gegebenenfalls mit Verhaltenstherapie. In der Schweiz ist nur noch ein Medikament mit dem Wirkstoff Orlistat (Xenical, Alli) zur Therapie zugelassen.
Die Ergebnisse aller konservativen Therapieformen sind oft nur für wenige Kilogramm möglich. Bei einer Adipositas mit BMI > 35 kg/m2 ist diese Therapie bis auf Einzelfälle langfristig unwirksam.
Wir dürfen dabei nicht die gesamte Schuld auf unsere Patienten abschieben, offensichtlich sind es diese Therapieformen, welche die Erkrankung nicht heilen können und daher versagen.
Die chirurgische Therapie zeigt im Gegensatz zu der konservativen Therapie deutliche Erfolge in der Behandlung der Adipositas und deren Folgeerkrankungen (Abbildung 1).
Der Erfolg der Therapie wurde in den früheren Jahren mit den Begriffen Restriktion und Malabsorbtion erklärt. Dies erklärt nicht alles. Mittlerweile weiss man um die immense metabolische (hormonelle) Wirkung der operativen Eingriffe. Eine reine Restriktion ohne Veränderung des hormonellen Status, wie beim Magenband, hat entsprechend schlechtere Ergebnisse.
Die gängigen Verfahren, wie der gastric bypass, die sleeve resection oder die Biliopancreatische Diversion (BPD) haben starke Auswirkungen auf die Hormone des Intestinaltraktes (Inkretine : GLP-1, PYY, GIP, Cholzystokinin, Ghrelin, etc.) ab dem ersten Tag und auf die Hormone und die Entzündungsmediatoren des Fettgewebes (Adipokine : Adiponektin, Leptin, Resistin etc, IL-6, TNF-alpha).
Dies reduziert das Übergewichtes und heilt, bzw. verbessert die Folgeerkrankungen.
Die Auswirkung auf den Diabetas mellitus Typ 2 ist besonders eindrücklich. In 80% der Fälle ist nach der Operation eine medikamentöse Behandlung nicht mehr notwendig.
Die direkte Mortalitätsrate nach Operation liegt bei ca. 0,25-0,5%.
Ohne Operation ist die Mortalitätsrate der Patienten deutlich höher (Tabelle 2).
Gemäss Christou et al., Mortalität innerhalb von 5 Jahren von Patienten mit Adipositas ist wie folgt :
> Adipositas ist eine gefährliche Erkrankung
> Konservative Therapieformen versagen meist
> Operative Therapie hat deutliche positive Auswirkung auf Gewicht und Folgeerkrankungen
> Nach fehlgeschlagenen konservativen Therapieversuchen muss eine Operation angeboten werden, ansonsten verweigert man dem kranken Menschen eine effektive Therapie