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Viele wildlebende Tiere haben sich die Stadt als neuen Lebensraum erobert, obwohl sie dort auf zahlreiche ungünstige Umwelt- bedingungen treffen. Sie müssen mit einer größeren Anzahl von Menschen und anderen Tieren, sowie einer höheren Licht- und Lärmintensität als auf dem Land zurechtkommen und haben deshalb vielfältige Strategien entwickelt.
Um Paarungspartner anzulocken und ihr Revier zu verteidigen, singen Rotkehlchen beispielsweise bis in die Nacht hinein, wenn der Straßenlärm nach dem Feierabendverkehr abgeflaut ist. Viele andere Vogelarten, darunter die Amsel, singen in Städten in einer höheren Tonlage, um sich bei Artgenossen Gehör zu verschaffen. Damit heben sie sich vom tiefer frequenten Straßenlärm besser ab.
Wie der Informationsdienst Wissenschaft diese Woche berichtete, untersuchte nun eine Gruppe von Wissenschaftlern vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen und Radolfzell Stadtamseln und Landamseln in Hinsicht auf ihren Gesang. Die Forscher untersuchten die Zusammen- hänge von Tonhöhe und Lautstärke des Amselgesanges unter kontrollierten Bedingungen. In einem nächsten Schritt untersuchten sie, welcher Effekt besser geeignet ist, der akustischen Überlagerung durch den Straßenlärm zu entkommen: die erhöhte Frequenz oder die daraus folgende erhöhte Lautstärke.
In der Stadt benutzen Amseln bevorzugt eben jene hohen Tonlagen, in denen sie besonders laut singen können. „Die größere Lautstärke der höheren Gesänge ist um ein Vielfaches effektiver als die Anhebung der Tonhöhe“, sagt Erwin Nemeth, Erstautor der Studie. „Wir vermuten deshalb, dass die erhöhte Lautstärke die wichtigste Ursache für die höheren Frequenzen im Stadtgesang der Vögel ist.“ Der Leiter des Forschungsprojekts, Henrik Brumm, fügt hinzu: „Indem die Stadtvögel aktiv hochfrequente Töne wählen, können sie also ihre Fähigkeit steigern, laut zu singen und so die akustische Überlagerung des umgebenden Lärms abschwächen“. Amseln haben so also einen effektiven Weg gefunden, sich auch im Lärm der Städte Gehör bei ihren Artgenossen zu verschaffen.
Bild: idw medienmitteilung © Michael Dvorak