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Nach der Veröffentlichung ihres Romans «Licht und Zorn» (2015) schrieb niemand Geringeres als Barack Obama der Autorin einen Brief.
Darin bedankt sich Obama bei Lauren Groff für die Geschichte einer 24 Jahre dauernde Ehe mit den Worten: «Licht und Zorn» sei das beste Buch, das er in diesem Jahr gelesen hatte.
In ihrem neuen Buch «Florida» nimmt uns Lauren Groff in elf schillernden Erzählungen mit in ihre späte Heimat Florida, den sogenannten «Sunshine State». Doch Groffs Erzählungen spielen fernab von eitel Sonnenschein am Miami Beach oder vergnüglicher Zerstreuung in Disney World.
Eine Aura latenter Gefahr
Es ist die Natur, die Groff in «Florida» auf ungehörte Weise beschreibt: die tropischen Pflanzen, die flirrende Hitze, die Sümpfe, in denen Alligatoren und Krokodile lauern. Groffs Florida ist ein Ort wunderschöner und eindrücklicher Natur, aber es ist auch eine Natur, die beständig eine Aura der Gefahr umgibt.
Ein tödliches Raubtier könnte bereits hinter dem nächsten Busch lauern. Und die Hitze ist so erbarmungslos, dass ein Leben dort für Menschen ohne Elektrizität zunehmend unhaltbar wäre.
Die Klimaerwärmung und die fortschreitende Zerstörung der Natur sind Themen, die alle elf Erzählungen wie ein roter Faden durchziehen. Der Sommer, das schreibt sie an einer Stelle, «gleicht in Florida dem langsamen Ertrinken in glühender Hitze». Die Bewohnerinnen und Bewohner bekommen die Klimaerwärmung am eigenen Leib zu spüren. Aber die Hitze ist nur eine Konsequenz davon.
Sinkloch vor dem Haus
Florida ist etwa auch stark vom steigenden Meeresspiegel betroffen. In Miami Beach ist der Meeresspiegel in den letzten hundert Jahren um 23 cm gestiegen. Das steigende Salzwasser dringt in den kalkhaltigen Boden ein und löst dort das Gestein auf.
In einer der Kurzgeschichten entdeckt die Erzählerin eine Doline, ein Sinkloch, an einer Ecke ihres Hauses. Eines Nachts setzt starker Regen ein und die Doline wächst mit beängstigender Geschwindigkeit. Plötzlich steht ihr Haus, das Zuhause ihrer Familie, auf sehr dünnem Eis.
In anderen Geschichten sind es ausgewachsene Naturkatastrophen, Hurrikane, wie sie in Florida häufig sind. Oder riesige Überschwemmungen, die die Bewohner in ihren Häusern heimsuchen. Sicher ist man nicht einmal mehr in den eigenen vier Wänden.
An dieser Erde festhalten
Der Verdacht, dass es sich bei «Florida» um Klimapolitik in Buchform handelt, löst sich jedoch nicht ein. Denn Lauren Groff ist vielmehr virtuose Erzählerin als Umwelt-Alarmistin. Ihre Figuren sind gezeichnet von diesem Ort, an dem sie leben. Sie haben die Gefahr, die von der Natur ausgeht, verinnerlicht.
Buchhinweis
Lauren Groff: «Florida», 2019, Hanser Berlin.
Angst ist ein Grundgefühl, das ihnen eine erhöhte Wahrnehmung für ihre Umgebung mitgibt. Trotz dieser Angst sind sie mit dem Ort, der ihnen Heimat ist, verbunden. Sie halten an ihr fest, selbst wenn das heisst, dass sie dem Hurrikan ins Auge blicken müssen.
Aber vermutlich sind solche Geschichten wie Groff sie schreibt am Ende eben genau doch die wirksamste Botschaft, unserer Erde Sorge zu tragen. So lange es dafür noch nicht zu spät ist.