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Aristokraten-HundeWir kennen alle die Fotografien von Königin Elizabeth II und den royalen Corgis. Aber um die Jahrhundertwende, 19.-20., wäre es uns schwer gefallen, zu sagen, was ein Corgi ist, es sei denn, wir wären walisische Schaf- oder Viehbauern.
Der Aufstieg des Corgis zu Ruhm und Novität als Ausstellungs- und privilegiertem Familienhund geschah äusserst schnell. Ursprünglich war er bekannt als gewöhnlicher "Köter", was aber nie abschätzig gemeint war, sondern als übliche Bezeichnung für einen arbeitenden Bauernhund galt.
Die Aufgabe des Corgis bestand im Hüten von Vieh oder Schafen und sie über raues und gebirgiges Gelände zusammen zu treiben. Ein Kodex des walisischen Gesetzes vom 10. Jahrhundert definiert die Aufgabe eines Corgis als "am Morgen das Vieh auf die Weide führen und am Abend auf die Tiere aufpassen". Sein Wert entsprach dem eines Ochsen.
Am 26. Mai 1926 trafen sich eine englische Corgi Züchterin und neun ähnlich interessierte Herren im Bezirksamt für Landwirtschaft in Lampeter und gründeten die Cardigan Welsh Corgi Association. Danach begann der Corgi auf Ausstellungen aufzutauchen und Experten kommentierten überrascht das Erscheinen des walisischen "Köters" im Ring. Sie ahnten nicht, dass dieser pfiffige kleine Kerl mit den intelligenten Augen, kurzen, stämmigen Beinen und aufrecht stehenden Ohren im Begriff war, die soziale Leiter zu erklimmen.
Es wurde bald deutlich, dass es sich beim Corgi um zwei unterschiedliche Rassen handelt: den Pembrokeshire und den Cardiganshire. Ersterer ist der untersetztere Typ mit einer sehr kurzen Rute. Der Cardigan hat eine bedeutend längere Rute und sein Körper ist länger und schwerer.
Sie besitzen einige spezielle Eigenschaften. Die Züchterin Bessie Witheridge erzählt eine Geschichte über Bridget, eine Cardigan Hündin, die als Welpe nach Neuseeland kam. Eines Tages war sie bei einer Hüteprüfung anwesend. Bridget beobachtete mit grosser Aufmerksamkeit wie der Hund eine Schar Schafe in die Einpferchung trieb. Als der Hund sich entfernte, sprang Bridget vorwärts; ruhig und fachmännisch trieb sie die Schafe aus der Einpferchung und pferchte sie in eine entfernte Ecke des Geländes. Als die Hündin Wales verliess, war sie zu jung, um an einer derartigen Arbeit teilgenommen zu haben, aber in diesem Fall schien sie einen vererbten Instinkt zu haben - oder war es eine beinahe unheimliche Fähigkeit zu kopieren, was sie soeben gesehen hatte?
Die beiden Corgi Varianten machten auf den Ausstellungen in den 1920iger Jahren schnelle Fortschritte, wobei sie im Juli 1925 vom Kennel Club offiziell anerkannt wurden. 1936 wählte der Herzog von York, später König Georg VI, Rozavel Golden Eagle aus Mrs. T. Grays Zucht. Er war der erste einer Reihe von Pembrokeshire Corgis (die walisische Mehrzahl ist Corgwn), die zu treuen Begleitern der königlichen Familie wurden. Nachdem sie die Gunst der Angehörigen erworben hatten, sind sie jetzt ein vertrauter Anblick, wie sie die Treppe des königlichen Flugzeugs heruntersteigen oder auf den Rasenflächen von Windsor spielen.
Corgis und "Dorgis"
Obwohl sich der Corgi gegenüber Menschen oder anderen Hunden nicht aggressiv verhält, sagt man, dass er sich bewusst ist, ein Aristokrat zu sein, und er betrachtet andere Corgis als einzige seinesgleichen in der Hundewelt.
Corgis sind auch ausgezeichnete Wachhunde. Nochmals Bessie Witheridge: "Einem walisischen Bauern wurde immer wieder Geflügel von einem Wilderer gestohlen und so entschloss er sich, dass Barry, ein Cardigan, beim Hühnerhaus Wache halten sollte. Während der Nacht hörte er einen Tumult und danach Stille, so dass er weiter schlief. Am Morgen fand er den Wilderer, ausser sich vor Angst an die Wand genagelt vom Hund, der vor ihm lag und ihn nicht aus den Augen liess.
Die sorgfältig gezüchteten und gepflegten Corgis, die auf Ausstellungen an dünnen Leinen vorgeführt werden, haben immer noch ihre Gegenstücke, die auf walisischen Farmen arbeiten, obgleich in viel geringerer Zahl als im 19. Jahrhundert, als fast jeder Schaf- oder Viehbauer einen oder zwei Corgis besass.
Mit dem Verschwinden der Pferde aus der Landwirtschaft, hat auch der Brauch abgenommen, den Corgi einzusetzen, um ein widerspenstiges Pferd zu zähmen. Das Pferd wurde an einen schweren Holzbalken gebunden und der Corgi trieb das Pferd vorwärts, indem er es in die Fersen schnappte. Die geringste Unachtsamkeit seitens des Hundes bedeutete, dass er von einem Kick des Pferdes nach hinten weggeschleudert würde. Oft rappelte sich der kleine Hund unverzüglich auf und kam angeflitzt, um sich zu rächen.
Corgis sind inzwischen auch ausserhalb Wales populär. 1950 wurde der Cardigan Welsh Club of America gegründet. 1975 organisierte der Netherlands Welsh Corgi Club seine erste Schau. Weitere Klubs befinden sich in Neuseeland, Australien, Frankreich, Finnland, Schweden und Dänemark.
Vom gemeinen "Köter" zum verwöhnten Familienhund und Stolz der Besitzer im Ausstellungsring innerhalb von rund 50 Jahren ist ein beträchtlicher Aufstieg dieses kleinen aufgeweckten Hundes mit seinen kurzen Beinen und aufrechten Ohren, aber der Corgi schaffte es - mit etwas Hilfe vom besten Freund des Hundes.
Cyril Bracegirdle
The Field, 27. April 1985.
Kommentar von Simon Parsons auf Facebook: Etwas verworren betreffend die Klubs. Weder der Welsh Corgi Club (1925) noch die Welsh Corgi League (1938) werden erwähnt.