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Nach einer Vorprüfung der Berufungserklärung stellt der Präsident der Strafabteilung am Obergericht eine Kopie davon den anderen Parteien zu. Diese haben dann ihrerseits 20 Tage Zeit, um ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen oder Anschlussberufung zu erklären.
Üblicherweise lädt das Obergericht daraufhin zur mündlichen Berufungsverhandlung vor. Die Staatsanwaltschaft muss zu dieser Verhandlung nur dann erscheinen, wenn sie Berufung bzw. Anschlussberufung erhoben hat, oder wenn sie als Strafe eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr oder eine freiheitsentziehende Massnahme beantragt hat. Die Verfahrensleitung kann die persönliche Anwesenheit der Staatsanwältin oder des Staatsanwalts auch anordnen, wenn sie dies aus anderen Gründen für notwendig erachtet. Bleibt die Partei, die (Anschluss-)Berufung erklärt hat, der Berufungsverhandlung unentschuldigt fern und lässt sie sich auch nicht vertreten, so gilt die (Anschluss-)Berufung als zurückgezogen.
An der Berufungsverhandlung wird die beschuldigte Person in der Regel noch einmal zu ihrer Person und zur Sache befragt. Allenfalls werden auch noch weitere Beweismittel abgenommen, namentlich Zeugen befragt. Danach halten die anwesenden Parteien ihre Parteivorträge. Die beschuldigte Person hat zum Schluss ein Recht auf das letzte Wort.
Ausnahmsweise kann der Präsident der Strafabteilung am Obergericht auch ein schriftliches Berufungsverfahren anordnen. Das ist insbesondere dann möglich, wenn ausschliesslich Rechtsfragen zu entscheiden sind, wenn es nur um eine Übertretung geht oder wenn nur noch Nebenaspekte, wie z. B. die Kosten- und Entschädigungsfolgen, umstritten sind.
Ein rein schriftliches Verfahren ist überdies möglich, wenn die Anwesenheit der beschuldigten Person nicht erforderlich ist und sich die Berufung gegen das Urteil einer Einzelrichterin oder eines Einzelrichters richtet. In diesen Fällen ist jedoch die Zustimmung aller Parteien zum schriftlichen Verfahren erforderlich.
Findet eine Berufungsverhandlung statt, zieht sich das Gericht üblicherweise direkt im Anschluss daran zur Urteilsberatung zurück. Entschieden wird stets in einer Dreierbesetzung. Das Urteil wird daraufhin entweder noch am selben Tag oder zu einem späteren Termin mündlich eröffnet. Alternativ kann das Urteil auch schriftlich, durch Zustellung des begründeten Urteils, eröffnet werden.