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Jeder Ketarier wird früher oder später auf einen Artikel stossen, in dem versucht wird, die ketogene Ernährung zu diskreditieren. Kritik ist natürlich wichtig und man sollte immer aufmerksam bleiben, wenn es um die eigene Gesundheit geht. Es gibt jedoch gewisse Behauptungen, die immer wieder auftauchen und schlicht nicht haltbar sind.
Sekundärer Treibstoff
Oft beginnen die Keto-Skeptiker damit, Glukose als primären – und Ketone als eine Art sekundären Nottreibstoff darzustellen. Man sollte aber bedenken, dass Glukose erst nach der landwirtschafltichen Revolution – also erst seit ein paar tausend Jahren – kontinuierlich verfügbar wurde. Die letzten tausend Jahre sind aus evolutionsbiologischer Sicht nur ein Augenblick. Unsere Vorfahren ernährten sich hauptsächlich von Fett und Protein, wobei Nahrungsmangel (Fasten) an der Tagesordnung war. Man kann also davon ausgehen, dass während einer deutlich längeren menschlichen Entwicklungszeit die Ketose der metabolische Normalzustand war. Die mit dem Argument ‘’Nottreibstoff’’ verknüpfte Behauptung, das Gehirn könne Ketone weniger gut verwerten als Kohlenhydrate, ist schlicht nicht haltbar. Aktuelle Forschungsarbeiten weisen eher auf das Gegenteil hin, nämlich dass Ketone ein weitaus effizienterer und schonenderer Treibstoff fürs Gehirn sind.
Die Wurst-Käse Diät
Eine weitere oft gesehene Taktik ist es, die ketogene Ernährung als eine Art ‘’Wurst-Käse Diät’’ darzustellen. So hat es z.B. der Gesundheitstipp in seiner Märzausgabe getan. Im Beitrag wird ein Bild von industriellen Fleischprodukten und Käse gezeigt, wo man eigentlich genauso gut ein Bild von grünem Blattgemüse und Fisch hätte zeigen können (was auch von allen Keto-Ratgebern empfohlen wird). Es wird schlicht ignoriert, dass bei der KD überhaupt nur ein moderater Konsum von Protein (Fleisch, Käse etc) möglich ist, weil der Körper bei überschüssigem Eiweiss wieder Zucker daraus machen würde (Glukoneogenese). In der Praxis wird bei Ketariern das Gemüse eher von einer nebensächlichen Beilage zu einem wichtigen Hauptbestandteil der Nahrung befördert, und nicht weggelassen.
Keine Vitamine und Ballaststoffe
Auch von einem angeblichen Vitaminmangel kann bei soviel grünem Blattgemüse, Oliven, Zitronen, Beeren, Nüssen, Avocados, Fisch, Fleisch, Eiern etc kaum die Rede sein. Dasselbe gilt für den angeblichen Mangel an Nahrungsfasern. Wer schon mal mit low-carb Backmischungen Kuchen oder Brote gebacken hat, weiss wovon ich spreche. Die bestehen fast nur noch aus Nahrungsfasern.
Natürlich spielt es gesundheitlich eine Rolle, wie man die Ketogene Ernährung formuliert. Genauso wie es bei einer Standardernährung eine Rolle spielt, ob man sich von Fertigpizzas oder frischer Hausmannskost ernährt.
Falsche Health–Claims
Für fast jeden Gesundheitsanspruch der ketogenen Ernährung gibt es Gegentheorien. Das verwundert nicht, denn die ernährungsmedizinische Forschung in den Bereichen Diabetes, Krebs, Migräne, MS, Alzheimer etc ist in vollem Gange. Schade ist, wenn Leute die eventuell von einer KD profitieren könnten, schon zum vornherein entmutigt werden.
- Diabetes:
Um die Behauptung zu stützen, die ketogene Ernährung wäre schlecht für Diabetiker, wird oft auf das erhöhte Diabetesrisiko bei zu wenigen Nahrungsfasern hingewiesen. Das stimmt zwar, bezieht sich aber auf eine Standardernährung. Und wie gesagt, die KD ist keine faserarme Wurst-Käse Diät. Die Insulinsensitivität nimmt bei einer kohlenhydratarmen Ernährung bewiesenermassen zu. Es gibt unzählige Fallberichte von Typ2 Diabetikern, die ihre Krankheit mit einer KD rückgängig machen konnten und von Typ1 Diabetikern, die zumindest ihr Insulin deutlich reduzieren konnten. Warum wird das ignoriert? Möglicherweise fürchten Diabetologen um ihre Existenz und wollen die Ketogene Diät diskreditieren. Zum Glück gibt es aber auch schon Diabetologen, die sich deutlich für eine KD aussprechen, vor allem im englischsprachigen Raum.
Es gibt noch viele Punkte, die man hier besprechen könnte. Bitte kommentiert, falls ihr noch auf weitere fragwürdige Standardargumente hinweisen möchtet oder falls ihr Fragen zu gesundheitlichen Aspekten habt!
Wer sich für aktuelle Studien zur Ketogenen Diät interessiert braucht nur mal auf PubMed nach ’’Ketogenic Diet’’ zu suchen, er wird auf weit über 2000 Einträge stossen.
-ben