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Hexenschuss
Synonym: Kreuzschmerzen, Lumbago, Lumbalgie
Plötzlich einschiessende, akute Kreuzschmerzen, oft durch eine ruckartige Bewegung oder Belastung ausgelöst, bezeichnet man umgangssprachlich als Hexenschuss. Ärzte nennen das Lumbalgie, Lendenschmerz oder kurz Lumbago. Meist handelt es sich dabei um unspezifische Rückenschmerzen der Lendenwirbelsäule, eher selten steckt ein Bandscheibenvorfall dahinter. Wenn der Ischiasnerv mit betroffen ist, spricht man von Lumboischialgie.
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Symptome
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Ist Ihnen plötzlich, wie aus heiterem Himmel, ein scharfer Schmerz ins Kreuz gefahren?Haben Sie daraufhin eine Schonhaltung eingenommen, um weitere Schmerzattacken zu vermeiden?Ist aus dem anfänglich scharfen ein eher dumpfer, ziehender Schmerz geworden, der sich beim Niesen, Husten, Lachen oder Pressen unmittelbar verstärkt?
Manchmal genügt eine bestimmte Drehung oder seitliche Beugung des Rumpfes oder auch das beherzte Lupfen einer Last, etwa einer Getränkekiste, um einen Hexenschuss auszulösen. Der plötzliche heftige Kreuzschmerz, der oft über die Pobacke bis ins Bein ausstrahlt, führt zu einer Verkrampfung der Rückenmuskeln und zu einer Schonhaltung, die meist dadurch verstärkt wird, dass der Betroffene versucht, ein weiteres schmerzhaftes Einschiessen zu vermeiden.
In den meisten Fällen ist der Hexenschuss eine Form unspezifischer Rückenschmerzen. Bei einer Lumboischialgie, das heisst wenn der Ischiasnerv gereizt ist, strahlen die Schmerzen mindestens bis in den Fuss aus. Die Schmerzen im Bein sind dann oft stärker als im Kreuz. Nervenschmerzen sind typischerweise scharf und elektrisierend, gehen mit Kribbeln und Taubheit in bestimmten Hautabschnitten (Dermatomen) einher, die mit dem lädierten Nerv in Verbindung stehen.
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Behandlung
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Bei einer unspezifischen Lumbago gelten grundsätzlich dieselben Behandlungsempfehlungen wie bei anderen unspezifischen Rückenschmerzen. In den ersten Stunden und Tagen, wenn die Schmerzen noch sehr stark sind, können physikalische Anwendungen wie Kälte oder Wärme, Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac helfen, möglichst rasch die ungünstige Schonhaltung zu überwinden und die gewohnten Bewegungsabläufe wieder aufzunehmen. Manuelle Therapieverfahren, auch Chirotherapie oder Chiropraktik genannt, können dazu beitragen.
Der Chiropraktiker übt im betroffenen Abschnitt der Lendenwirbelsäule einen gezielten, oft auch ruckartigen Handgriff an; so bugsiert er das komplexe Gefüge von Wirbelsäule und Rückenmuskulatur, das in eine angespannte Schieflage geraten ist, wieder ins Gleichgewicht. Das kann kurzfristig Erleichterung schaffen. Danach geht es darum, weitere Schmerzereignisse zu verhindern – und zwar nicht durch Schonhaltung oder Ruhigstellung, die das Problem eher verschlimmern, sondern durch beharrliches Training der Rückenmuskulatur. Bewegungstherapie ist daher das A und O, kombiniert mit verschiedenen schmerzlindernden und entspannenden Massnahmen sowie mit Beratungsgesprächen, die dazu geeignet sind, den Umgang mit dem eigenen Körper, die Haltung, mit der man im Leben steht, sowie zwischenmenschliche und berufliche Belastungsfaktoren zu erkunden und so anzupassen, dass der Rücken auch im übertragenen Sinn gestärkt daraus hervorgeht.Tipp: In Präparaten zur äusserlichen Anwendung stehen gängige Schmerzmittel wie Diclofenac oder auch pflanzliche Alternativen wie Arnica oder Wallwurz zur Verfügung. Ein Vorteil gegenüber der Einnahme von Schmerzmitteln ist, dass der Wirkstoff bei der äusserlichen Anwendung nicht in nennenswerten Mengen in den Blutkreislauf gerät, sondern nur dorthin, wo es wehtut. Daher sind äusserlich angewandte Mittel besonders gut verträglich und risikoarm. Die Wirkung kann durch eine Iontophorese verstärkt werden. Die Iontophorese ist eine Form der Elektrotherapie, bei der schwache elektrische Ströme den äusserlich aufgetragenen Wirkstoff tiefer ins Gewebe ziehen.
Operationen sind nur selten nötig
Bei zusätzlichen Nervenschmerzen orientiert sich die Behandlung an der Erkrankungsursache. Der Grund für eine Reizung des Ischiasnervs ist meist ein Bandscheibenvorfall, auch wenn nur ein geringer Teil aller Bandscheibenvorfälle Beschwerden macht und eine Behandlung braucht. Selbst von den Bandscheibenvorfällen, die Nerven in Bedrängnis bringen, muss nur ein kleiner Teil operiert werden. Meistens genügt eine nicht operative Behandlung wie bei unspezifischen Rückenschmerzen. Zusätzlich können bei Nervenschmerzen bestimmte Mittel schmerzlindernd wirken, die sonst gegen Depressionen (Antidepressiva) oder gegen Krampfanfälle (Antikonvulsiva) eingesetzt werden. Antidepressiva kommen eher bei Dauerschmerzen infrage, Antikonvulsiva eher bei attackenartig einschiessenden Schmerzen oder wenn sich ein Antidepressivum über zwei bis vier Wochen als wirkungslos erweist.
Bei sehr starken Nervenschmerzen kann, neben den gängigen frei verkäuflichen Schmerzmitteln, die zeitlich begrenzte Behandlung mit verschreibungspflichtigen morphinähnlichen Schmerzmitteln (Opioiden) angezeigt sein, vorausgesetzt, dass keine Gegenanzeigen wie Suchterkrankungen oder psychische Erkrankungen vorliegen. Um das Risiko für eine Medikamentenabhängigkeit zu senken, sollte man dabei ausschliesslich auf langsam wirksame Präparate (Retardpräparate) zurückgreifen und eine regelmässige Einnahme zu bestimmten Uhrzeiten einhalten.
Für die äusserliche Behandlung von Nervenschmerzen kommen vor allem Lidocainpflaster infrage. Lidocain ist ein lokales Betäubungsmittel. Auch äusserlich angewandtes Capsaicin, der Scharfmacher aus der Chilischote, kann in bestimmten Fällen angezeigt sein; ob das im Einzelfall Erfolg versprechend ist, orientiert sich am neurologischen Befund. Nur im Einzelfall sind invasive schmerztherapeutische Massnahmen sinnvoll, wie das operative Einbringen einer Elektrostimulationssonde, Nervenblockaden – ähnlich einer rückenmarksnahen Narkose vor Operationen – und das nervennahe Einspritzen von kortisonähnlichen Mitteln (Glukokortikoiden). Diese Methoden erfordern eine sorgfältige Abwägung des zu erwartenden Nutzens mit den damit verbundenen Risiken und sind nur dann angezeigt, wenn alle anderen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind oder nicht infrage kommen.
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Verlauf, Komplikationen, Besonderheiten
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Die akuten, starken Schmerzen nach einem Hexenschuss gehen meistens in wenigen Tagen deutlich zurück. Danach verlaufen sie in der Regel wie andere unspezifische Rückenschmerzen. Bei starken Schmerzen, die mehrere Tage unverändert anhalten, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen, um abzuklären, ob sich dahinter eine behandlungsbedürftige Erkrankung verbirgt. Bei unfreiwilligem Stuhl- oder Urinabgang und bei neu aufgetretener ausgeprägter Beinlähmung ist eine sofortige Spitaleinweisung nötig.
Notfall im Rückenmarkskanal
In sehr seltenen Fällen können das untere Ende des Rückenmarks oder die darunter im Rückenmarkskanal verlaufenden Nervenwurzeln, etwa durch einen Bandscheibenvorfall, so stark in Bedrängnis geraten, dass schnelles Handeln angezeigt ist, um bleibende Nervenschäden bis hin zur Querschnittslähmung zu vermeiden. Wichtige Warnsignale sind unfreiwilliger Stuhl- oder Urinabgang, Berührungsunempfindlichkeit im Bereich des Afters und ein rasches Fortschreiten ausgeprägter Lähmungserscheinungen der Beine. Dann sollten Sie unverzüglich eine operative Klinik aufsuchen.
Begriff aus finsteren Zeiten
Übrigens geht der Begriff Hexenschuss wirklich auf die Hochphase der Hexenverfolgung zurück. Man schrieb den plötzlichen Schmerz dem hinterhältigen Angriff einer Hexe zu. Die ältesten schriftlichen Zeugnisse, in denen der Begriff entdeckt wurde, stammen aus dem 16. Jahrhundert.
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Ursachen, Risikofaktoren und Häufigkeit
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Plötzlich einschiessende unspezifische Kreuzschmerzen werden meist durch eine Fehlbelastung eines oder mehrerer Zwischenwirbelgelenke oder ausgeprägte schmerzhafte Muskelverhärtungen ausgelöst. Wenn zusätzlich der Ischiasnerv oder dessen Nervenwurzeln beim Durchtritt durch die unteren Lendenwirbel oder das Kreuzbein in Bedrängnis geraten sind, kann das auf einen Bandscheibenvorfall hinweisen. In seltenen Fällen können die zunehmende Abnutzung der Bandscheiben oder auch Knochenbrüche in den Wirbelkörpern – etwa im Rahmen eines Knochenschwunds (Osteoporose) – dazu führen, dass sich die knöchernen Seitenlöcher, durch die die Nervenwurzeln links und rechts aus der Wirbelsäule austreten, verkleinern. Dadurch können Nerven bei bestimmten Bewegungen unter Druck oder Zug geraten, was einschiessende Schmerzen hervorrufen kann.
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Vorbeugung
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Auch für die Vorbeugung plötzlich einschiessender Kreuzschmerzen gelten dieselben allgemeinen Grundsätze wie bei unspezifischen Rückenschmerzen:
- Bewegung und Muskelaufbau an erster Stelle
- Übergewicht reduzieren
- Genügend Trinken
- Dauerstress und Burn-out vermeiden
- Psychischen, zwischenmenschlichen und beruflichen Problemen wirksam begegnen
- Gegebenenfalls psychische Erkrankungen wie Depressionen behandeln
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Wirkstoffe
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Mittel zur äusserlichen Anwendung
Zur äusserlichen Anwendung bei Nervenschmerzen
Schmerzmittel
Pflanzliche Mittel
Antikonvulsiva (Antiepileptika) gegen neuropathische Schmerzen