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Luftaufnahmen von Sion
Auf dem hochragenden Felsrücken zwei Kilometer westlich des Stadtkerns von Sitten erheben sich die eindrücklichen Trümmer der Burg Montorge oder « Mons ordeus », wie sie in den mittelalterlichen Urkunden genannt wird. Vom Gipfel des Berges aus geniesst man einen weiten Blick über Sitten und über die Ebene des Rhonetales. Die heute noch sichtbaren Überreste der Burg lassen auf eine erhebliche Ausdehnung und starke Befestigung der Anlage schliessen, auch wenn der Gebäudekomplex als ganzes ohne Grabungen nicht mehr vollständig rekonstruiert werden kann. Äussere Annäherungshindernisse auf beiden Seiten des Felsgrats bildeten tiefe, in den Fels gehauene Trockengräben, deren Aushub als Baumaterial gedient hatte. Der Zugang erfolgte von der Westflanke des Berges her. Hier war ein äusserer Graben über eine bewegliche Brücke zu überschreiten. Teile des Widerlagers sind noch erhalten. In steilem Aufstieg gelangte man nach Überquerung eines weiteren Grabens zu einer massiven Toranlage, deren Oberbau wohl als Turm gestaltet war. Das Burgareal war von einer unregelmässig der Felskante folgenden Ringmauer von unterschiedlicher Dicke umschlossen. Die Innenfläche dürfte mehrheitlich überbaut gewesen sein, doch haben sich von diesen Gebäuden nur noch geringe Reste erhalten. Ein mehrgliedriger Gebäudekomplex, in dem wohl ein Wohntrakt gewesen werden darf, befand sich in der Südostpartie der Anlage, nahe beim Burgtor. Hier sind auch noch die Spuren einer Zisterne erkennbar. Unsicher bleibt die Deutung des Ostwerkes. Die an dieser Stelle besonders starke Ringmauer beschreibt ein unregelmässiges Fünfeck, in dem manche die Überreste eines Turms erblicken wollen, doch fehlt für diese Erklärung eine westliche Abschlussmauer gegen das Burginnere hin. Solange die Burg archäologisch nicht untersucht ist, lässt sich weder für diese noch für andere baugeschichtliche Fragen eine klare Antwort finden.
Wann der zur Verteidigung hervorragend geeignete Platz zum ersten Mal befestigt worden ist, muss einstweilen offen bleiben. Sicher spielte der Berg in den Kämpfen des 13. Jahrhunderts zwischen den Bischöfen von Sitten und den Grafen von Savoyen eine wichtige rolle. Auf den Grund und Boden erhob der Bischof Anspruch, was aber den Grafen von Savoyen nicht daran hinderte, auf dem felsigen Berggipfel eine Burg zu bauen. Mit deren Errichtung sollte wohl weniger eine militärische Bedrohung des nahen bischöflichen festen Platzes als vielmehr die Schaffung eines machtpolitischen Zentrums für die umstrittenen savoyischen Herrschaftsrechte in der näheren Umgebung bezweckt werden. Wann genau die Burg gebaut wurde, ist aus den Quellen nicht ersichtlich. Im Jahre 1233 muss sie jedenfalls bereits bestanden haben, wobei allerdings nicht klar ist, wie gross die Anlage damals schon war. Da anfänglich nur von einem Turm die Rede ist, besteht die Möglichkeit, dass die ursprüngliche Anlage wesentlich kleiner war und die Bauten der heutigen Burgruine auf eine Vergrösserung im vorgerückten 13. Jahrhundert zurückgehen.
Nach der Mitte des 13. Jahrhunderts stellte sich Bischof Heinrich von Raron entschlossen dem savoyischen Vordringen entgegen. Militärisch seinem Gegner, dem Grafen Peter II, allerdings nicht gewachsen, musste er 1260 in einem Kompromissvertrag einwilligen, der den Verlust aller bischöflichen Gebiete unterhalb der Morge bewirkte, aber wenigstens die Beseitigung der Feste Montorge vorsah. Beiden Parteien war es jedoch mit der Einhaltung des Vertrages nicht ernst. Der Bischof suchte Unterstützung beim Papst, während Graf Peter die Burg Montorge durch den Kastellan von Saillon, seinen Vertrauten, besetzen liess. Die folgenden Jahre brachten keine Entscheidung; erst nach Peters Tod kam eine Einigung zwischen dem Bischof und Peters Nachfolger, dem Grafen Philipp von Savoyen, zustande. Offenbar vermochte Savoyen seine Ansprüche auf Montorge nicht aufrechtzuerhalten, jedenfalls erscheint die Burg in der Folgezeit in bischöflicher Hand. Unter Bischof Peter von Oron (1274 bis 1287) scheint sie baulich stark verändert worden zu sein. Da zur Burg kein nennenswertes Herrschaftsgebiet gehörte, verlor sie im Verlaufe des 14. Jahrhunderts an Bedeutung.
In den Wirrend des Jahres 1417, als die Landleute gegen die Herrschaft des Hauses Raron einen Aufstand unternahmen, fand die Burg Montorge zusammen mit anderen bischöflichen Festen ihren Untergang
Photos de Fabrice Ducrest
Bibliographie