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«Du alter Vorderschinken, sollte an der Sache mit der Wiedergeburt was dran sein, würde ich gern als jemand wiedergeboren werden, von dem Du nicht genugkriegen kannst. Könntest Du bitte jetzt schon anfangen, dafür zu üben? Dein Globetrottel Jurek»
Dies ist eine der rund vierhundert liebevollen und witzigen Postkarten, die Jurek Becker seiner Frau Christine schrieb. Mehr als fünfhundert weitere Exemplare schickte er von 1977 bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1997 an einen kleinen Kreis von Adressaten, bestehend aus Familienmitgliedern und engen Freunden. Nun hat Christine Becker eine Auswahl der überlieferten Karten zusammengestellt und in einem sorgfältig gestalteten Buch herausgegeben. Aus den chronologisch geordneten Grüssen aus fernen Ländern, deutschen Provinzen oder den eigenen vier Wänden in Berlin entstand eine aussergewöhnliche Biografie in Postkartenform. Jurek Becker wählte die Karten sehr sorgfältig aus, nahm in den kurzen und prägnanten Texten oft Bezug auf die Sujets und schrieb die Texte nicht selten zuvor in seinen Notizbüchern nieder. Besonders kreativ und ausgefallen zeigte er sich bei den Anreden seiner Liebsten. Seinen Sohn Johnny nannte er unter anderem «Du lieber Hühnerprinz», «Du alter Katzenbuckel» oder auch «Du olle Kuchengabel». Er nutzte die Karten, um den Empfängern einen Moment der Freude zu bereiten, ihnen die Zeit seiner Abwesenheit zu erhellen oder um sie zu ermutigen. Es ist ein grosses Vergnügen, in dem Buch zu blättern, die schrillen Sujets zu betrachten und sich in Beckers pointierten und humorvollen Miniaturen zu verlieren.
Vera Muff