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Der 1770 geborene Ludwig van Beethoven hatte eine grosse Leidenschaft für Frauen. Vielleicht, weil sich die grosse Liebe in seinem Leben nie realisieren liess. Wohl auch nicht mit seiner «unsterblichen Geliebten», die bis heute Rätsel aufgibt.
von Carl Meissen
Für das Frauenbild ist die Mutter prägend. Das dürfte auch bei Ludwig van Beethoven der Fall gewesen sein. Maria Magdalena Keverich wurde mit 18 Jahren schon Witwe. Sie heiratete zwei Jahre später den Kammersänger Johann van Beethoven, Ludwigs Vater. Mit ihm hatte sie sieben Kinder, wobei nur drei überlebten. Das älteste der überlebenden Kinder war Ludwig. Bereits mit 40 Jahren starb Maria Magdalena van Beethoven an Tuberkulose. Zuvor hatte sie ihren Mann – einen Alkoholiker – zu ertragen, der gewalttätig wurde. Überliefert ist, dass sie in der Ehe «eine Kette von Leiden» sah. Nach ihrem Tod verfiel Ludwigs Vater ganz dem Alkohol. Das zwang Ludwig, an die Stelle von Mutter und Vater zu treten. Das musste traumatisch für ihn gewesen sein, denn die Überforderung war gross. In einem Brief schrieb Beethoven über seine Mutter: «Sie war mir eine so gute, liebenswürdige Mutter, meine beste Freundin; O! Wer war glücklicher als ich, da ich noch den süssen Namen Mutter aussprechen konnte, und er wurde gehört, und wem kann ich ihn jetzt sagen.» Einen Mutterersatz fand Ludwig van Beethoven bei der Hofratswitwe Helene von Breuning. Doch scheint es, dass die Eheerfahrung seiner Mutter und ihr früher Tod Ludwig van Beethoven stark geprägt haben. Er hat nie geheiratet, und er suchte eine sehr intensive Liebe, was möglicherweise eine partnerschaftliche Erwachsenenliebe überforderte. Das dürfte bei seiner Leidenschaft für die verwitwete Gräfin Josephine Brunsvik der Fall gewesen sein. In seinen Liebesbriefen bezeichnete er sie als «mein Alles» und als seine «einzige Liebe», was die Frau überfordert haben muss. Das Sorgerecht für ihre Kinder stand nämlich auf dem Spiel. Bei einer Heirat mit Beethoven hätte sie es verloren.
Zwischen 1801 und 1802 machte Josephine Brunsvik Beethoven mit ihrer Cousine bekannt. Beethoven verliebte sich in sie, obschon die Gräfin Giulietta Guicciardi bereits mit Graf Gallenberg verlobt war. Als Liebesabschied widmete Beethoven ihr die berühmte Mondscheinsonate. Dann folgte die Leidenschaft für Marie Bigot. Sie war mit dem französischen Adligen Paul Bigot de Morogues verheiratet, der beim russischen Gesandten Graf Andrej Rasumowsky in Wien als Bibliothekar arbeitete. Rasumowsky war ein Gönner Beethovens. Marie Bigot wurde Beethovens Klavierschülerin und Schwarm. Überliefert ist, dass Beethoven ihr nach der Interpretation einer seiner Klaviersonaten sagte: «Das ist nicht genau der Charakter, den ich dem Stück geben wollte, aber fahren Sie fort; das bin nicht ganz ich, das ist besser als ich.» Es könnte sich dabei um seine «Appassionata» gehandelt haben, deren Autograf Beethoven Marie Bigot schenkte.
Als Beethoven «seine Liebe» 1807 zu einem Ausflug einlud, reagierte der Ehemann überaus eifersüchtig. In einem Brief an das Paar schreibt Beethoven, es sei sein Grundsatz, «nie in einem andern als freundschaftlichen Verhältnis mit der Gattin eines andern zu stehen».
Beethoven stürzte sich danach in Heiratspläne mit Therese Malfatti. Sie war die Tochter des Wiener Kaufmanns Jacob Friedrich Malfatti, der 1806 mit dem Titel «Edler von Rohrenbach zu Dezza» in den Adelsstand erhoben wurde. Ihre jüngere Schwester Anna heiratete 1811 Beethovens Freund Ignaz von Gleichenstein. Durch Gleichenstein war Beethoven in Kontakt mit Thereses Familie gekommen. Wegen des Standesunterschieds lehnte die Familie Malfatti aber eine Hochzeit mit Beethoven ab – die beiden blieben Freunde.
Elisabeth Röckel gehörte damals zum engsten Freundeskreis von Beethoven. Elise, wie die deutsche Opernsängerin von Freunden genannt wurde, heiratete aber 1813 den Komponisten Johann Nepomuk Hummel. «Für Elise», eines der bekanntesten Musikwerke überhaupt, dürfte Beethoven für Elisabeth Röckel geschrieben haben. Auf Beethovens Bitte hin besuchte sie ihn an seinem Sterbebett, wo er ihr eine Locke seines Haares und seine letzte Schreibfeder schenkte. Für Musikologen ist Röckel die mysteriöse Elise.
Antonie Brentano, die Schwägerin der Dichterin Bettina Brentano, schrieb im Jahr 1811, Beethoven sei ihr «einer der liebsten Menschen» geworden. Er besuche sie «beinahe täglich». Bekannt ist, dass er ihr die Originalschrift seines Lieds «An die Geliebte» geschenkt hat. Ob sie die «unsterbliche Geliebte» war, an die Beethoven im Juli 1812 seinen berühmten, dreiteiligen Brief richtete? Oder war es doch Josephine Brunsvik, die Beethoven wieder getroffen hatte und die neun Monate später eine Tochter gebar?
Der Brief an die «Unsterbliche Geliebte» wurde nach Beethovens Tod am 26. März 1827 in einer Schublade gefunden.