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Wörterbuch
der Sozialpolitik
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Zweiklassenmedizin

Zwei- oder Mehrklassenmedizin bedeutet, dass sich die Qualität der Gesundheitsversorgung je nach finanzieller Situation oder sozialem Status eines Menschen unterscheidet. In der Vergangenheit war eine Mehrklassenmedizin während Jahrhunderten bittere Realität. Und in vielen Teilen der Erde ist sie es heute noch. In der Schweiz und den anderen westeuropäischen Ländern besteht heute hingegen der politische Anspruch, keine Mehrklassenmedizin zu dulden. So steht in der schweizerischen Bundesverfassung (Art. 41 Abs. 1b): "Bund und Kantone setzen sich in Ergänzung zu persönlicher Verantwortung und privater Initiative dafür ein, dass jede Person die für ihre Gesundheit notwendige Pflege erhält."
Natürlich hat die soziale Lage eines Menschen auch hierzulande Auswirkungen auf seine Gesundheit. Etwas vereinfacht lässt sich sagen: je ärmer, desto kränker. Die Gesundheitsversorgung ist in der Schweiz hingegen recht gut organisiert. Die gesamte Bevölkerung gehört einer obligatorischen Krankenversicherung an, die für eine vollwertige Behandlung aufkommt. Die Spitäler kennen zwar drei Klassen, wovon zwei mit der obligatorischen Krankenversicherung allein nicht zugänglich sind. Die drei Spitalklassen unterscheiden sich jedoch im Wesentlichen nur hinsichtlich des Komforts. Die Qualität der medizinischen Versorgung ist auf allen Klassen grundsätzlich gleich. Somit haben wir in der Schweiz zwar eine Mehrklassenmedizin hinsichtlich des Komforts, nicht aber in Bezug auf die Heilungs- und Überlebenschancen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass gewisse Privatkliniken nur mit einer speziellen Zusatzversicherung zugänglich sind. Die größte medizinische Fachkompetenz ist nach wie vor in den öffentlichen Spitälern anzutreffen, die allen offen stehen.
Literatur: