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Was ist nur aus der Swiss geworden? Das fragt sich Martin A., Vielflieger und Unternehmer aus der Ostschweiz. Diesen Herbst arbeitete er während zweier Monate in London, bei einem Unternehmen, in das er investierte. Am Montagmorgen flog er von Zürich-Kloten zum London City Airport. Am Freitag ging es wieder zurück in die Schweiz zu seiner Familie. «Die Swiss war praktisch nie pünktlich», sagt A.
Zweimal war es besonders schlimm. A. sass bereits angeschnallt in der Maschine, doch der Flieger blieb am Boden. Die Minuten verstrichen, nichts tat sich. Die Stewardess war nicht in der Lage, eine Erklärung zu liefern. Als die Passagiere immer unruhiger wurden, sagte sie durchs Bordmikro: «Wir haben Order aus Zürich, weitere Passagiere abzuwarten.»
«Nach einer Stunde waren sie endlich an Bord. Als hinten alles voll war, wurden Leute mit Economy-Tickets einfach in die Businessclass gesetzt», sagt Martin A. Erst dann und mit grosser Verspätung hob der Flieger ab. Der Unternehmer vermutet, dass die Swiss einen späteren, aber nicht vollbesetzten Swiss-Flieger ausfallen liess und die Passagiere auf die frühere Maschine umbuchte, um diese voll auszulasten. In zwei Monaten geschah dies zweimal. Martin A. glaubt, dass die Swiss die gleichen Optimierungsmethoden anwendet, für die Easyjet früher berüchtigt war.
Statistiken bestätigen den Eindruck. Laut dem US-Flugdatenanalyse-Unternehmen Flightstats gehört die Swiss inzwischen zu den unpünktlichsten Airlines der Welt. Im Ranking der globalen Airlines liegt die Swiss im Oktober auf Platz 40 - von 47 Fluggesellschaften. Selbst Gesellschaften mit einem deutlich schlechteren Image wie Alitalia, Iberia oder Aeroflot schnitten besser ab. Die spanische und die russische Airline belegten weltweit die Spitzenplätze. Bei diesen hat nur jeder zehnte Flieger eine Verspätung.
Bei der Schweizer Airline ist jeder dritte Flug verspätet. Seit Anfang Jahr stieg die durchschnittliche Dauer einer Verspätung auf über 30 Minuten. Wie schlecht es um die Pünktlichkeit der Swiss bestellt ist, zeigt sich noch deutlicher, wenn man die Flugstatistiken innerhalb Europas unter die Lupe nimmt. Von 33 untersuchten europäischen Fluglinien landet die Swiss im Oktober auf dem drittletzten Platz -- nur gerade TAP aus Portugal und Ural Airlines schnitten in diesem Zeitraum schlechter ab. Flightstats wertet täglich über 10 000 Flüge aus.
Anfang Jahr belegte die Swiss noch einen vorderen Platz (siehe Grafik). Im März lag sie auf Rang 9 – eigentlich eine angemessene Platzierung für eine «Premium-Airline», wie sich Swiss selbst sieht. Was sind die Gründe für den Absturz? Liegt es am Management? Oder daran, dass die Flugplanung von Zürich nach Frankfurt verschoben wird? Beim Kabinenpersonal kann das Problem nicht liegen, das trotz Verspätungen seinen Job so gut wie möglich macht.
Auch Béa H., Marketing-Managerin aus Zürich, ist nicht mehr gut auf die Swiss zu sprechen. Sie fliegt jedes zweite Wochenende nach Paris -- der Liebe wegen. Sie sagt: «Die Swiss ist komplett unzuverlässig geworden.» Bei keinem einzigen Flug sei die Swiss pünktlich gelandet. Aus zwei Gründen ist sie noch nicht auf den TGV umgestiegen: Die Bahnverbindung ist teurer, und vom Flughafen bringt sie eine S-Bahn-Verbindung direkt zur Wohnung ihres Freundes. Müsste sie ins Stadtzentrum, brächte sie die französische Bahn schneller hin, sagt Béa H.
Der Frust sitzt tief. Die Frau, die geschäftlich auch oft nach London muss, ist auf dieser Strecke inzwischen auf British Airways umgestiegen – die sei pünktlicher und der Sitzabstand bei den neu eingesetzten Embraer-Jets sei ohnehin grosszügiger.
Die Swiss schreibt in einem Statement: «Die allgemeine Pünktlichkeit hat während der Sommermonate vor allem wegen des Mehrverkehrs am Flughafen Zürich tatsächlich gelitten. Diese Tendenz hat sich bis in den Oktober fortgesetzt.» Zu einzelnen Strecken macht die Swiss keine Angaben. Mit dem Winterflugplan habe die Pünktlichkeit wieder «normale Werte» erreicht. «Im Winter muss man natürlich auch andere Faktoren betrachten, wie zum Beispiel Schnee und Enteisung.» Die meteorologischen Bedingungen spielten eine wichtige Rolle, wenn es um die Pünktlichkeit gehe.
Das stimmt, aber das trifft für alle Airlines zu. Und geschneit hat es bisher auch noch nicht.
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In Europa landet die Airline auf dem drittletzten Platz – nur noch TAP Portugal und Ural Airlines schneiden schlechter ab
Was ist nur aus der Swiss geworden? Das fragt sich Martin A., Vielflieger und Unternehmer aus der Ostschweiz. Diesen Herbst arbeitete er während zweier Monate in London, bei einem Unternehmen, in das er investierte. Am Montagmorgen flog er von Zürich-Kloten zum London City Airport. Am Freitag ging es wieder zurück in die Schweiz zu seiner Familie. «Die Swiss war praktisch nie pünktlich», sagt A.