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Der Violonist Blaine Reininger gründet 1977 zusammen mit dem Saxophonisten und Keyboarder Steven Brown die Band Tuxedomoon in der aufkeimenden Punk- und New-Wave-Szene von San Francisco. Zu den beiden gesellt sich bald der Bassist Peter Principle. Die Besetzung der Band wechselt immer wieder. Doch bis heute sind Steven Brown, Blaine Reininger und Peter Principle wie auch die später dazu gestossenen Mitglieder Luc Van Lieshout (Trompete) und Bruce Geduldig (visuelle Effekte) aktiv.
Im elektronischen Musiklabor des San Francisco City College machen Steven Brown und Blaine Reiniger mit einem Vierspur-Bandgerät sowie einem Mischpult erste musikalische Versuche. Zu dieser Zeit boomt die surrealistische Kunst- und Musikszene in San Francisco: Bands wie die Tubes mit ihrer Mischung aus Comedy, Theater und Dada; oder die Residents mit ihren innovativen Kompositionen aus Blues, Jazz, Rock und Klassik. Musiktheater und Multi-Media-Performances inspirieren Tuxedomoon.
Markante Kreissägen-Gitarre, verzerrter Gesang, blecherner Beat
Mit Klang- und Lichtkünstlern entwickeln Tuxedomoon einen sowohl visuell persönlichen Auftritt als auch musikalisch eigenwilligen experimentellen Sound. Der 1978 veröffentlichte Song «No Tears» wird zum Klassiker: eine markante Kreissägen-Gitarre, ein schmerzhaft verzerrter Gesang und ein dünner, blecherner Beat. Die ersten Konzerte führt die Band 1980 nach Europa. Das Publikum ist begeistert von ihren Konzerten, die multimedialen Shows gleichen. Die Reaktion in Europa ist so enthusiastisch, dass Tuxedomoon 1981 nach Belgien übersiedeln.
Der einzigartige Sound von Tuxedomoon passt viel besser zur europäischen als zur amerikanischen Umgebung. Die europäische Szene hat jede Menge Arbeit für die Avantgarde-Band. So entsteht etwa die 1982 veröffentlichte LP «Divine»: eine Komposition zu Maurice Bejarts gleichnamigem Ballett. Tuxedomoon profitieren in Belgien von Zuschüssen für Kunstprojekte. Die Soundkünstler haben Zeit für neue Projekte. Ihre Experimente drücken sich oft so aus: Violine und Saxophon spielen gerade so lange eine Melodie, bis sie zu einem genauen Moment abbrechen. Darauf folgt ein sekundenkurzer Ausflug ins Atonale, aus dem sie sich dann wieder fangen. Und Störungen beeinträchtigen immer mal wieder längere melodietragende Passagen.
Amerika ist zu puritanisch
«Die Amerikaner haben diese puritanischen Wurzeln, die auf diese radikalen Christen zurückgehen», erklärt Blaine Reininger. «Sie sind im 17. Jahrhundert aus England in die USA ausgewandert und haben sich in neuen Kolonien angesiedelt. Diese Menschen hatten keinen Sinn und keine Zeit für Kunst», fährt er fort. «Sie sahen Kunst als dekadent an, und diese Einstellung hat sich in den USA bis heute vielfach bewahrt.»
«Die USA stecken derzeit in einer grossen finanziellen Krise», argumentiert Peter Priniciple. Da rücken Kultur und Musik zunehmend in den Hintergrund. «Als Tuxedomoon hatten wir es in den USA nie leicht: Wir lassen in unsere Musik melancholische, instrumentale und klassische Elemente einfliessen. Amerika sucht aber nach einer positiven und optimistischen Weltsicht.»
Brüssel: Treffpunkt für neue Projekte
1989 zieht es Steven Brown nach Mexiko, Peter Principle nach New York, Blaine Reininger nach Griechenland und Luc Van Lieshout sowie Bruce Geduldig bleiben in Brüssel. Jeder entwickelt sich musikalisch weiter. «Zeitweise haben wir uns über die vielen Jahre zwar immer mal zurückgezogen», erklärt Blaine Reininger. «Wir haben uns wie Igel in eine Art Winterschlaf begeben. Doch die Band haben wir nie vollkommen aufgelöst. Wir treffen uns immer wieder für neue Projekte in Brüssel.»
CD-Hinweis
Das neue Album «Pink Narcissus» ist der 54-minütige Filmscore zum Arthouse-Film «Pink Narcissus» aus dem Jahr 1971. Es erscheint am 28. April 2014.