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Geschäftshaus Frey
Adresse
4600 Olten
SO
Architektur
Mit dem markanten, aber feingliedrigen Geschäftshaus Frey in Olten realisierten Walter Belart und Hermann Frey ein ästhetisch wie konstruktiv innovatives Werk der frühen Nachkriegsmoderne. Die tragende Stahlskelettkonstruktion wurde mit Fassaden aus vorfabrizierten Elementen kombiniert und die elegante Gestaltung wird dem repräsentativen Charakter des Geschäftshauses gerecht. In einem vielschichtigen Kontext setzt der Eckbau einen wichtigen städtebaulichen Akzent. Die gegensätzlichen Volumen sind intelligent proportioniert und vertikale wie auch horizontale Strukturen sorgen für eine spannungsreiche, doch harmonische Architektur. Diese prägt nicht nur die Strassenkreuzung, sondern das Stadtbild von Olten.
Chronologie
Das Geschäftshaus ist in den Jahren 1953 und 1954 nach einem Entwurf der Oltner Architekten Walter Belart und Hermann Frey entstanden. 1968 und 1973 kam es zu Ladenumbauten. Nachdem die Fassade bereits 1992 teilsaniert wurde, folgten 1995 die Ost- und 2000 die Nordfassade. 1996 musste das Modegeschäft Frey schliessen und Charles Vögele eröffnete eine Filiale, die später von der Marke OVS übernommen wurde. Nach deren Konkurs nutzen seit 2019 verschiedene Personen und Firmen aus der Gesundheitsbranche das Gebäude. 2020 wurde die Fassade erneut saniert.
Lage
Das Geschäftshaus befindet sich an der zentralen Strassenkreuzung von Ringstrasse und Baslerstrasse am nördlichen Rand der Oltner Innenstadt. Die Ostfassade steht parallel zur Baslerstrasse sowie zur rund hundert Meter entfernten Aare. Die Ringstrasse führt nordseitig am Gebäude vorbei. Dieses formt zusammen mit seinen Nachbarn eine Blockrandbebauung, die einen grossen Innenhof umschliesst.
Beschreibung
Das Geschäftshaus besteht aus zwei gegensätzlichen Volumen, die geschickt zu einer Einheit verbunden sind: Die achtgeschossige Scheibe wird an der nordseitigen Schmalfront durch sieben Fensterachsen bestimmt, die in zickzackförmig aufeinanderfolgenden Vertikalen angeordnet sind. Es handelt sich um eine Vorhangfassade; die Fensterflucht tritt entsprechend aus der Fassadenebene hervor. Der siebengeschossige, liegende und kastenartige Vorbau weist in den Obergeschossen Bandfenster auf, die Obergeschosse sind zudem von einem Betonrahmen gefasst. Die klar konzipierte Glasfassade mit durchgehenden Brüstungsbändern setzt einen spannungsreichen horizontalen Kontrapunkt. Beide Baukörper sind durch das verglaste Erdgeschoss optisch vom Erdboden losgelöst. Das auskragende, durchlaufende Betonvordach der Ladenzone zeichnet mit seiner Rundung den Verkehrsfluss und Strassenverlauf nach. An der Ostfassade befindet sich über dem Vordach ein schmales Fensterband, das die Beleuchtung des Ladeninnern optimiert. Durch die versetzten Volumen bleibt an der Kreuzung die Ecke frei. Die geschlossenen Wandflächen zieren Ladenschilder. An der Baslerstrasse liegt die mit bunten Fassadensteinen ausgeschmückte Durchfahrt in den Innenhof. Dort ist ein Treppenhaus vorhanden; ein weiteres ist an der Ringstrasse angebracht. Die Westseite des Riegels präsentiert sich gegen den Innenhof informeller, ist doch ein Grossteil der Fassade mit Wellblech verkleidet. Die beiden untersten Ladengeschosse treten vor. Ein zurückversetztes, rot gestrichenes Attikageschoss mit Wohnungen unter kräftigem, auskragendem Flachdach schliesst die Hoffassade ab. Diese ist – anders als der kastenartige Vorbau an der Baslerstrasse – achtgeschossig.
Literatur
Hanak, Michael. Baukultur im Kanton Solothurn 1940–1980. Ein Inventar zur Architektur der Nachkriegsmoderne, hg. von der kantonalen Denkmalpflege Solothurn. Zürich 2013, S. 164–165. – Zeller, Christa. Schweizer Architekturführer 1920–1990. Nordwestschweiz, Jura, Mittelland (Bd. 2). Zürich 1994, S. 141. – Stadelmann, W. Das Geschäftshaus Kleider-Frey in Olten, in: Schweizerische Bauzeitung 18/1956, S. 265–268. – Zietzschmann, Ernst; Koller, Ernst. Geschäftshaus-Neubau mit Ladenlokalen in Olten, in: Bauen + Wohnen 6/1954, S. 345–349.