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Bei einem Besuch im Schloss Chillon hat die Herzogin von Savoyen und frühere Schlossbesitzerin Beatrix von Savoyen uns ein Exklusivinterview gewährt… Ihre Hoheit erklärt uns, welche Rolle die Adligen im Hochmittelalter spielten und erzählt uns einige spannende Anekdoten aus ihrem Leben…
Aufgezeichnet von Lise Leyvraz Dorier
/ Übersetzung Mirjam Grob
1504 Geburt in Lissabon
1521 Hochzeit mit dem Herzogen Karl II. von Savoyen
1522-1537 Geburt von 10 Kindern, von denen nur ein Sohn das Erwachsenenalter erreicht
1536 Einmarsch der Berner ins Waadtland, Eroberung von Chillon und Befreiung des von Karl II. gefangen genommenen François Bonivard
1536 Tod in Nizza
Ihre Durchlaucht, Sie sind Infantin von König Manuel dem I. von Portugal und Königin Maria von Aragón und Kastilien. In ein paar Tagen ist Valentinstag. Können Sie uns etwas über Ihr Traumleben als Prinzessin und Ehefrau erzählen? Wie war ihre Hochzeit mit Karl II. von Savoyen?
Wissen Sie, auf dem Heiratsmarkt sucht man immer nach der besten strategischen Allianz und hat sollte einen guten Stammbaum haben. Das ist, was alle Eltern ihren Kindern wünschen, auch ihren jüngeren Söhnen und Töchtern. Nach den üblichen Verhandlungen, die 5 Jahre gedauert haben, hat mein Vater und König mich zuerst per Stellvertreter verheiratet und dann bin ich mit 17 Jahren mit einer grandiosen Flotte von Portugal nach Nizza gesegelt. Die Reise dauerte 49 Tage. Die Hochzeitsfeierlichkeiten waren eine ganze Woche lang. Der Umzug vor der kirchlichen Trauung war wunderschön und die darauffolgenden Bankette exquisit.
War Ihr erstes Aufeinandertreffen ein «Match»?
Ja, wir haben aus verschiedenen Gründen „gematcht“, wie Sie es nennen, und sind ein Team geworden. Es gab keine Turniere von mutigen Rittern, die um das Herz der Prinzessin kämpften, wie es in gewissen Büchern steht… sondern eher finanzielle Duelle. Zuerst war eine Aussteuer im Wert von 300’000 Dukaten vorgesehen, aber wir von der portugiesischen Seite konnten sie schliesslich halbieren. Ich brachte eine prachtvolle Aussteuer von Kleidern, Schmuckstücken und sogar einer Uhr im Wert von 150’000 Dukaten mit mir. Was für ein Geldregen für den Herzogen! Ich sollte das eigentlich nicht erzählen, aber er war ziemlich bankrott… und hat auch noch eine Königstochter geheiratet!
Kurzum, der Herzog hat mich von meinem Segelschiff abgeholt, obwohl die letzten administrativen Fragen noch nicht geregelt waren. Mein Vater hatte mir explizit aufgetragen, nicht vom Boot zu gehen, bevor die letzten Verhandlungen abgeschlossen waren. Stellen Sie sich mein Erstaunen vor, als mein zukünftiger Ehemann auftauchte. Ich sah ihn zum allerersten Mal und er hat mich sogar gleich geküsst…! Da trafen französisch-burgundische Manieren auf die iberischen…
Shocking ?
Nun ja, ich bin immerhin Königstochter und Enkelin der katholischen Könige!
Aber meine gute Kinderstube hat gewonnen und ich habe über diesen Affront hinweggesehen und meinem Mann gesagt, dass ich tue, was mein Herr mir befiehlt.
Kam es noch zu weiteren Clashs?
Was für eine Sprache ihr jungen Leute bloss habt… Ja, ich gebe zu, dass es bei meiner Ankunft in Savoyen zu einem Missverständnis kam. Karl wollte nach unserer Hochzeit mein gesamtes portugiesisches Gefolge mitsamt meinen Hofdamen nach Hause schicken. Inês, meine Amme, die später zu meinem Kammermädchen wurde, ist darüber in Ohnmacht gefallen. Zum Glück schaffte ich es, den Erzbischof auf meine Seite zu ziehen, aber ich musste erst weinen, bevor der Herr Herzog endlich auf sein Vorhaben verzichtet hat. Ich habe ihm auch vorgeschlagen, dass er seine eigenen Adligen im Haus der Königin platzieren kann… Geldfragen geben in jedem Paar Anlass zu Spannungen. Mein Gefolge bestand aus 50 Personen und dasjenige des Herzogen aus 180… pfff! Aber an meinem Hof waren die Frauen immer besser bezahlt als die Männer!
Welche Rolle spielten Sie am Hof der Savoyen?
Ich musste vor allem gebären, am liebsten männliche Thronfolger. Ich musste andauernd schwanger sein, um die herzögliche Erbfolge sicherzustellen. Ich habe 10 Kinder geboren, aber der Herr hat sie alle zu sich gerufen, ausser einem Sohn, Emmanuel-Philibert, der auf wundersame Weise das Erwachsenenalter erreicht hat. Ich habe auch eine politische und diplomatische Rolle gespielt, indem ich bei meinem Schwager, dem Kaiser Karl V. und Ehemann meiner Schwester Isabel, ein gutes Wort einlegte. Es hiess das Herzogtum Savoyen zu schützen. Ich habe auch an meinen Bruder Jean III. geschrieben und um finanzielle Hilfe gebeten. Die humanistische Erziehung, die ich meiner Mutter zu verdanken habe, meine Lektüren und meine Lateinkenntnisse haben mir auch mehrfach dabei geholfen, mit Kirchenmännern zu verhandeln. Ich habe gelernt, dass es immer mindestens zwei Ansichten gibt und dass man Kompromisse finden muss. Zum Beispiel als mein Porträt gemalt wurde: Mein Mann und der Maler haben mir gesagt, ich solle nicht so sehr lächeln und den Mund öffnen, ich wirke sonst vulgär. Ich habe trotzdem gelächelt, aber mit geschlossenem Mund.
Interview, das hauptsächlich auf der wissenschaftlichen Veröffentlichung basiert : Vies de princesses ? Les femmes de la Maison de Savoie (XIIIe-XVIe siècle).