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Diese nachfolgende Darstellung war Teil der Ankündigung der Tagung celebrating intersectionality? (Goethe-University Frankfurt/M. 2009)1) und kann als ein Versuch der Visualisierung des Konzepts Intersektionalität gelesen werden.
Intersektionalität ist ein nach und nach in wissenschaftlichen Kontexten weiterentwickeltes Konzept, welches versucht, die Verwobenheit und das Zusammenwirken verschiedener Achsen der Differenz – wie gender, race, class – sowie unterschiedlicher Dimensionen sozialer Ungleichheit und Herrschaft zu analysieren (vgl. www.genderwiki.de). Ausgangspunkt waren kritische Stimmen innerhalb der feministischen Bewegung der 1970er Jahre, welche den Zustand einer nicht reflektierten Intersektionalität problematisierten. Lesben und women of color waren innerhalb der Bewegung marginalisiert und sahen sich mit ihren Interessen und Erfahrungen nicht repräsentiert. „Because of their intersectional identity as both women and people of color within discourses that are shaped to respond to one or the other, the interest and experiences of women of color are frequently marginalized within both“ (Crenshaw 1994: 93). Die Autor_innen des Combahee River Collective waren eine der Gruppen von Aktivist_innen, welche auf die ‚differences within‘ der feministischen Bewegung verwiesen (vgl. Combahee River Collective 1977). Sie brachten so in die Diskussion, dass nicht alle Frauen – nur weil sie die Subjektposition Frau innehaben – gleich sind. Bezüglich der Frage nach sozialer Ungleichheit und De-/Privilegierung sei auch der Aspekt relevant, ob bspw. jemand lesbisch lebt oder rassistisch markiert wird. Das Gedicht Who Said It Was Simple von Audre Lorde vermittelt aus meiner Sicht auf seine Art einen Eindruck davon. Der zugrundeliegende Ansatz eines nicht-essentialistischen Identitätsverständnisses von Frau-Sein löste heftige Kontroversen innerhalb der Bewegung aus, wobei über die Möglichkeiten eines (gemeinsamen) politischen Kampfes vor dem Hintergrund von unterschiedlichen intersektionalen Positioniertheiten gestritten wurde.
Die Verwobenheit von Ungleichheiten bzw. Differenzkategorien wurde von Kimberlé W. Crenshaw 1989 mit Hilfe des Bildes der intersection – der Verkehrskreuzung – umschrieben, wo sich Differenzachsen kreuzen, überlagern und überschneiden (Crenshaw 1994). Diese Metapher und der damit visualisierte theoretische Ansatz blieb jedoch nicht unkritisiert, da das Bild der Kreuzung zum einen zu sehr auf spezifische Zusammensetzungen von Gruppen statt auf gesellschaftliche Verhältnisse fokussiert. Zum anderen wird die Existenz von getrennten Ungleichheitsdimensionen suggeriert, die sich an manchen Punkten treffen, sich aufschichten und verstärken (vgl. Winker/Degele 2009: 13).
Die Entstehung und die Effekte von Ungleichheit sowie Herrschaft können jedoch am ehesten durch die Erfassung des Zusammenspiels von unterschiedlichen Kategorien – wie Geschlecht/gender, Rasse/race, Klasse, Sexualität, Religion – gefasst werden. Die Visualisierung von Intersektionalität durch übereinander liegenden Mikado-Stäbe (siehe Bild oben) scheint diesen Ansatz jedoch nicht produktiv aufzugreifen, sondern die Metapher der Verkehrskreuzung nur leicht zu variieren. Durch die Mikado-Stäbe wird ersichtlich, dass die Achsen in ihrer Position veränderbar sind, aber auch bei diesem Beispiel verschränken sie sich nicht, sondern bleiben getrennte Ebenen.
Dieser Ansatz von Intersektionalität baut auf der Annahme auf, dass diese Kategorien Konstruktionen sind. D.h. sie existieren nicht vorgängig, sondern sind Effekte sozialer Praktiken und nehmen ihrerseits wiederum Einfluss auf soziale Praktiken. Sabine Hark schreibt bzgl. der Kategorie Geschlecht, dass diese zum einen ein innerhalb der symbolischen Ordnung hergestelltes, kulturelles Konstrukt ist. Und zum anderen selbst als sozio-symbolische Matrix – im Sinne eines feinen Netzes von Diskursen und Machtstrategien, das ordnet, reguliert, anreizt – soziale Beziehungen und kulturelle Ordnungen hervorbringt bzw. mitgestaltet (vgl. Hark 2001: 158). Durch machtvolle Naturalisierungsprozesse wird das Geworden-Sein und die potentielle Veränderbarkeit dieser Achsen der Differenz jedoch ausradieren, was die Kategorien als natürlich, selbstverständlich und unveränderbar erscheinen lässt.
Mit dem Artikel An Intersectional Analysis of Visual Media: A Case of Diesel Advertisements (>>) wird bspw. von den Autor_innen Anthony J. Barnum und Anna M. Zajicek der Versuch unternommen, die Auseinandersetzung um Intersektionalität auch für die Analyse visuellen Materials produktiv zu machen.