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Als mich Rosmarie anfragte, ob ich einen Nachruf auf Martha Vautravers schreiben würde, habe ich ganz spontan Ja gesagt. Ich habe es mir ja auch ganz einfach vorgestellt, schliesslich wohnte ich fast während 14 Jahren mit Martha unter einem Dach am «Bowäger« 23! Mir gingen viele Geschichten durch den Kopf und mir wurde klar, dass ich viel von Martha nicht wusste. Mit Heidi, ihrer Tochter, und mit Martha Grolle, einer weiteren Nachbarin vom Bowäger habe ich mich in Verbindung gesetzt, um zu mehr Informationen zu kommen
«Unsere« Martha lebte während fast 40 Jahren in der Matte. In die Stadt Bern kam sie als junge Frau und hat erst bei einer Tante in einer Bäckerei in der Kramgasse gearbeitet. Ihr Bruder besass die Gärtnerei Stoos in der Matte und ihn hat sie in all den Gärtnerei-Jahren tatkräftig unterstützt, ebenso als er dann nach der Gärtnerei den «Zähringer« übernommen hatte. Ungefähr im Jahr 1934 lernte Martha ihren zukünftigen Mann kennen, 1934 kam ihre Tochter Heidi auf die Welt. Nachdem Marthas Mann 1980 starb, hat sie ihrer Tochter Heidi ausgeholfen, mit ihr reiste sie in viele Länder und sie erzählte gerne von diesen Reisen und zeigte uns die Fotografien dazu. Ich habe Martha 1994 kennen gelernt. Eine charmante, liebenswürdige alte Frau, die viel Lebenserfahrung ausstrahlte, die oft ein verschmitztes Funkeln in den Augen hatte und die ich bei
Treppenhausgesprächen, später häufig auch zusammen mit Martha Grolle bei einem Glas Bier, näher kennen lernen durfte.
Ich bewunderte sie immer, dass sie trotz ihren Gebrechen nie gross klagte und jeden Tag, wenn es irgendwie möglich war, zum Einkaufen ging. Was mich persönlich ganz besonders berühre, war ihre Fürsorglichkeit; sie nahm Anteil am Leben, wollte wissen wie es den Leuten im Haus geht, hat Zeitungen gelesen und war immer bestens informiert. Man konnte mit ihr über Politik diskutieren oder was sonst noch alles die Welt bewegte Als ich vor Jahren mal krank im Bett lag brachte sie mir einen Krug voller dampfender Gemüsesuppe ans Bett und verordnete mir Bettruhe. Sie hat mich oft gefragt, ob sie auch für mich mitkochen solle, das hat sie bis ins hohe alter jeden Tag sehr gut und gerne gemacht: Kochen. Berührend war dann auch der Abschied von Martha. Ich ging sie noch einige Male ins Altersheim Nydegg besuchen. In dieser letzten Zeit hatten wir ganz tiefe, intensive, ja gar philosophische Gespräche und ich konnte nochmals sehr viel von Martha lernen, staunte auch, welche Schönheit sie trotz Schwäche und Krankheit ausstrahlte. Am 12. September wäre sie 97 Jahre alt geworden und wir alle im Haus Bowäger 23 vermissen sie.
Marlies Lörincze