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Nach zwei Stunden und 55 Minuten beendete ein unerzwungener Rückhandfehler Timea Bacsinszkys Traum von der Einzelmedaille in Rio. Die Schweizerin verlor den Krimi gegen die Chinesin Zhang Shuai nach drei vergebenen Matchbällen mit 7:6 (7:4), 4:6, 6:7 (7:9).
Die 27-jährige Waadtländerin tat sich schwer damit, Erklärungen für die unerwartete Niederlage gegen die Nummer 51 der Welt zu finden. Bacsinszky: «Ich habe alles probiert. Und es fehlte ja auch nicht viel. Schade, dass es mir nicht gelang, einen der Matchbälle zu verwerten. Andererseits spielte die Chinesin gut, besser jedenfalls, als ich das erwartet hatte. Natürlich ist die Enttäuschung riesig.»
Vielleicht wurde Bacsinszky von den hohen Erwartungen gebremst, denn nach den Forfaits von mehr als der halben Schweizer Tennis-Delegation (Roger Federer, Belinda Bencic, Stan Wawrinka) blieb sie fast allein im olympischen Rampenlicht.
Zhang Shuai gelang es auf jeden Fall, Bacsinszky permanent unter Druck zu setzen. Schon im ersten Satz, den die Schweizerin nach 62 Minuten im Tiebreak doch noch gewann, führte die Chinesin zweimal mit einem Break (3:1 und 5:3). Und auch mit dem gewonnenen Satz im Rücken bekam Bacsinszky als Weltnummer 15 das Geschehen nicht in den Griff: In den Sätzen zwei und drei geriet sie jeweils sofort mit zwei Breaks 0:3 ins Hintertreffen.
Im zweiten Satz holte Bacsinszky diesen Rückstand beinahe auf (zwei Breakmöglichkeiten zum Ausgleich), im Entscheidungssatz gelang die Aufholjagd dank «Mondbällen» sogar noch. Letztlich zögerte Bacsinszky damit ihr Drama aber bloss um eine Viertelstunde hinaus. Im Tiebreak führte sie 6:3, besass drei Matchbälle, traf dann aber im Finish keinen Ball mehr. Sechs der letzten sieben Ballwechsel gewann Zhang Shuai, viermal patzte Bacsinszky mit der Rückhand, dreimal sehr früh im Ballwechsel. Ausserdem schenkte sie der Gegnerin einen ersten Matchball mit einem Doppelfehler.
Woran lag es? «Ich weiss es nicht», meinte Bacsinszky. «Wegen der Hitze (36 Grad) verlor ich jedenfalls nicht, denn ich mag es, selbst unter wärmsten Bedingungen zu spielen. Am Ende spielt es aber keine Rolle, ob ich mit 2:6, 2:6 oder nach vergebenen Matchbällen im Tiebreak des dritten Satzes ausscheide. Niederlage bleibt Niederlage! Das ist nicht die erste grosse Enttäuschung in meiner Karriere, und es wird auch nicht die letzte bleiben.»
Aber die zweite Startniederlage bei Olympia nach dem Ausscheiden vor acht Jahren in Peking gegen Venus Williams schmerzte. Es flossen ein paar Tränen der Enttäuschung. An den letzten elf Turnieren vor Olympia war Bacsinszky nur einmal, beim ersten Rasenturnier in Eastbourne, gleich in der ersten Runde ausgeschieden.
Wegen der vergebenen Matchbälle liess Bacsinszky die Grosschance auf die Achtelfinals sausen, denn auch im zweiten Spiel, gegen die Deutsche Laura Siegemund (WTA 33) oder die Bulgarin Tsvetana Pironkova (WTA 76), wäre Bacsinszky klar favorisiert gewesen. Zhang Shuai dagegen hatte vor dieser Saison (und vor der überraschenden Viertelfinal-Qualifikation am Australian Open) an einem Grand-Slam-Turnier noch nie eine Runde überstanden.
Auch eine zweite Chinesin überraschte zu Beginn des Tennisturniers: Zheng Saisai, Doppelspezialistin und die Nummer 64 der Einzel-Weltrangliste, die erst durch Absagen ins Einzelfeld nachgerückt war, eliminierte mit 6:4, 7:5 die Weltranglisten-Vierte Agnieszka Radwanska. (sda)
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