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Prolaktin ist ein Hormon, welches im Hypophysenvorderlappen produziert wird und physiologischerweise die Milchproduktion in der Brust stimuliert (bei fehlendem Prolactin ist Stillen nicht möglich). Die Produktion von Prolaktin wird durch hemmende Signale (insbesondere den Botenstoff Dopamin) aus dem Hypothalamus kontrolliert/gehemmt. Ein Prolaktinom ist ein gutartiger Tumor der Hypophyse (ein Adenom), welcher Prolaktin produziert. Dies führt zu erhöhten Prolaktinwerten im Blut (Hyperprolaktinämie). Prolaktinome sind die weitaus häufigsten hormonproduzierenden Adenome der Hypophyse. Prolaktinome können klein sein, mit einem Durchmesser im Bereich von Millimetern, aber auch mehrere Zentimeter gross werden mit Invasion der die Hypophyse umgebenden Strukturen. Ab einem Durchmesser vom mindestens 1cm spricht man von einem Makroprolaktinom, kleinere Prolaktinome werden als Mikroprolaktinome bezeichnet. Die Grösse der Prolaktinome korreliert bis zu einem gewissen Grad mit der Prolaktinkonzentration im Blut. Falls der gemessene Prolaktinwert deutlich tiefer liegt als aufgrund der Grösse des Adenoms erwartet, handelt es sich vermutlich nicht um ein Prolaktinom, sondern um eine andere Raumforderung, die durch Kompression des Hypophysenstiels zu einer verminderten Hemmung der Prolaktinproduktion im Vorderlappen (durch Dopamin) führt. Auch Erkrankungen der Nieren oder der Schilddrüse können erhöhte Prolaktinwerte verursachen; ebenso kann Stress zu einer (vorübergehenden) Prolaktinerhöhung führen. Eine weitere, besonders häufige und wichtige Ursache für erhöhte Prolaktinwerte sind Medikamente, dabei speziell Präparate, die gegen Übelkeit (Antiemetika) oder bei psychischen Erkrankungen (Neuroleptika) eingesetzt werden, weil diese (Dopaminantagonisten) meist dem Dopamin entgegenwirken, was zu einer Enthemmung der Prolaktinproduktion auch durch eigentlich gesunde Hypophysenzellen führen kann.
Die Hyperprolaktinämie führt zu verminderter Produktion von Gonadotropinen in der Hypophyse, was zu Störungen der Gonadenfunktion führt (hypogonadotroper Hypogonadismus). Bereits geringgradig erhöhte Prolaktinwerte können bei der Frau zu Zyklusstörungen führen. Dies ist der Grund, weshalb kleine (nicht aber grosse) Prolaktinome (Mikroprolaktinome) bei Frauen wesentlich häufiger diagnostiziert werden als bei Männern; die Prolaktinome verursachen bei Frauen eben oft schon Symptome, wenn sie noch klein sind. Ein weiteres Symptom der Hyperprolaktinämie ist bei Frauen eine Galaktorrhoe (Milchfluss). Bei Männern kann als Folge der Hyperprolaktinämie mit Hypogonadismus z.B. ein Libidoverlust auftreten. Bei grossen Prolaktinomen kann es durch den komprimierenden Effekt auf das übrige Hypophysengewebe zu Funktionsstörungen der übrigen Hypophysen-Hormonachsen kommen. Komprimiert ein Makroprolaktinom den Sehnerv, kann es zu Sehstörungen kommen (Beeinträchtigung der Sehschärfe oder Einschränkung des Gesichtsfeldes). Bei Infiltration benachbarter Strukturen kann es auch zu Funktionsstörungen anderer Hirnnerven mit zB Doppelbildern oder Gesichtsschmerzen kommen.
Die Therapie eines Prolaktinoms erfolgt in erster Linie medikamentös mit Dopaminagonisten (meist Cabergolin). Damit lassen sich die erhöhten Prolaktinwerte in der Regel zurück in den normalen Bereich bringen, das Prolaktinom wird kleiner und kann bei genügend konsequenter Therapie ganz verschwinden. Eine chirurgische Behandlung ist beim Prolaktinom nur in Ausnahmefällen indiziert.