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Das Sjögren-Syndrom ist eine chronische Autoimmunerkrankung aus der Gruppe der Kollagenosen. Das sind Erkrankungen des Bindegewebes.
Sjögren-Betroffene leiden häufig und meist schon im Frühstadium an einem chronisch trockenen Mund und chronisch trockenen Augen. Grund für die Austrocknung sind Entzündungen der Speichel- und der Tränendrüsen, bedingt durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems.
Im Laufe der Erkrankung können weitere Schleimhäute austrocknen. Oft betroffen sind die Geschlechtsorgane (Scheidentrockenheit), die Atemwege und die Drüsen der Haut. Hinzu gesellen sich diverse weitere Symptome wie Muskel- und Gelenkbeschwerden, insbesondere eine chronische Müdigkeit und Erschöpfung.
Benannt ist diese Form von Rheuma nach dem schwedischen Augenarzt Henrik Sjögren (1899-1986), der das Sjögren-Syndrom (sprich: Schögren-Syndrom) erstmals wissenschaftlich beschrieben hat. «Syndrom» meint die gleichzeitige Bündelung verschiedener Symptome zu einem eigenen Krankheitsbild.
Allein in der Schweiz haben schätzungsweise 15’000 Menschen das Sjögren-Syndrom. Frauen erkranken daran zehnmal so häufig wie Männer.
Ursachen
Wie bei vielen anderen Krankheiten mit autoimmunen Zügen lässt sich nicht erklären, warum welche Personen am Sjögren-Syndrom erkranken. Was die Fehlsteuerung des eigenen Immunsystems verursacht und warum sie ausgerechnet zu Störungen und Entzündungen bestimmter Drüsen führt, ist der Medizin ein Rätsel. Ebenso unbekannt ist, warum Sjögren-Betroffene an chronischer Müdigkeit leiden und ob diese auf die Drüsenerkrankung zurückgeht.
Es mag eine erbliche Veranlagung geben, unter bestimmen Bedingungen ein Sjögren-Syndrom zu entwickeln. Viele Betroffene haben Verwandte, die an einer entzündlichen Form von Rheuma leiden. Weiter vermutet man, dass Infektionen, Stress und hormonelle Veränderungen das Sjögren-Syndrom auslösen können.
Personen mit entzündlichem Rheuma haben ein hohes Risiko, zusätzlich am Sjögren-Syndrom zu erkranken. Rund ein Drittel der Patienten, die an einer rheumatoiden Arthritis, an Lupus erythematodes oder einer anderen Kollagenose leiden, entwickeln ein (dann «sekundär» genanntes) Sjögren-Syndrom.
Symptome
Trotz der auffälligen Mund- und Augentrockenheit ist das Sjögren-Syndrom mehr als eine Drüsenerkrankung. Es zieht den ganzen Körper in Mitleidenschaft und führt zu Allgemeinsymptomen wie Müdigkeit, Leistungsminderung, Erschöpfung und Fieber. Auch kann es auf Gelenke, Muskeln und innere Organe übergreifen.
Beim Sjögren-Syndrom attackieren eigene Immunzellen vor allem die Speichel- und die Tränendrüsen. Die dadurch hervorgerufenen Entzündungen hemmen deren Sekretbildung und können das Drüsengewebe zerstören. Die chronische Störung der Drüsenfunktion verursacht vor allem einen trockenen Mund und trockene Augen.
Trockene Augen
Um zu funktionieren, müssen die Augen permanent benetzt sein. Ohne Tränenflüssigkeit würde das Lid nicht geschmeidig über das Auge gleiten und könnten wir den Blick kaum hin und her schweifen lassen. Zudem tötet der Tränenfilm Krankheitserreger ab und spült Fremdstoffe aus dem Auge. Zu wenig benetzte Augen verursachen Fremdkörpergefühle. Die Bindehaut ist gerötet, empfindlich und neigt zu Entzündungen. Die Hornhaut des Auges kann eintrocknen, rissig werden und die Sehfähigkeit einschränken.
Trockener Mund
Der Speichel hat vielfältige Aufgaben. Er befeuchtet die Mundschleimhaut, hemmt das Bakterienwachstum und beschleunigt die Wundheilung. Er dient als Puffer gegen Säuren und hilft, den Zahnschmelz mit Mineralsalzen zu härten. Zu geringer Speichelfluss hat viele nachteilige Folgen. Die Mundschleimhaut wird gereizt, kann Risse bekommen und sich entzünden. Die Zähne und das Zahnfleisch werden anfälliger für Karies und Parodontose. Das Geschmacksempfinden lässt nach, und das Schlucken kann schwerfallen. Zudem kommt es häufiger zu Infektionen im Hals-Nasen-Rachen-Raum.
Scheidentrockenheit
Neben den Tränen- und Speicheldrüsen können weitere Drüsen und Schleimhäute von der entzündungsbedingten Austrocknung betroffen sein, namentlich die Drüsen der Haut und die Schleimhäute der Atemwege. Jedoch besonders häufig leiden weibliche Sjögren-Betroffene an einer ausgeprägten Scheidentrockenheit. Der Mangel an Vaginalschleim führt dazu, dass Viren, Bakterien und Pilze ein leichtes Spiel haben, in die Scheide und die Gebärmutter zu gelangen.
Bei vielen Sjögren-Betroffenen greift die Krankheit auf den Bewegungsapparat über. Die Folge sind entzündete Gelenke, Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen.
Auch Entzündungen der Ohrspeicheldrüse und der Blutgefässe oder nicht-entzündliche Erkrankungen des Nervensystems kommen vor. Selten sind auch Organe wie die Lunge oder die Nieren betroffen.
Der oftmals grösste Leidensdruck beim Sjögren-Symptom geht von der schweren chronischen Müdigkeit aus. Die körperlichen Ressourcen der Betroffenen erschöpfen sich rasch, und sie brauchen längere Erholungsphasen, um sich zu regenerieren. Der dauernde Müdigkeits- und Erschöpfungszustand kann die Arbeitsfähigkeit und die Lebensqualität massiv einschränken.
Diagnose
Man darf von einzelnen Symptomen nicht vorschnell auf ein Sjögren-Syndrom schliessen. Trockene Augen, trockene Mundschleimhäute und chronische Müdigkeit sind in den allermeisten Fällen auf Stress, langes Arbeiten am Bildschirm, schlechte Schlafgewohnheiten oder einfach darauf zurückzuführen, dass man zu wenig Wasser getrunken hat.
Umso schwieriger ist es, das vergleichsweise seltene Sjögren-Syndrom aufzuspüren. Häufig verstreichen Jahre bis zur zutreffenden Diagnose. Die Diagnostik orientiert sich an internationalen Kriterien, basierend auf dem Nachweis einer stark verminderten Tränen- und Speichelproduktion und spezieller Antikörper im Blutkreislauf.
Zusätzlich sollten die Speicheldrüsen untersucht werden. Eine Entzündung dieser Drüsen lässt sich durch bildgebende Verfahren kenntlich machen und durch eine mikroskopische Untersuchung einer Lippenschleimhaut-Probe (Biopsie) nachweisen. Unter dem Mikroskop zeigt sich in diesem Fall eine hohe Konzentration von Immunzellen (Lymphozyten).
Behandlung
Das Sjögren-Syndrom gilt nach heutigem Stand des medizinischen Wissens als unheilbar. Gegenwärtig gibt es keine Medikamente, die gegen sämtliche Symptome erfolgreich angehen. Doch es wird intensiv an einer Therapie gegen das Sjögren-Syndrom geforscht und sind schon verschiedene klinische Studien im Gang, deren Resultate in den nächsten Jahren erwartet werden dürfen.
Gegen die Trockenheitssymptome helfen verschiedene nicht-medikamentöse Mittel. Der Trockenheit der Augen lässt sich mit Augentropfen, Salben und Gels beikommen. Gegen die Mundtrockenheit helfen Speichelersatzstoffe. Zudem machen viele Betroffene gute Erfahrungen mit (zuckerfreiem) Kaugummi. Gleichzeitig sind eine intensive Mundpflege und eine sorgfältige Vorbeugung gegen Karies wichtig.
Führt das Sjögren-Syndrom zu schweren entzündlichen Gelenkbeschwerden, wird der behandelnde Rheumatologe möglicherweise zu einer medikamentösen Therapie anraten, um die Entzündungen und die Schmerzen effektiv zu bekämpfen.