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Links etwas Text, rechts viel Blattrand: Die Abbildung zeigt einen scheinbar missproportionierten Ausschnitt aus einer im 9. Jahrhundert in St. Gallen entstandenen Handschrift. Was erst bei genauerem Hinsehen zu erkennen ist: Das eigentliche Sujet befindet sich rechts, auf dem - eben nicht leeren - Blattrand. Es handelt sich um eine Griffelzeichnung. So nennt man Zeichnungen, die mit einem Griffel ausgeführt wurden. Als figürliche Darstellungen oder Ornamente sind sie in mittelalterlichen Pergamentcodices recht häufig anzutreffen. Griffelzeichnungen kann man aber auch Zeichnungen nennen, die einen Griffel darstellen. Spitzfindig gefolgert ist die Bezeichnung «Griffelzeichnung» ein homonymer Ausdruck, ein gleichlautendes Wort also, das für verschiedene Bedeutungen steht. Und siehe da: Die Griffelzeichnung auf unserer Abbildung ist beides, eine mit Griffel ausgeführte Zeichnung eines Griffels. Das spitze und lange Schreibgerät ist an seiner charakteristischen Spachtelform am oberen Ende deutlich zu erkennen. Die Doppeldeutigkeit der Bezeichnung «Griffelzeichnung» verdichtet und dynamisiert sich im Artefakt zur Permutation von Zeichentechnik und Sujet. Ein Bezug der Skizze zum nebenstehenden Text ist dabei nicht herzustellen. Die Zeichnung illustriert vielmehr ihre eigene instrumentelle Entstehung und stellt dadurch ein eigenwilliges Zeugnis metamedialer Selbstreferentialität dar.