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Wiel Arets, Potenziale des Bildes
Trotz, oder gerade Dank der berechtigten Kritik am Bürogebäude der Allianz Versicherung lässt sich viel Interessantes entdecken. Da die klassischen Positionen der Architekturlehre so eindeutig missachtet werden, bleiben nur zwei mögliche Reaktionen: Stürmische Ablehnung oder der Wechsel des Beurteilungsmassstabes. Folgt man dem zweiten Weg, bietet sich die Gelegenheit das Potential von Bildern am Bau etwas besser verstehen zu können.
(…vorher) Zunächst einmal dient das Bild als Verweis. Offensichtlich zeigt es eine Steinoberfläche. Vom Architekten erfahren wir, dass es sich dabei um das Abbild der Onyx Marmorplatten des Barcelona Pavillons handelt. Die Fassade schlägt damit die Brücke zu einem bedeutenden Bauwerk, seinem Architekten Mies van der Rohe und ganz allgemein zur Moderne.
Allerdings ist dieser Bezug für die Mehrheit der Betrachter nicht massgebend. Sie wird schon an der Zuordnung der Steinart scheitern. Zumal die Verwendung des Steines so gar nicht jenem in Barcelona entspricht. Dort dient er der Verkleidung von geschlossenen Wandscheiben. Hier wird eine Lochfassade gebildet, was so ziemlich das Gegenteil von dem ist, wofür der Barcelona Pavillon steht. Man muss das Aufgreifen gerade dieses Steines als ein „postmodernes“ Spiel mit den Realitäten verstehen. Es wird hier etwas angedeutet, um es gleich wieder in sein Gegenteil zu verkehren. Wenn diese Wirkung gewollt ist, dann muss sie als sehr elitär bezeichnet werden. Nur die wenigsten wollen und können ihr folgen. Damit verpufft das Potential des Verweises wie die Bläschen im Champagnerglas.
Der zweite Ansatzpunkt ist die optische Wirkung der gesamten Fassade. Mit ihrem grossen Lochanteil und den schmalen „Steinumrandungen“ erzeugt sie ein filigranes Raster. Dieses schützt sich vor der orthogonalen Langeweile, in dem die einzelnen Löcher leicht gegeneinander versetzt sind. Zusammen mit den dahinter liegenden Vorhängen erzeugt der Glasaufdruck eine feine, filigrane Wirkung. Vorhang und Bildfläche haben eine ähnliche Färbung und drohen unter der Glasspiegelung gelegentlich zu verschwimmen. Die Begrenzung des verschobenen Lochmusters ist nicht immer eindeutig erkennbar. Gerade diese Unklarheit erzeugt Spannung. Sie macht die Fassade zu einem Konstrukt ineinander fliessender Flächen und hat so durchaus ihren Reiz.
Alles in Allem hinterlässt der Bürokomplex in Wallisellen einen zwiespältigen Eindruck. Aus ästhetischer Sicht lässt sich der Fassade etwas abgewinnen, wenn man auf feine Unschärfe-Effekte steht. Die Verwendung eines Steinmusters ist für diese Wirkung jedoch nicht notwendig. Ganz zu schweigen vom Bezug zur modernen Architekturikone. Es scheint, als griffen Bildwirkung und Gebäudekonzept nicht optimal ineinander. Darum bleibt die aussichtsreichste Qualität weitestgehend verborgen. Die Möglichkeit mit Bildern und Glas synthetische Materialien herzustellen, blitzt den auch nur punktuell auf. (Weiter bei …)