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wohl Niederlande, um 1865
Gusseisen, verschraubt, Bronzepatina-Fassung
H. 216 cm, B. 105 cm, T. 48 cm
Inv. 2009.335.
Gusseisen wurde erst spät, etwa seit dem Ende des 18. Jahrhunderts, beliebt und verbreitet. Den Höhepunkt der Beliebtheit erlebte dieser Werkstoff im 19. Jahrhundert. Man bezeichnet das Jahrhundert deshalb auch als «eisernes Zeitalter». Viele Architekten zwischen Klassizismus und Jugendstil verwende-ten an ihren Bauten Gusseisen. Zu erinnern ist an Karl Friedrich Schinkel (1781-1841), Melchior Berri (1801-1854), Gustave Eiffel (1832-1923) u. a. Aber auch Möbel und Schmuck wurden aus Eisen hergestellt. Zahlreiche Musterbücher beeinflussten den Geschmack der Zeitgenossen stark und trugen zur Verbreitung architektonischer Zierformen bei, welche die Architektur bis Ende des 19. Jahrhunderts prägten. Zur Herstellung eines gusseisernen Werkes benötigt man einen Holzmodel oder ein Gusseisen-Stück (das seinerseits als Model dient). Im Unterschied zum Schmiedeeisen, das ein Produkt der Handarbeit ist, kann beim Gusseisen seriell gearbeitet werden. Von einem Model können beinahe unendlich viele Stücke hergestellt werden. Sie werden zu einem Bruchteil des Preises für Schmiedeeisen-Arbeiten produziert. Es wurde denn auch beanstandet, dass dieses Verfahren wenig schöpferische Tätigkeit voraussetze. Dem ist entgegenzuhalten, dass Entwurf und Ausführung gusseiserner Werke sehr wohl Kreativität und handwerkliches Können verlangen. Einer der heftigsten Kritiker war John Ruskin (1819-1900). Er bezeichnete «ein Land, das diesen vulgären und billigen Ersatz für echte Verzierungen verwendete, als unzivilisiert». Mehr und mehr bemühte sich das Kunstgewerbe um individuelle Schöpfungen und bevorzugte mit den alten Handwerksgebräuchen wieder das Schmiedeeisen. Viele gusseiserne Zeugnisse wie Markthallen, Musikpavillons, Trinkbrunnen, Wetterstationen, aber auch gusseiserne Bauteile wie Säulen, Balustraden etc. sind zerstört worden. Umso willkommener ist dem Historischen Museum die gusseiserne Garderobe aus der Zeit des Historismus. Der Kleiderständer ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts und Inbegriff des bürgerlichen Möbels. Das Stück wurde um 1880 im «Spezial Album» der Basler Firma Rudolf Preiswerk als Verkaufsobjekt angepriesen. Preiswerk hatte die Garderobe nicht selbst hergestellt, sondern von einer anderen Firma bezogen. Man kennt drei Giesser, die diesen Typ produzierten: L.-I.-Enthoven-&-Co. in 's Gravenhage, De Prins van Oranje in Den Haag und James M'Ewan & Co. in Melbourne. Ein Exemplar ist abgebildet im Standardwerk von Georg Himmelheber, Möbel aus Eisen, Geschichte, Formen, Techniken. Neben dem Historischen Museum Hannover besitzt nun auch das Historische Museum Basel ein Exemplar. Rudolf Preiswerk (1832-1895) war Kaufmann, Gusswarenhändler und Eisenbaukonstrukteur. Anfänglich am Münsterberg, später in der Malzgasse, dann an der St. Margarethenstrasse, entwickelte sich die Firma zu einem grossen Betrieb, der im 20. Jahrhundert unter dem Namen Preiswerk & Esser in Kleinbasel an der Mattenstrasse 63, dann an der Schönaustrasse 10, bekannt war.