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St. Gallen - Unter dem Titel "Subversive Sorgfalt" zeigt das Museum im Lagerhaus St. Gallen Stickereien von Jeanne Natalie Wintsch (1871-1944). Die eigenwilligen, sorgfältig gestalteten Werke zeugen vom Aufbegehren der Künstlerin gegen ihre Abschiebung in die Psychiatrie.
Die Ausstellung dauert vom 31. August bis zum 14. November. Das Museum im Lagerhaus und die Stiftung für schweizerische Naive Kunst und Art Brut widmen der Aussenseiterkünstlerin erstmals in der Schweiz eine Werkübersicht, wie sie mitteilten.
Jeanne Natalie Wintsch wurde 1917 in Lausanne von ihren Brüdern in eine Klinik gebracht, weil sie Stimmen gehört und ihre Mutter als Teufel angesehen haben soll. Nach Aufenthalten in der Anstalt Cery und im Burghölzli in Zürich wurde sie 1922 in die Pflegeanstalt Rheinau für "Unheilbare" abgeschoben.
Spät entdecktSie begann Buchstaben, Wörter, Satzfragmente und geheime Zeichen auf bunte Tücher zu sticken und wurde so zur Schrift- und Stickkünstlerin. Der Assistenzarzt Oscar E. Pfister zeigte sich beeindruckt und würdigte die künstlerische Ausdruckskraft der Patientin.
Mit seiner Hilfe wurde Wintsch 1925 von den "Unheilbaren" in die Freiheit entlassen. Sie kehrte nach Lausanne zurück, wo sie als Klavier- und Sticklehrerin arbeitete. Pfister, ihr ehemaliger Arzt, begründete ihre Heilung später mit der "intensiven bildlichen Betätigung und Auseinandersetzung mit ihrem Wahninhalten".
Wintsch erfand gestickte Kalligrafien, die sie mit magisch-okkulten Zeichen und Symbolen überhöhte. Sie verformte Buchstaben in kaum lesbare Zeichen, schrieb phonetisch oder in verkehrter Richtung und schuf Bilderrätsel. Manche Werke widmete sie den Ärzten, von denen ihr Schicksal abhing.
SDA-ATS