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Zwergmangusten scheinen komplexe Rufe zu produzieren, die aus einer Kombination unterscheidbarer Einzelrufe bestehen. Dies zeigt eine Studie, die Forschende der Universität Zürich in Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences veröffentlicht haben. Die Autoren, die unterschiedlichen Forschungsdisziplinen (Biologie und Linguistik) angehören, haben ihre jeweilige Expertise innerhalb einer neuartigen, sprachwissenschaftlich begründeten Forschungsansatzes zusammengebracht, der die Erforschung von Tierkommunikation auf eine neue Grundlage stellen könnte. Die Studie stellt den ersten Versuch dar, akustische Kommunikationsformen einer Tierart auf diese Weise zu analysieren. Möglich wurde sie dank eines einzigartigen, transdisziplinären Ansatzes, der im Rahmen des NFS Evolving Language verfolgt wird.
Die Art und Weise, wie Tiere miteinander interagieren, hat Menschen schon immer fasziniert. Wie viele Informationen können sie einander mitteilen? Im Gegensatz zu Menschen können wir Tiere nicht fragen, was sie meinen, wenn sie Rufe von sich geben. Dennoch lässt sich feststellen, dass Kommunikation im sozialen Leben vieler Spezies eine zentrale Rolle spielt und sich hinsichtlich ihrer Komplexität von Art zu Art stark unterscheidet. Eine Möglichkeit, die Komplexität von Kommunikationsformen zu erhören, ist die Kombinationen von einzelnen Signalen zu längeren Strukturen. Im Hinblick auf Spezies mit begrenztem Repertoire hat man dies als einen Mechanismus identifiziert, der ihnen die Steigerung ihrer Kommunikationsleistung erlaubt.
Was diese Studie neuartig macht: Bisher haben sich die meisten Studien zu Tierrufkombinationen auf nicht-menschliche Primaten konzentriert und das Ziel verfolgt, die Entwicklung der menschlichen Sprache zu verstehen. Neuere Forschungsresultate deuten jedoch darauf hin, dass auch andere Spezies ähnliche kombinatorische Fähigkeiten besitzen wie Menschen und einzelne Einheiten zu komplexen Sequenzen kombinieren können. Die jüngste Studie Dwarf mongoose alarm calls: investigating a complex non-human animal call zielt darauf ab, unser Verständnis von Tierkommunikation zu erweitern, indem kombinationsähnliche Strukturen im Alarmruf-System der Zwergmanguste, die ein Säugetier aber kein Primat ist, experimentell untersucht wird.
Warum Zwergmangusten: Zwergmangusten sind eine sehr soziale und kommunkationsfreudige Spezies, die Veränderungen in ihrer sozialen und ökologischen Umgebung einander mittels Ruflauten mitteilen. Trotz dieser grundlegenden Komplexität des Kommunikationsystems von Zwergmangusten ist weitgehend unklar, ob sie auch dazu fähig sind, einzelne Rufe zu größeren Strukturen zu kombinieren. Es ist denkbar, dass Zwergmangusten, wie andere Spezies auch, neue Bedeutungen konstruieren, indem sie Rufkombinationen verwenden, um subtile Bedeutungsunterschiede auszudrücken. Tatsächlich deuten akustische Analysen und Wiedergabe-Experimente darauf hin, dass Zwergmangusten einen komplexen Ruf (T3) produzieren, der zumindest oberflächlich betrachtet zwei unterscheidbare Alarmrufe zu beinhalten scheint. Kontrollierte Wiedergabe-Experimente deuten zudem darauf hin, dass diese Rufkombination für die Zwergmangusten bedeutungsvoll ist.
Was den transdisziplinären Ansatz interessant macht: Durch die Nutzung technischer Begriffe und Konzepte aus den Sprachwissenschaften wollten die Forschenden herausfinden, wie der Ruf T3 gebraucht wird und was seine möglichen Bedeutungen sind. Ein solcher Ansatz ist der Schlüssel zum Verständnis der Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Kombinationen in diversen tierischen Kommunikationssystemen, sowie zwischen ebendiesen Kombinationen und denjenigen in der menschlichen Sprache.
Dieser neuartige, transdisziplinäre Ansatz wird innerhalb des neuen Nationalen Forschungsschwerpunkts (NFS) „Evolving Language“ verfolgt. Der NFS „Evolving Language“ ist der erste NFS, der sich dem Thema Sprache widmet. Er vereint mehr als 30 Forschungsgruppen und eine Vielzahl unterschiedlicher Disziplinen aus der ganzen Schweiz: Linguistik, Psychologie, Neurowissenschaften, Biologie, Anthropologie, Medizin, Genetik, Informatik, Geographie, Mathematik und Philosophie. Gemeinsam versuchen die Forschenden, eines der großen Rätsel der Menschheit zu lösen: Wie entwickelte unsere Spezies die Fähigkeit zum sprachlichen Ausdruck, zur Verarbeitung von Sprache im Gehirn und zur ständigen Weitervermittlung neuer Variationen an die nächste Generation? Wie wird unsere sprachliche Fähigkeit sich angesichts der digitalen Kommunikation und der Neurotechnik fortan entwickeln?