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Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts
Das Projekt behandelt das Thema Fair Trade aus einer weiten und historischen Perspektive. Es behandelt die 1960er und 70er Jahre, als innerhalb der Dritt-Welt-Bewegung verschiedene Konzepte von gerechtem Nord-Süd-Handel debattiert wurden. Offenbar bestand in den 1960er Jahren ein Fenster öffentlichen Interessen für ein ökonomisch-akademisches Konzept von Fair Trade. So forderte etwa 1969 die Haslemere Group, eine spontan gebildete Gruppe von Aktivisten, die Öffnung des britischen Marktes für südliche Produkte und die Industrialisierung der Dritten Welt. Gleichzeitig änderte die bereits stark professionelle Entwicklungs-NGO Oxfam ihren Schwerpunkt von der simplen Entwicklungshilfe zum Hilfe-zur-Selbsthilfe-Prinzip und fokussierte dabei auf Kleinbauern. Während die Haslemere Group in den 1970er Jahren verschwand, setzte Oxfam ihr Fair Trade-Konzept auf zwei Ebenen um. Auf der kommerziellen Ebene unterstützte Oxfam das internationale Gütesiegel, auf der politischen Ebene wurde Oxfam zu einem bedeutenden Promotor der Anti-Globalisierungs-Bewegung. Ziel ist, eine britische Fallstudie zu erstellen und mit der Schweizer Fallstudie (meiner Habilitationsschrift) zu vergleichen.
Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext
Die Schweiz steht, gemeinsam mit England und den Niederlanden, an der Spitze der Nationen mit hohem Fair Trade-Konsum. Aus diesen drei Nationen kamen in den 1980er-Jahren auch die Nicht-Regierungs-Organisationen, welche die Einführung eines internationalen Fair Trade-Gütesiegels vorantrieben. Ein Vergleich zwischen England und der Schweiz soll die internationale Dimension des Phänomenes Fair Trade aufzeigen, so etwa das Verschwinden der akademisch-ökonomischen Komponente in den 1970er Jahre und das paradoxe Zusammengehen von Fair Trade mit westlichem Agrarprotektionismus.