Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03626.jsonl.gz/246

2 MUSEEN DER REGION 30. November 2021 GRUSSWORT DES MUSEUMSVEREINS GRUSSWORT DES REGIONALEN NATURPARKS Andreas Schiendorfer Präsident Museumsverein Schaffhausen Vorfreude auf das Jubiläum Die Museumsgeschichte beginnt 1843, als der Stadtrat dem Naturwissenschaftlichen Verein einige Räume in der Stadtbibliothek auf dem Herrenacker zur Verfügung stellt. Der Kunstverein (1848) und der Historische Verein (1856) folgen wenig später – in einer Zeit notabene, in welcher Schaffhausen wirtschaftlich eher darniederliegt und ein ausgeprägter Auswanderungskanton ist. Mit ihrer Sammeltätigkeit legen diese drei Vereine den Grundstock der Schaffhauser Museumswelt. Ohne sie wären unschätzbare Kulturschätze der Nachwelt – uns! – unwiderruflich verlorengegangen. Die Naturforschende Gesellschaft feiert 2022 ihr 150jähriges Bestehen, weil sich der Naturwissenschaftliche Verein 1872 aufspaltet. Warum? Es will der Öffentlichkeit einfach nicht gelingen, die Museumsfrage befriedigend zu lösen. Deshalb wird ein Museumsverein gegründet. Das sind nicht wir. Dieser Museumsverein wird 1918 wieder aufgelöst. Darum: Der gordische Museumsknoten scheint gelöst. Auf dem Herrenacker steht der (1923 erfolgte) Auszug der Stadtbibliothek bevor, so dass dort – bis zur Bombardierung – genügend Platz vorhanden ist. Und in Bezug auf das seit 1909 in den Räumlichkeiten des Allerheiligenklosters geplante zusätzliche Museum geht es vorwärts. Zunächst sollen die romanischen Gebäudeteile – der Westflügel der Alten Abtei – saniert werden. Und mit Karl Sulzberger wird ein Konservator angestellt, der zu einem Drittel vom Kanton finanziert wird. Am 9. September 1921 genehmigt der Grosse Stadtrat das definitive Baukonzept und einen ersten Kredit von 170 000 Franken. Wiederum erachtet der Kanton das Museum auch als kantonale Angelegenheit und beteiligt sich mit 20 Prozent. Doch erst 1925 sind die ersten elf provisorisch eingerichteten Räume zugänglich. Und weil es weiterhin nur schleppend weitergeht, wird im Mai 1926 als Katalysator der Museumsverein, gewissermassen der interdisziplinäre Zusammenschluss der Fachvereine, gegründet. Am 1. September 1928 wird die erste Bauetappe abgeschlossen, am 10. September 1938 folgt die endgültige Eröffnung. Bis zu diesen Jubiläen dauert es noch – trotzdem hat der Museumsverein sein Jubiläumsprojekt bereits lanciert. Und freut sich zudem, dass diese Museumsbeilage im «Schaffhauser Bock» bereits zum fünften Mal erscheint. Weil sie einem Bedürfnis entspricht! Martina Isler Stv. Geschäftsführerin Regionaler Naturpark Schaffhausen Der Erhalt der Kulturschätze Wussten Sie, dass man in Schleitheim einen ehemaligen Gipsstollen entdecken kann? Oder dass in Guntmadingen eine beeindruckende Pflugsammlung auf interessierte Besuchende wartet und zahlreiche Dörfer ihrer Vergangenheit eigene Ortsmuseen widmen? Haben Sie in Bibern schon mal die uralten Schreibmaschinen ausprobiert oder sich in Hallau mit der Geschichte des Weinbaus beschäftigt? Sollte Ihre Antwort auf diese Fragen nun mehrfach «nein» gelautet haben, ist diese Museumsbeilage genau das richtige für Sie. Tauchen Sie ein in die einzigartige Museumslandschaft im Kanton Schaffhausen und lassen Sie sich von den spannenden und liebevoll eingerichteten Museen in ihren Bann ziehen. Die Museen sind nicht nur ein Highlight für interessierte Besuchende, sie sind auch ein wichtiges Stück Schaffhauser Kulturgeschichte, die es zu wahren und zu pflegen gilt. Ein Grossteil der Museen in der Region wird von Vereinen oder Einzelpersonen auf freiwilliger Basis betrieben und unterhalten. Der Regionale Naturpark Schaffhausen möchte sie, zusammen mit dem Museumsverein Schaffhausen, unterstützen und so einen Beitrag zum Erhalt der vielfältigen Schaffhauser Kulturgeschichte leisten. Nebst der Vernetzung der Museumsbetreiberinnen und -betreiber möchten wir mithelfen, die Museen und ihre Schätze noch bekannter zu machen. Dies kann in der Umsetzung von Werbemassnahmen, durch die Mithilfe bei der Kuratierung einer neuen Ausstellung oder der Inventarisierung von bisher noch nicht erfassten Ausstellungsstücken sein. Für die vielen Museumsbetreiberinnen und -betreiber wünsche ich mir, dass ihr enormes Engagement für den Erhalt der Kulturschätze in der Region erkannt und geschätzt wird und dass sich die Bevölkerung für die vielen noch wenig bekannten Geschichten und Zeugen aus der Vergangenheit begeistern lässt. Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich viel Spass beim Stöbern in dieser Beilage. Einen Besuch in einem oder mehreren Museen empfehle ich wärmstens und bin überzeugt, dass die Schaffhauser Museumslandschaft für alle etwas zu bieten hat. Wie heisst es so schön: «Nur wer die Geschichte kennt, kann die Gegenwart verstehen.» Machen wir uns also auf eine spannende Reise in die Vergangenheit und lernen noch mehr über den Kanton Schaffhausen von früher. Es ist wichtig und relevant. Nicht nur für heute, sondern auch für morgen und übermorgen. Anmeldetalon Museumsverein Schaffhausen ☐ Einzelmitglied ☐ Partnermitglied ☐ Jugendmitglied ☐ Kollektivmitglied Name: Strasse: Telefon: Vorname: PLZ / Ort: E-Mail: Bei Partnermitgliedschaft bitte zusätzliche Angaben zur Partnerin / zum Partner im selben Haushalt; bei Kollektivmitgliedern bitte den Namen der Firma oder der Institution angeben. Bitte senden Sie Ihren Anmeldetalon vollständig ausgefüllt per Post an: Museumsverein Schaffhausen Postfach 171 8201 Schaffhausen (Allfällige Fragen bitte an die Vereinssekretärin Brigitte Pfister, <email-pii>) Name: Vorname: Datum: Unterschrift:
30. November 2021 MUSEEN DER REGION 3 Authentischer als das Original Vom Wasserballprofi zum Modellbauer Attila Kasza berichtet von seinen Erfahrungen als Modellbauer und von seinen Projekten zur deutschen Geschichte in den Jahren 1907 und 1975. Salome Zulauf Schaffhausen/Bebra. Das Hobby zum Beruf machen – diesen Idealfall konnte Attila Kasza gleich zweimal für sich in Anspruch nehmen. «Ich komme ursprünglich aus Ungarn. In meiner Heimat ist Wasserball Nationalsport», erzählt Attila Kasza. «Nach meiner Ingenieurausbildung konnte ich mein Hobby, Wasserballspielen, einige Jahre lang professionell ausüben. Zuletzt kam ich auf die Saison 2014 hin nach Schaffhausen, dessen Team nach fünf Jahren wieder in die Nationalliga A aufgestiegen war. Weil es meiner Familie und mir hier so gut gefällt, sind wir auch nach Abschluss meiner sportlichen Karriere in Schaffhausen geblieben.» Neben dem Wassersport war Attila Kasza schon immer auch von der Kunst des Modellbaus fasziniert. So zeichnete und konstruierte er oft in seiner Freizeit Gebäude und Skulpturen. Kein Wunder also, dass Attila Kasza auch bei der grössten Miniaturwelt der Schweiz arbeitete. Hier durfte er einige interessante Projekte umsetzen. In seinen Händen entstanden regionale Wahrzeichen wie die Burg Hohenklingen in Stein am Rhein, der Munot oder auch die IWC. Erfahrungen sammeln AAls Sportler ist sich Kasza gewohnt, ins kalte Wasser zu springen. Die Faszination des Modellbaus und die positiven Erfahrungen liessen ihn 2019 den Sprung in die Selbstständigkeit wagen und mit K Model Art ein eigenes Unternehmen gründen. «Authentischer als das Original», lautet das Motto auf seiner Firmenhomepage, womit er signalisiert, dass es ihm nicht einfach um ein fotografisch genaues Abbild geht, sondern darum, das Wesen des dargestellten Objekts zu erfassen. «Der Anfang war nicht einfach für mich, doch dann ging es plötzlich sehr schnell», erzählt Attila Kasza. «Mein Mentor Peter Jezler, der über vielfältige internationale Kontakte verfügt, ermunterte mich, bei einem Wettbewerb für ein Modellbauprojekt in Bebra, in Nordhessen, mitzumachen.» Für Attila Kasza war das die ideale Chance, seine Kompetenz und seine Leidenschaft einem neuen Publikum – und vor allem der zuständigen Jury - zu präsentieren. Und er wusste sie zu nutzen! Bebra kennenlernen Die anspruchsvolle Aufgabe bestand darin, im neu bezogenen Inselgebäude, einem 150 Jahre alten, aufwändig sanierten Bahnbauwerk, den Eisenbahnknotenpunkt Bebra zu zwei verschiedenen Zeitpunkten, 1907 und 1975, darzustellen – mit all den historischen Bahnhofsgebäuden, den alten Häusern und schier unzähligen Zuggeleisen. Eine Mammutaufgabe, in nur viereinhalb Monaten. «In dieser Zeit stand ich sehr unter Zeitdruck. Es ist Attila Kasza zeigt in seiner Ausstellung seine Modelle zum Thema DDR. Eine Reise in die Welt der Miniaturen. Eine Ausstellung mit einer spannenden Geschichte. Bilder: zVg./ Attila Kasza ein grosser Aufwand, Modelle in der erforderlichen Qualität und Genauigkeit zu zeichnen und zu bauen, dass sie nahezu identisch mit der Realität sind», so der Modellbauer. «Für meine Arbeit habe ich etwa 2000 Bilder von Gebäuden erhalten, damit ich mir alles genauestens aufzeichnen und vorstellen konnte. Aber wichtiger war für mich, so viele der darzustellenden Gebäude wie möglich zu besichtigen, um die Stimmung sowie die Umgebung selbst mitzuerleben.» Auch bei den dargestellten Personen wollte er nichts dem Zufall überlassen. «Die Kleidung der Personen oder die Aktivitäten, welche sie in dieser Zeit ausübten, versuchte ich anhand von Geschichten und Erzählungen zu analysieren», fügt Attila Kasza hinzu. «Förmlich gekleidete Personen, welche aus einer Oper kommen oder auf den Bahnsteig in einen Zug einsteigen, das sind alles Alltagssituationen, welche die Zeit des entsprechenden Jahrzehnts geprägt haben». «Das Historische ist mir wichtig» Bebra gehörte zwar zur Bundesrepublik, hatte aber als Grenzbahnhof eine Sonderstellung. Es war also keineswegs verlorene Zeit, dass er sich in die Welt des Deutschen Reichs vor dem Ersten Weltkrieg und dann vor allem auch in die Geschichte der DDR vertiefte, sondern für seine Arbeit wichtig und für ihn persönlich bereichernd. «Im Jahr 1990 geboren, habe ich die DDR nicht mehr miterlebt», so der Modellbauer. «Daher war es für mich umso spannender, mich mit der Geschichte von Bebra auseinanderzusetzen. Ich sprach beispielsweise mit einem Zöllner, welcher 1975 an der Grenze zwischen Ost und West, zwischen Sozialismus und Kapitalismus tätig war. Von dieser intensiven Auseinandersetzung mit den individuellen Geschichten von Personen und Gebäuden haben meine Modelle zweifellos profitiert.» Auch bei der Gestaltung der Ausstellung machte sich der Künstler Gedanken darüber, wie er die Stimmung den Besucherinnen und Besuchern vermitteln kann. «Ich habe die Modelle bewusst in grauen und gelben Farbtönen gehalten, mit diesen Farbkombinationen wollte ich die Stimmung, welche zu dieser Zeit herrschte, herüberbringen». Die latente Stimmung der Unzufriedenheit und der Armut spiegelt sich in den Farben der Modelle wider. «Für die Projekte und Erfahrungen in Bebra sowie die dabei erhaltene Unterstützung durch meine Frau bin ich sehr dankbar. Nach diesen Erfahrungen möchte ich mich nun aber wieder vertieft mit der Schaffhauser Region auseinandersetzen», gibt Attila Kasza seinen beruflichen Plänen Ausdruck. «Schaffhausen hat ebenso spannende Wahrzeichen und Geschichten wie Bebra.» Und mittlerweile kennt er sich hier so gut aus, dass er seinem Motto «Authentischer als das Original» zweifellos gerecht zu werden vermag.