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Der SC Bern steht kurz davor, als erster Meister die Playoffs zu verpassen. Na und? Die Berner spielen so oder so keine Rolle mehr.
Ein Drama. Der SC Bern steht kurz davor, als erster Meister die Playoffs zu verpassen. Na und? Die Berner spielen so oder so keine Rolle mehr. Ein Drama. Der SC Bern spielt in Zürich um seine letzte Playoff-Chance.
Oder doch kein Drama? Nein, es ist kein Drama mehr. Theoretisch ist es zwar richtig, dass der SC Bern, wenn er die Playoffs doch noch schaffen sollte, das Talent und die Erfahrung hätte, um dann in den Viertelfinals die ZSC Lions aus den Playoffs zu kippen.
Und die Geschichte lehrt uns, dass der Qualifikationssieger durchaus in der ersten Runde verlieren kann. Der SCB eliminierte 2005 vom achten Platz aus Qualifikationssieger Lugano. Und schied später zweimal selber als Qualifikationssieger in der ersten Runde aus.
Aber diese Sensationen waren nur möglich, weil der Aussenseiter «einen Lauf» hatte. Das ist jetzt nicht der Fall. Der SC Bern ist in einer so desolaten Verfassung, dass die ZSC Lions in den Playoffs den Meister in vier Spielen eliminieren würden.
Nach dem monatelangen Larifari-Betrieb auch im Training fehlen dem SCB inzwischen Intensität und Energie für eine Playoff-Sensation.
Es spielt eigentlich keine Rolle, ob der SCB die Playoffs noch schafft oder nicht. Es geht in dieser letzten Runde nur noch darum, ob der SCB in dieser Saison noch drei Heimspiele austragen darf (in der Abstiegsrunde gegen Biel, Zug und die Lakers) oder ob es nur noch zwei Playoff-Heimpartien gegen die ZSC Lions gibt. Gehupft wie gesprungen.
Wenn der SCB im letzten Spiel in Zürich nicht einen Punkt mehr holt als Lausanne in der letzten Partie in Fribourg, dann sind solche Überlegungen ohnehin nicht mehr nötig: Zum ersten Mal würde der Meister die Playoffs verpassen. Aber es wird in diesem Falle kein kerniges Krisenspektakel geben. Zumal ja der SCB auch theoretisch nicht mehr absteigen kann.
SCB-General Marc Lüthi sagt zwar vor der letzten Partie gegen die ZSC Lions: «Wir geben nicht auf, bis das letzte Resultat feststeht.» Viel Hoffnung macht er sich allerdings nicht.
Polemisieren will er aber auch nicht und macht eine politisch korrekte Analyse, die niemanden aufschreckt: «Es war im letzten Frühjahr beim Titelgewinn nicht alles gut und jetzt ist nicht alles schlecht. Die Wahrheit wird wohl irgendwo in der Mitte liegen.»
Diese verhältnismässige Gelassenheit hat einen Grund: Der erstmalige Sturz in die Abstiegsspiele seit dem Wiederaufstieg von 1986 hätte für den SCB praktisch keine wirtschaftlichen Folgen.
Marc Lüthi: «Weil wir ein ausgeprägtes Bonus-Malus-System haben.» Wenn die Playoffs verpasst werden, reduziert sich die Salärsumme des Teams um 15 Prozent. Damit werden die zu erwartenden Einnahmeausfälle kompensiert.
Um die wirtschaftliche Existenz möglichst unabhängig vom Sport zu machen, hat Lüthi den SCB zu einem Gemischtwarenladen mit 50 Millionen Umsatz ausgebaut: Nur noch rund ein Drittel wird direkt mit dem Eishockey erwirtschaftet. Der Rest über Gastronomiebetriebe in der Stadt. Die Verbannung in die Abstiegsrunde hätte praktisch keine Auswirkungen auf die Jahresrechnung. Beim SCB gilt auch: Kohle gut, alles gut.
Weil die Existenz nicht gefährdet ist, wird es das übliche Krisenszenario mit Personalwechsel kaum geben. Marc Lüthi sagt bereits jetzt: «Trainer Guy Boucher bleibt in jedem Fall. Er hatte gar keine Chance, in so kurzer Zeit die Wende herbeizuführen. Wir sind ja nicht erst in den letzten fünf Partien in diese Situation hineingeraten.»
Der kanadische NHL-Bandengeneral hat einen Vertrag bis Ende der übernächsten Saison. Seine Absetzung ist schon aus wirtschaftlichen Gründen kein Thema. Auch eine Amtsenthebung von Sportchef Sven Leuenberger kann praktisch ausgeschlossen werden. Zu gut ist seine Bilanz in den letzten vier Jahren mit zwei Titeln und einem Finale.
«Es ist nicht so, dass wir einfach zur Tagesordnung übergehen», sagt Marc Lüthi. «Was in dieser Saison passiert ist, tut sehr weh. Auch wenn wir finanziell mit einem blauen Auge davonkommen, so ist der Imageverlust schmerzhaft. Wir müssen und werden über die Bücher gehen.»
Zwar sagt Marc Lüthi, man werde nicht einfach den Kopf in den Sand stecken. Aber alles deutet darauf hin, dass genau das der Fall sein wird. Der SCB-Chef hat bereits billige Ausreden parat. So führt er etwa an, ein Grund für die Krise seien die vielen verletzten Verteidiger.
Bereits zeichnet sich ab: Mehr als Wechsel auf den Ausländerpositionen und die bereits bekannten Abgänge und Zuzüge wird es beim SCB kaum geben. Der Mut fehlt, wenigstens alle vier Ausländerpositionen neu zu besetzen. Die Hierarchie im Team wird wohl nicht angetastet.
Der SCB hat auf nächste Saison bisher nur einen namhaften Zuzug (Thomas Rüfenacht/Lugano). Selbst wenn es noch gelingen sollte, einen Spieler irgendwo aus einem laufenden Vertrag herauszuholen: Ein «Blockbuster-Transfer», der die Chemie von Grund auf verändert, wird es mit ziemlicher Sicherheit nicht geben.
Marc Lüthi hat zwar eingesehen, dass der Bär eigentlich gründlich gewaschen werden sollte. Aber er versucht erst einmal, den Bären zu waschen, ohne ihn nass zu machen. Das Risiko dabei: Die Krise wird nicht gelöst. Sondern bloss in den nächsten Herbst transferiert.