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Interview mit Stéphane Sarni: leider verhalten sich die Spieler in gewisse Situationen nicht sehr solidarisch!
Du hast mit dem FC Lugano am Ende deines Vertrages im letzten Juni 2012 eine schlechte Erfahrung gemacht. Erzähl uns, was passiert ist?
S.S. – Ich fühlte mich wirklich gut in Lugano. Leider hat uns der Sportdirektor vor Beginn des Trainings, am 10. Juni mitgeteilt, dass sie nicht mehr auf mich und ein Dutzend weitere Spieler zählen. Das gehört zum Fussball dazu, doch hätten sie uns vor der Wiederaufnahme des Trainings informieren sollen. Danach habe ich mich ins Büro des Clubs begeben, um einige Details zu besprechen, unter anderem auch die Frage der unbezahlten Löhne für die Monate April, Mai und bald auch Juni 2012; also fast drei Monate Verspätung mit Lohnzahlungen. Die Antwort war sehr vage. Also habe ich die SAFP kontaktiert, um sie über meine Situation in Kenntnis zu setzen und um sie anzufragen, ein Schreiben an den Klub zu senden. Daraufhin hat der Club ziemlich schlecht reagiert und aufgrund einiger Aussagen die ich gegenüber den Meiden machte, mir eine Busse in der Höhe von CHF 10'000 auferlegen wollen. Eine Busse, welche von Löhnen, die ich noch nicht erhalten habe, abgezogen werden sollte. Unglaublich! Leider verhielten sich die Spieler in dieser Situation nicht sehr solidarisch, weshalb ich auch nicht gezögert habe, die notwendigen Schritte alleine einzuleiten. Nach vielen Schreiben und der Intervention von SAFP Präsident RA Dr. Lucien Valloni, habe ich endlich meine Lohnzahlungen erhalten, musste keine Busse bezahlen und alles nahm ein gutes Ende.
Warst Du schon mal in einer solchen Situation mit einem Club?
S.S. – Ja, ein Mal, mit dem AC Bellinzona im Jahr 2001. Wir wurden mehr als drei Monate nicht bezahlt. Wir streikten und sind am Sonntag nicht zum Spiel erschienen. Das war eine schwierige Situation. Der Verein hat sich aber seither sehr gut entwickelt und nichts dergleichen scheint mehr stattgefunden zu haben.
Du bist bekannt dafür, ein sehr professioneller, gewissenhafter und konstanter Fussballspieler zu sein. Wie hast Du damals reagiert?
S.S. – Ich bin ein Mensch, der keine Polemik mag. Im Gegenteil. Ich liebe den Fussball. Das Geld war nie das Alleinbestimmende während meiner Karriere, auch wenn es ein wichtiger Aspekt ist. Das Gegenteil zu behaupten wäre heuchlerisch. Doch wenn ich meine Arbeit in einer professionellen Art und Weise ausführe, sowie auch meine Mannschaftskollegen und andere ihre Pflichten nicht einhalten, dann zeige ich meine Persönlichkeit und meinen Charakter. Ich lasse mir nicht alles gefallen. Das ist sehr wichtig im Fussball.
Wie hat Dich die SAFP mit Deinem Problem unterstützt?
S.S. – In einer sehr professionellen, schnellen, effektiven und diskreten Art. Lucien Valloni ist jemand, der seine Arbeit sehr gut kennt.
Welchen Rat würdest Du, als erfahrener Spieler, einem jungen Spieler in Deiner Situation geben?
S.S. – Als Erstes musst du gut auf dem Platz zu sein! Anschliessend brauchst du Persönlichkeit und Mut und man muss sich Gehör und Respekt verschaffen. Das Alter spielt dabei keine Rolle. Und vor allem soll man nicht zögern, kompetente Personen um Rat zu fragen.
Sprechen wir darüber, dass Du zurzeit ohne Klub bist. Wie erlebst du das?
S.-S. – Tatsächlich habe ich noch immer keinen Klub. Doch ich habe die Möglichkeit, täglich mit der U21 des FC Sion, die mich aufgenommen haben, trainieren zu dürfen. Ich vermisse den Wettbewerb sehr und ich habe grosse Lust zu spielen. Doch ich bleibe positiv und kämpferisch weil ich mich auch noch weiterhin im Fussball auf hohem Niveau weiter entwickeln will.
Wie siehst Du deine Zukunft und was sind Deine Pläne?
S.S. – Ich möchte weiterhin professionellen Fussball spielen, und zwar solange es meine Gesundheit und meine Wünsche zulassen, was bis heute noch der Fall ist. Danach werde ich mein Diplom als Trainer abschliessen; denn wieso nicht eine Karriere als Trainer starten. Ich war schon immer Fussballer aber in meinen Gedanken auch oftmals Trainer. Ich meinen Beruf immer vollkommen verstehen. Und vor allem frage ich mich immer, welche Wege ich einschlagen muss, um Fortschritte zu machen und besser zu werden, auch nach 14 Jahre Karriere.
Zum Schluss: Wie siehst Du deine Fussballkarriere heute? Wie hast Du diese Karriere erlebt und welche Schlüsse ziehst Du daraus?
S.S. – Ich habe die Möglichkeit, den schönsten Beruf der Welt auszuüben und meine Leidenschaft zu leben. Ich kann Menschen, Kulturen und verschiedene Persönlichkeiten kennen lernen. Das ist alles sehr bereichernd. Und im Fussball erleben wir Emotionen, die man nirgends anders findet. Das ist gigantisch! Ich lerne jeden Tag etwas Neues. Ich denke, dass ich bis heute mit meinem Weg zufrieden bin. Ich wünsche mir, noch weitere Erfahrungen im Ausland sammeln zu dürfen, weil ich da noch viel mehr Neues entdecken könnte. Und tief im Herzen… zum dritten Mal einen Schweizer Cup gewinnen.