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Im Fokus: Die Glatt
Die Glatt - nicht zu verwechseln mit dem 36 Kilometer langen Zürcher Fluss gleichen Namens – entspringt auf etwa 960 Meter über Meer östlich des Ausserrhoder Dorfes Schwellbrunn. Unterhalb von Herisau fliesst sie durch das tiefe Glatttobel, dann vorbei an der St. Kolumbanshöhle und unter der SBB-Brücke Flawil-Gossau hindurch Richtung Oberglatt in der Gemeinde Flawil. Unterhalb von Niederglatt, das zur Gemeinde Oberuzwil gehört, bildet die Glatt mit zahlreichen Windungen eine Auenlandschaft von nationaler Bedeutung. Ohnehin weist der Flusslauf zahlreiche landschaftliche Schönheiten auf. Eine massgeschneiderte Schutzverordnung sorgt dafür, dass die Gebiete entlang des Flusses im Einklang mit der Natur genutzt werden. Die Glatt mündet an der Gemeindegrenze zwischen Uzwil und Oberbüren auf 496 Meter über Meer in die Thur. Bis dahin hat sie einen Weg von 25 Kilometern zurückgelegt. Lediglich auf ihren letzten knapp zwei Kilometern fliesst der Fluss durch die Gemeinde Uzwil. Via Thur und Rhein gelangt das Wasser der Glatt in die Nordsee.
(Ab)Wasser
Ein grosser Teil des Wassers der Glatt ist gereinigtes Abwasser aus Kläranlagen. In den letzten Jahren wurden grosse Anstrengungen unternommen, die Wasserqualität der Glatt zu verbessern. Seit 2015 betreibt die ARA Herisau eine zusätzliche Reinigungsstufe, um Mikroverunreinigungen zu aus dem Abwasser zu entfernen. Auch der letzthin abgeschlossene Ausbau der ARA Oberglatt in Flawil brachte dort eine solche Reinigungsstufe. Diese Investitionen führen zu einem wesentlichen Rückgang der Belastungen mit Mikroverunreinigungen im ganzen Fluss. Die Natur freuts. Und so gesehen passt zeitlich gut, an der Fischgängigkeit der Glatt zu arbeiten.
Sperre
Der Abschnitt der Glatt in der Gemeinde Uzwil ist kurz. Trotzdem: Auf diesem Teilstück befindet sich etwa das Auslaufbauwerk des Hochwasser-Entlastungsstollens von der Uze in die Glatt. Und in diesem Abschnitt befindet sich auch eine künstliche Sperre, welche den Fischen den Aufstieg in die Glatt verwehrt, sichtbar als kleiner Wasserfall. Die etwa anderthalb Meter hohe Betonsperre wurde damals gebaut, damit sich das Bett der Glatt nicht tiefer ins Gelände frisst. Ihre Nebenwirkung: Sie ist für Fische unüberwindlich. Das soll sich nun ändern. Damit dereinst Barben, Nasen, Äschen und später vielleicht auch Lachse zurückkehren und in die Glatt aufsteigen können, haben in diesen Tagen Bauarbeiten gestartet. Die Betonsperre wird abgebrochen und durch eine 58 Meter lange und leicht geneigte Rampe abgelöst, die aus einer Abfolge einzelner Becken besteht. Sie ermöglicht allen Fischarten, in die Glatt aufzusteigen. Insgesamt 11,5 Kilometer des Flusslaufes werden ihnen neu zugänglich. Gleichzeitig sollen an den Ufer- und Böschungsbereichen ökologische Aufwertungen erfolgen und die Vernetzung mit dem Naturschutzgebiet Augarten verbessert werden. Weil der Gemeinde Uzwil die Fischgängigkeit der Glatt sehr am Herzen liegt, geht sie im Projekt in die Vorfinanzierung und stellt dem Kanton die erforderliche Liquidität zur Verfügung. Sonst hätte es für Uzwil zu lange gedauert, bis dieses wichtige Vorhaben umgesetzt wird. Erfreulich ist auch: Das Vorhaben wird vom naturemade star-Fonds des ewz finanziell unterstützt.
Badeort
An der Glatt befand sich einst eine ganz besondere Einrichtung. Von 1842 bis 1907 existierte die Wasserheilanstalt «Bad Buchenthal». Ihr Wasser bezog sie aus der Glatt. Das Bad lag knapp ausserhalb der Gemeinde, auf Oberbürer Boden, wurde aber als zu Niederuzwil gehörend angesehen und auch so beworben. Ab 1880 war die Kuranstalt im Besitz der Firma Mathias Naef. Das Niederuzwiler Textilunternehmen baute das Bad aus und machte es zu einem der besten und stärkst frequentierten Bäder der Ostschweiz. Scharen von ausländischen Gästen strömten nach Buchental, um sich gegen allerlei Krankheiten und Gebrechen behandeln zu lassen. Die Anreise erfolgte vom Bahnhof Uzwil «…in ½ Std. zu Fuss oder in ¼ Std. per Badkutsche (vorher zu bestellen) nach Buchenthal», wie das Buch «Kurorte, Bäder und Heilquellen der Schweiz» aus dem Jahr 1892 schildert. Die klimatischen Verhältnisse seien sehr günstig, «durch den ausserordentlichen Baumreichthum und die strömenden Flüsse wird die warme Luft im Hochsommer immer genügend abgekühlt und bewegt.»