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| Ephräm d. Syrer († 373) - Drei Reden über den Glauben

Erste Rede
8.
Es gibt noch etwas Wunderbares im Schoße des Staubes, das wegen seiner Unscheinbarkeit nicht beachtet wird. In der Erde wachsen die verschiedensten Wurzeln friedlich nebeneinander: neben einer süßen eine bittere, neben einer heilkräftigen eine todbringende. Der Staub bringt das Gift der bitteren ebenso hervor wie die Süßigkeit der heilkräftigen. Die bittere sammelt ihr Gift, ohne daß es sich in die süße ergießt; die süße sammelt ihre Süßigkeit, ohne sie den Wurzeln ihrer Umgebung mitzuteilen. Wie bringt es doch der verachtete Staub zustande, jeglichem sein Wachstum zu verleihen? Den Früchten gibt er ihren Wohlgeschmack und damit zugleich ihre Farben, den Blumen ihre Wohlgerüche und damit zugleich ihre Wohlgestalt. Den Früchten verschafft er Wohlgeschmack, den Wurzeln Aroma. Den Blüten verleiht er Schönheit, und die Blumen kleidet er in Pracht. Für den Samen wird er zum Künstler: er flicht den Weizen zu Ähren, festigt den Halm durch Knoten, wie ein Gebäude durch Gebälk, damit er die Frucht tragen und vor dem Winde bestehen könne. Wie viele Brüste hat doch die Erde, um jegliches mit ihrer Feuchtigkeit zu säugen! Es ist wunderbar, daß sie so viele Brüste hat, als es Wurzeln gibt, und daß sie die bittere und die süße Wurzel, jede ihrer Art entsprechend, säugt. Es ist wunderbar, daß es nur eine Brust ist, die alle Früchte aufzieht. An ihr saugen nämlich die Wurzeln und [dadurch] die Früchte, die süßen und die bitteren. In der einen vermehrt sie die Süßigkeit, in der andern die Bitterkeit.