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| Gregor der Grosse († 604) - Ausgewählte Briefe

Neuntes Buch. Briefe aus den Jahren 598–599
XVII. (60.) An den Defensor Romanus, den Defensor Fantinus, den Subdiakon Sabinus, den Notar Hadrianus, den Notar Eugenius, den Subdiakon Felix, den Defensor Sergius, den Defensor Bonifacius, sowie auch an die sechs Patrone in gleichen Abschriften.
Inhalt
XVII.
Gesammtausgabe 60.
An den Defensor Romanus, den Defensor Fantinus, den Subdiakon Sabinus, den Notar Hadrianus, den Notar Eugenius, den Subdiakon Felix, den Defensor Sergius, den Defensor Bonifacius, sowie auch an die sechs Patrone in gleichen Abschriften.
Inhalt: Die Adressaten hatten sämtlich die Rechtspflege in Patrimoniumsgebieten zu verwalten. Es wird ihnen aufgetragen, dafür zu sorgen, dass die Bischöfe keine weiblichen Personen zur Pflege bei sich wohnen lassen. Ausgenommen soll sein die Muttcr, Tante,| leibliche Schwester oder sonst eine Person, welche zu keinem üblen Verdachte Anlass gibt. Jedoch ratet der große Papst, auch solche nicht im Hause zu dulden. Desgleichen sollen die Bischöfe dafür sorgen, dass auch die ihnen untergebenen Kleriker der höheren Weihen die gleiche Lebensweise beobachten. Sollten diese aber (schon vor ihrer Weihe) geheiratet haben und die Frau noch leben, so sollen sie dieselbe nicht entlassen, sondern mit ihr ein keusches Leben führen.
Wie kluge Vorsicht den Weg zu Vergehungen abzusperren und Schädliches ferne zu halten weiß, so öffnet die Nachlässigkeit den Ausschweifungen die Türe und pflegt [S. 475] herbeizuführen, was vermieden werden sollte. Darum müssen wir große Sorgfalt anwenden und sowohl dem Rufe als auch der sittlichen Bewahrung unsrer priesterlichen Mitbrüder Rechnung tragen. Wir haben aber erfahren, dass einige Bischöfe unter dem Vorwand, als wäre es für ihre Verpflegung notwendig, mit Frauenspersonen in einem Hause zusammen wohnen. Damit also dadurch nicht den Spöttern ein gerechter Anlass zu übler Nachrede gegeben werde und der alte Feind des Menschengeschlechtes sich nicht hieraus ein gefügiges Werkzeug zur Verführung bilde, so tragen wir Dir durch Gegenwärtiges auf, Dich hierin streng und eifrig zu erweisen. Und wenn etwa Bischöfe innerhalb Deines Patrimoniumssprengels mit Frauenspersonen zusammenleben, so verbiete dies durchaus und gestatte letzteren in keiner Weise, in Zukunft noch in der Wohnung des Bischofs zu bleiben, ausgenommen diejenigen, von welchen es die Strenge der Kirchengesetze gestattet, nämlich Mutter, Tante, leibliche Schwester und andere dieser Art, bei welchen kein übler Verdacht aufkommen kann. Besser tun sie jedoch, wenn sie auch das Zusammenwohnen mit solchen vermeiden. Denn man liest, dass der hl. Augustin nicht einmal seine Schwester bei sich wohnen ließ, indem er, sprach: „Die bei meiner Schwester sich aufhalten, sind nicht meine Schwestern." Diese Vorsicht eines so gelehrten Mannes muss uns eine große Belehrung sein. Denn es ist tollkühne Verwegenheit, wenn der Minderstarke nicht fürchtet, wovor ein Held zittert. Wer aber auch Erlaubtes sich versagen gelernt hat, der hält sich weislich vom Unerlaubten ferne. Wir wollen nun zwar in dieser Beziehung niemanden gegen seinen Willen verpflichten, sondern wir wenden, wie die Ärzte zu tun pflegen, eine Heilmethode an, welche zwar den Verhältnissen entsprechend unvollkommen ist, aber doch die Genesung anbahnt.1 Darum legen wir keinen Zwang auf, sondern [S. 476] überlassen es ihrem guten Willen, ob sie den so heiligen und gelehrten Mann nachahmen wollen. Deine Wohlerfahrenheit lasse sich also den Vollzug unsrer Anordnungen und Verbote angelegentlichst am Herzen liegen. Denn sollten wir es später anders finden, so mögest Du wissen, das Dir bei uns keine kleine Gefahr daraus erwachsen werde. Außerdem sei es Dir angelegen, auch unsre bischöflichen Mitbrüder zu ermahnen, dass sie auch die ihnen untergebenen Kleriker höherer Weihen zur Beobachtung derselben Lebensweise, wie sie ihnen selbst obliegt, auf jegliche Weise anhalten sollen. Nur dies kommt dabei zu bemerken, dass dieselben nach Vorschrift der Canones ihre Ehefrau nicht entlassen, sondern auf dem Wege der Keuschheit leiten sollen.
1: "Tristem curam, sed tamen pro salute." Im Gegensatz zu Feierabend, welcher unter "tristis cura" eine bittere Arznei versteht, scheint uns der hl. Gregor hier von einer Heilmethode zu sprechen, welche nur das Erreichbare ins Auge fasst, obwohl dies noch nicht die volle Gesundheit bewirkt. Diese Auffassung allein scheint dem Zusammenhang zu entsprechen, da ja begründet werden soll, warum nicht zwangsweise darauf gedrungen werde, dem Beispiel des hl. Augustinus zu folgen. Auch die einzelnen Ausdrücke fügen sich dieser Auffassung weit leichter; so wird "tamen pro salute" doch nicht von einer Arznei gesagt, welche sicher hilft, sondern von einer solchen, die zur Genesung indirekt beiträgt.