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Mein Entschluss, Philosophie zu studieren, stand schon früh fest. Als Teenager bot mir die Bibliothek meines Vaters dazu reiche Anregung. Die Erschütterungen des Zweiten Weltkriegs und später die Aufdeckung der entsetzlichen Verbrechen der Naziherrschaft waren der Stoff für profundes Nachdenken über den Sinn des Humanen wie auch über die Wurzeln der menschlichen Destruktivität.
So begann ich 1946 an der Universität München das Studium von Philosophie, Psychologie und Literatur, das ich 1950 mit einem Thema aus der philosophischen Ethik mit dem Doktorat abschloss. Ich plante, mich zu habilitieren, doch das scheiterte an der konservativ-sexistischen Haltung der damaligen Universitätsleitung: Die Universitätslaufbahn sei für Frauen nicht vorgesehen, und man könne mir nur eine unbezahlte Assistentenstelle anbieten.
Deshalb schloss ich mein erstes Nebenfach, Psychologie, ab und absolvierte parallel dazu die Ausbildung zur Psychotherapeutin. Anlässlich eines Studiensemesters in den U.S.A. lernte ich den Schweizer Chemiker und Gymnasiallehrer H.L. Meier kennen, den ich 1958 heiratete.
Meine erfüllende Aufgabe als Mutter zweier Töchter liess dank der familiären Mitarbeit meines Mannes noch Spielraum für berufliche Tätigkeit als Dozentin und Psychotherapeutin.
Seit den 70er Jahren gab mir die Frauenbewegung richtungsweisende Impulse im Blick auf die patriarchale Geschlechter-Ideologie und auf die Existenz vorpatriarchalen Kulturen. Daraus entstand nach dem frühen Tod meines Mannes mein Buch „Ursprünge und Befreiungen“ 1988 (Neufassung 2011). Es schildert die Bedingungen für den Kulturumbruch und die Entstehung des Patriarchats ab dem 4. vorchristlichen Jahrtausend. Dabei konnte ich den Wandel von matrizentrischen und weitgehend egalitären Gesellschaften zur patriarchalen Gewaltherrschaft anhand von deren gezielter Umdeutung alter Mythen und Symbole nachvollziehen (siehe Bildband „Von der göttlichen Löwin zum Wahrzeichen männlicher Macht“, 1993). Die heute noch bestehenden Ethnien mit weiblicher Abstammungs- und Erbfolge sowie mit ihrem Glauben an weibliche Gottheiten sind lebendige Zeugen vor- und frühgeschichtlicher Gegebenheiten.
In meinem Buch „Gefühl und Urteilskraft“ (1997) plädiere ich für den Einbezug emotionaler Erfahrungen in Philosophie und Wissenschaft und für die emotionale Vernunft in Ethik und Politik. In der Essaysammlung „Macht und Moral“ (2007) geht es um die Aufkündigung patriarchaler Denkmuster auf allen Ebenen, beginnend bei den Rollenzuweisungen an die Geschlechter und der Definition von Familie.
Ohne Professur an einer Universität befand ich mich immer in der Rolle der Aussenseiterin, was aber zugleich Unabhängigkeit vom herrschenden Mainstream bedeutete.
In meiner emanzipatorischen Position trete ich für die Gleichstellung der Geschlechter auf allen Lebensgebieten ein. Sie ist noch längst nicht erreicht, solange weltweit Frauen aufgrund ihres biologischen Geschlechts diskriminiert, verfolgt und ermordet werden. Dies mindert nicht die längst fällige Rehabilitation homosexueller und bisexueller Orientierungen und die Anerkennung von Menschen mit von Geburt an differenten Geschlechtsorganen. Dazu genügt die viel beschworene „Political Correctness“ nicht. Es braucht das ehrliche Bemühen um Einfühlung, Verstehen und Wertschätzung.