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Eine Studie aus England hat untersucht, welche Ausstiegshilfen für welche Raucherinnen und Raucher besonders vielversprechend sind.
Eine junge Raucherin spricht womöglich auf eine andere Rauchstopphilfe an als ein älterer Raucher. Wäre bekannt, welche Hilfsmittel bei welchem Geschlecht oder welchem Alter am besten wirken, könnten gezielt Empfehlungen für bestimmte Personengruppen ausgesprochen werden.
Eine Arbeitsgruppe aus London und Düsseldorf machte sich auf die Suche nach solchen Zusammenhängen. Für eine Studie analysierte sie Daten einer seit 2006 in England laufenden Querschnittstudie, der «Smoking Toolkit Study», bei der monatlich etwa 1‘700 Personen über 16 Jahre zu ihrem Rauchverhalten, zu Rauchstoppversuchen und zur Nutzung verschiedener Rauchstoppmethoden (inkl. E-Zigarette) befragt werden. Anders als bei klinischen Studien wurde die Wirksamkeit unter realen Bedingungen erhoben, in der die Aufhörwilligen die Hilfsmittel selbst wählten und kombinierten. Als Merkmale wurden berücksichtigt: Grad der Tabakabhängigkeit, sozioökonomischer Status, Alter und Geschlecht.
19‘000 Datensätze
Die untersuchten Ausstiegshilfen waren: Nikotinersatztherapie, die Wirkstoffe Vareniclin und Bupropion, E-Zigaretten, persönliche Beratung, Telefonberatung, schriftliche Selbsthilfematerialien, Webseiten und Hypnose. Insgesamt wurden Daten von 18‘929 erwachsenen Rauchenden (davon 52% Frauen) berücksichtigt. Alle haben innerhalb der letzten 12 Monate geraucht und mindestens einen ernsthaften Rauchstoppversuch in dieser Zeit unternommen.
2‘980 der Befragten, die einen Rauchstoppversuch unternommen hatten, waren zum Zeitpunkt der Befragung rauchfrei (15.7%). Insgesamt hatten 10‘581 Befragte (55.9%) bei ihrem letzten Versuch eine oder mehrere Ausstiegshilfen genutzt. Am häufigsten benutzt wurden Nikotinersatztherapien in Selbstmedikation (27.5%), E-Zigaretten (12.7%), ärztlich verschriebene Nikotinersatztherapien (8,5%), Vareniclin (5,5%) und persönliche Unterstützung (4,6%). Die meisten Befragten nutzten nur eine einzelne Ausstiegshilfe.
Was wirkt?
Gemäss der Studie generell wirksam sind E-Zigaretten (Relative Wirksamkeit OR=1.95, 95% Konfidenzintervall KI 1.69 – 2.24) und Vareniclin (OR=1.82, 95% KI 1.51 – 2.21). Personen, die eines der beiden Produkte benutzten, blieben signifikant häufiger abstinent als Personen, die diese Produkte nicht benutzten. Ärztlich verschriebenen Nikotinersatztherapien erhöhten die Erfolgschance von Personen über 45 Jahren (OR=1.58, 95% KI 1.25 – 2.00), zeigten bei Personen unter 45 Jahren jedoch keinen messbaren Nutzen. Die Nutzung von internetbasierten Angeboten erhöhte die Abstinenzchancen bei Personen mit niedrigem sozioökonomischem Status (OR=2.20, 95% KI 1.22 – 3.98), zeigte bei Personen mit höherem sozioökonomischem Status jedoch keine Signifikanz. Telefonberatung und Webseiten waren nur bei Raucherinnen und Rauchern mit stärkerer Abhängigkeit signifikant wirksamer, Selbsthilfematerialien erwiesen sich bei diesen Personen hingegen als weniger wirksam. Für Nikotinersatztherapien in Selbstmedikation, Bupropion, persönliche Beratung sowie Hypnotherapie wurden keine signifikanten Ergebnisse gefunden.
Grenzen der Studie
Die Ergebnisse der Studie widersprechen teilweise Befunden aus klinischen Studien. So konnte die Wirksamkeit von persönlicher Beratung, Telefonberatung, schriftlichen Selbsthilfematerialien und internetbasierten Hilfen nicht bestätigt werden. Dies könnte an den besonderen Verhältnissen in England liegen, wo die diversen Formen von Unterstützung meist in Kombination mit pharmakologischen Hilfen in Anspruch genommen werden. Es stellt sich auch die Frage nach der Übertragbarkeit dieser Ergebnisse auf andere Länder. Eine solche Studie auf Bevölkerungs-Ebene ist aktuell wohl nur in England möglich, wo alle Formen von Ausstiegshilfen intensiv genutzt werden. In Ländern mit geringer Nutzung von Ausstiegshilfen wäre die Aussagekraft deutlich geringer. Unabhängig davon bleibt erwähnenswert, dass die in England weit verbreiteten Ausstiegshilfen offenbar unabhängig vom sozioökonomischen Status wirken. Sie verstärken also nicht die gesundheitliche Ungleichheit. Dass die Nutzung internetbasierter Angebote bei Personen mit niedrigem sozioökonomischem Status die Abstinenzchance erhöht, sollte bei der künftigen Gestaltung und Promotion dieser Unterstützungsangebote auch hierzulande berücksichtigt werden.
Quelle: Sarah Jackson, Daniel Kotz, Robert West, Jamie Brown. Construct and Predictive Validity of Moderators of real-world effectiveness of smoking cessation aids: a population study. doi: 10.1111/add.14656