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SushiSwap, eine Abspaltung (engl. = Fork) der grössten dezentralen Börse (DEX) Uniswap, erlebte nach seiner Gründung vor 2 Jahren enormen Erfolg. Im Laufe der Jahre wurde die dezentrale Verwaltung von SushiSwap jedoch mit mehreren Problemen konfrontiert, unter anderem der strengeren Regulierung von Protokollen.
SushiSwap wurde gegen Ende des DeFi-Sommers 2020 lanciert und war sofort erfolgreich. Es gibt einige gute, detaillierte Berichte über die frühe SushiSwap-Geschichte, aber die Grundzüge sind wie folgt: SushiSwap kopierte (engl. = forked) den Code von Uniswap und bot Nutzern einen Anreiz, ihre Liquidität von Uniswap weg zu migrieren. Damit wuchsen die hinterlegten Vermögenswerte (Total Value Locked, TVL) und der pseudonyme Schöpfer Chef Nomi verkaufte SUSHI-Token im Wert von 14 Millionen US-Dollar, bevor er die ETH-Erlöse an SushiSwap zurückgab und das Projekt verliess.
Der rasante Erfolg von Sushi
In den ersten 6 Monaten konnte SushiSwap schnell Marktanteile gewinnen. Nach dem Start nahm die Börse 40% des auf Ethereum basierenden DEX-Volumens ein, das im weiteren Verlauf des Jahres auf etwa 20% zurückging. Obwohl SushiSwap nie das Volumen von Uniswap V2 übertraf, war es eindeutig ein beeindruckender Konkurrent, der von einer starken Community unterstützt wurde.
Während Uniswap heute die dominierende dezentrale Börse in Bezug auf das Volumen bleibt, hat das Verwaltungsmodell von SushiSwap interessante Einblicke in die positiven Aspekte und Fallstricke der dezentralen Entscheidungsfindung geliefert. Die dezentralisierte Verlwatung des Protokolls hat angesichts des zunehmenden behördlichen Durchgreifens gegen Kryptobörsen neue Bedeutung erlangt. Im September letzten Jahres begann die SEC mit einer Untersuchung von Uniswap und erst diese Woche begann die Aufsichtsbehörde zu untersuchen, ob Coinbase nicht registrierte Wertpapiere gelistet hat.
Seit dem Rücktritt von Chefentwickler 0xMaki im September 2021 hat SushiSwap keinen offiziellen Anführer mehr und verlässt sich bei wichtigen Produktentscheidungen auf die Verwaltung der Community. Doch nun hat die SushiSwap-Community begonnen, über einen Vorschlag zur Wahl eines neuen „Chefkochs“ (im Grunde eines CEOs) zu debattieren, was sich auf die Beziehung von SushiSwap zu den Regulierungsbehörden auswirken könnte. Dieser Artikel wirft einen genaueren Blick auf die dezentrale Steuerung von SushiSwap und wie sie sich im Laufe der Zeit auf die Roadmap und den Marktanteil ausgewirkt hat.
Dezentralisierte Verwaltung eines Protokolls
Die dezentrale Governance von SushiSwap ist seit ihrer Gründung äusserst aktiv. Jedes Mitglied der Community kann einen Vorschlag einreichen – von Ideen für das Branding über neue Kettenintegrationen bis hin zum Versenden einer Sushi-Platte an Uniswap-Mitarbeiter – woraufhin das Kernteam darüber abstimmen kann. Um es zu verabschieden ist ein Quorum von 5 Millionen SUSHI erforderlich. 2021 war eines der turbulentesten Jahre für SushiSwap, mit internen Streitigkeiten und Versuchen, die Organisationsstruktur zu überarbeiten. Eine wichtige Erkenntnis aus diesen Ereignissen war die Schwierigkeit, in einem dezentralisierten Verwaltungsprozess Talente einzustellen und zu verwalten. Im Mai 2022 wurde mit 91% der Stimmen ein Vorschlag angenommen, 6 Mio. SUSHI (rund 9 Mio. USD) bereitzustellen, um die vorhandenen Talente zu halten, einen Vergütungsausschuss einzurichten und die Suche nach Führungskräften einzuleiten.
Auf der anderen Seite hat Uniswap Labs (nach eigener Aussage „ein Hauptakteur des Uniswap-Protokolls, der sich jetzt auf die Entwicklung einer Reihe von Produkten zur Unterstützung des Uniswap-Ökosystems konzentriert“) den Vorteil, wie ein normales Unternehmen mit Personal-, Finanz- und Rechtsteams zu funktionieren. Das Uniswap-Protokoll hat einen dreistufigen Governance-Prozess: Die erste Stufe erfordert eine Zustimmungsschwelle von 25’000 UNI und die nächste eine Zustimmungsschwelle von 50’000 UNI. Der letzte Schritt erfordert, dass ein Wallet 2.5 Mio. UNI-Token (über 20 Millionen Dollar) enthält, um den Vorschlag formell einzureichen.
Nur 66 Wallets halten genug UNI, um einen formellen Vorschlag zu unterbreiten, davon sind einige Treasury/Vesting-Wallets oder zentralisierte Börsen. Der grösste UNI-Inhaber ist der UNI-Timelock-Vertrag, und drei der vier nächstgrösseren sind UNI-Vesting-Verträge; in den ersten vier Jahren gehen 43% der Vesting-Token an das Treasury, 21% an das Team und 18% an Investoren. Die Verteilung von SUSHI ist im Gegensatz ziemlich dezentralisiert. Der grösste Halter ist der xSUSHI-Staking-Vertrag, der SUSHI von vielen verschiedenen Wallets enthält, gefolgt von einem Wallet, das Binance zugeordnet ist, und dem SushiSwap-Treasury. Sowohl durch den Verwaltungsprozess als auch durch die Verteilung der Token ist die Verwaltung von SushiSwap wohl oder übel stärker auf die Community ausgerichtet.
Nachteile der Dezentralisierung
Wie zu erwarten war, hat SushiSwap eine weitaus grössere Anzahl von Vorschlägen angenommen, so dass die dezentrale Börse auf 15 Blockchains verfügbar ist, während Uniswap nur auf 5 genutzt werden kann. SushiSwap bietet auch eine grössere Anzahl von Dienstleistungen an, die jedoch nur mit begrenztem Erfolg angeboten werden. Der grösste Liquiditätspool der Kreditplattform Kashi enthält etwas mehr als 200’000 USD für das Paar xSUSHI/USDC; zum Vergleich: auf Aave sind über 1.15 Milliarden USDC hinterlegt. MISO, die Sushi-Plattform für die Lancierung neuer Token, war ebenfalls nicht sehr erfolgreich. Aktuell gibt es nur eine Live-Auktion, die insgesamt 46 USDT eingebracht hat.
Das alles macht logisch Sinn. Das Verwaltungsmodell von SushiSwap ermöglicht es jemandem, zu sagen: „Hey, dieser neue Ethereum Layer 2 ist gerade erschienen und ich denke, wir sollten SushiSwap dorthin bringen.“ xSUSHI-Inhaber werden das wahrscheinlich eine gute Idee finden, die mehr Volumen und damit mehr Einnahmen für sie als Staker bringen sollte. Die gleiche Logik gilt auch für den Wettbewerb mit Aave und Compound im Bereich der Kreditvergabe. Es ist leicht, diese Vorschläge zu verabschieden, ohne zu bedenken, wie jede neue Funktion oder Kettenerweiterung die Ressourcen des Protokolls strapaziert und zu einer schleichenden Ausweitung der Aufgaben führt.
Uniswaps Modell bisher erfolgreicher
Dieser Ansatz steht im krassen Gegensatz zu Uniswap Labs, das sich auf die Entwicklung von Uniswap V3 konzentrierte und nur auf die allergrössten Layer-2-Netzwerke expandierte. Dies hat sich für Uniswap ausgezahlt; die Einführung von V3 versetzte dem Volumen von SushiSwap einen schweren Schlag. Betrachtet man das systemisch wichtigste Paar im DeFi-Bereich, USDC-WETH, wird die Auswirkung von Uniswap V3 sofort deutlich. SushiSwap hatte gelegentlich mehr Volumen als V2 für dieses Paar ermöglicht – auch in der Crash-Woche im Mai 2021 – als das Verhältnis 2.8 zu 2.2 Milliarden Dollar zugunsten von SushiSwap war. Knapp ein Jahr später, in der Woche des Luna-Crashs, wickelte SushiSwap nur 400 gegenüber 600 Millionen Dollar von Uniswap V2 und 10.9 Milliarden von V3 ab.
Die geringeren Volumina spiegeln sich auch im hinterlegten Gesamtwert (TVL) der grössten Liquiditätspools von SushiSwap wider. Das TVL von SushiSwap für den USDC-WETH-Pool verdreifachte sich von Januar 2021 bis Januar 2022, ist aber seitdem auf nur noch 30 Millionen USD gesunken. Die Poolauslastung, welche die gesamte Kapitaleffizienz von Liquiditätspools misst und durch Division des Volumens durch das TVL berechnet wird, zeigt für SushiSwap eine höhere Kapitaleffizienz als Uniswap V2, obwohl die Börse deutlich weniger effizient ist als V3. Für Liquiditätsanbieter besteht ein Anreiz, nur die Pools mit dem grössten Volumen zu betreten. Dabei werden Händler wahrscheinlich die Pools mit der grössten Liquidität nutzen, wodurch ein Kreislauf entsteht, von dem Uniswap V3 stark profitiert hat.
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Vorteile der Dezentralisierung
Dezentralisierung kann unglaublich chaotisch sein, aber sie ist auch widerstandsfähig. Ein Aspekt dieser Widerstandsfähigkeit wurde letzte Woche hervorgehoben, als die US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC) einen ehemaligen Mitarbeiter von Coinbase wegen Insiderhandels anklagte und verkündete, dass sie mindestens neun der 25 betroffenen Token als Wertpapiere einstuft. Dies löste Schockwellen aus und war die erste echte Massnahme, welche die wiederholte Aussage von SEC-Kommissar Gary Gensler widerspiegelt, dass viele oder die meisten Kryptowährungen Wertpapiere sind. In dieser Woche wurde auch berichtet, dass die SEC untersucht, ob Coinbase US-Nutzern den Handel mit nicht registrierten Wertpapieren erlaubt hat.
Vor etwas mehr als einem Jahr gab Uniswap Labs bekannt, dass die Firma aufgrund regulatorischer Entwicklungen eine Reihe von Token aus dem Uniswap-Frontend entfernt hat (Uniswap Labs kann eigentlich keine Pools oder Token aus dem zugrunde liegenden Protokoll entfernen). Im September 2021 wurde ausserdem berichtet, dass die SEC gegen Uniswap Labs ermittelt, insbesondere „wie Investoren Uniswap nutzen und wie das Protokoll vermarktet wird.“ SushiSwap hat hier einen klaren Vorteil: Es gibt kein Äquivalent zu Uniswap Labs, gegen das die Regulierungsbehörden vorgehen könnten.
Schlussfolgerung
Während sich SushiSwap darauf vorbereitet, seinen ersten CEO seit fast einem Jahr einzustellen, war das regulatorische Umfeld noch nie so angespannt. Es ist nicht schwer, sich eine Welt vorzustellen, in der der behördliche Druck weiter eskaliert und Uniswap Labs dazu zwingt, mehr Token zu entfernen und mehr Volumen zu dezentralen Wettbewerbern zu treiben. Die andere Unbekannte besteht darin, dass Uniswap den sogenannten Gebührenschalter einschalten könnte.
Dadurch würde ein kleiner Prozentsatz jeder Transaktion in das Uniswap-Treasury fliessen, ähnlich wie ein Teil der Transaktionsgebühren bei SushiSwap den xSUSHI-Stakern geschickt wird. Die Community hat kürzlich fast einstimmig dafür gestimmt, dies für zwei der grössten Pools einzuschalten. Falls dies tatsächlich umgesetzt wird, dürfte die Reaktion der Liquiditätsanbieter auf den Verlust eines Teils ihrer Einnahmen und die Frage, ob sie auf andere DEXs ausweichen, von entscheidender Bedeutung sein.