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Sonntag, 10. April 2022
Kirche Maria Frieden
«Cuando muere el sol» – Passionsmusik des 17. Jahrhunderts aus Spanien und Lateinamerika
Ensemble La Boz Galana
Florencia Menconi (Mezzosopran)
Sebastián León (Bariton)
Silke Gwendolyn Schulze (Dulzian und Blockflöten)
Louis Capeille (Spanische Harfe)
Dirk Trüten (Orgel)
Werke u.a. von Cascante, Correa de Araujo, Duron, Hidalgo und Selma y Salaverde
Cuando muere el sol: «Wenn die Sonne stirbt, / traurige Trauer zieht sich hin: / Himmel, Sterne, / Blumen, Pflanzen, / die Brunnen weinen, / die Morgenröte stöhnt, / die Berge spüren, / die Wellen rauschen, / und das menschliche Herz / bleibt in Ruhe». Mit diesen Worten beginnt das Werk, das diesem Programm seinen Namen gibt. Eine schöne Metapher der Passion Christi: Worte, die ein Gemälde aus der Zeit von Velázquez evozieren.
Parallel zur lateinischen liturgischen Musik waren die Stücke in kastilischer Sprache ein wichtiges Element im Klang religiöser Feiern in Spanien und den amerikanischen Kolonien. Diese Lieder, die sogenannten «Tonos», begleiteten die geistliche Feiern und bekräftigten das göttliche Wort durch verständliche Poesie für die Gläubigen. Nach den Gebräuchen während der Gegenreformation teilten die für diese Kompositionen verwendeten Gedichte (und Musik) die im Theater verwendeten Ressourcen, die nun in die Kirchen übertragen wurden, um ein «göttliches Theater» zu schaffen so und die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu erregen. Neben Instrumentalstücken umfasst dieses Programm Lieder, die die Fasten- und Passionszeit sowie private Andachten zum allerheiligsten Sakrament begleiteten. Die Werke stammen aus Archiven spanischer sowie lateinamerikanischer Kathedralen. Die Stücke aus der Kathedrale von Bogotá wurden von Dr. Sebastián León transkribiert.
Neben der Vokalpolyphonie erlangte auch die Orgelkunst in dieser Zeit grosse Bedeutung. Insofern ist v.a. der andalusische Organist Francisco Correa de Araujo zu nennen, dessen Sammlung Libro de tientos y discursos de musica practica zu den bedeutendsten ihrer Art zählt. Seine Musik vereint den kontrapunktischen Fluss der Musik der Renaissance mit der zwingenden Rhythmik und den virtuosen Melismen, die für die spanische Musik seiner Zeit typisch sind.
Mit dem Ensemble La Boz Galana dürfen wir eine der derzeit führenden Formationen auf dem Gebiet der spanischen Renaissance- und Barockmusik begrüssen. Das Ensemble wurde 2011 von Absolventen der Schola Cantorum Basiliensis gegründet. La Boz Galana tritt regelmässig bei internationalen Festivals wie Vochora, Froville, Musicales de Redon auf. Ein Programm mit Villancicos und geistlicher Musik des spanischen Komponisten Matías Durango erschien 2015 bei dem spanische Label Lindoro auf CD. 2020 kamen zwei weitere Aufnahmen hinzu, die beide von der Kritik sehr positiv aufgenommen wurden: „D’Amor mormora il vento“ (Ramée) mit spanischen und italienischen Liedern und Tänzen aus dem 17. Jahrhundert und „Los ecos de Manzanares“ (Brilliant Classics), mit Liedern aus dem Cancionero de la Sablonara.