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Open Source Economy, learnings aus der Journey eines Start-Ups, und mein erster Token
April 5, 2019
April 5, 2019
Im Zentrum der Lektion stand das Prinzip der Open Source Economy und ihre Implikationen für die Entwicklung und Kommerzialisierung von Software. Darüber hinaus hat Andreas Hauri an einem konkreten Start-Up aus erster Hand aufgezeigt, welche Fehler zu einem «Epic Fail» mit Happy End führen können. Schliesslich hat sich die Klasse in die Niederungen des Codings begeben und erfolgreich einen eigenen Token kreiert.
Der Unterricht fand im F10 Fintech Incubator & Accelerator statt. Direkt neben dem Open Space Office, in dem zur Zeit 12 Start-Ups des vierten Batches an der Mission «Reshaping Fintech» arbeiten, hat die Klasse über das Scheitern von digitalen Geschäftsideen und über die Feinheiten verschiedener Software Lizenzmodelle diskutiert.
Die IT-Industrie hat in den Anfangszeiten Software als Bestandteil der Hardware ausgeliefert. Deshalb arbeiteten die Programmierer für die Hardware-Hersteller. Das Konzept einer Software, die unabhängig von der Hardware eines bestimmten Herstellers entwickelt und vertrieben wird, geht auf Bill Gates zurück.
Gates hatte ein starkes Interesse daran, dass die Eigentumsrechte beim Entwickler bzw. seinem Unternehmen liegen. Bill Gates wollte seine Software monetarisieren. In einem Manifesto («Open Letter to Computer Hobbyists») hat er die Lizenzierung als Basis für die Kommerzialisierung von Software – unabhängig von der Hardware – gefordert.
Eine Gegenposition vertrat Richard Stallman, der das Open Source Prinzip in Form der GNU Lizenz begründet hat. Linus Thorwalds setzte die Idee in die Tat um, indem er einen eigenen Unix-Kernel schrieb – Linux – und diesen unter einer Open Source Lizenz publizierte. Daraus ist eine weitverzweigte Open Source Economy entstanden.
Software gehört im Sinne des geistigen Eigentums, oder Copyright, grundsätzlich dem Entwickler, der sie entsprechend monetarisieren darf. Open Source Software dagegen kann kostenlos genutzt werden, und wird unter einer Open Source Lizenz publiziert. Es gibt viele Unterarten der Open Source Lizenz mit jeweils spezifischen Bedingungen. Zu den wichtigsten gehören:
Das Open Source Prinzip hindert gewinnorientierte Unternehmen nicht daran, mit Open Source Software Geld zu verdienen. Unternehmen wie RedHat verkaufen nicht die Software-Lizenz, sondern Dienstleistungen rund um den Open Source Code. IBM (RedHat) und Microsoft (GitHub) haben in den letzten Jahren substanziell in Open Source Projekte investiert.
mila, 2012 gegründet, wollte ein ERP auf dem Smartphone für den Solopreneur bzw. für das Mikrounternehmen entwickeln und vermarkten. 30 Personen haben die Plattform während 6 Monaten auf der damals modernsten Technologie programmiert.
Nach dem Launch blieben die Nutzerzahlen gering. Darauf hat mila die Plattform während 6 Monaten als Market-Place für C2C Dienstleistungen, wie Hundesitting, kleine Unterhaltsarbeiten etc. weiterentwickelt. Der Roll-Out fand in Berlin und China statt. Trotz Optimierung der Usability gab es praktisch keine Nutzer für die Plattform. In einem nächsten Schritt wurden die Technologie-Stacks radikal vereinfacht, das Angebot auf Reinigung und Massagen fokussiert, und eine Million CHF in Werbung investiert – ohne durchschlagenden Erfolg. Schliesslich hat Swisscom das Potenzial erkannt und mila gekauft, um die Kundenservicekosten mit Hilfe einer Plattform für Nachbarschaftshilfe («Swisscom-Friends») zu reduzieren.
Andreas Hauri hat die Key Learnings aus der Erfahrung mit mila auf den Punkt gebracht:
Für die Umsetzung einer digitalen Plattform müssen die richtigen, möglichst einfachen und zukunftssicheren Frameworks beziehungsweise Technologien ausgewählt werden. Der Tech-Stack unterscheidet:
Die Logik liegt in der Regel im Backend. Falls Blockchain-Technologie eingesetzt wird, kann die Logik auch in der Blockchain sein. Wenn ein Prozess auditierbar und transparent sein soll, dann muss er in der Blockchain ausgeführt werden. Eventuell genügt es, einen Hash der Daten auf die Blockchain zu schreiben, damit niemand die Daten manipulieren kann. Die Daten selbst liegen aber in der Database. Die Datenaufbereitung und die Datenvisualisierung passieren über das Backend, und werden im Frontend dargestellt.
Zum Schluss hat sich die Klasse an der Programmierung eines eigenen Tokens versucht. ERC20 ist ein einfacher Standard für Tokens auf Ethereum. Ein Token wird in Form eines Smart Contracts auf die Ethereum Blockchain geschrieben. Der Smart Contract enthält alle notwendigen Funktionen eines Tokens, wie zum Beispiel totalSupply (maximale Anzahl Tokens), balanceOf (Guthaben eines Teilnehmers), transfer (Übertragung von einem Teilnehmer an einen anderen), oder mint (generieren von Tokens für einen Teilnehmer, der zum Beispiel Fiat einbezahlt hat). Eine populäre Code-Vorlage für einen ERC20 Token ist OpenZeppelin.
Der Smart Contract wird in Solidity geschrieben, der spezifischen Programmiersprache für die Ethereum Blockchain. Die Kursteilnehmer haben testweise einen Token implementiert. Dazu waren folgende Schritte erforderlich: