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Therapien
Bei Morbus-Crohn- oder Colitis-ulcerosa-Betroffenen können mehr als 160 verschiedene Gene verändert sein. Die Heilung bzw. Ausschaltung dieser Risikogene und damit das Verhindern von Krankheitsausbrüchen oder gar der Krankheitsentstehung ist bisher nicht möglich; vor diesem Hintergrund müssen sich Patient und Arzt mit einer Besserung zufriedengeben. Trotz dieser auf den ersten Blick ernüchternden Feststellung haben sich die Behandlungsmöglichkeiten bei Patienten mit einer CED in den letzten Jahren deutlich verbessert.
In den meisten Fällen ist die Erkrankung mit den zur Verfügung stehenden Medikamenten gut in den Griff zu bekommen. Viele Betroffenen setzen dabei zur Ergänzung der schulmedizinischen Therapie auf sogenannte komplementäre Methoden. In einigen Fällen stellt eine Operation – zur Öffnung von Darmverengungen oder in schwereren Fällen zur Entfernung von Darmteilen – eine Alternative dar, die, auch wenn es im ersten Augenblick nicht so scheinen mag, eine Verbesserung der Lebensqualität mit sich bringt.
Für die Behandlung einer CED stehen eine ganze Reihe von wirksamen Medikamenten zur Verfügung. Die Entscheidung, welches davon angewendet werden soll, hängt von der Art der Erkrankung, dem Ort der Entzündung und der Schwere der Erkrankung ab.
Am meisten – und vor allem im akuten Schub – werden Steroide verabreicht. Damit gelingt es recht gut, die Entzündung zu stoppen und den Patienten in die Remission zu führen. Oft muss das Cortison aber auch über längere Zeit eingenommen und langsam ausgeschlichen werden. Aufgrund der vielen Nebenwirkungen (Diabetes, Osteoporose, Vollmondgesicht, Schlafstörungen, gesteigerter Appetit, Bluthochdruck, Grauer Star und andere) ist dies nicht die ideale Lösung, für viele Patienten trotzdem eine der wichtigsten. Budesonid ist eine Weiterentwicklung des Cortisons, wirkt aber leider nicht so stark wie das normale Cortison. Während der Therapie mit Steroiden ist es wichtig, Vitamin D und Calcium einzunehmen, um dem Knochenschwund vorzubeugen.
5-Aminosalizylate wirken ebenfalls entzündungshemmend, enthalten aber kein Cortison. Der Vorteil ist, dass auch CED-bedingte Rheumaschmerzen durch diese Medikamente gelindert werden können. Sie vermögen auch das Kolonkarzinom-Risiko zu verringern. Bekannte Vertreter dieser Gruppe sind zum Beispiel Mesalazine oder Sulfasalazin.
Weiter kommen Immunsuppressiva wie Azathioprin zur Anwendung. Damit wird das Immunsystem des Patienten so weit reduziert, dass es nicht mehr überreagieren kann und somit keine Entzündung generieren sollte. Die Produktion von Botenstoffen, welche für die Darmschleimhaut schädlich sind, wird dadurch reduziert. Zu beachten ist hierbei, dass man aufgrund des reduzierten Immunsystems anfälliger auf Infektionen ist und schneller zu Sonnenbrand neigt als gewohnt. Azarek und Imurek sind die am weitesten verbreiteten Immunsuppressiva bei CED. Wer nicht auf diese anspricht, kann mit Methotrexat (oral oder subkutan) behandelt werden. Dieses wirkt entzündungshemmend, indem es in den Folsäure-Stoffwechsel eingreift. Auch dabei ist eine engmaschige Überwachung wichtig und parallel soll Folsäure eingenommen werden. Ebenfalls Calcineurin-Antagonisten und Tacrolimus greifen in das Immunsystem ein, indem sie die Aktivierung bestimmter Immunzellen blockieren. Hierzu gibt es aber noch sehr wenige Erfahrungen bei CED-Patienten.
Biologika sind eine neuere Form von Medikamenten. Sie sind unseren körpereigenen Antikörpern nachempfunden und greifen so direkt in die Entzündung ein. So werden die Einwanderung von Entzündungszellen in den Darm, die Übertragung von Entzündungsstoffen im Gewebe und die Signalstoffe in der Zelle gehemmt. Humira, Simponi und Cimzia werden subkutan verabreicht, Remicade als Infusion. Erst seit 2015 in der Schweiz zugelassen ist Vedolizumab (Entyvio). Es wird als Infusion infundiert, wirkt gezielt im Darm und verhindert dort Entzündungsreaktionen. Auch bei einer Behandlung mit Biologika muss man sich regelmässig Blutkontrollen unterziehen, um keine versteckte Infektion zu verpassen. Vor dem Therapiestart ist es wichtig, Tuberkulose auszuschliessen.
Antibiotika, Durchfallmittel und Schmerzmittel können in einem akuten Schub kurzfristig die Symptome lindern. Gewisse Inhaltsstoffe (z.B. Ibuprofen, Acetylsalicylsäure) können aber auch einen erneuten Schub auslösen.
Probiotika sind lebende Keime, welche die Entzündung günstig beeinflussen. Das wichtigste von ihnen ist E. coli Nissle 1917(Mutaflor). Es hilft, eine gesunde Darmflora aufzubauen.
Vitamine und Spurenelemente (z.B. Eisen, Zink) müssen oft zusätzlich zu den Medikamenten noch eingenommen werden. So muss zum Beispiel parallel zum Cortison oft ein Präparat zur Osteoporose-Prophylaxe eingenommen werden, z.B. mit Calcium und Vitamin D. Auch andere Vitamine und Spurenelemente müssen regelmässig kontrolliert und gegebenenfalls medikamentös oder intravenös verabreicht werden, da CED-Patienten oft an einem Mangel leiden, sei es durch die entzündete Darmwand, welche die Spurenelemente weniger gut aufnehmen kann, sei es durch den verminderten Appetit aufgrund der Schmerzen. Ob die Einnahme von Vitamin D einen günstigen Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben kann, wird derzeit untersucht.
Die meisten dieser Medikamente werden oral eingenommen. Gerade bei cortisonhaltigen Medikamenten empfiehlt sich aber auch eine Einnahme als Zäpfchen, Einlauf oder Rektalschaum. So wirkt das Cortison lokal und ist nebenwirkungsärmer.
Viele Patienten sprechen nicht genug auf eine einzelne medikamentöse Therapie an, sodass es oft zu einer Doppel- bzw. Dreifachtherapie kommt.
Es gibt Situationen, die aus medizinischer Sicht ein rasches Handeln erfordern, z.B. ein akuter Darmverschluss. Hier ist eine Operation dringend notwendig. Viel häufiger kündigt sich bei Betroffenen die Operation aber schon über längere Zeit an, vor allem wenn die Krankheit medikamentös nicht mehr behandelbar ist, z.B. Engstellen, Verwachsungen, Fisteln oder eine nicht abklingende Entzündung der Schleimhaut. Es geht meistens darum, ob die Belastung und die Folgen des Eingriffs oder der zu erwartende Nutzen für den einzelnen Patienten überwiegen. Jeder muss sich selbst beantworten, wie viel er ertragen kann und will. Bei einer solchen Operation werden die immer wieder entzündeten Darmabschnitte entfernt, bei der Colitis ulcerosa oft der ganze Dickdarm. Als sehr belastend empfinden Betroffene Eingriffe, bei denen ein künstlicher Darmausgang (Stoma) angelegt werden muss. Vor einer solchen Operation braucht der Patient viel Zeit, sich darauf einstellen zu können. Wichtig ist hierbei, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Viele Stomaträger sind aber nach der Operation sehr zufrieden und fühlen sich viel besser als zuvor, in vielen Fällen wird von verbesserter Lebensqualität berichtet. Ein Stoma ist aber nicht die einzige Möglichkeit einer Operation. Es kann auch aus dem Dünndarm ein Pouch angelegt werden, der eine mehr oder weniger normale Darmentleerung (allerdings mehrmals pro Tag und nicht gut geformt) ermöglicht. Das Problem hierbei ist leider, dass sich auch ein Pouch entzünden kann.
Komplementäre Therapien
Viele Patienten fürchten sich vor den Nebenwirkungen der oben genannten Medikamente. Die vielen chemischen Inhaltsstoffe machen auch oft sehr müde. Wohl aus diesen zwei Gründen wenden einige CED-Patienten auch komplementäre Therapiemethoden an. Eine kleine Auswahl soll hier vorgestellt werden. Wichtig ist, dass diese Methoden unterstützend eingesetzt werden, die konventionellen Therapien aber keinesfalls ersetzen können.
Pflanzenheilkunde: Pflanzliche Therapien mit Flohsamen oder Gelbwurz haben sich bei CED-Patienten bisher bewährt. Die Wirkung von Weihrauch oder Heidelbeeren wird momentan untersucht.
Bewegungstherapien: Yoga, Qi Gong und Feldenkrais können Entspannungstechniken, Körperwahrnehmung und -beweglichkeit unterstützen.
Homöopathie: Dazu gibt es bisher keine klinischen Studien bei CED.
Traditionelle Chinesische Medizin: Bei einer leichten bis mittelgradigen Krankheitsaktivität kann eine begleitende Akupunktur unterstützend wirken. Generell kann aber die Chinesische Medizin die spezifische Symptomatik einer CED oft nicht genügend einschätzen, was zu unbefriedigenden Behandlungen führen kann.