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Rod Beckstrom: IT-Unternehmer, Umweltschützer, Finanzjongleur, Management-Theoretiker und Homeland-Security-Mann.
Die "Internet-Verwaltung" ICANN, die unter anderem für die Regeln bei der Zuteilung von Domain-Namen zuständig ist, hat Rod Beckstrom (Foto) als neuen CEO auserkoren. Beckstrom ersetzt Paul Twomey, der im März seinen Rücktritt angekündigt hat.
Die ICANN befindet sich in einem Balanceakt zwischen öffentlichem Auftrag, kommerziellen Interessen, internationaler Beteiligung und dem Anspruch der USA, weiterhin die Regeln des Internets bestimmen zu können. Der Mann, der diesen Balanceakt weiterführen soll, scheint selbst ein Mann mit vielen Talenten und Facetten. Nach seinem Wirtschaftsstudium in Stanford betätigte sich Beckstrom unter anderem als Spezialist für Derivatenhandel. Als Unternehmer im IT-Bereich leiteter er das Open-Source-Unternehmen Twiki.net sowie den Finanzsoftwarehersteller CATS, der später von Misys übernommen wurde.
Als Management-Theoretiker schrieb Beckstrom ein gemäss US-Presseberichten einflussreiches Buch namens "The Starfish And the Spider", das sich unter anderem mit den Vorteilen von "führungslosen Organisationen" – wie dem Internet – für bestimmte Aufgaben befasst. Gegenwärtig engagiert er sich als Umweltschützer – beim Environmental Defense Fund, der beispielsweise die weltweite Beachtung des Kyoto-Protokolls durchsetzen will – und als Entwicklungshelfer, beim "Jamii Bora Trust", der afrikanischen Kleinunternehmern Mikrokredite zur Verfügung stellt.
Zuletzt war Beckstrom auch ein Jahr lang, bis in diesem März, Chef des "National Cybersecurity Center" (NCSC) des umstrittenen Homeland-Security-Departments. Seinen Rücktritt in diesem März begründete er unter anderem mit den Budgetkürzungen unter der neuen Regierung. Gemäss kritischen Berichten in den USA soll ihm aber auch die verschärfte Kontrolle dieser Behörde durch die Obama-Regierung nicht gepasst haben.
Zu seinem Amtsantritt erhält Beckstrom denn auch Beifall von verschiedensten Seiten. In höchsten Tönen gelobt wird er unter anderem von US-Politikern, Vertretern der Wirtschaft wie Google-Chef Eric Schmidt und Verisign-Mann Mark McLaughlin, aber auch vom "Internet-Guru" Vint Cerf und einem profilierten US-Datenschützer, dem Chef des "Electronic Privacy Information Center" (EPIC) Marc Rotenberg. (Hans Jörg Maron)