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Biel (awp) - Der Luxusgüterkonzern Swatch übernimmt die US-Schmuck- und Uhrenfirma Harry Winston für bis zu 1 Mrd USD. Der Zukauf kostet 750 Mio USD in bar, zusätzlich übernimmt Swatch Schulden von maximal 250 Mio. Für Swatch ist dies der grösste Zukauf seit zehn Jahren. Das Unternehmen zeigte sich am Montag überzeugt, dass Harry Winston das Prestigesegement der Gruppe bestens ergänzt. Der Konzern besitzt eine ganze Reihe von Nobelmarken, darunter auch Omega oder Tissot. Die Transaktion muss noch von den Wettbewerbsbehörden genehmigt werden.
Swatch übernimmt sämtliche Aktivitäten im Zusammenhang mit Schmuck und Uhren, inklusive der 535 Mitarbeitenden weltweit und einer Produktionsstätte in Genf. Swatch-Verwaltungsratspräsidentin Nayla Hayek erklärte, Harry Winston passe bestens zum Uhrenkonzern. "Diamonds are a girl's best friend", zitierte sie Marilyn Monroe.
Die Aktivitäten der Diamantenförder-Gesellschaft Harry Winston Diamond Corporation in Toronto sind indes nicht Teil der Transaktion. Die Gesellschaft besitzt 40% an der Diavik-Diamantmine in den Northwest Territories, der grössten Diamantmine des Landes. Diese firmiert neu als Dominion Diamond Corporation.
Swatch als einer der weltweit grössten Käufer von polierten Diamanten werde aber weiterhin eine Beziehungen mit dem Förderer aufrechterhalten, teilte Harry Winston in einer eigenen Mitteilung mit. Zudem prüfe man eine mögliche Zusammenarbeit im Bereich Diamantenschleiferei.
JUWELIER DER STARS
Harry Winston wurde gemäss Angaben auf seiner Internetseite 1932 in New York gegründet. Die Firma gilt als Juwelier der Stars und ist "unbestritten der exklusivste und prestigeträchtigste Schmuckhändler", heisst es im Communiqué. Zur Kundschaft gehörten die britische Königin Elizabeth II. sowie Madonna, Gwyneth Paltrow und Scarlett Johansson.
1949 erwarb die Firma den Hope-Diamanten, ein blaues Juwel mit 45,52 Karat. Der in den 1600-er Jahren in Indien gefundene Stein gehörte einst den französischen Königen Ludwig XIV. und Marie Antoinette. 1958 schenkte die Firma das Kleinod der Smithsonian Institution in Washington, wo es jährlich von 7 Millionen Menschen besichtigt wird.
Das Luxussegment von Harry Winston erwirtschaftete in dem per Ende Januar 2012 abgeschlossenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 411,9 Mio USD und einen operativen Gewinn von 19,4 Mio. In den ersten neun Monaten des Fiskaljahres 2012/13 (per Ende Oktober) belief sich der Umsatz auf 314,5 Mio USD und der operative Gewinn auf 20,5 Mio. Bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres soll die Zahl der Verkaufsstellen um 15 auf 216 ausgeweitet werden.
BÖRSE JUBILIERT
Mit der Übernahme mache Swatch einen wichtigen Schritt im margenstarken Hochpreis- und Schmucksegment und verschaffe sich langfristig möglicherweise Zugang zum Diamanten-Markt, erklärte Kepler-Analyst Jon Cox. Daran sei das Unternehmen seit längerem interessiert. Ein erster Anlauf verlief im Sande, nachdem Swatch die Zusammenarbeit mit dem US-Juwelier Tiffany im September 2011 eingestellt hatte. Seither liegen die beiden Parteien im Streit.
Mit einer Nettoliquidität von geschätzt über 2 Mrd CHF könne Swatch den Kaufpreis problemlos finanzieren, urteilt ZKB-Analyst Patrick Schwendimann. Angesichts der tiefen Zinsen, die derzeit für Barmittel erhältlich sind, könnte sich die Transaktion unmittelbar ertragssteigernd auswirken, meint Sarasin-Experte Patrick Hasenböhler.
Einig sind sich die Experten, dass Harry Winston noch profitabler werden muss. Mit einer EBITDA-Marge von 10% nach den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres lägen die Amerikaner klar hinter Swatch.
Bis um 10.50 Uhr steigen die Inhaberaktien von Swatch um 4,4% auf 514 CHF und erklimmen damit ein neues Allzeithoch. Der Swiss Market Index (SMI) legt derweil um 0,55% zu. Kurssupport erhält der Swatch-Titel zudem von der Deutschen Bank. Die zuständigen Analysten haben im Rahmen einer Branchenstudie ihr Kursziel für Swatch auf 590 von 440 CHF erhöht; an der Anlageeinstufung "Buy" wird festgehalten.
ra/rt
(AWP)