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Die Veldener Tourismusgesellschaft schrieb im September 2014 in Kooperation mit der Marktgemeinde Velden am Wörthersee einen offenen, künstlerischen Wettbewerb zur Neudefinition der Veldener Bucht aus. Ziel war es dabei, ein Projekt mit künstlerischem Mehrwert zu ermöglichen. Der zu bespielende Raum umfasst im Wesentlichen die Seepromenade zwischen dem Hotel Schloss Velden und dem Seebad des Hotel Leopold sowie eine mögliche Plattform im See.
Fusion von Ufer und See
Das Kunstwerk Fusion (lat. Fusio‚ Schmelzen, Guss) stellt eine interaktive, raumbildende und sich in ständigem Wandel befindende Installation dar, welche die Sage der Entstehungsgeschichte des Wörthersees thematisiert und weitererzählt. Der Sage zufolge entstand der Wörthersee auf dem Gebiet einer reichen Stadt, die in den Fluten versank, weil die Bewohner die Mahnungen des Wörtherseemandls nicht ernst nahmen. Noch heute sollen die Umrisse der Stadt bei ruhigem Wasser in der Tiefe zu erkennen sein. Das Kunstwerk Fusion erzählt die Geschichte weiter, indem es die Versöhnung von Stadt und See symbolisiert. Diese Versöhnung wird durch die Erzeugung dynamischer Lichträume im Uferbereich der Stadt Velden am Wörthersee für die Besucher erlebbar gemacht. Die Installation stellt die natürliche Beschaffenheit des idyllischen Uferbereichs heraus und visualisiert die physikalischen Gesetzmäßigkeiten des Lichts zwischen Aufspaltung und Fusion. Das Kunstwerk erzeigt einen Dualismus, der neben dem Spannungsverhältnis von Trennung und Verschmelzung des Lichts gleichzeitig die Verbindung zwischen Land und See manifestiert.
Ein einfacher und robuster Aufbau
Es werden zwei Glasstehlen aufgestellt: Eine im Promenadenbereich am Ufer, die andere auf einer schwimmenden Plattform im Wörthersee. Die Stehlen stehen aufeinander ausgerichtet in einem Abstand von ca. 55 Metern, so dass sich ihre Oberflächen gegenüberstehen. Die Stehle auf der Uferstehle ist 3 Meter breit und 4,90 m hoch. Die Stehle im Wasser besitzt ein Maß von drei Metern in der Breite und sechs Metern in der Höhe. Durch die größere Höhe nimmt die Wasserstehle die Höhendifferenz von befestigtem Ufer und Wasseroberfläche auf, so dass die oberen Kanten der Stehlen bündig sind.
Eins werden mit der Umgebung
Aufgrund der teiltransparenten Beschaffenheit der mit Radiant vergüteten Oberfläche der Glasstehlen entstehen spiegelartige Reflexe. Ähnlich wie bei einem venezianischen Spiegel werden einseitige Durchsichten ermöglicht, die von der Position der Lichtquelle bestimmt werden. Befindet sich die Lichtquelle hinter der Glasstehle, wird die Oberfläche transparent, befindet sie sich davor, erscheint die Oberfläche opak und verspiegelt. Die Oberfläche verändert sich konstant über den Tag, sie variiert je nach Tageszeit und Lichteinfall in Farbe und Opazität. Die Stehlen spiegeln die Besucher und den Uferbereich mit See und Himmel. Gleichzeitig wird das Sonnenlicht durch die Beschichtung in zwei farbige Teile gespalten. An der Oberfläche wird das Licht reflektiert und transmittiert: Es wird aufgebrochen und schillert in allen Farben des Regenbogens. Der transmittierende Teil mit seinem schimmernden Lichtspektrum von Gelb bis Blau ist dabei Komplementär zum reflektierten Teil im Farbbereich von Orange bis Lila. Die farbigen Schatten und Spiegelungen werden beidseitig auf das Ufer und die Wasseroberfläche geworfen und schaffen schimmernde Lichteffekte in Form von farbigen Korridoren, die die Stehlen wie eine dynamische Aura umgeben. Die Form und Ausrichtung der Korridore hängen dabei vom Einfallswinkel der Sonne ab. Die Länge der Korridore wird durch die Sonnenhöhe, die Breite durch das Azimut bestimmt. Eine niedrige Sonnenhöhe führt zu langen Korridoren, ein hoher Sonnenstand zu kurzen. Steht die Sonne frontal zu den Stehlen, erscheint der Korridor breit, steht sie quer, erscheint der Korridor schmal. In jedem Fall laufen die farbigen Korridore im Tagesverlauf beidseitig um die Stehlen herum. Wie Tanzende Körper bewegen sich die Lichtfelder im Uhrzeigersinn auf der Wasseroberfläche und dem bunt schimmernden Gras der Promenadenbegrünung. Dabei sind die Effekte an jedem Tag zu jeder Uhrzeit verschieden. Bei geringer Sonneneinstrahlung nimmt das Schimmern der Stehlen ab und die Spiegelung der Umgebung tritt in den Vordergrund.
Ein interaktiver Erlebnisraum zwischen Offenheit und Vereinigung
Jeweils Morgens und Abends kommt es zu einer besonderen Konstellation: Die Korridore beider Stehlen laufen langsam aufeinander zu und fusionieren zu einem zusammenhängenden bunt schillernden Steg, der vom Ufer in den See führt. Der bunt schillernde Steg greift zudem das Motiv des Regenbogens auf, der stellvertretend für die Versöhnung steht und somit die Fusion symbolisch untermauert. Gleichzeitig wird über die Spiegelung die Stadt in den See und der See in die Stadt reflektiert. Es entsteht ein Bild der Geschlossenheit. Die Installation spannt einen Raum auf, der von den Besuchern intensiv erlebt werden kann. Durch die Spiegelungen des Wassers und der Umgebung auf der Oberfläche der Glasstehlen werden die Besucher nicht nur Teil der gespiegelten Komposition, sondern durchbrechen die schimmernde Oberfläche und treten durch die entstehenden farbigen Korridore in den Erlebnisraum der Installation ein. Besucher, Ufer und See fusionieren so zu einer Einheit. Der Besucher wird Teil der Fusion. Im Nachtbetrieb lassen Flächen LEDs, die ringförmig im Stahlrahmen installiert sind, die Glasscheiben in der Dunkelheit schimmern. Diese indirekte Belichtung wird durch den Schein des Mondes unterstützt und führt zu zurückhaltenden aber effektvollen Farbspielen auf der Stehle und der Wasseroberfläche.