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ganz oberhalb 1000 m gelegen ist, und die Franches Montagnes, wo 37% der Einwohner in solcher Höhe wohnen, sind die Gegenden, welche zu den genannten 5% den grössten Anteil liefern. In den hochgebirgigen Teilen des Oberlandes sind einerseits die Thalsohlen so sehr eintieft, dass die Dörfer fast alle unter 1000 m zu liegen kommen, anderseits die Gehänge sehr selten von Siedelungen besetzt.
Der Kanton Bern ist seit alters ein Land grosser natürlicher Volksvermehrung. Während noch 1888 auf 1000 Männer 1015 Frauen kamen, ist 1900 das Verhältnis der Geschlechter: 1000 M., 985 F. Die Zahl der Trauungen ist mit 7‰ fast genau so hoch als im Durchschnitt der Schweiz. Der Ueberschuss der Geburten über die Todesfälle beträgt in der Regel zwischen 8 und 12,5‰ der Bevölkerung per Jahr. Im Jahrzehnt 1888-97 betrug derselbe 11,8‰ und war am bedeutendsten im Emmenthal (13‰) und im Seeland (12,4‰), im Amt Schwarzenburg sogar 15,4‰, in Courtelary 15,8 und in Moutier 15,4‰, dagegen nur 8,1 resp. 7,1 resp. 6,6‰ in den Aemtern Saanen, Oberhasle und Pruntrut.
Trotzdem vermehrt sich die Bevölkerung des Kantons nur relativ langsam, indem dem natürlichen Zuwachs eine sehr beträchtliche Auswanderung entgegensteht. Zwar hat speziell die überseeische Auswanderung, welche in dem Zeitraum 1887-97 allein dem Kanton 5‰ der Bevölkerung jährlich entführte, neuerdings sehr beträchtlich abgenommen. Im Jahr 1897 wanderten nur noch 470 Menschen (0,87‰) in überseeische Länder. Doch gibt es eine grosse jährliche Auswanderung nach den übrigen Schweizerkantonen und nach den meisten Ländern Europas, welche sich ermessen lässt aus der Thatsache, dass z. B. 1888 im Kanton Neuenburg 31000, im Kanton Waadt 23000, im Kanton Freiburg 10000 Berner Staatsbürger gezählt wurden.
Die Bevölkerung wuchs von 1818-1900 von 333176 auf 586918. Im Beginn des Jahrhunderts erfolgte der Zuwachs rasch, dann ersichtlich langsamer. Dabei zeigt sich bereits seit längerer Zeit die Erscheinung der langsamen Bevölkerungsabnahme verkehrsentlegener Oertlichkeiten. Der Zug in die Stadt hat keinen so grossen Einfluss auf die inneren Verschiebungen der Bevölkerung als der Verlauf der grösseren Verkehrswege. Immerhin zeigt er sich in aller Schärfe bei der Zunahme Biels (jährlich 25,6‰), während die Hauptstadt langsamer anwächst.
Von den 18 Städten des Kantons haben die meisten heute einen ländlicheren Charakter als einige grosse und industrielle Dörfer, die wie Langnau und St. Immer bis 8000 Einwohner aufweisen. 13 von jenen 18 Städten besitzen weniger als 4000, 4 sogar weniger als 1000 Einwohner. Man kann annehmen, dass zirka 20% der Bevölkerung städtisch wohnen.
Physischer Zustand der Bevölkerung.
Die jährliche Untersuchung der (gegenwärtig an 7000) Rekruten ergibt ein durchschnittliches Verhältnis von 50% zum Militärdienst Tauglichen. Bei der reichlichen und kräftigen Ernährung, welche in den meisten Landesteilen die Regel ist, erweist sich der Berner schon durch seinen physischen Zustand als sehr brauchbaren Soldaten. Wenn in einzelnen Gegenden, besonders des Oberlandes, die Zahl der Dienstuntauglichen auffallend gross ist, so ist das zum grossen Teil verschuldet durch die Auswanderung gerade der kräftigsten Elemente unter den jungen Männern.
Viele von diesen pflegen in späteren Jahren, nach der Heimat zurückgekehrt, ihren Dienst nachzuholen. Es giebt aber unverkennbar grosse Bevölkerungskreise, bei denen ungenügende Ernährung die Ursache der physischen Mängel ist. Der Hofbauer des Emmenthales nährt sich und die Seinigen (Dienstboten inbegriffen) luxuriös im Vergleich zum Kleinbauern des Schachenlandes, der Aemter Seftigen und Schwarzenburg, des Oberlandes etc. Hier müssen mehr als recht Kartoffeln und Milchkaffee genügen.
Während die städtischen Orte durchschnittlich eine grössere Anzahl diensttauglicher Rekruten aufweisen, als die ländlichen, besitzen diese allgemein eine langlebigere Bevölkerung, als jene. Das Emmenthal, der Oberaargau und das Oberland zeichnen sich in dieser Beziehung besonders aus. Die Kindersterblichkeit ist im Oberland am geringsten, im Jura am grössten. Und doch ist im ersteren Landesteil das Personal für Geburtshülfe sehr dünn gesäet. Gibt es doch im ausgedehnten Amt Oberhasle zur Zeit nur zwei Aerzte und zwei Hebammen.
In der Krankenpflege waren 1898 258 Aerzte, 31 Zahnärzte, 497 Hebammen und 73 Apotheken thätig. Von den Aerzten entfallen ca. 90 auf die Städte Bern und Biel. In der Stadt Bern kommt ein Arzt auf 625 Einwohner, im Kanton einer auf 2132 Einwohner.
Es gibt zur Zeit einen grossen Kantonsspital (Inselspital) einen Frauenspital und ein «äusseres Krankenhaus» für ansteckende Kranke, alle in Bern, ferner 3 kantonale Irrenanstalten (Waldau, Münsingen, Bellelaye), 30 Bezirksspitäler und eine Anzahl Privatspitäler (meist in Bern).
Als milde Stiftung von allgemeiner Bedeutung, deren Ziel die Bekämpfung der Tuberkulose und des Alkoholismus durch Errichtung von Sanatorien und Trinkerheilanstalten ist, ist zu nennen die Jeremias Gotthelf-Stiftung. Ebenso sucht der Hülfsverein für Geisteskranke der Verarmung der Bevölkerung vorzubeugen.
Das Armenwesen bildet einen wichtigen Zweig der öffentlichen Verwaltung, indem durch Gesetz dafür gesorgt ist, dass die private Wohlthätigkeit (Spend- und Krankenkassen, Burgerliche Armenunterstützung etc.) mit der öffentlichen (Gemeinde und Staat) kombiniert und insgesamt unter die Kontrolle der Regierung gestellt ist. Anspruch auf Unterstützung hat der verarmte Kantonsbürger in der Gemeinde seines Wohnortes.
Es genossen 1898 33984 Personen = 62‰ der Bevölkerung die Unterstützung durch die öffentliche Wohlthätigkeit. Die Gesamtauslagen des Staates, der politischen und bürgerlichen Gemeinden, der Spend- und Krankenkassen etc., beliefen sich in demselben Jahr auf 4,2 Mill. Franken. Seit den Tagen eines Jeremias Gotthelf und Karl Schenk wird die Fürsorge für die Armen energisch befördert.
Kirche und Schule.
Reformiert ist der ganze alte Kanton, sowie vom neuen Kantonsteil Biel, Neuenstadt, St. Immer und Münster diesseits des Mont Raimeux. Katholisch sind die übrigen jurassischen Gebiete. Der römisch-katholische Jura bildet einen Teil des Bistums Basel-Lugano, das an Stelle desjenigen von Basel getreten ist. (Bischofssitz in Solothurn.) Christ-katholische Kirchen gibt es im Laufenthal, in Biel und in Bern. Das geistliche Oberhaupt der Christ-Katholiken der Schweiz (Bischof) residiert in Bern. Die Leitung der reformierten Kirche steht der Landessynode zu. Die drei genannten Kirchen gelten als Landeskirchen. Es gab 1900 506837 Reformierte und 81162 Katholiken, 1572 Israeliten und 1736 Andersgläubige. Im Jura gibt es noch viele Wiedertäufer, meist einstige Deutsch-Berner, die im Laufe der letzten Jahrhunderte nach dem Münsterthal und den Freibergen auswanderten. Das neuere Sektenwesen hat, ausser im Emmenthal, Oberland, und in den Städten wenig Boden gefasst. 90% aller Trauungen innerhalb der Reformierten geschehen auch kirchlich. Zur israelitischen Religion bekannten sich 1888 1195 Personen.
Aus dem bernischen Schulwesen sind die ehemaligen Burgerschulen im Laufe der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts verschwunden; heute ist das ganze Schulwesen auf ausgeprägt staatlich-demokratischer Grundlage organisiert. Die wenigen Privatschulen stehen unter der Aufsicht des Staates.
Die Primarschule, welcher mit 83% aller Schüler der Hauptteil der Erziehung zufällt, ist obligatorisch und umfasst 9 Schuljahre, deren erstes für jedes Kind mit dem zurückgelegten sechsten Altersjahre beginnt. Dieser relativ langen Schulzeit entsprechend entfallen auf je 10000 ¶
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Einwohner 1850 Primarschüler, ein Verhältnis, welches weder im Durchschnitt der Schweiz, noch in einem europäischen Staate, Finnland ausgenommen, erreicht wird. In der gemeindeweisen Organisation der Schule besteht die Eigentümlichkeit, dass es viel mehr Schulorte als Gemeinden (830 gegenüber 509) giebt, eine Einrichtung, durch welche die langen Schulwege, besonders der Hofgebiete, auf ein Mass zurückgeführt werden, wobei der Schulzwang durchführbar wird. Im Amt Signau gibt es beispielsweise 46 Schulorte in 9 Gemeinden.
Die Gemeinden wählen die Lehrerschaft und die Kommissionen. In den 12 Inspektoratskreisen übt der Staat die Oberaufsicht.
Die Lehrerbesoldungen sind etwas niedriger als im Durchschnitt der Schweiz. 1200 Fr. für die Lehrer und 800 Fr. für die Lehrerinnen dürften die thatsächlichen Minima sein, obschon das Gesetz, welches die niedrigsten Gemeindebesoldungen und die Staatszulagen vorschreibt, noch etwas niedrigere Summen zulässt. Noch wird an den meisten Orten ein Teil der Gemeindebesoldungen in Naturalien verabfolgt (Holz, Freiwohnung, Ackerland). Die Hauptarbeit der Schulen fällt auf den Winter. 36 Schulwochen sind das jährliche Mindest-Erfordernis.
Der Schulbesuch ist im Vergleich zu den andern Kantonen kein glänzender, woran nicht nur örtliche sondern auch soziale Schwierigkeiten die Schuld tragen. Dies ist bei Beurteilung der Resultate der eidgenössischen Rekrutenprüfungen zu bedenken, in welchen der Kanton keinen ansehnlichen Rang einzunehmen pflegt. Fortbildungsschulen und Rekrutenkurse giebt es im ganzen Kanton. 8,5% aller Schüler besuchen dieselben. Die Gemeinden können sie obligatorisch erklären.
Die Sekundarschulen haben sich auf dem Lande und in den Städten sehr ausgebreitet. Ihre Zahl beträgt über 70. Ein Teil davon besteht freilich nur aus zwei Klassen; die voll ausgebildeten haben fünf Klassen. Diese stehen schon auf gleicher Stufe wie die Progymnasien, indem neben Französisch auch Lateinisch und Englisch als fakultative Fächer unterrichtet werden. Die Lehrerschaft geht meist aus denselben Seminarien hervor, wie die der Primarschule. Sie bildet sich während 4 Semestern an der Universität weiter. Von sämtlichen Schülern des Kantons sind 5,3% Sekundarschüler.
Es giebt 5 öffentliche Lehrerseminarien (wovon je 3 deutsche, 2 französische, und 2 für Lehrer, 3 für Lehrerinnen) und 2 Privatseminarien.
Das grösste Lehrerseminar ist das deutsche Staatsseminar von Hofwyl, das grösste Lehrerinnenseminar ist eine Abteilung der Mädchensekundarschule der Stadt Bern.
An höheren Mittelschulen giebt es 6 Progymnasien (Thun, Biel, Neuveville, Moutier, Delémont, St. Imier) und 4 Gymnasien: Bern, Burgdorf und Porrentruy, sowie ein Privatgymnasium in Bern. Alle Sekundarschulen, Progymnasien und Gymnasien stehen z. Z. unter einem einheitlichen Inspektorat (Mittelschulinspektorat).
Die kantonale Hochschule in Bern wurde 1834 in Ersetzung der bis dahin bestehenden Akademie gegründet. Sie umfasst neben den von Anfang an bestehenden 4 Fakultäten seit 1874 eine altkatholisch-theologische Fakultät. 1887 wurde als Bestandteil der philosophischen Fakultät eine Lehramtsschule errichtet, welche der Vorbildung der Sekundarlehrer dient. Endlich wurde 1900 die Tierarztneischule als sechste Fakultät der Hochschule erklärt. Mit der philosophischen Fakultät ist eine Kunstschule verbunden. Die Zahl der Studenten stieg 1899/1900 auf über 1000 an.
Eine landwirtschaftliche Schule besteht auf der Rüti bei Zollikofen. In Burgdorf und Biel bestehen technische Mittelschulen (Technikum), von welchen die letztere auch eine Eisenbahnschule aufweist.
Die Leistungen der Gemeinden und des Staates betragen für sämtliche Schulen ca. 8 Mill. Fr. jährlich. Davon entfallen auf die Primarschulen 4,8 Mill. (wovon 2,7 Mill. durch die Gemeinden), auf die Sekundarschulen 1,2 Mill. (wovon 760000 Fr. durch die Gemeinden), auf die Gymnasien 374000 Fr. und auf die Hochschule 700000 Fr. Die Kosten der Gymnasien werden ungefähr zur Hälfte, die der Hochschule ganz vom Staate getragen.
Staat.
Die Verfassung datiert vom Gemäss derselben sind die Volksrechte so ausgedehnt, dass der Kanton als eine reine Demokratie mit beschränktem Repräsentativsystem zu bezeichnen ist. Die Stimmberechtigten (Kantonsbürger, welche über 20 Jahre alt und im Kanton wohnhaft, Schweizerbürger, welche die nämlichen Eigenschaften besitzen und mehr als drei Monate niedergelassen resp. mehr als sechs Monate als Aufenthalter eingetragen sind) entscheiden durch Abstimmung über: 1. Verfassungsänderungen, 2. Gesetze, 3. Volksbegehren, 4. Beschlüsse des Grossen Rates, welche eine einheitliche Ausgabe von mehr als 500000 Fr. zur Folge haben, 5. neue Anleihen, 6. Erhöhung der Staatssteuer über den zweifachen Betrag des Einheitsansatzes.
Ein Volksbegehren (Initiative), von 12000 Stimmberechtigten unterstützt, wird der Gesamtheit zur Abstimmung vorgelegt. Es kann fertig formuliert oder in Form einer Anregung eingebracht werden. Der Grosse Rat kann dazu in einer Botschaft seine Ansicht äussern.
Die Stimmberechtigten sind, sofern das 25ste Jahr zurückgelegt ist, wählbar. Aemtervermengung ist verboten. Ausser im Grossen Rate dürfen keine Bluts- oder Heiratsverwandte in derselben Staatsbehörde sitzen. Die Erlasse der Behörden geschehen in deutscher Sprache und werden für den französischen Kantonsteil in diese Sprache übersetzt.
Vorberatende und Volksvertretungs-Behörde ist der Grosse Rat. Auf je 2500 Einwohner wird (in den Wahlkreisen) ein Mitglied desselben vom Volke gewählt. Nicht wählbar sind die Inhaber geistlicher oder weltlicher Stellen, welche vom Staate besoldet sind. Die Wahl findet alle vier Jahre statt, durch Volksbegehren auch in der Zwischenzeit. Es giebt keine Wahlkreisinstruktionen. Der Grosse Rat wählt selbst seinen Präsidenten. Er versammelt sich zu ordentlichen Sitzungen zweimal jährlich. Er übt die Vorberatung der Gesetze aus, fasst Beschlüsse und erlässt Dekrete und ist souverän, soweit es die direkten Volksentscheide und die Bundesverfassung zulassen. Von wichtigen Wahlen fallen ihm insbesondere zu diejenigen der 2 bernischen Ständeräte, des Regierungsrates und des Regierungspräsidenten, des Obergerichtes, der bernischen Stabsoffiziere etc.
Der Regierungsrat besteht aus 9 Mitgliedern, welche unter sich die 14 Direktionen der Verwaltung (Inneres, Justiz, Polizei, Finanzen, Erziehung, Militär, öffentliche Bauten, Eisenbahnen, Vermessung und Entsumpfung, Forsten, Domänen, Kirche, Gemeindewesen und Armenwesen) zu verteilen haben. Die Regierungsräte sollen beider Landessprachen kundig sein. Den politischen Minoritäten ist bei der Wahl Rücksicht zu tragen. Für jeden der 30 Amtsbezirke wird ein Regierungsstatthalter eingesetzt, welcher, vom Volke gewählt, das direkte Organ der Regierung ist.
Die Gerichte gliedern sich in das Obergericht und die Amtsgerichte. Das Obergericht besteht aus 15 Mitgliedern und 4 Ersatzmännern. Die Amtsdauer beträgt 8 Jahre, doch treten je 4 Mitglieder nach 4 Jahren, durch die Ersatzmänner ersetzt, vorübergehend aus. Das Obergericht ist Appellations-, Kassations- und Kriminalgericht. Die Amtsgerichte, bestehend aus einem Präsidenten (Gerichtspräsidenten), 4 Mitgliedern und 2 Ersatzmännern, direkt vom Volke gewählt, sind Civilgericht, Polizeigericht und Friedensgericht. Im Jura gilt in civilrechtlichen Sachen der Code civil.
Es giebt 6 kantonale Geschwornengerichte für die Strafprozesse. Das bernische Strafrecht sieht keine Todesstrafe vor. Die Zuchthaus- und Gefängnisstrafen werden in den folgenden 4 Strafanstalten verbüsst, welche alle mit ländlichen Arbeitsbetrieben verbunden sind: Witzwil, St. Johannsen, Thorberg und Trachselwald.
Alle Gemeinden besitzen das gleiche Mass von Autonomie. Die Gemeindereglemente unterliegen der Genehmigung durch die Regierung. Die Gemeienden wählen selbst ¶