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Book (peer-reviewed)

Publisher

Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK

ISBN

978-3-03797-331-8

Abstract
Zita Caviezel / Matthias Walter mit Beiträgen von Hans Jakob Meyer
Die Kunstdenkmäler des Kantons Bern, Band IV, Der ehemalige Amtsbezirk Aarberg
Der IV. Band der Kunstdenkmäler-Reihe der Berner Landbände behandelt das Gebiet des ehemaligen Amtsbezirks Aarberg. Dieser erstreckt sich über zwei deutlich unterscheidbare Landschaften, von denen die nordwestliche mit den Gemeinden Aarberg, Kallnach, Bargen, Lyss und Kappelen zum Seeland gehört und in die Ebene des Grossen Mooses hineinreicht, während die Hauptpartie mit den Gemeinden Grossaffoltern, Meikirch, Radelfingen, Rapperswil, Schüpfen und Seedorf auf hügeliges Gelände fällt. Die Seeländer Gemeinden umfassen nebst ihren Kirchdörfern nur wenige weitere Siedlungseinheiten, wogegen die übrigen sechs Gemeinden eine grosse Anzahl von Weilern einschliessen, wie es für die bucklige Topografie mit den Mischwald-, Acker- und Wiesenflächen typisch ist. Unter den Siedlungen, die grösstenteils bäuerlichen Ursprungs sind, ragt das Städtchen Aarberg mit seiner mittelalterlichen Kernbebauung als architektonischer und kultureller Brennpunkt hervor. Daneben haben sich auch Lyss und Schüpfen zu regionalen Zentren entwickelt. Die übrigen Dörfer sind trotz Ergänzungen durch neue Wohngebiete vergleichsweise ländlich geblieben und bieten teilweise ein erfreulich intaktes Erscheinungsbild.
Ab dem 6. Jh. wurde die Region zum Grenzgebiet zwischen alamannischer und burgundischer Landnahme. Dabei entstanden in den Rodungsgebieten die noch heute bestehenden Dörfer und Hofgruppen. Das um 1220 an der Aare gegründete Städtchen Aarberg entwickelte sich dank seiner Lage und wichtigen Nahtstelle zwischen Wasser- und Landwegen zu einem bedeutenden Handels- und Marktflecken, der als Grafen- und nachmaliger Landvogteisitz und seit dem 19. Jh. als Bezirkshauptort stets auch eine wichtige Verwaltungsfunktion innehatte. Ein weiteres Zentrum bildete das um 1130 gegründete Zisterzienserkloster Frienisberg, in dessen 1528 profanierten Gebäuden ebenfalls eine Landvogtei eingerichtet wurde, die nach der Helvetik im Amtsbezirk Aarberg aufging. Das
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von Liberalisierung und Industrialisierung gekennzeichnete 19. Jh. brachte dem Gebiet nebst der Agrarmodernisierung mehrere gemeinde- und kantonsübergreifende Projekte, namentlich die Entsumpfungen im Rahmen der ersten Juragewässerkorrektion1868–1891, die vor allem im Grossen Moos einen landwirtschaftlichen Aufschwung auslöste. Die Industrialisierung und die neue Verkehrssituation des 19. Jh. bescherten besonders Lyss einen bedeutenden wirtschaftlichen Vorteil und liessen den alten Gewerbeort, später auch durch die Förderung des Dienstleistungssektors, zur einwohnerreichsten Gemeinde des Bandgebiets anwachsen.
Die mittelalterliche Anlage des Städtchens Aarberg ist in der Umgebung einzigartig, hauptsächlich sein aus einer Gasse entstandener weiter Platz, den nebst Kirche und Amthaus eng aneinandergereihte, traufständige Bürgerhäuser mit zwei- bis vierachsigen Frontgliederungen umstehen. Die landesweit bedeutende, 1569 fertiggestellte Holzbrücke zeugt bis heute vom seit dem Mittelalter bestehenden Flussübergang. Im 19. Jh. setzte in der Region eine rege Bautätigkeit ein, wodurch ein grosser Teil des Altbestands ausgewechselt wurde und fast überall auch eine Erweiterung der Ortschaften erfolgte. Das 20. Jh. brachte vor allem in Aarberg und Lyss und in kleinerem Masse auch in den ländlichen Siedlungen ausgedehnte Wohnbebauungen. Trotzdem blieb in etlichen Orten, namentlich in Schüpfen und in manchen Weilern das innere Ortsbild relativ intakt bewahrt.
Die überwiegende Anzahl der historischen Bauten ist bäuerlicher Art und das Werk von Zimmerleuten. Die ältesten erhaltenen Bauernhäuser vertreten den besonders im 17. und 18. Jh. verbreiteten Typus des langgezogenen Ständerbaus mit Vollwalmdach und Stubenfront an der Längsseite. Auf diese konzentrierte sich auch der Gestaltungsanspruch der mit Schnitzwerk und Malereien künstlerisch bereicherten Fenster- und Türeinfassungen, Tennstore und insbesondere der vielfältig dekorierten „geschenkten“ Büge, die als regionale Besonderheit generell Gaben zur Aufrichte waren. Seit dem 19. Jh. wandte man sich vermehrt der Riegbautechnik zu, die in Verbindung mit Krüppelwalmdach und der Berner «Ründe» noch heute die meisten historischen Ortsbilder im Bandgebiet prägt.
In beinahe allen Gemeinden finden sich Kirchen und Pfarrgebäude mit wertvoller historischer Substanz und bedeutender liturgischer Ausstattung des 14.–18. Jh. Die Kirchgebäude sind überwiegend vorreformatorischen Ursprungs und wurden zur Bekräftigung staatlicher Repräsentation im Barock umgestaltet und neu ausgestattet. Dabei haben neben regionalen Handwerkern vor allem städtische Werkmeister, vornehmlich der Familie Dünz, manchen Bauten und Ausstattungen ihren Stempel aufgedrückt. Als kirchliches Bauwerk des 19. Jh. geniesst die ausgezeichnete und weitgehend original erhaltene
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neugotische Kirche in Rapperswil überregionale Bedeutung.; in Lyss ist auch die Sakralbaukunst des 20. Jh. mit drei qualitätvollen Kirchen vertreten Viele Pfarrhäuser stammen im Kern aus der Zeit nach der Reformation, wurden als eigentliche Herrenhäuser des Pfrundguts erbaut und – mit den steigenden Ansprüchen der Pfarrherren – im 18. Jh. umgestaltet und barockisiert.
In mehreren Ortschaften prägten das Baugeschehen wohlhabende und politisch ranghohe Familiendynastien, denen einige nachgotische Wohnstöcke und barocke Herrenhäuser zu verdanken sind. Das späte 19. und das frühe 20. Jh. brachten imposante Schulhaus-, Fabrik- und Villenbauten hervor, unter denen nicht wenige vom Lysser Architekten Friedrich Wyss entworfen wurden. Seit der Mitte des 20. Jh. erhielt Lyss zudem mehrere überzeugende moderne Bildungsbauten, darunter die 1996 vollendete interkantonale Försterschule «Bildungszentrum Wald».
Mit der Darstellung der bedeutendsten Bauwerke und ihrer Ausstattung gewährt der Band Einblick in die vielfältige Sakralbaukunst im Gebiet des ehemaligen Amtsbezirks Aarberg, in dessen ländliche Bautraditionen sowie in die gattungsspezifisch diversifizierten Bauten seit dem späten 19. Jh. Sie alle verdienen als materielles Erbe der bernischen Geschichte besondere Beachtung und Pflege.