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Zum runden Geburtstag widmet Maximum Cinema dem zweifachen Oscarpreisträger Tom Hanks eine chronologische (und sehr subjektive) Liste von 16 seiner besten Schauspielleistungen.
Hätte man in den Vierziger- oder Fünfzigerjahren die Frage gestellt, welcher Hollywood-Schauspieler am besten dazu geeignet wäre, den amerikanischen Jedermann zu spielen, hätte es nur eine richtige Antwort gegeben: James „Jimmy“ Stewart, der mit seinen Darbietungen in Filmen wie „Mr. Smith Goes to Washington“, „The Philadelphia Story“ oder „It’s a Wonderful Life“ das Bild des bescheidenen Kino-Alltagshelden prägte wie kein Zweiter. Fast jedenfalls.
Denn seit er 1980 im Slasherfilm „He Knows You’re Alone“ sein Leinwanddebüt feierte, hat sich Tom Hanks, der heute 60 Jahre alt wird, zum legitimen Erben des grossen „Jimmy“ gemausert. 1998, gut ein Jahr nach Stewarts Tod, war er an der Seite Meg Ryans in „You’ve Got Mail“ zu sehen – einer Neuauflage von Ernst Lubitschs „The Shop Around the Corner“, in der Rolle, die dort von Stewart verkörpert wurde.
Doch trotz seines unverkennbaren Rufs hat es Hanks – wie Stewart übrigens auch – immer wieder geschafft, seine Karriere frisch zu halten, ungewöhnliche Figuren zu spielen und selbst „typischen“ Castings etwas Unerwartetes hinzuzufügen. Nicht selten sind es dabei nicht so sehr die Filme, an die es sich zu erinnern lohnt, sondern daran, was Hanks daraus macht. Entsprechend überrascht es nicht, dass er, anders als etwa ein George Clooney, noch nie auch nur im Entferntesten Gefahr gelaufen ist, von seiner Tätigkeit als Gelegenheitsregisseur („That Thing You Do!“, „Larry Crowne“) oder von seinem politisch progressiven Aktivismus überschattet zu werden. Hanks ist und bleibt der „all-American actor“.
„Big“ (1988)
Penny Marshalls Film um ein Kind im Körper eines Erwachsenen mag eine jener seichten Sommerkomödien sein, die es in den Achtzigerjahren wie Sand am Meer gab; doch es ist nicht zuletzt Tom Hanks’ Verdienst, dass „Big“ – im Gegensatz zu, sagen wir, „17 Again“ – zum Kult geworden ist und diesen Status bislang auch problemlos halten konnte. Auf dem Papier gibt der Film emotional wenig her, doch der 32-jährige Hanks findet hier genau die richtige Balance zwischen jugendlichem Überschwang und kindlicher Unsicherheit, um der Fantasy-Prämisse die nötige menschliche Note zu geben. Dafür setzte es folgerichtig die erste Oscarnomination ab.
„Sleepless in Seattle“ (1993)
Während der Achtziger- und Neunzigerjahre verlief Hanks’ Karriere ungefähr parallel zu derjenigen der 2012 verstorbenen Regisseurin und Drehbuchautorin Nora Ephron: Beide landeten diverse kritische und kommerzielle Erfolge und bestimmten auf ihre eigene Art und Weise den Ton der stetig zwischen Optimismus und Ironie schwankenden Ära. In dieser Zeit arbeiteten sie zweimal zusammen: In „You’ve Got Mail“ und eben „Sleepless in Seattle“, der wohl definierenden Romanze des Jahrzehnts. An den Kinokassen war es eine Machtdemonstration des In-Trios Nora Ephron/Tom Hanks/Meg Ryan, für Hanks einerseits eine Bestätigung seines Könnens als romantischer Hauptdarsteller und andererseits der Beginn der vielleicht erfolgreichsten Periode seiner Karriere.
„Philadelphia“ (1993)
Im selben Jahr wie die Liebeskomödie „Sleepless in Seattle“ erschien auch Jonathan Demmes Melodrama „Philadelphia“ – ein Film, der vor allem auf Grund seines Themas Geschichte geschrieben hat. Zwei Jahre nach „The Silence of the Lambs“ präsentierte Demme die ersten Hollywoodproduktion, die sich ernsthaft mit Homosexualität und AIDS auseinandersetzte. Diese entwirft zwar ein sehr stereotypes Bild der LGBTQ+-Gemeinde, wird jedoch durch die Darbietungen von Hanks und Denzel Washington entscheidend aufgewertet. Obwohl es eine fragwürdige Entscheidung war, den heterosexuellen Hanks eine faktenbasierte schwule Figur spielen zu lassen, glänzt er in der Rolle und gewann dafür verdient seinen ersten Oscar.
„Forrest Gump“ (1994)
Will man über Tom Hanks’ Karriere sprechen, dann führt kein Weg an Robert Zemeckis’ sechsfachem Oscargewinner vorbei. Ja, die Botschaften, die der Film suggeriert, erscheinen mit jedem weiteren Jahr problematischer; sein Umgang mit der geistigen Behinderung seiner Titelfigur ist, vorsichtig ausgedrückt, grenzwertig; und wie Hanks im Kampf um den Schauspieloscar gegen Morgan Freeman („The Shawshank Redemption“) und Nigel Hawthorne („The Madness of King George“) gewinnen konnte, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben. Und doch glänzt Hanks und beeindruckt in der zweifelhaften Aufgabe, einen passiven Charakter durch eine romantisierte Nostalgie-Clipshow von 45 Jahren US-Nachkriegsgeschichte zu treiben. Am Ende stellt sich eben doch irgendwie Rührung ein – Hanks sei Dank.
„Toy Story“ (1995, 1999, 2010)
Man kann es Regisseur John Lasseter nicht verdenken, dass er für die Rolle des Cowboy Woody in Pixars Langspielfilm-Debüt „Toy Story“ von Anfang an Tom Hanks im Sinn hatte. Niemand hätte den ehrenvollen Spielzeug-Sheriff überzeugender vertonen können als Hanks, der, hätte er im goldenen Zeitalter des Westerns gearbeitet, wohl immer und immer wieder den überperfekten Helden im weissen Hut gegeben hätte. Doch Woody hat bedeutend mehr Tiefe: „Hanks hat das Talent, Gefühle nachvollziehbar zu machen, selbst wenn die Figur einfach nur verachtenswert ist“, sagte Lasseter 1995 im Interview. Im Laufe der drei „Toy Story“-Filme ist Woody mal ein intriganter Konservativer, mal ein Egomane, mal ein eigennütziger Anführer – und bildet mit Buzz Lightyear dennoch die herzensgute Seele der Franchise. Hanks’ nuancierte, aber auch stets urkomische Darbietungen demonstrieren wiederholt, dass sich Heldentum und markante charakterliche Schwächen nicht gegenseitig ausschliessen.
„Saving Private Ryan“ (1998)
Mit kaum einem anderen Filmemacher wird Hanks stärker assoziiert als mit Steven Spielberg – dem „all-American director“ zum „all-American actor“. In ihrer gefeierten ersten Kollaboration, dem intensiven Zweitweltkriegsepos „Saving Private Ryan“, spielt Hanks (oscarnominiert) eine der bekanntesten Versionen seiner Leinwand-Persona: Sein Captain John H. Miller verkörpert das beste und ehrenvollste am amerikanischen Nationalcharakter; er ist der kleine Mann, der Alltagsweisheiten aus der Vorkriegszeit in Führungsstärke übersetzt, der Jedermann, der im Kampf der Ideologien den Wert des Einzelnen erkennt. Das ist mitunter mehr als nur ein bisschen pathetisch – man kennt das vom Neunzigerjahre-Spielberg –, doch auf der rein schauspielerischen Ebene ist es eine von Hanks’ definierendsten Rollen.
„The Green Mile“ (1999)
Noch so ein Film, der mit dem Alter nicht besser geworden ist, der jedoch über seine Defizite hinaus – darunter ein besonders eklatantes Beispiel des „Magical Negro“-Klischees – aber mit herausragenden Schauspielern hinwegtäuschen kann. Dabei spielt Hanks, der zwar nominell die Hauptfigur verkörpert, für einmal nur zweite Geige: „The Green Mile“ ist ohne Zweifel Michael Clarke Duncans Film, sein zum Tode verurteilter John Coffey eine der grossen Darbietungen der letzten 20 Jahre. Und doch passt die Rolle des sanften, besonnenen, einfühlsamen Todestrakt-Wärters Paul Edgecomb perfekt. Was im Grunde nur ein weiterer „guter Weisser“ Marke Hollywood ist, wird von Hanks auf sehr subtile Art und Weise zu einer Figur mit wahrer charakterlicher Tiefe erhoben. Zusammen mit Dabbs Greer, der den alten Edgecomb verkörpert, schafft Hanks in „The Green Mile“ eine mustergültige „supporting role“. Dass das Drehbuch anderer Meinung war, ist nicht ihm vorzuwerfen.
„Cast Away“ (2000)
Um die Jahrtausendwende war Hanks zweifacher Oscarpreisträger und einer der zugkräftigsten Hollywoodstars überhaupt – und hatte eigentlich längst keine Ein-Mann-Show mehr nötig, um sich zu beweisen. Trotzdem tat er sich wieder mit „Forrest Gump“-Regisseur Robert Zemeckis zusammen und drehte „Cast Away“, einen modernen „Robinson Crusoe“, in dem er als FedEx-Angestellter nach einem Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel strandet. Nicht zuletzt dank Pro7, Sat.1 und Konsorten, die den Film bis weit in die 2000er Jahre hinein regelmässig im Abendprogramm zeigten, gehört Hanks Solo-Tour-de-Force als Chuck Noland gerade im deutschsprachigen Raum zu seinen bekanntesten Rollen. Auf den Spuren von Lee Marvin und Toshiro Mifune in „Hell in the Pacific“ trotzt Hanks, gemeinsam mit seinem treuen Volleyball Wilson, den Elementen und liefert so eine der „physischsten“ Leistungen seiner Karriere ab.
„Road to Perdition“ (2002)
Forrest Gump, John H. Miller, Paul Edgecomb – und plötzlich spielt der ewig gute Hanks einen Vollstrecker für die irische Mafia. Dieses inspirierte Stück Casting geht zurück auf Regisseur Sam Mendes, der sich nach dem Erfolg von „American Beauty“ dazu entschied, Max Allan Collins’ Graphic Novel „Road to Perdition“ zu adaptieren. Zwar ist Hanks auch hier so etwas wie ein Protagonist – sein Ziel ist es, seinen Sohn vor verfeindeten Mafiosi zu beschützen –, doch ihm fehlt die für ihn sonst so typische Heldenhaftigkeit. Das einfache Gut-Böse-Schema der Achtziger- und Neunzigerjahre verschwindet; moralische Grautöne und erhöhte Komplexität stellen sich ein. Unter Mendes vertiefte er die düstereren Facetten seines Schauspiels und läutete damit eine neue, weniger einfach zu kategorisierende Ära seiner Karriere ein.
„Catch Me If You Can“ (2002)
Den ersten Beweis, dass „Road to Perdition“ etwas verändert hatte, lieferte Hanks in Steven Spielbergs mitreissendem Krimi-Biopic über den Trickbetrüger Frank Abagnale. Zwar bildet der inzwischen 46-Jährige hier, wie schon in „The Green Mile“, nicht das Zentrum der Aufmerksamkeit; das ist Leonardo DiCaprio und Christopher Walken vorbehalten. Doch Hanks steht vor der wohl schwierigsten Aufgabe von allen: Er spielt den FBI-Agenten Carl Hanratty, der DiCaprios Abagnale, den charismatischen Helden von „Catch Me If You Can“, verhaften soll. Das Gesetz ist auf seiner Seite – aber eben auch die Ungunst des Publikums. Hanratty ist ein Antagonist, mit dem es sich irritierend einfach sympathisieren lässt, selbst wenn man Abagnales spektakuläre Fluchten Mal um Mal begeistert bejubelt. Mit seiner minimalistischen Leistung bringt Hanks, ein Inbegriff amerikanischen Heldentums, die Idee ins Wanken, dass es so etwas wie Helden überhaupt gibt.
„The Ladykillers“ (2004)
Viele halten das Remake der gleichnamigen britischen Ealing-Komödie aus dem Jahr 1955 für den schwächsten Film der Brüder Joel und Ethan Coen. Das mag sein (das heisst allerdings noch lange nicht, dass er schlecht ist), doch wenn ihm etwas hoch anzurechnen ist, dann der Umstand, dass er dem Kinopublikum die Gelegenheit gab, sich wieder einmal vom komödiantischen Talent von Tom Hanks überzeugen zu lassen. Wie Alec Guinness im Original spielt auch Hanks mit unübersehbarer Begeisterung den überintellektuellen Gentleman-Gauner – anders als Guinness ist er kein Londoner, sondern ein Südstaatler –, der mit seiner Bande die Leichtgläubigkeit einer alten Frau ausnutzen will. Von den Coens gewohnt brillant in Szene gesetzt, lebt Hanks – nach „Saving Private Ryan“, „Cast Away“ und „Road to Perdition“ – seine Liebe zur leichten Unterhaltung in einer wunderbaren Schurkenrolle aus.
„The Terminal“ (2004)
Wer eine Linie zwischen Hanks und James Stewart ziehen will, wird nicht umhin kommen, Spielbergs Tragikomödie „The Terminal“ miteinzubeziehen. Die Geschichte eines naiven osteuropäischen Reisenden, der wegen politischer Umwälzungen im eigenen Land am New Yorker JFK-Flughafen feststeckt, hat etwas von der unschuldigen Romantik einer Frank-Capra-Produktion aus den Dreissiger- und Vierzigerjahren. Und so wie Stewart filmischen Utopien wie „You Can’t Take It with You“, „Mr. Smith Goes to Washington“ oder „It’s a Wonderful Life“ eine bodenständige Hauptfigur verlieh, erdet auch Hanks, wie bereits in „Big“, die Fantasie, in der er mitspielt. „The Terminal“ ist kein Meisterwerk, doch er zeigt sehr anschaulich, welchen Einfluss die beruhigende Präsenz eines Tom Hanks haben kann.
„Charlie Wilson’s War“ (2007)
War „The Terminal“ ein Stück weit eine Rückkehr von Hanks in die „Forrest Gump“-Ära, setzte er in Mike Nichols’ beissender Satire über die US-Finanzierung der Mudschahidin im sowjetisch-afghanischen Krieg (1979–1989) die Subversion seiner Alltagshelden-Persona genüsslich fort. Neben dem grandios aufspielenden Hitzkopf Philip Seymour Hoffman spielt Hanks den gut aussehenden demokratischen „Texas Boy“-Kongressabgeordneten Charlie Wilson, der mit einem Lächeln im Gesicht und einem Whisky in der Hand die Gründerväter von Taliban und Al-Qaida mit Geld und Waffen versorgt. Auch diese Rolle ist hervorragendem Casting geschuldet, das den amerikanischen Jedermann schlechthin eine Rolle spielen liess, die im Grunde genommen eine einzige Demonstration der Tatsache ist, welch katastrophale Konsequenzen Amerikas Vertrauen in eben solche Jedermänner in der jüngeren Vergangenheit hatte. Ja, Hanks ist der Protagonist – aber, wenn man genau hinsieht, eben auch ein bisschen ein Bösewicht.
„Captain Phillips“ (2013)
Was bedeutet es, ein Held zu sein? Wie hoch ist der Preis, sich zu Recht so nennen lassen zu dürfen? Das sind Fragen, die, trotz einer Fülle an Heldenrollen in einer fast 40-jährigen Karriere, Hanks niemals vollumfänglich beantworten musste. Klar, hin und wieder sind seine Figuren gestorben; das Schlussbild von „Cast Away“ ist zur Ikone geworden; doch hinterfragt wurde Heldentum an sich in seiner Filmografie eigentlich nie – bis „Captain Phillips“. Paul Greengrass’ aussergewöhnliches Fakten-Drama um eine Schiffsentführung am Horn von Afrika platziert Hanks in den Schuhen von Kapitän Richard Phillips, der mit einer Mischung aus Gegenwehr und Diplomatie die Leben seiner Mannschaft rettete. Doch es gibt kein Böses, gegen das Phillips hier gewinnen kann; sowohl er als auch die somalischen Piraten sind geopolitische Schachfiguren, die Injizierung eines Helden-Narrativs eine unhaltbare Vereinfachung. Gemeinsam mit seinem Gegenüber Barkhad Abdi vermittelt Hanks – in seiner vielleicht allerbesten Leistung – diese Botschaft auf eindrücklichste Weise. Heldentum, das sagt die erschreckende letzte Szene, geht niemals spurlos am sogenannten Helden vorbei. (Ob er als Pilot Chesley Sullenberger in Clint Eastwoods „Sully“, der im Dezember in die Schweizer Kinos kommen wird, eine ähnliche Rolle spielt?)
„Saving Mr. Banks“ (2013)
Tom Hanks spielt Walt Disney. Mehr muss man über John Lee Hancocks Verneigung vor „Mary Poppins“ eigentlich gar nicht wissen, um zu merken, dass dieser Film makellos besetzt ist. Der gutherzige Hanks als „Uncle Walt“ – was kann da schon schief gehen? Und tatsächlich bleibt „Saving Mr. Banks“ auch wegen dieser Nebenrolle positiv in Erinnerung. Zwar wurde der Film von Disney produziert, weshalb die Darstellung des Studiovaters etwas gar wohlwollend ausfällt. Doch selbst unter diesen Voraussetzungen schafft es Hanks, diese überlebensgrosse Persönlichkeit äusserst scharfsinnig zu porträtieren. Gute Laune ist Gesetz, wenn Walt durch sein Studio streift; der Bestimmtheit der „Mary Poppins“-Autorin P. L. Travers (Emma Thompson) setzt er seinen gnadenlosen Geschäftssinn entgegen, den er geschickt hinter seinem breiten Grinsen verbirgt. Hanks zeigt Disney als einen Jünger des Amerikanischen Traums, der entschlossen ist, dessen dunkle Seite mit dem Reiz von familienfreundlichem Spass und kapitalistischem Profitstreben zu übertünchen. Eine unzensierte Filmversion seiner Biografie lässt noch auf sich warten – doch Hanks hat uns bereits einen faszinierenden Einblick gewährt.
„Bridge of Spies“ (2015)
In die Geschichte eingehen wird Spielbergs Kaltkriegsdrama weniger wegen Hanks’ als viel mehr wegen Mark Rylances oscarprämierter Darbietung. Und doch stellt „Bridge of Spies“ ein weiteres spannendes Kapitel in Hanks’ Karriere dar. Er spielt – wieder einmal – eine Stewart-Figur, den privaten Versicherungsanwalt James B. Donovan, der sich bereit erklärt, als Pflichtverteidiger des sowjetischen Spions Rudolf Abel (Rylance) zu amten. Der Clou: Indem Donovan dieses Amt übernimmt, das die US-Verfassung jedem Angeklagten zugesteht, wird er kurzerhand zum Staatsfeind Nummer zwei (hinter Abel). Hanks spielt somit einen amerikanischen Alltagshelden, der von seinen Landesgenossen nicht nur nicht als solcher anerkannt, sondern sogar offen angefeindet wird. Spielberg und Hanks vermischen diesen differenzierten Blick auf die Stewart-Rolle mit einer konsequenten Regierungsskepsis, die an die patriotisch-libertarischen Untertöne in Filmen wie „Forrest Gump“ oder „Saving Private Ryan“ erinnern. Hanks trägt diesen Aspekt des Films mühelos und mit der gebotenen Ernsthaftigkeit – aber auch mit einem Funken hinterlistigen Humors.
Bildquelle: Wikipedia.