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La Vénus à la fourrure (2013)
Venus im Pelz
La Vénus à la fourrure (2013) Venus im Pelz
Oder: Hit me baby one more time
Thomas (Mathieu Amalric) hat den Literaturklassiker "Venus im Pelz" für die Bühne adaptiert und sucht noch eine weibliche Hauptdarstellerin. Nach einem langen Tag mit verschiedenen Vorsprechterminen räumt er gerade seine Siebensachen zusammen, während draussen ein Gewitter tobt. Er ist unzufrieden: Keine der Schauspielerinnen schien auch nur im Entferntesten das Zeug zu haben, die komplexe Rolle zu spielen in dem Stück, in dem es um Dominanz und Unterwerfung geht.
Da platzt unvermittelt eine Frau (Emanuelle Seigner) ins leere Theater. Sie stellt sich als Vanda vor - der gleiche Name, wie die Protagonistin des Stückes trägt - und möchte für die Rolle vorsprechen. Thomas lehnt ab, denn es ist schon spät, er ist müde, und überhaupt, die Schauspielerin scheint ein totaler Proll zu sein und von Kultur keine Ahnung zu haben. Sie bleibt aber hartnäckig und hat auch schon ein passendes Kostüm griffbereit. Also lenkt Thomas widerwillig ein und nimmt fürs Vorsprechen ihren Gegenpart ein. Dabei zeigt sich, dass sie offenbar nicht nur ihren Text, sondern auch die Romanverlage in- und auswendig zu kennen scheint. Und auch ihre Rolle spielt sie verblüffend lebensecht...
Film-Rating
Indirekte literarische Vorlage für La venus à la fourrure ist die Novelle "Venus im Pelz" von Leopold von Sacher-Masoch. Während man beim ersten Teil des Nachnamens an süsse Kalorienbomben denkt, kommt einem beim zweiten Teil eher Lack und Leder in den Sinn. Das ist kein Zufall. Denn im Buch, 1870 erschienen und damals ein Skandal, möchte sich ein Mann von einer Frau dominieren und erniedrigen lassen. Und dank des Buches musste der Autor auch als Namenspate für den Masochismus herhalten.
Dies erfährt man in den ersten Filmminuten aus dem Mund eines Theaterregisseurs, der die scheinbar unbedarfte Schauspielerin hierüber belehrt. Natürlich ahnt man als Zuschauer schon zu diesem Zeitpunkt, in welche Richtung sich der Film entwickeln wird. So verweben sich im Laufe der Zeit zunehmend die fiktive und die reale Ebene, und die Rollenteilung zwischen Schauspielerin und Regisseur verschwimmt langsam. Ein wenig erinnert der Film an Interview von Theo van Gogh (beziehungsweise das Remake von Steve Buscemi). War es dort ein Interviewer, dem sein Gespräch mit der scheinbar intellektuell unterlegenen Kontrahentin langsam entgleitet, passiert hier einem Regisseur das Gleiche mit seinem Stück.
Es scheint, als habe Roman Polanski Gefallen gefunden an kleinen filmischen Kammerspielen. Nach Carnage ist sein neuer Film erneut in Zeit und Raum eng eingegrenzt. Das Katz- und Maus-Spiel ist bestens in Szene gesetzt und mit einem schönen Soundtrack von Alexandre Desplat dezent unterlegt. Die beiden Protagonisten werden kongenial verkörpert von Polanskis Ehefrau Emanuelle Seigner und Mathieu Amalric. Seigner gibt am Anfang herrlich prollig den Elefanten im Porzellanladen, beziehungsweise die ordinäre Mittelschichts-Trulla im feinen Theaterbetrieb; so lange, bis sie diese Maske fallen lässt. Amalric seinerseits gefällt in der Rolle als vermeintlich souveräner Regisseur, der aber letztendlich nur eine Geisel seiner geheimen Wünsche ist.
Interessant ist zudem, dass Amalric in dieser Aufmachung und Frisur äusserlich ein wenig an den jüngeren Polanski erinnert. Das kann durchaus Absicht sein. Denn im Film geht es auch darum, wie viel ein Autor oder Regisseur von sich selbst in seine Charaktere legt; man kann den Film so auch als ironisches Statement von Polanski selbst zu seinem eigenen Filmschaffen deuten.
La Venus à la fourrure ist übrigens - wie schon Carnage - die Umsetzung eines Bühnenstückes; respektive eines Bühnenstückes über ein Bühnenstück, das eine Novelle adaptiert. Die Vorlage stammt diesmal von David Ives. Man kann dem Regisseur nun vorwerfen, dass er es sich auf seine alten Tage bequem mache und einfach mit verhältnismässig geringem Aufwand aktuelle Theaterstücke recycle. Doch solange das Recycling dermassen kurzweilig ausfällt, will man sich darüber nicht beklagen. Ein Masochist muss man jedenfalls nicht sein, um den Film zu mögen.
OutNow.CH:
26.05.2013 / ebe
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