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"Klare Hinweise stützen die Vermutung, dass Iran ein militärisches Nuklearprogramm entwickelt", schreibt ein Experte in der "Allgemeinen Schweizerischen Militärzeitschrift."
Die Internationale Atomenergie-Behörde IAEA befasst sich mit der Frage, ob Irans Atomprogramm den Weltfrieden bedroht.
"Ist der Iran im Begriff unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogrammes die Atombombe zu entwickeln?" Diese unverblümte Frage stellt Christoph Wirz, Physiker und Nuklearexperte in den Forschungslaboratorien des Eidgenössischen Militärdepartementes (VBS) in Spiez in der "Schweizerischen Militärzeitschrift", dem offiziellen Organ der Offiziersgesellschaft.
Wirz gibt auch gleich die Antwort. "Ja, wahrscheinlich" und führt einige "Hinweise" an, die ihn stutzig machten.
Als erstes tue Iran alles, um eine zivile Infrastruktur für sein Atomprogramm einzurichten. Eine Infrastruktur, die es in dieser Grössenordung gar nicht brauche. Das Land verfüge über genügend Erdöl- und Gasreserven, um seine Energieversorgung auf Jahrzehnte hinaus sicher zu stellen.
Angereichertes Uran und Plutonium
Allein von diesen – wie Wirz schreibt - "wirtschaftlichen Gesichtspunkten" her betrachtet, gäbe es keine Rechtfertigung für Iran, Anlagen zu bauen, in denen Uran angereichert und Plutonium hergestellt werden kann.
Dies erlaube einerseits die technische Herstellung der für die Bombe notwendigen Substanzen, diene aber auch dazu, zivile Kernbrennstäbe herzustellen.
Doch, so Wirz, die Aktivitäten zum Aufbau eigener Kapazitäten zur Urananreicherung oder gar zur Wiederaufbereitung von abgebrannten Brennstäben sei mit wirtschaftlichen Überlegungen nicht zu begründen. Für beides gebe es weltweite Überkapazitäten.
Ein weiterer "verdächtiger Punkt", so Peter Wirz, sei, dass Iran der Internationalen Atomenergie-Behörde in Wien entgegen seinen Verpflichtungen nicht gemeldet habe, dass es über Substanzen verfügt, die dazu dienen können, eine Atombombe zu bauen.
IAEA ist optimistisch
Am 12. September hatte die Atom-Energie-Behörde Iran ultimativ aufgefordert, bis Ende Oktober die noch ausstehenden Fragen zu klären und der IAEA unbeschränkten Zugang zu den Anlagen zu gewähren.
In einem Brief vom 10. November an die IAEA akzeptierte Iran im Prinzip Kontrollen der Behörde. Iran habe auch angekündigt, schreibt Wirz, dass es die "zusätzlichen Protokolle" unterzeichnen werde.
Für Wirz ist die eine "positive Entwicklung". Diese Einschätzung teilt auch das Schweizer Aussenministerium, wie ein Sprecher gegenüber swissinfo sagte.
Auch die IAEA sei dieser Meinung, sagte eine Sprecherin in Wien gegenüber swissinfo.
Dass es bis zur Unterzeichnung der zusätztlichen Protokolle nun noch einige Monate dauern werde, habe mit den administrativen Wegen der Organisation und nichts mit dem Iran zu tun.
"Man kann nicht einfach sagen, morgen unterzeichnen wir den Vertrag", sagte die Sprecherin. "Das dauert schon eine Weile!"
Die Bedingungen der Behörde sind sehr streng. Treten verdächtige Handlungen auf, können die Inspektoren der IAEA binnen 24 Stunden vor Ort sein, in ganz ernsten Fällen ist eine Kontrolle gar binnen zwei Stunden möglich.
Christoph Wirz erinnert im Artikel in der Militärzeitschrift auch daran, dass die iranische Führung in der Frage eine möglichen nuklearen Bewaffnung selber "gespalten" sei.
Beunruhigende Raketen
Drittes Argument von Wirz, dass der Iran trotzdem die Bombe anstrebe: Die Tatsache, dass das Land Raketen mit einer Reichweite über 1000 Kilometern
baue und teste.
Es sei offensichtlich, schreibt Wirz, dass ein starker Zusammenhang bestehe zwischen den Raketen-Programmen und militärischen Nuklear-Programmen. Ein ernst zu nehmendes Raketen-Programm sei ein wichtiger Indikator für ein militärisches Nuklear-Programm.
Existenzielle Bedrohung, Unsicherheit und Furcht seien die wirksamsten Triebfedern für die "nukleare Proliferation" des Iran.
Mit Pakistan, Indien, Israel, Russland und China sei der Iran von Staaten mit Nuklearwaffen umgeben.
Der Artikel von Christoph Wirz gewinnt an Aktualität, weil der Gouverneursrat der UNO-Behörde der am Donnerstag oder Freitag darüber entscheidet ob das Atomprogramm des Iran als Bedrohung für den Weltfrieden eingestuft wird.
Ein Bericht der Behörde sagt aber auch, dass es keine Beweise gebe für ein rein militärisches Atomprogramm.
Der Iran sei allerdings "mehre Male" seinen Verpflichtungen im Zusammenhang mit dem Atomsperrvertrag (Non-Proliferation TReaty, NPT) nicht nachgekommen, der eigentlich die Nichtweiterverbreitung von Nuklearwaffen regeln sollte.
swissinfo, Michel Walter
(Übertragung aus dem Französischen: Urs Maurer)