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Der Europarat bezweifelte heute, dass Fifa-Chef Joseph «Sepp» Blatter von den Korruptionsaffären rund um den Verband nichts wusste.
Der zuständige Europarats-Abgeordnete François Rochebloine (Frankreich) stellte am 23. April einen Zusatzrapport über die Korruptionsaffären des Weltfussballverbandes Fifa und einiger Firmen aus deren Umfeld zusammen. Dabei ging er mit Fifa-Chef Joseph Sepp Blatter und seiner Entourage hart ins Gericht. Es sei «schwer vorstellbar», dass die Führung des Weltfussballverbandes Fifa nichts von den Millionensummen wusste, die an einige ihrer Funktionäre im Zusammenhang mit der Schweizer Vermaktungsgruppe ISL für die Übertragungsrechte der Weltmeisterschaft schwarz gezahlt wurden.
Insgesamt zahlte ISL nur schon für die Zeitspanne zwischen 1989 und 1998 über 122 Millionen Schweizer Franken an «Kommissionen», zwischen Mitte 1999 bis Anfang 2001 nochmals über 37 Millionen an «Begünstigte».
Insbesondere Blatter sei von 1975 bis 1981 technischer Direktor gewesen, danach bis 1998 Fifa-Generalsekretär und ab dann deren Präsident. Es sei bekannt, dass die Schwarzgeldzahlungen bei ISL seit den 70er-Jahren, als Fussball zum Geschäft wurde, Gang und Gäbe waren.
Auch sei es «aussergewöhnlich», dass die Fifa keine internen oder gerichtlichen Massnahmen auf Entschädigungszahlungen eingeleitet habe, da die Summen, die «unter dem Tisch an skrupellose Funktionäre» gezahlt worden seien, ja an die Fifa hätten gehen müssen, sie also eigentlich geschädigt worden sei.
Das Dokument enthält auch Aussagen des damals für die Strafuntersuchungen in der Schweiz zuständigen ausserordentlichen Staatsanwalts Thomas Hildbrand.
Heute wurde über den Zusatz-Rapport im Europarat debattiert. Vor Ort wurden von Politikern Zweifel geäussert, dass es die Fifa ernst meint mit ihren Antikorruptionsbemühungen. Kritisiert wurde auch die Verzögerungstaktik, mit der die Fifa versucht, Gerichtsdokumente geheimzuhalten und die Ergebnisse der eigenen Ethikkommission nicht völlig transparent öffentlich mache.
(chb/laf)