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Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 2011 von Hans Oberhänsli
Die Haubentaucher brüten auf schwimmenden Nestern im Schilfröhricht. Ihre Jungen sind Nestflüchter. Unmittelbar nach dem Schlüpfen aus dem Ei klettern sie auf den Rücken des brütenden Elternteils, um sich unter seinen Flügeln zu wärmen und zu schützen. Während die Jungen die ersten Lebenstage unter den Flügeln des sie führenden Vogels verbringen, deckt der andere Elternteil ihren Nahrungsbedarf.
Ein Haubentaucher hütet die Jungen unter den Flügeln, während sie der andere füttert. Nebst Fischchen verabreicht er auch Federn, die er aus seinem Gefieder zupft.
Die ersten Haubentaucherpaare legten im Bootshafen Rietliau bereits um den 20. April 2011 in Intervallen von zwei Tagen bis zu vier Eier und begannen mit dem Brüten. Zur gleichen Zeit zogen Gruppen von jungen Rotaugen, im Volksmund unter dem Namen «Schwale» bekannt, und jungen Egli in unterschiedlicher Grösse dem Ufer entlang. Diese Fische hatten sich früh ausserhalb der Schilfgebiete entwickelt. Dank der frühzeitig eingetretenen Vermehrung von pflanzlichen Kleinlebewesen im Zürichsee entwickelte sich auch das tierische Plankton, das sich vom pflanzlichen ernährt, rasch. Für die Jungfische ergaben sich ausgesprochen gute Nahrungsbedingungen. Diese begünstigten die Fortpflanzung der «Schwalen» und Egli. Um den 20. April herum bevölkerten andere ausgewachsene Fischarten wie Brachsmen, Schleien und Rotfedern das Schilf. Diese paarten sich mit lautem «Geplätscher» und streiften den Laich an den Schilfhalmen ab. Die jungen Haubentaucher durchbrachen nach fünfundzwanzig Tagen Brutzeit die Eierschalen. Aus dem Laich im Schilf entwickelten sich zur selben Zeit die ersten winzigen Fischchen, die sogenannten «Nägel».
Wenn die jungen Haubentaucher die Eier von etwa 56 x 37 Millimeter Grösse durchbrechen, können sie nur kleinste Fischchen aufnehmen, die ihnen die Eltern nicht zerlegt und nicht verkleinert von Schnabel zu Schnabel übergeben. Das schafft Probleme, denn die Eltern können nicht beurteilen, wie gross ein Fischchen sein darf, damit die Jungen dieses verschlingen können. Sie bieten deshalb den Jungen einfach die Fischchen an, die sich finden lassen.
Der brütende Haubentaucher bietet dem Jungen von Zeit zu Zeit Federn an, während beide auf das Schlüpfen der weiteren Jungen warten.
In diesem Jahr waren in der unmittelbaren Umgebung der Nester reichlich junge «Schwalen» vorhanden. Diese waren jedoch meistens so gross, dass die frisch geschlüpften jungen Haubentaucher diese nicht zu verschlingen vermochten. Wenn es ein fünf Zentimeter grosses Fischchen war, scheiterte das Bemühen des Altvogels, dieses den Jungen unter den Flügeln des Partners zu übergeben. Sie schnappten vergeblich nach der dargebotenen Nahrung. Auch der sie hütende Vogel versuchte erfolglos, ihnen das Fischchen schmackhaft zu machen. Wenn auch diese Bemühungen fehlschlugen, verschlang schliesslich einer der Altvögel die Beute selber. Die ablehnende Haltung der Jungen hinderte den um die Nahrung besorgten Haubentaucher nicht, sofort wieder zum Fischfang aufzubrechen. Seine Abwesenheit war hin und wieder kurz dann wieder länger. Kaum zurück, standen die Altvögel wieder vor dem Problem, ob die Jungen das dargebotene Fischchen aufnehmen werden. Meist blieb ihnen zum wiederholten Mal nichts anderes übrig, als die Nahrung selber zu verschlingen. Obwohl den Altvögeln das Verhalten der Jungen nicht einleuchtete und der nach Nahrung Tauchende seine Ungeduld durch knurrende Laute zum Ausdruck brachte, brach er dennoch wieder zur Nahrungssuche auf. Gelegentlich unterbrach er seine Tätigkeit und pflegte das Gefieder. Nach diesem Unterbruch versuchte er sein Glück erneut, meistens jedoch vergeblich. Selbst wenn manch weiterer Fütterungsversuch scheiterte, gab er nicht auf und war fürsorglich um das Wohl seiner Jungen bemüht. Es gab Tage, an welchen es einzelnen Haubentaucherfamilien nicht gelang, den frisch geschlüpften Jungen die geeignete Nahrung anzubieten, die sie aufnehmen konnten.
Die frisch geschlüpften jungen Haubentaucher haben einen roten, nackten Stirnfleck und gleichfarbige Flecken zwischen den Schnabelwurzeln und den Augen.
Es war ein Spiel mit dem Zufall. In dieser Situation bildeten Federn der Altvögel einen Nahrungsersatz oder zum Mindesten eine willkommene Zusatznahrung. Sie fütterten den Jungen Federn, die sie aus ihrem dichten Gefieder heraus zupften. Die Federn enthalten Keratin, ein Eiweissprodukt. Sie haben darum einen gewissen Nährwert. Um die Jungen an die Federn zu gewöhnen, boten ihnen die Altvögel diese als Erstes nach dem Schlüpfen an. Sie nahmen diese Nahrung ohne Widerspruch an. Später bettelten sie nach Federn, wenn ein Elternteil das Gefieder pflegte.
Die kritische Lebensphase der Jungen meisterten trotzdem die Paare besser, die bereits ab 20. April brüteten und mit ihnen nach dem Schlüpfen in der Nähe des Nestes verblieben. Für ihre Jungen fanden sie mit Ausdauer und Beharrlichkeit nebst den zu grossen Fischchen doch ab und zu solche, welche diese zu verschlingen vermochten. Mit dieser Nahrung, den verabreichten Federn und der Wärme unter den Flügeln erreichten die Jungen nach mehreren Tagen ein Stadium, das ihnen erlaubte, auch grössere Fischchen aufzunehmen.
Dem Jungen fehlt die Kraft, das Fischchen zu heben, um dieses verschlingen zu können.
Paare die später mit Brüten begannen, hatten grosse Probleme, ihrer Aufgabe gerecht zu werden. Sie hatten Mühe, kleinste «Schwalen» und Egli zu finden. Ein Ersatz wären die im Schilf aufwachsenden Fischchen gewesen. Diese kamen jedoch zur Welt, als das Seewasser für wenige Wochen ungewohnt klar war und ihnen zur Entwicklung das nötige Plankton fehlte. Der Haubentaucher, welcher die Jungen führte, blieb fast regungslos immer an demselben Platz im Schilf. Die Jungen rührten sich kaum. Mit den Federn als Nahrung überlebte schliesslich nur der Stärkste die ersten kritischen Tage. Es war derjenige, der sich vordrängte und immer zuerst nach der dargebotenen Nahrung schnappte.
Die Beobachtungen zeigen, wie schwer es für die Haubentaucher ist, das Nahrungsangebot für die Jungen vorauszusehen und wie hilfreich die Federn sind, um ihr Überleben zu sichern.