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Das Urserntal steht zurzeit im öffentlichen Interesse, weil dort in den nächsten Jahren eine der grössten Hotelanlagen im europäischen Alpenraum entstehen soll. Der einzige offene Widerstand auf Seiten der Talbevölkerung kommt von den Bauern, auf deren Land die Anlage geplant ist. Die bäuerliche Bevölkerung in Ursern gerät durch das Hotelprojekt in eine schwierige Situation. Die Ansprüche der zu erwartenden Gäste sind mit Viehwirtschaft nur schwer vereinbar. In diesem Konflikt zeigt sich, dass die Zukunft des Tals eng verbunden ist mit der Gestalt und dem Stellenwert seines Agrarsektors.Das Dissertationsprojekt "Landwirtschaft in Ursern während der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts" geht davon aus, dass die momentane Situation der vorläufige Höhepunkt einer langen Geschichte ist. Es will mit einem breiten historischen Ansatz die Entwicklung der Landwirtschaft im Tal von der Mitte des letzten Jahrhunderts bis heute nachzeichnen. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie sich der materielle Stellenwert und die funktionale Bedeutung der Ursner Landwirtschaft gewandelt haben. Anhand von drei Themenfeldern wird diese Fragestellung erforscht: Zunächst wird die Entwicklung der Landwirtschaft in wirtschaftlicher, sozialer und (nutzungs-) technischer Hinsicht nachgezeichnet. Danach fragt die Dissertation nach dem Einfluss der agronomischen Lehre auf die landwirtschaftliche Praxis und analysiert die Zusammenhänge und das Verhältnis zwischen lokalem Wissen und Expertenwissen. Das dritte Themenfeld ist die Agrarpolitik. Hier wird sowohl der Wandel der politischen Konzeption von Berglandwirtschaft untersucht als auch das Zusammenspiel zwischen den Akteuren Bund, Kanton Uri, Korporation Ursern und bäuerlichen Organisationen.Der zur Verfügung stehende Quellenkorpus setzt sich zusammen aus Archivalien und Oral-History-Interviews mit Zeitzeugen und Zeitzeuginnen. Es werden unterschiedliche historische Methoden zur Anwendung kommen, unter anderem Sozial-, Wirtschafts- und politische Geschichte.English versionUsing a broad historical approach, the dissertation on "Agriculture in Ursern during the Second Half of the Twentieth Century" intends to investigate the agrarian sector in the Ursern Valley. The project asks how agriculture in this alpine valley, which was very much influenced by tourism and Swiss military facilities, has changed during the last 100 years.Political, economic, ecological, technical and social aspects are to be examined, and both internal and external factors analytically brought into a relationship with each other. The conlcusion and synthesis adress the question of how the material status and functional importance of Ursern agriculture have been altered.