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| Augustinus (354-430) - Ausgewählte Briefe (Erster Teil)

Zweites Buch.
Briefe von Augustins Erhebung zur Bischofswürde bis zu seiner Disputation mit den Donatisten und der Entdeckung der pelagianischen Irrlehre in Afrika (396—410).
XIX. (Nr. 33.) An Proculeianus
4.
Dringend aber bitte ich dich, deines Versprechens eingedenk zu sein, eine Sache von solcher Wichtigkeit, die sich auf das Heil aller bezieht, vor Schiedsrichtern, die du selbst bestimmen magst, mit uns austragen zu wollen. Doch müßten unsere Worte schriftlich aufgenommen werden, damit kein nichtiges Gezänk darüber entstehe; dann kann alles mit Ruhe und Ordnung von uns besprochen und der logische Zusammenhang, falls etwa ein Satz der Erinnerung entschwunden sein sollte, ergänzt werden. Sollte es aber euch lieber sein, so wollen wir zuvor durch Briefe oder durch Besprechung und Lesung an irgendeinem dritten Orte unmittelbar miteinander verhandeln; sonst könnten einige eifernde Zuhörer mehr einen Kampf zwischen uns beiden erwarten, als an ihr Heil bei unserer Besprechung denken. Ist die Debatte dann zum Schluß gekommen, so mag das Volk das Ergebnis erfahren. Ziehet ihr aber die briefliche Unterredung vor, so sollen die Briefe der beiden Bekenntnisse vorgelesen werden, damit man endlich nicht mehr von zwei Völkern, sondern nur von einem Volke reden könne. Ganz wie du willst, befiehlst, wünschest, so nehme ich es mit Freuden an. Hinsichtlich der Gesinnung meines heiligsten und ehrwürdigen Vaters Valerius, der augenblicklich abwesend ist, kann ich mit voller Gewißheit einstehen, daß er mit großer Freude davon hören wird. Weiß ich doch, wie sehr er den Frieden liebt und wie wenig es ihm um eitlen, nichtigen Ruhm zu tun ist!