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Ablenken, abstreiten, einlullen: Die PR-Strategien der Konzerne
Als der in den 1990er-Jahren einsetzende Niedergang der Bienenpopulationen in ganz Westeuropa der Imkerei stark zusetzte, begannen die Pestizidhersteller, ihre Produkte mit allen Mitteln zu verteidigen. Konkret suchen Syngenta, Bayer und Co. krampfhaft nach anderen Ursachen für das Bienensterben: etwa die Varroa-Milbe, die Bienenvölker befällt, oder andere natürliche Krankheitserreger. Dabei belegen öffentliche Expertenberichte seit fast zwanzig Jahren die toxische Wirkung von Neonicotinoiden auf Bienen, und zwar bereits in sehr niedrigen Dosen. Warum gibt es also immer noch keinen Konsens darüber, dass diese Stoffe für Bestäuberinsekten gefährlich sind?
Eine Antwort auf diese zentrale Frage liefert der französische Journalist Stéphane Foucart, Ko-Autor der Dokumentation «Forschung, Fake und faule Tricks» des TV-Senders Arte, im Beitrag: «Nach den ersten Anzeichen des Bienensterbens gab es schon bald vier oder fünf Mal so viele Studien zu allen möglichen anderen Ursachen.» Mit anderen Worten: Die Wissenschaft wurde dazu eingespannt, die Aufmerksamkeit von Pestiziden wegzulenken.
Die zeitliche Entwicklung zeigt jedoch: Der einzige neue Faktor, der ein dermassen dramatisches Bienensterben erklären konnte, war die Einführung der Neonicotinoide in der Landwirtschaft in den frühen 1990er-Jahren. «Nur eine massive Umweltverschmutzung kontinentalen Ausmasses kann das weltweite Bienensterben erklären, das selbst in Regionen einsetzte, in denen sich die Lebensweise und die Landschaft in den letzten vierzig Jahren kaum verändert haben», schreibt Nadir Alvarez, Professor für Genetik und Evolution an der Universität Genf, in einem Gastbeitrag zum Insektensterben im Westschweizer Online-Medium Heidi.news. Eine Studie der Universität Neuenburg aus dem Jahr 2017 hat denn auch gezeigt, dass «75% der Honigproben, die auf allen Kontinenten gesammelt wurden, mindestens eine Art von Neonicotinoid enthalten».
Syngenta ist der weltweit führende Pestizidhersteller und der einzige Exporteur von Thiamethoxam. Das Produkt spielt jedes Jahr Hunderte von Millionen Dollar ein. Seit rund dreissig Jahren leugnet oder verharmlost der Basler Konzern die Rolle der Neonicotinoide beim Kollaps der Bienenpopulationen. Seine Haltung grenzt gar an Realitätsverweigerung, wenn er behauptet, die Medien würden bezüglich Bienensterben «die real existierenden wissenschaftlichen Daten aufbauschen». Derweil garantiert Syngenta stets, dass die firmeneigenen Produkte «sicher» seien und dass das Unternehmen «sämtliche Gesetze und Sicherheitsstandards in den Einfuhrländern einhält». Bayer bläst ins gleiche Horn und gibt an, die «Bienengesundheit» sehr ernst zu nehmen.
Operation Greenwashing
Auch Syngenta versucht, die Öffentlichkeit mit positiven Gefühlen abzuholen. Um seine Liebe zu den Bienen zu demonstrieren, hat der Konzern 2009 die «Operation Bestäuber» ins Leben gerufen. Das Programm soll die Präsenz einheimischer Bestäuberinsekten erhöhen, indem ihnen Blütenstreifen als Lebensräume und Nahrungsquellen am Rand der Felder zur Verfügung gestellt werden. Ein paar Blümchen als Belohnung also, für den Fall, dass die Bienen die toxischen Neonicotinoide überlebt haben. Viele dieser Initiativen seien Greenwashing, sagt Dave Goulson, Professor für Biologie an der Universität von Sussex: «Wie kann man vorgeben, sich um die Bienen zu sorgen, wenn man gleichzeitig weiterhin Tausende Tonnen von Chemikalien vertreibt, welche die Bienen töten?»