Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03402.jsonl.gz/1652

Frage | Die Tochter einer Freundin nimmt Reitstunden. Neben den Pferden, die dem Stallbesitzer für den Unterricht von Reitschülern selber gehören, betreibt er auch eine Pferdepension. Kürzlich kam es zu einem Unfall: Während die Reitschülerin für den anstehenden Unterricht mit dem Reitschulpferd am Ein-/Ausgang wartete, führte der Stallbesitzer ein Pensionspferd aus dem Dressurviereck, wo er es longiert hatte. Nachdem er die Reitschülerin passiert hatte, scheute sein Pferd plötzlich, wich zwei Meter zurück, schlug dabei aus und traf die Reitschülerin am Oberschenkelknochen. Dieser brach. Offenbar weigert sich der Pferdestallbesitzer, die Behandlungskosten zu übernehmen, weil es nicht sein eigenes Pferd war. Wer haftet in einem solchen Fall?
Antwort | Es kommt auf die konkreten Umstände an. Grundsätzlich gilt, dass der Tierhalter für den vom Tier angerichteten Schaden haftet, wenn er nicht nachweist, dass er alle nach den Umständen gebotene Sorgfalt in der Beaufsichtigung angewendet hat bzw. dass der Schaden auch dann eingetreten wäre, wenn er diese Sorgfalt angewendet hätte. Gesichert dürfte zumindest sein, dass der Stallbesitzer im Zeitpunkt des Unfalls als Tierhalter zu gelten hat. Denn er führte das Pferd, nachdem er es longiert hatte, und war somit für dessen Verhalten verantwortlich. Seine Haftung kann er m. E. nicht auf den nicht anwesenden Eigentümer des Pensionspferds abwälzen.
Nicht klar ist aufgrund Ihrer Schilderung, ob das Pferd allenfalls von einer Drittperson oder dem Tier eines anderen «gereizt» wurde. Diesfalls haftet zwar der Tierhalter auch – soweit er seine Sorgfaltspflicht verletzt hat –, er kann aber auf diese Drittperson Rückgriff nehmen.
Rechtsfragen können gestellt werden an:
Dr. Lorenz Strebel, Rechtsanwalt und Notar, Bahnhofstrasse 86,
5001 Aarau, E-Mail: <email-pii>