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Philip Potter: Ein grosser Mann der Ökumene
23. August 2021
Am 19. August wäre Philip Potter, Methodist und früherer Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, 100 Jahre alt geworden. Er hat wie kaum ein anderer die ökumenische Bewegung geprägt.
Philip Potter war eine der prägenden Persönlichkeiten der internationalen ökumenischen Bewegung. Am 19. August 1921 wurde der Methodist und erste Vertreter des Südens an der Spitze des Weltkirchenrats in Roseau auf der Karibik-Insel Dominica geboren. Am 31. März 2015 starb er im Alter von 93 Jahren in Lübeck.
Erstmalig ein Vertreter des Südens als Generalsekretär
Im Jahr 1967 wurde Potter beim 🔗Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) Direktor der Abteilung für Weltmission und Evangelisation. Der Zentralausschuss des Weltkirchenrat wählte ihn dann 1972 zum Generalsekretär. Erstmalig bekleidete damit «ein Vertreter des Südens» dieses ökumenische Spitzenamt. Wie kaum ein anderer prägte Potter in seiner zwölfjährigen Amtszeit (1972-1984) und darüber hinaus die ökumenische Bewegung in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts.
Hoffnung auf Gemeinschaft beim Abendmahl
In seine Amtszeit fiel das als «Lima-Erklärung» bekanntgewordene Ökumene-Dokument 🔗«Taufe, Eucharistie und Amt». Es wurde 1982 in der peruanischen Hauptstadt Lima vorgelegt. Die aus dieser ökumenischen Erklärung entstandene 🔗«Lima-Liturgie» steht für eine Art ökumenischen «Super-Gottesdienst». Mit den Lima-Dokumenten verband sich die Hoffnung auf eine auch zwischen Katholiken und Protestanten mögliche Abendmahlsgemeinschaft, die sich allerdings bis heute nicht erfüllte.
Ökumene zieht sich durch Potters ganzes Leben
Bereits in seiner Herkunftsfamilie erlebte Potter, was ökumenische Gesinnung bedeutet. Sein Vater, Clemens Potter, war römisch-katholisch, seine Mutter, Violet Peters, Methodistin. Sie liess den Sohn in ihrer methodistischen Gemeinde taufen. So bekam der junge Potter bereits aus beiden Kirchen etwas mit. In jungen Jahren engagierte er sich in seiner methodistischen Gemeinde. Mit fünfzehn Jahren hielt er seine erste Predigt. Nach der Ausbildung in einer Anwaltskanzlei studierte er Theologie in Jamaika und Grossbritannien.
Tätigkeit in Grossbritannien
Über internationale Begegnungen und über Tätigkeiten in der 🔗«britischen Methodistenkirche als Superintendent (1950 bis 1954) und als Sekretär der Missionsgesellschaft (1961 bis 1966) führte sein Weg in die internationale Ökumene. Als Jugendreferent hatte er zwischen seinen Tätigkeiten bei der britischen Methodistenkirche bereits als Mitarbeiter und Leiter des Jugendreferats des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Genf gewirkt.
Lebensabend in Deutschland
Philip Potter war zweimal verheiratet. Seine erste Frau heiratete er 1956. Die Musikerin und Komponistin Doreen Potter verstarb 1980. Bärbel Wartenberg, seine zweite Frau, lernte Potter beim ÖRK in Genf kennen. Die beiden heirateten 1985. Nach dem Ende seiner Dienstzeit in Genf schloss sich für das Paar eine Zeit in Jamaika an. Potter und seine Frau unterrichteten dort an einer Hochschule. Im Jahr 1990 zogen Potter und seine Frau nach Deutschland. Er folgte den Aufgabenschwerpunkten seiner Frau nach Stuttgart, Frankfurt am Main und Lübeck, wo Bärbel Wartenberg-Potter von 2001 bis 2008 Bischöfin der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche war. Im Alter von 93 Jahren starb Philip Potter am 31. März 2015 in Lübeck.
Klar positioniert und gesprächsoffen
Anlässlich des Todes im Jahr 2015 würdigte die damals für Deutschland zuständige Bischöfin der Methodistenkirche, Rosemarie Wenner, den Mut und die klare Position des Theologen. «Er verband auf gut methodistische Weise Frömmigkeit, die alles von Gott erwartet, mit dem tatkräftigen Einsatz für eine gerechtere Welt», schrieb sie in einem Kondolenzbrief an Potters Witwe, Bärbel Wartenberg-Potter. Potters Wirken für die Einheit der Christenheit habe darauf abgezielt, dem Reich Gottes Ausdruck zu geben, in dem Menschen aus allen Ethnien und allen sozialen Schichten an der Feier des Lebens Anteil haben. «Er hatte den Mut, klare Positionen einzunehmen und blieb dennoch mit den Kritikern des ÖRK im Gespräch.» Potter sei ihr ein «Weggefährte» gewesen, «der mir und vielen anderen zum Vorbild wurde».
«Eine Art ‹Held›»
Auch die evangelische Theologin und frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Kässmann, brachte ihre Anerkennung über die prägende Gestalt der Ökumene zum Ausdruck. «Philip Potter war eine Art ‹Held› für mich», erzählte sie rückblickend ihre Eindrücke. Als Theologiestudentin habe sie seinerzeit beim Ökumenischen Rat der Kirchen die Bekämpfung des Rassismus und das Eintreten für Frieden und weltweite Gerechtigkeit begeistert. «Philip Potter war das Gesicht, die Persönlichkeit, die dieses Engagement verkörperte», so Kässmann. Ausserdem habe ihr imponiert, dass Potter ein «Sensorium» hatte, «die leisen Töne zu hören und zu Gehör zu bringen».
Ein ‹sanfter Riese›
In Erinnerung an Philipp Potter ergründete ein Symposium in Hamburg dessen Bedeutung für die heutige Ökumene. Am Tag seines hundertsten Geburtstags gedachten ehemalige Weggefährten, Interessierte und in der Ökumene engagierte Personen der Lebensleistung des vor sechs Jahren verstorbenen früheren Generalsekretärs des Ökumenischen Rates der Kirchen. Das Symposium brachte auf vielfältige Weise zum Ausdruck, was einer der Weggefährten so beschrieb: «Philipp Potter war ein ‹gentle giant›» – ein sanfter Riese.
Klaus Ulrich Ruof, emk.de
Bildnachweis: Wikimedia Commons (Mieremet, Rob / Anefo; Nationaal Archief), CC0
Weiterführende Links
Nicht Liebe zur Macht, sondern Macht durch Liebe. Bericht vom Symposium in Hamburg bei emk.de
Würdigung von Philip Potter im -Magazin «unterwegs» der Methodistenkirche in Deutschland (PDF)
Das Erbe Philip Potters (PDF; veröffentlicht von einem ökumenischen Herausgeberkreis)
At Home with God and the World; A Philip Potter Reader. Publikation des ÖRK von 2013 (PDF, engl.)
Der Beitrag wurde am 24. August aktualisiert. Eingefügt wurden der Abschnitt «Ein ‹sanfter Riese›» und der Link zum Bericht vom Symposium auf emk.de.