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Genderstereotype merzen Unterschiede innerhalb der Gruppe aus und verschärfen die Unterschiede zwischen den Gruppen. Sie führen dazu, dass unterschiedliche Erwartungen an die Geschlechter gestellt werden.
Stereotype beschränken Mädchen und Jungen auf gendertypische Rollenbilder (Tanzen vs. Fussballspielen) und auf gendertypische Merkmale (rosafarbene oder blaue Kleider). Sie führen zu vorgefassten Meinungen, ohne die ganze Palette an individuellen Möglichkeiten, Fähigkeiten und Wünschen einer Person zu berücksichtigen.
Der Preis für eine Übertretung dieser «Regeln» kann unterschiedlich hoch sein: Ein Junge, der tanzt, ist mehr Spott ausgesetzt als ein Mädchen, das Fussball spielt. Das ist auf den Wert zurückzuführen, der dem Maskulinen beigemessen wird. Im beruflichen Kontext stossen Pionierinnen im Allgemeinen auf grössere Hindernisse und mehr Widerstand als das männliche Geschlecht.
Wenn man diese Stereotype zerschlägt und sich von ihnen befreit, eröffnet sich ein breites Feld an Möglichkeiten. Ausserdem kann frei von Stereotypen Diskriminierung entgegengewirkt werden.
Übernahme von Genderstereotypen – von starr bis flexibel
Ab dem Alter von 2 bis 3 Jahren sind sich Kinder bereits der Tätigkeiten, Berufe, Verhaltens- und Erscheinungsweisen bewusst, die stereotypisch mit einem bestimmten Geschlecht in Verbindung gebracht werden. In diesem Alter basiert die Wahrnehmung des Geschlechts einer Person auf ihrem äusseren Erscheinungsbild wie auf der Frisur oder der Kleidung.
Ab dem Alter von 3 Jahren nehmen Kinder ausserdem wahr, dass sich Erwachsene je nach Geschlecht des Kindes anders verhalten. Die Kinder ändern in Anwesenheit von Erwachsenen also ihr Verhalten, um den gesellschaftlich konstruierten Erwartungen zu entsprechen.
Danach durchlaufen die Kinder verschiedene Phasen, in denen sie den Genderstereotypen mehr oder weniger fest entsprechen.
Der Wert, welcher der Übereinstimmung mit diesen Stereotypen beigemessen wird, ist im Alter von 5 bis 7 Jahren am grössten: Übertretungen dieser sogenannten geschlechtsspezifischen Rollen gelten als inakzeptabel. Da Kinder denken, dass ihr Geschlecht und das des Gegenübers wechseln könne und auf dem gesellschaftlichen Kontext basiere (Auftreten, Tätigkeit, Spielzeug usw.), wird besonders darauf geachtet, sich an die gesellschaftlichen Konventionen zu halten.
Im Alter von 7 bis 12 Jahren legen Kinder eine zunehmende Flexibilität in Bezug auf das, was für das jeweilige Geschlecht in Sachen Auftreten und Verhalten als zulässig gilt, an den Tag.
Beim Übergang zur Jugend wird dann wieder stärker an den geschlechtsspezifischen Rollen festgehalten, was vor allem auf die körperlichen Veränderungen und auf die zwischenmenschliche und sexuelle Orientierung zurückzuführen ist. Die Zukunftspläne der Jugendlichen (Arbeit, Beziehung, Familie usw.) werden stark dadurch beeinflusst, was eine Frau oder ein Mann zu tun und zu lassen hat.
Im Erwachsenenalter stellt sich dann eine grössere Flexibilität ein. Nach der Jugend beispielsweise gibt es immer mehr Pionierinnen und Pioniere, die Karriere machen.
Wird den Kindern eine grössere Vielfalt an Modellen angeboten, kann an diesen Stereotypen gearbeitet und eine grössere Flexibilität entwickelt werden.
Auszug und Übersetzung aus Caroline Dayer, Eclairages théoriques et pratiques in L’Ecole de l’égalité, cycle 1, 2019; und Nicos Puppe und Sophies Lastwagen, 2013.
Veröffentlicht am 28. April 2021