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Theatralische Sonate
Von majestätisch bis hüpfend setzt Henry Vieuxtemps die Bratsche in Szene.
Der berühmte belgische Geiger war auch Komponist und Bratscher. 1860 schuf er das
5. Violinkonzert und die Bratschensonate op. 36 und beschloss, letztere noch vor der Veröffentlichung auf seiner Englandtournee uraufzuführen, was ihm viel Lob einbrachte. Erst im November 1862 erschien sie unter dem Titel Sonate für Klavier und Viola oder Cello. Diese Erstausgabe durch Julius Schuberth, Leipzig, ist die einzige Quelle für die hier vorliegende erste, im Vorwort sehr informative Urtextausgabe von Henle; es ist bis jetzt keine Handschrift zu der Sonate aufgetaucht.
Vieuxtemps versteht es ausgezeichnet, die Bratsche in Szene zu setzen. Der erste Satz beginnt und endet mit einer aus majestätischen ganzen Noten bestehenden Melodie. Das dazwischen liegende Allegro ist ein Wechselspiel von Läufen der beiden Instrumente, immer wieder unterbrochen von breiten rhetorischen Einfällen und überleitend zur Anfangsmelodie mit einer kühnen sanften Modulation. Die Barcarolle ist berühmt dank ihrer wechselhaften Szenen – auf den Wellen glitzert und wiegt es. Das Finale scherzando entwickelt sich aus dem leichtfüssigen Hüpfmotiv vom Ende einer eingängigen Melodiefloskel.
Tabea Zimmermann setzt gut liegende Fingersätze, oft verachtet sie zwar die zweite Lage und den vierten Finger und viele Fingerzahlen sind unnötig, weil sie keine Lagenwechsel anzeigen.
Henry Vieuxtemps, Violasonate B-Dur op. 36, hg. von Peter Jost, Fingersatz der Klavierstimme von Klaus Schilde, mit einer unbezeichneten und einer von Tabea Zimmermann bezeichneten Violastimme, HN 577, € 19.00, G. Henle, München 2014