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Was ist ADHS?
Kinder mit ADHS (auch ADS oder ADHD genannt) fallen oft dadurch auf, dass sie sich nur schlecht auf eine Sache konzentrieren, dass sie ihre Impulse weniger kontrollieren können und dass sie eine starke Hyperaktivität aufweisen. Doch was ist eigentlich ADHS? Was sind die Ursachen? Wie kann die Störung beim Kind behandelt werden?
Kinder mit ADHS sind häufig aufgedreht und trotzig. Bild: Juanmonino, E+, Getty Images Plus
Die Abkürzung ADHS steht für das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Hinter den anderen Abkürzungen ADS und ADHD steckt im Grossen und Ganzen das Gleiche: Aufmerksamkeitsstörungen, Impuls- und Wahrnehmungsdefizite und ein enorm grosser Bewegungsdrang, der auch als Hyperaktivität beschrieben wird. Bei der Krankheit handelt es sich um die häufigste psychiatrische Störung bei Kindern und Jugendlichen, wobei Jungen wesentlich häufiger die Diagnose erhalten, als Mädchen. Meist wird die ADHS-Diagnose im Kindergarten- oder Schulalter gestellt, obwohl die betroffenen ADHS-Kinder von ihren Eltern oft schon als schwierige Babys beschrieben wurden.
Ursachen von ADHS
ADHS ist eine neurobiologische Funktionsstörung im Gehirn und nicht die Folge einer falschen Erziehung der Eltern, wie manchmal landläufig angenommen wird. Die körperlichen Ursachen, welche zu den Symptomen führen, sind noch nicht eindeutig geklärt, man geht jedoch davon aus, dass eine fehlerhafte Informationsverarbeitung zwischen bestimmten Hirnabschnitten der Störung zugrunde liegt. Psychosoziale Einflüsse können den Krankheitsverlauf verschlimmern, können aber als einzige Ursache für die Störung der Betroffenen ausgeschlossen werden. Zu solchen Einflüssen gehören zum Beispiel schwierige Familienverhältnisse, psychische Krankheiten in der Familie aber auch Erziehungsfehler der Eltern. Weiterhin können Drogen-, Alkohol- und Nikotinmissbrauch der Mutter in der Schwangerschaft sowie Sauerstoffmangel bei der Geburt des Kindes zu einem schwereren Verlauf von ADS beitragen.
ADHS, ADS, ADHD – viele Namen für eine Krankheit
Dafür stehen die Abkürzungen:
- ADHS - Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung
- ADS - Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom
- ADHD - Attention Deficit and Hyperactivity Disorder
- HKS - Hyperkinetisches Syndrom
- POS - Psychoorganisches Syndrom
Kinder, in deren Familien es bereits ADHS gibt, sind zudem einem höheren Risiko ausgesetzt, selbst darunter zu leiden. Auch Hochbegabung und verminderte Intelligenz sowie andere Krankheiten und deren medikamentöse Behandlung sind als Risikofaktoren ermittelt worden.
Symptome und Behandlung
Kinder, die unter ADHS leiden, zeichnen sich durch Verhaltensauffälligkeiten in drei verschiedenen Bereichen aus. Das erste Hauptsymptom sind Aufmerksamkeitsstörungen. Den betroffenen Kindern fällt es schwer, sich länger auf eine Aufgabe zu konzentrieren, sie lassen sich leicht ablenken, beginnen eine Sache nach der anderen, ohne etwas zu Ende zu führen und haben häufig Probleme mit Strukturen. Als zweites Hauptsymptom für ADHS gilt fehlende oder mangelnde Impulskontrolle. Die Erkrankten sind sehr ungeduldig, können sich nur schlecht in Gruppen integrieren und sind leicht reizbar. Das dritte Hauptsymptom ist schliesslich eine extrem hohe Aktivität. Die Kinder sind unfähig, ruhig zu sitzen und müssen sich ständig bewegen. Sie haben Mühe mit Stille, neigen zu Hyperaktivität und verhalten sich meist sehr laut.
Hinzu kommen bei etwa einem Drittel der Betroffenen Kinder noch weitere Symptome. Zum Beispiel fällt es manchen Kindern schwer, Beziehungen zu anderen Kindern und Erwachsenen aufzubauen, andere wieder leiden unter mangelndem Selbstbewusstsein oder sie haben Lernbehinderungen.
Ist die Diagnose ADHS durch einen Arzt gestellt worden, gibt es verschiedene Behandlungsmethoden, damit die Betroffenen und ihre Angehörigen besser damit leben können, denn heilbar ist die Krankheit nicht. Zum einen wird die Krankheit mit verschiedenen nicht-medikamentösen Therapien behandelt. Dazu gehört zum Beispiel, dass in der Schule des betroffenen Kindes Aufklärung und Intervention betrieben wird, schliesslich werden die Kinder von Lehrern und Mitschülern nicht unbedingt als krank wahrgenommen, sondern oft einfach als «Störenfried». In schweren Fällen kann es eventuell hilfreich sein, wenn das Kind in einer Sondereinrichtung untergebracht wird. Erfolgreich kann auch sein, die Eltern oder die gesamte Familie zu therapieren und zu trainieren, sodass es den nächsten Angehörigen leichter fällt, mit ADHD umzugehen. Zum anderen erhalten die Kinder und Jugendlichen häufig den Wirkstoff Methylphenidat als Behandlung, welches in der Umgangssprache häufig als Ritalin bezeichnet wird. Der Wirkstoff sorgt dafür, dass das Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn reguliert wird und die Symptome des ADHS-Patienten so gelindert werden. Die Kinder und Jugendlichen können sich nach Einnahme meist besser konzentrieren und verhalten sich ausgeglichener. Der Schul- und Familienalltag kann so besser von ihnen bewältigt werden und auch die Hyperaktivität lässt nach.
Auch Erwachsene sind von ADHS betroffen
Auch Erwachsene können unter ADHS leiden, wenn auch oft nicht mehr so ausgeprägt wie Kinder, da sie durch jahrelange Übung die Symptome der Krankheit mit Therapie und Behandlung in den Griff bekommen haben. Trotzdem sind Betroffene durch die Störung in ihrem Leben eingeschränkt und leiden sehr darunter. Mangelnde Impulskontrolle macht das soziale Leben der älteren Jugendlichen und Erwachsenen mit ADHS schwer. Unaufmerksamkeiten beeinflussen das berufliche und private Leben. Oft ist psychologische und psychiatrische Betreuung für die Alltagsbewältigung nötig.
Kinder, bei denen ADHS diagnostiziert wurde und die entsprechend behandelt wurden, haben jedoch eine relativ gute Chance ein normales Leben zu führen. In kürzlichen Studien wurde herausgefunden, dass ungefähr ein Drittel mit 18 Jahren noch mindestens ein ADHS-Zeichen aufweisen, bei den 25-jährigen sind es nur noch acht Prozent.
Wichtige Fachstellen für ADHS-Betroffen
von Julia Wohlgemuth
Dieser Text wurde in Zusammenarbeit mit Sprechzimmer.ch erstellt.
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