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Im Davis-Cup-Final in Lille zwischen Frankreich und der Schweiz steht es nach dem ersten Tag 1:1. Stan Wawrinka siegt nach grandioser Leistung in vier Sätzen; Roger Federer geht in drei Sätzen unter.
Obwohl es unentschieden 1:1 steht, und obwohl Stan Wawrinka (ATP 4) im Eröffnungseinzel mit einer grandiosen Leistung den französischen Teamleader Jo-Wilfried Tsonga (ATP 12) in zwei Stunden und 24 Minuten mit 6:1, 3:6, 6:3, 6:2 entzauberte, verschlechterte sich am Freitag die Schweizer Ausgangslage beträchtlich. Denn Roger Federer (ATP 2) leidet sechs Tage, nachdem er sich am Masters in London gegen Stan Wawrinka am Rücken leicht verletzt hatte, immer noch. Im zweiten Einzel ging Federer gegen Gaël Monfils (ATP 19) in einer Stunden und 46 Minuten mit 1:6, 4:6, 3:6 unter.
9:2 hatte Federer vor dem Freitag in den Direktbegegnungen gegen Monfils geführt. Nach bloss 47 Minuten im zweiten Einzel führte jedoch der französische Super-Athlet bereits vorentscheidend mit 9:2, oder im Tennis-Jargon 6:1, 3:1. Eine Wende stand nie zur Diskussion. Roger Federer erspielte sich bei 1:3 im ersten Satz zwei Breakmöglichkeiten, zu weiteren Breakbällen kam er in den verbleibenden anderthalb Stunden nicht mehr. Seit Roger Federer vor zehneinhalb Jahren erstmals die Nummer 1 der Welt geworden war, verlor er erst zum zweiten Mal ein Davis-Cup-Einzel (bei 22 Siegen).
Die Schweizer Hoffnungen auf einen erfolgreichen Ausgang der Kampagne im Norden Frankreichs ruhen nun auf den Schultern von Stan Wawrinka. Der Romand spielte grandios. Wawrinkas Kantersieg über Tsonga garantiert dem Schweizer Team, bis am Sonntag im Geschäft zu bleiben. Stan überrannte seinen Gegner. Den ersten Satz gewann der Romand in 27 Minuten mit 6:1. Im ersten Game des zweiten Satzes bot sich ihm gleich wieder eine Breakmöglichkeit. Dann folgten jene 40 Minuten, in denen die Franzosen kurz Hoffnung schöpfen durften. Jo-Wilfried Tsonga realisierte ein Break zum 3:1 und holte sich den Satz mit 6:3. In den Sätzen Nummern 3 und 4 spielte dann aber wiederum nur noch Wawrinka. Sein horrendes Tempo überforderte den französischen Teamleader. In den letzten 45 Minuten der Partie nahm er Tsonga dreimal den Aufschlag ab.
Mit Fug und Recht packte Stan Wawrinka nach der Galavorstellung Superlative aus. Er habe die Partie dominieren können, obwohl er vorher extrem nervös gewesen sei. Er sei der Chef auf dem Platz gewesen. Und es sei ihm gelungen, aus einem Minimum an Vorbereitung das Maximum herauszuholen. Tatsächlich erlebte Wawrinka von 27'432 Zuschauern in Lille eine Sternstunde. Er spielte wohl so gut wie nicht mehr seit dem Australian Open. Und noch nie hatte er im Davis Cup einen so gut klassierten Spieler wie Jo-Wilfried Tsonga (ATP 12) besiegt. "Aber", relativierte Wawrinka gleich selber, "wir haben noch nichts gewonnen. Wir brauchen noch zwei weitere Punkte."
Wer soll die holen? Die nächste Chance bietet sich am Samstag im Doppel. Stan Wawrinka wird dieses Doppel bestreiten, obwohl er am Donnerstag anlässlich der Auslosung noch nicht nominiert worden ist. Aber mit wem? Es ist nicht damit zu rechnen, dass Roger Federer an allen drei Tagen spielen kann. Also stellen sich mehrere Fragen: Ist Federer am Sonntag in der Lage, Tsonga zu gefährden, wenn er am Samstag pausiert? Wie reagierte der Rücken auf die erste seriöse Belastung seit sechs Tagen? Oder sind die Erfolgsaussichten für Federer in einem Doppel mit Stan Wawrinka grösser, obwohl selbst diese Kombination die letzten vier Doppel im Davis Cup alle verlor? Wenn Wawrinka nicht mit Federer spielt, mit wem dann? Mit Marco Chiudinelli (ATP 208) hat er noch nie ein Doppel gewonnen (0:3 Bilanz), mit Michael Lammer (ATP 508) hingegen schon (1:0), wenn auch gegen einen biederen Gegner (Emilio Gomez/Roberto Quiroz aus Ecuador mit 6:3, 6:4, 3:6, 6:7, 6:4).