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Foto von Johanna Hungerbühler
Als vor knapp 20 Jahren durch die norwegischen und schwedischen Musher sowohl reine Deutsch Kurzhaar und English Pointer, als auch Skandinavische Hounds nach Mitteleuropa kamen, nahm - bis auf wenige Insider - kaum jemand Notiz von diesen Hunden. Da meistens Pulka-Fahrer reine Deutsch Kurzhaar oder English Pointer einsetzten, nahm man damals an, dass diese Hunde aufgrund ihrer Grösse und ihres Gewichtes maximal für die 4-Hundeklasse geeignet seien. Nach dem eindrucksvollen Sieg beim damaligen schwersten europäischen Etappenrennen, dem Alpirod, im Jahre 1995 durch Roger Leegard und seine Skandinavischen Hounds wurde dieses Vorurteil entkräftet. Langsam, aber stetig setzte sich dieser Hundetyp auf den mitteleuropäischen Rennplätzen durch; und spätestens nach der historischen Siegesserie von Egil Ellis in der Saison 1998/99 sowie den nachfolgenden Jahren, wo er alle wichtigen offenen Rennen in Alaska gewinnen konnte, hat der Skandinavische Hound seine Zucht- und Leistungsprüfung bestanden.
Unabhängig davon ist die gezielte Kreuzung mit Jagdhunden im Schlittenhundesport keine Erfindung der neunziger Jahre, sondern wurde in Alaska bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts praktiziert. Durch die Abgeschlossenheit des nordamerikanischen Rennzirkusses einerseits und den strengen Quarantänebestimmungen in Skandinavien andererseits haben sich jeweils verschiedene Zuchtrichtungen entwickelt.
In Skandinavien ist es schon seit über 50 Jahren Tradition, mit Deutsch Kurzhaar und English Pointer Rennen zu fahren. Zu Beginn der 80-er Jahre wurden die ersten Alaskan Huskies nach Skandinavien importiert. Aber viele der skandinavischen Musher merkten, dass, wenn sie eines Tages die alaskanischen Musher schlagen wollten, sie mit etwas Neuem aufwarten mussten; etwas, was die Musher in Alaska nicht hatten. An diesem Punkt kamen die Jagdhunde ins Spiel und man besann sich auf den alten, aber immer noch gültigen Satz: "breed the best to the best". Man verpaarte die besten skandinavischen Deutsch Kurzhaar und English Pointer mit den besten importierten Alaskan Huskies und erhielt einen neuen Schlittenhundetyp: den Skandinavischen Hound. Hunde wie Labben, Finbeck, Gretzky, Mike, um nur einige zu nennen, sind Namen, die genau wie die Alaskan Huskies Lingo, Rex, Killer, Victor, Sailor, Gunner, eine Vielzahl von tollen Hunden herausgebracht haben und auch in den nächsten Jahren zuchtbestimmend sein werden.
Der Skandinavische Hound zeichnet sich durch seine hervorragende Athletik und seiner unbändigen Freude am Laufen aus. Es sind extrem freundliche Hunde mit einem sehr ausgeprägten Sozialverhalten. Selbst in grossen Gruppen kommt es kaum zu Konflikten. Die Bindung an den Menschen ist bei diesem Hundetyp sehr stark. Durch den Wunsch es seinem Musher ständig recht zu machen, ist eine leichte Trainierbarkeit gegeben. Die Fähigkeit, schnell zu lernen, ist stark ausgeprägt, so dass negative Erfahrungen im Gespann z.B. durch Herüberbeissen beim Überholen auch schnell gespeichert werden. Dieses Verhalten ist nicht als "weich" zu bezeichnen, sondern hat mit Intelligenz zu tun.
Der Skandinavische Hound ist ein robuster, gesunder Hundetyp mit ausgesprochen guten Pfoten. Bei Temperaturen bis -25°C haben auch diese Hunde keinerlei Probleme mit der Kälte. Vor der Zucht mit diesen Hunden sollte man sich als Musher zunächst intensiv mit den verschiedenen Zuchtrichtungen befassen und auseinandersetzen. Es gibt Linien, die ausgesprochen grosse und kräftige Hunde hervorbringen bzw. solche, die einen sehr hohen Prozentsatz an unlimitierten Hunden produzieren.
Der Einfluss des Skandinavischen Hounds schwappt nun auch nach Nordamerika über. Dieser Hundetyp stellt durch seine vielseitige und unkomplizierte Art sicherlich eine Bereicherung im Schlittenhundesport dar.Quelle: Dagmar Krieger / Luzi Bernhard