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Figurenscheibe/Allegorische Bildscheibe des Oswald Frickart (gest. 1653) und der Maria Schön
Auf der Bildscheibe ist im Hintergrund eine Seelandschaft mit Kirche und Stadt zu sehen. Im Vordergrund in der Mitte sitzt auf einer kleinen Erhebung eine junge Frau in seitlicher Haltung und angezogenem rechten Bein. Den linken Arm stützt sie auf einem aufrecht stehenden Anker ab. Dies weist sie als personifizierte Allegorie der Hoffnung aus. Die rechte Hand weist mit einer Geste zum Herz. Das mit einem Schleier bedeckte Haupt ist zum See zurückgewandt. Auf dem See wird Jonas von einem Walfisch ausgespien. Die moralisierende Devise steht in Latein im Himmel geschrieben und lautet «ventre cauo ceti non desperauit / Jonas / Astraq´[ue] mente adÿt imis demersus / in vndis.» (= «Jonas verzweifelte nicht im hohlen Bauche des Wales, und aus dem Schlund des Meeres gelangte er durch den Glauben ans Licht.»). Die Stifterinschrift mit dem Datum der Schenkung in der Sockelzone weist auf die beiden Stifter Oswald Frickart (gest. 1653) und seine bereits verstorbene Ehefrau Maria Schönig (Lebensdaten unbekannt) hin und lautet wie folgt: «Oswald frickhart - alt - pflëger S. Oswald / f. maria - Schönin sälig sin / Eeg: / 1631.». Die Inschrift wird durch die beiden blau-golden und violett-goldenen Rollwerkkartuschen mit den Wappen der Stifter durchbrochen, wobei das Wappen rechts mit den zwei abgewendeten, goldenen Monden über grünem Dreiberg Maria Schön gehört.
Die Tugend Hoffnung gehört neben Liebe und Glaube zu den drei theologischen Hoffnungen. Solche Tugend-Personifikationen wie die oben beschriebene Bildscheibe waren allgemein beliebte und der Festigung des Glaubens dienliche Bildmotive von Schweizerscheiben und dies für katholische sowie für protestantische Auftraggeber. Die Bildscheibe gehört zu den frühen und grösseren runden Monolithscheiben in Zug, die in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts von der Glasmalerfamilie Müller besonders gepflegt wurde und üblicherweise einen Durchmesser von 15 bis 17 cm aufwiesen.
Die Familie Frickart waren ein Zuger Bürgergeschlecht, welches 1775 ausgestorben ist. Oswald Frickart (gest. 1653) war Maler und trat 1626 in die Zuger St.-Lukas-Bruderschaft ein. Zudem war er von 1628 bis 1630 Pfleger zu St. Oswald in Zug. Er war dreimal verheiratet. In erster Ehe mit Maria Schön (Lebensdaten unbekannt), in zweiter mit Petronella Knopflin (Lebensdaten unbekannt) und in dritter Ehe mit Maria Borsinger (Lebensdaten unbekannt).
Die Bildscheibe wird dem Zuger Glasmaler Paul Müller (um 1600–26.11.1643) zugeschrieben. Er ist der Sohn des Glasmalers Michael II. Müller (um 1570–04.05.1652). Seine Tätigkeit als Glasmaler ist ab 1621 nachgewiesen. Er erhielt zusammen mit seinem Bruder Tobias Müller (um 1595–05.11.1629) von der Stadt Zug den Auftrag für zwölf Scheiben.