Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03600.jsonl.gz/1158

Die WHO hält auf ihrer Homepage fest:
Auf ein ähnliches Fazit kommt der Europäische Rechnungshof. In einem Sonderbericht hält er fest, wie sich Luftverschmutzung auf die menschliche Gesundheit auswirkt.
Weshalb spielt das im Zusammenhang mit Covid-19 eine Rolle? Weil für Covid-19 gilt, wie es die tagesschau.de etwas salopp, aber treffend zusammenfasst: «Alles, was der Lunge schadet, ist eher suboptimal.» Der unwissenschaftliche Schluss daraus lautet: Bewohner von Gebieten mit schlechter Luftqualität dürfte Covid-19 besonders hart treffen.
Die Europäische Umweltagentur erfasst jährlich diverse Parameter der Luftqualität in ganz Europa, darunter auch die Feinststaub- (PM2,5) und Feinstaubwerte (PM10) sowie die Stickstoffdioxidkonzentration. Unter Feinststaub, auch lungengängiger Feinstaub genannt, versteht man Partikel mit einem Durchmesser von 2,5 Mikrometern.
Norditalien verzeichnet für das durchschnittliche Mittel der Feinststaubkonzentration absolute Spitzenwerte in Europa. Bis zu 30 Mikrogramm Feinststaub und mehr werden dort pro Kubikmeter gemessen. Dieser Wert liegt bis zu einem Dreifachen über dem Durchschnittswert anderer Metropolregionen. Nur in Polen werden ähnlich hohe Konzentrationen erreicht. Ebenfalls am Rande mitbetroffen ist das Tessin. Wer häufiger dort weilt, kennt das Phänomen: Je nach Windverhältnissen wird der Smog von Norditalien bis über die Grenze gedrückt.
Ein ähnliches Bild zeigt sich auch beim Feinstaub (PM10), wobei das Tessin hier deutlich klarer tangiert ist ...
... und in etwas weniger ausgeprägter Form beim Stickstoffdioxid.
Dass hohe Luftverschmutzung den Krankheitsverlauf von Covid-19 beeinflusst, darüber gibt es bisher keine wissenschaftliche Untersuchungen. «Bisher haben wir keinen direkten Beweis dafür, aber ich wäre überrascht, wenn die Luftverschmutzung keinen Einfluss hätte», sagt Aaron Berstein, Interimsleiter des Klima- und Gesundheitszentrums der Harvard T.H.Chan School gegenüber der Los Angeles Times. «Aber es gibt eine Vielzahl von Studien, die zeigen, dass das Risiko, an einer Lungenentzündung zu erkranken, mit dem Grad der Luftverschmutzung steigt. Auch der Schweregrad der Erkrankung hängt davon ab.»
Eine Untersuchung aus China kam 2003 zum Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit, an SARS zu sterben, bei Personen, welche einer moderaten Luftverschmutzung ausgesetzt sind, 84% höher liegt als bei Patienten aus Regionen mit sauberer Luft. Gar ein 200% höheres Risiko tragen Menschen aus Gebieten mit stark verschmutzter Luft.
Die Problematik geht aber weiter.
Wissenschaftler der Universitäten von Bologna, Bari, Mailand und Triest beschreiben zusammen mit der italienischen Gesellschaft für Umweltmedizin in einem Positionspapier, wie sich das Coronavirus im Smog schneller verbreitet.
Die Forscher untersuchten den Zeitraum vom 10. bis zum 29. Februar und berücksichtigten eine Inkubationszeit von 14 Tagen. Und tatsächlich entdeckten sie zwischen dem Überschreiten von Feinstaubgrenzwerten und der Verbreitung des Virus eine Korrelation. Die zwei stark ansteigenden Expansionskurven der Infektionen erfolgten je zwei Wochen nach den höchsten Feinstaubkonzentrationen.
In ihrem Positionspapier gehen sie deshalb davon aus, dass sich das Coronavirus auf Feinstaubpartikeln festsetzen und so grössere Distanzen durch die Luft zurücklegen kann. Die Partikel sollen dabei nicht nur Träger, sondern sogar Substrat sein, das Sars-Cov-2 ermöglicht, länger zu überleben.
Ähnliche Zusammenhänge wurden bereits 2010 bei der Vogelgrippe und Staubstürmen festgestellt. Auch bei der Verbreitung des HRS-Virus, welches bei Kindern eine Lungenentzündung auslöst, haben Studien einen Zusammenhang mit der Feinstaubkonzentration festgestellt.
Noch ist die Beweislast nicht erdrückend, aber die Indizien sind da: Menschen in Regionen mit schlechter Atemluft könnten doppelt bestraft sein. Sie könnten härter, aber auch häufiger betroffen sein.