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Informationskompetenz als Lehrperson und für Schüler:innen: Was bedeutet dies? Der Begriff «Informationskompetenz» (Information Literacy) wird seit den 70er-Jahren verwendet. Er muss von neueren Begriffen wie «Digital Literacy» oder «Media Literacy» abgegrenzt werden.
Luca Botturi, Dozent Medienbildung der SUPSI Locarno, ordnet in diesem Video ein:
Video: Kurzeinführung Information Literacy (Referat von Luca Butturi).
Transkript und Überblicksgrafik
Kurzeinführung Information Literacy
Heutzutage wird oft von digitalen Fähigkeiten gesprochen. Wir versuchen hier zu verstehen, welche Beziehung es zwischen den informatischen Fähigkeiten, der Information Literacy, und den digitalen Fähigkeiten gibt, die heute oft als Digital- und Medienkompetenz bezeichnet werden.
Wir gehen von einer zentralen Annahme aus: Die heutigen Jugendlichen sind in eine digitale Welt hineingeboren, aber sie sind nicht «digitale Eingeborene», das heisst, sie sind nicht bereits genetisch so ausgestattet, um digitale Werkzeuge problemlos zu nutzen.
Information Literacy oder die Fähigkeit, Informationen eigenständig zu verarbeiten, hat tatsächlich eine lange Geschichte. Sie beginnt mit dem Papyrus und hat sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt und verändert. Sie ist durch die Zeiten von Zeitungen, Radio, Kino, Fernsehen gegangen und hat sich bis heute weiterentwickelt, als die Technologie die Prozesse grenzenlos beschleunigt hat.
Wir sind umgeben von digitalen Werkzeugen, die Informationen transportieren und von künstlicher Intelligenz gesteuert werden, welche diese Informationen auf komplexe Weise verarbeiten.
Der Begriff Information Literacy wurde bereits in den 70er-Jahren entwickelt, als die ersten digitalen Informationssysteme entstanden, und hat sich parallel zu anderen Konzepten wie der Medienkompetenz entwickelt, welche die Fähigkeit beinhaltet, die Botschaften von Medien, Bildern, Fernsehen zu interpretieren und die in den 70er- und 80er-Jahren zu einem grossen Thema wurde.
Danach entstand das Thema der Multi-Literacies, das heisst, dass es wohl nicht ausreicht, von Fähigkeiten wie Lesen, Rechnen, Medieninterpretation oder Informationenverarbeitung separat zu sprechen, sondern dass es darauf ankommt, die Fähigkeit zu haben, sich zwischen diesen zu bewegen. Es ist notwendig, diese Fähigkeiten gesamthaft zu entwickeln, sie miteinander zu verknüpfen, da sie tatsächlich die sprachlichen und kulturellen Austauschsysteme betreffen, die wir uns geschaffen haben.
Seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts wird von «Digital Literacy» gesprochen, also von digitaler Alphabetisierung. Und in jüngster Zeit wird immer häufiger von «Computational Thinking» gesprochen, das heisst von einer Denkweise, die darauf abzielt, digitale Maschinen zur Lösung von Problemen zu nutzen.
Diese Entwicklung war oft im Dialog mit dem gesamten Bewegungsverlauf, der der kritischen Kompetenz zugeordnet wurde, das heisst der kritischen Lektüre von Medien und Botschaften und von Institutionen, die uns auch seit den 70er-Jahren begleiten.
Daher ist Information Literacy vielleicht ein roter Faden, der sich durch alle diese Jahrzehnte zieht und heute in den Modellen der digitalen Kompetenz mündet.
Nehmen wir das DigComp-Modell, welches das Standardmodell oder vielleicht das am weitesten verbreitete Modell ist, da es von der Europäischen Kommission gefördert wird. Es besteht aus fünf Dimensionen.
Die erste ist «Information and Data Literacy», das heisst die Fähigkeit, Informationen und Daten zu verwalten, zu suchen, zu finden, zu bewerten und zu nutzen.
Die anderen Dimensionen beziehen sich auf Kommunikation und Zusammenarbeit, die Erstellung digitaler Inhalte, Sicherheit, Problembehebung – aber die erste, grundlegende Dimension ist die informatische.
Die JISC in England hat ein anderes Modell der digitalen Kompetenz für den Berufsbereich entwickelt, das sieben Elemente identifiziert hat. Hier steht an erster Stelle die Medienkompetenz, aber unmittelbar daneben finden wir die Information Literacy als Fähigkeit, Informationen zu finden, zu interpretieren und zu bewerten und zu verwalten und zu teilen.
Die anderen Elemente des Modells sind nicht weit entfernt und betonen die Fähigkeit, die eigene Identität zu entwickeln und die persönliche Karriere zu verwalten, die Fähigkeit, durch Technologien zu lernen und sich zu aktualisieren und auch in der digitalen Welt hervorragende Leistungen zu erbringen.
Eine andere sehr interessante Perspektive ist diejenige von Kurbanoglu, einer türkischen Forscherin, die zahlreiche Forschungen über Information Literacy durchgeführt hat und diese als einen Hut präsentiert, der im Modell oben oder unten sitzt. Denn sie ist die Basis, um viele andere Kompetenzen zu aktivieren, einschliesslich der mit Informationen verbundenen Kompetenzen, alle Denkweisen auf hohem Niveau zu entwickeln und auch die Fähigkeit, sich selbst fortzubilden und somit im Laufe des Lebens einen Weg der ständigen Fortbildung und Aktualisierung zu gehen.
Eine letzte Perspektive, die ich erwähnen möchte, ist die von Hobbs, einer amerikanischen Wissenschaftlerin, die einen Digital Media Literacy Plan of Action erstellt hat, eine Art Weissbuch.
In diesem Text erklärt sie, dass wir heute (nach 2010) in einer Zeit der verbreiteten Digitalisierung angekommen sind. Sie fragt sich: In welche Richtung können wir uns gut bewegen? Sie schlägt ein Modell und einen Zyklus vor, in dem sie beschreibt, was wir brauchen und was nicht.
Unsere Jugendlichen müssen in der Lage sein, auf digitale Inhalte zuzugreifen, sie zu analysieren und zu bewerten, Neues zu erstellen, über diesen Prozess nachzudenken und dann zu handeln, die Welt, in der sie leben, und die Gesellschaft, der sie angehören, zum Besseren zu verändern. Dies ist ein digitales Modell der Medienkompetenz, aber wenn wir dieses betrachten, ähnelt es sehr dem gemeinsamen Information-Literacy-Modell. Es ist tatsächlich eine Erweiterung, wenn wir so wollen, auf die gesamte digitale Welt, wie sie im Big6-Modell vorgestellt wird.
Wenn wir heute also von Information Literacy sprechen, müssen wir uns mit dem übergeordneten Thema auseinandersetzen, wie wir unser Leben verwalten und mit welchen Kompetenzen wir uns in die digitalisierte Welt begeben.
Information Literacy bleibt sicherlich ein zentraler Begriff, wenn wir über digitale Kompetenzen sprechen, es ist ein tragender Aspekt oder vielleicht oft sogar der Kern oder zumindest ein zentrales Element. Natürlich ist es ein Konzept, das an das heutige technologische Umfeld angepasst werden muss. Wir können uns nicht einfach auf die Kompetenzen der 1980er Jahre beziehen, als die Welt der Informationen anders war und die Werkzeuge einer anderen Art waren.
Schliesslich ist Information Literacy ein Konstrukt, das mit anderen interagiert, mit den anderen Kompetenzen im Zusammenhang mit Medien, mit denen im Zusammenhang mit der Welt der Technologie wie dem Computational Thinking und auch mit denen im Zusammenhang mit der Fähigkeit, eine kritische Sicht auf die Realität zu entwickeln.
Informationskompetenz hat also nicht ausschliesslich mit digitalen Technologien zu tun. Aber Informationen sind heute oft nur noch in digitaler Form verfügbar und diese müssen in der Regel mit digitalen Technologien verarbeitet werden. Dies erfordert einerseits Kompetenzen in der Anwendung der Technologien (Digital Skills), andererseits verändern sich auch die Bedingungen einer Recherchearbeit. Durch das Internet ist die Menge an zugänglichen Informationen quasi unbegrenzt und die Bewertung und die Auswahl nützlicher Informationen sind umso wichtiger geworden.
In diesem Lernmodul geht es um Informationskompetenz mit Fokus auf deine Kompetenzen im Umgang mit digitalen Technologien (Digital Literacy).