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Kapitel III. Die ersten Aufnahmen
Zu den in älterer Zeit für die Landeskenntniss verdientesten Männern Bündtens gehören entschieden Johannes Guler, sein Sohn Johann Peter Guler und sein Freund Fortunat Sprecher:
Ritter Johannes Guler von Weineck wurde 1562 geboren, — studirte mehrere Jahre in Zürich, Basel und Genf, sich namentlich fast mit allen lebenden und todten Sprachen bekannt machend, — diente dann seinem engern Vaterlande als Landschreiber und Landammann von Davos, als Landshauptmann vom Veltlin und als Oberst, — wurde 1619 mit dem Bürgerrechte von Zürich beschenkt, und siedelte sich 1620 mit seiner ganzen Familie auf dem Schlösschen Susenberg ob Zürich an, — kehrte jedoch nach einigen Jahren wieder nach Bündten zurück, — und starb 1637 zu Chur (1). Schon 1616 gab er zu Zürich bei Joh. Rudolf Wolf (2) unter dem Titel „Raetia: Das ist, Aussführliche und wahrhaffte Beschreibung der dreyen loblichen Grawen Bündten urf anderer Retischen völcker. Darzu seind kommen etliche wolgestelte neuwe Landtafeln" eine 225 Folioblätter starke Schrift heraus (3), zu welcher 5 Landtafeln von 32 auf 28 cm. Gehören (4), die von Mathias Hirzgarter (5) gezeichnet, und von Leon. Scherer (6) gestochen sind. Die erste dieser Tafeln zeigt die Ueberschrift „Raetiae veteris exterae et hodiernae una curn Regionibus ei quondam adnumeratis et finitarum regionum limitibus Tabula generalis", — geht südlich etwas über Como, westlich über Bern, nördlich über Nürnberg und östlich über Gmunden hinaus, so dass etwa ¼ derselben die Schweiz beschlägt, deren westlicher Theil jedoch fehlt, — und ist in ihrer Anlage, wenigstens betreffend die Schweiz, so ziemlich gleichwerthig mit den meisten Uebersichtskarten jener Zeit (7), während sie dagegen in ihrer Ausführung auch für damals als mit Detail überladen, und überhaupt als ziemlich unleserlich und unschön bezeichnet werden muss. Die vier übrigen Tafeln sind Specialkarten ähnlicher Beschaffenheit und ähnlichen Werthes, welche ungefähr doppelten, aber nicht übereinstimmenden Maassstab haben (8), und die Titel „Raetiae veteris et exterae pars orientalis qua Comitatus Tjrolis cum regionibus fmitimis continentur, — meridionalis quâ Comitatus Clavennae atque Vallistellina continentur, — occidentalis quâ Lepontii continetur, — septentrionalis quâ Rhucantii, Sarunetes, etc. continentur" führen, so dass jede derselben einen kleinen Theil der Schweiz in sich fasst (9)
Der 1594 geborne Sohn Johann Peter Guler, der ebenfalls Landammann auf Davos und Oberst war, und 1656 zu Chur erschlagen wurde, gab 1625 zu Strassburg in einem Quartbändchen unter dem Titel „Veltlein, das ist: Chorographische und Historische Beschreibung dess Veltleins, der Herrschafft Worms und der Graffschafft Cleven" eine Art Auszug der das Veltlin betreffenden Theile des grossen Werkes seines Vaters heraus, und sagt auf der ersten Seite seiner Schrift: „Diss alles desto verständlicher zu machen hab ich Herren Johansen Ardüser, der löbl. Statt Zürich besteilten Ingegnieren, meinen vielgeliebten Landsgenossen erbeten, dass er, deme alle diese gelegenheit sehr wohl bekannt, sich nicht beschwert ein feine wolgestelte Landtafel auss seiner Kunst herbeyzufügen". Es ist diese Karte von Ardüser (10), welche bei den Exemplaren von Guler's „Veltlein" meistens fehlt (11), wohl diejenige, welche ich in der Sammlung der math. milit. Gesellschaft in Zürich unter dem Titel „Vallistelina cum vicinis regionibus Bormio, Clavenna et partibus Rhaetiae, à Johanne Ardeisero in gratiam nobiliss. D. Joh. Guleri Eq. fidelissimi delineata" (12) gefunden habe, — ein Blatt von 35 auf 21 cm., das nicht besonders schön ausgeführt, aber, wenn es auch nicht auf einer eigentlichen Aufnahme beruhen mag, doch in seiner Anlage nicht übel ist (13), jedenfalls einen grossen Fortschritt gegen den betreffenden Theil der von Hirzgarter entworfenen Karte bekundet (14).
Oberst Fortunat Sprecher von Bernegg, geboren 1571 und zu Chur 1647 verstorben (15), der 1617 als Commissar nach Cleven gesandt wurde, gab 1619 in Verbindung mit dem auf seinen vielen Reisen, wie es scheint, auch Bündten besuchenden Danziger-Geographen Philipp Clüver (16) eine erste Spezialkarte von Bündten heraus (17), — ein Blatt von 54 auf 42 cm., auf welchem man den Titel „Alpinae seu foederatae Rhaetiae subditarumque ei terrarum nova descriptio Auctoribus Fortunato Sprechero a Berneck ac Phillipo Cluverio" und die Widmung „Serenissimo Principi Antonio Priolo Venet. Duci dicatum Rhaetiae Alpinae Ectypum" liest, unter welch Letzterer in kleinerer Schrift „Franc. Valegius celabat 1619" beigefügt ist. Es ist diese Karte, wenn auch natürlich damals noch nicht gelingen konnte die zahllosen Bergzüge Bündtens erträglich darzustellen, doch wesentlich besser als die Hirzgarter'schen Tafeln, namentlich viel lesbarer, — und die Anlage ist, wenn man innerhalb der Grenzen Bündtens bleibt, so gut als man es für die Zeit der Entstehung und die ohne eigentliche Messung vorhandenen Hülfsmittel nur immer erwarten kann (18); sie ist auch bis in den Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts die eigentliche Grundlage aller Karten von Bündten geblieben, — sei es dass deren Verfasser es aussprachen oder nicht (19).
Von den vielen neuen Ausgaben oder Nachbildungen, welche sie erlebte, mag zunächst diejenige angeführt werden, welche der 1666 zu Ilanz geborne, in spanischen und holländischen Diensten bis zum Generalmajor aufgestiegene und 1730 zu Mastricht verstorbene Christoph Schmid von Grüneck im Jahr 1716 unter dem Titel „Nouvelle carte du païs des Grisons avec ses dépendances, la Valtelline, les Comités de Chiavenne et Bormio, dressée sur les observations du Th. Cluvere et les corrections du Colonel Schmid de Grueneck" bei Pierre Hudson im Haag erscheinen liess (20). In Beziehung auf die Anlage stimmt sie, abgesehen von dem etwas grössern Maassstabe, fast ganz mit der Karte von Sprecher-Clüver überein (21); dagegen ist der Detail bedeutend reicher, sowie da und dort auch etwas richtiger, — die Darstellung ein wenig besser, die Lesbarkeit nahe gleich.
Noch die „Carte générale du Canton Hélvetique de la Rhétie, autrefois République des Grisons, revue et corrigée d'après de nouvelles observations. Publiée par Ch. de Mechel en 1802 à Basle", ein hübsch ausgeführtes Blatt von 64 auf 48 cm., ist, was die Anlage betrifft, nichts mehr und nichts weniger als eine Copie der Sprecher-Schmid'schen Karte (22); dagegen mag sie in Beziehung auf einzelnen Detail Berichtigungen enthalten, und namentlich soll, nach dem competenten Urtheil von Rösch, die Rechtschreibung der Ortsnamen ganz bedeutend verbessert sein, — auch die Terrain - Darstellung hat sehr gewonnen.