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In unserer heutigen Zeit mit all seinen immer komplexer werdenden Zusammenhängen, sei es in der Natur, in der Forschung oder auch im ganz alltäglichen Leben, ist es mehr denn je von Bedeutung, wichtige Zusammenhänge zu erforschen, Probleme zu erkennen und dafür geeignete Lösungsansätze zu erarbeiten. Ziel eines erfolgreichen Projektmanagements ist daher immer, Prozesse zu analysieren, Daten zu sammeln, Kennzahlen zu definieren und evtl. nachteilige Auswirkungen auf Gesamtabläufe möglichst auf ein erträgliches Minimum zu begrenzen.
Projektmanagement-Methode IPMA (International Project Management Association)
Die Projektmanagement-Methode IPMA wurde 1965 durch Roland Gutsch gegründet und war bis 1994 unter dem Namen Internet bekannt. In 1967 fand erstmalig ein internationaler Kongress in Wien statt. Die IPMA ist ein europäischer Dachverband für Projektmanagement mit 72 nationalen Projektmanagement-Vereinigungen und mehr als 40.000 Mitgliedern weltweit. Zur Optimierung des Erfolges ist diese Projektmanagement-Methode in drei Domains aufgesplittet, Projekt-, Programm-, Portfoliomanagement. Diese Domains sind gezielt in vier unterschiedliche Levels (A, B, C, D) eingebettet, welche nach Schwierigkeitsgrad und Komplexität der einzelnen Prozesse abgestuft sind. Die Domain Projektmanagement spiegelt sich in allen vier Levels, A, B, C, D, wider. Die Domains Programm- und Portfoliomanagement sind dagegen nur in den Levels A und B enthalten.
Die einzelnen Levels definieren sich in gewissen Fähigkeiten und Kenntnissen von verantwortlichen Personen, welche innerhalb dieser Levels tätig sind. Die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten, um diese Levels zu erreichen, werden in Lehrgängen vermittelt und nach abgelegten Prüfungen durch Zertifikate dokumentiert.
- IPMA Level A (Zertifizierter Projekt-Direktor)
Inhaber eines solchen Zertifikats nach Level A müssen in der Lage sein, als Teamleiter von hochkomplexen Grossprojekten zu fungieren. Wer sich für diesen Level qualifizieren will, muss innerhalb der letzten 12 Jahre eine mindestens fünfjährige Tätigkeit als Projektmanager in einer verantwortungsvollen Führungsposition nachweisen. Die Tätigkeiten der Kandidaten müssen sich innerhalb sehr komplexer Projekte wiederfinden.
- IPMA Level B (Zertifizierter Senior-Projektmanager)
Eine solche Qualifikation nach Level B beinhaltet für den Kandidaten die Nachweispflicht einer mindestens fünfjährigen Tätigkeit im Projektmanagement innerhalb der letzten acht Jahre. Zusätzlich müssen mindestens drei Jahre davon eine verantwortungsvolle Leitungsfunktion in komplexen Projekten beinhalten.
- IPMA Level C (Zertifizierter Projektmanager)
Für eine Qualifikation nach Level C muss der Kandidat eine Funktion im Projektmanagement mit überschaubarer Komplexität nachweisen. Dies bedeutet, dass der Zertifikatsanwärter im Laufe der letzten sechs Jahre mindestens drei Jahre im Projektmanagement, beispielsweise als Assistent einen Projektleiter unterstützt hat.
- IPMA Level D (Zertifizierter Teilprojektleiter oder Projektassistent)
Der Level D verlangt Grundkenntnisse in den Competence Elementen (CEs) und die Fähigkeit, in einem Projektteam zu arbeiten.
Da IPMA in vielen Ländern angewendet wird, wurde in 1999 zum Zweck einer einheitlich hohen Qualität die IPMA Competence Baseline (ICB) herausgegeben. Seit Januar 2008 arbeiten alle nationalen Vereinigungen nach der neuen ICB 3.0. Diese beinhaltet die drei Kompetenzfelder behaviour Competences, contextual Competences, technical Competences.
Projektmanagement-Methode Hermes (Handbuch der elektronischen Rechenzentren des Bundes zur Entwicklung von Systemen)
Die Projektmanagement-Methode Hermes wurde in 1975 in der Schweiz entwickelt. Im Jahr 1986 fand eine grössere Überarbeitung der Software statt. Hermes wird besonders in der Schweiz angewendet. Mit dieser Projektmanagement-Methode können IT-Projekte entworfen, gestaltet und abgewickelt werden. Der Name Hermes steht für “Handbuch der elektronischen Rechenzentren des Bundes zur Entwicklung von Systemen”. Hermes ermöglicht die stufenweise Entwicklung eines Projektes, welche sich in der Umsetzung in vier Projektphasen, Initialisierung, Konzept, Realisierung, Einführung, aufsplittet. Die Software dieser Projektmanagement-Methode enthält acht vorbereitete Standardsituationen, die dem Benutzer durch Auswahl des, für das anstehende Projekt am besten geeigneten, Szenarios viel Planungs- und Vorbereitungsarbeit erspart. Die vorinstallierten Eingangssituationen sind so aufgebaut, dass sie leicht und unkompliziert verändert und an eine gewünschte Ausgangslage angepasst werden können. Es sind auch Rollenverteilungen an die Mitarbeiter von Projekten möglich, wodurch auch genau definierte Verantwortlichkeiten für einzelne Abläufe festgelegt werden können.
Es müssen hierbei jedoch auch gewisse Regeln, bezüglich der Anzahl der Phasen von einzelnen Szenarien, der Aufgaben und Ergebnisse und auch der einzelnen Rollen, beachtet und eingehalten werden.
Ausbildungsstufen bei Hermes
Die Ausbildung und Zertifizierung der Projektmanagement-Methode Hermes basiert auf zwei Stufen:
- Hermes 5 Foundation Level
Dieser Foundation Level beinhaltet gewisse Grundlagen zu dieser Projektmanagement-Methode, die in einem Wissenstest abgefragt und dokumentiert werden. Es geht im Wesentlichen um Themenbereiche der Hermes-Grundlagen, um Anwendungsmöglichkeiten bei bestimmten Standardszenarien, um Auswahl und Anpassung der Module für diese Standardszenarien.
Der Foundation Level richtet sich an Projektmitarbeitende, Juniorprojektleiter, Entscheidungsträger, Auftraggeber und Projektcotroller.
- Hermes 5 Advanced Level
Der Advanced Level ist als Aufbaulehrgang für Fortgeschrittene zu verstehen und baut damit auf den Grundlagen des Foundation Level auf. Die Prüfung zur Erlangung dieses Levels ist zweigeteilt und auf praktische Situationen zugeschnitten. Hierbei werden Themenbereiche wie Hermes Grundlagen, Module, IT-Systeme, IT-Betrieb, Bearbeitung von Standardszenarien, Grundlagen zur Projektbearbeitung, Projektsteuerung, behandelt.
Der Advanced Level richtet sich an Inhaber des Foundation Level, Projektleiter, Teilprojektleiter und Projektmanager.
Alle Bundesstellen der Schweiz verwenden seit 2015 die Projektmanagement-Methode Hermes in der Version 5.1.
Projektmanagement-Methode Scrum (Gedränge)
Die Projektmanagement-Methode Scrum wurde von Jeff Sutherland und Ken Schwaber Anfang der 1990er Jahre entwickelt. Die erste öffentliche Vorstellung dieser Projektmanagement-Methode fand 1995 auf einer Konferenz statt. Bei Scrum gibt es keine starr vorgegebene Arbeitsweise, um ein vorgegebenes Projektziel zu erreichen, sondern diese Methode legt nur gewisse Richtlinien für alle im Team mitarbeitenden Personen fest. Scrum ist eine Art Rahmenfestlegung, welche die Zusammenarbeit eines oder auch mehrerer Teams regelt. Um ein bestimmtes Projektziel zu erreichen, legt Scrum als Projektmanagement-Methode folgende Rahmenrichtlinien fest:
Rollen
1. Nach Scrum wird eine erfahrene Person als Project Owner (PO) bestellt, welche das Team leitet. Beim PO laufen auch sämtliche Informationen, welche für das Projektziel wichtig sind, zusammen.
2. Es wird festgelegt, wer und wie viel Personen im Projekt- bzw. Produkt-Team mitarbeiten sollen. Dies sind in der Regel 3-8 Personen.
3. Es wird ein Scrum Master bestimmt, der im weitesten Sinn als Assistent des PO fungiert und diesen bei der Durchführung der Projektarbeit unterstützt.
Aktivitäten / Meetings
1. Sprint
2. Planning
3. Daily
4. Review
5. Retro
6. Refinement
Artefakte
1. Product Backlog
2. Product Backlog items
3. Sprint Backlog
4. Planning Poker und Schätzungen
5. Definition of Done
6. Definition of Ready
7. Produkt Inkrement
Die Management-Methode Scrum wurde in den über 25 Jahren ihres Bestehens mehrfach angepasst und verbessert. In der agilen Umsetzung ist diese Management-Methode auch für die Umsetzung von Projekten geeignet, die nichts mit Softwareentwicklung zu tun haben.
Projektmanagement-Methode PMI (Project Management Institute)
Die Projektmanagement-Methode PMI wurde 1969 in Pennsylvenia, USA, gegründet. Sie teilt ein Projekt in fünf verschiedene Projektphasen ein:
- Initiierung
- Planung
- Ausführung
- Überwachung und Steuerung
- Abschluss
Zur besseren Projektsteuerung sind innerhalb dieser fünf Phasen zehn Wissensbereiche integriert:
- Integration Management
- Scope Management
- Time Management
- Cost Management
- Quality Management
- Human Resources Management
- Comminication Management
- Risk Management
- Procurement Management
- Stakeholder Management
Die Projektmanagement-Methode PMI bindet immer verschiedene Interessengruppen in den Prozess der Projektbearbeitung mit ein. Dies geschieht in der Regel durch aktive Kommunikation.
Projektmanagement-Methode Prince2 (Projects in Controlled Environments)
Diese Projektmanagement-Methode wurde im Jahr 1975 durch Simpact Systems Ltd. unter dem Namen Prompt II erstellt. Die Software wurde in 1989 durch CCTA (Central Computer and Telecommunications Agency) als Prince eingeführt und vorwiegend für Regierungsprojekte eingesetzt. Im Jahr 1996 wurde Prince2 durch das Office of Government Commerce (OGC) veröffentlicht, welches heute durch das Axelos ersetzt wurde. Im Jahr 2008 erschien eine deutsche Übersetzung des Handbuchs (Edition 2005). In 2009 erfolgte eine Überarbeitung zur heutigen Version Prince2 mit deutschem Handbuch.
In diese Projektmanagement-Methode Prince2 sind im wesentlichen vier Bausteine integriert:
- 7 Grundprinzipien
- 7 Themen
- 7 Prozesse
- Anpassen an Projektumgebung
Die Management-Methode wird vorwiegend in Grossbritannien, jedoch auch in vielen anderen Ländern Europas und darüber hinaus auch in Australien, Südafrika und Indien angewendet.
Projektmanagement-Methode V-Modell
Das V-Modell als Projektmanagement-Methode entstand in 1979 durch den US-amerikanischen Softwareingenieur Barry Boehm. Die Methode ist ähnlich wie das Wasserfallmodell aufgebaut. Diese, ursprünglich für die Softwareentwicklung konzipierte, Projektmanagement-Methode enthält eine zeitliche Gliederung der wichtigsten Projektphasen, welche mit der System-Anforderungsanalyse beginnt und nach systematischer Abstufung beim Softwareentwurf endet. Parallel zu den Entwicklungsphasen des V-Modells sind zu allen Entwicklungsstufen gewisse Testphasen in das System integriert.
In einem Koordinatensystem mit der Zeitachse als Abszisse und einer nach unten steigend gerichteten Projektdetaillierung als Ordinate werden die einzelnen Entwicklungsphasen mit ihren parallel gerichteten Testphasen als Bausteine dargestellt. Beginnend, nahe am Koordinatenursprung, mit der Entwicklungsphase System-Anforderungsanalyse sind diagonal nach unten verlaufend die einzelnen Entwicklungsphasen wie folgt aufgeführt:
- System-Anforderungsanalyse
- System-Architektur
- System-Entwurf
- Software-Architektur
- Software-Entwurf
Der Software-Entwurf bildet zugleich die Spitze eines stehenden V. Im weiteren Verlauf der Zeitachse sind diagonal aufsteigend die zu den Entwicklungsphasen parallel zugeordneten Testphasen wie folgt angeordnet:
- Unit-Tests
- Integrations-Tests
- System-Integration
- Abnahme und Nutzung
Die praktische Anwendung des V-Modells hat sich nicht nur im IT-Bereich, sondern auch zunehmend im Bereich mechatronischer Systeme bewährt.
Fazit
Um die Zusammenarbeit innerhalb eines Teams oder auch zwischen mehreren Teams optimal zu gestalten, ist die Anwendung einer Management-Methode unverzichtbar. Gerade in unserer komplexer werdenden Welt mit ihren tief greifenden Problemen ist es wichtiger denn je, dass in zusammenarbeitenden Gruppen die einzelnen Mitglieder von Teams eine gewisse Teamfähigkeit haben müssen. Teamfähigkeit, respektvoller Umgang miteinander und nicht zuletzt Ideenvielfalt sind die massgeblichen und unverzichtbaren Voraussetzungen für eine gemeinsame, erfolgreiche Arbeit mit positiven Ergebnissen.