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Das Rechteckfenster ab der Renaissance
Das Rechteckfenster ab der Renaissance Aufwendiger und anspruchsvoller präsentierte sich das Fenster in der Renaissance im 15. und 16. Jahrhundert. Architekten schenkten Proportionen und Massen zunehmend Beachtung und betonten vermehrt horizontale und vertikale Linien. Das Rechteckfenster wurde damit zum dominierenden Element der Fassadengestaltung. Steinstützen dienten der Stabilisierung und erlaubten eine Unterteilung in kleine Felder für Festverglasungen oder bewegliche Schiebeflügel. An zahlreichen italienischen Renaissancepalazzi lässt sich noch heute ablesen, dass in jener Zeit vermehrt Rechteckscheiben zum Einsatz kamen, meist aber nur im oberen Teil der Fensteröffnungen. Gegen Mitte des 17. Jahrhunderts wurden repräsentative Gebäude vermehrt in einzelne Fensterachsen unterteilt und damit die Hauptachse sowie wichtige Gebäudeteile betont. Dies änderte sich auch im Barock nicht. Anstelle von Steinstützen wurden aber vermehrt Quer- und Längshölzer eingesetzt. Der Nutzen blieb der Gleiche: Stabilisierung und Unterteilung der Fenster. Mit speziellen Winterfenstern bzw. Vorfenstern wurden zudem erste Versuche unternommen, die Wärmedämmung zu verbessern. Auch stellte man sich die Frage, wie Fenster besser vor Regen oder Kälte schützen können. Diese Überlegungen veränderten die Konstruktion der Fenster, da sie nicht mehr als Teil der Gesamtarchitektur, sondern als Einzelelement betrachtet wurden.
Fenstersteuer, Industrialisierung und Moderne
Ab 1798 galt in Frankreich zur Besteuerung der Bourgeoisie die sogenannte Fenstersteuer. Die Logik dahinter: Wer auf Repräsentation setzt, besitzt mehr Fenster und hat entsprechend mehr Geld. Um diese Besteuerung zu umgehen, entstanden immer mehr Blindfenster. Das nachträgliche Zumauern von Fensteröffnungen führte insbesondere in ärmeren Stadtvierteln zu grotesken Zuständen. In England wurde die zunehmend unbeliebte Steuer 1851 abgeschafft. Ein «Überbleibsel» ist ein 2016 in Portugal erlassenes Gesetz, in welchem Fenster mit angenehmer Aussicht zu einer höheren Immobiliensteuer führen. Nicht nur die Fensterflächen wurden in der Zeit der Industrialisierung immer grösser, auch entwickelten sich gleichzeitig die Herstellungsmethoden für Fensterglas: Das Walzglasverfahren ist zum ersten Mal 1688 in Saint-Gobain, der Keimzelle des heutigen Weltkonzerns, dokumentiert. Mit der Entwicklung von Stahlkonstruktionen wurde immer mehr grossflächiges Glas verbaut. Auch die botanischen Glashäuser und Orangerien waren imposante Konstruktionen aus Glas und Stahl. Diese Bauweise erlebte im Crystal Palace von Joseph Paxton für die erste Weltausstellung 1851 in London einen Höhepunkt: Im Kristallpalast wurden 83’600 m2 Glas, 330 km Glasrahmen und 17’000 m3 Holz verbaut. Vor dem Hintergrund der immer grösseren Glasflächen erstaunt es, dass das Floatglasverfahren erst 1952 erfunden wurde. Die komplette Verglasung einer Fassade findet sich dagegen bereits im Werkstattflügel des Bauhausgebäudes in Dessau von Walter Gropius (1926). Gleichzeitig führten die Architekten der Moderne in den 1920er- und 1930er-Jahren eine heftige Debatte um die Fassadengestaltung und -rhythmisierung mittels Fensterflächen. So warf der Pariser Architekt Auguste Perret dem Schweizer Architekten Le Corbusier vor, seine Fensterbänder und grossen Fenster nur als reine Fassadenspielerei zu betreiben, ohne Berücksichtigung des Lichts im Innenraum. Dass vereinzelte Fensterflächen an der Fassade das Licht in den Räumen nicht aussperren, wenn sie gezielt gesetzt sind, bewies eindrücklich Adolf Loos in seinem Haus Müller in Prag (1928–30). Die kubische, kompakte und von aussen hermetisch wirkende Villa zeigt im Innern durch eine offene Grundrissgestaltung ein hohes Mass an Tageslichteinfall.