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COULEURS
für Streichquartett
Die, je nach Wasserstand täglich wechselnde Intensität des Rauschens der neben unserem Haus in Bern über eine Schwelle fliessenden Aare, begleitet meine Kompositionsarbeit seit bald dreissig Jahren. Studien im Zusammenhang mit Paul Klees Arbeiten, die am Ufer des faszinierenden Flusses entstanden sind, vertieften mein Verhältnis zum lebenspendenden Element Wasser.
Das Verhalten des Wassers in seinen verschiedenen Aggregatszuständen, in seinen Fliesseigenschaften und vor allem in der Reflexion und der entsprechenden „korrekten Verzerrung“ (um mit Paul Klee zu sprechen) der wiedergegebenen Umgebungsstrukturen, führt zwangsläufig zu Überlegungen, die erstaunliche Parallelen zu musikalischen Phänomenen aufweisen. Der Wasserkreislauf als „Gesamtkunstwerk“ suggeriert sowohl akustisch wie optisch tausende von möglichen klanglichen Assoziationen, vom Hagelgewitter bis zum Sturm auf hoher See, über die Wiedergabe von Natur und Architektur in der Nähe des Wasserlaufes, über die immerzu wechselnden Farben der beweglichen Oberfläche, den Schaum einer Kaskade, das Kalben der Gletscher in den Alpen... das Ganze aber strikte durch naturwissenschaftlich zwingende Gesetze verursacht.
J-L. D.