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„Wann und woran habt ihr das erste Mal gemerkt, dass ihr alt seid?“ Diese Frage unseres Regisseurs weckte bei mir verschiedene Erinnerungen. Da war der Dialog des kleinen Jungen mit seiner Mutter: Junge: „Die alte Frau überholt uns.“ Mutter: „Das ist keine alte Frau“. Junge: „Warum hat sie denn graue Haare?“ Mutter: „Weil sie diese nicht gefärbt hat.“ Ich antwortete lachend, dass ich in den Augen des 7jährigen uralt sein müsse. Selber kam ich mir damals noch jung vor. Etwas später - ich war noch nicht im Pensionsalter - wurde ich an einer Museumskasse gefragt, ob ich AHV beziehe. Ich war sprachlos. Bisher hatten mich die Leute immer jünger eingeschätzt. Beim nächsten Coiffeurbesuch erkundigte ich mich über die verschiedenen Möglichkeiten des Färbens. Die junge Friseurin fand, dass mir die silbrigen Haare gut stünden, und riet mir vom Färben ab. Eine braune Mèche liess ich mir dennoch machen. Die beiden Erlebnisse zeigten mir, dass ich von aussen als ältere Frau wahrgenommen wurde. Ich selber fühlte mich noch jung. Auch heute mit 72 kann ich manchmal noch wie ein Kind staunen oder mich wie eine Jugendliche in ein Abenteuer stürzen. Der Spiegel jedoch zeigt mir eine alte Frau: Die Haut ist faltig geworden, Härchen spriessen, wo sie nicht sollten. Ich verwende Pflegeprodukte für die reife Haut. Ich stehe zu meinem Alter. Dennoch schmeichelte es mir, als ich kürzlich an einer Museumskasse die Ermässigung mit AHV verlangte und die Kassiererin meinte, das hätte sie sich nicht getraut zu fragen.
Veronika Glaser