Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03264.jsonl.gz/919

Schlachtkapelle
Totengedenkstätte, Erinnerungsort
Es ist nahe liegend, dass das symbolträchtige Schlachtgelände mit der Schlachtkapelle für über kirchliche Verrichtungen hinausgehende Zweckbestimmungen genutzt wurde. So feierte der Stadtstaat Luzern ab der frühen Neuzeit seine alljährlichen Schlachtjahrzeitfeiern direkt auf dem Schlachtgelände. Schlachtjahrzeitfeiern, denen je nach Zeitgeist ganz unterschiedliche Sinnstiftungen – mal betont konfessionelle, mal stark vaterländisch-patriotische, mal vorwiegend festlich-volkstümliche – innewohnten. Die Schlachtjahrzeitfeier war nie eine «reine» Gedenkfeier zu Ehren der Schlachtgefallenen gewesen, auch wenn dieser Aspekt des Totengedenkens an den Feiern immer mit eine Rolle gespielt hatte.
Von der habsburgischen Gedenkstätte zum Luzerner Sakralbau
Die Baugeschichte der Schlachtkapelle lässt sich in sieben Phasen unterteilen. Die erste Phase beschreibt einen Vorgängerbau der heutigen Kapelle, der laut Überlieferung ein Jahr nach der Schlacht an jener Stelle, an der Herzog Leopold gefallen war, errichtet wurde. An die schlichte Gedenkstätte trat in einer zweiten Phase 1472/73 der eigentliche Kapellenbau. In die nächstfolgende Phase fällt eine zur Mitte des 16. Jahrhunderts ausgeführte Renovation, anlässlich derer man das heute sichtbare prominente Schlachtgemälde im Innern der Kapelle aufmalte. 1638/41 wurde in einer vierten Phase die Kapelle baulich so stark umgestaltet, dass man sie in der Folge «die neue» nannte. Bemerkenswert ist hier vor allem die namhafte Überholung des Schlachtgemäldes durch den Luzerner Maler Hans Ulrich Wägmann und seinen Kreis. Während der fünften Umbauphase 1747 erhöhte man die Mauern um ca. 50 cm, hob die Fenster und baute die Vorhalle an. 1885/86, anlässlich der sechsten Umbauphase, fügte man die heutige Decke ein und malte das Schlachtgemälde neu aus. 1985/86 schliesslich erfolgte die bis anhin letzte Renovierung. Dabei wurde das Vorgefundene weitgehend belassen und man ersetzte lediglich den Spitzhelm des Dachreiters durch einen geschwungenen, verpasste dem Seiteneingang ein neues Vordach und verbreiterte die Bestuhlung.
Schlachtfeld, Schlachtwirtschaft, Schlachtdenkmal
Das Schlachtfeld ist bis heute Eigentum des Staates Luzern. Darauf befindet sich die Schlachtkapelle, der Winkelriedstein (1864) und eine Gastwirtschaft (1963). Der Winkelriedstein soll die Stelle bezeichnen, wo angeblich der freiwillige Heldentod Winkelrieds den Sieg der Eidgenossen ermöglichte. Das Gasthaus ist das Nachfolgegebäude der Behausung des sogenannten Schlachtbruders, der das Schlachtfeld zu betreuen, als Küster zu amten und Gäste zu bewirten hatte. Das Schlachtfeld Sempach liegt an der Strasse, die von Sempach nach Hildisrieden führt. Es ist der Ort, an dem in der langen Auseinandersetzung zwischen der jungen Eidgenossenschaft und dem Hause Habsburg am 9. Juli 1386 eine Schlacht zwischen Luzerner, Urner, Schwyzer und Unterwaldner Truppen und einem Aufgebot von Rittern um Herzog Leopold stattfand. Für Habsburg und sein Ritterheer endete die Schlacht mit einer Niederlage, und die Stadt Luzern nutzte den Sieg für verstärkte territoriale Ausbaubestrebungen.
Website