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Lieber eine Anbindung an eine Schwachwährung als an den defekten Euro, findet Finanzexperte Hans Geiger.
14. August 2012 / 07:30 / Kommentare (19)
Es ist Mittwoch, 15. August 2012 08:00 Uhr. Die Schweizerische Nationalbank hat zu einer Pressekonferenz eingeladen. Präsident Thomas Jordan eröffnet die Konferenz pünktlich und sagt um 08:05 Uhr: “Die SNB toleriert am Devisenmarkt ab sofort keinen Dollar-Franken-Kurs unter dem Mindestkurs von 1.00. Die Nationalbank wird den Mindestkurs mit aller Konsequenz durchsetzen und ist bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen.”
Um 08:07 notiert der Dollar bei 1.0355 Franken, nach 0.9780 Franken vor der Ankündigung. Die erste Frage eines Journalisten nach der Entwicklung des Euro beantwortet Jordan wie folgt: “Die SNB hat keinen Einfluss auf den Dollar-Euro-Wechselkurs und damit auch nicht auf den Franken-Euro-Kurs.”
Diese frei erfundene Geschichte zeigt, wie sich die Nationalbank auf ordentliche Art und Weise aus der Eurofalle befreien könnte, in die sie mit der fast gleichen Aussage am 6. September 2011 geraten ist. Natürlich ist dies keine Empfehlung an das Direktorium der Nationalbank. Solche machen eigentlich nur Bundesräte und Gewerkschaften, obschon die Nationalbank vom Bundesrat oder von anderen Stellen keine Weisungen entgegennehmen darf.
Die SNB hat mit dem Euromindestkurs von 1,20 Franken am 6. September 2011 der Exportwirtschaft und dem Tourismus einige Probleme abgenommen, sich selbst und der Schweiz aber zwei neue Probleme geschaffen:
- Sie hat den Franken an eine schwache Währung gebunden.
- Sie hat den Franken an eine defekte Währung gebunden. Der Euro ist nicht so schwach wegen der Schulden und des Defizits des Euroraums. Diesbezüglich steht der Euroraum zahlenmässig besser da als die USA, Grossbritannien und Japan. Der Euro ist jedoch eine Fehlkonstruktion. Und darauf hat Thomas Jordan schon 1993 in seiner Dissertation hingewiesen.
Wir wollen hier nicht in den fundamentalistischen Kanon jener einstimmen, welche kritisieren, dass “die Zentralbank den Markt nicht verfälschen dürfe”. Aber wir finden, dass es nicht nötig ist, sich gleich zwei neue Probleme zu schaffen.
Eines genügt: Die Anbindung an eine schwache Währung. Der Dollar ist fürwahr schwach, aber er ist nicht defekt. Zudem ist er mit über 42 Prozent Marktanteil die weltweit dominierende Währung, der Euro kommt nicht einmal auf die Hälfte. Die Mindestanbindung an den Dollar wäre auch nicht total neu. Das wäre so etwas wie ein “Mini Bretton Woods”, und damit haben die Zentralbanken langjährige Erfahrungen.
Mit der Anbindung an den Euro haben Tourismus und Exportwirtschaft nicht nur einen stabilen und besseren Wechselkurs zu ihrem wichtigsten Währungsraum erhalten, sondern sie haben auch davon profitiert, dass der Euro und damit der Franken seit dem 6. September gegenüber praktisch allen anderen Währungen sackschwach sind. Der Dollar hat sich gegenüber dem Franken um 14, der Yen um 13 und das Pfund um 10 Prozent verteuert.
Die Aufwertung dieser und anderer Währungen fällt für Tourismus und Export sehr ins Gewicht, denn nur rund die Hälfte ihres Geschäftes geht in den Euroraum. Zusätzlich profitieren diese Branchen von der deutlich tieferen Inflation in der Schweiz. Per Saldo hat sich damit ihre reale Preis- und Kostensituation seit dem letzten September um gegen 10 Prozent verbessert.
Allerdings besteht die Schweiz nicht nur aus Tourismus und Export.
Den Franken statt an den Euro an den Dollar anzubinden, macht Sinn. Für ein Rettungsboot, das nicht aus eigener Kraft überleben kann, wäre es ebenso gescheiter, dieses an den Eisberg statt an die Titanic anzubinden. Dass der Eisberg die Ursache der Katastrophe war, spielt bei dieser Überlegung keine Rolle.