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Wirksamkeit von Ibandronat auf Knochenfrakturen
Orales Ibandronat reduziert die klinisch relevanten ossären Komplikationen der Knochenmetastasierung.

Titel
Oral ibandronate reduces the risk of skeletal complications in breast cancer patients with metastatic bone disease: results from two randomised, placebo-controlled phase III studies.
Autoren
Body JJ, Diel IJ, Lichinitzer M, Lazarev A, Pecherstorfer M, Bell R, Tripathy D, Bergstrom B.
Quelle
Br J Cancer. 2004 Mar 22;90(6):1133-7
Abstract
Fragestellung
Wirksamkeit des oral applizierten Biphosphonates Ibandronat zur Verhinderung von Knochenfrakturen bei ossär metastasiertem Mammakarzinom.
Hintergrund
Intravenös applizierte Biphosphonate gelten als Standardtherapie zur Vermeidung von pathologischen Knochenfrakturen bei Patientinnen mit ossär metastasiertem Mammakarzinom. Da solche Patientinnen oft unter einer oralen Hormontherapie stehen, wäre es wünschenswert, ein gut verträgliches orales Biphosphonat für diese Indikation zur Verfügung zu haben, um den Patientinnen die monatlichen Infusionen ersparen zu können. Orales Clodronat war weniger effektiv als intravenöses Pamidronat.
Methoden
Studiendesign
Gepoolte Analyse von zwei multinationalen, doppelblind randomisierten, placebokontrollierten Phase-III-Multizenterstudien.
Setting
Zentren in Europa, Australien und USA.
Einschlusskriterien
Patientinnen mit histologisch verifiziertem Mammakarzinom mit radiologisch diagnostizierten Knochenmetastasen und einem WHO-Performancestatus von 0, 1 oder 2, welche innerhalb den vorausgehenden 6 Monaten nicht mit Biphosphonaten vorbehandelt worden waren. Es durfte weder eine Hyper- oder Hypokalzämie vorliegen noch eine Niereninsuffizienz.
Intervention
50 mg Ibandronat peroral in Form einer Tablette eine Stunde vor dem Frühstück für 96 Wochen.
Erfassung der Wirksamkeit
Gepoolte Analyse der 2 Studien mit vorgängig definierten Endpunkten: Frakturen, Knochenschmerzen, Schmerzmittelkonsum, Radiotherapie-Episoden und chirurgische Interventionen aufgrund 4 wöchentlicher Visiten.
Der primäre Endpunkt war die «skeletal morbidity period rate» (SMPR), d.h. die Anzahl von 12-wöchigen Intervallen mit neuen skelettalen Komplikationen geteilt durch die 12-wöchigen Intervalle innerhalb der Studie.
Resultate
Patientinnen
287 Patientinnen wurden randomisiert in die orale Ibandronatgruppe und 277 in die Placebogruppe und analysiert nach intention to treat. 42% der Patientinnen in der Ibandronatgruppe und 38% der Placebogruppe beendigten die 96 Wochen Therapie. Die häufigsten Gründe für den Studienabbruch waren Krankheitsprogression und Tod.
Wirksamkeit
Die durchschnittliche SMPR für alle neuen Knochen-ereignisse war signifikant niedriger in der oralen Ibandronatgruppe als in der Placebogruppe (p = 0.004). Es musste in der Verumgruppe signifikant weniger Radiotherapie oder Chirurgie eingesetzt werden. Die Anzahl radiologischer Knochenbrüche war nicht signifikant unterschiedlich. Die multivariate Poisson Regressionsanalyse (Alter, Land, Hormonrezeptorstatus, Performance Status, Zeit zwischen Diagnose Brustkrebs bis Studieneintritt, extraossäre Metastasen, vorgängige Hormon- oder Chemotherapie, pathologische Frakturen bei Studieneintritt, Schmerz-Score, Laborbefunde) zeigte eine signifikante Reduktion des Risikos eines Knochenereignisses mit einer 38%-igen Risikoreduktion.
Sicherheit
Medikamentenbedingte Nebenwirkungen wurden von 26.6% der Patientinnen der Verumgruppe und 17.7% der Placebogruppe angegeben, dies vor allem aufgrund von Hypokalzämien (9.4% vs. 5.1%). Dyspepsie wurde von 7% der Patientinnen in der Ibandronatgruppe angegeben vs. 4.7% in der Placebogruppe. Schwere Nebenwirkungen wurden bei 1% der Patientinnen der Verumgruppe und 1.4% der Placebogruppe beobachtet.
Diskussion durch die Autoren
Die SMPR verhindert mehrfaches Zählen eines Ereignisses (Fraktur, Radiotherapie und Chirurgie wegen ein und derselben Fraktur) und ist daher ein konservatives Mass der Effektivität. Orales Ibandronat reduziert signifikant die SMPR verglichen mit Placebo, reduzierte den Bedarf an Radiotherapie und Chirurgie, was klinisch relevant ist. Gleichzeitig ist die orale Ibandronattherapie gut verträglich und zeigte keine Nierentoxizität.
Zusammenfassender Kommentar
Orales Ibandronat ist ein gut verträgliches und einfach einzunehmendes Biphosphonat mit erwiesener Reduktion der klinisch relevanten ossären Komplikationen der Knochenmetastasierung. Ob diese orale Therapie gleich wirksam ist wie die intravenöse Biphosphonattherapie, ist noch nicht geklärt.
Besprechung von PD Dr. med. Mathias Fehr, Leitender Arzt, Klinik für Gynäkologie, Universitätsspital Zürich
Br J Cancer 2004;22;90(6):1133-7 - J. J. Body
08.06.2004 - dde