Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03565.jsonl.gz/2054

Wo Napoleon III der Wellness huldigte
Gefäss:
Hier gab sich einst der Kaiser dem Badevergnügen hin: Im Napoleon-Schloss Arenenberg wird ab Samstag erstmals das Bassin von Napoleon III. (1808-1873) der Öffentlichkeit gezeigt. Es ist im Zusammenhang mit Umbauarbeiten am Schloss entdeckt worden.
In dem idyllisch über dem Bodensee gelegenen Anwesen residierten ab 1817 Hortense de Beauharnais und ihr Sohn Louis Napoleon, der später französischer Kaiser werden sollte.
Das Becken und das wieder mit den Original-Möbeln ausgestattete rund 20 Quadratmeter grosse Badezimmer waren in einem Gebäudeflügel des Areals gefunden, der früher die Mensa einer Landwirtschaftsschule und Büros beherbergte. Unter einer Betondecke im früheren Kühlraum entdeckten Archäologen das kaiserliche Badebecken, dessen Kopfende eine Kachel mit einem als Relief gefertigten französischen Wappen-Adler zierte.
Das mit weissglasierten Tonkacheln ausgekleidete Bassin war in den Boden eingelassen, immerhin 1,20 Meter tief und rund drei Meter lang. Fünf Stufen sorgten für einen bequemen Einstieg. Die Installationen des Bades können als „Hightech" des beginnenden 19. Jahrhunderts bezeichnet werden: Fliessendes kaltes Quellwasser wurde aus Druckleitungen direkt von aussen in das Becken geleitet. Warmes Wasser kam aus einem Behälter über dem Heizofen im angrenzenden Raum - der ehemaligen Küche. Je ein vermutlich vergoldeter Wasserhahn regulierte den Zufluss des kalten und des warmen Wassers. Zudem gab es sogar die Möglichkeit, Luftblasen in das Becken gelangen zu lassen - also eine Art früher Whirlpool. Laut Museumsdirekto Dominik Gügel handelt es sich bei der eingelassenen Wanne um eine „echte Rarität“. Sie gebe einen wichtigen Einblick in das Badewesen des 18. und 19. Jahrhunderts.
Mehr Informationen unter: www.napoleonmuseum.tg.ch