Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03150.jsonl.gz/2053

Es scheint Konsens zu sein unter denjenigen, die für Hilfsorganisationen in Konfliktregionen tätig sind, dass die Hilfe vor Ort schwieriger geworden ist. Es gebe etwa mehr Angriffe von lokalen bewaffneten Gruppen gegen MitarbeiterInnen, finanzielle oder materielle Unterstützung werde zunehmend politisiert, und der Respekt für humanitäre Prinzipien sinke weltweit. Diese Entwicklung wird von ExpertInnen als Schrumpfen des «humanitären Raums», in dem sich HelferInnen bisher unabhängig und neutral bewegen konnten, bezeichnet.
Aber stimmt das wirklich? Sarah Collinson und Samir Elhawary vom Overseas Development Institute in London kritisieren in ihrer Analyse «Humanitarian Space: A Review of Trends and Issues» den bei der Uno und grossen nichtstaatlichen Organisationen (NGOs) vorherrschenden Diskurs, der das Ideal von Neutralität voraussetzt. Tatsächlich bewegen sich MitarbeiterInnen von NGOs in einem Geflecht aus eigenen Interessen und denen der GeldgeberInnen, sich bekriegender Gruppen und der gefährdeten Zivilbevölkerung. Die zunehmenden Schwierigkeiten seien auch Folgen der stetig wachsenden Zahl von NGOs und der Ausweitung ihrer Tätigkeitsfelder, sagen Collinson und Elhawary. Momentan seien etwa 200 000 Menschen von der Uno und NGOs in Krisengebieten im Einsatz. Sie stellen zudem fest, dass die Definition und Verwendung des «humanitären Raums» allenfalls die Handlungsmöglichkeiten der Uno und der grossen NGOs beschreibe, während die Perspektive kleinerer Organisationen und der Lokalbevölkerung dabei kaum erfasst werde.