Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03345.jsonl.gz/1041

Heinrich Pantaleon
* 13.7.1522 Basel, † 3.3.1595 Basel, eigentlich Hans Heinrich Bantlin, auch Pantlin.
Zunächst Buchdruckerlehre, ab 1537 Lateinschule in Freiburg im Breisgau, ab 1538 Studium an der Universität Basel. Studienaufenthalte in verschiedenen deutschen Städten, 1541 Bakkalaureus in Heidelberg. Im Herbst 1543 Rückkehr nach Basel, Besuch von Vorlesungen der Theologie sowie eigene Vorlesungen (Rhetorik und Poetik). 1544 Magisterprüfung in Basel, Aufnahme in die Artistenfakultät und Mitglied der theologischen Fakultät. Ab 1544 sieben Jahre Diakon und Prediger an der Peterskirche, daneben Vorlesungen an der Artes-Fakultät in wechselnden Fächern. 1548 Professor der Rhetorik. 1552 Lizenziat der Theologie. Nachdem seine Bewerbung für die Hauptpfarrstelle zu St. Peter abgewiesen worden war, trat er aus der theologischen Fakultät aus und reiste im Juli 1553 nach Frankreich. Im Herbst promovierte er in Valence zum Doktor der Medizin, kehrte nach Basel zurück und praktizierte dort und im Aargau ohne öffentliches Amt drei Jahre als Arzt. 1556 Wiedereintritt in die Universität Basel mit einer Professur für Dialektik, 1557 war P. Professor für Physik, 1558 wurde er in die medizinische Fakultät der Universität Basel aufgenommen, 1585–86 war er deren Rektor. Parallel zu seiner vielseitigen wissenschaftlichen Tätigkeit war P. fortwährend als Schriftsteller und Übersetzer tätig. Seine einzige dramatische Veröffentlichung ist das lateinische Schuldrama "Philargirus. Comoedia nova et sacra de Zachaeo", welche die protestantische Rechtfertigungslehre am Beispiel des biblischen Zöllners Zachäus darlegt. Bei der Aufführung "zuo Augustineren in der kilchen unden"– vermutlich zu Ehren des neuen Rektors – sollen ungewöhnlicherweise nicht bloss P. selbst und Basler Studenten, sondern auch die Töchter des Hebraistikprofessors Sebastian Lepusculus mitgewirkt haben. Das Spiel erschien 1546 in Basel bei Andreas Cratander. P. verfasste zahlreiche historische und medizinische Schriften und machte sich als Historiograf der Universität Basel verdient. Mit der Prosopografie "Teutscher Nation warhaffte Helden" (lateinisch 1565, deutsch 1567–70) schrieb er eine dreibändige Reichsgeschichte in etwa 1700 Lebensläufen. Tätigkeit als Herausgeber humanistischer Schriften, unter anderem von Erasmus. Von Kaiser Maximilian II. zum Comes palatinus (Pfalzgrafen) und wegen seines Heldenbuchs zum Poeta laureatus ernannt.
Literatur
- Thommen, Rudolf: Geschichte der Universität Basel 1532–1632, 1889.
- Buscher, Hans: H. P. und sein Heldenbuch, 1946 [mit Bibliografie].
Autor: Reto Caluori
Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:
Caluori, Reto: Heinrich Pantaleon, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1369–1370.