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Emme
(Grosse) (Kt. Bern
u. Solothurn).
Rechtsseitiger Nebenfluss der
Aare. Der Name wird abgeleitet vom keltischen amhuin, emhain, sanskrit
ambhas, lateinisch amnis, gallisch ambis = starke Strömung, reissender Bergbach,
Giessbach; verwandt mit
Ems und
Emmer in Deutschland; 1249 erwähnt als Emmum rivus. Einzugsgebiet 1156,4 km2. Die Wasserscheide geht von
Solothurn
über den
Bucheggberg u. die
Dörfer
Grossaffoltern u.
Münchenbuchsee, wo die
Scheide zwischen
Emme- und Aaregebiet fast horizontal
liegt (530 m); beim
Grauholz (823 m) in der Nähe von Bern
erreicht sie die
Aare bis auf 2 km. Vom
Bantiger (949
m) weg durchquert die Grenze das
Lindenthal (632 m), geht über
Utzigen nach dem Enggisteinmoos (695 m), wo die
Wasser nach
der
Emme und der
Aare abfliessen, von hier über
Wil und
Höchstetten nach der
Blasenfluh (1117 m), dem
Staufen (1112
m), Kapferenknubel (1426 m),
Honegg (1529 m),
Hohgant (2202 m), von hier über den Querriegel, der das
Emmenthal vom
Habkernthal
trennt, nach dem
Augstmatthorn (2140 m),
Rieder- und
Brienzergrat bis in die Nähe des Brienzerrothorns (2353 m). Von Solothurn
bis zum
Brienzergrat grenzt das Gebiet der
Emme also an dasjenige der mittleren und oberen
Aare.
Vom
Brienzergrat geht die Grenze nach der
Schrattenfluh (2092 m), über den
Hilferenpass (1311 m) nach der
Beichlen oder
Bäuchlen
(1621 m), um von ihr bei
Escholzmatt (853 m) nach der fast horizontalen Wasserscheide gegen das
Entlebuch hinunter zu steigen.
Von hier erhebt sie sich, zugleich die Grenze gegen den Kanton Luzern
bildend, wieder hinauf auf eine der Napfketten
mit dem
Turner (1219 m) nach dem Napfgipfel (1411 m), wo die Gebiete der Grossen und Kleinen
Emme mit demjenigen der
Wigger
zusammenstossen. Vom
Napf geht die Grenze in nw. Richtung über einen andern
Ast dieses Berglandes, der
das Gebiet der
Emme von demjenigen der
Luthern und der
Langeten trennt, nach dem
Bärhegen (990 m), springt dann hinüber nach
der
Höhe von
Affoltern über die
Lueg (890 m), nähert sich von
Burgdorf an immer mehr dem rechten Ufer der
Emme, um schliesslich
oberhalb ihrer Mündung in die
Aare nur noch einen schmalen Streifen übrig zu lassen.
Die
Emme hat ihre Quelle in den Eocän- und
Kalkalpen im
Norden des
Brienzersees. Dort, wo der
Bohl (1799 m) in einem schmalen
Grat, von dessen S.-Fuss der
Lombach durch das
Habkernthal dem
Thunersee zufliesst, den
Riedergrat mit dem
Hohgant
verbindet, entspringt sie aus mehreren kleinen Gebirgsbächen, die in einem weiten Zirkus sich aus einer
Höhe von 1700-1650
m zur
Emme vereinigen, die hier auch den Namen
Bocken führt; andere Bächlein fliessen ihr vom
Augstmatthorn (2140 m) und
dem
Tannhorn (2223 m) zu. Nur 4 km sind ihre Quellen vom
Brienzersee entfernt; wäre der
Brienzergrat durchbrochen,
so würde sie mit der obern
Aare ein zusammenhängendes Querthal bilden. In einem
Bogen umfliesst sie, eine kurze Strecke weit
die Grenze gegen den Kanton Luzern
bildend, den
Hohgant und windet sich in enger
Schlucht zwischen diesem und dem
Schibegütsch (2040 m),
dem südlichsten Gipfel der
Schrattenfluh, hindurch am stark besuchten
Kemmeribodenbad vorbei. In nw. Richtung
durchfliesst sie von hier den 9 km langen, aber schmalen Thalgrund
Bumbach, links eingefasst von den Alpweiden des
Hohgant,
dessen N.-Fuss sie bespühlt, rechts von dem teilweise im Kanton Luzern
liegenden
Lochsitenberg (1487 m). Auf dieser obersten Strecke
empfängt der Fluss rechts den Schänisbach,
Bärselbach und
Bumbach, links den Gluntibach,
Schwarzbach und den Hombach.
Bei Schangnau erweitert sich der Thalgrund, um sich sogleich wieder zu einer tiefen und nur wenige Meter ¶
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breiten Schlucht zu schliessen. Hier, im sog. Rebloch, bahnt sich der Fluss in einer Länge von 5 km seinen Weg; gleich beim Eingang bildet ein herabgestürzter Felsblock eine natürliche, als Fussweg benützte Brücke über den schmalen Abgrund. ^[Note:] Es ist das Projekt aufgetaucht, durch Versperrung dieser Schlucht an ihrem untern Ende einen künstlichen See zu schaffen, der bei einem Gefälle von ca. 60 m eine Wasserkraft von über 500 HP. liefern würde.
Beim Austritt aus der Schlucht öffnet sich von rechts das erste der zahlreichen Seitenthäler, der Sorbachgraben, der sich
bald in den Bärbach- und den Kohlgraben teilt, zwei schluchtenähnliche Thälchen, die das Bergland
zwischen
Emme und Ilfis spalten. 2 km weiter nach N. folgen vom Rämisgummen (1304 m) her der Hintere u. Vordere Geissbachgraben.
Bei Eggiwil (740 m) mündet das Hauptseitenthal von links ein, dasjenige des 14 km langen Rötenbachs, der sein Quellgebiet
an der Honegg (1529 m) hat.
Die Strecke von der O.-Seite des Hohgant (1100 m) bis zum Austritt aus dem Rebloch (749 m), auf welcher die
Emme in einer Länge
von 12 km ein Gefäll von 351 m = 3% überwindet und ihr Bett teilweise tief eingefressen hat, kann als ihr Oberlauf bezeichnet
werden.
Von Eggiwil an fliesst die
Emme in einer Thalsohle, die sich zur Breite von 0,5 km erweitert hat, in Serpentinen
zuerst in nw., von Schüpbach an in nö. Richtung bis Emmenmatt (652 m) und überwindet auf dieser Strecke von 12 km Länge
ein Gefäll von 0,8%. S. von Schüpbach und von Emmenmatt haben sich, 50 m über der jetzigen Thalsohle,
die alten Flussterrassen noch erhalten. Beim Dorfe Schüpbach (673 m) vereinigt sich mit der
Emme der Schüpbach, der in der
Höhe von 1098 m am Kapf entspringt, zuerst nordwärts fliesst, dann von Steinen an, wo sich nach SW. mit geringer Bodenschwelle
das Thal des der Aare zufliessenden Kiesenbachs anschliesst, in einem Kanal durch das Signaumoos die nö. Richtung der Emme
annimmt.
Bei Emmenmatt empfängt die Emme von rechts ihren Hauptnebenfluss, die Ilfis, die ihre Quellen an der Schrattenfluh (2092 m), nur 4 km n. von der Emme hat und in einem weiten Bogen von 22 km Länge die gebirgige Halbinsel des Rämisgummen umfliesst. Links mündet gegenüber dem Thale der Ilfis der 3 km lange Längenbachgraben aus, der von der Blasenfluh herunterkommt. Von Emmenmatt (651 m) bis Burgdorf (537 m) hat der Fluss auf einer Strecke von 17,5 km bei einem Höhenunterschiede von 114 m ein Gefäll von 0,67%. In Serpentinen hat er sich die Thalsohle auf die Breite von 1 km erodiert; einige Terrassen zwischen Rüderswil und Hasli in der Höhe von 25-40 m zeigen das alte Flussbett an. Auf der linken Seite steigen die Hänge zur Blasenfluh (1117 m) auf. In dieses Bergland sind die kurzen Wittenbach- und Blindenbachgraben, der 7 km lange Goldbach- und der Thalgraben eingeschnitten. Rechts wird das Thal eingeengt durch die letzten Ausläufer des Napfberglandes mit dem untern Frittenbach- und dem Obersbachgraben. Der Hauptzufluss von dieser Seite ist die bei Ramsei mündende Grünen, die in einem engen, 19 km langen Thale in weitem Bogen die westlichen Napfketten umfliesst.
Von Lützelflüh, der N.-Grenze des Nagelfluhgebietes, bis Burgdorf wird das Molassebergland immer niedriger; links erreicht es seinen höchsten Punkt in der Wegissen (965 m), rechts in der Lueg bei Affoltern (890 m). Nach beiden Seiten des Hauptthales erstrecken sich je ein Paar Seitenthäler, die einander gegenüber liegen: links das Thal des 17 km langen Biglenbaches, der an der Blasenfluh entspringt, und das Thal von Krauchthal, die beide eine durchgehende Verbindung gegen das Aaregebiet herstellen, zwischen ihnen der kürzere Biembachgraben, rechts der Rüegsau- u. Heimiswilgraben.
Bei Burgdorf ist das Thal abgeschlossen, und der Fluss betritt sein drittes Gebiet, die Ebene, die nur auf dem rechten Ufer bis Kirchberg noch von niedrigen Hügeln begleitet wird. Es ist dies die Ebene, die von Emme und Aare gemeinsam gebildet wurde. Die von links oberhalb Bätterkinden einmündende Urtenen, der Abfluss des kleinen Moosseedorfsees, bezeichnet den alten Aarelauf. Von rechts kommen der Emme von Burgdorf an nur kleine ¶
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Bäche zu. Das 1,5-2 km breite und 15 km lange Thal des unbedeutenden Limpachs mag von einem Gletscherfluss aus der Molasse ausgewaschen worden sein. Im Gebiet des Kantons Solothurn bespühlt die Emme die Abhänge des Bucheggbergs. 3 km unterhalb Solothurn, bei Emmenholz, vereinigt sie sich mit der Aare in einer Höhe von 427 m. Von Burgdorf (537 m) bis zur Mündung (427 m) beträgt das Gefäll auf der Strecke von 21,5 km noch 0,5%.
Der ganze Lauf, der in der Luftlinie 62,5 km beträgt, wird durch Windungen auf 80 km erhöht. Die jährliche Niederschlagsmenge im Einzugsgebiet der Grossen Emme beträgt 1,25 m. Genaue Messungen durch das eidg. hydrometrische Bureau sind in Arbeit.
Das Gefäll der Emme beträgt also im Oberlauf vom Fusse des Hohgant bis Eggiwil 3, im Mittellauf von Eggiwil bis Emmenmatt 0,8, von Emmenmatt bis Burgdorf 0,67 und im Unterlauf von Burgdorf bis zur Mündung 0,5%. Schon diese Zahlen lassen darauf schliessen, dass die Emme zu denjenigen Flüssen gehört, die durch die starke Erosion im Oberlauf grosse Geschiebemassen mit sich führen, die sie bei schwächerem Gefäll u. verminderter Stosskraft im Unterlauf nicht weiter zu schaffen vermögen, dadurch ihr Bett erhöhen und bei Hochwasser übertreten.
Dazu kommt die Beschaffenheit des Bodens: mit Ausnahme der Thalsohle gibt es im ganzen Emmenthal bis nach Burgdorf hinunter kein ebenes Land;
alles ist Bergland, das durch die Flüsse und Bäche in eine Unzahl von Thälern und Thälchen zersägt wurde, die alle ihr Wasser der Emme zusenden.
Auf der topographischen Karte sind vom Hohgant bis Burgdorf 169 Gräben, wie die Seitenthäler im Emmenthal heissen, mit Namen verzeichnet, nicht gerechnet die unzähligen kurzen Runsen ohne Namen. Bei plötzlicher Schneeschmelze oder bei wolkenbruchartigen Gewittern stürzt das Wasser ohne Zeit zu finden, im Boden zu versickern, rasch die steilen Hänge hinunter. Dann schwellen diese sonst harmlosen Wässerlein zu wilden Gebirgsbächen an, die den Wasserstand der Emme beim Fehlen eines regulierenden Sees auf das vierzigfache erheben können.
Während die Emme in normalen Zeiten nur eine schmale Rinne ihres breiten, kiesigen Bettes ausfüllt, wird sie dann als «Eggiwilfuhrmann» zum reissenden Strom, dessen plötzliches Steigen eher gehört als gesehen wird, und der Dämme, Schwellen, Brücken, Häuser, Holz, Vieh mit sich fortreisst. Vom 16. Jahrhundert an bis 1896 sind 48 solcher Verheerungen verzeichnet. Die fürchterlichste war diejenige vom 21. u. wobei die Emme im Rüegsauschachen 24 Häuser zu Grunde richtete und von Hasli bis Burgdorf einen 2 m tiefen See bildete, der sich zu Burgdorf in die untere Stadt ergoss, während rings um Utzenstorf, soweit das Auge reichte, alles ein See war. 1876 betrug der Schaden eine halbe Million Franken.
Bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts müssen die Wasserverhältnisse günstigere gewesen sein; der Fluss hatte damals ein viel breiteres Bett, das zu beiden Seiten mit Gehölz eingefasst war, dem sog. «Schachen» (vom althochdeutschen sceach = Gebüsch am Flussufer). Dann aber fingen die armen Leute an, dieses bis dahin unbenutzte Land zu besetzen, das Gestrüpp auszureuten und den Boden urbar zu machen. Gegen den Austritt des Flusses schützten sie sich durch Erddämme, Schwellen und Wehren, die aber durch die Flösse, die schon zu den Zeiten der Kiburger die Emme hinunterfuhren, besonders die schweren, mit Käse und Butter beladenen «Molkenflösse» beschädigt wurden, bis schliesslich im Jahre 1870 die Flösserei gänzlich verboten wurde.
Durch das beständige Hinausrücken der Wehren ward das Flussbett immer enger und die Gefahr grösser; an vielen Stellen des Unterlaufes lag bei dem schwachen Gefälle und der dadurch verursachten Geschiebeanhäufung das Flussbett höher als die Thalebene. Während anfänglich den Schachenleuten die Anlage der Schwellen oblag, ging im 17. und im Anfange des 18. Jahrhunderts die Schwellenpflicht an die Gemeinden und Güterbesitzer über, denn alles noch unbesetzte Schachengebiet von der Regierung abgetreten worden war. Zwei Jahrhunderte lang suchten sich nun die einzelnen Gemeinden ohne gemeinsamen Plan des Flusses zu erwehren, so gut jede es vermochte.
Erst das Ende des 19. Jahrhunderts brachte dauernde Abhilfe. Nachdem der Kanton Solothurn mit der Korrektion seines Teilstückes vorangegangen, im Kanton Bern aber verschiedene Pläne aus Geldmangel nicht zur Ausführung gelangt waren, bewilligte die Bundesversammlung am an die auf 615000 Fr. Kosten büdgetierte Korrektion von der Gemeindegrenze Burgdorf-Kirchberg bis zur Kantonsgrenze Bern-Solothurn mit einer Länge von 14 km einen Beitrag von einem Drittel der Kosten, verteilt auf 6 Jahre.
Am wurde für die obere Strecke von der Ilfismündung bei Emmenmatt bis zur Gemeindegrenze Burgdorf-Kirchberg in einer Länge von 20 km ebenfalls ein Beitrag von einem Drittel der auf 1649023 Fr. büdgetierten Kosten der Korrektionsarbeiten bewilligt, verteilt auf 10 Jahre. An Nachsubventionen für Ergänzungsarbeiten wurden bewilligt 1896 für die untere Strecke ein Drittel von 685000 Fr. auf 7 Jahre, 1897 für die obere Strecke wiederum ein Drittel von 664000 Fr. auf 6 Jahre verteilt. In den Jahren 1898-1901 wurde auch die Strecke unterhalb der Eisenbahnbrücke bei Emmenmatt und das Gebiet der Gemeinde Eggiwil in Angriff genommen mit einer Büdgetsumme von zusammen 170000 Fr. und einer eidgenössischen Subvention von 33½-40%.
Durch diese Korrektionen ist der Fluss als Triebkraft von gewerblichen Unternehmungen jedenfalls noch brauchbarer geworden, als er es bisher schon war. Während er bis Emmenmatt nur zum Treiben von Sägen benutzt wird, an denen das Emmenthal wegen seiner starken Holzausfuhr reich ist, treibt er bei Rüderswil eine Flachsspinnerei, bei Hasli die Buntweberei Emmenau; bei Oberburg und Burgdorf führen zwei Kanäle, die der Emme im Sommer, der Zeit ihres niedrigsten Wasserstandes, oft alles Wasser entziehen, nach den dortigen zahlreichen industriellen Etablissementen. Besonders stark benutzt wird die Emme in Kirchberg (Weberei, und Staniolfabrik), Bätterkinden und Utzenstorf (Papier- und Holzstofffabriken), Gerlafingen (Eisenwerke), Biberist (Papierfabrik), Derendingen (Baumwollen- und Kammgarnspinnerei), Luterbach (Karbid- und Holzstofffabrik).
Ueber die Emme führen 21 Fahrbrücken, fast alle in Holzkonstruktion, einige neuere in einem Bogen ohne Joch über dem Flusse schwebend; einzig die Brücken von ¶