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Wie rekrutierten die Südkoreaner ihre Eizellspenderinnen für die Klonversuche?
06.05.2004 / 13.05.2004 / Südkorea/USA
Eines ist von vornherein klar: Unabhängig von näheren Umständen waren die Klonversuche der Südkoreaner, die dieses Jahr erstmals aus menschlichen Eizellen und Zellkernen eine embryonale Stammzelllinie erzeugten, ein ethisch absolut verwerfliches Unterfangen. Wie die Fachzeitschrift Nature nun enthüllt, soll eine Koautorin (Ja Min Koo) und eine weitere Kollegin ihres Labors selber für die Klonversuche Eizellen gespendet haben.
In Ihrer Ausgabe vom 6. Mai enthüllt nun die renommierte Fachzeitschrift Nature Details über die Klonversuche in Südkorea, die für die betreffenden Forscher äusserst unangenehm sein dürften. Bei ihrer Präsentation der Ergebnisse hatten sich schon etliche Experten gewundert, dass das Forschungsteam insgesamt 16 freiwillige Frauen ohne jegliche Entschädigung für die Eizellgewinnung zugunsten ihres Forschungsprojektes überzeugen konnte. Die dazu nötige Stimulation der Eierstöcke ist ein invasives Verfahren, das für die betreffenden Frauen schmerzhaft und dazu nicht ungefährlich ist.
Gegenüber Nature erklärte die Koautorin Ja Min Koo, sie und eine weitere Kollegin hätten selber für die Klonversuche Eizellen gespendet. Sie nannte sogar das Spital, an dem die Eizellgewinnung durchgeführt wurde und erklärte, dass sie glücklich sei, ihre Eizellen gespendet zu haben. Kurz darauf rief sie zurück und dementierte alles, indem sie ihre dürftigen Englischkenntnisse für das Missverständnis verantwortlich machte. Auf Nachfrage erklärte Hwang, er habe alle 16 unterschriebenen Zustimmungsformulare der Eizellspenderinnen nachgeprüft und den Namen Ja Min Koo darunter nicht gefunden. In The Korea Times wies er die Vorwürfe von Seiten der Fachzeitschrift Nature zurück und erklärte, dass die Studentin gegenüber dem Journalisten erklären wollte, dass sie und eine Kollegin sich für künftige Experimente als Eizellspenderin zur Verfügung stellen werden, falls das gemäss den ethischen Richtlinien möglich sei.
Die Rekrutierung von Mitgliedern des Forschungsteams als Eizellspenderinnen ist deswegen ethisch problematisch, weil die freie Zustimmung unter solchen Bedingungen nicht gewährleistet ist. Die Frage stellt sich nun auch, ob die zuständige Ethikkommission, die dem Projekt zustimmte, ihre Arbeit wirklich nach den in Südkorea geltenden Regeln erledigte oder nicht. Hwang, der im Zusammenhang mit seinen Forschungsresultaten von der südkoreanischen Regierung einen Preis über 260'000 USD erhalten hatte, muss nun beweisen, dass er die geltenden ethischen Richtlinien eingehalten hatte. Klonbefürworter befürchten nun, dass die Akzeptanz für das so genannte therapeutische Klonen in der Bevölkerung Südkoreas in Ablehnung umschlagen könnte. Dies hätte dann auch Konsequenzen für andere Länder. Hwang erhielt offenbar zahlreiche Anfragen zur Zusammenarbeit mit anderen Forschern im Ausland.
Tae-gyu Kim, Cloning Scientist Rebuffs Nature Journal's Claim: The Korea Times 9. Mai (2004)
Cyranoski David, Korea's Stem-cell Stars Dogged by Suspicion of Ethical Breach: Nature 429 (2004) 3.
Cyranoski David, Crunch Time for Korea's Cloners: Nature 429 (2004) 12-14.
Vgl. Hwang W.S., Ryu Y.J., Park J.H., Park E.S., Lee E.G., Koo J.M., Chun H.Y., Lee B.C., Kang S.K., Kim S.J., Ahn C., Hwang J.H., Park K.Y., Cibelli J.B., Moon S.Y., Evidence of a Pluripotent Human Embryonic Stem Cell Line Derived from a Cloned Blastocyst: Science 303, 12. März (2004) 1669-1674.