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Frühling 2020
Seit der Gründung 1883 hat sich Settelen vom Pferdebetrieb zum modernen Transportdienstleister entwickelt. Die meisten Konkurrenten sind im Laufe der Zeit verschwunden. Was ist das Erfolgsrezept des Familienunternehmens? Der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein und Chancen wahrzunehmen! Ein Überblick über einige Pionierleistungen.
1862 nahm in Genf das erste schienengebundene Rösslitram der Schweiz erfolgreich seinen Betrieb auf. Es weckte bei politischen Entscheidungsträgern Erwartungen und Ängste, die rückblickend nur schwer nachvollziehbar sind. In vielen Schweizer Städten scheiterte ein Rösslitram am Widerstand der lokalen Behörden – so auch in Basel. Hier deckten internationale Konsortien die Basler Regierung ab 1874 mit meist sehr oberflächlichen Konzessionsgesuchen für schienengebundene Trambahnen ein. Zum Teil bestellten sie gleichzeitig mit dem Gesuch noch einen Stadtplan Basels. Es erstaunt deshalb nicht, dass alle abgelehnt wurden.
Zum Pionier des Basler Rösslitrams wurde schliesslich Henri Imhof, der spätere Schwiegervater von Julius Settelen. Er war ein erfolgreicher Schmid, Carrossier und Postillon. Ihm gelang es, in Basel eine schienenlose Version zu etablieren. Er stellte einen Pferdetramomnibus vor das Rathaus und beantragte eine Konzession für die Strecke zwischen den Bahnhöfen der Schweizerischen Centralbahn und der Königlich Badischen Eisenbahn, die er im Dezember 1880 erhielt. Die Begeisterung des Publikums war gross. «Basel wird Grossstadt», schrieb der «Schweizer Volksfreund». Für Henri Imhof währte die Freude nur kurz. Infolge der Wirtschaftskrise von 1882 verlor er alles und musste Konkurs anmelden. Der gelernte Schneider Julius Settelen kaufte im Februar 1883 aus der Konkursmasse das Rösslitram und betrieb es bis zur Elektrifizierung und Kommunalisierung der Strassenbahn im Frühjahr 1895.
1892 stieg Julius Settelen zusammen mit seinem Bruder Ernst ins Droschkengeschäft ein. Visionär war 1896 die Ausrüstung des Droschkenparks mit Taxametern – als erste Droschkenhalterei der Schweiz! Der Taxameter revolutionierte den Droschkentarif: Galt bisher ein reiner Wegtarif, so ermöglichte dieser eine Kombination von Zeit- und Wegtarif. Wie noch bei den Taxis heute wurden bereits damals Zeit und Weg erfasst, bewertet und registriert. Kundinnen und Kunden schätzten die modernen Taxameter, weil diese ihnen das Gefühl gaben, die Kosten kontrollieren zu können.
Im Jahre 1907 erweiterte Settelen seine Angebotspalette: Im ersten Stock der neuen Geschäftsliegenschaft an der Türkheimerstrasse 17 entstand das erste feuerfeste Möbellager der Region. Zum Bau des auch wasser- und nagersicheren Möbellagers wurden ausschliesslich Bruchstein, Eisenbeton und Eisen verwendet.
Zu Beginn füllte sich das neue Lager nur sehr zögerlich. Erste Mieterin war Fräulein Elisabeth Kearny – offensichtlich eine Bretonin. Ihre Aussteuer wurde am 5. März 1908 vom Tapezierermeister Schaub angeliefert und später nach Pont l'Appe, im französischen Departement Finistère, weiterspediert. Am Jahresende beanspruchten ganze drei Mieter lediglich 40,5 m2 des Lagers. Erst 1910 belebte sich die Nachfrage ein wenig, um dann mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges förmlich zu explodieren. Bis 1919 waren 2069 m2 Lagerfläche belegt.
Mit einem Benz-Victoria des Bandfabrikanten Emil Burckhardt-Koechlin begann 1896 in Basel das automobile Zeitalter. Zur Jahrhundertwende waren bereits über 40 Autos im Stadtkanton immatrikuliert. Deren Zahl stieg zwar nicht sprunghaft, aber stetig. Die anfängliche Skepsis des Basler Bürgertums gegenüber den «motorisierten Kisten» verschwand zusehends – und für Settelen tat sich ein neues Geschäftsfeld auf: das Taxi, die sogenannte «Motordroschke».
Nach einer ersten positiv beantworteten Anfrage beim Polizeidepartement im Herbst 1906 reichten am 24. Juni 1908 Settelen und sein Konkurrent Keller getrennte Konzessions-Gesuche für je zwei Autos mit Beginn auf den August ein. Postwendend erhielten sie Konzessionen für Standplätze auf dem Centralbahnplatz. Am 1. August 1908 wurde Basels Motordroschke Nr. 1, ein Settelen-Taxi von Renault, dem Verkehr übergeben
Die Taxis von Settelen waren bis 1995 in den Strassen Basels unterwegs. Settelen war massgeblich bei der Einführung der Kleintaxis (1952), der Gründung der Taxizentrale (1955) und der Einführung des ersten Taxifunknetzes (1968) beteiligt. Aber als sich im ausgehenden 20. Jahrhundert kaum noch Synergien zwischen der Basler Taxiszene und den restlichen Bereichen des Unternehmens finden liessen, verkaufte Settelen seinen Anteil an der Taxi-Zentrale per 30. Juni 1995 an die verbleibenden Partner.
Um 1900 besass jeder Polizeiposten Basels eine Handkarre mit einem Tragkorb. Auf diesem brachten bei einem Notfall zwei kräftige Männer einen Patienten oder eine Patientin ins Spital an der Hebelstrasse. Die Handkarren wurden zunächst durch Pferdefuhrwerke abgelöst. Der Verwaltungsbericht des Sanitätsdepartements für das Jahr 1911 hält fest, dass ein dritter, mit allem Komfort ausgestatteter und mit Pferden bespannbarer Krankenwagen dem Betrieb übergeben worden sei. Jetzt sei je einer bei Settelen an der Türkheimerstrasse, bei Keller an der Drahtzugstrasse und bei der gleichen Firma an der St. Margarethenstrasse stationiert.
Die Basler Sanität startete 1916 in ihre motorisierte Ära. Der erste komfortable, dunkelgrüne Krankenwagen wurde von Settelen erworben und unterhalten. Produziert hatte ihn das Genfer Unternehmen Piccard-Pictet & Cie, das zwischen 1906 und 1920 Autos baute. Dann ging die Firma in Konkurs. Dies mag mit ein Grund sein, weshalb Settelen 1924 den Krankenwagen verkaufte und die «Sanitätsfahrten» einstellte.
In den vergangenen 50 Jahre hat sich das Leasing zu einem dominanten Faktor des Schweizer Automarktes entwickelt: Das Volumen bei den PKWs beläuft sich heute auf deutlich mehr als 10 Mrd. Franken pro Jahr. Fast jeder zweite Neuwagen ist geleast.
Gemäss einer Studie der Credit Suisse (2013) begann Leasing «in den Sechzigerjahren in der Schweiz Fuss zu fassen.» Die Studie liegt nicht ganz richtig. Bereits am 31. Mai 1957 schloss Settelen den ersten Leasingvertrag der Region ab: Die Petra-Schmuck GmbH leaste bei ihr einen grünen «Volkswagen de Luxe mit Schiebedach».
Das Leasinggeschäft entwickelte sich allerdings schleppend. Erst ab 1965 boomte die Leasing-Abteilung von Settelen auf tiefstem Niveau: Während 1964 kein geleastes Settelen Fahrzeug unterwegs war, stieg deren Zahl von drei (1965) auf neun (1967).
Bis lange nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Bauschutt und Hausmüll vorwiegend mit Schnappkarren oder den berühmten Ochsner-Kübeln entsorgt. 1951 lancierte die Uetiker Firma Ernst Wirz AG in der Schweiz den sogenannten Wechselladekipper (Welaki), der die Entsorgung vieler Abfälle revolutionieren sollte. In Basel tauchte 1957 der erste Welaki auf – bei Settelen.
Die Regio Basiliensis stand damals am Anfang einer starken baulichen Entwicklung, vornehmlich ausgelöst durch die chemische Industrie. Settelen sah die Zukunft des Welaki als Ergänzung und Ersatz der Schnappkarren. Dank des Baubooms florierte das Welakigeschäft in den 1960er Jahren, in das immer mehr Fuhrhalter einstiegen. Ende 1971 gründete Settelen mit fünf anderen Unternehmen die Muldenzentrale Basel (MZB), die Anfang 1972 mit 635 Mulden ihren Betrieb aufnahm.
Von der breiten Bevölkerung wahrgenommen wurde die MZB spätestens im Sommer 1979, als sie das erste Altglas-Sammelsystem Basels aufbaute, indem sie 18 Container mit drei Öffnungen – für farblose, braune und grüne Flaschen – in der Stadt aufstellte.
Das Glasrecycling in Basel boomte. Zwischen 1980 und 1989 wuchs der durch die MZB eingesammelte Altglasberg von drei Tonnen auf acht Tonnen. Aber mit dem Transport von Bauschutt fing es an zu hapern. Zu Beginn der 1990er Jahre stürzten sehr hohe Bank- und Hypothekarzinsen sowie überhöhte Bodenpreise den Hochbau in die Krise. Der Zementverbrauch in Basel sank massiv. Die Bautätigkeit nahm rapide ab. Mitte der 1990er Jahre mussten einige Hochbauunternehmen in Liquidation gehen. Der Wettbewerb unter den Fuhrhaltern verschärfte sich, die Margen schrumpften. Zu Beginn des Jahres 1998 einigten sich deshalb die Partner der MZB, ihr Unternehmen an die Onyx AG zu verkaufen – und der letzte Welaki verliess die Türkheimerstrasse.