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Der Höhepunkt folgte zum Abschluss der knapp vierstündigen Feier, als kurz vor Mitternacht die Tennisspielerin Naomi Osaka als letzte Fackelträgerin symbolisch den Mount Fuji erklomm und die olympische Flamme anzündete. Zuvor hatten auch Kinder aus der Region Fukushima die Fackel getragen. Die Stadt war 2011 nach einem Erdbeben und Tsunami von einer Nuklearkatastrophe heimgesucht worden.
Osaka steht wie kaum eine andere Top-Athletin als Symbol für Diversität in einer globalisierten Welt. Die 23-jährige Tochter eines haitianischen Vaters und einer japanischen Mutter wuchs in den USA auf. Im Gegensatz zu vielen ihrer Kolleginnen und Kollegen exponiert sich die Japanerin öffentlich. Im letzten Sommer engagierte sie stark in der «Black Lives Matter»-Bewegung, zuletzt zog sie sich vom Turnier in Roland Garros zurück und machte öffentlich, dass sie immer wieder unter Depressionen leide. Danach verzichtete sie auch auf das Wimbledon-Turnier.
Zu Beginn der in schlichtem Rahmen gehaltenen Eröffnungsfeier war mit einer Schweigeminute der Opfer der Coronavirus-Pandemie gedacht worden. Aufgrund dieser fand die Zeremonie vor praktisch leeren Rängen statt. Nur wenige Politiker wie Bundespräsident Guy Parmelin, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und die amerikanische First Lady Jill Biden reisten nach Japan, einige Ehrengäste, Funktionäre und Medienschaffende sassen zudem auf der Tribüne.
Gemeinsamkeit und Solidarität
«Ja, es ist ganz anders, als wir es uns vorgestellt hatten», sagte IOC-Präsident Thomas Bach. Trotzdem sei «heute ein Tag der Hoffnung». Das olympische Motto «citius, altius, fortius» - schneller, höher, stärker -, wurde mit dem Wort «gemeinsam» erweitert und steht im Zentrum der Spiele. «Gemeinsam sind wir immer stärker», sagte Bach. «Und stärker, höher und schneller können wir nur sein, wenn wir gemeinsam solidarisch sind.»
Dazu passte der von John Lennon komponierte Song «Imagine», den auf einem eingespielten Video die vier aus unterschiedlichen Kontinenten stammenden Sänger John Legend, Keith Urban, Angélique Kidjo und Alejandro Sanz vortrugen. Während der Darbietung schwebte über dem Stadion ein von 1800 Drohnen gebildeter Globus.
In seiner Rede erwähnte Bach auch explizit das internationale Flüchtlingsteam, das zum zweiten Mal nach 2016 am Start und als zweite Delegation hinter Griechenland einlief. «Ihr sind eine Bereicherung für die Gesellschaft.» Der Deutsche bedankte sich insbesondere bei der japanischen Bevölkerung, den vielen Freiwilligen, die er als bestmögliche Botschafter Japans lobte, und den Athleten. Letzteren rief er zu: «Ihr habt gelitten, aber nie aufgegeben. Ihr wart für uns alle eine Inspiration. Heute wird euer olympische Traum wahr.»
Die rund 6000 anwesenden Athleten der 205 Nationalen Olympischen Komitees waren zuvor ins Olympiastadion eingelaufen. Die Sportler liessen sich trotz der praktisch leeren Arena die Freude nicht nehmen und verbreiteten olympische Begeisterung. Die mit gut 20 Athleten vertretene Schweizer Delegation wurde von den beiden Fahnenträgern Mujinga Kambundji und Max Heinzer angeführt. Die Tennisspielerinnen Belinda Bencic und Viktorija Golubic waren ebenso zugegen wie die Judokas, einige Beachvolleyballer, Reiter, Fechter und Kanuten.
Zuspruch, aber auch vereinzelte Proteste
Bereits Stunden vor Beginn der Feier hatten sich vor dem Olympiastadion viele Einheimische eingefunden, um zumindest aus der Nähe bei der Eröffnung der zweiten Olympischen Spiele in Tokio nach 1964 dabei zu sein. Die Japaner begrüssten die ausländischen Gäste bei deren Ankunft sehr freundlich. Später gab es vereinzelt aber auch Proteste. Vor dem Rathaus versammelten sich Dutzende von Demonstranten. Eine Mehrheit der japanischen Bevölkerung stand in den letzten Monaten einer Durchführung der Spiele kritisch gegenüber.