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Job Zilaba, das Namutumba Community Hospital wurde diesen Sommer eröffnet. Wie viele Patientinnen und Patienten wurden bis jetzt behandelt?
Job Zilaba: Seit der Eröffnung vor vier Monaten behandelten wir 2468 Patientinnen und Patienten. 20 Patientinnen und Patienten transportierten wir zu weiter entfernten Spitälern, da wir voll ausgelastet waren. 150 komplizierte Fälle (mehrheitlich Unfallopfer) mussten wir weiter transportieren, weil uns das nötige Behandlungsmaterial fehlte: beispielsweise genügend Blut, Röntgengerät, Computertomographie (CT). Diese Statistik berücksichtigt nicht den Eröffnungstag, an dem alleine wir rund 600 Konsultationen hatten.
Wie viele Betten stehen insgesamt zur Verfügung?
Die Bettenkapazität ist 50 Betten. Davon 15 Pädiatrie, 15 Frauenklinik, 20 Allgemeinpatientinnen und Allgemeinpatienten.
Aus welchem Umkreis kommen die Patientinnen und Patienten ins Namutumba Community Hospital?
Bis jetzt erreichten uns Patientinnen und Patienten aus den Distrikten Namutumba, Palisa, Butalejja, Budaka und Bugiri. In Palisa gibt es ein kleines öffentliches Spital, dennoch kommen viele Patientinnen und Patienten zu uns, weil wir kürzere Wartezeiten haben und alle Patientinnen und Patienten gleich, freundlich und ohne Korruption behandeln. Bei uns bekommen Patientinnen und Patienten Diagnostik, Behandlung und Medikamente unter einem Dach. Sie werden nicht weitergeschickt, um die Medikamente woanders einzukaufen.
Das wirtschaftliche Leben der Mehrheit der Einwohnenden dieser Distrikte besteht aus Selbstversorgungs-Landwirtschaft und lokalem Kleingewerbe. Viele Leute verdienen rund ein bis zwei Dollar pro Tag. Das ist eine grosse Herausforderung, wenn sich die Menschen entscheiden müssen, ob sie Nahrungsmittel einkaufen wollen oder eine Arztrechnung bezahlen.
Welche Behandlungen werden durchgeführt?
Ich liste hier die behandelten Erkrankungen in alphabetischer Reihenfolge auf:
Pädiatrie: Anämie & Sichelzellanämie, Lungenentzündung, Malaria Komplikationen, Mangelernährung (schwere und moderate)
Frauenklinik: Atemwegserkrankungen während der Schwangerschaft, Grippe, Harnwegsinfekte, Hepatitis B, Hoher Blutdruck, Schwangerschaftsdiabetes, vorzeitige Wehen
Allgemeinpatientinnen und Allgemeinpatienten: Atemwegserkrankungen wie COPD und Lungenentzündung, chronische Ulzera mit Komplikationen, Harninfekte, HIV & andere sexuell übertragene Krankheiten, Leberkrankheiten wie Hepatitis, Magen-Darm-Trakt- Komplikationen wie Bilharziose und Typhus, Malaria, Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes und Pankreatitis, Syphilis
Chirurgie: Cholezystitis, Hernia, Prostata, Pylorusstenose, Sigmavolvulus
Können Sie uns den Schichtplan einer Ärztin, eines Arztes und einer Pflegefachperson im Namutumba Community Hospital schildern?
Die Mitarbeitenden arbeiten fünf Tage pro Woche in 12-Stunden-Schichten. Die Tagschicht beginnt um 7.00 Uhr mit dem Rapport. Ca. um 7.15 Uhr beginnt die Visite. Sie dauert meistens etwa zwei Stunden, abhängig vom Zustand der Patientinnen und Patienten auf den Abteilungen. Danach teilen sich die Ärztinnen und Ärzte in Teams auf:
Beispielsweise eine Chefärztin und zwei Assistenzärztinnen kümmern sich weiter um die Abteilungen, ein weiterer Chefarzt und ein Assistenzarzt sind für die ambulanten Patientinnen und Patienten zuständig. Derselbe Assistenzarzt fährt jedoch mit der Ambulanz mit, wenn Patientinnen und Patienten abgeholt werden müssen. Eine Oberärztin arbeitet zusammen mit der leitenden Hebamme in der Frauenklinik unter der Aufsicht des Chefarztes. Aber im Notfall arbeiten alle als Team zusammen. Die Frühstückspause von 15 Minuten findet in Schichten statt, und Mittagessen à 30 Minuten ebenfalls in Schichten. Die Tagschicht endet um 19 Uhr.
Analog den Ärztinnen und Ärzten halten auch die Pflegefachleute und die Hebammen Rapport. Einige sind für die Abteilungen zuständig, einige für die ambulanten Patientinnen und Patienten sowie für den Patientenempfang. In den Abteilungen teilen sie sich auf die Patientinnen und Patienten auf und erhalten dort weitere nötige Informationen über diese Fälle. Beim Patientenempfang kümmern sich die Pflegenden als erste um die ankommenden Notfälle, und bei den ambulanten Patientinnen und Patienten um jene, die für Kontrolltermine zurückkommen. Die Hebammen im ambulanten Bereich halten Geburtsvorbereitungskurse und impfen Kinder und Mütter.
Covid-19 stellt uns alle vor grosse Herausforderungen. Mit welchen Schwierigkeiten im Zusammenhang mit Covid-19 sind die Mitarbeitenden im Namutumba Community Hospital konfrontiert?
Die Kosten für Schutzmaterial (Handschuhe usw.) und Sauerstoff sind explodiert. Dieses Schutzmaterial ist schlecht verfügbar, manchmal müssen die Mitarbeitenden Masken improvisieren (Stoff). Die Transportkosten sind viel höher seit dem Lockdown von Juni bis Juli 2021. Ein weiteres Problem ist, dass die Patientinnen und Patienten mit Covid-Symptomen zu spät ins Spital kommen. Die Medikamente gegen Covid gehören zu den teuersten und sind nicht für alle Patientinnen und Patienten erschwinglich. Der Personalbedarf ist wegen Covid erhöht.
Das Projekt hat 2010 gestartet. Das Spital wurde 2021 eröffnet. Das erfordert viel Kraft und Geduld. Hatten Sie nie daran gedacht, das Projekt aufzugeben?
Die Einwohnerinnen und Einwohner waren von Anfang an in das Projekt involviert. Ich war dabei, als eine Frau am Strassenrand gebären musste, weil der Weg zum Spital zu lange war. Aus diesem Erlebnis ist die Idee für das Spital entstanden. Aufzugeben hätte bedeutet, all die Hoffnungen der Einwohnenden von Namutumba sterben zu lassen. Es hätte mein Herz sehr belastet, den Plan aufzugeben, die Menschen aufzugeben. Am Schwierigsten war die finanzielle Herausforderung, meinen Lohn aufzuteilen für das Projekt und für meine Familie hier. Es hat mich ermutigt, dass die Leute von Namutumba beim Bau beigetragen haben was sie konnten, Freiwilligenarbeit oder günstigere Arbeit geleistet haben, Freunde und Familie in der Schweiz ab und zu einen Zustupf dazugaben und natürlich die grossartige Unterstützung der Universitätsklinik für Intensivmedizin, die geholfen hat, das Spital startbereit auszurüsten.
Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen für das Spital?
Wir erleben immer wieder Patientinnen und Patienten, welche nach der Diagnosestellung nicht mehr genügend Geld haben, um ihre weitere Behandlung zu bezahlen. Es wäre grossartig, in Zukunft eine Stiftung zu haben, um einige dieser Menschen zu unterstützen.
Mit dem 2-Schichten-System müssen die Mitarbeitenden sehr lange Schichten bestreiten und könnten sich überarbeiten. Erst wenn das Spital finanziell bessergestellt ist, können wir uns mehr Personal und ein 3-Schichten-System leisten. Als ersten Schritt dazu haben wir bereits auf Generika-Medikamente umgestellt. Hilfreich zum Sparen wäre es auch, wenn wir Medikamente und Verbrauchsmaterial in grösseren Mengen und für längere Zeiträume einkaufen könnten und wenn wir in der Stromversorgung selbständiger würden. Das Benzin für den Generator bei Stromausfällen der öffentlichen Stromversorgung ist ein grosser monatlicher Kostenpunkt.
Zur Bewältigung der Unfallopfer, die uns erreichen (aufgrund unserer Lage nahe der Hauptstrasse), benötigen wir Diagnostikausrüstung wie Röntgen oder CT. Zudem hatten wir bereits Verhandlungen mit mehreren Versicherungen, die mit dem Namutumba Community Hospital zusammenarbeiten wollten, aber nach diesen Geräten gefragt haben. Die Zusammenarbeit mit Versicherungen ist lukrativ, weil hier keine Finanzierungsprobleme in der Gesamtbehandlung bestehen und weil diese mehr Privatpatientinnen und Privatpatienten ins Spital bringen würden.
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