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Vorträge MWS FS 2013
Alle Vorträge finden im Vortragssaal des Musikwissenschaftlichen Seminars statt.
Wenn nicht anders angegeben, beginnen die Vorträge jeweils um 18.15 Uhr.
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25. März 2013 - Max Haas (Basel)
Philosophie und Notation. Cassirer, Wittgenstein und Goodman über Notation. Was ist der Nutzen für die Praxis?
Es ist bekannt, dass Ludwig Wittgenstein (Tractatus) und Nelson Goodman (Languages of Art) sich zu Notationen geäussert haben. In den letzten Jahren ist vor allem durch die Philosophen Hans Julius Schneider und Oliver Scholz sowie durch den Linguisten Christian Stetter die Kenntnis und die Bedeutung dieser Ideen intensiv analysiert worden. Im Vortrag soll Entsprechendes kurz vorgestellt werden. Aufgrund von Beispielen aus der Geschichte der Notationen wird dann versucht, in praktischer Anwendung der verschiedenen Aspekte zu zeigen, wie eine Geschichte der Notationen konzipiert werden könnte.
Prof. Dr. Max Haas studierte in Basel und promovierte 1970 dort mit einer Arbeit über byzantinische und slavische Notationen. Seine Habilitation erfolgte sieben Jahre später ebenfalls an der Musikwissenschaft Basel mit Untersuchungen zum Verhältnis von Musiklehre und Scholastik im Mittelalter, etwa fünf Jahre später war er als ausserordentlicher Professor an der Universität Basel tätig.
In den 1990er Jahren reiste Haas als Gastdozent an die Bar Ilan-Universität nach Tel Aviv (1989/90) und an das Graduate Department der City University of New York (1995/96). Bis zu seiner Emeritierung 2005 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Basel, wo er auch heute noch als Gast unterrichtet. Seine neusten monographischen Werke behandeln Anschauungs- und Denkformen in der Musik (2002) und Musikalisches Denken im Mittelalter. Eine Einführung (2005).
8. April 2013 - Cornelius Schwehr (Freiburg i. Br.)
Musik zum Film. Überlegungen zu einem vermeintlichen Genre
Das „Genre“ Filmmusik lässt sich mannigfach untergliedern. Das hat seinen Grund vor allem darin, dass die Funktionen, die die jeweiligen Musiken im Zusammenhang mit den Bildern, auf die sie sich zu beziehen haben, sich vielfältig und grundlegend unterscheiden können. Wenn bestimmte Film-Musik-Kombinationen allerhöchsten künstlerischen Ansprüchen genügen können, während andere den Verdacht, mit Kunst etwas zu tun zu haben, gar nicht erst aufkommen lassen, dann sind solche Vergleiche doch nur insoweit auch sinnvoll und hilfreich, wenn sich die Funktionen der jeweiligen Musiken ebenfalls vergleichen lassen. Dies in den Grundlagen zu entfalten und beispielhaft zu verdeutlichen, ist Ziel des Vortrags.
Prof. Cornelius Schwehr widmete sein Studium an der Musikhochschule Freiburg ab 1975 den Fächern Komposition, Musiktheorie und Gitarre, und wechselte 1981 nach Stuttgart, wo er Kompositionsunterricht bei Helmut Lachenmann wahrnehmen konnte. Neben einem Lehrauftrag an
der Freiburger Hochschule war er seit Beginn der 1980er Jahre parallel an Musikhochschulen in Karlsruhe und Winterthur tätig. 1983 wurde er Stipendiat der Heinrich-Strobel-Stiftung des SWF, 1985 der Kunststiftung Baden-Württemberg.
Mitte der 1990er Jahre trat Schwehr an der Freiburger Musikhochschule eine Professur für Komposition und Musiktheorie sowie ab 2008 für Filmmusik an, die er bis heute ausfüllt. Seit 2009 ist er Leiter des Instituts für Neue Musik in Freiburg.
Schwehrs Kompositionen sind meist kammermusikalisch und detailversessen angelegt und spielen mit den Möglichkeiten von Wiederholung und Übergang, Kontrast und Sprung, Bindung und Freiheit. Prägend wirken dabei auch die Einflüsse von sprachlicher Gestik und filmischen Techniken in seinen mehr als 30 Werken für Bühne, Film und Hörspiel.
7. Mai 2013 - Hermann Danuser (Berlin)
Musikhistoriographie nach Dahlhaus
Carl Dahlhaus’ Konzept einer „sentimentalisch reflektierten“ Musikgeschichtsschreibung, das er in seinen Grundlagen der Musikgeschichte (1977) exponierte, stellt in der Musikhistorik nach dem Zweiten Weltkrieg den wohl wichtigsten Versuch dar, sich von früheren narrativen Modellen – der Biographik, National-, Epochen- oder Gattungshistoriographie – zu lösen und zu einer der Konstruktivität verpflichteten Form der Musikgeschichtsschreibung zu gelangen.
So problematisch außer Datenhäufungen die Naturprozessen nachgebildeten „organischen“ Modelle sind, so wichtig bleibt die Unterscheidung von Datum, Faktum und Fiktum. Der Historiker als Schriftsteller sollte in der Reflexion musikalischer Vergangenheit immer neue konstruktive Modelle erproben, ohne auf ein abschließendes Bild zu zielen. Ein solches Procedere, entwickelt für ein in Arbeit befindliches Buch (Metamusik), soll hier für die Geschichte vom 16. bis 20. Jahrhundert in Grundzügen vorgestellt werden.
Prof. Dr. Dr. h.c. Hermann Danuser begann 1965 ein Studium in Klavier und Oboe sowie Musikwissenschaft, Philosophie und Germanistik in Zürich, das er mit Lehr- und Konzertdiplomen sowie einer Dissertation über Musikalische Prosa abschloss. 1973 zog es ihn nach Berlin, wo er seine Studien bei Carl Dahlhaus und Gerhard Puchelt weiter vertiefte. Bis 1982 arbeitete er zudem als wissenschaftlicher Assistent und habilitierte sich mit dem Thema Die Musik des 20. Jahrhunderts.
Bevor er von 1988 bis 1993 Ordinarius der Musikwissenschaft an der Universität Freiburg i. Br. wurde, lehrte Danuser an der Musikhochschule Hannover. Seit 1993 hat er eine Professur für Historische Musikwissenschaft am Institut für Musik- und Medienwissenschaft der Humboldt-Universität Berlin inne. Desweiteren koordiniert er die Forschung der Paul Sacher Stiftung Basel. Als Gastprofessor bereiste Danuser Universitäten innerhalb Europas und den
USA.2005 verlieh ihm die Royal Holloway University London die Würde eines "Doctor of Music" honoris causa.
In seinen aktuellen Forschungsprojekten befasst sich Danuser unter anderem mit Erscheinungsweisen von musikalischer Selbstbezüglichkeit („Metamusik“).