Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03229.jsonl.gz/414

Niklaus Gassers Linkskurz, der zur Legende wurde
Niklaus Gasser entstammt einer Berner Schwinger-Dynastie. Seine beiden Onkel Hansueli und Peter gehörten in den späten 50er- und 60er-Jahren zur nationalen Spitze und erkämpften sich beide sechs eidgenössische Kränze. Ebenfalls sein Vater Ernst und der in die Ostschweiz gezogene Onkel Werner waren erfolgreiche Kranzer. Dies alles hatte zur Folge, dass auch aus Niklaus Gasser ein Schwinger wurde. Schon bald wurde ersichtlich, dass Gasser mit einem grossen Talent ausgestattet war. Bereits als 17-Jähriger klassierte sich der Käser am Berner Kantonalfest nach einem Sieg gegen den zähen Oberländer Hans Fuhrer im dritten Rang.
Vielseitiges Training
Fürs Schwingen scheute der kräftige Sennenschwinger keine Mühe und absolvierte schon während der Lehre im Winter sechs Trainingseinheiten. «Dabei war mir wichtig, dass eine gewisse Vielseitigkeit zum Zuge kam», ergänzt Gasser. Im Allgemeinen bestand das wöchentliche Training aus zweimal Schwingen sowie je einmal Kraft- und Ausdauertraining. Als Ausgleich besuchte er diverse Ringer- und Judotrainings. «Während der Saison reduzierte ich das Training auf vier Einheiten.» Zudem hatte Niklaus Gasser das Glück, dass im Schwingklub Kirchberg immer sehr starke Trainingspartner vorhanden waren. In den Anfängen profitierte der Sennenschwinger viel von den Brüdern Hans und Ueli Stucki und von Fritz Flühmann. Später kamen mit Silvio Rüfenacht, Adrian Käser, Urs Schöni und Rolf Schüpach weitere ideale Trainingspartner hinzu. «Es gab Abende, an denen im Schwingkeller in Kirchberg aufgrund der Anwesenden ein kleines Eidgenössisches stattfand», sagt Gasser.
Einzigartiges Palmares
Als 19-Jähriger gewann Niklaus Gasser 1980 in St. Gallen seinen ersten eidgenössischen Kranz, dem er noch fünf weitere folgen liess. Bereits drei Jahre später qualifizierte er sich in Langenthal für den Schlussgang, den er nach zwölf Minuten gegen Ernst Schläpfer verlor. An weiteren drei Eidgenössischen Schwingfesten verfehlte Gasser die Schlussgangqualifikation durch einen gestellten siebten Gang. «Ausgerechnet immer in den Jahren von Eidgenössischen Schwingfesten wurde ich vom Verletzungspech verfolgt und konnte eigentlich nie im Vollbesitz meiner Kräfte antreten», sagt Niklaus Gasser.
Was bei einer optimalen Vorbereitung möglich gewesen wäre, zeigen seine Siege 1987 am Unspunnen-Schwinget und 1996 als 35-Jähriger am Kilchberger Schwinget. Insgesamt gewann der Vorzeigeathlet 39 Kranzfeste. Nebst den beiden eidgenössischen Anlässen ragen die Siege am Brünig-Schwinget, auf dem Stoos, am Schwarzsee-Schwinget und am Berner Kantonalen heraus, welches er gleich sechs Mal gewann. Zudem war Gasser der erste Berner als 100-facher Kranzer.
Im Dienste des Schwingens
Bereits in den letzten Jahren seiner Aktivlaufbahn übernahm Niklaus Gasser im Schwingklub Kirchberg das Amt des Technischen Leiters. Ein Glücksfall für die Berner war es, als er im Jahre 2002 das Amt des Technischen Leiters auf Kantonsebene übernahm. Er gilt als Baumeister der heutigen Erfolge der Berner. Mit seinem geschulten Blick erkannte der Oberaargauer, dass mit Christian Stucki, Matthias Sempach, Matthias Glarner, Matthias Siegenthaler, Thomas Sempach, Simon Anderegg und Willy Graber grosse Talente vorhanden waren. Gasser bot sie bereits im jungen Alter zu den kantonalen Trainings auf und konnte die Jungspunde mit seiner bestimmten, aber durchaus spassigen Art fördern. Für seine aufopfernde Arbeit durfte er sämtliche Ehrungen bis hinauf zum ESV-Ehrenmitglied in Empfang nehmen.
Intensiver Beobachter
Noch heute ist Niklaus Gasser fast jedes Wochenende an einem Schwingfest als interessierter Zuschauer anzutreffen. Wenn Not am Mann ist, leitet er aushilfsweise immer noch die Trainings im Schwingklub Kirchberg. «Die grossen Veränderungen im Schwingsport sind natürlich auch mir aufgefallen. Wenn sich der Grundcharakter der Schwingfeste nicht verändert, ist aus meiner Sicht gegen das Sponsoring nichts einzuwenden.» Dass die Schwinger heute Werbeverträge abschliessen dürfen und so gewisse Einnahmequellen öffnen können, sei gar nicht so schlecht. «Das Risiko wird von vielen Schwingern zu wenig gesucht. Ebenfalls vermisse ich das fintenreiche Schwingen. Dadurch sind viele Spitzenschwinger durchschaubar geworden.»