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| Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron

Der sechste Tag. Neunte Homilie. (Gen 1,24-26)
IV. Kapitel. Vorbildliche Eigenschaften der Tiere; die Arbeitsamkeit der Ameisen, die Treue des Hundes, die Kindesliebe des Bären. Der wunderbare Instinkt der Tiere: kranke Tiere (Bär, Schlange, Schildkröte, Fuchs) kennen ihre Arznei. Tiere (Schwalbe, Ameise, Schaf, Igel) als Wetterpropheten. Sicherheit des Tierinstinktes. Die Natur die beste Lehrerin, die selbst die wilde Bestie (Tigerin) zur zärtlichsten Mutter wandelt. Der Spürsinn des Hundes; der Hund als Wächter und Rächer seines Herrn. Das Lamm das Bild der Kindesunschuld, seine Anhänglichkeit an das Mutterschaf. Der Tierinstinkt äußert seine Funktionen vom ersten Dasein an. Der Knoblauch nicht Speise, sondern Medizin; die beste Medizin das Fasten. Der feine Instinkt selbst kleiner Tiere.
26.
Die Natur [eines Tieres] besitzt von Haus aus ihre eigentümlichen Gepflogenheiten und Instinkte. Kaum brechen beim kleinen Jungen die ersten Zähne hervor, und schon weiß es diese seine Waffen zu gebrauchen. Noch hat der junge Löwe keine Zähne, und als ob er sie hätte, sucht er sich mit seinem Rachen zu rächen. Noch trägt der Hirsch kein Geweih und dennoch plänkelt er bereits mit seiner Stirne und dräuet mit den Waffen daran, bevor er sie erprobte. Der Wolf nimmt dem Menschen, wenn er ihm mit seinem Anblick zuvorkommt, die Sprache und spottet gleichsam seiner als Sieger über die geraubte Sprache. Derselbe Wolf legt, wenn er sich zuvor von dessen Blick getroffen fühlt, die Wildheit ab und kann nicht mehr laufen. Der Löwe fürchtet sich vor dem Hahn, insbesondere dem weißen. Die verwundete Ziege sucht Distanz auf und entfernt damit die Geschosse aus der Wunde. Auch die Tiere kennen ihre Heilmittel. Der kranke Löwe fahndet nach einem Affen, um ihn zu verschlingen und so zu gesunden. Der Leopard schlürft das Blut der wilden Ziege ein und tut so dem fortschreitenden Siechtume Einhalt. Jedes kranke Tier findet mit einem Schluck Hundeblut Genesung. Der kranke Bär vertilgt Ameisen, der Hirsch kaut junge Olivenzweige.