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Die Fotografie Violon d’Ingres von Man Ray, die Kiki de Montparnasse nackt von hinten zeigt, wurde bei einer Auktion von Christie’s in New York Mitte Mai für 12,4 Millionen Dollar versteigert.
von Anton Ladner
Wie der Fall Man Ray zeigt, hat der Kunstmarkt wieder Schwung gefunden. Nachdem Andy Warhols Porträt von Marilyn Monroe für 195 Millionen Dollar zum weltweit teuersten Gemälde des 20. Jahrhunderts avancierte, wurde zehn Tage später Man Rays Kunstfotografie von 1924 der Muse Kiki de Montparnasse zur teuersten Fotografie. An der Auktion von Christie‘s hat ein Bieter am 14. Mai in New York über fünf Millionen Dollar mehr als den Schätzpreis von sieben Millionen Dollar bezahlt. Frei und ungezwungen posierte Kiki de Montparnasse für die Künstler im Paris der 1920er-Jahre. Sie war die ikonische Frau jener wilden und unglaublich kreativen Zeit, die als les années folles in die Geschichte einging. Kiki war mit zwölf Jahren als Alice Ernestine Prin in Paris angekommen und lebte zuvor bei ihren Gosseltern auf dem Land. Sie fand Arbeit als Lehrling in einer Strickerei, später in einer Fabrik, die Soldatenschuhe reparierte. Dann folgte die Arbeit in einer Bäckerei, wo sie schikaniert wurde. Um zu überleben, begann sie, für einen Bildhauer nackt zu posieren, was der Anfang einer Modell-Karriere wurde. Sie tauchte ein in das Bohème-Leben von Montparnasse – ein Ort, an dem in jenen Jahren eine beispiellose künstlerische Entwicklung stattfand. Nachts besuchte sie die Clubs, die von Malern und Künstlern belebt waren, und sang mit ihnen. So wurde aus Alice die Kiki de Montparnasse, ein heller Stern von Paris. Diesen Namen bekam sie von dem Maler Maurice Mendjisky, ihre erste Liebe. Kiki war sinnlich, unkonventionell und auch skandalös, was die Maler Maurice Utrillo und Amedeo Modigliani neben vielen anderen in Bann zog.
Als sie 1921 den gerade in Paris angekommenen Man Ray kennenlernte, verliebte er sich sofort in sie. Es war eine intensive und stürmische Liebesbeziehung, die sechs Jahre dauerte. In jener Zeit versuchte sie sich in der Malerei. Im Februar 1927 fand eine Ausstellung mit fast 30 ihrer Werke statt, die mit den leuchtenden Farben reissenden Absatz fanden. Viele wollten ein Gemälde der umtriebigsten Frau von Paris. 1929, im Alter von nur 28 Jahren, begann sie ein Buch über ihr Leben zu schreiben. Die ersten Kapitel erschienen in der Pariser Zeitschrift Montparnasse, das Buch wurde zu einem überwältigenden Erfolg. Ernest Hemingway verfasste das Vorwort und schrieb später über Kiki: «Sie hatte einen wunderbaren Körper und eine schöne Stimme (wenn sie sprach, nicht wenn sie sang), sie dominierte die Montparnasse-Ära sicherlich mehr als Königin Victoria die viktorianische Ära.»
In den 1930er-Jahren eröffnete sie ein Kabarett, beteiligte sich an der Résistance und musste vor der Gestapo flüchten. Als sie nach Paris zurückkehrte, war sie durch Drogen und Alkohol nur noch ein Schatten der Frau, die die Herzen von Montparnasse entflammt hatte. Kiki de Montparnasse starb 1953 mit gut 51 Jahren. Sie wurde tot vor ihrer Wohnungstür gefunden.