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Weg-Wort vom 26. Oktober 2020
Die Waisenmädchen vom Nyumba Yanga in Sambia haben mir ab und zu kleine „Liebesbriefe“ zugesteckt. Der Anfang oder Schluss war jeweils: „Ich liebe dich wie…“ und der Vergleich, der dann kam, war immer derselbe: „…wie ein Tasse Tee mit Milch und Zucker“ – in Englisch versteht sich.
Naja, was sollte ich mit dem Vergleich anfangen? Ich bin Kaffeetrinkerin. Tee trinke ich, wenn ich krank bin. Und wenn ich dann doch einen Tee trinke, dann ganz bestimmt ohne Milch und Zucker.
Emeria, einer Frau in einem Armenviertel in Lusaka, habe ich zugeschaut, wie sie am Morgen für die Familie einen Topf Tee zubereitete. Es mangelte an allem. Sie hatte noch ein paar Körner Zucker. Wasser holte die Tochter am Brunnen, dieses wurde erhitzt. Den Zucker gab sie auf einen Teelöffel, hielt ihn ins Feuer, und als der Zucker caramelisiert war, kam der Löffel in den Topf. Der braungebrannte Zucker gab seine Farbe ab, und fertig war der Tee! Das gefärbte Wasser!
In diesem Zusammenhang kann man besser verstehen, was es heisst, Tee (richtigen Tee!) mit Milch und Zucker zu trinken. Für ein Kinderherz und einen Kindergaumen der Inbegriff von süss, aromatisch und genussvoll.
Ich würde vielleicht eher formulieren, ich liebe dich wie den ersten Schluck Kaffee am Morgen.
Das ist wie Lebenselixier.
Oder wie die Sonne im Gesicht und den Wind in den Haaren.
Oder wie das erste Lachen eines Kindes.
Oder wie die erste Erdbeere, die auf der Zunge zergeht im Frühjahr.
Oder…
Ich liebe dich wie…?
Was würden Sie schreiben? Was ist Ihr Lebenselixier?