Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03264.jsonl.gz/1267

Das Leben der Studierenden meiner Generation war stark vom Kopierapparat geprägt. Jedenfalls musste ich an diesen Moment denken, als ich die Geschichte von Chester Carlson las.
Aus sehr bescheidenen Verhältnissen stammend, musste er als junger Mann mit sehr knappen Mitteln auskommen. Um Patentanwalt zu werden, besuchte er die Abendschule und studierte an den Wochenenden in der New York Public Library. Da er sich die Bücher nicht leisten konnte, sass er viele Stunden in der Bibliothek und schrieb seitenweise Texte ab. Schreibkrämpfe und Rückenschmerzen waren die Folge.
Die Schmerzen brachten ihn dazu, eine Idee, die er früher schon gehabt hatte, hervorzunehmen und ein Verfahren zu entwickeln, mit dem man Kopien herstellen kann. Nach langem Tüfteln und unter Mithilfe eines Assistenten fand er einen Weg und erstellte heute vor 83 Jahren die erste Kopie. Damit war der Anfang geschafft.
Es sollten allerdings noch einmal über 20 Jahre ins Land gehen, bis das Verfahren alltags- und damit markttauglich wurde. Zusammen mit Haloid-Xerox brachte Chester Carlson schliesslich ein Gerät auf den Markt, das in der Folge das erfolgreichste Industrieprodukt seiner Zeit wurde. Carlsons Erfindung veränderte den Büro- und den Studentenalltag grundlegend.
Angesichts der Breitenwirkung stellte der kanadische Philosoph Marshall McLuhan die Erfindung in die direkte Nachfolge von Johannes Gutenberg, als er sagte: «Gutenberg machte die Leute zu Lesern, Xerox macht sie zu Herausgebern.»
Man schätzt, dass Carlson mit seiner Erfindung 150 Millionen Dollar verdient und davon rund 100 Millionen an wohltätige Institutionen verschenkt hat. Darin kann es gar nicht genug Nachfolger geben.