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Als ich im Urwald von Laos erstmals auf das Minderheiten-Tabu stiess, arbeitete ich bereits seit ein paar Wochen für die «Vientiane Times», das englischsprachige Medium des laotischen Staates. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) und die Journalistenschule MAZ hatten mir eine Stage auf der Redaktion ermöglicht. Ich begleitete zwei externe Berater bei einer Evaluationsreise in unterentwickelte Regionen, wo der «Poverty Reduction Fund» (PRF) mit dem Ausbau von Infrastruktur beschäftigt ist.
Der Fund ist von der Weltbank und der australischen Entwicklungsagentur finanziert. Auch die Schweiz hat in den letzten vier Jahren 23 Millionen Franken eingeschossen. Verwaltet wird der PRF von den laotischen Provinzbehörden. Die Geldgeber sehen vor, dass die Mittel vor allem für den Aufbau von Infrastruktur in armutsbetroffenen Gegenden verwendet werden.
Die Bewohner sollen selbst entscheiden, wie sie investieren wollen. Über den Bau einer neuen Schule, einer Medikamentenabgabestelle oder einer Strasse soll die Versammlung entscheiden, an der mindestens 50 Prozent der Dorfbewohner (davon mindestens 40 Prozent Frauen) anwesend sein müssen. Hinzu kommen Regeln der Repräsentation von ethnischen Gruppen, die gemäss ihrem Anteil am Dorf an der Abstimmung beteiligt sein müssen.
So sieht es der Plan vor, den man in der etwas sperrigen Sprache der Entwicklungsindustrie «Community Driven Development» nennt. Das Problem mit diesem an sich vernünftig klingenden Vorhaben: Die laotische Regierung diktiert Investitionen konsequent von oben und lässt keine Einmischung der Bevölkerung zu. Noch weniger würde sie sich von Ausländern diktieren lassen, wo sie welche Infrastruktur baut.