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Alain, Journalist aus Kongo
Im März 2015 besetzte ein Dutzend Asylsuchender den Gemeindesaal der reformierten Kirche St-Laurent in Lausanne. Diesen Frühling wechselten sie in die katholische Kapelle Mon-Gré. 19 weitere Asylsuchende werden in Lausanne durch ein Netz von Paten und Patinnen beschützt. Auch die Aktivistengruppe Collectif R hilft: 61 MigrantInnen konnten einen Ausweis N erhalten, sechs sogar einen B-Ausweis.
Unter den Asylsuchenden, die die Kapelle von innen kennen, ist Alain, 44 (Bild). Ein Beispiel dieser «Dublin-Fälle», die von Land zu Land herumgeschoben werden. Alain stammt aus Kongo, wo er als Journalist für den Fernsehsender der Opposition arbeitete. Er verliess sein Land auf der Flucht vor Verfolgung und Gewalt: «Nach meinen Recherchen über die sozialen Probleme im Zusammenhang mit dem Abbau von Coltan-Erz und wegen meiner politischen Meinung erhielt ich Morddrohungen.» Seinen Asylantrag stellte er in Finnland. Aber da er einige Monate zuvor für einen Besuch mit einer kongolesischen Delegation in Spanien ein Visum erhalten hatte, erachteten die finnischen Behörden Spanien als Ersteinreiseland in den Schengen-Raum.
In Spanien wurde er krank und bekam kaum ärztliche Versorgung. Seinen Asylantrag konnte er nicht beenden: «Bei meinem Gespräch mit den spanischen Behörden hatte ich einen französischsprachigen kongolesischen Dolmetscher. Es stellte sich heraus, dass er mit jemand bekannt war, den ich im Zusammenhang mit meiner Arbeit in Kongo genannt hatte. Von diesem Moment an sagte ich nichts mehr, um mich und meine in Kongo gebliebenen Angehörigen zu schützen. Ich glaubte nicht mehr an die Vertraulichkeit des Verfahrens und beschloss, in die Schweiz zu kommen.»
Gemäss Dublin-System müsste er nach Spanien zurückkehren. Gegenwärtig kämpft er dafür, dass die Schweiz ihn aufnimmt: «Ich ertrage die Demütigungen nur deshalb, weil ich meinen bescheidenen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen in meinem Land leisten möchte. Ich will die Ideale der sozialen Gerechtigkeit verteidigen, meine Aufgabe als ‹homme de lettres› wahrnehmen, der als Zeuge seiner Zeit über die Geschichte unserer Gemeinschaft spricht. Dazu muss ich zuerst einmal in Sicherheit leben können. Ich hoffe heute, dass die Schweiz sie mir bieten wird.» (ys)
www.desobeissons.ch. Update: Alain hat jetzt einen N-Ausweis, die Waadt prüft seinen Asylantrag. Bei drei PatInnen gab es derweil polizeiliche Hausdurchsuchungen.