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Gebäude & Orte
1510, 1837 abgebrochen
Die alte Ankenwaage stand bis 1837 im Zentrum von Glarus. (G. A. Gangyner, 1837, Privatbesitz Glarus)
Die Ankenwaage bestand wohl schon im 14. Jahrhundert. Ihr Standort im Zentrum des Hauptortes macht deutlich, dass das Wägen und Messen schon immer bedeutende obrigkeitliche Aufgaben waren. An Stelle der Ankenwaage kam 1837 das neue Regierungsgebäude
zu stehen.
Erbaut 1837-1838, 1861 abgebrannt
An Stelle der Ankenwaage
entstand 1837 das neue Regierungsgebäude. (anonym, um 1840, MdLG)
An Stelle der alten Ankenwaage
erbaute Carl Ferdinand von Ehrenberg 1837 das neue Regierungsgebäude. Neben der Landeswaage, dem Postbüro und den Kanzleien hatte es einen "sehr geschmackvollen" Saal für den dreifachen Landrat und mehrere Sitzungszimmer für den Rat und seine Kommissionen.
In der gleichen Zeit gab sich das Glarnerland eine neue liberale Kantonsverfassung. Das neue Rathaus wurde damit zum Symbol einer neuen Zeit, das alte Rathaus
blieb Gerichtshaus, Gefängnis und Archiv.
Die Mauern des Regierungsgebäudes überstanden den Brand nahezu unversehrt. (J. Broglie, 1861, LAGL)
Vom Regierungsgebäude und vom alten Rathaus von 1560
haben sich Gipsreliefs erhalten. Wofür sie vorgesehen waren und wann sie hergestellt wurden, ist unbekannt. (Gibsrelief, MdLG)
Gottfried Semper machte 1861 selber Vorschläge für ein neues Rathaus, was seinem Kollegen Bernhard Simon überhaupt nicht gefiel. Trotzdem durfte schliesslich Simon bauen. (G. Semper, 1861, LAGL)
Erbaut 1846-1848
Zeughaus (Foto www.gl.ch)
Der Bau im Stil eines florentinischen Palazzo wurde vom Architekten Felix Wilhelm Kubly 1848 fertiggestellt, der später auch das Schützen- und Gesellschaftshaus
bauen sollte. Ursprünglich waren die Waffen beider Konfessionen im alten Rathaus
, ab 1747 im Zwickyhaus
, ab 1803 in verschiedenen Gebäuden auf der Pressi untergebracht. Die meisten Waffen wurden aber bis 1848 - nach Konfessionen getrennt - andernorts verstaut.
Architekt Kubly hatte sich erfolglos um den Bau des neuen Regierungsgebäudes
bemüht, das schliesslich sein Konkurrent Ehrenberg bauen durfte. Der frustrierte Kubly machte für diesen Entscheid den Glarner Filz verantwortlich.
Das Zeughaus steht auf dieser Aufnahme
noch inmitten einer Wiese, abseits des Fleckens, rechts dahinter die Villa Haglen
.
Erbaut im 16. Jahrhundert, 1861 abgebrannt
Das Zwickyhaus am Adlerplatz von Süden her. (E. Labhardt, nach J. B. Isenring, 1824 bzw. um 1840, LAGL)
Der Jurist und Landvogt Johann Peter Zwicky bürgerte sich 1729 in Glarus ein und starb 1739; nach ihm wurde das Haus benannt. Von 1747 bis 1803 diente es als Zeughaus
. 1830 wurde das Zwickyhaus rundum erneuert, wobei der "modern-nüchterne Stil" damals nicht allen gefiel.
Das Zwickyhaus erfuhr 1830 einen Umbau, der allgemein als nicht sehr gelungen betrachtet wurde. Um 1850
hatte es keinen Treppengiebel mehr.
Erbaut um 700, Neubau um 1100 und 1477, 1861 teilweise abgebrannt und anschliessend abgebrochen
Die Kirche mit dem alten Friedhof von der Meerenge
aus gesehen. (E. Labhardt, nach J. B. Isenring, 1824 bzw. um 1840, LAGL)
Ein erster Bau entstand zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert und ist damit einer der ältesten Kirchenbauten in den Schweizer Alpen. Schon bald darauf erfolgte eine Erweiterung des Chores, um das Jahr 1000 kam ein Seitenschiff dazu. Um 1100 entstand eine romanische dreischiffige Basilika mit einem Turm, die um 1300 und 1464 nochmals erweitert wurde und 1477 fast völlig abbrannte. 1510 erfolgte an der Südseite der Anbau der Heiligkreuzkapelle; der Turm erhielt ein Käsbissendach. Damit hatte die Kirche mehr oder weniger das Aussehen, das sie bis 1861 behalten sollte.
Die Kirche am Spielhof
bildete im Mittelalter das Gesellschaftliche und Kulturelle Zentrum von Glarus. 1506 bis 1516 war Huldrich Zwingli (katholischer) Pfarrer in Glarus, wo er eine Lateinschule aufbaute. Die Kapelle von 1510 wurde deshalb auch "Zwingli-Kapelle" genannt. Nach der Reformation wurde die Kirche von beiden Konfessionen gleichberechtigt genutzt.
Zwanzig Jahre nach der Reformation entstand die erste Darstellung
der Glarner Kirche durch Hans Asper.
Bemerkenswert an dieser Darstellung von 1654
ist die burgähnliche Einfriedung des Friedhofs.
Die Kirche von Osten um 1650, gezeichnet vom Holländer Jan Haeckert
. Gut zu erkennen: die drei Fenster der Apsis.
Erbaut um 1000
Auf dieser Lithographie von 1840
steht eine etwas zu grosse Bürgli-Kapelle auf einem etwas zu kleinen Hügel.
Das Alter der ursprünglichen Kapelle auf dem Bürgli ist nicht bekannt. Wahrscheinlich entstand sie um 1000 als Kapelle einer bedeutenden Familie. Einen Turm bekam das Gebäude erst im 13. Jahrhundert, 1762 erhielt es sein heutiges Aussehen mit dem charakteristischen Zwiebeldach.
Der Legende nach sollen sich die Heiligen Felix und Regula während ihrer Flucht in einer Höhle unterhalb der Kapelle aufgehalten haben. Höhlen hat es dort bis ins 19. Jahrhundert tatsächlich gegeben.
Von hier aus sah sich der Gemeindepräsident Niklaus Tschudi am 11. Mai 1861 um 1 Uhr nachts seinen brennenden Flecken an.
Wie dieser Ausschnitt
zeigt, hatte die Kapelle St. Michael vor 1700 ein Käsbissendach, ähnlich der Pfarrkirche
. Am Hang wuchsen Reben.
Die Kapelle auf dem Bürgli in den 1920er-Jahren. (Schönwetter, 1925, MdLG)
Erbaut 1771
Zwischen dem Haus in der Wiese, dem Iselihaus
und dem Zollhaus
(v.l.n.r.) stand bis 1964 noch das Haus Aebli
als Zeuge des alten Glarus. (GN, um 1950, LBGL)
1771 liess sich der Landvogt und Unternehmer Johann Heinrich Streiff dieses Bürgerhaus erbauen. Baumeister war wahrscheinlich der Thurgauer Hans Jacob Messmer. Streiff war unter anderem Besitzer einer Färberei am Oberdorfbach und ein Pionier der Glarner Fabrikindustrie. Mit zwei Wasserrädern betrieben dessen Nachkommen bereits sieben Maschinen.
Im Film "Anna Göldin - Letzte Hexe" von Gertrud Pinkus von 1991 diente das Haus in der Wiese als Wohnhaus der Familie Tschudi und ihrer Magd Anna Göldi. In der Realität lag das Haus der Tschudis östlich des Spielhofes
am Schützenplatz.
Erwähnt 1525, 1861 verschwunden
Im 17. Jahrhundert war der Schützenplatz eine Wiese: Gut zu erkennen das Schützenhaus und ganz rechts die Zielstatt am Fuss des Bürgli. (Ausschnitt aus Haeckerts Zeichnung 1655
)
1525 wird erstmals ein Schützenhaus erwähnt. 1528 tagte im Schützenhaus auf der Pressi gar die evangelische Landsgemeinde, 1577 wurde es um eine Trinkhalle erweitert. Auch der Neubau von 1835 am gleichen Ort verfügte über einen Saal und diente gesellschaftlichen Anlässen. Fragen der Sicherheit und das Wachsen des Städtchens machten aber ein neues Schützenhaus
notwendig, das Schiessen in Richtung Bürgli wurde unmöglich. Das ehemalige Schützenhaus wurde fortan von Handwerkern genutzt.
An der Westseite des Platzes, am Strengenbach, stand um 1780 das Haus des Arztes Johann Jakob Tschudi, der als Dienstherr von Anna Göldi zweifelhafte Berühmtheit erlangte. Nach dem Tod seines Sohnes, eines Metzgermeisters, wohnte dessen Witwe noch einige Jahre dort, 1848 liess sie das Haus versteigern. Wie alle Häuser am Platz ist es 1861 abgebrannt.
Rechts des Strengenbachs stand offenbar schon 1547 eine Zielscheibe, das Schützenhaus ist auf Aspers Darstellung
nicht zu sehen.
Spätestens 1538 erbaut
Ursprünglich im Besitz der Familie Heer, erhielt das Haus später die Bezeichnung "Zollhaus". Es gibt allerdings keinen Hinweis darauf, dass hier jemals Zölle erhoben worden wären.
Nordwestlich des Zollhaus haben sich eine Reihe von alten Glarner Häusern erhalten, während der Spielhof
niederbrannte. (A. Berlinger, 2000)
Zwischen dem Haus in der Wiese
, dem Iselihaus
und dem Zollhaus (v.l.n.r.) stand bis 1964 noch das Haus Aebli
als Zeuge des alten Glarus. (GN, um 1950, LBGL)
Erbaut 1558-1561, 1861 abgebrannt
Das alte Rathaus von 1561 brannte schon 1853 fast vollständig nieder. (Ausschnitt aus Hoffmanns Aquarell um 1800
)
Zwischen 1465 und 1471 erbaute Rudolf Mad wahrscheinlich das erste Rathaus des Landes in Glarus. 100 Jahre später wurde unter Aufsicht Aegidius Tschudis ein neues Rathaus am Spielhof
erbaut. Nach dem Bau des neuen Regierungsgebäudes
1837 diente das alte Rathaus noch als Gerichtsgebäude, Archiv und Gefängnis, bis es im Brand von Glarus unterging.
Am Landsgemeindesonntag 1853 wurde das alte Rathaus durch ein Feuer beinahe zerstört. Zwei Gefangene verbrannten bei diesem Unglück.
Zwölf Jahre nach dieser Darstellung von 1547
wurde das erste, zum Teil hölzerne Rathaus von 1470 abgebrochen und ersetzt.
Vom alten Rathaus und vom Regierungsgebäude von 1837
haben sich Gipsreliefs erhalten. Wofür sie vorgesehen waren und wann sie hergestellt wurden, ist unbekannt. (Gibsrelief, MdLG)
Erbaut 1560
Das Iselihaus mit Grundmauern von 1560 wurde 1968 umfassend renoviert. (Foto nach 1968, GLH)
Das Steinhaus "in der Kipfe" wurde wahrscheinlich von einem Vogt namens Freuler erbaut. In unmittelbarer Nähe dürfte ein Bildstock des Heiligen Wendelin gestanden haben, der bereits 1419 erwähnt wird. Das Haus erhielt sein heutiges Gesicht 1820 als es aufgestockt und mit einem Mansardgiebel versehen wurde. Anfang der 1960er-Jahre sollte es abgebrochen werden, wurde aber 1968 renoviert.
Das Iselihaus vor seiner Renovierung Ende der 1960er-Jahre. (unbekannt, vor 1968, GLH)
Zwischen dem Haus in der Wiese
, dem Iselihaus und dem Zollhaus
(v.l.n.r.) stand bis 1964 noch das Haus Aebli
als Zeuge des alten Glarus. (GN, um 1950, LBGL)
Erbaut 1558-1561, 1860 abgebrochen
Der Spital diente als Armenunterkunft, Gebär- und Wöchnerinnenhaus, als Pilger- und Handwerkerherberge. Treibende Kraft hinter dem Spitalbau war der damalige Landammann Aegidius Tschudi, als Spitalvögte amteten die Ratsherren aus Glarus.
Diese Spitalvögte scheinen im 19. Jahrhundert nicht besonders engagiert gewesen zu sein. Nachdem ein kranker ehemaliger Soldat aus dem Spital gewiesen wurde und kurz darauf elend starb, strengte der Gemeindepräsident und Arzt Niklaus Tschudi eine Verbesserung des Armenwesens an.1852 wurde ein neues Armenhaus
beschlossen, der alte Spital wurde 1858 verkauft und zwei Jahre später abgebrochen.
Erbaut 1852-1855, 2007 abgebrochen
Das 2007 abgebrochene Bürgerasyl diente ursprünglich als Armenhaus, am Ende als Altersheim. (Foto R. Fuchs, 2007)
Das Armen- und Krankenhaus oder -asyl auf der Höhe ersetzte ab 1855 den alten Spital
aus dem 16. Jahrhundert mit seinen als unhaltbar empfundenen Zuständen. Das Bürgerasyl wurde später zum Altersheim Höhe. 1881 wurde ganz in der Nähe die kantonale Krankenanstalt gebaut, die sich fortan um Kranke kümmerte - das heutige Kantonsspital.
Das Bürgerasyl, zwischen dem 1881 erbauten Spital und dem Sonnenhügel
. (Foto von 1894, GAG)
Links und rechts neben dem Asyl stehen Ökonomiegebäude. Das Bürgerasyl wurde im Wesentlichen durch den eigenen Landwirtschaftsbetrieb finanziert. (Foto von 1940, Postkarte)
Erwähnt 1770
Ein Teil der alten Reichsgasse besteht noch heute. 2007 liess die kantonale Frauenzentrale hier eine Tafel zum Gedenken an Anna Göldi anbringen. (R. Fuchs, 2012)
Die Reichsgasse verweist mit ihrem Namen auf die Zugehörigkeit des Landes Glarus zum Heiligen Römischen Reich. Sie war einer der alten Hauptwege von Glarus nach Netstal. Zum Tod Verurteilte wurden auf diesem Weg zur Richtstätte
im Ygruben und zum Galgen
geführt, so 1782 auch Anna Göldi - die "letzte Hexe". Der Weg wurde deshalb auch Mördergässli genannt. Er ist heute praktisch mit der Asylstrasse identisch.
Erwähnt 1423, 1884 aufgehoben
Der Richtplatz (N) am Fuss des Galgen
hügels (G) vom Bürgli aus. Gut zu erkennen der Weg dorthin und der parallel dazu fliessende Giessen. (Ausschnitt aus Müllers Panorama 1828)
Seit dem Mittelalter fanden im Ygruben Hinrichtungen statt, die letzte 1836 am Raubmörder Rudolf Michel aus Netstal. Die Verurteilten wurden meistens enthauptet, im 16. Jahrhundert zum Teil auch verbrannt oder ertränkt. Neben dem erhöhten runden Platz befand sich ein Richthäuschen, der Galgen
stand auf dem Sonnenhügel, wo auch die Hingerichteten verscharrt wurden. Der Richtplatz wurde vor 1800 ins Buchholz verlegt, kam aber bald wieder wieder ins Ygruben zurück.
Glarus hatte auch einen Pranger, der sich aber auf dem Spielhof
befand.
Erbaut 1842, 1983 abgebrochen
Diese Aufnahme von 1890
zeigt die Firma fünf Jahre vor ihrem jähen Ende.
Nach einer anfänglichen Krise vor 1842 konzentrierte sich die Textildruckerei Heer völlig auf die Herstellung von "Türkenkappen" und wurde bis 1870 zur grössten Fabrik im Glarnerland. Vom Brand von 1861 wurde sie verschont. Umso überraschender kam 1896 der Konkurs: "Fyrabed i dr Heerige" wie man damals sagte.
Bis 1962 wurden die meisten Gebäude noch gewerblich genutzt, unter anderem von der Skifabrik Jacober. 1983 verschwanden die letzten Reste der Fabrik.
Die lange weisse Fassade auf dieser Aufnahme
der Schuler-Heerschen Fabrik erinnert an ein Kloster.
Erbaut vor 1745
Aquarell
der Abläsch um 1830. Hösslis Haus ist das vierte auf der rechten Strassenseite.
Das Haus gehörte dem reichen Schlosser Rudolf Steinmüller, der sich 1782 als Verdächtiger im Göldi-Prozess das Leben nahm; dadurch kam das Haus an die Familie Hössli. 1784 kam hier der Hutmacher und Tuchhändler Heinrich Hössli zur Welt. Er schrieb zwischen 1817 und 1836 das erste philosophische Buch in Europa über Homosexualität: "Eros - die Männerliebe der Griechen". Das Buch wurde natürlich sofort verboten.
Erwähnt 1532, 1861 abgebrannt
Der Ochsen an der Hauptstrasse war noch im 19. Jahrhundert eine Beiz, bis es 1861 niederbrannte. Sein Alter sieht man dem stolzen Bau auf dieser Darstellung von 1850
noch an.
Der Bauherr des Hauses und Wirt Joachim Bäldi gilt als Vater des Wildschutzgebiets Freiberg Kärpf von 1548. Er war Landvogt, Landammann und der reformierte Gegenspieler Aegidius Tschudis, den er aber keineswegs hasste, sondern sehr schätzte. Die beiden waren gar Nachbarn.
Bäldis Ochsen war Treffpunkt, Gerüchteküche und Handelsplatz in einem. 1846 wurde im Ochsen immer noch gewirtet. Der Wirt hiess zu dieser Zeit allerdings Hans Paravicini, die Bäldis waren 1768 ausgestorben.
Die Zeichnung von 1547
zeigt Joachim Bäldis Wirtshaus als Steinhaus, rechts des Brunnens.
Erwähnt um 1560, 1861 verschwunden
Der Spielhof vom alten Rathaus
her gesehen: Links vorne der Pranger, rechts das alte Wacht- und Spritzenhaus
. (J. H. Jenny, um 1840, LAGL)
Die Bezeichnung "Spielhof" deutet auf öffentliche Vergnügungen hin: Auf diesem Dorfplatz wurde musiziert und getanzt. Gleichzeitig fanden hier, in der Nähe des säckingischen Meierhofs und der Kirche
, öffentliche Gerichte statt, so bereits 1289. Nur bei Regen und Schnee wurden diese Veranstaltungen in den Sand verlegt, wo seit 1559 eine gedeckte Tanzlaube bestand. Symbol solcher Dorfplätze war lange Zeit der Lindenbaum. Spätestens 1563 bis 1804 standen auch auf dem Spielhof Linden. 1826 erstellte man auf dem Platz ein Spritzen- und Leiternhaus, 1840 folgte ein repräsentatives Wachthaus
. 1842 entwarf der Strasseninspektor Fridolin Schindler Pläne für einen Park mit Springbrunnen auf dem Spielhof, die aber nie umgesetzt wurden. Auch Viehmärkte fanden hier statt.
Auf dem Spielhof stand auch der Pranger - eine Steinsäule mit Halseisen. Dort wurden die Delinquenten mitunter ausgepeitscht, zum letzten Mal der Tessiner Pietro Masa 1860. Beim Brand von 1861 wurde die "Schandsäule" zerstört. Die Richtstätte
befand sich im Ygruben.
Die Bedeutung des Spielhofs zeigt sich auch darin, dass viele bedeutende Persönlichkeiten und Familien dort gewohnt haben. Davon zeugen die Tschudi-Häuser, das Wirtshaus Zum Löwen oder die Verwaltungskammer
.
Einst standen Linden als typische Gerichtsbäume auf dem Spielhof, um 1550
das Zentrum das Zentrum von Dorf und Kanton.
Das Rathaus
aus dem 16. Jahrhundert bildet die Westseite des Spielhofs. (G. Hofmann, um 1800, Slg. Leuzinger)
Diese Rekonstruktion zeigt den wenig belebten Spielhof mit einer Frau am Pranger. (F. Böckle, 20. Jh., Privatbesitz)
Die Rekonstruktion zeigt die Südseite des Spielhofs: Das Wachthaus, die zwei sogenannten Tschudi-Häuser und das alte Rathaus mit geflammten Fensterläden (v.l.n.r.). (F. Böckle, 20. Jh., Privatbesitz)
Erbaut um 1525, 1861 abgebrannt
Der Osteingang der Verwaltungskammer, mit dem "Gwölb" und dem Treppenturm. (S. W. Schindler, 1840, MdLG)
Landammann Hans Aebli, der 1529 im Ersten Kappelerkrieg vermittelte, gilt als Bauherr dieses Gebäudes. Später wohnte hier der Landammann und Chronist Aegidius Tschudi. 1626 erhielt das Haus seinen charkteristischen Treppenturm und damit seine schlussendliche Form. Die Hauptstrasse, die am Haus vorbeiführte, war hier sehr schmal, weshalb man diese Stelle "Meerenge"
nannte. Durch einen "Gwölb" genannten Durchgang gelangte man von der Hauptstrasse über den Strengenbach auf den damaligen Schützenplatz
.
Ihren Namen erhielt die Verwaltungskammer weil sie während der Helvetik von 1798 bis 1803 Hauptsitz der Behörden des Kantons Linth war.
Während des Brandes waren elf Personen im Gewölbe der Verwaltungskammer eingeschlossen, andere retteten sich offenbar durch einen Sprung in den nahen Brunnen vor dem Feuer.
Das Haus Aegidius Tschudis stand auf der rechten Seite der Meerenge
, hatte 1547
noch kein Türmchen und hiess noch nicht "Verwaltungskammer"
Erbaut 1859
Das neue Schützen- und Gesellschaftshaus im Bolen, im Vordergrund der Schiessstand. (C. Peter, 1859, LAGL)
Der Bau eines neuen Schützenhauses wurde 1859 als "zeitgemässer Fortschritt" begrüsst, denn das alte Schützenhaus genügte kaum noch den waffentechnischen und gesellschaftlichen Anforderungen der Zeit. Bis zur Eröffnung der Aula der Kantonsschule 1976 blieb das Schützenhaus das kulturelle Zentrum der Stadt. Sein Architekt war Felix Wilhelm Kubly, der auch das Zeughaus
gebaut hatte.
Am Abend des 10. Mai 1861 wurde hier gerade Schillers "Don Carlos" aufgeführt. Als die Theaterbesucher das Theater verliessen, hatte das Feuer vom Zaunplatz bereits auf weitere Gebäude übergegriffen, der Himmel war hell erleuchtet.
Erbaut um 1459
Das älteste bekannte Haus von Glarus (Eichenstrasse 18/20) das den Brand von 1861 überlebt hat, wurde wohl um 1459 erbaut, es ist ein sogenannter Ständer-Bohlenbau. Im 15. Jahrhundert scheint der Eichen das Quartier der Oberschicht gewesen zu sein; so nannte man ein Doppelwohnhaus dort noch lange Zeit "Rathaus" (Eichenstrasse 12). Im 19. Jahrhundert wohnten im Eichen dagegen eher ärmere Leute.
Im Eichen stand offenbar schon im 16. Jahrhundert ein Brunnen: 1584 wurde ein Fridolin Störi vom Rat gebüsst, weil er auf den Fridolin auf der Brunnenfahne geschossen hatte.
Das älteste bekannte Gebäude von Glarus im Eichen wurde 2000 umfassend renoviert. (R. Fuchs, 2012, altGlarus)
Erbaut 1837-1839
Gemeindehaus (Foto www.glarus24.ch)
Als erste Gemeinde im Kanton leistete sich Glarus 1837 ein eigens für diesen Zweck gebautes Gemeindehaus. Wie das Regierungsgebäude und die Villen Haglen
und Herrenweg
stammt auch dieses Gebäude von Carl Ferdinand von Ehrenberg. Das Gebäude überstand den Brand und diente deshalb als Sitz der zeitweise obdachlosen Kantonsbehörden.
Die Nordseite des Gemeindehauses auf einer Foto von 1861
.
Die Foto von 1861
zeigt geschäftiges Treiben vor dem Gemeindehaus, einem der wenigen vom Brand verschonten Gebäude.
Erbaut 1859, 1902 abgebrochen
Wie diese Foto
zeigt, bestand der Bahnhof 1861 im Wesentlichen aus einem Schuppen und einer offenen Halle. Das Bahnhofsgebäude steht dahinter und ist nur unwesentlich höher.
Schon 1859 wurde Glarus an das Schienennetz der privaten Vereinigten Schweizerbahnen angeschlossen, was der Hauptort zweifellos seinen vielen Industriebetrieben zu verdanken hatte. Mit der Zugverbindung verstärkte sich die städtische Entwicklung nochmals, wie auch der Bau des Hotel Glarnerhof oder des Schützenhauses
zeigt. Glarus war um 1860 zu einer Stadt geworden.
Der Bahnhof selbst war im Wesentlichen der alte Bahnhof Rapperswil, den man nach Glarus transportiert hatte. 1879 folgte die Weiterführung der Bahnlinie nach Linthal, der heutige Bahnhof Glarus entstand 1903.
Der Ausschnitt von 1861
zeigt das Lokomotiv-Depot und der Gütterschuppen des Glarner Bahnhofs. Im Hintergrund: Ennendaner Fabrikgebäude der Firma Jenny.
Erbaut 1833-1835
Herrenweg (Foto R.Fuchs)
Die Villa Herrenweg wurde von Carl Ferdinand von Ehrenberg für den Druckereifabrikanten Egidius Trümpy erbaut. Trümpy war Eigentümer einer Fabrik im Oberdorf
, der grössten Glarner Baumwolldruckerei der 1830er-Jahre.
Erbaut 1835
In den 1830er-Jahren entstanden in Glarus viele Fabrikanten-Villen im Stil der Villa Haglen. (R. Fuchs, 2012)
Carl Ferdinand von Ehrenberg baute nach Fertigstellung der Villa Herrenweg
gleich vis à vis eine zweite Villa für den Sohn des Fabrikanten Egidius Trümpy.
Erbaut 1796, 1913 abgebrochen
Das grosse Trümpysche Druckgebäude am Fuss des Bergli nannte man im Volksmund "Schloss". (H. Leuzinger, 1948, MdLG)
Egidius Trümpy-Schuler gründete 1796 eine Baumwolldruckerei am Oberdorfbach, die sich bald zur grössten im Kanton entwickelte: 1829 zählte sie 14 Dachfirste! 1836 entstand ein riesiges Druckstubengebäude am Fuss des Bergli, das im Volksmund "Schloss" genannt wurde. Trotzdem wurde 1909 der Betrieb eingestellt, 1913 brach man die Gebäude ab.
Emil Zopfis historischer Roman "Die Fabrikglocke" von 1991 erzählt von einem Streik in der Druckerei Trümpy von 1837, dem ersten in der Schweiz. Die Arbeiter wehrten sich damals erfolglos gegen die Einführung einer Glocke, die Beginn und Ende der Arbeitszeit anzeigen sollte.
Das unversehrte Schloss der Firma Trümpy überragt in diesem Ausschnitt
das niedergebrannte Glarus, rechts darunter der Tschudirain
.
Bestand spätestens seit dem 16. Jahrhundert, 1861 verschwunden
Die Meerenge erscheint auf dieser Darstellung von 1547
nicht so eng, wie sie in Wirklichkeit war.
Dort wo die Hauptstrasse an den alten Friedhof stiess, war die Strasse kaum breit genug für ein Fuhrwerk. Die Leute nannten diesen Strassenabschnitt "Meerenge". An deren Nordende befand sich das Wirtshaus Zum schwarzen Adler, unmittelbar neben dem alten Friedhof.
Sicht von der Meerenge auf die Pfarrkirche
mit der sogenannten Zwinglikapelle. (E. Labhardt, nach J. B. Isenring, 1824 bzw. um 1840, LAGL)
Erbaut 1840, 1861 abgebrannt
Das klassizistische Wachthaus von 1840 ersetzte einen hölzernen Vorgängerbau. (Ausschnitt aus Müllers Zeichnung um 1850
)
Das 1840 gebaute Wachthaus auf dem Spielhof
befand sich auf einem erhöhten, abgegrenzten Platz, auf den man über drei oder vier Stufen gelangte. Das repräsentative tempelartige Gebäude diente als eine Art Polizeiposten und Spritzenhäuschen.
Johann Heinrich Jenny, "der Malerratsherr" malte um 1830
noch das alte, hölzerne Wacht- und Spritzenhaus, das 1840 ersetzt wurde.
Vielleicht 16. Jahrhundert, 1835 abgebrochen
Der Galgen auf dem späteren Sonnenhügel bestand aus zwei steinernen Säulen, wie ein Aquarell von 1817
zeigt.
Früher stand hier der Glarner Galgen, weshalb man den Sonnenhügel Galgenhügel nannte. Der Galgen bestand aus zwei gemauerten Säulen und war, wie damals üblich, gut sichtbar auf einem Hügel platziert worden. Als sichtbares Symbol für die damalige Rechtsprechung diente er vor allem der Abschreckung; das Erhängen war in Glarus nicht üblich. Hinrichtungen fanden meist auf der Richtstätte
im Ygruben durch das Schwert statt, wobei die Hingerichteten unter dem Galgen verscharrt wurden.
Nach 1800 wurde der Galgen zunehmend als unzeitgemäss und peinlich empfunden. Als der Rat 1835 beschloss ihn abzubrechen, musste er aber feststellen, dass ihm die Dorfjugend bereits zuvorgekommen war. Für einmal hatte sich der Vandalismus der Gassenbuben "am rechten Gegenstand und zur rechten Zeit geübt". Später stand an dieser Stelle ein Wirtshaus, das 1926 einer Villa weichen musste. Bei den Grabarbeiten fand man offenbar mehrere menschliche Schädel.
Ein Aquarell
von etwa 1830 zeigt einen noch unbebauten Sonnenhügel, dafür ist der Galgen noch gut zu erkennen.
Der Holzschnitt
von 1547 zeigt einen Galgen mit Querbalken. Schon damals war der Galgen wohl mehr Symbol als Gebrauchsgegenstand.
Erbaut 1827, 2005 abgebrochen
Das Aquarell
zeigt das Gesellschaftshaus und die Brauerei kurz nach ihrer Erbauung 1827.
Johannes Hefti-Zwingli aus Hätzingen kaufte von Bartholome Paravicini ein Gut auf Erlen, wo er 1827 ein Gesellschaftshaus und eine Brauerei bauen liess. 1830 gab es in Glarus bereits zwei Brauereien, Erlen und Freihof.
Heftis Unternehmen bestand neben der Brauerei aus dem Gesellschaftshaus, einem Textilladen, einer Kegelbahn und einem Bauernbetrieb. Der Erlen-Saal war vor dem Bau des neuen Schützenhauses
das gesellschaftliche Zentrum von Glarus und diente als Konzert-, Tanz-, Turn- oder Fechtsaal. 1830 gab die Musikgesellschaft Glarus hier ihr erstes öffentliches Konzert
1982 stellte die Brauerei die Produktion ein. Ausser einem Bürogebäude wurden alle Bauten abgebrochen.
Erbaut 1797
Wie dieses Aquarell
zeigt, war der Zaunplatz vor 1835 vor allem eine Wiese mit Saaten.
Mit dem Bau der Häuser mit Schweifgiebeln auf der Nord und Westseite des Platzes erhielt der Zaunplatz 1797 sein charakteristisches Aussehen. Seit 1835 teilt das Zaunschulhaus
den Platz in zwei Teile, man sprach auch vom Inneren Zaun (Zaunplatz) und vom Äusseren Zaun (südlich des Schulhauses), wo sich um Saaten und Pflanzplätze befanden. Die äussere Schwertgasse entstand zwischen 1828 und 1837.
Der Zaunplatz war auch Landsgemeindeplatz: Die Landsgemeinde fand bis ins 17. Jahrhundert meist in Schwanden oder Glarus statt, wo in Glarus wissen wir meist nicht, 1531 sicher im Sand. Bis 1837 war der Zaunplatz der Ort der gemeinsamen Landsgemeinde, nach der Abschaffung der konfessionellen Versammlungen wurde er zum einzigen Versammlungsort der Glarner.
Neben der Landsgemeinde fanden auf dem Zaunplatz immer auch öffentliche Feste statt, wie zum Beispiel die Einweihung des Zaunschulhauses 1835 oder die 500-Jahr-Feier zur Erinnerung an den Beitritt des Kantons zum Bund 1852. Legendär war auch das Pannerfest von 1827, als zum letzten Mal die alten Landesbanner dem Volk präsentiert wurden, darunter auch das Schlachtbanner von Näfels.
Erbaut 1834-1835
Das Zaunschulhaus vor der umfassenden Renovation 2011. (Foto A. Berlinger, 2011)
Das Zaunschulhaus wurde 1835 als evangelisches Schulhaus eingeweiht. Die Einweihung galt als eines der gelungensten Volksfeste, die Glarus erlebt hatte. Finanziert wurde der ganze Bau mit Spenden. Das alte Schulhaus von Katholisch Glarus lag dagegen südwestlich des Bürgli, es wurde 1860 durch das Burgschulhaus ersetzt.
1876 wurde das Schulwesen von den Kirchgemeinden getrennt und wurde Sache der Ortsgemeinde.
Erbaut 1830, 1839 erweitert
Der Bildausschnitt
zeigt das zweigeschossige Geschäftshaus vor seiner Aufstockung 1839.
Westlich seiner Textildruckerei
liess sich der Fabrikant Heinrich Brunner 1830 ein Geschäftshaus errichten. Sein Sohn Jost liess das Gebäude von Carl Ferdinand von Ehrenberg später zu einer Villa aufstocken.
Erbaut um 1812
Die Firma Hch. Brunner um 1835. Die Produktionsgebäude dienten gleichzeitig als Hängetürme. (anonym, um 1835, MdLG)
Der Gründer der ersten Textildruckerei, Peter Brunner, war in den ersten zwei Jahrzehnten ihres Bestehens nicht sonderlich erfolgreich. Erst sein Bruder Heinrich machte ab 1834 zusammen mit dem Koloristen Michael Gerig gute Geschäfte mit "Türkenkappen" (auch Fez oder Tarbusch). Wegen fehlender Wasserrechte schafte sich die Firma 1851 eine Dampfmaschine an, 1857 übernahm sie die Druckfabrik Fridolin Staub & Comp.
1904 stellte die Firma Brunner die Produktion ein, ihre Gebäude wurden aber weiterhin genutzt.
Weil Heinrich Brunner bis 1825 als Landschreiber tätig war, nannte man die Firma auch "ds Landschriibers". Das Wohnhaus
der Familie Brunner stand westlich der Fabrik.
Erbaut 1795
Wie alle grösseren Fabriken überlebten auch die Gebäude der Stauben-Fabrik den Brand. (R. Fuchs, 2011)
Die ehemalige Indiennedruckerei Fridolin Staub & Comp. war 1857 von der Firma Hch. Brunner
übernommen worden, ihre Gebäulichkeiten nannte man weiterhin "Stauben-Fabrik". Der Kornhändler und Müller Fridolin Staub und sein Sohn Heinrich hatten 1795 die erste Textildruckerei in der Abläsch gegründet, die sie bis 1857 betrieben.
Erbaut 1861
Die Fensterläden des Brunnerhauses sind nur selten geöffnet, da das Haus dem Kanton zu Repräsentationszwecken dient und die Einrichtung geschont werden soll. (A. Berlinger, 2000)
Das stattliche Haus wurde 1811 von Landessäckelmeister Cosmus Zweifel erbaut und 1826 von der Fabrikantenfamilie Tschudi aus Niederurnen gekauft, die es bis 1895 bewohnte. 1904 ging es an Heinrich Brunner, den Sohn des Stadtglarner Fabrikanten Jost Brunner
.
Helene Wegmann, die Witwe des Anwalts Kurt Brunner, vermachte das Haus im Sand 1967 dem Kanton Glarus. Das Baudenkmal von nationaler Bedeutung dient seither der Kantonsregierung zu Repräsentationszwecken. Das "Dr.-Kurt-Brunner-Haus" enthält unter anderem eine einzigartige Sammlung von Familien- und Standessscheiben.
Das Brunnerhaus stand in unmittelbrarer Nähe des Brandherdes auf dem Zaunplatz. Trotzdem blieb es verschont. (A. Berlinger, 2000)
Der Ausschnitt zeigt das unversehrte Brunnerhaus inmitten der Brandruinen, dahinter das ebanfalls verschonte Herrenhaus in der Waisenhausstrasse.
Erbaut 1833, 1861 abgebrannt
Das Casino stand am Adlerplatz
, vis à vis des ehemaligen Hotel Schwert (links), an der Hauptstrasse Richtung Spielhof. (G. Feldmann, 1850, LAGL)
Die Casino-Gesellschaft wurde 1831 "zur Beförderung des gesellschaftlichen Lebens" gegründet. Wohlhabende, liberale Herren trafen sich regelmässig zum Lesen und debattieren im Gasthaus auf Erlen
. Die Casino-Gesellschaft hatte dafür mehrere Zeitungen und Zeitschriften abonniert und war 1833 sogar in der Lage, sich ein Gebäude mit eigenem Vereinslokal zu bauen, am Adlerplatz
unmittelbar nördlich des Zwickyhauses
.
Nach der Zerstörung des Casinos durch den Brand, verlegte die Gesellschaft ihr Aktivitäten in die Hotels Eidgenossen und Glarnerhof
. Bis zum Aufkommen der politischen Parteien nach 1918 behielt sie grossen Einfluss auf die öffentliche Meinung, entwickelte sich im 20. Jahrhundert aber eher zu einem geselligen Verein.
Erbaut 1857
Durch das "Seichergässli" rechts des Hirschen gelangt man heute noch von der Zaunstrasse in die Bahnhofstrasse, links die Bäckerei. (Foto von 1890, LAGL)
Fridolin Oertli eröffnete den Hirschen samt Käse- und Kolonialwarenhandlung 1857. Oertli verkaufte auch Enzianwasser: sechs Franken pro Liter. Das Haus überstand den Brand und blieb bis anfangs 20. Jahrhundert im Besitz der Familie. 1913 wurde das Wirtshaus geschlossen, die Käsehandlung wurde noch lange Zeit weitergeführt.
Im kleinen Haus südlich des Hirschens, auf der anderen Seite des Hirschegässlis, befand sich bis in die 1870er-Jahre eine Bäckerei. Auch dieses Haus überstand den Brand, Bäckermeister Johann Tschudi ertrank aber 1865 im Klöntalersee.
Das Haus der ehemaligen Bäckerei und der Hirschen liegen etwas schräg im Carré: Sie sind älter als dieses. (A. Berlinger, 2000, altGlarus)
Das Hirschengässli zwischen der ehemaligen Bäckerei und dem Hirschen mündete früher in die Hauptstrasse. (A. Berlinger, 2000, altGlarus)
Die schmale Nordseite des Hirschen auf einer Foto von 1861
.
Dieser Ausschnitt
zeigt den Hirschen nach dem Brand. Der Gasthof stand 1861 frei, was ihn unter anderem gerettet haben dürfte.
Erbaut vor 1800, 1897 abgebrochen
Die Ställe in der Löwengasse überstanden den Brand. (Foto von 1897, Slg. M. Jenny)
Westlich der Löwengasse - auf der Allmend - standen schon Mitte des 19. Jahrhunderts mehrere Ställe, die sich im Besitz vermögender Familien befanden. 1858 übernahm der Tagwen einen Teil derselben. Die Ställe blieben vom Brand verschont, verkamen in der Folgezeit aber mehr und mehr zu "öffentlichen Aborten". 1897 wurden alle Ställe abgerissen: Im südlichen Teil entstand ein privates Ökonomiegebäude, an der Zaunstrasse das Verwaltungsgebäude der Gemeinde.
Blick von 1897 durch die Löwengasse Richtung Zaunstrasse. (Foto von 1897, Slg. A. Berlinger)
Die Löwengass-Ställe wurden 1897 abgebrochen, die Gemeinde baute ebendort ein neues Verwaltungsgebäude. (Foto von 1897, Slg. A. Berlinger)
Die Hintereingänge und Remisen auf der Ostseite der Löwengasse wurden in den Jahrzehnten nach dem Brand immer wieder verändert. Trotzdem ist die Häuserzeile ein Relikt von alt Glarus. (A. Berlinger, 2000, altGlarus)
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