Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03396.jsonl.gz/743

Titel: 夜上海 (The Longest Night in Shanghai)
Sprache: Mandarin (Hochchinesisch), teilweise Japanisch
Untertitel: Chinesisch
Regie: Zhang Yibai
Darsteller: Vicky Zhao (Zhao Wei), Motoki Masahiro, Dylan Kuo, Sam Lee, Nishida Naomi …
Kurzinhalt:
Chinese director Zhang Yibai's latest romance, ""The Longest Night in Shanghai"", premiered at the Beijing Student Film Festival.
Japanese heart-throb Masahiro Motoki stars as a stylist plagued by doubts about his emotional life and his future. His world changes when he meets an equally troubled taxi driver, played by Chinese actress Zhao Wei, one dazzlingly beautiful night in Shanghai.
The characters in the film bypass their language barrier and forge a tender kind of love as they search for their own identities. As well as dealing with the complications of modern love, the film makes full use of the hilarity generated by the language barriers between the main two characters.
Unlike traditional romances, ""The Longest Night in Shanghai"" depicts the relationship that develops between two strangers from a third person perspective.
Ausführliche Rezension:
Eine Rezension von Fortunat Reiser
Diese chinesisch-japanische Koproduktion stammt aus dem Jahre 2007 und wurde unter der Regie des Chinesen 张一白, welcher sich auf Grossstadtgeschichten konzentriert, gedreht. Es handelt sich hierbei um eine der ganz wenigen wahrhaftig interkulturellen Produktionen mit sino-japanischer Beteiligung und entsprechend steht der folgende Satz auf dem DVD-Cover: “Love as a second language” (我爱你 你爱我吗?), ein Sinnspruch, der sich im Laufe des Films bestätigen sollte. Die Besetzung der einzelnen Rollen ist sehr vielfältig und weckte zumindest bei mir viele Erinnerungen: In den Hauptrollen spielen die Chinesin 赵薇, immerhin eine der 四小花旦 und der Japaner 本木雅弘, der im ewigen, bitterdüsteren japanischen Noir-Klassiker 五人 auf sich aufmerksam machte; in den Nebenrollen sind der Taiwanese 郭品超, der Hongkonger 李灿森 sowie die Japanerin 西田尚美 (der japanophile Filmfan mag sich an sie als Plaudertasche in der feuchtfröhlichen Tragikomödie Monday erinnern) zu sehen. Komplettiert wird dieser ansehnliche Kreis durch den japanischen Veteranen und Haudegen 竹中直人 (五人 und Letsu dansu).
Damit ist also der Rahmen für eine hochklassige, lustige und angenehm-romantische Komödie vorgegeben und ich darf jetzt schon sagen, dass der Film die hoch gesteckten Erwartungen auch nicht enttäuscht hat. Zunächst einmal ist es mir immer eine Freude, eine sino-japanische Produktion zu sehen, da solche eher selten zustande kommen und sich dann in der Regel durch hohe Qualität hervortun. Der Einstieg erfolgt aus der Perspektive der eigentlichen Hauptperson der Geschichte, des japanischen Haarstylisten, der in 上海 eine Arbeit angenommen hat also. Er zeigt einen sehr erfolgreichen und dementsprechend auch sehr umworbenen sowie verhätschelten Berufsmann, den langsam Zweifel ob der Richtigkeit seiner Aktivitäten sowie seiner Beziehung zu seiner Freundin und Managerin bedrängen; enstprechend nachdenklich und gedämpft ist seine Stimmung, als er in der fremden Metropole ankommt und auch sofort umgarnt wird. Die Filmmusik wirkt in einem ersten Durchgang etwas nervig und wischiwaschi, wenn sie auch zugegebenermassen recht stimmungsvoll ist und im Laufe des Films in der Tonart auf unterschiedliche Gefühlszustände abgestimmt wird. Insgesamt wird die Musik aber sehr gut an die Stimmung und Atmosphäre des Geschehens angepasst. Das Grossstadtleben wird auch gut inszeniert: Man zeigt uns ein riesiges Lichtermeer, belebte und grosse Strassen sowie Überführungen oder auch das fröhliche Spiel von Strassenmusikanten. All diese vielen verschiedenen Eindrücke von der Stadt verleiten wahrlich zum Träumen. Dazu kommt es natürlich auch ganz zwangsläufig zu äusserst köstlichen Verständigungsproblemen, die in der Kommunikation zwischen den beiden Hauptfiguren zu systematischen und sehr interessanten Missverständnissen führen. Überhaupt geben die beiden ein traumhaftes Filmpaar ab: Besonders die herzig-tolpatschige 赵薇 , die ich bis anhin nur aus zwei kantonesischen Blödelkomödien kannte, ist hier ganz in ihrem Element, wie ein Fisch im Wasser sozusagen. Auch der adrette Softie 本木雅弘 erweist sich ganz und gar als Idealbesetzung, wenn er mir auch eine Spur zu verspielt agiert. Des weitern wartet der Film noch mit vielen besonders lustigen Szenen auf, wie z. B. ein Streitgespräch in der Hotelllobby oder die unbeholfenen Versuche des Bruders, sich mit dem Japaner in dessen Muttersprache zu unterhalten. Auch der für seinen ausgeflippten Stil bekannte Japaner 竹中直人darf sich ein paar affige Mätzchen leisten. Zwischendurch wird der Zuschauer immer wieder auf die herzerweichende Gutherzigkeit und allen Widrigkeiten des Lebens trotzende Lebensfreude der einfachen chinesischen Leute, den 老百姓 also, hingewiesen. Insgesamt haben wir es hier mit einer sehr schönen, behutsam und gefühlvoll konstruierten Liebesgeschichte zu tun. Die Mischung aus Übermut, Humor und grossen Gefühlen scheint mir sehr gelungen zu sein. Obwohl das Ganze immer wieder ins Kitschige / Gefühlsduselige abdriftet, fühlte ich mich beim Visionieren nie schlecht bedient, da alles ziemlich phantasievoll inszeniert wurde.
Note: 5,75
Best. Nr.: 47.0154