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Vor meiner Rückreise nach London, wo ich vor lauter laufenden Geschäften nicht dazu kommen würde, Ihnen einen Bericht allgemeinerer Natur zu machen, möchte ich Ihnen sagen, dass ich von meiner Durchreise durch Deutschland einen für dieses Reich durchaus günstigen Eindruck erhielt. Die Züge laufen mit der gleichen Ordnung und Pünktlichkeit wie in Friedenszeiten, und nur vereinzelte Aufschriften auf Eisenbahnwagen «Für Verwundete» haben mich daran erinnert, dass wir leider nicht in Friedenszeiten leben. Dabei bemerkt man überall, sowohl im Eisenbahndienst als auf der Strasse eine ganze Menge Männer in militärpflichtigem Alter, die tauglich erschienen und doch ihren Privatbeschäftigungen nachgehen. Daraus geht offenbar hervor, dass das Deutsche Reich noch über erhebliche Reserven an Mannschaft verfügt. In Frankfurt hatte ich zu übernachten und konnte feststellen, dass die Stadt normal beleuchtet ist, wie Paris, während London sich in Dunkelheit hüllt.
Auf der Reise las ich deutsche Zeitungen, die mir seit dem Beginn des Krieges nicht mehr zu Gesicht gekommen waren. Ich muss bekennen, dass ich deren Ton, dem Feinde gegenüber, würdiger und gemässigter finde als den, den die englischen Zeitungen in letzter Zeit angeschlagen haben. Auch konnte ich die Wahrnehmung machen, dass die Kontrolle der Reisenden in weniger peinlicher und vexatorischer Weise vorgenommen wird als in England.
Soviel, in aller Eile, über meine Reiseeindrücke.
Sie hatten mich beauftragt, hier über folgende Punkte Erkundigungen einzuziehen:
1) Über die Einrichtung und die Wirkung des Trusts für Einfuhr von Kontreband-Güter: hierüber geht unter Einem ein ausführlicher Bericht2 an Sie ab, auf den ich zu verweisen mich beehre.
2) Über die Stellungnahme der niederländischen Regierung betreffend ihre Konsuln in den von den Deutschen besetzten Teilen Belgiens. Die hiesige Regierung antwortete, ohne um eine Bestätigung oder Anerkennung zu ersuchen, sie hoffe, es werde ihren Konsuln gestattet sein, weiter ihres Amtes zu walten; sie hoffe, ihre Konsuln würden sich dabei grösster Neutralität befleissen, sollte dem aber nicht der Fall sein, so ersuche sie die deutsche Regierung um Formulierung allfälliger Klagen, die dann mit grosser Bereitwilligkeit würden untersucht werden. Auf diese Antwort ist eine Rückäusserung aus Berlin noch nicht im Haag eingetroffen.
3) Über die Bereitwilligkeit, die man hier hätte, eventuell mit anderen Neutralen Fühlung zu nehmen, zur Geltendmachung identischer Interessen, jetzt schon, eventuell anlässlich des Friedensschlusses. Ich sondierte den Minister des Äussern mit der grössten Vorsicht, um so mehr als ich weiss, wie sehr man hier fürchtet, sich zu kompromittieren und wie sehr man daran hält, frei und ungebunden zu bleiben. Herr Loudon sagte, er würdige die Gemeinsamkeit der Interessen sehr und habe bisher schon den niederländischen Gesandten in Bern beauftragt, Sie auf dem laufenden der Massnahmen zu halten, die hier zur möglichsten Abwendung der Kriegsschäden getroffen werden. Auf Weiteres wollte er sich nicht einlassen und drückte sich namentlich sehr unbestimmt über die Frage aus, ob seines Erachtens Aussichten vorhanden seien, dass bei Friedensschluss für die neutralen Staaten eine Gelegenheit entstehen werde, ihre Interessen geltend zu machen. Er bestätigte nur, was ich Ihnen, Herrn Bundesrat, in Bern zu bemerken die Ehre hatte, nämlich, dass die Engländer unverhohlen den Standpunkt einnehmen, dass wer am Krieg nicht teilgenommen habe, auch kein Recht habe, später Gehör zu fordern.
Für die Zurückhaltung der hiesigen Regierung ist bezeichnend, dass die Niederlande es ablehnten, sich dem Proteste anzuschliessen, den die drei skandinavischen Staaten an die kriegführenden Staaten richteten betreffend die ganz ungehörigen Zumutungen, die, im Widerspruch zu den bisher geltenden und zum Teil kodifizierten Regeln des Völkerrechts, an die Neutralen gestellt werden. Insbesondere spricht sich diese Protestnote, von der ich vertraulich bei einem Kollegen Einsicht nehmen konnte, gegen die willkürliche Ausdehnung des Begriffs der Kriegskontrebande und die Verkehrung der Beweislast bei Ladungen für neutrale Häfen aus. Kurz, die skandinavischen Staaten nehmen ganz den Standpunkt ein, den Sie letzthin einem Journalisten auseinandersetzten, und es ist zu bedauern, dass diese Staaten nicht auch die Schweiz eingeladen haben, sich ihrem Proteste anzuschliessen. Entgegen des hiesigen Entscheides hätte ich für uns einen Anschluss befürwortet. Freilich lieben es die skandinavischen Reiche, zufrieden mit ihrer Dreiheit, ihre eigenen Wege zu gehen.
Noch will ich beifügen, dass, obschon mein Aufenthalt hier nur vier Tage dauerte, sowohl die Königin als die Königin-Mutter mich in besonderer Audienz empfingen, die Königin vorgestern, die Königin-Mutter gestern. Beide sprachen lange über den Krieg, selbstverständlich unter Wahrung, in ihren Äusserungen, der striktesten Neutralität. Die Königin war über den glänzenden Erfolg des grossen holländischen Anleihens sehr erfreut und betonte, wie wohl es ihr tue, dass ihr Volk den geflüchteten Belgiern, wovon zeitweise bis zu einer Million im Lande gewesen seien, habe helfen können.
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