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Nachhaltigkeitsindikatoren und zusammengesetzte Indizes werden zunehmend als nützliches Instrument für die politische Entscheidungsfindung und die öffentliche Kommunikation anerkannt, um Informationen über Investitionsentscheidungen oder die Leistung von Organisationen in Bereichen wie Umwelt, Wirtschaft, Gesellschaft oder technologischer Verbesserungen zu vermitteln. Nachhaltigkeitsindikatoren vereinfachen, quantifizieren, analysieren und kommunizieren komplexe und komplizierte Informationen (Singh, 2008). Trotz dieser konzertierten Bemühungen ist sich die Wissenschaft jedoch noch lange nicht einig, wie Nachhaltigkeit definiert, geplant und bewertet werden soll (Slaper & Hall, 2011).
Ziel unseres Triple Bottom Line-Assessmentprozesses ist es, ein zukunftsorientiertes Nachhaltigkeitsbewertungsinstrument zu liefern und das Verständnis dieser Nachhaltigkeitsbewertung auf eine breitere Interpretation von Nachhaltigkeit zu erweitern. Der Rahmen umfasst drei Hauptkategorien: die ökologische, soziale und finanzielle Nachhaltigkeit von bereits vorgeschlagenen Projekten wird bewertet und Erkenntnisse aus verschiedenen akademischen Disziplinen, wie zum Beispiel Nachhaltigkeitswissenschaft (Clark, 2007) und Nachhaltigkeitsökonomie (Baumgartner & Quaas, 2010) sowie kognitive Entscheidungsfindung und Umweltpsychologie (Ernst, 2014) mit einbezogen.
An konkreten Instrumenten zur Nachhaltigkeitsbewertung mangelt es nach jahrelangen Diskussionen nicht. Diese sind allerdings entweder ausschliesslich bereichsspezifisch oder extrem datenaufwendig.. Was jedoch wirklich fehlt, sind Richtlinien und Kriterien für die Auswahl innovatiever vielversprechender Zukunftsprojekte jenseits aufwendiger Nachhaltigkeitsberichte. Blosse Einschluss- bzw. Ausschlussentscheidungen (‘machen wir das Projekt oder nicht’) anstelle einer exakten Rangordnung werden als methodisch einfacher betrachtet.
Unsere Erfahrung deutet auf fünf wünschenswerte Eigenschaften hin, die von Wissenschaftlern und Praktikern, die sich mit Nachhaltigkeitsbewertungen befassen, weitgehend geteilt werden:
- Erfassung ökologischer, sozialer und ökonomischer Aspekte sowie deren Zusammenhänge (integrierte oder Triple Bottom Line-Bewertung);
- die Auswirkungen von Projekten weit in die Zukunft hinein (vorausschauende Bewertung);
- die Gerechtigkeit zwischen und innerhalb der Generationen (wir nennen dies’enkeltauglich’)
- das Vorhandensein von Unsicherheiten und die Notwendigkeit, auf einer vorsorglichen Basis zu handeln (Vorsorgeabschätzung)
- die Bedürfnisse, Werte und Erwartungen der betroffenen Stakeholder berücksichtigen (partizipative Bewertung).
Wir haben uns für einen Ansatz entschieden welcher diese Aspekte kombiniert, einen überschaubaren Fragenkatalog, der neben unseren drei Hauptkategorien und Einschluss- Ausschluss-Operationalisierungen mit Hilfe einer Ratingskala auch die Möglichkeit für Anmerkungen und Kommentare durch die Bewerter bietet. Leitfrage für den Prozess: «Ist die Gemeinde, Stadt oder Region mit dem Projekt ‘besser dran’?» (im Vergleich zu «das Projekt findet nicht statt»). Das Tool beinhaltet unter anderem Themen:
Umwelt
- Elektrizitäts- und Wasserverbrauch
- (Fossiler) Brennstoffverbrauch z.B. intensiver Flugverkehr
- Abfallwirtschaft
- Veränderung der Landnutzung/Bodenbedeckung
- Aufwertung lokaler Ressourcen
Soziales
- Nutzung von lokalem Fachwissen
- Einkommensgenerierung, Beteiligung von benachteiligten Personen am Erwerbsleben
- Bildungskomponente
- Einbeziehung der Gemeinde in die Entscheidungsfindung
Finanzielles
- Potenzielle Anzahl der geschaffenen Arbeitsplätze
- Potenzielle Gesamteinnahmen
- Positive Auswirkungen auf die Lebensqualität der Region
- Wissensbasierte Wettbewerbsfähigkeit / Unternehmenscluster
Obwohl das Werkzeuge hinreichend komplex und spezifisch für ihre verschiedenen Kategorien funktioniert und ‘Greenwashing’ verhindert, bietet es doch eine schnelle und unkomplizierte Entscheidungsfindung. Dies erlaubt es Triple Bottom Line-Assessments, den allgemeinen Rahmen an die Bedürfnisse verschiedener Geschäftskategorien Projekte und Richtlinien oder verschiedener geografischer Grenzen und Projektumfänge anzupassen und somit einen kreativen Beitrag für nachhaltiges Investment.