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Im frühen November 2013 trennte sich ein grosses Stück Eis von der Front des Pine Island- Gletschers in Antarktika ab. Somit begann eine Reise quer durch die Pine Island Bucht, ein Becken der Amundsensee. Der Berg, der offiziell B31 genannt wird und aufgrund seiner Grösse als Eisinsel bezeichnet wird, hat nun die Bucht verlassen und ist von den Strömungen des Südpolarmeeres erfasst worden. Doch es wird schwierig sein, ihn in den nächsten sechs Monaten zu verfolgen, da in der Antarktis langsam in die Dunkelheit des Winters driftet.
Im Verlauf der letzten fünf Monaten des antarktischen Frühlings und Sommers schoss das MODIS-Modul der Terra und Aqua-Satelliten der NASA eine Reihe von Bilder des B31. Die Bilder zeigen, wie diese Insel aus Eis zuerst in der Bucht trieb, eingeschlossen von einer Packeisbarriere, und nach dem Auflösen der Barriere langsam nach draussen trieb. Die Bedeutung dieses Ereignisses wird im Moment noch bestimmt. «Das Kalben von Eisbergen ist ein ganz normaler Prozess», erklärt Kelly Brunt, Glaziologin am Goddard Space Flight Center der NASA. «Aber der Abbruch dieses Eisberges liegt einiges höher als die durchschnittliche Abbruchkante des Pine Island Gletschers der letzten 30 Jahre. Also sollten wir diese Region etwas genauer überwachen». Der Pine Island Gletscher ist in den letzten zwanzig Jahren intensiv beobachtet worden, weil er sich massiv ausgedünnt und verkleinert hat. Er gilt als der grösste einzelne beitragende Gletscher am Meeresspiegelanstieg. Aber Eisberge und Eisinseln werden nicht nur aus wissenschaftlichen Gründen verfolgt: Schifffahrtsagenturen verfolgen sie aufgrund der Gefahr für die Schiffsrouten, die sie potentiell darstellen.
Ein Forschungsteam unter der Leitung von Grant Bigg von der Universität von Sheffield hat die Eisinsel mit SAR (Synthetic Aperture Radar), Satellitenaufnahmen und der Modellierung der Eisdrift verfolgt. «Es war sehr interessant zu sehen, wie wenig Meereis in der Region vorhanden war», meint Bigg. «Auf Videoaufnahmen sieht man sehr gut Wolken, die Hinweise auf starke katabatische Wind liefern, die den Gletscher in den ersten 2 Monaten herab wehten. Diese Winde hielten wohl die Bucht eisfrei und trieben dann den Eisberg hinaus». David Jones von der British Antarctic Survey (BAS) erklärt weiter: «B31 ist sehr genau verfolgt worden». Im Januar 2013, ein paar Monate nachdem eine Spalte im Eisschelf des Pine Island-Gletschers entdeckt worden war, flogen Jones und Kollegen über die Region und warfen 37 speerförmige ADIOS-Geräte (Aricraft Deployable Ice Observation Systems) auf das Eis ab. Dies sind eigentlich GPS-Geräte und erlauben es den Forschern, die Bewegungen eines Gletschers zu überwachen. Zwei der ADIOS-Geräte wurden auf dem Eisberg B31 abgeworfen, bevor er abbrach. «Dank der Frühwarnung des Kalbens durch das „Operation IceBridge"-Programm, konnten wir die ganze dahinterliegende Dynamik von Anfang an studieren». Ein Schiff der BAS besuchte im Februar 2014 auch die Region, um die Bedingungen zu beobachten. «Wir untersuchen die lokalen Meeresströmungen, um die Bewegungen besser zu verstehen. Es war schon überraschend, dass es Perioden ohne eine Bewegung gab und solche Perioden, in denen es rapide floss», fügt Bigg an. «Es gab ein paar Ungereimtheiten zu Beginn, wo der Eisberg wohl mit dem Meeresboden kollidiert ist oder sogar auf Grund lief, da B31 von einer Seite der Bucht in die andere trieb».
Am 11. April 2014 berichtete das Nationale Eiszentrum der USA, dass B31 33 Kilometer lang und 20 Kilometer breit ist. «Obwohl er etwas an Masse in seiner Anfangszeit verloren hat, hat er immer noch dieselbe Form seit Dezember und ist etwa sechsmal so gross wie Manhattan», sagt Bigg. «Aufgrund der Messungen am Pine Island-Gletscher vor dem Abbruch und Hinweisen der teilweisen Grundberührungen, nehmen wir an, dass B31 rund 500 Meter dick ist». Bigg fügt noch an, dass der Eisberg wohl schon ganz aus der Pine Island Bucht getrieben ist und bald von den Strömungen des Südpolarmeeres erfasst wird, die in dieser Region sowohl in den Osten oder in den Westen laufen. Es bleibt abzuwarten, welche Richtung der Koloss nehmen wird.
Quelle: NASA, http://eartobservatory.nasa.gov
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