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Die Besatzung des Sea Shepherd-Schiffs «Allankay» dokumentierte kürzlich wie sechs Supertrawler mit ausgebrachten Schleppnetzen durch eine große Gruppe aus Hunderten fressenden Walen fuhr, um riesige Mengen Krill, deren Nahrungsgrundlage, zu fischen.
Am 20. Januar 2024 beobachteten und dokumentierten die Meeresschützer von Sea Shepherd zum wiederholten Male wie sechs Krill-Supertrawler nordwestlich von Coronation Island, die größte der Südlichen Orkneyinseln, durch eine Gruppe von fressenden Walen pflügten. Mit ihren riesigen Netzen holten die industriellen Fischereischiffe, die jeweils die Größe von zwei olympischen Schwimmbecken haben, tonnenweise Antarktischen Krill aus den nährstoffreichen Gewässern und fingen den Walen ihre Nahrung vor der Nase weg. Dasselbe rücksichtslose, aber vollkommen legale Vorgehen der Fischer beobachtete Sea Shepherd zusammen mit der australischen Bob Brown Foundation bereits Anfang 2023 in der Region. Im Jahr zuvor dokumentierten Wissenschaftler dieselben Fischereioperationen inmitten von rund 1.000 Finnwalen vor Coronation Island.
Noch gibt es keine Regulierung dieser für Wale, Pinguine und andere Krill-fressende Meeresbewohner gefährlichen Praxis. Anders als bei illegaler Fischerei schritt die Crew der «Allankay» daher nicht in die Operationen der Trawler ein, sondern dokumentierte diese, um mit dem Material eine Änderung der Gesetze zu erwirken.
«Im Mittelmeer und vor der Atlantikküste wurden Geschwindigkeitsbegrenzungen eingeführt, um den Tod von Walen durch Kollisionen mit Handelsschiffen zu verringern. Es ist unfassbar, dass es hier, in einem so sensiblen und gefährdeten Meeresgebiet, kein Gesetz gibt, das Fischereifahrzeuge daran hindert, ihre Netze direkt durch Megapods von Walen zu ziehen und damit ihre eigentliche Nahrungsquelle ins Visier zu nehmen, wenn Wale direkt vor dem Bug von Schiffen schwimmen, die so lang sind wie ein 30 Stockwerke hohes Gebäude, das auf der Seite liegt», so Bart Schulting, Kapitän der «Allankay».
Immerhin führte die Dokumentation von Sea Shepherd und der Bob Brown Foundation im Jahr 2023 dazu, dass die Fangquoten für 2024 nicht erhöht wurden. Dennoch ist die Entwicklung besorgniserregend. Momentan wachsen die Walpopulationen zwar stetig und erholen sich vom kommerziellen Walfang, aber sie sind auf die vorhandenen Krillbestände angewiesen, die ohnehin geringer sind als vor der Walfangära. Die direkte Konkurrenz durch die unzureichend regulierte Krillfischerei in Verbindung mit dem Klimawandel könnte diese gute Entwicklung im schlimmsten Fall umkehren.
Das Forschungsteam, das im Januar 2022 Zeuge der skrupellosen Krillfischerei wurde, hebt in seiner im Februar 2023 veröffentlichten Studie die zunehmende Gefährdung der sich gerade erholenden Walpopulationen durch die wachsende Krillfischerei hervor.
Seit Jahren arbeiten Chile und Argentinien in der Kommission für die Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR) daraufhin, diese Region zum Meeresschutzgebiet zu erklären. Zwei CCAMLR-Mitgliedsstaaten, China und Russland, stemmen sich hartnäckig dagegen und lehnen die Einrichtung von Fischereiverbotszonen ab. In einer CCAMLR-Sondersitzung in diesem Jahr soll weiter über die Einrichtung von Meeresschutzgebieten verhandelt werden.
«Krill wird für Produkte gefangen, die wir nicht brauchen, z. B. zur Herstellung von Futtermitteln für Zuchtlachse oder von Tierfutter. Es gibt keinen Grund, die Grundlage des antarktischen Ökosystems zu zerstören. Es sollte alle Australier schockieren, dass der Zuchtlachs, der in Tasmanien produziert wird, genau das Futter ist, auf das Pinguine, Robben und Wale in der Antarktis zum Überleben angewiesen sind», sagt Alistair Allen, Antarktis- und Meereskampagnenleiter, in einer Pressemitteilung der Bob Brown Foundation. Nicht nur Australier sollten schockiert sein — Krill geht in die ganze Welt.
Julia Hager, PolarJournal
Beitragsbild: Screenshot Sea Shepherd Global Video