Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03353.jsonl.gz/1500

Es ist schwer in Sri Lanka eine Rangliste der ärmsten Provinzen zu erstellen. Hambantota liegt am Rande der Trockenzone, die seit Jahren stark von Dürre betroffen ist und hätte sicher Anspruch auf einen der vorderen Plätze.
In Hambantota hat neben dem Hindu – und Buddhistentempel auch eine Moschee Platz und Singhalesen und Tamilen leben mit einer grossen Malaien–Gemeinde (Nachfahren von Einwanderern aus Java) friedlich zusammen.
Durch Humaid sind wir in Kontakt mit Roy Marso gekommen, dessen Frau aus Hambantota stammt und der seit Jahren ehrenamtlich im Rahmen der Malay Assosciation Sozialarbeit leistet. Sie haben 17 Verwandte verloren, von denen sie nur zwei beerdigen konnten.
Die Fahrt in den Süden war beklemmend. Obwohl schon sehr viel weggeräumt ist, und die Strasse und Eisenbahnlinie wiederhergestellt sind, ist die Zerstörung überall sichtbar. Unfassbar ist die Willkür: neben scheinbar unversehrten Häusern nur noch Trümmer und immer wieder diese blankgeputzten Fundamente.
Entlang der Küstenstrasse haben viele Hilfswerke Zeltlager errichtet. Während viele als Behausung für Obdachlose dienen – man stelle sich campieren bei 35 Grad Hitze und 80% Luftfeuchtigkeit vor – werden andere von Einheimischen zu Hauptverkehrszeiten und an Wochenenden dazu genutzt, um von in- und ausländischen Tsunamitouristen Geld und Güter zu erbetteln, um dann abends in die eigenen Häuser zurück zu kehren. Wer mag es ihnen verdenken?
Wir waren auch gut beraten, nicht mit zu vielen Gütern in den Süden zu fahren, um nicht zu viel Aufmerksamkeit zu erregen und in Hambantota war so gut wie alles erhältlich – sofern man Geld hatte.
Während die Strasse von Colombo bis nach Tangalle der Küste entlang führt, dreht sie von dort ca. 2-3 Kilometer ins Landesinnere ab, um bei Ambalantota wieder an die Küste zu stossen. Dort war der Grad der Zerstörung unfassbar.
Kaum hatten wir vor dem Haus von Roys Schwager Ishan angehalten, kamen junge Burschen auf uns zugerannt, die wir als Bleichgesichter nicht wieder losgeworden wären. Hinter der schützenden Grundstücksmauer haben wir den Wagen entladen und waren dann immer nur mit kleinen Quantitäten unterwegs.
Hilfe an Alle zu leisten, wäre Aufgabe der Regierung und der grossen Hilfsorganisationen – Geld ist ja zur Genüge vorhanden, aber deren Mühlen scheinen nicht nur langsam, sondern gar nicht zu mahlen.
Roy Marso hat bis dato 104 Witwen und 45 Vollwaisen unter seinen Fittichen, und er sucht mit einem Einsatz und einer Effizienz, die wir in Sri Lanka noch nicht gesehen haben nach Paten und Geldgebern.
Mit seinem Einsatz ausschliesslich für Witwen und Waisen und vielen klärenden Gesprächen, ist er in der Lage, neidische Nachbarn auf Distanz zu halten – ein nicht zu unterschätzendes Problem. Er hat für uns Kontakte hergestellt, Behördengänge erledigt und nicht eine Rupie von dem Geld ist durch seine Hände geflossen.