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Südlich von Olten erheben sich die beiden Festen Alt-Wartburg und Neu-Wartburg auf zwei markanten Felsköpfen. Die nördliche Burg Neu-Wartburg wird auch „Säli“ genannt und bildet mit dem Restaurant „Sälischlössli“ ein beliebtes Ausflugsziel der Oltner. Die Anlagen sollen zum umfangreichen Besitz der Frohburger gehört haben, die ihn ihrerseits angeblich von den Lenzburgern übernommen hatten. Anlässlich der Eroberung des Aargaus von 1415 wurden die beiden Wartburgen von einer Rotte Berner und Solothurner Kriegsknechte niedergebrannt. Die Besitzer überliessen die hintere Burg ihrem Schicksal, bauten hingegen die vordere wieder auf und machten sie bewohnbar. Mit der Übernahme verschiedener Güter in der Ostschweiz verloren die Herren von Hallwil ihr Interesse an der Neu-Wartburg und verkauften sie deshalb 1539 mit dem dazugehörenden Umgelände dem Stand Solothurn. Der Turm wurde zu einer Wohnung für den Feuerwächter eingerichtet, und als erster Hochwächter wurde 1547 Hans Säli von Wangen eingesetzt. Seine Nachkommen verblieben in diesem Amt bis 1774 und sollten der Anlage ihren Namen geben. Als dem letzten Hochwächter gekündigt worden war, begann die Burg nach 1856 zu zerfallen. 1863 erwarb die Stadtgemeinde Olten die Ruine, und 1870 wurde sie dank der Initiative des Oltner Säliklubs wieder aufgebaut. Heute bietet sich die Neu-Wartburg dem Betrachter als eine „Spielzeugburg“ dar, obwohl 1964 bei der Gesamtrestaurierung die schlimmsten Zutaten von 1870 beseitigt wurden.
Weitaus interessanter für den Burgenforscher ist das Schicksal der hinteren Burg, der Alt-Wartburg. Nach der Zerstörung der Feste durch die Berner 1415 war das Mauerwerk immer mehr zerfallen. Wie schon der Burgenforscher Walther Merz erkannte, schien die Anlage aus einem höher gelegenen Nordtrakt und einem etwas tieferen, jüngeren Südtrakt bestanden zu haben. Weitere Innenunterteilungen waren nicht sichtbar, weil das Innere der Feste bis auf die Höhe der Mauerkronen mit Schutt aufgefüllt war. Gewisse Teile der Ringmauer waren zwar zu erkennen, doch in einem höchst schlechten Zustand. Baumwuchs auf den Mauerkronen gefährdete zusätzlich das brüchige Mauerwerk. In den Jahren 1966 und 1967 ist die Burg unter der Leitung von Werner Meyer archäologisch untersucht worden. Nach der Ausgrabung wurde das Mauerwerk sorgfältig gesichert. Die Untersuchungen bestätigten die Vermutungen: der festgestellte Wohntrakt im Norden der Anlage bestand aus einem massiven, länglichen Gebäude mit eckiger Südpartie und gerundeter Nordfassade. Im Innern dieses Wohntrakts kamen verschiedene Mauern unterschiedlicher Zeitstellung zutage, die auf einen wiederholten nachträglichen Innenausbau schliessen lassen. Eine heute noch mächtige Quermauer teilte das Gebäude in eine nördliche und eine südliche Hälfte. Im Erdgeschoss führte eine Tür durch diese Mauer. Der Eingang des Wohntrakts führte auf eine sauber gemauerte Treppe, auf welcher man ins Erdgeschoss hinuntersteigen konnte. Unter dem Primärschutt fand sich eine durchgehende Brandschicht von 30 bis 50 Zentimeter Dicke. Sie enthielt vorwiegend Holz mit vielen Nägeln und eisernen Bauteilen. Unter der Brandschicht trafen die Ausgraber eine dünne Kulturschicht an, die Funde aus dem 13. und 14. Jahrhundert enthielt. Die leicht gerundete Nordmauer des Wohntrakts liess drei Geschosse erkennen, ein viertes ist noch anzunehmen, so dass man sich den Wohntrakt als hohen, turmartigen Bau vorzustellen hat. Balkenlöcher sind sorgfältig im Mauerwerk eingebettet, welches aus lagerhaften Bruchsteinen gefügt ist. In den Balkenlöchern ruhten die Balken, welche die verschiedenen Zwischenböden des Trakts trugen. Der eigentliche Eingang in den Wohnbau lag in der Südfassade, und zwar in der Höhe des ersten Geschosses. Eine rechteckige Zisterne stellte die Wasserversorgung sicher. Ausserhalb des Wohntrakts wurden in den Schutthaltden Reste von Kachelöfen aus dem 13. Jahrhundert gefunden. Bedingt durch diese Fundumstände ist anzunehmen, dass sich die heizbaren Räume im nördlichen Teil des Wohntrakts befanden.
An den beiden südlichen Enden des Wohntrakts setzte der Bering an. Dieser bestand aus mittelgrossen Blöcken in lagerhaften Verband und wies eine durchschnittliche Mauerstärke von 1.2 Metern auf. Besonders schadhaft war das Mauerwerk in der Umgebung des Burgtors, so dass von diesem leider nicht mehr viele Überreste festgestellt werden konnten.
Im südlichen, jüngeren, an den Wohnbau angebauten Teil der Anlage befand sich in der Nordwestecke eine Filterzisterne mit Lehmabdichtung und Filtereinfüllung. Der eigentliche Schöpfschacht bestand aus sorgfältig behauenen Tuffsteinen. In einer Tiefe von vier Metern stiessen die Ausgräber im Innern des Sods auf eine Brandschicht; darunter kam grauer Schlamm zum Vorschein, der aufschlussreiche Kleinfunde enthielt.
Die Fläche innerhalb des Südberings war nicht überbaut, sondern bildete einen wenn auch höchst engen Burghof. Die Südpartie war mittels einer mächtigen Steintreppe mit dem Wohnbau verbunden. Wie aus den Kleinfunden geschlossen werden kann, fand eine Besiedlung von der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts an statt, sicherlich aber nach 1170. nach der Zerstörung der Burg im Jahr 1415 wurde die Anlage nicht mehr benutzt.
Walter Merz verficht die These, wonach die beiden Wartburgen von den Grafen von Frohburg gebaut und den Herren von Ifenthal als Lehen übergeben worden seien. Die Quellen über den herrschaftlichen Güterkomplex der Wartburgen gehen zwar bis ins 13. Jahrhundert zurück, doch darf die Erwähnung der Feste Neu-Wartburg in einer frohburgischen Urkunde von 1299 nicht als Beweis für eine frohburgische Lehensgewalt gewertet werden. Die Burg bildete vielmehr nach neueren Forschungen lediglich den Fixpunkt einer Abgrenzung von gräflichen Rechten. Die heutige Kantonsgrenze, die zwischen den beiden Wartburgen hindurch verläuft und den Aargau von Solothurn trennt, mag dem Verlauf einer mittelalterlichen Grafschaftsgrenze folgen.
Im geographischen Umfeld der Wartburg weisen mehrere Flurnamen auf mittelalterliche Rodungen hin. Deshalb ist mit Sicherheit anzunehmen, dass die beiden Wartburgen eine Allodialherrschaft bildeten, die durch Rodung entstanden war. Als älteste urkundlich gesicherte Besitzer begegnen wir den Herren von Ifenthal in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die Herren von Ifenthal waren reicht mit frohburgischen Lehen ausgestattet. Ihre Vorfahren sind wohl unter der bäuerlichen Oberschicht des Dorfes Ifenthal zu suchen. Im 12. Jahrhundert hatten sich diese der kriegerischen Gefolgschaft der Grafen von Frohburg angeschlossen und waren recht wohlhabend geworden. Bereits um 1200 sind Versuche der Herren von Ifenthal nachzuweisen, sich aus dem frohburgischen Abhängigkeitsverhältnis zu lösen. Sie liessen sich deshalb auch von anderen Dynasten belehen und gründeten die Feste Alt-Wartburg auf Eigengut inmitten eines Rodungsgeländes. Im Verlauf des 14. Jahrhunderts mussten die beiden Burgen ihre Besitzer gewechselt habe, denn 1379 erwarben die Herren von Hallwil von den Herren von Büttikon die Festen. Die Eroberung des Aargaus durch die Berner wird von Berner Chronisten überliefert. So berichtet uns Conrad Justinger in seiner Schilderung über die Auseinandersetzungen folgendes: „... daz bede Wartberg verbrent wurden. Und als die von zofingen gehuldet hatten, und man dennocht in dem velde lag, do luffen herster vor dannen und verpranden die zwei wartburg. Sich ergaben ouch die drü wigken in den worten alz sich die von zofingen ergeben hatten, ouch nach sag der briefen so haruber gemacht. Es fuor ouch ein paner von bern für arburg. Die ergabent sich ouch an die von bern, als ouch die briefe wisent, so in der stat kisten liegent.“ Spätere Chronischen übernehmen Justingers Beschreibung und hielten die Szenen anschaulich im Bild fest. Wie bereits Justinger ausführte, wurden die beiden Burgen nicht während einer offiziellen Aktion der Obrigkeit, sondern von den Mitgliedern eines Harstes, einer nichtstaatlichen Kriegergruppe, gebrochen. Vandalische Plünderungen, Zerstörungen sowie Brandstiftung gehörten zu den Tätigkeiten des alteidgenössischen nichtstaatlichen Kriegertums, die durch gewisse Spielregeln der mittelalterlichen Fehde bestimmt wurden. Vor dem Anzünden der Feste plünderten die siegestrunkenen Krieger nicht nur die Burg, sie schlugen auch die Öfen der Wohnräume kurz und klein. Dabei handelte es sich wohl nicht nur um das primitive Vergnügen, kostbare Einrichtungsgegenstände zu zertrümmern, sondern auch um brauchtümliches Verhalten. Das Einschlagen des Ofens war eines der wichtigsten Elemente der mittelalterlicher Hausrüstung.
Die Ausgrabungen auf der Feste Alt-Wartburg wiesen mehrere Bauetappen nach. Zum ältesten Baubestand aus dem ausgehenden 12. Jahrhundert gehört der Wohnturm auf der nördlichen Hälfte des Felsens. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde die Anlage erweitert. Die südliche Hälfte wurde mit einem Bering umgeben, und die dadurch eingefassten Flächen wurden teilweise überbaut. Eine neue Filterzisterne löste die alte im Turminnern ab. Im 14. Jahrhundert wurde der Südteil des Wohnbaus wohl auf fünf Geschosse aufgestockt. Die Burg präsentierte sich als massiger Mauerklotz mit kleinen Fenstern und beschwerlichem Zugang auf einem Felsen und kann als typischer Vertreter der jurassischen Landadelsburgen betrachtet werden. Der Brand von 1415 rötete innen die Mauern, und eine Brandschicht schlug sich im Innern der Anlage nieder. Im Fundinventar fällt das weitgehende Fehlen von Hausrat auf. Nach der Plünderung durch die Härster vermag dies jedoch nicht zu erstaunen.
Nach den Ausgrabungsarbeiten ist auch das sicherungsbedürftige Mauerwerk restauriert worden. Der Brand von 1415 hat die Mauersteine nicht nur eine rote Farbe annehmen, sondern sie auch brüchig und mürbe werden lassen. Nach der Restaurierung konnte die Ruine der Öffentlichkeit übergeben werden. Sie wird heute als beliebter Picknickplatz aufgesucht. Aus den Erträgen der Hugo-Müller-Stiftung in Olten wird der Unterhalt des Mauerwerks bestritten. Die Kleinfunde befinden sich als Leihgabe des Kantons Aargau im Historischen Museum Olten.
Bibliographie