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Bedingter Informationszugang für leibliche Eltern
Adoptionen waren in der Schweiz seit 1973 nur als Volladoptionen und unter Geheimhaltung der Identität der Adoptivfamilie möglich. Die Verbindungen zu den leiblichen Eltern wurden gekappt, womit die Verwandtschaftsverbindungen erloschen. Der Gesetzgeber ging damals davon aus, dass nicht nur eine rechtliche, sondern auch eine informationelle Trennung zwischen leiblichen Eltern und Kind gegeben sein müsse, damit die Volladoption gelingen könne.
Seit 1. Januar 2018 ist eine neue Regelung in Kraft, die den leiblichen Eltern unter gewissen Voraussetzungen einen Anspruch auf Kenntnis der Personalien ihrer adoptierten Kinder erlaubt. Das Adoptivkind und die Adoptiveltern haben seit dieser Revision grundsätzlich immer noch Anspruch auf Wahrung des Adoptionsgeheimnisses.
Solange das Kind nicht urteilsfähig ist oder wenn ein Elternteil nicht mit der Weitergabe der Informationen einverstanden ist, bleibt das Adoptionsgeheimnis gewahrt. Ist das Kind in diesem Punkt urteilsfähig und haben die Adoptiveltern sowie das Kind der Bekanntgabe zugestimmt, dürfen den leiblichen Eltern identifizierende Informationen über das minderjährige Kind oder über seine Adoptiveltern bekannt gegeben werden.
Hat das volljährige Kind der Bekanntgabe zugestimmt, dürfen den leiblichen Eltern sowie deren direkten Nachkommen identifizierende Informationen über das Kind bekannt gegeben werden. Darunter sind Informationen zu verstehen, die direkte Rückschlüsse auf seine Person zulassen. Das können seine Personalien sein, aber auch Angaben, mit denen auf einfache Art herausgefunden werden kann, um wen es sich handelt.
Somit haben nun auch direkte Nachkommen der leiblichen Eltern, also auch leibliche Brüder und Schwestern, die Möglichkeit, Informationen über das zur Adoption frei gegebene Kind zu erhalten.
Das Kind hat ein Recht auf Gewissheit.
Im Gegensatz zu diesem nur bedingten Informationszugang für die leiblichen Eltern hat das Adoptivkind selbst Recht darauf, Auskunft über die Personalien der leiblichen Eltern zu erhalten. Das Kind hat ebenfalls einen Anspruch darauf, zu erfahren, dass es adoptiert worden ist. Die Adoptiveltern können den Zeitpunkt und die Art, wie sie das Adoptivkind darüber informieren wollen, frei wählen. Sie sind jedoch verpflichtet, das Kind darüber aufzuklären, und dürfen ihm diese Informationen nicht vorenthalten.
Kennen sich die leiblichen Eltern und die Adoptiveltern, können sie sich auch zu einer offenen Adoption entschliessen. Im Gegensatz zur geheimen Adoption finden bei der offenen Adoption Kontakte zwischen leiblichen Eltern, den Adoptiveltern sowie dem Adoptivkind statt. Die Vereinbarung über die Kontakte sowie allfällige Änderungen unterliegen der Genehmigung durch die KESB. Die KESB hat die Verpflichtung, den an der Vereinbarung beteiligten Personen die Tragweite ihrer Entscheidung bewusst zu machen. Auch ist das Kind vor der Genehmigung der Vereinbarung anzuhören. Ist es in dieser Frage bereits urteilsfähig, so ist seine Zustimmung erforderlich.
Die Vereinbarung darf nicht einseitig geändert oder gar aufgehoben werden. Dem Adoptivkind steht ein Vetorecht zu: Lehnt es einen Kontakt zu seinen leiblichen Eltern ab, so ist es trotz bestehender Vereinbarung nicht verpflichtet, einen Kontakt zu seinen leiblichen Eltern zu dulden. Auch Informationen wie etwa Schulzeugnisse oder Fotos dürfen die Adoptiveltern nicht gegen seinen Willen weitergeben. Neben diesem rechtlichen Rahmen kann den Herausforderungen einer offenen Adoption auch mit anderen Massnahmen begegnet werden.
Zu späte Informationen erschüttern das Vertrauen in Bezugspersonen
Damit das adoptierte Kind seine Lebenssituation verstehen und annehmen kann, ist es wichtig, dass es schon früh möglichst Informationen darüber erhält, wer es ist und woher es kommt. Diese sollten möglichst klar und altersgerecht sein, damit das Kind sie einordnen kann. Berichte von Adoptivkindern, die erst spät erfuhren, dass sie adoptiert wurden, machen deutlich, dass das Vertrauen in ihre Bezugspersonen, insbesondere in die aufnehmenden Eltern, stark erschüttert wird. Studien zeigen auf, dass es Adoptivkindern, in deren Familien schon früh Offenheit gegenüber den Herkunftseltern herrschte oder die ihre leiblichen Familien persönlich kannten, psychisch besser geht und sie ein stärkeres Selbstvertrauen haben.
Dies spricht dafür, Kindern – aus welchen Lebensumständen sie auch kommen – mit liebevoller Offenheit das Vertrauen zu geben, dass sie ihre Geschichte verstehen und damit umgehen können werden. Dazu braucht es Erwachsene, die das Auf und Ab der kindlichen und jugendlichen Ambivalenz mittragen können und die mit viel Geduld und Zuversicht die Kinder begleiten. Auch wenn es Krisen und Loyalitätskonflikte gibt. Denn diese zu bewältigen ist wichtig, um den eigenen Weg zu einer eigenen stabilen Identität gehen zu können.
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