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Einleitung
Spritzgeräte mit hoher Reichweite wie Schlauchspritzen und Kanonen, wie z. B. der Sprühkopf «Kanonenstrahl» von Cima, oder der Sprühkopf «rotierende/schwingende Kanone» von Berthoud werden im Schweizer Weinbau hauptsächlich in steilen Reblagen verwendet.
Diese Spritzgeräte erlauben Behandlungen über grössere Distanzen. Es ist jedoch zu beachten, dass sie bei unsachgemässer Anwendung aufgrund ihrer hohen Reichweite anfälliger sind für erhöhte Drift als andere Spritzgeräte.
Dieses Merkblatt zeigt die gute Praxis im Umgang mit diesen Spritzgeräten, um einen möglichst guten Schutz der Kultur zu erreichen, die Schonung der umliegenden Fauna und Flora zu garantieren sowie Risiken für die Anwendenden, Nachbarschaft, Drittpersonen und für Oberflächengewässer zu vermeiden.
Definitionen
Schlauchspritze
Synonyme: Gun, Spritzpistole, Karrenspritze, Hochdruckspritze oder -lanze
Die Behandlung mit der Schlauchspritze erfolgt von Hand über eine Entfernung von bis zu 10 m. Generell handelt es sich immer um Druckmodelle. Manche sind mit zusätzlicher Luftunterstützung ausgerüstet, die die Verteilung der Spritzbrühe verbessert.
Kanone
Synonym: Überzeilengerät
Dieses luftunterstützte Sprühgerät mit einem Radialgebläse und einen verstellbaren Kopf ermöglicht es, die Brühe über grosse Distanzen zwischen 15–30 m zu verteilen. Es gibt viele Arten von Kanonen. In der Schweiz werden hauptsächlich pneumatische Modelle verwendet, aber es gibt auch Modelle mit Düsen und Luftunterstützung. Dieses Merkblatt bezieht sich auf Geräte, die für die gleichzeitige Behandlung von 15–30 m verwendet werden, und nicht für solche, die zwar ebenfalls «Kanonen» genannt werden, aber nur eine Behandlungsdistanz von 2–8 m erreichen. Letztere behandeln oft nur 2–4 Reihen gleichzeitig, wobei der Strahl immer senkrecht zu ihnen steht.
Durchführung der Behandlung
Art. 61 der Pflanzenschutzmittelverordnung (PSMV) legt die Sorgfaltspflicht fest. Demnach ist jede Person, die mit Pflanzenschutzmitteln oder ihren Abfällen umgeht, verpflichtet sicherzustellen, dass diese keine unannehmbaren Nebenwirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt haben.
Abstandsauflagen von Schutzobjekten
Um das Risiko von Abdrift zu minimieren, sollte bei der Verwendung von Spritzgeräten mit hoher Reichweite die Behandlung idealerweise mit den Schutzobjekten im Rücken durchgeführt werden. Wenn möglich, sollte die Behandlung gegen das Innere der Parzelle erfolgen.
Achtung: die Abstandsauflagen der jeweiligen Pflanzenschutzmittel und der Risikominderungsmassnahmen betreffend Drift müssen eingehalten werden. Weitere Informationen gibt es im AGRIDEA-Merkblatt «Reduktion der Drift und Abschwemmung von Pflanzenschutzmitteln im Weinbau».
- Idealerweise nicht behandeln mit der von der Parzelle abgewandten Sprühstrahl.
- Nicht zu viele Reihen auf einmal behandeln.
- OK: die Behandlung erfolgt gegen das Innere der Parzelle.
- OK: es werden maximal zwei Reihen (pro Seite) gleichzeitig behandelt.
Abstand zur Laubwand
Je grösser die Distanz vom Spritzgerät zur Kultur ist, desto grösser ist die Gefahr einer Abdrift und desto schlechter ist die Wirksamkeit der Behandlung. Deshalb sollte man während der Behandlung so nahe wie möglich an die Pflanzen herangehen. Schlauchspritze: idealerweise sollte man maximal zwei Reihen gleichzeitig mit niedrigem Druck (ca. 20 bar) und reduziertem Volumen behandeln. Dadurch werden die Präzision und die Qualität der Behandlung verbessert und ein Abtropfen des Produkts verhindert. Diese Empfehlung ist vor allem in der zweiten Saisonhälfte wichtig.
Schlechte Sprühpraxis
Gute Sprühpraxis
Abschwemmung
Mit den Spritzgeräten hoher Reichweite gelangen generell mehr Pflanzenschutzmittel auf den Boden als mit dem klassischen Gebläsesprayer oder Nebelblaser. Um das Risiko von Abschwemmung zu verringern, soll wenn möglich eine Begrünung der Zwischenreihen angelegt werden oder andere Massnahmen zur Reduktion der Abschwemmung getroffen werden. Weitere Informationen dazu gibt es im AGRIDEA-Merkblatt «Reduktion der Drift und Abschwemmung von Pflanzenschutzmitteln im Weinbau».
Umweltfaktoren
Bei der Schlauchspritze wird durch den hohen Druck eine starke kinetische Energie auf die Tröpfchen übertragen, die damit grössere Entfernungen erreichen können. Dieses System erzeugt je nach Düsenöffnung ziemlich grosse Tropfen und verbraucht ein grosses Brühevolumen.
Um die grosse Reichweite von Kanonen zu erreichen, muss ein sehr hoher gezielter Luftstrom hergestellt werden. Pneumatische Systeme mit geringem Volumen, die auf dem Prinzip des «Venturi-Rohrs» beruhen, erzeugen Tröpfchen mit einem sehr kleinen Durchmesser (ca. 100–150 µm). Die kleinen, leichten Tröpfchen und die längere Verweildauer in der Luft, führen dazu, dass die Gefahr der Abdrift bereits bei schwachem Wind deutlich zunimmt.
Auch aus diesen Gründen ist die gute Praxis bei der Anpassung an die Umweltfaktoren unbedingt einzuhalten.
Windgeschwindigkeit und Richtung
Spritzeinsätze sollten möglichst bei Windstille durchgeführt werden, d. h. Anwendungen bei dauerhaften Windgeschwindigkeiten über 5 km/h sind zu vermeiden und ab 20 km/h (~ 5 m/s) verboten. Windgeschwindigkeiten bis 5 km/h (~1 Bft, ~ 1,5 m/s) liegen vor, wenn:
- Rauch nur leicht abtreibt;
- sich die Windflügel und -fahnen nicht bewegen;
- der Wind im Gesicht nicht fühlbar ist.
Nur behandeln, wenn der Wind oder die Thermik nicht gegen sich selbst und in die Richtung der Schutzobjekte weht.
Temperatur, Blattwerk- und Luftfeuchtigkeit
Hohe Temperaturen und trockene Luft führen zur Verdunstung kleiner Tropfen. Bei zu hoher Feuchtigkeit dagegen können die Blätter nass sein und Tau kann zum Abtropfen der Spritzbrühe führen.
- Ideal sind Temperaturen von ca. 8–25 °C und eine Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 %.
- Nur abgetrocknetes Blattwerk behandeln.
Einstellungsparameter
Druck
Mit zunehmendem Druck und abnehmender Düsengrösse werden die Tröpfchen kleiner, was das Risiko von Abdrift erhöht.
Mit der Schlauchspritze ist die Distanz zu den behandelnden Pflanzen so gering wie möglich zu halten und der Druck zu reduzieren. Im Weinbau wird am besten ein Druck von ca. 20 bar und eine Düsengrösse von 1,5 mm eingesetzt.
Kanonen mit pneumatischer Tropfenerzeugung (z. B. der Sprühkopf «Kanonenstrahl» von Cima, oder der Sprühkopf «rotierende/schwingende Kanone» von Berthoud) arbeiten mit einem Druck von ca. 1,2–2,5 bar. Bei Geräten mit Düsen ist der Druck gemäss den Empfehlungen des Düsenherstellers einzustellen.
Rotierende Scheiben
Der Sprühkopf «Kanonenstrahl» von Cima ist mit gelben rotierenden Scheiben ausgerüstet. Diese sind mit verschiedenen kalibrierten und nummerierten Löchern versehen, die es ermöglichen, die Maschine mit verschiedenen Behandlungsdurchsätzen für jeden gewählten Druckwert zu verwenden.
Wasseraufwandmenge und Konzentration
Wird mit grossen Wasseraufwandmengen behandelt, kann die Spritzbrühe von den Blättern abtropften. Eine zu geringe Menge erlaubt keine gute Blattbedeckung. Deshalb ist es sehr wichtig, die optimale Menge an Spritzbrühe zu berechnen, z. B. dank Agrometeo. Bei Behandlungen mit Schlauchspritzen und Kanonen wird die Dosierung ausgehend von der phänologischen Entwicklung der Rebe, gemäss folgender Tabelle, berechnet.
Zur korrekten Berechnung der Wassermenge empfehlen sich folgende Informationsquellen:
Agrometeo (Agroscope) www.agrometeo.ch > Weinbau > angepasste Dosierung
Pflanzenschutzempfehlungen für den Weinbau (Agroscope) www.agroscope.ch Themen > Pflanzenbau > Weinbau > Pflanzenschutz im Rebbau > Empfehlungen
Wartung und Prüfung der Pflanzenschutzgeräte
Die sorgfältige, regelmässige Wartung der Sprühgeräte garantiert einen optimalen Pflanzenschutz und trägt zum Schutz der umliegenden Fauna, Flora und Oberflächengewässer bei:
- Innen und aussen sowie Siebe, Filter, Filtereinsätze und Düsen gründlich reinigen (eventuell ersetzen).
- Nachtropfverhinderung prüfen, Membranen ersetzen.
- Die Düsen dürfen nicht nachtropfen.
- Schläuche dürfen nicht geknickt sein und keine Scheuerstel aufweisen, bei denen die Gewebeeinlage sichtbar ist. Leitungen und Verschraubungen auf Dichtheit kontrollieren.
- Funktionskontrolle durchführen.
- Die Durchflussmenge der Düsen am Anfang der Saison überprüfen. Liegt dieser um 10 % unter oder über dem in der Spezifikation des Herstellers angegebenen Wert, muss die Düse ausgetauscht werden.
Selbstfahrende oder zapfwellenangetriebene Pflanzenschutz-Spritzgeräte, müssen alle drei Kalenderjahre durch eine anerkannte Stelle gemäss den Weisungen des Schweizerischen Verbandes für Landtechnik (SVLT) auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft werden. Die Liste aller anerkannten Prüfstellen wird jährlich veröffentlicht (www.agrartechnik.ch > Technik > Spritzentests).
Ausnahme: für Schlauchspritzen (Gun) reicht eine jährliche Kontrolle auf ihre Funktionstüchtigkeit durch den Winzer.
Reinigung der Pflanzenschutzgeräte
Alle Pflanzenschutzgeräte mit einem Brühebehälter > 400 l, mit Ausnahme von Schlauchspritzen, müssen mit einem fest installierten Spülwassertank und einer automatischen Spritzeninnenreinigung ausgerüstet sein.
Die Innen- und Aussenreinigung des Spritzgeräts sollte wenn immer möglich direkt nach dem Ausbringen auf der behandelten Fläche erfolgen.
fest installierte Rohre im Rebberg für den Pflanzenschutz verwendet werden, müssen sie nach jedem Gebrauch sorgfältig geleert und gespült werden. Dadurch wird auch verhindert, dass sie durch Produkte korrodieren.
Ausführliche und vollständige Informationen über die gute Praxis gibt es im AGRIDEA-Merkblatt «Befüll- und Waschplatz für Spritzgeräte – worauf ist zu achten?».
Anwenderschutz
Bei der Verwendung von PSM müssen sich die Anwendenden gemäss den Anweisungen auf der Etikette oder dem Beiblatt des Produkts schützen. Bei der Auswahl der Schutzausrüstung bietet die WebApp zum «Standard Anwenderschutz» Unterstützung, die unter url.agridea.ch/psa verfügbar ist. Ausführliche und vollständige Informationen zum Anwenderschutz gibt es im «Toolkit Anwenderschutz Pflanzenschutzmittel» unter url.agridea.ch/toolkit.
|Schlauchspritze
|Kanone
|Gemäss dem «Standard Anwenderschutz» ist die Standardausrüstung für das Anmischen der Spritzbrühe: Schutzhandschuhe, Ärmelschürze oder Schutzanzug, Visier oder dicht abschliessende Schutzbrille.
|Gemäss dem «Standard Anwenderschutz» ist die Standardausrüstung zu tragen: Schutzanzug und Schutzhandschuhe. Wenn möglich während der Behandlung Stiefel tragen, da diese leicht zu reinigen sind. Es wird empfohlen, die Kapuze des Schutzanzugs und ein Visier oder eine dicht abschliessende Schutzbrille zu tragen, um eine Kontamination von Kopf, Hals und Gesicht zu vermeiden.
|Traktor mit Traktorkabine Kat. 4 (oder äquivalent, d. h. mit dreistufiger Filtrierung) verwenden. Wenn man nicht über diese Ausrüstung verfügt, muss eine Persönliche Schutzausrüstung (PSA) getragen werden: Schutzanzug und Schutzhandschuhe.
Glossar
Drift: der Teil der Spritzbrühe, der während der Ausbringung durch die Einwirkung von Wind nicht auf die zu behandelnde Fläche, sondern auf andere, nicht Zielflächen transportiert wird.
Schutzobjekte mit Auflagen: Oberflächengewässer, Siedlungs- und Erholungsgebiete, Biotope, Naturschutzflächen und Parzellen mit blühenden Pflanzen.
Zusätzliche Informationen und Literatur
Dubuis P.-H., Monod V., Gindro K. (2019) Pulvérisateurs de type gun et canon: étude de littérature sur leur utilisation et les risques spécifiques. Revue suisse Viticulture, Arboriculture, Horticulture : 51(5), 300–305.
Siegfried W., Holliger E., Viret O., Crettenend Y., Mittaz Ch., Antonin Ph. (2000) Applikationstechnik im Weinbau – Teil 1, Wirkstoffbilanzen bei verschiedenen Pflanzenschutzgeräten. Schweizerische Zeitschrift für Obst- und Weinbau : 137(6), 104–107.
Siegfried W., Holliger E. (2000) Applikationstechnik im Weinbau – Teil 2, Helikopter im Vergleich zu Axialsprayer und Überzeilengeräten. Schweizerische Zeitschrift für Obst- und Weinbau : 137(7), 127–130.