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VON FRANÇOIS SCHMID-BECHTEL
Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Kindheit in Südafrika?
Ich habe ganz tolle Erinnerungen an meine Kindheit in Südafrika. Es ist ein Land mit sehr vielen Gegensätzen, mit sehr viel Freiheit und mit sehr viel Platz. Wir wuchsen in einfachen Verhältnissen auf, mit wenigen Einschränkungen, was ich sehr schätzte. Ich bin ausserhalb von Johannesburg gross geworden, ganz in der Nähe des Flughafens. Kempton Park liegt auf 1600 Metern über Meer. Das Klima ist sehr angenehm.
Wie gross war Ihre Familie?
Ich war das jüngste von vier Kindern. Mein Vater hat für die Engländer im Zweiten Weltkrieg gekämpft, da wir damals eine englische Kolonie waren. Und obwohl seine Abwesenheit für uns als Familie nicht einfach war, brachte es uns auch etwas. Als er nach Hause kam, redete er mit meiner Mutter und sagte: «Die Kinder gehen jetzt alle in eine englische Schule.» Somit sprachen wir neben Afrikaans auch Englisch. Das war damals in unserer Gegend eine grosse Ausnahme. Meine Eltern waren sehr weitsichtig.
Sind Ihre Eltern englischer Herkunft?
Unsere Familie ist bezüglich Herkunft ein totales Gemisch. So hatte ich einen französischen Namen: Durand. Doch es gab auch deutsche und holländische Wurzeln. Meine Eltern verstanden es, uns eine offene Weltsicht zu vermitteln. Meine Mutter sagte immer, wir seien Kosmopoliten in einem Land vieler Nationen. Wir haben ja in Südafrika neben den Schwarzen auch Inder, Chinesen, Portugiesen, Deutsche, Italiener, Schweizer usw. Wir sind ein sehr farbiges Land.
Anfang der 70er-Jahre wollten Sie weg aus Südafrika, nach England.
Ich hatte mir schon sehr früh in den Kopf gesetzt, einmal nach Europa zu reisen. Ich sparte zwei Drittel meines Einkommens, um die Welt zu sehen. Ich wollte reisen und mir Europa anschauen. Wollte spüren, woher ich komme. Denn wir weissen Südafrikaner stammen vorwiegend aus Europa. Wenn man die Länder gesehen hat, versteht man alles viel besser. Robert lernte ich 1970 kennen. Ich folgte ihm in die Schweiz, wo wir 1973 in Basel heirateten.
Wie haben Sie sich in der Schweiz integriert?
In der Schweiz habe ich mich sehr schnell integriert. Zu Beginn war es zwar schwierig, weil ich die Sprache nicht konnte, aber mit viel Willen konnte ich mich schon bald auf Schweizerdeutsch verständigen. Eine grössere Umstellung waren die Natur und das Fehlen der Familie. Ich vermisste die grosszügigen Landflächen, die ich aus Südafrika kannte, und natürlich meine Familie. Diana und Roger sind nur 21 Monate auseinander. Ich hätte sie gerne ab und zu mal meinen Verwandten abgegeben.
Haben Sie je daran gedacht, nach Südafrika zurückzukehren?
Pläne, nach Südafrika zurückzugehen, gab es nie. Robert hatte zwar Job-Offerten aus Australien und Amerika. Der Entscheid, nicht nach Australien auszuwandern, war nicht einfach. Zwei Dinge hielten uns davon ab. Erstens machte Roger damals bei den Junioren sehr grosse Fortschritte und wir waren uns nicht sicher, ob er in der neuen Umgebung auch die gleichen Chancen gehabt hätte. Ein weiterer Grund war unser toller Freundeskreis.
Was hat sich in Südafrika zum Positiven, was zum Negativen entwickelt?
Das ist schwierig zu beantworten, weil ich nicht mehr dort lebe. Bei jedem Besuch sieht man jedoch positive Fortschritte jeglicher Art. Die Schwarzen haben viel mehr Chancen als früher. Die Weissen kehren heute zum Teil Südafrika den Rücken. Das tut mir weh, weil auch viel Know-how verloren geht. Es sind alles gut qualifizierte Leute.
Ist Nelson Mandela ein Held?
Nelson Mandela ist für mich ein Held. Wie er die Herrschaft übernahm und alles handhabte, war meisterhaft. Wir hätten uns damals keinen besseren Menschen wünschen können. Dank ihm gab es einen reibungslosen Übergang.
Fühlen Sie ab und zu Heimweh?
Heimweh habe ich eher selten. Fast jedes Jahr zieht es uns aber trotzdem ins südliche Afrika, um meine Familie und Freunde zu besuchen, auf Safari zu gehen, Golf zu spielen oder einfach die Freiheit und die Weite zu geniessen.
Was bedeutet die WM für Südafrika?
Die WM ist sicher eine grosse Chance für Südafrika. Eine Frage ist, wie Südafrika das Transportproblem lösen kann. Johannesburg ist schon heute verstopft. Die Leute haben alle eine Stunde Fahrzeit zur Arbeit und sind auf ihr Auto angewiesen, weil es kein ausgebautes Transportwesen gibt.
Welche Orte muss man unbedingt besuchen, wenn man nach Südafrika reist?
In Südafrika haben wir wunderschöne Strände. Wir gehen oft in den Eastern Cape in die Ferien. Kapstadt ist immer eine Reise wert. In Kapstadt sollte man auch einmal den Tafelberg und das Kap der Guten Hoffnung und selbstverständlich auch ein Weingut besuchen. Nicht zu vergessen sind natürlich auch die vielen Tierparks wie beispielsweise der Krügerpark.
Welche Orte muss man unbedingt besuchen, wenn man an die WM nach Südafrika reist?
In Südafrika haben wir wunderschöne Strände. Wir gehen oft in den Eastern Cape in die Ferien. Kapstadt ist immer eine Reise wert. In Kapstadt sollte man auch einmal den Tafelberg und das Kap der Guten Hoffnung und selbstverständlich auch ein Weingut besuchen. Nicht zu vergessen sind natürlich auch die vielen Tierpärke wie beispielsweise der Krügerpark.
Worauf kann sich der Fan in Südafrika freuen?
Freuen kann sich der Fan sicher auf die Euphorie um die Spiele in diesem wunderschönen Land. Die Leute sind nett und gastfreundlich. Man hat so viele verschiedene Rassen wie die Coloureds, die Xhosa, die Zulus, als auch die Inder, Chinesen, Portugiesen, Griechen. Ich kann mich noch gut erinnern, früher hatten alle Portugiesen diese Gemüsemärkte, die Griechen die Cafés, die Italiener die Restaurants. Ich hoffe, dass die WM vor allem Johannesburg und Umgebung aufpolieren wird und allen Südafrikanern klarmacht, was es heisst, Gastgeber der ganzen Welt zu sein.
Was halten Sie von den Vuzuelas, diesen Tröten?
Die Leute in den Stadien mit ihren Trompeten habe ich am Fernsehen am Confed-Cup gehört. Man muss aufpassen, dass man nicht gerade eine Trompete links und rechts neben sich hat. Aber das gehört in Südafrika als Stimmungsmacher zum Spiel.
Wie werden Sie die WM verfolgen?
Ich werde die Weltmeisterschaft am Fernsehen mitverfolgen. Zu dieser Zeit nach Südafrika zu reisen, möchte ich nicht, denn das ganze südliche Afrika wird ausgebucht sein. Ich bevorzuge die Ruhe und möchte nicht überall Leute antreffen. Ich werde bestimmt die Spiele mitverfolgen und hoffe auf eine wunderschöne erfolgreiche Fussball-WM für die Schweizer als auch für die Südafrikaner.
Wie viel Südafrika steckt eigentlich in Roger Federer?
Er hat einmal in einem Interview gesagt, die Lockerheit hätte er von seiner Mutter gekriegt und die disziplinierte Seite vom Vater. Da ist schon etwas Wahres dran. Er ist sehr relaxt. Den Spieltrieb hat er wohl auch von mir. Ich war sehr ehrgeizig im Sport, das gebe ich zu. Ich war aber zu jeder Zeit sportlich fair was sicher auch bei Roger abgefärbt hat.
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Lynette Federer hat bis 1973 in der Nähe von Johannesburg gelebt. Für sie strahlt das Land der Farben bis heute eine grosse Anziehungskraft aus.
VON FRANÇOIS SCHMID-BECHTEL