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Es gibt Berufe und Tätigkeiten, die schliessen sich aus. Weil Interessenskonflikte nicht auszuschliessen sind.
Also beispielsweise: wer auf die PR-Seite wechselt, kann nicht mehr als Journalist tätig sein.
Doch das kommt immer wieder vor.
Und umgekehrt: wenn ich Journalist bin, dann habe ich auf der PR-Seite nichts verloren.
Sich mit PR-Arbeit ein Zubrot zu verdienen (mit dick gestrichener Butter und löffelweise Marmelade drauf), ist jedoch für viele Journalisten gang und gäbe.
Was sich ebenfalls ausschliesst, ist, als PR-Mann politische Kampagnen zu managen und gleichzeitig gewählter Volksvertreter in einem Parlament zu sein.
Doch auch das kommt vor.
Beispielsweise sieht der Basler-Farner Mann und Regierungsratsanwärter der FDP, Baschi Dürr, kein Problem darin, dass er ein gewählter Volksvertreter, ein vom Parlament gewählter Präsident einer der wichtigsten Kommissionen ist und gleichzeitig politische oder politähnliche Kampagnen für Kunden verantwortet, die er nicht offenlegen will und kann.
Weil Herr Dürr das offenbar nicht weiss, respektive nicht einsieht, eignet er sich nicht für das Amt des Regierungsrates.
PS: Die Kombination Journalist und Parlamentarier ist auch nicht koscher.
Kommentare
Wahrsager meint
Wenn BD gut ist soll er gewählt werden können, ich wähle ihn aber nur nach Offenlegung aller seiner Verbindungen. Die kommen doch alle aus, zum „richtigen“ Zeitpunkt. Die Wahl-PR für Herr Malama hob sich gut von anderen ab.
Luca Urgese meint
Ich frage mich, worin sich Interessenkonflikte in der PR-Branche unterscheiden von Interessenkonflikten in anderen Branchen.
Was ist z.B. mit dem Baugeschäfts-Inhaber, wenn es um Bauprojekte geht? Dem Staatsangestellten, wenn es um seine Pensionskasse geht? Dem Anwalt, wenn es um die Interessen eines seiner Klienten geht, die er aufgrund des Anwaltsgeheimnisses nicht offenlegen darf? Wer bleibt denn eigentlich übrig, der nie Interessenkonflikte hat?
Entscheidend ist meiner Ansicht nach, dass bei Interessenkonflikten Transparenz geschaffen wird. Baschi Dürr ging hier mit gutem Beispiel voran: so legte er gegenüber der Finanzkommission als deren Präsident offen, dass er ein Mandat von der IWB inne hatte, als es um eine Untersuchung gegen die IWB ging und kündigte an, in den Ausstand zu treten (vgl. Tageswoche vom 3. Februar, S. 16).
Dass es in einem Milizparlament immer wieder Interessenkonflikte geben kann, liegt in der Natur dieses Systems. Wer das nicht will, muss konsequenterweise ein Berufsparlament schaffen und alle nebenamtlichen Tätigkeiten verbieten.
M.M. meint
Es ist relativ einfach und deshalb ist der PR-Job nicht mit einem anderer Branche zu vergleichen: sie machen praktisch mit allen Mandaten aktiv Politik auf der anderen Seite der Schranke.
Das wird klar bei Abstimmungsmandaten und ist nicht so klar, bei anderen Mandaten.
Als meine Agentur noch Basler Mandate (bis 1997) betreute, waren die alle direkt mit politischer Einflussnahme verknüpft.
Der Job ist, die öffentliche Meinung in eine gewünschte Richtung zu beeinflussen (ich sage bewusst nicht „zu manipulieren“.)
Ich kenne Beispiele, wo PR-Leute als Parlamentarier die Interessen ihrer Kunden verfolgten. Als Lobbyist ist das zu akzeptieren, aber als gewählter Volksvertreter nicht.
Man könnte beispielsweise die Frage stellen, seit wann Herr Malama den Herrn Dürr auf seiner Payroll hat. Unter anderem in Sachen Parkraumbewirtschaftung.
Auf Kundenseite ist es übrigens auch nur dann interessant, mit einem PR-gewählter-Volksvertreter-Menschen zusammenzuarbeiten, wenn die direkte Nähe zu Politikern, politischen Prozessen, Kommissionsarbeiten und Parteien von Interesse ist. Ansonsten sucht man eher Distanz zu wahren.
Einen Volksvertreter zu finanzieren, ist heutzutage eben auch für Unternehmen verdammt heikel geworden. Deshalb erstaunt es nicht, dass Herr Dürr nicht alle seine Mandate offenlegen kann (unsere Mandate sind alle öffentlich, schliesslich stehen wir derentwegen ja immer wieder mit Journalisten Kontakt, siehe messmerpartner.com).
Es interessiert mich nicht, wie andere Branchen das halten. Ich stelle nur fest, dass in der PR-Branche diese Art von Hütewechseln verpönt ist.
Michael Przewrocki meint
Unaufrichtigkeit ist Gift für die „Schweizer“ Tugenden.
Fred David meint
Ja, es ist Zeit, den Misthaufen (für zartere Gemüter: den zusammengepappten Strohhaufen) näher zu untersuchen. Ich meine nicht die Region Basel, da kenne ich mich als CH-Ossi mit den spezifischen Einzelheiten zuwenig aus. Ich meine das System Schweiz. Vorne die direktdemokratische Schweizerische Eidgenossenschaft GmbH mit allem, was man so kennt: immer schön von Scheinwerfern angestrahlt. Dahinter, im Dunkeln der Kulisse, die Schweiz AG, die der Tranparenz und der Demokratie weitgehend entzogen ist.
Dazwischen patrouillieren jene interessengebundenen Journalisten, die mal auf der einen, mal auf der andern Seite der Kulisse stehen, grad wie’s opportun und gut für Geschäft ist: verkappte Interessenvertreter.
An der zaghaft anrollenden Diskussion zum Bankenstaat kann man dieses Wechselspiel besonder gut erkennen.