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Nach Horror („El orfanato“) und Faktendrama („The Impossible“) wendet sich der spanische Regisseur J. A. Bayona nun Patrick Ness’ Kinderbuch „A Monster Calls“ zu. Heraus gekommen ist ein gut gemeinter, aber letztlich seichter Film.
Conor O’Malley (Lewis MacDougall) macht eine schwierige Zeit durch: Seine Mutter (Felicity Jones) ist schwer krank, sein Vater (Toby Kebbell) lebt weit weg in Los Angeles, mit seiner Grossmutter (Sigourney Weaver) versteht er sich nicht, und in der Schule wird er tagtäglich ausgelacht und schikaniert. Selbst im Schlaf findet er keine Ruhe: In einem wiederkehrenden Traum versucht er erfolglos, seine Mutter davor zu bewahren, in einer Erdspalte zu verschwinden. Doch eines Nachts wird Conor von einem riesigen Baummonster (hervorragend: Liam Neeson) besucht, das verspricht, ihm drei wahre Geschichten zu erzählen, die dem Jungen dabei helfen sollen, die schmerzhafte Wahrheit seines Albtraums auszusprechen.
„A Monster Calls“ ist einer jener Filme, die makellos gemacht sind und das Herz zweifellos am rechten Fleck haben, daraus aber nur wenig Kapital zu schlagen vermögen. Patrick Ness, der sein Buch selber zu einem Skript umgearbeitet hat, erzählt eine humane Fantasy-Geschichte von einem Jungen, der lernen muss, mit der eigenen Trauer umzugehen. Neun Goya-Awards hat das Werk von der spanischen Akademie erhalten, die meisten davon in technischen Kategorien, wo Produktionen wie „Julieta“, „El hombre de las mil caras“ oder „Tarde para la ira“ gegen Bayonas 43-Millionen-Dollar-Budget chancenlos blieben. Und doch werden irgendwie Erinnerungen an „Hitchcock“ (2012) wach, wo Anthony Hopkins klagt: „It just sits there, refusing to come alive“.
Das hat mit der fehlenden emotionalen Zugkraft der Darsteller und auch der Dramaturgie zu tun. Lewis MacDougall, konfrontiert mit einer schwach konturierten Figur, gibt sein Bestes, bekundet aber sichtlich Mühe damit, in dramatischen Szenen nicht ins heftige Chargieren zu verfallen. (Er ist nicht allein: Auch von Sigourney Weaver ist man Überzeugenderes gewohnt.) Der Plot wiederum besteht überwiegend aus Momenten aus Conors Alltag, die man in dieser Art bereits in genügend anderen Coming-of-Age- und Krebs-Narrativen gesehen hat.
Abwechslung wird in Form von Liam Neesons wunderbar animierten Erzählungen geboten, deren Inhalt, bei aller Gewissenhaftigkeit, aber niemals mehr als ungelenke Metaphern sind. Zudem sind die Lehren, die der Film daraus zieht, frustrierend inkonsequent. Obwohl das Monster konstant versucht, Conor zu zeigen, dass man Menschen differenziert betrachten soll, anstatt sie in Gut und Böse zu unterteilen, sehen Ness und Bayona bis zuletzt davon ab, den bösartigen Schulrüpeln, die Conor drangsalieren, so etwas wie eine Hintergrundgeschichte zu geben.
Lange wird einem „A Monster Calls“ nicht in Erinnerung bleiben. Es ist ein Märchen, das sich selber weitaus subtiler und magischer vorkommt, als es tatsächlich ist. Am Schluss bleibt vorab Frustration: Wie kann ein Film über ein mythisches Baummonster, das stets um sieben Minuten nach Mitternacht auftaucht, dermassen dröge wirken?
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Kinostart Deutschschweiz: 9.2.2017
Filmfakten: „A Monster Calls“ / Regie: J. A. Bayona / Mit: Lewis MacDougall, Liam Neeson, Sigourney Weaver, Felicity Jones, Toby Kebbell, Geraldine Chaplin / Spanien, UK, USA / 108 Minuten
Bild- und Trailerquelle: Impuls Pictures AG