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Schwitzen ist eine natürliche Körperfunktion zur Regulation der Körpertemperatur und wird teilweise durch das sympathische Nervensystem gesteuert, welches ein Bestandteil des vegetativen oder autonomen Nervensystems darstellt. Ca. 1% der Bevölkerung weisen eine übermässige Aktivität dieses Systems auf, weit mehr als zur normalen Temperaturregulierung notwendig. Es bleibt letztlich unklar, ob eine Überaktivität des sympathischen Nervensystemes oder der Schweissdrüsen selbst zu diesem als Hyperhidrosis bezeichneten Zustand führen.
Einteilung und Ursachen
Primäre Hyperhidrosis
Die primäre Hyperhidrosis ist die häufigste Ursache für übermässiges Schwitzen. Sie beginnt meist mit der Pubertät und hält lebenslang an. Die Schweissattacken treten plötzlich und unkontrollierbar auf, wobei auslösende Faktoren Aufregung und Nervosität sein können. Die primäre Hyperhidrosis ist aber keine psychische Erkrankung! Umgekehrt kann jedoch das übermässige Schwitzen den Zustand bereits psychisch erkrankter Menschen zusätzlich verschlechtern.
Klassische Lokalisationen sind:
- Hände, Handflächen
Übermässiges Schwitzen der Handflächen wird auch als palmare Hyperhidrosis bezeichnet. Unangenehmste Form der Hyperhidrosis mit starker Exposition im sozialen und beruflichen Umfeld. Manifestationen von feuchten bis zu tropfenden Händen mit kühler, weisslich-bläulicher Haut.
- Achselhöhlen
Übermässiges Schwitzen der Achselhöhlen wird auch axilläre Hyperhidrosis genannt. Kommt häufig in Kombination mit übermässigem Schwitzen der Fussohlen vor.
- Füsse, Fussohlen
Übermässiges Schwitzen der Fussohlen wird auch plantare Hyperhidrosis genannt. Ist die starke Schweissbildung bereits ohne Tragen von Schuhwerk.
- Gesicht
Sekundäre Hyperhidrosis
Übermässiges Schwitzen meist am ganzen Körper als Symptom einer anderen zugrundeliegenden Erkrankung:
- Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) oder ähnliche Erkrankungen des Hormonhaushaltes
- Hormonelle Behandlung bei Prostatakrebs oder anderen bösartigen Erkrankungen
- Schwere psychische Erkrankungen
- Krankhafte Fettsucht (morbide Adipositas)
- Hitzewallungen im Klimakterium
- Erythrophobie (plötzlich auftauchende Rötung, die über das ganze Gesicht verbreitet ist)
Behandlungsmöglichkeiten
Das übermässige Schwitzen als Symptom einer Erkrankung wird primär durch die Behandlung der auslösenden Krankheit behandelt. Tritt übermässiges Schwitzen ohne bekannte Ursache auf, bestehen verschiedene medikamentöse und weitere konservative Therapiemöglichkeiten, sowie die chirurgische Therapie mittels thorakaler Sympathektomie.
Diese chirurgische Behandlung beinhaltet die Durchtrennung der sympathischen Nerven, welche die Impulse zur Schweissabsonderung an die Schweissdrüsen senden.
Dies geschieht heutzutage in minimal-invasiver Technik mittels einer Spiegelung des Brustkorbes (Thorakoskopie) und Durchtrennung des sympathischen Grenzstranges (Sympathektomie) auf bis zu 3 Segmenten. Unter Vollnarkose wird pro Seite ein kleiner Schnitt am vorderen Ende der Achselhöhle angelegt, wo die Operation durchgeführt wird und anschliessend ein dünner Schlauch (Thoraxdrainage) zur Wiederherstellung des Unterdruckes herausgeführt wird. Diese Schläuche werden in der Regel noch während der Operation entfernt. Diese Operation wird grundsätzlich ambulant durchgeführt und stellt in den Händen des geübten Chirurgen eine Routineoperation dar und ist mit geringen Risiken verbunden.