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| Origenes († 253/54) - Gegen Celsus (Contra Celsum)

Fünftes Buch
34.
Damit wir aber die dazwischenliegenden Einwürfe des Celsus nicht übergehen, wollen wir auch diese Worte anführen. Er sagt: " Wir könnten uns hierfür auch auf das Zeugnis des Herodot berufen, der sich so äußert: 'Denn die Bürger der Städte Marea und Apis, die die Grenzgebiete Ägyptens nach Libyien zu bewohnen, glaubten, sie wären Libyer und keine Ägyptier, fanden den Opferdienst lästig und wollten am Genuß des Kuhfleisches nicht gehindert sein. Sie sandten daher zum Ammon und behaupteten, sie hätten mit den Ägyptiern nichts gemein; denn sie wohnten außerhalb des Deltas und seien im Glauben von jenen ganz verschieden und wollten, dass ihnen von allem zu essen erlaubt wäre. Aber der Gott gestattete ihnen dies nicht, indem er sprach: Das wäre Ägypten, was der Nil überschwemme und bewässere, und das wären Ägyptier, die, unterhalb der Stadt Elephantine wohnend, aus diesem Flusse tränken'. So lautet der Bericht des Herodot. Ammon aber ist keineswegs weniger tüchtig, von den göttlichen Dingen Kunde zu geben, als die Engel der Juden. Daher ist es recht und billig, wenn jedes Volk die bei ihm üblichen religiösen Gebräuche beobachtet. Allerdings werden sie hierin bei den Völkern die größten Unterschiede finden; und trotzdem hält ein jedes seine Art der Gottesverehrung für die bei weitem beste. Von den Äthiopen verehren diejenigen, welche Meroe bewohnen, nur den Zeus und den Dionysos, die Araber nur die Urania und den Dionysos, alle Ägyptier den Osiris und die Isis, die Bewohner von Sais aber die Athene. Die Naukratiten fingen vor gar nicht langer Zeit an, den Sarapis anzurufen; auch die übrigen haben je nach den Gauen ihre besonderen Götter. Die einen enthalten sich der Schafe, da sie diese als heilig betrachten und verehren, andere der Ziegen, andere der Krokodile, andere der Kühe; von den Schweinen aber halten sie sich mit Abscheu fern. Den Skythen gilt es sogar als sittliche Pflicht, Menschen zu verzehren, und unter den Indern gibt es einige, die fromm zu handeln glauben, wenn sie ihre Väter verspeisen. Derselbe Herodot sagt irgendwo - damit man mir glaube, will ich seine eigenen Worte anführen -, er berichtet folgendermaßen: 'Wenn man allen Menschen freistellte, sie sollten sich aus den gesamten Gesetzen die besten aussuchen, so würden sie alle wohl nach genauer Untersuchung ein jeder seine eigenen wählen; so hält jeder einzelne seine Gesetze für die bei weitem besten von allen.
Es ist also unwahrscheinlich, dass ein anderer als ein rasender Mensch mit solchen Dingen seinen Scherz treiben würde. Dass aber die Gesamtheit der Menschen diese Ansicht über die Gesetze teilt, das kann man aus vielen andern Beweisen und auch hieraus schließen. Als Darius König war, berief er die Griechen, die bei ihm waren, und fragte sie, um welchen Preis sie ihre gestorbenen Väter verspeisen wollten. Die aber sagten, das würden sie um keinen Preis tun. Hierauf berief Darius die Kalatier, ein indisches Volk, die ihre eigenen Eltern verzehren, und fragte sie in Gegenwart der Griechen, denen ein Dolmetscher das Gesprochene erklärte, um welchen Preis sie sich wohl dazu verstehen würden, die Leichen ihrer Väter mit Feuer zu verbrennen. Die aber schrieen laut auf und sagten, er solle nicht so gottlos reden. So gelten nun diese Bräuche, und Pindar scheint mir Recht zu haben, wenn er sagt, dass das Gesetz als König über alle herrsche' "