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Kompost
Liest man die gängigen Gartenratgeber zum Thema Kompost, so glaubt man bald, alles nur falsch machen zu können. Natürlich kann man einen Kompost nach wissenschaftlichen Kriterien aufbauen, zusammensetzen und bewirtschaften, und das Resultat wird sicherlich Top-Komposterde sein. Ich habe aber keinen Platz, um alle Kompostmaterialien zuerst zu sammeln, bevor ich sie zu Mieten von exakt einem Meter Höhe, Breite und Tiefe aufschichte. Ich habe auch keine Lust, besagte Miete mindestens zweimal umzusetzen, bei Überhitzung zu öffnen, bei Trockenheit zu giessen, mittels gelochten Rohren zu belüften.
Das Kompostieren geht bei uns folgendermassen vonstatten: Den Sommer über werden alle kompostierbaren Abfälle (ausser grobes Astwerk) auf zwei Haufen gesammelt. Ein Haufen liegt im vorderen Teil des Gartens unter dem Flieder in einem gängigen Kompostgitter, das mit einer schwarzen Mulchfolie ausgeschlagen ist (die hält länger als die gelochten Kompostgitterfolien), der zweite im unteren Ende des Gartens am Hang hinter dem Haus unter dem wilden Kirschbaum. Ein einziger Kompostplatz wäre zwar idealer, da unser Garten aber zweigeteilt ist (ein relativ flacher Teil vor dem Haus, ein terassierter Teil am Hang hinter dem Haus) haben wir zwei davon, was uns ziemlich viel Kompstschlepperei erspart (es gibt auch so noch genug davon). Die zwei Haufen werden im Herbst einmal umgesetzt (oben nach unten, innen nach aussen), mit viel langem Grasschnitt zugedeckt und ihrem Schicksal überlassen. Im darauffolgenden Mai werden die Kürbisse darauf gepflanzt, und im Herbst wird ein Teil der nun fertigen Komposterde (ungesiebt!) im Garten verteilt. Der Rest überwintert auf einem zugedeckten Haufen und wird im drauffolgenden Frühling u. a. für die Tomatentopfkultur gebraucht. An jedem Kompostplatz hat es somit immer zwei Haufen: einer, auf den alles frische Kompostiergut kommt, und einer, der ruht bzw. auf dem Kürbis wächst.
Ich höre immer wieder das Argument, Kürbis würde den Kompost auslaugen und er sei danach nicht mehr so wertvoll für den Garten. Andererseits benötigt der Kürbis, wo immer er auch wächst, Nährstoffe - also kann er sie geradesogut direkt aus dem Kompost beziehen. Auch sei das Verteilen des Kompostes schon im Herbst problematisch, da die Nährstoffe so den Winter über ausgewaschen würden. Natürlich ist das der Fall, wenn man den Kompost auf die nackte Erde wirft und seinem Schicksal überlässt. Bei uns wird aber jedes Beet im Herbst sorgfältig gemulcht oder mit Gründüngung eingesät, liegt also nicht den Elementen ausgesetzt da. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass auf diese Weise im Frühling unter der Mulchschicht wunderbare Erde zum Vorschein kommt und das Bodenleben durch die Kompostgabe bereits im Herbst sehr profitiert.
Es gibt einzelne Beete, die erst im Frühling mit Kompost versorgt werden (z. B. die, die den Winter über mit Spinat oder Rosenkohl bepflanzt sind). Auch die jungen Obstbäume erhalten ihren Kompost erst im Frühling, da die Baumscheiben wegen den Mäusen im Winter nicht gemulcht werden können. Ein paar Kübel brauche ich auch noch für die Beerensträucher, und auch das Gewächshaus erhält seine Dosis braunes Gold erst im Frühling.
Gehölzschnitt lassen wir übrigens häckseln und mulchen damit die Wege im vorderen Garten, es kommt, da es zur Verrottung viel Stickstoff benötigt, nicht auf den Kompost.
Unser Kompost setzt sich zusammen aus:
- Ausgerissenes Unkraut (mit Wurzeln und Samen!)
- Rüstabfälle aus der Küche
- Erntereste aus dem Garten
- Mist unserer fünf Hühner
- Holzasche
- Der eine oder andere Kuhfladen von der Weide nebenan
Nicht auf den Kompost gelangt:
- Zeitungspapier, Karton
- Speisereste, Knochen (lockt den Fuchs an)
- Holzhäcksel
Für das anfallende Laub im Herbst legen wir einen eigenen Haufen an, der einmal umgesetzt wird und nach eineinhalb Jahren als Aussaat- und Pflanzerde verwendet wird, da er keine Samen und wenig Nährstoffe enthält. Mit dem Rasen- und Grasschnitt werden die Beete und die Wege im Terassengarten gemulcht, sie kommen also ausser zur Abdeckung nicht auf den Kompost.