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Merkmale zur Unterscheidung von Zeichentypen
Diesen Text hat Paul Michel geschrieben; er geht teilweise zurück auf dessen Aufsatz »Destruktion des Symbolbegriffs« in Band 9 der Schriften zur Symbolforschung: Die biologischen und die kulturellen Wurzeln des Symbolgebrauchs, Verlag Peter Lang, Bern 1994. — Letztes Update Mai 2016.
Einerseits sind emphatisch aufgeladene Gemeinplätze über das Symbol im Umlauf:
Das sind allerdings eher Glaubenssätze als an den Phänomenen begründete Aussagen. Und diese für ›das Symbol‹ reklamierten Kriterien sind keineswegs Alleinstellungsmerkmale. Sie charakterisieren teilweise auch andere Zeichen.
Anderseits kann man am Bahnhofkiosk sogenannte ›Symbolfibeln‹ kaufen (und im WWW gibt es ungezählte solche), in denen steht, welches Symbol was bedeutet, also eine schlichte (oft auch umkehrbare) Eins-zu-eins-Relation.
Beide Zugänge führen nicht recht weiter; sie werden der Fülle der einzelnen Symbole und ähnlicher Gestalten nicht gerecht.
So wollen wir eine simplifizierende Definition von ›Symbol‹ vermeiden und weiter ausholen, indem wir beginnen mit dem primitiven, aber tauglichen Schema »aliquid stat pro aliquo«:
Damit kann jedes Zeichen gefasst werden. Die Bestandteile des Schemas lassen sich feiner differenzieren. Viellleicht lässt sich das ›Symbol par exellence‹ auf diese Weise besser bestimmen.
Viele gelehrte Leute haben seit der Antike bis in die Gegenwart über den Zeichengebrauch nachgedacht. Sie haben dabei verschiedene Dimensionen beleuchtet und mitunter auch etwas verabsolutiert. Ich erwähne hier nur einige wenige:
Wie so oft wurde das Rad mehrmals erfunden.
Wir erstellen im folgenden einen Katalog unterscheidender Merkmale, mit denen wir konkrete Fälle von Symbolgebrauch beschreiben, gleichsam ein Signalement eines bestimmten Symbols abgeben können. Es handelt sich hier nicht um eine Zeichentheorie, sondern um einen Behelf, um die Sache genau zu betrachten.
Anmerkung: Zwischen Signifiant (das Bedeutende) und Signifié (das Bedeutete) zu unterscheiden, ist für einen an die Postmoderne gewöhnten Leser nicht auf der Höhe der Zeit. So zu unterscheiden ist aber für eine Einführung sehr praktisch.
Was kann als bedeutsam auftreten? Was ist das Signifiant? Grundsätzlich alles!
Bei der Analyse eines Symbols muss grundsätzlich abgeklärt werden, wie das Signifiant beschaffen ist. Das heisst nicht: herumphantasieren, was einem so in den Sinn kommt, sondern möglichst genau aus (historisch abliegenden oder kulturell fremden) Quellen erschließen, was die Verwender dieser Symbolik über die bedeutsame Sache wissen oder wussten. Man sucht Quellen zu den der untersuchten Symbolik zeitgenössichen Vorstellungen über Tiere, Pflanzen, Maschine, Pesonen usw. Diese findet man leicht in Enzyklopädien der Zeit.
Beispiel für ein Artefakt: Das Zaumzeug — der Fürst regiert und korrigiert:
Beispiel für eine soziale Handlung: der Herrscher sitzt / die Untertanen stehen:
Worauf verweisen diese Dinge, was ist das Signifié? (Damit ist impliziert: in welcher Lebenswelt bewegen wir uns?)
Hier gilt das gleiche wie zu <1> Gesagte. Man muss sich ein Bild machen von den möglichen Vorstellungen im Bereich des vermuteten Signifiants, also beispielsweise Quellen suchen zur Rechts- und Sozialgeschichte, zur Dogmatik, usw.
Beispiel: Die Liebe verwundet.
Beispiel: Goethes »Wahlverwandtschaften« (1. Teil, 2. Kap.): Charlotte fügt dem Brief an den Hauptmann – in den sie sich später verlieben wird – eine Nachschrift hinzu, wobei der Erzähler kommentiert: Sie schrieb mit gewandter Feder gefällig und verbindlich, aber doch mit einer Art von Hast, die ihr sonst nicht gewöhnlich war! und was ihr nicht leicht begegnete, sie verunstaltete das Papier zuletzt mit einem Dintenfleck, der sie ärgerlich machte und nur größer wurde, indem sie ihn wegwischen wollte. Der Fleck ist ein Symbol für Charlottes Verfehlung; alle Signale, ihn so zu verstehen, sind im Text getilgt.
Weshalb wird das erscheinende Phänomen überhaupt als Signifiant erkannt?
Oft deuten wir Dinge als Zeichen, weil wir von der Erwartung ausgehen, es müsse hier etwas Bedeutsames vorliegen.
Oft aber merken wir gar nicht, dass z.B. mit einem Detail in einer Zeichnung oder mit einer Geste in einem Kommunikationsablauf ›etwas gemeint ist‹.
Blaise Pascal hat einmal formuliert: »Deux erreurs: 1º prendre tout littéralement; 2º prendre tout spirituellement.« (Pensées, Fragement Nr. 648 in der Edition von Brunschwicg)
Beispiel für Überinterpretation: Es ist immer damit zu rechnen, daß eine ursprünglich keineswegs als Zeichen intendierte Struktur in einen Erwartungshorizont gerät, in dem vom Rezipienten alles als bedeutsam empfunden wird. Diesem Druck hält kaum etwas stand. Beispiel sind die am Kopf zusammengewachsenen zweileibigen Tiere in der romanischen Bauornamentik, welche in Kunstführern z.Bsp. als »Symbol der Überwindung der Gegensätze« oder als »Symbol für den Eros als der Einheit tragenden Grund« oder ähnlich gedeutet werden.
Der Ursprung dieser Gestalten ist aber ein anderer: Die Skulpteure waren bestrebt, die Ecken der Kapitelle durch etwas Knaufartiges zu betonen. Im korinthischen Kapitell wächst der Akanthus in runder Form aus dem Säulenschaft; die ›Helix‹ betont die Ecke oben unter dem rechteckigen Kämpfer. Ein Kopf eines Tieres, dessen Leib auf dem Schild des Kapitells angeordnet ist, bietet sich genau so gut an. Zwei Löwenköpfe in der Ecke würden diesen Effekt aber gerade wieder zunichte machen. Was liegt näher, als die beiden Leiber unter éinem Kopf zu vereinigen? Das liebe Tier tut’s um der Ästhetik willen.
Beispiel für unerkannte Symbolik:
Ein Emblem zeigt als Pictura zwei Tauchervögel, einen eben untertauchenden und einen auf der Wasseroberfläche; im Hintergrund eine Uferlandschaft und ein Schloss. Das Lemma Mersus ut emergam (untergetaucht möge ich auftauchen) gibt der deutsche Übersetzer so wieder: Drumb hat mich der Trübsals=Bach gäntzlich überschwommen/ Daß ich freudiger empor wieder möge kommen.
Das Epigramm besagt: Offtmahls wird ein tapffrer Mann von den tieffen Unglücks Wasser/ unversehens überschwemmt/ und von vielen grimmen Hassern/ Angefeindet und verfolgt/ doch wird er nicht unterdrückt/ weil der güt’ge Himmel ihn mitten in der Flut beglückt. Die rhetorische Funktion ist mithin die des Trostes. Das wird dann mit weiteren Texten bestätigt.
Nimmt man den zunächst als malerisches Kolorit aufgefassten Hintergrund ernst, so erkennt man am Ufer Schilf und einen gebrochenen Baum. Das erinnert stark an die Fabel von Eiche und Schilfrohr (de quercu et harundine bei Avianus und Babrius; Perry 70), die schon 1566 von Virgil Solis illustriert wurde:
Hier geht es um die Schlauheit des sich beugenden Schilfs, das wartet, bis der Sturm vorbei ist, während die stramme Eiche widerstehen will und bricht. La Fontaine hat die Fabel auf das Leben am Hof bezogen.
So enthält das Emblem zwei Aussagen, eine explizite und eine verborgene, nur dem Verständigen im Bild erkennbare.
Der Kunsthistoriker Erwin Panofsky stellte fest, daß holländische Maler im 17. Jahrhundert oft zeichenhaft gemeinte Gegenstände derart natürlich in die Welt des Bildes hineingewoben haben, daß sie nicht als solche auffallen; er spricht vom »principle of disguising symbols under the cloak of real things«. (E.P., Early Netherlandish Painting, 2. Auflage, Cambridge / Mass. 1964, S. 140ff.)
Das lässt sich auch so formulieren: Was muss der Interpret wissen, um vom Signifiant zum Signifié zu gelangen? Oder: Welche Brücken vermitteln vom Dargestellten zum Gemeinten?
Beispiel für eine mittelalterliche Auslegung des Verhaltens eines Tiers. Der Hase, von dem es im »Physiologus« (übers. O.Seel) heisst:
Diese sog. ›Brücken‹ haben oft die sprachliche Form eines metaphernhaltigen Satzes (vgl.: die Seele ist ein *Spiegel* Gottes). Solche Sätze haben einerseits einen Bezug zur Welt des Signifiants (Spiegel – putzen, das Urbild wiedergeben …), anderseits einen Bezug zur Welt des Signifiés (Religion: Aszese treiben = wachen, fasten, enthaltsam sein usw; Gott in der Seele haben). Man sucht solche Sätze in der zeitgenössischen Literatur (für religiöse Texte zuerst immer die Bibel mit einer Konkordanz absuchen). — Manchmal ist die Sache aber einfacher, so zum Beispiel, wenn eine gemeinsame Zahl zwischen den beiden Welten vermittelt (die Säulen im Kirchenbau bedeuten die Apostel aufgrund der gemeinsamen Zwölfzahl).
Die Größen <1>, <2> und <4> sind in Form eines logischen Schlusses miteinander verknüpft, derart, dass
Erst wenn alle drei Elemente bekannt sind oder zwingend erschlossen werden können, hat man einen plausiblen Deutungsansatz.
Beispiel: Johann Arndt, »Vier Bücher vom Wahren Christentumb« [1605/09; viele Neuauflagen]; die Embleme zuerst in der Ausgabe Riga 1669; zu Buch II, Kap. 21:
Beispiel für rein auf Konvention beruhende Zeichen: Beschauzeichen im spätmittelaltelichen Tuchhandel, die den Hersteller benennen und ein Gütesiegel der Zunft darstellen:
Beispiel für eine auf dem Alphabet beruhende Brücke:
Der Fisch ist ein altes christliches Symbol. Die Buchstaben, die das griechische Wort für Fisch – IΧΘΥΣ – bilden, lassen sich als Akrostichon eines Glaubensbekenntnisses lesen: »Jesus Christus, Theoú (Gottes) Hyiós (Sohn) Sōtér (Erlöser)«. Möglicherweise haben die verfolgten Christen in den ersten Jahrhunderten den Fisch als <6> Erkennungszeichen benutzt.
Voraussetzung für den Zeichengebrauch sind einige grundlegende Fähigkeiten (des Menschen, aber auch schon höher entwickelter Primaten):
Es heisst immer wieder, Symbole seien vieldeutig und dasselbe Ding könne ja alles meinen. Das ist eine Halbwahrheit: Je nach Ort der Anbringung / Textsorte / Verwendungszusammenhang kann dasselbe Signifié etwas anderes bedeuten und eine andere Funktion haben. Es ist wie bei der Homonymie im Wortschatz: der Kontext hat monosemierende Funktion.
Nicht nur der unmittelbare Kontext (im Buch, auf einem Bild) ist zu berücksichtigen, sondern auch der kulturelle Kontext. Im Zeitalter der Multikulti-Bewegung, wo jeder aus Indien eine nette Statuette des elfantenköpfigen Gottes Ganesha heimbringt, muss man betonen: Ohne Kenntnis des kulturellen Umfeldes kann man kaum Aussgen über eine Gestalt machen, die man für irgendwie symbolisch hält.
Beispiel: Der Löwe
• Im Kontext von Stier, Adler und Engel: Attribut des Evangelisten Markus
• Wenn er dargestellt wird, wie er die Welpen anhaucht: Allegorie Christi. Der »Physiologus« sagt: Die dritte Eigenart des Löwen ist: Wenn die Löwin gebärt, so wirft sie ein totes Junges, und es hütet die Löwin ihren Sohn, bis dass der Vater kommt am dritten Tage und ihm in’s Antlitz bläst und ihn erweckt. – Dergestalt hat auch der allmächtige Vater aller Dinge […], den Herrn Jesus Christus, am dritten Tage auferweckt von den Toten.
• Wenn er zusammen mit Schlange, Basilisk und Drache dargestellt ist, wie ihn Christus (hier am Kreuz) zertritt: Symbol des Teufels, beruhend auf Psalm 90 [Vulgata], 13 = 91,13, der als Vorausdeutung aufgefasst wurde: aspidem et basiliscum calcabis, conculcabis leonem et draconem (Über Schlangen und Basilisk wirst du schreiten, wirste zertrten Leuen und Drachen).
• Im Kontext von Bär, Krebs, Skorpion, Stier u.a.: Tierkreiszeichen
• Vor einem Palast oder auf einer Münze angebracht: heraldisches Symbol: Heinrich der Löwe (* 1129/30; † 1195), Herzog von Bayern und Sachsen, ließ während seiner Regentschaft in seiner Residenz Braunschweig um 1166 als Zeichen seiner herzoglichen Herrschaft und Gerichtshoheit ein Löwenstandbild errichten.
Was leistet das Zeichen? Welchen Erkenntniswert hat es? Welche sozial-pragmatische Leistung erbringt es? Welche (emotionale, ästhetische) Konnotation bringt es mit sich?
Landläufig sagt man einfach »das Zeichen <1> bedeutet dies oder jenes <2>«. Das ist aber zu primitiv.
Stets zu bedenken ist: Metaphern, Symbole usw. können als Argumente eingesetzt werden.
Beispiel für den Fall <1> verkündigt eine <2> Vereinbarung: die Zeremonie der immixtio manuum bei der Übergabe eines Lehens: Der Vassall verflicht seine Finger mit denjenigen des Herrn.
Beispiel für den Fall <1> ermächtigt zu einer Handlung <2>: Der ausgesteckte Kranz zeigt, dass dieser Wirt das von der Stadt verbürgte Recht hat, Wein auszuschenken (im Gegensatz zu Privaten, wo der Stadt die Steuereinnahmen verlorengehen würden).
Metapher – Vergleich – Gleichnis – Allegorie – Emblem –
Die Brücken zwischen Signifiant und Signifié brauchen im Text nicht genannt werden (in einem Bild ist das ohnehin schier unmöglich); dass sich beim Gesagten/Dargestellten um etwas zeichenhaft zu Deutendes handelt, wird mit zögerlichen Signalen angedeutet.
Die Beziehung kann auch ausgedeutet werden; dann spricht man (heutzutage) von Allegorie. (Vgl. mehr hierzu.)
Beispiel-Paar:
Ausdeutend: Friedrich von LOGAU, Deutsche Sinn=Sinngetichte, 1654 (Viertes Hundert, Nr. 88):
Andeutend: GOETHE, »Seefahrt« (1776/77):
Gemeinschaft stiftende Funktion von Symbolen
Die oben unter <6> genannten Funktion ist eine Funktion ad hoc, auf der Ebene der »parole« linguistisch gesprochen. Symbole haben aber auch eine soziale Funktion.
Wie alle kommunikativen Bräuche: Riten, Sitten, sprachliche Dialekte, tradierten Verhaltensmuster, Benimmregeln, ästhetische Moden u.ä. sind auch Symbole gemeinschaftsstiftend. Indem wir dies diese … Symbole verwenden, signalisieren wir: Wir gehören zusammen zum selben Clan, Club, Cluster.
Freilich sind in der obigen Aufzählung auch Praktiken enthalten, die kein Signifié im Sinne von <2> haben. Bedingung ist nur, dass das Feature bewusst gewählt ist, nicht durch Zufall oder äußere Faktoren bedingt; und dass sich der Wähelnde so von anderen Gruppen unterscheidet. So inhaltsleer sind aber nicht immer.
Literaturhinweis: Andreas Hebestreit, Die Vielen, die Wenigen und die Anderen, Münster: Votum-Verlag 1995.
Wird noch ausgeführt.
Irreführung durch Symbolik
Nicht alle Eigenschaften des Modells (signifiant) passen genau auf das Explanandum (signifié). Wie bei jeder Verwendung von Modellen, kann das i.d.R. vernachlässigt werden. (Dass im Flugzeugmodell für den Windkanal keine Passagiere sitzen.)
Dies muss aber von einer kritischen Warte aus bedacht werden. Insbesondere bei der Werbung und der politischen Propaganda spielen Insinuationen eine wichtige Rolle. – Das Buch von Vance Packard (1914–1996), »The Hidden Persuaders« (1957), war nur ein Vorgeschmack dessen, was uns heute zugemutet wird.
Beispiel: Organismus-Symbolik
Wird noch ausgeführt.
Mit den hier entfalteten distinktiven Merkmalen ist nur ein Inventar gegeben, mit dem ein einfaches (ein einfaches!) Zeichen genauer beschrieben werden kann.
Die Sache ist aber komplexer, weil Zeichen in verschiedener Weise miteinander kombiniert werden können und weil Zeichenbenutzer mit ihnen Spiel und Schabernack treiben können.
Oft kann man ein Zeichen nicht hinlänglich analysieren, indem man es gleichsam ›botanisierend‹ aus dem Pflanzenbestimmungsbuch klassifiziert. Dann muss man versuchen, die Genalogie zu rekonstruieren und aufzeigen, aus welchen einfacheren Bedürfnissen und aufgrund welcher Verschiebungen sich das Zeichen so darstellt, wie es sich zeigt und wirkt.
Zu diesem Zweck folgt hier ein zweiter (noch zu erweiternder) Katalog von Anregungen.
Ein Zeichen kann mehrere Funktionen erfüllen (Polysemie, Polyfunktionalität). Eine Unterschrift beispielsweise ist sowohl ein striktes Kennzeichen für den Unterschreibenden, als auch eine Deklaration (der Unterschreibende verpflichtet sich zu etwas).
Es kommt oft vor, dass dieselbe Leistung von mehreren verschiedenen Zeichen zugleich erbracht wird. So stehen beispielsweise im Dienst der Repräsentation von Herrschaft sowohl der Besitz der Insignien (Krone, Szepter, Sphaira, Mantel, Schwert), als auch das Herzeigen von Reichtum (Veranstaltung von Festen, Jagden, Turnieren, prächtige Ausstattung des Gefolges), als auch das Gründen von Städten.
Dieselbe Gaunerzinke wird von einem Strolch ganz anders gelesen wird – nämlich z.Bsp. als ›Hier bekommst du gelegentlich zu essen!‹ (d.h. ein Gauner gibt dem anderen ein Signal) – als von einem Gendarmen – nämlich: ›Es befinden sich Ganoven im Ort‹ (d.h. er nimmt das Zeichen als Symptom).
›Huckepack-Symboliken‹.
Felix Krulls epileptoider Anfall in der Musterungsszene (II,5): hier liegt Usurpation eines Symptoms vor. Die Ärzte erkennen die Gesichtsverzerrungen, die Krull simuliert, fälschlicherweise als Symptome für eine (wehrdienstbefreiende) Krankheit.
Beispiel: Schnitter Tod
Beispiel: Der Blinddarm (A) auf Zimmer 153 wird heute entlassen. Ersatzwort (A) und eigentlich Gemeintes (B: der Patient N.N.) lassen sich in folgendem Satz verknüpfen: ›Der Patient NN. (leidet an Blinddarm[entzündung].‹ – (Anders als bei der Metapher, wo man nur Sätze bilden kann vom Typ ›A ähnelt B.‹)
Es gibt eine ganze Reihe von Typen der Metonymie:
Die Leistung der Metonymie: Sie richtet den Blick auf das den Sprecher derzeit Interessierende, während die anderen Aspekte des Gemeinten werden ausgeblendet. Im Beispiel: das Pflegepersonal scheint sich vor allem für die Krankheit zu interessieren, nicht für den ganzen Patienten.
Strikt davon zu unterscheiden ist davon die (als Basis der Symbolik sehr wichtige) Metapher:
Metaphern sind Phänomene der Satzsemantik. Ein Wort, das gewohnheitsmäßig in einen bestimmten Weltausschnitt gehört, wird aktuell in einem anderen gebraucht, so, dass das dort zu erwartende in einem neuen Licht gesehen wird. Das metaphorisch vewendete Wort und das zu erwartende verhalten sich wie ein Modell zu seinem Explanandum (das, was damit erläutert werden soll). Mit dem metaphorisch verwendeten Wort und dem zu erwartenden Wort kann eine Satz gebildet werden von der logischen Struktur ›A ähnelt B.‹
Beispiel: In einem Bericht über Universitäts-Ereignisse steht: Nach der Vorlesung verließ Prof. M. den Tempel. Eigentlich zu erwarten wäre: den Hörsaal. Zum aktuell schräg verwendeten Wort Tempel assoziieren wir: priesterliches Gehabe; weihevolle Zeremonien, elitäre Sprache; diese Vorstellungen werden auf die Welt der Universität, insbesondere auf Prof. M. projiziert.
Wenn man länger im Spiel bleibt, entsteht aus der Metapher eine Allegorie (in der antiken Rhetorik ›metaphora continuata‹), im Beispiel: ... und er rollte die heiligen Schriften zusammen, während die Ministranten den Altar reinigten, d.h. die Tafel putzten ...
Literaturhinweise:
Max BLACK, Metaphor, in: Proceedings of the Aristotelian Society 55 (1954/55), S. 273-294 — web.stanford.edu/~eckert/PDF/Black1954.pdf
Gerhard KURZ, Metapher, Allegorie, Symbol. (Kleine Vandenhoeck-Reihe 1486), Göttingen 1982.
Genau besehen handelt es sich hier nicht um Zeichen, denn diese Gegenstände bedeuten nichts, sondern bewirken etwas; wobei allerdings das Bewirkende und das Bewirkte in einem Analogieverhältnis gedacht sind, das wie ein Zeichenverhältnis aussehen kann. Ähnlich ist es auch bei den Wirkmechanismen der Naturheilmittel, bei denen der Bezug zwischen dem Medikament und dem Wirkungsbereich oft und gerne zusätzlich motiviert wird: Der Jaspis läßt, wenn er im Licht gebrochen wird, in seinem ›Bauch‹ mehrere andere Steine erkennen und hat deshalb gynäkologische Funktion. Die Wirkung geschieht nach dem Prinzip ›similia similibus‹; der Stein und das Organ stehen in ›Sympathie‹.
Wenn Gott sich Moses im brennenden Dornbusch offenbart, kann man nicht von Symbolik sprechen, denn es besteht kein zeichnhafter Bezug zwischen der Pflanze und dem Göttlichen; der brennende Busch ist eine Erscheinugnsweise Gottes.
Ein Feinschmecker-Restaurant stellt einen Notenständer mit der Menukarte ins Schaufenster; intendierte Aussage: Hier isst man nicht einfach, sondern bei uns ist das Essen ein kulturelles Geschehen. — Der Marlboro-Raucher sitzt als Cowboy lässig auf einem Mustang und lässt den Blick über die Prärie schweifen; zum Marlboro-Typ paßt Weite und Freiheit. — Im 19. Jahrhundert wurden Bankgebäude im Stil der Renaissance-Palazzi gebaut; wer hier ein- und ausgeht, gehört zur Aristokratie, ist mächtig und vornehm. Die genannten Dinge (Notenständer usw.), werden mitunter auch als ›Symbole‹ bezeichnet; es handelt sich indessen bloß um Beigaben, welche assoziativ eine konnotative Aura heraufbeschwören.
Problematisch ist, ob wir hier den üblichen Sprachgebrauch (seit der Goethezeit? seit dem Expressionismus? in der Postmoderne?) nachvollziehen wollen, oder ob wir präskriptiv bestimmen wollen, wie der Begriff verwendet werden soll.
<1> das Signifiant ist faszinierend [eine Schuhschachtel taugt kaum]; es ist einfach, d.h. es besteht nicht aus einem Satz, einer Gesetzmäßigkeit wie zB wenn der Ballon größer ist, dann ist er leichter aufzublasen oder beim Treppenputzen beginnt man am besten oben (obwohl auch solche Sätze als bildliche Botschaft interpretiert werden können);
das Signifiant ist für unser Leben urtümlich, bedeutsam, wunderbar, emotional aufgeladen: die Hand (nicht das Knie); Brot (nicht Spaghetti); die Biene (nicht der Kormoran).
<2> das Signifié ist etwas Abstraktes, schwer sprachlich Ausdrückbares, oft auch Geheimnisvolles [Bruttoinlandprodukt, Rotationshyperboloid sind keine typischen Signifiés]
Exkurs: Kann man mit einem Symbol mehr sagen als in diskursiver Sprache?
Wörter sind recht rohe Werkzeuge; es sind gleichsam stenographische Kürzel für komplexe kognitive Schemata, die zu fassen schon bei alltäglichen Gegenständen mitunter sehr schwierig ist (Beispiel nur schon: Tisch). Aber die Wörter sind hinlängliche Werkzeuge zur Bewältigung des normalen Alltags. In der Regel reicht es, wenn wir dem Arzt sagen Ich habe Bauchweh in der Leistengegend oder zu einem Freund Sei doch jetzt nicht so zornig, und wir machen uns dabei nicht klar, dass wir das Wesen des Schmerzes bzw. des Zorns nur schwer ergründen könnten. Erst wenn Philosophen zu grübeln beginnen (Was ist eigentlich Schmerz, Zorn?), entstehen Probleme, namentlich das Gefühl, die Wörter seien unzureichend oder ihr Inhalt sei unauslotbar.
Für viele Entitäten, die wir kognitiv zu unterscheiden vermögen, haben wir nicht gerade ein Wort bereit und wir behelfen uns mit Metaphern oder Vergleichen. Oft ist der sog. metaphorische Ausdruck durchaus primär, wie Gestaltsehen dem analytischen Vermögen vorausgeht. Beispiele: Sie ging wie ein Flamingo; Er umgirrte das Mädchen. Das metaphorisch verwendete Wort sagt dann sehr viel mehr aus, als man mit Begriffen auszudrücken vermöchte. Dass die Metapher so viel mehr sagt, liegt daran, dass es wirklich sehr schwer beschreibbar ist, wie ein Flamingo eigentlich geht; die Beschreibung seines Gangs ist in der Regel, seit es Zoos gibt, auch nicht nötig, eine Ostensiv-Definition taugt besser als alle sprachliche Beschreibung. So stellt sich automatisch ein Gefälle ein: die Metapher ist schwieriger zu explizieren, ergo (?!) reichhaltiger als der ›eigentliche‹ Ausdruck (d.h. das Signifiant).
Es gibt auch Bereiche, über die nichts ausgesagt werden kann, weil es einem Tabu widerspricht. Über das Numinose darf / kann man nichts sagen. Dennoch haben die Spezialisten im Umgang mit dem Numinosen (Schamanen und Priester) einfachheitshalber Wörter für gewisse numinose Größen eingeführt (Sünde, Erlösung, der Himmel, Gott). Wenn man nun solche Behelfsbegriffe auf ihren Wortinhalt hin befragt und gleichzeitig die Spielregeln der Religion befolgt, so sehen diese Wörter aus, als wären sie zwar bedeutungsschwanger, aber nicht explizierbar.
<3> Auslöser: eine bestimmte Erwartungshaltung
Am Nationalfeiertag oder auf einem Friedhof erwarten wir eher Symbole anzutreffen als auf einem Jahrmarkt oder in einem Warenhaus (dort sind es eher Logos).
<4> Begründung des inhaltlichen Bezugs
Der Bezug ist intuitiv einsehbar, das heisst er erfordert kein Expertenwissen. Das Symbol scheint spontan auf das Gemeinte hin transparent. — Das braucht nicht zwingend auf ein anthropologisches Universale zurückzugehen, es kann auch auf einer kulturellen Einübung des Rezipienten beruhen.
<5> Kontexte sind <3> Auslöser
<6> Es kann verschiedene Funktionen haben, oft auch mehrere zugleich.
<7> Es wird keine explizite Ausdeutung mitgegeben – das würde auch <4> widersprechen.
Beispiel: Das Falkenlied des Kürenbergers
Hierzu gibt es einen hübschen Sketch hier.