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Ar 163
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Ar 163
1944-1982
3.8 m
Peter Heintz war ein Schweizer Soziologe, der in Lateinamerika und Europa lehrte. Er wurde am 6. November 1920 als Sohn eines Kaufmanns in Davos geboren. Nach Jugendjahren in Spanien und wissenschaftlichen Studien in Paris, Köln und Zürich promovierte Peter Heintz 1943 als Doktor der Staatswissenschaften/Volkswirtschaft (Dr. oec. publ.) an der Universität Zürich. Für sein lebenslanges Interesse an der Soziologie war die Begegnung mit Rene König, der während des Zweiten Weltkriegs in die Schweiz emigriert war, besonders wichtig. Später habilitierte sich Peter Heintz bei König mit einer Arbeit über "Die Autoritätsproblematik bei P.-J. Proudhon" (erschienen 1956). Zusammen mit seinem eingänglich geschriebenen Frühwerk "Anarchismus und Gegenwart" (1951) und der heute ebenfalls noch sehr lesenswerten Schrift "Soziale Vorurteile" (1957) stellte sich Heintz zusammen mit König, Adorno, Janowitz u.a. in die Reihe jener führenden Soziologen, die nach dem Zusammenbruch des Faschismus versuchten, die Entstehungsbedingungen autoritativer Verhaltensweisen und repressiver Herrschaftsordnungen freizulegen und Wege zu humaner Emanzipation und Kreativität aufzuzeigen. Ab 1956 arbeitete Peter Heintz im Auftrag der UNESCO in Costa Rica und Kolumbien und von 1960 bis 1965 leitete er die Facultad Latinoamericana de Ciencias Sociales (FLACSO) in Santiago de Chile. 1966 wurde Heintz an den neugeschaffenen Lehrstuhl für Soziologie in Zürich berufen, wo er bis zu seinem Tod (1983) unterrichtete und forschte. Peter Heintz leistete einen breitgefächerten Beitrag zur Soziologie, von der Weltsystemtheorie bis zu verschiedensten Aspekten des weltweiten Wandels (multinationale Unternehmungen, kognitive Codes, politische Regimetypen, etc.).
Nach dem Tod von Peter Heintz verblieb dessen Nachlass zunächst im Soziologischen Institut der Universität Zürich. Infolge des Umzugs des Soziologischen Instituts gelangte er vorübergehend in die Räumlichkeiten der Schule für Soziale Arbeit; ab 1988 diente das Büro von W. Obrecht in Langnau a.A. als Aufbewahrungsort. W. Obrecht war auch für die provisorische Ordnung und Verzeichnung des Nachlasses besorgt. Bearbeitet wurden lediglich die wissenschaftlichen Materialien sowie eine Reihe persönlicher Dokumente. Unbearbeitet blieben die Kongressunterlagen, die umfangreiche Korrespondenz sowie einiges Material aus der FLACSO-Zeit, insbesondere die Unterlagen von Schülern (Hernandez, Mory y Araujo).
Der Nachlass Peter Heintz umfasst einen wissenschaftlichen Teil (Lehrveranstaltungen, Publikationen, Vorträge, Interviews und Zeitungsartikel, Weltprojekte 1972-1978), biografische Dokumente sowie die umfangreiche Korrespondenz. Vorhanden sind im Weiteren eine mehr weniger vollständige Bibliographie und die Nachlassdokumentation von W. Obrecht. Der Nachlass von Peter Heintz ist sowohl wissenschaftsgeschichtlich wie auch zeitgeschichtlich bedeutsam. Reichhaltige Unterlagen zur Forschungs- und Lehrtätigkeit widerspiegeln die Wandlung vom empirischen Soziologen der Kölner Schule zum quantitativ arbeitenden Entwicklungssoziologen. Die Publikationen, Artikel und Vorträge decken eine breite Themenpalette ab, die von soziologischen Betrachtungen über die Zukunft der Universität, das Sexualverhalten von Jugendlichen bis hin zum Verhältnis von „Soziologie und Krankenhaus“ reicht. Zur zeitgeschichtlichen Relevanz trägt insbesondere die vorwiegend berufsbezogene Korrespondenz mit Akademikern aus der ganzen Welt bei. Viele Briefe (u.a. von und an René König, Alain Touraine, Theodor W. Adorno, Bert F. Hoselitz, Seymour Lipset, M. Rainer Lepsius, Johan Galtung) illustrieren die freundschaftliche Verbundenheit, die Peter Heintz mit vielen seiner Kollegen pflegte.
Kassationen wurden sehr zurückhaltend vorgenommen. Ausgeschieden wurden Mehrfachexemplare, einzelne Publikationen Dritter sowie unleserliche bzw. stark beschädigte handschriftliche Notizen von Peter Heintz.
Neuzugänge werden nicht erwartet. ¶
Der Bestand ist im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs ohne Benutzungsbeschränkungen einsehbar.
Der Bestand wurde im April 2009 von David Schönholzer nach Vorarbeit von Werner Obrecht und Urs Kälin bearbeitet.