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Die Akademische Komment Verbindung Kyburger (kurz: AKV Kyburger) ist eine farbentragende, nichtschlagende Studentenverbindung auf dem Hochschulplatz Zürich. Sie ist Mitglied des Schweizerischen Studentenvereins (Schw-StV) und des Bundes Akademischer Kommentverbindungen (kurz: Block). Sie wurde 1912 als Tochterverbindung der ältesten Hochschulverbindung des Schw-StVs auf dem Platz Zürich, der AV Turicia, gegründet.
Die Mutterpartei und erste Trennungsgedanken
Die im Wintersemester 1860/61 entstandene Mutterverbindung AV Turicia wies bis ins Jahr 1903 eine beträchtliche Mitgliederzahl auf, wodurch sich innerhalb der Verbindung zwei Lager herauskristallisierten. Dies führte zu Konflikten, da beide Lager teils eigene Veranstaltungen, teils öffentlich gegen die andere Hälfte der Verbindung Opposition betrieben. Dennoch wurde eine Aufspaltung der AV Turicia durch eine Zweidrittelmehrheit abgelehnt, wodurch das eigentliche Problem jedoch nicht aus der Welt geschafft war. In den Jahren 1906/07 erlebte die Verbindung einen erneuten Mitgliederanstieg und wuchs auf 60 aktive Mitglieder an. Erneut wurden Stimmen zur Aufspaltung der Verbindung laut, welche jedoch aufgrund eines knappen Nichterreichens einer erforderlichen Zweidrittelmehrheit zur Statutenrevision erneut abgelehnt wurde. Dennoch hatte sich bei dieser Abstimmung abgezeichnet, dass eine Mehrheit mit der Verbindungssituation unzufrieden war. Infolge der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der Turicia wuchs der Mitgliederbestand in den Jahren 1910/11 auf 70 Aktive an. Eine Trennung der Turicia in zwei Verbindungen wurde damit praktisch unausweichlich.
Trennung der Turicia – Geburtsstunde der Kyburger
Der entscheidende Convent, zuerst jener der Alt-Turicia, dann der Cumulativ-Convent der Alt- und Jung-Turicia und der anschliessende ausserordentliche Convent der Turicia fanden am 24. Februar 1912, statt. Bei der grossen Zahl von 70 Mitgliedern litt die Amicitia sowie die Virtus, da die Umsetzung wahrer Lebensfreundschaft bei so vielen Mitgliedern praktisch unmöglich wurde. Auch zeigte die Entwicklung der Mitgliederströme keine Verbesserung des Problems in der Zukunft. Ein weiterer Grund lag in der Parlamentarisierung innerhalb der Convente, da regelrechte Meinungsfraktionen entstanden seien, welche offen Opposition gegenüber den anderen Fraktionen betrieben. Ein Vorteil wurde insofern durch die Neugründung einer Tochterverbindung gesehen, dass die Stellung der Turicia im Delegierten-Convent des Coroporationen-Verbandes mit einer zweiten Verbindung an ihrer Seite stärker sei, als wenn sie allein zu zahlreich werde. Eine Mehrheit der versammelten Turicer teilte diese Meinung und trat somit auf das Trennungsbegehren ein. Die Aufteilung der 70 Aktiven erfolgte nach erfolgreicher Annahme des Antrages durch Alois Müller v/o Kolin mit folgendem Prozedere:
«Über die Zuteilung der Aktiven bis und mit 6. Semester entscheidet das Los. Die Inaktiven, das heisst die Mitglieder mit 7 und mehr Semestern, schliessen sich nach freier Wahl einer der beiden Verbindungen an. Die Füchse folgen ihren Leibburschen.»
Weiter wurde formell beschlossen, dass die Turicia nicht aufgelöst werde, sondern eine Tochterverbindung gegründet werde, wobei der Altherrenverband vorläufig gemeinsam geführt werden solle (unter dem Namen Altherrenverband Turicia-Kyburger).
Der Name „Kyburger“
Die Wahl eines passenden Namens für die neue Verbindung bereitete grosse Schwierigkeiten. Bisher war es üblich, die Verbindungen nach römisch-helvetischen Ortsnamen oder nach der latinisierten Bezeichnung eines germanischen Stammes zu benennen. Nun waren aber alle einschlägigen und wohlklingenden Namen aus der grauen Vorzeit bereits verwendet worden. Einzig der Name „Gothia“ verblieb, fand aber bei den Gründern nicht ein volles Echo. Die Idee die Verbindung nach dem Schloss zu benennen fand sofort Anklang. Die lateinische Form „Kyburgia“ war jedoch schon in [[Winterthur]] bei einer Technikerverbindung vorhanden. So wählte man den Namen „Kyburger“ und durchbrach damit die Tradition der lateinischen Namen von Studentenverbindungen.
Mit dem Namen „Kyburger“ wollte man sich in romantischer Begeisterung zu den Idealen der Ritterzeit, der Tapferkeit, der Treue und der Minne bekennen und zugleich die Verbundenheit mit dem zürcherischen Boden bekunden, auf dem sich das Ritterschloss erhebt.
Die Farbe rosa
Durch die Statuten des schweizerischen Studentenvereins waren die Farben Rot-Weiss-Grün und ebenso die rote Mütze vorgegeben, wenn auch alle Varianten und Nuancen von Rot möglich waren. Damit fielen Vorschläge anderer Zürcher Corporationen mit roter Mütze (Helvetia, Manessia), als Mützenfarbe Weiss oder Grün zu wählen im vornherein ausser Betracht. Bis zur Findung der endgültigen Farbe der Kyburger trug man einen karminroten [[Biedermeiermütze|Biedermeier]] als offizielle Kopfbedeckung. Erst im Sommer 1912 hatte man sich darauf geeinigt, den Stürmer als offizielle Kopfbedeckung zu wählen. In den ersten zehn Verbindungsjahren wurde die offizielle Mütze mehrere Male in Frage gestellt. So wurden öfters der „Biedermeier“ und die „Cadornamütze“ als Alternativen zum Stürmer diskutiert. Schliesslich einigte man sich im Jahr 1922 darauf, dass „Die Form der Mütze der akademischen Verbindung Kyburger die Rundform mit runder, breiter Ausladung sei. Perkussion grün-weiss-rot, grün oben.“ Diese rundförmige Mütze, kurz „Tellermütze“, welche dem Modell der Standardmütze der AV Turicia entsprach, galt fortan zusammen mit dem Stürmer als offizielle Kopfbedeckung der Kyburger. Mit Ausnahme der Cadorna-Mütze werden die anderen Kopfbedeckungen jedoch weiterhin von den Verbindungsmitgliedern getragen und führen im Gegensatz zu anderen Verbindungen bis heute zu einem sehr abwechslungsreichem Erscheinungsbild. Die Couleurfarbe rosa wurde schliesslich auf Anraten der Couleurdamen gewählt.
Entwicklungen bis 1937
Die Verbindung wuchs in den ersten 50 Jahren gemächlich an und erreichte ab den 1930er Jahren einen Bestand von ca. 30-40 aktiven Mitgliedern. Dabei stellten die ETH-Studenten etwa einen Drittel der Aktiven. Die Kyburger führten mehrere grosse Anlässe zusammen mit der Turicia durch und auch der gemeinsam geführte Altherrenverband konnte in den Anfangsjahren als tragfähig und wirksam bezeichnet werden. Die Beziehung zur Mutterverbindung erlitt während dieser ersten 25 Jahre dennoch einige Rückschläge, welche teilweise durch Streitigkeiten und Loyalitätsfragen bezüglich des Präsidiums des Cartellverbandes ausgelöst wurden. Die bedeutendste Auseinandersetzung zwischen der Mutter- und Tochterverbindung fand in den Jahren 1928/29 statt und gipfelte in einer Krise. Diese wurde durch ein Begehren der Mutterverbindung auf „Farbenänderung“ ausgelöst. Diesem Begehren ging ein Zwischenfall voran, bei welchem sich ein junger Kyburger in der Öffentlichkeit ungeziemend benommen hatte. Im Jubiläumsjahr der AKV Kyburger im Jahre 1937 wurden die Streitigkeiten offiziell ad acta gelegt. Gleichzeitig wurden jedoch erste Wege eingeleitet den gemeinsamen Altherrenverband der beiden Verbindungen aufzulösen.
Entwicklungen zwischen 1937 und 1968
Obwohl ab 1937 mehrere Male ein Antrag auf Trennung des gemeinsam geführten Altherrenverbandes verworfen wurde, blieb der Gedanke einer getrennt geführten Altherrenschaft permanent in den Köpfen der Mitglieder vorhanden. Zur Gründung des Altherrenverbandes kam es schliesslich im Jahre 1944. Zehn Jahre später wurde auch das Kartell Turicia-Kyburger formell aufgelöst. Genau in dieser Zeit erlebte die Verbindung einen massiven Mitgliederanstieg auf bis zu 60 Aktive – eine Zahl, die erst in der ersten Hälfte der 60er Jahre nochmals erreicht wurde. Seither hat der Mitgliederanteil der Aktiven kontinuierlich abgenommen. Obwohl das traditionelle couleurstudentische Brauchtum weiterhin aktiv am Stamm und im schweizerischen Studentenverein gelebt wurde, musste die Bewegung als Ganzes durch die 68er-Bewegung einige Änderungen hinnehmen. Im Zuge der Unruhen in der Schweiz und zahlreichen anderen Ländern trat das frühere Bild von Studenten, welche in ihren Farben öffentlich auftraten, in den Hintergrund zurück. Auch die Kyburger schlossen sich im Frühjahr 1968 diesem Trend an und verzichteten fortan darauf – genau wie ihre Mutterverbindung – ihre Farben an der Universität zu tragen. Anders als in anderen Schweizer Verbindungen kam es innerhalb der AKV Kyburger nicht zur politischen Aufspaltung.
Entwicklungen zwischen 1968 und 1987
Ab 1994 wurde der von der Aktivitas genutzte Stammtisch in die Taverne zur Linde verlegt, wodurch der seit Jahren durchgeführte Wechsel von Stammlokalen endlich ein Ende nahm (seit 1912 hatten die Kyburger zwischen 15 verschiedenen Stammlokalen für das tägliche Verbindungsleben gewechselt). Durch die Bologna-Reform an den Schweizer Universitäten und die damit verbundene zeitliche Einschränkungen der Studierenden nahm die Mitgliederzahl der AKV Kyburger erneut ab und pendelte sich bei 20-30 Aktiven ein, wovon etwas mehr als die Hälfte an der ETH studierte.