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Um eine erfolgreiche individuelle Therapie zu gewährleisten, ist eine differenzierte Diagnostik durchzuführen, da als Ursachen von Beschwerden in den ableitenden Harnwegen auch andere Erkrankungen, im speziellen ein Prostatakarzinom sowie internistische oder neurologische Erkrankungen in Frage kommen. Die Prostatahyperplasie als gutartige Erkrankung der Prostata hat nichts gemein mit dem Prostatakarzinom als bösartiger Erkrankung der Prostata.“ Dennoch sind beides verhältnismässig häufige Erkrankung beim Mann. In der Schweiz ist der Prostatakrebs mit ca. 5600 neu diagnostizierten Fällen pro Jahr die häufigste Krebsart beim Mann. Somit sollte die Abklärung einer gutartigen Prostatahyperplasie auch den Ausschluss eines Prostatakarzinoms umfassen.
Eine eingehende Erhebung der Krankheitsgeschichte (Anamnese) mit besonderem Augenmerk auf Erkrankungen des unteren Harntraktes sowie neurologischen Begleiterkrankungen ist bei jedem Patienten unverzichtbar. Die körperliche Untersuchung beinhaltet unter anderem die digital-rektale Untersuchung. Hierbei geben Konsistenz und Form der Prostata möglicherweise einen Hinweis auf das Vorliegen eines Prostatakarzinoms. Die Urinanalyse zum Ausschluss einer Harnwegsinfektion und die Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) gehören ebenfalls zur Routinediagnostik. Das PSA ist ein Enzym, das nahezu ausschliesslich in der Prostata gebildet wird. Es ist damit ein Blutwert, an dem man Erkrankungen der Prostata erkennen kann. Das PSA aber kein reiner Tumormarker, sondern ein Gewebemarker. So kann der PSA-Wert nicht nur beim Prostatakarzinom erhöht sein, sondern auch bei gutartiger Prostatahyperplasie, bei einer Entzündung der Prostata (Prostatitis) oder auch nach Stimulation der Prostata (Fahrradfahren, Biopsie, Prostatamassage).
Mithilfe dieses international verwendeten Fragebogens zur Beurteilung der Beschwerden bei gutartiger Prostatahyperplasie ist es möglich, den Schweregrad der Erkrankung anhand von individuell unterschiedlich ausgeprägten und empfundenen Symptomen zu bewerten. Selbstverständlich ersetzt der Fragebogen nicht das Aufsuchen eines Arztes, dennoch sollten die Fragen ohne Einflussnahme eines Arztes beantwortet werden.
Bestimmung des eigenen IPSS: Um ihren eigenen IPSS-Wert bestimmen zu können, müssen Sie die Fragen entsprechend der folgenden Tabelle beantworten und die resultierenden Punktwerte addieren. Die Summe entspricht dem eigenen IPSS.
Hier gelangen Sie zur IPPS-Berechnung:
Die Auswertung des Scores lässt sich wie folgt interpretieren:
IPSS 3-7: milde Symptomatik
IPSS 8-19: mittelschwere Symptomatik
IPSS 20-35: schwere Symptomatik
Bei einem IPSS-Score von > 7 liegt in der Regel ein behandlungsbedürftiges BPS vor. In einem solchen Fall sollte ein Urologe aufgesucht werden.
Mit Ultraschall (Sonografie) lässt sich die Größe und Form der Prostata bestimmen. Zudem erlaubt Untersuchung eine Beurteilung der Restharnbildung in der Harnblase sowie eines möglichen Rückstaus von Urin in die Nieren.
Sonografie der Prostata mit Bestimmung des Prostatavolumens (Pfeil) sowie der mit Urin gefüllten Harnblase (Stern).
Bei der Harnstrahlmessung muss der Patient seinen Urin in einen Messtrichter entleeren. Hierbei erfolgt eine Messung der Harnflussrate, d. h. eine Bestimmung der geförderten Urinmenge pro Zeiteinheit. Die gewonnene Harnflusskurve liefert wichtige Informationen über das Ausmass einer Harnabflussbehinderung und lässt Rückschlüsse über die Ursache der Beschwerden zu.
Harnstrahlkurve (Uroflowmetrie): normale Kurve (blau) und bei vergrösserter Prostata (BPH) mit schwachen Harnstrahl und verlängerter Zeit der Blasenentleerung (rot).
Liefert die Krankheitsgeschichte und die körperliche Untersuchung des Patienten Hinweise für eine andere Ursache der Blasenentleerungsstörung (zum Beispiel eine neurogene Funktionsstörung der Blase), wird eine Funktionsuntersuchung der Blase während der Füllung und während des Wasserlassens (= Urodynamik) durchgeführt, die eine detaillierte Beurteilung der Ursache sowie des Ausprägungsgrades der Blasenentleerungsstörung erlaubt. Neben der benignen Prostatahyperplasie können auch ganz andere Erkrankungen dem Mann vergleichbare Krankheitssymptome machen (z. B. Folge von Diabetes, Parkinson Krankheit, Multiple Sklerose), die so erkannt werden können.
Schematische Darstellung der Durchführung der Urodynamik, bei der eine Vielzahl von Parametern bei der Füllung und Entleerung der Harnblase gemessen werden können. (Abbildung mit freundliche Genehmigung von PD Dr. med. A. Reitz, Kontinenzzentrum Klinik Hirslanden)
Als sehr verlässliche Ergänzung zu den herkömmlichen Methoden der Prostatakrebsdiagnostik wie dem Tastbefund und der PSA-Bestimmung hat sich in letzter Zeit die Magnetresonanztomographie (MRI) etabliert. Die MRI ist ein radiologisches Verfahren, bei dem auf der physikalischen Grundlage der Kernspinresonanz in einem starken Magnetfeld Aufnahmen erzeugt werden welche somit ohne potenziell schädliche Röntgenstrahlung auskommt.
Die moderne MRI der Prostata wird als sogenannte multiparametrische Untersuchung durchgeführt bei der zusätzlich zur hochaufgelösten anatomisch-morphologischen Bildgebung auch funktionelle Gewebeeigenschaften dargestellt werden, die einen Einblick in die Gewebearchitektur und die Durchblutungseigenschaften des Prostatagewebes geben. Diese Kombination der anatomischen und funktionellen Informationen der MRI wird als multiparametrische MRI bezeichnet.
An der Klinik Hirslanden wird die multiparametrische MRI der Prostata nach den Richtlinien der Europäischen Gesellschaft für Urologische Radiologie (ESUR) an hochmodernen Kernspintomografen mit sehr hoher Feldstärke durchgeführt. Sie gilt als das derzeit sensitivste Verfahren zur Detektion von krebsverdächtigen Veränderungen. Darüber hinaus kann bei einer unauffälligen Untersuchung das Vorliegen von Prostatakrebs mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden.
Multiparametrische MRT der Prostata bei einem Patienten vor geplanter PAE mit einem auffälligen Befund (Pfeile), welcher einem bis dahin nicht bekannten Prostatakarzinom entsprach.
Sollte eine dieser Untersuchungen den Verdacht ergeben, dass es sich um eine bösartige Veränderung der Prostata handeln könnte, so muss eine Biopsie vorgenommen werden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte jedoch eine multiparametrische MRI der Prostata duBIOPSIE:rchgeführt werden. Zeigt hierbei die MRI-Untersuchung einen Herdbefund, so muss eine gezielte Biopsie des Herdes empfohlen werden (3-6 Biopsien). Eine schrotschussartige Biopsie der Prostata (Mehrfachbiopsie, TRUS-Biopsie) hingegen ergibt eine deutlich ungenaue Abklärung der Krankheit. Bei der gezielten Biopsie, bei der die Bilddaten der MRI zur Zielführung unter Ultraschall-Steuerung genutzt werden (Artemis-Biopsie) werden mit einer dünnen Nadel Gewebeproben aus der Prostata entnommen und im Labor untersucht. Dieses Verfahren erlaubt eine sichere Unterscheidung zwischen einer gutartigen Vergrösserung der Prostata im Rahmen der gutartigen Prostatahyperplasie und Prostatakrebs.
Ultraschall-gesteuerte Gewebeprobename (Biopsie) bei der die Informationen aus MRI und Ultraschall (obere Bildreihe) fusioniert werden für eine zielgenaue Biopsie (untere Bildreihe, ARTEMIS-Biopsie).