Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03131.jsonl.gz/1593

PHOTOTHERAPIE HILFT BEI CHRONISCHEM NESSELFIEBER
Urtikaria (Nesselfieber) in ihrer chronischen Form (Krankheitsdauer länger als sechs Wochen) ist oft schwer zu behandeln. Sie wird mit dem Fachbegriff chronisch, spontane Urtikaria (CSU) bezeichnet. Patienten müssen täglich bis zu vier Tabletten eines Antihistaminikums als Dauertherapie einnehmen, damit das quälende Jucken, die Quaddeln und Schwellungen unterdrückt werden können. Müdigkeit und Benommenheit sind die häufigsten Nebenwirkungen der Antihistaminika, welche die Lebensqulität beeinträchtigen können. Ein Rückfall nach Therapieende ist häufig. Zum Teil wird auch ein Kortikosteroid (Kortisonabkömmling) benötigt, welches wegen dessen Nebenwirkungen bei Urtikaria nur für wenige Tage eingesetzt werden sollte. Die Ursachen der Urtikaria bleiben unklar und Allergie spielt dabei selten eine zentrale Rolle.
Neulich hat eine Arbeitsgruppe aus Chandigarh Indien in der hochrangigen Fachzeitschrift Journal British Journal of Dermatology die Ergebnisse einer randomisierten, prospektiven Vergleichsstudie veröffentlicht. Sie zeigt, dass die Lichttherapie (Phototherapie) eine wirksame und sichere Therapiemöglichkeit bei der kortikosteroidabhängigen, therapieresistenten chronischen spontanen Urtikaria ist.. Untersucht wurden dabei insgesamt 50 Patienten mit einer chronischen über sechs Monate anhaltenden Urtikaria, die keine Besserung unter Antihistaminika nach 3 Monaten zeigten und eine Kortkosteroidtherapie bedurften. Die Hälfte der Patienten erhielt eine Art der Lichttherapie, PUVA (Psoralen plus Ultraviolet A), die andere Hälfte die andere Art Lichttherapie, Schmalspektrum-UVB (nb-UVB), drei Mal pro Woche für insgesamt 90 Tage. Alle untersuchten Patienten nahmen weiterhin über die gesamte Studienzeit täglich 10mg vom Antihistaminikum Levocetirizin ein. Die Bewertung der Krankheitsaktivität mit dem urticaria activity score vor und gleich nach Therapieschluss zeigte eine durchschnittliche Verminderung der Krankheitsaktivität von 60% bei der PUVA-Therapie und von 75% bei der nb-UVB-Bestrahlung. Die Verbesserung blieb bis zu 180 Tagen nach Therapiebeginn erhalten. Es gab keine nennenswerten Nebenwirkungen und keinen Abbruch der Phototherapie unter den untersuchten Patienten. Aus ethischen Gründen wurde bei dieser Studie keine Vergleichsgruppe mit Placebo, d.h. ohne Lichttherapie, behandelt. Es darf vermutet werden, dass die Phototherapie auf die Mastzellen und die Entzündung in der Haut wirkt, welche die Krankheit unterhalten.
Das IZZ Immunologie-Zentrum Zürich setzt ein Gerät der neusten Generation zur Phototherapie mit ausschliesslich hocheffizierter nb-UVB-Bestrahlung ein. Es eignet sich auch für diesen neuen Therapieeinsatz bei chronisch, spontaner Urtikaria.
Zudem besteht bei fehlendem Therapieerfolg die Möglichkeit von Omalizumab, welches monatlich als Spritze verabreicht wird. Eine langdauernde Besserung nach einer Behandlungsdauer von bis zu 6 Monaten bleibt damit bisher ungewiss.