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Sport bis ins Seniorenalter
Rolf Spriessler-Brander
Mit dem tischtennisverrückten Ehepaar Laszlo und Theresia Földy sowie dem Multitalent Rolf Bürgin, unter anderem vierfacher Veteranen-Europameister im Bikejöring, wurden ältere Semester mit dem Sportpreis der Gemeinde Riehen ausgezeichnet.
Einiges ist den Preisträgern des Riehener Sportpreises für 2007 gemeinsam: sie sind alle schon in fortgeschrittenem Alter, widmen sich bereits ihr ganzes Leben lang dem Sport und haben auf internationaler Ebene Erfolg - das aus Ungarn stammende Ehepaar Laszlo und Theresia Földy im Tischtennis, der gebürtige Schwarzbube Rolf Bürgin in ganz unterschiedlichen Sportarten.
Rolf Bürgin wurde im Oktober 2007 als 68-Jähriger mit seiner Hündin «Kajsa» zum vierten Mal in Serie Bikejöring-Europameister bei den Veteranen über 50 Jahre. Auf den Hundesport gekommen ist Rolf Bürgin, als er über den Schwiegersohn seiner zweiten Frau Theres einen reinrassigen Deutschen Vorsteherhund bekam, wie er häufig und erfolgreich in Schlittenhunderennen und ähnlichen Wettbewerben über kürzere Distanzen eingesetzt wird. Mit dem Rüden «Iron» begann Rolf Bürgin im Jahr 2000 mit dem Schlittenhundesport - zuerst mit Pulka, dann mit Skijöring. Pulka ist ein Gewichtsschlitten, in den ein oder zwei Hunde eingespannt werden, der «Musher» oder Hundeführer fährt auf Langlaufskiern hinterher. Beim Skijöring hat der Skilangläufer ein oder zwei Hunde direkt an der Leine, ohne Schlitten dazwischen.
Mit der ihm eigenen Konsequenz fing Rolf Bürgin mit seinem Hund zu trainieren an, belegte in seinem ersten
Pulka-Rennen überhaupt gleich Platz acht an der Schweizer Meisterschaft der Elite und gewann 2001 den Skijöring-Cup. Im März 2002 wurde er Vierter an der Skijöring-Schweizer-Meisterschaft und im Herbst gewann er den BikejöringSwiss-Cup und wurde Zwölfter an der Bikejöring-Europameisterschaft. Inzwischen verfügte Rolf Bürgin mit «Iron» und «Hirvi» über zwei sehr schnelle Hunde. Beim Bikejöring fährt der Athlet einem oder zwei Hunden auf dem Velo hinterher.
Die verschiedenen Hunderennen - ob auf Langlaufskiern oder auf dem Velo, ob mit oder ohne Schlitten oder Wagen, ob auf Schnee oder auf Wegen und Wiesen - finden meist in zwei Läufen statt, die an zwei aufeinanderfolgenden Tagen ausgetragen werden. Rolf und Theres Bürgin fuhren also jeweils am Freitag eines Rennwochenendes in ihrem eigens umgebauten Wohnmobil zum Austragungsort, am frühen Samstagmorgen wurden die Hunde versorgt und rennbereit gemacht. Theres Bürgin brachte die Hunde an den Start, wo Rolf Bürgin, der sich inzwischen aufgewärmt hatte, die Hunde in Empfang nahm, und ab ging es auf die Strecke. Im Ziel nahm Theres die Hunde wieder in Empfang und dann traf man sich im Wohnmobil. Am Sonntag wiederholte sich das ganze Prozedere. Rolf Bürgin ist mit seinen bald siebzig Jahren meist mit grossem Abstand der älteste Teilnehmer an den verschiedenen Hundesportwettbewerben. Die Hun
derennen sind so etwa die fünfte oder sechste Sportkarriere, die Bürgin erlebt.
Aufgewachsen ist der 1939 geborene Rolf Bürgin in Breitenbach. Er war von Anfang an ein Bewegungstalent, holte sich im Beruf mit Zeitungs- und Zeitschriftentouren, Transporten und Umzügen eine grosse körperliche Fitness und konnte dann im abendlichen Training an Technik und Bewegungsabläufen feilen. Mitte der Sechzigerjahre zog Rolf Bürgin nach Riehen, wo er ein eigenes Transportgeschäft aufbaute. Er war Berner-Jura-Meister im Kunstturnen, spielte Handball in der Nationalliga B und erreichte im Militärischen Drei- und Fünfkampf Weltklasseniveau.
Der Militärische Dreikampf besteht aus dem 300-MeterSchiessen mit dem Karabiner, Handgranatenwerfen und einem acht Kilometer langen Geländelauf. Beim Fünfkampf kommen Hindernisschwimmen und die Kampfbahn hinzu.
Im Militärischen Dreikampf gewann Rolf Bürgin alle wichtigen Schweizer Turniere mindestens einmal, im Fünfkampf wurde Bürgin 1972 auf Anhieb Schweizer Meister und war bald auch Mitglied des Nationalkaders. Neben grossen Erfolgen erlebte Bürgin im Militärsport eine seiner grössten Niederlagen. Im Jahr 1975 verpasste er die Qualifikation für das Schweizer Weltmeisterschaftsteam um sieben Punkte - bei einer Gesamtpunktzahl von über 21000. Die Weltmeister
schaft 1975 fand in Argentinien statt und die Schweiz holte dort den Titel. An den Schweizer Meisterschaften schlug Rolf Bürgin zwei der frisch gebackenen Mannschafts-Weltmeister - ein schwacher Trost, nachdem er einen einzigartigen Höhepunkt verpasst hatte.
Neben seinen sportlichen Erfolgen und seiner Vielseitigkeit hat Rolf Bürgin noch eine andere herausragende Stärke: Er passt sich immer wieder den wechselnden Umständen an. Nach der Zeit der Militärwettkämpfe absolvierte er viele Strassenläufe - bis er sich am Allschwiler Klausenlauf eine Knieverletzung zuzog. Um künftig die Schläge aufs Knie, die der Laufsport mit sich bringt, zu vermeiden, verlegte er sich auf «gleitende Sportarten». Auf den Langlaufskiern bestritt er sämtliche Swissloppet-Läufe, den Engadin-Skimarathon, den Finnlandia in Finnland, den Birkebeiner in Norwegen und den König-Ludwig-Lauf im bayerischen Oberammergau. Er entdeckte für sich das Rollskifahren und später das Inlineskating und organisierte zehn Jahre lang das «RollerEvent», ein Rollski- und Iniineskatingrennen, das aus einer Begleitveranstaltung des Riehener Velo-Amateurkriteriums hervorgegangen war.
Rolf Bürgin ist ein Beispiel für einen Athleten, den der Sport durch das ganze Leben begleitet. Er ist fit wie nur wenige in seinem Alter und betreibt den Sport nicht nur mit grosser Gewissenhaftigkeit, er ist auch als Geschäftsmann erfolgreich und gilt als ausserordentlich fairer und kollegialer Sportler.
Tischtennis-Import aus Ungarn
Tischtennis ist sozusagen ein ungarischer Nationalsport. In Ungarn fanden schon sehr früh nationale Meisterschaften in dieser Sportart statt und Ungarn gewann 1926 in London den ersten Team-Weltmeistertitel. So war es nicht verwunderlich, dass der 1934 in Budapest geborene Laszlo Földy als Vierzehnjähriger mit dem Tischtennisspielen begann. Im Jahr 1953 gab er in einem Länderkampf gegen China sein Debüt in der ungarischen Nationalmannschaft, 1957 und 1959 war er Mannschafts-Vizeweltmeister, 1958 und 1960 Mannschafts-Europameister und 1959 zusammen mit Zoltan Berczik WM-Halbfmalist im Doppel.
Dreizehn Jahre nach Laszlo Földy, also im Jahr 1946, kam Theresia Szalai zur Welt. Obwohl bei Szalais zu Hause ein Tischtennistisch stand, hatte Theresia nicht viel davon, denn ihr Vater hatte den Tisch für ihre drei Brüder gekauft. So fing Theresia Szalai in der Schule heimlich an zu spielen - und kassierte erst einmal eine Ohrfeige, als ihr Vater über seinen Chef erfahren hatte, dass seine Tochter ein Nachwuchsturnier in Budapest gewonnen hatte. Zu Hause hatte sie gesagt, sie gehe in die Handarbeit, als sie zum Tischtennistraining ging.
Der Tischtennissport revolutionierte Theresia Szalais Leben. Bald einmal lernte sie Laszlo Földy kennen, der in der ungarischen Tischtennisszene schon ein Grosser war. Als er zunächst zwei Jahre die iranische und ein Jahr lang die griechische Nationalmannschaft trainierte, ging sie mit, und als 1969 das Engagement in Griechenland zu Ende ging und das Paar aus Ungarn gewarnt wurde, im Zusammenhang mit dem Prager Frühling bestehe die Gefahr eines sowjetischen Einmarsches, wollten sie sich zunächst in Irland niederlassen, wo aber soeben die ersten Religionskonflikte ausgebrochen waren. So kam es, dass das junge Paar zu einem Freund nach Basel reiste und sich hier eine neue Existenz aufzubauen begann. Földys waren hauptverantwortlich dafür, dass Roche Basel fünfmal Schweizer Mannschaftsmeister im Firmensport wurde. Laszlo Földy war bis 1980 Spielertrainer der Schweizer Tischtennis-Nationalmannschaft und bestritt für die Schweiz zwischen 1971 und 1979 fünf Weltmeister
Schäften. 1979 gründete er in Kaiseraugst den Tischtennisclub Liebrüti und stieg mit diesem Klub bis in die Nationalliga A auf. An den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta coachte Laszlo Földy die Schweizer Tischtennisspielerin Tu Dai Yong, die im Einzel die Achtelfinals erreichte. Mit seinem TTC Liebrüti unterstützt Laszlo Földy seit Jahren eine wohltätige Organisation und so stehen gebrauchte Tischtennistische des TTC Liebrüti heute zum Beispiel in Rumänien, Namibia, Bulgarien und Ungarn. In Südafrika hat Földy sogar einen Wanderpokal für ein Kinder- und Jugendturnier gestiftet.
Theresia Földy war 1976 und 1977 Schweizer Meisterin im Einzel und vertrat die Schweiz 1973, 1975 und 1977 an den Tischtennis-Weltmeisterschaften. Grosse internationale Erfolge feierte sie bei den Seniorinnen. Im Jahr 2005 wurde sie in Bratislava zusammen mit Elmira Antonyan Seniorinnen-Europameisterin im Doppel bei den über Fünfzigjährigen. An den Senioren-Weltmeisterschaften 2006 in Bremen wurde sie in der Altersklasse über 60 Jahre mit Svetlana Federava Dritte im Doppel, 2007 war sie mit der Tschechin Jarmila Hummelova Doppel-Europameisterin bei den über Sechzigjährigen und 2008 holte sie an den Senioren-Weltmeisterschaften in Brasilien im Doppel mit Jarmila Hummelova Silber und im Einzel Bronze.
Theresia Földy ist nicht nur sportlich sehr erfolgreich und zog zwei Töchter gross, sie setzt sich seit Jahrzehnten für die Förderung des Tischtennisnachwuchses ein. In Bettingen gründete sie den TTC Bettingen-Riehen, der bald an die
Unholzgasse in Riehen zog und sich nach der Fusion mit einem Basler Verein Rapid Riehen nannte. Woche für Woche stand Theresia Földy jeden Dienstag und Donnerstag in der Halle und brachte Kindern das Tischtennisspielen bei. Dabei hatte sie nicht nur den sportlichen Erfolg ihrer Schützlinge im Auge. «Durch den Sport kann man Kindern wichtige Werte vermitteln, zum Beispiel Fairness, Kollegialität, Pünktlichkeit und Regelmässigkeit», sagt Theresia Földy. In einer Zeit, in der Jugendliche zunehmend mit äusseren Reizen überhäuft würden, seien solche Werte ganz besonders wichtig. Deshalb sei sie stolz darauf, dass viele ihrer ehemaligen Tischtennisschülerinnen und -schüler in Schule und Beruf Erfolg gehabt hätten - nicht zuletzt, weil sie im Sport einen gewissen Kampfgeist und ein gewisses Stehvermögen entwickelt hätten.
Das Ehepaar Földy initiierte und organisierte auch Tischtennisturniere. Theresia Földy war während zwei Jahrzehnten OK-Chefin eines jährlich stattfindenden Schülerturniers, Laszlo Földy organisierte in Basel unter anderem eine Jugendtischtennisolympiade. Das Ehepaar Földy gründete eine eigene Firma, um Tischtennisartikel zu vertreiben, und setzte sich so umfassend für den Tischtennissport ein, dass Laszlo Földy 2006 zum Ehrenmitglied des Schweizerischen Tischtennisverbandes ernannt wurde.
Die übergabefeier des Sportpreises der Gemeinde Riehen für das Jahr 2007 fand am Montag, 23. Juni 2008, im Lüschersaal im Haus der Vereine statt.