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"I am neither a saint nor a murderer: I do not love and I do not kill. I make love and I tear the wings off flies", heißt es in einer der letzten Notizbucheintragungen, die sich neben Gedichten, Songtexten, und Illustrationen in vorliegendem und wunderschön gestalteten Buch, "Die Flamme", befinden. Neben noch unbekannten Gedichten und Zeichnungen sind in diesem Buch zum ersten Mal auch jene ausgewählte Notizbucheinträge Cohens, die er bis kurz vor seinem Tod 2016 verfasste, abgedruckt.
Warten auf God(ot)
Im Alter von 82 Jahren starb der große Sänger und Dichter und - "die Welt wurde dunkler", wie man in Anlehnung an sein letztes veröffentlichtes, vierzehntes, Studioalbum ("You want it darker", Columbia, 2016) sagen könnte. Aber der 1934 in Montreal geborene Leonard Cohen war nicht nur für seine ruhige und sehr dunkle Stimme bekannt, sondern eigentlich auch ein kanadischer Schriftsteller und Musiker. Songs wie "Hallelujah", "Suzanne" oder "Dance Me to the End of Love" beeinflussten eine Vielzahl anderer Musiker, Schriftsteller, Dichter und Sänger.
Als Grammy-Preisträger für sein Lebenswerk und mit einem Platz in der Rock and Roll Hall of Fame fiel es ihm vielleicht leichter vom Leben Abschied zu nehmen, als manchem anderen: er soll bis kurz vor seinem Tod an vorliegendem Buch gearbeitet haben und gab wenige Wochen vor seinem Tod dem "New Yorker" ein Interview, in dem er sagte, er sei bereit zu sterben. Aber er brauche nur unbedingt noch genug Zeit, um sein allerletztes Buch fertigzustellen. Auch das ist ihm gelungen. Und die letzten Zeilen darin lauten: "Didn’t he live/on an island in/the Mediterranean sea/with a mandate from God/to enter the dark". Aber ohne Fragezeichen.
The Kindness of a stranger
Am Ende des Buches findet sich übrigens auch ein Abdruck seiner Rede zur Verleihung des Prinz-von-Asturien-Preises vom 21. Oktober 2011. Darin erzählt Cohen u. a auch, dass sein Erfolg als Musiker eigentlich von Anfang an unter einem dunklen Schatten stand. Sein erster Gitarre-Lehrer, ein Spanier, den er als Kind in einem Park in der Nähe des Hauses seiner Mutter kennengelernt hatte, brachte ihm nur sechs Akkorde bei. Schon nach der dritten Nachhilfestunde hatte sich sein Gitarrelehrer umgebracht. Cohen kannte weder seinen richtigen Namen, noch woher er genau aus Spanien kam, aber er hatte von ihm sechs Akkorde gelernt. "Es waren diese sechs Akkorde – dieses Gitarrenmuster, das die Grundlage für all meine Songs und all meine Musik geworden ist", bekennt Cohen aufrichtig vor der spanischen Preis-Jury und dem spanischen Publikum bei der Preisverleihung. Denn auf diese Weise wollte auch er sich bedanken, bei einem unbekannten Spanier, der aus seinem Heimatland durch den Bürgerkrieg vertrieben worden war, und ihm die sechs Akkorde lernte, die zu seinem Leben wurden.