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Muskelgesetz 2
Im Doppelpack
Vorbemerkung:
Wenn wir hier von Muskeln reden, so stellen Sie sich nicht einen grossen, kompakten Muskel vor, wie er im Anatomiebuch abgebildet ist. Es sind vielmehr die kleinen isolierten Bündel, die Unterabteilungen in jedem Muskel, zusammengefasste Myofibrillen, die eine neurologisch funktionelle Einheit bilden. Das macht die Beurteilung nicht einfacher.
Einen einzigen, isolierten Muskel gibt es nicht. Er braucht mindestens einen Gegenspieler. In Aktion sind es immer komplexe Muskelsysteme oder Muskel-Sehnen-Faszien-Bahnen (Agonisten und Antagonisten agieren immer gemeinsam).
Komplexe Bewegungen sind nur möglich mit einem über Nerven gesteuerten, intelligenten Regelsystem
Alle Muskeln auf dieser Welt sind so konstruiert, dass sie nur eine einzige Bewegung machen können, nämlich sich verkürzen. Das reicht aber nicht. Damit kann man sich nicht fortbewegen. Einen Gegenmuskel ist notwendig, der genau in die entgegengesetzte Richtung zieht. Nun ist der Körper keine Dampfmaschine wo nur ein Hin und Her verlangt wird. Die harmonischen und ästhetisch anmutigen Bewegungen, die wir machen können (im Gegensatz zu einem steifen und tapsig wirkenden Roboter) sind sehr komplex und erfordern den Einsatz von verschiedenen, differenzierten Muskelgruppen. Aber es braucht auch vor allen Dingen ein über Nerven gesteuertes intelligentes Regelsystem, was komplexe Bewegungen erst möglich macht.
Gegenüberliegende Muskelgruppen bilden eine Einheit
So bilden die sich gegenüberliegenden Muskelgruppen immer eine Einheit. Nehmen wir an, Sie wollen eine Tasse Kaffee trinken. Ein alltäglicher, scheinbar einfacher Vorgang. Es reicht nicht, dass Sie den Bizeps verkürzen. Eine kurvenförmige Bewegung des Unterarms braucht nicht allein den Gegenmuskel, hier den Trizeps, sondern ein ganzes Konzert von fein aufeinander abgestimmten Muskeln. Beteiligt sind über 40 verschiedene Muskeln mit den unterschiedlichsten Vektoren. Jeder besteht aus Myofibrillen, den kleinsten Muskeleinheiten. Die werden in Gruppen zusammengeschaltet und werden in Bruchteilen von Sekunden durch Nerven angesteuert. Beide Seiten arbeiten jetzt gemeinsam. Die einen ziehen sich langsam zusammen und in gleichem Masse müssen die anderen nachgeben.
Für die Koordination einer einfachen Bewegung müssen unzählige Telefonate zwischen den einzelnen Muskelfibrillen der Gegenspieler geführt werden
Um eine einzige kleine Bewegung durchführen zu können, müssen unzählige Telefonate zwischen den verschiedenen Muskelfasern geführt werden. Die auf der eigenen Seite müssen miteinander klar kommen ebenso mit dem Gegenspieler. Die gegenseitige Kommunikation muss einfach reibungslos klappen. Auch das muss trainiert werden und verlangt dauernde Übung. Für jede komplexe Bewegung gibt es ein eigenes Programm, was auch immer wieder aufgefrischt und angepasst werden muss.
Der ganze Körper ist bei der kleinsten Verlagerung des Gewichtes beteiligt
Es sei aber auch noch auf folgendes hingewiesen. Durch das Wechselspiel von Agonisten und Antagonisten kommt es zu Gewichtsverlagerung und Spannungsunterschieden während der Bewegung auch in anderen Teilen des Körpers, die entsprechend durch weitere Faszien Systeme ausgeglichen werden müssen.
Egal, welchen Muskel wir trainieren, der Gegenmuskel trainiert immer mit
Dieses Abhängigkeitsverhältnis hat einen entscheidenden Einfluss, wenn wir Muskeln trainieren wollen. In einem Bodybuilding Studio wird einem anhand der Apparate suggeriert, man trainiere einzelne Muskelgruppen, zum Beispiel die Bauchmuskulatur oder die Rückenmuskeln. Die Sache ist aber komplexer. Jedes Mal wenn wir die eine Seite trainieren, bekommt die andere Seite auch einen Impuls und wird ihrerseits so viel mit trainieren, dass ein ungefähres Gleichgewicht erhalten bleibt.
Wäre das nicht so, wir sähen aus wie groteske Missbildungen
Wäre das nicht der Fall, hätten wir alle irgendwo eine einseitig verkürzte Muskulatur und würden ziemlich verschoben und wohl auch kaum beweglich herumlaufen. Könnten wir zum Beispiel isoliert unseren Bizeps selbst trainieren, dann würde sich dieser bei fortlaufendem Training immer mehr verkürzen mit dem Resultat, dass schlussendlich die Hände oder Fäuste in der Nähe der Schulter fixiert wären und wir kaum noch unsere Hände gebrauchen könnten. Eine nicht gerade begehrenswerte Haltung. Das alles ist für eine Therapie von entscheidender Bedeutung, wenn es um Verspannung geht. Immer dann müssen beide Muskelsysteme behandelt werden.