Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03206.jsonl.gz/1430

Die Bewerbung für ein Rennen mit Elektroboliden ist eingereicht. Mit gutem Grund: Die Schweiz stellt nicht nur den besten Fahrer der Formel-E-Geschichte, sondern auch den exklusiven Hauptsponsor.
Mit einem Rennen in Hongkong begann am Sonntag die neue Saison in der Formel E, der noch jungen Rennserie mit Elektroboliden. Sie beschleunigen in vier Sekunden aus dem Stand auf 100 Stundenkilometer und erreichen eine Spitzengeschwindigkeit von 225 Kilometern pro Stunde. Die dritte Rennsaison führt Buemi in zwölf Rennen quer um den Globus. Von Hongkong zieht der Formel-E-Tross nach Marrakesch, über Buenos Aires, Mexico City, Monaco, Paris, Berlin, New York ans Finale nach Montreal im Juli nächsten Jahres.
Bald aber soll die Formel E auch in Zürich Station machen. Dieses Ziel jedenfalls verfolgen der Verein e-mobil Züri und eine eigens dafür gegründete Aktiengesellschaft namens ePrix Zürich. Hinter beiden Gesellschaften steht der Zürcher FDP-Gemeinderat Roger Tognella. Er bestätigt, für die Saison 2017/2018 einen sogenannten E-Prix in Zürich austragen zu wollen, und sagt, die Bewerbungsunterlagen seien im vergangenen Sommer bei der Fédération Internationale de l'Automobile (FIA) in Paris eingereicht worden. Die Organisation wird vom früheren Chef des Formel-1-Teams von Ferrari, Jean Todt, präsidiert und ist der globale Dachverband aller Organisationen im Motorsport - inklusive der Formel 1 und der Formel E.
Illustre Promotoren
Hinter dem Unternehmen stehen die beiden spanischen Unternehmer Alejandro Agag und Enrique Bañuelos de Castro - beide schwerreich, international vernetzt, mit den Reichen und Schönen auf Du und Du. Agag ist Geschäftsführer der Formel-E-Firma und gehört in Spanien zur Prominenz, seit er die Tochter des früheren Ministerpräsidenten José María Aznar im Beisein von Tony Blair und Silvio Berlusconi geheiratet hat.
Agag und Bañuelos gründeten ihre Rennsport-Firma 2012, um bei der Ausschreibung der FIA für die Austragung einer Meisterschaft für Elektroautos teilzunehmen - und waren erfolgreich. Agag pflegte bereits vor seinem eigenen Einstieg in den Motorsport enge Beziehungen zu Persönlichkeiten aus der Formel 1. 2007 etwa unterstützte er den Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone und seinen Vertrauten Flavio Briatore - bekannt als früherer Teamchef des Formel-1-Teams von Renault und als Ex-Partner von Heidi Klum und Naomi Campbell - bei der Übernahme des Londoner Fussball-Zweitligisten Queens Park Rangers für rund 21 Millionen Euro.
Julius Bär als Hauptsponsor
Als exklusiven Hauptsponsor für seine Rennserie hat Agag von Beginn an die Schweizer Privatbank Julius Bär verpflichtet. Er pflegt enge Beziehungen zu Konzernchef Boris Collardi, der wiederum seinen Freund und Hollywood-Star Leonardo Di Caprio für die Formel E begeistern konnte. Der Schauspieler präsidiert das sogenannte Nachhaltigkeits-Komitee der Formel E, in dem neben Collardi und Agag auch LVMH-Uhrenchef Jean-Claude Biver - seine Marke TAG Heuer gehört ebenfalls zu den Sponsoren der Formel E - sitzt. Mit im Gremium ist auch Mike Fries, Chef von Liberty Global. Dieser zählt mit einem Salär von über 100 Millionen Dollar zu den globalen Top-Verdienern. Liberty Globals Schwesterfirma Liberty Media hat kürzlich bekannt gegeben, eine Mehrheit an der Betreibergesellschaft der Formel 1 kaufen zu wollen.
Bär-Chef Collardi gehört zu den glühenden Verfechtern eines Formel-E-Rennens in der Schweiz. Als der Bundesrat im Dezember 2015 den Weg definitiv frei machte für ein Rennen mit Elektroautos - grundsätzlich bleiben Motorsportrennen in der Schweizer verboten - , jubilierte Collardi, dass ein Schweizer E-Prix «ein fantastisches Aushängeschild für nachhaltige Technologien» wäre - und «die Schweiz als eines der innovativsten Länder weltweit ein idealer Gastgeber». Agag stimmte in den Chor ein: «Wir sind sehr glücklich über die Chance, die Formula E in die Schweiz zu bringen.» Im Oktober 2015 hatte Julius Bär die Partnerschaft mit der Formula E bis 2019 verlängert und sich für ein Rennen «im zweiten Heimmarkt» Hongkong starkgemacht. Mit Erfolg, wie der aktuelle Rennkalender zeigt.
10 Millionen Franken nötig
Die Zürcher Bewerbung liegt derzeit in London. Sie wird dort seit gut zwei Wochen von der Firma The Sports Consultancy mit anderen Dossiers im Auftrag von Agags Firma geprüft. Die Sieger werden im Juni 2017 bekannt gegeben.
Für die Austragung eines Formel-E-Rennens sind rund 10 Millionen Franken notwendig. Promotor Tognella sagt, man habe bereits Sponsoren im Boot, will aber keine Details nennen. Ihm schwebt vor, nicht nur ein Rennen durchzuführen, sondern einen mehrtägigen Event rund um das Thema E-Mobilität. Dazu will er etwa auch die ETH und weitere Organisationen am Standort Schweiz an Bord holen. Stattfinden soll das Rennen mitten im Banken und Versicherungsviertel von Zürich (siehe Karte unten). Collardi hätte so von seinem Büro an der Bahnhofstrasse nur gerade 400 Meter bis an die Strecke. Die Stadt hat allerdings noch keine Bewilligung für das Rennen erteilt.