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Eine Deutschfreiburger Tänzerin in New York City
Die 26-jährige Tafersnerin Zoe Buess Watson ist Tanzlehrerin in New York. Zuvor hat sie an einer renommierten Tanzschule in Havanna studiert und sich in verschiedensten Stilen trainiert. skippr hat mit der wohl beweglichsten Deutschfreiburgerin gesprochen.
Zoe entdeckte ihre Leidenschaft für Salsa schon als Kind, was sie dazu bewegt hat, an der Escuela Nacional de Danza in Havanna zu studieren. Sie erlernte Ballet, Jazz, kubanischen sowie afro-kubanischen Tanz. Nachdem sie mit den preisgekrönten Havana Queens aufgetreten ist, ist sie nach New York gezogen und hat ihr Training fortgesetzt. Diesmal in Theatertanz sowie Modern dance. Mit sechs Jahren Schulungserfahrung liebt sie es noch heute, verschiedene Stile zu kombinieren und sinnliche und schillernde Choreografien zu kreieren. Ihr aktueller Hit: Pole Dancing, das zu einem Trend in den Fitnesshäusern und Tanzstudios geworden ist.
Zoe, du liebst den Tanz. Wieso?
Mich fasziniert der menschliche Körper und die Formen, die man damit erschaffen kann. Tanzen ist atmen, den natürlichen Impuls von Bewegung zu vergrössern und seinen Körper zum vollsten Potential zu gebrauchen.
Was war deine Motivation, in Havanna zu studieren?
Als Kind gingen wir oft nach Kuba in die Ferien. Mein Vater hat einen sehr engen Bezug zum Land. Seit ich mich erinnern kann, tanzte ich Salsa und hörte kubanische Rhythmen zu Hause. Daher meine Leidenschaft für kubanische Tänze und Musik. Havanna hat ausgezeichnete Kunstschulen und ich wollte schon immer einige Monate ins Ausland.
Wann kam bei dir der Punkt, an dem du gesagt hast, du machst das jetzt?
Ursprünglich wollte ich Jus studieren. Ich plante, zwischen Collège und Uni ein Jahr freizunehmen und sieben Monate in Kuba zu leben, um mich meiner Leidenschaft, dem Tanz, zu widmen. Sehr schnell merkte ich, dass dieser Weg der einzige war für mich...
Was haben deine Eltern, deine Geschwister und deine Freunde damals dazu gesagt?
Ich war sehr nervös, meinen Eltern von meinem Plan zu erzählen. Mein Vater war sehr unterstützend, meine Mutter anfangs etwas geschockt, aber mittlerweile auch sehr stolz auf mich. Meine Geschwister und guten Freunde waren ebenfalls verständnisvoll. Vor allem für meinen jüngeren Bruder war es hingegen schwierig, dass ich sie einfach so verliess. Ich hatte lange einen inneren Konflikt; das schlechte Gewissen, geliebte Leute zurückzulassen und den Drang, meiner Berufung zu folgen. Es gibt natürlich viele Leute, die meine Entscheidung nicht verstehen oder das Tanzen nicht ernst nehmen. Ich habe meine Wahl jedoch nie bereut.
Was hast du aus dem Studium mitgenommen?
Man hat oft Zweifel und das Ziel erscheint sehr weit weg. Man fragt sich, wieso der ganze Aufwand und Schmerz? Aber hin und wieder erlebt man einen Durchbruch und das ist das beste Gefühl der Welt!
Wie können wir uns das Leben einer Tänzerin und Choreografin vorstellen? Wie sieht ein Arbeitstag für dich aus? Was tust du konkret?
Meine Tage sind sehr unterschiedlich. Ich habe zwei verschiedene Jobs und gelegentlich werde ich für Auftritte, Videos, Fotoshoots etc. gebucht. Das ist Fluch und Segen. Ich mag den ständigen Wechsel, aber es ist schwierig, einen gesunden Schlafrhythmus aufrechtzuhalten :-) Ich unterrichte zwei Tage in der Woche in einem Studio in Manhattan. Montags und Samstagnacht tanze ich in einer Bar in Brooklyn. Dazwischen unterrichte ich Privatstunden und habe normalerweise ein oder zwei Shootings oder Auftritte pro Woche. Wenn ich tagsüber einige Stunden frei habe, brauche ich die Zeit zum trainieren und an Choreographie oder neuen Tricks zu arbeiten. Ich habe ein grosses Zimmer mit einem Pole, in dem ich viel Zeit mit Tanzen verbringe.
Wie oft trainierst du in der Woche?
Es kommt darauf an, wie viele Jobs ich in einer Woche habe, wie ich mich körperlich fühle und wie inspiriert ich bin. Manchmal jeden Tag, manchmal zwei oder drei Tage pro Woche. Ich bin nicht so streng mit meinem Trainingsplan. Meistens WILL ich tanzen oder trainieren und muss mich bewusst davon abhalten, mich körperlich (und psychisch) zu erschöpfen. Und meine Arbeit ist ja sozusagen Training...
Wie würdest du deinen Tanzstil beschreiben?
Sensual, feminine Latin Fusion.
Gibt es ein Motto oder Spruch, der für dich wichtig ist?
BREATHE, also "schnuufe" :-)
Wann tanzt du nicht?
Selten! Meine Freunde sagen immer, ich sei ständig am Tanzen. Sogar wenn ich sitze, bewege ich z.B. die Arme oder Schultern. Wenn ich liege, die Füsse. Es ist mir wichtig, meinen Körper zu spüren.
An was arbeitest du momentan?
Momentan arbeite ich an Rücken- und Schulterflexibilität. Ohne Pole bin ich sehr flexibel, aber wenn man sich dann um etwas wickeln muss, wird es etwas komplizierter. Es gibt einige Tricks, die noch extrem schmerzhaft sind und ich daher nur selten ausführe.
Was ist dann deiner Meinung wichtiger zu trainieren: Stärke oder Flexibilität?
Beides! Flexibilität braucht länger und ist sehr schmerzhaft und deswegen der Hauptfokus im Training. Wenn man ständig tanzt, baut man automatisch Stärke auf. Ich habe jedoch oft Schüler, die hyperflexibel sind, aber keine Kraft haben. Das führt zu Verletzungen.
Du als Sportlerin: Was sind deiner Meinung nach No-Gos, wenn es um die Ernährung geht?
Ich habe keine spezifische Diät. Ich trainiere/tanze so viel, da mache ich mir ums Essen keine Sorgen :-) Wichtig ist es, dass man isst! Manchmal vergisst man an den langen Tagen zu essen oder hat keine Zeit und das führt zu Erschöpfung.
Möchtest du ein eigenes Studio gründen oder lieber in einem Fitnesshaus arbeiten?
Eigenes Studio!
Wo in deinem Beruf oder in deinem Leben improvisierst du am liebsten?
Ich improvisiere eigentlich viel lieber als Choreografie zu tanzen. Deswegen mag ich den Job im Nachtleben. Da kann ich machen, was ich will und je nach Laune verändert sich der Stil. Auch Shows improvisiere ich oft. Ich habe eine grobe Idee und dann "just go with the flow" :-)
Wie hast du dich persönlich verändert, seit du in New York bist?
Ich bin viel selbstbewusster und mutiger. Es fällt mir einfacher, mit Unbekannten zu reden. Mein Weltbild hat sich etwas verändert und ich fühle mich wohler in meiner Person.
Angenommen, ich interessiere mich für Pole Dance. Ist es denn für mich auch geeignet?
Pole Dance ist ein geniales Workout. Es trainiert alle Muskeln und bildet Kraft, Flexibilität und Koordination. Man muss aber eine hohe Schmerzgrenze haben, weil der Hautkontakt mit dem Metall brennt und man bekommt oft blaue Flecken.
Die regionalen Fragen:
Wo in unserer Region gehst du gern zum Essen aus?
Mondiale und Cyclo :)
Was inspiriert dich an Tafers und Umgebung?
Der Zusammenhalt der Einwohner und die Treue meiner Bekanntschaften. Auch wenn ich jahrelang nicht zurück war, lädt man mich zum Raclette ein. Das ist schön!
Was ist dein Plan für die Zukunft? Kommst du irgendwann zurück in die Region?
Hoffentlich nächste Weihnachten... Dann kann ich endlich wieder ins Coop :-)
Danke für deine Zeit, liebe Zoe! Wir wünschen dir alles Gute auf deinem Weg.