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Der Herr stand nackt vor ihrer Tür. Alice Hämmerle musterte ihn genau. Das letzte Mal, als sie einen nackten Mann gesehen hatte, war bei der Einsargung ihres Gatten gewesen. Viel hatte es da eh nie zu sehen gegeben. «Bitte!», japste der Mann. Und hielt seine flatternden Hände vor das Drittbein. «BITTE! ICH WILL NICHTS VON IHNEN. ICH BIN SCHWUL UND...»
Basler Zeitung
Der Herr stand nackt vor ihrer Tür. Alice Hämmerle musterte ihn genau. Das letzte Mal, als sie einen nackten Mann gesehen hatte, war bei der Einsargung ihres Gatten gewesen. Viel hatte es da eh nie zu sehen gegeben. «Bitte!», japste der Mann. Und hielt seine flatternden Hände vor das Drittbein. «BITTE! ICH WILL NICHTS VON IHNEN. ICH BIN SCHWUL UND...»
Er war ein Lügner. Einer der ganz grossen Klasse.
Natürlich sah er es anders.
Hans ersetzte das Wort Lügen gerne durch GESCHICHTEN. Er nannte sich selber einen Geschichtenerzähler. Und verdiente damit auch sein Brot.
Hans schrieb Kurzromane, Kolumnen, Storys für Kleinstblätter.
Wenn eine Redaktion mal Stoffnot hatte, hiess es in der Sitzung: «Ruft Hans an. Der lügt uns schnell etwas zusammen!»
«WUFF!» - bellte der schwarze Hund etwas heiser. «WUFF? WUFF?»
Er wedelte vor dem Eisentörchen zu diesem Adelbodner Chalet, dessen Name immer mit Hunden verwoben war. MIT UNSERN HUNDEN.
Vater hat hier die drei Rauhaardackel, die ihn wie auch die Weiber ein Leben lang umschwänzelt haben, begraben, im Garten, nahe der Rosen.
Es war verboten. Aber er pfiff darauf, wie er auch auf das Gejammer der liebenden Gattin pfiff, als er den jungen Zwirbelhund in den Rucksack steckte. Und mit ihm den Flitzer bestieg.
Mutter hatte es mit dem Comment. Grossmutter noch ärger.
Das war die Meyer-Seite. Meyer mit Ypsilon. Und deshalb etwas Besonderes.
Die Vaterseite warf den Comment total über den Haufen. Und die Ypsilons rümpften die Nase. «Typisch? schnitzt sich ein teures Zündholz zu einem Zahnstocher. Und stochert damit ungeniert sein Amalgam durch. HIER IST ABER JEMAND WIRKLICH MIT DEM SECHSERTRAM DURCH DIE KINDERSTUBE GEFAHREN?!»
Als mich der Binggis mit seinen untertassengrossen, rabenschwarzen Augen anschaute, da konnte ich gar nicht anders.
Klar. Ich habe schon einige Dutzend Fasnachtsblaggedde angehängt bekommen: 3 kupferne, 6 silberne, 3 goldene. Da sind die Kinder von Urs (sie nehmen die Bestellungen schon im Oktober auf). Da ist meine Nachbarin (pfeift in einem Schyssdräggzigli). Dann mein Masseur («Was hast du gegen Wagencliquen? Jetzt unterstützt auch uns einmal!»).
«? er schläft mit Max!», flüsterte Innocent zu seiner Freundin Rosie. Und rümpfte die Nase.
«Ich weiss nicht, was er an ihm sieht?»
Derweil hockt Max auf meinem Bett. Und stiert - zugegeben - etwas hilflos in eine Ecke.
«? und das Allerschlimmste: Max muss auf alle unsere Reisen mit. Ich finde das nur noch peinlich?»
Nun werde ich aber doch leicht säuerlich. «Noch ein Wort und ich sage mit wem DU herumpennst?»
Daraufhin hat Innocent hurtig das Thema gewechselt.
Andrea bückte sich. Sein Atem ging knapp. «Ich sollte aufhören...», dachte der Barbiere. «Aufhören mit allem...»
Dann schloss der 78-Jährige mühsam das Eisengitter vor seinem Barbiergeschäft im römischen Getto? ein Laden, in dem schon sein Grossvater Bärte rasiert und Haare geschnitten hatte. Und dessen Grossvater davor.
«Der älteste Barbiere im Getto...», hatte ein Lokalreporter einmal in einer Reportage geschrieben.
Andrea hatte den Artikel ausgeschnitten. Und neben dem grossen, ovalen Spiegel an die Wand geklebt.
Was für ein Wochenende! Oh Gott! Und mit Gott. Ich meine: ER war immer dabei. Und natürlich Glanz und Gloria. Die Ereignisse schlugen Schlag auf Schlag in die TV-Kisten ein, so dass man zum Schluss nicht mehr so richtig wusste, ob nun an diesem ersten Mai-Weekend Prinz William selig gesprochen und Papst Ratzinger endlich unter die Haube gebracht wurde.
Issjauachegal. HAUPTSACHE DIE FERNSEHKISTEN DAMPFTEN. UND MILLIARDEN DAMPFTEN MIT.
«Damit können Sie auch fernsehen!»? Die Verkäuferin war gereizt.
Seit einer geschlagenen Viertelstunde betete sie diesem Alten nun ein Mobiltelefon nach dem andern hin. Und der zuckte stets nur mit den Schultern. «Ach, ich weiss nicht recht...»
Heinz wurde immer unsicherer. Weshalb nur hatte er diesen verdammten SHOP betreten? Und was wollte diese miesgelaunte Zicke mit der silbernen Kugel im Nasenflügel von ihm? Heinz mochte gepiercte Nasenflügel nicht. Und schon gar keine miesgelaunten Fräuleins.