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Borrelien-Impfstoff: Morgenröte in Sicht?
Im Februar 2002 hat die Herstellerfirma den ersten in den USA verfügbaren Impfstoff gegen Borrelien (Lymerix) vom Markt zurückgezogen. Nun weckt ein innovatives Verfahren mit einer neuen Strategie die Hoffnung auf eine neue Impfung gegen die Lyme-Erkrankung.
Der frühere Impfstoff wurde vom Markt zurückgezogen, weil sich bei einigen Geimpften eine Autoimmun-Arthritis einstellte. Immunologisch erklärt man sich das so, dass das Peptid, gegen welches die durch die Impfung stimmulierte Immunantwort wirkt, sehr ähnlich einem körpereigenen Peptid der Synovia (Gelenkskapsel) ist. Wir Impfen jeweils mit ganzen Eiweissen (Proteinen) doch die Antigen-präsentierende Zelle spaltet diese in kleine Aminosäuren-Sequenzen auf. Diese sogenannten Peptide, welche dann durch das Immunsystem als fremd erkannt werden, sind bei jedem Menschen je nach dessen HLA-Typen unterschiedlich. Somit erklärt man, dass die Autoimmun-Arthritis auch nur bei einigen Menschen nach der Impfung auftritt, nämlich denen mit dem HLA-antigen: DRB1*0401 (DR4). Vermutlich ist dies der gleiche Mechanismus wie bei der Erkrankung selbst: Auch hier entwickeln nur die wenigsten Menschen nach einer Lyme- oder Borrelien Infektion eine Lyme-Arthritis.
Die Entwicklung der Lyme-Impfung muss zwei Hürden überspringen. Die erste betrifft den o.g. Mechanismus der Auto-Immunität. Die zweite Hürde ist die Stärke der Immunantwort. Eine Methode, die erste Hürde zu überwinden, wurde bereits vor einem Jahr publiziert. Damals hatten Forscher der Harvard Medical School (Willett et al, PNAS, Jan 2004) gezeigt, dass die unerwünschte Immunantwort ausbleibt, wenn ein ganz spezifischer Teil des für die Impfung benutzten Antigens (outer surface Protein A, OspA) entfernt wird.
Verschiedene Hüllenproteine von Bakterien haben aufgrund ihrem hohen Kohlehydrat-Gehalt (Glykosylierung) eine nicht sehr ausgeprägte immun-stimulierende Wirkung. Diese Wirkung konnten nun durch einen Trick verstärkt werden. Man weiss, dass das Kern-Protein des Hepatitis-C Virus (HBc-AG) ein sehr stark immunogenes Protein ist. Es führt bei jeder Infektion zu einer starken Immunantwort. Nun haben Forscher aus Freiburg dieses Protein mit dem Borrelien OspA verknüpft (Nassal et al, Eur J Immunology, 24. Jan 2005). Mit diesem Trick gelang es ihnen eine sehr starke Immunantwort zu stimmulieren.
Ob das Verfahren je einmal für eine Borrelien Impfung verwendet wird, ist natürlich noch ungewiss. Doch die Methode ist ein interessanter Schritt zur Verbesserung der Immunantwort für viele Impfstoffe, insbesondere solche gegen Bakterien.
Doch bis es soweit ist, dürften noch viele Jahre vergehen. Alternative Präventionsmethoden gibt es aber jetzt schon (s. unseren Beitrag vom 14.6.03).
Über die Unterschiede zwischen der amerikanischen und der Europäischen Form der Lyme-Erkrankung siehe unseren Bericht vom 25.11.03.