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Eine besondere Rolle in der Modernisierung der Glasproduktion Muranos kommt dem venezianischen Architekten Carlo Scarpa (1906–1978) zu, der in über 20 Jahren mit unermüdlicher innovativer Energie das Material Glas in seinen Farben und Formen studierte und neu interpretierte.
Der venezianische Architekt Carlo Scarpa hat mit der Vase La Mina in der Depression der Vorkriegszeit eine Perle der Glaskunst mit einer geradezu transzendenten Ausstrahlung geschaffen. Auf den kugelrunden tiefschwarzen Gefässkörper liess Scarpa in harmonischer Verteilung an die 30 separat geblasene Glaskugeln aufsetzen. Ihren Glanz verdankt die Bombe der Einlage von Blattgold, das über die Nuppen gezogen ist und in teilweise mehrfacher Überlagerung eine grosse Tiefe erzeugt. Die Mina zeigt auch Verwandtschaft mit der 1936 bis 1938 entstandenen Corrosi-Serie. Hierbei wurden die äusserst dicken Oberflächen vom Glasbläser mit einer Schicht säuregetränktem Sägemehl bestreut, was eine Korrosion bewirkte. Um generell die Konturlinien der Glasobjekte zu betonen, strebte Scarpa in seinen schnörkellosen Kreationen fast ausnahmslos nach Lösungen in blickdichtem Glas. Scarpa eignete sich von Mitte der 1920er-Jahre bis 1947 als künstlerischer Leiter der Glasmanufakturen Cappellin & C. und später Venini & C. grosse technische Kenntnisse an, die er in Zusammenarbeit mit den Meistern in zahllosen Gefässen umsetzte. In der langjährigen Auseinandersetzung mit dem Glas ignorierte er die geltenden Vorgaben der seriellen Produktion und liess sich selbst auf unmöglich scheinende Experimente ein. (Sabine Flaschberger)