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Den gesunden Menschenverstand zu benutzen, ist in der heutigen Gesellschaft keine Selbstverständlichkeit mehr. prisma empfiehlt einen häufigen Gebrauch.
Descartes «ich denke, also bin ich» wurde im Zuge der neusten neurobiologischen Erkenntnisse in «ich fühle, also bin ich» umgemünzt. Egal wie man es nun dreht und wendet, fühlt oder denkt. Wir nehmen unsere Welt wahr und interpretieren sie in der uns bekannten Art und Weise. Das ist angelernt, verlernt oder angeboren, und gerade deshalb sehen unsere Interpretationen so anders aus. Aber wer hat dann recht? Um diese Frage kann man solange herumeiern, wie um das Ei und das Huhn. Wenn man stattdessen den Hühnerstall von einer anderen Seite umrundet («reframing» in Neudeutsch), kommt man mit der Frage «Was sind die Beweggründe der Gegenseite?» der Wahrheit ein ganzes Stück näher.
Alle Amerikaner als dumm zu bezeichnen, weil sie Trump gewählt haben, wäre ein Kurzschluss. Sodann hat sich der Journalismus daran gesetzt, die Verzweiflung und den Trotz des mittleren Westens aus den Tränen der amerikanischen Wut zu filtern. Und schon war die Reaktion der Trump-Wähler nachvollziehbar. Nachvollziehbar heisst jedoch nicht, dass wir diese Meinung auch teilen müssen. Aber aufgrund des Verständnisses gibt es nun wenigstens eine Basis, eine Bühne, auf der man gemeinsam gestikulieren, diskutieren und Kompromisse zelebrieren kann.
Würde nun in unserer Mensa ein neues vegetarisches Menü eingeführt und schlagartig viele Kerle wüst aufschreien; versucht ihre Beweggründe zu verstehen. Ist ein saftiges Steak unzertrennbar mit dem männlichen Selbstverständnis verbunden? Hat der Mann im Zuge der weiblichen Emanzipation verschlafen, seine Rolle neu zu definieren? Ist Trump die Antwort oder der Nachhall darauf? Oder kann man das jetzt wirklich nicht in Verbindung bringen? Habe Mut, deinen gesunden Menschenverstand zu gebrauchen, und vielleicht Kant du es dann beantworten.