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Gesten
Körperliche Gesten werden im reformierten Gottesdienst immer noch sehr zurückhaltend und variantenarm gebraucht. In der mitteleuropäischen Kultur, die spätestens seit den 1970er-Jahren mehr und mehr den körperlichen und visuellen Ausdruck ins Zentrum rückt, wirkt dieses reduzierte Gestenrepertoire zunehmend karg und blass. Vermehrt wagen Pfarrpersonen daher, liturgische Gesten bewusst einzusetzen.
Gesten unterstützen und prägen die Kommunikation im Gottesdienst. Sie verstärken und akzentuieren bestimmte liturgische Handlungen. Hierbei können unbewusste Gesten, die „natürlicherweise“ zum kommunikativen Repertoire von Personen gehören, und bewusst gestaltete Gesten, wie z.B. eine Segensgeste, unterschieden werden. Solche liturgische Gesten haben eine relativ feste Form und sind mit bestimmten Bedeutungen verbunden (siehe bspw. Segen).
Beispiele für klassische liturgische Gesten sind: Das Einziehen (zum Beginn des Gottesdienstes), das Aufstehen (zu Lobgebeten, zum Unser Vater und zur Lesung des Evangelientextes), die Gebetshaltung (Hände verschränkt vor dem Bauch), die Orantenhaltung (Arme ausgestreckt mit Handflächen nach oben), die Segensgeste (Arme und Hände ausgestreckt), die Segensgeste mit Kreuz (Zeichnen eines Kreuzes auf Hand oder Stirn), die Bekreuzigung (Kreuz schlagen mit der rechten Hand über die Brust), der Friedensgruss (Handschlag mit den Worten Friede sei mit dir!).
Grundlagen und Literatur
David Plüss, Körper und Kult. Gestisch-mimetische Kommunikation im ganz gewöhnlichen reformierten Gottesdienst, in: Christina aus der Au, David Plüss, Körper – Kulte. Wahrnehmungen von Leiblichkeit in Theologie, Religions- und Kulturwissenschaften, Zürich 2007.
David Plüss, Gottesdienst als Textinszenierung. Perspektiven einer performativen Ästhetik des Gottesdienstes (Christentum und Kultur 7), Zürich 2007, v.a. 177–195 (C. Die Gesten der Liturgie).