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Rocard starb am Samstag im Alter von 85 Jahren in einem Pariser Spital, wie sein Sohn Francis der französischen Nachrichtenagentur AFP mitteilte.
Er wurde dem sozialliberalen Lager der französischen Sozialisten zugeordnet. Die Zeitung “Libération” bezeichnete ihn als “Pionier einer Sozialdemokratie à la française”, wie sie auch Hollande vertritt. “Er hat die Modernisierung der Linken verkörpert und die Notwendigkeit, die Wahrheit zu sagen”, sagte Premierminister Manuel Valls.
Ausgerechnet sein parteiinterner Intimfeind François Mitterrand machte Rocard zu Beginn seiner zweiten Amtszeit als Präsident 1988 zum Premierminister – oft wird vermutet, dass er so von Rocards Popularität profitieren wollte.
Unmittelbar nach Amtsantritt unterzeichnete Rocard das Abkommen von Matignon, mit dem die Autonomie von Neu-Kaledonien anerkannt und die dortigen Unruhen beendet wurden.
Drei Jahre lang führte Rocard die Pariser Regierung, schuf unter anderem eine neue Form der Sozialhilfe. Der Weg in den Élyséepalast aber blieb ihm versperrt.
Als Chef einer Minderheitsregierung musste Rocard mit wechselnden Mehrheiten arbeiten. Im Mai 1991 trat er von der Regierungsspitze zurück, weil er kaum noch die nötigen Mehrheiten fand.
Der Pro-Europäer übernahm 1993 handstreichartig die Führung der PS. Doch gelang es ihm nicht, die Flügelkämpfe in der Partei zu überwinden, so dass er bereits ein Jahr später zurücktrat. 1995 wurde Rocard in den Senat gewählt.
Rocard wurde 1930 in eine bürgerliche Familie im Pariser Vorort Courbevoie geboren. In seiner jahrzehntelangen Polit-Karriere war er Parteichef, hoher Beamter, Senator und EU-Abgeordneter.
Erst vor einigen Monaten hatte Präsident Hollande Rocard mit dem Grosskreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet, der höchsten Ehrung des Landes. “Sie haben danach gestrebt, die Gesellschaft zu befrieden und Frankreich zu reformieren”, sagte Hollande damals – eine Aussage, die auch mit Blick auf den regelmässig aufflammenden Streit um Reformen in Frankreich zu verstehen ist.
In einem seiner letzten Interviews hatte Rocard sich im Juni für einen Ausstieg Grossbritanniens aus der EU ausgesprochen – weil die Briten Europa nicht als politische Einheit verstünden. “Also wünsche ich den Brexit”, sagte er. “Aber es ist nicht sicher, dass wir es hinkriegen werden, davon zu profitieren.”
(SDA)