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Taraba 51
Die für Hegel wahrhafte Methode der philosophischen Wissenschaft fällt demgemäß in die Abhandlung der Logik; denn die Methode ist das Bewusstsein über die Form der inneren Selbstbewegung ihres Inhalts.
Diese Form jedoch in der Terminologie sinngemäß das Denken der Zwei-Seiten-Form: Mann und Frau, Herr und Knecht. Schon vor jeder Bestimmung (Unterscheidung) ist das Du im Ich als anderes Ich im Bewusstsein selbstinnig vorausgesetzt.
Das doppelsinnige Ich bedeutet - auf jeder seiner beiden Seiten - Denken des Denkens. Jene Selbstbewegung des Inhalts („Mann und Weib“) und dessen Sichselbstgleichheit im Anderswerden ist die Bedingung der Möglichkeit, dass Selbstreferenz sich überhaupt entfalten kann - qua Fremdreferenz! Form ist das Dispositiv von mindestens zwei (unterschiedenen) Beobachtern.
Es handelt sich um eine dreifache Reflexion. Die Zwei-Seiten-Form hat reflexionslogisch immer die Form der Triade, da jede Unterscheidung Triplizität erzeugt - ein „Innen“, einen „Außen“ und die „Grenze“ dazwischen.
Diese Triade besteht qua ihrer Korrelate aus je drei zweiwertigen Umtauschverhältnissen. Das gedoppelte Ich (Ich/Du) denkt je sich (Ich) und anderes (Du) und ist je selbst die Differenz oder der Schied des Unterschieds.
Boe: vgl. Spencer Brown , vgl. Nina Ort , vgl. Gotthard Günther
So ist Hegels Reflexionsform zu verstehen, die jedoch niemals unabhängig von einem Inhalt, das heißt vom Handeln ihrer Protagonisten ist, daher nur als Bestimmtes und damit vermitteltes Dasein „existiert“. Dieses „Dasein“ jedoch ist die Reflexion des Wir - der gedoppelten Reflexion in sich der Reflexion in sich und anderes und als Absolute Reflexion immer schon materialisierte Reflexion. Vollzogenen als Anderer, als Sprache, Welt, Natur, Kultur, Kunst, Gesellschaft, Gesetz, Geschichte.
Negation der Negation oder doppelte Negation nennt Hegel dieses Verhältnis, in welchem es kein Subjekt mehr gibt aber zwei Selbstbewusstsein(e) , deren gegenseitige Negation und notwendige Verdinglichung, nichts anderes als gegenseitiges Anerkanntsein bedeutet.
Die Reflexion als das ausgeschlossene-eingeschlossene Dritte und Zwischen des Entgegengesetzten, bildet zusammen mit den zwei Seiten des Denkens die Triade der Begründungsrelationen: die Vermitteltheit der Ich-Elemente des Denkens (Ich/Du) und das vermittelnde Wir ihrer Vermitteltheit.
Hegels doppelte Negation, oder Negation der Negation, bezeichnet die „Existenz“ zweier Selbstbewusstsein(e) aus dem Nichts, im Nichts und rund um das Nichts herum und deren gegenseitige Reflexion, Selbstreflexion und gegenseitige Reflektiertheit im Dasein, in dem die NULL gesetzt ist, wie die zwei Selbstbewusstsein(e).
Das Nichts, von dem die Rede ist, verdankt seine „Existenz“ allein in jenem reflektierten Dasein oder Doppelsinn, der im Nichts durch das Nichts gesetzt ist.
Die bestimmungslose Negativität des Absoluten, das reine Nichts floriert nur im Denken, denn „Das Bewusstsein existiert nicht getrennt von irgend einem besonderen Inhalt“. Der Gegenfall der absoluten Leere (oder des Chaos) ist ausgeschlossen und damit stets präsent und eingeschlossen.
„Das „Nichts“ der creatio ex nihilo“, sagt Luhmann, „kann nicht in der Vergangenheit zurückbleiben. Es wird ständig benötigt, damit das Sein Sein sein kann. Die creatio continua erfordert eine ständige Neuschöpfung auch des Nichts“ (Luhmann,GG419).
So „reproduziert alles sinnhafte Operieren immer auch die Anwesenheit dieses Ausgeschlossenen, denn die Sinnwelt ist eine vollständige Welt, die das, was sie ausschließt, nur in sich ausschließen kann. Unsinn ist eine Form von Sinn. Alle Negation potentialisiert und bewahrt, was sie explizit negiert und re-etabliert, damit auch jenen „unmarked space“, in denen sich jeder, auch die negierte Operation durch eine Unterscheidung einkerbt“. (Luhmann, GG49)
Die augenblickliche Auflösung der Paradoxie, jenes aus Teilen bestehenden Ganzen, erfolgte durch gedachte Nacheinander der Zeitdifferenz. Diese radikale, postontologische Thematisierung von Zeit liegt dem Formenkalkül von George Spencer Brown zu Grunde (vgl. Taraba93). Der Negationsstreit geht daher zu Gunsten des Formenkalküls aus:
„Entscheidend sowohl für die Struktur dieser Semantik als auch für die Art und Weise in der sie Paradoxien behandelt ist die fragelose Geltung einer zweiwertigen Logik. Diese Logik akzeptiert ihrerseits eine Unterscheidung und gewinnt damit ihre spezifische Form, nämlich die Unterscheidung der logischen Werte positiv und negativ. Für die Einschätzung dieser Errungenschaft ist deshalb wichtig, dass man Unterscheidungen gewinnen und Formen markieren kann, bevor man über die Operation des Negierens verfügt; denn die Negation verdankt sich selbst der Form und nicht umgekehrt, sie ist nur möglich dank einer Unterscheidung, deren andere Seite die Position ist“ (Luhmann, GG926).
Hier ist anzumerken, dass die Logiker dieses Fundierungsverhältnis umgekehrt sehen und meinen Mann könne nur mithilfe einer Negation unterscheiden.
„Wir dagegen“, so Niklas Luhmann, „können sehen, das hier ein wichtiger Fall der Evolution eines autopoietischen Systems vorliegt: das Unterscheiden ist schon lange in Gebrauch, bevor die Sprache codiert wird und sich die Logik entwickelt. Nur deshalb kann Logik evoluieren. Das Logiksystem dreht dann aber das Fundierungsverhältnis um und gewinnt damit einen autonomen Zugang zur Welt, der es erlaubt alles und auch das Unterscheiden im Duktus der Zweiwertigenlogik zu beschreiben. So erklärt sich im Übrigen auch der Einbau der Negation in die Prämissen aller klassischen und modernen Logiksysteme. Und im Übrigen weiß man ja auch, dass mit dieser Prämisse keine widerspruchsfreie Selbstbegründung der Logik gelingen kann. Will man das ändern, muss man mit Wittgenstein Sprache oder mit Spencer Brown den mathematischen Kalkül der Logik vorordnen“ (Luhmann, GG927).
Boe: Protologik
Sylvia Taraba