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Knappheit an Energie und Preisentwicklung
Eine Untersuchung des Bundesamtes für Energie (BFE) aus dem Jahre 2007 zu den Auswirkungen langfristig hoher Ölpreise Vgl. Auswirkungen langfristig hoher Ölpreise. Einfluss eines langfristigen hohen Ölpreises auf Wirtschaftswachstum, Strukturwandel sowie Energieangebot und -nachfrage, Energiewirtschaftliche Grundlagen, BFE, März 2007, www.bfe.admin.ch . kam zum Schluss, dass auf Grund verschiedener Substitutionsmöglichkeiten ein dauerhaftes Preisniveau von real über 100 US-Dollar pro Fass (Preisniveau von 2001, entspricht heute nominal etwa 125 US-Dollar) nicht sehr wahrscheinlich ist. Allerdings sind kurzfristige Preisausschläge darüber hinaus jederzeit möglich.
Ursachen des Preisanstiegs
Für den Laien ist es heute relativ einfach, sich über den aktuellen Preisverlauf zu informieren. Vgl. z.B. http://de.wikipedia.org, Erdöl oder www.wtrg.com/prices.html . Schwieriger ist es jedoch, sich ein einigermassen klares Bild über dessen Ursachen zu verschaffen. Zu den zu Unrecht erwähnten Ursachen des Anstiegs gehören die Attentate auf das World Trade Center vom 11 . September 2001. Obwohl eine zeitliche Koinzidenz zum Anfang des Preisanstiegs besteht und eine Initialwirkung auf den Trend nicht ausgeschlossen ist, mag dieses Ereignis nicht erklären, warum der Preis während der vergangenen Jahre fast dauernd in Richtung einer Erhöhung tendierte. Fest steht hingegen, dass sich seit mehreren Jahren grosse Schwellenländer wie China und Indien mit rasanten Wachstumsraten entwickeln und ihre Nachfrage nach Erdöl daher dauernd zunimmt. Im Fall China ist auch belegt, dass die Initialzündung für den Trend hin zum Privatauto auf den Ausbruch der Sars-Epidemie Anfang 2002 zurückzuführen ist, als sowohl öffentliche Verkehrsmittel wie auch das Gemeinschaftstaxi und das Fahrrad auf Grund der akuten Infektionsgefahr verpönt waren. Falsch wäre aber zu glauben, dass sich dieser Trend seit dem Ende der Epidemie verlangsamt hat. Das anhaltende Wirtschaftswachstum hat den Lebensstil mit eigenem Fahrzeug gefördert. Im Entwicklungsland China wird in den nächsten Jahren der Gesamtverbrauch an fossilen Energien das Niveau der USA erreichen, auch wenn der Pro-Kopf-Verbrauch dabei noch fünfmal geringer ist. Dies weist allerdings auch auf die potenziell noch bevorstehende Entwicklung hin.
Vergleich mit den Erdölschocks in den Siebzigerjahren
Um das Phänomen des Preisanstiegs besser verstehen zu können, mag ein Vergleich mit den beiden Erdölschocks der Siebzigerjahre nützlich sein. Damals ist der Erdölpreis von 2 US-Dollar im Jahre 1971 innerhalb von zehn Jahren auf den Höchststand von 36 US-Dollar geklettert, was eine Multiplizierung um den Faktor 18 bedeutet. Die Proportionen sind diesmal ähnlich, wenn man vom historischen Tiefstand Ende 1998 von 12 US-Dollar ausgeht. Im Vergleich zum jüngst erreichten Maximum von 145 US-Dollar entspricht dies einer Multiplizierung um den Faktor 12 innerhalb von zehn Jahren. Ein wesentlicher Unterschied zu den Siebzigerjahren ist hingegen die Ursache des Anstiegs. Damals stand das politisch motivierte Erdölembargo der Opec-Länder gegen die OECD-Staaten im Vordergrund, mitunter eine künstliche Verknappung des Angebots im Rahmen des damaligen Handelskriegs und der iranischen Revolution. Heute kann betreffend Angebot höchstens gesagt werden, dass dessen Ausweitung als Konsequenz des zunehmenden Nationalismus rund um die Ressourcenförderung (sogenannter «Ressourcennationalismus», vgl. Im Artikel von A. Brunetti auf Seite 4ff in dieser Ausgabe wird gezeigt, warum ein kleiner Nachfrageanstieg im Falle unelastischer Angebots- und Nachfragekurven zu einem grossen Preisanstieg führen kann. Dies zeigt sich darin, dass die Angebotskurve auf Grund der Verzögerung steiler ansteigt. Die Angebotskurve wird durch die Grenzkosten bestimmt. Sie entsteht, wenn man die Produzenten entsprechend ihrer Produktionskosten pro Fass in eine Grafik überträgt, den billigsten zuerst, den teuersten am Schluss. Man weiss, dass heute billigeres Erdöl zur Verfügung stünde, jedoch nicht produziert werden kann, da keine entsprechenden Förderanlagen installiert werden. Unter dem Zeichen des Ressourcennationalismus nimmt die Ausweitung der Kapazitäten in den meisten Förderländern den Stellenwert eines politischen und nicht eines wirtschaftlichen Entscheids ein.
Wie dauerhaft ist der Preisanstieg?
Die interessanteste Frage ist, wie dauerhaft der Preisanstieg oder zumindest das heutige Preisniveau wohl sein mag. Auch hier kann man zum Vergleich einen Blick zurück in die Vergangenheit werfen: Im Jahr 1986 sank der Erölpreis innerhalb weniger Monate auf ein Drittel seines vorherigen Niveaus. Gleichzeitig hat Saudi-Arabien eine neue Vertragsform, den sogenannten Net-Back-Vertrag, eingeführt. Eine Blase war geplatzt, weil sich Saudi-Arabien fortan weigerte, die von der Opec beschlossene Förderbeschränkung fortzuführen. Für die anderen, weniger bedeutenden Opec-Staaten war die Förderbeschränkung schon vorher blosses Lippenbekenntnis gewesen. Sie hatten sich nicht mehr daran gehalten. Durch die alleinige Einhaltung der Förderbeschränkung hatte Saudi-Arabien in den vorangehenden Monaten und Jahren bedeutende Verluste seines Marktanteils hinnehmen müssen. Daher hat es seine Haltung 1986 geändert. Gibt es Anzeichen für eine ähnliche Blase im Jahr 2008? Selbstverständlich kann diese Frage erst im Nachhinein mit Sicherheit beantwortet werden. Die Existenz einer Blase ist heute aber viel weniger wahrscheinlich als in den Siebziger- und Achtzigerjahren. Damals wurde die Förderung auf Grund des Entscheids eines kleinen Gremiums von Erdölministern zweimal künstlich gedrosselt, nämlich zwischen 1973 und 1975 und noch stärker zwischen 1979 und 1983 (siehe Grafik 2 ). Eine künstliche Drosselung bildet insofern leicht eine Blase, als sie durch einen entsprechenden Entscheid wieder rückgängig gemacht werden kann. Ganz anders sieht es in jüngster Zeit aus: Es ist keine Drosselung feststellbar. Vielmehr hat der Pro-Kopf-Verbrauch seit 1998 stets zugenommen, insgesamt um etwa 2%. Da die Weltbevölkerung in diesem Zeitraum um ca. 8% angestiegen ist, hat der Erdölverbrauch insgesamt um 10% zugenommen. Der Verbrauch wird nicht in wenigen Monaten schrumpfen. Die Grafik 2 ist auch in anderer Hinsicht interessant: Sie zeigt indirekt die Abhängigkeit des Verbrauchs vom Einkommen, d.h. von der Konjunktur. Zwischen 1989 und 1995 ist der Pro-Kopf-Brennstoffverbrauch merklich geschrumpft. Dies ist durch die damalige Verschlechterung der Weltkonjunktur bedingt, welche das Einkommen verringerte und die Nachfrage dämpfte. Genau genommen war nur die Nachfrage nach Brennstoff betroffen. Die weltweite Treibstoffnachfrage ist nicht konjunkturabhängig, sondern strukturell bedingt und steigt ständig an.
Peak-Oil-Theorie: Ein valabler Erklärungsansatz?
Bei der Beantwortung der Frage nach der Existenz einer Blase ist auch das Element Peak Oil zu berücksichtigen. Die Peak-Oil-Theorie stammt aus dem Jahre 1956 Anfänge der Erdölindustrie vor 1880, Rockefeller-Zeit 1890-1911, beide Weltkriege und Opec-Blase 1973-1986. – eine Art «Badewanne» durchzulaufen scheint. In Expertenkreisen geht man davon aus, dass bis heute weltweit 46% des Billigöls oder 27% der Summe aus billigem und teurerem (sogenannt nicht-konventionellem) Erdöl verbraucht ist. Bei heutigem Verbrauch reicht das Billigöl nur noch bis 2050. Somit könnte sich bewahrheiten, dass wir beim Billigöl nur noch wenige Jahre vom Peak entfernt sind, dass der Peak aber für Öl insgesamt (d.h. das billige und das teurere zusammengenommen) weiter entfernt ist. Der Erdölpreis dürfte das Preisband wechseln und sich für die kommenden Jahrzehnte auf einem höheren Niveau einpendeln. Die Frage lautet demnach: Wie hoch wird dieses Preisband sein, und wann wird es erreicht? Der Hauptfehler der Peak-Oil-Theorie besteht darin, den Warenfluss des Erdölangebots mit dem Warenlager des geologischen Erdölvorkommens zu verwechseln. Wenn das Lager schrumpft, muss nicht notwendigerweise der Fluss schrumpfen. Der heutige Preisanstieg ist z.B. auch bei Metallen wie Aluminium und Stahl zu beobachten, bei denen der Angebotsfluss mit dem zunehmenden Nachfragefluss nicht Schritt zu halten vermag. Aluminium und Eisen sind aber das drittrespektive das vierthäufigste Element in der Erdkruste (8% respektive 5% des Gewichts) und somit in sehr grossen Mengen verfügbar. Das Lager ist also bei weitem nicht ausgeschöpft, insbesondere weil der Schrott dieser Metalle vermehrt wiederverwendet wird. Die gemeinsame Ursache für den steigenden Preis und das ungenügende Angebot all dieser Rohstoffe ist mangelnde Investitionstätigkeit.
Hürden für die Investitionstätigkeit
Die Investitionstätigkeit wird selbstverständlich durch die steigenden Preise angekurbelt. Sie wird allerdings durch eine Vielzahl von Hürden behindert. Im Gegensatz zum Warenverkehr, bei dem die WTO die Hürden seit der Gründung des GATT 1947 schrittweise abgebaut hat, und dem Dienstleistungsverkehr, bei welchem erstmals mit der Gründung der WTO 1994 und nun in der Doha-Runde über den Abbau von Hürden verhandelt wird, hat man es bei den Investitionen bisher noch nicht einmal geschafft, den Grundsatz der Investitionsfreiheit, eventuell mit entsprechenden Ausnahmen, international in einem multilateralen Abkommen zu verankern. Vor zehn Jahren scheiterten das Multilateral Investment Agreement (MAI) der OECD und gleichzeitig das Zusatzabkommen zum Energiechartavertrag über Energieinvestitionen, welche beide dieses Ziel verfolgten. In der Doha-Runde der WTO wurde der Bereich Investitionszulassung ebenfalls nach kurzer Zeit wieder von der Traktandenliste gestrichen. Er wird seit Anfang dieses Jahrzehnts in den umfassenden Freihandelsabkommen verhandelt, welche die Schweiz mit Partnerländern (meist im Rahmen der Efta) abschliesst. Ausser dem revidierten Gründungsabkommen der Efta sind solche Abkommen mit Chile, Korea, Mexiko und Singapur in Kraft. Energiereiche Länder schliessen aber den Zugang ausländischer Investoren in ihren Energiesektor aus. Auch die Schweiz hat im Energiesektor zahlreiche Vorbehalte betreffend ausländische Investoren. Somit müssen noch gewaltige Hürden übersprungen werden, damit die Investitionstätigkeit allgemein die für sie notwendige Freiheit erhält und der Energiesektor im Speziellen nicht mehr als Ausnahme vorbehalten wird.
Alternativen zum Erdöl als Treibstoff
Grundsätzlich gibt es heute vier realistische Möglichkeiten, Erdöl beim Verkehr zu ersetzen: Gasverflüssigung (Gas to Liquide oder GTL), Biotreibstoffe (Biomass to Liquide oder BTL), Kohleverflüssigung (Coal to Liquide oder CTL) sowie Hybrid- und Elektroantriebe. – Die Gasverflüssigung wird heute in vielen OECD-Ländern steuerlich entlastet. Auf den meisten internationalen Märkten (ausser im angelsächsischen Raum) ist der Erdgaspreis vertraglich an den Erdölpreis gebunden. erschwert, welche verhindert, dass Erdgas strukturell billiger werden kann als Erdöl. In etwa 20 Jahren ist mit einem Peak-Gas (ähnlich dem Peak Oil) zu rechnen. Die verbleibende Zeitspanne ist für viele Schwellenländer zu kurz, um internationale Gaspipelines amortisieren zu können. Die Umstellung müsste daher primär von Gasförderländern kommen. Bisher hat einzig Iran entsprechende Absichten geäussert. Gas ist dem Erdöl somit nur hinsichtlich CO 2 -Ausstoss überlegen. – Biotreibstoffe werden in Brasilien seit Jahrzehnten entwickelt und in OECD-Staaten ähnlich der Gasverflüssigung steuerlich gefördert. Mehrere Studien belegen, dass auf Land produzierte Biotreibstoffe höchstens ein Teilersatz herkömmlicher Treibstoffe sein können. Biotreibstoffe brauchen etwa hundertmal so viel Land wie Photovoltaik und dazu sehr grosse Wassermengen. Dies ist auch dann der Fall, wenn deren Produktion nicht auf Basis von Nahrungsmittelpflanzen beruht. Aus diesem Grund werden Biotreibstoffe Erdölprodukte erst dann definitiv verdrängen können, wenn sie auf Basis von im offenen Meer aufgezogenem Plankton und Algen produziert werden. Es ist schwierig vorherzusagen, wann und zu welchem Preis dies erfolgen könnte. – Die Kohleverflüssigung besteht in Südafrika seit vielen Jahren und ist bei heutigen Preisen ebenfalls marktreif. Sie wird in OECD-Ländern nicht gefördert, weil sie bezüglich CO 2 -Bilanz im Vergleich mit den herkömmlichen Treibstoffen eine Verdopplung der Emissionen bringt. In OECD-Ländern kann sie erst nach Marktreife der CO 2 -Abspeicherung und Lagerung eingeführt werden. In der Zwischenzeit dürfte sie in denjenigen Schwellenländern ausgebaut werden, welche über ausreichende Kohlevorräte und viel Süsswasser verfügen sowie keine oder genügend grosszügige CO 2 -Reduktionsziele vereinbaren. Sie dürfte prioritär im internationalen Schiffsverkehr eingesetzt werden, falls die Anrechenbarkeit solcher Emissionen im Rahmen der internationalen Post-Kyoto-Vereinbarung weiterhin nicht geregelt wird. Die Einführung dieser Technologie ist ein politischer und nicht ein wirtschaftlicher Entscheid. Mit einer Peak-Kohle ist frühestens in etwa hundert Jahren zu rechnen. – Hybride Fahrzeuge sind heute ebenfalls marktreif. Vollelektrische Fahrzeuge könnten sich bei Verbesserung der Batterietechnologie in den nächsten Jahren ebenfalls durchsetzen. Eine gänzliche Elektrifizierung des motorisierten Verkehrs würde aber in OECD-Ländern eine Verdoppelung bis Verdreifachung der Stromproduktion und der Kapazität des Stromnetzes bedingen. In Schwellenländern wäre der erforderliche Ausbau noch grösser. Diese Variante hat somit die höchsten Einstiegskosten und ist daher primär OECD-Ländern vorbehalten. Sie ist jedoch auch die einzige, welche die Energieeffizienz des motorisierten Verkehrs von heute ca. 20% auf 50%-60% verbessern könnte. Damit der Strompreis auch in dieser Variante wettbewerbsfähig bleibt, darf keine Stromproduktionstechnologie ausgeschlossen werden. Dies ist ein politischer, nicht ein wirtschaftlicher Entscheid. Politisch ist dies denkbar ab dem Zeitpunkt der Marktreife der CO 2 -Abspeicherung und Lagerung, welche emissionsfreie Kohlekraftwerke ermöglicht, oder ab Marktreife der Kernenergie der Generation IV (vgl.
Kasten 2
Seit 2001 betreiben neun Staaten unter der Führung der USA ein gemeinsames Forschungsprojekt namens Generation IV International Forum (GIF). Die Schweiz ist 2002 beigetreten. Heute hat das GIF 13 Mitglieder. Ziel ist, für den Zeitraum zwischen 2020 und 2030 neue Reaktortypen zu entwickeln, welche folgende vier Zielsetzungen erfüllen:- Erhöhter Beitrag zur Nachhaltigkeit durch Wärmekraftkoppelung, Wasserstoffproduktion, geringere Abfallproduktion und verbessertes Recycling nuklearer Abfälle;- geringere Life-Cycle-Kosten und geringere finanzielle Risiken;- erhöhte Betriebssicherheit und Zuverlässigkeit;- erhöhte Proliferationsresistenz (d.h. grössere technologische Hürden, ziviles Spaltmaterial in militärisches umzuwandeln). Derzeit sind sechs Reaktortypen im Forschungsstadium. Neben diesen Verbesserungen in Schlüsselbereichen – wie die Verminderung langlebiger Abfälle oder die Proliferationsresistenz – wird auch eine um 70- bis 210-mal bessere Ausnutzung der spaltbaren Rohstoffe durch Einsatz des Isotops Uran 238 oder von Thorium erwartet. Das heute gebrauchte Uran 235 reicht bei heutigem Verbrauch nur bis ca. 2050, ähnlich wie Öl. ), welche sowohl die Verfügbarkeit spaltbarer Ressourcen als auch die Abfallproblematik der Kernenergie entscheidend verbessert. In diesem Szenario könnte auch der Luftverkehr auf Wasserstoff umstellen. Alle vier Varianten sind bei heutigen Preisen marktnahe. Die Frage bleibt dennoch offen, bei welchem Preis und bei welchen politischen Rahmenbedingungen sich die eine oder andere auch in Schwellenländern durchsetzen kann. Diese haben nicht die Mittel, mehrere Varianten gleichzeitig zu wählen. Daher kommt es nicht auf den Teilersatz, sondern letztlich auf den Gesamtersatz des heutigen Treibstoffes an.
Bei welchem Erdölpreis kommen die Alternativen?
Der Erdöl- und insbesondere der Treibstoffverbrauch ist durch die Tatsache charakterisiert, dass im Bereich Verkehr eine Substitution praktisch noch unmöglich ist. Die bestehende Motorentechnologie ist gut ausgereift, weit verbreitet und von einer flächendeckenden Infrastruktur abhängig. Diese Eigenschaften bewirken eine Trägheit des Systems und hohe Risiken bezüglich Weiterentwicklung. Um eine Veränderung zu bewirken, braucht es einen hohen und lang anhaltenden Preisschub. Derjenige der Siebzigerjahre hat dazu nicht ausgereicht oder war zeitlich zu kurz. Er war aber genügend stark, um die Verdrängung des Erdöls aus den stationären Verbrauchsarten – insbesondere Heizen – einzuleiten, wo Erdöl heute substituierbar ist.
Grafik 1 «Entwicklung des realen Erdölpreises, 1869-2007»
Grafik 2 «Weltweiter Erdölverbrauch und reales BIP pro Kopf»
Kasten 1: Ressourcennationalismus
Förderländer errichten staatliche Ressourcenmonopole und schaffen dadurch mehrere Preistreiber auf einmal: – Erstens wird die Anzahl Produzenten künstlich vermindert (oft nur ein staatlicher Produzent pro Land). Dadurch wird jeglicher interner Wettbewerb ausgeschaltet. – Zweitens wird die Fördermenge durch politische Einwirkung tief gehalten. Dadurch erhöht sich der Preis. – Drittens erheben Förderländer Exportzölle auf Energieträgern. Somit entsteht ein Preisgefälle zwischen dem nationalen und dem internationalen Energiepreis. – Viertens gehören solche staatlichen Energiemonopole oftmals zu den am schlechtesten geführten Unternehmen überhaupt und erwirtschaften manchmal Verluste trotz einer ausserordentlich starken Nachfrage (z.B. Kirgistan, Mexiko). – Mangelnde Wirtschaftskultur, Korruption, Klientelismus, Politisierung, mangelnde Einnahmen- und Ausgabentransparenz sowie unerfüllbare staatliche Auflagen vermindern die Investitionstätigkeit und wirken sich tendenziell erhöhend auf den zukünftigen Preis aus.
Kasten 2: Kernreaktoren der Generation IV
Seit 2001 betreiben neun Staaten unter der Führung der USA ein gemeinsames Forschungsprojekt namens Generation IV International Forum (GIF). Die Schweiz ist 2002 beigetreten. Heute hat das GIF 13 Mitglieder. Ziel ist, für den Zeitraum zwischen 2020 und 2030 neue Reaktortypen zu entwickeln, welche folgende vier Zielsetzungen erfüllen:- Erhöhter Beitrag zur Nachhaltigkeit durch Wärmekraftkoppelung, Wasserstoffproduktion, geringere Abfallproduktion und verbessertes Recycling nuklearer Abfälle;- geringere Life-Cycle-Kosten und geringere finanzielle Risiken;- erhöhte Betriebssicherheit und Zuverlässigkeit;- erhöhte Proliferationsresistenz (d.h. grössere technologische Hürden, ziviles Spaltmaterial in militärisches umzuwandeln). Derzeit sind sechs Reaktortypen im Forschungsstadium. Neben diesen Verbesserungen in Schlüsselbereichen – wie die Verminderung langlebiger Abfälle oder die Proliferationsresistenz – wird auch eine um 70- bis 210-mal bessere Ausnutzung der spaltbaren Rohstoffe durch Einsatz des Isotops Uran 238 oder von Thorium erwartet. Das heute gebrauchte Uran 235 reicht bei heutigem Verbrauch nur bis ca. 2050, ähnlich wie Öl.
Zitiervorschlag: Steivan Defilla (2008). Knappheit an Energie und Preisentwicklung. Die Volkswirtschaft, 01. September.