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Regie: Anita Hächler-Brun
Eine
drittklassige englische Theatergruppe probt das Stück „Nothing On" eines gewissen Martin Housemonger. In jedem der drei Akte von Frayns Farce wird jeweils immer der erste Akt der Housemonger-Klamotte
vorgeführt: einmal im „Grand Theatre" von Weston-Super-Mare als Generalprobe, dann im „Theatre Royal" in Goole bei einer Rentner-Vorstellung und schliesslich im Stadttheater von Stockton-on-Tees,
zwei Monate nach der Premiere. Von Anfang an steht das Unternehmen Noting On unter keinem guten Stern. Bei der Generalprobe funktionieren die Türen des Bühnenbildes nicht, aus denen es vor allem
besteht. Die Darsteller kämpfen permanent mit ihren Requisiten, und dieser Überlebenskampf der Schauspieler stellt sich dem Zuschauer als aus der Tücke des Objekts geborener Slapstick dar. Das
gesamte Ensemble wird von der Angst verfolgt, dass sich in seiner geordneten Welt aus gelerntem Text und einstudierter Rolle das Chaos breitmacht. Und genau das passiert. Die hektische Anspannung auf
der Bühne kontrastiert Frayn mit dem abwechselnd fatalistischen und zynischen Regisseur des Stückes, Lloyd Dallas. Immer wieder unterbricht der die laufende Probe mit Anweisungen und Korrekturen aus
dem Zuschauerraum.
Im zweiten Akt präsentiert sich das Bühnenbild, um 180 Grad gedreht, von der Rückseite. Während das Kurpublikum im „Theatre Royal" der Vorstellung von „Nothing On" bewohnt, wird der Zuschauer Zeuge der privaten Probleme, Aggressionen und Eifersüchteleien zwischen den Mitgliedern des Ensembles. Die menschlichen Dramen hinter den Kulissen, die Racheakte der Schauspieler untereinander führen zu Pannen, in denen sich dem Zuschauer die katastrophalen Folgen für die Figuren auf der Bühne ankündigen. Sie folgen auch prompt - als erwartete Geräusche von der abgewandten Seite des Bühnenbildes, oder in Gestalt lädierter Mimen, die sich mit dem Abgang retten.
Der dritte Akt, nun wieder im regulären Bühnenbild, zeigt, was aus der Inszenierung von „Nothing On" nach zweimonatiger Laufzeit geworden ist: die Aufführung ist bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, die Schauspieler suchen ihr Heil in der Improvisation. Das ganze Geschehen - der private Kleinkrieg und der völlig desolate Handlungsablauf von „Nothing On" - schaukeln sich gegenseitig hoch. Bald weiss keiner der Akteure mehr zwischen Spiel und Wirklichkeit zu unterscheiden.
Frayns Figur sitzt die Angst im Nacken, dass das Ungelernte, das Unprobierte die Oberhand gewinnt. In ihrer Not folgen sie durchaus logischen und in sich stimmungsvollen Verhaltensmustern, die sie aber nur tiefer ins Chaos stürzen. Darin liegt die unwiderstehliche Komik des Stücks.