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Als im Mai 1856 die Kopie eines Schreibens des Universitätsrektors Hermann Köchly an die Adresse des Schulratspräsidenten gelangte, war Grund zur Sorge geboten. Studenten der beiden Hochschulen hatten unerlaubterweise mit scharfen Waffen untereinander Duelle ausgetragen. Ob es dabei zu ernstlichen Verletzungen gekommen war, ist in diesem Fall nicht bekannt. Der Hartnäckigkeit dieses «Unwesens» rief in den Exekutivetagen der Zürcher Hochschulen grosse Besorgnis hervor – zu Recht?
Der deutsche Physiker Werner Heisenberg (1901-1976) geniesst in Christopher Nolans grandiosem Biopic «Oppenheimer» (2023) nur kurze, aber entscheidende Minutenauftritte. Der Film verschweigt hingegen, dass Heisenberg zweimal für eine Professur an der ETH in Betracht gezogen wurde: einmal zu Beginn seiner steilen Karriere und ein zweites Mal, als sein Stern am Physikerhimmel bereits nicht mehr so hell leuchtete.
Bekannt ist Maggi bis heute für die sogenannte Maggi Suppenwürze und das unverkennbare gelb-rote Logo, das noch immer die Produkte ziert. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts war sich Maggi bewusst, wie effektiv Produktwerbung durch Sponsoring sein kann. Drei Schweizer Grössen, Alfred de Quervain, Arnold Heim und Albert Einstein waren regelrechte Maggi-Influencer avant la lettre!
Der universitäre Fächerkanon ist üblicherweise aufgeteilt in säuberlich voneinander abgetrennte Disziplinen, welche alle ihre eigenen Forschungstraditionen und Methoden besitzen und wiederum in übergeordnete Kategorien wie Geistes-, Sozial- oder Naturwissenschaften eingeteilt sind. Dies geschieht nicht ohne Grund, denn wer wollte oder könnte heutzutage noch dem humboldtschen Bildungsideal einer ganzheitlichen Kenntnis der Wissenschaften und Künste auch nur annähernd gerecht werden? Vielleicht ist man vielseitig interessiert, doch am Ende muss eine Entscheidung zwischen dem Bachelor Biochemie und Chemieingenieurwissenschaften getroffen werden. Ein Mann, der sich der Fachidiotie verweigerte, war der aus dem zaristischen Russland stammende Literaturwissenschaftler und Philosoph Robert Saitschick (auch Saitschik), der von 1895 bis 1914 an der ETH lehrte und forschte.
Die KI-Forschung hat in den letzten zehn Jahren gewaltige Sprünge gemacht. Die Fortschritte in der Bilderkennung (schon mal von AI Art gehört?) und dem Natural Language Processing (man vergleiche Übersetzungsdienste wie deepL mit dem Google Übersetzer von vor 10 Jahren) haben dazu geführt, dass verschiedenste Forschungsgruppen aus Europa Systeme entwickelt haben, welche zuverlässige maschinelle Texterkennung von Handschriften ermöglichen. Was bisher mit OCR (optical character recognition) vor allem mit gleichmässiger gedruckter Schrift möglich war, ist nun zusehends auch für die obskursten Handschriften aus Quellenbeständen egal welchen Alters und welcher Provenienz möglich.
Was bewegt einen Menschen dazu, von sich zu behaupten, etwas zu sein, dass man gar nicht ist? Die Gründe dafür können Neid, Gier, Not oder einfach nur ein narzisstischer Charakterzug sein. Hochstapelei ist per definitionem der Versuch, durch Betrügereien und Vertrauensmissbrauch eine höhere gesellschaftliche Stellung vorzutäuschen. Als Bildungsanstalt von ansehnlichem Ruf war auch die ETH in ihrer Geschichte vor Betrugsversuchen nicht gefeit. Aus den Tiefen der Verwaltungsakten sind dem Hochschularchiv zahlreiche Schwindeleien überliefert.
Russland ist in der «mental map» vieler WesteuropäerInnen ein blinder Fleck oder höchstens ein diffuses Bild. Beim Stichwort Russland denkt man an «Sowjetunion, Ostblock, Kommunismus, Diktatur», davor vielleicht noch an «Zarenreich, Vielvölkerstaat». Erstmals seit dem Ende des Kalten Krieges ist Russland in der jüngsten Vergangenheit wieder besonders negativ konnotiert: «Krieg, Aggression, Propaganda». Gerne geht vergessen, dass die russischsprachige Welt seit Peter dem Grossen im 18. Jahrhundert den Anspruch erhebt, eine europäische Kulturnation mit Westorientierung zu sein. Die kulturellen und wissenschaftlichen Verflechtungen mit dem westlichen Europa sind auch in den vermeintlich dunkelsten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts nie gänzlich abgerissen. Drei Episoden sollen im Folgenden Zeugnis über wissenschaftliche Beziehungen der ETH Zürich mit der russischsprachigen Welt ablegen.
Was geht eigentlich im Kopf eines jungen Physikstudenten am Polytechnikum vor, der später Assistent wurde, danach fast 40 Jahre lang Professor und zwischen 1943 und 1947 Rektor der ETH war? Vom Zürcher Physiker Franz Tank wissen wir es. In einem dem Hochschularchiv überlieferten Tagebuch gibt Tank uns Einblick in seine Gedankenwelt zwischen 1908 und 1913.
Ungarnflüchtling und ETH-Absolvent: Das sind zwei der Gemeinsamkeiten von Gabor Hirsch, János Rétey und Josef Studinka. Ebenfalls gemeinsam ist ihnen, dass sie allen Widrigkeiten zum Trotz beeindruckende Karrieren als Ingenieur, Professor bzw. Erfinder machten. Doch wie verlief ihr Start in der Schweiz und ihr Studium an der ETH? Dazu geben verschiedene Quellen, die erst kürzlich durch das hochschulinterne Projekt FErETH benutzbar gemacht wurden, überraschend detailliert Auskunft.
Andere Länder, andere Sitten, anderes Essen? Als der berühmte Schweizer Geologe Arnold Heim im Jahr 1928 die indonesische Insel Sumatra bereiste um Erdölquellen ausfindig zu machen, kam er in den Genuss einer völlig anderen Esskultur und zahlreicher Früchte, die er nicht kannte. In grösseren Zentren erfreute er sich noch der Verfügbarkeit von «Schweizer Nestle-Milch» und «Wanders Ovomaltine von Bern», doch als er in die Tiefen des indonesischen Regenwaldes vordrang, wurde er zusehends mit der lokalen Küche konfrontiert.