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Lutherisch, Reichsstädtisch, Reich: Die deutschen Händler in Lyon im 18. Jahrhundert
Die deutsche Nation in Lyon verschwand in den letzten Jahren des 17. Jahrhunderts. Die durch den Dreißigjährigen Krieg bereits geschwächte Händlergruppierung wurde in der zweiten Jahrhunderthälfte durch den französischen Merkantilismus, die Angriffe auf den Protestantismus in Frankreich und die Reichskriege mit ihren begleitenden Embargos zerrieben. Die im 18. Jahrhundert erneut entstehende deutsche Nation hatte einen deutlich anderen Charakter als die vorherige Gruppierung von Kommissionären von in süddeutschen Reichsstädten residierenden Händlern. Einige der besonders bedeutenden oberdeutschen Leinwandkaufleute übersiedelten während der Reichskriege dauerhaft an das Schweizer Ufer des Bodensees und wurden offiziell Teil der „Nation Suisse“. Zugleich bauten einige weitere deutsche Händler erneut eine kleine deutsche Nation in Lyon auf.
Die Trennung zwischen den Deutschen in nun zwei Nationen im Lyon des 18. Jahrhunderts hatte hauptsächlich strategische Gründe, in der Praxis blieb es eine lutherisch-reichsstädtisch geprägte Händlergruppe. Viele von ihnen siedelten sich unabhängig von ihrem offiziellen Bürgerrecht fest in Lyon an und organisierten sich gemeinsam vor allem über die seit 1707 in Genf etablierte lutherische Gemeinde. Die für deren Erhalt engagierten deutschen Kaufleute ließen zudem regelmäßig über die Reichsstädte ihre Interessen gegenüber Frankreich vertreten und in den Korrespondenzen mit der französischen Seite stellten sie sich grundsätzlich als Vertreter des gesamten Heiligen Römischen Reiches dar.
Die deutschen in Lyon nutzten ihren Reichtum an Möglichkeiten der politischen Klaviatur (Reichsstädte und Reich gegenüber Frankreich) und der Offenheit der Eidgenossenschaft (Toleranz in Genf, Möglichkeit des leichten Erwerbs des Schweizer Bürgerrechts), um sich eine privilegierte Stellung auf dem Handelsplatz Lyon zu sichern. Im Ergebnis gelang es den deutschen Kaufleuten in Lyon im 18. Jahrhundert erneut, eine bedeutende Stellung im deutsch-französischen Handelsaustausch über die Schweiz zu erringen.