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Deutschland: zusätzliche Todesfälle wegen Kernenergieausstieg
Einige wenige Länder haben die Stromerzeugung aus Kernkraftwerken wegen Bedenken über radioaktive Abfälle und nukleare Unfälle verringert oder wollen diese einstellen. Die Studie «The Private and External Costs of Germany’s Nuclear Phase-out» untersucht, wie sich die Abschaltung von 10 der 17 Kernkraftwerkseinheiten in Deutschland zwischen 2011 und 2017 nach dem Reaktorunfall von Fukushima-Daiichi auswirkt.
Laut Studie verursachte die Verlagerung von Atomstrom zu Kohlestrom eine Erhöhung der lokalen Luftverschmutzung um 12%. Dies führe wiederum jährlich zu 1100 zusätzlichen Todesfällen. Allein dieser Anstieg der Umweltverschmutzung ist mit Kosten von jährlich USD 8,7 Mrd. verbunden, was über 70% der jährlichen Gesamtkosten des Kernenergieausstiegs von USD 12,2 Mrd. entspricht, so die Studie. «Die sozialen Kosten der Verlagerung von Atomkraft zu Kohle belaufen sich auf ungefähr USD 12 Mrd. pro Jahr. Über 70% dieser Kosten sind auf das erhöhte Sterberisiko zurückzuführen, das mit der Belastung durch die lokale Luftverschmutzung bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe verbunden ist», schreiben die Autoren.
Daraus kann geschlossen werden, dass die Vorteile des Kernenergieausstiegs Deutschlands im Vergleich zu den Kosten von jährlich USD 12 Mrd. gering waren. Insgesamt kommen die Autoren auf jährliche Einsparungen von bis zu USD 2 Mrd., da Kosten für die Abfallentsorgung und für Unfallvermeidungsmassnahmen wegfallen.
Kernenergieausstieg schlecht fürs Klima
Die Autoren schätzen, dass die Abschaltung der Kernkraftwerke zu einem Anstieg der Kohlendioxidemissionen um jährlich 36,3 Mio. t geführt hat, was Kosten von USD 1,8 Mrd. verursacht. Das sei 13% mehr Emissionen, als wenn Deutschland seine Kernkraftwerke weiterbetrieben hätte, heisst es in der Studie. Die meisten dieser zusätzlichen Emissionen stammen von der steigenden Kohleproduktion. Insgesamt führte der Ersatz von Kernkraftwerken zu einer Steigerung der Produktion fossiler Brennstoffe um 2–3 TWh pro Monat, dies trotz der Berücksichtigung der Zunahme erneuerbarer Energien.
Der Kernenergieausstieg erhöht zudem die Strompreise in Deutschland. Die Studie geht davon aus, dass durch die Stilllegung von Kernkraftwerken die Grosshandelspreise für Strom um fast 4% gestiegen sind.
Die Studie, die keiner Peer-Review unterzogen wurde, folgt einem Bericht, in dem festgestellt wird, dass nach dem Unfall in Fukushima-Daiichi mehr Menschen an den Folgen der Stilllegung von Kernkraftwerken in Japan gestorben sind als an den Folgen des Unfalls selbst. Dieser Meinungsbericht von Matthew Neidell, Shinsuke Uchida und Marcella Veronesi mit dem Titel «Be Cautious with the Precautionary Principle: Evidence from Fukushima Daiichi Nuclear Accident» wurde im Oktober 2019 veröffentlicht.
Widerstand gegen Kernenergieausstieg
Deutschland hatte nach dem Reaktorunfall von Fukushima-Daiichi am 11. März 2011 beschlossen, bis spätestens Ende 2022 aus der Kernenergie auszusteigen. Wirtschaftsführer und konservative Politiker plädieren für eine Abkehr vom Atomausstieg angesichts steigender Energiekosten, drohender Kapazitätsengpässe sowie aus Klimaschutzgründen. Steffen Seibert, der Pressesprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel, erklärte jedoch am 18. Dezember 2019, Deutschland werde am geplanten Ausstieg festhalten.
Deutschland wird in den nächsten zwei Jahrzehnten über 40% seiner Stromquellen ersetzen müssen. Noch immer machen Kohlekraftwerke mehr als ein Drittel ihrer Erzeugung aus, während die heute verbleibenden sieben Kernkraftwerke rund einen Zehntel liefern.