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Australien möchte mit seinem neuen antarktischen Flaggschiff, der RSV Nuyina, einen Meilenstein bei Eisbrechern setzen. Nicht weniger als einer der modernsten, am besten ausgerüsteten Eisbrecher für die Antarktis soll das Schiff werden. In Rumänien, in der Damen-Schiffswerft, die bereits einige polartaugliche Schiffe gebaut hat, wurde das Schiff 2017 auf Kiel gelegt. Doch die COVID-Pandemie setzte den Fahrplan für die Fertigstellung ausser Gefecht und monatelang ruhte die Nuyina in Galaţi den Dingen. Jetzt wurde das Schiff soweit fertig gemacht, dass es seine erste Reise in die Niederlande mit Unterstützung antreten konnte. Doch zuerst machte das Schiff seinen ersten Landkontakt.
«Das Schiff kam mit dem Flussufer in Kontakt, während sie von einem nicht-kartierten Ponton weggezogen wurde.»Rob Bryson, Infrastruktur-Manager Australian Antarctic Division
Mit Hilfe eines 50 Meter langen Schleppers sollte die RSV Nuyina die Donau hinunter ins Schwarze Meer gebracht werden. Die Abreise des Eisbrechers verlief zuerst auch ohne Zwischenfälle. Doch während der Fahrt am Tag darauf lief das Schiff nach einem massiven Schlenker des Schleppers auf das Ufer aus und blieb quer liegen. Der Leiter der Abteilung für Infrastruktur bei der Australian Antarctic Division (AAD), Rob Bryson, erklärte: «Das Schiff kam mit dem Flussufer in Kontakt, während sie von einem nicht-kartierten Ponton weggezogen wurde. Eine erste Sichtung zeigte nur oberflächliche Beschädigungen und nach einer Stunde Verspätung, lief die Nuyina weiter in Richtung Schwarzes Meer und nach Constanta, wo Taucher eine umfassende Untersuchung der Hülle unternehmen.»
Weil die Nuyina noch über keinen fertigen Antrieb, keine Navigations- und Elektrischen Systeme verfügt, konnte das Schiff noch keine Testfahrten unternehmen und daher nicht aus eigener Kraft die Reise von Galaţi, Rumänien, nach Vlissingen, Niederlande, zurücklegen. Ein Schlepper und bis zu drei kleinere Schiffe werden den Eisbrecher über die 6’800 Kilometer lange Strecken ziehen und stossen. Dabei wird das Schiff vom Schwarzen Meer durch den Bosporus, durch das Mittelmeer und die Strasse von Gibraltar bis in die Nordsee und nach Vlissingen gezogen. Rund einen Monat soll der Konvoi unterwegs sein. Den Unfall sieht die AAD gelassen. «Das ist ein 16’300 schwerer Eisbrecher mit einem verstärkten Stahlrumpf, der durch Meereis brechen soll. Das ist nun der erste Kratzer des Schiffes, aber sicherlich nicht der letzte», meint Rob Bryson.
Der Eisbrecher muss die Reise antreten, damit in Vlissingen die restlichen Systeme und Aufbauten installiert und sämtliche notwendigen Testfahrten durchgeführt werden können. Denn nur erst dann kann das Schiff seine nächste Reise, die Heimfahrt nach Tasmanien antreten. Dort soll das Schiff Mitte nächsten Jahres ankommen. Um die Versorgung der antarktischen Stationen in der kommenden Saison zu gewährleisten, hat die AAD ein niederländisches Schiff gechartert, welches gegenwärtig ausgerüstet wird, um den Anforderungen gerecht zu werden.
Dr. Michael Wenger, PolarJournal