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Orchideenfrucht Vanille
Sie verfeinert Pudding, Glacé und Guetzli, passt wunderbar zu Schokolade und ist nach Safran das teuerste Gewürz der Welt: die Vanille. Die schwarzen Vanilleschoten, die wir im Supermarkt kaufen können, sind die Früchte der Gewürzvanille (lateinisch Vanilla planifolia) – einer Pflanze aus der Familie der Orchideen. Sie ist die einzige Orchideenart, die auf unserem Speiseplan steht, und kommt von weit her. Heute wird Vanille vor allem auf Madagaskar sowie in Indonesien produziert, doch ursprünglich stammt die Gewürzvanille aus den tropischen Regenwäldern Mexikos.
Von den Azteken verwendet, von den Spaniern in die Welt verschifft
Bereits die Azteken wussten von der aromatisierenden Wirkung der süsslichen Vanille und nutzten sie, um ihr etwas bitteres kakaohaltiges Getränk „xocoatl“ zu veredeln – so entstand der Vorläufer unserer heutigen Kakao- und Schokoladengetränke. Als die Spanier im 16. Jahrhundert Amerika eroberten, brachten sie die Vanilleschoten nach Europa, wo sie als Delikatesse und teure Leckerei galten. Erst im 19. Jahrhundert wurden auch Stecklinge der Vanille-Orchidee ausserhalb Amerikas angepflanzt, zuerst auf der indonesischen Insel Java und auf La Réunion im indischen Ozean, heute vorwiegend auf Madagaskar. Im tropischen Inselklima gediehen die Orchideen wunderbar, nur bildeten sie keine Früchte. Daher konnten auch keine Vanilleschoten produziert werden.
Menschenhand als „Pollenshuttle“
Den Grund dafür entdeckte 1837 der belgische Botaniker Charles Morren. Auf der Veranda seines Hauses in Mexiko sitzend beobachtete er, wie kleine dunkle Bienen in die Vanille-Blüten hineinkrochen. Die Insekten brachten dadurch Blütenpollen von einer Pflanze zur nächsten – die Blüten wurden bestäubt und es konnten sich Früchte entwickeln (wie Bestäubung funktioniert, kannst du im Artikel „Von Blümchen und Bienchen“ nachlesen). Ausserhalb Mittelamerikas fehlt die kleine Biene, und ohne diesen „Liebesboten“ gibt es keine Vanilleschoten. Die Lösung des Problems war die Bestäubung von Menschenhand: Mit kleinen Holzstäbchen werden die Pollen einer Vanilleblüte abgestreift und zur nächsten Blüte gebracht, um diese zu befruchten – ein menschlicher „Pollenshuttle“ also.