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<h2>SubmittedText<h2><p>Es gibt in vielen Weltregionen eine sehr hohe Zahl junger Männer, die für sich keine ökonomische Perspektive und wenig gesellschaftliche Anerkennung sehen. Inwieweit dieses Phänomen mitverantwortlich für die zunehmende Eskalation vieler Konflikte ist, wird in Fachkreisen heftig diskutiert. Fakt ist, dass sich Hunderttausende junger Männer Rebellenarmeen und Terrorgruppen anschliessen. Sie zerstören damit die Zukunft ihrer Opfer und deren Angehöriger, aber auch ihre eigene Zukunft und diejenige ihrer Familien. Die unermessliche Gewalt an Frauen und Kindern wird vielerorts auch als direkte Folge dieser No-Future-Männergeneration interpretiert. </p><p>Vor diesem Hintergrund bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen: </p><p>1. Inwiefern sind aus seiner Sicht die Lebensrealitäten und Zukunftsperspektiven junger Männer Bestandteil der genderbasierten Entwicklungszusammenarbeit?</p><p>2. Welche Position nimmt die Schweiz in dieser Frage in den Verhandlungen zu den Sustainable Development Goals (SDG) ein? Inwiefern ist die Verbesserung der Zukunftsperspektiven der jungen Männer Bestandteil der mittelfristigen Strategie für eine nachhaltige Entwicklung in den betroffenen Regionen? </p><p>3. Wie kann in diesem Zusammenhang den oft kulturell bedingten und über die Sozialisierung geprägten Wertevorstellungen und Rollenmodellen begegnet werden, um Raum für vielfältigere Lebensformen zu schaffen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Hohe Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit junger Männer können insbesondere in fragilen oder militarisierten Kontexten Instabilitäten weiter befördern. Die Schweiz integriert auch vor diesem Hintergrund gezielt geschlechtsspezifische Anliegen in ihre internationale Zusammenarbeit und finanziert unter anderem Programme, die gezielt junge Männer fördern. Ein Beispiel ist das Projekt Pro Joven in Honduras, das jungen Männern in Problemquartieren Berufsbildungskurse anbietet und ihnen damit neue Lebensperspektiven eröffnet. Ein weiteres Beispiel ist die Zusammenarbeit der Deza mit verschiedenen Ländern zur Verbesserung der Sicherheit und der Menschenrechte durch die Reform des Sicherheitssektors bzw. der Polizei. In Nordafrika führen die Deza und das Seco Programme zur Arbeitsplatzbeschaffung durch, so etwa das Youth Employment Project in Oberägypten, das Angebote für Ausbildung und verbesserten Marktzugang entwickelt, sowie das von der International Finance Corporation (Weltbank-Gruppe) durchgeführte Projekt 4E Arab Youth (Education for Employment).</p><p>2. Im Rahmen der neuen Entwicklungsagenda post 2015 fordert die Schweiz sowohl ein Einzelziel zur Gleichstellung der Geschlechter ("Gender-Ziel") als auch die themenübergreifende Verankerung dieses Anliegens. Die Schweiz setzt sich zudem dafür ein, dass der Fokus auf Männer und Knaben explizit verankert wird. Während der letzten Session der Uno-Kommission für die Stellung der Frau in New York im März 2014 hat die Schweiz auch eine von über 200 Personen besuchte Veranstaltung mit der Men Engage Alliance und UN Women durchgeführt. In den kommenden Jahren soll im Rahmen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit das Engagement zur Arbeit mit Männern und Knaben mit Fokus auf Gewaltprävention in Postkonflikt- und Transformationsprozessen weiter gestärkt und ausgebaut werden.</p><p>3. Um tief verankerte Werte, Normen und Rollenvorstellungen zu verändern, braucht es Veränderungen der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Gerade in Gesellschaften, in denen patriarchale Strukturen stark verankert sind oder die durch Konflikte und Gewalt geprägt sind, ist eine Transformation der traditionellen Geschlechterrollen und -stereotypen nur möglich, wenn Männer und die lokale Zivilgesellschaft als Partner für mehr Gleichstellung gewonnen werden können. Zu diesem Zweck unterstützt die Deza z. B. in Afghanistan lokale Partner, die mit religiösen Führern und lokalen Würdenträgern arbeiten, um auf Gemeindeebene Bewusstsein und Akzeptanz für gleiche Rechte und gegenseitigen Respekt der Geschlechter zu fördern. Im Rahmen der von der Schweiz unterstützten Polizeireformen werden auch Polizistinnen und Polizisten während ihrer Ausbildung für das Thema geschlechtsspezifische Gewalt sensibilisiert. In Benin stärkt die Schweiz die politische Partizipation von Frauen in der Gemeindepolitik und arbeitet dabei gezielt mit den Ehemännern der Kandidatinnen, um geschlechtsspezifische Rollen zu diskutieren und deren Unterstützung für das Engagement ihrer Frauen zu gewinnen. In Bosnien und Herzegowina lancierte die Schweiz 2014 ein Programm, das im Rahmen der Gesundheitsprävention Männlichkeitsbilder kritisch hinterfragt und so eine Bewusstseinsänderung zu erreichen hofft. Auch das Seco setzt sich für die Veränderung von Rollenvorstellungen ein, unter anderem im Rahmen des Projekts "Women, business and the law" (http://wbl.worldbank.org/).</p>  Antwort des Bundesrates.