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Die Open Source Initiative feiert dieses Jahr seinen 20. Geburtstag. Auch Puzzle setzt seit Jahren auf offene Technologien und Standards und setzt sich aktiv für Open Source Software ein. Zum Jubiläum blicken wir zurück in die Geschichte.
Wie alles Begann
Vor 1974 war Software noch gar nicht schützenswert. Software wurde damals als Beigabe zu der (teuren) Hardware betrachtet. Daher waren Begriffe wie „Free Software“ oder „Open Source“ noch nicht nötig. Alle Software war von Grund auf frei verfügbar und der Quellcode offen („Public Domain“). Es war ganz normal, dass man seinen eigenen Code frei zugänglich und mit Leuten aus der ganzen Welt geteilt und weiterentwickelt hat. Diese „Hacker Kultur“ ist auch die Basis der heutigen „Free and Open Source (FOSS)“ Philosophie.
Als das Urheberrecht und restriktive Lizenzierung von Software diese Freiheiten einzuschränken versuchten, sahen sich viele dieser Kultur bedroht und befürworteten, dass Software keine Eigentümer haben sollte und für alle frei zugänglich sein soll.
Zusammengefasst wurde diese Bewegung unter dem Begriff „Free Software“, welche durch die 1985 gegründete „Free Software Foundation (FSF)“ definiert wurde. Ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte war die Lancierung des GNU Projekts durch Richard Stallman.
Definition von „Free Software“
Software, die Benutzern die Freiheit gibt, diese nach Belieben auszuführen, zu kopieren, zu verteilen, zu studieren, zu ändern und zu verbessern. Der Begriff „Free“ wird leider nach wie vor oft als „gratis“ verstanden und nicht als „frei“. Dabei ist die Freiheit des Users der wahre Kern dieser Bewegung. (Quelle)
„Free software is a matter of liberty, not price. To understand the concept, you should think of ‚free‘ as in ‚free speech‘, not as in ‚free beer‘. We sometimes call it ‚libre software‘, borrowing the French or Spanish word for ‚free‘ as in freedom, to show we do not mean the software is gratis.“
— The Free Software Foundation
In den 90er Jahren gab es dann einen wahren Boom im Bereich der „Free Software“. Projekte wie Debian (1993) oder GNOME (1999) erblickten das Licht der Welt. Auch der Linux Kernel wurde bereits 1991 von (Sir) Linus Torvalds entwickelt. Zusammen mit GNU und weiterer freier Software, wie z.B. XFree86, wurde so eines der ersten komplett freien Operating System (OS) Wirklichkeit.
Die Veröffentlichung des Apache HTTP Servers 1995 war zudem das Fundament für ein frühes Wachstum des World Wide Web. Auch das Mozilla Projekt (Mutter von Firefox) wurde 1998 anlässlich der Veröffentlichung des Source Codes der Netscape Browser Suite ins Leben gerufen.
Hello
World Open Source!
Im Januar 1998 wurde von einigen Mitgliedern des Free Software Movements (darunter Linus Torvalds, Tim O’Reilly und James Zawinskider) der Begriff „Open Source Software (OSS)“ ins Leben gerufen. Einer der Gründe dabei war, dass der Begriff „Free Software“ vor allem in den grossen Unternehmen einen schlechten Ruf und daher auch kaum Verbreitung hatte. Denn „Free“ (gratis) steht in der harten Geschäftswelt oft für „wertlos“. Man hoffte, dass die Verwendung der Bezeichnung Open Source die Mehrdeutigkeit des Begriffs „frei“ beseitigt und damit eine bessere Akzeptanz des Open-Source-Konzepts bei der Wirtschaft ermöglicht. Das Re-Branding war also ein Versuch sich im Bereich der Vermarktung besser positionieren zu können und so die Prinzipien und Anliegen der Free Software in die kommerzielle Softwareindustrie zu bringen.
Um „Open Source Software“ weiter zu etablieren, gründete Eric S. Raymond im Februar 1998 die „Open Source Initiative“ (OSI). Dabei nannte er bereits damals folgende Hauptgründe für OSS:
- höhere Qualität
- bessere Zuverlässigkeit
- grössere Flexibilität
- niedrigere Kosten
- das Ende der räuberischen Anbieterbindung (vendor lock-in)
Open Source bedeutet aber nicht nur, dass der Zugriff auf den Quellcode offen ist. Bei OSS geht es auch stark um Vertriebsbedingungen. Die OSI wendet den Begriff Open Source auf all die Software an, deren Lizenzverträge die zehn Punkte der Open Source Definition erfüllen.
Free, Libre, Open Source (?!)
Für viele ist die Namensgebung sekundär. Die Philosophie, Werte und Mission dieser Bewegungen zählt. Um beiden Parteien gerecht zu werden, wird von vielen heute der Begriff „Free and open source software (FOSS)“ verwendet. Und trotzdem gibt es zwischen „Free“ und „Open Source“ Software wichtige Unterschiede.
Der Begriff OSS sollte auch die Überlegenheit des kollaborativen, offenen Entwicklungsprozesses (siehe „The Cathedral and the Bazaar“ von Eric S. Raymond) hervorheben. Denn die möglichst effiziente Entwicklung ist eine der wichtigsten Merkmale von OSS. Mit der Betonung des Entwicklungsprozesses gibt die OSI eher die Sichtweise (und Freiheit) der Entwickler wieder, während sich die FSF auf die Sicht (und die Freiheit) aller Anwender fokussiert. Die Frage, ob Software quelloffen sein sollte ist bei OSS eine praktische und keine ethische Frage. Die FSF hingegen begreift unfreie Software als gesellschaftliches Problem. In ihren Augen ist die Entscheidung für oder gegen Freie Software deshalb primär eine ethische und soziale Entscheidung. Der praktische Nutzen ist sekundär.
Oder wie es Richard Stallmann einmal erklärte:
„[…] Open source is a development methodology, free software is a social movement.“
Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Lizenzen. Mit der Gründung der OSI wurden auch zusätzliche Open-Source-Lizenzen (Permissive licenses) geschaffen, die weniger restriktiv als „Copyleft“ Lizenzen sind. Und trotzdem genügen die neuen Lizenzen den Bedürfnissen des Open-Source-Umfelds. Das Thema FOSS-Lizenzierung ist jedoch so umfassend und komplex, das ganze Bücher darüber geschrieben werden könnten. Daher gehe ich in diesem Beitrag nicht weiter ins Detail.
Tivoisierung
Wichtig im Vergleich zwischen der FSF und der OSI ist, dass der Fokus der FSF darauf liegt, dass Software immer frei ist und auch bei Änderungen frei bleibt. Die OSI hingegen verfolgt einen pragmatischeren Ansatz und steht auch dem Einsatz von OSS in proprietären Projekten offen gegenüber. Das Beispiel der Tivoisierung zeigt diese unterschiedliche Haltung gut auf.
Denn der Fall des „TiVo“ (einem digitalen Videorecorder mit einem Linux Betriebssystem) wird oft als Beispiel aufgeführt, dass Software „Open Source“ sein kann, aber nicht „Free“ sein muss.
Die GPL2-Lizenz von Linux verlangt, dass das Unternehmen die Quelltexte der TiVo-Software offenlegt – was dieses auch getan hat. Jeder kann sie herunterladen, verändern und wieder auf den TiVo installieren. Doch dann läuft das Teil nicht mehr. Denn die Firmware akzeptiert nur von den TiVo-Machern digital signierte „original“ System-Images.
Damit geht nach Ansicht der FSF die wichtige Möglichkeit verloren, die Software im TiVo nach Belieben zu ändern. Es ist also keine „freie Software“. Aber es ist Open Source Software! Der Code liegt offen und jeder kann sich ansehen, was die TiVo-Entwickler programmiert haben und bei Bedarf auch selbst verwenden. Ansonsten ist es aus Sicht von der OSI die Entscheidung und Freitheit des Entwicklers, welche Software er auf seiner Hardware laufen lässt. Der Anwender, der sein Gerät um irgendein Feature erweitern möchte, wird hingegen dieser Freiheit beraubt.
Da der TiVo-Fall die Problematik so klar und simpel beschreibt, wird der Begriff „Tivoisierung“ unterdessen stellvertretend in der entsprechenden Debatte verwendet.
Open Source Software ist überall!
In den letzten 20 Jahren OSS hat sich viel getan. War OSS lange eine kleine Nische, dominiert „Open Source“ heute in vielen Bereichen die ICT und ist für eine funktionierende Welt nicht mehr wegzudenken:
- Linux als OS ist heute praktisch überall anzutreffen: Vom Smartphone, dem TV, Autos über die Waschmaschine bis hin zur Cloud.
- Auf der Server-Seite ist Linux eines der populärsten Betriebssysteme.
- Der Cloud-Native Bereich wird geradezu von OSS dominiert. Docker, Kubernetes, OpenShift, Ansible…Auf dem Cloud Native Landscape sind aktuell > 275 OSS Projekte aufgeführt, welche das Cloud Computing massgeblich prägen.
- Etliche der weltweit etabliertesten Programmiersprachen (zB. Java, Ruby) und Frameworks sind Open Source und werden von aktiven Communities stets weiterentwickelt
- Viele der etabliertesten, beliebtesten und innovativsten Tools für die Softwareentwicklung und das automatisierte Delivery sind OSS-Projekte.
- Auch die weltweit bekanntesten CMS-Lösungen, auf denen unzählige Websites basieren, sind OSS (z.B. WordPress, Drupal, TYPO3).
- Im Bereich der Datenbanken ist OSS omnipräsent: MySQL/MariaDB, PostgreSQL, MongoDB – um nur die wichtigsten zu nennen.
- Git ist der de-facto Standard für die Versionsverwaltung
- Auch Android, das am weitesten verbreitete OS für Mobilgeräte, ist Open Source und basiert auf dem Linux-Kernel.
Daneben gibt es noch viele weitere Bereiche wie IAM, Virtualisierung und generell der Automatisierung von Entwicklungsprozessen und Infrastrukturen in der OSS stark etabliert ist.
… fast überall
Leider hat es OSS bis heute nicht geschafft, sich im Bereich der Business- und Consumer-Applikationen sowie im Bereich der Desktop-OS zu etablieren. Und das obwohl es heute unzählige hochqualitative Software gibt, die sich vor der proprietären Konkurrenz nicht verstecken muss. Dies sowohl für den privaten Gebrauch wie auch für den Einsatz in Unternehmen.
Die Open Source Studie Schweiz 2018 beleuchtet dabei die wichtigsten Hintergründe beim Einsatz von OSS. Darunter sind einige bekannte Argumente wie „fehlende Funktionen und Schnittstellen“ oder auch die „mangelnde Akzeptanz der User“. Ein neuer und auffallender Grund ist auf Rang 4 zu finden: „Keine passende Open Source Lösung vorhanden“.
Mehr OSS!
Wer Puzzle kennt weiss, dass wir in der kollaborativen Software-Entwicklung und OSS-Gemeinschaftslösungen das Modell der Zukunft sehen. Wir sind klar der Meinung, dass der Ansatz für offene Betriebssysteme, Standards, Frameworks und Cloud-Infrastrukturen auch für Individual-Entwicklungen, Fachapplikationen aber auch für Consumer-Lösungen gelten soll. Folgende Fragen stehen immer wieder im Raum, wenn wir über OSS sprechen:
„Welche Vorteile bringt OSS für unsere Organisation?“
„Gibt es besondere Risiken zu beachten?“
„Kann ich trotzdem bei Jemandem Support erhalten?“
„Wie können wir uns an der Weiterentwicklung beteiligen?“
Erfreulicherweise beschäftigen sich immer mehr IT-Verantwortliche in privaten Unternehmen aber auch in der öffentlichen Verwaltung mit dieser Thematik. Doch die Vorteile und auch der Weg zu einer OSS-Lösung sind noch immer in vielen Organisationen zu wenig bekannt.
stay tuned!
Die Linux Foundation hat eine spannende Publikation veröffentlicht: „Enterprise Open Source: A Practical Introduction“. Wir werden dir in Kürze in einem weiteren Blogpost die wichtigsten Aspekte dieses „Open-Source-Leitfadens für Unternehmen“ zusammenfassen.
Du arbeitest in einem Unternehmen, das noch keine oder wenige OSS im Einsatz hat?
Dann erfahre, wie du die Open-Source-Bemühungen deines Unternehmens beschleunigen kannst. Und dies basierend auf der Erfahrung von Hunderten von Unternehmen aus mehr als zwei Jahrzehnten professioneller Open-Source-Entwicklung.
Oder arbeitest du in einem Unternehmen, das bereits viel Open-Source-Software in den Entwicklungsprozessen, Produkten oder Dienstleistungen einsetzt?
Das ist natürlich super! Aber dann sollte dein Unternehmen auch eine Open-Source-Strategie haben. So kann es sicherstellen, dass Open-Source-Software optimal genutzt wird und sich gleichzeitig vor möglichen Risiken und Verbindlichkeiten schützen kann.
Der Beitrag zeigt dir:
- Warum Open Source?
- Verschiedene Open-Source-Geschäftsmodelle
- Wie man eine eigene Open-Source-Strategie entwickelt
- Wichtige Open-Source-Workflow-Praktiken
- Werkzeuge und Integration
- Wie man eine bestehende Lösung „open sourcen“ kann
PS: Wir sind immer an spannenden Ideen interessiert, damit es bald eine weitere Open Source Software gibt und eine innovative, aktive Community entstehen kann. Wenn du jetzt bereits Fragen zu OSS hast oder wir dich bei einem Projekt unterstützen können, dann melde dich bei uns!
Bis dahin kannst du dich hier informieren, wie sich Puzzle und unsere Members für OSS engagieren.
Oder du schaust dir den sehr empfehlenswerten Film „Revolution OS“ zur Geschichte von Open Source an.
„In open source, we feel strongly that to really do something well, you have to get a lot of people involved.“
– Linus Torvalds