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Nationalatlanten haben immer eine Doppelfunktion: sie repräsentieren den Entwicklungsstand der Geographie, Geowissenschaften, Kartographie und Informationstechnologie und sind zugleich immer auch wichtige Nachschlagewerke und Informationsquellen für die Wissenschaft, Lehre sowie Öffentlichkeit. Meistens folgt der Nationalatlas einem standardisierten länderkundlichen Darstellungs-Schema, das verschiedene Fakten aus Geologie, Wirtschaft, Bevölkerung, Raumplanung eines Landes bildlich darzustellen sucht.
Nationalatlanten sind bis heute eine wichtige Informationsquelle
Der erste Nationalatlas, der diese thematische Vielfalt berücksichtigte, war der 1899 erschienene „Atlas de Finlande„. Er diente zur politischen Selbstdarstellung oder anders gesagt zur „Repräsentation des Landes gegen aussen“. Dieser Atlas unterschied sich deutlich von den ersten deutschen Atlanten wie zum Beispiel dem „Administrativ-statistischen Atlas vom Preussischen Staate“ (1828) oder dem „Atlas von Sachsen“ (1821-1860), in denen ausschliesslich administrative, statistische sowie topographische Daten dargestellt wurden. Finnland war zu dieser Zeit ein autonomes Grossfürstentum des zaristischen Russlands und genoss bis 1899 eine liberale Förderkultur der eigenen Sprache und Kultur. Die nationalistischen Anliegen, welche damals in ganz Europa spriessten, wurden mit dem „Atlas de Finlande“ unterstrichen.
Der Nationalatlas hat mit Sicherheit seine historischen Wurzeln in den „Nationalismus-Bewegungen“ des 19. Jahrhunderts, auch wenn er sich nach dem Zweiten Weltkrieg in eine mehr wissenschaftliche und enzyklopädische Richtung entwickelte. In den 1960er-Jahren war das Ziel eines Nationalatlas, möglichst alle natur-geographischen und raumplanerischen Themen umfassend darzustellen. Dazu seien hier erwähnt „Atlas Nacional do Brasil“ (1966, 1972) und „Atlas of Hungary“ (1967).
Neuere Nationalatlanten orientieren sich heute stärker am Zustand der Gesellschaft und der Umwelt, an Lebensverhältnissen der Bevölkerung und verzichten bewusst auf Vollständigkeit des Themenspektrums. Neue Darstellungsmöglichkeiten wie Fotos, Luft- und Satellitenbilder, 3D-Modelle prägen die heutigen Atlanten. Nicht selten werden Nationalatlanten durch elektronische Daten-Speicher wie CD-Rom, DVD oder das Internet ergänzt. Noch hat aber kein Anbieter vollständig auf die elektronische Ausgabe gesetzt. Die Tradition des gedruckten und repräsentierenden Nationalatlas scheint immer noch sehr stark zu sein wie auch die neusten Nationalatlanten aus den ehemaligen sowjetischen Republiken zeigen (Fortsetzung folgt).
Die meisten der oben erwähnten Nationalatlanten sind in der Kartensammlung der ETH-Bibliothek zu finden und können im Lesesaal der Spezialsammlungen benutzt werden.
Links:
„Atlas de Finlande“: http://lazarus.elte.hu/hun/tantort/2002/finn-atlasz/fogelberg.htm
„Administrativ-statistischer Atlas vom Preussischen Staate“: http://www.geog.fu-berlin.de/2bik/Kap6/kap6_1-03.php3
„Atlas von Sachsen“: http://www.deutschefotothek.de/obj70302462.html#top