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SRF News: Die Brics-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika haben zusammen eine Bank gegründet. Was versprechen sie sich davon?
Cord Jakobeit: Diese fünf grossen Staaten machen ungefähr 40 Prozent der Weltbevölkerung aus. Deren Bruttoinlandprodukt liegt schon fast bei 25 Prozent der Weltwirtschaftsleistung. Sie versuchen nun, eine neue Bank zu lancieren, weil sie das Gefühl haben, dass sie beim Internationalen Währungsfonds IWF und bei der Weltbank nicht gemäss ihres wirtschaftlichen und finanziellen Gewichts repräsentiert sind.
Vermutlich versuchen sie damit, Druck auszuüben, mit dem Ziel, dass der US-Senat die 2010 beschlossene Quotenerhöhung für diese fünf Brics-Staaten endlich umsetzt. Sie wollen aber nicht darauf warten, bis er das tut, sondern gründen ihre eigene Bank. Dies, weil sie in ihren Ländern grossen Bedarf an Investitionen in Infrastruktur haben. Man denke an das chinesische Projekt der Seidenstrasse, oder an die vielen Infrastruktur-Massnahmen, die in Südafrika, Brasilien, Russland oder Indien anstehen.
Wann könnte die Brics-Bank starten?
Die Bank wird aller Voraussicht nach zu Beginn des nächsten Jahres ihren Betrieb aufnehmen. Sie wird in Schanghai angesiedelt sein. Der erste Präsident wird ein Inder sein. Man hat auch schon das «Board», also den Verwaltungsrat, besetzt. Repräsentanten aus allen fünf Ländern sind benannt und die Statuten verabschiedet worden. Es braucht zwar noch etwas Zeit, bevor so ein Projekt dann wirklich an den Start gehen kann. Weil es aber für alle Brics-Mitgliedsländer eine Priorität ist, kann man davon ausgehen, dass diese Bank ab Anfang 2016 aktiv werden wird.
China hat kürzlich eine andere Bank gegründet, die Asiatische Infrastruktur-Bank. Das Land ist auch Mitglied der Asiatischen Entwicklungsbank. Tanzt Peking auf mehreren Hochzeiten?
China ist mit der Asiatischen Entwicklungsbank nicht besonders glücklich, da Japan in dieser multilateralen Institution eine überragende Rolle spielt. Die Gründung der Asiatischen Infrastruktur-Bank ist angesichts der alten Rivalität zwischen Japan und China eher als ein Versuch Chinas zu deuten, in der Region weitere Akzente zu setzen.
Welche Rolle wird die Brics-Bank im Gefüge des Weltmarktes spielen?
Die Brics-Staaten bauen in erster Linie eine Parallelstruktur zu den bestehenden Bretton-Woods-Institutionen auf, das heisst zum IWF und zur Weltbank. Die Brics-Bank wird noch lange nicht das Finanzvolumen der Weltbankgruppe erreichen. Dennoch geht die Entwicklung in die Richtung von Parallelstrukturen zur Finanzierung von Entwicklungsvorhaben auf der Welt.
Das Gespräch führte Ivana Pribakovic.
Cord Jakobeit
Cord Jakobeit ist Professor für internationale Beziehungen am Institut für Politikwissenschaft der Universität Hamburg. Er ist Experte für Schwellenländer.