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Kreative Vernunft – Was ist die Bedeutung?
Kreative Vernunft – Was ist die Bedeutung?
Dîner philosophique – Bern, 18. Juni 2010
Eine Abendveranstaltung mit Gesprächen rund um einen Tisch, die sich nach einer Pause wieder fortsetzen, lässt den Vergleich mit einem des von Platon geschilderten Symposions in Athen zu, bei welchem für die Tischgesellschaft der Austausch kritischer Überlegungen als ebenso köstlich galt wie Speise und Trank. Von Sokrates wird berichtet, dass er, als Gast erwartet, weiter durch die Stadt spazierte und den Freunden, die ihn drängten, sich an die Tafel zu setzen, sagte, er finde es richtig, zuerst den Hunger einzukaufen. Jede Art von Hunger, Lebenshunger und Wissenshunger, erachtete er als Voraussetzung schöpferischer Kraft.
Von Sokrates wird berichtet, dass er, als Gast an einem Symposion erwartet, weiter durch die Stadt spazierte und den Freunden, die ihn drängten, sich an die Tafel zu setzen, sagte, er finde es richtig, zuerst den Hunger einzukaufen. Jede Art von Hunger, Lebenshunger und Wissenshunger, erachtete er als Voraussetzung schöpferischer Kraft.
Es war übrigens im Rahmen einer Tischgesellschaft, dass Sokrates auch die vielen Meinungen über die Natur von Eros hinterfragte. Indem er sich auf Diotima berief, seine Lehrmeisterin aus Mantinea, eine der ältesten Denkerinnen, deren Namen wir kennen, führte er aus, Eros sei weder ein Gott noch stamme er von vornehmen Eltern ab, nein. Eros sei das Kind von Penia (gr. Bedürftigkeit) und von Poros (gr. Wegefinder). Eros sei daher weder fein noch schön, wie man meine, sondern unbeschuht und rauh, ohne Behausung, er schlafe vor den Türen im Freien, er sei immer der Hungrigen Genosse. Doch zugleich kennzeichnen ihn Einfallsreichtum und erfinderisches Geschick, ein Streben nach Einsicht und nach Wissen, nach dem Guten, doch alles sei flüchtig, was zustande komme. So setze sich das Suchen fort.
Der Bezug auf Eros, diese geheimnisvolle Kraft, die das Suchen nach Erkennen und Wissen prägt, geht mit der Skepsis – dem kritischen Denken – einher. Es geht um einen zeitlosen Wert. Im damaligen Athen brauchte es Mut, ihn zu vertreten. Und heute? Nach welchen Kriterien wird bewertet oder entwertet, wer kritisch denkt und sich nicht scheut, offen den Dialog aufzunehmen? Wir werden auf die Fragen eingehen und klären, was die Besonderheit der kreativen Vernunft, dieser Sokrates verwandten schöpferischen Kraft, insbesondere bei Frauen kennzeichnet.
„Sie lief die Landstrasse entlang, ich sah sie nicht, ich merkte nur, wie sie sich im Laufen schwang, wie ihr Schleier flog, wie ihr Fuss sich hob, ich sass am Feldrand und blickte in das Wasser des kleines Baches. Sie durchlief die Dörfer, Kinder standen in den Türen, sahen ihr entgegen und sahen ihr nach.“[1]
Als ich nach einem der vielen Regentage abends an meinem Schreibtisch sass, den Blick auf die Nebelkronen am anderen Ufer des Sees, schwangen sich plötzlich Schwalben in die Höhe und umkreisten atemraubend schnell in rätselhafter Präzision eine je eigene Linie, Dutzende gleichzeitig und jede je anders, einzelne mit schrillem Ruf. Zu welchem Zweck? Nach eigenem Entscheid? Nach welchem Wissen? Möglicherweise ein Abschied von der Sonne in den Momenten, in denen die Erde sich wegdreht vom glühenden Zentrum des Lichts, das sie umkreist, Abend für Abend in den Übergängen der Dämmerung zur Nacht, selbst wenn diese unklar sind im wechselnden Ablauf der Ordnung, wenn während Tagen die schweren Regenwolken nichts anderes durchschimmern lassen als filigranes Grau. Ein Protest kreativer Vernunft gegen die Angst vor der Dämmerung, fragte ich mich, auf Schwalbenart? Ein Handeln auf Grund einer Dringlichkeit, die Zeit zu nutzen und das zu tun, was richtig erscheint?
Ich habe das Buch über Kreative Vernunft[2] vor einem Jahr abgeschlossen und wurde durch die Einladung ermutigt, mich erneut damit zu befassen. Was hat mich bewogen zu erforschen, wie und ob bei Olympe de Gouges, bei Mary Wollstonecraft und Flora Tristan, bei Rahel Varnhagen und Dorothea Schlegel, bei Bertha Pappenheim, Rosa Luxemburg und Margarete Susman, bei Hannah Arendt, Etty Hillesum und Simone Weil, bei Regina Kägi-Fuchsmann, schliesslich auch bei Ulrike Marie Meinhof kreative Vernunft der geistige Motor im Entscheiden und Handeln war, wenngleich bei diesem jüngsten Leben nur in beschränktem Mass? Was bedeutet „kreative Vernunft“ im Rückblick auf die Arbeit am Buch?
Wir brauchen Worte, sprechen sie aus als Erklärung und fragen oft erst hinterher, ob sie das sagen, was wir meinen und ob das, was wir meinen, verständlich ist auch für Andere. Erstmals benutzte ich „kreative Vernunft“ als übergeordnete Bezeichnung für den Begriff „Aufmerksamkeit“ – „attention“, so wie ich ihn in Zusammenhang seiner Verwendung durch Simone Weil als passend erachtete, in Übereinstimmung mit ihrer Suche nach Erkenntnis und den sie leitenden Empfindungen. Somit als richtig, nach beiden Kriterien? Um die Klärung dieser Frage – der Frage nach dem Zusammenwirken von Empfinden und Denken in Hinblick auf Aufmerksamkeit bei Simone Weil – ging es in der damaligen Abhandlung, die ich im Herbst 2000 anlässlich des IX. Symposiums der Internationalen Assoziation von Philosophinnen (IAPh) an der Uni Zürich vortrug[3]. Es war für mich nach Monaten des Sprachverlustes und des Zweifels, mich je wieder in den Sprachen zurechtzufinden, in dieser zwischenmenschlichen Übersetzungsform des Denkens und Empfindens, der erste Versuch, erneut öffentlich zu formulieren und zur Diskussion anzubieten, was mir an Erkenntnis sinnvoll erschien und was ich vertreten konnte.
Die Klärung dessen, was mit der Bedeutung von „aufmerken“ und „Aufmerksamkeit“ einhergeht, vertiefte ich in der Folge, sowohl in sprachanalytischer und psychoanalytischer wie in erkenntnis- und existenzphilosophischer Hinsicht. Der übergeordnete Begriffszusammenhang „kreative Vernunft“ konnte in der jährlichen Abfolge der Salongespräche an der Uni Bern als Leitmotiv genutzt werden, auch als fürs Wintersemester 2006 im Rahmen des Studium Generale das Thema „Genie“ in den Mittelpunkt der interfakultativen Untersuchungen gerückt wurde und ich während der Vorbereitung meines Beitrags auf die zugleich diffuse und untrügerische, geschichtliche Ausklammerung von Frauen stiess, von Philosophinnen, ja überhaupt von Denkerinnen. Es war ein „Aufmerken“, dass es sich um die Fortsetzung patriarchaler Restriktionen handelt, die auf dem Begriff „Genie“ selber beruhten, doch gleichzeitig, dass es zusätzlich eine andere Deutungsmöglichkeit von „Genie“ gibt, die während Jahrhunderten unbeachtet blieb. Es handelt sich dabei, kurz und eindeutig, um das „andere Genie“. Das „andere Genie“, das sich durch die Kraft der kreativen Vernunft entfaltet und – eventuell auf besondere Weise – Frauen kennzeichnet, wenngleich nicht ausschliesslich Frauen, da die besondere schöpferische Kraft, um die es dabei geht, sich letztlich geschlechterunabhängig auswirken kann. In meiner Erinnerung findet sich immer auch Walter Benjamins Bemerkung zu Franz Kafka: dass ihm aufs höchste eigen gewesen sei, was Malbranche „das natürliche Gebet der Seele“ nannte – die Aufmerksamkeit.
Als vorläufiges Ergebnis lässt sich somit sagen: Kreative Vernunft, die mit Aufmerksamkeit vernetzt ist, kennzeichnet das „andere Genie“. Doch weder der Begriff der kreativen Vernunft noch die besondere Bedeutung des „anderen Genies” ist dadurch geklärt. Vielleicht weil eine Ausstrahlung damit einhergeht, die zugleich Ärgernis und Ansporn weckt? – weil „pathos“ und „mathos“, Leiden und Lernen, darin aufs engste verknüpft sind? Zunehmend wurde mir klar, insbesondere als ich das Werk von Etty Hillesum näher untersuchte und bei ihr auf die Lösung des schmerzlichen Paradigmas von Blaise Pascal stiess: dass das Hindernis einer Übereinstimmung von Denken und Fühlen, an welchem er gehadert hatte, dem Genie eigen ist. Dass dieses Hindernis für das „andere Genie“ nicht mehr gilt. Es ist das „denkende Herz“, die kreative Vernunft, die als geistige Kraft wirksam ist.
Doch was ist darunter zu verstehen, was geht damit einher und was sind die Auswirkungen?
Mit der Klärung dieser Fragen befasst sich das Buch, das Anfang dieses Jahres nach langem persönlichem Zögern erschien[4]. Ich werde jedoch weniger den Inhalt des Buchs zusammenfassen – ein Buch erscheint zum Lesen und damit zum individuellen Gespräch, das sich gerade dadurch erweitern lässt -, ich möchte auf einen Teil der Vorarbeit näher eingehen, der im Buch höchstens tangiert wird. Er bezieht sich auf die Frage, die ich mir stellte, warum der im Zeitraum meiner Erforschungen – im 19. und 20. Jahrhundert – ausgiebig benutzte Geniebegriff das „andere Genie“ und damit die Bedeutung wichtiger Denkerinnen praktisch unbeachtet liess. In der Frage findet sich eine genauere Annäherung an die zweite Frage nach der Bedeutung der kreativen Vernunft.
Gewiss, liesse sich einwenden, der Begriff „Genie“ werde durch das „andere Genie” einfach erweitert. Doch inwiefern wird ein Begriff erweitert, dessen Bedeutung zwar breit gewalzt, jedoch vage ist? Ich wollte näher auf die Unklarheit eingehen.
Offensichtlich ist, dass in der deutschen Sprache „das” Genie als Neutrum erscheint, doch dass es trotzdem nicht sächlich, sondern männlich ist, ob es um die kritische Darstellung der Bedeutung von „Genie” bei Goethe und Kant, Schleiermacher und Jean Paul gehe, wie z.B. Fritz Mauthner sie im „Wörterbuch der Philosophie”[5] untersucht, ob die vielen Fallbeispiele in Cesare Lombrosos Untersuchungen „Genie und Irrsinn”[6] im Vordergrund stehen, an Hand derer Lombroso zum Schluss kommt, dass die Bedeutung von „Genie“ einhergeht mit einem ständigen Abwehrverhalten gegenüber der Vernunft, dass daher eine Ähnlichkeit an „Verrücktheit“ bei Genies wie bei hochgradig Kriminellen besteht. Oder ob die drei Bände von Egon Friedells[7] umfassender Kulturgeschichte beachtet werden, in welcher „jedes Zeitalter als Produkt eines Genies”[8] erklärt wird, vom alten Ägypten über Griechenland und Rom bis in die Neuzeit. Bei Egon Friedell (ursprünglich Friedmann) möchte ich kurz verweilen, einem Freund von Peter Altenberg und Ödön von Horvath, zugleich einem der stärksten „Antipoden“ von Karl Kraus, kurz, einem bedeutenden und ungewöhnlichen Denker aus dem Wien Ludwig Wittgensteins und Sigmund Freuds, der heute kaum mehr beachtet wird.
Gemäss Friedell braucht es einen einzigen Menschen resp. „einen einzigen Mann“, wie er schreibt, um einen Abschnitt der menschlichen Geistesgeschichte fortleben zu lassen. „… die Kinder schauen ihm entgegen und schauen ihm nach“. Für die griechische Aufklärung nennt er Sokrates, für die französische Aufklärung Voltaire, für die deutsche Aufklärung Lessing, für die englische Renaissance Shakespeare, für seine eigene Zeitgeschichte Nietzsche. Denn auf dreifache Weise sei das Genie gekennzeichnet: erstens als das Geschöpf seiner Zeit, zweitens sei die Zeit ganz und gar die Schöpfung des Genies, drittens habe das Genie mit seiner Zeit nichts zu schaffen und die Zeit nichts mit ihm. Letztlich ist es nicht auf dreifache, sondern auf einfache Weise durch Widersprüchlichkeit gekennzeichnet.
Mir wurde klar, dass, was unter „Genie” verstanden wird, paradox und männlich ist. Die Paradoxie des Genies, die sich in Friedells dreifacher Definition manifestiert, fasst er selber zusammen und hält fest, dass das Genie einerseits „nichts anderes (ist) als die bündige Formel, das gedrängte Kompendium, der handliche Leitfaden, in dem knapp und konzis, verständlich und übersichtlich die Wünsche und Werke aller Zeitgenossen zusammengefasst sind, (…) nichts anderes als das starke Extrakt, das klare Destillat, die scharfe Essenz aus ihnen”[9]. Andererseits, fährt Friedell fort, handle es sich bei den Genies um „Zauberer” – Lombrosos „Irren“ nah -, denen „niemand zu widerstehen vermag, die beflügeln und lähmen, berauschen und ernüchtern. In ihrem Besitz sind alle Heilmittel und Toxine der Welt. (…) Sie lösen in vielen die latente Narrheit aus, die sonst vielleicht immer geschlummert hätte. Auch erregen sie Kriege, Revolutionen, soziale Erdbeben”[10]. Es sei daher richtig, kommt Friedell zum Schluss, den „Genius“ in seiner aussergewöhnlichen Besonderheit als „ein exotisches Monstrum“ zu charakterisieren, als „eine Fleisch gewordene Paradoxie, ein Arsenal von Extravaganzen, Grillen, Perversitäten, ein Narr wie alle anderen, ja noch mehr als alle anderen, weil er mehr Mensch ist als sie, ein pathologisches Original, dem ganzen dunkeln Lebensgewimmel da unten fremd, aber auch seinesgleichen fremd, ja sich selber fremd, ohne die Möglichkeit irgend einer Brücke zu seiner Umwelt (…), der grosse Solitär: was seine Grösse ausmacht, ist gerade dies, dass er ein Unikum, eine Psychose, eine völlig beziehungslose Einmaligkeit darstellt”[11].
Soweit lässt sich zusammenfassen, dass – weniger in Friedells Beispielen von zeitprägenden Genies, als in den Qualifikationen des Geniebegriffs – vorerst klar ist, dass für ihn aus der Masslosigkeit des Gewöhnlichen das Aussergewöhnliche wächst. Zum vornherein scheint festzustehen, dass bei Frauen von „Genie“ gar nicht die Rede sein kann.
Nun aber beruht das Wort „Genie“, das im 18. Jahrhundert aus dem Französischen ins Deutsche übernommenen wurde, zugleich auf dem lateinischen Masculinum „genius” wie auf dem Neutrum „ingenium”. Während „genius” die Bedeutung von „Schutzgeist”[12] hat – anders als Egon Friedell erklärt und in dieser Bedeutung in Zusammenhang des „anderen Genies” vertieft werden kann -, drängt sich auf, zuerst auf die Vielfalt von „ingenium” einzugehen.
Es ist das Substantiv „ingenium”, das in erster Linie „Naturanlage”, auch „Gemütsart” sowie „Fähigkeit” und „Verstand” bedeutet und erst in zweiter Linie „Talent” und „geistreiche Erfindung”, das sich damit dem gewohnten Geniebegriff annähert[13], abgeleitet vom Verb „gignere (gigno, genui, genitus)” – „zeugen, erzeugen”. Tatsächlich wird die männliche Schöpfungskraft von Leben damit ausgedrückt, die in die ältesten Schöpfungsmythologien und Religionsgeschichten zurückgeht. Über unzählige Generationen wurden diese vermittelt, so dass sie sich seit der Antike auch in der gesellschaftlichen Bedeutung der Wortverwandtschaften und deren Bedeutung fortsetzten. So erstaunt es nicht, dass „ingenuitas” als „freie, edle Geburt” im Sinn der väterlichen Herkunft verstanden wurde (abgeleitet von „ingignere” – „einpflanzen”- „ingenitus” – „eingepflanzt, eingeboren, angeboren”), auch dass „ingens/ingentis” als „überaus gross” und „ungeheuer” galt und sich auch heute noch in beruflichen und militärischen Bezeichnungen wiederfindet, z.B. in „Ingenieur”, in „Genietruppe” (resp. militärischen Pioniercorps) etc.
Die etymologische Klärung erleichtert, die deutsche Bedeutung von „Genie” in den philosophiegeschichtlich wichtigen Übergängen zur Moderne bei Kant und bei Goethe besser zu verstehen, die einhergingen mit einer Abfolge unterschiedlicher Allmachtsentwürfe und deren Umsetzung – mit den politischen Revolutionen des Bürgertums gegen den Adel wie mit dem napoleonischen Herrschaftsanspruch auf ganze Europa, mit der sich aufblähenden Industrialisierung wie mit den grossen sozialistischen und kommunistischen Arbeiterbewegungen -, kurz, mit Beispielen von „Genies“, die der von Friedell erkannten Masslosigkeit vorangingen.
War Immanuel Kants Verständnis anders? Er hat sich mit der Bedeutung von Genie in seiner letzten Lebensphase in Zusammenhang der Kritik der Urteilskraft[14] in den Kapiteln 46 (B 180, 181; A 178, 179) und 47 (B 183, 184; A 181) der Kritik der ästhetischen Urteilskraft auseinandergesetzt. Er beginnt Kapitel 46 mit der klaren These: „Genie ist das Talent (Naturgabe), welches der Kunst die Regel gibt”. Diese These wird jedoch gleich näher definiert durch die Erläuterung, dass, da „das Talent, als angeborenes produktives Vermögen des Künstlers, selbst zur Natur gehört”, sich „Genie” erklären lässt als „die angeborene Gemütsanlage (ingenium), durch welche die Natur der Kunst die Regel gibt”.
Kant geht somit auf „ingenium“ und nicht auf „genius“ ein. Entsprechend seinem Verständnis der perfekten Schönheit, die allein der Natur zukommt, äussert sich Genie daher als – gewissermassen göttliche – Kraft nicht im Forschen und Nachdenken nach Regeln, nicht in der Wissenschaft, überhaupt in nichts, was mit Erkenntnishunger, Fleiss und Lernen oder mit Kopieren von Mustern und Streben nach Zweck oder Nutzen in Verbindung steht, sondern allein in der „schönen Kunst”, die „für sich selber zweckmässig ist”[15]. Die „schöne Kunst” anders zu erklären, erscheint Kant nicht zulässig, ja Genies selber sei dies nicht möglich. Allerdings will er sich selber als Philosophen deswegen nicht entmutigen lassen, wie es sich ahnen lässt, indem er in Zusammenhang von Newton[16] und „dessen unsterblichen Werken der Prinzipien der Naturphilosophie” festhält, dass „hierin (d.h. in der Tatsache, nicht Genie, sondern Philosoph zu sein) keine Herabsetzung jener grossen Männer liegt, denen das menschliche Geschlecht so viel zu verdanken hat”. Eben darin, dass diese sich um immer bessere Erkenntnisse bemühten und ihr Wissen an andere Menschen weiter vermittelten, bestehe „ein grosser Vorzug vor denjenigen, welche die Ehre verdienen, Genies zu heissen: weil für diese die Kunst irgendwo still steht, indem ihr eine Grenze gesetzt ist, über die sie nicht weiter gehen kann, die vermutlich auch schon seit langem erreicht ist und nicht erweitert werden kann. Und überdem eine solche Geschicklichkeit sich auch nicht mitteilen lässt, sondern jedem unmittelbar von der Hand der Natur erteilt sein will, mit ihm also stirbt, bis die Natur einmal einen anderen wiederum ebenso begabt.“ In Kants Wertvorstellungen ist somit das Genie in der Vollkommenheit des Schönen, das es dank des naturhaften „ingenium“ erreicht und das sich mit dieser Vollkommenheit jenseits individueller Gestaltungskraft eingegrenzt findet, geringer zu beurteilen als jene „grossen Männer“, die, wie er selber, sich bemühen, klare Erkenntnis zu vermitteln. Schafft somit die Eitelkeit des vielleicht ästhetisch nicht-genialen Denkers den höchsten Wert in der Askese? Die Frage bleibt offen.
Doch wie verhält es sich für Johann Wolfgang Goethe, der – ein Vierteljahrhundert nach Kant geboren und nach Kant gestorben – selber Zeit seines Lebens als Genie verehrt wurde und bis heute als Genie gilt, sowohl in der dichterischen und künstlerischen wie in der philosophischen und naturwissenschaftlichen Dichte und Weite seiner Talente und seines Werks?
Bei Goethe findet sich im Vierten Teil von Dichtung und Wahrheit, den er erst 1830, zwei Jahre vor seinem Tod, abschloss, eine sorgfältige Auseinandersetzung mit dem Geniebegriff. Er versetzt seine Betrachtungen, wie er dort festhält, in den Zusammenhang mit seinem Besuch bei Johann Kaspar Lavater[17] in Zürich, auf dem Weg durch die Alpen nach Italien, insbesondere in die mit Lavater geführten Diskussionen über dessen physiognomische Betrachtungen. Möglicherweise verbindet sich damit auch eine kritische Auseinandersetzung mit Kants Einschränkung des Geniebegriffs auf die „schöne Kunst”.
Für Goethe steht fest, dass „jedes Talent, das sich auf eine entschiedene Naturanlage gründet, etwas Magisches zu haben scheint, weil wir weder es selbst noch seine Wirkungen einem Begriff unterordnen können[18]“. Doch „niemand räumt gern andern einen Vorzug ein, solang er ihn nur einigermassen leugnen kann”, setzt er als Menschenkenner seine Betrachtungen fort. Naturvorzüge aller Art seien am wenigsten zu leugnen, und trotzdem sei allein dem Dichter Genie zugestanden worden, „bis plötzlich eine andere Welt aufzugehen schien: man verlangte Genie vom Arzt, vom Feldherrn, vom Staatsmann und bald von allen Menschen, die sich theoretisch hervorzutun dachten”[19]. Der Geniebegriff sei in einem Mass verallgemeinert worden, dass „Genie” als diejenige Kraft des Menschen zu gelten begonnen habe, „welche durch Handeln und Tun Gesetz und Regel gibt”[20]. In der Folge seien die vorhandenen Gesetze überschritten und die eingeführten Regeln umgeworfen worden; das Genie habe sich „für grenzenlos erklärt”. Reisen ohne Sinn und Ziel seien als „Geniereisen”, Handlungen ohne Zweck und Nutzen als „Geniestreich” bezeichnet worden; junge, begabte Menschen hätten sich darin verloren und ältere, vielleicht talent- und geistlose, hätten ihre Schadenfreude darüber gezeigt.
Dem alten Goethe erscheint die Bewegung des „Sturm und Drang”, in welche er selber als junger Mensch hineingezogen worden war, von einer ausufernden Bedeutung des Geniebegriffs geprägt gewesen zu sein. „Und so hätten sich die Deutschen, bei denen überhaupt das Gemeine weit mehr überhand zu nehmen Gelegenheit findet als bei anderen Nationen, um die schönste Blüte der Sprache, um das nur scheinbar fremde, aber allen Völkern gleich angehörige Wort vielleicht gebracht, wenn nicht der durch eine tiefere Philosophie wieder neu gegründete Sinn fürs Höchste und Beste sich wieder glücklich hergestellt hätte”[21].
Für Goethe kann somit die eigentliche Bedeutung von Genie dem Missverständnis in den Turbulenzen des leichtfertigen oder gar falschen Gebrauchs des Wortes standhalten. In seinem „Nachlass” finden sich Notizen, die weiterleiten ins kritische Denken. Nähern sie sich
schon der Bedeutung des „anderen Genies”? Findet sich diese Ahnung oder Annäherung in der Überlegung, dass „grosse Talente das schönste Versöhnungsmittel sind”, dass „das Genie eine Art Ubiquität ausübt, ins Allgemeine vor, ins Besondere nach Erfahrung“?
Das „andere Genie” kennzeichnet ohne Zweifel ein Aussenseitertum, auf besondere Weise ein Aussenseitertum von Frauen, die in den Untersuchungen von Kant und Goethe, von Lombroso und Friedell unbeachtet blieben. Es sind Frauen, deren Leben und deren Werk ebenso grosse Talente aufweisen wie Mut, leider oft auch Tragik. Beispiele im Bereich der Philosophie, im politischen und sozialen Bereich, im Bereich der Naturwissenschaften, der Musik, der Dichtung, der Malerei, überhaupt der Kunst sind zahlreich, seit der Antike. Bei Friedell findet sich im Hinterfragen der Bedeutung von „Genialität“[22] eine erstaunliche Nähe zum „anderen Genie“, wenigstens zu einer bis anhin unbeachtet gebliebenen Besonderheit des Genies, obwohl er in seiner Betrachtung ausschliesslich bei seinesgleichen resp. bei Männern verweilt. Mit einem merkwürdigen Zitat aus den Evangelien erwähnt er Jesus, dessen „Idealismus dem aller anderen Menschen ungeheuer überlegen ist“, und er schliesst an, das sei „nicht Askese und Weltflucht: das ist ein Wort der höchsten, der tätigsten Nächstenliebe, die nicht beim Nachbarhaus Halt macht, sondern den Planeten umspannt.“[23] Damit sei es möglich, endlich „zur Wurzel der Genialität“ zu gelangen. Diese erkläre sich aus der Tatsache, dass dieses Genie „das grösste Herz“ habe. „Es hat mehr Herz als alle andern Menschen zusammen genommen. Darum haben seine Worte die Bedeutung eines Orakels. Darum weiss er auch an jedem Ding eine neue Eigenschaft zu erblicken. Denn die Dinge pflegen sich vor einem allzu strengen Blick zurückzuziehen und zu verschliessen, gleich den Schulkindern, aus denen auch mit Kälte und Schärfe selten etwas herauszubekommen ist. Das Genie – so verstanden – folgt in seiner Methode der Natur, die ihre harten Mittel nur verwendet, wenn sie vernichten will, die aber alle Entwicklung durch Güte fördert: durch erfrischenden Regen, saftiges Erdreich und Sonnenlicht.“
Die „Methode der Natur“ ist nicht die Methode des Intellekts, hält Friedell weiter fest, nein, sie folgt einer andern Stossrichtung. „Unser Gehirn ist eine uralte Sache; wir können uns gar nicht vorstellen, dass es jemals jung war. Dagegen unser Herz ist eine Sache, die sich immer erneuert und niemals wiederholt“. Und da er vom Beispiel Jesu ausgeht, irgendwann auch die „Einfachheit und Selbstverständlichkeit“ als kennzeichnend erwähnt, fährt er fort: „Nur die Taten und Augenblicke der Liebe machen uns zu Individuen: in allem anderen sind wir Gattung. Die Taten und Augenblicke der Liebe sind bei allen Menschen gleich und bei allen verschieden. (…) Das Herz ist die Quelle der Originalität.“[24]
So weichen Friedells Überlegungen zur Genialität von den anderen Genie-Untersuchungen ab. Doch wieder geht es um eine Einseitigkeit der Betrachtung: die Kraft des Herzens wird zur magischen, eventuell toxischen Kraft, während beim „andern Genie“, wie ich es verstehe, die Kraft des Herzens sich mit der Kraft des Denkens zur kreativen Vernunft verbindet – zum „denkenden Herzen“.
Als ich soweit war, galt es, eine Auswahl an Beispielen zu treffen, die überzeugen. Ich entschied, Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit des 20. Jahrhunderts und aus dessen Vorgeschichte zu beachten, die ich erforscht hatte, und dabei einer Linie zu folgen, die der ursprünglichen Bedeutung von „genius” – Schutzgeist (nicht jener von „ingenium”) am nächsten ist, einer Bedeutung, die sich in der römischen Kulturgeschichte sowohl mit individuellem „geistigem Schutz” wie mit dem Schutz eines Ortes oder gar eines Staates verbindet: mit einer empfindenden und mitempfindenden Präsenz des Geistes, die durch das Dasein in der Zeitgeschichte auf je eigene Weise, vielleicht auf unstabile und schmerzliche, vielleicht auf starke Weise verwurzelt ist und sich auf die Zukunft ausrichtet.
Ausgehend von diesen Überlegungen ergab sich mit grösserer Klarheit: Falls der Genie-Begriff überhaupt Sinn macht, ist die „kreative Vernunft des denkenden Herzens” das Kennzeichen des „anderen Genies”[25].
In der Suche nach Übereinstimmung von Denken und Empfinden resp. von Intellekt und Psyche ist das „andere Genie” resp. das „denkende Herz” somit bestrebt, dass Handlungsentscheide und deren Folgen tragbar und verantwortbar werden. Steht letztlich nicht das Streben nach Glück dahinter, für das eigene Ich, für andere Nächste, für das kollektive Zusammenleben?
Wie komplex gerade für Frauen die Zustimmung zu diesem Streben mit dem traditionellen Geschlechterbild verknüpft war, wie hürdenvoll und leidvoll das Anwachsen einer kritischen Auseinandersetzung damit war, macht u.a. der schmerzliche Wandel von Margarete Susman deutlich, die noch 1912 in ihrem Buch Vom Sinn der Liebe schrieb: „Dies ist der Dienst der Frau vor dem Mann. Sie stellt ihr Leben in den Dienst der grossen Gedanken und Enthüllungen des männlichen Geistes. (…) Die Hingebung Gretchens, die tausendfach missverstandene, ist das tiefe weibliche, das hinanziehende Vertrauen auf den Genius, der – wie er auch handeln, was er auch fehlen möge – mehr und Tieferes vom Leben weiss und erkennt als wir, der dem weiblichen Geist das Mysterium des Lebens aufschliesst, durch das er zu sich selbst gelangen soll.“[26] Lernen – „mathos“ – kritisch zu denken und ein anderes Erkennen zuzulassen ist leider nur durch Leiden – „pathos“ – möglich. Auch Rahel
Varnhagen, Dorothea Schlegel, Hannah Arendt und viele Frauen mehr kamen wie Margarete Susman nur auf diesen schwierigen und dunkeln, mäanderhaften Wegen aus der Jahrhunderte alten Orthodoxie heraus zur kreativen Vernunft.
Es mag von Nutzen sein, insbesondere auf Etty Hillesum zu verweisen, die in der Auswahl von Frauen, die ich traf, eine der zugleich unbeachtedsten und bedeutendsten ist, die, wie ich schon erwähnte, einen wichtigen Schlüssel zur begrifflichen Erkenntnis anbot. Es war ein knappes Jahr vor dem Abtransport aus dem holländischen Westerbork nach Auschwitz, dass sie nach der „einmaligen, erlösenden Formel für das übervolle und reiche Lebensgefühl” suchte und erkannte, dass es das „denkende Herz”[27] ist. Wie schon erwähnt boten Blaise Pascal’s Pensées[28] ohne Zweifel der jungen Philologin eine väterliche Annäherung an, ging es dabei doch um die Auseinandersetzung über die Differenz von Intellekt und Seele resp. die Differenz zwischen mathematisch erkennendem und psychisch ahnendem oder empfindendem Geist, resp. zwischen Verstand und Herz, die Pascal’s Erkenntnisprozess immer wieder belasteten und bei ihm ein Leiden bewirkten, das er nicht lösen konnte.
Was Etty Hillesum von Blaise Pascal unterscheidet, ist, dass sie ein Streben nach Erkenntnis kannte, das begrifflich zwar vergleichbar ist mit jenem des grossen Denkers – Mathematikers und religiös-mystischen Philosophen – Mitte des 17. Jahrhunderts, dass die individuelle Bedeutung der gleichen Begriffe jedoch mit anderen Vibrationen einherging, sich auf andere Erfahrungen abstützte und sich auf andere, wenn gleich ähnliche Bedürfnisse nach Klarheit ausrichtete.
Es geht zusätzlich auch um die feine, jedoch massgebliche Differenz in der sowohl zeitbedingten und je individuellen Bedeutung der Worte. Diese Differenz hängt mit den unterschiedlichen Verarbeitungsprozessen im emotionalen und im intellektuellen Bereich des Menschen zusammen, ein in der modernen Neurologie zunehmend erforschtes Wissensgebiet, das noch voll ungeklärter Hypothesen ist[29]. Wenn Blaise Pascal z.B. festhält „Le coeur a ses raisons que la raison ne connaît pas; on le sait en mille choses”[30], geht er auf die unterschiedlichen Kenntnisse von Raum und Zeit, Bewegung und Zahlen resp. von Grössenordnungen ein, die durch die Vermittlung des „Herzens” resp. durch Empfindungen einerseits bewusst sind, die andererseits vom Verstand resp. von der Vernunft („raison” hat in der Übersetzung ins Deutsche die eine wie die andere Bedeutung) auf eigene Weise erarbeitet werden müssen. Für Blaise Pascal kann es in den Resultaten von Empfinden und Denken keine Übereinstimmung geben, obwohl in beiden Erkenntnisbereichen eine Sicherheit möglich ist. Doch es ist eine je unterschiedliche Sicherheit. Diese verknüpfen zu wollen, erscheint ihm wegen der unterschiedlichen Erkenntnisprozesse nicht zulässig, doch diese Erkenntnis in Frage zu stellen, erachtet er wiederum als sinnlos, ja als lächerlich. „Les principes se sentent, les propositions se concluent, et le tout avec certitude, quoique par différentes voies. Et il est aussi inutile et aussi ridicule que la raison demande au cœur des preuves de ses premiers principes pour vouloir y consentir, qu’il serait ridicule que le coeur demandât à la raison un sentiment de toutes les propositions qu’elle démontre pour vouloir les recevoir”[31]. Es geht um die Bedeutung der „certitude”, resp. der inneren Sicherheit sowohl im Erkenntnisprozess des Herzens wie in jenem des Intellekts, die letztlich nur durch die wechselseitige Aufmerksamkeit der zwar unterschiedlichen, sich im menschlichen Geist jedoch ergänzenden Fähigkeiten zustande kommen kann.
Wenn wir somit das „denkende Herz“ als bildhaft symbolstarkes Konzentrat für die kreative Vernunft annehmen, so wird deutlich; es geht um eine schöpferische Kraft, die sich auf unterschiedliche Zielsetzungen ausrichtet und die, je nach dem Erkennen deren Dringlichkeit, Empfinden und Denken so aktiviert, dass in individueller Hinsicht eine grosse Klarheit Ausdruck finden kann – z. B. bei Rahel Varnhagen, Dorothea Schlegel, Etty Hillesum, Simone Weil, Margarete Susman, Hannah Arendt -, auch dass in Hinsicht auf die politische und soziale Korrektur kollektiver Leiden, Missstände und Anliegen Entwürfe zustande kommen und zum Teil auf eindrückliche Weise realisiert und durch Andere fortgesetzt werden – z.B. Olympe de Gouges, Flora Tristan, Mary Wollstonecraft, Bertha Pappenheim, Rosa Luxemburg, Regina Kägi-Fuchsmann.
Vielleicht kann die Akzeptanz der rationalen und emotionalen Differenz im Erkenntnis- und Entscheidungsprozess zu jener inneren Übereinstimmung führen, die Goethe im hohen Alter als „Wahrheitsliebe, das erste und letzte, was (…) gefordert wird”[32], erklärt? Oder ist es nicht eher Klarheit und – Glück, die aus der Übereinstimmung von Denken und Empfinden wachsen, Erfahrungen inneren Friedens, aus denen Angstfreiheit wächst, auch gegenüber dem Tod?
Das „andere Genie“ hat sich durch die Untersuchung der Lebens- und Werkgeschichte der einzelnen Denkerinnen vom Geniebegriff weit entfernt. Auf je vielfältige Weise wird bei jeder Einzelnen deutlich: Es ist es die Kraft und Klarheit des denkenden Herzens, resp. der kreativen Vernunft, dank welcher Mut der Angst entgegenwirkt und dem Denken den Raum der Freiheit öffnet.
[1] Franz Kafka. Hochzeitvorbereitungen auf dem Lande. Das siebente Oktavheft. Zürich 1980 (New York & Frankfurt am Main 1953), S. 108
[2] M. W.-V. Kreative Vernunft. Mut und Tragik von Denkerinnen der Moderne. Edition 8, Zürich 2010
[3] Brigit Christensen (Hg). Wissen Macht Geschlecht – Knowledge Power Gender. Philosophie und die Zukunft der „condition féminine“ – Philosophy and the future oft he „condition féminine“. Chronos Verlag, Zürich 2002, S. 406-411
[4] M.W.-V. Kreative Vernunft. Mut und Tragik von Denkerinnen der Moderne. Edition 8. Zürich 2010
[5] Fritz Mauthner. Wörterbuch der Philosophie. Neue Beiträge zu einer Kritik der Sprache. 2 Bd. (Erstausgabe 1910/11). Diogenes Verlag, Zürich 1980, S. 392-399
[6] Cesare Lombroso. Genie und Irrsinn in ihren Beziehungen zum Gesetz, zur Kritik und zur Geschichte. Reclam Verlag, Leipzig 1887. (Im Original 1872: Genio e follia in rapporto alla medicina legale, alla critica ed alla storia)
[7] Egon Friedell (21.01.1878 – 16.03.1938) hatte 1938 in Wien eben die Kulturgeschichte Griechenlands. Leben und Legende der vorchristlichen Seele vollendet, als der Zusammenschluss von Österreich mit Deutschland erfolgte und sein Manuskript von der Gestapo beschlagnahmt wurde. Egon Friedell brachte die Kraft zu fliehen nicht auf und stürzte sich aus dem Fenster zu Tode, als zwei uniformierte SA-Angehörige spätabends vor seiner Wohnungstür standen..
[8] Egon Friedell. Kulturgeschichte der Neuzeit. Die Krisis der europäischen Seele von der Schwarzen Pest bis zum Ersten Weltkrieg. Verlag C.H. Beck, München 1979. (Erste Auflage in drei Bänden 1927 – 1931), Bd. III, S. 30-31 ff.
[9] E.F. 1979, Bd. III, S. 30
[10] E.F. 1979, Bd. III , S. 31
[11] E.F.1979, Bd. III, S. 32
[12] Stowasser. Einleitung und Etymologie von Franz Skutsch. G. Freytag Verlag, München 1957, S. 230
[13] dt. als Adjektiv sowohl „ingeniös” wie „genial”
[14] Immanuel Kant (22.4.1724-12.2.1804). Kritik der Urteilskraft (drei Auflagen noch zur Lebenszeit 1790 / 1793 / 1799). Hrsg, von Wilhelm Weischedel. Insel Verlag 1957. S. 241-246
[15] I. K. 1799/1957, Von der schönen Kunst, Kap. 44, S. 240
[16] Isaac Newton (4.1.1643-31.3.1727), von Bedeutung u.a. wegen der Entdeckung des Gravitationsgesetztes, in: Naturalis philosophiae principia mathematica (1687)
[17] Johann Kaspar Lavater (15.11.1741-2.1.1801); die 4 Bde. Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe, erschienen mit Beiträgen von Goethe 1775-78.
[18] Johann Wolfgang Goethe. Dichtung und Wahrheit. Vierter Teil, 19. Buch, S. 284. Aus: Goethes Werke, 11. Band, Verlag Birkhäuser, Basel 1944
[19] cf. 13, S. 285
[20] cf. 13, S.286
[21] ibid. 15
[22] E.F. Abschaffung des Genies, 1982. Die Wurzel der Genialität, S. 94-96
[23] E.F., 1982, S. 94
[24] E.F., 1982, S. 95
23 Interessanterweise findet sich kein etymologischer Hinweis auf „Genie” im Etymologischen Wörterbuch der deutschen Sprache, Friedrich Kluge, Strassburg 1915 (lediglich auf „genieren”). – Ebenso fehlt im grossen Lexikon der Frau in 2 Bänden, Encyclius-Verlag, Zürich 1953 / 1954 jegliche Klärung des Begriffs „Genie” oder „Genius”, „Genialität“ etc.; auf „Geneviève” folgt „Genitale”.
[26] M.W.-V., 2010, S. 119-120
[27] Etty Hillesum (9.3.1914-21.8.1943). Das denkende Herz. Tagebücher 1941-1943. Aus dem Niederländischen von Maria Csollány. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1985, S. 171
[28] Blaise Pascal (19.6.1623-19.8.1662). Oeuvres complètes. Editions Gallimard, Paris 1954. S. 1102 ff, S. 1221-22.
[29] Sehr empfehlenswert ist Alexander R. Lurija. Das Gehirn in Aktion. Einführung in die Neuropsychologie. Aus dem Russischen übersetzt von Alexandre Métraux und Peter Schwab. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1992; lesenswert auch die jüngste Publikation von Gerhard Roth. Fühlen, Denken, Handeln. Wie das Gehirn unser Verhalten steuert. Suhrkamp Verlag, Frankfurt a.M. 2001
[30] Blaise Pascal. Pensées 1954 / 6. Le coeur, S. 1221
[31] B.P.1954. S. 1222
[32] J.W.G. Dichtung und Wahrheit, 1944, S. 54