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| Märtyrerakten - Ausgewählte Akten persischer Märtyrer

16. Mâr Jakob
8.
Da sprachen Vornehme1 zu ihm: „Wenn du willst, steht es dir frei zu leben. Auch wenn deine zehn Finger abgeschnitten sind, kannst du leben. Es gibt weise Ärzte, die deine Wunden heilen. Tue nur den Willen des Königs und du wirst nicht sterben. Hab Erbarmen mit dir selbst und du wirst aus dieser begehrenswerten Welt nicht sterben. Du hast ja ein großes Vermögen; du kannst geheilt werden und dich an den sichtbaren Freuden ergötzen. Wärest du arm, so könntest [S. 158] du denken: Was nützt mir die Welt, da mir die zehn Finger abgeschnitten sind? Denn ich habe nichts, womit ich arbeite und mich ernähre. Aber wir wissen, daß du reich bist und dich auch ohne Arbeit ernähren kannst. Erfreue dich an dem Weibe deiner Jugend, die im Lande der Hûzâjê ist, während du im Lande Babel bist. Willst du dich selbst zugrunde richten, weil du nicht ein kleines Wort sagen willst, das, wenn es aus deinem Munde kommt, dir sogleich das Leben gibt?" Der Selige sah sie an und sprach: „Kann der Mensch zwei Dinge in einem tun, daß er die Hand an die Pflugschar lege und sich zurückwende und (doch) für das Reich geeignet sei? Wozu sind mir Mutter und Weib besser als Gott, der gesagt2: ,Jeder, der um meinetwillen seine Seele verdirbt, wird sie finden.‘ Und3: .Jeder, der seinen Vater, seine Mutter, seine Brüder und alles, was er liebt, verläßt, mich liebt und mir nachfolgt, dem werde ich unsterbliches Leben geben und unvergängliche Ruhe in Ewigkeit.' Wozu braucht es also Worte, die mir zum Schaden und euch zum Ärgernis sind? Tretet heran und tuet, was euch befohlen ist, ohne Schonung."
1: Raurebânê; vielleicht ist aber wie oft im Text: rûzbânê,"Henker" zu lesen.
2: Matth. 16, 39.
3: Vgl. Matth. 19, 29.