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Partizipative Planungsprozesse leben von einer gemeinsamen Vision der Beteiligten. Sie hilft, den Prozess und die Diskussionen konstruktiv zu gestalten. Es bleibt jedoch offen, welche Schritte und Massnahmen zur Erreichung der Vision erforderlich sind. Am Fall Wauwiler Ebene wurden diese Fragen mit der Methode des Backcastings beantwortet und Handlungsschwerpunkte definiert.
Das Bild vom Übermorgen – die Vision
In einem partizipativen Prozess erarbeiteten die verschiedenen Akteurinnen und Akteure der Wauwiler Ebene im Kanton Luzern eine Vision, ein Wunschbild der Landschaft für das Jahr 2040. Dieses wurde als Panoramabild mit ergänzenden textlichen Erläuterungen verabschiedet und bildete die Basis, auf der sie sich im Rahmen einer «Landwirtschaftlichen Planung» (LP) zusammenfanden, um konkrete Projekte zur Entwicklung dieser Landschaftskammer zu erarbeiten.
Um von der Vision zu greifbaren Massnahmen zu gelangen erarbeitete das mit der Prozessleitung betraute PLUS zunächst kartografische Varianten der Zukunft. In einem Workshop diskutierten die AkteurInnen diese Landnutzungskarten und glichen sie mit dem Wunschbild ab. Anschliessend definierten sie den für das Jahr 2040 gewünschten, mit der Vision übereinstimmenden Zustand. Im Workshop wurden zudem Rahmenbedingungen und Massnahmenfelder diskutiert und bestimmt, die essenziell sind um den gewünschten Zustand – ausgehend von der heutigen Landnutzung – zu erreichen.
Rückwärts rechnen – ein Weg um Handlungsfelder zu finden
Ein modellgestütztes Vorgehen ergänzte diesen argumentativen Diskurs über die erforderlichen Massnahmen: Bereits im Vorfeld hatte das PLUS ein Modell (bayes’sches Netzwerk) erarbeitet um Landnutzungsentscheidungen berechnen zu können. Dieses Modell wurde nun jedoch nicht auf die übliche Art eingesetzt, etwa um die mögliche Zukunft mittels Szenarien darzustellen. Stattdessen wurde die räumlich aufbereitete Vision als zu erreichendes Ziel eingespeist und nun «rückwärts» gerechnet, also die Verbindung von der gewünschten Zukunft zum heutigen Zustand hergestellt. In diese Berechnungen wurden unter anderem die aktuelle und gewünschte Landnutzung, die Bodeneignung, die Bewirtschaftungsstrukturen, die Parzellarstruktur und die Betriebseigenschaften integriert.
Eine zentrale Erkenntnis war, das – ausgehend von den aktuellen Bedingungen – die gewünschte Zukunft ohne spezifische, zielgerichtete Massnahmen nicht erreicht werden kann. Die Resultate zeigten klar auf, welche Parameter angepasst werden müssten, damit Gegenwart und gewünschte Zukunft mit einer kohärenten Entwicklung verknüpft werden können. Übertragen auf die Wauwiler Ebene bedeutet dies, dass die Vision nur erreicht wird, wenn die Verantwortlichen die Eignung verschiedener Flächen für die künftigen Nutzungen mit gezielten Massnahmen optimieren. Dies können bspw. Massnahmen aus dem Bereich der Bodenverbesserung und des Wasserhaushaltes sein, die auf den ehemaligen Moosböden für die standortgerechte Bewirtschaftung von elementarer Bedeutung sind.
Die Kombination von rechnergestützten Aussagen und der Diskussion mit den verschiedenen Akteurinnen und Akteuren ermöglichte es, Massnahmen zu identifizieren, die objektiv begründet waren und zugleich den Rückhalt bei den verantwortlichen Personen fanden.
Sven-Erik Rabe ist Raum- und Umweltplaner. Er ist Dozent an der Professur PLUS Planung von Landschaft und Urbanen Systemen der ETH Zürich und an der TU München sowie Gründer des ETH Spin-offs incolab. In seinem fachlicheren Schwerpunkt, der partizipativen und integrativen Raum- und Landschaftsentwicklung entwickelt und nutzt er einen Mix klassischer und agiler Methoden. Hierfür arbeitet er an der Erneuerung bestehender planerischer Instrumentarien und entwickelt modernisierte Prozesse für die Bewältigung räumlicher Probleme.
Enrico Celio ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent an der Professur PLUS Planung von Landschaft und Urbanen Systemen der ETH Zürich sowie Gründer des ETH Spin-offs incolab. Als Geograph und promovierter Raum- und Landschaftsplaner setzt er sich dafür ein, mit partizipativen Prozessen die Möglichkeiten der nachhaltigen Raumentwicklung auszuloten und umzusetzen. Er befasst sich mit Landnutzungsentscheidungen, partizipativer Modellierung und dem Monitoring und der Evaluation der Landschaftsentwicklung, um Planungsprozesse zu unterstützen. Er arbeitet zurzeit in Projekten in der Schweiz, Madagaskar und Myanmar.