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||Der Pisonibrunnen

Münsterplatz
Tramhaltestellen Barfüsserplatz & Kunstmuseum
Der Münsterplatz hat mit dem Pisonibrunnen ein herausragendes Beispiel der Brunnenbaukunst des 18. Jahrhunderts zu bieten. Sein Vorgänger entstand im Jahr 1266 mit dem Bau des bischöflichen Münsterbrunnwerks. Im 14. Jahrhundert befand sich auf dem Platz neben dem Münster eine Gerichtslinde, in deren Schatten ein Brunnen stand der dem heiligen Georg geweiht war. Er habe eine Wand gehabt, mit einem aufgemalten Bildnis St.Georgs.
Der Georgsbrunnen hatte sehr wahrscheinlich einen Holztrog und bekam 1382 einen Stock aus Stein, der mit einer Figurengruppe gekrönt war. Die Skulptur fiel 1503 vom Stock, als einige Gottesmänner und Studenten Unfug mit ihr trieben. Dabei ging nicht nur der St.Georg in Trümmer; auch einer der Vandalen brach sich den Hals. Als Ersatz für den alten Georgsbrunnen wurde 1504 von Bildhauer Hans Thurner der neue Georgsbrunnen geschaffen.
Der Georgsbrunnen von 1504 (hervorgehoben) mit der Heiligenskulptur auf seinem Brunnstock um 1764 | Stich von Michael Wachsmuth (nach Emanuel Büchel).
Der Ersatz der Georgsskulptur
Erneut krönte diesen eine Figurengruppe, wobei nicht sicher ist ob sie eine Kopie der alten war, oder eine Neuschöpfung. Jedenfalls zeigte die Skulptur einen St.Georg der über den Drachen hinwegschritt und ihn dabei erstach, während ein frommer Pilger betend für die Errettung vor dem Lindwurm dankte. Dank einer Zeichnung von Emanuel Büchel (1705-1775) ist die Gestalt der Skulptur überliefert. Der Brunnen erhielt 1535 einen rechteckigen Steintrog.
Als 1782 alle öffentlichen Brunnen inspiziert wurden, fand man den Georgsbrunnen verkommen vor. Trog und Stock waren undicht. Der Brunnen musste ersetzt werden. Das Bauamt unter Achilles Leissler (1723-1784) kam zum Schluss, dass das beste ein neuer Brunnen aus Solothurner Stein sei. Man geriet an den Steinbruchbesitzer Urs Joseph Würtz, der sich anerbot, den Brunnen gleich selber zu entwerfen. So begabt wie er tat war der Unternehmer nicht.
Der Entwurf des Brunnens stammte nämlich von Paolo Antonio Pisoni (1738-1804), der zusammen mit seinem Onkel Gaetano die St.Ursuskirche in Solothurn baute, wobei Onkel Pisoni und der Vater von Würtz derart in Streit gerieten, dass letzterer beinahe ersteren umgebracht hätte. Vielleicht wurde daher von Würtz Junior die massgebliche Mitarbeit Pisonis unterschlagen. Die Signatur "Pisoni, architecte inv." erscheint lediglich auf dem Original des Plans.
Der Brunnen vom Platz her gesehen. Links der niedrige Seitentrog von 1937. Ein Seitentrog des Originals von 1784 wurde auf den Friedhof am Hörnli gebracht.
Über den Hauenstein nach Basel gebracht
Das Bauamt, welches Pisonis Mitwirkung wenig würdigte, bemühte sich um Sparsamkeit. Von drei Entwürfen des Brunnens wählte das Amt den teuersten, handelte diesen aber auf den Preis des günstigsten herunter und erreichte erst noch, dass der Entwurf im Preis einbezogen wurde. Ungemach gab es noch mit dem Fuhrmann Jakob Thommen, der den Brunnen von Solothurn via Hauenstein nach Basel bringen sollte. Er war mit dem Honorar unzufrieden.
Als alle Hindernisse überwunden waren und der Brunnen im November 1784 fast fertig auf dem Münsterplatz stand, fehlten die bestellten Wasserrohre, weil die zuständigen Rotgiesser in Verzug waren. Nach Drängen des Bauamts war der Brunnen schliesslich nach Neujahr 1785 vollendet. Aus den Mündern zweier Uristiere fliesst über die Röhren dass Wasser in den Trog mit seinen zwei Sudeltröglein. Den Stock krönt eine florbehangene Säule mit Urne.
Im Jahr 1937 wurde der Brunnen durch eine Kopie von Carl Gutknecht (1878-1970) ersetzt. Bei der Neufertigung wurde einer der Nebentröge für durstige Hunde niedriger gestaltet, weshalb Pisonis Gestaltung aus dem Gleichgewicht kam. Vom 1937 entfernten Originalbrunnen überlebte nur ein Seitentrog, um auf dem Friedhof am Hörnli weitere Dienste zu leisten. Die letzte Sanierung des Pisonibrunnens wurde 2005 vorgenommen.
Rückseite des Brunnens wo am Stock das Jahr 1937 eingehauen ist, als die aktuelle Kopie entstand
Zusammenfassung
Der Pisonibrunnen am Münsterplatz geht auf das 1266 angelegte bischöfliche Münsterbrunnwerk zurück. Zunächst war er mit einem Bildnis der Heiligen Georg geschmückt. Dieser Georgsbrunnen bekam 1382 einen steinernen Stock mit einer Skulptur. Sie wurde 1504 durch eine neue Figurengruppe ersetzt, die St.Georg, den Drachen und einen Pilger darstellten. im 18. Jahrhundert musste der Brunnen ersetzt werden.
Nach einem Entwurf von Paolo Antonio Pisoni schuf Urs Joseph Würz einen Steinbrunnen der im November 1784 auf dem Münsterplatz aufgestellt werden konnte und im folgenden Frühjahr in Betrieb genommen wurde. Der heutige Pisonbrunnen ist eine 1937 entstandene Kopie von Carl Gutknecht. Allerdings wurde einer der beiden seitlichen Tröge niedriger gestaltet, um Hunden das Trinken daraus zu erleichtern.
Beitrag erstellt 04.07.06 / leicht überarbeitet 14.11.19
Quellen:
Arthur Burger, Brunnengeschichte der Stadt Basel, herausgegeben vom Verkehrsverein Basel, Basel, 1970, Seiten 12 bis 14 und 97 bis 100
Robert Balthasar Christ und Peter Heman, Zauber der Basler Brunnen, Birkhäuser Verlag, Basel, 1967, Beitrag 18
Brigitte Meles, "Der Münsterplatzbrunnen", publiziert in Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt, Band 7 (Altstadt Grossbasel I), herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern, 2006, ISBN 3-906131-84-X, Seite 34
Karl Stehlin, Der Münsterplatzbrunnen, publiziert im Basler Jahrbuch 1892, herausgegeben von Albert Burckhardt und Rudolf Wackernagel, R.Reich vormals C.Detloffs Buchhandlung, Basel, 1892, Seiten 95 bis 110