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|Noch vor der zu erwartenden Vernehmlassung zum Fortpflanzungsmedizingesetz und der damit verbundenen Änderung von Artikel 119 BV ist die SAMW bereits aktiv geworden und hat ein „Fact Sheet“, ein Faktenblatt publiziert, das am 16.März 2011 auch der Parlamentarische Gruppe „Gesundheit“ vorgestellt worden ist. Auf diesem Papier werden so genannte Fakten und Argumente ausschliesslich zu Gunsten der In-vitro-Fertilisierung (IVF) und Präimplantationsdiagnostik (PID) zusammengestellt.

Dabei sollen überzählige Embryonen zu weiteren Behandlungen eingefroren, bei Nichtverwendung vernichtet oder der Stammzellforschung zur Verfügung gestellt werden können. Es wird auch gefordert, die Eizellspende analog der Samenspende zuzulassen. HLI-Schweiz lehnt solche ethisch fragwürdige Liberalisierungen des Fortpflanzungsmedizingesetzes, die zu zunehmenden Verschleiss menschlichen Lebens führen ab. HLI wird sich noch eingehender zum Thema äussern und die Akademie mit den erheblichen Mängeln dieses Faktenblattes konfrontieren.
|Bereits eine erste Prüfung der SAMW-Unterlagen zeigt, dass die Informationen einseitig gewichtet wurden. Zudem sind einzelne Formulierungen mit offensichtlichen Fehlern behaftet und schon von daher wenig geeignet, Vertrauen zu erwecken.

Auf dem Faktenblatt wird unter anderem die IVF als etablierter medizinischer Standard mit guten Schwangerschaftsraten bei gleichzeitig niedriger Komplikationsrate dargestellt. Die Schwangerschaftsrate für das Jahr 2009 betrug 35,8%. Entscheidend für die Erfolgsbeurteilung ist jedoch die Anzahl der Geburten (sogenannte Baby-take-home-Rate). Ein erster Blick auf die Statistik der medizinisch unterstützten Fortpflanzung für das Jahr 2009 der Schweiz zeigt uns, dass von 10’400 Behandlungszyklen1 lediglich 1628 Entbindungen resultierten, entsprechend einer generellen Erfolgsquote zwischen 15 und 16%. Oder anders ausgedrückt, konnte nur jedem 4. Paar der Kinderwunsch erfüllt werden. Nach den Angaben des BFS berechnet ist, die Erfolgschance für eine Geburt nur noch 3,8%, wenn vom Aufwand für jede in vitro befruchteten Eizelle ausgegangen wird. Es sei an dieser Stelle auch auf eine frühere Stellungnahme zum Thema verwiesen.
Die entsprechende Rate für das Jahr 2006 bewegte sich in einer vergleichbaren Grössenordnung. Damit ist der enorme Aufwand, der mit den IVF-Techniken betrieben werden muss, offensichtlich. Als Fazit ergibt sich: Bescheidene Wirksamkeit bei grossem Aufwand, oder die Fortpflanzung mit der Brechstange.
Zu den Komplikationen sei festgestellt, dass 2009 23% aller Schwangerschaften nach IVF mit einem Abort endeten, und weitere 4% der Ungeborenen mussten wegen Komplikationen abgetrieben werden. Insgesamt resultierten über 2000 überzählige Embryonen, welche mit Ausnahme von 7 – sie wurden der Forschung zur Verfügung gestellt, allesamt vernichtet worden sind. Mit dieser Abtötung und Verzweckung von ungeborenem Leben wird ein hoher Preis für den so genannten Erfolg der IVF bezahlt. Von Bedeutung ist zudem die erhebliche Belastung der behandelten Frauen durch die hormonellen Stimulationen, die in bis zu 4% auch lebensgefährliche Störungen mit Wasseransammlung im Bauch, Atemnot und Nierenversagen beinhalten können.
Wenn die SAMW im weiteren die PID bei „klarer medizinischer Indikation“ empfiehlt, und lediglich auf den psychischen Druck von erblich belasteten Paaren fokussiert, so verkennt sie, dass diese Auswahl immer zwischen lebenswert und lebensunwert unterscheiden muss. Zudem ist die PID in der Regel durch eine Pränataldiagnostik zu überprüfen, so dass auch diese Elternschaft auf Probe wiederum zu einer Abtreibung führen kann. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen zudem, dass die PID die Geburtenraten negativ beeinflusst. Abgesehen davon dürfte, bedingt durch die technischen Anforderungen der PID, die Anzahl überzähliger Embryonen weiter zunehmen.
Nun soll nach Ansicht der SAMW analog zur Samenspende auch die Eizellspende erlaubt werden. Die rein pragmatisch-praktische Sichtweise verkennt wiederum das Wohl des Kindes. Hier wird nur nach dem Wünschen potenzieller Eltern gefragt. Dass Kinder von Samen- und Eizellspenden dann drei Eltern haben werden, wird nicht näher in Betracht gezogen. Dass diese Kinder später daran interessiert sein könnten, ihre genetischen Eltern zu kennen, gerät vollständig aus dem Blick.
Mit der SAMW ist zuzustimmen, dass Missbräuche im Gebiet der Fortpflanzungsmedizin nicht toleriert werden sollten. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass Missbräuche mit ungeborenem Leben bereits gang und gäbe sind.
1) Ein Behandlungszyklus umfasst das Vorgehen von der hormonellen Stimulation der Eierstöcke, über die Entnahme der Eizellen, der Befruchtung in vitro, der Implantation der Embryonen in die Gebärmutter bis zum Schwangerschaftstest.
|Quelle/Links:

Factsheet der SAMW