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Der Schein trügt: Trotz Astronautenanzug befindet sich Elizabeth Wolfe nicht auf einem fremden Planeten, sondern in der Wüste von Utah, USA. Hier ist die Beschaffenheit der Erdoberfläche der des Roten Planeten verblüffend ähnlich. Das ist auch der Grund, weshalb die Geologin hier zusammen mit anderen Mitgliedern der Mars Society eine «Marsstation» besucht. Jeder Einzelne von ihnen würde nämlich lieber heute als morgen auf den Mars fliegen, um dort zu leben und zu forschen, wie sie im aktuellen Film, «The Marsdreamers», von Richard Dindo, 65, verraten.
Als der Zürcher vor einigen Jahren den amerikanischen Präsidenten der Mars Society im Fernsehen sah, kam er auf die Idee zum Mars-Film. «Ich mag Leute, die einen Traum haben. Der Mars ist ein notwendiger Traum, denn nur auf einem anderen Planeten können wir erfahren, woher das Leben kommt.» Und so begab sich Dindo in die USA, in das Land, dass ihn visuell schon immer fasziniert hat. Zum einen wegen der Landschaft, zum anderen wegen der amerikanischen Filme aus den 40er- und 50er-Jahren, die ihn massgeblich prägten.
Richard Dindo stammt aus einer italienischen Arbeiterfamilie, er selbst wurde in der Schweiz geboren. Mit 22 wanderte der junge Dindo nach Paris aus. Er wollte dort nichts anderes tun als Kinofilme schauen. Die berühmte Cinémathèque (Institut zur Erhaltung der Filme) wurde zu seiner Universität, die Filme wurden seine Lehrer. «In Paris heiratete ich und bin einige Zeit am Rockzipfel meiner Frau gehangen, die mich unterstützte, bis ich vier Jahre später meinen ersten Film drehte.»
Inzwischen kann Dindo, der zu den wichtigsten Schweizer Dokumentarfilmern zählt, auf 27 Filme zurückblicken. Doch der Zürcher schaut lieber nach vorne. Um sein Lebenswerk zu vervollständigen, möchte er noch mindestens 10 bis 15 Filme drehen.
«Der Kulturschaffende ist da, um ein Werk zu hinterlassen. Die Aufgabe der Kultur ist, Schönheit und Erinnerungen zu schaffen.» Dies habe er vor 50 Jahren in einem Bagdader Museum begriffen, als er die wunderbaren Schöpfungen der Sumerer entdeckte.
Den zwischen Zürich und Paris pendelnden Autodidakten ärgert es, wenn seine Filme aufs Politische reduziert werden. Sicher, seine Werke sind engagiert, wie «Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S.», 1974, oder «Grüningers Fall», 1998. Doch für Dindo ist die Erinnerungsarbeit und die Poesie in seinen Filmen wichtiger als die Politik, obwohl er sich immer noch als 68er verstehe und sich mit «den Unterdrückten und den Ausgestossenen» solidarisch fühle.
Mindestens zehn Projekte trägt der passionierte Filmemacher mit sich: «In meinen Arbeiten wird sehr viel gesprochen. Jetzt möchte ich mein Territorium als Filmemacher durch die Musik erweitern.» Er bereitet zurzeit zwei Dokfilme über eine Musikschule in Prag und über Vivaldi in Venedig vor. Bei der Finanzierung beginne jeweils das grosse Zittern. Auch bei einem Richard Dindo. «Ich bin moralisch etwas müde. Trotz all meinen Filmen hat man nie die Gewissheit, dass man weitermachen kann.»
Der Film: «The Marsdreamers»
In «The Marsdreamers» begleitet Richard Dindo Mitglieder der Mars Society in der Wüste von Utah, USA, wo sie eine «Raumstation» aufgebaut haben, um dort das Leben auf dem Mars zu simulieren. Es sind keine Spinner, sondern Geologen, Physik- und Astronomieprofessoren, Ärzte, Informatiker, Schriftsteller – getrieben vom uralten Drang der Menschheit, neue Welten zu entdecken. Und von der Gewissheit, dass die Erde irgendwann überbesiedelt sein wird.
Die wunderschönen Bilder des Roten Planeten stammen von der Nasa und der Esa und sind noch nie in so grosser Zahl gezeigt worden. Mit «The Marsdreamers» hat Dindo einen intelligenten und poetischen Film zum Thema Klimawandel geschaffen, der zum Nachdenken anregt.
THE MARSDREAMERS (CH/F) Regie: Richard Dindo, Länge: 83 Min., Darst.: Mars-Society-Mitglieder. Start 11. 2.