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Baden oder Rauchen?
Sensler wegen Hanf-Verkaufs verurteilt
Das Strafgericht Saane hat am Freitag zwei Männer aus dem Sensebezirk zu 13 Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie einen Hanfladen betrieben hatten. Vier Verkäufer des Ladens erhielten Strafen zwischen 20 Tagen und zwei Monaten.
Von CAROLE SCHNEUWLY
Was früher Duftsäcklein und Hanfkissen waren, sind heute Badezusätze: Badezusätze aus Hanf, von denen kaum jemand annehmen kann, dass sie nicht gelegentlich missbraucht – sprich geraucht – werden. Diese Meinung vertrat zumindest Gerichtspräsident Peter Rentsch in seiner Urteilsbegründung: Man solle das Gericht doch nicht für dumm verkaufen.
Etwas anders sah dies André Clerc, der Verteidiger der beiden Hauptangeklagten L. und R.: In Hanfprozessen heuchelten nicht nur die Angeklagten, sondern auch die Juristen. Simpelste Rechtsgrundsätze würden in diesen Prozessen verletzt: von der Unschuldsvermutung über Gewaltentrennung und Beweislast bis hin zum Legalitätsprinzip.
Geschäftsführer und Verkäufer
Die sechs Angeklagten, alles Männer aus dem Sensebezirk im Alter zwischen 25 und 30 Jahren, waren der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz beschuldigt: L. und R. als Gründer und Geschäftsführer eines Hanfladens im Freiburger Beauregard, B., P., N. und S. als Verkäufer im gleichen Laden.
Vieren der sechs Männer wurde ausserdem der Konsum verschiedener Betäubungsmittel zur Last gelegt; im Fall von R. handelte es sich unter anderem auch um harte Drogen. Diese Konsumdelikte sind allerdings zum grössten Teil verjährt.
Mit Ausnahme von R. sagten alle Betroffenen aus, sie würden heute nichts mehr konsumieren; R. sagte, er rauche nur noch «ab und zu an einem Fest einen Joint».
Den fraglichen Hanfladen hatten L. und R. im November 2001 gegründet. Im Juli 2002 wurde er bereits wieder geschlossen, nachdem die Polizei bei einer Razzia 1,8 Kilogramm getrockneten Hanf, 16 Flaschen Hanflikör, Zigarettenpapier, Zigarettenfilter, Hanfmühlen sowie diverse Geschäftsunterlagen beschlagnahmt hatte. Eine Analyse der Hanfprodukte ergab mit Ausnahme von zwei Proben einen THC-Gehalt von zwischen 7 und 28 Prozent (der Grenzwert für Industriehanf liegt gemäss ständiger Rechtssprechung bei 0,3 Prozent).
Einsichtig und reuig
Alle sechs Beklagten gaben zu, zumindest geahnt zu haben, dass der von ihnen verkaufte Hanf wohl nicht nur zum Baden gebraucht worden sei. Gleichzeitig zeigten sie sich einsichtig und reuig und betonten, sie würden die gleichen Fehler nicht noch einmal machen.
Missbrauch in Kauf genommen
Für Alessia Chocomeli, Substitutin der Staatsanwaltschaft, war klar: Alle sechs Männer haben gegen das Betäubungsmittelgesetz verstossen und zumindest in Kauf genommen, dass ihr Hanf für Drogenzwecke missbraucht wurde. Chocomeli forderte für L. und R. 14 respektive 15 Monate Gefängnis sowie eine gemeinsame Ersatzzahlung in Höhe von 30 000 Franken, unter Anrechnung der beschlagnahmten 26 700 Franken aus dem Laden.
Für die vier Verkäufer hielt sie Strafen zwischen einem und drei Monaten für angemessen. Verteidiger André Clerc forderte für seine beiden Mandanten L. und R. die Mindeststrafe von zwölf Monaten.
Das Gericht folgte in seiner Beurteilung im Wesentlichen der Argumentation der Staatsanwaltschaft, blieb in der Zumessung der Gefängnisstrafen aber leicht unter deren Forderungen: je 13 Monate für L. und R. sowie zwischen 20 Tagen und zwei Monaten für B., P., N., und S. Alle Strafen wurden auf zwei Jahre bedingt ausgesprochen. L. und R. haben ausserdem die von Chocomeli geforderten 30 000 Franken zu bezahlen.