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von Lea Mörsdorf
Gute Beziehungen zu anderen Menschen sind essentiell für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit. Jedoch unterschätzen wir manchmal, wie glücklich es uns machen kann, soziale Handlungen auszuführen. Eine solche egozentrische Verzerrung könnte ebenfalls dazu führen, dass wir den Nutzen unserer sozialer Handlungen für andere unterschätzen. Durch dieses Unterschätzen kann es sein, dass wir uns weniger sozial verhalten. Diese Vermutung wollten die Forscher Amit Kumar und Nicholas Epley am Beispiel des Ausdrückens von Dankbarkeit untersuchen.
Die Forscher vermuteten, dass Personen den positiven Effekt unterschätzen, den das Ausdrücken von Dankbarkeit auf den Empfänger hat. Ein Grund dafür könnte sein, dass der Sender eine andere Perspektive als der Empfänger hat: Für den Sender ist ganz offensichtlich, dass er dankbar ist und er geht davon aus, dass der Empfänger dies auch wahrnimmt. Daher hält er es nicht für nötig, seine Dankbarkeit explizit auszudrücken. Zudem bewerten Menschen ihre eigenen Handlungen häufig in Bezug auf ihre Kompetenz, während Beobachter die Handlung hinsichtlich der sozialen Wärme bewerten. Daher könnten Sender sich grosse Gedanken darüber machen, wie genau sie ihre Dankbarkeit ausdrücken, während für den Empfänger vor allem die gute Absicht im Vordergrund steht. Zusammengefasst würde dies dazu führen, dass Sender unterschätzen wie überrascht und positiv sich der Empfänger nach Ausdruck der Dankbarkeit fühlt und überschätzen wie peinlich berührt er sich fühlt.
Zur Überprüfung dieser Vermutungen führten die Forscher insgesamt fünf Studien durch, bei denen die Teilnehmenden teilweise in einem Brief ihre Dankbarkeit an eine Person ihrer Wahl ausdrückten. Die Teilnehmenden beantworteten zunächst einige Fragen zu ihrer Stimmung und wurden anschliessend gebeten, einen Brief an eine für ihr Leben bedeutungsvolle Person zu verfassen. In diesem Brief sollten sie erklären, warum sie dieser Person dankbar waren, was diese Person für sie getan hatte und wie es ihr Leben beeinflusste. Nach Absenden des Briefes wurden die Teilnehmenden gefragt, wie sie das Verfassen des Briefes erlebt hatten und sollten einschätzen, wie sich der Empfänger fühlen würde. Zudem wurden die Empfänger kontaktiert und nach ihren Gefühlen bei Erhalt des Briefes gefragt. Es zeigte sich, dass die Sender sich nach Absenden des Briefes deutlich positiver fühlten als zuvor und dass sie die Überraschung und Freude des Empfängers unterschätzten. Gleichzeitig überschätzten die Sender, wie peinlich berührt sich die Empfänger fühlen würden.
In zwei der Studien wurden die Teilnehmenden gebeten, an mehrere Personen zu denken, denen sie dankbar waren, und anzugeben, wie diese Personen sich bei Erhalt eines Dankbarkeitsbriefes fühlen würden. Zudem gaben die Teilnehmenden an, wie wahrscheinlich es für sie wäre, den jeweiligen Personen tatsächlich einen solchen Brief zu senden und wie oft sie solche Briefe insgesamt senden (von „viel seltener als ich gerne würde“ bis „viel öfter als ich gerne würde“). Die Teilnehmenden schätzten es als wahrscheinlicher ein einen Dankbarkeitsbrief zu verfassen, wenn sie vermuteten, dass der Empfänger sich positiv und nicht peinlich berührt fühlen würde. Für die Einschätzung, wie überrascht der Empfänger sein würde, zeigte sich kein solcher Zusammenhang. Zudem gaben die Teilnehmenden an, dass sie seltener Dankbarkeitsbriefe verfassen, als sie gerne würden.
In der letzten Studie sollten die Sender zusätzlich zu den Fragen aus den ersten beiden Studien angeben, wie warm und kompetent die Empfänger den Brief einschätzen würden. Die Empfänger gaben nach Erhalt des Briefes dann ihre Einschätzung zur Wärme und Kompetenz ab. Insgesamt unterschätzten Sender wie kompetent und warm sie von Empfängern wahrgenommen werden würden und unterschätzten gleichzeitig, wie positiv sich der Empfänger fühlen würde.
Zusammengenommen zeigen diese Studien, dass Personen den positiven Effekt unterschätzen, den der Ausdruck von Dankbarkeit mit sich bringt, und dass sie seltener Dankbarkeit ausdrücken als sie gerne würden. Ein mögliches Hindernis beim Ausdruck von Dankbarkeit könnte eine verzerrte Einschätzung darüber sein, wie kompetent und warm man vom Empfänger wahrgenommen wird. Anders als von vielen erwartet, hat der Ausdruck von Dankbarkeit viele positive Konsequenzen, sowohl für den Sender als auch den Empfänger der Dankbarkeit.
Literaturangaben:
Kumar, A., & Epley, N. (2018). Undervaluing gratitude: Expressers misunderstand the consequences of showing appreciation. Psychological Science, https://doi.org/10.1177/0956797618772506
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