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Wildtierkrankheiten machen auch vor abgelegenen Inseln nicht halt. Das gilt insbesondere für Krankheiten, die Seevögel befallen. Viele von ihnen transportieren Krankheitserreger über große Distanzen von einer Region zur anderen. Die Falklandinseln im Südatlantik mit ihren zahlreichen Kolonien von Seevögeln und Pinguinen sind davon nicht ausgenommen. Aktuell gibt es einen Ausbruch von Vogelpocken in einer Eselspinguinkolonie an der Ostküste, wie der Veterinärdienst des Landwirtschaftsamtes der Falklandinseln letzte Woche bekannt gab, und es wurden entsprechende Maßnahmen getroffen, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern.
Vogelpocken sind laut Falklands Conservation die am häufigsten gemeldete Krankheit, die bei Seevögeln auf den Falklandinseln beobachtet wird. Erreger der Krankheit sind Stämme des Avipoxvirus, die sowohl Wild- als auch Hausvögel befallen können. Auf den Falklandinseln gibt es vor allem unter Eselspinguinen immer wieder Ausbrüche.
«Die Vogelpocken sind auf den Falklandinseln endemisch, und Ausbrüche in einer bestimmten Kolonie oder in benachbarten Kolonien in einem kleinen geografischen Gebiet sind von Zeit zu Zeit alle paar Jahre zu erwarten. Es handelt sich um ein natürliches Ereignis», sagt Grant Munro, Gebietsverantwortlicher bei Falklands Conservation, gegenüber PolarJournal.
Munro erklärt weiter, dass eine unbestimmte Zahl erwachsener Pinguine bereits dem Virus ausgesetzt war und daher eine gewisse Immunität besteht. Das Virus breitet sich deshalb insbesondere unter den Küken des laufenden Jahres aus, die noch nicht mit dem Virus in Berührung gekommen und wegen des recht engen Kontakts untereinander einer hohen Viruslast ausgesetzt sind. Zudem kann es auch zu sekundären Infektionen der Läsionen durch Bakterien kommen, was die Küken weiter schwächt und in der Regel zum Tod führt.
Insgesamt scheinen vor allem ältere Küken betroffen zu sein. Amandine Gamble, Wissenschaftlerin für Wildtierkrankheiten an der School of Biodiversity, One Health and Veterinary Medicine der University of Glasgow und im Department of Public and Ecosystem Health der Cornell University, USA, fügt hinzu, dass neben den erwachsenen Vögeln auch junge Küken durch mütterliche Antikörper immun sein könnten.
Noch ist nicht bekannt, wieviele der erwachsenen Eselspinguine Antikörper gegen das Avipoxvirus tragen. Eine solche Untersuchung wäre nicht einfach durchzuführen, da für die Antikörperbestimmung Blutproben nötig sind, wie Gamble erklärt, die zur Zeit als Gastwissenschaftlerin auf den Falklandinseln forscht. Generell ist sehr wenig über Wildtierkrankheiten auf den Falklandinseln bekannt, weshalb Amandine Gamble ihre Forschung dort begonnen hat.
Der aktuelle Ausbruch beschränkt sich Munro zufolge weitestgehend auf die diesjährigen Küken, sodass der Bruterfolg der betroffenen Kolonie wahrscheinlich gering sein wird, was aber keine Auswirkungen auf die Gesamtpopulation der langlebigen Pinguine haben dürfte. Da erwachsene Tiere kaum betroffen sind, werden sie einfach im nächsten Jahr wieder brüten, so Gamble. Sollten die Ausbrüche allerdings häufiger auftreten oder etwa Auswirkungen des Klimawandels die Tiere zusätzlich schwächen, könnte dies durchaus die Populationsdynamik der Pinguine beeinträchtigen.
«Es ist nicht ungewöhnlich, dass Küken spät in der Saison ausfallen, und in einem geschwächten Zustand sind Vogelpocken ein weiterer Stressfaktor – vor allem, wenn es zu einer bakteriellen Sekundärinfektion der Läsionen kommt», sagt Munro. «Bei gesunden erwachsenen Vögeln ist die Sterblichkeitsrate wahrscheinlich gering (genaue Zahlen liegen uns nicht vor, und es ist schwer zu sagen, was mit einzelnen Vögeln oder Vögeln auf See geschieht), und sie haben die Möglichkeit, die Brut aufzugeben, sodass die Sterblichkeit bei den Küken höher ist. Küken, die überleben, behalten jedoch ein gewisses Maß an natürlicher Immunität.»
Was die periodischen Ausbrüche der Vogelpocken auslöst, ist noch nicht geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass das Virus von Insekten wie Stechmücken oder Flöhen übertragen wird und es scheint, als könnten Ausbrüche von bestimmten klimatischen Ereignissen begünstigt werden. Auf den Falklandinseln könnten vor allem Flöhe in den Pinguinkolonien für die Verbreitung von Vogel zu Vogel verantwortlich sein, wie Gamble erklärt.
«Warum eine bestimmte Kolonie in einem bestimmten Jahr betroffen ist, bleibt ein Rätsel. Dies möchte ich in Zusammenarbeit mit der örtlichen Gemeinschaft – den Inselbesitzern, den Naturschutzbeauftragten, den Tierärzten usw. – untersuchen, die die Ausbrüche ‘vor Ort‘ beobachten», sagt Gamble. «Die Idee wäre, eine Datenbank der Vogelpockenausbrüche zu erstellen, die nach einigen Jahren der Datenerfassung genutzt werden könnte, um die mit dem Auftreten des Virus verbundenen Umweltfaktoren zu untersuchen. Sind Ausbrüche mit bestimmten klimatischen Bedingungen verbunden? Mit der Anwesenheit anderer Arten? Mit der Anwesenheit von Menschen? Etc…»
Momentan ist der Ausbruch auf diese eine Kolonie beschränkt und sowohl die Behörden als auch Falklands Conservation haben Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die Wahrscheinlichkeit der Übertragung auf andere Kolonien zu minimieren. So ist der Besuch der betroffenen Kolonie Munro zufolge derzeit nicht gestattet, da die Viren mit Schuhen, mit der Kleidung, mit Wanderstöcken oder Stativen weitertransportiert werden können. Falklands Conservation, die Umwelt- und die Veterinärbehörde fordern daher die gründliche Reinigung von Stiefeln, Kleidung und Ausrüstung zwischen den einzelnen Standorten. Darüberhinaus sind an allen Flugplätzen des Falkland Islands Government Air Service (FIGAS) desinfizierende Schuhbäder aufgestellt worden ebenso wie an den wichtigsten touristischen Orten.
Andere Pinguin- und Seevogelarten wie Felsenpinguine oder Schwarzbrauen-Albatrosse können ebenfalls von Vogelpocken befallen werden, sind in diesem Jahr aber noch nicht betroffen. Für diese Arten kann ein Ausbruch schwerwiegendere Folgen haben als für die Eselspinguine, da insbesondere der Bruterfolg der Felsenpinguine generell geringer ist und sie schon jetzt mit den Auswirkungen des Klimawandels zu kämpfen haben.
Julia Hager, PolarJournal