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In den Bergen verflogen
Der Pilot der RU+OZ hatte sich auf einem Überführungsflug verflogen und musste in Samedan notlanden. Am 03.12.1945 als J-713 in die Fliegertruppen übernommen und am 29.05.1946 am Pizzo di Rodi (CH) abgestürzt.
Am Morgen des 29. März 1944 erhielt der im Flugzeugüberführungs-Geschwader 1, dem sogenannten 2. (Süd) Fl.Ue.G.1 eingeteilte Pilot Oberfähnrich L. Hirtes den Auftrag, ein fabrikneues Jagdflugzeug Messerschmitt Bf 109G-6 mit der Kennung RU+OZ von Erding über Vicenza nach Osoppo zu überfliegen. Wie viele seiner Kameraden war der erst Zwanzigjährige dem 2.(Süd) Fl.Ue.G. 1 zugeteilt, um Flugerfahrung sammeln zu können, bevor eine Einteilung bei den Frontstaffeln erfolgte. Lothar Hirtes startete zusammen mit einem Kameraden, der den gleichen Befehl erhalten hatte. Die Sicht war schlecht und die Wolkendecke lag nur etwa 200 m über Grund. Gleich nach dem Start verlor er seinen Kameraden aus den Augen. Er durfte mit ihm keinen Kontakt aufnehmen, da strengstes Funkverbot angeordnet war. Er versuchte die zweite Maschine zu finden, musste die Erfolglosigkeit seines Vorhabens jedoch bald einsehen und flog daher nach Kompass allein Richtung Innsbruck weiter. Er fand sich aufgrund seiner geringen Flugerfahrung in den Bergen nicht zurecht und übersah darum die Abzweigung zum Brenner. In der Folge flog er den Inn entlang talaufwärts. Durch die Suche nach seinem Kameraden und den Flugweg hatte er viel Zeit verloren, und als die Benzin-Reststand-Warnlampe aufleuchtete, entschloss er sich, auf dem nächsten Flugplatz zu landen.
Das Wetter besserte sich zusehends und ohne dass er es bemerkt hatte, war er in die Schweiz eingeflogen. Bei Zuoz begegnete er einem schweizerischen Schleppflugzeug, ohne dieses jedoch zu sehen. In Samedan erkannte er aus der Luft die Hoheitszeichen unserer Flugzeuge nicht, drehte eine Platzrunde und setzte seine brandneue Maschine um 11.08 Uhr auf der Piste auf. Bis zum Ausrollen nach der Landung wähnte er sich in Italien, erkannte dann aber die Schweizer Kennzeichen. Ein erneuter Start wäre infolge des Treibstoffmangels sinnlos gewesen. Der Pilot wurde, wie viele Besatzungen vor und nach ihm, interniert, die Maschine demontiert und mit der Bahn nach Dübendorf transportiert, wo sie durch Spezialisten der Schweizer Fliegertruppe eingehend untersucht wurde, um Vergleiche mit unseren schwächeren Bf 109E anstellen zu können. Die Bf 109G-6 mit ihrem DB-605-Motor von 1350 PS wurde damals von ausländischen Experten hochgepriesen, waren doch unsere Bf 109E nur mit einem DB-601-Motor von 1050 PS ausgerüstet.
Die Fliegertruppen beschlossen, die in Samedan gelandete Maschine in die Flotte zu integrieren und mit dem Kennzeichen J-713 zu versehen. Der „713“ war jedoch nur ein kurzes Leben beschieden, denn die zwölf neu gelieferten Flugzeuge waren qualitativ derart schlecht, dass es Störungen hagelte und man zur Flugbereitschaft auf Teile der „713“ und anderer, später in der Schweiz gelandeter Messerschmitt-Jäger angewiesen war. Der Erstflug als J-713 konnte erst nach dem Kriegsende, am 3. Dezember 1945 erfolgen. Am 29. Mai 1946 blieb die J-713 nach einem Trainingsflug von Emmen nach Locarno verschollen. Grossangelegte Suchaktionen blieben erfolglos. Erst sieben Jahre später, am 5. September 1953, fanden Bergsteiger am Pizzo di Rodi (TI) Überreste eines Flugzeuges, das aufgrund der aufgefundenen Trümmer als J-713 identifiziert werden konnte.
|Ereignissdatum||29.3.1944|
|Ereignisszeit||11.10|
|Ort||Samedan|
|Kanton||GR|
|Ereignis||Landung|
|Nation||Deutschland|
|Flugzeugart||Jäger|
|Flugzeugtyp||Messerschmitt Bf 109|
|Flugzeugbezeichnung||Messerschmitt BF 109 G-6|
|Einteilung||Flugzeugüberführungs-Geschwader 1|
|Basis||Erding (D)|
|Auftrag||Überführungsflug|
|Einsatzziel||Osoppo (I)|
|Rückkehr||1945 Übernahme durch die Schweiz - am 29.05.1946 abgestürzt|
|Werknummer||162 704|
|Kennzeichen||RU+OZ|
|CH Archiv Nr.||D033|
|Besatzung||Pilot: Lothar Hirtes, Oberfähnrich|
|Quelle||Fremde Flugzeuge in der Schweiz|
|Autor||Theo Wilhelm|