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Mikroskopische Keime blühen in den Dachstühlen der Hütten, die während des heroischen Zeitalters der Polarforschung errichtet wurden. Die globale Erwärmung beschleunigt ihre Aktivitäten, was das kulturelle Erbe ihrer Regionen gefährdet.
Umgeben von Schnee, Fels und Eis zerbröckeln alte Polarlabore. Viele Gebäude und Kulturgüter, wie Trapperhütten oder die Überreste von Walfangschiffen, werden von Pilzen befallen. Sowohl in der Arktis wie auch in der Antarktis befallen sie das Holz dieser Strukturen und die globale Erwärmung beschleunigt das Austreiben dieser Schimmelpilze. Anne-Cathrine Flyen und Alma Elizabeth Thuestad vom norwegischen Forschungsinstitut für kulturelles Erbe erklären dies in einer Studie, in dem sie den aktuellen Stand der Dinge darlegen. „Die große Mehrheit der polaren historischen Denkmäler wurde bereits von diesen Fermenten angegriffen“, erklärt Anne-Cathrine Flyen.
In den 2000er Jahren löste sich die Vorstellung, dass Kälte Holzgebäude vor Keimen bewahrt, allmählich auf. 2011 entdeckt Anne-Cathrine Flyen Spuren von Pilzen in Bauwerken nördlich von Spitzbergen. Auch an der Basis von Masten der alten Transportbahn von Longyearbyen spalten braune Flecken die Holzfaser. Früher transportierten seine Waggons Kohle. Neun Jahre später entdecken andere Wissenschaftler, dass Strukture in Grönland und der kanadischen Arktis, die Teil des kulturellen Erbes sind, durch Bakterien geschwächt werden. 2017 enthüllen Wissenschaftler das Vorhandensein von Pilzen in den Überresten der Walfangstation auf der Insel Deception. Es besteht kein Zweifel mehr daran, dass die Fachleute für die Erhaltung des polaren Erbes vor einer großen Herausforderung stehen.
Von den 250 Insektenarten, die auf Spitzbergen inventarisiert sind, knabbert keine einzige am Erbe. Dasselbe Bild in den anderen Regionen. Die Bedrohung kommt aus dem unendlich Kleinen. Holz dient als Substrat für Pilze. Ihre Hyphen schlüpfen zwischen die Zellen von totem Holz und schneiden dann in die Ligninwände und die Zellulose ein. Nach und nach zerstören sie so seine Festigkeit. Braunfäule zerbricht das Holz in Würfel, während Weißfäule das Holz in einen Schwamm verwandelt. Auch Bakterien arbeiten daran, dass architektonische Stücke verschwinden. Im Winter fällt diese stille Welt in einen Schlaf, und die Hitze des Sommers weckt dann ihren Appetit.
In der Antarktis besitzen 30 der 95 historischen Stätten Holzstrukturen. Die ersten stammen aus dem Jahr 1820 und wurden im Süden der Shetlandinseln errichtet. Die Autorinnen schreiben, dass die Zeit, in der Walfangstationen und mit Messinstrumenten ausgestattete Gebäude entstanden, dem heroischen Zeitalter der Erforschung entspricht, das zwischen 1897 und 1922 liegt. Die Epoche der Suche nach dem magnetischen Südpol ist ein Beispiel aus dieser Zeit. Auf Spitzbergen sind mehr als 2’000 Stellen betroffen, die Überreste der russischen (1700-1850) und ab 1800 der norwegischen Aktivitäten sind. Die indigenen Erbstätten in der Arktis sind ebenfalls bedroht, aber Holz ist dort weniger verbreitet.
„Farbe ist keine Lösung, sie schließt den Schimmel in das Holz ein, das weiterarbeitet. Und es gibt keine Methode, die das kulturelle Erbe für immer retten kann. Früher oder später werden diese Gebäude schließlich aus der Landschaft verschwinden. In der Zwischenzeit könnten ein paar Instandhaltungsarbeiten ihren Verschleiß verlangsamen. Aber in diesen Teilen der Welt sind sie extrem teuer. “ stellt Anne-Cathrine Flyen fest.
Für die Forscherin ist es wichtig, dass jeder Staat seine eigene Erhaltungsstrategie entwickelt und dass jeder Staat die Denkmäler, die er erhalten möchte, nach ihrer Wichtigkeit ordnet. Wenn die Reparaturarbeiten zu kostspielig sind, kann man immer noch eine Replik anfertigen. In diesem Fall geht jedoch ein Teil der Informationen, die das Denkmal bis dahin transportiert hat, für immer verloren.
Camille Lin, PolarJournal
Link zur Studie : Anne-Cathrine Flyen und Alma Elizabeth Thuestad, Conservation and Management of Archaeological Sites, 2023, A Review of Fungal Decay in Historic Wooden Structures in Polar Regions, https://doi.org/10.1080/13505033.2022.2156145
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