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Endlich hatten wir wieder grünes Licht bekommen, um gemeinsam zu proben. Nach knapp einem Jahr ohne gemeinsames Musizieren war jeder wieder hochmotiviert, sein Instrument an die Probe zu tragen. Die aktuellen Corona-Massnahmen erlaubten es zwar nicht mit der ganzen Brass Band zu proben, immerhin war aber Probenarbeit in den einzelnen Registern möglich.
Die Aufgabe von unserem Dirigenten war, dass sich jedes Register mit ‚La Passiun‘, dem Aufgabestück vom Schweizerischen Brass Band Wettbewerb 2021, beschäftigt. Wir haben uns im Euphonium/Bariton-Register dazu entschieden, dass Euphonium und Bariton jeweils in der ersten Stunde der Probe getrennt üben. In dieser Zeit kann alles, was technisch anspruchsvoll ist, gemeinsam geprobt und evtl. aufgeteilt werden. In der zweiten Stunde der Probe haben wir uns wieder zusammengeschlossen und «teambuilding» betrieben.
Mit einfachen Quartett-Stücken übten wir in einem lockeren Rahmen unser Zusammenspiel, was nach einer so langen Pause definitiv nicht mehr dort war, wo es einmal gewesen ist. An der zweiten Probe kam dann die Idee, dass wir den ‚Wellerman‘ spielen könnten. Das Lied wurde zu dieser Zeit fast rund um die Uhr im Radio gespielt (vor allem diese Version von Nathan Evans machte das ursprünglich aus den 1860-70er Jahren stammende neuseeländische Lied wieder bekannt; Anmerkung der Redaktion).
Ich setzte mich also zu Hause an mein Klavier und öffnete das Notenschreib-Programm. In diesem Seemannslied passiert nicht sonderlich viel. Strophe und Refrain wechseln sich immer ab, der Text ändert sich jeweils nur in der Strophe und ausschließlich der Refrain erklingt mehrstimmig. Dies so in ein Quartett-Arrangement zu übernehmen, fand ich zu langweilig.
Also habe ich mich dazu entschieden, in einem ersten Teil möglichst nah am Original zu bleiben und dann im zweiten Teil etwas Neues, Anspruchsvolleres zu schreiben: Das Stück beginnt wie im Original mit einer Solo-Stimme der Strophe und geht dann in einen vierstimmigen Refrain über. Danach folgt wieder Strophe und Refrain. Nach einer kurzen Überleitung beginnt der anspruchsvollere Teil. Die Strophe habe ich in einen latin-ähnlichen Stil abgewandelt. Dabei ergänzen sich Euphonium und Bariton im Rhythmus. Der Refrain erklingt dann zuerst wieder im originalen «Sea-Shanty»-Stil, wird dann aber zum Schluss wieder vom Latin abgelöst.
An der vierten Probe haben wir dann das Stück mit Bild und Ton aufgenommen. Unterstützt hat uns dabei Thomas Emmenegger auf dem Cajon. Es gab dann doch einige Durchläufe und Aufnahmen, bis wir mit einer Version zufrieden waren. Aber schlussendlich machte das Experiment dem ganzen Euphonium/Bariton-Register, inkl. Samöthu, ziemlich Spass und wir konnten im Zusammenspiel sicherlich auch etwas profitieren.
Nicola Schnider