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Inhalt und Ziele des Forschungsprojekts
Durch die Einführung des Parlaments und die Aufhebung des Parteienverbots 1905/06 entstanden neue Möglichkeiten, sich an politischen Debatten zu beteiligen. Das Forschungsprojekt blickt auf den Journalismus als eine der inoffiziellen Sphären ausserhalb von Parteien und Behörden, die Menschen aus sozial marginalisierten Gruppen die Möglichkeit bot, sich als «gesellschaftlicher Akteur» oder «gesellschaftliche Akteurin» zu verstehen und so politisch zu agieren. Journalismus wird als Mittel der sozialpolitischen (Selbst)Ermächtigung im RI verstanden.
Das Projekt analysiert Zeitungs- und Zeitschriftenartikel des Moskauer Starjournalisten Vlas Doroševic (1864-1922) und der Petersburger Reporterin und Frauenrechtlerin Ariadna Tyrkova-Williams (1869-1962) sowie deren autobiografische Texte. Es fragt nach den emanzipatorischen Mechanismen des Journalist_innen-Berufs sowie nach dem Selbstverständnis der Protagonist_innen.
Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext
Das Forschungsvorhaben verbindet literarische Erzähltextanalyse mit historischer Autobiografieforschung und bringt den «Blick von unten», den Blick der wenig bekannten Journalist_innen, in die Geschichte des Journalismus, der politischen Partizipation und der Frauenbewegung des RI ein. Das geschichtswissenschaftliche Forschungsprojekt bietet ausserdem eine Vergleichsperspektive zur heutigen Mediensituation in Russland.