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Viele arme Länder sehen sich mit einer Bevölkerungsexplosion konfrontiert. Diese ist auf weiterhin hohe Geburtenraten zurückzuführen, während die Sterberaten dank den medizinischen Fortschritten und einer besseren Hygiene deutlich zurückgegangen sind. Für diese Entwicklung der Geburtenraten gibt es mehrere Gründe: Selbst wenn jede Frau weniger Kinder zur Welt bringt, bleibt der Anteil der Geburten pro tausend Einwohner sehr hoch, wenn die Bevölkerung insgesamt jung – d. h. im fortpflanzungsfähigen Alter – ist. Zu einer solchen Ausgangslage kommt es, wenn die Geburtenrate die Sterberate übersteigt und so dieses Phänomen aufrechterhält. Die Bevölkerung in den Entwicklungsländern ist deutlich jünger als in den Industrieländern: Ein Drittel der Einwohnerinnen und Einwohner ist weniger als 15 Jahre alt. Zudem ist die Geburtenkontrolle für viele Frauen schwierig. Entweder weil sie keinen Zugang zu verlässlichen Verhütungsmethoden haben oder weil ihr Ehemann jegliche Empfängnisverhütung ablehnt. In armen Ländern haben Frauen im Durchschnitt ein Kind mehr als gewünscht.
Trotzdem wird der Zugang zu Verhütungsmitteln in einigen Ländern oder an bestimmten Orten eingeschränkt. So hat in Manila, der Hauptstadt der Philippinen, der Stadtpräsident nach seiner Wahl 1998 beschlossen, die Abgabe von empfängnisverhütenden Mitteln in den öffentlichen Gesundheitszentren zu verbieten. Während sich die Frauen zuvor zu sehr tiefen Kosten die Pille oder Verhütungsimplantate beschaffen konnten, ist ihnen der Zugang zu den gewünschten Verhütungsmitteln seither verwehrt.
Eine Einschränkung mit gravierenden Folgen
In einem Arbeitspapier[1] haben wir kürzlich untersucht, wie sich das Verbot von Verhütungsmitteln auf die Bildung der Kinder auswirkt. Ein Vergleich zwischen Manila und den Nachbargemeinden hat Folgendes ergeben: In der Hauptstadt, die einen höheren Entwicklungsstand aufweist als der Rest des Landes, wurden vor der Einführung des Verbots mehr Verhütungsmittel benutzt als in den anderen Gemeinden. Doch im Verlauf der Nullerjahre haben diese Gemeinden ihren Rückstand gegenüber Manila aufgeholt. Dies liegt daran, dass die Bewohnerinnen der Hauptstadt Schwierigkeiten haben, sich Verhütungsmittel zu beschaffen. Die Geburtenzahl steigt an, vor allem bei den jüngsten und somit fruchtbarsten Frauen. Dies hat sofortige Folgen: Die Zunahme der Kinderzahl pro Frau geht mit einem Rückgang des Bildungsniveaus einher. Die geschätzte Wirkung ist sogar verhältnismässig stark: Ein zusätzliches Kind erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das älteste Geschwister eine Klasse wiederholen muss, um 13 Prozent. Dies liegt hauptsächlich daran, dass bei mehr Geschwistern weniger Ressourcen pro Kind zur Verfügung stehen. Dabei geht es nicht nur um die finanziellen Mittel, sondern auch um die Zeit und die Aufmerksamkeit, die Eltern für ihre Kinder aufbringen können. Entsprechend verringern sich die Chancen auf schulischen Erfolg: entweder weil die Eltern das Schulgeld nicht bezahlen können oder weil die Mutter nicht in der Lage ist, den bereits eingeschulten Kindern zu helfen, da sie von ihren jüngeren Kindern vereinnahmt wird. Eine solche Politik wirkt sich somit negativ auf das Wohl der Frauen und auf die Bildung ihrer Kinder aus. Längerfristig werden dadurch auch die Einkommen abnehmen. Und letztlich leiden auch die menschliche Entwicklung und das wirtschaftliche Wachstum unter diesem Verbot.
Die Forschungstätigkeit fortsetzen
Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, dass der Zugang zu Verhütungsmitteln ausgebaut wird und mehr Informationen zu den Methoden zur Verfügung stehen, die optimal auf die Bedürfnisse der Frauen abgestimmt sind. In meiner neuesten Forschung beschäftige ich mich mit dem Zugang zu Verhütungsmitteln in Indien. Die Sterilisation bei Frauen ist dort das häufigste Mittel zur Geburtenkontrolle. Dies wirft grundlegende Fragen zu den Menschenrechten, zur Gesundheit der Mütter und der Rolle des Staates auf.
- Diese Arbeit wurde in Zusammenarbeit mit Arnaud Lefranc verfasst: Sex in Marriage Is a Divine Gift: For Whom? Evidence from the Manila Contraceptive Ban, IZA Working Paper, 7503, 2013.