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Ein längliches Stück Holz, unten ausgehöhlt, so dass es wie ein umgekehrtes schmales Kästchen aussieht, wurde oben mit wenigen Saiten bespannt, damit war die Urform der Zither geschaffen. In der Schweiz nannte man das einfache Instrument Häxeschyt, in Deutschland «Scheitholt»; im elsass-lothringischen Raum war es als «épinette des Vosges», in Schweden als «Hummel» bekannt. Bemerkenswert ist, dass diese einfachen Instrumente gern von Menschen in ländlichen, waldreichen Gegenden gespielt wurden, im gesamten bäuerlichen Alpenraum, aber auch im sächsischen Erzgebirge und anderswo.
Foto rechts: Ein besonders schönes Exemplar einer Scheitholt-Zither
Zithern finden wir in vielerlei Formen. Halszithern haben, wie der Name sagt, einen «Hals», das Griffbrett ragt über den Korpus der Zither hinaus. Auch die Thüringer Waldzither hat diese Form. Das gibt ihr eine gewisse Ähnlichkeit mit Mandoline, Gitarre oder Laute. Der Unterschied zu diesen liegt in Funktion und Anordnung der Saiten und in der Spielweise. Andere Zithern sind kompakter gebaut, das Griffbrett befindet sich auf dem Korpus. Einige Zitherformen wie das Häxeschyt haben Bordunsaiten, die nur mitschwingen. Bei vielen Zithern benutzt man einen Zitherring, um die Töne zu erzeugen. Es gibt aber auch Violinzithern, die mit einem Bogen gespielt werden.
Schwyzer Zither.
Die Zither kann sich vielen Musikstilen und Stimmungen anpassen, kann schwungvoll tönen oder durch einen feinen, hellen und klaren Klang verzaubern. In vielen Regionen der Schweiz ist die Zither bekannt und beliebt. Neben der Hanottere seien die Glarner Zither und die Krienser Zither erwähnt. Nur im Appenzellerland mit seiner seit jeher speziellen Volksmusik wird das Hackbrett neben Violinen, Cello und Kontrabass eingesetzt.
Die Geschichte der Zither in Mitteleuropa verläuft in drei Etappen. Zunächst wurde dieses Saiteninstrument vorwiegend in der Volksmusik verwendet. Dafür eignen sich alle Formen der Zither besonders gut, denn sie sind einfach herzustellen, und man lernt schnell, darauf zu spielen. Seit der Renaissance (16. Jh.) sind Zithern bei uns nachgewiesen. Das Häxeschyt bzw. Scheitholt kannte man schon früher (14. Jh.).
Konzertzither
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erwachte ein neues Interesse an allem Volkstümlichen – Urtümlichem, wie man meinte, – man forschte nach alten Sagen und Balladen. Die Gebrüder Grimm schrieben die Märchen auf, und immer mehr Städter fanden Gefallen an Wanderungen in den Bergen. Dabei entdeckten sie auch die Zither und begeisterten sich dafür. So wurde die Zither im 19. Jahrhundert auch zu einem Instrument der Kunstmusik und fand in Konzerten Eingang. Die Instrumentenbauer trugen diesem neuen Bedürfnis Rechnung und schufen besonders schöne, phantasievolle und raffiniertere Zithern, z.B. auch solche mit herzförmigem Korpus.
Ende des 19. / Anfang des 20. Jh. fand die Zither ihre grösste Verbreitung, sie wurde als leicht zu spielendes Instrument ein Favorit in der Hausmusik, auch für musikalisch Ungeübte. Man erfand alle möglichen Spielhilfen, u.a. senkte man die Hemmschwelle des Notenlesens, indem man die Melodien grafisch darstellte. Ein Melodienblatt liess sich leicht unter die Saiten schieben, und der Spieler musste nur Zahlen und Muster auf den Saiten nachspielen. Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden richtige Zitherfabriken. 1914 stellte die Firma Menzenhauer in New York 500’000 Zithern her – und verkaufte sie wohl auch.
Was man braucht, um eine Zither zu bauen.
Wer sich in der Schweiz für Zithern interessiert, findet früher oder später zu Lorenz Mühlemann ins Schweizer Zither-Kulturzentrum in Trachselwald. Er ist erwiesenermassen der profundeste Kenner der umfangreichen Zitherfamilie der Schweiz, der «einzige freischaffende professionelle Zitherer der Schweiz», wie die Folklore-Illustrierte «Alpenrose» im letzten Frühjahr schrieb. Lorenz Mühlemann befasst sich seit mehr als 35 Jahren mit den Zithern und hat aus seiner Leidenschaft seinen Beruf gemacht, anders ausgedrückt, die Zither ist seine Berufung geworden, der er – früher Primarlehrer – sich seit 1999 voll und ganz widmet. Ein Glücksfall war es, dass er in Trachselwald ein gut erhaltenes, ehemals bernisches Amtsgebäude erwerben konnte, das er zum einzigen Zithermuseum der Schweiz gestaltete.
Ausser dem Museum, wo mehr als 100 Zithern aus 250 Jahren zu bewundern sind, betreut Lorenz Mühlemann ein Notenarchiv und restauriert alte Instrumente, veranstaltet Konzerte, bietet Kurse und Führungen an und führt einen Verlag für Zithermusik in Wort und Ton. Wer ihm begegnet, spürt seine Begeisterung, aber auch seine überragende Sachkenntnis. In seinen Konzerten spielt er nicht nur alte Zithermusik, sondern ebenso seine eigenen Kompositionen, die den Charakter der Zither aufs Schönste zum Ausdruck bringen.
Alle Informationen zu den genannten Angeboten finden Sie hier.
Der Bäre-Höck besucht am 25. April das Schweizer Zither-Kulturzentrum. Beachten Sie die separate Ausschreibung.
Hören Sie Thomas Keller auf dem Häxeschyt und Lorenz Mühlemann am Hackbrett mit einem furiosen Stück: