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Ausgrabung an der Schneidergasse 24
Schneidergasse 24, Dezember 2020
Warum graben wir?
Die Liegenschaften der Schneidergasse 24 und 26, des Imbergässleins 5 und des Pfeffergässleins 5 werden umgebaut und saniert. Die archäologischen Eingriffe finden hauptsächlich in der Liegenschaft der Schneidergasse 24 statt. Dort wird ein Leitungsgraben in archäologisch hoch interessanten Schichten durch die ganze Parzelle gezogen. Der 1,10 m tiefe Graben für die Leitung erreicht vermutlich nicht die untersten archäologischen Schichten. Dies bedeutet, dass alle unter diesem Niveau liegenden Befunde und Funde dort belassen werden.
Was graben wir aus?
Das von der Archäologischen Bodenforschung untersuchte Areal liegt an der Schneidergasse, in der bei früheren Ausgrabungen (Schneidergasse 2-12) Überreste von Holzbauten aus dem 11. und 12. Jahrhundert zum Vorschein kamen. Im Zusammenhang mit den Bauarbeiten konnten auch Mauern eines Wehrturms, der um 1200 im Bereich der Häuser Schneidergasse 12/14 stand, dokumentiert werden. Die Archäologische Bodenforschung erhofft sich mehr zu der rund 800-jährigen Geschichte des Hauses an der Schneidergasse 24 herauszufinden, das erstmals im Jahr 1241 erwähnt wurde. Genauere Erkenntnisse erwartet die Archäologische Bodenforschung auch zur Bebauung des Innenhofs, der über die Jahrhunderte unterschiedliche Ausmasse hatte, sowie zum dem schriftlich erwähnten Ziehbrunnen.
Erste Resultate der Ausgrabung
Ein erster Befund im heutigen Innenhof war die Hofpflasterung aus dem 19. Jahrhundert. In dieser Pflasterung sind eine Münze, Knöpfe und auch ein vermutlich zu einem Portemonnaie gehörender Bügelverschluss zum Vorschein gekommen. Unter der Pflasterung kamen diverse Mauerreste von Vorgängerbauten zu Tage. Besonders spannend sind dabei die Überreste einer Treppe, die möglicherweise darauf hinweisen, dass eine der früheren Bauten im Innenhof mit einem Tiefparterre/Keller ausgestattet war.
Im heutigen Hausinnern konnte im Bereich Richtung Schneidergasse ein gebrannter Lehmboden freigelegt werden, der wahrscheinlich von einem Holzgebäude (violett markiert) aus der Zeit vor dem Erdbeben von 1356 stammt. Die Steinreihe neben dem Lehmboden dürfte einer Balkenlage entsprechen, auf der ein Schwellbalken und die Holzwand auflag. Ausserdem kam ein grosses neuzeitliches Kanalisationssystem (grün markiert) zu Tage, in dem mehrere Spolien aus rotem Sandstein verbaut wurden. Im Innenhof konnte zudem eine gemauerte neuzeitliche Latrine aufgedeckt werden, die auf einem Plan von 1890 eingezeichnet ist. Ihre Verfüllung ist durch Phosphatausfällungen auffällig grünlich verfärbt.
Von besonderem Interesse ist auch der Fund eines rötlich verfärbten Tierschädels, der wahrscheinlich von einer Ziege stammt. Was genau diese Verfärbung ausgelöst hat, ist unsicher. Eine mögliche Ursache könnte in den Boden gelangtes Färbemittel sein. Bei einer früheren Grabung im Hinterhof der Parzelle der Schneidergasse 28 kamen die Reste einer Färberei zum Vorschein, die der Familie Preiswerk gehörte und bis 1837 betrieben wurde. Von 1668 bis 1814 befand sich das Haus an der Schneidergasse 24 ebenfalls im Besitz der Familie Preiswerk. Der Umstand, dass der verfärbte Tierschädel direkt an der Hoftrennmauer zu Schneidergasse 28 lag ist möglicherwiese ein Hinweis darauf, dass die Trennmauer zwischen den Liegenschaften erst nach Aufgabe des Färbereibetriebes errichtet wurde. Es wurden bislang keine weiteren Hinweise auf das Färbereihandwerk in der Liegenschaft 24 gefunden.
Unser Tipp
Besuchen Sie die Infostelle Schneidergasse, bei der ein Wohnturm aus dem frühen 13. Jahrhundert besichtigt werden kann, sowie den Andreasplatz, in dessen Pflasterung der Grundriss der Andreaskapelle markiert ist.
Literatur
Christoph Ph. Matt, Pavel Lavicka
Zur baugeschichtlichen Entwicklung eines hochmittelalterlichen Siedlungskerns. Vorbericht über die Ausgrabungen an der Schneidergasse 4–12, in: BZ 84 (1984), 329–344.