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IBM und Motorola haben gemeinsam den PowerPC-Prozessor entwickelt und suchen neue Absatzmärkte. Nach endlosen Verhandlungen erklärt sich Spindler widerwillig dazu bereit, das Mac OS an Clone-Hersteller zu lizenzieren. Wir berichten, wie die Clone-Anbieter der Mac-Plattform zu neuem Leben verhelfen und damit ein turbulentes Kapitel der Geschichte Apples prägen.
Nachdem sich die hohen Tiere bei Apple jahrelang gegen eine Lizenzvergabe gewehrt hatten, sorgte die Thematik mit der Einführung der Power Macs im März 1994 wieder für Gesprächsstoff. Die Diskussion um die Lizenzen begann deshalb, weil sich IBM und Motorola nach zusätzlichen Absatzmärkten für die PowerPC-Architektur umsahen und weil Spindler eingesehen hatte, dass die Mac-Plattform mit Apple als einzigem Anbieter kaum gegen die PC-Übermacht überleben konnte. IBM und Motorola entwickelten die Pläne für die «PowerPC Microprocessor Common Hardware Reference Plattform» (PPCP, ursprünglich CHRP). Hinter diesem Begriff versteckte sich eine Plattform, welche es Computerherstellern ermöglichen sollte, auf Basis der PowerPC-Technologie Computer aus Standardbauteilen zu konstruieren, auf denen sowohl das Mac OS als auch IBM OS/2 und Microsoft Windows NT liefen. Nach einem monatelangen Verhandlungsmarathon trat Apple der PPCP im November 1994 als dritter Partner bei und erklärte sich bereit, sowohl die Hardware als auch das System des Macs an Clone-Hersteller zu lizenzieren.
Ursprünglich entsprach es Apples Plan, vorerst an sechs grössere PC-Hersteller Lizenzen zu vergeben. Doch keiner der potenziellen Partner zeigte sich ernsthaft interessiert, worauf Apple seine erste Lizenz an das frisch gegründete Unternehmen Power Computing vergab. Power Computing erhielt die Mac-Lizenz am 16. Dezember und verkündete die Absicht, nach dem Vorbild von DELL Computersysteme per Katalog zu verkaufen. Am 5. Januar 1995 erhielt der Monitorhersteller Radius ebenfalls eine Lizenz. Spindlers Ziel lautete, 1995 eine Million Macs durch Clone-Hersteller zu verkaufen. Innerhalb von fünf Jahren sollte der Marktanteil der Mac-Plattform von zehn auf zwanzig Prozent verdoppelt werden, indem Apple jährlich um ein Prozent zulegte und die Clone-Absätze proportional dazu wachsen sollten. Auch der Apple-CEO war sich bewusst, dass diese Ziele nur erreichbar wären, wenn Apple einen starken Partner zur Seite hätte. Im Frühjahr 1995 wandte sich Gateway, einer der Top-5-Computeranbieter, mit der Bitte nach einer Mac-Lizenz an Apple. Der Deal sollte für beide Parteien Vorteile bringen. Gateway wollte sich von der Wintel-Diktatur lösen, während Apple den lang ersehnten namhaften Computeranbieter als Clone-Hersteller an Bord hätte. Im Mai 1995 stellte Power Computing seinen ersten Mac-Clone vor, für den die junge Firma eigens ein eigenes Fertigungswerk in Texas bauen liess. Power Computing verwendete günstige Hardwarekomponenten, wie sie in handelsüblichen PCs anzutreffen waren. Ihr Clone war nicht nur günstiger, sondern auch leistungsfähiger als Apples Power Macs und war auf das lukrative Hochpreissegment zugeschnitten. Apple bekam den härteren Wind aus den eigenen Reihen rasch zu spüren und es wurden erneut Stimmen laut, die sich gegen Apples Clone-Politik richteten. Die alte Befürchtung, die Clone-Anbieter würden mit Apple und nicht mit den PC-Herstellern konkurrieren, tauchte wieder auf. Spindler wurde nervös. Wenn schon ein kleines Unternehmen wie Power Computing Apple so hart zusetzen konnte, wie würde dann erst der Deal mit Gateway ausgehen? Als die Verträge schon unterschriftsbereit ausgehandelt waren, machte Spindler einen Rückzieher und entschied sich gegen die Zusammenarbeit mit Gateway.