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Das ehemalige Fürstbistum Basel umfasst das Gebiet, wo der Bischof von Basel die weltliche Herrschaft ausübte. Dazu gehörten der heutige Kanton Jura, der Berner Jura, Teile des Kantons Baselland und zwei Exklaven im Breisgau. Die Bevölkerung von etwa 60’000 Personen war teils deutsch- und teils französischsprachig. Nach der Reformation wurde der Sitz des Bischofs 1528 von Basel nach Pruntrut verlegt. Die südlichen Teile waren zum neuen Glauben übergetreten und waren teils zugewandter Ort der Eidgenossenschaft. Der grössere Teil gehörte zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Der Bischof selbst war einer der Reichsfürsten und seit 1579 zugleich Verbündeter der katholischen Kantone. Er regierte mittels Landstände, Räten, Vögten und Schaffnern. Sein weltliches Gebiet war wesentlich kleiner als das Gebiet seiner Diözese, wo er als geistliches Oberhaupt wirkte. Zur Leitung des Bistums stand dem Bischof das Domkapitel zur Seite. Es war 1529 von Basel nach Freiburg i.Br. gezogen, residierte aber ab 1679 in Arlesheim. Im südlichen Teil, d.h., in Biel, La Neuveville, der Propstei Moutier-Grandval und in der Herrschaft Erguel, musste er die Reformierten tolerieren, da sie teils mit Bern verburgrechtet waren. Hier fanden auch Täufer ein Auskommen. Die Herrschaften Laufen-Zwingen und die Birseck hatte er rekatholisiert. Juden waren in einem Teil der Birseck bis 1694 toleriert. So war das Gebiet weder religiös, staatsrechtlich, geographisch noch wirtschaftlich eine Einheit. Deshalb schrieben zahlreiche Orte ihre eigene Geschichte (HLS 1, 740-754).
Nach der französischen Revolution ergriff der Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit auch das Fürstbistum. Anfänglich gelang es dem Fürstbischof, die Unruhestifter, die oft aus seinem eigenen Umfeld stammten, niederzuhalten. Vergeblich hatte er bei den eidgenössischen Nachbarn um Truppen ersucht. Erst durch Beschluss des Kaisers kamen ihm im März 1791 österreichische Soldaten zu Hilfe. Diese Stationierung war unter anderem ein Grund für Frankreich, dem Kaiser ein Jahr später den Krieg zu erklären. Es besetzte einen Teil des Fürstbistums. Im April 1792 floh der Fürstbischof nach Biel und kurz darauf nach Konstanz. Im Dezember wurde in Pruntrut die Raurachische Republik ausgerufen. Es war die erste Schwesterrepublik der «Grande nation». Innere Uneinigkeit und ein gefälschtes Abstimmungsresultat führten im März 1793 dazu, dass Frankreich den nördlichen Teil annektierte und zum Departement Mont-Terrible mit Pruntrut als Hauptstadt erklärte. Im Dezember 1797 annektierte Frankreich die südlichen Teile ebenfalls und benutzte dieses Departement 1798 als Basis für die Invasion der Schweiz (HLS 8, 699).
Per Gesetz von 1800 wurde dieses Gebiet dem Departement Haut-Rhin mit Colmar als Hauptstadt zugeschlagen. Es reichte nun von der Umgebung Schlettstadts bis an den Bielersee, wozu im Westen auch Montbéliard gehörte. Delsberg und Pruntrut waren das 3. und 4. Arrondissement, das von je einem französischen Unterpräfekten verwaltet wurde.
Mit dem Hauptschluss des Reichstags von 1803 zu Regensburg wurden die meisten geistlichen Gebiete säkularisiert, was das Ende der weltlichen Macht des Fürstbischofs von Basel bedeutete. Sein Gebiet wurde vom Wiener Kongress 1815 auf die Kantone Bern und Basel aufgeteilt und ihr Anschluss mittels Vereinigungsurkunden geregelt (Jorio 1982). Erste Ingenieure sind am ehesten zu erwarten in Vermessung und Kartographie, Bergbau, Strassenbau und Militär.
Vermessung und Kartographie
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war die Zahl der Vermessungen im Fürstbistum noch gering. Zwischen 1760 und 1780 hingegen sind mehr als zwei Dutzend Geometer nachzuweisen. Sie wurden meist aus dem Ausland beigezogen. Dabei ging es hauptsächlich um Grenzbereinigungen mit Frankreich, verbunden mit dem Abtausch kleinerer Gebiete (Grenacher 1974). Eine erste Gesamtkarte legte 1781 der staatliche Geometer Bajol de Dellesmont vor. Er stammte aus einer einflussreichen Familie des Fürstbistums (HLS 1, 672) und nannte sich «commissaire, lieutenant, conseiller aulique du Prince-Evêque». Seine «Carte de l’Evêché de Bale» (ca. 1:170’000) war ein «mittelmässig ausgeführter Handriss» (Wolf 1879, 96), ein Arbeitsexemplar ohne amtlichen Charakter. So diente er als Übersicht, vorab der Strassen und Gewässer, Berge und Hügel sowie der Wälder.
Unter früheren Fachkräften bemerkenswert ist Architekt und Ingenieur Johann Karl Hemeling (1706-1736/37). Er war verpflichtet, die Grenzen zwischen der Grafschaft Burgund und dem Fürstbistum Basel bei Damvant zu bereinigen sowie jene im Abschnitt Abbévillers-Blâmont-Fahy (Grenacher 1974, 500). Wichtiger als dieser lokale Auftrag ist sein Werdegang (Reinhardt 1932). Im Umfeld des Markgrafen von Baden-Durlach lernte er wohl bei Hans Michael Ludwig Rohrer (1683-1732) und dessen Schlossbauten in Rastatt, Bruchsal und Karlsruhe. Dort zeichnete er ebenfalls Pläne von Mainz und Mannheim. In Basel machte er eine Aufnahme des Banns von Kleinhüningen (1728). Sein bedeutendstes Werk aber ist der Entwurf für den Ramsteinerhof von 1730. Dieser Bau des finanzkräftigen Samuel Burckhardt-Zaeslin (1692–1766) zählt noch heute zu den herausragendsten Barockbauten der Stadt Basel (Kdm BS VII 2006, 146).
Gemäss Kantonalem Karten- und Plankatalog von Bern wirkte neben Bajol ein Jean Baptiste Paris, Bürger von Lure (Burgund), im Fürstbistum. Bekannt sind seine Grenzpläne aus den Jahren 1741 bis 1748 (Grosjean 1960, No. 49f). Weitere Pläne verfassten Kommissare wie Johann Heinrich Laubscher (1722-1787) aus Pieterlen, zusammen mit Hofrat Pierre-Gabriel Jaquet. Ihre Pläne sind grossmassstäbliche Aufnahmen 1:1’000 bis 1:5’000 aus den Jahren 1752 bis 1776. Es waren Grenzpläne, die auch die Waldbestände des Fürstbischofs und verschiedener Abteien aufzeigten (Grosjean 1960, No. 49f. HLS 7, 677).
Das Fürstbistum kam als Folge seiner Grenzlage zu Frankreich in Betracht der französischen Kartographen. Was 1666 mit der Gründung der «Académie royale des sciences» und später unter königlichem Schutz begann, lenkte die Aufmerksamkeit der Pariser Astronomen und Geodäten auf eine Kartographie, basierend auf geometrischen Grundlagen. Nach einschlägigen Vorarbeiten erhielt César François Cassini de Thury (1717-1784) im Jahr 1747 den Auftrag zur Herstellung einer «Carte de France» (1:86’400). Erstmals wurden nun die Koordinaten einzelner Orte und Punkte mittels Triangulation landesweit verbunden und auf das Observatorium von Paris bezogen, so auch das nahegelegene Basler Münster. Infolge Geldmangels geriet seine Arbeit in Verzug. Weil aber deren militärische Bedeutung erkannt wurde, erteilte der Kriegsminister 1775 den Auftrag zur genauen Kartierung der Grenzgebiete auf der «Carte géometrique de la frontière». Sie sollte von Genf bis ins Saarland reichen.
Zur Leitung eingesetzt wurde Genieoffizier Jean Claude Eléonore Le Michaud d’Arçon (1733-1800), damals noch Major. Geboren in Besançon und aufgewachsen in Pontarlier hatte er die «Ecole du génie» in Mézières besucht. Nach Teilnahme an Kriegen wurde er später bekannt durch seine «Schwimmenden Batterien» und wissenschaftlichen Schriften zum Festungsbau. Für die Vermessung der verlangten Karte 1:14’400 hatte d’Arçon mehrere Instruktionen an seine Unterstellten erlassen. Die Arbeiten an den Grenzen zur Schweiz begannen 1779 und dauerten zwei Jahre. Von der Provence bis zu Landau in der Pfalz sind 313 Blätter als Manuskriptkarten überliefert. Wegen ihrer hohen Genauigkeit und kurzer Zeit der Aufnahmen gehören sie zu den grössten Leistungen der französischen Kartographie (Rickenbacher 2010, 6).
Aktenkundig ist im Fürstbistum die «Carte de la Suisse romande» 1:86’400 von 1781. Erstellt wurde sie vom Genfer Henri Mallet (1727-1811). Seine Genauigkeit ist mit jener der französischen Genieoffiziere vergleichbar, obwohl eine Zusammenarbeit eher unwahrscheinlich erscheint. Sie ermöglichte aber den Berner Behörden, für Mallet die Erlaubnis zum Betreten fremden Territoriums zu erwirken. In Basel hatten dies die Franzosen ebenfalls abgesprochen.
Von einem unbekannten Autor stammt die Karte des Departements Mont-terrible, die vermutlich nach 1780 gezeichnet wurde, später aber ein anderes Titelblatt erhielt (Grenacher 1974). Deutlich zeigt sie die drei Festungen Hüningen, Landskron und Blamont. Dann folgen Städte «sans fortification» wie Pruntrut, St. Ursanne, Delsberg, Biel und la Neuveville. Klar markiert sind die «Grandes-routes» Delle, Pruntrut, Les Rangiers, Glovelier, Bellelay, Tavannes, Pierre-Pertuis, La Reuchenette, Biel, bzw. Les Rangiers, Delsberg, Courrendlin, Moutier, Court, Tavannes, bzw. Basel, Laufen, Delsberg. Die kleineren Wege sind Ortsverbindungen «où on peut passer avec chariot, ou à cheval». In zwei Tabellen stehen Höhenangaben bezogen auf den Bielersee. Nur schematisch ausgezogen sind die Landesgrenzen, denn in vielen Abschnitten waren sie nicht vor Ort festgelegt.
Frankreichs Ideen zur gerechteren Besteuerung hatten Folgen für die Vermessung. Man brauchte genauere Information über Grössen und Nutzungen der Grundstücke. Nach 1802 begannen im ehemaligen Fürstbistum mehrere Geometer unter Géomètre en chef F.A. Kolb mit den Aufnahmen ganzer Gemeinden (Grosjean 1960). Schon 1801 hatte Napoleon die Vermessung der Schweiz und des Piemonts zur Herstellung von Karten angeordnet. Auf Seite der Schweiz fehlte allerdings das fachliche Personal und die politischen Verhältnisse waren unstabil. Deshalb wurde im Februar 1803 der französische Astronom Maurice Henry (1763-1825) nach Bern befohlen mit dem Auftrag, ein «Bureau topographique Français de l’Helvétie» aufzubauen. Weil dies dort nicht sogleich gelang, verschob er sich mit seinen Ingenieuren nach Basel und im Juni 1803 nach Strassburg. Von dort aus konnte er die Basis für die geforderte Triangulation ausmessen und die Resultate seiner weiteren Arbeiten der Direktion im «Dépôt de la Guerre» in Paris abliefern. Kontakte der französischen Ingenieure dieses Bureaus zu den lokalen Geometern sollen nur spärlich gewesen sein (Rickenbacher 2011, 218 und 302f).
Erst viel später wurde eine Übersichtskarte des gesamten Fürstbistums erstellt, die «Carte féodale de l’ancien Evêché de Bâle», um 1870 von A. Biétrix und H. Dietlin. Sie enthält den Oberrhein von Waldshut und Freiburg i.Br., Teile der Schweiz bis Interlaken und Frankreich bis Besançon mit einer Vielzahl von Schlössern, Klöstern und Städten (Quiquerez 1877).
Bergbau
Wirtschaftlich gesehen war das Fürstbistum sehr unterschiedlich strukturiert. Im Norden überwog die Landwirtschaft mit Anbau von Getreide und späterer Milchwirtschaft. Im Süden war die Heimarbeit stärker verbreitet, die ab dem 17. Jahrhundert aus der Textilindustrie einen Zusatzverdienst brachte. An Bodenschätzen wurde Eisenerz, Lehm und Glassand verwertet. Der Fürstbischof verfügte uneingeschränkt über das Bergregal, woraus er das Recht zur Ausbeutung als Lehen an zahlreiche Klein- und Kleinstbetriebe vergab. Daraus entstanden Fayencemanufakturen, Glashütten und vor allem die Verwertung von Eisen. Oft hatten sie nur eine kurze Lebensdauer.
Ende des 16. Jahrhunderts aber erkannte der Fürstbischof die Bedeutung der Metallverarbeitung zur Sanierung der Staatsfinanzen. Er befahl den Bau einer Eisenschmelze in Courrendlin und einer Eisenschmiede in Undervelier. Während des Dreissigjährigen Kriegs wurden sie in Mitleidenschaft gezogen und anschliessend wieder auf Vordermann gebracht. 1653 erfuhr man von Erzvorkommen nördlich von Biel. Der Fürstbischof liess in Reuchenette einen Hochofen mit Schmiede erstellen, doch die Ergiebigkeit blieb unter den Erwartungen. Weitaus besser sah es in Séprais aus, was den Fortbestand von Courrendlin sicherte. Eine weitere Anlage folgte 1753 in Bellefontaine zur Herstellung von Stahl. Alle vier Betriebe wurden in der Franzosenzeit als Nationalgüter verkauft (Abplanalp 1971).
Der Prozess vom Roheisen bis zu dessen Verarbeitung war an das Vorkommen von Holz gebunden. Anzeichen eines Holzmangels zeigten sich schon 1630, führten aber dazu, dass ab 1755 eine neue Forstpolitik eingeschlagen wurde. In der Zwischenzeit war es gelungen, das Verfahren unter den drei Betrieben zu rationalisieren. Gleichwohl musste man trotz eigener Reserven ab 1770 Roheisen importieren. Das nötige Fachpersonal wurde im Ausland angeworben. Im Fürstbistum kam es in Genuss von bischöflichen Privilegien, die noch 1761 bestätigt wurden.
Einen entscheidenden Fortschritt brachte die Einführung der doppelten Buchhaltung ab 1753. Damit gewann man die Übersicht zum Aufwand bei den verschiedenen Werken, bei den Zwischentransporten und bei Zukäufen von Fremdmaterial. So konnte man die Produktion besser lenken. Einheimische Ingenieure waren – soweit bekannt – an diesen Prozessen nicht beteiligt. Für Reformvorschläge zogen die Fürstbischöfe Experten meist aus Frankreich oder Deutschland zu. In seinem Rückblick formulierte es Ingenieur Auguste Quiquerez (1801-1882), der spätere Vorsteher der Eisenminen im Berner Jura, wie folgt: Im Ancien Régime und noch bis 1820 reichte die Routine der Werkmeister und ihrer Arbeiter aus, bis sie merkten, dass ihr Wissen nicht mehr genügte. «Le régime des ingénieurs commença et la routine dut faire place à la science» (Quiquerez 1855, 153).
Strassenbau
Die Strassen des Fürstbistums waren seit dem Mittelalter kaum verbessert worden. Das ganze Netz der Lokal- und Hauptstrassen wurde noch im 17. Jahrhundert nur notdürftig instand gestellt. Das änderte sich, als die Fürstbischöfe den Warenverkehr zwischen Nordfrankreich und der Eidgenossenschaft durch ihr Gebiet leiten wollten. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann man mit konsequenten Reparaturen und teilweisen Verbesserungen. Unterbrochen wurden diese Bestrebungen in den Jahren 1726 bis 1740, als im Fürstbistum innere Unruhen ausbrachen, die sog. «Landestroublen». Nach dem Eingreifen des französischen Königs und dessen Truppen konnte der Fürstbischof seine Verwaltung im Sinne des Absolutismus umgestalten.
In den Jahren 1716 bis 1728 wirkte Pierre Racine (1665-1728) am Hof des Fürstbistums. Geboren in La Chaux-de-Fonds und als gelernter Zimmermann hatte er sich ab 1699 beim badischen Markgrafen und in Basel einen Namen als Architekt gemacht. In Basel galt er als auswärtiger Konkurrent, konnte keine Festanstellung erhalten und ging deshalb in den Dienst des Fürstbischofs. Dort baute er Schloss Delsberg, die Kirche von Courtételle und das Pfarrhaus Altenach im Elsass. 1725 hatte er den Titel «fürstbischöflicher Ingenieur» erhalten, ohne dass aber von ihm bedeutende Strassen bekannt wären (HLS 10, 59. Huggel 2004, 36f)
Ab 1740 konzentrierte sich das Fürstbistum auf den Ausbau seiner Hauptstrassen, «Grands Chemins» genannt. Begonnen wurde mit der Bellelay-Strasse, d.h., der Nord-Süd-Verbindung aus Richtung Belfort-Delle von Pruntrut über Les Rangiers, Glovelier, Lajoux, Tavannes, den Pierre-Pertuis nach Biel. Er dauerte bis 1745. Allerdings wurde dann der Unterhalt vernachlässigt. Wie die Klagen zeigen, war diese Hauptverbindung im Frühjahr 1747 kaum mehr befahrbar. Bereits 1746 hatte man aber mit dem Ausbau der Strecke von Les Rangiers nach Delsberg, Courrendlin, Moutiers, Malleray nach Tavannes in Richtung Biel begonnen. Sie folgte im Wesentlichen dem Lauf der Sorne und der Birs. Sie war etwas länger, hatte aber weniger Steigungen als über Bellelay. Ihr Bau war mit technischen Schwierigkeiten beim Durchfahren von Schluchten und mit Unwettern verbunden. Er dauerte sechs Jahre (Abplanalp 1971).
Konkrete Verordnungen des Fürstbischofs zum Ausbau der Nord-Süd-Verbindung wurden 1741 erlassen. Diese «Grands Chemins» sind hauptsächlich das Verdienst von Franz Decker (1691-1776). Decker war ein Franzose aus dem Elsass. Ursprünglich Lehrer gelang ihm der Aufstieg zum Hofrat. Vom Verwalter des Salzregals, zum Rat in der Finanzkammer und Mitglied der Wald- und Gewässerkommission sah er die Bedeutung von Strassenverbindungen. Er wurde 1744 zum Direktor der Strassenbauverwaltung ernannt, der «Ponts et Chaussées», ohne dass er dazu eine Ausbildung im Strassenbau hatte. Als Diplomat hatte er gegen Ende der «Landestroublen» den Allianzvertrag mit Frankreich ausgehandelt. 1758 befürwortete er die Schaffung fürstbischöflicher Truppen als ein eigenes Regiment. Und als engster Berater des Fürstbischofs förderte er die Verwaltungsreform sowie die Entwicklung der Eisenindustrie (HLS 3, 602).
Seit 1750 stand Pierre-François Paris (1721-1801) als Geometer im Dienst der Basler Fürstbischöfe und der Markgrafen von Baden-Durlach. In Besançon geboren war er anfänglich Lehrer an der Schule des Artilleriekorps. Ab 1759 wurde er am Hof in Pruntrut fest angestellt, machte eine Studienreise zur Architektur in Paris und wurde 1763 als Nachfolger von Decker zum Direktor der «Ponts et Chaussées» ernannt. 1767 wurde er Baudirektor und Finanzrat. Zahlreiche Bauten in Pruntrut und Delsberg sind seine Entwürfe, wobei er bei der Anlage von Strassen in diesen Städten auch als Ingenieur wirkte. 1774 hatte er als «hochfürstlicher Ingenieur» zusammen mit dem Basler Ingenieur Johann Jacob Fechter (1717-1797) einen Grenzplan aufgenommen, der einen jahrzehntelangen Streit zum Grenzverlauf beendete (Huggel 2004). Nach der Flucht des Fürstbischofs aus Pruntrut im Jahre 1792 übernahm er den Vorsitz im dortigen Regentschaftsrat, konnte einen Überfall auf das Schloss abwehren, ging aber sogleich ins Exil in die Freigrafschaft Burgund.
Als Baudirektor und Hofarchitekt lastete eine grosse Arbeit auf Direktor Pâris. Deshalb stellte sich die Frage, wie er seine Funktion im Strassenbau wahrnahm. Untersucht wurden die Jahre 1775-79, basierend auf der fürstbischöflichen Verordnung von 1760 und im Vergleich zu jener von 1782. Die «Grands Chemins» umfassten eine Länge von etwa 240 km. Zum Unterhalt verpflichtet waren die Gemeinden mit Frondienst. In den Vogteien waren Inspektoren als «conducteurs» bezeichnet. Im Frühling und im Herbst wurden je drei Inspektionsreisen angesetzt, an denen der Direktor, die Inspektoren und Behördenvertreter teilzunehmen hatten. Ihr Bericht ging direkt an den Fürstbischof. Ausser dem Stand der Arbeiten enthielt er Bemerkungen zum Verhalten der «conducteurs», zu den erteilten Bussen, aber auch technische Anweisungen. Direktor Pâris setzte im Frühling etwa 12 bis 24 Tage ein, verteilt auf die Monate April bis Juni. Im Herbst brauchte er noch etwa 10 bis 17 Tage. Die Disziplin der Untergebenen war nicht immer vorbildlich. Anweisungen wurden nicht beachtet oder gelangten trotz wiederholten Aufforderungen gar nicht zu den Ausführenden. So erzielte Direktor Pâris beim Strassenunterhalt trotz seines beachtlichen Aufwands in diesen Jahren nur mittelässige Resultate (Crevoisier 2002).
Zu bemerken ist, dass Franz Decker weiterhin Anweisungen zum Strassenbau machte und dass ab 1784 Verhandlungen und Studien für eine Strassenverbindung zum Fürstentum Neuenburg begannen. Eine Bestätigung der Verhältnisse zur Verwaltung der Strassen gibt das Tagebuch des Gelehrten und Theologen Théophile Rémy Frêne (1727-1804). Seine minutiösen Reisenotizen zeigen vor allem das Wirken der beiden Direktoren Franz Decker und Pierre-François Paris (Glaenzer 2006).
Im Departement Mont-Terrible (1793-1800) wurde François-Joseph Bandinelli (1750-1815) zum Mitglied des Direktoriums ernannt und eingesetzt als «Ingenieur des Ponts et Chaussées» (diju.ch). Umgehend machte er einen Kostenvoranschlag zur Reparatur der Strassen und erhielt eine Entschädigung für den Entwurf von Grenzzeichen des neuen Departements, emigrierte allerdings 1794 bis 1795. In diesen Jahren war der Strassenunterhalt unterbrochen, weil die Fahrzeuge für die Armee requiriert wurden. 1795 wurde François Strolz zum «Ingénieur des Ponts et Chaussées» ernannt.
Geboren in Pruntrut als Sohn von Frantz Band war Bandinelli Schüler des dortigen Jesuitenkollegiums und dann als Kunstmaler tätig. Als er 1796 an der «Ecole centrale» von Pruntrut als Lehrer für Zeichnen und 1797 zum Professor ernannt wurde, suchte das Departement in Frankreich weitere «Ingénieurs des Ponts et Chaussées». Doch Bandinelli wurde 1803 als Professor bereits wieder entlassen, da die Ecole centrale in eine Sekundarschule des Departements Haut-Rhin umbenannt wurde und keine weiteren Mittel mehr hatte. Bandinellli fand sein Auskommen als Kunstmaler und machte sich einen Namen im Zeichnen von alten Bekleidungen im Fürstentum wie auch zu Trachten in der Schweiz. Zu François Strolz sind die Lebensdaten nicht weiter bekannt. Möglicherweise stammte er aus der Familie Strolz in Belfort. Er wirkte bis 1815 als Ingenieur im 3. und 4. Arrondissement (Delsberg und Pruntrut) im Departement Haut-Rhin.
Festungsbau und Militärdienst
Als anfangs des 17. Jahrhunderts die Kriegsgefahr zunahm, liess der Fürstbischof seine Residenzstadt Pruntrut gegen Norden durch ein Schanzensystem verstärken (Meyer 1976, 38). Ob er dazu einen Ingenieur beauftragte, ist nicht näher bekannt. Im Dreissigjährigen Krieg geriet das Fürstbistum allerdings in schwere Mitleidenschaft. Ab 1634 besetzten schwedische Truppen die Stadt Pruntrut und andere Städte des Fürstbistums. Als Gegenmassnahme folgten französische und lothringische Truppen. Die Bevölkerung erlitt Truppendurchzüge, Winterquartiere, Plünderungen und gar Massaker. Dazu kamen Hunger und Pest, was den wirtschaftlichen Ruin bedeutete. Davon betroffen war der nördliche Teil, während Biel und Umgebung eher eine Schonung erfuhren. Der Fürstbischof wechselte seinen Aufenthalt von Schloss zu Schloss. Nach Abzug der französischen Besatzung konnte er 1650 wieder in seine Residenz in Pruntrut einziehen. Dort unterhielt er eine kleine Schweizergarde als Wache. Die Stadtbefestigung wurde repariert, aber moderne Bastionen erhielt sie nicht.
Verwaltungsreformen und Zentralisierung machten zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus dem Fürstbistum einen absolutistischen Staat, führten aber zu Unruhen in der Bevölkerung, zu den erwähnten «Landestroublen». Weder die kaiserlichen Gesandten noch die verbündeten sieben katholischen Orte der Eidgenossenschaft konnten vermitteln. Deshalb schloss das Fürstbistum mit Frankreich 1739 einen Allianzvertrag und warf, gestützt darauf, mit Hilfe französischer Truppen 1740 die Aufständischen nieder. Im Gegenzug verpflichtete sich der Fürstbischof zur Aushebung von Truppen. Ab 1744 stellte er eine Kompanie und ab 1758 ein Regiment in den Dienst des französischen Königs. Der Allianzvertrag wurde 1780 erneuert, nicht aber die Bündnisse mit den Eidgenossen (Abplanalp 1971, 23-25). Das Regiment trug den Namen seines jeweiligen Kommandanten: Eptingen, Schönau und Reinach. Während des Siebenjährigen Kriegs (1756-63) kämpfte es für Frankreich in Deutschland und erhielt seine Feuertaufe im Gefecht bei Corbach (1760). 1768 brach es nach Korsika auf, um zusammen mit anderen Regimentern dem König die Herrschaft zu sichern. Frankreich hatte die Insel von Genua abgekauft, wurde dort aber von demokratischen Bewegungen bekämpft.
Bei Kriegszeiten hatte das Regiment einen Bestand von etwa 1’000 Mann Infanterie. Eigene Spezialwaffen hatte es keine. Bevorzugt stationiert wurde es in Garnisonen nahe dem Elsass. Trotzdem erhielt es 1780 den Befehl, nach Rochefort zu marschieren. Der Empfang dort war freudig, doch die sumpfige Umgebung der Charente verursachte Krankheit und Tod. Das Regiment wurde auf die Ile de Ré evakuiert. Der Verlust betrug etwa 400 Mann, welche durch Rekruten ersetzt wurden. 1782 durfte es in die Gegend von Rochefort zurückkehren, wo es mit zwei anderen Schweizer Regimentern an der Trockenlegung der Umgebung der Charente arbeiten musste. Diesmal geschah dies ohne namhafte Verluste. Nach sieben Monaten erhielt es den Befehl, sich in die Bretagne nach Lorient und Port-Louis zu verschieben. Gegen Ende des Sommers 1783 kehrte es ins Elsass zurück. Zu Beginn des Jahres 1789 lag es an der wallonischen Grenze und wurde in die Umgebung von Paris befohlen. Trotz innerer Unruhen hielt es dem König weiterhin die Treue. In den Tagen nach dem 14. Juli kehrte es nach Maubeuge zurück. Dort erwog man einen Einsatz in Roussillon, befahl es dann freilich im April 1792 nach Calais und kurz darauf nach Dünkirchen. Dort erreichte es die Nachricht, dass die Nationalversammlung die elf Schweizer Regimenter, wozu auch das fürstbischöfliche gezählt wurde, zu entlassen seien.
Im Infanterieregiment des Fürstbischofs waren keine Genieoffiziere eingeteilt. Unter den Offizieren fällt aber auf, dass dort Jean-Jérôme-Barthélemy (Johann Baptist) Altermatt (1764-1849) Dienst leistete (Folletête 1939, 115). Geboren in Ammerschwir bei Colmar besuchte er Schulen in Bellelay, Strassburg und Colmar. Als Dreizehnjähriger kam er als Sohn von Joseph-Bernard Altermatt (1722-1811) durch königliche Gunst ins Regiment d’Eptingen im Grad eines «Sous-Lieutenants». In Rochefort erkrankte er. Nach seiner Genesung und Dienst als Fähnrich bei der Schweizergarde in Paris bat er 1785 um Entlassung, was auch mit dem frühen Tod seines älteren Bruders Josef Martin Altermatt (1762-82) erklärt wird. In Solothurn trat er als Major der Miliz bei. 1792 wurde er Adjutant seines Vaters, inzwischen Kommandant der Solothurner Truppen. 1802 beteiligte er sich am Aufstand der Föderalisten («Stecklikrieg»). 1804 wurde er Kommandant der Solothurner Artillerie und 1815 Bataillonskommandant. Ab 1796 hatte er auch politische Ämter inne, u.a. 1806 jenes des «Bau- und Wegherrn» (SKL 1, 23-4).
Zu erwähnen ist hier Altermatts Vorliebe für Mathematik und Vermessung. So konnte er 22jährig als «ingénieur volontaire» zwei Ratsherren auf einer Grenzbegehung bei Basel begleiten. Fortan sammelte er Notizen und Berechnungen, um sich ein Triangulationsnetz aufzuzeichnen. Gestützt darauf fertigte er eine «Carte topographique du Canton de Soleure faite en 1796, 97 et 98» an (Wolf 1879, 158f). Diese unvollendete Federzeichung im Massstab von etwa 1:40’000 sollte eine der ersten modernen Karten des ganzen Kantonsgebiets sein. Als General Schauenburg 1798 beim Einmarsch der Franzosen davon erfuhr, beschlagnahmte er sie unter Androhung von Todesstrafe (Rickenbacher 2011, 112). Altermatt vermisste sein Werk sehr. Anlässlich einer Grenzbereinigung bei Mariastein traf er 1816 wieder mit französischen Ingenieuren zusammen. Als Anerkennung für seine Mitwirkung wünschte er seine Karte zurück. Auf Vermittlung von General Armand Charles Guilleminot (1774-1840), damals Chef des topographischen Korps, wurde sie ihm 1819 aus dem Pariser «Dépot de la Guerre» zurückgegeben (Merz 1979). Diese Karte wurde erst in den Jahren 1828 bis 1832 revidiert. Urs Joseph Walker (1800-1855) ergänzte sie durch neue Messungen und mit Aufnahmen im Felde (Wolf 1879, 160). Ferner zeichnete Altermatt in den Jahren 1822 bis 1833 weitere Pläne der Stadt und des Stadtbezirks Solothurn sowie eine Vogelschau. In der Kunstgeschichte diente sie als Quelle zur Auswertung (Kdm SO I, 1994).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bei allen erwähnten Personen geometrisches Zeichnen und Vermessung eine Schüsselrolle spielten. Es ging um Anwendungen in Artillerie, Erstellen von Karten, Anlage von Strassen, Festlegen von Grenzen und Grundeigentum. «Ingenieur» war oft ein Titel und festigte sich zu einer Berufsbezeichnung erst, als das Gebiet des Fürstbistums unter französischer Herrschaft war.
2.4.2024 / B.M.