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Anton Corbijn, holländischer Starfotograf, der für seine Porträts von Bands wie Depeche Mode oder Joy Division bekannt ist, präsentierte auf dem Zurich Film Festival seinen vierten Spielfilm «Life». Darin erzählt er die Geschichte des Fotografen Dennis Stock. Der lernte 1955 den damals noch wenig bekannten Schauspieler James Dean kennen – und sah in ihm, was später die ganze Welt anhimmeln sollte: den schönen, melancholischen Rebellen.
Anton Corbijn erzählt den Film aus der Sicht des Fotografen:
«Was mich an dem Stoff reizte, war die Geschichte des Fotografen Dennis Stock und nicht die von James Dean. Das liegt wohl daran, dass ich in der Fotografie zu Hause bin. Aber ich glaube, dass für die meisten Leute James Dean der Star des Filmes ist. Deshalb habe ich versucht, eine Balance zwischen dem Fotografen und seinem Foto-Objekt zu schaffen.»
Für die Zeitschrift «Life» begleitete Fotograf Dennis Stock James Dean in den Wochen vor der Premiere von «East of Eden» («Jenseits von Eden»). Er fuhr mit dem Schauspieler zu dessen Familie, die auf einer kleinen Farm im US-Staat Indiana lebte. In New York entstanden die Aufnahmen, die Geschichte schreiben sollten. Die Bildstrecke erschien im Mai 1955. Fast vier Monate später starb James Dean bei einem Autounfall.
«Die Fotoreportage über James Dean war nicht mal auf der Titelseite vom ‹Life›-Magazin. Sie war irgendwo auf den hinteren Seiten platziert. Nach James Deans Tod erkannten die Leute den Wert der Bilder. Es waren dokumentarische Fotos, die James Dean so zeigten, wie er wirklich lebte. Wären es klassische Portraits gewesen, hätte sich keiner dafür interessiert. Das macht die Fotografien von Dennis Stock so wertvoll.»
Das berühmte Foto von James Dean am Times Square in New York wurde zu einem der meist reproduzierten Fotos aller Zeiten. Anton Corbijn erklärt, wie dieses Bild zu seinem ikonischen Wert kam:
«Ich glaube, dass sich die Leute durch die Aufnahme von James Dean am Times Square mit ihm identifizieren können. Vor allem wegen dem Gefühl von Freiheit, das dieses Bild ausdrückt. Ein Mann im Mantel – mit Zigarette im Mund – geht alleine durch die finstere Welt. Er ist ein Rebell und schaut auch noch gut aus. Dieses Foto bietet eine grosse Interpretationsfläche.»
Dennis Stock wird von Robert Pattinson gespielt und James Dean von Newcomer Dane DeHaan. Der Film zeigt, dass Fotograf und Schauspieler einander brauchen, um den grossen Sprung nach Oben zu schaffen. Nur wollen es sich beide nicht eingestehen. Was sie pflegen, ist eine reine Zweckfreundschaft.
Mit seinem geschulten Blick für das Ästhetische macht Regisseur Anton Corbijn auch seinen vierten Film zu einem echten Sehvergnügen. Doch wirkt es so, als ob er die Geschichte mit der gleichen beobachtenden Distanz erzählt, mit der auch der Fotograf im Film James Dean gegenübersteht. Die Folge: Man kommt den Charakteren bis zum Schluss nicht nahe. So ist der neue Film vom talentierten Corbijn schön, aber leider emotionslos.
Kinostart: 01.10.2015