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Auch für 2009 hat Varese Sarabande wieder ein paar Club-Titel-Veröffentlichungen parat. Eine erste Reihe davon, sind im März 2009 angekündigt worden. Kaum für Pre-Order auf dem Netz, dauerte es dann auch dieses Mal wieder keine 24h, bis www.varesesarabande.comdrei der vier Titel ausverkaufte (auf www.colosseum.de gibt es jedoch noch ein paar Kopien).
Einer der begehrten Scheiben ist ein Frühwerk des heute sehr erfolgreichen Komponisten James Newton Howard. Für den kritischen Film Russkies von Regissuer Rick Rosenthal und mit einem blutjungen Joaquin Phoenix besetzt (soll ja jetzt im Hip-Hop-Musik-Geschäft tätig sein…), haute Howard in die Tasten. Der Film erzählt von einer Freundschaft zwischen amerikanischen Jungen und einem jungen russischen Seemann, welcher von den Jungs an einem Strand angeschwemmt gefunden wird. Diese Freundschaft passt den Eltern und der Regierung gar nicht, ist der Russe in der Zeit des Kalten Krieges doch der ultimative Feind. Der Film Russkies wurde im Jahre 1987 veröffentlicht, ist also ein 80er Jahre Werk und das hört man auch der Filmmusik an.
Auf der Verpackung sucht man vergebens nach einem Orchestra-Credit oder einem Pete Anthony als Dirigent. Einzig aufgelistet ist ein Herr Robby Weaver, welcher als Synclavier Programmer tätig war. Das Synclavier ist ein in den 70er Jahren entwickelter digitaler Synthesizer auf Basis der FM-Synthese. Das Programm wurde in den 80er Jahren dann um weitere Funktionen wie Sampeling erweitert und von unzähligen Musikern begeistert verwendet. Es war entgegen der Konkurrenzprodukte sehr leicht zu handhaben und man konnte komplizierte Klänge programmieren. So ist Russkies nun also ein Frühwerk Howards, welches voll und ganz auf Keyboard-Sounds baut. Wem bei diesem Gedanken die Haare zu Berge stehen, dem wird der Soundtrack sicherlich nicht zusagen.
James Newton Howard eröffnet seine Komposition mit den „Main Titles“, welche ganz zu Beginn vom Ton her irgendwie an das „Love Theme“ aus The Godfather von Nino Rota erinnert. Howard geht jedoch schnell seinen eigenen Weg. Mit „Danny’s Theme“ präsentiert Howard das Hauptthema (ab 1:20). Dieses Thema zieht sich anschliessend durch den ganzen Score hindurch und ist durchaus schön anzuhören. Meist wird das Thema ruhig präsentiert und überhaupt sind laute Actionmomente auf dieser Scheibe rar (was aufgrund der Filmthematik nicht allzu sehr überrascht). In „Men against the Sea“ wird das brodelnde, bedrohende Thema aus den „Main Titles“ wiederholt und etwas ‚selbstbewusster’, lauter angespielt. Es dürfte für die im Russen gesehene Bedrohung stehen. Mit „The Submarine“ wähnt man sich dann definitiv in einem 80er Score. Die Discobeats und Pop-Einflüsse sind einfach zum schreien und dürften jedem Filmmusikfan ein Schmunzeln auf das Gesicht zaubern (besonders wenn man bedenkt, wie die aktuellen Arbeiten von Howard klingen). Noch extremer erklingen diese Beats dann im kitschigen „Danny Flies“ und, wieder etwas abgeschwächt im funky „The Cuban Project“.
Diese ‚lupfigen’ und peppigen Dreingaben, werden immer wieder von bedrohlicheren Passagen in „Danny enters Bunker“ oder auch „Sgt. Slammer“ unterbrochen.
Die Albumgestaltung hinterlässt ein bisschen ein Fragezeichen. Mit gerade mal gut 30 Minuten Musik auf der Scheibe, ist deren Präsentation etwas ‚lustig’ ausgefallen. Während die ersten paar Stücke durchaus angenehme Spielzeiten haben und somit auch ein paar thematische Ideen ausarbeiten und präsentieren können, sind die letzten sechs Stücke etwas unbefriedigend. Meist unter einer Minute laufen sie alle sehr kurz und werfen dem Hörer noch ein paar musikalische Ideen entgegen („You’re in America Now“ wieder mit pfiffiger „Danny’s Theme“-Varante), welche irgendwie nicht so ganz eingeordnet werden können. Das Album endet dann auch etwas unglücklich mit dem dunklen und sehr ruhigen „The End of the Dream“. Dies macht irgendwie musikalisch wenig Sinn. Hier wäre eine schöne Aufnahme von „Danny’s Theme“ befriedigender gewesen.
Fazit: Dass Varese Sarabande für ihre Club Titel einen frühen Score von James Newton Howard ins Programm aufgenommen hat, ist erfreulich (kamen in letzter Zeit doch überwiegend Bernstein- und Conti-Scores zum Zuge). Diese Veröffentlichung bietet einen Einblick in die Filmmusik der 80er Jahre und das frühe Schaffen von Howard. Ob eine Keyboard-basierte Filmmusik gefällt oder nicht, muss dann einfach jeder für sich entscheiden. Wer die neueren vollorchestralen Werke Howards mag und ähnliches von Russkies erwartet wird sicherlich enttäuscht sein. Dieser Release zeigt jedoch, wie ich finde, sehr eindrücklich die Wurzeln des Komponisten und wie sich dieser in den letzten Jahren (und das Umfeld mit ihm, natürlich) entwickelt hat. Für Fans von James Newton Howard kann man diese kurrlige Musik also durchaus empfehlen, doch wer mit elektronisch erzeugter Musik wenig anfangen kann, der wird hier wohl bald den Off-Knopf drücken.