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Sonntag für Sonntag erteilt Rolf Döbeli unter dem Namen Rolf Dobelli in der «Sonntagszeitung» Ratschläge zu einem klaren Denken. Seine mit viel Selbstbewusstheit vorgetragenen und mit englischen Begriffen durchsetzten Anweisungen haben ihn zum Bestsellerautor und geradezu zum Schweizer Hausphilosophen gemacht. In der neusten Kolumne in der «Sonntagszeitung» hat sich Dobelli die These vorgenommen: «Warum Sie keine News lesen sollten». News, so meint er, würden sich auf skandalöse und laute Reize konzentrieren, seien irrelevant und blosse Zeitverschwendung. Stattdessen solle man doch lieber ein Buch lesen.
Da hat er ja nicht ganz unrecht.
Allerdings kommt dieser Ratschlag von jemandem, der seinen Ruf im Kulturbetrieb damit begründete, dass er den Leuten das Bücherlesen abnahm, indem er ihnen mit der Firma «getAbstract» auf Häppchen eingeschrumpfte Kurzfassungen von Sachbüchern ebenso wie von Werken der Weltliteratur anbot. Und der seinen Ruf jetzt damit befördert, dass er in einer Newszeitung Kolumnen schreibt, die er dann zu Büchern zusammenkleistert.
Bemerkenswerter noch ist die Begründung für seine These, warum News Zeitverschwendung seien. Als Beispiel verwendet er die Anschläge in Bombay 2008, bei denen 200 Menschen starben, berechnet sodann, wie viele Menschen auf der ganzen Welt völlig unsinnigerweise darüber gelesen und ferngesehen hätten, wie viel Ablenkung damit produziert und wie viel Produktivität vergeudet worden sei, und folgert: «Umgerechnet: Durch News-Konsum wurden also an die 2000 Menschenleben ‹verschwendet› – zehnmal mehr als durch das Attentat. Eine sarkastische, aber wahre Betrachtung.»
Mir fallen dazu ein paar andere Worte ein: zynisch, dumm, Menschen verachtend.
Um diese Worte zu verstehen, muss Rolf Döbeli kein Buch lesen.