Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03133.jsonl.gz/959

Nach einem Brexit müsste das Land die Handelsbedingungen mit den 27 verbleibenden EU-Staaten neu aushandeln, sagte WTO-Generalsekretär Roberto Azevêdo am Dienstag auf einer Konferenz in London laut vorab verbreitetem Redemanuskript. Auch Gespräche mit 58 weiteren Ländern, mit denen die EU Freihandelsabkommen hat, seien nötig.
Bis 8 Mrd. mehr Zölle
Während der Verhandlungen würde der Handel zwar weitergehen, «aber zu schlechteren Bedingungen», warnte Azevêdo. «Als Konsequenz bestünde für britische Exporteure das Risiko, dass sie bis zu 5,6 Milliarden Pfund jährlich an Zöllen auf ihre Ausfuhren zahlen müssen» - das wären 7,9 Milliarden Franken.
Auch mit der WTO müsste Grossbritannien laut Azevêdo im Falle eines EU-Austritts Gespräche aufnehmen. Zwar bliebe das Land demnach Mitglied der Organisation. Doch die wichtigsten bislang geltenden Bedingungen leiteten sich aus der EU-Mitgliedschaft Grossbritanniens her. Wenn diese ende, könnten die Bedingungen nicht einfach «kopiert» werden, warnte Azevêdo.
«Noch nie dagewesene» Situation
Da es sich um eine «noch nie dagewesene» Situation handeln würde, sei es «unmöglich», einen Zeitrahmen für die Neuverhandlung der WTO-Mitgliedschaft abzuschätzen, sagte der Generalsekretär. Nachverhandlungen über die Konditionen für eine bereits bestehende WTO-Mitgliedschaft einzelner Staaten hätten jedenfalls in der Vergangenheit teils zehn Jahre oder mehr gedauert. Grossbritannien würde eine schnelle Lösung brauchen und daher aus einer Position der Schwäche heraus agieren, sagte Azevêdo voraus.
Die Briten stimmen am 23. Juni in einem Referendum über den Verbleib des Landes in der europäischen Union ab. Azevêdos Rede folgt auf eine ganze Reihe von Warnungen internationaler Wirtschaftsorganisationen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vor einem EU-Austritt.