Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03586.jsonl.gz/2047

Hergestellt von Sony, Corp., Tokyo.
Um 1978 brachte Sony mit dem CRF-320 einen hochpreisigen portablen Weltempfänger auf den Markt, der aufgrund des hohen Preises von über 4000.- DM keine sehr grosse Verbreitung erfuhr, sich aber von den Empfangsleistungen her im AM-Empfang noch mit heutigen Empfängern messen kann. Im Gegensatz zu den Grundig Satellit 3000 / 3400 Empfängern verfägte der CRF-320 über eine Frequenzaufbereitung der 1 MHz-Signale und einen ein MHz überstreichenden VFO und war nicht mehr mit dem mit Kontaktschwierigkeiten behafteten Trommeltuner mit ungenauer Skalenablesung ausgestattet.
Der mit Batterien 13 kg schwere Kofferempfänger präsentiert sich in einem anthrazitfarbenen Kunststoffgehäuse, er ist oben mit einem stabilen Traggriff, mit Seitengriffen mit Frontplattenschutz und einem Schutzdeckel für den Transport ausgestattet. Mit seinen 45 x 31 x 21 cm ist der Empfänger gerade noch trag-bar, kann aber als Stationsempfänger mit gut angepassten Teleskopantennen und Batteriebetrieb netzunabhängig betrieben werden.
Auf der Frontplatte findet sich links oben eine Weltzeituhr, die Timerbetrieb erlaubt, beim älteren Modell CRF-320 elektrisch, bei dem neueren CRF-320A als Digitaluhr ausgeführt. Darunter die beiden Halbrundskalen für UKW-FM und Lang- / Mittelwelle, in diesen Bereichen wird die Frequenz nicht digital angezeigt. Unterhalb der FM-Skala sind die Schalter zum Ausschalten der automatischen Stummschaltung und der AFC beim UKW-Empfang.
In der mittleren Reihe unter dem nicht kalibrierten S-Meter die Betriebartenschalter und die Bandumschaltung. Rechts auf der Frontplatte zuoberst die Bereichswähler für die Zehn- und Ein-MHZ-Schritte des in 30 1 MHz-Segmente aufgeteilten Kurzwellenbereichs, darunter der prächtige griffige Hauptabstimmknopf, an einer Halbrundskala kann die empfangene Frequenz auch analog auf ca. 1 kHz genau abgelesen werden. Rechts neben dem Abstimmknopf der mit 'Antenna tuning' bezeichnete Preselektor, dessen Einstellung erst über ein gutes Empfangsergebnis entscheidet. Darunter findet sich der Schalter für den Störaustaster, der gegen das in den 80er Jahren aktive (russische) Überhorizontradar und Zündstörungen wirkt, und die HF-Verstärkungsregelung „RF Gain“.
Zuunterst unter einer Zierleiste ganz links Anschlüsse für Kopfhörer, Tonbandausgang und Timer- Ausgang zur Steuerung eines Aufnahmegeräts, der Lautsprecher und die Klang- und Lautstärkeregelung. Ganz rechts der Netz-/ Timerbetriebsschalter.
Technisch ist der CRF-320 als Doppelsuper mit einer semisynthetischen Frequenzaufbereitung geschaltet. In einer PLL-Schaltung aufbereitete 1 MHz- Signale (mittels Bereichsschaltung zu wählen) werden mit dem Signal eines linear laufenden variablen Oszillators (VFO-Frequenz 3.455 - 2.455 MHz) gemischt und so die erste Zwischenfrequenz von 45,145 MHz erreicht, da die ZF-Frequenz über dem Empfangsbereich liegt, können Spiegelfrequenzen wirksam umgangen werden.
Das Hf-Signal gelangt über einen 35 MHz-Tiefpass, einen elektronisch realisierten fünfstufigen Bandpass und den Präselektor auf den ersten Mischer und wird auf die erste Zwischenfrequenz umgesetzt. Zwischen dem ersten und zweiten Mischer wirkt bei Pegelspitzen / Störungen der Noise Blanker. Nach der Umsetzung auf die zweite Zwischenfrequenz von 455 kHz und Verstärkung werden die über Dioden geschalteten ZF-Filter passiert, das Signal gelangt dann auf den AM-Diodendemodulator oder den SSB-Demodulator, wo das BFO-Signal überlagert wird, mit dem CRF-320A ist voller SSB-Betrieb mit entsprechendem Frequenzversatz bei USB und LSB möglich. Im praktischen Betrieb wird zunächst mit dem 10- und 1 MHz-Schalter der gewünschte 1 MHz-Kurzwellenbereich vorgewählt und dann mit dem Hauptabstimmknopf die entsprechende Frequenz eingestellt, welche dann auf der Analogskala oder auf 1 KHz genau digital abgelesen werden kann. Ein wichtiger Schritt ist dann die optimale Einstellung des Preselektors, bei Fehlstellung des Preselektors ist der Empfang kaum möglich und der Empfänger mag „taub“ erscheinen. Nach Abstimmen des Vorkreises schlägt das S-Meter dann weit nach rechts aus und der Sender wird hörber.
Etwas umständlich bei diesem Empfängerkonzept ist, dass beim Checken von mehreren Parallelfrequenzen in verschiedenen Kurzwellenbändern jedesmal der Preselektor nachgestellt werden muss. Bei voll digitalgesteuerten Empfängern mit elektronischer Preselektion (wie dem NRD-535) geschieht dies automatisch, bei anderen Billig-PLL-Empfängern wird auf die Vorselektion verzichtet, das zum Auftauchen von „Geisterstationen“ an unerwarteten Stellen auf der Skala führt (und das Signal von Lomé im Tropenband sich zur vollen Stunde als Spiegelfrequenz des französischen Dienstes der VOA entpuppt…). Beim CRF-320A sind solche Überraschungen nicht erwarten, es lohnt sich das Entdecken der verbliebenen Afrikaner im Tropenband mit einem wohlklingenden Empfänger mit edlem Bedienfeeling.
Zusammenfassend ist der CRF-320A als Traumempfänger von Vielen in den achziger Jahren beim stationären und netzunabhängigen Betrieb immer noch hervorragender DX-fähiger Empfänger, mit dem ohne Aufspannen externer Antennen und Sorgen um die 220 V-Zufuhr auf Wellenjagd gegangen werden kann, einige Gimmicks wie Senderspeicher, Passbandtuning und Notchfilter machen den Unterschied zu den semiprofessionellen Empfängern aus.
Doppelsuper, Analogtechnik.
Das Gerät ist voll halbleiterbestückt.