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Lange hiess es, Frauen seien besser im Multitasking als Männer. Studien belegten schliesslich, dass beide Geschlechter etwa gleich schlecht darin sind. Neuerdings heisst es sogar, dass Multitasking auf Dauer dumm macht.
Der Mensch ist nicht für Multitasking geschaffen. Das haben mittlerweile mehrere Studien und Experimente belegt. Es hat sich gezeigt, dass die Arbeitsleistung eindeutig sinkt, wenn man sich mit mehreren Dingen gleichzeitig beschäftigt. Neuen Forschungsergebnissen zufolge, kann sogar noch ein Schritt weitergegangen werden: die Leistung verschlechtert sich nicht nur temporär. Multitasking schadet auf Dauer unserer Konzentrationsfähigkeit, unserem Gedächtnis und sogar unserem IQ.
Im strengsten Sinn gibt es «Multitasking» nicht
Der Begriff «Multitasking» stammt aus dem technischen Bereich und beschreibt die Fähigkeit eines Betriebssystems, mehrere Aufgaben nebeneinander auszuführen. Dies stimmt jedoch nur, wenn ein Computer mehrere Prozessoren beziehungsweise Prozessorkerne besitzt. Gibt es nur einen Prozessor, führt der PC die Aufgaben hintereinander aus – sehr schnell aufeinanderfolgend.
Diese Analogie lässt sich auf das menschliche Gehirn übertragen. Auch beim Multitasking führen wir nicht mehrere Aufgaben nebeneinander aus, sondern unsere Aufmerksamkeit wechselt hin und her. Zum Teil wird deshalb auch nicht von Multitasking sondern von «Switch-Tasking» oder «Zapping» gesprochen. Solange wir nur ein Gehirn haben, wechselt unsere Konzentration also zwischen verschiedenen Aufgaben. Echtes Multitasking funktioniert nur bei Tätigkeiten, die wenig Aufmerksamkeit brauchen oder bei denen wir sehr viel Routine haben.
Konzentration lässt schnell nach
Um zu zeigen, wie sich unser Gehirn verhält, haben amerikanische Forscher in einem Experiment eine relativ typische Multitasking-Situation untersucht. Probanden mussten in einem Fahrzeugsimulator einer kurvigen Strecke entlangfahren. Während eine Kontrollgruppe dabei ungestört blieb, wurde die zweite Hälfte der Studienteilnehmer abgelenkt.
Diese hörten einzelne Aussagen, die sie entweder als richtig oder falsch beurteilen mussten. Das Verhalten des Gehirnes wurde mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) sichtbar gemacht. Das Ergebnis zeigte, dass bei den zuhörenden Probanden, die Aktivität in demjenigen Bereich des Gehirnes abnahm, der Seheindrücke verarbeitet. Das Fahrverhalten verschlechterte sich, sobald sich die Probanden auf die Sprache konzentrierten, so die Studienautoren.
«Langzeitfolgen» von Multitasking
Durch das ewige Hin und Her werden Aufgaben nicht nur weniger effizient ausgeführt. Es ist auch anstrengender und wir ermüden dabei schneller. Laut Forschungsarbeiten der Standford University wirkt es sich langfristig auf die Fähigkeit aus, sich zu konzentrieren. Ausserdem haben «chronische» Multitasker eine schwächere Aufmerksamkeit und ein schlechteres Gedächtnis.
Dem Team von Standford zufolge ist im Smartphone-Zeitalter die Versuchung zum Multitasking bedeutend höher geworden. Beinahe selbstverständlich ist es, nebenbei E-Mails zu beantworten, News zu durchforschen oder den Terminkalender zu aktualisieren. In einem Experiment wurden selbsternannte Multitasker mit Personen verglichen, die es bevorzugten, eine Aufgabe nach der anderen zu erledigen. Wie sich herausstellte schnitten die chronischen Multitasker bei den Aufgaben schlechter ab, obwohl sie von sich sagten, Multitasking würde ihre Leistung ankurbeln.
Eine Erklärung dafür sei, so der Bericht, dass regelmässige Multitasker es eher gewohnt seien, sich ablenken zu lassen und sich deshalb auch leichter ablenken liessen. Ausserdem zeigte sich beim Experiment, dass chronische Multitasker schlechter im Multitasking sind und sich langsamer auf eine neue Aufgabe einstellen können, als Personen, die Aufgaben in der Regel nacheinander erledigen. Multitasker falle es schwerer, ihre Gedanken zu sortieren und relevante von irrelevanten Informationen zu unterscheiden. Multitasking reduziert unsere Effizienz und Leistung, weil unser Gehirn sich nur auf eine Sache auf einmal konzentrieren kann. Wenn wir versuchen zwei Dinge gleichzeitig zu erledigen, fehlt es dem Gehirn an Kapazität, um beide Aufgaben erfolgreich zu erledigen, schliesst der Bericht.
Multitasking schadet dem IQ
Es leidet nicht nur die Aufmerksamkeit, sondern auch die Intelligenz, so die Ergebnisse einer Forschung der University of London. Der IQ der Probanden verringerte sich während den Multitasking-Aufgaben um etwa gleich viel, wie wenn die Probanden eine Nacht Schlaf ausgelassen oder Marihuana konsumiert hätten.
Bei den teilnehmenden Männern verringerte sich der IQ gar auf das Niveau eines Achtjährigen. Wenn Sie also das nächste Mal noch rasch ein E-Mail beantworten möchten, während Sie gerade in einem Meeting sind, denken Sie besser daran, dass sich Ihre kognitiven Fähigkeiten auf Primarschulniveau befinden. Sie könnten genauso gut einen Achtjährigen bitten, das E-Mail zu verfassen, so das Fazit von Forbes.