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Phill Niblock ist vielleicht der minimalistischste der Exponenten der Minimal Music, der unbekannteste auch, obwohl seine Forschungen mit Klang und Zeit, Zusammenwirken von akustischer und visueller Wahrnehmung, sein Wirken radikaler erscheinen lassen als die Kompositionen von La Monte Young oder Steve Reich – es wurde schon gesagt, neben ihm töne Terry Riley wie Mike Oldfield.
Niblock nimmt langezogene Töne oder Akkorde, meist einzelner Instrumente, welche er auf 24 Tracks zurückspielt, wobei er beim Prozessieren eine Art Trompe L’Oeil-Effekt erzielt, einen akustischen Schwebezustand, in dem alles immer am gleichen Ort und immer in Bewegung scheint. Eine ähnliche Technik, wie er sie auf das Klangmaterial anwendet, verwendet er auch, um die Bilder zu prozessieren, meist Filmaufnahmen, die er seit 1970 überall, wo er auf seinen zahlreichen Reisen um die Welt ist, zum Thema «Movement of People Working» macht.
Er ist seit deren Gründung 1968 an der Organisation Experimental Intermedia beteiligt, einer soliden Plattform für intermediale Künste mit Sitz in New York, wo er oft auch seinen Loft für Auftritte zur Verfügung stellt. Seit 1970 ist er Kurator für die Organisation, welche mittlerweile auch ein Haus im belgischen Gent betreibt, und ähnliche Projekte in Holland und Portugal unterstützt.
Als Schlüsselerlebnis beschreibt Niblock eine Situation 1965, als er mit einem 2-Takt Yamaha- Motorrad eine lange Passstrasse hinauffuhr, und hinter einem Diesel-Truck herfahren musste. Beide Fahrzeuge gaben recht Gas, um den Höhenunterschied zu bewältigen, und bald kamen beide Motoren der jeweiligen Maschine zu fast synchroner Umdrehung. Aber nicht ganz.
Die körperliche Gegenwart der durch die mit leicht unterschiedlichen Frequenzen drehenden Motore entstehenden Schläge habe ihn dermassen in Trance versetzt, dass er beinahe über den Strassenrand hinausgefahren sei.
Auch der wesentlich jüngere, in Berlin ansässige Thomas Ankersmit interessiert sich für dröhnende Klänge, und wenn auch die Herangehensweise, diese zu schaffen, eine völlig andere ist, seine Arbeit passt gut zu derjenigen Niblocks, umso mehr, als er auch Installationen kreiert, welche zur intermedialen Kunst zu zählen sind.
Mit seinem Alto-Saxophon arbeitet er mit dem Raum, in dem er spielt, mit dessen Akustik er spielt, sei dies nur durch ein Umplatzieren des Mikrophons, wodurch ein ganz anderer Raum entsteht. Dann kommen noch die Electronics dazu, welche er einsetzt, die Klänge seines Instruments zu verfremden.
Er macht damit, was zum Beispiel Kevin Drumm mit der Gitarre gemacht hat: Er befreit sein Horn davon, wie ein Alt-Sax tönen zu müssen, er entlockt ihm Klänge, indem er es behandelt, wie kein Alt-Sax behandelt wird, ihm Klänge zu entlocken. Letztlich spielt es gar keine Rolle mehr, mit welchem Instrument er spielt, im Vordergrund steht der Klang, den er in einen bestimmten Raum bringen will.
Neben zahlreichen Installationen für Museen und Galerien, und Solo-Auftritten, ist auch die Liste der Leute lang, mit denen er schon gearbeitet hat, darunter Alvin Lucier, Kevin Drumm, Gert-Jan Prins, Borbetomagus, Jim O’Rourke, Axel Dörner und viele andere, natürlich auch Phill Niblock.