Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03384.jsonl.gz/1756

Der Spitzensteuersatz in den USA wurde durch die letzte republikanische Steuerreform von US-Präsident Trump von 39,6 Prozent auf 37 Prozent gesenkt. Microsoft
-Gründer Gates äußert sich in einem Interview mit dem US-amerikanischen Nachrichtensender "CNN" am Sonntag kritisch zu Trumps Steuerreform. Inhalte der größten US-Steuerreform seit mehr als 30 Jahren sind neben der Senkung des Spitzensteuersatzes unter anderem auch die Senkung der Körperschaftssteuer von Unternehmen von 35 Prozent auf 21 Prozent. Gewinne aus dem Ausland können Firmen außerdem zu einem verminderten Steuersatz in die USA bringen.
Steuer begünstigt Reiche
Durch die Steuerreform hätten Reiche exorbitant mehr Vorteile als die Mittelklasse und die Armen, so Gates im "CNN"-Interview. Das sei genau gegensätzlich zu dem Trend, den er sehen will. Seiner Ansicht nach sollte vielmehr das Sicherheitsnetz verstärkt und somit die schlechter Verdienenden unterstützt werden, indem die Reichen mehr Steuern zahlen. Von der republikanischen Steuerreform würden Unternehmen und Superreiche am meisten profitieren. Gates betitelt die Steuerreform deshalb als "rückschrittlich" statt fortschrittlich.
Laut einer Untersuchung der Organisation "Tax Policy Center" bringe die Reform den vermögenderen Bürgern und Haushalten prozentual gesehen generell höhere Steuerersparnisse als anderen. Zwar würden im nächsten Jahr alle Amerikaner durchschnittlich 1.600 US-Dollar durch die Steuerreform sparen, einhergehend mit einer Einkommenserhöhung um 2,2 Prozent. Allerdings würde das Einkommen des reichsten einen Prozent der US-Bevölkerung um 3,4 Prozent steigen. Klar, dass Gates, der als zweitreichster Mensch der Welt natürlich zu diesem Prozent zählt, vor diesem Vorteil nicht die Augen verschließen kann.
Gates wohltätige Spenden
Er selbst habe zwar schon mehr als zehn Milliarden US-Dollar Steuern bezahlt - mehr als überhaupt jemand anderes - aber er vertritt die Ansicht, dass die Regierung von Leuten in seiner Position "signifikant" höhere Steuern einfordern sollte, so Gates gegenüber "CNN".
Dass Gates die Forderung nach höheren Steuern für ihn und andere Superreiche ernst meint, wird durch großzügige Spenden von ihm und seiner Frau Melinda Gates deutlich. Gemeinsam haben sie die Bill & Melinda Gates-Stiftung gegründet und spenden einen Großteil ihres Vermögens für wohltätige Zwecke auf der ganzen Welt. Gates habe insgesamt schon mehr als 40 Milliarden US-Dollar gespendet - beinahe die Hälfte seines derzeit geschätzten Vermögens.
Auch andere Reiche gleicher Meinung
Bill Gates steht mit seiner Ansicht gegenüber der Steuerreform nicht alleine da. Letzten Herbst hatten über 400 amerikanische Superreiche - unter ihnen zum Beispiel Steven Rockefeller, Ben Cohen und Jerry Greenfield, die Gründer von Ben & Jerry’s Ice Cream - in einem offenen Brief die geplante Senkung des Spitzensteuersatzes heftigst kritisiert.
Theresa Rauffmann / Redaktion finanzen.ch