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Sir Simon Rattle © Priska Ketterer/LUCERNE FESTIVAL
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Symphony Concert 17
Berlin Philharmonic | Sir Simon Rattle
Anderson | Dvořák | Brahms
Wed, 31.08. | 19.30 | Nr. 16321
Vergangenes Konzert
Sir Simon Rattle © Priska Ketterer/LUCERNE FESTIVAL
31.
Aug
Wednesday
19.30
Symphony Concert 17
Berlin Philharmonic | Sir Simon Rattle
Berliner Philharmoniker © Monika Rittershaus/Berliner Philharmoniker
Berlin Philharmonic
In 1882 a group of 54 ambitious musicians in Berlin formed an orchestra to perform concerts under their own aegis, thus giving birth to the Berlin Philharmonic. As their leader they chose Hans von Bülow, one of the finest conductors of the era, who laid the foundations for the Philharmonic’s culture of distinguished playing. His successors have included Arthur Nikisch (1895–1922), Wilhelm Furt-wängler (1922–54), and Herbert von Karajan (1955–89), all of whom developed the signature Berlin sound. It was in the Karajan era that the Berlin Philharmonic attained worldwide fame through its tours and many prize-winning recordings. Since October 1963 the Philharmonic’s home has been the Philharmonie in Berlin, a 2,400-seat concert hall designed by Hans Scharoun. After Karajan’s death in 1989, the players elected Claudio Abbado as their leader. He expanded the repertoire to include contemporary works and introduced program cycles focusing on specific themes. Since September 2002 Sir Simon Rattle has stood at the helm, performing music from the Baroque to the present. The musicians have chosen Kirill Petren-
ko to be Rattle’s successor when he leaves the Philharmonic in 2018. The orchestra is carving out an unconventional path into the future through its educational program aimed at younger audiences, as well as through the Digital Concert Hall, which opened in 2009 and streams concerts over the Internet. In 2014 it launched its own label, “Berliner Philharmoniker Recordings.” Once a year the musicians also perform as an opera orchestra at their Easter Festival, which, after 45 years in Salzburg, has taken place in Baden-Baden since 2013. In 2016 they performed Wagner’s Tristan there, and in 2017 comes Puccini’s Tosca.
LUCERNE FESTIVAL (IMF) on 30 August 1958 playing Beethoven’s Ninth Symphony under the direction of Herbert von Karajan.
For further information on this ensemble, visit their homepage at: www.berliner-philharmoniker.de
August 2016Other dates
Sir Simon Rattle © Priska Ketterer/LUCERNE FESTIVAL
Sir Simon Rattle
Sir Simon Rattle was born in Liverpool in 1955 and studied at the Royal Academy of Music in London. In 1980 he began his close relationship with the City of Birmingham Symphony Orchestra, which he led as Music Director from 1990 to 1998 and developed into a leading international orchestra. In 2002 he embarked on his position as Principal Conductor of the Berlin Philharmonic, whose repertoire he has gradually expanded by incorporating new music as well as Baroque works and rarities from music history. Many of their concerts have been recorded live and have won multiple awards. In the 2016-17 season Rattle will perform Ligeti’s opera Le Grand Macabre and John Adams’s oratorio The Gospel According to the Other Mary with the Philharmonic; a focus on contemporary music will also include the premieres of new works by Wolfgang Rihm, Simon Holt, and Thomas Adès, as well as compositions by Boulez, Grisey, HK Gruber, and Turnage. Rattle will finish his contract in Berlin in 2018, and in the preceding 2017-18 season he takes up his position as Music Director of the London Symphony Orchestra. Since 2002 Rattle has collaborated regularly with the Orchestra of the Age of Enlightenment and is currently that ensemble’s “Principal Artist.” He also conducts the major orchestras of Europe and the United States. Rattle made his debut as an opera conductor in 1977 at the Glyndebourne Festival and has also appeared at the Opéra de Paris, the ROH Covent Garden, Dutch National Opera, the Vienna Staatsoper, and the Metropolitan Opera in New York. In the spring of 2017 he will conduct a new production of Berlioz’s La Damnation de Faust at the Berlin Staatsoper. In 1994 Simon Rattle was made a Knight Bachelor by Queen Elizabeth II; he holds the Order of Merit of the Federal Republic of Germany and is a Knight of the French Legion of Honor. In 2013 he received the Léonie Sonning Music Prize.
LUCERNE FESTIVAL (IMF) debut on 8 September 1996 with the City of Birmingham Symphony Orchestra conducting works by Berlioz, Beethoven, Tippett, and Haydn.
August 2016Other dates
«Wir sind auf der Schnellstrasse unterwegs»
Jelka Weber, Flötistin bei den Berliner Philharmonikern, über die Perspektiven von Musikerinnen
1982 haben die Berliner Philharmoniker erstmals ein weibliches Mitglied aufgenommen. Heute, 34 Jahre später, gibt es 18 Philharmonikerinnen – das entspricht einem Frauenanteil von 14%. Haben Sie eine Erklärung dafür, warum es nur im Schneckentempo vorangeht?
Die Stellen werden nicht jeden Tag frei. Wenn eine Position besetzt ist, dann bleibt sie das in der Regel für mehr als dreissig Jahre – für die meisten ist es ein Lebenstraum, der in Erfüllung geht: Wer es geschafft hat, in unser Orchester zu kommen, kann sich eigentlich kaum mehr verbessern. Ausserdem glaube ich, dass viele Frauen eine gewisse Ehrfurcht vor der Institution Berliner Philharmoniker haben und sich deshalb nicht an eine Bewerbung wagen. Das bedeutet eine automatische Vorauswahl – der Pool an Bewerberinnen ist bei uns nicht ganz so gross, wie es der Markt hergäbe. Zumindest ist das mein Eindruck. Denn dass es immer mehr qualifizierte Frauen gibt, beweist die Situation an den Hochschulen.
Würde sich die Lage ändern, wenn die Probespiele anonymisiert stattfänden, wenn also die Kandidaten hinter einem Vorhang spielten? Was halten Sie von dieser Variante?
Ich habe auch einmal hinter dem Vorhang gespielt, und ich finde, dass man dadurch nicht die Chance hat, das Probespiel als eine Art Testkonzert mit der Jury als Publikum zu erleben. Man fühlt sich dann eher wie in einer Übe-Kabine. Dabei geht es doch auch im Probespiel schlussendlich um Musik, um einen Dialog zwischen Hörenden und Spielenden – im Konzert musiziert man auch nicht hinter dem Vorhang, sondern zeigt sich ganz. Deshalb bietet das offene Probespiel den ehrlicheren und realistischeren Eindruck. Die Bewerber können sich dann mit ihrer ganzen Persönlichkeit und ihrer Ausstrahlung präsentieren. Und genau dies ist für die Jury nicht unwesentlich.
Müssen Frauen besser sein als Männer, um sich im offenen Bewerbungsverfahren durchzusetzen?
Das glaube ich nicht. Nach meiner Erfahrung – und ich stimme ja heute selbst bei den Probespielen der Philharmoniker mit ab – müssen die Bewerber einfach etwas Strahlendes und Ansprechendes haben, was das Orchester überzeugt. Da geht es allein um die Sache, um die Kunst und nicht um das Geschlecht.
Wie haben Sie Ihr eigenes Probespiel erlebt?
Ich war Studentin in der Orchester-Akademie und hatte das Orchester deshalb schon intensiv von innen erlebt. Das machte es allerdings nicht leichter, denn so kannte ich bereits die hohen Massstäbe und stand ausserdem unter dem Druck, als Akademistin, d. h. als «hauseigener» Nachwuchs, ein besonders gutes Probespiel bieten zu müssen. Mein Lehrer Andreas Blau, der damals Soloflötist der Philharmoniker war, hatte mir deutlich den musikalischen Gestus erläutert, den man erwartete. Also zum Beispiel, dass die Musik ganz klar artikuliert wird, dass man farbenreich spielt und Extreme anbieten kann, sowohl in der Dynamik als auch im Facettenreichtum der Interpretation. Das alles muss im Probespiel schon zu erahnen sein.
Von den 18 Philharmonikerinnen spielen 15 Streichinstrumente; es gibt eine Harfenistin und nur zwei Bläserinnen, nämlich die Hornistin Sarah Willis und Sie selbst als Flötistin. Tun sich die Frauen schwer mit Blasinstrumenten?
Die Bläserinnen holen doch bereits auf. Aber vergessen Sie bitte nicht: Im Orchester gibt es viel weniger Bläser- als Streicherstellen. Deshalb erfolgt die Fluktuation dort viel langsamer. Eine Frau, die sich im Männerpool der Bläser behaupten möchte, muss zeigen, dass sie stabil ist und mit Entschlossenheit spielen kann. Das wird im Orchesteralltag ständig eingefordert: Es geht um Kraft und vor allem um eine gute Kondition, über die ganze Saison hinweg.
Gibt es eigentlich unter den 18 Philharmonikerinnen so etwas wie Frauensolidarität?
Die kann man sicher noch ausbauen. Ich glaube, es ist von grossem Vorteil, wenn wir untereinander solidarisch sind – das erleichtert ungemein das Zusammenspiel mit den Männern, die das spüren. Je weniger Aggressionen und Attitüden, Eitelkeit und Rivalität es gibt, desto unkomplizierter wird es.
Sie sind seit 1997 im Orchester, also seit bald 20 Jahren. In dieser Zeit wurden die Philharmoniker nur von drei Frauen dirigiert: von Simone Young, von Susanna Mälkki und von Emmanuelle Haïm. Wie sind Ihre Erfahrungen mit Frauen am Pult?
Die Zusammenarbeit mit Emmanuelle Haïm war für mich eine wirklich schöne Erfahrung: Sie ist auch nicht zufällig inzwischen fast jede Saison bei uns. Als Spezialistin für die Barockmusik und die historische Aufführungspraxis steht sie für ein Repertoiresegment, das nicht das primäre Spielfeld der Berliner Philharmoniker ist, aber sie hat es verstanden, das Orchester sehr zu inspirieren und diese wunderbare Musik in der Philharmonie zu neuem Leben zu erwecken. Wenn sie dirigiert, dann geschieht das mit einer anderen Körpersprache als bei ihren männlichen Kollegen. Sie legt Wert auf das feine kammermusikalische Zusammenspiel und versteht sich selbst als Bindeglied zwischen den einzelnen Instrumentengruppen: Es ist ein Geben und Nehmen.
Emmanuelle Haïm ist eine sehr weibliche Frau – bei ihrem ersten Philharmoniker-Auftritt im Jahr 2008 erschien sie sogar im Abendkleid …
Warum denn nicht? Sie ist als Person mit sich im Einklang, sie versteht ihr Metier, ist sehr professionell und bestens vorbereitet. Da gibt es dann keine Diskussionen. Natürlich braucht jede Dirigentin eine ungeheure Kraft und Energie, denn es ist ja nicht ohne, ganz allein vor einem Klangkörper von hundert Musikern zu stehen – das Kraftfeld zwischen Individuum und Masse muss ausgeglichen sein.
Glauben Sie, dass sich derzeit etwas tut und wir in ein paar Jahrzehnten doch noch Gleichberechtigung erreichen können?
Ich glaube, dass wir mittendrin sind in diesem Prozess, wir sind gewissermassen auf der Schnellstrasse in der richtigen Richtung unterwegs. Das gilt für die Orchester wie für die Position am Pult. Und es ist auch gut so, denn wenn sich weibliche und männliche Talente vereinen, also zum Beispiel Intuition einerseits und das Denken in grossen Bögen andererseits, dann erreichen wir unglaublich viel Gutes!
Interview: Susanne Stähr
Die gesamte Serie «Frauenfragen» können Sie im Festival-Blog nachlesen.
Am 10. September können Sie Jelka Weber auch mit Kammermusik erleben: gemeinsam mit vier Kolleginnen von den Berliner Philharmonikern spielt sie Werke von Helene Liebmann, Louise Farrenc, Fanny Mendelssohn und Mel Bonis.