Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03662.jsonl.gz/2412

Fragt man die Bewohner von Barrow, was für sie Frühling bedeutet, kommt als erste Antwort – Leser dieses Tagebuchs ahnen es – der Walfang. Mit wenig Abstand folgt die zweite Antwort: «mud» – Schlamm. Auch wenn die Temperatur tagsüber auf 0°C verharrt, so tropft es überall von den Dächern. Die Sonne scheint jetzt rund um die Uhr, und diese Strahlung reicht, um Schnee und Eis tauen zu lassen. In kurzer Zeit verwandelt sich alles in Schlamm. Wegen des Permafrosts gibt es keine asphaltierten Strassen oder Trottoirs, nur schwarzen Kies und Sand. Trotzdem wird das Meereis noch bis Juni vor der Küste liegen bleiben. Etwa zwei Meter dick ist es gegenwärtig.
Frühling bedeutet aber auch die Rückkehr des «snow birds», eines weiss-grauen Vogels, der auf den Dächern von Barrow sitzt und hübsch singt. Und der Vorbeizug unendlich vieler Eider-Enten: Vom Südwesten her ziehen sie im Zehnminutentakt in V-Formation der Küste entlang nach Norden, bis Barrow, und von da weiter Richtung Osten, Richtung kanadische Arktis zu ihren Nistplätzen. Man sieht genau, wo sie durchfliegen: unter ihrer Flugroute zieht sich eine Spur von Kot übers Meereis.