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Von der ungehorsamen Heiligen
Es war einmal eine ungarische Königstochter namens Elisabeth, die im Kindesalter einem thüringischen Landgrafen als Braut versprochen wurde. Im Alter von vier Jahren und mit einer reichen Mitgift ausgestattet, bringt man sie an den Hof des Landgrafen. Die Erziehung von Mädchen am Hofe der Adelsfamilien ihrer künftigen Gatten ist im Mittelalters absolut üblich. Elisabeths Einsatz für notleidende Menschen und ihr asketischer Lebensstil hingegen sorgen für Furore.
Elisabeth wird 1207 in eine Welt geboren in der Menschen von Geburt an eine bestimmte Stellung in der Gesellschaft innehaben. Auf der einen Seite der Adel und die Geistlichen in Wohlstand und Überfluss, auf der anderen Seite das einfache Volk in Armut und Elend. Früh entwickelt die fromme Elisabeth einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit.
Ein unkonventioneller Lebensentwurf
Nachdem ihr Verlobter verstirbt, heiratet sie 1221 im Alter von 14 Jahres dessen Bruder Ludwig. Während adelige Ehen zu der Zeit eher machtpolitischen Entscheiden oder Vernunftsehen gleichkommen, sind Elisabeth und Ludwig einander zugetan. Von der Landgräfin, die Elisabeth nun ist, wird erwartet, die herrschende Schicht zu repräsentieren. Dazu gehört auch das Zuschaustellen von Reichtum als Symbol des sozialen Status. Als sie sich aus Ehrfurcht vor Jesu Dornenkrone weigert, die Kirche mit einer prächtigen Krone auf ihrem Kopf zu betreten, ahnt man bereits, dass diese Adlige anders ist.
Prinzessin Diana des Mittelalters?
Sie setzt gegen die Sitte der Zeit durch, zu den Mahlzeiten am selben Tisch zu sitzen, wie ihr Mann. Zum Entsetzen des Hofes widmet sie sich dem Dienst an den Benachteiligten und erregt damit die Gemüter: Was in den 1980er Jahres bei der englischen Prinzessin Diana als noble Mildtätigkeit angesehen wurde, kam im Mittelalter einem Skandal gleich, da diese Tätigkeiten als einer Gräfin nicht würdig galten. Als 1224 die Ernte schlecht ausfällt, lässt Elisabeth alle Vorratskammern öffnen und verteilt die Nahrung ans Volk, sie verschenkt Schmuck und Gewänder und stattet die Bauern mit besserem Ackergerät aus. Nach und nach vertieft sie sich in die aufkommende religiöse Armutsbewegung.
Der Bruch mit der Herkunft
Elisabeths Verzicht auf eine standesgemässe Versorgung rufen in ihrem Umfeld Missachtung und Hohn hervor. Nachdem ihr Ehemann Ludwig ums Leben kommt, fehlt ihr der nötige Schutz vor den Anfeindungen am Landgrafenhof. Sie verlässt den Hof, legt ein Armutsgelübde ab und nutzt ihr Witwenerbe, um in Marburg ein Hospital zu errichten. Dort pflegt sie als einfache Spitalschwester Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Ihr Vermögen investiert sie vollständig in das Spital und in grosszügige Schenkungen an die Armen und Kranken.
Die Heilige Elisabeth im SKF
Im Alter von 24 Jahres stirbt Elisabeth selbst an einer Krankheit. Ihr Tod löst grosses Bestürzen in der Bevölkerung aus. Am 19. November 1231 wird sie beigesetzt, 1235 heiliggesprochen und Marburg somit zu einem wichtigen Wallfahrtsort. Bis heute ist die solidarische Nächstenliebe der mittelalterlichen, heiligen Elisabeth ein lebendiges Vorbild für viele Menschen. Am 19. November 1958, dem Gedenktag der Heiligen Elisabeth, fand die erste Spendenaktion des SKF statt. Die eingenommenen 180'000 Franken wurden dafür verwendet, die Folgen von Hungerkatastrophen in Asien und Afrika zu lindern.
Frauen für Frauen am Elisabethentag
Kurz darauf wurde das Elisabethenwerk gegründet, das sich der Unterstützung ärmster Frauen in den Ländern des Südens verschrieben hat und in kleinen Projekten mit lokalen Partnerorganisationen vor Ort nachhaltig Hilfe zur Selbsthilfe bietet.
Jedes Jahr zelebrieren die SKF-Freiwilligen am 19. November den Elisabethentag. Schweizweit finden an diesem Tag Spendenaktionen zu Gunsten des Elisabethenwerks statt. Dank der Spenden seiner Ortsvereine und Kantonalverbände kann das Elisabethenwerk Frauengruppen in Uganda, Bolivien und Indien unterstützen und das Feuer des unermüdlichen Engagements der Heiligen Elisabeth lebendig halten.
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