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„Das Neujahrsfest in China ist ein Familienfest“, erklärt Thomas Preiswerk. „Es ist das einzige Mal im Jahr, an dem sich die Familie sieht.“ Hunderte Millionen Menschen sind gleichzeitig unterwegs, reisen von ihrem Arbeitsort zu den Eltern. „Es ist die grösste `Migrationswelle’ im Jahr. Die in Basel wohnhaften Chinesen reisen ebenfalls nach Hause – wenn es ihnen möglich ist.“ Das Fest dauert zwei Tage, das traditionelle Essen sind Jiaozi, „chinesische Ravioli“. Je nach Region gibt es eine andere Version davon, angestossen wird nicht wie in Europa ausschliesslich mit Champagner, sondern mit verschiedenen alkoholischen Getränken, sowie Bier oder diverse Reisschnäpse. „Am Silvesterabend sehen sich die Chinesen ein Programm im Staatsfernsehen an: Neben traditioneller und moderner Musik werden auch kabarettähnliche Vorführungen ausgestrahlt. Das Ganze ähnelt manchmal einer Vorfasnachtsveranstaltung, an der auch kritisiert werden darf.“ Um etwa 23 Uhr beginnen die grossen Feuerwerke, die während der ganzen Nacht gezündet werden. „In den grossen Städten sind diese jedoch wegen Brandgefahr verboten“, sagt Thomas Preiswerk. Laut einer Legende hat das Feuerwerk eine wichtige Aufgabe. „Sie besagt, dass zu Beginn des neuen Jahres das Neujahrs-Monster erwacht. Dieses muss mit Feuerwerken, Lärm und der Knallfarbe Rot vertrieben werden“, sagt der China-Experte. „Übrigens ähnlich wie die Fasnacht den Winter mit viel Lärm vertreibt.“
Reichtum und Überfluss sind wichtige Komponenten des Neujahrfestes. Die Kinder bekommen rote Kuverts, mit Geld gefüllt. „Es ist kompliziert, wer wie viel erhält“, erklärt Thomas Preiswerk. „Während des ganzen Festes gibt es unzählige Symbole für Reichtum und Überfluss, den man sich für das kommende Jahr wünscht.“
Das Ende des Neujahrfestes ist das Laternenfest. „Das neue Jahr beginnt jeweils bei Neumond und endet beim nächsten Vollmond, der die Einheit der Familie symbolisiert“, so Thomas Preiswerk.