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Bellevue) und Neuhaus. 1842 entstand die heute noch bestehende Dampfschiffahrtgesellschaft für den Thuner- und Brienzersee, die nun 1843 mit der «Bellevue» auf dem Brienzersee und einem neuen Boot «Niesen» auf dem Thunersee ihren Betrieb eröffnete. Schon in den 50 er Jahren musste der Schiffspark vermehrt werden. 1869 ging der inzwischen wieder auf den Thunersee verbrachte und in den letzten Jahren nur als Schleppkahn verwendete erste Dampfer «Bellevue» bei einem Sturm vor Oberhofen unter. 1856/57 wurde der Winterbetrieb eingeführt.
Doch erst mit der Eröffnung der Eisenbahn Bern-Thun im Jahr 1859 war die Grundlage für die Bewältigung eines grösseren Verkehrs gegeben. Noch endigte lange Zeit die Dampfschiffahrt beim sog. Neuhaus am obern Seeende, von wo eine Wagenfahrt durch eine staubige Nussbaumallee die Reisenden nach Unterseen und Interlaken brachte. Nach Erbauung der Bödelibahn 1872 wurde Därligen Endstation; ausserdem richtete die Bahngesellschaft für die direkte Ueberführung von Eisenbahnwagen einen Trajektschiffverkehr ein, der mit der Eröffnung der Thunerseebahn im Jahr 1893 von selbst sein Ende fand.
Inzwischen war 1882-1884 die interessante Merligstrasse gebaut worden, welche in Anlage und malerischem Reiz ein Gegenstück zur Axenstrasse bildet und stark benutzt wird. Schon vor der Konkurrenz der Thunerseebahn war 1890-1892 die Dampfschiffahrtsgesellschaft zum Bau des 2,75 km langen Schiffahrtskanals mit Hafenanlage beim Bahnhof Interlaken geschritten, wodurch die Schiffe bis nach Interlaken gebracht werden konnten. Die Einführung direkter Kurse ermöglichte es, den Reiz der Seefahrt mit der Schnelligkeit der Beförderung zu kombinieren und sich so jenes Publikum zu sichern, dem mehr am ruhigen Genuss der Gegend liegt.
Zur Zeit (1907) verfügt die Dampfschiffahrtsgesellschaft (Aktienkapital 1½ Millionen Franken) über 14 Schiffe, wovon 8 auf dem Thunersee laufen. Es sind dies zunächst die beiden ältern, in erster Linie für den Winterdienst benutzten Eindecker «Stadt Thun» (1856; 220 HP, 300 Personen) und «Stadt Bern" (1861; 250 HP, 450 Personen),
dann die Halbsalondampfer «Beatus» (1870; 320 HP, 750 Personen),
«Bubenberg» (1874; 320 HP, 750 Personen),
«Helvetia» (1889; 400 HP, 500 Personen) und «Blümlisalp» (1906; 600 HP, 850 Personen). Zu diesen Raddampfern kommt das Schraubenschiff «Spiez» (1901; 110 HP, 120 Personen),
das dem Lokalverkehr zwischen den einzelnen Stationen dient, wodurch die grossen Schiffe für die direkten Fahrten frei werden. Den Transport der Güter besorgt der Schraubenschleppdampfer «Neptun» (1894; 30 HP, 12 Personen). Sämtliche Raddampfer sind durch Escher, Wyss & Cie. in Zürich erbaut worden; das Schraubenschiff Spiez stammt von Gebr. Sulzer in Winterthur. Mit diesem Schiffspark wurden pro 1907 in 7432 Fahrten 182828 km zurückgelegt. Im Winter (1. Oktober - 30. April) wurden (1907) 14-16 Fahrten pro Tag ausgeführt, zur Zeit der Hochsaison (1. Juli - 15. September) steigt die Anzahl der Fahrten auf 32 mit einer Fahrleistung von 779 km (Brienzersee: Maximum 20 Fahrten, 387 km). Die Zahl der beförderten Personen betrug 1907: 669504 (1895: 288000; 1900: 369658). Der Saisoncharakter der Dampfschiffahrt auf dem Thunersee wird in Uebereinstimmung mit den eben angeführten Fahrleistungen dargetan durch die Verteilung der Personenfrequenz auf die Monate (pro 1907). Im eigentlichen Winter (November-März) beträgt sie 11-18000 Personen, steigt im April und Mai auf 22000 bezw. 50000 Personen und erreicht im Juli und August die Höhe von 150000 bezw. 176000 Personen.
September und Juni machen mit 89000 bezw. 76000 Personen die Nach- und Vorsaison. Auf die Wochentage repartiert, zeigt sich die alles überragende Frequenz des Sonntags (163000 Personen) im Gegensatz zur Woche (Dienstag-Freitag: 77000-83000 Personen). Der Grund liegt in der ausserordentlichen Beliebtheit des Thunersees und seiner Umgebung als Ziel für Sonntagsausflüge. Fast die Hälfte der Reisenden fährt von Thun bezw. Scherzligen nach Interlaken oder umgekehrt. Dann folgen im Rang nach Massgabe der Verkehrsziffern: Oberhofen, Spiez, Gunten, Beatenbucht, Merligen, Beatenhöhlen, Leissigen.
Neben dem Dampfschiffverkehr besteht ein Lokalverkehr der Uferbewohner. Dem Holz- und Steintransport dienen eigene grosse Lastschiffe, sog. Böcke kleinere Ruderboote benutzt man zur Fischerei. Die eigentümliche Tatsache, dass viele Anwohner des rechten Seeufers (z. B. von Merligen) Grundbesitz jenseits des Sees haben, führt zu einem regen Verkehr über das Wasser behufs Bearbeitung und Nutzung der dortigen Grundstücke. Endlich wird die Wasserfläche von zahlreichen Lust- und Sportfahrzeugen der Pensionen und Hotels belebt.
In der ästhetischen Wertung kommt der Thunersee in Bezug auf die Lieblichkeit der Ufergelände, die Grossartigkeit der weiten Umgebung und den Wechsel der Szenerie gleich nach dem Vierwaldstättersee. «Landschaftlich überbietet freilich» sagt Christ, «die Seezone des Berner Oberlandes alle benachbarten weit durch die unerreichte, in Europa einzig dastehende Herrlichkeit der Hochgipfel, welche, vom reinen Lichtäther der höchsten Alpenhöhe umflossen, in den edelsten Formen über dem kraftvollen, grünen Vordergrunde schweben. Dieser unvergleichliche Schmuck schimmernder Hochfirne, welche sich in den schönsten Linien erheben, deren die unbelebte Natur je fähig war; dieser Hintergrund von ewigem Schnee in allem Schmelz der Luftferne des Föhnklimas wirkt in einer Weise, die fast den Massstab für die Würdigung der einzelnen Züge des Bildes nimmt».
Bibliographie: Bachmann, I. Die Kander im Berner Oberland. 1870. - Steck, Th. Die Denudation im Kandergebiet. 1892. - Forel, F. A. Le Léman. 1895. - Publikationen des schweiz. Hydrometr. Bureau (Aaregebiet). - Heuscher, J. Thuner- und Brienzersee, ihre biologischen und Fischereiverhältnisse. - Christ, H. Pflanzenleben der Schweiz. - Geschäftsberichte der Dampfschiffgesellschaft Thuner- und Brienzersee. - Amman. J. Entstehung und Entwicklung der Dampfschiffahrt auf dem Thuner- und Brienzersee (Berner Oberland. 1906, 13).
[Dr. R. Zeller.]
Geschichtliches.
Spuren prähistorischer Ansiedelungen im Gebiet des Thunersees kommen nur spärlich vor. Es seien immerhin die Funde aus der Bronzezeit in Ringoldswil und bei Strättligen erwähnt. Dagegen konnten Pfahlbauten nicht nachgewiesen werden. Während der römischen Epoche war der See sowohl befahren als an seinen Ufern besiedelt, obwohl auch aus dieser Zeit Funde nur vereinzelt auftreten. Eine Ausnahme bildet die Ebene von Allmendingen-Thierachern am unteren Ende des Sees, welche den gemachten Funden zufolge in der römischen Zeit stark bewohnt gewesen sein muss.
Die erste Erwähnung des Thunersees, freilich mit einer sehr fabelhaften Begebenheit in Zusammenhang gebracht, findet sich in der Historia Francorum des fränkischen Geschichtschreibers Fredegar, der um 660 schrieb und wahrscheinlich in Genf lebte. Er meldet, dass im vierten Regierungsjahr des Königs Dietrich, also 599, der lacus dunensis, in welchen der Fluss Arula mündet, in ein solches Sieden geriet, dass viele gesottene Fische gefunden wurden. Als erwiesen kann die frühmittelalterliche Besiedelung des Sees gelten.
Ist auch die über diese Epoche ausführlich sich verbreitende Strättligerchronik durchaus sagenhaft gehalten, so erscheint doch das Dasein christlicher Kultstätten am Thunersee während des ersten Jahrtausends erwiesen. Spiez und Scherzligen werden schon 763 urkundlich erwähnt, und das Heiligtum, des h. Beatus, sowie die Existenz der Gotteshäuser des h. Columban bei Faulensee und des h. Michael in Einigen lassen darauf schliessen, dass die Gegend des Thunersees für die Christianisierung des Landes ein Ausgangspunkt gewesen sein muss.
Ausser mehreren aus der romanischen Epoche stammenden Kirchenbauten am Ufer und im Gebiet des Thunersees sind als Zeugen mittelalterlicher Kultur die Reste alter Burganlagen zu erwähnen, wie in Spiez, Strättligen, Thun, Oberhofen, Balm bei Oberhofen und Weissenau. Im 13. Jahrhundert befanden sich am Ufer des Thunersees folgende Pfarrkirchen: Spiez, Einigen, Scherzligen, Thun, Hilterfingen, Sigriswil, St. Beat, Leissigen und Aeschi. In seinem Gebiete liegen die schon aus dem 12. Jahrhundert stammenden klösterlichen Niederlassungen von Interlaken und Amsoldingen. Die weltlichen Herren des Thunersees sind auf dem linken Ufer die Edlen von Strättligen, auf dem rechten und am untern Ende die von Thun, am oberen ¶
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Ende die auch aus dem Hause Thun stammenden Inhaber einer Herrschaft, die später, wohl infolge des Baronenkriegs, in die Häuser Rothenfluh und Unspunnen zerfiel. Wohl die nämliche Katastrophe führte die Zerbröckelung der erstgenannten Dynastien in kleinere Herrschaften herbei. Nach einer Urkunde von 1155 war schon um diese Zeit der Thunersee die Grenze zwischen den Diözesen Konstanz und Lausanne. Die bernische Eroberungspolitik des 14. Jahrhunderts hat wichtige Erwerbungen in diesem Gebiet zu verzeichnen, dessen Besitz in strategischer wie in wirtschaftlicher Hinsicht für die emporblühende Stadt von grosser Wichtigkeit sein musste.
Durch die Erwerbung von Thun 1384 und Unterseen 1386 war die wichtige Wasserstrasse des Thunersees, welche den Verkehr mit dem Oberland und seinen Alpenpässen vermittelte, vollständig im Besitze Berns. 1478 fanden langwierige Grenzstreitigkeiten zwischen dem Kloster Interlaken und Thun wegen des Sees statt. Thun beanspruchte den ganzen See, wogegen es aber Interlaken nachzuweisen gelang, dass der obere Teil von dem Vorgebirge der Nase an ihm gehöre. Schiffsverkehr und Fischerei waren schon früh von grosser Bedeutung.
Nach den vielen erhaltenen Notizen in den bernischen Ratsmanualen zu beurteilen, war der See seines grossen Fischreichtums wegen eine Art von Speisekammer für die Hauptstadt, besonders für festliche Anlässe. Die wichtigsten Fischenzen waren in der Aare bei Thun und auf der Spielmatt bei Unterseen. Wie reich der Ertrag der Fischerei im Thunersee gelegentlich ausfiel, beweist die Tatsache, dass 1640 an einem einzigen Tage 6500 Fische gefangen wurden. Durch die Einleitung der Kander in den See wurde der Fischbestand bedeutend vermindert. Der Verkehr war das ganze Jahr hindurch ein äussert reger. Grosser Beliebtheit erfreuten sich die Lustfahrten, welche der Rat von Thun mit den bernischen Amtspersonen, den Landvögten von Unterseen und Interlaken und den Geistlichen der Umgebung, alle Jahre unternahm.
An Naturereignissen, welche den Thunersee betreffen, seien ausser dem schon erwähnten fabelhaften Sieden des Sees im Jahre 599 der ebenfalls sagenhafte Bergsturz von Ralligen genannt. Grosse Veränderungen, namentlich in Bezug auf den Wasserstand und den Abfluss des Sees bei Thun, bewirkte die Ableitung der Kander in denselben. Was das äusserst seltene Gefrieren des Sees anbetrifft, so fand dasselbe 1453, 1573 u. 1595, sowie rasch hintereinander 1684, 1685 und 1695 statt.
Nach Privataufzeichnungen überfror am der See derart, dass der Schiffsverkehr von Thun nach Oberhofen, Gunten und Unterseen 10 Wochen lang eingestellt werden musste. Waren wurden mit Ross und Schlitten über die Eisdecke befördert. 1695 wiederholte sich dieses seltene Ereignis. Man fuhr von Anfang Januar bis Mitte März mit Ross und Schlitten über den See und trieb Viehherden vom linken auf das rechte Ufer. In neuerer Zeit ist dieses wohl nahezu vollständige Zugefrieren des Seespiegels nicht mehr vorgekommen, immerhin überfror noch 1829 das obere Seeende von Neuhaus bis Därligen.
Die landschaftlichen Schönheiten des Sees sind schon früh gewürdigt worden. Eine Zusammenstellung älterer Schilderungen des Sees findet sich im ersten Bande von J. R. Wyss' Reise in das Berner Oberland (1816). Unter den Künstlern, welche dem Thunersee und seinen Ufern zuerst ihre Aufmerksamkeit widmeten und in früher weit verbreiteten Stichen und Aquarellen seinen Ruhm verbreiteten, seien die beiden Lory, N. König, Wocher, Aberli und Wetzel erwähnt.