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Immer mehr Mädchen und Buben in der Schweiz wachsen mehrsprachig auf. Sprachwissenschaftlern zufolge wirkt sich dies positiv auf die kognitive Entwicklung des jeweiligen Kindes aus.Vorausgesetzt, der Spracherwerb erfolgt kindgerecht und nach gewissen Regeln.
Nathalie hat eine Deutschschweizer Mutter und einen französischsprachigen Vater aus der Romandie. In der Schweiz aufgewachsen, lernte sie sowohl Schweizerdeutsch als auch Französisch und spricht heute beides gleichermassen. Davon profitiere sie sehr, sagt die heute 24-Jährige, da sie ohne Sprachbarrieren leicht neue Freundschaften knüpfen könne. Zurzeit lässt sich Nathalie zur Lehrerin für die Sekundarstufe ausbilden. Sie möchte in Zukunft Deutsch, Englisch und Französisch als Fremdsprache unterrichten. Ihre zweisprachig ausgerichtete Erziehung beeinflusste auch ihre spätere Berufswahl: «Mein Interesse für Sprachen wurde so geweckt. Ich konnte nicht nur Deutsch und Französisch ohne Mühe in frühster Kindheit lernen, es fiel mir auch leichter, meine zusätzlichen Sprachen, Englisch und Italienisch, zu lernen.»
Je mehr Sie mit Ihrem Kind zusammen sind, desto intensiver ist der sprachliche Austausch.
Laut einer Erhebung des Bundesamts für Statistik aus dem Jahr 2015 sind fast 20 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung in der Schweiz zweisprachig. Weitere 4 Prozent geben an, mehr als zwei Hauptsprachen zu beherrschen. Dies beinhaltet die Kompetenz, zwei oder mehr Schweizer Landessprachen als Hauptsprachen (fast) gleichwertig zu sprechen. Am häufigsten ist dabei die Kombination Deutsch/Französisch (10 Prozent) und Deutsch/Italienisch (10 Prozent), gefolgt von Französisch/Italienisch (6 Prozent). Rätoromanisch als Muttersprache geht meistens einher mit dem fliessenden Beherrschen von Deutsch oder Italienisch oder beidem. Mehrsprachigkeit beinhaltet jedoch ebenso, neben einer der vier Landessprachen eine andere Muttersprache zu sprechen. Zu den meistgenannten zählen hier: Englisch, Portugiesisch, Albanisch, Serbisch, Kroatisch und Spanisch. Betrachtet man sowohl die Zeit zu Hause als auch jene am Arbeitsplatz, so sprechen 40 Prozent der Schweizer Bevölkerung alltäglich zwei oder mehr Sprachen.
Immer mehr junge Schweizer sind mehrsprachig
Bei der jüngeren Schweizer Wohnbevölkerung (15–24 Jahre) lebt über ein Drittel im Alltag mehrsprachig. Rund 12 Prozent sprechen sogar drei Sprachen und mehr – Tendenz steigend. So wachsen in der Schweiz immer mehr Kinder wie Nathalie mehrsprachig auf. Durch die Zunahme von interkulturellen Paarkonstellationen ergeben sich auch öfter mehrsprachige Eltern. Der häufigste Grund sind Wohnortswechsel. Bei Zuzügen aus dem Ausland kommt oft eine andere Herkunftssprache mit einer Schweizer Landessprache zusammen, oder bei einem Kantonswechsel kann es zu einer neuen Umgebungssprache kommen.
Kindern lernen schnell und mit hoher Motivation die Umgebungssprache, um neue Freunde zu finden.
Zieht ein französischsprachiges Paar mit Kindern nach Zürich, sprechen die Kinder zum Beispiel zu Hause Französisch, jedoch in der Schule Deutsch. Vielleicht gehen die Kinder aber auch in eine französischsprachige Schule, damit die Herkunftssprache neben der Umgebungssprache besser gefestigt werden kann. Generell lernen Kinder die Umgebungssprache schnell und mit hoher Motivation, um Freunde zu finden und sich mit der Umwelt verständigen zu können. Im Einzelfall kann es jedoch zu ausserordentlich komplexen Konstellationen kommen: Eine Deutschschweizerin spricht Hochdeutsch mit ihrem Partner, welcher aus der Romandie stammt. Nun ziehen sie mit ihrem zweijährigen Sohn nach Norwegen. Das Kind wäre dadurch mit Hochdeutsch, Schweizerdeutsch, Französisch, Norwegisch und – wie oft in skandinavischen Ländern – mit Englisch konfrontiert. Welche Sprachen soll das Kind nun lernen und wie kann dies geschehen?