Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03447.jsonl.gz/1100

Emil Pärli (1853–1934) gründete die Firma im Jahr 1892 zusammen mit einem Compagnon unter dem Namen Pärli & Brunschwyler. Der Firmensitz befand sich am Oberen Quai 6 in Biel.
Wie alles begann
Im Zentrum stand zunächst das Thema Gasbeleuchtung, insbesondere die Technik des Karbidgaserzeugers. Dabei wird dem festen Stoff Calciumcarbid Wasser zugeführt, was eine chemische Reaktion auslöst, bei der das Gas Acetylen entsteht.
Dieses wird in einen Brenner geleitet und entzündet, wobei ein helles Licht erzeugt wird. Pärli befand sich damit auf dem neusten Stand der Technik. Er scheint die Technologie nicht nur angewendet, sondern auch weiterentwickelt zu haben. Jedenfalls erhielt er bedeutende Aufträge, etwa die Installation der Strassenbeleuchtung in Kairo; andere Aufträge führten ihn nach Lyon, Beirut und Bagdad. Zudem gewann er eine Goldmedaille an der Pariser Weltausstellung von 1900.
Nach wenigen Jahren trennte sich Pärli von Brunschwyler und spezialisierte sich auf Heizungs- und Sanitäranlagen. Auch hier setzte er auf das richtige Pferd: Die Industrialisierung begann gerade Fahrt aufzunehmen.
Baden kommt in Mode
Mit diesem Aufschwung kamen auch industriell gefertigte Wasserhähne und Fittings für Rohrleitungen auf den Markt. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts hatten mit der allmählich verbesserten Versorgung der Haushaltungen mit Gas, Wasser und Kanalisation auch die Bedürfnisse zu wachsen begonnen: Mit dem ansteigenden Hygienebewusstsein wurden WC-Einrichtungen, aber auch Wasch- und Badeeinrichtungen langsam zum Must-have.
Dementsprechend bot Pärli denn auch bereits um die Jahrhundertwende einen «Cylinder-Badeofen mit Holzfeuerung» an, der ausserdem über eine «Kupferschlange zum Anschluss an die Zentralheizung» verfügte.
Die Firma Pärli & Cie. fügte nun ein stolzes «Biel-Bienne – Lausanne – Milan» unter ihre Anzeigen.
Anno Domini
Auszug aus einer Pärli-Offerte aus dem Jahr 1917. Typisch ist die violette Farbe der Schrift aufgrund des verwendeten, rein mechanischen Kopierverfahrens namens Hektographie – eine Technik, die in Form des so genannten Matrizendruckers bis in die 70er Jahre an Schweizer Schulen präsent war.
Dass ein Dachzimmer offenbar nur auf 15 Grad beheizt werden sollte, sei hier nur am Rand vermerkt. Man fragt sich indes durchaus, was es angesichts dieser Zahl bedeutet, dass für das WC und die Toilette im ersten Stock lediglich eine «Temperirung» vorgesehen war …
4,8 m2 Radiatoren-Heizfläche, 2 Radiatoren, 2 Radiatoren-Ventile 270.–, 3 m2 Heizfläche, 1 Heizspirale aus glatten Röhren mit allen erforderlichen Muffen, Holländern etc. 245.–
Erforderliche längere Rohleitung aus besten, schwarzen Muffenröhren mit den dazugehörigen Weichguss-Façon- stücken & Befestigungen 365.–
Jsolation der Rohrleitung mit Seidenpolster, Wellcarton & Tuchbandage 10.–
Werner Pärli und die Ära der Zentralheizungen
Der Sohn des Firmengründers, Ingenieur Werner Pärli (1889 – 1964), übernahm die Firma im Jahr 1928. Zu diesem Zeitpunkt war sein Vater bereits 75 Jahre alt. Werner Pärli gelang es, das Unternehmen erfolgreich durch die schwierigen Jahre der Weltwirtschaftskrise und des Zweiten Weltkriegs zu steuern. In den Nachkriegsjahren hingegen profitierte er nicht nur vom allgemeinen Aufschwung, sondern insbesondere vom Siegeszug der Zentralheizung.
1955 tritt in der Person von Dipl. Ing. ETH Henri Pärli, dem Enkel des Firmengründers, die dritte Generation in die Firma ein. Namentlich im Bereich der damals modischen Deckenheizungen war man führend. Und die Hochkonjunktur führte zu einer raschen Expansion der Firma.
Neubau und Krise
So konnte Henri Pärli per 1. April 1962 dann eine Firma übernehmen, welche in grosser Blüte stand. Sofort veranlasste er die Planung eines Neubaus. Und so entstand an der Renferstrasse, dem heutigen Firmensitz, ein eigenes Gebäude, welches er am 4. Juni 1965 feierlich eröffnen konnte. Er tat dies übrigens nicht, ohne in seiner Rede einige gepfefferte Salven in Richtung der damals grassierenden Fremdenfeindlichkeit und der dazu passenden Politik des Bundesrates abzufeuern. Diese verhinderte nämlich, dass man genügend Personal fand.
Trotzdem blickte Henri Pärli hoffnungsvoll in die Zukunft. Doch auf die Hochkonjunktur folgte die Krise. Bereits 1970 musste die damals 300 Mitarbeiter starke Firma Tribut zollen und eine massive Redimensionierung vornehmen. Die zahlreichen Filialen, welche die Firma namentlich in der Westschweiz unterhielt, wurden geschlossen. Eine einschneidende Massnahme, doch konnte die Firma so erfolgreich saniert werden. In der Folge wurde 1980 das Kerngeschäft in zwei eigenständige Betriebe aufgeteilt: Es entstanden die Pärli Heizung AG und die Pärli Sanitär AG.
Langjährige Mitarbeiter übernehmen
Nach dem Tod von Henri Pärli stand die Firma 1988 für einen Moment vor dem Aus. Doch dann konnte sie von den langjährigen Mitarbeitern Jörg Bachmann, Hans Ulrich Kauer und Michel Burri zu gleichen Teilen übernommen werden. Möglich wurde dies nicht zuletzt dank einer ohne grosses Tamtam zugesicherten Finanzierung von Seiten der Bank.
Die Feierlichkeiten zum grossen Firmenjubiläum wurden in zwei Schritten vollzogen: Anlässlich des 99-Jahre-Jubliläums wurden die rund 60 Mitarbeitenden 1991 zu einem Ausflug nach La Neuveville und zu einem grossen Fest eingeladen. Ein Jahr später feierte man dann ebenso ausgiebig mit Kunden und Partnern –
und zwar im brandneuen, violetten Pärli-Look.