Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03455.jsonl.gz/898

Sedi hat geschrieben: ↑
27 Jun 2021, 20:40
Ich weiß nicht, auf was du eigentlich rauswillst, ehrlich gesagt.
Ja, das merke ich. Ist aber mein Fehler, wenn das trotz aller Bemühungen nicht rüberkommt.
Worauf ich am Ende hinauswill ist, dass Scheinwahrheiten nunmal Scheinwahrheiten sind und auch durch stetige Wiederholung nicht an Relevanz gewinnen: Jede Argumentation fällt in sich zusammen, wenn sie sich auf den falschen Sachverhalt bezieht. Man muss erstmal verstehen, über was man eigentlich redet, sonst kommt man schnell zu Fehlschlüssen. Das gilt auch für den zitierten Artikel aus der Wikipedia.
Dieser Artikel spricht davon, dass bei einer auf gleichbleibender Ebene - also ohne Druck-Volumen-Veränderung - erfolgenden Schwimmbewegung keine Kräfte entstehen, die einer dynamischen Druckerhöhung von 0,5 bar (einhergehend mit einer entsprechenden Volumenreduzierung) oder 5 Meter zusätzlicher Tiefenveränderung entsprechen. Das ist für sich betrachtet auch völlig korrekt, geht aber leider am Problem vorbei.
Beim Tauchen ist es nunmal so, dass wir uns im dreidimensionalen Raum bewegen und daher permanenten Druck-Volumen-Veränderungen ausgesetzt sind. Ob ich den Arm beim Tauchen nach unten oder nach oben halte, bedeutet bei durchschnittlicher Armspannweite eines erwachsenen Mannes von ca. 1,80m Körpergröße eine Tiefenänderung von maximal 2,5 Metern bzw. 0,25 bar. Und das nur bei perfekter, unveränderter Tarierung. Bei Aufstieg oder Abstieg bzw. "pendeln" um die mittlere Tauchtiefe sind die Ausschläge entsprechend größer.
Beim Sporttauchen geht man beim Austauchen, also beim Verlassen der maximalen Tauchtiefe und dem Weg zurück an die Oberfläche, von einer maximalen Aufstiegsgeschwindigkeit von 7 Metern pro Minute aus. Das ist das, was unser Körper ganz gut verkraften kann. Nach dem Gesetz von Boyle-Mariotte kannst Du Dir leicht ausrechnen, was das für die Druck-Volumen-Veränderung bedeutet, die sich auch auf die Uhr auswirkt: rund 0,7 bar pro Minute. Also deutlich mehr, als im "Schwimmerbeispiel" als kritische Größe angeführt wird. Je kürzer die Zeit, in der diese Druck-Volumen-Veränderung stattfindet, desto dynamisch muss sich das Gesamtsystem anpassen, mit entsprechenden Folgen für das für die hermetische Abriegelung benötige Material wie Dichtungen, Gläser etc. pp.
Ich hab ja außerdem gesagt -- "ein Sprung vom 10-Meter-Brett is was anderes". Ich hab nur gesagt, dass man den Arm nicht so schnell bewegen kann, dass das viel am Druck ändert.
Siehe oben. Beim Tauchen bewege ich (nicht nur) den Arm gegen eine gedachte Nulllinie, sondern den gesamten Körper. Die Annahme, dass man den Arm (oder sonstwas) in irgendeiner spezifischen Geschwindigkeit bewegen muss, ist schlichtweg irrelevant. Die Druck-Volumen-Veränderung ist entscheidend, und dieser ist der zitierte Schwimmer überhaupt nicht ausgesetzt. Beim "Sprung vom 10-Meter-Brett" gilt (sinngemäß) das gleiche wie beim Tauchgang: Schnelle Druck-Volumen-Änderung, > 7 Meter pro Minute, dazu die schlagartige Temperaturveränderung, die sich auf das Gasgemisch in der Uhr auswirkt: Bodendichtungen geben nach, Krone fliegt raus, Glas reißt oder splittert, Lünette fliegt ab.
Der Wikipedia-Artikel-Schreiber hat völlig korrekt dargelegt, dass es für einen in einer gedachten Ebene schwimmenden Schwimmer unerheblich ist, ob die Uhr 0,5 bar mehr aushält oder nicht. Für den Taucher ist das aber in Abhängigkeit von der Tauchtiefe bzw. der Änderung derselben aber eben nicht
egal.
Falsche Annahme = unbrauchbares Ergebnis. Wer Äpfel und Birnen vergleicht, bekommt bestenfalls Obstsalat.