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Als Christoph Kolumbus vor über 500 Jahren den Mais nach Europa brachte, hat er wohl kaum geahnt, dass aus den vermeintlichen Hirsekörnern schon bald eines der wichtigsten Nahrungsmittel der Welt werden sollte.
Einleitung
Wie die Kartoffel oder Tomate gehört auch Mais zu den Lebensmitteln, die erst durch Christoph Kolumbus vom amerikanischen Kontinent über Europa auf der ganzen Welt Verbreitung fand. Heute ist Mais mit ca 1 Milliarde geernteter Tonnen, noch vor Weizen und Reis, das wichtigste Nahrungsmittel der Welt. Als Kulturpflanze breitete der Mais sich lang vor Kolumbus Zeiten von Mexico ausgehend in fast ganz Nord- und Südamerika aus.
Welch grosse Bedeutung der Mais für Bevölkerung hatte, sieht man daran, dass in den Schöpfungsmythen verschiedener Völker Mittelamerikas der Mensch von den Göttern aus Mais geformt wurde. Bei allen lateinamerikanischen Stämmen und Völkern gab und gibt es Maisgottheiten. Bis die ersten Europäischen Siedler in Nordamerika landeten, hatte sich das nahrhafte Süssgras fast in ganz Nord- und Südamerika als Kulturpflanze ausgebreitet.
Keine Hochkultur ohne Mais
Die ältesten erhaltenen Maiskörner wurden in den Höhlen des mexikanischen Höhlen des Tehuacan gefunden. Je nach Schätzung der Archäologen waren die, durch das trockene Hochlandklima konservierten Körner bis zu 6000 Jahre alt. Nach Ansicht vieler Archäologen machte der systematische Maisanbau und die Züchtung von grösseren Maissorten, dass Entstehen der indigenen Hochkulturen und Metropolen und Staatswesen der Maya, Azteken, Inka und Tolteken erst möglich. Der Anbau war einfach und die zwei Ernten pro Jahr waren üppig. Durch Bewässerungssysteme und Züchtungen wuchs der bewirtschaftete Mais auf die heute bekannte Kolbengrösse an, was es ermöglichte, zahllosen Arbeiter, Handwerker, Beamte, Priester und Soldaten zu der indigenen Hochkulturen zu ernähren, die selbst keine Nahrungsmittel anbauten.
«Unglaubliche 60 Prozent der globalen Maisproduktion werden zu Tierfutter verarbeitet.»
Grosser Nährwert
Mais enthält nicht nur grosse Mengen an Kohlehydraten, sondern auch Eiweiss, Fette, Riboflavin, Phosphor, Pottasche, Eisen, Kalzium, Zink und Vitamin B. Gelber Mais hat einen hohen Gehalt an Vitamin A, während blaue, violette und rote Sorten reich an krebshemmenden Antioxidantien und phenolischen Verbindungen sind. Innert weniger Jahrzehnte eroberte das neue Wundergetreide den gesamten Mittelmeerraum. Besonders in der Türkei wurde laut Berichten von Asienreisenden der Mais schon Ende des 16. Jahrhunderts auf in grossem Stil auf Plantagen Angebaut. Deshalb geriet die ursprüngliche Herkunft des Mais fast in Vergessenheit. In der frühen Neuzeit nannte man den Mais in Europa türkischen Weizen. Der Mais war dank seiner zwei Ernten und dem hohen Nährwert derart ertragreich, dass er zeitweilig die angestammten Getreidesorten im südlichen Europa verdrängte.
Doch schon bald zeigte sich eine der Schattenseiten durch Monokulturen und einseitige Ernährung. Im späten 17. Jahrhundert verbreiteten sich unter armen, südeuropäischen Menschen, die sich vor allem vom billigen Mais ernährten, epidemische Hautausschläge und Demenz. Viele von ihnen starben. Tatsächlich war die Ursache der als Pellagra bekannten Maiserkrankung ein drastischer Mangel an Vitamin B. In Europa wurde der Mais gemahlen wie Korn. Bei der indianischen Maisverarbeitung hingegen wird der Mais in einer Kalklösung eingeweicht, geköchelt und dann verarbeitet. Erst hierdurch wird das Niacin aufgeschlossen und das lebenswichtige Vitamin B freigesetzt.
Futtermittel und Diesel statt Nahrung
Heute sind die USA laut Welternährungsorganisation FAO mit 360 Millionen Tonnen Mais im Jahr der weltgrösste Produzent und Exporteur von Mais. Doch Mais ist nicht gleich Mais. Gibt es in Südamerika eine Vielzahl verschiedener Maissorten mit unterschiedlichen Farben und Nährstoffen, hat sich in unserem breiten der Gelbe Zuckermais oder Körnermais und der sogenannte Futtermais durchgesetzt. Aber dieser ist nicht gerade schmackhaft und bei der Ernte werden auch die Pflanzenfasern miteingehäckselt, die für Menschen nicht giftig, aber ziemlich ungeniessbar sind. Deshalb nennt man Futter- und Energiemais auch Silomais, Mais als Nahrungsmittel Zucker oder Körnermais. Aber es werden unglaubliche 60 Prozent der globalen Maisproduktion zu Tierfutter für die Massentierhaltung verarbeitet. In Deutschland erlebte der Mais erst in den 70ern einen Boom. Aber von Beginn an vor allem als Tierfutter und seit den 90er Jahren als Grundlage für Biodiesel. Ein Drittel der der deutschen Produktion dient mittlerweile der Produktion von Treibstoff. Der Grossteil der übrigen Maisanbaufläche dem Futtermais und nur ein Viertel der Saat von Körnermais.
Durch den Maisdiesel stiegen auch die Maispreise an. Die vorhandene Körnermaismenge für Nahrungsmittel wurde durch den Futter- und Energiemaisanbau so knapp, dass der Mais für die Konsumenten in der Dritten Welt zu teuer wurde, was insbesondere in Mexiko 1997 zu blutigen Massenprotesten führte. zu Massenunruhen, weil die Verarbeitung des Nahrungsmittels zu «Bio»diesel zu einer Nahrungsmittelknappheit führte.
Mais und Gentech
Eine weitere unschöne Rolle spielte der Mais bei der Forcierung der Gentechnologie in Landwirtschaft und der Patentierung von Saatgut. Das hat historische Gründe. Mais ist eine genügsame Pflanze, die auf den meisten Böden prächtig gedeiht. Allein, er mag es in der Wachstumsphase warm und feucht. Um ihn in Europa auch nördlich der Alpen anzubauen brauchte es kälteresistentere Sorten, die früher geerntet werden konnten. So gelang es erst in den 30ern des 20. Jahrhunderts in den USA Sorten zu züchten, die durch Hybridisierung auch in kühlerem Klima gedeihen. Der Nachteil der Hybriden: Sie lassen sich nicht einfach weitervermehren, die Landwirte müssen das Saatgut jedes Jahr neu kaufen.
Mittels Gentechnologie begannen die Hersteller von Saatgut und Pestiziden in den 80ern des 20. Jahrhunderts Sorten zu züchten, wie den Roundup Ready Mais von Monsanto, der gegen das hochgiftige Breitbandpestizid Roundup resistent war. So konnte das gleiche Firmenkonglomerat Bauern regelrecht zwingen, Saatgut und das passende Pestizid exklusiv bei ihnen zu kaufen.
Der sogenannte sogenannte BT-Mais produziert die Abwehrgifte gegen Schädlinge durch ein Gen eines Bodenbakteriums selbstständig. Allein der BT-Mais-Mais macht in den USA bereits die Hälfte des Maisanbaus aus. Zusammen mit anderen Genmaissorten ist heute der Anteil des GVO_Mais an der Gesamternte in den USA über 90 Prozent. Ähnlich ist die Situation in Argentinien, das ebenfalls zu den grossen Maisprduzenten der Welt gehört.
In der EU wurde 1996 der erste Genmais zugelassen. Doch mit Ausnahme von Spanien und Portugal konnte er sich nie richtig durchsetzen. Einige Länder wie Österreich, Frankreich, Griechenland und Ungarn und das Nicht-EU-Mitglied Schweiz erliessen nationale Verbote gegen den Anbau, im Fall der Schweiz auch Importverbote. Deutschland, das testweise die Sorte Mon818 anbaute, stoppte das Experiment 2009. Es stellte sich nämlich heraus, dass schädlingsresistente Maissorten zwar weniger Pestizide brauchen. Dafür verbreiten sich die Pollen des Genmais unkontrolliert und töten eben nicht nur Maissschädlinge sondern auch andere Insekten, Schmetterlinge und Wasserorganismen. Sie haben also keinen Vorteil gegenüber dem Pestizideinsatz.
Mais bleibt wichtig für die Welternährung
Der Mais könnte in Zukunft sogar eine noch grössere Rolle bei der Welternährung spielen. Ohne die absurde Verschwendung des Grossteils des Mais als Viehfutter oder Treibstoff wäre gerade Mais geeignet, auch mit umweltschonender und extensiver, bäuerlicher Landwirtschaft grosse Erträge zu erzielen und die Nahrungsmittelversorgung der Menschheit weiterhin zu gewährleisten.