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Anhang 9.3
Spezial-Report Philipp Ackermann:
Eintauchen in den EncycloSpace
In wissenschaftlichen Abhandlungen werden beobachtbare Zustände und Ereignisse erklärt, indem man sie auf allgemein gültige Hypothesen zurückführt. Die zentrale Frage der Wissenschaft lautet, wie die Gültigkeit von Theorien, Hypothesen und Erklärungen ermittelt werden kann [Ulrich81]. Mit der Hinzunahme von Simulationsmodellen, in denen sich Erklärungsmuster reflektieren und testen lassen, kommen zur rein inneren Logik von Aussagen (Wahrheitsgehalt) auch vermehrt Fragen auf bezüglich der Gestaltungskraft im praxisbezogenen Anwendungszusammenhang. Die Grundannahme des Programms "Encyclo-Space" besteht darin, dass durch Einsatz von Computer reale Systeme hoher Komplexität wissenschaftlich besser erfasst und modellhaft abgebildet werden können als mit reiner Denkarbeit "auf Papier". Zudem ermöglicht das Eintauchen in diese Modellwelten mittels multimedialer Benutzerschnittstellen und das aktive Navigieren sowie Interagieren eine hohe Wahrnehmungsdichte, so dass hochdimensionale Zusammenhänge erkennbar werden und damit der Erkenntnisprozess an Qualität zunimmt.
Es besteht Grund zur Annahme, dass Wissenschaft ohne die oben genannten Werkzeuge zukünftig an Relevanz und gesellschaftlicher Akzeptanz verliert. Die immense Publikationsflut wird in Zukunft vielleicht dadurch eingeschränkt, indem wissenschaftliche Publikationen ohne ein interaktiv verwendbares Simulationsmodell nicht mehr wissenschaftlichen Qualitätskriterien genügen werden. Dies bedeutet, dass Theorien und Ideen nur dann einer Beurteilung innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft genügen werden, wenn diese auch den Prozess der Operationalisierung und die Umsetzung auf ein lauffähiges Computerprogramm bestanden haben. Studenten werden sich von belehrendem Frontalunterricht und stupidem Auswendiglernen gelangweilt abwenden und sich selbständig, dafür hochmotiviert mit Simulationsmodellen auseinandersetzen und möglicherweise zum Forschungsprozess eigene Beiträge hinzufügen können.
Dieser Prozess hat eine Depersonalisierung von Wissen zur Folge. Nicht mehr alleine die Referenz auf die Gurus einer Zunft (die Hohenpriester des Wissens) spielt eine Rolle, sondern auch die experimentelle Überprüfung eines ausführbaren und interaktiv testbaren Simulationsmodelles. Der Fortschritt innerhalb einer Wissenschaft kann durch Verbesserung oder Austausch von Teilen (Daten/Strukturen oder Prozesse) eines Modelles geschehen, ohne dass damit alleine nur eine Theorie und damit immer auch eine Person angegriffen werden muss. Wissenschaft basiert dann wieder vermehrt auf Arbeitsergebnissen und weniger auf Ruhm, Ruf und Ehre.
Diese Veränderung des Wissenschaftsverständnisses, falls sie stattfindet, wird keineswegs überall auf Akzeptanz stossen. Sie darf aber nicht so verstanden werden, dass nur noch harte Fakten im naturwissenschaftlich-mathematischen Sinn Gültigkeit haben sollen. Vielmehr ist damit die Hoffnung verbunden, dass sich philosophisch-ethische oder metaphysisch-ästhetische Überlegungen, die auf die angestrebten Simulationsmodelle rekurrieren, auch an Aussagekraft gewinnen.
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