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Die Israelitische Gemeinde Lausanne (CIL) geht auf einen zunächst formlosen Zusammenschluss von vier Familienvätern im Jahr 1848 zurück, den Brüdern Weiller, Frédéric Maas und Lévy-Picard. Die offizielle Gründung erfolgt zwischen 1865 und 1870. Zu dieser Zeit hat die Gemeinde etwa fünfzehn Mitglieder, die praktisch ausschliesslich aus Elsass-Lothringen und dem Aargauer Surbtal (Lengnau und Endingen) stammen.
Sie mieten einen Gebetsraum an, erwerben einen Friedhof und bilden einen aus drei Mitgliedern bestehenden Vorstand. Die ersten noch erhaltenen Buchhaltungsbelege stammen aus dem Jahr 1870.
Im Laufe der Zeit wird der Gebetsraum im Haus „Mercier“ im Ortsteil Grand-Chêne zu klein, und 1906 erwirbt die CIL ein Grundstück, um eine dieser Bezeichnung würdige Synagoge zu errichten.
Am Dienstag, den 9. Oktober 1909 wird der Grundstein der Synagoge von Lausanne gelegt, die Einweihung ist am 7. November 1910. Eine wichtige Rolle in diesem Bauvorhaben spielt ein jüdischer Mäzen aus dem französischen Bordeaux. Als Zeichen des Dankes an die Schweizer für die Aufnahme der Bourbakiarmee im Jahr 1870 hinterliess Daniel Iffla-Osiris der Stadt Lausanne einen Teil seines Vermögens, hierunter einen Betrag von 50 000 Franken für die Israelitische Gemeinde Lausanne zum Bau einer Synagoge. Diese, so war es im Testament ausgeführt, sollte der Synagoge in der Rue Buffault in Paris gleichen, die er 1877 den Pariser Juden geschenkt hatte.
Damit hat die Israelitische Gemeinde das notwendige, durch einen Bankkredit aufgestockte Grundkapital und die Zustimmung der Hauptversammlung. Jedoch muss noch ein Hindernis aus dem Weg geräumt werden, bevor mit dem Bau des neuen Gotteshauses begonnen werden kann. Der Testamentsvollstrecker (kein Geringerer als der damalige französische Präsident Emile Loubet) muss einer Abweichung von den Bestimmungen des Erblassers zustimmen, um ein weniger aufwändiges und den örtlichen Gegebenheiten besser angemessenes Gebäude zu errichten. Die Zustimmung wird gegeben; damit aber die Absicht des Stifters zum Ausdruck kommt, werden zwei heute noch sichtbare Tafeln als Hommage an alle grossen Persönlichkeiten des Judentums und alle nicht jüdischen Franzosen, die sich zur Wahrung jüdischer Rechte eingesetzt haben, am Fuss des Altars befestigt.
Auf einem von Weinfeldern umgebenen Gelände im Ortsteil „En Bellefontaine“, möglicherweise eine absichtlich abseits des Stadtzentrums gewählte Lage, wird mit dem Bau begonnen, der schnell von Statten geht. Unter dem Grundstein wird die Kassette mit wichtigen Angaben über die Israelitische Gemeinde und mit den Namen des damaligen Vorstandes (Louis Lob, Vorsitzender, Isidore Dreyfuss, Lazar Rhein, Michel Lazare und Albert Katz) eingemauert.
Zwei volle Tage dauert die offizielle Einweihung, bei der alle Einwohner von Lausanne zur Besichtigung des Gebäudes eingeladen sind. Sie ist begleitet von Festakten und Trankopfern in Gegenwart zahlreicher Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens der umliegenden Gemeinden und Kantone, von Vertretern der Justiz, der Religionen und Universitäten. Geweiht wird die Synagoge vom Genfer Grossrabbiner. In der grossen Synagoge finden an jedem Sabbat und an allen Feiertagen Gottesdienste statt. Die täglichen Morgen- und Abendgottesdienste werden in der so genannten „Kleinen Synagoge“ abgehalten, einem Raum im Untergeschoss mit Eingang von der Avenue Florimont her.
Am 12. Juli 1927 erteilt die Hauptversammlung dem Vorstand das Mandat, einen Rabbiner zu suchen.
Die Wahl fällt auf Jules Ptaschek (10.04.1903, Wissembourg - 15.10.1981, Metz), welcher am 2. Dezember 1927, während eines Gottesdienstes, feierlich sein Amt als erster Rabbiner von Lausanne antritt, welches er von 1927 bis 1936 innehat.
Auf der gleichen Hauptversammlung wird auch die Schaffung einer „Garkisch“ (einer koscheren Pension) beschlossen, um die Bedürfnisse von Menschen, welche sich dem religiösen Leben widmen, zu sichern.
Die Gottesdienste in der Synagoge werden vor allem an Feiertagen von einer Orgel begleitet. Von 1936 bis 1946 ist Aron Schulmann Rabbiner der Gemeinde. Auf ihn folgt von 1948 bis 1990 Georges Vadnaï, unter dessen Führung die Gemeinde einen starken Aufschwung erlebt und ein jüdisches Bad (Mikwe) sowie eine jüdische Schule eingerichtet werden. Er ist es, der die Aufnahme nordafrikanischer Immigranten in die Gemeinde erlaubt, die zwischen 1950 und 1962 in die Schweiz kommen.
In dieser Zeit sind mit grossem Eifer auch Vorbeter Zoltan Berkovits (1936 – 1986) sowie der immer hilfsbereite Kultusbeamte Willy Matzner, die Seele der Gemeinde, für diese tätig.
Als weitere Rabbiner engagieren sich Saadia Morali, Hervé Krief und Alain Naccache. Zurzeit ist die Gemeinde auf der Suche nach einem Nachfolger, welcher die Funktion wird von Rabbiner-Assistent Lionel Alkaïm wahrnimmt.
Die Gemeinde unterstützt Flüchtlinge aus den Jahren 1933 - 1945 wie auch Israel in vielen karitativen Werken. Die Israelitische Gemeinde ist seit 2007 vom Kanton Waadt offiziell anerkannt und heute Teil der Israelitischen Gemeinde Lausanne und des Kantons Waadt (CILV). Die Gemeinde Vevey hat ebenfalls ihrer Eingliederung in die Letztere zugestimmt.
Mark Elikan, Enable JavaScript to view protected content.
Literatur
Aaron Kamis-Müller, Vie juive en Suisse, Seiten 101-163, Editions du Grand-Pont, Lausanne, 1992 Geroges Vadnaï und Isaac Menassé, Contribution à l’histoire de la CIL, 1948-1987, Ismen, Lausanne, 1986 Anne Weill-Levy, Communauté Israélite de Lausanne, 1848-1948, Lausanne, Mai 1998
Anne Weill-Levy, Regards sur la vie d’une communauté juive, 1947-2007, Lausanne, 2007
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