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«Ich bin sicher, dass wir wieder gewinnen werden», sagte der Bauer. «Die harten Fakten sprechen für uns.» Der 65-Jährige, der nur drei Jahre zur Schule gegangen war, hat seit 2001 Gesetzestexte studiert, um schliesslich mit anderen Dorfbewohnern gegen die Umweltverschmutzung eines Qihua-Chemiewerks zu klagen.
Giftige Abwässer haben Felder überflutet
Giftige Abwässer hatten damals die Felder seines Dorfes Yushutun vor den Toren von Qiqihar in der Provinz Heilongjiang im Nordosten Chinas überflutet. Seither konnte auf dem Land kein Ackerbau mehr betrieben werden. Als sich Wang Enlin über die Chemiefabrik beklagte, sagten ihm die Behörden, er müsse den Umweltschaden beweisen. Der Bauer fühlte sich im Recht, aber wusste nicht, welche Gesetze gebrochen worden waren. So begann er mit dem Studium juristischer Bücher.
Da er kein Geld hatte, um die Bücher zu kaufen, las er die Texte in einem örtlichen Buchladen und schrieb sich wichtige Informationen in ein Heft. Dem Besitzer schenkte er als Gegenleistung immer wieder mal etwas Mais.
Anwaltskanzlei unterstützt Bauern
Vor knapp zehn Jahren bekamen Wang Enlin und seine Nachbarn kostenlose Unterstützung durch eine Anwaltskanzlei, die auf Umweltfälle spezialisiert ist. Das Gericht von Ang'angxi in Qiqihar nahm den Fall allerdings erst acht Jahre später auf. Auf Grundlage der gesammelten Beweise von Wang Enlin wurde der Chemiekonzern schliesslich zu 820'000 Yuan, umgerechnet 118'000 Franken, Schadenersatz verurteilt.
Das Urteil schlug in chinesischen Medien einige Wellen, weil Klagen gegen grosse Konzerne, die häufig nicht nur wichtige Steuerzahler und Arbeitgeber sind, sondern in China auch mit lokalen Stellen kungeln, bisher noch selten Erfolg haben. Auch sind die Gerichte in China nicht unabhängig und das Rechtssystem schlecht entwickelt.
Viel Lob
«Die meisten Leute haben wenig Zuversicht, eine Umweltklage einzureichen, besonders wenn die Beschuldigten grosse mächtige Firmen sind oder auch Behörden», sagte Liu Jinmei, Anwalt am Zentrum zur Unterstützung von Opfern von Umweltschäden an der Pekinger Universität für Recht und Politik, der Zeitung «Zhongguo Qingnianbao». «Sie glauben nicht, dass sie eine Chance haben.»
Der hartnäckige Bauer bekam viel Lob. «Er hat sich selber das Recht beigebracht und gegen Anwälte gewonnen, die der Gegner in grossen Städten angeworben hat», kommentierte das Blatt. So bescheiden der Schadenersatz für die Kläger nach 16 Jahren auch aussehen mag, so symbolisch ist der Erfolg gegen den Chemieriesen, der in den vergangenen zehn Jahren neben dem Dorf auch noch eine fünf Meter hohe Halde mit tonnenweise Chemieabfällen aufgetürmt hat.
«Ich werde weiter gegen Qihua klagen», sagte Bauer Wang Enlin. Vier weitere Fälle seien noch anhängig. Sie sammelten weiter Material, um den Kampf fortzusetzen. «Wir haben einen sehr langen Weg vor uns.»