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Die Samurai stellten den Adel und das Kriegerheer im alten Nippon dar und hatten alle Rechte gegenüber dem gemeinen Volk. Im Grunde genommen sind sie das pendant zum europäischen Ritter.
Genau wie in den hiesigen Adelsfamilien gab es Stämme bzw. Sippen des "blauen Blutes", welches von einer Generation zur Nächsten weiter vererbt wurde. Auch sie trugen Rüstungen und zogen in den Krieg, wie es die Ritter in Europa taten. Doch es gibt einige wichtige Punkte, in welchen sich die Samurai von unseren adeligen und ritterlichen Vorfahren unterscheiden.
Die Hierarchie war sehr wichtig und streng, und ist auch heute noch zu spüren. Sie gliederte sich im Wesentlichen wie folgt (vereinfachtes Modell):
|Rang||Beschreibung|
|Kaiser||Er hatte den Rang eines Halbgottes|
|Shogun||Oberbefehlshaber des kaiserlichen Heeres|
|Daimyo||Fürst|
|Samurai||Adeliger und Krieger|
|Bauer, Fischer, Untertanen||Sie hatten im Gegensatz zu den andern Hierarchiestufen keine Rechte|
Die wahrscheinlich wichtigste Rolle im Erhalt dieser Hierarchie über Jahrhunderte hinweg spielte das Bushido, der Ehrenkodex, dazu aber später.
Trotz der starken Hierarchie gab es sog. Ronin, herrenlose Samurai, welche durch das Land zogen. Sie boten ihre Dienste dem Meistbietenden, und verdienten sich so ihren Lebensunterhalt.
Es gab die Samurai nicht von Anbeginn der Zeit. Die Entwicklung der Kaste der Samurai, Daimyo und Shogun dauerte mehrere Jahrhunderte. Die ersten Anzeichen bildeten sich im 8. Jahrhundert (nach Chr.) im Osten und Nordosten Japans. Allerdings hatte die damalige Form noch nicht sehr viel gemeinsam mit der uns Bekannten. Erst im 10. bis 12. Jahrhundert formten sich Samurai-Sippen mit mächtigen Gefolgschaften. Sie standen nominell nur im Dienste des Kaisers. Die Stufe des Shoguns (der Oberbefehlshaber der kaiserlichen Heeres) und des Daimyos (Fürsten) gab es noch nicht. Doch es wurden bereits die Grundprinzipien des Moralkodex (kyuba-no-mishi) festgehalten, welcher sich dann später zum Gesetzeskodex dem Bushido ("Weg des Kriegers", bushi = Krieger, do = Weg im philosophischen Sinne) wandelte.
Im Bürgerkrieg des 12. Jahrhunderts reiften dann die Voraussetzungen zur Errichtung des Shogunats. Im 13. Jahrhundert bildeten sich die Hauptnormen für die Kampfkünste, welche aus den Disziplinen Waffenarten, Trainingsmethoden, Zweikampfregeln und ethisches Verhalten auf dem Schlachtfeld zusammengesetzt waren. Zu dieser Zeit erfuhren auch zwei japanische Zweige des Zen-Buddhismus, Soto und Rinzei, einen grossartigen Aufschwung, die dem Bushi-Stand (Krieger-Kaste) seine religiös-philosophische Grundlage geliefert und der Samurai-Kultur seine einmalige Spezifik lieferte.
Die Kampfkünste wurden sehr lang erhalten, bis sie dann von den portugiesischen Musketen und Pistolen ergänzt, teilweise sogar konkurenziert wurden. Der Stellenwert der Samurai liess aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht nach. Die Samurai-Kultur blieb sogar sehr lange bestehen. Erst in der Meiji-Restauration, als sich Japan der restlichen Welt öffnete verblasste die Blüte der Samurai. Es kam teilweise sogar soweit, dass die Künste und Traditionen abgewiesen und sogar vergessen wurden, weil das Westliche modern war.
Die Samurai waren Meister der Tugenden. Das Bushido, der Ehrenkodex, spielte in der Feudalzeit eine fast zentrale Rolle, denn es war für jeden Samurai die oberste Pflicht. Für uns kaum vorstellbar, war das Bushido wichtiger als Menschenleben. Es war das Gesetz der Ehre (= giri) und bestand aus folgenden Punkten:
Die jungen Samurai wurden von Klein auf in diesem System erzogen. Sie mussten bereits im Vorschulalter lernen, alle diese Dinge zu jeder Zeit zu beachten; alle diese Tugenden zu beherrschen selbst im Moment des Todes. Auch dies wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Das Bushido war vergleichbar mit einer Religion. Ein Zitat:
"Die Schönste unter der Blüten ist die Kirschblüte, der Edelste unter den Menschen ist der Samurai."
Einige weitere Formulierungen für das Bushido sind:
"Wahre Tapferkeit besteht darin, dann zu leben, wenn es an der Zeit ist zu leben, und dann zu sterben, wenn es an der Zeit ist zu sterben."
"Ein Samurai muss nicht nur ein vorbildlicher, sondern auch ein treuer Sohn sein. Er verlässt seinen Herrn auch dann nicht, wenn die Zahl seiner Vasallen von hundert auf zehn und von zehn auf einen gekürzt wird."
"Im Kriege zeigt sich die Samurai-Treue darin, dass er furchtlos gegen die feindlichen Pfeile und Speere vorgeht und sein Leben opfert, wenn dies erforderlich ist."
Diese Zitate beschreiben die unbedingte Treue gegenüber dem Herrn. Der selbstlose Kampf war einer der Gründe der die Samurai zu solch starken Kriegern machte, und für den Erfolg auf dem Schlachtfeld im Krieg gegen die einfallenden Mongolen, welche vollständig vernichtet wurden.
"Sei mässig beim Essen und meide Hemmungslosigkeit."
Ein Zeichen für Bescheidenheit und Selbstbeherrschung.
"Wenn der Samurai im Krieg den Kampf verliert und sein Leben lassen muss, dann hat er stolz seinen Namen zu nennen und mit einem Lächeln ohne erniedrigende Erregung zu sterben."
Das Ehrgefühl gehört auch dazu.
"Wer nur über rohe Kraft verfügt, verdient nicht den Namen Samurai. Ein Samurai muss auch die Wissenschaften studieren, er muss seine Mussestunden nutzen, um sich in der Poesie zu üben und die Teezeremonie zu verstehen."
Dies zeigt sehr schön, dass Vielseitigkeit, Offenheit und Umgangsformen wichtig waren, nicht nur das Töten auf dem Schlachtfeld. Als Zeitvertreib beschäftigten sich die Samurai mit dichten von Versen, Papierfalten, Malen oder dem Schreiben von Büchern. Bogenschiessen und Fischen war auch nicht unbeliebt.
Achtete ein Samurai das Bushido nicht oder begann er ein grosses Vergehen dagegen, verlor er seine Ehre. Dies hatte meist das Seppukku zur Folge. Seppukku ist eine rituelle Selbsttötung, bei welcher sich der Samurai die Eingeweide mit einem Messer aufschlitzt, dabei keine Miene verziehen darf und sich schlussendlich von seinem besten Freund den Kopf abschlagen lässt. Seine Ehre, und die seiner Familie, ist aber auch nur dann wiederhergestellt, wenn er auf die richtige Seite umkippt. Dabei ist es wichtig, dass die Füsse gekreuzt blieben. Also ein nicht ganz einfaches Unterfangen.
Jeder Samurai hatte sein Schwert, das Katana. Es war ein Symbol für Ehre und den Samurai-Status. Mit ihm verteidigten sich die Krieger im Kampf, vollführten Zeremonien und übten Katas. Der Verlust war gleichgesetzt mit dem Verlust der Ehre und des eigenen Lebens, und die Wiederfindung war wie die Rettung der Selben. Die Schwerter bestanden aus mehreren Teilen, welche alle für sich kunstvoll gestaltet waren. Die Tsuba, der Handschutz, bag es in den verschiedensten Variationen, genau wie die Sala, die Scheide.
Diese Schwerter wurden, wie die Künste, vom Vater zum Sohn weitergegeben. Hatte ein Samurai mehrere Söhne, so bekam der Älteste das Schwert, für die Jüngeren wurde dann ein Neues angefertigt. Jeder Samurai hatte noch ein zweites, kleineres Schwert, das sog. Wakizashi. Bereits mit fünf Jahren trugen die jungen Samurai ein Solches. Zuerst ungeschliffen dann später scharf. Geübt wurde nicht selten an Tierleichen oder Verbrechern, aber auch an zusammengebundenen Bambusbüschen. Als den wichtigsten Hieb hielt man das Kaishaku, das Kopfabschlagen.
Das Schmieden des Schwerter war eine Kunst für sich. Die Japaner wussten schon früh, wie man legierungsähnliche Metalle herstellen kann. Es war sehr aufwendig und dadurch erhielt es einen grossen Wert. Heute werden noch an einem Ort in Japan Schwerter auf die alte, über die Jahrhunderte überlieferte, Methode hergestellt.
Die Rüstungen der Samurai waren anders als wir sie von unseren Rittern kennen. Sie hatten nicht eigentliche Platten oder Ketten, sondern Lamellen aus Eisenlegierungen, welche mit Bändern zusammengezurrt waren. Unter den Armen hatten sie keinen Schutz und auch die Beine waren nur geschützt, wenn sie nicht weit laufen mussten. Eine solche Rüstung verlieh ihnen eine grösstmögliche Beweglichkeit bei recht genügendem Schutz. Der Helm bestand auch aus den Lamellen, war aber im Gesicht offen. Nicht selten erreichten Helme einen Umfang von einem Meter.
Das Gesicht wurde mit einer grimmig aussehenden Maske geschützt, welche stark genug war Pfeil- und Speerspitzen abzuwehren. Trotz der recht widerstandsfähigen Panzerung und den 23 Teilen, aus denen sie bestand, wog sie nur ca. 25 Pfund. Frabe und Muster waren durch die Sippe oder Partei gegeben.
Erstaunlich ist die Vielzahl der Waffen, welche die Japaner benutzten. Nebst den bereits erwähnten Katana und Wakizashi trugen die Samurai meist noch ein Messer, das Tanto oder das Aikuchi, mit sich herum. Im Krieg vervielfachte sich die Anzahl der mitgetragenen Waffen. Es waren Speere, Naginatas, Helebarden, Bogen sammt Pfeilen, verschiedene Stäbe und Stöcke aber auch Bauernwaffen wie kleinere Sensen (die sog. Kusarikawa), Tonfas, Sai und Nunchakus. Shaken (Wurfsterne) und Shuriken (Wurfpfeile) waren auch in dem riesigen Waffenarsenal vorhanden. Von jeder der erwähnten Waffengattung gab es wieder unzählige Bauformen. Später kamen dann nocht Feuerwaffen wie Musketen, Arkebusen und Pisotlen zum Einsatz.