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Die Gründung des Zürcherischen Artillerie-Kollegiums geht auf das 17. Jahrhundert zurück, in eine Zeit also, da die ausserdienstliche Aus- und Weiterbildung der Milizoffiziere des Standes Zürich zur Hauptsache auf Freiwilligkeit beruhte.
Im Anschluss an die bewegte Zeit des 30jährigen Krieges wurden im Jahre 1657 in Zürich die ersten vier Artillerie-Kompanien gegründet – in der Schweiz die ersten Artillerie-Formationen überhaupt.
Es war das Verdienst des als Unter-Zeugherr amtierenden Heinrich Werdmüller, die jungen Artilleristen nicht mehr nach der überkommenen Büchsenmeistermanier, sondern in systematischer Verbindung von theoretischer und praktischer Schulung gründlich auszubilden.
Der bereits existierende lose Arbeitskreis zum Studium der Artillerie-Probleme wurde in eine von der Obrigkeit anerkannte Organisationsform überführt, innerhalb welcher gemäss verbindlichen Richtlinien die notwendigen technischen Grundlagenkenntnisse vermittelt werden konnten. Das führte am 29. März 1686 zur Gründung der "Gesellschaft der Constaffleren und Feuerwerker", kurz "Artillerie-Kollegium" genannt.
Nach zweijährigem, regelmässigem Besuch der Kurse konnte ein Aspirant ins Kollegium aufgenommen werden; ohne dieses Fähigkeitszeugnis war eine Offizierslaufbahn nicht möglich. Mit der Bildung der Eidgenossenschaft im Jahre 1848 entstand die Schweizer Armee und das Kollegium verlor seine ursprüngliche Ausbildungsfunktion.
Doch bis in die heutige Zeit findet jedes Jahr an einem Samstag im Juni auf der Zürcher Allmend das Kollegiums-Schiessen, auch Mörser Werfen genannt, statt.
Mit den fünf historischen Mörsern "Dachs", "Luchs", "Wiesel", "Marder" oder "Iltis", die in Reih und Glied aufgestellt sind, werden die "Bomben" (Eisenkugeln mit einem Kaliber von 16,5 cm und einem Gewicht von 10,2 Kg) auf die ca. 150-200 Meter entfernten Scheiben geworfen.
Nach Abschluss des Schiessens, um die Mittagszeit, werden die Herren Kollegianten durch Trommelwirbel unter das Zelt gerufen, wo die Jahresversammlung (das Bot) abgehalten wird. Im Anschluss daran trifft man sich, nach einem kleinen Inneren Dienst, im Schützenhaus Albisgüetli zum Mittagessen mit den offiziellen Ansprachen und dem Absenden.
Die Bestplazierten gewinnen einen Silberbecher, entweder denjenigen des Kollegiums oder einen der als Geschenke mitgebrachten Becher der befreundeten Gesellschaften: der Gesellschaft der Bogenschützen, der Gilde der Bombenwerfer und der Stadtschützen.
Der uralte Brauch des Mörserschiessens hat Eingang in die Literatur gefunden und wird in den Zürcher Novellen von Gottfried Keller beschrieben.
Der zweite traditionelle Anlass des Kollegiums ist das "Bärchtelismahl": Am Berchtoldstag, dem 2. Januar, trifft man sich auf der Stube des Zunfthauses "Zur Meisen", wo die Feuerwerker-Gesellschaft ihr Neujahrsblatt (eine Schrift, die sich mit aktuellen oder historischen Fragen der Artillerie befasst und auch eine vollständige Chronik enthält) dem interessierten Publikum verkauft und den Kollegianten anschliessend ein Mittagessen serviert wird.Geschichte der Mörser