Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/105133

<h2>SubmittedText<h2><p>Ich bitte den Bundesrat um Antwort auf folgende Fragen:</p><p>1. Wie erklärt sich, dass der Online-Lohnrechner des Bundesamtes für Statistik (BFS) die Anwenderinnen und Anwender nach ihrem Geschlecht fragt, bevor er den Durchschnittslohn für eine spezifische Arbeit errechnet?</p><p>2. Warum weist das BFS die Anwenderinnen nicht darauf hin, und warum fordert es die Frauen nicht dazu auf, dieselbe Rechnung für einen Mann zu machen, damit sie für gleiche Arbeit gleichen Lohn fordern können?</p><p>3. Warum verlangt er nicht, dass Salarium gleich funktioniert wie der Online-Lohnrechner des Genfer Arbeitsmarktobservatoriums? Dieser berücksichtigt zwar das Geschlecht, aber erst nachdem er den Durchschnittslohn berechnet hat und nur zu Vergleichszwecken.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der vom Bundesamt für Statistik (BFS) entwickelte Lohnrechner Salarium basiert auf 1,3 Millionen Lohndaten (aus der Privatwirtschaft). Mit dem Lohnrechner können interessierte Personen und Institutionen anhand verschiedener Kriterien (Alter, Geschlecht, Anforderungsniveau, Wirtschaftszweig usw.) auf interaktivem Weg ein Lohnprofil erstellen und anschliessend die Spannbreite des monatlichen Bruttolohns für das entsprechende Profil einsehen. Das Modell präzisiert, dass es sich um einen Median und Richtwert handelt (50 Prozent der Personen des entsprechenden Profils verdienen weniger und 50 Prozent verdienen mehr).</p><p>Der Lohnrechner ist ein Instrument, das einen Informationsauftrag erfüllen und die Lohntransparenz auf dem Schweizer Arbeitsmarkt fördern soll. Er stillt das von einer Vielzahl privater und institutioneller Akteure geäusserte, wachsende Bedürfnis nach objektiven Informationen zum Lohnniveau.</p><p>Vor diesem Hintergrund antwortet der Bundesrat wie folgt:</p><p>1. Das BFS muss alle in der Lohnstrukturerhebung vorhandenen Kriterien berücksichtigen, um möglichst differenzierte Lohnporträts erstellen zu können. Würden bestimmte Kriterien weggelassen, ergäben sich bei der Lohnschätzung zu allgemeine Lohnniveaus. Die wichtigen strukturellen Gegebenheiten wären so nicht erkennbar, und die reale Arbeitsmarktsituation würde weniger genau wiedergegeben.</p><p>2. Mit der aktuellen Version von Salarium ist es bereits möglich, einen Lohnvergleich nach Geschlecht vorzunehmen. Dieser Vergleich wird gegenwärtig jedoch nicht zusammen mit dem Hauptergebnis, sondern auf einer separaten Seite angezeigt. Dies erschwert den Zugang zur Information. Aus diesem Grund ist das BFS bereit, die Applikation anzupassen. Die Angabe des Geschlechts wird von den Profilkriterien ausgeschlossen, und die Lohnwerte für Frauen und für Männer werden künftig bei jeder Berechnung gleichzeitig angezeigt. So können die Löhne nach Geschlecht direkt miteinander verglichen werden. Damit werden die auf dem Schweizer Arbeitsmarkt tatsächlich bezahlten Löhne (Realwerte) offengelegt und wird die Lohntransparenz gewährleistet.</p><p>3. Im Gegensatz zum Genfer Arbeitsmarktobservatorium, das das Merkmal Geschlecht aus seinen Berechnungen gänzlich ausschliesst, berücksichtigt das BFS das Geschlecht, um die tatsächlichen Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen aufzuzeigen. Damit bildet es transparent und umfassend alle Faktoren ab, die einen Einfluss auf das Lohnniveau haben. Dank dieser Transparenz wird verhindert, dass die bestehenden geschlechtsbedingten Lohnunterschiede weiter zementiert werden. Darüber hinaus erhalten die interessierten Kreise eine klare Diskussionsgrundlage im Lohnbereich.</p>  Antwort des Bundesrates.