Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03493.jsonl.gz/2198

Auf der Lohnabrechnung der Frauen sind im Durchschnitt jeden Monat 1500 Franken weniger als bei den Männern. Davon können 52.2% durch objektive Faktoren wie berufliche Stellung, Dienstjahre oder Ausbildungsniveau erklärt werden. 47.8% der Lohndifferenz können nicht mit objektiven Faktoren erklärt werden und enthalten eine potentielle Lohndiskriminierung aufgrund des Geschlechts.
|Durchschnittliche Lohndifferenz||Erklärter Anteil||Unerklärter Anteil||Unerklärte Lohndifferenz basierend auf dem Mittelwert|
|Gesamt-wirtschaft||18% (1500 CHF pro Monat)||52.2%||47.8%||7.8%

(717 CHF pro Monat)
|Privater Sektor||19.5% (1599 CHF pro Monat)||54.7%||45.3%||8.1%

(724 CHF pro Monat)
|Öffentlicher Sektor||15.1% (1373 CHF pro Monat)||53.3%||46.7%||7.0%

(642 Fr. pro Monat)
Der erklärte Lohnunterschied ist auf sog. Ausstattungseffekte bzw. auf strukturelle Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Berufsbiografien zurückzuführen: Frauen erhalten weniger Lohn als Männer, unter anderem weil sie in anforderungsreicheren Positionen und in Kaderstellen schwächer vertreten sind, weil sie durchschnittlich noch über ein etwas tieferes Bildungsniveau verfügen und weil sie in Tieflohnbranchen stärker vertreten sind als Männer.
Der unerklärte Lohnunterschied kann nicht auf Ausstattungseffekte zurückgeführt werden und enthält eine potentielle Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Gemäss einer Schätzung des Bundesamtes für Statistik BFS führte diese potentielle Diskriminierung 2010 dazu, dass Frauen insgesamt 7,7 Milliarden Franken an Lohn einbüssten.
Privater Sektor und öffentlicher Sektor
Im gesamten privaten Sektor beträgt der Lohnunterschied durchschnittlich 19.5% (1599 Franken). Davon können 45.3% nicht durch objektive Faktoren erklärt werden. Dies entspricht monatlich 724 Franken (8.1%).
Im gesamten öffentlichen Sektor (Bund, Kantone, Gemeinden) liegt der Lohnunterschied durchschnittlich bei 15.1 Prozent (1373 Franken). Davon können 46.7% nicht durch objektive Faktoren erklärt werden, was einer Lohneinbusse für die Frauen von monatlich 642 Franken (7%) entspricht.
Werden einzelne Branchen betrachtet, zeigen sich grosse Lohnunterschiede. Auch zwischen den Regionen bestehen Unterschiede.
Lohnunterschiede bereits beim Berufseinstieg
Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern zeigen sich schon zu Beginn der beruflichen Laufbahn: Nicht nur liegen die Einstiegslöhne in männertypischen Berufen rund 200 Franken pro Monat höher als in frauentypischen Berufen, auch beträgt der unerklärte Lohnunterschied bei gleichen Voraussetzungen (Abschlussnote, Tätigkeitsbereich, soziodemographische Faktoren etc.) bereits beim Einstieg rund 7% oder 280 Franken pro Monat.
Auch Kaderfrauen sind betroffen
Auch gutverdienende Frauen sind von Lohnungleichheit und Lohndiskriminierung betroffen. Prinzipiell gilt: Je höher die berufliche Stellung und das Anforderungsniveau, desto höher der Lohn, desto niedriger der Frauenanteil und umso grösser die Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau. Mögliche Gründe dafür sind einerseits das Phänomen der gläsernen Decken, wonach Frauen in der Hierarchie an einen Punkt stossen, an dem es nicht oder nur sehr schwierig weitergeht. Andererseits das Phänomen der klebrigen Böden, wonach Frauen nach dem Einstig ins Berufsleben längere Wartezeiten auf Beförderungen und Lohnerhöhungen in Kauf nehmen müssen und erst später in den Genuss von Weiterbildungsangeboten kommen, die Aussicht auf beruflichen Aufstieg und Lohnerhöhung eröffnen.
Müttermalus und Väterbonus
Verheiratete Frauen erhalten im Schnitt 24% weniger Lohn als verheiratete Männer. Oft sind sie nach der Geburt eines Kindes nicht mehr oder nur in einem reduzierten Pensum erwerbstätig. Verschiedene Studien zeigen, dass Frauen Lohneinbussen erleiden, sobald sie Mutter werden (Müttermalus). Demgegenüber führt für die meisten Männer eine Vaterschaft zu einem Lohnanstieg (Väterbonus).
Weiterführende Informationen
Dokumente