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Ab wann ist man «alt»? Wie hat sich unsere Lebenserwartung in den letzten Jahren entwickelt? Wie viele Menschen arbeiten im Pensionsalter in der Schweiz? Wie sieht die finanzielle Lage unserer Rentner:innen aus? Wie hat sich Covid-19 auf die Todesfälle ausgewirkt? In meinem Studiendossier «Alter im Wandel – Zeitreihen für die Schweiz» habe ich diese und noch weitere spannende Fragen untersucht. Im Loopings Magazin werden einzelne Aspekte aufgezeigt und das gesamte Dossier als PDF zum Download bereitgestellt.
In den gut 140 Jahren nach 1876/80 hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung in der Schweiz verdoppelt, von 42 auf nahezu 84 Jahren. Die Lebenserwartung von Frauen und Männern stieg stetig an, mit einem kurzfristigen Einbruch durch die spanische Grippe, die 1918 in der damaligen Schweiz schätzungsweise zu gut 23‘000 Todesfälle führte. Seit 1918/19 gab es auch in der Schweiz immer wieder Grippeepidemien und neue Infektionskrankheiten (wie AIDS), aber deren Effekte auf die gesamte Lebenserwartung waren statistisch gering. Die neueste Pandemie (Covid-19) hat 2020 allerdings zu einem Rückgang der Gesamtlebenserwartung beigetragen (Männer 2019: 81.9, 2020: 81.0; Frauen 2019: 85.6, 2020: 85.1).
Zahl und Anteil von Menschen, die ein sehr hohes Alter erreichen, haben sich in den letzten Jahrzehnten jedenfalls erhöht. Dies wird auch deutlich, wenn wir die zahlenmässige Entwicklung der hundertjährigen und älteren Menschen in der Schweiz auflisten. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war ein hundertjähriger Geburtstag ein ausserordentliches Ereignis. In den letzten Jahrzehnten ist die Zahl der hundertjährigen und älteren Menschen rasch angestiegen, wobei es sich dabei grossmehrheitlich um Frauen handelt.
Auch das höchste Sterbealter hat sich seit den 1950er Jahren nach oben bewegt. Das in der Schweiz erreichte Höchstalter - welches zwischen 1880 und 1920 bei 102 Jahren lag - erhöhte sich bis 1960 auf 104 Jahre. 2020 lag es allerdings schon bei mehr als 112 Jahren. Frau Rosa Rein (24.März 1897-14. Februar 2010) wurde 112 Jahre und 327 Tage alt. Im November 2020 verstarb im Alterszentrum Grünhalde (Zürich) Frau Alice Schaufelberger-Hunziker (geb. 11. Januar 1908) nach 112 Jahren und 295 Tagen.
Die Covid-19-Pandemie erfasst auch jüngere Menschen, die allerdings vielfach keine oder nur geringe Symptome aufwiesen. Entsprechend ist die Altersverteilung der wegen virusbedingter Hospitalisierungsfälle anderes gelagert als die Altersverteilung der laborbestätigten Fälle. Hospitalisierungen ergaben sich eher bei älteren Menschen und 2021 vermehrt auch bei ungeimpften Menschen. Das Risiko einer schweren Covid-Erkrankung steigt sowohl mit dem Lebensalter als auch mit dem Vorhandensein von Vorerkrankungen. Häufige Risiko-Vorerkrankungen sind etwa Bluthochdruck, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder chronische Atemwegserkrankungen.
Die Todesfälle an oder mit Covid-19-Erkrankung haben sich bisher zu mehr als neunzig Prozent auf über 70-jährige Menschen konzentriert. Besonders hohe Sterberisiken zeigt sich bei über 80-jährigen Menschen (speziell bei hoher körperlicher Fragilität und Vulnerabilität).
Die Zahl an Todesfällen ist in der Schweiz im ersten Quartal 2020 infolge der Covid-19-Pandemie angestiegen, wobei in einer ersten Phase das Tessin davon besonders betroffen war. Die zweite Welle führte ab Herbst 2020 noch zu mehr zusätzlichen Todesfällen als die erste Welle, wobei davon faktisch alle Kantone betroffen waren. Damit verbunden war 2020 auch ein Rückgang der durchschnittlichen Lebenserwartung. Bei Männern sank die Lebenserwartung ab Geburt um 0.8 Jahre und bei Frauen um 0.4 Jahre.
Wird nach Alter aufgegliedert, zeigt sich in der Schweiz primär eine Erhöhung der Todesfälle bei den 80-jährigen und älteren Menschen. Dabei sank auch die Restlebenserwartung 80-jähriger Menschen (Frauen -0.4 Jahre, Männer -0.6 Jahre).
Obwohl Todesfälle durch Covid-19 grossmehrheitlich alte Menschen betreffen, können die dadurch verursachten verlorenen Lebensjahre beträchtlich sein, speziell in Ländern, in denen Restlebenszeit im Alter vor der Pandemie ausgedehnt ist. Bei der Berechnung der Pandemie-bedingten verlorenen Lebensjahre sind neben der Altersverteilung der an Covid-19-verstorbenen Menschen auch die altersspezifische Häufigkeit von Vorerkrankungen zu berücksichtigen, da das Mortalitätsrisiko von Virus- und Infektionskrankheiten sich wesentlich erhöht, wenn Menschen an Lungen- oder Herzerkrankungen, Diabetes usw. leiden.
Ab wann ist jemand alt? Diese Frage führte immer wieder zu Definitionsversuchen des Alters. Dabei standen seit jeher zwei unterschiedliche Gesichtspunkte im Zentrum:
Zum einen wurde und wird das Alter anhand sichtbarer körperlicher Symptome bestimmt. Namentlich eine gebückte Haltung oder die Benützung eines Gehstockes galten und gelten als wichtige äusserliche Signale des Alters. Schon in der Sage von Ödipus und dem Rätsel der Sphinx wird das Alter mit Gehstock in Verbindung gebracht («Welches Wesen ist am Morgen vierfüssig, am Mittag zweifüssig, am Abend dreifüssig»). Auch heute werden gebückte Haltung, der Gebrauch eines Stockes (oder neu eines Rollators) in Zeichnungen oder Verkehrssignalen als zentrale Zeichen des Alters angeführt.
Zum anderen wurden und werden chronologische Altersgrenzen verwendet, um den Beginn des Alters festzulegen. Dabei galt häufig das Alter 60 als die Schwelle zum Alter.
Die neuen gerontologischen Leitvorstellungen zum Alter – wie etwa «erfolgreiches Altern» oder die Chancen des ‚dritten Lebensalters‘ - wurden von den Medien rasch aufgegriffen, ohne dass damit defizitäre Vorstellungen zum Alter verdrängt wurden. Positive Altersbilder haben negative Altersbilder weniger verdrängt als ergänzt und je nach Themenstellung oder Prominenz einer Person werden beide Perspektiven anders kombiniert. In der Medienwelt finden sich negative Allgemeinvorstellungen – zu Einsamkeit im Alter, körperlich-kognitiven Abbauerscheinungen usw. – neben positiven Individualbeschreibungen älterer Menschen, wobei Formen aktiven Alters weitgehend anhand prominenter alter Männer und Frauen illustriert werden.
Älter werdende Menschen ihrerseits reagieren auf negative Altersstereotype zunehmend damit, dass sie sich selbst nicht als ‚alt’ einstufen. Negative Bilder zum Alter werden nicht in Frage gestellt, sondern die persönliche Betroffenheit wird verneint, etwa dadurch, dass das ‚wirkliche Alt-sein‘ später angesetzt wird. Zumindest seit den 1990er Jahren lässt sich beobachten, dass ältere Frauen und Männer sich vermehrt als jünger einschätzen bzw. sich jünger fühlen als es ihrem chronologischen Alter entspricht. In einer Erhebung 2014 lag bei der grossen Mehrheit der befragten 60- bis 70-Jährigen das gefühlte Alter tiefer als das effektive Alter. Eine 2017 durchgeführte Befragung bei Menschen im Alter 50+ (mittleres Alter der Befragten: 68 Jahre) in den Kantonen Basel-Stadt, Basel-Land, Aargau und Solothurn bestätigte diese Feststellung: Nur ein Fünftel gab an, sich so alt zu fühlen, wie sie tatsächlich waren. Fast 70% gaben an, sich jünger zu fühlen. Nur 5% fühlten sich subjektiv älter als es ihrem chronologischen Alter entsprach. Konsequenterweise war eine überwiegende Mehrheit (84%) der Ansicht, andere hielten sie für jünger als sie tatsächlich waren; eine Einschätzung die Männer wie Frauen gleichermassen teilten. Von den über 50-Jährigen möchten zwei Drittel gerne wieder jünger sein. Dieser Anteil wächst mit steigendem Lebensalter. Auch gemäss Generationenbarometer 2020 lag das Wunschalter älterer Befragter deutlich tiefer als ihr faktisches Alter (65-74-Jährige: Wunschalter 54 Jahre, 75+-Jährige: Wunschalter 56 J.)
Mit der Definition der Covid-19-Risikobevölkerung (Menschen ab 65) durch Bundesrat und Bundesamt für Gesundheit im Frühjahr 2020 wurde erneut eine gerontologisch fragwürdige und veraltete Altersdefinition betont. Gleichzeitig haben die öffentlichen Verlautbarungen defizitorientierte Vorstellungen zum Alter verstärkt. Die zeitweise Empfehlung des Bundesamts für Gesundheit, dass Grosseltern auf persönliche Kontakte mit ihren Enkelkindern verzichten sollten, basierte auf einer familiendemografisch verzerrten Wahrnehmung von Grosseltern: Alle Grosseltern wurden der Risikogruppe der älteren Bevölkerung 65+ zugeordnet, obwohl faktisch die meisten Grosseltern bei der Geburt eines ersten Enkelkindes deutlich jünger sind als 65. In der Schweiz liegt das Durchschnittsalter einer Frau bei der Geburt eines ersten Enkelkindes bei 55-58 Jahren und bei Männern sind dies zwei bis drei Jahre mehr.
Durch den empfohlenen sozialen Ausschluss von Menschen 65+ wurden alle Projekte in Richtung eines aktiven, engagierten und kompetenzorientierten Rentenalters zeitweise sistiert bzw. wieder zurückgeworfen. Dies hat speziell bei aktiven und engagierten gesunden Altersrentnern und Altersrentnerinnen für Irritation gesorgt, weil sie dadurch aus Freiwilligenarbeiten oder Generationenprojekten ausgeschlossen wurden. Auf der anderen Seite hat die Häufung von Covid-19-Todesfällen in Alters- und Pflegeheimen ebenso wie die strikten Besuchsverbote in diesen Institutionen das negative Bild von Alters- und Pflegeheimen weiter verstärkt, speziell in der zweiten Welle der Pandemie ab Herbst 2020.
Gleichzeitig hat während des zweiten Pandemiejahrs 2021 sich das Bewusstsein für eine gesellschaftliche Benachteiligung von Teenagern und jungen Erwachsenen aufgrund der Pandemie verstärkt.
Dank allgemeiner Wohlstandssteigerung und Ausbau der Altersversorgung hat sich die wirtschaftliche Lage vieler älterer Menschen in den Nachkriegsjahrzehnten verbessert und seit den 1980er Jahren gilt die Gleichung ‚alt gleich arm’ als überholt. Der Anteil an wohlhabenden bis reichen älteren Menschen ist in den letzten Jahrzehnten angestiegen, wodurch die älteren Menschen zu einer wichtigen Nachfragegruppe auf vielen Konsum- und Finanzmärkten, aber auch auf dem Wohnungs- und Immobilienmarkt wurden. Die zunehmende Zahl von wohlhabenden Pensionierten war allerdings seit den 1990er Jahren – wie nachfolgend gezeigt wird - nicht mit einer deutlichen Reduktion der Zahl von einkommensschwachen älteren Menschen begleitet. Der Trend der letzten Jahrzehnte verlief auch bei älteren Menschen in Richtung ausgeprägter sozio-ökonomischer Ungleichheiten.
Das durchschnittlich verfügbare jährliche Haushalts-Einkommen pensionierter Menschen hat sich seit Beginn der 1990er Jahre in der Schweiz von rund 42‘000 Franken auf über 50‘000 Franken leicht erhöht. Allerdings sind Mittelwerte aufgrund der ausgeprägten Ungleichheiten der finanziellen Lage im Rentenalter wenig aussagekräftig. Besser sind Angaben zu Medianwerten (Median = Einkommen, das bei der Hälfte der Bevölkerung darunter liegt und bei der anderen Hälfte darüber liegt). Während 1990 die Hälfte der 65-jährigen und älteren Rentner über ein jährliches Haushalts-Einkommen von weniger als 35‘000 Franken verfügten, lag der Medianwert 2015/17 bei rund 45‘000 Franken.
Noch stärker als bei jüngeren Altersgruppen sind Einkommen im Rentenalter ungleich verteilt. Ein Teil der älteren Menschen kann auf beträchtliche Renten aus der beruflichen Vorsorge zählen, wogegen andere überhaupt keine beruflichen Rentenansprüche aufweisen. Nicht wenige ältere Menschen haben dank hohen angesparten, erarbeiteten oder vererbten Vermögenswerten beträchtliche Vermögenseinkommen (Dividenden, Mieteinahmen usw.). Andere Pensionierte haben kein Vermögen oder müssen altersbedingt ihr Vermögen aufbrauchen (etwa um Betreuungs- und Pflegekosten zu finanzieren).
Einen bedeutsamen Einfluss auf die Einkommenshöhe im Alter haben speziell Bildungsniveau, ehemalige berufliche Position, Lebensform und Wohnort: Menschen ohne nachobligatorische Ausbildung weisen im Alter ein höheres Armutsrisiko auf als Menschen mit einem Abschluss auf Tertiärstufe. Alleinlebende ältere Menschen sind häufiger einkommensschwach als Menschen, die als Paar leben. Zudem sind ältere Menschen in ländlichen Gemeinden stärker armutsgefährdet als jene in Städten und Agglomerationen. Daneben spielt auch die Nationalität mit und die über 64-Jährigen Menschen ausländischer Nationalität weisen ein höheres Armutsrisiko auf als gleichaltrige Schweizer und Schweizerinnen. Dies ist damit verbunden, dass es sich gegenwärtig bei einem wesentlichen Teil der ausländischen AHV-Rentner und AHV-Rentnerinnen um ehemalige unqualifizierte Arbeiter und Arbeiterinnen handelt, die nur minimale Renten beziehen.
In den letzten Jahrzehnten wurde die seit 1985 für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen obligatorische berufliche Vorsorge (2.Säule) ausgebaut. Ebenso wurde die sogenannte 3. Säule der Altersvorsorge (steuerbegünstigtes privates Sparen) gefördert. Entsprechend hat sich der Anteil der Rentner und Rentnerinnen mit beruflichen Renten und Geldern aus der 3. Säule in den letzten Jahrzehnten erhöht. Lücken der beruflichen Vorsorge ergeben sich einerseits bei selbständig erwerbenden Menschen (die ihre berufliche Vorsorge selber organisieren und finanzieren müssen) und andererseits bei Erwerbstätigen mit tiefen Arbeitspensen oder langjähriger Erwerbslosigkeit.
Es zeigen sich weiterhin ausgeprägte geschlechtsbezogene Unterschiede und Frauen profitieren weitaus weniger von beruflichen Renten als Männer. Nicht nur ist der Anteil der Frauen, die eine Rente beziehen, geringer, sondern auch ihre durchschnittlichen Renten sind vielfach tiefer. Dies hat mit familienbedingten Erwerbsunterbrüchen und häufiger Teilzeitarbeit, teilweise aber auch mit Karriere- und Lohndiskriminierungen von Frauen zu tun.
Gut drei Viertel des Einkommens im Rentenalter basiert auf Renteneinkommen (AHV, BV), wobei gesamthaft noch weniger als ein Drittel auf Einkommen aus einer beruflichen Rente stammt. Erwerbseinkommen spielt primär bei selbständig erwerbenden Menschen, die über das 65. Altersjahr erwerbstätig verbleiben, eine gewisse Rolle. Der Anteil der Vermögenseinkommen (inkl. Mieteinnahmen) am Einkommen im Rentenalter liegt je nach Jahr bei 11% bis 16%. Es zeigt sich kein Trend, dass Vermögenserträge im Rentenalter insgesamt an Bedeutung gewonnen haben (teilweise, weil Sparzinsen sich nach unten bewegt haben).
Insgesamt gesehen basiert die wirtschaftliche Absicherung im Alter für die allermeisten älteren Menschen weiterhin auf einer funktionierenden Altersvorsorge. Die wirtschaftliche Absicherung im Alter ist somit stark von sozialpolitischen Regelungen und Umverteilungen abhängig und daran hat sich in den letzten Jahrzehnten kaum etwas verändert.
Im folgenden Kapitel wird – soweit dies von der Datenlage her möglich ist – untersucht, ob und bei welchen Aktivitäten sich bedeutsame Veränderungen nachweisen lassen. Ausgangspunkt ist die These, dass heutige ältere Männer und Frauen in vielen Bereichen aktiver geworden sind, etwa bezüglich Sport- und Bewegungsverhalten, ausserhäuslichen Aktivitäten oder Bildungsteilnahme. Allerdings muss eine erhöhte Teilnahme nicht für alle Tätigkeiten gelten und bei gewissen Aktivitäten – wie etwa Kirchenbesuch – sind sinkende Teilnahmeraten zu erwarten.
Die Covid-19-Pandemie hat im Frühjahr 2020 und im Winter 2020/21 zu Einschränkungen ausserhäuslicher Aktivitäten geführt, weil viele Veranstaltungen und Treffen für und mit Senioren wegfielen. Von den ‚Lockdown-Massnahmen betroffen waren insbesondere aktive pensionierte Frauen und Männer, die gewohnte Freiwilligentätigkeiten nicht mehr ausüben konnten oder die auf selbstorganisierte kulturelle und soziale Aktivitäten verzichten mussten. Einige der ausgefallenen ausserhäuslichen Aktivitäten werden nach Ende der Pandemie wieder aufgenommen (etwa Besuch von Seniorenuniversitäten, internationale Reisen oder Treffen mit anderen Senioren). Andere Aktivitäten werden dagegen durch die Pandemie-Erfahrungen verstärkt (wie etwa Nachbarschaftshilfe in vielen Regionen, digitale Kommunikationsformen u.a.).
Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war Arbeit bis 'ins Grab' für die Mehrheit der Menschen unabdingbar. Die wirtschaftliche Sicherheit im Alter hing weitgehend von der Möglichkeit bzw. Fähigkeit ab, im angestammten Beruf weiterzuarbeiten. Armut im Alter war ein häufiges Risiko, vor allem in Berufen, in denen die Körperkraft über das Einkommen bestimmte. In einigen Handwerksberufen erleichterten in der vorindustriellen Schweiz Konkurrenzverbote es älteren Zunftmitgliedern, sich auch bei Nachlassen der körperlichen Kräfte und Fähigkeiten durch eigene Arbeit zu ernähren. Bis zu Beginn des 20. Jahrhundert reservierten Städte zudem einen Teil der Arbeiten für unbemittelte ältere Handwerker und Arbeiter. Nachtwächter, Wegwarte, Rathausdiener usw. waren meist ältere Menschen, die ohne diese Einkünfte der Armenfürsorge anheimgefallen wären.
Mit dem Ausbau der Altersvorsorge sanken Zahl und Anteil an Frauen und Männer, die nach dem 65. Lebensjahr weiterhin erwerbstätig waren. Der Anteil der 65-69-jährigen Männer, die erwerbstätig verblieben, reduzierte sich von 1920 bis 1960von 83% auf 59%. Trotz Einführung der AHV war Weiterarbeit nach 65 somit bis in die 1960er Jahre noch häufig. Erst danach sanken die Werte rasch ab, von einer Erwerbsquote von 59% (1960) auf 12% (2000). Zeitweise wurde dieser Trend durch vermehrte Frühpensionierungen (Ruhestand vor 65) verstärkt. Erst in den letzten Jahren haben sich die Erwerbsquoten der 65-69-Jährigen wieder leicht erhöht.
1991 wurde die Schweizerische Arbeitskräfte-Erhebung SAKE als neue Datenbasis zur Analyse des Erwerbsverhaltens in der Schweiz eingeführt. Da die Definition der Erwerbstätigkeit weiter gefasst wurde als in den Schweizerischen Volkszählungen sind die Angaben bis 2000 und nach 2000 nur bedingt vergleichbar (wie der Datenvergleich für das Jahr 2000 illustriert).
Ausgehend von den SAKE-Daten lassen sich im Zeitvergleich seit 1991 zwei Trends beobachten:
Die Erwerbsquoten der 55-64-jährigen Männer verblieben auf einem relativ hohen Niveau, auch im Vergleich mit den Erwerbsquoten in den Nachbarländern. Bei den 55-64-jährigen Frauen ergaben sich steigende Erwerbsquoten, primär weil jüngere Frauengenerationen häufiger erwerbstätig waren und verblieben als dies bei älteren Frauengenerationen der Fall war.
Die Erwerbsquote der 65-jährigen und älteren Menschen hat sich nach 2005 leicht erhöht und entsprechend hat sich auch das durchschnittliche Alter beim Austritt aus dem Arbeitsmarkt erhöht. Insgesamt gesehen ist und bleibt eine Erwerbsarbeit im höheren Lebensalter jedoch weiterhin eine Ausnahme.
Viele Erwerbspersonen im AHV-Alter arbeiten als Selbständige und der Anteil der selbständig Erwerbstätigen bei den 65-jährigen und älteren Menschen hat sich in den letzten Jahrzehnten sogar erhöht. Gegenwärtig sind dies gut die Hälfte der erwerbstätigen Männer 65+ und etwas mehr als ein Drittel der erwerbstätigen Frauen 65+. Darin widerspiegeln sich zwei Sachverhalte: Einerseits verbleiben selbständig Erwerbende – etwa freie Berufe und handwerklich-gewerbliche Selbstständige – häufiger auch im AHV-Alter weiterhin erwerbstätig, aus Freude am Beruf, aber auch weil sie geringe Renten aus der zweiten Säule aufweisen. Auch Nachfolgeprobleme beim eigenen Betrieb können zur Weiterarbeit im Alter beitragen. Andererseits zeigt sich eine verstärkte Tendenz, dass Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen – wenn sie nach 65 weiter oder neu arbeiten – sich verselbständigen; sei es, dass sie ein eigenes Unternehmen gründen oder sei es, dass sie sich nicht mehr fest anstellen lassen (oder nicht mehr fest angestellt werden).
Das klassische Bild des pensionierten Arbeiters ist das Bild einer Hilfskraft, die einfache Arbeiten übernimmt. Dieses Bild ist veraltet. So ist der Anteil an 65-jährigen und älteren Menschen, die als Hilfsarbeitskräfte tätig sind, zumindest in der Schweiz gering (und es betrifft nur 4% der Männer und 14% der Frauen). Häufiger ist eine akademische Tätigkeit, auch weil Menschen mit tertiärer Ausbildung generell öfters auch nach 65 weiterarbeiten (können). Bei 10% der erwerbstätigen Männer 65+ und bei 7% der gleichaltrigen Frauen handelt es sich um Führungskräfte (sei es als Unternehmer oder sei es als Manager, die ihre Erfahrungen und sozialen Kontakte weitergeben).
Erwerbsarbeit 65+ ist grossmehrheitlich Teilzeitarbeit und zwar nicht allein bei Frauen, sondern auch bei Männern. Teilzeitarbeit im Alter kann sich entlastend wirken und dazu beitragen, späte Freizeit des Rentenalters und späte Berufsarbeit individuell zu kombinieren. Die finanzielle Absicherung durch die AHV und eine eventuell berufliche Rente erlaubt es, beruflich kürzer zu treten. Eine Vollzeitarbeit nach 65+ ist zur Ausnahme geworden und daran wird sich auch in den nächsten Jahren wenig ändern. Dies bedeutet aber, dass selbst eine rasche Zunahme der Altersarbeit – im Sinne von mehr Frauen und Männer die nach 65+ weiterarbeiten – nicht zu einer entsprechenden Ausweitung des Arbeitsvolumens führt. Gleichzeitig wird ein stärkerer Ausbau der Altersarbeit seitens von Unternehmen nur erfolgreich sein, wenn entsprechende Teilzeitangebote vorliegen.
Der Arbeitsmarkt wurde 2020/2021 durch die Covid-19-Pandemie stark betroffen. Dank sozialstaatlichem Ausbau der Kurzarbeit und Unterstützung der Wirtschaft stieg die Zahl der kurzarbeitenden Menschen in der Schweiz und anderen europäischen Ländern stärker an als die Zahl an registrierten Arbeitslosen.
Was ältere Erwerbstätige (55-64 J.) und pensionierte Arbeitskräfte betrifft, dürfte sich die Polarisierung bzw. Zweitteilung des Arbeitsmarktes aufgrund der Pandemie eher noch verstärken:
Auf der einen Seite nimmt in einigen Firmen der Bedarf nach älteren Erwerbstätigen zu (um Lücken bei den nachkommenden Generationen zu füllen oder um fehlende Zuwanderung zu kompensieren). Der Anteil an Erwerbstätigen 65+ dürfte deshalb weiter (leicht) ansteigen, teilweise weil von der Krise betroffene Kleinbetriebe auf günstige Arbeitskräfte im Rentenalter angewiesen sind (z.B. um krankheitsbedingte Absenzen zu kompensieren).
Auf der anderen Seite dürften in manchen Firmen vorzeitige Pensionierungen (wieder) an Bedeutung gewinnen, um pandemiebedingte Umstrukturierungen zu fördern (wie etwa eine Verlagerung auf Onlinedienste). Krisenbedingte betriebliche Umstrukturierungen werden – wie in früheren Umbruchzeiten – teilweise durch Frühpensionierungen älterer Arbeitskräfte – gelöst. Teilweise können sich Benachteiligungen älterer Erwerbspersonen zusätzlich verstärken, speziell in Bereichen wo die aktuelle Entwicklung zu einer beschleunigten Automatisierung- und Digitalisierungswelle führt (und Fachwissen älterer Erwerbstätiger als obsolet gilt).
In den letzten Jahrzehnten wurde freiwilliges Engagement zur Gestaltung der nachberuflichen Lebensphase hervorgehoben, beispielsweise um den Wegfall beruflicher Herausforderungen und beruflicher Kontakte zu kompensieren. Generell gelten freiwillige und ehrenamtliche Arbeiten als sinnvolle Handlungsperspektive für Frauen und Männer jenseits der Erwerbsarbeit. Dabei geht es um sinnvoll erlebte Möglichkeiten der Beschäftigung im Alter, die einen Beitrag zur sozialen Integration von Frauen und Männer in der nachberuflichen Lebensphase leisten. Flankiert wird dies durch Anlehnung an gerontologische Konzepte eines aktiven und kompetenzorientierten Alterns. Gleichzeitig werden die (gesunden) Pensionierten als bedeutsame soziale Ressource für zivilgesellschaftliches Engagement ‚entdeckt‘, weil man davon ausgeht, dass Frauen und Männer nach ihrer Pensionierung über mehr Zeit für entsprechende Engagements verfügen. Sie können und sollen einen wesentlichen Beitrag zur Bearbeitung ansonsten vernachlässigter oder von der Versorgung her prekärer gesellschaftlicher Aufgabenbereiche leisten.
Ob sich das freiwillige Engagement der Pensionierten in den letzten Jahrzehnten erhöht oder verringert hat, lässt sich kaum eindeutig beantworten, da gerade bei diesem Thema die erfasste Freiwilligenarbeit von der Erhebungsmethode (persönliches Interview, Fragebogen, Telefon-Interview, Online-Erhebung), der Stichprobenzusammensetzung und der konkreten Frageform abhängt. Dies gilt speziell für nicht organisierte, informelle Freiwilligenarbeit. So ergeben sich 2016 durch Veränderungen der Frageform bei der Schweizerischen Arbeitskräfte-Erhebung höhere Werte als 2013 und auch die seit 2006 durchgeführten Freiwilligen-Monitors sind aufgrund unterschiedlicher Erhebungs- und Stichprobenverfahren nur bedingt miteinander vergleichbar.
Soweit ersichtlich scheint gesamthaft betrachtet der Anteil an Freiwilligen in der Schweiz eher stabil zu sein: «In den vergangenen zehn Jahren kann weder ein markanter Rückgang noch ein klarer Anstieg von Freiwilligkeit festgestellt werden. Weder beim Spenden noch bei der formellen oder informellen Freiwilligenarbeit ist der Anteil an engagierten Menschen eindeutig gesunken oder gestiegen.». Dies gilt insgesamt auch für die Freiwilligenarbeit der ‚jungen Alten‘. Je nach Erhebung waren in den letzten zwei Jahrzehnten zwischen 40% bis 50% der 65-74-Jährigen freiwillig engagiert (wobei Männer häufiger organisiert tätig und Frauen häufiger informell aktiv sind). Von den zuhause lebenden Menschen im Alter von mehr als 74 Jahren sind je nach Erhebung zwischen 20% bis 30% freiwillig engagiert. Ein klarer Trend nach vermehrter Freiwilligenarbeit von Pensionierten zeigt sich kaum. Da allerdings demografisch bedingt die Zahl an älteren Menschen angestiegen ist und weiter ansteigt, führen auch konstante Prozentwerte zu einer zunehmenden Zahl an pensionierten Freiwilligen. 2020/21 hat sich die Covid-19-Pandemie zeitweise negativ auf das freiwillige Engagement ausgewirkt, als viele Anlässe und Aktivitäten wegfielen. Auf der anderen Seite wurden zeitweise allerdings auch informelle Hilfeleistungen in der Nachbarschaft gestärkt.
Einen starken Einfluss speziell auf formelle Freiwilligenarbeit im Rentenalter weist der schulisch-berufliche Bildungsstatus auf. Je höher der Bildungsstand, desto häufiger ist ein formelles Freiwilligen-Engagement; ein Unterschied, der in allen bisherigen schweizerischen Freiwilligenmonitors beobachtet wurde. Markante und über die Zeit relativ stabile bildungsbezogene Unterschiede speziell bei ehrenamtlichen Tätigkeiten im Alter wurden auch im deutschen Alterssurvey festgestellt. Die Beziehung zwischen Bildungsstatus und formeller Freiwilligenarbeit ist insofern nicht erstaunlich, als Bildung und soziales Engagement zwei miteinander verbundene Elemente sozialer Integration sind.
Daneben ergeben sich weiterhin einige geschlechtsspezifische Unterschiede: Männer sind häufiger formell und ehrenamtlich tätig, Frauen hingegen eher bei informellen Formen unbezahlter Arbeit (Seifert 2017).
Speziell im höheren Lebensalter können funktionale Einschränkungen zur Aufgabe externer Engagements beitragen. Hör- und Seheinschränkungen sowie Einschränkungen der Mobilität können formelles Engagement erschweren oder verunmöglichen. So waren gemäss Schweiz. Haushaltspanel-Daten 2017/18 40% der über 64-Jährigen, die über eine sehr gute Gesundheit verfügten, formell freiwillig tätig, im Vergleich zu 33% bei guter Gesundheit, 22% bei nur mittelmässiger Gesundheit und 18% bei schlechter Gesundheit. Analoge Unterschiede des freiwilligen Engagements nach Gesundheitsstatus wurden im deutschen Freiwilligenmonitor 2014 beobachtet (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2017, Abb. 6).
Lebenslanges Lernen – seit den 1970er Jahren vermehrt betont - ist ein zentrales Element zur erfolgreichen Bewältigung der nachberuflichen Lebensphase wie auch zur Lebensorientierung in einer Gesellschaft, welche ständigem Wandel unterworfen ist. «In einer ‚Gesellschaft des langen Lebens» ist Neuorientierung und Umlernen während der gesamten Lebensspanne verlangt, weil die Spätlebensphase kulturell offen bestimmt ist, der rasche technologische Wandel aktive Anpassung erfordert und die privaten Lebensformen sich ändern.» (Kolland, 2016: 3).
Obwohl lebenslanges Lernen heute sozusagen eine verankerte kulturelle Norm darstellt, sind Lernformen und Lernprozesse älterer Menschen sehr unterschiedlich, in Abhängigkeit von ihrer bisherigen Schul-, Bildungs- und Lernbiografie und ihren aktuellen Interessen und Bedürfnissen. Lern- und Bildungsprozesse im Alter sind deshalb nicht nur bedeutsam zur Verhinderung oder Verlangsamung kognitiver Defizite im Alter, sondern sie sind auch wichtige Elemente sozialer und intergenerationeller Ungleichheiten. So nehmen Frauen und Männer mit tertiärer Ausbildung auch im Rentenalter deutlich häufiger an Bildungsveranstaltungen teil als bildungsferne Gleichaltrige (Kolland et al. 2018). Insgesamt bilden sich daher vor allem ältere Menschen weiter, die schon früher viele Bildungs- und Fortbildungsveranstaltungen besucht haben.
Bildungs- und Lernangebote im und für das Alter können vielfältige Zielsetzungen einschliessen:
Bildung im Alter kann als kontinuierliche Erwachsenenbildung konzipiert werden, etwa um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und um an Veränderungen in der Entwicklung des Alltagslebens teilzuhaben. Bildung in diesem Sinne unterstützt Partizipation und Integration in das gesellschaftliche Geschehen.
Bildung um die kognitiven und psychischen Ressourcen älterer Menschen zu fördern und deren Verminderung durch geistige Inaktivität zu verhindern. Lernprozesse können zur Verbesserung einer selbständigen Lebensgestaltung im Alter und zu einem besseren Umgang mit altersassoziierten Verlusten und Einschränkungen beitragen.
Bildungskurse können sich auf Fragen der biografischen Reflexion, der Sinngebung und Lebensplanung im Alter beziehen ebenso wie auf Fragen der Persönlichkeitsentwicklung. Bildung im Alter hilft zudem soziale Kontakte aufzubauen oder sich für soziale Aufgaben zu qualifizieren.
Die Datenlage zur Teilnahme an Bildung und Lernprozessen bei älteren Menschen in der Schweiz ist allerdings lückenhaft, auch weil befragte Männer und Frauen über ihr Lernverhalten oft keine klare Auskunft zu geben vermögen. Dazu kommt, dass die erfasste Teilnahme an organisierter und informeller Bildung im Alter von Art und Form der Erhebung sowie dem erfragten Zeithorizont (in den letzten 4 Wochen oder in den letzten 12 Monaten) abhängt.
Was formelle Weiterbildung (Besuch von Kursen. Vorträgen oder Tagungen) betrifft, zeigt sich in den letzten Jahrzehnten eine leichte, wenn auch nicht besonders ausgeprägte Zunahme der Bildungsaktivitäten im Rentenalter. Die Daten der Schweiz. Arbeitskräfteerhebungen illustrieren, dass sich auch die Teilnahme an nicht formaler Bildung in den letzten zehn Jahren nur unwesentlich erhöht hat. Seit den 1990er Jahren bewegt sich die Teilnahme an formeller Weiterbildung im Rentenalter zwischen gut 13% bis 18%. Allein der Mikrozensus ‚Weiterbildung‘ 2016 (Bundesamt für Statistik 2018) zeigt mit 32% höhere Werte. Dies hat allerdings damit zu tun, dass themenspezifische Erhebungen höhere Werte ergeben, sei es, weil sie das angesprochene Thema genauer und umfassender erfragen als allgemeine Umfragen oder sei es, weil sich von dieser Erhebung vor allem bildungsnahe Menschen angesprochen fühlen.
Als Lernformen werden nach der Bildungsstudie 2020 (Seifert et al. 2021 vor allem Vor-Ort-Angebote mit Beteiligungen der Teilnehmer und Teilnehmerinnen - wie etwa Vorträge mit Diskussionen, aktive Projektarbeiten oder Exkursionen - bevorzugt. Insgesamt motivieren intrinsische Motive (etwa: sich mit einem neuen Thema zu beschäftigen) eher als extrinsische Motive (wie sozialer Druck von aussen, Leistungsorientierung) zur Bildungsteilhabe im höheren Alter. Als Hindernisse für eine Teilhabe werden vor allem fehlende Zeit und fehlendes Interesse angegeben sowie im Winter 2020 auch Ängste vor einer Corona-Ansteckung
Klar ist ein Sachverhalt: Weiterhin nimmt nur eine Minderheit älterer Frauen und Männer an organisierten Weiterbildungsveranstaltungen teil; teilweise weil ältere Menschen bezüglich ihrer Bildungschancen gegenüber jüngeren Menschen strukturell benachteiligt werden und sie sich nur beschränkt auf ein öffentlich institutionalisiertes und finanziertes Bildungssysstem abstützen können. Selbst wenn informelle Formen des Lernens mitberücksichtigt werden, ist der Anteil der als bildungsabstinent einzustufenden älteren Menschen weiterhin beträchtlich. 2016 wurden 54% der 65-75-jährigen Menschen gemäss Mikrozensus ‚Weiterbildung‘ als ‚bildungsabstinent‘ eingestuft.
In jedem Fall ist der Trend zu (Weiter)-Bildung bei älteren Menschen weniger ausgeprägt als angesichts der normativen Betonung des Werts eines lebenslangen Lernens zu erwarten ist. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass speziell indirekte Formen des Lernens (z.B. via soziale Kontakte, Reisen und Freiwilligenarbeit) häufig nicht oder nur schwer erfassbar und messbar sind. Zu berücksichtigen ist zudem, dass aufgrund der demografischen Alterung –auch konstante Prozentwerte der Bildungsbeteiligung aufgrund der zahlenmässigen Zunahme älterer Menschen zu einer höheren Nachfrage nach Bildungsveranstaltungen im Alter beitragen.
Die Covid-19-Pandemie hat im 2. Quartal 2020 zu einer reduzierten Teilnahme auch älterer Menschen an Kursen, Konferenzen und Seminaren geführt. Während im 2. Quartal 2019 17% der 65-69-Jährigen in den letzten 4 Wochen an Weiterbildungsveranstaltungen teilnahmen, waren dies im 2. Quartal 2020 gemäss Schweizerischer Arbeitskräfteerhebung nur noch 8%.
Prof. Dr. phil. François Höpflinger, Alters- und Generationenforscher und Mitglied unseres Stiftungsrates.