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Vielen Eltern graust es vor Diktaten genauso wie ihren Kindern. Damit das Üben etwas leichter fällt, haben wir Ihnen hier einige Tipps zusammengestellt.
Eines vorne weg: Diktate sind wenig geeignet, um die Rechtschreibung zu trainieren. Das gilt insbesondere für Kinder mit einer Schwäche in diesem Bereich. Wie Sie Rechtschreibregeln effektiv üben können, erfahren Sie im Artikel "Rechtschreibregeln üben".
Gehen wir nun aber davon aus, dass Ihr Kind ein Diktat für die Schule üben muss - und gehen wir im Weiteren davon aus, dass es dies nicht gerade mit Begeisterung tut. Was können Sie als Eltern tun, um das Üben leichter und effektiver zu gestalten?
Sie können beispielsweise darauf verzichten, jedesmal den ganzen Text zu diktieren und stattdessen wie folgt vorgehen:
1. Nehmen Sie sich Zeit, den Diktattext vorab kritisch durchzusehen
Falls Ihr Kind mehrere Tage Zeit hat, um das Diktat vorzubereiten, nehmen Sie sich am besten eine Lerneinheit Zeit, um den Text in Ruhe gemeinsam anzusehen und darüber zu sprechen, welche Stellen besonders schwierig sind. Überlegen Sie sich als Team, wie Ihr Kind sich diese Stellen einprägen könnte.
2. Diktieren Sie einmal den ganzen Text
Lassen Sie Ihr Kind den Text am nächsten Tag oder nach einer längeren Pause nun einmal schreiben. Achten Sie darauf, dass die den Text so normal und neutral wie möglich diktieren. Häufig betonen Eltern (teilweise unbewusst) Wörter auf eine bestimmte Weise. Sie sprechen das n, m oder s besonders stark und betont aus, wenn das Wort nennen, kommen oder essen lautet - und geben dem Kind damit den Hinweis, dass diese Wörter mit Doppel-n/m/s geschrieben werden. Liest die Lehrerin das Diktat ohne diese "Hinweise" vor, schreibt das Kind diese Wörter "plötzlich" falsch. Das Gleiche gilt für Wörter mit Dehnungen (ie, aa, h) wie dienen, Haare, Stahl, bei denen die Eltern die Vokale besonders langsam aussprechen.
Ähnliches lässt sich bei nonverbalen Hinweisen beobachten. Es ist leichter, wenn Sie während dem Diktieren nicht auf das Blatt Ihres Kindes schauen. Sind Kinder unsicher, wie man etwas schreibt, schauen sie sich oft das Gesicht ihrer Eltern an, versuchen dann etwas und korrigieren sich. Schlau wie sie sind, haben sie am Gesichtsausdruck der Eltern abgelesen, welche Schreibweise die richtige ist - nur fehlt leider auch diese Art von "Hinweisen" später in der Schule.
2. Schauen Sie sich im Anschluss zusammen mit Ihrem Kind die richtige Schreibweise zu den Fehlerwörtern an und besprechen Sie, wie es sich diese einprägen könnte
Hierzu gibt es verschiedene Möglichkeiten:
- Ihr Kind könnte sich das Wort auf eine Karte schreiben und die schwierige Stelle farblich hervorheben (nämlich)
- Sie können Ihr Kind dazu anregen, sich das schwierige Wort aktiv zu merken. Zum Beispiel, indem Sie folgendes sagen: Schau dir das Wort ganz genau an - so als würdest du es abfotografieren. Schliess jetzt deine Augen und versuche es dir ganz genau vorzustellen - so als würde es auf einer Tafel stehen. Siehst du es? Willst du es mir buchstabieren / es aufschreiben?
- Sie können Ihrem Kind erklären, weshalb das Wort auf diese Weise geschrieben wird (nummerieren hat zwei m, weil es von Nummer kommt)
- Sie können mit Ihrem Kind nach Wörtern mit dem gleichen Wortstamm suchen (Spannung, gespannt, spannen, Anspannung, spannend, Spannteppich etc.)
- Sie können eine Eselsbrücke suchen (doppel-a, das ist doch klar, sind in Waage, Haar und Paar! / Ein bisschen wird kein bisschen gross geschrieben etc.)
Der folgende Ausschnitt zeigt, wie ein Vater mit seinem Kind (5. Klasse) zuerst die Rechtschreibregel wiederholt und dann das Kind dazu auffordert, sich über eine Merkstrategie Gedanken zu machen:
Vater: Hm...da beim Satz "er betrat das verlassene Haus, das bald abgerissen werden sollte" hast du das "das" nach dem Komma falsch geschrieben. Kannst du mir nochmal erklären, wann es zwei und wann es ein s hat?
Kind: Also...es hat hier nur ein s, weil es sich auf das Haus bezieht...das Haus, das...es gibt da noch eine Regel: Wenn ich "das" durch "dieses" oder "welches" ersetzen kann, dann hat es nur ein s - ich könnte "das Haus, welches" sagen, also hat es nur ein s.
Vater: Genau. Sehr gut. Wie könntest du das nächste Mal daran denken?
Kind: Ich markiere die Wörter "Haus" und "das" mit Leuchtstift, damit ich sehe, dass das "das" zum Haus gehört (er betrat das verlassene Haus, das bald abgerissen werden sollte)
Zu Beginn benötigen die Kinder Hilfestellungen und Vorschläge von Ihnen - mit der Zeit und etwas Übung kommen die Kinder selbst auf solche Strategien.
3. Diktieren Sie nur noch die schwierigen Stellen bzw. die schwierigen Wörter, bis das Kind diese sicher beherrscht
Diktieren Sie nun Ihrem Kind nur die schwierigen Stellen, bis es diese sicher beherrscht. Das Kind wird froh sein, dass es nicht mehr das ganze Ditkat schreiben muss (und Sie wahrscheinlich auch ;-)
4. Diktieren Sie evtl. am Ende nochmals das ganze Diktat zur Kontrolle
Am Ende können Sie - bei Bedarf - nochmals das ganze Diktat schreiben lassen.
Sie brauchen als Eltern die Diktate nicht immer zu diktieren. Das Kind kann das Diktat auch alleine vorbereiten, indem es dieses abdeckt oder im Sinne eines "Wanderdiktats" an die Wand hinter sich heftet, sich einen Satz einprägt, diesen schreibt und danach kontrolliert. Alternativ kann das Kind das Diktat mit dem Smartphone aufnehmen, abspielen und schreiben.
Bei uns funktioniert das nicht: Mein Kind macht sehr viele und immer wieder andere Fehler
Bei manchen Kindern bringt diese Strategie wenig, da sie immer wieder andere Fehler machen.
Ist Ihr Kind in der Rechtschreibung sehr unsicher, sind Diktate noch ungeeigneter, um die Rechtschreibung zu trainieren. Es ist viel besser, wenn Sie sich längerfristig auf die Verbesserung der Rechtschreibung konzentrieren, indem Sie ein gutes Rechtschreibtraining kaufen und mit ihrem Kind täglich 10 Minuten üben (Im Artikel "Rechtschreibregeln üben" haben wir einige Programme vorgestellt.).
Diktate 10 oder 20 Mal zu schreiben führt nur zu Frust bei Ihnen und Ihrem Kind, bringt Ihr Kind jedoch nicht weiter.
Ihr Kind macht dabei lediglich die Erfahrung, dass es scheinbar nicht in der Lage ist, schreiben zu lernen - und es prägt sich die falschen Schreibweisen ein. Ausserdem werden bei dieser Form der Übung auch Ihre Nerven aufs Äusserste beansprucht, was es nicht einfach macht, wertschätzend und ermutigend mit dem Kind umzugehen.
Eine Übersicht mit hilfreichen Fördermaterialien zur Rechtschreibung finden Sie hier. Zudem empfehlen wir Ihnen gerne unser Elternseminar Rechtschreibung verbessern - in 10 Minuten pro Tag.
Unsere Seminare
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