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Der österreichische Schriftsteller Gerhard Roth geniesst einen nahezu legendären Ruf als engagierter Essayist, der unermüdlich gegen Missstände in Österreich polemisiert - auch wenn er dafür im eigenen Land oft als Netzbeschmutzer diffamiert wurde.
Dieser Band versammelt Beiträge der letzten zehn Jahre, die Roth in überregionalen Zeitungen, etwa als Autor für Die Zeit oder profil publiziert hat. Er fungiert darin als Seismograph der jüngsten historischen Epoche Österreichs, die von der Wahl Waldheims zum Präsidenten 1986 bis zum EU-Beitritt 1995 reicht. Seine Artikel sind Warnungen vor Antisemitismus und Fremdenparanoia in Österreich, sie wollen verhindern, dass das Land Etappen seiner Vergangenheit, besonders die Rolle im nationalsozialistischen Machtgefüge, ausblendet. Analytische Wahrhaftigkeit treibt Roth dazu, die Ursachen für Verdrängung und Kleingeistigkeit in Österreich aufzuspüren, das eigentliche Wesen der Republik und ihrer Mentalität zu erkunden. Seine Recherche erhellt auch Orte, an denen sich die Institution Staat ihrer schwächsten Mitglieder höchstpersönlich annimmt: Obdachlosenunterkünfte, Erziehungsheime, Psychiatrien.
Aufgeschlossen berichtet er in den Interviews am Ende des Bandes über sein Leben als Schriftsteller und die Arbeit am grossen Romanzyklus Die Archive des Schweigens.
Gerhard Roth, 1942 in Graz geboren, lebt als freier Schriftsteller in Wien und der Südsteiermark. Er veröffentlichte zahlreiche Romane, Erzählungen, Essays und Theaterstücke, darunter den 1991 abgeschlossenen siebenbändigen Zyklus ›Die Archive des Schweigens‹. Anschliessend erschienen die Bände des ›Orkus‹-Zyklus: die Romane ›Der See‹, ›Der Plan‹, ›Der Berg‹, ›Der Strom‹ und ›Das Labyrinth‹, die literarischen Essays über Wien ›Die Stadt‹ sowie die beiden Erinnerungsbände ›Das Alphabet der Zeit‹ und ›Orkus‹. Zuletzt erschien der Roman ›Grundriss eines Rätsels‹.
Für sein Werk wurde Gerhard Roth mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem Jakob-Wassermann-Preis, dem Jeanette-Schocken-Preis, dem Jean-Paul-Preis, dem Hoffmann-von-Fallersleben-Preis sowie mit dem Grossen Österreichischen Staatspreis.
Literaturpreise:
u.a.:
Preis der »SWF-Bestenliste«,
Alfred-Döblin-Preis
Marie-Luise-Kaschnitz-Preis
Preis des Österreichischen Buchhandels
Bruno-Kreisky-Preis 2003
Grosses Goldenes Ehrenzeichen der Stadt Wien 2003
Jakob-Wassermann-Preis 2012
Jeanette-Schocken-Preis 2015
Jean-Paul-Preis 2015
Grosser Österreichischer Staatspreis 2016
Hoffmann-von-Fallersleben-Preis 2016