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Folgen bei hohem Cholesterinspiegel mit 25 Jahren
Wer schon in jungen Jahren hohe Cholesterinwerte aufweist, hat etwa 10 Jahre später ein erhöhtes Risiko an Arteriosklerose in den Koronararterien zu erkranken. Doch wie genau entsteht eigentlich Arteriosklerose und wie sollte eine Ernährung bei Arteriosklerose aussehen?
Der Zusammenhang, dass die Ernährung einen Einfluss auf die Cholesterinwerte aufweist, wurde in einer Studie namens CARDIA (Coronary Artery Risk Developement in Young Adults) unter der Leitung des US-Forschers Dr. Mark J. Pletcher aus Birmingham/Alabama festgestellt. Es handelt sich um eine grosse prospektive Kohortenstudie, welche im Jahre 1985 startete. Es wurden die Blutwerte von 3258 Teilnehmern im Alter von 18 bis 30 Jahren untersucht. In den darauffolgenden 15 bis 20 Jahren wurde bei den Personen wiederholt das Lipidprofil (LDL- und HDL-Cholesterin, Triglyceride) bestimmt. Im Alter von 45 Jahren wurde bei den Studienteilnehmern eine computertomografische Koronarkalk-Messung durchgeführt. Die Ergebnisse wurden dann mit den gesammelten Lipidbildern verglichen.
Bereits am Anfang der Studie, hatten 87% der jungen Erwachsenen Teilnehmer suboptimale Blutfettwerte (LDL> 100mg/dl oder HDL< 60mg/dl oder Triglyceride > 150mg/dl). Vor allem für die erhöhten LDL-Werte konnte eine klare Beziehung zu der Koronarkalkentwicklung hergestellt werden. Bei optimalen LDL-Werten (< 70 mg/dl) hatten nur 8% der Teilnehmer später Kalkablagerungen im Herzen. Von den Teilnehmern die mehr als 160mg/dl LDL aufwiesen, hatten 44% eine Arteriosklerose. Genau umgekehrt war es mit den HDL-Werten. Für die Triglyceridspiegel fand sich jedoch keine solche Beziehung.
Da die Studienteilnehmer sich jetzt noch nicht in einem Alter mit stark erhöhtem Risiko für Herzinfarkt befinden, kann die Studie noch keine Auskunft über das tatsächliche Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen liefern. Jedoch zeigen andere Studien, dass das Risiko für Arteriosklerose in den Koronararterien stark ansteigt.
Die Studie zeigt auf, dass bereits suboptimale Lipidwerte in der Jugendzeit das Risiko für Arteriosklerose in späteren Jahren stark erhöhen. Deshalb sollte schon in den jungen Jahren auf eine gesunde Ernährung geachtet werden. Auch regelmässige Bewegung und ein gesunder Lebensstil allgemein können helfen, das Risiko zu senken.
Wie genau entsteht Arteriosklerose?
Eine Arterie besteht aus drei verschiedenen Schichten. Im Inneren befindet sich die
Tunica interna (auch Tunica Intima genannt). Sie besteht aus sehr flachen Zellen (Plattenepithel) und bildet das sogenannte Gefässendothel. Diese Schicht steht in direktem Kontakt mit dem Blut. Allgemein ist diese Schicht sehr dünn und sehr glatt, damit keine Blutbestandteile an der Gefässwand heften bleiben. Die mittlere Schicht wird
Tunica media (kurz: Media) genannt. Sie ist die Muskelschicht der Arterie und besteht aus glatten Muskelfasern, die mit feinen Bindegewebsfasern durchsetzt ist. Sie sorgt dafür, dass sich die Arterie verengen und erweitern kann. Die äusserste Schicht ist die
Tunica externa (kurz: Externa). Sie besteht aus Bindegewebe und elastischen Fasern, welche wichtig für die Dynamik (Eng- und Weitstellung) der Arterie sind. Ausserdem laufen durch sie kleine Gefässe und feine Nerven, welche die Arterie selbst mit Blut versorgen. Bei einer gesunden Arterie sind alle 3 Schichten in Takt und das Blut kommt nur in Kontakt mit der äussersten Schicht, der Intima.
Damit überhaupt eine Arteriosklerose entstehen kann, muss die Endothelschicht der Intima beschädigt sein. Ist die Intima intakt, verhindert sie ein Anhaften, eine Adhäsion, von weissen Blutkörperchen und Proteinen. Ausserdem sondert sie blutgerinnungshemmende Stoffe aus, um die unerwüschte Blutgerinselbildung zu verhindern. Wieso die Intima geschädigt wird ist noch nicht gänzlich geklärt. Als Auslöser vermutet man eine Belastung der Blutgefässe durch Bluthochdruck oder Nikotin. Ist sie beschädigt, können Monozyten, T-Lymphozyten und Low Density Lipoproteine (LDL) unter die Intima gelangen. Sie kommen so in die Media und aus Monozyten werden Makrophagen (Fresszellen), welche schliesslich das reichlich vorhandene LDL aufnehmen. Je mehr LDL in der Blutbahn zirkuliert, desto mehr davon gelangt unter die Intima. Die Hülle des LDL besteht aus Cholesterin, Proteinen, Phospholipiden und Vitamin E. Das Innere besteht aus Triglyceriden und Cholesterin-Ester. Nach Aufnahme des LDL verwandeln sich die Makrophagen in Schaumzellen. Das Fett in den LDL oxidiert und wird ranzig, was weitere Monozyten anlockt. Es bilden sich immer mehr Schaumzellen, welche aufgrund des oxidierten Fettes eine gelbliche Farbe annehmen. Die Makrophagen und T-Lymphozyten setzen entzündungsfördernde Botenstoffe (Zytokine, Tumornekrosefaktor) frei, wodurch vermehrt Adhäsionsmoleküle auf der Intima gebildet werden. Adhäsionsmoleküle sind Rezeptoren an den Zelloberflächen, welche ein Andocken und somit auch ein Eindringen von weissen Blutkörperchen ermöglichen. Es dringen so noch mehr weisse Blutkörperchen und LDL ein. Langsam entwickelt sich ein Atherom (Verdickung der Gefässwand), welches mit Schaumzellen und Muskelzellen der Media gefüllt ist, die nach und nach absterben. Es bildet sich ein nekrotischer Kern. Nachbarzellen des Atheroms erzeugen Kollagen, welches eine schützende Kappe über das Atherom bildet (fibröse Plaque). Die Makrophagen setzen jedoch eiweissspaltende Enzyme frei, welche die Plaque nach und nach auflösen. Wenn die Plaque reisst, kommt es zum direkten Kontakt zwischen Blut und dem nekrotischen Kern. Sofort kommt es zur Blutgerinnung und es bildet sich ein Thrombus, der zu einem akuten Gefässverschluss führen kann. Es drohen Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen, PAVK und Angina Pectoris. Ein kleinerer Thrombus kann jedoch auch abfallen und durch das Blut in kleinere Arterien - z.B. des Herzens - gelangen und dort einen Gefässverschluss verursachen.
Ernährung bei Arteriosklerose
Neben dem Lebensstil sollte auch die Ernährung optimiert werden. Ein gesunder Lebensstil zeichnet sich durch Nichtrauchen, Stressbewältigung und vermehrte körperliche Aktivität aus. Eine günstige Ernährungsform ist die "Mediterrane Ernährung". Wichtige Punkte bezüglich der Ernährung, nach der Ernährungspyramide der SGE sind:
Getränke:
Die Empfehlung ist gleich wie bei gesunden Menschen. Einige Studien beweisen, dass ein moderater Alkoholkonsum (1-2 Gläser Wein pro Tag) das KHK-Risiko verringert. Da Alkohol jedoch Übergewicht begünstigt und weitere gesundheitliche Risiken mit sich bringt, ist von einem Konsum abzuraten.
Empfehlung: 1.5-2 Liter kalorienarmeFlüssigkeit (Wasser, Tee etc.) , Alkohol max. 1 Glas Wein oder Bier pro Tag
Obst und Gemüse:
Sie sind reich an Nahrungsfasern und sollten deshalb täglich konsumiert werden. Die Nahrungsfasern binden überschüssiges Cholesterin und scheiden es mit dem Stuhl aus. Damit die Leber Gallensäure produzieren kann, muss sie nun auf die Cholesterinreserven zurückgreifen. Der Blutcholesterinspiegel sinkt. Ausserdem sind Nahrungsfasern wichtig für eine geregelte Verdauung und eine lang anhaltende Sättigung, was vor allem bei einer Gewichtsabnahme helfen kann. Antioxidantien (Vitamin E, Beta-Carotin und Vitamin C) in Obst und Gemüse schützen das Fett vor Oxidation und können so vor einer weiteren Zunahme der Arteriosklerose schützen. Ausserdem enthalten sie viele weitere Vitamine, die wichtig für die Gesundheit sind.
Empfehlung: pro Tag 2 Portionen (1 Hand voll= 120g) Früchte, wenn möglich ungeschält, pro Tag 3 Portionen (mind.120g) Gemüse, davon mind. 1 Mal roh
Stärkeprodukte:
Aus den gleichen Gründen wie bei Obst und Gemüse sollte möglichst die Vollkornvariante gewählt werden oder mit Schale gegessen werden (z.B. Kartoffel). Die Zubereitung sollte fettarm gewählt werden.
Empfehlung: pro Tag mind. 3 Portionen stärkehaltige Beilagen, mind. 2 Portionen als Vollkornprodukte
Eiweisskomponente:
Es sollten vor allem tierische Fette und fettreiche tierische Lebensmittel gemieden werden. Diese enthalten vor allem gesättigte Fettsäuren, die die Blutfettwerte ungünstig beeinflussen (LDL und Triglyceride ). Auch Milch- und Milchprodukte sollten aus diesem Grund in der fettarmen Variante gewählt werden. Obwohl eine fettarme Ernährung eingehalten werden sollte, sollte fettreicher Fisch wie Lachs, Thunfisch, Makrele und Hering häufig in den Ernährungsplan eingebaut werden. Sie sind alle reich an Omega-3-Fettsäuren, welche einerseits eine entzündungs- und gerinnungshemmende Wirkung besitzen und andererseits die Blutfettwerte verbessern. Aufgrund des hohen Cholesteringehalt sollte der Konsum von Eiern reduziert werden.
Empfehlung: max. 5x pro Woche fettarmes Fleisch (80-120g), bei Milch und Milchprodukten möglichst fettarme Variante wählen, 3 Portionen täglich, 2-3 Eier pro Woche (inkl. verarbeitete), pro Woche 1-2 Portionen (100-120g) (fettreicher) Fisch
Fette und Öle:
Qualität und Quantität beeinflussen den Blutcholesterin- und den Triglyceridspiegel. Es sollte deshalb fettarm gegessen werden (max. 25-30% der Gesamtenergiezufuhr aus Fett). Neben einer Verbesserung der Blutfettwerte kann dies auch zu einer Gewichtsabnahme führen. Das ist sehr wünschenswert, da Übergewicht ein Risikofaktor für Arteriosklerose ist. Gehärtete Pflanzenfette wie Kokosfett, Palmfett und andere gehärtete Fette sollten gemieden werden, da sie viel Transfettsäuren enthalten, die ebenfalls das LDL und die Triglyceride erhöhen. Für die warme Küche sollte Olivenöl und für die kalte Küche Rapsöl verwendet werden. Sie sind reich an einfach ungesättigten Fettsäuren, die das LDL und die Triglyceride senken und das HDL erhöhen.
Empfehlung: pro Tag max. 2 KL Streichfett (Butter oder Margarine) als Brotaufstrich, pro Tag 2-3 KL Olivenöl oder Rapsöl für die kalte Küche (Salatsaucen etc.) , pro Tag max. 2-3 KL (10g) Olivenöl für die Zubereitung von warmen Speisen, 1 Portion (20-30g) ungesalzene Nüsse pro Tag
Quellen:
Anatomie der Arterien. (2009). URL: http://www.pflege-kurse.de/006kursdemo01.asp?KID=14&seitennummer=7
(29.12.2010).
Ärzte Zeitung online (2010). Hohes Cholesterin mit 25: Mehr Koronarkalk mit 45. URL: http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/herzinfarkt/article/614467/hohes-cholesterin-25-koronarkalk-45.html
(07.01.2011).
Bernet, C., Darioli, R., Matzke, A., Mühlemann, P., Schwestermann, N., Welter, A. (2009). Ernährung, Atherosklerose und koronare Herzkrankheiten (KHK).
Schweizer Gesellschaft für Ernährung SGE
Heuer, J. (2009). Arteriosklerose [Electronic Version], Pharmakologie Journal. URL: http://pharmakologie.wordpress.com/2009/03/13/arteriosklerose/
(29.12.2010).