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Eine Studie aus Dänemark hat untersucht, welches die Auswirkungen von Rasenrobotern auf Igel sein könnten. Insgesamt wurden 18 verschiedene Modelle getestet. Das Igelzentrum Zürich hat die Ergebnisse zusammengefasst.
Viele Igel werden in Igelstationen und bei Tierärzten mit Schnittverletzungen eingeliefert. Obwohl nicht genau quantifiziert, wächst die Besorgnis, dass eine zunehmende Anzahl solcher Vorkommnisse durch Roboter-Rasenmäher verursacht worden sein könnte. Wenn diese Bedrohung durch Roboter-Rasenmäher für die Igel real ist, dann wäre dies in der Tat ein Grund zur Sorge, da der globale Markt für diese Geräte dramatisch expandiert und im Jahr 2020 einen Umsatz von 1,3 Milliarden US-Dollar erreichte mit einer voraussichtlich jährlichen Wachstumsrate von mehr als 12 Prozent im Zeitraum 2019 bis 2025.
Eine Studie der dänischen Igelforscherin Sophie Rasmussen (Rasmussen et al. 2021) untersuchte in einem Experiment die Auswirkungen von 18 verschiedenen handelsüblichen Roboter-Rasenmähermodellen, wenn diese auf Igelkadaver treffen. Dabei beschrieb und quantifizierte sie die Effekte der Rasenmäher, setzte diese Effekte in ein Verhältnis zu bestimmten technischen Merkmalen der verschiedenen Maschinen und lieferte so wichtige Informationen zu speziellen Eigenschaften dieser Geräte, die die Sicherheit für Igel erhöhen könnten bzw. besonders zerstörerisch wirken.
Die Auswahl der 18 Rasenmähermodelle basierte auf dem Rat eines Produktspezialisten für Mähroboter und repräsentiert das breite Spektrum der auf dem europäischen Markt erhältlichen Marken, Modelle und Produktspezifikationen (Tabelle «Getestete Geräte»). Die Schnitthöhe der Maschinen wurde auf die höchste Einstellung gestellt, um gleiche Testbedingungen für alle Versuche zu gewährleisten. Die Tests wurden an toten Igeln durchgeführt, die in dänischen Igelstationen von Juni bis August 2020 gestorben waren und dort für diesen Versuch gesammelt wurden. Alle für diese Studie ausgewählten Igelkadaver waren intakt und hatten keine sichtbaren Verletzungen.
Für den Test wurden 4 verschiedene Gewichtsklassen an Igeln verwendet: Baby, Jungtier, erwachsener Igel und grosser erwachsener Igel. Zudem wurde jeder Igel in drei Positionen zum Rasenroboter getestet: mit der Schnauze voran, mit dem Bauch voran und mit dem Rücken voran.
Durchführung
Jedes Rasenmähermodell wurde in allen 3 Positionen an jeder der 4 Gewichtsklassen (also insgesamt 12-mal) getestet. Der Ablauf war folgendermassen: Der Igelkadaver wurde in einem solchen Abstand in die Fahrtlinie des Mähroboters platziert, dass die Maschine beim Erreichen des Kadavers mit maximaler Geschwindigkeit und voll rotierenden Messern arbeitete und der Igel sich in der Mitte der Vorderseite der sich nähernden Maschine befand.
Die Tests wurden mit einer Kamera gefilmt, und nach jedem Test wurde der Igelkadaver auf Verletzungen untersucht. Wurde ein Igelkadaver während eines Tests durch den Mäher verletzt, wurde er aus dem Versuch genommen, um eine Verwechslung oder Wechselwirkung mit früheren Verletzungen in nachfolgenden Tests zu vermeiden.
Ergebnisse
Vorauszuschicken ist folgender Befund: Keines der getesteten Geräte war in der Lage, die Igel ohne Berührung zu erkennen. Das gilt auch für die Modelle mit Kamerasicht und Ultraschallsensoren. Die Testergebnisse für alle 18 Mährobotermodelle sind in der Grafik unten dargestellt. Was auffällt: Kein Modell stoppte für sehr kleine Igel (Babys). Insofern ist keiner der getesteten Mähroboter für Igel völlig sicher.
Allerdings gab es starke Unterschiede zwischen den Modellen. Ein Modell (Gardena Sileno Life) schloss in allen zwölf Einzeltests nur mit Schäden der Kategorie Blau, Grün und Gelb ab und scheint somit die Igel nicht ernsthaft zu verletzen. Vielleicht lernen es Igel nach einer Begegnung mit einem solchen Mähroboter sogar, diese Maschinen zu meiden.
Andere Geräte (z.B. Honda Miimo HRM 3000) verursachten hauptsächlich Schäden der Kategorien Orange und Rot. Hier wären einige der aufgezeichneten Verletzungen sofort tödlich gewesen, und alle Schäden der Kategorie Rot hätten unbehandelt tödlich enden können. Insgesamt sieben Modelle bewirkten immerhin keine Schäden der Kategorie Rot.
Generell verursachten Rasenmäher mit feststehenden Messern grössere Schäden: Im Gegensatz zu feststehenden Klingen, die ständig freiliegen, klappen schwenkbare Klingen in einen schützenden Rahmen ein, wenn sie auf etwas Härteres als Gras treffen. Ausserdem benötigen Mähroboter mit feststehenden Klingen eine höhere Maschinenleistung, um die Klingen zu betreiben, und diese höhere Leistung scheint die Maschinen weniger kontrollierbar und weniger empfindlich in ihrer Erkennungstechnologie zu machen.
Während die Studie kritische Fragen bezüglich der Art und des Ausmasses von Verletzungen durch Mähroboter beantwortet, kann sie keine Aussagen über die Wahrscheinlichkeit dieser Begegnungen oder das Verhalten der Igel darauf machen.
Die Autoren der Studie rufen Hersteller, Vertreiber und Verkäufer von Roboter-Rasenmähern aber dazu auf, ihre Kunden darüber aufzuklären, wie wichtig es sei, den Einsatz von Mährobotern zur Nachtzeit zu unterlassen und den Rasen vor dem Mähen auf Wildtierarten zu überprüfen, die potenziell durch die Maschinen gefährdet sind. Ausserdem regen sie eine zukünftige Zusammenarbeit mit den Herstellern von Mährobotern an, um die Sicherheit für Igel und andere Wildtierarten im Garten zu verbessern.
Kommentar des Igelzentrums:
Wie viele Igel durch Rasenroboter verletzt werden, ist nicht bekannt. Es ist auch nicht einfach herauszufinden, weil die jeweiligen Verletzungen auch andere Ursachen haben können. Klar ist aber: Generell steigt die Gefahr, weil die Zahl von Rasenrobotern in Privatgärten rasant zunimmt.
Die wissenschaftliche Studie aus Dänemark zeigt:
• Keines der getesteten Modelle erkannte Igel ohne Berührung.
• Keines stoppte für Igelbabys
• Mäher mit feststehenden Messern verursachten grössere Schäden.
• Manche Modelle wie der Gardena Sileno Life scheinen Igel nicht ernsthaft zu gefährden.
Für das Igelzentrum ist klar: Modelle mit Schadenskategorie Rot sollte man nur unter Aufsicht laufen lassen. Alles andere wäre unverantwortlich. Es ist ein grosser Wunsch des Igelschutzes, dass die Industrie nicht nur leere Versprechen abgibt, sondern endlich vorwärts macht mit igelfreundlichen Mährobotern. Technisch machbar wäre es – mit Sensoren, Kameras und guter Programmierung.
Es braucht aber offenbar mehr Druck von der Kundschaft. Solange sich igelgefährdende Geräte verkaufen wie warme Weggli, sieht es eher schlecht aus. Ein wichtiger Punkt darf bei der Diskussion übers Mähen nicht vergessen gehen: Fadenmäher sind für Igel gefährlicher als Rasenroboter! Unter Büschen ist beim Einsatz eines Fadenmähers besondere Vorsicht nötig.
Wer nicht auf einen Rasenroboter verzichten kann oder will, möge sich folgende Hinweise zu Herzen nehmen:
• Vor dem Einsatz den Rasen kontrollieren: Ist irgendwo ein Tier, das verletzt werden könnte? Am besten lässt man den Roboter nicht unbeaufsichtigt arbeiten.
• Mähroboter nur tagsüber laufen lassen. Gefährdete Tiere sind häufig nachtaktiv.
• Einsatz nur so oft wie nötig, damit der Mähroboter das Gras noch schneiden kann. Je häufiger er läuft, desto grösser ist die Gefahr für Tiere.
• Beim Kauf ein möglichst tierfreundliches Modell wählen.
Originalstudie (in Englisch, frei verfügbar):
Rasmussen SL, Schrøder AE, Mathiesen R, Nielsen JL, Pertoldi C, Macdonald DW (2021) «Wildlife Conservation at a Garden Level: The Effect of Robotic Lawn Mowers on European Hedgehogs (Erinaceus europaeus)». MDPI, Animals, 11,1191.
https://doi.org/10.3390/ani11051191
Text:Ins Deutsche übersetzt und zusammengefasst von Anne Berger, bearbeitet vom Igelzentrum. Erstpublikation im Igel&Umwelt 2022/1