Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03283.jsonl.gz/1965

| Gregor v. Nyssa (†394) - Gespräch mit Makrina über Seele und Auferstehung (Dialogus de anima et resurrectione)

§5. Auch die Erfindungen sprechen für den geistigen Charakter der Seele.
3.
„Sieht man nicht deutlich aus diesen offenbaren Tatsachen, daß im Menschen neben dem offen Wahrnehmbaren ein von ihm verschiedener Geist wohnt, der in seiner gestaltlosen und unkörperlichen Natur all diese Dinge denkend entwirft und sodann diese Entwürfe mit Hilfe des Stoffes zum sichtbaren Ausdrucke bringt. Denn wenn gemäß der gegnerischen Meinung die Elemente durch ihre eigene Natur solche erstaunliche Wirkungen hervorbrächten, so würden wohl derartige Maschinen von selbst entstehen, und es würde das Erz nicht auf die Kunst warten, um Menschengestalt anzunehmen, sondern schon gleich durch seine Natur dazu kommen; ebensowenig bedürfte die Luft der Pfeife, um zu tönen, sondern sie würde dies von selbst vermögen, wie sie auch sonst verschiedenartig weht und sich bewegt. Desgleichen brauchte das Wasser in einer Röhre nicht in die Höhe getrieben werden, indem die Kunst durch Druck ihm diese widernatürliche Bewegung aufzwingt, sondern von selbst ginge es in die Maschine, um durch seine eigene Natur in die Höhe zu steigen. Wenn aber hievon nichts durch die Natur der Elemente von selbst geschieht, sondern all das durch die Kunst nach der freien Entscheidung der Menschen zustande kommt, Kunst aber eine Art sicheren Denkens ist, das planmäßig durch die Materie nach Verwirklichung strebt, das Denken aber nur eine dem Geiste eigene Tätigkeit und Bewegung ist, dann hat sogar die aus den Einwürfen gegen uns gezogene Konsequenz die Verschiedenheit des Geistes von der Erscheinung bewiesen.“§ 6. Die Verwandtschaft zwischen dem göttlichen und menschlichen Geist.