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Durchsagen der Leitstelle bedeuten selten etwas Gutes. Im besten Fall – so wie heute Morgen – kommt nur der Bus zu spät.
Weil es aber in der Durchsage eigentlich gar nicht um unseren Bus gegangen war, standen wir in der Früh zu dritt etwas ratlos an der Haltestelle.
Ein Mann, ich nahm an, er sei Eritreer, schaute fragend zu mir. «Kommt der Bus?», fragte er in gebrochenem Deutsch. Ich erklärte ihm, dass ein Lastwagen auf den Schienen dem Tram den Weg versperrt. Und dass das Tram den Bus blockiert. Und dass wir eine Weile warten müssten. «Aha», meinte er. Da schien ihm einzufallen, dass weder er noch ich die nächsten Minuten etwas zu tun hatten, und er kramte aus seiner Jackentasche einen Zettel hervor, kreuz und quer beschriftet mit Zahlen, Adressen und Wörtern. Auf eines dieser Wörter zeigte er und fragte mich: «Was heisst das?» «Spontan», stand da. «Ohne viel zu überlegen», gab ich zur Antwort. Das schien ihn nicht zu befriedigen. «Was ist das Gegenteil?», wollte er wissen. «Zurückhaltend», sagte ich. Das freute ihn. Weshalb es den Mann freut, dass zurückhaltend das Gegenteil von spontan ist, weiss ich nicht. Offenbar aber schreibt er sich Wörter auf, die er nicht kennt. Und die Tatsache, dass er oder ein bestimmtes Ereignis «nicht zurückhaltend» ist, scheint etwas Gutes zu sein. Dann kam der Bus und wir stiegen ein. Der Mann strahlte immer noch. Morgens um acht Uhr schon zwei neue Wörter gelernt – das wird ein guter Tag!