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Lövånger Kyrkstad ist eine historische Kirchenstadt in Schweden, die zu den ältesten erhaltenen ihrer Art gehört. Dank einer sorgfältigen Renovierung können Gäste heute in verschiedenen Gebäuden übernachten. Besonders attraktiv ist Lövånger auch aufgrund des Lövångergårdens, der 2019 von zwei innovativen Schwedinnen erworben wurde.
Zu Beginn müssen wir die Frage «Was sind Kirchenstädte?» klären. Sie entstanden häufig, in Zeiten der Reformation, als die protestantische Kirche in Schweden Fuss gefasst hatte und hohe Anforderungen an den Kirchgang der Menschen stellte. Von den Menschen wurde erwartet, dass sie regelmässig an Gottesdiensten und Feiertagen teilnahmen. Im Jahr 1681 wurden «Kirchgänge» eingeführt, was bedeutete, dass jeder, der im Umkreis von einer Meile um die Kirche wohnte, jeden Sonntag und im Umkreis von zwei Meilen jeden zweiten Sonntag kommen musste. Aber auch Menschen, die weiter weg wohnten mussten sich natürlich in der Kirche blicken lassen, mann muss sich das einmal vorstellen.
Da viele Gemeindemitglieder weite Wege zur Kirche hatten, wurden Kirchenstädte, wie die Lövånger Kyrkstad, mit Häusern, Schuppen und Ställen gebaut. Die Anreise und Rückreise schaffen die Leute keinesfalls in einem Tag und so brauchten Sie natürlich eine Unterkunft für sich und die Pferde. In Lappland lebten Siedler und Samen oft gemeinsam um die errichteten Kapellen herum, und auch dort entstanden Kirchensiedlungen in Form von Hütten, Kotas und Kirchengebäuden.
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren diese Kirchenstädte auch ein wichtiges Zentrum des sozialen und kulturellen Lebens. Es fanden Märkte, Veranstaltungen und Steuererhebungen statt. Der Austausch von Informationen und das Zusammensein von verschiedenen Familien war ebenfalls sehr wichtig. Von der Kanzel wurden öffentliche Bekanntmachungen verlesen und auf dem Kirchenhügel wurde über Neuigkeiten aus nah und fern geklatscht. Man traf sich hier, schloss Ehen und vermittelte Jobs.
Lange Geschichte der Lövånger Kyrkstad
Und nun zur Lövånger Kyrkstad. Bereits Mitte des 17. Jahrhunderts wurden alte Karten von Kirchengebäuden gefunden. Zu dieser Zeit war Lövånger eine der fünf grossen Kirchgemeinden in Västerbotten. Die heutige Kirche, Lövånger Kyrka, wurde Anfang des 16. Jahrhunderts aus grauem Stein erbaut.
Bei einem Brand in den 1870er Jahren zerstörte das Feuer 25 Hütten der Lövånger Kyrkstad. Im Nachgang des Feuers wurden mehrere Kirchenhäuschen zu einem Block mit 16 «Wohnungen» zusammengelegt und später zu einem Gemeindehaus umgebaut wurden. Die Kirchenstädte entwickelten sich laufend weiter, so wie es auch das allgemeine Leben der Menschen tat.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Kirchenhäuschen immer weniger genutzt und die Instandhaltung vernachlässigt. Dank eines vorausschauenden Bezirksarchitekten, der nach Rücksprache mit dem Schwedischen Amt für Nationales Kulturerbe und dem Nordischen Museum die Initiative zur Renovierung ergriff, konnte die charakteristische Planung und Gestaltung des gesamten Areals erhalten bleiben. Obwohl über 100 Ställe wegen Brandgefahr abgerissen werden mussten, sind noch 27 Ställe erhalten.
Von den ehemals 47 Kirchenstädten sind heute nur noch 16 erhalten. Die Kirchenstädte sind wahrscheinlich zeitgleich mit den mittelalterlichen Kirchen entstanden und befinden sich in Umeå, Bygdeå, Lövånger, Skellefteå, Piteå und Gammelstad in Luleå. Lövånger Kyrkstad ist eine der best erhaltenen.
Neue Besitzerinnen des Lövångergården
Und jetzt kommen Emelie und Celina ins Spiel. Beide arbeiteten in Stockholm in der Gastronomie, und hatten Lust etwas Neues zu tun. Dass es sie so hoch in den Norden treiben sollte, war nicht geplant. Sie suchten zuerst in Mittelschweden einen Ort, an dem sie Hochzeiten organisieren konnten. Die Objekte waren aber einerseits rar und anderseits viel zu teuer. Irgendwann haben die beiden dann entdeckt, dass der Lövångergården zum Verkauf stand und so wurde Västerbotten die neue Heimat von Emelie und Celina. Im Mai 2019 haben die Beiden den Lövangergården übernommen, und auf Vordermann gebracht. Praktisch gleichzeitig kam auch ihr erstes Kind auf die Welt. Kurz darauf startete die Pandemie. Das waren turbulente Zeiten.
Corona war für die beiden Unternehmerinnen eine grosse Herausforderung. Da war da Baby noch das kleinste «Problem». Emelie und Celina machten sich an die Renovation der beiden Gebäude, strichen die Wände, renovierten das Restaurant und die Lobby und bauten eine neue Aussenterrasse. Das meiste zimmerten sie selber. Die Möbel wurden meist auf Flohmärkten gekauft und machen einen grossen Teil des Charmes des Lövångergården aus.
Der Lövångergården umfasst zwei Gebäude mit Rezeption, Restaurant, Bar und Aussenterrasse. Der Umschwung ist recht grosse und umfasst total 1600 Quadratmeter. Zum Anwesen gehört eine Freizeitwiese und ein Campingplatz. Dieser hat aber bei Celina und Emelie keine Priorität. «Schreib ja nichts, was unseren Campinplatz interessant macht», lacht Celina. «Wir haben mit den Hütten und dem Restaurant schon genug zu tun.»
Lövånger Kyrkstad ist eine der wenigen Kirchenstädte, in denen die einzigartige Möglichkeit besteht, in einem der Häuschen zu übernachten. Die 117 Kirchenhütten und die Ställe sind heute im Besitz von Lövångers hembygdsförening, etwa zehn Hütten befinden sich in Privatbesitz. Etwas über 50 Gebäude mit gegen 120 Betten können gemietet werden. Die Bewirtschaftung der Unterkünfte wird von Emelie und Celina gemacht. Sie sind sozuagen die Pächtgerinnen der Kirchenstadt. Jede Hütte ist einzigartig. Es gibt von kleinen 1-Bett-Unterkünften bis zu grossen 5-Bett-Cottages verschiedene Grössen. Die Einrichtung ist einach, aber sehr gemütlich. Praktisch alle Häuschen verfügen über WC und Dusche, sowie eine kleine Kücheneinheit.
Ich habe in einer Hütte übernachtet und bin richtig begeistert. Der Charme der Zimmer ist grossartig und man fühlt sich wie in einem kleinen Zuhause. Alles ist sauber, die Betten bequem und man hat sogar einen Kühlschrank und eine kleine Kochgelegenheit. Lövångergården ist für mich ein idealer Ort für Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung.
Neustes Bijoux dies Lövångergården ist eine Runde Bühne auf dem Vorplatz. Hier finden Konzerte und weitere Aktivitäten start. Besonders amüsant ist das Musikquiz. Es gilt knifflige Fragen rund um die nationale und internationale Musikgeschichte zu beantworten. Die Songs werden von Celina höchstpersönlich intoniert.
Sehr zu empfehlen ist das Restaurant, das eine schmackhafte einheimische Küche zelebriert. Immer wieder gibt es Spezialabende, wie den Burgerplausch oder den Tacco-Abend. Ideal also, um die historische Umgebung mit kulinarischen Erlebnissen zu ergänzen. Das Frühstück wird im Restaurant serviert und stärkt für den Tag.
Lövångergården hat das ganze Jahr hindurch geöffnet, je nach Saison wird das Angebot etwas angepasst. In der Adventszeit ist das Julbord sehr beliebt und auch bei Heiratswilligen ist dieser Ort sehr hoch im Kurs.
Für die Zukunft haben Celina und Emelie schon weitere Pläne. Diese sind aber noch geheim, denn es soll eine Überraschung werden. Grund genug für mich, bei nächster Gelegenheit wieder im Lövångergården vorbeizuschauen.
Lövångergården Kungsvägen 31, SWE-932 61 Lövånger https://www.lovangergarden.se