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Conrad Pope ist am ehesten bekannt als Orchestrator für John Williams (er selber bezeichnet sich in dem Fall allerdings eher als „Sekretär“, da Williams’ Anweisungen sehr detailliert und genau seien). Mir ist Pope vor einigen Jahren mit seinem schönen Score zu Pavillon of Womenaufgefallen. Ich hatte damals die Möglichkeit ihn zu interviewen. Leider war das aufgenommene Gespräch unbrauchbar – das Tape spielte nur unverständliches Gewurstel ab. Schade, denn Pope war ein unterhaltsamer Gesprächspartner mit einigen feinen Ein- und Ansichten zur Filmmusik.
Mikael Carlssons MovieScore Media hat in der ersten Jahreshälfte Popes Score zu In My Sleep veröffentlicht. Der Mysterythriller ist eine Indieproduktion über einen an Schlafwandel leidenden Protagonisten, der morgens nicht weiss, was er in der Nacht „verbrochen“ hat. Inszeniert wurde der Film von Allen Wolf.
Die ersten Stücke geben einen guten Überblick über den Stil der Musik:
Main Title beginnt mit geschäftigen Holzbläsern und einem Schlaflied ähnlichen, kurzen Motiv für Klavier und Harfe, ehe die Streicher der anfänglichen Ruhe Einhalt gebieten. Fast könnte man das Stück als Übergang vom Schlaf in einen heftigen Traum beschreiben. Deftiger geht es dann in Finding Gwen zur Sache. Hier geht Pope mit dynamischen Streichern à la Williams’ War of the Worlds, akzentuiertem Blech und Timpani zur Sache, ehe in Stück 3, Night Music eine etwas kurzgehaltene, aber sehr schön ausgearbeitete Klavierpassage zu hören ist. Das hier verwendete Thema ist weitere Male in In My Sleep zu hören, so zum Beispiel aufgesplittet und wehmütig-verunsichernd in Morning After oder romantisierend gefühlvoll in Remembering Father.
The Nightmare Begins wiederum beginnt wuchtig und führt den Protagonisten, scheinbar, in einen weiteren Alptraum. Auch hier beherrschen die Streicher die musikalische Szenerie, leise mit col legno Effekten erweitert. Diese dramatischen Stücke gehören mit dem oben erwähnten Thema zum hörenswertesten der CD.
Zum ersten Mal verlässt Pope in Stück 6, Gwen at the Cemetary, den rein orchestralen Weg und lässt elektronische Klänge einfliessen und teilweise sogar bestimmen. In Doubts und folgenden Tracks klingt das dann zu arg nach 08/15 Synthie-Gebrabbel wie man es zurzeit allzu oft zu hören kriegt. Schade.
Die besten Momente hat In My Sleep wenn Pope mit dem Orchester Spannung und Mystik wiedergibt, aber auch in den stilleren Momenten wie dem verstörend-schönen, zweigespaltenen Going Home (für Klavier uns Streicher).
Ein Problem des Scores ist die Verteilung von 30 Tracks auf 64 Minuten, das ergibt dann automatisch nur wenige längere Stücke wie Going Home (4:11) oder Remembering Father (4:45). Die meisten pendeln sich unter oder knapp über der 2-Minuten-Marke ein.
Bernard Herrmann schimmert einige Male durch (der Beginn mit den fortissimo Hörnern in Underwater) – wie im Interview zu lesen, hat der Regisseur eine gewisse Affinität zum grossen Meister. Hie und da hat man auch das Gefühl Jerry Goldsmiths Hollow Man zu vernehmen und den erwähnten Williams erahnt man durchaus mehrere Male (Reconcilation als Anspieltipp).
Nach einem vielversprechenden Beginn lässt die CD mit Dauer doch etwas nach, wahrscheinlich wäre eine kurzweiligere, packende 35-40 Minuten CD hier doch lohnenswerter gewesen.
Das zweiseitige Inlay hält ein kurzes Interview mit dem Komponisten bereit. Wer sich übrigens bei der Aufführung der Musiker wundert, weshalb keine Holzbläser, Perkussionisten etc. aufgeführt sind: Die Musik wurde mit kleinerem Ensemble (vorwiegend Streichern) in Los Angeles, wovon die Musikercredits stammen, und in Sofia mit der Philharmonia Bulgaria aufgenommen.