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Einfluss der COVID-19 Pandemie auf die Qualität der Diabetes Betreuung: Eine Kohortenstudie in Hausarztpraxen der Schweiz
Quality outcome of Diabetes Care during COVID-19 Pandemic: a Primary Care cohort study.
Di Gangi S, Lüthi B, Diaz Hernandez L, Zeller A, Zechmann S, Fischer R
Hintergrund:
Ziel dieser Studie war es, die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie (17.03.2020-16.03.2021) auf die Qualität der Diabetesversorgung in der Hausarztmedizin in der Schweiz zu untersuchen.
Methoden:
In dieser retrospektiven Kohortenstudie wurden Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus (≥18 Jahre) mit mindestens einer Konsultation in einer hausärztlichen Praxis im Zeitraum vom 17.03.2018 bis zum 16.03.2019 (Kohorte 1) und vom 17.03.2019 bis zum 16.03.2020 (Kohorte 2) eingeschlossen und zwei Jahre lang verlaufsbeobachtet. Qualitätsindikatoren und Outcomes der Diabetesversorgung auf Patient*innen und auf Praxisebene wurden vor und während der Pandemie verglichen. Risikofaktoren für einen Behandlungsunterbruch wurden mittels multipler logistischer Regression analysiert.
Ergebnisse:
Es wurden Daten aus 191 Praxen von 23 903 Patient*innen (Kohorte 1) und 25 092 Patient*innen (Kohorte 2), analysiert. Die Pandemie führte dazu, dass 25 bis 30% mehr Patient*innen aus der Nachsorge fielen. Während der Pandemie wurden im Vergleich zum Vorjahr seltener regelmässige Messungen von Gewicht, HbA1c, Blutdruck und Serumkreatinin durchgeführt, und weniger Patient*innen pro Ärztin/Arzt erreichten die Zielwerte für HbA1c und Blutdruck. Faktoren, die mit der hausärztlichen Weiterbetreuung während der Pandemie in Verbindung gebracht wurden, waren: Alter der Patient*innen zwischen 41 und 80 Jahren, längere Diabetesdauer, Bluthochdruck oder Dyslipidämie als Nebendiagnose sowie eine Grippeimpfung im letzten Jahr. Risikofaktoren für einen Behandlungsunterbruch waren ein Alter von über 80 Jahren und die ausschliessliche Anwendung von Insulin als antidiabetisches Medikament.
Schlussfolgerung:
Während der Pandemie war eine erhebliche Qualitätseinbusse in der Diabetes mellitus Versorgung zu beobachten. Allerdings gab es auch einen relevanten Anteil von Patientinnen und Patienten die den Zielindikator nicht in jedem Beobachtungsjahr erreichten, was darauf schliessen lässt, dass die Qualität der Diabetesversorgung unabhängig von der Pandemie verbessert werden kann. Im Regressionsmodell haben Patientinnen und Patienten, die älter als 80 Jahre waren, nach Korrektur der Störfaktoren das höchste Behandlungsunterbruch. Dieses höhere Risiko war jedoch nicht der Pandemie zuzuschreiben, da wir in zusätzlichen Gruppenanalysen feststellten, dass die Abbruchrate der ältesten Patientinnen und Patienten am wenigsten von der Pandemie betroffen war. Trotzdem, deuten unsere Ergebnisse auf Schlüsselfaktoren hin, die den Abbruch der Nachsorge bei Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus verringern könnten. Bei der Gewährleistung der Versorgungskontinuität dieser Patientinnen und Patienten soll der Hausarztmedizin eine Hauptrolle zukommen, um langfristige negative Auswirkungen der Pandemie auf Diabeteskomplikationen zu verhindern.