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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Fünftes Buch
8. Wer sagt: „Nach unserem Bild”, bezeichnet damit, daß er mit dem Sohne eines Wesens sei.
Um aber die Lehre von dem wirklichen Inneren des Wesens und Handelns vollständiger zu gestalten, so hat [S. 226] derjenige, der sein Vorhaben durch Worte aussprach, die Berechtigung seines Gedankens auch aus seinem Wesen heraus mit Wahrheit unterbaut, und zwar mit seinem Wort: „Nach unserem Bild und Gleichnis”.
Wo ist der falsche Gott, dem der wahre Gott sagt: „Nach unserem Bild und Gleichnis”? „Unser” hat nichts an sich von Einzigkeit,1 nichts von Verschiedenheit, nichts von Trennung. Denn nach der ausdrücklichen Versicherung des Wortes wird der Mensch nach dem gemeinsamen Bild erschaffen. Einem Wahren und Falschen kommt aber keine Gemeinschaft zu. Zu einem Gott spricht der Gott, der spricht: nach des Vaters und des Sohnes Bild wird der Mensch gestaltet.
Der Name reißt nicht auseinander, das Wesen ist nicht unterschiedlich. Denn es gibt nur einen Ausdruck des Bildes, nach dem der Mensch erschaffen wurde. Wo geht dabei die Wahrheit verloren, da zwischen beiden sowohl die Gemeinschaft des Handelns besteht als auch die Tatsache des gemeinschaftlichen Bildes? Ich finde noch nicht die Zeit, diese Frage endgültig zu erledigen; denn später werden wir aufweisen, nach welchem Bilde Gottes des Vaters und Gottes des Sohnes der Mensch gestaltet worden ist.2 Inzwischen wollen wir jetzt nur (als Gegenstand der Untersuchung) festhalten, ob wahrer Gott sei, zu wem der wahre Gott gesprochen hat: „Wir wollen einen Menschen erschaffen nach unserem Bild und Gleichnis.” Wenn du es irgend kannst, so unterscheide in dieser Gemeinschaft des Urbildes einen wahren und einen falschen (Gott), und in irrlehrerischem Wahn reiße dies Unzertrennbare auseinander. Denn eines sind sie, nach deren einem [S. 227] Ausdruck des Bildes und Gleichnisses der Mensch erschaffen wurde.
1: so, daß zu einem Wesen auch nur ein persönlicher Träger kommen könnte.
2: Ausdrücklich kommt Hilarius hierauf nicht mehr zurück; wohl spricht er von Buch 11, 35 an über den Auferstehungsleib Christi.