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Messerschmitt Me 109 G-6 (1945) J-705
Die Messerschmitt Me 109 G in der Schweizer Flugwaffe
Die während des zweiten Weltkrieges vorhandenen Jagdflugzeuge Messerschmitt Me 109 E und Morane D.3800/01 konnten um Mitte des Krieges den Anforderungen nicht mehr voll genügen.
Eine Beschaffung von modernem Flugmaterial aus dem Ausland war nicht möglich obwohl man sich darum bemühte.
Am 29. März 1944 kam die Schweiz in den Besitz einer fabrikneuen Me 109 G-6. Ein deutscher Pilot welcher das Flugzeug von Erding bei München nach Osoppo in Italien überfliegen sollte verflog sich nach Samedan. Das ergab nun die Gelegenheit sich direkt über den aktuellen Stand der Technik zu orientieren. Eine Beschaffung von Me 109 G bei Messerschmitt war jedoch nicht möglich. Reichsmarschall Göring soll dagegen gewesen sein.
Am 28. April ergab sich jedoch eine unerwartete Gelegenheit. Ein Deutscher Nachtjäger mit den neusten Radaranlagen an Bord wurde in Dübendorf zur Landung gezwungen. Deutschland forderte die Me 110 G-4 (C9+EN) umgehend zurück was jedoch aus Neutralitäts-Politischen Gründen nicht möglich war. Man einigte sich für eine Sprengung des Flugzeuges mitsamt der Ausrüstung. Nun war der Weg frei für einen Kauf von 12 Flugzeugen Messerschmitt Me 109 G-6 „Gustav“.
Die Flugzeuge kamen aus der laufenden Produktion in Regensburg. In zwei Lieferungen wurden am 20. April und am 23. April je sechs Flugzeuge von Deutschen Piloten nach Dübendorf überflogen. Die Flugzeuge trugen den Standard-Anstrich der Deutschen Luftwaffe wie auch deren Hoheitszeichen. Anschliessend wurden sie mit Schweizer Hoheitszeichen versehen und Erprobt.
Am 9. Juni übernahm die Flieger Kp 7 in Dübendorf die Me 109 G und überflog tags darauf nach Interlaken dem Kriegsstandort der Einheit.
Die Piloten waren begeistert von der Flugleistung und Feuerkraft ihrer neuen Flugzeuge. Ausserdem hatten sie erstmals ein Flugzeug mit einer Panzerung und einem leistungsstarken Funkgerät.
Die Freude währte jedoch nicht lange. Schon nach wenigen Betriebsstunden gab es Probleme mit den Motoren welche zu Flugabbrüchen und Notlandungen führten. Zudem traten bei den Flugzeugen J-707 bis J-712 Schwingungen am Seitenleitwerk auf. Diese verfügten über das sogenannte aufgestockte Leitwerk.
Die Produktion der Flugzeuge und Motoren erfolgte zu jener Zeit in Deutschland vielfach durch Zwangsarbeiter sowie KZ-Häftlingen. Diese waren nicht nur schlecht ausgebildet und kaum motiviert für ihre Peiniger zu arbeiten sondern auch deren Arbeitsbedingungen liessen eine Qualitätsarbeit nicht mehr zu.
Die Folge war eine tiefe Einsatzbereitschaft der neuen Me 109 G in der Schweizer Flugwaffe. Zudem waren Ersatzteile aus Deutschland kaum verfügbar.
Die Fl. Kp.7 musste ab September 1944 wieder die Me 109 E übernehmen und hatte bis Ende Jahr nur vereinzelte Me 109 G im Einsatz.
Nach umfangreichen Revisionsarbeiten kamen die Me 109 G im Frühjahr 1945 allmählich wieder in den Flugdienst zurück. Die Probleme mit den Motoren konnten jedoch nie ganz behoben werden. Dies führte zur Verunsicherung der Piloten und gewisse Einsätze durften nicht mehr geflogen werden. Da auch das entsprechend ausgebildete Personal nicht auf allen Flugplätzen zur Verfügung stand wurden die Me 109 G schliesslich in Dübendorf stationiert.
Als im November 1946 erneut zwei Flugzeuge infolge einer Motorpanne notlanden mussten sperrte man die Me 109 G wieder für den Flugdienst. Eine komplette Revision der Motoren wurde als zu kostspielig betrachtet.
Daraufhin wurde die gesamte Flotte stillgelegt und per 1. Juli 1947 abgeschrieben.
Die Schweizer Flugwaffe verfügte über vierzehn Me 109 G (J-701 bis J-712 beschafft aus Deutschland sowie die zwei internierten J-713 und J-714).