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Gleichgeschlechtliche Paare dürfen Kinder erziehen
Dass lesbische oder schwule Paare schädlich für Kinder seien, basiere auf Vorurteilen. Sagt das oberste Gericht Italiens.
Kindern schadet es nicht, wenn sie bei einem gleichgeschlechtlichen Paar aufwachsen. Dies hat das italienische Kassationsgericht in einem Grundsatzurteil entschieden und damit die Klage eines Mannes in letzter Instanz abgewiesen. Dieser hatte das Sorgerecht für das gemeinsame Kind von seiner Ex-Frau zurückverlangt, weil diese nun in einer lesbischen Beziehung lebt. Es sei für das Kind nachteilig, in einem solchen Umfeld aufzuwachsen, argumentierte der Kläger.
Diese Ansicht teilt das Höchstgericht nicht. Die Vorstellung, dass lesbische und schwule Eltern für das Wohl des Kindes schädlich seien, basiere nicht auf «wissenschaftlichen Gewissheiten», sondern einzig auf Vorurteilen, heisst es in der Urteilsbegründung des Kassationsgerichtes.
Ob das Urteil Auswirkungen auf die Gesetzgebung hat, ist ungewiss. In einem anderen Fall hat das Kassationsgericht vor einem Jahr entschieden, dass lesbische und schwule Paare auch ein Recht auf Familienleben haben. Es verlangte vom Gesetzgeber entsprechende gesetzliche Änderungen. Die Regierung hat auf dieses Urteil bisher nicht reagiert. Alle Anläufe zur rechtlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare sind in Italien bisher am grossen Widerstand der katholischen Kirche gescheitert.
In Frankreich hat das Parlament dem Gesetzesentwurf zur Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe mit knapper Mehrheit zugestimmt. Besonders umstritten war das Adoptionsrecht. Gleichgeschlechtliche Paare sollen auch in diesem Bereich die gleichen Rechte wie heterosexuelle Paare erhalten. Die Schlussabstimmung fand nach Redaktionsschluss dieser «FrauenSicht» statt.
In Uruguay hat das Parlament mit grosser Mehrheit einem Gesetz zugestimmt, das die Ehe nicht mehr auf heterosexuelle Paare beschränkt. Kinder adoptieren konnten gleichgeschlechtliche Paare schon bisher, wenn sie ihre Partnerschaft registrieren liessen.
Neuseeland hat als erstes Land in der Asien-Pazifik-Region gleichgeschlechtliche Paare mit heterosexuellen Ehepaaren gleichgestellt. Sie können neu auch gemeinsam Kinder adoptieren.
In Grossbritannien hat das Parlament in erster Lesung der Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe zugestimmt. Dieser Entscheid hat vor allem symbolische Bedeutung. Gleichgeschlechtliche Paare können seit 2005 ihre Partnerschaft registrieren lassen und erhalten damit weitgehend die gleichen Rechte wie heterosexuelle Ehepaare. So können sie beispielsweise bereits Kinder adoptieren.
Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors
Keine
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