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«Ein Mann aus Verona, mit dem Namen Bonigrinus, stand 1296 vor dem Inquisitor von Bologna. Das Verhör bestätigte den schlimmsten Verdacht, Bonigrinus war überzeugter Anhänger der katharischen Sekte. Er versicherte, der Teufel habe alles Irdische geschaffen, auch die Sintflut sei sein Werk gewesen. Bei einiger Konsequenz hätte Bonigrinus auch den Turmbau von Babel und die Sprachtrennung verdammen müssen; stattdessen plädierte er, vielleicht durch eine spitze Frage provoziert, für die Gleichberechtigung aller Religionen mit dem unkatharischen Argument: Item dixit, quod sicut sunt LXXII lingue, ita sunt LXXII fides, als wäre die Teilung der Sprachen und Religionen in gleicher Weise durch Gottes Willen sanktioniert.» (Aus: Arno Borst, Der Turmbau zu Babel, Hiersmann 1957)
Wie der Angeklagte auf die Zahl 72 kam, ist nicht näher beschrieben, auch half sie ihm nicht, denn: «für den gebildeten Zeitgenossen wog sie nicht schwer, weder Thomas von Aquin noch Dante Alighieri glaubten an 72 Sprachen, gar von 70 oder 72 Religionen wussten um diese Zeit nur ein paar spanische Juden und einige Mohammedaner im Zweistromland. Bonigrinus endete 1297 auf dem Scheiterhaufen. (Zit: ebenda).
Heute wird die Sprachenvielfalt vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig weltweit bis auf 7000 geschätzt.
Geteilte Verstehenswelten also: aber ob 72 oder 7000 – beide Zahlen übersteigen bei weitem die Kapazitäten des menschlichen Gehirns. Wir sind schon stolz und froh, wenn wir über mehr als eine Sprache verfügen.
So öffnen wir hier also hoffnungsfroh ein Fenster zu ein paar unterschiedlichen Idiomen und Sprachen. Neben deutschen Geschichten sammeln wir Erzählungen und Märchen, die Menschen aus nah und fern mit in die deutschsprachige Schweiz gebracht und uns erzählt haben, oder aber Geschichten, die hier erfunden worden sind. Derzeit (Stand Oktober 2014) sind neben Deutsch, Brasilianisch, Japanisch, Französisch, Iwrit, Türkisch, Italienisch, Spanisch und Englisch zu hören.