Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/47444

<h2>SubmittedText<h2><p>In den Empfehlungen für eine gesunde Ernährung, herausgegeben vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) im August 2000, wird der Vegetarismus mit keiner Silbe erwähnt. Diese Empfehlungen unterstreichen, wie wichtig es ist, einer Ernährung auf pflanzlicher Basis den Vorrang zu geben, erwähnt jedoch gleichzeitig, dass diese Nahrungsmittel durch Fleisch sowie andere Nahrungsmittel tierischer Herkunft ergänzt werden "müssen". Zudem halten sie fest, dass "das Fleisch der Fische dank seiner hohen Qualität und seiner wertvollen Fette einen besonderen Stellenwert in der gesunden Ernährung hat".</p><p>Da die Vegetarier in unserer Gesellschaft manchmal unter einem schlechten Image zu leiden haben und die anhaltenden Vorurteile den Eindruck erwecken, eine vegetarische Ernährung könne der Gesundheit, insbesondere bei Kindern, schaden, kann man sich fragen: Ist die Nichterwähnung des Vegetarismus in den Empfehlungen des BAG einfach ein Versehen oder geschah es aus (wissenschaftlich untermauerter) Absicht, ihn nicht anzuerkennen?</p><p>In der Schweiz ernähren sich 3 bis 5 Prozent der Bevölkerung vegetarisch. Ihr Verzicht auf den Konsum von Fleisch, Geflügel, Fisch oder teils sogar auf Milchprodukte beruht auf philosophischen, religiösen, ökologischen oder gesundheitlichen Überlegungen. Sie unterstreichen oft, dass der Handel pflanzliche Nahrungsmittel in ausreichender Qualität und Varietät anbietet und so eine ausgewogene Ernährung gewährleistet, die genügend pflanzliche Eiweisse, Eisen oder Vitamine enthält; andererseits weisen sie darauf hin, dass der Verzehr von Fleisch und Fisch derzeit ziemlich gravierende gesundheitliche Risiken beinhaltet, sodass ein Verzicht darauf sich auch günstig auf die Gesundheit auswirken könnte. Tatsache ist - vom BSE-Problem einmal ganz abgesehen -, dass gewisse Fische Spuren von Dioxin und PCB, andere einen Quecksilbergehalt aufwiesen, der die zulässigen Normen überschritt.</p><p>Im Juli 2002 hat Gianni Vattimo, Mitglied des EU-Parlamentes, in einem Schreiben an die Europäische Kommission darauf hingewiesen, dass gegenwärtig weltweit etwa 50 Prozent der Getreide- und 75 Prozent der Sojaproduktion als Tierfutter (in der Fleischproduktion) verwendet werden. Und er stellte die Frage, ob man diese Nahrungsmittel nicht zur Ernährung der Menschen statt für die Tiermast verwenden sollte, die für Tier und Umwelt viele Nachteile mit sich bringe. Er schloss mit der Frage, ob die Europäische Kommission aus Gründen der Ethik, der Gesundheit und der Solidarität des Menschen mit der Umwelt die Entwicklung des Vegetarismus zu fördern gedenke.</p><p>Einige Staaten in Europa und Amerika, darunter Deutschland, Grossbritannien, die USA und Kanada, haben den Vegetarismus  anerkannt. Die Food Standards Agency z. B., eine unabhängige englische Behörde, die für die Kontrolle der Sicherheit der Nahrungsmittel zuständig ist, vertritt eindeutig die Meinung, dass eine vegetarische Ernährung gesund ist, unter der Voraussetzung, dass sie ausgewogen ist und alle unerlässlichen Nährstoffe enthält. Dies gelte ebenfalls für Kinder in der Wachstumsphase.</p><p>Deshalb frage ich den Bundesrat: Ist er bereit, seine "Empfehlungen für eine gesunde Ernährung" zu überarbeiten und dabei gegenüber Nahrungsmitteln tierischer Herkunft eine differenziertere Haltung einzunehmen und den Vegetarismus als eine gesunde Ernährungsweise anzuerkennen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Das Thema Vegetarismus ist schon mehrmals in der Eidgenössischen Ernährungskommission (EEK) und in den vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) herausgegebenen Schweizerischen Ernährungsberichten zur Sprache gekommen.</p><p>An ihrer Sitzung vom Januar 2002 hat die EEK auf Antrag des BAG beschlossen, eine Arbeitsgruppe Vegetarismus unter der Leitung von Prof. P. Walter, Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Ernährung und ehemaliger Leiter des Vitamin-Institutes an der Uni Basel, einzusetzen mit dem Auftrag, die wissenschaftlichen Daten über diese Ernährungsform zu sichten und Empfehlungen zur vegetarischen Ernährung zu erarbeiten. Die Association suisse pour le végétarisme beteiligt sich an diesen Arbeiten, die voraussichtlich Ende 2003 zum Abschluss gelangen. Auf dieser Basis wird die EEK im Laufe des Jahres 2004 auch prüfen, welche Ergänzungen oder Modifikationen bei den derzeit geltenden "Empfehlungen für eine gesunde Ernährung" vorgenommen werden müssen.</p><p>Dass die Anliegen der Vegetarier vom Gesetzgeber ernst genommen werden, geht auch daraus hervor, dass seit der Revision vom 30. April 2002 in Artikel 33 der Lebensmittelverordnung "vegetarisch" oder "vegetabile" Zutaten unter Berücksichtigung der verschiedenen Formen des Vegetarismus definiert sind.</p>  Antwort des Bundesrates.