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Ehrlichkeit spielt im sozialen und wirtschaftlichen Leben eine zentrale Rolle. Ohne sie werden Versprechen nicht eingehalten, Verträge nicht erfüllt oder etwa Steuern nicht bezahlt. Trotz dieser gesellschaftlichen Bedeutung sind die biologischen Grundlagen der Ehrlichkeit kaum bekannt.
Nun zeigen Michel Maréchal und Christian Ruff, Professoren am Institut für Volkswirtschaftslehre, gemeinsam mit Kollegen aus Chicago und Boston, dass ehrliches Verhalten durch Hirnstimulation verstärkt werden kann.
Nur 8% lügen systematisch
In Würfelexperimenten weisen sie nach, dass die meisten Menschen Motive des Eigeninteresses gegenüber der Ehrlichkeit von Fall zu Fall abwägen. "Sie schummeln ab und an, aber nicht bei jeder Gelegenheit", erklärt Michel Maréchal. Rund 8 Prozent der Teilnehmer logen hingegen immer wenn dies möglich war, um ihren Gewinn zu maximieren.
Mit einer nicht-invasiven Gleichstromstimulation konnten die Forscher ehrliches Verhalten verstärken. Christian Ruff konkretisiert, dass die Stimulation vorwiegend bei Personen wirkte, für die Lügen einen moralischen Konflikt darstellte. "Sie beeinflusste aber nicht diejenigen, die einzig an der Maximierung ihres Vorteils interessiert waren."
Ehrlichkeit als biologische Veranlagung?
Die jüngsten Resultate werfen die Frage auf, inwieweit Ehrlichkeit auf eine biologische Veranlagung zurückzuführen ist. Dies dürfte gemäss den beiden Professoren beispielsweise für die Rechtsprechung von zentraler Bedeutung sein. «Sollte Unehrlichkeit tatsächlich auf biologische Voraussetzungen zurückzuführen sein, stellt unsere Studie infrage, in welchem Ausmass Menschen für ihr Verhalten zur Rechenschaft gezogen werden können», erklärt Maréchal.