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Wie viel Zeit nimmt sich ein Braunbär? Misha und Masha, die Patenbären der Tiefbohrbären wirken, wie alle Braunbären, meist sehr gemütlich und es scheint, als ob sie alle Zeit der Welt hätten. Von Stress, so wie wir Menschen ihn kennen, scheinen die beiden Braunbären nichts zu wissen. Oftmals dösen sie, nicht aus der Ruhe zu bringen, in der Sonne oder schlafen unter einem Busch.
Doch der Schein trügt.
Bis ein 150 bis 300 Kilogramm schweres Tier täglich genug Futter gefunden hat, dauert es einige Zeit. Denn: Bären fressen zu rund 75 Prozent pflanzliche Nahrung. Weil diese Kost naturbedingt weniger Kalorien beinhaltet als das tierische Futter, steigt die erforderliche Tagesmenge üppig an. Erlegt ein Bär dagegen ein Tier oder findet einen Kadaver, so kann er sich in kurzer Zeit ernähren.
Stillt er den redensartlichen «Bärenhunger» jedoch nur mit pflanzlicher Kost wie Beeren, Früchten und Wurzeln, dann sucht er stundenlang nach ausreichend Futter. Deshalb streifen auch Misha (vorne) und Masha tagtäglich mehrere Stunden durch ihre grossflächige Anlage und suchen nach den von den Tierpflegenden bestmöglich variabel versteckten Futterstücken.
Wenn das Bärenpaar gemächlich durchs Gehege trottet, unterschätzen Zuschauer unbesehen, wie flink Bären sind. Sprintete Usain Bolt beim Weltrekord über 100 Meter im temporeichsten Moment 44.72 Stundenkilometer, wäre es für die Braunbären ein Leichtes gewesen, den schnellsten Mann der Welt zu überspurten - 50 km/h und mehr zu stieben sind für diese Tiere kein Problem!
Viel mehr Zeit nehmen sich Misha und Masha hingegen im Winter. Irgendwann im November ziehen sie sich in ihre Winterhöhle zurück, senken ihre Körpertemperatur um zirka 5 Grad auf 30 Grad Celsius, verlangsamen Herzschlag und Atmung und verfallen in eine Winterruhe. Bis März verlassen sie die Höhle nur selten, wenn, dann höchstens, um mal kurz einen Streifzug zu unternehmen. In diesen vier Monaten nehmen sie keine Nahrung zu sich, trinken kein Wasser, urinieren und koten nicht. Sie zehren allein von dem während ihrer aktiven Zeit angefressenen Fettpolster.
Wie sie dies schaffen ohne Schaden zu nehmen, ist teilweise immer noch ein Rätsel. Auch wir Menschen sollten uns, um Stress vorzubeugen und, um gesund und fit zu bleiben, mehr Entschleunigung und Gelassenheit gönnen, freilich ohne sich dabei bärenmässig Depotfett zuzulegen.
(Peter Schlup, Zoopädagogik, Tierpark Bern, Dählhölzli Dezember 2018)