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Brief an Heinrich Bullinger über die Pest in Chur und Todesfälle in seiner Familie
Einführung: David Amherdt (deutsche Übersetzung: Clemens Schlip). Version: 10.02.2023.
Entstehungdatum: 31 August 1566 (Briefdatum).
Autograph: St. A. Z., ms E II 376, fol. 120.
Ausgabe: T. Schiess, Bullingers Korrespondenz mit den Graubündnern, Bd. 2, Basel, Basler Buch- und Antiquariatshandlung, 1905, 725; BullingerDigital, Online, https://www.bullinger-digital.ch/letter/6889 (Transkription).
1557 liess sich Johannes Fabricius Montanus mit seiner Familie in Chur nieder, um die Nachfolge des Johannes Comander an der Spitze der protestantischen Kirche in Graubünden anzutreten. Ab diesem Zeitpunkt bis zu seinem Tod unterhielt er Briefkontakt zu Heinrich Bullinger, dem Führer der Kirche von Zürich, von der die Gemeinde in Graubünden abhängig war. Der beiderseitige Briefwechsel umfasst mehr als 696 Briefe und stellt ein aussergewöhnliches Zeugnis für die religiöse und politische Situation in Graubünden, der Schweiz und in einem geringeren Masse auch im Ausland dar. Man gewinnt hier ein Bild von Montanus, wie er predigt, wie er seinen Kollegen und den ihm anvertrauten Schäflein Mut zuspricht, wie er sich auf Reisen begibt, wie er Verhandlungen führt und wie er erbauliche und kontroverstheologische Schriften verfasst. Er unterhält Beziehungen zu religiösen Persönlichkeiten von jeder Art, etwa zu dem zum Protestantismus konvertierten Ex-Nuntius Pietro Paolo Vergerio. In seinen Briefen teilt Montanus zudem Nachrichten aus seiner Familie und über seine persönliche Situation mit, die oft schwierig war: Sein Aufenthalt in Graubünden war keine Sinekure (das Leben war teuer und die politische Situation angespannt); und während der Rat der Kirche von Zürich ihm versichert hatte, dass er nicht mehr als zwei Jahre dort bleiben müsste, verbrachte er in Wahrheit fast zehn Jahre in Graubünden und fand dort sogar am 5. September 1566 den Tod durch die Pest.
Wir präsentieren hier den letzten Brief, den Montanus geschrieben hat. Er teilt darin Bullinger mit, dass sein Sohn Johannes Rudolf an der Pest gestorben sei und dass er selbst und der Rest der Familie erkrankt seien. Der Brief datiert vom 31 August 1566 (das Postskriptum wurde vielleicht noch ein wenig später hinzugefügt); schon am 5. September weilte Montanus nicht mehr unter den Lebenden.
Dieser bewegende Brief, in dem der Glaube des Montanus und seine Anteilnahme an den Nächsten noch im Angesichte des Todes ihren Ausdruck finden, spricht durch sich selbst und bedarf keines weiteren Kommentars. Festgehalten sei immerhin, dass Montanus, der sich normalerweise in der Kommunikation mit seinem Vorgesetzten der lateinischen Sprache bedient, gelegentlich einige deutsche Worte, Ausdrücke oder Phrasen einfügt. Sie beziehen sich meist auf seine persönlichen Empfindungen und Ereignisse in seinem Privatleben – wie in dem von uns präsentierten Text, in dem es um den Tod seiner Anverwandten geht und vielleicht auch um das von ihm verspürte Herannahen des eigenen Todes.