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Woody Allens Reiseführer an die Côte d'Azur
- Donnerstag, 4. Dezember 2014, 12:00 Uhr
Er ist 79 Jahre alt und noch nicht müde. Oder doch? Woody Allens neuster Film «Magic in the Moonlight» ist wie ein leichter Sommerausflug an die Côte d'Azur der 1920er-Jahre. Schön, aber harmlos. Man lächelt viel, aber lacht nicht. Hat der Meister-Zyniker Allen seinen Biss verloren?
An einem warmen Sommertag in den 20er-Jahren an der Côte d’Azur. Stanley (Colin Firth) sitzt in einem Restaurant mit Meerblick. Skeptisch mustert er die junge Frau, die ihm gegenübersitzt. Orakelhaft beschreibt sie ihm nicht nur, wie es bei ihm Zuhause in London aussieht, sondern sie nennt auch noch seine genaue Hausnummer. Wie kann sie das wissen? Stanley kennt die Frau nicht, Internet existiert noch nicht.
Sophie (Emma Stone) ist Hellseherin, Stanley ein unbeirrbarer Realist. Er glaubt nicht an Übersinnliches. Zudem ist er ein Star-Zauberkünstler und kennt die Tricks der Täuschung. Deshalb ist er hier in Südfrankreich. Er muss Sophie, die attraktive Wahrsagerin mit den grossen blauen Augen, entlarven. Und das am besten bevor sie ihn um den Finger wickelt.
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Das stärkste Zitat
Obwohl Sophie mit ihren Wahrsagungen bei Stanley richtig liegt, verneint er immer noch ihre übersinnlichen Fähigkeiten: «Wenn Sie wüssten, wie sehr ich es mir wünschen würde, dass Sie keine Quacksalberin sind.» «Aber dann würden Sie sich total blamieren. Ihr Leben lang versuchen Sie in aller Öffentlichkeit zu beweisen, dass es nichts Übernatürliches gibt. Und dann müssen Sie plötzlich gestehen, dass Sie doch falsch liegen.» «Aber ich liege nicht falsch.»
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Der Regisseur
Woody Allen gehört zu den produktivsten Regisseuren aller Zeiten. Nebenher ist er Drehbuchautor, Schauspieler und Musiker. 50 Filme hat er bereits rausgebracht und er hört nicht auf damit. Sein Markenzeichen: Jedes Jahr einen neuen Film rausbringen. Aber wer kennt eigentlich noch sein Regiedebüt «What's Up, Tiger Lily?» von 1966? Schon sein erster Film war schräg im Humor und originell im Stil. Er nahm einen japanischen Actionstreifen und verpasste diesem eine komplette Neusynchronisation. In der neu erzählten Geschichte jagen die asiatischen Ganoven einem geheimen Eiersalat-Rezept nach.
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Fakten, die man wissen sollte
«Magic in the Moonlight» spielt grösstenteils in Südfrankreich. Es fällt auf, dass Woody Allen die letzten Jahre hauptsächlich in Europa drehte. Filme wie «To Rome with Love», «Vicky Christina Barcelona» und «Midnight in Paris» sehen aus wie filmische Reiseführer für kultivierte Amerikaner. Seine berühmtesten Filme hat Woody Allen in New York gedreht. Warum bevorzugt der Mann mit Flugangst nun Europa als Spielstätte? Der wichtigste Grund ist die starke europäische Filmförderung. In einem Interview sagte er: «Die Europäer fingen an, meine Filme sehr grosszügig zu finanzieren, ohne dabei in meine Arbeit reinzureden. 2004 begann ich mit dem Film «Match Point» in London. Seitdem drehe ich weiterhin in Europa.» Zu den grössten Filmförderern in Europa gehören Euroimage und MEDIA. Bei diesen Förderprogrammen ist es wichtig, dass viele EU-Länder an einem Film zusammenarbeiten. Je vielfältiger die Beteiligung, desto höher die Finanzierung.
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Das Urteil
Mit «Magic in the Moonlight» taucht man in die Romantik Südfrankreichs ein. Die 20er-Jahre, warme Farben, luxuriöse Ferienhäuser der Provence, glamouröse Cocktail-Partys und schöne Frauen in authentischen Charleston-Kleidern. Die Kulisse stimmt. Doch dazwischen plätschert die Geschichte der beiden Streitvögel dahin. Abgesehen von dem Altersunterschied von 28 Jahren, sind Colin Firth und Emma Stone ein reizendes Film-Paar. Aber ihre Sticheleien sind zu nett und zu harmlos. Nicht das, was man von Woody Allen erwartet. Der Meister-Zyniker ist weich geworden. «Magic in the Moonlight» ist eine leichte Romantikkomödie. Ein Film, auf den man sich an einem grauen Fernsehsonntag nebst einem Rosamunde Pilcher-Film freuen würde.
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