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Für den Umschlag seines Buches „Rez Rules“ hatte sich Chief Clarence Louie vor dem geheimnisvollen „Spotted Lake“ fotografieren lassen. Der See ist ein einmaliges Naturwunder: Er hat 365 weiss umrandete Kreise, die fast das ganze Jahr zu sehen sind, und er ist für die Okanagan Nation seit Jahrtausenden ein heilender spiritueller See. Chief Louie nennt ihn „eine unserer ‚Kirchen‘ „.
Vor ein paar Jahren durften Marianne und ich eine Indianerin mit ihrer Enkelin zum See hinunter begleiten. Sie erklärte uns, dass eine Person, die Heilung suchte, herausfinden musste, welcher Kreis ihr helfen konnte. Hatte sie ihn gefunden, konnte das Wasser dort ihr Leiden aus dem Körper ziehen.
Noch vor 25 Jahren waren See und Umgebung nicht mehr in indianischem Besitz, und die damaligen Besitzer planten, den See in ein Heilbad zu verwandeln, den Schlamm auszubaggern und als natürliches Heilmittel zu verkaufen. Die Osoyoos Indian Band protestierte und war bereit, die Strasse zu blockieren. Der heilige See mit seiner Heilwirkung, dieser Ort indianischer Spiritualität, durfte auf keinen Fall kommerziell ausgebeutet werden. Zum Glück stellte die kanadische Regierung daraufhin der Okanagan Nation die nötigen Geldmittel zur Verfügung, um den See und das umliegende Gebiet zu kaufen.
Die Stichwörter „Kirche“ und „Heilung“ lassen mich an einen ganz anderen Wallfahrtsort denken: an die Basilika von Re im Vigezzotal, nahe an der Grenze zu den Centovalli. (Beide Aufnahmen machte ich um 1970.)
Von seiner Grossmutter schreibt Chief Louie in seinem Buch „Rez Rules“, dass sie ihre traditionelle indianische Spiritualität pflegte und gleichzeitig eine gläubige Christin war. In ihrem Haus habe es an den Wänden viele „church pictures“ gehabt.
„Meine Grossmutter“, schreibt Clarence Louie weiter, „bewies, dass man zwei ganz verschiedene Glauben haben und beiden treu sein kann.“