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Zusammenfassung der Diplomarbeit* von Thomas Tschurr
betreut von Prof. Dr. Claudia Leopold
In der Schule entscheidet die Motivation unter anderem über den Lernerfolg und die dazugehörige positive Beurteilung - normalerweise erfasst durch eine Prüfung. Lehrpersonen haben mit Hilfe von metakognitiven Strategien Möglichkeiten zur Verfügung, Lernprozesse und -Erfolge zu optimieren - beispielsweise indem Sie Schüler/innen bitten, ihre Leistungen selbst einzuschätzen. Schülerselbsteinschätzungen sind ein Spiegelbild des Gelernten und machen sichtbar, was die Schülerinnen und Schüler in ihrem Lernprozess verbessern können. Kitsantas, Reisner und Doster (2004) gehen davon aus, dass die Selbsteinschätzung den aktuellen Lernstand abbildet und direkt mit ihm zusammenhängt. Sie ist auch ein wichtiger Faktor, der Einfluss auf die Motivation der Schüler/innen nehmen kann.
225 Berufslernende absolvierten eine Prüfung im Handball und schätzten ihre Leistung anhand von klar definierten Kriterien selbst ein. Wenn die Selbsteinschätzung nahe bei der Lehrereinschätzung lag, erhielten die Lernenden einen Notenbonus.
Die Lernenden füllten einen Fragebogen zur Selbsteinschätzung des Mitspracherechts bei der Notengebung und zur Motivation online aus.
Die Frage der Arbeit war, ob die Lernenden sich angemessen einschätzen können und ob das Mitspracherecht Einfluss auf ihre Motivation hat. Die Ergebnisse zeigen: die Lernenden als Gruppe konnten ihre Leistung akkurat einschätzen, es gab keinen signifikanten Unterschied zwischen der Schüler- und der Lehrereinschätzung bezogen auf den Notendurchschnitt. Es gab einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Lehrernote und der Schülernote (r = 0.68, p < .001). Bei Berücksichtigung des Geschlechts zeigten sich allerdings Unterschiede zwischen Schüler/innen- und Lehrereinschätzungen. Dies weist darauf hin, dass das Geschlecht bei Schülerselbsteinschätzungen beachtet werden sollte.
Die Ergebnisse zeigten auch einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Motivation der Lernenden und dem Mitspracherecht bei der Notengebung. Das weist darauf hin, dass das Mitspracherecht einen positiven Einfluss auf die Motivation haben kann.
Die Lernenden setzen sich dank der Selbsteinschätzung aktiver mit ihrer Leistung auseinander; dadurch verstehen sie die Kriterien für die Notengebung besser, können ihre Fähigkeiten in Bezug auf diese Kriterien besser einschätzen und lernen so, eine realistischere Bewertung ihrer eigenen Leistung vorzunehmen. Ein weiterer positiver Effekt ist eine erhöhte Motivation im Sportunterricht.
Kitsantas, A., Robert, A. R., & Doster, J. (2004). Developing Self-Regulated Learners: Goal Setting, Self-Evaluation, and Organizational Signals During Acquisition of Procedural Skills. The Journal of Experimental Education, 72(4), 269–287. doi:10.3200/jexe.72.4.269-287
*Ergänzungsleistung für Monofachstudierende im Studiengang zum Lehrdiplom für Maturitätsschulen