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Die Dunkle Biene hat sich an kühle Lebensräume angepasst. Sie war die einzige Honigbiene der Schweiz, bis sie von anderen Rassen verdrängt wurde. Heute kümmern sich europaweit Zuchtvereine um ihre Erhaltung.
Familie: Echte Biene
Gattung: Honigbiene (Apis)
Art: Westliche Honigbiene (Apis mellifera)
Unterart/Rasse: Dunkle Europäische Honigbiene
Lateinischer Name: Apis mellifera mellifera
Ursprung: nördlich der Alpen, von den Pyrenäen bis zum Ural
Beginn der Züchtung: Gründung Schweizer Zuchtverein 1993
Masse
Länge: 14 bis 16 mm (Arbeiterin), 16 bis 18 mm (Drohne), 18 bis 22 mm (Königin)
Gewicht: rund 100 mg (Arbeiterin), 200 mg (Drohne), 230 mg (Königin)
Typische äusserliche Merkmale
Schwarzer Panzer, dunkelbraune Behaarung. Schmale Filzbinden, langer und breiter Hinterleib.
Honig
Eine Arbeiterbiene wird etwa 35 Tage alt. In dieser Zeit sammelt sie knapp zwei Teelöffel Honig (rund 3 g). Ein ganzes Volk sammelt im Jahr durchschnittlich 30 kg Honig – wobei der Ertrag stark vom Wetter und dem Futterangebot abhängt.
Bestäubung
Eine wichtige Leistung der Bienen ist die Bestäubung von Wild- und Nutzpflanzen. Diese Arbeit ist schwer zu bemessen, wird aber regelmässig geschätzt: So beziffert die Universität Hohenheim DE den Wert der Bienen-Arbeit weltweit auf 1 Billion US-Dollar, was etwa 1 Prozent der weltweiten Wirtschaftskraft entspricht.
Die Dunkle Biene ist sanftmütig. Ausserdem ist sie kältetolerant und vermutlich die flugstärkste Unterart: Dank ihrer dunklen Färbung wärmt sie sich auch unter der Wintersonne auf und kann deshalb auch bei niedrigen Temperaturen fliegen.
Im Winter legt die Dunkle Biene eine Brutpause ein, was ihr das Einsparen von Energie erlaubt.
Die Dunkle Biene bedient sich bei einer breiten Palette von verschiedenen Pollen.
Unterschiede zwischen Bienen
Biene ist nicht gleich Biene. Von klein bis gross, in den Farben Gelb, Schwarz oder Braun gibt es eine grosse Vielfalt dieser Insekten. Von den weltweit rund 20'000 Bienenarten sind ein Grossteil solitär lebende Bienen, die kein Volk bilden, sondern Einzelgänger sind.
Von den 20'000 Bienenarten bilden nur die sieben Honigbienen-Arten grosse Völker, weshalb sie anzahl-mässig stark vertreten sind.
Eine dieser Arten ist die Westliche Honigbiene. Die bekannteste und am weitesten verbreitete Honigbienen-Art wurde ausser in der Antarktis auf allen Kontinenten eingeführt.
Von der Westlichen Honigbiene gibt es wiederum verschiedene Unterarten, die sich voneinander recht stark unterscheiden können. Die Dunkle Biene ist eine dieser Unterarten.
Seit der letzten Eiszeit
Die Dunkle Biene (Apis mellifera mellifera) ist perfekt an kühle Lebensräume angepasst. Ihr Hinterteil aus schwarzen Chitinplatten wird von der Sonne schneller aufgewärmt als die hellen Hinterteile anderer Unterarten. Im Winter legt die Rasse eine ausgeprägte Brutpause ein, wodurch sie Energie spart. Im Frühling startet sie angepasst mit ihrer Bruttätigkeit.
Die Dunkle Biene breitete sich nach der letzten Eiszeit vor 10'000 Jahren nördlich der Alpen aus, von den Pyrenäen bis zum Ural. Dabei entstanden viele Öko-Typen, die sich auf das spezifische Nahrungsangebot vor Ort («Blütentracht») spezialisierten. Genetisch sind sich diese Typen jedoch sehr ähnlich, wie DNA-Analysen der unterschiedlichen Bienen ergaben.
Die Dunkle Biene ist in der Schweiz einheimisch und zählt daher zu den Schweizer Nutztierrassen, die vom Bundesamt für Landwirtschaft im Rahmen der Tierzuchtverordnung finanziell unterstützt werden.
Geschrumpftes Verbreitungsgebiet
Lange war die Dunkle Biene die einzige Honigbienen-Unterart in der Deutschschweiz und Westschweiz. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben sie viele Schweizer Imker jedoch durch die Kärntner Biene (Carnica) ersetzt, wodurch die Mellifera-Genetik nach und nach verschwand.
Bis heute ist die Carnica und ihre Kreuzungen die häufigste Honigbiene in den Schweizer Bienenstöcken. Die Carnica überzeugt unter anderem mit Sanftmut. Das Verbreitungsgebiet der Dunklen Biene ist hingegen stark geschrumpft, weshalb diese Unterart als gefährdet gilt.
Die Dunkle Biene kann die gleiche Leistung erbringen, wie die übrigen Honigbienen. Doch bei kühler Witterung sammelt die Dunkle Biene weiter, wenn andere Unterarten bereits nicht mehr fliegen können.
Aktuell wird bei der Dunklen Biene züchterisch am Honigertrag und weiteren Eigenschaften gearbeitet, erklärt Hans Jäckle vom Verein Schweizer Mellifera Bienenfreunde mellifera.ch im Interview.
Schweizer Bienen-Genetik für Deutschland
Der Verein mellifera.ch wurde 1993 gegründet, damals als Verein Schweizerischer Mellifera Bienenfreunde VSMB. Bis heute kümmert er sich um die Zucht, betreut Prüfstände, koordiniert die Belegstationen und führt Aus- und Weiterbildungen für ImkerInnen durch.
Der Verein mellifera.ch führt das Herdebuch der Unterart, in dem aktuell rund 800 Königinnen registriert sind.
Die Schweizer Mellifera-Population spielt international eine wichtige Rolle: So wurde beispielsweise Genetik nach Deutschland exportiert, wo die Unterart zeitweise ganz ausgestorben war. «Wir stehen im internationalen Austausch, um die Dunkle Biene zu erhalten», sagt Hans Jäckle.
Seit der Gründung des Zuchtvereins mellifera.ch im Jahr 1993 ist der Bestand der Dunklen Biene mehr oder weniger konstant geblieben. Der markante Einbruch 1986 wird als «Varroa-Schock» bezeichnet, bei dem viele Völker eingingen oder vernichtet werden mussten. Es war der Tiefpunkt des Zuchtaufkommens.
2022 wurden in der Schweiz gut 5500 Königinnen auf den Belegstationen begattet. Wenn man berücksichtigt, dass eine Königin im Durchschnitt zwei Jahre lang lebt, kann die Anzahl der reinrassigen Völker auf etwa 12'000 geschätzt werden, schreibt mellifera.ch.