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Imposante Natur, gemässigtes Klima, die meisten europäischen Einwanderer und den besten Lebensstandard Brasiliens, jedoch international-touristisch fast unbekannt – das ist der Süden Brasiliens. Er setzt sich aus den drei Bundesstaaten Paraná, Rio Grande do Sul und Santa Catarina zusammen. Dies ist die kleinste, aber was die Lebensqualität der Menschen betrifft, auch die feinste Region Brasiliens – mit einer Gesamtfläche von 577.214 km² – das entspricht zirka 7% des brasilianischen Territoriums – und einer Gesamt-Einwohnerzahl von rund 27 Millionen, das ergibt eine demografische Dichte von 42,5 Menschen pro km². Die mittlere Jahrestemperatur bewegt sich um die 18º C.
Dieser Wert für die Durchschnittstemperatur täuscht. Das subtropische Klima, mit vier deutlich ausgeprägten Jahreszeiten, präsentiert, zwischen Juni bis August, auf den Höhen von Santa Catarina die tiefsten Temperaturen Brasiliens, mit weniger als minus 5º C und häufigen Schneefällen. Das Relief präsentiert zum grössten Teil Hochebenen und, in seinem extremen Süden, ein welliges Hügelland, die Coxilhas, deren Kriechvegetation man als Campanha Gaúcha bezeichnet. Die Region wird vom hydrografischen Netz des Rio Paraná bewässert, sie besitzt ein enormes hydroelektrisches Potential, welches besonders vom gigantischen Wasserkraftwerk Itaipu genutzt wird.

Der Süden Brasiliens wird gerne auch das europäische Brasilien genannt. Die exklusiv für das BrasilienPortal produzierte Sendung unternimmt eine Reise durch die drei Bundesstaaten Paraná, Santa Catarina und Rio Grande do Sul: von den Wasserfällen des Iguaçu über die Kornkammer Brasiliens in die Ökohauptstadt Curitiba, durch die Regenwälder an Stränden vorbei in die deutschen Kolonien, über reizvolle Berglandschaften in die Pampa zu den Gaúchos und weiter in die moderne Metropole Porto Alegre.
Die von zahllosen Bergkämmen unterbrochene Landschaft überrascht mit Panoramen, die wie Kopien aus der europäischen Bergwelt anmuten – was Wunder, dass sich hier Deutsche, Italiener, Polen, Ukrainer und viele andere angesiedelt haben. Auf den weitläufigen fruchtbaren Weiden grast Brasiliens schmackhaftestes Rindfleisch – und an den sonnigen Berghängen wächst Brasiliens bester Wein. Die herrlichen Strände haben ihren eigenen Stil und unterscheiden sich von allen übrigen: Ein bewegtes Meer lockt vor allem die wellenbegeisterten Surfer an diese Strände.
Das auffälligste dieser Region sind wahrscheinlich ihre Menschen – überall begegnet man ihren vorwiegend blauen Augen und ihren blonden Haaren. Dies sind die Nachfahren europäischer Einwanderer, in der Mehrheit Italiener, Deutsche, Polen und Portugiesen von den Azoren-Inseln, die gegen Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts den brasilianischen Süden als ihre bevorzugte neue Heimat besiedelt haben – die europäisch anmutende Hügellandschaft und das ebenfalls Europa ähnliche, gemässigte Klima, waren dafür die bedeutendsten Kriterien. Diese Einwanderer sind möglichst beieinander geblieben, haben zusammen Kolonien gegründet und innerhalb dieser auch ihr angestammtes Kulturgut bewahren können und haben es später ihren Nachkommen weitergegeben. Im Norden von Paraná haben sich, etwas später, auch japanische Emigranten etabliert.
Der Süden ist auch die zweitgrösste Industrie-Region Brasiliens, mit Industrie-Parks im Stadtgebiet von Porto Alegre (Rio Grande do Sul) und in Curitiba (Paraná) – hergestellt werden Lebensmittel, Gefrierfleisch, Textilien, Holzartikel, Schuhe, Metallartikel und Wein. Die kommerzielle Landwirtschaft ist ebenfalls gut entwickelt, die bedeutendsten Produkte sind Weizen, Soja, Reis, Mais, Bohnen und Tabak. Die Viehwirtschaft bekommt ihre bedeutendsten Impulse von den Pampas Gaúchos im extremen Süden, mit Herden, deren Rassen aus Europa stammen, während dieselbe Region in ihren Bergen einen exzellenten Wein produziert, angeführt von den Nachfahren italienischer Emigranten. Die Schweinezucht beherrscht den Westen von Santa Catarina und Paraná – angegliedert sind die dortigen Maispflanzer als Futter-Produkt und die Schlachthäuser zur Verarbeitung. Der Extrativismus der Pinien-Kerne, in Paraná, und der Steinkohle, im Süden von Santa Catarina, verantwortlich für 75% der nationalen Produktion, sind weitere wirtschaftliche Faktoren der Gegend.
Warum ist der brasilianische Süden im europäischen Ausland fast unbekannt? Vielleicht ist der Grund in der fehlenden Information zu suchen? Oder vielmehr in der fehlenden Information über gewisse Einzelheiten, die es nur im brasilianischen Süden gibt – die finden Sie aber diesmal in unseren Beschreibungen im BrasilienPortal! Der Süden hat atemberaubend schöne Landschaften zu bieten! International bekannt sind lediglich die Iguaçu-Wasserfälle – aber kennen Sie auch die zahlreichen Sehenswürdigkeiten in und um Iguaçu herum? Sind Sie schon mal mit der Eisenbahn von Curitiba nach Paranaguá gefahren – der adrenalintreibendsten Eisenbahnstrecke der Welt? Erleben Sie mit uns den Naturpark von Vila Velha (Paraná), mit seinen von Wind und Wetter geformten, grotesken Felsengebilden – streifen Sie mit uns durch das Tal des Rio Itajaí und lernen Sie die Nachkommen Deutscher und Schweizer Emigranten einmal persönlich kennen – das Blumenauer Oktoberfest, mit mehr als 1 Million Besuchern jährlich, ist ein Ereignis, das dem Münchner um nichts nachsteht – im Gegenteil: viele Musik- und Volkstanzgruppen aus München kommen lieber als Gäste nach Blumenau! Ebenfalls in Santa Catarina, auf seiner Hauptstadt-Insel, findet man die schönsten Strände des Südens – mit warmem und ruhigem Wasser zum Baden oder, auf der dem Meer zugewandten Seite, die Wellen, von denen die Surfer träumen!
Und dann das abenteuerliche Land der Gaúchos! Des exotischsten Menschenschlages in Brasilien überhaupt! In unseren Berichten finden Sie viele packende Einzelheiten über das Leben dieser unvergleichlichen Helden der Pampa (in Rio Grande do Sul). Ihre Geschichte, ihre Sitten und Gebräuche – und, wie Sie mit Ihnen Kontakt aufnehmen und bei Ihnen sogar Ihre Ferien verbringen können – auf dem Pferderücken, mit einem Churrasco vom Lagerfeuer und einem Chimarrão in der Runde von Männern, deren Leben das Beaufsichtigen und Versorgen der Herden ist.
Rio Grande do Sul hat landschaftlich enorm viel zu bieten, wie den Nationalpark Aparados da Serra zum Beispiel, die 210 Jahre alten Ruinen der Jesuiten-Missionen in São Miguel oder Santo Angelo – oder die romantischen Städtchen Gramado und Canela in den Bergen nördlich der Hauptstadt. Auch hier müssen Sie auf ein paar gute Badestrände nicht verzichten – der Strand von Torres, als einer der beliebtesten dieser Region, ist zwischen Oktober und März durchaus mit den berühmten Tropenstränden Brasiliens zu vergleichen!
Dieser Bundesstaat ist der nördlichste der Südregion. Mit 200.000 km² ist er etwa zweimal so gross wie Island und hat 10,3 Millionen Einwohner – eine demografische Dichte von 46,5 Einwohnern pro km². Die Einwanderung von Europäern und Japanern hat wesentlich zur Erschliessung der Region beigetragen und auch zu seiner wirtschaftlichen Entwicklung.
Die mittleren Temperaturen liegen in Paraná bei 18,5º C, können aber im Winter, zwischen Juni und August, bis auf –10º C fallen! Dann ist sogar Schneefall möglich. Der Bundesstaat setzt sich aus insgesamt fünf verschiedenen geografischen Zonen zusammen, deren höchste Plateaus bis auf 950 Meter hinaufreichen.
Der Bundessstaat Paraná ist die Kornkammer Brasiliens. Sein Industrie-Park wächst ebenfalls stetig und erfasst immer neue Branchen – begünstigt durch sein enormes hydro-energetisches Potential: zweitgrösstes Projekt der Welt, neben einigen anderen, ist das Wasserkraftwerk von Itaipu, das durch den Rio Paraná gespeist wird. Paraná hält den fünften Platz hinsichtlich seiner wirtschaftlichen Bedeutung unter den Bundesstaaten Brasiliens und ist der viertgrösste Exporteur an Saatgut. Der Kaffee hat Paraná auf den Wirtschaftsplan der grossen internationalen Märkte gesetzt.
Paraná hat touristische Attraktionen zu bieten, die an Erlebniswert denen in anderen Bundesstaaten Brasiliens nicht nachstehen. Eine Küste mit herrlichen Stränden und paradiesischen Inseln – 95% seines Territoriums sind bedeckt mit tropischer Vegetation – auch dem inzwischen selten gewordenen Atlantischen Regenwald. Im Hinterland haben sich vorwiegend europäische Einwanderer niedergelassen. Ihre gepflegten Vorgärten und die Blumenkästen an den Fenstern verraten sie sofort. In dieser Gegend liegt auch der Park von Vila Velha mit seinen sehenswerten, von Wind und Wetter geformten Felsskulpturen. Der Canyon von Guartelá, der sechstgrösste der Welt an Ausdehnung, oder die Wasserfälle von Iguaçu – mit ihren 275 verschiedenen kleineren und grösseren Fällen, die sich von einer Höhe zwischen 80 und 90 Metern über die Felswände stürzen, sind Eindrücke, die man Zeit seines Lebens nicht mehr vergisst.
Eine der schönsten Eisenbahnstrecken der Welt sollte man auf keinen Fall auslassen: die über ein Jahrhundert alte Verbindung von Curitiba zum Hafen Paranaguá – eine Fahrt über 93 Kilometer, die dreieinhalb Stunden dauert und durch zahlreiche Tunnel und über ebensoviele Schluchten der Serra do Mar führt – ebenfalls unvergessliche Eindrücke!
Auch Kultur wird in Paraná gross geschrieben. Da gibt’s Folklore-Festivals der verschiedenen Ethnien, Theater-Festivals, Winter-Festivals, Musik-Festivals, Tanz-Festivals und andere. Und natürlich viele religiöse Feste, mit ihren Prozessionen und profaneren Kirmes-Anhängseln.
Curitiba, die Hauptstadt – humanistisch, fortschrittlich, mit gehobener Lebensqualität. Die erste brasilianische Stadt mit einer Fussgänger-Zone und einer Strasse, deren Läden rund um die Uhr geöffnet sind. Sie hat das best organisierte Transportsystem des ganzen Landes – und ein nach Rohstoffen getrenntes Müllverwertungs-System! Eine Stadt mit 52 Quadratmeter Grünflachen pro Einwohner!
Curitiba liegt auf einer Höhe von 934 m über dem Meer und hat rund 1,8 Millionen Einwohner. Seine Entfernung zur Stadt São Paulo beträgt 408 km. Seit 1842 mit Stadt-Status, wuchs Curitiba besonders durch europäische Emigranten, vornehmlich Polen, Deutsche, Italiener, Ukrainer, Franzosen, Engländer und Holländer. Am Anfang dieses Jahrhunderts kamen noch Japaner, Syrier, Libanesen und Juden hinzu, die alle durch ihre technischen Kenntnisse und ihre Kultur die Stadt in besonderem Masse prägten, ihre schnelle wirtschaftliche Entwicklung und urbane Struktur beeinflussten und trotz allem die ihnen eigenen Sitten und Gebräuche bewahrten.
Unterstützt durch eine gut funktionierende heimische Wirtschaft, hat die Stadt es geschafft, sich auf gesunde Weise zu modernisieren: Man nennt Curitiba auch die Capital Ecológica do Brasil – Brasiliens Öko-Hauptstadt, aber sie ist nicht nur hinsichtlich ihres Naturschutzes und ihrer Grünanlagen Vorbild, sondern auch Modellstadt betreffs ihres unvergleichlichen Transportsystems: Erstaunlicherweise schuf der fortschrittliche Bürgermeister Jaime Lerner – von Haus aus selbst Architekt – unter vielen Anreizen, auch besonders niedrige Fahrpreise in den Bussen und brachte die Einwohner der Stadt dazu, von ihrem PKW auf die öffentlichen Verkehrsmittel umzusteigen – ein einmaliger Erfolg in Brasilien.
Der eine Erfolg zog andere Erfolge in dieser Stadt nach sich: Die Verkehrsdichte ging stark zurück – das Verhalten der Fahrer im Verkehr ist besser als in anderen brasilianischen Städten – sie halten tatsächlich bei Rot an, und der Fussgänger kann ohne Herzklopfen über die Strasse gehen – und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, dass auch die Zahl der Scheidungen, Herzanfälle und Selbstmorde in dieser Stadt niedriger ist als anderswo – was allerdings noch nachzuprüfen wäre. Eine praktische Art und Weise die Stadt kennen zu lernen: mit der Linha Turismo, einem offenen Omnibus, der 22 verschiedene touristische Sehenswürdigkeiten anfährt!
Dieser Bundesstaat ist der südlichste Brasiliens. Er hat eine Fläche von mehr als 280.000 km² und ist damit etwas grösser als Ecuador oder Neuseeland. In ihm leben rund 10,5 Millionen Menschen, was einer Bevölkerungsdichte von zirka 36 Einwohnern pro km² entspricht. Die grössten Einwandererkontingente waren: Azorianer, Italiener, Juden, Polen, Japaner und Deutsche.
Das Relief des Territoriums ist aufgeteilt in drei natürliche Regionen – eine gebirgige Hochebene, die Pampa-Grassavanne und eine Seenplatte. Die Hochebene nimmt den weitaus grösseren Teil ein, mit durchschnittlichen Höhen zwischen 900 und 1.000 Metern. Das Klima ist subtropisch und wird öfter von südpolaren Luftmassen beeinflusst – deshalb unterscheidet es sich wesentlich von den anderen brasilianischen Staaten. Die mittleren Jahrestemperaturen liegen unter 18º C – in der Regel mit 25 Tagen Frost pro Jahr und gelegentlichen Schneefällen.
Die Wirtschaft rangiert an vierter Stelle in Brasilien. Ein Bundesstaat mit quasi historischer Tradition im Export von Rindfleisch. Seine Herde gehört mit rund 14 Millionen Stück zu den grössten des Landes. Um diesen wichtigsten Exportartikel herum haben sich Industrien der Lederverarbeitung und Schuhherstellung entwickelt – Novo Hamburgo ist Brasiliens grösster Schuhhersteller – 90 % für den Export in alle Welt. Die Lebensmittelindustrie und die der Textilien sind ähnlich gut entwickelt. Die Landwirtschaft spielt eine fast ebenso bedeutende Rolle, mit Schwerpunkt auf solche Erzeugnisse, die das kühlere Klima bevorzugen, wie Weintrauben, Äpfel, Birnen, Pfirsiche, Pflaumen, Kirschen und Erdbeeren. Eine besondere Rolle spielt dabei auch der Anbau der Mate-Pflanze, deren Produkt ebenfalls exportiert wird. Der Staat hat die höchste Lebensqualität des Landes.
Rio Grande do Sul ist die Heimat der in Brasilien überall bekannten und oft zitierten Gaúchos, eines Menschenschlags, dessen angestammte Beschäftigung der Umgang mit den riesigen Rinderherden auf den südlichen Pampas war. Wie ihre argentinischen Nachbarn schätzen sie den >Churrasco aus gegrilltem Rindfleisch über alles – und ihre Angewohnheit, glühend heissen Mate-Tee, ohne Zucker, durch silberne Röhrchen aus Kalebassen zu saugen, hat sie unter den übrigen Brasilianern, die einen quietschsüssen Cafezinho über alles lieben, als Sonderlinge ausgewiesen. Porto Alegre, ihre charmante Hauptstadt, bietet allen Komfort und Service einer modernen Metropole. Im bergigen Inland werden vorzügliche Weine angebaut – die italienischen Einwanderer pflegen diese Tradition.
Porto Alegre (der lustige Hafen) ist die Hauptstadt von Rio Grande do Sul. Hat etwas über 1,4 Millionen Einwohner und liegt am linken Ufer des Rio Guaíba, der hier in die Lagoa dos Patos mündet – noch über 100 km vom Atlantik entfernt. Die Entfernung von São Paulo beträgt 1.166 km – von Brasília 2.111 km.
Das Klima ist subtropisch feucht, und die vier Jahreszeiten sind deutlich ausgeprägt. Die Stadt bekam im Bericht der UNO von 1998 die beste Beurteilung für „Human Devellopment“ (HDI), unter den brasilianischen Metropolen mit mehr als 500.000 Einwohnern – und sie steht an fünfter Stelle, der von Ausländern meistbesuchten brasilianischen Städte. Ihr Gesundheitswesen und ihre Infrastruktur entsprechen den Städten der Ersten Welt – die Verkehrsverhältnisse können als Modell-Beispiel bezeichnet werden.
Porto Alegre besitzt das grösste Netz öffentlicher Kindergärten und eine selektive Müllverarbeitung, ebenfalls ein Modellbeispiel für Brasilien. Die Bevölkerung setzt sich aus 25 verschiedenen Ethnien zusammen, unter ihnen Italiener, Deutsche, Portugiesen, Syrier, Libanesen, Juden, Japaner, Afrikaner, Chinesen, Polen, Russen, Belgier und Schweden. Porto Alegre ist auch die Hauptstadt des MERCOSUL, der bedeutendsten Wirtschaftsgemeinschaft Südamerikas.
Porto Alegre ist eine jener erstaunlichen Grosstädte Brasiliens, von denen man im Ausland wenig weiss, und die den Besucher dann mit ihren ungeahnten Dimensionen überraschen. Sie zeigen den erstaunlichen wirtschaftlichen Aufschwung Brasiliens deutlicher als Rio oder São Paulo, die ja als Weltstädte hinlänglich bekannt sind.
Der Bundesstaat liegt in der Mitte der Südregion, zwischen den beiden Pufferstaaten Paraná und Rio Grande do Sul. Mit einer Fläche von zirka 95.500 km² hat er etwa die Grösse von Österreich – seine Bevölkerungsziffer liegt bei etwas mehr als 5,8 Millionen. Es gibt keine grösseren Bevölkerungskonzentrationen und die Städte sind klein und über den gesamten Bundesstaat regelmässig verteilt. Nur acht Städte haben mehr als 100.000 Einwohner und nicht eine erreicht eine Einwohnerzahl von 500.000! Die Bevölkerung setzt sich aus Nachfahren von emigrierten Deutschen, Italienern, Belgiern, Iren, Polen, Russen, Japanern, Azorianern, Holländern und Spaniern zusammen.
Das Relief besteht aus Küste und Hochebenen. Letztere nehmen etwa drei Viertel des Staatsterritoriums ein, mit höchsten Erhebungen über 1.000 Meter – der höchste Gipfel ist der Morro da Boa Vista, mit 1.872 Metern.
Basis der Wirtschaft sind die Industrie, die Förderung von Mineralien (Steinkohle) und die Landwirtschaft. Textilien aus Santa Catarina haben inzwischen Weltruf – die Keramik- und Porzellan-Manufaktur ebenfalls. Der Bundesstaat exportiert heute seine Erzeugnisse in mehr als 60 Länder. Die meisten landwirtschaftlichen Flächen sind mit den Industrie-Unternehmen assoziiert, zum Beispiel produzieren die Mais-Pflanzer für die Schweinezüchter und diese für die Fleischfabriken derselben Region.
Santa Catarina ist der deutscheste unter den Südbundesstaaten: Hier trifft man die blonden und blauäugigen Nachfahren überall auf der Strasse. Besonders in Städtchen wie Blumenau oder Pomerode hat sich das deutsche Brauchtum fast unbeeinflusst erhalten. Florianópolis, die Hauptstadt, liegt auf einer Insel – zwei Brücken verbinden sie mit dem Festland. Die schönsten Strände des Südens sind hier zu finden – die besten Meeresfrüchte ebenfalls. Und natürlich nicht zu vergessen: das beste hausgebraute Bier!
Jedes Jahr verbessert Santa Catarina seine touristische Infrastruktur, modernisiert seine Hotels, Restaurants und Bars, promoviert Ferien, programmiert sein Nachtleben mit allen erdenklichen Sicherheitsmassnahmen, stimuliert den Handel – alles, um seine touristischen Besucher immer besser zu bedienen. In den einzelnen Städten entdeckt man sofort die Spuren seiner Kolonisatoren – sei es in der Architektur, der Gastronomie oder der Folklore.
Auch der Sport ist stets präsent in Santa Catarina – zum Klettern, für Rafting – in den Stromschnellen des Rio Itajaí-Açu – für Wanderungen, Surf und Tauchtouren findet man gute Voraussetzungen. Schnee kann man in São Joaquim erleben, dem Ort mit dem kältesten Klima des Landes – er liegt auf einer Höhe von 1.300 Metern. Florianópolis, Garopaba und Balneário Camboriú sind die im Sommer meist frequentierten Bade-Resorts. Die Strände werden in den Sommermonaten von durchschnittlich 1,5 Millionen Touristen besucht.
Wenn Sie Santa Catarina in Ihr Brasilien-Programm aufnehmen möchten, dann kommen Sie sicher nicht nur der wirklich sehenswerten Landschaft wegen, sondern auch, um die Nachfahren der beschriebenen europäischen Einwanderer kennen zu lernen – vielleicht sogar ganz speziell: die der Deutschen. Freuen Sie sich auf einen ganzen Sack voller Überraschungen, deren besonderer Reiz im scheinbaren Sprung zurück ins „Deutsche Kulturgut“ und ein gewisses bavaria-germanisches Pseudo-Brauchtum liegt, das eher an Disneyland erinnert: wenn Sie die Söhne und Töchter, Enkel und Urenkel jener Emigranten – die kernigen Jungs in Krachledernen mit Filzhut und Gamsbart und die blondbezopften Mädchen in feschen Dirndlkleidern – einherspazieren sehen.
Aber damit nicht genug, unterhalten die sich plötzlich in Hunsrücker- oder Böhmerwald-Platt, garniert mit brasilianischen Sprachbrocken. Und sie wohnen in altdeutschen Fachwerkhäuschen mit Blumenfenstern davor und garantiert einem Spinnrad in der guten Stube – die Frauen kneten den Teig für ihr Steinofen-Brot und die Männer brauen ihr Bier selbst. Alle gehen am Sonntag brav in die Kirche und unter der Woche entweder in einen der zahlreichen Vereine zum Schiessen oder in den Gesangverein „Frohsinn“, wo ebenfalls Deutsches Kulturgut auf dem Notenblatt steht: Die Hymnen auf die Burschenherrlichkeit, das „Heideröslein“ oder die „lustigen Holzhackerbuan“ und die „Schützenliesel“ gehören hier genauso zum Repertoire wie der „alte Kaiser Wilhelm“, den diese Unentwegten immer noch wiederhaben wollen. Einmal wöchentlich zur Übung – und auf ihren zahlreichen Festen zur Erbauung ihrer Familien, Freunde und der vorwiegend brasilianischen Touristen – schmettern sie zackige Märsche, bierselige Choräle und romantische Liebeslieder, begleitet von einem ebenso unerschrockenen Live-Orchester im allerseits frequentierten „Biergarten“.
Die Touristen – besonders die brasilianischen – verschlingen hier eine Bockwurst nach der andern, leeren ungezählte „Chopps“ des verehrten Bieres, lernen das Schunkeln sofort und das Schuhplatteln mit der Zeit und nehmen den unauslöschlichen Eindruck mit nach Hause: im exotischsten Teil Brasiliens gewesen zu sein – in Santa Catarina!
Die Hauptstadt Florianópolis hat sich teils auf dem Festland und teils auf einer vorgelagerten Insel, der Ilha de Santa Catarina, ausgebreitet. Florianópolis ist eine aussergewöhnlich schöne Stadt, und wer sie einmal besucht, verfällt ihrem Charme und kommt bestimmt wieder.
Sie hat rund 397.000 Einwohner und ist durch drei Brücken mit dem Kontinent verbunden. Sie ist die einzige Hauptstadt Brasiliens, die nicht auch die grösste Stadt des Staates ist – in diesem Fall übertrifft die Industriestadt Joinville die Hauptstadt – um rund 100.000 Einwohner mehr!
Während der Hochsaison im Sommer erreicht die Bevölkerung mehr als 1 Million, durch die vielen Touristen, die dann hierherkommen. „Floripa“, wie die Stadt von den Touristen genannt wird, ist ein beliebtes Urlaubszentrum besonders für die Paulistas, die von der 700-Kilometer-Strecke hierher nicht abgeschreckt werden, denn das ist keine Entfernung in Brasilien – und neuerdings haben auch die argentinischen Nachbarn die Strände von Santa Catarina für sich entdeckt.
In dem auf der Insel gelegenen Teil von Florianópolis herrscht eher eine Kleinstadt-Atmosphäre. Man kommt hier sehr gut zu Fuss zurecht und auch die landschaftlichen Sehenswürdigkeiten der Insel – zu denen besonders aussergewöhnlich schöne Strände gehören – sind von hier aus leicht zu erreichen. Die Insel steckt voller interessanter Kontraste, 40% sind noch vom Original-Wald bedeckt! Ihre urbane Seite, die sich aus dem Stadtzentrum, der kontinentalen Region und aus den touristischen Bade-Resorts zusammensetzt, vibriert in Rhythmus des 21. Jahrhunderts. Die schmalen Strassen, welche die einzelnen Stadtteile verbinden, haben verstopften Strassenverkehr während der Stosszeiten.
In den ländlichen Kommunen im Innern der Insel dagegen, oder unter den Fischern am Meeresufer, wird die Zeit noch am Kommen und Gehen von Ebbe und Flut gemessen, an den verschiedenen Jahreszeiten und am Wechsel des Mondes. Der Geist der Menschen von den Azoren-Inseln, die vor 250 Jahren hier einwanderten, prägt die Insel immer noch. Ihre Fischerboote, ihre Spitzen-Klöpplerinnen, ihre Folklore, ihre typische Küche und ihre koloniale Architektur sind bis auf den heutigen Tag präsent und eine Bereicherung des Tourismus, der der Insel Einnahmen bringt, welche die fehlende Gross-Industrie kompensieren. Kleine antike Siedlungen wie Santo Antônio de Lisboa und Riberão da Ilha widerstehen erfolgreich dem Vorrücken der Moderne.
Die Dienstleistungs-, Unterhaltungs- und Freizeit-Struktur ist komplett und perfekt. Grosse Shopping-Center, Tanzlokale, Bars und Restaurants aller Stil- und Geschmacksrichtungen lassen keinen Wunsch offen – die lokale Gastronomie basiert auf Meeresfrüchten, aber die ganze internationale Küche ist in dieser Stadt vertreten – viel Spass beim Entdecken.
Alle Details über diese interessante und fast unbekannte Region Brasiliens finden Sie in unseren Berichten über die jeweiligen Bundesstaaten, die den Süden Brasiliens bilden. Hier können Sie sich einlesen in eine international-touristisch fast unbekannte Region, die es verdient, auch von ausländischen Gästen mehr besucht zu werden, denn letztlich hat sie sehr viel Natur, wunderschöne Strände und genau die Infrastruktur zu bieten, die Sie sich in ihrem Urlaub wünschen!