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Definition
Neben verbotenen Substanzen werden auf der Dopingliste auch verbotene Methoden beschrieben. Dazu gehören die Manipulation von Blut und von Blutbestandteilen, sowie die Anwendung von künstlichen Blutersatzstoffen wie z. B. Emulsionen aus Perfluorcarbonen. Sie sind allesamt verboten, weil sie die Sauerstoffversorgung des Körpers verbessern.
Die Verbesserung der Ausdauerleistung durch eine Zuführung von Fremdblut ist 1947 erstmals beschrieben worden. Damals sollte dank dieser Methode die Leistung von Piloten verbessert werden, welche in grosser Höhe unter Sauerstoffmangel litten. Im Sport hielt die Manipulation von Blut mittels Fremd- oder Eigenbluttransfusionen in den 1980er-Jahren Einzug und ist seit 1985 offiziell verboten.
EPO versus Blutdoping
In den 1990er-Jahren wurde die Methode Blutdoping von der Substanz Erythropoetin (EPO) verdrängt. Doping mittels EPO zeigt eine vergleichbare Wirkung wie Blutdoping, ist aber weniger aufwändig in der Anwendung und stellt ein geringeres Risiko für die Gesundheit dar. Weil künstliches EPO seit dem Jahr 2000 im Urin eindeutig nachweisbar ist, hat die Anwendung von Blutdoping eine wahre Renaissance erlebt. Denn, während Doping mit Fremdblut gut nachweisbar ist, gibt es noch keinen direkten Nachweis für Eigenblutdoping. Daher werden in gefährdeten (Ausdauer-)sportarten zunehmend langfristige Blutprofile (Athlete Biological Passport) erstellt, welche Hinweise auf Manipulationen des Blutes liefern können.
Hämatokrit
Im menschlichen Körper fliessen zwischen fünf bis sechs Liter Blut (70–80 ml/kg Körpergewicht). Blut besteht zu ca. 44% aus festen Bestandteilen und zu ca. 55% aus Plasma. Den Rest (ca. 1%) bilden Hormone, gelöste Gase, Nährstoffe (Zucker, Fette und Vitamine) und Stoffwechselprodukte (z. B. Harnstoff und Harnsäure). Erythrozyten bilden zusammen mit den weissen Blutkörperchen (Leukozyten) und den Blutplättchen (Thrombozyten) die festen Bestandteile des Blutes, wobei die Erythrozyten ca. 96% ausmachen. Der Volumenanteil der zellulären Elemente am Gesamtblutvolumen wird Hämatokrit genannt. Normalerweise weist das Blut bei Männern ca. 47% und bei Frauen ca. 42% feste Bestandteile auf.
Wirkung von Blutdoping
Für das Eigenblutdoping wird dem Athleten einige Wochen vor dem Wettkampf Blut abgenommen. Daraus werden die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) isoliert und kühl gelagert. Der Körper gleicht in der Zwischenzeit den Blutverlust aus, indem er neue Erythrozyten bildet. Kurz vor oder während dem Wettkampf wird das gelagerte Erythrozytenkonzentrat wieder ins Blut zurückgeführt (transfundiert). Dadurch erhöht sich die Zahl der roten Blutkörperchen, die den Sauerstoff transportieren. Die Sauerstoffversorgung der Muskulatur verbessert sich, die Ausdauerleistungsfähigkeit wird erhöht.
Bei Fremdblutdoping wird das Erythrozytenkonzentrat eines Spenders verwendet; die gleiche Methode also wie bei Bluttransfusionen für Patienten mit Blutarmut. Anstelle von herkömmlichen Bluttransfusionen können auch künstlich hergestellte Produkte verwendet werden. Diese Moleküle bewirken im Körper eine Erhöhung der Sauerstoffaufnahme, des Sauerstofftransports oder der Sauerstoffabgabe – je nach Molekültyp.
Gelagertes Eigen- oder Fremdblut wird vor oder während einem Wettkampf transfundiert.
Die Zahl der roten Blutkörperchen steigt an und die Muskeln werden besser mit Sauerstoff versorgt.
⬆ Sauerstoffversorgung
Nebenwirkungen und Folgen von Blutdoping
Tödliche Gefahr durch einen zu hohen Hämatokrit
Blutdoping und die Anwendung von künstlich hergestelltem (rekombinantem) EPO erhöhen die Anzahl roter Blutkörperchen. Wenn der Hämatokrit auf eine solch unnatürliche Weise oder auch natürlich (durch Dehydration = Wassermangel) in einen Bereich von 60% oder mehr steigt, bringt dies ernste gesundheitliche Gefahren mit sich. Die Fliesseigenschaften des Blutes verschlechtern sich deutlich, Thrombosen (Blutgerinnsel) und Embolien (Pfropf, der ein Blutgefäss verstopft) können vermehrt auftreten und im Extremfall zum Tod führen.
Russisches Roulette bei unsachgemässer Handhabung von Blutkonserven
Es sind mehrere Fälle dokumentiert, bei denen sich Sportler grossen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt haben, weil das Blut unsachgemäss abgenommen, gelagert, transportiert oder transfundiert wurde. Daraus kann eine lebensbedrohliche Blutvergiftung entstehen. Bei Fremdblutdoping sind weitere schwere Komplikationen möglich. Einerseits können fremde Krankheitserreger wie Hepatitis-Viren oder HIV übertragen werden. Andererseits kann es zu einer Fremdblutunverträglichkeit kommen, die sich in einem allergischen Schock äussert. Dieser Schockzustand kann zum Tod führen.
Betroffene Sportarten
Blutdoping verbessert die Ausdauerleistung und findet daher Anwendung in den klassischen Ausdauersportarten, insbesondere im Radsport und im Langlauf.
Direkter Nachweis von Doping mit Fremdblut
Doping mit Fremdblut ist inzwischen relativ einfach nachweisbar. Der erste und bekannteste Fall war der US-amerikanische Profi-Radrennfahrer Tyler Hamilton. Im Zuge seines umfassenden Geständnisses in der Affäre um Lance Armstrong gab er zu Protokoll, dass er eigentlich mit Eigenblut hätte dopen wollen, allerdings kam es nicht dazu, weil die Blutbeutel verschiedener Sportler vertauscht worden waren.
Indirekter Nachweis von Eigenblutdoping
Weil es noch kein direktes Nachweisverfahren für Eigenblutdoping gibt, werden die meisten Fälle von Eigenblutdoping durch polizeiliche Ermittlungen und Geständnisse aufgedeckt. Zudem werden in gefährdeten Sportarten zunehmend langfristige Blutprofile (Athlete Biological Passport) erstellt, welche Hinweise auf Manipulationen des Blutes liefern können.