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Hilfe für internierte Militärpersonen und zivile Flüchtlinge
Unter den 296'000 Ausländerinnen und Ausländern, die während des Zweiten Weltkriegs in der Schweiz aufgenommen wurden, bildeten die Militärinternierten die grösste Gruppe: Gestützt auf das Haager Übereinkommen von 1907 nahm die Eidgenossenschaft über 104'000 ausländische Militärpersonen auf. Darunter befanden sich auch entflohene Kriegsgefangene, Deserteure sowie Dienstverweigerer aus Gewissensgründen. Für die Aufnahme von Zivilpersonen war die Asylpolitik des Bundes massgebend, die 1939 verschärft wurde. Insgesamt fanden während des Zweiten Weltkriegs rund 60'000 zivile Flüchtlinge im engeren Sinn Zuflucht in der Schweiz. Nicht in dieser Zahl enthalten ist die Bevölkerung des grenznahen Auslands, die in unserem Land vorübergehend Schutz erhielt. Ebenfalls nicht berücksichtigt sind die Kinder aus den Nachbarländern, die im Rahmen der Kinderhilfe in der Schweiz betreut wurden.
Unterstützung für Menschen in Flüchtlingslagern
Nach dem Grenzübertritt in die Schweiz wurden die zivilen Flüchtlinge zunächst in Triage-, Quarantäne- und Aufnahmelagern untergebracht. Dort wurden sie registriert und anschliessend auf Lager und Gemeinschaftsunterkünfte verteilt, die 100 bis 200 Personen aufnehmen konnten. Arbeitsfähige Männer waren zu Arbeitseinsätzen verpflichtet. Ab 1942 wurden sie in Arbeitslagern platziert, während Frauen und ältere Menschen in Heimen einquartiert wurden. Ausländische Militärpersonen wurden ebenfalls in Lagern interniert und für gemeinnützige Arbeiten eingesetzt (Strassen- und Kanalbau, Waldarbeiten, Torfabbau, Erweiterung der landwirtschaftlichen Nutzfläche usw.).
Den zivilen Flüchtlingen und internierten Militärpersonen in den Lagern mangelte es an Kleidern, persönlichen Utensilien und Lebensmitteln. So machte es sich das SRK zur Aufgabe, sie mit dem Nötigsten zu versorgen. Es rief die Bevölkerung zu grosszügigen Spenden auf, liess in den Zeitungen Bekanntmachungen veröffentlichen, richtete Sammelstellen ein und sortierte die gespendeten Artikel und Kleider. Danach sandte es die Waren in die Lager, in denen zahlreiche Krankenpflegerinnen, Samariterinnen und Freiwillige des Roten Kreuzes im Einsatz standen.
1943: Spendenaktion für Internierte aus Italien
Eine erste nationale Spendensammlung für internierte Zivil- und Militärpersonen wurde 1940 durchgeführt. Kurz zuvor waren 29'000 französische Armeeangehörige und 12'000 polnische Soldaten in der Schweiz aufgenommen worden. Diese gehörten dem 45. französischen Armeekorps an, das bei der Invasion Frankreichs von der deutschen Wehrmacht geschlagen worden war. Neben diesen Militärpersonen fanden auch rund 2000 Zivilisten Aufnahme in der Schweiz. Im Herbst 1943, nach Mussolinis Sturz und der Besetzung Norditaliens durch deutsche Truppen, strömten 21'000 Italiener über die Grenze in die Schweiz. Für sie führte das SRK drei Jahre nach der ersten Spendensammlung eine zweite landesweite Aktion durch. Ende September lancierte es seinen Spendenaufruf:
«Dieser neue Aufruf richtet sich an die Grossherzigkeit des Schweizervolkes und im besonderen an seinen guten Geist der Solidarität. Das Schweizervolk möge, eingedenkt der Gnade, dass es bis jetzt vom Kriege verschont geblieben ist, auch jetzt wieder die Pflicht fühlen, den vom Elend des Krieges Heimgesuchten hilfreich beizustehen und ihnen von dem Vielen zu geben, was es entbehren kann.» (Jahresbericht 1943 des SRK, S. 77)
Die Arbeit der Sortierzentrale des SRK
Die regionalen Sektionen des SRK, die Samaritervereine und verschiedene Frauenorganisationen kümmerten sich unverzüglich um die Sammelaktionen. Die eingegangenen Spenden wurden sortiert, verpackt und an die Sortierzentrale (oder Materialzentrale) des SRK an der Bremgartenstrasse in Bern gesandt. Neben Kleidern und Schuhen, die den Grossteil der Sachspenden ausmachten, wurden auch Geschirr und Hygieneartikel (Zahnbürsten, Zahnpasta, Seife usw.) gespendet.
In der Sortierzentrale waren zahlreiche Freiwillige des Frauenhilfsdienstes im Einsatz. Bis Ende Dezember 1943 trafen dort fast 240 Tonnen Kleider und Schuhe ein. Mussten die Kleider erst noch ausgebessert werden, wurden sie an Frauenkomitees des Roten Kreuzes gesandt, welche die Flickarbeiten ausführten. Kleider, die in gutem Zustand waren, wurden direkt in die zivilen und militärischen Internierungslager weitergeleitet. Für das Anfertigen der Holzkisten, die für den Transport benötigt wurden, waren die Mitglieder der Rotkreuzkolonnen zuständig. Sie beluden und entluden auch die Fahrzeuge und führten die Fahrten zwischen der Sortierzentrale und dem Bahnhof aus.