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Zurück aus Rio: St. Gallen ist Pioneer in HIV-Monotherapie
Normalerweise wird eine HIV-Infektion mit mindestens drei Medikamenten behandelt. Am Internationalen AIDS Kongress in Rio hat unser Team unsere laufende Protease-Monotherapiestudie (ATARITMO) vorgestellt. Eine Pionierleistung, die Schule macht!
Unser St. Galler Team hat vor sich vor genau 4 Jahren die Frage gestellt, ob für eine wirksame Behandlung der HIV Infektion nicht auch ein einziges Medikament genügen würde, solange dieses hoch genug dosiert ist. Seit einigen Jahren werden Protease-Inhibitoren mit einem zweiten Medikament (Ritonavir) kombiniert, welches den Abbau des Protease-Hemmers in der Leber verzögert und somit einen hohen Wirkspiegel im Körper erlaubt.
Wir hatten zunächst in St. Gallen eine Pilot-Studie mit Indinavir durchgeführt (sog. "ritonavir-boosted indinavir") welche bei 12 Patienten die grundsätzliche Machbarkeit einer solchen "Maintenance"-Behandlung mit nur einem Protease-Hemmer zeigte (Kahlert et al, AIDS 2004). In der Folge haben wir mit Unterstützung der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie und gemeinsam mit den Genfer Kolelgen eine neuen Pilotstudie für 30 Patienten mit "ritonavir-boosted" Atazanavir geplant: ATARITMO (ATAzanavir/RITonavir MOno trial).
In Rio haben wir Interim-Resultate von ATARITMO vorgestellt. 28 Patienten sind bisher eingeschlossen und 24 haben bereits das Studienende (Woche 24) erreicht. Lediglich zwei Patienten hatten ein Therapieversagen. Allerdings handelte es sich im ersten Fall um eine Patienten, der früher ein Thereapieversagen unter einer Indinavir-Therapie hatte. Dies war den behandelnden Ärzten beim Einschluss in die Studie nicht bekannt. Die Viruslast stieg bereits nach 8 Wochen Therapie an. Der zweite Patient hatte nach Woche 20 aufgehört, seine Medikamente einzunehmen.
Ein wichtiger Aspekt dieser Studie waren die Untersuchungen der Viruslast im Liquor (Rückenmarksflüssigkeit) und im Sperma. Bei allen ausser zwei Fällen im Sperma (n=15) und Liquor (n=12) fanden sich am Ende der Studie (Woche 24) HIV-RNA Werte über 100 kop/ml in diesen Kompartimenten, obwohl die Viruskonzentration im Blut unter 50 kop./ml war. Die erhöhten Viruskonzentrationen im Liquor sind eine mögliche Gefahr für die langfristige Behandlung mit der Monotherapie.
Interessant sind nun unsere Langzeiterfahrungen mit diesem Therapiekonzept. In der nebenstehenden Grafik aus unserer Präsentation in Rio ist die Dauer unserer Therapieerfahrungen gezeigt: Grün die Behandlung mit konventioneller 3-er Kombination (HAART). Hellblau die Indinavir-Therapie und Gelb die Atazanavir-Behandlung. Einige Patienten sind nun schon dreieinhalb Jahre mit einer Protease-Monotherapie behandelt: eigentlich eine Pioniertat, wie das der Rapporteur Calvin Cohen in Rio bezeichnete, der die wichtigsten Klinischen Forschungsresultate zusammenfasste.
Gerade die Resultate der Untersuchungenn an Liquorproben haben gezeigt, dass eine Protease (PI)-Monotherapie nicht ausserhalb von klinischen Studien durchgeführt werden sollte. Patienten müssen sehr gut über die Risiken einer solchen experimentellen Therapie instruiert werden und müssen auch wissen, dass es sich dabei nicht um eine empfohlene Standardtherapie handelt. Doch an dieser Stelle möchten wir auch unseren Patienten ganz besonders danken, welche sich für die Teilnahme an dieser interesssanten Studie bereit erklärt haben und die damit mithelfen, die HIV-Therapie der Zukunft zu gestalten.
Denn etwas ist sicher: Weniger Medikamente heisst auch weniger Risiken für Langzeitnebenwirkungen und tieferer Preis. Beides sind wichtige Aspekte für die zukünftige Entwicklung von HIV-Therapiekonzepten.
Bitte konsultieren Sie auch die Präsentation als pdf-file.
Weitere Quellen:
Bericht in MEDSCAPE über ATARITMO-Präsentation
Hören Sie hier den Audio-Mitschnitt aus der Rapporteur-Sitzung von Cal Cohen über die ATARITMO-Studie.