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Haiti ist eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt und das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Die Wirtschaft des Landes ist schwach und das politische System sehr instabil. Die Bevölkerung leidet unter der allgegenwärtigen Gewalt und der Arbeitslosigkeit; Unter- und Mangelernährung sind weit verbreitet. Die Situation wird zudem durch regelmässige Umweltkatastrophen, vor allem Wirbelstürme und Überschwemmungen, verschärft, aber auch durch das verheerende Erdbeben vom Januar 2010 und dem Ausbruch der Cholera im Oktober 2010.
In Haiti leben 80 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Dreiviertel der Armen leben in ländlichen Gebieten. Die Existenzgrundlage von knapp 70 Prozent der Bevölkerung ist der landwirtschaftliche Sektor, welcher aber nur 27 Prozent des Bruttoinlandprodukts des Landes darstellt. Die nationale Produktion deckt nur gerade 50 Prozent der Nahrungsbedürfnisse ab, die andere Hälfte muss importiert werden. Die Ernährungssicherheit hat sich durch das Erdbeben und den Ausbruch der Cholera sowie zahlreiche Wirbelstürme (z.B. Isaac und Sandy im 2012) weiter verschlechtert. Die landwirtschaftliche Produktion ist nicht profitabel, was Investitionen in dieses Sektor verhindert. Als Folge steigen die Nahrungsmittelpreise und sowohl die UNO wie auch der haitianische Staat warnen vor einer schlimmen Nahrungsmittelkrise.
Haiti war einst von üppigen Wäldern bedeckt. Die Abholzung hat insbesondere in den letzten 50 Jahren stark zugenommen wodurch heute nur noch 2 Prozent der Fläche bewaldet sind. Die Abholzung der Wälder hat gravierende Folgen für die Umwelt. Bodenerosion, instabile Berghänge und Hangrutschungen sowie Murgänge und Überschwemmungen sind Folgen mit verheerenden Konsequenzen für die Landwirtschaft. Wiederaufforstung ist dringend notwendig, wobei die Probleme der ansässigen Bevölkerung beachtet und integrative Lösungsansätze verfolgt werden müssen. Die Bodenqualität verschlechtert sich zunehmend und oft sind die Bauern gezwungen, die letzten Bäume zu fällen und als Bauholz oder zur Kohleproduktion zu verkaufen.
Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, hat Caritas Schweiz beschlossen, in den Berggebieten von Petit Goâve ein Projekt zu implementieren. Petit Goâve ist regelmässig von Wirbelstürmen betroffen und auch das Erdbeben von 2010 hatte verheerende Auswirkungen. Das nächste städtische Zentrum Petit Goâve, wo die Bauern ihre landwirtschaftlichen Produkte zu einem guten Preis verkaufen könnten, ist nur durch eine sehr schlechte und sogar für Geländefahrzeuge fast unpassierbare Strasse erreichbar.