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Die Anfänge mit Ruedi Wehren
Am 5. Januar 1881 erschien die erste Zeitung im Saanenland, damals noch unter dem Titel «Anzeiger für Saanen und Obersimmenthal». Der Oberlehrer Rudolf Andreas Wehren-von Siebenthal, kurz «Ruedi» im Volksmund, gründete das Lokalblatt. Ruedi war als Lehrer schon in Lausanne, Mailand, England und Russland, doch bevorzugte er es schlussendlich in seine Heimat zurückzukehren. Als gesellschaftlich und politisch engagierter Mensch – er war Gründungsmitglied und Sekretär der Gemeinnützigen Gesellschaft von Saanen – wollte er eine Diskussionsplattform und ein Sprachrohr zur Verbesserung der Lebensumstände schaffen. Eines seiner Ziele mit der zu gründenden Zeitung war es, «einen werthvollen, belehrenden Theil bieten zu können». Der «Anzeiger» sollte aber nicht nur belehren, sondern auch das «Bindeglied zwischen den Bewohnern des Amtes wie auch zwischen diesen und den auswärts wohnenden Saanern» sein. Bis zu seinem Tod 1923 blieb Ruedi diesen Idealen und seinem Blatt verpflichtet.
Emil Müller: Verlag und Druck werden einheimisch
Anfangs wurde der «Anzeiger» in Château-d’Oex und später in Bulle gedruckt. Wegen finanzieller Probleme suchte Ruedi nach einer anderen Lösung. Schlussendlich wurden Druck und Verlag des «Anzeigers» an das Familienunternehmen Stämpfli in Thun übergeben. Die Zusammenarbeit war immer sehr gut. Nach Ruedis Tod gelang es Emil Müller, der seit 1916 eine Druckerei führte, den Druck zusammen mit dem Verlagsrecht ins Saanenland zu holen. Ab 1924 wurde der «Anzeiger» schliesslich in Gstaad gedruckt und verlegt, wobei er das «Obersimmenthal» aus dem Titel verlor. Anfangs traute sich Emil Müller den Posten des Redaktors nicht zu. Nur drei Jahre nach der Übernahme tat er dies jedoch und blieb bis zu seinem Tod 1953 Redaktor des «Anzeigers von Saanen». Unter Emil Müllers Führung florierte der Betrieb. Die Räumlichkeiten in Gstaad wurden schrittweise erweitert, sowohl für den Druck- wie für den Wohnbereich.
Seit Emil Müllers Übernahme des «Anzeigers von Saanen» ist die Leitung des Drucks und des Verlagsgeschäfts in der Familie geblieben. Sohn Martin Müller begann 1949, nach seiner Ausbildung zum Fürsprecher, im elterlichen Geschäft seine Tätigkeit. Viel zu schnell musste er die Leitung des Geschäfts übernehmen. Im Sommer 1953 verstarb Emil Müller nach nur zweiwöchiger Krankeit und nur drei Jahre darauf verlor Martin Müller auch seine Mutter. Eine grosse Stütze war ihm seine Sekretärin und spätere Frau, Elisabeth Müller-Baumberger, die noch heute im Verlag tätig ist. Nebst weiteren Umbauarbeiten im Betrieb war Martin Müllers Zeit vor allem durch technologische Fortschritte geprägt. Nebst den drucktechnischen Erneuerungen war vor allem die Einführung des ersten Computers Ende der Achtzigerjahre wegweisend. Der «Anzeiger von Saanen» lag Martin Müller immer besonders am Herzen und er vertrat dieselben Ideale wie Ruedi Wehren und sein Vater vor ihm. Mit Rücksicht und Neutralität sollte das Lokalblatt lokale Berichterstattung liefern und ein Bindeglied der Bevölkerung sein.
Auf dem Weg in ein neues Jahrtausend
Müllers haben Tinte wohl im Blut. Wie sonst lässt sich erklären, dass nach Emil Müller nun schon die dritte Generation das Druck- und Verlagsgeschäft führt. Gleich zwei Söhne Martin Müllers, Richard und Frank, stiegen in den Achtzigerjahren in den Familienbetrieb ein und übernahmen ihn 1991. Richard war vor allem im Druckbereich tätig, während sich Frank auf das Verlagsgeschäft ausrichtete. Internet, Digitaldruck und eine sich rasch bewegende Wirtschaft machten stete Innovationen notwendig. 2014 war ein Jahr solcher Innovationen. Der Betrieb wurde massgeblich umstrukturiert, wobei die Marketingagentur (Müller Marketing & Druck AG) und der Verlag (Müller Medien AG) nun eigene Betriebe und operativ unabhängig voneinander sind. Dies hat jedoch rein organisatorische Gründe und die enge Zusammenarbeit ist noch immer ein Pfeiler des Erfolgs. Im Bereich des «Anzeigers von Saanen» zeichnet sich die Innovation vor allem im neuen Internetauftritt und dem jederzeit abrufbaren ePaper aus.