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Warm und nass zeigte sich der Oktober, und entsprechend gab es vor allem im Hochgebirge immer wieder grössere Schneefälle. Insgesamt wurden sechs Lawinenbulletins herausgegeben und bereits ein grösserer Lawinenunfall verzeichnet, der zum Glück glimpflich ausging.
Der Oktober brachte der ganzen Schweiz reichlich Niederschlag und war gleichzeitig aussergewöhnlich warm - der fünftwärmste seit Messbeginn im Jahre 1864, und gleichzeitig der fünfte überdurchschnittlich warme Monat in Serie (Quelle: Klimabulletin MeteoSchweiz). Schnee und Lawinengefahr beschränkten sich damit weitgehend auf das Hochgebirge, wo Ende Monat bereits eine über grössere Flächen zusammenhängende Schneedecke lag. Unterhalb von 2500 m war es dagegen weitgehend aper.
Dieses Jahr wurden im Oktober in fünf Niederschlagsperioden insgesamt sechs Lawinenbulletins publiziert (Abbildung 1). Die Bulletins vom 19. und 21. betrafen dieselbe Niederschlagsperiode. Sonst wurde jeweils am Anfang der Niederschlagsperiode ein prognostisches Bulletin herausgegeben. Die folgenden Kapitel beschreiben diese fünf wichtigsten Niederschlagsperioden.
Der Oktober startete sonnig und im Norden ausgesprochen mild mit einer Nullgradgrenze auf 4000 m. Doch bereits am Dienstagnachmittag, 01. zogen aus Westen Schauer und Gewitter auf, gefolgt von zwei Kaltfronten und einem markanten Temperaturrückgang. Bis am Donnerstagmorgen, 03. fielen auf 2500 m am Alpennordhang und in Teilen Graubündens 20 bis 40 cm Schnee (Abbildungen 2 und 3), auf 2000 m noch bis zu 10 cm.
Nach einer kurzen Verschnaufpause brachten bereits am Freitag, 04. die Reste des Hurrikans Lorenzo stürmischen Westwind und im Norden etwas Niederschlag. Bis am Sonntagmorgen, 06. fielen in den Glarner Alpen auf 2500 m nochmals 40 cm Schnee, sonst deutlich weniger. Im Süden war es im Schutze der Alpen oft sonnig und schon fast sommerlich warm.
Von Sonntag 06. auf Montag, 07. wurden weitere Schneefälle erwartet. Zusammen mit dem Neuschnee der Vortage waren die Kriterien für ein situationsbezogenes Lawinenbulletin abermals erfüllt, und so wurde bereits das zweite Bulletin dieses noch jungen hydrologischen Jahres herausgegeben. Mit 20 bis 30 cm Neuschnee im Berner Oberland und sonst verbreitet 10 bis 20 cm oberhalb von rund 2500 m blieben die Schneefälle dann aber deutlich unter den Prognosen (Abbildung 4).
Nach zwei weitgehend trockenen Tagen fielen am Mittwoch und Donnerstag, 09./10. im Norden im Hochgebirge nochmals 10 bis 20 cm Schnee (Abbildung 5). Danach war es von Freitag 11. bis Sonntag 13. in der ganzen Schweiz sonnig und mit einer Nullgradgrenze auf etwa 4000 m wiederum ausgesprochen mild.
Ab Dienstagmorgen, 15. fielen im Süden immer intensivere Niederschläge. Im Norden wurde die Föhnlage im Verlaufe des Tages von einer Kaltfront beendet und es setzte ebenfalls Niederschlag ein. Die Schneefallgrenze sank von 2700 m auf 1800 m. Bis zum Niederschlagsende am Mittwochmorgen, 16. fielen am Alpenhauptkamm vom Mattmark Gebiet bis zum San Bernardino und südlich davon im Hochgebirge 50 bis 70 cm Schnee, in den Maggiatälern 90 cm. Weiter nach Norden nahmen die Neuschneemengen deutlich ab (Abbildungen 6 und 7).
Anschliessend war es am Mittwoch und Donnerstag, 16./17. recht sonnig, am Freitag, 18. bewölkt, aber in den Alpen weitgehend trocken.
Von Samstag, 19. bis Montag, 21. staute eine kräftige Südströmung sehr feuchte Luft an den Alpen. Bei einer Schneefallgrenze zwischen 2600 m und 3100 m fiel im Tessin sehr viel Regen, in den Maggiatälern teils mehr als 300 mm. Am Alpenhauptkamm vom Matterhorn bis zur Bernina fielen in dieser Zeit im Hochgebirge verbreitet 80 bis 140 cm Schnee, lokal vermutlich bis zu 200 cm (Abbildung 8 und Bildstrecke 2). Weil die automatischen IMIS-Schneestationen meist nur Regen erhielten, und sich bei so schlechtem Wetter auch kaum jemand im Hochgebirge aufhält, bleibt der genaue Neuschneezuwachs aber unbekannt. Weiter gegen Norden nahmen die Schneemengen deutlich ab.
In dieser Situation wurden zwei Lawinenbulletins herausgegeben. Massgebend waren nicht die hohen Lagen, sondern einzig das Hochgebirgs-Kriterium von mindestens 80 cm Neuschnee auf 3500 m – und das Mitte Oktober.
Nach einer kurzen Beruhigung mit teils sonnigem Wetter stellte sich bereits am Mittwoch, 23. die nächste Südföhnlage ein. Am Walliser Alpenhauptkamm und im nordwestlichen Tessin fielen bis Freitagmorgen 20 bis 30 cm Schnee, von Saas Fee bis zum Simplon Gebiet bis zu 50 cm (Abbildung 9). Auch wenn die Schneefallgrenze mit gut 2500 m abermals recht hoch lag, wurde trotzdem nochmals ein Lawinenbulletin herausgegeben. Grund dazu waren die am oberwalliser Alpenhauptkamm inzwischen winterlichen Bedingungen im Hochgebirge mit einer schon recht mächtigen, zusammenhängenden Schneedecke.
Am Freitag, 25. hellte es auf. Es folgte ein prächtiges Wochenende mit viel Sonnenschein, bei dem die Nullgradgrenze nochmals die 4000er Marke erreichte. Der Altweibersommer war nur von kurzer Dauer, und so war es vom Montag, 28. bis zum Monatsende trüb und regnerisch. Am Alpennordhang vom Berner Oberland ostwärts und in Nordbünden fielen im Hochgebirge 20 bis 40 cm Schnee, vom Titlis bis in die Glarner Alpen bis zu 50 cm. Erst ganz am Schluss sank die Schneefallgrenze im Nordosten auf etwa 2000 m.
Am Ende dieses nassen und aussergewöhnlich milden Oktobers lag im Hochgebirge bereits viel Schnee, am meisten am oberwalliser Alpenhauptkamm (Abbildung 10), im Gotthardgebiet und an der Bernina. Unterhalb von 2500 m dagegen war es praktisch überall aper.
Im Sommer und im Herbst publiziert das SLF nur bei grossen Schneefällen Lawinenbulletins. Im Oktober waren es deren sechs, und zwar am 01., 06., 14., 19., 21. und 23.
Über solche situationsbezogene Lawinenbulletins können Sie sich via Push-Alert oder SMS informieren lassen.
Am Samstag, 26. lösten Skitourenfahrer in der Nordflanke des Feejochs am Allalinhorn (Saas Fee, VS) an einem Nordhang auf etwa 3700 m eine grosse Schneebrettlawine aus. Von den insgesamt neun Beteiligten aus drei Gruppen wurden zwei in eine Gletscherspalte gespült und zwei weitere teilverschüttet. In einer grossangelegten Rettungsaktion konnten alle Personen gerettet werden, es kam niemand zu Schaden. Die Auslösung erfolgte in einer oberflächennahen Schicht (Abbildung 11), in der Folge riss die Lawine aber teilweise bis auf das Gletschereis durch.
Der Monatsbericht November erscheint am Montag, 02. Dezember auf Deutsch und tags darauf auf Französisch.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.