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Katastrophendrama
China 2010
Alternative Titel Tangshan dadizhen; 唐山大地震
Regie
Feng Xiaogang
Drehbuch Su Xiaowei nach dem Roman von Zhang Ling
Darsteller Xu Fan, Zhang Jingchu, Li Chen, Chen Dao Ming, Chen Jin, Zhang Guoqiang,
Zhang Zifeng, Zhang Jiajun, Wang Ziwen, Lü Zhong, Liu Lili, Yang Lixin
Länge 136 Min.
Molodezhnaja Altersempfehlung ab ab 12
|Humor||Spannung||Action||Gefühl||Anspruch||Erotik|
|.||.|
©
Text Marco, molodezhnaja 29.9.10
© Bilder Media Asia, Screenshots molodezhnaja
STORY
Am 28. Juli 1976 bebt im Nordost-chinesischen Tangshan die Erde. Die Stadt hält dem Beben der Stärke 7.4 nicht stand, Hunderttausende sterben in den Trümmern, so auch der Familienvater Da Qing (Zhang Guoqiang). Seine Frau Yuan Ni (Xu Fan) überlebt schwer verletzt, ihre kleinen Kinder, die Zwillinge Fang Deng und Fang Da, werden verschüttet. Es gelingt, Fang Da aus dem Geröll zu zerren, doch seine Schwester wird angeblich tot zurückgelassen. Die Kleine lebt aber! Während Fang Da mit der Mutter am Wiederaufbau der Stadt teilnimmt, wächst Fang Deng bei zwei Offizieren der Volksarmee (Chen Daoming, Chen Jin) auf. Als Erwachsene führen Fang Deng (Zhang Jingchu) und Fang Da (Li Chen) Mittelklasse-Leben mit allen Auf und Abs. Erst im Jahr 2008 kreuzen sich die Wege der beiden - in Wenchuan.
REVIEW
Dass Feng Xiaogang ein erfolgreicher Filmemacher ist, wissen nahezu alle, die sich mit dem chinesischen Kino befassen. Der Mann hat eine goldene Nase, wenn es darum geht, den Geschmack seiner Landsleute zu treffen. Sei es mit einem Andy-Lau-Hit wie World Without Thieves, einem Historienfilm wie The Banquet oder zuletzt einer simplen Romanze wie If You Are the One. Doch sein vieleicht grössten Film legte er 2007 mit Assembly vor, der trotz seiner Längen und bedenklichen Anbiederung bei der chinesischen Politik auch im Ausland für Furore sorgte. Gerade der strenge Regierungsgehorsam schien sich für Feng ausbezahlt zu haben, weshalb er bei seinem neusten Blockbuster "Aftershock" willig darauf zurück griff.
Als Denkmal für die Opfer des Erdbebens von Tangshan ist der Film nur halb erfolgreich, schon eher dient er in der Anfangsphase als Denkmal für die Chinesische Volksarmee. Und da ein Erdbeben alleine wohl nicht ausreichte, zog Feng auch gleich noch die jüngste Naturkatastrophe Chinas dazu - das Beben von Sichuan 2008. In einem einzigen Film sorgt er so für die Emotionen der jungen Leute, die Erinnerungen der älteren Zuschauer und den Wohlwollen der Führung in Peking. Nicht schlecht. Und die Rechnung ging auf: Der 30 Millionen Dollar teure Film spielte das Dreifache wieder ein - allein in China. Das macht ihn zum bislang erfolgreichsten Produktion des Landes. Ausserhalb der Volksrepublik fällt es etwas schwerer, das Mammutwerk zu bejubeln.
Es ist nicht alleine der Kniefall vor der Politik und die Weichspülung des historischen Kontexts, der befremdet. Auch jegliche Ausstaffierung wie das Ende der Kulturrevolution oder Maos Tod werden bewusst ausgelassen - ja keine heissen Eisen anfassen. Stattdessen setzt Feng vollumfänglich auf den Melodrama-Kick, sei es beim Beben am Anfang, sei es beim Sichuan-Beben am Ende. Vor allem die zweite Katastrophe scheint eine etwas schamlose Gefühlsmache mit einem noch immer schmerzlichen Desaster. Dahingehend wirkt "Aftershock" ein wenig wie das US-Liebesmelodrama "Remember Me", das Zwecks Gefühlssteigerung beim Publikum eine zeitgenössische Katastrophe ausschlachtete.
Das muss man anklagen, weil es so berechnend ist. Doch die Klammer aus Beben hier und Beben dort ist keineswegs das einzige tränenreiche Manko von "Aftershock". Auch alles dazwischen geht oft an Nieren und Nerven. Nieren, weil Feng ein talentierter Regisseur ist - er melkt das Maximum an Emotionen aus jeder Szene, drängt jede Empfindung zu maximalem Effekt. An die Nerven geht das, weil es einfach zu viel ist. Zu kalkuliert. Zu plump. Und vor allem zu langweilig. Hat man sich nämlich damit abgefunden, dass zwei Beben die Klammer bilden, würde man gerne die auch behandelt sehen. Doch das erste dauert etwa 5 Minuten am Anfang des Films. Das zweite kommt gegen Ende. Dazwischen gibts Seifenoper.
Auf gehobenem Niveau zwar, schliesslich ist Feng Xiaogang bei der Arbeit, aber dennoch nicht viel mehr wert. Das ganze Geheule, Gezeter und Getue lässt erstaunlich kalt, weil die Figuren nicht definiert werden - sie sind Tangshan-Überlebende, geplagt und gepeinigt von den Erinnerungen. Das alleine soll wohl ihre Charakterdefinition sein. Doch seien es die Familienprobleme oder andere Sorgen, nichts reisst wirklich mit, weil alles etwas zu fatalistisch wirkt. Und zu unwichtig, schliesslich wissen wir genau, worauf die Story, die auf dem gleichnamigen Roman von Zhang Ling basiert, hinauslaufen muss. Trotzdem verbringen wie über zwei Stunden mit öden Figuren in einer öden Story, bis wir endlich am Ziel angelangen.
Wenn das negativ klingt, dann ist das so gemeint: "Aftershock" ist ein unbefriedigender Koloss von Kommerzfilm. Schamlos, kalkulierend, ideenarm. Aber er bringt sein Budget immerhin eindrücklich auf die Leinwand - und das wird nicht wenige Zuschauer auch im Westen auf seine Seite holen. Das Wohlwollen gegenüber Assembly lässt grüssen. "Aftershock" ist sogar noch etwas schwächer im Inhalt, aber dafür protziger im Aufwand. An der Technik gibts kaum was zu nörgeln, auch die Schauspielern ernten zustimmendes Kopfnicken - von Regisseursgattin Xu Fan über Star-Aktrice Zhang Jingchu ("Rush Hour 3") bis zum Charaktermimen Chen Daoming (Hero).
"Aftershock" sieht auf jeden Fall nach etwas aus. Er klotzt und kleckert, danach gibt er sich angenehm intim. Als Filmfreund wird man daher regelrecht überwältigt und genötigt, zu staunen. Das gelingt an ein paar Stellen. Doch als Familienmelodrama lässt das überlange Werk erstaunlich kalt. Und als Katastrophenfilm bleibt es reduziert auf das die Anfangsphase, in der man nicht mitleidet, weil man die Figuren noch kaum kennt. Vergleicht man "Aftershock" mit To Live, der ebenfalls das Drama einer Familie vor historisch turbulenten Zeiten erzählt, dann erkennt man, wie wenig emotionale Kraft Feng Xiaogang generieren kann. Und wie viel besser, mutiger und bewegender Zhang Yimou sein Ziel erreichte.
MEINE DVD
Hongkong, Code 3, NTSC
Bild: Anamorphic Widescreen
Ton: Mandarin 5.1 und DTS sowie Kantonesisch 5.1 mit englischen und chinesischen Untertiteln.
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SCREENSHOTS
Screenshots der DVD mit TotalMedia Theatre 3, verkleinert und leicht geschärft mit CorelPaint
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