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Swissmill – Der Wurm im Turm
Warum braucht es überhaupt einen neuen Speicher in Zürich?
Vorher hatte die Swissmill einen riesigen Speicher in Basel, den sie der Novartis verkauft hat, die ihren Forschungscampus dort ausbaut. Die Swissmill hat also ihr Land in Basel vergoldet und verschiebt jetzt ihr Lagerproblem nach Zürich. Der 40 Meter hohe Speicher, den es schon gibt, soll aufs Dreifache erhöht werden. Mit 120 Metern wird dieser Turm das zweithöchste Haus von Zürich, der höchste Silo von Europa und vielleicht sogar der Welt.
Vis-à-vis, auf der anderen Seite der Limmat, liegt die Badi Unterer Letten. Erbaut 1909 als erstes „Wasser-, Luft- und Sonnenbad“ Zürichs, Repräsentant einer neuen Zeit, einer neuen Badekultur, der Körperkultur-Bewegung. Unten Wasser, in der Mitte das Sonnendeck und oben das Luftbad. „Mit seinem direkten Bezug zur Limmat und zur Topographie sprengte es den Rahmen der herkömmlichen Kastenbäder“. Seit 1986 gilt es als denkmalschutzwürdig.
Was ist jetzt das Problem mit diesem Silo?
Zuerst einmal der Schatten: Mit 120 Metern verstellt das fensterlose Lagerhaus die Aussicht für die Anwohner in Wipkingen und wirft einen riesigen Schatten. Vom Nachmittag ab 16.00 an, dann wenn die meisten Leute in der Badi sind, hat es in der Badi während 1 bis 1½ Stunden Schatten. Wenn das keine Beeinträchtigung der Badequalität ist! Immerhin steht im kantonalen Planungs- und Baugesetz, PBG §284 Abs. 4, zum Schattenwurf: „Die Nachbarschaft darf nicht wesentlich beeinträchtigt werden“. Leider bezieht sich das Gesetz nur auf Wohnungen und macht keine Aussage, inwiefern Parks, Erholungszonen und auch Badeanstalten beeinträchtigt werden dürfen. Da sie der Allgemeinheit offen stehen, sollte man aber annehmen, dass diese einen noch höheren Schutz geniessen als die Wohnzonen.
Das zweite Problem ist die Verletzung des Hochhausleitbilds. Der Betonklotz widerspricht sämtlichen Grundsätzen des Hochhausleitbilds, das notabene erst 2001 erstellt wurde, um die Stadt vor Hochhäusern am falschen Ort zu schützen. Der Swissmill Tower kommt in die als „besonders sensibel“ bezeichnete Gebietszone III zu liegen, wo maximal 40 Meter Bauhöhe zugelassen sind. Durch den Gestaltungsplan wird das kurzerhand ausgehebelt. Und dann steht im Hochhausleitbild auf der allerersten Seite noch – als Grundprinzip: „An den Übergängen zu Freihalte- und Erholungszonen dürfen keine Hochhäuser stehen.“ Und der Limmatraum ist ganz klar eine Erholungszone, für die ganze Stadt. Das von hochkarätigen ExpertInnen in jahrelanger Arbeit verfasste Hochhausleitbild wird mit einem leichtfertigen und unnötigen Federstreich zur wertlosen Makulatur degradiert und kann nun getrost in den Shredder geworfen werden.
Schliesslich gliedert sich der Getreidebehälter vom Format des Prime Towers auch städtebaulich schlecht ein. Uns liegt ein erstes provisorisches Fachgutachten vor, in dem der Neubau als „erratischer Monolith“ bezeichnet wird und als „Symbolträger für die Agrarwirtschaft“. Die VerfasserIn fragt, „ ... ob man dank diesem zweithöchsten Haus der Stadt mit dem Logo der Swissmill obendrauf die Stadt Zürich weltweit mit der Swissmill und der Agrarwirtschaft in Verbindung setzen will“. Zum Schluss des Kurzgutachtens wird festgestellt: „Sucht man europaweit nach noch funktionierenden Silos mit dieser Höhenentwicklung und Lage mitten in der Stadt, so bin ich mir ganz sicher, dass wir keine guten Beispiele und Referenzen finden.“
Was heisst diese massive Beeinträchtigung für Wipkingen?
In den letzten Jahren hat sich Wipkingen immern mehr zu einem beliebten Quartier entwickelt. Es ist eines der Quartiere mit dem höchsten Wertzuwachs, frankenmässig und imagemässig. Einziger Makel sind die knappen Grünflächen. Wipkingen ist eines der mit Grünflächen am schlechtesten versorgten Quartiere.
Wenn Sie die Wipkingerinnen und Wipkinger fragen, was sie am meisten schätzen, dann nimmt die Badi einen Spitzenrang ein. Sie ist eine der wenigen öffentlich zugänglichen Grünflächen im Quartier und weit über Wipkingen hinaus bei Flussfans und Wasserratten äusserst populär. Die Badi ist die Perle des Quartiers und die wohl schönste Flussbadi Zürichs.
Für Wipkingen, Aussersihl und Teile von Unterstrass ist die Limmat, was der See für die Leute im Seefeld, in der Enge und in Wollishofen ist. Dort würde auch kein Hochhaus genehmigt. Selbst ein vergleichsweise dezentes Gebäude wie das Kongresshaus scheiterte. Leute, die das Quartier nicht kennen, sollen sich bitte Ihre Lieblingsbadi oder ihren Lieblingspark vorstellen und dann ein Hochhaus mit Schattenwurf, das direkt daneben gebaut werden soll.
Viele Leute meinen, das sei ein lokales Problem und Wipkingen müsse diese Kröte schlucken – aus übergeordnetem Interesse. Gerade Wipkingen hat aber schon einiges geschluckt. Wipkingen ist ein leidgeprüftes Quartier. Die Rosengartenstrasse ist legendär. Sie hat unser Quartier kaputt gemacht. Und während in Wiedikon die Westtangente beruhigt wird, wird die gleiche Westtangente in Wipkingen weiterhin existieren. Auch die Drogenszene am Letten war zu einem grossen Teil in unserem Quartier. Viele haben trotzdem ausgeharrt, unter anderem wegen der Badi Letten.
Muss Wipkingen diese Kröte – ich würde lieber von einem Mehlwurm sprechen – wirklich schlucken? Was ist denn das „höheren Interesse“? Wo liegt ist der Gewinn?
Es heisst, beim Wunsch der Swissmill nach mehr Lagerraum im Herzen von Zürich gehe es um Arbeitsplätze. Das stimmt aber nicht, aus drei Gründen: Erstens wird kein einziger Arbeitsplatz neu geschaffen (Originalton Swissmill-Chef Sciaranetti). Zweitens hat die Swissmill in den vergangenen Jahren nur Arbeitsplätze abgebaut (bei steigenden Umsätzen). Und drittens würden auch bei einem Nein zum Lager-Hochhaus keine Arbeitsplätze bedroht.
Die Angst, Swissmill würde Zürich bei einem Nein zu diesem Vorschlag für ein Lager-Hochhaus verlassen, ist völlig unbegründet. Das behauptet nicht einmal die Swissmill. Die Swissmill hat an diesem Standort zwischen 100 und 200 Mio. Franken investiert, die sie nicht einfach aufgeben werden.
Was wird die Swissmill bei einem Nein machen? Sie wird die zweitbeste Lösung aus der Schublade holen. Sie wird einsehen, dass sie zu hoch gepokert hat und die Variante B auf den Tisch legen.
Ein weiteres Argument für das Getreidelager lautet, dass es um den Erhalt der Industrie in Zürich gehe. Nachdem in den letzten 30 Jahren kaum jemand Tränen vergossen hat wegen der abziehenden Industrie und kaum jemand irgendetwas für den Erhalt der Industrie unternommen hat, will man nun ausgerechnet am dafür ungeeignetsten Ort ein überdimensioniertes Lagerhaus bauen, das keinen einzigen Arbeitsplatz schafft und absolut überflüssig ist für den Erhalt des Industriestandorts. Ich nenne das falsch verstandene Industrieromantik. Ein falsches Zeichen am falschen Ort. Mit einem Faustschlag ins Gesicht der Stadt soll das erhalten werden, was einige nostalgische Büromenschen für ‚die Industrie’ halten.
Noch irrationaler wird der Kampf für das Mehllager schliesslich mit dem Hinweis, so werde die Gentrification im Kreis 5 verhindert. Von den gleichen Leuten, die der Schickimicki-Meile in den Viaduktbögen ebenso zujubeln wie den endlosen Aufwertungsmassnahmen wird nun verlangt, die Gentrification mit schattenspendenden Betonkklötzen zu verhindern. Mit der gleichen Logik muss man auch für mehr Verkehr, mehr Dreck, mehr Lärm im Quartier sein, auf dass sich die Lebensqualität verschlechtere.
Züri West ist längst kein Industrieviertel mehr. Wer das noch nicht gemerkt hat, versteht diese Stadt und ihre Entwicklung nicht. Und nur nebenbei: Wir reden von 75 Arbeitsplätzen, inklusive Ingenieuren und Buchhaltern, im Vergleich zu über 30'000 nicht-industriellen Arbeitsplätzen im Quartier.
Alternativen sind nie seriös geprüft worden. Andere Lösungen wurden nie vorgeschlagen und diskutiert. Die Swissmill setzte stur auf die von ihr entworfene Maximalvariante und rückte keinen Millimeter davon ab. Swissmill erhält mit diesem Gestaltungsplan alles, was sie wollten. Das Quartier nichts, nur den Schaden. Und auch für die Stadt Zürich ist kaum ein Gewinn auszumachen.
Es ist nicht einmal sicher, ob es überhaupt ein weiteres Lager braucht. Mangels einer Gegenexpertise wissen wir nicht, ob die Swissmill nicht genau wie heute weiter operieren könnte. Schliesslich brüstet sich die Swissmill gerne mit ihrer Logistik und argumentieren selbst mit Just-In-Time Produktion, die auch mit kleineren Lagern oder Lagern an anderen Orten bestens funktioniert.
Insgesamt geht es um eine Güterabwägung bzw. eigentlich eine Interessenabwägung. Auf der einen Seite das Interesse eines privaten Unternehmens, das noch ein paar Prozent mehr aus seinem Standort herausholen will und sich weigert eine zweitbeste Lösung auf den Tisch zu legen. Auf der anderen Seite die Lebensqualität der Stadtbewohner, die einschneidend und dauerhaft verschlechtert wird.
Mit dem Swissmill Tower führen wir – vielleicht erstmalig in Zürich – eine eigentliche Abwertungsmassnahme durch. Durch den Turm wird die Wohnlage Wipkingen unnötig und leichtfertig entwertet. Das ist keine nachhaltige Stadtentwicklung, weil die ökonomische Perspektive einseitig im Vordergrund steht und die soziale Nachhaltigkeit nicht in Erwägung gezogen wurde.
Eine nachhaltige Betrachtungsweise würde eine wirtschaftliche Gesamtanalyse beinhalten. Dann sieht das Ergebnis ganz anders aus:
Was sind die Gewinne?
Arbeitsplätze: Kein Arbeitsplatz wird geschaffen.
Erhalt der Industrie: Sie ist gar nicht bedroht, sie kann sowieso bleiben.
Verhinderung der Gentrification: Sicher nicht durch die mutwillige Verschlechterung der Lebensbedingungen.
Als einziger Gewinn bleibt allenfalls ein Eintrag im Guinness Buch der Rekorde: Das höchste Getreidelager Europas oder der Welt steht weder in der Ukraine noch in Oklahoma, sondern in Zürich, mitten in der Stadt, mitten im Wohnquartier!
Was sind die Verluste?
Hochattraktive Park- und Aussenräume werden entwertet. Mit einem massiven zusätzlichen Kollateralschaden. Indem unser wertvollstes Kapital, der Fluss, die Aussicht, die Naherholung gedankenlos verbaut wird, werden auch hochattraktive Wohnlagen entwertet. Das wird sich letztlich auch auf die Steuereinnahmen auswirken.
Ich nenne das eine fahrlässige Politik und einen kurzsichtigen Umgang mit dem wichtigsten Standortfaktor Zürichs, seiner Lebensqualität. Gemäss einer neuen Nationalfonds Studie der EPFL Lausanne ist für Familien (in der Schweiz) der Grünraum das wichtigste Kriterium der Standortwahl.
Bilanz
Mit dem Bau des Swissmill Towers wird in Zürich an der Limmat Lebensqualität ohne Not geopfert. Und das für ein Projekt mit fragwürdiger Dringlichkeit und noch fragwürdigerem Nutzen. Mit der Ausnahmebewilligung zum Bau des Betonklotzes am Fluss macht Zürich der Swissmill einen Gefallen, ja ein Geschenk. Ein Geschenk, das sie gar nicht brauchen! Immerhin lebt die Swissmill in der Zwischenzeit auch mit weniger Speicher ganz gut.
Eine aus Sicht der Swissmill zweitbeste Lösung wäre für das Quartier die beste und bestimmt genauso praktikabel.
Man ist der Swissmill viel zu weit entgegengekommen, hat das Projekt viel zu unkritisch betrachtet und steht nun vor einem wirklich schlechten Ergebnis.
Darum das Fazit: Im Turm steckt der Wurm.
Richard Wolff, Gemeinderat AL, Sept. 2010Diesen Artikel auf Facebook posten
Kommentare
Habe gerade deinen eloquenten Text mit vieln guten und nachvollziehbaren Argumenten gelesen.Ich habe dennoch einige Fragen und hoffe, wir werden an der nächsten VV darüber diskutieren können.
1. Wie gross ist denn der Schattenwurf? Ich suche mir mir z.B. immer nur Badis und Strände aus, wo es viel Schatten hat. Also der Schatten an sich wäre für mich kein Argument. Aussser er legt die ganze Badi und Umgebung stundenlang in den Schatten. So habe ich z.B. în dieser Beziehung keine guten Erinnerungen an ein Häuschen im Schattigberg im Maderanertal. Der Name passte. Vom Spätherbst bis in den Frühling nur Schatten. Im Sommer nur wenige Stunden Sonne.....
2. Das mit dem Leitbild leuchtet mir sehr gut ein. Wobei ich nicht massgebend bin, denn wenn es nach mir ginge, könnte man in Zürich grad ganz auf Hochhäuser verzichten. Ich finde jetzt diesen Turm an dieser Lage prima vista sogar weniger schlimm als all die schon gebauten und geplanten Hochhäuser in den richtigen Zonen. Aber vielleicht lasse ich mich auch von den schönen Bildli blenden. Es sieht ja immer in natura ganz anders aus. Und das mit den Leitbildern und den Prinzipien ist ja ein zweischneidiges Schwert. Manchmal ist ein Leitbild gut, manchmal schlecht, manchmal nicht mehr zeitgemäss. Ein Projekt ausserhalb kann gut oder schlecht sein. Unabhängig davon, ob es in ein einmal bestimmtes Leitbild passt. Der demokratische Weg ist natürlich, sich an das Leitbild zu halten oder es sonst zuerst zu ändern. Das ist mir klar. Aber sonst argumentieren wir ja auch nicht immer so gesetzes - oder leitbildtreu. Nur dann, wenn es uns passt. Die deutschten Politiker argumentieren z.B. zum Thema Bahnhof Stuttgart, jetzt sei der Widerstand einfach zu spät. Es habe eine jahrelange demokratische Willensbildung stattgefunden. Man könne doch jetzt nicht alles über den Haufen schmeissen. Gegen dieses Argument kannst du ja eigentlich auch nichts sagen, dennoch ist es nicht unbedingt richtig.
3. Ich finde es widersprüchlich, dass sonst z.B. bei der Diskussion zur Entwicklung im Limmattal (z.B. Silbern) oder Sihlfeld auch fortschrittliche Fachleute für die Verdichtung sind. Ganze Quartiere, wo viele Menschen in günstigen und kleinen Wohnungen wohnen, dafür rund herum (oder im Innenhof) viel Grün und Bäume sind, (das Sihlfeldquartier zudem für mich irgendwie ein Ensemble bildet mit seinen Strassenzügen und Fassaden, ich stehe immer wieder fast andächtig an der Ecke Erismannstrasse/Stauffacherstrasse oder am Bullingerplatz) sollen verdichtet werden. Die neuen 2000Watt-kompatiblen Minergie-Häuser sehen alle gleich aus, meiner Meinung nach werden so die ganzen Quartiere austauschbar und gesichtslos. Das muss aber anscheinend sein, damit wir alle Platz finden. Besser Verstädterung als Zersiedelung und so. In Wipkingen soll aber kein Turm die Aussicht und die Natur verschandeln. Also ich hätte eigentlich in Albisrieden oder Dietikon lieber einen Turm, dafür würde nicht alles so verdichtet. Sind wir jetzt beide St. Florians-VertreterInnen?
1. Ausmass und Bedeutung des Schattenwurfs
Nach 16 oder 17 Uhr nachmittags/abends sind die Badenden an den allermeisten Tagen froh um Wärme. Man kann es beobachten: Die Kinder liegen nach dem langen Plantschen im Wasser des Schwimmbeckens (und Kinderbads) neben den Beckenrand an die pralle Sonne, um sich aufzuwärmen. Unten im Flussbad genau das Gleiche: Die Limmat ist oft zwischen 18 und 20 Grad warm. Wenn man aus dem Fluss kommt, gehen die allermeisten Leute an die Sonne. Gerade am Abend, wenn es am meisten Besucher hat, sind die Sonnenplätze am meisten gesucht und belegt.
Wenn der 120 Meter hohe Turm steht, liegt jeder Ort der Badi zwischen 16 Uhr und Sonnenuntergang rund anderthalb Stunden im Schatten. Viele werden mit ihrem Tüchlein dann immer dorthin ziehen, wo die Sonne gerade scheint. Der ohnehin knappe Raum im Unteren Letten wird noch enger. Von Ruhe und Erholung keine Rede.
2. Bedeutung des Hochhausleitbilds
Das Hochhaus-Leitbild ist ein Bestandteil der BZO (Bau- und Zonenordnung der Stadt Zürich) und die ist rechtlich verbindlich. Der Gestaltungsplan ‚ersetzt’ die BZO für ein bestimmtes Areal und kann das Hochhausleitbild aushebeln. Der Gestaltungsplan soll es erlauben, flexibel auf spezielle Probleme oder Chancen einzugehen. Das Problem ist – Pierino Cerliani hat das in seinem letzten Gemeinderatsvotum am 15.9.10 treffend geschildert -, dass der Gestaltungsplan immer mehr benutzt wird, um auf – noch so spezielle - Wünsche der Bauherren einzugehen, ohne die Bedürfnisse und Wünsche der Öffentlichkeit genügend zu berücksichtigen. Swissmill ist ein super Beispiel dafür. Vereinfacht gesagt kommt Swissmill und will etwas. Die Verwaltung stimmt dem ohne grosse Auuflagen zu. Die Öffentlichkeit – speziell auch das direkt betroffene Quartier – erhält nichts. In der Kolonialgeschichte nannte man so etwas ‚ungleiche Verträge’. Der Hochhausplan ist in diesem Fall nur die - juristisch gesehen – einklagbare Verletzung. Manuelas Einwand, dass das Hochhausleitbild auch nicht unbedingt richtig ist, stimmt sicher, steht hier aber nicht zur Diskussion.
3. Zur Frage der Dichte / Verdichtung
Die Frage der Verdichtung muss von Fall zu Fall, abhängig vom Areal, dem Quartier und der Umgebung entschieden werden. Dichte ist nicht einfach gut oder schlecht. Darum gibt es heute in der Schweiz auch diese ‚Glaubenskriege’ um die Verdichtung. Es ist eine Frage von Aushandlungsprozessen, die mit allen Beteiligten und Betroffenen demokratisch geführt werden müssen. Gerade das war aber bei der Swissmill nicht der Fall. Es fand nie eine Diskussion statt. Die unmittelbaren Nachbarn wurden nicht einmal informiert. Es kann nicht sein, dass ein grosses Unternehmen zur Stadt geht und sagt, wir brauchen ein Hochhaus, es gibt nur eine Möglichkeit, und fertig.
Nicht nur fand keine Diskussion statt über die Wünschbarkeit des Silos, es besteht nicht einmal Klarheit über die Notwendigkeit dieses Silos. Es ist völlig unklar, ob es a) überhaupt einen Silos braucht, ob es ihn b) genau an diesem Ort braucht, und ob es ihn c) in dieser Form braucht.
Zu a) ist zu sagen: Swissmill funktioniert heute ohne diesen Silo sehr gut. Ein ganz grosser Teil Silokapazität wurde bereits in Basel ersetzt, ein Teil wird woanders eingelagert und ein Rest kann durch bessere Organisation (Just-in-time) kompensiert werden. Zu b): Korn kann auch aus anderen Speichern mit dem Zug nach Zürich gefahren werden. Zu c): Es wurden nie Alternativen auf den gleichen Planungsstand gebracht mit weniger hohen Speichern auf dem Areal der Swissmill in Zürich. Insbesondere gibt es noch einen grossen, heute als Parkplatz genutzten Platz auf dem Swissmill Areal, den man nutzen könnte.
Es geht also nicht darum, den Silo unkritisch, gewissermassen fatalistisch als ‚gottgegebenen’ Sachzwang zu akzeptieren und ihn herumzuschieben. Das wäre St. Florians-Politik. Der (vermeintliche) Sachzwang wurde in dieser Form von Swissmill kreiiert und zugespitzt.
Es geht darum, eine bessere Lösung zu finden, ohne unnötigerweise Nachteile für irgendjemanden zu schaffen.