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Als am 4. April 1968 der US-Bürgerrechtler und Baptistenpfarrer Martin Luther King Jr. ermordet wurde, war der damalige Teenie-Popstar Stevie Wonder auf dem Nachhauseweg von einem Konzert in Detroit. Nach der Meldung von Kings Tod schaltete sein Fahrer das Autoradio aus und Stevie Wonder begann zu weinen.
Ein Jahrzehnt später schrieb Stevie Wonder den Song «Happy Birthday». Ein Lied zu Ehren von Martin Luther King Jr. und dessen Kampf für die Gleichberechtigung. Der Song landete auf dem Album «Hotter than July» (1980) und wurde schnell zum Publikumsliebling. Mehr noch: Die treibende Hymne schlich sich klammheimlich auf fast jede Geburtstagsfeier dieser Welt.
So vielschichtig wie eine Geburtstagstorte
Aus der Ferne betrachtet ist Stevie Wonders «Happy Birthday» erstmal ein einziger Haufen Zuckerguss mit ganz vielen funkelnden Kerzen drauf. Dieses bunte, tanzbare Synthpop-Dings mit dem superfunky Basslauf.
Bei diesem Titel kann man fast schon mitsingen, bevor man den Song überhaupt gehört hat. Erstens, weil die ganze Welt die Worte «Happy Birthday» kennt. Und zweitens, weil der Bäckermeister niemand Geringeres ist als Stevie Wonder.
Soundtrack zur sozialpolitischen Kampagne
Wenn man sich die Torte aus der Nähe betrachtet, merkt man, dass da auch noch eine Quarkfüllung drinsteckt, die als politisches Schmiermittel funktionierte. Nach Martin Luther Kings Tod weibelte Stevie Wonder über Jahre an vordester Front für die Einführung eines nationalen Feiertags zu Ehren Kings. Nach Kings Tod dauerte es 15 Jahre, bis die Idee des landesweiten Feiertags 1983 von Ronald Reagan und vom US-Kongress durchgewunken wurde.
Nebst seinen aktivistischen Bestrebungen war es Wonders «Happy Birthday»-Song, der genug politischen Druck aufzubauen vermochte. Seit 1986 feiern die USA jeweils am dritten Montag des Januars den Martin Luther King-Tag.
Die Werte, die da mitschwingen
Gelangt man dann zum Fundament dieser Geburtstagstorte in Songform, stösst man auf starke Werte. Der Song vermittelt seine Kernbotschaft in tieferen Schichten als in seinem feierlichen Refrain. Zu Beginn lesen sich die Lyrics wie ein motivierender Kampagnentext:
«I just never understood
How a man who died for good
Could not have a day that would
Be set aside for his recognition»
(«Ich habe nie verstanden, warum man nicht zur Anerkennung einen Tag reserviert für einen Mann, der für das Gute starb»).
Später im Text wird Stevie Wonder deutlicher und singt: «Thanks to Martin Luther King». Der Song endet in der hoffnungsvollen Vision, dass sich alle Menschen vereinigen. Wie dies geht, zeigte ein Martin Luther King-Tribute 1986. Eine zweistündige TV-Sendung, die Musikerinnen und Musiker von Stevie Wonder über Whitney Houston und Diana Ross bis Bob Dylan und viele mehr auf einer Bühne vereinte.