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|Abt Pius Reher (1630-1654)

Abt Pius Reher
Pius Reher, 1630-1654. *1597 (Simon) in bescheidenen Verhältnissen als Sohn des Martin Reher und der Anna Lang in Blönried bei Weingarten (Württemberg). Profeß am 10.8.1614. Sein Studium führte ihn nach Ingolstadt und 1621 nach Dillingen, wo er den Magistertitel erhielt. Subdiakon am 19.12.1620; Diakon am 10.4.1621; Priester am 24.9.1622. Zunächst war er als Subprior, als Fraterinstruktor und schließlich auch als Novizenmeister tätig. Abtwahl am 15.4.1630 in Anwesenheit des Nuntius. Konfirmation durch Papst Urban VIII. am 16.12.1630. Nuntius Ranuccio Scotti erteilte ihm am 4.5.1631 die Benediktion in Einsiedeln. In den unruhigen Jahren des Dreißigjährigen Krieges kam es infolge der militärischen Vorgänge im benachbarten Grenzgebiet verschiedentlich zu Spannungen in den fürstäbtlichen Landen. Im April 1635 erlaubte er Herzog Henri de Rohan den Durchmarsch durch sein Territorium. Im gleichen Jahr passierten auch die Kaiserlichen durch das Abteigebiet. 1635 schloß er mit Philipp IV. von Spanien ein Militärbündnis. 1650-1654 regelte er mit der Stadt Wil in verschiedenen Verträgen Zehntfragen und weitere Probleme. In feierlichen Translationen wurden 1652-1654 die Leiber der Katakombenheiligen Antonin, Theodor, Leander, Marin ins St. Galler Stiftsgebiet überführt. Für die Anschaffungen der Bibliothek bestimmte Abt Pius zusätzlich die Einkünfte der Pfarreien Goldach und Grub. Das von seinem Vorgänger errichtete Gymnasium zu Rorschach erweiterte er wesentlich durch Einführung von Kursen in Philosophie und Theologie. Die seit 1635 in St. Johann bestehende Klosterdruckerei ließ er nach St. Gallen translozieren. Abt Pius starb am 9.12. 1654. Seinem Nachfolger hinterließ er einen beträchtlichen Schuldenberg. Im Zusammenhang mit seiner Reformtätigkeit ist die Ernennung zum Protektor der Klöster Salem und Kempten durch Papst Urban VIII. zu nennen. Obwohl sein religiöser Eifer und seine Reformgesinnung über jeden Verdacht stehen und er als einer der bedeutenden barocken Reformäbte St. Gallens angesehen werden muß, pflegte er doch gute Kontakte zum Stadt-St.Galler Arzt und Bürgermeister Sebastian Schobinger. In den Verträgen mit den Wilern, Stadt-St.-Gallern und Appenzellern konnte er die Rechte der Abtei festigen.
(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)