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Schulen in North Kansas City, Missouri, holen zweimal wöchentlich bei Sams Club gefrorene Pizzen und Hot Dogs, um ihre Schüler zu verpflegen. In Kansas fehlte in einem ganzen Schulbezirk während zwei Tagen frisches Gemüse. In St. Paul, Minnesota, lagern Schulen tiefgefrorene Grillkäse-Sandwiches ein, um bei ausbleibenden Essenslieferungen darauf zurückgreifen zu können. Das berichtet die «New York Times».
Praktisch in allen US-Bundesstaaten fehlen den Schulen Grundprodukte wie Hühnchen, Brot, Apfelsaft oder Plastikbesteck, weil die Lieferketten nicht funktionieren und nicht genügend Lastwagen-Fahrer zur Verfügung stehen. Das ist umso bedenklicher, als viele Schülerinnen auf das Essen in der Schule angewiesen sind. Für etliche ist es sogar die einzige warme Mahlzeit am Tag. Offizielle befürchten, dass sich das Problem mit den Lieferketten in den kommenden Monaten noch verschlimmern wird.
Reportage der «Chicago Tribune»
Eine Foto- und Textreportage der «Chicago Tribune» zeigte Anfang September die Misere in den Schulen auf:
«In diesem Schuljahr verpflichtet die Bundesregierung öffentliche Schulen wie den Distrikt 15 [in Illinois], allen Schülern unabhängig vom Haushaltseinkommen kostenlose Mahlzeiten anzubieten, um sicherzustellen, dass die Kinder in einer Zeit, in der die COVID-19-Pandemie viele Familien durch Ernährungsunsicherheit, Arbeitslosigkeit und den Tod geliebter Menschen hart trifft, nahrhafte Mahlzeiten erhalten.
In einigen Bezirken ist die Nachfrage nach kostenlosen Mahlzeiten bereits um 50 Prozent gegenüber der Zeit vor der Pandemie angestiegen. Die Schulbezirke bekommen die Kosten für die Mahlzeiten erstattet, aber das Bundesmandat kollidiert mit landesweiten Engpässen bei der Lebensmittelversorgung und einem Mangel an Lieferfahrern, so dass sich die Bezirke fragen müssen: Wie kann man die Schüler mit einer voraussichtlich rekordverdächtigen Anzahl von Mahlzeiten versorgen, wenn das Angebot an Lebensmitteln und Arbeitskräften schrumpft?» … «Die «Back to School 2021»-Umfrage der School Nutrition Association SNA unter den Leitern von Schulspeisungsprogrammen im ganzen Land ergab, dass 97 Prozent der Befragten über die dauernden Unterbrechungen der Lieferkette besorgt sind, wobei 65 Prozent dies als ernsthaftes Problem bezeichnen, so Diane Pratt-Heavner, Sprecherin der SNA. Zu den häufigen Problemen an Schulen in den USA gehören Menübestandteile, die beim Hersteller nicht mehr in ausreichenden Mengen verfügbar sind, so Pratt-Heavner.»
Richtlinien über die Qualität des Essens suspendiert
Die prekäre Lage hat viel mit der Pandemie zu tun. Der Arbeitskräftemangel hat Lebensmittelhersteller und Lieferanten in Bedrängnis gebracht, weil sie über zu wenige Fahrer, Fliessband- oder Magazinmitarbeiterinnen verfügen können. Als in Missouri die Mahlzeiten für 21’500 Schülerinnen ausblieben, nachdem gleich drei Lieferanten ihre Lieferungen einstellen mussten, wichen die Verantwortlichen auf Sams Club aus. Dieser Warenhauskonzern gehört als Tochterunternehmen zur Walmart-Gruppe und erzielte Im Geschäftsjahr 2020/2021 einen Umsatz von 64 Milliarden Dollar. Sams Club brüstet sich mit dem Spruch «How Sam’s Club is Helping Us Solve Hunger».
Allerdings genügt das Fastfood nicht den bundesweiten Ernährungsstandards – zu viel Fett, zu viel Salz. Weil es vielen anderen Schulen gleich geht, lockerte das für Schulmahlzeiten zuständige Landwirtschaftsdepartement seine Ernährungsrichtlinien. Seit Mitte September werden zudem Schulen nicht mehr gebüsst, wenn sie Essen anbieten, das den Richtlinien nicht genügt.
Laut dem Schulernährungs-Verband haben 97 Prozent der untersuchten Schulen Probleme mit Lieferketten. Und wenn Lieferungen ankommen, entsprechen sie oft nicht dem, was die Schulen bestellt haben. Alle diese Probleme haben die Preise stark ansteigen lassen. Oft wissen die Schulbehörden gar nicht, wie viel eine Lieferung kostet, bis der LKW entladen ist. Das macht die Abrechnung mit dem Landwirtschaftsdepartement, das für die Finanzierung von Schulmahlzeiten zuständig ist, extrem kompliziert. Etliche Schulen haben einen Aufruf an die Eltern gestartet, Kindern Essen mit in die Schule zu geben.
Weil auch Wegwerfgeschirr und -besteck Mangelware sind, haben viele Schulen auf Fingerfood umgestellt. Anstelle von Salaten oder Apfelmus werden nun Karottenstäbchen und Apfelschnitze angeboten. Statt Spaghetti mit Fleischbällchen gibt’s Chicken Nuggets. Der Zuständige für Nahrungs- und Kinderernährungsdienste im Schuldistrikt von Dallas, Michael Rosenberger, sagte zur «New York Times»: «Ich habe die Lieferketten noch nie so chaotisch erlebt. Und ich mache das seit 30 Jahren.» Und die Vorstandsvorsitzende von Ginsbergs Food in Hudson, N.Y. gab zu Protokoll, dass das Unternehmen etwa 80 Schulbezirke nicht mehr beliefern könne, weil Fahrerinnen und Magazinmitarbeiter fehlten.
Fehlende Arbeitskräfte sowie die Verknappung von Zutaten und Verpackungsmaterialien machen es den Lieferanten fast unmöglich, Bestellungen zu erledigen. Der Arbeitskräftemangel trifft auch die Schulen selbst. In Anchorage, Alaska, können Schulen keine warmen Mahlzeiten mehr anbieten, weil niemand da ist, um zu kochen und zu servieren.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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