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frauenzeit (donne di fronte/ frauen im gegenüber) – Ein künstlerischer Blick in die Sammlung des Frauenmuseum Hittisau
Der Innsbrucker Künstler Maurizio Bonato setzt sich in seinem Langzeitprojekt «frauenzeit» (donne di fronte / frauen im gegenüber) mit der Lebensrealität von Frauen im Krieg auseinander. Sein Projekt hat 2007 mit der Aufarbeitung eines Briefkonvoluts von Feldpostbriefen aus dem Ersten Weltkrieg begonnen. Die Frauen stammten aus dem norditalienischen Dorf Posina. Nun hat er die Briefe und Fotos aus der Sammlung des Frauenmuseum Hittisau gesichtet, künstlerisch rezipiert und interpretiert.
Das Frauenmuseum Hittisau beleuchtet Frauengeschichte unter dem Aspekt des Verhältnisses der Geschlechter zueinander. Es geht dabei um die Frage, wie kulturelle Geschlechterrollen das Denken, Fühlen und Handeln von Menschen geprägt haben. Die Sammlung des Frauenmuseum Hittisau weist eine repräsentative Anzahl an Feldpostbriefen und -karten auf. Die meisten stammen aus dem Nachlass der Familie Salzmann und geben Einblick in Alltagsfragen, Nachbarschaftsbeziehungen und wirtschaftliche Lage zur Zeit des Zweiten Weltkriegs.
Maurizio Bonato setzt Texte und Bilder zueinander in Beziehung.Seine teils grossformatigen, auf transluzentem Folarex gezeichneten und gemalten Bilder greifen Fragmente aus Briefen und Fotos auf. Ein Teil der Briefe wurde auf Tonträger eingespielt. Die Schrift- und Tondokumente werfen Fragen auf: Wie stehen sie in Beziehung zu den Appellen österreichischer Tageszeitungen, nur fröhliche und aufbauende Briefe an die Männer an der Front zu senden? Wie spiegelt sich das geforderte «stille Erdulden und tapfere Ertragen“ in den Briefen wider? Was erzählen die Briefe über die dorfspezifische Frauen- und Geschlechtergeschichte? Das Schreiben von Briefen als ein rudimentärer Akt von Literatur wird zu einem Instrument der Aufklärung der Frauen über ihre soziale Stellung.
Das Projekt «frauenzeit» (donne di fronte / frauen im gegenüber)
Begonnen hat das Projekt, als Maurizio Bonato ein Briefwechsel in die Hände fiel, den Frauen von Posina, einem norditalienischen Dorf an der Grenze zum Trentino, mit ihren Männern an der Front des Ersten Weltkriegs geführt haben. Als der Künstler die Landschaft am Fuss des besonders hart umkämpften Monte Pasubio besuchte, um die Gedankenwelten dieser Briefe besser zu verstehen, fielen ihm die terrassierten Hänge auf. Diese Terrassen, die inzwischen mehr und mehr vom Wald zurückerobert werden, schreiben sich in den Landschaftsraum ein wie die Schriftzeilen den Papierblättern der erwähnten Briefe. Überraschenderweise ließen sich zwischen den Briefen und den Terrassen Ähnlichkeiten ausmachen. Sie enthalten eine ähnliche Gedächtnisspur: Es waren dieselben Frauen, die in der Zeit, als ihre Männer an der Front dienten, diese Terrassen mühevoll bearbeiteten.
Maurizio Bonato setzt Texte und Bilder zueinander in Beziehung. Die Briefe sprechen von der Verantwortung der Frauen für das männerlose Heim, aber ebenso von ihrer Unfreiheit durch die Kontrolle der Männer, die sie mittels der Briefe ausübten. Das Schreiben von Briefen als ein rudimentärer Akt von Literatur wird so geradewegs zu einem Instrument der Aufklärung der Frauen über ihre soziale Stellung.
Analog liessen sich die Landschaftstexturen der terrassierten Hänge lesen: Die schwere Arbeit, welche die Frauen dort verrichten mussten, liess sie in vergleichbarer Weise über ihr Schicksal, Bonato liest beide Texte als Dokumente einer Selbstbewusstwerdung der Frauen und wertet sie als ein Agens ihrer Emanzipation. Zu sehen sind einerseits grossformatige, auf Transparentpapier (Folarex) gezeichnete und gemalte Bilder, die Fragmente aus Briefen und Fotos zeigen, andererseits werden die Originaldokumente mit den Bildern in Beziehung gebracht. Ein Teil der Briefe ist auf Tonträger eingespielt.