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1. Einführung
Mann oder Frau: Welchen Einfluss hat das auf die Gesundheit? Einen entscheidenden. Symptome gewisser Erkrankungen können sich bei Frauen und Männern so sehr unterscheiden, dass Fachleute Fehldiagnosen stellen oder Krankheiten übersehen. Studien belegen, dass die Frage nach dem Geschlecht in der Erforschung und Behandlung von Krankheiten wesentlich ist. Frauen erkranken zum Beispiel öfter an Osteoporose, Darmerkrankungen, Depression oder multipler Sklerose als Männer. Männer sind hingegen häufiger von Morbus Parkinson und Autismus betroffen.
Hier kommt die Gendermedizin ins Spiel: Ein Spezialgebiet der Medizin, das sich mit den Unterschieden zwischen den Geschlechtern befasst. Sowohl das biologische als auch das soziale Geschlecht werden berücksichtigt, da beide Aspekte einen Einfluss auf die Gesundheit haben1. Obwohl das Wissen der Gendermedizin bei der Diagnose und Behandlung von Krankheiten hilft – und gar Leben retten kann – spiegelt sich das Geschlecht nur beschränkt in Forschung und Praxis wider: Bis heute wird in der Medizin vom Mann als Universalkonzept ausgegangen.
Beispiel Herzinfarkt
Was ist, wenn ein Mann Schmerzen hat, die in den linken Arm ausstrahlen? Vielen ist bekannt, dass dies ein Anzeichen für einen Herzinfarkt sein kann. Bei Frauen treten bei einem Herzinfarkt jedoch oft andere Symptome auf – zum Beispiel Bauch- oder Rückenschmerzen, Schwindel, Übelkeit. Da in der Medizin primär an Männern geforscht wurde, ist das Wissen um diese für Frauen spezifischen Anzeichen sowohl in der breiten Bevölkerung als auch bei Ärztinnen und Ärzten weniger verbreitet. Frauen erhalten deshalb bei einem Herzinfarkt seltener eine intensivmedizinische Behandlung als Männer und kommen oft erst später in die Notaufnahme (Grafik 1).
1Die binäre Einteilung von Menschen in entweder «Mann» oder «Frau» ist eine vereinfachte Darstellung, wird hier aber als Referenz genommen, um Durchschnittswerte dieser beiden Kategorien zu vergleichen. Zwischen den Polen «männlich» und «weiblich» gibt es Übergänge.