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In die Entstehungsgeschichte der Soziologie ist der Geschlechterdualismus fest ein-geschrieben: Unter Berufung auf Natur und Naturwissenschaften grenzten die „Gründerväter“ der Soziologie die Frauen aus der Gesellschaft und aus der Gesellschaftstheorie aus. Gegen diese Kodifizierung von Gesellschaft und Sozialtheorie schrieb die naturwissenschaftlich wie sozialphilosophisch gebildete Französin Jenny P. d’Héricourt (1809-1875) an: Sie insistierte auf der grundsätzlichen Individualisierungs- und Gesellschaftsfähigkeit von Frauen und zeigte auf, inwiefern Frauen faktisch an gesellschaftlichen Modernisierungsprozessen teilhatten.
In der Untersuchung wird das Werk Jenny P. d’Héricourts als klassischer Beitrag zum feministischen wie zum soziologischen Denken rekonstruiert. Es wird gezeigt, wie die Autorin zum einen das Geschlechterverhältnis aus essentialistischen und biologistischen Begründungen herauslöst und damit Geschlechterdifferenz und -ungleichheit der soziologischen Analyse erschliesst. Zum andern wird herausgearbeitet, wie sie sich der Frage nach Integration in einer Gesellschaft von Individuen stellt, ohne auf die Frauen als „sozialen Kitt“ zurückzugreifen, und inwiefern sie damit die klassische soziologische Problemstellung radikalisiert und Ansätze zu einem nicht-reduktionistischen Verständnis von Individuum und Gesellschaft formuliert.