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Wie stark trifft die tödliche Corona-Krankheit die Wirtschaft? Die Zahl der Neu-Infizierten könnte bald sinken, sagt ein aus China heimgekehrter Amerikaner – auch wenn er „natürlich spekuliere“.
Das lässt viele hoffen. Zudem versicherte soeben Chinas Präsident Xi Donald Trump, dass das Virus am Langfrist-Aufwärtstrend der chinesischen Wirtschaft nicht ändern würde.
Und doch: Das neuartige Coronavirus 2019-nCoV, das sich seit Dezember in der Stadt Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei und von da aus auf ganz China ausbreitet, ist um einiges schlimmer als ursprünglich gedacht.
Es fragt sich: Wie konnte es soweit kommen? Die Antwort liegt im autoritären kommunistischen System und dort bei zwei massiven Vertuschungen im Dezember 2019 und Januar 2020.
Mitte Dezember 2019 warnte der am 12. Januar selbst positiv getestete und vorgestern verstorbene 34-jährige Arzt Li Wenliang aus Wuhan via dem Chinesischen Messaging App WeChat Studienkollegen vor einem seit Anfang Dezember aufgetauchten neuartigen, „SARS-ähnlichen“ Krankheitserreger.
Er und sieben andere „Gerüchteverbreiter“ wurden sogleich von den Behörden „zum Tee eingeladen“, „erzogen“ und „gemahnt“, so die Financial Times.
Offiziell kommunizierte die Gesundheitsbehörde der Provinz Hubei, in der sich die Stadt Wuhan befindet am 31. Dezember 2019 dann wie folgt (Chinesisch, Übersetzung via Google Translate):
Es seien Fälle von Lungenentzündung gemeldet worden, die alle im Zusammenhang mit dem Fischmarkt in Wuhan stünden, so der erste Satz der Pressemitteilung.
Nach sofortiger Fallsuche und Investigation hätten die Behörden 27 Krankheitsfälle identifiziert, von denen sieben in schlechter Verfassung seien. Zwei der Erkrankten sollten zeitnah wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden.
Personen, die mit den Erkrankten in Kontakt gekommen seien, würden medizinisch untersucht, und der Fischmarkt werde inspiziert und desinfiziert.
Erste Expertengespräche und Labortests hätten ergeben, dass es sich um eine virale Lungenentzündung handle und keine Mensch-zu-Mensch Übertragung oder Übertragung auf Krankenhauspersonal gefunden werden konnte.
Auf diese Ausführungen zur aktuellen Lage folgt eine Erklärung, dass virale Lungenentzündungen im Winter und Frühling häufig seien, die Krankheit „verhinderbar und kontrollierbar“ sei, man aber Gesichtsmasken tragen könne und Räume gut gelüftetet sein sollten.
Die rapportierten Krankheitsfälle stiegen auf 44 und zwei Tage später auf 59. Als schwer erkrankt („critically ill“) wurden am 3. Januar elf Patienten bezeichnet, und am 5. Januar deren nur noch sieben.
Die restlichen Patienten seien generell in einem stabilen Zustand. Die medizinische Untersuchung von 163 engen Kontakten laufe noch.
Und jetzt kommts: Am 11. Januar 2020 um 7 Uhr früh wird das Virus für besiegt erklärt. Liest man den Text der Pressemitteilung (via Google Translate), fallen einem fast die Augen aus:
„After the pathogen of ‚unknown cause of viral pneumonia‘ was initially determined to be a new type of coronavirus, the national, provincial and municipal expert groups immediately revised and improved the plans for diagnosis, treatment, and monitoring of unexplained viral pneumonia.
The Wuhan Municipal Health and Health Committee has organized tests on existing patient specimens. As of 14:00 on January 10, 2020, the detection of pathogenic nucleic acids has been completed.
The national, provincial and municipal expert groups comprehensively judged the clinical manifestations, epidemiological history, and laboratory test results of patients admitted to the hospital for observation, treatment, and preliminary diagnosis of 41 cases of pneumonia with new coronavirus infection, of which 2 have been discharged, seven cases were severe and one died.
The remaining patients were in stable condition. All 739 close contacts, including 419 medical staff, have undergone medical observation and no related cases have been found.“
Bei keiner (!!) der 739 Kontaktpersonen noch beim untersuchten medizinischen Personal (insgesamt 419) sei eine Ansteckung festgestellt worden, so die offizielle Pressemitteilung.
Im direkten Widerspruch zur eigenen Pressemitteilung vom 5. Januar wurde auch noch kommuniziert, dass seit dem 3. Januar keine neuen Ansteckungen erfolgt seien:
„No new cases have been detected since January 3, 2020. At present, no medical staff infections have been found, and no clear evidence of human-to-human transmission has been found.“
Geht mehr Vertuschen? Fast ein Monat Zeit ging bis dahin verloren.
Damit nicht genug: Vom 11. Januar bis zum 21. Januar, zehn lange Tage, wurde nun von der Gesundheitsdirektion der Provinz Hubei überhaupt nicht mehr über das Coronavirus kommuniziert.
Die nächste Pressemitteilung vom 16. Januar verlinkt auf ein Video, das irgendein Gesundheit-Reporting lobt. Es steht nicht im Zusammenhang mit der Krise.
Dann, am 19. Januar 2020, eine Meldung, die rückblickend aufhorchen lässt. Es wird berichtet von einer Konferenz, die am 18. Januar 2020 in Wuhan abgehalten wurde.
Die 2020 Provincial Health Work Conference. „The health work conference requires that the province’s health work in 2019 be summarized, and the key tasks for 2020 be studied and deployed.
Zhang Jin, the secretary of the Party Group of the Provincial Health and Health Committee, attended the meeting and delivered a speech. Director Liu Yingzi chaired the meeting.“
Und weiter:
„The meeting pointed out that in 2019, the province’s health and health system will thoroughly study and implement Xi Jinping’s thoughts of socialism with Chinese characteristics in the new era, implement the decision-making and deployment of the Central and Provincial Party Committees and Provincial Governments, adhere to the overall thinking of ‚one body and two wings‘, and promote the healthy development of Hubei.
The reform of the health system has continued to deepen, and the effectiveness of health poverty alleviation has been remarkable.
The capacity of public health protection has continued to increase. Medical services have been steadily improved. The party building has been strengthened in an all-round way, and new progress has been made in all aspects of work.“
Kurz: Das Gesundheitssystem in der Provinz Hubei habe sich ständig verbessert – dank der Partei und Präsident Xi Jinping.
Teilnehmer reisten ahnungslos zum Kongress nach Wuhan an und wieder nach Hause (und verteilten womöglich selbst das Virus weiter überall in der Provinz Hubei).
Parallel zum Kongress spielten sich in den Spitälern von Wuhan höchstwahrscheinlich bereits dramatische Szenen ab, die alle der offiziellen Nicht-Kommunikation diametral widersprochen haben müssen.
Aber ein sich rasch ausbreitendes neuartiges Virus würde in ein so positives Kongress-Narrativ natürlich nicht passen. Und abgesagt werden konnte die Veranstaltung so knapp vorher wohl auch nicht. Und: Das Virus war ja am 10. Januar schnell „besiegt“ worden.
Kaum war der Kongress beendet, kam’s von oben. Via Pressemitteilung am 21. Januar veröffentlichte die Gesundheitsdirektion eine Meldung der staatlichen Presseagentur Xinhuanet vom Vortag.
Der Staatschef persönlich verordne ein resolutes Vorgehen gegen die Verbreitung des neuartigen Coronavirus.
„Xi Jinping made important instructions on the pneumonia epidemic of new coronavirus infection, stressed the need to put the safety of the people’s lives and physical health first, and resolutely curb the spread of the epidemic.“
Und die Zahlen: Es gäbe 198 diagnostizierte Fälle in Wuhan, 5 in Peking, und 14 in Guangdong, Stand 20. Januar 2020. Will heissen: wenige.
Dann, am 23. Januar 2020, also 2 Tage später: eine Quarantäne von zunächst 50 Millionen Menschen in der Provinz und der Beschluss, innert 10 Tagen zwei neue Spitäler zu bauen.
Es war zu spät.
Die offiziellen Zahlen vom 8. Februar 2020, veröffentlicht am gleichen Ort wie die vorigen offiziellen Mitteilungen, nämlich die Webseite der Gesundheitsdirektion der Provinz Hubei, zeigen jetzt ein erschreckendes Bild: 14’982 offiziell diagnostizierte Fälle in der Stadt Wuhan, 603 Tote.
12’118 Fälle in der restlichen Provinz Hubei und 177 Tote (Zahlen für die Gesamtprovinz 27’100 Fälle und 680 Tote).
Und diese Zahlen: Stimmen sie jetzt?