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Statistische
Maschinen, Maschinen zur mechan. und schnellen Ermittlung der Endergebnisse von Volkszählungen und andern statist. Erhebungen. Amerik. Ursprungs, sind die S. M., abgesehen von einem mißglückten Versuche mit einer Maschine [* 2] von Seaton 1880, zum erstenmal 1890 bei der Volkszählung in den Vereinigten Staaten [* 3] von Nordamerika [* 4] angewendet worden und haben sich hierbei sowohl in Bezug auf Zeitgewinn als auch auf Kostenersparnis und Zuverlässigkeit glänzend bewährt. Auch bei der österr. Volkszählung Ende 1890 wurden sie angewendet und sind jetzt auch bei deutschen Steuerbehörden eingeführt.
[* 1] Figur: 1
Die Konstruktion aller S. M. beruht auf dem Gebrauch eigenartiger Karten, in welche Löcher eingestanzt werden, die den bezüglichen Angaben der einzelnen Personen entsprechen. Man erhält eine allgemeine Vorstellung von einer solchen Karte, wenn man sich den üblichen statist. Fragebogen an allen denjenigen Stellen, an denen eine bejahende Antwort einzutragen ist, durchlocht denkt. Je nach seiner besondern Stelle auf der Karte bedeutet also ein bestimmtes Loch, ob das betreffende Individuum männlichen oder weiblichen Geschlechts, ob verheiratet oder ledig, Inländer oder Ausländer ist u.s.w. [* 1] Fig. 1 giebt das Bild einer derartigen durchlochten Karte. Wird es gewünscht, so kann die gestanzte Karte mühelos gelesen und geprüft werden, indem man sie über ein zu diesem Zweck hergestelltes gedrucktes Formular legt.
[* 1] Figur: 2
Damit das zum Zweck der Zählung erforderliche Einlegen der Karten in die Maschine stets in der richtigen Weise geschieht, wird an jeder Karte eine Ecke weggeschnitten und so für die richtige Lage der Karte ein leicht erkennbares Merkmal geschaffen. Die S. M. sind nun so eingerichtet, daß vermöge der Löcher in den Karten Verbindungen mit bestimmten Zählwerken hergestellt werden, die alsdann, wenn dies geschieht, um eine Einheit weiter rücken. Die Bewegung der Zählwerke kann durch Luftdruck oder durch Elektricität erfolgen, und man unterscheidet hiernach S. M. mit pneumatischem und solche mit elektrischem Betrieb. Eine dritte und andere Art der S. M. endlich bewirkt die unmittelbare selbstthätige Sortierung der gleichartig gelochten Karten auf Grund der Lochanordnung.
Diese Sortierung geschieht mit Hilfe von «Auslesern» a, [* 1] Fig. 2, die im Kreise [* 5] auf einer dreh- und hebbaren Scheibe befestigt sind und deren nach aufwärts ragende Stifte 3 vom Kartenstapel k die unterste Karte u stets dann aufnehmen, wenn ein Teil von deren Löchern ebenso gruppiert ist wie ¶
forlaufend
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die Stifte 8. Jeder «Ausleser» hat anders gruppierte Stifte und sondert demnach auch andere Karten aus. Wird also eine Karte von einem Ausleser nicht aufgenommen, so fällt sie, da die Scheibe mit den Auslesern ruckweise fortschreitet, bei einem der folgenden Ausleser, dem passenden, herab. Es sind ebensoviel Kartenstapel vorhanden als Ausleser, llm zu verhindern, daß die Stapel herabfallen, wenn die Scheibe mit den Auslesern fortrückt, sind Haken K angeordnet, auf denen die Stapel in- zwischen ruhen können.
Durch Hebung [* 7] der genann- ten Scheibe, an der die Vorsprünge v angebracht sind, werden die Stapel wieder freigegeben, indem hierbei die Vorsprünge die Haken um ihren Dreh- punkt bewegen. Die Stapel enthalten etwa 200 Stück Karten und in eine Maschine werden bei jeder Sor- tierung ungefähr 10000 Stück Karten gegeben. Am meisten Bedeutung von allen S. M. hat die von Or. Hermann Hollerith erfundene elektrische Maschine erlangt, deren Hauptbestandteil [* 6] Fig. 3 darstellt. Dieser enthält eine Hartgummiplatte? [* 6] Fig. 3. mit geeigneten Anschlägen; auf diese Platte werden die Karten nacheinander gelegt, wobei die An- schläge die richtige Lage bestimmen.
In der Platte befindet sich eine Anzahl Näpfchen c, die in Zahl und Anordnung allen den Löchern der Karte ent- sprechen, die möglicherweise in diese eingestanzt werden können. Jedes Näpfchen ist zum Teil mit Quecksilber gefüllt und an seiner untern Seite mit einer Klemmschraube verbunden, von der ein Lei- tungsdraht zu dem zugehörigen elektrischen Zählwerk [* 8] führt, über der Platte? ist ein beweglicher mit der Stromquelle leitend verbundener Kasten 15 ange- ordnet, aus welchem federnde Kontaltstifte n her- vorragen, die in ihrer Anordnung zu den Queck- silbernäpfchen passen.
Wird nun eine Karte in die Presse [* 9] eingelegt und der Kasten 15 mit dem Hand- griff nach unten bewegt, fo durchdringen die Kon- taktstifte die Karte überall da, wo sie auf ein Loch treffen und schließen so die Stromkreise der zuge- hörigen Zählwerke, so daß diese geschaltet werden. Die auf volles Papier stoßendenKontaktstifte weichen dagegen zurück. Es erscheint klar, daß auf diese Weise durch einen einzigenHebeldruck eine beliebige Anzahl Zählwerke in Bewegung gesetzt werden kann und daß die Maschine fähig ist, eine unbeschränkt große Zahl verschiedener Angaben gleichzeitig zu addieren.
Will man beim Summieren zugleich Karten, die bestimmte Angaben enthalten, von den übrigen absondern, so benutzt man einen hierzu vorhandenen Kasten mit Fächern, deren Deckel einen elektro- magnetisch auslösbaren, schnepperartigen Haken- verschluß haben. Die Elektromagnete bestimmter Fächerdeckel können durch Stöpselung in den Strom- kreis bestimmter Zählwerke eingeschaltet werden. Bei Bethätigung des Zählwerks öffnet sich alsdann zugleich, getrieben von einer Feder, der Deckel des entsprechenden Fachs, die betreffende Karte wird in das Fach eingeworfen und der Deckel durch Hand- druck wieder geschlossen.
Alle Karten, welche wirklich in ein bestimmtes Fach gehören, haben mindestens ein Lock gemein, und ein Stapel solcher Karten muh daher ein durchgehendes Loch besitzen. Ist dies nicht der Fall, so weiß man, daß falsche Karten darunter geraten sind. Zu größerer Sicherheit läßt man bei jedem Zäh- len selbstthätig eine elektrische Klingel ertönen, deren Versagen meldet, wenn einmal aus irgend einem Grunde bei einer Karte die Zählung nicht erfolgt. Außerdem ist die Maschine mit Kontrollzählwerken ausgerüstet, durch welche angegeben wird, wenn bei einer Karte eine Lochung zu viel angebracht oder eine ausgelassen worden ist.
Die Stromleitungen zu den Zählwerken sind so angeordnet, daß sich durch zweckentsprechende Stöp- selung u. s. w. auch die Ergebnisse beliebiger statist. Kombinationen ziehen lassen. Man kann z. B. männliche und weibliche Personen zählen und da- bei zugleich erfahren, wieviel von jedem Geschlecht Ausländer und Inländer sind. Zu Summierungen, wie sie bei statist. Erhebungen in der Industrie bei- spielsweise vorkommen, dient ferner eine eigenartige HilfsVorrichtung, die als elektrische Addiermaschine bezeichnet werden kann.
Die Karten oder vielmehr die in Frage kommenden Teile derselben haben für diesen Fall und überhaupt bei der Zählung von Zahlengrößcn (Lebensalter u. s. w.) eine besondere Anordnung der die Zahlen ausdrückenden Löcher. Die Leistungsfähigkeit der Hollerithschen Ma- schine ist von dem in Fachkreisen wohlbekannten Franklin-Institut praktisch erprobt worden, wobei die Angaben aus einem schon bei der Volkszählung 1880 t'abellierten Stadtbezirk mit 10491 Einwoh- nern von neuem gezählt und klassifiziert wurden.
Hierbei hat sich ergeben, daß die Herstellung der nötigen gelochten Karten, die mittels besonderer ebenfalls von Hollerith
konstruierter Loch
maschinen auf Grund der Angaben der Zäbllisten geschieht, 72 Stunden erforderte, die eigentliche Tabellierung
nur 5^/2 Stunden, während bei zwei andern Ver- fahren von Pidgin und Hunt, die mit dem gebräuch- lichen
wesentlich übereinstimmten und nur darin von ibm abwichen, daß sie Zu leichterer Unterschei- dung der Angaben auf den Karten
besondere Fär- bungen anwendeten, durchschnittlich insgesamt 175 Stunden nötig waren. Man hat ferner berechnet, daß bei
einer auf 65 Mill. Individuen sich erstrecken- den Volkszählung die Anwendung elektrischer Zähl-
maschinen an Stelle der
üblichen Verfahren zur Zählung und Klassifizierung eine Ersparnis von 262000 Arbeitstagen giebt. Der Preis einer Holle- rithschen
Maschine beträgt etwa 20000 M. - Bei der österr.
Volkszählung Ende 1890 kam eine von Schäffer modifizierte Konstruktion zur An- wendung. In einem besonders eingerichteten Ge- bäude in Wien [* 10] waren 380 Arbeiter beschäftigt. Die Karten entlüelten 240 verschiedene Angaben. Die S. M. mit pneumatischem Betrieb sind, wie [* 6] Fig. 4 erkennen läßt, den elektrischen nahe ver- wandt. Die Löcher der in die Maschine eingelegten Karte eröffnen der Preßluft, die in dem Behälter v aufgespeichert ist und durch den Schlauch ^ über i die Karte geleitet wird, den Zugang zu bestimmten Schlauchleitungen 15. Am Ende dieser Leitungen sind Kolben X angebracht, die durch die eingeströmte Preßluft nach außen getrieben werden und dabei ¶