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Das Bundesamt für Kultur (BAK) würdigt das Lebenswerk des Aargauers Klaus Merz mit der höchsten literarischen Auszeichnung der Schweiz. Der Spezialpreis Übersetzung geht in diesem Jahr an die Zürcherin Dorothea Trottenberg.
Klaus Merz wurde 1945 geboren und ist in Menziken im Kanton Aargau aufgewachsen. Er ist ausgebildeter Sekundarlehrer und arbeitete an der Schweizerischen Bauschule Aarau als Dozent für Sprache und Kultur. Seit vielen Jahren ist Merz freier Schriftsteller und lebt in Unterkulm (AG).
Zur Begründung schreibt das BAK: Innenschau und sprachliche Verdichtung prägen das Werk von Klaus Merz. Mit Klaus Merz wird eine eher leise, jedoch umso eindringlichere und gewichtige Stimme ausgezeichnet, die einen Echoraum weit über die Schweizer Grenzen hinausfindet. Seit dem ersten Gedichtband Mit gesammelter Blindheit (1967) ist in über fünfzig Jahren ein sehr vielseitiges Œuvre entstanden: Es umfasst Lyrik, Prosa – Erzählungen, Novellen, kurze Romane und Essays – sowie Theaterstücke, Hörspiele und Kinderbücher, die in einer Werkausgabe in sieben Bänden veröffentlicht wurden. Das Werk wächst weiter und Klaus Merz befasst sich zum Beispiel mit dem Innenleben einer mittelländischen Firma (firma, 2019) oder den Spuren der Erinnerung (Noch Licht im Haus, 2023). Sein Archiv befindet sich im Schweizerischen Literaturarchiv.
Spezialpreis Übersetzung 2024 an Dorothea Trottenberg
Dorothea Trottenberg wurde 1957 geboren. Sie ist eine der produktivsten freischaffenden Übersetzerinnen der Deutschschweiz. Nach einer Ausbildung als Bibliothekarin studierte sie Slavistik in Köln und Leningrad (heute Sankt Petersburg).
Heute übersetzt sie klassische und zeitgenössische russische Literatur und arbeitet an der Universitätsbibliothek Basel als Fachreferentin für Slavistik und Osteuropa-Studien. Dorothea Trottenbergs stilistische Register sind äusserst vielfältig und reichen von den grossen klassischen Romanen von Gogol, Turgenjew, Tschechow oder Tolstoi bis zu den zeitgenössischen Erzählungen von Elena Chizhova oder Maria Rybakova, der experimentellen Prosa von Sigismund Krzyzanowski (Der Club der Buchstabenmörder, 2015; Münchhausens Rückkehr, 2018) und den prägnanten Texten von Andrej Gelassimow (Durst, Suhrkamp, 2011). Seit 2005 widmet sie sich dem Gesamtwerk von Iwan Bunin und hat bisher zehn Bände veröffentlicht, womit sie in der zeitgenössischen Übersetzung aus dem Russischen einen prominenten Platz einnimmt. Dorothea Trottenberg wurde bereits 2012 mit dem Paul-Celan-Preis des Deutschen Literaturfonds ausgezeichnet, dem wichtigsten deutschsprachigen Preis für herausragende Übersetzungen.
Schweizer Literaturpreise
Neben dem Schweizer Grand Prix Literatur und dem Spezialpreis Übersetzung hat die Eidgenössische Jury für Literatur die folgenden 2023 erschienenen Werke mit einem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet:
- Bessora (*1968, lebt in der Nähe von Paris), Vous, les ancêtres, Paris, JC Lattès
- Jérémie Gindre (*1978, lebt in Genf), Tombola, Genève, Zoé
- Judith Keller (*1985, lebt in Zürich), Wilde Manöver, München, Luchterhand
- Dominic Oppliger (*1983, lebt in Zürich), giftland, Luzern, Der gesunde Menschenversand
- Claudia Quadri (*1965, lebt in Lugano), Infanzia e bestiario, Bellinzona, Casagrande
- Ed Wige (*1984, lebt in Lausanne), Milch Lait Latte Mleko, Lausanne, Paulette éditrice
- Ivna Žic (*1986, lebt in Zürich), Wahrscheinliche Herkünfte, Berlin, Matthes und Seitz
Das BAK vergibt jedes Jahr die Schweizer Literaturpreise. Der Schweizer Grand Prix Literatur zeichnet das Gesamtwerk einer Autorin oder eines Autors aus. Der Spezialpreis Übersetzung wird im Wechsel mit dem Spezialpreis Vermittlung alle zwei Jahre vergeben. Zusätzlich zu diesen mit je 40 000 Franken dotierten Auszeichnungen werden jährlich Preise für im vergangenen Jahr erschienene Einzelwerke ausgeschrieben. Diese sind mit je 25 000 Franken dotiert. Ab dem 15. Februar 2024 erscheinen Podcasts, in denen die Preisträgerinnen und Preisträger im Gespräch vorgestellt werden. Ihr Schaffen wird ausserdem an den Solothurner Literaturtagen gezeigt.
Die Verleihung der Schweizer Literaturpreise findet am Freitag, 10. Mai 2024, im Rahmen der Solothurner Literaturtage statt.
Titelbild: Klaus Merz. Foto: BAK / Julien Chavaillaz