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Pinot Noir
In Deutschland ist der Spätburgunder für den Rotwein das, was der Riesling für den Weisswein ist: die Crème de la Crème.
Deutschland ist weltweit der drittgrösste Produzent von Pinot Noir. Der deutsche Name für die Rebsorte ist Spätburgunder - spät reifender Pinot (Burgunder).
Sie ist empfindlich gegenüber Klima und Boden, braucht Wärme (aber keine grosse Hitze), um zu gedeihen und gedeiht gut auf kalkhaltigen Böden. Wie der Name schon sagt, reift er spät und wurde aus dem Burgund nach Deutschland gebracht, bei wem er wahrscheinlich mindestens seit dem 4. Jahrhundert angebaut wird (erstmals urkundlich erwähnt wurde er jedoch im 14. Jahrhundert angebaut. Jahrhundert angebaut. Jahrhundert). Die in Frankreich als Pinot Noir bezeichnete Rebsorte bringt elegante, samtige Weine mit einem unverwechselbaren Bouquet hervor, dass an Bittermandeln oder Brombeeren erinnert. Der traditionelle deutsche Spätburgunder ist leichter in Farbe, Körper und Gerbsäuregehalt als seine Pendants aus wärmeren Klimazonen. Viele zeitgenössische Winzer stellen jedoch Weine her, die einen internationaleren Stil aufweisen, d. h. vollmundigere, tiefrote Weine mit höherem Tanningehalt. Oft erhalten die Weine mehr Tiefe und Komplexität (und einen leichten Vanilleton), wenn sie in kleinen (225 Liter) Eichenfässern ausgebaut werden. Elf Prozent (11.800 ha im Jahr 2019) der deutschen Rebfläche sind mit Spätburgunder bestockt, vor allem in den südlichen Regionen, aber auch in den nördlicheren Regionen des Ahrtals, bei welchem er über 65 % der Rebfläche ausmacht. Kleinere, aber bekannte Anpflanzungen gibt es auch in der Pfalz, im Rheingau und in anderen Regionen.
Spätburgunder im Blickpunkt
Obwohl Deutschland weltweit der drittgrößte Erzeuger dieser Rebsorte ist, denkt man bei der Wahl des Spätburgunders vielleicht nicht sofort an Deutschland. Doch die Spätburgunder können sich mittlerweile mit den Besten der Welt messen. Anne Krebiehl MW beschreibt seinen Aufstieg an die Spitze.
Das in Deutschland grossartiger Spätburgunder produziert wird, ist keine Neuigkeit mehr: Spätburgunder haben Spitzenpreise des Decanter gewonnen und damit Schlagzeilen gemacht. Es ist auch keine Überraschung mehr, dass deutsche Spätburgunder auf gut sortierten Weinkarten zu finden sind, denn ihre inhärente Frische und Eleganz machen sie zu einer vielseitigen und natürlichen Wahl.
Dennoch verwirrt der Spätburgunder die Weintrinker immer noch und das ist nicht verwunderlich: Der deutsche Spätburgunder gedeiht auf vier Breitengraden, von 48°N in Baden bis 51°N in Sachsen (zum Vergleich: Beaune in Burgund liegt auf 47,0°N, Reims auf 49,2°N), in allen 13 deutschen Weinregionen und auf allen erdenklichen Böden. In Verbindung mit den individuellen Weinbaustilen wird schnell klar, dass sich Spätburgunder nicht in eine Schublade stecken lässt.
Regionalität ist kein verlässlicher Schlüssel zum Stil: Baden steht nicht mehr nur für rund und saftig, die Ahr ist nicht mehr ganz so breit und fett. Es gibt auch keinen eindeutigen rheinhessischen Stil oder einen ausgeprägten Pfälzer Geschmack. Doch Pinot-Liebhaber sollten durchhalten, denn in ganz Deutschland gibt es eine dynamische Winzerszene, die eifrig nachlegt und fein geschliffene und ehrliche Stile hervorbringt.
Hier scheint die Geologie ein stärkerer Marker zu sein als die regionale Herkunft, ungeachtet der Unterschiede im Klima. Spätburgunder, die auf Kalkstein gewachsen sind, haben eine ausladende Textur und viele Gemeinsamkeiten zwischen den Regionen, ebenso wie rauchige Pinots aus Schiefer und würzige, blumige Exemplare aus Sandstein. Das ist es, was Deutschland zu den Pinot-Weinen der Welt beisteuert: nuancierte Stile aus Basalt und Löss, Sandstein und Granit, Schiefer und Schiefer, Kalkstein und Keuper (eine Art Mergel).
Auch wenn sie sehr unterschiedlich sind, haben sie alle eine gewisse Würze und Eleganz, die von einem gemäßigten Klima herrühren.
Jüngster Aufschwung
Heute wird in Deutschland mehr Pinot Noir angebaut als in Neuseeland und Australien zusammen: genau 11 783 ha. Während seine Präsenz bis zu den Klostersiedlungen des frühen Mittelalters zurückverfolgt werden kann, ist sein gesamtdeutscher Erfolg relativ jung. Seit 1990 hat sich die Anbaufläche verdoppelt, was mit der Entwicklung des Spätburgunders von einer lokalen Spezialität zum Flaggschiff zusammenfällt. An der Ahr, in Baden, Franken, Rheinhessen und sogar an der Mosel gab es eine fast vergessene Tradition grosser Spätburgunder. Die Weine aus Assmannshausen im Rheingau waren legendär.
Es war eine visionäre alte Garde, die Mitte der 1980er Jahre den Staffelstab des guten deutschen Spätburgunders übernahm, Winzer, die entweder wussten, was der Spätburgunder in Deutschland in der Vergangenheit geleistet hatte oder was er im Burgund leisten konnte. Sie versuchten, wieder ähnliche Höhen zu erreichen und bahnten sich langsam einen Weg der Qualität. Heute sind ihre Kinder und andere junge Leute am Ruder, die die Feinabstimmung vornehmen, neu kalibrieren und neu definieren, was deutscher Spätburgunder ist.
Zu den wenigen, die durchgängig auf Qualität und Trockenheit setzten und nie der Mode zum Opfer fielen, gehört Hajo Becker in Walluf, dessen Grossvater 1904 die ersten Spätburgunder-Reben im östlichen Rheingau pflanzte und dessen erster Jahrgang 1962 war. Ich habe nie ein Barrique besessen", sagt er und macht in aller Stille weiter mit betörenden, knochentrockenen Spätburgundern. Auch Franz Keller vom Schwarzen Adler im badischen Kaiserstuhl hält konsequent an Trockenheit und Eleganz fest.
Aber auch eine ganz neue Generation entdeckte das Potenzial des Spätburgunders und löste eine viel breitere Qualitätsrevolution aus. Hans-Peter Ziereisen im badischen Markgräflerland beschloss 1991, seinen Familienbetrieb von der gemischten Landwirtschaft auf Weinbau umzustellen. Bis dahin, so gibt Ziereisen freudig zu, habe er nur Bier getrunken. Am Anfang war allein das Sortieren des Obstes ein grosser Qualitätssprung, das Erlernen des Umgangs mit Holz ein weiterer", erinnert er sich.
Nach und nach wurden die Qualitätssteigerungen immer kleiner. Heute geht es nur noch um die Feinabstimmung.
Martin Wassmer der seine Trauben nicht mehr verkauft, sondern seit 1997 selbst Spätburgunder herstellt erklärt, dass es einige Zeit gedauert hat, bis sich ein breiteres Qualitätsparadigma herauskristallisiert hat: "Es ist einfach, viel Frucht im Spätburgunder zu haben, aber dann verliert man an Kraft. Ebenso ist es einfach, Kraft zu erreichen und die Frucht zu opfern. Die Kunst besteht darin, beides zu verbinden: volle Frucht mit Ausdruck, Länge und Finesse.