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Körperhaar-Transplantation
Vorwort
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
Während sich in der freien Natur viele Säugetierarten mit einem dichten Fell vor starken Temperaturschwankungen und der schädlichen UV-Strahlung schützen oder dieses auch zur Tarnung bedeutsam ist, bestehen derartige Notwendigkeiten beim Menschen meist nicht mehr. Es wird daher angenommen, dass der Mensch sein Haarkleid im Laufe der Evolution deshalb verlor, weil durch Behausungen, Kleider oder seine Rolle als Jäger keine Notwendigkeit mehr für ein dichtes Fell bestand. Nichtsdestotrotz beschränkt sich die Behaarung des Menschen heute auf mehr Körperregionen als nur den Kopf. In Abhängigkeit von Alter, Geschlecht und ethnischer Abstammung kommt eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Behaarung im Gesicht (als Bart), in der Achselgegend, im Schambereich sowie auf der Brust vor. Je nach Abstammung können auch die Arme, die Beine sowie der Rücken behaart sein. Solche Haare werden auch als Bodyhair bezeichnet.
Aufgrund der Tatsache, dass bei einigen Menschen, die sich einer Eigenhaartransplantation unterziehen wollen, keine ausreichend grosse Spenderfläche auf dem Kopf vorhanden ist, wurden relativ früh Überlegungen angestellt, die Behaarung (genauer gesagt die Haarfollikel) anderer Körperregionen auf den Kopf zu transplantieren, um dort möglicherweise infolge einer Alopezie verloren gegangenes oder ausgedünntes Haupthaar wiederherzustellen. Eine solche Idee wurde erstmals theoretisch im Jahr 1939 von Okuda beschrieben. Jedoch sollte es noch bis in das Jahr 2001 dauern, bis eine solche Transplantation erfolgreich durchgeführt wurde. Im Laufe der Zeit hat sich die Bodyhair-Transplantation auch im marktwirtschaftlichen Sinne etablieren können, sodass es heute eine Vielzahl von Anbietern gibt, die Verpflanzungen von Bodyhair auf den Kopf anbieten.
Dabei stellen sich jedoch mehrere Fragen: Was genau verbirgt sich hinter Versprechen dieser Anbieter, Bodyhair auf den Kopf transplantieren zu können? Lässt sich mit Bodyhair ein ästhetisch gleichwertiges Behandlungsergebnis wie bei der Verpflanzung von Haupthaar erzielen? Diese und weitere Fragen zur Bodyhair-Transplantation möchte ich Ihnen gerne in meinem neuen Artikel beantworten.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Freude bei der Lektüre!
Herzlichst
Ihre Angela Lehmann
Bodyhair-Transplantation – eine Revolution in der Eigenhaartransplantation?
Die Idee, Haare von anderen Regionen des Körpers als dem Kopf (Bodyhair) auf diesen zu verpflanzen, wenn im Falle einer geplanten Eigenhaartransplantation möglicherweise die Spenderfläche nicht ausreicht, wurde erstmals im Jahr 1939 veröffentlicht. Spätestens seit der Jahrtausendwende sind solche Eingriffe möglich. Aber stellen sie auch eine tatsächlich eine sinnvolle medizinische Intervention dar? Warum ich der Verpflanzung von Bodyhair skeptisch gegenüberstehe und Ihnen davon abraten würde, habe ich Ihnen in meinem neuen Artikel über Bodyhair-Transplantation beschrieben.
Wieso scheint die Transplantation von Bodyhair interessant für die Eigenhaartransplantation?
Grundsätzlich werden im Zuge einer Eigenhaartransplantation Haare von einer Stelle des Körpers (Spenderfläche) auf eine andere (Empfängerfläche) verpflanzt. Genau genommen sind es auch nicht die Haare, die transplantiert werden, sondern die Haarfollikel, aus denen die Haare wachsen. Hauptsächlich ist eine solche Behandlung interessant für Menschen, die einen irreversiblen Haarverlust erlitten haben. Dies kann beispielsweise infolge eines Unfalls oder einer Erkrankung (androgenetische Alopezie) geschehen sein. In der Regel werden dann Haarfollikel von der Kopfhinterseite entnommen und an die haarlosen Stellen verpflanzt.
Diesem Verfahren der Eigenhaartransplantation sind jedoch natürliche Grenzen gesetzt, da Menschen nur über eine begrenzte Anzahl an Haarfollikeln auf dem Kopf verfügen und aus ästhetischen und medizinischen Gründen auch nicht alle Haarfollikel für eine Transplantation zur Verfügung stehen. So können im Falle einer Europäerin oder eines Europäers im Zuge einer Eigenhaartransplantationssitzung Follikel von 17 bis 18 Quadratzentimetern Spenderfläche entnommen und verpflanzt werden. Dies entspricht rein rechnerisch etwa 3‘400 bis 3‘600 Haarfollikeln. Im Falle einer optimalen Spenderfläche kann diese Prozedur, sofern eine medizinisch-ästhetische Notwendigkeit dafür besteht, bis zu viermal wiederholt werden. Aus diesen Zahlen folgt, dass im Zuge einer klassischen Eigenhaartransplantation theoretisch maximal 15‘000 Haarfollikel verpflanzt werden können, jedoch besteht bei einigen Patienten der Wunsch danach oder auch die Notwendigkeit dazu, mehr als dieses natürliche Maximum zu transplantierten, um ein ästhetisch ansprechendes Behandlungsergebnis zu erzielen.
Aus diesem Grund wurde bereits gegen Ende der 1930er-Jahre erstmals die Überlegung angestellt, ob es auch möglich sein könnte, Haarfollikel von anderen Körperstellen auf den Kopf zu verpflanzen. Diese Überlegungen betrafen insbesondere Haarfollikel der Kopfhaut, der Stirn, der Achselhöhle und des Schambereichs zur Wiederherstellung der Haare in Fällen von durch Narben verursachter Alopezie. Es dauerte jedoch bis in das Jahr 2001, bis erstmals erfolgreich eine Transplantation von Bodyhair vorgenommen wurde. Bei dieser wurden kleine Injektionsnadeln in die Gesichtshaut eingeführt, um einzelne Barthaarfollikel zu entnehmen. Die entnommenen Follikel wurden von den Forschern genutzt, um die Augenbrauen von Patienten zu rekonstruieren. Die Autoren beschreiben ihr Verhandlungsergebnis selbst als sehr positiv und das Verfahren wäre mit keiner Narbenbildung verbunden gewesen. Weiterhin sei die Entnahme der Barthaarfollikel eine elegante, schnelle und wenig invasive Methode, um Bodyhair-Follikel für eine Verpflanzung zu gewinnen.
Welche Eigenschaften weist Bodyhair auf?
Wie im nachfolgenden Abschnitt jedoch zu zeigen sein wird, sind Haare nicht gleich Haare. Dieser Unterschied ist darauf zurückzuführen, dass die Haare verschiedener Körperregionen auch verschiedene Eigenschaften aufweisen. Auf diese Unterschiede wird nachfolgend eingegangen.
Die meisten Haare des menschlichen Körpers lassen sich dem sogenannten Vellushaar zurechnen. Vellushaare sind flaumartig und weisen kein Mark innerhalb des Haarschafts auf. Aus diesem Grund haben sie eine extrem feine Struktur und stehen grundsätzlich nicht für eine Bodyhair-Transplantation zur Verfügung. Demgegenüber sind Haare des Bartes, des Rumpfes, der Achselhöhle und der Schamregion grundsätzlich für eine Bodyhair-Transplantation geeignet, nachdem sie im Zuge der Pubertät zu Terminalhaaren ausgereift sind.
Ein wichtiger Unterschied zwischen der Kopfbehaarung und der Behaarung anderer Körperregionen besteht darin, dass letztere Haare den Haarwachstumszyklus in einer anderen Geschwindigkeit durchlaufen als das Kopfhaar. Der Haarwachstumszyklus startet in der Anagenphase (Wachstumsphase), in der im Follikel eine neue Haarwurzel gebildet wird und die Produktion eines neuen Haars beginnt. Daran schliesst sich die Katagenphase (Übergangsphase) an, an deren Ende das Haar verkümmert und ausfällt. Der Haarfollikel geht nun in Telogenphase (Ruhephase) über, die eine Regenerationsphase des Follikels darstellt. Danach beginnt der Zyklus von Neuem. Die Körperbehaarung zeichnet sich nun gegenüber der Kopfbehaarung dadurch aus, dass sich 30 bis 85 Prozent der Bodyhair-Follikel natürlicherweise in der Telogenphase befinden, in der kein Haarschaft produziert wird. Demgegenüber befinden sich normalerweise zwischen 85 und 90 Prozent der Kopfbehaarung in der Anagenphase und bildet entsprechend einen Haarschaft aus. Weiterhin ist zu beachten, dass die Körperhaare eine wesentlich kürzere (ein paar Monate) Anagenphase durchlaufen als die Haare auf dem Kopf, bei denen die Anagenphase gewöhnlich mehrere Jahre dauert. Im Falle einer Bodyhair-Transplantation auf den Kopf muss also beachtet werden, dass die verpflanzten Haare zum einen schneller ausfallen als die eigentlichen Kopfhaare und auch wieder neue wachsen und zudem auch prozentual weniger Haarschäfte hervorbringen, was das ästhetische Behandlungsergebnis massgeblich beeinflussen kann. Aufgrund dieses veränderten Wachstumszyklus sind Körperhaare auch durchschnittlich dünner und kürzer als Kopfhaare. Meist sind lediglich das Bart- und Brusthaar dicker als die Haare auf dem Kopf.
Weiterhin unterscheiden sich das Haupthaar und das Bodyhair hinsichtlich ihrer Textur. Während das Kopfhaar alle Texturen von vollständig glatt bis hin zur stark gekräuselt aufweisen kann, ist die Körperbehaarung meist gewellt bis gekräuselt. Dies macht in vielen Fällen eine Anpassung der Haartextur durch eine spezielle Pflege oder Glättung der Haare erforderlich, um das verpflanzte Bodyhair der Kopfbehaarung ähnlicher zu machen und beispielsweise eine Strähnenbildung nach der Verpflanzung zu verhindern.
Zusätzlich liegen die Haarfollikel der Körperbehaarung weiter oben in der Haut als dies beim Kopfhaar der Fall ist. Während die Haarfollikel des Bodyhairs in der Oberhaut liegen, sind die Kopfhaarfollikel in der Unterhaut verankert. Darüber hinaus treten Körperhaare in einem spitzeren Winkel aus der Haut als Kopfhaare. Gerade der letztgenannte Aspekt ist im Zuge einer Bodyhair-Transplantation wichtig, da über den Austrittswinkel des Haares das spätere Aussehen massgeblich beeinflusst werden kann. In unserer Klinik nutzen wird diesen Umstand bei der Eigenhaartransplantation von Kopfhaar mittels der von mir entwickelten Crosspunch-Technik aus, da durch eine genaue Anpassung des Einsetzwinkels der Implantate später ein optisch höheres Haarvolumen erzielt werden kann.
Ein weiteres wichtiges Charakteristikum, welches das Körperhaar vom Haupthaar unterscheidet, besteht in der Dichte, in welcher die Haarfollikel in einem bestimmten Hautabschnitt auftreten. Während die Körperbehaarung fast ausschliesslich aus einzelnen Haarfollikeln wächst, treten die Haarfollikel auf dem Kopf in follikulären Einheiten von bis zu vier bis sechs Follikeln auf. Die Dichte der Haarfollikel ist dementsprechend im Falle des Bodyhairs wesentlich geringer gegenüber der des Kopfhaars. Dieser Umstand macht es notwendig, bei einer Bodyhair-Transplantation Follikel von einer wesentlich grösseren Spenderfläche zu entnehmen.
Welche Nachteile hat eine Bodyhair-Transplantation im Vergleich zur Transplantation von Kopfhaar?
Einer Bodyhair-Transplantation stehen im Vergleich zu einer Verpflanzung von Follikeln, die vom Kopf entnommen wurden, zahlreiche Nachteile gegenüber, die bereits im Vorfeld der eigentlichen Operation zutage treten. So muss bereits vor der Operation geplant werden, welche Haare welcher Körperregionen für eine Verpflanzung genutzt werden sollen. Dabei muss ein besonderes Augenmerk auf die Aspekte des Haardurchmessers, der Farbe, der Haartextur, des Wachstumsverhaltens sowie der Austrittswinkel des Haarschaftes gelegt werden. Dies ist mit einem nicht zu unterschätzenden planerischen Aufwand verbunden, der noch erhöht wird, wenn die Empfehlungen einiger Forscher berücksichtigt werden, nach denen zur Erzielung eines optimalen Behandlungsergebnisses die Haare verschiedener Körperregionen miteinander kombiniert verpflanzt werden sollen.
Einen weiteren Aspekt, der dringend berücksichtigt werden muss, stellen die unterschiedlichen Anteile von Haarfollikeln in den verschiedenen Wachstumsphasen des Haarzyklus sowie die Tatsache dar, dass Haare verschiedener Körperregionen diesen Zyklus unterschiedlich schnell durchlaufen. Aus diesem Grund wird von einigen die Einnahme des Medikaments Minoxidil empfohlen, da sich damit eine Angleichung der Haarwachstumszyklen für die Entnahme der Haarfollikel erreichen lassen soll. Dabei handelt es sich um einen Stoff, mit dem Ärzte versuchen, den androgenetischen Haarausfall zu behandeln. Jedoch muss bei einer solchen Behandlung beachtet werden, dass das Medikament den weiteren Haarverlust im besten Fall verlangsamen, aber kein neues Haarwachstum an den Stellen anregen kann, die bereits aufgrund der fortschreitenden Alopezie haarlos geworden sind. Als ein weiterer Nachteil muss genannt werden, dass Minoxidil dann für den Rest des Lebens eingenommen werden muss, um einem weiteren Haarverlust vorzubeugen. Daneben kann die Einnahme von Minoxidil – wie bei jedem anderen Medikament auch – mit zahlreichen Nebenwirkungen einhergehen. Zu diesen zählt neben Kopfschmerzen, Juckreiz, Hautrötungen und Bluthochdruck auch ein verstärkter Haarverlust, weshalb ich Patienten generell empfehle, eine Behandlung mit Minoxidil kritisch zu überdenken.
Wie bei einer Eigenhaartransplantation ist auch die Verpflanzung von Bodyhair ein medizinischer Eingriff in den Körper, der mit gewissen Behandlungsrisiken assoziiert ist. Dabei handelt es sich jedoch um andere Risiken als sie bei einer Eigenhaartransplantation der Kopfbehaarung auftreten würden. Dieser Umstand liegt darin begründet, dass ein invasiver Eingriff in unterschiedliche Körperregionen mit anderen Risiken assoziiert ist als die alleinige Entnahme und das Wiedereinsetzen in die Kopfhaut. So kann es im Zuge einer Bodyhair-Transplantation beispielsweise zu einer Hypopigmentierung der Spenderflächen kommen. Der Ausdruck Hypopigmentierung bezeichnet dabei eine unterschiedliche Dichte des Farbstoffs Melanin, der verantwortlich für die natürliche Hautfarbe ist. Eine Schädigung der Melanin-produzierenden Zellen infolge der Entnahme von Bodyhair würde zu weniger Melanin führen, das in der Haut eingelagert wird, wodurch die betroffene Hautregion nach der Operation heller erscheinen würde als das umliegende Gewebe. Dieser Umstand kann je nach Entnahmeregion einen schweren ästhetischen Mangel darstellen und den Betroffenen weiteres Leid verursachen.
Daneben kann es zur Bildung eines sogenannten Keloids kommen. Dieses bezeichnet einen gutartigen Tumor, der ein Resultat eines gestörten Hautheilungsprozesses ist. Dabei handelt es sich um eine Wucherung unspezialisierter Zellen der Haut, die sich deutlich als über das normale Hautniveau erhaben darstellt. Sofern ein Keloid als solches erkannt wird und unter medizinischer Beobachtung bleibt, stellt dieses keine gesundheitlich ernsthafte Bedrohung dar, jedoch kann das Keloid betroffene Patienten ästhetisch mehr oder weniger stark beeinträchtigen, wenn es beispielsweise im Gesicht auftritt. Meist ist das Auftreten eines Keloids mit einer vorherigen Verletzung oder Operation verbunden und in bestimmten Körperregionen ist das Auftreten wahrscheinlicher als in anderen. Besonders anfällig für die Keloidentstehung ist der Brustbereich, insbesondere um das Brustbein (Sternum) herum. Dies ist insbesondere für die Entnahme von Brusthaar für die Bodyhair-Transplantation bedeutsam, da das Auftreten eines Keloids durch die Behandler kaum zu verhindern ist. Für die Behandlung eines Keloids stehen aktuell keine generalisierten medikamentösen Therapien zur Verfügung und lokal lässt sich nur das Injizieren von Corticosteroiden anwenden. Diese sind ihrerseits jedoch wiederum mit einer Vielzahl an potenziell gravierenden Nebenwirkungen verbunden. Eine chirurgische Entfernung des Keloids wird heutzutage ebenfalls nicht mehr durchgeführt, da das erneute Auftreten eines Keloids an der gleichen bereits zuvor betroffenen Stelle sehr wahrscheinlich ist.
Eine weitere Klasse von Nebenwirkungen, die eine Bodyhair-Transplantation haben kann, besteht im Auftreten einer Follikulitis. Dieser Begriff bezeichnet eine Vielzahl entzündlicher Erkrankungen der Haarfollikel, die beispielsweise dann auftreten können, wenn es zu Hautreizungen kommt, weil möglicherweise ein verpflanztes Haar unter der Haut weiterwächst, anstatt aus der Haut auszutreten. Leichte Formen der Follikulitis treten beispielsweise als sogenannter Rasurbrand auf. Es gibt jedoch auch schwerer verlaufende Formen, bei denen die Entzündung so weit verbreitet, dass es zu einer Infektion der betroffenen Hautareale kommt, die nach individuellen Gesichtspunkten dann wiederum medikamentös behandelt werden muss oder mit einer Narbenbildung einhergeht. Das möglicherweise vermehrte Auftreten einer Follikulitis kann bei der Verpflanzung von Bodyhair dadurch erklärt werden, dass die verpflanzten Follikel im Falle des Körperhaars an einer anderen Tiefe in der Haut verankert sind als die Haare des Kopfes.
Insbesondere bei der Follikelentnahme von Barthaaren im Gesicht muss der Behandler besondere Vorsicht walten lassen, da im Falle einer nicht sachgemäss durchgeführten Operation die Gefahr besteht, dass die Gesichtsnerven verletzt werden. Im schlimmsten Fall kann dies zu einer dauerhaften Facialisparese führen, womit eine (teilweise) Lähmung der Gesichtsmuskulatur gemeint ist. Die möglichen Folgen einer Facialisparese können in einer eingeschränkten mimischen Ausdrucksfähigkeit, Schwierigkeiten beim Schliessen der Augenlider sowie beim Sprechen und Essen bestehen. Auf diesem Weg kann es zu einer gravierenden Einschränkung der allgemeinen gesundheitsassoziierten Lebensqualität kommen, was die Betroffenen einem hohen Leidensdruck aussetzen kann.
Jedoch besteht der wohl wichtigste Grund dafür, von einer Bodyhair-Transplantation Abstand zu nehmen, darin, dass die Körperbehaarung aufgrund der in Kapitel 2 dieses Artikels genannten Gründe der Kopfbehaarung schlicht nicht ähnlich genug ist. Die Unterschiede im Wachstumsverhalten, dem Haardurchmesser, der Dicke sowie Farbe sind zu gravierend, um damit ein mit der klassischen Eigenhaartransplantation vergleichbares Behandlungsergebnis zu erzielen. Dies gilt auch dann, wenn die Haarfollikel verschiedener Körperregionen auf den Kopf verpflanzt wurden, wie von einigen Medizinern empfohlen. Daneben wäre der planerische Aufwand für einen solchen Eingriff so immens, dass er realistischerweise kaum zu bewältigen sein dürfte. Selbst wenn ein Patient zu akzeptieren bereit wäre, dass sich mit einer Bodyhair-Transplantation kein vergleichbares Behandlungsergebnis wie mit einer Eigenhaartransplantation im Kopf erzielen liesse, so wäre bei der Durchführung des Verfahrens doch mit den anderen genannten Nebenwirkungen zu rechnen und es ist hochgradig fraglich, ob das Eingehen dieser Risiken das eigentliche Behandlungsziel rechtfertigt.
Zumindest was die ästhetischen Aspekte angeht, werben einige unseriöse Anbieter der Bodyhair-Transplantation damit, dass sich die verpflanzten Haare in Aussehen und Textur dem Kopfhaar nach Durchführung der Behandlung angleichen würden, indem die Haarfollikel auf irgendeinem nicht näher erläuterten Weg die Information, an welcher Stelle des Körpers sie sich befinden, aufnehmen würden. Dem können jedoch mehrere Argumente entgegengehalten werden: In den fast 100 Jahren, in denen die Mediziner nunmehr Haartransplantation durchführen, wurde noch nie beobachtet, dass einmal verpflanzte Haarfollikel andere Haarschäfte produzieren als sie es vor der Transplantation taten. Es fehlt hier also schlicht und ergreifend ein empirischer Beweis dafür, dass eine solche Informationsaufnahme möglich ist. Weiterhin ist festzuhalten, dass heute auch kein biochemischer oder physiologischer Prozess bekannt ist, über den eine solche Informationsübertragung möglich sein sollte. Neben der Tatsache also, dass noch nie zuvor eine solche Veränderung beobachtet wurde, könnte sie auch nicht sinnvoll erklärt werden, falls sie denn aufträte. Und drittens muss auch berücksichtigt werden, dass wenn eine Angleichung an das Kopfhaar in Bezug auf Textur und Farbe vorkommen würde, das transplantierte Bodyhair in der von Alopezie betroffenen Kopfregion auch schnell wieder ausfallen müsste, da es dann auch die Empfindlichkeit gegenüber Alopezie-verursachenden Faktoren, wie beispielsweise den Stoffwechselprodukten des Testosterons, „geerbt“ haben müsste.
Aus den genannten Gründen stehe ich einer Bodyhair-Transplantation sehr kritisch gegenüber, und wenn Sie sich potenziell für eine Haartransplantation interessieren, möchte ich Ihnen nahelegen, ebenfalls eine skeptische Haltung einzunehmen. Lassen Sie sich in jedem Fall ausführlich, intensiv und persönlich von einem möglichen Therapeuten beraten und über die möglichen Risiken einer Behandlung aufklären, damit Sie eine rationale und fundierte Entscheidung darüber treffen können, ob Sie bereit sind, diese Risiken für das von ihnen angestrebte Ziel einzugehen. Sollten Sie sich für eine Eigenhaartransplantation interessieren, möchte ich Sie an dieser Stelle herzlichst dazu ermuntern, Kontakt mit mir aufzunehmen, um ein persönliches Beratungsgespräch in unserer Klinik zu vereinbaren.
Weiterführende Literatur
Hirai, T., Inoue, N. & Nagamoto, K. (2001). Potential use of beards for single-follicle micrografts: convenient follicle-harvesting technique using an injection needle. Annals of plastic surgery, 47(1), 37–40.
Okuda, S. (1939). Clinical and experimental studies of transplantation of living hairs. Jpn J Dermatol Urol, 46, 1–11.
Saxena, K. & Savant, S. S. (2017). Body to scalp: Evolving trends in body hair transplantation. Indian dermatology online journal, 8(3), 167.