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Auftrags- und Dokumentarfilme
«Ein Weg bleibt offen!», 1944
Wenn in Kriegszeiten die Grenzen geschlossen werden, bleibt nur ein Weg offen, um Briefe und Hilfssendungen zu Notleidenden zu schaffen: das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK). Bei den Dreharbeiten zu diesem Informationsfilm des IKRK lernte Kurt Früh seine spätere Ehefrau Eva Langraf kennen, die hier eine Flüchtlingsfrau spielt.
«Mitenand gahts besser!», 1949
Beim sonntäglichen Angeln lernen sich Herr Hofer (Emil Hegetschweiler) und Herr Mörgeli (Heinrich Gretler) kennen und sind sich sympathisch. Doch am Montagmorgen muss Hofer in der Post Schlange stehen und regt sich auf über die Langsamkeit des Schalterbeamten. Dieser entpuppt sich als sein Angelfreund Mörgeli. Verständigung tut Not. Im Vorfeld der Einführung eines neuen Bundesbeamtengesetzes warb die «Aktion des guten Willens» mit diesem Auftragsfilm für Toleranz. Neben Heinrich Gretler und Emil Hegetschweiler wirken auch Schaggi Streuli, Ruedi Walter und andere angehende Stars mit. Regie: Adolf Forter, Buch: Kurt Früh
«Demokratie in Gefahr», 1949
Jakob Rüegg (Schaggi Streuli) hat einen Albtraum: Eines Morgens erwacht er in einem totalitären Staat. Rund um die Uhr wird er bespitzelt, keinem Mitmenschen kann er mehr trauen, denn jeder könnte ihn anzeigen. Wahlen sind obligatorisch, doch es gibt nur eine Partei; die Pressefreiheit ist dahin, und wer zu spät zur Arbeit kommt, wird als Saboteur bestraft. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte David Wechsler bereits von Franz Schnyder drei kurze, folkloristisch anmutende Dokumentarfilme zum Thema Demokratie drehen lassen, um für die demokratischen Bande zwischen der Schweiz und den USA zu werben. Den vierten Teil realisierte Kurt Früh als antidemokratisches Schreckbild im Stil des kurz zuvor erschienenen Romans «1984» von George Orwell, allerdings etwas unterfüttert mit kabarettistischem Witz. Schaggi Streuli spielt den von Albträumen geplagten Bürger. Die Bildgestaltung (Kamera: Emil Berna) geht zurück auf Frühs Erinnerungen an das Klima im Dritten Reich; gleichzeitig rechnet der Filmemacher als entzauberter Linker hier auch mit der Korruption des Kommunismus durch die Stalin-Diktatur ab.
«Unser Mitbürger Christian Caduff», 1955
In der Schweiz der Nachkriegszeit herrscht vielerorts Armut, gerade auch im ländlichen Graubünden. Der Forstangestellte Christian Caduff kann seine Familie kaum mehr ernähren. Da bieten ihm die mit Bundeshilfe erstarkten Emser Werke eine neue Chance. Caduff wird angelernt und bekommt einen verantwortungsvollen Posten in der Kunstfaserherstellung. Fortschrittsglaube prägt dieses Firmenportrait, das die Pioniertaten der Emser Werke preist.
«Weite Welt», 1956
Den Konventionen des Industriefilmes verpflichtet hat Kurt Früh in den späten 50er-Jahren den Ausbildungsfilm «Weite Welt» realisiert. Vermutlich im Auftrag einer Hotelfachschule wird die Ausbildung zur Hotelfachkraft optimistisch als Aufstiegsgeschichte geschildert. Der Film zeigt die wechselvollen Jahre im Leben eines jungen Mannes und einer jungen Frau, deren Berufsausbildung die beiden an allerlei exotische Hotspots führt (St. Moritz, Cannes). Kurt Früh lässt es sich dabei nicht nehmen, eine Liebesgeschichte – natürlich zwischen den beiden Auszubildenden – ins Geschehen einzubauen. Damit greift er einmal mehr in die dramaturgische Trickkiste, um die trockene Materie attraktiv darstellen zu können. Als Resultat bleibt ein Industriefilm mit Ansätzen zu einer eigenen Handschrift, der allerdings seine unkritisch-werbende Grundhaltung nie verleugnen mag.
Gespräch mit Georg Janett
Als Studiogast bei «Delikatessen»gibt Kurt Frühs langjähriger Mitarbeiter Georg Janett Auskunft über frühe Phase im Schaffen des grossen Schweizer Cineasten Kurt Früh.