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Nach Statistiken der SUDAM (Staatliches Organ zur Entwicklung Amazoniens) von 1998 gab es in Amapá zwischen 1990 und 1996 ein durchschnittliches jährliches Wirtschaftswachstum von 4,4% und etwas mehr in den Jahren 1995-96. Dieses Wachstum lag höher als das gesamt-brasilianische, von 3,1%, aber niedriger als das damalige Bevölkerungswachstum in Amapá, von 5,3%.
Die Wirtschaft in Amapá steht in direktem Zusammenhang mit den natürlichen Ressourcen der Region und dementsprechend kommt diesem Bundesstaat auch in erster Linie eine gewisse Bedeutung als Exporteur für Rohstoffe zu – rohe und halbverarbeitete Produkte mit geringen Wertsteigerungsmöglichkeiten. Seit der Erschöpfung der Mangan-Förderung in der “Serra do Navío”, machen Anpflanzung und Export von Pinienholz – einer multinationalen Gesellschaft – 50% des Gesamtexports von Amapá aus. Danach folgen: der Palmito der Açaí-Palme und tiefgefrorener Fisch.
AUS DEM REGIERUNGSPROGRAMM
Ein Entwicklungshilfe-Programm in die Realität umzusetzen, ist eine Herausforderung, die sich mit der Komplexität Amazoniens vergleichen lässt, aber genau das hat der Gouverneur João Alberto Capibaribe vor. Seine Zielsetzung erscheint ambitiös, denn es handelt sich um ein wirtschaftliches Modell, welches die Schaffung von Wohlstand mit der Erhaltung der natürlichen Ressourcen und sozialer Gerechtigkeit zu verbinden versucht. Sein Plan sieht eine schrittweise Verwirklichung verschiedener, anscheinend sich widersprechender Projekte vor, wie zum Beispiel die Anwendung ultra-moderner Technologie mit gleichzeitiger Beachtung lokal-kultureller Tradition und Weisheit. Resultate, so weiss er, werden nicht kurzfristig zu erwarten sein, aber er verweist auf die nähere Zukunft: “Das Modell, welches wir für Amazonien anstreben, sollte nach den natürlichen Prinzipien seiner Umwelt konstruiert sein: vielschichtig, unterschiedlich gestaltet und originell, eine Kombination aus Wagemut und Respekt, aus Altem mit Neuem, aus Biologischem mit Kulturellem.”
LANDWIRTSCHAFT
Das Potential der amazonensischen Böden ist scheinbar sehr unterschiedlich und diese Tatsache verlangt nach einer genauen Aufstellung seiner jeweiligen Kapazitäten, um entsprechende Investitionen richtig zu verteilen. Testprogramme in bewaldeten Arealen und solchen, die landwirtschaftlich genutzt werden, haben bereits die Anpassungsfähigkeit sowie die Rentabilität verschiedener Pflanzengattungen bewiesen – besonders solcher, die zur Erzeugung lokaler Rohstoffe verwendet werden können. In diesem Sinne haben für die Regierung besonders solche landwirtschaftliche Projekte Vorrang, welche den einzelnen Familien in diesen Gebieten zur Selbsterhaltung zugute kommen.
BIODIVERSITÄT
Amazonien muss wissenschaftliche Zentren zum Studium der Biodiversität und deren praktischem Nutzen für die lokale Bevölkerung in allen Anrainerstaaten einrichten, lokales Wissen anerkennen, Forschung und Entnahme von genetischem Material kontrollieren, Verträge zur Feldforschung gegen technologische und soziale Vorteile aushandeln und die Nutzung der Biodiversität mit der Biotechnologie verbinden. Nur so kann das erforderliche Gleichgewicht zwischen den Faktoren der Produktion, den natürlichen Ressourcen und der erhaltenden Technologie erreicht werden. Deshalb investiert die Regierung von Amapá in die Festigung des bundesstaatlichen Forschungs-Organs ICPA – mit Aktionen, die von der Mitarbeiter-Anwerbung über Strukturierung der Labors, Einbindung von entsprechenden Unternehmen, bis zu Abkommen und Verträgen mit lokalen, nationalen und internationalen wissenschaftlichen Institutionen reichen. Grosses gemeinsames Ziel ist die Gründung eines Technologischen Parks für Naturprodukte.
INFRASTRUKTUR
Das Transportsystem sollte sowohl Strassen als auch Wasserwege berücksichtigen. Die Strassen sollten der regionalen Integration der schon existenten Bevölkerungs-Pole zugute kommen und ihre Neukonstruktion sollte durch vorherige Analysen eingeleitet werden, um eventuelle sozio-ökologische Schocks zu verhindern.
ABHOLZUNG
Als Diebstahl und für den Bundesstaat unwirtschaftliche Aktivität verurteilt, denn der Export der Stämme bringt der Region keinen Nutzen. Wo hingegen Hölzer aus Wiederaufforstungs-Projekten grossen Marktwert besitzen und sich als Alternativen immer mehr auf dem Weltmarkt behaupten, hier sollte man vermehrt forschen.
MINERALIE
Hier geht es nicht um die Frage der Herkunft des Kapitals, sondern um die Regeln, welche seine Nutzung bestimmen, um den sozialen Nutzen, den sie am Fundort hinterlassen und um die angewandte Förderungstechnologie, sowie die adäquate finanzielle Kompensation für den Verlust nicht unersetzlicher natürlicher Ressourcen.
FISCHEREI
Die weltweite Krise in diesem Wirtschaftszweig und die voranschreitende Erschöpfung entsprechender Vorräte könnten Amazonien in eine wettbewerbsfähige Position bringen. Dazu ist es aber unbedingt erforderlich, dass in allen betroffenen Staaten entsprechende Schutzmassnahmen den Bestand fördern und rigorose Kontrollen entsprechende Zuwiderhandlungen ahnden und verhindern.
EIGENTUMSREGELUNG
Den traditionellen Bewohnern der Region muss eine Politik unter die Arme greifen, die ihnen ihren Landbesitz und ihre traditionellen Ressourcen garantiert. Dies ist eines der effizientesten Mittel, den Schutz der Grenzen, sowie des ganzen Landes, zu erreichen. Ausserdem hilft diese Regelung beim Naturschutz.
TOURISMUS
Zur Entwicklung des Ökotourismus muss ein Plan für die gesamte Region entworfen und durchgesetzt werden, der, unter Berücksichtigung der einzelnen lokalen Potentiale und der jeweiligen vorhandenen Infrastruktur, die Protektion natürlicher Ressourcen in Verbindung mit der Schaffung wirtschaftlicher Einkünfte propagiert.
DAS “ZENTRUM FÜR LANDWIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG”
“Laboratorium der guten Ideen”, so könnte man das “Centro de Desenvolvimento Rural” auch bezeichnen. In den demonstrativen Flächeneinheiten dieser Organisation gibt es keinen Platz für den traditionellen Anbau, der durch eine Monokultur mit Benutzung von Agrotoxinen hier längst verpönt ist. Auf den kleinen Flächen von 0,3 Hektar arbeiten die Agrar-Techniker mit der “Rotativen Kultivierung”, probieren natürliche Dünger und hausgemachte Insektenvertilger aus und geben den traditionellen Technologien eine Chance. Dem Anbau von Früchten und Gartenpflanzen gehört ihr Hauptinteresse, aber auch 14 Bienenvölker gehören mit zum Gegenstand ihrer Untersuchungen.
So investieren sie, unter anderem, auch in die Anschaffung verschiedener technischer Ausrüstung, wie zum Beispiel einer Maschine zur Herstellung kleiner Plastik-Sachées, in die der Bienenhonig “eingeschweisst” wird und damit eine Marktlücke für die Gastronomie und Hotellerie ausfüllt. Ein vollkommen mechanisiertes “Maniok-Verarbeitungs-Haus” ist das nächste anstehende Projekt, um damit dem kleinen Landmann die Arbeit zu erleichtern und den Kooperativismus anzuregen.
In allen 16 über den Bundesstaat Amapá verteilten Niederlassungen haben die kleinen privaten Produzenten Zutritt und werden dort mit allen gewünschten Informationen sowie technischem Know-how versorgt.
DIE “RESERVA DO LARANJAL”
Mit einer Kooperative gelingt es den Paranuss-Sammlern vom Jarí-Fluss heute, die unverschämte Ausbeutung der Zwischenhändler zu umgehen. Früher waren sie von denen praktisch gezwungen worden – mangels anderweitiger Absatzmöglichkeiten – Nüsse gegen Nahrungsmittel zu tauschen, natürlich immer zu Ungunsten der Sammler. Damals erhielten sie für 100 kg Nüsse, zum Beispiel, den Gegenwert von einer Büchse Milch. Der Zwischenhändler verkaufte die Nüsse dann für einen Gegenwert von 68 US Dollar!!
In Gemeinschaft mit der Regierung von Amapá, der Präfektur von Laranjal und dem Unternehmen Cellulose Jarí, durchbrachen die Nuss-Sammler erstmals diesen Teufelskreis. Sie konstruierten zwei Nussverwertungs-Industrien und bekamen staatlich abgesicherte Verträge, in denen die Produkte als “in natura” Ergänzungs-Nahrung zur Schulspeisung aufgenommen sind.
Vorläufig bedeutet dies erst 10% Gewinn auf den Endpreis, aber, langsam und stetig verbessern die Sammler ihre Konditionen zur Nutzung des Produkts:
Mit einem Kredit der Cellulose Jarí haben sie einen Generator zur Beleuchtung kaufen können, sowie eine Maschine zur Extraktion des Nussöls, welches einen sehr hohen Proteingehalt hat. Das Nussmehl, welches nach dem Pressen des Öls übrig bleibt, verhandeln sie als Exportprodukt gerade mit einigen französischen Firmen.
Noch existieren einige Schwierigkeiten, wie zum Beispiel die Überwindung der grossen Entfernungen innerhalb der einzelnen Sammelgebiete und den Verarbeitungsorten, aber schon bei der nächsten Ernte werden die Nuss-Sammler wieder ein Stück weiter mit ihrer Ausrüstung und Infrastruktur sein und können in Kürze den gesamten Industrialisierungs-Prozess vollkommen selbständig regeln – in allen seinen verschiedenen Etappen, inklusive der Vakuum-Verpackung, welche den Versand an andere Märkte erlaubt.
DAS I.E.P.A.
Die Integration des Menschen in seine Umwelt, damit beschäftigt sich vor allem das “Wissenschaftliche Institut des Bundesstaates Amapá (Instituto de Estudos e Pesquisas do Estado de Amapá, kurz I.E.P.A.). Die primäre Aufgabe seiner zahlreichen Mitarbeiter besteht aus der programmierten Schaffung ökologisch-wirtschaftlicher Zonen, die von der traditionellen Land- und Waldbevölkerung zur Selbsterhaltung kontrolliert genutzt werden dürfen.
Um diesen Prozess zu ergänzen, plant das IEPA die Schaffung eines Technologie-Zentrums zur Ausbildung von Technikern, die Erweiterung der Arbeitsgemeinschaft mit anderen wissenschaftlichen Institutionen, die Strukturierung von Laboratorien – schon sind solche für Chemie, Naturprodukte, Technologie und Qualitätskontrolle in der Ausbauphase. Im Zentrum sollen ebenfalls Industrie-Hallen entstehen, in denen das Projekt “Unternehmens-Einbindung” untergebracht wird. Wer ein bestimmtes Produkt oder einen innovativen Herstellungsprozess entwickeln möchte, bekommt dafür entsprechende Starthilfe während zwei bis drei Jahren, bis das Unternehmen in der Lage ist, sich selbst zu tragen. Gegenwärtig wird diese Arbeit in indirekter Form entwickelt, indem man den Kooperativen hilft, die die Industrialisierung der Paranuss betreiben.
Mit dem Centro de Plantas Medicinais (Zentrum für Heilpflanzen) und anderen Forschungslinien, arbeitet das IEPA für die Integration der Wissenschaft und Technologie in die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Gegenwart Amapás.