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«Sehen Sie diese Möbel, diese Bücherregale, diesen Schreibtisch?», fragt mich der Priester, mit dem ich das jesuitische Kulturzentrum in Homs besuche. «Das alles haben Kinder von Le Sénevé hergestellt.» Le Sénevé («das Senfkorn») ist ein Tageszentrum für geistig beeinträchtigte Kinder, das CSI seit 2016 unterstützt.
Jameel, der Schreiner
Eines der Kinder ist Jameel, ein Teenager mit Down-Syndrom. Er stammt aus einer mittelständischen Familie in Homs und ist das zweite von vier Kindern. Seine Eltern schämten sich, mit ihm unter die Leute zu gehen oder über ihn zu sprechen. Leider kein Einzelfall, wie Schwester Marie-Rose berichtet: «In unserer Gesellschaft werden viele Kinder mit Behinderungen stark stigmatisiert.» In ihrem Buch hat Schwester Marie-Rose über solche Kinder geschrieben.
Anfang 2018 erfuhr Jameels Mutter von Le Sénevé und brachte ihn ins Zentrum. Jameel fand sich mit dem Bildungsprogramm und den Freizeitaktivitäten rasch zurecht. Eines Tages verschwand er während des Mittagessens. Die Angestellten suchten ihn überall. Schliesslich fanden sie ihn in der Schreinerwerkstatt, wo er sich fasziniert umschaute. «Möchtest Du Schreiner werden?», fragte ein Betreuer. «Genau!», strahlte Jameel.
Seitdem nimmt Jameel dreimal pro Woche am Werkunterricht teil. Stolz präsentiert er an den Ausstellungen, die jedes Semester stattfinden, seine selbsthergestellten Kunstwerke. Fragt man ihn nach seinem Namen, antwortet er lächelnd: «Jameel, ana najjar!» («Jameel, ich bin Schreiner!»)
Liebevoll und kompetent
Der Besuch im Tageszentrum hat mich sehr beeindruckt. In einer Stadt, die vom Krieg stark betroffen ist, bildet Le Sénevé eine Oase des Friedens. Das Fachpersonal kümmert sich liebevoll und kompetent um jedes einzelne Kind. Inzwischen besuchen 104 geistig beeinträchtigte Kinder und Jugendliche zwischen vier und dreissig Jahren das Zentrum.
Der Bedarf ist riesig. Letztes Jahr konnten Klassenzimmer im obersten Geschoss ausgebaut werden, so dass 22 Kinder mit Autismus aufgenommen werden konnten. Fast 100 Kinder stehen weiterhin auf der Warteliste. Vier Sozialpädagogen besuchen sie zu Hause und stellen in Zusammenarbeit mit den Eltern für jedes Kind ein individuelles Förderprogramm zusammen.
Reparatur und Ausbau weiterhin nötig
Seit Jahren setzen sich die Schwestern dafür ein, das Erdgeschoss des Zentrums zurückzubekommen. So könnten sie auch körperlich beeinträchtigte Kinder aufnehmen, was im Obergeschoss nicht möglich ist. Die Schwestern hatten im Erdgeschoss früher eine Schule betrieben, die in den sechziger Jahren verstaatlicht wurde. Zwar benützt die Regierung die Räumlichkeiten seit Jahren nicht mehr, verweigert jedoch bisher eine Rückgabe.
Letztes Jahr zog Schwester Samia, die Leiterin von Le Sénevé, zurück ins Zentrum, das sie und ihre Mitschwestern wegen des Kriegs 2012 hatten verlassen müssen. Islamistische Rebellen der al-Nusra-Front missbrauchten das Zentrum damals als Kommandozentrale. Dass das Zentrum nun wieder bewohnt ist, hat eine grosse symbolische Bedeutung.
2017 sagte uns die Paul & Lydia Stücklin-Gempp-Stiftung zu, dieses Projekt über vier Jahre grosszügig mitzutragen. Für diese treue Unterstützung bedanken wir uns nochmals ganz herzlich. Wir sind dankbar für alle Spenderinnen und Spender, die diese Lücke zu füllen helfen. Schwester Marie-Rose hat grosse Pläne: «Wir hoffen, dass wir bald in weiteren syrischen Städten solche Zentren eröffnen können.»
Projektmanagerin Nahost
Brief aus Aleppo
Dr. med. Nabil Antaki über die Sanktionen
Unser Projektpartner Nabil Antaki, Arzt in Aleppo, schreibt regelmässig Briefe über die aktuelle Situation in Syrien. Im neusten Brief berichtet Nabil Antaki auch über die verheerenden Sanktionen gegen die Zivilbevölkerung:
«Die Sanktionen (…) verhindern Handel und Einfuhr von Produkten, blockieren sämtliche Finanztransaktionen aller syrischen Bürger und verbieten alle Wiederaufbauprojekte. Zynischerweise geben die europäischen Verantwortlichen vor, die Sanktionen seien zielgerichtet, beträfen nur die Machthaber und Kriegsgewinnler und bezögen sich nicht auf Arzneimittel, medizinische Geräte oder Lebensmittel. Reine Heuchelei. Wenn die Bankkonten aller Syrer eingefroren sind und ein syrischer Bürger, gleichgültig welcher, keine Finanztransaktionen machen kann (…), wie kann man dann die von den Sanktionen ausgenommenen Produkte kaufen?»
Die Arbeit als Arzt in Syrien ist äusserst herausfordernd. Covid-19 hat die Situation noch verschärft. Bitte beten Sie für Dr. Nabil Antaki.
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