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Der sogenannte Neugeborenenikterus ist auf eine neonatale Hyperbilirubinämie zurückzuführen und in der Praxis regelmäßig zu beobachten. Sowohl physiologische als auch pathologische Prozesse können zu einem Anstieg der Serumkonzentration des Gallenfarbstoffs führen. Leitsymptom ist die gelbliche Verfärbung der Haut. Neben den klinischen Befunden dienen vor allem labordiagnostische Resultate zur Unterscheidung physiologischer und krankhafter Verlaufsformen sowie eventuell der Identifikation einer Grunderkrankung.
Zwei bis vier Tage nach der Geburt kann ein physiologischer Neugeborenenikterus festgestellt werden, weil fetales Hämoglobin in großen Mengen abgebaut wird, die Leber des Neonaten jedoch nicht in der Lage ist, das anfallende Bilirubin zu konjugieren, damit es über Galle und Darm ausgeschieden werden kann [1]. Daher ist innerhalb dieses Zeitraumes der Serumspiegel an Bilirubin erhöht. Die Haut das Babies ist entsprechend gelblich verfärbt, wobei dies zunächst im Bereich des Gesichts, später aber auch am Körperstamm und den Extremitäten auffällt.
Verschiedene pathologische Zustände können jedoch dazu führen, dass die Hyperbilirubinämie schon früher einsetzt, stärker ausgeprägt ist oder länger andauert. An folgende Umstände muss dabei gedacht werden [2]:
Wenn Bilirubin in signifikantem Ausmaß die Blut-Hirn-Schranke überschreitet, weil es nicht mehr an Albumin gebunden werden kann, entwickelt sich ein Kernikterus, eine Bilirubinenzephalopathie. Hierbei handelt es sich um eine schwerwiegende neurologische Komplikation des neonatalen Ikterus, die sich in Lethargie, schrilles Schreien, Problemen beim Stillen und Hypotonie, später auch in Reizbarkeit, Hypertonie und Opisthotonus, Krampfanfällen und Apnoe zeigt. Mögliche Langzeitfolgen sind ein Hörverlust für hohe Tonlagen, eine Zahnschmelzhypoplasie, vertikale Blickparese, dyskinetische Zerebralparese und geistige Behinderung [2] [5] [6].
Blutanalysen sind anzustellen, um das Vorliegen einer Hyperbilirubinämie zu bestätigen und deren Ausmaß zu bestimmen. Diesbezügliche Referenzwerte sind altersabhängig und betragen für das Gesamtbilirubin 10 mg/dl am ersten Lebenstag, 15 mg/dl am zweiten Lebenstag, 18 mg/dl am dritten Lebenstag und 20 mg/dl ab dem vierten Lebenstag [2]. Innerhalb von maximal zwei Wochen geht ein physiologischer Neugeborenenikterus spontan zurück.
Weiterhin ist eine Differenzierung der Serumspiegel unkonjugierten und konjugierten Bilirubins vorzunehmen, um zwischen prähepatischen, hepatischen und posthepatischen Formen des neonatalen Ikterus zu unterscheiden. Während beim prähepatischen Ikterus vor allem die Serumkonzentration des unkonjugierten Bilirubins erhöht ist, charakterisiert sich der posthepatische Ikterus durch hohe Spiegel an konjugiertem Bilirubin [4]. Da sich der physiologische Neugeborenenikterus aus dem Abbau des fetalen Hämoglobins ergibt, ist hier in erster Linie die Konzentration des unkonjugierten Bilirubins erhöht.
Darüber hinaus sind dem Blutbild und der Blutchemie weitere Hinweise auf eine mögliche Grunderkrankung zu entnehmen. Eine verstärkte Hämolyse sollte die Erythropoese stimulieren, was sich in einer erhöhten Retikulozytenzahl widerspiegelt. Erhöhte Konzentrationen der hepatischen Transaminasen können auf ein Leberleiden hinweisen. Das weitere Vorgehen im individuellen Fall hängt vom klinischen Bild und den erhobenen Befunden ab und kann weitere Bluttests, bildgebende Studien, Biopsien mit anschließender histologischer Untersuchung von Gewebeproben und genetische Analysen umfassen.