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Jedes Kind weiss, dass die Kirche dem Italiener Galileo Galilei, Link öffnet in einem neuen Fenster den Prozess machte, weil er darauf bestand, dass die Erde nicht der Mittelpunkt unseres Planetensystems ist. Mit seinen Berechnungen hatte er das heliozentrische Weltbild seines astronomischen Vorbildes Kopernikus bestätigt: dass nämlich die Erde um die Sonne kreist – und nicht die Sonne um unseren Planeten. Ein Widerspruch zu manchen Aussagen der Heiligen Schrift, wie etwa dieser:
Da redete Josua mit dem HERRN [...] und sprach vor dem gegenwärtigen Israel: Sonne, stehe still zu Gibeon, und Mond, im Tal Ajalon!
War der Klerus damals also forschungsfeindlich? Nicht per se, wie der Fall Antoni van Leeuwenhoek zeigt. Der Niederländer – ein Kind des Barocks, wenn auch kein Zeitgenosse Galileis – entdeckte mit winzigen, selbst geschliffenen Vergrösserungsgläsern als Erster ein Bakterium. Doch als er es öffentlich als «winziges Thierlein» beschrieb, wurde er deswegen keineswegs zu den Kirchenoberen zitiert – auch wenn sich in der Schöpfungsgeschichte dafür keine einzige Zeile findet.
Unzählige Spermien – doch wozu?
In die damaligen «Schlagzeilen» geriet van Leeuwenhoek dann doch noch: Als er als Erster die männlichen Spermatozoen, Link öffnet in einem neuen Fenster entdeckte und zeichnete, löste er eine heftige Debatte aus: Er hatte nämlich in einer kleinen Probe eine riesige Zahl davon gesehen – ein scheinbarer Widerspruch zur Kirchenlehre. Wenn Gott für jeden einzelnen Menschen eine Plan hat, wozu brauchte es dann unzählige Spermien, um ein einziges Kind zu zeugen?
Die Probe aufs Exempel fiel freilich schwer: Der Forscher war extrem kurzsichtig – und weil andere Zeitgenossen durch seine selbst geschliffenen Linsen nichts erkannten, konnte die Behauptung nicht sofort verifiziert werden. Zumal jene Linsen nicht grösser waren als kleine Wassertropfen.
Abschwören musste van Leeuwenhoek , Link öffnet in einem neuen Fensterseiner Erkenntnis am Ende nicht – und er war nicht der einzige. Im Gegenteil: Wer im Mikrokosmos forschte, wurde vom Klerus geradezu ermuntert, seine Erkundungen voranzutreiben, um so die Perfektion Gottes bis ins kleinste Detail der Schöpfung zu demonstrieren.
Nähe zur Macht als Vorzug und Gefahr
Mehr noch: An fürstlichen Höfen und anderen Schaltstellen der Macht waren geistreiche Forscher seinerzeit gern gesehene Gäste. Die Potentaten sonnten sich in deren Glanz, und die Naturkundler profitierten durch finanzielle Hilfe. Zudem verschaffte eine Anstellung bei Hofe ihnen höhere Publizität – freilich auch mit höherem Risiko, dem Klerus unangenehm aufzufallen.
Ob man wie Galileo oder zuvor Giordano Bruno , Link öffnet in einem neuen Fensterverfolgt wurde oder nicht, hing letztlich vor allem vom Forschungsgebiet ab. Wer sich mit Lebensformen oder Substanzen befasste, die für das blosse Auge unsichtbar waren, wurde weniger rasch behelligt – schlicht, weil es in der Bibel keinen Mikrokosmos gibt. Doch Philosophen, Astronomen, Physiker, die sich mit der Deutung des Universums und des Menschen befassten, gerieten schneller in Widerspruch zur Bibel.
Rechthaberei... – wider besseres Wissen
Rom hielt zäh an seinen Dogmen fest – selbst dann, wenn man die Wahrheit bereits ahnte. Galileo Galilei wurde erst 1992 formal von der römisch-katholischen Kirche rehabilitiert – doch bereits 1741 erlaubte die römische Inquisition das so genannte «Imprimatur», das heutige «Gut zum Druck» auf die erste Gesamtausgabe seiner Werke. Vielen Kirchenoberen, auch dem seinerzeitigen Papst Benedikt XIV. war da längst klar, dass die Erde nicht der Mittelpunkt des Universums war. Bibel hin oder her.
Die Hand Gottes
Noch heute finden sich in den Niederlanden Original-Mikroskope aus dem 17. Jahrhundert, mit denen im Barock gearbeitet wurde. Manche sind vergoldet und kunstvoll bemalt. Sie zeigen die Hand Gottes, die mit dem Zeigefinger auf eine Gruppe von Forschern mit Mikroskopen und Tierchen weist. Die Botschaft: Gott ist dieser Forschung wohlgesinnt.