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In den letzten Jahrzehnten unterlagen auch die späteren Lebensphasen (späte Familien- und Berufsphasen und nachberufliches Leben) einem ausgeprägten gesellschaftlichen Wandel, und während früher das Altern passiv hingenommen werden musste, wird das Altern heute vermehrt als Prozess verstanden, der aktiv gestaltbar ist, wie gerontologische Konzepte zur Plastizität des Alters andeuten.
Dynamisierung der nachberuflichen Lebensphase
Die zuerst bei jungen Erwachsenen feststellbaren Prozesse von Individualisierung, Pluralisierung und Dynamisierung von Lebensvorstellungen und Lebensverläufen berühren immer stärker auch die späteren Lebensphasen, namentlich das dritte Lebensalter (Seniorenalter, gesundes Rentenalter). Ausdruck davon sind etwa zunehmende Scheidungsraten bei langjährigen Paaren, eine vermehrte Häufigkeit von Zweitbeziehungen im Alter, aber auch eine steigende Zahl über 50-jähriger Berufswechsler. Nicht bei allen, aber bei einer grösseren Gruppe älterer Frauen und Männer führen neue Modelle eines aktiven und kreativen Alterns auch zu einer bedeutsamen Neugestaltung der nachberuflichen Aktivitäten, namentlich was das «dritte Lebensalter», das gesunde Rentenalter, betrifft.
Aktives und mobiles Rentenalter
Der Lebensstil 65- bis 74-jähriger Menschen, teilweise aber auch über 75-jähriger Menschen, hat sich etwa in der Schweiz seit den 1980er Jahren eindeutig in Richtung einer mehr aktiven Lebensgestaltung verschoben, und der Anteil älterer Menschen, die nach der Pensionierung einen passiven oder zurückgezogenen Lebensstil führen, ist gesunken. Wo sich ebenfalls klare Veränderungen des dritten Lebensalters zeigen, ist bezüglich Verkehrs- und Reiseverhalten, und tatsächlich verbringen mehr ältere Menschen kürzere oder längere Zeit fern ihres Wohnorts; eine Entwicklung, die dazu geführt hat, dass «reisende Senioren» gerade zur «Inkarnation» eines aktiven Alters geworden sind. Auch die Wohnmobilität älterer Menschen hat sich in den letzten Jahrzehnten erhöht.
Sozio-kulturelle Verjüngung
Faktisch zeigt sich damit eine gewisse sozio-kulturelle Verjüngung neuer Rentnergenerationen, was eine Gleichsetzung von demographischer Alterung und gesellschaftlicher «Überalterung» grundsätzlich in Frage stellt.