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Die Schweiz muss ihre Kinder anerkennen. Aufgrund dieser parlamentarischen Initiative von Nationalrätin Ada Marra aus dem Jahr 2008 werden die Kinder der Dritten Einwanderungsgeneration erleichtert eingebürgert. Kinder der zweiten Generation, die in unserem Land geboren sind, die Volksschulen absolviert haben und sogar eine Berufsbildung vorweisen, haben in verschiedenen Kantonen immer noch eine sogenannte "Prüfung" abzulegen. Für mich ist das eine Schikane. Wenn diese Kinder aus der zweiten Generation nicht integriert wären, dann müssten wir uns nämlich fragen, ob unser Schulsystem versagt. Die Schweiz ist seit vielen Jahrzehnten ein sehr erfolgreiches Einwanderungsland - machen wir vorwärts mit der politischen Einbindung unserer Kinder.
Herr T., ich sehe das genau so. "Die Schweiz muss ihre Kinder anerkennen." Treffende Formulierung, weckt Assoziationen an aussereheliche Kinder. Diese haben ja auch Kinder, die Enkelkinder der Schweiz. 2003 hat mir eine Italienerin, deren Eltern eingewandert sind, und sie selbst in der Schweiz geboren und aufgewachsen war, berichtet, im Ausländerausweis ihrer neugeborenen Tochter stünde:
"eingereist am ../../2003". Also das Geburtsdatum als "Einreisetag".
Sie sagte, ihre Tochter sei ja nicht eingereist, sie habe sie geboren, hier, in der Schweiz, genau so wie ihre Mutter sie selbst. Das sei wie eine Ohrfeige, jedes Mal, wenn sie das Dokument brauche und immer wieder lesen müsse: "eingereist".
Für mich ist dieses Wort eine Essenz des Umgangs mit der 3. Generation.
Mein Grossvater kam an der Sihlhallenstrasse in Zürich auf die Welt. Seine Mutter war eine Tösstalerin, der Vater ein eingewanderter Deutscher. Später wohnten sie im ausserhalb der Stadt liegenden Albisrieden. Als der 1.Weltkrieg ausbrach, musste mein Grossvater zusammen mit seinem älteren Bruder für die Deutschen in den Krieg. Sein Vater hatte kein Geld gehabt, um die Einbürgerung in der Schweiz zu bezahlen. Der Aeltere kam invalid aus dem Krieg zurück, mein Grossvater äusserlich unbeschadet. Er sprach nie über den Krieg. Sein einziger Kommentar: Landschaft habe er für sein Leben genug gesehen. 1929, grad vor der grossen Krise, konnte er sich einbürgern, so dass mein Vater nur für wenige Jahre Deutscher war. Die Mutter meines Vaters kam aus dem Kanton Luzern. Ihre Mutter war eine Schweizerin, der Vater Deutscher. Als der Vater schwer krank wurde, musste er die Schweiz verlassen. Die Mutter meiner Grossmutter blieb mit ihren 3 kleinen Kindern allein zurück. Die Moral der Geschichte: sich als Schweizer fühlen zählt nicht, genug Geld haben muss man.
Ach ja, meine Einbürgerung…. Auf dem Amt für Migration sagte der freundliche Mann als erstes: „Sie wissen schon, es kostet viel und bringt Ihnen ja eigentlich nichts.“ Ein weiteres Highlight war die Aussage, es bräuchte Referenzen von „echten Schweizern“. Ich stellte mir vor, wie es wäre wenn in meinem Herkunftsland, von „echten Deutschen“ die Rede wäre…. Für mich war die Einbürgerung v. a. emotional wichtig. Heute, nachdem ich mehr als 30 Jahre in der Schweiz lebe gibt es ein anderes emotionales Dilemma: In Deutschland fühle ich mich sehr schweizerisch und in der Schweiz sehr deutsch (und werde ja über die Sprache auch so wahrgenommen)
Das mit der Sprache kann man ja gut angehen. Nach 30 Jahren in der Schweiz sollte man kein Problem haben, das Schweizerdeutsch sehr gut zu kennen und daher auch sprechen zu können. Klar, werden Sie einen Akzent haben und man wird hören, dass Sie evtl. Deutscher sind, aber es zeigt den Willen sich wircklich integrieren zu wollen. Ich habe drei Freunde, die nach einer gewissen Zeit zum Schweizerdeutschen gewechselt haben.
Geschätzter Herr B. Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Ich musste erst mal durchatmen beim „Willen sich wirklich zu intergrieren“.
Vielleicht habe ich mich ja in meinem Post auch nicht klar genug ausgedrückt: ICH empfinde dies als Dilemma, gelegentlich eine gewisse Heimatlosikeit zu erfahren. Für meine Schweizer Freundinnen und Freunde bin ich längst vollumfänglich einer der ihren. Ich schätze mich glücklich, diesen offenen Menschen begegnen zu dürfen.
Randnotiz: Tatsächlich habe ich den Versuch unternommen, Dialekt zu sprechen. Es waren meine Kinder, im Emmental geboren, die Mutter Bernerin, die gesagt haben: „Sprich doch bitte hochdeutsch, Papa!“ Heute switchen sie vom Berndeutsch ins Schriftdeutsch ohne Akzent;-)
Ich spreche als "Muttersprache" hochdeutsch. Und natürlich verstehe ich nach über 30 Jahren Schweiz die meisten Schweizerdeutschen Dialekte problemlos. Im Gegenzug haben auch die Menschen im Tessin und im Wallis keine Mühe, mich zu verstehen, wenn wir mal von ein paar Wörter mit unterschiedlicher Bedeutung absehen, die ich im Gegensatz zu den meisten anderen kenne und deshalb vermeide. Genau das ist auch der Grund, warum ich die meisten, die versuchen mit mir Standardsprache zu sprechen auffordere, doch bitte auf Mundart zu wechseln. Dann weiss ich, was sie genau meinen (*).
Ich dachte eigentlich, die Schweizerische Mundart-Idee wäre, dass jeder so spricht "wie ihm der Schnabel gewachsen ist" - sonst müsste ja ein gebürtiger Zürcher nach einem Umzug nach Basel auch Baseldytsch lernen.
Was genau für eine Mundart soll ich denn sprechen lernen? Die meiner Ehefrau, die meiner Wohngemeinde, die meiner Arbeitskollegen? Und was genau sollte mir das bringen, ausser, dass ich weiterhin als "Fremdgeborener" erkannt werde?
(*) Der Klassiker ist "Wischen und Fegen". Wer kennt spontan den Unterschied?
Lange wusste ich als Kind gar nicht, dass ich kein Schweizer bin. Und ich wäre auch nie auf die Idee gekommen. Dass mein Vater Deutscher war und meine Mutter aus Österreich, war mir zwar irgendwie bewusst, aber ich bin ja hier auf die Welt gekommen. Mit 16 dann die Einbürgerung: Besuch von Behörden, Besichtigen meines Kinderzimmers, die Eltern (damals schon geschieden, uuh!!) mussten sehr private Fragen beantworten. Wieder Besuche und irgendwann musste ich vor dem versammelten Gemeinderat (nicht Gemeindeversammlung) erscheinen, aber da mich ja alle vom Dorf her kannten , eigentlich nur Formsache. Eine Doppelbürgerschaft lehnte ich ab. Wozu soll das gut sein, dachte ich. Womöglich muss ich dann zum Bund wenn ich mal nach Deutschland zum arbeiten will.
Danach war mein Status erst wieder auf FB ein Thema. Unangenehme Diskussionen (einmal mit Claudio Schmid) und sonstigen Menschen, die einen Papiirlischwiizer niemals auch nur annähernd als ,,echten“ Schweizer anerkennen würden. Eine besonders abstossende Diskussion hatte ich neulich auf der Seite von Operation Libero, als es um die erleichterte Einbürgern ging. Ein Stammgast auf der Seite, (der an Arroganz und Überheblichkeit nicht zu toppen ist,) verwendete immer ,,wir Schweizer wollen eben nicht… bla bla“. Und da wusste ich, wie es sich anfühlen muss, wenn man bestenfalls geduldet ist. Mich kümmert das nun nicht so fest. Aber ein Nachgeschmack blieb irgendwie hängen.
In der Schweiz hat der Schweizer Pass immer noch einen völlig überhöhten Stellenwert. Was habe ich ausser dem Wahlrecht, davon den Schweizer Pass zu haben? Nicht viel, ausser das er dank der bilateralen Verträge die Türen zur EU öffnet. Wenn die Schweiz ihr Verhältnis zum Pass entkrampft, kann sie sich auch mehr für ihre Einwohner öffnen.
An diesem Papier hängt für Migranten die Sicherheit, bei schwierigen Lebensumständen nicht gleich ausgeschafft zu werden, wie im Artikel ja eindrücklich aufgezeigt wird. Es geht um Existenzen, natürlich haben wir ein "verkrampftes Verhältnis" dazu.
Vielleicht sollten Sie nochmals bedenken, wie viele Privilegien ein Schweizer Pass im Inland bringt:
einfachere Wohnungssuche
einfachere Arbeitssuche
permanentes Bleiberecht auch in schwierigen Lebenslagen
Ist das "nicht viel"? Oder habe ich Sie vielleicht schlicht missverstanden?
Sie haben mich missverstanden, weil ich das was ich sagen wollte, wohl nicht gut formuliert habe. Natürlich hat man hier im Land viele Vorteile, wenn man den Schweizer Pass hat. Das fängt schon damit an, dass nicht überall das gleiche Recht hat, wie ein Inländer, was ich für diskriminierend halte. Mir ging es um etwas anderes. Ich habe das Gefühl die SchweizerInnen meinen ihr Pass wäre etwas besseres als der von anderen Ländern und deswegen muss der Zugang besonders schwer gemacht werden. Und das ist für mich schlicht nicht der Fall. Der Schweizer Pass ist nicht mehr wert, als der Pass vieler anderer Länder. Das wollte ich sagen.
Was habe ich ausser dem Wahlrecht, davon den Schweizer Pass zu haben?
Die Jahre, in denen ich in der CH nicht politisch mitbestimmen durfte, haben mir einmal mehr bewusst gemacht, was für ein Privileg es ist, abstimmen und wählen zu dürfen.
Alles andere hat Anonym 4 in Worte gefasst!
Ich stimme Ihnen voll und ganz zu. Mir wäre der EU-Pass wichtiger. Aber eben, die Schweizer:innen verstehen sich ja nicht als Europäer.
Finde den Artikel sehr spannend, weil viele wichtige Punkte erwähnt werden.
Herr Espahangizi hat das sehr gut auf den Punkt gebracht, das entspricht ziemlich genau meiner Wahrnehmung.
«Weil in vielen Köpfen dieses Bild vorherrscht: Es gibt Schweizer und Ausländer im Land. Die Schweizer bilden einen Kuchen, die Ausländer einen anderen Kuchen. Die Ausländer gehören gar nicht zum Schweizer Kuchen. Die Haltung der Mehrheitsgesellschaft ist: Sind ja alle dabei, die dazugehören. Also gibt es kein Problem.
Ich habe auch schon mit verschiedenen Schweizern über das Thema gesprochen und mir ist da sehr gut aufgefallen, dass das Verständnis für andere Lebenssituationen ziemlich oft fehlt. Die Erwartungshaltung gegenüber Ausländern finde ich oftmals unrealistisch, besonders gegenüber den älteren Personen, die nicht in der Schweiz aufgewachsen sind.
Ich meine, die Mehrheit der Bevölkerung ist sich wohl einig, dass es nichts über die Integration aussagt, wenn man weiss, an wievielen Orten Zürich angrenzt.
Dass trotzdem so stur an diesen Fragen festgehalten wird, hat aus meiner Sicht viel mehr mit einem Punkt zu tun, den man nicht gerne anspricht. Ich denke, dahinter steckt die Angst vor der Erhaltung der eigenen Kultur und das halte ich für eine berechtigte Angst, die aber oftmals auf falsche Grundlagen beruht. Die Ausländer werden das Land nicht verlassen, wenn es ihnen schwerer gemacht wird, den Schweizer Pass zu bekommen. Viel mehr werden sie sich nicht zugehörig fühlen und stattdessen den Kontakt mit ihresgleichen suchen, weil sie sich dort akzeptiert fühlen. Ist das dann förderlich für die Integration?
Mir als CH -er mit Mirgrationshintergrund würde es schon reichen, wenn die Verfahren vereinheitlicht würden. Spannend war für mich, dass ich zwar mehr als zwei Jahrzehnte ohne jeden Kompetenznachweis als Sekundarlehrer Geografie, Geschichte und Staatskunde unterrichten durfte, aber für meine Einbürgerung den Staatskundetest absolvieren musste. DaS. R.esultat weiss ich nicht, aber es muss gereicht haben :) Einen Antrag auf Prüfungsbefreiung hatte die Gemeinde im Vorfeld abgelehnt. Wahrscheinlich mit dem Argument der Präjudiz.
Ich denke, dass vor allem die unterschiedlichsten Verfahren in den Kantonen und deren Gemeinden und vor allem die teils horrenden Kosten sehr viele Einbürgerungsfähige davon abhalten, das langwierige Verfahren auf sich zu nehmen.
Überraschenderweise werden hier nur Beispiele aus der Deutschschweiz gebracht. Finde es in diesem Kontext durchauS. R.elevant, auf den offensichtlichen "Röstigraben" in dieser Frage hinzuweisen. Die welschen Kantone gehen deutlich entspannter mit dem Thema Migration und Einbürgerung um, so besteht dort in allen (oder fast allen) Kantonen das politische Mitbestimmungsrecht für Menschen Nicht-Schweizer*innen, hingegen nirgends in der Deutschschweiz. So weit ich informiert bin, sind auch Einbürgerungen deutlich weniger kompliziert im Welschen (meine Lebenspartnerin stammt aus Haiti und hat sich in der Waadt als Teenagerin einbürgern lassen). Kultureller Unterschied? Verursacht durch was aber? Evtl die Tatsache, dass die Welschen mit Französisch sich viel eher als Teil einer grösseren (frankophonen) Weltgemeinschaft verstehen als wir Deutschschweizer*innen mit unseren Dialekten (und auch sonst) par tout von der restlichen germanophonen Welt abgrenzen wollen? Da ich die Hälfte meiner Zeit in der Waadt verbringe, fällt mir die durchaus kosmopolitischere Haltung dort im Vergleich zu meiner Heimat Bern schon auf. Habe dies selbst erlebt, wir waren immer "die Amerikaner", selbst jahrelang nachdem mein Vater sich hat einbürgern lassen. Ich und mein Bruder waren aufgrund unserer Mutter zwar von Geburt mit dem Roten Pass ausgestattet, aber trotzdem blieben wir einfach nur "Amis".
Vielen Dank für den Artikel. Ich selbst befinde mich ebenfalls im Einbürgerungsverfahren, einen Schritt, den ich erst dieses Jahr, nach über 15 Jahren in der Schweiz, wage. Das Verfahren ist langwierig und unübersichtlich, online verfügbare Dokumente können nicht online eingereicht, sondern müssen ausgedruckt und per Post versendet werden, die Kosten der Gemeinde variieren und scheinen teils willkürlich (70.- für eine Registrierung in einem Register?).
Während meines Einbürgerungsverfahrens habe ich ein Mal erlebt, wie es ist sich einer Behörde total ausgeliefert zu fühlen. Eine wertvolle Erinnerung.
Drei Dinge denke ich bei der Lektüre des Beitrags: In ca 10 Jahren werde ich gleichlang in D und der CH leben. Die Dt. Staatsbürgerschaft abzugeben könnte ich mir vorstellen (allerdings will ich EU-Bürgerin bleiben). Ich fände es wichtig, wenn es ein Stimmrecht für Ausländer:innen auf Gemeindeebene gäbe (wenigstens für C-Bewilligte).
Diese Hälfte habe ich bereits seit 3 Jahren hinter mir ;-)
Und genau, mir geht es vor allem darum, auch noch einen EU-Pass bei mir haben zu können - genutzt habe ich das noch nie. Zurückkehren nach D kann ich mir schon lange nicht mehr vorstellen.
Bin mir nicht ganz sicher, wie sie den Satz mit "genutzt habe ich das noch nie" meinen.
So bald sie deutschen Boden betreten, nutzen sie automatisch ihre deutsche Staatsbürgerschaft.
Ebenso, wenn sie "Europa" (den Schengenraum) über Deutschland verlassen oder über Deutschland in den Schengenraum wieder einreisen.
Dh wenn man ihre Aussage wörtlich nehmen würde, dann sind sie seit ihrer Einbürgerung in der Schweiz nie mehr in Deutschland gewesen. (ich vermute aber, dass sie das nicht gemeint haben ;) )
Sie sind sogar per Gesetz dazu verpflichtet (diese Regel gilt für jedes Land der Welt ;) ).
Warum ich das schreibe? Weil vielen es nicht bewusst ist, dass sie sich strafbar machen, wenn sie ihr Heimatland (sprich: Land mit der jeweiligen Staatsbürgerschaft) nicht mit dem entsprechenden amtlichen Dokument betreten/verlassen.
Entweder ist die Aussage zu dem Einbürgerungstest falsch oder jede Gemeinde händelt sie anders.
In meiner Goldküstengemeinde galt die Regel:
Bund 60% richtig, Kanton ZH 80%, Gemeinde 80%.
70 Fragen Bund, 20 Kanton, 10 Gemeinde.
-> dh jeder Block stand für sich selbst!
2 falsche Antworten bei der Gemeinde und man ist durchgefallen. Meine Punktezahl lag bei 99 von 100. Die eine falsche Antwort war... auf Gemeindeebene.
Die Tests sind bei ausreichenden Sprachfähigkeiten und mit genug Vorlaufszeit einfach zu bestehen. Entscheidend ist aber der Faktor "Glück". Wenn auf Gemeindeebene (oder auf kantonaler) Fragen kommen, die man nicht erwartet hat, dann Pech gehabt...
...die Gespräche selbst waren sehr angenehm und fair. Man merkte, dass den Leuten es wichtig war, dass man sich im "Dorf" eingelebt, sich also "integriert" hatte - aber alles in vernünftigem Rahmen.
Aus meiner Erfahrung mit dem Migrationsamt Thurgau betreffend des Antrages für einen Auswei C für eine andere Person folgere ich:
Migrationsämter sind Institutionen, die es definitionsgemäss in der Schweizerischen Demokratie gar nicht geben dürfte:
Es sind willkürliche Institutionen und sie haben diktarorische Allüren. Und für die Bearbeitungszeit rechnen sie nicht mit Stunden oder Tagen, sondern mit Monaten!
Und das Ganze hat auch noch den Segen des Volkdes!!
Ich folgerte daraus, dass das thurgauische Migrationsamt sich in SVP-Händen befinden müsse. Weit gefehlt: es ist ein em SP-Departement angegliedert. Und die Unterschrift unter der Absage hatte einen Namen, der sonst in Madagaskar beheimatet ist...
Das kommt mir vertraut vor. Das Amt für Migration, das 1992 in Basel noch Ausländeramt hiess, hat mir zum ersten Mal im Leben vorgeführt, ein Ausländer zu sein. Das habe ich sonst (auch danach) nie wieder so gespürt.
Der Saal voll mit Wartenden. 3 Schalter für Ausländer, etwa 10 für Inländer. Inländer kommen quasi sofort an die Reihe, die Ausländer haben Thermoskannen mit Heissgetränken dabei - weil es erfahrungsgemäss länger dauert. Und an mindestens einem der 3 Schalter sitzt jemand, der offenkundig die Basler Zeitung liest.
Zur Anzahl der Fragen beim Einbürgerungstest: in der Stadt Zürich waren es vor einem Jahr (25.10.2021) 50 Frage, davon hatte ich 48 richtig beantwortet. Das Gespräch und der schriftliche Test fanden unter Corona-Bedingungen zu zweit (der Interviewer / Prüfer und ich) in einem kleinen Raum im Dachgeschoss des Stadthauses statt.
Witzig: die eine falsch beantwortete Frage war die nach der Anzahl der politischen Gemeinden im Kanton Zürich, seien es mehr oder weniger als 150. Ich wusste es nicht, tippte auf "weniger". Tatsächlich waren es zu diesem Zeitpunkt 161, Tendenz fallend wegen der Gemeindefusionen. Der Prüfer musste aber auch erst mal nachschauen, wie viele es nun tatsächlich sind (er hatte als Vorgabe nur die Antwort "mehr" als die richtige, aber nicht die konkrete Zahl).
Kosten: 2072 Franken an Gebühren für mich allein, Dauer ca. 23 Monate. Zu den beizubringenden Dokumenten: Die Gemeinde prüft nur die Vollständigkeit der Dokumente Sozialhilfebezug, Steuerzahlungen, Arbeitgeberbescheinigung etc. beibringen muss man die schon selbst. Eine Grundübung im Verständnis Schweizer Bürokratie.
Schön ist, dass es von der Gemeinde Zürich auch eine Urkunde zur Einbürgerung gibt, Karton, in einem 44-Schutzumschlag, damit die Post den nicht faltet. Der formale Bescheid trägt zwar Unterschrift und Siegel, ist aber sonst eher unansehnlich.
Sehr schöner Artikel!
Wer sich mehr mit den Themen Einbürgerung, Doppelbürgerschaft und Demokratie beschäftigen möchte, dem empfehle ich den Bericht, den wir vor kurzem für die Eidgenössische Kommission für Migrationsfragen verfasst haben:
file:///Users/joachimblatter/Downloads/ekm-studie-doppelbuerger-d.pdf