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Rebas
Leidensgeschichte

von Susan Strickland, Landenberg, Pennsylvania
Siebzig Pfund!! Siebzig Pfund?? Reba stand auf der Waage der Tierklinik und glich mehr einem Hängebauchschwein als einem Corgi. Die Anzeige schwankte zwischen 69,5 und 70,2 Pfund (31,5 und 32 kg), je nachdem wie Reba ihr Gewicht verlagerte. Die Assistenten kamen aus den Konsultationsräumen. Ein 70 Pfund Corgi? Das war ja kaum zu fassen. Jemand rief die Tierärztin herbei, damit sie sich selbst überzeugen konnte. Die ganze Situation wäre zum Lachen gewesen, wenn sie nicht so traurig und grässlich gewesen wäre. Reba lag mit ihrem enormen Körper auf dem Boden, während alle um sie herum standen und sie anstarrten.
Am Tag zuvor hatten Rebas Besitzer angerufen und gefragt, ob ich jemals einen Hund zurücknehme, den ich als Welpen verkauft habe, wenn die Besitzer ihn nicht mehr wollen. Natürlich bejahte ich die Frage und sie kamen noch am gleichen Nachmittag vorbei. Der Mann trug Reba vom Auto und setzte sie in meinem Garten ab. Ich traute kaum meinen Augen. Ich wollte diese Leute so schnell wie möglich los werden und nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Ich war so wütend. Die Frau stieg nicht einmal aus, und sie hinterliessen den Hund, den sie während 2 Jahren bei sich gehabt hatten, ohne jegliche Gefühlsregung. Sie hatten mir am Telefon erzählt, dass sie mit Reba nicht zurechtkamen, dass sie sich mit anderen Hunden nicht verstand und dass sie etwas übergewichtig war. Bei der Erwähnung von Übergewicht nahm ich an, dass sie fettleibig war, ich war aber nicht auf das vorbereitet, was jetzt da vor mir lag.
Es war ein heisser, feuchter Sommertag als Reba zu mir kam und die Hitze machte ihr zu schaffen. Als wir versuchten, sie ins Haus zu bringen, standen wir vor dem ersten Problem. Ich legte ihr Zughalsband und Leine an und versuchte, sie zum Gehen zu bewegen. Das Fett um ihren Hals war so dick, dass es ihre Ohren nach vorne schob und das Halsband einfach über den Kopf hinweg rutschte. Wenn ich versuchte, seitwärts zu ziehen, rollte sie sich auf den Rücken mit allen Vieren in der Luft. Wenn ich sie zurück rollte, stand sie auf und "lief" ein paar Schritte. Dies wiederholte sich mehrmals und jedes Mal dirigierten wir sie in die gewünschte Richtung. Schliesslich gelang es uns, sie ins Haus zu bringen.
Es erwies sich schnell, dass ich für Rebas spezielle Bedürfnisse nicht eingerichtet war. Aber ich konnte sie in diesem Zustand unter keinen Umständen einem neuen Besitzer überlassen. Ihre Gesundheit war bei ihrem gegenwärtigen Gewicht zu sehr gefährdet. Glücklicherweise fand ich einen wundervollen Platz bei einem sehr netten Paar, George und Nancy Stephens. Sie haben eine zentrale Klimaanlage, keine Treppen, um in den Garten zu gelangen, und grosse Geduld und Mitgefühl.
Nancy und ich brachten Reba zum Auto mit Hilfe eines Brustgeschirrs, das für einen Schäferhund berechnet war. Aber sogar dieses Geschirr begann, ihr über den Kopf zu rutschen, wenn wir in die falsche Richtung zogen. Wenn Reba nicht weiter gehen wollte, wälzte sie sich einfach auf den Rücken wie ein gestrandeter Wal. Schliesslich mussten wir sie zu zweit ins Auto heben.
Nachdem Reba in ihrem vorläufigen Heim installiert war, setzte ich mich in Verbindung mit dem Tierarzt, der Reba während den letzten zwei Jahren betreut hatte, um etwas über ihren Zustand zu erfahren. Ich hatte Reba im August 1996 im Alter von 8 Wochen verkauft. Laut den Aufzeichnungen des Tierarztes wurde sie im November 1996 kastriert. Damals hatte sie immer freien Zugang zu Futter und war bereits zu schwer. Im Januar 1997 war sie 7 Monate alt und wog 15,5 kg. Der Tierarzt empfahl den Besitzern, ihr keinen freien Zugang zum Futter zu gewähren und auch keine Speisereste zu verfüttern. Seine Empfehlung lautete: 2 Tassen Trockenfutter zweimal täglich. Ich weiss, dass der Tierarzt es gut meinte, aber jeder der einmal einen Corgi hatte, weiss, dass das viel zu viel ist. Nicht einmal meine aktivsten Hunde erhalten so viel, geschweige denn ein kastrierter Familienhund.
Nicht überraschend wog Reba im September 1997 bereits 24 kg. Jetzt schlug der Tierarzt vor, das Futter auf drei Viertel Tasse Trockenfutter und eine Viertelbüchse Feuchtfutter zu reduzieren, aber auch das war noch zu viel, um abzunehmen. Ich weiss nur, was der Tierarzt empfahl, nicht aber was die Besitzer ihr tatsächlich verfütterten. Als sie damals den Tierarzt aufsuchten, klagten sie, dass sie mit Reba nicht zurechtkämen und dass sie nicht stubenrein sei. Die Klinikassistentin bestätigte, dass Reba ihren Besitzern gegenüber eindeutiges Dominanzverhalten zeigte und machte, was sie wollte. Ich erfuhr auch, dass Rebas Besitzer noch einen zweiten Hund, einen Chow Chow-Mischling, hatten.
Nachdem ich mich mit Freunden beraten hatte, die mit dem gleichen Problem gekämpft hatten, obgleich niemand je einen 32 kg Corgi gesehen hatte (der bisherige Rekord schien bei 27 kg zu liegen), setzten wir Reba auf eine Hills RD Diät, ein feuchtes Schlankheitsfutter. Eine tierärztliche Untersuchung ergab, dass sie so gesund war, wie es für einen Hund in ihrem Zustand möglich ist.
Für Reba konnte ein zu schneller Gewichtsverlust fast so gefährlich sein wie ihr gegenwärtiges Gewicht. Sie musste daher sorgfältig überwacht werden, damit sie nicht zu schnell, sondern langsam und stetig abnahm. Und wenn der Tag kam, an dem sie wieder Trockenfutter fressen konnte, musste die Umstellung langsam erfolgen, um eine Magendrehung zu verhindern. Ausgehend von ihren Eltern, sollte Rebas Idealgewicht bei 11-12 kg liegen.
Fettleibigkeit ist schädlich für Skelett, Herz, Gelenke (besonders Hüften und Ellbogen), Stoffwechsel und führt eine Menge weiterer chronischer Beschwerden mit sich. Reba mit ihren 32 kg hechelte dauernd, auch in klimatisierten Räumen. Sie konnte sich nur kurz bewegen und musste sich immer wieder hinlegen und ausruhen. Ihr Hals und ihre Brust waren ständig nass von Geifer, ihre Achselhöhlen feucht und wund unter den Fettwülsten und ihr Hinterteil mit Kot verschmiert.
Reba war ein Opfer von Misshandlung. Misshandlung durch Überfütterung. Gewiss ist sie ein extremes Beispiel von Fettleibigkeit bei einem Corgi, aber ich sehe allzu oft fettleibige Corgis. Wenn ich von Corgi-Interessenten nach gesundheitlichen Problemen gefragt werde, steht Fettleibigkeit immer öfter an erster Stelle.
Seien wir ehrlich, wenn es ums Futter geht, sind Corgis unvernünftig. Sie fressen bis zur Bewusstlosigkeit und machen dir dann weis, sie seien hungrig. Es gibt zwei Dinge, denen man nie Glauben schenken darf: dem Appetit eines Corgis und den empfohlenen Futtermengen auf den Futtersäcken. Die [amerikanischen] Rassestandards für Corgis nennen ein Gewicht von 11,3 - 13,6 kg für Pembrokes und 11,3 - 17,2 kg für Cardigans. Natürlich gibt es Hunde, die am einen oder anderen Ende der Skala liegen, aber wenn man unsicher ist, sollte man den Tierarzt oder den Züchter um Rat fragen. Wenn man die Taille nicht mehr ahnt, ist der Hund ziemlich sicher zu schwer. Oder wenn ein Pembroke 18 kg wiegt, ohne übergross zu sein, ist er zu dick. Sobald ein Übergewicht festgestellt wird, muss die Futtermenge reduziert werden, und der Hund muss wöchentlich gewogen werden, um festzustellen, ob die Diät wirkt und er langsam abnimmt.
Die Fütterungsempfehlungen des Züchters bei der Abgabe des Welpen müssen dem Alter entsprechend angepasst werden, mit Rücksicht auf das Aktivitätsniveau und den Stoffwechsel des Hundes. Sobald festgestellt wird, dass der Hund zu dick wird, muss die Futtermenge reduziert werden und zwar auf der ganzen Linie, einschliesslich Leckerlis, Speisereste, Snacks, welche die Kinder dem Corgi zustecken usw. und falls noch eine Katze oder ein zweiter Hund im Haus ist, muss dafür gesorgt werden, dass der Corgi nicht an deren Futter kommen kann.
Corgis sind nicht imstande, den Kühlschrank zu öffnen oder für Zwischenmahlzeiten den Kiosk aufzusuchen. Es liegt ausschliesslich am Besitzer, was und wie viel er bekommt. Wenn er zunimmt, zu dick oder gar fettleibig wird, hilft nur eins: weniger Futter. Mehr Bewegung hilft auch, aber seien wir realistisch, die wenigsten Hundebesitzer sorgen für so viel zusätzliche Bewegung, dass es etwas ausmacht. Weil Corgis selten wählerisch sind, kann man während der Diät das Futter mit kalorienarmen grünen Bohnen strecken oder Rüben als Snacks verfüttern.
Reba nimmt langsam aber stetig ab und ist dabei, sich in einen normalen Corgi umzuwandeln. Sie versteht sich gut mit den beiden andern Corgis im Haus und braucht ihr Gewicht immer weniger, um ihren Willen durchzusetzen. Sie spielt mit Spielsachen und begrüsst Nancy und George, denen sie so viel zu verdanken hat, jeden Morgen mit Zärtlichkeiten. Sie hat immer noch einen langen Weg vor sich, aber sie ist voller Corgi-Kampfgeist und hoffentlich bringt ihre Drangsal andere Corgi-Besitzer dazu, ihren Liebling mit kritischen Augen zu betrachten, und ihm etwas weniger Futter aber umso mehr Liebe zu geben.
Aus The Welsh Corgi Annual 1998
Übersetzung: ANo
Lesen Sie hier wie es Reba bei ihrer neuen Besitzerin erging.