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2020 Antsirabe und Umgebung
Wer zwei oder Tage zur Verfügung hat, sollte die Umgebung der Thermalstadt Antsirabe erkunden. Die beiden Kraterseen Tritriva und Andraikiba westlich der Stadt gehören zu den beliebten Ausflugszielen und wie fast alle Gewässer auf der ganzen Insel sind beide mit vielen Legenden und Tabus verbunden.
Die Nationalstrasse 34 führt von Antsirabe durch fruchtbare Reis- und Gemüsefelder nach Westen und nach ca. 7 km biegt man ausserhalb der Stadt nach links ab und hier geht es zu den beiden sagenumwobenen Kraterseen Andraikiba und Tritriva.
Der kreisrunde Andraikiba Kratersee mit einem Umfang von 4 km war während der Königszeit ein geschätzter Badesee. Während der Kolonialzeit und bis zum Jahre 1980 war hier ein wichtiges Wassersportzentrum für Wasserski und ein Segelclub der Wohlhabenden aus Antsirabe und sogar für die Oberschicht aus der Hauptstadt Antananarivo.
Seit der See als Trinkwasserreservoir für die nahe gelegene Stadt Antsirabe genutzt wird, sind die Wassersportaktivitäten beendet worden.
Die Gebäude samt Umkleidekabinen und ein Sprungsturm von damals sind bis heute übriggeblieben. Der See ist aber noch immer ein idyllischer Ort für die Wochenendausflügler. Besonders zu Ostern oder zu Pfingsten picknicken die Bewohner aus Antsirabe hier. Andraikiba ist auch ein Treffpunkt der vielen Steinverkäufer aus den umliegenden Dörfern. Am Ufer des Andraikiba Kratersee befinden sich darum viele Souvenirläden, besonders für Schmuck oder Gegenstände aus Edel- und Halbedelsteinen.
Mündlich wird die Legende von einem Mann mit zwei Geliebten überliefert, der sich nicht entscheiden konnte, welche von den beiden Frauen er heiraten sollte. So schloss er eine Wette ab: diejenige, die den See in beide Richtungen am schnellsten durchqueren konnte, sollte seine Favoritin sein. Die erste Geliebte, die von ihm schwanger war, ertrank leider bei dieser Wette. In dem letzten Moment konnte sie verzweifelt noch schreien: ”Veloma, efa kiba“, wörtlich übersetzt heisst das „Lebewohl, ich sterbe“. Ab diesem Tag wurde der See „Andraikiba“ genannt.
Der Kratersee ist immer noch mit “Fady“ oder Tabu belegt. Schweinefleisch darf man hier nicht essen und Seidentücher darf man hier nicht waschen. “Fady“ sind Tabu-Vorschriften, jeder (Touristen so wie die Einheimischen) sind verpflichtet diese einzuhalten. Wer ein “Fady“ bricht, könnte krank werden, es könnte ihm ein Unglück zustossen oder er könnte sogar sterben. Deswegen bedeutet “Fady“ unglücksbringend, unheilvoll. Die meisten Madagassen halten sich automatisch an alle “Fady“ im Dorf oder an Gewässern, sie stehen in der Regel in direkter Beziehung zu den Ahnen.
Antsirabe und Umgebung
Die gleiche Staubpiste führt auf ca. 10 km durch zahlreiche malerische Dörfer mit Gemüsefeldern und vorbei an winkenden Kindern. Unterwegs stösst man auch öfter auf Rinderherden oder auf Zebukarren. Am Eingang zum Tritriva Kratersees muss man eine Eintrittskarte lösen und einen Lokalführer anheuern. Von hier aus wird man von einer grossen Kinderschar und vielen Steinverkäufern mit Fossilien, Halbedelsteinen und verschiedenen Souvenirs bis zum Parkplatz begleitet. Von diesem Parkplatz aus hat man einen grandiosen Rundblick über die Hochebene von Antsirabe und die umliegenden Dörfer.
Auf einem Rundweg um den Tritriva Kratersees kann man sich ein gutes Bild von diesem Naturjuwel machen. Die kurze Wandertour durch die Kieferwälder rund um den 1’880 m hoch gelegenen Kratersee mit dunkler smaragdgrüner Farbe und umgeben von steilen Felswänden, ist wirklich beeindruckend und spektakulär. Erstaunlicherweise hat der See die Form der Insel Madagaskars.
Seine Tiefe erreicht 160 m und wegen des seltsamen Verhaltens seines Wasserspegels, der umgekehrt proportional zur Regenmenge sinkt und steigt, ist dieser einzigartige Vulkansee interessant. Dieses geheimnisvolle Phänomen bezieht sich auf seinen madagassischen Namen “Tritriva“: „Tritri“ bedeutet wörtlich hoch und „iva“ heisst niedrig. Während der Trockenzeit steigt merkwürdigerweise das Wasserniveau des Sees, dagegen senkt er sich wieder während der Regenzeit.
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Die Geschichte der zwei Geliebten Ravolahanta und Rabeniomby (analog der Version von Romeo und Julia auf Deutsch) ist mit diesem Kratersee verknüpft. Man erzählt sich, dass die Familien des Liebespaars gegen die Eheschliessung waren, denn das Mädchen Ravolahanta stammte aus einer königlichen Familie, der Junge dagegen aus einer bescheidenen Familie. Als die beiden Familien angesichts der unterschiedlichen sozialen Schichten die Verbindung untersagten, stürzten sie sich gemeinsam in den See.
Der Lokalführer erzählt auch von der mysteriösen Tatsache, dass, wenn schwerwiegende Ereignisse in Madagaskar auftreten, die Farbe des Sees auf rot wechsle.
Wie so oft an heiligen Plätzen, ist es auch hier untersagt, oder eben “Fady“ Schweinefleisch zu essen.
Antsirabe und Umgebung
Zurück auf der RN34 und ca. 22 km von Antsirabe entfernt, kann man die Kleinstadt Betafo (wo es viele Dächer gibt/ bzw. wo es viele Dörfer gibt) in einer halben Stunde erreichen. In einem Tal, an sanften Vulkankegeln vorbei, fährt man durch die vulkanische Hügellandschaft zwischen schön terrassierten Reisfeldern und Gemüsegärten hindurch. Die Technik der Reisterrassen an den Berghängen ist hier sehr ausgeprägt und pittoresk. Betafo ist eine schöne Ortschaft mit einem kleinen Marktplatz (der Markt findet jeden Montag statt). Auch ein Abstecher zum Stausee Tatamarina lohnt sich, um sich einen herrlichen Blick über die weite Ebene zu verschaffen. Die Hochlandarchitektur in der Stadt Betafo ist auffallend schön und ein Besuch der Gedenksteine (“Vatolahy“), errichtet für die damaligen kriegsführenden Herrscher, erweist sich als interessant. Die herrlichen Wasserfälle von Antafofo mit einer Höhe von 20 Meter laden zu einem schönen Spaziergang ein. Auf einer Anhöhe befinden sich die Rova (alter Königpalast) und das Grab des einstigen Königs dieser Region. Das alte Thermalbad befindet sich 3 km von Betafo entfernt, mit einfacher und rudimentärer Unterkunft, aber noch immer mit heissem Wasser, in dem man gegen ein Eintrittsgeld baden kann.
Antsirabe und Umgebung
Ca. 25 km südlich von Antsirabe auf der Nationalstrasse RN7 liegt der Mont Ibity mit 2’244 m Höhe. Er ist ein beliebtes Ausflugsziel für Pflanzenliebhaber in der Region Vakinankaratra. Diese Berglandschaft ist sehr bekannt, nicht nur für wegen der Vielfältigkeit der Pflanzen- und Sukkulentenarten, sondern auch, weil man hier Bergkristalle und Edelsteine wie Turmaline oder Berylle in Höhlen und Minen schürft. Der Aufstieg ist angenehm und dauert etwa 3 Stunden je nach persönlicher Kondition. Auf diesen erlebnisreichen Wandertouren geht man an verschiedenen Dörfern und alten Königsgräber vorbei. In dieser spektakulären Landschaft findet man Wasserfälle, natürliche Pools und Höhlen.
Wandern, fotografieren, die mysteriösen Legenden und Geschichten der Kraterseen und der heiligen Orte hören, die Kultur und das tägliche Leben der Dorfbewohner kennen lernen, dies alles gehört zu den reichhaltigen Erlebnissen in der Region rund um diese schöne Wasserstadt.
November 2020, geschrieben von Michaël PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch