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Hepatitis C: auch bei HIV-neg. MSM möglich
In den letzten Jahren beobachteten wir in vielen Europäischen Ländern einen Anstieg von Infektionen von Hepatitis C (HCV) unter HIV-positiven Männern, die Sex mit Männern haben (MSM). Die Konzentration dieser neuen Epidemie auf HIV-positive MSM war merkwürdig. Wir vermuteten, dass weniger die HIV-Infektion für diese Beobachtung verantwortlich sei, sonder vielmehr das Netzwerk, in dem sich die Infektion ausweitet.
Denn HCV ist keine eigentliche Geschlechtskrankheit. Im Gegensatz zu Geschlechtskrankheiten, die sich darauf spezialisiert haben, durch sexuellen Kontakt übertragen zu werden, scheint sich HCV vorwiegend durch Blutkontakt zu übertragen. Es finden sich auch zahlreiche gute Studien die zeigen, dass es sich bei der Übertragung unter MSM meist nicht um alleinigen Sexualkontakt handelt. Vielmehr beobachten wir die Infektionen in einm Setting, bei dem es gleichzeitig zum Sexualkontakt entweder zu Drogenkonsum kommt (sei es intravenöser Konsum oder auch Kokain-Sniffen) oder dass gleichzeitig Praktiken zum Einsatz kommen (z.B. Fisting, Turner et al.), bei welchen es nicht selten auch zu blutigen Verletzungen kommt (Schmidt et al.).
HCV-Epidemie unter MSM bisher noch sehr lokalisiert
Menschen mit einer HIV-Infektion zeichnen sich dadurch aus, dass sie (in Durchschnitt) eher ein höheres sexuelles Risikoverhalten haben. Daher verwundert es nicht, dass diese Menschen dann bei einer Ausbreitung der HCV-Epidemie unter MSM zuerst betroffen werden. Dazu kommt, dass HIV-positive MSM öfters mit HIV-positiven MSM Sex haben (und HIV-negative umgekehrt eher, mit HIV-negativen Partnern, sog. Sero-Sorting). Somit entstehen Netzwerke, bei denen HIV-positive MSM alleine durch ihr etwas anderes Risikoverhalten und durch ein anderes Netzwerk ein höheres Risiko haben, sich mit HCV anzustecken.
Tatsächlich beobachten wir in der Schweiz bei HIV-negativen MSM eine HCV-Prävalenz, die nicht wesentlich von derjenigen in der Durschnittsbevöklerung abweicht. Doch es ist eine Frage der Zeit, dass sich diese Netzwerke vermischen werden. Gerade der Einsatz von PrEP (prä-Expostionsprophylaxe) dürfte diese Entwicklung noch fördern, da gerade beim Einsatz von PrEP das Serosorting weniger Beachtung verdient.
Studie in Holland bestätigt die Epidemiologischen Überlegungen
Nun hat eine niederländische Studie exakt diese Zusammenhänge bestätigen können. In den Niederlanden ist es in den letzten Jahren nciht zur zu einem starken Anstieg von PrEP Einsatz gekommen, es zeigte sich auch, dass nun eindeutig auch HIV-negative MSM von der HCV-Epidemie betroffen werden. In dieser Studie, welche HIV-negative Personen eingeschlossen hat, welche sich für eine PrEP interessierten, fanden die Autoren bei knapp 5% der MSM bei Studieneinschluss eine HCV-Infektion. Interessanterweise zeigte sich auch, dass die HCV-Infektionen bei diesen Männern in sog. Clustern auftragen. Es ging um Virusstämme, welche sich auch bei den HIV-postiven MSM fanden. Offenbar war das Netzwerk, in dem sich diese HCV-Infektionen nun ausbreiteten, zusammengesetzt von HIV-pos. und HIV-neg. MSM. Somit ist es letztendlich wirklich eine Frage des Risikoverhaltens und der Partner.
Prävention ist sinnvoll
Eine Hepatitis C ist heute glücklicherweise fast immer heilbar. Doch die Behandlung ist teuer, so dass eine primäre Prävention doch noch sehr wichtig ist. Es ist daher wichtig, dass wir eine aktive Präventionsarbeit durchführen. Noch immer hört man von einzelnen Ärzten, Hepatitis C werde sexuell übertragen. Doch die reine sexuelle Übertragung dürfte bei HCV so selten sein (falls sie überhaupt vorkommt) dass dieser Übertragungsweg für die Ausbreitung der Epidemie irrelevant ist. Wichtig ist, dass wir die relevanten Übertragungswege verhindern können. Bei HCV ist vor allem die Blutübertragung zu verhindern, sei es bei blutigen Sexualpraktiken (wie z.B. das Fisting, resp. Fisting bei mehreren Partnern mit gleichem Handschuh) oder dann der nicht selten im Zusammenhang mit Sex oder Sexparties vorkommende Drogenkonsum, sei es intravenös aber auch durch Sniffen o.ä.
Informationen dringend nötig
Noch immer wissen viel zu wenig MSM von den Risiken bezüglich HCV. Wir müssen daher aktiv informieren. Das ECDC hat recht klare Botschaften in ihren Präventionsempfehlungen zusammengefasst (s. untenstehende Tabelle).
Diese Tabelle stammt aus einem ausgezeichneten „Technical document“ des ECDC zu „Communication Strategies for the prevention of HIV, STI and hepatitis in MSM„. Die hier dargestellten Kommunikationen sollten auch in der Schweiz intensiviert zur Anwendung kommen, damit wir der weiteren Ausbreitung von HCV unter MSM vorbeugen können.
Literaturangaben
- Men who have sex with men starting pre-exposure prophylaxis (PrEP) are at risk of HCV infection: evidence from the Amsterdam PrEP study.
- Turner JM. et al. Behavioural predictors of subsequent hepatitis C diagnosis in a UK clinic sample of HIV positive men who have sex with men. Sex Transm Infect. 2006
- Schmidt AJ. et al. Trouble with bleeding: risk factors for acute hepatitis C among HIV-positive gay men from Germany–a case-control study. PLoS One. 2011