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Als Arbeitspferd einst weit verbreitet, stand das Schwarzwälder Kaltblutpferd in den 1970er Jahren mit noch etwa 150 Stuten kurz vor dem Aussterben. Am Aufbau einer neuen genetischen Grundlage waren auch Freibergerhengste beteiligt. Bei uns in der Schweiz bekannt sind sie vor allem dank dem Fünfspänner der Brauerei Egger.
In der Schweiz hat das Schwarzwälder Kaltblutpferd mit über 50 Stuten und Wallachen viele Freunde zum Fahren und Reiten im Freizeitbereich gefunden. Die Schwarzwälder Wallache des Brauereigespanns der Familie Egger sind regelmässig zur Getränkelieferung in der Umgebung von Worb und auf Pferdeveranstaltungen in der Öffentlichkeit präsent. Eggers hatten sich anlässlich der Hengstparade 1990 am Haupt- und Landgestüt Marbach in die zuverlässigen Füchse mit hellem Langhaar verliebt und sie als Hingucker für ihr werbewirksames Brauereigespann ausgewählt.
Das Schwarzwälder Kaltblutpferd ist ursprünglich aus einem Schmelztiegel mitteleuropäischer Kaltblutpferderassen entstanden. Bodenständige Arbeitspferde im Schwarzwald, oft Kreuzungen von Kaltblut und Warmblut, sowie minderwertige zugekaufte Pferde aus dem Elsass sollten Ende des 19. Jahrhunderts auf staatliche Anweisung hin durch Einkreuzung von Ardenner- und später von Norikerhengsten kalibriger gemacht und vereinheitlicht werden. Die 1896 gegründete Schwarzwälder Pferdezuchtgenossenschaft hatte zum Ziel, die Zucht eines militärisch brauchbaren Zugpferdes für die schwere Artillerie zu unterstützen und der armen Bergbevölkerung eine zusätzliche Einnahmequelle durch die Pferdezucht zu ermöglichen. Angesichts der bergigen Landschaft mit feuchten abschüssigen Matten und mangelnder Futtergrundlage folgten die Schwarzwaldbauern allerdings nur eingeschränkt und widerwillig der Anordnung, schwerere Kaltblutpferde zu züchten.
Die heute mittelgrosse Kaltblutrasse (Stuten 148 bis 156cm, Hengste bis 160cm Stockmass) wurde ursprünglich durch die klimatische, geographische Lage auf dem Schwarzwald sowie die dürftigen Futterverhältnisse und die harte Arbeit in Feld und Forst in ihrem Typ geprägt. Als Folge der Technisierung in der Landwirtschaft reduzierte sich ab den 1960er Jahren der stark durch Inzucht geprägte Bestand von etwa 1000 auf 150 eingetragene Stuten. Zur Blutauffrischung wurden zusätzlich zu den alten Hengstlinien weitere Noriker eingekreuzt. Das angestrebte Zuchtziel «Kaltblutpferd mit raumgreifenden Gängen» war inzuchtbedingt nur noch theoretischer Natur. Das Schwarzwälder Kaltblut wurde immer kleiner und war mittlerweile fast ein reines Schrittpferd. Um das Inzuchtproblem endlich in den Griff zu bekommen, folgte in den 1980er Jahren die F-Linie, ausgehend vom Freibergerhengst Dayan, und 1990 ein weiterer Zuchtversuch mit dem Schleswigerhengst Varus (V-Linie). Der vorläufig letzte Zuchtversuch (2003 bis 2006) mit dem braunen Welsh-Cob-D-Hengst Unicorn Lancelot (L-Linie) hatte zum Ziel, die Farbvielfalt zu erhalten und ein gangstärkeres Kaltblutpferd zu erzielen. Die durchgezüchteten Schwarzwälder Stuten vererben ihren einheitlichen Typ, so dass drei bis vier Generationen nach Einkreuzung von Fremdblut kaum Einflüsse von anderen Rassen offensichtlich sind. Mit wieder etwa 1000 eingetragenen Stuten kann das Schwarzwälder Kaltblutpferd heute als «konsolidiert» bezeichnet werden.
Im Volk verankert
Als Aushängeschild der Rasse gilt das alle drei Jahre wiederkehrende Rossfest in St. Märgen im Schwarzwald, bei dem bis zu 30000 Zuschauer die Schauvorstellungen und den Festumzug mit historischen landwirtschaftlichen Themen-Gespannen verfolgen. Publikumsmagnete sind sie auch an der Hengstparade am Haupt- und Landgestüt Marbach. Immer schon besonders beliebt waren die Dunkelfüchse mit hellem Langhaar, aber es gibt auch die im Zuchtprogramm ausdrücklich zugelassenen Schwarzwälder Braunen, Rappen und Schimmel.
Neben typvollen und gangstarken Pferden wird im Zuchtprogramm auch grossen Wert auf einen ausgeglichenen Charakter gelegt. Eine mit «gut» bestandene Leistungsprüfung am Zugschlitten, Stamm-Geschicklichkeitsziehen und einer Fahrprüfung mit einfacher Dressuraufgabe ist obligatorisch für Hengste und potentielle Hengstmütter. Auch wenn das Reiten nicht geprüft wird, werden fast alle Schwarzwälder Kaltblutpferde freizeitmässig geritten.
Die Hengsthaltung in Baden-Württemberg obliegt einerseits dem Haupt- und Landgestüt Marbach, das mehr als 20 Schwarzwälder Hengste für den Natursprung und zwei weitere für die künstliche Besamung hält. Auch private Hengsthalter bieten die Dienste von etwa zehn gekörten Hengsten an. Fohlen werden oft direkt ab Züchter während der Fohlenschauen vermarktet. Ausserdem gibt es jährlich im Herbst in St. Märgen einen Verkaufstag, wo auch ältere und bereits ausgebildete Pferde zur Auswahl stehen.
Beliebtes Freizeitpferd
Der Verwendungszweck der Schwarzwälder Kaltblutpferde, ehemals land- und forstwirtschaftliche Arbeitstiere, hat sich geändert. Nur vereinzelt findet man sie noch im ökologischen Landbau, der Kommunalarbeit oder in der Forstwirtschaft als wirtschaftlich sinnvolle Konkurrenz zu Seilwinde und Traktor, zur umweltbewussten Vermeidung von Wald- und Bodenschäden. Im touristisch geprägten Schwarzwald haben sie sich zu einem wichtigen Standbein entwickelt. Die zuverlässigen Kaltblutpferde können Stadtfamilien einen Urlaub auf dem Bauernhof schmackhaft machen. Kutschfahrten ergänzen oft das Programm. So hat sich dieses echte Kaltblutpferd, in der Grösse zwar ähnlich dem Freiberger, jedoch deutlich kaltblütiger im Typ und Körperbau, zu einem beliebten Freizeitpferd entwickelt. Schwarzwälder Kaltblutpferde werden heute insbesondere als Freizeitkumpane vermarktet, aber einige wenige haben es geschafft, sich in höheren Fahr- oder Dressurreitprüfungen durchzusetzen. In Marbach werden für Schauvorführungen geeignete Schwarzwälder Hengste auch in Lektionen der Hohen Schule ausgebildet. Für zirzensische Lektionen sind sie besonders begabt. Im Voltigieren und im Behindertenreiten haben Schwarzwälder Kaltblutpferde aufgrund ihres ausgeglichenen Charakters ihren Platz erobert.
Am liebsten Dunkelfüchse, aber als Besonderheit auch einen Rappen
Hat ein gutes Pferd keine Farbe, wie eine alte Züchterweisheit sagt? Jein – denn die Marktanforderungen widersprechen dieser These, Dunkelfüchse müssen es sein, am liebsten fast schwarz mit weissem Langhaar. Nicht umsonst wurde als Besonderheit 2016 mit Ramos erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder ein Rapphengst gekört. Denn so stellt sich der Käufer seinen Schwarzwälder vor, am besten absolut zuverlässig geritten und gefahren. Aber irgendwo müssen Kompromisse eingegangen werden, Schönheit oder Charakter, beides zusammen lässt sich kaum zu einem angemessenen Preis kaufen.
Weitere Informationen rund um das Schwarzwälder Kaltblutpferd:
www.schwarzwaelder-pferdezuchtgenossenschaft.de und
Pferdezuchtverband Baden-Württemberg, www.pzv-bw.de/de/kaltblut/
Als Arbeitspferd einst weit verbreitet, stand das Schwarzwälder Kaltblutpferd in den 1970er Jahren mit noch etwa 150 Stuten kurz vor dem Aussterben. Am Aufbau einer neuen genetischen Grundlage waren auch Freibergerhengste beteiligt. Bei uns in der Schweiz bekannt sind sie vor allem dank dem Fünfspänner der Brauerei Egger.