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Forschende haben festgestellt, dass die global zunehmende Entwaldung auch zu einem erhöhten Risiko für Erkrankungen des Menschen führen kann.
Die Studie, die in «Proceedings of National Academy of Sciences» veröffentlicht wurde, stellt einen Zusammenhang zwischen dem Anstieg von Krankheiten bei grossen Säugetieren und gerodeten Flächen fest, auf denen sich Krankheitserreger verbreiten können, die auch Menschen schaden. Gemeint sind nicht Urwälder, die dem Menschen zum Opfer fallen. Gemeint sind auch Baumbestände in Savannen oder Bergregionen.
«Wir stehen in der Mitte einer sich ausbreitenden Krise», schreiben die Autoren: «Von den uns bekannten Säugern sind 50 Prozent der Arten zurzeit rückläufig». Davon besonders betroffen dürften etwa Zebras sein, da sie grössere Lebensräume beanspruchen. Undsie haben mehr Probleme, einmal reduzierte Populationen wieder aufzubauen. Denn dies dauert meistens mehrere Generationen. Grund: Zebras bekommen nur wenig Nachwuchs.
«Defaunisierung» verdrängt Grosstiere
Die Entwaldung kann also massive Auswirkungen auf die Ökosysteme haben, die von grossen Tierpopulationen bewohnt werden. Schwindet die Walddichte in einem Gebiet, verlassen es grosse Arten, was die Autoren der Studie als «Defaunisierung» bezeichnen.
Wenn grosse Säugetiere in einem Gebiet fehlen, füllen kleinere Arten den Raum. Die grossen Tiere aber dienten als Stabilisatoren innerhalb des Ökosystems. Herden von Huftieren wie Büffel halten die Gräser kurz, und sie düngen mit ihrem Kot gleichzeitig den Boden, damit die Vegetation wächst.
«Der systematische Rückgang von grossen Arten, sowohl Pflanzenfressern wie Raubtieren, hat oft ausgeprägte Auswirkungen auf andere Aspekte der Zusammensetzung und Struktur der Lebensgemeinschaften, Funktion des Ökosystems, und sogar die evolutionären Entwicklungen», schreiben die Autoren.
Wildtiere übertragen Krankheiten auf Menschen
Diese Effekte können die Entstehung von übertragbaren Krankheiten vom Tier auf den Menschen beinhalten, sogenannte «Zoonosen». Gemäss der Studie sind mindestens 60 Prozent aller menschlichen Krankheiten in anderen Tierarten entstanden. Beispielsweise können sich Menschen durch eine Form der Rindertuberkulose infizieren.
Die meisten saisonalen Stämme der Influenza bilden sich in Herden von Enten und anderem Geflügel in Asien. Zoonosen treten am meisten dort häufig auf, wo der Mensch in unmittelbarer Nähe zu einer grossen Anzahl von Tieren lebt. Normalerweise ist dies in der Landwirtschaft der Fall, wo die Menschen mit Haustieren zusammenleben. Auf jeden Fall führt die Dezimierung der Fauna und Abholzung der natürlichen Ökosysteme zu Kolonisierung einer Fläche durch eine grosse Zahl kleiner Tierarten, oft Nagetiere.
Die Autoren: «Nagetiere sind häufig Reservoirewirte für viele Zoonoseerreger, die Menschen befallen, wie Borrelia burgdorferi (Lyme-Krankheit), Hantaviren, Yersinia pestis und Bartonella (Bartonellose). Sie sind besonders wichtig für übertragbare Krankheiten durch Flöhe, von denen die meisten grösseren Wildtiere nicht befallen werden.» Bartonella ist eineBakterie, die durch Flohspeichel von Nagetieren auf Menschen übertragen wird. Die Infektion produziert ein breites Spektrum von Symptomen wie Fieber, Husten und Entzündung des Herzgewebes. Die Behandlung mit Antibiotika ist in der Regel wirksam, wodurch sich das geschwächte Immunsystem erholen kann.
Rodungen müssten gestoppt werden
Für ihre Studie untersuchten die Forscher die Auswirkungen eines grossen Rückzugs von Wildtieren in einem isolierten Landstrich in Kenia auf die Bartonella-Infektion. Sie fanden heraus, dass sich die Anzahl der Nagetiere in etwa verdoppelt hat, nachdem die Grossäuger entfernt wurden. Mehr als 95 Prozent der Nagetiere waren von Flöhen befallen. Die Forscher stellten fest, dass in ihrem Versuchsgebiet eine wesentlich grössere Präsenz von Bartonella festgestellt wurde, als in einer Zone, wo Nagetiere kontrolliert werden.
«Diese Ergebnisse liefern starke experimentelle Hinweise darauf, dass durch den Verlust grosser Wildtiere sich die Fülle von Zoonose-Erregern durch die Erhöhung der Wirtstiere als Überträger erhöht», stellt die Studie fest. Sie zwingt also zu einer neuen Sicht auf die fortschreitende Entwaldung.
Menschen fällen hauptsächlich Wälder für den Bau von Gebäuden und Infrastrukturen, für landwirtschaftliche Zwecke, Papierproduktion, Möbel, für das Kochen oder Wärmen. So lassen wir jeden Tag Waldgebiete von 50 000 Hektar verschwinden. Damit ist die Existenz unzähliger Arten und Lebewesen bedroht – und damit auch wir selbst. fss
© Foto by Ruedi Suter: Urwaldstämme in Ostkamerun