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Medizin bei Rollpower
|04.12.2003 Neues Verfahren misst Schwere einer MS-Erkrankung

New York (pte) - Forscher der New York University School of Medicine http://www.nyu.edu haben ein Verfahren zur Messung der Schwere der Erkrankung bei Multipler Sklerose entwickelt. Mit Hilfe der MR-Spektroskopie wurde die so genannte Whole Brain N-acetylaspartate (WBNAA) entwickelt. Dieses Verfahren ermöglicht zusätzlich eine Bewertung der Wirksamkeit der verabreichten Medikamente. Diese neuen Möglichkeiten zur Messung der Virulenz von Multipler Sklerose können Ärzte bei der exakteren Behandlung dieser Erkrankung unterstützen. Die Forschungsergebnisse wurden auf der 89. Jahreshauptversammlung der Radiological Society of North America (RSNA) http://www.rsna.org der Öffentlichkeit präsentiert.WBNAA misst laut dem leitenden Wissenschaftler Oded Gonen die Menge von N-acetylaspartate (NAA) im Gehirn, einer Chemikalie, die nur in Gehirnzellen vorkommt. "Multiple Sklerose führt zu einer Verringerung dieser Chemikalie im Gehirn. Dieses Defizit ist wie die Geschwindigkeit des Verlustes proportional zur Schwere der Erkrankung." Das neue Verfahren wird gleichzeitig mit der Kernspinresonanztomografie (MRI) durchgeführt. Der Radiologe hängt die MR-Spektroskopie an, die chemische Informationen auf zellulärer Ebene liefert. Für die Durchführung werden zusätzlich zur MRI zehn Minuten benötigt.Das Team untersuchte 42 Patienten, 30 Frauen und 12 Männer, mit einem Durchschnittsalter von 38 Jahren. Die Teilnehmer litten zwischen null und zwölf Jahren an schubförmig verlaufender Multipler Sklerose. Es zeigte sich, dass der Grad der Gehirnatrophie und NAA mit der Dauer der Erkrankung jährlich einen deutlichen Rückgang von 0,5 respektive 1,8 Prozent aufwies. Basierend auf dieser Ungleichheit in der Verlustrate wurde festgestellt, dass die Schädigung der neuralen Zellen vor dem Schwund und nicht als Resultat stattfindet. Da diese Veränderungen stattfinden, bevor Symptome sichtbar werden, ermöglicht WBNAA eine frühere, empfindlichere und spezifischere Messung des Krankheitsverlaufes.
Quelle:
www.rsna.org
|01.12.2003 Multiple-Sklerose: Forschungs-Preis für Briten und Israeli

Stuttgart (dpa) - Ein Brite und ein Israeli sind die diesjährigen Preisträger des Sobek-Preises für Leistungen in der Multiple Sklerose(MS)-Forschung. Mit 100 000 Euro sei der Preis der Sobek-Stiftung europaweit der am höchsten dotierte auf diesem Gebiet, teilte die Aktion Multiple Sklerose Erkrankter (AMSEL) Baden- Württemberg am Freitag in Stuttgart mit. Die Auszeichnung geht an die Professoren Avraham Ben-Nun (Israel) und Christopher Linington (Großbritannien). Der Preis sollte an diesem Samstag in Stuttgart durch Wissenschaftsstaatssekretär Michael Sieber (CDU) verliehen werden. Die beiden Wissenschaftler sind einem Proteinbestandteil auf der Spur, das die Fehlsteuerung des Immunsystems auslöst. Sie werden gewürdigt für einen entscheidenden Schritt bei der Aufklärung der Ursache der unheilbaren Krankheit, hieß es. Den Sobek-Nachwuchspreis in Höhe von 10 000 Euro teilen sich Oliver Neuhaus aus Düsseldorf und Jens Schmit, der in Würzburg und den USA arbeitet. Der Preis ist nach einer Kaufmannsfamilie aus Darmstadt benannt. Nach dem Tod der Tochter an den Folgen der MS entschieden die Eltern, dass ihr Vermögen nach ihrem Tod in eine Stiftung übergeht. Diese hat ihren Sitz in Renningen (Kreis Böblingen) und verleiht den Preis zum vierten Mal.
Quelle:
|23.11.2003 Die intrathekale TCA-Therapie

Information zur intrathekalen TCA-Therapie bei Multiple Sklerose
Diese Informationsschrift ist vorrangig bestimmt für MS-Patienten mit primär oder sekundär chronisch-progredienter Verlaufsform und spinaler Symptomatik, d.h. mit Entzündungsherden im Rückenmark oder im Hirnstammbereich. Sie beruht auf schriftlichen Befragungen von Chefärzten neurologischer Kliniken in Krankenhäusern, Neurozentren und Universitätsinstituten, die für die Behandlung von MS-Patienten bekannt sind. Die Befragung wurde ergänzt durch persönliche Erfahrungen von Teilnehmern einer Patienteninitiative in Norddeutschland.
Aus den Antworten und Veröffentlichungen von 103 Kliniken ist ersichtlich, daß es in Ergänzung der bekannten MS-Therapien seit längerem ein Behandlungsverfahren gibt, das in 50-70% aller geeigneten Fälle eine - zeitlich begrenzte und wiederholbare - Verbesserung der Symptome erwarten läßt, speziell bei Beschwerden wie Gehfähigkeit, Spastik und Blasenproblemen. Es wird von 30% der antwortenden Kliniken regelmäßig oder gelegentlich angewandt. Das Verfahren wird häufig in Fällen eingesetzt, wenn andere Therapiemaßnahmen nicht zur Besserung der Beschwerden geführt haben. Nach Meinung einiger Kliniken sollte die Therapie möglichst bald nach der Diagnose begonnen werden. Bei geeigneten Fällen und in erfahrenen Händen sehen die Fachleute durchaus einen Stellenwert.
Bei Durchführung des Verfahrens wird analog der bekannten Lumbalpunktion unter Anwendung von atraumatischen Punktionsnadeln meist 40 mg, bisweilen auch 80 mg des Depot-Kortikosteroids TCA (Triamcinolonacetonid, Volon©-A) in den Liquor injiziert. TCA ist ein seit Jahrzehnten bekannter Wirkstoff. Die Behandlung erfordert neben einer eindeutigen Eignung des Patienten eine aseptische Umgebung und Vorgehensweise sowie praktische Erfahrungen und Qualifikation des behandelnden Arztes. Meist wird z.B. anläßlich eines stationären Aufenthaltes über 3-4 Wochen 1-2x wöchentlich eine Basisbehandlung durchgeführt und in den meisten Fällen eine anschließende Liegezeit von 2-8 Stunden verordnet, damit die gleichmäßige Verteilung der injizierten Kristallsuspension sichergestellt ist. Oft kann die danach eintretende Verbesserung durch eine externe, einmalige Gabe im Abstand von 4-8 Wochen (bisweilen auch nur 3-4x im Jahr) aufrechterhalten werden. Nach den Erfahrungen ist TCA gut verträglich, Nebenwirkungen (z.B. Kopfschmerzen) sind selten. Einige Kliniken sprechen von mehreren Tausend routinemäßig durchgeführter Behandlungen und von 200 oder mehr TCA-Injektionen pro Jahr, in allen Fällen ohne ernsthafte Komplikationen. Zusammengefasst wird die intrathekale TCA-Therapie als eine empfohlene und nebenwirkungsarme Behandlung bezeichnet, die in manchen Kliniken seit Jahrzehnten mit guten Erfolgen durchgeführt wird.
Befragungsergebnisse (Auszüge)
Städtisches Krankenhaus
Martha-Maria Halle-Dölau GmbH,
Klinik und Poliklinik für Neurologie,
06112 Halle
In unser Klinik wird Volon-A© intrathekal seit nunmehr 8 Jahren erfolgreich und zunehmend verabreicht. Wir sind überzeugt, dass es sich dabei (bei sorgfältiger Indikatiionsstellung) um eine ausserordentlich wirksame und auch gut verträgliche Therapieform handelt, insbesondere bei spinaler Spastik im Rahmen einer Multiplen Sklerose.
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Universitätsklinikum Charité Berlin,
Neurologische Klinik und Poliklinik,
10098 Berlin
Danach bietet sich eine intrathekale Applikation von Triamcinolonacetonid (Volon®-A) als symptomatische (und nicht als kausale) Therapie von solchen Patienten an, die unabhängig von Krankheitsschüben unter (schmerzhaften) spastischen Lähmungen der unteren Extremitäten leiden, häufig verbunden mit Blasenstörungen. Die Gabe von Volon®-A kann in solchen Fällen, sowohl vor dem Hintergrund einer primären oder sekundär chronisch-progredienten Multiplen Sklerose zu einer objektivierbaren Besserung von spastischen Schmerzsyndromen und Gehstörungen führen. Bei Erfolg wiederholen wir diese Maßnahme, soweit die praktische Durchführbarkeit gegeben ist, in regelmäßigen Abständen (alle 4-8 Wochen), auch zusätzlich zu einer kausal orientierten, immunmodulatorischen Therapie (z.B. mit Interferon-beta). Dies entspricht der Praxis anderer Kliniken.
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Klinik am Haussee
Fachklinik Feldberg
Neurologische Abteilung
17258 Feldberg
Bei Patienten mit Entzündungsherden in Rückenmark und im Hirnstammbereich erfolgte zusätzlich eine intrathekale Glucocorticoidtherapie, die neben der klinisch fassbaren Besserung auch zu einer messbaren Verbesserung der Leistungsparameter führte. Durchschnittlich gelang durch die Behandlung in unserer Klinik eine Verbesserung in den einzelnen Funktionsbereichen zwischen 50 und 60%. Bemerkenswert ist der hohe Eingangs-EDSS von 7,0 .... Der mittlere EDSS bei Entlassung betrug 5,5.
Auf Grund dieses Therapieergebnisses konnte bisher jeder der entlassenen Patienten weitgehend selbständig in seine häusliche Umgebung zurück entlassen werden....
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Jüdisches Krankenhaus Berlin
Medizinische Fakultät
der Humboldt-Universität
Abteilung für Neurologie
13347 Berlin
Wir haben hier in unserer Klinik .... seit vielen Jahren sehr gute Erfahrung mit der
intrathekalen Gabe von Volon-A©. Ich kann bestätigen, dass die Therapie in der Mehrzahl der Fälle komplikationslos ist..... Unser klinischer Eindruck ist, dass bei 80% der Patienten eine gute Wirksamkeit vorhanden ist.
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Asklepios Neurologische Klinik
Falkenstein
Neurologische Abteilung
61462 Königstein-Falkenstein
Auch in unserer Klinik wird die intrathekale Triamcinolontheraüie bei Patienten mit spinaler Spastik bei MS mit Erfolg vorgenommenh. Sie können unsere Klinik in die Adressenliste aufnehmen.
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Fachklinik für Neurologie
Dietenbronn GmbH,
Akademisches Lehrkrankenhaus
der Universität Ulm
88477 Schwendi
In unserem Hause wird die MS-Therapie mit Volon©-A gelegentlich durchgeführt. Bei hierfür geeigneten Patienten geben wir 40 mg TCA. Wir verabreichen unseren Patienten während eines stationären Aufenthaltes 1 - 3 mal 40 mg TCA intrathekal in Abständen von etwa 3 Tagen. Diese Behandlungen werden dann in zeitlichen Abständen von etwa 6 Wochen wiederholt. Die Patienten melden sich meist von sich aus nach etwa 4 Wochen, wenn sie ein Nachlassen der therapeutischen Wirkung bemerken. Nach den Injektionen verordnen wir eine Liegezeit von 2 Stunden. Das Verfahren hat sich ausgesprochen gut bewährt zur Behandlung einer massiven Paraspastik der Beine, also überwiegend in der symptomatischen Therapie der MS. Bei akuten Krankheitsschüben oder florider Krankheitsaktivität chronisch-progredienter Patienten scheint uns die Methode dagegen nicht so wirksam zu sein, wie die i.v.Gabe von hochdosiertem Prednisolon.
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Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Tübingen,
Städtisches Krankenhaus Sindelfingen,
Abtg. Neurologie
71065 Sindelfingen
Tel.: 07031-98-2361
Diese Methode wenden wir routinemäßig seit mehr als 20 Jahren an. .... haben wir regelmäßig TCA (Volon©-A) bei unterdessen sicherlich über 10.000 Patienten, vorwiegend mit MS, zur Anwendung gebracht. Zuvor haben wir uns davon überzeugt, daß sich die elektronenoptisch darstellbaren Kristalle von TCA im Medium des Liquor cerebrospinalis im Brutkasten gleichförmig auflösen und keine Wurzelreizsyndrome verursachen. Komplikationen konnten nicht beobachtet werden. Nur selten entsteht ein postpunktioneller Kopfschmerz, der allerdings bei gleichzeitiger Gabe von TCA seltener auftritt. Lege artis appliziert, konnte ich bisher keine nachteiligen Nebenwirkungen feststellen. Andererseits hat die Kombination von TCA und Pulsetherapie einen besonders günstigen Verlauf bei der MS, speziell bei der spinalen Verlaufsform. Wir haben jedoch auch Patienten, die ausschließlich TCA im Abstand von 4 bis 6 Monaten erhalten. Von mehrfachen Injektionen in kurzen zeitlichen Abständen halte ich wenig, zumal die Halbwertszeit von TCA ausreichend lange ist und die Substanz im Liquor nachweislich lange verweilt, ohne größere systemische Nebenwirkungen zu haben.
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Nervenklinik und Poliklinik der Universität des Saarlandes
Abteilung Neurologie
66421 Homburg/Saar
Wir setzen intrathekales Volon©-A bei Patienten mit angenommener starker spinaler Beteiligung und spastischer Paraparese ein. Sofern das Ansprechen gut ist, können die Eingaben 2-3 mal im Jahr erfolgen. Wir sehen hierin eher eine symptomatische Maßnahme als eine immunprophylaktische Therapie. Es ist im Einzelfall zu erproben, ob der Effekt der intrathekalen Therapie besser oder geringer als der einer mehrtägigen hochdosierten Cortison-Infusionsbehandlung ist. Intrathekales Volon©-A kann aber öfters einen etwas längeren Behandlungseffekt erzielen.
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Sauerlandklinik Hachen
Neurologische Spezialklinik
insbes. für Multiple Sklerose
59846 Sundern
In der Sauerlandklinik Hachen als MS-Spezialklinik wird diese Behandlung seit Jahren
mit guten Erfolgen durchgeführt. Ich selbst behandele MS-Patienten mit überwiegend spinaler Symptomatik seit 1972 mit jährlich 100-200 Injektionen, bisher ohne nennenswerte Nebenwirkungen.
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Die vollständige Adressenliste von Kliniken, die die intrathekale TCA-Therapie regelmässig oder gelegentlich anwenden (Kenntnisstand: 14.09.2003) kann unter <email-pii> angefordert werden.
PinC Patienteninitiative intrathekale Cortisontherapie / Postfach 1212 / 21709 Himmelpforten
|23.11.2003 Information zur intrathekalen TCA-Therapie

Falls jemand an Information aus dem Journal of Neurological Sciences, Mai 2003 mit einer Langzeituntersuchung der Universität Bochum Interesse hat ... Mail an: <email-pii> genügt.
Info ist englisch, im pdf Format und 85 kb gross.
|18.11.2003 Wichtige Alternative bei MS: die IVIG-Therapie

Studie zur optimalen Immunglobulin-Dosierung läuft
HAMBURG (agr). Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose (MS) können bei bestimmten Voraussetzungen unter den Bedingungen des Off-label-use mit intravenösen Immunglobulinen behandelt werden. Dies gilt für jene Patienten, die eine Therapie mit Beta-Interferon oder Glatirameracetat nicht vertragen oder bei denen diese Präparate kontraindiziert sind.
Professor Peter Rieckmann von der Universität Würzburg hat bei einer Veranstaltung des Unternehmens Bayer Vital in diesem Zusammenhang auf entsprechende internationale Empfehlungen sowie die aktuellen Therapieleitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) hingewiesen.
Danach kommt die intravenöse Applikation von Immunglobulinen (IVIG) für die Therapie bei schubförmiger MS in Frage, wenn es während einer subkutanen Beta-Interferon-Therapie zu nicht tolerablen Nebenwirkungen an der Haut kommt oder wenn die First-Line-Substanzen aufgrund von Kontraindikationen wie Schwangerschaft, Stillzeit oder juvenile MS therapeutisch nicht genutzt werden können.
Gestützt werden diese Empfehlungen nach Angaben von Rieckmann durch Ergebnisse kleiner klinischer Studien, einer Metaanalyse sowie einer großen retrospektiven Datenanalyse außerhalb der randomisierten Studien. In ihnen wurde unter der IVIG-Therapie eine deutliche Schubreduktion dokumentiert. Zudem ergaben sich Hinweise auf eine günstige Beeinflussung der Behinderungsprogression.
Therapeutisch bewährt habe sich die i.v.-Applikation von 10 mg bis 20 mg polyvalenter Immunglobuline - von dem Unternehmen als Polyglobin® 10 % angeboten -, und zwar in vierwöchigen Applikationsintervallen.
Um die optimale IVIG-Dosierung festlegen zu können, wird der Einfluß von zwei verschiedenen Dosen des Immunoglobulins G 10 % auf die Schubfrequenz jetzt in einer Placebo-kontrollierten Studie bei MS-Patienten im Alter zwischen 18 und 55 Jahren geprüft. Um die Wirkung des Mittels beurteilen zu können, erhalten die Patienten alle vier Wochen eine IVIG-G 10%- oder eine Placebo-Infusion. Alle sechs Wochen wird kernspintomographisch kontrolliert.
Daß aus therapeutischer Sicht Bedarf an diesen Immunmodulatoren besteht, verdeutlichte Professor Judith Haas vom Jüdischen Krankenhaus Berlin anhand aktueller Daten. Diese dokumentieren Abbruchraten von über 25 Prozent in den ersten beiden Behandlungsjahren mit Interferon.
Professor Ralf Gold von der Neurologischen Uniklinik Würzburg: "Durch Einbeziehung der intravenösen Immunglobuline in die immunmodulatorische Stufentherapie bei Multipler Sklerose erhöhen wir auch die Chance, die Therapie mit Mitoxantron, dessen Einsatz aufgrund seiner Kardiotoxizität auf maximal drei bis vier Jahre beschränkt ist, zu verzögern." Zudem seien IVIG auch bei MS-Patienten mit Steroid-resistenten Schüben effektiv.
Quelle:
|14.11.2003 Schwangerschaft ist bei Multipler Sklerose kein Tabu -

sie schützt sogar vor Schüben!
Von Philipp Grätzel von Grätz
"Sie sind Multiple-Sklerose-Patientin? Werden Sie bloß nicht schwanger! Sie sind schon schwanger? Dann sorgen Sie für eine Abruptio!" Ratschläge dieser Art sind von Ärzten noch vor nicht allzu langer Zeit immer wieder zu hören gewesen, wenn sie von MS-Patientinnen auf das Thema Multiple Sklerose und Schwangerschaft angesprochen wurden.
Heute allerdings könne man derartige Empfehlungen und quasi Therapieansätze nur noch historisch nennen, sagt Professor Judith Haas, Neurologin an der Medizinischen Hochschule Hannover.
Für einen Schwangerschaftsabbruch bei MS gibt es heute nur noch sehr wenige Gründe, wie Haas kürzlich beim MS-Kongreß in Berlin berichtet hat. Außer bei einer Schwangerschaft, die unter einer MS-Therapie mit Methotrexat oder Cyclophosphamid auftrete, rate sie nur noch bei einem schweren, völlig therapieresistenten Schub zu einer Abruptio, so Haas.
Über das teratogene Potential der meisten anderen MS-Therapeutika sei wenig bekannt, doch rechtfertige die Datenlage bei den häufig verwendeten Substanzen Interferon beta und Glatirameracetat keinesfalls den Schwangerschaftsabbruch.
Generell gelte aber, während der Schwangerschaft mit Arzneien zu pausieren, die das Immunsystem modulieren, so Haas. Wird nach der Geburt nicht gestillt, dann könnten diese Mittel aber sofort nach der Entbindung wieder eingenommen werden.
"Eine Schwangerschaft ist selbst der beste immunologische Schutz vor Autoimmunkrankheiten und damit auch vor MS", ist sich Haas sicher. Das liegt wahrscheinlich daran, daß das Immunsystem von Schwangeren ein großes Maß an Immuntoleranz aufbringt, denn es muß ja mit dem zur (väterlichen) Hälfte gewebsfremden Kind klar kommen, ohne es abzustoßen.
Während der Schwangerschaft besteht damit ein gewisser Schutz vor MS-Schüben, der sich auch quantifizieren läßt. So hat eine Studie im Jahr 1998 ergeben, daß die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit eines Schubes während der Schwangerschaft etwa zwei Drittel niedriger liege als sonst. Auch auf den Langzeitverlauf der MS scheine eine Schwangerschaft zumindest keinen negativen Einfluß zu haben, so Haas.
Ein Problem tritt freilich auf, wenn die Schwangerschaft zu Ende ist. Denn dann wird die Immuntoleranz vom Organismus zurückgefahren. Entsprechend kommt es wie bei anderen Autoimmunkrankheiten auch bei der MS zu einem starken Anstieg der Schubwahrscheinlich in den Monaten nach der Entbindung.
Besonders die ersten drei Monate sind dabei Risikomonate. Und stillende Mütter, die ihre immunmodulierenden Medikamente in der Stillzeit nicht einnehmen dürfen, sind besonders gefährdet.
"Postpartale Schübe verlaufen häufig mild, hinterlassen keine langfristigen Probleme und bilden sich in der Regel prompt zurück", sagt Haas. Dennoch ist sie der Auffassung, daß man versuchen sollte, diese Schübe zu verhindern: "Sie sind emotional belastend. Sie beeinträchtigen den Umgang mit dem Neugeborenen. Und unter Umständen ist eine nebenwirkungsreiche Steroid-Pulstherapie nötig".
Mit intravenös verabreichten Immunglobulinen (IVIG) gebe es mittlerweile eine gute Möglichkeit, die postpartale Schubfrequenz bei stillenden wie nicht stillenden Müttern zu senken, so Haas. "Um das noch einmal zu untermauern, werden wir im Januar eine randomisierte, prospektive Doppelblindstudie, die GAMMPP-Studie, abschließen, die an 40 MS-Zentren europaweit die Wirksamkeit dieses Verfahrens ermitteln soll", berichtet sie.
Verwendet wird dabei das Gammaglobulin Octagam, das nach der Entbindung in zwei verschiedenen Dosierungsschemata insgesamt sechs Monate lang verabreicht wird. Bisherige Daten sprächen bereits stark für die Wirksamkeit der Immunglobuline. So präsentierte Haas in Berlin die Auswertung einer eigenen Studie mit 51 schwangeren MS-Patientinnen, bei denen die Schubwahrscheinlichkeit durch die IVIG-Behandlung signifikant reduziert worden war.
Quelle:
|12.11.2003 Das Chromosom 6, ein Schlüssel zum Rätsel MS?

Nicht weniger als 170 Forscher zeichnen für die Aufschlüsselung des Chromosoms 6 als Autoren in ihrer Veröffentlichung. Dies ist ungewöhnlich, für eine so komplexe Aufgabe wie die Sequenz-Analyse eines Chromosoms verständlich.
Chromosom 6 nimmt für die immunologischen Erkrankungen eine Schlüsselposition ein, neben vielen anderen Erkrankungen. Da die MS als immunologische Erkrankung angesehen wird, könnten sich für die Diagnose und Behandlung der MS Fortschritte ergeben.
Das Chromosom 6 steht für 6 % des menschlichen genetischen Codes. Die vollständige Verschlüsselung enthält 166.880.988 Basenpaare, die Bausteine der Gene, und es ist das grösste bisher entschlüsselte Gen. Die Analysen sind qualitativ mit hochstehender Technik durchgeführt. Sie erlauben dien Nachweis von 1.557 Genen und 633 Pseudogenen. Mindestens 96 % der Protein-codierenden* Gene sind identifiziert worden.
Proteine sind notwendig, um z.B. Gewebsverträglichkeitsfaktoren im Körper herzustellen. Die dafür verantwortlichen Gene stehen in Verbindung mit der Entstehung von Krebs, Schizophrenie und autoimmunologischen Erkrankungen, sowie anderen Krankheiten. Chromosom 6 weist dazu noch eine starke RNA-Tätigkeit auf, die für die Vervielfältigung von Proteinen nötig ist. Mit dem Gen-Ort für den Gewebsverträglichkeits-Komplex steht das HLAB-Gen das komplexeste auf dem Chromosom 6 und des gesamten Genom dar.
In die Erforschung dieses Gens werden grosse Hoffnungen gesteckt, dem Rätsel der Kettenreaktion namens MS auf die Spur zu kommen.
*die Eiweiss-Synthese lenkenden Gene
Quelle: Nature.2003 Oct 23;425(6960):805-11
|11.11.2003 Mindestens 50 Kinder erkranken pro Jahr an MS

Göttinger Mediziner erforschen MS bei Jugendlichen
BERLIN (eb). Pro Jahr erkranken allein in Deutschland mindestens 50 Kinder an Multipler Sklerose (MS). Das hat eine Studie der Universität Göttingen ergeben.
Unter Leitung von Professor Folker Hanefeld haben dazu Forscher zwischen 1997 und 1999 die Daten seltener pädiatrischer Erkrankungen akribisch erhoben. Diese dienten dazu, Verlauf und Häufigkeit von MS bei Kindern zwischen drei und 16 Jahren zu erforschen, wie die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) mitteilt.
So berichteten die Forscher vor kurzem auf einem internationalen MS-Kongreß in Berlin, daß mit Einsetzen der Pubertät die Zahl der Erkrankungen zunimmt - ein Indiz für den hormonellen Einfluß auf den Ausbruch der Erkrankung. Die häufigsten Symptome seien Seh-, Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen, seltener dagegen Lähmungen oder epileptische Anfälle.
Quelle:
|29.10.2003 Pharmafirma: Neuartige Substanz gegen MS entwickeln

Braunschweig (dpa) - Ein Braunschweiger Pharma- Managementunternehmen will eine neuartige Substanz zur Behandlung der Multiplen Sklerose bis zur Marktreife entwickeln. Die Vakzine Projekt Management GmbH (VPM) übernimmt gemeinsam mit der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) in Braunschweig den Nachweis der klinischen Wirksamkeit eines löslichen Beta-Interferons. Bislang wurden Multiple Sklerose-Patienten mit natürlichem Beta-Interferon - ein körpereigenes Protein - behandelt, das aber nur schwer wasserlöslich ist und die Wirkung des Medikaments beeinträchtigt. Die nun gentechnisch hergestellte lösliche Variante soll geringere Nebenwirkungen haben und leichter hergestellt werden können. Die Prüfung des Stoffes in klinischen Studien werde acht bis zehn Jahre dauern, sagte ein Sprecher der GBF. Das neue Beta-Interferon hatten Wissenschaftler am Fraunhofer- Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik in Hannover erforscht. Die Vakzine Projekt Management GmbH sieht in der Substanz ein großes Potenzial auf dem Weltmarkt. Möglicherweise könne sie auch zur Behandlung von Virusinfektionen oder Krebs eingesetzt werden. An welchen Kliniken die Studien zum Nachweis der Wirksamkeit gemacht werden, ist noch nicht bekannt. Multiple Sklerose ist eine chronische Entzündung des zentralen Nervensystems und bislang nicht heilbar. Über die Zahl der Erkrankten in Deutschland herrscht nach wie vor Unklarheit. Unterschiedliche Schätzungen gehen von 60 000 bis 130 000 Patienten aus. VPM in Braunschweig ist aus Fördermitteln des Bundes entstanden und finanziert die Entwicklung von Impfstoffen und ähnlichen Präparaten. Quelle:
29.10.03 -- NetDoktor.de
|28.10.2003 Rauchen verdoppelt das Risiko für MS

Blauer Dunst wirkt sich besonders bei Männern aus
Das Risiko für Multiple Sklerose (MS) ist bei Rauchern nahezu doppelt so hoch wie bei Nichtrauchern. Auch nach einem vollständigen Rauchstopp bleibt das Risiko erhöht. Das fanden norwegische Wissenschaftler in einer Studie an über 22.300 Menschen im Alter zwischen 40 und 47 Jahren heraus. Männer waren dabei stärker betroffen als Frauen, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift Neurology (Ausgabe vom 28. Oktober).
Trond Riise von der Universität in Bergen und seine Kollegen fanden nun einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Umweltfaktor Rauchen und MS. Das Risiko, an dem Nervenleiden zu erkranken, war bei Rauchern durchschnittlich um den Faktor 1.81 erhöht. Bei Männern lag der Faktor bei 2.75, bei Frauen dagegen deutlich niedriger bei 1.61. Die Krankheit brach bei den Betroffenen im Durchschnitt 15 Jahre nach Beginn des Lasters aus.
Rauchen wird schon länger in Verbindung mit Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise der rheumatoiden Arthritis gebracht. Ein negativer Effekt auf Immun- und Nervensystem könnte auch den Zusammenhang mit dem MS-Risiko erklären, meint Riise. Weitere Untersuchungen sollen zeigen, was Rauchen dabei genau bewirkt, und welche Bestandteile des Zigarettenrauchs wie etwa Nikotin daran beteiligt sind.
Bei der Multiplen Sklerose scheint die körpereigene Immunabwehr das Nervensystem der betroffenen Patienten anzugreifen. Die genaue Ursache für MS ist bislang unbekannt. Experten vermuten jedoch ein Zusammenspiel zwischen genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren wie Infektionen oder der Ernährung.
Quelle:
|28.10.2003 Begünstigt Rauchen eine multiple Sklerose?

BERGEN/NORWEGEN. Raucher erkranken nach den Ergebnissen einer bevölkerungsbasierten Studie fast doppelt so häufig an einer multiplen Sklerose wie Menschen, die niemals geraucht haben. Über die Gründe für diese Assoziation, die in Neurology (2003; 61: 11221124) berichtet wird, gibt es derzeit nur Spekulationen.
Der Arbeitsmediziner Trond Riise von der Universität Bergen in Norwegen hat 22 312 Bewohner des Bezirks Hordaland im Alter von 40 bis 47 Jahren befragt. Darunter befanden sich 87 Patienten mit einer multiplen Sklerose. Diese gaben überproportional häufig an, aktive Raucher zu sein oder in der Vergangenheit geraucht zu haben.
Aus diesen Angaben errechnen Riise et al. ein relatives Risiko von 1,81 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,1 bis 2,9; p=0,014) für Raucher gegenüber Niemalsrauchern. Bei Männern war das relative Risiko sogar 2,75-fach erhöht, bei Frauen dagegen nur 1,61-fach. Die Risikoerhöhung war unabhängig vom Bildungsgrad. Laut der Pressemitteilung der American Academy of Neurology hatten die Patienten im Durchschnitt 15 Jahre geraucht, bis die Erkrankung auftrat.
Warum Rauchen das Risiko auf eine multiple Sklerose erhöhen sollte, ist unklar. Die Pressemitteilung verweist auf Studien, die eine Assoziation des Rauchens mit anderen Autoimmunerkrankungen wie der Rheumatoiden Arthritis gezeigt hätten. Doch wie Tabak das Immunsystem zu einer Fehlreaktion verleiten könnte, ist schwer vorstellbar. Immerhin handelt es sich um eine bevölkerungsbasierte Studie, deren Ergebnisse höher bewertet wird als die von Fall-Kontroll-Studien. Die Studie dürfte deshalb auf jeden Fall weitere Untersuchungen nach sich ziehen. /rme
Quelle:
|28.10.2003 Bei MS kann sich Umstellung auf subkutanes IFN lohnen

Ergebnis einer offen fortgeführten Vergleichsstudie
HAMBURG (agr). Die Umstellung einer Therapie mit Beta-Interferon von einmal wöchentlich 30 Mikrogramm intramuskulär auf dreimal wöchentlich 44 Mikrogramm subkutan kann für Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose (MS) Vorteile bringen.
Der Vorteil der Umstellung sei in der über acht Monate offen fortgeführten Verlaufsbeobachtung der randomisierten EVIDENCE-Studie (EVidence for Interferon Dose-response: European-North American Comparative Efficacy Study) festgestellt worden, hieß es auf einer Veranstaltung des Unternehmens Serono.
In dieser Studie mit 677 Patienten wurde - wie berichtet - die Wirksamkeit beider Interferon-beta-1a-Präparate verglichen. Bei den Patienten, die nach Abschluß der randomisierten Phase auf das höher dosierte, häufiger und subkutan zu injizierende Beta-Interferon (Rebif® 44) umgestellt worden waren - das waren 73 Prozent der Patienten -, sank die jährliche Schubrate signifikant von 0,64 auf 0,32.
Zugleich stieg der Anteil schubfreier Patienten um 31 Prozent. Darüber hinaus hatten die Patienten in dieser Gruppe im Vergleich zur anderen Gruppe signifikant weniger mit dem MRT nachgewiesene neue und aktive Hirn-Läsionen.
Wann eine solche Therapie-Umstellung erforderlich werde, lasse sich allerdings nicht generell vorhersagen, weil es dafür keine Marker gebe, so Professor Ralf Gold von der Universitätsklinik Würzburg.
Für die individuelle Beurteilung hilfreich sei ein von Professor Mark Steven Freedman aus Ottawa in Kanada vor kurzem vorgestelltes und einfach zu handhabendes Modell zur Verlaufsbeobachtung.
Die darin verwendeten Beurteilungskriterien EDSS (Expanded Disability Status Scale), Schubhäufigkeit und Krankheitsaktivität in der kranialen Kernspin-Tomographie, definieren anhand eines Punktesystems grüne, orange und rote Bereiche, die für oder gegen einen Therapie-Wechsel sprechen oder die Beratung mit Kollegen an einem MS-Zentrum nötig machen. Nach Golds Angaben wird das Beurteilungsinstrument in Kürze vom Unternehmen als Datenblatt Ärzten zur Verfügung gestellt.
Ein weiterer Test zur Verlaufskontrolle ist der Multiple Sclerosis Functional Composite Score (MSFC). Wie Gold erläuterte, basiert dieser auf einem Steckbrett-Test zur Erfassung der Handfunktion, einen kürzeren Gehstreckentest sowie einen seriellen Zahlenabstraktionstest. Der Zahlentest (PASAT-Test, Paced Auditory Serial Addition Test) erfasse sehr zuverlässig die Konzentrationsfähigkeit sowie das Kurzzeitgedächtnis.
Quelle:
|22.10.2003 Eisenablagerungen in den grauen Zellen bei MS-Patienten entdeckt

Ionen gelangen vermutlich über defekte Blut-Hirn-Schranke ins Gehirn
Ein Zuviel an Eisen in der grauen Substanz des Gehirns könnte dafür verantwortlich sein, dass Menschen mit Multipler Sklerose (MS) ein beeinträchtigtes Denk- und Bewegungsvermögen haben. Das haben amerikanische Wissenschaftler mithilfe spezieller Kernspin-Untersuchungen des Gehirns herausgefunden. Das Eisen scheint die graue Substanz zu beschädigen, berichteten die Wissenschaftler auf dem Jahrestreffen der Amerikanischen Neurologischen Vereinigung in San Francisco.
Die graue Substanz ist ein Teil des menschlichen Nervensystems und in der Großhirnrinde zu finden. Ihren Namen verdankt sie den wichtigen Nervenzellkörpern, die sie enthält und die in ihrer Masse grau erscheinen. Im Unterschied dazu werden die weißen Bereiche des Nervensystems als weiße Substanz bezeichnet.
Das Forscherteam um Rohit Bakshi von der Universität in Buffalo (USA) untersuchte nun bei einer Gruppe von MS-Patienten, wie rasch diese eine bestimmte Strecke zu Fuß bewältigen konnten. Eine andere Gruppe wurde auf geistige Fähigkeiten wie ihr Erinnerungsvermögen hin überprüft. Die Ergebnisse verglichen die Forscher mit Kernspin-Aufnahmen des Gehirns, auf denen die Ablagerungen des Eisens in der grauen Substanz zu erkennen waren.
Die Resultate zeigten deutlich eine Verbindung zwischen Veränderungen der grauen Substanz und einer Beeinträchtigung im Denken und in der Bewegung, erklären die Forscher. Woher das Eisen stamme, sei noch nicht klar. Möglicherweise gelange es durch eine defekte Blut-Hirn-Schranke ins Gehirn. Weitere Untersuchungen sollen diese und weitere Fragen beantworten, erklären die Wissenschaftler. Künftige Therapien könnten beispielsweise versuchen, die Eisenablagerung zu verhindern.
Quelle:
|15.10.2003 Antikörpernachweis zur Identifikation von Interferon-beta-Nonrespondern

LONDON. Der Nachweis von Antikörpern könnte helfen, Patienten mit multipler Sklerose (MS) zu identifizieren, die auf eine Behandlung mit Interferon beta nicht gut ansprechen, berichtet eine dänische Studiengruppe im Lancet (2003; 362: 11841191. Die Behandlung mit Interferon beta ist die Therapie der ersten Wahl bei rezidivierender MS, erklären Per Soelberg Sorensen et al., vom Department of Neurology, Copenhagen University Hospital, Rigshospitalet, Copenhagen, Dänemark.
Die Einnahme kann jedoch die Produktion neutralisierender Antikörper gegen den Wirkstoff selbst induzieren und damit die Effektivität der Behandlung herabsetzen. Unter allen Patienten mit MS, die zwischen 1996 und 1999 in Dänemark eine Therapie mit Interferon beta begonnen hatten, wählten die Autoren randomisiert 541 Patienten aus und führten bei diesen über einen Zeitraum von fünf Jahren jedes Jahr Tests zum Nachweis von neutralisierenden Antikörpern durch.
Die Zeit bis zum ersten MS-Rückfall war bei den Patienten, die nach einem Jahr der Interferon-beta-Therapie negativ für neutralisierende Antikörper getestet wurden, wesentlich länger (etwa 244 Tage) als bei den Patienten, die ein positives Testergebnis aufwiesen. Bei Patienten, die neutralisierende Antikörper entwickelten, stieg im Vergleich zu Patienten, bei denen keine neutralisierenden Antikörper gebildet wurden, die jährliche Rückfallrate um mehr als 50 Prozent. Die Produktion von neutralisierenden Antikörpern erfolgte unabhängig vom Alter, Geschlecht, Dauer der Erkrankung und Prognose zu Beginn der Behandlung.
Nach Ansicht von Per Soelberg Sorensen deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass neutralisierende Antikörper gegen Interferon beta die klinische Wirksamkeit des Medikamentes beeinträchtigen. Bei Nonrespondern einer Interferon-beta-Behandlung, so Sorensen, sollte der Nachweis von neutralisierenden Antikörpern zum Anlass genommen werden, über eine alternative Therapie, zum Beispiel mit Glatiramer oder Mitoxantron, nachzudenken. /Se
Quelle:
|02.10.2003 Mitoxantron stoppt die Progression bei den meisten MS-Patienten

Chance für Patienten, die auf Immunmodulatoren nicht ausreichend ansprechen
DÜSSELDORF (kas). Nur bei fünf Prozent der Patienten mit Multipler Sklerose (MS), die mit dem Zytostatikum Mitoxantron behandelt werden, verläuft die Erkrankung unter der stark immunsupprimierenden Therapie noch progredient. Bei jungen Patienten mit schubförmiger MS versagt Mitoxantron fast nie.
Seit einigen Monaten ist Mitoxantron (Ralenova®) zur MS-Therapie bei hoher Schubrate oder bei Versagen der Basistherapie sowie für Patienten mit sekundär-progredientem Verlauf und steter Verkürzung der Gehstrecke zugelassen. Bereits Ende der 80er Jahre haben europäische Neurologen erste Erfahrungen mit dem in der Onkologie lange etablierten Anthrazendion-Zytostatikum Mitoxantron gesammelt, vor allem bei Patienten mit hochaktiver MS.
Ausreichende Daten für die Zulassung brachte schließlich die Plazebokontrollierte, doppelblinde MIMS-Studie (Mitoxantron in Multipler Sclerosis). In der Studie mit 189 Patienten wurden 12 mg/m2, 5 mg/m2 oder Plazebo bei MS-Patienten mit schubförmig-progredientem oder sekundär chronisch-progredientem Verlauf über 24 Monate verabreicht.
Für die 12-mg-Gruppe wurde im Vergleich zu Plazebo ein hoch signifikanter Behandlungseffekt beobachtet. Es kam in der Verum-Gruppe signifikant seltener zu Rezidiven, und es dauerte signifikant länger, bis ein Rezidiv auftrat: Die Spanne bis zum ersten Rezidiv lag mit Plazebo bei 14 Monaten, mit Mitoxantron dagegen jenseits des Beobachtungszeitraums von zwei Jahren.
Der EDSS-Wert (Expanded Disability Status Scale), der den Grad der Behinderung widerspiegelt und von 0 (normaler Befund) bis 10 (Tod als Folge der Erkrankung) reicht, besserte sich leicht, unter Plazebo verschlechterte sich der Wert weiter. Dieser Unterschied ist signifikant.
Von der Mitoxantron-Therapie profitieren nach Einschätzung von Professor Ralf Gold von der Neurologischen Universitätsklinik Würzburg
Das Mitoxantron-Präparat des Unternehmens Wyeth Pharma ist für Patienten, die diesen beiden Gruppen zugeordnet werden können, zugelassen. Allerdings wird ein EDSS zwischen 3 und 6 gefordert, wie es auf einer von dem Unternehmen unterstützten Veranstaltung in Düsseldorf hieß.
Aufgrund der kumulativen Grenz-Gesamtdosis von 140 mg/m2 Körperoberfläche muß die Mitoxantron-Therapie aber nach im Mittel zwei Jahren beendet werden.
Bei stabilem Verlauf ist eine therapeutische Deeskalation sinnvoll. Wenn die Stabilisierung danach jedoch nicht anhält, "steht der Behandler mit dem Rücken an der Wand", wie Gold betonte. Es bliebe noch Cyclophosphamid, das bei MS aber off-label - also außerhalb der zugelassenen Indikation - angewandt werden muß. Manche MS-Therapeuten versuchen deshalb nach Beginn der Stabilisierung die Mitoxantron-Dosis zu halbieren, um den Therapiezeitraum etwas zu strecken.
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|30.09.2003 Genetischer Auslöser bei MS

NEW YORK (dpa). Multiple Sklerose (MS) ist nach Erkenntnis eines Forscherteams um Professor George Ebers von der Universität Oxford in Großbritannien auch genetisch bedingt.
In der Studie, die über zwanzig Jahre lief, wurden etwa 400 kanadische Zwillingspaare untersucht (PNAS online). Für den eineiigen Zwilling eines MS-Patienten sei das Risiko höher, ebenfalls zu erkranken, als für einen zweieiigen Zwilling. Dies spreche für die Beteiligung eines genetischen Auslösers bei MS.
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|29.09.2003 Besser lösliches Interferon könnte Wirksamkeit steigern

Bioverfügbarkeit erhöht / Erfolg deutscher Forscher
STUTTGART (ple). Deutsche Forscher haben ein neues gentechnisch hergestelltes Interferon-beta (IFN-beta) entwickelt, das wasserlöslicher ist als das bisher verfügbare.
Durch die verbesserte Löslichkeit ist das Protein auch besser bioverfügbar und pharmakokinetisch stabiler, wie die Forscher aus Stuttgart mitteilen. Sie erhoffen sich so eine bessere therapeutische Wirkung, etwa bei Patienten mit Multipler Sklerose, und weniger unerwünschte Wirkungen als bei der Therapie mit einem der drei bisher verfügbaren IFN-Beta.
Das neue IFN-beta unterscheidet sich von den anderen in neun Aminosäuren. Durch den Austausch wurde die Moleküloberfläche weniger wasserabstoßend. Die ausgetauschten Aminosäuren sind nach Angaben der Forscher vom Fraunhofer-Institut IGB für die biologische Funktion unwichtig. In Deutschland und in den USA ist das neue IFN-beta patentiert..
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|25.09.2003 MS-Patienten sind häufig berufstätig

BERLIN (dpa). Vier von zehn Patienten mit Multipler Sklerose (MS) sind noch voll berufstätig.
Das hat eine Auswertung des im Januar 2002 eröffneten deutschen MS-Registers ergeben, wie die Geschäftsführerin der Deutschen Multiple- Sklerose-Gesellschaft (DMSG), Dorothea Pitschnau-Michel, in Berlin berichtete.
32 Prozent der MS-Patienten beziehen eine Rente wegen Erwerbsminderung. Bisher sind die Daten von 300 Patienten in das Register aufgenommen worden.
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|24.09.2003 Plädoyer für Geweberegeneration per Medikament

Therapie mit Wachstumsfaktoren bei Multipler Sklerose ist näher an der Klinik als die Stammzelltherapie
BERLIN (gvg). Vor zu hohen Erwartungen an die Möglichkeiten einer Behandlung mit Gewebsstammzellen bei Multipler Sklerose warnt der Würzburger Neurologe Professor Klaus Toyka. Wer auf Durchbrüche in der näheren Zukunft hoffe, der solle lieber die Forschung zur medikamentösen Geweberegeneration im Auge behalten.
"Zum Thema Stammzellen in der MS-Therapie kann ich nur sagen, was ich vor zwei Jahren auch schon gesagt habe: Wir sind noch weit weg von klinisch relevanten Entwicklungen". Dieses ernüchternde Fazit zog Toyka auf dem Internationalen MS-Kongreß in Berlin. Gerade die jüngst in den USA veröffentlichte Studie, in deren Verlauf Parkinson-Patienten erfolglos Stammzellen transplantiert worden waren, belege, wie verantwortungslos es sei, einfach so drauf los zu therapieren.
Zwar sei der Ansatz, geschädigtes Nervengewebe mit Hilfe von Stammzellen zu regenerieren, sehr vielversprechend. Doch zunächst müsse Grundlegendes geklärt werden. Wie kann etwa verhindert werden, daß die im MS-Schub ablaufende Entzündung auch die transplantierten Zellen in Mitleidenschaft zieht? Und wie bringt man die Stammzellen dazu, sich am Zielort genau in jene Zellen zu verwandeln, die gerade nötig sind? Diese Fragen müßten zunächst einmal beantwortet werden, so Toyka.
Näher an einer klinischen Anwendung als die Stammzellbehandlung ist nach seiner Ansicht die Therapie mit Nervenwachstumsfaktoren und anderen Substanzen, die die Regeneration von geschädigtem Nervengewebe fördern. So gelinge es im Labor, mit Wachstumsfaktoren die degenerierten Ausläufer menschlicher Nervenzellen wieder funktionsfähig zu machen, berichtete Toyka.
Studien müssen nun nachweisen, ob dies therapeutisch nutzbar ist. Bereits in einer MS-Studie getestet wird das Antibiotikum Minocyclin. Es regt die Genexpression an und stärkt damit gewissermaßen die Selbstverteidigungskräfte des MS-geschädigten Axons.
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|23.09.2003 Gemischte Ergebnisse bei Cannabis-Behandlung von Multipler Sklerose

Die Ergebnisse einer ersten umfassenden randomisierten Studie, die den
potentiellen Effekt von Cannabis bei der Behandlung von Multipler
Sklerose untersuchte, liegen vor. Obwohl das Hauptergebnis keine
Verbesserung der schweren spastischen Symptome bei Patienten unter
Cannabis-Behandlung im Vergleich mit Placebos zeigt, deuten die
Ergebnisse darauf hin, dass Cannabinoide bei der Verbesserung der
Mobilität der Patienten und der Schmerztherapie ein klinisches Potential
haben könnten.
Symptome Multipler Sklerose (MS) sind Muskelsteifheit, Krämpfe,
Schmerzen und Zittern. Viele Einzelberichte lassen vermuten, dass
Cannabinoide (Cannabis-Derivate) diese Symptome mildern könnten. John
Zajicek von der Universität in Plymouth und seine Kollegen berichten
über ihre Ergebnisse aus der ersten, im großen Rahmen durchgeführten
randomisierten Studie (gefördert vom britischen Medical Research
Council), die die Effekte von oralen Cannabinoiden auf spastische und
andere in Verbindung mit MS stehende Symptome untersuchte.
630 MS-Patienten, die in 33 britischen Zentren behandelt wurden, wurden
zufällig in drei Gruppen eingeteilt (zwei Behandlungsgruppen und eine
Placebogruppe): oral verabreichtes Cannabis-Extrakt (211 Patienten),
D9-Tetrahydrocannabinol (THC, 206 Patienten) oder Placebo (213
Patienten). Nach 15 Wochen fand eine Untersuchung statt; dabei wurden
Veränderungen der spastischen Symptome (Steifheit der Muskeln und
zuckende Bewegungen) objektiv untersucht und nach der Ashworth-Skala
eingeteilt.
Es gab keine Anzeichen für Unterschiede in der Stärke der spastischen
Symptome zwischen Patienten, die mit Cannabinoiden, und solchen, die mit
Placebos behandelt wurden. In allen drei Gruppen verkürzte sich
geringfügig die Zeit, die die Patienten für das Zurücklegen einer kurzen
Strecke benötigten - bei Patienten unter THC-Behandlung um 12 Prozent,
bei Patienten mit Cannabis- oder Placebo- Behandlung um 4 Prozent. 60
Prozent der mit Cannabis-Extrakt behandelten Patienten berichteten von
subjektiv wahrgenommenen Verbesserungen der spastischen Symptome
verglichen mit 46 Prozent in der Placebogruppe; ebenso berichteten 54
Prozent der mit Cannabis-Extrakt behandelten Patienten von verringerten
Schmerzen verglichen mit 37 Prozent in der Placebo-Gruppe. Einige dieser
subjektiven Verbesserungen sind jedoch wahrscheinlich dadurch erklärbar,
dass die Patienten aufgrund von Nebenwirkungen erkennen, welche
Behandlung sie bekommen.
"Spastische Symptome sind ein hochkomplexes Phänomen, zusammengesetzt
aus Merkmalen, die von Gutachtern beobachtet werden können und
Krankheitszeichen, über die die Patienten selbst berichten", kommentiert
John Zajicek. "Unsere Ergebnisse, die die Ashworth-Skala als Referenz
benutzen, schließen jeden größeren Effekt der Behandlung von spastischen
Symptomen mit Cannabinoiden aus; die Wirkung auf die spastischen
Symptome und die Schmerzen, wie sie von Patienten beschrieben wird,
weist jedoch auf einen subjektiven klinischen Effekt hin. Ebenso war
eine positive Auswirkung auf die Gehzeit zu beobachten. Unsere
Ergebnisse zeigen also, dass Cannabinoide bei der Behandlung von
Krankheitszeichen, die im Zusammenhang mit Multipler Sklerose stehen,
klinisch nützlich sein könnten. Es sind jedoch noch weitere Studien
nötig, die mit anderen Messparametern die Effekte auf die Symptome
chronischer Krankheiten adäquater untersuchen."
In einem begleitenden Kommentar ziehen Luanne Metz und Stacey Page von
der University of Calgary in Kanada folgenden Schluss: " Wir haben
momentan genauso viele Hinweise, die die Gabe oral verabreichter
Cannabinoide bei spastischen Symptomen ambulanter MS-Patienten
unterstützen als auch die zahlreichen Standardtherapien gegen spastische
Lähmungen, wie zum Beispiel Baclofen. Dennoch sollten Cannabinoide
generell nur in Erwägung gezogen werden, wenn andere Therapieversuche
gescheitert sind, da der direkte Vergleich noch fehlt... Außerdem fehlen
uns immer noch die Daten, um Risiken und Vorteile von gerauchtem
Cannabis abschätzen zu können. Hoffentlich wird diese Studie weitere
Forschung nach sich ziehen, um sichere und effektive Cannabis-Derivate
zu entwickeln und einzuschätzen. Außerdem sollte sie zur Debatte über
die sozialen und legalen Grenzen, die die Verwendung von Cannabis
einschränken, beitragen. In der Zwischenzeit sollten die oral
verabreichten Cannabinoide in Fällen in Betracht gezogen werden, bei
denen andere Behandlungen die spastischen Symptome unzureichend
kontrollieren.
Quelle: John Zajicek, Patrick Fox, Hilary Sanders, David Wright, Jane
Vickery, Andrew Nunn, Alan Thompson, on behalf of the UK MS Research
Group. Cannabinoids for treatment of spasticity and other symptoms
related to multiple sclerosis (CAMS study): multicentre randomised
placebo-controlled trial. Lancet 2003; 362: 1517
|24.09.2003 Charcot-Preis für MS-Forscher aus den USA

BERLIN (gvg). Auf dem von der Deutschen Gesellschaft für Multiple Sklerose ausgerichteten MS-Weltkongreß in Berlin hat der US-amerikanische Neurologe Dr. Henry McFarland für sein lebenslanges Engagement in der MS-Forschung den mit 10 000 US-Dollar dotierten Charcot-Preis erhalten.
McFarland sei wesentlich daran beteiligt gewesen, die Magnetresonanztomographie als sicheres und frühes Diagnosemittel zu etablieren und habe so Millionen von MS-Patienten die Möglichkeit einer frühzeitigen Behandlung eröffnet, erklärte Professor Jürg Kesselring, der ärztliche Präsident der internationalen MS-Gesellschaft MSIF.
McFarland habe außerdem die Erforschung genetischer Einflüsse auf die Erkrankung vorangetrieben. Der nach dem französischen Neurologen und MS-Pionier Dr. Jean Martin Charcot (1825 - 1893) benannte Preis wird alle zwei Jahre verliehen.
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|23.09.2003 Cannabis-Extrakt dämpft Spastiken bei MS

Effekt in Spasmus-Tagebüchern und bei Mobilitätsmessungen belegt / Resultate großer Studie mit Spannung erwartet
BERLIN (gvg). Die Hinweise verdichten sich, daß Extrakte aus der Hanfpflanze Cannabis sativa die spastische Symptomatik bei Multiple Sklerose-Patienten günstig beeinflussen können.
Auf der gestern angelaufenen Internationalen Multiple Sklerose-Konferenz in Berlin hat Claude Veney vom Zentrum für neurologische Rehabilitation und MS in Montana in der Schweiz die Ergebnisse einer von ihm gerade beendeten Doppelblind- Studie mit 57 MS-Patienten präsentiert, die zur Rehabilitation in der Klinik waren. Ein Teil der Patienten erhielt während einer vierwöchigen Studienphase zunächst Placebo und nach zehn Tagen Kapseln mit Cannabisextrakt (Cannador®).
Bei den anderen Patienten war es umgekehrt. Die Dosierung konnte von den Patienten selbst gewählt werden. Sie schwankte zwischen 7,5 und 27,5 Milligramm des Cannabiswirkstoffs Tetrahydrocannabinol (THC) täglich. Die in Berlin vom Institut für onkologische und immunologische Forschung produzierten Kapseln enthielten außerdem weitere Cannabinoide, darunter vor allem Cannabidiol (CBD), das die psychischen Wirkungen des THC abmindern soll.
"In den subjektiven Spasmus-Tagebüchern konnten wir einen signifikanten Effekt der Cannabisextrakt-Kapseln nachweisen", so Veney, ebenso bei einer objektiven Mobilitätsmessung, dem Rivermead Index. Keinen signifikanten Einfluß hatten die Kapseln jedoch im Ashworth Score, einem objektiven Parameter für das Ausmaß der Spastik. Die Ergebnisse seien sehr ermutigend.
Mit Spannung wird jetzt auf die Ergebnisse der größten Studie zur Thematik gewartet, an der in England ein Jahr lang 657 MS-Patienten teilgenommen haben. Sie wurden in drei Gruppen behandelt: mit Placebo, Cannabisextrakt oder mit reinem, synthetischen THC (Dronabinol). Die Ergebnisse sollen in wenigen Wochen veröffentlicht werden, sagte Studienleiter John Zajicek in Berlin.
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|22.09.2003 Langfristige Vorteile der Soforttherapie mit Interferonen

MAILAND. Ein früher Beginn der krankheitsmodifizierenden Behandlung der multiplen Sklerose (MS) scheint langfristig das Fortschreiten der Behinderungen abzuschwächen. Dies zeigt die CHAMPIONS-Studie, deren Ergebnisse jetzt auf einer Tagung in Mailand vorgestellt wurden.
CHAMPIONS ist das Akronym für Controlled High Risk Avonex Multiple Sclerosis Prevention Study in Ongoing Neurological Surveillance. Es ist die Folgestudie von CHAMPS (Controlled High Risk Subjects Avonex Multiple Sclerosis Prevention Study), die vor drei Jahren im New England Journal of Medicine (NEJM 2000; 343: 898904) publiziert wurde. CHAMPS hatte gezeigt, dass ein früher Beginn der Behandlung im ersten Schub Vorteile hat. Die Behandlung mit Interferon beta-1a im ersten Schub hatte in den ersten drei Jahren die Wahrscheinlichkeit einer definitiven Erkrankung um 44 Prozent gesenkt.
Die Ergebnisse dieser Studie hatten dazu geführt, dass die europäische Zulassungsbehörde EMEA (European Agency fort he Evaluation of Medicinal Products) das Medikament im Mai 2002 zur Behandlung von Hochrisikopatienten zuließ. Die amerikanische FDA (Food and Drug Administration) folgte im Februar 2003 und die kanadischen Behörden erst vor wenigen Wochen Anfang September. Das britische National Institute for Clinical Excellence hatte sich im Januar 2002 grundsätzlich gegen die teure Interferonbehandlung ausgesprochen. Sie lehnt auch einen späteren Behandlungsbeginn mit diesen Medikamenten ab.
Die Verzögerung des Krankheitsausbruches ist nicht das eigentliche Ziel der Behandlung. Es geht vielmehr darum, die Behinderungen im späteren Verlauf der Erkrankung zu verhindern und vielleicht auch die Sterblichkeit zu senken. Da die MS sehr langsam fortschreitet und meistens in Schüben verläuft, ist der Beweis nur sehr schwer zu führen. Deshalb wurde nach dem Ende der CHAMPS-Studie die Nachfolgestudie CHAMPIONS angeschlossen. Beide Studien wurden vom Hersteller Biogen gesponsert.
An dieser Folgestudie nehmen 203 Patienten der ursprünglich 383 Teilnehmer von CHAMPS teil. Es gibt zwei Gruppen: Die Hälfte der Teilnehmer hatte in CHAMPS bereits im ersten Schub mit der Interferonbehandlung begonnen. In der anderen Gruppe begannen die Patienten (wie früher üblich) nach dem zweiten Schub mit der Behandlung, was nach etwa zweieinhalb Jahren der Fall war. Nach inzwischen fünf Jahren sind die Patienten mit der Soforttherapie noch immer im Vorteil, wie Philip Kinkel, der Leiter des Multiple Sclerosis Center am Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston jetzt auf der Tagung des European Committee for Treatment and Research in MS (ECTRIMS) erläuterte.
Nach den vorgestellten Daten ist die Zahl der Patienten mit einer klinischen Diagnose der Erkrankung um 35 Prozent niedriger, wenn die Behandlung frühzeitig einsetzt. Die Zahl der Schübe wurde um 48 Prozent gesenkt. Für Kinkel ist damit klar, dass die Behandlung die Entwicklung einer klinischen MS um mehr als zwei Jahre verzögert. Weiter habe die frühe Behandlung zu einem Anstieg der Patienten geführt, die sich in den Jahren vier und fünf in einer klinisch stabilen Phase befinden. Allerdings fehlt bisher der Beweis, dass der frühe Behandlungsbeginn auch das Ausmaß der späteren Behinderungen senkt. Dies kann nach fünf Jahren noch nicht beurteilt werden. Die Studie soll deshalb noch über fünf weitere Jahre fortgesetzt werden. /rme
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|19.09.2003 Stress verschlimmert Verlauf von multipler Sklerose

LONDON. Durch Stress auslösende Ereignisse kann es zu einer Exazerbation bei der schubförmigen multiplen Sklerose kommen (BMJ 2003; 327: 646649). Zu diesem Ergebnis gelangen D. Buljevac et al. von der Erasmus Medical School in Rotterdam in einer prospektiven Longitudinalstudie.
In der Untersuchung wurden Personen eingeschlossen, die zwischen 18 und 55 Jahre alt waren, bei denen innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens zwei Exazerbationen aufgetreten sind und die mit oder ohne Stock laufen konnten. Bei einem durchschnittlichen Follow-up von 1,4 Jahren berichteten 70 der 73 Probanden (96 Prozent) von mindestens einem Stress auslösenden Ereignis.
Bei 56 Patienten kam es zu insgesamt 134 Exazerbationen. Die Auswertung der Daten ergab, dass nach Stress das Risiko, eine Exazerbation zu erleiden, innerhalb der darauf folgenden vier Wochen 2,2-fach erhöht war. Nach einer Infektion war das Risiko dreifach erhöht. Stress und Infektionen erhöhten unabhängig voneinander die Wahrscheinlichkeit einer Exazerbation. Allerdings wurde nicht beobachtet, dass nach Stress auch vermehrt Infektionen auftraten. /me
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|17.09.2003 Hirnstammzellen helfen Mäusen mit Multipler Sklerose

Ein Drittel der Tiere erholte sich von einer Lähmung der Hinterbeine
Injektionen mit Stammzellen aus dem Gehirn können möglicherweise bei Multipler Sklerose (MS) helfen. Das legen Versuche an Mäusen nahe. Die Nager haben sich nach solchen Spritzen teilweise von Lähmungen erholt, berichten italienische Mediziner in der Fachzeitschrift "Nature" (Bd. 422, S. 688).
Die Forscher um Gianvito Martino und Angelo Vescov vom San-Raffaele-Krankenhaus in Mailand in Mailand behandelten Mäuse, die an einer MS-ähnlichen Krankheit litten. Gezüchtete Hirnstammzellen ausgewachsener Tiere, welche die Forscher in Blut oder Rückenmark der erkrankten Nager spritzen, wanderten zu den für die Krankheit typischen Entzündungsherden im Gehirn und im Rückenmark. Dort bildeten die Stammzellen neue Nervenzellen und andere für das Funktionieren des Nervensystems essenzielle Zellen, beobachteten die Mediziner.
Etwa ein Drittel der so therapierten Mäuse erholte sich vollständig von einer Lähmung der Hinterbeine. Die anderen Tiere zeigten eine deutliche Verbesserung ihrer Symptome. Ähnliche Verfahren könnten künftig auch Menschen helfen, die an MS oder anderen Autoimmunerkrankungen leiden, hoffen die Forscher. Weltweit sind über eine Millionen Menschen an Multipler Sklerose erkrankt. Bislang gibt es keine Heilung.
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|16.09.2003 Frühe Interferon-Therapie bremst die MS-Progression

Retrospektive Praxisstudie mit über 4700 Patienten
HAMBURG (mar/mal). Eine große Praxisstudie zu Interferon (IFN) bei Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose (MS) hat den Nutzen einer möglichst frühen Therapie bestätigt. Die dabei gewonnenen Daten legten keinen Zusammenhang zwischen Dosierung und Frequenz einer IFN-Therapie und ihrem Effekt nahe, so Privatdozent Dr. Volker Limmroth aus Essen.
In der retrospektiven Studie QUASIMS (QUAlitäts-SIcherung in der MS-Therapie) sind die Daten von 4754 Patienten mit schubförmig-remittierender MS, die in 510 Zentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz behandelt werden, ausgewertet worden. Teilnahmebedingung war eine über mindestens zwei Jahre kontinuierliche Therapie mit einem IFN-beta-Präparat, wie Studienleiter Limmroth bei einer Veranstaltung von Biogen beim Neurologen-Kongreß in Hamburg berichtet hat.
Behandelt wurden die Patienten intramuskulär mit IFN-beta-1a (30 µg einmal pro Woche), von dem Unternehmen als Avonex® angeboten, oder subkutan mit IFN-beta-1b (250 µg alle zwei Tage) oder subkutan mit IFN-beta-1a (22 oder 44 µg dreimal pro Woche). Die 44-µg-Dosierung von s.c. injiziertem IFN-beta-1a wurde dabei im Vergleich zu den anderen Mitteln signifikant häufiger als Folgetherapie benutzt.
Die Studienergebnisse bestätigten unter anderem die Bedeutung einer frühen Therapie, so Limmroth. So sei die Progression der Behinderungen, gemessen anhand der EDSS (Expanded Disability Status Scale), um so schwächer ausgeprägt gewesen, je kürzer der Abstand zwischen dem Zeitpunkt der MS-Diagnose und dem Start der Interferon-Therapie war.
Für intramuskulär und subkutan - in niedriger Dosis - angewandtes IFN-beta-1a sowie für IFN-beta-1b ergaben sich nach zwei Jahren ähnliche jährliche Schubraten (0,51 bis 0,54 Schübe pro Jahr). Mit der höher dosierten subkutanen IFN-beta-1a-Therapie lag sie bei 0,7 neuen Schüben pro Jahr.
Ohne Krankheitsprogression (Verschlechterung um höchstens einen Punkt in der EDSS innerhalb von zwei Jahren) waren nach zwei Jahren mit intramuskulär injiziertem IFN-beta-1a 83 Prozent der Patienten, mit IFN-beta-1b 77 Prozent sowie mit subkutan injiziertem IFN-beta-1a 83 Prozent (22 µg) und 69 Prozent (44 µg).
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|11.09.2003 Welche Therapie bei MS mit Spastik?

Physiotherapie wird voraussichtlich wesentlicher Bestandteil in Empfehlungen
HAMBURG (agr). Um funktionellen Folgeschäden vorzubeugen und zugleich die Lebensqualität von Patienten mit multipler Sklerose zu verbessern, ist eine konsequente Behandlung bei einzelnen Symptomen wie Spastik, Blasenfunktionsstörungen, Fatigue oder Schmerzen ebenso wichtig wie die immunmodulatorische und immunsuppressive Basistherapie.
Je weniger die Patienten durch diese Symptome beeinträchtigt würden, desto größer sei auch ihre Bereitschaft zur Fortsetzung der immunmodulatorischen Stufentherapie. Dies berichtete Professor Thomas Henze von der Fachklinik für Neurologische Rehabilitation in Nittenau bei einem Satellitensymposium von Serono während der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Hamburg.
Therapieempfehlungen fehlen bisher
Das Unternehmen bietet für die immunmodulatorische Therapie subkutan injiziertes Interferon-beta 1a (Rebif®) an. Derzeit sei die Behandlung sowohl bei häufigen MS-Symptomen (etwa Paresen, Dysarthrie oder sexuelle Störungen) als auch bei seltenen Symptomen wie Obstipation oder Stuhlinkontinenz fast ausschließlich von der Erfahrung des jeweils behandelnden Arztes abhängig, sagte Henze. Es mangele derzeit noch an Therapieempfehlungen.
Einen Ausweg aus der defizitären Versorgungssituation soll ein von der DMSG (Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft) initiiertes Konsenspapier bieten, das derzeit von der MSTKG (Multiple Sklerose Therapie Konsensus Gruppe) entwickelt wird.
Darin enthalten sein wird eine kurze Definition jedes einzelnen Symptoms, seine funktionelle Bedeutung sowie die angestrebten Behandlungsziele und pragmatische Empfehlungen zu therapeutischen Optionen auf der Grundlage evidenzbasierter Daten.
Empfehlungen zu Spastik recht weit fortgeschritten
Als recht weit fortgeschritten bezeichnete Henze die Empfehlungen bei Spastik. Wesentlicher Bestandteil der Therapie werde voraussichtlich die regelmäßige und intensive Physiotherapie sein. Bei unzureichendem Ansprechen sei die zusätzliche Applikation von Baclofen oder Tizanidin zu erwägen.
Entsprechende Erfahrungen mit beiden Präparaten seien allerdings noch nicht sehr groß, gab Henze zu bedenken. Zudem komme die intrathekale Applikation von Baclofen, gemäß der vorläufigen Empfehlungen, bei anders nicht zu kontrollierender Spastik in Frage.
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|08.09.2003 Lange kein MS-Schub mit Immunglobulinen

Praxisstudie bei Multiple-Sklerose / Verträgliche Therapie
HAMBURG (agr). Mit intravenös injizierten Immunglobulinen (IVIG) läßt sich die Schubfrequenz bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) um fast 70 Prozent verringern. Viele Kranke bleiben damit auch über längere Zeit schubfrei, hat eine retrospektive Praxisstudie ergeben.
In der Studie ist der Nutzen einer mindestens zweijährigen IVIG-Behandlung bei 308 Patienten mit schubförmiger MS untersucht worden. Die Patienten hatten pro Jahr im Mittel 1,7 Schübe; ihr Behinderungsgrad entsprach durchschnittlich 2,4 Punkten in der EDSS (Expanded Disability Status Scale), wie Professor Judith Haas bei einer Veranstaltung der Bayer Vital GmbH beim Neurologen-Kongreß in Hamburg berichtet hat. Die MS-Kranken hatten während der vergangenen fünf Jahre mindestens zwei Jahre lang IVIG in der mittleren Dosierung von einmal 15 g pro Monat erhalten. Innerhalb des zweijährigen Behandlungszeitraumes war die Zahl neuer MS-Schübe (0,5 Schübe pro Jahr) um 70 Prozent niedriger als vor Therapiebeginn. Das war ein signifikantes Ergebnis.
Bei 40 Prozent der Patienten waren während der Praxisstudie überhaupt keine neuen Schübe aufgetreten. Zugleich wurde bei den meisten IVIG-Patienten keine Verschlechterung des Behinderungsgrades beobachtet.
Dieses Ergebnis der Praxisstudie bestätige diejenigen aus Placebo-kontrollierten Untersuchungen, so Haas, die am Jüdischen Krankenhaus Berlin arbeitet. IVIG, von dem Unternehmen in Leverkusen angeboten als Polyglobin®, habe auf die MS-Schubrate ähnliche Effekte wie Beta-Interferone und Glatirameracetat.
Positiv bewertete Haas außerdem die Verträglichkeit der Immunglobuline: Nur 8,5 Prozent der Studienteilnehmer hätten über - meist gering ausgeprägte - unerwünschte Effekte wie Schwindel, Übelkeit oder Hautprobleme berichtet.
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|29.08.2003 Musiktherapie hilft Patienten mit Multipler Sklerose

NEU-ISENBURG (eb). Musiktherapie ersetzt bei Multiple-Sklerose-Erkrankten keine medikamentöse Behandlung, kann aber zu einer klinisch relevanten Verbesserung ihres Zustandes führen, so das Ergebnis einer Studie an der Universität Witten/Herdecke.
An der Studie am Institut für Musiktherapie nahmen 20 Patienten teil. Zehn Probanden erhielten insgesamt 226 Sitzungen mit Einzelmusiktherapie, zehn bildeten die Kontrollgruppe, heißt es in einer Pressemitteilung des Instituts.
Per Fragebogen wurden sie anschließend nach ihren Erfahrungen befragt. Alle Sitzungen wurden zudem auf Video dokumentiert und ausgewertet. Mit Hilfe der Musiktherapie stellte sich bei den Patienten eine signifikante Verbesserung in den Bereichen Depression, Selbstakzeptierung und Angst ein.
Dabei zeigte sich, daß es den Betroffenen weniger um die Verbesserung von körperlichen Funktionen ging, sondern um die Möglichkeit, sich mit Musik auszudrücken.
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|27.08.2003 Patienten profitieren von der Stufentherapie

In Deutschland sind etwa 130 000 Menschen erkrankt /
Eskalationsmöglichkeiten bei Versagen der Basistherapie
Das bessere Verständnis der immunologischen Zusammenhänge bei Multipler Sklerose (MS) hat wesentlich dazu beigetragen, die Möglichkeiten der Therapie zu verbessern. Durch die Erweiterung der Medikamenten-Palette und die Erkenntnis, daß den Patienten vermutlich eine frühzeitige Behandlung am meisten hilft, läßt sich die Versorgung MS-Kranker deutlich verbessern.
In Deutschland haben etwa 130 000 Menschen Multiple Sklerose. Bei mindestens 80 bis 85 Prozent dieser Patienten kommt es zu akuten Verschlechterungen der neurologischen Symptome, also zu Schüben. Ein Schub ist definiert als neurologische Ausfälle oder eine Verschlechterung der Symptome, die mindestens 24 Stunden lang anhalten.
Infekte oder Fieber sowie physiologische Schwankungen müssen dabei allerdings ausgeschlossen sein. Auch eine Änderung der Körpertemperatur etwa durch Sport (Uhthoff-Phänomen) darf nicht Ursache des Schubes sein.
Die meisten Erfahrungen zur MS-Behandlung gibt es inzwischen in der Therapie von Patienten mit schubförmig-rezidivierenden oder mit sekundär chronisch-progredienten Verläufen der MS. Erst wenig Erfahrung hat man dagegen in der Therapie von Patienten mit primärer chronisch-progredienter MS mit Paresen, Sensibilitätsstörungen und Ataxien als häufigsten Erstsymptomen.
Es wird geschätzt, daß zwischen 9 und 37 Prozent der MS-Patienten diese Unterform der Erkrankung haben, Der symptomatischen Therapie, vor allem der Krankengymnastik, kommt hier besondere Bedeutung zu.
Die derzeit einzige etablierte Therapie bei akuter Verschlechterung der MS ist die kurzfristige intravenöse und dann orale Schubtherapie mit Glukokortikoiden, etwa Methylprednisolon.
Nach allem, was über das immunpathologische Geschehen bei MS inzwischen bekannt ist, muß das Ziel der weiteren Therapie sein, akute Schübe zu verkürzen, die Schubfrequenz zu verringern, das Ausmaß neurologischer Ausfälle zu mindern und den Behinderungsprozeß zu verzögern, um den Verlust der Myelinschicht um die Nervenaxone zu verlangsamen.
Zur Verhinderung des Schweregrades und der Häufigkeit von Schüben sind inzwischen drei Beta-Interferone (zwei Präparate Interferon-beta-1a und ein Interferon-beta-1b) sowie Copaxone (Copolymer 1) verfügbar.
Die alternative Basistherapie erfolgt mit Azathioprin und mit intravenös verabreichten Immunglobulinen. Beide Mittel werden von der MSTKG (Multiple-Sklerose-Therapie-Konsensus-Gruppe) zur Behandlung von Patienten mit schubförmig-rezidivierender Multipler Sklerose empfohlen.
Für die eskalierende Immuntherapie von Patienten mit MS gibt es Mitoxantron. Mitoxantron ist ein immunsuppressiv wirkendes Zytostatikum, das mit der DNA sich schnell teilender Zellen in Wechselwirkung tritt und dadurch den Zelltod bewirkt.
Das alt bewährte Medikament, das in der Krebstherapie verwendet wird, hat mittlerweile die Zulassung bei Multipler Sklerose erhalten. Es wird bei MS-Kranken üblicherweise dann genutzt, wenn die immunmodulierende Basistherapie versagt hat, und zwar außer bei Patienten mit schubförmig-rezidivierender MS auch bei solchen mit sekundär chronisch-progredienter MS.
Bei Patienten mit besonders schwerer, therapierefraktärer Erkrankung kann eine Behandlung mit Cyclophosphamid (etwa Endoxan®) zur Eskalationstherapie erwogen werden. Das Medikament hat wie Mitoxantron zytotoxische Effekte auf sich rasch teilende Zellen. Eine Behandlung mit Cyclophosphamid führt dazu, daß die DNA-Stränge zerbrechen.
Eine Heilung von Patienten mit Multipler Sklerose ist derzeit noch nicht möglich. Um so wichtiger ist deshalb die symptomatische Behandlung zur Linderung der Beschwerden, zum Beispiel Spastik, Fatigue, Blasenfunktionsstörung, Tremor, Augenmotilitätsstörungen, psychiatrischen Symptomen oder Schmerzen. (ple)
Quelle:
|27.08.2003 Patienten leiden vor allem an Fatigue und Spastik

Medikamente und Physiotherapie helfen, die funktionellen Beeinträchtigungen zu lindern
Aufgrund der Läsionen im Gehirn kommt es bei Patienten mit Multipler Sklerose zu vielfältigen Ausfallerscheinungen. Probleme machen ihnen vor allem Spastik, Fatigue und Blasenfunktionsstörungen.
Spastik äußert sich als Steifigkeit, Gleichgewichtsstörungen und als Kloni. Mit der Physiotherapie lassen sich die motorischen und koordinativen Funktionen trainieren und Kontrakturen vermeiden.
Eine besondere Form ist die Hippotherapie: Der Patient sitzt auf einem Pferd in der Gangart "Schritt", der Therapeut korrigiert die Haltung des Patienten. Den Bewegungsimpulsen des Pferdes kann der Patient sich nicht entziehen. Er erfährt mehrere Bewegungsformen auf einmal.
Für die medikamentöse Behandlung bei MS-Kranken mit Spastik stehen mehrere Medikamente zur Verfügung: Baclofen (etwa Lioresal®), Tizanidin (Sirdalud®) und Dantrolen (Dantamacrin®) sowie Benzodiazepine und - zur lokalen Therapie - Botulinum-Toxin A.
Funktionsstörungen der Blase kommen bei fast zwei Drittel der MS-Patienten vorübergehend oder bleibend vor. Die Miktionsfrequenz ist erhöht, die Blasenkapazität verringert. Zu den nichtmedikamentösen Maßnahmen zählen die Flüssigkeitsbilanzierung sowie ein Zeitplan für die Miktion. Patienten mit häufiger Nykturie sollten darauf achten, die Haupt-Tagestrinkmenge bereits bis zum Nachmittag eingenommen zu haben.
Für die medikamentöse Behandlung bei Blasenfunktionsstörung stehen anticholinerge Substanzen wie Tolterodin (Detrusitol®), Trospiumchlorid (Spasmex®, Spasmolyt®, Trospi®) und Oxybutynin (etwa Dridase®) zur Verfügung. Auf Anticholinergika sprechen nach den Erfahrungen von Dr. Antonios Bayas von der Universitätsklinik Würzburg die meisten Patienten an (Nervenheilkunde 4a, 2003, S32).
Eine hilfreiche Maßnahme gegen Nykturie ist die Verwendung des Hormons Desmopressin (Minirin®) als Nasenspray. Wegen der Gefahr der Überwässerung ist aber auf die Flüssigkeitszufuhr besonders zu achten. Bei Detrusor-Hyperreflexie und inkompletter Entleerung - die Restharnmenge liegt über 100 ml - wird die Kombination von Anticholinergika mit sauberer intermittierender Selbstkatheterisierung empfohlen.
Gegen Müdigkeit und übermäßige Ermüdbarkeit gibt es die Möglichkeit eines Therapieversuchs mit Amantadin (etwa PK-Merz®). Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie empfiehlt auch Modafinil (Vigil®). (ple)
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|27.08.2003 Impfen gegen Grippe - das ist ungefährlich

Weil MS eine Autoimmunerkrankung ist, befürchten manche, durch eine Impfung die Symptomatik zu verschlimmern. Nach Ansicht der MSTKG sind - vor der Einleitung einer immunsuppressiven Therapie - Impfungen der Patienten gegen Influenza, Tetanus, Hepatitis B und FSME sicher.
Dies bestätigt auch eine US-Analyse, nach der auch die Impfung gegen Windpocken und mit BCG-Vakzinen sicher ist (Neurology 59, 2002, 1837). Nicht geklärt ist nach Angaben der MSTKG die Erfolgsrate von Impfungen, die während einer immunmodulatorischen Therapie vorgenommen werden. Dazu gehört auch die Kortison-Stoßtherapie.
Die Konsensus-Gruppe geht davon aus, daß bei intensiver immunsuppressiver Behandlung damit zu rechnen ist, daß der Impferfolg vermindert ist. Mit attenuierten Lebendimpfstoffen solle wegen der möglichen Gefährdung durch die verminderte Immunabwehr nicht oder nur bei strenger Indikationsstellung geimpft werden. (ple)
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|15.08.2003 Sonnenbäder könnten Risiko für multiple Sklerose reduzieren

LONDON. Wer in der Kindheit und im Jugendalter viele Sonnenbäder genossen hat, hat möglicherweise ein geringeres Risiko für die Entwicklung einer multiplen Sklerose (MS). So lautet das Ergebnis einer Fallkontrollstudie im British Medical Journal (2003; 327: 316-320). Die multiple Sklerose, erklären Ingrid van der Mei et al., Menzies Centre for Population Health Research, University of Tasmania, Hobart, Australien, kommt häufiger in Gebieten mit Lage in höheren Breitengraden vor. In diesen Regionen gebe es im Allgemeinen eine geringere ultraviolette Strahlung.
Die Wissenschaftler führten ihre Studie in Tasmania durch, einer Gegend, auf die diese Lagebeschreibung zutrifft und die eine hohe Prävalenz von Patienten mit multipler Sklerose aufweist. Bei 136 Patienten mit MS und 272 nicht an MS erkrankten Kontrollpersonen untersuchten die Autoren folgende Parameter: Exposition gegenüber Sonnenlicht in der Vergangenheit, Maßnahmen zum Schutz vor Sonnenbrand, Vitamin-D-Supplementation, Krankengeschichte und andere Faktoren, von denen angenommen wird, dass sie mit einer multiplen Sklerose assoziiert sind. Hautschäden und Hautfarbe wurden ebenfalls mitberücksichtigt.
Ein tägliches Sonnenbad an Wochenenden und in der Ferienzeit im Sommer von zwei bis drei Stunden, das im Alter zwischen sechs und 15 Jahren genossen wurde, war mit einem reduzierten Risiko für die Entwicklung einer MS assoziiert. Dies galt auch für Personen mit größeren Hautschäden. Eine verstärkte Exposition gegenüber der Sonnenstrahlung im Winter war offensichtlich weniger bedeutsam als häufige Aufenthalte in der Sommersonne. Die Autoren vermuten, dass zuwenig UV-Strahlung oder ein Mangel an Vitamin D, oder möglicherweise auch beides, die Entwicklung einer MS beeinflussen. /Se
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|08.08.2003 Beta-Interferon zur MS-Therapie in i.m.-Fertigspritze

MÜNCHEN (ku). Intramuskulär injiziertes Interferon beta-1a ist seit 1996 zur Behandlung von Patienten mit Multipler Sklerose (MS) zugelassen. Das Präparat muß nur einmal wöchentlich appliziert werden. Die Anwendung des Mittels wird zusätzlich vereinfacht, wenn jetzt die Fertigspritze eingeführt wird.
Für etwa zwei Drittel der schätzungsweise 120 000 MS-Kranken in Deutschland würde die immunmodulierende Therapie mit einem Interferon-beta-Präparat Vorteile bringen. Tatsächlich mit Interferon-beta behandelt werden aber nur etwa 36 000 Patienten, und etwa 10 000 Patienten setzen die immunmodulierende Therapie nicht fort.
Darauf hat Martin Wolfram vom Unternehmen Biogen bei einem Pressegespräch zur Einführung der Avonex®-Fertigspritze hingewiesen, einer Spritze mit 30 µg Interferon beta-1a in 0,5 ml Lösungsmittel zur i.m.-Injektion.
Die Fertigspritze wird die Therapie merklich vereinfachen, denn das Aufbereiten der Spritze, das bisher in mehreren Schritten erfolgen mußte, entfällt. Mittlerweile liegen Vier-Jahres-Daten zur Langzeittherapie mit i.m.-injiziertem Interferon beta-1a vor.
Professor Fedor Heidenreich aus Hannover berichtete, daß 802 Patienten mit hohem Risiko für eine Behinderungsprogression mit i.m.-Injektionen von Interferon beta-1a entweder in der 30-µg- oder in der 60-µg-Dosierung behandelt worden waren.
Nach vier Jahren war bei 52 Prozent dieser Patienten in beiden Behandlungsgruppen die Behinderung nicht fortgeschritten. Auch bei der Schubrate und den MRT-Befunden gab es keine Unterschiede. Es sei also davon auszugehen, daß die höhere Dosierung keinen zusätzlichen Nutzen bringt, so Heidenreich.
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|06.08.2003 Multiple Sklerose: eine Erkrankung, die nie schläft

MS-Forscher Peter Rieckmann
KÖNIGSTEIN-FALKENSTEIN (ner). Multiple Sklerose (MS) galt lange als Erkrankung mit lokalen Läsionen im Gehirn. Heute weiß man, daß es sich um eine entzündliche Degeneration des ganzen Gehirns handelt, wie Professor Peter Rieckmann von der MS-Forschungsgruppe der Universität Würzburg bei einer Veranstaltung in Königstein-Falkenstein berichtete. "Diese Krankheit schläft nie."
Die Hirnschädigungen bei MS fänden zum Großteil unterhalb der klinischen Wahrnehmung statt, sagte der Neurologe. Lokale Ausfälle könnten bis zu einem gewissen Grad vom Gehirn kompensiert werden. "Die Frequenz der auftretenden Läsionen kann bis zu zehnmal größer sein als das, was als Schub imponiert", so Rieckmann bei der Veranstaltung von Aventis und Teva Pharma.
Doch nicht die Zahl der MS-typischen Läsionen ist entscheidend. Denn bei diesen lokalen Entzündungen kann es durch körpereigene Reparaturprozesse und die Kortison-Stoßtherapie zur Regeneration kommen. Entscheidend seien vielmehr die irreversiblen neuronalen-axonalen Schäden, die in der MRT als permanente "schwarze Löcher" (black holes) erscheinen, so Rieckmann.
Um die axonale Degeneration zu bremsen, ist nicht nur eine Reduktion der Schubfrequenz wichtig, sondern auch ein Schutz der Nervenfasern. Vieles spricht dafür, bereits nach dem ersten Schub und der Sicherung der Diagnose MS mit der immunmodulatorischen Basistherapie zu beginnen.
Dabei gelten derzeit die Beta-Interferone und Glatirameracetat (Copaxone®) als äquipotent hinsichtlich ihres positiven Effekts auf die Häufigkeit von Schüben (Reduktion um etwa 30 Prozent) und der Verzögerung der Progression.
Glatirameracetat ähnelt in seiner Struktur Myelinscheiden
Für Glatirameracetat, einem synthetischen Polypeptid, welches strukturell der Myelinscheide ähnelt, sind zusätzlich neuroprotektive Effekte nachgewiesen worden (wir berichteten). In einer Studie mit 239 Patienten wurde mit MRT belegt, daß mit der Substanz die Rate irreversibler Axonschäden im Vergleich zu Placebo um 50 Prozent reduziert war.
Derzeit laufen nach Angaben von Rieckmann international 144 Studien zu MS mit 65 Substanzen, deren Ergebnisse zum großen Teil im Jahr 2006 erwartet werden. Unter anderem geht es dabei auch um Kombinationstherapien, etwa von Interferon und Glatiramerazetat. Dann werden sich womöglich neue Behandlungsoptionen eröffnen.
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|31.07.2003 Gericht erlaubt MS-Patienten Haschisch-Besitz

Anklage will Revision
MANNHEIM (dpa). Ein an Multipler Sklerose erkrankter Mann, der zu medizinischen Zwecken eine größere Menge Haschisch und Marihuana besaß, ist vom Amtsgericht Mannheim freigesprochen worden. Das teilte der Anwalt des Mannes, Robert Wenzel (Hamburg), in Mannheim mit. In dem von Wenzel vorgelegten Urteil wertet das Gericht den Wunsch des 40jährigen Mannes, seine Leiden mit den verbotenen Mitteln zu lindern, höher als den Rechtsverstoß.
Nach Angaben des Anwalts war dies einer der ersten Freisprüche dieser Art in Deutschland. Die Anklage sei jedoch in Revision gegangen. Nun müsse das Oberlandesgericht Karlsruhe entscheiden.
Der 40jährige Mannheimer, der mit 22 Jahren an Multipler Sklerose erkrankt war, war wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz angeklagt. Die Fahnder hatten 1999 in seiner Wohnung insgesamt rund 200 Gramm Haschisch und Marihuana sichergestellt. Knapp drei Jahre später wurden bei ihm vierzehn Hanfstauden und mehrere Portionen Marihuana mit einer Gesamtmenge von knapp 382 Gramm beschlagnahmt.
MS-Patient räumte seinen Cannabis-Konsum ein
Der Angeklagte gab zu, daß er seit 1987 Cannabis gegen seine Beschwerden nimmt, zu denen auch eine Ataxie gehört. Diese Koordinationsstörung beeinträchtigt Fein- und Grobmotorik sowie den Gang, das Stehen und die Sprache.
Laut Urteil billigte das Gericht dem Mann eine Notstandslage zu. Gegen seine Ataxie gebe es nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft keine Therapie. Es gebe aber Erkenntnisse, daß Cannabis gegen die Symptome helfen könne.
"Bedenkt man, daß es dem Angeklagten durch den Konsum der weichen Droge Cannabis ermöglicht wird, ein annähernd erträgliches Dasein zu führen, so tritt der Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz vor seinen Individualinteressen zurück", heißt es im Urteil. Zudem habe der Mann das Cannabis zum Eigenkonsum angebaut und nicht andere Drogenkonsumenten in ihrem Tun bestärkt.
Urteil des Amtsgerichts Mannheim, Az.: 1 Ls 310 Js 5518/02
Quelle:
|30.07.2003 DEUTSCHLAND: Gericht erlaubt MS-Patienten Haschisch-Besitz

MANNHEIM (dpa). Ein an Multipler Sklerose erkrankter Mann, der zu medizinischen Zwecken eine größere Menge Haschisch und Marihuana besaß, ist vom Amtsgericht Mannheim freigesprochen worden. Das teilte der Anwalt des Mannes, Robert Wenzel (Hamburg), in Mannheim mit. In dem von Wenzel vorgelegten Urteil wertet das Gericht den Wunsch des 40jährigen Mannes, seine Leiden mit den verbotenen Mitteln zu lindern, höher als den Rechtsverstoß.
Nach Angaben des Anwalts war dies einer der ersten Freisprüche dieser Art in Deutschland. Die Anklage sei jedoch in Revision gegangen. Nun müsse das Oberlandesgericht Karlsruhe entscheiden.
Der 40jährige Mannheimer, der mit 22 Jahren an Multipler Sklerose erkrankt war, war wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz angeklagt. Die Fahnder hatten 1999 in seiner Wohnung insgesamt rund 200 Gramm Haschisch und Marihuana sichergestellt. Knapp drei Jahre später wurden bei ihm vierzehn Hanfstauden und mehrere Portionen Marihuana mit einer Gesamtmenge von knapp 382 Gramm beschlagnahmt.
MS-Patient räumte seinen Cannabis-Konsum ein
Der Angeklagte gab zu, daß er seit 1987 Cannabis gegen seine Beschwerden nimmt, zu denen auch eine Ataxie gehört. Diese Koordinationsstörung beeinträchtigt Fein- und Grobmotorik sowie den Gang, das Stehen und die Sprache.
Laut Urteil billigte das Gericht dem Mann eine Notstandslage zu. Gegen seine Ataxie gebe es nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft keine Therapie. Es gebe aber Erkenntnisse, daß Cannabis gegen die Symptome helfen könne.
"Bedenkt man, daß es dem Angeklagten durch den Konsum der weichen Droge Cannabis ermöglicht wird, ein annähernd erträgliches Dasein zu führen, so tritt der Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz vor seinen Individualinteressen zurück", heißt es im Urteil. Zudem habe der Mann das Cannabis zum Eigenkonsum angebaut und nicht andere Drogenkonsumenten in ihrem Tun bestärkt.
Urteil des Amtsgerichts Mannheim, Az.: 1 Ls 310 Js 5518/02
|22.07.2003 UV-Bestrahlung und MS

Freund und Feind zugleich - Zwei Seiten einer Münze
Ultraviolet-Bestrahlung (UVR) und die Gesundheit
UVR*, die Sonnenbestrahlung belastet in Australien und den westlichen pazifischen Erdregionen die Gesundheit erheblich. Günstige wie auch schädliche Auswirkungen der Sonnenexposition lassen sich feststellen. Das individuelle Verhalten, wie sich die einzelne Person der Sonne aussetzt und die Hautfärbung - die Pigmentation - spielen eine Rolle. Umgebungs-Bestrahlung ist nicht direkt gleichzusetzen mit individueller Bestrahlungs-Dosis. Bestrahlung in der Kindheit wird gegenüber dem Erwachsenenleben sowohl bezüglich der günstigen wie der schädlichen Effekte als wichtiger eingeschätzt.
Wie sich diese Bestrahlung auf die Immunfunktion des UV-Lichts auswirkt, wird zur Zeit erforscht. Umgekehrt stellt sich auch die Frage, inwieweit fehlende UVR eine Rolle spielt für das Risiko, an Multipler Sklerose und Typ 1 Diabetes zu erkranken. Mit zunehmendem Breitengrad wird ein zunehmendes Risiko für Multiple Sklerose, Typ 1 Diabetes und Rheumatoide Arthritis beobachtet. Am auffälligsten ist die Erscheinung für Multiple Sklerose. Für die mögliche schützende Rolle der UVR finden sich Zusammenhänge mit den Jahreszeiten sowohl bezüglich Vorkommen der MS als auch für den Krankheitsverlauf. Auch die Analysen auf individueller Ebene sprechen für einen schützenden Einfluss der UVR, schlüssige Daten liegen jedoch noch nicht vor. Durch UVR wird der Serumspiegel des Vitamin D erhöht. Die günstige Wirkung des UVR ist möglicherweise über diesen Effekt erklärbar.
Ob MS betroffen oder nicht, Sonnenschutz für bleibt weiterhin ein Gebot des Tages, gerade in der derzeitigen Schönwetterperiode.
*UVR = Ultraviolet Radiation = unsichtbarer Spektralbereich der elektromagnetischen Wellen, der sich in Richtung kleinerer Wellenlängen (höherer Frequenzen) an den blauvioletten Bereich des sichtbaren Lichts anschliesst.
Quellen:
Martina Spycher, Redaktion ms-forum.ch, Juli 03
|21.07.2003 Cannabinoid - eine Option etwa bei MS

Tetrahydrocannabinol (Dronabinol) wird seit einigen Jahren vermehrt verordnet, so der Schmerztherapeut Dr. Thomas Nolte aus Wiesbaden.
Außer der analgetischen Wirkung habe die Substanz spasmolytische Effekte, wirke antianorektisch, antiemetisch sowie in höherer Dosierung sedierend, anxiolytisch und in gewissem Umfang euphorisierend.
Klassische Indikationen sind derzeit Krebserkrankungen, Schmerzen bei HIV-Infektion oder Multiple Sklerose (MS) mit muskulärer Spastik. Das Mittel steht nicht als Fertigarzneimittel zur Verfügung, kann jedoch auf BtM-Rezept verordnet werden.
In der Apotheke wird es als Dronabinol-Tropfen (2,5 Prozent, 10 ml) oder in Kapselform mit 5 mg Wirkstoff zubereitet. Die Dosierung erfolgt einschleichend, die Erhaltungsdosis liegt bei 5 bis 10 mg täglich. (ner)
Quelle:
|10.07.2003 Antimyelinisierende Antikörper bei der Multiplen Sklerose (NEJM)

Patienten mit isoliertem klinischen Syndrom und positivem Serostatus (anti-MOG- und anti-MBP-AK) haben eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit (hazard ratio 76.5), dass innert eines Jahres ein Rückfall eintritt und damit die definitive Diagnose einer MS erfolgt.
Die Multiple Sklerose (MS) ist die bei jungen Personen am häufigsten vorkommende neurologische Erkrankung. 90% der Betroffenen zeigen initial ein isoliertes klinisches Syndrom, welches aufgrund eines entzündlichen, demyelinisierenden Prozesses im Bereich des Nervus opticus, des Hirnstamms oder des Rückenmarks entsteht. 30% der initial Betroffenen werden innert der folgenden 12 Monate eine definitive MS entwickeln. Der MS-Verlauf ist sehr variabel von gutartig, langsam bis zu einem akuten chronischen oder einem fatalen Verlauf. Der pathogenetische Mechanismus, welcher verantwortlich ist für die Konversion eines klinisch isolierten Syndroms zu einer MS, ist nicht bekannt. Eine Hypothese geht aber davon aus, dass Antikörper (AK) zu einer Demyelinisierung führen könnten. AK gegen das basische Myelinprotein (MBP) sind bei der frühen MS vorhanden. Ein weiteres Antigen, das Myelin-Oligodendrozytenglykoprotein (MOG), welches ZNS-spezifisch ist und auf der Oberfläche von Myelinscheiden und Oligodendrozyten sitzt, ist sehr wahrscheinlich auch ein Ziel für autoreaktive AK. AK gegen MOB wurden in aktiven Läsionen von MS-Patienten gefunden.
Methodik:
Resultate:
Konklusion:
ssc (10.07.2003; Berger et al, NEJM 2003;349:139-145)
Quelle:
|25.06.2003 Neue Lagerungsvorschriften für Betaferon®

Gemäss einer Mitteilung der Firma Schering (Schweiz) AG kann Betaferon® bis zum angegebenen Verfalldatum bei Raumtemperatur, d.h. bei maximal 25°C gelagert werden. Die Aufbewahrung bei 2-8°C empfiehlt sich lediglich noch in Fällen, in denen die Temperatur stark anzusteigen droht (z.B. bei Autotransporten im Sommer).
Die vorliegenden neuen Stabilitätsstudien wurden von Swissmedic gutgeheissen und beziehen sich auf eine Neuformulierung des Produkts im vergangenen Jahr. Aus diesem Grund gelten die Empfehlungen ebenfalls für bereits ausgelieferte Ware, auch wenn auf den Packungen noch die alten Lagerungsvorschriften zu finden sind.
Quelle: www.pharmavista.ch
Brief Schering (Schweiz) AG Juni 2003
REF: 25.06.2003 09:03 / UAMHR / 1314
|16.06.2003 Infotelefon und Web-Seiten für MS-Patienten

Kontakt und Informationsmaterial bei Fragen zur Therapie bei Multipler Sklerose
KÖNIGSTEIN-FALKENSTEIN (ner). Die Diagnose Multiple Sklerose (MS) und das Risiko späterer schwerer Behinderungen sowie die Aussicht auf eine lebenslange medikamentöse Therapie überfordert viele Patienten emotional und führt sehr oft zu Depressionen.
Die Unternehmen Aventis und Teva Pharma bieten daher ein Beratungscenter mit Telefon-Hotline und einen Internet-Auftritt unter dem Namen COP-Service-Center an. Das Akronym COP steht dabei für Care for Our Patients.
Nach Angaben von Katharina Breithecker vom COP-Service-Center gibt es bei der Hotline drei Ansprechpartnerinnen für einen persönlichen Kontakt bei Fragen zu Multipler Sklerose. Angeboten werden etwa Informationen zum spezifischen Immunmodulator Copaxone® (Glatirameracetat) bei Multipler Sklerose sowie kostenlose Informationsmaterialien und Hilfsmittel zur Erleichterung der Injektion. MS-Patienten können sich auch in ein spezielles Betreuungsprogramm einschreiben, was mit einer noch engeren Begleitung und Unterstützung verbunden ist. Außerdem organisiert das Zentrum deutschlandweit kostenlose Injektionstrainings vor Ort.
Das Beratungszentrum ist montags bis freitags von 9 Uhr bis 17 Uhr erreichbar unter (Deutschland) 0 18 02/97 09 70 (0,07 Euro/min) oder im Internet unter der Adresse: http://www.copline.de
Quelle:
|13.06.2003 MS kann früh Tremor und Schwindel erzeugen

Erste Symptome bei Multipler Sklerose sind oft nur diskret und vorübergehend / Frühe Therapie bremst Axonverlust
KÖNIGSTEIN-FALKENSTEIN (ner). Haus- und Fachärzte sollten noch stärker als bisher auf die diskreten Erstsymptome einer Multiplen Sklerose (MS) achten, so Privatdozent Dr. Jürgen Koehler aus Mainz. Dies sei entscheidend für den frühen Therapiebeginn und damit für die Langzeitprognose der Patienten.
Der Neurologe von der Universität Mainz gab bei einer Veranstaltung in Königstein-Falkenstein einige Tips, wann man Verdacht schöpfen sollte. So beginne bei 45 Prozent der MS-Patienten die Symptomatik mit Gefühlsstörungen, etwa der Hand oder im Brustbereich, die nach ein bis zwei Tagen wieder verschwinden. Bei etwa jedem dritten Patienten beginne die MS mit einer Retrobulbärneuritis, so Koehler bei der Veranstaltung der Unternehmen Aventis und Teva. Die Patienten stellten sich mit Augenbewegungs-Schmerzen oder einseitigen Sehstörungen beim Augenarzt vor. Meist werde dann eine Kortisontherapie vorgenommen, und nach Verschwinden der Symptome unterbleibe eine weitere Abklärung.
Bei 20 Prozent der MS-Patienten finden sich initial Lähmungserscheinungen, die sich ebenfalls spontan komplett zurückbilden. So folgt auch hier oft keine weitere Diagnostik.
Andere Symptome sind nach Koehlers Angaben Schwindel, Gangunsicherheit, Tremor oder depressive Symptome. Gerade bei jungen Menschen zwischen 20 und 40 Jahren, einem Alter, in dem die schubförmige MS meist beginnt, sollte bei solchen Auffälligkeiten von Neurologen genauer untersucht werden, empfiehlt Koehler. Es bestehe mittlerweile Konsens darüber, daß die immunmodulative Langzeittherapie, etwa mit Glatiramerazetat (Copaxone®), so früh wie möglich beginnen sollte, hieß es weiter. Das seit zwei Jahren in Deutschland zugelassene Medikament könne Immunzellen induzieren, die in das Gehirn und dort in die MS-Läsionen einwandern und neuroprotektive Faktoren freisetzen.
Damit wirkt Glatiramerazetat sowohl antientzündlich und bremst zugleich den irreversiblen Axonverlust bei MS, was unter anderem in einer MRT-Studie mit 239 Patienten nachgewiesen worden ist (wir berichteten). Nach achtjähriger Behandlung erleidet ein mit Glatiramerazetat behandelter MS-Patient im Mittel nur noch alle sechs Jahre einen Schub.
Quelle:
|10.06.2003 Interferon-beta 1a s.c.: Gut ist frühe, langfristige Therapie

BERLIN (gün/mal). Beta-Interferone sind bei Multipler Sklerose (MS) bewährte Therapeutika. So hat etwa subkutan injiziertes Interferon-beta 1a nicht nur positive Effekte auf die Häufigkeit von MS-Schüben, auf Zahl und Größe MS-spezifischer Läsionen im Hirn sowie auf die Krankheitsprogression, sondern es kann auch bei sekundär progredienter MS mit überlagerten Schüben Nutzen bringen. Wichtig für eine erfolgreiche Therapie ist aber auch die Motivation der Patienten.
Darauf haben jetzt MS-Experten bei einer Veranstaltung von Serono in Berlin hingewiesen. Das Unternehmen, das subkutan injiziertes Interferon-beta 1a als Rebif® anbietet, arbeitet auch an einer oralen Form der MS-Therapie, wie Dr. Hans-Joachim Obert, Medizinischer Direktor bei Serono, berichtet hat.
Für Privatdozent Dr. Michael Haupts von der Neurologischen Universitätsklinik, Knappschaftskrankenhaus, in Bochum, ist die Motivation der Patienten der wichtigste Parameter, der den Therapieerfolg beeinflußt. Haupts erinnerte daran, daß die MS-Kranken ein Medikament erhielten, dessen Wirksamkeit zwar in Studien belegt ist, aber für die Patienten selbst, so Haupts, bleibe sie "schwer erfahrbar". Was die Patienten zunächst spürten, seien die Nebenwirkungen. Um so wichtiger sei es, hier optimale Hilfestellungen zu geben. Denn nur bei Langzeittherapie könnten die Patienten das Potential der Medikation wirklich nutzen.
Nach Angaben von Dr. Norbert Zessack von dem Unternehmen in Unterschleißheim liegt derzeit die mittlere Dauer einer Interferon-Therapie bei MS bei 18,5 Monaten. Etwa 40 Prozent der Patienten beendeten die Therapie bereits in den ersten zwölf Monaten. Gründe seien außer Nebenwirkungen auch unrealistische und damit schnell enttäuschte Erwartungen an die Wirksamkeit sowie Probleme mit der Handhabung. Solche Therapieabbrüche ließen sich etwa durch intensive Begleitung und Motivation der Patienten durch eine Schwester reduzieren.
Zessack erinnerte daran, daß MS-Patienten von einer Interferon-Therapie dann am ehesten profitieren, wenn diese früh gestartet und konsequent langfristig geführt wird. Für das subkutan injizierte Interferon-beta 1a habe sich nach der PRISMS-Studie die beste Wirksamkeit dann ergeben, wenn die Patienten von Anfang an vier Jahre lang dreimal wöchentlich mit Injektionen von jeweils 44 Mikrogramm Interferon-beta 1a behandelt worden seien.
Serono fördert die Betreuung von MS-Patienten durch ein breites Weiterbildungsangebot für Pflegekräfte und Arzthelferinnen, die ihren Tätigkeitsschwerpunkt in der Versorgung von MS-Patienten sehen. Ergänzt wird dies durch umfassendes Servicematerial für Ärzte, Schwestern und Patienten. Informationen gibt es im web unter http://www.leben-mit-ms.de und über die Hotline 0800 / 7 32 43 44.
Quelle:
|14.05.2003 MS: Stammzellen lindern Symptome

MAILAND (eb). Im Tierversuch ist es gelungen, Symptome bei Multipler Sklerose durch Injektion von adulten neuronalen Stammzellen zu lindern (Nature 422, 2003, 688). Italienische Forscher hatten dazu Tieren mit experimenteller Autoimmun-Enzephalitis die Zellen intravenös oder intrathekal injiziert. Die Zellen drangen in demyelinisierte Hirnareale und differenzierten zu reifen Zellen, die Axone wieder mit einer Myelinscheide umhüllten.
Quelle:
|08.05.2003 Botulinumtoxin hilft Patienten mit Blasenstörung

CHICAGO (jst). Patienten mit einer neurogenen Blasenstörung mit Detrusor-Hyperreflexie, die auf andere Therapien nicht ansprechen oder bei denen es zu unerwünschten Wirkungen kommt, profitieren von Injektionen mit dem Botulinum-Toxin A. Dies geht aus der Analyse von Daten einer europäischen Studie mit 200 Patienten hervor.
Die Studie wurde bei der Jahrestagung der American Urological Association in Chicago vorgestellt. Die Patienten hatten eine Rückenmarkverletzung, Multiple Sklerose, Spina bifida oder eine Myelomeningitis.
Das Botulinumtoxin A (300 Einheiten) wurde mit etwa 30 Stichen in den Detrusor appliziert. Das Trigonum am Blasengrund blieb ausgespart.
Der Erfolg der Therapie wurde anhand urodynamischer Parameter bestimmt. Zwölf Wochen nach der Injektion hatten die maximale Blasenkapazität und das mittlere Reflexvolumen - das Füllungsvolumen, bei dem sich die erste stärkere Blasenkontraktion einstellt - signifikant zugenommen.
Quelle:
|04.05.2003 Auswertung einer Befragung bei Neurologischen Kliniken

Rollpower stellt diese Therapie HIER speziell vor.
In der Vergangenheit wurde von verschiedenen Seiten über das Thema TCA-Therapie berichtet. Es handelt sich dabei um die intrathekale Injektion des Glucocorticosteroids Triamcinolonacetonid (= Volon-Aâ) bei primär oder sekundär chronisch-progredienten MS-Fällen, vorwiegend solchen mit spinalen Symptomen. Da über diese Therapie zum Teil erstaunliche Erfolge gemeldet wurden, z.B. aus der Sauerlandklinik Hachen-Sundern, aus der Kamillus-Klinik Asbach, aus der Ruhr-Universität Bochum oder dem Jüdischen Krankenhaus Berlin wurde durch einen MS-Patienten eine private Befragungsaktion durchgeführt. Sie umfasste insgesamt 102 Neurologische Kliniken an Universitäten oder Krankenhäusern in Deutschland, die aus ihren Homepages im Internet erkennen liessen, dass sie auch MS-Fälle behandeln. Dabei sollte ermittelt werden, welche der befragten Kliniken die TCA-Therapie anwenden. Die Befragung geschah in zwei Perioden einschliesslich einer Nachfassaktion bei den nicht antwortenden Kliniken. Gefragt wurde danach, ob die Kliniken die TCA-Therapie kennen, sie regelmäßig oder gelegentlich anwenden und welche Liegezeiten nach einer Behandlung verordnet werden. Die antwortenden Kliniken gaben interessante Auskünfte, aus denen sich folgendes Gesamtbild herauskristallisierte: Gesamtaussendung: 245 Mails an 102 Neurologische Kliniken (2 Teilbefragungen, 1 Nachfassaktion) Befragte Kliniken: 102 Das bedeutet, knapp ein Drittel der befragten MS-Kliniken setzt das Verfahren regelmässig oder gelegentlich ein, sofern die Voraussetzungen beim Patienten gegeben sind. Aus vielen Antwortschreiben war das hohe Interesse an einer weiteren Verfolgung dieses Themas zu erkennen. Beispiele: "Wir selbst und Prof. ...... setzen die MS-Therapie ganz gezielt bei Patienten mit spinaler Symptomatik bei sekundär chronisch-progredienter MS ein und sehen auch in erfahrenen Händen durchaus einen Stellenwert." und "Wichtig ist sicherlich, dass auf der einen Seite die Methode gezielt bei solchen Patienten ...... eingesetzt wird, andererseits nicht breit und unreflektiert ohne wissenschaftliche Grundlage mit der Vorstellung eines Universalheilmittels gegeben wird." Das Verfahren der intrathekalen Injektion von Cortisonpräparaten ist seit den 50er Jahren bekannt. Aus Sonderdrucken, die von den befragten Kliniken mitgeschickt wurden, geht hervor, daß bereits 1979 im Klinikum Großhadern/Universität München Untersuchungen mit 31 MS-Patienten durchgeführt wurden. Titel des Sonderdruckes 1979: "Klinische Erfahrungen mit intrathekaler Gabe von Triamcinolon-Acetonid bei neurologischen Erkrankungen" (Therapie-Woche Heft 7, Februar 1979). Auszug aus der Zusammenfassung: "........ Neben einem guten therapeutischen Effekt zeichnet sich die intrathekale Verabreichungsform durch eine gute Verträglichkeit aus, wobei bekannte Nebenwirkungen von Korticosteroiden bei dieser Applikationsform weitgehend vernachlässigt werden können" sowie "..... in erster Linie kam es bei paraspastischen Patienten zu einer Verbesserung des Gehvermögens mit einer Verringerung der Spastik und Abnahme spastischer Muskelkrämpfe...... in anderen Fällen war eine Besserung von Blasenstörungen zu beobachten .... ". In Antworten einiger Kliniken wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass es zu diesem Verfahren keine Veröffentlichung in einer wissenschaftlich anerkannten Zeitschrift gäbe, die eine randomisierte, doppelblinde und placebo-kontrollierte Untersuchung wissenschaftlich einwandfrei dokumentiere. Andererseits wurde von dem berichtenden MS-Patienten ermittelt, dass es durchaus eine doppelblinde, randomisierte Studie mit 42 Patienten gibt, bei der die Wirksamkeit und Verträglichkeit von TCA bei MS-Patienten untersucht wurde. Diese Studie wurde mit Hilfe der Deutschen Gesellschaft für Autoimmunerkrankungen (DGAiE) beschafft. Es handelt sich um eine Dissertation an der Neurologischen Klinik und Poliklinik der Universität Würzburg vom August 1990 "Vergleich der Wirkungen intrathekaler Triamcinolonacetonid- und oraler Triamcinolon-Gaben bei Multipler Sklerose - Ergebnisse einer Doppelblindstudie". Die Arbeit wurde nach Ablieferung durch die Doktorandin offenbar abgelegt. Nach eindeutigen Aussagen der seinerzeit Beteiligten wurde sie niemals grundlegend ausgewertet und niemals in einer anerkannten Fachzeitschrift veröffentlicht. Entsprechend fehlt die wissenschaftliche Anerkennung der Arbeit. Auszug aus der Zusammenfassung: "Die intrathekale Applikation von Triamcinolonacetonid-Kristallsuspension stellt nach unseren Ergebnissen eine gut verträgliche, wirksame Therapie insbesondere von spinalen Symptomen der Multiplen Sklerose auch im chronisch-progredientem Stadium der Erkrankung, dar. Vor allem Gangstörungen aufgrund von spastischen Paraparesen und von Tiefensensibilitätsminderungen lassen sich durch diese Behandlungsform günstig beeinflussen". Wie aus anderen Berichten bekannt wurde, werden dort jährlich ca. 2000 TCA-Behandlungen durchgeführt. 125 Patienten kommen in gewissen Abständen zu einer "Auffrischungsbehandlung", da die Wirkung der Behandlung nur eine bestimmte Zeit vorhält. Von einem anderen Universitätsinstitut wurde bekannt, dass dort eine Langzeituntersuchung mit TCA bei primär und sekundär chronisch-progredienten MS-Patienten durchgeführt wurde, die die positiven Erfahrungen voll bestätigten. Es wurde eine Verbesserung von 0,5 - 1,5 EDSS-Werten erreicht. Die Studie wird voraussichtlich noch im Mai 2003 in einer anerkannten Fachzeitschrift veröffentlicht. Eine Informationschrift zur intrathekalen Therapie der Multiplen Sklerose mit Auszügen von Befragungsergebnissen und der neuesten Adressenliste der anwendenden Kliniken ist durch Einsenden eines adressierten und mit 1,00 Euro frankierten Briefumschlages erhältlich über: Patienteninitiative intrathekale Cortisontherapie (PinC), Postfach 1212, 21709 Himmelpforten.
Gesamtaussendung: 245 Mails an 102 Neurologische Kliniken (2 Teilbefragungen, 1 Nachfassaktion)
Befragte Kliniken: 102
Das bedeutet, knapp ein Drittel der befragten MS-Kliniken setzt das Verfahren regelmässig oder gelegentlich ein, sofern die Voraussetzungen beim Patienten gegeben sind. Aus vielen Antwortschreiben war das hohe Interesse an einer weiteren Verfolgung dieses Themas zu erkennen. Beispiele: "Wir selbst und Prof. ...... setzen die MS-Therapie ganz gezielt bei Patienten mit spinaler Symptomatik bei sekundär chronisch-progredienter MS ein und sehen auch in erfahrenen Händen durchaus einen Stellenwert." und "Wichtig ist sicherlich, dass auf der einen Seite die Methode gezielt bei solchen Patienten ...... eingesetzt wird, andererseits nicht breit und unreflektiert ohne wissenschaftliche Grundlage mit der Vorstellung eines Universalheilmittels gegeben wird."
Das Verfahren der intrathekalen Injektion von Cortisonpräparaten ist seit den 50er Jahren bekannt. Aus Sonderdrucken, die von den befragten Kliniken mitgeschickt wurden, geht hervor, daß bereits 1979 im Klinikum Großhadern/Universität München Untersuchungen mit 31 MS-Patienten durchgeführt wurden. Titel des Sonderdruckes 1979: "Klinische Erfahrungen mit intrathekaler Gabe von Triamcinolon-Acetonid bei neurologischen Erkrankungen" (Therapie-Woche Heft 7, Februar 1979). Auszug aus der Zusammenfassung: "........ Neben einem guten therapeutischen Effekt zeichnet sich die intrathekale Verabreichungsform durch eine gute Verträglichkeit aus, wobei bekannte Nebenwirkungen von Korticosteroiden bei dieser Applikationsform weitgehend vernachlässigt werden können" sowie "..... in erster Linie kam es bei paraspastischen Patienten zu einer Verbesserung des Gehvermögens mit einer Verringerung der Spastik und Abnahme spastischer Muskelkrämpfe...... in anderen Fällen war eine Besserung von Blasenstörungen zu beobachten .... ".
In Antworten einiger Kliniken wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass es zu diesem Verfahren keine Veröffentlichung in einer wissenschaftlich anerkannten Zeitschrift gäbe, die eine randomisierte, doppelblinde und placebo-kontrollierte Untersuchung wissenschaftlich einwandfrei dokumentiere. Andererseits wurde von dem berichtenden MS-Patienten ermittelt, dass es durchaus eine doppelblinde, randomisierte Studie mit 42 Patienten gibt, bei der die Wirksamkeit und Verträglichkeit von TCA bei MS-Patienten untersucht wurde. Diese Studie wurde mit Hilfe der Deutschen Gesellschaft für Autoimmunerkrankungen (DGAiE) beschafft. Es handelt sich um eine Dissertation an der Neurologischen Klinik und Poliklinik der Universität Würzburg vom August 1990 "Vergleich der Wirkungen intrathekaler Triamcinolonacetonid- und oraler Triamcinolon-Gaben bei Multipler Sklerose - Ergebnisse einer Doppelblindstudie". Die Arbeit wurde nach Ablieferung durch die Doktorandin offenbar abgelegt. Nach eindeutigen Aussagen der seinerzeit Beteiligten wurde sie niemals grundlegend ausgewertet und niemals in einer anerkannten Fachzeitschrift veröffentlicht. Entsprechend fehlt die wissenschaftliche Anerkennung der Arbeit.
Auszug aus der Zusammenfassung: "Die intrathekale Applikation von Triamcinolonacetonid-Kristallsuspension stellt nach unseren Ergebnissen eine gut verträgliche, wirksame Therapie insbesondere von spinalen Symptomen der Multiplen Sklerose auch im chronisch-progredientem Stadium der Erkrankung, dar. Vor allem Gangstörungen aufgrund von spastischen Paraparesen und von Tiefensensibilitätsminderungen lassen sich durch diese Behandlungsform günstig beeinflussen". Wie aus anderen Berichten bekannt wurde, werden dort jährlich ca. 2000 TCA-Behandlungen durchgeführt. 125 Patienten kommen in gewissen Abständen zu einer "Auffrischungsbehandlung", da die Wirkung der Behandlung nur eine bestimmte Zeit vorhält. Von einem anderen Universitätsinstitut wurde bekannt, dass dort eine Langzeituntersuchung mit TCA bei primär und sekundär chronisch-progredienten MS-Patienten durchgeführt wurde, die die positiven Erfahrungen voll bestätigten. Es wurde eine Verbesserung von 0,5 - 1,5 EDSS-Werten erreicht. Die Studie wird voraussichtlich noch im Mai 2003 in einer anerkannten Fachzeitschrift veröffentlicht.
Eine Informationschrift zur intrathekalen Therapie der Multiplen Sklerose mit Auszügen von Befragungsergebnissen und der neuesten Adressenliste der anwendenden Kliniken ist durch Einsenden eines adressierten und mit 1,00 Euro frankierten Briefumschlages erhältlich über: Patienteninitiative intrathekale Cortisontherapie (PinC), Postfach 1212, 21709 Himmelpforten.
|02.05.2003 Stammzellen - Studien bei MS

WIESBADEN (ple). Weltweit mehr als 650 Patienten mit Autoimmunerkrankungen haben inzwischen eine Blutstammzell-Transplantation erhalten, die meisten mit autologen Zellen. Hauptgruppe mit fast 150 Studienteilnehmern waren Patienten mit Multipler Sklerose, wie Professor Alan Tyndall aus Basel beim Internistenkongreß berichtete. Vor allem Patienten mit sekundär progressiver MS profitierten in den ersten drei Jahren von der Therapie, so Tyndall.
Weitere Informationen gibt es im Internet unter http://www.ebmt.org
Quelle:
|15.04.2003 Langzeitwirkung von Interferonen bei MS untersucht

HAMBURG (grue). Derzeit werden bei mindestens 2000 Patienten mit Multipler Sklerose (MS) in Deutschland, Österreich und in der Schweiz retrospektiv Daten erhoben. Ziel des vom Unternehmen Biogen initiierten Projekts "Qualitätssicherung in der MS-Therapie" - kurz QUASIMS - ist es, unter anderen aktuelle Informationen zur Interferon-Therapie bei MS zu bekommen.
Die Erhebung soll Ende Mai abgeschlossen sein, wie Dr. Colin Wernsdörfer vom Unternehmen bei einer Veranstaltung in Hamburg berichtet hat. In etwa 200 Praxen und Kliniken werden die Daten aller MS-Kranken erfaßt, die seit mindestens zwei Jahren ohne Unterbrechung mit einem Beta-Interferon behandelt werden. Dokumentiert werden unter anderem die Häufigkeit von MS-Schüben und das Fortschreiten von MS-bedingten Behinderungen.
In Deutschland sind drei Interferon-Präparate zur MS-Therapie zugelassen: eines mit subkutan injizierbarem Interferon-beta-1b sowie eines mit subkutan und eines mit intramuskulär injizierbarem Interferon-beta-1a (Avonex®). Zur Wirksamkeit und Verträglichkeit dieser Präparate gebe es nur wenige Vergleichsstudien mit teilweise widersprüchlichen Ergebnissen, so Wernsdörfer. Die jetzt laufende Erhebung solle dazu Daten aus der Praxis liefern.
Wernsdörfer geht davon aus, daß die anhaltende Wirksamkeit von Beta-Interferonen bei MS bestätigt wird. Im "Lancet" wurden kürzlich Zweifel am Nutzen einer mehrjährigen Interferon-Therapie bei MS geäußert (361, 2003, 545).
Quelle:
|07.04.2003 Dauererfolg bei MS mit intramuskulärem Interferon-beta-1a

4-Jahres-Daten einer Dosis-Vergleichsstudie bestätigen die anhaltende Wirksamkeit des Präparates / Verzögerung der Behinderungsprogression
HAMBURG (grue). Eine Therapie mit intramuskulär injiziertem Interferon-beta-1a bei Multipler Sklerose (MS) ist auch langfristig wirksam. Das bestätigen die 4-Jahres-Daten einer Studie.
Privatdozent Dr. Volker Limmroth von der Universitätsklinik in Essen hat bei einer Veranstaltung des Unternehmens Biogen in Hamburg die 4-Jahres-Ergebnisse einer Studie zu verschiedenen Dosierungen von intramuskulär (i.m.) injiziertem Interferon-beta-1a (Avonex®) vorgestellt. Das Präparat wird einmal wöchentlich injiziert. In der Zulassungsstudie wurde damit die Behinderungsprogression um relativ 37 Prozent reduziert: Nach zwei Jahren hatten sich 35 Prozent der Patienten mit Placebo anhaltend um mindestens einen Punkt auf der den Behinderungsgrad erfassenden EDSS-Skala verschlechtert, aber nur 22 Prozent der mit dem Zytokin behandelten. Die Schubrate betrug mit Placebo 0,9 pro Jahr, mit der InterferonTherapie 0,67 jährlich.
Die jetzt vorliegenden 4-Jahres-Daten einer Dosis-Vergleichsstudie bestätigen die anhaltende Wirksamkeit des Präparates in Dosierungen von 30 und 60 Mikrogramm zur Verzögerung der Behinderungsprogression, wie Limmroth berichtete. Die höhere Dosis bringe dabei keinen zusätzlichen therapeutischen Nutzen.
Mit der zugelassenen Dosis von 30 Mikrogramm waren 18 Prozent der Patienten nach vier Jahren noch schubfrei. Die durchschnittliche Schubrate betrug 0,74 pro Jahr. Das entspreche einem Rückgang der Schubfrequenz um 43 Prozent im Vergleich zum Ausgangswert, so Limmroth. Bei 52 Prozent der Erkrankten schritt die Behinderung während der Therapie nicht weiter fort. "Wenn wir mit der Interferon-Therapie früh beginnen, können die dann noch gehfähigen Patienten lange Jahre davon profitieren", sagte Limmroth.
Nach den jüngst publizierten Daten entwickeln Patienten mit i.m. injiziertem Interferon-beta-1a nur selten neutralisierende Antikörper. Solche Antikörper könnten die Wirksamkeit einer Interferon-Therapie einschränken, sagte Limmroth. Von den Beta-Interferonen sei i.m. injiziertes Interferon-beta-1a am wenigsten immunogen. In der von Limmroth zitierten Langzeitstudie hatten nur 2,3 Prozent der Patienten neutralisierende Antikörper.
Quelle:
|02.04.2003 Zur Entwicklungsgeschichte eines neuen MS-Medikamentes

Über das Thema Simvastatin und MS ist in den letzten Wochen mehrfach berichtet worden. Es liegt jetzt die offizielle Pressemitteilung der Medical University of South Carolina/MUSC in Charleston S.C. zu den Versuchsergebnisse vor. Die Press Release der Projektleitung enthält einige Zusatz-Informationen, die das insgesamt positive Gesamtbild des 2-Jahresversuches abrunden und Hintergründe wie Hinweise auf die weitere Vorgehensweise bei der Entwicklung des neuen MS-Medikamentes geben können.
Titel:
Cholesterin-senkendes Medikament gibt berechtigte Hoffnung für die MS-Behandlung
CHARLESTON, SC - Die Ergebnisse des ersten klinischen Humanversuches von Simvastatin, einem bekannten Cholesterin-senkenden Medikament, in der Behandlung der schubförmigen Verlaufsform der Multiplen Sklerose (MS) demonstrierten vielversprechende Anzeichen für die Wirksamkeit des Arzneimittels in der Behandlung dieser Variante der MS. Die Studienergebnisse unter der Projektleitung des Medical Centers of South Caronine (MUSC) in Charleston wurden am 1. April in Honolulu/Hawaii anlässlich der Jahrestagung der American Academy of Neurology präsentiert. Die Arbeit hatte ihren Ausgangspunkt vor sechs Jahren im Forschungslabor für Kinderheilkunde der Medical University in Charleston, South Carolina/USA. Dort fanden Grundlagenforscher von MUSC unter der Leitung von Dr. Inderjit Singh, dass eine als "Statine" bekannte Klasse von Medikamenten in Zellkulturen und bei Tierversuchen bei der Reduzierung von solchen Entzündungen wirksam waren, die die Gehirnstrukturen schädigen können. Die Ergebnisse im Labor waren dramatisch und veranlassten die Wissenschaftler, ein auf Patienten bezogenes Behandlungsschema zu entwickeln, um den Nutzen von Simvastatin bei der Behandlung der MS zu ermitteln.
"Es ist für mich als Grundlagenforscher die erfreulichste Lebenserfahrung, wenn man sieht, wie fünf Jahre langweiliger Tier- und Zellforschung sich zu einer potentiellen Behandlungsform für eine Krankheit entwickeln, an der weltweit mehr als 2,5 Millionen Menschen leiden", so Dr. I. Singh. "Das wichtigste Kennzeichen, das wir gemessen hatten, war die Veränderung in der Anzahl der aktiven Läsionen im Gehirn, die mit der MS verbunden ist. Dabei benutzten wir MRI-Scans (Kernspurtomogramme) der Versuchsteilnehmer in verschiedenen Intervallen der Untersuchung", so Dr. Lyndon Key, Vorstand der Abteilung Kinderheilkunde von MUSC. Er hatte das Studiendesign für die klinischen Untersuchungen gemeinsam mit Dr. Singh und Dr. Timothy Vollmer entwickelt. Von den 28 Teilnehmern, die die Untersuchung bis zum Ende durchführten, zeigten drei keine Veränderung in der durchschnittlichen Zahl der Gehirnläsionen bezogen auf die MRI-Aufnahmen vor und nach der Behandlung. Zwei Patienten zeigten eine Zunahme der Läsionen und 23 Patienten zeigten eine Reduktion der Läsionen im Gehirn.
"Nicht nur die Ergebnisse waren positiv, sondern wir verwendeten ein Arzneimittel, das sich bei Millionen Patienten als sicher herausgestellt hat", so Dr. Key und "das Medikament kann oral eingenommen werden, anders als die derzeit über Injektion verabreichten Medikamente gegen MS und zu Kosten von etwa einem Fünftel der Kosten anderer MS-Medikationen".
Die klinischen Multi-Center-Untersuchungen zur Bestimmung der Wirksamkeit einer Behandlung mit 80 mg Simvastatin pro Tag, begannen im Dezember 2000. Dabei nahmen drei Zentren teil unter Koordinierung der Clinical Innovation Group, einer "Full-service Contract Research Organisation" (CRO), Teil der MUSC Foundation für Forschungsentwicklung. Die einzelnen Zentren waren die Medical University of South Caronia in Charleston unter Leitung von Dr. William Taylor, Direktor der MUSC Multiple Sclerosis Clinic. Das zweiter Center war zunächst die Yale University in Phoenix, Arizona, später das Barrow Neurological Institut unter Dr. Thimoty Vollmer als klinischer Direktor und schliesslich das Health Scinces Center der University of Colorado in Denver unter Leitung von Dr. John Corboy.
Mit Hilfe der Clinical Innovation Group (CRO), durch Dr. Singh und Dr. Key wurde von der Pharmafirma Merck & Co, Inc. ohne Auflagen ein wesentlicher finanzieller Beitrag zur Förderung der Forschung aquiriert, um die Studie durchführen zu können. Die CRO sammelte und verwaltete die Daten der drei Zentren und besorgte die statistische Aufbereitung zur Datenanalyse. "Die Ergebnisse sind noch vorläufig", sagte Dr. Tyor, "Obgleich sie durchaus signifikante Vorteile ("benefits") zeigen, die vom Simvastatin abgeleitet sind, wäre es doch verfrüht, zu empfehlen, dass jeder mit MS nun damit beginnen sollte, das Medikament einzunehmen". Die Untersuchung wurde mit einer begrenzten Teilnehmerzahl durchgeführt und sämtliche Patienten hatten das aktiv wirkende Medikament erhalten. Der nächste Schritt in der Forschung erfordert nun eine Untersuchung mit einer viel grösseren Zahl von Teilnehmern, dabei einige mit und die anderen ohne Vergabe von aktiven Medikamenten, sog. Placebos. Eine andere zukünftige Forschungsmöglichkeit ist die Untersuchung der Kombination von Simvastatin mit einem anderen MS-Medikament. Weitere Untersuchungen könnten die Sicherheit einer Medikamenten-Kombination abschätzen wie auch die Möglichkeit von Nebenwirkungen.
"Die Zukunfsentwicklung dieser klinischen Untersuchungen ist vom wissenschaftlichen Standpunkt aus extrem interessant", sagte Dr.Key und führte weiter aus "Dr. Singh ist Wissenschaftler für Kinderheilkunde, der daran interessiert war, eine Behandlungsmöglichkeit für die Adrenoleukodystrophie zu finden, eine seltene genetische Erkrankung bei männlichen Kindern. Im Laufe seiner Untersuchungen an Tieren und Forschungen an Zellkulturen fand er heraus, dass Statine bei der Blockierung von solchen aktivierenden Vorgängen wirksam waren, die zur Entzündung von Zellen führen. Dies hatte dramatische Auswirkungen; nicht nur bezogen auf die Erkrankung, die er zu Anfang untersuchte, sondern im Bezug auf andere Krankheiten, die durch Entzündungen hervorgerufen werden, einschliesslich der Multiplen Sklerose, von Schlaganfall, Alzheimer und Wirbelsäulenverletzungen. Wir sind extrem erfreut, dass die Ergebnisse dieser klinischen Untersuchungen das Potential des Medikamentes zur Behandlung der Multiplen Sklerose gezeigt haben. Gleichfalls sehr spannend ist die Möglichkeiten für zukünftige wissenschaftliche Durchbrüche bei der Behandlung anderer Erkrankungen, die durch Entzündungen hervorgerugen werden. Dies könnte die Gesundheit und das Wohlbefinden zukünftiger Generationen gewaltig verbessern. Wir sind stolz darauf, dass dieser sehr bedeutsame wissenschaftliche Anfangs-Durchbruch vom Forschungsteam der Kinderklinik der Medical University of South Carolina stammt."
Quelle: NEWS RELEASE MUSC, Medical University of South Carolina, 02.April 2003
|01.04.2003 Multi-Center-Test mit SIMVASTATIN bei MS erfolgreich

Anlässlich der Jahrestagung der American Academy of Neurology (AAN) im Hawaii Convention Center am 01. April 2003 wurden die Ergebnisse einer Studie vorgestellt, die für die weitere Behandlung der Multiplen Sklerose eine wesentliche Bedeutung haben kann. Es handelte sich um die Ergebnisse einer Gemeinschaftsuntersuchung von drei verschiedenen Zentren in USA. Beteiligt waren die Wissenschaftler der Medical University/ MUSC Multiple Sclerosis Clinic, das Barrow Neurological Institute in Phoenix und das University of Colorado Health Science Center in Denver mit ihren in der MS-Szene sehr bekannten Wissenschaftlern.
Die Multi-Center-Untersuchung sollte in einer sog.offenen Studie klären, ob das cholesterinsenkende Medikament Simvastatin nicht nur, wie in vorangegangenen Laborversuchen und Tierexperimenten, sondern auch bei MS-Patienten eine entzündungshemmende Wirkung ausüben und damit die MS wirksam und ohne wesentlichen Nebenwirkungen bekämpfen kann. Zusammenfassend wurde während des Vortrages festgestellt: Vorab-Daten lassen erwarten, dass eine tägliche Behandlung mit 80 mg Simvastatin (Zocor, Denan u.dgl.) sicher und wirksam bei der Behandlung der schubförmig verlaufenden MS sein wird. Allerdings müssten jetzt randomisierte, kontrollierte Studien durchgeführt werden, um die Wirksamkeit dieser Behandlung definitiv zu bestätigen. Derzeit seien die am häufigsten verwendeten Medikamente die Interferone, die aber - obwohl in der Reduktion von Häufigkeit und Stärke bei MS-Attacken durchaus wirksam - doch signifikante Nebenwirkungen hätten.
Die Analyse von Kernspurtomographien des Gehirns vor und nach einer Behandlung mit Simvastatin zeigten eine signifikante Verringerung sowohl der durchschnittlichen Anzahl wie auch des Umfanges aktiver MS-Läsionen als Ergebnis der Behandlung. Sicherheitsdaten zeigten keine nachteiligen Vorkommnisse bezogen auf die untersuchten Medikamente. "Obgleich unsere Studienergebnisse ermutigend sind, bleiben randomisierte und kontrollierte Studien erforderlich, um definitiv die Wirksamkeit dieser Behandlung zu bestätigen", so Thimothey Vollmer, aus dem Myelin-Projekt bekannter MS-Forscher während seines Vortrages in Hawaii.
An der Untersuchung nahmen insgesamt 30 Patienten teil, Alter 18 -85 Jahre, eindeutige MS-Diagnose, mindestens 5 Jahre Krankheitsdauer. Die Ergebnisse der beteiligten Institute war von dem jeweiligen Institutional Review Board genehmigt worden. Die Ergebnisse werden in einer angesehenen wissenschaftliche Fachzeitschrift veröffentlicht. Der Hersteller des Simvastatin, die Merck & Co./USA unterstützte die Untersuchungen mit einer uneingeschränkten finanziellen Förderung.
|29.03.2003 Zusammenhang zwischen EBV-Infektion und MS

Dass eine Assoziation zwischen den beiden Erkrankungen besteht wurde bereits seit längerer Zeit vermutet. Eine neue Studie zeigt nun, dass ein erhöhter Anti-EBV-Titer Jahre vor der Diagnose einer MS ein signifikanter Prädiktor für das neurologische Leiden ist.
Erhöhte Antikörpertiter gegen das Epstein Barr Virus werden mit verschiedenen schwerwiegenden Krankheiten assoziiert, so mit Burkitt- und Hodgkin-Lymphomen sowie mit nasopharyngealen Karzinomen. Jahre nach Infektion sind bei den Betroffenen noch deutlich erhöhte Spiegel von zytotoxischen T Zellen nachweisbar, welche theoretisch mit körpereigenen Proteinen interagieren könnten. Eine kleinere Studie, vor eineinhalb Jahren ebenfalls im JAMA publiziert, konnte einen Zusammenhang zwischen EBV-Infektion und MS dokumentieren (Anhang 1). Diese wesentlich grössere, prospektive Fallkontrollstudie hat zusätzlich nun noch die zeitliche Abfolge von Infektion und MS-Diagnose mit berücksichtigt.
Methodik: Bei über 3 Millionen US-Militärpersonen wurden zwischen 1988 und 2000 Blutproben genommen und aufbewahrt. In der Folge wurden alle MS-Fälle dokumentiert, definiert als das Vorhandensein einer temporären oder permanenten Behinderung aufgrund einer MS. Jeder Fall wurde mit 2 Kontollindividuen gematcht und die entsprechenden Blutproben wurden verglichen.
Resultate: 83 MS-Fälle traten auf. Zwischen der Blutprobengewinnung und der MS-Manifestation vergingen im Durchschnitt 4 Jahre. Das MS-Risiko stieg mit zunehmenden VCA- (viral capsid antigen) und EBNA- (nukleäre Antigene) Titern an. Verglich man die Personen mit den höchsten(>2560) mit denen mit den tiefsten (<160) VCA-Titern, betrug das relative MS-Risiko 19.7, beim EBNA-Titer sogar 33.9 (>1280 versus <40). Diese Assoziation galt auch bei Patienten, bei denen zwischen Blutabnahme und MS-Diagnose mehr als 5 Jahre verstrichen.
Konklusion: Diese Resultate unterstützen die Hypothese einer Assoziation zwischen einer durchgemachten EBV-Infektion und dem Auftreten einer MS.
Anhang 1:
Obwohl die Ursache der Multiplen Sklerose MS bisher unklar bleibt bestehen immer mehr Anhaltspunkte dafür, dass durch Infektionen getriggerte Autoimmunmechanismen eine Rolle spielen. In einer prospektiven Studie wurde nun eine Rolle des Epstein-Barr Virus EBV in der Pathogenese der MS nachgewiesen.
Mehr als 90% der menschlichen Bevölkerung sind mit EBV, einem Herpesvirus, infiziert. Jahre nach Infektion sind bei den Betroffenen noch deutlich erhöhte Spiegel von zytotoxischen T Zellen nachweisbar, welche theoretisch mit körpereigenen Proteinen interagieren könnten.
Methodik: Über 62 000 Frauen aus der Nurses Health Study (30-55 jährig) und der Nurses Health Study II (25-42 jährig) wurden in diese prospektive Fallkontrollstudie eingeschlossen. Bei allen Frauen waren Blutproben von 1989-1990 und 1996-1999 verfügbar, alle Teilnehmerinnen wurden bis 1999 beobachtet. 144 Frauen mit MS sowie 288 Kontrollindividuen wurden in die Analyse eingeschlossen.
Resultate: 18 MS Fälle, wo Blutproben von vor der Erkrankung vorhanden waren, traten bis 1999 auf. Verglichen mit den Kontrollindividuen ohne MS hatten die betroffenen Frauen signifikant höhere EBV Antikörpertiter, nicht aber höhere Anti-CMV Titer. Je nach kontrolliertem EBV Antikörper betrug das relative Risiko, bei erhöhtem Titer an einer MS zu erkranken, zwischen 1,6 und 2,5.
Konklusion: Diese Ergebnisse sprechen dafür, dass das EBV in der Pathogenese der MS eine Rolle spielt.
Quelle:
|26.03.2003 Verbindung zum Epstein-Barr-Virus?

BOSTON. Ist das Epstein-Barr-Virus ein möglicher Auslöser der multiplen Sklerose (MS)? Harvard-Mediziner präsentieren im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2003; 289: 1533-1536) die bisher überzeugendsten Belege für die umstrittene Virushypothese der Erkrankung, dessen Ursache bisher unbekannt ist. Das Epstein-Barr-Virus (EBV) ist Ursache des Burkitt-Lymphoms und einiger nasopharyngealer Karzinome.
Da die Infektion den Erkrankungen vorausgeht, kommt es Jahre vor den Tumorerkrankungen zu einem Anstieg der Antikörpertiter auf EBV. Auch viele MS-Patienten haben erhöhte EBV-Antikörper-Titer. Bislang fehlte jedoch der Beweis, dass die Antikörpertiter schon vor Ausbruch der Erkrankung erhöht sind. Diesen Beweis kann die Gruppe um Alberto Ascherio von der Harvard School of Public Health jetzt führen. Die Gruppe hatte Zugriff auf die Serumproben von mehr als drei Millionen Soldaten der US-Armee, die zentral im Department of Defense Serum Repository gelagert sind.
In anderen Unterlagen der Armee fanden die Autoren insgesamt 83 Personen, die wegen einer MS zeitweise oder permanent dienstunfähig geschrieben wurden. Die Dienstunfähigkeit, die grob den Zeitpunkt der Diagnose beschreibt, erfolgte im Durchschnitt vier Jahre nach der Blutuntersuchung. In einer Fall-Kontroll-Studie wurden dann die Antikörper-Titer der Patienten mit denen anderer Armeeangehöriger ohne MS verglichen.
Ergebnis: Die späteren MS-Patienten hatten häufiger erhöhte Antikörpertiter als die von der Erkrankung verschont gebliebenen Rekruten. MS-Patienten mit den höchsten Antikörpertitern gegen das virale Capsid-Antigen (VCA) hatten ein 19,7-fach erhöhtes Risiko (95% Konfidenzinterval 2,2-174). Für EBNA-Komplextiter wurde ein relatives Risiko für die höchste Konzentration von 33,9 (4,1-283) gefunden. Auch die Tatsache einer stattgefundenen Infektion (Nachweis von EBV-Antikörper) und die MS waren assoziiert. Die Autoren vermuten, dass zwischen der EBV-Infektion und der Erkrankung, wenn denn die Assoziation wirklich kausal sein sollte, mehr als vier Jahre liegen.
Quelle:
|26.03.2003 Breitere Indikation für MS-Arznei

NEU-ISENBURG (eb). Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat die Zulassung für das Medikament Betaferon® (Interferon beta-1b) zur Behandlung von Patienten mit Multipler Sklerose erweitert.
Wie das Unternehmen Schering mitteilt, ist das Präparat zur subkutanen Injektion in den Vereinigten Staaten jetzt für alle schubförmigen Verlaufsformen der Multiplen Sklerose zugelassen. Zu diesen Verlaufsformen gehören sowohl die schubförmig-remittierende Multiple Sklerose als auch die sekundär-progrediente Form der Erkrankung.
Quelle:
|24.03.2003 MS-Medikament FRAMPRIDINE-SR verzögert sich erneut

Firma Acorda Therapeutics, USA teilt mit, dass ihr Hauptprodukt FAMPRIDINE-SR, ein neuartiges, oral einzunehmendes Medikament zur Verbesserung der Nervenleitfähigkeit bei MS, sich derzeit immer noch am Beginn von Phase II der klinischen Untersuchungen befindet. Das Medikament ist eine Weiterentwicklung des seit Jahren bekannten Wirkstoffes 4-Aminopyridin (4-AP). Anfang März 2003 wurde nun für Phase II mit der Beschaffung von Daten geeigneter Versuchspersonen begonnen, statt hierfür persönlich Patienten zu rekrutieren.
Diese Untersuchung in Phase II wird eine relativ kleine Studie werden, an der 25 untersuchende Ärzte mit 180 ihrer Patienten beteiligt sein werden und zwar lediglich mit den Daten von ausgewählten Teilnehmern. Man erwartet nicht, dass für diese Phase irgendeine offene Teilnahme von natürlichen Personen erfolgen wird und hofft, die Ergebnisse als Analyse Ende 2003 vorlegen zu können. In der Annahme, dass Phase II ein erfolgreiches Ergebnis bringt, hofft man, im Jahr 2004 eine sehr viel grössere Studie einleiten zu können. Diese Studie in Phase III soll dann wieder mit Patienten durchgeführt werden.
Zwar werden für diese ungewöhnliche Art der Studiendurchführung keine Gründe genannt. Frühere Informationen zeigen aber, dass nach Verhandlungen mit den Fachleuten der US-Zulassungsstelle FDA und offenbar vergeblichen Bemühungen, hinreichende finanzielle Mittel zu beschaffen, die FDA-Zulassungsstelle die Phase II in dieser ungewöhnlichen Form genehmigt hat. Falls die geplanten Projektschritte tatsächlich ohne Schwierigkeiten und mit den gewünschten Ergebnissen ablaufen, ist wohl kaum mit einer Zulassung des Medikamentes in den USA vor 2006 zu rechnen. Ob und wann danach eine Zulassung in Deutschland erfolgen wird, bleibt unter diesen Aspekten offen.
Quelle: Mitteilung der ACORDA THERAPEUTICS, Hawthorne N.Y., 19. März 2003
|24.02.2003 Patienten mit rasch progressiver MS hilft Mitoxantron

BERLIN (wma). Bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) und sehr ungünstigem Krankheitsverlauf läßt sich die rasche Progression oft mit Mitoxantron aufhalten. Wegen der bekannten Kardiotoxizität des immunsuppressiven Zytostatikums oberhalb der kumulativen Gesamtdosis von 140 mg/m2 Körperoberfläche ist die Therapiedauer aber bisher auf wenige Jahre begrenzt.
In klinischen Studien hat sich Mitoxantron (Ralenova®) als sehr effektiv in der Behandlung bei progressiv schubförmiger und rasch sekundär progredienter MS erwiesen, wie Professor Ralf Gold von der Uniklinik Würzburg in Berlin gesagt hat. Angewendet werde das Präparat vor allem bei Patienten mit vielen Schüben und schlechter Rückbildungstendenz und bei MS-Formen, die trotz Basistherapie mit Interferon-beta oder Glatirameracetat rasch in einen sekundär progredienten Verlauf übergehen, so Gold bei einer vom Unternehmen Wyeth unterstützten Veranstaltung. Bei der immunmodulatorischen Stufentherapie befinde sich Mitoxantron in Stufe zwei.
In der üblichen Dosis von zwölf mg/m2 Körperoberfläche in dreimonatigem Abstand habe sich der Wirkstoff als gut verträglich erwiesen. Vorübergehende Nausea lasse sich mit Antiemetika meist gut beherrschen. Beachtet werden müsse aber die Kardiotoxizität, auch wenn sie bei den meist jüngeren MS-Patienten ohne kardiotoxische Begleitmedikation eventuell weniger Probleme bereite als in der Onkologie. Unterhalb einer kumulativen Grenzdosis von 140 mg/m2 Körperoberfläche scheine die Therapie nach bisherigen Daten unbedenklich zu sein.
Sicherheitshalber sollte vor Therapiebeginn und dann einmal im Jahr echokardiographisch untersucht werden, riet Gold. Sei die individuelle Grenzdosis nach zwei bis drei Jahren erreicht, könne bei stabilem Krankheitsverlauf möglicherweise eine Erhaltungstherapie mit Interferon-beta oder Glatirameracetat wieder greifen. Eventuell kann in Zukunft auch ein kardioprotektiver Chelatbildner eine längerfristigere Therapie mit dem dem Präparat ermöglichen.
Quelle:
|24.02.2003 Metaanalyse Interferone, Artikel im LANCET

INTHERA, Stiftung für integrierte Therapiesysteme
Zum Lancet-Artikel: Interferons in relapsing remitting multiple sclerosis: a systematic review
In der Zeitschrift "The Lancet" wurde vor kurzem ein Artikel publiziert, der sich kritisch mit der Langzeitwirksamkeit von Interferonen bei der Behandlung schubförmig-remittierender MS auseinander setzt.
Die Autoren der angesprochenen Publikation kommen in dem Artikel zu dem Schluss, dass die Wirksamkeit der Interferone bezüglich ihrer Wirkung auf die Schubrate über mehr als ein Jahr nicht gesichert ist. INTHERA, die Stiftung für integrierte Therapiesysteme zweifelt aus folgenden Gründen an der Aussagekraft dieser Metaanalyse.
Stellungnahme
Weitere Informationen unter:
Quelle: Redaktion ms-forum, 24. Januar 2003
|19.02.2003 Multiple Sklerose wird mit MRT schneller gesichert

MANNHEIM (miz). Bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) kann mit Kernspintomographie (MRT) die Erkrankung nicht nur zuverlässig diagnostiziert werden. Die Befunde geben auch Hinweise auf den Krankheitsverlauf. Daher wurden inzwischen MRT-Befunde als fester Baustein in die Diagnosekriterien der MS aufgenommen.
Anzahl und Volumen der bei der MRT-Erstuntersuchung festgestellten Läsionen korrelieren gut mit dem Grad der Behinderung. Und Patienten mit großen Läsionsvolumina und ausgeprägter Anreicherung des MRT-Kontrastmittels Gadolinium haben zudem ein hohes Risiko, weitere Schübe zu bekommen. Das berichtete Privatdozent Dr. Michael Sailer von der Uniklinik Magdeburg bei einem Symposium in Mannheim.
Mit MRT kann die Diagnose früher als bisher gestellt werden
Daher hat die MRT auch in den aktuellen McDonalds-Diagnosekriterien einen neuen Stellenwert bekommen. Danach kann bereits nach einem ersten klinischen Schub durch den Nachweis von Kontrastmittelanreicherungen in ZNS-Läsionen die Diagnose MS gesichert werden. Nach früher angewandten Kriterien war ein zweiter klinischer Schub Voraussetzung zur Diagnosesicherung.
Das neue Vorgehen ermögliche es nun, die Diagnose früher zu stellen, so Sailer auf der vom Unternehmen Serono unterstützten Veranstaltung. So wird die MS nach den McDonald-Kriterien bei 21 Prozent der Patienten innerhalb von drei Monaten nach dem ersten Schub diagnostiziert, bei 48 Prozent innerhalb des ersten Jahres. Nach den alten Kriterien war das nur bei sieben und 20 Prozent der Fall.
Auch der Therapieerfolg soll mit MRT dokumentiert werden
Bei der MRT-Interpretation zum Behandlungsverlauf in der Praxis sei allerdings problematisch, daß das Verfahren noch zu wenig standardisiert sei, sagte Sailer. Bereits unterschiedliche Lagerung der Patienten könne einen Vergleich der Befunde erschweren.
Sailer plädiert daher für eine Standardisierung der MRT-Untersuchungen, um den Erfolg einer immunmodulierenden Therapie - etwa mit Interferon - dokumentieren zu können. Das Unternehmen bietet hier Rebif® an, ein subkutan zu injizierendes Medikament mit dem Wirkstoff Interferon-beta 1a.
Quelle:
|14.02.2003 Studie: Interferon bei MS langfristig nicht wirksam

Die Langzeitanwendung des Wirkstoffs Interferon kann den Verlauf der Multiplen Sklerose (MS) möglicherweise nicht wirksam aufhalten. Das berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt The Lancet http://www.thelancet.com/ (Bd. 361, S. 545). Interferon wird seit über einem Jahrzehnt sehr häufig zur Behandlung der Multiplen Sklerose eingesetzt.
Die Wissenschaftler um Graziella Filippini fassten alle Studien der Jahre 1993 bis 2002, die bestimmte Qualitätsmerkmale erfüllten, zusammen. Auf diese Weise erhielten sie Daten von über 1.200 MS-Patienten, die über mehrere Jahre mit Interferon behandelt worden waren.
Die Zahl der Patienten, deren Symptomatik sich verschlechterte, nahm zwar im ersten Jahr der Therapie deutlich ab. Im zweiten Jahr waren zwischen MS-Patienten, die keine Medikamente erhielten und den mit Interferon behandelten kaum Unterschiede auszumachen. Weiterhin verursachte Interferon häufig grippeähnliche Nebenwirkungen wie Muskelschmerzen, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Da nicht alle Patienten nach einem oder zwei Jahren nachuntersucht werden konnten, sei der langfristige Effekt von Interferon jedoch noch nicht endgültig geklärt, erklärt Filippini.
Quelle:
|14.02.2003 Geringer Nutzen der Interferontherapie bei multipler Sklerose

LONDON. Die Therapie mit rekombinantem Interferon kann die Zahl von Exacerbationen im ersten Behandlungsjahr im Vergleich zu einer Placebobehandlung leicht reduzieren. Ob im folgenden Jahr noch ein klinischer Effekt dieser Behandlung vorliegt, ist aufgrund der Datenlage unsicher (Lancet 2003; 361: 545552).
Zu diesem Ergebnis kommen Graziella Filippini und Mitarbeiter in einer systematischen Übersichtsarbeit. Das internationale Autorenteam hat nach den Kriterien der Cochrane Collaboration Datenbanken durchsucht, um placebokontrollierte randomisierte Studien zu identifizieren, in denen Interferon alpha oder beta zur Behandlung der rezidivierenden remittierenden multiplen Sklerose eingesetzt wurde.
Ziel der Metaanalyse war es festzustellen, ob durch die Gabe von Interferon die Krankheitsprogression positiv beeinflusst und die Behandlung mit Corticosteroiden sowie die Zahl der Krankenhauseinweisungen reduziert werden kann. Die beiden letztgenannten Fragestellungen konnten nicht beantwortet werden, weil nicht genug valide Daten verfügbar waren.
Filippini et al. identifizierten sieben Studien mit 1 215 Patienten (von insgesamt 227 Abstracts), die den geforderten methodologischen Kriterien entsprachen. Die Analyse ergab, dass sich das relative Risiko (RR) für Exacerbationen durch eine Interferon-Therapie im ersten Jahr im Vergleich zur Placebobehandlung auf 0,73 (Konfidenzintervall: 0,54 bis 0,99) reduzierte.
Die Daten für das zweite Behandlungsjahr waren aufgrund der vielen Studienabbrecher schwer zu interpretieren. Obwohl die Zahl der Patienten mit Exacerbationen (RR: 0,81) und mit Krankheitsprogression (RR: 0,70) sank, waren die Ergebnisse nach einer Sensitivitätsanalyse nicht überzeugend.
Für Exacerbationen wurde ein relatives Risiko von 1,11 und für ein Fortschreiten der Erkrankung ein relatives Risiko von 1,31 ermittelt. Die Autoren fordern, insbesondere im Hinblick auf die Vielzahl der mit Interferon behandelten Patienten, dass die klinischen Langzeiteffekte besser untersucht werden sollten. /me
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|14.02.2003 Mitoxantron bei Multipler Sklerose

DÜSSELDORF - Neuer Lichtblick in der Therapie der MS: Das bisher als Tumortherapeutikum eingesetzte Mitoxantron kann auch Patienten mit schwerer Multipler Sklerose (MS) helfen. Eine Studie mit rund 200 MS-Patienten aus mehreren europäischen Ländern wird schon als neuer Duchbruch gewertet. Die Therapie wird mittels i.v.-infundierter Substanz durchgeführt. Die Patienten haben unter der Therapie deutlich weniger MS-Schübe oder zumindest weniger schwere Schübe gehabt. Die Studienleiter gehen davon aus, dass diese Therapie immerhin 70 Prozent aller MS- Patienten erkennbare Linderung im Verlauf der Krankheit bringen kann - bei geringeren Therapiekosten. Außerdem hatte sich gezeigt, dass bei Patienten, die auf Beta-Interferon nicht mehr angesprochen haben, dieses Interferon nach einer Mitoxantron-Therapie wieder wirkt.
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|13.02.2003 MS-Fasten

NEAPEL - Ein neuer Ansatz in der Therapie der Multiplen Sklerose (MS): Fasten verlangsamt möglicherweise das Voranschreiten der Erkrankung. In einem Mäuseversuch wurden die Tierchen beim Ausbruch der Krankheit zwei Tage lang auf strenge Diät gesetzt, was auf den Zweibeiner Mensch übertragen 7 bis 12 Tage Magerkost entspräche. Danach hatten die Tiere an den Nervenzellen deutlich weniger Schäden vorzuweisen als die normal genährten Vergleichsmäuse. Ursache könnte die körpereigene Substanz Leptin sein, die unter Verdacht steht, das Voranschreiten der MS zu fördern. Und in der Tat hatten die Tiere ohne Diät bei MS-Beginn einen doppelt so hohen Leptin-Spiegel wie die Diätmäuse, die weniger ausgeprägte MS-Symptome aufzuweisen hatten.
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|10.02.2003 Mitoxantron - neue Option bei Multipler Sklerose

Besonderer Nutzen bei progressiv schubförmigem und sekundär progredientem Verlauf / Rückgang von Läsionen
BERLIN (wma). Multiple-Sklerose- Patienten mit hoher Schubfrequenz und geringer Remissionstendenz oder mit rasch fortschreitendem sekundär progredienten Verlauf profitieren von Mitoxantron, einer neu eingeführten Therapieoption.
Das Anthracenderivat Mitoxantron, ein Zytostatikum aus der Onkologie, ist als Ralenova® nun auch für die Therapie nicht-rollstuhlpflichtiger MS-Patienten zugelassen. Dies sind die Voraussetzungen für die Therapie: ein progressiv schubförmiger oder sekundär progredienter Verlauf, ein EDSS (Expanded Disability Status Skala) von 3 bis 6 bei Versagen oder Unverträglichkeit der immunmodulatorischen Therapie mit Interferon-beta oder Glatirameracetat und ein akutes Stadium.
Diese Bedingungen wurden von den Teilnehmern der MIMS-Studie (Mitoxantron in Multipler Sclerosis) erfüllt (Lancet, 360, 2018). Die Ergebnisse hat der Studienleiter Professor Dr. Hans-Peter Hartung von der Universität Düsseldorf bei der Einführungspressekonferenz in Berlin diskutiert. 189 Patienten erhielten alle drei Monate für zwei Jahre zwölf mg/m2 Körperoberfläche oder fünf mg/m2 Körperoberfläche Mitoxantron oder Placebo, bei akuten Schüben zusätzlich Methylprednisolon. Mit der höheren Mitoxantron-Dosis erreichten 70 Prozent weniger Patienten als bei Placebo den kombinierten primären Endpunkt, definiert über Änderungen von EDSS und Gehfähigkeit, Schubzahl, Zeit bis zum nächsten Schub und neurologischem Status.
Auch ein Jahr nach der Therapie blieben die Vorteile erhalten, sagte Hartung bei der Konferenz des Unternehmens Wyeth. Kernspintomographien hätten einen Rückgang und verminderte Progression von Läsionen mit Mitoxantron belegt. Die Therapie wurde gut vertragen. Schwerwiegende kardiotoxische Effekte und Induktionen von Leukämien seien nicht vorgekommen.
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|05.02.2003 Schwann-Zellen aus der Wade sollen MS überwinden helfen

Neurologen setzen bei Multipler Sklerose zunehmend auf die Transplantation von Myelin-bildenden Zellen / Erste Studie in den USA
Neurologen sind optimistisch, eines Tages Patienten mit Multipler Sklerose (MS), bei denen Nerven im Gehirn und Rückenmark durch Autoimmunprozesse herdförmig ihre Myelinschicht verlieren, durch Nervenzellregeneration heilen zu können. Denn auch das Zentralnervensystem kann zumindest teilweise regenerieren. So umgeben sich demyelinisierte Nervenfasern von MS-Patienten spontan wieder mit einer Myelin-Hülle - Voraussetzung für den schnellen Informationstransport.
Die Remyelinisierung ist ein konstantes Phänomen bei der MS, wie Privatdozent Dr. Martin Stangel von der Medizinischen Hochschule Hannover in der Zeitschrift "Der Nervenarzt" (10, 2002, 937) berichtet. Jedoch sind diese spontanen Versuche des Körpers, den Normalzustand wieder herzustellen, nur unvollständig. Hoffnungen, daß man die Remyelinisierung endogen fördern kann, etwa durch Behandlung mit Wachstumsfaktoren, wurden enttäuscht, weil die Therapien bislang nicht erfolgreich waren. Trotzdem wird nach Angaben von Stangel weiter daran geforscht. Darüber hinaus setzen Forscher jetzt zunehmend auf die Transplantation Myelin-bildender Zellen. Nachdem viele Tierexperimente ermutigend verlaufen sind, beginnt in den USA bereits die erste klinische Studie.
Embryonale Stammzellen für die Transplantation geeignet
Fünf Zelltypen sind für eine Transplantation geeignet: Oligodendrozyten-Vorläuferzellen, Zellen des olfaktorischen Systems, neuronale oder embryonale Stammzellen, Xenotransplantate und Schwann-Zellen.
Oligodendrozyten sind jene Zellen, die natürlicherweise das Myelin im ZNS bilden. Deren Vorläuferzellen haben ein großes Zellteilungs- und Migrationspotential. Allerdings besteht die Gefahr, daß diese Zellen unkontrolliert wachsen. Außerdem könnten sie durch das Immunsystem des MS-Patienten angegriffen werden.
Myelinisierende Zellen aus der Nasenschleimhaut (olfactory ensheathing cells, OEC) haben den Vorteil, daß sie bei MS-Patienten selbst entnommen und im Labor vermehrt werden können. Mit humanen OEC ist es bereits gelungen, demyelinisiertes Rückenmark bei Versuchstieren wieder zu remyelinisieren.
Die Vorteile neuronaler und embryonaler Stammzellen sind ihre Pluripotenz und selbsterneuernde Aktivität. Im Körper entstehen aus den Stammzellen Oligodendrozyten, die dann ihre Arbeit verrichten können. Allerdings ist der Zugang zu neuronalen und embryonalen Stammzellen sehr limitiert und mit ethischen Problemen behaftet. Zudem können auch sie neoplastisch entarten.
Xenotransplantation birgt Gefahren durch Retroviren
Mit embryonalen Stammzellen von Tieren, etwa von Schweinen, könnten ethische Probleme umgangen werden, meint Stangel. Nachteile der Xenotransplantation sind die erforderliche Immunsuppression und die Gefahr der Übertragung retroviraler und anderer Infektionen.
Die aussichtsreichsten Kandidaten für eine Transplantation bei MS-Patienten sind die Schwann-Zellen. Diese Zellen myelinisieren normalerweise periphere Axone, können diese Funktion aber auch im ZNS übernehmen, wie Tierversuche belegen. Humane Schwann-Zellen werden per Biopsie am Nervus suralis gewonnen, im Labor vermehrt und bei Bedarf tiefgekühlt aufbewahrt. Eine Immunsuppression ist nach der Transplantation nicht erforderlich. Und: Da Schwann-Zellen nicht das Ziel der Immunantwort bei MS sind, könnten sich diese auch einer weiteren Immunattacke entziehen, so Stangel.
Trotzdem ist der Neurologe mehr als skeptisch, daß sich in den nächsten zehn Jahren die Transplantation von Schwann-Zellen bei MS-Patienten als Routine-Therapie etabliert. Die Vorgänge bei MS seien so komplex, daß es kein Tiermodell gebe, das diese adäquat widerspiegeln könne. Viele Fragen sind noch unbeantwortet: Wohin soll transplantiert werden? Wie beschleunigt man die geringe Migrationsgeschwindigkeit der transplantierten Zellen? Kann die Funktion eines schon über längere Zeit geschädigten Axons durch die Remyelinisierung überhaupt wieder hergestellt werden?
Vor diesem Hintergrund wird klar, warum die jetzt in den USA angelaufene erste klinische Studie bei MS-Patienten lediglich ein Machbarkeitsstudie ist. Ein kuratives Ziel verfolgen die US-Amerikaner damit derzeit noch nicht.
FAZIT
Die Transplantation von Schwann-Zellen oder myelinisierenden Zellen aus der Nasenschleimhaut ist für Patienten mit Multipler Sklerose möglicherweise in einigen Jahren eine vielversprechende Therapie-Option. Ob und welchen Patienten tatsächlich geholfen werden kann, ist derzeit noch nicht zu beantworten. Noch ist einiges zu klären, etwa wohin die Schwann-Zellen transplantiert werden sollen. Unklar ist auch, ob die Remyelinisierung die Nervenfunktion nach langfristigen Axonschäden wieder herstellen kann.
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|03.02.2003 Grippe-Impfung bei MS-Patienten gilt als sicher

Auch Hepatitis-B- und Tetanus-Impfung unproblematisch
DURHAM (run). Immer wieder wird darüber diskutiert, ob Impfungen bei Patienten mit Multipler Sklerose ratsam sind. US-Forscher bestätigen nun, daß Grippe-, Hepatitis-B-, Windpocken-, Tetanus- und BCG-Vakzinen sicher sind.
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|29.01.2003 Fasten gegen Multiple Sklerose

Fasten verlangsamt möglicherweise das Voranschreiten einer Mulitple Sklerose (MS). Über entsprechende Beobachtungen italienischer Forscher an MS-anfälligen Mäusen berichtet das britische Magazin Nature in seiner Online-Ausgabe.
Die untersuchten Mäuse gehörten zu einem speziell gezüchteten Stamm, der von Medizinern in der MS-Grundlagenforschung genutzt wird. Giuseppe Matarese von der Universität Neapel und seine Kollegen setzten die Mäuse beim Ausbruch der Krankheit zwei Tage lang auf strenge Diät. Das entspräche beim Menschen ein Zeitraum von sieben bis zehn Tagen. In der anschließenden Untersuchung fanden die Forscher im Nervensystem der Tiere deutlich weniger Schäden als bei wohlgenährten Mäusen aus demselben Stamm.
Matarese vermutet als Grund einen Zusammenhang, der auch beim Menschen existieren könnte. So schütten Fettzellen nach einer guten Mahlzeit erhöhte Mengen an Leptin aus, was das Voranschreiten einer Multiplen Sklerose zu begünstigen scheint. Tatsächlich beobachteten Matarese und seine Kollegen beim Ausbruch der Krankheit eine Verdopplung im Leptin-Spiegel der wohlgenährten Mäuse. Bei Tieren auf Diät fiel der Anstieg dagegen deutlich geringer aus.
Multiple Sklerose wird durch einen Angriff der Körperabwehr auf das eigene Nervensystem verursacht. Leptin ist offenbar eine der vielen Körpersubstanzen, die das Immunsystem antreibt.
Betroffen sind bei einer MS vor allem die schützenden Zellschichten über den Nervenbahnen. In der Folge verlieren die Betroffenen an Bewegungsfreiheit, das Augenlicht leidet und eine anhaltende Müdigkeit kann sich einstellen.
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Bild der Wissenschaft online, 29.01.03
|28.01.2003 Neues Multiple Sklerose-Forschungszentrum in Zürich

ZÜRICH - Die Erforschung der heimtückischen Nervenkrankheit Multiple Sklerose (MS) wird auf dem Platz Zürich deutlich verstärkt. In einem neuen MS-Forschungszentrum spannen ETH, Uni und die Biotech-Firma Serono eng zusammen.
Das am Unispital eingerichtete Zentrum erhält in den nächsten sechs Jahren knapp zehn Millionen Franken, den Hauptteil (8,4 Millionen) steuert die Genfer Biotech-Firma Serono bei. Ziel des Zentrums ist die Klärung der vielen Geheimnisse, die MS noch birgt, und die Entwicklung von Medikamenten.
MS ist eine unheilbare Erkrankung des Zentralnervensystems. Noch weitgehend ungeklärte Immunreaktionen führen zu Entzündungen und Zerstörungen von Nervengewebe, das nicht mehr neu gebildet werden kann.
Die Schweiz ist zusammen mit Schweden weltweit das am stärksten von MS betroffene Land. Einer von 10 000 Einwohnern ist nachweislich davon betroffen, bei den milderen Formen rechnet man mit einer bedeutenden Dunkelziffer.
Die Voraussetzungen für das Zentrum seien in Zürich ideal, sagte Martin Schwab vom Zentrum Neurowissenschaften Zürich (ZNZ), dem das neue MS-Zentrum angegliedert ist. Das ZNZ gehört laut Schwab weltweit zu den zehn Top-Adressen bei der neurowissenschaftlichen Forschung. Es ist bekannt für Prionen-, Alzheimer- und Epilepsie- Forschung, die MS-Forschug werde in dieses Umfeld eingebettet.
Serono als weltweit drittgrösste Biotech-Firma hofft dank des Zentrums zwar auch auf kommerziell verwertbare Erkenntnisse; der Vertrag mit dem ZNZ regelt jedoch, dass Patente über mögliche neue Therapien der Uni gehören.
Die Hauptfrage im Zusammenhang mit MS ist, warum das Zentralnervensystem der MS-Patienten durch das Immunsystem angegriffen wird. Dabei ist unklar, welche Immunzellen am Zerstörungswerk beteiligt sind.
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281356 jan SDA-ATS
|23.01.2003 Behinderungsgrad mit MRT messbar?

In der Diagnose der Multiplen Sklerose gibt es noch immer keine zufriedenstellende Korrelation zwischen MRT-Ergebnis und Behinderungsgrad. Englische Neurologen erhofften sich von einer neuen MRT-Methode Fortschritte.
Mit Hilfe der CSE- (conventional T2-weighted spin echo) oder FSE- (fast spin echo) MRT gelingt es zwar, den Verlauf der Multiplen Sklerose (MS) zu verfolgen, aber ihre Bedeutung für die Diagnostik wird durch die eingeschränkte Korrelation zwischen der Läsionslast und dem Grad der Behinderung limitiert. Daher ist eine neue MRT-Methode entwickelt worden, um den Nachweis der MS-Läsionen zu verbessern: die 3D-fFLAIR-Sequenz (T2-weighted fast fluid-attanuated inversion recovery). Sie basiert auf der zweidimensionalen fFLAIR, die zwar mehr kortikale und subkortikale Läsionen nachweist, jedoch auch nicht in der Lage ist, die Korrelation mit dem Grad der Behinderung zu verbessern. In einem weiteren Schritt ist das Verfahren zur dreidimensionalen fFLAIR fortentwickelt worden. Sie kombiniert die bessere Läsionsdarstellung der fFLAIR-Sequenz mit der besseren räumlichen Auflösung einer dreidimensionalen Erfassung und trägt auf diese Weise zu einer besseren Sensitivität und Präzision der Magnetresonanztomographie bei.
Die Arbeitsgruppe um O. Ciccarelli am Londoner Institute of Neurology hat nun die Korrelation zwischen 3D-fFLAIR-Sequenz und dem Grad der Behinderung überprüft. In die Studie wurden 41 Patienten eingeschlossen, die sich im Median vor 13,7 Jahren erstmals wegen eines klinisch isolierten Symptoms vorgestellt hatten. Bei den Teilnehmern wurde eine MRT durchgeführt und ein Vergleich der T2-gewichteten FSE-, der T1-gewichteten SE- sowie der 3D-fFLAIR-Sequenz vorgenommen. Dem auswertenden Arzt waren die klinischen Befunde nicht bekannt. Darüber hinaus erfolgten innerhalb von median 21 Tagen zwei klinische Begutachtungen, in denen die EDSS- (Expanded Disability Status Scale) und die MSFC-Skala (MS functional composite) angewendet wurden. Die Dauer des Follow-ups betrug durchschnittlich 13,7 Jahre.
Insgesamt war die mediane T2-Läsionslast in der 3D-fFLAIR-Sequenz um 34 Prozent größer als in der FSE-Sequenz. Trotzdem verbesserte die 3D-fFLAIR-Sequenz die Korrelation zwischen T2-Läsionslast und EDSS-Skala nicht. Demgegenüber korrelierten die T1-hypointensen Läsionen besser mit der EDSS-Skala. Die Auswertung in Abhängigkeit vom Grad der Behinderung (EDSS kleiner/= 3 bzw. größer 3) verbesserte die Korrelation nicht. Auch bei der MSFC-Skala ließ sich keine Korrelation mit der T2-Läsionslast herstellen, bei den T1-hypointensen Läsionen ergab sich nur ein Trend. Wieder verbesserte die Auswertung in Abhängigkeit vom Grad der Behinderung die Korrelation nicht.
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass sie zwar den Nachweis der Läsionslast durch die 3D-fFLAIR-Sequenz verbessern konnten, sich dies jedoch nicht in einer verbesserten Korrelation zwischen T2-Läsionslast und Grad der Behinderung niederschlägt.
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|22.01.2003 Neuer Therapieansatz bei multipler Sklerose

Die Immunzellen am Übergang ins Nervengewebe hindern
Bei der multiplen Sklerose wandern Immunzellen ins Gehirn und Rückenmark, wo sie die Hüllen von Nervenfasern schädigen. Dies soll nun eine neue Klasse von Medikamenten verhindern, indem sie die zerstörerischen Zellen im Blut blockieren.
ni. Natalizumab - diesen Zungenbrecher wird man sich merken müssen. Denn das Medikament, das von den amerikanischen Pharmafirmen Elan und Biogen entwickelt wurde und unter dem Namen Antegren vertrieben wird, hat gerade eine erfolgreiche Studie bei Patienten mit multipler Sklerose (MS) hinter sich. Zwar kann auch Natalizumab die heimtückische Autoimmunkrankheit, bei der Immunzellen aus noch unbekannten Gründen die Hüllen von Nervenfasern zerstören, nicht heilen. Doch bei MS gilt bereits eine Verlangsamung des Krankheitsverlaufs mit Hinausschieben der unterschiedlich rasch fortschreitenden Behinderung als Gewinn.
Krankheitsverlauf in Schüben
An der internationalen Natalizumab-Studie, die von den Herstellerfirmen gesponsert wurde, nahmen 213 Personen zwischen 18 und 65 Jahren teil. Alle litten unter einer in Schüben verlaufenden MS, der häufigsten Verlaufsform, besonders zu Beginn der Erkrankung. Um in die Studie aufgenommen zu werden, mussten die Probanden mindestens zwei Krankheitsschübe in den letzten zwei Jahren durchgemacht haben. Zudem mussten in der Magnetresonanztomographie (MRI) des Gehirns drei oder mehr «Läsionen» nachweisbar sein - die MS-typischen Entzündungsherde (Plaques) im Zentralnervensystem, die mit Hilfe von Kontrastmitteln auch hinsichtlich ihres Alters beurteilt werden können.
Ein Drittel der Probanden erhielt in dieser klinischen Phase-2-Studie ein Placebo-Medikament, der Rest wurde mit Natalizumab behandelt: eine Infusion alle Monate, wobei zwei unterschiedliche Dosierungen verwendet wurden. Den klinischen Verlauf dokumentierten die Wissenschafter mit monatlichen MR-Bildern und neurologischen Untersuchungen. Wie die Analyse nun zeigt, profitierten die mit Natalizumab behandelten Patienten bereits einen Monat nach der ersten Infusion von ihrer Behandlung. Richtig eindrücklich war das Resultat am Schluss der sechsmonatigen Behandlungszeit. In der Placebo-Gruppe zählten die Forscher pro Patient im Schnitt 9,6 frische Läsionen, in der Medikamenten-Gruppe waren es - je nach Dosierung - lediglich 0,7 oder 1,1. Zudem schätzten die Patienten unter Natalizumab ihren Zustand subjektiv leicht besser ein.
Bei genauer Analyse der Resultate stellt man allerdings fest, dass von dem neuen Medikament vor allem Patienten mit hoher Krankheitsaktivität profitierten. Bei ihnen verhinderte Natalizumab besonders viele neue MS-Läsionen. Unter dem neuen Medikament erlitten die Patienten auch weniger Krankheitsschübe. Doch dieses Resultat ist statistisch nicht eindeutig, da man dafür mehr Personen behandeln müsste. Es sei deshalb nicht statthaft, das Ausmass der Schub-Reduktion von rund 50 Prozent mit anderen MS-Medikamenten wie Interferon-Beta oder Glatiramerazetat zu vergleichen, betont der MS-Experte Ludwig Kappos vom Universitätsspital Basel.
Für Kappos beweist die Studie auch ein neues Behandlungskonzept. Denn Natalizumab ist der erste Vertreter einer neuen Klasse von Medikamenten, die als selektive Adhäsionsmolekül-Inhibitoren (SAM-Inhibitoren) bezeichnet werden. Natalizumab blockiert ein Glykoprotein namens Alpha-4-Integrin, das auf aktivierten Lymphozyten und Monozyten exprimiert wird. Diesen Oberflächenmarker brauchen die im Blut schwimmenden Immunzellen, um sich an einen Rezeptor an der Innenwand von Blutgefässen zu heften und anschliessend durch die Wand des Gefässes an den Entzündungsort im Zentralnervensystem zu gelangen - wo sie dann den typischen Gewebeschaden anrichten.
Dass das neue Medikament die Bildung neuer MS-Herde im Gehirn so eindrücklich reduziert, beweist laut Kappos die alte Vermutung, dass das Fortschreiten der Krankheit auf immer neue Immunzellen angewiesen ist, die aus dem Blut ins Zentralnervensystem gelockt werden. Im Gegensatz zu den bereits zugelassenen Medikamenten scheint Natalizumab die entzündliche Komponente der Krankheit, die sich im schubförmigen Verlauf manifestiert, noch ausgeprägter zu unterdrücken. Für Patienten hingegen, bei denen die degenerative MS-Komponente mit zumeist stetig- fortschreitendem Verlauf dominiert, bringt das neue Medikament laut Kappos keine Vorteile.
Zwei Studien mit Schweizer Beteiligung
Ob Natalizumab als MS-Medikament zugelassen wird, hängt von zwei Phase-3-Studien mit je rund 1000 Patienten ab, an deren Planung und Durchführung die Basler MS-Forschungsgruppe massgeblich beteiligt ist. In der ersten Untersuchung mit Lausanner Beteiligung soll festgestellt werden, ob die nachgewiesene Wirkung auch während zwei Jahren Behandlungsdauer anhält. Die zweite Studie soll zeigen, ob Natalizumab bei Patienten, die unter Interferon-Beta noch Krankheitsaktivität zeigen, einen Nutzen bringt. Wenn die Resultate in zwei Jahren vorliegen, wird man auch wissen, ob die Substanz tatsächlich so selten Nebenwirkungen verursacht wie bisher angenommen und ob die oftmals nachgewiesenen Antikörper gegen Natalizumab bedeutsam sind.
Noch ist die Wirkung von Natalizumab nicht auf die MS beschränkt. SAM-Inhibitoren könnten laut Fachleuten auch bei andern entzündlichen Krankheiten hilfreich sein, bei denen das Immunsystem eigenes Gewebe zerstört. Dazu zählen etwa die rheumatische Arthritis, Diabetes Typ 1, Atherosklerose und Asthma. Beim Morbus Crohn, einer entzündlichen Darmerkrankung, haben erste klinische Tests mit Natalizumab bereits bescheidene Vorteile gezeigt.
Quelle: New England Journal of Medicine 348, 15-23; 68-72 (2003).
|08.01.2003 Neuer Wirkstoff bremst Progression bei der MS

LONDON (Rö). Bei Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose, die mit dem Wirkstoff Natalizumab behandelt werden, verringert sich die Zahl der neuen Läsionen im Gehirn. Zudem bekommen MS-Patienten mit wiederholten Schüben, die so therapiert werden, weniger Rezidive.
Dies sind zentrale Ergebnisse einer Studie von Dr. David H. Miller vom Institute of Neurology in London, über die er zusammen mit anderen Kollegen jetzt im "New England Journal of Medicine" (348, 2003, 15) berichtet hat.
In ihre kontrollierte Doppelblind-Studie mit dem Alpha4-Integrin-Antagonisten Natalizumab haben die Wissenschaftler 213 Patienten mit schubförmiger oder sekundär progressiver Multipler Sklerose aufgenommen. Jeweils ein Drittel erhielten alle 28 Tage für sechs Monate intravenös drei Milligramm, sechs Milligramm des Wirkstoffes pro Kilogramm Körpergewicht oder ein Placebo.
Die Patienten, die den neuen Wirkstoff erhalten hatten, bekamen weniger neue Läsionen. Bei drei Milligramm waren es im Schnitt 0,7, bei sechs Milligramm 1,1. Mit Placebo wurden jedoch im Mittel 9,6 neue Läsionen pro Patient registriert.
Deutliche Unterschiede gab es auch bei der Rate der schubförmigen Symptome. Eine solche Verschlechterung wurde bei 27 Patienten aus der Placebo-Gruppe registriert, jedoch nur bei 13 und bei 14 der Patienten aus den Gruppen der Patienten, die den Antikörper bekommen hatten.
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|06.01.2003 Mit der Narkose zur Multiplen Sklerose

LINKÖPING - Die Wirkung von Narkosemitteln macht nicht nur gezielt schwummerant. Sie sorgen auch auf andere Weise für ein solches Gefühl, schaut man sich die Zahlen einer schwedischen Studie an. Forscher der Uni stellten nämlich fest, dass OP-Personal, das häufig mit Narkosemitteln zu tun hat - soll im OP ja gelegentlich vorkommen - auffallend häufig Multiple Sklerose bekommen. Dazu wurde eine Studie mit 83 ehemaligen Krankenschwestern durchgeführt, die MS hatten. Und siehe da: 13 waren jahrelang im OP mit für die Anästhesie zuständig. Unterm Strich sagt die Statistik nun, dass das MS-Risiko bei einem solchen Tätigkeitsprofil ungefähr dreimal so hoch ist. So ganz genau auf's Komma festlegen will man sich zwar nicht, es gilt jedoch als sicher, dass Narkotika das MS-Risiko erhöhen.
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|03.01.2003 Integrine wirksam bei Multipler Sklerose und Morbus Crohn

LONDON. Ein neuartiges Medikament, das die transendotheliale Migration von Leukozyten hemmt, könnte die Behandlung von Autoimmunerkrankungen verbessern. In zwei größeren Phase-II-Studien, die im New England Journal of Medicine publiziert wurden, hatte Natalizumab eine bessere Wirkung als ein Placebo bei der multiplen Sklerose und beim Morbus Crohn. Matalizumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der an ein Adhäsionsmolekül auf Lymphozyten und Monozyten bindet und dadurch die Kommunikation zwischen den Immunzellen stört.
Das noch nicht zugelassene Medikament gehört zu einer neuen Gruppe von Wirkstoffen, die als selektive Adhäsionsmolekül-(SAM)-Inhibitoren bezeichnet werden. Der Wirkungsmechanismus ist komplex. Im Ergebnis verhindert das Medikament jedoch, dass Immunzellen aus dem Blut ins Gewebe einwandern. Bei der multiplen Sklerose (MS) ist dies eine erwünschte Wirkung, weil die Immunzellen, welche die Nervenscheiden zerstören, aus dem Blut rekrutiert werden. Beim Morbus Crohn wird verhindert, dass die Abwehrzellen eine Darmentzündung auslösen.
Die International Natalizumab Multiple Sclerosis Trial Group hat das Medikament in einer Phase-II-Studie an 213 MS-Patienten in 26 Kliniken in den USA, Kanada und Großbritannien getestet (NEJM 2003; 348: 1523). Die Patienten erhielten entweder Natalizumab (3 mg/kg oder 6 mg/kg) oder ein Placebo. Das Medikament wurde als intravenöse Infusion über sechs Monate alle vier Wochen appliziert. Die Teilnehmer litten an einer schubförmigen oder einer sekundär fortschreitenden MS. Primärer Endpunkt war eine Abnahme von neuen Läsionen in der Gadolinum-verstärkten Kernspintomographie.
Hier wurde eine beachtliche hoch signifikante Reduktion von 9,6 neuen Läsionen in der Placebogruppe auf 0,7 und 1,1 unter Natalizumab in den Dosierungen von 3 mg/kg- und 6 mg/kg erzielt. Das subjektive Empfinden der Patienten besserte sich unter der Therapie, während es im Placeboast zu einer Verschlechterung kam. Die Zahl der Patienten mit einem Rezidiv innerhalb der sechs Monate war unter dem Medikament nur halb so hoch wie unter dem Placebo (tertiärer Endpunkt der Studie): 38 Prozent der Placebopatienten (27/71) hatten einen oder mehrere Schübe gegenüber 19 Prozent der Patienten in den beiden Natalizumab-Ästen (13/68 in der Dosierung von 3 mg/kg und 14/74 unter der Dosierung von 6 mg/kg).
Die Hersteller, Biogen und Elan, haben bereits zwei Phase-III-Studien begonnen. Die AFFIRM-Studie (natalizumab safety and efficacy in relapsing-remitting MS) ist eine zweijährige randomisierte Doppelblindstudie an 900 Patienten. Sie soll den Einfluss auf die Krankheitsprogression untersuchen. Der SENTINEL-Trial (safety and efficacy of natalizumab in combination with interferon beta-1a) soll über zwei Jahre den Wert einer Kombinationstherapie evaluieren. In diese Studie sind etwa 1 200 Patienten eingeschlossen.
Die Natalizumab Pan-European Study Group hat Natalizumab in einer Phase-II-Studie in 35 Kliniken (darunter Leverkusen und die Universitäten Freiburg und Münster) an 248 Patienten mit Morbus Crohn getestet. Die Patienten wurden auf vier Gruppen randomisiert: Einmal-Infusion von 3 mg/kg Natalizumab gefolgt von einer Placebo-Infusion; zwei 3 mg/kg Natalizumab-Infusionen im Abstand von vier Wochen; zwei 6 mg/kg Natalizumab-Infusionen im Abstand von vier Wochen oder Placebo (n=63). Alle Patienten wurden über zwölf Wochen beobachtet. Eingeschlossen waren Patienten mit einer mittelschweren bis schweren aktiven Erkrankung (Crohns Disease Activity Index CDAI-Scores von 220 bis 450). Primärer Endpunkt war eine klinische Remission. Gefordert wurde ein Abfall des CDAI nach sechs Wochen auf weniger als 150.
Dies wurde nicht erreicht. In den beiden Ästen, in denen Natalizumab zweimal appliziert wurde, kam es jedoch zu anderen Zeitpunkten (als dem Sechs-Wochen-Termin) zu einer deutlichen Besserung. Die höchste Remissionsrate wurde in der 3 mg/kg-Dosierung nach sechs Wochen erzielt: Zu diesem Zeitpunkt waren 44 Prozent der Patienten unter Natalizumab und 27 Prozent der Patienten unter Placebo in Remission. Dieses Ergebnis mag nicht so positiv erscheinen wie im MS-Trial.
Die Hersteller haben jedoch bereits zwei Phase-III-Studien auf den Weg gebracht: ENACT-1 (Evaluation of Natalizumab in Active Crohns Disease Trial-1) ist nach Angaben des Herstellers mit 850 Teilnehmern die größte bisher zum Morbus Crohn durchgeführte klinische Studie. ENACT-2 (Evaluation of Natalizumab As Continuous Therapy-2) soll prüfen, ob der Therapieerfolg auch von Dauer ist. Ulrich von Andrian von der Harvard Medical School in Boston und Britta Engelhardt vom Max-Planck-Institut für Gefäßbiologie in Münster bewerteten die Ergebnisse positiv (NEJM 2003; 348: 6872). Sie weisen jedoch auch auf mögliche Probleme hin. Hierzu gehört etwa die Möglichkeit einer Resistenzentwicklung.
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|02.01.2003 Neue MRT-Methoden bei MS

Zwei neue MRT-Methoden zum Nachweis von T2-Läsionen und der Erfassung der zerebralen Atrophie sollen die Diagnose der Multiplen Sklerose verbessern. Eine englische Arbeitsgruppe verglich die neuen Methoden mit herkömmlichen Verfahren.
Die T2-Differenzmessung zum Nachweis der T2-Läsionen und die Methode SIENA (Structural Image Evaluation using Normalisation of Atrophy) zur Bestimmung der cerebralen Atrophie sollen die MS-Diagnostik weiter verbessern. Bei der T2-Differenzmessung wird auf halbautomatischem Weg nicht mehr die Nettoveränderung des T2-Läsionsvolumens, sondern nur noch das neue T2-Läsionsvolumen dargestellt. Die zweite neue Methode SIENA misst vollautomatisch das Ausmaß der cerebralen Atrophie, sowohl die Demyelinierung als auch den axonalen Verlust.
Eine Arbeitsgruppe um V. L. Stevenson vom Institute of Neurology in London hat die beiden neuen Methoden mit zwei etablierten Verfahren verglichen. Ihre Studie schloss 39 Patienten mit primär progredienter MS ein, die zweimal im Abstand von zwei Jahren untersucht wurden. Bei beiden Untersuchungen kamen jeweils die herkömmliche als auch die neue MRT-Methode zum Einsatz. Zur Erfassung des Atrophieausmaßes wurde die konventionelle Messung des Hirnvolumens mit Hilfe der T1-gewichteten Sequenz angewendet sowie SIENA, das gesamte Gehirn umfassend und mit den gleichen zweidimensionalen, T1-gewichteten Sequenzen. Zur Ermittlung der T2-Läsionen wurde zunächst auf konventionellem Weg die T2-gewichtete Läsionslast ermittelt. Ihre Auswertung an zwei Zeitpunkten ergab den Wert der Nettoveränderung. Anschließend wurde mit der neuen Differenzmessung ausschließlich das T2-Läsionensvolumen dargestellt, das sich im Vergleich zur Aufnahme von vor zwei Jahren neu entwickelt hatte.
Die beiden Methoden zur Erfassung des Ausmaßes der Hirnatrophie korrelierten moderat. Die mittlere Rate der Veränderung unterschied sich allerdings deutlich. Die Autoren vermuten als Ursache dieses Unterschiedes die Tatsache, dass SIENA das gesamte Hirnvolumen erfasse, die herkömmliche Methode vor allem die lateralen Ventrikel. Trotz starker Korrelationen ergab eine detailliertere Analyse der beiden Methoden zur Erfassung der T2-Läsionen deutliche Unterschiede: Das neue T2-Läsionsvolumen war immer deutlich größer als die Nettovolumenzunahme, die eben sowohl die Neubildung als auch alte Läsionen umfasst, die sich bereits zurückgebildet haben. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass die bisherige Darstellung der Nettoveränderungen des T2-Läsionsvolumens zu einer substanziellen Unterschätzung der Krankheitsaktivität führt. Die Darstellung des neuen T2-Läsionensvolumens sei daher vermutlich ein nützlicherer Marker für Therapiestudien, da sie eine Aussage über Krankheitsaktivität und Krankheitsprogression zulasse.
Beide neuen Methoden werden vielversprechend beurteilt, denn sie sparen Zeit und erhöhen die Sensitivität für Veränderungen. Einem umfassenden klinischen Einsatz sollten jedoch umfassendere Studien vorausgehen.
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|02.01.2003 Natalizumab bei der schubweise verlaufenden MS

Der Antagonist des Endothelrezeptors hat in einer randomisierten Studie das Auftreten von neuen entzündlichen Läsionen in der weissen Substanz von MS-Betroffenen gegenüber Placebo signifikant reduziert.
Die Entzündung und Demyelinisierung in der weissen Substanz bei Patienten mit Multipler Sklerose wird mitunter durch Lymphozyten und Monozyten verursacht. Um ins Hirnparenchym zu gelangen, heften sie sich über den alpha4 Integrin Rezeptor an ihrer Oberfläche ans Endothel an und passieren dieses anschliessend. Die Verabreichung von Natalizumab, einem Antagonisten dieses alpha4 Integrin Rezeptors hat die Anzahl neuer Läsionen der weissen Substanz im experimentellen Tiermodell und in ersten klinischen Studien reduziert. Der Wirkstoff wurde nun in der im NEJM publizierten Studie an über 200 Patienten mit MS untersucht.
Methodik: 213 Patienten mit einer schubweise, progredient verlaufenden MS wurden in die randomisierte Doppelblindstudie eingeschlossen. Einmal pro Monat erhielten sie entweder Placebo, 3mg oder 6mg Natalizumab pro kg Körpergewicht intravenös verabreicht, insgesamt während einem halben Jahr.
Resultate: Im Vergleich zur Placebogruppe traten in den Natalizumabgruppen durchschnittlich signifikant weniger neue Läsionen im MRI auf: 9.6 pro Patient unter Placebo, 0.7 unter 3mg Natalizumab und 1.1 unter 6mg Natalizumab. Erkrankungsschübe traten in der Placebogruppe bei 27, unter 3mg Natalizumab bei 13 und unter 6mg Natalizumab bei 14 Patienten auf (p=0.02). Das subjektive Befinden auf einer 100mm Skala verbesserte sich unter Natalizumab deutlich (9.5mm bei 3mg und 6.2mm bei 6mg); unter Placebo zeigte sich eine leichte Verschlechterung (- 1.38mm).
Konklusion: Die einmal monatlich erfolgte Verabreichung von Natalizumab führte bei der untersuchten Population im Vergleich zu Placebo zu einer signifikanten Reduktion der neuen Läsionen im MRI und weniger Krankheitsschüben.
Quelle: