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Der Wide Moat Focus Total Return Index kennt trotz der letztjährigen Marktturbulenzen keine Krise. Auf Jahressicht steht der von Morningstar zusammengestellte Aktienindex 2,7 Prozent höher. Das Allzeithoch vom Dezember 2021 ist weniger als 1 Prozent vom aktuellen Kursniveau entfernt. Seit 2002 hat der Morningstar Wide Moat Focus Total Return Index den MSCI World Index um mehr als 5 Prozent pro Jahr übertroffen.
Das Finanzinformations- und Analyseunternehmen hat einen Index geschaffen, der die Wertentwicklung eines Korbes von Aktien widerspiegelt, die nach dem "Burggraben"-Ansatz ausgewählt wurden. Der Begriff wurde durch die Anlagemethode von Warren Buffett geprägt und bezieht sich auf die Nachhaltigkeit des Wettbewerbsvorteils von Unternehmen.
Legendäre Investoren wie Warren Buffett wenden dieses Prinzip bei der Auswahl von neuen Investments stetig an und erwirtschaften so überdurchschnittliche Renditen. "Ein gutes Unternehmen ist wie eine starke Burg, die von einem tiefen Graben umgeben ist. Ich will Haie im Graben haben. Ich will, dass die Burg unantastbar ist," sagte Buffett einst.
Wettbewerbsvorteile bringen überdurchschnittliche Aktienrenditen
In der Marktwirtschaft wird der Wettbewerb von Tätigkeitsbereichen angezogen, in denen Unternehmen eine hohe Rentabilität erwirtschaften. Mit dem Auftreten neuer Konkurrenten sinkt aber die Rentabilität der Unternehmen tendenziell. Nur Unternehmen mit einem signifikanten Wettbewerbsvorteil sind in der Lage, sich nachhaltig gegen die Konkurrenz zu wehren.
Und genau solche Unternehmen mit einem Wettbewerbsvorteil bildet Morningstar im erwähnten Index ab – wobei der Fokus überwiegend auf den USA liegt. Der Burggraben ermöglicht es einem Unternehmen, über einen längeren Zeitraum hinweg eine überdurchschnittliche Rendite zu erwirtschaften, was schlussendlich auch der Aktienrendite zugutekommt.
Unter den grössten Positionen im 49-Positionen Morningstar-Index befinden sich mit Boeing, Salesforce, Adobe, Biogen und Meta bekannte Schwergewichte. Unbekannter sind jedoch der E‑Commerce-Plattformanbieter MercadoLibre und Etsy, der Finanzdienstleister Equifax, der Halbleiter-Zulieferer Lam Research und Teradyne.
Aber Burggraben ist nicht gleich Burggraben. Es wird zwischen fünf Typen unterschieden, die den Unternehmen verschiedene Wettbewerbsvorteile bieten:
1. Burggraben dank Wechselkosten
Ein Wettbewerbsvorteil liegt hier vor, wenn dem Konsumenten beim Wechsel von einem Dienstleistungsanbieter zu einem anderen erhebliche Kosten entstehen. Dieser Umstand verleiht den Anbietern eine Verhandlungsmacht über die Preise und ermöglichen somit das Erzielen einer relativ hohen Gewinnspanne. Im Index von Morningstar ist Salesforce ein gutes Beispiel für einen solchen Burggraben. Dieses bietet Unternehmen eine umfassende Lösung für das Management von Kundenbeziehungen.
2. Burggraben dank immaterieller Vermögenswerte
Gerade die immateriellen Vermögenswerte, wie Marken, Patente und behördliche Lizenzen, bieten Unternehmen oft dauerhafte Burggraben. Neue Marktteilnehmer verfügen nicht über diese Art von Wettbewerbsvorteil und sind daher nicht in der Lage, das Produkt oder die Dienstleistung zu duplizieren. Unternehmen wie der Biotechnologiekonzern Biogen sind dieser Kategorie zuzurechnen.
3. Burggraben dank Netzwerkeffekt
Netzwerkeffekte bieten einen der besten Burggräben. Je mehr Menschen ein bestimmtes Produkt oder eine Dienstleistung nutzen, desto wertvoller wird das Netzwerk. Wer die meisten Nutzer aufzuweisen hat, kann seinen Service daher am besten anbieten und sich so vor den Mitbewerbern abheben. Meta und Alphabet sind im Morningstar-Index gute Beispiele für den Netzwerkeffekt.
4. Burggraben dank Kostenvorteilen
Wenn ein Unternehmen nachhaltig zu niedrigeren Kosten als seine Konkurrenten arbeiten kann, hat es einen Wettbewerbsvorteil, der nur schwer zu wiederholen ist. Denn Unternehmen mit erheblichen Kostenvorteilen können die Preise jedes Wettbewerbers unterbieten, sobald dieser versucht in die Branche einzusteigen. Amazon.com hat diese Art von Wettbewerbsvorteil.
5. Burggraben dank Skaleneffekte
In bestimmten Branchen gilt "Big is beautiful". Denn Unternehmen, die Märkte von begrenzter Grösse – Oligopolsituation - dominieren, halten so oft neue Marktteilnehmer davon ab, in den Markt einzutreten. Der Markteintritt weiterer Wettbewerber würde die Ertragskraft für alle verringern. Versorgungsunternehmen wie das im Morningstar-Index enthaltene Dominion Energy und einige Transportunternehmen befinden sich in einer oligopolistischen (oder sogar monopolistischen) Situation und profitieren daher von Grössenvorteilen.
Diese ETF bieten Investment auf Morningstar-Indizes
Mit dem "VanEck Morningstar Wide Moat ETF" können Anlegerinnen und Anleger in den Morningstar-Index investieren. ETF, also Exchange Traded Funds, bieten die Möglichkeit, sich an einer Vielzahl von Unternehmen zu beteiligen, ohne dabei der Gefahr des "Zockens" zu verfallen.
Der "VanEck Morningstar International Wide Moat ETF" ist nur noch zu gut 50 Prozent mit US-Aktien bestückt und bietet daher ein internationaleres Exposure. Auch dieser Morningstar-Index mit Burggraben-Titeln wie Airbus, Bayer oder TSMC hat sich vom letztjährigen Einbruch beinahe komplett erholt. Was bei beiden Themenfonds negativ ins Gewicht fällt, ist jedoch die eher hohe Gesamtkostenquote von 0,5 Prozent.