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Weihnachtsgeschichte von Raphaela Caderas
Samtene Dunkelheit legt sich über Wiesen und Felder. Es wird still und kalt. Nacht bricht über das kleine Städtchen Betlehem herein. Allmählich verlöschen die letzten Lichter in den
Häusern. Nur noch der Schein eines flackernden Feuers auf einem umliegenden Hügel ist sichtbar.
Dort in der Finsternis lagern einsam die Hirten mit ihren Schafen. Dicht gedrängt sitzen sie ums Feuer und saugen begierig dessen Wärme auf. Doch richtig behaglich wird in den eisigen Nächten keinem von ihnen. In dieser gedankenverlorenen Ruhe stimmt nun der älteste Hirte mit brummiger Stimme ein Lied an. Nacheinander fallen die übrigen ein, bis die Melodie sich traurig und träge in den Himmel erhebt.
Zwischen den tief gesungenen Noten ertönt plötzlich ein schräges Quietschen. Abrupt verstummen die Sänger. «Entschuldigt bitte», murmelt eine junge Stimme in die misstönende Stille. «Ich wollte euch nur so gerne auf meiner Flöte begleiten.» Der Älteste brummt verärgert: «Benjamin, wie oft haben wir es dir gesagt? Entweder singst du mit oder du bist still. Aber deine Flöte passt nicht zu unserer Musik! Geh und lass uns eine Weile in Frieden, du Plagegeist.»