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Ingwer: Die Geschichte zur Knolle
Aktualisiert: Jan 3
Dreimal kam das würzige Rhizom nach Europa. Ursprünglich entdeckten die Griechen und die Römer die medizinischen und dann die kulinarischen Vorzüge dieser Saftwurzel aus Südasien.
Mit dem Untergang der Römer verschwand auch die Lust am Ingwer, diese kam erst wieder nachdem Marco Polo im Mittelalter die ersten trockenen Stücke nach Europa gebracht hatte.
Auch im Mittelalter wurde Zingiber Officinale, wie Ingwer auf lateinisch heisst, zuerst für medizinische Zwecke gebraucht. Ingwer wirkt gegen Übelkeit und stärkt das Verdauungssystem. Die Seeleute kauten ihn jahrhundertelang gegen Seekrankheit, ausserdem half er gegen Skorbut, heisser Ingwertee mit Honig hilft auch gegen Erkältungen und bei rheumatischen Krankheiten.
Ausserdem wurden dem Ingwer liebessteigernde Eigenschaften nachgesagt. Dies führte dazu, dass die bekannte Kräuterfrau und Nonne Hildegard von Bingen, dem Ingwer eher reserviert gegenüberstand. Dennoch versuchten viele Klostergärtner die Ingwerknolle mit mehr oder weniger Erfolg in Klöstern zu ziehen.
Als dann die Spanier im 17. Jahrhundert in ihren neuen Kolonien in der Karibik und in Mexiko begannen, Ingwer anzubauen und diesen in ganzen Schiffsladungen nach Europa zurückbrachten, eroberte der Ingwer auch die Küchen Europas wieder zurück.
Am beliebtesten waren die Ingwergebäcke, von den Hafenstädten in England (Gingerbread), Holland (Spekulaatius) und Norddeutschland (Lebkuchen, Pfefferkuchen) aus verbreiteten sich die Ingwergebäcke über den Adel bis weit nach Russland und in den Süden.
Da Ingwer das Herz wärmt, und die Menschen an die liebesfördernde Wirkung der Knolle glaubten, wurden die Ingwergebäcke als Zeugnisse der Liebe verschickt und oft lange aufbewahrt. Sie wurden oft mit Figuren verziert, die auf den Liebeszauber verwiesen, die diesen Gebäcken beigemessen wurde.
Ingwer war zwar teuer, aber dennoch günstiger als andere Gewürze. Ein halbes Pfund Ingwer kostete etwa so viel wie ein Schaf. Darum verfeinerte der Ingwer, wie die anderen Gewürze auch, lange nur den Speiseplan der Adligen.
Im 18. Jahrhundert geriet Ingwer wieder aus der Mode.
Die Knolle wurde auch in der Küche nur noch selten angewendet. In meinen Kochbüchern aus dem frühen 19. Jahrhundert findet sich allerdings bei Schmorgerichten oft der Hinweis, man solle beim Kochen einige Stücke Ingwer mitkochen. Wie ich andernorts gelesen habe, diente der Ingwer hier eher zum Übertönen von schlechten Aromen im oft schon etwas überreifen Fleisch.
Ingwer kommt via Chinarestaurants zurück
Ich bin in den sechziger Jahren fast ohne Ingwer aufgewachsen. Ich kannte das Rhizom nur in seiner kandierten Form, die ich nicht mochte und als ein Gewürz in den Gingerbread-Männchen meiner Tante aus Bremen, die sie jeweils zu Weihnachten buk.
Erst als ich in den 80ern die Restaurants von China Town in London erkundete, entdeckte ich die Wonnen des frischen Ingwers im Essen.
Damals kam der Ingwer zum dritten Mal in unsere Küchen. Allerdings wurde und wird die Knolle bis heute vor allem in asiatischem Essen eingesetzt. Aber Ingwer kann weit mehr als gute Curries und Erfrischung sein beim Sushi, Ingwer macht sich hervorragend frisch gerieben in einer Salatsauce oder eben in einem Schmorgericht.
Ich habe meinem geschmorten Oxtail (Ochsenschwanz) an Weihnachten einige Stücke Ingwer zugegeben und sonst ganz normal mit Wein, Zwiebeln, Knoblauch, einem Lorbeerblatt und einer Gewürznelke gewürzt, die Sauce schmeckte ungeheuer lecker. Den Ingwer hat man nicht herausgeschmeckt, aber es war schlicht die beste Schmorgerichtssauce, die ich je hinbekommen habe. Ingwer wirkt also auch bei einwandfreiem Fleisch.
Gewürz mit Heilkraft
Auch die medizinischen Vorzüge des Ingwers sind mittlerweile gut geforscht. So weiss man, dass Ingwer tatsächlich gegen Nausea hilft und oft sogar bei Chemotherapie-Patienten gegen Nebenwirkungen eingesetzt wird.
Ingwer kurbelt ausserdem den Stoffwechsel an, was gegen Coronapfunde hilft und er stärkt das Immunsystem. Eine Freundin von mir wies darauf hin, dass Ingwer auch bei akuter Migräne hilft.
Curcuma, dem gelben Verwandten des Ingwers und ebenfalls ein Rhizom, wird besonders in Kombination mit Ingwer auch eine gute Wirkung bei rheumatischen Beschwerden zugesprochen.
Es sind gerade diese medizinischen Eigenschaften, die verbunden mit den kulinarischen Vorteilen den Ingwer zu etwas machen, was man einfach nicht im Kühlschrank vertrocknen lassen sollte.