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Die Pariser Modewoche, die am Dienstag zu Ende ging, wurde vom Krieg in der Ukraine überschattet. Die Modehäuser rangen um eine Balance zwischen Solidaritätsbekundungen und dem Glamour und Spektakel ihrer Schauen.
Einige offerierten neben ihren Herbst/Winter-Kollektionen auch herzliche Solidaritätsbekundungen an das ukrainische Volk – keiner mehr als der Balenciaga-Designer Demna, der im vergangenen Dezember seinen Nachnamen Gvasalia abgelegt hat, um seine kreative von seiner privaten Person zu trennen.
Der Designer, der in den frühen 90ern während des Bürgerkriegs in seiner Heimat Georgien selbst schon einmal im Leben auf der Flucht war, gab zu, dass sich die Modewoche vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine wie „eine Absurdität“ anfühlte.
Aber er entschied, dass eine Absage der Show „wie eine Kapitulation vor dem Bösen gewesen wäre, das mich schon seit fast 30 Jahren so sehr verletzt.“
Demna rezitierte zur Eröffnung seiner Show ein ukrainisches Gedicht und legte für das Publikum T-Shirts mit der blau-gelben Flagge des Landes auf die Sitze.
Show von Valentin Yudashkin abgesagt
Der französische Modeverband, der die Gäste aufforderte, die Modewoche mit „in Anbetracht dieser dunklen Stunden in Ernsthaftigkeit“ zu begehen, sagte am Sonntag die Show des russischen Designers Valentin Yudashkin am letzten Tag ab, da dieser den Krieg nicht öffentlich verurteilt hatte.
„Unser Team wollte sehen, ob er sich distanzieren würde, wie andere Künstler:innen. Das war nicht der Fall“, sagte der Präsident des Verbandes, Ralph Toledano, gegenüber AFP. Yudaschkin, der seit Jahren in Paris seine Kollektionen zeigt, hatte zuvor die neuesten Uniformen der russischen Armee mitentworfen.
Luxushäuser zögerten, es anderen Branchen gleichzutun und ihre Verbindungen zu Russland zu kappen, angesichts der Profite, die von der ultra-reichen Elite des Landes kommen.
Einige kündigten Spenden an. Louis Vuitton beispielsweise spendete eine Million Euro für ukrainische Kinder. Das Unternehmen meldete für das vergangene Jahr einen Rekordumsatz von 64,2 Milliarden Euro.
Andere setzten auf Friedensbotschaften. Stella McCartney eröffnete ihre Show mit Ausschnitten aus der bewegenden Rede von Präsident John F. Kennedy aus dem Jahr 1963 zum Kalten Krieg und endete mit „Give Peace a Chance“ von John Lennon, dem Ex-Bandkollegen ihres Vaters.
Rüstungen
Einige der Kleider in dieser Woche sahen seltsam vorhersehbar aus, vor allem bei Dior und Balmain, wo die Models scheinbar schusssichere Westen trugen.
Olivier Rousteing von Balmain erklärte, dass die goldenen Schilde und kugelsicheren Westen entstanden, weil er nach Verbrennungen im Gesicht, die er bei einem häuslichen Unfall erlitten hatte, Angst hatte, im Internet getrollt zu werden.
Maria Grazia Chiuri von Dior sagte, ihre eigenen „schützenden“ Entwürfe – darunter Airbag-Korsetts und Westen mit Innenheizung – spiegelten die Tatsache wider, dass sich „die Welt bereits vor der Invasion in der Ukraine“ im Krieg befunden habe.
„Covid war eine andere Form des Krieges. Wir haben alle einige sehr schwierige Monate erlebt“, sagte sie gegenüber AFP.
Dunklere Töne
Diese Modewoche sollte eigentlich die Rückkehr zur relativen Normalität feiern, da die Pandemie-Beschränkungen nachließen und fast alle Häuser wieder Live-Schauen veranstalteten.
Die kreischenden Fans, die sich vor den Veranstaltungsorten in Paris versammelten, um Stars wie Bella Hadid, Serena Williams und eine hochschwangere Rihanna zu begrüßen, waren eindeutig guter Stimmung.
Aber ungeachtet der Weltereignisse, waren viele Designs ohnehin eher dunkel gehalten. Die seidigen Kleider, eleganten Anzüge und Kunstpelzmäntel von Saint Laurent waren fast alle pechschwarz.
Hermès, Rochas, Givenchy, Isabel Marant – alle entschieden sich für weitgehend monochrome und düstere Farben.
Selbst der US-Designer Rick Owens, dessen Show von Vice als „transzendental“ gelobt wurde, nahm Änderungen vor. Seine wilden, apokalyptischen Entwürfe werden in der Regel von ohrenbetäubendem Techno- und Industrielärm untermalt. Diesmal jedoch entschied er sich für Mahlers 5. Symphonie: „Ein Stück, das ich in der Vergangenheit als zu sentimental empfunden hätte, das aber besser zu der Nüchternheit und der Suche nach Hoffnung in unserer aktuellen Situation passt“, so der Designer. (AFP)
Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ.