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Seine Band landete Welthits wie "Kriminaltango", war dreimal offizielle Olympia-Kapelle und soll den Videoclip erfunden haben.
Am Sonntag feierte der Schweizer Trompeter, Komponist, Arrangeur und Bandleader Hazy Osterwald in Luzern seinen 85. Geburtstag.
Bis vor wenigen Jahren ging er noch mit mehreren Formationen - so den "Entertainers" und dem "King of Swing Orchestra" - auf Tournee. Doch mittlerweile verzichtet er auf öffentliche Auftritte.
Trotz der Parkinson-Krankheit könnte er noch spielen. Nur Stehen geht nicht mehr gut. Und wie Lionel Hampton im Rollstuhl auf die Bühne gekarrt werden, das mag er nicht.
Wenn er heute noch einmal wählen könnte, würde er nicht mehr Musiker werden, sagt er. Heute sei Musik leider keine Kunst mehr, sondern nur noch Handwerk.
"Hazy" wurde am 18. Februar 1922 in Bern als Rolf Erich Osterwalder geboren. Das Alias verdankt er seinem Vater Adolf, einem Fussballspieler, der von seinen Fans "Osterhäsi" oder kurz "Häsi" gerufen wurde.
Auch der Sohn wurde "gehäselt". Sein britischer Schatz Jane erfand schliesslich 1939 die Schreibweise "Hazy".
Vorbild Teddy Stauffer
"Was macht Mayer auf dem Himalaja?", eines der wenigen Lieder, die sein Vater auf dem Klavier spielen konnte, brachte den Jungen zur Musik.
Das Klavier wurde auch sein erstes Instrument. Bis es ihn nervte, immer im Hintergrund zu spielen. Also kaufte er sich eine Occasions-Trompete.
Am Konservatorium studierte er Harmonielehre und schon nach einem Jahr leitete er das Gymnasiumsorchester und schrieb Arrangements für den berühmten Teddy Stauffer.
1941 startete er gleich nach der Matur-Feier seine Profi-Musikerkarriere als zweiter Trompeter in der berühmten "Fred Böhler Big Band".
Und die Kripo kann nichts finden
1944 hatte Hazys eigene 8-köpfige Band in Bern ihren ersten Auftritt. Eine zur Big Band erweiterte Formation war den Veranstaltern zu teuer, also wurde 1949 das legendäre "Hazy Osterwald Sextett" gegründet.
Dem Zeitgeist immer einen Schritt voraus, wurde Osterwald zum eigentlichen Pionier der modernen Musik- Shows.
Es folgten Engagements in Skandinavien und Grossbritannien, mehrere deutsche Fernsehfilme, Dauergastrecht im deutschen Schaugeschäft, ausverkaufte Gastspiele im Pariser "Olympia", 900'000 verkaufte "Kriminaltangos".
Der Welthit über Jacky Brown und Baby Miller, die in der Taverne (dunkle Gestalten! Rote Laterne!) Tango tanzen, als das Licht ausgeht, ein Schuss fällt und ein Herr mit Kneifer das Zeitliche segnet, bot sich geradezu an für eine Mini-Verfilmung: So entstand einer der frühesten Videoclips der Musikgeschichte.
Schwierige 1980er Jahre
1960 folgte dem "Kriminaltango" der "Konjunktur Cha-Cha" mit beinahe ebenso grossem Erfolg und 1966 "Der Fahrstuhl nach oben ist besetzt".
1970 kam die erste von mehreren US-Tourneen, nun als neue Formation "Hazy Osterwald Jetset". An drei Olympischen Spielen war Hazys Band offizielles Olympia-Orchester: 1964 und 1976 in Innsbruck, 1972 in München.
Dazu wirkte sie als Begleitorchester unter anderen für Udo Jürgens, Catarina Valente, Bibi Johns, Gilbert Bécaud oder Sacha Distel. Multiinstrumentalist Osterwald (Trompete, Piano, Vibraphon und Schlagzeug) zog dabei auch stilmässig sämtliche Register.
Die frühen 1980er-Jahre waren Osterwalds schwärzeste Zeit: Seine Nachtklubkette "Hazyland" rentierte schlecht, seine zweite Frau, die Sängerin Ema Damia, nahm ihn bei der Scheidung aus.
Er musste seine Villa in Feldmeilen verkaufen und gegen eine Dauersuite im Hotel National in Luzern eintauschen. Mittlerweile wohnt er mit seiner dritten Frau Eleonor alias "Sunday" in einer 7- Zimmer-Blockwohnung.
swissinfo und Irene Widmer, sda