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Reiner Eichenberger und David Stadelmann haben vor kurzem (NZZ vom 3. Januar 2020) ein Positionspapier für eine in allen Ländern der Welt gleich hohe Abgabe auf Treibhausgasemissionen veröffentlicht. Die Abgabe würde mit 40 Franken pro Tonne CO2eq eingeführt und allmählich auf 75 Franken im Jahr 2030 angehoben, und dann wahrscheinlich auf diesem Niveau belassen. Dieser Abgabesatz ist nicht darauf ausgerichtet, dass fossile Brennstoffe in einem bestimmten Tempo aufgegeben werden oder die Erwärmung auf einem bestimmten Niveau stabilisiert wird, sondern darauf, dass externe Kosten internalisiert werden. Die Idee ist, dass, wenn die Emittenten von Treibhausgasen für den Schaden, den ihre Emissionen verursachen, zahlen würden, sie die richtigen Entscheidungen treffen würden. Dieses Prinzip der Kostenwahrheit ist seit einem Buch des englischen Ökonomen Arthur Pigou aus dem Jahr 1920 bekannt.
Zur Erinnerung: Der Bund erhebt seit 2008 eine Lenkungsabgabe auf CO2-Emissionen. Im Jahr 2014 hat sie die von Eichenberger und Stadelmann empfohlenen 40 Franken überschritten. Seit 2018 wird sie mit 96 CHF pro Tonne erhoben. Da sie nur auf einen Teil der CO2-Emissionen erhoben wird, hauptsächlich auf Heizöl, das von Haushalten verwendet wird sowie von Unternehmen, die nicht von einer Befreiungsmöglichkeit profitieren, stellt diese Abgabe eine durchschnittliche Belastung von 34 CHF auf alle CO2-Emissionen aus Energiequellen dar. Bezogen auf die gesamten Treibhausgasemissionen beträgt der durchschnittliche Abgabesatz sogar nur 24 CHF pro Tonne. Der Vorschlag von Eichenberger und Stadelmann würde eine Halbierung der CO2-Abgabe auf Heizöl und die Ausweitung auf alle Formen von Treibhausgasemissionen bedeuten. Für Kraftstoffe würde sie 9,3 Rappen pro Liter Benzin und 11,1 Rappen pro Liter Diesel betragen.
Das Problem mit einfachen Vorschlägen ist, dass sie oft nur dann einfach sind, wenn eine große Anzahl von Realitäten ignoriert wird. Ich möchte nur auf eine eingehen: die Schwierigkeit, die Kosten unserer Treibhausgasemissionen abzuschätzen, also die Kosten, die den Emittenten dieser Gase zu belasten ist, damit sie die Klimaauswirkungen ihrer Entscheidungen richtig berücksichtigen und damit Produkte und Aktivitäten mit hoher Klimawirkung kostengerecht verteuert werden.
Um die Schwierigkeit der Schätzung dieser Kosten zu veranschaulichen, gestatten Sie mir, eine Parabel zu verwenden. Stellen wir uns vor, ein Kind muss sein Dorf für eine lange Reise zu Fuß verlassen. Die Dorfbewohner haben ihm einen Sack mit Steinen auf den Rücken gebunden. Bei fortgehen, fügen der Bäcker und alle anderen Dorfbewohner einen weiteren Stein hinzu. Auf seiner Reise wird dieses Kind durch andere Dörfer gehen, wo neue Steine in seinen Sack gelegt werden. Wieviel wird des Bäckers Stein ihm unterwegs wiegen? Das wird davon abhängen, wie viele Steine die anderen hinzugefügt haben und auf dem Weg noch hinzugefügt werden. Kämen keine weiteren Steine in den Rucksack, wäre des Bäckers Stein kaum spürbar. Wird der Sack mit der Zeit aber sehr schwer, dann zählt jeder Stein. Die Last eines Steins hängt nicht nur von den Steinen der anderen Dorfbewohner ab, sondern auch davon, ob das Kind schwach bleibt oder ein starker Mann wird. Und vom technischen Fortschritt: Vielleicht hilft ihm eines Tages eine am Rucksack befestigte Drohne, ihn zu tragen, vielleicht auch nicht.
Dasselbe gilt für die Treibhausgasemissionen. Die Belastung (oder die sozialen Kosten) für die heutigen und zukünftigen Generationen jeder in der Schweiz oder anderswo in der Welt emittierten Tonne könnte gering sein, wenn sie zu den letzten Tonnen gehören würde, die vor dem grossen Emissionsrückgang emittiert wurden, wenn alle vom Klimawandel betroffenen Länder trotzdem immer wohlhabender würden und sich schützen könnten und wenn die Technologie bald CO2 aus der Atmosphäre extrahieren und zu geringen Kosten abscheiden könnte. Es sind dies die Annahmen der Modelle, die zu der Empfehlung einer Kohlenstoffsteuer von einigen Dutzend Franken führen. Wenn andererseits die Emissionen weiter steigen, wenn dies das Klima massiv stört und die ärmsten Länder daran hindert, sich schnell genug anzupassen, und wenn dies menschliche Tragödien und Massenmigration verursacht, dann wird jeder Beitrag zu dieser Katastrophe, selbst mit nur wenigen Tonnen, schwerwiegend sein. Schätzungen erreichen Tausende von Francs pro Tonne. Ein “konservatives” Szenario geht davon aus, dass sich die Emissionen stabilisieren und dann allmählich zurückgehen, dass die optimistischen Annahmen der Klimatologen betreffend Klimawirkungen der Treibhausgaskonzentration stimmen, dass die Weltbevölkerung sich stabilisiert und dass Wirtschaftswachstum anhält. In diesem Szenario betragen die sozialen Kosten der Tonne CO2eq etwa 400 Franken (1).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine globale Steuer von 40 Franken pro Tonne CO2eq bereits ein außerordentlicher Schritt nach vorn wäre. Sie würde aber vor allem die ärmsten Bevölkerungsgruppen zwingen, ihre Emissionen zu reduzieren, für die 10 Rappen pro Liter Treibstoff eine echte Belastung darstellen. Die wohlhabende Bevölkerung würde weiterhin Steine in die Rucksäcke der Kinder dieser Welt aufladen.
(1) Ricke, K., et al. (2018). “Country-level social cost of carbon.” Nature Climate Change 8: 895-900