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betraut worden. 1855 trat er als Hauptredakteur an die
Spitze des
»Journal des économistes«; auch leitete er kurze Zeit (1868-69)
den »Constitutionnel«. Neben zahlreichen kleinern Abhandlungen in der
»Revue des
DeuxMondes«, im
»Journal des Débats« etc.
schrieb er: »Manuel d'économie politique« (Par. 1857, 4. Aufl. 1878);
»Études de philosophie morale et d'économie politique«
(1858);
»Publicistes modernes« (2. Aufl. 1863);
»La liberté du travail« (1865);
»Elements d'économie rurale, industrielle
et commerciale« (1867);
»Économie politique populaire« (2. Aufl. 1876);
»Histoire du luxe privé et public« (1878-80, 4 Bde.; 2. Aufl.
1881);
»Les populations agricoles de la
France. La
Normandie« (1880) u. a., lauter durch
Sorgfalt ausgezeichnete
Arbeiten, in welchen Baudrillart eine freisinnige politische
Richtung vertritt.
1) die ungebundenen
Tagelöhner, die ohne ein festes
Dienst- und Arbeitsverhältnis gegen
Tag- undStücklohn
landwirtschaftliche
Arbeiten verrichten, sei es, daß sie mit etwas Grundbesitz angesessen sind, sei es, daß sie als sogen.
Einlieger lediglich zur
Miete wohnen;
Die frühere Unterscheidung zwischen Rittergut und
Bauerngut, welche sich darauf gründete, daß der
Besitz
eines Ritterguts ein Vorrecht des
Adels war, und daß damit gewisse sonstige Vorrechte, namentlich Steuerfreiheit, verbunden
waren, ist durch die moderne
Gesetzgebung beseitigt. Der Unterschied ist nicht mehr von politischer, sondern nur noch von
wirtschaftlicher Bedeutung, wenn sich auch noch manche privatrechtliche Eigentümlichkeiten der
Bauerngüter
bis in die neueste Zeit erhalten haben (s.
Bauerngut).
Bei den Völkern des
Altertums wurden
Ackerbau und
Viehzucht
[* 9] ursprünglich in hohen
Ehren gehalten.
Später kam bei den Griechen
der
Ackerbau in die
Hände der Sklaven; auch bei den
Römern wurde in späterer Zeit die
Landwirtschaft größtenteils den ärmern
Bürgern oder den Sklaven überlassen. Einen eigentlichen Bauernstand im heutigen
Sinn finden wir im
Altertum nicht. Erst unter
den germanischen Völkern entwickelte sich ein solcher. Als freier Mann wohnte der
Germane ursprünglich auf seinem
Los
(Allodium),
das ihm Unterhalt und Selbständigkeit sicherte. Allerdings fanden sich schon in der alten Zeit auch
unfreie
Personen, zu welchen vorzüglich die
Kriegsgefangenen gehörten. Allein von diesen
¶
mehr
Unfreien ist die Klasse derjenigen, welche wir nach Mösers Vorgang unter der Bezeichnung »Hörige« zusammenfassen, wohl
zu unterscheiden. Diese Hörigen sind nämlich die in den spätern Gesetzen liti, litones, auch lassi (lazzi) genannten Leute,
welche entweder von ihren Herren aus dem Zustand der völligen Unfreiheit entlassen, oder auch von einem
erobernden Stamm unterdrückt worden waren. Oft waren diese Liten wohl auch solche, welche sich freiwillig an einen Freien anschlossen
und Ländereien zum Bebauen gegen einen bestimmten Zins übernommen hatten.
Sie standen unter dem Schutz ihres Hofherrn und folgten ihm in den Krieg, nicht als freie Glieder
[* 11] des Heerbannes, sondern nur
als Dienstpflichtige. Folgen dieses Verhältnisses der Hörigkeit waren, daß die Liten bei Heiraten die Erlaubnis ihres Hofherrn
nachsuchen, beim Tode des hörigen Familienhauptes eine Abgabe geben, Zins entrichten mußten u. dgl. Diese ursprünglichen
Abhängigkeitsverhältnisse wurden infolge der Eroberungen und Wanderungen der germanischen Stämme bedeutend vermehrt, insofern
durch diese eine völlige Umgestaltung des Grundbesitzes herbeigeführt und das Entstehen eines privilegierten
Adels angebahnt wurde.
Neben dem Adel erhob sich aber bald eine zweite, der angestammten germanischen Freiheit nicht minder gefährliche Macht, der
Klerus und die Kirche. Die Macht der Sündenvergebung, welche die Kirche für sich in Anspruch nahm, spornte die Freigebigkeit
an und hatte zahlreiche Zuwendungen an Grundeigentum für die Geistlichkeit zur Folge. Dazu kam, daß die
kirchlichen Besitzungen eine verhältnismäßig friedliche Stellung einnahmen, ein Umstand, der vielfach freie Grundeigentümer
bestimmte, ihr Land derKirche zu übergeben und Zinsmänner derselben zu werden. So entwickelte sich nach und nach das sogen.
Hofsystem, dessen Grundzüge folgende waren: Die geschlossenen Gutskomplexe (villae curtes), in die
das flache Land zerfiel, enthielten Wohnungen und Ackerland und waren mit vollen Eigentumsrechten und mit den Gerechtsamen
an der unverteilten gemeinen Mark versehen.
Ein solcher Hofverband hieß curtis, während huba (Hufe) ein eingehegtes Stück Ackerland, welches jemand zur Bestellung übergeben
und von ihm eingehegt worden war, und mansus einen eigentlichen Bauernhof mit Gebäuden, Acker- und Weideland bezeichnete,
auf welchem eine Familie hinlänglichen Unterhalt fand. Auf diesen kleinern Gutsteilen saßen entweder hörige, eigne Leute
(mancipia), in welchem Fall sie mansi serviles hießen, oder freie Besitzer, an die sie verliehen waren, daher
mansi ingenuiles genannt; mitunter waren auch nur einzelne Morgen ausgebrochen und an eine Person verliehen (bonà solitaria,
Söltengüter).
Die Herren solcher Gutskomplexe aber, Adel und Klerus, pflegten sich das beste, vielleicht das ihre Wohnungen umgebende Ackerland
zu eigner Benutzung vorzubehalten, als die Sal-, Fron-, Freihube (mansus indominicatus). Sie hatten allein
echtes, volles Eigentum (terra salica, aviatica) und erwarben und besaßen es unter dem Schutz des Gemeinde- und des Gaugerichts,
während die hörigen Leute unmittelbar unter dem Hofrecht standen und vor derGemeinde durch ihre Hofherren vertreten wurden.
Der Meier (villicus), welcher die Aufsicht über die Güter führte, war der nächste Vorgesetzte der eignen
Leute. Bedeutende Modifikationen führte aber das inzwischen aufkommende Immunitätsverhältnis mit sich, d. h.
die Befreiung eines Bezirks von der Gerichtsbarkeit des Gaugrafen oder sonstigen ordentlichen Unterrichters. In diesem Fall nahmen
alle auf diesem eximierten Bezirk
wohnenden Leute an dieser Befreiung teil und wurden dadurch der drückenden Beamtengewalt
entzogen.
Viele Freie traten daher mit ihren Gütern in den Immunitätsbezirk einer Schutzherrschaft ein. Solche Schutzherrschaften waren
König, Adel und Geistlichkeit. Durch dieses Schutzverhältnis wurde natürlich die Zahl der in einer gewissen Abhängigkeit
stehenden Leute erheblich vermehrt. Deutlich unterschieden finden wir in den Urkunden aber nur folgende Klassen derselben: die
eigentlichen Leibeignen (servi, mancipia), die Liten (liti, litones, auch hovelingi), die hörigen Leute,
die freien Schutzgenossen, welche erst neuerlich hinzugetreten waren (cereales, Malmanen, Masmanen, auch Mundmanen), und deren
ursprüngliche und angeborne Freiheit in der ersten Zeit bei jeder Gelegenheit anerkannt wurde, und als eine Mittelklasse
die coloni, später Bauleute, Zinsleute genannt, welche besonders bei Kirchengütern vorkommen und ein
dem Eigentum nahekommendes Recht gehabt zu haben scheinen.
Die dinglichen Verhältnisse in den einzelnen Hofverbänden, die persönlichen Leistungen und die Stellung der Hofhörigen,
überhaupt dem Hofherrn gegenüber, wurden durch sogen. Hofrechte normiert. War aber schon in diesen Verhältnissen, wie sie
sich uns in der ersten Hälfte des Mittelalters in den germanischen Staaten und namentlich in dem großen
Frankenreich darstellen, eine bedeutende Beschränkung der gemeinen Freiheit enthalten, so nahm die bevorzugte Stellung des
Adels und des Klerus in der Folgezeit einen immer größern Umfang an, bis sich endlich die Herrschaft jener beiden bevorzugten
Klassen der Bevölkerung
[* 12] zu einer förmlichen Feudaldespotie steigerte.
Indessen sah sich der Klerus, dessen Grundeigentum namentlich zur Zeit der Kreuzzüge einen immer größern Umfang gewann, doch
auch veranlaßt, es mit Pachtverhältnissen zu versuchen, um die nötigen Ackerbauer zu gewinnen; und
zu ebendieser Maßregel war an vielen Orten auch der Adel genötigt, teils weil auch er Besteller für seine weiten Ländereien
brauchte, teils weil die ewigen Fehden und besonders die Kreuzfahrten Geld erforderten und sich für die größern Herrenhöfe,
wenn man sie auch veräußern wollte, nicht leicht Käufer fanden. Es wurden demnach von Klerus und Adel
mit den Bauern Pachtverträge abgeschlossen, welche die letztern dem Hörigkeitsverhältnis entrissen.