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Die Auswirkungen des Klimawandels verstärken die Gefährdung durch Naturereignisse in der Schweiz. Aufgrund der erhöhten Temperaturen, der steigenden Schneefallgrenze und der Veränderungen im Niederschlagsregime wird das Risiko für Hochwasser, Murgänge, Rutschungen und Sturzprozesse steigen. Um der erhöhten Gefährdung zu begegnen, muss das integrale Risikomanagement weiterhin konsequent umgesetzt werden.
Gemäss Klimaszenarien (CH2011) werden die mittleren Temperaturen in allen Regionen der Schweiz bis zum Jahr 2100 gegenüber den Durchschnittswerten von 1980-2009 voraussichtlich um drei bis fünf Grad ansteigen. Durch die Temperaturerhöhung steigt der Wasseranteil in der Atmosphäre an, was generell zu turbulenteren Prozessen führt. Diese können unvorhersehbare Folgen haben.
Im Sommer dürften die Niederschläge in der ganzen Schweiz um 20-30% abnehmen. Im Winter wird dagegen vor allem in der Südschweiz mehr Niederschlag erwartet. Es muss insbesondere im Winter, möglicherweise aber auch im Sommer, vermehrt mit Extremniederschlägen gerechnet werden. Niederschläge werden aufgrund der höheren Temperaturen vermehrt in Form von Regen statt Schnee fallen.
CH2014-Impacts - Auf dem Weg zu quantitativen Szenarien für die Folgen des Klimawandels in der Schweiz
Auswirkungen des Klimawandels auf die Naturgefahren
Grundsätzlich werden die Risiken durch Naturgefahren in der Schweiz vor allem durch die Zunahme von Infrastrukturwerten und Siedlungserweiterungen in Gefahrengebiete vergrössert. Aufgrund des Klimawandels ist künftig aber auch mit häufigeren und intensiveren Extremereignissen zu rechnen. Naturgefahren werden vermehrt auch in Gebieten und zu Jahreszeiten vorkommen, die bisher von Schadenereignissen verschont geblieben sind.
In der Strategie „Anpassung an den Klimawandel in der Schweiz" werden folgende Handlungsschwerpunkte im Bereich Naturgefahren beschrieben:
Zunahme des Hochwasserrisikos
Aufgrund der möglichen Zunahme der Niederschläge im Winter und dem gleichzeitigen Anstieg der Schneefallgrenze könnten im Winter die Hochwasser zunehmen. Auch im Frühling und im Frühsommer muss wegen der Überlagerung von grossflächiger Schneeschmelze und intensiven Niederschlägen mit einer Zunahme des Hochwasserrisikos gerechnet werden. Dadurch verändert sich die Gefährdung von Siedlungen, Infrastrukturen und landwirtschaftlichen Nutzflächen.
- Hochwasser im Alpenraum: Vor allem im Frühsommer ist das Risiko der Überlagerung von grossflächiger Schneeschmelze und intensiven Niederschlägen erhöht, was zu grösseren Abflüssen und zu einer erhöhten Überschwemmungsgefahr führt. In Gebirgsflüssen verstärken sich Erosion und Materialumlagerungen. Die zusätzliche Geschiebefracht aus höher gelegenen Einzugsgebieten wirkt sich bis in die Unterläufe aus. Bei Ausbruch eines Gletschersees oder eines Gewässers aus dem Gerinne kommt es im steilen Gelände oft zu dynamischen Überschwemmungen und einer beschleunigten Erosion.
- Hochwasser im Mittelland und Jura: Bezüglich des Abflusses spielen hier die oben genannten Ursachen die gleiche Rolle. Aufgrund des geringeren Gefälles und wegen der Alpenrandseen (Sedimentationsbecken) entstehen Gefährdungen unterhalb der Seen vor allem durch Überschwemmungen mit geringen Fliessgeschwindigkeiten (Wasser, Feinmaterial, aber kaum Geschiebe).
Abnahme der Hangstabilität
Ganzjährig gefrorener Boden (Permafrost) ist relativ stabil. Als Folge des Klimawandels wird sich aber das langsame Auftauen des Permafrosts fortsetzen und das Abschmelzen der Gletscher beschleunigen. Beides führt in Gebirgsregionen zu einer Destabilisierung von Felsflanken und Hängen aus Lockergestein. Rutschungen, Steinschlag, Felsstürze und Murgänge dürften deshalb in den kommenden Jahrzehnten häufiger auftreten und Siedlungen, Verkehrsinfrastrukturen sowie Gas- und Stromleitungen im Alpenraum gefährden. Insbesondere die starke Felssturzaktivität im Hitzesommer 2003 demonstrierte sehr eindrücklich die Rolle von schmelzendem Permafrost als Auslösefaktor für Naturgefahrenereignisse. Im August 2017 kam es am Piz Cengalo im Bergell zu einem grossen Bergsturz. Das Gesteinsmaterial wurde anschliessend in mehreren Murgängen bis ins Dorf Bondo transportiert.
Wie sich die Permafrostvorkommen entwickeln, untersucht das schweizerische Permafrostmonitoring PERMOS. Das Risiko von Hangrutschungen wird auch in tieferen Lagen durch den Anstieg der Schneefallgrenze und die mögliche Zunahme von Starkniederschlägen erhöht.
- Wildbachprozesse im Alpenraum: Wildbäche sind gekennzeichnet durch ihr Transportvermögen für grosse Mengen an Lockermaterial im Bachbett. Der Temperaturanstieg im Gebirge beschleunigt die Permafrostdegradation, den Gletscherrückzug und die Verwitterungsprozesse. Dabei wird die Mobilisierung von Lockermaterial verstärkt. Die Veränderung des Niederschlagsregimes bewirkt zudem grössere und variablere Abflüsse und häufigere spontane Rutschungen. Dadurch steigt die Geschiebezufuhr in die Gebirgsflüsse. Die Wahrscheinlichkeit von Schlamm- und Gerölllawinen (Murgängen), welche zu Schäden an Gebäuden und Infrastrukturen führen können, nimmt zu.
- Sturzprozesse im Alpenraum: Änderungen in der Frostwechselhäufigkeit, länger dauernde Hitzeperioden und heftige Niederschläge beeinflussen die Verwitterungsintensität bzw. verstärken diese tendenziell, was vielerorts zu erhöhter Steinschlagaktivität führen kann. Stärkere Schwankungen des Wasserspiegels in Felsklüften können zu einer verstärkten Felssturzaktivität führen. Gletscherschwund und auftauender Permafrost tragen in den oberen Höhenstufen zu einer grösseren Sturzaktivität bei.
Massnahmen des Bundes zur Anpassung an den Klimawandel im Bereich Naturgefahren
Die Lehren und Erkenntnisse aus den Ereignissen der letzten Jahrzehnte bilden die Grundlage für die aktuellen Gesetze und die von der Nationalen Plattform Naturgefahren PLANAT formulierte Strategie 2018 «Umgang mit Risiken aus Naturgefahren», welche die Anpassungsfähigkeit der Schweiz als eines ihrer vier Ziele nennt.
Um auf Stufe Bund noch gezielter mit diesen Herausforderungen umzugehen, wurde der Aktionsplan 2014-2019 zur Anpassung an den Klimawandel in der Schweiz verabschiedet. Für den künftigen Umgang mit Naturgefahren wurden folgende Schwerpunkte identifiziert, in welchen zusätzliche Anstrengungen nötig sind:
- Monitoring der Gefahrenprozesse sicherstellen
- Gefahren und Risiken kennen
- Schutzmassnahmen robust und anpassbar auslegen
- Raumplanerische Massnahmen umsetzen
- Naturereignisse erfolgreich bewältigen
- Naturgefahrenbewusstsein, Ausbildung und Forschung im Bereich Naturgefahren stärken
- Bedeutende Ereignisse und deren Bewältigung analysieren
Anpassung an den Klimawandel im Sektor Umgang mit Naturgefahren (PDF, 138 kB, 10.01.2012)Beitrag des BAFU zur Anpassungsstrategie des Bundesrates
Letzte Änderung 22.10.2018