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DVD-Review: Argentinier können nicht nur Fussballspielen
26. November 1956: Revolutionsführer Fidel Castro (Demián Bichir) nimmt vom mexikanischen Asyl aus Kurs auf sein Heimatland Kuba. Mit ihm an Bord sind rund 80 weitere Freiheitskämpfer, darunter auch der argentinische Arzt Ernesto "Che" Guevara (Benicio del Toro). Mit Castro verbindet ihn der unbeugsame Wille zur Freiheit und das Ziel, das korrupte Regime des Machthabers Fulgenico Batista zu stürzen.
Der Idealist und unerschrockene Kämpfer Guevara wird in Castros Guerrilla-Truppe bald zur unverzichtbaren Schlüsselfigur. Als die Guerrilla schliesslich die Oberhand gegen Batistas Truppen gewinnen, wird Che, mittlerweilen in den Rang eines comandante erhoben, zum grossen Held der Revolution - und zum Industrieminister in der neuen Regierung Castros.
Wer den Namen Che Guevara noch nie gehört hat, wohnt wahrscheinlich auf dem Mond. Der Argentinier prangt auf vielen Flaggen wie auch auf T-Shirts als Symbol für die Revolution. Doch wer ist dieser Che eigentlich? Wer sich erhofft, in Steven Soderberghs Film Che Grundlegendes über Che Guevara zu erfahren, wird enttäuscht sein. Soderbergh setzt einiges an Vorwissen voraus, und ohne dieses ist der Zuschauer sehr schnell aufgeschmissen.
Der erste Teil des Zweiteilers befasst sich mit dem Aufstieg Guevaras. Doch leider gewichtet Soderbergh seinen Film seltsam. Ches Beweggründe werden viel zu wenig beleuchtet, viel mehr fokussiert er sich auf das Soldatensammeln im Dschungel. Viele Szenen wiederholen sich, und so kommt der Film einfach nicht vom Fleck. Eingeschobene Szenen, in denen Guevara vor der UNO spricht, wirken deplatziert und bremsen den Film eher, als es das Werk weiterbringt. Soderbergh wäre besser bedient gewesen, wenn er die Geschichte chronologisch erzählt hätte und auf Einschübe verzichtet hätte.
Oscarpreisträger Benicio Del Toro spielt die Rolle des Che Guevara. Er macht seine Sache recht gut, auch wenn er mit grosser Zurückhaltung spielt. Er wirkt eher wie ein Puzzleteil in einem Gesamtwerk und dominiert keine seiner Szenen, sondern ist "nur" ein Teil der Gruppe. So kann man wohl Che am besten spielen: als Teil eines grossen Ganzen.
Che: Part One - The Argentine ist ein anstrengendes Werk für alle Che-Neulinge. Leute, die sich vermehrt mit Guevara auseinandergesetzt haben, werden Freude haben an all den kleinen Szenen, in denen Che gezeigt wird, wie er freundlich, aber auch mit einem ungehörigen Siegeswillen gezeigt wird. Leute, die von Guevara nicht viel mehr kennen als sein Bild auf T-Shirts, werden besser aufgehoben sein bei einer Geschichtslektüre. Grosse Erklärungen liefert der erste Teil nämlich nicht. Statt zu erläutern, wird einfach nur gezeigt. Das macht es sehr anstrengend, der Geschichte zu folgen, und das "Wer hat jetzt Wie und Warum" ist sehr schwer zu beantworten. Das Ganze ist also eher für Kenner.
Die DVD beinhaltet den Film in der deutschen Version wie auch in der spanischen Originalfassung. Der Ton ist sehr zurückhaltend, und die Rears werden nur manchmal bei Szenen in den Wäldern benutzt. Dann zirpt es aber schön auf allen Boxen. Das Bild ist ok, jedoch bei den UNO-Szenen gewollt von "rauschiger" Qualität. Als Extras hat man einen 30-sekündigen Trailer parat. Wer unter dem Menüpunkt "Interview" Benicio Del Toro oder Steven Soderbergh erwartet, wird enttäuscht sein. Es kommt nämlich Composer Alberto Iglesias zu Wort. Soderbergh findet man aber auch noch auf der DVD. Unter dem Menüpunkt "Making-of" findet man ihn, wie er etwas von Che erzählt. Dieses Extra wäre aber besser bei den Interviews aufgehoben gewesen. Denn Szenen vom Set, wie man sie bei einem Making-of erwarten könnte, sieht man nicht. Da wird wohl bald eine Special Edition mit tonnenweise Material auf uns zu kommen, denn diese DVD ist extratechnisch gesehen sehr schwach.
Christoph Schelb [crs]
Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.