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Karte des bernischen Staatsgebiets von Thomas Schoepf 1578
Die grosse Leistung, die der Stadtarzt Thomas Schoepf 1578 mit der Herausgabe der ersten grossen bernischen Staatskarte im Massstab zwischen zirka 1:85‘000 und 1:115‘000 erbrachte, blieb im 17. Jahrhundert unübertroffen. Weniger bekannt sind ebenfalls überlieferte Handschriften, wobei diejenige, die sich der Berner Burrgerbibliothek befindet, nun vom Lateinischen ins Deutsche übersetzt wurde. Prof. Martin Korenjak kündigte in Heft 47 der Fachzeitschrift Cartographica Helvetica eine Übersetzung an, die inzwischen durch Frau Theresa Rothfuss erfolgte und online zugänglich ist. Aufgrund dieser Übersetzung sind nun weitergehende Untersuchungen zum Gehalt der Schoepf-Karte leichter möglich.
Die Karte wurde von der bernischen Obrigkeit wohl gefördert, sie entstand jedoch nicht auf deren Auftrag hin. Von den vielfältigen Argumenten, mit denen Thomas Schoepf in seinem handschriftlichen Kommentar die Veröffentlichung seiner Karte begründete, sollen hier nur kurz einige herausgegriffen werden:
Thomas Schoepf, der als Stadtarzt hauptberuflich mit Krankheiten und Schmerzen der Menschen beschäftigt war, wollte etwas Nützliches für das allgemeine Leben schaffen. Er hatte Freude an dieser Nebenbeschäftigung, die er in seinen Mussestunden ausübte und erhob den Anspruch, dem Betrachter der Karte diese Freude weiterzuvermitteln: Das Nützliche und das Angenehme sollten eine Verbindung miteinander eingehen.
Schoepf ging davon aus, dass die Karte allen Frommen dieser Welt die Grösse Berns zeigte, eines Staatswesens, das der Kirche Schutz und vielen Verfolgten Asyl gewährte. Diese Frommen würden daher den Staat in ihre Gebete einschliessen und ihm so Dauer verleihen. Er meinte, die Karte sei auch nützlich für die staatliche Verwaltungstätigkeit: Die Obrigkeit regiere am besten, wenn sie ihr Herrschaftsgebiet und die Lebensbedingungen ihrer Untertanen kenne. Mit dem Begriff «tabula arctographica» </em>(Bären beschreibende Karte) stellte Schoepf in seinem Kommentar zudem den Bezug zum Sinnbild bernischer Staatlichkeit her.
Da die Karte als Grundlage beziehungsweise als Primärkarte für viele Nachfolgekarten herangezogen wurde, prägte die Meisterleistung von Thomas Schoepf das bernische Kartenbild für lange Zeit. Das Kopieren beziehungsweise Kompilieren von gedruckten Karten entsprach den damaligen Gewohnheiten.
1638 veröffentlichte zum Beispiel Joseph Plepp als Kartenautor eine wesentlich verkleinerte und vereinfachte Ausgabe der Karte von Schoepf, wobei er die Südorientierung der Karte beibehielt. Der Massstab variiert zwischen zirka 1:300 000 und 1:400 000. Als Maler, Feldmesser und Architekt brachte Plepp die Fähigkeiten und das notwendige Verständnis für das anspruchsvolle Vorhaben mit, die 18 Kupferplatten umfassende Wandkarte von Schoepf auf das gängige Landkartenformat zu reduzieren.
Abb.: Ausschnitt aus der Wandkarte des bernischen Staatsgebietes von Thomas Schoepf, 1578, Blatt 9/10, Kupferdruck, Karte online