Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03525.jsonl.gz/1549

Neues Leben! (1988-2001)
Im Juli 2001 besuchten wir den Mount St. Helens zum zweiten Mal und versuchten, so viele Orte wie möglich wieder zu finden, von wo aus wir 1988 Fotos aufgenommen hatten. Infolge des raschen Wachstums der Vegetation war das nicht immer so einfach, wie wir uns das vorgestellt hatten. Für eine erste grobe Annäherung gebrauchten wir Triangulations-Techniken; für die Lokalisation des exakten Kamerastandortes waren wir dann zum Beispiel auf auffällige Steine oder Baumstrünke angewiesen.
Beim Lahar Viewpoint: Von allen besuchten Orten, war dieser hier für uns der eindrücklichste. Ein richtiger kleiner Wald hat sich retabliert, und bald wird von hier aus der Mount St. Helens nicht mehr sichtbar sein. Der grosse Stamm im Vordergrund stammt von einem Baum, der vom Lahar gefällt wurde. Derselbe Schlammstrom verursachte auch die Bresche im Wald im Hintergrund.
Lahar Viewpoint: Die Zerstörungen aus dem Jahr 1980 stammen nicht von der Explosion und ihrer Druckwelle (diese war gegen die andere Seite, gegen Norden gerichtet), sondern von einem Lahar. Dieser Schlammstrom wurde hauptsächlich durch das Schmelzen des Shoestring-Gletschers ausgelöst, dessen Überreste man unterhalb des markanten Einschnitts im Kraterrand noch erkennen kann. Die Verbotstafel wurde unterdessen entfernt, aber nicht die Steine am Boden: Wir stehen tatsächlich exakt am selben Ort wie 1988!
Mount St. Helens vom Independence Pass aus. Innerhalb des von Explosion und Druckwelle direkt betroffenen Gebiets scheinen die Veränderungen aus der Distanz unspektakulär. Trotzdem ist die Begrünung der Hänge in der Bildmitte, wo tausende junger Bäume nachwachsen, beachtlich. Weniger tut sich oberhalb der natürlichen Waldgrenze, und der Berg ist unterdessen auch zu niedrig, um die Bildung grösserer Gletscher zu ermöglichen.
Auf dem Pfad von der Strasse zum Spirit Lake. Sind diese Bilder vertauscht? Tatsächlich ist das rechte das jüngere der beiden! Die Baumstämme, die rechts noch stehen, sind unterdessen umgefallen, weil sie auf sehr instabilem Untergrund, einer Hangrutschung standen: die Erde bewegt sich langsam, aber stetig abwärts. Die lebenden Bäume haben Neigung und Bewegung ausgeglichen, die abgestorbenen aber sind umgefallen und haben nur kurze Stümpfe hinterlassen.
Nähe Spirit Lake Nordostufer. Hier stehen wir auf einer Geländeterrasse, einige Dutzend Meter über dem Seespiegel. Trotz der Höhendifferenz hat eine durch die eruptive Explosion ausgelöste, gigantische Flutwelle diesen Platz überspült und sämtliche Bäume sowie deren Stümpfe fortgerissen. Die ersten Pionierpflanzen 1988 waren hier Lupinen. Unterdessen ist die Vegetation vielfältiger geworden, auch Lärchen sind dazu gekommen.
«Miner's Car». Dieses Autowrack befindet sich beim Meta Lake, ungefähr 15 km vom Krater des Mount St. Helens entfernt. Die Besitzerfamilie war auf Verwandtenbesuch in der Nähe des Meta Lake, als sich die grosse Eruption 1980 ereignete. Keiner von ihnen hat überlebt. Um Souvenirjäger abzuhalten, wurde ein Zaun installiert, später aber wieder entfernt, und das Leben ist auf unerwartete Weise zurückgekehrt: 2001 beobachteten wir Streifenhörnchen, die sich den Wagen als Versteck ausgesucht hatten.
Vegetationsentwicklung am Morteratschgletscher
Eine ähnlicher Fotovergleich wurde im Gletschervorfeld Morteratsch durchgeführt. Das entsprechende Material befindet sich auf Glaciers online.