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Wer den Namen 30 St Mary Axe in London hört, kann damit vermutlich nichts anfangen. Wenn man jedoch ein Bild des Gebäudes, das sich hinter diesem offiziellen Namen versteckt, sieht, ist es einem doch bekannt. Die Gurke in der City of London. 30 St Mary Axe ist seine Adresse. Die namensgebende Kirche liegt unweit des Gebäudes und wirkt neben der Gurke wie ein kleines Häufchen. 30 St Mary Axe beherbergt die Londoner Büros des Schweizerischen Rückversicherungskonzerns Swiss Re, befindet sich aber in Eigentum eines deutschen Immobilienkonzerns.
Der Bau an sich
Der Wolkenkratzer umfasst 41 Stockwerke und reckt sich insgesamt 180 Meter in die Höhe. In der City of London gibt es nur zwei Bauten vergleichbarer oder immenserer Höhe, der nur drei Meter höhere 42 Tower (ehem NatWest Tower) und der erst 2011 fertiggestellte Heron Tower mit 230 Metern Höhe. Sehr interessant an der Bauweise ist zudem, dass die insgesamt über 40’000 m2 Büroflächen wie ein Donut ringförmig angelegt sind, in der Mitte sind Einrichtungen zur Versorgung der Stockwerke mit Wasser und Energie angebracht. Die Öffnung und Schliessung der rhombusförmigen Fenster erfolgt per Fernsteuerung. Erstellt wurde es von der schwedischen Skanska mithilfe eines österreichischen Stahlbauunternehmens. Die gurkenähnliche Form dient dazu, die Luftturbulenzen zu verringern. Da die Bauherrschaft auf Energieeffizienz und Nachhaltigkeit bestand, verbraucht der Turm nur halb so viel Energie wie andere Hochhäuser vergleichbarer Höhe. Durch eine spezielle Verglasung wird im Sommer warme Luft aus dem Gebäude abgegeben und im Winter wird das Gebäude durch passive Solarheizung aufgewärmt.
Im 40. Stockwerk befindet sich eine Bar für die Büromieter und ihre Gäste, welche einen Panoramarundblick bietet. Im 38. und 39. Stockwerk werden Restaurants betrieben.
Für den Bau wurden über 10’000 Tonnen Stahl verwendet. Wie man an der Form der Fenster ansieht, besteht das Gebäude aus einem schraubenähnlichen Tragwerk. Ebenfalls ist das Tragwerk an den etwas dunkleren Fenster, die sich als durchgehendes Band zur Turmspitze hochschlängeln, erkennbar.
Bis 2007 war die Swiss Re Eigentümerin des Baus, veräusserte ihn dann aber für 630 Millionen Pfund (damals rund 1,5 Milliarden Franken) an die deutsche IVG Immobilien, ist aber bis heute mit rund 48% immer noch Hauptmieterin. Durch die Verkaufssumme avancierte der Wolkenkratzer zum teuersten Bürogebäude Grossbritanniens.
Standort und Umgebung
Der Bau entstand nach Plänen des Architekturbüros Foster + Partner, hinter dem der weltberühmte Stararchitekt Norman Foster steht, zwischen 2001 und 2004. An derselben Stelle befand sich bis zum Freitag, 10. April 1992 die Gebäude der Baltic Exchange, ehe diese durch eine Autobombe der IRA zerstört wurde. Die Namen der drei damals ums Leben gekommenen Personen sind heute in eine Mauer neben der Gurke eingraviert. Foster hatte für dieselbe Stelle bereits den 386 Meter hohen Millenium Tower geplant, ehe dieses Projekt jedoch storniert wurde. 30 St Mary Axe ist eine kleinere Ausgabe des Millenium Tower, der vom Guardianden Spitznamen Erotik Gherkin aufgrund seiner penisähnlichen Form verpasst bekam. Der Grund für den Abbruch des Projekts waren Vorbehalte des Londoner Flughafens Heathrow aufgrund der Höhe, welche die Anflugschneise behindert hätte. Rund um das Gebäude ist ein Vorplatz angelegt; sowohl in der Umgebung als auch im Erdgeschoss des Gebäudes sind Detailhandelsgeschäfte und Restaurants untergebracht.
In der Nähe befindet sich zudem das Lloyds Building der Lloyds TSB, welches ebenfalls mit einer extravagenten Architektur aufwartet und genauso wie 30 St Mary Axe Bestandteil unserer Sommerserie sein wird.
Die Gurke in der populären Kultur
30 St Mary Axe spielte eine gewichtige Rolle in Basic Instinct 2 mit Sharon Stone in der Hauptrolle, der jedoch floppte. Ebenfalls taucht es in Woody Allen’s Match Point und in Harry Potter und der Halbblutprinz auf. Seit Februar 2010 sendet der britische Nachrichtensender Sky News seine Wirtschaftssendung Jeff Randall Live aus dem Hochhaus.
Wissenswertes
- Der von Jean Nouvel geplante, 2005 vollendete Torre Agbar an der Avinguda Diagonal im katalanischen Barcelona hat eine ähnliche Form, ist aber „nur“ 144 Meter hoch.
- 2004 wurde der Bau mit dem RIBA Stirling Prize for Architecture ausgezeichnet.
- Die Gurke ziert das Cover des Buches London Architecture von Daniela Santos Quartino
Warum der Bau Teil der Sommerserie ist
Mit gefällt der Bau eigentlich weniger wegen seiner extravaganten und vielleicht provozierenden Form, sondern wegen der Bauweise selbst. Aufgrund der schraubenförmigen Tragwerks haben die Etagen einen kreuzförmigen Grundriss mit einem Loch in der Mitte. Die Gurke siehr so wie darüber gestülpt aus. Dies ist auch im Erdgeschoss sehr gut zu erkennen, der Eingang zu den Ladengeschäften ist ein weiss angemalten Betonwänden eingebaut, die Glasfassade ist dort mit rautenförmigen Stahlträgern mit dem Boden verbunden. Er ist einfach anders als „normale“ Wolkenkratzer.