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In den Gemäuern eines Klosters von dem die Menschen glaubten, es sei für die Ewigkeit gebaut worden, lebten einst viele Mönche beisammen. Täglich trugen sie ihre Andachten vor und die wunderbaren Klänge ihres Gesangs waren im ganzen Land bekannt. So fanden sich auch immer wieder junge Novizen ein, die von den alten Mönchen lernen wollten.
Doch die Zeit veränderte nicht nur die Welt draussen, sondern auch im Inneren der Klostermauern. Niemandem war es zuerst aufgefallen und keiner konnte sagen, woran es lag. Es schien als wäre die Freude aus den Herzen der Mönche gewichen und selbst die dicken Klostermauern hatten ihr Entschwinden nicht verhindern können. Obwohl es immer noch dieselben Melodien waren, fanden die Klänge ihren Weg zu den Herzen der Menschen nicht mehr und so wurden mit der Zeit auch die Novizen seltener.
Der Vorsteher und die alten Mönche sorgten sich und versuchten zu ergründen, was die Ursache für dieses Geschehen sein konnte. Doch niemand fand eine Antwort und so machte sich der Vorsteher schliesslich auf den Weg, einen Weisen aufzusuchen. Als er ihn traf, fragte er ihn sogleich: ”Sag mir bitte, was ist der Grund, weshalb die Freude von uns ging?“
Der Weise dachte einen Moment nach und entgegnete dann bestimmt: ”Einer von euch ist der Messias.“ Der Vorsteher des Klosters erschrak bei dem Gedanken, dass er den Messias übersehen haben könnte, obwohl dieser doch in seinem Kloster lebte. Aufgeregt fragte er: ”Bist du sicher? Aber wer ist es denn? Etwa der Pförtner, der Glöckner, der Koch oder der Gärtner?“ Doch der Weise lächelte ihn nur freundlich an und schwieg.
So kehrte der Vorsteher zum Kloster zurück, rief sogleich alle zusammen und erzählte ihnen, was der Weise ihm gesagt hatte. Den Mönchen erging es ähnlich wie vorher ihrem Vorsteher und gespannt fragten sie: ”Ja, und? Wer ist es denn?“ ”Hmm ...,“ sann der Vorsteher ”das hat er nicht gesagt. Aber auf jeden Fall hat er sich gut verkleidet, denn es muss einer von uns sein.“
Die Mönche sahen einander an und versuchten zu erkennen, wer vor ihnen stand. Sie begegneten sich von nun an mit grosser Aufmerksamkeit und so wuchs der Respekt und die Zuneigung unter ihnen täglich. Jeder war bemüht, dem anderen hilfreich zu sein, denn er hätte ja den Messias vor sich haben können. Auf diese Weise kehrte die Freude wieder in das Kloster und die Herzen der Menschen zurück. Das aber liess auch die alten Klänge wieder erwachen und bald schon fanden sich wieder neue Novizen ein, welche die Kunst dieser Gottesandachten selber erlernen wollten.
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”Wenn du immer in der Person, die neben dir sitzt, den Messias vermutest, der auf etwas Menschlichkeit hofft, dann wirst du lernen, deine Worte abzuwägen und deine Hände zu beobachten. Und wenn er sich entscheidet, sich nicht in deiner Zeit zu zeigen, dann wird das keine Rolle spielen.“
(Rabbinisches Sprichwort)