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Declaración Conjunta
Die“Gemeinsame Erklärung“ von Argentinien und Grossbritannien
Die Schwierigkeiten bei diesem Thema treten nicht nur beim Kopieren der hellblauen Nebenstempel auf, sie beginnen eigentlich schon mit dem Titel. Soll nun der spanische Text „Declaracion Conjunta“ oder der englische „Joint Declaration“ zuerst genannt werden? Berufen wir uns auf unsere Neutralität in dieser Angelegenheit und übersetzen den Titel ins Deutsche: „Gemeinsame Erklärung“. Das trifft zumindest die uns interessierenden Punkte, nämlich die Verbesserung der Kommunikation des 1971 zwischen Argentinien und England geschlossenen Vertrages. Die damals so wichtigen politischen Punkte können wir nach über 25 Jahren längst wieder vergessen. Der Krieg von 1982 hat sie hinweggefegt. Ob dabei die verantwortlichen Politiker auch auf der Strecke geblieben sind? Wir können es nur hoffen.
Um dieses Abkommen zu verstehen, muss man ein bisschen in die Geschichte gehen. Sie soll so knapp wie möglich abgefasst werden. Die Falkland-Inseln liegen im Südatlantik, zwischen Südamerika und der Antarktis. Sie waren schon zu Anfang des 16. Jahrhunderts bekannt und unter mehreren Namen und Lokalisierungen in den damaligen Seekarten bzw. Segelanweisungen genannt. 1690 segelte der englische Freibeuter John Strong durch den SüdatIantik und fand die zwei grossen Inseln, die durch einen Sund voneinander getrennt sind. Diesen Sund benannte er nach dem Ersten Lord der Admiralität, Viscount Falkland. Der aus St. Malo stammende Bretone Louis Antoine de Bougainville landete 1764 auf der Ostinsel und nahm die bis dahin herrenlosen beiden Inseln unter dem Namen „Les Malouines“ für Frankreich in Besitz. Er liess eine Gruppe aus seiner Schiffsbesatzung dort, segelte nach Frankreich und kam im folgenden Jahr mit über hundert Siedlern zurück. Spanien beobachtete dieses Vorgehen der Franzosen sehr misstrauisch, denn nach mehreren internationalen Verträgen sollten die westlichen Länder und Inseln der spanischen Krone gehören. Man verhandelte mit den Franzosen und bereits 1767 übergab Frankreich die Inseln gegen eine angemessene Entschädigung an Spanien. In Port St. Louis, dem Hauptort der Malouines erfolgte der obligatorische Flaggenwechsel. Aus dem Namens Les Malouines wurde im Spanischen schnell Las Malvinas daraus.
Fast zur gleichen Zeit besetzten Engländer die Falkland-Inseln und 1770 erzwang Spanien die Übergabe der neuen Siedlung Port Egmont. In den nächsten fünfzig Jahren gingen die Besitzansprüche hin und her, wobei das Subkönigreich Buenos Aires bzw. Argentinien tüchtig mitmischte. 1829 wurde ein argentinisches Dekret veröffentlicht, in dem die Malvinas zusammen mit den südlich von Kap Horn gelegenen Atlantikinseln als argentinischer Besitz erklärt wurden. Mit diesen „südlich von Kap Horn liegenden Inseln“ waren die Südshetland- und Südorkneyinseln gemeint. Grossbritannien erhob ebenfalls Besitzansprüche auf die Falkland-lnseln und erweiterte diese auf die fünf von den Falkland-Insein abhängigen Gebiete, Südgeorgien, Südshetlandinseln, Südorkneyinseln, Südsandwichinseln und Küstengebiete auf der Antarktischen Halbinsel.
1908 erliess Grossbritannien für die „Falkland Islands and Dependencies“ als Teil des Britischen Dominions Verwaltungsvorschriften (Letters Patent vom 21.7.1908) und durch Letters Patent vom 28.3.1917 wurden die Grenzen endgültig festgelegt. Bei all diesen Erklärungen stand immer der Wal- und Robbenfang im Vordergrund. Argentinien hatte deshalb auch bis in die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts gegen die Ausübung britischer Hoheitsrechte auf die von den Falkland-Inseln abhängigen Gebiete keine Einwendungen erhoben. Die argentinischen Walfänger zahlten genau wie Gesellschaften anderer Staaten für den Walfang in diesem Gebiet Lizenzgebühren an Grossbritannien.
1904 und kurze Zeit später kam es aber wieder einmal zum Austausch diplomatischer Noten zwischen Grossbritannien und Argentinien. Die Schottische Antarktisexpedition unter WiIliam Speirs Bruce hatte auf der Laurie-Insel, Südorkneyinseln, eine Wetterstation errichtet und diese bei Expeditionsende an Argentinien verkauft. Diese Wetterstation blieb zunächst in Aktion und wurde mit einer Poststelle ausgerüstet. Natürlich wurden bei dieser Poststelle argentinischer Briefmarken verwendet und dieser Anlass genügte bereits, Besitzansprüche auf die Südorkneyinseln geltend zu machen. Die Diplomaten traten auf den Plan, entschieden wurde nichts.
1932 gab die britische Postverwaltung für die Falkland-Inseln eine Briefinarkenserie heraus, die an die englische Inbesitznahme der Falkland-Inseln vor 100 Jahren erinnert. Das ärgerte die Argentinier und sie erkannten im Gegenzug die Briefnarken der Falkland-Insein für den Verkehr nach Argentinien nicht mehr an. Die mit Falkland-Inseln-Briefmarken frankierten Briefe galten als unfrankiert und wurden mit Nachporto belegt. Die Weltpostkonvention von 1934 wurde von Argentinien auch nur unter Vorbehalt ratifiziert und in den kommenden Jahren propagierte man die unterschiedliche Auffassung der Falklandfrage auf Briefmarken und Postsendungen. Auf der Walfang-Konferenz 1937 und der Panamerika-Konferenz 1938 forderte Argentinien die Rückgabe der Falkland-Insein einschliesslich der abhängigen Gebiete.
1941 stationierte Argentinien Marinesoldaten in seiner Wetterstation auf der Laurie-Insel, Südorkneyinseln und 1942 wurden argentinische Besitztafeln auf der Deceptioninsel aufgestellt. 1943 räumte Grossbritannien diese Tafel weg und hisste den Union Jack. Es wurden diplomatische Noten ausgetauscht und wie bisher immer, verlief auch das neuentfachte Eigentumsspiel im Sande. Man war sich gram, wurde jedoch selten handgreiflich. Eine ernstere Episode spielte sich auf der Trinity-HaIbinsel ab. Die britische Station Hope Bay war Ende 1948 abgebrannt und sollte 1952 wieder aufgebaut werden. Inzwischen hatte Argentinien in der Nähe der abgebrannten britischen Station eine eigene Station, Bahia Esperanza, errichtet. Als die Engländer mit der „John Biscoe“ das Baumaterial anlanden wollten, wurden sie von den Argentiniern mit Gewehrfeuer empfangen und mussten sich zurückziehen. Wieder einmal wurden diplomatische Noten ausgetauscht. Die Argentinier entschuldigten sich und vier Wochen später konnte die britische Station errichtet werden. Nachdem Grossbritannien und Argentinien immer mehr Wetter- und Forschungsstationen auf den antarktischen Inseln und der antarktischen Halbinsel errichteten, bekam auch Chile Appetit auf ein paar Aussenposten im Gebiet der Falkland-Insein und seiner abhängigen Gebiete. Alle wollten plötzlich wissenschaftlich in der Antarktis und den vorgelagerten Inseln arbeiten. 1959 entspannte der multilaterale Antarktisvertrag die Situation. Argentinien, Chile und Grossbritannien gehörten zu den Gründerstaaten des Antarktisvertrags.
An der friedlichen Nutzung der Antarktis waren alle interessiert und die Souveränitätsansprüche wurden zunächst auf Eis gelegt. Anfang der 60er Jahre brachte Argentinien die Falklandangelegenheit vor die Vereinten Nationen und dort stand sie jahrelang auf der Tagesordnung. Grossbritannien gliederte 1962 die Antarktische Halbinsel, die Südshetland- und Südorkneyinseln aus dem Verband der „Abhängigen Gebiete der Falkland-Inseln“ aus und fasste sie zum British Antarctic Territory zusammen. Es gelang dann auch schliesslich die Souveränitätsfrage auszuklammern und sich auf praktische Massnahmen für die Bevölkerung der Falkland-Inseln zu beschränken. Man wollte u. a. die Kommunikation und Verkehrverbindungen zwischen den Falkland-Inseln und Argentinien verbessern. Am 1.8.1971 wurde in Buenos Aires das Abkommen zur Verbesserung wirtschaftlicher und kultureller Beziehungen zwischen den Kontrahenten, die »Gemeinsamen Erklärung« unterzeichnet.
Mit dem Inkrafttreten der »Gemeinsamen Erklärung« sollten auch die Streitigkeiten der beiden Partner beendet werden. Die auf den Falkland-Inseln lebenden Menschen sollten fortan eine besseren und direkten Kultur- und Wirtschaftsaustausch mit Argentinien haben. Mit den Artikel 13, 14 und 15 der »Gemeinsamen Erklärung« wurde der Postverkehr geregelt und dies wie folgt:.
- Die argentinische und die britische Regierung verpflichten sich, die Post-, Telefon – und Telegrafenverbindung zwischen den Falkland-Inseln und Argentinien zu verbessern.
- Für den gegenseitigen Postverkehr gilt der Inlandstarif, und es werden besondere Postsäcke benutzt.
- AufPoststücken, die zwischen Argentinien und den Falkland-Inseln befördert werden, verwenden beide Staaten Stempel mit entsprechendem Hinweis auf die »Gemeinsame Erklärung«.
Argentinien erhält das Recht, auf den Falkland-Inseln eine Flugzeuglandebahn mit Geräte und Arbeitsschuppen zu errichten. Argentinien nahm sofort einen regulären Flugverkehr mit den „Malvinas“ auf, der zunächst mit „Albatros“-Flugzeugen durchgeführt wurde. Gleichzeitig begann man auf den Falkland-Inseln mit dem Bau einer provisorischen Landebahn bei Hookers Point. Das notwendige Baumaterial wurde mit den Frachtern „Cabo San Gonzales“ und „Bahia Buen Suceso“ herangebracht. Am 15.11.1972 konnte der Flugplatz eröffnet werden. Fünf Jahre später, am 17.5.1978, wurde dann der endgültige Flugplatz bei Cape Pembroke fertiggestellt. Von hier verkehrten nun regelmässig Flugzeuge von Typ Fokker 28 nach Buenos Aires, Ushuaia und Comodoro Rivadivia,
Trotz aller diplomatischen Bemühungen kam es aber immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Argentiniern und Engländern. So wurde z.B. im Februar 1976 das britische Forschungs- und Versorgungsschiff „Shackleton“ vom argentinischen Zerstörer „Almirante Storni“ südlich der Falkland-Inseln beschossen und an der Durchführung eines Forschungsauftrags behindert.
Am 1.4.1982 fand die »Gemeinsame Erklärung« wegen Ausbruch des Falklandkrieges ein Ende. Das letzte Flugzeug der LADE (Lineas Aereas DeI Estado) mit Postsäcken der »Gemeinsamen Erklärung« startete am 30.3.1982 in Cape Pembroke. Die „Gemeinsame Erklärung“ endete am 1. April 1982, dem Tag, an dem zwischen Argentinien und Grossbritannien der Falklandkrieg ausbrach. Die letzte Post von Südgeorgien war dort am 16. März 1982 gestempelt und mit der HMS „Endurance“ nach Port Stanley gebracht worden. Am 25. März 1982 erhielt sie den Eingangsstempel von Buenos Aires. Von Port Stanley startete das letzte Postflugzeug der L.A.D.E. nach Buenos Aires am 30.3.1982.