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Nach Ankündigung der Nachlass- und Konkursverfahren bei der Erb-Gruppe ist die Suche nach Gründen für den Niedergang des Imperiums in vollem Gang.
Die Inhaber Christian und Rolf Erb haben laut dem Sanierer Hans Ziegler als Verwaltungsräte über die Machenschaften Bescheid gewusst.
Die Erb-Gruppe habe die gleiche Gesellschaft als Sicherheit für zwei, drei andere Schuldbeträge eingesetzt, sagte Ziegler in einem Interview mit der "NZZ am Sonntag". Deshalb sei der Durchblick für die Banken schwierig gewesen, da Bürgschaften in der Bilanz nicht aufgeführt würden.
Ob die Banken bei Kreditanträgen absichtlich getäuscht wurden, wollte Ziegler nicht abschliessend beurteilen. Jedoch kann sich Ziegler laut einem Interview mit der "Sonntagszeitung" die Differenz zwischen den von ihm und seiner Crew ermittelten Geschäftszahlen der Erb-Gruppe und den Zahlen, die den Banken präsentiert worden waren, nicht anders als mit Täuschung erklären.
Banker mit anderer Meinung
Einen anderen Blick hat dagegen einer der involvierten Banker. So seien die Probleme der deutschen Erb-Tochter CBB (Immobilienholding), die für einen Milliardenabfluss an Erb-Geldern sorgte, bekannt gewesen, sagte Hans Vögeli, Chef der Zürcher Kantonalbank, gegenüber dem "Sonntagsblick".
Die "Patronatserklärung", mit der die Erb-Gruppe quasi eine uneingeschränkte Haftung für die Verluste der CBB übernahm, sei im Geschäftsbericht 1996 erwähnt gewesen. "Jedermann, der der Erb-Gruppe noch Kredit gab, hätte dies wissen können", so Vögeli.
Der ZKB-Chef gilt als Erb-Insider. Vögeli war ab Ende 1994 Mitglied der Konzernleitung der Erb-Gruppe. In dieser Funktion war er von Mitte 1997 bis Ende April 1998 auch im Aufsichtsrat der verlustreichen CBB Holding. Nach Meinungsverschiedenheiten verliess er die CBB und später die Erb-Gruppe.
Unklarer Abschreibungsbedarf der Banken
Wie viel die 82 kreditgebenden Banken von den Gesamtforderungen gegenüber der Erb-Gruppe in der Höhe von 2 Mrd. Franken abschreiben müssen, bleibt unklar. Laut Ziegler dürfte ein rechter Teil der Kredite durch die Verkaufserlöse von Firmen gedeckt sein.
Wie viel eine Bank abschrieben müsse, hange davon ab, wem sie den Kredit gewährt habe. "Ist der Kredit an Volcafé (Kaffeehandel) gegangen, ist er praktisch sicher", so Ziegler in der "NZZ am Sonntag". Gleiches gelte für den Küchenbauer Piatti und den Türen- und Fensterbauer EgoKiefer. Kredite an die Holdinggesellschaften seien dagegen unsicher.
Vorermittlungs-Verfahren
Wegen allfälliger Betrugs- und Urkundendelikten ist die Erb-Gruppe nun auch im Visier der Justiz: Die Bezirksanwaltschaft III des Kantons Zürich leitete ein Vorermittlungsverfahren ein, wie Staatsanwalt Christian Weber erklärte.
Es gehe es darum zu untersuchen, ob aufgrund öffentlich zugänglicher Angaben eine tragfähige Grundlage zur Eröffnung einer Strafuntersuchung gegen die Erb-Gruppe bestehen würde.
Auslöser der Vorabklärung und des Verdachts auf mögliche Offizialdelikte seien Aussagen des Sanierers Hans Ziegler vom letzten Freitag. Im Zusammenhang mit Bankenkrediten der Erb-Gruppe habe Ziegler Anhaltspunkte über mögliche Urkundendelikte bei der Manipulation von Geschäftsbüchern gegeben, so Weber.
swissinfo und Agenturen
Fakten
Schulden: 2,5 Mrd. Franken
Gläubiger-Banken: 82, darunter Credit Suisse, UBS, 6 Kantonalbanken, Hypovereinsbank, WestLB, Commerzbank
In Kürze
Die Winterthurer Erb-Gruppe umfasst 85 Unternehmen und beschäftigt weltweit 4900 Angestellte, 2500 davon in der Schweiz.
Im Jahr 2002 lag der Umsatz der Gruppe bei 4,46 Mrd. Franken. Heute ist die Gruppe mit 2,5 Mrd. Franken verschuldet. Insgesamt 82 Banken aus der Schweiz und Deutschland gaben der Gruppe Kredite.
Die Erb-Gruppe ist vollständig im Familienbesitz und nicht an der Börse kotiert. Familien-Patriarch Hugo Erb starb im vergangenen Juli, zwei Söhne übernahmen die Führung.