Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03209.jsonl.gz/18

Das Gebiet des
Piz Schumbraida (3123 m) bildet die Wasserscheide zwischen Donau, Etsch und Adda. Die breite
und zum Teil sumpfige Thalschwelle
Dössradond zwischen
Val Vau und den
MünsterAlpen liegt nur 2240 m hoch und erschliesst
ein zwar sehr einsames, aber schönes u. freundliches Gebiet von botanisch höchst bemerkenswerten Alpweiden
(Alp Sprela 2134 m, Alp Mora 2087 m; beide zu
Münster im
Münsterthal gehörig). Die Thalsohle hat noch einigen Waldwuchs
(Legföhren und
Arven), während die umrahmenden Bergketten, besonders der S.-Seite, einen wilden und düsteren Charakter
tragen.
Die Gesteinsformationen des
Thales sind Trias und Verrucano; dieser letztere deckt unter dem
Schutt auf
Dössradond den Gneis, der zwischen
Piz Schumbraida und Mont
Praveder nach SO. streicht und von Casannaschiefer begleitet ist.
Die Thalsohle besteht, soweit die Schuttmassen dies erkennen lassen, meist aus Verrucano, dem auf beiden
Seiten die untern
und mittlern Triasbildungen muldenartig aufruhen. Die grössern Höhen setzen der Arlbergdolomit, die
obere Rauhwacke und der Hauptdolomit zusammen. Am Joch zwischen
Piz Schumbraida und Mont
Praveder enthält die Rauhwacke etwas
Eisenglanz und Brauneisenerz. Wo das Thal der
MünsterAlpen, ein Längsthal, zum Val Mora, einem ausgesprochenen Querthal,
umbiegt, hören die älteren Triasglieder bald auf und werden Rauhwacke und Hauptdolomit anscheinend
alleinherrschend.
Durch Val Mora kann man nach
San Giacomo di Fraele und von da über Alpisella nach
Livigno und dem
Berninapass, oder auch durch
Valle di Fraele nach Bormio hinüber gelangen. In diesen abgelegenen und schauerlichen Gebirgsschluchten werden an schwer
zugänglichen
Stellen manchmal Waffen und Reste menschlicher Skelete gefunden, Ueberreste aus der Zeit,
da Georg
Jenatsch unter Herzog Rohan 1635 die kaiserlichen Truppen in blutiger Schlacht besiegte.
Inferiore(Kt. Tessin,
Bez. Mendrisio).
347 m. Gem. und Pfarrdorf, am Eingang ins
Val di Muggio und 2 km nö. der Station
Balerna der
Linie
Bellinzona-Lugano-Chiasso der Gotthardbahn. Postablage; Postwagen nach
Chiasso. Gemeinde, mit
Fontanella, Ligrignano
und
Molini: 185
Häuser, 911 kathol. Ew.; Dorf: 140
Häuser, 638 Ew. Wein- und Tabakbau, Zucht der Seidenraupe. Von dem malerisch
gelegenen Dorf hat man eine schöne Aussicht auf den
Mendrisiotto und einen Teil der Lombardei. Kalkstein mit Spuren von
Kohle.
Ruine der einstigen Burg der Odescalchi. In der Kirche finden sich aus dem 17. Jahrhundert stammende
schöne Statuen und Stukkarbeiten von Agostino Silva. Heimat der berühmten Familie Silva, der vom 16.-18. Jahrhundert eine
Reihe von
Malern, Bildhauern, Architekten und Dekorationsmalern entstammte. Gräber aus dem ersten christlichen Jahrhundert.
Lavey-Morcles). 1165 m. Dorf, im obern Abschnitt des Thälchens des Avançon de Morcles, am NW.-Fuss der Dent de Morcles und 3 km
ö. der Station Saint Maurice der Simplonbahn. 13 Häuser, 98 reform. Ew. Kirchgemeinde Bex. Bildete bis 1852 eine eigene Gemeinde
(68 Ew.), die am 9. Juni dieses Jahres mit Lavey vereinigt wurde. War bis 1891 eine abseits vom grossen Fremdenstrom
liegende, bescheidene Sommerfrische mit zwei kleinen Pensionen und einigen ausgemieteten Holzhütten, erhielt aber von dieser
Zeit an durch den Bau des Fort Dailly eine ganz neue Bedeutung.
Dieses steht 10 Minuten vom Dorf beim ehemaligen Signal de Morcles auf dem Plateau von Dailly, das als reizende
Gebirgsstation lange Zeit einer treuen Kundschaft sich erfreute. Heute sind das Plateau und die einst als beliebtes Ausflugsziel
geltende Crête de l'Aiguille dem Publikum nicht mehr zugänglich. Postbureau, Telegraph. Gasthof mit Pension. Ausgezeichnetes
Trinkwasser. Viehzucht, Waldwirtschaft und Holzhandel. Von der Station Saint Maurice führt über Lavey les Bains
ein um 1830 erstellter Fahrweg nach Morcles, der von Es Lex an bis zum Dorf hinauf 32 Kehren beschreibt; ein Fussweg führt
über das Fort Savatan direkt nach dem Dorf Lavey und nach Bex hinunter.
BadLavey nach Morcles über den Fussweg 2 Stunden, über die Fahrstrasse 3 Stunden. Morcles war zuerst
Eigentum der bischöflichen Tafel zu Sitten; 1043 gab es Bischof Aymon dem Chorherrn Varnerius zu Lehen, und 1272 schloss der
Burgherr Jean d'Arbignon mit den Leuten von Morcles ein die Benutzung der Alpweiden von Arbignon betreffendes Abkommen. 1565 kaufte
die Berner Regierung den Ort an und setzte ihm einen Meier vor. Im 18. Jahrhundert gehörte das Lehen der
Familie Quartéry aus Saint Maurice, die es 1615 von Anton von Maccognin erworben hatte. 1840 hat man in Morcles Bronzemünzen
aus der Zeit von Augustus, Hadrian u. anderen römischen Kaisern aufgefunden, die sich jetzt im kantonalen
Museum zu Lausanne befinden. Triasische Rauhwacke, dem Karbon und metamorphen Schiefern angelehnt.
Die Petite Dent de Morcles (2939 m) bildet den nw. Vorberg der GrandeDent; sie erscheint von Bex aus wie
ein frei stehender und vom Hauptkörper des Stockes losgelöster Felsturm. Sie wird wegen der Schwierigkeiten, die sie bietet,
nur ziemlich selten bestiegen; man geht bequemer auf die GrandeDent, die ihr auch in Bezug auf Aussicht
überlegen ist. Anstieg von Les Plans aus in 7 oder von Morcles aus in 6 Stunden ungefähr auf dem gleichen Weg wie zur GrandeDent. Am N.-Fuss der Dent de Morcles liegt hinten über der Vallée de Nant der kleine Glacier des Martinets. In der Höhe von
etwa 2600 m hat ein Wechsel von schiefrigem und massigem Gestein die Bildung eines geneigten Gesimses oder Bandes veranlasst,
das auf der W.- und S.-Seite des Berges vom Col des Martinets bis zum Col du GrandCoor geht; das Band trägt den Namen Grand' Vire
und bildet den gewöhnlichen Weg der Touristen, die von Les Plans aus die beiden Gipfel besteigen wollen.
Indessen wird der letzte, schwindligste, Teil der Grand' Vire gewöhnlich verlassen, weil das Couloir des Nant Rouge, das einige 100 m
vor ihrem Ende beginnt, direkter und bequemer zum Gipfel führt. Die Grand' Vire ist den Botanikern wohl
bekannt, die hier den Ranunculus parnassifolius, die Saussurea depressa, Gentiana tenella, verschiedene Saxifragen etc. finden.
Weiter unten findet sich eine andere Reihe von Vorsprüngen, die in ihrer regelmässigen Aufeinanderfolge ein neues Band
bilden: die den Edelweisssuchern bekannte Bella Crêta.