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Steckbrief
Gefährdungsgrad: stark gefährdet (EN)
Nationale Priorität: mittel (3)
Merkmale:
- Gestalt kräftig und schwer, vor allem bei grossen Weibchen
- Kopf gross, deutlich vom Hals abgesetzt
- Rückenschuppen gekielt
- Auge gross
- Pupille rund
- Kopfschilder gross
- Eine Schuppenreihe zwischen Auge und Mundspalte
- Grundfarbe hell- bis dunkelgrau
- Flanken und Rücken mit kleinen, schwarzen Flecken, die auch fehlen können
- Im Nacken weissliches oder gelbliches Fleckenpaar, das vorne und hinten durch ein schwarzes Fleckenpaar ergänzt wird
- Oberlippenschilder hell, mit deutlichem schwarzem Rand
Beschreibung
Umfangreiche genetische und morphologische Studien zur Ringelnatter in Europa haben gezeigt, dass zwei verschiedene Arten der Ringelnatter (im weiteren Sinn) in der Schweiz leben: Die Nördliche Ringelnatter (Natrix natrix) besiedelt den äussersten Nordosten der Schweiz, während die Barrenringelnatter (Natrix helvetica) im restlichen Landesgebiet angetroffen werden kann.
Wie alle Natternarten der Schweiz besitzen die beiden Ringelnatterarten eine runde Pupille. Die Grundfarbe des Körpers variiert von hellgrau bis vollständig schwarz, sehr häufig sind dunkelgraue oder braune Färbungen zu beobachten. Relativ typisch für die beide Arten sind die hellen (meist weissen oder gelben, seltener orangefarbenen) Flecken am Hinterkopf, die meist entweder vorne und hinten (bei der Nördlichen Ringelnatter) oder nur hinten (bei der Barrenringelnatter) durch schwarze Flecken ergänzt werden. Diese Flecken und Fleckenpaare können aber auch fehlen oder nur sehr schlecht sichtbar sein, vor allem bei Ringelnattern, die zum Melanismus neigen. Natrix natrix unterscheidet sich von Natrix helvetica zudem durch die Flankenzeichnung, die bei der ersteren aus relativ kleinen Flecken oder sehr kurzen, schräg stehenden schwarzen Strichen besteht oder sogar ganz fehlen kann, bei letzterer aus deutlich grösseren schräg stehenden schwarzen Strichen, sogenannten Barren.
Die Männchen beider Arten erreichen maximal 95 cm, während die Weibchen bis zu 120 bis 130 cm erreichen, bei Natrix helvetica sogar bis 140 cm.
Ökologie
Die Ringelnatter ist eine gute Schwimmerin, die bei Gefahr meist ins Wasser flüchtet und abtaucht. Sie ist nicht sehr standorttreu. Es gibt zwar in den Lebensräumen Stellen, wo Tiere gehäuft auftreten, aber einzelne Individuen werden nur selten über längere Zeit an derselben Stelle beobachtet.
Anfang April verlassen die Schlangen ihre Überwinterungsplätze. Die Paarung findet im Mai statt. Oft finden sich dabei an günstigen Plätzen mehrere Tiere zusammen. Die Eier werden im Juli in Komposthaufen, Misthaufen oder anderen vermodernden, feuchten und sich gut erwärmenden Stellen abgelegt. Je nach Grösse der Weibchen beträgt die Eizahl 10 bis 30, im Extremfall bis 50. Die Jungtiere schlüpfen gegen Ende August und sind zu diesem Zeitpunkt ca. 20 cm lang. Etwa Mitte Oktober ziehen sich die Ringelnattern in ihre Überwinterungsplätze zurück.
Ringelnattern sind nicht wehrhaft und besitzen viele Feinde (Greifvögel, Reiher, Katzen, Füchse, Marder etc.). Daher sind sie sehr scheu und fliehen bei der geringsten Störung. Gelingt dies nicht, flachen manche Tiere den Kopf etwas ab, zischen laut und führen Scheinbisse aus, um den Gegner einzuschüchtern. Echte Bisse sind selten und ungefährlich. Wird die Natter ergriffen, verspritzt sie durch Bewegungen des Hinterkörpers eine übelriechende Flüssigkeit. Als äusserste Massnahme stellen sich viele Tiere tot, indem sie ihr Maul öffnen, die Zunge heraushängen lassen und den Körper verdrehen.
Die Nahrung besteht vor allem aus Fröschen, Kröten, Molchen und Fischen. Auch Eidechsen und Mäuse werden gelegentlich gefressen. Die Ringelnatter tötet ihre Opfer nicht, sondern beginnt meist von hinten die noch lebende Beute zu fressen.
Verbreitung
Die Nördliche Ringelnatter kommt in der Schweiz nur im Nordosten vor, in etwa nordöstlich der Linie Koblenz – Zürich – Rorschach.
Gefährdung und Schutz
Ihre ökologischen Ansprüche, vor allem die Nahrung, binden die Ringelnatter recht stark an Feuchtgebiete. Sie war im ursprünglich sumpfreichen Mittelland die häufigste Schlangenart. Durch jahrhundertelange Melioration sind ihre ehemals ausgedehnten Lebensräume auf Reste zusammengeschrumpft, so dass grössere Bestände heute selten sind. Lebensraumzerstörung findet auch heute noch durch Landgewinnung, Strassen- und Siedlungsbau statt.
Das Reptilieninventar Thurgau zum Beispiel zeigte, dass sich die Ringelnattervorkommen ungefähr gleichmässig auf die Lebensräume Weiher und Seen (25%), kleinere Feuchtgebiete (16%), Fliessgewässer (21%), Kiesgruben (20%) und übrige Typen (18%) verteilen. Besonders bedeutend sind Weiher und Seen, von denen rund 62% von Ringelnattern besiedelt werden. Da die meisten Weiher unter Schutz stehen, nicht isoliert sind und eine beträchtliche Fläche aufweisen, sind sie für das Überleben der Art von zentraler Bedeutung.
In der Schweiz existieren nur noch wenige grossflächige Gebiete mit bedeutenden Ringelnatterpopulationen. Meist erstrecken sich die Vorkommen über mehrere kleinflächige Lebensräume. In diesen Fällen ist die Population in hohem Masse von der Vernetzung der einzelnen Biotope abhängig. Durch Zerstörung der einzelnen Biotopflächen und Zerschneidung durch Strassenbau sind viele dieser Biotopnetze in Auflösung begriffen.
Pestizideinsätze und Überdüngung der Gewässer können direkt durch Vergiftung oder indirekt über den Verlust der Amphibien zum Rückgang der Ringelnatter beitragen. In Siedlungsnähe bestehen zusätzliche Gefahren durch die hohe Anzahl Katzen und Totschlagen durch unwissende Menschen.
Wenn Biotopzerstörung und Verinselung weiter fortschreiten, wird die Ringelnatter aus weiten Teilen des Mittellandes verschwinden und auf wenige grossflächige Lebensräume zurückgedrängt werden.
Schutzempfehlungen
Artenschutzvorschläge, die in der Landschafts- und Naturschutzplanung berücksichtigt werden sollten:
- Schutz aller noch vorhandenen Feuchtgebiete
- Pflege- und Gestaltungspläne für bestehende Flächen
- Naturschutz als Endnutzung für aktuelle und zukünftige Abbaugebiete
- Förderung der Vernetzung bestehender Vorkommen
- Anlage von Pufferzonen entlang von Fliessgewässern und Feuchtgebieten
- Renaturierung kanalisierter Fliessgewässer und ehemaliger Auen
- Neuanlage von Feuchtgebieten
Konkrete Gestaltungs- und Pflegemassnahmen:
- Kontrolle der Verbuschung
- Anlage von Amphibiengewässern
- Schaffung einer vielfältigen Geländestruktur durch Stein- und Holzhaufen
- Abgeschnittene Büsche an geeigneter Stelle deponieren (Eiablageplätze)
- Naturnahe Ufergestaltung, keine kompakten Verbauungen
- Pflegeeinsätze im Winter ausführen
- Reduktion von landwirtschaftlichen Chemieeinsätzen
Lebensraum
In der Wahl der Lebensräume ist sie flexibel. Unabdingbare Lebensgrundlagen sind Nahrung, Deckung, Schlupfwinkel, Eiablage- und Überwinterungsplätze. Diese Bedingungen finden sich in Flachmooren, an naturnahen Weihern und Seeufern, entlang von Flüssen, in Auen, sowie in Kies- und Tongruben. In günstigen Gebieten werden auch Waldlichtungen und -säume besiedelt.