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Aktualisiert: 27. Feb.
Die Siedlung Haumesser ist alt. Und sie war stets ein grosser Weiler Wollishofens. Noch heute stehen einige alte Häuser und bilden etwas wie ein Dorf im Dorf. Johann Jakob Hofmann hat 1771 alle schönen Uferpartien des Zürichsees gezeichnet – zu Wollishofen hat er drei Blätter verfasst: Haumesser, Kirche und Tivoli, Erdbrust. Es sind sehr schöne Blätter, sie sind auch sehr genau aufgenommen, so dass man meint, man könne jedes gezeichnete Haus auf der Karte verorten.
Prospect von Wollishofen, Haumesser, um 1770.
Tuschzeichnung von Johann Jakob Hofmann. Faksimile.*
Beim Haumesser will dies aber nicht recht gelingen. Rechts im Bild sieht man den Hof Honrain, dann, nach links wandernd, das Gässli; in der Mitte der Weiler Haumesser, doch ein Abgleich mit dem heutigen Baubestand will nicht recht gelingen, zumal das heutige älteste datierte Haus von 1542, das hohe Haus (Haumesserstrasse 22) vom Aussehen und von der Position her nicht recht lokalisiert werden kann.
Conrad Escher schrieb zum Haumesser in der Wochenchronik vom 6.10.1906: «Die Gegend, in welcher der Bahnhof liegt und aber auch diejenige rechts der Straße, welche mit älteren und nun auch neueren Häusern besetzt ist, heißt das ‚Haumesser‘. Das gleichnamige Gehöft gehört wohl zu den ältesten Teilen von Wollishofen und weist auch noch klösterliche Spuren aus. Das letzte Haus rechts ist vielleicht das älteste; es trägt die Hausnummer von 1542. – An einem Haus, mehr nördlich gelegen, war früher ein Messer, wie sie die Metzger gebrauchen, angebracht, ein sogenanntes Haumesser. Woher aber die Ortschaft diesen Namen trägt, ist uns nicht bekannt. Wahrscheinlich stund in jener Gegend in alter Zeit eine Kapelle; denn in den Gütern, welche etwas oberhalb und westlich dem ‚Haumesser‘ liegen, findet sich noch der Name ‚Kapellenacker‘ und ein Weg soll noch ‚Kapellenweg‘ heißen.» Auch die Angaben von Escher scheinen nicht recht auf die reale Situation zu passen. Der Bezug zu einer Kapelle scheint überholt, indem eine solche lediglich beim Hof Honrain angenommen wird. Immerhin finden wir heute noch die Jahrzahl 1542 am renovierten «Alten Haumesser», im Türbogen von Haumesserstrasse 22.
Mitte des 17. Jahrhunderts verzeichnete der Pfarrer im Bevölkerungsverzeichnis fünf Haushalte im Haumesser: Familie Heinrich Amann-Nägeli, ohne Kinder, aber mit Dienst- und Hausleuten; Familie Caspar Abegg-Schwarzenbach mit drei Kindern und vier Hausleuten; Hans Jagli Bleuler-Huber mit sechs Kindern; Verena Nägeli, Hans Heinrich Bleulers Witfrau mit vier Kindern; Anna Nägeli, «ist blind», mit sechs Kindern. Mehr als 150 Jahre später, 1812, führte der Kanton Zürich eine Brandversicherung ein, wozu er alle Liegenschaften registrierte. Im Haumesser zählte man schon zehn Wohnhäuser – eine recht Steigerung gegenüber 1650:
Haus
Haustyp
Besitzer
Wert
Haumesser 6
Wohnhaus
Johannes Horner
1500
Haumesser 7
Wohnhaus
Johannes Hausheer
800
Haumesser 8 / 9
Wohnhaus und Werkstatt
Rudolf Burkhard und Joh. Hausheer
1600
Haumesser 10
Wohnhaus
Johannes Hausheer
1600
Haumesser 11
Wohnhaus
Joh. Bleuler, alt Seckelmeister
2500
Haumesser 12
Wohnhaus
Heinrich Hausheer
2000
Haumesser 13
Wohnhaus
Jacob Bleuler alt Seckelmeister
2000
Haumesser 14
Wohnhaus und Trotte
Caspar Asper
1800
Haumesser 15
Wohnhaus und Trotte
Jacob Hermann Nagelschmied
3600
Haumesser 16
Wohnhaus
Heinrich Hausheer alt Kirchmeier
1500
Der Haumesser war gemäss dieser Liste keinesfalls ein armes Quartier. Darauf weisen die beiden Seckelmeister hin, gewählte Finanzvorstände der Gemeinde: Seckelmeister wurden nur ehrbare Dorfgenossen, die genügend Bargeld hatten, um Finanzgeschäfte ohne Griff in die Gemeindekasse abzuwickeln. Die beiden Trotten zeigen, dass die Bewohner aber nicht nur Gewerbler, sondern auch noch in der Landwirtschaft, vor allem im Rebbau, tätig waren. Bemerkenswert ist aber auch, dass knapp die Hälfte der zehn Häuser einer Familie Hausheer gehörte!! Die Hausheer waren ein typisches, altes Wollishofer Geschlecht (ein Blog zur Familie Hausheer folgt)!
Zum Haumesser, Haumesserstrasse 22. Foto: SB (9.7.2021)
Von der Liegenschaft «Haumesser 16» von 1812 – es dürfte die heutige Haumesserstrasse 22 gewesen sein – wissen wir etwas mehr, weil einige Hausschriften** in der Familie erhalten geblieben sind. So war 1853 noch immer eine Familie Hausheer im Haus, damals verstarb Heinrich Hausheer – der Besitzer von 1812. Dieser Heinrich I hinterliess 1853 sein Haus seinen vier Kindern: Jakob, Elisabetha, Verena, Barbara und Heinrich II. Ein Vertrag 1881 regelte den Verkauf des Hauses durch Heinrich II Hausheer-Bockhorn an seine Kinder Albert, Jacob, Heinrich (III) und Emma. Der erstgeborene Albert hatte drei Töchter. Die älteste, Emma, heiratete 1915 den Wollishofer Sekundarlehrer Dr. Otto Wettstein. Ihr Vater, Albert, hatte den Haumesser schon verlassen und ein Baumeisterhaus bei der alten Kirche (heute Simmlersteig 18) gekauft. In dieses Haus, das wir bereits vom Blog DANNERAUCH kennen, zügelte dann auch Otto Wettstein, der damit zu seiner Frau Emma Wettstein-Hausheer zog (auch die Wettstein werden uns in späteren Blogs nochmals begegnen).
Baumeisterhaus Simmlersteig 18. Erbaut 1895. Foto: SB (21.8.2021)
Woher der Name «Haumesser» stammt? Wohl von einem Messer, mit dem man hauen kann. Also einem Metzgermesser. Es wäre nicht undenkbar, dass im Haumesser in früher Zeit einmal eine Metzgerei betrieben worden wäre. Möglich, aber eher unwahrscheinlich, denn das Metzgereigewerbe war im Alten Zürich nicht frei, sondern eine sogenannte Ehafte, also ein obrigkeitliches Regal. Einem solchen Rechtsverhältnis wäre der Historiker doch in irgend einem Archiv auf die Spur gekommen! Denkbar wäre aber auch, dass einst wenigstens einmal ein Metzger im Haumesser gewohnt hat.
Die Haumesserstrasse hat ihren Namen vom Weiler, der Weiler von einem Gehöft dieses Namens. Die Strasse heisst seit 1867 so. Sie führt von der Seestr. 290 bis zur Staubstrasse.
Wie gesagt: Der Haumesser ist vergleichsweise gut erhalten. Das hat damit zu tun, dass die untere Alte Landstrasse, die heutige Seestrasse, im Bereich des Haumessers bei ihrem Ausbau im 19. Jahrhundert eine neue Linienführung erhielt. Statt den kleinen Bogen via Haumesser zu nehmen, setzte man damals auf gerade Strassen mit direkter Linienführung, weshalb die Seestrasse vom Muraltengut bis zur Post Wollishofen – ähnlich wie die Bahnstrecke Moskau-St. Petersburg – mit dem Lineal gezeichnet erscheint. Das hat die Bausubstanz des Haumessers gerettet. (Übrigens: Die Eingabe 1917 des Quartiervereins betreffend Verlegung des Bahnhofs – man vergleiche den gleichnamigen Blog – hätte das kleine Quartier zum Haumesser allerdings nicht verschont…).
(SB)
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* Kopiert aus: http://www.villmergerkriege.ch/
** Hausschriften Wettstein-Hausheer in Privatbesitz.