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Liebe im Kapitalismus und die Bindungstheorie Eine Dekonstruktion
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EinzelvortragIm Wonnemonat Mai 2005 ging der «Arbeitskreis Politische Psychologie/Psychoanalyse, Gesellschaft, Kultur» am Sigmund Freud-Institut in Frankfurt a.M. an seiner Jahrestagung daran, das grosse Thema der «Liebe im Kapitalismus» kritisch zu hinterfragen. Ich hatte mich dazu verführen lassen, eine Dekonstruktion der Bindungstheorie beizutragen aus der Überlegung heraus, dass diese im Wissenschaftsbetrieb derzeit sehr modische Theorie in ihrem ideologischen Kern einer romantischen Verherrlichung der Objektliebe entspreche. Meine Literaturrecherchen ergaben allerdings einen noch viel beunruhigenderen Tatbestand: John Bowlby stellt seine Theorie ausdrücklich der Freudschen Triebtheorie entgegen, das heisst, die beiden Systeme sind inkompatibel. Ich habe im Internet (für den deutschen Sprachraum Psych Spider ZPID, für den englischen APA) nachgesehen, wie oft der Eine und der Andere zitiert werden. Derzeit steht die Partie bereits mindestens 3 : 2 für Bowlby! Ich beginne den Vortrag mit einer kurzen Diskussion des durch die «Neosexualitäten» (Sigusch) bedingten Kulturwandels in der Ersten Welt und stelle dann die Bindungstheorie in ihren Kerngedanken, ihrer inneren Logik und ihrer Kompatibilität mit der Psychoanalyse vor. Angesichts ihrer konzeptionellen Armut frage ich mich anschliessend, was wohl ihren zunehmenden Erfolg in der akademischen Welt begründet und gelange zu einer sozial¬psychologischen Hypothese: Handelt es sich um eine soziale Perversion im Wissen¬schaftsbetrieb, die auf dem Selbstwert-Verlust der institutionalisierten Psycho¬analyse fusst?Der Vortrag wird an drei Stellen mit romantischen Liedern untermalt, die ich aus der CD-Kassette «Troubadours, Trouvères, Minstrels» des Studios der frühen Musik (Thomas Binkley) ausgewählt habe.