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Die Schweizer Banken haben am Montag (05.02.) im Internet die dritte Namensliste mit nachrichtenlosen Konten möglicher Holocaust-Opfer veröffentlicht. Es handelt sich um eine Liste mit 21'000 Namen.
Mit der Veröffentlichung der Liste erfüllen die Banken eine Bestimmung des Grossbanken-Vergleichs. Die Bankiervereinigung hatte bereits im Juli und Oktober 1997 rund 16'500 Namen von Konten veröffentlicht, die nach dem Zweiten Weltkrieg nachrichtenlos geblieben waren. Sie betrafen Vermögenswerte von total gut 79 Millionen Franken.
Aufgeführt auf der Liste sind der Name des Inhabers, sein Wohnort, sein Herkunftsland, sowie ein Hinweis, ob das betreffende Konto noch offen oder geschlossen (saldiert) ist. Laut Bankiervereinigung sind von den 21'000 Konten noch 2'600 offen, der Rest ist saldiert; darauf befindet sich also kein Geld.
Albert Einstein und Sigmund Freud
Auf der dritten Liste befinden sich zwei äusserst prominente Namen: Jene des Physikers Albert Einstein und des Begründers der Psychoanalyse, Sigmund Freud.
Mit der Veröffentlichung der dritten Liste leiten die Schweizer Banken die letzte umfassende Suche nach Inhabern und Erben von nachrichtenlosen Konten aus der Nazizeit ein. Eine vierte Liste werde es nicht geben, erklärte Thomas Suter, Pressesprecher der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBV), gegenüber swissinfo.
Die Schweizer Banken hatten schon 1997 Suchaktionen durchgeführt und zwei Listen mit insgesamt 5'570 nachrichtenlosen - noch offenen - Konten publiziert.
33'000 Konten zentral archiviert
Die 21'000 veröffentlichten Konten sowie weitere 12'000 Konten - total also 33 000 - werden für die Klärung von Ansprüchen zentral archiviert. Diese 33'000 Konten haben "wahrscheinlich oder möglicherweise" einen Bezug zum Holocaust. Das sogenannte Volcker-Komitee hatte drei Jahre lang auf Schweizer Banken nach nachrichtenlosen Vermögen von Holocaust Opfern gesucht und dabei 4,1 Millionen Konten aus der Zeit 1933 bis 1945 durchforstet.
Personen, die Anspruch auf ein nachrichtenloses Vermögen erheben, dies aber nicht auf der Liste oder unter den zentral archivierten Konten finden, haben die Möglichkeit einer vertieften Suche. Die Banken sind bereit, in berechtigten Fällen und unter bestimmten Bedingungen Nachforschungen nach Konten, die zur Zeit der Nazi-Herrschaft eröffnet wurden, in ihren Archiven zuzulassen.
Schiedsgericht befindet über Ansprüche
Bis zu 800 Millionen Dollar aus dem 1,25-Mrd.-Dollar schweren Bankenvergleich sind laut Verteilplan für die Befriedigung von Ansprüchen auf nachrichtenlose Konten reserviert. Über die Ansprüche wird das 17-köpfige Schiedsgericht (Claims Resolution Tribunal CRT) in Zürich entscheiden, das vom Rechtsprofessor Hans Michael Riemer geleitet wird.
Das CRT hatte schon über die rund 10'000 Ansprüche zu befinden, die nach der Veröffentlichung der beiden ersten Bankenlisten 1997 erhoben worden waren. Diese Arbeit ist nahezu erledigt. Überwacht wird der ganze Verteilprozess der nachrichtenlosen Vermögen durch den ehemaligen Vorsitzenden des Volcker-Komitees, Paul Volcker, und seinen Berater Michael Bradfield.
Jean-Michel Berthoud und Agenturen