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Welche Form von Aktien passt zu mir?
Können Sie den Unterschied zwischen Partizipationsschein und Namenaktien erklären? Einige Gesellschaften sind mit beiden Aktientypen kotiert. Welche Form ist für den Kleininvestor von Vorteil? C.K.
Bei der Gründung einer Aktiengesellschaft wird zunächst das Grundkapital festgelegt. Dieses muss wenigstens 100’000 Franken betragen und wird in einzelne Aktien mit dem gleichen Nennwert gestückelt. Multipliziert man die Anzahl Aktien mit dem Nennwert, ergibt sich das Aktienkapital.
Der Nennwert einer Aktie ist nicht mit dem Marktwert zu verwechseln. Wie es der Name andeutet, bestimmen beim Marktwert – abhängig von der Beurteilung der Unternehmensperspektiven – Angebot und Nachfrage den Preis der Aktie. Verbunden mit dem Aktienerwerb sind Rechte. Je nach Art der Aktie verfügt man als Aktionär sowohl über Mitgliedschafts- als auch Vermögensrechte.
Dank des Mitgliedschaftsrechts kann man als Aktionär an der Generalversammlung teilnehmen und über den Kurs der Gesellschaft mitbestimmen. Man hat aufgrund des Mitgliedschaftsrechts ein Stimm- und Wahlrecht sowie Einsichts- und Auskunftsrecht für die Firma.
Noch wichtiger ist für die meisten Aktionäre allerdings das Vermögensrecht. Damit verschafft man sich das Recht, am Vermögen und Gewinn der Firma zu partizipieren. Man erkauft sich das Recht, von den Dividendenausschüttungen zu profitieren – vorausgesetzt, die Firma ist in der Lage, eine Dividende auszuschütten und es die Generalversammlung bewilligt.
Wie wir es gerade während der Corona-Krise erlebt haben, gibt es nie eine Garantie auf eine Dividende. Diese kann auch gestrichen oder reduziert werden. Dank Vermögensrecht hat man zudem ein Bezugsrecht auf neue Aktien, falls eine Kapitalerhöhung durchgeführt wird, und man hat Anspruch auf einen Liquidationsanteil, wenn die Firma aufgelöst wird.
Neben den von Ihnen erwähnten Namenaktien gibt es auch Inhaberaktien. Namenaktien lauten auf den Namen des Eigentümers. Bei den Inhaberaktien ist der Inhaber der Aktie dem Unternehmen unbekannt. Trotzdem hat er Anspruch auf die Vermögens- und Mitgliedschaftsrechte.
Bei Namenaktien kennt die Firma ihre Aktionäre, bei den Inhaberaktien indes nicht. Inhaberaktien können über die Börse oder auch ausserbörslich übertragen werden. Anders als das Unternehmen kennt die Bank den Namen der Inhaberaktien. Denn über diese kauft und verkauft man die Papiere und diese wickelt auch die Dividendenzahlung sowie die Wahrnehmung der Mitwirkungsrechte wie Stimmabgabe an der GV oder Aktienbezug bei Kapitalerhöhung ab.
Beim Partizipationsschein, wie ihn beispielsweise der Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli aufweist, hat man kein Stimmrecht. Mit dem Kauf einer solchen Aktie verzichtet man auf die Mitgliedschaftsrechte und kann nicht über den Kurs der Gesellschaft abstimmen. Aber man verfügt trotzdem über ein Vermögensrecht – man partizipiert also am Vermögen und Gewinn der Firma und bekommt auch eine Dividende, falls eine ausgeschüttet wird.
Bekannt ist an der Schweizer Börse ausserdem der Genussschein wie ihn der Pharmariese Roche hat. Auch da hat man kein Stimm- bzw. Mitgliedschaftsrecht, kommt aber in den Genuss einer allfälligen Dividende oder eines Liquiditätserlöses.
Im Falle von Lindt & Sprüngli ist es offensichtlich: Wenn man sich als Aktionär auch das Mitgliedschaftsrecht sichern will, muss man tief ins Portemonnaie greifen. Die Namenaktie von Lindt & Sprüngli kostet an der Börse über zehnmal mehr als der Partizipationsschein und wird weniger intensiv gehandelt. Man muss in diesem Fall also für den Kauf von Namenaktien deutlich mehr Kapital in die Hände nehmen, was viele Privatanleger überfordert. Und man kann weniger diversifizieren, was aber gerade für Privatinvestoren besonders wichtig ist.