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Cinéma
Für eine Handvoll Filme mehr
Vor 30 Jahren verstarb Sergio Leone, der heute vor 50 Jahren den Italo-Western einläutete
Von Ottokar Schnepf
Als Mann ohne Namen in Leones Für eine Handvoll Dollar startet Clint Eastwood 1964 seine unaufhaltsame Karriere. Sein Spätwestern Unforgiven von 1992 ist eine Hommage an Leone und die von ihm geschaffene Filmfigur.
Abschätzend als Spaghetti-Western bezeichnet, haben die in Spanien und im damaligen Jugoslawien gedrehten Italo-Western das Western-Genre nachhaltig revolutioniert. Nicht nur wurden über 500 Filme dieser Gattung in Europa produziert, auch der US-Western hat sich stilistisch am Italo-Western orientiert.
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Unter den zirka 500 Italo-Western aus den sechziger- und siebziger-Jahren gibt es aber nebst Leones bestbekannter Dollar-Trilogie (Für eine Handvoll Dollar, Für ein paar Dollar mehr, Zwei glorreiche Halunken) mehr als eine Handvoll weitere glorreiche Beispiele, sind sie doch bei näherer Betrachtungsweise hochaktuell. Denn im Italo-Western werden die krassesten Gewalttaten ungesühnt auch von den Helden vollbracht, die am Schluss als Sieger davonreiten.
Guantanamo ist überall
Die auffällige Brutalität vieler Italo-Western wurde damals scharf kritisiert. Sie würden die Zuschauer verrohen und der Lust an Gewalt Vorschub leisten. Abgesehen davon, dass im Gegensatz zu vielen US-Western der Italo-Western sehr viel präziser der historischen Wirklichkeit entspricht, fragt man sich inwieweit Kinogeschehen überhaupt negative Folgen auf die Psyche der Zuschauer ausüben kann.
Perfekte Anti-Helden
Hatte Sergio Leone mit Clint Eastwood als der Mann ohne Namen seinen perfekten Anti-Helden für seine Western gefunden, schuf Sergio Corbucci 1966 mit Franco Nero als Django den ultimativen Anti-Helden und die komplette Antithese zu Leones Werk. Obwohl sich die Handlung sehr stark an Für eine Handvoll Dollar anlehnte. Ebenfalls von Corbucci und mit Franco Nero stammen Il Mercenario und Vamos a matar companeros, zwei Western mit politisch verpackten Botschaften, die während der mexikanischen Revolution spielen.
Klaus Kinski in seiner Glanzrolle als Kopfgeldjäger Loco in Sergio Corbuccis Meisterwerk Il Grande Silenzio.
Faschisten statt Cowboys
Mit Il Grande Silenzio konnte sich Sergio Corbucci den Ruf als einer der besten Regisseure dieses Genres festigen. Jean-Louis Trintignant als Silenzio und Klaus Kinski als Loco sind zwei überzeugende Zentralfiguren dieses «radikalen, politisch aggresiven Films, der modellhaft Verhaltensweisen einer faschistischen Gesellschaft zeigt», war 1969 in der Filmzeitschrift Filmkritik zu lesen.
Viva la revolución
Qualitativ ebenfalls hochstehend ist die Revolutions-Trilogie von Sergio Sollima: Von Angesicht zu Angesicht schildert die Wandlung eines kranken Intellektuellen (Gian Maria Volonté) zu einem brutalen Diktator, während in Der Gehetzte der Sierra Madre Tomas Milian als mexikanischer Bandit glänzt. Lauf um dein Leben, der letzte Film der Trilogie, erweist sich als ein Lehrstück über das Leben überhaupt.
Morricones Sound
Starken Anteil am speziellen Stil des Italo-Western war die Musik. Vor allem die von Ennio Morricone, der durch die
Filmmusik von Für eine Handvoll Dollar Bekanntheit erlangte.
Es wurde von vielen Leuten behauptet, Morriconne sei die Verkörperung des Italo-Western. Es ist ihm gelungen, einen kompletten neuen Dialog zwischen Film und Musik zu kreieren. Dieser Dialog funktioniert so gut, dass ein Soundtrack von Morricone neue Dimensionen zu einem Film beisteuern konnte, die ohne seine Musik nicht vorstellbar waren. Morricone hat nicht nur für alle Leone-Western die Musik beigesteuert, auch für einige der erwähnten Filme von Corbucci und Sollima lieferte er seinen einzigartigen Soundtrack.
Fazit: In den zehn Jahren seiner Geschichte ist der Italo-Western zu einem beachtenswert vielseitigen Genre geworden, das es immer noch zu entdecken gilt.
Von Ottokar Schnepf