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Studie: Schweine verringern Food Waste
Eine Agroscope-Studie zeigt, dass nicht mehr für den menschlichen Verzehr geeignete Lebensmittel gut für die Schweine...
Als sie aufwuchs, hätte sich das Stadtmädchen Tara nie träumen lassen, dass sie eines Tages auf einem Bauernhof 50 Kilometer vom Ufer des Huronsees entfernt leben und Schweine züchten würde. Doch dann lernte sie Dennis Terpstra – einen Kanadier der ersten Generation, dessen Eltern in den 1950er-Jahren aus den Niederlanden eingewandert waren – kennen, heiratete ihn und so lernte sie die Landwirtschaft in der kanadischen Provinz Ontario kennen.
Das war vor 21 Jahren. Heute bewirtschaften die Terpstras eine Fläche von 263 Hektar mit 400 Sauen im sogenannten «Farrow-to-finish»-Produktionssystem – also von der Abferkelung inklusive Mast bis zum Endschlachtgewicht. Zwischen 210 und 215 Schweinen pro Woche oder etwa 11’000 Mastschweine pro Jahr werden auf dem Betrieb ausgemästet und das Schweinefleisch landet dann in den Regalen von Loblaws, Kanadas grösstem Lebensmittelehändler, unter einem speziellen Antibiotikafreien-Vermarktungsprogramm namens «President’s Choice Free From».
Früher war der Betrieb hingegen noch viel grösser: Gemeinsam mit anderen Familienmitgliedern bewirtschafteten sie ein auf drei verschiedene Standorte verteiltes Farrow-to-Finish-System mit 1’000 Sauen und bauten auf einer Fläche von 526 Hektar Ackerkulturen an. Tara und Dennis waren auf ihrem Betrieb für die Aufzucht und Mast verantwortlich. Zu jedem beliebigen Zeitpunkt waren rund 4’500 Mastschweine zu füttern und die ausgemästeten Schweine wurden zur Schlachtung und für die Weiterverarbeitung mit dem Lastwagen fast tausend Kilometer nach Osten in die Provinz Quebec transportiert.
Das alles änderte sich 2015, als die Terpstras beschlossen, sich selbstständig zu machen – und gleichzeitig ihre gesamte Schweinefleischproduktion zu überdenken. Frühere Probleme mit Krankheiten und eine neue kanadische Gesetzgebung, die vorschreibt, dass alle neuen Sauenställe, die nach dem 1. Juli 2014 gebaut werden, als Laufställe errichtet werden müssen, boten den Terpstras die Möglichkeit, die Dinge anders anzugehen.
«Ich interessierte mich für das Antibiotikafreie-Aufzuchtprogramm, weil wir zuvor mit vielen Krankheiten zu kämpfen hatten und ich war überzeugt, dass es einen anderen Weg geben musste», erklärt Tara Terpstra und ergänzt, «ich wollte einen proaktiven Ansatz für die Gesundheit – unsere Familie nimmt Probiotika und wir verfolgen den gleichen Ansatz bei unseren Tieren.»
Sie bauten einen neuen Schweinestall, der den aktuellen kanadischen Tierschutzvorschriften entspricht und sich auf die Gesundheit und den Komfort der Schweine konzentriert. Ein automatisiertes Fütterungssystem ermöglicht die genaue Überwachung der Futteraufnahme jeder Sau und ein Hightech-Umluftsystem hält die Luft sauber und trocken und sorgt durch Wärmerückführung für ein besseres Klima für Schweine und Menschen und kontrolliert gleichzeitig die Energiekosten.
«Ich kann alle Fütterungs- und Belüftungssysteme im Stall von meinem Mobiltelefon aus kontrollieren, ohne in den Stall gehen zu müssen», erklärt Tara Terpstra. Das helfe ihr, die Dinge besser im Auge zu behalten.
Im Rahmen des Antibiotikafreien-Aufzuchtprogramms haben die Terpstras jetzt eine garantierte wöchentliche Abnahme für ihre Schweine in einem Verarbeitungsbetrieb in Burlington, Ontario, der weniger als zwei Stunden vom Betrieb entfernt ist.
Dafür müssen sie aber umfangreiche Aufzeichnungen führen und werden einmal im Jahr kontrolliert – oft von jemandem, der keine Ahnung von Tierhaltung hat. Antibiotika dürfen nicht über das Futter oder Wasser verabreicht werden, sondern nur einzeln an kranke Schweine. Diese behandelten Schweine müssen dann mit Ohrmarken versehen und getrennt von der übrigen Herde aufgezogen und in den regulären Schweinefleischmarkt verkauft werden.
● 1’064 Landwirte produzieren 5,9 Millionen Mastschweine pro Jahr
● 26 Ferkel pro Sau und Jahr
● Aktueller Durchschnittskilogrammpreis für Schweine 2,80 kanadische Dollar (ca. 2,08 CHF)
● 2,8 Milliarden kanadische Dollar (ca. 2 Milliarden in CHF) an wirtschaftlicher Tätigkeit vom Bauernhof bis auf den Tisch
● 15’843 Arbeitsplätze
«Deshalb ist es so wichtig, sich auf die Krankheitsprävention zu konzentrieren», sagt Tara Terpstra und ergänzt, dass das das Vorkommen des Porzinen Reproduktiven Respiratorischen Syndroms (PRRS) in Ontario derzeit die grösste Herausforderung für ihren Betrieb darstelle. Sie konzentrierten sich auf dem Betrieb darum auf Herdenimmunität und ein strenges Hygiene- und Biosicherheitsregime, um die Tiere gesund zu halten, wünschten sich aber, es gäbe mehr Technologie, die früher erkennen könnte, wenn Schweine krank sind.
Das Antibiotikafreie-Aufzuchtprogramm mache das Management im Falle eines Ausbruchs komplizierter, da es nicht einfach sei, zwei völlig voneinander getrennte Schweinegruppen zu halten. Trotzdem bereue sie die Umstellung auf die neue Haltungsform und das neue Produktionssystem nicht, bemerkt Tara Terpstra.
Ihre Schweine seien jetzt viel gesünder und der zunehmende Druck der Konsumentinnen und Konsumenten treibe den Wandel sowieso voran. Mehr als 70 Prozent des kanadischen Schweinefleischs sei für den Export bestimmt, daher müssten die Landwirte darauf vorbereitet sein, die Wünsche der Kundschaft zu erfüllen. «Das bedeutet für mich als Landwirtin, dass ich proaktiv sein muss und wenn der Verbraucher etwas will, muss ich mich darauf einstellen und Anpassungen machen», sagt Tara Terpstra.
Einerseits habe es schon immer Nischenmärkte wie Aufzucht ohne Antibiotika oder Bio gegeben – andererseits gebe es aber auch Verbraucherinnen und Verbraucher, die nach dem niedrigsten Preis suchten und daneben nationale und internationale Märkte mit abermals anderen Anforderungen. «Ich konzentriere mich mehr auf den heimischen Markt und darauf, die Wünsche der Konsumentinnen und Konsumenten zu berücksichtigen», meint die Schweinebäuerin.
Längerfristig sehe sie die grösste Bedrohung für die Schweinefleischproduktion jedoch nicht bei den Verbrauchern, sondern beim Klimawandel. Weite Teile Ontarios würden in diesem Jahr von einer Dürre heimgesucht und die kanadische Regierung habe ein ehrgeiziges Klimaprogramm auf den Weg gebracht, das unter anderem vorsehe, die Düngemittelemissionen bis 2030 um 30 Prozent unter das Niveau von 2020 zu senken.
«Wir versuchen, uns auf eine andere Tierhaltung einzustellen, aber es gibt viele Unbekannte, wie wir das Beste für das Land tun können und was wir tun können, um im Klimawandel zu überleben», meint Tara Terpstra. «Ich befürchte, dass wir zukünftig nicht genug Lebensmittel haben werden, um alle zu ernähren, wenn wir weiter eine Politik verfolgen, die auf Fehlinformationen beruht – und es gibt immer weniger Landwirtinnen und Landwirte, welche die Menschen darüber aufklären können, was auf den Bauernhöfen wirklich passiert.»
Die Notwendigkeit, sich für die Branche einzusetzen, sei einer der Gründe, warum sie sich in landwirtschaftlichen Organisationen engagiere, sagt Tara Terpstra. Sie ist Mitglied des Vorstands des Provinzverbands der Schweinezüchter Ontario Pork und aufgrund ihres grossen Interesses an Forschung und Innovation vertritt sie die Schweinezüchter Ontarios auch in den Vorständen der Livestock Research Innovation Corporation, Swine Innovation Porc und des Prairie Swine Centre.
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