Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03118.jsonl.gz/35

Der Besucher betritt die Ausstellung in Neuenburg durch einen Bogen aus dem Skelett eines Menschen und demjenigen eines Affen. Die Fragen, die sich ihm dabei stellen, sind einfach: Was ist ein Primat? Was ist ein Affe? Und was ist ein Mensch? Die Antworten aber sind alles andere als eindeutig, wie der erste Teil der Ausstellung zeigt.
Der Begriff «Primat» stammt aus dem Jahr 1758. Er leitet sich vom lateinischen Wort «primus» (der erste) ab und weist den Primaten den obersten Rang der Klassifikationsskala zu. Etwas objektiver gesehen, haben alle Arten von Primaten zwei Merkmale gemeinsam: ein sehr gutes Sehvermögen und geschickte Hände.
Affen und Menschen
Alle Affen sind Primaten, aber nicht alle Primaten sind Affen. In der Ausstellung werden verschiedene Affenarten vorgestellt, aber auch Lemuren, Loris, Galagos und Koboldmakis. Die Primaten werden heute in die Unterordnungen der Feuchtnasenaffen und der Trockennasenaffen eingeteilt. Zu den Letzteren gehören auch die Menschenaffen, inklusive des Menschen.
Die Geschichte der Primaten begann vor 55 bis 60 Millionen Jahren. Vieles weiss man noch nicht, da es nur wenige Fossilien gibt. Aus der Zeit vor 65 Millionen Jahren ist Purgatorius unio bekannt, eine grosse, teilweise auf den Bäumen lebende Spitzmaus. Möglicherweise steht sie am Anfang der Stammlinie der Primaten.
Vor etwa 60 Millionen Jahren begünstigte die Klimaerwärmung auf weiten Gebieten der nördlichen Hemisphäre das Wachstum von grossen Tropenwäldern. Hier entwickelte sich die heute ausgestorbene Art der Plesiadapiformes, Vorfahren der Primaten, die kleinen Lemuren oder Loris glichen. Die Trockennasenaffen (auch «echte Affen») stammen wahrscheinlich aus Südostasien, wo sie sich vor etwa 45 Millionen Jahren aus den heute ebenfalls ausgestorbenen Omomydae entwickelten. Der einzige noch lebende nahe Verwandte ist der Koboldmaki. cs