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Lesezeit: 8 Minuten.
Das Regelwerk kann schon ein bisschen einschüchternd sein: Es ist riesig, manchmal schwer zu verstehen, und nur auf Englisch verfügbar. Und nur eine Regelverletzung kann den Unterschied vom ersten zum letzten Platz ausmachen. Dieser Post soll dir dabei helfen, das Regelwerk besser zu verstehen und dich einfacher zu orientieren.
Wichtig: Schau immer unser SCA Rulebook an! Du kannst dich nicht auf Videos verlassen, denn du weisst nie, ob das Team auf dem Video nicht auch eine Deduction erhalten hat. Ausserdem sind die US Allstar Cheerleading Regeln nicht die gleichen wie unsere, die auf ICU basieren. Zudem solltest du nicht vergessen, dass das Regelwerk nichts mit dem Scoring zu tun hat – es geht hier wirklich nur drum, was erlaubt ist, nicht was wie viele Punkte gibt.
Am besten lädst du dir gleich das Rulebook von der SCA Website runter und liest mit. Achtung: Es gelten nur die Regeln genau so, wie sie da drinstehen. Ich übersetze ein paar Teile für diesen Post, aber schlussendlich gilt der englische Wortlaut. Du kannst diesen Post auch ganz auf Englisch lesen.
Generelle Regeln (Seiten 2-10)
Hier findest du alles von Richtlinien zur Registrierung bis zur Liste der Alterskategorien. Ein Head Coach sollte diesen Teil durchlesen, bevor die Wettkampfsaison beginnt, um sicherzustellen dass in jedem Team die richtige Anzahl Athleten im richtigen Alter sind. Auch andere wichtige Informationen sind hier enthalten, z.B. wie man vorgehen muss, wenn man an einer Meisterschaft Fragen oder Beschwerden an die Judges hat.
Glossar (Seiten 11-23)
Lange Zeit dachte ich mir: „Ich weiss, was wie heisst, ich brauche kein Glossar.“ Damit lag ich komplett falsch, und es hat uns fast mal eine Meisterschaft gekostet. Wusstest du zum Beispiel, dass das Wort „Dismount“ (=Abgang) so definiert ist:
„Das abbauende Element eines Stunts oder einer Pyramide in einen Cradle oder auf den Boden.“
Klingt simpel, aber das Wort „Cradle Position“ hat ebenfalls eine genaue Definition:
„Base(s) halten den Flyer, indem sie ihre Arme unter dem Rücken und den Beinen des Flyers platzieren. Der Flyer muss in einer „V“/Pike/Hollow Body Position (Gesicht nach oben, Beine gestreckt und zusammen) landen, tiefer als prep-Level.“
Prep-Level schauen wir uns dann später noch genau an, aber es gibt hier einen anderen wichtigen Punkt: Wenn es um Legalität geht, gilt der „Cradle“ auf den Bauch (Ränzler, Büüchler, Bird Front, Prone Cradle, wie auch immer du ihn nennen möchtest) nicht als Dismount. Das heisst, die Dismount-Regeln zählen hier gar nicht, sondern die Stunt-Regeln.
All das findest du nur raus, wenn du das Glossar liest – du solltest es also unbedingt durchlesen, oder zumindest die Begriffe nachschlagen, die dich und deine Routine betreffen. Wenn du Schwierigkeiten hast, das Glossar zu verstehen, hat ICU auch eine Video-Version davon.
Generelle Sicherheitsregeln und Anforderungen an die Routine (Seiten 24-25)
Lies diesen Teil sorgfältig. Du willst keine Deduction nur weil du vergessen hast, dass alle Flyer am Anfang der Routine einen Fuss am Boden haben müssen.
„Fun“ Fact: Ich hab mal eine Deduction erhalten, weil wir unseren Cheer mit einem Stunt angefangen haben, nicht mit einem Wort. Das steht so nirgends im Regelwerk, aber wir haben die Deduction trotzdem bekommen, weil ich in den paar Sekunden, in denen ich mich hätte „wehren“ können, nicht komplett sicher war, ob es nicht vielleicht doch drin steht. Du bekommst an einer Meisterschaft nur sehr wenig Zeit, um vor der Jury zu argumentieren, also schau dass du sattelfest bist mit den Regeln. Wenn die Jury entschieden hat, kann man nichts mehr machen. Dann ist es egal, ob das stimmt oder nicht.
Levelspezifische Regeln (Seiten 26-57)
Ich werde nicht alle Regeln durchgehen, aber ich versuche dir ein Grundvokabular zu geben, damit du die Regeln verstehst. Für die neuen Levels (Junior 3 und Senior 4) werde ich separate Posts machen, wo wir dann in die Details eintauchen können.
Das Regelwerk sagt uns grundsätzlich nur, was verboten ist. Wenn du also keine Regel findest, die etwas spezifisch verbietet, dann ist es erlaubt.
Jedes Level ist gleich aufgebaut. Gehen wir mal durch alle Teile, die es für jedes Level separat gibt.
Tumbling
Schauen wir uns zuerst mal die Definition von Tumbling im Glossar an:
„Jedes Element mit einer Hüft-über-Kopf Position, das nicht von einer Base unterstützt wird und das auf dem Boden anfängt und aufhört.“
Das sagt uns schon mal, dass z.B. Jumps kein Tumbling-Element sind, wenn wir die Legalität anschauen. Das hat nichts mit dem Scoring zu tun, denn dort sind Jumps und Tumbling teilweise in der gleichen Kategorie. Wenn jemand also z.B. einen Rondat -> Flic -> Toe-Touch -> Back Tuck macht, dann zählt der Back Tuck als Standing Tumbling, weil der Jump zwischendrin die Running Bahn unterbricht. Das ist wichtig, denn z.B. bei Level 3 darf man zwar Running Back Tucks machen, aber keine Standing Back Tucks. Während die zuvor genannte Running Bahn also illegal wäre, könnte man problemlos einen Rondat -> Flic -> Back Tuck machen.
Wir lernen mit dieser Definition auch, dass Tumbling mit einem Spotter gar kein Tumbling mehr ist, weil man technisch gesehen von einer Base unterstützt wird. Sobald der Spotter den Tumbler berührt, wird das Element zu einem Stunt, und muss entsprechend den Stunt Regeln folgen.
Das ist die Definition von Standing Tumbling:
„Ein Tumblingelement (Serie von Elementen), das aus einer stehenden Position begonnen wird, ohne sich zum Schwung holen zuerst nach vorne zu bewegen. Es ist immer noch Standing Tumbling, auch wenn man zuvor eine beliebige Anzahl Schritte rückwärts macht.“
Und hier die Definition von Running Tumbling:
„Tumbling, das mit einem Schritt oder Sprung nach vorne beginnt, um Schwung für das Element zu holen.“
Die Übersetzungen sind etwas holprig, aber ich versuche so nahe wie möglich am originalen Wortlaut zu bleiben.
Wenn wir also stehen, dann einen Schritt nach vorne machen und ein Rad, dann ist das aus Sicht des Regelwerks Running Tumbling. Wenn wir aber rückwärts über die halbe Matte rennen und dann einen Flic machen, dann ist das technisch gesehen immer noch Standing Tumbling.
Vor allem in den tieferen Levels gibt es teilweise genaue Regeln dafür, was man ohne Pause aneinanderhängen darf. Manchmal muss man z.B. in einer Running Bahn noch einen Zwischenschritt oder Hüpfer einbauen, um sie legal zu machen. Am besten schaust du dir an, welche Skills deine Athleten genau können, schlägst sie alle im Glossar nach, und schaust dann in den Regeln ob die Kombination erlaubt ist.
Spotter
Wofür man einen Spotter braucht ändert von Level zu Level, aber die Definition, was einen Spotter ausmacht, ist immer gleich. Ich habe die Definition des Glossars hier übersetzt, lies sie sorgfältig durch:
Eine Person, deren Hauptverantwortung es ist den Kopf, Nacken, Rücken und Schulterbereich des Flyers vor Verletzungen zu schützen während Stunts, Tosses oder Pyramiden ausgeführt werden. Alle „Spotter“ müssen Teammitglieder sein und müssen in der richtigen Spotting-Technik geschult sein.
Der Spotter
- Muss auf der Seite oder hinter einem Stunt/Pyramide/Toss stehen
- Muss in direktem Kontakt mit dem Boden sein
- Muss aufmerksam das Element beobachten, das gerade gemacht wird
- Muss nah genug stehen, dass er eine Base des Stunts anfassen könnte, muss aber nicht in direktem physischen Kontakt mit dem Stunt sein
- Darf nicht so stehen, dass sein Torso unter dem Stunt ist
- Darf die Handgelenke oder Arme der Bases halten, darf die Beine oder Fussgelenke des Flyers halten, oder kann den Stunt gar nicht berühren
- Darf nicht beide Hände unter der Schuhsohle des Flyers oder unter den Händen der Bases haben
- Niemand, der eine Base ist, darf gleichzeitig ein Spotter sein. Wenn nur eine Person unter dem Fuss des Flyers hält, egal mit welchem Grip, dann ist diese Person die Base. Beispiel: In einem zweibeinigen Stunt darf die Base unter dem einen Bein nicht gleichzeitig der Spotter sein (egal mit welchem Grip). Anmerkung: Wenn eine Hand des Spotters unter dem Fuss des Flyers ist, so muss es die vordere Hand sein. Die hintere Hand des Spotters MUSS an der Hinterseite des Fussgelenks/Beins des Flyers oder auf der Hinterseite des Handgelenks einer Base sein.
Kurz zusammengefasst, es ist wichtig dass ein Spotter nicht unter dem Stunt steht und jederzeit alles loslassen kann, um den Flyer zu fangen falls etwas schief geht. Die Spotter Regeln haben sich über die Jahre ein bisschen verändert, deshalb hier noch ein paar Punkte von mir zur Erinnerung:
- In einem „normalen“ allgirl Stunt ist in der Regel der Backspot der benötigte Spotter (solange er nicht aus irgendeinem Grund direkt unter dem Stunt steht). Ein Frontspot kann aber NIE der offizielle Spotter sein, weil ein Spotter seitlich oder hinter dem Flyer stehen muss.
- Spotter dürfen keine Choreo machen, während sie spotten.
- Externe Spotter (z.B. Coaches) sind an allen Meisterschaften in der Schweiz erlaubt, aber sie zählen nicht als der benötigte Spotter wenn es um die Regeln geht! Wenn irgendwo steht dass ein Stunt einen Spotter braucht, dann muss es ein aktives Teammitglied sein, das Teil der Routine ist.
- Wenn die Regeln sagen, dass ein Basket Toss jederzeit einen Spotter braucht, der die Kopf/Schulterregion des Flyers schützt, heisst das wenn der Basket beginnt und wenn er landet. Für einen Basket mit einer halben Drehung müsste dann also ein Frontspot beim Einsteigen und Pushen helfen, und der Backspot müsste bei der Landung stehen.
- Die Spotter Regeln für Level 6 Pyramiden sind sehr spezifisch, also lies sie sorgfältig wenn du dieses Level machst.
Ob jemand wirklich als Spotter gilt oder nicht kann teilweise sogar auf die Ausführung der Technik ankommen. Wenn man z.B. einen Spotter braucht für einen Partnerstunt Liberty, dann darf der Spotter auch gleichzeitig der Assist des Stunts sein, solange er nicht unter dem Stunt steht und eine Hand hinten am Fussgelenk des Flyers hat. Wenn man eine senkrechte Linie durch den Bauchnabel des Flyers zieht darf aber in dem Fall der Oberkörper des Assists nicht von der Linie getroffen werden, sonst steht er offiziell unter dem Stunt und gilt als Base, nicht als Spotter. Da kommt es wirklich auf saubere Ausführung an! Es ist wichtig, dass auch Athleten selbst solche Regeln verstehen.
Die verschiedenen Höhen
Hier ist eine Grafik, die ich aus dem 2018 ICU Rulebook ausgeliehen habe, ich hoffe ich werde nicht verklagt:
Die „Note“ auf Deutsch: „Es können auch Stunts als Prep Level bezeichnet werden, die über dem Kopf gehalten werden, wenn der Flyer in einer nicht-aufrechten vertikalen Position ist, z.B. ein Extended Flat Back oder eine Extended Prone Position (auf dem Bauch, Gesicht nach unten), oder wenn der Flyer in einer sitzenden Position ist wie z.B. ein V-Sit.“
Diese verschiedenen Höhen wirst du immer wieder antreffen, und es ist wichtig dass du sie im Detail verstehst. Zum Beispiel: Ich sage meinen Athleten immer, dass ich einen „schönen“ Elevator sehen will im Training, also einer der mit Power hoch kommt und zuerst einen Bogen nach oben macht, bevor er abgesetzt wird. Wenn in meinem Level aber steht, dass Elevators „at shoulder level“ erlaubt sind, dann muss ich meinen Bases sagen, sie dürfen nur etwa bis zu ihrer eigenen Augenhöhe hoch, bevor sie den Elevator absetzen. Sonst müsste stehen, dass „passing above prep level“ oder „passing through extended level“ erlaubt ist.
„Shoulder Level“ ist sehr strikt definiert: Die tiefste Verbindung zwischen Base und Flyer (normalerweise der Fuss des Flyers) muss auf Schulterhöhe der Bases sein. Keine Ausnahmen.
„Prep Level“ ist ein bisschen flexibler: Die tiefste Verbindung muss tiefer sein als „Extended Level“ und höher als „Waist Level“. Da ist also ein wenig Spielraum vorhanden. Ausserdem gibt es hier ein paar Stunts, bei denen die Bases ihre Arme über dem Kopf ausstrecken dürfen, solange der Flyer nicht aufrecht steht, z.B. ein V-Sit. Ich merke mir das so: Solange die Schultern des Flyers nicht höher sind, als sie in einem Lift wären, gilt es meistens als Prep Level.
Im Glossar unter „Prep-Level“ oder „Shoulder Level“ gibt es dazu noch genauere Infos.
Teil 2 ist online!
Jetzt wo wir uns ein Grundvokabular erarbeitet haben können wir dieses Wissen anwenden. Im zweiten Teil dieser Serie schauen wir uns an, wie man die richtige Regel findet und sie anwendet.