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Gestern wurde öffentlich, dass Estelle Wettstein wegen einer Futterkontamination bei ihrem Pferd Friedrich der Grosse ihre Dressur-Goldmedaille der Kategorie U25 abgeben muss und für einen Monat gesperrt wurde (pferdonline berichtete). Nun wollten wir von der Sanktionskomission des SVPS und deren Präsidenten Thomas Räber wissen, warum Estelle genau gesperrt wurde und wie die Sicht der SAKO in dem Fall genau ist.
pferdonline: Herr Räber, warum genau wurde Estelle gesperrt?
Thomas Räber: Es wurden verbotene Substanzen in den Proben gefunden, deshalb Sanktion gem. Reglement weil einerseits das Vorhandensein einer oder mehreren Prohibited Substances eine Disqualifikation mit sich ziehen und, anderseits die Sorgfaltspflichten verletzt wurden (Verfütterung von Swissfritz auch nach der Bekanntgabe der Kontamination durch den Verband und den Hersteller).
Die Familie Wettstein schreibt, sie hätten alle erdenklichen Massnahmen getroffen… Ist der Fall mit Steve Guerdat vergleichbar? Warum ja, warum nein?
Ja vergleichbar wegen angeblicher Futterkontamination. Jedoch wurde im Fall Wettstein weiterhin Swissfritz verfüttert, nachdem bekannt war, dass dieses Futter des Herstellers Swissfritz nicht mehr verfüttert werden sollte (Eigenverantwortung Reiter).
Warum wurde Estelle und das Pferd gesperrt und bei Steve nur das Pferd?
Der Fall Guerdat war nicht vor der Sanktionskommission des Schweizerischen Verbandes für Pferdesport hängig, da sich der Vorfall Guerdat an einer internationalen Veranstaltung ereignete. Deshalb kann zu diesem Fall keine Stellung genommen werden.
Die FEI will ab dem 1.1.2016 das Konzept der sogenannten Specified Substances einführen. Was ist das? Soll dies vom SVPS nicht auch übernommen werden?
Auf den 1. Januar trat nun ein neues FEI-Konzept der so genannten «Specified Substances» in Kraft. Dabei handelt es sich um eine Liste von Substanzen, die zwar zu den verbotenen Wirkstoffen gehören, aber auch pflanzlicher Herkunft sein können – wie eben die Schlafmohnsamen, die das Futter der positiv getesteten Pferde verunreinigt hatten. Der Schweizer Verband erhofft sich durch die neue Regelung eine flexiblere Handhabung ähnlich gelagerter Fälle. Schliesslich bleibt aber immer noch der Sorgfaltspflichtnachweis von den Betroffenen (Eigenverantwortung Reiter) zu erfüllen und nicht vom Verband.
Der 47-jährige Thomas Räber gehört seit 1999 der Sanktionskommission des Schweizerischen Verbandes für Pferdesport an. Für dieses Amt angefragt wurde er vom ehemaligen SVPS-Präsidenten Urs Oberholzer. Seit letztem Jahr ist er Präsident der SAKO. Räber ist Jurist, ist verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt im Kanton Luzern.
Interview: Gina Kern
Beitragsbild: Das Podest der Kat U25 mit Jessica Neuhauser (links) Silber Estelle Wettstein (Gold) und Andrina Suter (Bronze).