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Weshalb kann entfeuchten von Räumen notwendig sein?
Was bedeutet "relative Feuchte"?
Luft enthält immer unsichtbaren Wasserdampf. Als "relative Feuchte" (r.F.) wird der Wasserdampfgehalt in Prozent des maximal möglichen (bei gegebener Temperatur) bezeichnet. Der maximal mögliche absolute Wassergehalt (also 100% r.F.) ist jedoch stark temperaturabhängig: Bei 0°C sind es ca. 4 Gramm pro m3 Luft, bei 10°C ca. 8 Gramm, bei 20°C schon ca. 15 Gramm und bei 30°C über 40 Gramm pro m3 Luft. Also: Je wärmer die Luft, desto mehr Wasser nimmt sie auf. Diese Eigenschaft der Luft ist auch der Grund, weshalb die Entfeuchtungsleistung der Luftentfeuchter mit steigender Temperatur so stark zunimmt. Daraus wird auch klar, dass man der Luft durch Abkühlen Wasser entziehen kann. Bei sinkender Lufttemperatur wird ein Zustand erreicht, wo die relative Feuchte 100% überschreitet und das überschüssige Wasser ausgeschieden wird. Diese Temperatur wird als "Taupunkt-Temperatur" bezeichnet. In der Natur entsteht dann Nebel oder Tau, im Entfeuchter kondensiert das Wasser am Verdampfer und läuft in einen Eimer.
Feuchte messen mit dem Hygrometer
Hygrometer zur Anzeige der relativen Luftfeuchte sind günstig in Do-it-yourself-Geschäften erhältlich. Allerdings sollten sie immer zuerst gemäss Anleitung "geeicht" werden. Das macht man so: Hygrometer in einen feuchten Lappen einwickeln und das Gerät so auf ca. 98% einstellen. Sogar die teureren Haar-Hygrometer sollten gelegentlich so kontrolliert und regeneriert und ggf. justiert werden.
Wann ist es zu feucht oder zu trocken?
Der Mensch hat normalerweise keine Probleme mit sehr hohen (Nebel) oder sehr tiefen (schöner Wintertag) relativen Luftfeuchten. Die Empfehlung, in Wohnräumen die relative Feuchte bei 30 bis 60% zu halten, ist eher durch Nebenwirkungen bedingt: unter 30% reizt oft der von der Heizung aufgewirbelte Staub die Atemwege. Über 60% relativer Luftfeuchtigkeit im Raum wird an kühlen Flächen die lokale Feuchte deutlich höher und kann Schimmelwachstum begünstigen. Im Sommer liegt die relative Luftfeuchtigkeit übrigens recht häufig bei etwa 70% oder gar mehr. Mangels "kalter Ecken" besteht dann jedoch kaum Schimmelgefahr. Dann die Raumluft in der Wohnung zu entfeuchten, ist deshalb kaum sinnvoll. Umgekehrt wird im Winter oft befeuchtet, um keinen "staubtrockenen" Hals zu riskieren.
Etwas anders sieht es für empfindliche gelagerte Gegenstände aus – vor allem im Keller. Organische Materialien wie Papier, Leder oder Textilien bieten bei einer relativen Feuchte von über ca. 75% vorteilhafte Wachstumsbedingungen für zersetzende Bakterien und Pilze, die meist als Schimmel zu beobachten sind. Neben der Materialzersetzung wird oft auch muffiger Geruch als störend empfunden. Deshalb sollte an Orten, wo empfindliche Materialien gelagert werden, die Feuchte beschränkt werden. Andererseits ist hohe Luftfeuchtigkeit in anderen Kellerräumen durchaus willkommen, etwa im Gemüselager. Da die Feuchte auch durch Wände mehr oder weniger gut wandern (diffundieren) kann, ist es kaum möglich, einigermassen trockene Lagerräume neben einem (feuchteren) Naturboden-Keller zu haben.
Ursachen von zu hoher Luftfeuchte
Die meisten Keller befinden sich teilweise im Erdreich. Weil das Erdreich meist recht feucht ist und auch normaler Beton Feuchtigkeit nicht wirklich abdichtet, kommt es in solchen Untergeschossen zu einem natürlichen Feuchteeintrag. Bei alten Gebäuden mit Stampfbeton- oder Natursteinmauern und vor allem mit Naturboden kann sogar viel Feuchte eindringen. Besonders stark kann dies sein bei anstehendem Wasser ("Hangdruck") und ungenügender oder verstopfter äusserer Drainage (Sickerleitung). Allenfalls kann starker Feuchteintritt auch durch Lecks in Wasser- oder Abwasser-/Dachwasserleitungen verursacht werden. Solche baulichen Mängel sollten jedoch auch durch bauliche Massnahmen behoben und nicht durch stromintensive Entfeuchtung kompensiert werden.
Weitere mögliche Feuchtequellen sind:
- feuchte Wäsche, auch andere feuchte Gegenstände
- Pflanzen
- Menschen oder Tiere (sie atmen feuchte warme Luft aus)
- Duschen, Baden, Kochen.
Feuchtigkeit durch Lüften vertreiben?
In unserem Klima kann die Luftfeuchte in Wohnungen bzw. beheizten Räumen in der Regel durch richtiges Lüften genügend tief gehalten werden: nach Bedarf mehrmals täglich kurz querlüften. Entfeuchtung ist deshalb normalerweise nicht nötig. In Räumen mit Komfortlüftungsanlagen kann im Winter eher allzu trockene Luft ein Problem darstellen.
Etwas anders und vor allem schwieriger ist es in Kellerräumen. Weil diese nicht beheizt sind, reicht schon eine geringe Feuchtzufuhr aus, um die relative Feuchte in die Höhe zu treiben. Lüften kann hier sogar kontraproduktiv sein, nämlich wenn die Aussenluft warm und feucht ist, was vor allem im Frühjahr und Sommer zutrifft. Dauer-Lüften ist aber auch im Winter problematisch: weil dadurch die Kellerräume abgekühlt werden und, schon wenig Feuchtezufuhr zu einer starken Erhöhung der relativen Feuchte führt. Daher sollten Kellerräume gezielt dann gelüftet werden, wenn die Aussenluft möglichst trocken ist, und wie in Wohnungen ist kurzes Stosslüften am effektivsten.
Massnahmen gegen zu hohe Kellerfeuchte
Bevor Sie einen Luftentfeuchter kaufen, sollten Sie mögliche Feuchtequellen abklären und wenn nötig eliminieren, zum Beispiel verstopfte Sickerleitungen spülen und evtl. eine Feuchteisolierungen der Keller-Aussenwände im Erdreich anbringen (aufwändig!). Der Einsatz eines Raumluft-Wäschetrockners kann auch helfen, die Nachbarräume zu entfeuchten. Auch ein gezieltes Lüften der Kellerräume kann die Luftfeuchte reduzieren (Stosslüftung, wenn die Aussenluft trocken ist).
Ein Luftentfeuchter sollte erst in Betracht gezogen werden, wenn eine zeitweise hohe Luftfeuchte nicht akzeptiert werden kann. Sei dies, weil empfindliche Materialien gelagert werden müssen oder wenn Schimmelpilz sogar an Wänden wächst. Zur Wahl der richtigen Gerätegrösse vgl. weiter unten.
Wie funktionieren Luftentfeuchter?
Luftentfeuchter für Raumtemperaturen über ca. 10°C und relative Feuchten über 40%, wie von Topten präsentiert, funktionieren nach dem Kondensations-Prinzip (Wärmepumpen-Prinzip): Die feuchte Luft wird angesaugt und vom Wärmepumpen-Verdampfer so stark abgekühlt, dass das Wasser aus der Luft ausgeschieden (kondensiert) wird. Danach wird die entfeuchtete Luft im Wärmepumpen-Kondensator wieder erwärmt und in den Raum zurück geblasen. Das kondensierte Wasser wird in einem Wasserbehälter gesammelt oder mittels Abwasserschlauch direkt einem Ablauf zugeführt.
Das gleiche Funktionsprinzip wird auch bei Raumluft-Wäschetrocknern angewandt, welche allerdings über ein stärkeres Gebläse für intensive Luftzirkulation im Trocknungsraum verfügen.
- Verdampfer (Abkühlung)
- Kondensator (Aufheizung)
- Ventilator
- Kompressor
- Wasserbehälter
- feuchte Luft
- entfeuchtete Luft
Betrieb, Wartung
Alle Luftentfeuchter auf Topten.ch verfügen über eine stromsparende Hygrostatsteuerung. Das Gerät schaltet bei Erreichen der eingestellten Raumfeuchte aus und bei Überschreitung wieder ein. Ein Überlaufen des Wasserbehälters wird durch einen Schwimmerschalter verhindert. Wartung ist kaum erforderlich; allenfalls ist ein Luftfilter gelegentlich zu reinigen, vor allem bei Betrieb in staubiger Umgebung und bei Raumluft-Wäschetrocknern (Flusen).
Optimale Gerätegrösse
Die Bestimmung der Gerätegrösse ist wichtig für die gewünschte Entfeuchtungswirkung, aber auch für den resultierenden Stromverbrauch. Ein zu kleines Gerät kann die Feuchte trotz Dauerbetrieb gar nicht im gewünschten Ausmass reduzieren. Ein zu grosses Gerät hingegen bleibt immer nur kurz eingeschaltet, weil die Luftfeuchte sehr rasch unter den Ausschaltwert sinkt. Durch die vielen Ein- und Ausschaltvorgänge wird der Wirkungsgrad vermindert. Wie kann man die optimale Gerätegrösse bestimmen?
1. Raumvolumen
Weil der tatsächliche Feuchteanfall meist schwierig abzuschätzen ist, kann ein erster Anhaltspunkt über das zu entfeuchtende Raumvolumen und die massgebende Raumtemperatur gewonnen werden (hier durch die Fläche angegeben, Annahme 2.3 m Raumhöhe):
- Bis ca. 70 m² (z.B. 3 bis 4 grössere Kellerräume) sollte bei 15°C ein Gerät der Klasse "bis 8 Liter/24h" ausreichen.
- Wenn mehr oder grössere solche Räume bzw. ca. 70 bis 200 m² zu entfeuchten sind (Türen offen oder nur Gitter), sollte ein grösseres Gerät, bis 16 Liter/24h, eingesetzt werden.
- Wenn deutlich über 200 m² zu entfeuchten sind, wird eher ein Gerät mit über 16 Liter/24h Entfeuchtungsleistung benötigt.
Achtung: Diese Angaben gelten für 15°C; bei 10°C kann nur etwa die Hälfte dieser Fläche entfeuchtet werden, bei 20°C hingegen nahezu das Doppelte.
2. Feuchteanfall berücksichtigen
Die folgenden Faktoren sind Anzeichen oder Ursache einer höheren Feuchtebelastung, die genauere Abklärungen und allenfalls andere, z.B. bauliche Massnahmen erforderlich machen oder evtl. eine höhere Entfeuchtungsleistung:
- Die Kellerwände sind zeitweise feucht oder es ist gar schwarz-grauer Schimmel am Mauerwerk erkennbar. Solche Fälle sollten jedoch von einer Bauphysik-Fachperson abgeklärt werden; evtl. muss die Feuchtezufuhr baulich reduziert werden (z.B. Sickerleitung/Abdichtung aussen).
- Es treten regelmässig Feuchteschäden an organischem Material wie Papier, Leder, Textilien auf. Allerdings sollten solche Güter nicht in einem eher feuchten Keller gelagert werden; der Stromverbrauch für eine starke Entfeuchtung kann ins Geld gehen!
- Teilweise Naturboden (gestapfte Erde, Kies). Ein solcher Boden wurde ursprünglich extra so ausgeführt, um den Raum feucht zu halten, vor allem für die Lagerung von Gemüse und Früchten. Statt solche Räume mit viel Stromverbrauch trocknen zu wollen, sollte besser der Boden umgebaut werden (Beton, Abdichtung).
- Gelegentlich wird Wäsche zum Trocknen aufgehängt; ein Raumluft-Wäschetrockner ist nicht vorhanden. Kleinere/mittlere Luftentfeuchter sind weniger leistungsfähig als Raumluft-Wäschetrockner. Sie können daher die Raumfeuchte nur längerfristig wieder senken. Wird regelmässig Wäsche getrocknet, sollte statt eines stärkeren Luftentfeuchters besser ein Raumluft-Wäschetrockner eingesetzt werden (vgl. Topten-Rubrik Haushaltgeräte).
3. Raumtemperatur (für Einsatz massgebend)
Wenn die Raumtemperatur des zu entfeuchtenden Raumes stark von 15°C abweicht, sollten Sie unbedingt die in der Topten-Liste ebenfalls angegebenen Entfeuchtungsleistungen bei 10°C oder 20°C beachten: sie können stark von den 15°C-Werten abweichen. Achtung: Die Effizienzklassen sind bei 15°C ermittelt; auch gut klassierte Modelle können daher bei tieferer Temperatur viel schlechter abschneiden, etwa wenn dort die Entfeuchtungsleistung viel tiefer ist.
Die Entfeuchtungsleistung ist stark temperaturabhängig
Mit sinkender Raumtemperatur nimmt die Entfeuchtungsleistung deutlich ab, weshalb beim Einsatz in sehr kühlen Räumen (z.B. Keller) auch die Leistungswerte bei 10°C zu beachten sind. Andrerseits sind beim Einsatz in beheizten Räumen die Werte bei 20°C massgebend. Die Temperaturabhängigkeit kann jedoch von Gerät zu Gerät recht verschieden sein. Es lohnt sich deshalb, diese Werte zu berücksichtigen wenn der geplante Einsatz hauptsächlich unter oder über 15°C ist.
Geräuschpegel beachten
Je nach Einsatzort kann der Geräuschpegel von Bedeutung sein: in Wohnungen sind schon 50 dB(A) gut hörbar, während in einem wenig begangenen Keller Werte über 60 dB(A) nicht stören.
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08/2018 Nipkow/Bush/Berger-Wey