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In den südlichen Regionen des Shan-Staates in Myanmar leiden bäuerliche Gemeinschaften unter mangelndem landwirtschaftlichem Wissen, begrenztem Zugang zu Krediten und steigenden Lebenshaltungskosten, was sie in die Armut treibt. Zusätzlich verschärfen gewaltsame Konflikte und die Auswirkungen des Klimawandels die Situation, was zu verstärkter Migration führt. Ein SWISSAID-Projekt wertet den landwirtschaftlichen Anbau mit agrarökologischen Methoden auf und ermöglicht den Bauern und Bäuerinnen eine lebenswerte Zukunft.
Die Fakten
Die Ziele
Das Projekt zielt darauf ab, Dorfbewohner:innen beim Aufbau verbesserter und widerstandsfähigerer Gemeinschaften und Lebensgrundlagen zu unterstützen. Dabei lernen sich die Bäuerinnen und Bauern in Gruppen zu organisieren, um ihre existentiellen Probleme gemeinsam zu bewältigen. Insbesondere wird die ländliche Bevölkerung dazu ermutigt, die Nachhaltigkeit ihrer Betriebe mit agrarökologische Methoden zu fördern. Weiter werden Massnahmen zur Stärkung und Selbstbestimmung der Frauen umgesetzt und der Zugang zu erschwinglichen Krediten verbessert.
Das Projekt wird zum Teil von der DEZA mitfinanziert.
Zau Sai (anonymisierter Name) ist ein Bauer im südlichen Shan-Staat in Myanmar. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern im Dorf Kaung Wai. Die Familie baut Tee, Chilis, Sesam und Knoblauch für den Eigenbedarf und den Verkauf auf den umliegenden Märkten an. In dieser Region, die zu den ärmsten des Landes gehört, sind die Lebensbedingungen schwierig. «In den letzten zehn Jahren sind die Preise für chemische Düngemittel stark gestiegen und die Ernten wurden immer schlechter», berichtet der 32-jährige Bauer. «Es ist schwierig geworden, meine Familie zu ernähren, ohne mich verschulden zu müssen.»
Ein begünstigter Bauer trocknet seine Erdnüsse, um sie dann zu Öl zu pressen. Der Rest wird an die Tiere verfüttert.
Bleiben und wirken
Trotz der Schwierigkeiten hat sich Zau Sai dazu entschieden, auf seinem Land zu bleiben und weiter auf den Feldern zu arbeiten. Die meisten seiner Altersgenossen sind jedoch weg. Gewalttätige Konflikte und mangelnde Perspektiven treiben viele junge Menschen zur Migration nach China und Thailand. Besonders betroffen sind die ländlichen Gebiete. Mangelndes landwirtschaftliches Wissen, hohe Kosten für chemische Düngemittel und Pestizide, sowie der fehlende Zugang zu Krediten halten die Familien in Armut. Zudem bedroht der Klimawandel die Ernte der Bäuerinnen und Bauern in jeder Saison aufs Neue.
Angesichts dieser Herausforderungen lancierte SWISSAID hier ein Agrarökologie-Projekt. Ursprünglich für 21 Dörfer geplant, wurde das Projekt auf 24 weitere Dörfer ausgeweitet, wodurch nun insgesamt 45 Dörfer und 1’125 Bauernfamilien profitieren können. Zau Sai gehört zu den insgesamt 5’625 Begünstigten.
Im Jahr 2019 schloss er sich der von SWISSAID unterstützten Bauerngruppe an und erhielt Schulungen in nachhaltigen Landwirtschaftsmethoden. Er lernte viel über Fruchtfolge, Unkraut-, Schädlings- und Krankheitsbekämpfung und erkannte die Vorteile und Bedeutung hochwertigen Saatguts kennen. Sein neu erworbenes Wissen wendete er sofort auf seinem Familienbetrieb an. Der Erfolg blieb nicht aus: «Allein durch den Anbau von Chilis erzielen wir nun einen Gewinn, der das Vierfache der Produktionskosten beträgt. Einkommen, das für meine Familie überlebenswichtig ist», erzählt Zau Sai begeistert.
Ihre Spende verändert Leben
Geteilte Freude ist doppelte Freude
Zau Sai ist nicht der einzige Begeisterte. Seit Einführung des Projekts im 2017 weht ein Wind der Hoffnung durch die ganze Gemeinde. Eine Bäuerin erzählt stolz, dass sich ihre Erdnussernte dank agrarökologischer Techniken verdoppelt und die Menge der Sonnenblumenkerne verdreifacht haben. Und eine andere Bäuerin und Mutter von vier Kindern erklärt begeistert, dass sie ihre Gemüse jetzt nur noch alle zwei Tage, statt zweimal täglich giessen muss.
Daniele Polini, Leiter des Myanmar-Programms bei SWISSAID, unterstreicht die bedeutsame Wirkung der Agrarökologie. «Die Bäuerinnen und Bauern haben ihre Autonomie gestärkt. Neben den geringeren Ausgaben für Pestizide und Düngemitteln haben sie gelernt, ihre Einnahmen und Ausgaben effektiver zu verwalten und einen fairen Marktpreis für ihre Produkte festzusetzen. So können wir den Menschen dabei helfen, sich selbst zu helfen!»
Dank ihren Kenntnissen über nachhaltige Landwirtschaft, Buchhaltung und erleichtertem Zugang zu Krediten blicken die Menschen in den unterstützten Gemeinden optimistisch in die Zukunft. «Es hat sich viel verändert», berichtet eine Bäuerin aus dem Dorf Kaung Wai fröhlich. «Wir investieren, wir verbessern das Leben unserer Familien und wir haben sogar vor, Landbesitzer zu werden.»