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Um 1900 steht auf dem Rathausplatz der elegant gebogene Kandelaber mit der elektrisch betriebenen Kohlenbogenlampe. Gleich daneben, auf dem Brunnen, befindet sich noch die alte Gaslaterne, die viel kleiner und unscheinbarer ist. Undatierte Postkarte.
«Splendides Licht» – mit diesen Lobesworten begrüsste anno 1896 die Thuner Lokalpresse eine technische Neuheit, die damals in Thun Einzug hielt: elektrische Bogenlampen als effiziente Beleuchtung für Gassen, Strassen und Plätze. Die Kohlenbogenlampe hat ihren Namen nicht von der gebogenen Form des Kandelabers (der Jugendstil lässt grüssen), sondern vielmehr von einem Lichtbogen, welcher durch eine elektrische Entladung entsteht. Bei der Kohlenbogenlampe bestehen die Elektroden aus Kohlenstücken, welche durch die hohe Temperatur, die an den Ansatzstellen herrscht, abbrennen. Deshalb müssen die Kohlenstücke von Hand oder automatisch nachgestellt werden.
1896 begann die Stadt Thun mit der Montage von elektrischen Bogenlampen, welche allmählich die Gasbeleuchtung verdrängten. Ermöglicht wurde das Installieren der Kohlenbogenlampen durch die Inbetriebnahme des städtischen Elektrizitätswerks, das den notwendigen Strom lieferte. Ende 1896 waren 41 Bogenlampen aufgestellt, für eine kleine Stadt wie das damalige Thun eine respektable Zahl. Die von der Technischen Kommission ausgewählten Standorte waren natürlich Strassen und Plätze mit viel Verkehrsaufkommen: das Ober- und das Unterbälliz, der Rathausplatz, Hofstetten, Brücken (unter anderen die Sinne- und die Scherzligbrücke) und Strassenverzweigungen (beispielsweise Länggasse und Frutigenstrasse). Die letzte mit Gas betriebene Strassenlampe wurde allerdings erst 1940 ersetzt.
Kontroversen gab es über die Brenndauer während der Nacht. Ein Kompromiss wurde gefunden, indem man die Bogenlampen im Sommer um 24 Uhr und im Winter um 23 Uhr abschaltete. Die Bogenlampen waren allerdings störungsanfällig und mussten immer wieder repariert werden. Namentlich war auch das Nachstellen der Kohlenstücke recht aufwändig, weshalb die Stadt Thun bereits in den 1920er-Jahren die Bogenlampen sukzessive durch Strassenlaternen mit Glühbirnen ersetzte.
1896 installierte auch die AG Hôtels Thunerhof und Bellevue auf ihrem Areal 15 Bogenlampen, wollte sie doch mit den zahlreichen technischen Neuheiten der damaligen Zeit Schritt halten. Den Strom für die Kandelaber bezog die AG vom städtischen Elektrizitätswerk. Es ist erfreulich, dass zwei Bogenlampen auf dem Areal des ehemaligen Hotels Bellevue erhalten geblieben sind. Sie wurden schön restauriert. Allerdings werden sie nicht mehr mit dem System des Kohlenbogens betrieben, sondern mit heute üblichen Beleuchtungsmitteln.65