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Fatigue ist ein Zustand schwerer Erschöpfung, der nach angemessenen Erholungsphasen nicht verschwindet. Es handelt sich um eines der häufigsten Begleitsymptome bei Krebserkrankungen.
Fatigue wird entweder durch die Krebserkrankung selbst oder deren Behandlung (Operation, Chemotherapie, Bestrahlung, Immuntherapie) ausgelöst. Die genauen Ursachen sind unbekannt, es gibt lediglich Theorien zu Entstehung.
Die Diagnose lässt sich einfach anhand der geschilderten Beschwerden stellen, die Therapie umfasst Massnahmen, welche die Symptome lindern. Bei nachgewiesenen begünstigenden körperlichen Hintergründen werden die Beschwerden durch geeignete Behandlung beseitigt.
Für die Betroffenen und ihre Angehörigen bedeutet Fatigue eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität. Viele scheuen sich davor über ihren Zustand zu sprechen, weil sie glauben, die Müdigkeit als Folge des Krebses in Kauf nehmen zu müssen. Dabei können geeignete Massnahmen die Beschwerden oft lindern oder beseitigen.
Bei Fatigue handelt es sich um eine andauernde (persistierende) körperliche und geistige Erschöpfung in Form von Schwäche und Müdigkeit. Dieser Zustand tritt unabhängig von Anstrengung auf und verschwindet nach grösseren Ruhepausen nicht. Zudem beeinträchtigt er die normale Funktionsfähigkeit.
Der Begriff Fatigue stammt aus dem Französischen und bedeutet Ermüdung, Mattigkeit. Im Deutschen werden neben Fatigue Begriffe wie (Neur)Asthenie, Schwäche oder extreme Erschöpfung verwendet.
Fatigue ist ein häufiges Begleitsymptom bei Krebserkrankungen und muss in diesem Zusammenhang von anderen Formen schwerer Müdigkeitszustände wie dem Chronic Fatigue Syndrom (Chronisches Ermüdungssyndrom, CFS) unterschieden werden.
Verlässliche Zahlen zur Häufigkeit von Fatigue liegen nicht vor, da das Phänomen statistisch nur schwer zu erfassen ist. Im Zusammenhang mit Krebs schwanken die Angaben zwischen 15 und 95 Prozent der Betroffenen. Etwa 74 Prozent der an Krebs Erkrankten geben an, mindestens zeitweise während ihrer Erkrankung beziehungsweise Therapie unter Fatigue gelitten zu haben.
Fatigue ist eines der häufigsten Begleitsymptome bei einer Krebserkrankung. Vor allem die Art des Krebses und der Behandlung spielen bei der Ausbildung und Ausprägung der Fatique eine wesentliche Rolle. Besonders häufig werden Fatigue-Symptome bei Leukämien, Lymphomen, metastasiertem Brustkrebs und Prostatakrebs beobachtet.
Für Fatigue bei Krebs sind die genauen Ursachen bisher nicht geklärt. Als gesichert gelten jedoch einige Faktoren, welche die Erschöpfungszustände auslösen: Zum einen der Tumor selbst mit seinen gesundheitlichen Folgen, zum anderen aber vor allem einige der Behandlungsformen wie Chemotherapie und Strahlentherapie, operative Eingriffe oder die Immuntherapie mit sogenannten Zytokinen (Interferone, Interleukine). Dabei stehen zum Beispiel bei der Chemotherapie vor allem die Behandlungszyklen und die dadurch ausgelösten verminderten Zellzahlen im Blut bei der Fatigue im Vordergrund. Im Anschluss an eine besiegte Krebserkrankung kann über Monate oder Jahre eine Form der Fatigue bestehen bleiben.
Bösartige Tumoren bedeuten für die Betroffenen in der Regel eine andauernde, schwere Belastung, die seelischen und körperlichen Stress verursacht. So ist der Umgang mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung für die meisten Menschen eine extreme Herausforderung, die Angst vor dem Sterben und Hoffnung auf Heilung gleichermassen auslöst. Dies führt zum Beispiel zu Schlafstörungen, die natürlich zur Müdigkeit beitragen. Gleichzeitig wird der Körper in erheblichem Mass durch den Tumor, seine gesundheitlichen Folgen wie Blutarmut, Fieber, Nachtschweiss, Schmerzen, Übelkeit oder Gewichtsverlust, sowie die verschiedenen Behandlungsformen und ihre teilweise erheblichen Nebenwirkungen beansprucht. Die sogenannte Erschöpfungstheorie geht davon aus, dass diese ständige Belastung ein Grund für das Auftreten der Fatigue ist.
Man vermutet, dass eine Schädigung des Nervensystems, angefangen vom Gehirn bis hin zur Muskulatur, Ausgangspunkt für Fatigue bei Krebs sein könnte. Sowohl der Tumor selbst als auch seine Behandlung mit Chemotherapeutika, Zytokinen oder Bestrahlung rufen Stoffwechselveränderungen hervor, die zum Beispiel eine Schwächung der Muskeln bedingen. Vermutet wird auch eine Schädigung des Hypothalamus, einer Region im Gehirn, die für Wachheit und Aufmerksamkeit zuständig ist. Es kann zu verfrühten Wechseljahren mit einer Umstellung der hormonellen Gegebenheiten oder zu einer Unterfunktion der Schilddrüse kommen. Darüber hinaus bewirken Zytokine Veränderungen im Fett- und Eiweissstoffwechsel, die zum Abbau der Muskulatur und der Energiereserven führen. Zusammen münden diese Faktoren in die Symptome der Fatigue.
Ein biophysiologisches Erklärungsmodell (Piper-Modell) nimmt an, dass nicht einzelne Faktoren Auslöser von Fatigue sind, sondern eher das Zusammenspiel verschiedener krankheitsbedingter Vorgänge diese verursacht. Beispiele hierfür sind Veränderungen im Stoff- und Energiehaushalt mit der Ansammlung schädlicher Substanzen und dem Abbau von Energiereserven, Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus und bestimmte Folgen des Tumors wie Gewichtsverlust oder Fieber. Weitere Auslöser für Fatigue sind die Behandlungsverfahren bei Krebs und ihre Nebenwirkungen, eine veränderte Sauerstoffversorgung durch tumor- oder behandlungsbedingte Blutarmut, aber auch der individuelle Umgang des jeweiligen Betroffenen mit der Krankheit und die Reaktion der Umwelt darauf.
Bei Fatigue bei Krebs sind die Symptome unterschiedlich und treten nicht immer gleichzeitig auf. Als führendes Beschwerdebild zeigt sich in der Regel chronische Erschöpfung und Müdigkeit. Begleitende Beschwerden sind unter anderem:
Anders als bei normaler Müdigkeit verschwindet bei Fatigue das Gefühl der schweren Erschöpfung nach Ruhepausen oder längerem Schlaf nicht.
Bei Fatigue ergibt sich die Diagnose in der Regel aus der Krankheitsgeschichte und der Schilderung der aktuellen Beschwerden. Häufig werden die Beschwerden bei der Fatigue für normale, unumgängliche Begleiterscheinungen der Krebserkrankung gehalten und deshalb nicht erwähnt. Nachdem die genauen Symptome der Fatigue besprochen wurden, gilt es, im Einzelfall bedeutsame Ursachen herauszufinden. Hierzu können sich detaillierte Befragungen und verschiedene Untersuchungen anschliessen. Durch Blutuntersuchungen kann zum Beispiel abgeklärt werden, ob eine Blutarmut, Eisenmangel, Infektionen oder Stoffwechselstörungen vorliegen.
Bei Fatigue ist der erste Schritt der Therapie ein Beratungsgespräch mit dem behandelnden Arzt. Dabei werden die Betroffenen ausführlich über Fatigue bei Krebs informiert. Für Angehörige ist es erfahrungsgemäss eine grosse Hilfe, den Grund für die wiederkehrenden Erschöpfungszustände und seelischen Verstimmungen bei den Betroffenen zu kennen, um besser damit umgehen zu lernen.
Die Therapie der Fatigue besteht aus der ursachenspezifischen und der symptomatischen Behandlung. Zur ursachenspezifischen Therapie gehört die Beseitigung körperlicher Hintergründe der Fatigue. Hierzu zählen zum Beispiel die Blutarmut sowie Organ- und Hormonveränderungen. Verschiedene Medikamente wie Schlaf- oder Schmerzmittel oder Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen können zusätzlich Fatigue verursachen. Bei starken Fatigue-Beschwerden ist es möglich zu prüfen, ob eine Verringerung der Dosis oder eine Umstellung der Medikamente sinnvoll sind.
Die symptomatische Therapie umfasst verschiedene Strategien, um die Beschwerden zu lindern. In einigen Fällen werden stimulierende oder antidepressive Medikamente eingesetzt. Der Wirkungseffekt ist jedoch noch nicht eindeutig geklärt. Körperliche Bewegung in Form leichten Ausdauertrainings hat häufig positive Auswirkungen. Die weit verbreitete Vorstellung, Personen mit Krebs sollten sich schonen, führt bei vielen zu anhaltendem Bewegungsmangel mit einer Abnahme der Muskelmasse und der Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems. Leichte körperliche Belastung kann diesen Effekten entgegenwirken, wobei regelmässiges Gehen, Joggen, Velofahren oder Schwimmen besonders zu empfehlen sind. Lediglich bei Fieber, Knochenmetastasen oder Mangelernährung ist ein Bewegungstraining nicht empfehlenswert.
Treten Schlafstörungen im Rahmen der Fatigue auf, kann eine Änderung der Schlafgewohnheiten den Zustand verbessern. Auch eine Schlafanalyse gibt Aufklärung über die Ursachen der Schlafprobleme. Falls trotz allgemeiner Massnahmen weiterhin Schlaflosigkeit besteht, können Schlafmitteln verschrieben werden. Auf keinen Fall ist es ratsam, solche Mittel auf eigene Faust einzunehmen, da sich Schlafstörungen langfristig eher verschlimmern.
Verhaltenstherapie und Stressreduktion können Schlafstörungen positiv beeinflussen. Lassen sich die Symptome der Fatigue nur unzureichend behandeln, ist es hilfreich, ein Fatigue-Tagebuch zu führen. Dadurch können bestimmte Aktivitäten gezielt in den Tagesablauf eingeplant und zu Zeiten durchgeführt werden, in denen die Leistungsfähigkeit am grössten ist.
Die Fatigue bei Krebs kann in ihrer Intensität sehr schwankend sein. Ob und wann im Verlauf einer Krebserkrankung oder -behandlung Fatigue auftritt, ist nicht vorhersehbar. Allerdings lassen sich bei den einzelnen Behandlungsarten bestimmte Charakteristika erkennen. So beginnt Fatigue bei einer Chemotherapie gewöhnlich drei bis vier Tage nach Beginn der Behandlung und erreicht ihren Höhepunkt nach zehn bis vierzehn Tagen. Mit zunehmender Zahl der Chemotherapiezyklen steigt der Anteil der Betroffenen. Bei operativen Eingriffen treten Fatigue-Symptome in der Regel in relativ engem zeitlichem Zusammenhang zur Operation auf und verschwinden innerhalb weniger Wochen. Nach einer Bestrahlung dagegen hält die Fatigue in manchen Fällen mehrere Monate lang an. Bei einer Immuntherapie mit Zytokinen sind die Beschwerden mitunter so stark, dass die Behandlung unterbrochen werden muss.
Fatigue wird von den Betroffenen als erhebliche Beeinträchtigung des Wohlbefindens und der Lebensqualität erlebt. Durch die Abnahme ihres geistigen und körperlichen Leistungsvermögens können sie normale alltägliche Arbeiten im Haushalt oder Beruf nicht mehr ausführen. Soziale Kontakte werden aufgrund von Erschöpfung und depressiver Verstimmung seltener. Die drohende Isolation und das daraus resultierende Unwohlsein verstärken wiederum die allgemeinen Erschöpfungszustände und seelischen Verstimmungen – ein Teufelskreis entsteht.
Menschen, bei denen eine Krebserkrankung diagnostiziert wurde oder die sich einer Chemo- und Strahlentherapie unterziehen müssen, haben nur begrenze Möglichkeiten der Fatigue vorzubeugen. Hierzu gehören eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Schlaf, gesunder Ernährung und leichter sportlicher Betätigung.
Es ist ratsam, begünstigende Faktoren der Fatigue, wie zum Beispiel Schlafstörungen oder Stress, nach Möglichkeit frühzeitig durch geeignete Massnahmen zu beseitigen. In der Krebsdiagnostik und Therapie ist es empfehlenswert, das Thema Fatigue anzusprechen, um keine eventuellen Beschwerden zu übersehen und die Behandlung zu verzögern.