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Er publizierte mehrere Romane, malte, komponierte, filmte und agierte als Schauspieler. Seine Stücke und Musicals wurden am Broadway aufgeführt, seine Alben machten ihn zu einem frühen Rapstar avant la lettre, mit seinem berühmtesten Werk schrieb er Filmgeschichte. Und doch blieb er als Schwarzer zeitlebens «visibly invisible», sichtlich unsichtbar, im westlich-weissen Kulturkanon. Vielleicht weil er in seinen Werken den Rassismus so schonungslos wie subversiv anprangerte, und das erst noch aus der Perspektive der Unterschicht?
Geboren 1932 in Chicagos South Side, hielt er die Füsse gerade lange genug für einen Bachelor in Literatur still, bevor er 1953 in die US Air Force eintrat. Zu dieser Zeit heiratete er die deutsche Fotografin Maria Marx, 1957 kam das erste von vier Kindern zur Welt. Da arbeitete er bereits als Tramchauffeur in San Francisco, schrieb an einem Buch und drehte erste Kurzfilme, inspiriert von den theoretischen Schriften von Sergei Eisenstein. Die Studios in Hollywood zeigten sich allerdings gänzlich unbeeindruckt, so musste er sich als Liftboy verdingen.
Die nächsten Stationen führten die wachsende Familie über Mexiko nach Holland und Frankreich. Ermuntert von Henri Langlois von der Cinémathèque française, wandte er sich erneut dem Film zu und adaptierte einen seiner Romane, die er inzwischen auf Französisch publiziert hatte, für das Kino. «La Permission» (1968) gewann am Filmfestival in San Francisco einen Preis – und der Regisseur, den man aufgrund seines Namens für einen «French Auteur» hielt, endlich einen Vertrag mit Hollywood.
Die Liebe war von kurzer Dauer, weil der Filmemacher sich weigerte, in einer Komödie, in der ein weisser Rassist über Nacht zum Schwarzen wird, «Blackfacing» einzusetzen, und auch das gewünschte Happy End (alles war nur ein böser Traum) verweigerte. Sein nächster Film war dann eine wahrlich unabhängige Produktion: Er schrieb das Drehbuch, führte Regie, komponierte die Filmmusik, zeichnete für den experimentellen Schnitt verantwortlich – und spielte auch gleich die Hauptrolle. Die Zensurbehörden stuften den Film als exzessiv gewalttätig und sexuell aufgeladen ein, was er auf T-Shirts mit dem Aufdruck «Rated X by an all-white jury» vermarktete. Die Black Panthers erklärten den Film 1971 zum Pflichtprogramm, während ein etwas konservativerer Schwarzer Intellektueller empört schrieb: «You can’t fuck your way to freedom!»
Wer war der am 21. September 2021 verstorbene Regisseur dieses stilbildenden Films mit den vielen «s» im Titel?
Wir fragten nach Melvin Van Peebles (1932–2021), Galionsfigur des unabhängigen Schwarzen Kinos. Seine Spuren finden sich in Werken von Spike Lee bis Barry Jenkins, sein Film «Sweet Sweetback’s Baadasssss Song» (1971) gilt als Geburtsstunde des Blaxploitation-Genres. Fast vierzig Jahre nach seinem Kinoerfolg wurde der Film im vergangenen Jahr endlich für sein subversives Spiel mit Geschlechterrollen, Identität und politischer Repräsentation zum nationalen Kulturerbe der USA erklärt.