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Stilkunde
Louis-Philippe
Das Louis-Philippe, auch „zweites Rokoko“ genannt, ist eine Stil- und Ausdrucksform des frühen Historismus (1840-1870), welche den Rokoko Stil des 18. Jahrhunderts wieder aufleben lies. Benannt nach dem französischen Bürgerkönig Louis Philippe. Die technischen und industriellen Neuerungen gaben dem aufstrebenden bürgerlichen Mittelstand die Möglichkeit, sich dank ökonomischer Herstellungsverfahren, zu moderaten Preisen „höfisch“ einzurichten.Während das Louis- Philippe in Frankreich bereits um 1830 Einzug in die bürgerlichen Wohnungen hält, kommt es in Deutschland vermehrt nach 1840 in Mode. Auch von der Aristokratie wird das Louis-Philippe hoch geschätzt und gilt sogar als Repräsentationsstil. Die Preußen erklären das Neo-Rokoko zum offiziellen Hofstil.
Jugendstil
Jugendstil ist der deutsche Begriff für die international bedeutsame Stilrichtung in der angewandten und bildenden Kunst, die sich um 1890/95 entwickelt und bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts anhält. In Deutschland wird die neue Kunstrichtung nach der seit 1896 in München erscheinenden Zeitschrift „Jugend“ benannt, die sich für die Verbreitung des Stils engagiert und zum frühen Forum dieser Bewegung wird. In Frankreich und Belgien wird der Stil „Art Nouveau“, in Österreich „Sezessionsstil“, in den Niederlanden „Nieuwe Kunst“, in Italien „Stile florale“ oder „Stile Liberty“ (nach einem einflußreichen englischen Vertreter dieser Stilrichtung), in England und im angloamerikanischen Raum „Modern Style“ genannt.
Louis-Seize
Louis-Seize, der Übergang vom Rokoko zum Klassizismus in Frankreich während der Regierungszeit Ludwigs XVI., aber auch schon der vorhergehenden 15 Jahre. In Deutschland auch Zopfstil genannt. Er bezeichnet vor allem die im Vergleich zum Rokoko stille, wieder streng symmetrische Klarheit von Formen (Lyra, Vase, antike Ornamentfriese) und Farben der Möbel und Dekoration.
Gründerzeit
Historismus ist der kunststilistische Überbegriff für mehrere kurzfristig aufeinander folgende bzw. gleichzeitig erfolgende Neostile von etwa 1830/40 bis 1914 (Jugendstil ausgenommen). Ohne einen eigenen Stil zu entwickeln, wurden Formen vergangener Stilepochen übernommen. Die Stile Neogotik, Zweites Rokoko (Louis-Philippe), Neorenaissance (in Deutschland: Gründerzeit), Drittes Rokoko und Drittes Barock bringen keine eigenständigen Formen hervor. Typisch für diese „Neo“-Stile, ist allein der Rückgriff auf die vergangenen Epochen. Hinzu tritt eine Vorliebe für alles orientalische, japanische, chinesische, türkische, indische, persische und arabische Motive werden vor allem im Kunsthandwerk gerne verwendet.
Biedermeier
Biedermeier ist kunstgeschichtlich die letzte Stilphase des Klassizismus. Es setzt nach dem Louis-Seize und dem Empire etwa um 1815 als Frühbiedermeier ein, erfährt zwischen 1820 und 1830 seine stilreinste Ausprägung und geht etwa um 1830 in das Spätbiedermeier über, welches bis 1848 andauerte. Insgesamt erfolgt die Ausbreitung des Biedermeier-Stils vorwiegend im deutschsprachigen Raum und steht für bürgerliche Wohnkultur. Das Mobiliar diente in dieser Zeit weniger repräsentativen Zwecken als vielmehr der von den Zeitgenossen geschätzten Gemütlichkeit. Es war in erster Linie funktionell. Typisch sind Schreibmöbel und kleinere Möbel wie zum Beispiel Nähtischchen, häufig mit dem „Lyra-Motiv“ versehen.
Empire
Der reine Empire-Stil kennzeichnet sich durch eine strenge, klare und meist gradlinige Grundform. Schmuck und Zierrat zeigen ägyptische, griechische und römische, der Antike entnommene Motive. Löwen, Adler, geflügelte Stiere, Schwäne, Sphingen, Pferde, Urnenvasen, Kränze oder Girlanden zieren die Möbel in dominanter Weise. Dazu kommen Pilaster, Säulen, Kapitelle, Hermen, Karyatiden und Obelisken. Aber auch Ornamente wie das Mäanderband oder der Eierstab finden häufig als Beschläge Verwendung. Vorliebe für ebonisierte Hölzer und Mahagoni in meist furnierter Verarbeitung. Der Empire-Stil zog sich als Repräsentationsstil ohne Unterbrechung bis zu Spätformen nach 1840 hin.
Rokoko
Die Bezeichnung Rokoko leitet sich von dem Begriff der Rocaille ab und bedeutet Muschelwerk. Rokoko als Stil bezeichnet die Spätphase des Barock. Vorbereitet durch das Régence (1715-1723) entstand es um 1730 im Louis-Quinze als Dekorationsstil des Pariser Stadtadels und war eine Reaktion auf das offizielle Louis-Quartorze. Im Rokoko wird der schwere Stil des Barock in spielerische und schwungvolle Formen aufgelöst. Das Rokoko ist geprägt von Asymmetrie. Das typische und einmalige Stilelement ist die Rocaille und die C- und S-förmige Volute. Häufig sind Arrangements aus Pflanzen, Blüten, Vögeln, Schmetterlingen, Gittermustern und Rosetten in geschnitzter Form oder in gemalter Form auf ländlichen Möbeln. Erstmals werden Klein- und raffinierte Kombinationsmöbel, wie Spiel-, Kaffee-, Toiletten- und Schreibtische und so genannte Beistellmöbel gefertigt.
Barock
Das Barock ist der Inbegriff des „Höfischen“, wobei Frankreich mit seinen Königen die kulturell führende Rolle spielt. Aber auch in England, Italien, Holland und Deutschland bilden sich eine oder mehre landestypische barocke Stilformen aus, die alle das gleiche Ziel haben: kraftvolle, üppige Formen und die Schaffung von prachtvollen, reich geschmückten Repräsentationsobjekten. Schränke zeigen jetzt sehr starke, ausladende Gesimse, die oft von freistehenden oder gedrehten Säulen getragen werden. Schnitzereien sind weniger betont. Sie werden durch neue ausgefeilte Marketeriearbeiten in kostbarsten Materialien ersetzt. Ausgesprochen typische Möbel wie der nur mit Hohlkehle und Wulst dekorierte Frankfurter Wellenschrank oder die in ganz Norddeutschland stilprägenden pompösen Schappschränke entwickeln sich.
Renaissance
Das französische Wort „Renaissance“ bedeutet Wiedergeburt. Bei den Möbeln der Renaissance wurden erstmals die Stilelemente der Architektur direkt auf die Möbel übertragen. So entstanden beispielsweise Kastenmöbel mit Sockel und aufgesetzter, herausragender Attika, und Tische wurden von Balustern getragen. Das am weitesten verbreitete Möbelstück jedoch blieb, wie bereits in der Gotik, die Truhe. Neu anzutreffen ist der Stollenstuhl der als Vorfahr des heutigen Stuhls gilt.