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Polen: paralleler Bau von zwei Kernkraftwerken angekündigt
Jacek Sasin, der stellvertretende polnische Ministerpräsident hat gegenüber den polnischen Medien den parallelen Bau der ersten beiden polnischen Kernkraftwerke angekündigt. Ein Kernkraftwerk wird vom polnischen Staat zusammen mit der amerikanischen Westinghouse Electric Company am Standort Lubiatowo-Kopalino gebaut. Gleichzeitig soll ein privat finanziertes und staatlich unterstütztes Kernkraftwerk am Standort Patnow zusammen mit der südkoreanischen Korea Hydro and Nuclear Power (KHNP) gebaut werden. Beide Kraftwerke sollen 2033 ans Netz gehen.
Polen will in die Kernenergie einsteigen und dazu bewährte grosse Druckwasserreaktoren der Generation III und III+ mit einer installierten Leistung von 6000 bis 9000 MW bauen. Dies in einem staatlichen Projekt am Standort Lubiatowo-Kopalino in der Gemeinde Choczewo an der Ostsee.
Der polnische Premierminister Mateusz Morawiecki verkündete am 28. Oktober 2022 in einem Twitter-Beitrag, dass Polen das amerikanische Unternehmen Westinghouse als Reaktorlieferanten für das erste polnische Kernkraftwerk am Standort Lubiatowo-Kopalino ausgewählt habe: «Ein starkes polnisch-amerikanisches Bündnis garantiert den Erfolg unserer gemeinsamen Initiativen. Nach Gesprächen mit der amerikanischen Vizepräsidentin Kamala Harris und amerikanischen Energieministerin Jennifer Granholm bestätigen wir, dass unser Kernenergieprojekt die zuverlässige und sichere Technologie der Westinghouse Electric Company verwenden wird.» Der Entscheid Polens wurde in den Twitter-Beiträgen von Energieministerin Jennifer Granholm und Vizenpräsidentin Kamela Harris begrüsst. Unternehmen aus der Nuklearindustrie aus den USA, Frankreich und Südkorea hatten zuvor Offerten für die Lieferung von Reaktoren eingereicht.
Westinghouse reichte sein Angebot zum Bau von sechs AP1000-Blöcken am 12. September 2022 bei der polnischen Regierung ein. Dies zusammen mit einer detaillierten Machbarkeitsstudie im Rahmen eines zwischenstaatlichen Abkommens zwischen der USA und Polen.
Privatwirtschaftliches Patnow-Kernkraftwerksprojekt mit Südkorea
Am 31. Oktober 2022 gab der stellvertretende polnische Ministerpräsident Jacek Sasin gegenüber dem polnischen Sender Polsat bekannt, dass Polen bis 2033 zwei Kernkraftwerke in Betrieb haben werde. Er bezog sich dabei auf die Unterzeichnung einer Absichtserklärung eines Entwicklungsplans für ein Kernkraftwerk am Standort Patnow in Zentralpolen. Die Erklärung wurde gleichentags zwischen dem polnischen Ministerium für Staatsvermögen, dem koreanischen Ministerium für Handel, Industrie und Energie, den polnischen Energieunternehmen ZE PAK und Polska Grupa Energetyczna SA (PGE) sowie der südkoreanischen Reaktorlieferantin KHNP geschlossen. Gemäss Sasin wird das Patnow-Kernkraftwerksprojekt privatwirtschaftlich finanziert, aber zugleich auch «von der polnischen Regierung unterstützt».
In der polnischen Regierungserklärung zum Patnow-Projekt lässt Sasin verlauten: «Wir brauchen billige und stabile Energiequellen in Polen. Die Kernenergie ist […] insbesondere in der aktuellen geopolitischen Situation, unverzichtbar. Die Initiative von ZE PAK und PGE ist äusserst interessant, weil sie die strategischen Ziele Polens und Polens [Bestrebungen nach] billiger Energie und Energieunabhängigkeit umsetzt. Gemäss der von der polnischen Regierung im Jahr 2021 verabschiedeten polnischen Energiepolitik bis 2040 ist Patnow einer der potenziellen Standorte für ein Kernkraftwerk in Polen.» Zudem betonte er den weiteren Nutzen des Kernkraftwerksprojekts, das in Polen 40'000 Arbeitsplätze schaffen und der polnischen Wirtschaft viele Aufträge sowie dem Land grosse Steuereinnahmen bringen werde.
Polen will drittes Kernkraftwerk an einem weiteren Standort bauen
Das Kernenergie-Informationsportal NucNet geht davon aus, dass die jüngsten Äusserungen von Jacek Sasin den Schluss zulassen, «dass ein Kernkraftwerk in Patnow eine Ergänzung zu den vorgeschlagenen Plänen für die Errichtung von bis zu sechs Reaktorblöcken an einem oder mehreren Standorten im Rahmen des Nuklearprogramms der polnischen Regierung sein könnte». Gegenüber dem polnischen Radio 1 habe Sasin erklärt, dass sich beide Investitionen – die von Westinghouse und die von KHNP – gegenseitig ergänzen werden. «Wir werden dieses grosse polnisch-amerikanische Projekt zur gleichen Zeit durchführen», sagte Sasin und fügte hinzu: «Ich betone das, damit nicht die Illusion entsteht, die Südkoreaner würden die Amerikaner ersetzen – nein. Es handelt sich um zwei komplementäre Projekte.» Die Beteiligung von KHNP am Patnow-Projekt werde nicht nur die Reaktortechnologie, sondern auch südkoreanisches Kapital einbringen. Laut Regierungserklärung müssen die beteiligten Unternehmen ZE PAK, PGE und KHNP allerdings noch die Einzelheiten der Investitionen aushandeln.
Gemäss NucNet hat Sasin überdies gesagt, dass Polen ein drittes Kernkraftwerk im Rahmen des Nuklearprogramms der Regierung haben will, er weigerte sich jedoch zu bestätigen, ob es von Westinghouse gebaut werden wird. Sasin sehe die Kernenergie als «wichtiges Grundelement» im polnischen Energiemix, das den Einsatz erneuerbarer Energiequellen unterstütze.
Quelle
B.G. nach NucNet, 1. November 2022; polnisches Ministerium für Staatsvermögen, Medienmitteilung, 31. Oktober 2022; Polsatnews.pl, Medienbericht, 31. Oktober 2022, sowie Twitter-Beiträge von Mateusz Morawiecki, Jennifer Granholm und Kamela Harris
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