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Wirtschaften für den Bedarf
Ich betrete ein Warenhaus und staune ob der Fülle des Angebotenen. Alles ist so einladend präsentiert, dass sich in mir eine Kraft meldet, die am liebsten zugreifen möchte. Aber ich will diese Dinge doch gar nicht haben, sie würden mich nur von dem abhalten, was ich eigentlich will. Der Verdacht steigt auf, dass ich vieles nur wegen der suggestiven Werbung kaufe und nicht, weil ich es brauche. Wenn ich mich weiter umschaue in der heutigen Zivilisation, bemerke ich vielleicht am Wochenende den Verkehr auf einer Autobahn. Wie viel davon ist wirklich nötig, meinetwillen auch als Vergnügen, und wie viel ist sinnloser Zeitvertreib? Auch wenn es sinnlos ist, muss alles, was ich verbrauche, hergestellt werden und zwar immer auf Kosten der Natur und menschlicher Arbeit.
Diese Form von Freizeitkonsum hat viele Ursachen, aber eine der wichtigsten besteht sicher darin, dass die heutige Wirtschaft grundsätzlich auf den Erwerb ausgerichtet ist und nicht auf den Bedarf. Die Lehre der Erwerbswirtschaft behauptet, dass alle Menschen nach Gewinn streben und nur arbeiten, weil sie dafür Lohn bekommen. Produziert werde etwas, was gebraucht wird, nur deshalb, weil etwas anderes nicht verkauft werden könnte. Rudolf Steiner empfahl, das ganze wirtschaftliche Denken umzukrempeln und die Erwerbswirtschaft in eine Bedarfswirtschaft umzuwandeln. Diese Veränderung ist so grundlegend, dass ein großer Teil der Vorgänge ganz anders angeschaut werden muss.
Der Bedarf soll der Wirtschaft Richtung und Impuls geben. Er darf nicht von der Wirtschaft hervorgerufen werden, sondern er kommt aus dem Kulturzustand der Menschen und ist für die Wirtschaft etwas Gegebenes. Das bedeutet, dass alle wirtschaftlichen Unternehmen (nicht nur gemeinnützige Einrichtungen) ein ideelles Ziel brauchen. Ihr oberstes Ziel muss sein, einen realen Bedarf zu decken. Niemand sollte eine Arbeit leisten müssen, die nicht dieser Bedarfsdeckung dient. Arbeitsbeschaffung durch Wirtschaftswachstum, die von vielen als politisches Ziel erstrebt wird, ist wirtschaftlich sinnlos und sozial verfehlt, weil es besser wäre, wenn die dafür aufgewendete Arbeit auf den sozialen und kulturellen Bereich verlegt würde, wo sie dringend notwendig ist.