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Der durch das neue Coronavirus verursachten Krankheit hat die WHO am 11. Februar 2020 einen offiziellen Namen gegeben: COVID-19, kurz für «coronavirus disease 2019» oder auf Deutsch Coronavirus-Krankheit 2019
Sollte mein Kind bei der IMPFUNG prioritär behandelt werden ?
Stellungnahme der Schweizerischen Gesellschaft für pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie (SGPED) zur COVID-19-Impfung:
Kinder und Jugendliche mit Typ 1 Diabetes gehören nicht zur Risikogruppe und erleiden keinen Nachteil durch eine spätere Impfung. Gemäss den Empfehlungen des BAG (OFSP) werden Personen mit Diabetes und einem hohen HbA1c-Wert von ≥ 8% HbA1c (≥ 64 mmol/mol) unabhängig von ihrem Alter und der Unterscheidung zwischen Typ 1 und Typ 2 Diabetes in die Gruppe der für COVID-19 gefährdeten Personen eingestuft.
Laut der Arbeitsgruppe der Schweizerischen Gesellschaft für pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie (SSEDP / SGPED) haben Kinder und Jugendliche mit Typ 1 Diabetes, selbst wenn sie einen HbA1c-Wert ≥ 8% haben gemäss heutigem Wissensstand, kein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf. Die Arbeitsgruppe der SSEDP/SGPED empfiehlt daher, die Impfung für diese Patienten nicht zu priorisieren, da es für junge Patienten kein Problem darstellt, wenn sie später und wie ihre nicht-diabetischen Altersgenossen geimpft werden. Die Empfehlungen des BAG (OFSP) enthalten aus pragmatischen Gründen keine Altersdifferenzierung. Die SSEDP/SGPED-Arbeitsgruppe ist der Ansicht, dass dies jedoch erforderlich ist. Die aktuelle wissenschaftliche Literatur zeigt, dass bei Menschen über 50 Jahren mit Typ 1 Diabetes und einer ungünstigen Stoffwechsellage ein erhöhtes Risiko für schwere Erkrankungen oder sogar tödliche Folgen von COVID-19 besteht. Jüngste Zahlen aus Großbritannien zeigen, dass das Durchschnittsalter von Patienten mit Typ 1 Diabetes, die im Krankenhaus an COVID-19 Infektion gestorben sind, 72 Jahre und mit Typ 2 Diabetes 78 Jahre beträgt und dass keine Person mit Diabetes unter 20 Jahren wegen einer COVID-19 Erkrankung hospitalisiert werden musste.
Sobald die COVID-19-Impfstoffe für Kinder und Jugendliche zugelassen sind, wird die Impfung von jungen Menschen mit Typ 1 Diabetes ebenso wie die Grippeimpfung uneingeschränkt empfohlen.
https://www.revmed.ch/RMS/2021/RMS-N-726/Les-enjeux-pediatriques-autour-de-la-pandemie-de-Covid-19
https://www.revmed.ch/RMS/2021/RMS-N-726/Faudra-t-il-vacciner-les-enfants-contre-le-Covid-19
Aus den gleichen Gründen gilt die Familie eines Kindes mit Diabetes oder einer hormonellen Störung grundsätzlich nicht als prioritäre Gruppe.
COVID-19 wird generell durch Schleimhäute hindurch exponiert. Jeder Mensch könnte für die Krankheit empfänglich sein oder diese übertragen. Die Inkubationszeit beträgt im Allgemeinen 3-7 Tage.
Bisherige Daten weisen darauf hin dass die pädiatrische Altersgruppe (0-18 Jahre) die am wenigsten betroffene ist (World Journal of Pediatrics (2020)). Betroffene Kinder hatten niedriges bis mittleres Fieber, sogar kein Fieber. Atemwegssymptome (Husten, Schnupfen, Atemnot) und andere Symptome scheinen im Verlauf der Erkrankung auftreten zu können, meist nach einer Woche. Die Erholung scheint innerhalb von 1-2 Wochen zu erfolgen.
Es besteht also eine sehr gute Chance, dass Ihr Kind auch bei einer Exposition nicht schwer beeinträchtigt wird.
Coronaviren können bei Menschen mit Diabetes und einer kardiovaskulären, pulmonalen oder renalen Komplikation schwerwiegendere Symptome und Komplikationen verursachen. Das Risiko hierfür erscheint durch die alleinige Diagnose Diabetes aber nur gering erhöht, und zwar nach derzeitigen Kenntnisstand um den Faktor 1.6 (Literaturhinweis: doi: doi.org/10.1101/2<ip-pii>27664). Dieser Faktor kann möglicherweise je nach Diabeteseinstellung variieren. Daten zu Kindern mit Typ1 Diabetes gibt es derzeit nicht.
Es liegen derzeit keine Hinweise vor, dass Kinder mit anderen Hormonerkrankungen die eine Hormonersatztherapie benötigen ein höheres Risiko haben. Ausdrücklich verweisen wir auf die Notwendigkeit, die Hormonersatztherapie nicht zu unterbrechen !
Die derzeitige Datenlage weisen darauf hin dass bei Kindern mit Typ 1 Diabetes oder einer anderen Hormonstörung sehr gute Chance bestehen dass sie auch bei einer Exposition nicht schwer beeinträchtigt sind. Daher gelten für Kinder mit Diabetes die gleichen Regeln wie für jedes andere Kind in der Schweiz ohne Gesundheitsbeeinträchtigung. Wir empfehlen wie für jedes andere Kind die allgemeinen Massnahmen und Empfehlungen des Bundes zu befolgen.
Allgemein gilt:
- Derzeit sind keine COVID-spezifisch gefährdeten Kinder identifizierbar
- Es gibt keinen Beweis dafür, dass das Sars-Cov-2-Virus mehr adipöse Patienten infiziert als Personen mit einem Gewicht, das als im Normbereich liegend betrachtet wird
- ältere Patienten mit schwerer Adipositas sind möglicherweise anfälliger für die Auswirkungen einer CoV-2-SARS-Infektion und weisen bei Vorliegen von Komplikationen ein höheres Risiko für schwere Komplikationen auf
Aufgrund der geringen Fallzahlen im Kindesalter sind derzeit generell keine evidenzbasierten Empfehlungen möglich.
Speziell für unsere Fachrichtung geben wir folgende Empfehlung basierend auf Erfahrung und dem engen Austausch mit unseren Schwestergesellschaften in Italien, Frankreich, Belgien, Luxemburg und Deutschland.
Diabetes Typ 1
Keine Einschränkung
Endokrinopathien unter Hormonsubstitution
Keine Einschränkung
Übergewicht
Keine Einschränkung
Adipositas (BMI>97P) inklusive schwere Adipositas (BMI>99) ohne Co-Morbiditäten
Keine Einschränkung
Syndromale Adipositas (Prader Willi etc) und Adipositas (BMI>97P) mit Vorliegen von Co-Morbiditäten wie Herz-/Kreislauferkrankungen, Diabetes Mellitus, Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz oder Atemstörungen
Diese Patienten sind möglicherweise anfälliger für die Auswirkungen einer Infektion mit SARS CoV-2 und haben ein höheres Risiko für schwerwiegende Komplikationen.
Eine individuelle Beurteilung ist erforderlich.
*Die Empfehlungen können bei Publikation neuer Daten geändert werden
Allgemein gilt bei COVID-19 Erkrankung, wie bei jeder Krankheit, dass wenn ihr Kind Symptome wie Husten, hohes Fieber und Atemnot haben sollte, Ihr Kind das Insulin oder die verschriebene Hormonersatztherapie unbedingt weiter nehmen muss. Es gelten die üblichen Regeln der Insulin-Therapieanpassung und –überwachung oder der Hormontherapie-Anpassung (z.B. die Erhöhung einer Hydrokortison-Dosierung) , wie bei jeder Erkrankung. Sie können bei Fragen zur Diabetesbehandlung im Krankheitsfall jederzeit den Telefondienst Ihres Diabetes- oder Endokrinologenteams anrufen.
Wenn Ihr Kind an Diabetes leidet und Sie glauben, dass es möglicherweise dem Coronavirus ausgesetzt waren oder erkrankt sein könnten, befolgen bitte Sie die aktuellsten Ratschläge des Bundesrates:
- Abstand halten – zum Beispiel ältere Menschen durch genügend Abstand schützen, beim Anstehen Abstand halten, bei Sitzungen Abstand halten.
- Gründlich Hände waschen
- Hände schütteln vermeiden
- In Papiertaschentuch oder Armbeuge husten und niesen
- Bei Fieber und Husten zu Hause bleiben
- Nur nach telefonischer Anmeldung in Arztpraxis oder Notfallstation
Allgemeine Prinzipien des Diabetesmanagements während der Krankheit (modifiziert von den ISPAD-Richtlinien) :
- Häufigere Überwachung von Blutzucker und Ketonen (Blut oder Urin).
- Blutzuckerwerte zwischen 4 und 10 mmol/L und Blutketone unter 0,6 mmol/L, wenn das Kind krank ist.
- NIEMALS INSULIN STOPPEN: Wenn FIEBER vorliegt, ist der Insulinbedarf in der Regel erhöht.
- Überwachen und erhalten Sie die Flüssigkeitsaufnahme mit einem angemessenen Gleichgewicht von Salz, Wasser und Zucker.
- Behandeln Sie die Krankheit und die zugrundeliegenden Symptome (Fieber), vorzugsweise mit Paracetamol.
- Anhaltendem Fieber oder Erbrechen und/oder deutlichem Gewichtsverlust, was auf eine erhöhte Dehydrierung (Wasserverlust) hindeutet.
- fruchtigem Atemgeruch (Aceton), der bestehen bleibt oder sich verschlechtert / Blutketonkörper >1,5 mmol/l oder erhöhte Harnketone trotz zusätzlicher Gabe von Flüssigkeit, Insulin und Zucker .
- Erschöpfung, Verwirrtheit, Hyperventilation oder bei starken Bauchschmerzen.