Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03473.jsonl.gz/538

Glow
Regie: Gabriel Baur
Mitw.: Lady Shiva, Ursula Rodel, Dressed Up Animals, Federico Emanuel Pfaffen, Tabea Blumenschein, Boris Blank, Karl Lienert, Christoph Müller, Isabella Glückler u.a.
Sie selber nannte sich Lady Shiva, für andere hiess sie «Marilyn Monroe von Zürich». Wie letztere war sie ein früh verglühter Stern; mit nur 37 Jahren starb sie 1989 bei einem Unfall: Irene Staub, Performerin, Model, Muse, Diva – und Prostituierte im Zürcher Niederdorf. Spätestens seit 1978 der Bildband «Liebes Leben» der deutschen Fotografin Roswitha Hecke herauskam, war «Lady Shiva» international bekannt. Und bereits 1975 hatte ihr die Schweizer Regisseurin Tula Roy den Dokumentarfilm «Lady Shiva – Ich verkaufe nur meine Zeit» gewidmet. Lady Shiva wurde von Künstlern wie Franz Gertsch, Sigmar Polke und H.R. Giger gemalt, sie war mit Wolf Wondratschek, Daniel Schmid und Catherine Deneuve befreundet. Als Schauspielerin spielte sie in Ulrike Ottingers «Madame X» mit; ihre Kontakte in die Filmwelt gingen so weit, dass sie Ende der Achtzigerjahre bei Federico Fellini vorsprach. Der Maestro lehnte sie aber mit der Begründung ab, sie werde nicht mehr lange leben, höchstens noch zwei Jahre. Diese Begebenheit erzählt Ursula Rodel, die damals mit Irene Staub zusammenlebte. Die heute 71-jährige Modedesignerin und Besitzerin der Edelboutique Thema Selection in Zürichs Altstadt war als Irene Staubs Geliebte wohl der Mensch, der ihr am nächsten stand, dennoch sagt sie: «Irene war nicht fassbar. Und ich hatte stets das Gefühl, dass ihr etwas fehlte – etwas das ihr niemand geben konnte.» Neben Rodel sind es die Schauspielerinnen Tabea Blumenschein und Isabelle Glückler sowie die Musiker und Theatermacher Karl Lienert, Christoph Müller und Federico Pfaffen, die sich an die schwer fassbare Lady Shiva erinnern. Mit den drei letzteren war Staub in den frühen Achtzigerjahren als Sängerin in der Punkband «Dressed Up Animals» mit von der Partie. Ausschnitte aus einem nie fertiggestellten Film (Regie: Federico Pfaffen) von 1982 über die Formation, die auch als Performance- und Theaterkollektiv agierte, geben neben privaten Film- und Fotodokumenten erhellende Einblicke. Sie zeigen das schnelle Leben einer atypischen Schweizerin im Zeitgeist einer wilden Epoche. Die Zürcher Regisseurin Gabriel Baur, seit ihrem Film «Venus Boyz» (2001) über Drag Kings hier erstmals wieder mit einem neuen Kinofilm präsent, schafft mit ungemein dichter, fliessender Montage aus Archivmaterial, Found Footage und heutigen Interviewausschnitten das plastische Bild einer aussergewöhnlichen Frau.
Premiere am 7. Dezember in Anwesenheit der Regisseurin Gabriel Baur.