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Iulius Africanus, Kestoi: Kritische Edition mit Übersetzung
Die Cesti, eines von zwei Hauptwerken des Iulius Africanus, sind in der Zeit um 230 n.Chr. am Hof des Kaisers Alexander Severus entstanden. Ihr Verfasser war ein Christ, der zugleich stark in der Kultur der klassischen Antike verwurzelt war und an der Schnittstelle zwischen Hellenismus und Spätantike stand. Das Werk spiegelt die Lebendigkeit, die Komplexität und den Reichtum des kulturellen und religiösen Lebens in der Zeit der Severer wider, in der sich neue Formen der Kultur und des Wissens etablierten. Von den entferntesten Teilen des römischen Reiches aus erreichten diese Neuerungen durch die Vermittlung hoch angesehener Intellektueller wie Iulius Africanus im Laufe des dritten Jahrhunderts die Elite der römischen Gesellschaft und gelangten - wie im Falle der Cesti - sogar bis an den Kaiserhof.
Bei diesem Prozess der Etablierung einer neuen Wissenskultur in literarischer Form spielten auch religiöse Kulte, Magie und technisch-wissenschaftliche "Rezepte" eine wichtige Rolle. In seinem Werk hat Africanus die unterschiedlichsten Gebiete des Wissens berücksichtigt: von der Magie bis zu Themen militärischer Natur, von der Medizin und Veterinärmedizin bis zur Astrologie (bzw. Astronomie). Doch jenseits der einzelnen Sachinhalte ist es gerade der "multikulturelle" und "multireligiöse" Aspekt, der die Cesti so faszinierend macht.
Auf dieser Basis soll eine neue Analyse der fragmentarisch überlieferten Cesti vorgenommen werden. Voraussetzung dafür ist die Verfügbarkeit des Textes in einer verlässlichen Edition. Die einzige bislang vorliegende Ausgabe (von Vieillefond 1970) ist nicht so sehr wegen der in ihr gegebenen Textgestalt ungenügend, sondern wegen der mangelnden Erschliessung der Überlieferung. Einige Stränge, wie etwa das Corpus der Geoponika, hat Vieillefond gekannt, aber nicht berücksichtigt, andere sind ihm entgangen. Es wird also möglich sein, zusätzliches Material aus der späteren Literatur der Spätantike und der byzantinischen Zeit zu gewinnen. Das Ziel des SNF-Projekts besteht darin, eine neue kritische Edition der Cesti (CPG 1691) zu erstellen, die mit englischer Übersetzung und mit kommentierenden Anmerkungen versehen sein wird.
Das Projekt wurde bearbeitet von Christophe Guignard, Carlo Scardino und Laura Mecella und im Mai 2012 abgeschlossen. Der Band Cesti. The Extant Fragments, hg. v. Wallraff, Martin / Scardino, Carlo / Mecella, Laura / Guignard, Christophe Jean-Daniel, übers. v. Adler, William ist im Juni 2012 bei De Gruyter erschienen.