Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03365.jsonl.gz/2597

Japans Kaiser Akihito wird in einem Jahr, am 30. April 2019, abdanken. Am 1. Mai 2019 wird Sohn Naruhito schliesslich zum neuen Tenno gekrönt (Asienspiegel berichtete). Damit beginnt in Japan schon bald eine neue Ära. So richtet sich die japanische Zeitrechnung, die bis heute im Alltag gebräuchlich ist, ganz nach der Amtszeit eines Kaisers (Asienspiegel berichtete). Seit dem 8. Januar 1989 lebt man in Japan in der Heisei-Zeit, deren Symbol Tennō Akihito ist. Er wird bei vielen Japanern in guter Erinnerung bleiben. Der sanftmütige Kaiser ist ein überzeugter Vertreter der pazifistischen Verfassung. Trotz seines praktisch inexistenten politischen Aktionsradius verstand er es stets, mit den richtigen Worte und Gesten Kritik zu üben, wenn es nötig war (Asienspiegel berichtete).
Die Heisei-Ära als Ganzes bleibt für viele jedoch in zwiespältiger Erinnerung, wie eine Umfrage der Asahi Shimbun zeigt. 42 Prozent beschreiben die Ära als «turbulent», 29 Prozent als «stagnierend». Die Beschreibungen «fröhlich» oder «dynamisch» kamen nicht über 6 Prozent. 25 Prozent sprechen von einer «fortschrittlichen» Zeit (Anm. die Befragten durften jeweils 2 Adjektive wählen). Das Ereignis, das derweil am stärksten in Erinnerung bleibt, ist bei 52 Prozent eine Naturkatastrophe, wie zum Beispiel jene von 2011 im Nordosten des Landes oder von 1995 in Kobe.
Die Ära der Krisen und Naturkatastrophen
Turbulent ist tatsächlich wohl die treffendste Beschreibung für die vergangenen 30 Jahren. Da war die anhaltende Wirtschaftskrise der 1990er, die Japan gerne als verlorenes Jahrzehnt bezeichnet, der AUM-Saringasanschlag von 1995 (Asienspiegel berichtete), das verheerende Erdbeben in Kobe im selben Jahr (Asienspiegel berichtete), die wirtschaftliche Stagnation und der ständige Regierungswechsel der Nuller-Jahr sowie die Dreifachkatastrophe von 2011. Es gab schlichtweg zu viele einschneidende Ereignisse für eine positive Bewertung der Ära.
Shōwa: Die gute alte Zeit
Einen anderen Blick haben die Japaner derweil auf die Shōwa-Ära der Nachkriegszeit, die mit den Jahren des Wirtschaftswunders gleichgesetzt wird. Heute spricht man nostalgisch von dieser Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1989, als das Land einen beispiellosen wirtschaftlichen Höhenflug erlebte und die Grundlage für einen neuen Wohlstand legte. Shōwa, das ist in Japan die gute alte Zeit.