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<h2>SubmittedText<h2><p>Mit dem Klimawandel steigt die Gefahr der Einführung neuer Krankheitserreger und deren Vektoren massiv an. Seit 2018 ist bekannt, dass sich die Tigermücke u.a. in Basel und im Tessin erfolgreich ansiedeln konnte. Diese äusserst aggressive Mückenart ist als Vektor verschiedener Tropenkrankheiten bekannt. Dies kann schwerwiegende Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung haben. Die Interpellantin bittet den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Wie sieht die Lage der Verbreitung der Tigermücke aktuell in der Schweiz aus? Wie gut funktioniert das Monitoring?</p><p>2. Die seit längerem bestehende Population im Tessin breitet sich trotz Bekämpfungsmassnahmen immer weiter aus, mittlerweile ist die dortige Population so gross, dass es dort zu einem lokalen Ausbruch von durch sie übertragene Tropenkrankheiten kommen. Die gewählten Bekämpfungsmassnahmen scheinen nicht zielführend zu sein. Welche konkreten Massnahmen werden vom Bund zur effektiven Bekämpfung der Tigermücke unternommen?</p><p>3. Wie sieht die Zusammenarbeit mit den Kantonen und dem nahen Ausland aus um die Gefahr der Tigermücken strategisch sinnvoll bekämpfen zu können?</p><p>4. Einer Forschungsgruppe der chinesischen Sun-Yatsen-Universität Guangzhou ist es nun mit einem neuen Ansatz gelungen, die Fortpflanzung der Tigermücke in einer lokalen Hochburg des chikungunya-Fiebers nahezu vollständig zum Erliegen zu bringen. Sie züchten dazu Millionen männlicher Tigermücken, welche mit drei Stämmen des Wolbachia-Bakteriums infiziert waren. Begatten männliche Tigermücken, welche mit einem Stamm dieses Bakteriums infiziert sind, weibliche Tigermücken, welche nicht mit dem entsprechenden Stamm infiziert sind, sind die daraus entstehenden Embryonen nicht überlebensfähig.</p><p>Wäre es aus Sicht des Bundesrates sinnvoll, in Zusammenarbeit mit einer Forschungsanstalt (beispielsweise dem Tropeninstitut/public health institute) ein Pilotprojekt analog zur Vorgehensweise der erwähnten Forschungsgruppe zu initiieren, um die vollständige Eliminierung der Tigermücke zu erreichen?</p><p>Falls nein, weshalb nicht?</p><p>Falls ja, welche nächsten Schritte sind geplant?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1) Seit dem ersten Nachweis 2003 hat sich die Tigermücke im Kanton Tessin stark ausgebreitet, so dass heute alle grösseren Siedlungsgebiete betroffen sind. Etablierte Populationen gibt es ausserdem lokal in den Südtälern Graubündens und in der Stadt Basel. Weitere einzelne Populationen befinden sich in den Kantonen Genf, Wallis, Luzern, Solothurn und Bern.</p><p>Gestützt auf Art. 51 der Verordnung über den Umgang mit Organismen in der Umwelt (Freisetzungsverordnung, FrSV, SR 814.911) finanziert der Bund seit 2013 ein schweizweites Monitoring der Tigermücke. Dabei werden in ihrer Rolle als "Frühwarnsysteme" Raststätten der Autobahnen überwacht. Zusätzlich fliessen auch Ergebnisse kantonaler Überwachungsprogramme und Meldungen aus der Bevölkerung in das Monitoring ein. Seit 2017 finanziert der Bund zudem das "Schweizerische Mückennetzwerk" (www.muecken-schweiz.ch), welches auch der Überwachung der Tigermücke dient.</p><p>2) Der Bundesrat hält das Vorgehen des Kantons Tessin für wirksam, effizient, nachhaltig und der Lage angemessen: Die Tigermücke kommt heute im Tessin rund dreimal weniger häufig vor als in den direkt angrenzenden italienischen Siedlungsgebieten. Der Bundesrat empfiehlt betroffenen Kantonen, sich am erprobten Vorgehen des Kantons Tessin zu orientieren. Zudem hat der Bund 2011 eine Strategie und 2017 eine Orientierungshilfe, welche auf das Vorgehen des Kantons Tessin verweist, zur Bekämpfung der Tigermücke publiziert. Für die eigentliche Bekämpfung sind nach Art. 52 FrSV die Kantone zuständig.</p><p>3) Im Raum Basel fand eine internationale und überregionale Zusammenarbeit im Rahmen des EU-Interreg-Projekts "Tiger" statt. Das Projekt hatte zum Ziel, im Dreiländereck ein ExpertInnennetzwerk zur Überwachung und Bekämpfung der Tigermücke aufzubauen. Es wurde Ende 2020 abgeschlossen und hat zu einer besseren grenzüberschreitenden Vernetzung geführt. In der Genferseeregion ist für ein ähnliches Projekt namens "Signale" vor kurzem der Startschuss gefallen. Bei beiden Projekten waren bzw. sind jeweils mehrere Kantone involviert.</p><p>4) Ein Versuch in der erwähnten Art ist in der Schweiz nach FrSV bewilligungspflichtig. Während der Bund Bewilligungsbehörde ist, fällt die Initiierung solcher Versuche in den Zuständigkeitsbereich der Kantone oder von Forschungseinrichtungen. Zu bedenken ist bei diesem Ansatz, dass dabei nicht nur ein exotisches und invasives Insekt, sondern gleichzeitig auch ein (möglicherweise) exotisches und für Mücken krankheitserregendes Bakterium in der Umwelt freigesetzt werden muss. Die potentiellen Auswirkungen einer solchen Freisetzung auf die biologische Vielfalt, insbesondere auf andere Mücken- oder Insektenarten, wären dabei genau zu prüfen. </p>  Antwort des Bundesrates.