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Teresa Vena
28. Juli 2023
«If I Could Only Hibernate» feierte 2023 seine Premiere in der Sektion Un certain regard in Cannes. © Zoljargal Purevdash
In Cannes lief dieses Jahr mit «If I Could Only Hibernate» (auf Deutsch in etwa: «Wenn ich bloss Winterschlaf halten könnte») ein Film aus der Mongolei, der mit prekärer Finanzierung und unter harten logistischen Bedingungen entstanden ist. Die Regisseurin Zoljargal Purevdash erzählt in ihrem Langfilmdebüt die fiktive Geschichte von vier Geschwistern, die mit ihrer alkoholkranken und mittellosen Mutter in der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar im Jurten-Viertel wohnen.
Fast ein Viertel der dortigen Bewohner leben in Armut, erklärt Purevdash, im Winter kann es vorkommen, dass sie sich keine Kohle für ihren Ofen leisten können – geschweige denn eine ordentliche Stromversorgung. Ihr Drehbuch basiert auf ihrer eigenen Beobachtung. Der Film ist ein eigenständiges und künstlerisch wertvolles Werk, gleichzeitig spricht es auch Themen an, die es zum idealen Kandidaten machen, um aus dem Fördertopf der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) finanziert zu werden.
«In vielen Ländern des Südens und des Ostens und in kleinen Filmindustrien gibt es wenige staatliche Mittel zur Unterstützung des so wichtigen Kulturzweigs.»
Meret Ruggle
Förderung von Bildung, Abbau von Armut sowie Intoleranz gegenüber Minderheiten und letztlich die Stärkung des sozialen Zusammenhalts, das sind die erklärten Ziele der DEZA, die dem Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) untersteht. «Internationale Zusammenarbeit» betreibt die Schweiz seit 1949 in sogenannten «Schwellenländern». Das Parlament berät sich alle vier Jahre und legt sowohl eine Strategie als auch ein Budget (maximal 0,5 Prozent des Bruttonationaleinkommens, aktuell 11,25 Milliarden für 2021 bis 2024) fest.
Ein Prozent dieses Budgets ist für kulturelle Projekte reserviert. Die Kooperationsbüros in den jeweiligen Ländern, wovon es ab 2024 insgesamt 45 geben wird, verfügen selbstständig darüber. Das Büro in Ulaanbaatar finanzierte «If I Could...» mit ungefähr 30’000 Franken (das Jahresbudget für Kultur beträgt etwa 150’000 Franken). «Ausschlaggebend für den Zuschlag war die Beteiligung einer hiesigen NGO», erklärt Tsog Tansagmaa, Verantwortliche für Kommunikation im Kooperationsbüro in der Mongolei, «die sich für Waisenkinder und ihr Recht auf eine Ausbildung engagiert».
Die DEZA führt natürlich Buch über ihre Ausgaben. Diese mehrere hundert Millionen gehören auf jeden Fall zu einem der bedeutenden Kulturfördertöpfe der Schweiz. Doch es ist schwer, im einzelnen nachzuverfolgen, welche Mittel über die Kooperationsbüros direkt in den Film fliessen. Dazu gehören die Festivals für Dokumentarfilm im Kosovo und Georgien, das Wanderfestival Vientianale in Laos oder die Yangon-Filmschule in Myanmar. Die meisten Filme bleiben aber unerkannt, da sie keine offiziellen Schweizer Koproduktionen sind und damit auch nicht im Swiss Films-Katalog erscheinen.
Die Assoziierung mit diesen Projekten ist auch nicht ganz unheikel. Die Verbreitung der schweizerischen Nationalkultur ist durch die Arbeit der DEZA nie beabsichtigt. Kulturförderung ist zweckgerichtet, dient dem übergeordneten, zumindest zweideutigen Ziel der «Verbreitung der Demokratie». Korrumpiert internationales Geld inhaltlich und formal die damit finanzierten Filme? Diese Frage stellt sich auch die Kommission, die 2021 die Partnerschaft der DEZA mit Trigon, die seit 1988 besteht, evaluiert hat. Eine klare Antwort lässt sich darauf nicht finden. Sicher ist, dass der Verleih in der Schweiz professionell weiterführt, was von den Koooperationsbüros allenfalls angeschoben werden kann.
Neben der selbst initiierten Stiftung Visions Sud Est und dem Open Doors-Format in Locarno, die beide der Koproduktion gewidmet sind, ist Trigon einer der offiziellen Kulturpartner der DEZA in der Schweiz. Über ein mehrjähriges Mandat, mit einem jährlichen Budget von 400’000 Franken, geht es um Kulturvermittlung in der Schweiz und die gleichzeitige Stärkung der Filmbranchen vor Ort, indem man den Talenten Zugang zum schweizerischen und internationalen Filmmarkt verschafft. Erwirtschaftete Einnahmen, etwa 74 Prozent der DEZA-Fördersumme, fliessen in die Länder zurück. «In vielen Ländern des Südens und des Ostens und in kleinen Filmindustrien gibt es wenige staatliche Mittel zur Unterstützung des so wichtigen Kulturzweigs», sagt Meret Ruggle die Leiterin von Trigon. Mit diesem Engagement könne man dem etwas entgegenwirken.
Die Fragen stellte Adrien Kuenzy
28 Juli 2023
Die Fragen stellte Teresa Vena
28 Juli 2023