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Planer in Uniform
In unseren Breiten gerät oft in Vergessenheit, dass Raum- und Stadtplanung auch militärische Instrumente sein können. Es gibt also gute Gründe, die Ausstellung über die Umsiedlungen in der Französischen Kolonie Algerien, die aktuell in der ETH Hönggerberg in Zürich gezeigt wird, zu besuchen.
Text: Manuel Pestalozzi – 13.4.2017
Armeen kämpfen um die Beherrschung von Raum und ordnen ihn zu diesem Zweck mitunter neu. Oft gehen sie dabei wenig zimperlich vor. Sie denken langfristig, aber handeln und kurzfristig. Dies bestätigt die Ausstellung über die Umsiedlungen in Algerien während der Revolution von 1954 bis 1962, die sich gegen die Kolonialmacht Frankreich richtete. Dr. Samia Henni verfasste am Institut für Geschichte und Theorie der Architektur der ETH Zürich eine Dissertation zum Thema. Die Ausstellung gewährt Einblicke, die auch historisch weniger Interessierten Anlass zum Nachdenken geben.
Wie Dr. Henni an der Vernissage erläuterte, entwickelte die Französische Armee in Algerien im Laufe der Auseinandersetzungen eine Strategie der Aufstandsbekämpfung, die mit ihren verbotenen Zonen und Umsiedlungen anderen Militärmächten – sie verwies auf das Vorgehen der US-Streitkräfte im Irak und Afghanistan – als Vorbild diente. Das Ziel bestand darin, die Aufständischen von der einheimischen Bevölkerung möglichst zu trennen und so die «Ansteckungsgefahr» durch revolutionäres Gedankengut einzudämmen.
Die Ausstellung erstreckt sich zwischen zwei Wandflächen, die mit Zeitungsauschnitten zum Algerienkonflikt tapeziert sind. Auf Spiegeltischen lassen sich Bild- und Textdokumente studieren. Sie geben Auskunft über die Militäraktivitäten, jedoch auch über die Selbstdarstellung der Französischen Armee, die sich als Stifterin einer besseren, zivilisierteren Welt gibt. Zwischen den Tischen sind Bildschirme angelehnt. In Endlosschlaufen zeigen sie Kurzfilme des Service cinématographique des armées – äusserst professionell inszenierte frühe Beispiele des «embedded journalism».
Nicht nur der Bezug zu aktuellen Kriegen, Aufständen und Umsiedlungsbewegungen gibt der Ausstellung eine Aktualität, auch die Schwierigkeit im Umgang mit dem Quellenmaterial, das meist mit Propagandaabsichten produziert wurde, ruft in Erinnerung, dass das Misstrauen gegenüber «fake news» eine Sorge ist, die wir mit unseren Grosseltern teilen, die im Kino die Wochenschau sahen. Bei den Filmen griff Dr. Henni, wie sie unumwunden zugab, zur Selbstzensur. In der Ausstellung zeigt sie in einer Stummfassung. Die eigentlich zu dieser Quelle gehörende Tonspur wurde von ihr bewusst ausgeblendet, da sie das Geschehen nach ihrem Urteil beschönigt.
Die Ausstellung Discreet Violence. Architecture and the French War in Algeria ist von Donnerstag, 13. April 2017, bis Samstag, 3. Juni 2017 an der ETH Hönggerberg in Zürich zu sehen.
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