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Geschichte
Prolog
Die Akademische Studentenverbindung BODANIA ist nicht nur Bleibe für zahlreiche Studenten, sondern auch ein fast 100-jähriges Konstrukt und durch die zahlreichen Stammbucheinträge, welche seit dem Gründungsjahr 1925 geführt wurden, Zeuge der Zeit. Aus diesem Grund entschlossen wir uns unter der Rubrik „Schätze aus dem Archiv“ interessante Beiträge aus Stammbüchern und anderen Quellen zu veröffentlichen.
Der geschichtliche Abriss unserer Verbindungsgeschichte soll das frühere Stammleben möglichst detailtreu abbilden und den Weg zur heutigen AV BODANIA dem Lesenden vermitteln.
Die Geschichte der AV BODANIA ist wie folgt gegliedert:
Zeit der Gründung (1925–1940)
erste Couleurstrophe
Der Name AV BODANIA tritt erstmals im Protokoll des Ostschweizer Ehrenmitgliederverbands (OEV), was dem Regionalverband der Altherrenschaft des STV entspricht, auf, wo Ajax und Kant am 30. Januar 1925 über die bevorstehende Gründung referierten. Im allgemeinen wurde der Auftritt einer katholischen Verbindung nicht begrüsst, da die Handelshochschule zu dieser Zeit stark im Zeichen der materialistischen Weltauffassung stand. Ebenfalls befürchteten die Gründer, dass das CC des STV die seine Einwilligung nicht geben werde, da damals nur Verbindungen mit einem Minimalbestand von 12 Aktiven akzeptiert wurde.
Nichtsdestotrotz fand am 14. April 1925 der erste AC der AV Bodania statt. Das Gründungskomitee bestand aus dem Senior Aja, Fuchsmajor Juif und Aktuar Kant. Seither gilt der 14. April als Gründungstag.
Kurz darauf wurden das Couleur weinrot-weiss-dunkelgrün gewählt und die erste Couleurkarte entworfen. Als erstes Stammlokal wurde das Restaurant Merkatorium in der Nähe des Bahnhofs festgelegt. Die erste Couleurstrophe nach der Melodie von „Wenn wir durch die Strassen ziehen“ wurde ein paar Jahre darauf durch die heutige ersetzt. Ebenso mussten rund drei Jahre
Der Name AV BODANIA tritt erstmals im Protokoll des Ostschweizer Ehrenmitgliederverbands (OEV), was dem Regionalverband der Altherrenschaft des STV entspricht, auf, wo Ajax und Kant am 30. Januar 1925 über die bevorstehende Gründung referierten. Im allgemeinen wurde der Auftritt einer katholischen Verbindung nicht begrüsst, da die Handelshochschule zu dieser Zeit stark im Zeichen der materialistischen Weltauffassung stand. Ebenfalls befürchteten die Gründer, dass das CC des STV die seine Einwilligung nicht geben werde, da damals nur Verbindungen mit einem Minimalbestand von 12 Aktiven akzeptiert wurde.
Nichtsdestotrotz fand am 14. April 1925 der erste AC der AV Bodania statt. Das Gründungskomitee bestand aus dem Senior Aja, Fuchsmajor Juif und Aktuar Kant. Seither gilt der 14. April als Gründungstag.
Kurz darauf wurden das Couleur weinrot-weiss-dunkelgrün gewählt und die erste Couleurkarte entworfen. Als erstes Stammlokal wurde das Restaurant Merkatorium in der Nähe des Bahnhofs festgelegt. Die erste Couleurstrophe nach der Melodie von „Wenn wir durch die Strassen ziehen“ wurde ein paar Jahre darauf durch die heutige ersetzt. Ebenso mussten rund drei Jahre verstreichen, bis die Statuten zusammengestellt und in Kraft gesetzt wurden.
Zur Gründungszeit fand jeden Donnerstag offizieller Stamm, der häufig von Mitgliedern des OEV besucht wurde, welche die Verbindung auch finanziell stark unterstützten. Am Ende des 1. Semesters wurde die AV Bodania vom St. Galler Corprationenkonvent (CC) und am 2. Juni 1925 vom Zentralkomitee (CC) in den STV aufgenommen.
Als nach dem ersten Semester Ajax nach Bern übersiedelte, stand dem neuen Senior Juif nichts mehr im Weg, einen Eintritt in den Block anzustreben, der anfangs des dritten Semesters Wahrheit wurde. Da Ajax ein überzeugter Antialkoholiker war, und ein Weg zwischen Block und Reform suchte, war der Eintritt erst nach seinem Weggang möglich.
Die beiden ersten Fuchsen, Storch und Knall, sammelten in dieser Zeit sehr viel Geld, so dass wir uns die ersten Fläuse, Schärpen und Schläger etc. anschaffen konnten.
Am 4. Februar 1926 wurde die Alt-Bodania aus Mitgliedern des OEV gegründet. Sie berieten sofort über die Statuten und genehmigten sie. Der erste AHP war Müller v/o Clown.
Am Ende des Jahres 1926 fand der erste Stammwechsel statt. Man wechselte vom Merkatorium ins Walhalla, wo man für die nächsten Jahrzehnte blieb. Direktor Mader vom Walhalla und Dr. Rüdisühle v/o Flaus, ein Altherr, liessen der Verbindung sehr schöne Mitteilungs- und Biertafeln schnitzen. Der Stammtisch war ein Geschenk des Verkehrsgastes Klaiber v/o Flirt. Die Stammlampe wurde von den Couleurdamen gestiftet.
Vom 17.-19. Juni 1928 fand die erste Fahnenweihe statt. Der Entwurf von Hugentobler v/o Qualm wurde genehmigt. Als Paten wurden die Ehefrau von AHP Clown Frau Dr. Müller-Bersinger und AH Horner v/o Büsi bestimmt. Die Patensektion war die Turicia. An diesem Anlass nahmen das CC und 13 Verbindungen teil.
1929 wurde AHP Clown vom Fahnenpaten Büsi in seinem Amt abgelöst, dieser hatte sein Amt bis 1934 inne, dann gab er es an den ersten Urbodaner Qualm ab.
Die Zeit danach galt vor allem der Festigung nach innen und nach aussen. An Mitgliedern bestand nie ein Mangel und oft war man die grösste Verbindung auf dem Platz.
1929/30 wurde der erste Bodaner ins CC des STV gewählt. Es war dies Blum v/o Kitsch. 1934/35 folgte ihm Aepli v/o Bluest nach. In den dreissiger Jahren entstanden ebenfalls die Bodanerblätter, sie geben uns ein Zeugnis vom Idealismus und der Farbentreue in dieser Zeit. Leider gingen die Blätter nach mehreren Jahren wieder ein.
In diese Zeit fällt auch das Entstehen der Fuxenstrophe, die der Verbindung von AH Ruebli zu seinem Abschied, er ging ins Kloster, geschenkt wurde.
Die Zeit von 1925-39 war die Zeit des Entstehens, Wachstums und Festigens.
Zwischen Krieg und Frieden (1940–1950)
Perkeo
Epoche der Bewährung
Mehr als je hatte sich das Bodaner-Korps zu bewähren, vor allem in den Kriegsjahren. Das noch junge Korps pflegte sein Image durch korrektes Tenu, Haltung und Stolz auf das Geleistete. Die Mitgliederzahl sank trotz den Kriegswirren nie unter 20 Aktive und erreichte 1945/46 sogar 59 Aktive. Die Funktion der Verbindung damals: Familienersatz, Pflege der Freundschaft.
Mut zur Bescheidenheit
Es gilt zu erwähnen, dass zu jener Zeit das Studium Verzicht der Angehörigen auf den spärlichen Lebensstandard bedeutete. Zuchtwahlpraxi bezüglich Leibfuchsen, gemeinschaftsgefährdende Jass-und Würfelbruderschaften führten zur Bildung von Grüppchen in der zu grossen Aktivitas, was zu späterem Zeitpunkt für die Entstehung der AV Steinacher und des Akademischen Klubs förderlich werden sollte. Die Verbindungszugehörigkeit scheint wohl selbstverständlich gewesen zu sein. Das damals sehr noble Walhalla war Stammlokal, und ebenfalls das Wildeggli wird als beliebter Zufluchtsort geschildert.
Disziplin über alles ?
Der Komment war nicht heilig, aber als sinnvoll anerkannt. Besondere Regelungen: Sonnenbrille war verpönt; es gab verbotene Lokale; der Trinkzwang. Die Fuchsenstunden hatten schon damals die Aufgabe, das den Bodaner auszeichnende korrekte zielstrebige Verhalten heranzubilden.
Couleurkarte 1941
Bewährung im St.V.
Das unbewältigte Unterlegenheitsgefühl gegenüber den alteingesessenen Block-Korporationen muss die Bodaner wohl besonders motiviert haben. So stellte die Bodania einen CP (Götz) und zwei VCP (Bietsch,Drill). Vermerkt wird auch ein Besuch beim Fürsten von Liechtenstein 1946 mit 46 Aktiven. Eine herausragende Bodanerfigur dieses Jahrzehnts war AHP Qualm, der auch die Organisation der GV 1946 in St. Gallen übernahm.
Bodaner unter den Waffen
Schon damals scheinen Studenten begehrte Anwärter für militärische Kaderpositionen gewesen zu sein. Der wohl falsch verstandene Nationalismus (begründet in der akuten Bedrohung der Schweiz zu dieser Zeit) verhinderte wertvolle Kontakte zu den an der HSG Studierenden Polen Internierten.
Von der Liebe und den Liedern
Der Couleurdamen-Brauch war schon zu dieser Zeit akut und der Wahlspruch der Füchse enthielt bereits alle heutigen Attribute. Von Verklemmtheit ist nichts zu spüren, im Gegenteil: die Minne wurde gelebt wie heute.
Religiöses Selbstverständnis
Der Glaube wurde getreu der katholischen Kirche und den Ideen des Schw. St.V. gepflegt. Als Seelsorger wird hier bereits Cato erwähnt. 1947 organisierte Cato die erste Wallfahrt ins Kloster Wonnenstein, welche seither jährlich wiederholt wurde.
The Golden Fifties (1950–1956)
1950 durfte die AV BODANIA ihr 50 semestriges Jubiläum feiern. Die Aktivitas zählte mittlerweile stolze 40-50 Mitglieder. Die folgenden Semester waren jedoch nicht durch Beständigkeit gekennzeichnet. Eine grosse Zahl der Aktivitas beschränkte ihre Verbindungsaktivitäten auf ein absolutes Minimum. Eine Teilung schien unvermeidlich. In der Folge galt es das Verbindungsleben und die Treue zur Verbindung zu festigen. In dieser Phase des Wiederfindens stand insbesondere der damalige AHP Teich den jeweiligen Senioren mit Rat und Tat zur Seite. Besonderen Wert wurde im folgenden auf eine sorgfältige Auswahl der Kandidaten und auf die Besetzung der Chargen gelegt. Es galt, einen klaren Kurs zu steuern und den guten Ruf der AV BODANIA, in Anbetracht diverser Neugründungen, nicht zu verlieren. Dementsprechend wurde ein hoher Einsatz der Mitglieder verlangt. Der Senior des SS 53 Saldo fasste den damaligen Kurs in seinem Jahresbericht zusammen: “Jedes Verbindungsmitglied sollte sich unterordnen können. Eine straffe Disziplin ist unerlässlich.” Zudem stellte er ein Dreipunkteprogramm auf, welches Bedingungen für die Gründung einer zweiten STV Verbindung in St. Gallen enthielt.
Am Stiftungsfest der 25./26. Juni 1955 erhielt die AV BODANIA eine zweite Fahne. Fahnenpaten waren Maria Stockmann-Forster und Eugen Knecht v/o Qualm.
Drei Wochen später, am 12.Juli, feierte Marco Tosi v/o Stramm im Walhallasaal seine Hochzeit. Nachdem sich das Fest um Mitternacht auflöste, entbrannte eine Stunde später in den oberen Stockwerken des Walhallas, dem damaligen Stammlokal, das Feuer.
Zwei unerschrockene Bodaner, soeben vom Minnedienst entlassen, retteten den Stammtisch und die Stammutensilien und in einer weiteren heiklen Aktion im Archiv die frisch eingeweihte Fahne, Fläuse und AC-Protokolle. Einzig die Monatrosen - Beweis der Treue zum STV - sollen verloren gegangen sein.
Abspaltung und Festigung (1956–1975)
Die Gründung der akademischen Verbindung Steinacher im Jahre 1954 brachte einen neuen Akzent in die ostschweizerische Region des Studentenvereins. Die Beziehung der beiden STV Verbindungen an der Hochschule stand unter dem Motto “getrennt marschieren, vereint schlagen”, was jeder Verbindung ihre Eigenart liess. Die jährliche Weihnachtsfeier, die heute nicht mehr stattfindet, brachte bis Ende der 60er Jahre alle STVer des ostschweizerischen Regionalverbandes zusammen. Die einzelnen Verbindungen haben aber auch sonst an gemeinsamen Anlässen ihre Verbundenheit bekundet. Auch an der Hochschule selber hatte die Bodania stets guten Kontakt zu den anderen Verbindungen.
Ende der 50er Jahre entstand die Freundschaft mit der AV Cheruskia zu Tübingen, sowie mit der AV Wildsteiner.
Die 60er Jahre zeichnen sich jedoch dadurch besonders aus, dass die Bodania studentenpolitisch aktiv wie noch nie war.
Aber auch verbindungsintern tat sich einiges. Musste doch das Verbindungsleben den veränderten Bedingungen angepasst werden. So wurden denn im SS 1969 die neuen Statuten nach langen Beratungen in Kraft gesetzt.
Als wichtiges Ereignis im WS 68/69 gilt die Abschaffung des Farbentragens an der Hochschule, das jedoch keine negativen Folgen hatte.
Auf religiösem Gebiet gilt es vor alle Dr. R. Thalmann v/o Cato zu danken, der uns in seinem Haus viele interessante Begegnungen mit Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft ermöglichte. Auch ist die jährliche Wallfahrt, die sich immer reger Teilnahme erfreut, besonders hervorzuheben.
Nicht nur in der Verbindung, sondern auch an der Hochschule änderte sich einiges. So wurde die Studiendauer von 6 über 7 auf 8 Semester erhöht und 1963 wurden auch die neue Hochschule bezogen. Die Bodania weitete nun an dieser “neuen Hochschule” ihre Aktivitäten aus. Guter Kontakt zu Sekretariat und Dozenten war wichtig, Podiumsgespräche und Vortragsreihen wurden organisiert. Doch nicht nur der Wissenschaft wurde gefrönt. Um den Praxisbezug herzustellen führte man öfters Betriebsbesichtigungen durch
Da die Anforderungen im Studium nun langsam wuchsen, beschloss man eine Reduktion der offiziellen Stammanlässe, was jedoch der internen Verbundenheit keinen Abbruch tat. Auch bei weniger offiziellen Anlässen sorgten umsomehr spontane Aktionen z.B. Bierfamilienfeste für die nötige Geselligkeit.
Das Verhältnis der Aktivitas zu der Altherrenschaft war immer sehr gut, bemühten sich doch die Komitees beider Seiten immer um einen freundschaftlichen Kontakt.
Das Bedürfnis nach einem eigenen Verbindungshaus wurde mittlerweile so stark, dass 1962 unter der Leitung von Allenspach v/o Sais die Genossenschaft Wildeggli gegründet wurde.
Im Zeichen des Engagements (1975–1985)
Trotz der relativ kleinen Zahl an Aktiven waren die Stämme während der letzten Semester der 70er-Jahre ausserordentlich gut besucht. Gehrig v/o Wodan berichtet, dass in seinem Semester kein offizieller Anlass von weniger als 21 (!) Aktiven besucht worden sei. Auch am Mittagsstamm trafen sich regelmässig 8-10 Aktive zum Essen oder zum obligaten Sidi-Barani. Die Aktivitas war wie eine grosse Familie, man erlebte praktisch alles zusammen. Mittwochs traf man sich jeweils zum Lunch beim Verbindungsseelsorger Thalmann v/o Cato, welcher des Öfteren auch am Stamm oder – zum Schrecken der Kandidaten für eine Charge – an den Konventen teilnahm. Die Zahl der Eintritte nahm zu, obwohl die Studentenzahlen an der HSG zu dieser Zeit rückläufig waren.
Im SS 77 wurde der damalige Bundesrat Kurt Furgler v/o Müüli und im WS 79/80 Prof. Dr. Yvo Hangartner als Ehrenphilister in die AV BODANIA aufgenommen. Erwähnenswert ist der Biercup des SS 78, an welchem Kobelt v/o Pflück zum fünften Mal in Folge den Biercup mit einem Hattrick gewann. Zum Glück mancher jüngeren Bodaner wurde er im darauffolgenden Semester abgeholt. Zwei wichtige runde Geburtstage fanden zu der Zeit statt: Der 50. Geburtstag unserer Liesel im SS 78 sowie das 200-Jahr-Jubiläum der Brauerei Schützengarten. Beides Festfeiern, welche gebührend begossen wurden.
Das Verbindungsleben war zu Beginn der 80er-Jahre etwas ruhiger. Zwar fanden wie immer Anlässe statt, doch wurde der Mittagsstamm sehr schlecht besucht – an vielen Tagen reichte es nicht einmal für eine einzige Sidi-Barani-Jassrunde. Nach einiger Zeit erfreute sich der Mittagsstamm wieder regem Zustrom. Regelmässig schlecht besucht war jedoch der Schlummerbecher. Der Infostamm, welcher jeweils am Montag um 18:15 stattfand wurde bald einmal abgeschafft. Es wurde bei den Anlässen Wert darauf gelegt, dass neben dem Stamm vermehrt wissenschaftliche und kulturelle Anlässe stattfanden. Aus dem anlässlich des 50-Jahr-Jubliäums geschaffenen Kulturfonds finanzierte man spezielle Anlässe, wie zum Beispiel im WS 81/82 ein der Öffentlichkeit zugänglicher Abend im Waaghaussaal mit behinderten Künstlern aus der Ostschweiz. Der Anlass war ein voller Erfolg und demonstrierte das Wohlwollen der AV BODANIA gegenüber der Allgemeinheit.
Der Bestand der Aktivmitglieder stieg im Verlauf der ersten Jahre des Jahrzehnts von 38 Mitgliedern im SS 80 auf 62 im WS 84/85 drastisch an. An allen Anlässen waren immer 30-40 Leute anwesend, an Hochoffiziellen noch mehr. Die Wahlkonvente brachten jeweils grosse Spannung mit sich, da es kaum eine Charge gab, um welche nicht eine Kampfkandidatur entbrannte. Die Studienerfolge waren zu jener Zeit ausserordentlich gut. Dort wo Hilfe notwendig war, wurden offizielle Arbeitsgruppen gebildet, in denen ältere Bodaner den Jüngeren hilfreich zur Seite standen.
Nicht nur im Inneren erhöhte sich das Engagement, sondern auch Aussen. Im Bereich des Corporationen-Convents institutionalisierte die AV BODANIA in ihrem Vorstandsjahr 1980 den 6-Farben-Kommers, welcher bis heute noch Bestand hat. Im SS 80 führte der Corporationen-Convent eine Innung durch, an der die einzelnen Verbindungen zu mehr Engagement in universitären Ämtern aufgerufen wurden. In der Folge erklärten sich immer mehr Bodaner bereit, sich für diese Ämter zur Verfügung zu stellen. Bald einmal sassen drei Bodaner im Vorstand der Studentenschaft und eine grössere Anzahl im Allgemeinen Delegiertenconvent (ADC). Im WS 82/83 kandidierte der vierte Bodaner für den Vorstand der Studentenschaft, was zugleich der Mehrheit im Vorstand entsprach (4/7). Zuvor waren in kaum einer Organisation der HSG– mit Ausnahme der SKK – Bodaner zu finden.
Auch das Engagement in Block und StV war gross: So stelle man mit Krämer v/o Lädeli, Gürtler v/o Aktiv, Burkardt v/o Rar und Studer v/o Sanktus vier Mitglieder des Zentralkomitees des StV und hatte den Blockvorsitz inne. Unter Bundesobmann Raas v/o Wolke und seinem Kanzler Brühwiler v/o Sprudel fand im Sommer 1984 ein rauschendes Blockfest in Willisau statt. Die AV BODANIA organisierte anlässlich dieses Festes unterhaltsame Einlagen, wie z.B. die Verbrennung der Reformhexe – ein Seitenhieb an die 1983 gegründete Gruppierung von Reformverbindungen – oder aber einen notariell beglaubigten Bierstaffetten-Weltrekord.
Ein leidiges Thema dieser Tage war das Stammlokal der Aktivitas. Nach verschiedenen Unstimmigkeiten mit dem Restaurant Metzgertor und einer kurzen Zeit der „Obdachlosigkeit“ wurden zuerst die inoffiziellen Anlässe, anschliessend sämtliche Konvente im SS 84 in das Restraunt Brühltor verlagert. Die Verhältnisse dort waren geradeswegs ideal. Der früher schlecht besuchte Schlummerbecher endete oftmals erst in den frühen Morgenstunden, was aber niemanden daran hindern sollte, wieder pünktlich am Mittagsstamm zu erscheinen. Ein anderes schönes Kapitel in der Stammgeschichte der AV BODANIA war das Restaurant Grünbül im Linsebühlquartier, das damals noch das Rotlichtviertel von St. Gallen war. Regelmässig fand im Grühnbühl die Beichte statt, des Öfteren wurde ein Lampenschirm abgefackelt, was die Wirtin, die legendäre Evi Rutz nicht sonderlich zu stören schien. Im Herbst 1984 leistete die AV BODANIA schliesslich Geburtshilfe bei der Gründung der Verbindung „Die Nothensteiner“, indem die Interessenten der Nothensteiner am Bodanerstamm ein Gastrecht genossen und mittels „learning by drinking“ in den Komment eingeführt wurden. Im Dezember 1984 präsidierte die AV BODANIA dann auch den Gründungskommers im Hotel Hecht, an welchem sie natürlich auch die Patenschaft für das junge Kind übernahm.
Der Weg in das eigene Verbindungshaus (1985–2000)
Das Stammleben hatte Hochkonjunktur, so verhockte man doch beinahe jeden Abend bis in die frühen Morgenstunden. Nach dem Schlummerbecher wurde die Zeit bis zum Mittagsstamm oftmals mit einem Spaghettiessen in der Wohnung eines Aktiven überbrückt.
Im WS 86/87 wurde alt Bundesrat Arnold Koller v/o Noldi durch aktive Unterstützung seines Vorgängers Furgler v/o Müüli Ehrenphilister der AV BODANIA. Zudem besuchte in diesem Semester eine Bodanerdelegation den Heiligen Vater in Rom. Mit Vela v/o Kult 1988 wurde ein weiterer Bodaner als CP des StV gewählt.
Zu Beginn der 1990er-Jahre verlor der CC zunehmend an Bedeutung. Sein ursprünglicher Zweck, die Anliegen der Verbindungen an der HSG zu vertreten, wich bald einmal der Funktion, eine Plattform für ein gegenseitiges Treffen pro Semester zu sein. Das Engagement an der Hochschule war auch in dieser Zeitperiode gross. Es waren stets 1-15 Bodaner im ADC vertreten, auch stellte die Verbindung immer ein bis zwei Mitglieder des Vorstandes, welche ab 1988 ex officio auch im Senat einsassen.
Obwohl die Stämme am Brühltor immer noch sehr abwechslungsreich waren, wurde der bauliche Zustand der Gaststätte zunehmend schlechter. So wurde das Restaurant im WS 93/94 zum Umbau geschlossen. Mit dem Restaurant Krug fand sich eine Spelunke, in der die AV BODANIA ihre Sitten und Gebräuche unverblümt ausleben konnte. Die inoffiziellen Anlässe zeigten damals das wahre Gesicht der AV BODANIA; Sie bildeten die Säulen der Verbindung: Lebensfreundschaft, Erfüllung der Studienpflicht und ehrenhaftes Verhalten, wie Sacchet v/o Nero in seinem Rechenschaftsbericht am Ende des WS 90/91 schrieb. Die Zahl der Aktiven war zu Beginn der 90er-Jahre etwas geschrumpft, gab es doch eine Reihe Austritte von Leuten, die von der AV BODANIA falsche Vorstellungen hatten: Viele Interessenten sahen die Verbindung nur als Materiallieferant für die Zwischenprüfungen oder als Sprungbrett für die berufliche Karriere. Doch der Einsatz für die Lebensverbindung und die Hilfe fürs Studium sollten eine Symmetrie zwischen Geben und Nehmen bilden. Bärlocher v/o Amadeus konstatierte: „Farbe die farbecht ist, hält selbst das gekocht werden aus“. Schade ist, dass zu dieser Zeit viele alte Traditionen verloren gingen, weil sie einfach nicht mehr gelebt wurden: Überlandomizile wurden bis auf zwei oder drei unbekannt, spontane Stammbucheinträge, Bierduelle mit Sekundaten, das Ständeln oder der Zoterabend waren praktisch nie mehr gesehen. Im SS 91 hatte die Verbindung einen Bestand von 64 Aktiven, wovon 44 Totaldispensierte Korpsburschen waren. Die Stämme waren so eher klein.
Im SS 96 fand man mit dem Restaurant Marktplatz eine neue Bleibe, es war aber im Vornherein bewusst, dass dies eine Übergangslösung war, da der Stamm zu exponiert war in den hallenartigen Gefilden der Brasserie. Die Altherrenschaft war seit längerem der Wunsch der Aktivitas nach einem Verbindungshaus bekannt, in welchem sie auch wirklich leben konnten. Unter der Federführung von Henzen v/o Urchig wurde die Cerevisia St. Gallen AG gegründet, mit dem Ziel, das Restaurant Papagei in der Hinterlauben aufzukaufen und zu sanieren. Im 150. Farbensemester war es dann soweit: Eine gutgelaunte Schar Bodaner und Gäste tranken im Restaurant Marktplatz die letzte Runde und verschoben dann, nicht ohne unterwegs ein paar Bierchen zu tilgen, offiziell in den Papagei, wo der Verbindung seit dato ein Stamm, ein Keller, ein Saal sowie ein Seniorenzimmer zur Verfügung stehen.
Die Vertretung der Hochschule hatte gegen Ende des Jahrtausends ebenfalls wieder zugenommen. Zahlreiche Aktive besetzten Schlüsselpositionen in Kommissionen und wichtigen Assistenzstellen. Lediglich die Präsenz im Studentenparlament war rückläufig.
Modernisierung und neue Institutionen (2000–heute)
Aufgrund der geringer werdenden Aktivitas wurde im SS 03 unter Dempfle v/o Nymph nach Lösungen gesucht. Neben Anlässe mit Vorträgen von Altherren wurde zu dieser Zeit auch das Bierbuch eingeführt; eine Institution, um die geringe Zahl der Burschen finanziell zu entlasten. Im folgenden Sommersemester wurden weitere Veränderungen umgesetzt. Unter der Federführung des Seniors Niederhauser v/o Taz wurde im 160. Farbensemester der tägliche Stamm abgeschafft und durch einen wöchentlich stattfinden fakultativen Stamm substituiert. Dies war aufgrund der Studienreform von Nöten, da das neue System unter dem Semester den Studierenden mehr abverlangte und ein täglicher Stamm langfristig gesehen negative Auswirkungen auf den Studienerfolg gehabt hätte. Ein Highlight war die Reise nach China. Gürtler v/o Aktiv hatte im Namen der Bodania zu einer zehntätigen Superreise geladen und die Bodanerfahne wehte zum ersten Mal auf der chinesischen Mauer.
Im SS 05 feierte man das 80-jährige Jubiläum am 14. April, wobei der Anlass bewusst nicht Kommers genannt wurde. Dadurch konnten alle Platzverbindungen eingeladen werden, da ansonsten die AV Kybelia und der AV Notkeriana der Eintritt verwehrt gewesen wäre. Diese Weitsicht lohnte sich, da die AV Kybelia mit einer legendären Produktion, indem sie bekannte Leider zum Besten gab und dabei den Text der Bodania anpassten, für den einen oder anderen Brüller sorgten. Zu dieser Zeit versuchte man auch die Tradition des Sidi-Barani wieder aufleben zu lassen. Dazu traf man sich bereits nachmittags und jasste bis in die Abendstunden, nur kurz durch ein Abendessen unterbrochen. Das Bier und das Essen wurden dabei aus einem Fonds bezahlt, welcher nach dem Dahinscheiden des AH Smile entstand und ausschliesslich für diesen Anlass seine Verwendung finden sollte. Im Jahr 2006 fand vom 10./11. Juni der längst überfällige Bodaner-Ball zusammen mit der Altherren-GV in Luzern statt. Für den Ball unter dem Motto „Bell Epoque“ wurden 2 Säle des Hotel Palace angemietet und in Bodaner Farbenpracht geschmückt. Nach einem vorzüglichen Essen gelang es uns beim Bierstaat, das Hotel seiner Bierreserven zu entledigen und zwar so eindrücklich, das sogar der Hoteldirektor dem AHP ein Gratulationsschreiben schickte. Den Morgen darauf verbrachte man auf der Terrasse des Art Deco Hotel Montana bei schönstem Wetter und gutem Brunch und genoss der atemberaubenden Aussicht über die Stadt am Seegelände.
Obwohl altbewährte Traditionen, unter anderem das Sidi-Barani in der heutigen Aktivitas nicht mehr praktiziert wird, setzt sich die Aktivitas ein frühere Traditionen wieder aufleben zu lassen. Andere berühmte Traditionen haben bis heute Bestand, unter anderem der Hops-Cup, welcher jedes Semester stattfindet. Neben den langjährigen Traditionsanlässen entstanden über die jüngeren Semester neue Anlässe, unter anderem das Pokerturnier oder der allseits beliebte Kegelhegel-Anlass im Herbstsemester.
Ein Highlight und zugleich Zeichen für das Engagement der Bodaner auch im ethischen und sozialen Bereich ist die Unterstützung für das über 800 jährige Kloster Wonnenstein. Angesichts des absehbaren Auslebens der Klostergemeinschaft, mit welcher die Bodania durch die seit 1947 jährlich durchgeführte Wallfahrt eng verbunden ist, übernehmen ab 2013 die Altherren der Bodania viele weltliche Aufgaben der Schwestern, damit diese sie sich wieder vermehrt ihrer Berufung widmen und ihr Alter in Zuversicht und Würde leben können. Darüber hinaus soll die Kloster-Infrastruktur auch bei einem Ausleben der heutigen Schwestern weiter erhalten werden, um sie später einer neuen Klostergemeinschaft übergeben zu können.
Übersicht
|14. April 1925||Gründungstag der AV Bodania|
|Sommer 1926||Eintritt in den Block|
|Ende 1926||Stammwechsel vom Merkatorium ins Walhalla|
|17.-19. Juni 1928||Erste Fahnenweihe|
|1929 / 1930||Erster Bodaner im CC des STV|
|1946||Besuch beim Fürsten von Liechtenstein|
|25. / 26. Juni 1955||Zweite Bodaner Fahne|
|12. Juli 1955||Walhallabrand|
|1954||Abspaltung der AV Steinacher|
|Sommer 1969||Statutenrevision|
|2000||Eigenes Verbindungshaus|
Studentengeschichte (PDF)