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Classement thématique série 1848–1945:
I. LES RELATIONS INTERGOUVERNEMENTALES ET LA VIE DES ÉTATS
I.1 ALLEMAGNE
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Gestern war der bayer’sche Gesandte, Freiherr von Schrenk, bei mir, um mir mitzutheilen, dass er schon im Besitze der bayer’schen Ratificationsurkunde des Bodenseegürtelbahn Vertrages2 sei. Bei dieser Gelegenheit sprach sich Herr v. Schrenk, der, wie Ihnen bekannt ist, wiederholt Minister des Äusseren war, über die Umgestaltung Deutschlands sehr unumwunden aus. Er ist entschiedener Gegner eines engeren Anschlusses Süddeutschlands an den Nordbund u. meint, dass das Verhältniss, wie es seit 1867 zwischen Süd- u. Norddeutschland bestanden, vollkommen hinreichend gewesen wäre, um Deutschland dem Auslande gegenüber mächtig zu machen, dass es dabei im Innern aber die jedem Staate durch Geschichte und Nationalität theueren Institutionen gewahrt hätte, dass der neue Bund aber ein Flickwerk sei, welches unmöglich eine günstige Zukunft haben könne. Er glaubt, dass von dem bayer’schen Abgeordnetenhause das Versailler-Übereinkommen verworfen werden wird, da sowohl die Fortschrittspartei als die Particularisten dasselbe missbilligen. Unter vielen Gründen, die gegen dieses Bündniss sprechen, meint Hr. von Schrenk, seien es auch insbesondere die Entziehung der Pressdelicta den Geschworenengerichten und die Diätlosigkeit der Abgeordneten, wodurch die Function eines Abgeordneten in das deutsche Parlament nur Privilegium von reichen Leuten würde, welche in den bayerischen Kammern grossen Anstand u. Opposition hervorrufen würden.
Herr von Schrenk sprach sich sehr ernst gegen die preussische Kriegsführung seit September aus u. ist der Ansicht, dass nach Sedan Preussen hätte Frieden schliessen müssen; er ist ebenso gegen die Anectirung von Eisass u. Lothringen u. findet, dass sich Deutschland mit der Schleifung der Gränzfestungen u. einer sehr reichen Geldentschädigung hätte begnügen sollen. Durch alles, was seit Sedan geschehen, werde der Krieg für die Zukunft gewissermassen in Permanenz erklärt.
Die russisch-türkische Frage hat nun jede Schärfe verloren, die allseitig angenommene Conferenz wird dieselbe wohl befriedigend lösen. Herr von Schrenk glaubt auch, dass Fürst Gortschakoff im Einverständniss mit dem Grafen Bismark gehandelt habe, nur glaubt er, dass Bismark von der Zeit und der Form, die Gortschakoff für seine Note wählte, sehr unangenehm berührt wurde.
Die russische Erwiederung auf die Note des Grafen Beust3 ist vor drei Tagen eingetroffen; sie soll in einem versöhnlichen, wenn auch nicht gerade freundschaftlichen Tone gehalten sein. Man ist in Petersburg (wie auch bei der hiesigen russischen Gesandtschaft) über den trockenen, ernsten und gemessenen Ton der Beust’schen Note ungehalten u. piquirt.
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