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«Die zwölf Geschworenen» (12 Angry Men, 1957, 96 Min.)
Der Spielfilm «Die 12 Geschworenen» ist eine Kinoadaption des gleichnamigen Fernsehspiels von 1954, ebenfalls unter der Regie von Sidney Lumet und dem Drehbuchschreiber Reginald Rose, der aus eigener Erfahrung als Geschworener schrieb.
Der Film spielt durchgehend im Versammlungsraum der zwölf Geschworenen – die sich vorher nicht kennen dürfen -, die einstimmig ein Urteil darüber fällen müssen, ob in der vorherigen 6-tägigen Verhandlung genug Beweise dafür gefunden worden sind, dass ein 18-jähriger Puortoricaner aus einem Elendsviertel seinen Vater ermordet hat und damit zum Tod verurteilt würde.
Elf der Geschworenen glauben aus ganz verschiedenen Gründen, dass der Angeklagte schuldig ist. Nur Nr. 8 hat Zweifel und bittet die anderen darum, miteinander genauer zu besprechen. Es gelingt nach und nach, ein gemeinsames Gespräch zu entfalten, obwohl einige uninteressiert oder unsicher scheinen und andere heftig und sogar bedrohlich werden, um ihre Meinung durchzusetzen. So entsteht durch die fragende Haltung von Nr 8 eine Stimmung, dass nach und nach immer mehr Geschworene wagen oder Interesse daran gewinnen, ihre eigenen Annahmen zu hinterfragen und ihre Denkfehler erkennen – ganz im Sinne eines sokratischen Dialogs. Darüber hinaus kann der psychologisch geschulte Zuschauer am Reden, dem Auftreten, der Mimik und der Körpersprache der zwölf so unterschiedlichen Geschworenen erkennen oder erahnen, welcher Lebensmelodie sie folgen. Im Gespräch über die Motive der Zeugen sowie über den Beschuldigten liefert der Film selbst psychologische Erklärungen.
Der Meinungsumschwung dahingehend, dass es nicht genug Beweise für den Mord gibt, gelingt also nicht durch Kampf und Dominanz, sondern durch einen Austausch mit allen Beteiligten, um die Wahrheit zu ergründen. Nr 8 lebt ein Menschenbild, dass es keine grundsätzlich bösen Menschen gibt. Er lässt sich deshalb weder von Desinteresse noch durch Heftigkeit beeindrucken, sondern regt immer wieder zu genaueren Überlegungen an. Und andere beginnen ebenfalls in einer immer offeneren Stimmung genauer zu überlegen, selbst weitere Fragen zu stellen und Beobachtungen zu erinnern. Es zeigt sich, dass die Meinungen nicht festgelegt sind, sondern abhängig auch von eigenen Erfahrungen, die psychologisch gesehen, in der Kindheit liegen, begründet sind.
So kann ein spontanes Urteil daran liegen, nicht auffallen zu wollen, oder nicht im Gegensatz zu stehen, oder daran, dass man etwas beobachtet, es aber vergisst, oder sich nicht wagt, selbständig zu denken, oder sich durch heftige Angriffe einschüchtern lässt, Angst hat, angegriffen zu werden oder mit den Menschen zu wenig verbunden sind.
Es zeigt sich, dass Menschen sich gewinnen lassen, wenn man sich jedem Einzelnen im Gefühl ernsthaft annähert und zum Denken anregt, statt andere zu verurteilt. Und dabei offen dafür bleibt, selbst unrecht zu haben.
Es gibt also für keinen einen Triumph, weil sich eine bestimmte Meinung durchgesetzt hat. Es ist eine Annäherung der Beteiligten untereinander, die um die Wahrheit gerungen haben. Das zeigt sich daran , dass Nr. 8 dem letzten, der für schuldig votiert (Nr. 3) in die Jacke hilft, nachdem klar geworden ist, dass dieser genauso unnachgiebig, hart und heftig war, wie bei seinem eigenen Sohn, den er damit verloren hatte.