Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03409.jsonl.gz/1246

Saulcy, 1901
- DE: Bolivars Dornschrecke
- EN: Bolivar's Groundhopper
- FR: Le Tétrix caucasien | Le Tétrix de Bolivar
- Syn.: Tetrix bolivari bazyluki Karaman, 1965 | Paratettix caucasicus Bey-Bienko, 1931 | Tetrix bolivari muchei Harz, 1979 | Tetrix bolivari raggei Karaman, 1965
Morphologie
Tetrix bolivari gehört zusammen mit Tetrix subulata zu den grössten und kräftigsten Dornschrecken Europas. Tiere aus Österreich und Ungarn sind jedoch deutlich kleiner als solche aus dem Mittelmeerraum und sehen im Detail auch etwas anders aus. Die Grundfarbe ist ähnlich wie bei vielen Dornschrecken gräulich oder bräunlich. Die farbliche Variabilität ist grösser als bei Tetrix subulata, aber deutlich geringer als bei Tetrix ceperoi. Es kommen regelmässig sanfte Grün- und Orangetöne vor, jedoch nur ganz selten farbige Musterungen wie bei Tetrix ceperoi. Die Fühler sind sehr lang und schlank und gegen die Enden weniger deutlich verdunkelt als bei Tetrix subulata oder Tetrix ceperoi. Die längsten Fühlerglieder sind ca. 3,3x so lang wie breit. Der Kopfgipfel ist von oben betrachtet stumpf endend und überragt die Augen nur leicht. Einzig die Stirnrippe springt deutlich vor. Von der Seite erscheint der Kopf daher weniger spitzwinklig als bei Tetrix subulata. Der Abstand zwischen den Augen misst mindestens 1,3x die Augenbreite. Der Halsschild reicht deutlich über den Hinterleib hinaus und wird von den langen Hinterflügeln nur knapp überragt. Es sind ausschliesslich langdornige Individuen bekannt. Der Halsschild ist zu Beginn deutlich gewölbt und der Mittelkiel gut sichtbar, wenn auch nicht so scharf abgesetzt wie bei Tetrix ceperoi. Im Bereich der Vorderflügelenden fällt der Mittelkiel leicht ab und ist bis zum Ende abgeflacht. Die Mittelschenkel sind auf der Unterseite undeutlich gewellt und der Kiel auf der Oberseite der Hinterschenkel vor dem Knie deutlich nach aussen gebogen.
Gesang
Nach Detailuntersuchungen von Petr Kočárek an Tetrix bolivari konnte er zeigen, dass die Art über unterschiedliche Kommunikationssignale verfügt. So konnten verschiedene Vibrationsmuster festgestellt werden, wobei jedoch weitestgehend unklar ist, wie diese erzeugt werden. Daneben wurden auch visuelle Signale wie das Hin- und Herwippen mit den Hinterbeinen und dem Halsschild und eine Art Flügelbeben festgestellt. In der Untersuchung konnte auch gezeigt werden, dass gewisse Vibratsionsmuster nur beim Aufeinandertreffen von zwei Männchen und andere lediglich in der Nähe von Weibchen erzeugt werden.
Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Tetrix bolivari ist in ein westliches und ein östliches Areal geteilt, das im Bereich der Schweiz und Italien durch eine breite Verbreitungslücke getrennt ist. Im Westen Europas ist Tetrix bolivari in Spanien und in fast ganz Frankreich anzutreffen. Im Nordosten Italiens beginnt das östliche Verbreitungsareal, das über die ganze Balkanhalbinsel und die Türkei bis weit nach Asien reicht. In Österreich werden grosse Teile des Nordburgenlands und die östlichen Teile von Niederösterreich besiedelt.
Aufgrund der Verbreitungssituation ist die Präsenz von Tetrix bolivari in Westdeutschland und der Westschweiz nicht ganz auszuschliessen. Hinweise aus der Umgebung von Bern bedürfen genaueren Abklärungen.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Das jahreszeitliche Auftreten von Tetrix bolivari ist jenem von Tetrix subulata ähnlich. Die ersten ausgewachsenen Individuen findet man ab Ende März. Die meisten können zwischen Mitte April und Anfang Juni beobachtet werden. Während der Sommermonate Juni und Juli sind die Tiere seltener, da die erste Generation nach der Eiablage stirbt. Ab August kann die zweite Generation von ausgewachsenen Individuen bis in den Oktober beobachtet werden.
Lebensraum
Tetrix bolivari besiedelt ähnliche Lebensräume wie Tetrix subulata und Tetrix ceperoi. Es sind feuchte Wiesen und Weiden, temporär überflutete Ufer von Seen und Kiesbänke mit wenig Vegetation entlang von Flüssen. Charakteristisch ist eine lückige bis offene Krautschicht mit guter Besonnung und eine hohe Bodenfeuchte. Als Sekundärhabitate werden nicht selten Kiesgruben und andere Abbaugebiete angenommen. In Frankreich kann Tetrix bolivari auch in Fettwiesen und erstaunlicherweise auch in wenig feuchten Bergwiesen beobachtet werden. Das scheint jedoch nicht typisch für andere Gebiete.
Gefährdung & Schutz
Tetrix bolivari ist in Europa nicht gefährdet. In Österreich gilt die Art gemäss der Roten Liste von 2005 als "vom Aussterben bedroht". Seit 2010 wurde die Art in Ostösterreich an verschiedenen Fundorten neu nachgewiesen. Es ist daher anzunehmen, dass sie bisher auch mit der ähnlichen Tetrix subulata verwechselt wurde und möglicherweise häufiger ist, als es die Beobachtungsdaten wiedergeben oder aber ihr Verbreitungsgebiet in letzter Zeit ausgedehnt hat.
- CH: Abwesend
- DE: Abwesend
- AT: CR (Vom Aussterben bedroht)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Tetrix bolivari kann leicht mit Tetrix subulata und Tetrix ceperoi verwechselt werden. Tetrix ceperoi ist kleiner und zierlicher. Der Halsschild-Mittelkiel von Tetrix ceperoi ist klingenartig erhöht, bei Tetrix bolivari ist er zu Beginn erhaben und schon auf Höhe des Vorderflügels abgeflacht. Der Augenabstand ist bei Tetrix ceperoi geringer als bei Tetrix bolivari und entspricht in etwa der Augenbreite. Tetrix ceperoi ist variabler gefärbt und weist oft grünliche oder andere Farbtöne auf. Tetrix subulata ist schlanker, was vor allem bei Betrachtung von oben und in Seitenansicht bei den Hinterschenkeln auffällt. Der Kopfgipfel von Tetrix subulata springt deutlich winklig über die Augen nach vorne. Der Kiel auf dem Hinterschenkel verläuft vor dem Hinterknie gerade und die Oberfläche ist bei Tetrix subulata weniger körnig ausgebildet. Im Mittelmeerraum kommt Tetrix bolivari auch gemeinsam mit der häufigen Paratettix meridionale vor. Paratettix meridionale ist schlanker und von oben betrachtet ist der Augenabstand deutlich geringer. Die Hinterflügel ragen zudem viel weiter über den Halsschild-Dorn hinaus.