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(Juppiter), der höchste Himmelsgott der italischen Völker, wie der griechische Zeus
[* 4] (s. d.), mit dem er nicht
bloß das Grundwesen, sondern auch den Namen gemeinsam hat; denn J. ist zusammengezogen aus Jovis (ältere
Form Diovis) pater, Zeus umgewandelt aus Djeus (ind. djaus, »der lichte
Himmel«).
[* 5] Als im Lauf der Zeit der italische Gott mit dem griechischen identifiziert wurde, machte man ihn zum Sohn des Saturnus
und der Ops, welche man den griechischen GottheitenUranos und Rhea
[* 6] gleichstellte.
Von J. kommen alle Himmelserscheinungen. Als Lucetius (von lux, »Licht«)
[* 7] ist er der Lichtbringer, der Urheber
des Tageslichts wie des nächtlichen Vollmondes, daher ihm, wie seiner Gemahlin Juno die Kalenden, die Idus (13. oder 15.) sämtlicher
Monate als Vollmondstage geheiligt waren, an denen ihm der Flamen dialis, sein Eigenpriester, die Idulia, ein in einem weißen
Lamm bestehendes Opfer, darbrachte. Wie er den heitern Himmel gewährt, so führt er auch alle Wetter
[* 8] herauf:
als Fulgurator und Fulminator (»Blitzer«) u. Tonans oder Tonitrualis ("
Donnerer«) bringt er die furchtbaren Gewitter, von denen namentlich Rom
[* 9] heimgesucht wurde, als Pluvius den befruchtenden Regen.
Ein vom Blitz getroffener Gegenstand oder Ort galt als von J. in Besitz genommen für heilig und bedurfte
einer besondern Weihe (s. Puteal). Als dem regenspendenden Gott veranstaltete man zu Rom in Zeiten großer Dürre dem J. ein Betfest,
Aquilicium (»Regenbeschwörung«) genannt, bei dem die Pontifices von dem
außerhalb des Kapenischen Thors gelegenen Tempel
[* 10] des Mars
[* 11] einen walzenförmigen Stein, den sogen. Lapis manalis
(»Regenstein«),
Wie das Völkerrecht, so steht das Gastrecht unter seinem besondern Schutz, und wie er dem ganzen Land seinen Segen zu teil werden
läßt, so ist er auch der Glücks- und Segensgott der Familie. Und nicht allein auf die Gegenwart bezieht
sich sein gnädiges Walten, er offenbart den Menschen durch dem Kundigen verständliche Zeichen (s. Auspizien) die Zukunft
und seine Billigung oder Mißbilligung eines beabsichtigten Unternehmens. Von alters her wurde er von den latinischen Völkern
unter dem Namen J. Latiaris (oder Latialis) auf dem Albanergebirge als Stammgott und nach der Stiftung des
¶
Hier brachten ihm Konsuln bei ihrem Amtsantritt Opfer und bei ihrem Auszug in den Krieg feierliche Gelübde dar; hierher ging
der Triumph des im Festschmuck des Gottes daherfahrenden Siegers, der vor dem aus weißen Stieren bestehenden Dankopfer zu
dem Bilde des J. betete und ihm den Siegeslorbeer seiner Fasces
[* 18] darbrachte; hierher strömte zur Ausschmückung des Heiligtums
und für den Tempelschatz eine unzählbare Fülle kostbarer Weihgeschenke vom Staat, von Feldherren und Bürgern, fremden Königen
und Völkern zusammen.
Als nach 400jährigem Bestehen der alte Tempel 83 v. Chr. durch Feuer zerstört war, wurde er nach dem alten
Bauplan, jedoch noch prächtiger, wiederhergestellt (78); das Bild des Gottes war eine aus Gold
[* 19] und Elfenbein gefertigte Kopie
des olympischen Zeus (s. d.). 70 n. Chr. wieder verbrannt und von Vespasian kaum wiederhergestellt, zerstörte ihn 80 eine
neue Feuersbrunst unter Titus, worauf Domitian 82 den Tempel errichtete, der bis ins 9. Jahrh. bestanden
hat. (Vgl. Becker, Topographie der Stadt Rom, Tafel 5, Nr. 14 bis 16; »ArchäologischeZeitung« 1873, Tafel 57.) Dem höchsten
Gotte des Staats zu Ehren wurden natürlich auch die stattlichsten Feste gefeiert, vornehmlich die römischen, die großen und
die plebejischen Spiele (s. Ludi).
Die Masse des J. beträgt nach Bessel 1/1047,9
der Sonnenmasse, womit das neuerdings von Schur gewonnene Resultat 1/1047,23 gut
übereinstimmt, während v. Asten 1/1049,6, Hall
[* 24] 1/1050 gefunden haben. Daraus folgt eine mittlere Dichte von 0,24, die der
Erde = 1 gesetzt, oder 1,32mal so groß als die des Wassers. Die Schwerkraft wirkt demnach an den Polen 2,8mal
und (unter Berücksichtigung der Zentrifugalkraft)
[* 25] am Äquator 2,2mal so stark als auf der Erde. Die Bahn des J. ist nahezu kreisförmig,
ihre Exzentrizität beträgt nur 0,04825, auch ihre Neigung gegen die Erdbahn ist bloß 1° 18' 41''. Die
mittlere Entfernung von der Sonne
[* 26] beträgt 5,20280 Erdbahnhalbmesser oder 773,48 Mill. km
= 104,2 Mill. geogr. Meilen (schwankend zwischen 99 Mill. Meilen im Perihel und 109 Mill. Meilen im Aphel).
Eine merkwürdige Eigentümlichkeit des J. sind die Streifen und Flecke, welche uns das Fernrohr auf seiner Oberfläche zeigt.
Erstere laufen dem Äquator des Planeten
[* 28] parallel; sind stellenweise unterbrochen, teils heller, teils
dunkler gefärbt und mannigfaltigen, aber im ganzen nur langsamen Veränderungen bezüglich der Form und Färbung unterworfen.
Insbesondere zeigen sich regelmäßig zwei graue Streifen, der eine nördlich, der andre südlich vom Äquator, die eine in
hellerm Licht erglänzende Äquatorzone einschließen.
Nach Lohse hat man den ganzen Äquatorgürtel als eine einheitliche Erscheinung von beträchtlicher Stabilität
aufzufassen, wofür auch der Umstand spricht, daß beim Photographieren das von diesem Gürtel
[* 29] ausgehende Licht anders wirkt
als das von andern Stellen des Planeten stammende. In den beiden Äquatorstreifen treten bisweilen dunklere, bogenartige Teile
auf, welche der ganzen Zone ein wolkenartiges Aussehen geben. Auch sieht man öfters knotenartige Verdichtungen
in den Streifen, und außerdem sind wiederholt einzelne dunkle Flecke außer allem Zusammenhang mit den Streifen beobachtet
worden. MancheFlecke haben nur kurze, andre sehr lange Dauer; zu den letztern gehört ein ovaler rötlicher Fleck südlich
vom Äquatorgürtel von 47,000 km Länge und 13,000 km Breite,
[* 30] der seit Sommer 1878 und noch jetzt (Winter
1886/87) sichtbar ist.
Die rötliche Färbung, welche insbesondere in der Äquatorzone bisweilen auftritt, wird der Anwesenheit
von Wasserdampf zugeschrieben, auf welchen auch einige dunkle Streifen im Spektrum des J. deuten, die auch im Spektrum der untergehenden
Sonne durch den Wasserdampf unsrer Atmosphäre hervorgerufen werden. Die betreffenden Stellen der Jupiteratmosphäre müssen
aber dann wolkenfrei sein, damit das Sonnenlicht genügend tief in die Wasserdampfschicht eindringen
kann.
Die rötlichen Stellen würden demnach Aufhellungen in der Wolkendecke des J. sein. Übrigens hält es Zöllner für wahrscheinlich,
daß J. (wie auch Saturn) sich noch in einem Zustand bedeutender Erhitzung befindet, und daß seine Oberfläche jetzt noch
Licht und Wärme
[* 34] ausstrahlt. Zeugnis dafür legen die mannigfachen Veränderungen der Äquatorstreifen ab,
die man nicht auf Rechnung der Sonnenwärme setzen kann. Unter der Annahme eines noch jetzt andauernden hohen Temperaturgrades
des J. ist übrigens Lohse zu einer eigentümlichen Deutung der Streifen gelangt.
Bei einem solchen Zustand wird man nämlich das öftere Auftreten vulkanischer Eruptionen als höchst wahrscheinlich ansehen
dürfen, und wenn an einer Stelle des Planeten ein solcher Ausbruch erfolgt, so wird die Wolkendecke über
der Ausströmungsöffnung durch die empordringenden glühenden Gase
[* 35] und Dämpfe durchbrochen. Da aber diese eruptiven Massen,
weil aus tiefern Regionen kommend, eine geringere Rotationsgeschwindigkeit besitzen als die höher liegenden Wolkenschichten,
so werden sie gegen diese zurückbleiben, und es wird ein dunkler Streifen in der Rotationsrichtung entstehen,
der sich bei längerer Dauer der Eruption rings um den Planeten ziehen wird, indem das Ende sich wieder an den Anfang anschließt,
während bei kürzerer Dauer ein weniger langer Streifen entsteht.
Dieser Ansicht zufolge sind die dunkeln Streifen nicht bloße Lücken in der Wolkendecke, sondern eruptive
Massen, die nur infolge ihres geringern Lichtreflexionsvermögens dunkel erscheinen. Dadurch finden auch die mancherlei
an den Streifen beobachteten Farbennüancen eine einfache Erklärung, und nicht minder ist es auch wahrscheinlich, daß die
glühenden Gase, welche die Streifen bilden, namentlich bei sehr heftigen Eruptionen etwas eignes Licht ausstrahlen.
Ebenso erklären sich der häufige Wechsel in der Lage und Bildung der Streifen, die Verschiedenartigkeit ihrer Dauer etc. durch
die Annahme einer größern Anzahl von Kratern, die abwechselnd in Thätigkeit sind. Jeder Streifen würde dann einem oder mehreren
Kratern
von gleicher jovigraphischer Breite entsprechen, und die ausgeprägtere Streifenbildung und größere
Veränderlichkeit der Gebilde in der südlichen Hemisphäre des J. würden auf eine abweichende Oberflächenstruktur des Planetenkerns
in beiden Halbkugeln deuten.
Die Geschwindigkeit, mit der sie den J. umkreisen, ist eine außerordentlich große; dabei laufen sie um den J. fast in der
Ebene seines Äquators, nur IV weicht merklicher von derselben ab. Ebenso sind die Neigungen ihrer Bahnen zu der des J. unbeträchtlich,
indem sie sich nur zwischen 2 und 3° bewegen. Alle zusammen haben nur 0,0007 der Jupitermasse oder ungefähr
1/20 der Erdmasse. Am hellsten erscheint gewöhnlich III, der größte; der zweitgrößte (IV) wird aber an Glanz von den
kleinern (I und II) übertroffen.
Die Verfinsterungen der Jupitermonde sind insofern von Wichtigkeit, als sie ein bequemes Mittel zur Bestimmung der Längendifferenz
zweier Orte (s. Länge) und der Geschwindigkeit des Lichts darbieten. Hinsichtlich der Dauer dieser Finsternisse
ist zu bemerken, daß I höchstens 2 Stunden 15 Minuten 44 Sekunden, II 2 Stund. 52 Min. 4 Sek., III 3 Stund. 33 Min. 40 Sek. und
IV 4 Stund. 44 Min. 50 Sek. verfinstert werden kann. Die Sonnenfinsternisse, welche die Monde für den Hauptplaneten bewirken,
sind von der Erde aus an dem über die Planetenscheibe ziehenden Schatten
[* 39] des Trabanten erkennbar. Zu bemerken
ist, daß die drei innern Monde nie gleichzeitig verfinstert werden können. Es ist nämlich stets die Länge von I, vermehrt
um die doppelte Länge von II und vermindert um die dreifache Länge von III, gleich 180°, und zugleich
ist die Summe der Bewegung von I und die doppelte Bewegung von III gleich der dreifachen Bewegung von II, woraus folgt, daß,
wenn zwei dieser Trabanten gleiche Länge in Beziehung auf den J. haben, der dritte stets 60° oder auch 90° von ihnen absteht,
nämlich 60°, wenn I und III, und 90°, wenn I und II gleiche Länge haben. Die Beobachtung, daß die
Finsternisse der Jupitermonde um die Zeit der Konjunktion des J. um 16 Min. 26 Sek. später bemerkt wurden, als die Berechnung
nach Finsternissen in der Opposition angab, führte den Astronomen Römer
[* 40] 1676 auf die Entdeckung der Geschwindigkeit
des Lichts. S. Tafel »Planetensystem«.
[* 41]