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Die Geschichte des G.s, im Gebiet der heutigen Schweiz seit dem MA fassbar, ist durch eine zunehmende Vereinheitlichung der versch. Währungen gekennzeichnet. War in der frühen Neuzeit die Bewältigung von Wechselkomplikationen zentral, ist es in der Gegenwart der Handel mit Devisen.
In der Schweiz stieg die Zahl der Herrschaften, die das Recht der Münzprägung erhalten oder usurpiert hatten, von zehn um 1150 auf fünfzehn um 1350 und fluktuierte zwischen 1450 und 1798 stets um zwanzig. Daraus entstanden, trotz zeitweiliger Absprachen über den Münzfuss, divergierende Prägungen, welche die einzelnen Herrschaften dazu veranlassten, den Münzumlauf in ihren Währungsgebieten zu reglementieren. Zu diesen Massnahmen zählte spätestens vom 14. Jh. an die Verpflichtung zum Wechseln unerwünschter, fremder Münzen in solche lokaler Währung. Spätestens im 16. Jh. mussten Zahlungen an Zins- und Kapitalschulden zu mind. 90% in harter Währung getätigt werden. Die notwendigen Gold- und Silbermünzen musste man sich über den G. beschaffen. Analoges galt für Kaufleute, die für ihre Auslandgeschäfte ebenfalls grobe Münzsorten benötigten. Vom frühen 15. Jh. an sind entsprechende Tarifierungen bekannt, in welchen die offiziellen Kurswerte der auf dem Geldmarkt akzeptierten und im Handel zugelassenen Gold- und Silbermünzen, oft auch des Kleingelds, veröffentlicht wurden. Bei konstantem Überangebot an kleinen und Minderangebot an groben Sorten kam es über die starke Nachfrage zur Praxis des Aufwechsels, d.h. zu höheren effektiven Kursen, was von den Obrigkeiten ergebnislos bekämpft wurde.
Prinzipiell oblag der G. in den Prägeorten den jeweiligen Münzmeistern. Von dieser Regel gab es jedoch immer wieder Abweichungen, besonders in den zahlreichen Kleinstädten, Markt- und Messeorten der spätma. und frühneuzeitl. Schweiz. Mehr oder weniger von der Obrigkeit geduldet, besorgten u.a. Goldschmiede, Kaufleute und Wirte den G. Bedeutendere Städte errichteten im späten 14. Jh. offizielle Wechselstuben, deren Betrieb auch Kawerschen und Lombarden vertraglich übergeben wurde. Vom 15. Jh. an waren es dann zusehends die Münz- oder die Säckelmeister, bzw. einheimische, spezialisierte Handelsbankiers, die den G. neben anderen Bankgeschäften betrieben.
Der Wechsler benötigte ein breites Fachwissen. Äussere Kenn- und Prüfmerkmale waren Münzbild, Mass, Griff, Geschmack und Gewicht. Vom 16. Jh. an war der Gebrauch von Münzwaagen mit Gewichten der wichtigsten zirkulierenden, international akzeptierten Gold- und Silbermünzen üblich. Im ausgehenden Ancien Régime wurde der G. wegen der kontinuierlich zunehmenden Zahl von Münzvarianten immer komplizierter. Diese Entwicklung führte zu einem Zustand, der auch während der Helvetik, trotz der Währungsvereinheitlichung, fortdauerte. Er änderte sich auch in der Mediationszeit und nach dem Bundesvertrag von 1815 bis 1848 nicht, musste doch ein Wechsler neben den ausländischen über 700 schweiz. Münzsorten mit ungefähr 8'000 unterschiedl. Geprägen kennen. Trotz Hilfsmitteln wie Taschenbüchern und gedruckten Kurstabellen für die groben Sorten und das Kurantgeld benötigte man zur Berechnung und Kontrolle übermässig viel Zeit. Die Aufgabe der kant. Münz- und Währungshoheiten zugunsten eines einheitlichen schweiz. Münz- und Währungssystems im eidg. Münzgesetz von 1850 beseitigte den früheren Münzwirrwarr und die damit verbundenen Wechselkomplikationen innerhalb der Schweiz endgültig.
Autorin/Autor: Martin Körner
Das schweiz. Währungssystem behielt während der 2. Hälfte des 19. Jh. gewisse archaische Züge. Es gab über 30 Notenbanken, deren Banknoten nur beschränktes Vertrauen genossen und die unfähig waren, sich auf eine kohärente Geld- und Währungspolitik zu einigen. Zudem hatten in der Schweiz auch zahlreiche ausländ. Münzen Gültigkeit, da die Eidgenossenschaft der Lateinischen Münzunion angehörte. Folglich standen die Schweizer Banken auf einem zu schwachen Fundament, um sich im Devisenhandel hervorzutun, auch wenn dieser Geschäftsbereich zunehmend an Bedeutung gewann, wuchsen doch der Güter- und v.a. der Kapitalverkehr immer schneller. So musste die Schweiz den grössten Teil der Devisen, die sie für Zahlungen ins Ausland benötigte, auf ausländ. Finanzplätzen beschaffen, insbesondere in Paris.
1907 brachte die Aufnahme der Tätigkeit der Schweizerischen Nationalbank die entscheidende Wende: Das schweiz. Währungssystem wurde vereinheitlicht und erhielt eine solide Basis. Von ebenso grosser Bedeutung für den G. waren die durch den 1. Weltkrieg ausgelösten Währungsturbulenzen, denen ausser dem Schweizer Franken nur wenige Währungen widerstanden. Als Flucht- und sog. harte Währung wurde der Franken für den internat. Zahlungsverkehr attraktiv und zog zahlreiche ausländ. Kapitalien in die Schweiz. So begann der schweiz. Finanzplatz nach Kriegsende und während der 1920er Jahre im internat. Devisenhandel eine aktive Rolle zu spielen. In den 1930er Jahren und im 2. Weltkrieg führten die meisten Länder die Devisenbewirtschaftung ein, was das Volumen der Geldtransaktionen stark reduzierte. Trotzdem gelang es dem Finanzplatz Schweiz, seine Stellung zu stärken, da der schweiz. Devisenmarkt einer der wenigen war, die relativ frei weiterfunktionierten. Selbst mitten im Krieg konnten hier Devisengeschäfte getätigt werden. Nach Kriegsende ermöglichten dieses Renommee und die aussergewöhnl. Stärke des Schweizer Frankens den grossen Schweizer Banken, im internat. Devisen- und Goldhandel eine führende Position einzunehmen. Davon zeugt auch die Tatsache, dass die Schweizer Geldpolitik den Entscheid der USA von 1973, den Dollar künftig floaten zu lassen (Flexible Wechselkurse), nicht unwesentlich beeinflusste. Die Schwankungen zwischen den versch. Währungen haben beträchtl. Ausmasse angenommen, was den internat. Devisenhandel belebte und ihn viel spekulativer werden liess. Zu Beginn des 21. Jh. brachte der Devisenhandel den grossen Schweizer Banken ca. ein Achtel ihrer Einkünfte und stellte eine ihrer wichtigsten Ertragsquellen dar. Banknotentransaktionen spielen hingegen nur noch eine marginale Rolle, hauptsächlich in Zusammenhang mit dem Tourismus.
Autorin/Autor: Sébastien Guex / MF