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Die Fundstelle La Roche-Cotard ist ein seltenes Beispiel von Neandertalern geschaffener Paläolithischer Kunst. Die Höhle befindet sich auf der rechten Seite des Loire-Tals, in der Gemeinde Langeais, zirka 20 km von Tours entfernt. 1912 fing man mit den Ausgrabungen der Fundstelle an, der Moustérien-Horizont La Roche-Cotard II wurde erst einige Jahre später entdeckt. Man geht davon aus, dass die Höhle von Neandertalern bewohnt wurde. Der Eingang wurde nach dem Verlassen der Höhle verschüttet, war also bis zu seiner Entdeckung 1846 unzugänglich für den Homo sapiens sapiens (Lorblanchet et al. 2014, 170). Das Ziel des Projekts ist, weiter aufzuklären, welche Rolle der Neandertaler bei der Entstehung der Kunst gespielt hat. Dafür ist die Höhle La Roche-Cotard perfekt geeignet. Offenbar wurde die Höhle von Neandertalern benutzt, welche in der Lage waren Kunstobjekte anzufertigen. Der Fokus wird auf den Artefakten liegen, die von den Neandertalern angefertigt wurden. Dabei werden auch die Gravuren und die Verzierungen analysiert. Eine wichtige Fragestellung ist, mit welchen Geräten und auf welche Weise diese Abbildungen eingraviert oder gemalt wurden. Außerdem stellt sich die Frage, wie die Maske von La Roche-Cotard hergestellt wurde und welche Werkzeuge dabei benutzt wurden. Eine weiterführende Fragestellung beschäftigt sich mit den Aktivitäten, die in der Höhle stattfanden. War der Ort nur für Kunst (Gravuren, Gemälde) reserviert oder wurden dort auch andere Tätigkeiten ausgeübt? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, müssen mehrere Experimente durchgeführt werden. Es ist geplant, die Gravuren auf den Wänden einer anderen Höhle mit ähnlichen Eigenschaften mittels unterschiedlicher Instrumente nachzustellen.
Im Oktober 2016 wurde eine kleine Pilotstudie zu den Gravuren sowie eine erste Analyse der Steinwerkzeuge durchgeführt. Der Erhaltungszustand der untersuchten Werkzeuge ist variabel, aber in der Regel ausreichend für traseologische Analysen. Das Ziel war, die Stücke zu finden, die möglicherweise zur Anfertigung der Kunstwerke an den Höhlenwänden gebraucht wurden.
Darüber hinaus ist eine experimentelle Studie zusammen mit Gebrauchsspurenanalysen geplant. Das Ziel dieser Analyse ist, ergänzend zu den typologischen und technologischen Untersuchungen, die eigentliche Funktion der prähistorischen Werkzeuge zu rekonstruieren. Dabei werden die Art der Manipulation sowie die bearbeiteten Werkstoffe unterschieden. Als Referenz dazu dienen experimentell hergestellte Steinwerkzeuge mit denen unter kontrollierten Bedingungen unterschiedliche Materialien bearbeitet wurden. Für die Analysen kommen Auflichtmikroskope mit 10 bis 80-facher Vergrösserung (Binokulare) sowie hochauflösende (800x) Mikroskope mit digitaler Bilderfassung, wie sie in der Metallurgie verwendet werden, zur Anwendung.