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Die Rhone : Hydrologie, Glaziologie und Geomorphologie
In den Alpen umfasst das Wassereinzugsgebiet der Rhone eine Fläche von 5’244 km2, vom Rhonegletscher (zwischen 3’600 m und 2’208 m) bis zum Genfersee (372 m). Derzeit entspringt die Rhone einem See, der sich an der Vorderseite des Gletschers gebildet hat und der durch einen Gletscherriegel zurückgehalten wird. Vom Gletscher bis zum Genfersee weist die Rhone eine Länge von 164 km auf, mit einem durchschnittlichen Gefälle von 0,89%, mit grossen Schwankungen je nach Abschnitt. Die durschnittliche Höhe des Wassereinzugsgebiets liegt bei 2’127 m über dem Meeresspiegel.
Entlang der Rhone befinden sich mehrere hydrometrische Stationen. Die älteste liegt bei Porte-du-Scex, in der Nähe der Genferseemündung, wo der Wasserstand seit 1863 beobachtet wird und 1891 ein Limnigraf installiert wurde. Bis 2015 waren 16 hydrometrische Stationen im alpinen Rhonebecken in Betrieb, sieben an der Rhone und neun an den Nebenflüssen. Die Daten werden vom Bundesamt für Umwelt im Hydrologischen Jahrbuch der Schweiz veröffentlicht.
Der natürliche Wasserhaushalt der Rhone ist glazial-nival (stromaufwärts) bis nivo-glazial (stromabwärts). Der durchschnittliche Jahresdurchfluss bei Porte-du-Scex beträgt 180 m3/s (Zeitraum 1905-2018). Der durchschnittliche Sommer- und Winterdurchfluss beträgt 263 m3/s bzw. 97 m3/s. Die Inbetriebnahme von grossen Wasserkraftanlagen (Grande Dixence, Mauvoisin) in den späten 1950er Jahren veränderte die jährliche Verteilung der Wassermengen erheblich. Vor 1958 betrug die durchschnittliche Durchflussmenge im Winter bei Porte-du-Scex 72 m3/s, nach diesem Zeitpunkt hingegen 120 m3/s. Diese Zunahme des Winterabflusses wird durch die aktuelle Klimaerwärmung (weniger Niederschläge in Form von Schnee) noch verstärkt. Das in den Stauseen gespeicherte Volumen wird auf 1’195 Mio. m3 geschätzt, was 21% der jährlichen Durchflussmenge bei Porte-du-Scex entspricht.
Die höchste je bei Porte-du-Scex gemessene Durchflussmenge wurde am 15. Oktober 2000 erreicht und betrug 1’363 m3/s. Zum Vergleich: In Baucaire, in der Nähe der Rhonemündung im Mittelmeer, beträgt der durchschnittliche jährliche Durchfluss 1’700 m3/s. Dort wurde der höchste Wert mit 11’500 m3/s am 4. Dezember 2003 gemessen.
11% des Einzugsgebiets der Rhone sind vergletschert. Dazu gehören die grössten Gletscher der Alpen, nämlich der Grosse Aletschgletscher, der Fieschergletscher, der Gornergletscher sowie der Corbassière-Gletscher. Im Jahr 2018 umfasst die Fläche des Rhonegletschers 15.6 km2, auf einer Höhe von 3’600 m bis 2’208 m. Zwischen 1856 und 2018 verlor dieser Gletscher 1’650 m an Länge.
Die Rhone spielt eine wichtige geomorphologische Rolle. Während der Eiszeit des Quartärs begruben die Gletscher das Tal in einer Reihe von Taltrögen, die durch Riegel voneinander getrennt waren, von denen einige durch aufeinanderfolgende Ablagerungen bedeckt waren und andere noch sichtbar sind (Riegel bei St-Maurice). Nach dem letzten Höchststand vor 22'500 Jahren, als der Rhonegletscher bis zur Region Solothurn und über Genf hinaus reichte, führte das Schmelzen des Eises dazu, dass das Tal mit glazialen Seesedimenten sowie mit fluvioglazialen und alluvialen Sedimenten gefüllt wurde (z.B. mehr als 800 Meter in Martigny). Hangbewegungen infolge von Dekompression der Gletscher haben auch den Talboden überdeckt, insbesondere in der Region Siders. Die Nebenflüsse haben mehrere Schuttkegel gebildet, von denen einige (Illgraben, Losentse, St-Barthélémy) den Verlauf der Rhone stark eingeschränkt haben. Ein grosser Teil der von der Rhone transportierten Sedimente hat dazu beigetragen, die Senke des Genfersees in der Region Chablais teilweise zu füllen. Der natürliche Verlauf der Rhone vor den Korrektionen bestand aus Verästelungen und Mäandern. Lediglich die Schwemmlandebene von Gletsch, der verästelte Abschnitt bei Pfyn und das Rhonedelta bei Les Grangettes weisen noch mehr oder weniger natürliche Elemente auf.