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Anna ist in Süddeutschland aufgewachsen und ist direkt nach ihrem Schulabschluss in die maritime Branche eingestiegen. Mit 17 Jahren wurde sie Kadettin und arbeitete auf Kreuzfahrtschiffen, Container- und Schwergutschiffen, während sie in Rostock Nautik studierte. Sie besitzt eine Lizenz als Erste Offizierin (unbegrenzt).
Bei ihrer Arbeit als Offizierin stellte Anna bald den Sinn der Berufsschifffahrt für sich in Frage. Seit Langem hatte sie die humanitäre Krise im Mittelmeer mitverfolgt und war eine Unterstützerin der zivilen Such- und Rettungsdienste. Nun sah sie die Möglichkeit, sich zu engagieren und ihren beruflichen Hintergrund dort einzusetzen, wo sie das Gefühl hatte, dass er mehr gebraucht wurde. «Ich war mir der Situation im Mittelmeer immer bewusst, aber ich dachte nicht, dass ich in der zivilen Rettung gebraucht würde. Viele der zivilen deutschen Seenotrettungsorganisationen setzten vor der Kriminalisierung kleinere Schiffe ein. Ich dachte immer, sie hätten genug Leute und meine Qualifikationen seien nicht notwendig. Als ich merkte, dass ich tatsächlich nützlich sein könnte, fiel mir die Entscheidung leicht», erklärt Anna.
Sie studierte daraufhin Physik und trat im Juli 2019 ihren ersten Einsatz als zweite Offizierin auf dem Rettungsschiff Alan Kurdi von Sea-Eye an. Während dieses Einsatzes erlebte Anna aus erster Hand, wie verheerend ein längeres Warten auf einen sicheren Hafen für die Geretteten an Bord sein kann. «Zwölf Tage lang mit 150 Überlebenden an Bord auf einen sicheren Ort zu warten, war zermürbend. Mit jedem Tag, der verging, sahen wir, wie die Menschen immer verzweifelter wurden.»
Nachdem sie während ihrer Semesterferien an Bord gearbeitet hatte, schloss Anna im Herbst 2020 ihren Bachelor in Physik ab. Für ihre Abschlussarbeit untersuchte sie die Cäsiumkontamination von Wildschweinen in Süddeutschland. Sie plant, sich demnächst in ihrem Masterstudiengang auf nukleare Forensik und Radioökologie zu konzentrieren. Doch zunächst ist Anna seit dem 11. Januar 2021 als Mitglied des Search and Rescue Teams von SOS MEDITERRANEE auf See. Es ist ihr erster Einsatz auf der Ocean Viking.
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Zeichnung: Hippolyte
Photo credits: Fabian Mondl / SOS MEDITERRANEE