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«The Dig» spielt im Jahr 1939 im britischen Suffolk. Während Ausgräber Basil Brown (Ralph Fiennes) mit Gutsherrin Edith Pretty (Carey Mulligan) deren riesiges Landstück abschreitet, donnern Flugzeuge über ihre Köpfe hinweg. Die Royal Air Force trainiert für den Luftkrieg gegen Hitler.
Die energische und reiche Witwe vermutet historisch interessante Gräber unter den Hügeln auf ihrem Anwesen. Der akademisch ungeschulte, aber hartnäckige Ausgräber, den sie zur Untersuchung bestellt hat, vermutet dies auch. Allerdings drängt er darauf, eher der Logik folgend zu graben, während sie ihrem Bauchgefühl vertrauen möchte.
Basil Brown ist eine historische Figur, ebenso wie Edith May Pretty. Der einstige Fernsehkritiker John Preston hat den beiden in seinem historischen Roman «The Dig» 2007 ein Denkmal gesetzt.
Pretty und Brown gelten als die treibenden Kräfte hinter dem spektakulärsten archäologischen Fund in britischem Boden, den Grabstätten von Sutton Hoo in Suffolk, Link öffnet in einem neuen Fenster, mit einem kompletten angelsächsischen Schiffsgrab.
Vergrabene Träume freilegen
Der Film von Regisseur Simon Stone bildet diese aufregende archäologische Entdeckung ab – nutzt den historischen Hintergrund aber vor allem, um neben dem Schiffsgrab auch menschliche Beziehungen und Träume freizulegen.
Simon Stone
Simon Stone wurde 1984 in Basel geboren und zog mit seiner Familie zunächst nach Cambridge, dann nach Melbourne. Er studierte am Victorian College of the Arts in Melbourne und arbeitete in den darauffolgenden Jahren als Regisseur, Autor und Schauspieler in Australien.
Von 2015 bis 2017 war Stone Hausregisseur am Theater Basel. Er galt als einer der besten Theaterregisseure Europas und seine Inszenierungen waren Publikumsmagnete. 2017 verliess Stone Basel in Richtung amerikanische Filmmetropole Los Angeles.
Als Leuchtfeuer über allem steht die von Brown und Pretty geteilte Überzeugung, dass die Spuren der Vergangenheit gefunden und erhalten werden sollen. Für die Zukunft.
Ein Leben in der Vergangenheit finden
Wir sollten über all dem Staunen über die historischen Funde nicht vergessen, dass hier jemand begraben wurde, erklärt Edith Pretty einmal. Zu diesem Zeitpunkt weiss sie längst, dass sie nicht mehr lange zu leben hat.
«No. It is life, that is revealed», antwortet Brown. Es sei Leben, das sich hier zeige: «That is why we dig.» Darum würden sie ja graben.
Die abenteuerliche Geschichte um archäologische Leidenschaft und den Versuch, das Leben in der Vergangenheit für die Zukunft zu finden und zu behalten, hat Simon Stone sehr einnehmend umgesetzt.
Gartenträume und Gutsfrauenloyalität
Neben die Grabungsromantik setzt er den akademischen Hahnenkampf, eine Spur britische Gartenverträumtheit und gar eine Prise «Downton Abbey»-Gutsfrauenloyalität.
Um Edith Pretty und Basil Brown versammelt der Film eine ganze Reihe von knapp, aber präzise gezeichneten Menschen. Da ist Prettys junger Sohn Robert, der seinen grossen erwachsenen Cousin Rory Lomax (Johnny Flynn) vergöttert, aber auch im geduldigen Basil Brown einen Vaterersatz findet.
Nicht nur Gräber werden freigeschaufelt
Da ist Peggy Piggott (Lily James), eine junge Archäologin, die erst auf der Grabung von Sutton Hoo herausfindet, dass ihr Ehemann Stuart (Ben Chaplin) mit seinen männlichen Kollegen glücklicher ist, als mit seiner jungen Frau.
Da ist May Brown, die zuverlässige, liebevolle Frau von Basil, welche ihn geduldig immer wieder ziehen lässt, als Hobby-Astronom und als sich für wenig Geld verdingender Ausgräber im Dienste ehrgeiziger Archäologen, die normalerweise jeden von Browns Funden ihrer eigenen Glorie zuschlagen.
Die Ausgrabung des Schiffes und der Schätze des Grabes werden zu einem Wettlauf gegen den drohenden Kriegsausbruch. Als die Kriegserklärung übers Radio kommt, ist Brown bereits damit beschäftigt, die Überreste des Schiffes wieder der schützenden Erde anzuvertrauen.
Regen, Schlamm und verwobene Dialoge
Viel Landschaft, viel Zeitkolorit, viel Regen, Erde und Schlamm. Als stärkstes und auffälligstes Stilmittel in einem britischen «Period-Drama» aber auch: zeitlich versetzte Dialoge. Figuren sind auf der Tonspur zu hören, während sie schon etwas anderes tun oder sich irgendwohin bewegen.
So verwebt auch der Film seine Gegenwart mit seiner Vergangenheit. So, dass man innerlich einen Schritt zurücktritt und versucht, den Überblick zu bekommen.
«Ihr spielt hier im Dreck, während sich das Land auf den Krieg vorbereitet», sagt Basil Browns Frau May einmal anerkennend. Das alles, damit auch zukünftige Generationen einmal wissen, wo sie herkommen.
Filmhinweis
«The Dig» von Simon Stone: Jetzt auf Netflix.