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(Tartigrada), eine Ordnung der Spinnentiere (s. d.), die sehr kleine rückgebildete
Formen umfaßt. An dem länglichen Körper der Bärtierchen lassen sich undeutlich einzelne Ringe, nicht aber ein Kopfbruststück und
ein Hinterleib unterscheiden. Die Mundteile sind zum Saugen eingerichtet, von den vier stummelartigen Beinpaaren ist das
letzte ans Ende des Körpers gerückt. Die Bärtierchen sind Zwitter, was sie von allen andern Spinnen
[* 3] unterscheidet.
Sie leben an feuchten Stellen, z. B. unter dem Moos der Ziegeldächer, in Regenrinnen u. s. w. und können ganz austrocknen
und nach langer Zeit beim Anfeuchten aufleben. Eine von den etwa 15 bekannten Arten ist: Macrobiotus Schultzei Greef (s. Tafel:
Spinnentiere und Tausendfüßer I,
[* 4]
Fig. 10).
Die Männchen, oft durch äußere Merkmale unterschieden, besitzen paarige Hodenschläuche, aber in der Regel keine eignen
Begattungsorgane, so daß mitunter so entfernt gelegene Gliedmaßen wie die Kiefertaster der Spinnen die
Übertragung des Samens auf das Weibchen übernehmen. Letzteres hat einen unpaaren oder paarige Eierstöcke, deren Eileiter meist
gemeinschaftlich am Anfang des Hinterleibs ausmünden. Die meisten S. legen Eier,
[* 13] die sie zuweilen in Säcken bis zum Ausschlüpfen
der Jungen mit sich herumtragen.
Letztere haben meist schon die Form der ausgewachsenen Tiere; wenige durchlaufen eine wahre Metamorphose. Die Lebensdauer der
S. ist nicht wie die der Insekten eine beschränkte; sie häuten sich auch noch nach Eintritt der Zeugungsfähigkeit in bestimmten
Zeiträumen und sind zu wiederholten Malen fortpflanzungsfähig. Sie besitzen ein zähes Leben, so daß
manche monatelang ohne Nahrung existieren können, und eine bedeutende Reproduktionskraft, welche sich z. B.
im Wiederersatz verlorner Beine äußert.
Sie nähren sich meist vom Raub andrer Gliedertiere, besonders der Insekten, die sie meist nur aussaugen; unter den niedrigsten
Formen leben einige parasitisch an Wirbeltieren; wenige nähren sich von pflanzlichen Säften. Fast sämtlich
sind sie Landtiere, welche sich vielfach am Tag verborgen halten und nur nachts auf Raub ausgehen. Sie sind über den ganzen
Erdkreis verbreitet, doch finden sich in den heißern Zonen die meisten und größten Arten. Die nicht besonders zahlreichen
fossilen Arten gehen bis in das Steinkohlengebirge zurück (z. B. die Skorpiongattung
Cyclophthalmus, s. Tafel »Steinkohlenformation I«).
[* 14]
Pantopoda oder Pycnogonidae, sind als selbständige Gruppe nicht mit eingerechnet), nämlich:
1) Gliederspinnen (Arthrogastra), welche durch ihren gegliederten Hinterleib und auch den innern Bau noch am meisten der ursprünglichen
Form der S. zu entsprechen scheinen, während alle übrigen S. mehr oder weniger abgeändert sind. Zu ihnen gehören unter
andern die Skorpione (s. Gliederspinnen).
Das hierher gehörige Pentastomum taenioidesRud. (Textfig. 1), dessen Männchen 8 cm und dessen Weibchen nur 2 cm lang wird,
lebt in den Nasen-, Stirn- und Kieferhöhlen des Hundes und Wolfs; seine Embryonen gelangen mit dem Nasenschleim auf Pflanzen und
von da in den Magen der Kaninchen,
[* 18] Hasen, Ziegen, Schafe,
[* 19] seltener Rinder
[* 20] und Katzen,
[* 21] auch wohl des Menschen;
sie schlüpfen aus, durchbohren die Darmwandungen, gehen in die Leber, kapseln sich hier ein und durchlaufen nach Art der
Insektenlarven eine Reihe von Verwandlungen, durchbohren später die Kapsel und gelangen in die Leibeshöhle ihrer Wirte, kapseln
sich aber, wenn sie daraus nicht bald befreit werden, wieder ein und sterben ab (sie sollen indes auch
durch Lunge
[* 22] und Luftröhre auswandern). Gelangen sie mit dem Fleisch ihres Wirtes in die Rachenhöhle des Hundes, so dringen
sie in die benachbarten Lufträume und werden in 4-5 Monaten geschlechtsreif. Mit
zahlreichen Pentastomen behaftete Hunde
[* 23] zeigen oft starke Anfälle von Tob- und Beißsucht, die leicht mit Tollwut verwechselt werden können. Der junge Zungenwurm,
früher als eigne Art (P. denticulatum, Textfig. 2) beschrieben, kann in Lunge und Leber seines Wirtes furchtbare Verheerungen
anrichten, auch bei zahlreichem Auftreten den Tod veranlassen.
Die Spinnen oder Webspinnen (Araneina) haben einen ungegliederten, gestielten und stark hervortretenden
Hinterleib. Ihre großen Kieferfühler enden mit einer wie die Klinge eines Taschenmessers einschlagbaren Klaue, an deren Spitze der
Ausführungsgang einer Giftdrüse mündet, deren Saft in die durch die Klaue geschlagene Wunde fließt und kleinere Tiere fast
augenblicklich tötet. Die Unterkiefer tragen einen mehrgliederigen Taster, beim Weibchen von der Form
eines verkürzten Beins, beim Männchen mit aufgetriebenem, als Begattungsorgan dienendem Endglied.
Die vier meist langen, übrigens bei den einzelnen Gattungen sehr verschieden gebauten Beinpaare enden mit zwei kammartig
gezahnten Krallen, oft noch mit kleiner unpaarer Afterkralle oder einem Büschel gefiederter Haare.
[* 24] An der Bauchseite des
Hinterleibs liegt die Geschlechtsöffnung, und seitlich von ihr befinden sich die beiden Spaltöffnungen der sogen. Lungensäckchen,
öfters auch noch ein zweites Stigmenpaar. Den After umgeben am Ende des Hinterleibs vier oder sechs Spinnwarzen, aus denen
die Absonderung der Spinndrüsen hervortritt.
Letztere sind birnförmige, cylindrische oder gelappte Schläuche; ihr Sekret gelangt durch Hunderte feiner
Röhrchen nach außen, erhärtet an der Luft schnell zu einem Faden
[* 25] und wird unter Beihilfe der Fußklauen zu dem bekannten
Gespinst verwebt. Das Nervensystem besteht aus dem Gehirn und aus einer gemeinsamen Brustganglienmasse. Hinter dem Stirnrand
stehen acht, seltener sechs kleine Punktaugen in einer nach den Gattungen und Arten verschiedenen Anordnung.
Endglied der Kiefertaster ist löffelförmig ausgehöhlt und enthält einen spiralig gebogenen Faden nebst hervorstreckbaren
Anhängen. Bei der Begattung füllt das Männchen dies Glied
[* 28] mit Samen
[* 29] und führt es in die weibliche Geschlechtsöffnung ein,
wo sich ein besonderes Behältnis zur Aufbewahrung des Samens (Samentasche) befindet. Zuweilen leben beide Geschlechter friedlich
nebeneinander in benachbarten Gespinsten oder selbst eine Zeitlang in demselben Gespinst; in andern Fällen
stellt das stärkere Weibchen dem schwächern Männchen wie jedem andern Tier nach, und selbst bei der Begattung ist dieses
gefährdet. Die Entwickelung im Eie ist insofern interessant, als der Embryo eine Zeitlang einen deutlich aus 10 bis 12 Segmenten
bestehenden Hinterleib besitzt, an dem sich auch die Anlagen von Gliedmaßen zeigen, die aber im weitern Verlauf samt der Gliederung
wieder verschwinden. Die ausschlüpfenden Jungen erleiden keine Metamorphose, bleiben aber bis nach der ersten Häutung im Gespinst
der Eihüllen. - AlleSpinnen nähren sich vom Raub: die vagabundierenden überfallen die Tiere im Lauf oder
Sprung;
andre bauen Gespinste, welche bei den verschiedenen Gattungen sehr wesentlich voneinander abweichen und zum Fang von
Insekten dienen;
oft finden sich in der Nähe derselben röhren- oder trichterartige Verstecke zum Aufenthalt der Spinnen.
1) Vierlunger (Tetrapneumones), mit 4 Lungensäcken und 4 Stigmen, 4, selten 6 Spinnwarzen. Hierher nur die Familie der Vogelspinnen
(Theraphosidae), s. Vogelspinne.
2) Zweilunger (Dipneumones), mit 2 Lungensäcken und 2 oder 4 Stigmen (in diesem Fall führt das hintere Paar zu Tracheenstämmen),
stets 6 Spinnwarzen. Sie zerfallen in mehrere kleinere Gruppen: a) Springspinnen (Saltigradae), b) Wolfsspinnen
(Citigradae), unter andern mit der Gattung Lycosa (Tarantel, s. d.), c) Krabbenspinnen (Laterigradae), unter andern mit der
Gattung Thomisus (umherschweifende Krabbenspinne, T. viaticusC. L.Koch), d) Röhrenspinnen (Tubitelariae), zu denen Tegenaria
(Hausspinne, T. domesticaL.) und Argyroneta (gemeine Wasserspinne, A.aquaticaL.) gehören, e) Webspinnen
(Retitelariae) mit der Gattung Theridium (bekränzte Webspinne, T. redimitumL.), f) Radspinnen (Orbitelariae) mit der Gattung
Tetragnatha (gestreckte Strickerspinne, T. extensaWalck.) und Epeira (Kreuzspinne, s. d.).