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Australien betreibt in der Antarktis und Sub-Antarktis vier Forschungsstationen, die permanent besetzt sind. Im Laufe der Jahre hat sich an den Stationen einiges an Altlasten angesammelt, wodurch bereits Boden kontaminiert wurde. Jetzt plant das australische Antarktisprogramm mit der Beseitigung von Abfällen und Schadstoffen seine bisher größte Umweltsanierung in der Antarktis.
Die älteste australische Station ist die auf der subantarktischen Insel Macquarie, die 1911 gegründet wurde. Erst einige Jahrzehnte später, 1954, errichtete Australien mit «Mawson» seine erste Station auf dem antarktischen Kontinent. Drei Jahre darauf folgte die «Davis»-Station und im Jahr 1969 «Casey». Alle vier Stationen sind für den Betrieb abhängig von fossilen Brennstoffen, wie fast alle anderen Forschungsstationen in der Antarktis auch. Da bleibt es fast nicht aus, dass über die Jahrzehnte bei der Lagerung, dem Transport oder der Verwendung Treibstoff in die Umwelt gelangt.
Um das Ausmaß, die Risiken und die Auswirkungen der Altlasten und der Kontamination des Bodens zu bewerten, werden in den kommenden Jahren Wissenschaftler ausgerüstet mit Drohnen, Eisbohrern und Analysegeräten zu allen australischen Stationen reisen, auch zur ehemaligen Wilkes Station. Der leitenden Umwelttoxikologin der Australian Antarctic Division (AAD), Dr. Catherine King, zufolge, zielt das Programm darauf ab, die gefährdete Umwelt besser zu verstehen, Prioritäten für die Sanierung zu setzen und zu ermitteln, welche Instrumente und Technologien letztendlich für diese Aufgabe benötigt werden.
«In den nächsten fünf Jahren werden kontaminierte Standorte im gesamten australischen Antarktis-Territorium untersucht, darunter auch die ehemalige Wilkes-Station», so Dr. King. «Dabei geht es darum zu verstehen, was dort vorhanden ist und welche Auswirkungen es auf die lokale antarktische Umwelt hat. Dann werden wir auf der Grundlage des Umweltrisikos Prioritäten setzen, welche Standorte zuerst behandelt werden müssen, wobei wir gleichzeitig sicherstellen, dass wir die Situation nicht verschlimmern.»
Die während der Feldarbeiten gesammelten Proben und Daten werden von der AAD in Tasmanien in Zusammenarbeit mit australischen und internationalen Forschungspartnern analysiert. Diese zusätzlichen Anstrengungen ergänzen die bereits in der Casey-Station unternommenen Maßnahmen.
Schon seit elf Jahren wird der kontaminierte Boden bei der Casey-Station saniert. Das australische Wissenschaftlerteam wird dabei von antarktischen Bakterien unterstützt, die sich von verschüttetem Treibstoff ernähren. Dazu legte das Team Erdhügel, sogenannte «Biopiles», an, die immer mal wieder gewendet werden müssen. Allerdings dauert der Prozess sehr lang, da die Bakterien nur im Sommer aktiv sind.
«In dieser Saison besteht eine unserer Hauptaufgaben darin, ein ehemaliges Treibstofflager freizulegen. Dazu müssen wir den Boden ausgraben, das Grundwasser behandeln, Bodenproben nehmen und eine Reihe kleiner Experimente durchführen. Das Erdreich aus den Ausgrabungen wird dem Biopile zugeführt», sagt Dr. Rebecca McWatters, Leiterin des Feldprojekts in Casey.
Kasey Williams, Expeditionswissenschaftlerin, fügt hinzu: «Wir verlassen uns auf diese natürlich vorkommenden Bakterien im Boden. Sie leisten ihre Arbeit und wir sind nur dazu da, diese natürlichen Prozesse zu unterstützen.»
Im Zuge der Sanierungsarbeiten entsteht auch verschmutztes Schmelzwasser, das besondere behandelt werden muss. Hierfür betreibt der Expeditionswissenschaftler Gavin Allen in der Nähe des Biopile eine kleine Kläranlage, um sicherzustellen, dass das kontaminierte Wasser nicht in die Umwelt zurückfließt.
«Das Schmelzwasser wird aufgefangen und durch die Wasseraufbereitungsanlage geleitet, wo die Kohlenwasserstoffe vom Wasser getrennt werden. Bei den Kohlenwasserstoffen handelt es sich im Wesentlichen um Diesel, und davon gibt es auf dem Gelände eine ganze Menge», so Allen.
Das Projekt soll in den nächsten drei Jahren abgeschlossen werden, wenn alle vier Standorte rund um die Station saniert sind. Langfristig soll untersucht werden, welche anderen Standorte in der Antarktis in Frage kommen, wie Tim Spedding, Leiter des Sanierungsprojekts, erklärt. «Wir entwickeln weiterhin neue Techniken zur Bewertung der Kontamination in polaren Umgebungen, suchen nach ihnen und wenden sie an», so Spedding. «Unsere Erkenntnisse und Erfahrungen werden in die Sanierungsarbeiten aller Nationen in der Antarktis einfließen, sei es durch die Festlegung von Standards für die Umweltverantwortung Australiens oder durch die direkte Unterstützung von Sanierungsmaßnahmen anderer Nationen.»
Julia Hager, PolarJournal