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Mit 4.5-6 Mia soll im grossen Stil gebaut werden. Für jeden Bauplatz, ob gross oder klein, stellt sich die Frage wie Bauprogramm und Baufeld zusammenpassen. Mit Landesmuseum, Kongress- und Kunsthaus hat sich bereits erwiesen, dass es in diese Hinsicht in Zürich offenbar nicht viel Sensibilität gibt.
Adi Kälin schrieb in seinem Artikel „Hochhäuser gegen Dorfidylle am Hardturm“ in der NZZ vom 22. September 2017 unter anderem:
„Allzu oft definiert man eben zuerst das Raumprogramm, das die Architekten dann irgendwie auf viel zu engem Raum unterbringen müssen. Wenn am Anfang der Planung solche Fehler stehen, ist das Scheitern programmiert“.
Deshalb ein erweiterter Blick auf das Baufeld des Generationenprojekts im Hochschulquartier. Zurückgehend auf die Zeit der Gletscher und Moränen präsentiert sich heute am Südwesthang des Zürichbergs eine Topographie in Stufen oder Wellen. Um den Sachverhalt in den Griff zu bekommen, hat ein Verfasser der Diplomarbeiten 2016 mit Thema Hochschulgebiet an der ETH ein Relief erstellt:
Gegenüber dem Lindenhof (unten) vom Gegenufer der Limmat flach ansteigend die Altstadt und anschliessend der erste Steilhang oberhalb des heutigen Seilergrabens. Die obere Hangkante ist heute mit den Kronenbauten von ETH 1860 und Universität 1914 bestückt. Dahinter erstreckt sich gut sichtbar die „Platte“ mit Ihrem selbsterkärenden Namen. Der nächste Steilhang erhebt sich bis zur schmaleren aber längeren Terrasse, heute zwischen Hoch- und Gladbachstrasse gelegen. Darüber der nächste Steilhang bis zur bewaldet gebliebenen Kuppe der „Escherhöhe“.
Etwas weniger topographisch, dafür historisch ergibt sich das folgende Bild für den untern Zürichberg:
Zwischen Seilergraben (Verlauf der mittelalterlichen Stadtmauer) und dem Zick-Zack des barocken Befestigungsgürtels erstreckt sich in der dafür geeigneten Hanglage (1) ein Rebberg. In der Ebene ausserhalb der Befestigung erstreckt sich das „Platte“ genannte fast ebene Gebiet, das durch den Ansatz der nächsten Geländestufe begrenzt ist. Diese Hanglage (2), ebenfalls von Reblagen eingenommen, ist von grösserer Dimension und erstreckt sich hinauf bis zum Vorläufer der heutigen Hochstrasse oben rechts.
Zur Orientierung: vorne links angeschnitten das Hauptgebäude der ETH.
Mit diesem Bild fokussieren wir auf die heutige Platte und den Hangfuss des eigentlichen Zürichbergs. Wir stellen in den dreigeschossigen Zonen (W3) die Eingriffe der siebziger Jahre fest: links die damals spektakuläre Bausünde des Frauenspitals – ein plumpes Hochhaus im Schräghang – und knapp rechts der Mitte das Gebäude der Elektrotechnik der ETH. Das Frauenspital zeigt anschaulich, was ein Hochhaus im Hang bedeutet: Alles dahinter Liegende wird negiert und von der Innenstadt separiert. Das Gebäude der Elektrotechnik veranschaulicht etwas anderes: Mit seinen beiden Dachaufbauten erreicht es die Höhe von 500 m ü. M. Das ist genau die Höhe, welche für die „Flachbauten“ von Spital und Hochschulen, die sich fast über die ganze Breite des Bildes erstrecken sollen, vorgesehen sind.
Die „Flachbauten“ (ohne die Hochhäuser) erheben sich auf der Talseite bis zu über 40 Meter über Boden! Daraus würde sich am Zürichberghang eine neue massive Silhouette ins Stadtbild von Zürich zwängen. Das ist nichts anderes als eine Europaallee am Hang! Ein Riegel der die Quartiere von der Stadt trennt.
Im Englischen gibt es den Begriff „Townscape“ und damit verbunden das Sensorium für Stadtlandschaft. Wie ist es möglich das Stadtbild von Zürich in dieser grobfahrlässigen Art zu verletzen? Der Richtplan und die kürzlich daraus hervorgegangenen Gestaltungspläne schalten für das grosse Gebiet der Hochschulen und des Spitals die geltenden Baugesetze ersatzlos aus. Die vorgeschlagenen Baukuben mit den oben genannten Höhen treten in Kontrast zu der in der Umgebung herrschenden dreigeschossigen Wohnzone. Im schlimmsten Fall im Verhältnis von 3 zu 14 Geschossen. Das kann wohl nicht der Start für ein Generationenprojekt sein. Weder für die Stadt Zürich, noch für die Wohnquartiere von Oberstrass, Fluntern und Hottingen.