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Weil der Burgbachkeller 50-jährig wird, bringen die Zuger Spiillüüt ein besonderes Stück auf die Bühne. «De schwarz Schuemacher» handelt von Joseph Anton Schumacher, der einst einer der mächtigsten Männer der Stadt Zug war. zentralplus hat sich bei den Proben reingeschlichen und geschaut, wo noch Handlungsbedarf besteht.
Mit der Nase gen Himmel gestreckt und durchgedrücktem Rücken stehen sie am Rand der provisorischen Bühne der Zuger Gewürzmühle: Joseph Anton Schumacher, Ammann von Zug, und Schicker, Gesandter von Baar. «Wir sind keine richtigen Eidgenossen mehr!», poltert Schumacher.
Joseph Anton Schumacher – das ist Rémy Frick, Präsident der Zuger Spiillüüt. Der Theaterverein hat sich ein besonderes Stück ausgesucht für seine Aufführungen im Burgbachkeller ab dem 18. Januar (siehe Box). Denn das Theater wird 50-jährig und stellte aus diesem Grund an die Spiillüüt den Anspruch, ein historisches Stück zu behandeln.
Die «Harten» gegen die «Linden»
Gesagt, getan. Die Wahl fiel auf «De schwarz Schuemacher». Die Theaterfassung hat Theodor Hafner 1939 für die Landesausstellung geschrieben. Nun kommt die Mundartfassung auf die Bühne. Der schwarze Schumacher, das ist Joseph Anton Schumacher, der von 1677 bis 1735 in Zug lebte. Seinen Übernamen hat er seinem düsteren Aussehen zu verdanken.
«Die Richtung stimmt, aber noch ist das Ganze etwas flau.»
Yves Raeber, Regisseur «De schwarz Schuemacher»
Wir befinden uns also in einer barocken, vorrevolutionären Welt. In einer Zeit, in der in Zug ein Konflikt zwischen zwei politischen Fronten schwelte. Auf der einen Seite die antifranzösischen «Harten» um Schumacher und auf der anderen Seite die französischfreundlichen «Linden». Gräben zwischen Amt und Stadt sowie soziale und religiöse Spannungen waren an der Tagesordnung.
Einer der mächtigsten Zuger
Schumacher avancierte zu einer Galionsfigur der «Harten», deren Ziel es war, sich von der finanziellen Abhängigkeit des französischen Königs zu lösen. 1729 beendeten die «Harten» an einer denkwürdigen Landsgemeinde die Vorherrschaft der «Linden» um den Franzosenfreund Fidel Zurlauben. 1731 stieg Schumacher als Ammann zu einem der mächtigsten Männer Zugs auf.
Schumachers unbarmherziges Regime, der Bruch mit Frankreich, der Verlust der Einkünfte aus Pensionen und Salzhandel sowie die missglückte Annäherung an Österreich führten jedoch bald zum Sturz der «Harten». Der Ammann wurde 1735 wegen Landesverrats auf ewig verbannt und zum Dienst auf der Galeere verurteilt. Kurz danach starb er auf dem Weg zum Strafvollzug.
Bevor die «Rise and Fall»-Geschichte auf die Bühne des Burgbachkellers gebracht werden kann, steht noch die eine oder andere Probe an. Seit knapp drei Monaten sind die Proben in der Gewürzmühle im Gange.
Der Regisseur lebt mit
Als wir an diesem erstaunlich sonnigen Novembertag reinkommen, steht gerade ein Szenenwechsel an. Das Licht verleiht dem Raum eine natürliche Wärme. Regisseur Yves Raeber mahnt zur Konzentration. Dies ist leichter gesagt als getan bei einem Probetag, der von 9.30 bis 21.30 Uhr dauert. Auf der Bühne stehen Schumacher und Schicker (Erwin Egloff). Raeber hat derweil an seinem Pult frontal vor der Bühne Platz genommen.
«Mein Anspruch ist hoch.»
Yves Raeber
Schumacher und Schicker debattieren auf der Bühne über die Franzosen und wie man sich von ihnen lossagen kann. Kaum ist eine Szene fertig, schnellt Raeber jeweils auf die Bühne, instruiert, geht wieder zurück, setzt sich auf den Tisch. Es wird improvisiert, Stühle werden hin- und hergerückt, an der Aussprache gearbeitet.
Noch etwas flau
Obwohl noch nicht in den Kostümen geprobt wird, wird man stellenweise ins 18. Jahrhundert zurückversetzt. Es stehen Requisiten in Form von alten Stühlen und Kelchen neben dem Bühnenrand. Dazu spielt Raeber Polonaise-Musik vom Tablet.
Raeber ist ein Mann der klaren Vorstellungen. Detailversessen nimmt er immer wieder Änderungen vor. «Die Richtung stimmt, aber noch ist das Ganze etwas flau», appelliert er an die Schauspieler auf der Bühne. Jene, die gerade nicht im Einsatz stehen, sitzen am Seitenrand oder stärken sich bei Kaffee und Kuchen für den nächsten Einsatz.
Ursprünglich war vorgesehen, dass Rafael Iten als Regisseur fungieren würde. Er ist zusammen mit Klaus und Rémy Frick auch für die Mundartfassung des Stücks zuständig. Doch aus gesundheitlichen Gründen musste Iten absagen, und der Zürcher Yves Raeber kam zum Zug.
Anstrengung zollt ihren Tribut
Zurück auf der Bühne. Die Atmosphäre ist zugleich locker und konzentriert. Der Text sitzt zu weiten Teilen bereits. Doch irgendwann, der Nachmittag wird älter und das gleissende Sonnenlicht weniger, schleicht sich bei einigen Akteuren der Schlendrian ein. Die Souffleuse muss immer öfter nachhelfen.
Raebers Rezept dagegen: «Zehn Minuten Pause und frische Luft!» Auch nach dem Unterbruch geht Raeber, der als Theaterregisseur zuletzt vor drei Jahren für «auf der Treppe sitzen meine Öhrchen» zuständig war, die Arbeit nicht aus.
«Eine Persönlichkeit zwischen Narzissmus, Machtmensch und engen Moralvorstellungen.»
Yves Raeber
Es geht darum, zu schauen, wann für den französischen Diener der richtige Moment gekommen ist, Schumacher und Schicker die Stühle unter dem Hintern wegzuziehen. Bei manch einer Textpassage holpert es doch noch etwas. «Ich weiss, es ist ‹hard work› und mein Anspruch hoch», sagt Raeber.
«Zug weiter weg als Wladiwostok»
Yves Raeber ist nicht nur Theaterregisseur, sondern auch Sprecher, Übersetzer, Moderator und Schauspieler. Unter anderem stand er schon für «Lüthi und Blanc» sowie den «Tatort» vor der Kamera. Nun führt ihn der Weg also nach Zug. Ein Ort, der für ihn bislang meist «weiter weg war als Istanbul und Wladiwostok», wie er lachend sagt.
Den Zürcher hat es also in die kulturelle Provinz verschlagen, er musste ein «fremdes» Stück als Regisseur übernehmen. Auch mit der Geschichte von Joseph Anton Schumacher musste er sich zuerst auseinandersetzen. Den historischen Kontext scheint er jedoch bereits verinnerlicht zu haben. «Man dreht sich nicht um zu Leuten, die einen weniger hohen Stand haben», weist er Reto Solèr an, der den französischen Gesandten Bonnac spielt und nach seinem Diener schaute.
Für Raeber ist es die erste Zusammenarbeit mit den Spiillüüt. «Man merkt, es ist eine gute Truppe mit ein paar extrem begabten Spielern», hat er eine hohe Meinung über die Theaterleute. Andere hätten weniger Erfahrung. Diese bedürften mehr Führung.
Mehr als ein Unabhängigkeitskrieger
«Es ist immer wieder gut, sich mit Schweizer Lokalgeschichte zu befassen», begründet Raeber sein Engagement. Theater biete die Möglichkeit, sich mit Dingen zu beschäftigen, von denen man sonst keine Kenntnis nehmen würde.
«De schwarz Schuemacher» feiert am Freitag, 18. Januar, Premiere im Theater im Burgbachkeller Zug. Danach folgen zahlreiche weitere Vorstellungen bis zur Dernière am 16. Februar 2019. Die Abendvorstellungen sind jeweils um 20 Uhr, sonntags beginnt das Schauspiel um 17 Uhr. Der Vorverkauf beginnt am 5. Dezember. Der Eintritt kostet für Erwachsene 35 Franken, für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre sowie Studenten sind es 24 Franken.
Weitere Informationen gibt es unter zuspi.ch und burgbachkeller.ch sowie unter 041 711 96 30 und 041 729 05 05 und via Mail an [email protected]
«Zum historischen Kontext kommt die regionale Rivalität zwischen Schumacher und den Zurlaubens.» Zudem gehe es um aktuelle Themen wie ökonomische Verstrickungen, Unabhängigkeit oder die Frage nach starken Partnern.
Schumacher sei laut Raeber mehr gewesen als nur ein unerschrockener Unabhängigkeitskrieger. «Zwar wollte er die Verträge mit Frankreich kündigen. Jedoch war er sich nicht zu schade, Verhandlungen mit den Habsburgern aufzunehmen – erfolglos. Er hatte also seine eigenen Widersprüche. Eine Persönlichkeit zwischen Narzissmus, Machtmensch und engen Moralvorstellungen.»
Was Musik und Bühnenbild bereithalten werden
Raeber gibt bereits einen kleinen Einblick, was das Publikum im Burgbachkeller von musikalischer Seite erwarten darf. Sowohl französische Barockmusik, als auch lokale Volksmusik werden ihren Platz finden. Dazu werde es vier Bühnenbilder geben – unter anderem die Gesamtschaft in Solothurn im Palais Besenval und das Haus der Schumachers in Zug. «Das Bühnenbild wird klassisch daherkommen mit Möbeln der Zeit», ergänzt Raeber.
Zurück ins 18. Jahrhundert. Der französische Gesandte Bonnac unterhält sich mit Schumacher und Schicker. Die Verhandlungen werden knallhart geführt. Einig wird man sich nicht. Es ist dies ein Vorgeschmack darauf, wenn «De schwarz Schuemacher» im Burgbachkeller seine Aufwartung machen wird.