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Vor acht Jahren studierte Roger Aebli an der ZHAW Organisationskommunikation. Kurz nach seinem Abschluss wechselte er aber in den Radiojournalismus. Wie er bei unserem Besuch in der Redaktion von «SRF 4 News» erzählt, bereut er diesen Sinneswandel bis heute kein bisschen.
Mit ernstem Blick und halblauter Stimme liest Roger Aebli die Moderation für einen Beitrag durch. Er bügelt Fehler aus, verbessert Satzkonstruktionen und gibt dann das endgültige Okay. Anschliessend werden die Texte live im Berner Studio von «SRF 4 News» gelesen – dem Sender, der hauptsächlich Nachrichten bringt, und diese dann in Expertengesprächen und Beiträgen vertieft.
Während die Nachrichten gelesen werden, arbeitet Aebli bereits an den nächsten Moderationen. Zwischendurch unterhält er sich mit den anderen Journalisten am Arbeitstisch über das weitere Programm oder gibt Feedbacks für die geschriebenen Texte. So sieht der typische Alltag des ehemaligen ZHAW-Studenten aus, wenn er für die Produktionsschicht eingeteilt wurde.
Arbeitet Aebli in seiner Rolle als Redaktor, führt er hauptsächlich Gespräche, welche die Nachrichten vertiefen. Das können Expertenmeinungen sein, Streitgespräche zu politischen Themen oder auch Korrespondentenberichte aus aller Welt. Diese Beiträge produziert er entweder selbst, führt also Gespräche und zeichnet sie auf, schneidet sie zurecht und stellt sie ins System für den Moderator. Oder er bereitet alles so vor, dass dieser das Gespräch dann live auf Sendung führen kann.
In seiner Arbeit führt Aebli Gespräche, welche Nachrichtenbeiträge vertiefen. Das können Expertenmeinungen sein, Streitgespräche zu politischen Themen oder auch Korrespondentenberichte aus aller Welt.
Der Mensch hinter dem Mikrophon
Diese Arbeit führt Roger Aebli perfektionistisch aus, er arbeitet bis ins letzte Detail. «Ich denke, ich bin sowohl bei der Arbeit aber auch im Privatleben für meine Pingeligkeit bekannt, manchmal übertreibe ich es vielleicht – aber das ist meine Art», sagt er selber über sich. Seine Art ist es auch, gesellig zu sein – er würde nur ungern einen Apéro nach der Arbeit ausschlagen.
«Ich versuche mich mit möglichst allen zu verstehen und plaudere in den Pausen gerne mit den Arbeitskollegen auch über private Dinge.», erzählt Aebli weiter. Auch im privaten Umfeld schätze er den Austausch mit anderen. Er habe zwar seine eigene Meinung, möge aber dadurch entstehende Diskussionen, denn vielleicht lerne er so etwas dazu.
Er gehe allgemein mit offenen Augen und Ohren durch die Welt: «Als News-Journalist gehört es für mich dazu, immer informiert zu sein, immer zu wissen, was wo wie warum läuft», erzählt Aebli. «Ich schaue mir gerne auch im Zug Fernsehbeiträge an, höre Podcasts nach oder lese die Zeitung.»
«Als News-Journalist gehört es für mich dazu, immer informiert zu sein, immer zu wissen, was wo wie warum läuft», erzählt Aebli.
Hat er frei, fährt er gerne in seine Heimat Chur. Von Bern aus sind das rund zweieinhalb Stunden Zugfahrt. «Diese Zeit ist sehr wertvoll, weil ich sie prima nutzen kann. Als News-Journalist kannst du Berufs- und Privatleben nicht mehr trennen, du musst immer alles aufnehmen und Bescheid wissen», sagt Aebli überzeugt.
Das bedeutet aber nicht, dass er kein Privatleben mehr hat – er treibt gerne Sport, am liebsten in der Natur, verbringt Zeit mit Freundin und Kollegen. Hat er mal mehrere Tage am Stück frei, so geht er auch gerne reisen. Und überall, wo Kommunikation mit Mitmenschen gefragt ist, ist Roger Aebli dabei: Er hört zu, bringt sich mit ein und lernt dabei immer wieder Neues.
Ein lebensverändernder Sinneswandel
Etwas Neues lernen ist auch bei «SRF 4 News» elementar für den 33-Jährigen: Es sei faszinierend, mit so vielen Journalisten zu arbeiten, die in ihrem Bereich absolute Experten seien. Auch mit Auslandkorrespondenten zu sprechen und deren Erfahrungen mitzuerleben und darüber zu berichten, sei höchstspannend und immer wieder sehr lehrreich.
Diese Faszination, wie auch die Liebe zur Sprache, prägten Roger Aebli schon als Kind. «Ich weiss noch, wie ich mit zehn Jahren einen Brief an Beni Thurnheer schrieb und gefragt habe, wie man Fernsehjournalist wird. Seine Antwort und das Autogramm habe ich heute noch irgendwo zu Hause», erinnert er sich lachend. Auch während seiner Lehre bei der «Würth International AG» in Chur arbeitete er am liebsten in der Kommunikation: «Ich habe mich schon damals aufgeregt, wenn jemand Fehler in E-Mails hatte oder stilistisch danebengegriffen hat». Wobei er im täglichen Umgang mit den Kunden verschiedene Fremdsprachen nutzen konnte.
Nach der Lehre bekam er den Tipp, sich über den ZHAW-Studiengang «Journalismus und Organisationskommunikation» zu informieren. Nach einem Infoabend in Winterthur war für ihn klar, dass dieser genau der Richtige ist. Er hatte jedoch noch keine konkreten Pläne, was er später genau machen wollte. Nachdem er aber verschiedene Praktika im Kommunikationsbereich absolviert hatte, entschied er sich im dritten und letzten Jahr für die Fachvertiefung Organisationskommunikation. Und das, obwohl er auch am Journalismus Freude hatte.
Nach einem Infoabend in Winterthur war für ihn klar, dass dieser genau der Richtige ist.
«Es hört sich blöd an, aber es war der einfachste und logischste Weg. Ich kam aus einem Grossunternehmen, in dem Kommunikation sehr wichtig war, hatte die Praktika in dem Bereich gemacht – und journalistisch hatte ich absolut keine Erfahrungen.» Nachdem er sein Bachelor-Studium abgeschlossen hatte, wollte er aber trotzdem die andere Seite kennenlernen: «Ich wollte, sollte ich dereinst als Mediensprecher arbeiten, authentisch wirken. Und das konnte ich meiner Meinung nach nur, wenn ich auch mal gesehen hatte, wie die Maschinerie im Journalismus funktioniert.»
Da ein guter Freund aus dem Studium bei «Radio Grischa» (heute «Radio Südostschweiz») als Sportchef arbeitete, konnte dieser den Kontakt zur damaligen Programmleiterin herstellen, damit sich Aebli für ein Praktikum bewerben konnte. Aus diesem sind schliesslich sechs Jahre Redaktionsarbeit geworden, bevor er vor anderthalb Jahren zu «SRF 4 News» wechselte.
Und obwohl er die Arbeit, die er heute macht, liebt, schliesst er nach wie vor nicht aus, irgendwann wieder in die Kommunikation zurückzukehren. «Es kann aber auch sein, dass ich in 20 Jahren noch im Journalismus tätig bin. Gerade im Hause SRF gibt es wahnsinnig viele Möglichkeiten und spannende Aufgaben. Moderation oder Fernsehen sind beispielsweise auch Bereiche, die mich interessieren.»
Würde es nochmal machen
Rückblickend würde er heute sofort wieder zur ZHAW gehen und dort das Bachelor-Studium absolvieren – aber mit Vertiefung Journalismus. Er habe eigentlich schon während den Radioworkshops gemerkt, dass es ihm gefalle, nur habe er sich diese Arbeit nicht zugetraut. Seinen Entscheid, die Kommunikation zu vertiefen, bereut er aber nicht. «Ich habe einiges gelernt und mitgenommen, was mir auch im Journalismus hilft. Ich kenne beide Seiten und kann somit auch Verständnis für die jeweiligen Situationen aufbringen.»
Dieses Verständnis ist für ihn sehr wichtig, gerade bei heiklen Themen: Wenn der Journalist wisse, warum der Mediensprecher plötzlich zurückhaltend reagiere und der Mediensprecher wisse, warum der Journalist trotz allem hartnäckig bleibe, so können beide aufeinander eingehen. «Und als Journalist bin ich wahrscheinlich noch viel kritischer und hinterfrage vielleicht eher etwas, als jene, die die andere Seite gar nicht kennen», sagt Roger Aebli. Ein Glück also, dass er vor acht Jahren mal in die andere Seite – den Journalismus – reinschauen wollte.
Roger Aeblis Rat an ZHAW-Studenten: «Sie sollen möglichst früh Fuss in der Praxis fassen. Auch wenn sie niemanden kennen, einfach dort anrufen und fragen ob sie mal reinschnuppern können – mehr als ein Nein können sie nicht riskieren! Und je früher sie die Praxis kennenlernen, desto eher wissen sie, was und wohin sie wollen.»