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Erweiterte Pentatonik (5-Ton-Skala)
Ich möchte hier zeigen, wie mit gebrochenen leiterfremden Dur- und Moll-Dreiklängen
pentatonische Melodien und Licks erweitert werden können. Um es einfacher zu machen, beschränke ich mich auf A-Moll.
Dies ist die bekannte Pentatonische Skala in A-Moll:
Es ist also die reine A-Moll-Skala ohne das h und das f. Es ist wohl die am häufigsten verwendete Skala für Improvisation, Zwischenspiele, Riffs, Intros etc. in vielen populären Stilen (natürlich auch in anderen Tonarten). Sie kann durch die verminderte Quinte erweitert werden (oft als "Bluesskala" bezeichnet), wie im bekannten (vereinfachten) Riff von "Smoke on the Water":
Außerdem kann mit großem Tonumfang und mit großen Sprüngen mehr Abwechslung erreicht werden:
play
Das tönt ja ganz hübsch. Trotzdem kann die ewige Dudelei mit der pentatonischen Skala mit der Zeit langweilig werden. Man kommt an eine Grenze, wenn man noch mehr Spannung, mehr Salz und Pfeffer erwartet, besonders da pentatonische Melodien meist ohne viel Akkorde und oft nur über einen Am-Akkord oder einem einzigen wiederkehrenden Basston verwendet wird.
Nun gibt es mehrere Möglichkeiten, die Skala zu erweitern, ohne den grundsätzlichen Charakter der Pentatonik zu ändern und trotzdem auf dem Fundament Am zu bleiben. Es können Töne aus anderen pentatonische Skalen, Ganztonskalen, Ganz-Halbton-Skalen einbezogen werden. Darüber ist schon viel geschrieben worden, Ich zeige hier eine weiter Möglichkeit auf, die ich gelegentlich höre, worüber ich aber noch nie etwas gelesen habe: Die Verwendung von gebrochenen leiterfremden Akkorden. Was ich damit meine, wird im folgenden Beispiel deutllch:
play 2x
Der Ton b fügt sich hier nahtlos in die pentatonische Skala ein.
Nun, der Gm-Akkord ist ja nicht so wahnsinnig weit entfernt von A-Moll. Das es auch anders geht, zeigt Folgendes:
Im obigen Beispiel haben wir wieder den Gm-Akkord, am Schluss aber den Bbm-Akkord, der keine gemeinsamen Töne mit a-pentatonisch hat.
Auf diese Weise lassen sich die meisten Dur- und Mollakkorde einbetten, auch wenn sie noch so weit entfernt verwandt sind:
Um möglichst praxisnah zu sein, habe ich in den Beispielen einfache Bass-Stimmen wie diejenige unten beigefügt, die im Wesentlichen aus dem Grundton a bestehen, sowie synthetisches Schlagzeug, Die Licks wirken aber auch ohne Begleitung.
Welche "Regeln" muss du beachten, um solche Licks zu erstellen? Wie meistens in der Musik, sind diese nicht starr:
- Bringe den ersten leiterfremden Ton auf einen unbetonten Taktschlag. Das trägt dazu bei, dass der Dreiklang weiterhin auf den Grundton a bezogen wird und nicht etwa als Modulation gehört wird. Leiterfremd heißt hier einfach: nicht in der pentatonischen Skala enthalten, ein f oder ein h wäre also bereits leiterfremd.
- Bringe schon vor dem fremden Dreiklang die Melodie durch große Intervalle und großen Tonumfang etwas aus dem Gleichgewicht.
- Verwende als Übergang einen oder mehrere Töne (sofern vorhanden), die sowohl zur Pentatonik als auch zum fremden Dreiklang gehören.
- Der gebrochene fremde Akkord besteht aus etwa 3 - 6 Noten. Mehr würde das Ohr kaum mehr tolerieren als Erweiterung.
Es braucht ein gewisses Tempo, sodass einerseits der Grundton im Gehör bleibt, aber unbewusst der Dreiklang als etwas wohlklingendes empfunden wird.
- Nach dem Dreiklang sollst du eine typisch pentatonische Tonfolge bringen, quasi als Auflösung. Beim Übergang zurück kannst du auch die Regeln 1 und 3 anwenden, nötig ist das aber nicht, da der Grundton ja im Gedächtnis ist und sofort wieder die Führung übernimmt.
Natürlich garantiert das Befolgen der "Regeln" noch keine tolle Melodie, schlussendlich entscheidet das Gehör.
Es folgen weitere Beispiele:
Einige nahverwandte Dreikläng wie D, Bm
lassen sich natürlich auch verwenden, werden aber kaum als erweiterte Pentatonik wahrgenommen, da sie, etwa in melodisch Moll, ohnehin vorkommen und eine entsprechende Harmonisierung erfordern.
Immerhin könnte z.Bsp.der E
-Dur-Akkord so eingesetzt werden, dass er nicht als Dominante empfunden wird:
Zum Schluss ein Beispiel, wo nicht Pentatonik Grundlage ist, sondern der A7
Akkord:
Phrasen mit leiterfremden Akkorden sind natürlich nicht gerade für Gesang geeignet und auch instrumental ziemlich anspruchsvoll. Ob es Leute gibt, die sowas auch spontan, improvisatorisch umsetzen können, weiß ich nicht, vermutlich schon.
Auch ist solches für ungeübte Ohren nicht leicht verständlich, aber wer es einmal kennt, kann es umso mehr genießen.
Juli 2022 Jürg Hochweber