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Fünf Jahre nach seinem letzten Film liefert Regisseur William Friedkin („Der Exorzist“, „French Connection“) einen düsteren Neo-Noir-Thriller mit Starbesetzung ab, darunter Matthew McConaughey, Emile Hirsch und Thomas Haden Church. Der sonst auf ehrbare oder charmante Rollen abonnierte McConaughey schlüpft dabei in die Rolle des namensgebenden Protagonisten Joe Cooper, der in Insiderkreisen „Killer Joe“ genannt wird. „Into the Wild“-Star Emile Hirsch und „Sideways“-Charakterdarsteller Thomas Haden Church gesellen sich zum illustren Ensemble mehr oder weniger skuriller Verlierertypen hinzu. Die Handlung ist in die Vororte der Texasmetropole Dallas angesiedelt und die Protagonisten gehören dem „White Trash“ der Wohnwagensiedlungen an. Es wird so ein sehr perspektivloses Bild der Umgebung und der darin agierenden Personen gezeichnet.
Der Kleinganove Chris (Emile Hirsch) hat bei einem örtlichen Drogenbaron Schulden. Um die ausstehende Summe zu tilgen, plant er die Ermordung seiner Mutter Adele. Ihre bei ihrem Tod fällige Lebensversicherung soll den Schuldenbetrag deckeln und Chris und seine Schwester Dottie (Juno Temple) gleichzeitig von der seelischen Pein ihrer Kindheit befreien. Seinem Vater Ansel (Thomas Haden Church) unterbreitet Chris den Plan, seine Mutter – und Ansels Exfrau – vom korrupten Polizisten „Killer Joe“ Cooper (Matthew McConaughey) ermorden, und somit die Versicherungspolice, deren einzige Begünstigte Dottie ist, auszahlen zu lassen. Joe fordert für seine Dienste die Hälfte der Summe im Voraus, doch Chris ist insolvent. Je weiter der Plan fortschreitet, desto unwohler wird Chris jedoch beim Gedanken, Killer Joe in seine Familienangelegenheiten mit einzubeziehen, da auch Joe selbst auf strenge Regeln und deren Einhaltungen beharrt. Dann läuft die Situation vollends aus dem Ruder.
„Killer Joe“ verwendet ein eher ungewohntes Setting, in dem er seine Darsteller in einer nicht oft im Kino gezeigten Umgebung agieren lässt. Die Vorort-Wohnwagensiedlungen großer US-Metropolen sind nicht oft Schauplatz erfolgreicher Hollywoodproduktionen, es sei denn, es soll eine „Vom Tellerwäscher zum Millionär“-Erfolgsgeschichte erzählt werden. Die Hauptpersonen in William Friedkins Werk sind jedoch allesamt davon entfernt, wahre Helden zu sein, und auch mit dem Identifikationspotenzial bestimmter einzelner Individuen ist es nicht weit her. Friedkin legt dabei besonderen Wert auf die Ambivalenz seiner beiden Hauptdarsteller McConaughey und Hirsch. Während er ersteren als blutrünsigen und äußerst kalten Killer intoniert, soll er auf der anderen Seite das Gesetz ehren und eben solche, die er im Untergrund selbst personifiziert, dingfest machen. Dabei lässt er McConaughey Schönlings-Image komplett zerbröckeln und eine andere, enorm reizvolle Seite des Schauspielers zutage treten. McConaughey scheint sichtlichen Spaß an seinem Spiel zu haben. Emile Hirsch ist dagegen der eigentlich sympatische Verlierertyp, dem die Sicherheit und das Wohlergehen seiner Schwester Dottie über alles geht, er jedoch zu seinem Vater und seiner neuen Frau ein sehr herablassendes und verachtendes Verhältnis pflegt. Da er grundsätzlich ein manischer Charakter zu sein scheint, außer wenn seine Schwester in seiner Nähe ist, lässt ihn ebenfalls nicht zu einer Identifikationsfigur werden. Der Zuschauer nimmt somit nur die Rolle eines Beobachters ein und verhindert empathische Momente. All dies ist von Friedkin gewollt, da dies auch für die Erzählung seiner Geschichte unabdingbar ist.
Es fällt auf, dass „Killer Joe“ das Genre des Krimis nicht neu erfindet und auch skurille Typen hat man in anderen Produktionen schon häufiger gesehen. Jedoch ist die Mischung, die William Friedkin in seinen Film einfließen lässt, oftmals nicht konsistent und als Zuschauer kommt man ein ums andere mal nicht umhin zu vermuten, dass dem Regisseur von Zeit zu Zeit die Fähigkeit entgleitet, seine Hauptdarsteller in eine konsistente Rahmenhandlung zu involvieren. Der Film enthält Passagen voller drastischer körperlicher, aber auch seelischer Gewalt, während er gleichzeitig aber zärtlich sein will. Durch die agierenden Personen, ob gewollt oder nicht, wird somit an vielen Stellen eine schlecht erkennbare Absicht des Regisseurs erkannt, ob eine Person nun so ankommen soll, oder andersartig. Dazu verfängt sich „Killer Joe“ in längere Passagen, die man abschätzig als „Laberfilm“ abtun könnte, denn zum Ende hin gibt es eine für unseren Geschmack zu lange Erklärphase über die eigentlichen Umstände des Mordvorhabens. Während man als Zuschauer längst verstanden hat, wo der Hase läuft, bringen die teils als unterbelichtet dargestellten Protagonisten noch mehr unnötige Erklärungen, bis auch sie es endlich verstanden haben. Hier hätte das Drehbuch besser ausgefeilt werden können, um auftretende Längen zu vermeiden.
Völlig unnötiges Stilmittel in „Killer Joe“ ist allerdings die Exploitation. Das bedeutet, dass der Anteil von sexuellen und gewalttätigen Passagen rein auf Befriedigung mancher Zuschauergruppen abzielt, wohingegen ein ungeübter Zuschauer mit dieser Art der expliziten Darstellung restlos überfordert sein dürfte. Zum Ende hin häufen sich diese brutalen und sexuell anzüglichen Szenen noch und hätten es eigentlich gar nicht bedurft um heraus zu stellen, dass manche Leute ein finsteres Herz haben. Der irreführende Tonus des „Komödien-Dramas“, wie es das Backcover der BluRay bezeichnet, wird in unseren Augen zu keiner Zeit erfüllt. Die Geschichte ist nicht einmal witzig, nur voll von skurillen Typen, die skurille Handlungen begehen. Das ist ein feiner Unterschied. Friedkins Bestreben, Szenen so oft wiederholen zu lassen, bis diese perfekt sind, scheint auch hier wieder Anklang gefunden zu haben, jedoch stellen sie den Aberwitz dar, womit der Regisseur zu Überzeichnungen und Overacting seiner Protagonisten aufruft, dem es eigentlich nicht bedurft hätte. Viele Szenen wirken derart künstlich, dass sie sich ohne weiteres nicht auf das reale Leben übertragen lassen. Oder Leute müssten wirklich sehr kaputt sein. Damit kann Friedkin leider nicht an große Hits wie „French Connection“ oder „Jade“ anknüpfen, da seine Handschrift oftmals unleserlich wirkt.
Die BluRay selbst bietet ein überschaubares Maß an Extras. Neben einer einleitenden Trailershow gibt es neben Interviews von Darstellern und Regisseur keine weiteren Dreingaben. Gag-Reels, Hintergrundinformationen oder Dokumentationen von den Dreharbeiten fehlen komplett. Bild- und Tonqualität des Haupfilms sind jedoch erstklassig. Ein scharfes Bild mit wenig Rauschen und scharfen Kontrasten, die vor allem am Anfang des Films ein hervorragend ambivalentes Bild zeichnen, lassen von der technischen Warte aus kaum zu wünschen übrig. Der Ton kommt im klaren HD 5.1 in Deutsch und Englisch. Die Raumakustik hilft wiederkehrende Stilmittel durch satten Mix noch weiter hervortreten zu lassen und sorgt so an einigen Stellen für noch mehr Spannung.
„Killer Joe“ ist ein durchwachsenes Kinoerlebnis, das anfangs fesselt, dann aber durch einen recht unausgegorenen Mix von Sex, Gewalt und Unappetitlichem plötzlich einen Bruch erfährt. Die Handlungen werden unübersichtlich, es kommt sogar zu einem Finale, das im völligen Gegensatz zum restlichen Film steht. Regisseure wie Quentin Tarantino, mit dem Friedkins „Killer Joe“ in den Medien gern verglichen wurde, können solche Szenen nachvollziehbar werden lassen. In diesem Falle wirkt es nur ungelenk und verwässert den guten Ersteindruck von einem annehmbaren Krimi zu einer Gewaltgroteske ohne eigentlichen Grund. Uns gefiel das nicht. Schauspielerisch kann jedoch Matthew McConaughey eine Marke hinterlassen, da er, das meiste aus seiner Rolle heraus holend, noch alles dafür tut, diesen Film aus dem Einheitsallerlei heraus zu retten. Da der Regisseur jedoch mittendrin seine gerade Linie verlässt und dem Film in etwas völlig anderen, surrealem ergießen lässt, bleibt ein recht fader Gesamteindruck zurück. Wir möchten daher auch nur eine bedingte Sehempfehlung für Genrefans aussprechen. Gesamtfazit: Mittelmäßig bis eher schwach.
Vielen Dank an unseren Autor Guido Jansen
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