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Eulen, Käuze und Co.
Eulen unterscheiden sich von Käuzen durch zwei Federbüsche auf dem Kopf, die Ohren vortäuschen. Im Wallis hat man den Uhu um 1910 im Bagnes- und später im Entremont-Tal gesichtet, wo er die Felswand von Brétemor besiedelte, die nach dem Bau der Staumauer von Les Toules abgeschieden lag, und schliess-lich noch in Saillon, wo er in jenem Gelände nistete, das zum Steinbruch von Sarvaz wurde. Zu jener Zeit nistete der Uhu in den Hängen längs der Talebene, in denen er ein reiches Beuteangebot fand: Igel, Hasen und Rebhühner aufwiesen und Feldern, Enten, Fische und Frösche in den damals zahlreichen Sümpfen, Steinhühner am Fuss der Hänge. Reste von Birkhühnern und Schneehühnern, die im Horst von Saillon gefunden wurden, bezeugen aber, dass der Uhu bis nach Grand-Garde, 1500 m höher, flog, um die obern Waldränder auszunützen.
Dieser nachts fliegende Riese, dessen Flügel eine Spannweite von über 1,60 m aufweisen und dessen Gewicht 2 bis 4 kg beträgt, kam häufig um durch Kollision mit elektrischen Leitungen oder Schwebebahnkabeln, sodass er in den 70er Jahren nur noch an wenigen, durch nichts veränderten Orten überlebte. Seit 1986 scheint sich die Lage zu bessern: an neun verschiedenen Orten wurden Nester nachgewiesen, und verschiedene Anzeichen (Federn, Rufe, mehr und mehr Kadaver) lassen vermuten, dass er noch an weiteren, unbekannten Orten lebt.
Heute kann man die Umstände dieses vorübergehenden Verschwindens besser verstehen: in den Jahren 1950 bis 1960 regten die Funde toter Uhus unter elektrischen Leitungen wilde Phantasien an, aber selbst kritischen Geistern kam der Gedanke an Pestizide nicht. Man sah in den Vergiftungsproblemen allenfalls ein amerikanisches Phänomen, aber niemals ein das Wallis berührendes. Heute vermutet man, dass die Kollisionsgefahr vor allem Jungvögel betrifft, die erst lernen müssen, wo sich die Kabelbefinden, und jene erwachsenen Vögel, die vom Bau neuer Leitungen in Gebieten, die sie mit geschlossenen Augen zu queren gewohnt waren, überrascht werden. Zum Nachteil des Königs der Nacht tauchten Kabel und Pestizide gleichzeitig auf.
Gegenwärtig wird ihm die Jagd erschwert durch die Entwicklung überbauter Gebiete, durch Veränderungen der Landwirtschaft in der Talebene sowie die Erweiterung der Rebberge auf Kosten der Wildnis. Zwar immer noch von Kabeln bedroht, steigert der Uhu doch allmählich seine Bestände. Die gegenwärtige Verteilung widerspiegelt diejenige der Beutetiere: eine Bergpopulation lebt an der Waldgrenze von Wühlmäusen, Birkhühnern und Hasen, während die Paare in den tieferen Lagen Enten und Rallen in den Sümpfen der Ebene jagen. Diese Rückkehr fällt mit derjenigen des Wanderfalkens zusammen, der auch ein Opfer des nun verbotenen DDT war.
Um 1970 nisteten zwischen Grône und Riddes etwa fünfzehn Waldohreulen-Paare und vermehrten sich jährlich in der Rhoneebene, einmal in einem Nest von Rabenkrähen im Schutz eines Gebüsches oder einer Hecke, ein anderes Mal in einem Elsternnest, das hoch an einem Birnbaum hing. Im Februar/März wiesen die schüchternen Rufe eines Weibchens, wie ein schwaches Miauen, auf den Standort des künftigen Geleges hin. Die Männchen verkündeten ihre heisse Liebe mit feierlichem htm und Flügelschlagen. Bei beharrlichem Suchen konnte man unter Bäumen, die dem Tagesaufenthalt dienten, Gewölle finden,welche unverdaubare Beutereste enthielten: Haare und Knochen von Waldmäusen und Wühlmäusen. Gelegentlich verschwand ein flüchtiger Schatten in lautlosem Flug, ein andermal machte sich eine Silhouette dünn, aus halbgeschlossenen Augen blitzte ein orangefarbener Schimmer. Heute ist diese Vogelart in der Rhoneebene und an den Südhängen stark zurückgegangen. An der Baumgrenze wurden Familien beobachtet, die sich durch die Bettelrufe der im Juni flügge gewordenen Jungen verrieten, so dass anzunehmen ist, die Waldohreule vermehre sich dort regelmässig.
Drei Kauzarten sind im ganzen Kanton verbreitet. Der Waldkauz (300 bis 600 g) ist der bekannteste, weil er unterhalb von 1500 m lebt und weil sein lauter Ruf pu huuuuu'u'u'u leicht auf einen Kilometer Distanz zu hören ist. Er ist schwerer und länger als die Waldohreule, bei etwa gleicher Flügelspannweite, was ihm ein plumperes Aussehen verleiht. Man sieht ihn selten. Das schrille klä-witt des Weibchens überrascht hingegen oft nächtliche Spaziergänger. Das Waldkauzweibchen legt seine Eier in Felsspalten oder hohle Bäume, bedient sich gelegentlich aber auch des Horstes eines Raubvogels oder eines Kolkraben. Dieser wählerische Raubvogel packt kleine Nager, Vögel, Amphibien und Eidechsen, aber auch Insekten und Würmer. Seine Grösse ermöglicht ihm, selbst Drosseln zu meistern. Jahr für Jahr bewohnen die Paare die gleichen Orte. Im Wallis ist der Waldkauz ungefähr gleich zahlreich vertreten wie der Mäusebussard. So leben bloss 2 Paare im Val de Réchy.
Die beiden kleineren Käuze, der Rauhfusskauz (150 bis 200 g) und der Sperlingskauz (50 bis 80 g), jagen teilweise dieselbe Beute wie der Waldkauz. Sie wohnen in den Lärchenwäldern oberhalb des Gebietes ihres grossen Bruders. Beide vermehren sich in Höhlen von Spechten: diejenige des Schwarzspechtes ist für den Rauhfusskauz reserviert, diejenige des Grün- oder des Buntspechtes für den kleineren Sperlingskauz. Man hört sie oft in der Nähe von Lichtungen oder an der Baumgrenze, wo sie sich das ganze Jahr über aufhalten. Wir wissen fast nichts über die Dichte dieser Käuze bei uns; man kann höchstens sagen, dass der Sperlingskauz weniger häufig vorzukommen scheint als der Rauhfusskauz, der ab und zu von 1100 m an nistet.
Es ist bekannt, dass der Sperlingskauz für den Winter Vorräte in Hohlräumen anlegt. Damit kann er überleben, wenn der Schnee die kleinen Säugetiere vor ihm schützt und die Meisen entflogen sind: er muss dann seine gefrorene Nahrung bebrüten, um sie fressen zu können. Rauhfusskauz und Sperlingskauz leben beide vorwiegend von Wühlmäusen und Waldmäusen, gelegentlich noch von Spitzmäusen und Vögeln.
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