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«A Thousand Miles up the Nile»: Eine Reise mit Folgen
Text: Sabine Huebner
Mein Buch: Die Althistorikerin Sabine Huebner empfiehlt «A Thousand Miles up the Nile» der englischen Reiseschriftstellerin Amelia Edwards.
Als alleinstehende Frau im viktorianischen England hatte sich die Schriftstellerin Amelia Edwards recht spontan zu einer Expedition nach Oberägypten entschlossen, und diese Reise auf einem Nilschiff bis in die Grenzregion zum Sudan sollte ihr Leben verändern. Ebenso sehr wie ihr Bericht über diese Nilfahrt von 1873/74 fasziniert mich die Autorin – eine Ausnahmeerscheinung ihrer Zeit, die trotz zahlreicher Widerstände konsequent ihre Ideale verfolgte.
Ohne eine wissenschaftliche Ausbildung widmete sie sich nach dieser Reise der Erhaltung und Erforschung der ägyptischen Altertümer, leitete Ausgrabungen und wurde zur Mitbegründerin der Ägyptologie. Es war Edwards, die in «A Thousand Miles up the Nile» (1877) zum ersten Mal Bedenken zur Nachhaltigkeit des Ägyptentourismus äusserte, nachdem sie den drohenden Verfall von Denkmälern, die Unachtsamkeit der Touristen und die auf Profit gerichteten Methoden der Ausgräber selbst beobachtet hatte.
Doch für die wissenschaftliche Erforschung und Erhaltung der ägyptischen Altertümer brauchte es finanzielle Mittel. Als mitreissende Rednerin zog Edwards daher auf Vortragsreisen durch England und die USA und konnte finanzstarke Förderer für ihre Sache gewinnen. Bald finanzierte ein von ihr mitgegründeter Fonds mehrere wissenschaftliche Ausgrabungen vor Ort.
Anerkennung aus Fachkreisen blieb ihr nicht verwehrt: In einer Zeit, als Frauen an den meisten Universitäten nicht einmal zugelassen waren, trug sie drei Ehrendoktortitel. Sie bestimmte zudem, dass aus ihrem Nachlass der erste britische Lehrstuhl für Ägyptologie eingerichtet wurde.
Edwards’ Reisebericht war übrigens sofort ein Bestseller und machte sie quasi über Nacht reich. Einem Erbsenzähler, der monierte, dass die Strecke von Alexandria bis nach Abusir nur 964 1/2 und nicht 1000 Meilen betrage, entgegnete sie, dass sie vom Endpunkt ihrer Reise noch mindestens 145 Meilen bis zu den Bergen am dritten Katarakt habe sehen können. Der Horizont ist die Grenze des Erreichbaren, und wenn man nicht stehen bleibt, sondern weitergeht, verschiebt sich diese Grenze ins Unendliche.
Sabine R. Huebner ist Associate Professorin für Alte Geschichte an der Universität Basel. Sie interessiert sich in ihrer Forschung vor allem für die Sozial-, Religions- und die Wirtschaftsgeschichte der griechisch-römischen Mittelmeerwelt, historisch-demografische Fragestellungen, Epigrafik und Papyrologie.
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