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Teresa Vena
13. Januar 2023
In die vier Wettbewerbssektionen – Spielfilm, Dokumentarfilm, Mittellanger Film und Kurzfilm – werden Werke aufgenommen, die in Saarbrücken ihre Welt- oder mindestens ihre Deutschlandpremiere feiern können. In Betracht kommen die ersten, zweiten oder maximal dritten Arbeiten der jeweiligen Filmemacher und Filmemacherinnen. Damit engagiert sich das Filmfestival Max Ophüls Preis, kurz MOP, explizit für den Nachwuchs. Ein Blick auf die vergangenen Ausgaben des Anlasses zeigt die quantitative wie qualitative Beteiligung der Schweiz.
Auffällig ist zum einen – und das überrascht –, dass sich der Spielfilm aus der Schweiz besser durchgesetzt hat als der Dokumentarfilm. In verschiedenen Jahren kam es vor, dass gar kein Dokumentarfilm aus der Schweiz im Wettbewerb vertreten war, während immer mindestens ein Spielfilm in die Endauswahl fand. Ebenfalls bemerkenswert ist, dass es sich bei den Filmen weniger häufig um Koproduktionen handelt, während sonst üblicherweise die Anzahl der Koproduktionen bei Schweizer Filmen, die an internationale Festivals eingeladen werden, deutlich dominiert.
Das hängt damit zusammen, dass an sich Erstlinge weniger in Koproduktion entstehen, da sie in der Regel mit einem kleineren Budget realisiert werden. Gleichzeitig ermöglicht dies vermutlich auch eine stärkere Kontrolle über die eigenen Ideen zu bewahren. Das beeinflusst die Natur der Filme. Sie wahren oft am ehesten den sogenannten «Schweizbezug». Sie eignen sich als Vermittler – nicht einer, weil es eine solche nicht gibt – schweizerischer Kulturen, Eigenheiten und Werte. Sie könnten also die Wahrnehmung des Schweizer Films im deutschsprachigen Raum mitprägen.
Betrachtet man die Liste der ausgewählten Titel, stellt man allerdings fest, dass nur sehr vereinzelten Filmen in der Folge eine weitere Festivalkarriere oder eine erfolgreiche Kinoauswertung in Deutschland gelungen ist. Zu den positiven Beispielen gehören «Chrieg» von Simon Jaquemet, der in Saarbrücken 2015 den Preis für den besten Spielfilm gewann, und vor allem «Blue my Mind» von Lisa Brühlmann, der 2018 mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet wurde. Eine offizielle Auswertung in Deutschland bleibt für «Soul of a Beast» von Lorenz Merz noch aus, der 2022 mit dem Preis für die beste Regie, dem Preis der Filmkritik und dem Preis für den besten Hauptdarsteller, der an Pablo Caprez ging, gleich drei wichtige Auszeichnungen des Festivals nach Hause holte.
Das MOP versteht sich als Karrieresprungbrett für die junge Generation von Filmemachern und Filmemacherinnen. Es mag sein, dass dies im Fall der Schweizer Beiträge noch nicht in grossem Masse wirkte, dennoch bleibt das MOP bei jungen Filmemachern und Filmemacherinnen sehr begehrt. «Auf Grund der Sichtungen im Rahmen des Festivals gab es weitere Festivalteilnahmen, einzelne Kinoprogrammierungen und positive Aufmerksamkeit von Seiten der Presse», sagt Regisseurin Karin Heberlein, die 2021 «Sami, Joe und ich» in der Corona-Hybridversion des Festivals zeigte. «Eine Teilnahme wirkt sich mit 5’000, bei einem Preisgewinn mit 10’000 Punkten auf dem Succès-Festival-Konto aus», ergänzt Regisseurin Stefanie Klemm, die im gleichen Jahr mit «Von Fischen und Menschen» vertreten war.
Für die aktuelle Ausgabe des Festivals wurden aus der Schweiz ungefähr 40 Filme verschiedener Längen eingereicht. Aus Österreich waren es im Vergleich dazu 60. Aus Einreichungen speist sich der Hauptteil der beurteilten Arbeiten. Das Festival ist aber auch regelmässig in Kontakt mit den verschiedenen Filmschulen des jeweiligen Landes, informiert sich an internationalen Festivals und lässt sich von offiziellen Institutionen, wie im Beispiel der Schweiz von Swiss Films, Empfehlungen geben und Projekte vorführen.
Bei den Langspielfilmen kamen für den Wettbewerb 2023 fünf Werke aus der Schweiz in die engere Auswahl. «Das sind zwar nicht viele, aber dafür sind sie von hoher Qualität», sagte Carolin Weidner, die neu ab diesem Jahr gemeinsam mit Theresa Winkler die Programmleitung verantwortet. Dass bei einer durchschnittlichen Zahl der Wettbewerbsfilme zwischen 10 und 14 Titeln dieses Jahr gleich drei Langfilme aus der Schweiz stammen, ist nicht schlecht.