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«Ich habe über die Facebook-Seite von der Gruppe aus Sardinien gehört, die das Ziel hat, die Insel von Italien abzuspalten und als Kanton zur Schweiz zu wechseln», sagte Daniel Trolliet, Syndic von Avenches, an der Medienkonferenz von gestern in Avenches. Die Gruppierung sei ihm von Beginn an sympathisch gewesen, er habe gerne Menschen mit Ideen. «Und da Avenches ein ähnliches Wappen hat wie Sardinien, bin ich mit der Gruppierung in Kontakt getreten.» Sowohl das Wappen Sardiniens als auch jenes von Avenches zeigen den Kopf eines «Mohren» mit weissem Stirnband.
Grund genug, um die Delegation nach Avenches einzuladen, «um ihnen eine Plattform zu bieten, ihr Anliegen publik zu machen», sagte der Syndic von Avenches.
Kein politisches Amt
Zu der Gruppe gehören Andrea Caruso, Enrico Napoleone und Antonino Crisà. Alle drei Vertreter der Bewegung namens «Canton Marittimo» füllen kein politisches Amt aus in ihrer Heimat; Caruso und Napoleone leben in Sardinien, Crisà seit zwei Jahren in Lausanne. Die Bewegung gibt es seit rund drei Jahren, organisiert ist die Gruppe als Non-Profit-Organisation. «Wir haben die Nase voll davon, zu Italien zu gehören», erklärt Crisà. «Das beste politische Modell für uns ist die Schweiz», sagte Carusa, der Kopf der Gruppe und Zahnarzt in Cagliari. «Das System mit den Kantonen ist ideal, um unsere Identität und Unabhängigkeit bis zum richtigen Punkt zu gewährleisten.» Auch wollten sie nicht zur Europäischen Union gehören, sondern eben zur Schweiz. «Wir wollen weg von Italien, das System funktioniert nicht.»
Kein Vertrauen
Rund 14 000 Sarden hätten sich der Bewegung angeschlossen, und es würden täglich mehr, sagt Caruso. Auf Sardinien leben rund 1.5 Millionen Menschen, die Arbeitslosigkeit beträgt rund 20 Prozent. «Zuerst waren viele für einen eigenen Staat, nun erkennen immer mehr Sarden, dass es mit dem Schweizer Modell noch besser wäre.» Die Unzufriedenheit über die Politik Italiens sei weit verbreitet. «Wir haben kein Vertrauen in die Politik Italiens und in jene der EU.»
Am Dienstag hätten sie Kontakte mit politischen Vertretern des Grossen Rats des Kantons Waadt in Lausanne gepflegt. «Wir habe viele Ideen für kulturelle oder wirtschaftliche Zusammenarbeit.» Diese seien aber noch nicht spruchreif, es brauche Gespräche, sagte Caruso. «Die Idee ist vielleicht verrückt, wir sind es nicht.» Wohin sie ihr Engagement genau führt, das wüssten sie noch nicht, mit Enthusiasmus dabei seien sie dennoch. Vielleicht würden sie nie ein Kanton der Schweiz werden, «aber es waren immer verrückte Ideen, die Veränderungen hervorbrachten.» Das zeige die Geschichte eindrücklich, sagte Caruso gestern an der Medienkonferenz in Avenches. emu