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© Marcel Burkhardt
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Horch, P., U. Rehsteiner, A. Berger-Flückiger, M. Müller, H. Schuler & R. Spaar (2008)
Bestandsrückgang des Braunkehlchens Saxicola rubetra in der Schweiz, mögliche Ursachen und Evaluation von Fördermassnahmen.
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Ornithol. Beob. 105: 267–298
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Zusammenfassung
Das Braunkehlchen Saxicola rubetra ist in der Schweiz ein bedrohter Wiesenbrüter. Sein Bestand ist seit Beginn der Dreissigerjahre rückläufig. Aus dem Mittelland ist die Art bis auf Restvorkommen verschwunden, die meisten Braunkehlchen besiedeln heute die wenig intensiv und extensiv bewirtschafteten Graslandgebiete der Montan- bis Subalpinstufe. In vielen Regionen der Schweiz und des nahen Auslands (französischer Jura und Elsass, Süddeutschland, Liechtenstein, Österreich) sind die Bestände rückläufig. Im Rahmen des Programms «Artenförderung Vögel Schweiz» setzen die Schweizerische Vogelwarte Sempach und der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz in verschiedenen Regionen der Schweiz zusammen mit Partnern Fördermassnahmen um. Die getesteten Fördermassnahmen können drei Gruppen zugeteilt werden: Habitatschutz und -neuschaffung (Realisierung von grossflächigen Massnahmen durch eine angepasste Bewirtschaftung von (Feucht-)Wiesen und Weiden), Habitatoptimierung (Realisierung von kleinflächigen, punktuellen Massnahmen durch künstliche Warten) sowie Artenschutz (Realisierung von Massnahmen zur direkten Förderung der Art mittels Schutz von Nestern und mit dem Versuch, aufgewertete Gebiete durch Anlockung zu besiedeln). Die Wirkung der Fördermassnahmen war unterschiedlich gut. Erfolg versprechen einzig Massnahmen, die grossflächige, spät geschnittene Blumenwiesen sicherstellen. Förderflächen sollten mindestens 15-20 % eines geeigneten Habitats ausmachen und möglichst zusammenhängend im an Stellen angelegt werden, wo im Vorjahr Reviere lagen. Das Stehenlassen von Altgras erhöht vermutlich die Attraktivität der Flächen für Braunkehlchen, insbesondere wenn überständige Pflanzen als Warten vorhanden sind. Auch als Nahrungsreservoir werden Krautstreifen, die bei der letzten Nutzung im Vorjahr stehen blieben, genutzt. Sie sollten mindestens eine Breite von 8 m und eine Länge von mehreren 100 m einnehmen. Willkürlich verteilte, kleine, spät geschnittene Wiesenflächen oder ein Anteil von weniger als 4 % spät geschnittener Flächen tragen in homogenen Wiesengebieten kaum zur Braunkehlchenförderung bei. Die letzten Vorkommen des Braunkehlchens im schweizerischen Mittelland müssen gestärkt und vergrössert werden. Gleichzeitig müssen auch die Verbreitungsschwerpunkte im Alpenraum geschützt werden. Dazu braucht es eine vertieft ökologische (Berg-)Landwirtschaft, in der Leistungen für die Artenvielfalt besser abgegolten werden. Eine umfassendere Ausbildung und eine bessere Beratung der Landwirte sind wichtig, um sie mit ökologischen Aspekten vertraut zu machen und ihnen die Perspektiven einer ökologisch ausgerichteten Bewirtschaftung aufzuzeigen. Label-Produkte mit einem Mehrwert für die Natur sind zu fördern, und die Öffentlichkeit ist stärker zu informieren. Insgesamt ist die Förderung des Braunkehlchens komplex. Letztlich führt aber kein Weg an einer grossflächigen, angepassten Bewirtschaftung geeigneter Wiesen vorbei, soll das Braunkehlchen in der Schweiz vor dem weiteren Rückgang bewahrt werden. Daran haben sich alle Aktivitäten zu orientieren, von Anpassungen auf politischer Ebene bis hin zur Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Betriebe. Die dafür nötigen rechtlichen, finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen existieren teilweise, sind aber wo nötig dringend anzupassen und zu ergänzen.
Abstract
In Switzerland, the Whinchat Saxicola rubetra is a threatened meadowbreeder, which has declined rapidly since around 1930. Apart from a few remnant populations, it has disappeared from the lowland Plateau and is now restricted to low-intensity grassland in the montane and subalpine regions. Whinchat populations are declining in most regions in Switzerland and the adjacent countries (French parts of the Jura and Alsace, Southern Germany, Liechtenstein and Austria). Within the framework of the Swiss Species Recovery Programme for Birds, the Swiss Ornithological Institute and SVS/BirdLife Switzerland implement schemes in several regions in collaboration with local partners. The tested schemes comprise protection and creation of habitat (largescale measures), habitat improvement (small-scale measures) and species protection (nest protection and luring to improved habitats). The schemes have shown mixed effects. Large-scale late-cut flower meadows turned out to be the only promising scheme. Such late-cut meadow plots or strips should make up at least 15-20 % of a suitable grassland area. The late-cut parts have to be connected and cover at least 10-20 ha. The late-cut flower meadows should be implemented where Whinchats are known to have had territories the year before. Leaving some grass strips uncut may be attractive for Whinchats especially when prominent tall plants are present which can be used as vantage points. Herbaceous strips can also serve as food source. However, they too should be at least 8 m wide and 100 m long. In homogeneous grassland, randomly spread, small flower meadows with less than 4 % late-cut plots or strips hardly contribute to favour Whinchat populations. The remnant Whinchat populations on the lowland Plateau have to be sustained and expanded. At the same time, the population strongholds in the montane and subalpine regions have to be preserved. For this, more emphasis has to be put on ecological (upland) farming, in which services for biodiversity are remunerated better. Training and advice of farmers is essential to make them familiar with ecological aspects and to show them the perspectives and advantages of ecological farming. Label products with an added value for nature have to be promoted and consumers have to be informed better. On the whole, the promotion of Whinchats is complex. There will be no way around a large-scale management of suitable meadows if we are to save the Whinchat from further declining. All activities, from policy amendments to farm management have to be coordinated towards this goal. The necessary legal, financial and structural conditions exist in part, but adjustments are still necessary.