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Eine neue Studie zeigt den Zusammenhang zwischen Treibhausgas-Emissionen, Klimawandel und der Gesundheit der Menschen auf. Die Schweiz hat sich für die Bekämpfung der Gefahren bei Hitzewellen gerüstet und versucht, die Ausbreitung von Tropenkrankheiten einzudämmen, sagt Martin Röösli, Mitautor der Studie.
Die Reduzierung der Emissionen hat nicht nur positive Auswirkungen auf das Klima, sondern auch auf unsere Gesundheit. Zu diesem Schluss kommt eine am Montag veröffentlichte Studie des Scientific Advisory Council of European Academies (EASACexterner Link). Gemäss dem Wissenschaftsrat, dem neben den Akademien der Mitgliedstaaten der EU auch jene der Schweiz und Norwegens angehören, könnte eine emissionsfreie Wirtschaft "mehrere hunderttausend vorzeitige Todesfälle pro Jahr in der EU" verhindern.
Die negativen gesundheitlichen Auswirkungen der globalen Erwärmung zeigen sich laut EASAC auf verschiedenen Ebenen. Dazu gehören eine erhöhte Exposition gegenüber hohen Temperaturen, extremen Ereignissen, Luftverschmutzung und Allergenen, eine geringere Lebensmittelsicherheit und ein erhöhtes Risiko, an Infektionen zu erkranken.
"Die wichtigste Neuigkeit des Berichts ist, dass er sich auf die vielfältigen gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels konzentriert", sagt Martin Röösliexterner Link, Leiter der Abteilung Umwelt und Gesundheit am Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut in Basel. In den Klimadiskussionen werde oft vergessen, dass es auch gesundheitliche Folgen gebe. "Es gibt direkte Auswirkungen, wie Todesfälle im Zusammenhang mit Hitzewellen, und indirekte Auswirkungen. Ich denke zum Beispiel an die Verbreitung von Tigermücken und Krankheiten wie das West-Nil-Fieberexterner Link."
swissinfo.ch: Was sagt der Bericht über die Schweiz aus?
Martin Röösli: Der Bericht zeigt, dass die Situation in den zentralen Regionen Europas, einschliesslich der Schweiz, weniger problematisch ist als im hohen Norden und Süden des Kontinents. Dank ihrer geografischen Lage ist die Schweiz daher "privilegiert", obwohl es auch in den Alpenregionen erhebliche Veränderungen gibt.
swissinfo.ch: Was sind in der Schweiz die wichtigsten negativen Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit?
M.R.: Im Moment ist es die Mortalität durch Hitzewellen. In Zukunft könnten Krankheiten, die durch lebende Organismen übertragen werden - wie zum Beispiel Tigermücken -, ein Problem werden. In den letzten Jahren sind in Südfrankreich und Italien Fälle von Chikungunya und West-Nil-Fieber aufgetreten.
swissinfo.ch: Wie begegnen die Behörden dem Problem?
M.R.: Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hat sich die Schweiz gegenüber diesem Problem als sensibler erwiesen und den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Gesundheit längst berücksichtigt. Insbesondere wird eine relativ grosse Anzahl von Anpassungsmassnahmenexterner Link durchgeführt, um die Hitzewellen-Sterblichkeit zu reduzieren und die Verbreitung von Tigermückenexterner Link südlich der Alpen zu verhindern.
swissinfo.ch: Können Sie uns einige konkrete Beispiele nennen?
M.R.: Der Hitzesommer 2003, der in der Schweiz 975 Todesopfer forderte, hat seine Spuren hinterlassen. Die besonders aktiven Kantone der Westschweiz und das Tessin haben Pläne erstellt, die das Verhalten von Behörden und Bevölkerung bei hohen Temperaturen definieren. Dies sind sehr einfache, aber wirksame Massnahmen: Informationskampagnen für die Bevölkerung, Sensibilisierung der am stärksten gefährdeten Personen und Hitze-Alarmsysteme, die das Personal in Altersheimen und Krankenhäusern warnen. In einigen Kantonen wurden Systeme eingerichtet, um direkt mit gefährdeten Personen, wie älteren Alleinstehenden, in Kontakt zu treten.
(Übertragung ins Deutsche: Peter Siegenthaler)