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Einige Fakten über Äthiopien
Die Bundesrepublik Äthiopien ist das Land mit der zweitgrößten Bevölkerungsdichte auf dem afrikanischen Kontinent. Das Land liegt in Ostafrika und grenzt an Eritrea, den Sudan, an Kenia und Dschibuti. Äthiopien ist die älteste unabhängige Nation Afrikas. Abgesehen von einer fünfjährigen Besatzung unter Mussolinis Italien, während der das Land zu Italienisch-Ostafrika gehörte, wurde Äthiopien nie durch fremde Mächte regiert.
Eine Mutter bringt ihr Kind in das SOS-medizinische Zentrum (Foto: K. Snozzi)
Aufgrund seiner strategisch wichtigen geographischen Lage wurde das südlich der Sahara gelegene Land als wichtiger regionaler Verbündeter der Vereinigten Staaten angesehen. Einer der prominentesten Bürger des Landes war der ehemalige Kaiser Haile Selassie. Er regierte das Land von 1930 bis zu seiner Vertreibung im Jahr 1974 und hat die politische Geschichte des Landes mehr als jeder andere Herrscher des 20.Jahrhunderts geprägt. Selassie erklärte in einer Proklamation die Sklaverei für gesetzeswidrig und spielte auch bei der Gründung der "Organisation für Afrikanische Einheit " im Jahr 1963 eine wichtige Rolle.
Die Wirtschaft Äthiopiens basiert hauptsächlich auf der Landwirtschaft, die wiederum auf ausreichende Niederschläge angewiesen ist. Das Land leidet an einer negativen Handelsbilanz; das Volumen der Importe ist circa dreimal so hoch wie die Gesamtmenge an Exporten. Kaffeebohnen sind nach wie vor der wichtigste Exportartikel Äthiopiens. Das Land leidet unter einem sogenannten "Brain Drain" - viele ausgebildete Fachkräfte, die an äthiopischen Universitäten studiert haben, verlassen das Land auf der Suche nach einem besseren Leben im Westen. Trotz der positiven wirtschaftlichen Entwicklung des Landes in den letzten Jahren zählt Äthiopien mit seinen 83 Millionen Einwohnern nach wie vor zu den ärmsten Ländern Afrikas.
Die Armut wird durch Naturkatastrophen, Konflikte und eine prekäre Gesundheitslage verschlimmert
Äthiopien zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf beträgt circa 1:135 im Vergleich zum BIP der Vereinigten Staaten. Häufig wiederkehrende Dürren und Hungersnöte, ein langjähriger Bürgerkrieg und ein Grenzkonflikt mit dem benachbarten Eritrea haben ihren Tribut gefordert. Nur ein Sechstel der Bevölkerung ist erwerbstätig; das bedeutet, dass die große Mehrheit der Äthiopier kein geregeltes Einkommen hat. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt in Äthiopien lediglich 54 Jahre. Obwohl in jüngster Zeit einige Fortschritte im Bereich der Alphabetisierung erzielt worden sind, sind nach wie vor fast zwei Drittel der Bevölkerung des Landes Analphabeten.
Fast die Hälfte der Bevölkerung ist unterernährt, und 39 Prozent aller Menschen leben von weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag. In den ländlichen Regionen ist die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben, besonders hoch. Die Gesundheitslage des Landes ist äußerst prekär - laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) kommen in Äthiopien nur drei Ärzte auf 100 000 Einwohner. Diese Rate ist eine der niedrigsten in ganz Afrika.
Nur ein Drittel der Menschen hat regelmäßigen Zugang zu Trinkwasser, und die Versorgung mit sanitären Einrichtungen ist äußerst begrenzt. Äthiopien wird häufig von Dürren heimgesucht, wodurch immer wieder Millionen von Menschen vom Hungertod bedroht sind. Auf dem Human Development Index (HDI) steht Äthiopien weit unter dem schwarzafrikanischen Durchschnitt.
Die Lage der Kinder in Äthiopien
In der Schule (Foto: S. Erken)
Demographisch gesehen ist Äthiopien ein sehr junges Land - circa 45 Prozent der Bevölkerung ist jünger als 14 Jahre. Diese Tatsache kann zum Teil auf die niedrige Lebenserwartung zurückgeführt werden.
Die Säuglingssterblichkeitsrate liegt bei erschreckenden 109 pro 1000 Lebendgeburten; das ist eine der höchsten Raten in der ganzen Welt. Nur 6 von 10 Geburten erfolgen unter der Betreuung von ausgebildetem medizinischem Personal.
Schätzungsweise 830 000 Kinder in Äthiopien haben ein oder beide Elternteile an AIDS verloren. Ein Großteil dieser Kinder wächst ohne elterliche Fürsorge und den Schutz der Familie auf. Tausende Kinder streifen durch die Straßen der Städte und haben keinen Platz zum Schlafen. Sie begehen kleine Diebstähle oder betteln, um zu überleben. In Äthiopien ist die Versorgung mit Nahrung und sauberem Trinkwasser für Tausende von Kindern und Jugendlichen nach wie vor ein großes Problem. Circa 40 Prozent aller äthiopischen Kinder unter 5 Jahren sind chronisch unterernährt.
Obwohl die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Schwarzafrika in den letzten Jahren deutlich gesunken ist, bleibt HIV/AIDS weiterhin eine große Bedrohung für viele äthiopische Kinder und ihre Familien. Circa 34 Prozent der weltweiten HIV-Infektionen werden aus nur 10 afrikanischen Ländern gemeldet, zu denen auch Äthiopien gehört. Aus Angst vor sozialer Ausgrenzung halten viele Äthiopier ihre HIV-Infektion geheim. Die Einschulungsquote in Äthiopien liegt bei vergleichsweise niedrigen 45 Prozent.
Viele Familien können ihre Kinder aufgrund von finanziellen Nöten nicht zur Schule schicken. Ohne eine Grundausbildung ist es jedoch fast unmöglich, den Teufelskreis der Armut zu durchbrechen, in dem die meisten Waisenkinder schon sehr früh gefangen sind. Ohne Bildung ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass diese Kinder als Erwachsene ein Leben in Armut fristen, vernachlässigt und von der Gesellschaft ausgegrenzt werden.
SOS-Kinderdorf in Äthiopien
SOS-Kinderdorf unterstützt Hunderte von Kindern durch seine Tätigkeit in Äthiopien. Derzeit betreibt die Organisation Einrichtungen und Programme in Addis Abeba, Harrar, Hawassa, Gode, Bahir Dar und Makalle an der Grenze zu Eritrea. SOS-Kinderdorf unterstützt Kinder und Jugendliche durch Kindertagesstätten, Schulen, medizinische Zentren und Berufsbildungszentren. Dadurch versuchen wir Familien zu stärken und sie vor der Zerrüttung zu bewahren. Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder nicht länger bei ihren Familien bleiben können, finden liebevolle Aufnahme in einer familiennahen Umgebung, der SOS-Kinderdorf-Familie.