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Ferrari 250 LM Stradale - ausgetrickst
Der Ferrari 250 LM Stradale ist ein Einzelstück, von dem es zwei Exemplare gibt. Wie konnte es dazu kommen?
Bei Ferrari glänzt längst nicht mehr alles so wie einst (und da beziehen wir uns jetzt nicht auf die Formel 1, sondern auf die Strassenfahrzeuge). In dieser ernsthaften Krise vergisst man gern, dass dies in Maranello schon öfter der Fall war (nicht nur in der Formel 1). Mit dem 250 GTO hatten sich die Italiener immer am Rande der Legalität noch so halbwegs durchgeschummelt, doch spätestens bei seiner Einführung 1962 (und sowieso nach dem Abgang von Giotto Bizzarrini und Carlo Chiti) war schon klar, dass man gleich einige Entwicklungen im Rennsport komplett verschlafen hatte.
Der Mittelmotor war das Mass aller Dinge geworden. Noch einigermassen halbherzig durfte ein Ferrari Dino 246 SP (Chassisnummer 0796) der erste Versuchsträger werden (das war übrigens vor dem 296 GTB PHEV der einzige «echte» Ferrari mit V6), daraus wurde dann der 250 P entwickelt. Weil sich die Reglemente in jenen Jahren dauernd änderten, brauchte Ferrari für die Saison 1964 ein Modell, von dem 100 Stück gebaut (und vor allem: verkauft) werden konnten.
Der Ferrari 250 LM Stradale blieb ein Prototyp
Das konnte nur funktionieren, wenn man auch eine strassentaugliche Version an die geneigte Kundschaft verschachern konnte. Pininfarina setzte dem 250 P ein Dach auf - und fertig war der 250 LM. Man hoffte, dass die FIA das Projekt durchwinken würde (bei Aston Martin hatten vier tatsächlich gebaute Fahrzeuge dafür ausgereicht), doch die höchste Rennsport-Kommision spielte (nach diversen Taschenspielertricks der Italiener) nicht mit.
Ausserdem: die Strassenversion, also der Stradale, mit dem man noch zu retten versuchte, was nicht mehr zu retten war, hob gar nie ab. Mit seiner gewaltigen Heckscheibe machte er zwar Eindruck, doch der Bestellungseingang hielt sich in sehr engen Grenzen (man spricht von 16 Zusagen). Weil sich das beim besten Willen nicht rechnete, verzichteten Ferrari/Pininfarina komplett auf die Produktion, es blieb bei einem Prototypen (Chassisnummer #6025) und einem nachträglich umgebauten Exemplar (Chassisnummer #5995).
Als Rennwagen zum Erfolg
Der 250 LM hatte aber als Rennwagen trotzdem Erfolg. Obwohl er nie vom Werk eingesetzt wurde, sondern nur an Privatteams verkauft wurde und in der Prototypen-Klasse starten musste, konnten Rindt/Gregory 1965 die 24 Stunden von Le Mans gewinnen. 32 Stück vom 250 LM wurden gebaut – und eigentlich trugen sie fast alle einen falschen Namen, denn als Antrieb kam der 3,3-Liter-Zwölfzylinder zum Einsatz; 275 LM wäre die richtige Bezeichnung gewesen.