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Die Nüünichlingler ist ein geheimnisvoller Lärmbrauch an Heiligabend in Ziefen, einem Baselbieter Dorf im Tal der Hinteren Frenke. Am Abend versammeln sich in schwarze Mäntel gehüllte Männer auf dem «Hubel» oberhalb des Dorfes. Mit dem letzten Neunuhrschlag setzt sich der Zug in Bewegung, angeführt vom «Bäsemaa».
Der «Bäsemaa» trägt als einziger einen weissen Bart und führt eine lange Stange mit sich, an der ein Russlappen hängt. Die anderen Männer tragen bis zu vier Meter hohe Zylinder. Um ihren Hals hängen grosse Glocken, die im Takt der Schritte gleichmässig erschallen. In der Regel handelt sich sich um eine Gruppe von 60 bis 70 jungen Männern, die durchs Dorf ziehen. Die Aufstellung der Männer richtet sich nach der Höhe der aufgesetzten Zylinder. Die Prozession durchs Dorf folgt einer bestimmten Route und dauert rund Dreiviertelstunde. Danach kehrt in Ziefen absolute Ruhe ein. Es darf keine Glocke mehr ertönen. Einiger der Teilnehmer beenden den Abend in einer Wirtschaft, andere nehmen anschliessend am Mitternachtsgottesdienst teil.
Die Nüünichlingler als Kinderschreck
In Ziefen wurden die Nüünichlinger 1834 zum ersten Mal erwähnt. Der damalige Dorfpfarrer äusserte sich in einem Brief kritisch zum diesem Brauch. Er ermahnte dazu, Heiligabend mit Choralsingen und feierlichen Kirchglocken zu begehen, statt mit heidnischem Lärm.
Die Nüünichlingler wurden auch in Zusammenhang mit Kindererziehung oder Massregelung erwähnt. Eine Zeitungsnotiz von 1827 weist darauf hin, dass der Nüünichlingler als Kinderschreck eingesetzt wurde. In einigen Gemeinden liefen junge Männer maskiert durch die Gassen, verursachten Lärm und versuchten, kleinen Kindern Furcht einzujagen.
Lärmbrauch
Die Nüünichlingler gehören zur Familie der Lärmbräuche des Mittwinters. In langen dunklen Nächten des Dezembers waren vielerorts in Europa Maskengestalten in Pelzen oder Kuhhäuten unterwegs, die mit Peitschen, Ketten oder Glocken lärmend durch die Strassen zogen.