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Die Namen B., Pannerherr oder Venner (franz. banneret, bandelier, ital. alfiere, banderale) bezeichneten urspr. den Fähnrich des militär. Aufgebots eines adligen Fürsten, einer Stadt, eines Quartiers oder einer Gebietskörperschaft. Später kamen weitere militär. Funktionen hinzu, z.B. die Aufsicht über das Wehrwesen oder ein Sitz im Kriegsrat. An einigen Orten blieb der B. auf militär. Befugnisse beschränkt, z.B. in Luzern, in Städten des Fürstbistums Basel und in Zürich, wo er im frühen 16. Jh. einem militär. Stabschef gleichkam. Primär militär. Kommandant war der B. auch in den Walliser Zenden, Bündner Hochgerichten und in Biel (BE). Sowohl militär. wie auch zivile Kompetenzen hatte er in Neuenburg, Lausanne und in der Herrschaft Moutier. In Städten der Waadt wie z.B. Aubonne, Payerne, Vevey und Nyon entwickelte sich das Amt im 16. Jh. zu dem eines Ortsvorstehers. Zu einem wichtigen Mitglied der Regierung, unmittelbar nach dem Landammann, wurde der B. im SpätMA und in der frühen Neuzeit in Uri, Unterwalden, Glarus, Zug und Appenzell. In Schwyz war der (Alt-)Landammann zugleich B. Die Amtsbezeichnung blieb in einigen dieser Kt. bis ins 19. Jh. in Gebrauch.
In den Städten Bern, Freiburg und Solothurn wurde das Amt des Venners -- wie in Lausanne zunächst ein Quartieramt -- zu einem der höchsten Ämter der Staatsverwaltung. Eine Analogie zur Institution des gonfaloniere in den ital. Städten des SpätMA lässt sich vermuten. Der Aufgabenbereich umfasste neben der militär. Führung des Auszugs nach Quartieren auch Polizei- und Verwaltungsfunktionen. Von ausserordentl. Bedeutung wurde das Venneramt in Bern, wo es im 15. Jh. nicht mehr an eine Quartier-, sondern an eine Zunftzugehörigkeit gebunden wurde. Die vier einflussreichen Ges. der Pfister (Bäcker), Metzger, Schmiede und Gerber sicherten sich das Venneramt für ihre Zunftgenossen. Es wurde zu einem Schlüsselamt in der bern. Ämterlaufbahn, da es sich einbürgerte, dass nur Venner und Seckelmeister in das Schultheissenamt gewählt wurden. Venner und Seckelmeister bildeten die dt. und welsche Vennerkammer, das im 16.-18. Jh. entscheidende Finanz- und Kontrollorgan der bern. Politik. B.en bzw. Venner wurden oft auf Glasmalereien in Rathäusern und auf öffentl. Brunnen dargestellt und im frühen 16. Jh. zum eigentl. Modethema.
Literatur
– Idiotikon 2, 1538; 4, 262, 520
– F. de Capitani, Adel, Bürger und Zünfte im Bern des 15. Jh., 1982
Autorin/Autor: François de Capitani, Hervé de Weck / AA