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Raphaël Denis
La Loi normale des erreurs: les transactions Göring-Rochlitz, 2021
Der französische Künstler Raphaël Denis (*1979) befasst sich seit mehreren Jahren mit dem Thema Raubkunst. Die neu erworbene Installation ist die fünfte des Künstlers in einer 2014 begonnenen Reihe von Werken, die sich mit dem Thema von Raubkunst aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs beschäftigt. Wie der Künstler ausgeführt hat, basiert das Werk des Kunsthauses auf Archiv-Recherchen und macht visuell den Umfang von Transaktionen erfahrbar, die zwischen März 1941 und November 1942 zwischen den Mittelsmännern des Händlers Gustav Rochlitz und Hermann Göring stattfanden. Die beiden «handelten» mit Gemälden, die von jüdischen Familien beschlagnahmt worden waren, mit dem Ziel, sich und ihre persönlichen Sammlungen zu bereichern.
Rochlitz verfügte über enge Kontakte zum berüchtigten «Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg» (ERR), einer Rauborganisation der NSDAP für Kulturgüter aus den während des Zweiten Weltkriegs besetzten Ländern. Werke, die ihren Besitzern durch den ERR entzogen worden waren, wurden über Rochlitz zugunsten von Hermann Göring gegen meist ältere Werke eingetauscht, die diesen für seine private Sammlung interessierten.
Das Werk umfasst eine zugleich mit ihm ausgestellte Dokumentation. Sie enthält Abbildungen der Identifikations-Karteikarten, die bei Ankunft der Werke im Jeu de Paume in Paris, wo die geraubten Werke zusammengetragen wurden, durch den Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg angefertigt wurden. Die erwähnten Karteikarten, die heute in Online-Datenbanken einsehbar sind, wurden durch den Künstler durch Abbildungen der Werke und Angaben zum heutigen Aufbewahrungsort (sofern es sich um eine öffentliche Sammlung handelt) ergänzt.
Die meisten der hier dokumentierten Raubkunstwerke wurden nach dem Krieg restituiert. Viele gelangten in bedeutende Sammlungen wie das Centre Pompidou in Paris. Auch die Sammlung Emil Bührle ist mit drei Werken vertreten: «Irène Cahen d’Anvers (Die kleine Irene)» von Renoir wurde 1946 restituiert, Bührle erwarb das Bild 1949. Degas’ «Madame Camus am Klavier» musste Bührle 1948 selbst restituieren. Er hatte das Bild 1942 von der Galerie Fischer in Luzern erworben, gab es den Eigentümern zurück und kaufte es 1951 ein zweites Mal. Die beiden Werke sind im Chipperfield-Bau in den Räumen der Sammlung Emil Bührle ausgestellt. Ebenfalls selbst restituieren musste Bührle 1948 ein 1942 in Zürich bei der Galerie Aktuaryus gekauftes Bild von Henri Matisse, «Tanzende Odaliske (Harmonie en bleu)». Dieses Werk erwarb er nicht erneut; es befindet sich heute im Norton Simon Museum in Pasadena in Kalifornien. Ebenso nicht nochmals erworben hat Bührle Pablo Picassos Gemälde «Pferderennen in Auteuil», das er 1944 bei Juvet in Lausanne gekauft hatte und das 1948 an den rechtmässigen Eigentümer Alfred Lindon restituiert wurde.
In Form eingepackter «Werke» in den präzisen Massen der in den genannten Transaktionen beschlagnahmten Gemälde lässt die Installation das Thema der Raubkunst unmittelbar erfahrbar werden.