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Reformierte Kirche
Innenraum (Südwest)
Reformierte Kirche
Adresse
6318 Walchwil
ZG
Architektur
Weitere Bauphasen
Die Walchwiler Kirche steht eigenwillig und kühn auf einem Felsvorsprung über dem Zugersee. Hans-Peter Ammann schuf mit seiner Idee, ganze Wände transluzent zu gestalten, einen beispiellosen, formal einprägsamen Pionierbau. Franz Füeg entwickelte diese Idee wenig später für die viel beachtete Piuskirche in Meggen weiter.
Chronologie
Die Gemeinde Walchwil benötigte eine reformierte Kirche und lobte 1960 einen Architekturwettbewerb aus. Unter den elf eingereichten Entwürfen ging das Projekt des erst 29-jährigen Hans-Peter Ammann siegreich hervor. Der damals in São Paulo weilende Architekt kehrte Brasilien den Rücken, eröffnete in Zug sein eigenes Büro und realisierte die Kirche im Jahr 1964. 2000 erfolgte eine Dachsanierung unter der Leitung von Gilbert Chapuis.
Lage
Die reformierte Kirche steht im Süden von Walchwil in einem Wohnquartier. Die Lage auf einem Plateau, eingebettet in das stark abfallende Gelände, erlaubt einen Ausblick auf den Zugersee sowie die Rigi. Erreichbar ist die Kirche via Waldeggweg von Südosten, über einen steilen Fussweg von Südwesten sowie über eine Passerelle, die über die im Norden angrenzenden Bahngleise führt.
Beschreibung
Die nur 670 Quadratmeter umfassende Parzelle erforderte einen zweigeschossigen Baukörper, um das Raumprogramm unterzubringen: Vorplatz, Foyer, Kirchenraum mit 120 Sitzplätzen, Sitzungszimmer sowie Nebenräume. Eine auf Pfeilern gründende, auskragende Betonplattform bildet zugleich den Kirchhof und eine Aussichtskanzel. Sie wird von einer Betonbrüstung gefasst und von einer zweiten, quadratischen, auf vier Pfeilern ruhenden Plattform überdeckt. Hierauf ruht der Kirchenraum. Das Pfeilerpaar in der Westecke durchdringt das Obergeschoss, ragt weit darüber hinaus und erhält so zusätzlich die Funktion eines offenen Kirchturms: Die drei Glocken sind weithin sichtbar. Der First folgt – ausgehend vom Turm – der Diagonalen, sodass Fassaden in Form von rechtwinkligen Dreiecken entstehen. Alle tragenden Elemente wie Pfeiler, Bodenplatten und Dachflächen wurden in Sichtbeton ausgeführt, wobei letztere mit Kupferblech überzogen wurden, nachdem der ursprüngliche Kunstharzanstrich seine Dichtigkeit verloren hatte. Zwischen den beiden Plattformen ist ein losgelöster Körper eingeschoben, der die restlichen Nutzflächen und eine Wendeltreppe aufnimmt, die in die Kirche hinaufführt. Er hat eine eigene Deckenplatte, was den darüberliegenden Kirchenraum schwebend wirken lässt. Die Fassaden des Erdgeschosses gliedern sich in spannungsvollem Kontrast zwischen massiven Sichtbetonpfeilern und vollflächigen Verglasungen.
Der Kirchenraum selbst hat keine Fenster. Die mit vertikalen Stahlprofilen strukturierte Fassade ist mit transluzenten Scobalit-Kunststoffplatten versehen und spendet diffuses Licht – eine damals völlig neuartige Form, um eine sakrale Atmosphäre zu erzeugen. Der Boden ist mit dunkelbraunen Keramikplatten belegt, die Decke mit Holz verkleidet. Der Kirchenraum ist nach Westen orientiert. Den Blickpunkt bildet das Pfeilerpaar, zwischen dem ein filigraner Orgelprospekt eingespannt ist. Dieser bildet zugleich den Hintergrund für den Abendmahlstisch.
Literatur
Themen