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Warum ist Raufutter so wichtig für Pferde?
Was ist Raufutter?
Unter Raufutter versteht man Heu, Stroh, Gras und Silage - Pflanzenprodukte, die einen hohen Strukturanteil haben. Gras wächst im Sommer auf Wiesen. Stroh sind Getreidehalme, die nach der Ernte übrigbleiben. Gras und Getreidehalme werden gemäht, getrocknet und gepresst zu Heu und Stroh. Silage ist Grünfutter, das durch Milchsäuregärung konserviert wird. Raufutter bildet die Grundlage der gesunden Ernährung jedes Pferdes.
Frisches Gras ist die hochwertigste Nahrung und liefert Nährstoffe, Vitamine und Spurenelemente. Gutes Heu und gute Silage sind ebenfalls nährstoffreich, Stroh wird als Raufutter zugefüttert.
Warum braucht mein Pferd Raufutter?
Alle Pferderassen benötigen Raufutter als Hauptbestandteil ihrer Futterration. Das hängt mit ihrem speziellen Verdauungssystem zusammen. In der Steppe wuchs vor allem faserreiches, energiearmes Futter. Wildpferde mussten fast den ganzen Tag fressen und viel kauen. Der Verdauungsapparat ist auf zeitintensives Fressen ausgelegt. Der Magen des Pferdes produziert viel Magensäure. Ist der Magen länger als vier Stunden nicht beschäftigt, greift die Magensäure die Magenschleimhaut an.
In der Haltung muss man dafür sorgen, dass das Pferd nur kurze Fresspausen (unter vier Stunden) hat. Pferdehaltung auf Stroheinstreu ist weniger problematisch. Die Pferde bekommen ihr portioniertes Heu mehrmals (dreimal) am Tag. Ist das Heu aufgefressen, können sie am Stroh knabbern. So hat das Pferd keine langen Fresspausen, das Stroh ist eine gute Ergänzung zum Raufutter.
Steht das Pferd auf Sägespänen, muss es immer Heu und Stroh zur Verfügung haben. Sonst entstehen lange Fresspausen mit gesundheitlichen Folgen für das Pferd - vom Magengeschwür bis zur Kolik. Dazu kommen Verhaltensauffälligkeiten wie Koppen, Weben etc. Die beste Prophylaxe ist gutes Raufutter.
Welches Raufutter ist das richtige für mein Pferd?
Eine einwandfreie Qualität des Raufutters ist unerlässlich, denn das Pferd hat einen sensiblen Magen-Darm-Trakt. Es reagiert auf verdorbene Futtermittel sehr empfindlich. Die Raufutterqualität hängt hauptsächlich von drei Merkmalen ab. Der Nährstoffgehalt, die mikrobiologische Qualität und die botanische Zusammensetzung. Die mikrobiologische Qualität und der Nährstoffgehalt können mit einer Laboranalyse überprüft werden.
Zur ersten Qualitätseinschätzung von Heu und Stroh kann man eine sensorische Prüfung vornehmen – sehen, fühlen und riechen.
Zur Untersuchung der hygienischen Qualität sind Geruch, Farbe und Verunreinigungen wichtige Kriterien. Finde ich Verunreinigungen wie Staub, Erde, Schimmelpilze oder Giftpflanzen?
Für den Nährwert des Heus ist die botanische Zusammensetzung sowie der Schnittzeitpunkt wichtig. Wie hoch ist der Kleeanteil? Was für Gräser und Kräuter sind vorhanden? Blüten sollten immer sichtbar sein, denn gutes Pferdeheu wird nicht vor dem Blühstadium geschnitten.
Gutes Heu ist von der Farbe her grünlich bis bräunlich. Ist es braun oder grau, könnte es mit Schimmel kontaminiert sein. Dann dürfen Sie es keinesfalls an Pferde verfüttern.
Ausgebleichtes Heu ist wahrscheinlich von schlechter Nährstoffqualität. Heu muss einen angenehm säuerlichen und aromatischen Geruch haben.
Stroh mit guter Struktur hat sichtbare Stängel, Halme und Rispen der Getreidepflanzen. Zu harte, verholzte Stängel oder schmierige Pflanzenteile sind unerwünscht. Qualitativ hochwertiges Stroh ist gelb oder gelblich. Graue Stellen deuten auf Schimmelbefall hin. Harte oder feuchte, verklebte Partien lassen darauf schliessen, dass das Stroh beim Pressen noch feucht war. Stroh riecht nicht faulig oder muffig.
Genügt Raufutter als Ernährung für das Pferd?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Es hängt davon ab, wie das Tier ernährt wird und wozu es eingesetzt wird. Ein Freizeitpferd ist mit qualitativ hochwertigem Heu und Gras meist ausreichend versorgt.
Auch mit Futteralternativen muss Raufutter - Gras, Heu und Stroh - den grössten Teil der täglichen Ration ausmachen. Der Erhaltungsbedarf des Pferdes sollte mit Raufutter gedeckt werden. Pro 100 Kilo Pferdegewicht rechnet man mindestens anderthalb bis zwei Kilogramm Heu.
Welche Futteralternativen gibt es?
Als Futteralternativen bieten sich Kraftfutter, Saftfutter und Mineralfutter an.
Kraftfutter sind Futtermittel mit hohem Energiewert, die nach Bedarf zugefüttert werden. Kraftfutter gibt es als Einzelfutter - Hafer, Mais und Gerste. Als Mischfutter bekommen Sie es als Müsli oder Pellets. Die verschiedenen Sorten sind auf verschiedene Einsatzbereiche abgestimmt: Sportpferde, Jungpferde oder Zuchtstuten. Kraftfutter wird immer nach dem Raufutter gefüttert.
Saftfutter sind Knollen, Wurzeln und andere Pflanzenteile mit einem Trockensubstanzgehalt von weniger als 55 % (Äpfel, Möhren, Rüben). Saftfutter liefert insbesondere Vitamine. Sie sind für die Ernährung relevant, wenn im Winter kein frisches Weidegras zur Verfügung steht. Pferde essen Saftfutter gerne. Wegen des hohen Zuckergehalts bleiben diese Futteralternativen nur eine Ergänzung.
Mineralfutter enthält Mineralien und Spurenelemente. Mineralien und Spurenelemente sind lebensnotwendig für das Pferd. Pferde konnten früher ihren Bedarf durch das selektive Fressen von Gräsern und Kräutern abdecken. Heutzutage sind die Böden verändert, der Pflanzenbewuchs ist oft einseitig.
Anhand von Blut- und Urinproben oder einer Haaranalyse können Sie feststellen, ob das Tier ausreichend versorgt ist. Die Tierärztliche Hochschule in Hannover empfiehlt, einmal im Jahr das Heu untersuchen zu lassen. Kupfer, Zink und Silen sind wichtige Spurenelemente, an denen es am häufigsten mangelt. Dann können Sie zwischen verschiedenen Futteralternativen wählen. Passendes Mineralfutter gibt es flüssig, als Pulver oder als Brikett.