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Stellen Sie sich vor eine Partei würde den Vorschlag machen, dass künftige Ärztinnen und Ärzte nicht mehr zuerst auf den Universitäten, sondern sofort auf den Abteilungen und in den Operationssälen der Spitäler ausgebildet würden. Das theoretische Wissen, beispielsweise, dass der Ort des Herzens auf der linken Körperseite ist, bekämen die Medizinlehrlinge in Kursen am offenen Herzen vermittelt, analog zu den Überbetrieblichen Kursen bei anderen Berufen. Oder stellen Sie sich vor, ZVB-Busschauffeure dürften nach absolvierter PW-Prüfung direkt auf Gelenkbusse umsteigen, um sozusagen im „learning by doing“-Verfahren möglichst schnell und direkt mit den Herausforderungen des öffentlichen Verkehrs konfrontiert zu werden. Als Schnapsidee würden wohl die Meisten die geschilderten Szenarien zu Recht abqualifizieren. Nicht als Schnapsidee, sondern als ernst gemeinte Diskussionsgrundlage propagierte die SVP, die Partei unsers Bildungsdirektors, Ende März das „learning by doing“-Prinzip für die künftige Lehrerausbildung. Primar- und Sekundarlehrer sollen nicht mehr an einer pädagogischen Hochschule ausgebildet werden, sondern in einer zwei- bis dreijährigen „Berufslehre“. Nur zum Vergleich: auch die Attest-Lehre dauert zwei Jahre. In einer konsequent auf die Praxis ausgerichteten Ausbildung sollen die angehenden Lehrerinnen und Lehrer praktisch ausschliesslich im Schulzimmer unter Anleitung eines „Mentors“ den Beruf erlernen. Einzig ein Tag in der Woche soll für die Theorie reserviert sein. Eine Matura wäre für diese Ausbildung nicht mehr nötig, einziges Zulassungskriterium ist eine Aufnahmeprüfung.
Die Fragen von Zari Dzaferi und Eusebius Spescha zielen auf die Vorschläge der Schweizerischen Volkspartei. Es besteht Klärungsbedarf, wie sich die DBK die künftige Lehrerinnen- und Lehrerbildung vorstellt. Aus der offiziellen Rede, die unser Bildungsdirektor an besagter Parteiveranstaltung hielt, ist eine Distanzierung von den beschriebenen Vorschlägen nicht herauszulesen. Es wäre interessant zu erfahren, ob dies in anderer Form geschehen ist. Beruhigend ist, dass die Regierung in ihrer Interpellations-Antwort am bisher eingeschlagenen Weg festhält, schon allein deshalb, weil die Ausbildungsqualität der PHZ als gut beurteilt wird. Der Regierungsrat bekennt sich im neuen Gesetzt über die Pädagogische Hochschule Zug „klar zur heutigen tertiären Form der Lehrerinnen- und Lehrerbildung, und damit zu den vier Eckpfeilern Ausbildung, Forschung & Entwicklung, Weiterbildung und Dienstleistungen. Auf diese Aussage wollen wir von der AGF die Regierung behaften. Wir hoffen, dass die „Lehrerlehre“, zumindest was den Kanton Zug betrifft, eine Schnapsidee bleibt und damit endgültig vom Tisch ist.
Esther Haas, Kantonsrätin Alternative – Die Grünen