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Bern / Lausanne, 17. Juni 2014. Der Zuger Rohstoffkonzern Glencore wird dank einem Milliarden-Deal zum dominanten Akteur im Ölhandel mit dem Tschad, einem der ärmsten und korruptesten Länder der Welt. SWISSAID fordert den Einbezug solcher Handels-Transaktionen in ein Schweizer Rohstoff-Transparenzgesetz, zu dem der Bundesrat in Kürze Stellung nehmen wird.
1,3 Milliarden Dollar will Glencore der staatlichen Ölgesellschaft Tschads (SHT) in Zusam-menarbeit mit einem Bankenkonsortium zu Verfügung stellen. SHT kauft damit den 25-Prozent-Anteil des US-Konzern Chevron am „Doba-Projekt“, der wichtigsten Ölkonzession des Landes. SHT will den Kredit über vier Jahre gestaffelt zurückzahlen – in Form von Öllieferungen an Glencore. Zu den Details der am Montag bekannt gewordenen Transaktion wollte sich Glencore nicht äussern.
Der Schweizer Rohstoffkonzern wird mit diesem Deal endgültig zum zentralen Akteur im Handel mit tschadischem Rohöl. Glencore hatte bereits 2012 300 Millionen Dollar in Ölfelder im Tschad investiert und im April für 1,34 Milliarden Dollar die im zentralafrikanischen Land aktive kanadische Firma Caracal übernommen. Zudem kaufte Glencore 2013 fast vier Millionen Barrel Öl von der staatlichen Gesellschaft SHT. Allein diese Handels-Transaktionen entsprechen gut 15 Prozent der jährlichen Einnahmen der tschadischen Regierung.
Diese Zahlen illustrieren die grosse Bedeutung von Geschäften zwischen Rohstoffhändlern und staatlichen Ölgesellschaften für Entwicklungsländer wie den Tschad, die grösstenteils vom Rohstoffexport abhängig sind. Der Schweiz als grösstem Ölhandelsplatz der Welt kommt dabei besondere Verantwortung zu. SWISSAID fordert deshalb den Einbezug des Handels in ein Schweizer Rohstoff-Transparenzgesetz. Der Bundesrat wird in Erfüllung eines Postulats der aussenpolitischen Kommission des Nationalrats noch vor der Sommerpause zu diesem Thema Stellung nehmen.
SWISSAID setzt sich seit mehr als zehn Jahren für mehr Transparenz im Rohstoffgeschäft ein und ist Mitglied der globalen Koalition Publish What You Pay (PWYP). Im Tschad unterstützt das Schweizer Hilfswerk Organisationen, die für die gerechtere Verteilung der Einnahmen aus dem Ölexport kämpfen, der vor gut zehn Jahren begann. Trotz Milliarden-einnahmen hat die Bevölkerung noch kaum vom Ölboom profitiert, der Tschad liegt im UNO-Entwicklungsindex auf dem drittletzten Rang von 186 Ländern.
Weitere Informationen:
Lorenz Kummer, SWISSAID; 031-350-5351; 079-307-2592; <email-pii>
SWISSAID ist in neun Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas in der Entwicklungszusammenarbeit tätig und nimmt auch in der Schweiz auf entwicklungspolitische Fragen Einfluss. Swissaid beschäftigt weltweit 142 Mitarbeitende, davon 31 in der Schweiz. SWISSAID finanziert sich durch Spenden und wird von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) mitgetragen.