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Videospiele sollen unsere Reaktionsvermögen, Kurzzeitgedächtnis und unsere Aufmerksamkeit verbessern. Sie sollen Kinder schlauer machen und eventuell sogar Demenz in Schach halten. Was ist dran am Gamen?
Im August 2016 machte eine Studie des Royal Melbourne Institute of Technology Schlagzeilen. Die australischen Wissenschaftler hatten untersucht, wie sich der Internetkonsum auf die Schulnoten auswirkt.
Die Forscher analysierten dazu 12 000 Pisa-Tests von 15-jährigen Schülern. Das Ergebnis: Wer fast täglich Onlinespiele zockte, erreichte bei den Tests im Rechnen und im Lesen 15 Punkte mehr als der Durchschnitt. Wer lediglich ausgiebig in sozialen Netzwerken surfte, erzielte nur unterdurchschnittliche Werte.
So einfach ist es nicht. Die Arbeit der Forscher zeigt lediglich einen Zusammenhang auf, nicht aber Ursache und Wirkung. In der Psychiatrischen Uniklinik der Charité in Berlin wurden bereits 2011 in der ersten Hirnstrukturstudie zu Computerspielen Testpersonen untersucht. Das Resultat war eine kleine Sensation: Vielspieler hatten mehr Hirnvolumen und eine dickere Hirnrinde (Cortex): 3,5 statt 2,5 Millimeter. Im Cortex wird aus Signalen unserer Sinnesorgane und vorgeschalteten Hirnregionen ein zusammenhängender Eindruck der Umwelt erzeugt. Ohne die Hirnrinde wären Gedächtnis, Verstand und bewusste Handlungen nicht möglich. (lesen Sie unten weiter...)
Die Studie zeigt aber nicht, ob die Probanden einen dickeren Cortex hatten, weil sie gerne Videospiele machten, oder ob sie gerne am Computer spielten, weil sie ohnehin einen grösseren Cortex hatten.
Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin führte eine Folgestudie durch. Das Forschungsteam liess 62 Männer im Alter zwischen 20 und 45 Jahren über zwei Monate hinweg täglich 30 Minuten ein dreidimensionales Kartrennen spielen. Eine Kontrollgruppe durfte nicht gamen. Die Wissenschaftler beobachteten die Videospieler und Nicht-Videospieler und prüften, ob sich deren Hirnstruktur veränderte.
«Bei den Spielern haben wir ziemlich ausgedehnte Vergrösserungen des präfrontalen Cortex und des Hippocampus gefunden», erläutert Jürgen Gallinat, Psychiater und Co-Autor der Studie. Die Probanden schnitten auch in Tests besser ab, bei denen räumliche Navigationsfähigkeit gefragt war.
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An der römischen Universität La Sapienza stellte man schon ein Jahr zuvor einen gewissen Trainingseffekt bei Videospielen fest. Angehende Mediziner, die vier Wochen lang regelmässig bei einem Tischtennis-Videospiel zockten, waren bei Operationssimulationen erfolgreicher. Eine Studie der New-York-Universität in Schanghai, die 2016 im Fachblatt «Psychological Science» veröffentlicht wurde, zeigte bei Videospielern eine erhöhte Koordination zwischen Sinneseindrücken und dem Bewegungsapparat – wie sie beispielsweise beim Autofahren benötigt wird.
Könnte regelmässiges Gamen präventiv bei Demenz eingesetzt werden? Für den Hirnforscher Gallinat gibt es zumindest Anhaltspunkte dafür. «Videospiele sind komplex. Man befindet sich in einer simulierten Umgebung, hat eine dreidimensionale Sicht, und die Dinge, die man tun muss, sind für das Gehirn sehr anspruchsvoll.»
Von einfacheren Simulationen wie etwa einem Hüpfspiel bis hin zu vielschichtigen cineastischen Abenteuern gibt es eine reiche Auswahl an digitalen Spielwelten. Die sind also nicht nur für Teenager gemacht, sondern besonders für Senioren empfehlenswert: am besten einfach mal ausprobieren.