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Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI hat Faustregeln für die Ausbreitung radioaktiver Stoffe in Fliessgewässern nach einem Unfall in einem schweizerischen Kernkraftwerk erarbeitet. Sie sollen dazu dienen, die Radioaktivitätskonzentrationen am Ort der Trinkwasserentnahmen der Städte Biel und Basel zu bestimmen.
Gelangen bei einem Reaktorunfall radioaktive Stoffe aus dem Kernkraftwerk Mühleberg in die Aare, dann dauert es je nach Jahreszeit und Wasserstand zwischen einer und elf Wochen bis diese in Basel ankommen. Dies geht aus den Faustregeln hervor, die das ENSI für Freisetzungen in Aare und Rhein erstellt hat.
„Dank dieser Faustregeln können wir die Nationale Alarmzentrale NAZ bei der Anordnung von geeigneten Schutzmassnahmen noch besser beraten“, erklärt Georges Piller, Leiter des Fachbereichs Strahlenschutz beim ENSI. Die Faustregeln sind eine Massnahme aus den Lehren nach dem Reaktorunfall in Fukushima.
Die Fliesszeiten sind abhängig von den Durchflussmengen in Aare und Rhein. Drei Zustände der Flüsse wurden deshalb definiert: Niedrig-, Normal- und Hochwasser. Sie stützen sich auf ihre Eintretenshäufigkeit anhand historischer Daten, die zwischen 1935 und 2012 an fünf Stellen erhoben wurden.
Mit den Abflüssen von Aare und Rhein sowie der eingeleiteten Aktivität pro Zeit kann das ENSI die Aktivitätskonzentrationen an den Entnahmestellen für Trinkwasser abschätzen.
Das ENSI geht davon aus, dass die radioaktiven Stoffe aus dem Kernkraftwerk Mühleberg die Wasserfassung im Bielersee nach sechs Tagen erreicht. Treten aus dem Kernkraftwerk Beznau radioaktive Stoffe in die Aare aus, dauert es einen Tag, bis diese bis zur Trinkwasserentnahme der Stadt Basel transportiert werden. Die Fliesszeiten dauern beim Kernkraftwerk Gösgen rund 25 Prozent länger und beim Kernkraftwerk Leibstadt rund 25 Prozent kürzer.
Saisonale Unterschiede der Fliesszeiten
Die Verweilzeit des Aare-Wassers im Bielersee ist im Sommer und Winter unterschiedlich. Im Sommer fliesst das relativ warme Aare Wasser auf der Oberfläche des „kalten“ Bielerseewassers. Im Winter taucht das kalte Aare-Wasser in den relativ warmen Bielersee ein und füllt diesen sukzessiv vom Grund des Sees her auf. Nach ungefähr 70 Tagen hat die kalte Aare das gesamte Seevolumen aufgefüllt und verlässt dann den Bielersee.
Gestützt auf Erkenntnisse aus Fukushima hat das ENSI den Umgang mit grossen Mengen an kontaminiertem Wasser überprüft. Es hatte im Jahr 2013 zusammen mit weiteren Akteuren des Notfallschutzes verschiedene Massnahmen getroffen, um die Überwachung und die Alarmierung bei schweren Unfällen mit massivem Austritt von kontaminiertem Wasser zu verbessern.