Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03642.jsonl.gz/2188

01.01.2013 Tabakkontrolle ist ein Menschenrecht
Tabakprävention. WHO-Generaldirektorin Margaret Chan fordert dazu auf, sich im Kampf gegen die Tabakindustrie verstärkt auf die Menschenrechte zu berufen.
Am 15. Weltkongress Tabak oder Gesundheit (März 2012 in Singapur) rief Margaret Chan die Teilnehmenden vehement dazu auf, auf der Basis der
Menschen- und Kinderrechte gegen Aktivitäten der Tabakindustrie zu argumentieren und Verbote durchzusetzen. Im Tabakanbau und durch Tabakkonsum werden häufig Menschenrechte verletzt. Die hohe Zahl von Kinderarbeitern auf Tabakplantagen (Verletzung des Kinderarbeitsverbots bei gefährlichen Arbeiten) oder der fehlende Schutz für Nichtraucher und Nichtraucherinnen (Verletzung ihres Rechts auf Gesundheit) sind zwei Beispiele dafür.
Abkommen durchsetzen
Schon 2011 hatte Margaret Chan am WHO Global Forum auf die Ausbreitung von chronischen, nicht übertragbaren Krankheiten wie Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufmerksam gemacht, die durch Rauchen stark begünstigt werden. Diese Krankheiten stellten für alle Länder eine enorme Herausforderung dar. Der Kampf gegen nicht übertragbare Krankheiten sei mit dem Kampf gegen Infektionskrankheiten wie HIV und Aids nicht vergleichbar. Ersterer sei vor allem ein Kampf gegen mächtige Wirtschaftsakteure, die rein kommerzielle und keinerlei gesundheitliche Interessen verfolgten. Eine Kooperation mit der Tabakindustrie sei kein gangbarer Weg, meinte Chan. Im Kampf gegen den Tabak nützen nur rechtliche Druckmittel. Folglich unterstützt Margaret Chan mit ihrem Aufruf das Engagement der internationalen Organisation «Human Rights and Tobacco Control Network» (HRTCN). Dieses globale Netzwerk fördert die Implementierung von Raucherbeschränkungen auf der Basis von Menschenrechten. Es beruft sich dabei auf internationale Abkommen wie das Rahmenübereinkommen der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs (FCTC), die Kinderrechtskonvention (CRC), die Frauenrechtskonvention (CEDAW) und den Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (Sozialpakt).
Jährlich sechs Millionen Tote – Tendenz steigend
Gemäss dem «Tobacco Atlas» kamen 2011 knapp sechs Millionen Menschen durch Tabakkonsum ums Leben. Einer von zwei Rauchern stirbt am Tabakkonsum, die Hälfte davon im mittleren Alter. Die WHO erwartet, dass die Anzahl der Rauchenden in den nächsten 20 Jahren und dadurch die damit zusammenhängenden Probleme weiter zunehmen werden. Im Visier der globalen Tabakmarketingstrategie sind vor allem Frauen in Entwicklungs- und Schwellenländern.
Die Tabakindustrie verursacht nicht nur Krankheit und Tod, sondern auch wirtschaftliche, soziale und ökologische Probleme: Durch den Tabakkonsum verlieren viele Familien ihren Haupternährer durch frühzeitigen Tod; viele Tabakplantagen beschäftigen Kinder und rauben ihnen damit nicht nur die Gesundheit, sondern auch eine Bildung und eine Zukunftsperspektive; mit Pestiziden und Abholzung verursachen Tabakplantagen erhebliche Umwelt- und Gesundheitsschäden.
Kontakt
Laure Curt, Sektion Tabak, <email-pii>