Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03530.jsonl.gz/532

Vor bald einem Jahr, am 2. Juli 2007, hat die SWX Swiss Exchange ein neues Blue-Chip-Börsenbarometer eingeführt: Den SLI Swiss Leader Index. Seit seiner Lancierung hat dieser Index bereits sehr viel bewirkt. Bis Ende des 1. Quartals 2008 sind über 230 strukturierte Produkte, drei ETF und an der Eurex Futures- und Options- Kontrakte auf den SLI aufgelegt worden. Man darf optimistisch sein, dass dieser Index den Sprung in den erlauchten Kreis international bekannter Börsenbarometer schaffen kann.
Diversifikation
Durch den SMI ist die SWX Swiss Exchange im internationalen Umfeld bereits mit einem weitherum bekannten und etablierten Länderindex vertreten. Die Charakteristik des Schweizerischen Aktienmarktes verhindert allerdings weitgehend, dass dieser von der ausländischen institutionellen Investorenschaft verwendet wird. Der auf 20 Titel limitierte SMI weist für gewichtige Kategorien von ausländischen Investoren eine zu hohe Konzentration auf, d.h. eine kleine Anzahl der im Index enthaltenen Titel vereint ein sehr hohes Gewicht. Vereinen im SMI die ersten fünf Titel 68% der Index-Free-Float-Marktkapitalisierung, so sind es im SLI nur 40%. Betrachten wir die ersten zehn Titel, so beträgt die Konzentration im SMI sogar 89%, im SLI sind dies hingegen nur 63% (siehe Grafik).
Der Vergleich zeigt, dass die Konzentration durch die Reduktion der Titelgewichte auf definierte Maximalwerte – am Beispiel des SLI – verkleinert werden kann. Der Gesetzgeber hat dieses Erfordernis vielerorts in den entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen und Richtlinien festgehalten. In Anlehnung an die EU-Richtlinie (UCITS) hält Art. 78 der Kollektivanlagenverordnung (KKV) fest, dass höchstens 10% des Fondsvermögens in Effekten desselben Emittenten angelegt werden dürfen. Zudem soll der Gesamtwert der Effekten der Emittenten, bei welchen mehr als 5% des Fondsvermögens angelegt sind, 40% des Fondsvermögens nicht übersteigen. Lässt der Schweizer Gesetzgeber und die Europäische Union für Indexfonds zwar Ausnahmen zu, sind die Bestimmungen der U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) und der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) hingegen strikt: Produkte werden dort nur zum Handel zugelassen, wenn deren zugrunde liegender Index folgendes Kriterium erfüllt: Die grössten fünf Titel dürfen ein kumuliertes Indexgewicht von 60% nicht übertreffen.
Eine Reduktion hoher Konzentrationen lässt sich auch durch eine Vergrösserung der Titelzahl erreichen. Der SLI, der die 30 grössten und liquidesten Titel des SPI umfasst, enthält zehn Titel mehr als der SMI und ist folglich breiter diversifiziert, d.h. das Risiko verteilt sich auf eine grössere Anzahl Titel. Das auch bei anderen Indexanbietern eingesetzte 9%- bzw. 4,5%-Kappungsmodell reduziert die Gewichte der vier grössten börsenkapitalisierten Titel auf maximal 9%, die Gewichte der nachfolgenden Titel – sofern notwendig – auf 4,5%. Die Limitierung der Titelgewichte erfolgt mittels eines titelspezifischen Kappungsfaktors, der in der Regel für drei Monate konstant bleibt.
Am Beispiel der Branchengewichtung ist sichtbar, dass sich die vergrösserte Titelzahl des SLI nebst der reduzierten Titelgewichtung positiv auf die Diversifikation des Index niederschlägt. Im Gegensatz zum SMI sind im SLI auch die Branchen Erdöl/Erdgas sowie Technologie vertreten. Das Gewicht der vier grössten Branchen beträgt im SLI zurzeit rund 67%, im SMI hingegen über 78%.
Performance-Zahlen
Neben der Diversifikation sind Performance- und Risikokennzahlen weitere wichtige Kriterien für die Wahl eine Benchmark. Bei nahezu identischer jährlicher Volatilität über die letzten acht Jahre (rund 18%) zeigt der Performance-Chart der beiden Indizes ein anderes Bild (siehe Chart). Ein Anleger, der am 30. Dezember 1999 1000 Fr. in den SLI investiert hatte, erhält heute 1105.05 Fr., bei einem SMI-Investment hingegen nur noch 954.30 Fr. (Anmerkung: Die Dividendenerträge sind in obigen Angaben nicht berücksichtigt).
Substitutionseffekt
Für viele Experten sind es die oben beschriebenen Vorteile, die den SLI langfristig zum allgemein anerkannten Schweizer Leitindex machen könnten. Zu beachten gilt allerdings, dass der SMI nunmehr seit 20 Jahren – am 30. Juni 2008 feiert der Index seinen 20. Geburtstag – das wichtigste Börsenbarometer für den Schweizer Finanzplatz ist und diesen an den internationalen Finanzmärkten repräsentiert. Die SWX verfolgt infolgedessen mit Spannung, ob ein Substitutionseffekt eintreten wird, d.h. ob es eine signifikante Verschiebung von Investitionsvolumen vom SMI zum SLI geben wird. Dramatische Veränderungen sind – mindestens in einer kurzfristigen Perspektive – nicht zu erwarten.
Indem der SLI sowohl die einschlägigen amerikanischen wie europäischen Bestimmungen erfüllt, rechnet die SWX vielmehr damit, dass die erwartete Anerkennung durch die US-Behörden einen Zufluss von neuer Liquidität für den SLI durch Investoren auslösen wird, die bisher den Indexprodukten des Schweizer Marktes fern geblieben sind. Die Eurex bestätigt, dass zurzeit der Anteil von US-Teilnehmern in CFTC-zugelassenen Produkten ungefähr ein Fünftel beträgt. Davon wird mit grösster Wahrscheinlichkeit auch der SLI profitieren, und die Volumen auf den gehandelten Futures- und Optionskontrakten werden zunehmen.