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Vier Einsiedler schafften die Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele
Wer an den Olympischen Sommerspielen dabei ist, hat dafür wohl die anspruchsvollsten Normen im Sport geschafft. Bisher gelang dies drei Sportlern und einer Sportlerin aus Einsiedeln.
WERNER SCHÖNBÄCHLER
Die Olympischen Sommerspiele finden bekanntlich nicht mehr in diesem Jahr statt. Japan als Ausrichter und das Internationale Olympische Komitee einigten sich auf eine Verschiebung wegen der Coronavirus-Pandemie auf 2021. Letztmals waren die Spiele 1940 und 1944 dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen. Bisher schafften drei Einsiedler Sportler und eine Sportlerin die hohen Selektionshürden für den grössten Sportanlass der Welt.
René Neyer, der Vorreiter
Der heute 59-jährige Trachslauer René Neyer fand bereits mit 16 Jahren Aufnahme im Nationalkader der Ringer. Für seine grosse Leidenschaft, das Freistilringen, verzichtete er auf vieles. Während mehrerer Monate trainierte er nach seiner Lehre als Maurer in Colorado Springs mit den besten Amerikanern. «Los Angeles, Olympische Spiele 1984», das war das erklärte Ziel für ihn. Mit vielen Spitzenklassierungen wurde er im freien Stil bis 68 Kilogramm für Los Angeles nominiert. Er startete mit zwei Siegen vielversprechend, eine Medaille lag in Reichweite. Im Kampf um den Einzug in den Halbfinal lag er in Führung, gab diese aber kurz vor Wettkampfende noch preis. Sein ungestümes Draufgängertum wurde ihm diesmal zum eigenen Verhängnis. Mit einem weiteren Sieg belegte er den siebten Rang. Nach diesen für ihn erfreulichen Olympischen Spielen war er vier Jahre später in Seoul wieder dabei. Dabei zog er sich im ersten Kampf eine Knieverletzung zu, die sich später als Kreuzbandriss herausstellte. Trotzdem biss er sich durch und verlor den zweiten Kampf hauchdünn. Nach diesen Spielen trat er auf internationaler Ebene zurück, stand aber als wertvoller Mannschaftsringer noch mit 50 Jahren für die Ringerriege Einsiedeln auf der Matte. 2012 stieg er an den Weltmeisterschaften der Veteranen mi 51 Jahren zuoberst aufs Podest.
Martin Müller mit Diplom Martin Müller war in seinem Gewicht bis 62 Kilogramm im freien Stil eine Ausnahmeerscheinung. Mit seinem fünften Platz an den Europameisterschaften qualifizierte er sich für Olympia 1992. Wie sein Vorgänger René Neyer weilte er zur Vorbereitung wochenlang in Amerika. Der Wille war sein grösstes Plus, dafür waren seine Nerven gelegentlich ein Minus. In Barcelona schnupperte er an einer Medaille und ärgert sich noch heute über eine unnötige Niederlage. Doch als Siebter gewann er ein olympisches Diplom.
1994 wurde er an den Europameisterschaften in Fribourg Vierter. Nach der zweiten Olympia- Teilnahme 1996 in Atlanta, wo er nach zwei Kämpfen ausschied, beendete er mit 30 Jahren seine internationale Laufbahn. Er war noch mehrere Jahre erfolgreicher Mannschaftsringer und trat 2004 auf nationaler Ebene im Gewicht bis 62 Kilogramm ungeschlagen zurück.
Hans Birrers Knieprobleme
Hans Birrer wurde mit seinem achten Rang an den Weltmeisterschaften in Clermont-Ferrand bis 82 Kilogramm im freien Stil für die Sommerspiele 1988 selektioniert. Doch so weit kam es nicht, weil bei ihm die Verletzungshexe zum ungünstigsten Zeitpunkt zuschlug. An den nationalen Titelkämpfen 1988 zwang ihn eine Knieverletzung zur Aufgabe. Trotz aller medizinischen Bemühungen war für ihn die Olympiateilnahme nicht mehr möglich. Bereits mit 25 Jahren beendete er seine internationale Laufbahn. Als Nationaltrainer war er an den Olympischen Spielen 1996 dabei.
Luzia Sahlis Pech
Luzia Sahli-Brunner figurierte als Marathonläuferin unter den 100 selektionierten Schweizer Sportlern für die Olympischen Spiele 1988 in Seoul. Sie war eine erfolgreiche Langstreckenläuferin. So gewann sie unter anderem den Züri-Marathon 1986 und 1988. Bei ihrem zweiten Sieg unterbot sie die geforderte Olympialimite um 35 Sekunden. Mit einer gezielten Vorbereitung wollte sie ihre Selektion mit einer guten Platzierung rechtfertigen. Wegen gesundheitlicher Probleme brachte sie ihre gewohnte Leistung nicht mehr und verzichtete schweren Herzens auf eine Teilnahme.
Die beiden Diplomgewinner an Olympischen Sommerspielen Martin Müller (links) und René Neyer (blau). Fotos: zvg