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Feuchtwarme Luft bringt man in der Altjahreswoche eher mit der Karibik in Verbindung als mit der Lawinengefahr. Aber genau von dort kam die Luft, die am Mittwoch intensive Niederschläge brachte und die Schneefallgrenze im Westen auf sagenhafte 2800 m ansteigen liess. Viele Nassschneelawinen und verbreitet grosse Lawinengefahr (Stufe 4) waren die Folge.
Nach der längeren Schönwetterphase ging die Lawinengefahr zunächst vom schwachen Altschnee aus (siehe Wochenbericht vom 23.12.). Im Norden waren die Schwachschichten so stark überschneit, dass Personen kaum mehr Lawinen auslösen konnten und die Gefahr auf Weihnachten auf Stufe 1 (gering) zurückgestuft wurde. Im südlichen Wallis, im nördlichen Tessin und in Graubünden waren die Schwachschichten näher an der Oberfläche. Bei Gefahrenstufe 2 (mässig) wurden nach wie vor einzelne kleinere Lawinen im Altschnee ausgelöst (Abb. 1).
In diesen Tagen war es meist bewölkt, und im Norden fielen oberhalb von 1200 bis 1800 m täglich wenige Zentimeter Schnee. Mässiger und lokal starker West- bis Südwestwind verfrachteten etwas Neu- und Altschnee (Abb. 2). Die Triebschneeansammlungen wurden vor allem an Schattenhängen auf eine oft ungünstige Altschneeoberfläche aus kantig aufgebauten Kristallen oder Oberflächenreif abgelagert (Abb. 3). Entsprechend waren sie störanfällig (Abb. 4). Im Norden wurde der Triebschnee zum Hauptproblem, und die Gefahr wurde bereits am Stephanstag wieder auf Stufe 2 (mässig) angehoben.
Am Dienstag schneite es überall, ausser ganz im Süden. Nördlich einer Linie Rhone-Rhein und im Unterwallis fielen 15 bis 30 cm Schnee, an der Grenze zu Frankreich 40 cm. Der starke bis stürmische Westwind verfrachtete den Neuschnee und stellenweise auch lockeren Altschnee. Wegen der teils ungünstigen Altschneeoberfläche stieg die Lawinengefahr deutlich an, im Norden und im Wallis verbreitet auf Stufe 3 (erheblich). Im Norden stieg die Schneefallgrenze vorübergehend auf etwa 2000 m und sorgte bereits für spontane Nassschneelawinen.
Nach einer kurzen Beruhigung setzte am Mittwoch intensiver Niederschlag ein, der bis in die Nacht auf Donnerstag anhielt. Der Jetstream traf aus Nordwesten auf die Alpen und führte in der Höhe aussergewöhnlich warme Luft heran. Die Schneefallgrenze lag zu Beginn auf etwa 1300 m und sank im Oberwallis mit dem intensiven Niederschlag und der damit verbundenen Niederschlagsabkühlung vorübergehend bis in tiefe Lagen. Mit der Warmfront stieg sie dann aber überall massiv an, im Westen bereits am Mittwochmorgen, in den inneralpinen Gebieten Graubündens erst in der Nacht auf Donnerstag. Je nach Klimaregion wurden 2400 m bis 2800 m erreicht (Abb. 5). Damit fiel selbst an vielen automatischen IMIS-Stationen ein bedeutender Teil des Niederschlags als Regen. Weil mit Wind und Schneeschmelze auch die Werte der hoch gelegenen Regenmesser unzuverlässig waren, gab der aus dem Niederschlagsradar bestimmte Flüssigniederschlag wohl das genaueste Bild (Abb. 6). Demzufolge fielen am Nördlichen Alpenkamm, im westlichsten Unterwallis, in Teilen des südlichen Wallis und im westlichen Jura zwischen Montagabend und Donnerstagmorgen 50 bis 100 mm Niederschlag. Im Hochgebirge würde das 50 bis 100 cm trockenem Schnee entsprechen, doch dürfte dieser Durchschnittswert wegen dem stürmischen Nordwestwind und den damit verbundenen Schneeverfrachtungen kaum wo zu finden sein.
Mit dem Regen gingen viele feuchte Lawinen spontan ab, die teilweise bis in die Täler vorstiessen. Weil insgesamt noch wenig Schnee lag und nasse Lawinen nicht zu Staublawinen werden, blieben die Lawinen aber klar innerhalb der üblichen Bahnen (Abb. 7). Bereits für den Mittwoch wurde am Nördlichen Alpenkamm vom Chablais bis in die Urner Alpen und in grossen Teilen des Wallis vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt. Mit dem Anstieg der Schneefallgrenze auch im Osten wurde diese zweithöchste Gefahrenstufe am Mittwochabend auf den östlichen Alpennordhang, Nordbünden und Samnaun ausgedehnt. Der Mittwoch, 29.12. war der bisher aktivste Lawinentag dieses Winters, wobei die Mehrzahl der Lawinen nass waren (rote Säulen in Abb. 8).
Nach dem Ende der Niederschläge wurden am westlichen Alpennordhang und entlang der Voralpen kaum noch spontane Lawinen erwartet und die Gefahr am Donnerstagmorgen auf Stufe 3 (erheblich) zurückgestuft. Nach dem vielen Regen und dem Sturm durfte hier mit einer raschen Verbesserung der Lawinensituation gerechnet werden (Abb. 9). Im Wallis wurde es zunehmend sonnig. Wegen dem schwachen Schneedeckenaufbau blieb die Gefahrenstufe 4 hier noch bestehen, genauso wie im Osten, wo der Regen erst im Laufe des Vormittags endgültig aufhörte.
Ganz im Süden und im südlichen Graubünden war es während der ganzen Berichtsperiode weitgehend trocken, so dass sich die Lawinensituation nur wenig änderte.
Bis zum Redaktionsschluss wurden in dieser Berichtsperiode 11 durch Personen ausgelöste Lawinen gemeldet, wobei zum Glück niemand zu Schaden kam. Während der Spitze der Lawinenaktivität waren wegen dem Dauerregen aber auch kaum Wintersportler unterwegs.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.