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29. Mai 2010
Müsste ich 100 Dollar darauf wetten, welches Buch in Steve Jobs Bibliothek steht, dann wette ich auf: Coopetition – mit der Spieltheorie zum Geschäftserfolg. Die Spieltheorie ist ein Teilgebiet der Mathematik und hilft unter anderem bessere Verhandlungspositionen und Geschäftsstrategien zu entwickeln. Im eben genannten Buch wird eindrücklich aufgezeigt, warum Nintendo mit dem 8-Bit NES System zum Riesen aufstieg und trotz massiv weniger Umsatz mehr Wert war als Nissan oder Sony. Und es wurde aufgezeigt, was IBM falsch machte, so dass Microsoft und Intel die grossen Gewinner der PC-Ära wurden.
Man stelle sich vor, IBM besass in den 80er 20% von Intel und konnte 10 weitere Prozente dazukaufen. Für 625 Millionen verkauften sie 1987 alle Anteile. 10 Jahre später waren diese 30% 18 Milliarden Wert und heute ganze 35 Milliarden. Etwa zur selben Zeit hätten sie für 300 Millionen 20% an Microsoft kaufen können. Haben sie ebenfalls nicht gemacht. Heute sind diese 20% die nette Summe von 45 Milliarden Wert. Das mag wehtun, aber noch viel mehr schmerzt IBM wohl die Tatsache, dass sie den PC erfanden, aber heute keine PCs mehr verkaufen. Das Geschäft machen Intel, Microsoft, Dell, HP, viele Andere und: Lenevo. Warum? Weil IBM nach der Spieltheorie alles falsch machte, was man falsch machen konnte.
IBM machte sich entbehrlich
IBM lies für die PC-Sparte den Chip von Intel konzipieren und produzieren und sie liesen Microsoft das Betriebssystem für 500’000 Dollar programmieren. Statt die Rechte daran zu kaufen, überlies man den beiden die freie Verbreitung ihrer Komponenten. Ein PC benötigte zwingend MS-DOS und einen Intel-kompatibler Chip. IBM wurde dagegen gänzlich unwichtig. Jeder kann bei Intel und Microsoft anklopfen und einen PC fertigen. Es verdienen Intel und Microsoft. IBM ist aus dem Spiel.
Ganz anders Nintendo
Sie glauben Nintendo ist ein freundliches Unternehmen, das zu allen lieb ist? Vergessen Sie es. Nintendo und deren Partner kämpften schon immer mit harten Bandagen. Überall und in allen Ländern. Davon kann ich selbst ein Lied singen. Der offizielle Importeur erteilte mir die erste Lektion in: wie man richtig Geschäfte macht. Als ich mich vor 17 Jahren Selbständig machte, war meine Idee Nintendo- und Sega-Spiele zu importieren und an Videotheken auszulehnen. Diese vermieteten die Kassetten und ich sollte schon nach kurzer Zeit Gewinn schreiben. Den Markt lies man mich netterweise aufbauen. In der Deutschschweiz putzte ich bei sämtlichen Videotheken persönlich die Klinke. Als ich genügend Kunden hatte, lies der offizielle Importeur seine Vertreter bei all meinen Kunden vorbeischauen und erzählte ihnen: “Wenn Sie weiter beim Niklaus Spiele beziehen, klagen wir Sie wegen illegalem Parallelimport an. Sie können aber gerne Videospiele bei uns kaufen…”. Damit war ich aus dem Spiel und Nintendo hatte einen weiteren Markt erobert. Etwas später bekam Nintendo auf europäischer Ebene eine saftige Busse aufgebrummt, weil Nintendo den Markt mit illegalen Praktiken steuerte – mein Beispiel war Peanuts, denn Nintendo spielte ein grösseres, besseres Spiel und das richtig gekonnt.
Aufstieg von Nintendo
Die Videospielbranche lag am Boden. Atari war der Gewinner der ersten Konsolengeneration und gleichzeitig der grosse Verlierer. Nach anfänglichem Grosserfolg der Atari Konsole wurden anfangs der 80er 1’000e von Schrottspielen auf den Markt geworfen und die Kunden wendeten sich enttäuscht von Spielkonsolen ab. Der Markt für Spielkonsolen war tot (setzet ich das richtige t ein?). Nintendo witterte die grosse Chance und lancierte das NES. Ein $100 teures Gerät. Nintendo wollte aber unbedingt verhindern, dass ihnen dasselbe Schicksal wie Atari blühte. So entwickelten sie eigene, qualitätativ hochwertige Spiele – darunter Supermario. Sie entwickelten einen Chip für ihre Spielkassetten, sodass nur von ihnen lizenzierte Spiele auf der NES funktionierten. Im Gegensatz zu Atari musste jeder Spielhersteller bei Nintendo anklopfen, damit er ein Spiel verkaufen durfte. Erinnert das irgendwie an Apple und Flash und die Art, wie man Programme für das iPhone von Apple überprüfen lassen muss?
Harte Regeln, wer für Nintendo entwickeln wollte
Damit die Spiele für das NES eine hohe Qualität hatten, stellte Nintendo harte Regeln auf. So durfte ein Softwareentwickler maximal 5 Spiele pro Jahr für die Konsole entwickeln. Damit war klar: niemand leistete sich ein billiges Spiel, sondern setzte auf Qualität. Dazu musste sich jeder Softwareentwickler dazu verpflichten, dass seine Spiele für das NES für zwei Jahre auf keiner anderen Plattform erscheinen. So wertete man das NES in den Augen der Kunden auf.
Es gab noch weitere Dinge, die Nintendo tat (und tut). Damit nie ein Grosshändler Nintendo versucht unter Druck zu setzen, verknappt Nintendo das Angebot von Spielen seit Jahren künstlich. Bestellt der Einzelhandel 110 Millionen Spielkassetten und könnte davon vielleicht 45 Millionen verkaufen, produziert Nintendo gerade mal 33 Millionen (so 1988 gemacht). Damit lechztet jeder Händler danach, von Nintendo möglichst viele Spiele zugeteilt zu bekommen. So behält man sich seine Wiederverkäufer ganz zahm. Kommt noch ein weiterer positiver Effekt für Nintendo dazu. Wer Kinder hat, kennt das alljährliche Spiel mit der Spielzeugbranche: Kurz vor Weihnachten verspricht man den Kindern die neuste Spielpuppe oder eben, dass neuste Nintendo Spiel. Weil es dann aber nicht erhältlich ist, kauft man ein anderes für das Weihnachtsgeschenk, und sobald das richtige Spiel im Januar wieder lieferbar ist…kauft man auch das ursprünglich Versprochene.
Also:
- verknappe dein Angebot, damit deine Händler keine Macht bekommen
- verknappe dein Angebot, damit die Kunden dein Produkt mehr schätzen
- kontrolliere deine Software, damit nur “gute” Sachen entwickelt werden
- kontrolliere deine Software, damit die Entwickler nicht zu viel Macht erhalten
- behalte die Macht in deinen Händen, damit auch du am meisten verdienst
So würde dann auch der Chipkauf Sinn machen. Sollte Apple in Zukunft doch einmal Hardware an Dritte lizenzieren wollen, hätten sie immer noch die Macht über den Chip (Intel) und dem Betriebssystem (Microsoft) in der Hand.