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Echter Ehrenpreis - Veronica officinalis
Echter Ehrenpreis (syn. Arznei-Ehrenpreis, Wald-Ehrenpreis).
VORKOMMEN
Der Echte Ehrenpreis ist in fast ganz Europa, Vorderasien und Nordamerika heimisch. Man findet die Pflanze vor allem in lichten, trockenen Wäldern. Der Echte Ehrenpreis ist ebenso auf Heiden und an Wegrändern, besonders im Gebirge zu finden. Im Hochgebirge wird die alpine Stufe erreicht.
MERKMALE
Der Echte Ehrenpreis neigt zur Rasenbildung und ist eine 10 bis 20 cm hohe Ausläuferstaude. Die Grundachse ist oberirdisch bis unterirdisch und ausläuferartig kriechend. Die Hauptachse der blühenden Triebe ist kriechend, am Ende zeitweise etwas aufsteigend, sie ist stielrund, rauhhaarig, oft rot überlaufend. Die Laubblätter sind 2 bis 5 cm lang und 1 bis 2,5 cm breit, sehr kurz gestielt, glänzend dunkelgrün und beiderseits mit geraden Haaren besetzt. Die Blüten sind klein in gedrungenen, steifen, aufrechten Trauben. Der Blütenstiel ist 1 bis 3 mm lang, etwas kürzer als das Deckblatt und dicht drüsig-zottig. Die hellblauen manchmal auch weisslichen Blüten haben einen Durchmesser von ca. 5 mm. Der Echte Ehrenpreis blüht von Mai bis September.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Veronicae herba (syn. Herba Betonicae albae);
Ehrenpreiskraut (syn. Grundheilkraut, Wundkraut), das getrocknete, während der Blütezeit gesammelte Kraut.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Iridoidglycoside (0,5-1 %) mit den Hauptkomponenten Aucubin und
Catalpol. Weiterhin finden sich Mussaenosid und sein Ester Ladrosid
sowie verschiedene Ester des Catalpols, darunter z.B. Minecosid, Verminosid oder
Veronicosid. Das früher gefundene Loganin konnte nicht nachgewiesen werden.
Im blühendem Kraut wurden etwa 12 Flavonoide (insgesamt etwa 0.7%), wie Apigenin, Luteolin, Luteolin-7-O-ss-D-glucosid und weitere Flavone nachgewiesen.
Weitere Bestandteile sind Triterpensaponine, geringe Mengen Gerbstoffe, Mannitol, β-Sitosterol, Chlorogensäure und Kaffeesäure.
PHARMAKOLOGIE
Die Kommission E begründet ihre Negativ-Monographie (2.3.1989) wie folgt:
- Da die Wirksamkeit bei den beanspruchten Anwendungsgebiten nicht belegt ist, kann eine therapeutische Verwendung nicht befürwortet werden.
Es gibt sehr wenige neue Studien zu Veronica officinalis, hier ein Beispiel.
ANWENDUNG
Volkstümliche Anwendungen:
Innerlich: Bei Beschwerden im Bereich der Atemwege (Bronchitis, Asthma bronchiale), des Magen-Darm-Traktes (Appetitlosigkeit), der Leber und der ableitenden Harnwege, ferner bei Gicht und rheumatischen Beschwerden sowie zur Stoffwechselförderung („Blutreinigung") und bei nervöser Überreiztheit.
Äusserlich: Als Gurgelmittel bei Schleimhautentzündungen in Mund und Rachen. Weiterhin bei Fussschweiss, Wunden, zur Förderung der Wundheilung, bei chronischen Hautleiden und Hautjucken.
Die Wirksamkeit bei den beanspruchten Anwendungsgebieten ist nicht belegt, deshalb kann eine therapeutische Verwendung nicht befürwortet werden.
Creme aus Malve, Pfefferminze, Schlüsselblume, Frauenmantelkraut, Ehrenpreis, Melisse und Schafgarbe soll Pigmentflecken verbessern.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Heute wird der Echte Ehrenpreis nur noch selten verwendet, ausser in homöopathischen Arzneimitteln.
Teebereitung: 1,5 g fein zerschnittene Droge werden mit einer Tasse
kochendem Wasser übergossen und nach 10 min abgeseiht. Als Hustenlöser
2- bis 3mal täglich 1 Tasse.
Äusserlich: Eine Handvoll Droge auf 1 L Wasser und das Ganze 10 min kochen lassen. Für Waschungen bzw. Umschläge bei Geschwüren, Wunden und Flechten.
STATUS
HOMÖOPATHIE
Veronica officinalis HAB 1; Ehrenpreis, die frischen, oberirdischen Teile blühender Pflanzen.
Anwendungsgebiet: chronische Bronchitis, Blasenkatarrh, chronische Hauterkrankungen.
EHRENPREIS IM GARTEN
Der Echte Ehrenpreis hat es gerne sonnig auf einem nährstoffreichen Boden. Die Aussaat erfolgt ab März direkt ins Freiland (Lichtkeimer!), in nicht zu engem Abstand, da die Pflanze gerne Teppiche bildet. In gutem Boden braucht die alte Heilpflanze keinen Dünger. Der echte Ehrenpreis ist winterhart. Die oberirdischen Pflanzenteile sterben im Herbst ab. Im Folgejahr zum Frühling erscheinen wieder neue Triebe.
SONSTIGES
Vermutlich ist der Gattungsname Veronica eine Verstümmelung des Namens Betonica, der vom keltischen Volke der Vetonen abstammen soll. Es ist nicht klar, ob die Heilpflanze im griechischen und römischen Altertum bekannt war. Hohe Wertschätzung genoss die Pflanze im Mittelalter.
Letzte Änderung: 09.03.2017 / © W. Arnold