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Hai- und Rochenfleisch werden öfters konsumiert als man meinen möchte. Doch häufig wissen die Konsumenten gar nicht, was sie da zu sich nehmen. DNA-Tests haben gezeigt, dass viele Verbraucher, die beispielsweise glauben, Schwertfisch zu essen, tatsächlich vor einem Teller mit illegal vermarktetem Haifleisch sitzen. Auch der Betrug durch falsche Etikettierung oder irreführende Namen wie Kalbsfisch oder Schillerlocke ist weit verbreitet.
Zwischen 2012 und 2019 wurden weltweit für rund 2,6 Milliarden US-Dollar Hai- und Rochenfleisch gehandelt. Die Populationen dieser Meerestiere befinden sich daher heute in einer noch nie dagewesenen Krise: Bis zu 100 Millionen Individuen sterben jährlich durch die Fischerei. Einige Arten sind auf Grund der Überfischung um mehr als 95% zurückgegangen, 36% der bekannten Hai- und Rochenarten sind vom Aussterben bedroht.
Europa als Handelszentrum?
Der globale Handel mit Haifischflossen hat bereits vor einigen Jahren die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Dass aber auch der Handel mit dem Fleisch der Tiere immer problematischer wird, ist weniger bekannt. Tatsächlich ist der Markt für Hai- und Rochenfleisch aber deutlich grösser als derjenige der Flossen. Der Handel floriert vor allem in europäischen Ländern, wie eine Studie von WWF ergab. Vor allem Spanien und Italien gehören zu den weltweit grössten Exporteuren und Importeuren, dicht gefolgt von Portugal. Die EU-Mitgliedstaaten gehören nicht nur mengen- und wertmäßig zu den bedeutendsten Händlern, sondern fungieren auch als Handelsbrücken zwischen wichtigen Teilen des globalen Netzwerks. Somit hat sich Europa als Hauptlieferant für die südost- und ostasiatischen Märkte etabliert.
Um die Überfischung zu stoppen und Haie sowie Rochen zu schützen fehlen angemessene Vorschriften. Die EU als wichtige Schlüsselakteurin hätte mit Marktregulierungsinstrumenten wie der EU-Kontrollverordnung und der IUU-Verordnung das Potenzial, die Rückverfolgbarkeit von Haien und Rochen zu verbessern und die IUU-Fischerei – die illegale, nicht gemeldete und unregulierte Fischerei - auf die Tiere zu unterbinden. Bislang gibt es jedoch für die Haifischerei in der EU weder auf europäischer noch regionaler Ebene ein umfassendes, gezieltes Management. Obwohl sich vor 20 Jahren ein Internationaler Aktionsplan für Haie (IPOA) zum Ziel setzte, die Erhaltung und die langfristige Nutzung von Haien und Rochen zu fördern, zeigte diese freiwillige Verabschiedung kaum einen Trendwechsel. Erfolg verzeichnete einzig die Einführung der "Fins Naturally Attached"-Verordnung im Jahr 2013, welche in EU-Gewässern sowie auf EU-Schiffen ausserhalb der europäischen Gewässer das Finning verbot. Als Finning wird die Praxis bezeichnet, Haiflossen auf See abzutrennen und die verletzten oder toten Tiere ins Meer zurückzuwerfen um Platz für lukrativere Arten wie Thunfisch oder Billfisch zu schaffen.
Schmaus oder Graus?
Die Überfischung und die spezifische Jagd auf Rochen und Haie trägt zum Rückgang von deren Populationen und zur Verschlechterung des Zustandes unserer Ozeane bei. Als Spitzenprädatoren existieren diese Tiere seit über 400 Millionen Jahren und spielen eine entscheidende Rolle in den marinen Ökosystemen: Von der Aufrechterhaltung ausgewogener Nahrungsnetze und Lebensräume bis hin zur Kontrolle der Populationsgrößen und der Unterstützung des Nährstoffaustauschs durch die Meeresschichten. Transparenz und Rückverfolgbarkeit vom Fang bis zum Ende der Lieferkette sind daher erforderlich, um sicherzustellen, dass der Handel legal und überschaubar bleibt, geschützte Arten vom Markt ferngehalten werden und die Konsumenten ihre Produkte in Kenntnis der Sachlage kaufen können.
Quellen und weitere Informationen:
WWF: The shark and ray meat network