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B.K.S. Iyengar (1918-2014) ist ein zeitgenössischer Yoga-Guru. Er kam in einem Dorf im Süden Indiens als armes und schwächliches Kind zur Welt, lernte dann aus Not als Autodidakt und entwickelte eine Yoga-Methode, die heute Anhänger in der ganzen Welt inspiriert. Diese Methode besteht aus einem System intensiver und streng definierter Übungen. Aber das ist nicht alles: Sie ist auch ein Weg zum inneren Frieden, eine Philosophie und ein spiritueller Weg. Wie ihr Gründer sagte: Yoga Iyengar ist Meditation in Aktion.
Biographie
14. Dezember 1918: Bellur Krishnamachar Sundararaja Iyengar, genannt B.K.S. Iyengar, kommt im Dorf Bellur zur Welt. Diesem schwächlichen Baby, das an Fieberanfällen und Tuberkulose leidet, gibt man am Anfang nicht viel Überlebenschancen. Als Waisenkind geht B.K.S. Iyengar selten zur Schule. Mit 16 Jahren hat er das Glück, von seinem Schwager Sri Tirumalai Krishnamacharya initiiert zu werden. Dank ihm lernt Iyengar die Grundlagen der Yoga-Stellungen, die seine Gesundheit verbessern und ihm Erleichterung verschaffen. In den zwei Jahren, die er mit diesem Guru verbringt, erwachen in ihm die Leidenschaft zu verstehen und sein pädagogisches Talent. 1943, mit 24 Jahren, heiratet B.K.S. Iyengar Ramaa. Das Paar lässt sich in Pune nieder, es lehnt Besitztümer ab. Aus der Ehe gehen sechs Kinder hervor – darunter Geeta und Prashant, beide Lehrer, die auch heute noch das riesige väterliche Erbe weitertragen.
Vierzigerjahre
In Pune studiert Iyengar intensiv, meditiert, unterrichtet, forscht und legt die Grundlagen seiner Methode, die auf Körperstellungen und Atmungsübungen beruht, perfektioniert sie und ordnet sie klar. Er verwurzelt seine Lehre in der Tradition und verleiht ihr gleichzeitig eine wissenschaftliche Strenge. Er teilt sein Wissen, ohne Unterschied zwischen Kasten und Geschlechtern. Einige seiner Schüler sind berühmt, wie der geniale Yehudi Menuhin. Der klassische Musiker ist einer der ersten, der B.K.S. Iyengar im Westen bekannt macht und ihn ab den Fünfzigerjahren zum Lehren einlädt – unter anderem in die Schweiz.
Aber die Schüler kommen aus allen Ecken der Welt, sie kommen nach Pune um vom Meister persönlich seine Methode zu lernen, die er ständig verbessert. Sie werden auch von existentiellen Fragen getrieben. Um seine Schüler besser empfangen zu können, gründet B.K.S. Iyengar am Anfang der Siebzigerjahre das RIMYI – das Ramamani Iyengar Memorial Yoga Institute. In der schwülen Hitze des randvollen Gebäudes, zwischen den berühmten türkisen Mauern, erteilt der Meister Perfektionierungskurse und therapeutische Yogakurse, und verbreitet seine Lehren. Die Bibliothek bereichert sich um 8000 Bücher. Am frühen Morgen oder spät abends kann man oft B.K.S. Iyengar selber antreffen, der in ein Buch vertieft ist, immer auf der Suche nach Wissen.
Licht auf Yoga
1966 veröffentlicht B.K.S. Iyengar das erste seiner aufklärenden Werke „Licht auf Yoga“, das in rund zwanzig Sprachen übersetzt wird und auf das bald weitere Titel folgen. Um sein Wissen zu verbreiten und die Authentizität zu garantieren, wird ein Netz von geprüften und zertifizierten Lehrerinnen und Lehrern aufgebaut, das sich über alle Kontinente ausdehnt. B.K.S. gibt immer mehr Kurse, Vorträge, Seminare und Interviews, und erscheint in Filmen. Die Werke seiner Tochter Geeta führen sein Werk weiter. Der Einfluss des Meisters verbreitet sich auch in philosophischen, künstlerischen und spirituellen Sphären.
20. August 2014
B.K.S. Iyengar scheidet dahin, im Alter von 95 Jahren. Seine Enkelin Abhijata, umringt von ihrer Familie, die nach wie vor in Pune lebt, trägt jetzt seine inspirierende Flamme weiter.
B.K.S. Iyengar und die Schweiz
Nach seinem Tod 2014 sagte die Angelsächsische Presse, Iyengar sei der Mann gewesen, der „Yoga im Westen eingeführt hat“. Aber wenige wissen, dass die Schweiz eine wichtige Rolle bei dieser „Einführung“ gespielt hat. So fanden die ersten Kurse von B.K.S. Iyengar ausserhalb von Indien im Berner Oberland statt. B.K.S. Iyengar hat sich dort mehrmals aufgehalten, auf Einladung des grossen Violinisten Yehudi Menuhin hin. Der Virtuose hatte ab 1954 Kurse von Iyengar in Indien besucht. Er lud ihn dann mehrmals in sein Chalet in der Region von Gstaad ein, wo B.K.S. öffentliche Kurse und Konferenzen gab und wo Fotos gemacht wurden, die in Yoga-Studios der ganzen Welt hängen. Auch als man in ganz Europa nach ihm verlangte, kam der Guru weiterhin regelmässig in die Schweiz um zu unterrichten und er zog Lehrer im weiten Umkreis an. So bildete sich eine Gruppe von begeisterten Anhängern, die auf Schweizer Boden die Yoga- und Lebenslehren von B.K.S. Iyengar verbreiteten.