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Für die Erlaubnis, Text und Bilder aus dem Buch "Trommeln und Pfeifen in Basel" von Georg Duthaler, (Christoph Merian Verlag Basel 1985) auf diese Internet-Seite zu übernehmen, danke ich Frau Veronika Gutmann herzlich.
Franz Kilchherr
Das Piccolo
Geschichte der Instrumente von Veronika Gutmann
Früheste Erwähnungen
Das Piccolo oder - wie die genaue Bezeichnung lauten würde - die Piccolo-Querflöte ist zunächst eine um eine Oktave höher klingende, einklappige, konisch gebohrte und zwei- bis dreiteilige Querflöte mit einem Umfang von etwa zwei Oktaven (d2-d4). Die flûte à l'octave wird erstmals 1735 (!) in Frankreich erwähnt, in Deutschland erst 1791. Die frühesten Orchesterbesetzungen, die Piccolo vorschreiben, finden sich in Frankreich entsprechend früher (etwa von der Mitte des 18.Jahrhunderts an) als in Deutschland (Ende 18., Anfang 19. Jahrhundert). Im Zusammenhang mit der Trommel datiert der früheste Beleg aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und stammt aus Frankreich.
19. Jahrhundert
Während die Orchesterinstrumente im 19. Jahrhundert einen dem Querflötenbau entsprechenden Wandel durchgemacht haben, der eng mit dem Namen von Theobald Böhm verbunden ist (daher die Bezeichnung «Böhmflöte»), haben sich in der Militär- und Volksmusik 456: Brigitte Bachmann-Geiser, Die Volksmusikinstrumente der Schweiz. Zürich-Freiburg i.Br. 1981 (Handbuch der europäischen Volksmusikinstrumente 1/4). Auf S- 74-77 werden die Verwendungsbereiche der kleinen Querpfeifen in den schweizerischen Volksbräuchen dargestellt. die älteren, einfacheren Typen gehalten, die meist zweiteilig gebaut sind und höchstens eine Klappe aufweisen; erst spät im 19.Jahrhundert werden auch hier mehr Klappen für eine bessere Intonation und eine grössere Flexibiliät auf dem Instrument eingebaut.
Bau und Materialien
Das Basler Piccolo weist eine zweiteilige Röhre auf: deren schwingende Luftsäule (Distanz vom Anblaseloch bis zum unteren Röhrenende) ca. 27 cm beträgt. Der Tonumfang umfasst zwei Oktaven und eine Quint (d2-a4), wobei je nach Zuweisung eines Instruments zum Spiel der Ober- oder Unterstimme gewisse Unterschiede in der Bohrung bestehen: Die engere Bohrung begünstigt die höhere, die weitere Bohrung die tiefere Lage des Instrumentes. Zusätzlich zu den sechs Grifflöchern sind sechs, im Ruhezustand geschlossene, Klappen angebracht. Das zylindrische Kopfstück ist meist aus Metall (z.B. verchromtes Nickel) und steckt in einer Metallhülse, die am oberen Ende der konisch gebohrten (unten engeren) Röhre befestigt ist. Durch Verschieben des Kopfteils kann die Luftsäule verlängert oder verkürzt und der Ton entsprechend erniedrigt oder erhöht werden, was für das Aufeinander-Abstimmen der Instrumente wichtig ist.
Bei den älteren, ganz aus Holz gefertigten Instrumenten findet sich eine Metallhülse zwischen den beiden Teilen, der sogenannte Stimmzug, der dieselben Aufgaben zu erfüllen hat. Um die notwendigen Voraussetzungen für einen guten «Ansatz» bereitzustellen, wird beim Anblaseloch eine «Mundplatte» aus Kunststoff aufgeschraubt. Die Röhre besteht aus Holz, meist Grenadill (exotisches Hartholz), oder sogar aus Kunststoff; auch Ebenholz wurde früher verwendet.
Die Flötenbauer
Der Flötenbau liegt seit je in den Händen von Spezialhandwerkern, die ihre Signatur, wenn überhaupt, meistens unterhalb des Anblaselochs anbringen. Lenz Meierott zitiert dazu unter anderem einen Spruch der Holtz-, Metall- und Beintrechsler aus Nürnberg aus dem Jahre 1598, der sich auf die Zwerchpfeifen (zwerch=quer) bezieht: Wir trehen Zwergpfeifen in das Feld / die braucht man in den Krieg, Ich meld... 457: Meierott, S. 95.
Haltung und Tonerzeugung
Die Bezeichnung Querflöte rührt daher, dass das Instrument beim Spielen vom Spieler quer zum Körper gehalten wird, im Gegensatz zu den sogenannten Längsflöten (z.B. die Blockflöte). Der Ton entsteht dadurch, dass die in der Röhre des Instruments enthaltene Luft vom Wind des menschlichen Atems in Schwingung versetzt wird, indem dieser vom Spieler über eine scharfe Kante des seitlich in die Röhre eingeschnittenen Anblaselochs gelenkt wird. Die für das Melodiespiel notwendigen, unterschiedlichen Tonhöhen entstehen durch Öffnen und Schliessen der Grifflöcher, entweder direkt mit den Fingern oder mittels Klappen.
Von der Zwerch- oder Schweitzerpfeiff...
Im 16.Jahrhundert wird nicht von Querflöte, sondern von Zwerchpfeiff oder Schweitzerpfeiff beziehungsweise fifre im französischen Sprachraum berichtet, die zusammen mit der Trommel gespielt werden. Dabei handelt. es sich um zylindrisch gebohrte Instrumente aus einem heimischen Hartholz (zum Beispiel Buchs oder Birnbaum:), mit sechs Grifflöchern und ohne Klappen.
...zum Piccolo im Militär
Als erster differenziert Michael Praetorius im frühen 17. Jahrhundert zwischen Querflöten einerseits und Schweizer- oder Feldpfeifen anderseits, die eigene, von jenen auf der Querflöte abweichende Griffe verlangen und die im Verband mit der Trommel ausschliesslich der Militärmusik dienen. Mit den grundlegenden Veränderungen, die der Flötenbau seit der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts in Frankreich erfährt und die dem Instrument neu eine konische, von oben nach unten enger werdende Bohrung anstelle der zylindrischen, Dreiteiligkeit sowie eine Klappe für ein zusätzliches Loch und - später - im 18.Jahrhundert Vierteiligkeit und weitere Klappen bringen, ist die Trennung zur Militärpfeife oder fifre besiegelt, die weiterhin zylindrisch, einteilig und klappenlos bleibt. In der französischen Militärmusik wird der fifre frühestens in der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts durch das Piccolo abgelöst, während die englischen fife and drum bands ihre fifre erst um die Mitte des 19.Jahrhunderts durch konisch gebohrte Instrumente mit einer Klappe ersetzen.458: Howard M. Brown, Artikel 'Fife'. In: The New Grove Dictionary of Music and Musicians 6. London 1980, S. 541.
Zwei Militärpfeifen in es2 mit dazugehörendem Messingfutteral. Länge 31,5 cm und 32,5; Distanz Anblaseloch-Röhrenende: je 25,0 cm. Beide Instrumente sind gleich gestimmt, doch ist das eine weiter gebohrt und sind dessen Grifflöcher grösser, während das andere enger gebohrt ist und kleiner Grifflöcher aufweist; letzteres eignet sich besser für das Spiel der höheren und ersteres der tieferen Lagen.
Historisches Museum Basel, Musik Museum.
«Oesch-Piccolo» (ca. 1975)