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Das musst du wissen
- Covid-19-Impfstoffe werden als die beste Möglichkeit gesehen, um eine breite Immunisierung der Bevölkerung zu erreichen.
- In einer Umfrage neigt aber nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten dazu, sich impfen zu lassen.
- 16 Prozent der Befragten würden einen Covid-19-Impfstoff unter keinen Umständen annehmen.
Impfstoffe gegen Sars-CoV‑2 werden von Experten wie Regierungen als die beste Möglichkeit gesehen, um eine breite Immunisierung der Bevölkerung zu erreichen und die Pandemie mitsamt ihren extremen sozialen und wirtschaftlichen Folgen zu beenden. Die Impfungen haben auch in der Schweiz bereits begonnen.
Impfstrategien, ob gegen das Coronavirus oder andere Krankheiten, können allerdings nur erfolgreich sein, wenn diese auch angenommen werden und die Bürgerinnen und Bürger sich baldmöglichst impfen lassen.
Im Moment ist aber nicht sicher, dass der überwiegende Teil der schweizerischen Bevölkerung einer Covid-19-Impfung auch wirklich zustimmen würde. Laufende neue Erhebungen von Sotomo und DemoSCOPE zeigen nun, dass von Anfang der Pandemie an viele Schweizerinnen und Schweizer sich entweder definitiv nicht impfen lassen würden oder sich diesbezüglich zumindest nicht sicher sind.
Tatsächlich würde ein grosser Prozentsatz (16 Prozent) der Befragten einen Covid-19-Impfstoff unter keinen Umständen annehmen. Nur rund 22 Prozent würden sich definitiv impfen lassen und insgesamt neigt eine knappe Mehrheit von rund 56 Prozent zumindest dazu, sich impfen zu lassen. Dies entspricht grob den Ergebnissen anderer Befragungen.
Gründe für die Impfskepsis
Welche Beweggründe stehen nun hinter der in Teilen geringen Impfbereitschaft in der Bevölkerung? In der gesundheitswissenschaftlichen Forschung wurden fünf mögliche Motivationen für eine fehlende Impfbereitschaft identifiziert. Diese lauten:
- Vertrauen in die Sicherheit von Impfungen. Viele glauben beispielsweise, dass Impfstoffe gefährliche Materialien wie hochdosiertes Aluminium enthalten, oder dass bestimmte Impfstoffe schwere Krankheiten auslösen können.
- Gleichgültigkeit gegenüber den Risiken von Krankheiten. Viele Menschen sind unzureichend über die Risiken von Krankheiten informiert oder glauben, dass diese Risiken heutzutage gering sind.
- Hindernisse: Fehlender Zugang zur Gesundheitsversorgung, Unwohlsein beim Arztbesuch generell oder beim Empfangen von Spritzen, oder einfach fehlende Zeit und Alltagsstress können auch Gründe für eine geringe Impfbereitschaft sein.
- Abwägung kann auch ein Grund sein, warum manche nicht sofort zu einer Impfung bereit sind. Damit ist gemeint, dass manche gerne sehr genau die Vor- und möglichen Nachteile (beispielsweise Nebenwirkungen) von Impfungen abwägen wollen, bevor sie sich impfen lassen.
- Verantwortung: Eine durch Impfung immunisierte Bevölkerung schützt durch die sogenannte «Herdenimmunität» auch diejenigen, die selbst nicht geimpft sind oder geimpft werden können. Für manche ist der Wille, andere zu schützen, ein Motiv dafür, sich selbst impfen zu lassen. Bei anderen fehlt dagegen der Anreiz, sich auch impfen zu lassen, wenn sie nicht selbst Teil der Risikogruppe sind – nach dem Motto: Wenn alle anderen schon geimpft sind, dann brauche ich das nicht auch noch zu tun.
Es zeigt sich, dass es bei den in der Schweiz Befragten in erster Linie an Vertrauen in die Sicherheit von Impfungen fehlt: Knapp 13 Prozent der Befragten haben überhaupt kein Vertrauen in Impfungen; rund acht Prozent haben kein Vertrauen, und rund elf Prozent haben eher kein Vertrauen. Zusammengenommen ist daher rund ein Drittel der Befragten zumindest skeptisch, was die Sicherheit von Impfstoffen generell angeht. Weitere rund 16 Prozent verorten sich genau in der Mitte. Dem gegenüber steht zwar eine Mehrheit, die Impfstoffen zumindest «eher» vertraut; allerdings ist diese Mehrheit kleiner als man in der jetzigen Situation hoffen würde.
Science-Check ✓Studie: IDHEAP/NCCR – on the move COVID Survey. Solidarity in times of crisis: perceptions of deservingness during the pandemic in SwitzerlandKommentarDies ist ein Kommentar der Autorin / des AutorsEs handelt sich um eine Umfrage. Die Einstellung der befragten Personen kann sich aber ändern. Die Umfrage kann deshalb nur als Momentaufnahme dienen.Mehr Infos zu dieser Studie...Zuverlässigkeit: nicht peer-reviewed, repräsentativ, 1498 Personen zwischen dem 19. November und 14. Dezember befragt.Studien-Art: Umfrage.Geldgeber: SNF.Alle Informationen zum higgs-Science-Check
Bei den anderen Beweggründen ist die Lage einheitlicher. Klare Mehrheiten der Befragten finden Impfungen nicht überflüssig, fühlen sich durch Alltagsstress nicht gehindert, und fühlen sich der Gesellschaft gegenüber zumindest ein wenig in der Verantwortung. Es gibt allerdings auch eine grosse Bereitschaft, die Nutzen und Risiken von Impfungen für sich persönlich genau abzuwägen.
Welcher dieser fünf Faktoren beeinflusst die Impfbereitschaft im Falle des Coronavirus nun am stärksten? Die Schätzung zeigt, dass fehlendes Vertrauen in die Sicherheit von Impfungen die Impfbereitschaft im Falle der Covid-19-Impfung klar am stärksten beeinflusst. Die anderen Beweggründe fallen dagegen deutlich weniger stark ins Gewicht. Im Falle von Hindernissen (Alltagsstress) ist sogar nicht sicher, ob es wirklich einen Effekt auf die Impfbereitschaft gibt.
Welche Bevölkerungsgruppen haben im Schnitt besonders wenig Vertrauen in Impfungen? Es zeigt sich, dass das Vertrauen in die Sicherheit von Impfungen mit Alter, Einkommen und Bildungsstand tendenziell zunimmt. Und Befragte aus der Westschweiz sind weniger von der Sicherheit von Impfungen überzeugt als jene in den deutschsprachigen Kantonen. Der deutlichste Unterschied zeigt sich jedoch zwischen den Geschlechtern: Frauen sind im Mittel deutlich skeptischer gegenüber der Sicherheit von Impfungen als Männer.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Bereitschaft, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen, in der schweizerischen Bevölkerung nicht sehr hoch ausfällt. Zwar ist eine rechnerische Mehrheit von 56 Prozent der Impfung gegenüber zumindest positiv eingestellt, als überwiegend kann diese Mehrheit jedoch sicherlich nicht gelten. Zudem zeigt sich eine gewisse Polarisierung in Teilen der Bevölkerung. 16 Prozent wollen sich sicher nicht impfen lassen, weitere 22 Prozent haben die genau gegensätzliche Position. Damit verorten sich fast 40 Prozent der Bevölkerung an den beiden Extremen.
Transparent informieren
Die Analyse zeigt, dass fehlendes Vertrauen in die Sicherheit von Impfungen derzeit die Haupterklärung dafür ist, warum ein grosser Teil der Befragten der Impfung gegen das Coronavirus zumindest skeptisch gegenübersteht. Weiter hat sich gezeigt, dass es eher Frauen und Menschen mit geringerem Einkommen und Bildungsstand sowie Personen im mittleren Alter sind, die weniger Vertrauen in die Sicherheit von Impfungen haben. Darüber hinaus sind deutschsprachige Befragte weniger skeptisch gegenüber Impfungen als französischsprachige Befragte.
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Es liegt nahe, dass sich in unseren Daten vor allem die Tatsache widerspiegelt, dass die momentan verfügbaren Impfstoffe gegen das Coronavirus in Rekordzeit entwickelt, getestet und zugelassen wurden (oder noch werden). Gleichzeitig werden immer wieder Berichte über verschiedene Nebenwirkungen publik. Dies führt möglicherweise bei vielen zu Befürchtungen, dass die gegenwärtigen Impfstoffe noch nicht völlig ausgereift sind und sich eventuelle Probleme erst im Verlauf der Impfstoffverteilung und über die lange Frist zeigen werden. Einfach ausgedrückt wollen viele erst mal abwarten und zusehen, anstatt zum «Versuchskaninchen» zu werden.
All dies bedeutet, dass es nun in erster Linie notwendig ist, das Vertrauen in die Impfstoffe gegen das Coronavirus aufzubauen. Dazu zählt, dass die Behörden die Bevölkerung transparent und klar über die Impfstoffe und deren mögliche Risiken informieren. Insbesondere sollte sehr klar kommuniziert werden, wie sicherheitsrelevant die in Prüfverfahren gefundenen Nebenwirkungen wirklich sind – vor allem, wenn diese Nebenwirkungen extrem selten auftreten. Hilfreich wäre vermutlich auch, die Prüfkriterien für neue Impfstoffe und die Verfahren der jeweils zuständigen Behörden im In- und Ausland genau zu erklären, sodass deren Stringenz und Objektivität deutlich wird. Idealerweise sollte auch stets glaubhaft verdeutlicht werden, dass Impfstoffbefürworter (vor allem jene in offiziellen Positionen) keine verborgenen Interessen, wie etwa Gewinnstreben, verfolgen.