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Schweizer Unternehmen verbringen fast ein Viertel eines Arbeitsjahres mit der Einforderung ausstehender Zahlungen. Zeit, die fehlt, um das Unternehmen weiterzuentwickeln.
Laut dem jährlich erscheinenden European Payment Report von Intrum verbringen Schweizer Unternehmen durchschnittlich 59 Tage pro Jahr - fast ein Viertel eines Arbeitsjahres - mit der Verfolgung verspäteter Zahlungen, statt damit, ihr Unternehmen weiterzuentwickeln. Nahezu die Hälfte der Unternehmen gibt zu, dass sie einerseits das Management von Zahlungsverzug verbessern wollen, ihnen andererseits inhouse jedoch schlicht Know-how und Ressourcen fehlten. Für 70% der Unternehmen ist die Einhaltung von Zahlungsfristen vertrauensbildende und -erhaltende Basis.
- Knapp ein Viertel der Schweizer Unternehmen (24%) sieht Zahlungsverzug von Konsumentinnen und Konsumenten als Behinderung für Investitionen ihres Unternehmens in strategische Wachstumsinitiativen.
- 59 Tage pro Jahr investieren Schweizer Unternehmen in die Verfolgung verspäteter Zahlungen. Europäische Unternehmen verbringen im Schnitt sogar 74 Tage mit der Verfolgung verspäteter Zahlungen, was der europäischen Wirtschaft Kosten in Höhe von 275 Mrd. EUR* verursacht. Dies entspricht dem BIP von Finnland**.
- 6 von 10 Unternehmen in der Schweiz machen sich Sorgen darüber, dass ihre Kunden nicht fähig sind, ihre Rechnungen rechtzeitig bezahlen zu können. Bezüglich der Entwicklung von Zahlungsverzug zeigen sich die Schweizer Unternehmen jedoch uneinheitlich: 38% befürchten, dass das Risiko in den nächsten 12 Monaten zunehmen wird, auf der anderen Seite gehen 28% von einer Abnahme aus. Die restlichen 34% sehen die Lage als durchaus stabil.
- Trotz schwierigem wirtschaftlichem Umfeld geben erfreuliche zwei Drittel der Schweizer Unternehmen an, dass sie ihre Bemühungen um ein nachhaltigeres Unternehmen im letzten Jahr deutlich verstärkt haben.
Kaskadenartige Auswirkungen auf die gesamte Lieferkette
Finanzielle Probleme und hohe Zinssätze machen es für Unternehmen in der Schweiz schwieriger denn je, ihre Zahlungen pünktlich zu leisten. Dies führt zu einem Problem, das sich kaskadenartig auf die gesamte Lieferkette auswirkt: Unternehmen haben das Gefühl, dass sie keine andere Wahl haben, als um mehr Zeit zu bitten und auf der anderen Seite Zahlungsbedingungen zu akzeptieren, die für ihr Geschäft schädlich sind.
87 % der Unternehmen in der Schweiz wurden in den vergangenen 12 Monaten schon um längere Zahlungsfristen gebeten - längere als sie sich wohlfühlen. Und fast die Hälfte gibt an, dass die angebotenen Zahlungsfristen ihrem Geschäft schaden. Ein Drittel gibt denn auch zu, dass sie ihre Lieferanten später bezahlen als sie von ihren Kunden selbst akzeptieren würden.
Zahlungsverzug als Wachstumshemmer
Knapp ein Viertel der Schweizer Unternehmen (24%) sieht Zahlungsverzug von Konsumentinnen und Konsumenten als Behinderung für Investitionen ihres Unternehmens in strategische Wachstumsinitiativen.
Die wirtschaftlich schwierige Situation mit steigenden Kosten in vielen Lebensbereichen für Konsumentinnen und Konsumenten wirkt sich auch auf Unternehmen in der Schweiz aus. 85% der Unternehmen geben an, dass sie bereits mit höheren Lohnforderungen konfrontiert sind oder in Kürze sein werden. Gleichzeitig verschieben Unternehmen aufgrund der Herausforderungen, denen ihre Kunden ausgesetzt sind, ihren Fokus von Wachstum zu mehr Effizienz. 6 von 10 geben an, dass Kunden in finanziellen Schwierigkeiten und Unterbrechung in den Lieferketten eine grosse Herausforderung im Hinblick auf pünktliche und vollständige Bezahlung. 55% sehen eine weitere Herausforderung in Vorschriften und Regulierungen, die die Einbringung von Forderungen mit sich bringen.
Zahlungsverzögerungen haben Unternehmen schon immer geplagt, aber was früher eine Unannehmlichkeit war, ist heute zu einer Top-Priorität auf der Management-Agenda geworden. Viele Unternehmen geben zu, dass die Ressourcen, die derzeit für die Verfolgung verspäteter Zahlungen aufgewendet werden, für Wachstum, Investitionen in digitale Transformation und Innovation, Neueinstellungen sowie geografische Expansion eingesetzt werden könnten, aber dies kurzfristig einfach nicht möglich sei. Zahlungsverzugs bedeutet, dass viele Unternehmen gutes Geld dem schlechten hinterherwerfen, um das einzufordern, was ihnen rechtmässig zusteht.Thomas Hutter, Managing Director Intrum AG
Bekämpfung von Zahlungsverzug
Den Unternehmen in der Schweiz sind die Auswirkungen von Zahlungsausfällen auf ihr Geschäft durchaus bewusst. So geben 71% an, dass die Reduktion von Kreditrisiken und die Verbesserung von Zahlungsrückständen zu ihren strategischen Prioritäten gehören.
Präventiv schützen sich Unternehmen u.a. durch Vorauskasse (47%), Bonitätsprüfungen (42%) oder Kreditversicherungen (35%).
Bei der Bearbeitung von Zahlungsausständen fokussieren sich rund zwei Drittel der Unternehmen auf frühe Zahlunsgrückstände und 19% investieren in neue Technologien und digitalisieren ihre Prozesse. Rund 30% der Unternehmen arbeiten mit Inkassounternehmen zusammen – so flossen beispielsweise durch Intrum im Jahr 2022 CHF 186 Millionen in die Schweizer Wirtschaft zurück.
Fussnoten
* Die Zahlen basieren auf den Ergebnissen der Umfrage von Intrum, die anhand von OECD-Daten über Arbeitszeiten und Durchschnittsgehälter in den europäischen Volkswirtschaften hochgerechnet wurden.
** https://data.worldbank.org/indicator/NY.GDP.MKTP.CD?locations=FI