Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03189.jsonl.gz/2071

Im November 2012 brannte die Bekleidungsfabrik „Tazreen Fashion“ aus. Es war einer der schlimmsten Industriebrände in der Geschichte von Bangladesch: 117 ArbeiterInnen wurden dabei getötet und über 200 Personen verletzt. Solidar Suisse hat nach dem Brand den Opfern der Katastrophe geholfen und war vor Kurzem zu Besuch bei den Überlebenden. Heute führen einige von ihnen gemeinsam ein erfolgreiches Nähatelier.
Ashuilya ist eine Satellitenstadt in der Nähe von Dhaka, die für ihre Bekleidungsfabriken bekannt ist. Die Fabriken beliefern die grossen global bekannten Marken wie H&M, Zara oder GAP. Die Kleidung wird in der Regel von jungen, armen Frauen hergestellt, die aus ländlichen Gebieten zugewandert sind. Extrem tiefe Löhne und Überstunden und gefährliche Arbeitsbedingungen prägen ihren Alltag. Doch nur wenn es zu grösseren Katastophen kommt, wie 2012 beim Brand der Fabrik „Tazreen Fashion“ oder beim Kollaps des „Rana Plaza“ im Jahr 2013, wird eine breite Öffentlichkeit auf die schlimmen Bedingungen in den Kleiderfabriken aufmerksam. Mit der Skandalisierung alleine ist den ArbeiterInnen aber in der Regel nicht geholfen.
Unterstützung für die Opfer des Brandes
Solidar Suisse hat sich nach dem Brand gemeinsam mit dem Asia Monitor Resource Centre (AMRC) und der lokalen OSHE-Stiftung für die Opfer des Fabrikbrandes in Ashuliya eingesetzt. Es wurde eine Liste aller bei dem Brand getöteten und verletzten ArbeiterInnen erstellt. So erhielten die Betroffenen eine angemessene Entschädigung und Unterstützung. Dank der Unterstützung konnte auch eine Selbsthilfe-Opferorganisation geründet werden, die sich für die Rechte verletzter und kranker ArbeiterInnen einsetzt. Sanjiv Pandita von Solidar Suisse reiste nun, sechs Jahre nach dem Brand bei Tazreen nach Ashulia. Dort wurde er von Jorina Begum empfangen. Sie führte ihn durch die engen Gassen des Wohngebietes zu ihrer Schneiderei. Über dem Atelier steht in Bengali: "Wir sind die verletzten ArbeiterInnen von Tazreen Fashion. Wir wollen umkehren."
Neuanfang mit einem eigenen Atelier
Jorina Begum wurde schwer verletzt, als sie aus dem zweiten Stock der Tazreen Fabrik springen musste, um ihr Leben zu retten. Den Grossteil ihrer Entschädigung ging für die Behandlung ihrer Hals- und Wirbelsäulenverletzungen drauf. Viele der Frauen erlitten chronische Verletzungen und müssen auch heute noch grosse Summen für Behandlungen und Medizin ausgeben. So bleibt es für viele der Opfer sehr schwierig, sich ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Doch Jorina Begum hat es trotz ihrer schweren Verletzungen geschafft: Sie hat sich zu einer Führungskraft entwickelt, die sich heute für andere Opfer einsetzt. Als Teil ihres Kampfes baute sie mit anderen Tazreen-Opfern eine Kooperative auf. Die Beteiligten mieteten ein kleines Lokal und kauften mit einem Startkapital von OSHE einige Nähmaschinen. Heute können sie Stoffe lokal beziehen und die hergestellten Kleider vor Ort verkaufen. "Wir verdienen genug, um unsere Familie zu ernähren, und wenn wir weitere Maschinen bekommen, können wir noch mehr Aufträge annehmen", sagt Jorina Begum und fügt mit einem Lächeln hinzu: "Das Wichtigste ist, dass wir keine Vorgesetzten mehr haben und heute in Würde arbeiten können."