Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03298.jsonl.gz/967

Die aktuellen Trainer in der National League - Teil III
Geoff Ward
Lausanne HC, geboren in Waterloo (CAN), 60 Jahre.
Im Rahmen der erneuten Umstrukturierungen letzten Herbst in Lausanne übernahm der Kanadier am 6. November den Chefposten von John Fust, der seinerseits zum Sportchef ernannt wurde, einen Job, den er schon zwei Jahre zuvor innehatte. Seine Karriere bestritt er mehrheitlich in der Rolle eines Assistenztrainers, die Chefposten in den Topligen hatte er in der DEL bei den Iserlohn Roosters und den Adler Mannheim, und interimistisch bei den Calgary Flames in den Saisons 19/20 und 20/21. Interessanterweise hat er nie professionell Eishockey gespielt, startete aber bereits mit 27 Jahren seine Trainerlaufbahn.
Erfolge: Als Assistent gewann er 2011 den Stanley Cup mit den Boston Bruins und als Cheftrainer führte er die Adler Mannheim 2015 zur DEL Meisterschaft, dieser Erfolg bescherte ihm auch den Titel DEL Coach of the Year.
Spielsystem: Nicht überraschend spielt Lausanne auch unter Ward vorwiegend nach dem nordamerikanischen Schema, das schon John Fust pflegte. Diese Methode verlangt allerdings ein diszipliniertes Backchecking der Verteidiger. Aber gerade die Defensive ist personell eher dünn besetzt, derweil die Offensive ausreichend Breite hat. Daher nominierte Ward in den letzten Spielen meistens einen achten Verteidiger an Stelle des dreizehnten Stürmers. Hingegen ist vor allem die Torflaute eines der Hauptprobleme, den ersten Lausannois findet man an 45. Stelle der Scorerliste, insgesamt nur deren vier (davon 2 Schweizer) unter den Top 100, das hat man sich mit Sicherheit nicht so vorgestellt. Tabellenführer sind die Waadtländer lediglich bei der Anzahl Strafen. Das wären also schon mal zwei Ansatzpunkte für Geoff Ward.
Geoff Ward an der Bande des Lausanne HC (JustPictures)
Toni Söderholm
SC Bern, geboren in Kauniainen (FIN), 44 Jahre.
Der Finne nahm Gebrauch von seiner Ausstiegsklausel beim Deutschen Eishockey Bund (DEB) und ersetzte am 16. November den unglücklichen Johan Lundskog beim SC Bern. Die drei Jahre bei der Deutschen Nationalmannschaft waren seine einzigen Erfahrungen als Cheftrainer, mit Ausnahme von Tätigkeiten in der zweiten und dritten Deutschen Liga. Als Spieler verbrachte er die meiste Zeit bei HIFK Helsinki, mit Ausnahme von je zwei Jahren bei Frölunda und dem SC Bern. Mit Letzterem verlor er 2007 den Playoff-Final gegen Davos.
Erfolge: Er wurde als Spieler Deutscher Meister mit dem EHC München und feierte mit diesem Club auch als Development Coach 2017 und 2018 zwei DEL-Meistertitel. Im selben Jahr wurde er zum DEL2-Coach of the Year ernannt. Als deutscher Nationaltrainer brachte er das Team zweimal in die Viertelfinals und einmal in den Halbfinal (2021 nach dem Sieg im Viertelfinal über die Schweiz). Von seinen ersten 20 Spielen mit Bern gewann er bisher 9, verlor aber 4 der letzten 5 Partien und liegt auf einem Pre-Playoff-Platz.
Spielsystem: Als ehemaliger Development Coach weiss Söderholm bestens, wie Spieler individuell bei der Weiterentwicklung unterstützt werden können. Gleichzeitig sollte er das Schweizer Eishockey und im Speziellen den SC Bern noch kennen, obwohl diese Mannschaft vor 15 Jahren eine andere war. Die deutsche, eher defensiv ausgerichtete Spielweise, die Söderholm auch bei der deutschen Nationalmannschaft pflegte, kommt hier dem System des SC Bern entgegen. Aus der kompakten Defensive mit kräftigen Verteidigern werden die Angreifer schon in der Mittelzone abgefangen, um sie möglichst schon vor dem eigenen Drittel in die „Falle“ laufen zu lassen. Aber auch hier sollte Söderholm sein Augenmerk nicht allein auf die Stärke und Grösse seiner Verteidiger richten, denn dies allein garantiert noch keine Siege. Zum erfolgreichen Team-Mix sind auch Schnelligkeit und Beweglichkeit unabkömmlich. Die richtige Balance muss er der Mannschaft noch einverleiben, genauso wie er die schwierige Gratwanderung zwischen Nachwuchsförderung und Erfolg bewältigen muss, zwei Elemente, die man in Bern stets fordert.
Julien Vauclair
HC Ajoie, geboren in Bure (Kt. Jura), 43 Jahre.
Seine Karriere bei Ajoie startete er bereits am 19. Januar 2022 als Sportchef, ersetzte kurze Zeit später Gary Sheehan interimistisch als Headcoach. Nachdem er die Saison 2022/23 wieder als Sportchef startete, beförderte er sich letzten Dezember nach der Absetzung des erfolglosen Filip Pesan wieder an die Bande.
Als Spieler verbrachte er fast seine ganze Laufbahn beim HC Lugano, wo er 1997/98 debütierte und seine aktive Zeit als Spieler 2020 auch beendete. Nachdem er 1998 in der dritten Runde von den Ottawa Senators gedraftet wurde, setzte er seine Laufbahn drei Jahre in Nordamerika in der AHL fort, spielte aber nur ein einziges Spiel für die Senators.
Erfolge: Als langjähriger Nationalverteidiger gehörte er bei der WM 2013 zum beeindruckenden Silbermedaillen-Team und mit dem HC Lugano wurde er zweimal Schweizer Meister. Seit der Übernahme des Traineramts im Jura konnte er immerhin die Negativserie der Mannschaft aufhalten und führte sie zu 6 Siegen in seinen ersten 9 Partien an der Bande.
Spielsystem: Ajoie musste als NL-Neuling im letzten Jahr bitteres Lehrgeld bezahlen und beendete die Saison mit nur 26 Punkten und 224 Gegentoren auf dem letzten Rang. Auch in diesem Jahr wird die Defensive und das Spiel in der eigenen Zone im Zentrum stehen. Mit bescheidenen, aber schlauen Verstärkungen, vor allem auf den Ausländerpositionen, versucht man nun, den Anschluss an die anderen Kellerteams nicht zu verlieren, denn es gibt ab dieser Saison wieder einen Absteiger. Immerhin hat man jetzt schon 10 Punkte mehr auf dem Konto und 10 Tore mehr geschossen als während der ganzen letzten Saison. Allerdings beträgt der Abstand auf den rettenden 12. Platz schon 13 Punkte.
Marc Crawford
ZSC Lions, geboren in Belleville (CAN), 61 Jahre.
Er ersetzte am 28. Dezember Rikard Grönborg, der bereits Monate zuvor seinen Wegzug zu Tampere ankündigte.
Als Spieler war er mehrere Saisons bei den Vancouver Canucks engagiert, dazwischen aber immer wieder in der AHL, der „zweiten“, nordamerikanischen Liga. Seine Trainerkarriere startete er 1988 in der Minor League, bevor er dann 1994 den Sprung als Headcoach zu den Québec Nordiques in die NHL schaffte, ein Team, das 1995 nach Denver, Colorado verlegt wurde und danach als Colorado Avalanche auftrat. Die nächsten 14 Jahre stand er für Colorado, Vancouver, Los Angeles und Dallas an der Bande, bevor er 2012 ein erstes Mal für 4 Jahre zu den ZSC Lions kam. Nach der erneuten Rückkehr in die NHL war er ausschliesslich als Assistant und Associate Coach tätig.
Erfolge: Mit dem ZSC gewann er 2014 den Schweizermeistertitel, wurde 2016 Cupsieger und beendete 2019/20 die Regular Season auf Platz 1 (die Playoffs wurden damals abgesagt). Sein grösster Erfolg in der NHL war der Stanley Cup Gewinn mit den Colorado Avalanche 1996.
Spielsystem: Er erbt ein intaktes Team mit exzellenten Spielern, das auf einem Playoff-Platz liegt. Und trotzdem wollte man in Zürich ein Zeichen setzen und die entscheidende Phase der Saison nicht mit einem Trainer angehen, der schon einen Vertrag mit einem anderen Verein hat und Ende Saison wegzieht.
Crawford übernahm die Mannschaft auf dem dritten Tabellenrang mit 62 Punkten und einem Torverhältnis von +32. Jetzt liegt man auf dem 4. Rang mit 69 Punkten, das Torverhältnis beträgt +26. Die Ausbeute von 6 Punkten aus 8 Spielen entspricht der mageren Quote von 0.75 pro Spiel und natürlich nicht den Erwartungen in Altstetten. Mit Grönborg schaffte man ausgezeichnete 1.94 Punkte. Verständlicherweise will Crawford, gemäss eigener Aussage, das Team wieder zur einfachen und effizienten Spielweise zurückführen und dass dieser ausgezeichnete und exklusive Kader endlich sein Potenzial regelmässig ausschöpft und konstante Auftritte abliefert.