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den Flussübergang hütenden Turm, der aber später wieder zerstört wurde und an dessen Stelle 1200 Jahre später der Bischof Pierre de Cessons eine feste Burg erbaute. Dieser Burgletzter Ueberrest ist der heutige Turm, die sog. Tour de l'Ile, die vor Kurzem mit Sorgfalt und Diskretion restauriert worden ist. Am Fusse dieses ehrwürdigen Denkmales aus längst vergangenen Zeiten wurde Philibert Berthelier, der Märtyrer der Unabhängigkeit Genfs, am mit dem Schwert hingerichtet.
Das untere Ende der Ile trägt eine gedeckte Markthalle und setzt sich in ein Stauwehr fort, das sich an das quer über dem linken Flussarm stehende und der Fassung der Wasserkraft der Rhone dienende Bauwerk anschliesst. Mit ihren alten, baufälligen und zum Teil auf Pfählen direkt über dem Wasser sich erhebenden Häusern und Häuschen war die Insel einst eines der malerischsten Quartiere Genfs. Vor Kurzem erst hat diese ganze Herrlichkeit grossen und schönen Neubauten Platz machen müssen.
Linkes Ufer.
Auch hier kann man einen ziemlich gut umgrenzten Kern unterscheiden, dessen alte Quartiere in vieler Hinsicht dem Stadtteil Saint Gervais gleichen. Um diesen zuweilen die Altstadt genannten Kern haben sich dann nach und nach neue Quartiere gruppiert, die heute schon weit über die Grenzen der Stadt Genf auf Boden der Gemeinden Plainpalais und Les Eaux Vives übergreifen. Die Altstadt zieht sich von der Mont Blanc Brücke bis zur Inselbrücke längs der Rhone hin und steigt die nahe dem Flusse gelegenen steilen Hänge des von der altertümlichen Kathedrale Saint Pierre gekrönten Hügels hinan.
Hauptverkehrsadern sind hier die dem Fluss parallel verlaufenden Rue du Rhône und Rues Basses. Dazwischen öffnen sich weite Plätze: Longemalle, der Molard und die Fusterie. Auf der hie und da mit Recht das genferische Forum geheissenen Place du Molard haben sich eine grosse Anzahl von wichtigen Ereignissen der Geschichte Genfs abgespielt. Trotzdem die Bedürfnisse der Neuzeit dem Molard viel von seiner ursprünglichen Gestalt geraubt, hat er sich zusammen mit dem ihn gegen den See hin abschliessenden mächtigen Turm doch noch ein sehr malerisches Gepräge zu erhalten vermocht. An der Place de La Fusterie steht der dem Dienste der reformierten Landeskirche eingeräumte Temple Neuf oder Temple de La Fusterie, eine 1708 im Bau begonnene aber erst sieben Jahren später vollendete und eingeweihte Kirche von nur geringem architektonischen oder geschichtlichen Interesse.
Die früher den Jahrmärkten und Messen dienenden Rues Basses wurden bis 1822 zu beiden Seiten von Holzschuppen eingeengt, deren breite Vordächer (die sog. dûmes) von hohen Pfeilern gestützt waren. Bis zu dieser Zeit hatte sich die Unterstadt überhaupt ihr mittelalterliches Gepräge noch ganz erhalten, und damals reichte auch der See noch bis beinahe an den Turm Molard heran. Einige Jahre nach dem Abbruch der Schuppen und Vordächer gab der Bau der Quaianlagen dem Quartier sein heutiges Aussehen; immerhin sind auch seither noch neue Strassen durchgebrochen und ganze Häuserreihen niedergelegt worden, an deren Stelle grosse moderne Bauten getreten sind.
Von den Rues Basses zweigen zahlreiche unregelmässige, enge und steile Gassen ab, an denen hohe, vielfach noch aus dem 14. und 13. Jahrhundert stammende Häuser stehen und die durch schmäle Gässchen und düstere Durchgänge mit einander in Verbindung stehen. Mehrere dieser gegen die Kathedrale Saint Pierre hin konvergierenden Gassen erinnern in ihren Namen (Rue d'Enfer, Rue du Purgatoire, Rue du Paradis, Rue des Limbes, Rue de Toutes Ames) noch an die Zeiten vor der Reformation, da hier Glieder der niedern Geistlichkeit u. Kirchendiener aller Art ihren Wohnsitz hatten.
Heute sind sie als Sitz von Kleinhandwerkern und Trödlern volksreich, stark belebt und voller Lärm. Mitten in diesem Gewirr liegt das Quartier La Madeleine, dessen alte Häuser sich um die Kirche La Madeleine schaaren. Dieses im Spitzbogenstil gehaltene und von einem Glockenturm aus karolingischer Zeit flankierte alte Gotteshaus stammt aus unbekannter Zeit (vielleicht aus dem 11. Jahrhundert), hiess zuerst Saint Oyen de Joux und wurde später zum Temple de Sainte Marie Madeleine umgetauft. Rings herum zog sich einst ein Friedhof. In einem Zeitraum von 96 Jahren ist die Kirche zweimal (1334 und 1430) vom Feuer verwüstet worden.
Zuoberst über den steilen Hängen der Altstadt thront weithin sichtbar das bedeutendste Gotteshaus von Genf, die Kathedrale Saint Pierre (404 m), das alte Wahrzeichen der Stadt Genf. An dieser Stelle sind seit den ältesten Zeiten der Reihe nach zahlreiche religiöse Bauten gestanden. Zuerst ein unter Marcus Aurelius ums Jahr 170 n. Chr. durch Feuer zerstörte Apollotempel, von dem heute noch einige Ueberreste vorhanden sind. Neu aufgebaut, ward der Tempel im ersten Dritteil des 4. Jahrhunderts zur christlichen St. Peterskirche umgewandelt, von Chlodwig bei seiner Eroberung des Burgunderreiches (zu dem auch Genf gehörte) niedergebrannt, später von Gondubald neu errichtet und vom Erzbischof Avitus von Vienne 516 geweiht. Als später die Kirche zu zerfallen drohte, liess König Konrad der Friedliebende das ganze Gebäude abtragen und an seiner Stelle eine neue Basilika aufrichten, die aber erst viel später unter Konrad dem Salier ums Jahr 1035 vollendet wurde. Seit dieser Zeit hat die Peterskirche unter manchem Missgeschick gelitten: 1291 liess sie Graf Amédée de Genevois durch Feuer verwüsten;
1334, ¶
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1349 und 1430 wurde sie nochmals vom Feuer heimgesucht und mehr oder weniger schwer beschädigt, und 1556 schlug der Blitz in einen ihrer Glockentürme. So erklären sich die im Laufe der Zeit an der Kathedrale Saint Pierre vorgenommenen mannigfaltigen Umbauten und das verschiedene Alter und die sehr wechselnden Stilarten ihrer einzelnen Teile. Heute ermangelt der Bau, wenigstens äusserlich, vollständig jeder architektonischen Einheitlichkeit, indem z. B. der korinthische Portikus und die gotische und romanische Basilika durchaus nicht zu einander passen.
Durch seine schönen und wohltuenden Proportionen bemerkenswert ist dagegen das Innere der Kirche. Die Kathedrale als Ganzes hat die Gestalt eines lateinischen Kreuzes; ihr dreifach gewölbtes Längsschiff ist 62 m lang und das Querschiff 37 m breit. Ueber diesem letzteren erheben sich die drei Türme: der N.- und S.-Turm und dazwischen ein eleganter Spitzturm. Im N.-Turm befindet sich die vom Gegenpapst Clemens VII. gestiftete berühmte Glocke «La Clémence», deren Gewicht 6500 kg beträgt;
der S.-Turm N.-Turm ist vor Kurzem im gotischen Stil aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts restauriert worden.
Beide Türme sind je etwa 40 m hoch. Der im gotischen Stil des 15. Jahrhunderts 1898-99 erbaute Spitzturm steht an der Stelle eines einstigen (wahrscheinlich aus dem 15. Jahrhundert stammenden) Glockentürmchens, ist 68 m hoch und enthält ein Glockenspiel.
Der den Chorherren zur Wohnung dienende Cloître stand zwischen der N.-Front der Kirche Saint Pierre und dem jetzigen Gefängnis L'Évêché (das selbst wieder den Évêché de Saint Pierre ersetzt hat) und umschloss die Gräber des Schriftstellers und Vertrauten von Heinrich IV. Agrippa d'Aubigné (gestorben 1630 im Exil in Genf), des Barons Johann von Kaunitz (dessen Körper bei der Eröffnung des Zinnsarges 115 Jahre nach seinem Tode vollkommen erhalten geblieben war), des Staatsmannes und Chronisten Michel Roset, von Théodor de Bèze und vielen anderen berühmten Persönlichkeiten.
Nachdem der Cloître 1721 abgebrochen worden war, führte man die in ihm befindlichen Grabsteine in die Kirche Saint Pierre über, wo sie heute noch zu sehen sind. Rechts vom Seiteneingang zur Kirche bemerkt man ferner noch einen auf zwei Löwen ruhenden schwarzmarmornen Sarkophag mit moderner sitzender Figur aus der Hand des Bildhauers Iguel: es ist dies das Grabmal des Herzogs Heinrich von Rohan (Führers der Reformierten zur Zeit von Ludwig XIII., bei der Belagerung von Rheinfelden 1638 getötet), seiner Gemahlin Marguerite de Sully und ihres Sohnes Tankred. In der Makkabäerkapelle hat man die Reste des Grabmales des Kardinals Jean de Brogny, der das Konzil zu Konstanz leitete und 1426 starb, wieder aufgefunden.
Das Innere von Saint Pierre ist geschmückt mit Glasmalereien, mit geschnitzten Kirchenstühlen aus dem 15. Jahrhundert und dem angeblichen Stuhl Calvins. An die S.-Front der Kathedrale lehnt sich die gotische Makkabäerkapelle an, die vom Kardinal de Brogny 1406 erbaut worden ist, früher dem Gymnasium und der theologischen Fakultät als Hörsaal eingeräumt war und im Zeitraum 1878-88 restauriert und mit Glasmalereien geschmückt wurde. (Vergl. Blavignac. Description de l'église de Saint Pierre in den Mémoires de la Soc. d'hist. et d'archéol. Tome IV, 1845).
Gegenüber der Kathedrale und von ihr durch eine Gasse getrennt lehnt sich an die Häuser eine der ältesten Kirchen Genfs an, früher Sainte Marie La Neuve oder Notre Dame La Neuve, heute l'Auditoire geheissen. Die Zeit ihrer Erbauung ist nicht bekannt, doch muss sie auf jeden Fall erst nach dem Jahr 1100 erstanden sein. Heute dient sie dem Konsistorium und dem Kapitel der Geistlichen (Compagnie des Pasteurs) als Sitzungslokal.
Im gleichen Stadtteil finden wir noch eine Anzahl von anderen kirchlichen Bauten verschiedener Konfessionen. Wir wollen davon nur die in der Rue des Granges stehende Kirche Saint Germain erwähnen, von deren Entstehung man nur weiss, dass sie schon 1218 vorhanden war. Nachdem sie 1334 einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen, baute man sie zu einer uns ebenfalls unbekannten Zeit neu auf. 1803 überliess man die Kirche für drei Jahre dem römisch-katholischen Kultus; heute ist sie der altkatholischen Landeskirche eingeräumt.
Auch die Oberstadt weist ein ihr eigentümliches Gepräge ¶