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Vom 23.-28.9.22 haben wir uns zusammen mit 10 Teilnehmerinnen und Teilnehmer künstlerisch-wissenschaftlich mit dem Thema Metamorphose von Menschen- und Pflanzengemeinschaften befasst. Ausgangspunkt war die Idee der Urpflanze von Goethe. Wir haben uns gefragt: Welches sind die Merkmale einer Metamorphose, die nicht eine einzelne Blütenpflanze, sondern eine grosse Waldpflanzengemeinschaft ausmacht. Zudem haben wir auch beobachtet, welche Metamorphose sich in der kleinen menschlichen Gemeinschaft der Teilnehmenden vollzieht, wenn wir uns künstlerisch-wissenschaftlich mit der Verwandlung der Waldpflanzengemeinschaft auseinandersetzten.
Einige grundlegende und spannende Erkenntnisse, die wir gewonnen haben, sind:
Die Ergänzung des wissenschaftlichen-kognitiven Wissens zur Waldmetamorphose mit dem künstlerischen Erfassen der Entwicklungsdynamik der Waldgemeinschaften, erlaubt eine ganzheitliche Naturerkenntnis, im Sinn der «anschauenden Urteilskraft». Diese versteht sich als sinnlich-ideelle Synthese von äusserlich – durch die physischen Sinne wahrgenommenen Phänomene der Pflanzengemeinschaft – und der innerlich beobachtbaren Verbindung der Wahrnehmungen, mit den zu ihnen gehörenden Begriffen.
Die Beobachtung der Gesetzmässigkeiten der Metamorphose einer Waldpflanzengemeinschaft im Lauf der Zeit, wiederholt die gesamte Entwicklungsgeschichte der Pflanzenwelt: Am Anfang des Entwicklungsstadiums einer Waldpflanzengemeinschaft entfalten sich die erdgeschichtlich ältesten Pflanzenarten wie Moose, Flechten, Farne etc. Auf diese folgen die ersten ein- und mehrjährigen Blütenpflanzen, auf welche die Büsche als ersten Holzpflanzen folgen. Daran anschliessend entfalten sich die Nadel- und etwas später die Laubbäume (je nach Standort verschieden).
Die Waldmetamorphose entfaltet sich zwischen den beiden entgegengesetzten Polen von Entstehung/Aufbau und Absterben des Lebendigen. Beide Prozesse sind innig ineinander verschlungen. Jede Waldpflanzengemeinschaft kann als eine zeitlich und räumlich spezifische Ausprägung des Ineinandergreifens von Aufbau- und Abbauprozessen verstanden werden. Das Interessante ist, dass die Abbauprozesse ohne die daran beteiligten Lebewesen (Insekten, Bakterien, Pilze, Moose etc.) nicht stattfinden. Abgestorbene Mitglieder der Waldpflanzengemeinschaft sind nicht deren Tod. Das Absterben ist vielmehr die Grundlage für die Erhaltung des Lebens in ständiger Umwandlung. Der Tod ist damit nicht das «Ende», sondern eine notwendige Bedingung für das «ewige Weben des Lebens».
Die künstlerische Beschäftigung mit der Metamorphose der Waldpflanzengemeinschaft macht erlebbar, wie sich das seelisch-geistige Beobachten der äusseren und inneren Wahrnehmungen im lebendigen -nicht abstrakten oder romantisierenden – Denken und Fühlen von Merkmalen der Waldverwandlung spiegeln. Damit wurde es möglich, das abstrakte, kalte, wissenschaftliche Denken in ein lebendiges, mit Herz und Hand verbundenem Denken zu verwandeln.