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Mikronährstoffe in der Gynäkologie - Teil 2
Mikronährstoffversorgung von Frauen in der Schweiz
Im Artikel „Wie gut ist die Bevölkerung der Schweiz mit Mikronährstoffen versorgt?“ haben wir bereits die allgemeine Versorgung mit Mikronährstoffen in der Schweiz beleuchtet. Nachfolgende Angaben beziehen sich ebenfalls auf den vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) im Jahr 2019 veröffentlichten Ernährungsbulletin1. Wie ist die Versorgungslage von Frauen in der Schweiz?
Die Auswertung zeigt eine ungenügende Versorgungslage in allen Altersgruppen mit Folat, Pantothensäure, Vitamin D, Kalium, Kalzium und Jod. Im folgenden Artikel erfahren Sie mehr über die Versorgung der Schweizer Bevölkerung mit Mikronährstoffen: Schweizer Mikronährstoffversorgung
In der Beratung sollten Frauen über die allgemeine Versorgungslage informiert werden. Individuell empfiehlt sich je nach Situation die Überprüfung über einen Laborstatus oder eine Supplementierung mit einem Nahrungsergänzungsmittel (z. B. Multivitamin-Mineral-Präparat, gezielte Gabe von einzelnen Mikronährstoffen).
Im Teil 1 erfahren Sie mehr über Mikronährstoffe für die endogene Synthese von Hormonen: Mikronährstoffe in der Gynäkologie - Teil 1
Die Wechselwirkungen von östrogenhaltigen Präparaten auf den Mikronährstoffhaushalt
Östrogenhaltige Präparate werden insbesondere zur Empfängnisverhütung sowie zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden eingesetzt. Es ist bekannt, dass zwischen östrogenhaltigen Präparaten und dem Mikronährstoffhaushalt diverse Wechselwirkungen bestehen. Dabei werden zahlreiche Mikronährstoffe vermehrt verbraucht bzw. ausgeschieden. Dazu gehören die B-Vitamine (inkl. Folsäure), Vitamin C, E, Magnesium, Zink und Jod2,3. Dies hat zur Folge, dass diese Mikronährstoffe dem Körper für wichtige, zentrale Stoffwechselfunktionen nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung stehen (z. B. Immunsystem, Psyche, Energiestoffwechsel, Kognition, Hormonstoffwechsel).
Tipp: Bei Einnahme von östrogenhaltigen Präparaten sollte begleitend ein ausgewogenes Multivitamin-Mineral-Präparat empfohlen werden, um Wechselwirkungen mit dem Nährstoffhaushalt auszugleichen oder betroffene Mikronährstoffe gemäss Laborstatus gezielt zu supplementieren.
Daneben sollte auch beachtet werden, dass östrogenhaltige Präparate die Vitamin-A-Blutspiegel um 40–50% erhöhen können. Dies ist zu berücksichtigen, wenn Vitamin-A-haltige Präparate gegeben werden, deren Vitamin-A-Dosierung über dem nutritiven Bereich liegt.
Durch östrogenhaltige Präparate können auch die Kupferspiegel im Blut bis auf das Doppelte erhöht werden – ausgelöst durch die östrogenbedingte Vermehrung des kupferabhängigen Bindungsproteins Coeruloplasmin. Hohe Kupferspiegel korrelieren u. a. mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen5.
Zu Interaktionen von östrogenfreien oralen Kontrazeptiva mit dem Mikronährstoffhaushalt gibt es keine ausreichende Datenlage.
Fazit
Die Einnahme von östrogenhaltigen Präparaten kann zu einer Vielzahl von Mikronährstoffdefiziten und Stoffwechselinteraktionen führen. Da bei einem hohen Anteil der weiblichen Bevölkerung die Zufuhrsituation (siehe Grafik) bei einigen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen bereits unzureichend ist, sollte in der Beratung von Kundinnen, die östrogenhaltige Präparate einnehmen, auf eine regelmässige, begleitende Supplementierung mit einem Multivitamin-Mineral-Präparat hingewiesen werden. Damit kann einer Verschärfung der Mangelsituationen entgegengewirkt werden.
Literatur
1. Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), Schweizer Ernährungsbulletin 2021: https://www.blv.admin.ch/blv/de/home/lebensmittel-und-ernaehrung/ernaehrung/schweizer-ernaehrungsbulletin.html. (gesehen 27.12.2023)
2. Park B et al. Oral contraceptive use, micronutrient deficiency, and obesity among premenopausal females in Korea: the necessity of dietary supplements and food intake improvement. PloS one. 2016;11(6):e0158177.
3. Gerhard I. Mikronährstoff-Defizite durch Pille gezielt ausgleichen. Der Privatarzt Gynäkologie – Der Privatarzt digital. 04/2022.
4. Skovlund CW et al. Association of hormonal contraception with depression. JAMA Psychiatry. 2016;73(11):1154-1162.
5. Świądro M et al. Copper and zinc as potential biomarkers of mood disorders and pandemic syndrome. Molecules. 2021;(27(1):91.