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Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), Departement Fine Arts
FS 2020
• Theorie
Kunstgeschichte(n): Kunst & Feminismus
Feministisch-kritische und queere Praktiken, Strategien und Positionierungen
Mierle Laderman Ukeles, Mary Kelly, Martha Rosler, Chantal Akerman, dekonstruieren durch ihre Kunst Dichotomien wie jene von produktiver und reproduktiver Arbeit, von Kunst versus Hausarbeit, Kunst versus Instandhaltung. Affektive und körperliche Aspekte werden in ihren Produktionen bedeutsam. Ausgehend von diesen künstlerischen Positionen reflektiert das Seminar feministische Denkweisen, Theorien und hegemonie-kritische Verfahren und Praktiken. Feministische Verfahren der Kritik / ”Paranoia“ und der Affirmation / Reparation werden in Auseinandersetzung mit Texten der Queer Theory und des Schwarzen Feminimus wie des New Queer Cinema der 1990er Jahre etwa von Todd Haynes und Sadie Benning zur Diskussion gestellt. Das Seminar legt großes Gewicht auf gemeinsame Lektüren und gemeinsame Analysen ausgewählter künstlerischer Arbeiten.
Kunstgeschichte(n): Turn Turn Turn Turn
Participatory, Social Turn und Commoning
Die Gesellschaft des Spektakels, die Ästhetisierung des Alltags, die allumfassende, auch die Kunst betreffende Kommodifizierung und schließlich die neoliberale Inanspruchnahme der Figur des kreativen, selbstorganisierten Künstlersubjekts hat Ende der 1990er Jahren zu einer Aufwertung kollektiver und kollaborativer Praktiken geführt. Partizipative Kunst versprach die Beteiligung, Teilnahme oder Mitwirkung derer, die sozial, ethnisch oder kulturell begründet, aus der Konstitution dessen, was als Kunst definiert wurde, ausgeschlossen waren. Wie aber sieht diese Partizipation aus und warum hat sich Partizipation von einem emanzipatorisch positiv besetzten Begriff in den letzten Jahren zum „Albtraum Partizipation“ entwickelt, wie es Markus Miessen formuliert? Auch die socially engaged art verlor – indem sie der Verwertungslogik und der Forderung nach einem direkten Nutzen von Kunst für die Gesellschaft unterstellt wurde – ihre Sprengkraft. Das Seminar setzt sich mit den Ansprüchen und Inanspruchnahmen von partizipativer und sozial ausgerichteter Kunst auseinander und sucht die Möglichkeiten und Strategien kollaborativer/kollektiver künstlerischer Teilhabe-Strategien des Commoning im aktuellen Geschehen zu entfalten und zu reflektieren.
• Praxis
mit Marc Bauer
Im Praxismodul findet die eigene künstlerische Praxis der Studierenden statt. Atelierarbeit sowie Diskussionen über die individuelle oder kollaborative Arbeit der Studierenden stehen an vorderster Stelle. Das Praxismodul wird über 6 Semester von mindestens zwei Dozierenden geleitet, die ebenfalls die Studienberatung für die Studierenden im Praxismodul gewährleisten. Unterrichtsformate sind u.a. gemeinsame Werkdiskurse, Exkursionen, Studio-Visits bei Künstler_nnen, Arbeitsgespräche in Gruppen sowie eine enge Begleitung der Studierenden durch Einzel-Mentorate. Alle Studierenden in einem Praxismodul teilen sich Arbeitsplätze in einem Atelier, wodurch auch der Austausch untereinander zusätzlich gefördert wird.
HS 2019/2020
• Theorie
Turn Turn Turn Turn
Postkoloniale, epistemologische und dekoloniale "Wenden".
Der sogenannte linguistic turn, der sich zu Beginn des 20. Jhdt. vollzog und erst in den 1960er Jahren sobenannt wurde, ist mit einem radikalen Umbruch im Denken assoziiert. Mit dem Ende der "Meistererzählung" wurde die Rhetorik der großen Umbrüche auf den Prüfstand gestellt und scheint durch eine Vielzahl von turns/Wenden abgelöst. Das Seminar erarbeitet Charakteristika und Ansätze künstlerischer Arbeiten und grundlegender Theorien des postcolonial, epistemological und decolonial turn. Gegenstand werden Arbeiten etwa von Marc Bradford, Adrian Piper, Stanley Brouwn, Arthur Jafa, Njideka Akunyili Crosby, Iris Kensmil und Texte von Frantz Fanon, Combahee River Collective, Walter D. Mignolo, Grada Kilomba. Aber auch künstlerische, dokumentarische Filme wie Kino- und Fernsehproduktionen bspw. von Ava DuVernay, Raoul Peck, Trinh T. Minh-ha und Auszüge aus literarischen Texten (James Baldwin, Chimamanda Ngozi Adichie, Zoë Wicomb und Zadie Smith) werden einbezogen, um das Kaleidoskop dieser turns aufzufächern und sie zu differenzieren.
Kunst und Kritik
Kritisch-affizierende Fabulationen
Wird Kunstkritik nicht als Kritik über Kunst befragt, sondern durch Kunst, ist die Institutionskritik in ihren verschiedenen Phasen der 1960er und 80er Jahremaßgeblich. Die Kritik durch feministische Praktiken oder wissen(schaft)skritische Verfahren gewinnt demgegenüber immer noch zu wenig Aufmerksamkeit. Das Seminar richtet den Fokus auf aktuelle kreativ spekulative, queere Praktiken und Methoden der Kritik, die durch Materialien und Dinge affizieren und berühren oder auf ein Fabulieren und Zuhören setzen (Gabrielle Goliath, Grada Kilomba, knowbotiq, Saidiya Hartman,Tina M. Campt). Kritik artikuliert sich nicht als visuell identifizierendes Urteil, sondern als eine teilhabende Kritik, die Wahrnehmungs- und Handlungsräume pluralisiert und von einer feministisch-postkolonialen Ethik getragen wird. Diese aktuellen Projekte und Verfahren werden historisierend kontextualisiert, durch Verweise etwa auf die Integration poetischer Schreibverfahren zugunsten einer queeren Performativität wie sie Eve Kosofsky Sedgwick in den 1980er Jahren pflegte. Das Seminar mündet in einen eintägigen Workshop mit Künstler_innen und Theoretiker_innen, die neue Formen der Kritik verfolgenund reflektieren.
• Praxis
mit Marc Bauer
Im Praxismodul findet die eigene künstlerische Praxis der Studierenden statt. Atelierarbeit sowie Diskussionen über die individuelle oder kollaborative Arbeit der Studierenden stehen an vorderster Stelle. Das Praxismodul wird über 6 Semester von mindestens zwei Dozierenden geleitet, die ebenfalls die Studienberatung für die Studierenden im Praxismodul gewährleisten. Unterrichtsformate sind u.a. gemeinsame Werkdiskurse, Exkursionen, Studio-Visits bei Künstler_innen, Arbeitsgespräche in Gruppen sowie eine enge Begleitung der Studierenden durch Einzel-Mentorate. Alle Studierenden in einem Praxismodul teilen sich Arbeitsplätze in einem Atelier, wodurch auch der Austausch untereinander zusätzlich gefördert wird.
FS 2019
• Kontext
Biennale Venedig
Exkursion zur Biennale di Venezia 2019
Die alle zwei Jahr stattfindende Biennale ist die älteste Weltausstellung der bildenden Kunst und eine der wichtigsten Plattformen für zeitgenössische Kunst. Der Titel der 58. Internationalen Kunstausstellung 2019 lautet "May You Live in Interesting Times". Sie wird kuratiert von Ralph Rugoff (Direktor der Hayward Gallery, London). Nach zwei Tagen Besichtigung der Giardini und des Arsenale und der Diskussion des kuratorischen Konzepts werden wir uns einige Länderpavillons und Außenstandorte der Biennale ansehen und aktuelle Ausstellungen besuchen.
• Theorie
Sechziger Jahre und siebziger Jahre
Die Kunstgeschichte der 1960er und 1970er Jahre entlang von Konzepten, Kunstrichtungen, -bewegungen und Künstler*innen.
Die 1960er-Jahre waren nicht nur politisch und kulturgeschichtlich, sondern auch mediengeschichtlich relevant und so verwundert es nicht, dass die Jahre um 1960 die Schwelle zur zeitgenössischen Kunst bilden: Die Entgrenzung des Kunst- und Werkbegriffs löste das Regime der Kunstgattungen (Malerei, Skulptur) zugunsten neuer Medien (Fotografie, Video, Körper, Sprache) auf. Die Normativität und Verbindlichkeit traditioneller Werk- und Autorenkategorien wurden zur Disposition gestellt. Der "White Cube" wurde zugunstendes realen Raums und ortsspezifischen Werkenverlassen und die Institutionen des Museums und des Kunstmarkts wurden der Kritik unterzogen. Ende der 1960er Jahre formierte sich die zweite Frauenbewegung, Künstlerinnen gingen mit Aktionen, Performances, und Pamphleten gegen den männlich dominierten Kunstbetrieb vor und feministische Praktiken wie Theorien wurden prägend für die siebziger Jahre. Im Zentrum des Seminars stehen die Minimal Art / Arte Povera / Conceptual Art / Art & Language / Body Art / Institutional Critique / Land Art / Intermedia (Information Art, Video) / Performance / Feminist Art. Diese sich vielfach überschneidenden und nicht eindeutig abgrenzbaren Kunstrichtungen werden in ihren konzeptuellen Ausrichtungen und produktionsästhetischen Aspekten diskutiert, um ihre technischen, thematischen, strategischen und poetologischen Prozesse in den Blick zu nehmen. Etwa ihre seriellen Verfahren, ihre Materialästhetiken, ihre Repräsentationskritik oder ihre ästhetisch-ethischen Politiken.
• Praxis
Versprechen, Fotografie 2
Leitung: Rico Scagliola, Elke Bippus, Conradin Frei, Jyrgen Ueberschär
Das Praxismodul "Versprechen Fotografie 2" schliesst an das Praxismodul Grundstudium Praxisfeld Fotografie des 1. Semesters an und versteht sich als dessen vertiefende, inhaltliche Weiterführung. Bestimmend werden dabei drei Programm- Schwerpunkte sein: Im Anschluss an die im 1. Semester gemeinsam erarbeiteten Fragen nach der kunsthistorischen, technologischen, soziologischen und bildtheoretischen Rolle der analogen Fotografie werden wir diese nun anhand gemeinsamer Lektüren ins Verhältnis zur digitalen fotografischen Bildproduktion in und ausserhalb eines künstlerischen Kontextes setzen. In gemeinsamen Kurzexkursionen werden wir ausserdem verschiedene Ausstellungen besuchen und an deren Beispiel verschiedene Formen des Ausstellungsdisplays diskutieren: Wie und in welchen Kontexten wird Kunst sichtbar und öffentlich, und was sind die Unterschiede in der Rezeption? Wie verhalten sich institutionelle Ausstellungskonzepte zu den Intentionen und Interessen der ausstellenden Künstler_innen? Daran anschliessend werden wir uns schliesslich auch ganz konkret mit der Planung und Ausführung einer Ausstellung Ende des Semesters befassen. Studierende des Praxisfelds Fotografie entwickeln ihre jeweiligen Projekte im Dialog. Dabei ist die Fotografie ein Medium, das stark an Apparate und technische Verfahren gebunden ist. Das Modul findet deshalb für die Studierenden in Zusammenarbeit mit und als Schnittstelle zum Technologiemodul "Einführung Fotografie II" statt.
HS 2018/2019
• Theorie
Pop, Op, Aktion, Concept u.a.m. Kunst der sechziger Jahre
"New Realists" (1962), "Primary Structures" (1966), "Arte Povera + Azioni Povere" (1968), "557,087" (1969), "When Attitudes Become Form" (1969) oder "Information" (1970) sind einige jener Ausstellungen, welche die vielfältigen Bewegungen der amerik.-westl. Kunstgeschichte auffächern. Das Seminar wird sich allerdings nicht nur diesen Strömungen zuwenden, sondern bezieht ebenso feministische und aktivistische Positionen mit ein sowie die konzeptuelle und aktivistische Kunst Lateinamerikas. Das Seminar ist auf zwei Semester angelegt, es ist aber nicht verpflichtend beide Seminare zu besuchen.
Wissenspraktiken in Kunst und Aktivismus
Die Grenzen zwischen Kunst, Theorie und Aktivismus werden seit geraumer Zeit infrage gestellt. Im Seminar wird es darum gehen, den Verbindungssträngen und Überlappungen dieser Bereiche nachzugehen, aber auch deren strukturelle Differenzen herauszuarbeiten. Nach einem Rückblick auf die Aktionskunst seit den sechziger Jahren und die Integration des Begriffs von Theorie in die künstlerische Praxis durch die Conceptual Art, soll das Verhältnis von Kunst und Aktivismus in Relation von Wissenspraktiken in diesen Feldern differenzierend geklärt werden. Konkret werden feministisch-aktivistische Projekte seit den sechziger Jahren, die Aktionen von ACT UP Ende der achtziger Jahre und Projekte der »Militanten Forschung« seit der Jahrtausendwende im Zentrum stehen.
• Praxis mit Rico Scagliola
Praxisfeld Fotografie
Das Selbstverständnis der Fotografie als künstlerisches Ausdrucksmittel ist brüchig geworden. Die technischen und gestalterischen Veränderungen der letzten 20 Jahre zeigen, wie sehr Fotografie immer schon ihren medialen Bedingungen unterworfen war. Noch immer sind bestimmte Versprechen mit dem Medium verknüpft, sowie Eigenschaften und Aufgaben, welche dieses einzulösen hat: Fotografie als Mittel zur Dokumentation mit Wahrheitsanspruch, zur Inszenierung von Bildwelten des Konsums, als Instrument der (virtuellen) Selbstinszenierung, usw. Diese, dem Medium (scheinbar) eingeschriebenen Versprechen, gilt es zu hinterfragen, neu zu denken und den Blick auf mediale Grenzbereiche zu schärfen. Gemeinsam wollen wir uns dieser Aufgabe stellen und lernen, mit den Eigenheiten, Widerständen, Möglichkeiten und Beschränkungen des Mediums umzugehen. Wir bewegen uns durch das Spannungsfeld zwischen Fotografieren, Interpretieren, Diskutieren, Reproduzieren, Produzieren; zwischen Theorie, Technik, Ästhetik. Anhand der Lektüre von Texten u.a. von Roland Barthes und Rosalind Krauss werden wir uns insbesondere mit den Begriffen „Index“ und „Affekt“ befassen. In welchem Verhältnis stehen reales Objekt und dessen Abbild? Wie reagieren Betrachter_innen auf ein Abbild und wie bestimmt dieser Affekt die Rezeption des Bildes? Studierende des Praxisfelds Fotografie entwickeln ihre jeweiligen Projekte im Dialog. Dabei ist die Fotografie ein Medium, das stark an Apparate und technische Verfahren gebunden ist. Das Modul findet für die Studierenden in Zusammenarbeit mit und als Schnittstelle zum Technologiemodul "Einführung Fotografie" statt.
FS 2018
• Theorie
Zum Verhältnis von Ästhetischem und Epistemischen.
Kunst, Literatur, Wissenschaft, Philosophie u.a.m. sind diskursive und nicht diskursive Maschinen, um sehen zu machen oder sehen zu lassen, hören zu machen oder hören zu lassen, sprechen zu machen oder sprechen zu lassen. Sie errichten Sichtbarkeits- Hörbarkeits- Sagbarkeits-Regime. Aber was heisst sehen, sagen, hören? Welche besonderen Spiele des Sichtbaren und Unsichtbaren werden durch diese Wissensformen ermöglicht? Durch die Lektüre und Diskussion von zeitgenössischen Werken (philosophisch-kunsttheoretische Texte, Kunstwerke...) situiert das Seminar diese Fragen in der zeitgenössischen Debatte, welche die Ablösung des ästhetischen durch das epistemische Regime konstatiert, und fragt insbesondere nach dem Verhältnis von Ästhetischem und Epistemischen.
• Kontext
Diskurse durchqueren
Diskurs ist ein vieldeutiger Schlüsselbegriff in der zeitgenössischen Kunst- und Kulturtheorie, der heute meist im Sinne der Diskurstheorie Michel Foucaults verwendet wird. Folgt man Foucault, meint Diskurs eine Verkettung von Aussagen oder eine Formation. Der Diskurs ordnet Aussagen zu einem bestimmten Zeitpunkt und formiert mit ihnen einen Raum. Das Seminar macht – diesem Gedanken folgend – den aktuell produzierten Diskurs-Raum zu seinem Gegenstand: Zu Beginn des Semesters werden vier Veranstaltungen akademischer und ausserakademischer Institutionen Zürichs (und Umgebung) festgelegt. Diese werden im Laufe des Semesters besucht, um sie institutions- und diskurskritisch zu reflektieren, die von ihnen gesetzten Themen zu vertiefen und das je eigene künstlerische Schaffen in Relation zu diesen aktuellen Diskursräumen zu befragen.
• Praxis
Herausforderungen ästhetischer Bildtheorien. Gemeinsam mit Vittorio Brodmann
Im Zentrum des Seminars steht die künstlerische Praxis der TeilnehmerInnen. Ihre Arbeiten werden in der Gruppe präsentiert und diskutiert. In diesem Zusammenhang sollen auch Bildtheorien zur Sprache kommen, die in den 1990er Jahren die kunsttheoretischen und kunstphilosophischen Debatten um das Bild bestimmten; etwa der pictorial turn von W.J.T. Mitchell und der iconic turn von Gottfried Boehm. Während Mitchell sich für die Materialität des Bildes, den Gebrauch von Bildern im Alltag wie in den Wissenschaften interessierte und die Hinwendung zum Bild mit sozialen und politischen Fragen verband, eröffnete Boehm kunstphilosophische Fragen wie die, was ein Bild ist und wie es Sinn und Erkenntnis erzeugt. Die feministische Kunstwissenschaft verschob die Fokussierung des Bildes auf den Blick, auf Blickregime, das Verhältnis von Bild und BetrachterIn sowie Fragen der Sichtbarkeit. Neben den Gruppentreffen gibt es Einzelmentorate.
HS 2017/2018
• Kontext
Exkursion Biennale Venedig. Gemeinsam mit Gabrielle Schaad
Im Zentrum der Lehrveranstaltung steht die Biennale di Venezia 2017. Konkret das kuratorische Konzept der künstlerischen Leiterin der 57. Biennale Venedigs, Christine Macel, weiterhin ausgewählte Künstler_innen-Positionen des Hauptpavillon und der Arsenale sowie exemplarische Länderpavillons. Im Vergleich der Biennale Venedig mit der documenta 14 und den Skulpturen Projekte Münster wird die aktuelle Bedeutung heutiger Großausstellungen zur Diskussion gestellt.
• Praxis
Performative Malerei. Gemeinsam mit Marc Baur und Simon Fahrni
Mit dem Titel „Bilder produzieren“ möchten wir die Verfertigung von Gemälden nicht allein auf die technisch-manuelle Herstellung reduzieren. Das dt. Wort Bild kann für Gemälde und Vorstellungsbilder gleichermassen verwendet werden und erlaubt hierdurch, gerade jene Faktoren der Bildproduktion einzubeziehen, die nicht in der Hand und der Entscheidung der Künstler_in liegen. So etwa den Raum, den Kontext, die Kunstkritik oder den Kunstmarkt. Im Modul geht es insofern darum, die Bildproduktion in einem erweiterten Sinn zu reflektieren und die damit entstehenden Effekte für die Praxis zu befragen. Damit wird versucht, eine performative Malerei zu denken, die nicht allein auf den Akt der Künstler_in fokussiert, sondern auch das Environment wie die Betrachter_innen. Die Studierenden erarbeiten ein künstlerisches Repertoire durch Recherche, Experimentieren, Betrachtung, Präsentation, Einzelgespräche, gemeinsame Reflexion und Diskussion und erproben dabei unterschiedliche Methoden und Erfahrungen. Für die regelmässigen Treffen werden gemeinsame Inputs zum eigenen künstlerischen Raum im und ums Toni entwickelt.
• Study Group
Performance
In den letzten Jahren erfährt die Performance in den Künsten eine Renaissance und wird häufig mit den Begrifflichkeiten von Performanz und Performativität diskutiert. In der Study Group werden wir uns mit verschiedenen Beispielen der Performance(-Kunst) befassen, eigene Performances incl. ihrer Konzeption und Dokumentation in der Gruppe diskutieren, einen eintägigen Workshop mit einer Performerin durchführen und die Praxis der Performance in ihren Beziehungen zu Performanz und Performativität befragen. Ausgangspunkt des Seminars sind die Performances des vom Kanton Zürich vergebenen Performance Preises, die am 22. Oktober 2017 in der Gessnerallee gezeigt werden. Die Frage der Performativität wird insbesondere mit der Frage des „Tier-Werdens“ diskutiert, die Antonia Baehr in ihrem Technik-Modul ins Zentrum stellen wird. In der Study Group werden die skizzierten Themen noch gemeinsam spezifiziert und sollen im Verlauf des Semesters in Bezug zur je eigenen Arbeit gesetzt werden.
• Theorie
Feminismus
Das Seminar stellt Texte, die für die vielfältigen feministischen Debatten seit dem 19 Jhdt. diskursbestimmend waren ins Zentrum. Um die Fülle und Vielfalt dieser Debatten kenntlich werden zu lassen, werden Texte (teilweise auch künstlerische Beispiele) sowohl durch Referate vermittelt und zur Diskussion gestellt als auch in Form eines close reading in der Gruppe erschlossen. Das Seminar setzt sich dabei das Ziel, Historisierungen vorzunehmen ohne einem linear-progressiven Begriff von Geschichte zu folgen. Gleichberechtigung, Differenzfeminismus, queere Politiken sind Felder, die mit den Lektüren eröffnet werden.
FS 2017 – Forschungssemester
HS 2016
• Praxis
Perform Interdependency. Gemeinsam mit Stefanie Knobel
Zweisemestriges Praxismodul im Kontext der documenta 14 und der Athen Biennale (2016) in Kooperation mit der Kunsthochschule Kassel: Mathilde ter Heijne, Tanja Schomaker, Athens School of Fine Arts: Zafos Xagoraris und Jenny Marketou (Projekt: "Assemblies. Acts of Social Urgency and Imagination", Athen Biennale: 17.-22. Oktober 2016). Inhaltlicher Rahmen:
A. Partizipation und Performativität als Inter/Aktion: In den vorbereitenden Workshops wollen wir uns in Relation zum Thema Perform Interdependency mit dem Potential und den Herausforderungen von partizipativer und performativer Kunst auseinandersetzen. Dies meint, dass auf der einen Seite die Begriffe interdependency, participation and performance/performativity in Lektüren und Diskussionen theoretisch durchdrungen werden und dass auf der anderen Seite künstlerische Aktionen als ästhetische und kritische Formen der Inter/Aktion entwickelt, erprobt und im Kontext zeitgenössischer Geschehen im Feld der Kunst und des Sozialen reflektiert werden.
B. Perform Interdependency: Es geht uns darum, das Selbst als Pluralität zu begreifen. Damit ist gemeint, dass das Selbst nur in Beziehung zu anderen entsteht und überhaupt nur so entstehen kann. Aus dieser Perspektive sind wir alle voneinander abhängige Leben/Lebewesen. Abhängigkeit kann als gleichermaßen verletzbar wie befähigend bestimmt werden. Judith Butler beschreibt diese Form der Abhängigkeit als eine Alternative zu liberalen Formen des Individualismus sowie zu wachsender Ungerechtigkeit und Ungleichheit. Auf der Grundlage dieser Annahme, wollen wir einerseits unsere künstlerischen Projekte in Athen und Kassel, konzipieren und andererseits das Konzept der d14 in den Blick nehmen und befragen.
• Study Group
In der einwöchigen Study-Group werden wir uns der Performance aus verschiedenen Richtungen und durch verschiedene Verfahren annähern. In Weisen des Reenactments, eines gemeinsamen von und mit der Künstlerin, Anneli Käsmayr, realisierten Essens, durch die Betrachtung und Lektüre von Video- und Textmaterial, durch die Kritik eigener Performances und schließlich durch Theorien zur Performance/Performativität, sollen die Praktiken, die Geschichte und die theoretischen Potentiale der Performance wie ihrer Notation und Dokumentation herausgearbeitet und in der gemeinsamen Diskussion verhandelt werden.
FS 2016
• Kunsttheorie, Kunstgeschichte, Vortragsreihe
Künstlerische Praktiken proben. Kooperation mit Prof. Dr. Sabeth Buchmann, Akademie der bildenden Künste Wien
Das internationale Kunstgeschehen der 1990er-Jahre zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass es herkömmliche Formen des Ausstellens infrage stellte und sich drängenden gesellschaftlichen Herausforderungen zugewandt hat. Die Auseinandersetzung und Befragung der sozialen Funktion von Kunst sowie deren Politisierung vollzog sich in ausgesprochen theoriebezogenen künstlerischen Praktiken. Insofern verwundert es nicht, dass das Museum für Moderne Kunst Wien seinen Rückblick auf dieses Kunstgeschehen mit »to expose, to show, to demonstrate, to inform, to offer. Künstlerische Praktiken um 1990« (Herbst 2015) betitelt. Mit anderen Worten, die Kunst der 1990er Jahre verschränkt sich mit gesellschaftlichen Anliegen qua Praxis. Sie grenzt sich nicht von anderen so genannten alltäglichen Praktiken ab, im Gegenteil sie zeichnet sich durch eine komplexe Verbindung von Typen von Praktiken aus. Diese Typen von Praktiken werden reproduziert, persifliert, gewendet, deformiert, analysiert und reflektiert. Das Seminar setzt sich das Ziel, das seit den 1990er Jahren festzustellende Interesse an Praktiken durch Analysen künstlerischer Arbeiten und Projekte herauszuarbeiten, es theoretisch und historisch zu kontextualisieren und das kritisch-widerständige Potential dieser Praktiken zu diskutieren. Neben der Untersuchung der künstlerischen Praktiken werden insbesondere die Verfahren der Probe einerseits und der Mikropraxis andererseits als Methoden der Reflexion im Zentrum stehen.
• Kulturtechnik
"Verwickelt sein" / Performance. Gemeinsam mit Stefanie Knobel
»wir bewegen uns nicht einfach selbst, sondern werden durch andere außerhalb unserer selbst bewegt, doch zugleich auch durch das, was an »Außerhalb« in uns liegt.« (Butler) In dem Seminar geht es darum, Verwicklungen und Abhängigkeiten wahrzunehmen, sie auszuhalten, oder sie gar als Raum für neue Entwicklungen zu nutzen. Im Zentrum stehen die Begriffe der Performativität und des Widerstands. Konkret das »Performative«, das für den Gedanken eines produktiven Wandels und für einen Widerstand steht, der nicht auf die Figur eines autonomen Subjekts rekurriert, sondern reflektiert, dass es als zitathafte oder ritualhafte Form in einem System gesellschaftlich anerkannter Konventionen und Normen agiert und - obgleich mit ihnen verwickelt - Widerständigkeit auslotet. Wir werden Grundlagentexte zum Begriff der Performativität und der Politik des Performativen lesen, das Widerständige des Performativen diskutieren und schließlich gemeinsam Handlungen vollziehen/performieren. Wir werden physische Gegenwart selbst zum Thema machen, indem wir auf vorhandene und selbst erfundene Protokolle, wie choreografierte Bewegungsabläufe, (Körper-)wahrnehmungsübungen, Berührungstechniken usw., zurückgreifen. Angestossen von unseren Diskussionen im Seminar schaffen wir damit semi-intellektuelle, semi-sensuelle und rudimentär konzeptuelle Situationen und erproben diese an unterschiedlichen Orten im Stadtraum von Zürich.
HS 2015/16
• Kunsttheorie (Einführungsseminar 1. Semester)
Konzepte, Praktiken und Theorien der Kunst seit 1945.
• Exkursion
La Biennale di Venezia - 56th International Art Exhibition, 09.05.–22.11.2015 Exkursion am 19.10. bis 23.10. 2015. Gemeinsam mit Olivia Jaques
Im Zentrum der Lehrveranstaltung steht die Biennale di Venezia 2015. Konkret das kuratorische Konzept von Okwui Enwezor, ausgewählte Künstler_innen-Positionen des Hauptpavillon und der Arsenale sowie exemplarische Länderpavillons. Des Weiteren wird die Biennale als Ausstellungstypus historisch und in Relation zu Konzepten anderer Grossausstellungen in Beziehung gesetzt und diskutiert.
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