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In ihrem Abschlussbericht zum Germanwings-Absturz fordern französische Ermittler strengere Kontrollen für Piloten. Auch die geistige Gesundheit soll regelmässig untersucht werden.
Piloten sollen regelmässig darauf getestet werden, ob sie insbesondere aus «psychologischen oder psychiatrischen Gründen» nicht in der Lage seien, ein Flugzeug zu steuern. Das fordern Ermittler der französischen Flugunfallbehörde BEA in ihrem Abschlussbericht zum Germanwings-Absturz im März 2015. Eine entsprechende Empfehlung sei an die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) und an die EU-Mitgliedstaaten gegangen.
Zudem empfahlen die Experten weltweit neue Regeln zu Berichtspflichten über Piloten. Mediziner sollten demnach verpflichtet werden, die Behörden zu informieren, wenn der Gesundheitszustand eines Piloten eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellen könnte. Bisher sei die ärztliche Schweigepflicht von Land zu Land unterschiedlich geregelt.
Zugleich bestätigten die Ermittler erneut, dass der Co-Pilot Andreas Lubitz die Maschine absichtlich zum Absturz brachte. Der Airbus A320 der Lufthansa-Tochter Germanwings war am 24. März 2015 auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen abgestürzt. Alle 150 Menschen an Bord kamen ums Leben.
Bereits in einem Zwischenbericht im vergangenen Mai war die BEA zu dem Ergebnis gekommen, dass Lubitz das Flugzeug absichtlich abstürzen liess. Den Flugkapitän hatte er zuvor aus dem Cockpit ausgesperrt.
Dem Abschlussbericht zufolge empfahl ein Arzt zwei Wochen vor dem Absturz für Lubitz die Behandlung in einer psychiatrischen Klinik. Lubitz zeigte laut Bericht Symptome, die mit einer depressiven Phase im Dezember 2014 übereinstimmten. In den Monaten danach ging Lubitz deswegen zu mehreren Ärzten, so der Bericht.
Keiner der Mediziner habe die Behörden oder Lubitz' Arbeitgeber informiert, sagte BEA-Chefermittler Arnaud Desjardin. Auch Lubitz teilte vor dem Unglücksflug 4U9525 Germanwings nicht mit, dass er krank geschrieben war. Der 27-Jährige hatte in der Vergangenheit mehrfach unter schweren Depressionen gelitten und sich in den Tagen vor dem Absturz im Internet über Möglichkeiten eines Suizids informiert.
Wegen der fehlenden Informationen hätten weder die Behörden noch der Arbeitgeber etwas unternehmen können, «um ihn am fliegen zu hindern», sagte Desjardin. Germanwings und die Muttergesellschaft Lufthansa haben eigene Fehler stets verneint und betont, dass Lubitz Flugtauglichkeit bescheinigt worden sei.
Wie der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, hätte Lubitz wegen einer nicht geheilten schweren Depression, unter der er während seiner Ausbildung gelitten hatte, eigentlich nicht Pilot werden können. Demnach urteilte ein Psychiater des flugmedizinischen Dienstes der Lufthansa im Juli 2009, Lubitz habe seine schwere Depression überstanden. Er könne «einen Pilotenschein der Klasse 1» empfehlen.
Das war möglicherweise ein Irrtum, denn Lubitz schrieb in einem Eintrag in eine Krankheitschronik, den er selbst auf den «22.12.2009» datierte: «Ich möchte wieder gesund werden lieber Herrgott im Himmel gib mir die Kraft, die bösen Gedanken zu vertreiben.»
Die Katastrophe in den südlichen französischen Alpen hatte international Entsetzen ausgelöst. Am 24. März, dem ersten Jahrestag des Absturzes, wird in der Region erneut der Opfer gedacht.
ulz/dpa/AFP/AP/dpa