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Die Vita des Antonius.
S. 679 Die Vita des Antonius ist nach dem Ansatz von Montfaucon um 365, nach Eichhorn (s. u.) 357 entstanden. Sie schildert die Lebensschicksale des Patriarchen der ägyptischen Eremiten, des Antonius. Athanasius hatte sie, wie man aus der Einleitung und dem Schlusse entnehmen kann, für weitere Kreise bestimmt, sie sollte ein Spiegel der Askese für Mönche sein, sie sollte aber auch für das asketisch-mönchische Leben, dessen Anhänger Athanasius selbst war, werben. Daß Athanasius wie kein zweiter fähig war, auf Grund seiner persönlichen Erfahrungen ein Bild dieser merkwürdigen Persönlichkeit und ihrer Umgebung zu entwerfen, darauf wurde schon Früher bei der Schilderung seines Lebenslaufes hingewiesen. Daß er aber auch schon vorher, wenn der Ausdruck gestattet ist, sein Publikum besonders im Westen des Reiches vorbereitet hatte, das konnte der freudigen Aufnahme, die das Buch fand,nur förderlich sein. Dieser Umstand erklärt auch das Entstehen der lateinischen Übersetzung des Euagrius und ihre rasche und fast ausschließliche Verbreitung; denn man las die Vita des Antonius schon zwanzig Jahre nach dem Tode des Eremiten (+ 356) um 376 in Trier,1und zwar, wie mit allergrößter Wahrscheinlichkeit angenommen werden darf, in der Übersetzung des Euagrius. Auch Hieronymus hat die Übersetzung des Euagrius benützt. Darüber später noch etwas mehr. Von einem Unbekannten wurde das Buch auch in das Syrische2übersetzt, ein Umstand, der bei einer zusammenfassenden Betrachtung der Legendenliteratur wohl im Auge behalten werden muß
S. 680 Von den Vätern wurde das Werk hochgeschätzt; Hieronymus nennt es (vir. ill. 98) ein insigne volumen; auch sonst liegen zahlreiche Zeugnisse für seine Benützung vor, und wohl noch größer ist die Anzahl der Fälle, wo die Vita ohne ausdrückliche Angabe als Vorlage für ähnliche Literaturerzeugnisse gedient hat.3
Für die Handschriftenverhältnisse verweise ich zunächst auf Fr. Wallis, Journal of Theol. Stud. 3 (1902) S.97-110. 245-258; 5 (1904) S.108-114. Eine kritische Ausgabe des Textes dieser Vita würde sich lohnen, sie böte zugleich die Möglichkeit, in die Überlieferungsverhältnisse des Athanasius überhaupt einzudringen, sie erschlösse aber auch ein reiches Material geschichtlicher, kulturgeschichtlicher und sprachlich-stilistischer Belehrung. In der Bibliotheca Teubneriana sollte sie neben der vita s. Hypatii von Callinicus und der vita Porphyrii von Marcus Diaconus nicht fehlen.
Wie schon erwähnt, war die Vita in der lateinischen Übersetzung des Euagrius bekannt geworden und wurde danach auch in andere Sprachen übertragen. Die lateinische Bearbeitung erschien als einer der ersten Drucke von Mombritius und wurde dann in fast alle Sammlungen aufgenommen, so von Rosweyd und Bolland. Griechisch wurde sie zuerst herausgegeben von D. Hoeschel 1611, mit lateinischer Übersetzung und Anmerkungen. Nach dieser Ausgabe hat L. Clarus seine deutsche Übersetzung hergestellt, erschienen München 1855. In der Maurinerausgabe wurde der Text des Euagrius dem griechischen zur Seite gestellt und ebenso bei Migne, PG 26, 835 ff. Die Echtheit der Vita wurde zu allen Zeiten angestritten,4doch konnte ihre Stellung niemals ernstlich erschüttert werden, äußere und innere Gründe stützen die Autorschaft des Athanasius. Man möchte S. 681 fast sagen, daß man ihr Leben von ihrer Geburt an verfolgen kann.
Und sie hat ein zahlreiches Geschlecht erzeugt; denn man darf ruhig behaupten, daß die ganze hagiographische Literatur, soweit sie aus biographischen Erzeugnissen besteht, in ihrer Entwicklung von der Vita des Athanasius beeinflußt worden ist. Er hat die rhetorischen Kunstmittel der Legende dienstbar gemacht, er hat ihrer Form jene merkwürdige Ausprägung gegeben, die sie als eine Mischung von Lobrede, (xxx), und eigentlicher Biographie erscheinen läßt - Lobrede in Einleitung und Schluß, Biographie in der streng zeitlichen Anordnung des Stoffes nach plutarchisch-peripatetischem Schema, er hat endlich auch dem Wunderbericht seine bezeichnende Bedeutung gegeben. Man darf sagen: Athanasius leitet die antike Biographie hinüber in das neue Bett der byzantinischen Legendenliteratur, und zwar ohne jede Absicht, nur rein aus dem Drang heraus, das Lebensideal, das ihm geleuchtet, das er in seinem Meister verehrt, anderen darzustellen.5
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Vgl. H. Günter, Legendenstudien, Köln 1906, Bachem, S. 83/84 Anm. 1. ↩
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P. Bedjan, acta martyrum et sanctorum, Paris 1895, Bd. 5, S. 1-121. ↩
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Vgl. H. Mertel, Die biographische Form der griechischen Heiligenlegenden, München 1909. Diss. S. 87. ↩
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Vgl. zuletzt H. Weingarten, Der Ursprung des Mönchtums im nachkonst. Zeitalter, Gotha 1877. Dagegen A. Eichhorn, Athan., de vita ascetica testimonia collata, Halis Sax. 1886 (Diss.). J. Mayer im Katholik 1 (1886) S. 495 ff., 619 ff.; 2 (1887) S. 72 ff., 173 ff. ↩
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Vgl. die S. 4 [680] Anm. 1 angeführte Diss. - Ich stehe allerdings jetzt der Vita des Athanasius als Kunstwerk wesentlich milder gegenüber, als ich dort S. 17 geurteilt habe. Vor allem läßt sich die Behauptung, der Widmungsbrief sei eine Fiktion, nicht aufrechterhalten. ↩