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Sterne haben keine Schatten
Müde ist René Hubert nicht nur von der Filmbranche, sondern auch von seinem Leben in den USA. Während der McCarthy-Ära ab 1947 erhalten zahlreiche als Kommunisten verurteilte Kulturschaffende Berufsverbot oder müssen gar ins Gefängnis. Jagd macht McCarthy auch auf Homosexuelle1. Ähnliches hatte Hubert bereits 1933 in Deutschland erlebt. So zieht er es vor, zwischen den wenigen amerikanischen Filmen, für die er sich noch zu begeistern vermag, in Europa zu arbeiten.
In Zürich installiert René Hubert bei einem Bekannten an der Strehlgasse 26 eine provisorische Adresse. Ab 1951 erhält er Aufträge von der Fluggesellschaft Swissair, Interieurs von Flugzeugen auszustatten und Uniformen für die Belegschaft zu entwerfen. Für die international bekannte Schuhfabrik Bally gestaltet er ein neues Ladenkonzept und entwirft eine Abendschuhkollektion. Für die Schweizer Warenhauskette Jelmoli (heute nur noch in Zürich) entwirft er alltagstaugliche Kleider. Zu Huberts Kunden gehören auch die Texil- und Modefirma Stoffel sowie das gehobene Modehaus Grieder. Einige seiner Werke stellt er in mehreren schweizerischen und deutschen Städten aus2.
1960 zieht René Hubert als 65-Jähriger wieder fest in die Schweiz und gibt seine amerikanische Staatsbürgerschaft, die er 1945 erworben hatte, auf. Gemeinsam mit seinem Lebenspartner Georges Stamatiadis bezieht er am Finkenrain 7 in Zürich-Neuaffoltern eine Viereinhalbzimmerwohnung. Stamatiadis wird 1924 auf der griechischen Insel Aegina geboren und kommt 1941 als 17-Jähriger in die Schweiz. Sein Leben verdient er als kaufmännischer Angestellter und Übersetzer. Mit ihm unternimmt Hubert mehrere berufliche und private Reisen.
An seinem 80. Geburtstag, dem 7. Oktober 1975, würdigt die NZZ den "rüstigen Rentner" mit ein paar Zeilen. Dieser schreibe, "wenn er nicht Golf spielt", an seiner Autobiografie - mit dem Titel: "Sterne haben keine Schatten". Genau acht Monate später, am 7. Juni 1976, stirbt René Hubert gemäss Todesanzeige an einer Herzkrise3. Seine Autobiografie ist nie erschienen, das Manuskript wurde vermutlich vernichtet. Sein Lebenspartner Georges Stamatiadis bleibt in der Wohnung am Finkenrain und überlebt Hubert nur um zwei Jahre. Stamatiadis stirbt 1978 im Alter von 54 Jahren.
Im Interview mit dem Schweizer Fernsehen4 Anfang der 1970er-Jahre erzählt René Hubert über seine Karriere in Hollywood und seine Arbeiten für Gloria Swanson und Marlene Dietrich: "Was war der Traum von Hollywood überhaupt?", sinniert er:
"Eine ganz fantastische Welt zu seiner Zeit. Mit grossem Glamour und wunderbaren Ausstattungen, herrlichen Kleidern, verbunden mit viel Arbeit - und viel Geld."
Christian Wapp, September 2020
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Der US-Senator Joseph McCarthy wütete zwischen 1947 und 1954 nicht nur als Kommunistenjäger, er hatte auch Homosexuelle im Visier. Dies musste auch der amerikanische Fotograf George Platt Lynes erfahren, der im Kreis homoerotische Fotos publizierte, die er nicht in den USA veröffentlichen konnte. McCarthy soll Lynes’ Karriere empfindlich beeinträchtigt haben. Mehr auf schwulengeschichte.ch
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Von 1949 bis 1957 nimmt René Hubert als einziger Kostümbildner an einer Wanderausstellung über Bühnenbilder teil, sie ist im deutschen Sprachraum in mehreren Städten zu sehen: "Das schweizerische Bühnenbild - Von Appia bis heute". Kurz vor seinem Tod versuchte er im Zürcher Museum Bellerive eine Ausstellung zu initiieren. Im Nachlass findet sich ein Brief, in dem ihm die damalige Kuratorin Erika Billeter eine Absage erteilt.
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Laut Nachlass-Besitzer Rolf Ramseier ist René Hubert in Zürich gestorben, gemäss dem Buch "Creating the Illusion" in New York, was vermutlich nicht stimmt. Die Autoren behaupten fälschlicherweise auch, Hubert habe nach 1941 nie mehr in Europa gelebt.
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Interview des Schweizer Fernsehens aus den 1970er-Jahren auf Youtube.