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Salomon Kitt auf den Antillen
1776 mußte der Kaufmann Salomon Kitt (1744 bis um 1825) wegen Konkurses die Stadt verlassen. Auch er suchte nun sein Glück in Übersee, doch nicht mehr als Soldat oder Pflanzer, sondern als Verkäufer europäischer u.a. auch zürcherischer Waren. Das ist das Neue. Er dürfte den ersten zaghaften Fühler des zürcherischen Textilexportes nach den Antillen und nach Amerika überhaupt darstellen, dem in den 1780er Jahren rasch immer größere Vorstsse folgen sollten. Bereits 1779 war er unter der Firma Kitt & Reinwald auf der holländischen Antilleninsel St-Eustaches etabliert und vertrieb dort u.a. Zürcher Seidenstoffe.
Eine ältere Spur von wenigstens indirekten zürcherischen Überseehandelsbeziehungen finden wir im Korrespondenzbuch der Seidenfirma H. C. Gossweiler von 1744. Gossweiler verkehrte mit Hochreutiner in Cadix, einem Angehörigen einer alten, in St. Gallen, Genf und Lyon verbürgerten Kaufmannsfamilie, der zu dem im 18.Jahrhundert weltweit verbreiteten Netz von Genfer Kaufleuten gehörte. Über ihn sandte Gossweiler Seidenstoffe nach Westindien, Vera Cruz und Mexiko. Eine ähnliche Verbindung führte über Petro Francalanza in Lissabon nach Brasilien. Es handelte sich jedoch nur um kleine Sendungen, die Gossweiler zudem wegen des langsamen Zahlungseingangs wenig Freude bereiteten.
Direkte Handelsbeziehungen in diese Gebiete ergaben sich aber erst einige Jahrzehnte später dank dem erwähnten Salomon Kitt. Die drei Zürcher Seidenstoffabrikanten Heinrich Tobler, Salomon TraxIer und Frey & Pestalozzi sowie vermutlich noch andere mehr sandten ihre Produkte über Amsterdam in Konsignation zu Kitt & Reinwald. Die Besetzung der Insel durch die Engländer 1780 ließ die Zürcher den Verlust ihrer Lager befürchten. Deshalb wandten sie sich an den englischen Gesandten in der Eidgenossenschaft um Hilfe - ob mit Erfolg, ist nicht mehr auszumachen".
Kitt wechselte bald darauf auf die dänische Insel St.Thomas hinüber, wo er mit Unterstützung Reinhard Iselins, des grossen Kopenhagener Kolonialunternehmers aus Basel, als Kitt, Iselin & Co. ein ähnliches Geschäft betrieb. Wiederum standen verschiedene Zürcher und vermutlich auch Basler Firmen mit ihm im Konsignationsverkehr, so zum Beispiel Pestalozzi & Schultheß im Thalhof, die Geschäftsnachfolger von Frey & Pestalozzi. Diese hatten auf den Antillen auch noch andere Abnehmer, wie zum Beispiel in Charlestown auf Jamaika. 1783 plante Kitt mit Iselins Bruder ein weiteres Unternehmen in Nordamerika, an dem sich ein Martin Schultheß in Zürich beteiligen wollte. Was auch daraus geworden sein mag, jedenfalls reiste Kitt zwei Jahre später häufig in Geschäften zwischen den Antillen und Baltimore hin und her. Kitts Nachkommen verstarben in den 1840er Jahren in Frankreich und in den Südstaaten der USA. Mehr wissen wir nicht von ihm. Vielleicht hat der einflussreiche dänische Kolonialunternehmer Iselin aus Basel, der ja auch mit Leu & Co. in engen Beziehungen stand, diesen Vorposten Zürichs in Übersee überhaupt veranlasst, vielleicht spielten auch genferische Verbindungen mit, da Kitts Frau, Sara Pauzier, aus Genf stammtc. Auf jeden Fall spürt man aus den spärlichen Nachrichten, wie um 1780 das Interesse Zürichs an Übersee und vor allem an dem blühenden Handel der Holländer, Franzosen und Engländer mit den Antillen allmählich erwachte.
[Hans Conrad Peyer, Handel und Bank im alten Zürich, Zürich 1968, S. 177f.]