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Unter einer Persönlichkeitsstörung versteht man eine Klasse von psychischen Störungen, bei der die Verhaltensmuster und die Persönlichkeitsstruktur eines Menschen in besonderer Weise von der Norm abweichen. Die Störungen sind oft fest in der Persönlichkeit verankert und beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen meist deutlich. In der Psychotherapie und der Psychiatrie werden die verschiedenen Störungen sowohl im ICD-10 als auch im DSM-5 klassifiziert, wobei es zu vielen Überschneidungen kommt.
Im Kapitel 5 des ICD-10 werden folgende Persönlichkeitsstörungen aufgelistet und beschrieben:
Paranoide Persönlichkeitsstörung: Menschen mit einer paranoiden Persönlichkeitsstörung weisen ein Krankheitsbild auf, dass durch ständiges Misstrauen und Empfindlichkeit geprägt ist. Betroffene sind oft von der Hinterhältigkeit einer anderen Person überzeugt und nicht kritikfähig.
Schizoide Persönlichkeitsstörung: Schizoide Persönlichkeitstypen besitzen eine eingeschränkte Fähigkeit, Gefühle auszudrücken. Sie neigen dazu, sich aus sozialen Bereichen zurückzuziehen und führen ein eher einzelgängerisches Leben.
Dissoziale Persönlichkeitsstörung: Dies ist eine Persönlichkeitsstörung, bei der Betroffene zu erhöhter Aggressivität und verringerter Frustrationstoleranz tendieren und oftmals absichtlich soziale Verpflichtungen und Normen missachten. Auch Bestrafungen führen in den meisten Fällen zu keiner Veränderung dieses Verhaltensmusters, so dass die Patienten ständig in Konflikt mit der Gesellschaft kommen.
Emotional instabile Persönlichkeitsstörung: Dieses Krankheitsbild ist mit unvorhersehbaren Stimmungsschwankungen und der Tendenz zu emotionalen Ausbrüchen verbunden. Hier wird zwischen dem impulsiven Typus und dem Borderline-Typus unterschieden. Besonders beim Borderline-Typus kommen Störungen des Selbstbildes und die Neigung zu autoaggressivem Verhalten hinzu. Auch sind die Betroffenen oft nicht dazu in der Lage, stabile Beziehungen zu führen und quälen sich vermehrt mit Gefühlen der Leere und der irrationalen Angst vor Isolation und dem Verlassenwerden.
Histrionische Persönlichkeitsstörung: Hauptmerkmal einer histrionischen Persönlichkeitsstörung ist die Neigung zu theatralischem Verhalten und zur Übertreibung. So besteht ein scheinbar dauerhaftes Verlangen nach Anerkennung und danach, im Mittelpunkt zu stehen. Es kann daher passieren, dass Menschen mit histrionischem Krankheitsbild zu gefährlichen oder schockierenden Massnahmen greifen oder lügen, um die von ihnen gewünschte Aufmerksamkeit zu bekommen.
Anankastische (zwanghafte) Persönlichkeitsstörung: Im Zentrum dieser Störung steht der Hang zur absoluten Perfektion und zur Pedanterie. So haben Personen mit einer anankastischen Persönlichkeitsstörung meist sehr viele Regeln und eine irrationale Angst davor, den kleinsten Fehler zu begehen. In schweren Fällen wird in der Psychosomatik nicht mehr von einer Persönlichkeitsstörung gesprochen, weil die Symptome bereits eher auf eine Zwangsstörung hindeuten.
Ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung: Sie wird auch selbstunsicher-vermeidende Persönlichkeitsstörung genannt. Betroffene leiden unter der Angst vor Ablehnung und haben mit starken Minderwertigkeitskomplexen zu kämpfen. Diese zwingen sie dazu, ihren Lebensstil immer weiter einzuschränken und auch den Kontakt zu anderen Menschen aufgrund der überhöhten Besorgnis zu vermeiden.
Abhängige (asthenische) Persönlichkeitsstörung: Menschen mit einer abhängigen oder asthenischen Persönlichkeitsstörung fällt es schwer, eigenständig Entscheidungen zu treffen. Sie haben eine starke und nicht fundierte Angst davor, alleine nicht zurechtzukommen und suchen daher immer die Hilfe anderer Personen. Hinzu kommt die ständige Furcht davor, verlassen zu werden und somit hilflos zu sein.
Sonstige spezifische Persönlichkeitsstörungen: Hierunter fallen verschiedene Krankheitsbilder wie die narzisstische, die passiv-aggressive oder die psychoneurotische Persönlichkeitsstörung.
Kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen: Kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen erfüllen nicht die Symptomatik einer klassifizierten Persönlichkeitsstörungen, führen beim Betroffenen aber trotzdem zu Beeinträchtigungen. Die Diagnose gestaltet sich oftmals schwierig.
Persönlichkeitsstörungen werden mit einer Mischung aus Psychotherapie und Medikamenten behandelt. Besonders die kognitive Verhaltenstherapie erzielt derweil gute Ergebnisse. Personen, die stark selbst- oder fremdgefährdend auftreten, müssen häufig für eine bestimmte Zeit stationär in einer Psychiatrie untergebracht werden. Ob Persönlichkeitsstörungen tatsächlich vollständig heilbar sind, ist zum heutigen Zeitpunkt fraglich. Jedoch kann eine psychotherapeutische Behandlung gut dabei helfen, die Lebensqualität eines Betroffenen deutlich zu steigern.
Die Ursachen von Persönlichkeitsstörungen sind nicht vollends geklärt, jedoch geht man in der Neurologie und in der Psychotherapie von einer Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren aus. Oft ist die Entstehung einer sich entwickelnden Persönlichkeitsstörung bereits in der Kindheit erkennbar. Vor der endgültigen Entwicklung einer Persönlichkeitsstörung im Erwachsenenalter spricht man bei auffälligen Kindern und Jugendlichen jedoch erst einmal noch von einer Persönlichkeitsentwicklungsstörung.
Wie die Psychosomatik eine Persönlichkeitsstörung definiert, wird über die Kriterien des ICD-10 oder des DSM-5 geklärt. Je nach Krankheitsbild müssen eine bestimmte Anzahl an Symptomen aus den Katalogen zutreffend sein, damit die Diagnose der betreffenden Persönlichkeitsstörung gestellt werden kann. Ausserdem müssen alle sechs Kriterien für eine allgemeine Persönlichkeitsstörung erfüllt sein.
Die Angaben zur Häufigkeit sind noch recht schwankend und ungewiss, jedoch geht man von einem Bevölkerungsanteil von 9,4 % aus, der an einer Persönlichkeitsstörung leidet. In der Forschung zur Geschlechterverteilung wurde ermittelt, dass beispielsweise 80 % aller Personen mit einer dissozialen Persönlichkeitsstörung männlich sind, während die Häufigkeit von Frauen, die an einer histrionischen Störung leiden, im Vergleich zu Männern deutlich höher ist.
Teilweise ergeben sich Schwierigkeiten bei der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung, weil zunächst andere Erkrankungen ausgeschlossen werden müssen. Das betrifft vor allem organische Schädigungen wie etwa ein Schädel-Hirn-Trauma, affektive Störungen wie eine episodische Depression oder Manie sowie Autismus oder Schizophrenie. Daher gilt es, bei der Diagnostik erst einmal die körperliche Gesundheit festzustellen und andere psychische Erkrankungen auszuschliessen.
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