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Die Oedischwänd – eine Hofgenealogie des 16. bis 19. Jahrhunderts im Wädenswiler Berg
Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1990 von Christian Renfer
DER OEDISCHWÄNDHOF BIS ZUM ENDE DES 16. JAHRHUNDERTS
Die spärlichen Quellen aus der Frühzeit des Hofes im 15. Jahrhundert deuten darauf hin, dass die Oedischwänd Teil der alten Rodungsfläche des mittelalterlichen Widumhofes auf Herrlisberg gewesen ist, also einer der ursprünglichen Grosshöfe im Wädenswiler Berg, die im Zuge der kolonisatorischen Erschliessung des weitflächigen Abhanges über dem linken Zürichseeufer seit dem hohen Mittelalter entstanden sind. Dass der Widumhof im Besitze des Johanniterhauses Wädenswil gewesen ist, lässt sich noch für das 15. Jahrhundert belegen1.
Hof Ober Oedischwänd von Norden. Im Zentrum das Bauernhaus Vers. Nr. 1401 aus den 1660er Jahren. Aufnahme vom März 1990.
Die Frühgeschichte der Oedischwänd als Teil der zu einem unbekannten Zeitpunkt gerodeten Wirtschaftseinheit dieses Hofes auf der flachen Geländeterrasse rund um den heutigen Weiler Herrlisberg ist zunächst die Geschichte des Widumhofes selbst. Erst im Jahre 1450 taucht der Name Oedischwänd als Ortsangabe für eine Wiese, genannt «Oeteschwend» von zwei Mannwerk Grösse als Teil des Gutes «so man nempt die Widern uff dem Hergisperg gelegen» in den Urkunden auf2. Als angrenzende Gutsbesitzer werden dabei ein Heinj und ein Hans Blattmann erwähnt, während ein Hans Blattmann – vielleicht der nämliche – zu dieser Zeit Eigentümer des Widumhofes gewesen ist. Vor seinem Tode scheint dieser das Hofgut auf Herrlisberg entgegen dem damals formell noch gültigen lehensrechtlichen Zerstückelungsverbot unter seine Kinder verteilt zu haben3.
Als die Obrigkeit 1521 zugunsten des Johanniterhauses in dieser Angelegenheit einschritt und die Rückführung der Hofeinheit verlangte, war ein Teil des Widumhofes bereits im Besitze von Küny Hofmann, also eines Vertreters jener Familie, die kurz darauf als Besitzer des Hofes auf der benachbarten Oedischwänd erscheint4. So vermuten wir, dass Hofmann in die Familie Blattmann auf Herrlisberg eingeheiratet hat und damit am Erbe von Hans Blattmann irgendwie beteiligt war.
Da die Teilung, obschon formal widerrechtlich, für die Bewirtschaftung der abgetrennten Einzelgüter offensichtlich bereits entscheidende Folgen gehabt hatte, wurde dem betroffenen Konrad Hofmann für die Wiederherstellung des ursprünglichen Hofumfanges eine Frist von 25 Jahren eingeräumt. Doch das lehensrechtliche Teilungsverbot hatte sich in dieser Zeit bereits überlebt. Auch anderswo im Wädenswiler Berg sind damals die alten Grosshöfe durch Erbteilungen zerstückelt worden und in kleinere Güter zerfallen, welche schliesslich ungefähr den heutigen Bewirtschaftungsgrössen entsprachen (rund 10 bis 20 Hektaren). Jedenfalls beharrte man auch im Herrlisberg auf den einmal herbeigeführten Eigentumsverhältnissen, und von einer Rückführung ist in der Folge keine Rede mehr.
Unter diesen Umständen blieb es bei der Abtrennung eines selbständigen Oedischwändhofes im Besitze der Hofmann.
1549 waren die Erben von Hans Hofmann an einem Kapitalhandel beteiligt, bei dem sie von ihrem Verwandten Hans Hofmann von Herrlisberg einen jährlichen Zins von 25 Pfund erwarben5. Das zum Pfand eingesetzte Herrlisberggut, in welchem wir den restlichen Widumhof sehen möchten, gibt einen guten Einblick in die damaligen Gutsverhältnisse. Neben 60 im wesentlichen als geschlossene Fläche anzunehmenden Ackerjucharten sind als eigentliches Hofgut Wiesen für die Winterung von zwölf Kühen, also eine beachtliche Futterfläche für Rindvieh, erwähnt. Weitere im Umkreis verstreute Ackerparzellen waren 24, 8, 4, 3 und ½ Jucharten gross. Ohne daraus eine verbindliche Hofgrösse ermitteln zu wollen (dies ist für mittelalterliche Verhältnisse aufgrund der Quellenlage ohnehin nicht möglich), zeigt sich doch, dass zwar entsprechend der geographischen Höhenlage ein sichtbarer Schwerpunkt auf der Viehzucht mit Weidebetrieb lag, dass die hiesigen Höfe aber daneben noch einen ausgedehnten Ackerbau mitumfassten, welcher für die Landesversorgung im Mittelalter durchaus wichtig war, aber wegen seiner extensiven Form gegenüber der exportträchtigen Rindviehhaltung mehr und mehr vernachlässigt wurde. Gerade in dieser Zeit des mittleren 16. Jahrhunderts erscheint Konrad Blattmann aus dem Wädenswiler Berg als erfolgreicher Viehhändler und -exporteur in die kriegsgeschädigten oberitalienischen Lande6. Über Grösse und Beschaffenheit des Oedischwändhofes liegen jedoch für diesen Zeitpunkt noch keine Quellen vor. Lediglich die Familie Hofmann selbst ist nach der Mitte des 16. Jahrhunderts mit verschiedenen Personennamen belegt, welche aber unter sich noch in keinen plausiblen Zusammenhang zu bringen sind. Das Jahrzeiturbar der Kirche Wädenswil von 1555 führt Pali (Paul) Hofmann als Oedischwändbauer auf, während Hans Hofmann der Jung auf Wyden (Widumhof) und die (Gebrüder?) Hans und Jakob Hofmann auf Herrlisberg sassen7. Zwanzig Jahre später sind im Schlossurbar von 1571 als Eigentümer einer stattlichen Wiese mit zugehörigem Heugaden (Feldscheune) im Umfang von fünf Kühen Winterung in der Oedischwänd Hans Stocker und dessen Ehefrau Margaretha Hofmann erwähnt, welchen 1595/96 Grosshans Hofmann als Zinser nachfolgte8. Die späteren Spuren dieses Zinses führen über Landrichter Heinrich Hofmanns Erben (1705) zu Landrichter und Schützenmeister Jakob Hofmann (1790) und weiter zu den Hottingern auf Unterödischwänd und den Welti auf Oberödischwänd (1848), beide nachweislich Rechtsnachfolger im alten Oedischwändhof. In familiärer Beziehung zu Grosshans Hofmann scheint auch der 1594 im Schlossurbar unter Herrlisberg verzeichnete Zinser Gorius Hofmann gestanden zu haben9. Damit sind die wenigen für die Zeit vor 1600 überlieferten Namen des auf dem Filiationshof Oedischwänd bzw. dem Urhof Widern auf Herrlisberg ansässigen Geschlechtes der Hofmann aufgezählt.
Doppelbauernwohnhaus Ober Oedischwänd Vers. Nr. 1401. Ansichten von Südosten (1963) und von Nordwesten (1976).
In statistischer und genealogischer Hinsicht bessert sich die Quellenlage mit der Einführung der sporadischen Bevölkerungszählung im frühen 17. Jahrhundert. Ein erster Haushaltrodel von 1634 lässt den Schluss zu, dass sich nunmehr auf Oedischwänd gleichzeitig mehrere Söhne Hofmann in die Bewirtschaftung des einige Generationen zuvor entstandenen Hofgutes teilten und mit ihren Familien hier in zwei oder mehreren nicht weiter lokalisierten Häusern wohnten10.
Thomann, Jagli (Jakob), Jos (Joseph) und Rudolf können als Stammväter der Hofmann auf der Oedischwänd gelten. Sie erscheinen 1634 je als Familienvorstand, wobei Jos, frisch verheiratet, zunächst noch bei seinem Bruder Rudolf wohnt, bevor er 1640 dann mit einem eigenen vierköpfigen Hausstand auftritt. Es scheint, dass die Vertreter dieser um 1600 herum geborenen Generation unter sich Brüder oder Vettern gewesen sind. Dies gilt sicher für das Brüderpaar Jos und Rudolf. Vielleicht war die bloss 1640 und 1654 auf der Oedischwänd verzeichnete Verena Hofmann mit ihrem Ehemann Wälti Egli und sechs Kindern deren Schwester, welche danach vom Hof weggezogen ist.
Ein Generationengenosse der Genannten ist auch Hans Rudolf Hofmann, der mit mehreren nach 1637 geborenen Kindern in den Haushaltrodeln von 1670 und 1678 auf Oedischwänd registriert ist, aber danach ebenfalls spurlos verschwindet. Von den hier verbleibenden Stammvätern Jos, Rudolf und Jakob sind drei Linien genealogisch lückenlos abzuleiten. Sie bildeten zusammen offenbar zwei Sippen bzw. Hofbesitzerfamilien, welche sich in die Oedischwänd teilten. Die Hofmann der Jos- und Rudolf-Linie veräusserten aber nach 1700 ihren Oedischwändhof der anscheinend vitaleren Jakob-Linie, welche von da an bis 1796 als alleinige Hofbauern in der Oedischwänd auftraten.
Es scheint, dass seit dem 16. Jahrhundert, vielleicht aber bereits seit der Loslösung der Oedischwänd von Widumhof, auf der Neugründung zwei Güter, ein oberer und ein unterer Hof, bestanden. Die heutigen Höfe Unterödischwänd und Oberödischwänd verkörpern demnach die beiden Kerngüter des späten 16. bzw. des 17. Jahrhunderts.
Schon die Verschwägerung der Hofmann mit der bedeutenden Familie der Blattmann im 16. Jahrhundert, welche zur Loslösung der Oedischwänd vom Widumhof führte, deutet auf eine gefestigte Stellung des Geschlechts im Kreis der angesehenen Wädenswiler Hofbauern hin. Die Wohlhabenheit, welche dieser gesellschaftlichen Stellung zugrunde lag, wird um die Mitte des 16. Jahrhunderts in Geldgeschäften konkreter fassbar.
Bereits 1532 waren die Brüder Hans und Jakob Hofmann auf Herrlisberg in der Lage, Geld an Fremde auszuleihen11, und 1549 taten dies auch die Erben Hofmann auf der Oedischwänd, und zwar mit der bedeutenden Summe von 500 Gulden12. Finanzkraft und wirtschaftliche Selbständigkeit sind wohl auch der Grund, dass sich die Oedischwändbauern kaum verschuldeten und deshalb über Generationen in keinen Notariatsakten erscheinen. Auch scheint es kaum je Erbstreitigkeiten gegeben zu haben.
Doppelbauernwohnhaus Ober Oedischwänd Vers. Nr. 1401, Ansicht von Nordosten, 1976. Schwellenschloss in der Nordostecke.
Gemeinsame Hofbewirtschaftung unter Brüdern ist nicht selten, und bestimmte Heiratsgewohnheiten der Hofmann innerhalb des Hofbauerntums der Gegend fallen geradezu auf, so die Dominanz der Familie Hauser unter den angeheirateten Frauen, oder die Bevorzugung der Streuli aus der benachbarten Obervogtei Horgen. Dass Vater, Sohn und Großsohn aus der Familie Hofmann je eine Barbara Streuli heimführten, mag unter diesem Gesichtspunkt mehr Zufall als generatives Verhalten sein, doch ist eine gezielte Heiratspolitik in der bäuerlichen Oberschicht des 17./18. Jahrhunderts die Regel.
Bedeutendes gesellschaftliches Ansehen der Familie zeigt sich in den zahlreichen Ämtern, welche deren Vertreter in allen Generationen bis ins frühe 19. Jahrhundert innehatten. So waren vor und nach 1700 in zwei aufeinanderfolgenden Generationen je zwei Brüder Richter, nämlich Jakob und Hans Heinrich Hofmann, sowie die gleichnamigen beiden Söhne des letzteren. Daneben erscheinen zu verschiedenen Zeiten Seckelmeister und Batzenvögte (Armengutsverwalter), Kilchmeier (Kirchenpfleger) und Geschworene. Kaum vertreten sind dagegen die militärischen Chargen, welche in der sozialen Hierarchie des Ancien Regime ebenfalls eine bedeutende Rolle spielten.
OBERE UND UNTERE OEDISCHWÄND IM 17. UND 18. JAHRHUNDERT
Die Hofgeschichte der Oedischwänd verlief vom Ende des 16. bis zum Ende des 17. Jahrhunderts ohne sichtbare äussere Ereignisse. Schriftliche Zeugnisse gibt es erst ab 1698 wieder. Bloss die lückenlose Kontinuität in den Eintragungen der Bevölkerungsverzeichnisse bis 1723 deutet auf einen ruhigen Verlauf und stille Generationenwechsel auf der Oedischwänd hin, was wiederum ein Zeichen wirtschaftlicher Prosperität ist.
Dies gilt für die Obere Oedischwänd länger als für die Untere, denn der Oberhof blieb der Familie Hofmann im Mannesstamme der Jakob-Linie – wenn auch nicht ungeteilt – erhalten, bis deren erster Zweig um 1800 ausstarb und das Erbe an die Familie des Schwiegersohnes Hans Jakob Welti-Hofmann überging. Die andere Hofhälfte verblieb nach zeitweiliger Aufteilung und anschliessender Wiederzusammenführung bis 1926 in der Familie Hofmann und kam dann ebenfalls an die Welti. Die Untere Oedischwänd, welche offenbar seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts je zur Hälfte der Jos- bzw. Rudolf-Linie gehörte, wechselte zwischen 1701 und 1716 aus familiären Umständen, die nicht ganz klar sind, mit beiden Gutsteilen ebenfalls an die Jakob-Linie, und zwar an die Vettern der damaligen Besitzer der Oberen Oedischwänd.
Auf der Stammtafel der Jakob-Linie werden die verwandtschaftlichen Beziehungen der Eigentümer der Unteren und der Oberen Oedischwänd auf einen Blick verständlich. Von 1700 an können die Besitzesabläufe auf beiden Althöfen nämlich trotz lückenhafter Quellenlage bis in alle Einzelheiten der Erbfolge nachvollzogen werden. Ereignisgeschichte lässt sich allerdings damit noch nicht schreiben. Für das 17. Jahrhundert gibt es für jeden Hof bloss einen einzigen Hinweis, welcher Personen und Liegenschaften in unmittelbare Beziehung zueinander bringt.
Für die Obere Oedischwänd erhellt das dort erhaltene imposante Doppelwohnhaus selbst diesen Zusammenhang: Es konnte dendrochronologisch auf das Jahr 1660 datiert werden (Fälldatum des Konstruktionsholzes)13. Damit ist aller Wahrscheinlichkeit nach der Batzenvogt Jakob Hofmann-Aeppli (1584 bis nach 1678), der Stammvater der Jakob-Linie, der Erbauer dieses ältesten Sässhauses auf der Oedischwänd. Ausserdem führten uns eine kaum mehr sichtbare Jahrzahl 1686 und die Initialen HHSK am unteren Abschluss der gemauerten Treppenbrüstung am Hauseingang auf den Namen seines Sohnes. Die Abkürzung lässt sich mühelos mit Hans Heinrich Hofmann (1631 bis vor 1708) und Susanna Keller (geb. 1638) auflösen. Damit ist klar, dass Vater und Sohn gemeinsam dem alten Oedischwändhaus seine heutige Gestalt gegeben haben.
Für die Untere Oedischwänd schweigen die Quellen bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Dann erscheint das Hofgut unvermittelt als Grundpfand in einem innerfamiliären Schuldenhandel, für den die Angehörigen des verschollenen Oedischwänd-Sohnes Hans Hottinger geradezustehen hatten. Der Schuhmachermeister und Ehegaumer Hans Jakob Schärer bei der Tanne setzte dafür das Familiengut seiner Frau Anna Hofmann aus der Jos-Linie ein, nämlich die Hälfte an Haus und Hof in der Unteren Oedischwänd14. Offenbar im Anschluss an diesen Handel verkaufte er 1701 das Frauengut an die vier Söhne des Richters und Seckelmeisters Jakob Hofmann (1626 bis vor 1678), den Neffen des vorhin erwähnten Hans Heinrich Hofmann-Keller auf der Oberen Oedischwänd15. Die Beschreibung für diese Hofhälfte lautet wie folgt: «Ein halb Huss, wie solliches getheillt. Item Schwynstahl, halben Spycher, ein Sännhütten, ein Schür, demnach Krutgarten, Hanffland, Maten und Weid wie Sollches an unnd by einanderen ligt, genant zu Oetischwänd, ertragende ohngefahr 3 Kühe Sümmerig und Winterig, stossende an ihr der Khäufferen Weid, an Rudolff Hofmann s. Ehrben halb Huss, halben Spycher und darzu dienende Güter, etc .... Alles in Tach und Gmach, Hag und March, Steg und Weg, in allen Freyheiten wie sollches biss dahin ingehebt und besessen worden.»
Abort-Erker in der nördlichen Giebelwand.
Flugsparrendreieck in der Nordostecke.
Querschnitt.
Nordöstliche Giebelfassade.
Südöstliche Trauffassade.
Erstes Obergeschoss.
Erdgeschoss.
Freibund an der Südostecke.
Ober Oedischwänd. Bohlenständerwand im ersten Obergeschoss.
Ober Oedischwänd. Türe mit Kielbogen im zweiten Obergeschoss.
Inbegriffen war die Fahrhabe, umfassend 3 Kühe, Heu, Stroh und Streue, alles Senngeschirr, Sennkessi und Mutten (Käsereieinrichtung), alles Menngeschirr (Ackergeräte), Schlitten, Wagen und dergleichen, sowie ein grosser Kornkasten, die Käsladen im Keller (Einrichtung für die Käseeinlagerung) und eine Egge. Dazu sollte alles, was nut- und nagelfest war, im Hause verbleiben. Wenn man die Stammtafel betrachtet, so leuchtet ein, dass, nachdem sich die Familie des jüngsten Sohnes, des Batzenvogts Jakob Hofmann-Aeppli, auf dem väterlichen Hof behauptet hatte, jene des älteren Sohnes, die genannten vier Brüder, sich nach einer eigenen Liegenschaft umsah und diese mit dem Kauf der ersten Hälfte der Unteren Oedischwänd im Jahre 1701 auch fand. Die bewusste Absicht der Käufer wird dadurch noch augenfälliger, dass sie 1716 auch die andere Hälfte dazu erwerben konnten. Diesem Kauf ging ebenfalls eine Verpfändung voraus.
Hans Jakob Hofmann (geb. 1702) aus der Rudolf-Linie, und damit Vetter der vormaligen Besitzerin der anderen Hofhälfte, verpfändete seine Liegenschaft 1712 an seinen Vogt (Vormund) und Paten Kirchenpfleger Hans Jakob Hofmann, den einen der vier Brüder, welche bereits im Besitze der anderen Hofhälfte waren16. Die Beschreibung dieser Hofhälfte fällt etwas formelhafter aus. Ausserdem fällt die Ortsbezeichnung Ober Oedischwänd auf, handelt es sich dabei doch eindeutig um die Untere Oedischwänd: «Ein Behaussung, und Antheill Spycher, wie solliches getheillt, item Garten, Hanffland, Maten und Weid, sambt dem Holtz darinnen an umd byeinanderen gelegen, genant zur Ober Oetischwänd, ertragende ungefar einss dem annderen zu hellpfen 3 Kühe Sümmerig und Winterig, stossende an Richter Jakob und H(ans) Heinrich der Hofmannen Weid (Oberödischwändhof) an Jacob Pfisters Weid (Chalchtarenhof) und an sein dess Creditors (Kirchenpfleger Hans Jakob Hofmanns) hier abgesönderte Behaussung, halben Spycher, Maten und Weid (vgl. oben) etc.»
Ober Oedischwänd. Fischband an einer Türe im Erdgeschoss.
Ober Oedischwänd. Fenster mit Butzenscheiben im zweiten Obergeschoss.
Auch hier folgte vier Jahre später eine definitive Eigentumsübertragung an die vier Brüder aus der Jakob-Linie17. Von da an bleibt es wiederum für Jahrzehnte still auf der Oedischwänd. Unterdessen vererbte sich der Hof auf der Unteren Oedischwänd von Hans Jakob Hofmann-Streuli (geb. 1681), dem einen der vier Käufer, auf dessen gleichnamigen Sohn (geb. 1706) und weiter auf die Enkelinnen Anna (geb. 1739) und Anna Barbara (geb. 1744). Letztere war mit dem Untervogtssohn und Giessen-Müller Hans Kaspar Blattmann verheiratet, mit dessen Beistand sie 1796 den Hof Unter-Oedischwänd an den Ehegaumer Heinrich Hottinger-Streuli von Untermosen veräusserte18. Die Familie Hottinger hatte insofern familiäre Verbindungen zur Oedischwänd, als Heinrich Hottingers Mutter Verena Hofmann, eine Tochter des Richters Hans Heinrich Hofmann-Hauser (geb. 1678) und eine Enkelin des Richters Hans Heinrich Hofmann-Keller (geb. 1631) von der Oberen Oedischwänd war. Wieweit somit alte verwandtschaftliche Rechte und Ansprüche mitgespielt oder zum Kauf veranlasst haben, bleibt dahingestellt. Der Kaufakt gibt darüber keine Auskunft.
Bauernhaus Unter Oedischwänd, Vers. Nr. 1392/1393. Ansicht von Süden, 1976.
DIE UNTERE OEDISCHWÄND IM 19. JAHRHUNDERT
Der Hottingersche Hof
Unter-Oedischwänd
Seit 1796 war Heinrich Hottinger-Streuli auf der Unteren Oedischwänd. Das um die hundert Jucharten umfassende Gut, welches sich von der Hofstatt auf der unteren Geländeterrasse weit den Hang hinauf erstreckte und mit seinem weitgehend geschlossenen Areal seit dem 16. Jahrhundert die westliche Hälfte des alten Gründungshofes Oedischwänd einnahm, grenzte damals wie heute an die Güter der Oberen Oedischwänd im Osten und die Untere Chalchtaren im Westen19. An Gebäuden waren damals vorhanden: das Doppelwohnhaus mit dem Nebengebäude, ein Waschhaus und zwei Scheunen. Ferner gehörten vier auswärtige Parzellen zum Hof, nämlich die zirka 12 Jucharten grosse Bodenmatte im Areal der Ober-Oedischwänd mit einer darauf stehenden Scheune und das 1676 durch Ankauf zum Hof gekommene Ried an der Schönenberger Au20, ebenfalls mit einer Scheune darauf, sowie zwei unterschiedliche Waldstücke, welche, wie die Bodenmatte, vom Land des oberen Oedischwändhofes umgeben waren. Heinrich Hottinger nahm für die Bezahlung des hohen Kaufpreises von 22 500 Gulden bei den wohlhabenden Gebrüdern Schinz in Horgen unter zweien Malen insgesamt 6000 Gulden an Darlehen auf, eine ansehnliche Summe, die seine Nachkommen erst 1853 endgültig begleichen konnten21.
Unter Oedischwänd. Ökonomiegebäude Vers. Nr. 1389/1390.
Unter Oedischwänd. Waschhaus Vers. Nr. 1395.
Ungefähr im selben Zustand zeigte sich der Hottingersche Hof Unter-Oedischwänd etwas später bei der Aufnahme in den Helvetischen Kataster im Jahre 180122. Zwar variieren darin die einzelnen Flächenangaben gegenüber dem Verkauf von 1796, doch dürfte sich in der Zwischenzeit am gesamten Hofareal kaum Wesentliches geändert haben. Bei den Gebäuden fällt die Erwähnung einer eigenen Hofsennhütte auf. Sechzehn Stück Vieh sind überdies Ausweis für einen ausgesprochenen Weidehof in der Unteren Oedischwänd. Die Liegenschaft, einschliesslich Mobiliar (vier Betten und vier Kästen), und Fahrhabe (Senn- und Menngeschirr, Fass, Heu und Stroh) stellte einen Schätzungswert von 36 000 Franken dar, was ungefähr soviel ist, wie die drei benachbarten Hofmannschen Höfe in der Oberen Oedischwänd zusammen.
Dies wiederum lässt den Schluss zu, dass die alte Oedischwänd ursprünglich ungefähr hälftig in einen oberen und einen unteren Hof geteilt worden ist und sich die beiden Hälften seit dem 16. Jahrhundert in den verschiedenen Zweigen der Familie Hofmann weiter vererbt haben, bis mit dem Verkauf von 1796 erstmals ein Teil des alten Urhofes in der Gestalt der Unteren Oedischwänd dem ursprünglichen Besitzergeschlecht entfremdet wurde.
Nach dem Tode Heinrich Hottingers im Jahre 1808 ging das väterliche Gut gemeinsam an die vier Söhne Hans Jakob (geb. 1776), Johannes (geb. 1779), Heinrich (geb. 1783) und Hans Kaspar (geb. 1787) über. Hans Jakob und Heinrich hatten sich eben in diesem Jahr verheiratet, vielleicht unter dem Eindruck des väterlichen Todes; Johannes hatte bereits zwei Kinder, während Hans Kaspar noch ledig war. Die beiden Schwestern Küngold und Anna Barbara waren schon ein Jahr zuvor, noch zu Lebzeiten des Vaters, ausgekauft worden.
Bis 1817 bewirtschafteten die vier Brüder den väterlichen Hof gemeinsam, dann teilten sie die Liegenschaft so unter sich auf, dass Rudolf und Kaspar der untere Hofteil, Heinrich und Jakob der obere zufiel23. Die Untere Oedischwänd blieb von 1817 an während 150 Jahren geteilt in eine obere und eine untere Hofhälfte mit je einem ideellen Anteil an den gemeinsamen Nebengebäuden, während das grosse Doppelwohnhaus dem First nach in zwei Haushaltungen getrennt war.
Der oberen Hofhälfte war in der Folge ein wechselhaftes Schicksal beschieden. Sie wurde 1842 an Johann David Dick aus Grossaffoltern, einen zugewanderten Berner, veräussert24, gelangte kurz darauf umständehalber noch einmal für ein kurzes Jahrzehnt in die Familie Hottinger zurück25 und wurde schliesslich 1858 von Heinrich Eschmann aus Schönenberg erworben26. Als die Familie um die Jahrhundertwende in finanzielle Schwierigkeiten geriet, kaufte 1920 Emil Hottinger den Hof27. Bei dessen Erben ist die obere Hofhälfte dann bis zur Güterzusammenlegung von 1968 geblieben28.
Die Geschichte der unteren Hofhälfte ist weniger wechselvoll. Aufgrund der Erbfolgeverhältnisse gelangte dieser Hofteil 1854 bzw. 1857 an einen angeheirateten Vetter, den Gemeinderat Johann Hottinger-Hottinger, bei dessen Nachkommen die Liegenschaft bis heute geblieben ist29. Seit der Güterzusammenlegung zeigen sich die Eigentümerverhältnisse in der Oedischwänd so, dass zum oberen Hausteil Vers.-Nr. 1393 der Erben Emil Hottinger bloss die Hälfte des Nebengebäudes Vers.-Nr. 1391 und eine Hauswiese gehört30.
Der Rest mit dem eigentlichen bewirtschaftbaren Areal des Hofes auf der Unteren Oedischwänd ist zusammen mit dem unteren Hausteil Vers.-Nr. 1392 und den Wirtschaftsgebäuden (halbes Nebengebäude, Trotte, Waschhaus und Hofscheune) Eigentum von Edwin Hottinger und wird in diesem Umfange nach wie vor landwirtschaftlich genutzt31.
Ein neuer Hottinger-Hof in der Oberen Oedischwänd seit 1840
War die ganze Untere Oedischwänd bis 1817 noch ungeteilt, so änderte sich das als Folge der Erbteilung, welche in diesem Jahr vollzogen wurde. Abgesehen von der Halbierung des väterlichen Heimwesens war ausschlaggebend, dass sich offenbar für die Brüder Jakob und Heinrich der Bewirtschaftungsschwerpunkt hangaufwärts verlagerte. Hier lag im zugeteilten Land auch eine vor 1812 errichtete Scheune. Neben dieser entstand 1819 entweder als gemeinsames Unternehmen, oder aber auf Initiative von Jakob allein, ein neues Wohnhaus (Vers.-Nr. 356 G/1408)32. Damit war ein neuer Hofmittelpunkt geschaffen, der mit der Teilung zwischen Heinrich und Jakob Hofmann im Jahre 1840 vollends seinen Sinn erhielt33. In dieser neuerlichen Besitzausscheidung übernahm nämlich jetzt Jakob den oberen Teil der bisher gemeinschaftlich bewirtschafteten Hofhälfte in Nachbarschaft des Hofmannschen Besitzes in der Oberen Oedischwänd.
Als bauliche Ergänzung seiner Hofgruppe liess Jakob 1843 ein neues Waschhaus errichten und baute in der Scheune eine Trotte ein34. Vorher war er an der Trotteneinrichtung seiner Brüder in der Unteren Oedischwänd zu einem Viertel beteiligt gewesen, wie auch an der nun in seinem Areal gelegenen alten Sennhütte, welche seine Brüder ebenfalls mitbenutzten.
Der neu geschaffene Hottinger-Hof (sozusagen der «Hottingersche Neuhof») erhielt 1895 noch ein neues Kellergebäude35. Damit war die bauliche Einrichtung abgeschlossen. Dafür war 1870 das Areal der Hofsennhütte an die neugebildete Genossenschaft abgetreten worden36. Der obere Hottinger-Hof gelangte in diesem Umfange in direktem Erbgang an die heutige Eigentümerin, Elisabeth Schroth-Hottinger. 1905 umfasste das Gehöft 6 Hektaren 55 Aren Hofraum, Matten, Ried und Wald.
Die genossenschaftliche Sennhütte Oedischwänd
Die alte Hofsennhütte der Gebrüder Hottinger war im Jahre 1870 Ausgangspunkt für die Gründung einer Sennereigenossenschaft Oedischwänd, bestehend aus sämtlichen sechs Oedischwändbauern37. Jakob Hottinger stellte dafür das Areal der früheren Hofsennhütte zur Verfügung. Im neuen Gesellschaftsvertrag von 1889 wurden die Rechtsanteile folgendermassen ausgeschieden:38
Ober Oedischwänd, Vers. Nr. 1401. Links: Küche im Erdgeschoss, mit eisernem Sparherd und Sandsteinherd. Rechts: Rauchfang und Gang im ersten Obergeschoss. Unten: Stube im Erdgeschoss, mit Kachelofen und Ofentreppe.
Jakob Welti
12
Anteile
Jakob Hofmann
8
Anteile
Arnold Hofmann
8
Anteile
Jakob Hottinger
8 ½
Anteile
Heinrich Eschmann
12
Anteile
Johann Hottinger
11 ½
Anteile
Insgesamt
60
Anteile
Das heutige Sennereigebäude Vers.-Nr. 1396 wurde gemäss Brandversicherungseintrag im Jahre 1870 neu errichtet39, ist aber heute stark verändert. Bloss die äussere Erscheinung des langgestreckten Baukörpers erinnert an die alte Zweckbestimmung.
DIE OBERE OEDISCHWÄND IM 19. JAHRHUNDERT
Die Obere Oedischwänd als Altbesitz der Jakob-Linie der Familie Hofmann tritt in den Schriftquellen im ganzen 17. und 18. Jahrhundert nicht in Erscheinung. Die Spuren der späteren Erbgänge führen jedoch genealogisch unzweideutig auf den Stammvater Batzenvogt Jakob Hofmann-Aeppli (1594 bis nach 1678) zurück, der noch die ganze Obere Oedischwänd besass. Von ihm, dem Erbauer des alten Sässhauses in der Ober-Oedischwänd, ging der Hof offensichtlich noch ungeteilt an den jüngeren Sohn Richter Hans Heinrich Keller (1631 bis vor 1708), der sich am Doppelhaus durch seine Initialen überliefert hat. In der folgenden Generation aber muss das Gut unter die beiden Söhne Jakob und Hans Heinrich aufgeteilt worden sein. Dies lässt sich daraus erschliessen, dass der heutige Welti-Hof genealogisch über die Einheirat in die Familie Hofmann direkt auf Richter Jakob Hofmann-Hauser (1673 bis nach 1723) zurückgeführt werden kann und letztlich dessen Erbhälfte am väterlichen Hof Ober-Oedischwänd darstellt.
Die andere Hofhälfte ging verschlungenere Wege. Bereits die Söhne des Richters Hans Heinrich Hofmann-Keller (1631 bis vor 1708) teilten ihre Hälfte des Althofes neuerdings unter sich auf. So gelangte der eine Teil an den jüngeren Sohn Heinrich Hofmann-Hottinger (1713–1797) und von diesem letztlich an die Enkelin Anna Kleiner-Hofmann (1774–1801)40 Diese Ehe blieb aber kinderlos, so dass der Hof schliesslich unter nicht näher bekannten Umständen nach 1800 in die Hand der andern Hofmann-Linie kam, an jene, welche sich vom älteren Richter-Sohn Jakob Hofmann-Hauser (1716–1787) herleitet. In dieser Familie war Batzenvogt Jakob Hofmann-Isler/Zollinger (1769–1833), der Enkel des Richters, mittlerweilen in den Besitz der grossväterlichen Erbhälfte gelangt41. So vermitteln die Besitzesverhältnisse, wie sie 1801 im Helvetischen Kataster erscheinen, für die Obere Oedischwänd bloss ein vorübergehendes Bild.
Hier gab es zu diesem Zeitpunkt drei bäuerliche Heimwesen, welche aber ausschliesslich in der Hand von Abkömmlingen beider Hofmann-Linien waren. Eine davon gehörte der Witwe des kurz zuvor verstorbenen Kilchmeiers Hans Kaspar Hofmann-Aeschmann, die zwei Töchter hatte42. Die zweite Liegenschaft war im Besitze von Kaspar Kleiner-Hofmann43, die dritte Eigentum des Batzenvogts Jakob Hofmann44-Isler/Zollinger.
Bereits kurze Zeit nach der Aufnahme in den Helvetischen Kataster änderten sich die Eigentumsverhältnisse auf der Oberen Oedischwänd.
Ober Oedischwänd. Speicher Vers. Nr. 1404.
Unter Oedischwänd. Stallscheune Vers. Nr. 1388.
Ober Oedischwänd. Waschhaus Vers. Nr. 1398.
Türschloss an der Feldscheune Vers. Nr. 1397.
Ober Oedischwänd. Waschhaus Vers. Nr. 1398, dendrochronologisch datiert 1750/51.
Oedischwänd. Feldscheune Vers. Nr. 1397, dendrochronologisch datiert 1692/93.
Noch vor 1812 konnte Batzenvogt Jakob Hofmann das verwaiste Kleinersche Heimwesen an sich bringen46. Einen Kaufakt darüber gibt es allerdings nicht. Im Jahre 1812 regelten dann die beiden Töchter des Kilchmeiers ihre Erbverhältnisse in der Weise, dass der Ehemann der Elisabeth Hofmann, der Geschworene Hans Jakob Welti aus dem Mosli, den schwiegerelterlichen Hof auf der Oedischwänd übernahm, während sich die ältere Schwester Barbara, die ebenfalls mit einem Welti verheiratet war, auszahlen liess47 Die Liegenschaft umfasste in dieser Zeit die Hälfte am alten Doppelwohnhaus der Hofmann, dessen andere Hälfte unterdessen Batzenvogt Hofmann zusammen mit der Liegenschaft Kleiner erworben hatte, anderthalb Scheunen, einen Speicher in Verbindung mit Trotte und Waschhaus, «wie auch Garten, Matten und Weid, alles an u. beyeinander auf Oedischwänd genant u. gelegen. Ertragende ohngefahr sechs Kühe Sömmrig u. Wintrig», sowie zwei Stück Wald, zwei Stück Ried und ein kleines Stück Wiese. Es zeigt sich auch bei dieser Erbteilung wieder einmal, dass das Notariat mit der Identifikation des Besitzes Mühe hatte, weil die früheren Erbteilungen ohne Kanzleieintrag vollzogen worden waren. Dem gegenüber erwähnt der Teilungsbrief von 1812 ein Inventar des väterlichen Nachlasses aus dem Jahre 1781, welcher uns nicht überliefert ist.
Links: Blocktreppe im ersten Obergeschoss. Rechts oben: Detail des Dachstuhls, unten: Detail einer Decke im Erdgeschoss.
Nach den Güterbereinigungen des frühen 19. Jahrhunderts zeigt sich die Obere Oedischwänd wieder bloss mit zwei Höfen, jenem des Kilchmeierschen Erbes, das nun im Besitze Weltis war, und jenem des Batzenvogtes Hofmann. Aufgrund der Hofgebäude schliessen wir, dass die Familie Welti ihren Wohnsitz im oberen, jüngeren Wohnhaus Vers.-Nr. 359 A/1400 hatte, in dessen Nachbarschaft sich auch die Ökonomiegebäude befanden. Das alte Doppelhaus, welches nun je hälftig zum Welti- und zum Hofmann-Besitz gehörte, hatte seine Bedeutung als Hofmittelpunkt offenbar schon nach den Güterteilungen der Ober-Oedischwänd unter drei verschiedenen Hofmann-Linien verloren.
Hand in Hand mit der Hofzersplitterung ging jeweils auch die Verlagerung des Bewirtschaftungsmittelpunktes. Dies war auch in der Unter-Oedischwänd so. Als Folge dieser Entwicklung entstanden im 18. Jahrhundert auf der Oberen Oedischwänd in der Familie des Batzenvogtes, wie in jener des Kilchmeiers, je ein neues Wohnhaus. Ersteres, das heutige Riegelhaus Vers.-Nr. 360 A/1406 von Karl Jakob Hottinger, scheint der Bauart nach in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtet worden zu sein. Genauere Angaben oder erhaltene Jahrzahlen gibt es in diesem Haus jedoch nicht. Es gehörte zum Hof des Batzenvogtes Hofmann, der folglich den westlichen Teil der Oberen Oedischwänd einnahm und an die Hottingerschen Besitzungen grenzte. Für den östlichen Hof, den heutigen Weltihof, welchen im 18. Jahrhundert die Familie des Kilchmeiers besass, war, wie weiter oben erwähnt, das heutige obere Wohnhaus Vers.-Nr. 359 A/1400 Bewirtschaftungsmittelpunkt geworden. Wann dieses Haus, das ebenfalls ein Riegelhaus ist, errichtet wurde, entzieht sich unserer Kenntnis. Eine Jahrzahl 1797 und die Initialen HCH am Keller deuten auf einen Umbau durch Kilchmeier Hans Caspar Hofmann kurz vor dessen Tod 1799 hin.
Vielleicht ist das Haus aber wesentlich älter (um 1700 oder erste Hälfte 18. Jahrhundert, wie einige vermuten)48. Interessant ist jedenfalls die Tatsache, dass sich in diesem Gebäude die gemeinsame Sennhütte für alle Hofmannschen Besitzungen befand. Die Nutzungsanteile an ihr wurden noch im 19. Jahrhundert von den verschiedenen Besitzern beansprucht. Sowohl der westliche als auch der östliche Hof waren ausser mit Scheunen noch mit anderen Zweckbauten versehen. So gab es beim Welti-Haus 1812 einen Speicher mit Trotte und Waschhaus49, während sich im Haus des Batzenvogts eine Trotte befand und diese Hofgruppe ebenfalls mit einem Nebengebäude bestückt war, welches Speicher, Schopf und Schweinestall enthielt50.
Der Welti-Hof mit seinen Gebäuden und Gebäudeanteilen hat sich seit der Übernahme durch den Geschworenen Hans Jakob Welti bis heute gradlinig in der Familie vererbt. 1842 überliess Konrad Welti seinem Bruder Jakob die elterliche Liegenschaft51. 1869 übernahm dessen Sohn Jakob Welti-Schärer allein den Hof, nachdem die einzige Schwester im selbem Jahr gestorben war52. Als das Gut 1912 nach des Vaters Tod schliesslich an die Gebrüder Jakob und Emil Welti überging53, gehörte dazu eine Fläche von etwas über 21 Hektaren, wovon die Hälfte zum eigentlichen Hofareal zählte. Verstreut liegende Parzellen an Wiesland, Ried und Wald, zum Teil darauf stehende Feldscheunen, gehörten ebenfalls dazu. An Gebäuden und Zugehör werden in der Eigentumsübertragung aufgezählt: das obere Haus, eine Scheune mit Anbau, Einfahrt und Trottwerk, ein Schopf, das halbe alte Haus mit Schopf und Schweinestallanbau, ein Schöpfbrunnen beim Wohnhaus, ½ am Sodbrunnen oberhalb dem Haus, eine Scheune im Himmeri und schliesslich 1¾ Anteil an der Genossenschaftssennhütte. Bei der Eigentumsübertragung an die Brüder Welti mussten deren vier verheirateten Schwestern ausgekauft werden. Den Hof behielten die neuen Eigentümer unverteilt, so dass er der Erbengemeinschaft Welti bis heute ungeschmälert erhalten geblieben ist.
Im Gegensatz dazu hat das Hofmannsche Besitztum im 19. Jahrhundert weitere Teilungen erfahren, aus denen schliesslich noch ein zusätzlicher Filiationshof, das heutige Heimwesen von Walter Brändli, hervorgegangen ist54. Der Weg dahin lässt sich anhand der Erbgänge leicht verfolgen. Nachdem bereits 1822 die Erbansprüche zwischen den Kindern aus erster und zweiter Ehe des Batzenvogts geregelt worden waren und die gesamte Liegenschaft dabei an jene aus zweiter Ehe übertragen worden war, erfolgte 1842 der Auskauf der zwei Töchter und eines Sohnes, so dass die Gebrüder Konrad und Jakob Hofmann im folgenden Jahre das elterliche Gehöft allein unter sich aufteilen konnten55·
Ober Oedischwänd. Bauernhaus Vers. Nr. 1400. Nördliche Giebelfassade nach der Restaurierung von 1977.
Ober Oedischwänd. Bauernhaus Vers. Nr. 1408. Ansicht von Osten.
Ober Oedischwänd. Bauernhaus Vers. Nr. 1406. Ansicht von Süden.
Ober Oedischwänd. Bauernhaus Vers. Nr. 1402. Ansicht von Süden.
Mit einem bewirtschaftbaren Areal von 22 Jucharten Matten und Weide erhielt Konrad Hofmann das elterliche Wohnhaus Vers.-Nr. 360 A/1406 im westlichen Hofteil. Jakob Hofmann dagegen fiel die Hälfte am alten Doppelhaus, das heisst dessen unterer Hausteil Vers.-Nr. 357 A/140lb mit ebenfalls zirka 22 Jucharten Land zu, bestehend aus 16 Jucharten Acker und Weide und 6 Jucharten Mattland. Die verschiedenen kleineren Ried- und Waldparzellen wurden ebenfalls aufgeteilt.
Konrad Hofmanns Hof vererbte sich zunächst an dessen Söhne, doch verkaufte ihn schliesslich Arnold, der jüngere der beiden, 1897 an Jakob Höhn56, der jedoch schon neun Jahre später den Konkurs darauf anmelden musste57. Zwei Jahre danach erwarb Jakob Hottinger, der Grossvater des jetzigen Besitzers, das Bauerngut mit rund 8 Hektaren Umschwung, dem Wohnhaus Vers.-Nr. 360 A/1406 mit zugehöriger Scheune sowie der Trotte mit Waschhaus58.
Hans Jakob Hofmann war mit seiner Liegenschaft das halbe Althaus zugefallen. Dies war vielleicht der Grund, dass er schon im Jahre nach der Teilung (1844) weiter oben ein neues Wohnhaus, das heutige Brändli-Haus Vers.-Nr. 785/140259, erbaute. Bereits standen dort die zum Hof gehörenden Wirtschaftsgebäude, nämlich die 1833 noch von seinem Vater, dem Batzenvogt, neu errichtete Scheune und ein noch älterer Speicher- und Kellerbau, der sicher vor 1812 entstanden ist60. Damit verlor das alte Doppelhaus, dessen untere Hälfte noch den Hofmann gehörte, seine Bedeutung für den oberen Hof. So wurde dieser Hausteil schliesslich an die Welti verkauft, welche seither das ganze alte Sässhaus in der Oberen Oedischwänd besitzen und eben jetzt daran sind, das bedeutende Baudenkmal auf sinnvolle Weise wieder bewohnbar zu machen, um es so als wichtigsten Zeugen aus der Geschichte des Oedischwänd-Hofes der Nachwelt zu erhalten 61.
Nach der Heirat mit Leni Hofmann, der Urenkelin Jakobs und Erbin der letzten Hofmann-Besitzer auf Oedischwänd, übernahm Fritz Brändli 1947 den oberen Hof, der in seinem heutigen Umfang zugleich die jüngste Hofgründung auf der Oedischwänd darstellt62.
Ober Oedischwänd. Bauernhaus Vers. Nr. 1401. Truhe im ersten Obergeschoss.
Dr. Christian Renfer
Anmerkungen
1 StAZ, C II 14, Nr. 61/62 vom 15.7.1450.
2 ebenda.
3 StAZ, C II 14, Nr. 127 vom 22. 4. 1521.
4 ebenda.
5 StAZ, C II 14, Nr. 128 vom 1. 10. 1521.
6 Vgl. C. Renfer, Die Bauernhäuser des Kantons Zürich, Bd. l, Basel 1982, S. 158 und Anm. 109.
7 StAZ, F II c 88 (Jahrzeiturbar Wädenswil), Bd. 2, S. 22 und 29, sowie F II c 87, Bd. 1, S. 87.
8 StAZ, F II a 428 (Schlossurbar Wädenswil), Bd. 1, S. 239 (ebenso: C II 15, Nr. 68).
9 StAZ, F III 38 (Rechnungen der Vogtei Wädenswil), 1594 bzw. 1595/96.
10 StAZ, E II 700.116, Bevölkerungsverzeichnis von 1634, s. 127.
11 StAZ, W 1 Nr. 1187 von 1532.
12 StAZ, C II 15, Nr. 100 vom 12.2.1549.
13 Laborbericht des Laboratoire Romand de Dendrochronologie, Moudon, Ref.-Nr. R 2705 vom 30.5.1990. Akten im Archiv der kantonalen Denkmalpflege Zürich, Reg.-Nr. Dendro LN 122.
14 StAZ, B XI Wädenswil 4 (Grundprotokoll Bd. 4). pg. 115 a vom 2.2.1698.
15 StAZ, ebenda, pg. 252 a vom 18.9.1701.
16 StAZ, ebenda, Bd. 5, pg. 30 vom 11.11.1712.
17 StAZ, ebenda, pg. 44a vom 24.11.1716.
18 StAZ, ebenda, Bd. 15, pg. 74 vom 1.7.1796.
19 ebenda.
20 ebenda, Bd. 2, pg. 260 a vom 7.4.1676.
21 Vgl. Anm. 18.
22 StAZ, K 1 237, fol. 46, Nr. 312.
23 Notariat Wädenswil, Grundprotokoll Bd. 1 (1840 ff) pg. 122 vom 8.9.1840, mit Hinweis auf die bereits 1817 mündlich vereinbarte Teilung bzw. den Aus kauf der Schwestern 1807.