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Wehrpflicht in Skandinavien
Schweden hat als erstes skandinavisches Land seit Mitte 2010 auch formal keine Wehrpflicht mehr – in Friedenszeiten, so die von der konservativ-liberalen Regierung seinerzeit ausdrücklich gesetzlich verankerte Einschränkung. In der Praxis war die Wehrpflicht allerdings schon Mitte der neunziger Jahre, nach dem Ende des Kalten Kriegs, obsolet geworden. Wer bei der Aushebung Desinteresse zeigte, wurde von vornherein nicht eingezogen. In den Jahren vor der Abschaffung der Wehrpflicht leisteten weniger als fünfzehn Prozent der Ausgehobenen Militärdienst. Hauptargumente, die Wehrpflicht nach hundert Jahren ganz abzuschaffen, waren denn auch, dass diese sich überlebt habe, der Militärdienst sowieso schon freiwillig sei und die Aufrechterhaltung eines Wehrpflichtsystems die Staatskasse unnötig belaste.
Binnen zweier Jahrzehnte hat das schwedische Militär seinen Charakter grundlegend verändert. Herrschte bis in die neunziger Jahre das Credo vor, Neutralitätspolitik sei nur glaubhaft mit einem starken Militär, und verfügte Schweden mit einer Einsatzstärke von mehr als 600 000 SoldatInnen über die stärkste Militärmacht Skandinaviens, ist das Militärpersonal nun auf 32 000 geschrumpft. Die auf Abwehr eines möglichen Angriffs seitens der Sowjetunion konzipierte «Invasionstruppe» wurde unter dem Motto «kleiner, aber schlagkräftiger» zu einer «professionellen Einsatztruppe» vorwiegend für Auslandsaufträge unter UN-Mandat umgebaut. Der Anteil der gesamten schwedischen Militärausgaben am nationalen Bruttoinlandsprodukt ist seit Beginn der neunziger Jahre von 2,5 auf heute 1,2 Prozent zurückgegangen.
Beitrag der WOZ.ch