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Sommerfest
... und Gedenkstunde
Wie im Mai-Heft angekündigt, lag der nächsten Ausgabe eine separate Einladung zum Sommerfest vom Samstag, 30. Juni bei. Im Kleinen Blatt stand das Lokal beschrieben: Das Kasino Unterstrass.
Dieses im Stil der Neo-Renaissance repräsentativ gestaltete "Kasino und Gesellschaftshaus" von ca. 1895 wurde bereits zwei Jahre nach dem Sommerfest abgebrochen (1947). Es hätte offensichtlich einer grösseren Renovation bedurft, wozu das Geld fehlen mochte.
Kameraden, die noch lange von diesem ersten grossen Nachkriegsfest schwärmten, vergassen nie den schwankenden, ächzenden Fussboden zu erwähnen, als sie tanzten, dass sich die Bretter buchstäblich bogen und man leiser tun musste, um keinen Einsturz zu provozieren.
Das Kasino stand an der Beckenhofstrasse, wo diese in die Schaffhauserstrasse mündet und hatte das dortige spätmittelalterliche Siechenhaus Spanweid ersetzt. Damit sollte die düstere Vergangenheit vergessen und der modernen helleren Zeit ein zweckdienliches Denkmal errichtet werden, wie es in "David Bürkli's Zürcher Kalender auf das Jahr 1897" auf den Seiten 21 bis 23 nachzulesen ist.
Ab 20 Uhr standen die Türen offen und um 21 Uhr war eine besinnliche Stunde angesagt: "Wir gedenken der Gefallenen." Nach dem Siciliano aus der IV Sonate für Violine und Klavier von Johann Sebastian Bach las Karl Meier / Rolf die Elegie "Staub toter Soldaten" von Walt Whitman. Dann folgte auf Französisch die Elegie "Oceano Nox" von Victor Hugo, gesprochen von Ric aus Genf, Mitarbeiter von Eugen Laubacher / Charles Welti. Die Feier klang aus mit einer Elegie von Jules Massenet, gesungen von André Paris. Es gab keinen Beifall und die Türen blieben geschlossen.
Ab 22 Uhr begann der fröhliche Teil mit Karl Meiers Text "Die Ballade von der bekannten Situation": "Sie kennen die Situation genau, bestes Alter, Beruf und Wohnung, doch keine Frau …", die er selber sprach. Einige der weiteren Produktionen wurden von "Lysis" (Nico Kaufmann) auf dem Klavier begleitet - Karl Meiers Chanson "Die Unsterbliche" war Nicos eigene Vertonung und wurde von einem Kameraden vorgetragen.
Ernst Ostertag, November 2004