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|Siedlungsgebiet:

|Die Kayapó leben etwa 300 bis 400 Meter über dem Meeresspiegel im brasilianischen Bundesstaat Pará. Das Territorium erstreckt sich über verschiedene Ökosysteme, vom tropischen Regenwald bis zur Savanne. Die zahlreichen Kayapó-Stämme leben dabei vor allem entlang der Flussgebiete Iriri, Bacaja, Fresco sowie dem riesigen Xingu.

|Bevölkerung:
||Genaue Daten über die Bevölkerungszahl sind nicht vorhanden. Neben den 19 Gemeinschaften, die regelmässigen Kontakt mit der Aussenwelt haben, existieren noch immer zahlreiche kleinere Stämme, die isoliert leben. Gemäss Angaben von Regierungsorganisationen beläuft sich die Zahl auf etwas über 8‘000 Menschen.

|Sprache:
||Kayapó (Stammm Macro-Jê, Familie Jê)

|Religion:
||Naturreligion, Christentum

Geschichte:
Seit der Ankunft der Europäer vor ca. 500 Jahren werden die Indigenen von ihren Ursprungsgebieten in die westlichen Regionen des Regenwaldes gedrängt. Sie haben Land und Lebensraum verloren und leiden unter zahlreichen Krankheiten, welche mit der Ankunft der Weissen eingeschleppt wurden. Profitierten die Kayapó in den Anfängen noch vom Handel und Verkauf der wertvollen Ressource Holz, überwogen die negativen Auswirkungen bald die kurzfristigen Profite. Daraufhin sahen die Kayapó ihre Zukunft im Engagement für den Erhalt des Regenwaldes. In den 1980er Jahren sind sie durch ihren medienwirksam inszenierten Protest, der sich gegen die auf ihrem Land geplanten ersten Version des Staudammprojekts Belo Monte richtete, weltweit bekannt geworden. Im Rahmen einer internationalen PR-Tour mit dem Sänger Sting trat der bekannte Kayapó-Häuptling Raoni Metuktire weltweit für die Anliegen der indigenen Bevölkerung Brasiliens ein.
Der unermüdliche und kämpferische Einsatz der Kayapó für ihre Rechte führte dazu, dass sie heute über grosse Indigenenreservate verfügen. Eindrücklich zeigen Satellitenaufnahmen, wie der Wald in ihren Gebieten gut erhalten blieb, während um die Reservate herum die Zerstörung um sich greift. Die Einrichtung von Indigenenreservaten wurde 1988 in die neue Verfassung aufgenommen. Seither wurden rund 20% des brasilianischen Amazonasregenwaldes als Indigenenreservate demarkiert und vorerst unter Schutz gestellt. Seit etwa des Jahrtausendwechsels aber beginnt die weitere Demarkierung der von Indigenen beanspruchten Gebieten zu stocken, und Brasilien plant die Industrialisierung des Amazonas und die Nutzung der Bodenschätze – selbst in den Indigenengebieten. Damit würden die früheren Errungenschaften im Namen der Armutsbekämpfung zunichte gemacht. Dies führt zu zunehmenden Protesten der Kayapó-Indigenen.
Menschenrechtslage
Die Pläne der brasilianischen Regierung zur Entwicklung der Wirtschaft beinhalten den Bau von Strassen, von zahlreichen Staudämmen und von grossflächigem Abbau von Bodenschätzen. Knapp die Hälfte der geplanten Projekte soll auf indigenem Land erstellt werden. Obwohl Brasilien die UNO-Deklaration über die Rechte Indigener Völker unterschrieben hat, die eine freie, informierte und vorherige Zustimmung der Betroffenen erfordert, führt die Regierung im besten Fall eine Konsultation durch, jedoch ohne schadensmindernde Massnahmen, Kompensationen und finanzielle Beteiligung am Gewinn auszuhandeln.
Der Kampf um das Staudammprojekt Belo Monte ist bezeichnend für die angespannte Situation in Brasilien (siehe Details GfbV-Kampagne zu Belo Monte). Der Bewilligungsprozess wurde immer wieder unterbrochen, juristisch angefochten und von einem oberen Gericht wieder weiter geführt. Mehr als ein Dutzend Klagen sind hängig. Anfang Juni 2011 erteilte das brasilianische Umweltinstitut IBAMA dann die definitive Baubewilligung für den Bau, erneut ohne das Einverständnis der betroffenen indigenen Bevölkerung einzuholen. Ein abschliessendes Urteil steht aus und damit ist das Schicksal der betroffenen Kayapó und der anderen betroffenen Indigenengemeinschaften ungewiss.
Neben den Riesenprojekten der Regierung bedrohen der fortschreitende Holzabbau sowie vor allem die expandierende Bergbauindustrie das Amazonasgebiet. Das zur Goldförderung benötigte Quecksilber vergiftet die Flüsse und beraubt die Kayapó einer wichtigen Lebensgrundlage. Des Weiteren erleben die Indigenen eine zunehmende Verunreinigung der Flüsse durch landwirtschaftliche Aktivitäten wie den Massenanbau von Soja und intensive Rinderzucht in unmittelbarer Nähe der Wassersysteme. Forderungen an den Staat, diese Aktivitäten zu regulieren, finden kaum Anklang.
Schliesslich existieren grosse Unsicherheiten im Bezug auf die Grenzen der Territorien, die bereits rechtlich vom Staat als Kayapó-Reservate anerkannt wurden. Invasionen von Holzfällern und Minenarbeitern in Kayapó-Gebiete sind ein bekanntes Problem, doch ergreift nach Angaben von NGOs die zuständige Indianer-Behörde (FUNAI) keine effektiven Massnahmen zur Verbesserung der Situation. Krankheiten, die durch die Eindringlinge eingeschleppt werden, stellen aufgrund des schlecht funktionierenden Gesundheitssystems eine grosse Bedrohung für die Kayapó-Indigenen und deren Zukunft dar. Dies ist ganz besonders ein Problem der noch unkontaktiert lebenden Indigenen in der Region, die wohl auch zu den Kayapó-Verwandten zählen dürften. Nur gerade 70 km von der Baustelle zum Megadamm wurden Spuren der isoliert lebenden Indigenen gefunden. Diese Gruppen verdienen einen ganz besonderen Schutz, führen sie ein von der modernen Zivilisation unberührtes und kulturell reichhaltiges Leben.
Die GfbV fordert die brasilianische Regierung auf, folgende Massnahmen zu ergreifen:
- Vollständige Einhaltung der Rechte der indigenen Völker gemäss der ILO-Konvention 169 und der UNO-Deklaration der Rechte Indigener Völker und eine Festschreibung dieser Rechte in der brasilianischen Gesetzgebung - insbesondere die Respektierung des Rechtes der Kayapo auf ein freies, informiertes und vorheriges Einverständnis für sämtliche Belange, welche ihre Lebensweise und ihre Umwelt betreffen;
- Rasche und vollständige Demarkierung und ein Schutz aller indigenen Gebiete gemäss der brasilianischen Verfassung, darunter auch aller Gebiete, in welchen unkontaktierte Indigene leben oder vermutet werden, unabhängig vom Druck von Firmen oder von Grossgrundbesitzern;
- Veto der brasilianischen Prädidentin Dilma Rousseff gegen die Aufweichung der Waldschutzgesetze, welche zurzeit im brasilianischen Kongress diskutiert werden;
- Wirksamer Schutz von gefährdeten indigenen Menschenrechtlern gegen Gewalt und Drohungen und die Bestrafung der Verantwortlichen.