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Tagesbericht vom 03.06.2008
Kein Frühstück, kein Kaffe, keine Spiegeleier. Schon um 06:00 Uhr sind wir wieder auf Achse. Bobo ist bereits um 05:00 Uhr aufgestanden und auch ich sah keinen Sinn mehr darin, an dieser lärmigen Strasse weiter zu schlafen. Der Himmel ist wolkenverhangen. Schon fängt es an in Strömen zu regnen. So haben wir uns den Küstenstreifen am Schwarzen Meer nicht vorgestellt. Verständlich ist diese Wetterlage allerdings. Das schlechte Wetter kommt vom Meer und die Wolken entladen sich dann an den Hügeln und Bergen. Die Vegetation ist entsprechend: dichter Laubwald- ich glaube es sind mehrheitlich Buchen – bedecken die Gegend. Um dem trüben Wetter zu entkommen, entschliessen wir uns, die Küste des Schwarzen Meeres zu verlassen und uns Richtung Erzurum, ins Landesinnere zu begeben. Bobo verspricht mir die Frühstückseier später, in idyllischer Gegend, zu servieren. Doch dazu kommt es nicht.
Die idyllische Gegend erreichen wir erst am Abend. Mit Einwilligung des Militärs schlagen wir nach der Ueberquerung eines kleinen Damms unser Zelt an Position Nord 39° 38' 21.7'' und Ost 39° 44' 33.4'' bei Erzincan am Ufer des Euphrat auf. Wir sind früh dran. Bobo kocht Gulasch. Das Fleisch dazu haben wir am Mittag in Erzurum gekauft. Die Bauern von Erzincan sind auf den Feldern. Ein Auto fährt auf dem Weg daher und hält direkt bei uns. Zwei Männer steigen aus. Sie versuchen, uns etwas zu erklären. Ich verstehe nichts. Ich versuche, ihnen zu sagen, dass wir hier im Auto übernachten möchten. „Tamam?“ Zu Deutsch: „in Ordnung?“ frage ich. Einer der Männer greift zu seinem Handy. Nachdem er etwas in seiner Sprache ins Telefon gesprochen hat, überreicht er mir das Gerät. Eine perfekt Englisch sprechende Frau erklärt mir, dass es zu gefährlich sei, hier im freien zu Campen. Die Männer würden später wieder kommen und uns ins Dorf begleiten. Dort seien wir sicher. Und da sind wir nun, auf dem Gelände des Gemeindehauses an Position Nord 39° 37' 34'' und Ost 39° 44' 4,3''. Der Mann mit dem Telefon stellt sich als der Bürgermeister dieses kleinen Ortes heraus. Er lädt uns zu einem Tee zu sich ins Gemeindehaus ein. Wir unterhalten uns bestens – per Computer. Er ist sehr stolz auf das Übersetzungsprogramm, Türkisch / Englisch und umgekehrt. Immer wieder tippt er einen Satz ein und gibt ihn uns dann auf Englisch zu lesen. Es ergibt sich eine eigenartige aber spannende und informative und nette Unterhaltung. Die Gegend sei vor fünfzehn Jahren von Terroristen heimgesucht worden. Nun würden sie jede Nacht auf Patrouille gehen, um die Dorfgemeinschaft zu beschützen. Der Bürgermeister scheint Freude an uns zu haben. Er lädt uns in seinem Büro noch zu einem Fischeintopf ein. Unser Gastgeber hat einen „Gango“, der alles für ihn macht. Dieser reicht uns die Getränke, bedeckt den Sitzungstisch mit Zeitungspapier, tischt Gabeln, Getränke, Gläser und Servietten (ohne Teller) auf und räumt nach dem Essen alles wieder ab. Das Gulasch, welches Bobo aus dem in Erzurum gekauften Fleisch bereits gekocht hat, muss bis morgen warten. Bevor wir uns verabschieden und recht herzlich für alles bedanken, überreicht uns der Bürgermeister als Geschenk noch einen von seiner Schwägerin selbst bemalten Porzellanteller. Ob dieser allerdings heil in der Schweiz ankommen wird, wissen wir nicht. Selbstverständlich tauschen wir die Adressen aus. Der Bürgermeister kommt uns eventuell im Herbst in der Schweiz besuchen. Das geht aber nur, wenn er seinen Computer mit dem Übersetzungsprogramm mit nimmt. Sonst können wir uns mit ihm nicht verständigen!