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Im Vergleich zu Montreux hat das benachbarte Vevey städtischen Charakter und der Tourismus spielt eine untergeordnete Rolle. Der Grund, dass hier zusammen mit dem Hotel Mirador auf dem Mont Pelerin drei Fünfsternehäuser Gäste empfangen, liegt sicher nicht zuletzt bei der Firma Nestlé, die bekanntlich in Vevey ihren Hauptsitz unterhält.
Das 1842 eröffnete Hôtel des Trois Couronnes gilt als eines der ersten Grandhotels am oberen Genfersee. Das stilvolle Haus wurde stets renoviert und hat schon früh mit einer angeschlossenen Klinik Gäste an sich gebunden. Und heute verfügt es über eine grosse Wellnessanlage.
Ich habe in den neunziger Jahren einige Male in dem Haus gewohnt und erinnere mich gerne an diese Zeit. Bei unserem heutigen Besuch in der Bar am Samstagnachmittag um fünf Uhr wird uns nur ein mittelmässiger Martini-Cocktail serviert. Für die Drinks verlangt das Haus Genfer Preise. So dürfen wir auch einen perfekten Martini, wie er uns in Genf stets serviert wird, erwarten!
Charles Spencer Chaplin wurde zwar in London geboren und durfte sich Sir nennen, aber als seine Heimat wählte er im Jahr 1953 Corsier-sur-Vevey. Ihm zu Ehren steht am Quai von Vevey das Charlie-Chaplin-Denkmal.
Erstmals besucht haben wir das Grand Hôtel du Lac in Vevey. Auch direkt am See gelegen, ist es im Verglich zum Trois Couronnes eine Nummer kleiner.
Erbaut wurde das charmante Haus 1868, im Jahr 2006 wurde es vollständig renoviert.
Obwohl wir in der Le Bar nur ein Glas Weisswein trinken, sind wir mit dem Service sehr zufrieden.
Neben der Bar steht die Le Lounge, wo auch der Nachmittagstee eingenommen werden kann.
Von Genf kommend breitete sich die Tourismusindustrie am Lac Léman via Lausanne bis nach Vevey aus. Montreux, das Anfangs 18.Jahrhundert noch ein Dorf mit vielen verstreuten Weilern war, liess sich viel Zeit mit dem Aufbau einer touristischen Infrastruktur. Endlich ab 1860 bis 1875 stürzte sich die Ortschaft richtiggehend in einen Bauwahn und stampfte über fünfzig Hotels aus dem Boden. Und in einem zweiten Hotelboom zwischen 1890 und dem Beginn des ersten Weltkrieges kamen nochmals rund fünfzig Hotels dazu bzw. wurden die ersten Hotels vergrössert. In dieser zweiten Aufbauphase entstehen die Grandhotels, die heute noch das Stadtbild von Montreux beherrschen. Dieser Bauboom, der keine Grenzen kannte und wohl nur durch den Krieg jäh beendet wurde, zeitigt heute einen leicht morbiden Charakter Montreux’s.
Viele dieser alten Hotels sind heute nicht mehr als Hotel in Betrieb, andere versuchen sich mit angeschlossenen Altersappartements oder Privatkliniken über Wasser zu halten.
Auftrumpfen kann Montreux mit seinem einmaligen Blumen-Quai! Direkt am Wasser, meist geschützt vom Strassenlärm durch Villen und Hotels, flanieren wir viele Kilometer an wunderschönen und gepflegten Blumenrabatten und altem Baumbestand vorbei. Dank dem milden und südlichen Klima, das auch der Waadtländer Weinproduktion zugute kommt, wachsen hier auch exotische Pflanzen und Bäume.
Gebucht haben wir ein Zimmer in der altehrwürdigen Villa Toscane. Doch mangels Gästen werden wir ins benachbarte moderne Hotel Royal Plaza upgradet. Auch gut! So sind wir mit unserem Zimmer mit Seesicht direkt neben dem Stravinski-Auditorium sehr zufrieden! Die gelben Sonnenschirme gehören zur Sinatra's Bar & Lounge. Als erstes führt unser Weg an den Quai. Wir geniessen die Farbenvielfalt der Blumen und exotischen Pflanzen.
Für den Welcome-Drink suchen wir den Eingang zum Grand Hôtel Suisse-Majestic. Er führt ziemlich unscheinbar durch eine Souvenirboutique. Mit dem alten Lift fahren wir in die Empfangshalle und trinken hoch oben über der Strasse auf der Terrasse der Le Bar zwei Pastis, um richtig in der welschen Schweiz anzukommen. Die zwei Damen mit Deutschschweizer Dialekt am Nachbartisch stören uns nicht. C’est la vie. Das Haus wurde 1907 unter dem Namen Grand Hôtel Suisse eröffnet. Das Foto stammt aus dem Jahr 1943.
Am Abend wollen wir italienisch essen. Das Ristorante La Rouvenaz an der Rue du Marche ist gut besucht und mit etwas Glück erhalten wir einen freien Tisch. Der Salat wird an einer rassigen italienischen Sauce angemacht. Die Pizza Margherita, dünn ausgewallt, schmeckt vorzüglich. Die Orecchiette Genovese mit Kapern, Oliven, Pinienkernen und in Streifen geschnittenen Salbei sind ein Gedicht, das mit dem offen servierten Calanica aus Sizilien, perfekt harmoniert.
An unserem ersten Abend wollen wir natürlich das allseits bekannte Fairmont Le Montreux Palace nicht links liegen lassen. Doch die dort einquartierte Harry’s New York Bar ist uns dann doch zu laut und verraucht. So trinken wir unseren Night-Cup in der Lobby Lounge Bar. Hier planen wir den nächsten Abend und studieren die Speisekarte der Brasserie du Palace.
Das heutige Fairmont Le Montreux Palace gilt als das bekannteste Haus am Ort und darf sich als einziges neben dem modernen Royal Plaza mit fünf Sternen schmücken. Der Lausanner Architekt Eugène Jost, der auch den Bahnhof von Montreux und das monumentale Palace von Caux erbaute, schuf in nur 18 Monaten Bauzeit das imposante Gebäude des Montreux Palace, das 1906 eröffnen konnte.
Die Räumlichkeiten im ersten Stock des Montreux Palace atmen noch den Geist der Belle Époque. Hier befindet sich auch der Festsaal, einst beliebter Treffpunkt der High Society. In diesen schwierigen Zeiten liegen diese Räume im Tiefschlaf, das Restaurant La Palmeraie und die Rose d’Or-Bar sind geschlossen.
Wir entschliessen uns trotzdem, in der modernen La Brasserie du Palace zu dinieren. Dezente Beleuchtung, neues Parkett und bequeme Ledersessel lassen uns zwar nicht in die Zeiten der Belle Époque zurück begleiten, aber die sehr nette Bedienung und das hochstehende vegetarische Essen laden uns auch zum Träumen ein. Als erstes erhalten wir sehr feines knuspriges Brot und Butter auf den Tisch. Ein Château de Lussac aus Saint Emilion mit Jahrgang 2002 wird glasweise serviert. Dieser Bordeaux durchläuft jetzt seinen Höhepunkt und so haben wir schnell mehr als eine Halbe Flasche getrunken. Der knackige grüne Salat wird in einer Schale mit einem speziellen Honigdressing serviert. Das à la minute gekochte vegetarische Risotte mit frischen Eierschwämmen lässt uns wirklich träumen. Es ist sähmig und die Reiskörner sind genau auf den Punkt gekocht. Zusammen mit dem Bordeaux unser zweites Gedicht …
Den Eingang zum Grand Hôtel Excelsior müssen wir ähnlich wie beim Suisse-Majestic zuerst suchen. 1867 wurde direkt am See die Pension Bon Port eröffnet, aus deren Kern später das grössere Grand Hôtel Excelsior hervorging (mit den blauen Storen). Dieses Haus versucht sich mit der angeschlossenen Clinique Bon-Port über Wasser zu halten. Unsere Visite zeitigt auch hier grossen Investitionsbedarf, um den leicht morbiden Geruch wieder von vier echten Sternen ablösen zu lassen.
Rechts die 1885 eröffnete neugotische katholische Kirche von Montreux, unten malerischer Blick auf das Schloss Chillon.
Eine kurvenreiche Strasse führt uns von Montreux in die Höhe nach Glion. Bereits 1855 wird hier an aussichtsreicher Lage in einem Holzchalet die Pension Hôtel du Righi Vaudois eröffnet, 1866 entstand ein zweites grösseres Gebäude. Das Hôtel Righi zog bald weitere Investoren an, die an dieser idyllischen Lage über dem Genfersee Hotels bauten. Die meisten davon sind nicht mehr in Betrieb. In einigen Gebäuden haben sich internationale Schulen und Internate eingemietet. Leider wird auch das Hôtel Righi nicht mehr als Grandhotel betrieben. Es ist noch in einem guten Zustand (siehe Foto rechts und unten) und sucht einen Märchenprinzen … Dafür ist das Hôtel Victoria in Glion, deren Wurzeln ins Jahr 1869 zurückreichen, als Relais & Chateaux-Mitglied noch aktiv. Es wird als Familienbetrieb persönlich und mit viel Liebe geleitet.
Von Glion fahren wir ein paar Autokurven weiter in die Höhe und erreichen Caux. Der kleine Ort ist vor allem wegen seinen beiden ehemaligen Grandhotels ein Befriff: Grand Hôtel (später Regina) von 1893 und das grandiose, monumentale und schlossartige Palace Hotel des Architekten Eugène Jost von 1902.
Das Palace Hotel in Caux war eines der grössten Hotels in der Schweiz und verfügte über eine 800 Meter lange Promenierterrasse. Die Anlage ist heute in gutem Zustand, eine Hotelfachschule hat sich eingemietet und es finden hier regelmässig internationale, friedensfördernde und völkerverständigende Kongresse statt.