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Frau Dr. Sophie Degrauwe, Fachärztin für interventionelle Kardiologie, Oberärztin in der Kardiologie des HUG, spricht mit uns über Angina Pectoris.
Frau Dr. Degrauwe, was ist Angina Pectoris?
Bei einer Angina Pectoris verspüren die Patienten einen Brustschmerz, der durch eine Verengung der Herzarterien hervorgerufen wird, die das Herz mit Blut und Sauerstoff versorgen. Bei einer gravierenden Verengung erhält das Herz nicht mehr genügend Sauerstoff und Nährstoffe.
Weshalb wird dies als Angina bezeichnet? Denn mit einem entzündeten Rachen hat es offenbar nichts zu tun.
Dieses Wort ist vom lateinischen ‚angor‘ abgeleitet, was ‚Beklemmung‘ oder ‚Enge‘ bedeutet. Denn den Betroffenen kommt es so vor, als ob ihr Brustkorb von einem Schraubstock oder einem schweren Stein eingeklemmt wird.
Was ist die Ursache einer Angina Pectoris?
Bei der überwiegenden Mehrheit der Patienten ist sie auf eine Arteriosklerose zurückzuführen, das heisst auf eine Verkalkung der Herzkranzgefässe aufgrund eines hohen Cholesteringehalts im Blut.
Hat man mit zunehmendem Alter ein höheres Risiko, an einer Angina Pectoris zu erkranken?
Ja, mit zunehmendem Alter besteht eine stärkere Neigung zur Arterienverkalkung und somit ist auch das Risiko einer Angina Pectoris höher. Bei Patienten im höheren Alter sind die Arterien zuweilen so stark verengt, dass sie selbst in Ruhephasen ihre Angina Pectoris deutlich spüren.
Besteht ein Zusammenhang mit dem Geschlecht der Patienten?
Männer und Frauen haben ein etwa gleich grosses Risiko. Der Unterschied besteht eher darin, dass die Symptome bei Frauen tendenziell verharmlost werden.
Wie kommt das?
Bei Frauen macht sich eine Angina Pectoris mitunter auf untypische Weise bemerkbar, etwa durch Atembeschwerden, unerklärliche Übelkeit und Erbrechen, ein Druckgefühl in der Brust, im Rücken oder im Bauch. Diese Symptome werden nicht immer ernst genommen. Hinzu kommt, dass die Hauptrisikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen (Diabetes, Tabakkonsum, erhöhte Cholesterinwerte) eher Männern zugeschrieben werden. Das gilt sowohl für die Patienten selbst als auch für das medizinische Personal. Daher sollte eine Frau im Zweifelsfall unbedingt auch einen Kardiologen konsultieren, um ganz sicherzugehen.
Spielt die genetische Veranlagung eine Rolle?
Absolut. Wenn in Ihrer Familie jemand einen Herzinfarkt erlitten hat, z. B. ein Mann vor seinem 55. oder eine Frau vor ihrem 65. Lebensjahr, haben Sie ein erhöhtes Risiko für eine Verengung der Herzarterien. Wenn dann noch weitere Faktoren wie Übergewicht, Tabakkonsum, Bewegungsmangel, Diabetes, hohe Cholesterinwerte usw. hinzukommen, ist das Risiko für koronare Erkrankungen noch höher.
Welche Symptome zeigen sich bei einer Angina Pectoris?
Hauptsächlich ein Beklemmungsgefühl in der Brust, aber auch Schmerzen, die in die Arme, vor allem in den linken Arm, und bis in den Kiefer ausstrahlen können. Auch Atemnot kann ein Anzeichen sein. Einige Patienten klagen über Übelkeit.
Wie sollte man sich dann verhalten?
Wenn Sie ein heftiges Beklemmungs- bzw. Druckgefühl in der Brust verspüren, das länger als 15 Minuten anhält, sollte die 144 gewählt werden.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Es wird ein EKG gemacht, um die elektrische Aktivität des Herzens zu messen. Je nach Risikoprofil des Patienten wird anschliessend mithilfe einer Echokardiographie geprüft, ob Kontraktionsstörungen der Herzkammern vorliegen. Das aufschlussreichste Diagnoseverfahren ist die Koronarangiographie, bei der mittels eines Katheters im Arm die Herzarterien untersucht und Gefässverengungen aufgespürt werden.
Wie wird Angina Pectoris behandelt?
Liegt eine gravierende Gefässverengung vor, wird ein Stent eingesetzt. Das ist eine Gefässstütze aus Metall, die den Blutfluss verbessert. Parallel dazu wird der Patient dazu angehalten, an seinen Risikofaktoren zu arbeiten, indem er seine Ernährung umstellt, mehr Sport treibt und gegebenenfalls mit dem Rauchen aufhört. Mithilfe von Medikamenten kann man die Cholesterinwerte verbessern, einen eventuellen Diabetes in den Griff bekommen, das Blut verdünnen sowie den Blutdruck und die Herzfrequenz verringern. Auf diese Weise wird das Herz entlastet und der Sauerstoffbedarf gesenkt.
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