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Bereits Hippokrates, der berühmteste Arzt des Altertums, hatte vor rund 2'500 Jahren eine zweifelhafte Hypothese etabliert, die sich erstaunlich lange gehalten hat: Die Menschen gähnen, um den Sauerstoffgehalt im Blut zu erhöhen. Doch der amerikanische Psychologe Robert Provine von der Universität Maryland hat diese Hypothese vor rund 20 Jahren mit einem Experiment endgültig widerlegt. Dabei liess er seine Testpersonen Luft mit unterschiedlichem Sauerstoffgehalt atmen und konnte keine Unterschiede in der Gähn-Aktivität feststellen.
Es kommt auch nur selten vor, dass Menschen während einer sportlichen Aktivität gähnen, obwohl dabei der Sauerstoffgehalt im Blut teilweise sehr gering ist. Eine weitere Behauptung ist, dass Gähnen das Gehirn aufweckt. Doch der Schweizer Neurologe Adrian Guggisberg hat auch diese widerlegt: Nach dem Gähnen veränderte sich die Hirnaktivität seiner Testpersonen nicht – gähnen macht also nicht munter.
Eine aktuelle und plausible Erklärung für das Phänomen liefert die Hypothese, Gähnen würde das Gehirn kühlen. Sie ist bislang nicht wissenschaftlich bewiesen, doch erste Versuche des amerikanischen Biologen Andrew Gallup ergaben einen Zusammenhang zwischen Gähnen und der Gehirn-Temperatur bei Ratten. Dabei war die Temperatur der Ratten-Gehirne vor dem Gähnen leicht erhöht und fiel danach ab.
Unbestritten ist die ansteckende Wirkung des Gähnens. Forscher der University of Leeds in Grossbritannien vermuten Empathie hinter diesem Phänomen: Je näher uns eine Person steht, desto wahrscheinlicher lassen wir uns von ihr anstecken.