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Mit der spezifischen Renaissancetracht der «zerhauenen», üppigen Kleider kam es seit Ende 15. Jahrhunderts in der Kleidung zu einer vollständigen und buchstäblichen Reformation an Haupt und Gliedern. Der Sittenverwilderung oder dem Raffinement dienend, trat die Mode in jener zwiespältigen Zeit auf, wo das Höchste dem Niedrigsten benachbart war.
Die Masse der verschiedenartigen Hüte und Hauben wich einer einzigen Kopfbedeckung, die für die Männer wie für Frauen eine Zeit. lang die alleinige werden sollte – dem Barett.
Zunächst trug man das breite, geschlitzte Barett; später wurde die flache Form desselben eingeführt. Bequem und kleidsam sass es auf allen Männerköpfen. Auch die Frauen nahmen das Barett an; zeterte doch der Sittenprediger Geiler von Kaisersberg: «es gan jetzt frauen wie die man und hond barettin mit hahnenfederlin.»
Man fertigte es aus den kostbarsten Stoffen, zerschlitzte und puffte es, behing es mit mächtigen Federn und mit Schnüren und Medaillen.
Als welsche Mode durch die Studenten in Basel eingebürgert, sind es auch welsche Neubürger, mit denen das vom Strome einer neuen Kulturepoche emporgetragene Handwerk des Barettlimachens in Basel Boden fasst. Mit dem «biretlimacher» Hans Fabre hielt das rasch aufblühende Handwerk 1506 seinen Einzug. Im Jahre 1507 und 1509 folgten je drei weitere Meister und 1521 betrug die Zahl der zünftigen Meister bereits dreizehn, ein deutlicher Fingerzeig, wie sehr die Barettmacher zu vielbeschäftigten Handwerkern wurden. Im Jahre 1521 überantworteten denn auch die Meister Barettlimacher ihre aufgesetzte Handwerksordnung dem Zunftvorstand zur Bestätigung. Sie enthält folgende Bestimmungen:
Die Lehrzeit beträgt drei Jahre, das Lehrgeld mindestens zehn Gulden. Des Gesindes halben wird vereinbart, dass kein Meister mehr als drei Knechte, oder zwei Knechte und einen Lehrknaben halten darf. Keiner soll in Basel zum Mitmeister gemacht werden, er bringe den Brief und Siegel, dass er sein Handwerk aufrecht und redlich ausgelernt habe. Es soll auch kein Meister dem andern sein Gesinde abdingen oder setzen, er habe denn zuvor denselben Meister gefragt, ob es sein Wille sei. Ist dies nicht der Fall, darf dem betreffenden Gesinde kein Meister zu werken geben, sondern der betreffende Knecht soll die Stadt verlassen und vor Verfluss eines Vierteljahres nicht wiederkehren. Dieselbe Bestimmung über das Abdingen gilt auch für werkende Jungfrauen, die als Arbeitskräfte beim Handwerk in Betracht kamen.
Wegen der vorgenannten Handwerksartikel kam es schon 1523 unter den Meistern zu Misshelligkeiten. Die Zunft liess es aber durchaus bei den Abmachungen von 1521 bewenden.
Dem neuerstandenen Beruf begannen Kaufleute und Krämer mit importierter Ware empfindliche Konkurrenz zu machen. Der Rat verbot daher 1526, «damit sich unser burger die baretlimacher nicht zu beklagen haben», Kaufleuten und Krämern den Verkauf fremder Barette oder «Schlaphuben», welche die hiesigen Meister selbst machenn konnten und von denen das Stück fünf Schilling und darunter galt. Derartige Ware sollte ausschliesslich den hiesigen Meistern feilzuhanben zustehen. Barette aber von mehr als fünf Schilling Wert durften Kaufleute und Krämer ungehindert aus « Nieder- oder Welschland » hereinbringen und verkaufen.
Wohl als erfolgreichste Barettlimacher erwiesen sich die aus Clerna eingewanderten Vatru (Vatro, Batro). Sie erwarben vor dem Steinentor die ehemalige Walke der Grautücher und richteten sie zum ihres Rohmaterials – der Filzstoffe – ein. Der geschäftstüchtige Melchior Vatro, der 1547 Sechser zu Safran wurde, bedingte sich aus, dass er und die übrigen Barettlimacher die Walke bis zu seinem Tode, der 1594 erfolgte, benützen dürften. Von älteren eingesessen Geschlechtem haben sich nur wenige und erst spät dem Gewerbe zugewandt, so 1587 Onophrion Merian, 1593 Samuel von Spir, 1595 Hans Jakob Irmy und Jakob Schnell. Um diese Zeit hatte das Handwerk seine Blüte längst hinter sich. Denn mit dem Aufkommen der spanischen Mode, die letzten Jahrzehnte des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts auch in deutschen Landen die herrschende war, machte das weiche Barett dem steifen Hut Platz, der sich in unserer Stadt zum berühmt gewordenen «Baselhut» auswuchs. Die meisten Barettmacher zu Ende des 16. Jahrhunderts wandten sich dem Stricken wollener Mützen und dem heimisch werdenden «Hentschen lismen» zu.