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Spielfilme, die sich tiefergehend mit der Spitzenküche befassen, sind selten. Meist geht es um Komödien («Ratatouille», «Brust oder Keule», «Kochen ist Chefsache», «Julie & Julia») oder Romanzen («Rezept zum Verlieben»). Dokumentarfilme hingegen, gibt einige, die man gerne empfiehlt: Etwa «Jiro Dreams of Sushi», ein poetisches Porträt über einen der besten Sushi-Meister Japans. Oder «Fucking Perfect» über den Niederländer Sergio Herman, dessen 3-Sterne-Lokal «Oud Sluis» zu den besten der Welt gehörte, bis er es Ende 2013 schloss. Der Film zeigt durch die unmittelbare Nähe, was unbedingter Wille zur Perfektion mit einem Spitzenkoch macht, der 18, 19, 20 Stunden am Tag arbeitet. Er zeigt auch die buchstäblich brennende Atmosphäre, den Team- und den Kampfgeist, ohne das keine Spitzenküche funktioniert und welche jene Leute genau suchen, die ganz an die Küchenspitze wollen.Das gelingt auch der Hollywood-Produktion «Burnt» recht gut; sie zeigt, wie man sich in Amerika vorstellt, dass europäische Haute Cuisine funktioniert. Der reichlich mit Küchenklischees vollgeladene Film (der Küchenchef schreit, wirft Teller an die Wand etc.) spielt in London, wo der ehemalige 2-Sterne-Koch Adam Jones nach Absturz, Drogen, Elend einen Neustart macht, um endlich den dritten Stern zu erkochen. Jones ist ein Küchen-Napoleon, dessen Gerichte den Anschluss an die Zeit verpasst werden. Da sieht man etwa kurz ein Fischfilet mit obenauf liegenden Zucchini-Schuppen vorbeiziehen.Hier wird das nächste Klischee bedient: auf der einen Seite Jones, der französische Klassik perfektioniert und auf der anderen Seite ein Konkurrent, bereits mit 3 Sternen ausgezeichnet, der in einem hochmodernen sterilen Restaurant aus einer strahlenden, noch steriler wirkenden Küche mit State-of-the-Art-Equipment (Rotationsverdampfer, Thermomix, Wasserbad) avantgardistische Tellerarrangements erdenkt. «Du erwärmst Essen in Kondomen» sagt Jones zu seinem Kollegen, bevor seine Sous-Chefin (Sienna Miller) ihn später von den Vorzügen der Sous-Vide-Technik überzeugt.Trotz allem ist der unterhaltsame Film durchaus packend, Essen wird appetitlich in allen Farben und Formen dargeboten und einmal sitzt der Spitzenkoch für eine kurze Besprechung bei Burger King und philosophiert darüber, was einen Whopper von einem seiner Gerichte unterscheidet. Die Moral von der Geschichte ist dann aber reichlich banal, nur als Team schafft man es ganz nach oben, das erkennt irgendwann auch Adam Jones.Und was gibt es eigentlich zu essen? Trotz vieler schöner Food-Aufnahmen weiss man bis zum Ende nicht, was Jones eigentlich kocht. Dabei wäre es interessant gewesen mehr über die Wachtel mit Karotten und Bohnenkraut zu erfahren. Oder der Heilbutt mit Eigelb, Fenchel und Zwiebeln. Aber in Hollywood geht es natürlich am Ende nicht um das Essen sondern um die Frage, ob und wie sich der Mensch ändert, der es zubereitet.