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Kinder mit einem Aufmerksamkeitsdefizit können sich schlecht steuern. Es gelingt ihnen weniger gut, Reize auszublenden und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Im Unterricht schauen sie aus dem Fenster oder starren Löcher in die Luft und träumen dabei vor sich hin. Sie bekommen Anweisungen nicht mit und benötigen eine halbe Ewigkeit, mit Arbeitsaufträgen zu beginnen. Es gibt einige Tipps, die diesen Kindern im Unterricht die Aufmerksamkeitslenkung erleichtern.
Suchen Sie einen geeigneten Sitzplatz
Kinder mit AD(H)S profitieren von einem Sitzplatz in der ersten Reihe. Wenn Sie als Lehrkraft eine „Lieblingsseite“ haben, auf der Sie am liebsten stehen, können Sie das Kind auch so platzieren, dass sie es direkt vor sich im Blick haben. Manche Kinder lenken ihren Banknachbarn permanent ab. Zum Teil kann es sinnvoll sein, für diese Kinder einen Einzelplatz vorzusehen. Für Kinder mit AD(H)S sind Routinen besonders wichtig. Sie sollten deshalb immer denselben Sitzplatz zugewiesen bekommen. Auch bei Stationsaufgaben empfiehlt es sich, dem Kind die Aufgaben schrittweise an den Platz zu legen anstatt es von Station zu Station gehen zu lassen. Meist kann es sich nur schwer für eine Station entscheiden, hüpft von einer zur anderen, vergisst Materialien an der vorherigen Station oder fegt beim Vorübergehen ein Mäppchen des Klassenkameraden vom Tisch.
Geben Sie nonverbale Signale
Wenn Sie merken, dass ein „Träumerchen“ abdriftet, nützt es meist wenig, das Kind einfach aufzurufen (Viele Kinder mit AD(H)S haben zusätzlich zum Aufmerksamkeitsdefizit noch eine auditive Wahrnehmungsschwäche). Das Kind wird auf das Aufrufen in den meisten Fällen nicht reagieren und sich damit vor der Klasse blamieren. Weil Kinder mit einer ADHS sich nicht absichtlich ablenken lassen, sondern ein Steuerungsdefizit aufweisen, nützen Ermahnungen und Strafen sehr wenig. Setzen Sie lieber auf Zeichen! Gehen Sie einige Schritte auf das Kind zu und legen Sie ihm beiläufig kurz die Hand auf die Schulter, um es in das Unterrichtsgeschehen zurück zu holen (am besten besprechen Sie dieses Vorgehen vorab mit dem Kind). Wenn ein Kind während der Stillarbeit abdriftet, können Sie ebenfalls kurz vorbei gehen und auf die entsprechende Aufgabe auf dem Arbeitsblatt tippen.
Machen Sie Übergänge deutlich
Kinder mit AD(H)S verpassen oft die Anweisungen zum folgenden Arbeitsauftrag. Bis sie „aufgewacht“ sind, sind die anderen Kinder bereits an der Arbeit und sie selbst wissen nicht, was sie tun sollen. Entweder sie träumen einfach weiter oder sie beginnen, den Banknachbarn zu stören indem sie permanent nachfragen. Abhilfe schafft ein deutliches „Markieren“ von Übergängen im Unterrichtsablauf. Mit folgendem Vorgehen haben bereits viele Lehrpersonen in unseren Weiterbildungen gute Erfolge erzielt:
Wenn Sie einen neuen Auftrag – beispielsweise eine Stillarbeit oder Teamübung- einführen und erklären möchten, nutzen Sie zu Beginn ein deutliches Signal. Manche Lehrkräfte lassen beispielsweise einen Gong ertönen.
Leiten Sie wichtige Phasen immer mit denselben Worten ein, z.B. „Achtung, zuhören! Jetzt kommt etwas Wichtiges…“ oder „Aufgepasst! Jetzt gibt es die Hausaufgaben. Holt bitte euer HA- Heft und tragt sie ein.“ Solche Routinen sind nicht nur für Kinder mit AD(H)S hilfreich, sondern auch für Kinder, deren Muttersprache nicht deutsch ist. Sie können diese Routine auch durch eine entsprechende Geste (erhobener Zeigefinger o.ä.) erweitern.
Nutzen Sie Piktogramme, um verschiedene Arbeitsabläufe darzustellen. Am besten wird dafür die Tafel oder ein extra Flipchart / Whiteboard neben der Tafel genutzt. Wenn Sie beispielsweise eine stille Leseübung einführen, hängen Sie ein entsprechendes Bild (z.B. ein Buch mit einem „Pssst- Mund“) auf, zeigen Sie darauf während Sie erklären und schreiben Sie anschliessend den Auftrag darunter (z.B. Seite 12, Absatz 1). Piktogramme können für verschiedene Arbeitsformen erstellt werden:
- Einzeln und leise lesen
- Einzeln und leise rechnen
- Etwas mit dem Banknachbarn besprechen / bearbeiten
- In der Gruppe besprechen / arbeiten
Piktogramme erleichtern nachweislich die Aufmerksamkeitslenkung. Lehrkräfte berichten uns immer wieder, dass diese auch mehr Ruhe in die Klasse bringen. Wenn ein Kind den Auftrag nicht mitbekommen hat, kann es diesen am Piktogramm und der Notiz ablesen. Man kann auch an einem träumenden Kind vorbei gehen, es kurz antippen und auf das Piktogramm zeigen, um es zur Arbeit zurück zu führen. Eine solche wortlose Anleitung stört auch die anderen Kinder nicht.
Aktuell: Unsere Veranstaltungen rund um das Thema ADS / ADHS
Für Eltern: Erfolgreich lernen mit AD(H)S
Für Lehrpersonen: Schüler/innen mit AD(H)S erfolgreich unterrichten