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Mit dem Schul-Barometer hat die Pädagogische Hochschule Zug ein Review erstellt, das mit knapp 100 Befragungen seit dem ersten Lockdown die Schulsituation in der Coronapandemie erforscht hat. Die Studien erfassen 255‘955 Fälle von Schülerinnen und Schülern, Eltern, Lehrpersonen, Schulleitungen etc. Sie enthalten Befunde zu zentralen Aspekten des Lehrens und Lernens während den coronabedingten Schulschliessungen wie die nachfolgenden.
- Lehrpersonen und Eltern befürchten eine Verstärkung von Schereneffekten und Nachteilen bezüglich des Lernerfolgs.
Je nach Lehrpersonenbefragung befürchten rund 80 bis 90 Prozent, dass sich die Bildungsbenachteiligung von Schülerinnen und Schülern aus sozial schwächer gestellten Familien durch die Auswirkungen der Coronapandemie verstärkt. Dieser Befund ist über die Schulformen hinweg relativ stabil. Bei Eltern ist die Sorge mit rund 50 Prozent weniger stark verbreitet. Sozioökonomisch bedingte Bildungsungerechtigkeit wird über alle Schulstufen hinweg befürchtet. Sowohl Schülerbefragungen als auch Eltern- und Lehrpersonenbefragungen berichten darüber hinaus über stärkere Nachteile bezüglich des Lernerfolgs im Fernunterricht für Schülerinnen und Schüler aus sozial- und bildungsbenachteiligten Familien.
- Bisher können kaum Unterschiede im Lernaufwand nach dem sozioökonomischen Hintergrund der Schülerinnen und Schüler beobachtet werden.
Eine Schülerbefragung und eine Elternbefragung ergeben keine Unterschiede für die investierte Lernzeit von Lernenden aus sozial- und bildungsbenachteiligten Familien. Lediglich eine dritte Studie zeigt, dass Kinder von Vätern ohne berufsbildenden Abschluss ca. 72 Prozent weniger in Homeschooling-Aktivitäten investieren als jene von Vätern mit Universitätsabschluss. Gleichwohl zeigen die Schülerbefragungen, dass Lernende aus sozial schwächer gestellten Familien ihre Lernmotivation als schwächer einschätzen und den Fernunterricht weniger positiv erleben.
- Die Selbstständigkeit und der sozioökonomische Hintergrund der Schülerinnen und Schüler hängen zusammen.
Sowohl Schüler- als auch Eltern- und Lehrpersonenbefragungen zeigen konsistent, dass ein Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Hintergrund der Schülerinnen und Schüler einerseits und den selbstberichteten Fähigkeiten für das selbstgesteuerte Lernen im Fernunterricht und den erlebten Schwierigkeiten beim selbstständigen Lernen andererseits besteht. Zudem ist in den Befragungen wiederholt zu beobachten, dass die Einschätzung der Qualität der technischen Ausstattung der Schülerinnen und Schüler mit ihrem sozioökonomischen Status steigt.
- Die Lernunterstützung bei Alleinerziehenden und Eltern mit Migrationshintergrund ist schwieriger.
Diesen Eltern fehlt häufiger die Zeit für ihre Kinder. Der Bildungshintergrund der Eltern ist dagegen nicht entscheidend. Kinder von einfachqualifizierten Eltern nehmen deren Hilflosigkeit jedoch deutlich häufiger wahr. Alleinerziehende und Eltern mit Migrationshintergrund schätzen ihr Wissen viel häufiger als wenig geeignet für die Lernunterstützung ihrer Kinder ein – auch in der Betreuung im Deutschunterricht.
- Schülerinnen und Schüler aus sozioökonomisch schlechter gestellten und aus bildungsfernen Familien berichten von einer geringeren Qualität des Fernunterrichts.
Die geringere Qualität des Fernunterrichts zeigt sich zum Beispiel darin, dass weniger häufig digitaler Unterricht stattfindet, Lehrpersonen weniger Feedback geben oder seltener individuelle Gespräche mit den Lernenden führen. Eltern mit Matura oder Hochschulabschluss berichten deutlich häufiger als Eltern mit maximal einem Abschluss auf der Sekundarstufe I, dass der Fernunterricht gut funktioniert.
Die PH Zug führt mit dem LCH als Kooperationspartner das Schul-Barometer mit dem Projekt «HiS – Herausforderungen in Schule» weiter. HiS sammelt Wünsche, Bedürfnisse, Meinungen und Erfahrungen zur aktuellen Arbeitssituation als Schulleitung und zur Schulsituation. Die Befragung wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführt und richtet sich an Schulleitungen, Schülerinnen und Schüler, Eltern sowie Schulkollegien und damit auch an alle Mitarbeitenden einer Schule.