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Wie üblich nur ein paar Pläne und Informationen zu Zürich Personenbahnhof (PB) bzw. Zürich Hauptbahnhof (HB). Die vollständige Entwicklung der Gleisanlagen und Stellwerke würde meine Kapazitäten
weit übersteigen.
In den Plänen kommt sowohl die Bezeichnung PB wie HB vor. Da es auf dieser Homepage auch einen Artikel zu Zürich GB gibt, habe ich hier PB gewählt. Im heutigen Sprachgebrauch ist eher Zürich HB
üblich.
neu 04.02.2023: Zürich PB auf einer alten Ansichtskarte.
Text auf der Rückseite: "Kurz nach der Elektrifikation der Strecke Zürich - Zug steht 1923 ein abfahrbereiter Zug Richtung Tessin im Zürcher Hauptbahnhof. Die brandneue Zuglok Be 4/6 Nr.
12341 weist noch an den Stirnenden montierte Stromabnehmer auf, die erst um 1930 wegen häufiger Bügelentgleisungen nach innen versetzt wurden"
Bemerkenswert sind die Gleise, die noch in die Bahnhofshalle hineinführen. Rechts ist der Fluss Sihl erkennbar. Dieser wird vom heutigen Tiefbahnhof Löwenstrasse (Gleise 31 - 34) unterquert.
Sammlung S. Niklaus (Ansichtskarte Weltbildverlag aus dem Archiv des Verkehrshaus der Schweiz)
Über die ursprünglichen Stellwerke habe ich keine Unterlagen. Im Buch von H.G. Wägli werden diverse Stellwerke Jüdel ab 1885 aufgeführt. Ich gehe davon aus, dass diese nur einen kleinen Teil der
Anlage bedient haben, auf zeitgenössischen Fotos sind viele Handweichen auszumachen. Auf dem Gleisplan 1931 sind nur 4 Einfahr - und Ausfahrsignale auszumachen, also je eines pro Strecke. Auf
späteren Fotos sind auch Gleissemaphore zu erkennen.
Im Jahr 1936 wurde schliesslich eine Stellwerkanlage VES eingerichtet. Die Inbetriebnahme erfolgte am 30. September 1936. Im SBB-Nachrichtenblatt 9/1936 ist dazu dieser Artikel erschienen:
Im Bild auf der 1. Seite unten lassen sich Gleissemaphore erkennen. Die neuen Lichtsignale sind noch nicht in Betrieb.
Da der Artikel bereits in der September-Ausgabe erschienen ist, vermute ich, dass er vor der Inbetriebnahme geschrieben wurde. Die ersten Stunden der neuen Stellwerkanlage scheinen ziemlich
chaotisch verlaufen zu sein, wie aus einem weiteren Artikel hervorgeht. Dieser ist zum 10jährigen Jubiläum der Anlage im Heft 11/1946 erschienen:
Fazit: Auch früher war nicht alles besser...
Ausschnitte SBB-NB: Sammlung S. Niklaus
Plan Stand 4. Juli 1958. Signale sind nicht eingezeichnet, ausser einem Vorsignal Seite Altstetten und einem Rangiersignal bei Weiche 62. Diese gingen wohl beim Löschen vergessen. Dafür
sind die Stellwerkbezirke farblich unterlegt.
Plan Sammlung S. Niklaus (keine Ahnung mehr, wo ich das Ding herhabe...)
Stellwerke
Stellwerk I ist das Befehlsstellwerk
Stellwerk V ein Zustimmungsstellwerk. Für solche Stellwerke ist sonst eher der Begriff Wärterstellwerk üblich. Auf alle Fälle war dieses Stellwerk an den Zugfahrstrassen beteiligt
Stellwerke II, III und IV sind Rangierstellwerke, also an Zugfahrstrassen nicht beteiligt. Die Stellwerkbezirke sind recht ungleich verteilt: Stellwerk II bedient nur 10 Weichen, während es
beim benachbarten Stellwerk IV über 30 sind
Ein weiteres Sellwerk VI und Wärterposten 25, 27 und 51 sind Richtung Depot F / Rangierbahnhof eingezeichnet
Die ebenfalls eingezeichneten Stellwerke VII, VIII, IX und X gehören zum Rangierbahnhof (RB)
Gleisanlagen (von links nach rechts)
Die Hallengleise haben nur Nummern, also nur "1", nicht "A1"
Gleis 9 ist perronlos, also ohne Bahnsteig. Dieses Gleis wird von den Güterzügen von/nach Zürich Oerlikon und Zürich Letten genutzt. Von und nach diesen Richtungen kann nicht direkt in den RB
ein - und ausgefahren werden
Gleis 16 ist kürzer als die anderen Gleise
An den Perronenden auf der Westseite befinden sich insgesamt 4 kurze Stumpengleise S1, S3, S9 und S11. Die Nummerierung ist von den zulaufenden Gleisen im Vorbahnhof abgeleitet. Diese kurzen
Gleise konnten beispielsweise zum Abstellen von einzelnen Lokomotiven genutzt werden. Die Bezeichnung "S" könnte für Stumpengeleise stehen
Südlich befinden sich 3 Abstellgruppen Q, R und P, geographisch nicht in alphabetischer Reihenfolge. Diese Gleise dienten zum Abstellen von Reisezugwagen
Noch weiter südlich sind die Gleisgruppen SP und W. SP könnte für "Sihlpost" stehen und "W" für (Brückenbau)Werkstätte
Jenseits der Engstelle an der Brücke über die Langstrasse findet sich eine weitere Abstellgruppe T
Nördlich des Vorbahnhofs liegt Gleisgruppe X mit der Eilguthalle. "X" könnte für EXpressgut stehen.
Im Bereich von Stellwerk V sind die Gleise mit dem Zusatz "v" für "Vorbahnhof versehen.
Posten 25 bedient nur wenige Weichen. Zusätzlich werden von hier die Vorrücksignale für einzuschiebende Güterzüge bedient
Nördlich der Einfahrgleise von Altstetten gibt es eine Gleisgruppe A. Weitere Gleisgruppen haben die Bezeichnungen A I und A II. Das deutet darauf hin, dass diese Gruppen erst nachträglich
erstellt wurden und die Buchstaben B und C schon besetzt waren. Die Gruppen A, B, C, D, E etc. gehören schon zum RB
Nochmals nördlich der Gruppe A findet sich das Dreispitzareal. Ein bekannter Güterbahnhof Dreispitz liegt eigentlich in der Nähe des Basler Hauptbahnhofs, dass es auch in Zürich ein
Dreispitzareal gibt, wusste ich nicht
Lokremisen F und G. Die Buchstaben stehen für die Standorte an der Feldstrasse bzw. Geroldstrasse.
Ausser den Gleisanlagen sind auf diesem schönen Plan weitere Details zu entdecken. Besonders aufgefallen ist mir die "Post-Untergrundbahn" , welche die Poststelle im Bahnhof mit der Sihlpost
verbindet und sogar die Sihl überquert.
Plan Stand 1. Januar 1950.
Plan Sammlung O. Wileczelek
Dieser schöne Plan wurde als Anhang zur Neuausgabe der DV 228 (Dienstvorschrift über die Elektrische Stellwerkanlage auf dem Bahnhof Zürich PB) herausgegeben. Dazu wieder ein paar Betrachtungen
von links nach rechts, sofern nicht schon beim vorangehenden Plan vom 4. Juli 1958 enthalten :
An den Prellböcken in der Halle sind bei allen Gleisen (1 - 16) Rückstellsignale vorhanden. Zu diesen Signalen siehe Bemerkungen weiter unten.
Schwarze Pfeile zeigen an, in welche Gleise ein - und ausgefahren werden kann (siehe ebenfalls weiter unten).
Es sind für alle Gleise Ausfahrsignale vorhanden. Das ist insofern merkwürdig, als aus Gleis 16 kein schwarzer Pfeil eingezeichnet ist, also aus diesem Gleis gar keine Ausfahrten möglich
sind. Ein Ausfahrsignal macht so keinen Sinn.
Zwischen Bahnhofhalle und Befehlstellwerk befinden sich 3 Posten 9, 7 und 8, auch hier nicht entsprechend der geographischen Lage nummeriert. Ich vermute, dass es sich nicht um Weichenposten
handelt. Welche Aufgaben dort erledigt wurden, muss ich offen lassen. In einer Dienstvorschrift ist von Bodenwärtern die Rede.
Von Zürich Oerlikon sind Einfahrten auch in Gleise 5v und 6v bis zu den Sperrsignalen S5 bzw. S6 möglich. Das wurde wohl für kurze Güterzüge genutzt, wenn Gleis 9 schon besetzt war. Denkbar
sind auch Lokzüge, welche anschliessend in eines der Depots zurückfuhren.
In der ganzen Gleisanlage verteilt gibt es eine grosse Zahl von Rangier, Sperr - und Vorrücksignalen in verschiedenen Varianten. Signale R40 - 43 im Bereich vom Stellwerk IV sind noch
mechanische Klappscheibensignale, alle andern sind Lichtsignale.
Ebenfalls in grosser Zahl vorhanden sind Gleismelder zum Anfordern von Rangierfahrstrassen. Es gab damals noch keinen Funk.
Jenseits des Befehlstellwerks finden sich weitere Posten. Gefunden habe ich die Nummern 43, 14, 17 und 19, im Bereich vom Depot G noch Posten 34 und 33.
Mögliche Ein - und Ausfahrten:
Aus Oerlikon und Wiedikon sind Einfahrten in alle 16 Gleise möglich, aus Altstetten in alle ausser Gleis 9. Das macht Sinn, da ja aus Altstetten direkt in den Rangierbahnhof eingefahren werden
kann. Aus Letten kann in Gleise 8 bis 16 eingefahren werden.
Ausfahrten nach Altstetten und Wiedikon sind so einstellbar, dass möglichst keine Querfahrten nötig sind, also Richtung Altstetten aus den nördlichen Gleisen 8 bis 16 und Richtung Wiedikon aus
den südlichen Gleisen 1 bis 10. Zusätzlich kann auch aus Gleisen 1 bis 3 nach Altstetten gefahren werden, wohl für Züge Chur - Basel.
Nach der am stärksten befahrenen Strecke nach Oerlikon sind Ausfahrten aus Gleisen 1 bis 14 möglich, nach Letten, der einzigen einspurigen Strecke nur aus Gleisen 8 bis 12
Wie bereits oben erwähnt sind aus dem kurzen Gleis 16 trotz vorhandenem Ausfahrsignal keine Ausfahrten möglich.
Aus Richtung Oerlikon kann wie ebenfalls bereits erwähnt auch in Gleise 5v und 6v eingefahren werden, Ausfahrten sind auch aus Gleis 4v möglich.
Für Rangierfahrten von der Abstellgruppe P nach einem Hallengleis dient das Vorrücksignal VP. Weitere gleichartige Vorücksignale gibt es aus den Gruppen T, AI und AII. An den Signalen sind
Gleisnummernsignale angebracht, welche anzeigen, aus welchem Gleis die Rangierfahrteingestellt ist.
Güterzüge nach Gleis 9 werden im Rangierbahnhof in Gleisen B1 bis B4 bereitgestellt. Die Einfahrt in den PB erfolgte signalmässig mit Signal E. Zusätzlich wird von Posten 25 das
entsprechende Vorrücksignal B1 bis B4 zum Aufleuchten gebracht.
An den Einfahrsignalen A bis D sind Gleisnummernsignale vorhanden, welche dem Lokführer anzeigen, in welches Gleis die Fahrstrasse eingestellt ist.
Weitere Gleisnummernsignale befinden sich auf den Signalbrücke B, C und D. Diese richten sich an das Rangier - und Bodenpersonalpersonal.
An den Perrongleisen sind Bremsprobe- und Abfahrbefehlsignale vorhanden. Abfahrbereite Züge werden dem Befehlstellwerk I durch Zugbereitschaftsmeldungen angezegt. Die entsprechenden Tasten
werden von einem Abfertigungsbeamten bedient.
Die Hallengleise (ca. 70m ab den Prellböcken) sowie ein paar wenige Weichen sind isoliert.
Die Strecken nach Wiedikon, Oerlikon und Letten sind mit automatischem Streckenblock ausgerüstet, jene Altstetten mit einem Relaisblock. Richtung Wiedikon (nur in Fahrrichtung Zürich PB - Zürich
Wiedikon) ist eine automatische und unbediente Blockstelle "Hohlstrasse" vorhanden.
Rückstellsignale:
Zu diesen seltenen Signalen zwei Ausschnitte aus den Signalreglementen 1947/1982. Zusätzlich eine Tabelle über die Anwendung in Zürich PB:
Signalreglement
1947
Signalreglement 1982
Ich kann mich nicht erinnern, je ein solches Signal gesehen zu haben. Meines Wissens sind sie schon lange verschwunden.
Ausschnitt aus DV 228 Sammlung O. Wileczelek
Eine interessante Foto aus dem Befehlstellwerk findet sich bei sbb.historic unter diesem Link
Im Hintergrund ist der Fensterposten zu sehen. Er beobachtet das Betriebsgeschehen und informiert die Stellwerkwärter mit Zuruf. Dieser Arbeitsplatz war auch mit einem Telefon ausgerüstet.
Die Arbeit in diesem engen Stellwerk muss angesichts des intensiven Betriebs sehr herausfordernd gewesen sein. Es gab noch kaum Pendelzüge, jeder Zug musste behandelt werden. Zudem gab es noch
keinen Rangierfunk, die ganze Kommunikation erfolgte mit ortsfesten Signalen und Telefonen.
neu 04.02.2023: Diese schon mehrfach publizierte Foto aus dem SBB-Archiv zeigt einen Wärterposten in Zürich PB. Anhand der Weichennummer lässt sich der Ort
gut lokalisieren, es handelt sich um den Posten 8. Im Hintergrund ist der Aufstieg zum Befehlstellwerk zu erkennen.
Das abgedeckte Zwergsignal und die herumliegenden Weichenmotoren lassen vermuten, dass die Inbetriebnahme des neuen Zentralstellwerks unmittelbar bevorsteht. Die Aufnahme könnte also im Frühling
1966 entstanden sein.
Der Wärter ist mit einem Funkgerät ausgerüstet, zur Verständigung mit dem Lokführer verwendet er aber noch eine rote Flagge. Rangierfunk war damals schon länger bekannt, die Streckenlokomotiven
waren aber noch nicht mit Funkgeräten ausgerüstet.
Zeitgemäss trägt der Wärter zwar eine Mütze, aber keine Warnweste.
Bemerkenswert ist der rustikale Charme des Postenhäuschens. Ausser einem Ofen scheint es keinerlei Annehmlichkeiten zu geben. Ein Weichenkeil hält die Türe offen. Bei freundlichem Wetter wie zum
Zeitpunkt der Aufnahme war der Dienst sicher nicht unangenehm. Aber in einer kalten oder regnerischen Nacht 8 Stunden in diesem Häuschen... Ich weiss nicht, ob sich heute noch jemand finden
liesse für diese Arbeit.
Farbig unterlegter Plan des Zentralstellwerk mit den verschiedenen Sektoren. Bemerkenswert ist vor allem die Datumsangabe 5.6.1958. Das heute (Stand 2023) noch bestehende Stellwerk Siemens SpDrS
ging erst am 15.05.1966 in Betrieb.
Plan Sammlung S. Niklaus
neu 04.02.2023: Plan Stand 12.04.1988
Hallengleise 1 - 15, zusätzlich ein kurzes Gleis 16 (mit Perron) und ein noch kürzeres Gleis 0 (ohne Perron, aber mit Ausfahrsignal)
Gleis 9 ohne Perron
Posten 4 am westlichen Perronende Gleis 10 / 11
Abfertigung beim Prellbock Gleis 0
Sektoren 1 - 5 wie auf dem vorangehenden Plan von 1958
Gegenüber dem Plan 1988 sind einige Änderungen zu erkennen:
Bezeichnung nun Zürich PB statt Zürich HB
Statt 1 - 16 heissen die Gleise nun 3 - 18 (Gleis 1 und 2 sind neu im Tiefbahnhof der SZU). Die
Ausfahrsignale "X" wurden entsprechend umnummeriert
Gleise 3 und 18 (ex 0 und 16) verlängert bis zum Querbahnsteig
Gleis 10 wurde aufgehoben und der Perron bis an Gleis 9 (neu Gleis 12)
verbreitert
Bahnhof Museumsstrasse mit Gleisen 21 - 24
Nicht nur Posten 4 hat überlebt, es gibt sogar einen weiteren Posten 1 (etwa auf gleicher Höhe
zwischen den Hallengleisen und der Gleisgruppe Q)
Nach Inbetriebnahme der neuen S-Bahnstrecke Hardbrücke - Museumsstrasse - Stadelhofen wurde die
Strecke nach Letten stillgelegt. Das Gleis ist noch vorhanden, das Einfahrsignal E hingegen wurde bereits demontiert