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Vom Bad zur kunstgallerie
Aussenansicht der Galerie «Altes Küblibad» Unterseen
Ausstellungsraum Galerie «Altes Küblibad» in Unterseen b. Interlaken
Der nächste Schritt bestand in der Bereitstellung der Räumlichkeiten. Die von Gustav Ritschard in den letzten Lebensjahren im Soussol seines Wohnhauses in Unterseen eingebaute «Archivklause» erwies sich als ungeeignet, da zu klein und raumklimatisch ungeeignet. Als ideal betrachteten wir deshalb den jetzigen Standort im leerstehenden alten Rieghaus.
Dorthin hatte Gustav Ritschard Jahre zuvor bereits sein Malatelier transferiert und darin den Grossteil der Bilder gelagert, dies im Dachgeschoss, während sich darunter zwei kleine, sanierungsbedürftige Wohnungen befanden. Wir entschieden uns also für diesen Standort. Die Abklärungen und Überlegungen zeigten, dass das Gebäude im Innern vollständig neu gebaut werden muss. Damit konnten die Erfordernisse der Raumaufteilung, der Tragfähigkeit der Böden und der klimatischen Bedingungen optimal gelöst werden.
Im Vordergrund stehen die Bilder von Gustav Ritschard. Sie sind im obersten Stockwerk gelagert. Eine kleine Auswahl wird im Parterre und im 1. Stock des Gebäudes in einer Dauerausstellung gezeigt. Ein Auswechseln in längeren Zeitintervallen ist vorgesehen.
Entsprechend seiner vielseitigen Tätigkeiten besteht der Nachlass von Gustav Ritschard aus einer grossen Menge von Dokumenten, Plänen, Fotos, persönlichen Briefen, Erinnerungsstücken, grösseren und kleineren Vorräten der von ihm herausgegebenen Bücher. Einige «Rosinen» daraus werden in drei Schaukästen und in Vitrinen gezeigt.
Die Möblierung im 1. Stock stammt aus dem ehemaligen Wohnhaus von Gustav und Friedy Ritschard-Briner an der Bohnerenstrasse 1 in Unterseen. Es handelt sich um Möbel, die Gustav Ritschard in frühen Jahren – als gelernter Tapezierer-Dekorateur – selber angefertigt hat. Die Truhe mit den geschnitzten Fabeltieren trägt die Jahrzahl 1937. Beim Kanapee ist bei einem der Füsse diskret der Vermerk «G. Ritschard, Tapezierer Interlaken, Brachet 36» erkennbar. Zugehörig zum Kanapee sind der Tisch und die Stühle im Raum.
Die Skulpturen in den Vitrinen im 1. Stock hat Ritschard ebenfalls in jungen Jahren geschaffen.
Das wohl kostbarste Objekt sind zwei von Gustav Ritschard geschnitzte Holztüren mit einem Text von Goethe, die sich ebenfalls in der Wohnung in Unterseen befanden. Beim Text handelt es sich um eine dem Dichter Goethe zugeschriebene Betrachtung über die Natur. Ritschard hat es fertiggebracht, den ganzen Text auf den zwei Türen wiederzugeben.
Der Beitrag von Gustav Ritschard zur Entstehung des Schweizerischen Freilichtmuseums Ballenberg wird auf dieser Seite beschrieben.
Die während der vielen Jahre der Vorbereitung, Standortfestlegung, Projektierung und des Aufbaus bei Ritschard angehäuften Pläne, Protokolle, Berichte, Briefe, Fotos und sonstigen Dokumente sind systematisch abgelegt und bilden sozusagen ein Filial-Archiv des Freilichtmuseums Ballenberg. Interessierte können nach Voranmeldung Einblick nehmen.
Die Akten dienten mitunter als Grundlage für die von Urs Ritschard verfasste «Ballenberg ob Brienz Chronik», erschienen 2019 im Werd & Weber Verlag.