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Reportage
Kap der guten Tropfen
Eigentlich hatte Südafrika schon immer exzellente Voraussetzungen für den Weinanbau. Bis es die südafrikanischen Tropfen nach Europa schafften, dauerte es aber eine Weile.
Fruchtige, spritzige Weissweine, gehaltvolle Rotweine, ein tolles Preis-Leistungs- Verhältnis: Kein Wunder sind Weine aus dem Land an der Südspitze des afrikanischen Kontinents derart beliebt. Das war nicht immer so – und hat zu einem gros- sen Teil politische Gründe. Doch beginnen wir im 17. Jahrhundert, als die Holländer ihre Handelsrouten rund um die Welt stark ausbauten. Damals – vor dem Bau des Suezkanals – mussten die Seefahrer auf ihrem Weg nach Asien den afrikanischen Kontinent umfahren. Dafür war eine Proviantstation in der Nähe des Kaps der Guten Hoffnung unerlässlich. Die Holländer bemerkten schnell das mediterrane Klima in der Gegend und importierten erste Reben aus Europa. Die Seefahrt ohne Wein war damals undenkbar. Er war viel länger haltbar als Trinkwasser und half gegen die gefürchtete Krankheit Skorbut.
Die ersten Anbauversuche durch Einheimische misslangen. Kurze Zeit später aber, um 1680 herum, liessen sich einige Hugenotten, protestantische Franzosen, die in ihrem Heimatland verfolgt wurden, am Kap nieder. Sie brachten viel Erfahrung im Weinanbau mit und gründeten die diversen Weingüter, die noch heute in Betrieb sind. Zur gleichen Zeit wurde Simon van der Stel (1639–1712) der erste Gouverneur der Kapkolonie. Er war Weinexperte und gründete das Gut Constantia sowie die Siedlung Stellenbosch.
Ein stetiges Auf und Ab
Das folgende 18. Jahrhundert kann in Südafrikas Rebbau-Geschichte weitgehend als Lernphase abgetan werden. Oft fehlte es an essenziellsten Hilfsmitteln. Aus Mangel an Fässern zum Beispiel lagerten die Bauern den Wein oft in solchen, die zuvor schon für den Transport von Pökelfleisch genutzt wurden.
Gute Weine begannen die Südafrikaner in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu produzieren. Ihre süssen Dessertweine wurden besonders von den Adeligen in England und Frankreich geschätzt. Lange währte diese Erfolgswelle nicht: Die Reblaus kam Ende des 19. Jahrhunderts nach Südafrika und zerstörte einen grossen Teil der Pflanzen.
Spannend wurde es im südafrikanischen Rebbau wieder ab den 1920er-Jahren: Damals wurde die erste autochthone, also einheimische, Rebsorte, die Pinotage, entwickelt. Im 20. Jahrhundert produzierte das Land erneut hauptsächlich Wein für den Eigengebrauch. Die Arbeitsbedingungen waren schrecklich: Sklaven, Gefangene und später, während der Apartheid, Schwarze unter sklavereiähnlichen Bedingungen waren für die Gewinnung der Trauben verantwortlich. Mit dem Ende der Apartheid öffneten sich den südafrikanischen Winzern neue Möglichkeiten. Sie konnten neue Sorten importieren, setzten auf beliebte Trauben wie Chardonnay, Sauvignon blanc, Syrah oder Cabernet Sauvignon. Inzwischen exportiert das Land mehrere hundert Millionen Liter Wein jährlich.
Rein vom Breitegrad her wäre es in Südafrika eigentlich zu warm für den Weinanbau. Durch eine kalte Meeresströmung, die aus der Antarktis kommt, entsteht ein mediterranes Klima. Top-Voraussetzungen für den Weinbau, besonders im südwestlichen Teil des Landes. Dort, in der Coastal Region rund um Kapstadt, liegen viele bekannte Weingüter, etwa Stellenbosch oder Constantia. Die Coastal Region ist für trockene Weissweine sowie fruchtige Rotweine bekannt. Im Inneren des Landes, durch Berge vom Einfluss des Ozeans abgeschnitten, befinden sich weitere Weinanbaugebiete. Da es dort viel heisser ist und weniger regnet als in der Coastal Region, sind die Rotweine kräftiger und die Süssweine sehr alkoholreich.
Neben sehr guten Weinen aus europäischen Sorten haben die Winzer inzwischen auch die Pinotage wiederentdeckt – besonders in Stellenbosch werden daraus exzellente Weine gemacht.
Stellenbosch
Edle Tropfen aus Südafrika – erhältlich auf coop.ch.