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Im Prolog des Romans wird beschrieben, wie eine Mutter kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges ihren Sohn an einem Bahnhof alleine lässt und nicht wieder zurückkehrt.
Der Hauptteil versucht die Frage Warum? aufzulösen.
Im Hauptteil wird die Kindheit und Jugend von Helene und ihr Verhältnis zu ihren Eltern, insbesondere zur jüdischen Mutter, erzählt. Helene wächst mit ihrer Schwester Martha in Bautzen auf, die ein sehr inniges Verhältnis zueinander haben. Der Vater hat eine Druckerei und ist in der Stadt ein angesehener Mann. Nachdem der Vater in den Krieg ziehen muss, werden die Eigenheiten der Mutter immer schlimmer und das Verhältnis zu den beiden Töchtern immer komplizierter. Helene übernimmt die Aufgaben in der Druckerei und hegt immer den Traum von einem Studium. Der schwerverletzte Vater kehrt zurück und wird von beiden Töchtern bis zu seinem Tod gepflegt. Beide Töchter träumen von einem Leben bei ihrer Tante in Berlin und verlassen ihre Mutter in Bautzen.
Nach einiger Zeit in Berlin lernt Helene Carl, einen jüdischen Philosophiestudenten, kennen und beide verlieben sich ineinander. Sie planen ihre Zukunft und wollen heiraten. Aufgrund eines tragischen Unfalls kommt Carl ums Leben. Nach einiger Zeit der Trauer trifft Helene Wilhelm, der sich in sie verliebt, obwohl sie jüdischer Abstammung ist. Er besorgt ihr eine deutsche Identität und heiratet sie. Allerdings erkennt er in der Hochzeitsnacht, dass sie keine Jungfrau ist und behandelt sie schlecht bzw. ist kaum noch zu Hause. Als Peter geboren wird, fängt Helene an als Krankenschwester zu arbeiten um sich und ihren Sohn durch die Zeit des 2. Weltkrieges zu bringen.
Meines Erachtens ist es Julia Franck hervorragend gelungen über die Lebensgeschichte einer Frau während und zwischen den 2 Weltkriegen sowie über ihre Beweggründe den Sohn alleine zurück zu lassen zu schreiben. Auch wenn viel Interpretationsspielraum gelassen wird und keine expiziten Gründe genannt werden.
Die Lebensträume von Helene sind sehr nachvollziehbar und umso ergreifender war es, dass aufgrund äußerer Umstände die Träume nach und nach zerstört wurden. Oder dass der Fluch um das Geheimnis der Mittagsfrau sie vielleicht auch eingeholt hat? Das Buch macht traurig, das Schicksal ist sehr ergreifend. Vor allem mit dem Hintergrund, dass der Rahmen der Romans auf einer wahren Begebenheit basiert.
Der Schreibstil ist sehr beeindruckend. Julia Franck schreibt sehr nüchtern und klar sowie äußerst sinnlich. Einige Gedanken oder auch Sätze sind einfach wunderbar. Während des Lesens habe ich richtig gefühlt, dass Julia Franck bestimmt an manchen Sätzen sehr lange gefeilt haben muss, um die Sätze so schön zu formulieren. Ein wahrer literarischer Lesegenuss
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