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Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund (SIG)
Juden lebtenim Gebiet des heutigen Deutschlands und der Schweiz im Mittelalter vor allem in den Städten. In der Schweiz wurden sie zur Pestzeit (1348/49) verfolgt oder verjagt, dann wohl wieder befristet aufgenommen, aber schliesslich im Laufe des 15. Jhdt. vertrieben. Im Verlaufe des Dreissigjährigen Krieges entstanden die «Judendörfer» Lengnau und Endingen (im Surbtal, Kanton Aargau). Hier und nur hier konnten während zweier Jahrhunderte Juden offiziell im Gebiet der heutigen Schweiz Heimat finden. Das 19. Jhdt. brachte nach und nach die Aufhebung der einschränkenden Bestimmungen sowie die Niederlassungsfreiheit auch für die Juden (1866).
Die Judenverfolgungen in der Nazizeit führten zu einem – wie heute schmerzlich bewusst wird – eingeschränkten, zeitweilig offiziell verbotenen Zuzug von Menschen jüdischer Abstammung in die Schweiz. Heute sind die meisten von ihnen Schweizer Bürger. Die schweizerischen Juden der Gegenwart bezeichnen sich mehrheitlich als liberal, einige nennen sich «konservativ». Drei bis vier Gemeinden gelten als vorwiegend strenggläubig, «orthodox» (z.B. die Israelitische Religionsgesellschaft Zürich, IRG). In Genf und Zürich gibt es liberale Gemeinden. 1904 ist als Dachorganisation der jüdischen Gemeinden der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) gegründet worden. Die SIG befasst sich unter anderem mit Politik, Antisemitismus, Religion und Kultur.
Zu den Kernaufgaben des SIG gehört die sichere Versorgung mit Koscherfleisch. Weil das Schächten von Säugetieren in der Schweiz verboten ist, muss alles Koscherfleisch aus dem Ausland importiert werden. Weiter befasst sich der SIG mit Fragen rund um die besonderen Bedürfnisse von jüdischen Armeeangehörigen und Zivildienstleistenden sowie von Schülern und Studierenden. Der SIG hat sich zur Aufgabe gemacht, dass Wissen über die jüdische Kultur inner- und ausserhalb der eigenen Gemeinschaft zu fördern. Zu diesem Zweck dokumentiert der SIG das jüdische Leben in der Schweiz und macht die Ergebnisse der Forschung zugänglich. Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit den jüdischen Gemeinden. Ebenso möchte der SIG mit verschiedenen Aktivitäten die Schweizer Öffentlichkeit für die jüdische Kultur sensibilisieren. Mit seiner Jugendarbeit und der Förderung der jüdischen Bildung für Kinder und Jugendliche will der SIG zur Stärkung der jüdischen Identität beitragen.
16 Mitgliedergemeinden