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1967
Leser-Reaktion
... "Der König ist tot, es lebe der König!"
So hiess die Überschrift zu einem Leserbrief von Urs K., Zürich, der im Novemberheft mit dem originalen, französischen Titel "Le roi est mort! Vive le roi!" erschien.1 Er bestand aus einer Zusammenfassung der Jahresversammlung mit persönlichen Kommentaren, aufgezeichnet von einem jungen Abonnenten. Daraus einige Passagen:
"Am Sonntag, dem 22. Oktober, ist die Abonnentenversammlung [...] über die Bühne gelaufen. Die vorangegangenen Aufsätze in der Zeitschrift liessen eine angeregte Diskussion erwarten; die Wirklichkeit übertraf allerdings die Erwartungen, denn man erhielt manchmal den Eindruck, dass unsichtbare Funken sprühten, welche das gegenseitige Verstehen arg beeinträchtigten. [...]
Die Diskussion drehte sich hauptsächlich um die Notwendigkeit der gleichzeitigen Auflösung von Zeitschrift und Conti-Club. Und hier schieden sich die Geister, indem die Abonnenten das Verschwinden der Zeitschrift evtl. in Kauf nehmen, die Schliessung des Klubs aber nicht akzeptieren wollten, während die Leitung mit nicht leicht verständlichem Nachdruck auf der Gleichzeitigkeit bestand. Es darf wohl gesagt werden, dass es die Herren am Vorstandstisch zeitweise an Diplomatie gebrechen liessen und dadurch die Gereiztheit provoziert haben mögen, welche im Laufe der Diskussion entstand und die kaum gerechtfertigt war.
Die Sensation der Versammlung [...] bildete schliesslich die Erklärung des Klubleiters Fredy [Fredy Lohner], dass er seine Demission zurücknehme, weil die dafür massgeblichen Gesundheitsrücksichten nicht mehr bestünden. [...]
Auf Antrag aus dem Abonnentenkreis wurde [...] über die Wünschbarkeit des Weiterbestehens der Zeitschrift in ihrer heutigen Form abgestimmt und diese Wünschbarkeit mit überwiegendem Mehr verworfen. Damit erfuhr der Kreis, übrigens in Übereinstimmung mit der Empfehlung der Leitung [...], auf Ende 1967 seine definitive Verabschiedung.
Es war für mich [...] rätselhaft, mit welcher Unbekümmertheit, um nicht zu sagen Leichtfertigkeit, die Auflösung gutgeheissen worden ist. Wenn man das jahrelange Wirken des Kreis überdenkt, so hätte man wohl einigen Widerstand [...] erwartet. Mir war nicht recht wohl bei der Sache und ich dürfte nicht der einzige gewesen sein, welcher die Versammlung mit einem unguten Gefühl verliess.
Ein positiver Ausklang wurde der Versammlung allerdings durch die Bildung eines Komitees unter der Leitung von Hugo [Hugo Portmann] beschieden. Dieser neue Kern, der ausnahmslos der jüngeren Generation angehört, hat von der Versammlung den Auftrag erhalten, durch Herausgabe eines vereinfachten Mitteilungsblattes das Instrument zu schaffen, welches unter neuen Vorzeichen die Belange unserer Minderheit in Zukunft wahrnehmen soll. Dieses Vorhaben fand die Versicherung der Unterstützung seitens der auf Jahresende zurücktretenden KREIS-Leitung."
Ernst Ostertag, März 2006
Quellenverweise
- 1
Der Kreis, Nr. 11/1967, deutsch Seite 1, französisch Seite 15