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Vom Wohnhaus zum Museum
1900/01 errichtete der bedeutende Schweizer Architekt Karl Moser für Sidney und Jenny Brown die Jugendstilvilla Langmatt als repräsentatives Wohnhaus inmitten des dazugehörenden Parks. 1987 vermachte John A. Brown, der mittlere von drei Söhnen des Industriellenehepaars und letztes Mitglied der Familie, der Stadt Baden das gesamte historische Ensemble. Dieses Legat schloss die hochkarätige Sammlung französischer Impressionisten mit ein. Verbunden war es mit der Auflage, eine Stiftung einzurichten, die das Haus als Museum für die Öffentlichkeit betreiben soll. 1988 wurde die Stiftung Langmatt gegründet, 1990 das Museum Langmatt eröffnet.
Dringend notwendige Sanierung
Im Laufe ihrer Geschichte erfuhr die Villa mehrfach punktuelle Umbauten und Erweiterungen. Eine grundlegende Sanierung ist bis heute jedoch nicht erfolgt. Seit Jahren besteht ein Sanierungsstau, und das einzigartige Baudenkmal leidet an Substanzverlust. Bauliche Notfälle häufen sich von Jahr zu Jahr und verschlingen erhebliche finanzielle Ressourcen. Gleichzeitig steht das Stiftungskapital der Stiftung Langmatt kurz vor der Erschöpfung. Einerseits war es von Anfang an für den Betrieb eines Museums zu gering bemessen, andererseits musste die Stiftung während vieler Jahre für bauliche Notfallmassnahmen erhebliche Mittel aus dem Stiftungskapital beziehen.
Ziele, Aufgabenteilung und Finanzierung
In Absprache und mit finanzieller Unterstützung der Stiftung Langmatt und des Kantons Aargau (Swisslos-Fonds) gab die Stadt Baden im Frühjahr 2017 das Projekt Zukunft Langmatt – Erarbeitung Strategie und Machbarkeit in Auftrag. Unter Leitung des renommierten Kulturunternehmers Martin Heller entstand eine Strategie, welche die Finanzierung der Instandsetzung des Gebäudes, die zukünftige betriebliche und inhaltliche Ausrichtung des Museums sowie die Sanierung der Stiftungsfinanzen beschreibt. Das Projektteam erarbeitete unter Einbezug diverser Fachpersonen und Gutachten während dreier Jahre einen umfassenden Bericht. Kern der Strategie ist eine klare Aufteilung der Verantwortlichkeit zwischen Stadt und Stiftung:
- Als Stifterin und Alleinerbin leistet die Stadt einen substanziellen Beitrag an die Instandsetzung (Sanierung) der Immobilie.
- Als Betreiberin des Museums saniert die Stiftung nachhaltig ihre Betriebsfinanzen und garantiert somit den langfristigen Museumsbetrieb.
- Ausserdem ist der Kanton Aargau via Swisslos-Fonds und Denkmalpflege massgeblich beteiligt. Weitere Beiträge von Gemeinden und Dritten werden angestrebt.
So bleibt die Langmatt als historisches Ensemble, als Ort Badener Identität und als lebendiger Zeuge der Industrie-, Sammlungs- und Architekturgeschichte erhalten. Regional verankert, verstärkt die Langmatt zukünftig ihre internationale Ausstrahlung.
Neuerungen für das Publikum
Zu den wesentlichen Neuerungen für das Publikum zählen ein multifunktionaler Pavillon für grössere Veranstaltungen, Gruppen und Parkbesuchende, ein neuer Eingangsbereich im ehemaligen Ökonomiegebäude mit Kasse, Shop, Garderobe und WC’s, ein Lift zur barrierefreien Erschliessung sowie die ganzjährige Museumsöffnung. Der neue Pavillon anstelle des Verwaltergebäudes von 1970 entspricht auch einem dringenden Bedürfnis von Gruppen nach einer Schlechtwettervariante für diverse Anlässe.
Bilderverkauf zur Rettung des Museums
Zur langfristigen Sanierung des von Anfang an zu knapp bemessenen Stiftungskapitals ist ein gezielter Bilderverkauf von ein bis drei Werken erforderlich. Der Kernbestand der Sammlung wird dabei jedoch nicht berührt. Durch den Stifterwillen sind diese Werke geschützt. Aus dem Erlös von rund 40 Mio. Franken generiert die Stiftung den notwendigen Kapitalertrag, um von der Rendite den Betrieb inkl. Rücklagen für Instandsetzungen nachhaltig zu sichern. Ein zwar schmerzlicher, aber alternativloser Schritt, der die Zukunft des Museums rettet. Voraussetzung dafür ist die Annahme des Projekts Gesamtsanierung Museum Langmatt durch die Badener Stimmbevölkerung. Die Volksabstimmung ist für den 18. Juni 2023 vorgesehen.
Bisherige Etappen
Am 3. Juni 2020 beschloss der Einwohnerrat der Stadt Baden die Strategie Zukunft Langmatt einstimmig. Im Herbst 2020 lancierte die Stiftung Langmatt in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Baden und dem Kanton Aargau das Projekt Gesamtsanierung Museum Langmatt. Im Juni 2021 ging das Architekturbüro Ernst Niklaus Fausch Partner AG mit ihrem Projekt «en plein air» als Sieger aus dem Planerwahlverfahren hervor. Die Projekte der sechs Finalisten wurden vom 28. August bis 5. Dezember 2021 im Museum Langmatt gezeigt. Im Juni 2022 wurde das Vorprojekt abgeschlossen, das die Kosten der Gesamtsanierung mit einer Genauigkeit von +/-15% aufzeigt. Die Gesamtkosten belaufen sich auf CHF 18,8 Mio. Am 25. Oktober 2022 beschlossen der Einwohnerrat der Stadt Baden mit 45 zu 1 Stimme, CHF 10 Mio. für die Gesamtsanierung bereitzustellen.
Nächste Schritte
Ende März 2023 wird das Bauprojekt mit einer Kostengenauigkeit von +/-10% abgeschlossen sein. Am 18. Juni 2023 wird eine Volksabstimmung über den Beitrag der Stadt Baden von CHF 10. Mio. stattfinden. Wenn ein positives Resultat vorliegt, wird die Stiftung Langmatt ihren Teil des Vertrags mit der Stadt Baden erfüllen und den Bilderverkauf zur Sanierung der Stiftungsfinanzen realisieren. Gemäss Zeitplan wird das Museum Langmatt aufgrund der umfangreichen Renovationsarbeiten von 2024 bis 2025 geschlossen sein. Zuvor muss das gesamte Inventar für zwei Jahre ausgelagert werden. Die Wiedereröffnung der neu sanierten Langmatt wird im Frühjahr 2026 erwartet.
Über die Gesamtsanierung der Langmatt und den damit verbundenen Bilderverkauf zur Rettung des Museums informieren Sie zwei rund 9-minütige Videos. Lukas Breunig-Hollinger, Präsident Stiftung Langmatt, und Markus Stegmann, Direktor Museum Langmatt, fassen die zentralen Punkte zusammen.