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Sicher, es ist schwierig, in dem umkämpften Markt der Startups einen signifikanten und einprägsamen Namen für das eigene Unternehmen zu finden. Aber ausgerechnet "Softiron"? Diese contradictio in adiecto mag ausserhalb der englisch-sprachigen Länder irgendwie durchgehen, weil so gut wie niemand genau hinhört oder den eigentlichen Sinn versteht.
In UK und USA und dem Rest der anglizierten Welt hat man offenbar auch kein Problem damit. Nun gut, der äusserst eigentūmliche Name steht offenbar für einen gewollten Widerspruch: Mit Software kann man das Gleiche erreichen wie mit harten Infrastrukturgeräten.
Möglich ist Softiron oder Weicheisen (im Sinne von nicht-fertiges Eisen), wenn überhaupt, auf Basis der Ceph-Technologie. Ceph steht für eine Open-Source-Speichersoftware, die die Protokolle von Block, File und Object unterstützt.
Gegründet im Jahr 2012, bezeichnet sich Softiron selbst als Unternehmen für "aufgaben-spezifische Rechenzentrumslösungen", die "hoch-performant" und "software-defined" sein sollen, "frei von Komplexität und unnötigen Ausgaben". Seine "Mission" bestehe darin, "das klassische Rechenzentrum systematisch von seinen traditionellen Fesseln zu befreien" – dazu gehören das Ende von Vendor Lock-ins und Silo-Verfahren. Durch "task-specific" Appliances auf der Basis von Open-Source-Software sollen "scale-out" Lösungen für Rechenzentren zustande kommen. Höhere Effizienz und der kleinere Formfaktor von 1U sollen auch zu einem niedrigeren Energieverbrauch in den Rechenzentren fūhren.
Besonders betont wird die Umrüstung der Rechenzentren, so dass sie für die Bewältigung spezifischer Aufgaben geeignet sind. Es werden zugeschnittene Lösungen für verschiedene Branchen angepeilt: "Softiron kontrolliert nicht nur das Design und den Ablauf von Prozessen, sondern entwickelt und produziert alle Produkte von Grund auf bei sich, einschliesslich elektronischer Baugruppen."
Das Startup verfūgt derzeit über 50 Mitarbeitende und hat 41 Millionen Dollar an Funding-Geldern mobilisiert (mit einer A-Runde 2017 über 7 Millionen Dollar und einer B-Runde 2020 über 7 Millionen Dollar). Neben der Zentrale in Newark im Silicon Valley bestehen Büros in San Diego, Dallas, London, Berlin, Brünn, Perth und Sydney – jeweils in der Nähe zu bestehenden und zu neuen Kunden. Softiron beschreibt seine Strategie auch als "Edge Manufacturing" mit zentraler Steuerung und im 24-Stunden-Rhythmus rund um den Globus. Das Produzieren vor Ort soll für kürzere und besser planbare Supply Chains sorgen und sich ausserdem mehr in die jeweilige lokale Ökonomie integrieren. Alles zusammen soll dann auch die Security erhöhen.
De-facto produziert Softiron eigene Hardware in Newark, ausgestattet mit Storage-Software, die Block-, File- und Object-Protokolle in einem gemeinsamen Paket unterstützt. Die Hyperdrive-Appliances sind mit CPUs von ARM anstelle von Intels x86-Prozessoren ausgerüstet und für Scale-Out-Storage auf Ceph-Basis geeignet. Eine "Accepherator" genannte Einsteck-Card sorgt für FPGA-basiertes schnelles Erasure-Coding.
Ein Rack-Switch mit Namen "Hyperswitch" benützt die Open-Source-Software Sonic von Microsoft (Software for Open Networking in the Cloud). Zu den Appliances für besondere Aufgaben gehört "Hypercast", ein Multi-Transcoding-System für Bildschirme.
Software-defined Storage (SDS) im Trend
Bei Softiron geht man davon aus, dass sich bis zum Jahr 2024 50 Prozent aller gespeicherten Daten in SDS-Installationen in den Rechenzentren oder in einer Cloud befinden werden. Und bis zum Jahr 2025 werden 75 Prozent aller Unternehmensdaten ausserhalb der klassischen Rechenzentren erzeugt und bearbeitet werden, während es heute erst 15 Prozent sind. Im gleichen Zeitraum, ist man bei Softiron überzeugt, wird der globale Markt für Edge Computing von 3,6 Milliarden Dollar (2020) auf 15,7 Milliarden Dollar ansteigen. Und im Jahr 2024 werden demnach 30 Prozent der Speicherkapazitäten ausserhalb der eigenen Rechenzentrumsmauern gemanagt werden – 2020 waren es erst 5 Prozent.
Aus dieser Entwicklung ergeben sich folgende Anforderungen: Die Unternehmen brauchen nach Ansicht von Softiron eine einheitliche, durchgehende Speicherplattform vom Rechenzentrum über die Edge bis zur Cloud. Für besondere Anwendungen und Aufgaben werden deshalb spezifische Speicherplattformen benötigt, die dafür ausserhalb des eigentlichen Rechenzentrums fungieren müssen. Und das bedeutet, dass man dafür zuverlässige und "self-healing" Plattformen braucht, die die notwendige Betreuung jenseits der internen, ausgebildeten IT-Mannschaft übernehmen können. Anders gesagt: Der Trend bewegt sich laut Softiron von personen-abhängigem Management hin zu breitgefächerter software-gesteuerter Automatisierung.
Laut Softiron umfasst der gegenwärtige Modernisierungsprozess seiner Technologie diese Schritte:
- Ease of Use: Vereinfachte Appliance, voll integrierte Lieferung in einem Schwung ohne spätere Nachlieferungen, Softiron Storage-Manager, vereinfachter Support.
- Enterprise Integration: IP-Lizenz für beschleunigte Protokoll-Entwicklung, neues Team für die Software-Entwicklung auf diesem Gebiet.
- Edge-to-Core-Entwicklung: Neue Formfaktoren auf Basis von niedrigem Stromverbrauch, die besonders für neue Standorte der Daten geeignet sind.
- Ecosystem-Erweiterung: Kunden können durch die Veeam-Erweiterung Softiron und iRODS zusammen einsetzen.
Auf einer digitalen Veranstaltung der IT Press Tour wurden kürzlich auch die nächsten Schritte der Produkt-Strategie für Hyperdrive bekannt gegeben. Gegenwärtig sind die folgenden Anwendungsfälle vorgesehen: Wissenschaftliche HPC-Umgebungen, Backup/Archivierung, Openstack IaaS, Digital Publishing, Edge-Anwendungen, E-Commerce, Container (K8s) und MSPs (Managed Service Provider). Im Laufe dieses Jahres sollen desweiteren noch hinzukommen: Globale Kooperationen, MAM-Tier 2 (Datenmigration), AI/BI ETL (Big Data Pipelines für Artificial Intelligence/Business Intelligence), Überwachungssysteme, Hybrid Cloud, Commercial HPC Tier 1, OLTP, AI-Training, MAM Tier 1 und Scientific HPC Tier 1.
Softiron präsentierte auch einen Bericht über den neuen Kunden "The Hut Group (THG)", einer globalen End-to-End-Technologie Plattform.
Das Unternehmen arbeitet an der "Ceph Foundation" mit, die von der "Linux Foundation" betreut wird und zu der neben grossen IT-Unternehmen wie Intel, Red Hat und Samsung auch wissenschaftliche Institutionen gehören. (Weitere Informationen dazu unter https://ceph.com/foundation/.)