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Am 8. November wurde am Gebäude des früheren Universitätsklinikums für Chirurgie in der Ziegelstraße 5-9 eine Gedenktafel für den Pharmakologen und Toxikologen Louis Lewin in unmittelbarer Nähe seiner einstigen Wirkungsstätte enthüllt.
Louis Lewins Forschungen vor allem über die Gewerbetoxikologie und die Rauschmittel-Drogen stellen noch heute Pionierleistungen auf nach wie vor aktuellen Gebieten der Giftforschung dar. Bereits 1881 veröffentlichte er ein grundlegendes Werk über die Arzneimittelnebenwirkungen, das vier Auflagen und eine Übersetzung ins Englische erlebte. Seine Bücher über die Suchtgifte und die historischen Studien über die Gifte in der Weltgeschichte waren seinerzeit Bestseller auf dem wissenschaftlichen Buchmarkt.
Louis Lewin wurde am 9. November 1850 in Tuchel in Westpreußen als Sohn eines jüdischen Schuhmachers geboren. 1856 zog die Familie nach Berlin und wurde im Scheunenviertel ansässig. Jüdische Gemeindeschule, Friedrichwerdersches Gymnasium, Medizinstudium in Berlin und Promotion 1875 waren die ersten Schritte zu seiner wissenschaftlichen Laufbahn. Eine zweijährige Bildungsreise führte ihn auch in die Laboratorien von Carl Voit und Max von Pettenkofer in München. 1878 kam er an die Berliner Universität als Assistent und Habilitand des Pharmakologen Oskar Liebreich. 1881 habilitierte er sich hier für Arzneimittellehre, Toxikologie und Hygiene. 1893 wurde er Titular-Professor, erhielt aber weder einen offiziellen Lehrauftrag noch eine Prüfungserlaubnis.
1919 ernannte ihn die Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg, wo er 1923 erstmals einen Lehrauftrag für das Fachgebiet Gifte und Giftwirkungen erhielt, zum ordentlichen Honorarprofessor.
Etwa zur gleichen Zeit erteilte auch die Berliner Universität dem nunmehr 72jährigen einen Lehrauftrag und beförderte ihn zum Extraordinarius. Erst 1924 entschloß sich die Universität, die Kosten für sein Privatinstitut in der Ziegelstraße 3, wo auch seine weithin berühmten toxikologischen Vorlesungen in einem stets überfüllten Auditorium stattfanden, zu übernehmen.
Am 1. Dezember 1929 verstarb Louis Lewin an den Folgen eines Schlaganfalls im Alter von 79 Jahren in Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee. Seit 1992 tragen eine Straße und eine U-Bahn-Station in Berlin-Hellersdorf seinen Namen.
Der Schweizer Medizinhistoriker Erwin Ackerknecht hatte 1979 anläßlich seines 50. Todestag über seinen Lehrer Lewin geäußert:
"Es ist paradox, aber wer Lewin gekannt, verehrt, geliebt hat, empfindet ein gewisses Gefühl der Erleichterung, daß es einen der Größten der vielen großen Juden in der deutschen Medizingeschichte vergönnt war, vor 1933 zu sterben."
Mit dieser Gedenktafel erfährt einer der großen jüdischen Gelehrten, der über fünf Jahrzehnte an zwei der Berliner Hochschulen gewirkt hat, durch die Humboldt-Universität eine zwar späte aber hochverdiente Ehrung.
Prof. Dr. P. Schneck
Institut für Geschichte
der Medizin,
Charité