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Children of the Arctic begleitet fünf jugendliche Iñupiat aus Barrow, der nördlichsten Stadt der Vereinigten Staaten, beim ihrem Übergang ins Erwachsenenalter. Die Iñupiat sind eine ethnische Gruppe Alaskas, die traditionell vom Fang des Grönlandwals lebt. Anders als ihre Vorfahren sehen sie sich einer Vielzahl von Einflüssen und Entscheidungen gegenüber, die ihre Adoleszenz nicht gerade einfach gestalten: Entscheiden sie sich für ein traditionelles Leben, das der Wahrung der Bräuche der Iñupiat gewidmet ist, allem voran der Jagd und dem Walfang – oder entscheiden sie sich für einen individuelleren Lebenslauf, vielleicht auch ausserhalb Alaskas?
‹Glokalisierung› bezeichnet in der Globalisierungstheorie die Art und Weise, wie sich die Phänomene der Globalisierung an einer spezifischen Lokalität äussern. Im Falle von Barrow sind diese durch die extreme geografische Abgeschlossenheit recht bescheiden geblieben. Nur wenige Nicht-Iñupiat migrieren in die Kleinstadt, wo jeder jeden kennt. Abgesehen vom zunehmenden Verlust der Sprache der Iñupiat, die nur noch von den Grosseltern fliessend gesprochen wird, ist die Gemeinschaft daher immer noch sehr homogen und traditionsbewusst. Der hohe Stellenwert der eigenen Gemeinschaft und Bräuche äussert sich auch bei vier der fünf porträtierten Jugendlichen stark: Für den 14-jährigen Samuel, seinen älteren Bruder Joshia, dessen Freundin Flora und auch den Schulsprecher Ace übt der Süden der Vereinigten Staaten nur begrenzte Faszination aus. Joshia und Flora brechen ihr Studium in Anchorage schon nach sechs Wochen ab und kehren wieder heim. Auch Ace zieht es nach einem Umfall mit seinem Snowmobil vor, nach Abschluss des Gymnasiums erst einmal in der eigenen Gemeinde in der Erdölindustrie zu arbeiten. Samuel ist geradezu der Traditionalist unter den fünf Jugendlichen: Er verbringt viel Zeit mit Jagen und seinem Grossvater und möchte Iñupiaq, ihre indigene Sprache, besser lernen. Maaya, Tochter eines immigrierten weissen Amerikaners und einer Iñupiat, ist die Einzige der fünf, die sich in Barrow eingeengt fühlt und die es in die Ferne zieht.
Formal arbeitet der Film mit einer beobachtenden Kamera, die die Protagonisten in der Schule, zu Hause, beim Fischen, Jagen oder Herumalbern begleitet. Ergänzt werden die beschreibenden Sequenzen mit direkten Interviews, in denen die Jugendlichen und ihre Verwandten über ihre Lebenssituation, Wünsche und Ängste reflektieren. – Mit Children of the Arctic gelingt Nick Brandestini das einfühlsame Porträt einer Gemeinschaft, die von extremen Umweltbedingungen geprägt ist. Das ewige Eis und seine tierischen Bewohner, die die Iñupiat umgeben, werden in eindrücklichen Aufnahmen in Szene gesetzt und bilden einen sechsten allgegenwärtigen Protagonisten, der einem ebenso in Erinnerung bleibt wie die fünf porträtierten Heranwachsenden.