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Sport war schon immer eine Domäne, die sich an den Grenzen menschlicher Leistungsfähigkeit orientierte. Sportler greifen dabei immer wieder auch zu verbotenen Mitteln um diese Grenzen zu überwinden – nicht ohne Folgen.
Wer seine Biomaschinerie tunen möchte, muss zunächst ihre Funktionsweise verstehen. Wie arbeiten die körpereigenen Kraftwerke, Energiespeicher und Pumpen? Wie sind Hebel, Regler und Widerlager konstruiert? Wie werden Bewegungen koordiniert? Für welche Art von Belastungen ist sie ausgelegt und wie passt sie sich an? Denn der menschliche Körper kann sich auf einen erstaunlich weiten Bereich an Herausforderungen einstellen. “Der Körper ist nicht für eine bestimmte Aufgabe optimiert wie eine menschengebaute Maschine”, sagt der Biomechaniker Ansgar Schwirtz, “er optimiert sich selbst für immer neue Aufgaben.”
Aber Hochleistungssportler wollen ihren Körper nicht sich selbst überlassen. Dabei ist Doping kein Phänomen der Moderne. Zwar waren die Methoden in der frühen Vorzeit brachial zu nennen und von eher zweifelhaftem Effekt. In Ägypten versprach man sich Leistungssteigerung von gemahlenen Eselshufen, in Öl gelöst und mit Rosen gewürzt, wohingegen die Azteken auf Kraftübertragung hofften, indem sie menschliche Herzen verspeisten. Humaner verhielten sich die Teilnehmer der antiken olympischen Spiele – sie verzehrten Löwenherzen.
Die Geschichte des modernen Dopings beginnt im 19. Jahrhundert. Die ersten Radrennfahrer nutzten Heroin und Morphium, um trotz Schmerzen weitermachen zu können. Als nächstes kamen Strychnin und Ephedrin zum Einsatz, bis hin zu Amphetaminen, die bei der Olympiade 1936 untern den Sportlern die Runde machten. Diese Stoffe erhöhten die Leistungsfähigkeit allerdings eher indirekt, indem sie das Herz-Kreislaufsystem stimulierten oder die Schmerzschwelle erhöhten.
Richtig zur Sache ging es erst, als in den 50er Jahren künstliche, muskelbildende Testosterone, die so genannten anabolen Steroide auf den Markt kamen. Das war die erste Substanz, die tatsächlich chemisch zu mehr Muskelwachstum und damit erhöhter Leistung führte. Nächster Schritt war der Einsatz von Epo, Erythropoietin, ein Nierenhormon, dass die Ausschüttung von Hämoglobin und die Bildung roter Blutkörperchen im Knochenmark stimuliert. Epo kann zwar prinzipiell nachgewiesen werden, doch richtiges Timing und Dosierung lässt Epo-Sünder immer noch durch die Maschen des Fahndungsnetzes schlüpfen.
Die nächste logische Stufe ist das Gen-Doping. Forschern gelange es schon, Affen das Epo-Gen in Viren verpackt zu injizieren. Deren Epo-Wert stieg daraufhin für mehrere Monate auf den lebensbedrohlichen Wert von 70. Der Muskelforscher Bengt Saltin rechnet mit dem Einsatz von Gen-Doping schon für die Winterspiele 2006. Doch der komplett auf Leistung ausgerichtete, genetisch optimierte Athlet ist noch nicht abzusehen, dafür sind die zugrunde liegenden Gene und deren Wechselwirkungen zu komplex und noch längst nicht hinreichend erforscht.