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Wird die Rate katheterassoziierter Bakteriämien bei Leukämiepatienten überschätzt?
Eine Gruppe aus Ohio hat sich überlegt, wie katheterassoziierte Bakteriämien (CLABSI) besser definiert und die Infektraten adäquater erfasst werden können.
Das Problem
Katheterassoziierte Bakteriämien (CLABSI) sind häufige nosokomiale Infektionen, welche nicht nur mit längeren Spitalaufenthalten und erhöhter Mortalität einhergehen, sondern auch mit mehr Kosten verbunden sind.
Auf hämatologischen Abteilungen wird die Rate der katheterassoziierten Bakteriämien wahrscheinlich überschätzt, da ein Teil der als CLABSI erfassten Bakteriämien sekundäre Bakteriämien bei z.B. Durchwanderung bei Mukositis sind.
Die Studie
In einem retrospektiven Setting wurde die Rate von primären (kein Infektfokus) und sekundären (klarer Infektfokus) nosokomialen und katheterassoziierten Bakteriämien auf zwei hämatologischen Stationen mit verschiedenen Surveillance Defininitionen angeschaut. Ebenfalls wurden die daraus resultierenden Keimspektren der Bakteriämien beschrieben.
Neue Definition für katheterassoziierte Bakteriämie
Für die Surveillance wurden die NHSN (National Healthcare Safety Network) Definitionen für nosokomiale (HABSI) und katheterassoziierte Bakteriämien (CLABSI*) verwendet. Zusätzlich aber auch eine von den Autoren modifizierte mCLABSI Definition**, welche allfällige sekundäre Bakteriämien bei Mukositis und gastrointestinaler GvHD, trotz liegendem zentralem Venenkatheter, nicht mehr als CLABSI sondern als sekundäre Bakteriämien anschaut.
Mit der modifizierten CLABSI Definition wurden auf beiden untersuchten hämatologischen Stationen signifikant weniger primäre, wie auch katheterassoziierte Bakteriämien pro 1000 Kathetertage verzeichnet.
Die häufigsten Keime von katheterassoziierten Bakteriämien mit der konventionellen Definition waren Enterococcus spp, Klebsiella spp und E.Coli. Mit der modifizierten Definition fanden sich vor allem koagulase negative Staphylokokken, Pseudomonaden und Staphylococcus aureus.
Schlussfolgerung und Erkenntnisse
Die Daten dieser Studie zeigen, dass die bisherige Definition für katheterassoziierte Bakteriämien das Problem überschätzt hat. Denn in einer hämatologischen Population mit Mukositis, gastrointestinaler Graft versus Host Disease kommt es vermehrt zur bakterieller Translokation der Darmmukosa, welche für die Infektionen mit Darmkeimen verantwortlich waren.
Mit der modifizierten Definition soll in dieser Population zukünftig die CLABSI Rate akkurater erfasst werden können. Nicht auszuschliessen ist, dass dieser Approach die Rate auch unterschätzen könnte. Denn gerade in dieser Population ist die Haut mit gastrointestinalen Keimen, wie z.B. Candida besiedelt,so dass eine Candidämie sowohl durch eine gastrointestinale Translokation, wie auch durch einen wirklichen Katheterinfekt auftreten kann.
Trotz der Limitationen haben die neuen mCLABSI Definitionen in einer etwas abgeänderten Form Einzug in die NHSN Definitionen gefunden.
Definitionen
*katheterassoziierte Bakteriämie (CLABSI)
-
Bakteriämie/Fungämie ab Einlage bis ≤48h nach Entfernen eines ZVKs mit einem annerkannten Keim (S.aureus, Enterococcus spp, E.coli, Pseudomonas spp, Klebsiella spp, Candida spp, Enterobacteriaceae) ohne Hinweise auf einen anderen Infektfokus
oder
- Zwei positive Blutkulturen mit einem Hautkeim ab Einlage bis ≤48h nach Entfernen eines ZVKs und klinische Symptome (Fieber, Schüttelfrost, Hypotonie (<90mmHg oder MAP<70mmHg)) ohne Hinweise auf einen anderen Infektfokus
** modifizierte katheterassoziierte Bakteriämie (mCLABSI)
-
Bakteriämie/Fungämie ab Einlage bis ≤48h nach Entfernen eines ZVKs mit einem anerkannten Keim (siehe CLABSI Definition) ohne Hinweise auf einen anderen Infektfokus
ausser Bakteriämie/Fungämie mit Candida spp, Enterococcus spp, Enterobacteriaceae bei Patienten mit gastrointestinaler GvHD nach allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantation oder Neutropenie nach Hochdosischemotherapie
oder
-
Zwei positive Blutkulturen mit einem Hautkeim ab Einlage bis ≤48h nach Entfernen eines ZVKs und klinische Symptome (Fieber, Schüttelfrost, Hypotonie (<90mmHg oder MAP <70mmHg)) ohne Hinweise auf einen anderen Fokus,
ausser positive Blutkulturen mit viridans Streptokokken bei Patienten mit Mukositis
Quellen
Magan J. Di Giorgio et al. Development of a Modified Surveillance Definition of Central Line- Associated Bloodstream Infections for Patients with Hematologic Malignancies. Infection Control and Hospital Epidemiology, September 2012, Vol.33, No.9.