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Die IAEO hat bereits das zweite Jahr in Folge ihre jährlichen Prognosen für das potenzielle Wachstum der Kernenergie in den kommenden Jahrzehnten nach oben korrigiert. Ereignisse wie geopolitische Spannungen, militärische Konflikte und die Covid-19-Pandemie wirken sich auf die Zuverlässigkeit der Energiesysteme aus, behindern die Energieflüsse zwischen den Ländern und führen zu einem erheblichen Anstieg der Energiepreise.
Laut der IAEO wird die Rolle der Kernenergie als wichtiger Beitrag zur Energieversorgungssicherheit zunehmend anerkannt. In ihrem High-Case-Szenario, den sie in ihrem Prognosebericht «Energy, Electricity and Nuclear Power Estimates for the Period up to 2050» für die weltweite nukleare Stromerzeugungskapazität bis 2050 aufzeigt, geht die IAEO nun davon aus, dass sich die weltweite Kernkraftwerkskapazität bis 2050 auf 873 GW mehr als verdoppeln wird, verglichen mit dem derzeitigen Stand von etwa 390 GW. Das sind 81 GW mehr als bei der letztjährigen Prognose. Im Low-Case-Szenario bleibt die Erzeugungskapazität im Wesentlichen unverändert.
Die IAEO erklärte, dass angesichts der sich verändernden Energielandschaft, des starken Engagements für den Klimaschutz und der erneuten Prüfung der Energieversorgungssicherheit eine Reihe von Mitgliedstaaten ihre nationale Energiepolitik überarbeitet hätten. Dies habe zu Entscheidungen über den langfristigen Betrieb bestehender Reaktoren, den Neubau von Reaktoren der Generation III und III+ sowie die Entwicklung und den Einsatz kleiner modularer Reaktoren geführt.
«Wir befinden uns in einer entscheidenden Phase des weltweiten Übergangs zu einer sichereren, stabileren und erschwinglicheren Energiezukunft», sagte der Generaldirektor der IAEO, Rafael Grossi. «Angetrieben von den Auswirkungen des Klimawandels und der Energiekrise überdenken die Regierungen ihre Portfolios zugunsten der Kernenergie».
Damit das High-Case-Szenario erreicht werden kann, müssen laut Grossi jedoch noch eine Reihe von Herausforderungen bewältigt werden, darunter die Harmonisierung der Rechtsvorschriften und der Industrie sowie Fortschritte bei der Entsorgung hochaktiver Abfälle. Zu den weiteren Herausforderungen gehören Finanzierungs-, Wirtschafts- und Lieferkettenprobleme beim Bau neuer Kernkraftwerke in einigen Regionen. Nach den neuen Prognosen und unter der Annahme, dass die Stromerzeugung in den nächsten drei Jahrzehnten um 85% zunehmen wird, könnte die Kernenergie bis 2050 etwa 14% zur weltweiten Stromversorgung beitragen, während ihr Anteil heute 10% beträgt. Kohle ist nach wie vor der wichtigste Energieträger für die Stromerzeugung, hat aber seit 1980 schrittweise um einige Prozentpunkte abgenommen. In den letzten Jahren hat der Anteil der Solar- und Windenergie einen raschen Anstieg von weniger als 1% im Jahr 1980 auf 9% im Jahr 2021 erfahren.
Quelle
A.D. nach IAEO, Medienmitteilung, 26. September 2022 und NucNet, 26. September 2022
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