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Den Rummel um ihren Geburtstag verstehe sie nicht, fügt Cardinale lachend hinzu. «Es ist mir egal. Es ist normal, die Zeit vergeht, ich bin überhaupt nicht nostalgisch,» versichert sie im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP.
Gefeiert wird auf der Bühne: Im Augusteo-Theater in Neapel spielt Cardinale in der Komödie «Ein seltsames Paar» – einer weiblichen Version des gleichnamigen Stücks von Neil Simon. Geschrieben hat es der im vergangenen Jahr verstorbene Regisseur Pasquale Squitieri, mit dem Cardinale 26 Jahre lang liiert war. «Es ist ein Projekt, das Pasquale sehr gemocht hat, ich mache es zum Gedenken an ihn», verrät die Schauspielerin.
Eigentlich wollte Claudia Cardinale Lehrerin oder Forscherin werden – in Tunesien, wo die am 15. April 1938 in La Goulette bei Tunis geborene Tochter einer Französin und eines Sizilianers lebte. Doch dann wurde sie mit 17 zur «Schönsten Italienerin von Tunis» gewählt und gewann eine Reise zum Filmfestival in Venedig. Von da an war die Schauspielerei ihr Traum – und wurde schnell Realität.
Mit 20 «wurde ich zur Heldin eines Märchens, zum Symbol eines Landes, dessen Sprache ich kaum sprach», schreibt Cardinale in ihrer Autobiografie «Mein Paradies». In den ersten Filmen musste ihre Stimme noch synchronisiert werden, denn Cardinale konnte zwar Französisch, Arabisch und Sizilianisch, aber kein Italienisch. Beim Film «Achteinhalb» 1963 bestand Regisseur Federico Fellini schliesslich darauf, dass sie Italienisch sprach.
Beinahe wäre die so erfolgreich gestartete Karriere nach kurzer Zeit wieder zu Ende gewesen. Als Claudia Cardinale durch eine Vergewaltigung schwanger wurde, wollte sie sich vom Film zurückziehen. Doch der Regisseur Franco Cristaldi überredete sie, das Kind heimlich in London zur Welt zu bringen und in die Obhut ihrer Familie zu geben. Viele Jahre lang galt Patrick nicht als ihr Sohn, sondern als ihr kleiner Bruder.
«Die Cardinale» wurde zur Muse der bekanntesten Regisseure Italiens. Luchino Visconti drehte mit ihr «Rocco und seine Brüder» und den Film «Der Leopard», in dem sie mit Alain Delon vor der Kamera stand. «Visconti sprach mit mir Französisch und wollte mich brünett und langhaarig. Fellini redete Italienisch mit mir und wollte mich lieber blond und mit kurzen Haaren», erinnert sich Cardinale.
Auch das Publikum in den USA weiss die Italienerin zu begeistern – mit Filmen wie «Der rosarote Panther» und «Circus-Welt». Dennoch weigert sie sich, nach Hollywood zu ziehen. Mit ihrem Partner Squitieri – ihrer «einzigen Liebe» und dem Vater von Tochter Claudia – dreht sie zwischen 1974 und 2011 zahlreiche Spielfilme.
Insgesamt spielte Cardinale in rund 175 Filmen mit. Für ihr Lebenswerk wurde sie 1993 in Venedig mit dem Goldenen Löwen und 2002 in Berlin mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet.
Jüngeren Kolleginnen rät Cardinale, die Schönheitschirurgie immer vehement ablehnte, sich nicht auf Rollen einzulassen, für die sie sich «verkaufen» müssten. Ihre Bekanntheit nutzte die Schauspielerin, um sich für die Rechte von Frauen und Schwulen, den Kampf gegen Aids und für Kinder in Kambodscha einzusetzen.
(SDA)