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Elfenbeinmöwen sind echte Polarbewohner und finden sich in den höchsten Breitengraden. Diese markanten weissen Vögel halten sich häufig in der Nähe von Eisbären und Robben auf und ernähren sich von deren Überresten. Ihr ökologischer Status steht gemäss der Roten-Arten-Liste der IUCN auf «gering gefährdet». Doch in Kanada könnten die Vögel sogar bald verschwunden sein. Nur noch 500 Tiere sind dort zu finden. Als Grund für den dramatischen Rückgang der Elfenbeinmöwen könnten nach Angaben eines Biologen die steigenden Quecksilbermengen verantwortlich sein.
«Wenn sich nichts ändert, werden wir bald keine Elfenbeinmöwen mehr in Kanada haben», sagt Alex Bond, dessen Arbeit diese Woche von der British Royal Society veröffentlicht worden ist. Die Population dieser Vogelart, die in Nordamerika nur in Kanada zu finden ist, hat seit den 1980er Jahren einen Rückgang von 80 Prozent verzeichnet. In Kanada leben mittlerweile noch schätzungsweise 500 Brutpaare dieses kleinen weissen Aasfressers. Ihr Lebensraum ist der hohe Norden, wo sie entlang der Eiskante leben und sich von den Überresten, die ihnen die Eisbären überlassen, ernähren. Diese Nahrung könnte das Problem sein, vermutet Bond, der seine Forschungsarbeit während seiner Zeit an der Universität von Saskatchewan in Saskatoon durchführte. Er ist nun Chefwissenschaftler der Königlich Britischen Vogelschutzgesellschaft.
Quecksilber sammelt sich in den verschiedenen Stufen des Nahrungsnetzes an, je höher die Stufe, desto höher die Menge. Elfenbeinmöwen stehen als Aasfresser und Räuber beinahe an der Spitze und sind daher besonders gefährdet. Alex Bond untersuchte in seiner Arbeit als Vergleich alte Museumsexponate und fand heraus, dass die heutigen Möwen 45-fach höhere Quecksilberwerte in sich tragen als noch im 19. Jahrhundert. «Die Mengen, die wir in den Vogelfedern finden, mit den Polpulationsrückgängen in Verbindung zu bringen, ist der wirklich schwierige Teil», erklärt er. «Aber wir wissen bereits, dass von allen arktischen Vogelarten Elfenbeinmöwen die höchsten Quecksilbermengen in ihren Eiern aufweisen.» Der durchschnittliche Anstiegswert für Quecksilber in arktischen Arten liegt knapp unter einem Prozent. Der Wert bei Elfenbeinmöwen beträgt das Doppelte davon. Klimawandel und illegale Jagd könnten zusätzlich eine wichtige Rolle für den Populationsrückgang sein, meint Bond weiter.
Die Mengen von Quecksilber steigen in der Arktis immer weiter an. Das starke Nervengift wird vor allem von Kohlekraftwerken in Nordamerika und Asien ausgestossen und durch Winde in grossen Höhen in die arktischen Gebiete transportiert. Eine Studie von 2011 zeigte, dass China die grössten Mengen an Quecksilber ausstösst, wobei auch viele US-Bundesstaaten und kanadische Provinzen Kohle zur Energiegewinnung verbrennen. Die Studie deutete auch an, dass der Quecksilberausstoss bis 2020 um weitere 25 Prozent ansteigen könnte. Die Minimata-Konvention von 2013, die von 128 Staaten unterzeichnet wurde, verbietet neue Quecksilberminen und beinhaltet Kontrollmessungen der Luftemissionen. Trotzdem steigen die Werte weiter und für Elfenbeinmöwen in Kanada könnte es bald zu spät sein. Die Vogelart gilt nach kanadischen Massstäben dort bereits als «Bedroht», die höchste Stufe der kanadischen Gesetzgebung. Es wurde zwar eine Schutzstrategie erarbeitet, aber die Pläne sollen nicht vor 2017 in Kraft treten. Wenn nichts passiert, stehen die Aussichten für die Vögel schlecht, meint Alex Bond. «Und wenn wir uns den gegenwärtigen Zustand ansehen, ist es überhaupt nicht vielversprechend.»
Quelle: Eye on the Arctic
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