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Brittens 3.te Cellosuite
Benjamin Britten komponierte seine Cello-Suite Nr. 3 im Frühling 1971 für den russischen Cellisten Mstislav L. Rostropovich, während er diesen in Moskau und Leningrad besuchte. Der Auslöser für diese Komposition war eine verlorenen Wette aus dem Jahre 1964. Britten begleitete Rostropovich damals im Auto auf einer Tournee durch England. Rostropovich erzähle während dieser Autofahrt, dass er sich auf der Konzerttournee vor seinem Herzog verneigen will, was Brittens Left-Wing-Identität völlig gegen den Strich geht. Daher beschwört dieser Rostropovich: „Ich mache alles für dich, wenn du dich nur nicht verbeugst.“ Dieses Versprechen wurde eingelöst und durch einen Eintrag auf einer Papierserviette: „Gutschein: Sechs Solosuiten für Slava“.
In unserem Konzert hören Sie Hyazintha Andrej mit der dritten Suite. Musikalisch basiert das Stück – als Ehrung an Rostropovich – auf russischen Volksliedern, die Britten der Volkslieder-Sammlung von Peter Tschaikowsky entnommen hatte, den er sehr verehrte. Das Vokalensemble Kinzler Consort singt vier dieser Volksliederlieder in einem eigenen vierstimmigen Arrangement.
Ursprung des Klagenden
Beginnend mit einer Operation im Jahre 1966 verlor Britten Schritt für Schritt an körperlicher Kraft, was ihn erst an den Rollstuhl fesselte und ihm jedes Werk zur qualvollen Arbeit werden liess und schliesslich zu seinem Tod führte.
Die Themen Tod, Trennung, das Leiden der Unschuldigen und die Sehnsucht nach dem verloren gegangenen Urzustand sind sehr präsent in der dritten Suite wie auch in den Werken, die Britten im selben Zeitraum komponierte. Im Vergleich zu der ersten Suite, die er noch bei guter Gesundheit schrieb, ist die dritte der Suiten wohl am tiefsten vom eigenen Erleben beeinflusst. Das Klagende steht im Mittelpunkt von Brittens Komposition.
Text: Till Löffler