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Südamerika, Argentinien
Patagonien ist eine Region im südlichen Teil Argentiniens. Es liegt zwischen dem 42. und 50. Grad südlicher Breite, und hat eine Fläche von ca. 765'000 Quadratkilometern, was etwa dem 18 fachen der Fläche der Schweiz entspricht. Patagonien umfasst die vier Provinzen Neuquén, Rio Négro, Chubut und Santa Cruz. Mit einer Einwohnerzahl von gut einer Million Menschen, ist es ausserordentlich dünn besiedelt. Es leben weniger als 3 Einwohner auf einem Quadratkilometer.
Die Gegend lässt sich grob in drei parallel zueinander laufende landschaftliche Formationen gliedern. Im Osten, die buchtenreiche Küstenlinie des atlantischen Ozeans, in der Mitte eine grosse Ebene, und im Westen die Anden. Die patagonischen Anden oder auch Südanden genannt, sind niedriger als die Zentralanden. Sie sind mit feuchten Wäldern bestehend aus Zypressen, Föhren und Südbuchen bedeckt. Dazwischen glänzen Seen und Gletscher. Der Winter dauert in dieser Gegend von Juni bis September. Argentiniens Skigebiete, in den Anden, stellen auch anspruchsvolle Wintersportler zufrieden.
Der Wind ist charakteristisch für Patagonien. Er fegt mit bis zu 180 Kilometern pro Stunde über die Erde hinweg und knickt alles um, das höher wächst als 1,50 Meter. Kaum sind die Pampagräser weg, breiten sich Dornsträucher aus. Wer in Patagonien bleiben will braucht Ausdauer. Daher hatten die staatlichen Besiedelungsprogramme aus dem Jahre 1876 auch nicht viel Erfolg. Die meisten Siedler brachen in Tränen aus, als sie das rauhe und steinige Ackerland sahen, und traten ihren Besitz gar nicht erst an. Die Anderen folgten den Pionieren aus alter Zeit und errichteten die legendären boliches. Diese sind eine Mixtur aus Kneipe, Tankstelle, Krämerladen und Reparaturwerkstatt.
Man stellt sich oft vor, dass Patagonien zur Beute habgieriger Grossgrundbesitzer wurde. Doch dies ist nur die halbe Wahrheit. Das schüttere Pflanzenkleid lässt fast keine Bewirtschaf-tung zu, und leidet unter der kleinsten Beanspruchung, denn es regnet in Patagonien nur etwa 50 Zentimeter im Jahr.
Patagonien ist ein Einwanderungsland. Weit über 90% der Bevölkerung sind Nachfahren spanischer und italienischer Einwanderer.
Magellan und auch andere Seefahrer fürchteten sich vom südlichen Teil Südamerikas, denn dort gab es Riesen. Diese Riesen waren etwa 1,80m gross, was für die damalige Zeit riesengross war. Zudem hatten diese Leute auch sehr grosse Füsse was auf Spanisch Æpatas grandes" heisst. Daher stammt der Name Patagonien.
Der Nationalpark Nahuel Huapi
Die ÆInsel des Tigers", was Nahuel Huapi in der Sprache der Mapuche heisst, umfasst 428'100 Hektar. Dieser Nationalpark wird wegen seiner bewaldeten Berglandschaft oft auch als die argentinische Schweiz, Suiza Argentina, bezeichnet. Man versucht daher auch architektonisch eine gewisse Ähnlichkeit herzustellen. Ausserdem befindet sich in Bariloche eine Schokoladefabrik, die ihre Produkte in ganz Argentinien verkauft. Auch die Erhebungen erinnern ein bisschen an die Schweiz, Bariloche liegt auf 770 Metern über Meer und der höchste Berg ist 3554 Meter hoch.
Der Nationalpark Nahuel Huapi ist der grösste Argentiniens. Er verfügt über ein ungewöhnliches Pflanzenkleid, wie zum Beispiel der Arrayane, ein Baum mit zimtfarbenen, spiralig gedrehten Stamm, oder der Araukarie, die von der Form her an eine Tanne erinnert, jedoch anstelle von Nadeln, feste grüne Schuppen trägt.
Mit Booten kann man Ausflüge auf die Inseln des gleichnamigen 550 km2 grossen und 400m tiefen Sees machen. Die berühmteste dieser Inseln ist die Quetrihue, wo sich der grösste Myrthenwald der Erde befindet.
Cerro Fitz Roy
Der Cerro Fitz Roy ist ein 3441 Meter hohes Granitmassiv. Benannt wurde er nach dem britischen Kapitän Fitz Roy, der mit dem Naturkundler Charles Darwin nach Patagonien reiste. Die Felsnadeln des Berges machen jedem Laien- und manchmal auch den Profikletterern zu schaffen. Ausserdem sind in der ganzen Zone um den Berg schöne Wanderungen möglich.
Perito Moreno Gletscher
Der Perito Moreno befindet sich zusammen mit vielen anderen Gletschern im Nationalpark Ælos Glaciares", in der Nähe des typisch patagonischen Dörfchens Perito Moreno und hat eine Fläche von 195 Quadratkilometern. Er ist der einzige wachsende Gletscher der Welt, der in einen See kalbt. Die Eismassen wachsen pro Tag etwa einen Meter in den Lago Argentino.
Der Perito Moreno Gletscher gehört zu einem der spektakulär-sten Anblicken, die Argentini-en zu bieten hat, daher wurde er von der UNESCO zum Naturdenkmal erklärt.
Lange bevor man ihn sieht, hört man die abbrechenden Eisbrocken, die von der 70m hohen Wand ins Wasser fallen. Er ist jedoch nur einer der 13 Gletscher die in den 1415km2 grossen Lago Argentino, den grössten See Argentiniens, fliessen. Alle vier Jahre feiert man am Perito Moreno ein ganz besonderes Ereignis. In diesem Zeitraum schwillt der Gletscher soweit an, dass er einen der Arme des Lago Argentino vom übrigen See vollständig abschneidet. Kontinuierlich steigt das Wasser um bis 30 Meter an. Dadurch erhöht sich der Wasserdruck enorm, so dass es plötzlich zu einem Befreiungsschlag kommt: Das Wasser bricht sich einen grandiosen Tunnel durchs Eis. 1996 ist es voraussichtlich wieder so weit.
Die Cueva de los Manos, die Höhle der Hände, liegt 90 Kilometer von Perito Moreno entfernt. Gruppen der Tehuelche-Indianer haben in der 25 Meter tiefen und 15 Meter breiten Höhle vor mehreren Tausend Jahren Handabdrücke hinterlassen.
San Carlos de Bariloche
Bariloche liegt idyllisch am Andensaum. Carlos Wiederhold, baute 1895 an der Stelle wo sich die Stadt heute befindet seine erste Blockhütte. Er wollte den Handelsweg über die Anden nach Chile ausweiten. Dafür wurden Strassen in den Urwald geschlagen. Um 1904 wurde die Gegend um das kleine Dörfchen planmäs-sig besiedelt. Bald lebten auf den 400 Quadratkilometern 110 Familien mit 3060 Schafen, 3540 Ziegen und 520 Pferden. Im feuchteren Waldbereich war Grosstierhaltung möglich, der trockene Steppenbereich jedoch konnte nur zur Schafzucht verwendet werden. Schlachtvieh war im südlichen Chile zwar ein begehrtes Handelsgut, doch mit der Zeit wurden die Zollbestimmungen verschärft und der wichtige Markt entfiel. Einen wichtigen Stellenwert nimmt die Zugverbindung über Ingeniero Jacobacci nach Buenos Aires ein. Der Trencito, kleiner Zug, wie ihn die Patagonier nennen fährt mehrmals wöchentlich. Für die Fahrdauer über die 370 Kilometer lange Strecke wagt keiner eine genaue Zeitangabe zu geben. Prognosen sind dafür reichlich zu haben. Zwischen 14 und 18 Stunden dauert das Geschaukel, und manchmal erreicht der Trencito sein Ziel überhaupt nicht. Dann nämlich, wenn ihn der patagonische Sturm wieder einmal aus den Gleisen fegt.
Die sechziger Jahre katapultierten Bariloche an die Spitze der argentinischen Urlaubsgebiete, was es mit 80'000 Einwohnern bis heute geblieben ist.
Peninsula Valdés
Valdés ist eine fast menschenleere Halbinsel mit den grössten Schutzgebieten Amerikas für Tiere wie die Guanakos (ähnlich wie Lama), die Magellanpinguine und die Seelöwen respektive die See-Elephanten. Die Halbinsel selbst ist eine karge Steppenlandschaft. Sie liegt in der Nähe von Puerto Madryn.
Der Magellanpinguin bekam seinen Namen von einem Seemann, der 1586 der patagonischen Küste entlang segelte. Er nannte ihn Pengwyn, was soviel wie weisser Kopf bedeutet. Die Pinguine zeigen ein ausgeprägtes Paarverhalten. Auch die Aufzucht der Kinder wird gut organisiert. Es gibt eine Art Kindergarten oder Schule, in der den Jungen das Schwimmen und der Fischfang beigebracht wird.
Für die Tiere herrschen trotz geregeltem Besucherzustrom nicht immer paradiesische Zustände: Früher war die Halbinsel begehrter Stützpunkt von Robbenschlächtern, heute werden die See-Elefanten illegal von Fischern gejagt. Das kristallklare Wasser ist ideal für begeisterte Unterwassersportler. Der Tourismus ist für die Patagonier neben der Schafzucht und dem Abbau fossiler Brennstoffe, eine der wichtigsten Einnahmequellen. Im Westen, auf der vorgelagerten Isla de los Paiaros nisten Zigtausende von Flamingos, Schwänen, Enten und Möwen.
Der grösste Teil der Pinguine, etwa 5 Millionen, lebt aber in Punta Tombo. Dort gehen sie von September bis Mai ihrem Brutgeschäft nach.
Die versteinerten Wälder José Ormachea
Die versteinerten Wälder liegen in der Nähe von Comodore Rivadavia. Unter den reichen fossilen Ablagerungen Argentiniens, sind die versteinerten Wälder ganz besonders hervorzuheben. Vor 65 Millionen Jahren war Patagonien noch mit riesigen Araukarienwäldern bedeckt. Während der Auffaltung der Anden und durch den Ascheregen eines Vulkans wurden die Bäume begraben. Dies führte zur allmählichen Versteinerung des Waldes. Durch die starke Erosion gelangten die Stämme schliesslich wieder an die Oberfläche. Sie sind fast einzigartig auf dieser Welt, da sie hier an ihrem Entstehungsort geblieben sind, und nicht von weit her zusammengetragen wurden.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass Patagonien eine schöne unverdorbene Landschaft, eine aussergewöhnliche Fauna und viele andere Sehenswürdigkeiten bietet. Leider ist diese entlegene Gegend für uns Europäer nur mit grossem Aufwand zu erreichen. Vielleicht liegt aber darin die Chance, dass diese unberührte Natur noch lange erhalten bleibt.
(c) 1996 by Reto Huber, Switzerland