Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03110.jsonl.gz/0

Chang A et al., Humoral Responses Against SARS-CoV-2 and Variants of Concern After mRNA Vaccines in Patients With Non-Hodgkin Lymphoma and Chronic Lymphocytic Leukemia. J Clin Oncol 40: 3020–3031
Die Studie schloss Blutproben von insgesamt 121 Patienten mit NHL/CLL ein. Diese hatten jeweils zwei Dosen eines COVID-19-Impfstoffes (47% Moderna, 53% BioNTech/Pfizer) erhalten. Als Vergleichsgruppe fungierten gesunde Impfprobanden.
Die Antikörperbindung gegen das Spike-Protein, die rezeptorbindenden und N-terminalen Domänen des ursprünglichen Stammes sowie der beiden Virus-Varianten Delta und Omicron wurde mit einem sogenannten Multiplex-Assay gemessen.
In einem weiteren Test bestimmten die Forschenden zudem die Neutralisierung von Lebendviren der Delta-, Omicron- sowie der frühen WA1/2020-Stämme durch die Serumantikörper. Darüber hinaus wurde die Zahl der B-Zellen mithilfe der Durchflusszytometrie ermittelt.
Insgesamt zeigte sich im Ergebnis der Studie, dass die Titer für das anti-SARS-CoV-2-Spike-Immunglobulin-G bei NHL/CLL-Patienten im Vergleich zur gesunden Kohorte sehr viel geringer waren. Den Messungen zufolge fiel die Antikörperantwort infolge einer COVID-19-Impfung bei den Leukämiepatienten rund 85-mal geringer aus, wobei eine Serokonversion auch nur bei 67% der Patienten beobachtet wurde.
Gleiches fand sich für die Neutralisationstests. Auch diese fielen bei Leukämie-Patienten niedriger aus als in der gesunden Kontrolle. Die Behandlung mit anti-CD20-gerichteten Therapien innerhalb eines Jahres führte zudem nach Impfung zu 136-fach niedrigeren Bindungstitern bei den Patienten.
Ebenso korrelierte die Anzahl der B-Zellen im peripheren Blut mit dem Ansprechen auf den jeweiligen Impfstoff. Drei Monate nach der letzten anti-CD20-Therapie sagte eine B-Zellzahl von ≥ 4,31/ml Blut zum Zeitpunkt der Impfung die Reaktion voraus (OR 7,46; p = 0,04). Die Antikörperreaktionen korrelierten ebenfalls erwartungsgemäß mit dem Alter.
Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom und chronischer lymphatischer Leukämie (NHL/CLL) haben ein erhöhtes Risiko, schwerer an COVID-19 zu erkranken oder infolge einer Infektion mit SARS-CoV-2 zu versterben. Die Impfung gegen SARS-CoV-2 wird für diese Patienten daher dringend empfohlen, jedoch waren die erreichten Antikörperreaktionen nach einer solchen Impfung bisher noch unzureichend charakterisiert.
Die Antikörperbindung und die Neutralisierung von SARS-CoV-2-Wildtypvirus und seiner Varianten – Delta und Omicron – waren bei Patienten mit NHL/CLL im Vergleich zu gesunden Geimpften deutlich schwächer ausgeprägt. Eine anti-CD20-Therapie für ein Jahr vor der Impfung und eine niedrige Anzahl zirkulierender B-Zellen waren gute Prädiktoren für ein geringeres Ansprechen auf den Impfstoff.
Die Ergebnisse dieser Studie unterstreichen die Notwendigkeit für Menschen mit leukämischen Erkrankungen, das Ansprechen auf COVID-19-Impfstoffe durch Auffrischungsdosen zu erhöhen. Daneben sollten für schwere Klinikverläufe auch weiterhin antivirale Wirkstoffe und prophylaktische Antikörpertherapien zum Schutz dieser stark immunsupprimierten Patientengruppe zur Verfügung gestellt werden, so die Forschenden abschließend.
Chang A et al., Humoral Responses Against SARS-CoV-2 and Variants of Concern After mRNA Vaccines in Patients With Non-Hodgkin Lymphoma and Chronic Lymphocytic Leukemia. J Clin Oncol 40: 3020–3031