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Im Anschluss an die Philosophen der Aufklärung bezeichneten die liberalen Denker - zu denen auch Mill zählte - die Meinungsfreiheit als ein fundamentales Menschenrecht. In diesem kleinen Autograph mit eingeprägtem Monogramm „JSM“, das aus drei für den Versand bestimmten Folios besteht, kopiert der Philosoph eine Passage aus seinem berühmten „On Liberty“ von 1869, dem Kapitel II entnommen: „Of the Liberty of Thought and Discussion“. Mill betont darin, dass die Menschheit nicht mehr das Recht dazu hätte, eine einzelnstehende Meinung zum Schweigen zu bringen wie diese das Recht dazu hätte, der Menschheit den Mund zu verbieten, wenn sie denn die Macht dazu hätte. Dieses Briefchen wurde vom Autor Stefan Zweig 1923 erstanden, bevor es in den Besitz von Martin Bodmer kam.
Online seit: 22.06.2017
Während seines Exils auf St. Helena konnte Napoleon (1769-1821) eine Bibliothek von 3'000 Büchern benutzen – ein klägliches Mittel gegen Langeweile. Der gestürzte Kaiser fand dennoch Gefallen daran, die antiken und modernen Klassiker zu lesen und zu annotieren. Als Theaterliebhaber las er den Personen aus seinem Umfeld mehrmals La Mort de César von Voltaire vor. Er bekannte sich auch zu seinem Projekt eines Stücks zum gleichen Thema. Dieses Manuskript zeigt eine schnelle Skizze der ersten zwei Szenen. Auf der Seite 3 notiert der von seinem Stoff ermüdete Eroberer strategische und militärische Berechnungen, indem er Fregatten auf Regimenter und Geschütze treffen lässt.
Online seit: 17.12.2015
Dieses Autograph von Arthur Rimbaud (1854-1891) enthält ein Fragment eines Gedichtes. Die drei Abschnitte wurden auf der Rückseite eines Blattes verfasst, mit römischen Zahlen von II bis IV nummeriert und, abgesehen von Teil IV, mit einem Titel versehen. Obwohl der Text in Prosaform geschrieben wurde, könnte die Bezeichnung „sonnet“ (II) von der Form des besagten Ausschnittes herrühren, der in 14 Zeilen präsentiert wird. Der erste Abschnitt enthält das schwierig zu interpretierende Zeichen +, das den Eindruck vermittelt, Rimbaud habe den Abschnitt überarbeiten wollen. Die Nummerierung lässt darauf schliessen, dass diese drei Abschnitte zusammen mit dem Teil Dimanche (I, Handschrift der BNF) eine homogene Einheit bilden, das Gedicht Jeunesse. Aufschriften von anderen Händen nach 1886 sind sichtbar: in der linken oberen Ecke weist die Annotation Illuminations auf die gleichnamige Poesie-Sammlung hin, deren Originaledition auf 1886 datiert ist. Das Gedicht Jeunesse, das aus den vier Strophen besteht, wurde das erste Mal durch Vanier im Jahre 1895 veröffentlicht, nach den Poésies complètes und als Ergänzung zu den Illuminations.
Online seit: 26.09.2017
Die Lettres écrites de la montagne bilden das letzte zu seinen Lebzeiten veröffentlichte Werk Rousseaus. Zum ersten Mal mischt sich der Philosoph hier direkt in die Angelegenheiten Genfs ein. Darin enthalten sind, abgesehen von grundlegenden Äusserungen, weiterentwickelte Gedanken über den Geist der Reformation sowie eine Verteidigung des Contrat Social. Der Brief VII, aus dem dieses Blatt stammt, unterstützt das Recht zur Vertretung, wenn es darum geht, Missbräuche des Kleinen Rates zu beheben, und empfiehlt den im Generalrat versammelten Bürgern, jede Neuwahl von Magistraten abzulehnen, sollten diese darauf beharren ihre von der Verfassung verliehenen Rechte zu überschreiten. Diese Lettres wurden sowohl in Genf wie auch in Paris zensuriert. Das vorliegende Dokument stammt aus der Sammlung Ch. Vellay (Kauf durch Martin Bodmer 1926) und enthält den Entwurf zweier Passagen der Lettres. Die erste davon erschien in der Originaledition (Amsterdam, M. M. Rey, 1764), die zweite in der Edition der Œuvres complètes der Bibliothèque de la Pléiade.
Online seit: 22.06.2017
Das Mémoire présenté à M. de Mably sur l'éducation de M. son fils ist das erste Schreiben Rousseaus, das direkt mit seinen Erfahrungen als Erzieher in Verbindung steht. Er hatte 1740 in Lyon ein schwieriges Amt als Hauslehrer inne, bei der Familie des Notablen Jean Bonnot de Mably, Generalprofos der Gendarmen von Lyon. Bereits nach einem Jahr fand diese Anstellung ein Ende. Zwei kleine Kinder, dem Studium wenig geneigt, waren ihm anvertraut worden: François-Paul-Marie Bonnot de Mably, genannt Monsieur de Sainte-Marie, fünfeinhalb Jahre alt, und Jean-Antoine Bonnot de Mably, genannt Monsieur de Condillac, viereinhalb Jahre alt. Das lange Mémoire, dem älteren Jungen gewidmet, betont den « erzieherischen Auftrag » und die Erfahrung mit der praktischen Erziehung: es präsentiert sich wie ein Konzept und eine Synthese, und seine Verfassung wird auf den Dezember 1740 eingeordnet. Der junge Hauslehrer wendet sich an M. de Mably, dem er seinen Plan und den Aufbau der Erziehung für seinen Sohn bekannt gibt, um « das Herz, das Urteilsvermögen und den Geist zu formen ». Es handelt sich nicht um die natürliche Erziehung, die später in Émile empfohlen wird. Hat Rousseau dieses Mémoire M. de Mably tatsächlich übergeben? Bekannt ist einzig, dass er dieses Manuskript des Mémoire an Mme Dupin, seine Arbeitsgeberin im Jahre 1743, verschenkte, und dass es seither in den « Papieren der Mme Dupin » aufbewahrt wird. Es wurde das erste Mal 1884 in Paris von G. de Villeneuve-Guibert im Le portefeuille de Madame Dupin herausgegeben. Das Manuskript der Fondation Bodmer ist das einzig existierende. Ein Projet d'éducation, viel kürzer, sauberer aufgebaut und von unbekanntem Datum, war zuerst in den Papieren Rousseaus bei seinem Tod gefunden worden (dieses heute verlorene Manuskript war 1782 in Genf herausgegeben worden). Es ist dem Mémoire sehr ähnlich und scheint später geschrieben worden zu sein (allerdings gibt es in Bezug auf die chronologische Reihenfolge der beiden Texte keine Sicherheit).
Online seit: 23.06.2016
Diese „paperolle“, die aus dem berühmten „Code Gonzague“ (aufbewahrt in der Biblioteca Ariostea von Ferrara) stammt, ist eine Arbeitsschrift für eine Passage, die dem grossen Epos von Tasso, das im vorherigen Jahr vollendet worden war, hinzugefügt wurde. Der Dichter hatte sein Werk mehreren Humanisten und ranghohen Gelehrten vorgelegt und er berücksichtigte gewisse Kritiken und Ratschläge, indem er seine Verse während des Sommers 1576 überarbeitete. Einige Strophen wurden tiefgreifend ausgebessert oder sogar vollständig neu geschrieben. Die Strophe 42 war eine der am stärksten überarbeiteten, so stark, dass Tasso diesen kleinen Papierstreifen mit der definitiven Version des Textes in die Handschrift kleben musste. Der Text beschreibt die Haltung und die Gedanken der muslimischen Prinzessin Armida, die sich anschickt, den Kalifen und seine Armee zum Kampf bis zum Tod gegen die Kreuzritter aufzurufen, um sich auf diese Weise am christlichen Held Rinaldo zu rächen, der sie verlassen hatte.
Online seit: 22.06.2017
Felix Lope de Vega y Carpio (1562-1635), Autor von zahlreichen comedias de santos, beendete diese Historia de Barlán y Josafat, comedia in drei Akten und in Versen in seinem Haus „En Madrid a primero de febrero de 1611“. Diese vollständige Handschrift enthält zahlreiche Korrekturen und Nachbearbeitungen. Diese Geschichte einer Bekehrung ist mehr als eine authentische christliche Legende (die damals dem Heiligen Johannes von Damaskus zugeschrieben wurde) – sie ist eine christianisierte Erzählung. Im Prinzen, der zuerst seinen Palast aufgibt, um die Plagen der Welt kennenzulernen, danach seinen Thron für ein meditatives Leben in Askese verlässt, kann man gewiss Buddha wiedererkennen. Die erbauliche christliche Geschichte, die an den Ufern des Ganges spielt, ist nichts anderes als eine Umsetzung des Vie du Bodhisattva, einem Text in Sanskrit des 2.-4. Jhs., der während der Jahrhunderte zuerst von den Manichäern, danach von den Arabern, Georgiern und Byzantinern übersetzt und bearbeitet wurde, bevor er schliesslich die Völker des weit entfernten Abendlandes erreichte: das Werk von Lope de Vega fügt sich also in eine eindrückliche Kette von geistigen Überlieferungen ein (ohne dass dies dem Autor bewusst gewesen wäre).
Online seit: 17.12.2015