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Eine schreckliche Geschichte
Am Montagabend sind in Mailand die Preisträger der mit je 750’000 Franken dotierten Balzan-Wissenschaftspreise bekanntgegeben worden. Es sind dies der israelische Historiker Saul Friedländer, der für seine Holocaust- und Genozidforschung geehrt wird, der US-Mikrobiologe Jeffrey Gordon (für die Erforschung des Mikrobioms), schliesslich die Physiker Alessandra Buonanno aus Italien und Thibault Damour aus Frankreich für ihre Forschungen zur Gravitation. Buonanno und Damour teilen sich einen Preis, ein vierter zur Vorderasiatischen Kunst und Archäologie wurde nicht vergeben.
Preisträger fördern Nachwuchstalente
Der Balzan-Preis ist eine der angesehensten wissenschaftlichen Auszeichnungen überhaupt. Schon des Öfteren haben ihn Forscher bekommen, die später auch mit dem Nobelpreis geehrt wurden. Angela Lina Balzan stiftete den Preis 1956 im Gedenken an ihren drei Jahre zuvor verstorbenen Vater, den wohlhabenden Journalisten Eugenio Balzan.
Das Besondere dieser Auszeichnung liegt darin, dass jedes Jahr andere Preisgebiete zum Zug kommen, und zwar je zwei aus den Bereichen Medizin, Mathematik und Naturwissenschaften sowie aus Geistes- und Sozialwissenschaften sowie Kunst. 2001 ist noch ein zweites besonderes Merkmal hinzugekommen: Die Preisträger sind verpflichtet, die Hälfte der Preissumme in Nachwuchsforschung zu investieren. Schliesslich wird in mehrjährigem Abstand auch ein Preis für Humanität, Frieden und Brüderlichkeit vergeben.
Eugenio Balzan hatte eine besondere Beziehung zur Schweiz. Der Journalist, der beim Mailänder «Corriere della Sera» eine steile Karriere hingelegt hatte, wurde von den Faschisten verdrängt und zog sich in das Tessin zurück, wo er auch starb. Der nach ihm benannte Preis hat deshalb eine besondere Beziehung zu Italien und zur Schweiz. Er wird denn auch abwechslungsweise in Rom und Bern übergeben – in Rom vom Staatspräsidenten, in Bern vom Bundesrat.
Friedländers Eltern nach Auschwitz geschickt
Eine besondere und sehr schmerzliche Beziehung zur Schweiz hat auch der prominenteste Preisträger dieses Jahres, der heute 88-jährige Historiker Saul Friedländer. Er wurde 1932 in Prag als Pavel Friedländer in eine deutschsprachige jüdische Familie geboren. Seine Eltern flohen vor den Nazis zunächst nach Paris, dann in den Süden Frankreichs. 1942 versuchten sie über die Grenze in die Schweiz zu fliehen. Ihren Buben hatten sie in einem katholischen Internat versteckt, wo er vom Weltgeschehen völlig isoliert war. Wie Friedländer später herausfand, hätten seine Eltern vermutlich Asyl in der Schweiz erhalten, hätten sie mit Kind um Aufnahme ersucht. So aber wurden sie zurückgewiesen, der französischen Polizei übergeben und in Auschwitz ermordet.
Seine persönliche, auch in Erinnerungen erkundete Geschichte führte Saul Friedländer dazu, sich intensiv mit der Geschichte der Juden, vor allem aber mit dem Holocaust zu beschäftigen und dabei vor allem die Opfer in den Mittelpunkt zu stellen. Sein zentrales Werk trägt den Titel «Das Dritte Reich und die Juden». Als Historiker lehrte und forschte er in Genf, Jerusalem, Tel Aviv und Los Angeles. Und er befasste sich als Mitglied der Expertenkommission Schweiz-Zweiter Weltkrieg vertieft mit der Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg.
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