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Das Beben im Zentrum des südamerikanischen Landes vom frühen Mittwochabend Ortszeit hatte nach Angaben der US-Erdbebenwarte (USGS) eine Stärke von 8,3. Die Marine gab eine Tsunami-Warnung für die Pazifikküste Chiles aus. Das erdbebengefährdete Land verfügt über ein umfassendes Frühwarn- und Evakuierungssystem.
Innenstaatssekretär Mahmoud Aleuy erklärte, rund eine Million Menschen seien von der Evakuierungsaktion an Chiles Pazifikküste betroffen gewesen. Die nationale Katastrophenschutzbehörde Onemi erklärte am Donnerstag dann im Kurznachrichtendienst Twitter, die Tsunami-Warnung sei im ganzen Land wieder aufgehoben worden.
In der am stärksten betroffenen Region Coquimbo erreichten hohe Wellen die Zentren mehrerer Städte, wie Fernsehbilder zeigten. In der nahe gelegenen Hafenstadt Valparaíso, in der ebenfalls Wellen hochschlugen, verbrachten viele Menschen die Nacht sicherheitshalber unter freiem Himmel.
In den Schulen in den Küstenstädten im Zentrum und Norden des Landes fiel der Unterricht aus. Landesweit hatten mehr als 135'000 Familien am Donnerstag keinen Strom. Dutzende, teils schwere Nachbeben erschütterten die Erde.
Die Erdstösse hatten Folgen bis nach Nicaragua, wo zeitweilig rund 18'000 Menschen aus 83 Gemeinden an der Pazifikküste in Sicherheit gebracht wurden. Peru hob die Tsunami-Warnung für seine Küste nach einer Weile auf. Auch für die US-Bundesstaaten Kalifornien und Hawaii wurden Tsunami-Warnungen herausgegeben. Schwächere Flutwellen wurden in Japan und Neuseeland erwartet.
In Illapel in der Nähe des Epizentrums stürzten mehrere Häuser ein, etwa zehn Menschen wurden verletzt. Auch in Santiago de Chile waren die Erschütterungen deutlich zu spüren, tausende Menschen rannten in Panik auf die Strasse. "Die Erschütterungen waren erst leicht und dann immer stärker", sagte Hauptstadtbewohnerin Jeannette Matte.
Selbst in der 1400 Kilometer entfernten argentinischen Hauptstadt Buenos Aires war das Erdbeben spürbar. "Wir sind in Panik geraten, das Gebäude hat nicht aufgehört zu wackeln", sagte die 65-jährige Einwohnerin Celina Atrave der Nachrichtenagentur AFP.
Laut chilenischem Innenministerium handelte es sich um das sechstschwerste Erdbeben in der Geschichte des Andenlandes. Chile liegt am sogenannten Pazifischen Feuerring. An dem hufeisenförmigen Vulkangürtel, der den Pazifischen Ozean umgibt, stossen gleich mehrere Kontinentalplatten und ozeanische Platten aneinander. Weil sie ständig in Bewegung sind, wird Chile immer wieder von Erdstössen erschüttert.
Im Februar 2010 waren durch ein Beben der Stärke 8,8 und einen anschliessenden Tsunami in Chile mehr als 500 Menschen ums Leben gekommen. Der damalige Schaden belief sich auf umgerechnet rund 30 Milliarden Franken.
Zu einer Katastrophe war es 1939 gekommen. Nach einem Beben der Stärke 7,8 starben 28'000 Menschen. Auch das stärkste je gemessene Erdbeben geschah in Chile: 1960 registrierten Geologen die Stärke 9,5 - 1655 Menschen starben.