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Alt Bundesrätin Elisabeth Kopp zum 80. Geburtstag!
Sie war die Dienstältere, ich war einige Lebensjahre voraus, als ich 1983 Elisabeth Kopp im Nationalrat kennen lernte. Sie war bereits 1979 ins Parlament gewählt und 1983 glanzvoll wiedergewählt worden.
Mich faszinierte damals, dass sie bereits eine eindrückliche politische Karriere hinter sich hatte. Ihr Einsatz für das Frauenstimmrecht war legendär, die Volksabstimmung von 1971 erfolgreich. 1970 wurde sie in den Gemeinderat ihrer Wohngemeinde Zumikon gewählt, von 1974 bis 1984 präsidierte sie ihn, als erste Gemeindepräsidentin der Deutschschweiz. Verkehrsprobleme, Verbesserung der Wohnqualität, Einsatz von Alternativenergien waren Themen ihrer als vorbildlich gewürdigten Amtsführung. Elne Pionierrolle hatte sie auch von 1972 – 1979 als erstes weibliches Mitglied des Erziehungsrates des Kantons Zürich.
Auf nationaler Ebene setzte sie sich auch im eidgenössischen Parlament für Frauenrechte, so für einen Gleichberechtigungsartikel in der Bundesverfassung und für die Belange des Umweltschutzes ein. 1984 wurde sie Vizepräsidentin der FDP Schweiz.
1983 wurde erstmals eine Frau als Bundesratskandidatin vorgeschlagen, Lilian Uchtenhagen von der SP. Ich erinnere mich noch an einige der Kollegen, die Uchtenhagen , aus welchen Gründen auch immer, nicht wählen wollten und ernsthaft verkündeten: „Wenn eine Frau wie Elisabeth Kopp kandidieren würde, wir würden sie sofort wählen!“ 1984 wurden sie auf dem linken Fuss erwischt, als Bundesrat Rudolf Friedrich gesundheitsbedingt nach kurzer Amtszeit zurücktrat. Die FdP schlug dem Parlament grosszügig zwei Kandidierende zur Auswahl vor: den damaligen Parteipräsidenten Bruno Hunziker, als „Mann der Wirtschaft“ angepriesen, und Elisabeth Kopp. Zur Überraschung vieler wurde Kopp mit 124 von 244 Stimmen im ersten Wahlgang als erste Frau in den Bundesrat gewählt.
«Nägel mit Köpfen»
Meine Beurteilung voraus: Elisabeth Kopp war eine tüchtige Bundesrätin. Sie hatte angekündigt, dass sie „Nägel mit Köpfen“ machen wolle. Und das tat sie denn als Vorsteherin des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidpartementes auch. Sie war verantwortlich für die Flüchtlings- und Ausländerpolitik. Das war damals schon eine dornige Angelegenheit. Mit der Schaffung des Amtes des Delegierten für das Flüchtlingswesen und der Einsetzung von Peter Arbenz als Amtsdirektor sorgte sie für Beruhigung. Mit der Revision des Asylgesetzes setzte sie neue Schwerpunkte.
Die Besserstellung der Frau in der Gesellschaft war ihr weiter ein zentrales Anliegen. Die Revision der Bundesverfassung, welche stagnierte, bekam unter ihrer Leitung wieder Fahrt. Sie setzte sich für mannigfache Gesetzgebungsvorhaben ein, so für die strafrechtliche Erfassung der Geldwäscherei, die Bekämpfung des Drogenhandels, die Revision des Aktien- und des Urheberrechts. Es gäbe noch vieles aufzuzählen. Ich wiederhole es, sie war eine tüchtige Bundesrätin mit unermüdlicher Schaffenskraft. Im Dezember 1988 wurde sie, wiederum als erste Frau, als Vizepräsidentin des Bundesrates für 1989 gewählt.
Am 12. Dezember 1988 gab sie ihren Rücktritt auf Ende Februar 1989 bekannt. Dies war das Resultat einer wochenlangen Medienkampagne, die hier auszubreiten der Raum fehlt. Von all den erhobenen Verdächtigungen und Anschuldigungen wurde Elisabeth Kopp in der Folge durch eine parlamentarische Untersuchungskommission und durch das Bundesgericht freigesprochen. Ihre gesellschaftliche Rehabilitation dauerte länger.
Etwa seit dem Jahr 2000 begann Elisabeth Kopp wieder, öffentlich aufzutreten und sich in verschiedenen Themen zu engagieren. Heute ist sie gesuchte Teilnehmerin an Podiumsgesprächen und Referentin zu gesellschaftspolitischen Entwicklungen und Fragen der aktuellen Politik.
Elisabeth Kopp, hochbegabt, tatkräftig, mit feinem Humor ausgestattet, hat ein aussergewöhnliches und aussergewöhnlich schwieriges Leben tapfer durchgestanden. An ihrem 80. Geburtstag wird sie einen Blick zurückwerfen, aber auch in die Zukunft blicken. Ich wünsche ihr einen festlichen Tag im Kreise ihrer Familie sowie freudvolle Tage und spannende Herausforderungen im nächsten Lebensabschnitt.