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Kunst-Tresor - Willy Müller-Brittnau
Seit 1972 befindet sich Werk «Ohne Titel 1/1» von Willy Müller-Brittnau in der Kunstsammlung Emmen. Es ist in Acryl gemalt, begonnen 1969, fertiggestellt erst 1972. Paul Steger, Architekt des 1970-72 erbauten Zentrum Gersag, bestehend aus Verwaltungs- und Saalbau, hat es der Gemeinde geschenkt.
Willy Müller-Brittnau (1930-2003) gehörte zur zweiten Generation der Schweizer Künstler modularer und serieller Ordnungen, die hauptsächlich mit Quadraten und Rechtecken gestalteten und auf farbliche Interaktion setzten. 1958 wurde die Begegnung mit Werken des amerikanischen Action Painting für Willy Müller-Brittnau zum Schlüsselerlebnis. Nach der Beschäftigung mit informeller Malerei entwickelte er, diesmal beeinflusst von Colour Field Painting aus den USA, eine eigene geometrische Bildsprache. Seine Bilder, stets von sparsamer Komposition und mit disziplinierter Farbsetzung, zeigen keine Pinselspuren und emotionalen Ausbrüche – sie wirken wie visuelle Mantras zur Meditation.
Erlernt hatte der in Winterthur aufgewachsene Künstler in Zofingen aus familiären Gründen den Beruf des Retoucheurs. Bis 1963 behielt er den Brotberuf bei, daneben malte er, wenig später wurde er freischaffender Künstler und schuf in der Folge auch zahlreiche Kunst am Bau-Gestaltungen in der Schweiz. (Zu diesem Thema ist in einem späteren Beitrag auf einen bedauerlichen Vorfall in Emmen zurückzukommen.) In den Sechzigerjahren lebte Willy Müller im aargauischen Brittnau. Der Basler Museumsdirektor Franz Meyer nannte ihn deshalb zur Unterscheidung von Namensvettern Müller-Brittnau, und dieser Namen blieb ihm, auch als er in eine Nachbargemeinde zog. 1976, nach einer künstlerischen Krise, schloss Müller-Brittnau mit der Farbfeldmalerei ab und wechselte zu Bildern mit gestisch-wilden Formen.