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Krankheit lässt den Wert der Gesundheit erkennen. - Heraklit
San Francisco – Ein Mangel an UV-Licht, der seit längerem als Risikofaktor für die multiple Sklerose im Erwachsenenalter vermutet wird, könnte die Erkrankung auch in der Kindheit begünstigen. Dies kam in einer Fall-Kontrollstudie in Neurology (2021; DOI: 10.1212/WNL.0000000000013045) heraus.
Die meisten Patienten erkranken im Erwachsenenalter an einer multiplen Sklerose mit einem Altersgipfel zwischen 20 und 50 Jahren. Bei etwa 3 bis 10 % beginnt die Erkrankung jedoch bereits im Kindes- und Jugendalter, weniger als 1 % ist jünger als 10 Jahre.
Die Ursache ist wie im Erwachsenenalter unklar. Vermutet wurden bisher Infektionen (Epstein-Barr Virus) oder eine genetische Prädisposition (HLA DRB1*1501). Forscher aus Kalifornien und Australien fanden jetzt einen weiteren Risikofaktor, der bisher nur für erwachsene Patienten diskutiert wird.
Seit langem ist bekannt, dass die Häufigkeit der Erkrankung mit der Entfernung vom Äquator zunimmt. Die fehlende Bildung von Vitamin D in der Haut wird als Auslöser diskutiert (ohne dass dies endgültig bewiesen ist). Auch Kinder halten sich immer seltener im Freien auf.
Von den 332 Kindern und Jugendlichen, bei denen vor median 7,3 Monaten eine multiple Sklerose diagnostiziert wurde, gaben 19 % an, dass sie im letzten Sommer täglich im Durchschnitt weniger als 30 Minuten im Freien verbracht hätten verglichen mit nur 6 % in einer Vergleichsgruppe von 534 Kindern gleichen Alters und Geschlechts, die nicht an einer multiplen Sklerose erkrankt waren. Mehr als 2 Stunden am Tag hatten sich im letzten Sommer nur 18 % der pädiatrischen Patienten im Freien aufgehalten gegenüber 25 % in der Kontrollgruppe.
Nach den Berechnungen eines Teams um Emmanuelle Waubant von der Universität von Kalifornien in San Francisco könnte bereits der tägliche Aufenthalt der Kinder im Freien von 30 Minuten bis einer Stunde im Sommer das Erkrankungsrisiko um 52 % senken (adjustierte Odds Ratio AOR 0,48; 95-%-Konfidenzintervall 0,23 bis 0,99). Kinder die im Sommer täglich 1 bis 2 Stunden draußen waren, erkrankten sogar zu 81 % seltener (AOR 0,19; 0,09-0,40).
Das Risiko war auch abhängig von der UV-Dosis. Kinder in Florida erkrankten zu 21 % seltener als Kinder in New York. Das Risiko nahm pro UV-Dosis von 1 kJ/m2 um 24 % ab (AOR 0,76; 0,62-0,94). Der schützende Effekt wird laut Waubant durch Lichtschutzfaktoren nicht aufgehoben.
Obwohl die Dosis-Wirkungsbeziehung auf eine Kausalität hinweist, kann die Studie die protektive Wirkung von UV-Licht nicht beweisen. Waubant rät jedoch allen Eltern, ihre Kinder im Sommer täglich mindestens 30 Minuten in der Sonne verbringen zu lassen (und bei Bedarf Sonnenschutz zu verwenden). Das gelte insbesondere für Familien, in denen es bereits zu einem Erkrankungsfall gekommen ist.