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Da sass ich also, in der Zelle 36, mit der Nummer 2412000. Oder ich lag. Oder ich stand. Ich trank, damit ich nicht liegenblieb und ich schlurfte herum, damit ich nicht mehr sitzen musste. Ich dachte an alles, aber merkte mir nichts. Anfangs schlief ich wie üblich bis etwa halb sieben Uhr, dann wachte ich immer später auf und mein Körper gewöhnte sich an einen unerkennbaren Rhythmus, der mich einschlafen und aufwachen liess zu welcher Zeit auch immer. Die Zeit ist so allgegenwärtig und trotzdem unverständlich. Draussen bedeutet Zeit im Grunde genommen alles. Sie klammert sich am linken Handgelenk der Menschen fest und regiert ihr Leben auf die Sekunde genau. Die Zeit ist ein überemanzipiertes Ding, das die Welt beinahe vollständig beherrscht. Der Blick auf die Armbanduhr ist nicht nur eine Frage nach der Zeit, sondern ein beinahe religiöser Akt. Ein Blick in die Bibel oder aufs Zifferblatt, und der Mensch fühlt sich in seinem Dasein bestätigt.
In meiner Zelle baute ich mir ein imaginäres Zeitvakuum, das es mir verunmöglichte irgendeine Zeitangabe zu machen. Anfangs führte ich noch einen Robinson Crusoe Kalender mit Strichen an der Wand, doch ich fand es lächerlich. Ich bestimmte die Zeit. Ich war die Zeit. In der Zelle 36 mit der Nummer 2412000.
Ich schlief viel, wachte irgendwann auf, trank. Ging aufs Klo, setzte mich. Wurde müde, schlief ein. Ich bekam mein Essen in die Zelle, doch wusste ich bald nicht mehr, ob es nun Frühstück, Mittagessen oder Abendbrot war. Und ich machte mir auch keinerlei Gedanken darüber. Ich machte mir keine Gedanken darüber, ob es mir gut ging. Ich machte mir keine Gedanken darüber, ob es anderen schlecht ging. Ich machte mir keine Gedanken darüber, was der nächste Moment bringen würde. Ich sass einfach da, in der Zelle 36 mit meiner Nummer 2412000.