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Damagazelle
Gazella dama
© 1991 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion und
in der UN-Briefmarkensammlung «Gefährdete Tierarten»)
Mit einer Schulterhöhe von bis zu 120 Zentimetern und einem Gewicht von bis zu 75 Kilogramm ist die Damagazelle (Gazella dama) eine recht grossgewachsene Vertreterin ihrer artenreichen Sippe. Auffälliges Körpermerkmal - und für die Art kennzeichnend - ist ein weisser Fleck auf der Halsvorderseite.
Die Damagazelle ist in der nördlichen Hälfte Afrikas zu Hause: Ihr Verbreitungsgebiet erstreckte sich einst in einem breiten Gürtel über die gesamte südliche Randzone der Sahara und die ganze Sahelzone - von Marokko südwärts bis nach Senegal und von da ostwärts bis zum Sudan. In unserem Jahrhundert haben die Bestände der schlanken Gazelle jedoch überall stark abgenommen. Übriggeblieben sind einige kleine und weit verstreute Restpopulationen, deren Gesamtbestand auf höchstens noch 5000 Individuen geschätzt wird.
Der bevorzugte Lebensraum der Damagazelle ist die offene, spärlich von Grasflächen, Büschen und Bäumen durchsetzte Halbwüste. Sie ernährt sich hauptsächlich von Gräsern und allerlei krautigen Pflanzen, «nascht» aber auch gern vom Blattwerk der Gehölzpflanzen. Kaum eine Pflanze verschmäht sie, denn in ihrem kargen Lebensraum darf sie nicht wählerisch sein. In Anpassung an ihre öde Wüstenheimat vermag sie im übrigen wochenlang ohne Trinkwasser auszukommen.
Gewöhnlich lebt die Damagazelle in Gruppen von vier bis fünfzehn Tieren unterschiedlichen Alters und Geschlechts. Diese gemischtgeschlechtlichen Trupps ziehen die meiste Zeit des Jahres nomadisch umher. So können sie das örtlich und zeitlich stark schwankende Nahrungsangebot besser nutzen und allzu kargen Nahrungsbedingungen beizeiten ausweichen.
Die meisten Damagazellenkinder kommen zwischen Juli und November zur Welt, also während der Sommerregenzeit, wenn die Weide verhältnismässig «üppig» ist. Schon wenige Stunden nach der Geburt vermögen sich die Jungen auf ihren dünnen Beinchen aufzurichten, und schon am Ende ihres ersten Lebenstags können sie mit dem mütterlichen Trupp Schritt halten. Zwar nehmen sie alsbald feste Nahrung zu sich, doch werden sie noch bis zum Alter von etwa fünf Monaten zusätzlich von ihrer Mutter gesäugt. Während die jungen Männchen die Geschlechtsreife mit etwa vierzehn Monaten erreichen, können die jungen Weibchen noch vor ihrem ersten Geburtstag in Brunft kommen, sich paaren und trächtig werden.
Wie die meisten afrikanischen Antilopen muss sich die Damagazelle vor einer ganzen Reihe von Fressfeinden in acht nehmen: Löwen, Leoparden, Geparde, Wildhunde und Hyänen stellen ihr gerne nach. Alle diese Raubsäuger sind jedoch überall im Verbreitungsgebiet der Damagazelle vom Menschen stark zurückgedrängt worden und stellen heute für die aufmerksame Gazelle keine nennenswerte Gefahr mehr dar.
Vorteile hat der Damagazelle diese Verminderung der Fressfeinde allerdings kaum gebracht, denn der Mensch hat nicht nur jenen, sondern auch ihr enorm zugesetzt. Gnadenlose, oft als reiner «Sport» betriebene Bejagung hat ihre Bestände auf breiter Front schrumpfen lassen.
Zusätzlich hat die elegante Gazelle in unserem Jahrhundert stark unter der enormen Ausweitung der Landwirtschaft und der Viehzucht durch den Menschen gelitten. Seitdem die technischen Mittel zur Förderung der tief unter dem Wüstenboden ruhenden Grundwasservorräte zur Verfügung stehen, sind riesige, vormals völlig unwirtliche Wüstenrandgebiete im Rahmen ehrgeiziger Entwicklungshilfsprojekte erschlossen worden. Die Damagazelle wurde dadurch aus weiten Bereichen ihres früheren Lebensgebiets unnachgiebig verdrängt.
Der wirksame Schutz der verbleibenden Damagazellenbestände innerhalb von Reservaten und Nationalparks scheint gegenwärtig die einzige erfolgversprechende Massnahme zur Erhaltung der Art in freier Wildbahn zu sein. Besondere Bedeutung dürfte dabei einem Reservat zukommen, das sich im Bereich der Aïr-Berge und der Ténéré-Wüste im Norden der Republik Niger im Aufbau befindet und das dereinst eine Fläche von 90 000 Quadratkilometern (das entspricht zweimal der Fläche der Schweiz) aufweisen wird. Es wird einer gesunden Population von Damagazellen eine Heimat zu bieten vermögen.
Mehrere hundert Damagazellen leben im übrigen in Tiergärten auf der ganzen Welt und pflanzen sich erfreulich fort. Dies hat die Fachleute dazu bewogen, die Wiederansiedlung gezüchteter Individuen an gut geschützten Stellen ihres einstigen Verbreitungsgebiets an die Hand zu nehmen. Ein erstes solches Projekt wurde in den achtziger Jahren im Geumbeul-Nationalpark in Senegal gestartet, wo die Art seit den sechziger Jahren als ausgestorben galt. Solche Wiedereinbürgerungsversuche können mithelfen, die Überlebenschancen der feingliedrigen Damagazelle massgeblich zu erhöhen.
Damagazelle
Gazella dama
Systematik
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Paarhufer
Familie: Hornträger
Körpermasse
Kopfrumpflänge: 140-165 cm
Schulterhöhe: 90-120 cm
Gewicht: 40-75 kg
Fortpflanzung
Jungenzahl: meist 1 je Geburt
Tragdauer: ca. 6 Monate
Höchstalter: um 12 Jahre
Bestandssituation
Bestand: maximal 5000 Tiere
Rote Liste: «bedroht»
CITES: Anhang I
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