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Die gute Stube
In ihrem «Deutschen Wörterbuch» definieren die Gebrüder Jacob und Wilhelm Grimm den Begriff «Stube» als warm-behaglichen Wohnraum. So war die «gute Stube» in einem Bauernhaus, später auch im bürgerlichen Milieu oft der Raum, der besser ausgestattet war als die anderen und der nur zu besonderen Anlässen benutzt wurde. Am warmen Kachelofen empfing man Gäste und verwöhnte sie mit dem Besten, was man hatte: schöne Möbel, edles Geschirr, feine Textilien.
In vielen Städten sah die Situation im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts ganz anders aus: Gerade einkommensschwache Bevölkerungsschichten lebten in beengten und oft auch prekären Verhältnissen. Ab den 1920er-Jahren führte der Mangel an bezahlbarem Wohnraum dazu, dass sich immer breitere Kreise von Stadtbewohnerinnen und -bewohnern kaum noch eine Wohnung leisten konnten – geschweige denn eine warme Stube. So setzten sich viele neu gegründete Wohnbaugenossenschaften wie die abl das Ziel, «gesunde und billige Wohnungen» für ihre Mitglieder zu erstellen und sie an diese zu vermieten.
Mit Bildern von praktisch eingerichteten Räumen wie Küche, Bad und Waschküche präsentierte die abl sich und ihre Wohnungen. Aber auch das zeitgemäss eingerichtete Wohnzimmer fand Platz in den Broschüren, wie dieses Beispiel aus einer abl-Wohnung (vermutlich auf der Sagenmatt) von 1929 zeigt.
Bild aus der Broschüre «5 Jahre Allgemeine Baugenossenschaft Luzern» (Unionsdruckerei Luzern, 1929).
«Vergissmeinnicht» wird von Florian Fischer betreut. Er ist Co-Leiter des Stadtarchivs Luzern und abl-Mieter.
Zum letzten «Vergissmeinnicht»: Markus Hirt teilte uns mit, dass der linke Kämpfer Herr Braun, Zugführer, und die Dame im Bild dessen Ehefrau ist. Beide wohnten an der Tödistrasse 13 und waren direkte Nachbarn von ihm.