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Zwischen Wissenschaft und Politik besteht in der Schweiz wenig direkte Interaktion. Da wissenschaftliche Erkenntnisse bei der Erarbeitung von Gesetzen und der Lösung gesellschaftlicher Fragen zunehmende Bedeutung haben, ist für die Parlamentarier der Bundesversammlung der Austausch mit der Wissenschaft ebenso wünschenswert wie umgekehrt für die Wissenschaftswelt der Kontakt mit der Politik. Seit 2002 werden Stipendien an junge WissenschaftlerInnen verschiedener Fachrichtungen vergeben, die für ein Jahr die Mitglieder von National- und Ständerat unterstützen. Die Gebert Rüf Stiftung hat die Pilot- und Aufbauphase dieses Stipendienprogramms als Hauptpartnerin unterstützt, sowohl in finanzieller als auch in beratend-begleitender Hinsicht (GRS-068/00 und GRS-073/03).
Seit November 2006 werden die Stipendien im Sinne der Professionalisierung und finanziellen Absicherung von der neu gegründeten Stiftung Wissenschaftliche Politikstipendien getragen. Zusammen mit den Akademien und der Bundesversammlung gehört die Gebert Rüf Stiftung zu den Stiftungsgründern. Die Stiftung wurde 2007 bis 2009 finanziert von den Akademien, dem Bundesparlament und von neu gewonnnen Partnern: dem Schweizerischen Nationalfonds, den ETH-Institutionen, der KTI und 9 von 10 Schweizer Universitäten. Die Gebert Rüf Stiftung unterstützt mit dem vorliegenden Projekt die Stiftung dabei, den Übergang zur finanziellen Unabhängigkeit zu ermöglichen. Die 20%-Stelle des Geschäftsführers Thomas Pfluger wird 2007 bis 2009 zur Hälfte durch die oben erwähnten Stiftungspartner und zur Hälfte durch die Gebert Rüf Stiftung finanziert.
Die Gebert Rüf Stiftung finanzierte das Programm, weil es im Gesellschaftsbereich der Politik einen substantiellen und wegweisenden Beitrag zur aktuellen Thematik "Public Understanding of Science" leisten kann. Das Outphasing-Projekt wurde unterstützt, weil es der Institutionalisierung der Ziele diente und Finanzen von dritter Seite mobilisierte.
Seit 2007 bis heute sind acht Stipendien finanziert worden:
Dr. Florence Miguet, Wirtschaftswissenschaften, Universität Genf. Stipendium Januar bis Oktober 2007. Heute Ökonomin bei der Schweizerischen Nationalbank.
Dr. Katrin Bernath, Mathematik und Umweltökonomie, Universität Zürich und WSL. Stipendium Februar 2007 bis Januar 2008. Heute Projektleiterin bei Ernst Basler + Partner AG.
Dr. Jean-Daniel Strub, Ethik und Theologie, Universität Zürich. Stipendium August 2007 bis Juli 2008. Heute Leiter des Sekretariats der Nationalen Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin.
Dr. Muriel Bendel, Biologie, Universität Bern, ETH Zürich und WSL. Stipendium Februar bis November 2008. Heute Museumspädagogin am Naturmuseum Luzern.
Dr. Philipp Langer, Pharmazie und Biologie, Universitäten Lausanne und Harvard (USA). Stipendium Januar 2008 bis Februar 2009. Heute bei Köhler, Stüdeli & Partner GmbH, Bern.
Dr. Sabine Perch-Nielsen, Umweltnaturwissenschaften, ETH Zürich, Mitgründerin und Vizepräsidentin der Stiftung myclimate (http://www.myclimate.ch
). Stipendium August 2008 bis Juli 2009.
Dr. Eva Maurer, Geschichte, Universitäten Zürich und Freiburg (Schweiz). Stipendium März 2009 bis April 2010.
Carmelia Maissen, Architektur, Universität Zürich und ETH Zürich. Stipendium August 2009 bis August 2010.
2010 wurden drei Politikstipendiaten bestimmt: Dr. Michael Bürgi (Geschichte, Universität Basel, ETH Zürich), Dr. Monica Corrado (Islamwissenschaften, Universität Bern), Dr. Andrea Hungerbühler (Soziologie, Universität Bern, Pädagogische Hochschule Bern).
Gleichzeitig lief die Professionalisierung des Projekts. Zielsetzungen bis 2009 sind gemäss Antrag an die Gebert Rüf Stiftung:
- Statt zwei Stipendien vergibt die Stiftung ab 2007 jährlich 2,5 Stipendien, dies bei gleichem Overhead.
- Das Projekt bzw. die Stiftung muss bekannter werden.
- Die Stipendiaten sammeln Wissen im Umgang mit der Politik, das ihnen selbst zugute kommt, aber auch einer breiteren Gruppe von Wissenschaftlern zugänglich werden soll. Es braucht dazu Investitionen und eine innovative Angehensweise.
- Die Mobilisierung öffentlicher Gelder führt zu gewissen Beschränkungen. Deshalb möchte die Stiftung private Gelder anziehen, ohne dabei die Unabhängigkeit der Stipendiaten zu gefährden.
Die Aktivitäten der Stiftung lagen 2009 und in den ersten vier Monaten 2010 in den folgenden Bereichen:
Stipendien: Seit 2007 werden jährlich alternierend 2 bzw. 3 Stipendien vergeben.
Kommunikation: Publikation und Massenversand der neuen Broschüre (u.a. an alle Mitglieder des Parlaments); Medienarbeit; Information der Partnerorganisationen. Um das Wissen der Stipendiaten einer breiteren Gruppe zugänglich zu machen, wurde am 26. April 2010 gemeinsam mit der Stiftung Science et Cité und der Universität Freiburg (Schweiz) eine Veranstaltung zur Bedeutung der Wissenschaft in der Politik durchgeführt. Die Veranstaltung richtete sich in erster Linie an Studierende.
Networking: Treffen der Stipendiaten mit Vertreterinnen und Vertretern von Wissenschaftsorganisationen (scnat, Schweizerischer Nationalfonds, TA Swiss, Staatssekretariat für Bildung und Forschung SBF u.a.).
Weiterbildung der Stipendiatinnen und Stipendiaten in Wissenschaftskommunikation, Besuche von Tagungen und Kongressen. Veranstaltung für die Alumni der Stiftung zum Thema „Lobbying“, Herbst 2009.
Fundraising: Die KTI unterstützt die Stiftung Wissenschaftliche Politikstipendien auch in den Jahren 2009 und 2010. Für die Jahre ab 2010 konnte die weitere Unterstützung aller anderen bisherigen Partner gewonnen werden. Neu unterstützt auch die Universität St. Gallen die Stiftung, so dass nun alle Universitäten die Stiftung mittragen. Private Gelder konnten keine mobilisiert werden. Es fanden erste Gespräche des Geschäftsführers mit dem Direktor der Rektorenkonferenz der Fachhochschulen statt. Die Finanzierung der Stipendien ist vorerst sichergestellt.
Die Stipendiaten haben verschiedene Publikationen erstellt, die allerdings nur für die Parlamentarier der Bundesversammlung bestimmt sind. Die Publikationen befassen sich mit so diversen Themen wie der Revision des Telekommunikationsgesetzes, parlamentarischen Initiativen (z.B. für einen Bildungsrahmenartikel), der GenLex oder der Revision des IV-Gesetzes.
Seit 2009 besteht eine Broschüre zur Stiftung Wissenschaftliche Politikstipendien (auf Deutsch, Französisch, Italienisch bei der Geschäftsstelle erhältlich).
20 minutes, Bericht über den Stipendiaten Dr. Philipp Langer
„Journal en ligne“ der Universität Lausanne, Bericht über den Stipendiaten Dr. Philipp Langer
ETH Life, Kolumnen der Stipendiatin Dr. Sabine Perch-Nielsen
Artikel in „NZZ Campus“ (erscheint voraussichtlich Mai 2010)