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Push-Pull Tolay
Ökologische Anbaumethode zur nachhaltigen Ertragssteigerung bei Mais in Äthiopien
„Push-Pull“ (www.push-pull.net) ist eine integrierte, nachhaltige Anbaumethode, welche die Erträge und die Bodenfruchtbarkeit verbessert: Die Stängelbohrer-Motten werden durch den Geruch von Desmodium, das zwischen den Mais und die Hirse gepflanzt wird, vertrieben („Push“). Um die Felder wird Napiergras gepflanzt, das die Motten aus dem Maisfeld lockt („Pull“). So werden die Erträge ohne Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden verbessert. Das Napiergras ist ausserdem ein willkommenes und gesundes Zusatzfutter für das Vieh. Das Projekt hat zum Ziel diese umweltfreundliche Methode, die sich in Kenia bereits bewährt hat, in der Region um Tolay in Äthiopien zu verbreiten. Das Projekt ergänzt bestehende Aktivitäten in und um Tolay, wie die Malariakontrolle und Bienenhaltung.
Projektziel
Erreichung von Ernährungssicherheit und höheren Einkommen für ressourcenarme Kleinbäuerinnen und -bauern in Tolay und Shoa Robit durch eine intensivierte Verbreitung und Anwendung der Push-Pull-Anbaumethode.
Relevanz
In den Projektregionen Tolay und Shoa Robit in Äthiopien leben rund 300‘000 Personen, wobei die Bevölkerung primär von der Landwirtschaft und die Hälfte der Menschen unter der Armutsgrenze lebt. Die vorherrschende Bodenqualität und die klimatischen Bedingungen mit wenig Regen machen Mais und Hirse zu den Hauptnahrungsmitteln der Region. Die Ernten sind jedoch durch verschiedene negative Einflüsse stark bedroht: Schädlinge wie der Stängelbohrer, mangelnde Bodenfruchtbarkeit sowie das ertragsvermindernde Unkraut Striga (nur in Shoa Robit) bereiten den Kleinbäuerinnen und -bauern grosse Schwierigkeiten. Die Push-Pull-Methode bietet für diese Probleme eine Lösung, indem sie sowohl die Mais- und Hirseerträge als auch die Bodenfruchtbarkeit auf umweltfreundliche Art signifikant verbessert.
Begünstigte
In der Projektregion sind 14‘450 Personen direktbegünstigt. In 24 Dörfern werden je 20 „Modellbauern“ ausgewählt, die in der Push-Pull-Anbaumethode geschult werden. Diesen 480 Modellbauern werden je 5 interessierte Bäuerinnen und Bauern zugeteilt, denen die Push-Pull-Methode vermittelt wird. So werden diese 2‘400 Bauern selber zu Vorzeigepersonen, denen im Sinne des Multiplikationseffektes wiederum je 5 Bauern zugeteilt werden. Dazu kommen 4 Landwirtschaftsexperten und 52 staatliche Berater, die in der Push-Pull Anbaumethode geschult werden.
Indirekt sind 25‘000 Personen durch die Projektaktivitäten begünstigt. Dabei handelt es sich um Bewohnerinnen und Bewohner des Projektgebiets, die von der verbesserten Nahrungsmittelsituation profitieren und bei Bedarf Desmodium und Napiergras oder Brachiaria-Samen von benachbarten Höfen erhalten, um die Push-Pull-Methode eigenhändig anzuwenden. Zudem profitieren die Familien von den tieferen Maispreisen dank besseren Ernten sowie der vorhandenen Milch.
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Massnahmen 2016 - 2018
- Auf diversen Bauernhöfen im Projektgebiet werden Demonstrationsfelder zum Anbau der Push-Pull-Methode errichtet. Diese dienen zu Schulungszwecken, für den Erfahrungsaustausch und für die Datenerhebung. Gleichzeitig werden Kontrollfelder ohne Push-Pull-Methode kultiviert, um die Unterschiede zwischen den Grundstücken mit und ohne Push-Pull-Anwendung zu untersuchen und zu demonstrieren.
- 2‘400 Bäuerinnen und Bauern werden vom icipe in der Push-Pull-Anbaumethode ausgebildet und fungieren als „Modellbauern“, die ihr Wissen an andere Bauern weitergeben. Zudem werden 52 staatliche Landwirtschaftsberater und 4 Push-Pull-Experten ausgebildet.
- Um den teuren Import von Desmodium und Napiergras/Brachiaria zu vermeiden, werden lokale Varietäten der beiden Pflanzen getestet, um daraus lokales Saatgut zu gewinnen.
- Die weitere Vernetzung mit staatlichen Institutionen und gemeinnützigen Organisationen wird gestärkt, um die Push-Pull-Methode weiter zu verbreiten.
Bisher Erreichtes
4‘025 Bäuerinnen und Bauern wurden in der Push-Pull-Anbaumethode geschult – entweder direkt durch das icipe oder durch die ausgebildeten Modellbauern. Den ausgebildeten Modellbäuerinnen und -bauern wurden Trainingshandbücher zur Push-Pull-Methode ausgehändigt, 1‘400 Broschüren zum Thema wurden an weitere interessierte Bauern verteilt. Um eine sofortige Methode Anwendung der Anbaumethode zu ermöglichen, importierten und verteilten die Projektleute 500 kg Desmodium- und 750 kg Brachiaria-Samen an die Bäuerinnen und Bauern. Die Samen stammen aus Indonesien und Australien, von wo sie über Kenia nach Äthiopien importiert wurden. Zudem wurden 13 Treffen mit interessierten Bauern organisiert, um ihre Wahrnehmungen und Vorstellungen über die Push-Pull-Methode zu erfahren.
In Tolay wurden 90 Demonstrationsfelder mit Mais und Hirse bepflanzt – in jedem der 9 Dörfer, die für die erste Projektphase ausgewählte wurden, bepflanzte man je 5 Demonstrationsfelder mit der Push-Pull-Methode und je 5 Kontrollfelder ohne Desmodium und Napiergras oder Brachiaria. Die Felder sind gleich gross und wurden gleich behandelt. 5-mal pro Jahr entnahmen die Projektleute vor Ort Bodenproben, um die Bodenfruchtbarkeit zu überprüfen. Es wurden sehr gute Resultate für die Felder erzielt, wo zwischen dem Mais und der Hirse Desmodium und Brachiaria gepflanzt wurden: Die Bodenfruchtbarkeit verbesserte sich um 47% (insbesondere ein signifikanter Anstieg von Stickstoff) und die Maisernte nahm um 37.6% zu. Ausserdem verzeichneten die gesammelten Daten zur Milchleistung des Viehs vor und nachdem ihm Desmodium und Brachiaria gefüttert wurde, eine signifikante Zunahme der Milchproduktion nach der Fütterung mit den beiden Gräsern. Diejenigen Bauern, die die Push-Pull-Methode anwandten, hatten im Vergleich zu den anderen ein besseres Einkommen.
Mit strategischen Partnern wie dem Institute for Sustainable Development (ISD), dem Ethiopian Institute for Agricultural Research (EIAR) oder dem Ministry of Agriculture (MoA) wurden 4 Stakeholder-Meetings abgehalten. Die Projektverantwortlichen vor Ort und die staatlichen Institutionen diskutierten über die Teilung der Verantwortung in der Umsetzung der Push-Pull-Methode in Äthiopien. Das MoA zeigte grosses Interesse an der Anbaumethode, erachtet sie als eine der besten Lösungen für die vorherrschenden Probleme der Kleinbäuerinnen und -bauern und nahm es folglich in die 5-Jahresstrategie von Äthiopien auf.