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Iqbal Khan wurde zwischen dem 4. September und dem Mittag des 17. September überwacht, während 7 Wochentagen, «mehrheitlich tagsüber»: Dies ist die Erkenntnis der Untersuchung, welche die Anwaltskanzlei Homburger zum Fall Khan durchgeführt hat. Man habe keine Hinweise erhalten, dass die Überwachung «mit den in den Medien dargestellten persönlichen Differenzen zwischen Iqbal Khan und dem CEO im Zusammenhang stand», so der Bericht weiter.
Dies passt zur Gesamtdarstellung des Papiers, wonach es sich bei der Beschattung um eine Art Einzelaktion gehandelt habe. Oder anders: COO Pierre-Olivier Bouée übernimmt die Verantwortung für das Debakel – und er tut dies alleine.
«Besorgt gewesen»
«Er sei besorgt gewesen, dass Iqbal Khan ein Risiko für die wirtschaftlichen und rechtlichen Interessen der Credit Suisse darstelle», so der Bericht. Nachdem der Wechsel von des Wealth-Management-Chefs zur UBS bekannt wurde, hätten sich «aus Sicht des COO die zuvor nur hypothetischen Risiken für die Credit Suisse materialisiert».
Und dann habe er gehandelt, ganz alleine: «Die Untersuchung ergab keine Hinweise, dass der CEO die Überwachung von Iqbal Khan genehmigt oder vor dem 18. September 2019 Kenntnis von der Überwachung gehabt hätte.» Auch der Verwaltungsrat und die übrigen Mitglieder der Geschäftsleitung seien nicht informiert worden.
Keine schriftlichen Instruktionen
Die Erkenntnisse der Anwälte von Homburger gründen offenbar ausschliesslich auf Zeugenaussagen: «Es liegen aus der Zeit, als der Auftrag zur Überwachung erteilt wurde, keine schriftlichen Instruktionen vor.»
Auf der anderen Seite deutet das Papier an, dass die ganze Sache umsonst war: «Weder die von Homburger durchgeführte Untersuchung noch die Überwachung von Iqbal Khan lieferten Hinweise dafür, dass Iqbal Khan entgegen seinen vertraglichen Pflichten gegenüber der Credit Suisse versucht hat, Mitarbeitende oder Kunden der Credit Suisse abzuwerben.»
Pierre-Olivier Bouée: Die treue Seele
Der Franzose, der über die Affäre Khan stolpert, war der verlängerte Arm von CS-Chef Tidjane Thiam. Als Chief Operating Officer (COO) setzte er die Strategie um, gab Direktiven vor, schirmte den Chef ab. Thiam und sein engster Mitarbeiter arbeiteten zwanzig Jahre lang zusammen. Zuerst bei McKinsey in Paris, dann beim Versicherer Aviva in London, schliesslich bei Prudential, wo Thiam Chef war und Bouée sein Risikoverantwortlicher.
Seit 2015 wirbelte das Duo bei der CS. Bouée vertrat sogar ab und zu Thiam im Verwaltungsrat. In der Khan-Affäre spielte Bouée eine Schlüsselrolle, das ergab sich schon aus seinem Amt als COO: Er war zuständig für den CS-Sicherheitsdienst und Vorgesetzter von Security-Chef Remo Boccali, der ebenfalls ausscheidet.
Bouée hatte die peinliche Schnüffelaktion angeordnet, so nun die Untersuchung von Homburger. Allerdings wurden keine Unterlagen dazu gefunden. Zum Auftrag, den Bouée ausgab, gehörte auch die Überprüfung der Mail- und Telefonkontakte der engsten Mitarbeiter Khans.
(rap)