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Titel
Tœdigruppe
(Kt. Glarus, Graubünden, Uri und Schwyz). Siehe die Karte beim Artikel Sardonagruppe.
1. Lage und Ausdehnung.
Diese Gebirgsgruppe gehört dem östl. Teil der nördl. Schweizeralpen an und bildet den südwestl. und höchsten Teil der zwischen dem Reussthal und dem Rheinthal liegenden Gebirgsketten, die häufig unter dem Namen Glarneralpen zusammengefasst werden. Tiefe Thaleinschnitte grenzen sie scharf gegen die benachbarten Gebirgsgruppen ab. Im W. wird sie durch das Becken des Urnersees und das Reussthal bis Andermatt von der Aagruppe und der Dammagruppe getrennt; im S. scheidet sie der Oberalppass (2048 m) und das Vorderrheinthal bis Ilanz von der Adulagruppe, im O. der Panixerpass (2407 m), das Sernfthal und das Linththal bis Glarus von der Sardonagruppe, und im N. bilden das Klönthal, der Pragelpass (1554 m) und das Muotathal die Grenze gegen die Sihlgruppe. Da zwei Längsthäler und zwei Querthäler an der Umgrenzung teilnehmen, besitzt die Gebirgsgruppe einen fast rechteckförmigen Umriss; einzig die am O.-Rand halbkreisförmig vorspringende Gruppe des Kärpfstocks und die an der SW.-Ecke liegende Gruppe des Rienzerstocks bilden auffälligere Unregelmässigkeiten am Umfang dieses Rechtecks. Seine grösste Längenausdehnung misst zwischen Erstfeld im Reussthal und Elm im Sernfthal 42 km, seine Breite zwischen dem Vorderrheinthal und dem Pragelpass 32 km. Die Gebirgsgruppe bedeckt ein Areal von etwa 1100 km2.
2. Orographie.
Die Kulminationslinie der Tödigruppe liegt in der Streichrichtung der Alpen als Hauptkamm der Tödikette im engern Sinn des Wortes nahe am S.-Rand der ganzen Gebirgsgruppe (nur 5-10 km nördl. der Rheinthallinie) und bildet die Wasserscheide zwischen dem Vorderrhein einerseits und Reuss und Linth andrerseits, sowie gleichzeitig auch die politische Grenze des Kantons Graubünden gegen die Kantone Glarus und Uri. Eine zweite Wasserscheide, ¶
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diejenige zwischen Reuss und Linth, verläuft, ohne einen Gebirgskamm zu bilden, als zickzackförmige Linie in süd-nördl. Richtung quer durch die Gebirgsgruppe. Sie beginnt am Catscharauls westl. vom Tödi, durchquert den Claridenfirn, steigt über den Claridenstock zum Klausenpass hinunter, folgt dann dem Kamme der Märenbergkette und der Jägernstöcke bis zum Ortstock und läuft über die Ortstockfurkel, den Hohen Turm, den Pfannenstock und die Silbern bis zum Pragelpass.
Die von dieser Wasserscheide aus westwärts zur Reuss und ostwärts zur Linth absteigenden Längsthäler sind so angeordnet, dass je zwei auf der Wasserscheide zusammenstossen: Ueber die Planura am Claridenfirn hängen das Maderanerthal und das kurze Thal der Sandalp zusammen; auf dem Klausenpass treffen sich das Schächenthal und das Thal des Urnerbodens, und auf dem Pragelpass reichen sich das Muotathal und das Klönthal die Hand. Nehmen wir noch das Vorderrheinthal mit dem Oberalppass hinzu, so erhalten wir vier auffällige, in der Streichrichtung der Alpen verlaufende Thalfurchen, welche die Tödigruppe in drei scharf getrennte Hauptketten zerschneiden, nämlich in a) die Tödikette im engern Sinn zwischen Vorderrheinthal und Oberalppass einerseits, dem Maderanerthal und der Sandalp andrerseits, b) die Claridenkette zwischen dieser Thalfurche und dem Klausenpass und c) die Glärnisch-Kaiserstockkette zwischen letzterem und Muotathal-Klönthal. Als eine orographisch ziemlich selbständige nordöstl. Abzweigung der Tödikette erscheint d) die Hausstock-Kärpfgruppe, die den Raum zwischen Linththal und Sernfthal erfüllt.
a) Die Tödikette im engern Sinn bildet einen Abschnitt der Hochgebirgskette, die nördl. von Rhone und Rhein die Schweiz durchzieht. Von Andermatt bis zum Panixerpass hat sie eine Länge von 46 km. Die Sohlen der Längsthäler, die ihren Fuss im N. und S. begleiten, sind mit auffallender Regelmässigkeit überall ziemlich genau 11 km voneinander entfernt. Durch die beiden wichtigsten Passübergänge, den Sandpass, der von der Sandalp im Hintergrund des Linththales ins Val Rusein und nach Truns im Vorderrheinthal hinüberführt, und den Kistenpass, der Linthal mit Brigels und dem Vorderrheinthal verbindet, wird die Kette in drei Hauptabschnitte zerlegt: einen westl. Teil mit dem Oberalpstock als Hauptgipfel, einen mittlern Teil mit dem Tödi als Zentralpunkt und einen östl. Teil, die Hausstock-Kärpfgruppe.
1. Die Hauptkammlinie der westl. Sektion der Tödikette zieht sich im Gegensatz zu den sie begleitenden Längsthälern nicht geradlinig dahin, sondern wird durch die vielen kleinen Seitenthäler und Schluchten, die einerseits nach dem Rheinthal, andrerseits nach dem Maderanerthal ausmünden, bald nach N., bald nach S. zurückgedrängt, so dass sie durch einen sehr unregelmässigen, zickzackförmigen Verlauf ausgezeichnet ist. Jene Seitenthäler und die sie verbindenden Passübergänge zerlegen diesen Abschnitt der Kette selber wieder in vier kleinere Gebirgsgruppen.
Die Tödikette beginnt im W., über dem obern Teil des Reussthales, mit der hübschen Berggruppe des Rienzerstocks (2980 m), die auf der O.-Seite durch das unterhalb Gurtnellen ins Reussthal ausmündende Fellithal und die nach dem Oberalppass hinüberführende Fellilücke (2490 m) abgegliedert wird. Unter den Gipfeln der scharfen, zackigen Seitenäste des Rienzerstocks sind der über dem Reussthal sich erhebende Schienstock (2893 m) und der über dem Oberalpsee aufsteigende Schneehühnerstock (2783 m) zu erwähnen. - Die Hochgebirgsnatur der Tödikette kommt bereits in vollkommenerem Mass zum Ausdruck in der Gruppe des Piz Giuf, die von der Fellilücke bis zum Kreuzlipass (2350 m) reicht, von dem aus das Etzlithal nordwärts ins Maderanerthal und das kleine Val Strim südwärts ins Rheinthal absteigen.
Der Hauptkamm, in dessen Mitte sich der Piz Giuf (3098 m) und östl. davon der Piz Ner (3059 m) erheben, sendet mehrere Seitenäste aus, die durch zahlreiche Schluchten wieder in eine Menge scharfer Gräte und Zacken gegliedert sind. Deren bedeutendster erstreckt sich als reich verästelte Bergkette von Piz Giuf nach N. und endigt über Amstäg mit der prachtvollen Pyramide des Bristenstocks (3075 m). Auf den südwärts gegen das Tavetsch ausstrahlenden Kämmen erheben sich der Piz Tiarms (2923 m), der Crispalt (3080 m) und der Culmatsch (2896 m). - Die östl. vom Kreuzlipass folgende Oberalpstockgruppe wird im O. vom Brunnipass (2736 m) begrenzt, einem beschwerlichen Gletscherpass, der das Maderaner Brunnithal mit dem bündnerischen Val d'Acletta verbindet.
Wenn auch die ganze Gruppe nur als eine Verästelung ihres zentralen Gipfels, des Oberalpstocks oder Piz Tgietschen (3330 m) erscheint, ist doch eine ausgesprochene Hauptkammlinie vorhanden. Diese endigt im W. über dem Kreuzlipass mit dem Weitenalpstock (3009 m) und trägt im SO. die über dem Hintergrund des Brunnithals aufsteigenden Gipfel Piz Ault (3033 m) und Piz d'Acletta (2917 m). Während in der Gruppe des Piz Giuf erst einige kleine Hängegletscher auftreten, erreicht hier die Vergletscherung bereits einen bedeutenden Grad. Ein zusammenhängender Firnmantel bekleidet die SO.-Flanke des Oberalpstocks, sowie die N.-Abhänge von Piz Ault und Piz d'Acletta, und bildet das Nährgebiet des Brunnigletschers, der als ansehnlicher Thalgletscher ins Brunnithal hinuntersteigt. - Der westl. Abschnitt der Tödikette schliesst im O. mit der bis zum Sandalppass (2780 m) reichenden Gruppe des Düssistocks ab. Von dem östl. über dem Brunnipass aufsteigenden Piz Cavardiras (2965 m) läuft ein scharfer, zackiger Hochgebirgskamm, gleichsam als Fortsetzung der Hauptkette, eine Strecke weit nach NO., findet jedoch östl. vom Piz Alpetta (2767 m) an der tiefen Furche des Val Rusein sein Ende.
Dieses Thal und seine nordwestl. und westl. Abzweigungen (Val Pintga, Val Cavrein und Val Cavardiras) erstrecken sich so weit in den Gebirgskörper hinein, dass der Hauptkamm der Tödikette hier auffälliger Weise nach N. zurückgedrängt wird. Er zieht sich vom Piz Cavardiras zunächst auf der O.-Seite des Brunnithales als scharfer Grat, dessen W.-Flanke mit dem breiten Firnband des Tschingelgletschers geschmückt ist, 6 km weit nach N. bis zur steilen Pyramide des Düssistock (3259 m) und verläuft dann über Piz Valpintga (2962 m) und Catscharauls (3062 m) geradling nach NO. bis zum Sandpass. Die Kette fällt hier mit hohen Steilhängen südwärts ab und sendet zwei wilde Felsgräte, den Piz Cambriales (3212 m) und den Culm Tgietschen (2802 m) als Scheidewände zwischen die Seitenthäler des Val Rusein hinein. Die eisbedeckte N.-Abdachung dagegen steigt nicht sehr hoch über die breite Gletschermulde des Hüfifirns empor, so ¶
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dass hier Tödikette und Claridenkette fast zu einer einzigen Gebirgsmasse verschmelzen.
2. Der mittlere, zwischen dem Sandalppass und dem Kistenpass liegende Teil der Tödikette ist der kürzeste, aber grossartigste Abschnitt des ganzen Gebirgszuges. Ihm gehören die höchsten Gipfel der ganzen Gruppe an, und hier erreicht die Vergletscherung ihre grösste Intensität. Auch die Bergformen bieten einen wesentlich andern Anblick dar als im westl. Teil der Kette. Während dort, wo die Berge grösstenteils aus kristallinen Gesteinen aufgebaut sind, scharfe, zackige Gräte und steile Pyramiden mit ziemlich gleichförmig geneigten Abhängen vorherrschen, treten uns hier die charakteristischen Formen des Kalkgebirges entgegen: unregelmässig eckige, oft blockförmige Gipfel, die auf ihrem Scheitel vielfach ein kleines vergletschertes Plateau tragen und mit gebänderten, oft durch flachere Terrassen unterbrochenen Steilwänden in die Thäler abstürzen.
Die Hauptkette schwingt sich vom Sandalppass über den aus dem Sandfirn herausragenden Felszahn des Klein Tödi (3074 m) zum Tödi, dem König der Glarneralpen auf, dessen höchster Gipfel, der Piz Rusein (3623 m), nicht nur der Kulminationspunkt der Tödigruppe, sondern der nordostschweizerischen Alpen überhaupt ist. Von diesem Gipfel aus verläuft der Hauptkamm in Form eines grossen, nach N. geöffneten Bogens ostwärts bis zum Bifertenstock und bildet so das S.-Ufer des Bifertenfirns, der mit der breiten Firnkappe des Tödigipfels zusammenhängt und als 4 km langer Thalgletscher gegen die Untere Sandalp hinunterfliesst.
Mehrere vereiste Scharten, unter denen die Porta da Spescha und die Gliemspforte die bekanntesten sind, zerlegen den Grat in eine Reihe von Spitzen, deren Höhe nach O. allmählich abnimmt, aber immer noch 3000 m beträchtlich übersteigt: Piz de Dor (3424 m), Piz Mellen (3379 m), Stockgron (3418 m), Piz Urlaun (3371 m), Bündner Tödi (3125 m). Breite Eisfelder, der Gliemsgletscher und der Puntaiglasgletscher, bedecken auch den S.-Abhang des Grates. Am Bifertenstock (3426 m), dem zweithöchsten Gipfel der Tödigruppe, gabelt sich die Kette in drei Aeste.
Der Hauptkamm setzt sich ohne besonders hervortretende Gipfelpunkte als rauher Felsrücken, der in mächtigen Steilwänden südwärts in das Val Frisal, nordwärts gegen den Limmernfirn abstürzt, nach NO. bis zum Kistenstöckli (2748 m) fort. Eine zweite Kette streicht nordwärts über die Scheibe (3084 m), entwickelt sich im Hintern und Mittleren Selbsanft (3029 und 2934 m) zu einem breiten, von imposanten Steilwänden eingefassten und mit den weiten Firnfeldern des Gries- und Limmerngletschers bedeckten Felsmassiv und endigt über der Vereinigung von Limmernbach und Sandbach mit der mächtigen Pyramide des Vorder Selbsanft (2755 m). Die dritte Kette endlich wendet sich vom Bifertenstock zunächst über den Piz Frisal (3295 m) nach S., biegt dann nach O. um und bildet auf der S.-Seite des Val Frisal die wilde Zackenreihe der Brigelserhörner (Crap Grond 3196 m, Kavestrau Grond 3250 m, Kavestrau Pin 3217 m, Piz Tumbif 3060 m, Piz Dadens 2772 m und Piz Dado 2702 m).
3. Oestl. vom Kistenpass wird die Hauptkette durch das weit nach N. ausgreifende Thal von Panix gezwungen, stark nach N. zurückzuweichen. In dieser Richtung streicht sie, den Hintergrund der Seitenzweige des Panixerthales bildend, über den rauhen Felsgrat der Muttenberge, den Muttenstock (3091 m) und den Grossen Ruchi (3106 m) bis zu dem durch seine dachförmige Gestalt auffälligen Hausstock (3160 m) und sinkt dann, wieder südöstl. zurückbiegend, zur breiten Einsenkung des Panixerpasses (2407 m) herab.
Unter den nach SO. gerichteten Seitenzweigen zeichnen sich die südlichen (Piz da Dartgas 2784 m und Crap Tgietschen 2584 m) durch sanfte, allmählig gegen das Rheinthal sich senkende und mit ausgedehnten Weideflächen bedeckte Abdachungen aus, während die nördl. kurze Felsgräte darstellen, welche die an Ruchi und Hausstock sich anlehnenden Eisfelder des Cavirolas-, Fluaz- und Meergletschers voneinander trennen. Reich gegliedert sind die nach N. gerichteten Abzweigungen der Hausstockgruppe.
Eine hübsche Berggruppe dehnt sich vom Ruchi nach NW. aus und erfüllt den Zwischenraum zwischen dem Linththal und dem Durnachthal; ihre bedeutendsten Gipfel, Scheidstöckli (2811 m), Rüchi (2851 m) und Nüschenstock (2896 m), bilden den zirkusförmigen Hintergrund des wilden Felsplateaus des Muttensees. Eine zweite Kette senkt sich vom Hausstock nordwärts über den Mättlenstock (2808 m) zum Richetlipass (2263 m) hinunter und breitet sich nördl. davon zu der fast selbständigen Berggruppe des Kärpfstocks (2797 m) aus, die den ganzen Raum zwischen Linththal, Durnachthal und Sernfthal bedeckt.
Das vom Kärpfstock nach N. verlaufende Niederenthal, das westwärts zum Linththal absteigende Diesthal und die vielen ins Sernfthal ausmündenden kleinen Thälchen und Bachtobel bewirken eine reiche Verzweigung dieser durch ihre hübschen Landschaftsbilder und ihren Reichtum an Gemsen bekannten Berggruppe. Ihre Gipfel, unter denen noch der Karrenstock (2424 m), der Gandstock (2318 m), der Bützistock (2340 m) und die aussichtsreiche Schönau (1853 m) zu nennen sind, erreichen bei weitem nicht mehr die Höhe der Haupt-Tödikette und entbehren daher auch der Gletscher, abgesehen von den kleinen Firnfeldern des Kärpfstocks.
b) Die Claridenkette streicht auf 27 km Länge der Tödikette parallel von SW. nach NO. Sie ist beträchtlich kürzer als letztere, da sie im O. schon an der tiefen Furche des Linththales ihr Ende findet. Auch ihre Breitenentwicklung ist geringer als diejenige der Tödikette. Am W.-Ende zwar sind die sie begrenzenden Längsthäler, das Maderanerthal und das Schächenthal, volle 12 km voneinander entfernt; im zentralen und östl. Teil dagegen reduziert sich die Breite der Kette auf 5-6 km. Das bewirkt zum Teil auch, dass die Gipfelhöhe merklich geringer ist als in der Tödikette.
Immerhin weist die Claridenkette noch eine Reihe von Gipfeln mit über 3000 m Höhe und ausgedehnte Gletscher auf, besitzt also, wenigstens im zentralen Kamm, noch ächt hochalpinen Charakter. Von der Tödikette unterscheidet sie sich auch durch die weniger intensive Durchthalung. Nur wenige mühsame Passübergänge sind in den Hauptkamm eingeschnitten, und wir vermissen hier die Gliederung in deutlich getrennte Berggruppen, welche die Tödikette auszeichnet.
Die Hauptkette beginnt östl. über Silenen im Reussthal und stellt zunächst eine wilde, jäh aufragende Kalkmauer dar, deren bekannteste Gipfel die Kleine Windgälle (2998 m), die Grosse Windgälle (3192 m), der Grosse Ruchen (3136 m) und der Kleine Ruchen (2949 m) sind. Mit gewaltigen Kalkwänden stürzt sie nordwärts gegen den Hintergrund des Evithales und des Schächenthaler ¶