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Lediglich die Insolvenz von Branchenprimus ILM hätte noch mehr überrascht: Das renommierte VFX-Studio Digital Domain ist insolvent und hat einen entsprechenden Antrag gestellt. Das Unternehmen kündigte an, das operative Geschäft der Produktionsstudios in Kalifornien und Vancouver an die Investmentfirma Searchlight Capital zu verkaufen, womit diese ihre Arbeit vorerst weiterführen und ihre aktuellen Projekte fertigstellen können. Unter anderem arbeitet Digital Domain Venice (Kalifornien) und Vancouver aktuell an Bryan Singers Jack the Giant Killer und Ender’s Game. Man erhofft sich damit die Rettung des Kerngeschäfts mit den großen Hollywoodstudios, nachdem der aggressive Expansionskurs des zurückgetretenen Chefs John Textor den Konzern in den letzten Monaten in die Krise stürzte. Ende Juni betrugen die Schulden 215 Millionen US-Dollar, was mit dem Barvermögen von 205 Millionen US-Dollar nicht mehr aufgefangen werden konnte.
Textor versuchte vergeblich das Geschäft des Studios auf neue Bereiche auszuweiten. Er ließ Hologramm-Versionen von verstorbenen Künstlern wie Elvis Presley oder Tupac Shakur entwickeln, die bei Konzerten auftreten konnten. Zudem startete er die Arbeit an einem eigenen Animationsfilm und baute dafür ein neues Studio in Florida auf. The Legend of Tembo sollte 2013 ins Kino kommen. Die Arbeit an dem Film wurde nun mit sofortiger Wirkung eingestellt und das Studio in Florida geschlossen, was Textor stark kritisierte. Das Genick brach dem Studio ein im Mai 2012 aufgenommener Kredit über 35 Millionen US-Dollar. Aufgrund dieses Kredits musste das Unternehmen zu jeder Zeit ein Barvermögen in einer bestimmten Höhe vorweisen. Als dies im August nicht mehr gewährleistet werden konnte, entschloss sich das Unternehmen Gläubigerschutz zu beantragen.
Digital Domain wurde 1993 von Regisseur James Cameron, SFX-Legende Stan Winston und Scott Ross gegründet. Neben Camerons True Lies gehörte auch Neil Jordans Interview mit einem Vampir zu ihren ersten Filmen. Mit dem Oscar ausgezeichnet wurde das Studio unter anderem für die Spezialeffekte in Titanic, Hinter dem Horizont und Der seltsame Fall des Benjamin Button. Weitere bekannte Projekte waren Das fünfte Element, I, Robot oder die Transformers-Reihe. Anekdote am Rande: Cameron hatte nach Titanic dem Studio den Rücken gekehrt und arbeitete später in erster Linie mit Peter Jacksons VFX-Truppe Weta Digital zusammen, wobei Digital Domain trotzdem bei Camerons Milliarden-Blockbuster Avatar beteiligt war. Dagegen hat sich Michael Bay 2006 über Umwege in das Studio eingekauft und sorgte mit seinen Filme für gut gefüllte Auftragsbücher. Bay arbeitete seit Armageddon mit Digital Domain zusammen.
Für viele Artists, die in der VFX- und Animationsbranche tätig sind, ist Digital Domain auch als das ursprüngliche Entwicklerstudio des Compositingprogramms Nuke bekannt, das seit 2002 unter dem Dach der Tochterfirma D2 Software entwickelt wurde und 2007 von The Foundry übernommen wurde. Den Schritt, ein eigenes Programm zu schreiben, resultierte damals aus der Übernahme des Entwicklerstudios Nothing Real durch Apple. Der Computerhersteller sicherte sich damit die Rechte an dem mittlerweile eingestellten Compositingtools Shake.
(via Reuters)