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An der Generalversammlung der Credit Suisse (CS) findet heute Freitag ein bemerkenswertes Experiment seine Fortsetzung, das vor über einer Dekade begann: Verhaltensökonomen um Dan Ariely wollten damals den Zusammenhang zwischen Managerlöhnen und Leistung untersuchen, doch es fand sich keine Universität, die dumm genug war, das nötige Millionen-Budget zu sprechen.
Erstaunlicherweise schnitten aber Leute mit den höchsten Boni am schlechtesten ab.
Deshalb verlagerten die Ökonomen das Experiment ins ländliche Indien, wo 50 Dollar dem Vielfachen eines Monatsgehalts entsprachen. 87 Teilnehmer erhielten diverse Aufgaben gestellt, die Aufmerksamkeit, Erinnerungsvermögen, Konzentrationsfähigkeit und Kreativität erforderten. Gruppe A erhielt einen Bonus von einem Tageslohn, Gruppe B von einem halben Monatslohn und Gruppe C einen, der fünf Monatslöhnen entsprach.
Das Resultat: Leute mit mittlerem Bonus schnitten nicht besser oder schlechter ab, als jene mit dem tiefsten. Erstaunlicherweise schnitten aber Leute mit den höchsten Boni am schlechtesten ab. Gegenüber Ariely wehrten sich die Banker damals mit dem Argument, dass ihre Arbeit anderen Mustern folge.
Die Mehrheit der Aktionäre sind selbstlos und bereit, für die Wissenschaft auf Rendite zu verzichten.
Mittlerweile liessen sich Geldgeber finden, die ohne davon zu wissen, das Experiment unter Realbedingungen wiederholten: nämlich die Aktionäre von Grossbanken wie Deutsche Bank, Wells Fargo und auch UBS oder CS. Die Resultate der Ökonomen haben sich im Zuge der Finanzkrise als valide erwiesen: Hohe Millionen-Boni sind oft kontraproduktiv, um langfristig Wert zu schaffen.
Die heute im Fokus stehende CS etwa hat in den letzten zehn Jahren keine nachhaltige Leistung erbracht. 2016 schrieb die Bank einen Verlust von 2,7 Mrd. Fr., und die Jahresbilanz der Aktie war negativ. Dass die CS-Spitze für diese Leistung Millionen-Boni erhält, sorgt für Ärger – auch nach einem Teilverzicht. Dessen ungeachtet haben die Aktionäre an der GV der CS-Spitze nur einen Denkzettel verpasst: 40% der Aktionäre haben den umstrittenen Vergütungsbericht abgelehnt.
Die nicht ganz ernst gemeinte Erklärung dafür: Die Mehrheit der Aktionäre sind selbstlos und bereit, für die Wissenschaft auf Rendite zu verzichten. Das Experiment soll weitergehen – und damit der eher schwach kapitalisierten Bank das dafür benötigte Geld nicht ausgeht, sollen die Aktionäre ihr an der ausserordentlichen GV vom 18. Mai nochmals 4 Mrd. Fr. an neuem Kapital spendieren.
Doch im Ernst: Bei Managervergütungen bestehen bei allen Grossbanken weiterhin Fehlanreize. Diese Missstände sieht auch der renommierte Verhaltensökonom Ernst Fehr. Das erzählt er meinem Kollegen Daniel Hug im Interview.
Laut Fehr gibt es keinen systematischen Zusammenhang zwischen Lohnhöhe und Leistung. Um die Missstände zu beseitigen, hat er ein neues Vergütungssystem ausgearbeitet, das bei der Liechtensteinischen Landesbank bereits umgesetzt ist. Dafür erhielt die Bank 2016 einen Preis für das beste Vergütungsmodell.