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Les paradis artificiels sind 1860 erschienen. Baudelaire hat in diesem schmalen Band zwei bereits veröffentlichte Essays zusammengestellt, Le poëme du Haschisch [sic!] und Un mangeur d’opium. (Folgerichtig trägt der Essay-Band von 1860 den Untertitel Haschisch et Opium.)
Baudelaire kannte beide Drogen aus eigener Erfahrung, Opium allerdings bedeutend besser als Haschisch. Letzteres scheint er relativ selten zu sich genommen zu haben. Damals wurde Haschisch noch nicht oder nur selten geraucht, sondern in kleinen, fetthaltigen Kügelchen geliefert, die man z.B. im Kaffee auflöste. Die Pariser Bohème pflegte sich zu sog. Fantasias zu treffen, bei denen der Konsum von Haschisch die Grundlage darstellte. Baudelaire hat das eine oder andere Mal teilgenommen, weil Freunde teilnahmen und ihn mitschleppten – im Grossen und Ganzen langweilte ihn diese Ekstase auf Befehl.
Opium dagegen („Laudanum“) hat Charles Baudelaire seit 1847 und für lange Zeit regelmässig eingenommen. Zunächst als Schmerzmittel, vermutlich gegen Magenstörungen, die eine Folge einer einige Jahre zuvor erworbenen Syphilis waren, später auch als Mittel zur Anregung und Beruhigung. Der Titel des Essays deutet es bereits an: Baudelaire agierte hier auch in bewusster Nachfolge jenes berühmten englischen Opium-Konsumenten der Romantik, Thomas De Quincey. Dessen 1821 erschienene Confessions of an English Opium-Eater stellen den Grundtext dar, über den Baudelaire nun Variationen verfasst. Dabei verschliesst Baudelaire keineswegs seine Augen vor den – ja auch von De Quincey ausführlich geschilderten – negativen gesundheitlichen Konsequenzen des Opium-Konsums. (1860, zum Zeitpunkt des Verfassens und Veröffentlichens der Essays, war Baudelaire übrigens ziemlich sicher „trocken“ – wenigstens eine Zeitlang.)
Baudelaire suchte in den Drogen vor allem ein Mittel zur Beruhigung, nicht zur Aufreizung der Phantasie, weshalb er wohl Opium dem Haschisch vorzog. Ich muss allerdings gestehen, dass ich von einem literaturkritischen Standpunkt aus De Quinceys Original den Baudelaire’schen Paraphrasen vorziehe. (Auch war Baudelaires Englisch alles andere als perfekt; so kommt es, dass er den Engländer des öfteren falsch versteht.)
Da mir auch die Journaux intimes (die Intimen Tagebücher), die den Band komplettieren, ohne im Titel desselben Erwähnung zu finden, in ihrer Bruchstückhaftigkeit und Zusammenhangslosigkeit wenig sagen, ist dieser sechste Band von Baudelaires Werken bis anhin jener, auf den ich am ehesten verzichten könnte.