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Ökologie und Evolution, Zellbiologie
Baltzerstrasse 2-6
Nachdem Architekt Andrea Roost (er gehört mit zu den Autoren der Unitobler) 1971-81 mit dem Zellbiologischen Zentrum ein bauliches Gegenüber zu den Institutsneubauten begonnen hatte, konnte er 2000 einen weiteren Abschnitt der Häuserzeile vollenden. Während die früheren Bauten des zellbiologischen Zentrums mit ihren diagonalen Eingängen und dem grosszügig dargebotenen Innenleben aus Holz, Stahl und Glas den Dialog in einer Geste des Aufbrechens und einer dialektischen Hinterfragung gesucht hatten, hat Roost am jüngeren Zoologischen Institut eine Reflexion über Ort, Raum, Materialität und Licht ins Werk gesetzt.
Die Art und Weise der Auseinandersetzung mit dem Vorbild kann hier nur summarisch angesprochen werden. Am Zellbiologischen Zentrum hat Roost mit deutlichen Fugen vier Blöcke unterschieden und die Eingänge mit diagonalen Nischen hinter zwei dieser Fugen, repräsentiert durch hohe Doppelpfeiler, gestellt. Eine Kritik an Salvisbergs unbeschwert vorgeführten Symmetrieachsen oder der Versuch, sich gegenüber dem berühmten Vorläufer ehrfürchtig zurück zu nehmen? Mit dem Neubau des Zoologischen Instituts ist Roosts Haltung bezüglich des mächtigen Gegenübers gelassener geworden. Die Reihe ist mit einem Objekt fortgesetzt, das sich vorwiegend mit dem spezifischen Ort und dem urbanen Ensemble der einzelnen Bauten befasst.
Eine der offensichtlichen Qualitäten des neuen Zoologischen Instituts beruht auf seiner Materialität. Der Sichtbeton der mit ungehobelten Brettern geschalten Fassaden stellt je nach Licht seine Plastizität und Lebendigkeit unter Beweis - an seiner Behandlung wird deutlich, dass er heute kein "armseliger", sondern ein anspruchsvoller, schwierig zu verarbeitender Werkstoff ist. Über das Treppenhaus, eine mehrgeschossige Raumskulptur, dringt der Sichtbeton ins Gebäudeinnere, wo er, mit Holz und industriellen Materialien angereichert, und auch mit warmem Licht beleuchtet, wohnliche Akzente setzt. Die im mittleren Gebäudebund angeordnete vertikale Erschliessung kontrastiert mit ihren Binnenfenstern, Durchblicken und unerwarteten Lichtsituationen in theatralischer Manier zum kärglich scheinenden Äusseren.
Aus der Innenansicht wird deutlich, dass die Figur der asymmetrischen Öffnung der Fassade, welche von der Eingangsnische in das Bandfenster des 1. Obergeschosses übergeht, ebenfalls Teil der Inszenierung ist: Hier spielt der Salvisbergbau die Hauptrolle. Als gestalterisches Detail ist die auskragende Dachplatte zu erwähnen, die der Architekt erst mit der Vollendung des Zoologischen Institut nachträglich auch noch über dem Zellbiologische Zentrum anbrachte; lange hatte er darüber gemutmasst, warum der Raum zwischen den Bauten auf "seiner" Seite unruhiger und weniger klar wirkte als jener auf der anderen Seite.
Literatur:
Barbara Wyss-Iseli (Red.), Universität Bern, Zoologisches Institut, Bern: Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern, Hochbauamt, 2001