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Wissenschaftliche Bearbeitung und Entwicklung einer Systematik:
Archäologische und antiquarische Studien antiker Reste in der Accademia Vitruviana in Rom
Einleitung
[1. = linke Spalte]
Die folgenden Betrachtungen beruhen auf Untersuchungen über die archäologischen und antiquarischen Studien der Vitruvianischen Akademie in Rom. Dieser Kreis von Gelehrten und Künstlern bestand aus Philologen, Literaten, Archäologen, Antiquaren, Architekten und Malern, die um 1540 am Hof des Farnese-Papstes Paus III. wirkten. Die Mitglieder trafen sich mehrmals in der Woche und studierten Vitruvs De architectura; sie zogen durch die Stadt und erforschten die antiken Monumente. Nach eingehenden Studien der antiken Quellen und der erhaltenen Monumente beabsichtigten sie, ihre Forschungsergebnisse in 20 Büchern zu veröffentlichen. Von diesem geplanten Werk ist jedoch nur weniges erschienen.
Das Publikationsprogramm wurde in einem ausführlichen Brief des sienesischen Literaten Claudio Tolomei 1542 festgehalten; 1547 wurde Tolomeis Korrespondenz veröffentlicht, und so wurde das Vorhaben einem breiten Publikum bekannt. Die in Tolomeis Brief ausgearbeiteten Ideen beeinflußten die archäologischen und antiquarischen Studien in den nächsten Jahrzehnten. Das Projekt hat seine Wurzeln in Antikenstudien, die bis in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts zurückreichen, und die Anfang des 16. Jahrhunderts unter den Gelehrten und Künstlern am Hof Papst Leo X (1510 - 1521) eine neue Blüte erlebten. Absicht der Wolfenbütteler Ausstellung ist es, die Werke, die früher erschienen und zur Ausarbeitung des Vitruvianischen Programms führten, und die späteren Publikationen, welche die Konzepte der Vitruvianischen Akademie aufnehmen, vorzustelen.
Die von der Vitruvianischen Akademie geplanten zwanzig Veröffentlichungen sollten die antike Quellenliteratur und die Darstellung der erhaltenen Reste umfassen. Für die ersten zehn Bücher waren der Text von Vitruv, die antike und moderne Architekturtheorie, die Topographie der antiken Stadt Rom, sowie ihre Gebäude und Monumente vorgesehen. Die zehn weiteren Bände sollten sich mit der systematischen Erforschung der antiken Kunstwerke und den Gegenständen des täglichen Gebrauchs befassen.
[2. = rechte Spalte]
Die ersten acht der geplanten Bücher zu Vitruv hatten zwei Hauptanliegen, einmal die Erstellung eines zuverlässigen und verständlichen Textes von De architectura, zum anderen, praxisbezogen, eine Erschließung der antiken Architektur für die zeitgenössischen Architekten und Theoretiker. Die Unverständlichkeit mancher Textstellen des vitruvianischen Werkes wurde seit den frühesten Deutungsversuchen im 15. Jahrhundert beklagt.
1. So sollte das erste geplante Buch der Accademia aus Kommentaren zu den schwierigen Textstellen bestehen und erläuternde Abbildungen enthalten.
2., 3. Lateinische und griechische Lexika zur vitruvianischen Terminologie waren für das zweite und dritte Buch geplant.