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Selbst
Birkenhead (s. d.), Liverpool gegenüber, kann als Vorstadt desselben
gelten und gehört thatsächlich zum Hafengebiet der Stadt. Die Hauptstraßen der innern Stadt, wie
Dale,
Bold,
Castle,
LordStreet und die über 1 km lange Scotland Road, sind breit und äußerst belebt; doch münden auch enge, schmutzige
Seitengäßchen, wo der
Kleinhandel sich bewegt und das
Elend wohnt, in sie ein. Die zahlreichen
Armen wohnen inKellern
(ca. 20,000
Personen) oder in sogen.
Courts, kleinen Sackgäßchen, die, nach allen vier Seiten zugebaut, einen meist überwölbten
Zugang haben.
Unter den öffentlichen
Plätzen verdient nur der unregelmäßige, bei der St. Georgshalle im
Mittelpunkt der Stadt gelegene
Lime
Hill Erwähnung. Zwei
Wasserleitungen versorgen die Stadt mit
Wasser, die ältere vom Rivington
Pikeher, der 32 km nördlich von der Stadt liegt, die andre, erst jüngst vollendete, aus
Wales. Das große
Reservoir der letztern
liegt 10 km vom Balasee, bei den
Quellen des Vyrnwy und 238 m ü. M. Von dort aus führt ein 108 km langer
Aquädukt über
Oswestry und
Prescot nach Liverpool. Unter den 150 kirchlichen Gebäuden Liverpools ist keins von
Bedeutung. Das älteste unter ihnen, die St. Nicholaskirche, hat einen 1810 erbauten
Turm.
[* 5] Die St. Georgskirche nimmt die
Stelle des von
Heinrich II. erbauten
Forts ein und wurde 1821 völlig umgebaut. Unter den
Kirchhöfen ist der von St.
James, mit
dem Denkmal des Parlamentsmitglieds
Huskisson, der bemerkenswerteste.
Die
Bevölkerung
[* 9] ist in rascher Zunahme begriffen. Während sie 1700 noch nicht 6000
Seelen betrug, zählte Liverpool 1801: 82,295,
1851: 375,955, 1881 aber 552,426 Einw. Mit den Vorstädten, die zwar nicht zum städtischen
Gebiet, aber thatsächlich zur Stadt gehören, hatLiverpool wenigstens 652,000 Einw.
Diese Vorstädte sind:
Bootle,
Waterloo,
Walton on the
Hill,
West-Derby,
Wavertree und
Toxteth Park. Die Gesundheitsverhältnisse
lassen viel zu wünschen übrig, und von 1000
Kindern, die geboren werden, erreichen nur 540 das fünfte Lebensjahr. Zahlreich
sind die Katholiken (fast nur
Irländer), denn sie bilden nicht weniger als 12,8 Proz.
der Gesamtbevölkerung und tragen nicht wenig zum schlechten
Ruf bei, den Liverpool vom polizeilichen Standpunkt aus einnimmt.
man arbeitet an einem ausgedehnten Netz von Dampftramways, das Liverpool mit allen Fabrikstädten Lancashires in Verbindung setzen
soll.
Unter den dem Verkehr gewidmeten Anstalten Liverpools fallen dem Fremden am meisten die Docks in die Augen. Das erste Trockendock
wurde 1710 eröffnet, als das erste seiner Art in England, aber 1825 wieder zugeschüttet, und an seiner
Stelle steht seit 1839 das erwähnte Gebäude des Steuer- undZollamtes. Die namentlich seit 1845 hergestellten künstlichen
Hafenwerke sind Meisterstücke der Wasserbaukunst. Gegenwärtig zählt Liverpool 29 Docks, 4,9-7,9 m tief, die sich eine Strecke von
über 7 km weit am Flußufer hinabziehen und eine Wasserfläche von 274 Hektar einnehmen.
Vielfach sind diese Docks von großen Warenspeichern umgeben. Bemerkenswert sind ferner die bei Liverpool liegenden schwimmenden
Landungskais, wovon der neueste und großartigste (Ostern 1876 vollendet) eine Länge von 629 m und eine Breite von 25 bis 30 m
hat. Außer nassen und trocknen Docks (letztere namentlich für Küstenfahrer bestimmt) gibt es auch zahlreiche
Kalfaterdocks zur Ausbesserung von Seeschiffen. Das Grundkapital für die Hafenanlagen stellt gegenwärtig eine schwebende Schuld
von 16 Mill. Pfd. Sterl. dar (wovon 6 Mill. auf die Anlagen in Birkenhead entfallen), der als Verzinsung des Kapitals eine Einnahme
an Hafengeldern von mehr als 1 Mill. Pfd. Sterl. gegenübersteht.
Im Vergleich mit den Hafenbauten treten die andern dem Handel gewidmeten Gebäude in den Hintergrund, so die Börse, die Getreidebörse,
die zahlreichen, meist stattlichen Banken etc. Unter den bedeckten Markthallen
[* 27] ist die 1822 erbaute von St. John die wichtigste.
Sie liegt mitten in der Stadt, ist 168 m lang, 42 m breit, und ihr Dach
[* 28] ruht auf 116 gußeisernen Säulen.
Fleisch, Geflügel, Obst und Gemüse werden hier feilgeboten. Ihr gegenüber liegt der Fischmarkt.
Groß ist in Liverpool der Wohlstand, aber gleich groß die Armut. Unter den zahlreichen Wohlthätigkeitsanstalten sind hervorzuheben: 2 große
Krankenhäuser, ein Irrenhaus, Anstalten für Blinde und Taubstumme;
ein Matrosenheim (Sailors Home, seit
1850), ein Nachtasyl für Obdachlose, großartige Armenhäuser und mehrere städtische Bade- und Waschanstalten.
Man rechnet, daß von 1730 bis 1770: 2000 Negerschiffe den Hafen Liverpools verließen und im Verlauf von elf Jahren 304,000
Sklaven nach den Antillen brachten, die den Reedern einen Reingewinn von 8 Mill. abwarfen. Doch nahm der Sklavenhandel, da ihn
die Konkurrenz weniger einträglich machte, mehr und mehr ab, und die Abschaffung desselben 1806 schädigte
daher den Handel von Liverpool wenig. Die neuen großen Unternehmungen geschahen im Interesse der Manufakturen und waren nach der Neuen Welt
gerichtet, denn eine mächtige Kompanie besaß das Monopol des indischen und chinesischen Handels.