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Dank der in die Höhe steigenden Erdölgewinne und der boomenden Wirtschaften entstehen in den Ländern des Mittleren Ostens in halsbrecherischem Tempo weltweite Fluggesellschaften. Es werden massiv Verkehrsflugzeuge bestellt und aggressive Expansionspläne entworfen. Da es jedoch immer mehr Starts gibt und die Airlines mittlerweile Probleme haben, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, warnen einige Verantwortliche bereits und mahnen, dass die ambitionierten Pläne möglicherweise etwas langsamer angegangen werden sollten.
«Die Luftraumkapazität in der Golfregion ist eine wirkliche Herausforderung und eine potenzielle Wachstumshürde», sagt Tim Clark, Präsident von Dubais Emirates Airline, die nicht weniger als 195 neue Verkehrsflugzeuge bestellt hat und plant, die aktuell bestehende Flotte von 113 Flugzeugen bis 2015 zu verdreifachen.
Die Zahl der Flüge in Dubai und den sechs anderen Scheichtümern der Vereinigten Arabischen Emirate stieg zwischen 2001 und 2007 laut dem britischen Dienstleister Serco Group, der den Luftverkehr in dieser Region regelt, fast um 60% an. Der Verkehr weltweit wuchs im selben Zeitraum um 37%, so die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation der Vereinten Nationen.
Da staatliche Luftfahrtgesellschaften wie Emirates, Abu Dhabis Etihad Airways und Qatar Airways riesige Erweiterungen planen, wird der Luftraum der Region noch überfüllter werden. Die International Air Transportation Association (IATA), eine weltweite Handelsgruppe, schätzt, dass die Zahl internationaler Passagiere im Mittleren Osten bis 2011 um 30% auf 105 Mio steigen wird.
Verkehrsdichte nimmt zu
Die derzeitige Infrastruktur und die Flugsicherungsverfahren «sind nicht in der Lage, damit umzugehen», sagt Majdi Sabri, IATA-Vizepräsident für den Mittleren Osten und Nordafrika, gegenüber dem Pressedienst Zawya Dow Jones.
Das Problem wird verschlimmert durch die Verkehrsdichte rund um den Persischen Golf. Innerhalb von 500 km haben Bahrain, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate sechs grosse Flughäfen eröffnet oder stehen kurz davor. Und während die politische Instabilität in der Region das Anwachsen des Verkehrsaufkommens nicht behindert hat, verstopft sie doch den Himmel. Grosse Teile des Luftraums im Mittleren Osten sind entweder vollkommen für den Flugverkehr gesperrt oder die Fluggesellschaften vermeiden sie aufgrund von Sicherheitsüberlegungen.
Ein Verkehrsstau und überbeanspruchte Ressourcen könnten die Luftsicherheit beeinträchtigen. Während der Luftverkehr sich aktuell auf einem kontrollierbaren Level befindet, wird die Zahl der Flugzeuge, die in den nächsten Jahren in der Region ausgeliefert werden sollen, kombiniert mit zunehmendem Luftverkehr in allen Teilen der Welt, das Arbeitspensum der Luftsicherheit in den kommenden Jahren signifikant erhöhen und die Flugzeuge näher aneinander drängen. Die Kombination dieser Faktoren hatte in den vergangenen Jahren Unfälle und Fastzusammenstösse in ganz Europa und den USA zur Folge.
«Die Vereinigten Arabischen Emirate sind bereits eine schwierige Region für Flugverkehr. Es bedarf eines qualifizierten Flugverkehrleitsystems, um die Flugzeuge im Luftraum dieser Region sicher zu dirigieren», sagt Alan Brenchley, Flugnavigationsberater bei der General Civil Aviation Authority der Vereinigten Arabischen Emirate.
Das letzte verheerende Flugzeugunglück in der Golfregion fand im Februar 2004 statt, als die iranische Kish Air Fokker 50 beim Landeanflug auf den Sharjah International Airport abstürzte und 43 Menschen starben.
Die Regierungen ringen darum, des Verkehrsaufkommens Herr zu werden. Die sechs Länder des Golfkooperationsrats investieren insgesamt 18,8 Mrd Dollar in 59 Flughafenprojekte, die von zusätzlichen Parkplätzen für Flugzeuge bis zum Bau neuer Terminals reichen, so das in Dubai ansässige Rechercheunternehmen Proleads.
Dubai investiert 82 Mrd Dollar in die zivile Luftfahrt und in Luftfahrtindustrieprojekte, darunter auch in das weltgrösste Drehkreuz für Passagiere und Fracht. Der Flughafen Al Maktoum International wird in der Lage sein, jährlich 120 Mio Passagiere abzufertigen – das sind fast zweimal so viele wie bei den derzeit grössten Flughäfen der Welt, etwa O’Hare in Chicago oder Heathrow in London.
Viel zu wenig Personal
Paul Griffiths, CEO von Dubai Airports, einem Unternehmen, das Dubais jetzigen Flughafen betreibt und in der Zukunft auch den neuen Flughafen Al Maktoum managen wird, sagt, dass mehr Flugsicherung vonnöten sei, «damit der neue Flughafen in Betrieb genommen werden kann».
Doch sogar wenn der Luftraum nicht mehr so verstopft wäre, erklären Industrieoffizielle, würde sich ein Arbeitskräftemangel abzeichnen. Die Fluggesellschaften weltweit laufen einer begrenzten Menge an qualifizierten oder geprüften Luftfahrtspezialisten hinterher, von Fluglotsen über Wartungspersonal bis zu Sicherheitsbeauftragten. Die asiatisch-pazifische Region und der Mittlere Osten brauchen laut dem in Sydney domilizierten Centre for Asia Pacific Aviation in den kommenden Jahren 150000 zusätzliche Arbeitskräfte, damit die bestellten Flugzeuge auch eingesetzt werden können.
Die Beschäftigtenzahl bei Abu Dhabis Etihad Airways ist in den letzten zwei Jahren zum Beispiel von 2200 auf 5500 gestiegen. «Geeignetes Personal zu finden, ist die grösste Investmentherausforderung, der Etihad heute gegenübersteht», meint CEO James Hogan. Die Fluggesellschaften in der Golfregion reagieren darauf mit einem intensiven Personalbeschaffungsprogramm, und viele planen eigene Pilotenschulen.
Während früher Arbeiter aus dem Ausland mit steuerfreien Gehältern, schnellem beruflichem Aufstieg und generösen Zuzahlungen in die Emirate gelockt wurden, ist der Anreiz heute nicht mehr so hoch. Die Lebenshaltungskosten steigen, und die weltweite Kaufkraft der lokalen Währungen ist gefallen, da sie an den schwächelnden Dollar gebunden sind.
Arbeitskraft sei «der grosse Sturm auf dem Radar, und einige Fluggesellschaften, vor allem die, die in den schnell wachsenden Schwellenländern beheimatet sind, fühlen schon die Turbulenzen und kürzen ihre Expansionspläne» meint Peter Harbison, Vorstandsvorsitzender des Centre for Asia Pacific Aviation.