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Berlin den 9. August 1838.
Lieber Alfred!
Ich benutze den Abgang des Luzerners Elmiger, der sich einige Tage in Bonn aufhalten will, um dir den Catalog der hiesigen Universität für das künftige Semester zu übersenden. Wenn schon der Anfang der Collegien auf den 22. October gesetzt ist, so denke ich doch, es werde Niemand vor dem November zu lesen anfangen; wenigstens sind unsre Reisescheine bis auf den 1. November ausgestellt worden, und im Frühjahr fing auch kein Professor vor dem 7 Mai (statt 30. April.) an. Was dann den Catalog sonst anbelangt, so bemerke ich nur, was du vielleicht schon weißt, daß jedes Mal, wo es heißt, «5 Mal wöchentlich», der Sonnabend wegfällt, wo steht: 4 Mal, Mittwoch und Sonnabend.
Da wir von Hause Erlaubniß erhalten haben, so wird jetzt die projektirte Reise nach Schweden Statt finden. Wir wer den wahrscheinlich den 16. verreisen, über Stettin, Rügen und Greifswalde nach Ystad gehen, von da nach Umständen zur See oder zu Lande nach Stockholm, von wo wir nach Upsala und Danemora einen Ausflug machen wollen. Ob wir dann in Schweden tiefer hinein dringen, etwa Dalekarlien besuchen werden, oder aber Christiania im Vorbeigehen sehen, ist noch unbestimmt. Zurück kehren wollen wir über Kopenhagen, Lübeck und Hamburg, von wo wir etwa in der er sten Woche des October nach Berlin zurück zu kommen gedenken. Mit uns geht Tscharner, dessen Gesellschaft uns nicht unangenehm ist, wenn wir auch lieber einen andern Reisegefährten hätten. Schade nur, daß du nicht mitkommen kannst.
Da ich dich bald hier in Berlin zu sehen hoffe, so mag ich dir nichts mehr schreiben und verspare Alles lieber auf mündliche Unterredung. Nur will ich noch auf den Fall, daß du nach Berlin kommen solltest, ehe wir zurück gekehrt sind, Einiges bemerken. Bis ihr ein Logis habt, könnt ihr im Kaiser von Rußland, der der Post gegenüber liegt, recht gut sein; langsame Bedienung abgerechnet. Wenn ihr dann eine Wohnung sucht, so würde ich euch rathen, in der Dorotheenstraße, unter den Linden oder in der Friedrichsstraße zuerst zu suchen, und zwar in letzterer nur in dem Theile, der zwischen der Georgen- und Behrenstraße liegt. Die übrigen Theile sind zu weit von der Universität entlegen. Die meisten Schweizer wohnen in den genannten Straßen und der Mittelstraße, welche auch gut gelegen ist, aber weniger empfohlen werden kann, da es viel Gesindel in derselben hat, auch eine Unschlittfabrik, welche noch ärger stinkt, als unsre in der Schipfe. Solltest du in unsre Nähe kommen, so wäre es uns natürlich sehr lieb; nur muß ich dir rathen, nicht in nro 94 unsrer Straße zu gehen, uns gerade gegenüber, da dort eine sehr zweideutige Wirthschaft herrscht, und mehrere der jetzt dort logirenden Studenten sich im Hause selbst Concubinen halten. – Ob ich in meinem Logis bleibe, oder ausziehen muß, weiß ich noch nicht; die Wyß'en bleiben aber jedenfalls, wo sie sind.
Pläne von Berlin findest du in jeder Buchhandlung; doch haben viele gar keine Hausnummern, und sind des wegen weniger brauchbar. Einen kleinen sehr brauchbaren findet man in der Königsstraße nro 62. dicht neben derjenigen Seite der Post, welche in diese Straße ausmündet.
Zum letzten Male also schriftlich viele herzliche Grüße von deinem
J. Escher.
Grüße mir auch Blumer, und die Theologen, besonders Wolf, von dem ich wohl begreife, daß er nicht hieher kommt, aber es sehr bedaure.