Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03333.jsonl.gz/2354

Jugendjahre
Am 1. Mai 1839 wurde im Neuthal, in der Gemeinde Bäretswil, Adolf Guyer geboren. Sein Vater, Johann Guyer, betrieb dort seit 1826 eine bekannte Baumwollspinnerei. Nach dem Besuch der Volksschule in Bauma schickte er den Knaben nach Zürich in die Industrieabteilung der Kantonsschule und danach zog Adolf für eine weitere Ausbildung nach Genf. Risikofreudigkeit, Wissensdurst und Interesse an Neuem zeichneten den jugen Guyer aus und waren die treibende Kraft für die weiten Reisen, die er in seiner Jugend unternahm. Er zog nach Frankreich und England, wo er sich 1860/61 in verschiedenen Maschinen- und Textilfabriken ausbildete. Weitere Reisen führten ihn nach Kuba, in die Südstaaten der USA, anderseits nach Palästina, Aegypten wo er den Bau des Suezkanales besuchte und Italien.
Familiengründung und Geschäftstätigkeiten
Erst 1863 kehrte er endgültig in die Heimat zurück. Adolf heiratete 1868 Anna Wilhelmine Zeller, die einer angesehenen Zürcher Industriellenfamilie angehörte. Aus dieser Ehe entstammten 3 Kinder, Johann Rudolf, Adolf Gebhard und Mathilde. Nach der Heirat zog die junge Familie nach Zürich. Er eröffnete ein Import-Export Geschäft und handelte mit Textilien. Die Sommermonate verbrachte er oft im Neuthal. Als Vertreter der Liberalen Partei war er als Oberländer Kantonsrat von 1869 bis 1889 tätig.
Bekannt sind auch die Guyer-Zeller-Wanderwege, die er im Oberland von seinen Arbeitern erstellen liess. Alle führen ins Neuthal und dienten den Spinnern als Arbeitswege.
Spiel mit den Bahnen
Guyer-Zeller wurde 1879 in die Revisionskommission der Nord-Ost-Bahn gewählt. Dort missfielen ihm gewisse Vorkommnisse in der Verwaltung und er geriet in Konflikt mit Revisoren und Verwaltungsorganen. Im Nordostbahnstreit von 1894 liess er sich selber als Präsident des Verwaltungsrates wählen, nachdem die ganze Direktion und der Verwaltungsrat abgesetzt wurde.
Gesamtschweizerisch schlugen diese Ereignisse hohe Wellen. Nach dem Eisenbahnerstreik 1894, der mehr Lohn und bessere Anstellungsbedingungen forderte und zwei Tage weite Landesteile lahm legte sowie wirtschaftlich grossen Schaden bewirkte und den Bundesrat als Vermittler tätig forderte, brachte die Verstaatlichung der Eisenbahnen zur Diskussion.
Die Krönung seines Bahnbaus
Ein besonderes Interesse hatte er am Bau einer Bahn von Uerikon am Zürichsee über Hinwil nach Bauma im Tösstal. 1894 erhielt Adolf Guyer-Zeller die Konzession, eine Bahn auf das Jungfraujoch zu bauen. Um die Kosten für die Bauarbeiten decken zu können, gründete er die Guyer-Zeller-Bank. Bereits 1898 konnte er die erste Sektion der Jungfraubahn einweihen.
Noch vor der Fertigstellung der zweiten Etappe starb Adolf Guyer-Zellrer im Alter von 60 Jahren am 3. April 1899. Er erlebte die Eröffnungen seiner Bahnen nicht mehr, weder die «Uerikon-Bauma-Bahn» im Jahre 1901 noch die «Jungfrau-Bahn» im Jahre 1912.
Zurück im Neuthal
Einzigartigkeit, Mut zu Risiko und ein fester Wille zeichnete ihn als Pionier des vorletzten Jahrhunderts aus.
Im Neuthal finden und erkennen Sie als Besucher einiges seiner Art und es lohnt sich, den Textilunternehmer und Eisenbahnpionier an seiner Geburtsstätte aufzusuchen und sie werden erahnen und nachvollziehen, was Adolf Guyer-Zeller ausmachte.