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Insekten aus Zweigen saugen oder mit Stöcken aus Baumlöchern fischen, Früchte schälen, aufbrechen und entkernen: Junge Orang-Utans müssen sich ein grosses Repertoire an Wissen und Fähigkeiten aneignen, um im Erwachsenenalter alleine in der Wildnis zu überleben. Ein Jungtier beobachtet deshalb wachsam, was und wie seine Artgenossen essen.
Dabei richtet ein junges Orang-Utan-Weibchen seine Aufmerksamkeit vor allem auf seine Mutter. Es isst praktisch alles, was seine Mama zu sich nimmt. Anders die jungen Männchen: Je älter sie werden, desto öfters kopieren sie das Verhalten anderer Artgenossen, insbesondere solcher aus fremden Gebieten. Davon berichtet ein internationales Forschungsteam um die Evolutionsbiologin Caroline Schuppli vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie und der Universität Zürich im Fachmagazin «Plos Biology».
Lange Lernphase
Für ihre Studie beobachtete das Team während rund 13 Jahren zwei wilde Orang-Utan-Gruppen auf Sumatra und Borneo. Sie analysierten die Anzahl der Blicke, die fünfzig Jungtiere (16 Weibchen und 34 Männchen) ihren Artgenossen während derer Nahrungsbeschaffung zuwarfen. Insgesamt flossen über 2300 dieser Blicke in die Studie ein.
Die unterschiedlichen Verhaltensweisen der Weibchen und Männchen entwickelten sich in einer Zeit, während der die Jungtiere noch ständig mit ihrer Mutter unterwegs sind. Tatsächlich dauert es bei Orang-Utans rund acht Jahre, bis sie sich die zum Überleben notwendigen Fähigkeiten angeeignet haben - solange bleiben sie in der Obhut ihrer Mutter.
Männchen verlassen Geburtsort
Gemäss den Autoren ist es für die jungen Weibchen wahrscheinlich wertvoll, ein vertieftes Wissen über ihr Geburtsgebiet zu erwerben. Denn sie leben normalerweise dort weiter, wo sie geboren wurden. So nahmen sie sich neben ihrer Mama auch häufiger als die Männchen andere Artgenossen zum Vorbild, die aus der Nähe ihres Geburtsorts stammten.
Junge Männchen konzentrieren sich hingegen öfters auf aus der Fremde eingewanderte Orang-Utans. Sobald die Tiere nämlich geschlechtsreif sind, wandern sie für lange Zeit zwischen verschiedenen Gebieten umher. Und ein möglichst breites Wissensrepertoire hilft, auch in unbekannter Wildnis zu überleben.
http://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.3001173