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Die Videoarbeiten der in Meiringen im Kanton Bern geborenen Künstlerin befassen sich häufig mit den Wechselbeziehungen zwischen politischen und wirtschaftlichen Systemen und menschlichem Verhalten.
Hierbei interessiert sich Flotron für die Instrumentalisierung von Erkenntnissen aus Soziologie und Psychologie zur Organisation gemeinschaftlicher Strukturen im Dienst von Politik und wirtschaftlichem Profit. Ebenso thematisieren viele ihrer Arbeiten die Bestrebungen, mittels Therapien und Trainings das Selbst zu regulieren und Emotionen zu reorganisieren. Dabei wird das Selbst zunehmend fiktionalisiert, die Grenzen zwischen authentischem Verhalten und Rollenspiel verwischen. Prägnant inszeniert Flotron diesen Umstand in den Videoarbeiten Utopia von 2006 und Psychodrama von 2008.
In Utopia führen ein Geschäftsmann und ein Schauspieler zwei Verkaufsgespräche, wobei der Verkauf im ersten Gespräch einen fiktiven Pensionsversicherungsfonds betrifft, im zweiten Teil hingegen einen jener Kurse, welche der Geschäftsmann im tatsächlichen Leben anbietet. Dadurch, dass im zweiten Gespräch jeder seine eigene Position vertritt, besteht eine hohe Identifikation mit der Rolle und das Gespräch wird ernsthafter. Gleichzeitig offenbart die Situation – nicht zuletzt aufgrund der berufsbedingten Nähe beider Protagonisten zum Rollenspiel – die Schwierigkeit, Fiktion und Realität voneinander abzugrenzen.
Das Filmmaterial für die Videoinstallation Psychodrama wiederum stammt aus Psychodrama-Sitzungen, denen sich die Künstlerin und zwei andere Protagonisten unterzogen. In der von J. L. Moreno zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelten Therapieform, welche als handlungsorientierte Form der Psychoanalyse verstanden werden kann, spielen die Klienten Situationen aus ihrem Leben nach oder antizipieren sie, um neue, angemessene Reaktionen zu entwickeln. Die Technik ist heute weit verbreitet in Therapien, Verhaltensseminaren oder im Unternehmenscoacing.
Marianne Flotrons 3-Kanal Videoinstallation zeigt parallel Sitzungsmomente der drei Protagonisten, wobei alle Hinweise auf die Inhalte der nachgespielten Situationen fehlen und ausschliesslich die emotionalen Momente zu sehen sind. Durch die Dramatisierung und Fiktionalisierung ausserhalb eines situativen Kontexts werden die Emotionen zu einem Instrumentarium, das Rückschlüsse auf Authentizität verwehrt.