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Die Karte «Schneeprofile» ist vom 15. November bis zum 30. April verfügbar und wird laufend aufdatiert. Die Karte beinhaltet sämtliche Hangprofile und Flachfeldprofile der letzten 7 Tage, welche dem SLF zur Verfügung stehen.
Profile an denen ein oder mehrere Stabilitätstests durchgeführt wurden, werden anhand der Testresultate in unterschiedliche Stabilitätsklassen eingeteilt: schwach, mittel und gut. Wurden verschiedene Tests durchgeführt, ist der Rutschblocktest massgebend. Bei mehreren Tests des gleichen Typs, ist das schwächste Testresultat massgebend. Profile ohne Stabilitätstest werden nicht klassiert.
Die Klassierung passiert automatisch aufgrund folgender Kriterien:
- Gut (grüne Kreise): Rutschblock Stufe 7, Stufe 6 oder Stufe 5 mit Teilbruch sowie ECT ohne Bruch, ohne Bruchausbreitung oder mit lediglich teilweiser Bruchausbreitung.
- Mittel (orange Kreise): Rutschblock Stufe 5 ganzer Block, Stufe 4 oder 3 mit Teilbruch sowie ECT mit Bruchausbreitung* über die ganze Säulenbreite, aber erst beim 22. Schlag (2. Schlag aus der Schulter) oder höher.
- Schwach (rote Kreise): Rutschblock Stufe 3 ganzer Block, Stufe 2 oder Stufe 1 sowie ECT mit Bruchausbreitung* über die ganze Säulenbreite bis und mit 21. Schlag (1. Schlag aus der Schulter).
*die Bruchausbreitung wird nur als solche gewertet, wenn der Bruch beim gleichen Schlag oder höchstens einen Schlag später am anderen Ende des Blocks ankommt
Die Karte «Schneeprofile» gibt keine flächige Information zur Schneedeckenstabilität sondern ist eine Sammlung von Punktaufnahmen. Schneeprofile sind die einzige Möglichkeit, ein detailliertes Bild des Schneedeckenaufbaus zu erhalten. In Kombination mit einem oder mehreren Tests kann die Schneedeckenstabilität abgeschätzt werden. Ein repräsentativer Profilstandort ist wichtig. Auch bei guter Standortwahl können die gesammelten Informationen aufgrund der räumlichen Variabilität der Schneedecke nur beschränkt auf andere Hänge übertragen werden.
Bei der lokalen Beurteilung der Lawinengefahr muss die Schneedeckeninformation immer mit den übrigen Beobachtungen (Alarmzeichen, Triebschnee etc.) kombiniert werden.
Der Rutschblock-Test (RB) ist der zuverlässigste Stabilitätstest. SLF-Beobachter führen bei den Hangprofilen in der Regel einen Rutschblock-Test durch, manchmal zusätzlich auch einen oder zwei Extended Column Tests (ECT). Dabei gehen sie nach der untenstehenden Anleitung vor. Ein Rutschblock oder ECT liefern Informationen, wie leicht sich ein Bruch am Profilort erzeugen liess und wie gut sich dieser ausbreitete. Die Testresultate sind die Grundlage der Klassierung der Schneeprofile.
Je höher der Temperaturgradient (Änderung der Temperatur pro Meter) innerhalb der Schneedecke, desto schneller werden die betroffenen Schneeschichten in kantig aufgebaute Schneekristalle umgewandelt.
Wasser kann nur tief in die Schneedecke eindringen, wenn die Schneedecke (zumindest annähernd) 0 °C «warm» ist (0 °C isotherm).
Das Rammprofil wird mit einem speziellen Gerät, der so genannten Rammsonde erstellt. Es ist ein objektives Mass für die Schichthärten, kann dünne schwache Schichten aber nicht erfassen. Es misst die allgemeine Verfestigung der Schneedecke und hilft auch abzuschätzen, wie viel Schnee eine Lawine in der Sturzbahn mitreissen kann.
Die Härte der Schichten wird zusätzlich manuell pro Schicht bestimmt. Für die Bestimmung der Handhärte werden die Faust, 4 Finger, 1 Finger, ein Bleistift bzw. ein Messer verwendet.
Dabei soll sich die Hand bzw. der entsprechende Gegenstand mit sanftem Widerstand in die Schneeschicht drücken lassen. Es sind auch Zwischenstufen möglich. Die Messung ist weniger objektiv als die Rammhärte, dafür können aber dünne schwache Schichten erfasst werden.
Typischerweise ist die Schneedecke im Hochwinter kälter als 0 °C und damit trocken. Einzig am Übergang zum Boden ist der Schnee oft auch dann 0 °C „warm“. Für die Bestimmung der Feuchtigkeit wird folgende Skala verwendet:
Ab Feuchte 3 kann frei zirkulierendes Wasser in der Schneedecke vorhanden sein. Kritisch für nasse Lawinen ist vor allem die erste Anfeuchtung grobkörniger Schwachschichten. Sickert Wasser in die Schneedecke ein, so wird es am Übergang von feinkörnigen zu grobkörnigen Schichten gestaut. Dies führt zu einem erhöhten Wassergehalt an solchen Schichtgrenzen, verbunden mit einem deutlichen Festigkeitsverlust.
Pro Schicht werden visuell mit einer Lupe die Kornformen und die Korndurchmesser bestimmt. Typische Schwachschichten bestehen aus grossen, kantigen Körnern, denn diese sind meistens schlecht miteinander verbunden. Kantige Körner haben weniger Bindungen zueinander als runde; grosse Körner haben – pro Volumen – weniger Verbindungen als kleine.
Der Nietentest bietet die Möglichkeit, aufgrund von Strukturmerkmalen eventuelle Schwachschichten auch ohne Stabilitätstests zu finden. Es werden sowohl Eigenschaften der Schichten, als auch der Schichtgrenzen beurteilt. Für jede Schicht bzw. Schichtgrenze werden die folgenden Punkte überprüft. Für jeden erfüllten Punkt wird eine Niete gezählt.
- Grosse Körner (≥ 1 mm)
- Weiche Schicht (Handhärte: Faust)
- Kantige Körner
- Grosser Unterschied in Korngrösse (≥ 1 mm)
- Grosser Unterschied in Handhärte (≥ 2 Stufen)
- Schichtgrenze weniger als 1 m unter Schneeoberfläche
- 5 – 6 Nieten: sehr wahrscheinlich kritische Schwachstelle
- 3 – 4 Nieten: möglicherweise kritische Schwachstelle
- 0 – 2 Nieten: keine ausgeprägten Schwachschichten, eher günstiger Schneedeckenaufbau