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Energieversorgung im Hochgebirge
Sind die Gebäude nicht ans Stromnetz angeschlossen, so gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die Energieversorgung zu gewährleisten. Eine gängige Methode sind Dieselgeneratoren, die jedoch mit beträchtlichen Lärmemissionen und Luftverschmutzung einhergehen. Ein Partikelfilter kann zwar die Luftverschmutzung verringern, der Einsatz erneuerbarer Energien hingegen ermöglicht eine Energieversorgung mit geringer Umweltauswirkung. Bekannt sind Photovoltaik, aber auch Kleinwasserkraftwerke und Windkraft. Blockheizkraftwerke, die mit Rapsöl betrieben werden, sind nur schon dadurch umweltfreundlicher, da sie beim Auslaufen des Öls die Umwelt nicht verschmutzen. Die Kombination verschiedener Energiequellen tragen dazu bei, Gebäude effizient und reibungslos zu versorgen. Sonnenkollektoren oder die Abwärme von Geräten können zur Warmwasseraufbereitung und zur Beheizung von Räumen eingesetzt werden. Weiter helfen Energiesparmassnahmen den Energiebedarf zu senken: Beispielsweise durch den Einsatz effizienter Geräte, das Vermeiden von Standby oder die Isolierung der Warmwasserrohre. Auf dem Jungfraujoch wird das Berghaus durch die intensive Sonneneinstrahlung, durch die Abwärme von Lampen, Geräten und die Körperwärme beheizt. Nachts wird zusätzlich über eine strombetriebene Lüftungsanlage Wärme hinzugeführt, sodass die Temperatur gehalten werden kann.
Versorgung mit Lebensmitteln und Wasser
Die Versorgung der abgelegenen Gebäude erfolgt in Skigebieten mit den Seilbahnen, Schneemobilen oder Pistenfahrzeugen. Bei den Seilbahnen werden unterhalb der Gondeln Transportbehälter angehängt oder die Ware wird auf Sessel und in Kabinen verladen. Um Transportkosten aber auch die Auswirkungen des Transportes der Brennstoffe und Lebensmittel auf die Umwelt zu verringern, sollte sich ein nachhaltiges Gebäude in hohen Lagen mit Energie und Wasser weitgehend selbst versorgen können. Durch die Wahl der Lebensmittel kann der Wirt den ökologischen Fussabdruck seines Betriebes verringern, indem er regionale, biologische und faire Produkte wählt und vegetarischen Menüs im Angebot hat.
Die Wassergewinnung hängt von den örtlichen Begebenheiten ab, entweder erfolgt sie über Quellfassungen oder durch geschmolzenen Schnee und Gletscherschmelzwasser. Das Wasser wird schliesslich in Tanks gesammelt.
„Abgelegene Häuser und Hütten, die sich selbst mit Energie und Wasser versorgen, haben einen geringeren ökologischen Fussabdruck als solche, die unter hohem Energieaufwand fremdversorgt werden müssen.“
Abwasserreinigung
Die alpinen Lebensräume reagieren sehr sensibel auf Nährstoffeinträge aus Abwässern. Da die Alpen Quellgebiet vieler Flüsse sind, besteht die Gefahr der Trinkwasserverschmutzung, würden die Abwässer im Gebirge ungeklärt in Bergbäche gelangen. Das Schweizer Gewässerschutzgesetz schreibt vor, dass „verschmutztes Wasser behandelt werden“ muss, ebenso „ausserhalb des Bereichs öffentlicher Kanalisationen das Abwasser entsprechend dem Stand der Technik“, auch wenn die Lösung des Abwasserproblems wegen harten klimatischen Bedingungen wesentlich schwieriger ist als im Tal. Besondere Herausforderungen ergeben sich einerseits durch die tiefen Temperaturen: Sie verlangsamen Abbauprozesse und lassen das Wasser in den Leitungen gefrieren. Andererseits ist der täglich und saisonal extrem stark schwankende Abwasseranfall für eine Kläranlage schwierig zu bewältigen.
Zwei Beispiele verdeutlichen zwei gegensätzliche Vorgehensweisen bei der Abwasserentsorgung in Skigebieten: eine zentrale und eine dezentrale Abwasserentsorgung. Im Flimser Skigebiet sind das Restaurant Vorab und das Berghaus Nagens ans Kanalnetz angeschlossen. Die Bergstation Hohtälli bei Zermatt auf 3286 Meter über Meer verfügt über keine solche Leitung ins Tal. Bis im Sommer 2004 stand den Touristen eine Trockentoiletten-Anlage zur Verfügung. Der grosse Aufwand für Reinigung und Abtransport, die erheblichen Geruchsemissionen und die generell höhere Akzeptanz und des Komforts einer Spülwassertoilette veranlassten die Zermatt Bergbahnen AG in Zusammenarbeit mit dem Wasserforschungs-Institut der ETH (eawag) die Trockentoiletten durch Spülwassertoiletten zu ersetzen. Am Standort Hohtälli ist kein Wasser vorhanden, was den Betrieb einer solchen Toilette erschwert. Durch das neue System wird das Abwasser der Toiletten in einer biologischen Kläranlage aufbereitet und für die Toilettenspülung wieder verwendet. Der Klärschlamm wird in Filtersäcken entwässert und kann anschliessend leicht entfernt und entsorgt werden.
Abfallentsorgung
Abfall kann im alpinen Gebiet nicht ohne beträchtlichen Aufwand entsorgt werden und muss jeweils ins Tal transportiert werden. Gäste können mithelfen, indem sie ihre Abfälle selber wieder mit ins Tal nehmen und dort entsorgen. Für die Betreiber von Bergrestaurants und Berghütten schreibt beispielsweise die Gemeinde Zermatt in ihrem Abfallreglement: „Sie transportieren den Kehricht zugeschnürt in gebührenpflichtigen Säcken oder anderen, durch die Entsorgungsfirma zur Verfügung gestellten Behältern zum Annahmepunkt, falls es dem Betreiber nicht möglich ist, den Kehricht an einem offiziellen Container-Standplatz zu deponieren.“
Die nicht ordnungsgemässe Entsorgung von Abfällen im öffentlichen Raum, wozu auch die Pisten gehören, wird als Littering bezeichnet. Begründen lässt sich dieses Verhalten unter anderem durch die zunehmende Bequemlichkeit, Ignoranz, mangelhafte Entsorgungsmöglichkeiten, Erziehung und Gruppendruck insbesondere unter Jugendlichen. Zigarettenstummel haben auf der Ebene Stückzahl die grösste Bedeutung beim Littering. Andreas Heim, Pisten- und Rettungschef von Grindelwald, sagt gegenüber der Coopzeitung: „Bei Mast 1 wird die Zigarette angezündet, ab Mast 6 finden wir die Stummel.“ Die Zigarettenstummel liegen vor allem unter Sesselliften, trotz Rauchverbot auf den Anlagen.
Nach der Wintersaison organisieren die Bergbahnen zusammen mit der Interessengemeinschaft für eine saubere Umwelt (IGSU) Aufräumaktionen, sogenannte Clean Up Days in Skigebieten. Bei diesen Aktionen finden die Teilnehmenden vor allem PET-Flaschen und Zigarettenstummel, aber auch Skistöcke, Ski, Brillen, Handys, Glas, Plastikreste. Mit Littering-Aktionen, Plakaten und mehr Abfalleimern versuchen die Wintersportorte die Menge Abfall einzudämmen. Für die Betreiber von Berghotels, Bergrestaurants und Berghütten sollte die Devise lauten: Müllvermeidung, Mülltrennung und fachgerechte Entsorgung im Tal. Ecosport.ch – einem Tool von Swiss Olympic, das aufzeigt, wie Sportveranstaltungen umweltfreundlicher durchgeführt werden können – empfiehlt Mehrweggeschirr, die Einführung eines Pfandsystems, Verzicht auf Wegwerfprodukte und das Pack-ins-Brot-System für Esswaren zum Mitnehmen, um Littering vorzubeugen und zu reduzieren. Gefordert sind nicht nur die Bergbahnen und Gastro-Betriebe im Gebirge, sondern alle Besucherinnen und Besucher der alpinen Erholungsräume.
Weitere Informationen:
Studie Zermatt Bergbahnen & eawag - Dezentrale Reinigung und Wiederverwendung von Toilettenabwasser im alpinen Raum
Clean-Up-Day – PUSCH
Umwelttipp Energie sparen – umweltnetz-schweiz.ch