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Vergessen Sie alles, was war und denken Sie an etwas ganz anderes. Es wird nicht möglich sein, dass Sie auf medizinischem Weg schwanger werden.» Diesen Rat erhielten Mélanie und Stéphane Catoire nach der zweiten In-vitro- Fertilisationsbehandlung von ihrem Arzt. «Die Nachricht hat uns sehr getroffen. Diese Endgültigkeit. Warum gibt es gerade für uns keinen Weg?», erinnert sich Mélanie Catoire (39). Selbst ihr Mann Stéphane (47), der positiv Denkende, war tief traurig. Einen Monat brauchten sie, um sich mit dieser Tatsache abzufinden. Dann entschlossen sie sich für ein neues Abenteuer: die Adoption.
September 2012. Mélanie Buch kontaktiert Stéphane Catoire auf einer Singles-Meetup-Seite. Sein erster Gedanke: «Das ist ein Fake. Diese Frau ist viel zu schön für eine Datingseite.» Entsprechend fiel seine Antwort aus. Sie intervenierte. Er wurde neugierig. Man traf sich. Und zack, waren sie verliebt.
Heute leben sie in Mulhouse (F). Die Französin Mélanie Catoire ist Musikerin, spielt in Ensembles, unterrichtet Geige, macht gerade eine Ausbildung in Zürich in der Suzuki-Methode und plant den Aufbau eines Violine-Studios in Bern. Der Belgier Stéphane Catoire arbeitet in Muttenz (BL) als Informatiker. «Für Mélanie war klar, dass sie Kinder wollte. Doch für mich war irgendwie nie der richtige Zeitpunkt», sagt Stéphane Catoire, und rührt nachdenklich in seiner Kaffeetasse. So liessen sie es «drauf an kommen». Doch Mélanie Catoire wurde nicht schwanger. Nach der Hochzeit 2014 liessen sie sich untersuchen. Organisch war alles in Ordnung. Schwanger wurde sie trotzdem nicht. Ein Jahr später begannen sie mit Insemination. Dreimal haben sie es versucht. Dreimal hats nicht funktioniert. «Zum Glück bezahlt in Frankreich die Krankenkasse die Kosten für Reproduktionsmassnahmen», sagen sie. Für das Paar war das einer der Gründe, warum sie noch nicht in die Schweiz umgezogen sind.
Während sich nach den drei gescheiterten Inseminationsversuchen bei Mélanie Catoire Resignation breit machte, nahm ihr Mann es eher gelassen. «Es kommt, wie es kommt.» Erst die Diagnose des Arztes nach der zweiten Invitro- Fertilisationsbehandlung liess ihn umdenken. Er, der vorher gegen Adoption war, weil er dachte, dass sie schon irgendwann ein eigenes Baby haben würden, sagte jetzt: «Lass uns ein Kind adoptieren.»
Keinem Traum nachrennen
Sie haben ein Zertifikat bekommen, das sie als fähige Adoptiveltern ausweist und sie berechtigt, sich in die Warteschlange für ein Kind einzureihen. Die Vorarbeiten dazu waren ein Tauglichkeitsmarathon, dauerten fast ein ganzes Jahr. Diverse Unterlagen mussten beschafft, Gesundheitsatteste und ein Überblick über die finanzielle Situation eingereicht werden. Eine Psychologin und eine Sozialarbeiterin kamen mehrere Male, um zu sehen, wie sie leben, zu fragen, wie sie ihr Kind erziehen, zu erfahren, wie sie sich verhalten werden, wenn es Fragen zu seiner Herkunft hat.
Sie wünschen sich ein Kind zwischen 2 und 5 Jahren. Gerne aus Indien. Ob Mädchen oder Bub ist egal. Warum kein Baby? «Dafür wären wir zu alt», sagen sie. In Frankreich wird das Alter beider Adoptiveltern zusammengezählt. Ergibt dies mehr als 80 Jahre, kommt ein Baby nicht mehr infrage. Ja, sie hätten schon Respekt, ein bereits älteres Kind bei sich aufzunehmen. «Vielleicht werden wir ihm nie sagen können, woher genau es kommt, wer seine biologischenEltern waren. Vielleicht werden wir nie wissen, was es alles erlebt hat. Doch wir werden unser Möglichstes tun, um unser Kindzu unterstützen und zu begleiten, wir werden offen sein für alles», sagt Mélanie Catoire. In Frankreich gebe es in Adoptions-Zentren zudem Psychologen, mit denen Kinder und Eltern solche Probleme besprechen könnten.
Mélanie und Stéphane Catoire sind gespannt, wie die Zukunft aussehen wird. Die Hoffnung ist leise. Vermutlich ist es Selbstschutz, der sie sagen lässt, dass sie sich keine Illusionen machen: «In Frankreich kommen auf 1000 Bewerber rund 100 Adoptivkinder pro Jahr.» Doch wie plant man die Zukunft, wenn man nicht weiss, wie die Geschichte verlaufen wird? «Einfach ein gutes Leben leben. Es ist zu kurz, um einem Traum hinterherzurennen.»