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Jede Gruppe, egal zu welchem Zweck und mit welchen Mitteln, birgt die Möglichkeit einer Veränderung ihrer Mitglieder: Keine Gruppe ist ohne psychische Wirkung. Es gibt jedoch kein allgemein anerkanntes Maß, ab welcher Intensität, Wirkweise oder individueller Verhaltensänderung die psychischen Vorgänge in einer Gruppe und ihren Mitgliedern als problematisch oder gar "schädlich" einzustufen sind. Und es ist immer ein Unterschied, ob eine derartige Wirkung von einem Gruppenmitglied oder von einem Außenstehenden beurteilt wird. Entscheidend an Gruppen ist, daß sie über eine bestimmte Bindungskraft verfügen. Wie diese Bindung beschaffen ist, ist freilich eine andere Sache. So sagt das Vorhandensein einer Bindung noch nichts über deren moralische Qualität aus, genausowenig wie ihre Stärke. bindungen und Prozesse einer Gruppe sind zwar komplexe Sachverhalte, sie sind jedoch mit bestimmten Methoden und unter bestimmten Voraussetzungen beeinflußbar. Diesen Umstand machen sich auch Weltanschauungsgruppen zu Nutze. Folgende Faktoren spielen dabei eine Rolle:
Ein wichtiger Faktor bei der Gruppenbindung ist vor allem die Erzeugung eines Elitebewußtseins durch die Lehre einer Gruppe. Diese klar normierte und fixierte Lehre soll von jedem Mitglied der Gruppe verinnerlicht werden: Das eigene Denken muß vollkommen auf sie konzentriert werden. Damit verbuden ist die Übernahme eines bestimmten Sprachsystems (bestimmte Begriffe, Argumentationen etc.). Die Lehre einer Gruppe hat die Funktion eines "Rettungs-Rezepts": Sie (er)klärt die Wirklichkeit zur Gänze und macht damit eigenes Denken praktisch überflüssig. Aktuelle Informationen werden in die Kategorien dieses Erklärungssystems eingeordnet.
Die Konsequenz: Wer sich auf diese Weise an Lehre und Praxis hält, darf sich als "Auserwählter" fühlen - im Gegensatz zu den "Unerleuchteten", "Verdammten" oder "Nichterwählten". Die Gruppenmitglieder sehen sich als alleinige Besitzer der reinen oder vollen "Wahrheit". Damit wird eine Überlegenheit über Nicht-Mitglieder aurgumentiert.
Im Zusammenhang mit "Sekten" fällt in der Medienberichterstattung mituner der Begriff "Gehirnwäsche", mit dem auf die Schulung und Indoktrination der Mitglieder angesprochen werden soll. Der Begriff "Gehirnwäsche" bezeichnet allerdings eine offenkundig gewaltsame Methode der Beeinflussung, wie sie bei Kriegsgefangenen oder Regimegegnern von Diktaturen angewendet wurde - und ist damit hier fehl am Platz.
Angewendet werden von einzelnen Gruppen Methoden, die von Experten als "Psychomanipulation" bezeichnet werden. Grob verkürzt können im Rahmen von psychomanipulativen Maßnahmen folgende Veränderungsprozesse zum Tragen kommen:
- Aufbrechen: Die angeworbene Person wird in ihrem bisherigen (religiösen bzw. weltanschaulichen) Bezugssystem und ihrer gesellschaftlichen und beruflichen Orientierung in Frage gestellt und erschüttert. Dabei spielen suggestive Elemente und das Erzeugen bzw. Verstärken von Ängsten eine Rolle.
- Verändern: Das so entstandene Vakuum wird durch neue Denk- und Verhaltensweisen und durch neue Emotionen "gefüllt". Oft suggestiv herbeigeführte Erlebnisse oder auch geplante "Zufälligkeiten" helfen mit, das eigene Selbstverständnis zu ändern. Dabei spielt gruppenpsychologische Beeinflussung eine wichtige Rolle: Menschen verändern sich zum Teil innerhalb kürzester Zeit und bauen gleichsam eine neue "Identität" auf.
- Fixieren: Die Veränderung, die neue Orientierung muß in der Folge stabilisiert und gefestigt werden. Ziel ist es, die neuen Überzeugungen und Werte so zu verinnerlichen, daß das Mitglied sie auch außerhalb der Gruppe unerschütterlich vertritt, sie verteidigt und für sie wirbt.
Die Ausprägung dieser Methoden ist von Gruppe zu Gruppe verschieden.
aus: "Sekten - Wissen schützt", Broschüre des österreichischen Bundesministeriums für Umwelt, Jugend und Familie, s. 17-19