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Geschätzte Leserin, geschätzter Leser
Da viele von Ihnen sicherlich gerade Ihre Sommerferien geniessen, dachte ich, wir könnten diesen Monat noch einmal auf das Thema Behavioral Finance eingehen. Allerdings konzentrieren wir uns dieses Mal auf eine etwas andere Kategorie von Indikatoren.
Erinnern Sie sich an den Anker-Effekt oder die Verlustaversion? Sehr nützliche Indikatoren, keine Frage. Aber werfen wir einen Blick auf die weniger bekannten, humorvolleren Indikatoren von Behavioral Finance. Schliesslich gibt es nicht nur Quartalszahlen und Jahresabschlüsse, die Börse kann auch durchaus unterhaltsam sein. Das sind meine Top 3 Fun-Indikatoren für den humorvollen Anleger:
#1 Wein-Bier-Ratio
Ja, Sie haben richtig gelesen! Das «Wein-Bier-Ratio» beobachtet den Verkauf von Wein im Verhältnis zum Bierverkauf. Die zugrunde liegende Theorie besagt, dass ein Anstieg des Weinkonsums im Verhältnis zum Bierverkauf auf eine optimistischere Stimmung unter den Verbrauchern und folglich auf eine höhere Risikobereitschaft bei der Anlage hindeuten könnte. Warum könnte das der Fall sein? Nun, es ist allgemein anerkannt, dass Wein oft als das «noblere» oder «raffiniertere» Getränk angesehen wird, während Bier als das bodenständigere und alltäglichere Getränk gilt. In guten Wirtschaftszeiten, wenn die Menschen eher bereit sind, Geld auszugeben, könnte der Weinkonsum daher steigen. Im Umkehrschluss könnte in wirtschaftlich unsicheren Zeiten der Bierkonsum zunehmen, wenn die Menschen dazu neigen, sich zurückzuziehen und konservativer zu werden. Also, das nächste Mal, wenn Sie sich entscheiden, ob Sie ein Glas Wein oder ein Bier trinken möchten, denken Sie daran, dass Sie nicht nur eine Getränkewahl treffen, sondern möglicherweise auch einen Einblick in die Marktstimmung bekommen.
#2 Men′s Underwear Index
Der «Men′s Underwear Index» wurde vom ehemaligen US-Notenbankchef Alan Greenspan eingeführt und basiert auf der Theorie, dass die Verkaufszahlen von Herrenunterwäsche ein verlässlicher Indikator für die allgemeine Wirtschaftslage sein könnten. Warum? Weil Unterwäsche ein Grundbedürfnis ist und Männer dazu tendieren, ihre Unterwäsche regelmäßig zu erneuern, unabhängig von ihrer finanziellen Lage. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten jedoch, wenn das Geld knapp ist, könnten Männer dazu neigen, ihre Unterwäsche etwas länger zu tragen und den Kauf neuer Unterwäsche hinauszuzögern. Ein Rückgang der Verkaufszahlen von Herrenunterwäsche könnte daher auf eine wirtschaftliche Abschwächung hindeuten. Im Gegensatz dazu könnten steigende Verkaufszahlen von Herrenunterwäsche auf eine wirtschaftliche Erholung oder Expansion hindeuten, da dies ein Zeichen dafür ist, dass die Verbraucher genug Geld haben, um sogar ihre alltäglichsten Ausgaben zu erhöhen.
Obwohl der «Men′s Underwear Index» sicherlich kein verlässlicher oder wissenschaftlich anerkannter Indikator, zeigt er uns doch, wie alltägliche Kaufgewohnheiten und Konsumtrends einen Einblick in die grösseren ökonomischen Prozesse geben können. So könnten Sie beim nächsten Unterwäsche-Kauf nicht nur an Ihre Komfort denken, sondern auch an die wirtschaftlichen Aussichten.
#3 Skirt-Length-Theorie
Die «Skirt-Length-Theorie» ist ein Wirtschaftsindikator, der die Länge der Röcke von Frauen mit der allgemeinen Wirtschaftslage verknüpft. Diese Theorie wurde 1926 von dem amerikanischen Ökonom George Taylor aufgestellt und besagt, dass in Zeiten wirtschaftlicher Prosperität die Röcke der Damen tendenziell kürzer werden, während in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Röcke länger werden. Warum? Die Idee dahinter ist, dass in guten Wirtschaftszeiten mehr Optimismus und Freizügigkeit herrschen, was sich in der Mode, insbesondere in der Länge der Röcke, widerspiegelt. In unsicheren Zeiten hingegen kehren die Menschen zu konservativeren Modetrends zurück, was sich in längeren Röcken niederschlägt. Ein Beispiel hierfür ist die «Roaring Twenties» Ära, eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs nach dem Ersten Weltkrieg, in der die Röcke der Frauen erheblich kürzer wurden. Dem gegenüber steht die Grosse Depression in den 1930er Jahren, als die Röcke wieder länger wurden. Obwohl es eine humorvolle Idee ist, und sicherlich kein verlässlicher oder wissenschaftlich anerkannter Indikator, zeigt sie uns doch, dass manchmal die einfachsten Dinge – wie die Länge eines Rocks – einen Spiegel der komplexen Wirtschaftswelt darstellen können. Also, beim nächsten Stadtbummel, halten Sie Ihre Augen offen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Psychologie in der Finanzwelt eine grössere Rolle spielt, als wir oft annehmen. Die Macht von Stimmungen, kollektiven Denkmustern und sogar Modetrends sollte nicht unterschätzt werden. Ob es das Wein-Bier-Ratio, den Men′s Underwear Index oder die Länge von Röcken ist, all diese Faktoren können uns einen humorvollen Einblick in die Börse bieten.
Der obligate Disclaimer darf an dieser Stelle natürlich nicht fehlen: Bitte beachten Sie, dass diese humorvollen Indikatoren nicht die einzige Grundlage für Ihre Anlagestrategie sein sollten. Aber sie bieten einen amüsanten Einblick in das oft unbewusste Verhalten von Anlegern und wie es den Markt beeinflussen kann.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen einen schönen Sommer und denken Sie daran, beim nächsten Anstossen auf die Börse zu trinken – vielleicht können Sie ja einige wertvolle Investitionsentscheidungen treffen!
Ihr Mark Stock©
Mark Stock ist ein Mitglied der Point Capital-Redaktion. «Ich bin begeisterter Börsianer und befasse mich leidenschaftlich gerne mit Wirtschaftsgeschichte. Seit Jahren verfolge ich das Auf und Ab an den Märkten und investiere natürlich auch selber – bevorzugt in Aktien. Mein Name ist also Programm. Jeden Monat greife ich an dieser Stelle ein aus meiner Sicht spannendes Thema auf. Und da der Inhalt und nicht meine Person im Zentrum stehen soll, schreibe ich unter einem Pseudonym.»