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er-858 Flachs (neuseeländischer) ? Flachsspinnerei schweren, auch hat der deutsche Landwirt sich erst spät entschließen tonnen, sein althergebrachtes Tau- Röstverfahren zu verlassen und die anderwärts ge- machten Fortschritte sich anzueignen oder sich mit den Nachbarn genossenschaftlich zur Anlegung zweck- mäßiger Röstanstalten zu vereinigen oder den ge- wonnenen Nohftachs an eineFlachsdereitungsanstalt zu verkaufen.
Infolgedessen deckt Deutschland [* 2] (vor dem Dreißigjährigen Kriege das erste Land des Flachsbaues und der Leinenindustrie) seinen eigenen Flachsbedarf nur zum Teil. 189", wurden 58874 t fremder Flachsspinnerei im Werte von 31,2 Mill. M. eingeführt und nur 24174 t (Wert 14,3 Mill. M.) ausgeführt.
Die Gewinnung von Flachsspinnerei wird für Europa [* 3] jährlich zu 530000 t (darunter Rußland 350000, Deutschland 45000, Österreich-Ungarn [* 4] 40000 t) geschätzt. ?
Vgl. Kodolanyi, Die Kultur und Zubereitung des Flachsspinnerei (4. Aufl., Wien [* 5] 1885);
Langer, Flachsbau und Flachs- bereitung (ebd. 1893);
Jahresberichte (I, Trautenau 1893) und Mitteilungen (1. Jahrg., ebd. 1894) des Verbandes der österr.
Flachs-und Leinenintcressenten. flachs, neuseeländischer,^ ?k0iinwm. flachsbau, s. Flachs. flachs bäum, s. ^iniä68nia.
Hlachsbaumwolle, auch Flachswolle, ein versuchsweise durch Kochen mit Mnatronlauge, Be- bandlung mit Schwefelsäure [* 6] und Trocknen der Baumwolle [* 7] ähnlich gemachtes und wie diese mit Krempeln bearbeitetes Fasermaterial, das aus den isolierten Elementarzellen des Flachses besteht, die aber zu schlicht und glatt sind, um sich mit Vorteil verspinnen zu lassen.
Das Verfahren hat man Cottonisieren genannt. Flachsbereitungsanstalten, große Etablisse- ments, in denen der Flachs für den Absatz im gro- ßen und namentlich für den Bedarf der Maschinen- spinnereien als fertiger Handelsartikel hergestellt, d. h. den die Spinnerei vorbereitenden Operationen einschließlich des Schwingens (s. Flachsspinnerei) unterworfen wird. ^Flachsspinnerei.
Flachsbreche, Flachsbrechmaschine, s. flachfchienen, s. Eisenbahnbau [* 8] lBd. 5, S. 837a).
ßlachsdarre, Flachsgarn, s. Flachsspinnerei. flachslilie, s. ?koi-mwm. Flachsröste, Flachsschwingmaschine, s. ßlachsseide, s. t^euta. Flachsspinnerei.
Flachsspinnerei, die Herstellung von Garn aus den Bastfasern der Flachspflanze (s. Flachs).
Die Flachsspinnerei ist eins der ältesten Gewerbe, denn schon auf alt- ägypt. Grabdenkmälern sind die einfachsten Mittel zum Spinnen [* 9] (Spindel und Rocken) abgebildet, und aus der biblischen Überlieferung geht hervor, daß die Israeliten kurz nach ihrem Auszug aus Ägypten [* 10] die Spinnkunst bereits gekannt haben. 1865 wur- den in Pfahlbauten [* 11] der Schweiz [* 12] 40 Spindeln neben Bruchstücken leinener Gewebe [* 13] aufgefunden, deren Alter auf mindestens 3000 Jahre geschätzt werden muß.
Das Spinnrad wurde 1533 von Jürgens in Wolfenbüttel [* 14] erfunden;
1787 wurden in Darling- ton in England die ersten Spinnversuche auf Ma- fchinen angestellt.
Der eigentliche Begründer der mechanischen Flachsspinnerei ist Philippe de Girard, welcher 1810 in Frankreich das erste Patent auf Flach sfpinnerei- maschinen nahm. 1829 wurde die erste mechanische Flachsspinnerei in Leeds [* 15] durch Dampfkraft in Betrieb gefetzt. 1892 war fchätzungsweife die Anzahl der Spindeln in Tausenden für Großbritannien [* 16] 1460, Frankreich 720, Österreich-Ungarn 340, Deutschland 330, Belgien [* 17] 320, Rußland 180, Italien [* 18] 60, Schweiz 12, Holland 8, Schweden [* 19] 6, ganz Europa 3436, Nord- amerika 72, Ostindien [* 20] 160, die ganze Erde 3668. Deutschland liefert vorzugsweise die Flachsgarn- nummern 8 bis 60 und die Werggarnnummern bis 30. Die deutsche Flachsspinnerei braucht für ihren Bedarf etwa 81000 Ctr. geschwungenen Flachs;
das Kapital, welches in denselben angelegt ist, belauft sich auf über 50 Mill. M., wovon die Kosten der Flachs- spinnmaschinen allein gegen 20 Mill. M. betragen. Flachsspinnereimaschinen werden in Deutschland meist von England bezogen. Zur Fasergewinnung im großen dient hauptsäch- lich dieBastfaser derSpeciesl^mim u8itNti33iinuiuIv. oder des gemeinen Leins (s.I^iQum und Flachs).
Die ausgewachsenenLeinpflanzen werden ausgerauft und meist in sog. Kapellen (ähnlich den Getreidcfeimen) getrocknet.
Die getrockneten Pflanzen müssen zu- nächst von den Samenkörnern befreit werden, was durch die als Riffeln oder Reffeln bezeichnete Operation erfolgt, welche darin besteht, daß ein Ar- beiter eine Hand [* 21] voll Leinstengel bei den Wurzel- endcn ergreift, in den Niffelkamm fchlägt und durch denfelben hindurchzieht, wobei die Samen- kapseln und Blätter von den Stengeln abgestreift werden.
Die Stengel [* 22] enthalten im lufttrocknen Zu- stand 73?80 Proz. ihres Gewichts Holz [* 23] und 20? 27 Proz. Bast. [* 24] Das Holz besteht aus 69 Proz. eigentlicher Holzsubstanz, 12 Proz. im Wasser lös- licher Teile und 19 Proz. solcher Stosse, welche wohl durch alkalische Laugen, aber nicht durch reines Wasser aufgelöst werden können.
Der Bast enthält durchschnittlich 58 Proz. reiner Faser, 25 Proz. im Wasser löslicher Teile und 17 Proz. einer im Was- ser unlöslichen tleberartigen Substanz, welche indes durch einen von Bakterien eingeleiteten Gärungs- prozeß zerstört, auch in alkalischen Laugen gelöst und dadurch von der Faser getrennt werden kann. Das für diefe Trennung zur Anwendung kommende Verfahren heißt das Rösten, Rotten oder Wei- chen des Flachses. Man unterscheidet natürliche und künstliche Rö- sten. Die natürlichen Rösten zerfallen wiederum in die Wasserröste (Wasserrotte), Tauröste (Tau- rotte) und gemischte Röste oder RvNe', die künst- lichen Rösten zerfallen in die Warmwasserrotte, Dampf- und Heißwasserrotte, die alkalische Rotte und die Rotte mit verdünnter Schwefelsäure.
Die Wasserröste besteht darin, daß man das geriffelte, in Bündeln gebundene Flachsstroh in Teichen oder Gruben unter Wasser erhält, indem man dasselbe mit Brettern bedeckt und diese mit Steinen be- schwert.
Durch die Einwirkung der Wärme [* 25] der atmosphärischen Luft und des Wassers geht nach einiger Zeit die ganze Masse in Gärung über. Die Tauröste unterscheidet sich von der vorbe- schriebenen dadurch, daß, während bei der Wasser- röste der Flachs die ganze Zeit hindurch im Wasser bleibt und so der einmal begonnene Gärungspro- zeß rasch fortschreiten kann, hier nur die natürliche Feuchtigkeit der Atmosphäre (Tau und Regen) be- nutzt wird, um die notwendige Gärung einzuleiten und zu unterhalten. Zu diesem Zweck breitet man den trocknen Flachs ganz dünn auf einer Wiefe oder einem Anger aus und fetzt ihn dort unter wie- derholtem Umwenden solange den Witterungsein- flüssen aus, bis der Gärungsprozeß die erforder- liche Höhe erreicht hat, was je nach den Umständen 2?10 Wochen dauern kann.
Die gemischte Röste ist eine Kombination der beiden ¶
0860a Flchsspinnerei. I. ¶
0860b Flchsspinnerei. II. ¶
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vorbeschrie-859
denen Röstverfahren, und zwar wendet man zuerst ' die Wasserrotte und dann, wenn die Gärung bis > zu einem gewissen Punkt vorgeschritten ist, die Tau- rotte an. Durch das Bestreben, die natürlichen! Rösten zu verbessern, resp. die Dauer derselben zu verkürzen, entstanden die künstlichen Rösten, unter ^ denen die Warmwasserrotte die meiste Veach- i tung verdient, weil bei derselben die gewöhnliche Meihode des Flachsröstens im Wasser festgehalten, i dabei aber von den Witterungsverhältnissen voll- ständig unabhängig gemacht wird. Während bei den bis jetzt behandelten Rösten die Lösung der Fa- sern durch einen Gäruugsprozeß bewirkt wird, fällt der letztere bei der Dampfröste undHeih- wasserröste vollständig weg; das Verfahren be- ruht vielmehr allein auf der lösenden Kraft [* 29] des Wasserdampfes und des heißen Wassers. Bei der alkalischen Röste bedient man sich verschiedener Alkalien, welche die Röstung beschleunigen, ohne den Gärungsprozeh zu verhindern, während durch die Röste mit verdünnter Schwefelsäure der bei den natürlichen Röstmethoden im Verlauf der Gärungs- periode durch die eintretende Fäulnis der Lein- stengel hervorgerufene, äußerst penetrante und widerwärtige Geruch dadurch aufgehoben werden soll, daß man dem Wasser ^4 Proz. seines Gewichts engl. Schwefelsäure zusetzt.
Die Flachsdarren dienen zum Trocknen des gerösteten Flachses. Zwar kann dies auch in der ^onne geschehen^ aber bei weitem nicht mit der Sicherheit und Schnelligkeit wie in Darrstuben oder Darröfen. Erstere sind geräumige, mit erbitz- ter Lust erwärmte Kammern, letztere viereckige Backöfen, in welchen die Flachsstengel senkrecht auf- gestellt werden. Bei der Feuerung ist wohl zu be- obachten, daß die Temperatur den Siedepunkt des Wassers nicht erreiche, indem sonst der Flachs mürbe und brüchig wird.
Durch die Anwendung einer der verschiedenen Nöstmethoden ist der Zusammenbang der Fasern unter sich und mit dem Holz möglichst aufgehoben, und es handelt sich daher zunächst darum, eine voll- ständige Trennung dieser beiden Bestandteile von- einander zu erreichen. Diese Trennung erfolgt (nach gehörigem Trocknen der Stengel) auf rein mechan. Wege, entweder durch das Botten oder durch das Brechen. Das Botten geschieht mittels des Bott- hammers oder Bleuels, mit welchem der Flachs gleichsam gedroschen wird; in einzelnen Gegenden wendet man dafür das Voken an, das in besondern Stampfmühlen (Vokmühlen) vorgenommen wird und, wie das Votten, öfters auch nur eine Hilfs- arbeit des Brechens bildet.
Der einfachste zum Bre- chen verwendete, von .Hand bewegte Apparat ist die Handbreche oder Brake. Ein solcher Apparat besteht aus einem festen Teil, der Lade, welche aus zwei bis drei parallelen Schienen gebildet ist, die, an den Enden fest miteinander verbunden, einen ungefähr 25 imu breiten Spalt zwischen sich lassen, in welchem ein einarmiger, an dem einen Ende um einen Bolzen drehbarer Hebel [* 30] paßt. Die Flachs- stengel werden auf die Lade gelegt und der die Ge- stalt eines Messers oder einer schiene besitzende Hebel abwärts bewegt, wodurch ein scharfes Knicken der Stengel bewirkt wird.
Durch diefes Knicken oder Brechen wird ein Teil des Holzes schon vollständig beseitigt, während der in der Flachsfaser zurückblei- bende Rest so sehr gelockert ist, daß er durch Schüt- telndes Flachses oderDurchziehendesselben zwischen Lade und Hebel leicht entfernt werden kann. An Stelle der Handbrechen werden vielfach Brech- maschinen verwendet, die in den verschiedensten Konstruktionen vorkommen. Die brauchbarste der bekannten Flachs- brechmaschinen ist wohl die von Kaselowsky, bei welcher der Flachs durch ein Paar geriffelte Walzen zugeführt und vorgebrochen wird. Nm die im ge- brochenen Flachs noch vorhandenen Holzteilchen (Schabe) zu entfernen, nimmt man mit demselben die Operation des Schwingens vor, die entweder von Hand mittels Schwingbretts und Schwing- messers, oder mittels besonderer Schwingma- schinen ausgeführt werden kann.
Die Arbeit der Echwingmaschinen hat vor der Handarbeit den Vor- zug, wohlfeiler zu sein und schneller zu wirken. Durch die beschriebenen Operationen ist, obwohl die Faser in vollständig reinem Zustand dargestellt wird, das Produkt für den eigentlichen Spinnprozeh doch nicht genügend vorbereitet, da die Bastfasern noch untereinander verbunden und vielfach ver- worren sind; durch den nun folgenden Hechel- prozeh wird die Zerteilung und Zerlegung der Faserbüschel unter gleichzeitiger Absonderung der kürzern Fasern, sowie ein Ordnen und Geradlegen der übrigen langen Fasern bewirkt.
Man bedient sich hierzu derHechel, eines Werkzeugs, welches aus einem System von reihenweise angeordneten Na- deln besteht, die in einem Brett befestigt sind. Die Nadeln [* 31] felbst sind aus Stahl hergestellt und bilden schlank zugespitzte und polierte Kegel. Die erste Hechel, auf welcher der Schwingflachs zunächst be- handelt wird, nennt man Aozugshechel (Rufser), die folgenden Mittelhecheln und die letzte, für die Her- stellung besonders seinen Flachses benutzte die Aus- machehechel.
Das Hecheln geschieht in der Weise, daß der Arbeiter eine Partie Flachs (eine Riste) faßt, um die Hand schlingt, mit der andern Hand die freiliegende Partie gleichmäßig ausbreitet, in die Nadeln der Hechel einschlägt und durch diese hindurchzieht. Ist der Flachs auf der einen Hälfte genügend bearbeitet, so schlingt der Arbeiter die ge- hechelte Partie um seine Hand und bearbeitet hier- auf in der gleichen Weise die andere Halste. Um das Handhccheln zu ersetzen, hat man Hechelma- schinen (s. Taf. I, [* 28] Fig. 6) konstruiert, bei welchen die Nadeln auf Hechelstäben befestigt sind, die zu zwei endlosen Ketten (Hechelfeldern) vereinigt werden, während die Flachsristen in Kluppen oder Zangen eingespannt gehalten und derart bewegt werden, daß die eine hervorstehende Hälfte derselben zuerst an den Spitzen und allmählich nach der Mitte zu bearbeitet wird.
Gleichzeitig kommt bei den Hechel- maschinen eine Vorrichtung zur Wirkung, die das von den Nadeln ausgehechelte Werg (Hede) abnimmt. Mit dem Hecheln sind die eigentlichen Vorberei- tungsarbeiten der Flachsspinnerei beendet, und der gehechelte Flachs wird noch denjenigen Arbeitsprozessen unter- worfen, welche zur Bildung eines gleichmäßi- gen Bandes und zur allmählichen Überführung desselben durch Vorgespinst zum Feingarn not- wendig sind. Diese Arbeitsprozesse bestehen hiernach in der Bildung des Bandes, dem Vorspinnen, dem Feinspinnen und den Nach- und Vollendungsarbei- ten. Die in einer Riste vorhandenen Fasern sind, wie schon die zopfartige, an beiden Enden in Spitzen auslaufende Form zeigt, höchst ungleich in derselben verteilt, und es muß daher zur Erzeugung eines gleichförmigen Bandes vor allem eine gleichmäßige ¶