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Beobachter: Wenn ich Ihnen eine Wette anbieten würde, dass Italien Weltmeister wird, würden Sie dagegenhalten?
Roger Kaufmann: Das hängt von der Wettquote ab, die Sie mir anbieten. Ich tippe nicht unbedingt auf den Weltmeister, mir geht es primär um die Quote.
Beobachter: Auf welche Quote würden Sie einsteigen?
Kaufmann: Im Fall von Italien läge eine faire Quote bei 25:1. Eins durch die Wahrscheinlichkeit, dass es Italien tatsächlich schafft, und diese Wahrscheinlichkeit beträgt nach meinen Berechnungen vier Prozent.
Beobachter: Die Quoten für die als Favoriten gehandelten Brasilianer betragen zurzeit etwa 3:1 bis 4:1. Ist das fair?
Kaufmann: Nach meinen Berechnungen beträgt die Chance, dass Brasilien Weltmeister wird, zurzeit 9,4 Prozent. Damit die Wette fair wäre, müsste die Quote also ungefähr bei 10:1 liegen. Die Leute wetten halt auf etwas, an das sie glauben, und der Wettanbieter muss sich mit einer tieferen Quote absichern für den Fall, dass es eintritt.
Beobachter: Für Ihre Prognosen verwenden Sie eine selbst entwickelte Software, die «Dynamische Sport-Analyse». Macht Fussball überhaupt noch Spass, wenn man Resultate und Tabellen derart minuziös mathematisch berechnen kann?
Kaufmann: Ich kann nur die Wahrscheinlichkeiten berechnen und nicht sagen: Heute Abend gewinnt die Schweiz 2:1. Allerdings kann ich ausrechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein bestimmtes Spiel tatsächlich 2:1 endet. Es ist wie bei einem Würfelspiel: Da weiss ich, dass jede Zahl mit der exakt gleichen Wahrscheinlichkeit kommt, aber ich kann trotzdem nicht sagen, welche Zahl am Schluss oben liegt.
Beobachter: Was ist denn spannender für Sie: der effektive Ausgang eines Spiels oder zu sehen, ob Ihr mathematisches Modell stimmt?
Kaufmann: Die Genauigkeit des Modells - das Spiel ist eindeutig in den Hintergrund gerückt. Während einiger Zeit habe ich bei Sporttip nach schlecht festgesetzten Quoten gesucht und darauf gewettet; aber immer nur so, dass der Gewinn nicht mehr als 50 Franken betrug und ich keine Verrechnungssteuer bezahlen musste. Letztlich wollte ich bloss beweisen, dass die Mathematik funktioniert.
Beobachter: Im Internet kann man bei Live-Wetten etwa darauf setzen, welche Mannschaft den ersten Freistoss in der zweiten Halbzeit ausführen kann. Lässt sich das berechnen?
Kaufmann: Möglich ist das schon, doch bei solchen Wetten sind die Quoten einfach zu schlecht. Meist erhält man da eine Quote von 1,85:1, obschon die Wahrscheinlichkeit ziemlich genau 50 Prozent beträgt. Bei einer fairen Wette müsste die Quote demnach 2:1 betragen. Bei derartigen Wetten gewinnt langfristig nur der Anbieter.
Beobachter: Ihre Software ist das perfekte Instrument für Vorhersagen zur Fussball-WM. Haben Sie selber auch schon Wetten platziert?
Kaufmann: Ich habe auf ein paar Aussenseiter gesetzt, die meiner Meinung nach völlig unterbewertet sind - etwa Iran und Schweiz.
Beobachter: Sie wetten also darauf, dass die Schweiz Weltmeister wird?
Kaufmann: Gemäss meinen Berechnungen hat die Schweiz eine Chance von 1,8 Prozent, Weltmeister zu werden - das würde eine Quote von etwa 55:1 ergeben. Tatsächlich erhält man aber im Moment eine Quote von 130:1.
Beobachter: Anders gesagt: Die Quote ist zwar hoch, die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Ihr Geld verlieren, aber auch.
Kaufmann: Richtig. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich verliere, beträgt etwa 80 Prozent. Aber mit einer 20-prozentigen Wahrscheinlichkeit erhalte ich das Zehn- bis Hundertfache meines Einsatzes zurück.
Extra: Fussball-WM
Für Fans wie für Fussballmuffel gilt: Die WM will vorbereitet sein. Im WM-Extra lesen Fans, wie man noch an Tickets kommen kann, wer eigentlich an den Panini-Bildchen verdient und ob ein neues TV-Set nötig ist. Und wer die WM fürchtet, erfährt, dass Fussball auch kulinarisch Spass macht und wie man dem Ganzen mit Gelassenheit begegnet.
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