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Politik
Politische Karikaturen und ihre Schöpfer
Politische Karikaturen haben seit langem einen festen Platz in den Printmedien. Sie bringen aktuelle Themen visuell auf den Punkt und enthalten oft Aussagen, die nur andeutungsweise oder gar nicht in den Texten der Journalisten vorkommen aber dennoch in der Luft schweben. Während der Text-Journalist sich um eine ausgewogene Berichterstattung und differenzierte Aussagen bemühen sollte, darf der Karikaturist provozieren und hat damit einen nicht zu unterschätzenden Einfluss.
Politische Karikaturen wurden bisher selten von der Wissenschaft als zentraler Forschungsgegenstand aufgegriffen. Die ausgesprochene Interdisziplinarität macht eine Zuordnung zu einem bestimmten Gebiet schwierig. Thomas Knieper, Statistiker und Kommunikationswissenschaftler, hat diesen Forschungsgegenstand seiner Habilitationsschrift, auf der das vorliegende Werk basiert, zu Grunde gelegt.
Knieper stellt sich vor allem zwei Fragen: Wie kann der Begriff "Politische Karikatur" definiert werden? Was charakterisiert den Beruf eines Karikaturisten und welche Menschen stecken dahinter? Zur Beantwortung der ersten Frage befasst sich Knieper mit den bisher in der wissenschaftlichen Literatur zu findenden Begriffsdefinitionen, die - wie er zu recht festhält - unbefriedigend sind. Auf diesem Wege und aufgrund eigener Überlegungen findet er schliesslich zu einer eigenen Begriffsbestimmung, die den Eindruck einer präzisen Definition macht. Er sieht sie aber als Zwischenschritt, denn möglicherweise muss sie nach der nun folgenden Karikaturistenstudie überarbeitet werden. So gewährt Knieper den Zeichnern Mitspracherecht.
Die Karikaturistenstudie gibt Auskunft über Ausbildung, Berufszugang, Beschäftigungssituation, Arbeitsalltag, Berufsauffassung und die persönlichen Einstellungen der Karikaturisten, sowie über den Entstehungsprozess politischer Karikaturen und darüber, wie die Karikaturisten ihre eigenen Produkte und Konsumenten sehen. Die Daten hierfür hat Knieper mit Hilfe einer schriftlichen Befragung erhoben. Es wurden politische Karikaturisten in Europa, den USA und Kanada kontaktiert. Der Fragebogen lag in vier Sprachen vor. Erstaunlicherweise diskutiert Knieper die damit verbundene Problematik der bedingten Vergleichbarkeit aufgrund unterschiedlicher Begriffsverständnisse in verschiedenen Sprachen nicht. Er entschliesst sich lediglich, in der Ergebnisdarstellung die für deutsche Medien arbeitenden Karikaturisten getrennt aufzulisten, da "der Karikaturenbegriff in Deutschland im Wesentlichen ein Sammelbegriff geblieben ist, während er sich in anderen Länder (stärker) ausdifferenziert hat." Aber bei der Interpretation der Ergebnisse (z.B. bei den immer wieder festgestellten Unterschieden zwischen Europa und den USA) hätte durchaus auch dieser Ansatz gewählt werden können. Wer den Fragebogen übersetzt hat und ob z.B. auch die Unterschiede zwischen britischem und amerikanischem Englisch berücksichtigt wurden, erfährt der Leser nicht.
Aufgrund der Daten lassen sich einige interessante Feststellungen machen. Wie bereits erwähnt, sind Unterschiede zwischen den USA und Europa erkennbar. Die von Knieper gelieferten Erklärungen dafür fallen zum Teil etwas knapp bzw. einseitig aus, doch muss hier festgehalten werden, dass für Knieper vor allem der Begriff der politischen Karikatur im Zentrum des Interesses stand und nicht die kulturellen Unterschiede zwischen Europa und den USA. In Anschluss an die Diskussion der Ergebnisse modifiziert Knieper seine Begriffsbestimmung von "politischer Karikatur" leicht.
Im abschliessenden Kapitel entwickelt der Autor ein Modell der politischen Karikatur. Knieper bietet hier eine gelungene Abstraktion der Politikvermittlungsleistung politischer Karikaturen. Knieper arbeitet auch - leider mit sehr knappen Ausführungen - mögliche Rückkoppelungseffekte ein. Diese wären wohl ein interessantes Feld für zukünftige Forschungen. Schliesslich müssen noch die zahlreichen politischen Karikaturen, die zur Illustration herangezogen wurden, erwähnt werden. Zusammen mit Kniepers prägnanten Erklärungen machen sie einen Blick in das Werk auf jeden Fall lohnenswert.