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Kirchgemeinde
Yvorne. Das Dorf ist zu wiederholten Malen von der wilden
Eau Froide ernstlich bedroht worden, deren Hochwasser
vom besonders bedeutende Verheerungen angerichtet hat (s. den Art.
Eau Froide). Die Fabriken der Société de
Grand Champ
et de Roche bauen hier links vom
Wildbach den tonigen Kalk der
Roten Kreide und westl. vom Dorf die mergeligen
Kalke des Dogger ab, um aus jenem Portlandzement und aus diesen hydraulischen Kalk zu brennen. In Roche endigt auch das Luftkabel,
mit welchem das im Staatswald der
Joux Verte geschlagene
Holz zu Thal befördert wird.
Dieses ausgezeichnete
Bauholz leidet auf diese Weise bedeutend weniger als wie bei dem früher üblichen
Flössen auf der
Eau Froide. Eine Marmorsäge. Acker- und Weinbau. Sehr altes Dorf; wird schon 1177 als Eigentum des
Klosters
auf dem Grossen
St. Bernhard genannt, das hier damals einen
Spital unterhielt und eine dem h. Jakob geweihte Kirche besass.
Es scheint aber aus gewissen Urkunden hervorzugehen, dass Kirche und
Spital zu Roche als Filialen des
von den Karolingern in
Bourg Saint Pierre
(Vallée d'Entremont) gestifteten
Klosters schon im 9. Jahrhundert bestanden hätten
und dann im 11. Jahrhundert durch den h. Bernhard von
Menthon mit dem von ihm gegründeten Kloster auf
dem Grossen
St. Bernhard vereinigt worden wären.
Seit dieser Zeit besass dieses letztere in der Gemeinde Roche bis ins 19. Jahrhundert hinein grosse
Güter. Hier pflegten
im Winter die Pferde eingestellt zu werden, die im Sommer zum Transport von
Holz und Lebensmitteln nach dem Kloster benutzt
wurden. Das alsScheune und Stall dienende grosse Gebäude steht in Roche heute noch. Das jetzt in Privatbesitz
befindliche
Schloss Roche diente dem berühmten Naturforscher Albrecht von
Haller (1708-1777), der 1758 zum Direktor der Salinen
im Mandament
Aigle (der heutigen Salinen von
Bex) ernannt worden war, zum Wohnsitz.
Hier vollendete er seine physiologischen Werke und schrieb er einen grossen Teil seiner 1768 erschienenen
Historia stirpium indigenarumHelvetiae, die dem Studium der Botanik einen so bedeutenden Vorschub geleistet hat.
Haller durchstreifte
auf der
Suche nach Pflanzen den ganzen bergreichen Bezirk und bildete manche seiner Gehilfen (Peter Thomas, Vater; Clément
Cherix-Morerod,
Mottier; Peter Thomas, Sohn, u. A.) zu tüchtigen Pflanzenkennern heran. Roche gehörte
zuerst zur Kirchgemeinde
Chessel. Als diese 1837 aufgehoben und mit
Noville vereinigt wurde, kam Roche zur Pfarrei
Yvorne, an
der damals der Pfarrer Vautier (Vater des berühmten
Malers Benj. Vautier) wirkte. Vor
Haller hatte das
Schloss Roche schon
einem seiner Vorgänger im Amt, dem 1630 gestorbenen und in
Noville begrabenen Tobias
Laub zum Wohnsitz
gedient. Gräber aus der Bronzezeit;
Hier vereinigen sich die von
Glovelier, von
Pruntrut über die
Caquerelle
und von
Saint Ursanne aus dem Doubsthal kommenden drei wichtigsten Strassenzüge des nördl.
Jura zu der Strasse, die 500 m
sw. vom Gasthof mit einem
Tunnel durch eine mächtige Felswand führt und die für alle aus der nö.
Schweiz
herkommenden Fuhrwerke die einzige Zugangspforte zum
Plateau der
Freiberge bildet.
La Roche war denn auch bis zur Eröffnung
der Bahnlinie
Glovelier-Saignelégier eine stark belebte Posthaltestelle mit Pferdewechsel.
Wiesenbau und Viehzucht. Käsefabrikation. Holzhandel. Strohflechterei. Die die Gemeinde durchfliessende
Serbache hat vor
ihrer Eindämmung und Korrektion grosse Verheerungen angerichtet. Pfarrkirche zu Mariä Himmelfahrt mit schönem Altargemälde.
Liebfrauenkapelle in
Scherwil,
Kapelle des h. Jakob von Compostela in Les
Vègres. Waisen- und Krankenhaus.
Das Dorf war früher zu einem Teil deutsch, ist jetzt aber ganz verwelscht. Auf einer Anhöhe w.
La Roche steht die Ruine
der Burg der seit 1150 urkundlich genannten
Herren von
La Roche, die zuerst selbständig waren, nachher aber die Oberhoheit
der
Grafen von
Neuenburg-Aarberg und dann der
Grafen von Savoyen anerkennen mussten. In Schulden geraten,
verkauften sie 1349 ihre
Herrschaft dem
Bischof von
Lausanne. Die
Bischöfe verliehen der Gemeinde
La Roche grosse
Freiheiten und
Vorrechte. Nach der Eroberung der Waadt
kam
La Roche an Freiburg.
Bis 1798 gehörte es zur Vogtei
Bulle und von 1803 an
zur Präfektur
Corbières, um 1848 zum Bezirk
Greierz zu kommen. Schalenstein. Funde aus der ersten Germanenzeit. 1150: Rupes
superior; 1170: Rupe; 1263: Rochia in Hogo. Vergl.
Diesbach, Max de. La Seigneurie deLa Roche (in den Étrennes frib. 1905).