Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03153.jsonl.gz/1319

Ignaz Merani wird 1693 in Prag geboren. Er tritt am 27. Oktober 1720 in den Jesuitenorden ein. Beim Eintritt ist er Bäckergeselle. Nach Beendigung des zweijährigen Noviziates in Landsberg hält er sich bis 1730 in den Niederlassungen München, Solothurn, Oelenberg im Elsass und Freiburg im Breisgau auf. In Freiburg weilt er 1725–1727. Während an den vorgenannten Aufenthaltsorten keine Hinweise auf ausserordentliche Aufgaben des Jesuitenbruders zu finden sind, ist er in Freiburg mit der Bauaufsicht des Gymnasiumneubaus betreut.[1] 1730–1736 kommt er nach Landsberg, aber wieder nicht in Bausachen. Trotz der fehlenden Angaben für München, Solothurn[2] und Oelenberg muss er sich inzwischen autodidaktisch in Baukunst weitergebildet haben, denn Anfang Mai 1736 trifft er als «director fabricae» in Dillingen ein. Hier ist für die Fortsetzung des 1713 begonnenen und schon 1717 unterbrochenen Kollegneubaus verantwortlich. Nach vorhandenem Modell und Plänen[3] leitet er bis 1738 die Neubauten des äusseren Westflügels, des repräsentativen Nordflügels mit Refektorium, Rekreationssaal und Bibliothek und des westlichen Innenhofflügels. 1740 und 1741 hält er sich wieder in Landsberg auf. 1742 und 1743 ist er Gehilfe des Provinzials.[4] Nebst seinen Kenntnissen des Bauwesens dürfte auch die Beherrschung von vier Sprachen für die Wahl von Br. Ignaz ausschlaggebend sein.
Die fünf nächsten Jahre ist er zum zweiten Mal in Oelenberg, diesmal als Stütze des dortigen Prokurators. Wieder wird sein Name nicht in Verbindung mit Bauvorhaben gebracht, obwohl dort für diese Jahre erhebliche Bauausgaben vermerkt sind. 1750 wird er nach Landsberg zurückgerufen, nun für den 1752–1754 erfolgten Neubau der Jesuitenkirche. Diese Wandpfeilerkirche, im Innenraum stark an die Dillinger Jesuitenkirche erinnernd, ist sein Hauptwerk.[5] Eine Beratung durch Dominikus Zimmermann wird vermutet. Die etwas dilettantenhaften Fassaden weisen aber auf Br. Ignaz Merani als Gestalter hin. In den gleichen Jahren arbeitet er auch beratend für den Umbau der Benediktiner-Stiftskirche Andechs.
In der Niederlassung Landsberg stirbt er am 13. Februar 1762.
Ignaz Merani habe, so wird im Nekrolog geschrieben, mehrere Kollegien und Kirchen der Ordensprovinz teils restauriert, teils geziemender ausgestattet, teils endlich von Grund auf neu aufgeführt. Nur drei dieser Bauten sind uns in Quellen überliefert. Baupläne oder Entwürfe aus seiner Hand sind nicht bekannt. Aber auch wenn er die Pläne nicht selbst gefertigt hat, so muss er doch erheblichen Einfluss auf sie genommen haben. Anders sind die ausserordentlichen Lobeshymnen im Nekrolog über seine Tätigkeit als Architekt nicht zu erklären.
Pius Bieri 2014
Literatur:
Braun, Joseph SJ: Die Kirchenbauten der deutschen Jesuiten. Freiburg im Breisgau 1910.
[2] 1727–1730 wird in Solothurn das Jesuitengymnasium gebaut. Im Lebenslauf von Braun (siehe Literatur) wird der Aufenthalt in Solothurn ohne Zeitangabe und ohne Bezug zu Bauvorhaben erwähnt.
[3] 1713 von Christian Hueber SJ (1657–1713).
[4] Rudolf Burkart, Provinzial 1741–1744.
[5] 1750 wird die Dillinger Jesuitenkirche innen mit einem Rokokokleid versehen. Als Leiter der Innenraumumgestaltung wird Br. Ignaz Merani vermutet. In Landshut gestaltet er die Gewölbe freier und grosszügiger: Es sind Lattengewölbe mit Stuck, wie sie damals auch Dominikus Zimmermann ausführt.
|Br. Ignaz Merani SJ (1693–1762)|
|Biografische Daten|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land|
|1693||Prag||Hlavní město Praha CZ|
|Land 18.Jh.||Bistum 18.Jh.|
|Königreich Böhmen||Prag|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land|
|13. Februar 1762||Landsberg||Bayern D|
|Land 18. Jh.||Bistum 18. Jh.|
|Kurfüstentum Bayern||Augsburg|
|Kurzbiografie|

Br. Ignaz Merani SJ ist, anders als die meist aus einem Bauhandwerk stammenden Architekten des Jesuitenordens, völliger Autodidakt. Anfänglich nur periodisch Aufsichtsperson in Vertretung des Bauherrn, inzwischen 43-jährig, beim Neubau des Kollegs in Dillingen erstmals als Leiter eines grossen Bauvorhabens erwähnt. Sein Hauptwerk und gleichzeitig einziges Werk, bei dem ihm auch die Planung zugesprochen wird, ist die Jesuitenkirche in Landsberg. Sein Nekrolog weist allerdings auf bedeutend mehr und uns noch unbekannten Werken dieses Jesuitenbaumeisters hin.