Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03525.jsonl.gz/13

Auf der sonnigen Terrasse von Leuk, wo sich die im Mittelalter vielbegangene Passroute über die Gemii mit der alten Talstrasse des Rhonetales vereinigt, haben sich schon in ur- und frühgeschichtlicher Zeit Menschen niedergelassen. Im Mittelalter bildete Leuk einen befestigten Flecken, an dessen südlichen Rand sich zwei Burgen erhoben, das Schloss des Bischofs und der Turm des Viztums. Die wehrhafte Ummauerung des Fleckens Leuk ist bis auf geringe Reste verschwunden. Westlich des Städtchens, wo die alte Landstrasse das tief eingeschnittene Tobel der Dala überquert, steht noch ein mittelalterlicher Wehrturm mit Zinnenkranz und Resten einer beweglichen Brücke. In Kriegszeiten konnte hier die Strasse talabwärts geschlossen werden.
Die beiden erwähnten Burgen am südlichen Rand des Fleckens Leuk erheben sich in unmittelbarer gegenseitiger Nachbarschaft auf derselben Geländeterrasse. Die westliche Anlage, die Burg des Bischofs, bilden den grösseren Gebäudekomplex. Er besteht aus einem quadratischen Hauptturm von gut neun Metern Seitenlänge, der von einer weiten, unregelmässig gezogenen Ringmauer umgeben ist. Die Nordpartie war anscheinend nur teilweise überbaut. Hier erstreckte sich ein vom Burgtor in der östlichen Ringmauer aus betretbarer Hof, von dem aus man in die im Südteil untergebrachten Gebäude gelangen konnte. Erhalten sind zwei rechteckige Palasbauten. Wie die Baufugen deutlich zeigen, sind diese in unterschiedlicher Zeit errichtet worden, wohl im frühen, bzw. Im mittleren 13. Jahrhundert, während der Turm möglicherweise noch bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht. Der zweiteilige Palasbau weist prachtvolle spätromanische Fenster sowie eine repräsentative, in die Aussenwand eingelassene Kaminanlage mit rundem Schornstein auf. Für den gesamten Gebäudekomplex des bischöflichen Schlosses, der 1937/38 restauriert worden ist, wird gegenwärtig eine umfassende Rennovation vorbereitet.
Sechzig Meter östlich des bischöflichen Schlosses steht der Turm des Viztums. Er beschreibt im Grundriss ein Fünfeck mit massiven Mauern. Der heutige Zustand des imposanten Bauwerks mit den Fenstern, der Inneneinteilung mit Wendeltreppe und getäfelten Räumen sowie dem Treppengiebel mit den neckischen Pfefferbüchsenerkern beruht auf Umbauten des 16. bis 17. Jahrhunderts.
Der Ort Leuk erscheint schon früh in der schriftlichen Überlieferung. Bereits im Jahre 515 tritt er ans Licht der Geschichte. Damals schenkte der burgundische König Sigismund seinen Hof daselbst mit dem neu gegründeten Kloster St-Maurice. Dieser früh mittelalterliche Königshof dürfte wohl an der Stelle der zwei späteren Burgen von Leuk zu suchen sein, denn nur so würde sich deren völlig ungewöhnliche Lage unterhalb des Fleckens erklären lassen. Für längere Zeit schweigen sich die Quellen über Leuk aus. Erst im 12. Jahrhundert begegnen wir dem Ort wieder in den Urkunden, als Bischof Garinus von Sitten seine von der Grafschaft Wallis abgeleiteten Ansprüche auf Leuk mit Erfolg gegen Amadeus von Savoyen durchsetzte. Die tatsächliche Herrschaft in der Gegend schient jedoch eine Familie wahrscheinlich edelfreien Standes ausgeübt zu haben, die sich nach Leuk nannte und im Verlaufe des 12. und frühen 13. Jahrhunderts von den Sittener Bischöfen schrittweise aus ihren Gütern und rechten verdrängt wurde. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts übertrugen die Herren von Leuk wohl unter bischöflichem Druck den grössten Teil ihres Besitzes an die Sittener Kirche. Eine Zeit lang übten sie noch als bischöfliche Dienstleute das Amt des Meiers zu Leuk aus, dann verschwanden sie aus der Geschichte. Das Meieramt, das zur Verwaltung der grundherrlichen Rechte des Bischofs eingerichtet war und somit vor allem den Einzug der Steuern beinhaltete, ging an die Herren von Ayent über, später an die Herren von Blonay und um 1350 an die Herren von Raron. Das bischöfliche Schloss diente dem Meier von Leuk als Wohn- und Amtssitz. Offenbar hatten die Bischöfe die ursprünglich nur kleine Burg von den Herren von Leuk übernommen und im Verlaufe des 13. Jahrhunderts zu einer bedeutenden und repräsentativen Anlage ausgebaut. Die zur Burg gehörenden Güter, die vom Meier und vom Mistral verwaltet wurden, mussten zur Versorgung des bischöflichen Hofstaates herhalten, wenn sich der geistliche Herr gerade in Leuk aufhielt.
Die landesherrlichen rechte des Bischofs, bestehend aus richterlichen, administrativen und militärischen Befugnissen, wurden stellvertretend vom Viztum wahrgenommen. Seit dem Beginn des 13. Jahrhunderts lag dieses Amt in den Händen der Herren von Raron, die den nach ihm benannten Turm bewohnten. Nachdem um 1350 die Raron auch in den Besitz des Meieramtes gekommen waren, befand sich Leuk vollständig in ihrer Gewalt, weshalb sich der Volksaufstand des frühen 15. Jahrhunderts gegen die Herrschaft des Hauses Raron mit besonderer Wucht über die beiden Burgen von Leuk entlud.
Um 1415 wurden der Turm des Viztums und das bischöfliche Schloss ein Raub der Flammen. Das letztere wurde von den Bischöfen wiederhergestellt, da sie es zur Verwaltung ihrer Güter benötigten. Unter Bischof Walter Supersaxo wurden um 1475 grössere Instandsetzungsarbeiten ausgeführt. Die bischöflichen Hoheitsrechte gingen im verlaufe des Spätmittelalters an die Gemeinde Leuk über. Der Turm des Viztums scheint nach seiner Zerstörung um 1415 längere Zeit eine Ruine gewesen zu sein. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde der Turm von den Bürgern von Leuk käuflich erworben. Der bekannte Architekt Ulrich Ruffiner erneuerte ihn 1541 bis 1543 und baute ihn zum Rathaus aus. Damals erhielt der Turm von aussen seine heutige Gestalt. Das Innere ist in späterer Zeit noch mehrmals verändert worden. So stammt der Saal im zweiten Stockwerk mit seiner Kassettendecke und seinem Renaissance-Getäfer erst aus dem 17. Jahrhundert.
Wann der Flecken Leuk ummauert worden ist, steht nicht mit Sicherheit fest. Sicher war der Ort ursprünglich ein Dorf, wie aus schriftlichen Quellen und aus dem Überbauungsplan hervorgeht. Äusseren Anlass, die Siedlung zu befestigen und in eine „Burgschaft“ umzuwandeln, dürften die zahlreichen Kämpfe des 13. und 14. Jahrhunderts geboten haben, die sich in der unmittelbaren Umgebung von Leuk abspielten und als schwere Bedrohung auf den Anwohnern lasteten. Zu einer eigentlichen Stadt im mittelalterlichen Rechtssinn hat sich Leuk trotz seinen starken Befestigungen nicht entwickeln können.
In der Bischofsburg fand in 1627 der Prozess des Ritters Antoine Stockalper statt. Nachdem er gefoltert wurde, wurde er enthauptet und gevierteilt am Exekutionsort, vor der Burg.
Das Bischofsschloss war auch der Schauplatz des Prozesses gegen Hexen während des 17. Jahrhunderts. In 1867, erzählt der Pfarrer Peter Kämpfen von der Exekution der Hexe Katharina Balin, in 1678.
Trotz der vielen Veränderungen, die romanischen Fenster wurden beibehalten und die Öffnung mit Säulen an der Südfassade. Im östlichen Teil des Wohnflügels erhebt sich ein Kamin, dessen Zugang in der Fassade erkennbar ist. Im Westen formen die Wände des Hofes und der Rundweg ein Bollwerk, das den Eingang in die Stadt verstärkt. Unter dem Denkmalschutz ist das Schloss seit 1934 das Eigentum der Gemeinde Leuk. Es beherbergt das lokale Museum, in dem der Besucher die Wiederherstellung des Zimmers vom Bischof bewundern kann.
In 2001, wurde das Schloss auf einer Briefmarke abgebildet:
Zurück
Bibliographie