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Die Geschichte der Garnison Hildesheim (1643-2007)
Vorwort Die Garnison ist nach lexikalischer Definition ein Ort mit ständiger militärischer Belegung. Die Geschichte der Hildesheimer Garnison, die im Dreissigjährigen Krieg beginnt, ist dramatisch. Die günstige Lage und das weite Hinterland haben zu allen Zeiten das Militär inspiriert, die Stadt – mehr als andere – in ihre Planungen einzubeziehen. Ohne Rücksicht auf das Verbot des Versailler Vertrages, wird unter der irreführenden Bezeichnung „Arbeitsbeschaffungsmassnahmen“, getarnt als „Deutsche Luftfahrt GmbH“, im Norden der Stadt 1933 ein Fliegerhorst aus dem Boden gestampft. Er wird für die Luftwaffe des III. Reiches eine grosse Rolle spielen. Von 1935 bis Kriegsende bildet die einzige Fliegerbildschule der Luftwaffe rund 15 000 „Bildsoldaten“ aus. Die Schüler entdecken bei der Ausbildung die Werla-Pfalz unter der Ackerkrume im Raum Börssum. Die Luftbildstaffel 1, die auch Grossflächenbilder Nordafrikas für Rommels Armee macht, entdeckt in Griechenland die antike Hafeneinfahrt bei Alt-Korinth. Unter strengster Geheimhaltung wird der erste Fallschirmjäger- und Lastenseglereinsatz in Hildesheim vorbereitet. Die Eroberung des belgischen Sperrforts Eben Emael mit neuen Sprengmitteln geht als spektakuläres Ereignis in die Kriegsgeschichte ein. Ebenso geheim sind die Aufträge des Kampfgeschwaders 200 mit erbeutenden amerikanischen Bombern. Auf dem Hildesheimer Fliegerhorst startet eine der Fliegenden Festungen mit jungen „Werwölfen“. Sie springen bei Aachen mit dem Fallschirm ab und ermorden den von den Amerikanern eingesetzten Oberbürgermeister Dr. Karl Oppenhoff. Nagelneue Messerschmitt-Jäger stehen ohne Treibstoff am Boden, als die Stadt 14 Tage vor ihrer Einnahme durch die Amerikaner von britischen Bomben zerstört wurde. Amerikanische Bomber greifen am 22. Februar, 3. und 14. März 1945 den Verschiebahnhof, das Senkingwerk und die Deutschen Vereinigten Metallwerke (VDM). Ihr Hauptziel VDM verwechseln sie mit Senking. Am 22. März ist die Stadt Ziel der britischen Bomberflotte. Hildesheim wird nicht nur britische Garnison, sondern auch Mittelpunkt des Verteidigungsbereichs des 1. Britischen Corps. Auf dem Fliegerhorst wird ein Artillerieregiment, später ein Panzerregiment und ein Panzerabwehr-Hubschrauberregiment stationiert. Hauptquartier der grossen Manöver, bei denen sogar die Mobilmachung in Grossbritannien geübt wird, ist immer der Fliegerhorst mit seiner idealen Infrastruktur. In zehn Jahren entstehen nach amtlichen Schätzungen Manöverschäden von rund 41,2 Millionen DM. Angesichts der militärischen Bedeutung des Standortes und der Truppenmassierungen im Spannungsfall ist erstmals der Frage nachgegangen worden: „Was wäre gewesen, wenn…“ Eindeutig kann die Frage, ob Hildesheim ein nukleares Ziel war, nur in Moskau beantwortet werden – so der Bundesminister der Verteidigung. Selbst die Generalität der Nationalen Volksarmee (NVA) hatte, bis auf ganz wenige Ausnahmen, keinen Einblick in die Zielplanung der Sowjets. Aus den bei der Auflösung der NVA nicht vernichteten Manöverunterlagen des Warschauer Paktes kann geschlossen werden, dass die Hildesheimer Garnison nicht unbeschadet davon gekommen wäre.