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<h2>SubmittedText<h2><p>Die aus der französischen und italienischen Schweiz stammenden Jugendlichen scheinen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz innerhalb der Bundesverwaltung deutlich benachteiligt zu sein. Laut einer am 6. September von der Schweizerischen Depeschenagentur veröffentlichten Studie waren im Jahre 2005/06 bei der Bundesverwaltung 921 Lernende tätig, davon stammten 153 aus der französischen (16,6 Prozent) und 17 aus der italienischen (1,8 Prozent) Schweiz. Eine genauere Analyse zeigt, dass den jungen Romands der Zugang zu den Ausbildungsplätzen mit dem grössten Angebot innerhalb des Bundes sozusagen verwehrt wird:</p><p>- Von den 284 Auszubildenden im kaufmännischen Bereich waren nur gerade 6,7 Prozent Romands.</p><p>- Von den 117 Auszubildenden in der Informatik waren nur gerade 3,4 Prozent Romands.</p><p>Bei den Auto- und bei den Polymechanikerinnen und -mechanikern ist es hingegen so, dass der Anteil der aus der Westschweiz stammenden Lernenden bedeutend höher ist. Diese werden vor allem beim VBS ausgebildet, welches zahlreiche Standorte in der Westschweiz (Sitten, Payerne, Yverdon, Romont, Bière) hat.</p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Kann der Bundesrat die obenerwähnten Zahlen bestätigen?</p><p>2a. Ist die massive Untervertretung der aus der Romandie stammenden Lernenden im kaufmännischen Bereich und in der Informatik darauf zurückzuführen, dass diese Lehrstellen vorwiegend im Kanton Bern angeboten werden?</p><p>b. Ist der Bundesrat der Ansicht, dass die Untervertretung der Romands (ganz zu schweigen von den Tessinern) eine Folge der massiven Zentralisierung der Bundesverwaltung ist, welche beispielsweise durch die unlängst vorgenommene Verlagerung der Arbeitsplätze vom Standort Givisiez ins Bundesamt für Migration nach Bern (Wabern) vorangetrieben wurde?</p><p>3a. Wird der Bundesrat etwas unternehmen, damit die bei der Bundesverwaltung vorhandenen Lehrstellen ausgeglichen auf die Jugendlichen der verschiedenen Sprachregionen verteilt werden?</p><p>b. Was die Lehrstellen in Bern und Umgebung betrifft, ist der Bundesrat nicht der Ansicht, dass es möglich und wünschenswert wäre, diese auch den Jugendlichen aus der Westschweiz anzubieten, welche im Übrigen problemlos die französischen Berufsfachschulen in Biel oder Freiburg besuchen könnten?</p><p>c. Die Ausbildung von französischsprachigen Berufsbildnerinnen und Berufsbildnern innerhalb der Bundesverwaltung sollte auch kein Problem darstellen. Teilt der Bundesrat diese Ansicht?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Die genannten Zahlen sind richtig.</p><p>2a. Es entspricht den Tatsachen, dass die Mehrzahl der Lehrstellen in der Informatik und im kaufmännischen Bereich auf dem Platz Bern angeboten wird.</p><p>2b. Die geografische Verteilung der Dienststellen des Bundes ist mehrfach überprüft worden. Im Zuge solcher Vorhaben erfolgte zum Beispiel die Ansiedlung wichtiger Bundesämter ausserhalb von Bern (Bundesamt für Statistik, Bundesamt für Kommunikation, Bundesamt für Wohnungswesen). Für einen Standortentscheid sind jedoch aus der Sicht des Bundesrates nebst politischen Gründen primär Aspekte der Effizienz und Wirtschaftlichkeit ausschlaggebend. Letzteres stand für den Entscheid zum Transfer von Arbeitsplätzen des Bundesamtes für Migration von Givisiez nach Wabern im Zentrum.</p><p>3a. Der Bundesrat ist sich der Problematik einer angemessenen Vertretung der Sprachgemeinschaften als generelle Voraussetzung für eine ebenso angemessene Vertretung unter den Lernenden und Praktikanten und Praktikantinnen der beruflichen Grundbildung bewusst. Auch für die Lehrbetriebe in der Romandie und im Tessin wird sich positiv auswirken, dass der Bundesrat selbst in der aktuellen Stellen- und Personalabbauphase gewillt ist, die Zahl der Lehrstellen in der Bundesverwaltung weiter zu erhöhen. Er hat am 21. Dezember 2005 erstmals Sollwerte für das strategische Personalcontrolling im Bereich der beruflichen Grundbildung formuliert: Bis Ende 2011 wird in der Bundesverwaltung ein Lernendenanteil von 4 Prozent angestrebt.</p><p>3b. Grundsätzlich stehen die Lehrstellen auf dem Platz Bern Schulabgängerinnen und -abgängern jeder Amtssprache offen. Bedingung ist, dass die Lernenden die Berufsfachschule in ihrer Muttersprache absolvieren können. Dies ist für französischsprechende Lernende bei den Berufsfachschulen Biel und Freiburg gegeben. Beide Schulen bilden bereits heute Lernende der Bundesverwaltung aus. Letztlich entscheidet jedoch die Erziehungsdirektion des Kantons Bern, ob französischsprechende Lernende ausserkantonal (Freiburg, Neuenburg) oder innerkantonal (Biel) zur Schule gehen. Grundsätzlich müssen Lernende der Bundesverwaltung, Standort Bern, am nächstgelegenen Schulort, d. h. in diesem Fall in Bern, den Unterricht an der Berufsfachschule besuchen. Für italienischsprachige Lernende ist die Situation von der räumlichen Distanz her wesentlich schwieriger und der Besuch der Berufsfachschule im Tessin nur unter erheblichen Erschwernissen möglich. Voraussetzung ist in jedem Fall die Bereitschaft der Lernenden zur Mobilität. Zudem darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass die Qualität der praktischen Ausbildung stets sichergestellt sein muss. Die Lernenden haben Anrecht darauf, in ihrer Muttersprache kompetent angeleitet und begleitet zu werden.</p><p>3c. Die Berufsbildnerinnen und -bildner sind die Schlüsselpersonen für eine erfolgreiche Berufsbildung. Sie betreuen die Lernenden in fachlicher wie auch in menschlicher Hinsicht und müssen deshalb über eine breite Palette von Kompetenzen verfügen. Zudem stellt es immer auch eine Doppelbelastung dar. Einerseits müssen sie ihre angestammten Aufgaben erfüllen, und andererseits haben sie sich um die Lernenden und deren fachliche und persönliche Anliegen zu kümmern. Der Bundesrat setzt deshalb alles daran, die positiven Auswirkungen der Berufsbildung auf allen Ebenen noch verstärkt bewusst zu machen und die Situation der Berufsbildnerinnen und -bildner aller Sprachen zu stärken, sei dies durch spezifische Unterstützung und Beratung oder durch konkrete Anreize. In der Bundesverwaltung wird der Ausbildung der Mitarbeitenden im Allgemeinen und der Berufsbildnerinnen und Berufsbildner im Besonderen seit je hohe Beachtung geschenkt. Dies geschieht ungeachtet der Herkunft von Sprache oder Region.</p>  Antwort des Bundesrates.