Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03443.jsonl.gz/2102

Medieval Steel? Nie gehört. Das wird den meisten Lesern durch den Kopf gehen. Die Band existiert seit 1982 und veröffentlichte 1984 eine sehr beachtete EP, die aber in der damaligen Flut an neuen Alben unter ging. Vielleicht war Sur Records auch nicht gerade der geeignetste Partner, neben all den grossen Major Labels, die anderen Truppen den Rücken mit einem bedeutend grösseren Budget stärken konnten. Medieval Steel konnten nie aus diesem Untergrundschatten heraus treten, und selbst die 2005 veröffentlichte «The Dungeon Tapes» konnten der Band um Sänger Bobby Franklin keinen grösseren Status einbringen. Wir schreiben nun das Jahr 2021 und «The Dungeon Tapes» erscheinen ein zweites Mal. Wieso diese Platte nochmals veröffentlicht wurde und nicht ein neues Album, erklärt Bobby im folgenden Interview.
MF: Sag mir, warum veröffentlichst du «The Dungeon Tapes» neu?
Bobby: Aufgrund der grossen Nachfrage haben wir «The Dungeon Tapes» neu aufgelegt. Wir haben alle bestehenden Exemplare verkauft, also remasterten wir die Platte und fügten neue Bandbilder hinzu. Ausserdem beschloss ich, es von Skol Records erneut veröffentlichen zu lassen.
MF: Ist das nur ein Lebenszeichen, dass es Medieval Steel noch gibt und um zu sehen, ob noch Interesse ausserhalb der Band besteht?
Bobby: Medieval Steel hatten immer eine riesige Fangemeinde. Wir, die Band, geniessen es, auf Shows und Festivals aufzutreten. Die Energie die die Fans mitbringen, lässt uns lieben was wir tun und weil wir wissen, dass unsere Fans unsere Musik lieben.
MF: Warum veröffentlichst du kein neues Material?
Bobby: Wir haben ein fertiges Album namens «Gods Of Steel». Mit der Wiederveröffentlichung von «The Dungeon Tapes» wurde beschlossen, das neue Album erst Anfangs 2022 zu veröffentlichen. Ende 2022 werden wir ein weiteres Album namens «Blood Moon» releasen.
MF: Warum hast du nie den Erfolg, um mit der Band regelmässig neue Alben zu veröffentlichen?
Bobby: Dinge passieren im Leben. Mehrere Bandmitglieder starben, was ein herber Rückschlag war. Ich entschuldige mich nicht für die Band, aber nimm die 90er Jahre, während der Grunge-Ära als Beispiel. Metal Musik wie unsere war keinen Cent mehr wert. Aber jetzt ist Metal wieder da, und wir sind auf dem richtigen Weg.
MF: Werden Medieval Steel immer ein Geheimtipp bleiben?
Bobby: Ich glaube, es gibt immer eine Chance für die Band grösser und bekannter zu werden. Da unsere Musik immer mehr gespielt wird, wir neue Alben aufnehmen und sie bald veröffentlicht werden, öffnen sich Medieval Steel für eine grössere, breitere Fangemeinde.
MF: Wie frustrierend ist es, so tolle Songs in petto zu haben, aber nicht bekannter zu sein?
Bobby: Es ist sehr frustrierend. Wir hoffen jetzt, dass sich die Dinge nach der Pandemie wieder öffnen. Mit unserem neuen Management hoffen wir mehr für unsere Fans zu erreichen und live öfters spielen zu können.
MF: Ist die Band Medieval Steel eher eine Freizeitbeschäftigung?
Bobby: Es mag einigen Leuten so erscheinen, aber wir als Band sehen es anders, da wir noch immer an neuen Alben schreiben und arbeiten.
MF: Was hast du all die Jahre gemacht?
Bobby: Wir treffen uns regelmässig und jammen, schreiben und nehmen neue Musik im Studio auf. Persönlich habe ich ein Transportunternehmen aufgebaut und restauriere nebenbei alte Autos.
MF: Die Band hat sich dreimal getrennt. Was waren die Gründe dafür?
Bobby: Man kann es Trennung nennen, aber ich betrachte es eher als Neuaufbau. Dafür braucht man manchmal neue Bandmitglieder, um sich zu etablieren. Darum betrachten wir unsere Comebacks nicht als solche. Wir waren schon immer hier, hatten aber nicht mehr die Möglichkeiten, für unsere Fans auf der ganzen Welt zu spielen.
MF: Viele Bandmitglieder kamen und gingen. Wie schwierig ist es, die richtigen Musiker für Medieval Steel zu finden?
Bobby: In unserer Gegend ist das sehr schwierig. Diese Musik zu spielen ist sehr anspruchsvoll, aber auch sehr lohnend.
MF: Ärgert dich das Musikbusiness, Labels und Manager?
Bobby: Ich würde es nicht Ärger oder Wut nennen, sondern nur Enttäuschung. Wir bekamen nicht die Angebote und Möglichkeiten, die andere Bands mit weniger Talent erhielten.
MF: Was fasziniert dich heute an der Musik, und was ist die Motivation Musik zu machen?
Bobby: Ich bin sehr fasziniert von der Metal Musik der alten Schule, die heute etwas ins Hintertreffen geraten ist. Meine Motivation liegt darin, dass ich geboren wurde zu singen sowie die Musik zu spielen und zu komponieren, die mir im Blut liegt.
MF: Was ist der Unterschied zwischen 1984 und heute im Musikgeschäft?
Bobby: Der Unterschied für mich sind das Internet, soziale Medien und Musikplattformen, mit denen man eine sehr grosse Anzahl an Zuhörern:innen für sich gewinnen kann. Alleine heute wickelt sich doch fast alles auf dem Handy ab.
"...Es sollte eine Zwischenlösung sein, bis uns etwas Besseres einfällt..."
MF: Gibt es eine Geschichte hinter dem Bandnamen?
Bobby: David, ein grosser Metal-Fan und Nachbar von mir, kam 1982 mit einigen Ideen an. Der dritte Name auf einem Stück Papier war Medieval Steel. Ich zeigte den anderen Jungs in der Band den Zettel, und wir wählten Medieval Steel aus. Es sollte eine Zwischenlösung sein, bis uns etwas Besseres einfällt. Kein anderer Name ist uns danach aber jemals eingefallen.
MF: Was waren deine Träume, Hoffnungen, Erwartungen und Ängste, als du mit der Musik angefangen hast?
Bobby: Als junger Mann geht es natürlich erstmal darum, gross raus zu kommen und Weltruhm zu erlangen. Ich war bereit, für diesen Ruhm hart zu arbeiten. Meine Befürchtung, dass ich zwar hart arbeiten und dennoch nichts erreichen würde, wurde leider wahr.
MF: Was war für dich die erfolgreichste Zeit?
Bobby: Ich würde sagen, in den späten 80ern tourten wir viel in den USA. Auch die Zeit seit 2012 bis heute empfinde ich als eine sehr erfolgreiche Zeit.
MF: Was waren für dich die schwierigsten Momente?
Bobby: Die schwierigste Zeit war, als Gründungsmitglied Chuck Jones starb. Sein Tod im Jahr 2014 kam plötzlich und ist bis heute ein herber Verlust geblieben.
MF: Was sind die Pläne für die Zukunft?
Bobby: Wir sind sehr gespannt auf die Zukunft. Wir haben grosses Vertrauen in unser Management und freuen uns auf eine lange wie lohnende Zusammenarbeit.