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Nach dem rekordwarmen September ging in diesem Jahr auch der Oktober als extrem milder Monat in die Annalen ein. In Europa waren bisher nur drei andere Oktobermonate wärmer als der diesjährige. Gleichzeitig prägte eine Reihe aktiver Tiefdrucksysteme das europäische Wettergeschehen, was vor allem Nordeuropa und der Iberischen Halbinsel überdurchschnittliche Niederschlagsmengen bescherte.
Global betrachtet ein Oktober der Superlative
Die globale Mitteltemperatur an der Erdoberfläche erreichte im vergangenen Oktober 15,3 °C. Damit wurde das langjährige Oktobermittel von 1991 bis 2020 um 0,85 °C übertroffen. Der bisher wärmste Oktober aus dem Jahr 2019 war um ganze 0,4 °C kühler als Oktober 2023. Gleichzeitig reiht sich die diesjährige Oktoberanomalie nun als zweithöchste überhaupt seit 1940 ein – gleich hinter dem vergangenen September 2023. Besonders auffällig waren die Temperaturabweichungen in Zentralrussland, Nordkanada und Brasilien: In diesen Regionen lagen die Temperaturanomalien bis zu 4 °C über dem langjährigen Mittel 1991-2020.
In verschiedenen Regionen der Erde war es im Oktober überdurchschnittlich nass. So fiel im Südwesten der USA, in Teilen der Arabischen Halbinsel, Zentralasiens und Sibiriens, in Südchina, Brasilien, Neuseeland und Südafrika mehr Niederschlag als im langjährigen Mittel. Im Gegensatz dazu war ein grösseres Gebiet im Süden der USA und in Mexiko von einer Dürreperiode betroffen. Unterdurchschnittliche Niederschläge gab es auch in Teilen Zentral- und Ostasiens sowie in weiten Teilen der aussertropischen Südhemisphäre.
Oberflächen der Ozeane so warm wie noch nie
Mit 20,79 °C erreichte die mittlere Meeresoberflächentemperatur zwischen 60°S und 60°N einen neuen Oktoberrekord. Wie in Abbildung 4 gut zu erkennen ist, liegt diese Temperaturanomalie weit ausserhalb der üblichen Schwankungen von Jahr zu Jahr. Eine der Ursachen für dieses Signal liegt im Ostpazifik, wo sich die El-Niño-Bedingungen weiter verstärkt haben. Die dort beobachtete Warmwasserzunge ist jedoch nicht so ausgeprägt wie jene, die wir aus den beiden starken El-Niño-Jahren 1997 und 2015 kennen. Dennoch sorgt diese Anomalie gemeinsam mit den überaus warmen Meerestemperaturen im Mittelmeer, Nordpazifik und in der Golfstromregion für unüblich hohe globale Mitteltemperaturen.
Ausdehnung des Meereises
Die Meereisausdehnung in der Antarktis blieb wie schon im September auf einem sehr niedrigen Niveau. Im Vergleich zum langjährigen Oktobermittel 1991-2020 wurde mit rund 16.6 Mio. Quadratkilometer etwa 11% weniger Meereisfläche beobachtet, was einen neuen Oktobertiefstwert darstellt. In der Arktis, wo die jährlichen Schwankungen der Meereisausdehnung deutlich grösser sind als in der Antarktis, wurde in diesem Oktober 12% weniger Meereisfläche (rund 6.9 Millionen Quadratkilometer) als im langjährigen Mittel registriert. Damit liegt die arktische Meereisausdehnung auf dem siebtkleinsten Wert, der seit 1979 gemessen wurde.
In Europa mild, aber teils sehr nass
Der Oktober war in weiten Teilen Europas - mit Ausnahme Skandinaviens - überdurchschnittlich warm und rangiert auf Platz 4 der wärmsten Oktobermonate seit 1940 (siehe Abb. 5). In Mittel- und Südeuropa trug vor allem die regional extreme Wärme in der ersten Oktoberhälfte zur überdurchschnittlichen Monatsbilanz bei. Die Durchschnittstemperatur lag am Ende um 1,3 °C über dem Mittel 1991-2020.
In der zweiten Oktoberhälfte sorgten die beiden Sturmtiefs «Babet» und «Aline» in Nordeuropa und auf der Iberischen Halbinsel für wechselhaftes Wetter, viel Wind und teilweise intensive Niederschläge mit Überschwemmungen. Die Niederschlagssummen waren in diesen Regionen für einen Oktober überdurchschnittlich. In Skandinavien sowie in Südeuropa lagen die Niederschlagsmengen dagegen unter dem langjährigen Durchschnitt.
Die Copernicus Mitteilung zum Oktober 2023 ist in englischer Sprache verfügbar.
Der Monat Oktober 2023 in der Schweiz
Die Schweiz erlebte im Oktober 2023 den zweitwärmsten Oktober seit Messbeginn 1864 mit einer Durchschnittstemperatur von 9,7 °C. Damit lag die Abweichung 3 °C über der Norm 1991-2020 (Abb. 6).
Die Niederschlagssummen stiegen im Tessin sowie in Nord- und Mittelbünden auf 130 bis 190 % der Norm 1991−2020. In den Bündner Südtälern und im Engadin gab es verbreitet Mengen zwischen 200 und knapp 250 % der Norm. In der Westschweiz erreichten die Werte vielerorts 130 bis 180 % und lokal um 200 % der Norm 1991−2020. In Genf war es einer der zehn nassesten Oktober seit Messbeginn 1864. In den übrigen Gebieten der Schweiz bewegten sich die Niederschlagssummen meist zwischen 80 und 130 % der Norm.