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Wer sich erstmals mit Transsexualität auseinandersetzt, steckt schnell mal in einem Begriffsgewirr und wer sich nicht damit auseinandersetzt, versteht erst Recht nur noch Bahnhof, deshalb hier mal einige der häufigen Begriffe. Es würde den Rahmen dieses Artikels übersteigen, wenn ich all die dutzenden von Bezeichnungen erklären würde, deshalb beschränke ich mich auf die Begriffe, die ich hier im Blog auch verwende oder die ich sonst für speziell erwähnenswert halte.
Sex / Gender
Im englischen wird zwischen zwei Worten für “Geschlecht” unterschieden. Das Wort “sex” bedeutet biologisches, also körperliches Geschlecht, während “gender” die Geschlechtsidentität, also das tief empfundene Gefühl ist.
Transgender
Dieser Überbegriff beinhaltet alle Fascetten der geschlechtlichen Andersartigkeit, von Transsexuellen zu Transvestiten zu DragQueens and DragKings u.s.w. Unter diesen Begriff sind alle, die in irgend einer Weise Geschlechtergrenzen überschreiten.
Transsexualität
Wenn die Geschlechtsidentität (gender) nicht mit dem körperlichen Geschlecht (sex) übereinstimmt, spricht man von Transsexualität. Da die Geschlechtsidentität nicht änderbar ist, kann den Betroffenen nur durch eine Angleichung des Körpers an den Geist geholfen werden. Das Wort Transsexualität hat leider gerade im deutschsprachigen Raum einen nachteiligen Beigeschmack, weil das Wortteil “Sexualität” den Eindruck erweckt, als ob es sich hier um ein sexuelles Problem handelt. Aber im englischen Sinn des Worts “Transsexuality” ist eine “Verdrehung” des biologischen Geschlechts gemeint.
Transidentiät
Heutzutage wird offiziell von Transidentität gesprochen, in Anlehnung an die englische Diagnose “gender identity disorder”, also Geschlechts-Indentitäts-Störung. Eigentlich klingt das schon mal viel besser, weil es dieses “Sexualität” nicht drin hat. So klingt es irgendwie mehr nach einer psychischen Erkrankung. Aber ist es das wirklich? Ich tue mich etwas schwer damit, denn meines Empfindens nach ist Transsexualität eine körperliche Störung und keine Psychische. Ich bin nachwievor hin- und hergerissen, welchen Ausdruck ich verwenden möchte.
Eine Transsexuelle / Ein Transsexueller
Eine Transsexuelle resp eine transsexuelle Frau ist ein Wesen mit weiblicher Geschlechtsidentität in einem männlichen Körper. Die weibliche Form des Wortes drückt aus, dass es sich hier um ein weibliches Wesen handelt, auch wenn der Körper nicht danach aussieht. Analog dazu ist ein Transsexueller ein Wesen mit männlicher Geschlechtsidentität in einem weiblichen Körper.
Trans-Frau / Trans-Mann
TransFrau ist die Kurzform für eine transsexuelle Frau, während TransMann die Kurzform für einen transsexuellen Mann ist. Ich benütze – sofern ich nicht grad zu übermütig bin – am meisten das Wort TransFrau um mich selbst zu beschreiben. Der Grund liegt darin, dass die Hauptbetonung des Wortes auf “Frau” liegt. Egal ob EheFrau, HausFrau, PutzFrau, es sind immer Frauen, so ist auch das “Trans” im Wort TransFrau nur eine näherere Umschreibung des zentralen Wortschlusses. Für mich klingt TransFrau unterdessen wie Frau, damit kann ich mich sehr gut identifizieren.
T-Girl
Ok und wenn ich übermütig bin – wie bei der Namensgebung dieses Blogs und bei tausend anderen Gelegenheiten – dann rede ich gerne von T-Girls. Ich bin nicht mal sicher, ob darunter nur Transsexuelle Ladies zu verstehen ist oder alle Transgenders. Aber es ist in der Transgender-Szene weit verbreitet und hat so was girliges, das ich mag. Naja ich bin nunmal mitten in meiner zweiten Pupertät und fühl mich mehr als oft genug girlig, um mich mehr als T-Girl denn als TransFrau zu empfinden. Es hat etwas freches und kokettierendes und darin fühle ich mich oft sehr wohl.
Geschlechtsangleichung / Geschlechtsumwandlung
Im Volksmund redet man oft von Geschlechtsumwandlung, wenn eine transsexuelle Person das körperliche Geschlecht dem Seelischen anpasst. Aber man kann das Geschlecht nicht umwandeln, man kann es nur angleichen (ähnlich machen). Deshalb redet man offiziell von einer Geschlechtsangleichung resp von geschlechtsangleichenden Massnahmen.
Alltagstest
Bevor Transidente geschlechtsangleichende Massnahmen einleiten können, müssen sie einen sogenannten Alltagstest absolvieren. In der Schweiz heisst das, dass ich z.B. ein Jahr lang täglich als Frau leben muss, bevor ich medizinische Unterstützung bekomme. Grundidee davon ist, dass man erst mal “ausprobieren” muss ob man mit so einem doch steinigen und harten Weg klar kommt. Die ersten Wochen sind echt rauh, die Outings, die Öffentlichkeit, tausend Dinge sind extrem belastend. Ich halte es für alles andere als selbstverständlich, dass jemand damit einfach so klar kommt, soweit halte ich die Idee vom Alltagstest für sinnvoll. Wenn man nach diesen Erfahrungen immer noch davon überzeugt ist, dass dies der Weg ist, dann geht die Hormonbehandlung los. Das Tragische ist, dass dieser Alltagstest in der Schweiz ein Jahr dauern muss, was de-facto das Leiden der Betroffenen um ein Jahr verlängert. Nach meiner Erfahrung hat man schon nach einem Monat genug erlebt um zu wissen, was alles auf einem zukommt. Mehr als drei Monate Alltagstest zu fordern halte ich persönlich sogar für menschenunwürdig und für unterlassene Hilfeleistung.
Östrogene / Testosteron
Das weibliche Geschlechtshormon nennt man Östrogen (Estradiol), das männliche Testosteron.
Hormontherapie (HRT)
Um das Geschlecht anzugleichen, nehmen Transsexuelle Hormone. Ich als TransFrau einerseits einen Testosteron-Blocker namens Androcur und anderseits Östrogene, in meinem Fall mittels Antibabypillen. Diese HRT reduziert einerseits männliche körperliche Merkmale und fördert dafür die Entwicklung weiblicher Merkmale. Das bedeutet einerseits Veränderungen wie Brustwachstung bei TransFrauen oder Stimmbruch bei TransMännern, anderseits führt es bei TransFrauen zu einer “chemischen Kastration”. In der Regel wird diese Therapie mindestens ein Jahr lang gemacht, anschliessend kann die chirurgische Operation folgen, muss aber nicht.
Geschlechtsangleichende Operation (GaOp)
Bei der GaOp wird im Falle einer TransFrau kurz gefasst der Penis ausgehöhlt und nach innen gekehrt, bei TransMännern ist es noch viel komplizierter. Die Op dauert um die 8 Stunden, ist reich an Risiken, schmerzhaft, erfordert einen langen Genesungsprozess, aber wenn alles gut geht, kann das Resultat überwältigend gut sein, so dass selbst Gynäkologen kaum noch einen Unterschied sehen. Leider ist die Namensänderung und Zivilstandsänderung in der Schweiz nur nach erfolgter GaOp möglich. Damit werden zwei Dinge miteinander verbunden, die m.E. nichts miteinander zu tun haben.
preOp / postOp Transsexuelle
preOp heisst “vor der Operation”, postOp bedeutet “nach erfolgter Operation”.
Transe
Seid so nett und vergesst dieses Wort einfach, es ist ein Schimpfwort und niemand aus Trangenderland schätzt es, so abfällig genannt zu werden. Wenn Communities wie z.B. das Transensyndikat dieses Wort benützt, dann ist das ein begrüssenswerter und renitenter Akt der Wertumkehrung, in dem man die Wertung eines Wortes auf den Kopf stellt. So wie sich amerikanische Schwarze plötzlich Nigger nennen oder Frauen Bitches (Nutten). Man nimmt einem negativ gefärbten Wort die Macht indem man es sich aneignet und daraus sozusagen etwas Witziges macht. Wenn wir T-Girls uns gelegentlich so nennen, heisst das also nicht, dass Aussenstehende das auch tun sollten, weil wir damit den Eindruck bekommen, dass sie ein ebensolches Bild von uns haben. Oder nennt Ihr Eure Kolleginnen Bitch?
Es gäbe noch vieles zu erklären, aber fürs Erste sollen wir zumindest hier im Blog mal klar kommen. Vielleicht ergänze ich diesen Beitrag gelegentlich. Falls jemand mal etwas nicht versteht, dann fragt einfach via Kommentarfunktion.