Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03339.jsonl.gz/1050

Sein Lächeln war breit, die Zähne schwarz. Martin bemühte sich, nicht auf die dunklen Stummel zu starren, die der Verkäufer ihm nach jedem Satz mit breitem Grinsen präsentierte. Er trat einen Schritt zurück. Der Verkäufer sorgte für Ausgleich, indem er sich nach vorne beugte. Gleichzeitig deutete er auf auf ein Gerät, das sich hinter Martin in einer dunklen Ecke befand. "Das hier will ich Ihnen unbedingt noch zeigen. Eine Eins-A-Spülmaschine. Lange Zeit unser Bestseller." Der Verkäufer wirbelte um Martin herum und zeigte begeistert auf ein unscheinbares Modell. Staub wirbelte auf, als er die Spülmaschine öffnete und die Kunststofffächer herausschob.
Martin nieste. Dann gleich nochmal. Als er die Augen wieder öffnete, hielt ihm der Verkäufer ein Taschentuch unter die Nase. Eigentlich ein ganzes Paket. Eines der Tücher ragte weiter aus der Packung als der Rest. So wie früher in der Zigarettenwerbung, dachte Martin. Er schüttelte den Kopf. "Es geht, danke." Der Verkäufer steckte die Tücher in seine Jackentasche und fuhr fort, die Vorzüge des Modells zu preisen. "Eco-Programm. Wahnsinnig umweltfreundlich. Praktische Besteckschublade. Diese Maschine macht alles mit." Er schlug mit der flachen Hand auf die staubige Abdeckung des Geräts. Dann sah er Martin mit zusammengekniffenen Augen an und flüsterte: "Ihnen gebe ich die Maschine zu einem besonderen Preis. Aber nur heute. Das Modell ist gefragt." Er bleckte erneut seine Zähne.
In Martins Nase kribbelte es wieder, so dass seine Antwort in einem Niesanfall unterging. Er wandte sich vom Verkäufer ab und eilte durch den schmalen Gang, der rechts und links von Geräten gesäumt war, Richtung Ausgang. Dort angekommen riss er die bimmelnde Türe auf und trat die zwei Stufen hinab auf den Gehweg. Er zog die Luft ein und genoss den Sprühregen, der - typisch Ende Oktober - schon den ganzen Nachmittag vom Himmel fiel. Dann drehte er sich zum Geschäft um und betrachtete die Fassade des Gebäudes. Der Putz bröckelte, die rote Leuchtschrift, die in schnörkeligen Buchstaben "Elektrofachgeschäft Meise" formte, blinkte. Das hatte wohl nichts mit einer verfrühten Weihnachtsbeleuchtung zu tun, überlegte Martin.
"Wollen Sie schon gehen?" Der Verkäufer stand in der offenen Tür und blickte Martin mit grossen Augen an. Seine Lippen waren zu einem Strich zusammengepresst.
"Ja, leider. Meine Allergie hat sich gemeldet." Martin hob entschuldigend die Schultern.
"Und das Angebot? Das sollten Sie sich nicht entgehen lassen. Ich verlängere die Frist bis morgen Abend, weil Sie es sind." Er zeigte erneut seine schwarzen Zahnreste, die von Martins Standpunkt auf dem Gehweg besonders gut zu sehen waren.
"Vielen Dank, ich überlege es mir." Er hob die Hand zum Gruss und drehte sich um. Dann eilte er den Gehweg entlang und verschwand um die nächste Ecke. Als Verkäufer und Geschäft ausser Sichtweite waren, verfiel er in eine langsamere Gangart, holte seinen Regenschirm aus der Tasche und spannte ihn auf. Maria würde nicht erfreut sein, wenn er mit leeren Händen nach Hause käme. Sie hatte ihn nahezu genötigt, den Elektroladen im Nachbardorf aufzusuchen, der früher ihrem Onkel gehört hatte. In den Schulferien hatte sie jeweils dort ausgeholfen. Auch wenn das Geschäft nun einen neuen Besitzer hatte, fand sie es richtig und wichtig, sich zunächst dort umzusehen. Das lokale Gewerbe müsse man unterstützen.
Das fand Martin auch. Doch alles hatte Grenzen. Sollte doch Maria nach einem passenden Ersatz für die kaputte Spülmaschine schauen. Sie war mit ihrem früheren Aushilfsjob quasi ein wenig vom Fach. Er würde sich unterdessen heimlich im Internet umsehen. Und das Geschirr in den nächsten Tagen freiwillig von Hand spülen.