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Die zuständigen Sachbereichskommissionen des Parlaments werden die 23 Petitionen beraten, welche die 246 gewählten Teilnehmerinnen der Zweiten Frauensession am 30. Oktober 2021 im Nationalratssaal verabschiedet haben. Sie werden beschliessen, ob sie den Forderungen von Frauen der ganzen Schweiz Folge geben und wie sie die Petitionen umsetzen können.
Der Dachverband der Frauenorganisationen Alliance F, der die Frauensession organisiert hat, wird die Beratung der Petitionen und deren Umsetzung im Schweizer Recht mit Hilfe der beteiligten Parlamentarierinnen aufmerksam verfolgen.
Die aus 10 000 Frauen ausgewählten 246 Abgeordneten der Frauensession im Alter von 17 bis 82 Jahren und aus den verschiedensten Berufsbereichen wurden bei ihren Arbeiten von 46 ehemaligen und aktuellen National- und Ständerätinnen, von vier Ratspräsidentinnen und von weiteren Fachleuten unterstützt. Die zweite Frauensession fand genau 50 Jahre nach dem Einzug der ersten Schweizerinnen ins Bundesparlament, 40 Jahre nach der Verankerung der Gleichstellung in der Bundesverfassung und 30 Jahre nach der ersten Frauensession statt.
Antrag auf Revision des Sexualstrafrechts
Die zweite Frauensession verlangt eine Revision des Schweizer Sexualstrafrechts, Lohngleichheit und ein bedingtes Wahlrecht für ausländische Bürgerinnen und Bürger. Konkret gefordert wird ein besserer Schutz von Vergewaltigungsopfern durch die Einführung des Zustimmungsmodells für sexuelle Handlungen, eine nationale Kampagne zur Prävention von geschlechtsspezifischer Gewalt, die Veröffentlichung der Löhne in Unternehmen mit mehr als 50 Angestellten, das Wahl- und Stimmrecht für ausländische Bürgerinnen und Bürger, die seit mindestens fünf Jahren in der Schweiz leben, die Anpassung des Eherechts zur Abmilderung der negativen Folgen für landwirtschaftliche Betriebe und die Förderung von Frauen in Wissenschaft und Forschung.
Die Frauensession ruft zudem dazu auf, mehr für in Armut lebende ältere Menschen zu tun und die Bedingungen für ehrenamtliche Arbeit zu verbessern. Sie fordert ferner eine Aufwertung der Pflegearbeit, die Schaffung eines eidgenössischen Büros für Gleichstellung und Familie sowie die Einrichtung eines Fonds zur Finanzierung der Infrastruktur für die externe Kinderbetreuung.
Eine dritte Frauensession im Jahr 2051?
Die Petitionen, die von der Frauensession nach zweitägiger Debatte verabschiedet worden waren, wurden am 30. Oktober 2021 offiziell Nationalratspräsidentin Irène Kälin und Ständeratsvizepräsidentin Brigitte Häberli-Koller übergeben. Die Co-Präsidentinnen von Alliance F, Ständerätin Maya Graf (Grüne, BL) und Nationalrätin Kathrin Bertschy (Grünliberale, BE), hoffen sehr, dass die Causa der Frauen in 30 Jahren keine Minderheitsangelegenheit mehr ist und es deshalb keine dritte Frauensession braucht.
Fotografinnen: Yoshiko Kusano et Monika Flueckiger
Quelle : alliance F