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Eigentlich wissen wir ja von uns, dass wir Menschen und keine Roboter sind. Trotzdem müssen wir das auf gefühlt jeder zweiten Webseite bestätigen: «Ich bin kein Roboter». Bei «Ja» ein Häkchen setzen und häufig dann ewig Bilder von Läden, Autos, Ampeln oder Strassenschildern anklicken. Erst dann können wir uns anmelden, die Dienste der Webseite nutzen. Was geschieht da?
Das Problem: Computer versus Mensch
Während wir das Häkchen setzen und uns über die Bilder nerven, machen wir einen berühmten Test, den Turing-Test, Link öffnet in einem neuen Fenster. In einer leicht abgewandelten Form muss die Webseite erkennen können, ob gerade ein Programm – ein Software-Roboter – oder ein Mensch versucht, die Dienste der Webseite zu nutzen.
Die Technologie dahinter ist als «Captcha» bekannt, eine Abkürzung für «komplett automatisierter, öffentlicher Turing-Test, um Computer und Menschen zu unterscheiden». Die Webseite analysiert, wie wir das Häkchen setzen, bevor wir entweder direkt weitergeleitet, oder zuerst Bilder anklicken müssen. Den Anfang nahm das Verfahren mit einem Problem: Missbrauch von Internetdiensten.
Der Ursprung: Missbrauch bekämpfen
Ein Beispiel: In den frühen Nullerjahren war es sehr einfach, beim Internetdienst Yahoo eine Gratis-E-Mail zu erstellen. Cyberkriminelle nutzten das aus und schrieben Programme, die automatisch hunderttausende E-Mail-Konten erstellten und darüber Spam-Mails verschickten. Eine Barriere musste her, um diese Programme zu stoppen.
Verschiedene Forscher entwickelten damals ähnliche Methoden für eine solche Barriere. In Folge mussten Yahoo-Nutzerinnen verzerrte Textschnipsel abtippen, um ihre E-Mail abrufen zu können. Das Verfahren fand im Internet grosse Verbreitung und hatte gleichzeitig einen interessanten Nebeneffekt.
Die Unterstützung: Bücher digitalisieren
In den Nullerjahren wurden grosse Textbestände digitalisiert. Doch immer wieder gab es Textstellen, die Computer nicht erkennen konnten. Daraus entstanden Captchas, die Nutzer hingegen entzifferten und korrekt abtippten. So wurde beispielsweise das komplette Zeitungsarchiv der «New York Times» digitalisiert.
Doch automatische Texterkennung verbesserte sich mit der Zeit, die Textschnipsel stellen keine Barriere mehr für die Programme dar. Seit ein paar Jahren müssen wir nun stattdessen diese Bilderrätsel lösen. Selbst das ist schon überholt: Dank grosser Fortschritte in der automatischen Bildanalyse und Objekterkennung sind auch Bilderrätsel kein Hindernis, Link öffnet in einem neuen Fenster mehr.
Die Zukunft: Keine Bilder mehr klicken
Google besitzt seit 2009 die Captcha-Technolgie, die am weitesten verbreitet ist. Die nächste Version stellte Google Ende 2018 vor und soll uns davon befreien, Ampeln, Autos und Geschäfte anzuklicken. Stattdessen wird unser komplettes Verhalten auf einer Webseite analysiert und an Google geschickt, was wir wo besuchen und anklicken.
Die genauen Kriterien der Analyse verrät Google jedoch nicht, ermittelt aber daraus einen Risikowert zwischen Null (Roboter) und Eins (Mensch). Anhand dessen können Webseitenbetreiber entscheiden, wie sie mit welchem Wert verfahren wollen.
Noch ist die neue Version nicht weit verbreitet, dürfte aber in Bezug auf den Datenschutz noch zu reden geben. Es ist anzunehmen, dass sie insbesondere der neuen europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) , Link öffnet in einem neuen Fensterzuwiderläuft, da sie streng regelt, inwiefern personenbezogene Daten erhoben werden dürfen.