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Derzeit sorgt ein Leserbrief “Aux jeunes filles en fleurs” für grosse Empörung, der in der Freiburger Zeitung “La Liberte” veröffentlicht wurde. Darin schildert der Autor, dass er sich im Frühling an den jungen Mädchen und ihrer leichten Bekleidung wie an schönen Blumen erfreut.
Grund der Aufregung: Der Leserbrief würde einen sexualisierten Blick auf die physische Erscheinung von Frauen zum Ausdruck bringen und Frauen zu Objekten degradieren. Es hagelte Proteste an die Redaktion, weil sie diesen Leserbrief veröffentlichte. Massive Drohungen an die Zeitung wurden ausgesprochen, wenn sie sich nicht entschuldige. Der Leserbrief ist mittlerweile vom Netz genommen und man kann ihn allenfalls noch als Screenshot auf Twitter lessen.
Wenn die Cancel-Kultur in dieser Weise fortschreitet, dann müsste demnächst auch folgender Text aus dem Hohen Lied Salomos im alten Testament vom Netz genommen werden. Die Deutsche Bibel-Gesellschaft müsste sich als Herausgeberin der Luther-Bibel für die Veröffentlichung entschuldigen:
„Wie schön ist dein Gang in den Schuhen, du Fürstentochter! Rund sind deine Schenkel wie zwei Spangen, die des Meisters Hand gemacht hat. Dein Schoß ist wie ein runder Becher, dem nimmer Getränk mangelt. Dein Leib ist wie ein Weizenhügel, von Lotosblüten umsäumt. Deine beiden Brüste sind wie zwei Kitze, Zwillinge einer Gazelle. Dein Hals ist wie ein Turm von Elfenbein. Deine Augen sind wie die Teiche von Heschbon am Tor Bat-Rabbim. Deine Nase ist wie der Turm auf dem Libanon, der nach Damaskus sieht. Dein Haupt ragt auf wie der Karmel. Das Haar auf deinem Haupt ist wie Purpur; ein König liegt in deinen Locken gefangen.
Wie schön und wie lieblich bist du, du Liebe voller Wonne! Dein Wuchs gleicht einem Palmbaum und deine Brüste den Trauben.“
Jenseits der Welten, die zwischen der literarischen Qualität der Texte liegen: Bei mir sorgt die verklemmte Zensur für Empörung, nicht der Leserbrief.