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Wer anfängt sich mit Barfußschuhen, barfuß gehen und der Frage „Wie gehe ich richtig?“ auseinanderzusetzen, stößt über kurz oder lang auf den Ballengang. Zu diesem Thema begegnet man allen möglichen Theorien, Erklärungen und Überlegungen, warum Ballengang sinnvoll sein könnte und ebenso tauchen die Gegenstimmen mit ihrer Argumentation auf. Eine der besten Ausführungen zu dem Thema finde ich diese hier.
In bisher noch allem, was ich diesbezüglich gelesen habe, fehlt aber ein ganz wichtiger Aspekt: Die Betrachtung der Auswirkungen des Fußaufsatzes auf die Beckenbewegung beim Gehen. Wie du hier nachlesen kannst, spielt die dreidimensionale Beckenbewegung für gesundes Gehen eine wesentliche Rolle. Und für die Entstehung dieser anatomisch sinnvollen Beckenbewegung ist es entscheidend, wie der Fuß auf den Boden aufgesetzt wird.
Kommt der Fuß mit der Ferse zuerst auf dem Boden an, gibt es also einen initialen Fersenkontakt, leiten die muskulär-faszialen Strukturen die Information über den Bodenkontakt direkt an den Sitzbeinhöcker weiter. Dies kannst Du auch selbst testen und spüren:
Stell Dich hin und taste mit Deinen Händen Deine Sitzbeinhöcker (Du findest diese Knochen, wenn du von hinten unten mittig in Deiner Gesäßhälfte unter den großen Gesäßmuskeln suchst) und lege die Fingerspitzen an die vordere Kante des Sitzbeinhöckers. Dann hebe eine Fuß und beginne einen kleinen Schritt. Sobald Deine Ferse den Boden berührt, kannst Du eine Reaktion des Gewebes unter Deinen Fingerspitzen fühlen. Vielleicht spürst Du den Impuls nicht gleich beim ersten Mal, probiere es ein paar Mal. Es kann sein, dass Du den ankommenden Impuls auf einer Seite besser spüren kannst als auf der anderen, teste also beide Seiten. Wenn Du den Impuls gespürt hast, wiederhole das Experiment und verändere den Fußaufsatz. Wenn Du mit dem Vorfuß landest, kommt kaum oder keine Information am Sitzbeinhöcker an, Du wirst also nicht sehr viel unter Deinen Fingerspitzen fühlen können.
Nur wenn die Ferse zuerst auf dem Boden aufsetzt, kann also die Information über den Fußsaufsatz auf dem Boden an den Sitzbeinhöcker weitergeleitet werden.
Die anatomisch sinnvolle Beckenbewegung benötigt den am Sitzbeinhöcker ankommenden Impuls, der an die Beckenbodenmuskulatur weitergeleitet wird, damit diese wiederum die dreidimensionale Beckenbewegung initiieren kann. Ein entspannter, energieeffizienter, schwingender Gang benötigt also einen initialen Fersenkontakt, der bei einem Ballengang nicht gegeben ist. Wenn das Becken mitgeht, sich dreidimensional anatomisch sinnvoll bewegt und damit auch der Beckenboden aktiv ist, wird die Kraft, die beim Aufsatz des Fußes vom Körper abgefedert werden muss, optimal aufgenommen, weitergeleitet und verteilt. Der laute Fersenaufsatz, der oft als Grund für den Ballengang angeführt wird, verschwindet und der Gang wird auch ganz leise.
Natürlich ist es auch möglich z.B. beim Schleichen, beim Treppe runtersteigen etc. mit einem Vorfußaufsatz das Becken zu stabilisieren und sinnvoll zu organisieren. Das benötigt in der Regal aber mehr Spannung und Kraft, sodass es für situativ angepasstes Bewegen sinnvoll, für langes Gehen aber nicht zu empfehlen ist.