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Von der Forschungsstelle für den Handel an der Hochschule St.Gallen zum Institut für Marketing an der Universität St.Gallen
Die Forschungsstelle für den Handel (FfH-HSG) wurde 1957 wurde am Institut für Betriebswirtschaft (IfB-HSG) als eigener Forschungsbereich gegründet. Der Anstoss für die Gründung kam aus der Handelspraxis. Es war insbesondere Dr. Hans Gribi, der beim Verband Schweizerischer Grosshändler und Importeure (VSGI) tätig war, welcher eine schweizerische Handelsforschung forderte. Von der wissenschaftlichen Seite her wurde die Gründung vor allem vom Direktor des Instituts für Betriebswirtschaft, Prof. Dr. Hans Ulrich sowie vom damaligen Präsidenten des Institutes, Prof. Dr. Emil Gsell, gefördert. Die FfH-HSG entwickelte sich von 1957 bis 1967 in den Bereichen des Hochschulunterrichts (auf den Gebieten von Absatz und Handel), der Beratungen, der Ausstellung von Expertisen, sowie der Betriebsvergleiche in Gross- und Einzelhandelsbranchen. Die Erkenntnisse wurden durch die jährlichen Schweizerischen Handelstagungen an die Praxis weitergegeben.
1967 erfolgte die Umwandlung der FfH-HSG in das selbständige Forschungsinstitut für Absatz und Handel (FAH-HSG) unter der Leitung von Prof. Dr. Heinz Weinhold Stünzi. Die Ausweitung des Namens mit dem Zusatz «Absatz» stellte dabei die Anpassung an die bisherigen Tätigkeiten dar, da sich schon die FfH-HSG intensiv mit Absatz- und Marketingfragen befasste.
Weinhold studierte an der damaligen Hochschule St. Gallen, er wurde 1956 promoviert und 1961 habilitiert mit dem Thema «Grundlagen wirtschaftlicher Absatzführung». Im Jahr 1963 wurde er Extraordinarius, von 1965 bis 1992 war er ordentlicher Professor für Betriebswirtschaftslehre mit besonderer Berücksichtigung der Absatzwirtschaft. Er war 1957 Mitbegründer und erster Leiter der Forschungsstelle für den Handel am Institut für Betriebswirtschaft der Hochschule. «Märkte sind Menschen» ist einer seiner heute noch gültigen Grundsätze. Wie der Tierforscher Konrad Lorenz sich unter die Graugänse mischte, um deren Verhalten zu studieren, so sah Weinhold den Forschungsansatz für das Marketing und in den Märkten. Diese Forschungskultur prägt heute noch die Tätigkeiten des Instituts.
Die Aktivitäten des FAH-HSG unterschieden sich anfänglich nicht von jenen des FfH-HSG. Indessen erfolgte vor allem in den frühen 1970er Jahren ein Ausbau der Kurs- und Seminaraktivität. 1972 erfolgte der Entschluss zur Sortimentsstraffung und zum Umzug an die Bodanstrasse 8. Alle kurzen Seminare und Veranstaltungen wurden gestrichen, denn sie brachten zu wenig Erlöse. Beibehalten wurden nur noch die länger dauernden Seminare für die Ausbildung von Verkaufs- und Marketingleitern.
Später wurde auf Wunsch der Schweizerischen Einkäufervereinigung (SEKV) das Seminar für Einkaufsleiter aufgebaut. Die Ertragskraft des Institutes entwickelte sich, sodass in zunehmendem Masse aus eigenen Mitteln Forschungsprojekte finanziert werden konnten. Ausserdem wurde die Unterstützung des Unterrichtes an der Hochschule auf den Lehrgebieten von Absatz, Handel, Verkauf, Werbung, Export, Marktpsychologie und Marktsoziologie, sowie in den allgemeinen betriebswirtschaftlichen Fächern der leistungswirtschaftlichen Führung und der Integrationsseminare ausgebaut.
Der Fachverlag THEXIS mit der Fachzeitschrift THEXIS (THEorie & PraXIS), heute Marketing Review St. Gallen, Fachbüchern, Fachberichte wurde 1984 gegründet.
1991 übernahm Prof. Dr. Christian Belz die Leitung des Instituts. Sein wichtigster Lehrer im Marketing war sein Vorgänger Prof. Dr. Heinz Weinhold, was dazu führte, dass Weinholds Forschungskultur und -philosophie auch unter seiner Leitung die Marketingforschungen prägen. Auch für Belz entstehen spannende Forschungsfragen ausschliesslich in der Praxis, die von Natur aus interdisziplinär sind. «Reales Marketing», so Belz «ist problemorientiert, vielfältig, breit angelegt, an komplexen dynamischen Kundenprozessen orientiert und offen für Weiterentwicklungen». «Daher ist das Denken in Such- und Spannungsfeldern für ihn auch essenziell», so Torsten Tomczak in HSG-Focus 1/2018. Diese, in über 50 Jahren kontinuierlich gepflegte und weiter entwickelte Forschungskultur und -philosophie ist der Hauptpfeiler für den heute noch anhaltenden internationalen Erfolg des Instituts.
Im September 2000 wurde das FAH in das heutige Institut für Marketing und Handel (IMH-HSG) umbenannt. 2004 zieht das Institut von der Bodanstrasse in ZIG (Zentrales Institutsgebäude, Dufourstrasse 40a) um.
Zum 1. Januar 2009 wurde das Institut für Marketing und Handel erfolgreich in ein Institut und zwei unabhängige Forschungsstellen geteilt: das Institut für Marketing (IfM-HSG), das Center for Retail Management (Gottlieb Duttweiler Lehrstuhls für Internationales Handelsmanagement, Forschungszentrum für Handelsmanagement, Prof. Dr. Thomas Rudolph) und das Center for Customer Insight (heute Institut für Customer Insight, Prof. Dr. Dr. hc. Torsten Tomczak).
2009 traten Prof. Dr. Sven Reinecke und Prof. Dr. Marcus Schögel (im Februar 2020 wieder aus der Leitung ausgetreten) in die Institutsleitung ein.
Im Mai 2018 hielt Prof. Dr. Christian Belz seine Abschiedsvorlesung «Essenz im Marketing».
Prof. Dr. Christian Hildebrand übernahm im Februar 2019 als Ordentlicher Professor für Marketing mit Schwerpunkt Marketing Analystics den Vorsitz in der Institutsleitung und hielt seine Antrittsvorlesung «The Machine Age of Marketing: How Artificial Intelligence Changes How We Think, Act an Decide» am 17. Dezember 2019.
Heute besteht das Management Team aus Prof. Dr. Christian Hildebrand, Prof. Dr. Sven Reinecke, Prof. Dr. Marcus Schögel, Dr. Michael Betz und Prof. Dr. Peter Mathias Fischer.
Abschiedsvorlesung von Prof. Dr. Christian Belz