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Sie sind junge, talentierte Aushängeschilder des Schweizer Pferdesportnachwuchses: Robin Godel und Guillaume Gillioz.
Zielstrebig bereiten sie sich auf eine Profikarriere im Spitzensport vor - der eine im Concours Complet, der andere im Springen. Als die Wehrpflicht immer näher rückte, wurde schnell klar, dass sie ihre aktuellen sportlichen Ziele in der regulären Rekrutenschule nicht würden weiterverfolgen können.
Mit der Unterstützung des Schweizerischen Verbandes für Pferdesport konnten die beiden schliesslich in die Spitzensport-Rekrutenschule einrücken.
«Bulletin»: Robin und Guillaume, ihr habt für dieses Jahr grosse sportliche Ziele. Wie sehen die aus, und inwiefern war es für euch wichtig, die Spitzensport-Rekrutenschule absolvieren zu können?
Robin Godel (RG): Ich gehöre dem Elitekader der Disziplin Concours Complet an und befinde mich auf der Longlist für die Olympischen Spiele von Tokio. Die Vorbereitungen für diesen Anlass sind über Monate, ja fast Jahre hinweg geplant. Hätte ich in dieser intensiven Zeit aufgrund der regulären Rekrutenschule mein Training und die Turnierstarts aussetzen müssen, hätte ich eine Teilnahme an den Olympischen Spielen 2021 vergessen können.
Guillaume Gillioz (GG): Mein Saisonziel für 2021 ist die Europameisterschaft der Jungen Reiter in Vilamoura (POR). Die Konkurrenz ist gross und schläft nicht - ich muss mich also sehr sorgfältig vorbereiten, um zeigen zu können, was ich kann. Ich werde dieses Jahr 21 Jahre alt, und meine Zeit im Kader der Jungen Reiter ist bald um. Ich muss mich also für das Elitekader empfehlen können. Diese Leistungen kann ich nur erbringen, wenn das Umfeld stimmt. Hätte ich die reguläre Rekrutenschule absolvieren müssen, hätte ich meine Sportkarriere nicht so gezielt vorantreiben können.
Wie sah euer Alltag in der Spitzensport-RS aus?
RG: In den ersten drei Wochen hatten wir jeweils halbtags eine militärische Grundausbildung mit Zugschule und Sanitätsdienst, jedoch ohne Waffen- und ABC-Ausbildung, und halbtags Training. Das Training war in den ersten Wochen sportartenübergreifendes Konditionstraining. In den darauffolgenden Wochen hatten wir je halbtags eine Ausbildung zum Militärsportleiter und gemeinsames Training. In den verbleibenden 13 Wochen war die Zeit aufgeteilt zwischen sportartenspezifischem Training und Schulungen zu den Themen Ernährung, Sportkarriereplanung, Trainingslehre, Medientraining und Englisch. Stationiert waren wir in Magglingen (BE) im Nationalen Sportzentrum, dessen Infrastruktur wir jederzeit nutzen konnten.
GG: Das Sporttraining in Magglingen war wirklich gut! Leider waren viele der Zusatzkurse auf Deutsch. Da war es für uns Westschweizer nicht immer einfach, zu folgen. Aber man konnte mit den Instruktoren auch individuelle Termine vereinbaren, um Themen zu vertiefen.
Wie habt ihr den Austausch und den Vergleich mit den Spitzensportlern anderer Sportarten erlebt?
GG: Wir hatten eine sehr gute Stimmung untereinander, alle waren sehr motiviert. Bei uns Pferdesportlern funktioniert aber schon vieles etwas anders. Die meisten Spitzensportler in der RS konzentrieren sich ausschliesslich auf ihren Sport oder studieren allenfalls nebenbei noch an der Uni. Aber kaum jemand arbeitet so wie wir: Robin und ich bilden insbesondere Pferde aus - auch junge und ungestüme - und misten Boxen aus, tragen Futtersäcke usw. Unsere Arbeit ist körperlich anstrengend und bringt ein gewisses Verschleiss- und Verletzungsrisiko mit sich. Ausserdem müssen wir nicht nur uns selbst, sondern auch die Pferde fit halten. In den meisten anderen Sportarten, die in der RS vertreten waren, können sich die Spitzensportler gezielt und in allen Bereichen auf ihr sportliches Ziel vorbereiten, sie haben Sponsoren, die das ermöglichen.
Das war interessant zu sehen und zu verstehen. Dank dem guten Austausch konnten wir Athleten voneinander lernen und Kontakte für die Zukunft knüpfen. Auch mit den Instruktoren hatten wir einen sehr guten Kontakt, den wir auch beibehalten möchten - beispielsweise mit dem Fitnesstrainer, denn im Bereich des Konditionstrainings haben wir schon gemerkt, dass wir als Pferdesportler Nachholbedarf haben.
RG: Wir waren wirklich eine gute Truppe. Es war fast schade, dass wir in der zweiten Hälfte der RS nicht mehr zusammen trainieren konnten. Aber wir konnten die Pferde natürlich nicht nach Magglingen mitnehmen, deshalb machte es keinen Sinn, vor Ort zu bleiben. Andere Sportarten haben ihre Trainingsstützpunkte sowieso in Magglingen - für die Rekruten dieser Sportarten war klar, dass sie auch im zweiten Teil der RS in Magglingen stationiert waren.
Würdet ihr die Spitzensportler-RS weiterempfehlen?
RG: Auf jeden Fall! Für Athleten, die auf internationalem Eliteniveau sind oder kurz davorstehen, ist es eine super Möglichkeit, das Leistungsniveau während der RS aufrechtzuerhalten und sich auf eine Karriere als Profisportler vorzubereiten. Die Ausbildung ist in allen Bereichen sinnvoll und hilfreich! Wir klären nun ab, wie genau wir den WK im Rahmen von Trainings oder der Vorbereitung auf internationale Titelwettkämpfe absolvieren können. Es ist wirklich toll, dass die Armee den Spitzensport mit ihren verschiedenen Gefässen fördert!
GG: Die Spitzensport-RS ist eine grosse Chance, einen Eindruck vom Leben als Profisportler zu erhalten. Auch der Austausch und der Vergleich mit anderen Spitzensportlern, den man in dieser RS hat, ist wirklich bereichernd. Es ist aber nicht selbstverständlich, dass wir zur Spitzensportler-RS zugelassen wurden. Vor uns hat das im Pferdesport erst Martin Fuchs machen können. Die Anforderungen an die Athleten sind hoch und der bürokratische Aufwand nicht zu unterschätzen. Wir sind sehr dankbar, dass sich die SVPS-Sportmanagerin Evelyne Niklaus bei der Armee für uns eingesetzt hat!
Das Gespräch führte
Cornelia Heimgartner