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Dutti geht auf Tutti: Er bodigt die ATO und mischt den Schweizer Taximarkt auf
Gottlieb Duttweiler (1888 - 1962), Gründer der Migros, migrosintern GD, vom Volk liebevoll Dutti genannt, dürfte die ATO bei der Logistik seiner stark expandierenden Unternehmung hinderlich gewesen sein. Gegen die vom Parlament abgesegnete Überführung der ATO ins ordentliche Recht ergriff er, resp. die von ihm gegründete Partei, der "Landesring der Unabhängigen", das Referendum. In der Abstimmung vom 19. Februar 1951 wurde auch die ATO vom Volk deutlich abgelehnt. Erst die LSVA sollte am 27. September 1998 die Zustimmung des Souveräns erlangen.
Schon früh brachte GD in seinen Inseraten für Lebens- und Putzmittel politische Themen in einem provokativen Stil aufs Tapet. So auch im Inserat vom 27. Mai 1934 in der Basler Nationalzeitung. Unter dem Titel "Krisenbekämpfung durch Preissenkung" propagierte er Kleintaxis und eine Liberalisierung der staatlichen Konzessionspolitik. Mit der Lockerung versprach er sich die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Die Sache verlief offensichtlich im Sand - wenigstens vorläufig.
Schon kurz nach der Ablehnung der ATO durch den Souverän schreckte 1951 folgendes Gerücht die Taxibranche auf: "Dutti kauft in Luton (England) bei der GM-Tochter Vauxhall 200 gelbe Taxi".
Bald war klar, dass es Duttweiler ernst meinte. Er, der von sich selbst behauptete, er sei ein Spezialist in Sachen, von denen er nichts verstehe, gründete unter der Ägide des "Migros Genossenschaftsbundes Zürich" die Minitax AG. Diese sollte eine Taxi-Bestellzentrale betreiben und vermittelte die gelben Vauxhalls für Fr. 9'500.- an Zürcher Taxi-Chauffeure, die sich selbständig machen wollten. Dabei hatten die Chauffeure eine Anzahlung von lediglich Fr. 2'500.- zu leisten und die Restschuld war mit nur 2,5% zu verzinsen. Dutti schickte im Juni 1951 ca. 50 "Gelbe" auf Zürichs Strassen. Da diese über keine Konzessionen und damit auch über keine Standplätze auf der Allmend verfügten, operierten sie von den Vorplätzen der Migros-Filialen oder privaten Grundstücken aus. Die Grundtaxe betrug Fr. 1.- und pro km bezahlte man 50 Rappen. Die Zürcher Taxihalter reagierten genau so, wie die Basler vor bald 20 Jahren reagiert hatten: Man lackierte die ältesten Amischlitten blau/weiss um und fuhr zum Minitax-Tarif. Dieser Tarif war für die Minitax kostendeckend, für die "Blauweissen" aber selbstmörderisch und verursachte zudem beim Publikum einen Sympathieverlust.