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Am 3. September 2021 hat die Schaffhauser Nachrichten einen Artikel zum Thema Muttsee-Solaranlage unter dem Titel „Winterstrom: Blick nach vorne lohnt sich noch nicht“ publiziert. Offensichtlich basierte der Artikel auf einer kurz zuvor erfolgten Medien-Orientierung zum Projekt. Einige interessante Angaben zu diesem Projekt wurden dabei geliefert:
Ideale Bedingungen würde man meinen, ein Vorzeigeobjekt für eine „Energiewende“, welche ausschliesslich auf Strom aus Wind und Sonne setzt, um einerseits die Nuklearkapazitäten zu ersetzen und andererseits zusätzlich den allenfalls gewaltig ansteigenden Strombedarf unter der Prämisse – raus aus Fossil – auch noch decken zu können.
Weiter entnimmt man dem Bericht: „Statt wie üblicherweise 4 bis 10 Rappen pro kWh betragen die Gestehungskosten auf Grund der aufwendigen Infrastruktur in den Alpen eher 20 Rappen“!
Somit betragen die Stromgestehungskosten (=Produktionskosten netto) dieser Anlage das Vierfache derjenigen des Kernkraftwerks Leibstadt! Mit diesen vorliegenden Zahlen lassen sich auch die realen, unverfälschten Kosten – d.h. subventionslosen – von Solaranlagen im Mittelland abschätzen. Gehen wir davon aus, dass die Hälfte der höheren Installationskosten durch den besseren Powerfaktor der Alpinanlage abgegolten wird, so würden die realen Gestehungskosten einer Solaranlage im Mittelland bei rund 25 Rappen pro kWh liegen!
Dazu kommen noch die Systemkosten der unverzichtbaren Speicheranlagen, welche für Pumpspeicher konservativ gerechnet im Bereich von 10 Rappen pro kWh liegen dürften. Ich möchte in diesem Zusammenhang daran erinnern, dass Silvio Borner und ich im Januar 2019 im Zusammenhang mit der Kostenfrage „Energiestrategie“ einen Artikel in der Weltwoche publiziert haben[1], wo wir die alternativen Kosten von Kernkraftwerken neuester Technologie mit den Kosten für den Ausbau der alternativen Energien (NEE) gemäss Energiestrategie verglichen haben. Die Prognose war, dass der NEE Ausbau über das Fünffache kosten würde. Die hier vorliegenden Zahlen belegen die massiven Kosten der NEE Strategie einmal mehr.
Sicherlich, die vorgestellte Alpinanlage bringt den Vorteil, dass die Kapazitäten für eine saisonale Speicher reduziert werden könnten, jedoch nicht vollständig, denn der Strombedarf im Winter ist höher als im Sommer. Also braucht es auch bei ausgeglichener Jahresproduktion Anlagen zum Ausgleich. Zusätzliche Anlagen zur kurzfristigen Pufferung (Tag / Nacht), wie zum Ausgleich von mittelfristigen Dunkelflauten, braucht es auch bei solchen Alpinanlagen. Die Hydro-Anlage Muttsee ist dazu nicht geeignet, denn diese ist gebaut um Nachtsrom zu pumpen und bei Tagesspitzen – besonders im Winter – voll zu produzieren. Das heisst, dieser Betrieb läuft im Gegentakt zur Solarproduktion[2].
Die Winterstromlücke der Schweiz beträgt inzwischen bereits über 3 GW Leistung, Tendenz stark steigend. Die Solaranlage Muttsee hat eine nominelle Leistung von 2.2 MW. Eingerechnet 20% Zwischenspeicherverluste müssten demnach rund 1‘700 Muttsee- Solaranlagen (plus passende Speicherkapazitäten) gebaut werden, um die bereits bestehende Winterlücke decken zu können! Wahrlich schöne Aussichten in einem Land, welches den Alpenraum als schützenswerte Landschaft einstuft.
Zumindest scheinen einige Politiker inzwischen begriffen zu haben, dass die Stromversorgung der Schweiz sich mit einer zusehend wachsenden Versorgungslücke auseinandersetzen muss, die mit den vorgesehenen Massnahmen basierend auf NEE Technik nicht lösbar ist. Dennoch starteten die grünen Fraktionen bereits eine parlamentarische Initiative, welche den weiteren massiven Ausbau von NEE Kapazitäten vorsieht und dies durch weitere Fördermassnahmen bis 2030 gesichert haben will. Wie war das, als die Politk dem Volk weismachte, dass NEE bis 2022 selbstragend sein sollen und anschliessend keine weiteren Fördermittel notwendig sein sollten?
Die Politik hat sich nicht nur in eine nicht umsetzbare Energiepolitik verstrickt, die in einer Sackgasse enden wird, sondern auch in ein grosses Lügengebilde, aus welchem noch ein Ausweg gefunden werden muss.
Dazu habe ich in einem Geschichtsbuch, welches ich zurzeit lese, eine sehr interessante Bemerkung gefunden:
„The problem about lying propaganda is that it is ultimately self- defeating. Once the exaggerations and hyperbole are detected, and later events make them sure to be detectable, the cumulative effect on public morale is even worse, for people realize they have been lied to and will not trust government assurances again”.
Oder zu deutsch:
„Das Problem mit der Lügenpropaganda ist, dass sie sich letztlich selbst zerstört. Wenn die Übertreibungen und Überspitzungen erst einmal aufgedeckt sind – und spätere Ereignisse machen sie mit Sicherheit nachweisbar – ist die kumulative Wirkung auf die öffentliche Moral noch schlimmer. Denn die Menschen erkennen, dass sie belogen wurden und werden den Zusicherungen der Regierung nicht mehr vertrauen.“
[1] „Kernkraft gegen Sonne“, Silvio Borner und Emanuel Höhener, Weltwoche 03/19
[2] „Versorgungsicherheit – vom politischen Kurzschluss zum Blackout“, Kapitel „Pumpspeicher“, Seiten 83 bis 85. Carnot-Cournot Verlag, ISBN 978-033-06869-8