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Zehn Jahre nach dem Zusammenschluss der Stahlkonzerne Arcelor und Mittal zum Weltmarktführer verfüge das Unternehmen über eine "sehr solide Plattform". Mittal wies den Vorwurf zurück, dass sein Konzern zu stark auf Massenstahl ausgerichtet sei. Wenn sich ArcelorMittal auf komplexe, moderne Stähle konzentrieren würde, könnte der Konzern seine Werke nicht genügend auslasten. Dafür sei die Nachfrage nicht hoch genug.
Er könne sich nicht der These anschliessen, dass sich Europas Hersteller nur noch auf hochtechnologischen Stahl konzentrieren sollten, sagte Mittal. "Es bleibt selbst in den entwickelten Märkten wie Europa ein Bedarf an rohstoffbezogenen Stahlprodukten bestehen." Dieser sollte aus wirtschaftlichen Überlegungen und aus Umweltgründen auch in Europa hergestellt werden. Deutschland sei dabei für ArcelorMittal ein sehr wichtiges Land.
In diesem Zusammenhang forderte Mittal Änderungen des europäischen Emissionshandelssystems. Derzeit weise es "grundlegende Mängel" auf. "Es wird nicht ändern, wie Stahl hergestellt wird, sondern, wo Stahl hergestellt wird", klagte der Manager. "Wir brauchen eine Politik, die unsere Industrie unterstützt." Mittal forderte "realistische" Emissions-Grenzwerte für in Europa produzierten Stahl und die gleiche Behandlung von importierten Produkten.
Mittal verteidigte trotz einer Serie von Jahresverlusten den Zusammenschluss von ArcelorMittal: "Ich glaube, dass die Fusion ein Erfolg ist." Bei der Analyse dürften die zahlreichen Verwerfungen der vergangenen Jahre wie die weltweite Finanzkrise, die Eurokrise und die Turbulenzen in den Schwellenländern nicht vergessen werden.
Auch im teuren Ausbau der eigenen Rohstoffförderung sieht Mittal trotz hoher Abschreibungen im vergangenen Jahr keinen Fehler. "Unser Bergbau-Business generiert Cash und schafft einen Mehrwert für den Konzern", sagte Mittal. "Es sorgt für Wertschöpfung, sorgt für Liefersicherheit und verschafft uns bei Preisverhandlungen für unseren Rohstoffbedarf einen Wettbewerbsvorteil bei Aktivitäten, wo wir keine Selbstversorger sind." Rund 80 Prozent der Förderung werde in den eigenen Stahlwerken verbraucht. "Unsere Expansion in das Bergbaugeschäft war auch in finanzieller Hinsicht für den Konzern günstig. Das Bergbaugeschäft hat mehr als 4,5 Milliarden Dollar freien Cashflow seit 2009 generiert - und das ist eine gute Rendite für unsere Investitionen."
Beim Abbau der globalen Überkapazitäten in der Stahlindustrie sieht Mittal inzwischen "ermutigende" Signale. So habe das grösste Produzentenland China in seinem aktuellen Fünfjahresplan eine Senkung um 150 Millionen Tonnen in Aussicht gestellt. Seinen Konzern sieht Mittal derweil nicht mehr in vorderster Front. In den Jahren 2011 bis 2013 sei ArcelorMittal bereits sehr entschieden in Europa vorgegangen. Damals wurden vier von 25 Hochöfen stillgelegt.
"Wir schliessen nicht gerne Werke, aber wenn wir Anlagen haben, die nicht in unsere europäische Strategie passen oder in denen wir keine langfristige Wertschöpfung sehen, müssen wir handeln, so wie wir es vor kurzem in Spanien getan haben", sagte Mittal. "Insgesamt jedoch haben wir das Schwerste geschafft, soweit es um die Schliessung von Primärproduktionsanlagen in Europa geht."
Zukäufe werden laut Mittal auch künftig für den Konzern eine Rolle spielen. Dies zeige sich etwa am Interesse für das marode italienische Stahlwerk Ilva, das sich derzeit in der Verwaltung des Staates befindet. Es sei mit dem richtigen Management "ein attraktiver Vermögenswert". ArcelorMittal sei mit seinem italienischen Partner, dem Familienkonzern Marcegaglia, das einzige Unternehmen, das Ilva in eine "nachhaltig rentable Zukunft" zurückführen könne. Er sei grundsätzlich weiter vom Nutzen der Konsolidierung überzeugt./enl/rtt/she/stb
(AWP)