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Die Ceratiten-Gehäuse in dem seinerzeit vom offenen Ozean
abgeschnürten Becken des Germanischen Muschelkalks sind
entsprechend ihrer Gattungsdiagnose durch das ventrale Aussetzen
der kräftigen Lateralskulptur (Rippen, Dornen) charakterisiert,
so dass im Normalfall eine glatte Außenseite vorliegt.
Seit der ersten Erwähnung ringrippiger Vertreter bereits
im 18. Jahrhundert sind die auf Spekulationen fußenden
Auseinandersetzungen um solche seltenen Einzelfunde (etwa
einer auf 1000 bis 2000 Exemplare) sehr kontrovers gefühlt
worden. Credner beschrieb 1875 ein isoliertes ringrippiges
Wohnkammerbruchstück als eigenständige Art, "Ceratites
fastigatus".
Die Erkenntnis, dass zu annähernd jeder normalen Ceratitenform
ringrippige Pendants vorkommen, führte in der Folgezeit
zur Etablierung zahlreicher sogenannter "fastigio"-Arten.
A. H. Müller interpretierte fastigate Ceratiten schließlich
als genetischen Vorgriff einzelner Individuen auf Skulpturmerkmale,
die im Zuge der Ammonoideen-Stammesgeschichte erst später
planmäßig vorgesehen gewesen seien ("Prologismus").
Diese abenteuerliche Vorstellung lässt sich zum einen
durch die blind endende Entwicklung der Ceratiten, welche
zu den Ammonitinen des jüngeren Erdmittelalters keinerlei
Verbindung haben, von vornherein ad absurdum führen.
Zum anderen ist der angebliche Vorgriff auf Skulpturentwicklungen
späterer Ammonoideen schon deshalb unsinnig, weil eine
Vielzahl von Ceratitina der Unter- und Mittel-Trias in den
offenen Meeresbereichen sowohl in den arktischen Regionen
wie in den wärmeren Gewässern der Tethys ein reiches
Inventar ventraler Skulptur-Elemente ausgebildet hatten!
Fastigate Ceratiten sind grundsätzlich pathologische
Individuen, die im Zuge der skulpturellen Kompensation ihren
lateralen Rippenbauplan auf der ventralen Außenseite
des Gehäuses umgesetzt hatten. Analoge Ringrippigkeit
findet sich bei nahezu allen anderen Ammonoideen-Arten mit
ventralen Skulpturdifferenzierungen, wie Kielen und Furchen.
Da solchen Skulpturen in der Regel große Bedeutung
für die taxonomische Zuordnung beigemessen wird und -
wenn sie auftreten - Bestandteile von Gattungs- und Familiendiagnosen
sind, haben ringrippige Vertreter auch posttriadischer Formen,
zum Beispiel Schlotheimien, Amaltheiden, Harpoceraten, Hildoceraten
und viele andere mehr, für taxonomische Verwirrung gesorgt.
Eine ringrippige Schlotheimia, die Martin als "Ammonites
circumdata" beschrieb, war namengebend für die forma-Bezeichnung.
Die für dasselbe Phänomen aus dem "Cerdtites
fdstigdtus" abgeleitete forma-Bezeichnung ist als jüngeres
Synonym unnötig. Bestes Beispiel für das taxonomische
Chaos ist die eigens für pathologisch ringrippige Hildocertidae
etablierte Subfamilie "Monestierinae Sapunov 1965",
deren wahre Natur zunächst nicht erkannt wurde. Die Beobachtung,
dass der durch traumatische Ereignisse bedingte Verlust solcher
systematisch wichtigen Skulpturmerkmale von den betroffenen
Ammonoideen offensichtlich ohne größere Probleme
bewältigt werden konnte, schränkt eine streng funktionale
Deutung dieser Merkmale ein.

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Seitliche Verlagerung von Ventralskulpturen (Juxta-Anomalien)
Für die paläobiologische Interpretation vor allem
der spezifisch differenzierten Lebensweisen sind zwei Aspekte
der skulpturellen Kompensation von besonderem Interesse:
Die Beträge der maximalen Skulpturverlagerung und damit
die Toleranzgrenzen solcher oft mit einseitigen und lang anhaltenden
Asymmetrien verbundenen Anomalien ("Symmetropathien")
sind bei verschiedenen Ammonitenarten unterschiedlich.
Nur ein Teil der betroffenen Ammonitenarten versucht die anomal
entstandenen Asymmetrien durch Gegensteuerung im Gehäusebau
auszugleichen.
Seitliche Verlagerungen charakteristischer Skulpturelemente
der Gehäuse-Außenseite, wie Kiele und Furchen (forma
juxta-carinata beziehungsweise juxtasulcata) können dadurch
quantifiziert werden, indem man ihre relative Position zur
Windungshöhe misst.
Verläuft ein Kiel dem normalen Plan folgend in der ventralen
Mittelebene des Gehäuses, entspricht dies einer Position
von 100 Prozent der Windungshöhe; wäre er an die
innere (dorsale) Nahtlinie zur Innenwindung verlagert, entspräche
dies einer Positon von 0 Prozent, ein Verlauf in der Flankenmitte
von 50 Prozent.
Wurde bei der Regeneration die jeweilige Toleranzgrenze einer
dauerhaften Verlagerung der Ventralelemente überschritten,
setzten gegensteuernde Mechanismen ein, die in pendelnden
oder chaotischen Skulpturausbildungen beim weiteren, posttraumatischen
Gehäusebau zutage treten: forma undaticarinatali, forma
undatispirata und forma chaotica. Bei den chaotischen Anomalien
erfolgte der Wachstumsfortschritt nicht kontinuierlich, sondern
in einzelnen Phasen, welche stets durch einen versuchten Neueinsatz
der Ventralskulptur in annähernd normaler Position gekennzeichnet
sind, der dann beim Gehäusevorschub wieder zunehmend
in die maximal erträgliche Verlagerungsposition wandert.
Ein mehr oder weniger sägezahnartiger Skulpturverlauf
ist die Folge.

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