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Historischer Hintergrund
Die Ruswiler Erklärung
Am 5. November 1840 kommen hier im „Rössli“ rund 300 katholisch-konservative Gesinnungsfreunde zusammen, um ihre Forderungen für eine neue Verfassung zu formulieren. Die programmatischen Aussagen gehen als Ruswiler Erklärung in die Geschichte ein und gelten als erstes katholisch-konservatives Parteiprogramm. In der neuen Verfassung umgesetzt werden sollen die Garantie der römisch-katholischen Religion, die Garantie für eine katholische und vaterländische Erziehung, die Garantie der Souveränität des Volkes, die Garantie für die Freiheit, das Recht und das Eigentum der Bürger oder Privaten, die Garantie für die Selbständigkeit von Korporationen und Gemeinden sowie die Garantie für einen einfachen Staatshaushalt. Die Ruswiler Erklärung führt zum Machtwechsel im Kanton Luzern und beendet die zehnjährige liberale Vorherrschaft. Gut ein Jahr später treffen sich die Katholisch-Konservativen erneut im „Rössli“ und gründen den Ruswiler Verein, die Vorgängerorganisation der konservativen Partei und damit der heutigen CVP.
Jakob Gallus Baumgartner und Eduard Pfyffer
1832 verurteilt Papst Gregor XVI. in einer Enzyklika die moderne Kultur und Wissenschaft sowie die liberale Denkweise. Während sich die Bischöfe in der Schweiz den Weisungen des Papstes fügen, antworten Liberale Abgeordnete aus den Kantonen Bern, Luzern, Solothurn, Baselland, Aargau, Thurgau und St. Gallen auf Anregung des Luzerners Eduard Pfyffer (im Bild rechts) und des St. Gallers Jakob Gallus Baumgartner mit den so genannten Badener Artikeln. Sie verlangen die Schaffung eines Schweizer Erzbistums, die Einführung von Kirchensynoden, das Recht des Staates, kirchliche Erlasse zu genehmigen oder abzulehnen, die Zulassung konfessionell gemischter Ehen, eine Beschränkung der arbeitsfreien Festtage, kantonale Aufsicht über die Priesterseminare und Ordensgeistliche sowie die Besteuerung der Klöster. Die Badener Artikel werden im liberal dominierten Luzerner Parlament gutgeheissen und werden nun zum grossen Zankapfel zwischen Liberalen und Konservativen. Gegen die Badener Artikel wendet sich auch die hier im „Rössli“ verfasste Ruswiler Erklärung. Als 1841 die Katholisch-Konservativen an die Macht kommen, werden die Badener Artikel im Kanton Luzern aufgehoben.
Niklaus Wolf von Rippertschwand
Bruderschaft
Josef Leu von Ebersol
Jakob Robert Steiger
Jakob Robert Steiger, Arzt in Büron und später in der Stadt Luzern ist in den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts die energische Führungspersönlichkeit der Luzerner Liberalen. Sein Kampf für die Durchsetzung liberaler Grundsätze, den er auch als Redaktor des „Eidgenossen“ kompromisslos führt, bringt ihn am 5. November 1840 auch ins „Rössli“, wo er mit er mit liberalen Gesinnungsfreunden die katholisch-konservative Zusammenkunft zu einer öffentlichen Versammlung im Freien umgestalten will. Als Anführer im 2. Freischarenzug wird er zum Tode verurteilt, kann jedoch mit Hilfe seiner Bewacher aus dem Ge- fängnis fliehen. Die politisch aufgeheizte Stimmung im Kanton Luzern findet weit über die Kantonsgrenzen Beachtung. Die Flucht Steigers wird sogar in der New York Times vermeldet. Jakob Robert Steiger, der schon in den 30er Jahren der Luzerner Regierung angehört, kehrt nach dem Sonderbundkrieg wieder in den Kanton Luzern zurück. Er arbeitet an der neuen Bundesverfassung mit und wird 1848 wieder in den Regierungsrat und in den ersten Nationalrat gewählt. Als Nationalratspräsident steht er der grossen Kammer im ersten Amtsjahr vor. Steiger stirbt 1862 im Alter von 61 Jahren. Vor seinem Tode publiziert er noch ein Werk über die Flora des Kantons Luzern.