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Mr. President heiratet eine 21-Jährige
Er kannte sie schon als Baby und kaufte ihren Kinderwagen. Am 2. Juni 1886 heiratet der 22. amerikanische Präsident Crover Cleveland im „Blue Room“ des Weissen Hauses die 21-jährige Frances Folsom. Die Presse hat nur Spott übrig. Es ist die erste und letzte Heirat im Weissen Haus. Die aufkommenden Feministinnen heulen auf. Sie bezeichnen die jüngste First Lady als unbedarftes Pussy.
Doch sie täuschen sich. Frances entwickelt sich zu einer starken Person. Sie setzt sich für Frauenfragen ein, berät ihren Mann, lädt immer wieder Frauen ins Weisse Haus ein und diskutiert mit ihnen über Politik. Mit ihrem Charme begeistert sie immer mehr die Bevölkerung. Die Zeitungen beginnen sie zu verehren. Sie wird zur amerikanische Lady Di.
“Lassen sie die Möbel nur stehen, wir kommen wieder“
Nach vier Jahren wird ihr Mann nicht wiedergewählt. Frances sagt dem neuen Präsidenten: „Lassen sie die Möbel im Weissen Haus nur stehen, wir kommen in vier Jahren wieder.“ Und sie kamen wieder. Cleveland wird nach einem vierjährigen Unterbruch wiedergewählt.
Er ist der einzige Präsident der USA, der nach einer Zwangspause wieder das höchste Amt im Staat erringt. Nach seinem Tod heiratet Frances einen Archäologen. Während des Ausbruchs des ersten Weltkrieges weilt sie in den Ferien in St. Moritz.
Die Statistik sagt, dass Barack Obama der 44. Präsident der USA ist. Doch er ist der 43., denn Crover Cleveland zählt – wegen der vierjährigen Pause - zwei Mal.
Erinnerungen an früher
Alle vier Jahre, vor den Präsidentenwahlen, erinnert man sich an frühere Präsidentschaften, an Wichtiges und Unwichtiges, an Klatsch und Anekdoten - und an schöne Geschichten. Jene von Crover Cleveland und Frances Folsom gehört dazu.
Es gibt viele andere: Zwei Präsidenten sterben am gleichen Tag, einer ist homosexuell, vier werden erschossen, 21 Attentate werden auf Präsidenten verübt, vier sterben im Amt eines natürlichen Todes. Einer kann das Weisse Haus nicht betreten, weil es die Briten angezündet haben. Drei Präsidenten erhalten den Friedensnobelpreis – und nach einem wird eine afrikanische Hauptstadt benannt.
Der 4. Juli ist ein geschichtsträchtiger Tag in den USA. Damals, 1776, proklamieren 13 britische Kolonien die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten. Ausgerechnet an einem solchen 4. Juli sterben drei Präsidenten: John Adams und Thomas Jefferson im gleichen Jahr: am 4. Juli 1826. James Monroe folgt am 4. Juli 1831.
Ereignisse
James Madison (Präsident vom 4. März 1809 bis 4. März 1817) führt den amerikanisch-britischen Krieg, der im Patt endet. Während seiner Amtszeit stecken die Briten das Weisse Haus und das Kapital in Flammen.
Nach James Monroe (4. März 1817 bis 4. März 1825) wird die liberianische Hauptstadt benannt.
Vier Präsidenten sterben im Amt eines natürlichen Todes. Der erste ist William Henry Harrison. Er amtiert nur einen Monat lang, vom 4. März 1841 bis 4. April 1841. Neun Jahre später stirbt auch Zachary Taylor (später sterben Warren G. Harding an einem Schlaganfall und Franklin D. Roosevelt an einer Hirnblutung.)
Nicht gewählt und nicht wiedergewählt
Da gibt es die Geschichte von John Tylor. Er ist der erste Vizepräsident, der nach dem Tod des Präsidenten (William Harrison) 1841 ins höchste Amt nachrückt. Doch dies sieht damals die Verfassung noch nicht eindeutig vor. Tyler wird deshalb von vielen nicht als „Präsident“, sondern nur als „Geschäftsführender Präsident“ angesehen. Das macht ihn wütend. Briefe mit der Aufschrift „Acting President“ schickt er zurück.
Tylor ist der erste Präsident, der sich während der Amtszeit mit seiner Partei, der Whig, verkracht. Sie schliesst ihn aus der Partei aus. Eine Wiederwahl ist also nicht möglich. Er ist der erste Präsident, der gewählt und nicht wiedergewählt werden konnte. Unter seiner Amtszeit wird Texas in die Union aufgenommen.
James K. Polk führt in „göttlichem Auftrag“ den Krieg gegen Mexiko und gewinnt ihn. Damit erhalten die USA den gesamten heutigen Südwesten. Polk amtiert vom 4. März 1845 bis 4. März 1849.
“Jetzt gibt’s nur noch eins: trinken“
Der Demokrat Franklin Pierce (er amtierte vom 4. März 1853 bis 4. März 1857) erlebt eine traurige Geschichte. Zwei Monate bevor er sein Amt antritt, überlebt er ein Eisenbahnunglück, aber sein elfjähriger Sohn kommt um. Seine zwei andern Söhne waren schon früher gestorben. Seine Frau verliert den Verstand. Pierce wird depressiv und trinkt immer mehr.
Am Parteikonvent der Demokraten wird er nicht mehr für eine zweite Amtszeit nominiert. Sein Kommentar ist legendär: „Jetzt gibt es nur noch eins: trinken“. Er stirbt an einer Leberzirrhose. Während seiner Amtszeit wollte er den Spaniern für 20 Millionen Dollar Kuba abkaufen. Die Spanier verkauften nicht.
Der Homosexuelle
James Buchanan ist der einzige unverheiratete Präsident. Möglicherweise ist er homosexuell und unterhält mit dem früheren Vizepräsidenten William R. King eine 16-jährige Beziehung. Beide wohnen in der gleichen Wohnung. Buchanan amtiert vom 4. März 1857 bis 4. März 1861. Seine Nichte Harriat Lane spielte die First Lady. Er verzichtet auf eine zweite Amtszeit und macht so den Platz für Abraham Lincoln frei. Wenige Tage nach der Amtsübergabe beginnt der amerikanische Bürgerkrieg (Sezessionskrieg).
Andrew Johnson kauft für 7,2 Millionen Dollar vom russischen Zarenreich Alaska. Er war vom 15. April 1865 bis 4. März 1869 im Amt.
Vier wurden getötet
Abraham Lincoln, der im Theater in Washington erschossen wird, ist der erste Präsident, der einem Attentat zum Opfer fällt.
James A. Garfield wird von einem Mann, dem er eine Stelle verweigerte, angeschossen und stirbt zweieinhalb Monate später. (Er amtierte vom 4. März 1881 bis 19. September 1881.)
William McKinley (im Amt vom 4. März 1897 bis 14. September 1901) wird von einem polnisch-stämmigen Anarchisten erschossen. McKinley war es, der Hawaii annektierte - sowie Kuba, Puerto Rico und die Philippinen besetzte.
(Der vierte Ermordete ist John F. Kennedy.)
“Zum Glück hat er mich getroffen und nicht sie“
17 weitere Male werden Attentate auf Präsidenten verübt. Am 15. Februar 1933 entgeht der neugewählte Präsident Franklin D. Roosevelt einem Anschlag, bei dem fünf Personen sterben, unter ihnen der Bürgermeister von Chicago Anton Cemak. Der Attentäter ist ein geisteskranker italienisch-stämmiger Maurer. Cemak sagt auf dem Weg ins Spital: “Zum Glück hat er mich getroffen und nicht sie”.
Seit Franklin Roosevelt ist jeder Präsident Zielscheibe eines Attentäters – mit Ausnahme von Eisenhower. Auf Präsident Gerald Ford wird zweimal geschossen, und zwar von zwei Frauen: von Lynette Fromme, die zur Manson-Family gehört, und kurz darauf von Sara Jane Moore, einer “Revolutionärin”.
4. März/20. Januar
Das Datum des 4. März ist geschichtsschwanger. Am 4. März 1789 (in Frankreich bereitet man sich auf die Revolution vor) wird die Verfassung der Vereinigten Staaten angenommen. An diesem Tag nimmt George Washington seine Regierungstätigkeit auf.
Deshalb begann und endete die Amtszeit eines Präsidenten immer an einem 4. März. Bis ins Jahr 1933.
Dann, mit der Annahme des 20. Verfassungszusatzes, wird der Beginn und das Ende der Präsidentschaft auf den 20. Januar vorverlegt. Ziel dieser Massnahme ist es, die Zeit zwischen der Wahl des Präsidenten und dem Amtsantritt zu verkürzen.
Zwei Amtszeiten
Der andere Roosevelt, Theodore Roosevelt (im Amt vom 14. September 1901 bis 4. März 1909) und Ulysees Grant, der Held des Bürgerkrieges und spätere Präsident, strebten eine dritte Amtszeit an. Diese wird ihnen verwehrt – mit dem Hinweis auf George Washington, der sich für höchstens zwei Amtszeiten aussprach.
Nur einmal regiert ein Präsident mehr als zwei Amtszeiten lang: Franklin D. Roosevelt. Er, der Präsident des New Deal und des Zweiten Weltkrieges, stirbt kurz nach Beginn seiner vierten Amtszeit – kurze Zeit vor Beendigung des Zweiten Weltkrieges.
Erst der 22. Verfassungszusatz von 1951 verbietet explizit eine dritte Amtszeit.
Drei Präsidenten erhalten den Friedensnobelpreis: Theodore Roosevelt (für seine Vermittlung im japanisch-russischen Krieg), Woodrow Wilson (der „Vater des Völkerbundes“) und Barack Obama.
Nicht alle der 43 Präsidenten sind glücklich im Amt. James Buchanan war froh, als nach vier Jahren alles vorbei war. Er verzichtete freiwillig auf eine weitere Kandidatur.
Am letzten Tag seiner Amtsführung sagte er seinem Nachfolger Abraham Lincoln: „Wenn Sie so glücklich sind, das Präsidentenamt anzutreten, wie ich es bin, in mein Haus Wheatland (ausserhalb von Lancaster, Pennsylvania) zurückkehren zu können, dann sind Sie ein glücklicher Mann.“
("If you are as happy in entering the White House as I shall feel on returning to Wheatland, you are a happy man”.)