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Im Stakkatovon Sarah Sartorius Grosse Gedanken und eine Gesellschaft am Abgrund: Der Volksbühne-Regisseur Sebastian Klink inszeniert den Jahrhundertroman «Der Mann ohne Eigenschaften» von Robert Musil in den Vidmarhallen.
Veranstaltungsdaten
Ein über 1000 Seiten langer Roman auf 3 Stunden herunter brechen? Für den furchtlosen Regisseur Sebastian Klink kein Problem, er liebt das Extreme. Viele Jahre war er enger Mitarbeiter des Theatermaniacs Frank Castorf an der Volksbühne Berlin, Mitglied einer Heavy-Metal-Band und inszenierte den russischen Säuferroman «Die Reise nach Petuschki». Für Konzert Theater Bern adaptierte er einen Jahrhundertroman für die Bühne: «Der Mann ohne Eigenschaften» (1930– 1943) von Robert Musil.
Machtlose Elite
Der österreichische Schriftsteller kreist in seinem ausufernden Gesellschaftsroman, der in der kaiserlich-königlichen Monarchie Österreich-Ungarn vor dem Ersten Weltkrieg spielt, um den Mathematiker Ulrich (Gabriel Schneider). Der hadernde Protagonist will ein «Jahr Urlaub vom Leben» nehmen und findet sich als Sekretär eines Arbeitskreises wieder, der sogenannten «Parallelaktion» zum 70. Thronjubiläum des österreichischen Kaisers.Dort ist der Wille zur Erhaltung der Monarchie grösser als die tatsächliche Handlungsmöglichkeit einer zunehmend machtlosen Elite Europas.
Beim Probenbesuch in den Vidmarhallen wird an der Szene «Ein grosses Ereignis ist im Entstehen. Wobei man Bekannte trifft» gearbeitet. Auf der Bühne stehen bunt gemusterte Würfel, die auf einer Seite mit mathematischen Formeln versehen sind. Drei Leinwände hängen über der Bühne und übertragen Bilder von Überwachungskameras. Darauf zu sehen sind fratzenähnliche Aufnahmen von Schauspielerin Marie Popall und Schauspieler Jonathan Loosli, die sich hinter der Bühne befinden. Mit dem Rücken zum Publikum sitzen die restlichen Spielenden auf den Würfeln und skandieren im Stakkato Sätze aus dem Roman: «Pazifismus ist ein dauerndes und sicheres Rüstungsgeschäft, Krieg ein Risiko!» oder «Ich glaube nicht, dass Gott da war, sondern dass er erst kommt.» In einem Dialog, der einem Wortschwall ähnelt, werden grosse Gedanken, Schlaumeiereien und philosophische Überlegungen ausgetauscht.