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Diskussion:Zusammenspiel Lokalnamen
Aus GISpunkt HSR
Anonymer Autor
- Lieber anonymer Autor: Ich habe Ihre Beiträge aus dem Artikel-Text genommen, da sie den Charakter einer Diskussion haben. Hier auf der Diskussionsseite können und sollen Differenzen zum Inhalt einer Seite ausgetragen werden. Bitte melden Sie sich zudem mit einem richtigen Namen an. --WikiSysop 22:08, 16. Nov 2006 (CET)
Grundsätze
- "Hinterrüti" statt "Hinderrüti"
- Anonymer Autor, <ip-pii>, 9. Nov. 06, 7:10:39 Dem ist zu widersprechen. Die Schreibung "Hinter-" statt "Hinder-" auf der Landeskarte ist seit spätesten 1948 veraltet und nicht statthaft. Wenn eine Zeitlang Strassennamen und Ortsnamen auf der LK differieren, so ist das einfach eine Übergangszeit.
- Martin Schlatter, 9. Dez. 06 Ob die Schreibweise "Hinterrüti" statthaft ist oder nicht, Tatsache ist, dass heute in der Landeskarte "Hinterrüti" und auf dem Übersichtsplan "Hinderrüti" geschrieben steht und das benannte Gebiet "Hinterrüti" heisst. Beim Beispiel handelt es sich um einen Ausnahmefall. Das Problem stellt sich erst, wenn Flurnamen und benannte Gebiete häufig unterschiedlich geschrieben werden und insbesondere dann, wenn mit Weisungen 1948 eine identische Schreibweise bestand und eine unterschiedliche Schreibweise wegen dem Leitfaden Toponymie 2006 entsteht. Es prallen zwei Philosophien aufeinander, mundartlich ausgerichtete Flurnamen und Schriftsprache anlehnende Gebäudeadressen. Je moderater die Flurnamenschreibung ist, desto weniger Diskrepanzen wird es geben. Bei einer moderaten Flurnamenschreibung kann eine Gemeinde eher auch Flurnamen für die Gebäudeadressierung übernehmen. Neue Schreibregeln für die Flurnamen sollten daher nicht mundartlicher sein als Weisungen 1948. In diesem Fall wäre es aus Sicht Gebäudeadressierung besser, wenn der Flurname "Hinterrüti" geschrieben würde, aber auch mit "Hinderrüti" geht die Welt nicht unter.
- "Zil" oder "Ziil"
- Anonymer Autor, <ip-pii>, 9. Nov. 06, 7:10:39 Vielerorts gibt es den Flurnamen "Zil" oder "Ziil", er bedeutet in der Regel "Grenze, Gemeindegrenze", die Strassentafel haben stets die Schreibweise von den Vermessungsplänen übernommen, jetzt lesen wir auf den Tafeln "Zihlstrasse". Das ist weder Mundart noch Standardsprache, sondern einfach eine Marotte eines Geometers oder eines Grundbucheamten, beide haben den Duden dazu nicht konsultiert. Eine Schreibung "Zilstrasse" oder "Ziilstrasse" wäre für den heutigen Leser wesentlich verständlicher. Bei Strassennamen ist es eine gute Tradition, von den früheren Flurnamen auszugehen. Diese bringen so ein Stück Geschichte in die neue Zeit. Eine beste Empfehlung ist dabei, den Flurnamen allein zu nehmen, und -strasse oder -weg anzufügen. "Breitacher 25" wirkt schöner als "Breitacherstrasse 25". --
- Martin Schlatter 9. Dez. 2006 Was die Schreibweise von "Zilstrasse" oder "Breitacher" betrifft kann grundsätzlich zugestimmt werden. Bei Strassennamen von früheren Flurnamen auszugehen ist bei Weisungen 1948 wesentlich besser möglich, als wenn die Flurnamen gemäss Leitfaden Toponymie 2006 geschrieben werden. Auf eine Polemik auf die Geometerschaft sollte verzichtet werden, sonst könnte auch eine Polemik über Nomenklaturkommissionen entstehen.
Beispiele
- Schreibung gemäss Leitfaden Toponymie 2006
- Anonymer Autor, <ip-pii>, 9. Nov. 06, 7:10:39 Die Schreibungen in den älteren Plänen sind weder Hochdeutsch noch Mundart. Die neuen Schreibregeln von 2006 sind eindeutig, sie unterstützen die bestehenden Regeln, die seit 1948 gelten, die Lokalnamen mundartnah zu schreiben. Die älteren Schreibungen waren oft hilflose Versuche von sprachlich wenig geschulten Geometern, einen Namen nach Gehör wiederzugeben. Oder, was noch schlimmer ist, die Hochnäsigkeit von Schreibern, die alles besser wissen wollten und den Namen eigene Bedeutungen unterlegten, die sprachwissenschaftlich nicht haltbar sind. Es gibt eine gute Erfahrung, dass die Mundart die ursprüngliche Lautung der Namen meist besser wiedergibt als die schriftliche Überlieferung. Die Behauptung 50% der Kantone lehne die neuen Regeln ab, ist falsch. Das ist eine Eingrenzung auf einige GIS-Leute, die keine Fachleute sind. Ausser im Kanton Zürich werden die neuen Regeln in praktisch allen Kantonen der deutschen Schweiz seit Jahren angemessen angewandt.
- Martin Schlatter 9. Dez. 2006
- Die neuen Schreibregeln von 2006 sind eindeutig, sie unterstützen die bestehenden Regeln, die seit 1948 gelten, die Lokalnamen mundartnah zu schreiben. Den Erfindern der Weisungen 1948 ging es nicht darum, die Lokalnamen mundartnah zu schreiben, sonst hätten sie bereits 1948 zulassen können, dass "Bärg" anstelle "Berg" geschrieben wird und dass das stumme -n nicht geschrieben wird. Nein, die Weisungen 1948 propagieren nicht ein mundartnahe Schreibweise, sondern einen Kompromiss zwischen Schriftsprache und reiner Lokalsprache und genau dieser Kompromiss dürfte aus sprachwissenschaftlicher Sicht ein Dorn im Auge sein wie es Eduard Imhof 1948 in Mein Standpunktformuliert hat: Sprachliche Einheitlichkeit wird durch meine Vorschläge nicht erreicht. Dieses Mangels bin ich mir bewusst. Jede Vermischung von Mundarten und Schriftsprache muss den sprachlich geschulten Kartenbenützer unsympathisch sein. Es wäre jedoch ein tragischer Irrtum, zu glauben, sprachliche Einheitlichkeit sei in der Plan- und Kartenbeschriftung der deutschen Schweiz überhaupt erreichbar. Eine kompromissfreie Lösung wäre nur in einer mundartlichen Spezialkarte mit phonetischen Lautzeichen möglich. Hoffen wir, dass auch eine solche nicht all zulange auf sich warten lässt. Die Anlehnung an die Schriftsprache ist genau so wichtig wie die Anlehnung an die Mundart, da in Karten und Plänen immer auch schriftsprachliche Namen (z.B. Ortschaften, Weiler, Hofnamen) vorkommen. Die neuen Regeln betonen die Mundart viel stärker als die Weisungen 1948 und werden daher von einer grossen Mehrheit der Benutzer abgelehnt.
- Nicht nur GIS-Fachleute bevorzugen übrigens die Schreibregeln von 1948 gegenüber dem Leitfaden Toponymie 2006, sondern auch Sprachwissenschafter, Historiker, Politiker, Gemeinden und die grosse Masse der Bevölkerung. Die Behauptung "50% der Kantone lehne die neuen Regeln ab" ist nicht falsch, sondern richtig! swisstopo hat dies so kommuniziert. Viele kantonale Vermessungsämter lehnen den Leitfaden Toponymie 2006 ebenfalls ab, weil sie die Bedürfnisse der Kunden gut kennen, darunter gehören auch die Gemeinden. Für viele Kunden ist "Bärg" anstelle "Berg" zu schreiben ein Unsinn. Hätte die swisstopo nicht die kantonalen Flurnamenkommissionen angeschrieben, sondern die kantonalen Vermessungsämter direkt, würden sich weit mehr als 50% aller Kantone gegen den Leitfaden Toponymie 2006 aussprechen. Würde man auch die Politiker und die Gemeinden einbeziehen, dürfte nur noch ein kleiner Prozentsatz für den Leitfaden Toponymie 2006 sein. Die Allgemeinheit wünscht nicht mehr, sondern eher weniger Mundart auf Karten und Plänen im Sinne einer pragmatischen und nicht wissenschaftlichen Schreibweise.
- Es wäre wünschenswert, dass sich Experten nach den Wünschen der Benutzer ausrichten würden, wenn sie neue Schreibregeln entwickeln. Wurde jemals eine entsprechende Umfrage gestartet? Wurde jemals eine konkrete Mängelliste der Weisungen 1948 mit konkreten Beispielen aufgestellt? Warum will man im Leitfaden Toponymie 2006 wissenschaftlich vorgehen, wenn doch die Weisungen 1948 gerade ein pragmatisches Vorgehen postulierten? Wenn, wie behauptet wird, die neuen Regeln ausser im Kanton Zürich schon seit Jahren angewandt würden, so wäre eigentlich zu erwarten, dass die meisten Kantone diese Regeln auch akzeptieren würden. Ausser im Kanton Thurgau oder Kanton Schaffhausen wird, abgesehen von sehr kleinräumigen Einzelfällen, in keinem Kanton "Bärg" anstelle "Berg" geschrieben. Es wird stark bezweifelt, ob die Mehrheit der Kantone bevorzugt z.B. "Roosebärg" / "Rosebärg" / "Rooseberg" / "Roseberg" gemäss Leitfaden Toponymie 2006 (keine eindeutige Regelung) anstelle wie bisher "Rosenberg" gemäss Weisungen 1948 (eindeutige Regelung) zu schreiben. Vielleicht könnten verschiedene Tagespressen mit einer entsprechenden Meinungsumfrage Klarheit zu dieser Frage schaffen. Vielleicht könnte man die Bevölkerung auch gerade fragen, ob man im Kanton Zürich "Bewangen" in "Beewangen" ändern oder "Bewangen" im Kanton Thurgau wieder auf "Bewangen" zurückmutieren sollte(man müsste dann im Kanton Thurgau die entsprechende Signalisationstafel nicht ändern).