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Die GCE-HSG-Jahreskonferenz 2022 unter dem Titel „Migration, Mobility and Displacement in the Black Sea Region“ wurde zwischen dem 12. und 15. September in Tbilissi, Georgien, in Zusammenarbeit mit der NGO Indigo organisiert.
Die Konferenz legte den Fokus der akademischen Debatten der EU auf die Schwarzmeerregion in Bezug auf Migrationsprozesse. Hierbei hat die interdisziplinäre Konferenz ein breites Themenspektrum geboten, von gegenwärtigen bis zu historischen Prozessen unfreiwilliger Migration, illegaler und freiwilliger Mobilität innerhalb und durch die Schwarzmeerregion. Die Teilnehmenden betrachteten das Schwarze Meer als Raum für unterschiedliche Migrationsbewegungen, die in Interaktion mit Grenzen und politischer (In-)Stabilität stehen. Die interdisziplinäre Ausrichtung der Konferenz erlaubte den Vortragenden, neue theoretische und methodologische Ansätze in Bezug auf Migration, Mobilität und Displacement im Schwarzmeerraum zu diskutieren. Die teilnehmenden Wissenschaftler/innen und Expert/innen sind aus folgenden Ländern angereist: Schweiz, Österreich, Georgien, Schweden, der Ukraine, der Türkei, Rumänien, Deutschland, Irland, Polen, Dänemark und Norwegen.
Der Eröffnungsvortrag stellte das SNF-Projekt „Remembering the Past in the Conflicts of the Present: Civil Society and Contested History of the Post-Soviet Space“ (Universität Bern) mit anschliessender Diskussion zu militärischen Auseinandersetzungen und Konfliktlösung in Georgien und der Ukraine vor. Als weiteren Teil der Eröffnungsveranstaltung präsentierten zudem das GCE-Team und assoziierte Mitglieder das Euxeinos-Journal und laufende vom GCE-HSG ginanzierte Projekte, wie etwa die digitale geschichtliche Kartenungsplattform „Shadows of Empires. A Digital Historical Mapping Platform“, „Territoriality of the Georgian Orthodox Church“, „Telegram Archive of War“ sowie „Citizenship, Displacement, and Decision-Making“. Die Panels der verschiedenen Konferenztage setzten sich mit folgenden Themen auseinander: Migration, Mobilität und Grenzübertritte im Schwarzmeerraum während des Ottomanischen Reiches, Migration und Umsiedlung während und nach dem Zweiten Weltkrieg, nationale und globale Auswirkungen heutiger Migration und Mobilitätsprozesse, Entscheidungen, Wissenstransfers und Migrationsnarrative, Politikgestaltung in Hinblick auf IDPs und Flüchtende.
Darüber hinaus fand im Rahmen der Konferenz eine öffentliche Diskussionsveranstaltung mit dem Titel „State Responses to Immigration: Between l/liberalism and ,Willkommenskultur‘“ statt. Diese öffentliche Veranstaltung zeigte unterschiedliche Perspektiven zu Migrationspolitik innerhalb und ausserhalb der EU auf, unter genauerer Berücksichtigung der Fallbeispiele Polen, Schweiz und Georgien. Die Abschlussveranstaltung umfasste das Panel „Political Frames and the War in Ukraine“, welches eine umfassende Diskussion über Methoden der politischen Analyse wie auch die Hürden, denen Forschende in Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine begegnen, hervorrief. Diese Diskussion und die abschliessenden Kommentare zeigten die Wichtigkeit interdisziplinärer Events und neuer Ansätze und verdeutlichten den Bedarf an kollaborativen Projekten, die wissenschaftlichen Austausch fördern.
Die jährliche Konferenz «Transculturality in the Black Sea Region: New Theoretical Approaches and Research Methodologies», orgainisiert vom GCE, fand dieses Jahr online von Oktober bis Dezember 2021 statt. Als Alternative zu den traditionellen Veranstaltungen in der Schwarzmeerregion ermöglichte dieses digitale Format die erfolgreiche Durchführung von Konferenzen trotz bestehender Massnahmen zur Bekämpfung der Epidemie sowie das Erreichen eines breiten internationalen Publikums.
Das Konferenzprogramm wurde in Form von wöchentlichen Online-Veranstaltungen organisiert. Es umfasste Diskussionsrunden, Präsentationen von Projekten sowie Filmvorführungen und Diskussionen. Das Ziel der Konferenz war es, die gegenwärtige und historische Dynamik, welche die Schwarzmeerregion prägt, durch die Sichtweise der Transkulturalität zu betrachten. In Diskussionen über neue theoretische Konzepte und Methoden näherten wir uns dem transkulturellen Raum der Schwarzmeerregion und den Herausforderungen, mit denen diese Region konfrontiert ist - sowohl in der Vergangenheit als auch heute.
Das GCE stellte den Teilnehmer/innen kleine Stipendien für professionell gedrehte Videos zur Verfügung. Die Videos sind auf dem GCE-Youtube-Kanal verfügbar. Die Konferenzteilnehmer/innen beschäftigten sich mit folgenden Themen: das Schwarze Meer als verflochtener historischer Raum, transnationale politische und wirtschaftliche Netzwerke, die Halbinsel Krim als umkämpfter Raum, Erinnerung und Erbe in der Schwarzmeerregion, sowie Vertreibung und Zugehörigkeit in der ukrainischen Gesellschaft. Darüber hinaus organisierte das GCE die Vorführung von zwei Dokumentarfilmen, sowie eine Diskussion mit Autor/innen und Expert/innen. Der Film «Living on the borderland: a Swiss Village at the Black Sea in a Changing Political Landscape», der an der Universität Lausanne entstanden ist, zeigt die Geschichte der Schweizer Kolonie Shabo in der Region Odessa. Der Film «Speaking Greek as Turkish Nationalists» erforscht die unbekannte Romeyka sprechende Gemeinschaft in der heutigen Türkei.
Die Konferenz versammelte ein interdisziplinäres Team von Forscher/innen aus Österreich, Kanada, Deutschland, Italien, Norwegen, Schweden, der Schweiz, der Türkei, der Ukraine und den USA. Die Online-Veranstaltungen wurden von einem vielfältigen internationalen Publikum aus Wissenschaftler/innen, Student/innen und Praktiker/innen besucht. Die Konferenz wurde stark beworben und zog bis zu 50 Personen pro Abend an.
Die jährliche Projektkonferenz Transculturality in the Black Sea Region: New Theoretical Approaches and Research Methodologies fand vom 10-12 September 2020 an Universität St. Gallen statt. Die ursprüngliche Planung sah vor, eine internationale Konferenz in Chisinau, Moldawien, abzuhalten, aufgrund der Covid-19-Pandemie musste diese jedoch nach St. Gallen verlegt werden. Sie fand in einem hybriden Format statt: Während ein Teil der Teilnehmer/ innen (mit Wohnsitz in der Schweiz, Deutschland und Österreich) nach St. Gallen anreisen und persönlich an der Konferenz teilnehmen konnten, schalteten sich die restlichen Teilnehmer/innen per Videokonferenz zu.
Die multidisziplinäre Konferenz zielte darauf ab, die gegenwärtige und historische Dynamik der Schwarzmeerregion aus transkultureller Sicht zu untersuchen. Den Auftakt der Konferenz bildeten zwei Dokumentarfilme, die im Palace Cinema in St. Gallen gezeigt wurden, gefolgt von einer öffentlichen Diskussion. Karina Gaibulina (Universität St. Gallen) präsentierte den Film Adolf Januszkiewicz. Among dear Kazakhs, in dem sie die Lebensgeschichte eines polnischen politischen Gefangenen rekonstruiert, der im 19. Jahrhundert nach Sibirien verbannt wurde. Der Film Nem kellett már Lenin (dt.: Lenin wurde nicht mehr benötigt) wurde von der Filmregisseurin und Wissenschaftlerin Ágnes Erőss (Geographical Institute RCAES, Budapest) präsentiert. Er wurde in Kobyletska Poljana / Gyertyánliget, Transkarpatien, Ukraine gedreht. Der Film erzählt die Geschichte der lokalen ungarischen Minderheit während des Sozialismus und heute. Darüber hinaus greift er die Sprachprobleme aus persönlicher und ungarischer Perspektive auf. Die Diskussion wurde von Dr. Sandra King-Savić (Universität St. Gallen) moderiert.
Neben den Diskussionen, die in verschiedenen Panels stattfanden, konnten Wissenschafter/innen ihre neuesten Veröffentlichungen vorstellen. Olena Palko (Birkbeck College, University of London) hat den Sammelband «Making Ukraine: Negotiating, Contesting and Drawing the Borders in the 20th Century» präsentiert, den sie gemeinsam mit Constantin Ardeleanu (University of Galati) herausgibt. Die Diskussion und Buchpräsentation «Analyzing Informality in the Black Sea Region and the Balkans», moderiert von Matias Dewey (Universität St. Gallen), bildete den Abschluss der Jahreskonferenz. Dr. Elena Denisova-Schmidt (Universität St. Gallen) hat den Sammelband «Corruption in Higher Education: Global Challenges and Responses» (Brill, 2020) vorgestellt, und Dr. Sandra King-Savić (Universität St. Gallen) hat ihr Buch «Forging Transnational Belonging through Informal Trade – Thriving Markets in Times of Crisis» (Routledge, erscheint 2021) präsentiert.
Trotz der ungewöhnlichen Umstände und des experimentellen Hybridformats wurde die Konferenz als Raum für rege Diskussionen und akademischen Austausch, sowohl analog als auch digitial, genutzt. Die Aufzeichnung der Konferenz ist auf dem YouTube-Kanal des GCE verfügbar.
Die jährliche Konferenz des Projekts „Borderlands and Contact Zones in Ukraine and the Black Sea Region“ fand vom 11. bis 14. September 2019 in Winnyzja, Ukraine, statt. Dieses Jahr wurde sie gemeinsam mit der Nationalen Wassyl-Stus-Universität Donezk in Winnyzja organisiert. Die Nationale Universität Donezk, die wegen des militärischen Konflikts im Donbass nach Winnyzja umgesiedelt wurde, war ein Ort für die Konferenz, der zum Nachdenken anregte. Nach einer historischen Exkursion in Winnyzja mit der Historikerin Oleksandra Gaidai wurde die Konferenz mit dem Vortrag von Prof. Dr. Yuriy Temirov (Donetsk University) über die Herausforderungen der internationalen Sicherheit in der Schwarzmeerregion eröffnet. Dem Vortrag folgten Präsentationen der aktuellen Projektaktivitäten (Sommerschulen und Euxeinos-Themen) und zwei öffentliche Buchvorträge zu den jüngsten Veröffentlichungen ; Ukrainische Sprache: Normalisierung, Renormalisierung (1920–2015) (Kharkiv, 2019) und Regionalismus ohne Regionen: Rekonzeptualisierung der Heterogenität der Ukraine (2019, CEU Press, Budapest). Die Buchvorträge wurden von einem grossen Publikum von Studierenden und ProfessorInnen der Universität Donezk besucht.
An den folgenden zwei Tagen befassten sich die TeilnehmerInnen mit folgenden Themen: südliche Steppengrenzen im Schwarzmeerraum, Mythen, Erinnerungen, Religions- und Identitätserzählungen in Grenzregionen sowie mit Diskursen über Konflikte und Frieden in der heutigen Ukraine. Die öffentliche Diskussion „Korruption in der Ukraine: Mythos und Realität“ fand am zweiten Konferenztag im Zentrum „Misto Zmistiv“ statt.
Das Format des Open Call for Papers zog eine Vielzahl hochwertiger Bewerbungen von SoziologInnen, HistorikerInnen, Politik- und WirtschaftswissenschaftlerInnen, GeographInnen aus der Ukraine, der Schweiz, den USA und der EU an.
Die Ukraine Konferenz, welche seit 2011 jährlich an verschiedenen Orten in der Ukraine stattfand, wurde im September in Uzhhorod (Transkarpathien) abgehalten. Das Thema der Konferenz lautete: „Transcultural Contact Zones in Ukraine: Borders, Conflicts, and Multiple Identities“. Durch das Format des öffentlichen Call for Papers bewarben sich eine Vielzahl von Soziologen, Historikern, Anthropologen, Oekonomen, Geographen und Politikwissenschaftlern aus der Ukraine, den USA, der Schweiz und der EU.
Die Konferenz begann mit einer Exkursion zum Thema Geschichte und Erbe des 20. Jahrhunderts in Uzhhorod. Geführt wurde die Geschichtstour durch Uzhhorod von Lina Degtyarova, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung „Uzhgorod Modernism“. Am Nachmittag begann die Konferenz. Die Diskussionsteilnehmer der ersten beiden Panels beschäftigten sich mit der Transkarpatischen Region unter dem Gesichtspunkt wirtschaftlicher, politischer, literarischer und historischer Einflüsse. Weitere Panels befassten sich mit der rumänischukrainische Kontaktzonen, mit der Begegnung von Polen und Juden im ukrainischen Grenzgebiete, mit der Krim, mit Erinnerungen, Hinterlassenschaften und Identitäten sowie geschlechtsspezifischen, wirtschaftlichen, religiösen und politischen Dimensionen des aktuellen Konflikts in der Ukraine. Die Konferenz bot auch ein Programm für das öffentliche Publikum in Uzhhorod an. Bohdan Shumylovych, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Stadtgeschichte in Lviv, hielt einen Vortrag mit dem Titel „Gebrauchsweisen der Landschaft: Die mediale Verwandlung der Karpaten im 20. Jahrhundert“. Tatiana Zhurzhenko, Iryna Sklokina. Oksana Myshlovska und Oleksandra Gaidai – alle Mitglieder des Ukraine-Netzwerks des GCE – stellten weiterhin ihre neuen Veröffentlichungen zum Thema Gedächtnispolitik und sowjetisches Erbe vor. Die ebenfalls öffentliche Podiumsdiskussion mit dem Titel „Post-Euromaidan Ukraine: Transformations und Challenges“ bildete den Höhepunkt der Konferenz. Unter Beteiligung der lokalen Presse und einem vielfältigen Publikum von bis zu 100 Personen diskutierten Yaroslav Hrytsak, Elena Denisova-Schmidt, Viktoria Sereda und Tatiana Zhurzhenko den aktuellen Konflikt in der Ukraine.
Im September fand die alljährliche Ukraine-Projektkonferenz „Transnational Contact Zones: Redefining Ukrainian Regionalism“ in Odessa statt. Die Konferenz begann mit der Präsentation der digitalen Plattformen uaregio.org und MAPA: Digitaler Atlas der Ukraine welche in Kooperation mit Harvard University entwickelt wurde. Thematische Panels der Konferenz befassten sich mit Religion, ukrainisch-rumänischen Grenzräumen, post-imperialen Kontaktzonen, aktuellen militärischen Konflikten, historischem Gedächtnis und sozioökonomischen Kontaktzonen. Die Konferenz vereinigte 32 Projekt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Ergebnisse ihrer laufenden Forschungen präsentierten und über geplante Projektaktivitäten informierten. Unter anderem besuchten die Teilnehmer das muslimische Kulturzentrum, das Jüdische Museum und die Grosse Synagoge in Odessa.
Am 16. und 17. September fand in Dnipro die bereits fünfte Jahreskonferenz des Projekts statt. In der zweiten Projektphase soll das Phänomen der Kontaktzonen besonders erforscht werden. Das Konzept der Kontaktzonen soll ein dynamisches Verständnis der Interaktion verschiedener Kulturen ermöglichen. Dabei soll vermieden werden, dass die komplexe Situation in der Ukraine aus einem Container-Denken heraus erklärt wird. Ebenfalls sollen die Staatsgrenzen als willkürliche Trennlinien hinterfragt werden. Die neuen Projekte zu den Kontaktzonen sollen zeigen, wie Kulturen sich auch jenseits politischer Ordnungen gegenseitig beeinflusst haben. Einzelne Forschergruppen stellten Pilotprojekte vor, dabei ist es zu Vernetzungen zwischen WissenschaftlerInnen mit ähnlichen Forschungsinteressen gekommen.