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Über das Forschungsprojekt
Die in der COVID-19 Pandemie erlassenen Verhaltensvorschriften zum Schutz vulnerabler Bevölkerungsgruppen stiessen in mehreren, wenngleich nicht allen europäischen Staaten auf Protest. Gerade in den deutschsprachigen Ländern erwies sich die in der Folge etablierte Protestbewegung als ausgeprägt und langlebig. Hierbei bildeten sich neue, alltägliche Formen des Protests heraus, wie etwa die Weigerung Masken zu tragen oder sich zu impfen. Wir definieren dieses Ensemble alltäglicher Proteste gegen das Pandemieregime als "Contentious Non-Compliance" (CNC). CNC kann als eine Form der Contention verstanden werden, die Praktiken des Widerstands gegen Verhaltensanweisungen an eine Lebensform integriert. Im Gegensatz zu strukturell-induzierten Formen der Non-Compliance (die z.B. durch ein niedrigeres Bildungsniveau, Sprachbarrieren oder diskriminierende Erfahrungen bedingt sind), hat CNC einen dezidiert politischen Charakter. Das Forschungsprojekt «Contentious Non-Compliance with Pandemic Response» setzt die umfangreiche Coronaprotestforschung am Lehrstuhl für Sozialstrukturanalyse fort.
Methoden
Das komparativ angelegte Forschungsprojekt ist in zwei Teile gegliedert, einen international- und einen interregional-vergleichenden Teil. Das Projekt verfolgt ein Mixed-Methods-Design.
Im international-vergleichenden Teil werden einerseits die strukturellen Voraussetzungen der Länder mit ausgeprägten Protestbewegungen analysiert, sowie andererseits die politischen Prozessfaktoren beleuchtet, die den Protestverlauf beeinflussten. Die Methode des Vergleichs liefert hierbei wichtige Ansatzpunkte, die die international sehr ungleich ausgeprägten Proteste zu erklären vermögen.
Im interregional-vergleichenden Teil werden einerseits die politischen Möglichkeitsstrukturen und der zeitliche Verlauf der Proteste am Schweizer Fall analysiert und andererseits vertiefte Fallstudien mit unterschiedlichen Gemeinden in der Schweiz durchgeführt. Damit sollen die regionalen Aspekte von CNC in den Fokus gerückt werden.
Hintergrund der Untersuchung
Das Projekt wurde im Rahmen des nationalen Forschungsprogramms NFP80 mit dem Titel «COVID-19 in der Gesellschaft» vom Schweizerischen Nationalfonds mit 490,044.– CHF gefördert. Das Projekt beginnt am 01.04.2023 und wurde für drei Jahre bewilligt.