Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03167.jsonl.gz/1825

1985 Festschrift, Das Vereinsgeschehen ab 1910
Peter Pfander, Schüpfen
Das Vereinsgeschehen ab 1910
Probleme mit der Briefmarkenzeitung
Die Herausgabe der Schweizerischen Briefmarkenzeitung stellt den Verein vor einige Probleme. Vor allem muss ein Administrator gesucht werden. Herr Adolf Gribi übernimmt dieses Amt für ein Jahressalär von 300 Franken. Die Versammlungen des Vereins finden nun im Hotel Löwen statt. Dem Vorstand wird eine Jahresentschädigung von 340 Franken zugesprochen. Zur Erinnerung an das unvergessliche Jubiläum wird auf Sonntag, den 19. Februar 1911 im Restaurant Peschl ein Jubiläumsessen in Aussicht genommen, Kosten für ein Gedeck Fr. 2.50 bis Fr. 3.-, ohne Wein. Zu dem Essen werden auch Vertreter aller Verbandsvereine eingeladen.
Der Mitgliederbestand ist mittlerweile auf 110 Personen angestiegen. Aus 90 Rundsendungen werden für 8188.33 Franken Marken entnommen. Das Vereinsvermögen steht mit Fr. 998.60 zu Buche. Dagegen ist der Voranschlag für die Zeitung defizitär, soll aber nötigenfalls mit einer Tombola ausgeglichen werden. Wie sich schon bald herausstellt, ist diese Tombola das einzige Mittel, das die Briefmarkenzeitung finanziell retten kann. Die Herausgabe der Zeitung bringt unserem Verein aber auch Ehren ein: An der Internationalen Briefmarkenausstellung von 1913 in Paris wird uns eine «Medaille d'argent», und im gleichen Jahre an der Briefmarkenausstellung von New York eine
Bronzemedaille zuteil. Trotzdem wird die Herausgabe der Zeitung zu einem eigentlichen Sorgenkind des Vereins. Nach ursprünglicher Absicht sollte sie nur während einiger Jahre durch unsern Verein sichergestellt werden. Während fast 20 Jahren bleiben aber Redaktion und Herausgabe immer in Bern und geben Anlass zu vielen Diskussionen. Bald wird der Abonnementspreis als zu hoch beanstandet, und bald ist der Inhalt, nach dem Urteil der Kritiker, mangelhaft. Niemand ist aber bereit, die Sache besser zu machen und die Redaktion zu übernehmen. Als schliesslich im Jahre 1929 keine Sektion mehr bereit ist, die Herausgabe zu übernehmen, beschliesst die Delegiertenversammlung, die Briefmarkenzeitung als offizielles Verbandsorgan, ab 1930 durch den Schweizerischen Philatelistenverband herauszugeben. Ein für unseren Verein recht dornenvolles Kapitel findet damit seinen Abschluss.
Die goldenen Vorkriegsjahre
In Wien treffen sich 1911 die Philatelisten aus aller Welt zu einer Internationalen Postwertzeichen-Ausstellung. Dem Philatelistenverein Bern wird die Ehre zuteil, als Mitglied des Ehrenkomitees mitzuwirken. Diese Ehrung ist ein Beweis der Wertschätzung, die unser Verein auch ausserhalb unserer Landesgrenzen erworben hat. Eine ähnliche Ehrung wird auch unserem Präsidenten, Herrn Ellenberger, gleich zweimal zuteil: Die schon erwähnte Ausstellung in Wien und die Internationale Briefmarkenausstellung in Turin ernennen ihn zum Mitglied ihrer Ehrenkomitees.
Erneut ertönt der Ruf nach einer gesetzlichen Handhabe, um gegen Fälscher vorgehen zu können. Das Zentralkomitee berät sich mit dem Händlerverband, um ein gemeinsames Vorgehen in die Wege zu leiten. Herr August Martin, Mitglied unseres Vereins, erhält den Auftrag, mit dem Vorsteher des Post- und Eisenbahndepartementes, Herrn Bundesrat Forrer, persönlich zu sprechen und ihn dazu zu bewegen, wenigstens der schon erwähnten Genfer Firma Fournier + Co. das Handwerk zu legen. Es bleibt aber offenbar beim Versprechen des Magistraten, er werde sein Möglichstes tun.
Nach den Aufzeichnungen im Protokoll vom 29. Mai 1911 befasst sich Herr Oskar Gruber wieder einmal mit dem verloren gegangenen Aktenmaterial aus der Gründungszeit unseres Vereins. Er stellt aufgrund seiner Nachforschungen fest, dass diese für uns recht wertvollen Dokumente seinerzeit - vermutlich aus Versehen - mit den Archiven des Verbandes nach Zürich kamen und dort später nicht mehr zum Vorschein gekommen sind.
Ab Ende 1911 ist nun Herr Dr. 0. Weber neuer Präsident unseres Vereins. Er möchte in Verbindung mit der Schweizerischen Landesausstellung 1914 in Bern eine Nationale Briefmarkenausstellung durchführen.
Auch recht kuriose Anträge werden gelegentlich an den Verein herangetragen. Ein Mitglied regt an, dem Tauschobmann das Recht zuzuerkennen, eine gefälschte Marke aus einer Rundsendung zu entfernen und zu vernichten. Auch sollte - immer nach dieser durchaus ernst gemeinten Anregung - jedes Mitglied ermächtigt werden, Fälschungen unauslöschlich als solche zu bezeichnen! In weiser Voraussicht der möglichen Folgen gibt der Verein diesen Anregungen keine Folge.
Wie gelegentlich auch in späteren Zeiten, gerät in jenen Jahren bei unseren Mitgliedern die Preisgestaltung einiger Kataloge unter Beschuss. Die Schweizermarken im Katalog der Gebrüder Senf gelten als unterbewertet, und es werden Schritte unternommen, damit dieser Mangel in Leipzig korrigiert werde. Auch der Katalog Yvert wird als unrealistisch kritisiert. Herr Ernst Zumstein wird gebeten, er möchte einmal einen Weltkatalog mit Preisen in Schweizerfranken herausgeben. Aus sehr begreiflichen Gründen lehnt Herr Zumstein ab.
Im November 1912 erregt der Verlust einer Rundsendung die Gemüter. Erst nach langem vergeblichem Suchen kommt das Paket in einem alten Postsack zum Vorschein, der unter dem Schalterbrett des Postbüros Bern-Bundeshaus als Papierkorb befestigt war. Die Postverwaltung, die für den Verlust schon 15 Franken bezahlt hatte, verzichtet mit Rücksicht auf die dem Verein erwachsenen Umtriebe und Kosten grosszügig auf eine Rückforderung ihrer Vergütung!
1912 erscheinen die ersten schweizerischen Wohltätigkeitsmarken (3 Werte der Pro Juventute-Vorläufer). Der Verein kauft davon 120 Stück an, verteilt sie mit der Jahresrechnung an die Mitglreder und überweist den Rest dem Vereinsarchiv. Ebenso erwirbt der Verein eine von Herrn Lips zusammenge stellte Sammlung gefälschter Briefmarken.
Die Anregung unseres Präsidenten, Herrn Dr. O. Weber, wird erneut aufgegriffen und nach langen Beratungenbeschlossen, während der Schweizerischen Landesausstellung 1914 eine Briefmarkenausstellung durchzuführen. Sie wird mit einer Tombola finanziert. Als erster Preis der 3000 Lose winkt eine schöne Baslertaube im damaligen Wert von ca. 350 Franken.
Ab 1913 werden auf Anregung eines Vereinsmitgliedes im Hotel National Briefmarkenbörsen durchgefuhrt. Ebenso wird eine Tauschzentrale ins Leben gerufen, die schon im ersten Jahr 750 Hefte mit einem Handelswert von 70000 Franken in Umlauf setzt. Die ungeahnt grosse Zahl von Einlieferungen wird als grosser Erfolg gewertet. Ab 13. oktober 1913 finden die Vereinssitzungen in den unserer älteren Generation noch bestens bekannten gemütlichen Räumen von Rinner's Wiener Café an der Schauplatzgasse statt.
Die Zeit des ersten Weltkrieges
Mit den Schüssen auf den Thronfolger der Donaumonarchie im Juni 1914 beginnt ein neues Kapitel der Menschheitsgeschichte. Auch an unserem Verein geht das erste Kriegsjahr nicht spurlos voruber. Noch wird die Nationale Briefmarkenausstellung, wie vorgesehen, am 25. Juli durch den Vorsteher des Post- und Eisenbahndepartementes, Herrn Bundesrat Forrer, eröffnet. 70 Aussteller sind beteiligt. Die Ausstellung steht aber unter einem schlechten Stern. Während einiger Regentage dringt Feuchtigkeit in die Ausstellungsräume ein. Besonders gefährdete Exponate müssen entfernt werden. Am 31. Juli wird die Allgemeine Mobilmachung angeordnet. Ein Teil des Organrsationskomitees und der Aussteller rückt zum Aktivdienst ein. Die Ausstellung wird vorzeitig, am 1. August,geschlossen. Erstaunlicherweise wird trotz des etwas verungluckten Anlasses ein Überschuss von 1100 Franken erwirtschaftet.
Trotz der Kriegsjahre geht der Besuch der Vereinssitzungen nur unwesentlich zurück. Die Kriegsereignisse prägen aber das Vereinsleben. Das Protokoll der Hauptversammlung vom 5. Februar 1916 gibt der damaligen Stimmung wie folgt Ausdruck Wrr dürfen heute mlt dem Frleden in unserem teuren Vaterlande unsere 30. Hauptversammlung mltetnander begehen. Möge uns ein gnädiges Geschick diesen Frieden bewahren, wo jetzt im lnnern links und rechts dle saat des unfriedens aufzukommen droht. wlr als Philatelisten wollen jeder an sernem Teil ernstlich arbeiten, dass wir Schweizer uns gegenseitig nicht entfremden, sondern vor allem stets daran denken, dass wlr Schweizer sind und blerben wollen.
Auf die Ausgabepolitik von Briefmarken hat der Krieg keine hemmende Wirkung, ganz im Gegenteil. 1915 kommen nicht weniger als 1130 neue Marken heraus. Eine Flut von Überdrucken, Besetzungsmarken und Provisorien bricht über den Sammler herein, und es fällt schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen. Eine Ausstellung von Kriegsmarken wird vom Vorstand beschlossen, kann aber wegen mangelnder Beteiligung nicht verwirklicht werden.
Ungeachtet der Kriegsereignisse steigert sich der Umsatz unseres Tauschverkehrs 1915 auf über 12000 Franken. Auch in den folgenden Kriegsjahren bleibt der Markenverkauf auf gleicher Höhe. Von den Mitgliedern werden unsereZusammenkünfte, wie es im Protokoll dargestellt wird, als eine stille Oase empfunden. Vieie Sammler trauern um ihresorgfältig aufgebauten und gepflegten Tauschverbindungen in alle Welt. Der Postverkehr ist durch die Kriegsereignisse nach vielen Ländern unterbrochen. Der Unterseebootkrieg bringt die Uberseeverbindungen zum Erliegen. ln Russland beginnt 1917 die Revolution.
Die Portoerhöhungen geben bei den Philatelisten viel zu reden. Dass eine Postkarte uber die Gasse nun gleichviel kosten soll, wie eine solche nach Neuseeland, wirbelt Staub auf. Marken von 21/2 und 71/2 Rappen sind im Umlauf, ohne dass wir über eine diesen Werten entsprechende Scheidemünze verfügen. Die Soldatenmarken bereiten Sorgen, da offenbar gewisse Ausgaben von der Druckerpresse direkt in die Händlerlager verschwinden. Der Philatelistenverband erleidet empfindliche Verluste durch die Einfuhrverbote für die Schweizerische Briefmarkenzeitung in den umliegenden Staaten. Der Verband ist inzwischen auf uber 1000 Mitglieder und 22 Sektionen angewachsen.
Vereinsintern wird festgestellt, dass viele Sammler ihre Doubletten zurückhalten. Der neu erscheindende Yvertkatalog verzichtet wegen Papiermangels auf Abbildungen.
Viele Teilnehmer an den Rundsendungen sind an Grippe erkrankt, und die Rundsendungen bleiben oft lange liegen. Während Monaten besteht während der schweren Grippeepidemie ein allgemeines Versammlungsverbot. Zu allem Ungemach kommt eine Kündigung des Vereinslokals hinzu.
Neubeginn und Krisenjahre
Nach Kriegsende ist innerhalb des Vereins die Hoffnung auf bessere Zeiten, auf einen neuen Anfang, unverkennbar. An fünf Abenden stellen sich Mitglieder für Vorträge zur Verfügung und legen interessante Sammlungen zu den besprochenen Themen vor. Auch die Beziehungen zu anderen Vereinen werden gepflegt und vielerlei freundschaftliche Kontakte geknüpft. Ab Januar 1919 finden die Sitzungen im Hotel de la Poste an der Neuengasse statt. Nachdem wieder ausländische Fachliteratur zugänglich ist, wird eine Lesemappe geschaffen und diese bei den lnteressenten in Zirkulation gesetzt. Der Rundesendeverkehr läuft wieder auf vollen Touren: Das Verkaufsergebnis von 141 Rundsendungen im Jahre 1919 beträgt 22627 Franken.
Der Währungszerfall vieler Staaten bringt auch die Philatelie in eine Krisenlage. Auch in unserem Verein gehen die Verkaufszahlen zurück. Die allgemeine wirtschaftliche Baisse trifft die Briefmarken ganz besonders.
lm Rundsendeverkehr wird als Neuerung eine Heftsteuer eingeführt. Die Briefmarkenbörse wird ebenfalls ins Hotel de la Poste verlegt und gemeinsam mit den anderen Bernervereinen, jeweilen an Sonntagen von 1O - 12Uhr abgehalten. Der Rundsendeverkehr geht auch 1923 weiter zurück, die Briefmarkenpreise sinken, und der Mitgliederbestand stagniert. An gutem Rundsendematerial herrscht Mangel. Der Verein muss sich mit bedauerlichen Vertauschungen befassen und entstandene Schäden aus der vereinseigenen Versicherungskasse decken. Von vielen älteren Mitgliedern werden die Vereinssitzungen hauptsächlich als Jassgelegenheit benützt, während der fehlende Nachwuchs dem Verein ernstliche Sorgen bereitet.
Der langjährige Sekretär, Herr A. Küpfer, legt 1923 sein Amt nieder, und anstelle seiner schönen, alten deutschen Schrift erscheinen die Vereinsprotokolle nun in Maschinenschrift.
Das Jahr 1925 scheint ein Vereinsjahr besonderer interner Geselligkeit gewesen zu seln. Die Hauptversammlung wird mit einem gemeinsamen Nachtessen verbunden, dem Unterhaltung, Tombola, Kinovorfuhrungen und allerlei Produktionen folgen. Das Protokoll der Versammlung hält fest: Schluss auf Befehl der hohen Polizei um drel Uhr.
1927 schliessen sich der Ganzsachenverein und der Schweizerische Aerophilatelistenverein unserem Dachverband an. ln den Sommermonaten werden freie Zusammenkünfte mit den Mitgliedern des Briefmarken-Tauschklubs durchgeführt. Unser langjähriger Präsident, Herr Dr. O. Stiner, tritt zurück, und Herr August Martin wird an seine Stelle gewählt.
Erstmals 1928 wird im Verein beantragt, eine Juniorengruppe zu gründen. Das lnteresse ist aber gering, so dass der Antrag zurückgestellt wird. ln einer Auflage von 300 Alben bringt der Genfer Philatelistenverein eine Sammlung der Fournier-Fälschungen heraus. Damit können die meisten noch vorhandenen Fälschungen, die auch unseren Verein mehrmals beschäftigt haben, gekennzeichnet und aus dem Verkehr gezogen werden.
Die 1929 einsetzende Weltwirtschaftskrise macht sich bis hinunter in kleine Vereine bemerkbar. Unser Mitgliederbestandgeht erheblich zurück. Der Verkauf aus den Rundsendungen sinkt im Jahre 1931 auf 6995 Franken. Aus Spargründen wird dle Jahresfeier gemeinsam mit dem Briefmarken-Tauschklub durchgefuhrt. Verschiedene Aktivitäten sollen die Philatelie wieder etwas in Schwung bringen. Philatelistische Veröffentlichungen in den Tageszeitungen undkleine lokale Ausstellungen (1929, 1931 und 1932) sollen versuchen, das lnteresse an der Philatelie zu wecken. Erneut steht die Schaffung von Jugendgruppen zur Sprache.
Die Zeit der grossen Ausstellungen
Mit der lnternationalen Briefmarkenausstellung <WIPA> in Wien im Juni 1933 beginnt das Zeitalter der <grossen Ausstellungen>. ln Zürich folgt 1934 die Nationale Briefmarkenausstellung (NABA). Unser Verein stiftet eine Goldmedaille. 127 Aussteller teilen sich in eine Fläche von 600 m2. Mitglieder des Philatelistenvereins Bern erringen als Aussteller 15 der begehrten Medaillen.
1935 ist unser Verein 50 Jahre alt. Ein Sonderstempel, mit dem 1731 Sendungen abgestempelt werden, erinnert an dieses Jubiläum. Eine Feier vereinigt 158 Personen zu einem Bankett im berühmten, inzwischen abgerissenen Hotel Gurnigel. Die gesamten Kosten der Jubiläumsfeier werden mit 5655 Franken ausgewiesen.
Beinahe alle namhaften Brrefmarkenhändler sind nun Mitglieder unseres Vereins und sind auch an den Vereinssitzungen oft vertreten. Herr Arthur Hertsch legt z.B. fast in jeder Sitzung die letzten europäischen Neuerscheinungen vor und trägt damit viel zum philatelistischen Wissen unserer Mitglieder bei.
ln Luzern hatsich die Firma der Gebrüder Sekula einen unruhmlichen Namen geschaffen und den Zorn der schweizerischen Philatelisten zugezogen. Mit privaten Nachdrucken von Frankozetteln und älteren Ausgaben von Tannu Tuwa (Teil der Ausseren Mongolei) und Abessinien, sowie dem geschickten Vertrieb dieser Fälschungen, sorgt die Firma für Schlagzeilen in der Philatelistischen- und in der Tagespresse. ln einem gegen die Firma eingeleiteten Strafverfahren wird einer der Herren Sekula zu 14 lVonaten Zuchthaus verurteilt.
An der grossen lnternationalen Briefmarkenausstellung <PEXIP> in Paris im Jahre 1937 werden vier Mitglieder unseresVereins mit Medaillen ausgezeichnet.
Private, nicht offizielle Karte zum Anlass der Einführung des Tages der Briefmarke in der Schweiz.
Zum ersten Mal wird am 4.15. Dezember 1937 im Casino Bern der schweizerische <Tag der Briefmarke> durchgeführt. 30000 Postsendungen werden mit dem Sonderstempel entwertet und 2500 Karten werden verkauft. Finanziell ist derAnlass recht erfolgreich, und jedem der beteiligten Vereine können 150 Franken ausgerichtet werden.
1938 folgt die Nationale Ausstellung in Aarau, an der 180000 stück des Blocks lum 2]-1ährigen Jubiläum der schweizerischen Luftpost abgesetzt werden. ln der Ehrenklasse findet die Ausstellung <Telegraphenmarken> unseres Vereinspräsidenten, Herrn Albert Auberson, grosse Beachtung. Vier weitere Mitglieder werden für ihre Exponate mit Medaillen ausgezeichnet.
Gewitterwolken am Horizont
Das Gleichgewicht der europäischen Mächte droht auseinanderzufallen. Die Schweiz legt 1936 eine Wehranlelhe auf, mit dem Ziel, unsere Landesverteidigung in materieller Hinsicht rasch auf einen höheren Stand zu bringen. Es isteine vaterländische Pflicht, sich an dieser Anleihe zu beteiligen. Auch unser Verein zeichnet 500 Franken Wehranleihe. Die PTT unterstützt die Wehranleihe durch den Pro Patria Block 1936. Eines unserer Mitglieder, ein besondererphilatelisttscher GlÜckspilz, erwirbt am Postschalter ein ungezähntes Exemplar des Blocks (heutiger Katalogpreis 6000 Franken).
Die Schweizerische Landesausstellung in Zürich wird von der PTT zu einem Beutezug gegen die Philatelisten benutzt. Die vielen Variationen der Propagandamärken tur die <Landi> erregen den Unwillen der Philatelisten und fühien zu Protesten. Wie wir noch sehen werden, blieb diese Rüge an der Ausgabepolitik der PTT nicht die letzte.
Wiederum Mobilmachung der Armee und viereinhalb Jahre Krieg
Noch während der grossartigen Landesausstellung bedeutet der Kriegsausbruch für viele Zeitgenossen ein jähes Erwachen. Alle Belange des öffentlichen Lebens haben sich der Erhaltung unserer Unabhängigkeit und Freiheit unterzuordnen. Damit wird auch eine geordnete, regelmässige Vereinstätigkeit in Frage gestellt.
Trotz der Kriegsereignisse steigt aber 1939 unsere Mitgliederzahl um 18 Personen. Nach zwölfjähriger Arbeit erscheint das an der Delegiertenversammlung von 1927 beschlossene Abstempelungswerk Andres-Emmenegger. DerRundsendeverkehr erreicht mit einem Verkauf von 18200 Franken seit Jahren den höchsten Stand.
1942 wid im Verein ein Familienabend durchgeführt. Für die damalige Zeit besonders wichtig, wird im Protokoll festgehalten, dass das Essen trotz Rationierung und Fettmangel sehr gut gewesen sei. Als Erlös einer Tombola können der Nationalspende 125 Franken überwiesen werden.
Herr Albert Auberson hat sich um den Verein während 30-jähriger Tätigkeit als Präsident und Rundsendeleiter ausserordentlich verdient gemacht. Er empfängt hiefür den Dank des Vereins.
Zur Hundertjahrfeier der schweizerischen Briefmarken finden 1943 in Zürich, Bern und Genf Ausstellungen statt, in Genf in der Form einer Natlonalen Briefmarkenausstellung (GEPH). An allen drei Ausstellungen ist unser Verein vertreten.
Die oft dramatischen Kriegsereignisse gehen an unserem Lande nicht spurlos vorüber. Zu Anfang des Krieges sind es die deutschen Bomber, die unser Land auf ihren Flügen nach Südfrankreichüberfliegen und später englisch-amerikanische Bombergeschwader, die nächtllcherweise unseren Luftraum auf Flugen in Richtung ltalien verletzen, welche bei uns die Offentlichkeit beschäftigen und heftige Diskussionen auslösen. Auch in unserem Verein schlagen die Ereignisse gelegentlich hohe Wellen. Namentlich unser gespanntes Verhältnis zum nationalsozialistischen Deutschen Reich scheint viel Zündstoff geliefert zu haben. Die Auseinandersetzungen führen bis zu elnem Traktandum, das den Ausschluss eines Mitgliedes verlangt, welches sich kritisch gegen den General derSchweizerischen Armee geäussert hatte. Das betreffende Mitglied - ein Offizier - wird in der Folge gnadenlos aus dem Verein ausgeschlossen. Dieser Ausschluss wirft ein recht bezeichnendes Schlaglicht auf die spannungsgeladene Atmosphäre der damaligen Zeit.
Vorstandssitzungen finden in den letzten Kriegsjahren nur noch selten statt. Dagegen bedeuten die Delegiertenversammlungen für alle Teilnehmer, wegen ihres festlichen Charakters, immer ein Entgelt für die stille Tätigkeit hinter den Kulissen des Vereins. Hervorgehoben wird, dass in diesen Jahren im Rundsendeverkehr nie irgendwelche Unstimmigkeiten aufgetreten sind.
Auf das Kriegsende bringt die PTT die später so berühmt und beliebt gewordene Pax-Serie heraus. Namentlich der Fünffrankenwert wird in der Presse kritisiert. Das gibt auch den Philatelistenvereinen Anlass, sich zum Richter über die Blldmässigkelt der Ausgabe einzusetzen. Unser Mitglied, Herr Gribi, verteidigt die PTT.