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Die Winterthurer Bibliotheken ist das Bibliothekssystem der öffentlichen Bibliotheken der Stadt Winterthur. Hierzu gehören die Stadtbibliothek (die das Zentrum bildet), die Studienbibliothek mit den Sondersammlungen sowie sechs Quartierbibliotheken.
Die erste Winterthurer Bibliothek, dazumals «Bürgerbibliothek» genannt, wurde am 1. November 1660 von vier Exponenten aus dem Musikkollegium gegründet. Die erste Bleibe was 1661 das Hinwilerhaus (heute Rathaus-Apotheke), doch bereits ein Jahr später wechselte man ins Rathaus, wo die Bibliothek bis Anfang des 19. Jahrhunderts blieb. Dazumals war die Bibliothek noch eine Einrichtung für die politische und wirtschaftliche Elite, erst mit der Aufklärung entwickelte sich die Bürgerbibliothek zu einer Ausleihbibliothek für die gesamte Bevölkerung. In der Anfangsphase sammelte die Bibliotheken neben Büchern auch viele Kuriositäten wie Muscheln und andere Sachen, dessen Bestände heute auch im Naturmuseum und im Münzkabinett zu finden sind.
Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts waren Bibliotheken Kirchen, Pfarrherren und Ordensgemeinschaften vorbehalten. Im Kloster Töss befand sich eine bedeutendere Bibliothek. Eine neue Entwicklung gab es durch den Humanismus und die Reformation. 1593 wurde von Rodolfus Hospinianus, Archidiakon und Pfarrer am Fraumünster in Zürich erstmals angeregt, in Winterthur eine öffentliche Bürgerbibliothek zu errichten. Winterthur hatte sich vor der Bibliotheks-Gründung zu einem Zentrum entwickelt, die Gewerbefreiheiten wurden von den Herren in Zürich erweitert. 1629 wurde das Musikkollegium Winterthur gegründet. Aus diesem Umfeld wurde eine Bürger-Bibliothek nach dem Vorbild von Zürich und Schaffhausen angeregt. Am 6. Mai 1660 haben die Gründungsväter bei einem Spaziergang auf dem Heiligberg das Vorgehen diskutiert, die Gründung wurde am 11. November 1660 im Pfarrhaus beschlossen. Innerhalb von wenigen Wochen waren schon 586 Bücher zusammen. Am 2. Dezember 1662 erfolgte der Umzug vom Hinwilerhaus in das alte Rathaus. Dort blieb die Bibliothek für 180 Jahre.
Ab 1727 stand auch ein Bibliothekskatalog zur Verfügung. Ab 1777 wurde in gedruckter Form ein «Verzeichnis einiger auserlesener Bücher» herausgebracht, was damals noch nicht üblich war. Von 1782 bis 1784 wurde die Bibliothek vorübergehend ins Waaghaus gebracht, weil das alte Rathaus teils abgerissen und durch den heutigen Bau ersetzt wurde bzw. den totalrenoviert wurde. 1835 veröffentlichte Johann Conrad Troll erstmals die Geschichte der Bürgerbibliothek. 1842 erfolgte der Umzug der Bibliothek in das neu erstellte Knaben-Schulhaus, das später Gymnasium genannt wurde und heute als Museum Oskar Reinhart bekannt ist. Ab 1872 hiess die Bürgerbibliothek neu Stadtbibliothek. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts positionierte sich die Institution in der damaligen Bibliotheks-Landschaft als allgemeine Bildungsbibliothek. Bis 1914 war die Bibliothek im Besitz der Bürgergemeinde. Am 2. Januar 1916 wurde an der Museumsstrasse ein neues Museums- und Bibliotheks-Gebäude eröffnet, in das die Stadtbibliothek einzog. 1931 wurde der ganze Bestand neu katalogisiert. Am 5. Juli 2003 wurde die neue Stadtbibliothek am Kirchplatz eröffnet. Sie war die erste voll elektronisch gesteuerte Bibliothek Europas.
Zur Bildquelle, Autor: Raphael Perroulaz 2006