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«Ragt da am Horizont etwas aus dem Seespiegel?», fragen wir uns, als wir auf der Staumauer des Schiffenensees stehen und auf die glatte Wasseroberfläche blicken. Wir haben von den Gerüchten gehört, dass bei tiefer Seelage die alte Turmspitze der Kapelle von Bad Bonn sichtbar sein soll. «Ist sie das?»
Heute schlängelt sich der schmale Schiffenensee beinahe unscheinbar durchs Saanetal bei Düdingen, und wer die Geschichte nicht kennt, könnte meinen, das sei schon immer so gewesen. Der See entstand jedoch mit dem Projekt Schiffenenstaumauer, das vor über fünf Jahrzehn- ten in Angriff genommen wurde (siehe Kasten).
Noch leben mehrere Generationen von Menschen, die sich gut daran erinnern können, wie es vor dem Bau der Staumauer im Saanetal ausgesehen hat. Um diese Erinnerungen auch für zukünftigeGenerationen zu erhalten, publizierte der Verein O.S.K.A.R. im Jahr 2011 das Buch «Schiffenensee–Das versunkene Saanetal». Begleitet wurde die Buchpublikation durch eine Ausstellung im Gutenberg-Museum in Freiburg.
Den ehemaligen Bewohnern des ruhigen und von Landwirtschaft geprägten Saanetals fiel der Abschied nicht einfach, wie ein Blick in das mit zahlreichen Bildern illustrierte Buch verrät. Ein Haus in Bärfischen sowie das Kurhaus Bad Bonn samt Kapelle mussten den Wassermassen weichen. Als Sicherheitsmassnahme baute man die Bauernhöfe zurück und stellte sie dem Militär als Übungsobjekte für Sprengungen zur Verfügung. Die fast 100-jährige Schiffenenbrücke, welche die beiden Gemeinden Düdingen und Gurmels miteinander verband, ereilte das gleiche Schicksal. Mobile Kulturgüter fanden jedoch in der Umgebung ein neues Zuhause. Der Altar der Bad-Bonn-Kapelle wurde etwa in die Pfarrkirche Düdingen gebracht und dort wieder aufgebaut.
Mit der Überflutung verschwand auch die Hauptstrasse zwischen Pensier und Bärfischen–wie jene zwischen Gurmels und Düdingen–unter den Wassermassen. Der Kanton baute neue Verkehrswege, und die Landschaft im Saanetal veränderte sich grundlegend. Einige Gebäude wurden abgerissen und zum Teil wieder aufgebaut. Eine Zeitzeugin erzählt, wie sie sich kurz vor der Flutung des Saanetals mit den Geschwistern in Bonn getroffen und beim Lied «An der Saane kühlem Strande» Abschied von der Heimat genommen hat.
Doch, was ist mit der Turmspitze, die man bei tiefer Seelage angeblich sehen kann? «Das ist ein Mythos», versichert uns Lionel Chapuis von Groupe E: «Vor der Flutung des Gebietes sind Häuser, Brücken und das Kieswerk gesprengt worden.»
Geschichte: Strombedarf als Flutungsgrund
D ie Staumauer des Schiffenensees wurde in den Jahren 1960 bis 1964 infolge des steigenden Strombedarfs durch die Freiburgischen Elektrizitätswerke (FEW) – heute Groupe E – gebaut. Damals mussten die FEW in Nachbarkantonen Strom zukaufen, um die Bevölkerung zu versorgen. Nach mehreren Studien entschieden sich die FEW, bei Schiffenen eine Bogenstaumauer zu bauen. Noch bevor man das Saanetal überfluten konnte, mussten aber mehrere Häuser und Höfe abgebrochen werden. Das heutige Staubecken hat ein Volumen von 65 Millionen Kubikmetern.
Das Buch «Schiffenensee – Das versunkene Saanetal» kann online bestellt werden: www.verein-oskar.ch