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«Was hier zu hören und zu sehen ist, wird ihre Besucher überraschen und verblüffen, vielleicht sogar schockieren, bestimmt aber sehr fesseln.» So wurde 1970 den Kinobetreibern schmackhaft gemacht, den «Schulmädchen-Report» in ihren Sälen laufen zu lassen.
Der Spielfilm bewegt sich auf den Spuren des in den 1960er-Jahren äusserst erfolgreichen Kinsey-Reports über das Sexualleben junger Mädchen. Die Vorlage lieferte Günther Hunold, der 1969 in München Schülerinnen im Alter von 14 bis 20 Jahren zu verschiedenen intimen Themen befragte.
Aneinanderreihung von erotischen Episoden
«Eine Münchner Schülerin wird in flagranti beim Koitus ertappt: Renate Wolff, 18. Einen Schulausflug in ein Dampfkraftwerk nützt sie für Liebe am Vormittag. Während die Klasse das Werk besichtigt, verführt sie den Busfahrer», heisst es im offiziellen Beschrieb des Filmes.
Ein Elternrat berät in der Folge über das Schicksal Renates. Wird sie aus der Schule geschmissen? Der Jugendpsychologe Doktor Bernauer erzählt in der Folge dem Rat Beispiele, wie junge Mädchen ihre Sexualität erfahren. Die Episoden sind natürlich immer auch zu sehen. Gezeigt wird, wie die Zwölfjährige Barbara ihren Stiefvater verführt, Susanne «anstatt Mathematik zu büffeln, lieber Unterricht im Petting nimmt», Elisabeth beim Masturbieren von ihren Eltern erwischt wird oder wie Anne, Margit und Karin einen Bademeister um den Finger wickeln.
Der Anfang einer Welle
Der «Schulmädchen-Report» schlug ein wie eine Bombe. Über sechs Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer wollten sehen, wie «die jungen Mädchen von heute» ticken. Natürlich gab es sofort Fortsetzungen. Die Serie wurde mehrfach ausgezeichnet und weltweit gezeigt. Auch wenn die Besucherzahlen abnahmen, wurden 13 Teile gedreht, den letzten sahen immerhin noch über eine Million Leute im Kino.
Es war ein rentables Geschäft. Gedreht wurde eine Folge in etwas mehr als zwei Wochen, die mehrheitlich Laiendarstellerinnen und -darsteller bekamen eine Tagesgage von etwa 500 Mark, was einem Monatsverdienst in einem Verkaufsberuf entsprach. Einige Darstellerinnen und Darsteller machten danach Karriere, so zum Beispiel Ingrid Steeger, Sascha Hehn, Heiner Lauterbach, Annemarie Wendl oder Lisa Fitz.
Damals herrschte in der Gesellschaft im Nachzug zu den 1960er-Jahren eine grosse Neugier in Bezug zur Sexualität, es folgten unzählige «Report»-Filme wie «Hausfrauen-Report» oder «Lehrmädchen-Report». Erst als 1975 Pornografie in Westdeutschland legal wurde und Sexkinos eröffneten, waren die «Schulmädchen-Report»-Filme nicht mehr wirklich gefragt.
«Altherrenfantasie»
Natürlich gab es auch von Beginn an Kritik an den Filmen. Die Szenen seien pseudo-wissenschaftlich und würden nur den Voyeurismus der Zuschauer bedienen, alle Mädchen würden als «sexgeile Luder» dargestellt. Annette Miersch schreibt in ihrem Buch «Schulmädchen-Report: der deutsche Sexfilm der 70er Jahre» (2003): «Ein schmieriger Film aus verklemmter Doppelmoral» und «das soziosexuelle Szenario ist als kleinbürgerlich-patriarchale Männer- und auch Altherrenfantasie zu charakterisieren.»
Trotz dieser Kritik wurde die Reihe auch Jahre später noch zu später Stunde in den ersten Privatfernsehprogrammen gezeigt – mit grossem Erfolg. Schliesslich gab es damals noch nicht die Möglichkeit, jederzeit Pornografie oder Erotik im Internet zu konsumieren, DVD lag noch in weiter Ferne und Videogeräte hatte auch nicht jeder Haushalt. Der «Schulmädchen-Report» und die vielen Variationen dieser Art von Filmen war also für viele Pubertierende mehrerer Generationen der erste Kontakt mit Sexualität im Fernseher.