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Welche Volkswirtschaften produzieren Plastik und zu welchem Zweck?
Den weitaus grössten Anteil an der Plastikproduktion haben die asiatischen Länder, allen voran China, dicht gefolgt von Europa und Nordamerika. Die Plastikherstellung verbrauchte 2020 ca. 14% der geförderten Ölmenge. Hergestellt wurden daraus je nach Quelle zu ca 36-42% Einwegverpackungen und ca 14% Textilien. Weitere 16-19% flossen in Baumaterialien, 10-12% in Gebrauchswaren, 6-8% in Verkehr und Transport, 4-5% in Elektronik und ca 1% in Industriemaschinen.
Quelle: careelite.de, plastic-footprint.de
Wieviel Plastikmüll entsteht jährlich und woraus besteht er?
Europäischer Spitzenreiter in der Plastikmüllverursachung ist Luxemburg mit >50kg pro Kopf und Jahr, gefolgt von Irland (>46kg) und Estland (>42kg). Parallel zur allgemeinen Müllproduktion steigt auch der Anteil von Plastikmüll mit dem Wohlstand einer Gesellschaft. Beim letzten International Coastal Cleanup 2018, einer grossen Strandsäuberungsaktion in 122 Ländern, zeigte sich: Die 10 häufigsten Müllarten, die ins Meer gelangen, bestehen alle zumindest teilweise aus Plastik:
• Zigarettenkippen
• Lebensmittelverpackungen
• Plastik-Strohhalme und -Rührstäbchen
• Plastikbesteck
• Plastikflaschen
• Flaschendeckel
• Plastik-Einkaufstüten
• andere Plastiktüten
• Plastikdeckel
• Plastikbecher und -teller
Quelle: oceanconcervacy.org
Was machen die Länder mit ihrem Plastikmüll?
Plastikmüll fällt nur in den seltensten Fällen gesondert an. Meist finden wir ihn unsortiert im Restmüll. In der Schweiz, wo es eigentlich ein gut funktionierendes Trenn- und Recyklingsystem gibt, landen dennoch 50% aller Siedlungsabfälle in einer Verbrennungsanlage, ein grosser Teil davon ist Plastik. Die tatsächliche Recyklingquote für Plastik liegt bei lediglich 12-15%. Was genau unter den Begriff «Recyklingquote» fällt, ist jedoch nicht immer klar. Die Schweiz exportiert jährlich ca 100'000 Tonnen für das Recykling vorgesehenes Plastik ins Ausland, vornehmlich nach Deutschland. Was dort damit geschieht, entzieht sich oft unserer Kontrolle. Quelle: plastik-recykling.ch, NZZ, oceancare.org)
Generell kann man sagen, dass Länder mit hohem Lebensstandard am meisten Müll exportieren.
Abnehmer sind seit Jahrzehnten vornehmlich asiatische Länder. In letzter Zeit beginnen sich diese jedoch gegen den Import von Müll aus Industrieländern zu wehren. Nicht zuletzt die Müllexporte aus Europa und die Überforderung der Behörden in den Abnehmerländern haben dazu geführt, dass Plastikmüll, entgegen der Abmachungen, deponiert, durch Wind und Regen vertragen, und schliesslich von asiatischen Flüssen in die angrenzenden Ozeane transportiert wurde. 82% des Plastikmülls, der in den Weltmeeren schwimmt, stammt aus den 5 Ländern China, Thailand, Indonesien, Indien und Vietnam.
Quelle: de.statista.com, careelite.de
Quelle: meeresatlas.org
Also sind die Regierungen schuld, die den Plastikmüll um den Erdball schicken?
Zum Teil sicher. Aus den Augen, aus dem Sinn mag lange die Devise vieler Länder gewesen sein. Das Bewusstsein für die Müllströme und die damit verbundenen Probleme wächst jedoch weltweit und es sind durchaus auch Regierungen, die seit einigen Jahren daran arbeiten, das Problem in den Griff zu bekommen. Seit 1. Januar 2021 gelten in der Europäischen Union verschärfte Regeln für den Export von Kunststoffabfällen. Nur noch sauberes, getrenntes Material, das leicht rezykliert werden kann, darf exportiert werden.
Quelle: bmu.de
Leider ist es damit noch nicht getan. Die Plastikverschmutzung in der Umwelt reicht viel weiter als «nur» bis zu den grossen Müllstrudeln in den Ozeanen. Auch bei uns in der Schweiz sind in Bergbächen, in Waldböden und in Tiermägen Plastikabfälle zu finden. (Siehe dazu auch den Beitrag über unser Mare Nostrum Vorstandsmitglied Anna Sidonia Marugg und ihre wissenschaftlichen Arbeiten zu diesem Thema.)
Es ist jede und jeder einzelne von uns gefordert, den persönlichen Plastikkonsum zu hinterfragen. Weiss ich überhaupt, welche Alltagsprodukte zum Beispiel primäres Mikroplastik enthalten? Wer denkt bei Kinderschminke mit Glitzer oder einem Gesichtspeeling schon an ein Umweltproblem? Und ist mir bewusst, dass auch eine jahrelang getragene Fleece-Jacke problematisch ist, weil sie bei jedem Waschgang einen Faserabrieb ins Wasser abgibt?
Es gibt viele Wege zu weniger Plastikmüll in der Umwelt. Am Anfang jeder Müllreduktion steht sicher die Müllvermeidung. Ist der Schaden jedoch einmal angerichtet, wie man das in Bezug auf die Verschmutzung der Meere durchaus konstatieren darf, so ist auch Aufräumen ein gangbarer Weg. Diesen hat sich nicht zuletzt Mare Nostrum auf die Fahnen geschrieben. Besuchen Sie daher unsere Projekte, um sich von den von uns unterstützten Bemühungen zu überzeugen.