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Satire
Haben Sie angenehme Ferien verbracht ? Ich nicht. Denn mal war das Wetter einfach zu heiss, mal zu nass, und die üblichen Gewitter kamen immer im falschen Moment gerade beim Grillieren. Das alles wohl wegen des Klimawandels, oder, genauer: Weil wir in der Schweiz zu viel CO2 ausstossen, oder ?
Früher war das doch völlig anders: Da war das Wetter immer genau so, wie es sich die Menschheit gerade wünschte. Dies, weil man mit eigenem Verhalten auf das Klima einwirkte, um es in die gewünschte Richtung zu verändern.
Als es den Höhlenbewohnern als Sammler und Jäger zu kalt wurde und die Gletscher das ganze Land überzogen, wurden sie sesshaft. Sie rodeten Wälder für den Gemüseanbau und züchteten furzende Kühe mit Methanausstoss, um den CO2-Gehalt der Luft zu erhöhen. Und siehe: Es wurde plötzlich wärmer. Dann aber wurde es unseren Vorfahren im Verlauf der Jahrhunderte wiederum unangenehm zu warm. Da schlachteten die Menschen die Kühe und wurden allesamt Veganer. Aber da auch dies nichts nützte, organisierten sie einen Vulkanausbruch: Und siehe, infolge der dichten Rauchwolkendecke kühlte sich das Klima sofort ab. Dann aber wurde es den Menschen wiederum zu kalt. Da die Kühe gestorben waren, erfanden sie CO2-ausstossende Motorfahrzeuge und beheizten ihre Wohnungen trotz massiver Feinstaubwarnungen mit Holz und fossilen Brennstoffen (alternativ: mit Bienenwachs). Da auch dies nichts nützte, organisierten sie die Löschung sämtlicher aktiven Vulkane und sorgten mit einer massiven Erhöhung der Sonnentätigkeit für mehr Wärme. Und heute ist es den Menschen wiederum zu warm geworden.
So stellt sich die Frage: Was kann man heute in der Schweiz tun, um das Klima zu verändern und das Wetter in die jeweils gewünschte Richtung zu lenken? Man muss doch subito etwas tun, um die tagtäglich medial grossspurig angekündigte Klimakatastrophe abzuwenden, oder etwa nicht? Aber was?
Wir Schweiz könnten die Sonnentätigkeit wieder zu reduzieren versuchen. Oder die Vulkane wieder reaktivieren, den Golfstrom umleiten, den „El Nino“ via UNO-Resolution zur Vernunft bringen oder das Biscaya-Hoch auf die mitteleuropäische Ferienzeit beschränken lassen. Das alles erweist sich als etwas schwierig. So könnte man vielleicht besser die CO2-superproduzierenden Grossmächte China, Russland, USA, Indien etc. via Verbots jeglicher Auslandtätigkeit unserer Grossbanken in die Knie zwingen oder Brasilien via Importverbote von dortigen landwirtschaftlichen Produkten zum völligen Verzicht auf die Rodung der Regenwälder des Amazonas zwingen. Auch das alles ist allerdings nicht so einfach, dafür reichen nicht einmal die negativzinsbelasteten Sichtguthaben unserer Banken bei unserer Nationalbank, denn wir haben ja vorläufig nicht einmal einen Sitz im UNO-Sicherheitsrat.
Doch man soll die Hoffnung nie aufgeben. Denn es gibt ein einfaches Patentrezept dafür, dass die Schweiz die angedrohte weltweite Klimakatastrophe verhindern kann, und dazu können Sie massgeblich beitragen. Sie müssen bei den kommenden eidgenössischen Wahlen schlicht und einfach nur „Grün“ wählen. Entweder für die Rotgrünen, die Grünen (oder zumindest für jene Parteien, die aus opportunistischen Gründen für die Wahlen in letzter Minute einen grünen Schwenker vollzogen haben). Denn die „Grünen“ kriegen die Lösung der von ihnen zelebrierten Probleme im Nu in den Griff. Wenn Sie nicht so direkt grün wählen wollen, sollten Sie aber zumindest freudig den parlamentarisch angedachten Massnahmen zur Reduktion von CO2 in der Schweiz zustimmen. Denn mit diesen Massnahmen hofft man, den schweizerischen Beitrag von sage und schreibe 0,01% des weltweiten CO2-Ausstosses derart zu reduzieren, dass wir von der Schweiz aus das Weltklima im Nu verändern. Daran glauben zwar nur Narren und Genarrte, die Kosten wären allerdings besonders für den steuerzahlenden Mittelstand erheblich hoch. Aber zur Beruhigung des medial eingeimpften schlechten Gewissens der Bevölkerung in Klimafragen scheint dieses Rezept leider auf gewisse Sympathien zu stossen. Ganz nach dem Motto: „Lache nie über die Dummheit der anderen, denn das könnte deine Chance sein“.
Zurück zum Titel „Neurotische Klimatologie“ dieses Artikels: Dass die Klimatologie die vergleichende Wissenschaft der klimatischen Verhältnisse auf der Erde ist, weiss jeder. Ob sie derzeit in der Schweiz allzu polit-neurotisch be- und vertrieben wird oder nicht, glaube ich zwar, aber das müssen die Wählerinnen und Wähler im kommenden Oktober selber entscheiden. Letzte Entscheidungshilfe: Eine Neurose ist eine durch unverarbeitete seelische Konflikte mit der Umwelt entstandene krankhafte, aber heilbare Verhaltensanomalie.