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Im Jahre 2013 schlug Elon Musk mit einer Veröffentlichung auf seinem Blog, dem «White Paper», Wellen. Er berichtet darin von der «Hyperloop», einer Idee für ein neues, revolutionäres Verkehrssystem, das eine CO2-neutrale Alternative zu Flugzeugen, Zügen, Autos und Schiffen darstellen soll. Erfunden hat er die Technologie nicht, denn schon im Jahre 1812 stellte Georg Medhurst die grundlegende Idee der Fortbewegung ohne Luftwiderstand in einer evakuierten Röhre vor. In den folgenden Jahrzehnten gab es immer wieder Konzepte für Fortbewegung in Röhren, doch keines konnte je die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erregen. Das änderte sich mit Elon Musks Beitrag zu dem Thema. Als dieser die Idee in 2012 aufgriff und weiterentwickelte, schwebte ihm eine Technologie vor, die schneller als Züge, sicherer als Autos und umweltfreundlicher als Flugzeuge ist.
Ein wenig genauer ausgedrückt soll es sich um Röhren handeln in denen Kapseln, sogenannte «Pods», mit einem Fassungsvermögen von 28 Menschen fortbewegt werden. Durch das in den Röhren erzeugte Teilvakuum sollen die «Pods» eine Geschwindigkeit bis knapp oberhalb der Schallgeschwindigkeit erreichen: 343,2 m/s in trockener Luft von 20° C. Im Vergleich wirkt ein Jumbo-Jet, der mit einer Höchstgeschwindigkeit von 253 m/s fliegt, doch recht langsam. Als erprobter Investor war dem gebürtigen Südafrikaner jedoch auch bewusst, dass er seine zeitlichen und finanziellen Ressourcen noch nicht in dieses Projekt investieren wollte, da es noch in den Kinderschuhen steckte. Somit rief er die internationale wissenschaftliche Gemeinschaft dazu auf, die Technologie weiterzuentwickeln und zu verbessern. Um den Prozess zu beschleunigen, eröffnete Musk die «SpaceX Hyperloop Pod Competition» und baute für die Teilnehmer eine eineinhalb Kilometer lange Teststrecke in Hawthorne, Los Angeles, wo das Finale des Wettbewerbs dieses Jahr nun schon zum vierten Mal stattgefunden hat.
Das Prinzip des Wettbewerbs zur Weiterentwicklung einer Idee wird in der Wissenschaft schon seit jeher angewendet und basiert auf der einfachen und cleveren Idee, die Kräfte junger Talente zu bündeln, um zu einem Ergebnis zu kommen, in das es sich zu investieren lohnt. Diesem Wettbewerb, der technologischen Fortschritt und die aktuelle Umweltthematik vereint, durften zwei Studenten aus unseren eigenen HSG-Reihen beiwohnen. Joel Räbsamen und Stefan Kaspar waren erst im ersten Jahr ihres Bachelors, als sie sich für die Teilnahme an dem Wettkampf entschieden. Die beiden Technik-affinen Freunde arbeiteten beinahe ein Jahr zusammen mit einem Team bestehend aus Studierenden der ETH und anderen Schweizer Hochschulen an der Entwicklungen solch eines oben schon erwähnten «Pods» und konnten nicht nur den stolzen zweiten Platz des Wettbewerbs absahnen, sondern durften auch noch den ausserordentlich verliehenen «SpaceX Innovation Award» entgegennehmen.
Vom blutigen Anfang zum Erfolg in Los Angeles
Stefan bewarb sich 2018 bei «Swissloop», dem deutsch-schweizerischen Hyperloop-Team und nahm ab September 2018 zuerst die Position des Co-Business Leads und dann ziemlich schnell die Position des Chief Operating Officers, kurz COO, ein. Diese Position brachte eine Menge Arbeit mit sich, die neben dem Betriebswirtschaftsstudium eigentlich nicht tragbar gewesen wäre. Praktischerweise hatte Stefan sein Uni-Pensum für das kommende Jahr schon drastisch gekürzt, da er in eben diesem Jahr auch beim ISC-Symposium angestellt war. Als COO war er einer von fünf Personen im Team Leadership und war daher für die Gesamtleitung des Teams verantwortlich.
Anfang März 2019 rekrutierte Stefan dann Joel, der seine ursprüngliche Stelle als Co-Business-Lead einnahm. Die beiden hatten sich an einer vom ISC organisierten Veranstaltung zum Thema Hyperloop kennengelernt und dort gemerkt, dass sich ihre Interessen im technologischen Bereich überschneiden. Von da an übernahm Joel hauptsächlich die Aufgaben des Bereichs Sponsoring und Operations, also die Akquise von Sponsoren und alles Organisatorische. Zusätzlich kümmerte er sich um alle Termine des Teams während ihres Aufenthalts in Los Angeles. Die Dringlichkeit seiner Aufgabe wurde spätestens in dem Moment deutlich, als er einen fehlenden Resistoren besorgen musste, ohne den das Team gescheitert wäre.
Konkurrenz zwischen Schweizer Unis?
Über das Zusammenarbeiten mit den Studierenden anderer Universitäten äusserten sich beide sehr positiv. Angebliche Feindseligkeiten zwischen den Universitäten existierten nicht, erklärte uns Joel: «Jeder (aus dem Team) akzeptierte Jeden, von Anfang an, das habe ich besonders gespürt, als einer der letzten der überhaupt dazu gestossen ist. Man wird so akzeptiert, wie man ist und solange man kompetent ist, kann man diese Kompetenz einbringen, ohne irgendwelche Vorurteile. Das war wirklich sehr schön.» Stefan erzählte uns, dass er problemlos seine Meinung zu einem maschinenbautechnischen Problem kundtun konnte, auch wenn er kein Experte des Maschinenbaus ist. Genauso konnte ein Elektrotechniker seine Gedanken zu BWL-Aspekten einbringen.
Einer der aufregendsten Aspekte des Projekts begann dann im Juli, als sich das Team auf den Weg nach Los Angeles machte. In dieser Zeit erlebten sie Amerika nicht aus der Sicht von Touristen, sondern im beruflichen Kontext. Dort richtete sich das Team in einem Hotel ein und besorgte sich drei Mietwagen. Finanziert wurde das Ganze jedoch nicht durch Elon Musk oder die Universitäten, sondern durch Sponsoren, für die Joel und Stefan zuständig waren. Für die Studierenden der technischen Universitäten war insbesondere die Reise von besonderem Wert. Die «Boring Company», so nennt Elon Musk das Unternehmen, interviewte einige von ihnen und stellten dabei mögliche Arbeitsverhältnisse in Aussicht. Doch auch für unsere Kommilitonen hatte das Projekt einen hohen Mehrwert, denn bei solch einem wichtigen Projekt mitzuarbeiten ist nicht nur erfüllend, sondern sieht auch auf dem Lebenslauf gut aus.
Am Ende der letzten Woche wurde das Team dann für die harte Arbeit belohnt. Joel erklärte uns, dass das Team auf den SpaceX Innovation Award besonders stolz ist, da dieser ihre ausserordentlichen Bemühungen, die gesamten Linearmotoren des «Pods» herzustellen, anerkennt. Und Stefan ist zuversichtlich, dass genau dieses Zusatzengagement die Chancen des «Swissloop»-Teams auf den ersten Platz im nächsten Jahr erheblich vergrössern. Trotz des unglaublichen Zeitaufwands sind Joel und Stefan sich einig, dass sich das Projekt gelohnt hat und dieser Eindruck wurde ihnen auch von Seiten der HSG vermittelt. So wurde es den beiden ermöglicht, Kurse zu verschieben und Swissloop Campus ausserdem erhielten sie jede Menge motivierenden Zuspruch. Stolz kann die HSG allemal sein auf die Leistung ihrer Eigenen, nicht zuletzt, da es das HSG-Logo auf dem «Pod» nach Los Angeles geschafft hat.
Eine Technologie mit Zukunft
Zuletzt wollten wir noch wissen, ob der Wettbewerb und das Konzept des «Hyperloops» eine Zukunft hat. Die beiden sind sich einig: auf jeden Fall! Stefan erklärt nochmals den ungemeinen Wert, den diese Art von Wettbewerb für alle Beteiligten hat. Die Studierenden erfahren, was es bedeutet, an so einem Projekt zu arbeiten. Die Firmen profitieren von den frischen Ideen der jungen brillanten Köpfe und die Welt ist einer umweltschonenden Technologie einen grossen Schritt näher. Bezüglich der Zukunft des «Hyperloops» beteuert Joel optimistisch, dass es hier nur eine Frage der Zeit ist, bis es möglich wird, die Technologie zu bauen. Denn das Team durfte in Los Angeles schon erste Prototypen von Tunnels bestaunen, die durch automatisierte Techniken gebaut wurden. Sobald dieser Aspekt ausgefeilt ist, kann es nicht mehr lange dauern, bis ein «Hyperloop» im echten Leben gefahren werden kann.
Stefan und Joel freuen sich, in den kommenden Jahren dem «Swissloop» Team als «Swissloop» Alumni beizustehen und wir sind gespannt, welche unserer Kommilitonen ihre Nachfolger sein werden.