Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03641.jsonl.gz/1994

Titelverteidiger Novak Djokovic scheitert am French Open im Viertelfinal – und zwar deutlich. Der Serbe verliert gegen den aufstrebenden Österreicher Dominic Thiem in drei Sätzen 6:7, 3:6, 0:6. Wie weiter jetzt?
Es war eine Niederlage mit Ansage für Novak Djokovic. Der Serbe hatte weder in der ersten Hälfte dieses Jahres noch in den ersten Matches in Paris überzeugt. Dass er dann aber gegen den 23-jährigen Niederösterreicher Thiem gleich so untergehen würde, überraschte dann doch.
Nach dem umstrittenen ersten Satz, in dem der Weltranglisten-Siebte Thiem beim Stand von 4:5 bei eigenem Aufschlag zwei Satzbälle abgewehrt hatte, brach Djokovic völlig ein. Im letzten Durchgang gewann er gerade noch acht Punkte. Dabei machte er einen geradezu rat- und teilnahmslosen Eindruck.
«Es ist hart, diesen dritten Satz zu kommentieren», suchte Djokovic nach Worten. «Nichts lief für mich.» Eine Vorentscheidung sei am Ende des ersten Satzes gefallen, als Thiem das Tiebreak gewann und Djokovic anschliessend gleich den Aufschlag abnahm.
Seit er vor einem Jahr nach seinem ersten French-Open-Sieg auf dem absoluten Höhepunkt stand und alle vier Grand-Slam-Titel hielt, passte bei Djokovic nicht mehr viel zusammen. Er gewann noch zwei (kleinere) Turniere und scheiterte in Wimbledon (3. Runde gegen Sam Querrey), an den Olympischen Spielen (1. Runde gegen Juan Martin Del Potro), am Australian Open (2. Runde gegen Denis Istomin) wie nun in Paris frühzeitig. Am US Open verlor er den Final gegen Stan Wawrinka. Am kommenden Montag wird er in der Weltrangliste auf Platz 3 oder 4 zurückfallen.
Djokovic ist sich im Unklaren, wie es weitergehen soll. Vor dem Start und in der ersten Woche des French Open liess er sich vom amerikanischen Superstar Andre Agassi beraten, mit dem er auch in Wimbledon wieder zusammenarbeiten wolle, wie er zunächst bekräftigte. Ein paar Minuten später schloss der 30-jährige Serbe aber auch eine längere Pause zumindest nicht aus. «Es ist für mich eine neue Situation», gab er zu. «Wir werden sehen. Ich habe mir in den letzten zwei Monaten viele Gedanken zu meiner Situation gemacht und muss schauen, wie ich mich nach dem French Open fühle.»
Djokovic trennte sich Ende des letzten Jahres zunächst von Boris Becker, vor einem Monat entliess er auch seinen restlichen Betreuerstab. Nun ist er auf der Suche nach einem neuen Vollzeitcoach – vor allem aber auf der Suche nach seinem inneren Feuer, das ihn bis vor kurzem ausgezeichnet hatte. Djokovic schliesst auch das Gegenteil einer Pause nicht aus. «Es kann sein, dass ich vor Wimbledon noch ein Vorbereitungsturnier auf Rasen einschiebe.» Eine klare Vision der Zukunft anders aus.
Dominic Thiem hingegen zeigte in seinem zweiten Grand-Slam-Viertelfinal eine nahezu perfekte Leistung. In den ersten fünf Partien gegen Djokovic hatte Thiem nur einmal einen Satz gewonnen, in Rom war er vor zwei Wochen mit 1:6, 0:6 deklassiert worden.
Dass er den Serben nun als letzten der Topspieler erstmals bezwingen konnte, bezeichnete er als «nettes Nebengeräusch». In erster Linie freue er sich, wie im Vorjahr im Halbfinal zu stehen. Er bezwang erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier einen Top-10-Spieler.
Vor dem möglichen ersten grossen Final wird die Hürde noch höher. Thiem trifft am Freitag zum dritten Mal in diesem Jahr auf Rafael Nadal. In den Finals in Barcelona und Madrid unterlag er dem Spanier, in Rom gewann er im Viertelfinals erstmals.
Dem neunfachen Champion wird am diesjährigen Turnier regelrecht der rote Teppich ausgerollt. Im Viertelfinal gab Gegner Pablo Carreño Busta wegen einer Verletzung des Bauchmuskels nach 51 Minuten auf. Topfavorit Nadal, der Djokovic in der Weltrangliste überholen wird, brauchte damit für die fünf Spiele bis zum Halbfinal nicht einmal acht Stunden. Er gab dabei 22 Games ab, so wenige wie noch nie bei einem Grand-Slam-Turnier auf dem Weg in den Halbfinal. Sein bisheriger Rekord waren 25 im Jahr 2008, ebenfalls am French Open. (pre/sda)