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Nach einer Nordamerikareise entschied Volvo Firmengründer Assar Gabrielsson, einen Sportwagen nur für den Export zu bauen. Woran lag es, dass beim atemberaubenden Volvo Sport nach nur 68 Einheiten Schluss war?
Es war vor rund 70 Jahren, als der Volvo Firmengründer Assar Gabrielsson in die USA reiste. Sein Ziel war es, den Überseemarkt kennenzulernen. Der Volvo Geschäftsführer stellte fest, dass es in Nordamerika ein grosses Interesse an kleinen, europäischen Sportwagen gab. Es kristallisierte sich immer mehr heraus, dass Volvo ebenfalls die Absicht hatte, mit einem solchen Nischen-Modell in den transatlantischen Markt einzutreten.
Fiberglas statt Blech
Bereits anfangs der 1950er-Jahren beschäftigte sich Volvo mit neuen Materialien. Besonders der leichte und dennoch widerstandsfähige Werkstoff Fiberglas faszinierte Gabrielsson. Aus diesem Grund besuchte er in Kalifornien die Firma Glasspar, die mit Fiberglas Bootsrümpfe und Karosserien für Sportwagen fertigte.
1953 bekam die kalifornische Firma den Auftrag, eine Karosserie für einen Sportwagen zu entwerfen und den ersten Prototypen – interne Bezeichnung P1900 – zu bauen. Zusätzlich sollten Volvo Mitarbeiter aus Göteborg in der Konstruktion und Herstellung von Fiberglaskarosserien geschult werden. In Göteborg wurde ein Rahmen-Chassis für das neue Modell entwickelt. Die Technologie lieh man sich vom Volvo PV 444 und pumpte den 1,4-Liter-Motor mit zwei Vergasern auf 70 PS hoch. Damit sollte der Volvo Sport eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 155 km/h erzielen.
Unter Hochdruck entwickelt
Bereits ein Jahr nach Auftragserteilung stellte Glasspar den ersten fahrbaren Prototypen vor. Allerdings war man in Göteborg vom Resultat enttäuscht. Nach kritischen Tests stellte man fest: Der Kunststoff war brüchig, das Fahrwerk schwach, die Schaltung zu wenig sportlich und es fehlten sowohl das Verdeck als auch die Seitenfenster. Unter Hochdruck wurden Verbesserungen vorgenommen, so dass die beiden nachfolgenden Prototypen guten Gewissens dem Publikum präsentiert werden konnten. Design und Konzept kamen gut an bei der Roadshow durch Schweden. Doch das sollte nicht der Markt für den Volvo Sport sein: Die erste Serie von 300 Autos war ausschliesslich dem Export vorbehalten. Im Frühjahr 1956 wurden die ersten Volvo Sport nach Südafrika, Brasilien, Marokko und in die USA ausgeliefert.
Schleppender Verkauf
Nachdem sich zeigte, dass der Absatz in Übersee nur schleppend lief, überdachte man das Konzept des reinen Exports. Mehr Zeit wollte der neue Geschäftsführer Gunnar Engellau dem P1900 auch nicht geben. Dies, nachdem er den Volvo Sport ein Wochenende lang selbst gefahren hatte. Er beschloss, die Produktion des Volvo P1900 sofort einzustellen, weil das Kunststoff-Auto nicht den Qualitätsanforderungen von Volvo entsprach.
Insgesamt wurden nur 67 Exemplare des Volvo Sport produziert. Eigentlich waren es 68 Stück. Wie man später feststellte, bekamen zwei Autos versehentlich die gleiche Fahrgestellnummer 20. Trotz der vermeintlichen Qualitätsmängel existieren noch die meisten produzierten Volvo Sport – von rund 50 ist der Verbleib bekannt.
Stahl statt Fiberglas
Der Traum vom Volvo Sportwagen sollte nicht platzen, sondern nur vertagt werden. Kurz nach dem Produktionsstopp des Volvo Sport gab Geschäftsführer Gunnar Engellau einen neuen Sportwagen in Auftrag – aus Stahl. Vier Jahre kam der Volvo P1800 auf den Markt. Der Rest ist Geschichte.