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||Der Urbansbrunnen

Blumenrain
Tram 11 - Universitätsspital / Bus 34,36 und 38 - Universitätsspital
Eine damalige Liegenschaft zwischen Spiegel- und Petersgasse wie wir sie heute kennen, gehörte der im 12.Jh gegründeten Zisterzienserabtei St.Urban im Kanton Luzern. Als 1448 jenseits des heutigen Blumenrains beim Haus "zum Lauffenburg" ein Brunnen errichtet wurde, benannte man ihn nach dem Heiligen Urban. Allerdings war lange strittig welcher Urban gemeint sei. Man mutmasste dass es Papst Urban I. sei, der den Heiligen Stuhl von 222 bis 230 inne hatte.
Der Urbansbrunnen beim Haus zum Lauffenburg am Blumenrain mit seinem Brunnentrog von 1874 und der Kopie der Urbansstatue von 1911.
Diesen habe man gegeisselt, in einen Turm gesperrt und schliesslich enthauptet, womit er zum Märtyrer geworden sei. Allerdings kommen die Geschichten über angebliche Wundertaten und den Tod des Papstes Urban I. wenig glaubwürdig daher. Lediglich sein Pontifikat ist gesichert. Der Tag von Urbans Ableben wurde zum Namenstag des Heiligen der jeweils am 25. Mai begangen wird - also mitten in der für den Weinbau wichtigen Blütezeit der Reben.
Der legendenumwitterte Papst Urban I. ist unter anderem Patron gegen Gicht, Frost, Gewitter und Blitzschlag. Schutzpatron der Winzer, Küfer, Weinberge und des Weines wurde er eigentlich nur aus Versehen. Man verwechselte den Pontifex mit einem Bischof, dem Heiligen Urban von Langres, der in der zweiten Hälfte des 4.Jh Bischof von Langres und Autun war. Und schon wieder wird es kompliziert, denn es geistern mehrere Legenden um ihn herum.
Legenden um den Brunnenheiligen
Die eine besagt, er sei um 375 verblichen und habe sich einst auf der Flucht vor übelmögenden Verfolgern in einem Weinberg hinter einer Rebe erfolgreich versteckt, was ihn zum Schutzpatron von Winzern und Weinbergen inklusive der Rebe als Attribut gemacht habe. Eine andere sagt er sei um 450 gestorben und habe die göttliche Gabe gehabt über den Regen zu gebieten. Folglich versprachen sich die Weinbauern einen gewissen Nutzen von ihm als Schutzpatron.
Papst wie Bischof treten uns am Blumenrain in einer Gestalt entgegen. Zwar weit die Tiara auf dem Kopf diesen Urban als Papst aus, aber die Traube in der Hand ist eigentlich das Attribut des Bischofs. Die erste Urbanstatue aus rotem Sandstein auf dem Brunnstock hatte nicht lange Bestand gehabt zu haben, denn zu Beginn des 16.Jh musste sie ersetzt werden. Dabei gab man dem Brunnenheiligen auch gleich einen neuen Säulekopf im Renaissancestil.
Die kopierte Renaissancesäule mit Urbansskultur von 1911. Der Heilige trägt einen goldenen Mantel und eine Tiara aus Gold. Das linke Bild zeigt die Rückseite des Trogs von 1874 mit Sudeltrog und ihn flankierende Fegsteine.
In Basel fühlten sich die Zunftgenossen der Weinleute und der Rebleute der Heiligen Urban nahe. Noch heute steht ein Standbild Urbans in der Stube der E.E. Zunft zu Rebleuten. E.E. Zunft zu Weinleuten verewigte den Patron um 1500 auf dem sogenannten Urbanbanner, welches den Heiligen mit goldener Tiara und rotem Mantel inmitten rankender Reben zeigt, eine Traube in seiner rechten und einen Doppelkreuzstab in seiner linken Hand.
Der Brunnen der ursprünglich sicher einen Holztrog hatte, und erst später mit einem achteckigen steinernen Trog versehen wurde, war bis in die zweite Hälfte des 19.Jh stark heruntergekommen. Im Jahr 1873 wurde der Brunnen daher saniert. Dabei bekam er einen rechteckigen Trog der schlichter als sein Vorgänger einher kam. Länger als der Brunnen blieb St.Urban mit seiner Säule am Blumenrain. Erst 1911 schlug seine Stunde.
Im Jahr 1911 verfrachtete man den Heiligen ins Historische Museum um ihn gegen eine Kopie auszutauschen. Als man 1938 den Blumenrain umgestaltete, wurde der Brunnen tiefer gesetzt. Der in den Ruhestand geschickte originale St.Urban war übrigens bis um 1830 Gegenstand eines besonderen Brauchs. Jeweils am 25.Mai, dem Urbanstag, schmückte man seine Tiara mit Blumen und legte ihm eine violette Pallium (eine Art Stola) aus Samt um.
Maibrauch um St.Urban
Man montierte ferner künstliche Arme an der Statue, damit Urban zwei Glas Wein halten konnte. In seiner rechten Hand hielt St.Urban ein Glas mit Rotwein, in die linke gab man ihm ein Glas mit Weisswein. Da einer der heiligen Urbane über den Regen gebieten konnte, hängt die Sache mit den Gläsern vermutlich damit zusammen; denn man sagte dass es ein gutes Weinjahr werde, wenn es am Urbanstag nicht in die beiden Gläser mit Wein hineinregnete.
Um den verschwundenen Brauch neu zu beleben versammelten sich am 25.Mai des Jahres 1952 Vorgesetzte E.E. Zunft zu Weinleuten und zu Rebleuten mit Spiel und Banner vor dem mit Blumen geschmückten St.Urban am Blumenrain. Es wurden Ansprachen gehalten und man ging gemeinsam tafeln. Heute wird der Brunnen am 25. Mai jeweils von Wein- oder Rebleuten feierlich geschmückt, allerdings ohne die beiden Weingläser in den Händen des Heiligen.
Querverweis zum Thema:
>> Basel und seine Wasserversorgung
Beitrag erstellt 15.04.07 / Quellen nachgeordnet 17.06.09
Quellen:
Emil Blum/Theophil Nüesch, Basel Einst und Jetzt, Eine kulturhistorische Heimatkunde (Textband), Verlag Hermann Krüsi, Basel, 1913, Seiten 103
Arthur Burger, Brunnengeschichte der Stadt Basel, herausgegeben vom Verkehrsverein Basel, Basel, 1970, Seite 32
Robert Balthasar Christ und Peter Heman, Zauber der Basler Brunnen, Birkhäuser Verlag, Basel, 1967, Beitrag 6
Paul Koelner, Basler Zunftherrlichkeit, Birkhäuser Verlag, Basel, 1942, Seite 73