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Die zahlreichen Schutthänge und Starkniederschläge führen zu vielen Murgängen im SNP.
Ein Murgang, umgangssprachlich auch Mure, Rüfe oder Schlammlawine genannt, ist ein Gemisch aus Wasser, Schlamm und Gesteinsmaterial, welches der Schwerkraft folgend talabwärts strömt. Im Gebirge geschehen Murgänge häufig in steilem Gelände, wo viel Schutt und Geröll vorhanden ist. Durch Starkniederschläge wird dieses Material in Bewegung gebracht. Murgänge können Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h erreichen und haben mit ihren vielen Steinen und Blöcken ein enormes Zerstörungspotenzial.
Murgänge kommen im Gebiet des Schweizerischen Nationalparks (SNP) häufig vor. Die Geologie führt dazu, dass der SNP «reich an Steinen» ist. Der Dolomit, das Hauptgestein dieses Gebiets, ist sehr spröde und zerbricht leicht. An den riesigen Schutthalden unterhalb der Berge lässt sich dies gut erkennen. Werden diese Schutthalden oder schuttgefüllte Felsrinnen mit Wasser gesättigt, beginnt das Wasser-Schuttgemisch an steilen Hängen zu fliessen. Meist fliesst es in vorhandenen Rinnen, so beispielsweise in der Val dal Botsch oder der Val da Stabelchod entlang der Bachrinnen, oder in den bereits vorhandenen Murgangrinnen im Talkessel der Val Trupchun. Zum Stillstand kommen Murgänge oft erst in flacheren Bereichen der Täler. Das abgelagerte Material umfasst feinkörnigen Sand bis zu groben Blöcken. Gerade in den natürlich fliessenden Bächen des Nationalparks lassen sich die immer wiederkehrenden Murgangereignisse anhand des vielen Schuttes und der Einkerbungen sehr gut erkennen.
Eindrücklich zu sehen war dieser Prozess sowie seine Folgen am 23. August 2018 im Gebiet Margunet. Ein gewaltiger Murgang hat in der Val Stabelchod Brücken mitgerissen und Wanderwege zerstört. Die Flussrinne wurde tief eingekerbt und der mitgetragene Schutt hat sich auch auf dem Rastplatz Val da Stabelchod abgelagert. Die Ofenpassstrasse wurde teilweise überflutet und es haben sich südlich unterhalb der Passstrasse zwei neue Seen aufgestaut.
Die Val da Stabelchod nach dem Murgang vom 23. August 2018
Murgangrinngen in der hinteren Val da Stabelchod. Hier waren ganze Hänge in Bewegung.
Murgänge gehören im SNP zu den ausgesprochen dynamischen Prozessen, welche die Landschaft immer wieder aufs Neue prägen. Sie sind Zeugen der gewaltigen Kraft, welche die Natur entfalten kann, und der sich kein Mensch entgegenstellen kann. Zu Beobachten, wie sich in aufgeschütteten Gebieten neue Vegetation bildet, oder wie einzelne Bäume solche Ereignisse überdauern können, ist in diesem Gebiet von besonderem Interesse. Ein «Aufräumen» nach einem Murgang gibt es genau so wenig wie ein «Schaden» durch Murgänge – es handelt sich um natürliche, die Landschaft formende Prozesse. Lediglich dort, wo der Schutz der Wanderer nicht mehr gewährleistet ist resp. dort, wo ein Weg nach einem Murgang nicht mehr gut passierbar geworden ist, greifen wir ein. Hier wird die Sicherheit unserer Besucher – und damit das Ziel «informieren» – über den vollständigen Prozessschutz gestellt.