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Göteborg ist eine Eishockeystadt. Kaum einer weiss das so gut wie Martin Plüss. Der SCB-Stürmer und Bruder des ehemaligen Gottéron-Spielers Benjamin Plüss trug von 2004 bis 2008 vier Saisons lang das Trikot von Frölunda Göteborg. 2005 wurde er mit dem nach einem Stadtteil der Hafenstadt benannten Club schwedischer Meister. «Zu meiner Zeit war das Stadion mit 12 044 Zuschauern bis auf wenige Ausnahmen immer ausverkauft», erinnert sich Martin Plüss. «Und als wir Meister wurden, kamen 35 000 Menschen an unseren Umzug.»
Dominatoren der SHL
Der nächste Titel liess danach ein Weilchen auf sich warten. Letztes Jahr kamen dann allerdings gleich zwei dazu. Frölunda gewann sowohl die schwedische Meisterschaft (SHL) als auch die Champions Hockey League. Das Team aus der zweitgrössten Stadt Schwedens hat sich zu einem regelrechten Monster entwickelt. In der schwedischen Liga hat Frölunda 25 seiner 34 Spiele gewonnen und führt die Tabelle mit zwölf Punkten Vorsprung auf das zweitklassierte Växjö deutlich an. In der Champions Hockey League hat Göteborg nach gemächlichem Start seine Gegner zuletzt regelrecht überrannt. Im Achtelfinal lautete das Gesamtskore aus den beiden Spielen gegen die Eisbären Berlin 10:2, im Viertelfinal gegen das schwedische Linköping, das in der Runde zuvor immerhin den HC Davos ausgeschaltet hatte, 9:2. «Sie spielen attraktives Eishockey, intensiv, konstruktiv, schnell. Sie laufen sehr viel und machen daher die Räume sehr eng», sagt Plüss nicht ohne Bewunderung über sein Ex-Team. «Tempo, Puckkontrolle und Pressing» sei stets der Gameplan der Mannschaft, sagt auch Frölundas Medienchef Peter Pettersson Kymmer.
Jedes Jahr werden drei bis fünf Junioren integriert
Das Beeindruckende: Frölunda Göteborg, das rund 140 Millionen schwedische Kronen (15,7 Millionen Schweizer Franken) umsetzt, ist keineswegs ein Starensemble. Klar, Captain Joel Lundqvist ist nicht nur bekannt dafür, der Zwillingsbruder des NHL-Weltklassegoalies Henrik Lundqvist zu sein, der Center hat sich auch selbst einen Namen gemacht, etwa indem er zweimal Weltmeister wurde. Natürlich, mit Johan Sundström und Simon Hjalmarsson stehen weitere Weltmeister im Team. Und dennoch: So richtig obenaus schwingt keiner. So reichen Verteidiger Henrik Tömmernes auch bereits 30 Punkte aus 34 Spielen, um in der Meisterschaft Topskorer des Teams zu sein. Der beste ausländische Skorer, der Amerikaner Casey Wellman, hat lediglich 19 Punkte auf dem Konto. In seiner Karriere hat er es gerade einmal auf 54 NHL-Spiele geschafft.
Auffällig sind bei Frölunda aber vor allem zwei Dinge: die Ausgeglichenheit des Kaders und die Jugendlichkeit. «Frölunda hat sehr viele talentierte junge Spieler. Der Club ist seit rund drei Jahren wieder sehr stark und erfolgreich mit der Ausbildung und Weiterentwicklung vor allem von jungen Spielern», sagt Martin Plüss. Das Durchschnittsalter des Teams liegt bei unter 24 Jahren. Zum Vergleich: Bei Gottéron liegt es bei 27,5. Vier Frölunda-Cracks spielten letzte Woche mit Schweden an der U20-WM. Das ebenfalls aus dem eigenen Nachwuchs stammende finnische Supertalent Kristian Vesalainen kam letzte Saison bereits als 16-Jähriger auf 24 Einsätze für Frölundas Fanionteam.
Das alles ist kein Zufall. In Göteborg setzt und vertraut man auf die Jugend. Die Juniorenakademie hat bereits zehn nationale Titel geholt, so viele wie kein anderes Team in Schweden. «Es ist die Strategie des Clubs, junge Talente weiterzuentwickeln», sagt Peter Pettersson Kymmer. «Zur Philosophie Frölundas gehört deshalb, dass mindestens 50 Prozent der Spieler im Team aus der eigenen Akademie stammen. Jedes Jahr sollen drei bis fünf Junioren den Schritt in die erste Mannschaft schaffen.»
Mattias Ritolas Lob
Einer, der zwei Jahre in Frölundas Akademie gespielt hat, ist Gottéron-Stürmer Mattias Ritola. Von 2003 bis 2005 trug er das Trikot der Elite-Junioren des Clubs. «Es ist wirklich eine tolle Organisation für junge Spieler. Der Club kümmert sich sehr gut und behutsam um die Kinder und Jugendlichen.» Dass das Team auf viele im eigenen Verein ausgebildete Spieler setze, erlaube es dem Club, eine klare, eigene Spielphilosophie zu entwickeln. «Speed» ist das erste Wort, das Ritola in den Sinn kommt, wenn er an die Spielphilosophie von Frölunda denkt. «Jeder Block kann das Tempo hochhalten. Viele Spieler sind zudem technisch sehr versiert.»
9300 Zuschauer im Schnitt
Die starke Jugendarbeit fördert gleichzeitig die Identifikation der Fans mit dem Club. Dementsprechend hoch ist der Zuschauerschnitt mit 9300 bei Heimspielen auch in dieser Saison. So steigt der schwedische Koloss, der so vieles richtig zu machen scheint, gegen Gottéron, das zuletzt so vieles falsch gemacht hat, als klarer Favorit in den Halbfinal. «Ich denke, Frölunda ist die beste Mannschaft der vier Halbfinalisten und momentan in einer sehr guten Form. Es wird für Gottéron eine grosse Herausforderung», sagt Martin Plüss, der das Eishockey in Schweden als grundsätzlich taktischer und strukturierter einschätzt als in der Schweiz. Bereits letzte Saison kam es im Halbfinal zu einem Duell zwischen der schwedischen SHL und der Schweizer NLA. Nach Frölundas 5:0-Sieg in Davos war das Duell bereits nach dem Hinspiel entschieden. Das wird Gottéron zu verhindern versuchen. «Gottéron muss effizient und läuferisch gut sein. Vor allem aber müssen die Freiburger die Intensität von Frölunda über 60 Minuten mitgehen können», so Plüss.
«Zur Philosophie des Clubs gehört, dass mindestens 50 Prozent der Spieler aus der eigenen Akademie stammen.»
Peter Pettersson Kymmer
Medienchef von Frölunda
«Sie spielen attraktives Eishockey, intensiv, konstruktiv, schnell.»
Martin Plüss
Ehemaliger Frölunda-Stürmer