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→ ORTSSPEZIFISCHE PERMANENTE INSTALLATIONEN
Monika Sosnowska
Stairs (2016 – 2017)
Beim Eintreten in den früheren Kühlturm der neuen Brauerei fällt der Blick zuerst auf eine schwarze, wuchtige Form, die von der Decke herabhängt wie eine Schlange, die sich an den Wänden entlang räkelt und ihren Kopf um eine Stahlaufhängung unter dem Dach wickelt. Stairs (2016–17), eine massive, dekonstruierte Treppe, die fast eine Tonne wiegt und 14 Meter hoch über alle vier Stockwerke reicht, ist die erste ortsspezifische Installation für MUZEUM SUSCH, die von der Künstlerin Monika Sosnowska entworfen wurde.
Seit über 15 Jahren erforscht Sosnowska, was im Grunde eine osteuropäische Variante der architektonischen Moderne ist – in Werken, die entweder auf existierende Strukturen anspielen oder direkt auf diese Bezug nehmen. Ihre Position ist jedoch frei von Nostalgie. Stattdessen zieht es sie zu Fehlern, Störungen und Mängeln und sie setzt diese ein, um die grundlegenden Prinzipien der Moderne wie Funktion, Stabilität und Geometrie in Frage zu stellen.
Beispielsweise M10 (2004), ein Labyrinth von engen, mit Türen verbundenen Räumen, war ein Kommentar zu der in Polen bis an die Grenzen getriebenen, zentralisierten Planung, die der modernistischen Utopie von breit zugänglichem, erschwinglichem Wohnraum einen Realitätscheck lieferte. Das Klassifizierungssystem in der Wohnungswirtschaft basierte auf einer Anzahl von Räumen (M) statt auf tatsächlicher Größe, was bedeutete, dass eine typische Zwei-Zimmer-Wohnung leicht in kleinere Elemente unterteilt werden konnte und somit zu einer M4 wurde. In Sosnowskas Werk tragen die klaustrophobischen Kabinen stolz den Namen einer Zehn-Zimmer-Einheit.
Unabhängig von ihrer Grösse sind Sosnowskas Arbeiten in der Regel immersiv und beziehen sich auf den Raum, den Massstab und die Präsenz des Betrachters. Für die polnische Präsentation auf der 52. Biennale in Venedig (1:1, 2007) stellte die Künstlerin einen massiven Stahlrahmen in den von Brenno Del Giudice entworfenen Art-Deco-Pavillon. Die Arbeit, basierend auf existierenden architektonischen Modellen, die in den 60er und 70er Jahren für kommerzielle Gebäude in Polen verwendet wurden, war bewusst in einem Umfang kalkuliert, der die Kapazität des Pavillons übertraf und sie wurde anschliessend komprimiert, um in den Ausstellungsraum zu passen. Der daraus resultierende, verdrehte und verzogene schwarze Rahmen erweckte den Eindruck eines missgebildeten Parasiten, der in seinem Wirt wuchs, ohne klare Hinweise darauf, ob er sich an seine Grenzen anpassen oder schliesslich aus dem Pavillon ausbrechen würde. In Warschau, von Arbeitern des inzwischen aufgelösten Staatsbetriebes hergestellt, die mit der Herstellung von Fertigbauteilen in der Wohnungswirtschaft beauftragt waren, war1:1ebenso ein Kommentar über die allgegenwärtige und falsch verstandene Standardisierung vergangener Zeiten wie über das gegenwärtige Schicksal dieser vergangenen Architektur.
Der Bestand an Materialien und Motiven, die in Sosnowskas Arbeiten immer wieder auftauchen - mit Stahl, Betonstahl und Beton, der sich in Form von Tragwerken, Handläufen, Feuerleitern oder Treppen materialisiert - lässt sich auf eine bestimmte Geografie und Periode zurückführen. Kern ihrer Praxis sind Gesten der Deformation und der Verschiebung, die diese Elemente über ihren ursprünglichen Kontext hinaus in den Bereich des Unheimlichen oder Psychedelischen führen: Oft scheinen sie ihre Funktion zusammen mit den Gesetzen der Physik zu verlassen.
Sosnowska’s Stairs(2016-17) mit ihren schwarzen rechteckigen Platten, die an dünnen, von der Decke herabhängenden Streifen befestigt sind, verraten nicht sofort die ursprüngliche Funktion. Fast unkenntlich gemacht und wie ein Band an den Wänden befestigt, kann es weniger als unpraktischer Durchgang gelesen werden, sondern als ein Mittelpunkt für die Mischung aus lokaler Architektur, traditioneller Handwerkskunst und neuer Technik, ein verzogenes Rückgrat, das die labyrinthischen und vielfältigen Räume des Hauptgebäude des Museums zusammenhält.