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→ DISPUTAZIUNS
SUSCH
2019
Die Zauberer vom Berg
Im Frühjahr 1929, kurz vor der großen Depression und dem bevorstehenden großen Crash, findet in Davos die Cassirer-Heidegger-Debatte statt; Ernst Cassirer argumentiert für eine breitere Auffassung von Menschlichkeit, sein Gegenüber ist Martin Heidegger und dessen Relativismus. Die Suche nach einer universellen Wahrheit treibt eine „kontinentale Kluft” (Peter E. Gordon) oder führt an eine „Weggabelung der Philosophie” (Henning Ritter), die zukünftig bestimmende philosophische Debatten bereits vorwegnimmt.
90 Jahre danach, in Susch, 40 Minuten von Davos entfernt, wieder in Zeiten der Orientierungslosigkeit, der Desillusionierung und mit radikalen Bewegungen auf dem Vormarsch, wiederholen wir die Frage, die die historische Debatte leitete: Kann die Kritik der Vernunft zu einer Kritik der Kultur erwachsen? Was ist der Mensch?
Von diesem Punkt aus wollen wir jedoch nicht in die Falle einer „Retrotopia” (Zygmunt Bauman) geraten und die Goldenen Zwanziger des letzten Jahrhunderts als legendäre Zeit des produktiven Nachdenkens, Talents und Wagemuts interpretieren. Vielmehr ist uns bewusst, dass wir im Jahr 2019 über die Gegenwart reden, jetzt und in Zukunft - immer von den Dichtern daran erinnert, dass die Gegenwart nur eine Momentaufnahme ist: „heute ist morgen schon gestern” (Masha Kaleko).
Um singuläre Konsolidierungen sowohl wissenschaftlicher, wirtschaftlicher wie auch politischer Prozesse zu diskutieren, bringen wir Gelehrte und Künstler*innen, Philosoph*innen und Autor*innen, Denker*innen zusammen, die Fragen stellen und solche beantworten, die die Möglichkeit universeller Wahrheiten umkreisen im Gegensatz zu einer relativen Auffassung von menschlicher Zeitlichkeit und Endlichkeit, Fragen zu rationalem Denken und der Vorstellung vom Menschen als „symbolischem Tier”, das ein Universum symbolischer Bedeutungen schafft, gegenüber unserem In-der-Welt-Sein, das die Welt über unser Verhältnis zur Zeit wahrnimmt. Dieses große Thema ist in mehrere spezifischere Diskurse unterteilt, die sich insbesondere auf das Verhältnis von Philosophie, Politik und Kunst beziehen.
Zwischen Cassirers „Ausdrucks-Raum, Darstellungs-Raum, Bedeutungs-Raum” und Heideggers mentalem Angstzustand als zentralem Existenzpunkt sollen vorläufige Erkundungen der Rolle von Geisteswissenschaften und Kunst zu einem Austausch möglicherweise widersprüchlicher, aber sich dabei ergänzender Interpretationen und Erklärungen der Welt führen, in der wir leben.
Mit Dank für die grosszügige Unterstützung: