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Fokus Medizin
Sagt der PSA-Wert zur Lebensmitte das Risiko für tödlichen Prostatakrebs vorher?
BOSTON. Bei bisherigen Screeningstrategien für das Prostatakarzinom ist die Rate an falsch positiven Befunden noch zu hoch.
Eine bessere Detektion behandlungspflichtiger Karzinome könnte die Bestimmung des PSA-Wertes zur Lebensmitte mit anschließendem risikostratifiziertem Screening ermöglichen.
Neuer Ansatz für ein risikostratifiziertes Screening auf behandlungsbedürftige Karzinome
Das Screening mithilfe des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) zur Früherkennung von Prostatakarzinomen bleibt umstritten: Einerseits wird dadurch das Risiko für eine Metastasierung und die Mortalität reduziert, andererseits ist ein generelles PSA-Screening wohl mit einem erheblichen Maß an Überdiagnose und Übertherapie von indolenten Tumoren. Deshalb ist es unklar, ob ein Screening tatsächlich mehr Nutzen als Schaden bringt. Wie lassen sich also mit höherer Spezifität die gefährlichen Prostatatumoren identifizieren?
US-Daten aus großer Kohortenstudie
Eine mögliche Strategie, für die es bereits erste Daten aus Schweden gab, besteht darin, den PSA-Wert in der Lebensmitte zu bestimmen. Denn die Entstehung aggressiverer Karzinome beginnt vermutlich in diesem Alter, weshalb das Risiko hier noch geringer ist, falsch positive Ergebnisse aufgrund einer benignen Prostatahyperplasie zu erhalten. Die schwedischen Forscher haben sich nun mit US-amerikanischen Kollegen zusammengetan, um diese Hypothese zu bestätigen.
In der Physicians’ Health Study waren in den 1980er-Jahren über 22 000 US-amerikanische Ärzte randomisiert worden, entweder Acetylsalicylsäure und β-Caroten oder Placebo zu erhalten. Von zwei Dritteln der Teilnehmer im Alter von damals zwischen 40 und 84 Jahren wurden Blutproben genommen.
Stratifizierung der Teilnehmer nach PSA-Titer zu Beginn
Für 234 Teilnehmer im Alter zwischen 40 und 59 Jahren, bei denen später ein Prostatakarzinom diagnostiziert wurde, sowie für 711 altersgematchte Kontrollen waren PSA-Werte verfügbar, die bei Eintritt in die Studie bestimmt worden waren. Die Daten von 71 der Tumor-Patienten, die an ihrem Karzinom gestorben waren, wurden erneut mit jeweils drei Kontrollen gematcht, um die Korrelationen zwischen Baseline-PSA-Wert und der Krebsmortalität zu errechnen.
Der mediane PSA-Titer zu Beginn stieg mit dem Alter leicht an: Bei den 40- bis 49-jährigen Männern lag er bei 0,68 ng/ml, bei den 50- bis 54-jährigen bei 0,88 ng/ml und bei den 55- bis 59-jährigen bei 0,96 ng/ml. Das Risiko, an einem Prostatakarzinom zu versterben, korrelierte hochgradig mit dem PSA-Wert zur Mitte des Lebens:
- Lag er zwischen dem 40. und dem 49. Lebensjahr oberhalb der 90. Perzentile, so war das Risiko, an einem Prostatakarzinom zu sterben, um den Faktor 8,7 erhöht, im Vergleich zu Patienten mit Werten unterhalb des Medians.
- Waren die Werte zwischen dem 50. und dem 54. Lebensjahr gemessen worden, betrug der Faktor 12,6 und für Messungen zwischen dem 55. und dem 59. Lebensjahr betrug dieser 6,9.
- Die Probanden, für die in den drei Altersklassen PSA-Werte oberhalb des jeweiligen Medians bestimmt worden waren, stellten 82 %, 71 % bzw. 86 % mit späterem Prostatakarzinom mit letalem Ausgang.
Offenbar, so die Autoren, ist ein erhöhter PSA-Wert zur Lebensmitte ein starker Prädiktor, später ein potenziell letales, also behandlungspflichtiges Prostatakarzinom zu entwickeln. Ein einmaliges PSA-Screening zwischen dem 45. und dem 59. Lebensjahr könnte also eine Risikostratifizierung ermöglichen, so Professor Dr. Stacy Loeb, Universität New York, im Editorial: Patienten mit einem PSA-Wert oberhalb des Medians (z.B. 1,0 ng/ml) könnten demnach ein Hochrisikokollektiv darstellen, in dem ein häufigeres Screening gerechtfertigt sein könnte.
Quellen
1. Preston MA et al. J Clin Oncol 2016; 34: 2705–2711
2. Loeb S A.a.O.: 2684–2686