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Accattone
Regie: Pier Paolo Pasolini
Darst.: Franco Citti, Silvana Corsini, Franca Pasut, Paola Guidi, Adriana Asti, Luciano Conti, Roberto Scaringella, Adele Cambria, Adriana Moneta, Giuseppe Ristagno u.a.
Vittorio, von allen nur Accattone (Schmarotzer) genannt, gehört zu einer Clique von Nichtstuern, die von Gelegenheitsdiebstählen leben oder ihre Frauen auf den Strich schicken. Dass es ihm an nichts mangelt, hat er seiner Freundin, der Prostituierten Maddalena, zu verdanken. Als diese wegen einer Falschaussage im Gefängnis landet, beginnen für Accattone harte Zeiten. Er begegnet der unschuldigen Stella, in die er sich verliebt und für die er sein Leben ändern will. Accattone findet eine Stelle bei einem Alteisenhändler, doch die harte Arbeit ist er nicht gewohnt … Pasolini, in Italien längst als Lyriker, Romancier und Drehbuchautor bekannt, gelingt mit seinem ersten Film gleich ein Meisterwerk. In einer Zeit, in der Italien einen beispiellosen Wirtschaftsboom erlebt, die heruntergekommenen, verruchten Vorstädte Roms aber ausgegrenzt und ignoriert werden, gibt Pasolini deren Bewohner:innen, die sich mit Mut, Vitalität und Leidensfähigkeit durchs Leben kämpfen, eine Stimme. Bei seinem Erscheinen verursachte der Film in Italien einen Skandal, viele Kinos weigerten sich, ihn ins Programm aufzunehmen. Dass Pasolini das Elend in den römischen Borgate zeigte, war schon anstössig genug, umso mehr aber die Art, wie er es zeigte: als eine mit der Musik Bachs unterlegte Passionsgeschichte. Karsten Witte schreibt in Die Körper des Ketzers: Pier Paolo Pasolini: «Pasolini respektierte keine Grenzen, er verletzte sie und jene, die sie achteten. Bach zum Barackenmilieu und Dante-Verse im Munde der Vorstadt beschwören nicht die schneidige Enteignung von Kultur, sondern die Aneignung des Anspruchs, wo auch immer: unter Menschenbrüdern zu handeln. Pasolinis Pathos besteht darin, nicht dem pittoresk Vertrauten Bestätigung im Bild zu geben, sondern dem schroff Unvertrauten die aberkannte Achtung wiederzugewinnen.» «Accattone» verfügt bereits über die Qualitäten, die auch Pasolinis spätere Werke auszeichnen: die Wucht der Bilder, die erzählerische Radikalität und die sakrale Inszenierung. In Senses of Cinema bezeichnet es Gino Moliterno als «ein Werk von aussergewöhnlicher künstlerischer und intellektueller Reife. Es gibt nur wenige Regisseure in der Geschichte des Films, die ein solch starkes, berührendes und poetisches Filmdebüt wie dieses hervorgebracht haben».