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Die Puristen unter den Herstellern haben in den 1990er-Jahren mehrheitlich die Klangregler und Balanceregler abgeschafft – getreu dem Motto, dass der analoge Signalweg so kurz wie möglich sein soll. Dadurch wird auf Klangfilter, Potentiometer und andere Komponenten verzichtet. Im Grunde wurde damit aber die praktische Möglichkeit, den Klang an Raum, Hörgeschmack und Unterschiede bei den Aufnahmen anzupassen, der eigenen Inkompetenz geopfert.
Die Verkürzung des Signalwegs durch Verzicht auf Klangregler in einer Vorverstärkerstufe mutet in Relation der vergleichsweise langen Kabelwege und der zahlreichen Kontaktübergänge zwischen den Geräten (einschliesslich der Lautsprecherkabel) grotesk an. Man wollte die negativen Einflüsse der Klangregler – namentlich Phasenprobleme aufgrund der Filtercharakteristika – vermeiden.
Man tat dies, indem man gar nichts tat. Man verzichtete auf eine nützliche Einrichtung, anstatt sie qualitativ zu verbessern. Das könnte man auch als Inkompetenz interpretieren. Gewiss haben analoge Filter ihre Grenzen und ihre Nachteile, und digitale Filter waren im High-End-Audio der 1990er-Jahre verpönt (beziehungsweise man beherrschte die Technologie damals noch nicht).
Die Folgen waren für die Puristen unter den Herstellern zunächst positiv. Die Kunden kauften ihnen die Begründung mit dem Signalweg ab. Die Produkte waren einfacher zu entwickeln und herzustellen, und sie waren damit auch günstiger – allerdings nicht für die Käufer. Diese bezahlten in vielen Fällen sogar mehr für weniger Möglichkeiten.
Aufnahmeseite wurde ignoriert
Die Vorstellung vom Klangpurismus war schon damals verzerrt. Sie bezog sich nur auf die Wiedergabe der Musik. Hätte man die Aufnahmeseite mit in die Überlegungen einbezogen, einschliesslich der vielen Manipulationen, der langen Kabelwege vom Mikrofon über die Mischpulte und Effektgeräte bis zu den Aufnahmegeräten, dann hätte man den Signalweg auf der Wiedergabeseite schon damals ad absurdum führen müssen, wenn er denn so wichtig gewesen wäre.
Um es zu verdeutlichen: Man setzte die auf der Wiedergabeseite plötzlich verpönten Klangregel-Filter und Balanceregler und sonstigen Regler in den Aufnahme-Mischpulten gleich reihenweise hintereinander ein. Vor 1982 wurden fast ausschliesslich Analog-Mischpulte und -Geräte eingesetzt. Man zog quasi eine rote Linie zwischen Aufnahme und Wiedergabe. Viele tun das heute noch und ignorieren somit die Fakten.
Andere bevorzugen puristische Aufnahmekonzepte, von denen natives DSD nur eine Möglichkeit ist.
Dumm ist nur ...
... dass viele Musiker, die man hören wollte und will, keine Qualitätsmassstäbe bei ihren Aufnahmen anwenden. Sie überlassen das ihren Produzenten und den Tontechnikern. Die Folge für puristisch-audiophile Musikhörer ist zwangsläufig, Musik von Interpreten zu hören, die sich einer puristischen Aufnahmetechnik verschworen haben, oder solche, die einfach gute Aufnahmen gemacht haben.
Das führt zu einem recht einseitigen Repertoire, wie ich selbst feststellen musste – und darum kümmert es mich heute nicht mehr.
Keine Besserung in Sicht?
Nicht wirklich. Mancher Musikhörer, der sich nach 30 Jahren wieder einmal eine HiFi-Anlage kaufen möchte, die etwas taugt, sucht die Regler vergebens. Selbst die immer digitalere Wiedergabekette unserer Zeit geht mit dem Thema noch stiefmütterlich um. Allerdings mit Ausnahmen, die ein wenig Hoffnung machen.