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Die Iren müssen innerhalb der EU am meisten für das tägliche Brot, den Whisky und die Zigaretten ausgeben, 2,6-mal so viel wie die Polen. Das zeigt eine Erhebung des Statistischen Amtes der Europäischen Gemeinschaften (Eurostat). Es hat die Preise von 450 Nahrungs- und Genussmitteln in der erweiterten EU, den Beitrittskandidaten Bulgarien und Rumänien sowie in Norwegen, Island und der Schweiz untersucht. Grob lässt sich die Streuung innerhalb Europas geografisch einordnen: In südlichen und östlichen Länder sind Essen und Trinken tendenziell billiger als im EU-Schnitt, in den mittel- und nordeuropäischen Mitgliedern ausnahmslos teurer. Ferner ist das Preisniveau in den meisten neuen EU-Staaten niedriger als im EU-Mittel, wobei die Spanne der Indizes von 55 in Polen bis zu 106 in Zypern reicht.
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Streuung von 49 bis 172
Die insgesamt 30 untersuchten Staaten teilt die Agentur Agra Europe in vier Gruppen ein. Zur ersten Gruppe gehören Norwegen, Island, Irland, die Schweiz, Dänemark, Finnland, Schweden und Grossbritannien. Dort liegen die Lebensmittelpreise um mehr als 20 Prozent über dem EU-Schnitt. Zwischen 100 und 120 Prozent des EU-Mittels sind es in Frankreich, Italien, Österreich, Zypern, Belgien, Deutschland, den Niederlanden und Luxemburg. Die Portugiesen, Griechen, Malteser, Slowenen und Spanier bezahlen zwischen 80 und 100 Prozent des EU-Schnittes. Noch weniger kostet der Korb repräsentativer Nahrungs- und Genussmittel in Estland, Ungarn, Tschechien, Litauen, der Slowakei, Lettland, Polen, Rumänien und Bulgarien. Die beiden Beitrittskandidaten haben die billigsten Lebensmittel mit Preisindizes von 50 respektive 49.
Am grössten sind die Preisunterschiede bei Tabakwaren. Aber auch bei alkoholischen Getränken sind die Differenzen beträchtlich. In beiden Bereichen existieren sehr unterschiedliche nationale Bestimmungen. Die Preise für Zigaretten, Zigarren und alkoholische Getränke liegen in der Schweiz knapp über beziehungsweise unter dem europäischen Niveau, während in Norwegen die Indizes bei 232 respektive 250 liegen. Deshalb ist der Gesamtwarenkorb in Norwegen und Island deutlich, in Irland leicht teurer als in der Schweiz. In Dänemark ist das Preisniveau mit einem Index von 139 genau gleich wie in der Schweiz.
Wird der Vergleich auf Nahrungsmittel beschränkt, reduziert sich die Spannbreite. Norwegen und Island zeigen noch Indizes von 155, während der Index für die Schweiz 158 beträgt. Das ist der Höchstwert und vor allem deutlich höher als die Indizes der Nachbarländer, die zwischen 107 und 115 liegen.
Unterschiede bei einzelnen Produkten
Grosse Unterschiede fanden die Luxemburger Statistiker nicht nur beim Gesamtwarenkorb in den einzelnen Ländern, sondern auch zwischen den einzelnen Produktgruppen. Obwohl das Preisniveau in Österreich praktisch gleich ist wie in Deutschland, bezahlen die Österreicher deutlich mehr für Brot, Öle und Zucker, können dagegen bei Fisch und Getränken sparen.
Auch beim Vergleich des Schweizer und des EU-Preisniveau stechen Unterschiede zwischen den Produktgruppen ins Auge. Am grössten ist die Differenz bei Fleisch: Der Schweizer Index liegt bei 215, knapp fünfmal höher als in billigsten Land Rumänien. In Frankreich beträgt er 124, in Österreich 123, in Deutschland 117.
Schweizer essen billig
Obwohl in der Schweiz Brot, Milch und Fleisch sowie Gemüse und Früchte mehr kosten als in den Nachbarländern, müssen Herr und Frau Schweizer gemessen an ihren Gesamtausgaben fürs tägliche Brot nicht tief ins Portemonnaie greifen. Seit zehn Jahren reichen knapp zehn Prozent des Budgets, Steuern eingeschlossen, für Essen und Trinken zu Hause, 734 Franken pro Monat im Jahr 2000. Für Restaurants und Hotels gaben Frau und Herr Schweizer 495 Franken pro Monat aus.
Gemäss einer aktuellen Erhebung des Freiburger Öko-Instituts gaben die Deutschen im Jahr 2000 durchschnittlich 634 Euro (gut 1,000 Franken) aus für ernährungsrelevante Produkte, das entspricht 16 Prozent des privaten Konsums, also ohne Steuern. Ausserdem sind die Ausserhausverpflegung und die Kosten für Küche und Kücheneinrichtung einbezogen. Letztere betragen ein Drittel. Bleibt fürs Essen rund 660 Franken.
Dabei geben die Deutschen im EU-Vergleich wenig fürs tägliche Brot aus. In einer Erhebung von Eurostat in den damaligen 15 EU-Mitgliedstaaten für das Jahr 1995 streute der Anteil der Haushaltausgaben für Lebensmittel zwischen 14,7 Prozent in den Niederlanden und 38,1 Prozent in Griechenland. Die Griechen gegeben anteilmässig am meisten fürs Essen aus, obwohl Griechenland das zweittiefste Preisniveau dieser Ländergruppe aufweist.
Das Gleiche gilt für Polen, das Land mit dem tiefsten Preisniveau in der erweiterten EU. Dort beträgt laut Hans Bieri, Geschäftsführer der Schweizerischen Vereinigung Industrie und Landwirtschaft, der durchschnittliche Lohn ein Zehntel eines Schweizer Lohnes. Für die polnischen Konsumenten ist deshalb die Milch relativ teurer als für Frau und Herr Schweizer, obwohl der polnische Milchpreis nur etwa ein Drittel des Schweizer Milchpreises beträgt. Ausserdem zeigt das Beispiel Polen, wie absurd es sein kann, tiefe Preise mit effizienter Produktion gleichzusetzen: Die Mehrheit der polnischen Bauernbetriebe sind Kleinstbetriebe mit ein paar Hektaren und ein paar Kühen.