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UNO-Klimakonferenz in Paris (COP 21): Unfaire und ungenügende Zusagen der reichen Länder
26.11.2015
Die Versprechen zur Begrenzung des Klimawandels vonseiten der reichen Länder wie der Schweiz sind nicht nur ungenügend, sie beinhalten auch nur knapp die Hälfte von dem, was gegenüber den Entwicklungsländern gerecht wäre. Der neue Bericht «Fair Shares» von Friends of the Earth und anderen NGOs macht deutlich, dass der Ball weiterhin bei den reichen Ländern liegt, die sich etwas vorschnell mit ihren «grossen Anstrengungen» brüsten. Von neuen Verschmutzern verbindliche Zusagen zu fordern, befreit uns nicht von der Pflicht, unseren fairen Anteil zu leisten.
Im neuen Bericht «Fair Shares», der im Oktober 2015 veröffentlicht wurde, zeigt Friends of the Earth International, dass die reichen Länder, darunter auch die Schweiz, bei Weitem nicht genügend tun, um ihre CO2-Emissionen zu senken. Im Gegensatz dazu leisten die meisten Entwicklungsländer mehr, als sie bei einer gerechten Aufteilung der Anstrengungen müssten. Ihre vorbildliche Haltung erklärt sich nur teilweise auf eine geringere Umweltbelastung. Die Beiträge, die diese Länder zusichern, sind gemessen an ihren Mitteln und Entwicklungsperspektiven beträchtlich. «Weil sie die Auswirkungen des Klimawandels als Erste zu spüren bekommen, sind sich ihre Bevölkerungen und Regierungen zunehmend bewusst, dass halbherzige Massnahmen katastrophal wären», erklärt Bertrand Sansonnens, Projektleiter Politik und Internationales und Mitglied des Exekutivkomitees von Friends of the Earth Europe.
Der Bericht «Fair Shares» geht von den Klimaschutzbeiträgen aus, zu denen sich die Staaten gegenüber der UNO verpflichtet haben (Intended Nationally Determined Contributions INDC). Sie zeigen, wie der Ausstoss von Treibhausgasen reduziert werden soll. Der Bericht stellt diesen Versprechen die Reduktionsanteile gegenüber, welche die verschiedenen Staaten bei einer fairen Lösung leisten müssten, unter Berücksichtigung ihrer Verantwortung für die Klimakrise und ihres aktuellen Handlungsspielraums. Neben der gerechten Aufteilung muss die Emissionsminderung so gestaltet werden, dass die Biodiversität und die schwächsten Bevölkerungsgruppen nicht beeinträchtigt werden. Eine Forderung, die der Vertreter von Pro Natura am Klimagipfel in Paris einbringen wird. «Bauernfamilien vertreiben, um Agrotreibstoffe anzubauen, Täler mit grosser, unersetzlicher Artenvielfalt unter Wasser setzen, um Strom zu gewinnen, oder die eigene Umweltverschmutzung ins Ausland verlagern - das sind falsche Lösungen», erläutert Friedrich Wulf, der im Auftrag von Pro Natura und Friends of the Earth in Paris verhandeln wird.
Gemeinsamer EinsatzDie Klimakonferenz in Paris dauert bis zum 11. Dezember. Eine Einigung ist dringend nötig, wenn wir die globale Erwärmung auf maximal 2 Grad begrenzen wollen. In der Schweiz erwärmt sich das Klima deutlich schneller als im globalen Mittel. Unser Land wird sich nicht vor allen negativen Auswirkungen schützen können. Pro Natura ist gemeinsam mit den anderen Organisationen von Friends of the Earth in Paris und fordert neben festen und ausreichenden Zusagen auch Klimagerechtigkeit: Die Reduktion der Emissionen muss fair aufgeteilt werden, ohne Schaden für die Natur oder die Bevölkerungen des Südens. Die Klimakonferenz COP21 ist aber nicht alles: Die Bevölkerungen müssen überall ihre Entschlossenheit signalisieren. In der Schweiz wird sich Pro Natura unter anderem weiterhin für die Energiewende einsetzen.
Friedrich Wulf (+41 79 216 02 06) wird im Auftrag von Pro Natura und Friends of the Earth am 28. und 29. Novemberund vom 6. bis 11.Dezember am Klimagipfel COP21 in Paris anwesend sein. Er gibt Auskünfte über den Verlauf der Konferenz und beantwortet insbesondere Fragen zu den Auswirkungen auf die Biodiversität und zu den Emissionskompensationen im Ausland.
Pro Natura - Friends of the Earth Switzerland Pro Natura ist das Schweizer Mitglied von «Friends of the Earth International – FoEI». Gegründet 1971, ist Friends of the Earth heute das weltweit grösste, basisdemokratisch organisierte Umweltnetzwerk. Gegen 80 nationale Umweltorganisationen auf der ganzen Welt gehören ihm an. In rund 5‘000 lokalen Gruppen engagieren sich zwei Millionen Mitglieder für den Natur- und Umweltschutz. «Friends of the Earth International» führt Kampagnen zu dringenden ökologischen und sozialen Fragen von heute.
Umweltprobleme hören nicht an unseren Grenzen auf. Die Zerstörung der biologischen Vielfalt und der Klimawandel haben Auswirkungen auf den gesamten Planeten. Naturschutz ist daher immer auch ein globales Thema und ist untrennbar verbunden mit wirtschaftlichen und sozialen Fragestellungen.
Bericht «Fair Shares» in zusammengefasster und vollständiger Version:http://civilsocietyreview.org/
Medienstelle: Roland Schuler, Tel. 061 317 92 24, 079 826 69 47, @email