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Donald MacLean's Farewell to Oban
Archibald MacNeill
2/4 March
Das etwas heruntergekommene Hafenstädtchen Oban an der schottischen Westküste gilt als Tor zu den westlichen Hebriden. Oban hat einen grossen Fährhafen, eine eigene Destillerie und einen seltsam antik anmutenden Bogenring, welcher wie eine Krone über der Stadt thront.
Der 2/4-Marsch Donald MacLean's Farewell to Oban hat aber weniger mit Oban zu tun, als vielmehr mit besagtem Donald MacLean (1912 - 1986). Das Tune sei "ein Requiem für verlorene Träume", meinte sein Komponist Archie MacNeill. Warum das so ist, zeigt die folgende Geschichte.
Donald MacLean 1931
Dudelsackmusik war beim Publikum damals hoch im Kurs - besonders bei den Frauen. Die letzten Vorkriegsjahre waren die goldene Zeit der Scottish Pipers' Association, welche mit den regelmässigen Musikveranstaltungen im Highlanders' Institute einen wichtigen Beitrag zur Pflege der Highland-Kultur leistete. Dudelsack wurde bis anhin Solo oder im Militär gespielt, zivile Pipe Bands oder nennenswerte Ad hoc-Fomationen gab es damals nicht. Die Veranstaltungen der SPA brachte herausragende Solospieler zusammen. Damit änderten sich aber auch die Musikpräferenzen der Spieler - und der Zuhörer. Schnell wurden melodiöse und tanzbare Tunes besonders populär, wie zum Beispiel 2/4-Märsche und sogenannte Hornpipes.
Wee Donald MacLean war ein fröhlicher und durchaus beliebter Mensch. Er war auch ein sehr erfolgreicher Wettbewerbsspieler, der konsistent auf Topniveau spielte. Er hatte aber eine verhängnisvolle Schwäche: er konnte, vorsichtig ausgedrückt, seine starken politischen Überzeugungen nicht zurückhalten. Das wurde ihm 1938 an der Competition beim Argyllshire Gathering in Oban zum Verhängnis. Nach den Einzelvorträgen waren sich die meisten Beobachter einig, dass Donald MacLean der sichere Sieger in der Kategorie March, Strathspey & Reel sei - nicht aber die Richter. Donald wurde aus fadenscheinigen Gründen gar nicht erst platziert.
Abends beim Abschied meinte Archie MacNeill zu seinem Schützling "Well, this will be your farewell to Oban, Donald". Als guter Sportsman trug Donald die Enttäuschung mit Gelassenheit. Er freute sich aber ungemein, als ihm Archie MacNeill mit dem fröhlichen Marsch Donald MacLean's Farewell to Oban dieses Requiem für verlorene Träume widmete.
Nach dem Krieg wirkte Donald MacLean als einer der ersten Senior Instructors am 1944 gegründeten College of Piping in Glasgow, wanderte mit seiner Frau zwischenzeitlich nach Australien aus, kehrte nach Schottland zurück und verbrachte seinen Lebensabend in der Nähe von Inverness.
Oban, Argyll
Wee Donald MacLean, wie er wegen seiner geringen Körpergrösse zeitlebens genannt wurde, war ein ausgezeichneter Piper. Bereits als 12-Jähriger fand er 1924 mit dem legendären Archie MacNeill einen hervorragenden Tutor, der ihn jahrzehntelang begleiten sollte.
In den späten dreissiger Jahren gehörte Donald MacLean zu einer Gruppe von populären Dudelsackspielern, welche jeden Samstagabend im Highlanders' Institute in Glasgow vor einem begeisterten und sachkundigen Publikum aufspielte und die dortigen Tanzanlässe begleitete.
Tanz im Highlanders' Institute, Elmbank Street, Glasgow
Cowal Gathering 1934: Robert Reid, Roddy MacDonald, Donald MacLean, Peter MacLeod Jnr.
Argyllshire Gathering, Oban 2017, links Torquhil Campbell, 13. Duke of Argyll
Vielleicht ist es auch gar kein Zufall, sondern eine besondere Ironie, dass der vierteilige 2/4-Marsch Donald MacLean's Farewell to Oban erst 2015 in die offizielle Prescribed Tune List der Royal Scottish Pipe Band Association aufgenommen wurde und heute ein beliebtes MSR-Competition Tune ist, eben in jener Kategorie, in der Wee Donald vor über achtzig Jahren so schändlich unterging.
Sonnenuntergang in Oban