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Flatterhaft, aber dennoch evolutiv sehr erfolgreich: die grosse Artenfülle der Fledermäuse und Flughunde.
Wir kennen die schemenhaften Umrisse vorbeiflatternder Fledermäuse an lauen Sommerabenden, allenfalls auch als Erinnerung an Ferien in tropischen Regionen die in der Abenddämmerung ausfliegenden oder sich am Schlafplatz sammelnden Flughunde. Es handelt sich dabei um fliegende Säugetiere, die aber nichts mit Mäusen oder Hunden zu tun haben, sondern in einer eigenen Ordnung der Fledertiere zusammengefasst werden. Es ist dies nach den ausgestorbenen Flugsauriern und den Vögeln erst die dritte Wirbeltiergruppe, die die Voraussetzungen dafür entwickelt hat, sich aktiv in die Luft zu erheben. Die Eroberung des Luftraums hat den Zugang zu neuen Nischen geschaffen und eine weltumfassende, nur die Polgebiete auslassende Verbreitung ermöglicht. Mit über 1000 Arten sind die Fledertiere zu einer wohl heimlich lebenden, evolutiv aber sehr erfolgreichen Säugergruppe geworden.
Fledermäuse und Flughunde
Man unterteilt die Fledertiere in Fledermäuse und Flughunde. Die Fledermäuse ernähren sich zu einem grossen Teil von Insekten, die meist im Flug erbeutet, aber auch im Rüttelflug von der Vegetation abgelesen oder am Boden krabbelnd gepackt werden. Einzelne Arten haben sich auf die Erbeutung kleiner Wirbeltiere wie Fische, Amphibien, Vögel oder Säuger spezialisiert. Und da gibt es auch noch die Vampire, die sich von Blut ernähren.
Die nachtaktiven Fledermäuse bedienen sich für die Orientierung im Raum und für die Lokalisierung potentieller Beutetiere der Echoortung. Die Reflexionen hochfrequenter Rufe vermitteln ein «Klangbild» der Umgebung und geben wertvolle Information über Grösse, Beschaffenheit, Geschwindigkeit und Entfernung potentieller Beutetiere.
Die etwas grösseren Flughunde stehen auf pflanzliche Kost. Mit ihrer Vorliebe für Pollen, Nektar und Früchte spielen sie eine bedeutende Rolle als Bestäuber und Verbreiter der Samen vieler Pflanzen. Nur wenige Arten dieser Gruppe nutzen die Echoortung. Seh- und Geruchssinn sind hingegen bei diesen dämmerungs- und nachtaktiven Tieren gut ausgebildet.
Kein weit verbreitetes Zootier
Wenn auch die Artenfülle der Fledertiere sehr gross ist, sind die Vertreter dieser Gruppe in zoologischen Einrichtungen nur marginal präsent. Ernährungsweise und nächtliche Aktivität machen es bei vielen Arten schwierig, sie attraktiv den Besuchern zu zeigen. Etwas leichter fällt dies bei einigen Arten der Flughunde, die wohl dämmerungs- und nachtaktiv sind, aber auch tagsüber unterwegs sein können.
Inselform mit starken Populationsschwankungen
Einen Vertreter der Flughunde zeigt der Zoo Zürich im Masoala Regenwald, und zwar den Rodrigues-Flughund. Es ist dies nicht gerade ein waschechter Madagasse, aber eine Inselform «aus der Region». Rodrigues-Flughunde kommen aktuell nur auf der rund 600 Kilometer östlich von Mauritius gelegenen Insel Rodrigues vor. Hier bewohnen sie tropische Küstenwälder. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts wurde ihr Bestand als «häufig» umschrieben. Nachdem in den 1970-er Jahren heftige Zyklone die Insel getroffen hatten, wurde der Bestand der Flughunde dann auf nur noch etwa 70 Tiere geschätzt. Dies war der Anlass für den Durell Wildlife Conservation Trust auf der Kanalinsel Jersey, ein Zuchtprogramm für diese Art zu starten. Mit einer kleinen Anzahl von aus der Restpopulation entnommenen Tieren wurde eine Zoopopulation begründet, die heute über 900 Tiere in 44 Institutionen umfasst.
Die Population auf Rodrigues erholte sich zusehends, zeigte aber immer wieder durch die Einwirkung von Zyklonen grosse Populationsschwankungen. 2016 wurde der Bestand auf etwa 20‘000 Tiere geschätzt. Ein Problem bleibt der Rückgang der Waldfläche, was die Nahrungsgrundlage der Tiere tangiert und den Schutz vor den Auswirkungen von Zyklonen mindert.
«Goldiger» Rodriguez-Flughund
Das Fell des Rodrigues-Flughundes ist bis auf den rötlich bis leicht goldigen Kopf-, Schulter- und Nackenbereich kastanienbraun. Die Flügelspannweite beträgt 75 bis 90 Zentimeter, das Gewicht liegt etwa zwischen 250 und 300 Gramm. Die Jungtiere kommen mit einem Geburtsgewicht von etwa 45 Gramm zur Welt. Die ersten sechs Lebenswochen begleiten sie die Mutter bei der Nahrungssuche. Um sich dabei sicher an der Mutter festhalten zu können, haben sie einerseits spitze Krallen an den Hinterfüssen. Andererseits sind die Milchzähne speziell ausgebildet, um damit den Halt zu verstärken. Die Geschlechtsreife erreichen die Tiere ab dem Alter von etwa 18 Monaten.
Teil des Zuchtprogramms – auch ohne Zucht
Kurz vor der Eröffnung des Masoala Regenwaldes 2003 kamen dreissig Rodrigues-Flughunde aus Jersey nach Zürich. Da ein gezielter Zugriff auf die Tiere in der grossen Halle – und damit eine nach genetischen Kriterien planbare Zucht – nicht möglich ist, wurde uns vom Zuchtprogramm die Rolle eines Reservebestandes zugedacht: Wir erhielten nur Weibchen mit der Idee, dass bei Bedarf Tiere aus diesem Bestand in eine kontrollierte Zuchtsituation abgegeben und überzählige Weibchen aus andern Beständen übernommen werden könnten. Bisher wurde aber von diesen Möglichkeiten nicht Gebrauch gemacht.
«Auswilderung» im Masoala Regenwald
Die an starre Kletterkonstruktionen gewöhnten Flughunde mussten in der Halle zunächst lernen, sicher an den beweglichen Ästen der lebenden Pflanzen zu landen und herum zu klettern. Eine Herausforderung für die Tierpfleger war dann die Entwicklung von Futterstellen, mit denen die Flughunde gezielt und ohne Störung durch die sich für alles interessierenden Rote Varis gefüttert werden konnten. Nebst dem täglich angebotenen Futter nutzen die Flughunde auch in der Halle heranreifende Früchte oder besuchen die nektarhaltigen Blütenstände der Bananenstauden.
Vom ursprünglichen Besatz sind noch 15 Tiere da, die nunmehr ein Alter von 16 bis 18 Jahren haben.
Schutz heimischer Fledermäuse
Während sich die Verbreitung der Flughunde auf tropische und subtropische Regionen beschränkt, zählen auch Fledermäuse zu unserer Fauna. Dreissig Arten wurden bisher in der Schweiz nachgewiesen, von der Mückenfledermaus bis zum Riesenabendsegler. Die Hälfte dieser Arten hat den Status gefährdet oder vom Aussterben bedroht.
Ein Schwerpunkt unseres Naturschutzengagements hat den Schutz der Fledermäuse im Fokus. Seit 1998 geniesst die Stiftung Fledermausschutz Gastrecht in den Räumlichkeiten des Zoo Zürich. Hier entfaltet die Stiftung ihre Aktivitäten in der Information und Ausbildung und als Schweizerische Koordinationsstelle für Fledermausschutz. Den Zoobesuchern frei zugänglich ist die interaktive und in sechs Themenblöcken gegliederte Ausstellung «Fledermaus-Welt» der Stiftung.
Die Stiftung Fledermausschutz betreibt mit Unterstützung des Zürcher Tierschutz und des Zoo Zürich eine Fledermaus-Notpflegestation. Hier werden erschöpft oder verletzt aufgefundene Fledermäuse gepflegt und noch unselbständige Jungtiere aufgezogen. Auch im Winterschlaf gestörte Fledermäuse werden hier aufgenommen und bei der weiteren Überwinterung unterstützt. Die Fütterung dieser Pfleglinge kann zu bestimmten Zeiten mitverfolgt werden, die im Veranstaltungskalender angekündigt werden.
Fledermaus gefunden, was tun?
Wer eine Fledermaus findet, ruft am besten das Fledermausschutz-Nottelefon an: 079 330 60 60. Fachpersonen des Fledermausschutzes helfen dort rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr weiter. Weitere Infos auch unter fledermausschutz.ch.