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Impfung und Diabetes: Zweifel ausgeräumt!
Impfungen im Kleinkindesalter verhindern tausende von schweren Krankheitsschäden. Kritische Stimmen befürchten, dass die Impfung zur Zunahme von Zuckerkrankheit führt. Eine sorgfältig durchgeführte Studie aus Dänemark kann nun definitiv einen möglichen Zusammenhang ausschliessen.
Das Problem ist bekannt: Es gibt einige Krankheiten im Kleinkindesalter, die selten auftreten aber schwer verlaufen. Dazu gehört der kleinkindliche Autismus und die Zuckerkrankheit, Diabetes mellitus. Jedes Jahr werden weltweit Millionen von Kleinkindern mit mehreren Dosen geimpft (s. Schweizer Impfplan). Dass nun das Auftreten einer seltenen Krankheit einmal in die Zeit nach einer Impfung fällt, ist durchaus verständlich. Die Frage drängt sich aber auf, ob nicht vielleicht die Impfung selbst, durch eine Aktivierung des Immunsystems, die seltene Krankheit ausgelöst hat.
Die Frage ist berechtigt, sie muss sicher untersucht werden. Selbst wenn eine Impfkampagne in der Schweiz einige Fälle von Diabetes verursachen würde, müsste man die Impfkampagnen, welche ein vielfaches von Leiden verhindern, weiterführen. Dennoch, das Risiko zu kennen, ist eine wichtige Voraussetzung für die Planung von Impfkampagnen. Die dänische Studie (Hviid et al, NEJM, 1.4.04) hat die Frage des Zusammenahanges zwischen Impfungen und Diabeteserkrankungen sehr sorgfältig untersucht. Die Resultate sind klar und eindeutig, Zweifel sind ausgeräumt.
In Dänemark wird jeder Bürger und jede Bürgerin von Geburt mit einer eindeutigen Nummer identifiziert und Daten über Impfungen und Diabetes-Erkrankungen registriert. Die Autoren nutzten dieses Register und untersuchten Diabetes und Impfungen bei allen Kindern, die zwischen 1900 und 2000 geboren wurden. Nun wurde für jede Impfung verglichen, wie die Erkrankungen bei nie, einmal, zwei- oder dreimal geimpften Kindern aufgetreten sind. Für alle untersuchten Impfungen (Hämophilus influenza, Diphterie, Tetanus, Pertussis, Masern, Mumps, Röteln und Polio) ergab sich exakt das gleiche Risiko für eine Diabetes-Erkrankung, egal, ob und wie häufig eine Impfdosis verabreicht wurde. Die Analyse wurde auch mit zusätzlichen Untersuchungen unterstützt, so wurde beispielsweise das Risiko einer Diabeteserkrankung bei Geschwistern ebenfalls untersucht (auch kein Einfluss der Impfung) oder der zeitliche Zusammenhang zwischen Impfung und Diabeteserkrankung.
Der grosse Vorteil dieser Studie gegenüber früheren Arbeiten ist die „Power“ der Studie. Es ist oft einfach, etwas nachzweisen, das statistisch häufiger auftritt. Will man jedoch beweisen, dass kein Unterschied zwischen zwei Gruppen besteht, braucht man in der Regel sehr grosse Fallzahlen, insbesondere wenn das Ereignis, wie im Falle von Diabetes, ein seltenes ist. In dieser Studie wurden 740"000 Kinder während insgesamt 4.7 Mio Personenjahren beobachtet. Mit dieser grossen Fallzahl konnte nun ein möglicher Zusammenhang zwischen Imfpung und Diabetes mellitus endgültig ausgeschlossen werden.
Vor einiger Zeit haben wir bereits über den fehlenden Zusammenhang zwischen MMR-Impfung und frühkindlichem Autismus berichtet. Es waren die gleichen Autoren, welche das dänische Register für diese epidemiologische Studie nutzten. Die jüngste Arbeit kann nun auch Bedenken bezüglich Diabetes ausräumen.
Was wir jetzt noch brauchen ist, dass diese Dänischen Daten auch aufgenommen werden und die Antworten auch von Kritikern der Impfung im Kindesalter aufgenommen werden. Letztendlich wollen wir schwere Krankheitsfolgen verhindern. Dort wo Zweifel begründet sind, sollen sie auch kommuiniziert werden. Doch wenn solche Zweifel einmal ausgeräumt sind, müssen wir uns wieder geschlossen hinter die Massnahmen stellen. Es ist Zeit, dass wir die Impfungen im Kindesalter nun endlich wieder konsequent und ohne Verunsichrung der Bevölkerung durchziehen.
s. auch Editorial von Levitsky et al.