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Über vier Generationen ist die aus dem Baselland stammende Familie Hueber nach Europa und Amerika aus- und immer wieder in die Schweiz zurückgewandert.
swissinfo hat Gusti Hueber und seine Frau Cornelia in der Ostschweiz besucht, wo sie nach einem bewegten Leben ihren Ruhestand geniessen.
Gusti Hueber, ein typischer, urchiger Schweizer Name, der nicht vermuten liesse, dass sein Träger und Generationen seiner Vorfahren die Schweiz nur von aussen kannten.
"Mein Urgrossvater, Augustin Hueber, hat sein Heimatdorf Zwingen im heutigen basellandschaftlichen Laufental 1870 verlassen, um im jurassischen Delsberg als Gerber zu arbeiten", erklärt Gusti Hueber in seinem sympathischen, holländisch gefärbten Hochdeutsch.
Gelernt habe Augustin diesen Beruf wahrscheinlich im elsässischen Colmar. "Dies hat das Leben seiner nachfolgenden Generationen bestimmt," so Hueber.
Mit seiner Frau und den vier Kindern wanderte er nach Strassburg aus, wo er eine kleine Gerberei gründete. Bald forschte er nach neuen Techniken zur Verbesserung des seit über tausend Jahren unveränderten Gerbverfahrens.
Politik und Patente
Um mehr über ein in den USA patentiertes Gerbverfahren zu erfahren, schickte er seinen ältesten Sohn 1897 nach New York. Nach dessen Rückkehr entwickelten sie dieses Verfahren gemeinsam weiter.
"Weil das US-Gerbpatent dauernd angefochten und gebrochen wurde, schickte er seine Söhne hinaus in die Welt, um die gemeinsame Weiterentwicklung vor Ort anzuwenden", so Gusti Hueber.
Einer zog nach Spanien, der andere in die USA und der dritte blieb in Strassburg. Nach Augustins Tod kam Karl aus den USA zurück und wurde Betriebsleiter einer jüdischen Gerberei, die später zum grössten Gerberei-Unternehmen Europas wurde.
Da Strassburg 1871 mit dem Frieden von Versailles deutsch wurde, Ende des Ersten Weltkriegs aber wieder zu Frankreich kam, wurde die Besitzerfamilie enteignet.
Augustins Nachkommen hatten jedoch mehr Vertrauen in die alten Besitzerfamilien als in den französischen Staat. So bildeten sie bald die Führungsschicht jener Gerbereien, die ausserhalb von Frankreich neu gegründet wurden.
"Diese befanden sich unter anderem auch in Oisterwijk Holland, wo ich auf die Welt kam", erzählt Gusti Hueber weiter. Sein Grossvater Karl kehrte als erster 1938 zurück in die Schweiz.
Auf Grossvaters Spuren
"Ich bin in Holland geboren, ging dort zur Schule, Holländisch ist meine Muttersprache. Erst als ich meine in der Schweiz wohnenden Grosseltern einige Male besucht hatte, entstand in mir das Gefühl, auch noch eine andere Heimat zu haben", so Gusti Hueber.
Er studierte in England Gerberei-Chemie und wollte ein paar Monate in den USA Erfahrungen sammeln. Aus den Monaten wurden Jahre. "In Amerika begegnete ich mehreren Personen, die meinen Grossvater gekannt hatten. Dort half mir der Name Hueber, Türen zu öffnen."
Noch vor Erhalt der Niederlassungsbewilligung wurde er von den USA zum Vietnamkrieg einberufen.
"Der Sohn des Chefs, Jurist und politisch tätig, machte geltend, dass ich für die Firma unentbehrlich sei." So ging dieser Kelch an ihm vorüber. Aber er ist heute noch bei der US-Army registriert.
Darauf arbeitete er wieder in Europa und lernte 1970 in den Skiferien in Österreich die Holländerin Cornelia kennen. An Weihnachten desselben Jahres wurde bereits geheiratet.
Selbstständigkeit
1973 machte er sich in Liechtenstein mit einer Kunststoffprodukte-Firma für die Schuh- und Lederindustrie selbstständig und übernahm darauf eine auf Flächenabdichtungen spezialisierte Firma.
Unter anderem isolierte er Deponien gegen das Grundwasser ab. So auch nach der Chemiekatastrophe von Seveso im Juli 1976, wo er das kontaminierte Material mit einer dichten Hülle abdeckte.
Heimat
1983 übersiedelte die Familie nach Wangs im St. Galler Rheintal. "Meine Frau und ich wollten unseren Kindern die Möglichkeit geben, irgendwo richtig zu Hause zu sein. Das war wohl der Hauptgrund für die Rückkehr ins Land meiner Vorfahren."
Nun leben Huebers schon bald 25 Jahre in der Schweiz. "Für die Schweizer sind wir Ausländer - wegen unseres Dialekts und weil wir im Ausland geboren sind."
Gusti Hueber fühlt sich hier trotzdem nicht als Fremder. "Selbstverständlich gehöre ich jetzt dazu. Ich kann am offiziellen Leben teilnehmen. Es fehlt aber die Nähe, die von alleine wächst, wenn man irgendwo geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen ist und auch persönlich dazugehört."
swissinfo, Etienne Strebel, Wangs
Von Uobari zu Huber
Uobari ist die erste bekannte Form des heutigen Namens Hueber. Er entstand aus dem indogermanischen Ubar, was Hüter, Pfleger oder Richter bedeutet.
Im Spätmittelalter war das Wort Hueber ein Synonym für Schöffe (Laienrichter).
Die Vorfahren von Gusti Hueber hatten sich wahrscheinlich ums Jahr 500 in der Gegend von Basel angesiedelt.
1523 erscheint der Name Hueber zu ersten Mal im Zinsrodel (Einkünfte in Listenform) der Laufentaler Gemeinde Zwingen.
(Recherchen von Gusti Hueber)