Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03610.jsonl.gz/778

Das Amt für Umwelt und Energie hat im Sommer 2012 die Firma METEOTEST mit der Ausarbeitung eines Solarkatasters beauftragt. Ein Solarkataster bietet die Grundlage für eine schnelle und gezielte Förderung von Solartechnikanlagen im Kanton. Da keine genügende Datengrundlage für ein Oberflächenmodell bestand, musste dieses mit einem Vermessungsflug Ende August erhoben werden. Die Daten lieferten ein digitales Oberflächenmodell (DOM) mit einer Auflösung von 20 x 20 cm. Die Berechnung der Einstrahlung erfolgte dann mit dem von Meteotest entwickelten Produkt «meteonorm». Diese Datenbank basiert auf Wetterdaten von 8300 Wetterstationen. Die Einstrahlungsdaten für den Kanton Glarus basieren auf mittleren Messwerten der Periode 1986 bis 2005. Dies ist die aktuellste europaweit verfügbare 20-Jahresperiode. Die Unsicherheit des langjährigen Jahreswerts auf geneigte Flächen (30 Grad Süd) beträgt nur rund 5 Prozent.
Als Ergebnis liegt ein Dataset von 57 800 Teil-Dachflächen mit einer Gesamtfläche von über 3 Mio. m2 vor. Jede der Teil-Dachflächen wurde aufgrund der mittleren Einstrahlung einer Eignungsklasse zugeordnet. Zusätzlich sind jeder Teil-Dachfläche die Parameter Fläche, Ausrichtung, Neigung, mittlere Einstrahlung, elektrischer und thermischer Ertrag zugeordnet.
Von den insgesamt 57 800 erfassten Teil-Dachflächen sind 10 Prozent sehr gut und 43 Prozent gut geeignet für eine solare Nutzung. Es zeigt sich, dass der Anteil der guten und sehr guten Dachflächen bei grossen Dächern überproportional ist. Das hängt zu einem Teil damit zusammen, dass grosse und insbesondere sehr grosse Dachflächen häufiger Flachdächer sind, für die von aufgeständerten, nach Süden ausgerichteten Fotovoltaikanlagen ausgegangen wurde. Zudem sind grosse Dachflächen sehr selten stark verschattet.
Eine Potenzialberechnung ergibt eine Gesamteinstrahlung auf alle Dachflächen von 2970 GWh/a. Könnte die gesamte Strahlung mit einem mittleren Gesamtwirkungsgrad von 12,75 Prozent genutzt werden, und berücksichtigt man weiter, dass bei Flachdächern wegen der gegenseitigen Beschattung nur 50 Prozent der Fläche nutzbar ist, so ergibt sich ein technisches Potenzial von 324 GWh/a. Werden nur die gut und sehr gut geeigneten Dachflächen berücksichtigt, beträgt das Potenzial 181 GWh/a. Dieser Wert kann als wirtschaftliches Potenzial bezeichnet werden. Wegen zusätzlichen störenden Aufbauten (Kamine, Dachfenster, usw.), dem Anteil von schützenswerten Bauten und der solarthermischen Nutzung einzelner Dachflächen, verbleiben somit rund 70 Prozent des wirtschaftlichen Potentials, was 127 GWh/a resp. 34 Prozent des Stromverbrauchs 2010 von 368 GWh/a entspricht. Welcher Teil dieses enormen Potenzials genutzt wird, ist einerseits eine Frage des politischen Willens und der rechtlichen Rahmenbedingungen, andererseits eine Frage, die sich jeder Liegenschaftsbesitzer selbst stellen muss.