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Vollzug am in Lausanne eine französisch-waadtländische Grenzbereinigungs-Kommission zusammentrat, die Frankreich den Mont des Tuffes und die Faucille-Strasse, der Schweiz dagegen einen der Strasse La Cure-Bois d'Amont parallel ziehenden Landstreifen am Gehänge des Noirmont zusprach. Das bezügliche Protokoll ward am in Lausanne unterzeichnet und am 29. Dezember des selben Jahres vom schweizerischen Bundesrat genehmigt. Vom letzten Neuenburger Stein bis zur Genfer Grenze zählt man 310 Marksteine. Die Grenze zieht über folgende Punkte: Westende der Aiguilles de Baulmes, hinter dem Suchet, über die Jougnenaz nahe deren Quelle und wiederum oberhalb der Häusergruppe Le Creux, Gehänge des Mont d'Or, Kamm des Mont Risoux, über die Orbe bei Bois d'Amont, Häusergruppe La Cure, Dappenthal östl. der französischen Strasse, Lauf der Versoix und Anschluss an die Genfer Grenze.
[Prof. Dr. Paul Maillefer.]
3. Orographie.
Der Kanton Waadt erstreckt sich über Jura, Mittelland und Alpen und stösst zudem an die tiefe Furche Rhone-Lemansee, die das alpine Querthal der untern Rhone fortsetzt und das Mittelland schief durchschneidet, um dann ausserhalb der Grenzen unsres Landes quer durch den Jura weiter zu ziehen. Nirgends anderswo in der Schweiz ist der Gegensatz zwischen den drei grossen natürlichen Gebieten schärfer ausgesprochen. Der Grund dafür liegt in drei Ursachen: in der beträchtlichen Höhe der Juraketten;
in der zum Teil südwestwärts gerichteten Abdachung des Waadtländer Mittellandes mit seinen wenig tiefen Thalfurchen, deren aus den Alpen und vom Mittelland selbst kommenden Wasserläufe gegen die Sammeladern längs dem Jurafuss hin konvergieren;
in der Nähe der Furche des Genfersees endlich, die das Profil der Alpenkette und des im W. von der Wellenlinie der Jurakämme beherrschten Mittellandes machtvoll hervortreten lässt.
a) Jura.
Der Waadtländer Jura umfasst die östl. Ketten des jurassischen Faltenbündels und schliesst sich dem Neuenburger Jura an, von dem sich aber bloss die die Mulde von Les Granges de Sainte Croix umschliessenden zwei Ketten des Chasseron (1611 m) und der Vraconne (1092 m) auf Waadtländer Boden fortsetzen. Von der Chasseronkette löst sich südwärts der hohe Kamm der Aiguilles de Baulmes (1563 m) ab, deren Gegenstück vom Mont Suchet (1591 m), der Fortsetzung der das Dorf Bullet tragenden Vorkette des Chasseron, gebildet wird.
Diese Kette endigt über dem Lauf der Jougnenaz, südl. von welcher der Mont d'Or einem neuen Faltensystem anzugehören scheint. Man kann den nördl. des Engthales der Jougnenaz gelegenen Abschnitt unter der Bezeichnung des nördlichen Waadtländer Jura zusammenfassen. Er zeigt eine ganz eigenartige Beschaffenheit, wie man sie in den übrigen Gebieten des Juragebirges kaum wieder findet. Die Kämme erscheinen regellos angeordnet, indem sie bald voneinander divergieren, bald wieder gegeneinander konvergieren und zugleich niedriger werden.
Derart erweitert sich die schmale ebene Bergschulter von Bullet zum Becken von Sainte Croix, in dem der Rhonegletscher derart beträchtliche Moränen abgelagert hat, dass der anstehende Fels fast nirgends mehr zutage tritt. Dieses nämliche Becken setzt sich nachher über Le Culliairy und Les Gittes als enge Rinne fort, um weiterhin vollständig zu verflachen. Die Kette des Chasseron senkt sich beträchtlich ab, um den Mont des Cerfs (1273 m) westl. über Sainte Croix zu bilden.
Hier befindet sich der Col des Étroits (1153 m), der das Dorf Sainte Croix mit den Thälchen von Noirvaux und von L'Auberson in Verbindung setzt, während sich das Thal von Sainte Croix selbst durch die Schlucht von Covatannaz gegen das Mittelland hin entwässert. Der anfänglich schmale Kamm des Mont des Cerfs verflacht seinerseits wieder und geht, auf französischem Boden, in das über 4 km breite Plateau von Les Fourgs über. Zwischen die Kämme des Mont des Cerfs und der Vraconne schiebt sich das Becken von Les Granges de Sainte Croix ein, eine 4 km lange und 2 km breite, ellipsenförmige Mulde, deren mit Feldern und Wiesen bestandene wellige Oberfläche zu den düstern Tannenwaldungen an den beidseitigen Steilhängen einen auffallenden Gegensatz bildet.
Diese Mulde engt sich nordostwärts zum tief eingeschnittenen Längsthal von Noirvaux ein, wo die Ketten der Vraconne und des Chasseron beinahe miteinander verschmelzen. Die letztere umfasst das ganze Gebiet zwischen Noirvaux-Val de Travers einerseits und dem Rand des Mittellandes andrerseits auf eine Breite von mehr als 6 km. Dazu gehört auch die Bergschulter von Bullet, an der die Doppelkette der Aiguilles de Baulmes und des Mont Suchet, sowie der Mont Aubert ansetzen, der bei La Lance am Ufer des Neuenburgersees mit einer Verwerfung endigt. Das ganze Gebiet vom obern Rand des Creux du Van an zeigt eine unruhige, gewellte Oberfläche mit kleinen Kämmen und dazwischen liegenden Eintiefungen. Als solche mögen genannt sein die breite Grande Combe ob Mauborget und die von der Erosion tief in den Gebirgskörper eingeschnittenen Depressionen der Combe de la Vaux und Combe de la Deneyriaz. Schöne Sennberge und ausgedehnte Tannenwaldungen bedecken Rücken und Flanken der Chasseronkette.
Der mittlere Waadtländer Jura umfasst den Gebirgsabschnitt zwischen dem Engthal der Jougnenaz und dem Col de Saint Cergue, an welch letzterm ebenfalls ein Unterbruch im Zusammenhang der Ketten festzustellen ist. Hier fällt vor allem die Bogenform des Kammes der Dent de Vaulion (1487 m) auf, der das vom Jurafuss durch ein flaches Gewölbe getrennte Hochthälchen von Vaulion (939 m) im N. und NW. umrahmt. Von dem genau N.-S. ziehenden Rücken Dent de Vaulion-Les Ordons zweigen die kleinen Kämme ab, die sich zwischen dem Col du Molendruz (1179 m) und dem Col de Saint Cergue mit grosser Regelmässigkeit aneinanderlegen und zusammen die zwischen Mittelland und Jouxthal aufragende mächtige Kette des Mont Tendre (1683 m) bilden.
Jenseits des genannten Thales erstreckt sich der ebenfalls breite und zu oberst gewellte, aber etwas niedrigere Rücken des Mont Risoux (1421 m), dessen Kammlinie die Landesgrenze der Schweiz gegen Frankreich folgt. Die schweizerische Bergflanke zwischen der Grenze und dem Jouxthal ist bloss 2-3 km breit und von der Tätigkeit des fliessenden Wassers vielfach zerfressen und angerissen. Sie trägt prachtvolle Tannenwaldungen, die das feinste Holz im ganzen Jura liefern und für ihre Eigentümer (Staat und Gemeinden) eine Quelle reicher Einnahmen darstellen. Die weit breitere französische Flanke des Mont Risoux misst bis zum Thal von Mouthe-Les Longevilles 5-6 km und erscheint von eigentlichen Erosionsquerthälern zerschnitten. Das Jouxthal ¶
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mit seinen beiden Seen (1008 m) teilt sich der Länge nach in zwei Mulden, von denen die enge westliche mit der Combe du Moussillon beginnt, über Le Solliat und Le Lieu bis Les Charbonnières zieht und den kleinen Lac Ter (1022 m), sowie den Lac Brenet enthält. Die grössere östliche Mulde umschliesst den Jouxsee, der am Fuss der Anhöhe von Les Agouillons, wo die Mulde plötzlich aussetzt mit dem Lac Brenet zusammenhängt. Südwestl. vom Lac de Joux setzt sich die grosse Mulde bis zur Landesgrenze und darüber hinaus auf französischem Boden mit dem Thal von Les Rousses fort.
Infolge der schwer durchlässigen Auskleidung der Mulde mit tonigem Material erscheint der Boden stellenweise nass und sumpfig. Dagegen ist das Thalgehänge auf der Seite der Kette des Mont Tendre ziemlich trocken, obwohl hier die beiden Stromquellen der Lionne und des Brassus entspringen, die nach sehr kurzem Lauf in den Jouxsee münden. Am Mont Risoux nordwestl. über dem Jouxthal versinkt alles Regenwasser in den Klüften und Rissen des Kalkgesteins und tritt keine einzige Quelle zutage.
Auch der Le Revers genannte kleine Rücken in der Thalmitte erscheint als eigentliche Entwässerungsanlage. Längs seinem Fuss finden sich mehrere der Trichter oder Dolinen («emposieux» genannt), in denen das Wasser des Jouxsees verschwindet, das dann in der Orbequelle hinter Vallorbe wieder zutage tritt. Doch liegt das bedeutendste dieser Abzugslöcher, dasjenige von Bon Port, am Ufer des Lac Brenet. Die Kette des Mont Tendre besteht zu oberst aus zwei Kämmen, demjenigen von Les Crosets (1442 m) und dem Mont Tendre im engern Sinn (1683 m). Zwischen beiden ist das Thälchen von Les Amburnex eingesenkt, das im N. am Pré de l'Haut nahe dem Col du Molendruz beginnt und sich ohne Unterbrechung, wenn auch mit einer Verrückung seiner Richtung beim Uebergang über den Col de Saint Cergue bis zur Vallée des Dappes fortsetzt.
Der zum Grat des Châlet à Roch langsam ansteigende Kamm von Les Crosets verzweigt sich einerseits zum Noirmont (1572 m) und andrerseits zum Mont Sallaz (1514 m), zwischen welche sich das bald mit dem Becken von Les Rousses verschmelzende Thälchen der Arzière einschiebt. Das umgekehrte Verhältnis zeigt sich am Ostkamm der Kette. Vom Gipfel des Mont Tendre an wird der Kamm immer schmäler; am SO.-Hang bilden sich, zwei Vertiefungen heraus, die Combe de la Foireuse und die Combe du Pré de Rolle, zwischen denen der Mont de Bière (1528 m) steht.
Das vom Petit Pré de Rolle an sich bemerkbar machende Längsthälchen von Le Planey und Les Frasses weist auf eine Verdoppelung des Kammes hin. Doch endigt dessen O.-Arm schon ob Arzier, während der W.-Arm als Crêt de la Neuve (1500 m) bis zum Col de Saint Cergue sich fortsetzt. Eine letzte Vorkette des Jura lässt sich zwischen Bérolle und Bassins erkennen; sie liegt fast vollständig unter einer mächtigen Decke von Glazialschutt begraben und, bildet u. a. die Neokomhöhe des Mont Chaubert und, weiter südwestwärts, die Gewölbe von La Barillette und Le Guinfard.
Der Col de Saint Cergue (1232 m) fällt mit einer Ablenkung der Jurafalten nach Westen zusammen. Hier beginnt der südl. Waadtländer Jura, der zwei deutlich geschiedene Kämme und eine mit dem SO.-Hang der grossen Kette der Dôle verschmelzende dritte Falte aufweist. Diese letztere ist offenbar die Fortsetzung der Vorfalte des Mont Chaubert, die unter dem Moränenschutt des Gehänges von Arzier le Muids durchstreicht, das weite Waldrevier zwischen der Dôle und dem Gehänge von Bonmont bildet und weiterhin sich zur grossen Kette Reculet-Crêt de la Neige entwickelt.
Vom Kamm der Dôle (1680 m) wird sie durch das Thälchen von Le Vuarne und von La Dôle getrennt, das die westwärts abgelenkte Fortsetzung der Längsfurche Le Planey-Saint Cergue darstellt und am Fuss des Dôlegipfels endigt. Der Kamm der Dôle ist die Fortsetzung desjenigen des Signal de la Neuve, der sich südl. vom Col de Saint Cergue beträchtlich verbreitert und hier das stark zerschnittene Gebiet von Cuvaloup bildet. Westl. vom Gipfel der Dôle zeigt sich im Rücken von Cuvaloup eine breite und ziemlich tiefe Einsenkung, die den Wald von Le Léseney und tiefer unten die Sennberge von Le Sonaillay trägt. An dieser Stelle sendet der Hauptkamm die die Dôle an Höhe nicht erreichende kurze Kette der Pétroulaz (1432 m) aus, die den Einschnitt von Le Léseney vom Dappenthal trennt.
Der zentrale und südl. Waadtländer Jura offenbart in seiner obern Region und in einigen seiner Längsthälchen die nämlichen hydrographischen Eigenschaften und Erscheinungen, wie sie den Kalkgebieten im allgemeinen eigen sind. Die Regenwasser verschwinden durch die unzähligen Spalten und Risse des durch Erosion und Korrosion zerklüfteten und aufgelösten Kalkgesteins rasch in der Tiefe. Auf den nackten Felsrücken und in den auf Jurakalken stehenden Waldungen bilden sich Karren («lapiés» und «lézines» genannt) heraus.
Schöne Beispiele hiefür bieten der Wald von Le Léseney westl. der Dôle und der Rücken der Kette von Les Crosets, wo das Bois de la Rollaz auf einem ausgedehnten Karrenfeld steht. Die die einzelnen Kämme des Gebietes des Mont Tendre voneinander trennenden Thälchen entbehren vollständig des oberflächlich fliessenden Wassers; alle Regen- und Schneeschmelzwasser verschwinden im karrig ausgefressenen Boden und dringen in die Tiefe, um die Quellen im Jouxthal einerseits und an der SO.-Flanke des Jura andrerseits zu speisen.
Besonders lehrreich ist in dieser Beziehung der Vallon des Amburnex. Hier stösst man da und dort auf beckenförmige Bodensenken, in denen man einen kleinen See zu finden erwarten dürfte, analog dem Jouxsee, der den tiefsten Abschnitt des obersten Thales der Orbe ausfüllt. Nun entbehrt aber das Längsthal von Les Amburnex nicht nur jedes Baches, sondern auch jedes Wassers in den genannten trichterförmigen Einsenkungen, die tatsächlich vollkommen trocken liegen und in ihrem Mittelpunkt Schlundlöcher erkennen lassen, die mit dem unterirdischen Kanal- und Spaltensystem des ganzen Gebietes in Zusammenhau stehen.
Bei einem heftigen Gewitterregen oder anlässlich rascher Schneeschmelze kann man sich davon leicht durch eigenen Augenschein überzeugen: es bilden sich dann trotz der Durchlässigkeit des Bodens zahlreiche rasch fliessende Bäche, die sich aber schon nach kurzem Lauf in einem mehr oder weniger versteckten unterirdischen Kanal verlieren oder aber mit unheimlichem Gurgeln in eines der grossen Schlundlöcher am Grund der erwähnten Dolinen stürzen. Die bemerkenswertesten dieser Abflusstrichter sind diejenigen der Sèches des Amburnex; andre finden sich im Sennberg Le Couchant am W.-Hang des Mont Sallaz, im Wald La Bassine, im Creux du Cruaz, im Bois de la Givrinne etc. In einigen dieser Schächte sammelt sich Eis an (Eishöhlen von Saint Georges, La Givrinne). Die Sennhütten und sogar einzelne Dörfchen sehen sich auf das Wasser angewiesen, das sie von den Hausdächern her oder durch Auffangen von zeitweise fliessenden Bächen in Zisternen ansammeln.
b) Mittelland.
Das Waadtländer Mittelland zerfällt in zwei deutlich verschiedene Abschnitte, die durch den Lauf der Venoge vom Mormont bis zum Genfersee und durch das Thal der Orbe mit dem Neuenburgersee voneinander getrennt werden. Der westl. dieser Linie gelegene Abschnitt kann als «subjurassisches Plateau» bezeichnet werden, während der Ostabschnitt unter dem Namen des «Jorat (Jurten)» bekannt ist.
Der subjurassische Abschnitt des Waadtländer Mittellandes steigt vom Genfersee und aus den Thälern der Venoge und Orbe stufenförmig bis zum Jurafuss an. Er erscheint durch Erosionsfurchen zerschnitten, die sowohl die Oberflächengestaltung als den geologischen Bau prachtvoll aufschliessen. Mehrere dieser Thäler reichen mit ihren obersten Verzweigungen bis in den Jura hinauf und lassen so den Anteil der Juragesteine am Aufbau dieses Abschnittes des Mittellandes erkennen.
Solche Thälchen sind: diejenigen des Boiron und der Asse, die zwischen Crassier und La Rippe an der Juraflanke beginnen und sich nur schwach eingeschnitten haben, dann diejenigen der Sérine, der Combaz, des Oujon und der Colline, die dem Juragehänge unterhalb Saint Cergue und Arzier entspringen und sämtlich zum Thal der Promenthouse sich vereinigen. Eine sozusagen noch kompakte Scholle des Mittellandes liegt zwischen Bassins und Gimel und endigt mit der zum Genfersee abbrechenden bemerkenswerten Landstufe von La Côte ¶