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Von praktischer Bedeutung ist aber allein die Darstellung des Alkohols durch Gärung zuckerhaltiger Flüssigkeiten, die man
entweder aus zuckerhaltigen oder häufiger aus stärkemehlhaltigen Rohmaterialien zu diesem Zweck bereitet (s. Spiritusfabrikation).
[* 9] Spiritus
[* 10] ist mit Wasser verdünnter Alkohol, die Technik gewinnt aber durch sinnreiche Rektifikationsapparate
sehr hochgradigen Spiritus (mit einem Alkoholgehalt von 80, 90, selbst 95 Proz.), und aus diesem erhält man
durch Destillation
[* 11] über gebranntem Kalk und zuletzt über Ätzbaryt wasserfreien Alkohol (Alcohol absolutus).
BeimGenuß von mäßig konzentriertem Alkohol entsteht bekanntlich ein
Gefühl von Wärme
[* 18] im Mund, welches sich bis in den Magen
[* 19] hinab
fortpflanzt und von dort über den ganzen Körper verbreitet. Sorgfältige Beobachtungen haben aber ergeben, daß der Alkohol die
Körpertemperatur herabsetzt. Die Pulsfrequenz wird durch ihn vermehrt, es wächst die Zahl der Respirationen
sowie die Muskelkraft, und die geistigen Funktionen werden angeregt. Ein etwa vorhandenes Hungergefühl wird unterdrückt
und eine leichtere physische und psychische Abspannung überwunden.
Dabei sinkt der Gehalt des Harns an festen Stoffen, und auch die Menge der ausgeatmeten Kohlensäure wird geringer. GrößereQuantitäten
Alkohol erzeugen den Rausch und endlich jenen als »Besoffenheit« bezeichneten Zustand, in
welchem der Patient bewußtlos daliegt und bisweilen an Asphyxie oder Apoplexie stirbt. Absoluter Alkohol wirkt schon in kleinen Dosen
ätzend. Bei anhaltendem übermäßigen Genuß von Alkohol entsteht der als Alcoholismus chronicus bezeichnete Zustand, bei welchem
zunächst der Verdauungsapparat leidet und auffallenderweise trotz geringer Nahrungszufuhr eine bedeutende
Fettansammlung stattfindet. In welcher Weise der Alkohol diese Wirkungen hervorbringt, ist noch keineswegs festgestellt; im Magen
erzeugt er zunächst eine gesteigerte Absonderung des Magensafts, auch soll er die Bewegung des Magens anregen, und so erklärt
sich wohl der günstige Einfluß, welchen eine geringe Menge Alkohol, nach dem Essen
[* 20] genommen, auf die Verdauung
ausübt.
Manche der angeführten Thatsachen sprechen für eine Verlangsamung des Stoffwechsels, doch ist näheres darüber nicht bekannt.
Faßt man alle Erfahrungen zusammen, so ist zuzugeben, daß ein mäßiger Genuß des Alkohols mancherlei Vorteile bietet. Ein
kleiner Schnaps, besonders mit einem aromatisch bittern Zusatz, hat sich nach dem Genuß fetter Speisen
wohl bewährt; ein geringer Zusatz von Branntwein zum Trinkwasser ist bei anstrengender Arbeit, auf Märschen etc. empfehlenswert.
Dem Armen ersetzt der Branntwein das Gewürz, und bei naßkaltem Wetter
[* 21] schafft der Alkohol dem durch bedeutende körperliche Anstrengung
abgespannten und ermüdeten Arbeiter eine gewisse geistige Erregung und erhöhte Leistungsfähigkeit.
Diesen Vorteilen gegenüber steht die Gefahr des Mißbrauchs, welche bekanntlich gerade in diesem Fall eine sehr große ist.
Als Arzneimittel wird Alkohol meist nur in der Gestalt von Wein benutzt; äußerlich dient er zu Waschungen bei profuser Schweißsekretion
(Hand- und Fußschweiße) und als Volksmittel bei entzündlichen Zuständen tiefer gelegener Gebilde.
Geistige Getränke sind schon in den ältesten Zeiten bei sehr vielen Völkern bekannt gewesen und wurden aus zucker- oder
stärkemehlhaltigen vegetabilischen Stoffen, aber auch aus Honig oder Milch durch Gärung erhalten. Im 8. Jahrh. gewann man durch
Destillation von Wein unreinen Weingeist, welchen Raymund Lullius durch kohlensaures Kali entwässerte. Wasserfreien
Alkohol stellte indes erst Lowitz 1796 dar. Über die Geschichte und Litteratur der Spiritusfabrikation s. d.