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Die Gründungsurkunde für Freiburg aus dem 12. Jahrhundert enthält u.a. folgende Bestimmungen: (bearbeiteter Quellentext)
In meinem Besitz in Freiburg habe ich einen Markt gegründet. Ich habe Kaufleute aus anderen Orten eingeladen, sich hier niederzulassen. Jeder Kaufmann erhält zum Bau eines Hauses ein Grundstück, 30 m lang und 15 m breit. Ausserdem verspreche ich:
- Allen, die meinen Markt besuchen, garantiere ich Frieden und Sicherheit. Sollte aber jemand hier
bestohlen werden, so werde ich ihm, wenn er den Räuber nennen kann, zur Rückgabe des Weg-
genommenen verhelfen oder ihm den Schaden ersetzen.
- Wenn einer meiner Bürger stirbt, sollen seine Frau und Kinder alles erben.
- Allen Kaufleuten erlasse ich den Marktzoll.
- Wenn es zwischen meinen Bürgern zu einem Streit kommt, soll nicht von mir oder meinen Richtern
entschieden werden. Vielmehr sollen die Kaufleute selber nach ihrem Recht und ihrer Gewohnheit
richten.
- Jeder, der in diese Stadt kommt, darf hier frei und unbehelligt sich niederlassen, wenn er nicht der
Leibeigene eines Herrn ist. Wer aber über Jahr und Tag in der Stadt gewohnt hat, ohne dass ihn ir-
gendein Herr als seinen Leibeigenen gefordert hat, der geniesst von da sicher und unangefochten
die Freiheit.
Die Menschen, die in die Stadt ziehen, werden zu „Burgleuten“ oder "Bürgern", die nach dem Burgrecht (Stadtrecht) leben. Auch die Stadtmauer und das Stadttor heissen bis zum 12. Jahrhundert noch Burgmauer oder Burgtor. „Burg“ oder „bourg“ kommt noch heute in vielen Städtenamen vor.
Aufgaben und Recherchen
1) Schreibt auf, was der Herzog den Kaufleuten versprach.
2) Überlegt, welche Vorteile der Herzog von der Ansiedlung der Kaufleute erwarten konnte.
3) Wieso übte die Stadt auf die Landbevölkerung eine dermassen grosse Anziehungskraft aus?
4) Die Bezeichnung der Stadt als Burg gibt einen Hinweis auf eine ihrer wichtigsten Aufgaben. Überprüft diese Behauptung mit Hilfe von mittelalterlichen Stadtbildern.
5) Auf dem Land galt das Personalrecht, in der Stadt das Territorialrecht. Versuche diese beiden Begriffe anhand dessen, was du jetzt über Leibeigenschaft und Stadtfreiheit weisst, zu klären.
Die Ständepyramide einer freien Reichsstadt
Der Stadtherr verfügt über das Marktrecht, d. h. über das Recht zu bestimmen wie oft und an welchen Tagen in der Stadt Markt (Messe) gehalten wird. Er verfügt auch über das Recht, Gebühren und Zölle zu erheben.
Die reich gewordenen Kaufleute sind mit diesen Regelungen unzufrieden. Deshalb schliessen sie sich zu Kaufmannsgilden zusammen und verlangen eine Beteiligung an den Rechten des Stadtherrn. In manchen Städten erkaufen sie sich das Marktrecht, in anderen Städten erstreiten sie sich dieses Recht.
Freie Reichstadt zu sein verschafft viele Privilegien. Dieses Recht muss vom Kaiser verliehen und beurkundet werden. Viele Städte werden auf Grund des Angebots der Reichsfreiheit erst gegründet. In anderen Städten erkaufen oder erstreiten sich im Laufe der Zeit die begüterten Kaufleute (Patrizier) dieses Recht, die Stadt selbst zu verwalten. Aus ihrer Mitte wählen sie die Ratsherren, diese wählen den Bürgermeister. Die Ratsherren können in der Stadt Recht sprechen und Gesetze erlassen. Die Kaufherren (Patrizier) schliessen die Bewohner, die nicht zu ihrem Stand gehören, von der Selbstverwaltung aus. So entsteht die städtische Ständepyramide.
(1) Zu diesem Stand gehören die reichen Handelsherren. Die Ratsherren und die Bürgermeister der Städte gehören
diesem Stand an. Sie regieren die Städte und lassen Angehörige anderer Stände zunächst nicht an der Verwal-
tung teilnehmen.
(2) Zu diesem Stand gehören die Handwerker sowie die Händler und Ackerbürger. Dieser Stand ist zahlenmässig
weitaus grösser, als der der Patrizier; er ist aber zunächst von dem Recht, an der Selbstverwaltung teilzunehmen,
ausgeschlossen.
(3) Zu diesem Stand gehören alle Dienstleute, z. B. Knechte, Mägde, Lastenträger, Fuhrleute und Tagelöhner. Sie
bilden in den meisten Städten den grössten Teil der Bevölkerung.
(4) In vielen Städten leben Juden. Sie dürfen sich nicht an einer beliebigen Stelle der Stadt ansiedeln, sondern müs-
sen im Judenviertel oder in der „Judengasse" wohnen. Sie sind als Händler – vor allem im Fernhandel - oder als
Geldverleiher geduldet, politisch sind sie aber rechtlos, oft gar Verfolgungen ausgesetzt.
Aufgaben und Recherchen
- Was ist ein Stand?
- Welchem Stand gehörten die Ratsherren und Bürgermeister an?
- Welcher Stand war zahlenmässig der grösste?
- Welche Stände war zunächst nicht an der Stadtverwaltung beteiligt?
Leben in einer mittelalterlichen Stadt
Die hohe Zeit der Städte ist das späte Mittelalter von 1100 bis 1500. In einer durchschnittlichen Stadt leben etwa 7'000 Menschen. Auf der Strasse trifft man sich, an den Brunnen wird Wasser geholt und getratscht. Der Marktplatz ist das Zentrum der Stadt. Das Leben in den engen Grenzen der Stadtmauern ist streng geregelt. Die Stadt ist ein eigener Wirtschafts- und Rechtsbereich. Jeder Stadtbürger ist frei und kann im gesellschaftlich festgelegten Rahmen seiner Beschäftigung nachgehen.
Jede Stadt hat einen Grundherrn. Das ist meistens ein Graf, Herzog oder Bischof, auf dessen Grund die Stadt steht. Reichsfreie Städte sind direkt dem Kaiser unterstellt. Als Stadtherr sorgte er für einen geordneten Handel in der Stadt und auf dem Markt, indem er Masse und Gewichte festsetzen und die Einhaltung aller Vorschriften überwachen lässt. Von den Kaufleuten und Händlern zieht er dafür Zölle und Marktgebühren ein. Um die Einnahmen zu erhöhen, gehen viele Stadtherren dazu über, planmässig neue Städte zu gründen.
Die Menschen einer mittelalterlichen Stadt
Aufgaben und Recherchen
Nenne die wichtigsten Merkmale, durch die sich eine Stadt von einem Dorf unterscheidet.
Was versteht man unter Stadtrecht?
Was ist eine Reichsstadt?
Die hygienischen Verhältnisse in den Städten sind katastrophal. Kanalisationen gibt es keine. Der Abfall wird direkt in die Gassen entsorgt. Da es praktisch keine Toiletten gibt, werden auch die Nachttöpfe und Fäkalieneimer auf die Gasse entleert. Hunde, Schweine und vor allem Ratten tummeln sich im Dreck. Der Gestank ist oft unerträglich. Hie und da wird - falls es einen gibt - der Stadtbach gestaut und der ganze Unrat aus den Strassen gespült. Es verwundert nicht, dass es in den Städten immer wieder Seuchen gibt, die grosse Teile der Stadtbevölkerung dahinraffen. Die Pest ist (neben Cholera, Typhus...) nur eine dieser Seuchen.
Die Stein- und Fachwerkhäuser, die wir heute noch in mittelalterlichen Städten bewundern, gehören Patriziern oder reichen Kaufleuten und Handwerkern. Da Bauplatz in der Stadt rar ist, kann man noch heute aus der Frontbreite der Häuser auf den Reichtum der ehemaligen Besitzer schliessen.
In den Häusern spielt sich das Leben meist in einer Diele (Vorraum) ab, wo gelebt, gespielt, gekocht, gegessen und oft auch geschlafen wird, weil sie der einzige beheizbare Raum im Haus ist. Essenvorräte werden gerne im Estrich aufbewahrt, weil der besser vor den lästigen Nagetieren geschützt ist. Konserviert werden die Lebensmittel mit Rauch oder sie werden getrocknet. Zu Essen gibt es meist Haferbrei, Fleisch und Gemüse kommen nur selten auf den Tisch des einfachen Bürgers.
Die Brandgefahr ist eine ständige Bedrohung in den Städten. Deshalb werden schon bald strenge Brandschutzbestimmungen erlassen und die Brandmeldung und Brandbekämpfung durch die Bürger organisiert.
Marktordnung und Marktfriede
Noch ehe der Tag angebrochen ist, macht sich der Bauer auf den Weg zur Stadt. Heute nimmt er zum ersten Mal seinen Sohn mit. Dieser trägt einen Korb mit Eiern. Über die Schulter hat er sich zwei Hühner gehängt. Der Vater hat in seinem schweren Tragkorb einige Mass Mehl, Butter und noch ein paar Felle. Das Dorf liegt über vier Stunden Fussmarsch von der Stadt entfernt.
Endlich, als die Sonne aufgeht, sehen sie die Türme der Stadt vor sich. Der Sohn ist ganz aufgeregt. "Vater! So viele Türme und Dächer habe ich noch nie gesehen. Jetzt weiss ich, was eine Stadt ist! Wo viele Menschen wohnen, das ist eine Stadt." "Nein", entgegnet der Vater, "das stimmt nicht ganz. Nicht die Zahl der Menschen ist entscheidend. Der Ort muss eine Mauer, sein eigenes Gericht und sein eigenes Rathaus haben. Dann kann er sich Stadt nennen. Ausserdem hat jede Stadt einen Markt. Er befindet sich in der Nähe der grossen Stadtkirche und des Rathauses. Wir sind bald dort."
Von allen Seiten haben sich inzwischen Bauern hinzugesellt. Mit vielen anderen stehen sie vor dem Stadttor. Ein Stadtknecht hält sie an. Er durchsucht den schweren Tragkorb. Dann dürfen sie passieren, ohne eine Abgabe zahlen zu müssen, denn sie tragen nur die für die Stadt wichtigen Lebensmittel mit sich. Für andere Waren muss man nämlich Torzoll bezahlen. Schnell haben sich die bei den durch das Gedränge der Wagen und Menschen hindurchgeschlängelt. Sie laufen durch enge Gassen und gelangen endlich auf den Hauptmarkt. Hier wird alles angeboten, was die Bürger gebrauchen können: Fleisch und Gewürze, Fisch und Gemüse, aber auch Kleider, Töpfe und andere Handwerkserzeugnisse.
Der Marktplatz bildet den Mittelpunkt aller alten Städte. Am Marktplatz liegt auch das Rathaus. Die Fahne verkündet, dass heute Markttag ist. Am Markttag kommen nicht nur Leute aus der eigenen Stadt, sondern auch Bauern, Handwerker, Händler und Käufer von nah und fern in die Stadt. Alles zum Leben Notwendige wird gehandelt. Diese geschäftige Treiben wird durch eine Marktordnung geregelt. Darin ist u.a. festgelegt:
- Nur wer eine Genehmigung hat, darf seine Waren anbieten.
- Jeder Händler bekommt seinen Stand zugewiesen.
- Brotbeseher prüfen, ob die Bäcker das Brot gross genug gebacken haben.
- Die für einige Waren vorgeschriebenen Preise müssen eingehalten werden.
- Es ist verboten, dass Käufer Brot, Fleisch und Fisch anfassen.
Aufgabe und Recherchen
Haben diese Vorschriften in ähnlicher Form auch heute noch Geltung? Schreibe auf, was du darüber weisst!
Eine besondere Verordnung (Marktfriede) sorgt dafür, dass der Markttag friedlich verläuft. Es ist verboten, am Markttag Waffen zu tragen oder einen Streit mit Waffen auszutragen. Wer gegen den Marktfrieden verstösst, wird streng bestraft.
Aufgaben und Recherchen
Auf dem Bild ist dargestellt, wie es auf einem Markt im Mittelalter zugeht. Versuche, folgende Begriffe auf dem Bild zuzuordnen: Marktwaage, Marktbrunnen, Lagerhäuser Stapelhäuser), Viehmarkt, Verkaufsstände , Lastwagen (Fuhrwerk) , Rathaus, Marktfahne, Stadtsoldaten, Kaufmann