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Was ist die Ursache?
Bei Ohrentzündungen werden prädisponierende, primäre, sekundäre und perpetuierende Faktoren unterschieden.
- Prädisponierende Faktoren unterstützen die Entwicklung einer Otitis, sind aber nicht fähig, eine Otitis auszulösen. Dies sind z.B. anatomische Gegebenheiten (enge Ohrkanäle wie z.B. Beim Shar Pei, erhöhte Anzahl Ceruminaldrüsen (Cocker Spaniel), Schlappohren, wie auch klimatische Faktoren (Wärme, Nässe).
- Die primären Faktoren sind verantwortlich für die Entstehung einer Otitis externa. Hierzu gehören z.B. allergische Hautprobleme wie Futtermittelallergie oder atopische Dermatitis (Sensibilisierung auf Pollen, Hausstaubmilben, Vorratsmilben), Ohrmilben, hormonelle Störungen (z.B. Cushing, Schilddrüsenunterfunktion), Autoimmunerkrankungen (z.B. Pemphigus-Komplex, juvenile Cellulitis) und Tumorerkrankungen des Ohrkanals oder des Mittelohres.
- Die sekundären Faktoren sind eine Folge der primären Faktoren und verstärken die Symptome der Otitis externa. Dies sind vor allem Infektionen mit verschiedenen Bakterien oder mit Hefepilzen (Malassezien).
- Die perpetuierenden Faktoren unterhalten die Otitis externa, d.h. sie verhindern die Abheilung. Sie entstehen im Laufe von chronischen Ohrentzündungen und sie können irreversibel sein. Hierzu gehören z.B. Mittelohrentzündungen (Otitis media) und Hyperplasie des Ohrepithels (Verdickung der Innenauskleidung des Ohres), damit einhergehende Verengung des Ohrkanals, wie auch chronische Entzündung und damit Vermehrung und Vergrösserung der Ceruminaldrüsen.
Um eine Otitis externa erfolgreich therapieren bzw. einen Rückfall verhindern zu können, müssen alle 4 Faktoren erkannt und kontrolliert werden.
Die Anatomie des Hunde– und Katzenohrs
Hunde und Katzen haben im Vergleich zum Menschen einen deutlich längeren Ohrkanal, der L-förmig verläuft. Der Ohrkanal ist ein mit Knorpel eingefasster „Tunnel“, dessen Innenseite mit Haut ausgekleidet ist. Der Abschluss des Ohrkanals macht das Trommelfell, eine dünne Membrane, die das äussere Ohr vom Mittelohr abtrennt und für die Schallleitung zuständig ist.
Im Unterschied zur normalen Haut, ist das Ohrepithel mit weniger Haaren dafür mit umso mehr Drüsen ausgestattet. Schweissdrüsen sind zu Ceruminaldrüsen umgewandelt und zuständig für die Ohrschmalzproduktion. Die Haut des Ohrkanals wächst vom Trommelfell zur Ohröffnung hin, wodurch eine kontinuierliche Abtragung und Ausscheidung von Schmutz und Schmalz bewirkt wird.
Welches sind die Symptome einer Ohrentzündung?
Bei einer Ohrentzündung können Symptome wie rote Ohrmuscheln. Kratzen am Ohr/Kopf, Kopfschütteln, Hängenlassen des Ohres, „Hot Spots“ im Gesichts-/ Wangenbereich und stinkender Ohrgeruch sowie Ohrausfluss beobachtet werden. Bei schweren Ohrentzündungen sind die Hunde und Katzen oft schmerzhaft und können kopfscheu oder sogar aggressiv werden. Falls neben der Entzündung auch eine Infektion vorliegt, kommt es zur vermehrten und veränderten Ohrschmalzproduktion oder sogar Eiterproduktion.
Wie wird eine Otitis externa diagnostiziert?
Die ersten diagnostischen Schritte bestehen aus einer otoskopischen Untersuchung beider Ohren. Dabei können Veränderungen des Ohrkanals, das Ohrsekret und eventuell auch das Trommelfell untersucht werden. Auch Fremdkörper und Ohrmilben sind teilweise auszumachen. Mittels Ohrabstrichen, welche mikroskopisch untersucht werden, können Bakterien und Hefenpilze erkannt und eine entsprechende Behandlung eingeleitet werden. Ein parasitologischer Abstrich zur Erkennung von Milbenerkrankungen im Ohrkanal wird ebenfalls durchgeführt.
Weitere Untersuchungsmöglichkeiten sind eine bakteriologische Untersuchung des Ohrsekretes, Magnetresonanz- oder Computertomographie des Kopfes zur Abklärung von Mittelohrentzündungen wie auch die videootoskopische Untersuchung des Ohres. Bei der Videootoskopie können der Ohrkanal und das Trommelfell dank einer starken Lichtquelle und Vergrösserung sehr gut dargestellt werden. Ausserdem kann mit diesem Instrument der Ohrkanal gespült werden und eine Myringotomie (künstliche Perforation des Trommelfells zur Druckentlastung des Mittelohres) mit Spülung des Mittelohres vorgenommen werden. Diese Untersuchung kann nur in Vollnarkose durchgeführt werden.
Wie kann die Otitis externa behandelt werden?
Die lokale Behandlung mit Ohrentropfen und –reinigern ist sehr wichtig. Die meisten Ohrentropfen sind Kombinationspräparate, die sowohl bakterielle als auch Pilzinfektionen behandeln. Ohrreiniger sorgen dafür, dass das Ohrsekret sich löst und vom Tier aus dem Gehörgang herausgeschüttelt werden kann.
Unter bestimmten Umständen kann es auch sinnvoll sein, neben der lokalen Behandlung Tabletten zu geben. Wenn z.B. der Gehörgang sehr stark zugeschwollen ist, führt die Verabreichung von Kortison meistens zu einer schnellen Besserung der Entzündung und auch der damit einhergehenden Schmerzen. Bei sehr hochgradigen bakteriellen Infektionen kann es auch notwendig sein, neben den antibiotischen Ohrentropfen auch noch ein orales Antibiotikum zu geben.
Die Dauer der Behandlung ist sehr unterschiedlich und hängt u.a. von der Ursache der Ohrentzündung und der Art der sekundären Infektion ab. Eine Kontrolluntersuchung sollte 2-3 Wochen nach Behandlungsbeginn stattfinden.
Für eine erfolgreiche Therapie und die Vermeidung von Rückfällen ist es auch sehr wichtig, dass die Ursache der Otitis externa erkannt und ebenfalls behandelt wird.