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Geradezu abstrakt waren die Anfänge der Videogames, doch Spass machte das Spielen selbst vor über 50 Jahren. Ein kurzer Rückblick.
Manche von uns mögen sich noch an den dunkelgrauen Bildschirm – schwarz gab es damals noch nicht – erinnern, auf dem rechts und links am Bildrand zwei weisse Striche zu sehen waren. Dazwischen sprang ein weisser Punkt hin und her, der mit den «Rackets» auf der Seite zurückgeschlagen oder vielmehr abgewehrt werden musste. Pong von Nolan Bushnell läutete 1972 das kommerzielle Zeitalter der Videospiele ein, doch die Geschichte des Leitmediums der Gegenwart beginnt eine gute Dekade früher.
Im Hingham Institute, Cambridge, Massachusetts fanden sich 1961 drei junge Forscher und Fans kruder Science-Fiction-Geschichten zusammen, in denen es von Weltraumkriegern, Monstren und fremden Planeten nur so wimmelte. Wohl nicht zuletzt deshalb tauften sie ein einfaches Demonstrationsprogramm für den damals revolutionären PDP-1-Computer des Hingham Instituts Spacewar!
Sieht man einmal von diesen vereinzelten experimentellen Versuchen in elektrotechnischen Forschungslaboratorien ab wie Spacewar! und noch zuvor Tennis for Two, entwickelt von William Higginbotham 1958 im Brookhaven National Laboratory, so gilt der deutsch-stämmige Ralph Baer aus juristischer Sicht als der Vater des Videospiels. Vor Gericht erstritt sich Baer die Definition eines Videospiels, die ein Gerät umschreibt, das Raster-Videotechnologie zur Darstellung des Spiels verwendet – sprich ein TV-Gerät oder TV-Monitor –, und nicht wie in früheren Versuchen ein Oszilloskop, das an einen Computer angeschlossen wurde.
Baer entwickelte 1966 Fox & Hounds. Das Spiel bestand darin, sich vorzustellen, dass ein Punkt ein Fuchs war und der andere ein Jagdhund. Ziel war es, dass der Hund den Fuchs jagen musste, bis er ihn erwischte, indem er schlicht den anderen Punkt berührte. Es war das erste «Videospiel», das je auf einem Fernsehbildschirm gespielt wurde.
Die Ur-Konsole «Magnavox Odyssey», basierend auf Baers Patent, wird 1972 auf den Markt gebracht. Doch ein Jahr zuvor stellte Nolan Bushnell mit Computer Space, eine Referenz an das von ihm geliebte Spacewar!, eine Konkurrenz für Flipperkästen in die Spielhallen. Das Spiel überforderte jedoch die Klientel, weshalb der spätere Gründer des Videospielherstellers Atari das einfachere Pong, eine Art Tischtennis in Schwarzweiss, nachschob. Pong erweist sich als beliebter Münzschlucker, den Bushnell in ganz Amerika vertreibt, und war auch das erste Sportspiel – eine Kategorie, die heute innerhalb der Game-Welt viel Platz einnimmt.
So richtig los geht’s dann ein paar Jahre später mit Space Invaders (1978), Pac-Man (1981) und dem ersten Auftritt eines schnauzbärtigen Zimmermanns im Jump’n’Run-Titel Donkey Kong (1980). Aus dem damals noch namenlosen Jumpman wird der legendäre Super Mario, der dann auch noch seinen Job wechselt und zum Sanitär «avanciert», der zeitlebens Prinzessin Peach retten muss.
Diese Zeit der späten 1970er- und frühen 1980er-Jahre wird als das goldene Zeitalter der Videospiele betitelt. Spielhallen gefüllt mit massgefertigten riesigen Kästen, die um die Monitore und Bedienungselemente gebaut wurden, schiessen rund um den Globus wie Pilze aus dem urbanen Boden.
Mit den Verbesserungen in der Grafik – vom weissen Punkt bis zum farbigen Pixelmännchen sind es computertechnische Meilen – wird denn auch ein breiteres Publikum angesprochen. Stänkerer werden sagen: Mit dem Verlust der Abstraktion geht auch ein Teil der Fantasie verloren, die erforderlich war, um sich bei Baers Fox & Hounds eine Fuchsjagd auf dem heimischen TV-Bildschirm vorzustellen. Doch das ist ein kleiner Preis, der für das Fundament des am schnellsten wachsenden Mediums bezahlt wurde.