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Über zwei Dinge haben wir uns vorgängig informiert und versuchen es hier mit einfachen Erklärungen:
Feuerspeiende Berge, die mitten auf einer tektonischen Platte liegen nennt man Hot Spots. Hier ist die Wärmekonzentration in 30 bis 100 Kilometern Tiefe besonders hoch. An diesen Schwachstellen der Erdkruste kann heisses Material aus dem Erdinneren aufsteigen und die Kruste langsam aufschmelzen. Wenn es die Erdoberfläche erreicht hat, entsteht ein neuer Vulkan. Ein sogenannter Hot Spot bleibt ortstreu, während die Erdplatte über ihm in Bewegung bleibt. Deshalb fräst sich ein Hot Spot nahezu in die Erdkruste ein und lässt ganze Vulkanketten entstehen (z.B. Hawaii). Ein solcher Hot Spot befindet sich auch unter Yellowstone!
Unter dem Yellowstone Park – und damit mitten unter den USA – lauert ein gewaltiger Supervulkan – ein schlafender Riese, dessen Ausbruch weite Teile der Vereinigten Staaten verwüsten würde. Der Unterschied zu einem normalen und sichtbaren Kegel-Vulkan ist die Bildung einer gewaltigen Magmakammer unter der Erde. Bei einem Ausbruch werden riesige Mengen an Material ausgeworfen. Auch die Art des Ausbruchs unterscheidet sich von anderen Vulkantypen. Steigt der Druck unter dem Boden, bläht sich dieser auf. Nach dem Ausbruch stürzt der gesamte ausgeleerte Krater ein und bildet die Caldera. Weltweit gibt es nur wenige Supervulkane (z.B. die Phlegräischen Felder bei Neapel), darunter auch der Yellowstone. Der Krater ist etwa 72 Kilometer lang und rund 56 Kilometer breit. Grosse Eruptionen ereigneten sich vor etwa 2 und 1,3 Millionen Jahren und die dritte vor 640‘000 Jahren.
Die Magmakammer befindet sich rund 8 Kilometer unter der Erdoberfläche und hat gewaltige Ausmasse: 40 bis 50 Kilometer lang, 20 Kilometer breit und 10 Kilometer dick. Ein möglicher Ausbruch – z.B. durch ein starkes Erdbeben – wäre verheerend! Extrem wären auch die globalen klimatischen Auswirkungen: Eine weltweit durchschnittlichen Abkühlung um mehrere Grad. Starke Beben sind in dieser Region keine Seltenheit! Der nächste Ausbruch kommt bestimmt, nur weiss niemand, ob in der kommenden Woche oder erst in tausenden Jahren.
Yellowstone erweckt Ehrfurcht! Die vielen Geysire, Hot Springs und Pools mit kochend heissem, glasklarem Wasser aus extremer Tiefe, Grollen aus dampfenden Erdspalten, Gestank nach Schwefel und faulen Eiern sowie blubbernde Schlammgruben führen deutlich vor Augen, dass man sich hier auf sehr dünner Erdkruste bewegt.
Von Great Falls auf 1‘500müM geht es entlang des Yellowstone River durchs Paradise Valley ganz sachte aufwärts bis zum nördlichen Parkeingang auf über 2‘200 müM.
Als erstes die Mammoth Hot Springs. Die Sinter-Terrassen sind etwas ganz Besonderes. Das mit Kalziumkarbonat angereicherte Quellwasser bildet beim Austritt an die Oberfläche terrassenförmige Ablagerungen. Farbenvielfalt der Terrassen und überall Dampf – schier unbeschreiblich.
Auf dem Parkplatz schreit sich ein Ranger die Seele aus dem Leib, denn urplötzlich taucht eine ganze Herde Wapiti-Hirsche auf. Touristen und ultimative Fotos…, dabei steht doch an jeder Ecke, dass man sich Wildtieren nicht nähern soll. Der brunftige Bulle brüllt aus Leibeskräften, weiter geschieht gottlob nichts. Die Situation ist nicht ungefährlich, denn es sind mindestens zwanzig Tiere, etwa 150 geparkte Autos und noch viel mehr Menschen an Picknicktischen viel zu nahe am Geschehen.
Unser nächstes Ziel ist das Porcelain Basin im Norris Geyser Basin, die heisseste Erde überhaupt im Park. Wie an vielen anderen Orten läuft man über Holzstege durchs Gelände und kann die vielen blubbernde Quellen, kleinen und grösseren Geysire sowie Heisswasser-Pools aus sicherer Distanz bestaunen.
Eine überaus vielfältige Tierwelt, auch das ist Yellowstone! Erst zwei Bisons, dann zwanzig – und dann hunderte! Eine grosse Herde grast entlang der Strasse. Das hatten wir uns sosehr gewünscht! Unglaublich beeindruckend, diese riesigen Tiere in solch grosser Menge!
Kurz vor unserem Ziel für heute – Fishing Bridge Campground – besichtigen wir Sulphur Caldron. Kochender Schlamm mit dem PH-Wert von Batteriesäure in riesigen Gruben und herumfliegende Schlammbrocken – hier geht die Post ab!
Die erste Nacht im Park ist geprägt von einem heftigen Gewitter. Wir versuchen morgens vergeblich, dem einzig sichtbaren Fleck blauen Himmels entgegen zu fahren. Während des Besuchs des West Thumb Geyser Basin – das Gelände liegt direkt am Yellowstone Lake und ist deswegen ganz besonders attraktiv – blitzt und donnert es unaufhörlich, inkl. heftigem Regen und Hagel. Pitschnass.. aber wir wollen alles sehen!
Klar ist der Besuch des Upper Geyser Basin mit dem berühmten Old Faithfull – er bricht zuverlässig ca. alle 90 Minuten aus – ein absolutes Muss. Statt auf einem Bänklein den nächsten Ausbruch abzuwarten, streifen wir durchs Gelände zu weiteren Attraktionen. Ein kaum erwähnter Geyser läuft dann zufällig vor unseren Augen zur Höchstform auf. Zusammen mit tausend weiteren Touristen warten wir anschliessend auf den Ausbruch des berühmten Old Faithfull Geyser. Mit seiner bis 100m hohen Fontäne versprüht er mit viel Getöse jeweils 14‘000 Liter 90°C heisses Wasser. Äusserst imposant! (Im September sollen die Besucher spärlich sein? Wir möchten nicht wissen, wie es hier im Sommer aussieht!)
Mit halbwegs wieder trockenen Kleidern weiter zum Gelände des Bisquit Basin. Insbesondere ein tiefblauer Pool mit kochend heissem, klarem Quellwasser hat es uns angetan. Dann ist noch dieser unscheinbare Geyser, der sich plötzlich aufplustert und einem beinahe die Schuhe versengt. Jede Minute im Yellowstone ist aufregend!
Während der Fahrt nach Norden erblicken wir Bisons im frühmorgendlichen Dampf des Yellowstone River, besuchen Mud Volcano (ein Schlammvulkan) und Dragons Mouth (eine ohrenbetäubend grollende Erdspalte). Durchgefroren holen wir uns im Visitor Education Center weitere Infos zum Thema „Supervulkane“ und gönnen uns einen warmen Imbiss, ehe wir den Grand Canyon of the Yellowstone ansteuern.
Nun ist klar, warum Yellowstone! Dank der Wechselwirkung zwischen Vulkangestein und heissem Wasser leuchtet der Canyon in phantastischen Farbtönen von Gelb bis Rot. Von einem über einen steilen Gehweg erreichbaren Punkt sehen wir den grünen Yellowstone River 91m in die Tiefe stürzen. Laufen hält bekanntlich warm, aber nach einem weiteren Hike haben wir die Nase voll vom Regen.
Es wird immer kälter und siehe da: Leise rieselt der Schnee…! Die weisse Pracht hüllt innert kürzester Zeit alles ein. Als es endlich aufhört, ist es bitterkalt geworden. Beat hat schon Visionen, wie wir hinter einem Schneepflug den Park verlassen müssen!
Soweit kommt es allerdings nicht, bloss die Strasse zum Tower Roosevelt im Norden ist anderntags wegen Eis gesperrt. Für heute heisst es also „umdisponieren“. Es ist sehr kalt, aber wenigstens trocken. Wapiti-Hirsche und Bisons im Schnee auf der Strecke zum Norris Geyser Basin – irgendwie ein märchenhafter Anblick.
Da ist noch der Steamboat Geyser im Norris Basin, der grösste Geysir der Welt! Aussagen zufolge bricht er nur unregelmässig aus. Aber auch so macht er ganz schön viel Krach! Wie wohl ein „richtiger“ Ausbruch aussieht?
An den 25m hohen Wasserfällen des Gibbon River (ein Quellfluss des Missouri) wärmen wir uns während einer Wanderung auf. Phantastisch dann der Firehole River, welcher inmitten der Caldera entspringt. Viele seiner bis 95°C heissen Zuläufe stammen aus Geysir-Becken und lassen die Wassertemperatur ansteigen. Die durch Algen und Bakterien heissen Zuflüsse verleihen seinen Ufern Farben von Brauntönen über dunkles Grün, Tiefrot, Orange bis zu leuchtendem Gelb.
In der Fountain Paint Pot Area trotzen wir heute letztmals der Kälte. Es handelt sich um riesige, kochende Schlammtöpfe. Angsteinflössendes Zischen und Grollen, bestialischer Gestank, Schlammbrocken fliegen einem um die Ohren – eine kleine Hölle!
Die nächste Nacht beschert uns etliche Minusgrade, beim Aufstehen erfreuen wir uns ob erfrischenden -4°C! Aber immerhin: Wolkenloser Himmel! Auf nach Norden zu Hanging Valley und Tower Roosevelt. Langsam schälen wir uns aus den Thermo-Kleidern und wandern erst zu den Upper Falls im Yellowstone Canyon. Über die wieder eisfreie Strasse geht’s weiter über den Dunraven Pass auf 2‘700müM. Auch wenn wir Schweizer an schneebedeckte Gipfel gewohnt sind: Eine eindrückliche Landschaft hier oben!
Der Rückweg führt uns nochmals über die Mammoth Hot Springs. Grosses Aufstöhnen: Eine stehende Kolonne! Der Grund: Ein riesiger Grizzliy, der sich unbekümmert querfeldein in Richtung der Sinter-Terrassen und damit hunderter Touristen bewegt. Die Parkranger sind in heller Aufregung und scheuchen die Autos weiter: „No stopping!“ Gerade mal ein Foto gelingt, dann blickt der Grizzly genau in unsere Richtung. Weg hier! Zehn Sekunden später ein Schuss – hoffentlich nur ein Schreckschuss! Wir konnten es leider nicht mehr in Erfahrung bringen.
Beim Swan Lake hatten wir am ersten Tag schon einen Grizzly erspäht, allerdings viel zu weit weg. Der Kerl hatte einen Hirsch gekillt! Heute sitzt er tatsächlich immer noch am selben Fleck und lässt sich die Sonne auf den Pelz scheinen. Inzwischen haben offensichtlich auch die Ranger Wind davon bekommen und sperren den Zugang zum See ab. Auch eine Menge Dumpfbacke-Touris sind hier, wie das Foto zeigt!
21. September – heute verlassen wir Yellowstone. Allerdings ist da noch der weltbekannte Morning Glory Pool, welcher nur zu Fuss erreichbar ist. Also früh raus und los! Auf dem Weg gibt es etliche wundervolle Geysire und Brücken über den farbenprächtigen Firehole River. Man kriegt einfach nicht genug! Das Ziel ist denn auch tatsächlich bezaubernd! Man stelle sich die Tiefe des Pools vor: 3‘000 Meter! Der 6. Tag im Park, und wir können immer noch staunen!
Die Strecke über den Ostausgang führt zum rauchenden Steamboat Point am Yellowstone Lake und über den 2‘600m hohen Sylvan Pass. Kurz nach Mittag lassen wir diesen ausserordentlichen Flecken Erde hinter uns.
Ein Maximum an Eindrücken – das Körbchen ist übervoll, und wir benötigen erst mal eine Pause!