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Meere sind unverzichtbar für das Leben auf der Erde: Sie liefern Nahrung für über drei Milliarden Menschen, produzieren über die Hälfte des Sauerstoffs, den wir atmen, und stabilisieren das weltweite Klima, indem das Wasser ein Viertel der CO2-Emissionen absorbiert. Doch die Gesundheit der Meere ist akut gefährdet. Der Zustand der Weltmeere verschlechtert sich schneller als bislang angenommen. Anscheinend verstärken sich die negativen Auswirkungen von Klimawandel, Überfischung und Verschmutzung gegenseitig.
Über 300 Meeresgebiete wurden in den letzten 30 Jahren für tot erklärt.
Woher kommt die Verschmutzung?
Der Grossteil der Verschmutzung, nämlich 80%, stammt vom Land. Dabei spielen die Flüsse eine wichtige Rolle. Sie transportieren die Chemikalien, die entweder aus den Abwässern der Industrie oder vom Pestizideinsatz in der Landwirtschaft stammen sowie all die unsachgemäss entsorgten PET-Flaschen, Plastiksäcke und anderen biologisch nicht abbaubaren Kunststoffe, ins Meer. Auch Düngemittel können problematisch sein und zur sogenannten Algenblüte führen. Eine vermehrte Algenkonzentration führt zu einer verringerten Sauerstoffkonzentration im Wasser, worauf die übrigen Meeresbewohner ersticken. Dieses Phänomen kann zu grossflächigen toten Zonen im Meer führen. Solche Bereiche, in denen kein Leben mehr möglich ist, liegen unter anderem in der Ostsee und im Golf von Mexiko.
Die Plastikflut ins Meer
Laut WWF gelangt jede Minute eine LKW-Ladung voll mit Plastikmüll ins Meer. Schätzungen des UN-Umweltprogramms gehen davon aus, dass sich der Plastikeintrag in die Ozeane alljährlich um 8 Millionen Tonnen steigert – Tendenz steigend. Wenn dies ungebremst so weitergeht, dann werden in dreissig Jahren 99% aller Vögel Plastikteile verschluckt haben. Der gesamte Fischbestand hätte ein geringeres Gewicht als der im Wasser treibende Plastikmüll. Schon heute hat dieser Plastikmüll schwerwiegende Folgen für die Meeresbewohner. Plastikteile werden regelmässig in den Mägen von Möwen, Walen, Meeresschildkröten gefunden. Wenn diese Plastikteile im Hals oder Verdauungstrakt stecken bleiben und die Atemwege und die Nahrungsaufnahme blockieren, dann stirbt das Tier qualvoll. Herumgeisternde Fischernetzte können neben Hautschäden und Knochen-Deformationen bei Jungtieren auch zum qualvollen Erstickungstod von Meeressäugern und Schildkröten führen. Mikroplastik, das beispielsweise durch Abrieb der Autoreifen oder das Waschen von synthetischen Textilien entsteht (aber auch direkt in Kosmetikartikeln als Inhaltstoff verwendet wird), findet sich in Gewebeproben von Fischen und Meeressäugern.
Gift bleibt Gift
Bis zum Londoner Abkommen (1972) durften radioaktive Stoffe und Giftmüll einfach im Meer entsorgt werden. Ein endgültiges Verbot gab es erst 1996. Die Annahme, dass das Meer schon gross genug sei, um die Giftstoffe mittels der Verdünnung unschädlich zu machen, bestätigt sich nicht: Viele der Meereslebewesen sind mittlerweile mit Chemikalien kontaminiert. Die Giftstoffe gelangen dann über die Nahrungskette wieder zu uns zurück.
Der Klimawandel
Durch die erhöhte Aufnahme von Kohlenstoff wird das Meer saurer und wärmer. Gase und Nährstoffe können zwischen einzelnen Wasserschichten schlechter ausgetauscht werden, es entstehen Zonen mit Sauerstoffmangel. Durch den Anstieg der Meerestemperatur nimmt der Artenreichtum in mittleren und höheren Breiten durch Zuwanderung zwar zu, in den tropischen Gebieten hingegen sterben vermehrt Arten aus.
Mehr Meeresschutz
Global Ocean Alliance ist eine internationale Initiative, die Massnahmen zum Meeresschutz unterstützt. Die zentrale Forderung lautet, dass bis 2030 mindestens 30% der weltweiten Meere unter Schutz gestellt sein sollen. Dies soll über eine Kombination aus Schutz und nachhaltiger Bewirtschaftung geschehen. Auch der UN-Vertrag "Biodiversity Beyond National Jurisdiction" (BBNJ), der den Erhalt und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt der hohen See regeln soll, soll vorangetrieben werden. Bisher gibt es nämlich nur sehr wenig Schutzgebiete auf hoher See. Nächste Verhandlungen dazu gibt es voraussichtlich 2021 in New York. Neben dem Gründungsmitglied Grossbritannien sind bislang auch Finnland, Belgien, Belize, Costa Rica, Deutschland, Kenia, Gabun, Nigeria, Palau, Portugal, die Seychellen, Schweden und Vanuatu Mitglieder des Global Oceane Alliance.