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Vor drei Jahrzehnten verkündeten Wirtschaftsmagazine, dass preiswerte Personal Computer und Software eine «neue Wirtschaft» schaffen würden. Kleine Start-ups konnten sich den Zugang zu fortschrittlicher Technologie leisten und so mit den grossen Konzernen konkurrieren. Sie konnten innovativ sein, wachsen und etablierte Unternehmen verdrängen.
Es waren hoffnungsvolle Zeiten für Start-ups. Ich weiss das aus eigener Erfahrung. In den 1980er-Jahren gründete ich eines der ersten Desktop-Publishing-Unternehmen. Wir stellten Werkzeuge zur Verfügung, mit denen aufstrebende Firmen in den Verlagsmarkt einsteigen konnten. Hunderte von neuen Zeitschriften und Zeitungen nutzten diese Möglichkeit.
Aber die Zeit der überschwenglichen Hoffnungen war nicht von Dauer. Mein Unternehmen wurde aufgekauft, und der Verlagsmarkt wurde bald von der Konkurrenz aus dem Internet heimgesucht. Generell sahen sich Start-ups in allen Branchen bald mit starkem Gegenwind konfrontiert. Heute sind die Wachstumshürden für Jungunternehmen deutlich höher geworden. Zwar schiessen Start-ups nach wie vor aus dem Boden, nutzen innovative Möglichkeiten und können auf eine Flut von Risikokapital zurückgreifen. Sie wachsen aber viel langsamer als vergleichbare Firmen in der Vergangenheit.
Überraschenderweise ist einer der Hauptgründe dafür die Technologie. Genauer gesagt die proprietäre, also herstellerspezifische und geschützte Informationstechnologie grosser Unternehmen, die ihre Branchen dominieren. Anders als erwartet wirken sich neue Technologien nicht disruptiv aus, sondern sie behindern die Fluktuation innerhalb von Industrien. Sie ist in den letzten zwei Jahrzehnten stark zurückgegangen, was weitreichende negative Auswirkungen auf die Wirtschaft hat, unter anderem eine schwächere Innovationsdynamik. Forscher haben gezeigt, dass das langsamere Wachstum innovativer Unternehmen zu einem generell langsameren Wachstum der Produktivität geführt hat. Ein langsameres Produktivitätswachstum hat zur Folge, dass die Einkommen weniger steigen.
Wachsende Marktkonzentration
In einer Vielzahl von Branchen setzen marktbeherrschende Unternehmen Informationstechnologie ein, um ihre Konkurrenten, einschliesslich innovativer Start-ups, zu überflügeln. Sie nutzen grosse, firmeneigene Softwaresysteme, um Komplexität besser zu bewältigen und sich so von den konkurrierenden Unternehmen abzuheben. Auf diese Weise konnten sie ihre Marktdominanz ausbauen und verhindern, dass sie von der Konkurrenz überholt werden. Diese Systeme bringen zwar Vorteile für die Konsumenten und die Gesellschaft, untergraben jedoch gleichzeitig einen entscheidenden Wachstumstreiber: die Expansion innovativer Start-ups.
Der US-amerikanische Detailhändler Walmart kann dank seiner Bestandsmanagement- und Logistiksoftware die Filialen mit einer weitaus grösseren Auswahl an Produkten zu geringeren Kosten bestücken, jeden Laden auf die lokalen Bedürfnisse zuschneiden und schnell auf Nachfrageänderungen und neue Produkte reagieren. Konzerne wie Boeing und Toyota sind dank komplexer Software in der Lage, Produkte mit viel mehr Funktionen anzubieten. Führende Finanzfirmen nutzen grosse Datensysteme, um Kreditkarten und Hypothekardarlehen in grossem Massstab auf einzelne Konsumenten zuzuschneiden und diese Produkte dann gezielt zu vermarkten. Insgesamt belaufen sich die Investitionen der Unternehmen in ihre interne Software (ohne Firmen, deren Produkt Software ist) inzwischen auf über 240 Milliarden Dollar pro Jahr. 1985 lagen sie noch bei 19 Milliarden Dollar. Verantwortlich für den Zuwachs sind vor allem grosse Firmen. Die vier grössten Unternehmen jeder Branche (gemessen am Umsatz) haben ihre Investitionen in selbst entwickelte Software seit 2000 um das Achtfache erhöht, weit mehr als die Firmen der zweiten Reihe.
Diese Investitionen der führenden Unternehmen haben sich gelohnt. Seit den 1980er-Jahren haben in den meisten Branchen die vier grössten Firmen ihre Marktanteile um 4 bis 5 Prozentpunkte erhöht. Meine Untersuchungen zeigen, dass Investitionen in proprietäre Software für den grössten Teil dieses Anstiegs verantwortlich sind.
Diese Marktdominanz geht mit einem Rückgang des Risikos für diese Unternehmen einher, verdrängt zu werden. Seit etwa 2000 – als die grossen Firmen ihre Investitionsoffensive in proprietäre Systeme begannen – ist das Risiko der Disruption stark gesunken. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen innerhalb von vier Jahren aus den Top 4 in seiner Branche herausfällt, hat sich von über 20 Prozent auf etwa 10 Prozent halbiert.…