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Es gibt natürlich noch viele weitere Denkfehler, denen wir beim Streben nach einer besseren Selbstwirksamkeit unterliegen, doch genau die fünf folgenden Denkfallen sind die häufigsten und grössten Blockaden, die der persönlichen Entwicklung im Weg stehen.
Denkfehler Nr. 1: Ich bin nicht intelligent
Vergleichen Sie sich hin und wieder mit anderen Menschen oder vielleicht sogar mit erfolgreichen Persönlichkeiten aus der Öffentlichkeit? Beneiden Sie diese Personen um deren Intelligenz und deren Erfolg? Haben Sie sich jemals gefragt, was einen Roger Federer zu einem so aussergewöhnlichen Tennisspieler macht? Was waren die Wurzeln des Erfolges des grossen Dichters und Denkers Johann Wolfgang von Goethe? Von ihm ist bekannt, dass er literarische Meisterwerke schuf, ohne dabei eine Mühe zu empfinden. Das alles ist ziemlich beeindruckend. Doch sind diese Menschen intelligenter als andere? Waren oder sind sie im wahrsten Sinne des Wortes selbstwirksamer? Benötigen wir eine gewisse Intelligenz, um erfolgreich zu sein? Nein. Es ist ein typischer Mind-Killer, den wir in der Schule vermittelt bekommen, wonach nur die intelligentesten und besten Schüler auch später im Berufsleben erfolgreich sein werden. Die Biografien vieler erfolgreicher Menschen belegen, dass Intelligenz im Sinne guter Schulnoten nicht die Basis für Erfolg ist.
Die Psychologie hat sich in den 1980er-Jahren der Hinterfragung von klassischen Intelligenztests sehr intensiv angenommen und festgestellt, dass Intelligenz weitaus vielschichtiger ist, als IQ-Tests es uns glauben machen. Howard Gardener, Professor für Erziehungswissenschaften und Psychologie an der Universität in Harvard, entwickelte 1983 die Theorie, dass jeder dieser Ausnahmemenschen eine Form von Intelligenz besitzt, die in der Regel gar nicht als eindimensionale Intelligenz, sondern als Talent betrachtet wird. Gardener leitete aus der Beobachtung von talentierten und begabten Menschen die Theorie der multiplen Intelligenzen ab.
Denkfehler Nr. 2: Katastrophen werden passieren
Das Katastrophendenken ist ein Mind-Killer, bei dem wir grundsätzlich davon ausgehen, dass die Zukunft etwas Unangenehmes birgt. Daraus entsteht eine Art Angst vor dem Morgen. Es widerspricht zwar jeglicher rationaler Wirklichkeit, aber einige von uns machen aus der berühmten Mücke gerne einen Elefanten. Es entsteht ein Lebensgefühl der existenziellen Unsicherheit, und jedes Ereignis im Leben wird als Vorbote eines schrecklichen Untergangsszenarios erlebt.
Im Rahmen der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit wirkt so ein Denkfehler wie eine Bankrotterklärung. Neuorientierungen sind nahezu ausgeschlossen, denn wir befinden uns in einer Art Opferhaltung, die sich am besten mit einer allmächtigen Ohnmacht beschreiben lässt. Wir befinden uns im Opferland und können nichts dagegen tun, da jeder Versuch, aus diesem Zustand herauszukommen, gefühlt wieder in einer Katastrophe enden wird. Oftmals sind Menschen unzufrieden, wollen jedoch die eigene Situation nicht ändern, weil sie glauben, dass die neue Situation eine noch grössere Katastrophe darstellen würde. Dieses Denkmuster sorgt für eine Art Endlosschleife, aus der sich ein Mensch nur selten alleine befreien kann.
Es gibt genügend Beispiele in unserem Alltag für das Katastrophendenken. Schauen Sie sich um oder schauen Sie doch mal bei sich selbst. Wie viele Menschen halten an Beziehungen fest, die sie unglücklich machen? Wie viele behalten ihre Jobs, obwohl sie sich dort nicht mehr wohlfühlen, nur weil sie Angst haben, die Veränderung könnte noch schlimmer sein als die Situation, die sie augenblicklich ertragen. Die extremen Formen des Katastrophendenkens gehen dazu über, dass vergangene Schrecken oder auch das Unglück, welches anderen widerfahren ist, als sehr wahrscheinlich für das eigene Leben angenommen werden. Klassische Katastrophendenker sind Hypochonder, die aus jedem Wehwehchen eine todbringende Krankheit machen. Katastrophendenken versetzt die Menschen in Angstzustände, welche sie lähmen und passiv werden lassen, und dies in Momenten, wo das Gegenteil, nämlich Mut und Aktivität, gefragt ist.
Denkfehler Nr. 3: Sich und anderen Druck machen
Der dritte Mind-Killer entspricht den Normen der heutigen Leistungsgesellschaft und ist daher sehr weit verbreitet. Gerade Führungskräfte sind der Meinung, dass sie sich selbst und ihren Mitarbeitern immer wieder Druck machen müssen, damit die Ziele des Unternehmens erreicht werden. Durch seine weite Verbreitung gehört dieser Denkfehler zu einem der übelsten Denkfehler überhaupt, da er nicht als ein Mind-Killer wahrgenommen wird. Eine der beliebtesten Formulierungen dieses Fehlers ist die Wenn-Dann-Formulierung. «Wenn du das nicht schaffst, dann bist du ein Loser.» Oder «Wenn du diese Chance nicht nutzt, dann war es das mit der Karriere.» Oder auch «Wenn Sie das nicht bis dann und dann hinbekommen, dann werde ich mir jemand anderen dafür suchen.» und so weiter.
Leider gehören diese Mono- und Dialoge in unserer Geschäftswelt zum Alltag und sind mitverantwortlich dafür, dass das Burn-out-Syndrom immer verbreiteter ist. Die extremste Form des Druckmachens ist blinder Aktionismus und hektische Betriebsamkeit, ohne den genauen Grund dafür zu kennen. Wobei es oft besser wäre, gerade ruhig zu werden und genau zu überlegen, was in der augenblicklichen Situation am sinnvollsten ist. Doch leider meldet sich der Druckmachen-Denkfehler, bevor wir es schaffen, die Grundannahmen unserer bisherigen, vielleicht nicht mehr stimmigen Entscheidung infrage zu stellen.
Denkfehler Nr. 4: Die Selbstverleugnung
Am Beispiel der fünfzigjährigen Dame, die mit viel Druck drei verschiedene Unternehmen aufbaute und doch nicht glücklich wurde, konnten wir erkennen, dass es wichtig ist, sich selbst und seine Bedürfnisse zu kennen. Oftmals lässt sich aber das Gegenteil beobachten: Für die Karriere werden die eigenen Bedürfnisse hinten angestellt. Hierbei handelt es sich dann schon um den nächsten Mind-Killer: Die Selbstverleugnung.
Oft steckt dahinter die Überzeugung: «Ich bin nur etwas wert, wenn es allen anderen gut geht und ich habe dafür zu sorgen.» Menschen mit diesem Denkfehler stellen die Lebensinteressen von ihren Mitmenschen über die eigenen Bedürfnisse. Das Schlimme an dieser Denkweise ist, dass die Menschen diese Art zu denken mit allen Mitteln verteidigen. «Was wäre diese Gesellschaft, wenn jeder nur noch an sich denken würde und keiner mehr an seine Mitmenschen?» Hier soll niemand zum Egomanen und reinen Hedonisten erzogen werden. Es geht eher darum, einen gesunden Egoismus zu entwickeln. Einen Egoismus, der es erlaubt, auf sich zu achten, sowohl psychisch als auch physisch gesund zu bleiben und es eben nicht allen recht machen zu wollen. Also auch mal nein zu sagen, wenn Sie etwas nicht wollen. Nach Unterstützung zu fragen, wenn Sie Beistand benötigen.
Im Modus der Selbstverleugnung haben wir Angst davor, dass uns oder anderen etwas Schreckliches passieren könnte, wenn wir uns nicht aufopfern. Wir könnten anecken und uns Feinde machen. Vielleicht unbeliebt werden oder Gegenwind bekommen, dem wir nicht standhalten können. Es mag Dutzende tiefenpsychologische Gründe für die Selbstverleugnung geben: Glaubenssätze, Ängste, Prägungen, traumatische Erfahrungen, Befürchtungen und viele mehr. Was es auch immer ist, sie sind nicht gut, denn sie führen Stück für Stück zur Selbstaufgabe.
Obwohl Menschen mit einer altruistischen Einstellung für eine Gesellschaft enorm wichtig sind, erfahren sie leider viel zu wenig Wertschätzung. Es gibt jene, die mit ihrer Opferrolle so eng verbunden sind, dass sie gar nicht mehr wissen, was ihre Bedürfnisse sind. Sie leben schon so lange in der Selbstverleugnung der eigenen Wünsche, dass sie den Kontakt zu sich selbst vollkommen verloren haben. Das ist sehr schade, denn aus Forschungen zum Thema Burn-out und Resilienz weiss man inzwischen, dass Menschen besonders gut mit Krisensituationen umgehen können, wenn sie ihre eigenen Bedürfnisse kennen und sich ganz bewusst für Erfolge belohnen. Die persönliche Selbstwirksamkeit steigt also gerade dann an, wenn man sich nicht selbst verleugnet. Was also können Sie tun, um den Denkfehler der Selbstverleugnung und damit verbunden die Selbstaufgabe zu vermeiden?
Denkfehler Nr. 5: Die Übermotivation
Kaum zu glauben, dass man sich nicht nur mit negativen Gedanken, sondern eben auch mit übertrieben positiven Gedanken blockieren kann. Überzogene Selbstmotivation, das ständige Sich-selbst-Anfeuern setzt uns genauso unter Druck wie die Selbstkritik und Selbstbeschimpfung. Im Mind-Killer der Übermotivation verlangen Menschen von sich, dass sie immer und überall gut gelaunt, optimistisch, selbstsicher und positiv sein müssen. Ihr Credo: «Es gibt keine Probleme, sondern nur Lösungen.» Auch mit diesem Denkfehler verlieren wir den Blick für die Realität und laufen dem Trugschluss der Kontrolle und Orientierung hinterher.
Der Mind-Killer Übermotivation ist allerdings sehr schwer zu erkennen, da er häufig mit dem Gefühl von extremer Euphorie verbunden ist. Wir sehen unser Leben als eine einzige Erfolgsgeschichte und fühlen uns toll und unverwundbar. Es fehlt die Balance zwischen Misserfolg und Erfolg, da wir den Misserfolg vollkommen ausblenden. Die höchste Ausprägung dieser Übermotivation ist der Umgang mit Trauer aufgrund des Verlustes eines nahestehenden Menschen. Vor dreissig Jahren war es noch üblich, ein Jahr Trauer zu tragen und zu jedem Familienfest dem Toten zu gedenken. Heute wird man schon befremdlich von seinen Mitmenschen angeschaut, wenn man noch eine Woche nach der Beerdigung Trauer trägt und nicht gleich wieder zur Tagesordnung übergehen kann. Nicht selten bekommt man Sätze zu hören wie: «Stell dich nicht so an.
Der Tote hätte bestimmt nicht gewollt, dass du so lange trauerst. Du musst jetzt nach vorne blicken.» Dies zeigt, dass Übermotivation mittlerweile ein gesellschaftlicher Trend geworden zu sein scheint. Jedoch kommen die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens zu dem Punkt, an dem sie nicht mehr die Kraft haben, ihren Übermotivationsdenkfehler aufrechtzuerhalten. Oftmals entstehen daraus neue Mind-Killer wie zum Beispiel der Druckmachen-Denkfehler oder eine übermässige Selbstverleugnung.
Die Übermotivation hat häufig die Funktion, eine andere Schieflage im Leben zu kaschieren und uns mit einer Sache, die wir eigentlich verändern müssten, länger zu arrangieren, als es uns guttut. Wir motivieren uns immer wieder zum Durchhalten und Weitermachen. Dieser Mind-Killer ist keine Entdeckung der Erfolgreichen, sondern eben auch der Menschen, die das Gefühl haben, immer auf der Stelle zu treten und nicht aus dem Hamsterrad entkommen zu können. Sie übermotivieren sich mit der Absicht, ihrem Umfeld etwas beweisen zu müssen.