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«Hidden Figures» – Ausnahmefrauen der Raumfahrt – Dorothy Vaughn
Wenn am 26. Februar die Oscar-Verleihungen stattfinden, ist ein Film dabei, der nicht nur Frauengeschichte beschreibt, sondern auch den Alltag von herausragenden schwarzen Frauen und Vorreiterinnen im Amerika der Apartheid in den späten 1950er- und 1960er-Jahren. «Hidden Figures» beschreibt besonders das Leben dreier Persönlichkeiten. Der zweite Teil ist Dorothy Vaughn gewidmet.
«Hidden Figures» erzählt die Geschichte von Katherine Johnson, Dorothy Vaughn und Mary Jackson. Es sind drei herausragende afro-amerikanische Frauen, die bei der NASA gearbeitet haben und in dieser Funktion als brillante Köpfe einer der grössten Unternehmungen in der Geschichte gelten: Sie haben den Astronauten John Glenn in die Umlaufbahn geschickt. Eine fantastische Errungenschaft, die der Nation neues Selbstbewusstsein gab, das Rennen im Weltall neu definierte und die Welt aufrüttelte. Dieses visionäre Trio überschritt jegliche Geschlechts- und Rassengrenzen und inspirierte Generationen, an ihren grossen Träumen festzuhalten. Doch wer waren die beschriebenen schwarzen Frauen im Film? Widmen wir uns nun der «Hidden Figure» – der unterschätzten Figur: Dorothy Vaughan.
Geboren wurde sie am 20. September 1910 als Dorothy Johnson in Kansas City. Die US-amerikanische Mathematikerin wurde durch ihre wichtigen Beiträge zur Raumfahrttechnik zur Zeit des Kalten Krieges und des Wettlaufs um den Flug ins All bekannt. Der schwarzhäutige, spätere menschliche «Computer» hatte an der Wilberforce University studiert und im Jahr 1929 ihren Bachelor abgeschlossen. Danach arbeitete sie als Mathematiklehrerin an einer Schule in Farmville.
1943 nahm Dorothy Vaughan ihre Tätigkeit für das National Advisory Committee for Aeronatics (NACA), der Vorgängerorganisation der NASA, auf. Sie gehörte zu den ersten Schwarzen, die dort in einer wissenschaftlichen Funktion angestellt waren und wurde Mitglied der West Area Computing Unit des Langley Research Center, einer Forschungsgruppe afroamerikanischer Mathematikerinnen, die wegen des damals geltenden Rassengesetzes nicht mit Weissen zusammenarbeiten durften. Ihre Forschungen betrieb Dorothy Vaughan deshalb abgeschottet von den übrigen Einheiten der NACA. Sie stellte vorwiegend aeronautische Berechnungen an und wurde 1958 als «head computer» Leiterin ihrer Arbeitseinheit.
Dorothy Vaughan blieb auch nach der Gründung der NASA am Langley Research Center tätig. Sie prägte besonders die Zeit, als bereits der IBM, der erste nicht menschliche Rechner, in Entwicklung war, in die Pilotphase startete und schliesslich einsatzsicher war. Mit dem IBM wollte man schnellere und bessere Berechnungen für die Raumfahrt erreichen. Vaughan brachte sich im Selbststudium im Geheimen die Programmiersprache FORTRAN bei – die Unterlagen dafür hatte sie in der weissen Bibliothek mitgehen lassen – und unterrichtete in der Freizeit ihre Rechenkolonne, die schliesslich dann rechtzeitig für die Programmierung und Dateneingabe zur Verfügung stand.
Dorothy Vaughan war verheiratet mit Howard S. Vaughan Jr. und zog sechs Kinder neben ihrer grossartigen Arbeit für die NASA gross. 1971 ging sie in Rente. Dorothy Vaughan starb am 10. November 2008 in Hampton im Alter von 98 Jahren. Eines ihrer Kinder wurde später ebenfalls für die NASA tätig. Vaughan selber wurde bei der NASA zeitlebens verehrt. Sie verfasste mehrere veröffentlichte und unveröffentlichte, interne Handbücher. Im biografischen Spielfilm «Hidden Figures», der auf Margot Lee Shetterlys gleichnamigem Buch basiert und für drei Oscars nominiert wurde, spielt Dorothy Vaughan eine der bedeutsamsten Rollen. Sie wird von Octavia Spencer verkörpert.
Bild: Dorothy Vaughan war sechsfache Mutter und Computerpionierin