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Schweigsame Beamte
Und so trafen wir bei unserer Inspektionsreise auf schweigsame Beamte, die sich lächelnd taub stellten, wenn es um die Frage ging, wie sie die Vorgaben der Geldgeber umsetzen.
Der Augenschein in den Dörfern machte nicht mehr Mut: In einer nigelnagelneuen Schule hatte noch kein Kind gesessen, denn der letzte Lehrer hatte das Dorf verlassen, weil die Regierung ihm den Lohn nicht bezahlt hatte. Der neue versteht die Sprache der im Dorf ansässigen Minderheit nicht. Und Mädchen, die in Nachbargemeinden wohnen, werden von den Vätern nicht in die Schule geschickt, angeblich weil der Weg zu unsicher sei. Frauen nehmen keine an den Versammlungen teil, weil sie erstens zu Hause die Kinder hüten müssen und zweitens die auf Laotisch verfassten Informationsblätter nicht verstehen.
Monate später hält der Schlussbericht der externen Berater fest, dass die ethnischen Minderheiten, die fast die Hälfte der laotischen Bevölkerung ausmachen, zu wenig von den Geldern profitieren. Die Diskriminierung ist anhaltend, und der Abstand zum Rest der Gesellschaft hat sich vergrössert. In verklausuliertem Englisch schreiben die Berater: «Erfahrungen mit Deza-Projekten und anderen Partnern zeigen, dass soziale Inklusions-Mechanismen nicht funktionieren, wenn sie optional bleiben.» Mit anderen Worten: Die Behörden ignorieren Auflagen der Geldgeber, weil sie keine Konsequenzen zu befürchten haben.
Unverblümter formulierte ich mein Fazit nach der Inspektionsreise, das ich im Auftrag der Deza für ein Blog verfasst habe: Die laotische Regierung versteht es immer wieder meisterhaft, die Vorgaben der Geldgeber zu umgehen. Doch diese Missstände anzusprechen, hat sich als heikel erwiesen. Der Beitrag wurde auf Druck von Deza-Mitarbeitern hin nie publiziert.