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Das revidierte eidg. Gewässerschutzgesetz vom Jahr 2011 verlangt, dass insbesondere Fliessgewässer revitalisiert werden sollen. Ähnliche Forderungen bestehen auf europäischer Ebene aufgrund der European Water Framework Directive. Umfragen haben gezeigt, dass die Schweizer Bevölkerung gegenüber Flussrenaturierungen sehr positiv eingestellt ist. Trotzdem lösen konkrete Planungsprojekte von Flussrevitalisierungen und -renaturierungen regelmässig lokalen Widerstand aus, und viele Gemeinden reagieren zurückhaltend auf entsprechende kantonale Vorgaben. Dabei bleibt unklar, ob diese Widerstände primär inhaltliche, prozedurale oder sozio-politische Gründe haben. Entsprechend ist es wichtig, besser zu verstehen, welche inhaltlichen und prozeduralen Ansprüche lokale Bevölkerungsgruppen an die Gestaltung ihrer Fliessgewässer haben, und wie sie sich hinsichtlich bestehenden Diskursen zu Flussrevitalisierungen positioniert. Im Rahmen eines geplanten Revitalisierungsprojektes der Wigger hat der Kanton Aargau die WSL angefragt, die entsprechenden Fragen für dieses Fallbeispiel zu klären.
Ziel des Projektes ist es, zu ermitteln, welche Ansprüche die regionale Bevölkerung an die zukünftige Gestaltung der Wigger und ihre Nebengewässer hat. Dabei sollen insbesondere auch die Erholungsansprüche berücksichtigt werden. Die Erhebung sollte gleichzeitig eine Baseline für die Evaluation der sozio-kulturellenAspekte des Revitalisierungsprojektes bereitstellen.
Methoden
Um das Forschungsziel zu erreichen, sollen folgende Forschungsfragen beantwortet werden:
· Was hat die Bevölkerung für ein Verhältnis zur Wigger und ihren Nebengewässern?
· Welche Ansprüche hat die Bevölkerung hinsichtlich der künftigen Gestaltung der Wigger und ihren Nebengewässern?
· Wie möchte die Bevölkerung in die Gestaltung der Wigger einbezogen werden?
· Wie nutzt die Bevölkerung die Naherholungsgebiete im Wiggertal, und welchen Stellenwert hat dabei die Wigger?
Auf der Basis von qualitativen Interviews wurde ein längerer und ein kürzerer Fragebogen erarbeitet und an Zufallsstichproben (N=2500/1000) der Bevölkerung des Aargauer Wiggertals versandt. Zudem wurde der längere Fragebogen auch in mehreren Schulklassen der Region verteilt. Der längere Fragebogen enthielt neben verbalen Items auch 8 illustrierte Szenarien zur Gestaltung der Wigger sowie eine Karte, in welcher die Befragten ihre Erholungsnutzung bezeichnen konnten. Der Rücklauf war mit 21 bzw. 28% erfreulich und erlaubte eine differenzierte statistische und räumliche Analyse der Daten.
Details zum Projekt
Projektdauer
2015 - 2016
Projektleitung
Stellvertretung
Müller, S.; Buchecker, M.; Gaus, R.; Buser, T.; Bestel, M.; Hackl, S.; Bächli, D.; Kräuchi, N., 2017: Wie soll die Wigger in der Region Zofingen in Zukunft gestaltet werden? Sozialräumliche Optimierung des planerischen Leitbilds durch eine Bevölkerungsbefragung. Wasser, Energie, Luft, 109, 3: 181-189.
Verbrugge, L.; Buchecker, M.; Garcia, X.; Gottwald, S.; Müller, S.; Præstholm, S.; Stahl Olafsson, A., 2019: Integrating sense of place in planning and management of multifunctional river landscapes: experiences from five European case studies. Sustainability Science, doi: 10.1007/s11625-019-00686-9