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Freitag, 03. Mai 2019 06:30
Dr. phil. Daniel Brunner. Foto HO.
Dr. phil. Daniel Brunner, Zertifizierter Spezialist für Schlafmedizin und Leiter des Zentrums für Schlafmedizin Hirslanden, zum Thema Schlafapnoe-Syndrom.
Herr Brunner, was ist Schlafapnoe?
Beim Schlafapnoe-Syndrom treten während des Schlafens immer wieder Atempausen von über zehn Sekunden auf. Diese Atempausen entstehen aufgrund einer Verengung oder eines vollständigen Kollapses der Atemwege im Rachen – insbesondere hinter der Zunge und dem weichen Gaumen. Diese Atemblockade geschieht nur im Schlaf, da die Muskulatur stark erschlafft ist. Durch diese Erschlaffung und Verengung der Atemwege wird der Luftfluss vermindert oder ganz blockiert, bis sich die Muskelspannung, durch eine vom Schläfer nicht bemerkte Weckreaktion, wieder erhöht und das typische Luftschnappen am Ende einer Atempause eintritt. Weil sich die Weckreaktionen zur Wiedererlangung der Atmung sehr häufig, zirka im Minutentakt, wiederholen ist das Schlafapnoe-Syndrom durch einen stark fragmentierten und wenig erholsamen Schlaf gekennzeichnet.
In welcher Form zeigen sich die Symptome?
Neben dem beobachteten Schnappschnarchen weisen Symptome wie in Serie auftretende Atempausen, vermehrte Tagesschläfrigkeit und Abgeschlagenheit, Bewegungsunruhe im Schlaf, mehrmaliges Wasserlösen nachts, Bluthochdruck, Nachtschweiss oder vorübergehender Kopfdruck beim Aufwachen auf eine mögliche Schlafapnoe hin.
Durch was kann die Apnoe ausgelöst werden?
Zu den Auslösern zählen starkes Übergewicht, das Schlafen in Rückenlage, abendlicher Konsum von Alkohol, Nikotin, Cannabis oder Beruhigungsmitteln, grosse Gaumenmandeln und ein kleiner oder nach hinten verschobener Unterkiefer.
Wie merkt ein Patient, dass er unter dieser Krankheit leidet?
Weil das Schlafapnoe-Syndrom nur während des Schlafes auftreten kann, wird diese Atemstörung durch den Patienten selber nicht direkt, sondern nur durch deren Folgen wahrgenommen.
Wie sollte man reagieren, wenn der Verdacht besteht, dass man von Schlafapnoe betroffen ist?
Besteht die Vermutung betroffen zu sein, sollte ein Termin beim Hausarzt vereinbart werden. Dieser entscheidet über das weitere Vorgehen und überweist den Patienten bei Verdacht auf das Schlafapnoe-Syndrom an die entsprechende Stelle.
Wie kann eine Behandlung ablaufen?
Es gibt verschiedene Ansätze zur Behandlung des Schlafapnoe-Syndroms. Sollte der Patient an Übergewicht leiden, wird eine Gewichtsreduktion empfohlen. Zusätzlich soll auf den abendlichen Alkoholkonsum wie auch die Einnahme von muskelentspannenden Medikamenten verzichtet werden. Zur Unterstützung kann ein Positionstraining gemacht werden. Bei diesem wird der Patient, durch ein Hindernis im Rücken, gezwungen auf der Seite zu schlafen. Wird durch die getroffenen Massnahmen keine Verbesserung erzielt, besteht die Möglichkeit der Überdrucktherapie mittels CPAP-Gerät und Nasenmaske. Das CPAP-Gerät leitet einen sanften Luftstrom in eine Nasenmaske, welche während der Nacht getragen wird. Dank dieses Luftstroms entsteht im Nasen- und Rachenraum ein Überdruck, der die Atemwege offen hält. So können die Betroffenen während des Schlafens frei atmen.
Welche gesundheitlichen Folgen kann eine nicht behandelte Schlafapnoe haben?
Ein unbehandeltes Schlafapnoe-Syndrom ist nicht nur mit Tagesschläfrigkeit, Abgeschlagenheit und Müdigkeit, sondern auch mit erhöhtem Unfallrisiko und erhöhtem Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen (Bluthochdruck, Herzinfarkt, Hirnschlag) verbunden. Wegen der chronisch reduzierten Lebensqualität kann ein schweres Schlafapnoe-Syndrom sogar zu einer Depression führen.
Was wird in einem Zentrum für Schlafmedizin gemacht?
Um die Atmung im Schlaf zu untersuchen, gibt es ambulante Messungen, die zu Hause während einer Nacht durchgeführt werden können. Wird eine umfassende Schlafregistrierung – Polysomnographie – angeordnet, übernachtet der Patient in einem Schlafzimmer des schlafmedizinischen Zentrums. Hierbei werden die verschiedenen Schlafstadien, Atmung, Beinbewegungen, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung, Schnarchen, Lautäusserungen, Körperlage sowie andere physiologische Messgrössen aufgezeichnet. Zusätzlich findet eine Videoaufzeichnung und Videoüberwachung statt. Sind die Tests und Auswertungen der Daten abgeschlossen, wird je nach Befund das weitere Vorgehen für die Behandlung besprochen.
Hat eine Schlafapnoe auch Auswirkungen auf die Zeit in der man nicht schläft?
Durch diese atembedingte Schlafstörung kann der Patient an Tagesschläfrigkeit, Antriebsmangel, Gereiztheit, Bluthochdruck und Gewichtszunahme leiden. Diese Krankheitsfolgen können den Alltag der Betroffenen stark beeinflussen.
Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.
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