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Als sich in der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts die politische Dichotomie zwischen dem 'kapitalistischem Westen' und dem 'kommunistischen Osten' ausprägte, waren davon fast alle gesellschaftlichen Bereiche betroffen, so auch die Architektur. Das sozialistisch inspirierte Neue Bauen wurde im 'Westen' zur Projektionsfläche gesellschaftlicher Zukunftsentwürfe, bei Gegnern aber auch zum Anstoss antikommunistischer Ressentiments. Seit Mitte der 1920er Jahre haftete den Bauten dieser neuen Architekturbewegung in der konservativen Wahrnehmung das Stigma des 'Kulturbolschewismus' an. Vertreter des Neuen Bauens wurden von rechten und bürgerlichen Kreisen als 'rote Architekten' bezeichnet – öffentliche Aufträge wurden selten an sie vergeben.
Das Leben und Schaffen des Basler Architekten Hans Schmidt (1893–1972) war von diesem 'Ost-West'-Spannungsverhältnis geprägt, umso mehr, als er in den 1930er Jahren in der Sowjetunion wirkte und sich nach seiner Rückkehr in die Schweiz weiter politisch engagierte. Schmidt prägte den Architektur- und Städtebaudiskurs in der Schweiz der 1920er mit seinen Schriften und Bauten aktiv mit und tat sich nach seiner Rückkehr in die Schweiz als wichtigen (politischen) Akteur hervor. Mittels urbaner räumlicher Gestaltung und neuester Technik strebten die Architekten als Experten die Schaffung einer sozial gerechteren Gesellschaft an, in welcher Wohnraum für alle erschwinglich sein und in der Architektur zu neuen Formen des sozialen Lebens beitragen sollte. Der Bezugspunkt bzw. die Abgrenzung von der Sowjetunion war für die Biographie und das Schaffen Schmidts von zentraler Bedeutung. Seine Lebensepoche war geprägt vom sich verschärfenden Gegensatz zwischen Kapitalismus und Kommunismus. Deshalb interessiere ich mich speziell für das politische, kulturelle und gesellschaftliche Spannungsverhältnis, in dem Schmidt seine städtebaulichen und architektonischen Konzepte entwickelte.
Mein Dissertationsprojekt ist an der Schnittstelle von Geschichtswissenschaft und Kunst-/Architekturgeschichte angesiedelt und untersucht den gesellschaftspolitischen Diskursraum um einen wichtigen schweizerischen Vertreter des Neuen Bauens. Es leistet einen Beitrag zur architektursoziologischen Geschichte des Neuen Bauens, zur Verflechtungs- und Beziehungsgeschichte der Schweiz und Sowjetrusslands bzw. der Sowjetunion und zur Biographieforschung eines linksintellektuellen Experten Anfang der 1920er bis in die frühen 1970er Jahre. Unter Bezugnahme unterschiedlicher Quellen wird das Schaffen von Hans Schmidt als politischer Akt untersucht. Dabei soll gezeigt werden, wie Architektur als Projektionsfläche politischer, gesellschaftlicher und kultureller Diskurse instrumentalisiert und genutzt wurde (und wird).