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Dick Keyes, Leiter von l’abri in Boston, hat einen ausgezeichneten Beitrag „Pluralismus, Relativismus und Toleranz“ verfasst.
Er beschreibt zuerst das Postulat des Relativismus:
Der Relativismus behauptet, dass jede Religion und Philosophie ein Versuch eines Individuums oder einer Gruppe ist, das Unbenennbare aus seiner eigenen eingeschränkten Sicht zu benennen. Der Inhalt eines jeden Glaubenssystems ist nicht von Bedeutung, da es nur zu der jeweiligen Kultur gehört, in der es entsteht.
Einem Relativisten zufolge ist das einzig „Falsche“, das wir tun können, über den Glauben eines anderen zu urteilen.
Diesem Ansatz setzt Keyes folgende Kritik entgegen:
Relativismus ist eine Art Meta-Philosophie, die uns vorschreibt, wie wir alle Lehren aus allen anderen Quellen zu verstehen haben. Das erklärt, wieso er auf der einen Seite so bescheiden klingt – als wenn nur der Relativist die menschliche Fehlbarkeit vollständig berücksichtigen würde –, aber im nächsten Moment so arrogant klingen kann, als ob allein dem Relativisten eine Offenbarung der absoluten Wahrheit zuteil geworden ist. Der Relativismus ist eine Sichtweise, aber er nimmt für sich in Anspruch, der Deutungsrahmen für alle anderen zu sein.
Wir sollen glauben, dass allein er nicht nur ein Produkt der relativierenden Faktoren seiner eigenen Kultur (modern, westlich, akademisch, besitzstrebend), sondern auf geheimnisvolle Weise objektiv und zeitlos wahr ist.
Demnach steht der Relativismus im Widerspruch zur Pluralität!
Relativismus erlaubt Pluralität nur in der privaten Welt der Meinungen, die keine allgemeine Gültigkeit haben. Aber er besteht auf Einheitlichkeit, wenn es um letzte Wahrheiten geht, die allgemein gültig sein sollen.
Keyes plädiert für einen ehrlichen Pluralismus:
Mein Anliegen ist Respekt für einen ehrlichen Pluralismus und für die Schaffung einer freundlichen Atmosphäre, wenn wir offen, mutig und demütig über unsere tiefsten Differenzen sprechen.
Nur so könne überhaupt Toleranz gelebt werden:
Toleranz verlangt nicht, dass wir niemals versuchen, einen anderen von der Wahrheit eines bestimmten Gedankens zu überzeugen. Sie verlangt, dass wir trotz der Meinungsunterschiede diese Person respektieren – besonders, wenn wir versuchen sie zu überzeugen oder im Bereich des persönlichen Glaubens, der Ethik oder der sozialen Gerechtigkeit etwas zu verändern.
Aus diesem Grund ist die Gewissensfreiheit nicht hoch genug einzuschätzen:
Je wichtiger man die religiösen Unterschiede nimmt, desto wichtiger wird es, sich für die Freiheit des Gewissens in Glaubensfragen einzusetzen.
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