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1. Überblick
Eine Fettleber (Steatosis hepatis) entsteht, wenn der Körper mehr Fette bildet oder erhält als er abbauen kann. Infolge der in den westlichen Industrieländern vorherrschenden Lebensgewohnheiten ist hier die Leber vieler Menschen verfettet. Dies lässt sich durch Umstellung der Gewohnheiten meist rückgängig machen.
Bei einer Fettleber sind bestimmte Fette (sog. Neutralfette) in den Zellen der Leber eingelagert. Wenn ein Drittel der Leberzellen Fettablagerungen aufweist, liegt bereits eine leichte Fettleber vor, ab zwei Dritteln eine mässige Fettleber und bei mehr als zwei Dritteln eine starke Fettleber.
In den westlichen Industrieländern sind die wesentlichen Ursachen einer Fettleber Alkoholismus, Übergewicht (Adipositas) und Diabetes mellitus. Auch durch bestimmte Medikamente, Gifte (z.B. Pilzgifte) und Mangelernährung kann sich eine Fettleber ausbilden. Eine besondere Form stellt die schwangerschaftsbedingte Fettleber dar.
Die Symptome einer Fettleber hängen von der zugrunde liegenden Ursache und vom Ausmass der Verfettung ab und reichen vom leichten Druckgefühl bis zu starken Schmerzen im rechten Oberbauch. Die Diagnose der Fettleber erfolgt anhand der Krankengeschichte der Betroffenen, der Befunde der körperlichen Untersuchung, bestimmter Laborwerte und einer Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des Bauchs. Darüber hinaus ist es in unklaren Fällen möglich, mithilfe einer Leberpunktion Gewebe zu entnehmen, um die Ursachen für die Verfettung zu ermitteln.
Es ist nicht notwendig, die Fettleber selbst medikamentös zu behandeln. Im Verlauf der Erkrankung kommen jedoch häufig zusätzliche Schädigungen der Leber wie die Fettleberentzündung und die Leberzirrhose hinzu. Deshalb besteht die Behandlung der Fettleber im Wesentlichen – je nach Ursache – in Verzicht auf Alkohol, Gewichtsabnahme und in der Vermeidung der leberschädigenden Gifte.
2. Definition
Die Fettleber (Steatosis hepatis) ist eine Lebererkrankung, bei der bestimmte Fette (sog. Neutralfette: Triglyceride, Phospholipide) in den Zellen der Leber eingelagert sind. Wenn ein Drittel der Leberzellen Fettablagerungen aufweist, liegt bereits eine leichte Fettleber vor, ab zwei Dritteln eine mässige Fettleber und bei mehr als zwei Dritteln eine starke Fettleber. Diese Leberverfettungen lassen sich in der Regel rückgängig machen.
Häufigkeit
Die Fettleber (Steatosis hepatis) weist in den westlichen Industrieländern eine Häufigkeit von schätzungsweise 20 bis 40 Prozent auf. Bei etwa 50 Prozent dieser Fälle entsteht die Fettleber durch regelmässigen Alkoholkonsum.
3. Ursachen
Einer Fettleber (Steatosis hepatis) können verschiedene Ursachen zugrunde liegen. Sie führen dazu, dass der Körper mehr Fette bildet oder von aussen erhält als er abbauen beziehungsweise aus der Leber abtransportieren kann.
Regelmässiger Alkoholkonsum ist in den westlichen Industrieländern die häufigste Ursache für eine Fettleber. Alkohol schädigt einzelne Bestandteile der Leberzellen, zum Beispiel die Zellmembran. Die Folge davon sind Veränderungen im Stoffwechsel, die die Fettabsonderung (Sekretion) aus den Leberzellen stören. Dies führt dazu, dass sich die Fette in den Leberzellen ansammeln.
Weitere mögliche Ursachen für eine Fettleber sind zum Beispiel bestimmte Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und Morbus Wilson (Störung des Kupferstoffwechsels), Medikamente (z.B. Kortikosteroide und Tetrazykline) und Gifte (z.B. Pilzgifte, chlorierte Kohlenwasserstoffe, Phosphor). Bei einer so entstehenden Verfettung der Leber verändern sich Leberzellen ähnlich wie bei der alkoholbedingten Fettleber.
Die Fettleber hat ihre Ursache auch häufig in Übergewicht (Adipositas). In diesem Fall ist das Gleichgewicht zwischen Zufuhr und Abbau der Fette gestört, weil der Körper über die Nahrung viel mehr Fette beziehungsweise Kohlenhydrate erhält als er benötigt.
Ein weiterer möglicher Auslöser für eine Fettleber ist die Eiweissmangelernährung (sog. Marasmus oder Kwashiorkor), die vor allem in Entwicklungsländern eine grosse Rolle spielt. Aber auch durch ständige falsche Diät oder Fasten (z.B. bei Magersucht) kann ein Eiweissmangel und nachfolgend eine Fettleber entstehen. Hierbei lagern sich aufgrund des – durch fehlende Aminosäuren – verringerten Eiweissaufbaus im Körper Fette in die Leber ein.
Am Ende einer Schwangerschaft kann sich aus bisher unbekannten Gründen eine sogenannte akute Schwangerschaftsfettleber ausprägen. Diese Form der Fettleber ist sehr selten. Sie ist meist mit einer schweren Schädigung der Leber verbunden und äusserst Ernst zu nehmen.
Gleichfalls sehr selten ist eine akute Leberverfettung beim sogenannten Reye-Syndrom: Dieses Krankheitsbild kann bei Kindern bis zum 15. Lebensjahr nach einen Infekt der oberen Atemwege im Zusammenhang mit der Einnahme salizylsäurehaltiger Medikamente auftreten. Neben der Fettleber ist es durch eine akute Hirnschädigung gekennzeichnet und geht mit einer hohen Sterblichkeitsrate einher.
4. Symptome
Bei einer Fettleber (Steatosis hepatis) hängen die Symptome von der zugrunde liegenden Erkrankung und vom Ausmass der Fetteinlagerungen in der Leber ab. In vielen Fällen treten gar keine Beschwerden bei einer Fettleber auf oder besteht nur ein leichtes Druck- oder Völlegefühl im rechten Oberbauch. Je stärker die Fettleber ausgeprägt ist, desto heftigere Schmerzen treten auf der rechten Bauchseite auf. Diese Bauchschmerzen sind bedingt durch die vergrösserte Leber und die entsprechend gedehnte umgebende Leberkapsel. In diesen Fällen ist die Leber gut durch die Bauchwand zu ertasten.
5. Diagnose
Bei einer Fettleber (Steatosis hepatis) gelingt die Diagnose häufig bereits anhand der Krankengeschichte der Betroffenen und der Befunde der körperlichen Untersuchung, die auf die ernährungs- oder alkoholbedingte Leberverfettung hindeuten. Die Leber ist meist krankhaft vergrössert, so dass sie sich gut durch die Bauchwand ertasten lässt, und erscheint prall-elastisch bis derb mit einem stumpfen Rand.
Je nach Ausmass der Verfettung zeigt eine Blutanalyse bei einer Fettleber meist, dass bestimmte Leberenzyme leicht erhöht sind. Dies ist jedoch nicht krankheitsspezifisch, so dass allein anhand dieser Leberwerte keine sichere Diagnose bei Verdacht auf eine Fettleber möglich ist.
Wenn bei der körperlichen Untersuchung eine Lebervergrösserung zu ertasten ist, lässt sich diese mithilfe der Ultraschalluntersuchung (Sonographie) bestätigen. Rückschlüsse auf die Ursache der Fettleber sind anhand des Ultraschallbilds allerdings nicht möglich.
Die Ursachen und das Ausmass der Fettleber sind meist durch die Untersuchung einer Gewebeprobe möglich (sog. Leberbiopsie). Das Gewebe lässt sich durch eine Leberpunktion entnehmen: Hierbei sticht der Arzt unter örtlicher Betäubung mit einer speziellen Nadel durch die Haut in die Leber und entnimmt eine Probe. Die Untersuchung dieser Gewebeprobe zeigt auch, ob neben der Einlagerung der Fette eine weitere Schädigung der Leber in Form einer Entzündung (sog. Fettleberhepatitis bzw. Steatohepatitis) oder Leberzirrhose vorliegt.
6. Therapie
Bei einer Fettleber (Steatosis hepatis) hängt die geeignete Therapie von den Ursachen der Fetteinlagerung in der Leber ab. Eigens gegen Fettleber wirkende Medikamente gibt es nicht. Eine Heilung beziehungsweise ein Abbau der Leberverfettung ist dennoch meist möglich: Wirksame Mittel gegen die Fettleber sind die Umstellung der Lebensgewohnheiten, die Vermeidung der Auslöser und die richtige Behandlung der Grunderkrankung.
Wenn Sie eine alkoholische Fettleber haben, besteht die einzig wirksame Therapie darin, Ihren Alkoholkonsum stark zu reduzieren oder vollständig auf Alkohol zu verzichten. Die ernährungsbedingte Fettleber lässt sich ausschliesslich behandeln, indem Sie Ihre Ernährung umstellen und für mehr Bewegung sorgen – und so Ihr Körpergewicht verringern. Haben bestimmte Medikamente oder Gifte Ihre Verfettung der Leber ausgelöst, sollten Sie den weiteren Kontakt mit diesen Stoffen vermeiden. Bei einer durch Diabetes mellitus hervorgerufenen Fettleber lässt sich die Verfettung aufhalten und sogar rückgängig machen, indem Sie den Blutzucker gut einstellen (lassen).
7. Verlauf
Bei der Fettleber (Steatosis hepatis) hängen Verlauf und Prognose davon ab, wodurch die Verfettung der Leber entstanden ist. In den meisten Fällen lässt sich die Fettleber durch einfache, aber konsequente Massnahmen heilen.
Bei einer Fettleber infolge von Übergewicht und Diabetes mellitus schreiten die Verfettungsprozesse in der Regel nicht so weit fort, bis sich eine Leberzirrhose ausbildet. Wer durch eine falsche Ernährung bei starkem Abnehmen eine Fettleber bekommt, hat eine gute Chance, dass sich der Verlauf der Verfettungsprozesse nicht nur aufhalten, sondern sogar rückgängig machen lässt.
Auch bei leichteren Formen der alkoholbedingten Fettleber können sich die Veränderungen zurückbilden. Voraussetzung hierfür ist, dass die Betroffenen auf Alkohol verzichten. Bei fortgesetztem Alkoholkonsum ist es im weiteren Verlauf nahezu unausweichlich, dass durch entzündliche und zirrhotische Prozesse ein nicht rückgängig zu machender Schaden an der Leber entsteht – mit allen lebensbedrohlichen Konsequenzen.
Komplikationen
Ob eine Fettleber (Steatosis hepatis) im weiteren Verlauf zu Komplikationen führt, hängt stark vom Grund für die Verfettung der Leber ab. So bringt zum Beispiel die durch Diabetes mellitus bedingte Fettleber in der Regel keinerlei Komplikationen oder Beeinträchtigungen der Leberfunktion mit sich.
Die alkoholbedingte Fettleber dagegen geht bei fortgesetzt hohem Alkoholkonsum in vielen Fällen im weiteren Verlauf in eine sogenannte Fettleberhepatitis (Steatohepatitis), eine entzündliche Erkrankung der Leber, über. Hierbei zeigen sich bei den Betroffenen meist schwere Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Bauchschmerzen und Gelbsucht (Ikterus). Leber und Milz sind stark vergrössert und es sammelt sich Flüssigkeit in der Bauchhöhle an (sog. Aszites bzw. Bauchwassersucht). Die alkoholbedingte Hepatitis gilt bei weiterem Alkoholkonsum als Vorstadium der alkoholischen Leberzirrhose.
Die alkoholische Leberzirrhose (griech. kirrhos = gelb) ist das Endstadium der alkoholbedingten Leberschädigung. Bei dieser späten Komplikation der Fettleber ist das Gewebe der Leber verhärtet und geschrumpft, was mit dem völligen Verlust der Organfunktion einhergeht. Die Betroffenen zeigen eine Vielzahl schwerer Symptome wie Abgeschlagenheit, Verlust der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit, Blutungsneigung, Blutarmut (Anämie), Gelbsucht, Aszites, Einlagerung von Wasser in den Beinen (Ödeme), Muskelschwund, verschiedene Hautveränderungen, Erkrankung der Nerven (Polyneuropathie), Erkrankung des Gehirns mit Bewusstseinstrübung, Störung der Bewegungskoordination und Augenmuskellähmungen (Wernicke-Enzephalopathie) und extreme Auszehrung (Kachexie). In diesem Stadium ist der vollständige Entzug von Alkohol die einzige Möglichkeit, die Zerstörungsprozesse in der Leber aufzuhalten. Bei fortgesetztem Alkoholkonsum ist die Sterblichkeitsrate mit über 60 Prozent sehr hoch.
8. Vorbeugen
Einer Fettleber (Steatosis hepatis) lässt sich in vielen Fällen wirksam vorbeugen:
Einer alkoholbedingten Fettleber können Sie in jedem Fall vorbeugen, indem Sie auf Alkohol verzichten. Die Dosis, unterhalb derer Alkoholkonsum die Leber gesunder Menschen nicht schädigt, beträgt für Frauen zehn Gramm und für Männer 20 Gramm reinen Alkohol täglich (0,33 Liter Bier entsprechen etwa 13 Gramm Alkohol, 0,2 Liter Wein etwa 18 Gramm Alkohol). Zu beachten ist hierbei allerdings, dass diese empfohlene Dosis nicht exakt definiert ist, sondern auf Schätzungen beruht und im Einzelfall höher oder niedriger sein kann. Menschen mit vorgeschädigter Leber sollten ganz auf Alkohol verzichten.
Auch einer ernährungsbedingten Fettleber können Sie vorbeugen. Wichtig hierfür ist es, sich ausgewogen zu ernähren und ausreichend zu bewegen, um für ein Gleichgewicht zwischen dem Angebot an Nährstoffen und deren Verbrauch zu sorgen. Eine durch Diabetes mellitus bedingte Fettleber lässt sich verhindern, indem Sie Ihren Blutzucker gut einstellen (lassen).