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James Oscar Smith (1925–2005) ist/war ein weiteres Jazzoriginal, der die als Kino-Orgel belächelte Hammond-B3-Orgel "jazzfähig" machte. Nur wenigen Jazzmusikern vor ihm was es gelungen, Orgeln erfolgreich in ihr Repertoire einzubauen, u.a. natürlich Fats Waller, doch auf eine völlig andere Art.
Jimmy Smith wuchs in einer Musikerfamilie auf und gewann schon mit neun eine Talentradioshow als bester Boogie-Woogie-Pianist.
In den 50er Jahren wechselte er voll auf die Hammond-B3-Orgel. Seine ersten Erfolge feierte er mit 1956 "The Champ" und hatte in den folgenden Jahren über 40 Aufnahmesessions für Blue Note Records. Er wechselte in der Folge zu Verve Records und feierte auch da grosse Erfolge, vor allem in Zusammenarbeit mit Oliver Nelson (Big Band) oder Kenny Burrell (Gitarre in den Kleinformationen).
Dass er (nicht zuletzt dank Quincy Jones) den Sprung in die Popwelt schaffte und sogar auf Michael Jacksons "Bad" zu hören ist, darf als aussergewöhnlich bezeichnet werden.
Die Singles-Collection
Aus den 60er und 70er Jahren stammen diese "Singles", die jedoch nur zum Teil als solche produziert worden waren, sind die Originale meistens fünf bis acht Minuten lang (Singles durften aus technischen Gründen drei Minuten nicht überschreiten). So finden wir denn diverse Stücke als Part 1 und Part 2, die einfach entzweigeschnitten wurden. Zum Teil wurde der Schnitt so gemacht, dass man Part 1 ausblendete und in Part 2 nochmals etwas früher im Arrangement einstieg (z.B. in "Walk on the Wild Side") – eine damals valable, für mich aus heutiger Sicht unhaltbar frustrierende Methode.
Die Sammlung ist dann dafür lang: zweieinhalb Stunden Musik (52 Stücke) entspräche ungefähr vier LPs resp. 26 Singles, eine beachtliche Kompilation, die ich jedoch nicht in einem Guss geniessen konnte: Bis zu dieser Collection war mir nicht bewusst, wie kommerziell Verve Jimmy Smith vermarktet hatte: Nach einigen hervorragenden Produktionen gab es viel «Seichtes», was möglicherweise finanziell interessant war (sowohl für Verve als auch für Jimmy), doch aus heutiger Sicht bedeutungslos erscheint. So kam mein anfänglicher Genuss schon bei "Walk Right In" (Nr. 6) jäh zum Erliegen und wurde bei weiteren Durchhörversuchen mehrfach abgewürgt.
Man hätte (meiner Ansicht nach) besser die Hälfte der Stücke weggelassen und die Kompilation als «Not so Complete Collection» oder ähnlich vermarktet.
Auch andere Ungereimtheiten lassen mich auf einen Schnellschuss schliessen:
Warum wird z.B. "Organ Grinder Swing" hier explizit als Single-Version verkauft, wenn das Original auf der "The Incredible Jimmy Smith"-LP aus dem Jahre 1965 die gleiche Länge und dieselben Soli aufweist? Natürlich höre ich, dass an der "Remastered"-Version elektronisch geschraubt wurde, dass die Tonqualität möglicherweise etwas besser, der Sound etwas voller wurde, doch die Musik ist dieselbe.
Verdikt
Jimmy Smith fasziniert mich nach wie vor, sei es als reiner, bluesiger Organist oder als rauchiger Sänger/Organist, doch für mich hat es auf dieser Sammlung zu viele Enttäuschungen, zu viel Kommerz, der vielleicht historisch interessant sein mag, jedoch des Musikliebhabers Herz nicht höher schlagen lässt – bei mir sogar Hörpausen erzwang.
Und die B3-Hammond-Orgel ist bekannt für ihre Aufnahmeproblematik (mit oder ohne Leslie): Schnell wird etwas übersteuert/verzerrt, sei es im internen Verstärker oder bei der Aufnahme. In den analogen Aufnahmen störten mich diese "Verzerrer" wesentlich weniger, fielen oft gar nicht auf, gehörten irgendwie dazu. Doch in der vorliegenden, überarbeiteten, digitalen Version sind sie meines Erachtens nach viel präsenter, was meiner Klangqualitätsbeurteilung nicht eben zuträglich ist.
Alles in allem muss ich meinem Oldie #5 das Zertifikat "not so goodie" verleihen. Sorry Jimmy! Ich werde jedoch weiterhin deine LPs geniessen, von denen es ja mittlerweile auch einige als HiDef-Download gibt.