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Der Saal ist voll, der Film rattert. Bequem, so ein Kinosessel! Da steht einer auf, irgendwo in einer vorderen Reihe. Stellt fest: ich sehe viel besser! Die neben ihm sehen es: Das probiere ich! In den vordersten Reihen drehen sie sich um, in den hinteren recken sie die Hälse. Irgendwann steht der ganze Saal. Jeder sieht so gut wie zuvor, nur unbequemer. Wie bewegt man alle dazu, sich gleichzeitig wieder zu setzen?
Es gleicht der Frage, die sich die fast 40 000 Delegierten auf der Conference of the Parties, kurz COP, im November in Glasgow stellten. Es gilt, die Pariser Klimaziele voranzutreiben. Die 26. Klimakonferenz der Vereinten Nationen war die größte in vielerlei Hinsicht.
War sie ein Erfolg?
Politiker*innen sprechen von historischen Beschlüssen. Als Bla, bla, bla fasst es die Klimaaktivistin Greta Thunberg zusammen.
Zum ersten Mal überhaupt wird explizit das weltweite Ende der Kohle formal erwähnt. Im letzten Moment abgeschwächt auf ›schrittweisen Abbau‹ statt ›Kohleausstieg‹. Die USA und China wollen bei der Treibausgas-Reduktion vorangehen; Abkommen zur Methan-Reduktion und zum Verbrenner-Aus; ein gemeinsames Bekenntnis, die Erderwärmung bei 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu stoppen. Alle im Kino-Saal haben verstanden, dass sie sich wieder setzen müssen. Die Frage bleibt, wie schnell sie dies tun.
Manch einer in den vordersten Reihen hat noch gar nicht gemerkt, dass es hinterste Reihen gibt. Loss & Damage heißt der wohl größte Misserfolg. Die, die maßgeblich zum Klimawandel beigetragen haben, sollten die, die ihn bereits heute spüren, unterstützen, mit den Folgen umzugehen. Es sind Inselstaaten, afrikanische Staaten südlich der Sahara und Indigene, deren Lebensgrundlage täglich schwindet. Jährlich 100 Milliarden USD wollten die Industriestaaten ab 2020 dafür bereitstellen. Bedenkt man, dass die Bundesregierung in Deutschland 30 Milliarden Euro für die Flut-Schäden in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zur Verfügung gestellt hat, sind 100 Milliarden US-Dollar für alle Entwicklungsländer für Emissionsminderung, Anpassung und Klimaschäden ein geradezu zwergenhafter Betrag. Nun soll das Thema erst auf der nächsten COP verhandelt werden.