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Gebot 14:
Akzeptanz des Gewissens
Die Akzeptanz des Gewissens ist genauso wichtig wie die anderen Lehren von Sanat Kumâra. Wenn wir etwas tun, was für unser Gewissen nicht akzeptabel ist, entstehen in uns Konflikte. Jüngerschaft ist ein Prozess bewusster Umwandlung. Es ist für uns ein sehr wichtiger Schritt, wenn wir von Zeit zu Zeit unser Gewissen befragen. Deshalb sagt der Herr Sanat Kumâra: „Springt in keine Handlung, die für euer Gewissen nicht akzeptabel ist.“
Wir sollten bedenken, dass das Gewissen das Denken der Seele, aber nicht der Persönlichkeit ist. Buddhi ist das Denken der Seele. Das Persönlichkeitsdenken arbeitet für die Erfüllung der Persönlichkeit. Es kennt kein Programm, um für die Erfüllung der Seele zu arbeiten. Hinweise, die von der Seele gegeben werden, blitzen durch Buddhi (das Denken der Seele) auf. Solche Hinweise sind wie Lichtblitze. Das Persönlichkeitsdenken kümmert sich nicht um solche Lichtblitze und versteht vielleicht häufig nicht einmal, weshalb es einer aufblitzenden Idee folgen soll. Es hat ein anderes Programm. Also kümmert es sich nicht darum, die Hinweise, die über Buddhi von der Seele kommen, zu verstehen. Daher ist es wichtig, regelmäßig das Gewissen zu Rate zu ziehen. Auf den Jünger kommen unterschiedliche Übungen zu: entweder von innen oder vom Lehrer oder durch eine Buchempfehlung. Einige dieser Methoden sprechen unmittelbar das Gewissen an. Die Wirkung der Weisheit auf das Gewissen braucht zunächst keinen Grund. Schlussfolgern ist die Arbeitsweise des Persönlichkeitsdenkens. Es braucht Antworten auf alles, was es tut. Für jedes ‚Warum‘ braucht es ein ‚Darum‘.
Der Mensch tut viele Dinge, ohne nachzudenken. Er hält sich für sehr rational, aber in Wirklichkeit ist er es nicht. Auch ein Intellektueller mag einen Ort, eine Person, eine Blume, eine Farbe, eine Zahl, ohne einen Grund dafür nennen zu können. Wenn er nach dem Warum gefragt wird, antwortet er nur: „Weil ich es mag.“ Als nächstes wird er gefragt: „Aber warum magst Du es?“ Seine Antwort lautet: „Ich mag es einfach. Es ist so.“ Die Antwort auf „warum magst du es?“ ist nicht „ich mag es.“ Es kann nicht die Antwort sein, aber sogar die Intellektuellen sind nicht imstande, die Logik ihrer Vorlieben darzulegen. Es gibt keine Antwort darauf, weshalb jemand etwas mag. Die Frage, warum man eine bestimmte Person liebt, findet im eigenen Denken keine Antwort. Wer nach dem Warum sucht, bleibt in der kausalen Welt hängen. Das Gewissen reicht über sie hinaus.
Sanat Kumâra sagt: „Befrage das Gewissen.“ Er sagt nicht: „Befrage dein Denken.“ Heute gibt es viele Bücher, die sagen: „Befolge nichts, was für deinen Verstand nicht annehmbar ist.“ Aber der Verstand gehört zum Denken. Das Denken ist der Herrscher der Persönlichkeit, der nichts zulässt, was über die Persönlichkeit hinausgeht. Jüngerschaft ist eine Bemühung, als Seele zu wirken und nicht als großartige Persönlichkeit. Der Verstand hat keinen besonderen Stellenwert, aber das Gewissen hat sehr große Bedeutung. Wenn wir dem folgen, was das Gewissen sagt, entfalten sich daraus langsam die Gedankengänge. Ansonsten bleiben wir einfach das Quadrat der Persönlichkeit, über dem sich kein Dreieck aufbaut. Nur wenn das Dreieck über dem Quadrat gebaut wird, wird ein Tempel daraus. Sonst ist das Quadrat nur wie ein Kasten. Man möge mir verzeihen, wenn ich sage, es sieht aus wie eine Mattscheibe. Auch beim Hausbau bevorzugen die Menschen seit einiger Zeit eher die Form der Schachtel als das Vorbild eines Tempels. Das Dreieck steht für intelligente Aktivität, Liebe-Weisheit und göttlichen Willen, und der Weg zum Dreieck ist unser Gewissen und nicht der Verstand. Deshalb wird uns empfohlen, von Zeit zu Zeit das Gewissen zu Rate zu ziehen, um das Viereck der Persönlichkeit zu durchbrechen und in das dreieckige Reich der Seele einzutreten.
Wenn wir durch Information Wissen erhalten, sollten wir es reflektieren, darüber nachdenken und wenn nötig nochmals durchdenken. Wir sollten die Information wieder und wieder überprüfen und ihr weder übereilt folgen noch von ihr abrücken. Wenn wir ihr zu schnell folgen, werden wir sie später wahrscheinlich fallen lassen. Nehmen wir sie nicht zu schnell an. Übereilte Aktivität ist ein Trick des Denkens, damit es später die Sache wegwerfen kann. Wir sollten auch nicht zu schnell davon abrücken. Den ganzen Sachverhalt sollten wir unserem Gewissen, jedoch keinesfalls unserem Denken vorlegen.
Der Chef und der Sekretär
Das Denken ist der Sekretär. Häufig versucht der Sekretär zu antworten, wenn eine Frage gestellt wird, sogar noch bevor die Angelegenheit den Chef erreicht hat. Im Gegensatz zum Dienstherrn hat der Sekretär Vorlieben und Abneigungen. Der Dienstherr tut, was getan werden sollte und richtet sich nicht danach, was bequemer ist. ‚Das mag ich‘ und ‚das mag ich nicht‘ kommen in seinem Wörterbuch nicht vor. Annehmlichkeiten und Unannehmlichkeiten existieren nicht, genauso wenig wie Gewinne und Verluste. Doch im Denken des Sekretärs sind diese Gegensatzpaare lebendig. Der Sekretär akzeptiert alles, was Gewinn bringt und lehnt ab, was nicht gewinnbringend ist. Wir sollten uns erinnern, dass das Denken unser Sekretär ist. Jeder von uns leidet, weil unser Sekretär unser Leben bestimmt. So ist es bei Einzelpersonen, und es trifft normalerweise auch auf alle Organisationen zu. Zwar gibt es Ausnahmen, aber eine Ausnahme bestätigt die Regel.
Jede Information wird zuerst vom Sekretär, dem Denken, aufgenommen. Eigentlich wird von ihm erwartet, dass er sie an den Chef weiterreicht. Aber das tut er nicht. Er filtert die eingehenden Informationen und reicht nur weiter, was er für wichtig hält. Solche Dienstherren sind Gefangene ihrer eigenen Sekretäre. Diese Sekretäre bauen goldene Gefängnisse, in die der Dienstherr hineingeht. So geschieht es regelmäßig.
Wir sollten unser Gewissen aktiver machen als unser Denken. Jede Einseitigkeit sollte abgestellt werden, so dass alles in einem vernünftigen Rahmen abläuft. Unser Gewissen muss aktiv werden können. Wir müssen es aufbauen und übereinstimmend mit ihm handeln. Dann baut das Denken seine eigene Begründung auf, um dem Gewissen zu folgen.
Oft hören wir die Aufforderung: „Entscheide selbst.“ Wir sollten diesen Satz sorgfältig lesen und bedenken. Was bedeutet er? Das Selbst muss entscheiden. Wir sollten nicht fälschlicherweise glauben, dass wir unser Denken sind. Das ganze Leben ist das Programm des Selbst. Das Denken, die Sinne und der Körper bilden die Organisation, die entsprechend dem Programm arbeiten muss. Jedes Selbst hat sein eigenes Programm und baut dafür seine Organisation auf. Die Organisation wird gebraucht, denn ohne sie kann das Programm nicht in die Tat umgesetzt werden und ohne Umsetzung gibt es keine Erfüllung. Sogar die kosmische Person hat eine Organisation. Die kosmischen, solaren und planetarischen Systeme stellen ihre Persönlichkeit, ihr Denken und ihren Körper dar. Aber Entscheidungen müssen vom Selbst kommen. Wenn sie vom Selbst kommen, informiert Buddhi die übrigen Organisationsmitglieder, und dann setzen sie die Entscheidungen um. So ist es beim himmlischen Menschen, und so sollte es auch beim irdischen Menschen sein. Dann wird er ein Gottessohn.
Befrage dein Gewissen
Wenn wir unser Gewissen befragen und dementsprechend handeln, treten zwei Prinzipien hervor: die Stetigkeit der Aktivität und die Kontinuität des Bewusstseins. Wir sollten bedenken, dass die Gewissensaktivität ihre eigene Stetigkeit hat. Viele Leute glauben, dass intuitives Arbeiten frei von jeder Ordnung ist und dass intuitive Lichtblitze unkontrolliert und unberechenbar sind. So ist es nicht. In den intuitiven Lichtblitzen gibt es eine höhere Ordnung, die das Denken anfangs nicht begreift. Die stetige Gewissensaktivität bewirkt einen raschen Fortschritt, der schneller ist als der Rhythmus des Denkens. Wenn das Denken rhythmisch ist, kann es etwas manifestieren. Wenn das Gewissen rhythmisch arbeitet, geschehen die Manifestationen viel schneller. Aus diesem Grund kann eine Person, die als Seele arbeitet, viel mehr manifestieren als andere. Sie manifestiert eine so große Arbeitsmenge, wie sie nicht einmal für Hunderte anderer Personen zusammen möglich ist.
Und was noch wichtiger ist: Wenn sich die Handlungen des Gewissens mehren, ist das Bewusstsein bei der Arbeit und dies führt zur Bewusstseinskontinuität. Die Bewusstseinskontinuität ist eine große Möglichkeit. Durch sie können wir die Begrenzung des Todes überwinden.
Beständigkeit ermöglicht eine gesunde Entfaltung, Kontinuität ermöglicht das Überschreiten der Begrenzungen, die von der Zeit gesetzt werden. Betrachten wir die Taten der Eingeweihten. Ihre Lehren leben weiter und inspirieren auch weiterhin alle Menschen, die sich um sie bemühen. Ihre Lehren sind so stetig wie die Umwandlungen, die wir beim Wachsen und Entfalten einer Blume finden. Die Veränderungen im Wachstum und in der Entfaltung einer Blume sind so stetig und folgerichtig, dass wir zu keinem Zeitpunkt eine markante Zunahme des Wachstums erkennen können. Dieses Prinzip der Stetigkeit und Folgerichtigkeit existiert in der Natur und trägt zum Wachstum bei. Die Umwandlung von Mineralien in Pflanzen, von Pflanzen in Tiere, von Tieren in menschliche Körper (nur in menschliche Körper, aber nicht in die Menschen, die in den Körpern wohnen) geschieht auf dem Planeten mit solcher Stetigkeit und Folgerichtigkeit, dass sie unbemerkt bleibt. Diese Qualität der Beständigkeit im Wachstum der Natur ist das Werk des sich entfaltenden Bewusstseins. Wir können nicht sehen, zu welchem Zeitpunkt ein Kleinkind zu einem Kind, ein Kind zu einem Jugendlichen, ein Jugendlicher zu einem Erwachsenen, einem Mann und einem alten Mann wird. Diese Veränderungen können wir nicht sehen und an einem bestimmten Zeitpunkt festmachen. Die gleiche Beständigkeit und Folgerichtigkeit brauchen wir in unserem Denken, in unserem Sprechen und in unseren Handlungen. Nur dann können wir behaupten, natürlich zu sein. „Sei natürlich“, lautet einer Anweisung der Weisheit. Wir glauben, natürlich zu sein. Aber wir sind nur natürlich, wenn wir unser Bewusstsein stetig und folgerichtig in die buddhische, mentale, emotionale und physische Ebene entfalten. Dazu müssen wir wissen, dass wir Bewusstseinseinheiten sind. Doch nur wenn wir regelmäßig das Gewissen zu Rate ziehen, wird uns offenbar, dass wir Bewusstseinseinheiten sind. Wenn der Herr sagt: „Befrage das Gewissen und finde heraus, ob das Gewissen etwas akzeptiert“, dann aktivieren wir regelmäßig das Gewissen in uns, das über die Persönlichkeit herrscht. Für alle Schüler wäre es gut, mehr und mehr über diese Dimension nachzudenken, damit sie auf dem Pfad gute Fortschritte machen.
Wenn eine Tätigkeit auf der Gewissensebene akzeptiert wird, sind die entsprechenden Praktiken gleichmäßig. Unser Interesse an der Tätigkeit wird nicht nachlassen und wir werden keine Monotonie empfinden. Wenn die Tätigkeit auf der Mentalebene verankert ist, setzt Monotonie ein und führt schließlich zur Unstetigkeit oder Unterbrechung. Das Geheimnis von Beständigkeit und Kontinuität ist im Gewissen verborgen. Eine Tätigkeit, die sich aus dem Gewissen entwickelt, ist daher hilfreich. Sie ermöglicht Šraddhâ, das gleichmäßige Fließen der Aktivität sowie die Manifestation von Sattva, der Qualität der Ausgeglichenheit. Dann werden unsere Gebete, Rituale und Meditationen gehaltvoller. Als Folge dessen dringt das Bewusstsein in die mentale, emotionale und physische Ebene ein und breitet sich aus.
Patanjali sagt: „Damit Umwandlungen möglich werden, müssen die Übungen viele Jahre lang und ohne Unterbrechung durchgeführt werden.“ Er spricht von Dîrghakala, das bedeutet ‚viele Jahre lang‘, und von Nairantarya, das bedeutet ‚ohne Lücken, ohne Pausen, ohne Unterbrechungen‘. Patanjalis Forderungen können wir nur erfüllen, wenn wir uns bewusst für eine Tätigkeit entscheiden. Darauf macht uns Lord Sanat Kumâra aufmerksam.