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Die Tanzenden erinnern an Spielzeugfiguren: Puppe und Mensch zugleich. An der Uraufführung des Triadischen Balletts 1922 tragen sie Reifen, Kugeln, die zu Armen werden, oder Spiralen, die einen Rock bilden. Grosse Scheiben nehmen den Körper mal als Achse, während runde Punkte die Wangen röten.
Ihr Schöpfer ist der Maler und spätere Bauhausmeister Oskar Schlemmer. Er war von Spielzeugfiguren angetan: «Oskar Schlemmer besass drei Grödner Drechselspielzeug-Puppen», sagt Frank-Manuel Peter, Leiter des Deutschen Tanzarchivs Köln. Das waren preiswerte Puppen im 19. Jahrhundert. «Einem Tänzer hat Schlemmer mal gesagt, dass er sie für das Triadische Ballett verwendet habe.»
Im Freundeskreis entstanden
Angefangen hat alles, als Oskar Schlemmer noch Kunststudent in Stuttgart war: Er verkehrte um 1910 in einem Freundeskreis, zu dem auch Albert Burger und Elsa Hötzel gehörten. Sie waren Solotänzer und Solotänzerin an der Stuttgarter Hofoper und hatten eine eigene Tanzschule. «Man feierte Kostümfeste zusammen, unternahm Reisen, badete am Neckarstrand», so Peter
Burger hatte die Idee, den Tanz zu reformieren. Die vorherrschende Tanzpraxis hielt er für überholt. Also suchten er und Elsa Hötzel einen Maler für die Kostüme und Bühnenbilder.
Fragile Dreiheit
Die Wahl fiel auf Oskar Schlemmer. Ihn interessierte es, die Körper im Raum miteinander in Bezug zu setzen. «Er hat geometrische Formen abstrakt verwendet, um aus Kugeln und Keulen Gelenke und Arme und Beine zu machen», erklärt Frank-Manuel Peter. Für die Kostüme verwendete er Sperrholz, Blech oder Draht.
«Das hatte den Nachteil, dass man damit nicht gut tanzen konnte», sagt Peter. Der Tanz wurde für Oskar Schlemmer neben dem Optischen immer mehr zum Detail.
Das Tanzpaar Elsa Hötzel und Albert Burger liess Schlemmer gewähren, obwohl das Ballett ursprünglich aus drei Arbeitsrichtungen entstehen sollte: dem Tanz, dem Szenischen und der Musik. Als der Komponist Arnold Schönberg absagte, griff die Produktion auf bestehende Musik zurück.
Schlemmer im Rampenlicht
Inhaltlich blieb die Dreiheit intakt: drei Akte, drei Tanzende, drei Farben für die Bühnenbilder. Eine Handlung im tatsächlichen Sinne gab es nicht. «Anregend war sicherlich auch die Commedia dell'Arte, wo Harlekin und Pierrot um Columbine werben», so Frank-Manuel Peter.
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Künstlerisch machte Oskar Schlemmer aus der Dreiheit bald eine Alleinherrschaft: «Er fand Gefallen daran, selbst in die Choreografien einzugreifen.»
Knatsch über Kostüme
Zehn Jahre dauerte es bis zur Uraufführung des Werks 1922. Schlemmer, der seit 1920 die Bühnenklasse am Bauhaus leitete, stellte sich im Programmzettel als alleiniger Schöpfer für die Kostüme, das Szenische und den Tanz dar. Die zweite Männerrolle tanzte er gleich selbst.
Die spektakulären Kostüme hätten das Werk überstrahlt, sagt Peter: «Es gibt Kritiken, die reden von einer bunten Bauhausmodenschau.» Es als Tanzwerk zu sehen, und damit den Tanz zu reformieren, sei nicht gelungen.
Es kam zum Zerwürfnis. Gestritten wurde vor allem über die Kostüme. Denn Albert Burger und Eva Hötzel hatten alles bezahlt. Schlemmer durfte schliesslich sechs Kostüme behalten – jene, die er auf der Bühne getragen hatte.
Immer wieder gibt es Versuche, das Triadische Ballett zu rekonstruieren. Und die Kostüme? Die werden nachgebaut – aus leichteren, tanzbareren Materialien.
Buchhinweis
Frank-Manuel Peter: «Oskar Schlemmer und der Tanz», Kunstbuchverlag Wienand 2023.