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Aufgezeichnet von René Ammann
«Im Moment lebe ich in einem Hotel in Schanghai. Es liegt am «Bund», so heisst die berühmte Uferpromenade. Mein Badezimmer ist voll verglast, man kann vom Bett aus alles sehen. Der «Bund» ist so etwas wie die Zürcher Bahnhofstrasse, da zeigen Chinesen ihren neuen Ferrari.
Eingeladen nach Schanghai hat mich der Schweizer Uhrenkonzern Swatch. Der führt im Hotel neben Uhrenläden eine zweistöckige «Artist Residency», in der eine Handvoll Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Welt drei bis sechs Monate leben und frei arbeiten können.
Vor meiner Abreise arbeitete ich als Freelancer für eine Online-Galerie mit Sitz in Zug. Sie vertreibt unter anderem Kunstgegenstände von Damien Hirst und Jeff Koons. Hirst ist Brite, Koons Amerikaner. Beide zählen zu den Künstlern, für deren grosse Werke man Dutzende von Millionen zahlt. Die Online-Galerie verkauft Editionen, etwa vom berühmten aufgeblasenen Hündli von Koons mit einer Auflage von 2300 Stück.
Als billige Kopie sind die «Balloon Dogs» auch in China erhältlich. Dort findet man mit wenigen Klicks für jedes Anliegen einen Anbieter, etwa auf Alibaba, meiner Lieblingsseite. Ihr Besitzer ist einer der reichsten Männer der Welt. Das passt zu Damien Hirst. Der feiert gegenwärtig an der Biennale in Venedig sein Comeback. Er zeigt Arbeiten, die angeblich in einem Schiff untergegangen sind. Gekostet hat ihn sein eigenes Comeback 50 Millionen Pfund, über 62 Millionen Franken.
In Zürich hatte ich sechs Jahre lang einen eigenen Ausstellungsraum. Ich eröffnete ihn mit dem Werk «To Fat to Fail», zu fett zum Scheitern. Es zeigt den dicksten Mann der Welt als aufblasbare Skulptur. Sie hätte mich in der Schweiz 17'000 Franken gekostet. Sie ist mehrere Meter hoch und breit. In den Niederlanden fand ich einen Anbieter für 3000 Franken. Die Holländer liessen den dicken Mann in China produzieren. In zwei Minuten ist er aufgeblasen, in vier Minuten liegt er wieder flach.
Eine Million mehr, als Hirst verlangte
Hier in Schanghai kam mir die Idee, meine Kritik am Kunstmarkt in einem Werk zusammenzufassen. Wie dieser Kunstmarkt funktioniert, hat Hirst selber vorgeführt. Er liess einen menschlichen Schädel mit 8601 Diamanten besetzen und für 50 Millionen Pfund verkaufen. Die Arbeit heisst «For the Love of God». Davor hatte Hirst Kälber und Haifische in ein Aquarium voller Formalin gelegt.
Nun sind wir bekanntlich auf der Toilette alle gleich. Daher setzte ich Hirst aufs WC. In einem Aquarium. Wie seine Haie und Kälber. Der Körper ist meiner, Damien Hirsts Kopf habe ich aus dem Internet.
Meine Hirsts fürs Klo gibt es ab 165 Euro als Action-Figur, 23 Zentimeter hoch. Oder ab 15'000 Euro in Lebensgrösse, 300 Kilo schwer.
An der Art Basel werde ich dann versuchen, den teuersten Hirst überhaupt zu verkaufen. Unter dem Titel «For the Love of Money». Damien auf dem Klo, mit künstlichen Diamanten überzogen, Kostenpunkt: 51 Millionen Pfund – also eine Million mehr, als Hirst für seinen Schädel verlangte. Diese neue Geschäftsidee stelle ich während der Art Basel in einem Showroom vor.
Ich brauche Geld, um als Künstler erfolgreich zu sein. Und will dank Damien zum grössten Hirst-Verkäufer der Welt werden. Fertigen lassen werde ich die Editionen in China. Aber erst, wenn das Crowdfunding bei Wemakeit erfolgreich war.
Für meine Aktion habe ich die Internet-Domain Damienhirst.sale gekauft. Auch das ist Teil des Kunstprojekts. Möglicherweise verklagt mich Damien Hirst. Wenn er aber so selbstironisch ist wie sein eigenes Werk, kauft er sich selber. Das wäre das Beste, was mir passieren kann.»