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Geringe Rohfasergehalte können das Risiko für das Auftreten von Kannibalismus erhöhen. Mit genügend Rohfasern in der Ration tritt durch das Aufquellen im Darm eine «mechanische» Sättigung ein, was für deutlich mehr Ruhe im Stall sorgt. Praxiserfahrungen zeigen, dass Mastrationen einen Rohfasergehalt von 35 bis 45 g pro kg (Basis 88 Prozent TS) aufweisen sollten.
Fasermix gezielt nutzen
Schwer verdauliche Fasern regen die Darmperistaltik an.
Die alleinige Beurteilung einer Ration aufgrund des Rohfasergehaltes reicht nicht aus. Mit dem richtigen Mix wird, unter Berücksichtigung der Gerüstsubstanz, die gewünschte Wirkung in der Verdauung erzielt (siehe Abbildung). NDF (neutral detergent fiber; unlöslich in einer neutralen Flüssigkeit) fasst die Fraktion von Lignin, Zellulose und Hemizellulose zusammen. Im Wesentlichen sind das die Zellwandbestandteile eines Futtermittels. Diese schwer verdaulichen Kohlenhydrate stehen dem Schwein im Dickdarm für verschiedene Funktionen zur Verfügung. Der gut fermentierbare Anteil, die Hemizellulose, ist wichtige Nahrung für die Mikroflora im Darm. Die eher schwer fermentierbaren Anteile Zellulose und Lignin (ADF; Acid detergent fiber) unterstützen die Besiedelung des Darms mit Milchsäurebakterien und fördern somit die Darmgesundheit. Bei der bakteriellen Verdauung dieser schwer verdaulichen Kohlenhydrate im Darm entstehen flüchtige Fettsäuren als Stoffwechselprodukte. Diese liefern dem Tier Energie, senken den pH-Wert und fördern das Sättigungsgefühl.
Gute Sättigung – weniger Unruhe
Schwer verdauliche Fasern (ADF) werden dank der bakteriellen Verdauung von den Darmmikroorganismen genutzt. Sie lockern den Verdauungsbrei auf, regen die Darmperistaltik an und beschleunigen die Darmpassage. Die Darmschleimproduktion, die Aktivität bestimmter Verdauungsenzyme sowie das Darmzottenwachstum werden gefördert. Dies führt zu einem höheren Wassergehalt im Kot, zu höherem Kotvolumen und regelmässigem Kotabsatz. Das Wasserbindungs- und Quellvermögen dieser Faserträger führt durch die Dehnungsimpulse zu einer mechanischen Sättigung der Tiere. Je höher die Wasserbindekapazität ist, desto schneller wird das Sättigungsgefühl erreicht. Diese Funktionen der Fasern gilt es bei der Fütterung gezielt einzusetzen, um die entsprechende Wirkung im Tier zu erreichen. Daher werden bei der Produktion der Mastschweinefutter die Eigenschaften der Rohwaren bezüglich Faserfraktionen berücksichtigt.
Konstante Leistungen
Der erhöhte Einsatz von Fasern in Mastrationen zieht eine Reduktion der Energiedichte im Alleinfutter mit sich. Bedenken aus der Praxis, dass dies zu geringeren Mastleistungen führen kann, wurden mit einem Fütterungsversuch auf dem Versuchsbetrieb UFA-Bühl nicht bestätigt. Unabhängig von der Energiedichte des Futters wurden die beiden Versuchsgruppen in drei Phasen gefüttert. Gruppe 1 erhielt ein Futter mit 14,0 MJ VES und 35 g Rohfaser (siehe Tabelle). Das Futter der Gruppe 2 enthielt 45 g Rohfaser und 13,6 MJ VES mit einem zusätzlichen Minimum beim NDF-Gehalt. Beide Gruppen erzielten mit 918 g (Gruppe 1) respektive 920 g (Gruppe 2) Masttageszuwachs (MTZ) gute Ergebnisse. Die durchschnittliche Mastdauer war bei Gruppe 1 mit 96 Tagen einen Tag länger. Bei der Futterverwertung nach MJ VES ergab sich mit 35,4 MJ ein leichter Vorteil für Gruppe 2. Der Magerfleischanteil (MFA) war bei beiden Gruppen fast gleich. Der absolute Futterverzehr war bei Gruppe 2 mit dem tieferen Energiegehalt etwas höher. Durch die geringere Energiedichte bei gleichbleibendem Aminosäuremuster war das Versuchsfutter der Gruppe 2 etwas günstiger. Entsprechend fiel die Wirtschaftlichkeit (Deckungsbeitrag 1 / Masttag) gleich hoch aus. Futter mit tieferem Energiegehalt und höherem Rohfasergehalt sind also eine gute Alternative, um im Schweinestall Unruhe und Kannibalismus vorzubeugen.