Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03294.jsonl.gz/2522

Ich habe mir lange überlegt, ob ich das schreiben darf, soll oder möchte. Da draussen gibt es vielleicht andere Frauen, wie mich, die ähnliches erlebten oder noch erleben.
Meine Wahrnehmung
Ich lebte mit einer tiefen und nicht erklärbaren Angst, dass ich allein auf dieser Welt bin und unerwünscht auf diese Welt kam. Es spielte keine Rolle, wie oft mir meine Mitmenschen sagten, dass sie mich lieben oder dass sie mich um sich haben wollten. Irgendwie wollte bzw. konnte ich das nicht glauben und heute kann ich erkennen, dass ich entsprechend gehandelt habe.
Meine innere Insel der Einsamkeit
Innerlich existierte ich wie eine Insel, fühlte mich einsam, ausgegrenzt, isoliert und glaubte auch, dass ich nicht liebenswert sei. Ich war nicht stolz auf mich, ich entwickelte eine Reihe von ungesunden Bewältigungsstrategien, die wahrscheinlich auch einiges ruinierten.
Ich glaubte während langer Zeit, dass ich Menschen mit meiner blossen Anwesenheit belästigte. Die Art und Weise, wie ich mich fühlte und handelte, beeinträchtigte auch meine Fähigkeit, mein Potential zu leben, und schränkte auch andere Bereiche meines Lebens ein.
Mein Prozess
Durch die einfachen und tiefgreifenden Methoden, die ich heute auch in meinen Coachings anwende, entdeckte ich, dass meine Geburt und die Geschichte um meine Geburt, mir das Gefühl vermittelte, ‘traurig, ängstlich und allein zu sein, weil ich nicht gewollt bin’.
Es ergab Sinn, da ich mich eine lange Zeit meines Lebens so gefühlt hatte. Trotz offensichtlicher Anzeichen war mir bis zu diesem Zeitpunkt völlig entgangen, dass meine Schlussfolgerungen, die ich mit mir herumtrug, nicht richtig waren. Ich bin mit mir durch diesen Prozess gegangen und konnte mit der Welt und seinen Menschen Frieden schliessen. Ich war kein Wunschkind, aber sie, meine Eltern wollten mich tatsächlich; in der Tat wollten sie, dass ich atme und gesund bin. Es gab keinen Grund, Angst zu haben, denn ich wurde liebevoll versorgt und ja, ich habe überlebt.
Indem ich diese “Erkenntnisse” meines älteren und weiseren Selbst umarmte, fühlte ich mich unglaublich ruhig und ich empfand einen unglaublichen inneren Frieden.
Fazit
Ich habe inzwischen gelernt, dass wir, schon kurz nach der Geburt, vom ersten Atemzug an, spüren können, was um uns herum geschieht. Viel später lernen wir, Worte zu nutzen, um unsere Gefühle, unsere Emotionen auszudrücken. Doch diese ersten Gefühle verstärken unsere Prägungen und Überzeugungen.
Als Teenager werden unsere Überzeugungen noch ausgeprägter, wir können jedoch noch nicht unterscheiden, ob sie uns nützen oder eher schaden werden. So erging es mir. Vielleicht war deine Welt perfekt und du hast die ultimativen und allerbesten Überzeugungen auf deinen Lebensweg erhalten. Herzlichen Glückwunsch an dich und deine Eltern.
Lange Zeit habe ich gar nicht bemerkt, wie diese frühen Ereignisse und Prägungen mein Leben beeinflussten, erst als ich immer und immer wieder durchs Leben stolperte, konnte ich meine Glaubensätze und Prägungen umdeuten und verändern, so dass sie mich nun „meistens“ unterstützen.
Ich weiss nicht, wie du durch dein Leben segelst, wie du und ob du schon aus dem sicheren Hafen raus bist oder noch an der Küste entlangfährst.
Eines weiss ich. Es lohnt sich, in die Tiefe zu gehen, die eigene Geschichte anzuschauen und vielleicht auch andere Blickwinkel auf das Leben zu erlauben. Ja, manchmal tut es weh, weil wir so lange verharrt haben und glaubten, dass alles so sein muss wie es ist, wir so sind, wie wir sind und es keinen anderen, besseren Weg gibt.
Du bist die Kapitänin deines Schiffes, du setzt die Segel und du bestimmst, wann du losfahren willst. Wenn du möchtest, dass auch deine Crew dich unterstützt, dann helfe ich dir gerne weiter.
Alles Liebe
Ursina