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Warum Junge bei den Renten im Nachteil sind
In den Medien heisst es immer, bei den Pensionskassen würden die Jungen die Alten subventionieren. Aus meiner Sicht stimmt vieles nicht. Sämtliches Guthaben der Rentner wird ab Pensionierung nicht mehr verzinst. Effektiv werden doch die Rentner gemolken? H.H.
Die Aussage, dass die jungen – aktiven – Versicherten die Rentnerinnen und Rentner quer subventionieren, ist nicht eine Annahme der Medien oder der Pensionskassen, sondern basiert auf den Zahlen der staatlichen Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK). Diese hat errechnet, dass jährlich ca. 7 Milliarden Franken von aktiven Versicherten und Arbeitgebern zu Rentenbezügern umverteilt werden. Das entspricht einer Umverteilung von etwa 25 Prozent.
Wenn man diese Zahl auf die Versicherten herunterbricht, bedeutet dies, dass die Quersubventionierung bei einer Rente von 10’000 Franken 2500 Franken beträgt, bei 1000 Franken Rente 250 Franken.
Deutlich schlechter stehen die Jungen auch bei der Rentenhöhe da, weil die Umwandlungssätze laufend sinken. Aufgrund der tieferen Umwandlungssätze bekommen die Jungen künftig klar weniger Rente als die heutigen Bezüger.
Die Zweite Säule leidet unter zwei Problemen. Zum einen trägt der Kapitalertrag als dritter Beitragszahler neben den Arbeitnehmern und Arbeitgebern aufgrund der tiefen Zinsen deutlich weniger zur Kapitalbildung bei. Zum anderen ist die Lebenserwartung stark gestiegen.
Im obligatorischen Teil gilt nach wie vor ein viel zu hoher gesetzlicher Umwandlungssatz von 6,8 Prozent, korrekt wäre aktuell 4,8 Prozent. In der Vergangenheit wurden die Grundlagen für die Rentenzahlung – nämlich die Lebenserwartung und die Kapitalerträge – zu optimistisch eingeschätzt. Deshalb müssen die Pensionskassen einen beträchtlichen Teil der Rendite auf dem Kapital der Aktiven für die Rentenzahlung der schon Pensionierten verwenden.
Wenn ein Rentner sich entscheidet, bei der Pensionierung die Rente zu beziehen, garantiert ihm die Kasse bis ans Lebensende die Rente. Sie trägt also das Langlebigkeitsrisiko und auch das Anlagerisiko. Wenn jemand hingegen den Kapitalbezug wählt, kann er das Kapital investieren und im positiven Fall eine gute Rendite erzielen, aber er trägt das Langlebigkeits- und das Anlagerisiko. Unter Umständen hat er zu wenig Geld, wenn er lange lebt.
Wenn jemand den Eindruck hat, dass die Rentner von den Pensionskassen gemolken werden, wie Sie es in Ihrer Frage ansprechen, kann er also bei der Pensionierung das Kapital beziehen – muss aber bereit sein, das Langlebigkeits- und das Anlagerisiko zu übernehmen.
Gemäss heutigem System findet eine Umverteilung von den Aktivversicherten zu den Rentnern statt, was über kurz oder lang zu einer Entsolidarisierung führen dürfte. An diesem Punkt setzt Josef Bachmann an. Der frühere Geschäftsführer der Pensionskasse des Wirtschaftsprüfer PWC Schweiz, der selbst im Rentenalter ist, verlangt, dass man die Bezüge der aktiven Rentner flexibilisieren müsse. Seine Begründung: «Renten kann man aufgrund der unsicheren Kapitalmarktentwicklung nicht im Voraus versprechen. Das wird beim heutigen System aber gemacht, was fatal ist.»
Bis jetzt waren die Renten der schon Pensionierten tabu. Laut Bachmann hatten die Kassen die Renten früher zu hoch angesetzt. Und Sie würden die Rentner bevorzugen. «Stattdessen sollte sich die Pensionskassenrente laufend an das Anlageumfeld und die Lebenserwartung anpassen», fordert er, dann würden die Jungen nicht mehr benachteiligt.»
Um dieses Ziel zu erreichen, lanciert er eine Volksinitiative, für die ab Ende März Unterschriften gesammelt wird. «Auch die heutigen Pensionäre sollten mit moderat gekürzten Renten ihren Teil dazu beitragen, dass die Vorsorge künftig wieder fair aufgestellt ist und die Jungen nicht benachteiligt werden.»
Unabhängig von der Politik rate ich Jungen, möglichst früh zusätzlich zur Pensionskasse und der AHV auf freiwilliger Basis fürs Alter zu sparen. Sonst könnte es für viele später im Alter eng werden.