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Meinem Dämon die Stirn bieten
Nach einem Arbeitstag ging ich mit einem Freund und einem Waldbesitzer noch ein Bier trinken. Als ich im Auto und schon auf dem Heimweg war, musste ich nach dem Bierkonsum noch einmal austreten, was ich am Auto lehnend erledigte. Ich konnte mich aber nach einiger Zeit nicht mehr auf den Beinen halten und fiel hin. Es war Winter und sehr kalt. Mir wurde klar, dass ich hier nicht im Schnee liegen bleiben konnte, ohne zu erfrieren. Zum Glück hatte ich mein Handy in die Jacke eingesteckt und konnte Freunde von mir verständigen, dass ich im Schnee lag und nicht mehr aufstehen konnte. Sie kamen sogleich, halfen mir ins Auto und brachten mich nach Hause. Sehr oft ging ich in mein Stammlokal und trank noch ein Bier. Als ich nach so einem Abend wieder nach Hause kam, nahm ich meinen Rollator und stolperte in das Haus. Ich wollte noch austreten und mich dann ins Bett legen. Plötzlich verlor ich auf der Toilette das Gleichgewicht und fiel samt Rollator hin. Als ich so dalag, dachte ich mir: "Jetzt muss bald was passieren, denn ich muss dringend auf die Toilette." Aber ich schaffte es nicht mehr rechtzeitig aufzustehen, so machte ich in die Hose. Es war für mich ein einschneidendes Erlebnis, so in der Toilette zu liegen und nicht aufstehen zu können. In der Situation wurde mir drastisch vor Augen geführt, dass ich endlich die Kontrolle abgeben musste, und wie es sein wird, wenn man unfähig ist, alleine irgendetwas zu tun, und schon Hilfe benötigt, um auf das WC zu gehen. Ich bin mir vorgekommen wie ein Käfer, der auf dem Rücken liegt und verzweifelt versucht, wieder auf die Beine zu kommen, nur um zu begreifen, es funktioniert nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Ich blieb mit nasser Hose eine Zeit lang liegen und ruhte mich soweit aus, bis ich es irgendwann schaffte, wieder auf die Beine zu kommen und mich ins Bett zu schleppen. Mir wurde klar, dass ich mich von meinem glücklichen und erfüllten Leben, früher als geplant, verabschieden musste.
Hannes Altenburger
Ich wurde im Mai 1972 als jüngstes von vier Kindern geboren. Während einer unbeschwerten Kindheit lernte ich die Natur, Tiere und Pflanzen lieben. Nachdem ich mit meinem Vater zur Jagd mitging, wurde mir klar, dass Tiere und Pflanzen in meinem Leben eine Rolle spielen mussten. So entschied ich, Förster zu werden. Dafür ging ich 1986 in eine Försterschule, was Internat und somit ein Leben ohne elterliche Obsorge bedeutete, wodurch meine Persönlichkeit sehr geprägt wurde und mich meinen Weg unbeirrt verfolgen liess. Nach Umsetzung meines Jugendtraumes, nämlich ein paar Monate in der Wildnis zu verbringen, fand ich einen guten Job als Förster, das Leben verlief so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Doch 2001 erkrankte ich an Multipler Sklerose, wodurch ich im Rollstuhl landete. Trotzdem arbeitete ich noch 10 Jahre und absolvierte noch zahlreiche Abenteuer. 2011 hatte ich schon zu wenig Kraft und ging in krankheitsbedingte Frühpension, ein selbstständiges Leben war nicht mehr möglich, und so gestaltete ich mein Leben neu, zog im Alter von 39 Jahren wieder bei meinen Eltern ein und stellte eine Pflegerin an. Trotzdem versuche ich, das Bestmögliche aus der Situation zu machen, was dank meiner Mutter, meines Bruders und einiger guter Freunde ganz gut gelingt.