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Tuberkulose ist eine der wichtigsten Infektionskrankheiten, die weltweit bis heute Todesopfer fordert. In Europa wird Tuberkulose vergleichsweise selten diagnostiziert, aber ist sie keineswegs ausgerottet. Tuberkulose, die sich in den meisten Fällen in Form einer Lungentuberkulose manifestiert, lässt sich gut behandeln – doch das setzt voraus, dass sie rechtzeitig erkannt wird. Trotz intensiver Forschung gibt es bis heute keinen wirksamen Impfstoff gegen Lungentuberkulose. Die rasante Entwicklung von multiresistenter Tuberkulose in Asien und Subsahara Afrika ist eine globale Bedrohung.
Für diese Krankheit gibt es mehrere Namen, die jedoch veraltet sind: Schwindsucht, weiße Pest, weißer Tod, die Motten. Tuberkulose (kurz Tbc oder Tb) wird von Bakterien (Mykobakterium tuberkulosis) verursacht. Der Mensch ist das einzige Reservoir für die Erkrankung. Die Gefahr einer Ansteckung besteht für Sie vor allem dann, wenn Sie sich in einem Raum aufhalten, in dem sich eine bereits erkrankte Person befindet oder vor kurzem befand. Hat die betroffene Person hustend oder sprechend feine Tröpfchen ausgeatmet, besteht die Gefahr, dass Sie dieses infektiöse Aerosol einatmen und sich infizieren. Nicht jede Infektion führt zur Erkrankung: etwa 90 Prozent aller Infizierten sind „latent“ infiziert, d.h. der Mensch trägt das Bakterium in sich erkrankt aber nicht. 10% der infizierten Menschen entwickelt eine aktive Erkrankung, meisten eine Lungentuberkulose (auch pulmonale Tuberkulose genannt). Prinzipiell kann aber jedes Organ von aktiver Tuberkulose betroffen sein. Die meisten Fälle von aktiver Erkrankung treten innerhalb der ersten zwei Jahre nach der Infektion auf. Die typischen Anzeichen sind: Husten, Auswurf, Fieber, Gewichtsverlust.
Viel seltener als eine solche Tröpfcheninfektion ist jedoch die Übertragung einer Tuberkulose auf anderen Wegen. So können die Bakterien zum Beispiel in Nahrungsmitteln wie Fleisch oder Milch enthalten sein. Auch über ungenügend desinfizierte Spritzen, Nadeln oder andere medizinische Instrumente können Tbc-Bakterien übertragen werden.
Verläuft die Behandlung erfolgreich, heilt eine Tuberkulose in vielen Fällen aus, ohne bleibende Folgen zu hinterlassen.
Weltweit kommt es jährlich zu rund zehn Millionen neuen Tuberkulose-Fällen, etwa 1,5 Millionen Menschen sterben an der Krankheit. Die am stärksten betroffenen Länder liegen in der südlichen Hälfte Afrikas und in Asien.
In der Schweiz gab es seit 2010 pro Jahr zwischen 463 und 611 gemeldete Neuerkrankungen (Deutschland: 4317 bis 5915; Österreich: 582 bis 688). Die Mehrzahl der Patientinnen und Patienten sind Migrierende, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) festgestellt hat. Die Zahl der Tbc-Toten beträgt in der Schweiz weniger als zehn pro Jahr.
In Europa sind überwiegend Erwachsene von Tuberkulose betroffen, Männer mehr als Frauen. Dagegen erkranken in Ländern mit hoher Tbc-Rate häufig Kinder. Es gibt sehr viel mehr Infizierte als Kranke. Bei mehr als 90 Prozent aller Menschen, die sich mit Tbc-Bakterien angesteckt haben, kann das körpereigene Immunsystem die Erreger in Schach halten oder so erfolgreich bekämpfen, dass sich keine Krankheitssymptome zeigen.
Die mit Abstand häufigsten Erreger der Tuberkulose sind stäbchenförmige Bakterien, die auch Tuberkelbazillen genannt werden. Sie stammen aus der Familie der Mykobakterien und gehören meistens der Art Mycobacterium tuberculosis an.
Falls Tbc-Bakterien in Ihren Organismus gelangen, versucht Ihr Immunsystem, sie mit einer doppelten Strategie zu bekämpfen. Zum einen, indem Abwehrzellen die Erreger einkreisen und mit ihnen eine Kapsel (ein Tuberkulom) bilden. So soll das umliegende Gewebe geschützt werden. Die zweite Strategie: Im Zentrum einer solchen kapselartigen Zellformation (Granulom genannt) nehmen spezialisierte Fresszellen (Makrophagen) Bakterien in sich auf, um sie zu vernichten.
Wenn es der körpereigenen Abwehr gelingt, die Erreger einzukapseln und am Ausbruch zu hindern, kommt es irgendwann zu einer Verkalkung und Vernarbung des Gewebes. Sie ist oft noch Jahre später auf Röntgenaufnahmen zu erkennen. Gelingt der Abwehr dieser Prozess nicht und hustet der Erkrankte stark infizierten (infektiösen) Schleim ab, handelt es sich um eine offene Tuberkulose. Sie ist ansteckend.
Vor allem ein geschwächtes Immunsystem schafft es oft nicht, die Bakterien zu besiegen. Ein weiterer Grund, warum die Abwehr der Tbc-Bakterien nicht immer gelingt: Sie sind sehr robust und können lange Zeit passiv in den Makrophagen überleben. So kann eine in Schach gehaltene (latente) Tuberkulose noch Monate oder Jahre später ausbrechen.
Das Risiko einer Tuberkulose-Erkrankung ist umso größer, je höher die Zahl der eingeatmeten Bakterien ist. Je mehr dieser Erreger in einem Raum vorhanden sind und je länger Sie ihnen ausgesetzt sind, umso wahrscheinlicher erfolgt eine Infektion. Anders verhält es sich, wenn nicht die Lunge, sondern andere Organe betroffen sind, etwa Nieren, Rippenfell, Knochen oder Gelenke. Mit diesen ohnehin seltenen Formen der Tuberkulose können Sie sich kaum anstecken – es sei denn, Sie berühren jemanden, der eine Wunde oder andere offene Hautstelle hat, in der sich Tbc-Bakterien befinden.
Wenn Sie Kontakt mit jemandem haben, der sich seit drei Wochen oder länger in erfolgreicher Behandlung einer Tuberkulose befindet, dann ist dieser Patient oder diese Patientin sehr wahrscheinlich nicht mehr ansteckend.
Die Tbc verursachenden Mykobakterien können zwar jedes Organ befallen, aber in rund 70 Prozent aller in der Schweiz registrierten Fälle ist es die Lunge. Alle Formen der Tuberkulose verlaufen meistens langsam, und die möglichen Symptome sind zu Beginn meist eher schwach ausgeprägt. Zu ihnen gehören:
Wichtiger Hinweis: Sollten Sie blutigen Auswurf oder länger als drei Wochen Husten haben, suchen Sie uns unbedingt auf.
Wie lange es dauert, bis nach einer Ansteckung die ersten Anzeichen einer Tuberkulose auftreten, kann sehr unterschiedlich sein.
Ältere Patienten und Patientinnen entwickeln typischerweise weniger Symptome, während Kinder häufig unter länger andauerndem Fieber oder einer verzögerten Entwicklung leiden. Es gibt keine eindeutigen Symptome, die ausschliesslich für eine Tuberkulose sprechen; die gleichen Symptome könnten sich zum Beispiel auch bei neoplastischen Erkrankungen oder autoimmunologischen Erkrankungen zeigen. Eine eindeutige Diagnose der Tuberkulose zu erstellen ist deshalb zunächst schwierig.
Da zu Beginn der Erkrankung die Symptome einer Tuberkulose oft nur schwach ausgeprägt sind und sich nicht von denen anderer Krankheiten (wie der Grippe) unterscheiden, ist die Diagnose Tuberkulose schwierig zu stellen. Zunächst werden wir Sie nach Ihrer persönlichen Krankheitsgeschichte fragen (Anamnese): Seit wann haben Sie welche Symptome? Gibt oder gab es Tbc in Ihrer näheren Umgebung? Auch um möglicherweise vorhandene Risikofaktoren wird es in diesem ersten Gespräch gehen. Dazu gehören: schwere chronische Krankheiten, eine möglicherweise vorhandene HIV-Infektion, die Einnahme von immunsuppressiven Medikamenten (sie schwächen die Wirkung des Immunsystems ab).
Um eine sichere Diagnose stellen zu können, müssen die Tbc-Erreger mit einem Labortest nachgewiesen werden.
Wenn Sie verhindern wollen, an Tuberkulose zu erkranken, gibt es nur einen theoretischen Weg: Vermeiden Sie den Kontakt mit Menschen mit aktiver Tuberkulose. Halten Sie sich auch nicht in einem Raum auf, in dem sich kürzlich eine an offener Tbc erkrankte Person aufgehalten hat. Das lässt sich im Alltag natürlich nur selten überprüfen und ist nicht praktikabel.
Es gibt auch eine Schutzimpfung gegen Tuberkulose (sie heißt BCG-Impfung). Der vom Bundesamt für Gesundheit herausgegebene Schweizerische Impfplan 2020 empfiehlt diese Impfung aber nur für Neugeborene und Säuglinge, die jünger als 12 Monate sind und ein erhöhtes Risiko für eine Ansteckung haben. Dies sind „Säuglinge, deren Eltern aus einem Land mit hoher Tuberkuloseinzidenz stammen“, (Inzidenz ist das neue Auftreten einer Erkrankung). Bei Erwachsenen wirkt die BCG-Impfung nicht.
Die Inkubationszeit nach der Infektion beträgt Monate bis Jahre. Kurze Inkubationszeiten sind typisch bei Kleinkindern und bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. Erwachsene erleben die Symptome einer Tuberkulose meistens innerhalb von zwei Jahren. Bei einem kleinen Teil der Infizierten kann die Tbc deutlich später ausbrechen. Im Extremfall sogar erst nach mehr als einem Jahrzehnt.
Wie die Krankheit verläuft, hängt vor allem davon ab, wann sie diagnostiziert und wie sie behandelt wird. Wenn die folgenden drei Voraussetzungen erfüllt sind, stehen die Chancen gut, dass die Tuberkulose ausheilt, ohne bleibende Schäden zu hinterlassen:
Wenn das Immunsystem einer erkrankten Person geschwächt ist (etwa nach einer HIV-Infektion) oder wenn die Tuberkulose zu lange unerkannt bleibt, ist der Verlauf meistens weniger günstig. Lungen oder andere von Tbc-Bakterien befallene Organe können dann schwer geschädigt werden.
Sollten Sie an Tuberkulose erkrankt sein, wird man Ihnen vier verschiedene Medikamente verabreichen. Alle vier sind Antibiotika (in diesem Fall auch Antituberkulotika genannt). Je nach Wirkstoff soll verhindert werden, dass sich die Tbc-Bakterien weiter vermehren und ausbreiten, oder die Erreger sollen direkt abgetötet werden. Eine Lungentuberkulose (die weitaus häufigste Form der Tbc) wird meistens zu Beginn mit folgenden Wirkstoffen behandelt: