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Seit 60 Jahren geht die Familie von Gilbert und Heidi Schuwey auf die Alp Untere Jansegg in Jaun. Vater Alois hatte den Berg seinerzeit zuerst als Hirt bewirtschaftet. Nun ist mit Sohn Loris bereits die dritte Generation am Werk.
Es ist ein wunderbar klarer Herbsttag, als Heidi und Gilbert Schuwey in der Jansegghütte den Besuch der FN empfangen. Schon vor einer Woche sind die Kühe ins Tal gezogen, die meisten Rinder folgten dann am Wochenende. Nun grast bloss noch eine Handvoll Tiere auf der Weide etwas weiter oben. Heidi Schuwey hält Ausschau, bald soll noch einer der Ggùschtipuure aus dem Unterland kommen, um seine vier Rinder abzuholen.
Gemeindeberg seit 1957
Gilbert Schuwey erinnert sich, dass sein Vater Alois 1961 von der Gemeinde als Hirt engagiert wurde und zum eigenen Vieh noch 150 Rinder zu betreuen hatte. Ab 1993 kamen Gilbert und Heidi Schuwey mit ihren vier Kindern auf die Alp, und 2018 hat ihr jüngster Sohn Loris den Betrieb und somit auch die Pacht der Jansegg übernommen.
Gilbert Schuwey hat Dokumente und Artikel zusammengesucht, die über die Geschichte der Alp Jansegg erzählen. Darunter befindet sich ein Schriftstück des Jauners Gabriel Schuwey, in dem er über den Kauf der Alp berichtet und auch das Protokoll der Gemeindeversammlung beilegt.
Die Janseggweiden haben, wie die anderen Bergweiden auf der Südflanke des Jauntals, der Aristokratenfamilie de Diesbach gehört. 1956 schrieb die Familie die Bergweide Jansegg zum Verkauf aus. An der Gemeindeversammlung vom 30. November 1957 orientierte Ammann Edmund Cottier, dass sich die Gemeinde aus moralischen Gründen verpflichtet sehe, sich für den Kauf zu interessieren. Die Familie de Diesbach habe ihr den Verkaufspreis von 600’000 Franken kommuniziert. Ein Preis, der nicht unterboten werden dürfe, da es ausserkantonale Liebhaber gebe, die durchaus mehr bezahlen würden.
Der Gemeinde Jaun gelang es, das benötigte Geld aufzubringen, und so war die Jansegg ab 1957 ein Gemeindeberg. Während drei Jahren noch lief ein mit dem Kauf übernommener Pachtvertrag mit der Viehzuchtgenossenschaft Treyvaux. Ab 1961 bewirtschaftete die Gemeinde den Berg selbst und stellte dazu zwei Hirtenfamilien an.
Eine davon war die Familie von Gilbert Schuwey. Das Eintreiben der Sömmerungsgelder und das Suchen nach genügend Rindern für die Sömmerung brachten dem Gemeinderat jedoch so viel Arbeit, dass er beschloss, ab 1969 drei Pachtverträge abzuschliessen: für die Obere Jansegg, die Untere Jansegg und den Ritz.
Wesentlich einfacher wurde das Leben der Pächter, als 1964/65 die Alpstrasse bis zur Unteren Jansegg gebaut wurde. 1978 wurde dann auch die Hütte saniert und vergrössert.
Externe Hilfe im Sommer
Den Sommer verbringen Schuweys mit rund 100 Kühen und Rindern in der Unteren Jansegg. Käse hat die Familie nie fabriziert. «Der letzte Käse wurde hier oben 1960 gemacht», meint Gilbert Schuwey. Nun fährt die Familie mit der Milch ins Tal. Die Rinder der 16 Ggùschtipuure bleiben rund 100 Tage auf der Alp. «Einer der Bauern bringt seine Rinder nun schon 60 Jahre zu uns», sagt der zweifache Grossvater. Um all die Tiere zu versorgen und die Weiden instand halten zu können, haben Schuweys im Sommer Hilfe von Küherbuben. «Diesen Sommer waren drei junge Burschen und ein Mädchen da», sagt Heidi Schuwey. «Sie sind uns wirklich eine grosse Hilfe.» Sie sagt aber auch:
Aber für die Köchin bedeutet dies, dass auch ziemlich was in die Pfanne muss.
Mangelware Wasser
«Wir hatten einen guten Sommer und können uns nicht beklagen», meint Gilbert Schuwey. Sie seien ein bisschen später als normalerweise auf die Alp gekommen, ein regnerischer Sommer sei auf der Alp Jansegg aber einfacher zu handhaben als ein trockener. Im Gebiet rund um die Jansegg sind die Sorgen um das Wasser schon immer da gewesen. Bereits an der Gemeindeversammlung, bei der es um den Kauf der Alp ging, sagte ein Bürger, dass Wassermangel im Gebiet Jansegg eine Tatsache sei. Die Jansegg verfügt über ein Reservoir, das durch eine Quelle gespiesen wird. «Trotz des sehr regnerischen Sommers reicht der Überlauf des Reservoirs nun schon seit drei Wochen nicht mehr», erklärt Heidi Schuwey. Nun müssten sie für das Tränken der Tiere auf die Reserven zurückgreifen.
Gemeindewasser und Strom
Nun sollen die stetigen Sorgen um das Wasser aber ein Ende haben. «Das wenige vorhandene Wasser im Bereich Jansegg ist qualitativ schlechtes Oberflächenwasser, welches nur zum Tränken der Tiere verwendet werden darf», erklärt Mario Buchs von der Landwirtschaftskommission Jaun. Deshalb will die Gemeinde ihre Alpen mit Gemeindewasser und gleichzeitig auch mit Strom erschliessen. «So haben die Bauern dort Wasser für den Haushalt, das Reinigen der Melkmaschinen und, wenn es nötig ist, auch für die Tiere», so Buchs. «Jetzt müssen sie täglich Wasser vom Tal hinauftransportieren.»
Das 1,3-Millionen-Projekt muss aber erst noch vor die Gemeindeversammlung. «Nachher werden wir Subventionen beantragen und anschliessend das Baugesuch einreichen», erklärt Mario Buchs weiter. «Bund und Kanton unterstützen solche Projekte, knüpfen sie aber an die Bedingung, dass ganzheitlich in Hoch- und Tiefbau investiert wird.» Zum Ziehen von Wasser- und Stromleitungen muss also auch die Instandhaltung der Alphütten ins Auge gefasst werden.
Aus diesem Grund habe die Jauner Landwirtschaftskommission ein Inventar über die gemeindeeigenen Alphütten gemacht und dem Gemeinderat Vorschläge zur Sanierung der Gebäude unterbreitet. Diese Investitionen würden für die Bauernfamilien eine grosse Erleichterung bedeuten. «Es sollte einfach leichter werden für unsere Nachkommen», meint Heidi Schuwey und hofft auf ein positives Votum der Gemeindeversammlung und der kantonalen Ämter.