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Aura-Soma
Aura-Soma versteht sich als Farb-Pflege-System, oder Colour-Care-System, welches die Befindlichkeit verbessern soll. Gegründet wurde es von der Engländerin Vicky Wall zu ihrem Lebensabend.
Vicky Wall wurde am 20. August 1918 in London als siebtes Kind geboren. Ihr Vater, ebenfalls ein siebtes Kind, wuchs in der jüdischen Kabbala Tradition auf, in welcher man davon ausgeht, dass dies ein Hinweis auf übernatürliche Fähigkeiten wie das Hellsehen sei. Tatsächlich behauptete Vicky Wall auch von sich selbst, wie ihr Vater solche Fähigkeiten zu besitzen. Ausserdem soll ihr Vater ihr beigebracht haben, damit umzugehen sowie sie in die kabbalistische Tradition eingeführt haben, obschon er dies eigentlich nur hätte tun dürfen, wenn sie ein Junge gewesen wäre. Er brachte ihr spielerisch auch vieles über Heilpflanzen bei, was ihr später nützlich war, als sie mit 16 Arbeit in einer Apotheke in Middlesex fand. Sie verliess ihr zu Hause bereits so jung, weil sie von ihrer Stiefmutter misshandelt wurde. Da sie von einer nicht-jüdischen Familie aufgenommen wurde, bedeutete dies aber auch, dass sie den Kontakt zu ihrem Vater, mit dem sie sich gut verstand, abbrechen musste.
Im Krieg arbeitete sie als Sanitäterin und im Anschluss kehrte sie zu ihrer Arbeit in der Apotheke zurück. Sie unterrichtete ausserdem in verschiedenen Schulkrankenhäusern in London. Ab 1970 führte sie mit Margaret Cockbain, Osteopathin und Freundin von Wall, eine gemeinsame Praxis, in der sie selbst als Podologin arbeitete. 1973 hatte sie einen ersten Herzinfarkt, es folgten weitere Herzprobleme, Diabetes und allmähliche Erblindung, so dass sie schliesslich aus dem Berufsleben zurücktrat.
1983 soll Vicky Wall in drei aufeinanderfolgenden Nächten im Schlaf Visionen von Farben und den Auftrag „Geh und teile das Wasser.“ erhalten haben. Sie behauptete „von unsichtbaren Händen“ geführt gewesen zu sein, als sie ihn ausführte, und so seien die sogenannten Equilibrium-Flaschen entstanden.
Die Equilibrium-Flaschen, ursprünglich Balance-Öle oder von Vicky Wall selbst auch Juwelen genannt, bestehen aus zwei Teilen. Ein Teil Wasser und ein Teil ätherische Öle, beide sind gefärbt, dabei meist unterschiedlich. Sie enthalten Auszüge aus Kräutern und Pflanzen und sollen ausserdem von Kristallschwingungen angereichert sein. Vicky Wall will nach der Herstellung der ersten Equilibrium-Flaschen selbst noch nicht gewusst haben, wozu sie gut seien. Erst im Laufe der Zeit habe sie durch ihr Aura-Sehen bemerkt, dass die Leute sich diejenigen Flaschen aussuchten, deren Farben in ihrer Aura fehlen. Die Theorie dazu besagt, dass die Menschen im Alltag diejenigen Farben ihrer Aura aufbrauchen, die sie ausmachen. Beispielsweise würde ein kommunikativer Mensch häufig die Farbe blau benützen, da blau für Kommunikation stehe. Unbewusst würde dieser Mensch dann ein blaues Fläschchen wählen, um damit die Reserven wieder aufzufüllen. Aufgrund dessen wird Aura-Soma auch als Bewusstwerdungssystem bezeichnet, da man anhand der Farben, die man wählt, sagen könne, wer man ist, und sich selbst so besser kennenlernen könne.
Derzeit gibt es 117 Flaschentypen (von B00 bis B116 durchnummeriert), der jüngste davon, Queen Mab genannt, wurde am 14. Januar diesen Jahres erstellt. Die Flaschen fassen 50 ml und werden für CHF 37.80 verkauft. Angewendet werden sie, indem man die Flasche schüttelt und etwas Flüssigkeit auf die Haut aufträgt. Dadurch werden die Farben vom Körper (Soma) in das eigene Licht (Aura) aufgenommen.
1984 traf Wall auf Mike Booth und seine Frau Claudia, welche von Aura-Soma begeistert waren. Nach Walls Tod am 4. Januar 1991 übernahm Mike Booth die Leitung von Aura-Soma. Im selben Jahr fasste die Philosophie auch in der Schweiz Fuss.
Da Vicky Wall der Meinung war, dass „erst spätere Generationen die wahre Bedeutung von Aura Soma erkennen“ würden, ist es nicht verwunderlich, dass das Angebot und die dahinterstehenden Vorstellungen ausgebaut wurden. Beispielsweise hat Aura-Soma die Beratung mit Tarotkarten erweitert, da jede Karte einer Equilibrium-Flasche entspräche und die Symbole zusätzliche Deutungsmöglichkeiten bieten. Aber auch ihre Therapieformen haben sie ergänzt, z.B. mit AuraJin, einer Kombination aus Aura-Soma und Jin Shin Jyutsu, einer japanischen Tradition, die den Fluss des Ki, der Lebensenergie, im Körper behandelt; oder mit Carniosacral Touch, welches Methoden aus der Karniosakraltherapie entleiht. Ausserdem existieren nach Aura-Soma die sogenannten Meister im Sinne von Helena Blavatsky, welche als Mutter der Esoterik bezeichnet werden kann. Diese Meister leben auf einer anderen Bewusstseinsebene, genannt Shamballah, und unterstützen die spirituelle Entwicklung der Menschheit. Ihre Energien werden durch die Equilibrium-Flaschen B50 bis B64 sowie durch die Quintessenzen ausgedrückt.
Die Quintessenzen sind eines von mehreren die Equilibrium-Flaschen ergänzenden Produkten. Sie enthalten die selben Energien wie die Equilibrium-Flaschen, basieren aber auf Alkohol und enthalten zusätzlich die Energien der Meister. Die Quintessenzen sollen helfen, eine Verbindung mit ihnen und den positiven Eigenschaften des eigenen wahren Wesens aufzubauen. Des Weiteren gibt es die Pomander und die ArchAngeloi. Erstere sind ebenfalls alkoholische Flüssigkeiten und seien dem Schutz der Aura dienlich, indem sie das eigene elektromagnetische Feld stärken. Sie bestehen neben ätherischen Ölen und verschiedenen Energien aus 49 (7 mal 7) Kräutern. Die 9 ArchAngeloi-Sprays, griech. für Erzengel, sollen das kreative und schöpferische Potenzial begünstigen und seien bei Meditation, Yoga und spiritueller Arbeit unterstützend, da sie innere Ruhe und Frieden fördern würden.
Erwähnenswert ist zuletzt der Light Beamer Pen, welcher die Equilibrium-Flaschen konzentriert an Meridianen, Akupunkturpunkten und Chakren anwenden könne. Im Übrigen werden Pflegeprodukte, wie Cremes und Parfums, angeboten.
Auffälligerweise sind die meisten Produktebeschriebe auf den offiziellen Webseiten vage und wenig-sagend, ausserdem klingen sie oft sehr ähnlich. Zusammen mit den recht hohen Preisen vermittelt das eher den Eindruck von Geldmacherei als von Seelenheil. Zugutehalten muss man den Leuten von Aura-Soma aber immerhin, dass ihre Produkte ausdrücklich nur als Ergänzung und nicht als Ersatz des Arztbesuches gedacht sind.
Zur Herstellung der Flüssigkeiten, bzw. der darin enthaltenen Kristallen in flüssiger Form, gibt Aura-Soma an, mit einem „antikholistisch alchemistischen“ Verfahren zu arbeiten. Diese flüssigen Kristalle würden dabei gespalten, gereinigt und neu zusammengesetzt, wobei für den letzten Schritt nur die jeweils bestgeeigneten Elemente verwendet würden. Diesen Erläuterungen wird angefügt „Die Weise, in der wir unsere flüssigen Edelsteine und Kristalle herstellen, folgt den alchemistischen Gesetzten, wie sie von Hippokrates, dem Vater der modernen Medizin, praktiziert wurden.“ [1]
Einerseits will Aura-Soma damit die eigene Glaubwürdigkeit und Bedeutung erhöhen, andererseits zeigt es erneut die bereits angesprochenen verschiedenen Einflüsse. Ein anderes zu diesem Zweck illustratives Zitat ist folgendes: „[Vicky Wall war] Inspiriert von Pionieren der Farberforschung, wie Aristoteles, dem römischen Arzt und Philosoph Paracelsus, Isaac Newton, Goethe und Rudolf Steiner,[…]“[2] Abgesehen davon, dass Paracelsus eigentlich Schweizer war, wollen wir auf die meisten Namen hier nicht besonders eingehen. Nur Rudolf Steiners Auswirkung auf Aura-Soma soll an dieser Stelle noch besprochen werden.
[1] https://www.aura-soma.com/how-does-aura-soma-capture-the-essence-of-crystals-2?utm_source=blog&utm_medium=blog&utm_content=crystalblog&utm_campaign=blog_to_vicky100
abgerufen am 05.08.19, in Englisch
[2] https://www.aura-soma.com/aura-somas-founder-vicky-wall-100th-birthday
abgerufen am 05.08.19, in Englisch
Rudolf Steiner hat den biodynamischen Anbau hervorgebracht, eine esoterische Landwirtschaft, welche 1927 die Gesellschaft Demeter begründete. Aura-Soma pflanzt die Zutaten für ihre Mittel selbst auf einer Farm in Tetford, England, an. Diese Farm, Shire Farm genannt, entspricht den Vorlagen von Demeter und verzichtet somit beispielsweise auf Kunstdünger und Pestizide, verwendet dafür aber sogenannte Präparate zur Boden- und Pflanzenbehandlung. Wissenschaftlich konnte keine Auswirkung auf den Ertrag des biodynamischen Anbaus festgestellt werden.
Die Shire Farm gehört zum Dev Aura, dem Sitz von Aura-Soma, welcher ebenfalls in Tetford situiert ist. Vicky Wall erwarb das Gebäude nach der Gründung von Aura-Soma und verbrachte dort ihre restlichen Tage. Heute fungiert Dev Aura, was Haus des Lichts bedeuten soll, als Schule für Aura-Soma-Lehrlinge. Es werden Veranstaltungen und Seminare durchgeführt, ausserdem sind sie sowohl auf längere Aufenthalte vorbereitet als auch für Tagesbesucher offen. Teilweise wird es auch für Events an aussenstehende vermietet. Im Garten befindet sich der sogenannte Chakrapfad, entlang dessen an verschiedenen Stellen jeweils ein Chakra symbolisch dargestellt ist, zum Beispiel mit einem Teich oder einem Felsen.