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Ein Mammutprojekt gibt Griechen Hoffnung in der Krise
- Dienstag, 13. Oktober 2015, 16:38 Uhr
In Athen entsteht ein modernes Kulturzentrum. Bald sollen dort die griechische Nationaloper und die Nationalbibliothek einziehen. Der gigantische Bau steht, mitten in der Krise, als Zeichen für eine bessere Zukunft.
«Als die Bauarbeiten mitten in der Krise aufgenommen wurden, haben wir beobachtet, wie das Projekt zum Symbol für Hoffnung geworden ist», berichtet Ellen Andriopoulou, Verwaltungsdirektorin der gemeinnützigen griechischen Stavros Niarchos Stiftung. Diese finanziert das neue Kulturzentrum, das auf dem Gelände der ehemaligen Pferderennbahn von Kallithea gebaut wird, vier Kilometer ausserhalb des Stadtzentrums von Athen. Im April 2016 sollen hier die griechische Nationaloper und die Nationalbibliothek einziehen.
Ein Zeichen für die Zukunft
Andriopoulou überrascht es nicht, dass die Menschen den Bau des Stavros Niarchos Foundation Cultural Centre (SNFCC) als ein Zeichen der Hoffnung für die Zukunft wahrgenommen haben. Denn das Zentrum biete kostenlose Bildungsprogramme, eine öffentliche Grünanlage in der man sich mit der ganzen Familie erholen kann und eine gut sortierte Bibliothek mit kostenloser Computer- und Internetnutzung.
«All das sind Dinge, die besonders in Krisenzeiten notwendig sind», so Andriopoulou. Der 17 Hektar grosse Park der Anlage ist bereits fertiggestellt und wurde im Juni dieses Jahres mit einem viertägigen Festival eröffnet. Gut 40 000 Besucher kamen.
Das Dach gleicht einem fliegenden Teppich
Vor sieben Jahren gewann der italienische Architekt Renzo Piano den international ausgeschriebenen Wettbewerb um den Bau des Kulturzentrums. Renzo Piano ist bekannt für seine lichtdurchflutete und schwerelos wirkende Architektur: Er entwarf in den 1970er-Jahren zum Beispiel das Pariser Centre Pompidou oder im Jahr 2005 das Zentrum Paul Klee in Bern.
Das neue Kulturzentrum in Athen wurde nach neusten ökologischen Standards entworfen, um die Unterhaltskosten gering zu halten. So befindet sich der Grossteil des Gebäudes unter der Parkanlage. Dadurch werden die Räume vor Sonnenstrahlen geschützt – das spart die Energie für Klimaanlagen.
Über dem Park scheint das gewölbte Dach des Gebäudes zu schweben: Es wurde vom Bauherrn Piano auch schon als «fliegender Teppich» bezeichnet. Parkbesuchern spendet es Schatten und ist zugleich mit Solarzellen ausgestattet, die die Sonnenenergie speichern.
Das Kulturzentrum ist kein Sozialprojekt
Das neue Kulturzentrum ist nicht nur darauf angelegt, den Menschen in Krisenzeiten Kultur kostenlos zur Verfügung zu stellen. Über den Verkauf von Karten für die neue Nationaloper soll es auch Geld einbringen. «Die Oper brauchte eine moderne Bühne, um endlich international mithalten und so konkurrenzfähig zu sein», sagt der Operndirektor Myron Michailidis. Die neue Oper ist dementsprechend nach neusten bühnentechnischen und klanglichen Standards gebaut.
Für die Oper wurde ein strikter Businessplan entwickelt: Ticketeinnahmen von umgerechnet sieben bis acht Millionen Franken pro Jahr sind darin einberechnet. Dabei wurde darauf geachtet, dass die neue Nationaloper als nachhaltiges Projekt betrachtet wird, in das es sich zu investieren lohnt. Der Staat hat angebissen – und beteiligt sich mit gut 15 Millionen Franken jährlich an den Betriebskosten.
Die Athener hoffen, dass das Kulturzentrum in Zukunft Touristen anlockt. Denn die Lage am Meer, die spezielle Architektur, sowie der Blick vom modernen Bau auf die Akropolis sind einzigartig. Ein weiteres Ziel wurde bereits erreicht: Die Bauarbeiten am Kulturzentrum haben viele Arbeitsplätze geschaffen und verhalfen mehr als 1500 Menschen zu einem Job. Bald benötigen auch das Opernhaus, die Bibliothek und der Park Angestellte für den jeweiligen Betrieb.
Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktuell, 13.10.2015, 17:06 Uhr.
Die Stiftung Stavros Niarchos
600 Millionen Franken kostet das Kulturzentrum, der von der gemeinnützigen Stiftung Stavros Niarchos finanziert wird. Diese wurde gleich nach dem Tod des Reeders und Kunstsammlers Stavros Niarchos von seinen Erben im Jahr 1996 gegründet. Nach der Fertigstellung wird die Anlage dem griechischen Staat übergeben und muss ohne private Hilfe bestehen.
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