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Ein Gastbeitrag von Abhik Bhattacharya
Kommentar vom kanthari Team: Liebe Leserinnen und Leser, wir haben in unserem Blog „kantharis in Zeiten von Corona“ zwei kritische Beiträge über das Online Lernen gebracht: Tag 23 (Meghana Raveendra, Gründerin von moringa) and Tag 47 (Abhijit Sinha, Gründer von Project DEFY).
In diesem Blog Post lassen wir einen Gastbeitrag zu, der sich mit den Vorteilen des Online-Unterrichts beschäftigt. Sehen Sie selbst und bilden Sie sich Ihre Meinung.
„Hey du …!“
„Wer, ich?“
„Ja… Du! Welche Formel müssen wir im nächsten Schritt verwenden?“
„Also, Formel …? Vielleicht … ehm … Ich denke … bedeutet …’“
„Dummkopf! Warum bist Du überhaupt hier?! Setz Dich… Sitzen! Nächster bitte:“
Ich war mir der Formel nicht sicher, und ich wusste auch nicht, wie ich in dieser Situation reagieren konnte. Alles was hier offensichtlich wurde, war meine sonst unsichtbare Verletzlichkeit.
Ich kann mich nicht erinnern, warum ich geschwiegen habe. Konnte ich ihm nicht antworten? Oder hatte ich Angst, von einem Raum voller Savarna*-Studenten beurteilt zu werden, die mich anstarrten oder vor sich hin kicherten?
Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich darum bat, endlich unsichtbar zu werden. Zumindest fühlte es sich ein wenig so an, als würde ich Sterben, Dann würde mein Körper unter dem hölzernen Schreibtisch begraben werden, zufällig der selbe Tisch, der mit einer Savarna-Fantasie der Liebe mit zwei Namen versehen war, zwei Namen durch einen Pfeil in einem Herzen verbunden.
Seit diesem Vorfall sind Jahre vergangen, warum habe ich mich jetzt wieder an ihn erinnert? Was bedeutet diese Erinnerung in einer Zeit, in der erniedrigender Sportunterricht, Mobbing im Klassenzimmer und diskriminierende Diskussionen durch Online-Bildung ersetzt werden?
Vor ein paar Tagen, als ich einige Artikel über die negativen Auswirkungen der Online-Bildung durchging, dachte ich an die ersten Monate meiner Zeit an einem renommierten College in Kalkutta. Es war ein Ort, an den ich Monate brauchte, um mich einzugewöhnen.
Ich hatte keine Erinnerung an meine Teilnahme an Diskussionen im Klassenzimmer, noch konnte ich mich an keine Gruppeninteraktion erinnern, in der ich mich fließend in einer mir fremden Sprache ausdrücken sollte. Ich konnte mich nur an die Demütigung, an die Isolation, das Lachen und vor allem an das bloßgestellt werden erinnern.
Während die anhaltende Kritik an der Online-Bildung relevant ist, konnte sie meine grundlegende Frage nicht beantworten: Wie kann ein Unterricht so gestaltet werden, dass er alle in gleicher Weise mit einbezieht?
Universitäten öffnen sich rein äußerlich für Studenten aus verschiedenen Kasten, Geschlechtern, Klassen und Gemeinschaften. Wir alle erhalten Zugang zur Bibliothek und können uns an verschiedenen sozialen Organisationen anschließen.
Kurz gesagt, trotz der Voreingenommenheit eines Universitätsraums, der auf Geschlecht, Klasse, Kaste und Religion basiert – eine Art Von Gleichheit ist immer noch da, der Online-Bildung weitgehend beraubt ist.
Die Diskussion um Barrierefreiheit und infrastrukturelle Einschränkungen der Online-Bildung ist jedoch viel komplexer als das, was auf den ersten Blick ins Auge fällt.
Viele Studenten haben Angst, während der Zoom-Sitzungen keine leere Wand als Hintergrund zu finden. Wie kann man den Staub, das Chaos oder das Bild von Sai Baba oder einem anderen Guru oder Gott verbergen, wie kann man den Hintergrund neutral gestalten? und dann die Angst vor der Selbst-Repräsentation, die vor der Selfie-Kamera.
Glücklicherweise fand ich eine gewisse Erleichterung als ich in einem Merkblatt zum Online-lernen las, man solle doch das Video ausschalten. Das war es doch nach dem ich, nach meinen Mobbing Erfahrungen, Ausschau gehalten hatte!
Heute schalte ich Das Video aus und mein Gesicht ist nicht mehr sichtbar. Wenn mir eine Frage gestellt wird, antworte ich im Kommentarbereich. Ich muss mich nicht damit abgeben, wenn andere im Hintergrund lachen. Ich werde nicht mehr bloßgestellt. Ich bin unsichtbar – ein stiller Lernender, statt eines gedemütigten Teilnehmers.
Immer wenn Online-Bildung aus nachvollziehenden Gründen kritisiert wird, gibt es eine automatische Annahme, dass die Schüler interagieren und gerne an Klassendiskussionen teilnehmen möchten. Es wird angenommen, dass sie unvergessliche und gute Erinnerungen an Begegnungen mit Klassenkameraden haben.
Vielleicht können sich gerade die Schüler mit dem Online-Lernen gut anfreunden, die aufgrund ihrer Schulbildung nicht richtig auf Englisch kommunizieren können, die wegen sichtbarer physischer Mängel und Eigenschaften äußerlich nicht dazugehören, die nicht Teil von Gruppen sein können und wollen, weil sie nicht gemobbt werden möchten.
Für mich gab mir der Zoom Klassenraum die Möglichkeit, meine Würde zu bewahren. Ich sage nicht, dass Online-Bildung die beste Alternative ist. Aber während wir den Online-Bildungsmodus kritisieren, verallgemeinern wir nicht ein paar Annahmen über die Fähigkeit eines Schülers, freiwillig an Diskussionen im Klassenzimmer teilzunehmen? Vermeidet man bewusst, hinzusehen, dass Unterricht sehr wohl Klassen-, Kasten und religiöse Unterschiede unterstreicht?
Sobald wir also zur traditionellen Unterrichtsform zurückkehren, müssen wir überdenken, warum viele Schüler das Bedürfnis haben, ihr Video einfach abzuschalten.“
– Abhik Bhattacharya ist Doktorand an der School of Liberal Studies der Ambedkar University, Delhi, und arbeitet an systematischer Ausgrenzung und urbaner räumlicher Segregation von Muslimen in Jharkhand.
*Savarna: in Sanskrit wörtlich „diejenigen mit Varna oder Kaste“. Daher bezieht sich der Begriff auf Mitglieder des Kastensystems und insbesondere auf diejenigen in den drei höherrangigen Varnas.