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Es gibt auch in eingefleischten Jazzkreisen Klischees, die zwar l?ngstens widerlegt sind, sich aber nichtsdestotrotz hartn?ckig halten. Eines davon meint, die Frau im Jazz h?tte allenfalls als S?ngerin oder als Pianistin, keinesfalls aber auf einem Blasinstrument eine Bedeutung. Ein anderes sieht in der Bigband ein Relikt der Vergangenheit, ein l?ngst antiquiertes Format, das j?ngere Musikerinnen und Musiker nicht mehr interessieren k?nne.
Sarah Chaksad, 1983 geboren, widerlegt gleich beides. Sie ist Saxophonistin und leitet bereits seit ?ber drei Jahren ihr eigenes Orchester, f?r das sie auch die Kompositionen schreibt und mit dem sie nun ein erstes Album pr?sentiert: neun Songs mit eigener Handschrift und ganz von heute. Nach Fl?ten- und Klavierunterricht stand fr?h das Saxophon im Zentrum ihres ultimativen Interesses. Bereits mit zarten neun Jahren begann Sarah Chaksad mit dem f?r das Alter und Geschlecht eher untypischen Instrument, und fast logischerweise wurde damit auch gleich die Begeisterung f?r den Jazz geweckt. Als Maturarbeit schrieb die junge Musikerin Kompositionen, die mit dem Chor der Kantonsschule Wohlen uraufgef?hrt wurden. Als erfolgreiches Bachelor-Projekt in Bern folgte ein Liederheft mit Kompositionen f?r Kinder, begleitet von einer CD. Noch im Masterstudium in Basel versammelte sie eine Gruppe von Freunden um sich, ein 15-k?pfiges Ensemble, f?r das sie s?mtliche St?cke komponierte ? das Sarah Chaksed Orchestra war geboren. Im folgenden Jahr bestritt die junge Bandleaderin damit ihr Masterdiplom-Konzert im Basler bird?s eye. Auch wenn die Saxophonistin in diverse andere Projekte involviert ist und 2014 ein erstes Album mit Neighborship realisierte, ihrer 13-k?pfigen Pop-Soul Band, gilt seither ihr Hauptaugenmerk dem Sarah Chaksad Orchestra.
Wer bei orchestralem Jazz an alte Aufnahmen oder den Sound einer amerikanischen College-Bigband denkt, liegt beim Sarah Chaksad Orchestra falsch: Zwar fusst auch dieses Orchester auf der Tradition, doch einerseits sind die Kompositionen heutig und anderseits die Bandmitglieder allesamt nicht bloss ?berdurchschnittliche Orchestermusiker, sondern gleichzeitig auch individuell ganz exzellente Solisten. Chaksads Musik steht europ?ischen Vorbildern weit n?her als amerikanischen. Gerade George Gruntz mit seiner Concert Jazz Band und Mathias R?egg mit dem Vienna Art Orchestra haben als Schweizer vorgemacht, was an kraftvollem, satten Sound und individuellem Ausdruck mit einer aus herausragenden Solisten bestehenden Grossformation m?glich ist.
Hier kn?pfen die Songs Sarah Chaksads an, die im Fr?hling 2016 im Studio eingespielt wurden. Die Komponistin serviert sie ihren Musikern nicht fertig zugeschneidert, sondern entwirft ihr Mass genauso, dass es mit der pers?nlichen Ausgestaltung ihre endg?ltige Note erh?lt, individuell von jedem Bandmitglied mit gef?rbt. Zur Farbe tr?gt auch die Stimme Julie Fahrers bei, der zweiten Frau neben Chaksad im Orchester. Damit steht der Komponistin eine ganze Palette zur Verf?gung, die sie klug zu nutzen weiss: Sie l?sst es im Tutti knallen und kontrastiert dazu verschiedenste Kombinationen und feine Nuancen, in denen sie die Musiker solistisch brillieren l?sst, sie f?hrt Stimmen parallel, aber zuweilen geschickt auch kontrapunktisch. So h?ren wir eine Combo, die swingt, balladesk Tiefe kreiert, aber auch mal mit einem fast etwas rockigen St?ck aufr?ttelt, die hellwach klingt und erstaunliche Reife offenbart.
CD-Tipp Jazz: Sarah Chaksad kulturtipp 23/2016 vom 27. Oktober 2016 von Frank von Niederh?usern, Redaktor kulturtipp
Weitl?ufiger Orchesterjazz Jazzorchester haben in der Schweiz eine schillernde Tradition. Bandleader wie George Gruntz, Mathias R?egg oder Kaspar Ewald haben Spielr?ume effektvoll ausgelotet. Das j?ngste Beispiel erweitert diese Vielfalt auf klangfarbige Weise. Das Sarah Chaksad Orchestra berichtet aus allerlei musikalischen Welten. Die 33-j?hrige Leaderin aus Woh?len (AG) verlinkt Jazztradition mit polyglotter Pop-?sthetik und setzt in ihrer 15-k?pfigen Band eine ausgewachsene Bl?sersection neben einen Multisparten-Gitarristen, einen weitl?ufig agierenden Pianisten und eine sirenenhafte Vokalistin. Als Neunj?hrige hatte Chaksad von der Fl?te aufs Saxofon gewechselt und vom Musizieren seither nie genug bekommen. Auf ein Chorwerk als Maturaarbeit folgte ein Liederheft f?r Kinder (Bachelor) sowie Kompositionen f?r Bigband (Master). Hier ist eine hochkreative Frau am Werk, die nun ein packendes Deb?t vorlegt.
Sarah Chaksad Orchestra Windmond (Neuklang 2016). Tournee ab Di, 1.11.