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Bindung – Partnerschaft – Konflikt
Die Rolle der Bindungsstile im Paarkonflikt und deren Auswirkung auf die Paardynamik und das Konfliktverhalten
Die Partnerschaft kann ebenso wie die Eltern-Kind-Beziehung als Bindungsbeziehung konzeptualisiert werden, welche die Funktion eines sicheren Hafens, einer Trostquelle oder einer Basis für Exploration einnimmt. In diesem Verständnis werden Paarkonflikte als Ausdruck einer Unterbrechung der Bindungsbeziehung betrachtet, wobei davon auszugehen ist, dass hierbei aufgrund der wahrgenommenen Bindungsunsicherheit und der starken Emotionalität frühe Bindungserfahrungen besonders deutlich zum Tragen kommen. Diese MAS Thesis geht der Fragen nach, welche Rolle die Bindungsstile im Paarkonflikt einnehmen, wobei deren Auswirkung auf die Paardynamik und das Konfliktverhalten im Zentrum steht. Die Fragestellung wird zunächst auf der Grundlage wissenschaftlicher Fachliteratur erörtert. Danach erfolgt der Blick in die Praxis, wobei die Konfliktdynamik bei zwei Paaren anhand des schematherapeutischen Modusmodells ermittelt und die Partner*innen darüber hinaus mittels Fragebogen zu ihrem Konfliktverhalten und ihrem Bindungsstil befragt werden. Die Ergebnisse aus der theoretischen Bearbeitung machen deutlich, dass Paarkonflikte den Verlust der einst eingestimmten Reziprozität in der Partnerschaft ausdrücken und bindungstypische Handlungstendenzen auslösen, mit dem Ziel, die (emotionale) Nähe zur Partner*in wiederherzustellen. Des Weiteren zeigt sich, dass mehrere identifizierte Faktoren wie das erworbene Verhaltensrepertoire, die Wahrnehmung bestimmter Stimuli oder Informationsverarbeitungs- und Interpretationsprozesse mit den Bindungserfahrungen in Zusammenhang stehen und einen Einfluss auf die Entstehung und die Dynamik des Paarkonflikts haben. Ferner kann dargelegt werden, dass sich der Bindungsstil unter anderem auf den Konfliktstil, die Konfliktbeurteilung und die Interaktion mit der Partner*in auswirken kann. Auch die Praxisbeispiele unterstreichen die Erkenntnis, dass Bindungserfahrungen eine bedeutende Rolle im Paarkonflikt einnehmen. Die mit Konflikten verbundenen Interaktionen, Verhaltensmuster oder Bewältigungsstrategien der befragten Partner*innen konnten im Kontext ihrer Bindungsstile grösstenteils besser eingeordnet werden. Für die psychosoziale Beratung von Paaren empfiehlt sich demzufolge, bindungstheoretischen Aspekten genügend Raum zu bieten, sei dies im Rahmen von Psychoedukation oder durch die Exploration von Bindungserfahrungen der Klient*innen.