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Die Bilder, die uns aktuell auf verschiedensten Kanälen aus der Ukraine erreichen, sind furchtbar. Man will sich gedanklich gar nicht in die Haut der ukrainischen Zivilbevölkerung, geschweige denn in die Haut der ukrainischen und russischen Soldaten versetzen. Denn so schrecklich und unnötig es ist, wenn sich Soldaten auf dem Schlachtfeld bekriegen; so schön und sinnvoll kann es sein, wenn sich Soldaten auf dem Sportplatz bekämpfen.
Seit nun mehr als 13 Jahren bin ich ein dienstleistender Angehöriger der Schweizer Armee (AdA). Nachdem ich im Frühjahr 2009 die normale Grundausbildung in Thun absolviert hatte, durfte ich den Rest der Rekrutenschule (RS) als Büroordonnanz für die Spitzensportler in Magglingen verbringen. Dabei gab es nebst Büroarbeit und Training auch einmal Zeit für ein Pokerturnier mit Iouri Podladtchikov oder ein Abendessen neben Carlo Janka. Die RS war für mich eine tolle Zeit, und ich bin noch heute der Schweizer Armee sehr dankbar für diese Erfahrung und die Möglichkeit, Sport und Militärdienst zu verbinden. Anschliessend durfte ich alle meine Wiederholungskurse (WK) entweder in Trainingslagern oder an Militärwettkämpfen bestreiten. Diese Sportanlässe werden vom Conseil International du Sport Militaire (CISM), dem Militärweltsportverband, organisiert. Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in Nizza unter dem Motto «Friendship through Sport», auf Deutsch «Freundschaft durch Sport», gegründet. Das Ziel war und ist, den Sport zur Konfliktvermeidung und Friedensbildung zwischen Ländern zu nutzen.
Im Rahmen meiner WK habe ich viele interessante Orte gesehen und spezielle Momente erlebt. Meine kleine persönliche Hitparade der CISM-Wettkämpfe gestaltet sich wie folgt: Auf dem dritten Platz steht eine kulturell wertvolle und chaotische Städtetour durch Luanda, der Hauptstadt von Angola. Auf dem Silberrang folgen die Abschlussfeiern im ländlichen Apatin in Serbien und am Balaton (Plattensee) in Ungarn, wo ich das friedensstiftende und völkerverbindendende Element vom CISM am stärksten empfand. Mein persönlich schönstes Erlebnis waren allerdings die Eröffnungsfeier und der Finaleinzug über 5000 Meter an den Sommermilitärweltspielen in Mungyeong in Südkorea. Ich habe es leider nie an Olympische Spiele geschafft, aber dieser Event kam dem gefühlsmässig sehr nahe.
Mittlerweile habe ich alle meine obligatorischen Diensttage als AdA geleistet und bin sozusagen noch als Reserve aktiv, falls wieder Militärwettkämpfe im Laufbereich stattfinden und ich mich dafür qualifizieren würde. Corona-bedingt wurden dieses Jahr leider die Wintermilitärweltspiele in Berchtesgaden und Ruhpolding abgesagt, wo ich gerne im Crosslauf gestartet wäre. Jedenfalls würde ich mich freuen, die Schweiz nochmals an einem CISM-Sportanlass zu vertreten. Hoffentlich herrschen dann wieder friedlichere Zeiten.