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die beiden Flüsse vereint das Thal (Heim). Erst die Moränenwälle der letzten Gletscherzeit zwangen die Sihl, dem Albisabhang entlang zu fliessen und sich ein neues Bett, das jetzige enge Sihlthal, zu graben. Dadurch wurde der Zimmerberg vom Albis getrennt; immer noch aber zeugen reichliche Quellen ob Richterswil von dem alten zugedeckten Sihllauf. Durch die Abstauung der Sihl bei Schindellegi entstand zunächst ein ziemlich grosser, postglazialer See, der erst nach und nach durch das Gerölle der Sihl ausgefüllt wurde, sodass jetzt nur noch eine vielfach sumpfige Ebene von dem alten Sihlsee Zeugnis gibt. In neuester Zeit will man durch einen grossen Damm bei Langrütiegg diesen See zum Teil wieder ins Leben rufen und so ein gewaltiges Reservoir (von grösserer Ausdehnung als der Greifensee) für die Ausnutzung der Wasserkraft der Sihl herstellen. Die Turbinenanlage bei Pfäffikon am Zürichsee würde durch einen langen Stollen unter dem Etzelstock hindurch erreicht und dadurch dem Zürichsee das Wasser der Sihl wieder wie ehedem zugeführt werden.
Wieso es gekommen, dass das grosse alpine Erosionsthal des heutigen Zürichsees rückläufiges Gefälle erhielt, hat zwei von einander grundverschiedene Erklärungen gefunden. Die einen Geologen (Heim und Aeppli) nehmen eine nachträgliche Einsenkung des Alpenvorlandes an, die andern (Penck und Bruckner) führen die Uebertiefung auf Gletschererosion zurück.
Das Zürichseeufer ist in ausgezeichneter Weise terrassiert und zwar so, dass sich häufig drei und vier Terrassen übereinander finden (schöner Ueberblick von der Kirche von Thalwil aus). An manchen Orten kann man auch deren Fortsetzung unter den Seespiegel verfolgen. Diese Terrassen sind für die Kulturen (Wein oder Ackerbau), für den Fischfang an der Halde, für die Anlage von Strassen und Eisenbahnen und für Ufererweiterungen von allergrösster Bedeutung. Während nun diese Ueberreste alter Thalböden entsprechend ihrer Entstehung im untern Teil des Sees gegen Zürich hin sich allmählich gegen N. senken, bemerken wir bei der Au am W.-Ufer und bei Männedorf am O.-Ufer auf kurze Erstreckung horizontalen Verlauf und hierauf ein Senken gegen die Alpen hin.
Dieses widersinnige, rückläufige Gefälle erstreckt sich westwärts von der Au bis Wädenswil und ostwärts von Männedorf bis Kehlhof-Stäfa, worauf sich wieder ein Ansteigen gegen die Alpen hin zeigt. Diese Erscheinung deutet auf ein Einsinken der ganzen Landschaft hin, das zwischen Wädenswil und Kehlhof in der sog. Synklinale der Terrassen sein Maximum erreichte. Diese Senkung beträgt allerdings nur etwa 80 m, während der Zürichsee 143 m Maximaltiefe aufweist; da aber in den alten Schottern des Uto und der Albishochwacht eine noch viel grössere Senkung nachzuweisen ist, so ist nicht nur die grössere Tiefe des Sees, sondern auch sogar die Zeit der Einsenkung des Landes festgestellt, nämlich zwischen der ersten und der letzten Gletscherzeit.
Denn die Moränen der letzten Gletscherzeit steigen ungestört langsam gegen die Alpen hin an, während die früher gebildeten Terrassen sich senken. Diese Erklärungsweise, die von Albert Heim auf alle grossen Alpenrandseen ausgedehnt worden ist, findet an den rückläufigen Terrassen auf der Insel des Iseosees eine weitere Stütze. Die Anhänger der Gletscher-Erosionstheorie (Brückner) erklären die Terrassen am Zürichsee als Schichtterrassen und die ganze Erscheinung als blosse «Rippung», die durch Aushobeln der weichern Schichten zwischen härtern Bänken entstanden sei. (Darnach müssten die Molasseschichten bei Kehlhof-Wädenswil eine flache Synklinale bilden, was auch Brückner nachzuweisen versucht hat.) Vielleicht mag dies bei einzelnen Terrassen der Fall sein, z. B. bei den Nagelfluhterrassen von Uerikon.
Dass es aber nicht für alle gelten kann, zeigt unwiderleglich die grosse Zollikonerterrasse, die teilweise bis auf eine Tiefe von 20 m aus losem glazialen Material aufgebaut ist. Allerdings weist Brückner diese letztere einem früheren interglazialen Thalboden zu. Aber auch sonst gibt es eine ganze Zahl von Terrassen, die nicht mit der Schichtung verlaufen, so z. B. die neu angeschnittene bei Schlatt oberhalb Feldbach, die Terrasse ob Erlenbach u. s. w. Eine definitive Entscheidung der Frage können aber nur weitere eingehende Studien bringen, da im Gebiet der rückläufigen Terrassen das Fallen und Streichen der Gesteinsschichten selten genau festgestellt werden kann.
Im Zürichsee wurden im Jahre 1854 in Obermeilen von Lehrer J. Aeppli die ersten Pfahlbautenreste der Schweiz entdeckt und als Ueberreste früherer Menschenansiedelungen erkannt. Seither sind hier (wie in fast allen grössern Schweizerseen) noch weitere (10) solche Stellen aufgefunden und ausgebeutet worden, darunter die reiche Bronzestation Wollishofen bei Zürich, die 7000 Fundgegenstände lieferte.
6. Meteorologie.
Am Zürichsee sind neben 8 Regenmessstellen 2 meteorologische Stationen vorhanden: Zürich und Wädenswil. Wir stellen deren Daten im Vergleich zu den Seetemperaturen und den Angaben von Winterthur zusammen:
|Temperaturen||Amplituden|
|Mittel °C||mittl. Max. °C||mittl. Min. °C||mittlere °C||extreme °C|
|Zürich 1)||8.5||30.5||-13,7||44.2||52.7|
|Wädenswil 3)||8.6||-||-||-||54.0|
|Zürichsee 2)||10.9||22.0||2.2||24.2||-|
|Winterthur 3)||8.1||29.6||-16,2||45.8||61.4|
1) 37jährige Periode 1864-1900. 2) Nach dem Panorama von Zürich. 3) Angaben der meteor. Zentralanstalt in Zürich.
Aus obigen Zahlen geht klar die mildernde Wirkung des Sees auf seine Gestade hervor. Am sprechendsten ist das Minimum im Januar -13,7° für Zürich und -16,2° für Winterthur, ebenso die extremen Amplituden von 52,7°, 54° und 61,4°. Der See bedingt also für seine Ufer eine Milderung der mittleren Wintertemperatur von 2,5°. Dass diese weniger grosse Winterkälte direkt vom See herrührt, zeigen deutlich die beiden Angaben der mittleren Temperatur von Zürich 8,5° und vom Zürichsee 10,9°, woraus hervorgeht, dass die Seeoberfläche im Durchschnitt volle 2,4° wärmer als das Ufer ist. Dies prägt sich auch deutlich in der Jahresisothermenkarte der Schweiz aus (Manuskript der meteorolog. Zentralanstalt), wo die Ufer am Zürichsee mit dem Walensee im extremsten Monat Januar eine Wärmeinsel von über -1° ¶
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bilden, während das umliegende Land ein Januarmittel von unter -2° aufweist.
Der Wärmeausgleich zwischen Wasser und Land erfolgt zumeist durch die Land- und Seewinde. Es hat sich ergeben, dass im allgemeinen die abendliche Strömung der Luft zum Wasser, d. h. der Landwind stärker ausgeprägt ist, als die Morgenströmung vom See zum Land, d. h. der Seewind. Im ferneren sind diese Winde im Sommer stärker als im Winter, und am östl. Ufer auffallender als am westl., wo sie stellenweise (Rüschlikon) so schwach auftreten, dass nur aufmerksame Fischer sie bemerken. An vielen Stellen (so bei Küsnacht, Richterswil, Horgen) finden wir eine interessante Verknüpfung, bezw. Unterstützung von Berg und Landwind, während bei Rapperswil, Kempraten und Lachen, entsprechend dem flacheren Ufer, der Landwind viel reiner ausgeprägt ist.
Eine eigentümliche Verbindung der lokalen Winde der beiden entgegengesetzten Ufer zeigen der «Bächler» zwischen Bäch und Wädenswil und der «Katzehölzler» zwischen dem Katzenholz bei Käpfnach und Meilen, indem diese Winde, von W. her über den See kommend, am O.-Ufer entgegen der Regel als abendliche Seewinde auftreten. Es scheint, dass sie abends am westl. Ufer als eigentliche normale Landwinde entstehen und auf dem entgegengesetzten östl. Ufer, das noch viel länger erwärmt wird, als anormale kühle Seewinde sich geltend machen.
Neben diesen lokalen Winden finden wir hier, wie im ganzen schweizerischen Mittelland, den Westwind und den Nordostwind vorherrschend und zwar fast gleich häufig: NO. = 12, W. = 13. Der erstere wird im Hauptbecken der «Twärwind» (Querwind) genannt; er bringt entsprechend seiner Herkunft meist viel Gewölk und Regen im Gefolge. Der NO. (meist Biswind genannt) hingegen säubert den Himmel von den Wolken und bringt schönes Wetter. Bezeichnenderweise wird aber meist nicht er, sondern einer der oben angeführten lokalen Winde, «Schönwetterwind» genannt; denn diese können überhaupt nur bei unbedecktem Himmel zur Ausbildung kommen. Im Zürichseethal treffen sich merkwürdigerweise 2 Föhnstrassen, diejenige des Glarnerföhns und die des Urnerföhns.
Der Glarnerföhn streicht in der Hauptrichtung des Sees von SO. nach NW. und lässt deswegen die Buchten von Lachen, Kempraten und Richterswil unberührt. Er ist oft noch bis Zürich hinunter stark ausgeprägt und kann hier noch eine Temperaturerhöhung von 6-8° (Maximum 11°) bedingen. Man rechnet für Zürich 40 Föhntage im Jahr (Minimum 9); davon kommen fast die Hälfte (17) auf den Frühling. Wenn der Föhn tüchtig einsetzt, hat man bei tiefem Barometerstand für 2 Tage schönes Wetter, worauf regelmässig Regen folgt. Es steht das in gutem Einklang mit der normalen Wanderung des Minimums von W. nach O., von welchem ein Teilminimum in der östl. Schweiz jeweilen die Föhn-Ausbildung bedingt.
Seltener und schwächer ausgebildet ist der Urnerföhn. Im untern Teil des Sees scheint er durch die Schnabellücke herunter zu kommen und erzeugt da schief über den See laufende Wellen. Im mittleren Teil aber kommt er offenbar um das südl. Ende des Oberalbis herum, um dann den See ziemlich in W.-O.-Richtung zu queren. Während diese Luftströmungen sicherlich dem rechten Urnerföhn, der bekanntlich dem alten Reusslauf über Lowerzer- und Zugersee folgt, angehören, ist das für den ebenfalls quer zur Thalrichtung verlaufenden zweiten Fallwind im obern Teil des Sees von Richterswil bis Lachen wohl nicht der Fall. Hier müssen eher lokale Ursachen vorhanden sein. Er dürfte die gegen N. abströmende Luft vom Höhenzug Hohe Ronen-Etzel sein. Damit ist auch die viel schwächere Erwärmung im Einklang; in der Tat nennt man diesen Wind in Rapperswil speziell den «Etzelföhn». Alle diese Winderscheinungen, namentlich aber die Föhne, machen das Zürichseegebiet zum mildesten Landstrich der Ostschweiz.
Regen und Gewitter. Die Regenmenge bewegt sich in unserm Seegebiet zwischen 113 cm (Zürich) und 149 cm (Horgen) jährliche Regenhöhe. Im südl. Teil ist sie grösser als im nördl., auch ist der W. etwas regenreicher als der O. Deshalb wird der See von den Linien gleicher Regenmengen von NW. nach SO. schief geschnitten. Die Gewitter, welche unsern See berühren, kommen meist von W. und NW. über den Albis her, um sich nach O. oder SO. zu verziehen. Sie führen nicht gar selten Hagel mit sich (durchschnittlich 2 Hagelschläge pro Jahr, 1908 4mal im untern Seeteil), so dass wohl jeden Sommer der eine oder andre Teil des Seegestades unter dieser Naturerscheinung zu leiden hat und zwar oft in sehr empfindlichem Masse.
Das hat zur Gründung einer Hagelwehr-Genossenschaft am rechten Seeufer geführt, welche alle Ortschaften von Rapperswil bis Erlenbach umfasste. Mit einer grossen Anzahl von Hagelkanonen versuchte man beim Herannahen eines hagelverdächtigen Gewitters die Luft derart zu erschüttern, dass die Hagelbildung verhindert werde. In der nördl. anstossenden Gemeinde Küsnacht hat man in ähnlicher Weise Versuche mit Hagelraketen gemacht. Leider sind die Erfolge so wenig befriedigend gewesen, dass im Jahr 1908 die Genossenschaft sich auflöste, während die Versuche mit den Raketen noch fortgesetzt werden, in der richtigen Ueberlegung, dass durch rechtzeitige Erschütterung des abnormalen Luftzustandes in der richtigen Höhe doch das Hagelwetter beeinflusst werden könnte. - Die Nebelbildung ist am Zürichsee ähnlich wie am Genfersee gegen das Ende hin viel häufiger.
Oft hören im Herbst die Nebel schon in der Höhe von Küsnacht auf, so dass man von hier herkommend direkt aus besonnter Landschaft in den Nebel hineinfährt. Der Grund dieser Erscheinung aber ist wohl nicht wie beim Genfersee in der höheren Temperatur des obern Seeteils zu suchen, da sich die Nebel nur auf die Stadt und ihre nächste Umgebung konzentrieren, sondern eher in der Ansammlung von Rauch und Verbrennungsgasen des Bahnhofs, der vielen Fabriken, der Gasthöfe u. s. w. Nach Aitken wird dadurch bekanntlich die Nebeltröpfchenbildung sehr befördert. Die Anhäufung von Rauch kann man namentlich während der Zeit der sog. Heunebel über der Stadt deutlich stärker als über dem ebenfalls industriereichen linken Ufer beobachten. Der gleichen Ursache verdanken die ¶