Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03660.jsonl.gz/2286

Vor Millionen Jahren war beinahe ganz Australien von Regenwäldern bedeckt. Das Klima war feucht und warm, sodass dort, wo sich heute Wüsten befinden, üppige Vegetation wuchs. Der Daintree Regenwald im Nordosten von Queensland ist einer der wenigen Regenwälder, der all die Jahre überdauert hat. Er gilt als der älteste tropische Tieflandregenwald der Erde. Sein Alter wird auf 125-180 Millionen Jahre geschätzt – viel älter als der Amazonasregenwald.
Ausserdem ist der Daintree Regenwald einer der wenigen Regenwälder, der sich bis an die Küste erstreckt. In der Region um das Cape Tribulation stossen die Mangrovenwälder direkt auf ein weiteres UNESCO Weltkulturerbe: Das Great Barrier Reef.
Ein Hotspot der Biodiversität
Typisch für einen tropischen Regenwald erhält der Daintree Regenwald enorme Niederschläge. Sie entsprechen der dreifachen jährlichen Regenmenge Londons. Wo so viel Regen fällt, gedeiht auch viel Leben: Der Wald beheimatet eine erstaunliche Artenvielfalt.
Mit einer Gesamtfläche von 1‘200 Quadratkilometer macht der Daintree Regenwald bescheidene 0.1 Prozent der Landesfläche Australien aus. Dennoch leben hier 663 Wirbeltierarten, 222 Schneckenspezies, 12‘000 verschiedene Insekten und ein Drittel aller Reptilien- und Beuteltierarten Australiens.
Die Bewohner des Regenwaldes sind beinahe so alt wie der Wald selbst. Da sich in den Millionen Jahren die Lebensbedingungen kaum verändert haben, findet man hier heute noch viele Nachkommen urzeitlicher Pflanzen und Tiere, die man sonst nirgends auf der Welt antrifft.
Faszinierende Bewohner
Unter all den urzeitlichen Pflanzen findet man im Daintree Regenwald zum Beispiel die älteste Blütenpflanze: Die einst für ausgestorben erklärte Pflanze wird umgangssprachlich als „Idiotenfrucht“ bezeichnet und wurde erst 1971 im Daintree Regenwald wiederentdeckt. Ein Veterinär fand damals in den toten Kühen eines Bauern die teilverdauten, giftigen Samen dieser Pflanze, die so gross wie eine Faust sein können. Der Tierarzt schickte die Samen an ein Herbarium und landete so eine botanische Sensation. Die „Idiotenfrucht“ (so benannt in Anlehnung an ihren lateinischen Namen Idiospermum australiense), die schon vor 130 Millionen Jahren zur gleichen Zeit wie die Dinosaurier existierte, lebt also auch heute noch im Daintree Regenwald.
Neben aussergewöhnlichen Pflanzen leben auch einzigartige Vögel wie der Kasuar im Daintree Regenwald. Wie der Emu ist der Kasuar ein flugunfähiger Vogel, der ausschliesslich in Australien und Papua Neuguinea vorkommt. Die in Australien lebende Art ist stark gefährdet und steht unter Schutz. Der Bestand der bis zu 1.7 Meter grossen Vögel wird auf lediglich 1500 Individuen geschätzt. Interessanterweise übergeben die weiblichen Kasuare, die sich äusserlich nicht von den Männchen unterscheiden, nach dem Eierlegen die Eier an ihre männlichen Gefährten zum weiteren Ausbrüten. Dem Kasuar wird ausserdem nachgesagt, dass er ein besonders angriffslustiger Vogel sei und auch Menschen verletzen könne. In Wahrheit bekommt man ihn nur selten zu Gesicht. Seine scharfen Klauen, den spitzen Schnabel und das harte, helmartige Horngewebe auf dem Kopf setzt er nur zur Verteidigung ein, wenn er bedrängt wird.
Der Daintree Nationalpark soll den gesamten Regenwald umfassen
Kommerzieller Holzschlag ist im Daintree Regenwald seit 1988 verboten. Dennoch sind Teile des Daintree Regenwalds noch immer nicht als Nationalpark deklariert. Dies soll sich ändern, damit die fortschreitende Erschliessung und Siedlungsentwicklung gebremst wird. Solche Entwicklungen setzen den Regenwald neben dem Klimawandel und dem Tourismus zusätzlich unter Druck. Deshalb werden private Regenwaldparzellen vom Staat und von Umweltorganisationen aufgekauft und zu Nationalparkgebiet erklärt. So soll der Regenwald nicht nur vor den jährlich 400‘000 Touristen, sondern auch vor Fragmentierung, Abholzung, Bergbau und invasiven Pflanzen und Tieren, die schnell aus Siedlungsgebieten entwischen können, bewahrt werden.
Damit zwei Naturwunder wie der Daintree Regenwald und das Great Barrier Reef weiterhin Seite an Seite koexistieren können, brauchen beide unseren Schutz.