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Frank Matter, Foto: Adrian Jost
ProgrammZeitung aus dem Februarheft 2022, S. 6
Filmaktivist
Dagmar Brunner
Frank Matter hat mit «Parallel Lives» den Basler Filmpreis 2021 gewonnen.
Im vierten Stock eines Industriebaus in Kleinhüningen hat sich Regisseur und Produzent Frank Matter mit seiner Filmproduktionsfirma Soap Factory GmbH eingenistet. Der Blick aus dem Büro zeigt viel Himmel und eine vielfältige Dachlandschaft, die Einrichtung ist schlicht und zweckmässig. Seit fast 30 Jahren realisiert Matter Spiel- und Dokumentarfilme. Viele seiner Werke wurden an namhaften Festivals gezeigt und haben Preise erhalten, jüngst etwa «Parallel Lives». Engagement und Empathie für komplexe Themen zeichnen sie aus.
Frank Matter wurde 1964 in Sissach geboren und wuchs mit zwei jüngeren Brüdern in mittelständischem Milieu auf. Er genoss eine weitgehend unbeschwerte Kindheit, liebte Abenteuergeschichten, wollte Astronaut werden, spielte Theater. Doch bald erwachte auch sein politisches Bewusstsein, etwa an den Schweizer «Überfremdungsinitiativen». Mit 16 tauchte er erstmals in den Grossstadtrausch von Paris ein und erlebte dann intensiv die Basler Jugendbewegungen der 1980er-Jahre. Nach der Matur am Gymnasium Liestal brach er zu mehreren langen Reisen auf, lernte in Asien, Afrika und den USA andere Realitäten und Sichtweisen kennen.
Mit Bildern erzählen.
Ab 1985 bildete er sich bei der Tessiner Zeitung in Locarno und am Medienausbildungszentrum MAZ in Luzern zum Journalisten aus und wurde Mitarbeiter verschiedener Zeitungen. Schon früher hatte er für die «Volksstimme» und die «bz» gejobbt, mit anderen gründete er die alternative Stadtzeitung «Dementi», war für die «Basler Zeitung», die «WoZ», die «Weltwoche», den «TagesAnzeiger», die Berliner «taz» tätig, schrieb Reportagen, Kritiken, Porträts. Die Sehnsucht, mit Bildern und in grösseren Formaten zu arbeiten, führte zum Film. 1992 wurde er Regieassistent bei Peter Aschwandens umstrittenen TV-Dokumentation «Unzucht» über einen Pädophilen.
1993 zog Matter nach Brooklyn/New York und wirkte freischaffend in Independent-Filmproduktionen sowie als Reporter für diverse Schweizer Medien. Nach aufregenden Jahren mit vielen Reisen kehrte er 2006 nach Basel zurück, wo er seither mit seiner Partnerin lebt, erfolgreich die Filmszene mitprägt und sich immer wieder auf neue cineastische Wagnisse einlässt.