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2. Oktober 2014
Menschenwürde 2014
Menschenwürde bei Demenz
|Zum 9. Mal konnte die TERTIANUM-Stiftung zusammen mit der Zürcher Kantonalbank den Preis für Menschenwürde im Auditorium des Kunsthauses Zürich vergeben. Ausgezeichnet wurde 2014 die Schweizerische Alzheimervereinigung.

Die würdige Feier wurde im gut gefüllten Saal eingeleitet mit einem von Prof. Bernd Konrad eigens für diesen Anlass komponierten Stück für Baritonsaxophon. Die eindringlichen Melodien evozierten in uns auf bedrohliche Weise die im erkrankten Alzheimer-Gehirn erlebten Veränderungen. In seiner bewährten Eleganz und Art führte Franz Fischlin als Moderator durch den Abend.
Menschenwürde
Prof. Dr. Helmut Bachmaier begrüsste dann als Gastgeber und als Stiftungsrat und Geschäftsleiter der TERTIANUM-Stiftung die Anwesenden und begründete, warum die Alzheimervereinigung Preisträgerin sei. Er wies auf die Ursprünge des Begriffes der Würde hin: Ausgehend von einer Schrift eines Philosophen der Renaissance über die Würde des Menschen (1496), dann weiter entwickelt von Samuel von Pufendorf, der mit seiner Rechtsauffassung eines säkularen Naturrechts und der Befürwortung eines einheitlichen Völkerrechts massgeblichen Einfluss auf die deutsche, aber auch europäische Rechtsphilosophie im 18. und 19. Jahrhundert nahm, wurde die Position Immanuel Kants in Erinnerung gerufen, der die Menschenwürde im Zusammenhang mit der Autonomie des Individuums als absoluten Wert begründete. Dabei muss nach Bachmaier klar zwischen Selbständigkeit, die sich auf die Alltagskompetenzen bezieht, und der Autonomie unterschieden werden: Autonom ist der Mensch als vernunftgeleitetes Wesen, indem er sein Leben nach selbstgesetzten, aber allgemeingültigen Regeln führt. Deshalb ist es wichtig, dass an Alzheimer oder einer anderen Demenz Erkrankte früh im Krankheitsprozess einen Angehörigen oder eine Person ihres Vertrauens bestimmen, die in der Lage ist, für den Erkrankten dessen Autonomie und damit seine Würde zu wahren. Dies wurde anhand des Konzeptes des „Stellvertretenden Handelns“ weiter differenziert. Bachmaiers Fazit: Die Würde besteht zumindest darin, dass niemand gedemütigt oder blossgestellt werden darf.
Helmut Bachmaier
über die Menschenwürde.
Nach einem weiteren eindringlichen Musikstück von Bernd Konrad – er erhielt 1981 den Jazz-Preis des damaligen Südwestfunks und war 1983 für die Zeitschrift «Jazz-Podium» der „Musiker des Jahres“ – folgte die Laudatio.
Nationale Demenzstrategie
Prof. Dr. med. Reto Kressig, Chefarzt am Universitären Zentrum für Altersmedizin, Chef der Basler Memory Klinik und Mitglied im Stiftungsrat der TERTIANUM-Stiftung, hielt die Laudatio auf die Preisträgerin. Er betonte, dass es vor allem der unermüdlichen Arbeit der Schweizerischen Alzheimervereinigung zu verdanken sei, dass auf eidgenössischer Ebene eine „Nationale Demenzstrategie“ beschlossen worden sei. Wobei die Umsetzung eine kantonale Aufgabe ist. Ein grosser Teil der Arbeit der Vereinigung wird ehrenamtlich geleistet. Kressig hofft, dass viele im Auditorium, die noch nicht Mitglieder der Vereinigung sind, sich auch für diese Tätigkeit entscheiden werden. Mit eindringlichen Zeugnissen von betroffenen Angehörigen unterstrich er die dunklen, aber auch die schönen Seiten, die zu erleben sind in der Begleitung der Menschen mit dieser Krankheit.
Reto Kressig bei der Laudatio.
Die Preisübergabe erfolgte durch Peter Luginbühl von der Zürcher Kantonalbank. Er ist als Gemeindepräsident von Rüti auch mit der Problematik vertraut. Er sprang ein für den verhinderten Bankratspräsident der Zürcher Kantonalbank, Dr. Jörg Müller-Ganz. Der Preis von CHF 10.000.-- wurde entgegengenommen von Frau Birgitta Martensson, der Geschäftsführerin der Schweizerischen Alzheimervereinigung.
Wissen, Verstehen, Handeln
In ihrer Dankesadresse wies Birgitta Martensson darauf hin, dass in der Schweiz geschätzte 120'000 an Demenz Erkrankte leben, die Mehrheit zuhause. Sie werden im Schnitt von drei Angehörigen betreut oder vom Personal in Institutionen gepflegt, sodass rund 750'000 Personen mit der Pflege von Demenzkranken beschäftigt sind. Frau Martensson betont die Kernaufgabe der Vereinigung, nämlich die Pflege menschenwürdig zu gestalten. Dabei ist ihr Motto: Vom Wissen zum Verstehen und dann zum Handeln kommen. Mit einem eindringlichen Appell an die Anwesenden zeigte sie, auch im Gespräch mit dem Moderator Franz Fischlin, dass der Umgang mit den Kranken von den betreuenden Personen einiges an Phantasie und Kreativität erfordere.
Birgitta Martensson
bei der Dankesrede.
Mit einem fulminanten Musikstück wurde der würdige Abend beschlossen. Die Gäste konnten im angeregten Gespräch beim Apéro im Foyer das Gehörte nachwirken lassen.
Musikalisches Finale.