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Nachdem das US-amerikanische Justizdepartment Mitte September von der Deutschen Bank eine Strafzahlung in Höhe von 14 Milliarden Dollar für dubiose Hypothekengeschäfte gefordert hatte, sank der Marktwert der Grossbank in der Folge unter 14 Milliarden Euro. Damit war der deutsche Branchenprimus nur noch rund ein Viertel so viel Wert wie die spanische Banco Santander.
Da durch den rasanten Kursverfall die Möglichkeiten, neues Aktienkapital zu beschaffen, begrenzt wurden, stellte sich für die Deutsche Bank sogar die Überlebensfrage. Bereits im August war die Bank vom Internationalen Währungsfond als schwächstes Glied im weltweiten Finanzsystem eingestuft worden. Droht ein zweites Lehmann Brothers oder sind die Grossbanken heute infolge der verschärften Regulierungsvorschriften sicherer als früher?
Besorgniserregende Studienergebnisse
Diese Frage analysieren Natasha Sarin und Lawrence H. Summers von der Harvard Universität in einem neuen Arbeitspapier, das Mitte September publiziert wurde. Die Ergebnisse sind besorgniserregend: Banken sind trotz der verschärften Regulierungsvorschriften eher riskanter als sicherer geworden.
Sarin und Summers untersuchten die sechs US-amerikanischen Grossbanken, die 50 nächstgrössten US-Finanzinstitutionen sowie die 30 grössten nicht-chinesischen Banken ausserhalb der USA. Dabei vergleichen die Wissenschaftler für jede Bank die Werte von insgesamt acht Risikomassen vor und nach der Finanzkrise. Diese acht Risikomasse umfassen Volatilität, implizite Volatilität, Put Option Delta, Beta, CDS Spread, Kurs-Gewinn-Verhältnis, Vorzugsaktienkurs und systemisches Risiko.
Obwohl die Bankenregulierung und insbesondere die Kapitalanforderungen nach der Finanzkrise erheblich verschärft wurden, liegen diese Risikomasse innerhalb der gleichen Bereiche wie vor der Finanzkrise. Es gibt nur wenige Verbesserungen, dafür aber mindestens ebenso viele Verschlechterungen. Da sich zudem das Marktwert-Buchwert-Verhältnis innerhalb des Bankensektors deutlich verringert hat, sind die Banken gemäss der Studie heute riskanter als vor der Krise.
Hierfür gibt es drei mögliche Erklärungen. Erstens haben die Märkte die Bankrisiken vor der Finanzkrise unterschätzt und bewerten sie erst jetzt richtig. Zweitens war die verschärfte Bankenregulierung unwirksam, weil es den Banken gelungen ist, sie zu umgehen. Drittens haben sich die Geschäftsaussichten der Banken nach der Finanzkrise drastisch verschlechtert. Für Sarin und Summers ist die dritte Erklärungsmöglichkeit am plausibelsten und wird auch durch ihre Forschungsergebnisse bestätigt.
Zu den Faktoren, die die Gewinnaussichten der Banken am stärksten geschwächt haben, gehören den Forschern zufolge vor allem die Niedrigzinspolitik der Nationalbanken, die flache Zinskurve, Verbote bzw. Einschränkungen profitabler Geschäftspraktiken (z.B. Eigenhandel, Interbankenentgelte, Überziehungsgebühren), Strafzahlungen wegen begangener Regelverstösse, der verschärfte Wettbewerb durch Schattenbanken sowie die Gefahr noch strengerer Regulierungsvorschriften.
Zusammenfassend kommt die Studie also zu dem Ergebnis, dass die staatlichen Antworten auf die Finanzkrise, in erster Linie die verschärfte Bankenregulierung und die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken, die Banken nicht sicherer, sondern riskanter gemacht haben.