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Früher wurden die Duelle zwischen den Panthers und Lightning als Sunshine Cup tituliert. Heute heisst es Governor's Cup. Schon letzte Saison war das Aufeinandertreffen in den Playoffs ein heisser Tanz für den nachmaligen Stanley-Cup-Sieger aus dem Süden Floridas. Die Teams begegnen sich seit zwei Jahren auf Augenhöhe. Das war nicht immer so. Die sportlichen Erfolge und das lokale Publikumsinteresse entwickelten sich diametral.
Bolts: Glorreiche Zeiten nach schwierigem Start
Als die Lightning in die NHL aufgenommen wurde, brauchte es eine gewisse Anlaufzeit, bis man zum ersten Mal sportlich wirklich für Furore sorgen konnte. In den ersten zehn Franchise-Jahren qualifizierte man sich nur einmal für die Playoffs. Und es gab auch immer wieder Gerüchte aufgrund des neuen Besitzers Kokusai Green, ein Konsortium von japanischen Managern. Der Kopf dieses Konsortiums war Takashi Okubo, welcher sich bis 1998 nie in Tampa zeigte und kein Interesse an Eishockey hatte. Es wurde gemunkelt, dass das Team zur Geldwäsche von der japanischen Yakuza genutzt würde. Das Publikumsinteresse war zudem auch nicht immer optimal. Kurzum, es schien als ob die Organisation bald wieder verschwinden würde. Bis die Trendwende um die Jahrhundertwende und speziell in der Saison 2002/03 kam. Von da an entstand in Tampa etwas Grosses. Sowohl sportlich wie auch bezüglich Faninteresse. Die Bolts sind seit zwei Jahrzehnten in Tampa und in der ganzen Bay Area nunmehr äusserst populär und die Partien ausverkauft. Man kann in der Beliebtheit sogar mithalten mit den Bucs (NFL) und den Rays (MLB). Auch wenn es zwischendurch eine sportliche Baisse gab, mit Steve Yzerman als General Manager begann 2010 der strategisch mittelfristig aufgebaute Aufstieg und die erfolgreichste Zeit, in welcher der zweite und dritte Stanley Cup back-to-back folgten. Steve Yzerman veränderte nicht nur das Team, sondern auch die ganze Organisation und leistete Vorarbeit für seinen nicht minder genialen Nachfolger, den jungen Julien BriseBois.
Panthers: Vom Stanley-Cup-Finalist zum Sorgenkind
Genau umgekehrt verlief die Geschichte der Panthers. Zur Saison 1993/94 wurde der Spielbetrieb aufgenommen - in der Miami Arena. Die ersten Stars im Team waren John Vanbiesbrouck sowie die beiden Rookies Rob Niedermayer und Scott Mellanby, der in seiner ersten Saison 30 Tore erzielen konnte. Mit dem knappen Verpassen der Playoffs der Eastern Conference starteten die Panthers als eines der erfolgreichsten Expansion-Teams in der Geschichte der NHL. Aber bereits 1995/96 erreichten die Panthers zum ersten Mal die NHL-Playoffs und verpflichteten noch vor Ende der Transferperiode Ray Sheppard von den San Jose Sharks. Was dann folgte, glich einer Cinderella Story: In der ersten Runde wurden die die Boston Bruins in fünf Spielen besiegt, danach die Philadelphia Flyers und dann sogar die Pittsburgh Penguins. Man stand in der Stanley-Cup-Finalserie, wo man glatt in 0:4-Spielen gegen die Colorado Avalanche verlor. Während dieser Playoffs entwickelte sich bei den Fans der Panthers ein aussergewöhnlicher Torjubel. An einem Spielabend soll eine Ratte den Weg in die Kabine der Panthers gefunden haben, das Tier soll daraufhin von Scott Mellanby mit einem sogenannten „One Timer“-Schuss getötet worden sein. An diesem Abend erzielte Mellanby zwei Tore, die daraufhin von Goalie Vanbiesbrouck als „Rat-Trick“ bezeichnet wurden, in Anlehnung an einen Hattrick. Seitdem die Meldung die Öffentlichkeit erreichte, wurden Tore der Panthers von den Fans mit dem Werfen von Gummiratten auf die Eisfläche gefeiert. Die NHL-Anfangszeit war also vielversprechend für die Panthers. Danach aber begann der sportliche Abstieg. Obwohl immer wieder Aufsehen erregende Verpflichtungen getätigt wurden (zum Beispiel Pavel Bure). Aber das Team, das nun in Sunshine/Florida (weit ausserhalb Miamis) ihre Heimstätte hatte, versank nicht nur im sportlichen Mittelmass, sondern wurde auch bezüglich Zuschauerinteresse immer mehr belächelt. Man musste um jeden Fan kämpfen und der Zuschauerschnitt war ligaweit der schlechteste. Es kam sogar vor, dass man die Fans mit Gratis-Meals und -parking sowie Merchandise-Paketen als Mitbestandteil für den im Vergleich zu anderen NHL-Standorten ohnehin schon im Tiefpreissegment befindlichen Ticketkauf locken musste. Während es in Tampa ab der Jahrhundertwende nie zur Diskussion stand, ob die NHL-Franchise Kandidat für einen Standortwechsel sei, so wurde dies immer wieder bezüglich der Panthers thematisiert.
Bolts mit dem Sieger-Gen
Und heute im Jahr 2022? Beide treffen sich auf Top-Niveau und auf Augenhöhe – nachdem die Panthers erfolgreich innerhalb der letzten drei Jahre ein neues Team um den Mannschaftskern um Huderdeau, Barkov, Ekblad, Bobrovsky & Co. aufgebaut haben. Wobei eines auch wieder 2022 deutlich wird: So talentiert die Florida Panthers auch sein mögen. Das Sieger-Gen und die Playoff-Stabilität haben sich die Bolts angeeignet, was sich aktuell nun wieder bemerkbar macht.
Joël Ch. Wuethrich publiziert wöchentlich Hintergrundberichte über die NHL in der führenden Deutschen Fachpublikation Eishockey News und hat ein ausgezeichnetes Beziehungsnetz in Nordamerika. Seit 1992 ist er Chefredaktor diverser namhafter Publikationen, unter anderem auch war er beim Slapshot sowie beim Top Hockey Chefredakteur und war zudem lange Jahre für den Spengler Cup strategisch in Marketing und PR sowie als Chefredaktor tätig. Joël Ch. Wuethrich leitet seit 1992 hauptberuflich eine crossmedial aufgestellte PR-Agentur und eine Player's Management Agentur (Sportagon), ist Crossmedia-Stratege und HF-Dozent mit Lehrauftrag für Kommunikation und Marketing. Er analysiert seit 30 Jahren als Autor/Chefredakteur in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der Familienvater (zwei Kinder) arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil seiner Verwandtschaft wohnt.