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Auch nach dem Desaster im Golf von Mexiko wird Chevron dort weiterhin nach Öl bohren. In einem Interview mit dem «Wall Street Journal» sagte Chevron-CEO John Watson, dass er die strafferen Bohrvorschriften als Folge der Ölpest akzeptiere. Seit April werden die Gewässer und Küstengebiete im Golf von Öl überschwemmt. Doch das von der Obama-Regierung beschlossene sechsmonatige Moratorium für Tiefseebohrungen hält der 52-Jährige für unnötig. Schliesslich sollten nicht alle Ölfirmen mit BP in einen Topf geworfen werden. Chevron ist nach Exxon der zweitgrösste Ölkonzern in den USA. Das kalifornische Unternehmen besitzt mehr Bohrstandorte im Golf von Mexiko als jede andere Firma und ist dort nach BP und Royal Dutch Shell der drittgrösste Ölproduzent. Der Golf von Mexiko galt bisher als Hauptwachstumsgebiet von Chevron.
Industrie distanziert sich von BP
Obwohl Watson BP nicht direkt kritisierte, machte er deutlich, dass Chevron schon vor der aktuellen Katastrophe Massnahmen ergriffen hatte, um die Explosion der Bohrplattform verhindern zu können. «Der Vorfall war vermeidbar», so Watson. Zu Beginn der Ölpest bildete die gesamte Ölindustrie eine breite Front. Die Kritik an BP und anderen beteiligten Ölfirmen hielt sich in Grenzen. Mittlerweile distanziert sich die Ölindustrie von BP. Watson und andere Konzernchefs werden aller Voraussicht nach in den Kongressanhörungen darauf pochen, dass nicht alle Ölfirmen über einen Kamm geschoren werden. Chevron hat dafür einen guten Grund: Der Kurs der Konzernaktien fiel seit der Explosion der Deepwater Horizon um 10%. Verglichen mit BPs Absturz um mehr als 45% aber nur ein leichter Einbruch.
Branchenkenner kritisieren, dass BP einen riskanten Bohrlochaufbau gewählt habe, der das Einströmen von Erdgas in das Bohrloch ermöglichte, was die Ursache für die Explosion war. Gary Luquette, der für Chevron die Exploration und Produktion in Nordamerika leitet, weiss, dass Chevron über sichere Bohrlochkonstruktionen verfügt. «Ich glaube, man hätte die aktuelle Situation vermeiden können, wenn bei diesem Bohrloch die besten Methoden angewendet worden wären.»