Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03113.jsonl.gz/1081

Der Brexit versetzt die Whiskybrenner in Schottland in Katerstimmung. Ein Gutteil ihrer Destillate wird in die Europäische Union exportiert.
In Deutschland beispielsweise ist Whisky mit knapp 19 Prozent beziehungsweise 268 Millionen Euro nach Zahlen aus dem Jahr 2015 der grösste Einzelposten der Agrarimporte aus dem Vereinigten Königreich. Der nächst grössere Posten - Fleisch aus Grossbritannien - umfasste nur knapp 161 Millionen Euro.
Zum Vergleich: Die Schweiz hat von Januar bis November 2016 eine Menge von 2.77 Millionen Litern Whisky aus Grossbritannien importiert. Diese hatte einen Wert von 33.9 Millionen Franken. Damit bezieht die Schweiz 71 Prozent ihres Whiskys von der Insel. Mit weitem Abstand folgen die USA (knapp 16 Prozent), wie aus den Zahlen der Oberzolldirektion hervorgeht.
Gesteigert werden die Sorgen über den Verlust eines lukrativen Absatzmarktes durch die Ankündigung von Premierministerin Theresa May, einen klaren Bruch mit der EU anzustreben. Das heisst, Grossbritannien schottet sich ab, die EU stoppt im Gegenzug den ungehinderten Zugang zum Binnenmarkt. Die Handelsbeziehungen müssen völlig neu ausgehandelt werden.
Hauptabsatz in EU
Schon vergangenen Oktober rief die Vereinigung Schottischer Whiskyhersteller die britische Regierung dazu auf, für Ersatz zu sorgen. Besonders wichtig ist dem Verband, dass Grossbritannien die Vorteile von EU-Handelsvereinbarungen mit Drittstaaten erhalten bleiben.
Konkret: die EU-Abkommen mit Mexiko, Südkorea oder Kolumbien sollen auf das Vereinigte Königreich übertragen werden. Die Whiskybrenner stehen stellvertretend für viele Bereiche der britischen Land- und Lebensmittelwirtschaft, die sich durch den Brexit neu orientieren muss.
Der grösste Teil der britischen Agrarexporte fliesst in die EU. Von Ausfuhren im Wert von 23.4 Milliarden Euro gingen 2014 rund 61 Prozent in EU-Länder. Die Agrareinfuhren beliefen sich in dem Jahr auf 49.1 Milliarden Euro. Knapp drei Viertel davon kamen aus der EU.
Sollten die Handelsströme ins Stocken kommen, sind die Folgen für fast alle EU-27-Staaten weniger schmerzhaft als für Grossbritannien, da in den EU-Ländern im Gegensatz zum Königreich ein vergleichsweise geringerer Anteil der Im- und Exporte betroffen ist. Eine Ausnahme ist Irland, dessen Agrarexporte 2015 zu 43 Prozent in das Vereinigte Königreich gingen.
Befürchteter Mangel an Erntehelfern
Für britische Landwirte sind nicht nur drohende Handelshemmnisse ein Problem. Jedes Jahr kommen rund 80'000 Erntehelfer aus der EU nach Grossbritannien. Im Januar helfen sie bei der Narzissenzucht, im Sommer bei der Erdbeerernte, im Sommer werden Äpfel gepflückt, im Dezember steht die Rosenkohlernte an.
Bereits im Oktober sagten zwei auf die Erntehelfer spezialisierte Arbeitsagenturen der Nachrichtenagentur Reuters, sie hätten nicht genug Bewerber für die 600 offenen Stellen finden können.
Die Agentur Fruitful Jobs berichtete, in ihren Büros in Polen und Bulgarien sei die Zahl der Bewerber drastisch zurückgegangen. Bauern klagen jedoch, mit britischen Erntehelfern lasse sich der Verlust dieser erfahrenen Feldarbeiter nicht ersetzen. (sda/reu)