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Wer zwingt den Löwen
Wer zwingt den Riesen
Wer überwindet jenen und diesen?
Das tut der, der sich selber bezwingt. Walter von der Vögelweide
Abgemacht war eigentlich seine Mitarbeiter über die Eröffnung von Sencha-Saison zu informieren und zu schulen. Als er mich traf, hörte er nicht auf, von seinen Pilzen zu erzählen. Er erzählte mir von der schönen Kindheitserinnerung mit seinem Großvater beim Pilzsammeln. In jenen feuchten Kieferwälder, versteckten in jenen Kieferhaufen, die rauen Händen seines Opas befreiten sorgfältig die Pilze aus dem Nadelhaufen und schnitten sie aus dem Wurzel vollständig ohne sie zu zerreisen. Als Junge war er fasziniert von dem Kieferduft, das feuchte Anfassen der lebendigen Sprossen aus der Erde und der unvergesslichen Geschmack seiner Omas Küche. Diese wertvollen wunderbaren Pilze möchte er gerne in die Schweiz importieren. Vorausgesetzt überwindet er bestimmte Hindernisse. Was für Hindernisse? „Naturkatastrophe oder Klimaerwärmung?“ fragte ich. Er lachte, „Weiß Du, in Lateinamerika, sind die Probleme immer von Menschen, nie von der Natur.“ Er erzählte weiter von der depressiven Lebenseinstellung seiner Landleute, die Hoffnungslosigkeit und Misstrauen zwischen Menschen und die Korruption der Regierung. Die Mittellosen wären die idealen Pilzsammler, der durch diese Aktion sein Lebensunterhalt erheblich verbessern könnte und damit einen neuen Anfang wagen könnte. Aber diese Leute glauben nicht an ihm, dass er für ihre Sammlung mehr Geld bezahlen würde und für eine langfristige stabile Beziehung interessiert ist. „Weiß Du, niemand würde Dir Vertrauen schenken, dass Du ernst mit ihnen meinst. Denn sie haben zu viele Enttäuschungen im Leben bereits erlebt und bekommen die Einstellung zum Leben , sich damit abfinden zu müssen – von Hand zu Mund leben zu müssen. Ich muss ihnen mehr Geld anbieten!“ „Das Problem liegt nicht an die Anreiz des Geldes, sondern an die Motivation zum leben.“ „Ach, warum erzähle ich Dir denn so etwas.“ „Menschen zu motivieren, andere Perspektive des Lebens anzubieten und gleichzeitig etwas Schönes zu anderen Menschen zu bringen und zu verbinden, ist doch ein wunderbares Projekt!“ Ich versuchte ihn zu ermutigen. Er lächelte, aber „ich versuchte seit drei Jahren und es klappte immer noch nicht. Es ist deprimierend“ „Gute Dinge braucht Zeit. Die Einstellung der Menschen zu verändern braucht auch Zeit. Aber ein gutes Projekt scheitert nie.“ Ich bin davon überzeugt, „Wenn wir selbst nicht aufgeben, warum sollte es denn nicht klappen? Also das Kosmos wird Dir helfen.“ Ich glaube an Menschen, die Vision haben. Ich glaube an die Kraft, die freigesetzt wird, wenn Menschen ihre Herzensentscheidung treffen. „Du bist nicht allein.“ Er seufzte über die wunderbaren Pilzen, die er so gerne importieren würde, egal wie schwer es ist, weil er es gerne tut und seine Landesleute drüben könnten ihr Leben erheblich verbessern. „Weiß Du, solche Pilze sind wunderbare Geschenke der Erde! So frisch, so rein und so köstlich!“
Dann tauschten wir uns über die Neuigkeit aus. Er fragte mich nach meinem nächsten Plan. Eigentlich war ich bereit mit dem Wind woanders zu gehen und einen neuen Anfang zu wagen. Sein Gesicht war voller Schock, den er nicht verstecken konnte. Ich beruhigte ihn, dass es wohl so aussieht, das Kosmos nun gegen mein Wille entscheidet und ich hier für eine lange Weile bleiben werde. Mir geht es zu gut, um mich mit einem Laden zu binden. Zu faul und zu arrogant arbeite ich. Ich werbe nicht und schreibe meinen Klienten auch kaum an. Ich denke, dass jeder Klient einen freien Willen hat. Wenn ein Klient sich aus dem freien Wille für meine Wahl entscheidet, ohne Manipulation und emotionalen „Erpressung“ durch Werbetexte, entsteht eine langsame aber vertrauensvolle Beziehung, die auch über Jahren dauern könnte. Darum bin ich nicht interessiert für Network oder Visitenkarte. Außerdem erzählte ich ihm, als Lieferant von seinem Geschäft zu sein, besitzen bereits die beste Visitenkarte.
Dann sprechen wir weiter über die Schokolade, die frisch auf dem Markt gebracht werden. Die wilden Kakaobohnen aus Bolivien haben die ähnliche Geschichte wie seine Pilze. Dank dem deutschen Narr Volker Lehmann, der das Projekt wilden Kakaobohnen nicht aufgibt – trotz räuberischer Bedrohung, trotz Machtspiel von Mainstream Konzernen, trotz Schwierigkeiten der klimatischen und geographischen Beschaffenheit, kamen diese wertvollen Bohnen endlich in die Schweiz. Diese kleine außer dem Norm gefallenen Bohne fand zuerst keinen Produzent, denn die herkömmlichen Maschine sie nicht verarbeiten können. Nur die verrückten Firmen wie Felchlin und R. v. R. wagten den Schritt, solche Bohne mit alter Maschine zu verarbeiten, ohne Rücksicht auf Effizienz, Zeit und Gewinn zu nehmen. Ohne Soja Letizin und Emulator werden die Kakao verarbeitet – nur durch mechanische conchierweise. Reinhard erzählte mir, wie sehr er berührt war, als er die Ernte in jenen Urwald Boliviens mitmachte und zusah, wie Bauer mit Mühe und Sorgfalt die Bohne sammelten und verarbeiteten. „Heute, wenn man mir sagte, dass er für eine bestimmte Produktion keine Zeit hat, weiß ich, dass er sich keine Mühe machen will!“ Eigentlich muss er die Schokolade teuerer verkaufen, wenn er an die Bauer dort denkt. Aber wie könnte man denn überhaupt ein Geschenk einen Wert nennen! Diese Wildkakao sei ein Geschenk der Erde! Die Mühe, die Bauer dort machen, ist ein Geschenk! Er reicht es gerne weiter, weil er es als Geschenk erkannt.
Vielleicht ist seine Arbeit, dieses Geschenk hier weiter zu reichen, selbst ein Geschenk? (ohne zu lügen, finde ich die Schokolade von R.V.R. die besten in der Schweiz – obwohl ich kein Schoki-Fan bin)
„All das ist ähnlich beim Tee, nicht wahr?“ Ich nickte meinen Kopf. „Aber Du kannst besser mit Deinen Bauern in Asien kommunizieren.“ Vielleicht. Wir finden nicht zufällig zueinander, nicht wahr? Menschen, die in einander als Geschenk erkennen, teilen und reichen das Geschenk gerne weiter. In unserer Welt werden zu viele inszeniert, zu wenig in der Realität gelebt. Viele Dinge behalten wir für unsere Träume anstatt sie in der Realität zu leben. Es tut tatsächlich weh davon zu sprechen.
„Genießer sein in unserer Zeit heißt zuallererst unterscheiden lernen zwischen Inszenierung und Realität.“ schrieb Firma Felchlin in seinem Kakao Broschüre. Zwischen Inszenierung und Realität zu unterscheiden kann man vielleicht nur, wenn man es will. Dinge als Geschenk zu erkennen und es so zu leben, kann man, wenn man sich für diese Unterscheidung entscheidet. Wer heute würde denn freiwillig Gedanke über Inszenierung und Realität machen, denn es ist viel zu unbequem – denken wir einfach über das Kult von Model und Superstar-Andrang in unserer Zeit. Darum und leider, gibt es tatsächlich den elitären Tee.