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Schlafstörungen // Restless-Legs-Syndrom
Das individuelle Schlafbedürfnis kann erheblich variieren, ist genetisch fixiert, und beträgt bei den meisten Menschen 7-8 Stunden, die Schwankungsbreite beträgt allerdings 4-11 Stunden. Auch die Tatsache, ob Menschen Frühaufsteher sind („Lerchen“) oder Nachtmenschen („Eulen“) ist genetisch prädisponiert.
Viele Menschen klagen über Schlafstörungen oder nicht erholsamen Schlaf, was am nächsten Tag zu Erschöpfung, vorzeitiger Müdigkeit oder Tagesschläfrigkeit führen kann. Deskriptiv kann man Einschlafstörungen von Durchschlafstörungen unterscheiden. Nach Art der Pathogenese werden die meisten Schlafstörungen entweder der Pulmonologie (Lungenheilkunde) oder der Neurologie zugeordnet.
Die häufigste Schlafstörung ist die sogenannte psychophysische Schlafstörung, welche keine eigentliche Erkrankung, sondern eine Befindlichkeitsstörung darstellt, viele Menschen aber trotzdem plagt. Hier kommt es aufgrund von schlechten Angewohnheiten zu Einschlaf- oder Durchschlafstörungen, zum Beispiel, dass zu viel abends getrunken wird, und der Schlaf aufgrund von Klogängen gestört wird, oder dass der Schlaf von Lärm gestört wird, zum Beispiel, wenn an einer verkehrsreichen Strasse geschlafen wird, oder wenn es durch emotionale Einflüsse (Familienstreit, nächtliches Schauen von aufregenden Krimis) zu innerer Aufwühlung und es dadurch zu einer Einschlafstörung kommt.
All diese Schlafstörungen lassen sich durch eine vernünftige Schlafhygiene (regelmässiger und ausreichender Schlaf, Einschlafritual, zum Beispiel mit Schlaftee, Abschirmung von Lärm, Abschirmung von emotionalen Einflüssen, die das Einschlafen verhindern) behandeln.
Pulmologische Schlafstörungen
Die häufigste Schlafstörung aus der Inneren Medizin oder Lungenfachheilkunde ist die obstruktive Schlafapnoe (Nach der Romanfigur auch als Pickwick-Syndrom bezeichnet). Hierbei kommt es zu nächtlichen Atempausen (Apnoe), welche zu einem Sauerstoffmangel des Gehirns führen können und damit zu einem nicht erholsamen Schlaf und zur anschliessenden Tagesmüdigkeit.
Das Schlafapnoesyndrom ist hochgradig assoziiert mit Übergewicht und betrifft ältere Männer deutlich häufiger als Frauen (MF: =10:1). Diagnostisch kann es sinnvoll sein, eine Schlafpolygraphie durchzuführen. Die Behandlung besteht in einer Sauerstoff-Zufügung während der Nacht (CPAP-Therapie, continuous positive airway pressure).
In seltenen Fällen kann es auch zu einem primären Schlafapnoesyndrom kommen (Undine-Fluch-Syndrom), bei dem intrazerebrale Prozesse im pontomedullären Übergang (zum Beispiel ein Tumor oder eine Entzündung) zu einer Schlafapnoe führen, die nicht mit Übergewicht assoziiert ist.
Neurologische Schlafstörungen
Als neurologische Schlafstörungen fasst man sehr unterschiedliche Krankheitsbilder zusammen, deren gemeinsames Kennzeichen eine Erkrankung des Gehirns darstellt.
Eine der häufigsten neurologischen Schlafstörung ist das sogenannte Restless-Legs-Syndrom (RLS).
Restless-Legs-Syndrom
(RLS, Syndrom der unruhigen Beine, Ekbom-Syndrom)
Das Restless-Legs-Syndrom, (auf Deutsch das Syndrom der unruhigen Beine) ist eine sehr häufige Erkrankung mit einer Prävalenz von 5-10%, die mit steigendem Alter zunimmt. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
In etwa 2/3 der Fälle spricht man von einem idiopathischen RLS, das heisst es kann keine spezifische Ursache gefunden werden. In der Regel handelt es sich um eine familiäre genetische Erkrankung.
In etwa 1/3 der Fälle spricht man von einem sekundären RLS, hier lassen sich verschiedene primäre Erkrankungen diagnostizieren, die dann sekundär zu einem RLS führen. Erkrankungen, die zu einem RLS führen können, sind z.B.: Niereninsuffizienz, rheumatoide Arthritis, Eisenmangelanämie, Polyneuropathien. Auch Medikamente können ähnliche Beschwerden verursachen, zum Beispiel trizyklische Antidepressiva oder SSRI.
In der Schwangerschaft kann ein RLS auftreten, welches sich nach der Schwangerschaft wieder zurückbildet.
Das Hauptsymptom dieser Erkrankung ist ein Bewegungsdrang der Beine, welcher meist in Ruhe auftritt, in der Regel abends vor dem Einschlafen oder nachts, teilweise bereits vorher, etwa bei einem Kino- oder Theaterbesuch. Bei schweren Verläufen kommt es auch tagsüber zu Beschwerden.
Der Bewegungsdrang wird häufig begleitet von Missempfindungen in Form von Kribbelparästhesien oder Dysästhesien.
Typisch ist eine Verschlechterung der Symptomatik in Ruhe (Liegen, Sitzen), eine Verbesserung bei motorischer Aktivität (Umhergehen) oder Anwendung einfacher Gegenirritationsmassnahmen wie zum Beispiel kaltes Abduschen der Beine, Einreiben mit Franzbranntwein.
Häufig sind bei Patienten mit RLS sogenannte periodische Beinbewegungen in der Nacht festzustellen, die auch als eigenes Krankheitsbild vorkommen können. Abzugrenzen von den Beschwerden eines RLS sind Beschwerden im Rahmen einer Polyneuropathie, wobei sich beide Krankheitsbilder überlagern können und die Polyneuropathie die Ursache eines RLS darstellen kann. Abzugrenzen sind auch gutartige Einschlafmyoklonien, ausserdem Bewegungsunruhe aus anderen Gründen zum Beispiel einer Akathisie.
Diagnostik eine Restless-Legs-Syndroms
Da das RLS häufig mit anderen neurologischen Erkrankungen assoziiert ist, sollte eine neurologische Abklärung erfolgen.
Therapie eines Restless-Legs-Syndroms
Bei sekundären RLS-Formen ist eine ursächliche Therapie der Grunderkrankung anzustreben. Ansonsten wird das RLS mit dem Parkinson Medikament L-Dopa oder mit Dopa-Agonisten behandelt. Auch der Einsatz von Opioiden kann häufig zu einer deutlichen Besserung führen. Medikamente zweiter Wahl sind verschiedene Antiepileptika, wie zum Beispiel Carbamazepin oder Gabapentin.
Andere neurologische Krankheitsbilder, die mit Schlafstörungen einhergehen sind:
· Einschlafmyoklonien
· Periodische Beinbewegungen im Schlaf (Myoclunus nocturnus)
· REM-Schlaf Verhaltensstörung
· Periodische Hypersomnie (Kleine-Levin-Syndrom)
· Paroxysmale nächtliche Dtystonie
· Nächtliche epileptische Anfälle
· Familiäre Insomnie
(eine seltene, zum Tode führende Prionenerkrankung).