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In der Altstadt in Zürich ist ein kleiner Weg nach Friedrich Glauser benannt: die Friedrich-Glauser-Gasse. Sie verbindet die Niederdorfstrasse mit der Zähringerstrasse. Vierzig Meter lang ist der Weg, in einer Minute hat man die Gasse durchlaufen.
Doch warum eigentlich wurde in Zürich eine Gasse nach Friedrich Glauser benannt? Oder anders gefragt: Welchen Bezug hat Friedrich Glauser zu Zürich?
Immer wieder spielt Zürich im Leben des eigentlich Heimatlosen eine Rolle: Hier macht er als junger Mann – bereits eine Odyssee an Schulen und Heimen hinter sich – die Matura und studiert ein Semester Chemie. 1916 nähert er sich den Dada-Kreisen an. Zwei Jahre wohnt er in Zürich, an der Zähringerstrasse 40. Die Zürcher Amtsvormundschaft war es auch, die Glauser 1918 für unmündig erklären lässt, da ist er 22 Jahre alt. Er wird es sein (kurzes) Leben lang bleiben. Glauser ist von Morphium abhängig, das drängt ihn in die Kriminalität. Die Odyssee durch Schulen und Heime setzt er weiter mit einer Odyssee durch psychiatrische Kliniken. Drei Monate verbringt er im Burghölzli.
2001 wird die bislang namenlose Gasse nach Friedrich Glauser benannt. Es ist eine Ehre für einen Schriftsteller, der sein Leben lang auch unter den Behörden gelitten hat.
Literatur
Die Rechte an Friedrich Glausers Werken sind seit 2009 frei. Erfreulicherweise sind seine Texte weiterhin in verschiedenen Ausgaben im Buchhandel erhältlich.
Ein in Zusammenhang mit Zürich interesanter Artikel ist der erstmals im «Schweizer Spiegel» erschienene Text mit dem Titel «Dada». Inzwischen wurde Glausers Essay zur Avantgarde-Bewegung verschiedentlich wiederveröffentlicht.
Der Text zeigt die Verbindungen Glausers zu Tristan Tzara, Hugo Ball wie auch Emmy Hennings auf. Anderseits kann er klar aufzeigen, welche Bedeutung Dada damals hatte und warum:
«Was nützte Logik, was Philosophie und Ethik gegen den Einfluss jenes Schlachthauses, das aus Europa geworden war? Es war ein Bankrott des Geistes. … Mit Hilfe der Sprache gelang es auch, das Morden zu rechtfertigen. … Es war ein Versuch, die Hilfsmittel zu zertrümmern, die der Materialismus sich angeeignet hatte, um seine Welt zu verteidigen. …
Heute, wo der Krieg sehr schnell vergessen wird, um Raum für einen neuen zu schaffen, ist es schwer, die Stimmung jener vergangenen Epoche zu rekonstruieren.»
(Zitiert aus: Glauser, Friedrich: Dada und andere Erinnerungen aus seinem Leben. Zürich, Limmat Verlag, 2013, S. 43/45)