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Lokalnamen in Kürze
|Geografische Namen||Lokalnamen||Gebäudeadressen||Inhaltsverzeichnis+Übersicht||Aktuell|
Lokalnamen (Orts- und Flurnamen)
Inhaltsverzeichnis
Begriffe
Der Begriff Lokalname ist in den Weisungen 2011 wie folgt definiert:
Die geografischen Namen der Landesvermessung und der amtlichen Vermessung (Art. 3 Bst. b und c GeoNV) werden in diesen Weisungen als Lokalnamen bezeichnet.
Der Begriff umfasst die Namen von topografische Objekten wie Siedlungen (Orte), Kulturlandstücken (Fluren), Bergen, Tälern, Wälder, Gewässer usw.
Synonyme:
- Orts- und Flurnamen
- bewohnte und unbewohnte Orte (in früheren Verordnungen verwendete Begriffe)
Historischer Hintergrund
- 1937 Instruktion für die Erstellung neuer Landeskarten mit Grundsatz zur Schreibweise von Lokalnamen:
- Ortsnamen, welche ohne weiteres in der Schriftsprache, als die allgemein gültige Verkehrssprache übertragen werden können und an Ort und Stelle in dieser Schreibweise gebraucht werden, bekannt und verständlich sind, sind in der Schriftsprache wiederzugeben.
- Ortsnamen, welche dagegen nur im landläufigen Dialekt existieren und nur in dieser Form bekannt und verständlich sind, müssen in Dialektform geschrieben werden».
- 1938 Bundesratsbeschluss über die Schreibweise der Lokalnamen bei Grundbuchvermessungen
- Mundartnamen wurde nicht behandelt, die Grundsätze von 1937 blieben gültig (z.T. wird heute behauptet, dass der Bundesrat in diesem Beschluss für Namen lokaler und geringer Bedeutung Mundart vorschrieb, was jedoch nicht zutrifft)
- Für die Änderung der Schreibweise von Siedlungsnamen ist die Zustimmung des Bundes nötig
- 1947-1948 Streit betreffend der Regelung von Mundartnamen
- Forderungen:
- Grundsätze der Instruktion von 1937 beibehalten
- neu alle Namen in möglichst in lautgetreue Mundart ändern
- Forderungen:
- 1948 Weisungen für die Erhebung und Schreibweise der Lokalnamen bei Grundbuchvermessungen in der deutschsprachigen Schweiz
- Eduard Imhof, ETH Professor für Kartografie hatte zusammen mit namhaften Sprachwissenschaftlern eine Kompromisslösung ausgearbeitet, welche die Anliegen der Benutzer nach möglichst hoher Anlehnung an das Schriftbild der Schriftsprache resp. möglichst einfache Schreib- und Lesbarkeit und Anliegen der Namenforschung nach möglichst lautgetreuer Mundarschreibung berücksichtigt.
- 2005/2006 Entwürfe Schreibregeln Toponymische Richtlinien / Leitfaden Toponymie
- Beide Entwürfe wurden von den Benutzerorganisationen abgelehnt, da die neuen Regeln zu viel Mundart zuliessen
- 2007 Behandlung der Flurnamen im Nationalrat
- 2008 In Kraftsetzung der Geoinformationsgesetzgebung und der Verordnung über geografische Namen (GeoNV)
- 2011 In Kraftsetzung der Schreibregeln Weisungen 2011 für die deutschsprachige Schweiz, welche unverändert aus Weisungen 1948 übernommen wurden.
Rechtliche Grundlagen
- Verordnung über geografische Namen (GeoNV) (seit 1.7.2008)
- Art. 4 Grundsätze
- 1. Geografische Namen sind einfach schreib- und lesbar und werden allgemein akzeptiert.
- 2. Sie werden, soweit möglich und sinnvoll, in Anlehnung an die Standardsprache (Schriftsprache) der Sprachregion formuliert.
- 3. Geografische Namen und ihre Schreibweise dürfen nur aus öffentlichem Interesse geändert werden.
- Empfehlungen zur Schreibweise der Gemeinde- und Ortschaftsnamen Richtlinien zur Schreibweise der Stationsnamen (seit 20.1.2010)
- Erläuterungen zu Artikel 4 Abs. 2 GeoNV vgl. 2.1 Allgemeine Grundsätze: Mit «Anlehnung an die Standardsprache» wird einerseits die traditionelle, meist an der Standardsprache ausgerichtete Schreibweise verstanden und andererseits, dass die Schreibweisen von Mundartnamen sich möglichst an das Schriftbild der Standardsprache anlehnt. Der Grundsatz, Namen «soweit möglich und sinnvoll an die Standardsprache anzulehnen», bezieht sich auf alle geografischen Namen, also z.B. auch auf Flurnamen. Wegen ihres überregionalen Gebrauchs, ihrer Bedeutung und Funktion (z.B. irrtumsfreie Verständigung oder rasche Auffindbarkeit in Verzeichnissen) lehnt sich die Schreibweise von Gemeinde- und Ortschaftsnamen an die traditionelle, standardsprachlich ausgerichtete Schreibweise an.
- In diesem Kreisschreiben werden die Kantone gebeten, bis zum Vorliegen revidierter Schreibregeln keine Änderungen an der Nomenklatur vorzunehmen und bei neu anstehenden Arbeiten sind wie bisher die Weisungen 1948 anzuwenden.
Interessenkonflikte zwischen Benutzer der Namen und der Namenforschung/Namenbuch
- Das Ändern der Schreibweise von Namen ist problematisch, da die Namen ein grosses Beharrungsvermögen besitzen und die Bevölkerung eine starke Bindung an diese Namen hat: vgl. Namenstreit im Thurgau, Ruedi Schwarzenbach, Zeitschrift SchweizerDeutsch 2/09 Seite 11
- Lokalnamen entwickeln sich auch ausserhalb der Karten: vgl. Entwicklung der Lokalnamen ausserhalb der Karten, Eduard Imhof, Die Ortsnamen in den amtlichen Plänen und Karten
- Eines der grössten Probleme bei der Schreibung der geografischen Namen betrifft die Änderung der Schreibweise dieser Namen. Änderungen der Schreibweisen stossen in der Bevölkerung meist auf grossen Widerstand, die Umstellungsphase können Jahrzehnte dauern oder eine konsequente Umstellung erfolgt wegen dem grossen Umstellungsaufwand gar nicht. Als Folge von Änderungen wird der Bezug zu schriftlichen Akten früherer Jahre zerstört und es muss während langen Zeitperioden mehrere Schreibversionen für ein und dieselbe Örtlichkeit in Kauf genommen werden, verbunden mit grossen Unsicherheiten und Ärger bei den Benutzern. Diese Tendenz verstärkt sich, wenn abgeleitete Namen (z.B. Strassen- und Stationsnamen, Ortstafeln, Namen von Gebäuden, Bauwerken usw.) wegen grossen Umstellungskosten resp. mangels allgemeiner Akzeptanz nicht geändert werden (vgl. hier).
- Es besteht ein Konflikt zwischen den partiellen Interessen der Namenforschung, welche die Namen im Sinne der Namenforschung ändern will und den praktischen Bedürfnissen der Allgemeinheit, eingebürgerte Namen nicht zu verändern.
- Lassen sich diese Konflikte nicht lösen, drängt sich die Führung einer Informationsebene mit pragmatisch geschriebenen Namen als Georeferenzdaten für amtlichen Karten und Plänen und der Führung einer separaten, an das Namenbuch ausgerichteten Fachebene auf (Vorteile für die Namenforschung: Vollständigkeit, Flexibilität, mehrere Schreibvarianten, Historisierung, wissenschaftliche Ausrichtung usw.).
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