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| Cyrillus von Alexandrien († 444) - Erklärung des nizänischen Glaubensbekenntnisses

16.
Warum also verkehren sie die Lehre von der Menschwerdung und verfälschen die Wahrheit, im Widerspruch zu allen gotteingegebenen Schriften, welche auch den menschgewordenen Sohn Gott nennen und ihn allenthalben als Einen bezeichnen? Moses hat in dem Buche von der Erschaffung der Welt geschildert, wie der göttliche Jakob seine Knechte über den Fluß Jabok schickte und allein zurückblieb.1Dann rang ein Mann mit ihm bis zum Anbruch des Morgens, und den Namen jenes Ortes nannte Jakob Gottesschau, indem er sprach: „Ich habe Gott geschaut von Angesicht zu Angesicht, und meine Seele ist gerettet worden." Er sah aber die Sonne aufgehen, als das Gesicht Gottes vorübergegangen war, doch hinkte Jakob an seiner Hüfte. Damit deutete Gott dem Patriarchen im voraus an, daß sein eingeborenes Wort zur Zeit Mensch werden und Israel zum Widersacher haben würde, und daß sie ihm gegenüber nicht geraden Weges wandeln, sondern gleichsam lahm sein würden, wie er selbst durch den Mund des Psalmensängers sagt: „Fremde Söhne haben mir vorgelogen, fremde Söhne sind altersschwach geworden und hinkend abgewichen von ihren Wegen."2Das, glaube ich, wurde vorgebildet durch das Hinken Jakobs an seiner Hüfte. Beachte aber folgendes: Ein Mann ringt mit ihm, und er sagt, er habe Gott geschaut von Angesicht zu Angesicht, und nennt ihn Gottesschau. Denn das Wort Gottes ist, auch da es Mensch geworden, in der Gestalt des Vaters verblieben, ich meine dem geistigen Bilde und der vollständig unveränderten Natur nach. Hat er ja auch Philippus gegenüber sich selbst, und zwar da er im Fleische war, für „das Ebenbild des Wesens des Vaters.“3erklärt und gesagt: „Wer mich gesehen, hat den Vater gesehen."4
1: Gen. 32, 16—31.
2: Ps. 17, 46.
3: Hebr. 1, 3.
4: Joh. 14, 9.