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Alles begann damit, dass der Fribourger Thierry Aebischer und ein österreichischer Studienfreund sich wunderten, welche Tiere wohl in der Zentralafrikanischen Republik durch das Mosaik aus Savanne und tropischem Regenwald streifen. Als sie bemerkten, dass es keine verlässlichen Angaben über Wildbestände gab, nahmen sie die Wiederentdeckung in die eigenen Hände. Weil im Gebiet seit Jahrzehnten bewaffnete Konflikte herrschten und keine NGOs im Osten des Landes tätig waren, mussten sie eine ‘unheilige Allianz‘ bilden. Die einzige Möglichkeit, sicher in das Gebiet zu gelangen, um selber zuverlässige Informationen über Fauna und Flora zu generieren, war, sich Grosswildjägern anzuschliessen.
In der Folge machten sie einige spektakuläre Entdeckungen von Tierarten, die in den umliegenden Ländern als ausgestorben galten. Beim zweiten Besuch waren sowohl Budget, als auch Rucksäcke grösser. Mit rund 100 Fotofallen und 23 kg Batterien wurde Jagd gemacht auf Wildhunde, Afrikanische Waldelefanten, Lelwel Kuhantilopen und Bongo Antilopen, Löwen, Leoparden und Afrikanische Goldkatzen, neun verschiedene Arten von Mangusten sowie über 70 weitere Säugetierarten, die schwerer als ein Kilogramm sind. Fledermäuse, kleine Nagetiere und Spitzmäuse würden wohl noch mindestens 90 weitere Arten stellen. Das nunmehr geschützte Gebiet mit einer Fläche von 17‘600 km2 – fast so gross wie die drei grössten Schweizer Kantone Graubünden, Bern und Wallis zusammen - beherbergt gut doppelt so viele verschiedene Säugetierarten wie die ganze Schweiz. Im April 2015 hat Aebischer sogar Schimpansen vor die Linse gekriegt; im Gebiet ein Novum.
Wieso genau dort ein Nature Reserve gründen?
Zwei Faktoren spielten hier mit. Einerseits die reiche Fauna und Flora, andererseits das geringe Interesse anderer Gruppierungen an besagtem Gebiet. Es handelt sich um eines der letzten ursprünglichen Mosaike aus Savanne und tropischem Regenwald. Wegen der fehlenden Infrastruktur und den anhaltenden kriegerischen Konflikten in der Region wurden noch keine Bodenschätze abgebaut. Das Gebiet ist von Menschen unbewohnt und liegt zudem fernab der Hauptstadt. Deshalb ist es noch nicht durch intensive Landwirtschaft verändert worden. Die jahrzehntelangen bewaffneten Konflikte hatten auch Massentourismus verhindert. Die Zentralafrikanische Bevölkerung lebt vorwiegend in kleinen Bauernsiedlungen und als Hirten. Aus all diesen Gründen war die Besiedelung durch Menschen schwach genug, dass man überhaupt ein Reservat gründen konnte.
Es geht auch darum, der Bevölkerung Alternativen zur Wilderei zu zeigen.“ Thierry Aebischer
Die zwei Hauptprobleme, die sich dabei stellten, sind die Elfenbeinwilderer, die die Restpopulation an Afrikanischen Waldelefanten bedroht, und die ausländischen Herdentreiber: Bewaffnete Sudanesische Hirten streifen mit Herden von über 1‘000 Tieren durch die Savannen. Dabei ernähren sie sich von der lokalen Fauna (Bushmeat) oder schiessen diese zum Schutz der Herden beziehungsweise zur Vermarktung derer Produkte ab. Von der Zerstörung der Vegetation und dem Stress für die Tiere, die solch eine Stampede auslöst, ganz zu Schweigen.
Wie schützt man ein so grosses Gebiet?
Im Einzugsgebiet der Flüsse Chinko und Mbari wird weiterhin Forschung über Wilderei betrieben, auch wenn die beiden jungen Wissenschaftler sich nicht dauerhaft dort aufhalten. Mittlerweile gibt es ein Management Team vor Ort und das Chinko Gebiet wird von African Parks unterstützt. Es ist ihnen enorm wichtig, dass Entscheide nur informiert getroffen werden. Mittlerweile haben die ersten lokalen Ranger ihre Ausbildung abgeschlossen. Sie überwachen und beobachten das Gebiet mit fortschrittlichen Technologien und sind zu ihrer eigenen Sicherheit und dem Schutz der Tiere mit Waffen ausgerüstet. Das Ziel ist es, Wilderer zu entwaffnen und den Staatsbehörden zu übergeben. Den Herdenführern wird erklärt, wie sie ihre Herden schützen können, ohne Wildtiere erlegen zu müssen, und man schafft für sie Anreize, nur gewisse Korridore durch das Schutzgebiet zu begehen. Damit wird das umliegende Gebiet entlastet und den letzten Waldelefanten ein Rückzugsgebiet zugestanden.
Die Kompetenzbildung ist unglaublich wichtig; schon bei den ganz Kleinen. Deshalb unterstützt man auch die lokalen Schulen. Nun lernen die Kinder dort unter anderem, wie wertvoll die Artenvielfalt auf ihrem Gebiet für sie sein kann, wenn man sie nachhaltig nützt.