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zusammengesetzt, die miteinander mittels enger durch Einkehlen gebildeter Öffnungen in Verbindung stehen. Solche Bundgarne oder Großreusen werden für längere Zeit an zahlreichen Pfählen befestigt und durch Verankerung gesichert aufgestellt. Die Fischer fahren, um den Fang herauszunehmen, mit ihren Booten hinein und heben den Boden der Kammern oder bedienen sich der Käscher.
Die Reusen oder Fischkörbe unterscheiden sich von den Fischsäcken nur durch das zu ihrer Herstellung verwandte Material. Sie werden in den verschiedensten Formen aus Holzstäben, Weidenruten, Rohr, Binsen oder Drahtgeflecht hergestellt und mit einem oder mehreren trichterförmigen Eingängen versehen.
Die mit den Freischleusen der Wassermühlen verbundenen Aalfänge sind große Kasten mit geneigtem Lattenboden, durch welchen bei Öffnung der Schleuse das Wasser hindurchläuft, während die Aale in einen sichern Behälter gleiten oder auch einfach auf dem Lattenrost liegen bleiben. In dunkeln und stürmischen Sommernächten geraten oft Hunderte der zum Laichen nach dem Meer ziehenden Aale in eine solche Fangvorrichtung. Die Lachs- und Forellenfänge werden vielfach an solchen Stellen von Bächen und kleinen Flüssen angebracht, wo das Wasser durch ein Wehr um etwa 0,5 m gestaut ist.
Die Vorrichtung besteht in einem abschützbaren Holzgerinne, durch welches das Oberwasser herabfließt. Dasselbe ist an seinem über dem Unterwasser liegenden Ende und einige Meter weiter oberhalb durch Gitter gesperrt, welche nur das Wasser durchlaufen lassen. Die auf dem Zug nach den Laichstellen stromaufwärts ziehenden Fische [* 2] springen in das Gerinne, aus welchem sie der starken Strömung und des flachen Wasserstandes wegen nicht wieder herausspringen können.
Die Angelfischerei der gewerbsmäßigen Fischer, zum Unterschied von der Sportangelei auch als Leinenfischerei bezeichnet, wird in verschiedener Weise auf Aal, Lachs und namentlich in sehr großem Umfang auf verschiedene Dorsch- und große Plattfischarten betrieben. Der Anwendung nach unterscheidet man den Gebrauch der Handleinen, das Aussetzen der einzelnen Angeln und die Anwendung der Langleinen. Die Handleinen sind lange, starke Schnüre, welche, am untern Ende mit einem schweren Bleigewicht versehen und mit einigen starken, mit Fischen oder Muscheln [* 3] geköderten Haken bewaffnet, vom Boot aus bis auf den Meeresgrund herabgelassen und dann fortwährend ruckweise gehoben und gesenkt werden, um die Fische anzulocken.
Namentlich der Dorschfang ist oft außerordentlich ergiebig; da diese Fische gewöhnlich in Schwärmen leben, so werden sie häufig, ohne anzubeißen, an verschiedenen Stellen von den Haken gefaßt und in die Höhe gezogen. Lachsangeln werden an manchen Küsten, namentlich in der Ostsee, 10-12 km weit vom Land in größerer Menge angewandt. Es wird immer nur ein Haken an jeder Angel gebraucht. Derselbe ist meistens von Messing und mit Heringen oder Plötzen geködert und wird mittels einer 4-5 m langen Schnur (Vorlauf) an dem einen Ende einer stärkern langen Leine befestigt, die durch Flotthölzer schwimmend erhalten, und deren andres Ende mittels eines schweren Steins verankert wird.
Diese Angeln werden, wenn es das Wetter [* 4] erlaubt, täglich revidiert und frisch besteckt. Die Langleinen, deren man sich zum Aal-, Heilbutt- und Dorschfang bedient, werden bald schwimmend, bald am Grund liegend angewandt. Die Leinen sind 80-100 m lang, tragen in Abständen von je 60 cm bis 3 m nach der Art der zu fangenden Fische die an kurzen Schnüren (Vorläufen) befestigten, mit Fischen oder Muscheln geköderten Haken, und es werden meistens mehrere Leinen zusammengeknüpft. Bei der Binnenfischerei pflegt man auf Aal mit 600 Haken zu angeln, während bei der großen Dorschfischerei im Meer ein Fahrzeug 14-19,000 m Leine mit 2-10,000 Haken aussetzt. Andre Angelarten werden nur in der Klein- und Sportfischerei benutzt.
Das Stechen von Fischen mit widerhakigen Speeren wird im Winter vielfach auf den Stellen geübt, wo die Aale in Schlammbecken sich zum Winterschlaf versammelt haben, ist aber, da es große Massen derselben vernichtet, ohne sie in den Besitz des Stechers zu bringen, und da namentlich auch zahllose junge, noch kaum zur Nahrung taugliche Fische dabei getötet werden, ein ganz verwerfliches Verfahren. Weniger läßt sich gegen das Stechen der auf dem Zug zum Laichen befindlichen Quappen einwenden, die oft in ungeheuern Schwärmen auftreten, da hier die gestochenen auch erbeutet werden und alle erwachsen sind. Das Stechen der großen, an der Oberfläche des Wassers stehenden Hechte könnte unbedenklich erlaubt werden, ist aber bei uns ebenso wie das Schießen [* 5] von Fischen verboten.
Mißbräuchlich wird häufig von Unberechtigten durch Hineinwerfen von ungelöschtem Kalk oder grob zerkleinerten Kockelskörnern in das Wasser eine große Menge von Fischen betäubt, so daß sie matt an die Oberfläche kommen und mit Käschern aufgenommen werden können. Das Gleiche erzielt man in Bergwerksgegenden durch Hineinwerfen einer Dynamitpatrone, deren Explosion im Wasser viele Fische vernichtet. Natürlich ist ein derartiges Fischen verboten.
Zahme Fischerei (Teichwirtschaft).
Die zahme Fischerei oder Teichwirtschaft wird in besonders eingerichteten Teichen betrieben, in denen für die Vermehrung und das Gedeihen der Fische besonders gesorgt ist. Teiche sind stehende Gewässer, die man willkürlich ablassen und wieder mit Wasser füllen kann. Sie erhalten ihr Wasser aus Flüssen oder Bächen (Fluß- oder Bachteiche), die sie durchfließen, oder mit denen sie durch Gräben verbunden sind, oder aus Quellen (Quellteiche), die in ihrem Grund oder am Rand gelegen sind, oder nur durch die atmosphärischen Niederschlage (Himmelsteiche).
Die Teichwirtschaft hat sich seit Jahrhunderten besonders mit der Zucht des Karpfens beschäftigt; sehr großartige Anlagen dieser Art bestehen in der Mark, in der Lausitz, in Schlesien [* 6] und Böhmen. [* 7] Neuerdings werden auch Zander, Forellen und Saiblinge in Teichen gezogen. Für die Karpfenzucht sind mehrere Arten verschiedener Teiche erforderlich, die man als Streich-, Streck-, Abwachs- und Winterteiche unterscheidet. In den Streichteichen soll die Vermehrung der Fische stattfinden.
Sie müssen klein, flach, warm und reich an niedern Tieren sein, die den jungen Fischen zur Nahrung dienen. Die Zuchtkarpfen sollen nicht über 2-3 kg schwer, gut gewachsen und gesund sein; sie werden erst, wenn das Wasser sich im Frühjahr schon erwärmt hat, in die Streichteiche gebracht, zu einem Weibchen (Rogener) gewöhnlich ein gleichgroßes Männchen (Milchner) und ein kleineres als sogen. Anhetzer. Ein Rogener legt 300,000 und mehr Eier [* 8] ab, die an den Ufern an Wasserpflanzen [* 9] geklebt werden. Die Fischchen kriechen in acht Tagen aus, und es bleiben gewöhnlich von der Nachkommenschaft eines Rogeners bis zum Herbst 800-1500 am Leben. Man kann eine ungleich größere Masse erhalten, wenn man sie schon in den ersten Wochen mit feinen Gazekäschern abfischt und in mehrere ¶
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nahrungsreiche Teiche verteilt. Im Herbst werden die Fischchen (Brut, Samen, [* 11] Strich) als einsömmerige Karpfen durch Trockenlegen des Teichs, der im Winter seiner Flachheit wegen ausfrieren würde, abgefischt und in einen tiefen Winterteich gesetzt, in dem sie eine Art von Winterschlaf halten. Im nächsten Frühjahr wird derselbe abgefischt, und die einsömmerigen Karpfen werden in flache und warme Streckteiche gesetzt (300-800 Stück pro Hektar), in denen sie bis zum Herbst 0,25-0,5 kg schwer werden können.
Dann wieder abgefischt und in den Winterteich gebracht, kommen sie im folgenden Frühjahr als zweisömmerige Fische abermals in Streckteiche (200-400 Stück pro Hektar), in denen sie 0,60-0,90 kg schwer werden, bis sie im Herbst wieder in den Winterteich gesetzt werden. Im folgenden Frühjahr kommen die dreisömmerigen in die Abwachsteiche (150-250 Stück pro Hektar), welche tief genug sind, um über Winter besetzt zu bleiben, und in welchen die Fische in 1-2 Jahren 1-1,5 kg schwer werden.
Die Nahrhaftigkeit der Teiche kann durch Trockenlegen während des Winters, Umackern des Bodens und abwechselnde Benutzung desselben zum Futterbau gesteigert werden; auch kann man die Karpfen mit allerlei tierischen und pflanzlichen Stoffen füttern, wo diese billig zu haben sind. Besonders werden dazu gekochte Kartoffeln, Rüben, Malzkeime, Treber, gekochtes Blut, Molkereiabfälle mit Kleie, Stärkemehl u. dgl. zu einem Teige gemischt, klein geschabtes Fleisch, Schnecken, [* 12] Regenwürmer, Maikäfer, Schaf- und Rindermist verwandt.
Durch häufige Abfischung und Verteilung in immer größere und zahlreichere flache Teiche kann man die Karpfen schon in 2-3 Jahren so schwer ziehen, wie sie sonst in 4 oder 5 Jahren werden (Dubisch). Sie schwerer als 2-2,5 kg werden zu lassen, ist nicht zweckmäßig, da die großen Fische das Futter schlechter verwerten als die kleinen. Besondere Sorgfalt ist darauf zu verwenden, den Streichteichen Frösche, [* 13] Enten [* 14] und andre Liebhaber von Brut und Laich fern zu halten; auch in den Streckteichen dürfen keine andern Fische neben den Karpfen gehalten werden, in Abwachsteichen sind kleine Hechte zur Vertilgung der etwa durch Gräben aus andern Gewässern auswandernden Weißfischbrut, der Frösche etc. nützlich. In dem Winterteich muß durch Schlagen von Eislöchern für Lüftung des Wassers gesorgt werden, wenn sie nicht regelmäßigen Zufluß von Wasser haben.
Während Karpfenteiche warmes Wasser haben müssen, erfordern Forellen und Saiblinge kühle Teiche mit reichlichem Durchfluß und werden am besten in oder an kleinen, schnell fließenden Bächen oder Flüßchen angelegt. Eine Trennung der verschiedenen Jahrgänge ist hier noch nötiger als bei den Karpfen, da die ältern den kleinern nicht nur das Futter fortnehmen, sondern sie selber auffressen.
Künstliche Fischzucht.
Während die Fortpflanzung der im Sommer laichenden Fische, wie des Karpfens, der Natur überlassen werden kann, wenn man sie nur in geeignete geschützte Teiche bringt, wird für die der im Winter laichenden Lachse, Forellen, Saiblinge, Maränen besser durch die künstliche Fischzucht gesorgt. Die Sommerlaicher haben sehr zahlreiche Eier, aus denen die Fischchen in wenigen Tagen ausschlüpfen und schnell fähig werden, umherzuschwimmen und Nahrung zu suchen. Bei den Winterlaichern ist die Zahl der Eier viel geringer; ein 10-15pfündiger Lachs hat etwa 10,000, eine Forelle 500-2000 Eier, und die Entwickelung derselben erfordert bis zum Ausschlüpfen mehrere Monate, wonach die jungen Fischchen noch viele Wochen lang höchst unbehilflich sind. Es wird daher in der Natur nur ein sehr kleiner Teil der von einem Rogener abgelegten Eier zu schwimmfähigen Fischen, die künstliche Fischzucht bringt dagegen die große Mehrzahl aller entwickelungsfähigen Eier eines Fisches bis zu dieser Entwickelungsstufe.
Ein deutscher Landwirt, Stephan Ludwig Jacobi aus Hohenhausen (Lippe-Detmold), übte nach langer Beobachtung des natürlichen Laichvorganges bei den Forellen die künstliche Befruchtung der [* 15] Eier schon 1725, teilte seine Entdeckung vielen Gelehrten mit und veröffentlichte sie 1765 im »Hannöverschen Magazin«. Dieselbe wurde indessen vergessen und erst durch den Pariser Embryologen Coste wieder angeregt und von Napoleon III. durch Anlage der Fischzuchtanstalt bei Hüningen gefördert.
Die künstliche Fischzucht zerfällt in die Gewinnung und Befruchtung der Eier, ihre Ausbrütung und die Pflege der jungen Fischchen bis zu ihrer Aussetzung. Bekanntlich werden die Eier der Fische mit wenigen Ausnahmen erst nach ihrem Austritt aus dem mütterlichen Körper im Wasser durch die Samenflüssigkeit des Männchens befruchtet. In der Laichzeit, welche bei Lachsen, Forellen, Saiblingen und Maränen in die Wintermonate fällt, treten die Eier der reifen Weibchen bei ganz gelindem Druck auf den Bauch [* 16] hervor; ebenso läßt sich beim Männchen die Samenflüssigkeit (Milch) durch sanftes Streichen des Bauches aus der, wie beim Rogener, hinter dem After gelegenen Geschlechtsöffnung entleeren.
Zur künstlichen Befruchtung der Eier wird am vorteilhaftesten die nach dem russischen Fischzüchter Wraskij benannte trockne Methode, die übrigens auch von Jacobi schon beschrieben wurde, angewandt. Die Eier eines oder mehrerer Rogener werden in eine trockne Schale abgestrichen, mit der Milch eines oder mehrerer Männchen gemischt, mit den Fingern oder einer Federfahne vorsichtig umgerührt und dann mit Wasser übergossen, welches die Temperatur des zur Speisung des Brutapparats benutzten Gewässers hat.
Nach 5-10 Minuten wird das milchig getrübte Wasser abgegossen und werden die Eier, nochmals abgespült, in einen der verschiedenen Brutapparate gelegt. Die trockne Befruchtungsmethode liefert viel bessere Resultate als die früher meistens angewandte nasse Methode, nach welcher Milch und Eier gleichzeitig oder nacheinander in Wasser abgestrichen wurden. Eier und Milch brauchen nicht von lebenden Fischen genommen zu werden, bei kühler Temperatur bleiben sie in den getöte-
[* 10] ^[Abb.: Fig. 1. Brutkiste von Jacobi.] ¶