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Hin und wieder verbringe ich ein wenig Zeit im englischen Gleitschirmforum. Während einer Diskussion über die Anteile weiblicher Gleitschirmpiloten fragte mich eine Teilnehmerin, Gaynor aus Südafrika:
1 Was hat dich dazu bewogen, mit dem Gleitschirmfliegen zu beginnen?
2 Was für einen Hintergrund hattest du zuvor?
3 Gab es Momente, in denen du das Gefühl hattest, Du würdest lieber nicht fliegen?
4 Hast du je Zweifel gehabt an deinen Gründen, Gleitschirm zu fliegen?
5 Dass du die beste weibliche Wettkampfpilotin bist, bedeutet, dass du in einer anderen Weise motiviert bist als der Grossteil der Frauen, die fliegen. Vielleicht frage ich nach dem Offensichtlichen, aber was motiviert dich?
Hier meine Antworten auf ihre Fragen:
1 Das motorlose Fliegen ist ein Kindheitstraum von mir. Als ich 2000 in die Schweiz kam, sah ich das Foto eines Gleitschirms im Büro eines Kollegen. In diesem Moment wusste ich, dass ich Gleitschirmpilotin werden würde.
2 Als beruflichen Hintergrund bringe ich die Informatik mit, und ich arbeite als Projektleiterin. Vermutlich denke ich gern über Risikomanagement nach, und ganz sicher liebe ich es zu optimieren. – Aus sportlicher Perspektive habe ich schon viel ausprobiert und gern gemacht, ich habe einfach nicht genug Zeit, alles zu tun, was ich mag… Beispiele: Als Dreikäsehoch war ich in den Bäumen unserer Nachbarschaft immer ganz oben, ich war eine Wasserratte, liebte es zu schwimmen und vom Brett springen, und ich fuhr Rollschuh. Die meiste Zeit meines Lebens bin ich mit dem Fahrrad zur Schule, zur Uni, zur Arbeit gefahren. Ich habe Windsurfen gelernt, bin ein wenig geritten und Snowboard gefahren. Yoga ist ein wichtiger Teil meines Lebens, ebenso wie das Rennen. Kürzlich habe ich das Klettern entdeckt. Nein, ich tauche (noch) nicht, aber ich bin sicher, ich täte es gern.
3 Nicht am Boden.
Und nicht in dieser Form in der Luft. Natürlich gab es Situationen in der Luft, in denen ich gemerkt habe, dass ich tief im Schlamassel stecke. Doch in so einer Situation tue ich alles, um zu überleben, möglichst unverletzt. Da ist kein Platz für Gedanken wie „Ach wäre ich doch jetzt woanders.“ Nachher überlege ich dann intensiv, was falsch gelaufen ist, wie ich in diese Situation geraten bin, und – für mich am allerwichtigsten – was ich tun kann, was ich tun werde, um nicht noch einmal in eine solche Situation zu geraten.
Manchmal ist mir nicht ganz wohl in der Luft, es ist zu turbulent, es ist nicht mein Tag. Dann überlege ich, und frage mich: Ist die Situation gerade tatsächlich gefährlich? Meistens ist sie es nicht(, sonst würde ich ja hoffentlich auch nicht fliegen), und dann fliege ich einfach noch ein bisschen weiter, vielleicht zur nächsten Thermik, und ich verspreche mir, zu landen, wenn ich dann möchte. 99 von 100 Mal ist das Gefühl dann anders und ok in der nächsten Thermik. Und ganz selten auch nicht. Dann gehe ich landen und bin zufrieden mit meiner Entscheidung.
4 Während der Gleitschirmausbildung erhalten die Schweizer Schüler eine Broschüre über die psychologischen Aspekte der Angst bei der Ausübung von Extremsportarten. Es scheint Menschen zu geben, die die Gefahr suchen, weil sie die Angst in ihrem Leben brauchen. Damals habe ich mir zwei Fragen gestellt: a) Bin ich so eine Person? b) Bin ich bereit, die Konsequenzen zu tragen für die Risiken, die das Fliegen mit sich bringt?
Die Antworten waren klar. a) Nicht wegen des Adrenalins fliege ich. Ich fliege nicht, weil es riskant ist. Im Gegenteil, ich versuche mit allen meinen Fähligkeiten, die Risiken zu minimieren. Gleitschirmfliegen ist für mich nicht „Extremsport“, sondern Luftfahrt. (Natürlich macht’s auch Spass!) b) Ja, ich bin bereit, die Konsequenzen zu tragen.
5 Tatsächlich hatte ich nie Spass an Wettkämpfen in den anderen Sportarten. Ich war einfach zu nervös, der Druck zu gross. Trotzdem habe ich mit Gleitschirmwettkämpfen angefangen. Aus einem einfachen Grund:
Gleitschirmfliegen ist die Leidenschaft meines Lebens. Ich liebe es, Mutter Erde und ihre Bewohner in Echtzeit von oben zu beobachten. Also will ich meine Zeit in der Luft maximieren, und ich will mich in der Luft hin und her bewegen können. Das nennt man „Cross Country“ oder Streckenfliegen. Und was ist die beste Möglichkeit, das Streckenfliegen zu lernen? Piloten beobachten, die das besser können als ich. Das ist der wichtigste Grund, warum ich Wettkämpfe bestreite.