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Seit Anfang Juni zeigt uns Netflix eine neue Eigenproduktion namens Awake. In diesem Science-Fiction-Thriller leidet die Weltbevölkerung unter Schlaflosigkeit, die bedrohliche Züge annehmen kann. Im Zentrum der Geschichte stehen eine Mutter und ihre Kinder, die alles daran setzen, dem Spuk ein Ende zu bereiten. Was sich auf den ersten Blick toll anhört, muss nicht so sein. Wir haben uns Awake angeschaut, konnte uns der neue apokalyptische Streifen überzeugen?
Schlaflos in Peels
Die Ex-Soldatin Jill lebt mit ihren Kindern Matilda und Noah in der Kleinstadt Peels in den USA. Aufgrund ihrer früheren psychischen Störungen hat sie das Sorgerecht an Doris, der Mutter ihres verstorbenen Mannes, verloren, betreut sie aber dennoch. Eines Tages ereignen sich merkwürdige Geschehnisse auf der Welt. Der Himmel leuchtet hell und der Strom fällt aus. Gleichzeitig werden Jill und ihre Kinder in einen Autounfall verwickelt, kommen von der Strasse ab und stürzen in einen See. Alle können gerettet werden; selbst Matilda, die beinahe ertrunken wäre, kann wiederbelebt werden. Doch das ist nichts zum Vergleich was noch kommt: In der darauffolgenden Nacht findet niemand in der Gegend Schlaf. Offenbar scheint das Naturphänomen etwas angerichtet zu haben, was die Menschheit daran hindert, einzuschlafen. Auch sind sämtliche Kommunikationsanlagen ausgefallen. Ein paar Wissenschaftler, die Polizei und die Armee unternehmen alles, um Aufstände zu verhindern.
Zudem haben die Forscher jemanden gefunden, der schlafen kann und nutzen die Person, um herauszufinden, wie die Menschen wieder zur Nachtruhe kommen könnten. Unterstützt werden sie durch die Psychologin Dr. Emma Murphy, die Jill durch frühere Einsätze kennt und ihr mitteilt, dass die Gefahr nicht zu unterschätzen ist. Schliesslich kann der menschliche Körper nicht auf Schlaf verzichten, es drohen Konzentrationsschwierigkeiten, Halluzinationen und der sichere Tod. Zudem verlaufen die Symptome bei der Bevölkerung schneller als üblich, was dazu führt, dass die Zeit brennt und es zu Tumulten kommt.
Jill entdeckt, dass ihre Tochter Matilda dennoch schlafen kann, offenbar wurde sie vor der Katastrophe verschont. Daher halten sie religiöse Fanatiker gar für ein Gotteswunder und wollen sie opfern, um wieder schlafen zu können. Nachdem Jill sie vor dieser Meute retten kann, muss sie sich entscheiden. Liefert sie ihre Tochter den Wissenschaftlern aus, um genaueres herauszufinden, oder flieht sie mit ihren Kindern ins Landesinnere? Allerdings macht sich die Müdigkeit auch bei ihr bemerkbar, viel Zeit bleibt ihr daher nicht…
Eine gute Idee aber die Umsetzung hapert gewaltig
Die Prämisse des Films hört sich auf den ersten Blick sehr spannend, aber auch vertraut an: Menschen werden plötzlich von einer Naturkatastrophe oder einem grossen Problem heimgesucht und müssen ums Überleben kämpfen. Gut, das trifft auch auf The Day After Tomorrow oder 2021 von Roland Emmerich zu. Geht man noch einen Schritt weiter, kann man noch Horrorfilme wie The Happening, World War Z oder 30 Days Later dazunehmen. Daher ist der Ansatz, dass die Menschen, ausgelöst durch eine Naturkatastrophe, plötzlich an Schlaflosigkeit leiden, durchaus interessant. Allerdings haben die Macher das Potenzial für den Film nicht gut genutzt. Experimente an Menschen, Verzweiflung und die Rettung in den Glauben sowie Anarchie; in Awake werden innerhalb der 96 Minuten Laufzeit einfach zu viele Elemente gequetscht. Daher scheint es so, als hätten die Filmemacher von allen möglichen Ideen etwas genommen und unbedingt einbauen wollen.
Einige Handlungen der Figuren wirken auch unlogisch. So kommen die superschlauen Forscher nicht einmal auf die Idee, die von der Katastrophe verschont gebliebenen Person nach einer möglichen Ursache zu befragen. Nein, sie nehmen ihr lieber Blut ab und experimentieren munter weiter. Das abstruse Ende des Films wirkt auch nicht wirklich überzeugend, hingegen bietet es die Möglichkeit, sich zu überlegen, wie die Geschichte dieser Familie und die der Menschheit weitergehen wird. Auch dieses Element ist nicht neu, sondern kommt auch bei postapokalyptischen Sci-Fi-Filmen wie z.B. Snowpiercer oder Die 5. Welle zum Einsatz.
Ich denke, die Idee hinter Awake ist für einen Film dieser Länge nicht geeignet. Vielmehr böte sie Potenzial für eine Mini-Serie. Mich hat die Prämisse ein bisschen an die Erfolgsserie Under the Dome erinnert. Diese basiert auf einem Roman von Stephen King und wurde sogar auf drei Staffeln verteilt. Dieses Buch in einen Film zu verpacken, wäre schlicht unmöglich gewesen.
Awake trumpft hingegen durch eine sehr schöne Kameraführung und einem tollen Cast auf. So sind ein paar der düsteren Szenen mit Long Takes (engl. für Plansequenzen) umgesetzt worden. Dadurch entsteht einerseits eine gewisse Spannung und andererseits eine gute Abwechslung zu den eher schnell geschnittenen Momenten des Streifens. Die Familie wird während einer Autofahrt von Anarchisten angegriffen, auch das hat man schön choreografiert und mit einem waghalsigen Long Take inszeniert. Das aufwändige Szenenbild hat mir persönlich sehr imponiert, gibt es sogar ein abgestürztes Flugzeug zu sehen.
Der Cast kann sich sehen lassen
Für die Hauptrolle hat sich Regisseur Mark Rao die US-Schauspielerin Gina Rodriguez ausgesucht. Diese dürfte vielen Serienfans aus Jane the Virgin oder Big Mouth ein Begriff sein. In Awake spielt sie die verzweifelte Mutter Jill sehr überzeugend und sticht mit ihrer kämpferischen Art deutlich aus dem Cast hervor. Wer in den letzten Monaten fleissig Netflix geschaut hat, dem kommt sicherlich die Psychologin Dr. Emma Murphy bekannt vor. Jennifer Jason Leigh ist hier im Einsatz, die zuletzt in The Woman in the Window auftrat. Witzigerweise fast im gleichen Outfit und mit blondierten Haaren – ob die Filmsets wohl nebeneinander aufgebaut waren? Jennifer Jason Leigh und Gina Rodriguez verbindet zudem eine Gemeinsamkeit: Beide waren bereits im Netflix-Sci-Fi-Hit Annihilation -Die Auslöschung zu sehen.
Auch mit Matilda-Darstellerin Ariana Greenblatt haben die Filmemacher auf eine bereits Netflix-erprobte Schauspielerin gesetzt: Sie durften wir als kämpferische Minnow aus Love and Monsters erleben. Ein weiteres bekanntes Gesicht ist Frances Fisher, die Doris spielt und in James Camerons Meisterwerk Titanic als Roses Mutter zu sehen war. Obwohl sie nur einen kurzen Auftritt hat, besitzt sie dennoch eine gewaltige Präsenz.
Mein Fazit zu Awake
Obwohl der Streifen aus den oben genannten Gründen deutliche Schwachpunkte aufweist, besitzt der Science-Fiction-Thriller ein paar actionreiche Momente, die ihn kurzweilig machen. Auch die Besetzung ist gut gewählt und spielt die schlaflosen Bewohner von Peels sehr überzeugend. Wer beispielsweise an einem verregneten Tag auf andere Gedanken kommen will und sich an meinen Kritikpunkten nicht stört, kann sich Awake gerne ansehen. Richtigen und anspruchsvollen Sci-Fi-Fans empfehle ich den Streifen eher nicht.