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Die 27-jährige Bankdirektorin
Junge Akademiker aus dem Süden Europas haben seit Jahren erhebliche Probleme mit dem Berufseinstieg. In Griechenland, Italien, Portugal und Spanien garantieren selbst akademische Weihen keine Karriere mehr. Immerhin: María Delfina Rossi, eine junge Ökonomin aus Barcelona, hat ihre erste Festanstellung gefunden, als Bankdirektorin.
Seit Anfang des Monats gehört die 27-Jährige zum fünfköpfigen Direktorium des Banco de la Nación Argentina, des 1891 gegründeten staatlichen Geldhauses Argentiniens, bis heute das wichtigste Geldinstitut des Landes. Als die Personalie publik wurde, war Argentiniens Finanzwelt erst mal perplex, was einiges heissen mag in jenem Laboratorium für angewandte Wirtschaftswagnisse. Wie kam die Staatsbank zu einer Direktorin, die keine Berufserfahrung im Finanzsektor mitbringt und die Südamerika seit 2002 allenfalls in den Semesterferien besuchte?
Das Erstaunen wich der Ernüchterung, als genealogische Details bekannt wurden. Denn María Delfina ist die Tochter von Agustín Rossi, dem Verteidigungsminister, zuvor Fraktionschef der regierenden «Siegesfront» im Kongress. Durch alle präsidialen Pirouetten folgte Rossi seiner «jefa» Cristina Fernández de Kirchner, was diese mit jener Unterschrift vergalt, die Rossis Nachgeborener nun ein Direktorengehalt einträgt.
So kandidierte die Nachwuchspolitikerin für das EU-Parlament. Quelle: Youtube.
Natürlich dauerte es nicht lange, bis Begriffe wie «Nepotismo» und «Dedocracia» (zu Deutsch etwa: «Fingerkratie») über den Leitartikeln standen, die zig andere Fälle von Vetternwirtschaft zitierten. Und kaum mehr Zeit verging, bis das Curriculum Vitae der Nachwuchsdirektorin von Opposition und Medien ziseliert wurde. Dort war etwa zu lesen, dass Frau Rossi fliessend Katalanisch spricht, was logisch ist, denn ihre Mutter übersiedelte samt Kindern 2002 von Rosario nach Barcelona. Dort ging María Delfina zur Schule, an die Uni und auch zur Partei der katalanischen Ökosozialisten. Im Vorjahr kandidierte sie – vergeblich – für das EU-Parlament, einer ihrer plakatierten Leitsprüche lautete damals «Fuck the Troika!». Englisch beherrscht sie übrigens auch perfekt, so das CV.
Unter Frau Rossis akademischen Aktivitäten findet sich auch ein Forschungssemester an der University of Texas. Dort wurde sie unterwiesen vom inzwischen weltbekannten Giannis Varoufakis, noch ehe dieser sich an Griechenlands Wirtschaft versuchte. Nun sandte Varoufakis ein Gratulationsschreiben an Argentiniens Präsidentin, in dem die neue Direktorin als «intelligent, talentiert, arbeitsfreudig und professionell» gelobt wird.
Die argentinische Opposition ist da nicht ganz so euphorisch, sie hat bei der Justiz geklagt. Der Abgeordnete Manuel Garrido, ein Spezialist für Korruptionsdelikte, zerpflückte Frau Rossis eidesstattliche Erklärung der Vermögensverhältnisse. Die sieht wohl aus wie Kraut und Rüben, für drei Viertel der deklarierten Einkünfte fehlten die Belege, so Garrido. Der frühere Staatsanwalt spottete: «Offenbar hat die neue Bankdirektorin ein Problem mit den Grundrechenarten»