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4/7/2023
Unbekannte Kultweine aus Kalifornien
Dominus, Opus One, Martha’s Vineyard Cabernet Sauvignon – alles Kultweine aus Kalifornien, welche landläufig bei uns nicht nur unter den Weinfreaks bekannt sind. Doch das Weinmekka Kalifornien bietet viel mehr als nur die erwähnten Etiketten.
Mehr über die noch junge Geschichte des amerikanischen Weinbaus und deren vorzüglichen Weine erfahren Sie hier in meinem Blog. Impressionen sehen Sie im Video.
Nach Italien, Frankreich und Spanien ist Amerika der viertgrösste Weinproduzent der Welt. Beim Weinkonsum liegen die Amerikaner jedoch unbestritten an erster Stelle.
In den USA wird in jedem Bundesstaat Wein gekeltert. 90 % der produzierten Weine stammen aus Kalifornien. Kalifornien ist somit klar das Zentrum des amerikanischen Weinanbaus und der Weinproduktion.
Historisches
Es waren die Einwanderer aus Europa – vornehmlich Hugenotten aus Frankreich – die sich mit dem Weinbau beschäftigten. Anfänglich kelterten sie Weine aus wilden Reben, die in Amerika in grosser Zahl vorhanden waren, wie zum Beispiel die vitis labrusca oder zu Deutsch: Fuchs- oder Erdbeerrebe.
Der aus diesen Reben gekelterte Most ergab – für europäische Verhältnisse – jedoch keine wirklich trinkbaren Weine. Diese hatten nämlich alle einen sogenannten Foxton. Das heisst, sie hatten einen Geschmack nach nassem Fuchsfell, Katzenurin, Stinktier oder künstlichen Erdbeeren. Erst als Einwanderer aus Europa eigene Reben aus deren Heimat mit nach Kalifornien brachten, gelang es nach und nach bessere Weine zu produzieren.
Der grosse Rückschlag: die Prohibition 1920 -1933
Das landesweite Verbot der Herstellung, des Transports und des Verkaufs von Alkohol durch den 18. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika von 1920 bis 1933, brachte den Weinbau in den USA nahezu zum Erliegen. Weinbaubetriebe verschwanden, bereits gekelterte Weine wurden vernichtet und Reben wurden gerodet. Dies hatte zur Folge, dass viel Weinwissen verloren ging. Die Weltwirtschaftskrise und der 2. Weltkrieg verlängerten und begünstigten den Untergang der amerikanischen Weinkultur. Am Ende dieser Krisenjahre musste man beim Weinbau praktisch von vorne beginnen, was angesichts des verloren gegangenen Wissens nicht einfach war. Die treibende Kraft für die „Wiederauferstehung“ war - wen wunderts - Kalifornien.
Wie Phönix aus der Asche… the judgement of Paris 1976
Der englische Weinhändler Steven Spurrier organisierte am 24. Mai 1976 eine Weinprobe in Paris. Diese Blind-Degustation war ein Wettkampf zwischen französischen und amerikanischen - sprich kalifornischen - Weinen. Die Höchstnote erreichte dabei sowohl beim Rot- wie auch beim Weisswein ein kalifornischer Wein und schlug somit die berühmten Weine aus dem Bordeaux und dem Burgund. Beim Weisswein schwang der Chardonnay vom Chateau Montelena Winery 1973 und beim Rotwein der Cabernet Sauvignon S.L.V. 1973 von Stag’s Leap Wine Cellars oben aus. The Judgement of Paris 1976 schlug in der Weinwelt wie eine Bombe ein. Seither gelten die USA generell und Kalifornien im Speziellen als eines der Top-Weinbauländer der Welt.
Vom Gestern ins Heute
Kalifornien besitzt rund 250'000 Hektar Rebfläche und über 3000 Weingüter (oder zumindest über 3000 Weingüter Namen). Einerseits gibt es in Kalifornien Weingüter, die ähnlich wie mitteleuropäische Châteaux funktionieren:
Die Rebberge gehören zu einem Weingut, wo die Arbeit im Rebberg, die Weinbereitung und der Ausbau vom jeweiligen Weingut erledigt wird. Auf den Weinetiketten wird dies mit den Worten Estate Vineyards & Winery vermerkt.
Neben diesen Estates gibt es aber auch Weingüter mit einer eigenen Winery, jedoch mit zu wenig eigenen Rebbergen. Diese Weingüter kaufen im Herbst Traubengut zu, und zwar von den sogenannten Grape Growers.
Grape Growers sind Weinbauern, die eigene Rebberge besitzen und diese das ganze Jahr hindurch pflegen, um im Herbst die Trauben an die Estate Vineyards Wineries zu verkaufen.
Drittens gibt es Weingüter, die weder eigene Reben noch eine eigene Kellerei besitzen. Diese kaufen Trauben bei einem Grape Grower. Diese Trauben werden dann in einer «echten» Winery mit genügend Platzkapazität und nicht aus-geschöpfter Produktionsbewilligung zu Wein verarbeitet. Diese Weine werden als «Brand» bezeichnet.
Meistens sind die Besitzer dieser «Weingüter ohne Weingut» reiche Investoren, die Gefallen am Wein gefunden haben und sich so ihren Traum erfüllen wollen.
Wenn man bedenkt, dass zum Beispiel im Napa Valley nur gerade etwa die Hälfte der Rebberge zu einem aktiven Weingut gehören, so wird einem die Wichtigkeit der Grape Growers bewusst. Und diese Grape Growers verfügen häufig über ausserordentliche Rebberg-Lagen, wo begehrtes Traubengut heranwächst.
A Propos Trauben…
Das Napa Valley nördlich von San Francisco ist die Hochburg von Cabernet Sauvignon und Merlot.
Gleich nebenan, im kühleren Sonoma ist das Klima ideal für die Burgunder-Traube Pinot noir.
Ausserdem reift hier bevorzugt Zinfandel, einer der traditionsreichsten Rotweintrauben Kaliforniens.
Südlich von San Francisco bewirtschaftet Monterey zunehmend die Weissweinsorte Chardonnay.
Und noch weiter im Süden des Bundesstaats, in Santa Barbara, herrscht ein ideales Terroir für Rhône-Sorten, allen voran für Syrah.
In Kalifornien werden ausserordentlich gute Weine produziert! Mittlerweile Kultweine, welche wegen der geringen Mengen ausserhalb der USA praktisch nicht zu bekommen sind. Viele dieser Weine stammen aus der önologischen Hochburg von Kalifornien, dem Napa Valley.
Ein paar Spitzenreiter aus dem Nappa Valley
Im Napa Valley gibt es viele großartige Weine und Weingüter. Doch Harlan Estate hat es geschafft, gegen die starke Konkurrenz seine Klassifikation als die Nr.1 im Valley und vermutlich in ganz Amerika zu verteidigen. Die Weine sind und bleiben «Kult», die Kompromisslosigkeit beim Qualitätsstreben unerreicht. Ich zitiere:
«Harlan, das ist Cabernet am Limit aus allerbestem Terroir und extremer Liebe zum Detail produziert. Jahr für Jahr, als ob es keine Jahrgangsschwankungen gäbe. Konstant ist auch die Unerreichbarkeit der Weine in Bezug auf Verfügbarkeit und Preise».
Gerade einmal knapp über 20 Jahre gibt es das Bryant Family Vineyard, welches heute auch schon ein Kult-Wein geworden ist und in Kalifornien zur etablierten Spitzengruppe gezählt wird. Auf einem der schönsten Weinberge des gesamten Napa Valley wächst ein typisch kalifornischer Cabernet Sauvignon heran. Ich zitiere aus «Weinrouten»:
Bryant Family Vineyard Weine sind etwas für echte Kalifornien Fans: dicht, konzentriert, undurchdringlich und alkoholstark. Dennoch zeichnet sie eine unglaubliche Eleganz und Balance aus, man kann kaum glauben, dass so ein Extrakt reicher Wein so harmonisch und geschliffen sein kann!»
Joe Heitz gründete schon 1961 sein eigenes Weingut und wurde nicht nur zum Pionier des Napa Valley, sondern auch zu einer Legende im Tal. Sein berühmtester Wein, der Martha`s Vineyard Cabernet stand über viele Jahre an der Qualitäts-spitze - es war der erste echte Terroir Wein Amerikas - und trug seinen Teil dazu bei, dass das Napa Valley internationale Anerkennung errang. Heitz Cellar wird bis heute zu den Premier Cru Weingütern Amerikas gezählt.
Dominus ist eines der grossen und weltweit bekannten Weingüter Amerikas mit legendärer Vergangenheit. Dominus gehört heute in das Star-Portfolio von Christian Moueix, dem Besitzer u. a. von Château Pétrus.
Übrigens: Das Dominus Weingut war das erste Projekt von Herzog und de Meuron ausserhalb Europas.
Im Napa Valley ist kein Weingut berühmter als das Gemeinschaftsunternehmen von Robert Mondavi und Baron Philippe de Rothschild. Hier wird nur ein einziger Wein produziert, und der hat in jeder Hinsicht Massstäbe gesetzt. Heute ist Opus One mit seinem ausgeprägten Bordeaux-Stil wieder bei den allerbesten Cabernets mit dabei.
Robert Mondavi war nach der Prohibition der Erste, der im Napa Valley ein neues Weingut gründete. Fast im Alleingang hat dieser Pionier des kalifornischen Weins die stürmische Entwicklung der Region vorangetrieben. Aufstieg und Fall seines Weinguts und Imperiums haben diese Legende noch verstärkt. Obwohl die Spitzenprodukte des Hauses auch heute noch sehr gut sind, ist das Weingut selbst zu einem Mekka des (Massen-) Weintourismus verkommen.
Der Schweizer Unternehmer und Weinbaupionier Donald M. Hess wollte eine Mineralwasserfirma zum allfälligen Kauf ausfindig machen und reiste zu diesem Zweck in die USA. Im Napa Valley in Kalifornien gefielen ihm die lokalen Weine. Er gab die Suche nach einer Mineralwasserfirma auf und machte sich über den Weinbau der Gegend kundig. 1978 kaufte er sein erstes Stück Land, um einen Rebberg am Mount Veeder im Napa Valley anzupflanzen. Später kaufte Hess weitere Weingüter in der Region, an einer kühlen Lage nahe der Bucht von San Francisco, im Sonoma County und im Monterey County mit insgesamt 520 Hektaren Reben.
Donald M. Hess starb anfangs dieses Jahres.
Euer Wine-Doc Robert «Stümpi» Graf

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DER AUTOR
Robert «Stümpi» Graf ist orthopädischer Chirurge in Basel. Passionierter Weinliebhaber und Vollblut-Fasnächtler in der Seibi Clique. Altmeister der E. Zunft zu Schuhmachern Basel. Vater von drei Kindern und Lebenspartner von Diana Bevilacqua.
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