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Obwohl gebürtiger Argentinier, ist Luis Enriquez Bacalov zur Hauptsache im europäischen Kino tätig, vornehmlich in Italien, mit gelegentlichen Abstechern nach Frankreich. International auf sich aufmerksam machte er erstmals 1966 mit Django und war daraufhin bezeichnenderweise ‒ gemeinsam mit vielen seiner italienischen Kollegen ‒ nicht zu knapp damit beschäftigt, die Flut der damals über die Lichtspielhäuser hereinbrechenden Spaghetti-Western zu bewältigen, die alle mal mehr, mal weniger erfolgreich die Zauberformel von Sergio Leone und Ennio Morricone zu kopieren versuchten.
Zwei von Bacalovs letzten Genrebeiträgen kommen nun von Quartet Records; in einer sich praktisch aufdrängenden Paarung werden die beiden in dieser Form einst auf LPs veröffentlichten Filmmusiken auf einer höchst empfehlenswerten CD gekoppelt. Dabei wird dem Hörer schnell klar, dass der Komponist sich zwar von Morricone beeinflussen liess, seine Musik im Allgemeinen jedoch konventioneller und weniger aufgerauht ist. Es mangelt ihr jedoch keineswegs an Originalität und einer persönlichen Note, und das macht Bacalov zu einer nicht zu unterschätzenden, individuellen Stimme im Bereich des Italo-Westerns.
In Il Grande Duello (1972) spielt Lee Van Cleef einen Ex-Sheriff, der auf den Spuren von Wyatt Earp wandelt, was man aus dem Hauptthema aber nicht unbedingt schliessen würde, denn zumindest nach der Eröffnung durch eine singende Säge und eine gemächliche Mundharmonika ist dieses nämlich europäisch geprägt, wie dem Charakter von sanft aufspielenden Holzbläsern und Rhythmusgitarre, schimmerndem Streicherteppich und der entrückten Stimme Edda Dell’Orsos unschwer zu entnehmen ist. In Parte IV (die Tracks haben hier keine Namen) lässt sich ein zweites, wiederkehrendes Thema erstmals vernehmen, zunächst als lüpfige, chorbegleitete Bluegrass-/Saloon-Musik (später auch in langsameren Spielarten) mit sehr viel Ohrwurm-Potenzial; kein Wunder, ähnelt diese Melodie doch dem alten Schlager «Schorschl, ach kauf mir doch ein Automobil».
Während der Score mit dem lyrischen Hauptthema nicht geizt, kommt die Spannung ein wenig zu kurz. Es gibt wohl in Parte V und Parte VII ein Panflöten-Motiv, das in diese Ecke geht, dieses zeigt sich aber doch eher zurückhaltend. Und auch die Dramatik beschränkt sich in Parte XIIauf ein kurzes Gastspiel. Es hängt also bei der Bewertung dieses Scores wohl viel davon ab, ob einem das Hauptthema zusagt oder nicht.
Obwohl Il Grande Duello der populärere der beiden Titel ist, bildet für mich persönlich The Man Called Noon (1973) das Highlight der CD. Diesen Film, der von einem unter Amnesie leidenden Gunfighter (Richard Crenna) handelt, unterlegt Bacalov mit einer kontrastreichen Musik voll herrlicher Themen, Folklore und progressiver Action.
The Man Called Noon präsentiert das berückend schöne Hauptthema mit romantischen Streichern, Glockenspiel und innigen Holzbläsern. In Discovering wird es etwas flotter vorgetragen und in The Man Called Noon (#2) gesellt sich Edda Dell’Orso dazu. Nicht minder wundervoll sind das wehmütige Quietness und das hingebungsvolle Fan, das nebst Streichern und Holzbläsern mit Cembalo und Gitarre aufwartet. Für etwas Folklore sorgt letztere in Highlands, im Verbund mit Panflöten; die wiederum greifen in Warning ihr Motiv aus Il Grande Duellowieder auf. Ein wenig Humor versprüht das in langsamer Pferdegangart daherkommende Rimes.
Nun zur Action, die bereits in Prologue Einzug hält und durch Dissonanzen, elektronische Echo-Effekte und perkussiven Spannungsaufbau in Richtung eines Goldsmith oder Fielding geht. Mehr davon und eine Prise Bernstein dazu gibt es in Mr. Rubble Moon und in Fire and Guns, wo sich das ganze Orchester und insbesondere das Schlagzeug in einem wahren Gewitter entlädt. Es sind diese Stücke, die dem Score jenen Kick verleihen, den ich bei Duello ein wenig vermisse; bei Moon formt sich dadurch eine emotional vielseitige Musik von nachhaltiger Wirkung.
Was aber nicht heissen soll, dass Duello im Vergleich zu Moon weit abfällt, ganz im Gegenteil, denn letztlich legen beide Scores auf beeindruckende Weise Zeugnis ab von einem grossen Meister einprägsamer Melodien, und wer solche schätzt, der wird an dieser CD viel Freude haben. Obwohl erst kürzlich erschienen, wird sie sich bei einer Auflage von bloss 500 Stück aber wohl nicht allzu lange auf dem Markt halten. Schnell zugreifen, heisst deshalb die Devise.
IL GRANDE DUELLO/THE MAN CALLED NOON Luis Bacalov Quartet Records QRSCE042 64:43 Min. / 27 Tracks Limitiert auf 500 Stk.