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Kattas – die Meisterdiebe unter den Halbaffen
Halbaffen aus grösseren sozialen Gruppen haben eine besonders gute Beobachtungsgabe. Sie schätzen die Aufmerksamkeit ihres Gegenübers besser ein und stibitzen Futter schneller als Tiere, die in kleineren Familien aufgewachsen sind. Das berichten amerikanische Verhaltensforscher nach Experimenten mit Lemuren im Online-Journal «PLOS ONE».
Tests mit sechs Lemuren-Arten
Evan MacLean von der Duke-University in Durham (USA) hatte insgesamt 60 Lemuren aus sechs verschiedenen Arten mit Futterstückchen auf einem Tisch geködert. In den Tests kamen die Tiere an jeweils zwei Teller mit Futter, zwischen denen sie wählen konnten. Vor einem der Teller sass allerdings jeweils ein Mensch, der ihn beobachtete, vor dem anderen einer, der ihm den Rücken zudrehte oder zumindest wegschaute.
Die Reaktion der Tiere war deutlich: Die meisten Lemuren erkannten, welcher Teller unbeobachtet war und nahmen sich das Futter von diesem. Die Wahl war allerdings schneller und eindeutiger, wenn das getestete Tier einer Art angehörte, die in grösseren sozialen Gruppen lebt.
Gesellige Kattas wähnen sich unbeobachtet
So nahmen die Kattas (Lemur catta), die in Gruppen von mehr als 16 Tieren leben, in mehr als 75 Prozent der Versuche das anscheinend unbeobachtete Futter. Die Tiere interpretierten also die Orientierung ihres menschlichen Gegenübers und schlossen daraus auf das mögliche Risiko, entdeckt zu werden – und das umso besser, je mehr Erfahrung sie aus ihrer sozialen Gruppe hatten, schliessen die Forscher.
Diese Beobachtung des Menschen hatte allerdings Grenzen: In einem weiteren Versuch wurden zwei Menschen vor die Teller gesetzt, die ein schwarzes Band entweder vor den Augen oder vor dem Mund hatten. In diesem Fall fiel die Wahl der Teller bei allen Arten in etwa gleich aus – selbst die Kattas erkannten offenbar die Augenbinde nicht als einen Nachteil des Beobachters, den sie ausnutzen konnten.
Lemuren, die in grossen Gruppen leben, erkennen, ob der Proband hinschaut oder nicht (oben). Eine Augenbinde (unten) erkennen sie allerdings nicht als Nachteil. © Evan MacLean, Duke University