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Womit sollte ich denn anfangen, zu erzählen?
Menschen im Aufbruch begegnen sich im Ort des Aufbruchs. Flughafen ist der klassische Ort zum aufbrechen, ein Ort der Heterotopie (Durchgang und Zwischenraum). Ein Mann stellte sich ganz geschickt beim Check-in neben mir an auf eine unschweizerische Art. „Ach, wie anständig!“ Er versuchte sich zu erklären. Ich lachte und sagte, „Ein anständiger Schweizer wollte nur, die anderen die Regeln einhalten.“ „Sie sind immer so provokativ?“ „Nur zu Schweizer.“ „Woher kommen Sie?“ „Die Insel neben China.“ „Sind die Menschen dort immer so frech, oder nur diese Person?“ fragte er meine Begleitung. „Vermutlich diese Person.“ „Taiwan ist selbst eine Provokation für China.“ Ich senkte meine Augen. Über Politik spricht man auf der Insel nicht mit Fremden. „Wohin fliegen Sie?“ „Nach Berlin.“ „Ach, hoffentlich sitzen Sie nicht neben mir.“ sagte er. Nein, das passierte auch nicht und wir verabredeten uns im Lounge für ein Glas Champange. Mein Gesprächspartner bemühte sich sehr, freundlich und angenehm mit mir zu unterhalten. Doch war er leicht bedrückt und ungeduldig. „Verunsichern Sie gerne andere Menschen?“ „Entschuldigung, ich halte nur ungerne den Spielregeln.“ Ich seufzte, er konnte es nichts dafür, dass ich nicht gerne um die Brei herum rühre. „Was belastet Sie denn so?“ „Worunter leiden Sie denn?“ Ich spürte ein Stich in meinem Herzen. Keiner verneinte es und keiner erzählte es weiter. Es waren zwei Fremde. Er gab mir seine Karte und nannte seinen Name, „ Das gehört zum Network. Aber ich bleibe dort nur bis zum Ende des Jahres.“ „Ich weiß, Sie möchten Ihr Leben verändern. Freiheitswegen?“ „Wie heißen Sie?“ Ich senkte meinen Blick, ich stricke kein Network, noch nie, „Menglin“ „Wie bitte?“ Ich lächelte ihn an und wünschte ihn in der Stadt des Aufbruchs schöne Tage und viel Erfolg im Aufbruch seines Lebens. Wozu paar unbedeutende Buchstaben in einem überfüllten Datenbank oder Papierkorb? Nicht nennenswert.
In der Heterotopie des Lebens ist wohl eine Reise zum Tee ein Aufbruch zum Aufbruch. In dieser Stadt des Aufbruchs duftet überall nach Lindenblüte!
Christine wartete mich mit einer Kanne Darjeeling und einem wunderschönen herzlichen Lächeln! „Willkommen in Berlin!“ In Berliner Teesalon gibt es ein warmes Herz, das Menschen umarmt. Sie rief Claudia sofort an, denn sie unbedingt bei meinem Besuch dabei sein wollte. Sie erzählte mit einer heiteren Begeisterung von meinem Blog. Ihre Begeisterung überraschte mich. „Man spürt in Deinem Blog, dass Du vielleicht wie der Wind bist, frei und stark.“ Ich spürte Schmerzen in meinem Innern. Es sind Fiktionen. Ich bin wie das Nachbarmädchen neben an. Ich erzählte ihr von meinem Wünsch nach einem Ort, ein Zuhause wie jeder einfacher Mensch, nach Geborgenheit und Schutz. Ein gewöhnlicher Mensch, der sich zurückzieht, wenn er sich unsicher fühlt, der gerne in die Armen genommen wird, der seine Gefühle nicht zeigen kann. Ich bin kein Wind wie die Freiheit, sondern ein bescheidenes Tier, das sein Stahldrang spürt.
Sie beschwerten sich, dass sie von meinem Seminar nichts wussten. Ich fühlte mich leicht verlegen. Das hat mit meiner Erziehung zu tun. Es ist nicht meine Art, die Leute zu fragen, ob sie zu meinem Kurs kommen oder ein Rundmail zu schicken. Es ist die Entscheidung des Anderen, auf die ich keinen Einfluss nehmen möchte. Ich kann mich auch nie selbst einladen. Es ist meine Erziehung. Man hält sich zurück, den Raum (das Gesicht) des anderen zu gewähren. Aber wir machten ab, dass wir im Oktober etwas in Berlin veranstalten. Dann lerne ich vielleicht ein Rundmail zu schreiben.
Dann verkosteten wir wunderschönen Oolongs, während die Leute kamen und gingen. Sie kommen wegen Tee und brachten Tee wieder nach Hause, zu Freunden oder für paar Minuten in einer Reise nach Innen. Ein Aufbruch ins Unbekannten. Ein Teeladen ist ein Ort des Aufbruchs, ein Durchgang, eine Heterotopie. Die Düfte und Geschmäcke des Oolongs verzauberten die Sinne und auch wenn unser körper noch auf der Erde standen, waren wir bereits im Paradies. Als Christine den Lishan auf die Holzkohle verkostete, sagte sie mit verschlossenen Augen, „Ach, das ist eine Frau mit einem inneren Reichtum. Sie erzählt nicht alles von sich und hat so viel zu erzählen.“ „Ja, man braucht Geduld, ihr zuzuhören.“ Ich stimmte ihr zu und bewunderte ihre Sensibilität!
Es war wieder die Zeit zum aufbrechen. Christine fragte mich, wann wir uns wieder sehen. Wohl im Oktober. „Wo bleibst Du hier in Berlin?“ fragte sie mich und durchschaute sofort meine asiatische Erziehung, „ Du ist immer bei uns willkommen! Du kommst nächstes Mal zu uns!“ sie nahm mich in die Armen und ihr Hemd wurde feucht. „Ich habe mich sehr gefreut über Deinen Besuch, zweifele es nicht.“
Der leichte Wind brachte immer wieder den süßen Duft des Lindblüte, leise aber unverwechselbar. Die sommerliche Abendsonne schien auf meine Haare. Weich und sanft.
Berliner Teesalon, Christine Mager
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