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Die Region Piemont mit der Hauptstadt Turin liegt im äussersten Nordwesten Italiens. Bezüglich Anbaufläche belegt das Piemont mit 54 800 Hektaren in Italien den 6. Platz, bezüglich Renommee steht es mit der Toskana an der Spitze. Il Piemonte (von lateinisch ad pedem montium, am Fuss der Berge) nimmt in mehrfacher Hinsicht eine führende Rolle ein.
Das Gebiet verfügt über eine lange Weintradition. Der nordwestliche Alpenbogen beeinflusst gemeinsam mit dem Apennin das Klima, das den Rebbau in nahezu allen Teilen der Region begünstigt. Anders als zum Beispiel in der Toskana ist der Weinbergbesitz im Piemont stark parzelliert. Zur traditionellen Mischwirtschaft gehörte immer auch Wein, allerdings besass früher kaum einer der Höfe genügend Mittel oder eine ausreichende Betriebsgrösse, die ein rentables Selbstkeltern erlaubt hätte. Die Trauben wurden an Kellereien verkauft. Die Dynamik der letzten Jahrzehnte mit ihren stark gestiegenen Erlösen für Qualitätswein vermochte das Gleichgewicht zugunsten der Winzerbetriebe zu verlagern. Stärken des heutigen Piemonts sind die Vielfalt der Betriebsstrukturen und der Weintypen.
35 Prozent aller Weine der rund 300 Millionen Liter fallen in eine der 52 DOCG- oder DOC-Kategorien, ein Anteil der von keiner anderen italienischen Region übertroffen wird. Mehr als Dreiviertel der Produktion ist Rotweine. Vor allem die beiden aus Nebbiolo-Trauben gekelterten Barolo und Barbaresco begründeten den weltweiten Ruhm des Anbaugebiets. Sie gelten als besonders hochwertig und langlebig, und die besten unter ihnen erzielen auf einem internationalen Markt Höchstpreise. Ihr Aufschwung geht in die 1980er-Jahre zurück. Auf vielen Gütern kam es zu einem Generationenwechsel. Die gut ausgebildeten Jungen begannen, im Weinberg und Keller neue Methoden anzuwenden, und damit veränderte sich auch die Stilistik der Weine. Zeitweise kam es zu erbitterten Auseinandersetzungen zwischen «Traditionalisten» und «Modernisten». Symbol dafür war der Ausbau im Barrique statt im grossen Eichenholzfass. Heute herrscht Koexistenz.
In keiner anderen Region wird mengenmässig mehr Schaumwein produziert. Hier wurde der Wermut erfunden, und hier wird er auch heute auch mehrheitlich erzeugt. Rund 60 Prozent aller Weine gehen in den Export.
Bedeutende Weinbaugebiete sind Asti, Gavi, Ghemme, Roero und die qualitativ als beste Lagen geltenden Hügel von Monferrato und Langhe bei Alba. Die vorherrschende Rotweinsorte ist die Barbera mit rund 50 Prozent der Rebfläche. Weitere wichtige Varietäten sind Bonarda, Brachetto, Dolcetto, Freisa, Grignolino und Nebbiolo. Bei den Weissweinsorten dominieren Arneis, Cortese, Erbaluce und Moscato bianco. Sie werden meist reinsortig abgefülllt.
Die ausgesprochen vielfältige piemontesische Küche bietet weit mehr als die unvergleichlichen Trüffel. Sie ist sowohl von Frankreich wie von Italien, von den Alpen wie vom Meer beeinflusst. Dank der breiten Auswahl an eigenständigen lokalen Weinen findet sich immer eine ideale geschmackliche Ergänzung.