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Mit vielen anderen Spitzencurlern teilt auch Urs Bucher die Leidenschaft für den Golfsport, damals wie heute.
Die Schweiz als Wegbereiterin – das galt fürs Rollstuhlcurling ganz besonders. Zusammen mit Rollstuhlsport Schweiz kreierte SWISSCURLING schon vor der Jahrtausendwende ein Trainingsprogramm für RollstuhlsportlerInnen und bot dieses in mehreren Curlinghallen an. Dank des breiten Zuspruchs konnte schon im Jahr 2000 das erste internationale Turnier in Crans-Montana durchgeführt werden und bereits 2002 fand in Sursee die erste (damals noch inoffizielle) Weltmeisterschaft statt, ebenfalls in der Schweiz.
Die schnellen Fortschritte haben gezeigt, dass Curling auch für Para- und Tetraplegiker eine attraktive Sportart ist, und zwar in fast allen bekannten Curling-Nationen. Schnell fand das Rollstuhlcurling Beliebtheit rund um den Globus und bereits im Jahr 2006 wurde diese Disziplin offiziell ins paralympische Programm aufgenommen. Seit 2022 wird neuerdings sogar eine Weltmeisterschaft im Mixed Doubles-Format ausgetragen.
Urs Bucher war als Sportler von Anfang an dabei und hat diese Erfolgsgeschichte entscheidend mitgeprägt. Als nationaler Serien-Meister hat er wesentlich zur Popularität des Rollstuhlcurlings beigetragen und galt als regelrechte Leitfigur.
Lieber Urs, kannst Du Deine Curling-Karriere kurz skizzieren: Wann und wie bist Du zum Curling gekommen, wann hast Du Dich entschlossen, diesen Sport kompetitiv zu betreiben und welche Erfolge konntest Du feiern?
Im Winter 1999 wurde ich von Bruno Schallberger angefragt, ob ich Lust hätte, bei einem Turnier zur Eröffnung den 1. Stein zu spielen – was ich natürlich hatte, denn Curling interessierte mich schon länger. Nur konnte ich mir nicht recht vorstellen, wie ich als Rollstuhlfahrer Curling spielen sollte. Im darauffolgenden Sommer und Herbst trafen sich dann weitere Interessierte, und schon bald trainierten die ersten Rollstuhl-CurlerInnen regelmässig in Urdorf, Aarau und später auch in Bern.
Ende Januar 2000 fand dann das 1. Internationale Rollstuhl-Curlingturnier in Crans-Montana statt, ab 2001 wurde Curling rasant internationaler. Ich vertrat dann die Schweiz als Skip mit meinem Team (Manfred Bolliger, Cesare Cassani, Therese Kämpfer, Silvia Obrist und Otto Erb) in den Jahren 2002, 2004 und 2005 an den Weltmeisterschaften. Wir gewannen 1x Gold, 1x Silber und 1x Bronze – was für eine großartige Bilanz!
Bis 2006 gewann ich mit diesem Team auch alle Schweizermeisterschaften. Wir zählten neben Kanada, Schweden und den Schotten stets zu den Kronfavoriten. 2006 fanden dann in Turin die Paralympics statt. Aufgrund einer Erkrankung konnte ich dann nur 2 Spiele bestreiten… und verbrachte danach die Zeit in Quarantäne, allein im Hotelzimmer. Tief enttäuscht – auch vom Verhalten der Schweizer Delegationsleitung und dem Trainer – reiste ich nach 3 Tagen vorzeitig aus Turin ab. Zuhause habe ich dann gleich mein Rücktrittsschreiben aus der Nationalmannschaft verfasst und abgeschickt.
Hast Du damals komplett aufgehört aktiv Curling zu spielen? Oder spielst Du eventuell heute noch?
Ich habe in den darauffolgenden Jahren in der Schweiz mit meinem Rollstuhl-Curling-Team (aktuell mit meiner Ehefrau Madeleine Wildi als Lead) an diversen Club-Turnieren erfolgreich teilgenommen.
Heute spiele ich aber nicht mehr Curling… obwohl es mich hie und da schon noch reizen würde.
Sämtliche grossen Turniere der Herren und Damen verfolge ich aber stets am TV, meistens bis spät in die Nacht hinein …
Was hat Dich damals bewogen, so abrupt einen «Schlussstrich» zu ziehen – trotz der anhaltenden Erfolge?
Die Verantwortlichen von Rollstuhlsport Schweiz der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung SPV, die alle selbst nicht Curling spielen, wollten ein neues, junges Team an die kommenden internationalen Anlässe schicken… mit der Begründung, «wir seien zu alt!»
In den folgenden Jahren haben aber diese neu zusammengewürfelten Teams trotz grossem Aufwand keinen Erfolg gehabt – was mich nicht überraschte. Der Coach und die Führung verstanden es nie, diese Teams zum Erfolg zu führen. Zurzeit ist die Schweiz weder für die WM noch für die Paralympics qualifiziert. Meiner Meinung nach sollten sich die Spieler eines Curling-Teams sehr gut kennen, die Erfahrung zählt. Nebensächlichkeiten wie Haarfarbe, Kleidergrösse oder eben Alter, sind nicht matchentscheidend!
Hast Du das Curling ersetzt durch ein anderes Hobby, einen anderen Sport?
Schon zu meiner Curling-Zeit spielte ich leidenschaftlich gerne Golf. Oft kam das Golfen aber zu kurz, weil sich diese zwei Sportarten auch zeitlich in die Quere kamen. Mittlerweile trifft man mich oft auf dem Golfplatz, meine Frau Madeleine ist nun mein Golf-Caddy und begleitet mich zu vielen internationalen Turnieren.
Könntest Du die Zeit zurückdrehen: Würdest Du Curling wieder dieselbe Bedeutung zumessen? Und würdest Du zum selben Zeitpunkt «quittieren»?
Diese beiden Fragen kann ich mit ja! beantworten. Wenn ich etwas mache, dann immer mit vollem Einsatz und Willen!