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© 1991 Markus Kappeler
Die Naturräume der Erde
und ihre Charaktertiere
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
1. Afrika
Afrika ist nach Asien der zweitgrösste Kontinent der Erde. Die Distanz von der Nord- bis zur Südspitze bemisst sich auf rund 8000 Kilometer, und die Fläche beträgt einschliesslich der wenigen vorgelagerten Inseln mehr als 30,3 Millionen Quadratkilometer. Der «Schwarze Kontinent» wird vom Äquator ungefähr halbiert und reicht im Norden und im Süden etwa bis zum 35. Breitengrad. Dementsprechend sind Klima und Vegetation Afrikas hauptsächlich tropischer und subtropischer Natur.
Savanne
Weite Bereiche Afrikas sind von Savannen bedeckt - jenen offenen Grasländern mit eingestreuten Bäumen und Sträuchern, auf denen die grössten Huftierherden der Welt dahinziehen. Zu den zahlreichsten Pflanzenessern der afrikanischen Savannen gehören Streifengnu, Thomsongazelle und Zebra, deren Herden oft von Horizont zu Horizont reichen. Weniger zahlreiche, aber nicht minder charakteristische Savannenbewohner sind Giraffe, Elefant, Breitmaulnashorn und Kaffernbüffel, dann aber auch Warzenschwein und Pavian sowie Impala, Kudu und all die anderen grazilen Hornträger. Ferner sind in den afrikanischen Savannen die grossen Raubkatzen Löwe, Leopard und Gepard sowie der hübsch gefleckte Afrikanische Wildhund zu Hause. In ihrer Nähe halten sich immer viele Aasesser - Hyänen, Schakale und Geier - auf und zanken sich untereinander um die Überreste der Raubtiermahlzeiten. Im übrigen findet man in den Grasländern Afrikas eine ganze Reihe bodenlebender Vögel. Zu nennen sind der Strauss, der grösste Vogel unseres Planeten, die Riesentrappe, einer der schwersten flugfähigen Vögel, der Sekretär, ein langbeiniger, schlangenjagender Greifvogel, und die überall im Schwarm herumstöbernden Perlhühner.
Regenwald
Im Bereich des Äquators ist immerfeuchter tropischer Regenwald die vorherrschende Vegetation. Als schmaler Gürtel zieht er sich der Westküste Afrikas entlang, erstreckt sich über das mächtige Kongobecken und reicht ostwärts bis zum Grossen Grabenbruch. Charakteristisch für den äquatorialen Regenwald Afrikas ist die grosse Mannigfaltigkeit hoher Bäume, deren ausladende Kronen in einer Höhe von 30 bis 50 Metern einen üppigen immergrünen Baldachin bilden. * Dem ausserordentlichen pflanzlichen Reichtum dieser dreidimensionalen Welt entspricht eine enorme Vielfalt tierlicher Lebewesen. Sie reicht von Okapi, Bongo, Zebraducker, Zwergflusspferd, Gorilla, Schimpanse und Drill in der unteren Waldetage bis hin zu Stummelaffen, Meerkatzen, Graupapagei und prächtigen Nashornvögeln in den Baumwipfeln.
Wüste Sahara
Die Sahara dehnt sich über eine Fläche von 9,1 Millionen Quadratkilometern aus und ist damit die grösste - und zudem heisseste - Wüste der Erde. Sie bedeckt fast ein Drittel des afrikanischen Kontinents. Entgegen der landläufigen Meinung bestehen nur gut zehn Prozent der Sahara aus sandiger Dünenlandschaft. Auf der restlichen Fläche findet man ausgedehnte Stein-, Geröll- und Kieswüsten. * Das Klima der Sahara ist geprägt durch Trockenheit (mit jährlichen Niederschlägen unter 100 Millimetern) und Temperaturen von tagsüber oft mehr als 40° Celsius. Diesen unwirtlichen Bereich Afrikas vermögen nur Tiere zu bewohnen, welche in Körperbau, Stoffwechsel und Verhalten sinnreiche Methoden zur Deckung ihres Wasserbedarfs und zum Schutz gegen die glühende Hitze entwickelt haben. Zu diesen erstaunlichen Überlebenskünstlern zählen neben ein paar grösseren Säugetieren wie Mendesantilope, Dünengazelle, Mähnenspringer und Wüstenluchs vor allem Kleintiere aus der Verwandtschaft der Nager, Echsen, Schlangen, Skorpione und Käfer.
Madagaskar
Mit einer Fläche von über einer halben Million Quadratkilometern ist Madagaskar die viertgrösste Insel der Erde. Obwohl dieses grosse Eiland nur etwa 400 Kilometer von der ostafrikanischen Küste entfernt liegt, ist es hinsichtlich Fauna und Flora eine Welt für sich. Schon vor über 200 Millionen Jahren hat sich Madagaskar nämlich vom afrikanischen Festland gelöst, und seither entwickelten sich die madagassischen Tiere und Pflanzen in völliger Isolation. * Rund 90 Prozent der heutigen Tier- und Pflanzenarten Madagaskars kommen nirgendwo sonst auf der Welt vor. Zu den bekanntesten Tieren gehören zweifellos die Lemuren aus der Sippe der Halbaffen. Aber auch die igelartigen Tanreks, drei Viertel aller Chamäleons der Welt sowie 125 verschiedene Vogelarten, darunter Stelzenrallen, Lappenpittas und Blauwürger, kommen ausschliesslich auf diesem «Inselkontinent» vor.
2. Asien
Asien ist der weitaus grösste Kontinent der Erde. Mit einer Gesamtfläche von 43,5 Millionen Quadratkilometern umfasst er nahezu ein Drittel des festen Lands unseres Planeten. Im Innern gliedert sich dieser gewaltige Erdteil in 16 Naturräume, welche von der Tundra Sibiriens bis zum Tropenwald des Malaiischen Archipels reichen. Jede dieser Regionen untersteht eigenen klimatischen Einflüssen und wird von Lebewesen bewohnt, die man nirgendwo sonst auf der Welt findet.
Nördliches Asien
Südlich der asiatischen Tundra, jener hochnordischen baumlosen Moos- und Steppenlandschaft, welche von Polartieren wie Rentier, Eisfuchs, Schneehase und Lemming bewohnt wird, schliesst sich ein schier endloser Nadelwaldgürtel an, der das grösste Waldgebiet der Erde bildet: die Taiga. Elch, Braunbär und Eichhörnchen sind typische Säugetiere, Auerhuhn, Tannenhäher und Sperbereule häufige Vögel dieses recht einförmigen Lebensraums.
Zentrales Asien
Zentralasien ist geprägt durch ausgedehnte Wüsten, darunter die bekannte Wüste Gobi. Hier herrscht im Sommer sengende Hitze, im Winter eisige Kälte, und das ganze Jahr über ist Wasser äusserst knapp. Solch extreme Lebensbedingungen setzen der Tierwelt enge Grenzen. Und doch schaffen es beispielsweise das Zweihöckrige Kamel, der Asiatische Wildesel und die Kropfgazelle, in diesen Ödländern ein Auskommen zu finden. * Weite Bereiche Zentralasiens sind im übrigen von Steppen bedeckt. Früher zogen in diesen weiten Grasländern riesige Huftierherden umher. Der Mensch hat jedoch schon früh begonnen, diese fruchtbaren Ländereien nach seinen Wünschen umzugestalten, und hat dabei die ansässigen Wildtiere weitgehend verdrängt. So haben Wisent und Przewalski-Pferd (das letzte Urwildpferd) nur in Gefangenschaft überlebt. Auffälligere Bewohner der innerasiatischen Steppen sind heute die Saiga-Antilope, der am Boden brütende Steppenadler und der Steppenfuchs. Ferner begegnet man vielen grabenden Nagetieren wie Feldhamster, Ziesel (ein Erdhörnchen) und Bobak (ein Murmeltier).
Himalaja
Die Gebirgszüge Tien Shan, Kunlun Shan, Karakorum, Pamir, Hindukusch und Himalaja trennen das gemässigte Asien vom feuchtwarmen Süden und Südosten ab. Die 100 höchsten Gipfel dieser riesigen Gebirgsbarriere sind alle höher als jeder andere Berg auf der Welt. Hier lebt eine ganze Anzahl einzigartiger Huftiere wie etwa Schraubenziege, Tibetgazelle, Yak, Argali, Goral und Serau. Hier schleicht sich aber auch der Schneeleopard an seine Beutetiere heran, bebrütet die Streifengans ihre Eier und huscht der Grossohrige Pfeifhase zwischen den Felsen umher. * Im Osten des Hochlands von Tibet läuft der Himalaja in einer Reihe von Bergketten aus, die das Hochland des südwestlichen Chinas bilden. An den oberen Hängen dieser Berge wachsen Nadelwälder, welche von Bambus- und Rhododendron-Dickichten durchsetzt sind. Dies ist die Heimat des Grossen Pandas, des stämmigen Takins (ein Huftier) und der Stumpfnasenaffen. Ausserdem leben hier einige der prächtigsten Fasanenarten der Welt wie etwa der Blauschwanz-Glanzfasan und der Diamantfasan.
Indien
Der indische Subkontinent bildet - vom restlichen Asien durch das höchste Gebirgsmassiv der Erde abgetrennt - eine dreieckige Welt für sich, welche von den warmen Fluten des Indischen Ozeans umspült wird. An den Südhängen des Himalajas, in den grossen Flusstälern von Indus und Ganges, im Ganges-Brahmaputra-Delta, im zentralen Dekkan-Hochland und an der schwülen Westküste finden sich jeweils eigene, recht formenreiche Tiergesellschaften. Als deren auffälligste Vertreter sind etwa zu nennen das Panzernashorn und der AsiatischeElefant, der Bengaltiger und der Lippenbär, der Goldlangur und der Wanderu-Makak, der Axishirsch und die Nilgauantilope, der Mungo und die Königskobra, der Pfau und der Ganges-Gavial.
Südostasien
Südostasien war einst von Burma südwärts durch das ganze Indochina und die Malaiische Halbinsel hindurch bis zu den grossen Sundainseln Borneo, Sumatra und Java von überaus üppigem tropischem Regenwald bedeckt gewesen. Heute sind weite Teile dieser reichsten Vegetation der Erde vom Menschen gerodet. Noch werden aber die geschrumpften Waldreste von einer enorm vielgestaltigen Fauna bewohnt. Ein paar typische südostasiatische Tropenwaldtiere sind Orang-Utan, Schopfgibbon, Nasenaffe, Sumatranashorn, Banteng (ein Wildrind), Nebelparder, Philippinen-Adler, Bankivahuhn und Tigerpython.
3. Europa
Im Gegensatz zu Afrika, Amerika und Australien, welche allseitig von Meeren umgeben sind, ist Europa kein Kontinent mit klaren natürlichen Grenzen. Strenggenommen ist Europa ein Subkontinent, welcher Asien angegliedert ist. Hinsichtlich Fauna und Flora zeigt sich denn auch eine überaus enge Verbundenheit Europas mit dem gemässigten Asien, weshalb der Biologe die beiden Erdteile häufig zum Kontinent «Eurasien» zusammenfasst. * Die historische Entwicklung Europas hat jedoch dazu geführt, dass das «Abendland» als eigener Kontinent betrachtet wird, dessen östliche Grenze das Uralgebirge, das Kaspische Meer und der Kaukasus bilden. Knapp 10,5 Millionen Quadratkilometer umfasst dieser Erdteil und ist damit nach Australien der zweitkleinste Kontinent der Erde. Durch Meeresarme vielfach gegliedert, ist Europa überall «meernah» und hat demzufolge ein ausgesprochen gemässigtes Klima ohne krasse Temperaturschwankungen oder extreme Niederschlagsmengen.
Laub-, Misch- und Nadelwälder
Prächtige Laub- und Mischwälder aus Eichen, Buchen, Eschen, Fichten und anderen Arten bedeckten einst den grössten Teil Europas - von den Britischen Inseln und Nordspanien über Mitteleuropa bis nach Russland. Seit mindestens 10.000 Jahren rodet jedoch der Mensch diese Wälder, um Platz für seine Siedlungen, Äcker und Viehweiden zu schaffen. * Mit der Verminderung der Wälder und ihrer Umwandlung in bewirtschaftete Forste ist ein Rückgang vieler Säugetiere einhergegangen, welche ursprünglich hier heimisch waren. So sind zum Beispiel die grossen Raubtiere Wolf, Luchs und Braunbär aus Mitteleuropa weitgehend verschwunden. Wildschwein, Hirsch und Reh wiederum überleben nur dank der Hege durch die Jäger. Und kleinere Arten wie Fuchs, Dachs und lltis haben lernen müssen, sich möglichst unauffällig in der Nachbarschaft des Menschen einzurichten. * Nördlich der europäischen Laub- und Mischwaldregion schliesst sich - aufgrund des rauheren Klirnas - der Nadelwaldgürtel an. Er erstreckt sich von Norwegen über Schweden und Finnland bis nach Sibirien. Dieser Waldtyp ist einfacher strukturiert und deutlich artenärmer als die südlicheren Laub- und Mischwälder, und dieser Einförmigkeit der Flora entspricht eine verhältnismässig schlichte Fauna. Typische Säuger dieses Lebensraums sind Elch und Vielfrass. Bei den Vögeln wären Kreuzschnabel, Dreizehenspecht und Bartkauz zu nennen.
Tundra
Zwischen der nördlichen Baumgrenze und der Grenze des ewigen Polareises erstreckt sich die arktische Tundra - eine baumlose Landschaft, in der nur Moose, Flechten, Kräuter und Zwergsträucher gedeihen. Die Winter sind hier sehr lang und kalt, und der Boden ist viele Monate lang gefroren und schneebedeckt. * Wer hier überleben will, muss sehr genügsam sein und allerlei Anpassungen entwickelt haben, um die kalte, nahrungsarme Jahreszeit heil zu überstehen. So tragen Eisfuchs und Schneehase einen überaus dicken Winterpelz, der es ihnen erlaubt, selbst bei Temperaturen von minus 45° Celsius herumzulaufen. Den Eisbären isoliert eine mehrere Zentimeter dicke Speckschicht gegen die eisige Kälte. Und die Schnee-Eule speichert im Sommer Körperfett und zehrt dann im Winter von diesem «Vorrat», wenn Nebel und Schneestürme den Beutefang oft unmöglich machen. * Eine zentrale Rolle im Ökosystem der Tundra spielen die zur Sippe der Wühlmäuse gehörenden Lemminge. Sie bilden die Hauptnahrung der meisten dort heimischen Raubvögel und Raubsäuger. Ändert ihr Bestand in einem Gebiet, so wird dadurch die Nahrungsversorgung der meisten anderen Tundrabewohner massiv beeinflusst.
Alpen und Karpaten
Als sich die Gletscher gegen Ende der letzten Eiszeit aus dem europäischen Tiefland zurückzogen, wanderten jene Pflanzen und Tiere, die ein kaltes Klima bevorzugen, entweder in die Gebirge oder aber in nördliche Breiten ab. Viele Tierarten, welche als «gebirgstypisch» gelten, findet man daher auch im hohen Norden, so zum Beispiel Schneehase, Auerhuhn und Tannenhäher. * «Echte» Gebirgstiere sind dagegen Steinbock und Gemse. Die zerklüfteten Felshänge mit ihren reissenden Wildbächen schaffen hier Umweltbedingungen, welche diesen an die rasche Fortbewegung in felsigem Gelände angepassten Huftieren sehr zusagen. Auch Murmeltier, Alpendohle und Apollofalter sind charakteristische Gebirgsbewohner.
4. Amerika
4.1 Nordamerika
Nordamerika ist nach Asien und Afrika die drittgrösste Landmasse unseres Planeten. Von der Ellesmere-Insel im Nordpolarmeer bis zur Landenge von Tehuantepec in Mexico, wo offiziell die mittelamerikanische Landbrücke beginnt, dehnt sich der Halbkontinent über eine Fläche von 23,3 Millionen Quadratkilometern. * Das Innere Nordamerikas lässt sich in fünf grosse Landschaftsräume unterteilen:
Tundra
Ganz im Norden liegen die weiten Tundralandschaften mit ihrer dürftigen Zwergstrauch- und Flechtenvegetation. Zu den typischen Grossäugetieren, welche in dieser kalten und kargen Gegend ihr Leben fristen, gehören Rentier («Karibu»), Moschusochse, Wolf und Eisbär.
Nadel-, Misch- und Laubwälder
Südlich der Tundra bilden schier endlose Nadelwälder einen bis zu 800 Kilometer breiten Gürtel. Im Bereich der Grossen Seen gehen sie über in Mischwälder und weiter südlich dann in Laubwälder mit mächtigen Eichen, Kastanien und Hickorybäumen. Elch, Rothirsch («Wapiti») und Weisswedelhirsch sind häufige Huftiere dieses Lebensraums, Nordluchs, Braunbär («Grizzly») und Vielfrass häufige Raubtiere. Hier leben ferner der dämmebauende Biber und der imposante Weisskopf-Seeadler, das Wappentier der USA.
Prärien
Zwischen dem Mackenzie-Fluss in Nordkanada und der Mississippi-Niederung im Süden der USA wurde das Innere Nordamerikas ursprünglich von weiten, ebenen Grasländern eingenommen: den Prärien. Sie waren die Heimat der legendären Bisons, welche einst in riesigen Herden weidend umherzogen, dann aber von den weissen Siedlern beinahe ausgerottet wurden und heute nur noch in einigen Reservaten vorkommen. Typische Bewohner der nordamerikanischen Prärien sind der Gabelbock, das schnellste Säugetier Nordamerikas mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 95 Stundenkilometern, der Präriehund (ein Kolonien bildendes Erdhörnchen) sowie Silberdachs, Kojote, Präriefalk und Beifusshuhn. Da die fruchtbaren Prärien grossenteils in Viehweiden und Weizenfelder umgewandelt wurden, sind heute viele dieser Wildtiere auf kleine Restareale zurückgedrängt.
Rocky Mountains
Vierter grosser Landschaftsraum Nordamerikas sind die Hochgebirgsketten der Rocky Mountains, deren höchster Gipfel, der 6191 Meter hohe Mount McKinley, im Nordwesten Alaskas aufragt. Hier rammen die Männchen des Dickhornschafs während der Fortpflanzungszeit ihre Köpfe zusammen, steigt die Schneeziege trittsicher im schroffen Fels umher, macht die grösste aller Kleinkatzen, der Puma, Jagd auf Maultierhirsche und tut sich der Schwarzbär («Baribal») an Beeren und Bienenhonig gütlich.
Wüsten
Im Südwesten Nordamerikas finden sich schliesslich ein paar ausgedehnte Wüstengebiete, darunter die bekannte Sonora-Wüste. Säulenkakteen, Opuntien (Feigenkakteen) und Yuccas (Palmlilien) prägen vielerorts das Landschaftsbild. Als Charaktertiere dieser Dürregebiete sind etwa das zierliche Katzenfrett (ein Kleinbär), der langohrige Eselhase, das nur sperlingsgrosse Elfenkäuzchen und die drohend rasselnde Klapperschlange zu nennen.
4.2 Südamerika
Südamerika weist eine Länge von 7500 Kilometern, eine maximale Breite von 5000 Kilometern und eine Gesamtfläche von 17,8 Millionen Quadratkilometern auf. Der weitaus grösste Teil Südamerikas liegt in der tropischen Klimazone und ist dementsprechend von tropischen Pflanzenformationen bedeckt: Regenwäldern sowie Savannen aller Art. Weite Bereiche der südamerikanischen Grasländer sind aber mittlerweile vom Menschen in Acker- und Weideland umgewandelt worden, und auch das südamerikanische Regenwaldareal wird heute von allen Seiten her angegriffen und Stück für Stück zerstört. Der Grossteil der einzigartigen südamerikanischen Tierwelt wird daher immer weiter zurückgedrängt.
Amazonas
Südamerika besitzt mit dem Amazonas ein einzigartiges Flussystem: Sein Einzugsgebiet umfasst über 7,2 Millionen Quadratkilometer, rund 200 grössere Flüsse vereinigen sich mit dem Hauptstrom, 6500 Kilometer beträgt seine Gesamtlänge, und im Unterlauf ist er stellenweise über 25 Kilometer breit. * Der rund 3200 Kilometer lange Unterlauf des Amazonas weist praktisch kein Gefälle auf und ist darum von weiten Seen, überschwemmten Wäldern, Sumpfländern, gewundenen Seitenarmen und wenig dauerhaften Ufern geprägt. In dieser wechselvollen Region - halb Wasser, halb Land - lebt eine ausserordentlich vielfältige Fauna: Hier begegnet man beispielsweise dem flinken Amazonasdelphin und dem gemächlichen pflanzenessenden Flussmanati (eine Seekuh). Auch der Zitteraal, der seine Opfer mit einem Schlag von bis zu 600 Volt betäubt, die berühmt-berüchtigten Piranhas mit ihren rasiermesserscharfen Zähnen sowie Riesenotter, Anakonda, Brillenkaiman und Wasserschwein (mit einer Körperlänge von mehr als einem Meter das grösste aller Nagetiere) sind hier zu Hause.
Regenwald
Der tropische Regenwald, der im Bereich des Amazonasbeckens wächst, ist weltweit das grösste zusammenhängende Stück dieser überaus reichen Pflanzendecke. Mehr als 8000 verschiedene Baumarten wachsen hier in einem bunten Durcheinander, und unglaublich formenreich ist auch die hiesige Tierwelt. Zu ihren typischen Vertretern gehören die mit Klammerschwänzen ausgestatteten Brüll, Woll- und Klammeraffen, ferner Jaguar, Ozelot, Wickelbär, Dreizehenfaultier, Flachlandtapir, Grüner Leguan, die giftigen Baumsteigerfrösche und der Hyazinthara.
Grasländer
Weite Teile Südamerikas nördlich und vor allem südlich des Amazonasbeckens sind offene Savannenlandschaften, die von reinen Hochgrassavannen über Grasländer mit eingestreuten Bäumen und Sträuchern bis hin zu lichten Savannenwäldern reichen. Man kennt sie als venezuelische Llanos, brasilianische Campos, paraguayische Chaco-Grasländer, argentinische Pampas und patagonische Strauchsteppen. Eine mindestens fünfmonatige Trockenzeit ist für diese Gebiete typisch. * Die südamerikanischen Grasländer sind die Heimat etwa des Grossen Ameisenbären, des Riesengürteltiers und des Nandus («Pampasstrauss»). Hier leben aber auch viele stattliche Vertreter der Nagetiersippe, so zum Beispiel Viscacha, Mara, Aguti und Wildmeerschweinchen. Typische Räuber dieses Lebensraums sind der stelzenbeinige Mähnenwolf und die zierliche Pampaskatze.
Anden
Dem Westrand Südamerikas entlang zieht sich ein 7500 Kilometer langer Hochgebirgszug: die Anden. Sie bestehen zumeist aus zwei oder drei parallelen Ketten, zwischen denen ausgedehnte grasbestandene Hochländer liegen. Die höchste Erhebung ist der in Argentinien gelegene Aconcagua mit einer Höhe von 6959 Metern. * Die Säugetierfauna der Anden weist einige bemerkenswerte Formen auf. Zu ihnen zählen zum Beispiel der Brillenbär, der Südandenhirsch, das Vikunja (das kleinste Mitglied der Kamelfamilie) und das Bergchinchilla. Auch der Andenkondor, mit einer Spannweite bis zu drei Metern einer der mächtigsten Vögel der Erde, gehört zu den Hochgebirgsspezialisten.
4.3 Mittelamerikanische Landbrücke
Zwischen der Landenge von Tehuantepec (Mexico) und der Landenge von Darien (Panama) erstreckt sich die rund 2000 Kilometer lange und 800.000 Quadratkilometer messende Mittelamerikanische Landbrücke als Bindeglied zwischen Nord- und Südamerika. Die natürlichen Pflanzenformationen Mittelamerikas reichen von feuchtem tropischem Regenwald im Osten bis zu Kakteen- und Dornbuschsavannen im Westen. Mit Totenköpfchen, Kapuziner und anderen Neuweltaffen sowie Jaguar, Ozelot, Tapir, Ameisenbär und Faultier als charakteristischen Säugetieren entspricht die Tierwelt Mittelamerikas weitgehend der des angrenzenden Südamerikas.
4.4 Karibik
«Westindien», die Inselwelt der Karibik, umfasst die Grossen Antillen, die Kleinen Antillen, die Bahamas sowie Trinidad und Tobago. Die Gesamtfläche der ungefähr 7000 Inseln beträgt 236.000 Quadratkilometer, wovon allerdings allein auf Kuba 114.000 Quadratkilometer entfallen. Das Klima ist tropisch und die Pflanzendecke dementsprechend üppig. * Die meisten Westindischen Inseln verdanken ihre Entstehung untermeerischen Vulkanausbrüchen und standen demzufolge nie mit einer Festlandmasse in Kontakt. Die heute ansässigen Landtiere müssen also zumeist auf natürlichen Flössen von Nordamerika (Florida), Mittelamerika (Yucatan) und Südamerika (Venezuela) hierhergelangt sein. Stürmische Winde und Hurrikane, welche in der Karibik häufig wüten, haben diese «Einwanderungen» zweifellos unterstützt, indem sie Bäume und Äste von den Ufern losrissen und zu Transportmitteln für Tiere aller Art werden liessen. * Charakteristische Karibikinsel-Bewohner sind die Königsamazone von St. Vincent, der Zweifarbenkolibri von Dominica, die Jamaika-Schlankboa, der Kubanische Antillenfrosch sowie der bizarre Haiti-Schlitzrüssler, ein insektenessender Säuger. Zur Tierwelt der Karibik gehören selbstverständlich auch eine grosse Vielfalt von Meeresvögeln sowie Karettschildkröte, Lederschildkröte und andere Meeresschildkröten, welche hier ihre Niststrände haben.
5. Australien
Mit einer Fläche von 7,7 Millionen Quadratkilometern ist Australien der kleinste Kontinent der Erde. Fast das gesamte Binnenland - über zwei Drittel der Gesamtfläche - besteht aus kargen Sand-, Stein- und Lehmwüsten, d.h. Einöden, welche nur spärlich mit Eukalyptusgebüsch, Gräsern und anderen widerstandsfähigen Pflanzen bewachsen sind. Fruchtbar ist lediglich die östliche Küstenregion Australiens, wo sich ein Gebirgsbogen vom nördlichen Queensland südwärts bis zur Bass-Strait und weiter auf die Insel Tasmanien zieht. Hier sind die Niederschläge häufiger und reichlicher, und die Vegetation dementsprechend üppiger: Neben ausgedehnten Grasländern finden sich im Norden tropische Regenwälder und im Süden gemässigte Eukalyptus- und Akazienwälder. * Schon seit mindestens 50 Millionen Jahren ist der australische Kontinent von den anderen Landmassen der Erde isoliert. Dadurch hat sich hier unbehindert eine Tierwelt entwickeln können, welche auf keinem anderen Kontinent ihr Gegenstück hat. Im besonderen wird die Stelle der höheren Säugetiere von den Beuteltieren eingenommen. Als Beispiele zu nennen sind natürlich die Känguruhs. Dann aber auch die von Eukalyptusblättern lebenden Koalas und die in Erdlöchern hausenden, murmeltierähnlichen Wombats sowie all die vielgestaltigen Beutelmarder, Beutelmäuse und baumbewohnenden Kletterbeutler. * Auch Australiens Vogelwelt wartet mit einer ganzen Reihe einzigartiger Formen auf. Zu ihnen gehören beispielsweise Emu und Kasuar aus der Ordnung der Laufvögel sowie der Lachende Hans, ein grosser Eisvogel. Australien ist im übrigen die Heimat zahlreicher Papageienarten - vom beliebten Wellensittich bis hin zum riesenhaften Arakakadu.
Neuguinea
Neuguinea ist mit einer Fläche von über 800.000 Quadratkilometern die zweitgrösste Insel der Erde. Ein langer, breiter Gebirgsrücken zieht sich quer durch das Innere der vogelförmigen Insel und erhebt sich stellenweise bis auf über 5000 Meter Höhe. Hier findet man ewigen Schnee, während die restliche Insel von triefenden, nebelverhangenen Berg- und schwülen Tieflandregenwäldern bedeckt ist. * Neuguinea liegt auf derselben Kontinentalplatte wie Australien und war in der Vorgeschichte wiederholt mit dem «Beuteltierkontinent» verbunden gewesen. Man findet daher eine ganze Reihe von Übereinstimmungen in der Pflanzen- und Tierwelt. So leben hier wie dort Baumkänguruhs, Kletterbeutler, Beutelmarder und andere Beuteltiere. Und auch der Kasuar und der Arakakadu sind auf Neuguinea heimisch. * Eine Spezialität Neuguineas sind hingegen die 36 farbenprächtigen Paradiesvogelarten, welche in den Baumwipfeln ihre spektakulären Balztänze vorführen. Neuguinea beheimatet ferner einige der prächtigsten Schmetterlinge der Welt, unter ihnen der Queen-Alexandra-Vogelfalter, der mit einer Flügelspannweite um 25 Zentimeter der grösste Tagfalter der Welt ist.
6. Ozeanien
«Ozeanien» ist die zusammenfassende Bezeichnung für die Inseln in den tropischen und subtropischen Zonen des Pazifischen Ozeans - zwischen den Philippinen, Neuguinea und Australien im Westen und der amerikanischen Westküste im Osten. In diesem riesigen Raum liegen Zehntausende von Inseln verstreut. Allerdings sind «nur» etwa 3000 von ihnen so gross, dass sie einen eigenen Namen tragen. Ihr Klima ist meistens feucht-warm, die Vegetation je nach Untergrund karg (Korallenkalkinseln) bis üppig (Vulkangesteinsinseln). * Fast alle Pazifikinseln sind sogenannte «ozeanische» Inseln, das heisst sie sind durch untermeerische Vulkanausbrüche entstanden und waren nie mit irgendeiner Festlandmasse verbunden. Die heutigen Tier- und Pflanzengesellschaften gehen daher einzig auf jene wenigen Lebewesen zurück, denen es gelang, die Weiten des Ozeans auf dem Luft- oder Seeweg zu überqueren und auf den kleinen Eilanden Fuss zu fassen. Im allgemeinen sind die Tiergesellschaften darum verhältnismässig artenarm. * Trotzdem finden sich auf den Pazifikinseln einige bemerkenswerte Geschöpfe: Typische Beispiele sind etwa die Hawaii-Gans, der Palmendieb (ein Land-Einsiedlerkrebs), der Pazifik-Waran oder die Cook-Flaumfusstaube. Und auffällige Inselsiedler sind natürlich all die Albatrosse, Tölpel, Seeschwalben, Fregattvögel und anderen Meeresvögel, welche oft in grossen, lärmenden Kolonien auf diesen abgelegenen Inseln brüten und in den umliegenden Gewässern auf Nahrungssuche gehen.
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