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Die Schweiz wird in diesem Jahr erstmals für mehr als 200 Mrd Fr. Güter ausführen – eine Rekordmarke. Die Exportquote, gemessen am Bruttoinlandprodukt, liegt bei über 40%. Damit zählt die Schweiz weltweit zu jenen fünf Ländern, deren Wirtschaft am stärksten vom Export abhängig ist. Weil die Ausfuhren 2007 die Einfuhren deutlich übertrafen, resultierte in der Handelsbilanz ein Rekordüberschuss von rund 14 Mrd Fr. Dieser dürfte, wie die bisher vorliegenden Zahlen andeuten, im laufenden Jahr gar noch höher ausfallen.
Geografisch ist die Exportwirtschaft breit abgestützt. Gut ein Fünftel der Ausfuhren, gut 20,8%, gingen 2007 nach Deutschland, knapp ein Zehntel (9,3%) in die USA, 8,9% nach Italien, 8,4% nach Frankreich und 4,8% nach England. Mehr als die Hälfte des Exportvolumens entfällt damit auf diese fünf Länder. Nach Wirtschaftsräumen war die Europäische Union mit einem Anteil von 63% der wichtigste Abnahmemarkt.
Bric-Staaten immer wichtiger
1997 lag der Exportanteil der Industrieländer noch bei über 90%. Stark aufgeholt haben inzwischen die Transformations-, Schwellen- und Entwicklungsländer, mit jährlichen Steigerungsraten von jeweils 20 bis 30%. Höchst unterschiedlich war hingegen die Exportentwicklung in die Industrieländer, was sich in den Zahlen für 2007 besonders deutlich zeigt: Kräftige Steigerungen um 12% gab es mit den EU-Staaten, nur schwach um 1,7% wuchsen die Exporte in die aussereuropäischen Industrieländer. Hier drückten die stagnierenden Lieferungen in die USA sowie der Exportrückgang nach Japan auf die Zahlen.
Am deutlichsten auf dem Vormarsch befinden sich die sogenannten Bric-Staaten – also Brasilien, Russland, Indien und China. Die Ausfuhren nach China wuchsen im Zeitraum 1990–2007 von 415 auf 5419 Mio Fr., womit das Land auf der Rangliste der für die Schweizer Wirtschaft wichtigsten Absatzmärkte von Platz 32 auf 10 vorgestossen ist. Weit vorgerückt sind auch Indien von Platz 37 auf 17 sowie Russland, das sich aktuell auf Platz 13 wiederfindet. Die Ausfuhren nach Russland konnten allein in den letzten fünf Jahren von 885 Mio auf 2919 Mio Fr. mehr als verdreifacht werden. Zusammengerechnet sind die Bric-Staaten der fünftwichtigste Exportmarkt, der sich zudem weiterhin durch die dynamischsten Wachstumsraten auszeichnet.
Maschinen, Uhren und Schoggi
Der Export stützt sich mehr oder weniger auf alle Branchen, und vom Wachstum der vergangenen Jahre profitieren konnten eigentlich sämtliche der rund 37000 in Ausfuhrgeschäften aktiven Unternehmen, die Hälfte mit einem Plus zwischen 11 und 22%. Nach Branchen bilden die Chemische Industrie (inklusive Pharma) und die Maschinenindustrie mit einem Anteil von zusammen 57% das Rückgrat des Exports. Die kräftigsten Wachstumsraten verzeichneten aber 2007 die Nahrungs- und Genussmittelindustrie (23%), die Uhrenindustrie (16%) und die Metallindustrie (15%). Ein ähnliches Bild ergibt sich – wenn auch um einige Prozente abgeschwächt – fürs laufende Jahr.
Es gibt kein Ausruhen
Insgesamt wird das starke Wachstum der Exportwirtschaft leicht relativiert, denn rund ein Drittel ist letztlich nicht auf Volumensteigerung, sondern auf die Entwicklungen an der Preisfront zurückzuführen. Beeindruckend ist hingegen, dass 2007 die Schweizer Exportwirtschaft kräftiger gewachsen ist als der Welthandel, der real «nur» um 5,5% zulegen konnte. Überblicken wir hingegen den viel längeren Zeitraum 1990–2007, so hat sich die Position der Schweiz im Welthandel verschlechtert. Das Land ist in den 1990er Jahren von Platz 14 auf Platz 21 abgerutscht. Seither pendelt es zwischen 21 und 20. Der Anteil der Schweizer Exporte am gesamten Welthandel ist von 1,85% im Jahre 1990 auf 1,2% im Jahr 2007 geschrumpft. Diese Entwicklung zeigt, dass es trotz des jüngsten Aufschwungs mittelfristig kein Ausruhen auf den Lorbeeren und schon gar keinen Grund zur Überheblichkeit gibt.
Soll der Exporterfolg in Zukunft fortgesetzt werden, sind nicht nur die einzelnen Unternehmen, sondern auch die Politiker gefordert. Der Bund bietet dabei den exportierenden Firmen über die Exportrisikoversicherung (SERV) finanzielle und über die Organisation Osec operationelle Hilfe an. Er versucht im Rahmen seiner Aussenwirtschaftpolitik, günstige Rahmenbedingungen für die Exportwirtschaft auszuhandeln. Die Wirtschaftsdiplomatie erfolgt, wie im Aussenwirtschaftsbericht des Bundes genau dokumentiert wird, an mehreren Fronten. Im Vordergrund stehen die verschiedenen Bemühungen zum Abschluss von Freihandelsabkommen: Über die bilateralen Verträge mit dem EU-Wirtschaftsraum sowie über Abkommen zusammen mit den EFTA-Partnern mit einzelnen Ländern wie Kanada, Mexiko, Chile, Ägypten, Singapur, Korea usw. Freihandel wird auch mit den immer wichtigeren Bric-Ländern und den Ländern des Golfkooperationsrates mittelfristig ins Auge gefasst.
Parallel versucht die Schweiz, in verschiedenen Gremien die weitere Liberalisierung des Welthandels aktiv mitzugestalten, so in der OECD, in der Uno, in der WTO und im IWF. Dabei geht es prinzipiell um den Abbau von Handelshemmnissen und um internationale Angleichungen im Produkt- und Wettbewerbsrecht.
Schweiz ist gut gerüstet
Wenn man auf die Bewertungen der verschiedenen internationalen Rankings abstellt, so ist die Schweiz schon heute gut gerüstet, um auf den liberalisierten Märkten eine wichtige Rolle spielen und ihre Exportposition weiter verstärken zu können. In der Rangliste des World Economic Forum (WEF) zum Beispiel, die sich auf mehr als hundert Bewertungsfaktoren abstützt, findet man die Schweiz auf Platz zwei.
Als besondere Stärken ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit werden die hohe Innovationskraft, die Transparenz und Zuverlässigkeit der staatlichen Institutionen, die guten Infrastrukturen und der sehr flexible Arbeitsmarkt hervorgehoben. Eklatante Schwächen sind zwar kaum auszumachen, befindet sich doch die Schweiz bei elf der zwölf wichtigsten Kriterien im vorderen Fünftel der untersuchten Staaten. Negativ bewertet werden allerdings die im Vergleich zu einigen anderen Ländern höhere Staatsverschuldung und die schwachen Aktionärsrechte.
Nachteilig auf die Wettbewerbsfähigkeit wirken sich auch die eher geringe Marktgrösse und die mittelmässige Arbeitsproduktivität aus. Letztere wird jedoch mit einer hohen Erwerbsquote und langen Arbeitszeiten kompensiert, was schliesslich zu einem hohen Pro-Kopf-Einkommen führt. Dieses ist wegen der hohen Lebenskosten allerdings auf kaufkraftbereinigter Basis um 25% tiefer als zu laufenden Wechselkursen einzustufen. Verbesserungspotenzial im globalen Wettbewerb gibt es auch in der Bildung und im Gesundheitswesen.