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"Kompensationen" von Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten
Es ist wieder die Zeit im Jahr, in welcher die
Aktiengesellschaften Ihre Geschäftszahlen
präsentieren und die Firmenleitungen sich
ihre Löhne
erhöhenbestätigen
lassen.
Verwaltungsräte zahlen sich dann je 200 oder 300 Tausend Franken für's Jahr aus. Man schaut sich die einzelnen Verwaltungsräte näher an und siehe da, die haben ja noch andere Verwaltungsratsmandate. Und sitzen noch in Geschäftleitungen. Und haben Familien.
Ja wieviel Zeit haben denn die eigentlich für so ein Verwaltungsratsmandat übrig? Tauchen sie an den Sitzungen auf? Haben sie genug Zeit sich fundiert mit der Situation der Firma, den Problemen, dem Marktumfeld, den Herausforderungen, dem technischen Fortschritt auseinanderzusetzen? Für wieviel effektiv aufgewendete Zeit bekommen sie eigentlich die 200'000 Franken?
Wenn man dann die ganzen Mandate dieser Verwaltungsräte zusammenrechnet kommt man auf Löhne im Millionenbereich.
Von mir aus kann jemand 200'000 oder 300'000 im Jahr verdienen. Aber eine Million? Bei Publikumsgesellschaften? Echt? Was ist denn die Wertschöpfung dieser Verwaltungsräte für die Firmeneigner (aka die Aktionäre)?
Auch bei "Publikums"gesellschaften, wie z.B. der Swisscom, die mehrheitlich dem Staat gehört, garniert eine Verwaltungsrätin über 200'000 pro Jahr. Ist das im Interesse der Eigner, der Bürger?
Die Argumentation ist dann naheliegend, dass Staatsangestellte in leitenden Funktionen ebenfalls zu "Marktpreisen" entlöhnt werden sollten. Natürlich sollten die Löhne dann ebenfalls jährlich (nach oben) angepasst werden, vom Parlament, welches die schwere Bürde und Verantwortung der vielen Verwaltungsratsmandate nachfühlen kann.
Das alles riecht sehr streng nach Korrumpiertheit. Nicht Korruption im Sinne, dass Entscheidungsträger mit Geld bestochen werden (was bei Verwaltungsratsmandaten für wohlgesonnene Gesetzesgeber auf der Hand liegt), sondern nach Korrumpiertheit im Sinne von korrupten Menschen, Soziopathen, welche ein Problem haben Mitgefühl oder Respekt anderen gegenüber zu empfinden oder Verhältnismässigkeit angesichts ihres eigenen Egos zu wahren.
Es riecht streng nach einer Elite, welche oben sitzt und sich gegenseitig Posten zuschiebt.
Ich würde gerne allen, die in diesen Zeiten einen Stimmzettel zur Generalversammlung einer Aktiengesellschaft bekommen, den Gedanken mitgeben, innezuhalten und sich zu überlegen:
- der Geschäftsführung keine Entlastung zu geben
- den Vergütungsbericht abzulehnen
- den Vergütungsausschuss abzuwählen
Weil ich glaube nicht, dass eine Firma eine schlechtere Führung kriegt, wenn der Lohn der Chefen auf 300'000 beschränkt wird. Vielleicht eher im Gegenteil, weil dann nicht die Leute die Firma leiten, denen eine Erhöhung der eigenen "Vergütung" zwecks Besitz einer neuen Yacht das allerwichtigste ist?
Ich glaube nicht, dass einer Chefin schweres Leid zugefügt wird, wenn sie keine Million im Jahr verdienen kann.
Ganz anders ist es am anderen Ende der Kette: bei Putzfrauen, die als Einzigerwerbende für eine Familie sorgen müssen, 7 Tage die Woche 12 Stunden pro Tag - unter anderem bei solchen AG's - arbeiten, die Kinder in Fremdbetreuung geben und dafür 4500 Franken kriegen.
Da machen nur schon 500 Franken mehr oder weniger im Monat sehr viel aus.
Vielleicht wäre es gut bei der Verteilung und Investition der Millionen, das Geld besser in loyale, gesunde und zufriedene Mitarbeiter zu stecken, in Weiterbildung und Aufstiegsmöglichkeiten, statt es für Luxus und Ego zu verpulvern?
Tomáš Pospíšek, 2018-04-02