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Schweizer Geschichte
Linthkanal
Es war nicht immer so, dass das Gebiet der Linthebene regelmässig unter Wasser stand. Um 1700 war ein grosser Teil der Ebene fruchtbares Land – doch mit der Industrialisierung kam die Wende. Der Kahlschlag der Wälder führte dazu, dass immer grössere Mengen von Gestein und Schlamm in die Linth gelangte. Die Folge war, dass sich das Bachbett der Linth hob. Mit schöner Regelmässigkeit standen von da an die Uferpartien von Walenstadt und Weesen unter Wasser. Die Geschiebeablagerungen der Linth versperrten der Maag, dem Abfluss des Walensees, den Weg. Dadurch stieg der Wasserspiegel des Sees und die Wasserläufe in der Linthebene änderten ständig ihren Weg.
In Walenstadt und in Weesen mussten die tieferen Geschosse der Gebäude aufgegeben und die Brunnen und Strassen immer wieder höhergelegt werden. Während des Hochwassers wurden Notstege errichtet.
Im Laufe weniger Jahrzehnte wurde die Not der Bevölkerung unerträglich. Das Kulturland versumpfte, Sumpffieber und Malaria breiteten sich aus. „Das kalte Fieber ist ganz einheimisch unter uns geworden. Gallen- und Faulfieber, die Ruhr, Gliederkrankheiten und andere Seuchen werden mit jedem Jahr gewöhnlicher“, notierte der Pfarrer von Mollis.
Unter der Leitung des Zürcher Naturforschers und Ingenieurs Johann Conrad Escher (1767 – 1823) begannen am 1. September 1807 bei Mollis im Kanton Glarus die Bauarbeiten für die Linthkorrektion. Als erstes zwängte Escher die Linth bei Mollis in einen engen Kanal und leitete sie in den Walensee, der als natürliches Staubecken wirkte. Die Eröffnung des 6 Kilometer langen Escherkanals fand am 8. Mai 1811 statt.
Die zweite Bauphase umfasste den 19 Kilometer langen Linthkanal. Durch die „Begradigung“ des Flusslaufes wurde der wild geschlängelte Fluss um 8 Kilometer verkürzt. Mit der Eröffnung am 17. April 1816 floss nun die gezähmte Linth als Kanal in den Zürichsee. Bereits bei Eschers Tod war der Spiegel des Walensees um 5 Meter und dadurch der Grundwasserstand in der Linthebene spurbar gesunken.
Dies bewirkte, dass die alljährliche Überschwemmungsgefahr gebannt war, die Ebene austrocknete und aus dem Sumpfgebiet Kulturland gewonnen wurde.
Johann Conrad Escher hat für sein Werk den
einzigen Adelstitel (von der Linth) erhalten,
den die Eidgenossenschaft je vergeben hat.
Mit der Linthkorrektion wurde auch der Wasserweg zwischen Zürich- und Walensee erschlossen. Die Lastkähne wurden getreidelt, das heisst gezogen. Mit der Eröffnung der durchgehenden Eisenbahnverbindung Zürich – Chur 1859 verlor der Linthkanal jedoch seine Bedeutung als Verkehrsachse.