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In Guatemala gibt es unzählige Strassenhunde und Katzen, die entweder verstossen, angefahren und oft auch vergiftet werden. Einige wenige Or- ganisationen nehmen sich dieser Tiere an und sind vor allem auf Spenden und die Hilfe von Volontären angewiesen, da sie vom Staat nicht unterstützt werden. Animal Aware ist eine dieser Non-Profit-Organisationen.
(Fotos: Gabriela Rolli)
Mein Hab und Gut zerrt an meinen Schultern, wie ich den halbstündigen Fuss- marsch von der Bushaltestelle zum Tierheim Animal Aware, in der nähe von Guatemala City, zurück lege. Am Gatter werde ich von zwei einheimischen Pfle- gern begrüsst und eingelassen. Für die nächsten zwei Wochen werde ich im Zimmer gleich neben der Klinik hausen. Der Gestank ist kaum auszuhalten und dass ich jemals einen Fuss in diese Dusche setzen werde, bezweifle ich sehr. Trotzdem, nachdem ich mir einige Räucherstäbchen angezündet habe, die mir das Atmen etwas erleichtern, freue ich mich auf die bevorstehende Arbeit. Xenii, die Leiterin dieses Heims, arbeitet seit dreissig Jahren mit kranken, verstossenen oder angefahrenen Tieren in Guatemala. Hauptsächlich mit Strassenhunden. Sie war eine erfolgreiche Mode-Designerin in Kalifornien, bis sie vor 32 Jahren hierher kam und nicht mehr ging.
Mein Tag beginnt um 6:30 Uhr, dann koche ich mir einen Kaffee und mache mich danach sogleich an das Ausmisten der Käfige in der Klinik. Zur Zeit warten zwei Katzen und ein Kater auf eine Kastration, welche das Tierheim gratis anbietet. Dann sind da noch Roli, ein kleiner, schwarzer Hund, der in drei Monaten von einem älteren Herrn abgeholt wird, Christmas, eine scheue Katze, die so scheu ist, dass sie tot umfallen würde, wenn man sie zu den anderen 80 Katzen ins Gehege tun würde, Spirit, eine angefahrene Hündin, eine ausgesetzte Katzenmutter mit ihren zwei Neugeborenen, „Schnudi“, ein lieber Kater, der operiert werden müsste, damit er wieder richtig atmen kann, noch eine Katze, die sich von einer Operation erholt, die beiden Welpen Cuy und Oscarina und der stolze Pancho, der Klinikkater. Der Einzige, der frei herum laufen darf. Vermutlich riecht es deswegen so streng in meinem Zimmer.
Nach dem ausmisten, reinige ich den Boden und werde so um diese Zeit von Claudia, der Tierärztin, begrüsst, die zweimal in der Woche am Vormittag hierher kommt. Während dieser Zeit assistiere ich ihr, was mir grossen Spass macht. Wo sonst darf man denn schon mit null Erfahrung bei Operationen mithelfen. Besonders hygienisch geht es nicht unbedingt zu und her in diesem OP, aber für etwas Besseres fehlen einfach die finanziellen Mittel. Gegen Mittag fahre ich mit Xenii zur Fima Purina, welche uns gratis Hundefutter zur Verfügung stellt. Einzige Bedingung: Wir müssen ihre Säcke aufschneiden und das Futter in unsere mitgebrachten Jutesäcke abfüllen. Dir Firma will so sicher gehen, dass wir ihr Futter nicht mit der Originalverpackung auf dem Schwarz- markt verkaufen. Also biegen wir unter brütender Sonne das Futter um und hieven die schweren Säckle auf den Wagen. Als wir zurück kommen, begutachtet gerade eine Frau einen Welpen. Sie will ihn für ihren Sohn adoptieren. Im Heim herrscht immer grosse Freude, wenn eines der 280 Tiere adoptiert wird. Meist haben nur die jungen Katzen und Hunde eine Chance. Die Anderen warten beharrlich in ihren Käfigen, bis sie mit den wenigen Betreuern ein bis zweimal am Tag „Gassi“ gehen können. Aber alles ist besser, als auf den Strassen zu verenden. Als Volontär wird man hauptsächlich in der Klinik gebraucht. Trotzdem bleibt einem genug Zeit, um auch mal ins Katzengehege zu gehen und die Tiere zu streicheln oder um sich einen jüngeren Hund zu schnappen, um ihm gewisse Dinge beizubringen. Gemäss Xenii sind es hauptsächlich gutsituierte US-Amerikaner, die einen Hund adoptieren, damit sie in der Gesellschaft angeben können. Meist verlangen sie einen jungen Strassenhund, der aber bereits an der Leine geht und „Sitz“ und „Platz“ und „Fuss“ und überhaupt alle Befehle beherrscht.
Gegen Abend steht oft Entflohen und Baden auf dem Programm. Bei den zweihundert Hunden kommt man aus dem striegeln nicht mehr raus. Müde aber glücklich geht man dann zu Bett und kratzt sich bei einem Film die unzähligen Flohbisse.
Falls ihr diese Erfahrung auch machen oder einfach spenden wollt, hier nochmals der Link: animalaware.org/