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Ein Oscar für «Die zwei Päpste»?
Mehr Publicity kann sich ein Film nicht wünschen: Am 13. Januar wurde bekannt, dass Jonathan Pryce und Anthony Hopkins, die Darsteller von Papst Benedikt XVI. und seinem Nachfolger Franziskus in «Two Popes», für den Oscar nominiert sind. Am gleichen Tag erschien in der französischen Tageszeitung «Le Figaro» ein Interview mit Kurienkardinal Robert Sarah, zusammen mit Auszügen aus einem Buch, das Beiträge von Sarah und dem emeritierten Papst Benedikt XVI. enthält. «Des profondeurs de nos cœurs» (so der Titel), aus der Tiefe ihrer Herzen äussern sich Sarah und Benedikt zu Priestertum und Zölibat.
Ein Buch zum Thema Zölibat, verfasst von einem Kurienkardinal und dem Vorgänger des amtierenden Papstes, zu einem Zeitpunkt, da von diesem ein Schreiben zur pastoralen Versorgung der Amazonasregion erwartet wird, ein Schreiben, das auch auf die Forderung nach der Priesterweihe für verheiratete Männer eingehen müsste: An Zufall mag man da nicht glauben. Schon eher an eine bewusste Provokation, bei der Kurienkardinal Robert Sarah die treibende Kraft ist, der seiner Publikation mit dem Namen Benedikt XVI. (zusätzliche) Publizität verschaffen wollte. In der ersten Auflage wird Benedikt an erster Stelle als Autor genannt und im weissen Gewand gezeigt, als ob er noch immer Papst wäre.
Hat Sarah den emeritierten Papst instrumentalisiert? Der Kurienkardinal hat Vorwürfe dieser Art zurückgewiesen, Benedikts Privatsekretär Georg Gänswein sprach von Missverständnissen. Solche gebe es nicht, teilte Sarah per Twitter mit, nachdem er Benedikt am 17. Januar, zwei Tage nach Erscheinen des Buchs, besucht hatte. Klar scheint so viel: Wie aus den von Sarah ebenfalls via Twitter veröffentlichten Schreiben von Benedikt hervorgeht, hat dieser Sarah einen Aufsatz zu Priestertum und Zölibat zur Verfügung gestellt.
Die Geschichte ist keine gute Werbung für die Institution, in der das Trio in nicht ganz unbedeutenden Positionen tätig ist respektive war. Ja, für die Rolle des emeritierten Papstes gibt es kein Regelwerk, aber ein solches braucht es nicht, um zu erkennen, dass der Vorgänger von Franziskus für die Publikation seiner Äusserungen zum katholischen Priestertum ein problematisches Umfeld ausgesucht hat.
Im Oscarrennen sind die Darsteller der beiden Päpste übrigens nicht direkte Konkurrenten, da sie in verschiedenen Kategorien nominiert sind: Pryce alias Bergoglio/Franziskus als Hauptdarsteller, Hopkins als Benedikt als Nebendarsteller.
Regula Vogt-Kohler