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Museum Bigorio
Die in diesem kleinen Museum ausgestellten Objekte stammen aus verschiedenen Kapuzinerklostern. Die einen dienten als Haushaltgegenstände, andere wurden in mühsamer Handarbeit von den Mönchen hergestellt. Das Museum selbst ist im Kloster Santa Maria über dem kleinen Dorf Bigorio untergebracht.
Die Sammlung des Museums ist mit der langen Geschichte dieses Ortes verbunden: Das Kloster Santa Maria von Bigorio besteht seit 1535.
Noch enger verbunden ist sie mit der Lebensform, die dort ununterbrochen blühte: frühe Gründung durch die Kapuziner (nur gerade acht Jahre nach Entstehen des Ordens), keinerlei Veränderungen und Unterbrechungen, das Kloster wurde nie aufgehoben und beherbergte immer nur Kapuziner. Während der Renovierung gingen nicht wenige Dinge verloren, von denen man weiss oder annimmt, dass sie vorhanden waren.
Das letzte und dramatischste Ereignis war der Brand von 1987, dem alte Gegenstände und Möbel zum Opfer fielen, die sich in Abstellräumen befanden, weil sie nicht mehr verwendet wurden. Aber schon vorher waren im Zuge der vielen baulichen Veränderungen, die aus der ursprünglich kleinen Einsiedelei das solide Kloster von heute machten, Möbel und Einrichtungsgegenstände ersetzt worden. Zu diesen äusseren Ursachen kamen Veränderungen des Lebens innerhalb des Klosters: Der Untergang der Hilfstätigkeit bedeutete das Ende von vorher blühenden Aktivitäten wie der Brennerei und dem Anbau von Heilpflanzen.
Aber auch im religiösen Bereich führten die Reformen in Liturgie und Frömmigkeit dazu, dass viele nicht mehr funktionale Gegenstände beseitigt wurden. Und auch in Fällen, wo es zu keiner physischen Beseitigung kam, besteht immer die Gefahr des Vergessens, die einen Gegenstand für den Betrachter unleserlich macht. Ein Gegenstand, der nicht mehr in Gebrauch ist, bedeutet uns nichts mehr und wird zur toten Materie.
Die Sammlung verfolgt gleichzeitig zwei Ziele: Sie will das, was geblieben ist, bewahren und alte Erinnerungen an verschwundene Lebensformen wachrufen; und dies auf den beiden Ebenen der Religiosität und des Alltags. In den Ausstellungsräumen werden die beiden Aspekte deutlich getrennt.
Zu sehen sind einerseits Gegenstände, die in die religiöse Sphäre gehören: sie betreffen die Liturgie und die gelebte Frömmigkeit. Anderseits werden die täglichen Verrichtungen der Kapuziner dokumentiert: ein Orden, in dem sich das “labora”, parallel zum “ora” in kleinen handwerklichen Tätigkeiten konkretisierte; einige davon dienten einem sehr bescheidenen Lebensunterhalt (wie das Almosensammeln, der Gartenbau, das Herstellen der Kleider, die Pflege von Küche und Keller), die andern hatten den Zweck, die freien Stunden mit einer nicht bezahlten Arbeit auszufüllen. So wurden Stoffe gewoben, Taschen und Körbe geflochten, kleine Möbel hergestellt, die Geschicktesten schnitzten zur Andacht bestimmte Statuetten aus Holz und stellten Tabernakel her (in ländlichen Gegenden findet man einen ganz bestimmten Tabernakeltyp, der typisch ist für die Kapuziner); recht aktiv wurde auch das Brennen betrieben (das noch im traditionellen Nussschnaps Ratafià weiterlebt), die Kapuziner befassten sich auch mit der Heilkunst und mit der Medizin (das Museum präsentiert eine Reihe von Zangen zum Zahnziehen), was ihnen in Pestepidemien zugute kam, bei denen sie immer in vorderster Front Hilfe leisteten.
Einen wichtigen Platz nehmen die Exponate ein, die mit dem Gebet zusammenhängen: sie sind teilweise mit der Liturgie verbunden wie die schönen Stoff- und Metallobjekte, mit Beispielen auch aus unserem Jahrhundert. Die tägliche religiöse Praxis dokumentieren Gegenstände für die Busse, Rosenkränze, Reliquiarien und Andachtsbilder. Darunter sind einige wirkliche Kunstwerke, wie das grosse mittelalterliche Kreuz (ein kürzlicher Ankauf) und der bewegbare, vom Kreuz abgenommene Christus, der eine grosse Seltenheit darstellt. Ein beachtlicher Teil dieser letztgenannten Objekte befindet sich im Kloster, wo sie eine noch lebendige Schmuck- und Andachtsfunktion erfüllen.
Die überaus interessante Bibliothek enthält zahlreiche Bücher, deren Verfasser nicht selten Kapuziner aus dem Kloster waren. Sie bezeugen die gleiche Lebensführung, die vom kleinen Museum in Erinnerung gerufen wird.
Dem Besucher werden auch die Bilder in der Kirche auffallen (die Madonna des Hochaltars ist von hohem künstlerischen Niveau), ebenso wie die von Kapuzinern im 18. Jahrhundert geschaffenen Intarsien des Altars, die prächtigen Lederantependien (Voraltar) und die aussergewöhnlichen Holzkandelaber.