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Die Geschichte der Verhütung glich lange einem Tappen im Dunkeln. Bis vor zwei Generationen beruhte sie meist auf blankem Zufall oder schierem Glück.
Keuschheit war schon im Mittelalter die sicherste Art der Verhütung, aber Keuschheit war schwer durchzusetzen.
Die mittelalterlichen Keuschheitsgürtel, die man in Museen fand, erwiesen sich als Fälschung.
Der Keuschheitsgürtel für Ehefrauen, deren Männer auf Reisen weilten, wurde in der Barockzeit erfunden und als Idee verbreitet, um das Bild des finsteren Mittelalters zu untermalen.
Seit dem 16. Jahrhundert ist die Anwendung von Kondomen dokumentiert, hergestellt aus Fischblasen oder Schafsdärmen. Diese waren aber teuer, weswegen sie oft wiederverwendet wurden. Nach Gebrauch mussten sie gewaschen und mit einer öligen Lösung eingerieben werden, damit sie ihre geringe Elastizität behielten.
Kondom aus einem Schafsdarm mit Baumwollbändel zur besseren Befestigung.
«Kondome sind ein Bollwerk gegen das Vergnügen, aber ein Spinnweb gegen die Gefahr.»
Der Amerikaner Charles Goodyear erfand die Vulkanisierung des Gummis in den 1840er-Jahren. Diese Idee führte nicht nur zur Erfindung von aufblasbaren Autoreifen, sondern auch von Kondomen zur Verhütung. Gummikondome waren am Anfang für die Wiederverwendung konzipiert. Sie begannen sich ab den 1870er-Jahren zu verbreiten.
Im ersten Weltkrieg haben die meisten Länder ihre Soldaten mit Gratiskondomen ausgestattet, nur die USA und Grossbritannien taten dies nicht. Die Briten verteilten Kondome erst ab dem Jahr 1917, als bereits rund 5% der Soldaten auf britischer Seite wegen Geschlechtskrankheiten für Wochen ausfielen. Dazu gehörten Syphilis (Lues) und Gonorrhoe (Tripper).
Das Bidet (französisch: kleines Pferd) diente der Scheidenspülung nach dem Geschlechtsverkehr zur Schwangerschaftsverhütung.
Die Bezeichnung kommt daher, da sich die Frau rittlings auf ein Bidet setzt.
Da viele Männer keine Kondome benutzen wollten, mussten die Frauen sich selbst helfen. Das Bidet war der Apparat dazu. Heute werden Bidets vor allem zur besseren Vaginal- und Analhygiene benutzt.
Die Knaus-Ogino-Methode wurde von einem Deutschen und einem Japaner erfunden und verbreitete sich Ende der 1920er-Jahre. Mit dieser Kalendermethode konnte jede Frau ihre fruchtbaren Tage berechnen. Die Knaus-Ogino-Methode ist allerdings zur Schwangerschaftsverhütung eher unsicher, da die nächste Menstruation nicht zuverlässlich vorausgesehen werden kann.
«Enthaltsamkeit in der fruchtbaren Zeit greift nicht in die natürlichen Abläufe ein.»
In den 1960er-Jahren kam die Verhütungspille in Mode. Damit konnten die Frauen ihre Sexualität zum ersten Mal ausleben, ohne Angst, schwanger zu werden. Die erste europäische Pille kam 1961 auf den (West-)deutschen Markt und trägt den Namen «Anovlar», was so viel heisst wie «ohne Eisprung».
Die amerikanische Feministin und Verhütungsaktivistin Margret Sanger war es, die in den 1950er-Jahren einen befreundeten Endokrinologen dazu brachte, ein hormonelles Verhütungsmittel zu entwickeln. Die wohlhabende Biologin und Freundin von Sanger, Katherine McCormick, bezahlte die Kosten für die Entwicklung der Pille aus der eigenen Tasche.
Gemeinsam machten die beiden Frauen es möglich, dass endlich ein sicheres Verhütungsmittel für Frauen auf den Markt kam.
Die Zusammenhänge zwischen Armut, unkontrollierter Fruchtbarkeit, hoher Säuglings- und Müttersterblichkeit und Todesfällen durch verpfuschte illegale Abtreibungen motivierte Margaret Sanger auf dem Weg zur Entwicklung der Antibabypille.
Das Recht jeder Frau, ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden, stand im Zentrum. Margaret Sanger sah in den vielen ungewollten Schwangerschaften einen wichtigen Treiber für die Armut.
Entwicklung der Pille. In diesem historischen Film erklärt der Erfinder Dr. Pincus wie es zur Erfindung der Pille kam.
Die Pille zur Verhütung war derart revolutionär, dass sie vorerst nur gegen Menstruationsbeschwerden zugelassen, später dann für verheiratete Frauen mit mehreren Kindern verschrieben wurde. Viele Ärzte weigerten sich, jungen unverheirateten Frauen die Pille zu verschreiben. Sie befürchteten einen Zerfall der Sitten und ein ungehemmtes Sexualleben.
Die politisch Verantwortlichen und die Kirchenvertreter erkannten das revolutionäre Potenzial der Verhütungspille rasch. Sie versuchten darum, den Gebrauch mit moralischen Mitteln einzuschränken.
Es ist kein Zufall, dass die Pille so spät «erfunden wurde». Das Grundwissen über die Ovulationshemmung und die daran beteiligten Hormone waren schon in den 1930er-Jahren bekannt. Seit 1938 kann auch synthetisches Östrogen hergestellt werden.
Das öffentliche Interesse an einer sicheren Verhütungsmethode war gering, weil man befürchtete, dass damit alle Schranken der Sexualität eingerissen würden.
Der Siegeszug der Pille konnte jedoch nicht aufgehalten werden. Die Menschen erkannten den Vorteil einer verlässlichen Familienplanung rasch und erfanden Wege, um an die Hormonpille zu gelangen. In den 1960er-Jahren setzte sich der Begriff Antibabypille durch. Daran konnte auch die deutsche Bundesregierung nichts ändern, die sich zusammen mit vielen Ärzten vehement gegen diese Bezeichnung wehrte.
In den 1970er-Jahren nahmen rund 30% der Frauen im gebärfähigen Alter die Pille. Diesen Umstand nahmen viele Männer zum Anlass, sich nicht mehr um die Verhütung zu kümmern und dies vollends den Frauen zu überlassen.
Ab den 1980er-Jahren stieg jedoch die Pillenmüdigkeit der Frauen, Nebenwirkungen wie eine reduzierte Libido, ein gewisses Thrombose- und Brustkrebsrisiko oder Migräneanfälligkeit brachten vor allem sensibilisierte Frauen dazu, sich der Pille und anderen hormonbasierten Verhütungsmitteln zu verweigern und auch die Männer wieder stärker in die Pflicht zu nehmen.
Seit der Aidswelle in den 1980er Jahren ist das Kondom wieder zum beliebtesten Verhütungsmittel geworden.
Heute verhüten wieder mehr Frauen mit Spiralen und Vaginalringen. Die Art der Verhütung ist vielfältig geworden und Modeströmungen unterworfen. Generell kann man sagen, dass die Qualität der Verhütung auch mit der stärkeren Abkehr von der Pille nicht gelitten hat. Die Zahl der Abtreibungen ist in der Schweiz seit der Jahrtausendwende klar rückläufig.
Die Pille war eine der folgenreichsten Erfindungen des zwanzigsten Jahrhunderts. Sie ermöglichte nicht nur eine bessere und genauere Familienplanung, sondern befreite auch die Sexualität, die vorher besonders für Frauen massiv durch die Angst vor Schwangerschaften eingeschränkt gewesen war.