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Physiologische Bedürfnisse
Hundewelpen sind bei ihrer Geburt noch sehr unreif, und es dauert einige Zeit, bis sie in der Lage sind, sich gegen die Einflüsse ihrer Umwelt zu schützen. In den ersten Lebensstunden konzentrieren sich ihre unmittelbaren Bedürfnisse auf Wärme, Wasser und Energie.
Die Rektaltemperatur neugeborener Welpen ist niedriger als die ausgewachsener Hunde. Wenn die Mutter ihre Welpen nicht annimmt oder die Nahrungsaufnahme nicht ausreichend hoch ist, muss die Temperatur unbedingt kontrolliert werden und darf nicht unter 34 Grad Celsius sinken.
Wärme
Wärme ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für das Wohlbefinden der Neugeborenen. Zum Zeitpunkt der Geburt sind die Welpen noch nicht in der Lage, die eigene Körpertemperatur zu regulieren. Ihre Körperinnentemperatur liegt unmittelbar nach der Geburt um 3°C niedriger als im Alter von 5 Wochen (35,5°C gegenüber 38,5°C). Welpen reagieren sehr empfindlich auf Kälte. Sobald sie unter einem Wärmemangel leiden, verlangsamen sie ihre Bewegungen und sie sind schliesslich nicht mehr in der Lage, Milch zu saugen. Ein unterkühlter Welpe muss wieder aufgewärmt werden, wichtig ist jedoch, dass dies langsam und schrittweise erfolgt. Das Nest der Welpen muss in der ersten Lebenswoche mindestens 28 bis 30°C warm sein. Kontrolliert wird die Temperatur mit Hilfe eines unmittelbar in der Wurfkiste liegenden Thermometers. Die Wand des Geburtsraumes ist für die Temperaturmessung nicht geeignet, da Wärme aufsteigt. Die Hündin kann jedoch eine derartig hohe Temperatur nicht dauerhaft ertragen und sollte deshalb von Zeit zu Zeit Ausgang bekommen, um sich erfrischen zu können. Für mittlere oder grosse Zuchtzwinger kann sich durchaus lohnen, einen Brutkasten für neugeborene Babys aus der Humanmedizin anzuschaffen.
Welche Systeme eignen sich am besten, um unterkühlte Welpen aufzuwärmen?
Der einfachste und schnellste Weg, einen unterkühlten neugeborenen Welpen aufzuwärmen, besteht darin, ihn eng am eigenen Körper unter einem Kleidungsstück zu tragen. Liegt seine Temperatur unter 34°C dauert es 2 bis 3 Stunden. Das beste Mittel zur Unterkühlung ist jedoch das Aufrechterhalten einer warmen Umgebungstemperatur mit Hilfe von Infrarotlampen. Elektrische Heizdecken oder Wärmeflaschen können ebenfalls hilfreich sein, es besteht aber ein erhöhtes Risiko für Verbrennungen, wenn die Temperatur nicht optimal kontrolliert wird. Generell ist eine Wärmezufuhr von aussen immer dann erforderlich, wenn die Körperinnentemperatur des Welpen leicht zu sinken beginnt. Bei hochgradiger Unterkühlung (weniger als 32°C) muss zunächst der Tierarzt eine warme Lösung intravenös infundieren, bevor der Welpe von aussen aufgewärmt wird, um Herz-/Kreislaufstörungen zu verhindern. Schliesslich muss man wissen, dass ein Welpe mit einer Körpertemperatur unter 34°C nicht verdauen kann. Er darf also weder bei der Mutter saugen, noch mit der Flasche gefüttert werden, bevor er wieder aufgewärmt ist, da sonst die Gefahr für eine Magenüberladung und Erbrechen besteht.
Wasser
Ein neugeborener Welpe besteht zu 80% aus Wasser. Da seine Haut jedoch noch nicht mit einer schützenden Hornschicht ausgestattet ist, kann er sehr schnell austrocknen. Die Luftfeuchtigkeit in der Welpenstation sollte deshalb nicht unter 55% sinken, ideal wären 65%. Es empfiehlt sich, ein Hygrometer in der Nähe der Wurfkiste aufzuhängen. Diese kleinen Geräte sind nicht teuer und in jedem Baumarkt erhältlich. Wird zusätzlich geheizt, trocknet die Luft sehr schnell aus. Zur Regulation der Luftfeuchtigkeit ist das Aufstellen von Töpfen mit Wasser im Welpenraum oder spezieller Raumluftbefeuchter zu empfehlen. Ein deutliches Anzeichen für das Austrocknen eines Welpen ist ein Gewichtsverlust. Häufig verlieren Welpen im Verlauf der ersten 24 Lebensstunden etwas an Gewicht und nehmen dann wieder zu. Verliert ein Welpe mehr als 10% seines Gewichts, sollte man ihm lauwarmes, leicht gezuckertes Wasser mit Hilfe einer Babyflasche zu trinken geben oder etwas physiologische Kochsalzlösung unter die Haut injizieren. Ein hundert Gramm schwerer Welpe erhält eine Dosis von 20ml Kochsalzlösung pro Tag, verteilt auf mehrere Einzelgaben.
Energie
In den ersten Tagen erhält der Welpe seine Energie über das Kolostrum, später über die Muttermilch.
Pflege der Neugeborenen - Natürliches Saugen und Flaschenaufzucht
Kaum geboren, streben die Welpen in der Regel spontan zu den Zitzen der Mutter, um das Kolostrum aufzunehmen. Einige Tage später muss die normale Milchproduktion der Mutter den gesamten Bedarf der Welpen bis zum Absetzen decken. Im Falle eines Milchmangels muss der Züchter vorbereitet sein, um zusätzlich zu füttern.
Natürliches Säugen
In den ersten 36 Lebensstunden muss der Welpe das Kolostrum - die erste Muttermilch - aufnehmen. Kolostrum ist besonders reich an Proteinen, Energie und Antikörpern zum Schutz gegen Krankheiten. Ein Mangel macht sich meist dadurch bemerkbar, dass die Welpen sehr häufig schreien, dass sie Hunger haben, krank sind, oder aber, dass sie Gewicht verlieren. Es ist deshalb ratsam, die Welpen täglich zu wiegen, um sicher zu stellen, dass sie jeden Tag zunehmen. Ist die Gewichtszunahme zu gering oder hat die Hündin einen zu grossen Wurf, darf der Züchter nicht zögern, die Welpen ergänzend aus der Flasche mit Ersatzmilch für Hundewelpen zu füttern.
Milchmangel
Das vollständige Fehlen der Milchproduktion (Agalaktie) ist bei der Hündin selten, es kommt aber vor, dass die Milch für die Neugeborenen nicht ausreicht, sei es aufgrund eines vor dem Geburtstermin durchgeführten Kaiserschnitts, sei es infolge eines Staus und einer Verhärtung im Gesäuge. Wird zu wenig Milch gebildet, können einige Oxytozininjektionen unter die Haut alle 2 bis 3 Stunden empfohlen werden, um das Einschiessen der Milch zu fördern.
In beiden Fällen ist jedoch das Zufüttern oder sogar eine vollständige Fütterung der kleinen Hunde mit einer Welpenersatzmilch unbedingt erforderlich. Stellt man fest, dass die Welpen aufgrund eines verhärteten Gesäuges Schwierigkeiten beim Saugen haben, kann man versuchen, die Stauung und Verstopfung der Zitzen (betroffen sind insbesondere die beiden hinteren) zu beheben, indem man sie mit sauberen Händen massiert, und versucht, so viel Milch wie möglich abzumelken, um die gestauten Zitzen teilweise zu leeren und dadurch weicher zu machen. So lässt sich die Milch anschliessend leichter von den Welpen absaugen.
Ernährung mit Ersatzmilch
Um die Mutter bei Krankheit oder mangelhafter Milchproduktion zu ersetzen oder zu ergänzen, sollte der Züchter eine speziell für den Bedarf von Hundewelpen zusammengesetzte Ersatzmilch verwenden. Die Milch wird unmittelbar vor der Fütterung frisch zubereitet und höchstens wenige Stunden im Kühlschrank aufbewahrt. Wenn die Welpen richtig saugen, ist die Ernähung mit der Saugflasche die sicherste Methode. Das Füttern über eine Ernährungssonde ist technisch schwierig. Die Sonde darf nicht versehentlich in die Lunge geschoben werden. Wird eine Sondenfütterung in Erwägung gezogen, empfiehlt es sich, den behandelnden Tierarzt zu bitten, dass er die Technik des Legens einer Sonde erklärt. Sind die Welpen Waisen, muss der Züchter die Mutterrolle übernehmen und in den ersten drei Lebenswochen täglich die Dammgegend der Welpen mit Hilfe eines angewärmten, feuchten Tuches massieren, um den Harn- und Kotabsatz anzuregen.
Wie kann man fehlendes Kolostrum ersetzen
Das Kolostrum muss innerhalb der ersten 24 - 36 Lebensstunden aufgenommen werden. Nach dieser Periode findet eine Aufnahme von Antikörpern im Darm der Welpen kaum noch statt. Fehlendes Kolostrum kann auf mehrere Weisen ersetzt werden. Ein Weg ist die orale Eingabe von zuvor bei der Mutter oder einer anderen Hündin abgemolkenem Kolostrum (eventuell auch eingefrorenes und vor der Gabe im Wasserbad bei 37°C aufgetautes Kolostrum). In einigen Ländern gibt es injizierbare Immunseren mit spezifischen Antikörpern gegen Parvovirose oder Staupe, aber diese schützen nur vor diesen spezifischen Krankheiten. Wirksam ist die Injektion von zuvor über eine Blutentnahme gewonnenem Serum der Mutter. Sie ermöglicht die Versorgung des Welpen mit einer grösseren Bandbreite schützender Antikörper. Ferner kann man Kolostrum von Kühen mit Muttermilch oder Welpenersatzmilch mischen. Dadurch erhält der Welpe eine gewisse unspezifische lokale Immunität. Da es sich aber um ein artfremdes Produkt handelt, kann es die Welpen weder vor Hundekrankheiten noch vor Krankheitserregern aus der Umwelt schützen.
Neonatale Pathologien - Infektiöse neonatale Krankheiten
Eine genaue Diagnose von Infektionskrankheiten ist bei Welpen im Alter von bis zu zwei Wochen nur sehr schwer möglich, da sich die Symptome unabhängig von der Ursache oft sehr stark gleichen.
Bakterielle Infektionskrankheiten
Die meisten bakteriellen Erkrankungen neugeborener Welpen sind auf Infektionen mit Erregern aus der Umwelt zurückzuführen. Der Grundpfeiler der Vorbeugung gegen alle diese Erkrankungen ist deshalb das strikte Einhalten strenger Hygienestandards, vor allem im Bereich der Wurfkiste. Statistiken belegen, dass fast 15% aller neugeborenen Welpen vor ihrem 15. Lebenstag sterben, etwa die Hälfte davon infolge einer schwierigen Geburt und fehlgeschlagener Reanimationsversuche, die andere Hälfte aufgrund von Infektionskrankheiten. Die so genannte neonatale Septikämie kann ganze Würfe befallen. Sie entsteht durch Bakterien in der Geburtsstation oder noch häufiger durch einen Befall der Scheide der Hündin mit Bakterien, die bei der Geburt auf die Welpen übertragen werden. Bestimmte Bakterien im Geschlechtstrakt der Hündin (z.B. Mykoplasmen) haben zum Teil schwere Folgen. In nur wenigen Tagen nach der Geburt können die Welpen erkranken. Häufig schreien sie ununterbrochen und hören auf, zu saugen. Eine Behandlung mit Antibiotika muss so schnell wie möglich eingeleitet werden, sie kann einen tödlichen Ausgang aber nicht immer verhindern.
Darüber hinaus gibt es einige eher lokal begrenzte Infektionen. So kann sich ein schlecht desinfizierter Nabel infizieren. Einige Tage nach der Geburt schwillt der infizierte Nabelstumpf an, ein deutliches Anzeichen für eine Nabelentzündung (Omphalitits). Diese Entzündung kann sich zu einer Peritonitis (Bauchfellentzündung) weiterentwickeln und darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Der Tierarzt muss Antibiotika auf intraperitonealem Weg verabreichen. Die wirksamste Vorbeugung gegen Nabelinfektionen ist eine Kombination auf sorgfältiger Nabelpflege, gründlicher Desinfektion und regelmässiger Nabelkontrolle.
Wenn die Mutter unter einer Infektion der Maulhöhle (Stomatitis) oder Zahnstein leidet, oder wenn die Welpen nach der Geburt mit kleinen Fetzen angetrockneter und infektiöser Plazentareste übersät sind, kann sich eine Hautentzündung mit mehr oder weniger eitrigen Krusten am Körper der Welpen bilden (Neugeborenenpyodermie). Die Welpen müssen dann mit einem antiseptischen Shampoo gebadet und gelegentlich von der Mutter getrennt werden. Die Augenentzündung der Neugeborenen äussert sich vor dem Öffnen der Lider etwa im Alter von 15 Tagen durch ein deutliches Anschwellen der Augen. Beim Drücken auf die Augen tritt Eiter aus. Der Tierarzt muss in diesen Fällen sehr schnell die Lidspalten öffnen und die Augen mit geeigneten Augentropfen säubern, sonst besteht die Gefahr der Erblindung.
Virale Infektionskrankheiten
Die bekannteste Viruserkrankung neugeborener Welpen ist die Herpesvirusinfektion der Hunde. Beim ausgewachsenen Hund verläuft diese Erkrankung nahezu unbemerkt, gelegentlich fallen Anzeichen im Bereich der Geschlechtsorgane (Unfruchtbarkeit, Papeln auf den Genitalschleimhäuten) oder im Bereich der Atemwege (Husten, Nasenentzündung) auf. Die Welpen können sich bereits in der Gebärmutter, während der Geburt oder später als Neugeborene anstecken. Die Inkubationszeit beträgt etwa 4 bis 6 Tage. Die Symptome bei erkrankten Welpen sind untypisch: Verdauungsstörungen (aufgeblähter Bauch, Durchfall), Störungen des Nervensystems (Zuckungen) und schrille Schreie. In anderen Fällen siechen die Welpen dahin, ohne weitere Symptome zu zeigen. Hier kann der Verdacht nur mit Hilfe einer Obduktion bestätigt werden.
Wie können Welpenverluste durch Herpesviren vermieden werden?
Unter allen Methoden, die dem Züchter zur Verfügung stehen, um Welpenverlusten durch Herpesviren vorzubeugen, müssen wir an aller erster Stelle die Hygiene nennen. Das Herpesvirus des Hundes ist extrem empfindlich gegen jegliche Desinfektionsmittel und kann in der Umwelt nur sehr schwer überleben, wenn sämtliche Richtlinien der Hygiene überwacht und eingehalten werden. Die Temperatur in der Wurfkiste und die Körpertemperatur der Welpen beim Kontakt mit den Viren ist der zweite wichtige Aspekt der Vorbeugung, da Herpesviren bei normaler Körpertemperatur nicht überleben können. Die Wurfkiste muss deshalb auf mindestens 30°C beheizt werden, damit die Körpertemperatur der Welpen 37,0°C anstelle von 35,5°C beträgt. Ein wirksamer Schutz der Welpen wird weiterhin erreicht auf dem Weg einer Steigerung der Immunabwehr durch eine ausreichende Kolostrumaufnahme, eine eventuelle Injektion von mütterlichem Serum oder eine Impfung der Mutter während der Trächtigkeit.
Neonatale Pathologien - Weitere neonatale Krankheiten
Angeborene Missbildungen führen, unabhängig von der zugrunde liegenden Störung, in vielen Fällen zum Tod der Welpen nach der Geburt oder in den Tagen danach.
Angeborene Missbildungen
Je nach Hunderasse weisen 1 bis 15% aller neugeborenen Welpen Missbildungen auf, die zum Tod führen können. Innere Missbildungen (z.B. Herzmissbildungen), werden oft erst bei der Obduktion festgestellt. Andere Missbildungen sind leichter zu erkennen, z.B. ein Hydrocephalus (Wasserkopf), eine Gaumenspalte (unter Umständen begleitet von einer Hasenscharte) oder eine Atresia ani (geschlossener Anus), die verhindert, dass der Welpe Kot absetzen kann. Die beiden letztgenannten Missbildungen lassen sich in einigen Fällen auf chirurgischem Weg erfolgreich behandeln.
Das "Fading Puppy Syndrom"
Unter diesem Begriff werden unterschiedliche Krankheitsursachen zusammengefasst: Welpen mit schwerem Geburtsverlauf und schlechter Reanimation, äusserlich unsichtbare angeborene Missbildungen - Muskel- und Enzymstörungen - nicht entdeckte Infektionskrankheiten, Missbildungen des Thymus usw. Es handelt sich bei dieser Bezeichnung nicht um eine Diagnose, sondern lediglich um eine Art Zustandsbeschreibung des Welpen. Es empfiehlt sich, eine Obduktion durchführen zu lassen, um die tatsächliche Todesursache herauszufinden und damit ein erneutes Auftreten der Problematik bei zukünftigen Würfen zu verhindern.
Toxische Milch
Wenn der Körper einer Hündin Bakterien beherbergt, aufgrund einer chronischen Gesäugeentzündung oder in der Gebärmutter zurückgebliebener Föten oder Nachgeburten, können Bakterien oder Toxine (Giftstoffe) in die Milch übergehen und auf diesem Weg von den Welpen aufgenommen werden. Betroffene Welpen beginnen nach einigen Tagen zu schreien, saugen nicht mehr und können Durchfälle oder eine Entzündung des Anus entwickeln, bis sie schliesslich sehr schnell sterben. Die Welpen sollten von der Mutter getrennt und mit der Saugflasche ernährt werden, bis der Tierarzt die Milch untersucht und eine Kontamination ausgeschlossen oder bestätigt hat. Um dieses Risiko so gering wie möglich zu halten, ist es ratsam, die Hündin am Tag nach der Geburt tierärztlich untersuchen zu lassen. Der Tierarzt überprüft durch Abtasten des Bauches, in Zweifelsfällen ergänzt durch eine Röntgen- oder Ultraschalluntersuchung, ob sich noch etwas in der Gebärmutter befindet. Zur Förderung der Austreibung sämtlicher organischer Gewebereste, verabreichen einige Züchter nach der Geburt des letzten Welpen etwas Oxytozin (die Gebärmutter bleicht noch etwa 12 Stunden sensibel für Oxytozin) und/oder einen homöopathischen Wirkstoffkomplex zur Unterstützung der Gebärmutterentleerung.
Das hämorrhagische Syndrom
Bei diesem heute eher seltenen klinischen Krankheitsbild handelt es sich um einen Mangel an Bluttplättchen (Thrombozyten). Betroffene Welpen hören auf zu saugen, beginnen dahinzusiechen, und ihr Körper wird von Ekchymosen (flächenhaften Hautblutungen) überzogen. Sie können auch Blut aus den natürlichen Körperöffnungen (Maul, Nase, Anus) verlieren. Die einzige Behandlung besteht aus einer Bluttransfusion über das Knochenmark, eine Massnahme, die bei sehr jungen Tieren allerdings nicht immer einfach ist.
Soll man unter allen Umständen versuchen, einen neugeborenen Welpen zu reanimieren?
Das ist natürlich eine heikle Frage. Eine häufige Ursache für den Tod eines Neugeborenen ist eine mangelhafte Ernährung während der fötalen Entwicklung in der Gebärmutter. Solche Welpen kommen meist sehr klein und schwach zur Welt und haben im Vergleich zum restlichen Wurf eine sehr geringe Überlebenschance. Einige können zudem unter äusserlich nicht erkennbaren, angeborenen Missbildungen leiden. Andere wiederum können durchaus sehr gut überleben. Bei sehr grossen Würfen kann erwogen werden, keine Reanimationsversuche zu unternehmen. Man kann betroffene Welpen aber durchaus auch einige Tage oder Wochen intensiver Pflege widmen und zunächst ihre weitere Entwicklung beobachten. Wenn sie diese kritische Phase überleben und an Gewicht zunehmen, steigen ihre Überlebenschancen von Tag zu Tag.
Das Absetzen - Prinzip und praktische Durchführung
Das Absetzen fängt mit dem Übergang von einer ausschliesslich auf Milch basierenden Ernährung auf eine Aufzuchtnahrung an und endet mit der Trennung von Mutter und Wurf.
Wann beginnen?
Die Milchproduktion der Hündin steigt während der ersten Wochen der Laktation zunächst an, um den gesamten Bedarf der Welpen decken zu können. Nach 3 bis 4 Wochen erreicht sie ihren Gipfel, und ab jetzt benötigen die Welpen eine zusätzliche Nahrungsquelle zur Deckung ihres Wachstumsbedarfs. Je grösser der Wurf, desto früher kann der Bedarf der Welpen die Milchleistung der Mutter übersteigen. Hinzu kommt, dass die um die 4. Woche herum durchbrechenden Schneidezähne der Welpen das Säugen für die Mutter oft zu einer schmerzhaften Angelegenheit machen. Abhängig von der Grösse des Hundes findet das Absetzen in einer mehr oder weniger heiklen Entwicklungsphase statt. Bei Welpen der grossen und der Riesenrassen fällt das Absetzen genau mit der Phase des intensivsten körperlichen Wachstums zusammen. Bei Welpen mittelgrosser und kleiner Rassen liegt diese intensive Wachstumsphase dagegen noch innerhalb der Säugephase, so das die Laktation an Hündinnen dieser Rassen besonders hohe Ansprüche stellt.
Wie?
Das Ernährungsverhalten der Welpen im Alter von 4 Wochen richtet sich nach dem Ernährungsverhalten der Mutter. Der Beginn des Absetzens eines Wurfes ist sehr viel einfacher, wenn man den Welpen die übliche Nahrung der Hündin anbietet. Der Welpe wird das Verhalten seiner Mutter imitieren und das Futter problemlos annehmen. Aufgrund des um die 3. oder 4. Woche noch sehr geringfügig ausgebildeten Welpengebisses empfiehlt es sich, die Nahrung zunächst in Wasser einzuweichen und den Wasseranteil anschliessend allmählich zu verringern, bis die Welpen sich schliesslich im Alter von 6 Wochen an Trockennahrung gewöhnt haben.
Mit welchem Produkt?
Züchter sind stets auf der Suche nach einer einfachen und zugleich wirksamen Lösung für das Absetzen ihrer Welpen. Ein Fehler ist die Fütterung von Fleisch, da es im Verhältnis zum Bedarf des Welpen zu wenig Kalzium enthält. Selbst zubereitetes Futter hat häufig einen zu geringen Mineralstoffgehalt, so dass in der Regel ergänzende Mineralstoffpräparate zugesetzt werden müssen. Ein weiterer Nachteil selbst hergestellten Futters ist die von Tag zu Tag möglicherweise stark schwankende Zusammensetzung, die für Durchfälle verantwortlich sein kann. Es gibt Trockennahrungen mit speziell auf die Absetzphase abgestimmter Zusammensetzung. Mit diesen Produkten erspart man sich jegliche komplizierte Futterzubereitung, da Mutter und Welpen mit derselben Nahrung gefüttert werden können. Die nährstoffmässige Konstanz und Ausgewogenheit dieser Produkte verhindert jede abrupte Nahrungsumstellung und macht Ergänzungen unnötig. Dank fortschrittlicher Herstellungstechnologien stehen dem Züchter heute Kroketten zur Verfügung, die den Kieferverhältnissen von Welpen optimal angepasst sind. Zudem lassen sie sich sehr leicht einweichen, so dass ein Brei für das Absetzen sehr schnell und einfach zubereitet werden kann.
Welche Medikamente kann man bei Welpen verabreichen?
Ein Welpe vor dem Absetzen ist ein völlig anderes Lebewesen als ein ausgewachsener Hund. Sie sind noch sehr unreif. Bestimmte Medikamente können sie nur eingeschränkt verstoffwechseln, andere überhaupt nicht verwerten. Zu den wenigen Medikamenten, die bei Welpen unter tierärztlicher Kontrolle angewendet werden dürfen, gehören Wirkstoffe gegen innere und äussere Parasiten, bestimmte Antibiotika, einige entzündungshemmende Mittel und Infusionslösungen. Unabhängig davon besteht aber unmittelbar nach der Geburt normalerweise überhaupt keine Veranlassung für irgendein Medikament. Anzustreben ist stattdessen vielmehr eine optimale, welpengerechte Umgebung. Auf diese Weise lassen sich die meisten Probleme vorbeugend vermeiden. Leider besteht vielfach eine Tendenz, Medikamente zu häufig einzusetzen. Dieses Fehlverhalten kann sehr kritische Situationen hervorrufen. Zusammenfassend sollten wir uns an einen alten Leitsatz erinnern, der da lautet, "primum non nocere" ("vor allem keinen Schaden anrichten"). Anders ausgedrückt: Wenn man nicht genau weiss, was ein Medikament bei einem Welpen auslösen kann, besteht der sicherste Weg darin, es nicht anzuwenden.
Das Absetzen - Infektiöse Krankheiten
Die Phase des Absetzens zwischen der 3. und 6. Lebenswoche fällt mit dem Beginn einer sehr kritischen Lebensphase des Welpen zusammen, diesmal aber auf dem Gebiet der Immunabwehr.
In diesem Lebensabschnitt sind die Welpen besonders krankheitsanfällig.
Definition
Die kritische Periode entspricht der Übergangsphase von der passiven Immunität durch das Kolostrum der Mutter zur aktiven, körpereigenen Immunität. Die in den ersten 36 Lebensstunden mit dem Kolostrum auf den Welpen übertragenen mütterlichen Antikörper gehen allmählich zurück, während seine Fähigkeit, eigene Antikörper zu bilden, langsam zunimmt. Diese Periode gilt als "kritisch", da der Welpe in dieser Übergangsphase besonders anfällig für bakterielle und virale Infektionskrankheiten ist, unter anderem auch für die Krankheiten, gegen die die Mutter geimpft ist.
Hauptsächlich Verdauungsstörungen
Die in der Praxis bei Welpen in der kritischen Phase am häufigsten festgestellten Erkrankungen sind die Coronavirose, die Parvovirose und die Leptospirose. Allen diesen Viruserkrankungen gemeinsam ist die Fähigkeit, akute und chronische Verdauungsstörungen mit Durchfällen hervorzurufen. Da sich die betroffenen Welpen zur selben Zeit in der Phase der Nahrungsumstellung befinden, neigen Züchter häufig dazu, an erster Stelle die Nahrung für den Zustand des Welpen verantwortlich zu machen. Um ein erneutes Auftreten dieses Phänomens bei zukünftigen Würfen zu vermeiden, müssen sämtliche potenzielle Probleme abgeklärt werden. Bei akutem Durchfall, häufig einhergehend mit Zellschäden im Verdauungstrakt, ist es ratsam, die Welpen zunächst bis zur Diagnose durch den Tierarzt nüchtern zu lassen, um dem Risiko einer Nahrungssensibilisierung vorzubeugen.
Vorbeugung steht an erster Stelle
Gegen virale Infektionskrankheiten in der Absetzphase gibt es keine spezifische Therapie. Allenfalls kann man symptomatische Behandlungen mit Anti-Durchfallmitteln oder Infusionen einleiten, um die erkrankten Welpen zu unterstützen. Im Falle einer Parvovirose können wir keine ideale, "allgemeingültige Lösung" vorschlagen, da sich die "klassischen Behandlungsmassnahmen" nach der individuellen Situation des Wurfes, beziehungsweise des Zwingers richten müssen. Unabhängig davon stehen aber Hygienemassnahmnen an erster Stelle. Die trächtige Hündin muss mindestens 15 Tage vor dem Geburtstermin im Geburtsraum untergebracht und zuvor gründlich gesäubert werden, da vor allem in einem verschmutzten Fell zahlreiche Erreger sitzen, die die Welpen auch noch einige Wochen später belasten können. Für die Reinigung der Umgebung stehen zahlreiche Methoden zur Verfügung. Zu beachten ist, dass Parvoviren häufig resistent gegen Desinfektionsmittel auf Säurebasis sind. Natronbleichlauge ist grundsätzlich wirksam, aber nur auf sauberen Oberflächen, da sie durch organisches Material inaktiviert wird.
Wie können Hundewelpen in der kritischen Phase am wirksamsten geschützt werden?
Gegen die Krankheiten in der Absetzphase gibt es keine allgemeingültige Behandlung. Die Voraussetzung für einen optimalen Schutz der Welpen ist an erster Stelle eine welpengerechte und vor allem saubere Umgebung, die regelmässig gereinigt und anschliessend desinfiziert wird. Die Impfschemata müssen der individuellen Situation des Zuchtzwingers, abhängig von seiner Vorgeschichte, speziell angepasst werden. Im Falle einer Durchfallserkrankung oder eines Welpensterbens, muss stets versucht werden, die Ursache zu ermitteln. Besonders wichtig ist hierbei die Entnahme der richtigen Proben für die Labordiagnose (Rektale Tupferproben bei Virenverdacht, Obduktion bei Todesfällen), ohne dabei überhastet die Nahrung als Ursache verantwortlich zu machen. Schliesslich trennt man den erkrankten Wurf zunächst von den anderen Welpen, zumindest so lange, bis die ursächlichen Erreger ermittelt sind, um eine weitere Ausbreitung der Infektion im Zwinger zu verhindern.
Das Absetzen - Endoparasiten
In der Phase des Absetzens kommt es sehr häufig zu einer Kontamination mit Parasiten.
Man geht deshalb sogar davon aus, dass eine Welpenaufzucht ohne gleichzeitige "Aufzucht" von Magendarmparasiten gar nicht möglich ist.
Eine Phase intensiver Parasitenausscheidung
Die wichtigsten Parasiten bei Welpen in der Absetzphase werden in zwei Klassen unterteilt: Die Nematoden - zylindrisch geformte Magendarmparasiten - und die Protozoen - einzellige Parasiten. Haken- und Spülwürmer sind die bei Welpen am häufigsten vorkommenden Nematoden. Sie haben sich perfekt an den Reproduktionszyklus der Hündin angepasst. So ist z.B. der Spulwurm Toxocara canis in der Lage, die Föten um den 42. Tag der Trächtigkeit direkt in der Gebärmutter der Hündin zu befallen. Hakenwürmer und Spulwürmer werden zudem über die Muttermilch direkt von der Hündin auf die Welpen übertragen. Es wird deshalb empfohlen, Welpen stets etwa ab dem 15. oder 21. Lebenstag zu entwurmen. Bei den Protozoen (Einzeller), deren wichtigste Vertreter die Kokkzidien (insbesondere die Gattung Isospora) und die Giardien sind, handelt es sich um Magendarmparasiten, die von ausgewachsenen Hunden oft problemlos toleriert werden, bei Welpen in der kritischen Phase aber zu gesundheitlichen Problemen führen können. So findet man bei der mikroskopischen Kotuntersuchung von Welpen mit Durchfall in der Absetzphase in nahezu 90% aller Fälle mindestens einen der genannten Parasiten, in einigen Fällen sogar alle vier.
Variable Symptome
Die Symptome eines Parasitenbefalls bei Welpen sind sehr variabel. Sie reichen von einer geringfügigen Erweichung des Kots über wässrige Durchfälle bis hin zu einem Darmverschluss. In den meisten Fällen werden die Welpen an den Auswirkungen des Parasitenbefalls nicht sterben, sie leiden aber häufig unter umso heftigeren Durchfällen, je mehr Parasiten beteiligt sind oder wenn zusätzlich eine Infektion mit Coronaviren besteht. In diesen Fällen ist ein zum Teil erheblicher Wachstums- und Entwicklungsrückstand der Welpen festzustellen.
Begrenzung des Infektionsdrucks
Es ist illusorisch, zu glauben, Parasiten in einem Zuchtzwinger endgültig ausrotten zu können. Dagegen gelingt es mit Hilfe eines umfassenden Wissens über die Entwicklungszyklen der Parasiten die Desinfektionsmassnahmen und die Entwurmungsschemata in Zusammenarbeit mit dem Tierarzt der besonderen Situation des einzelnen Zwingers optimal anzupassen. Voraussetzung für eine erfolgreiche Parasitenbekämpfung ist jedoch, dass man die Möglichkeiten und Ziele dieser Massnahmen kennt und im Vorfeld genau definiert.
Welches ist die optimale Entwurmung für Welpen?
Die optimale Entwurmung oder ein Schlüsselrezept zur Bekämpfung von Parasiten gibt es weder für Welpen, noch für ausgewachsene Hunde. In der Tat hat jede Entwurmung ein anderes Wirkspektrum, das heisst, sie kann einige Parasiten bekämpfen, andere aber nicht. So sind einige Wurmmittel larvizid, das heisst, sie sind in der Lage, die im Körper der trächtigen Hündin wandernden Larven abzutöten und auf diese Weise die Welpen zu schützen. Andere Wurmmittel sind hier jedoch wirkungslos. Tiere mit Kokkzidienbefall benötigen spezielle Medikamente, die sich von gewöhnlichen Entwurmungsmitteln unterscheiden. Schliesslich muss berücksichtigt werden, dass keine dieser Behandlungen eine dauerhafte oder vorbeugende Wirkung hat, das heisst, bereits ab dem ersten Tag nach der Behandlung können die Welpen oder die Hündin erneut von Parasiten aus der Umgebung befallen werden. Die Entwurmung muss also stets in Kombination mit einem geeigneten Reinigungs- und Desinfektionsplan durchgeführt werden.
Quelle mit ausdrücklicher Genehmigung:
Fortpflanzung des Hundes "Praktisches Handbuch der Züchter" von "Royal-Canin"