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(ital. Conto corrente, franz. Compte-courant, engl. Account current), die laufende Rechnung, welche
der Kaufmann mit seinem Geschäftsfreund dadurch führt, daß er die denselben betreffenden Eintragungen aus dem Memorial auf
ein besonderes Blatt
[* 3] (Conto) des Haupt- oder Kontokorrentbuchs überträgt. Auf der linken Seite werden unter Soll (Debet) die
von ihm dem Geschäftsfreund gemachten Leistungen, auf der rechten Seite unter Haben (Credit) die ihm von
diesem gemachten Leistungen eingetragen.
Sobald das Kontokorrent abgeschlossen wird, was regelmäßig am Jahresschluß, im Bankgeschäft beim Abschluß jedes Halbjahrs geschieht,
werden beide Seiten summiert und der Unterschied der Summen derjenigen Seite, welche die geringere Summe aufweist, als Vortrag
(Saldo, ital. saldo, franz. solde, engl.
balance) gutgeschrieben, so daß anscheinend beide Seiten gleiche Summen aufweisen. Nach Abschluß des
Kontokorrents wird die neue Rechnung (conto nuovo) mit Eintrag des Saldo aus der alten Rechnung (conto vecchio) auf der entgegengesetzten
Seite eröffnet.
Außer den aus dem Memorial zu übertragenden Posten werden auf dem Kontokorrent Zinsen, Provision (s. d.), Kourtage, Porto und sonstige
Spesen gebucht. Die zu berechnende Provision wird gewöhnlich bei Eröffnung des Geschäftsverkehrs festgesetzt. Dieselbe wird
nur von einer Seite und zwar meist von derjenigen des größern Betrags mit Abzug der Frankoposten (Posten,
für die keine Provision zu bezahlen, oder für welche eine solche bereits angerechnet wurde, dann der Saldo der vorigen Rechnung)
je nach dem Umfang des Geschäftsverkehrs in der Höhe von 1/10-1/8 Proz. und mehr berechnet.
Bei der Berechnung der Kontokorrentzinsen wird entweder, wie in England und Holland, die wirkliche Zahl der Tage unterstellt,
welche Jahr und Monat zählen, oder es wird, wie in Deutschland üblich, der Zinsfuß für 360 Tage und bei Ermittelung der Zeit
der Monat zu 30 Tagen genommen. Die Zinsen werden entweder für jeden einzelnen Betrag besonders ausgerechnet
und dann summiert, od. man wendet hierfür die Rechnung mit Zinszahlen (Nummern) an. Ist das Kapital = k, die Zahl der Tage,
für welche Zinsen zu berechnen, = z, der Zinsfuß = p/100, so ist der Zinsbetrag des einzelnen Postens = k z/360 ·
p/100.
Ist nun der Zinsfuß für alle Posten gleich hoch, so läßt sich die Rechnung dadurch abkürzen, daß man bei den einzelnen
Posten das Kapital k mit der Zahl der Tage z multipliziert, die zwei letzten Stellen abschneidet, bei der Methode mit abgekürzten
Nummern einfach streicht, dann alle Produkte (Zinszahlen) zusammenzählt und die Summe derselben durch den
sogen. Zinsdivisor (360/p) dividiert. Die Zinsbemessung erfolgt nach folgenden drei Methoden, von denen die ersten beiden,
sofern nur ein Zinssatz unterstellt wird, die Anwendung der Zinszahlen gestatten.
1) Die progressive, fortschreitende oder deutsche Abschlußmethode. Bei derselben rechnet man die Zinsen vom Verfalltag des
Postens an vorwärts bis zum Abschlußtag des Kontokorrents. Kommen hierbei Posten vor, welche erst nach diesem Tag verfallen,
so werden die diesen weitern Tagen entsprechenden Zinszahlen mit roter Tinte vorgetragen.
2) Die retrograde, rückschreitende oder Epochemethode. Dieselbe diskontiert sämtliche Posten auf einen gemeinschaftlichen
Anfangstermin und berechnet dann vom Kapitalsaldo (Unterschied zwischen Soll- und Habensumme) die Zinsen
von diesem Termin an bis zum Abschlußtag. Diese Methode gestattet, ein für den allgemeinen Abschlußtag vorbereitetes Kontokorrent auch
an einem beliebigen andern Tag abzuschließen. Auch kommen die roten Zinszahlen, mit Ausnahme von ältern Posten, in Wegfall.
3) Die in Frankreich übliche skalische Zinsrechnung oder Staffelrechnung. Bei derselben werden die Zinsen
je von dem Datum einer Buchung bis zu demjenigen der nächstfolgenden besonders berechnet. Diese Methode ist zwar umständlich
und erfordert eine besondere Zinsennote, welche dem Kontokorrent beizufügen ist; doch ist sie ausschließlich anwendbar,
wenn im Lauf wechselnde Zinsfüße in Anrechnung kommen, insbesondere wenn ein höherer Zinssatz berechnet
wird, solange der Saldo im Soll erscheint, ein niedrigerer, solange derselbe im Haben steht.
Das Kontokorrentverhältnis kann sowohl ein einseitiges als ein wechselseitiges sein. Letzteres ist der Fall, wenn zwei Geschäfte
sich gegenseitig Konten eröffnen und Aufträge erteilen. Jedes Haus bucht dann die Geschäfte, zu denen es
dem andern Auftrag erteilt, auf dem conto mio (nostro), und die, zu denen es den Auftrag von dem andern erhält, auf dem
conto suo (loro). Ein einseitiges Kontokorrentverhältnis kommt insbesondere bei dem sich immer mehr ausbreitenden Kontokorrentverkehr
von Banken mit solchen Kunden vor, welche jenen Gelder zur Verwaltung anvertrauen.
Näheres über diese Kontokorrentgeschäfte s. unter Banken, S. 324. Rechtlich ist das gesamte Kontokorrentverhältnis
derart als unteilbares Ganze aufzufassen, daß, wenn nichts andres verabredet ist, die Einzelforderungen nicht als selbständige
gelten und darum auch nicht besonders gegeneinander kompensiert werden (Artikel
291 des Handelsgesetzbuchs).