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Cartographica Helvetica
Zusammenfassung
Thema: Alexandre Stryieński, Topograph und Kartograph (1804–1875)
Cartographica Helvetica 62 (2021)
Zusammenfassung:
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Kanton Freiburg, wie die meisten anderen Kantone, kartographisch noch ziemlich ungenau erfasst. Eine landesweit einheitliche Triangulation und eine darauf aufbauende topographische Aufnahme, wie zum Beispiel in Frankreich, war vor allem aus föderalistischen Gründen noch nicht realisiert worden.
Als damals beste Darstellungen können zwei gesamtschweizerische Kartenwerke erwähnt werden, die den Kanton Freiburg in einem mittleren Massstabsbereich abbilden: den Atlas Suisse im Massstab von ca. 1:120 000, publiziert 1796 bis 1802 von Johann Rudolf Meyer, Johann Heinrich Weiss, Joachim Eugen Müller sowie die darauf basierende Karte der Schweiz 1:200 000, publiziert 1835/36 von Joseph Edmund Woerl.
Für militärische Zwecke, den Strassenbau, aber auch für den Schulunterricht waren diese Karten zu ungenau und zu detailarm. Es kam deshalb der Kantonsregierung entgegen, dass der 1832 zum Oberstquartiermeister gewählte Guillaume-Henri Dufour entschied, eine landesweite trigonometrische Vermessung, die so genannte Triangulation primordiale, durchzuführen. Darauf aufbauend erhielten die Kantone den Auftrag, ihre Hoheitsgebiete topographisch aufzunehmen. Die Freiburger Kantonsregierung nahm für diese Aufgabe den Topographen Alexandre Stryieński unter Vertrag, der schon vorher bei Dufour an Vorarbeiten für die Topographische Karte der Schweiz 1:100 000 («Dufourkarte») beschäftigt war.
Casimir Napoléon Alexandre Stryieński wurde am 11. September 1804 im polnischen Białystok geboren. An der militärischen Kadettenschule in Warschau wurde er zum Genie-Ingenieur ausgebildet. Zwischen 1828 und 1830 leistete er Militärdienst, wurde in den russischen Generalstab berufen und zum Hauptmann befördert. Nach dem missglückten polnischen Aufstand gegen die Russen wurde er in Abwesenheit zum Tode verurteilt und floh ins französische Besançon. 1833 liess er sich im Berner Jura nieder, wo er unter anderem für die bernischen Fortskommission Waldkarten erstellte. 1839 heiratete er in Pruntrut Maria Anna Pauline de Lestocq, mit der er schon bald nach Genf umzog. Der Ehe entsprossen insgesamt acht Kinder.
In den Jahren 1838 bis 1842 war Stryieński im Auftrag von Dufour im Wallis mit der topographischen Aufnahme für das Blatt XVII der «Dufourkarte» beschäftigt. Von 1844 bis 1851, ab 1846 unter Mithilfe von René Henri L'Hardy, topographierte er im Massstab 1:25 000 das gesamte Kantonsgebiet von Freiburg für die Blätter XI und XII. Aus diesen Daten zeichnete er Vorlagen für die Schulwandkarte des Kantons Freiburg 1:100 000 (publiziert 1851) und die vierblättrige Carte topographique du Canton de Fribourg 1:50 000 (1855). Von ihm stammt auch ein Entwurf für eine Schulhandkarte 1:250 000 (1852) sowie eine weitere im Massstab 1:315 000, die 1859 publiziert wurde. 1852 erfolgten im Auftrag des Staatsrates Studien für Linienvarianten des zukünftigen Eisenbahnbaus im Kanton Freiburg, die zu Beginn des Jahres 1853 publiziert wurden. 1854 wurden seine Schulkarte des Kantons Genf 1:100 000 sowie seine Carte du Duché de Savoie 1:500 000 gedruckt. 1854/55 war er nochmals mit topographischen Aufnahmen beschäftigt, diesmal für das Blatt VIII, deren Daten dann auch für die Luzerner Kantonskarte 1:25 000 Verwendung fanden. Einige dieser Aufnahmeblätter von Freiburg und Luzern dienten später unverändert oder zum Teil revidiert als Grundlage für die «Siegfriedkarte» 1:25 000. Durch Vermittlung von Dufour wurde Stryieński 1858 als «Ingénieur des travaux publics» in die Genfer Kantonsverwaltung gewählt.
Im Oktober 1875 wurde Alexandre Stryieński krankheitshalber pensioniert und zog zusammen mit seiner Frau zu seiner ältesten Tochter Léocadie nach Paris, wo er bereits am 9. Dezember 1875 verstarb.