Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03389.jsonl.gz/920

12.10.2015 Konsum von Tabak, Alkohol und Cannabis bleibt bei der Schweizer Bevölkerung stabil
Suchtmonitoring 2014. Gemäss Suchtmonitoring ist 2014 der Konsum von psychoaktiven Substanzen in der Schweiz weitgehend stabil geblieben. Jede vierte Person raucht, gut jede fünfte Person in der Schweiz trinkt zu viel oder zu oft Alkohol, und 3% der Bevölkerung haben im letzten Monat Cannabis konsumiert. Dies entspricht ungefähr den Resultaten der Vorjahre. Jugendliche und junge Erwachsene sind eine besonders gefährdete Gruppe und stehen damit im Fokus der Präventionsbemühungen.
Das Suchtmonitoring Schweiz liefert seit 2011 jährlich Zahlen zum Konsum von psychoaktiven Substanzen. Jeweils 11‘000 Personen werden dazu telefonisch befragt. Diese erhobenen Daten bilden die Grundlage der im Auftrag der bundesrätlichen Agenda Gesundheit 2020 erarbeiteten Nationalen Strategie Sucht und der Nationalen Strategie Prävention nichtübertragbarer Krankheiten. Die Daten dienen dazu, entsprechende Massnahmen zu konzipieren und zu überprüfen. Hierzu zählen beispielsweise der Wissenstransfer unter den Akteuren oder gezielte Sensibilisierungsmassnahmen für Risikogruppen.
Tabakkonsum
Die Anzahl Raucherinnen und Raucher ist seit 2011 ungefähr gleich geblieben. Ein Viertel der Schweizer Bevölkerung raucht (24.9%). Bei den Männern geht der tägliche Konsum leicht zurück, dafür nimmt der Gelegenheitskonsum zu. Ein Drittel der nicht erwerbstätigen Personen raucht täglich (33.6%). Bei der jüngsten befragten Bevölkerungsgruppe (15 bis 19 Jahre) geben 26.6% an, zu den Rauchenden zu gehören. Junge Männer (27.7%) rauchen häufiger als junge Frauen (21.4%).
Eine Person, die täglich raucht, konsumiert im Durchschnitt 13.5 Zigaretten pro Tag. Das Krebsrisiko steigt mit der Anzahl Zigaretten, aber auch geringer täglicher Konsum erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Atemwegserkrankungen und für einen frühzeitigen Tod. Im Durchschnitt verlieren Rauchende 14 Jahre ihres Lebens. Wer vor dem 15. Altersjahr anfängt, täglich zu rauchen, ist in der Folge in stärkerem Ausmass vom Tabak abhängig als wer nach dem 15. Altersjahr mit dem Rauchen beginnt.
E-Zigaretten
Die Nutzung von E-Zigaretten ist angesteigen; während 2013 noch 6,7% der Schweizer Bevökerung angaben, mindestens einmal eine E-Zigarette genutzt zu haben, waren es 2014 bereits 14%. Auch die regelmässige Nutzung (mindestens einmal pro Woche) hat zugenommen, liegt aber noch auf einem sehr niederen Stand von 0.7% der Bevölkerung. Personen, die täglich Tabak rauchen, und die in der Altersklasse zwischen 25 und 44 Jahren liegen, sind die regelmässigsten «Dampfer», auch wenn der duale Konsum noch sehr wenig verbreitet ist. Die Daten zu den E-Zigaretten wurden in einem separaten Bericht erhoben.
Alkoholkonsum
Die grosse Mehrheit der Schweizer Bevölkerung pflegt einen risikoarmen Umgang mit Alkohol. Gut jede fünfte Person (23%) trinkt jedoch zu viel oder zu oft und schädigt so potentiell ihre Gesundheit. Denn zu viel Alkohol kann praktisch jedes Organ schädigen. Auch wenn eine unmittelbare Beeinträchtigung eventuell nicht wahrgenommen wird, gibt es medizinisch nachweisbare Folgeschäden: Der Konsum von vier (bei Frauen) resp. fünf (bei Männern) alkoholischen Getränken innerhalb mehrerer Stunden erhöht das Risiko für Unfälle, Verletzungen und Gewalt. In diese Kategorie fallen 2014 22% der Befragten. Ein leichter Anstieg ist vor allem bei jungen Menschen (15-19 Jahren), bei älteren Menschen (64-75 Jahren) und generell bei Frauen zu beobachten.
Bei Frauen, die mehr als zwei Gläser und bei Männern, die mehr als vier Gläser Alkohol pro Tag trinken, spricht man von chronisch risikoreichem Konsum. 2014 gaben 4.2% der Befragten dieses Konsummuster an. Diese Zahl ist seit 2011 stabil geblieben. Menschen zwischen 65 und 74 Jahren trinken am häufigsten chronisch risikoreich (8.1%). Das Risiko für alkoholbedingte Krankheiten wie Krebs oder Leberzirrhose steigt mit zunehmender Menge.
Cannabiskonsum
Die Zahl der Personen, die im Monat vor der Befragung Cannabis konsumiert haben, ist zwischen 2011 und 2014 stabil geblieben. Im Jahr 2014 beträgt dieser Anteil 3%. Ein Fünftel dieser Konsumgruppe konsumiert intensiv, d.h. an 20 und mehr Tagen pro Monat. Bei den 15- bis 24-Jährigen haben 21% zumindest einmal in den letzten 12 Monaten Cannabis konsumiert. Männer konsumieren mit 9.3% gut doppelt so häufig wie Frauen (4.2%). Cannabis beeinflusst die Konzentrationsfähigkeit und kann zu Denkstörungen und vermindertem Antrieb führen. Je nach persönlicher Situation und Prädisposition der konsumierenden Person besteht die Gefahr, dass bei länger fortgesetztem erhöhtem Cannabiskonsum Depressionen, Angsterkrankungen und Persönlichkeitsstörungen auftreten können. Die körperlichen Risiken sind vergleichsweise gering, Auswirkungen sind in erster Linie auf die Lunge feststellbar.
Für junge Menschen besonders schädlich
Die Zahlen zeigen, dass junge Menschen mit allen Substanzen am risikoreichsten umgehen. Sie sind eine besonders sensible Gruppe, denn ihr Körper und ihr Gehirn befinden sich noch in Entwicklung und psychoaktive Substanzen können deshalb grösseren Schaden anrichten: Wer jung mit einem risikoreichen Konsum beginnt, läuft eher Gefahr, später abhängig zu werden oder auch Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, Atemwegserkrankungen oder eine andere nichtübertragbare Krankheit (NCD) zu entwickeln.
Früh erkennen und intervenieren
Dieser jüngsten im Rahmen des Suchtmonitorings befragten Gruppe gilt also ein besonderes Augenmerk, wenn es um die Entwicklung und die Weiterführung von bewährten präventiven Massnahmen geht. Es ist wichtig, früh zu erkennen, ob sich der für dieses Alter typische Ausprobierkonsum in eine problematische Richtung verschiebt, damit Jugendliche und junge Erwachsene von ihrem Umfeld und Fachpersonen Unterstützung und Beratung erhalten. Deshalb unterstützt das Bundesamt für Gesundheit seit 2006 Projekte zur Implementierung des Präventionsansatzes Früherkennung und Frühintervention (F+F) in Schulen und Gemeinden. Zudem existieren Gesetze zum Jugendschutz, die präventiv wirken und deren Einhaltung sicherzustellen ist.
Suchtmonitoring Schweiz
Die vorliegenden Ergebnisse basieren auf dem Suchtmonitoring Schweiz. Das Suchtmonitoring Schweiz ist ein vom Bundesamt für Gesundheit in Auftrag gegebenes Forschungsprojekt zum Konsum psychoaktiver Substanzen in der Schweiz. Es besteht aus einer fortlaufenden und systematischen Sammlung von vergleichbaren und repräsentativen Daten, die seit 2011 jährlich von einem Forschungskonsortium bei 11‘000 Personen erhoben werden. Das Berichterstattungssystem beschreibt die Entwicklung, lässt Veränderungen erkennen und ermöglicht so eine zeitnahe Einschätzung der Suchtproblematik in der Schweiz. Neben Kerndaten zum Konsumverhalten werden in grösseren Abständen Zusatzinformationen unter anderem zu folgenden Themen erhoben: Alkohol und Gewalt, die sozialen Folgen der Abhängigkeit, Kaufverhalten, Gebrauch der E-Zigarette oder das Wissen der Bevölkerung über die gesundheitlichen Schäden des risikoreichen Konsums von Alkohol, Tabak oder Drogen. Das BAG hat Sucht Schweiz, das Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung (ISGF), das Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Lausanne (IUMSP) und das Institut für Begleit- und Sozialforschung Zürich (IBSF) mit der Durchführung dieses Projekts beauftragt. Vertiefende Informationen und alle Suchtmonitoring-Publikationen finden sich auf der Webseite www.suchtmonitoring.ch.
Kontakt
Wally Achtermann, Leiterin Suchtmonitoring Schweiz, <email-pii>