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«Und Boas sprach zu dem Blutsverwandten: Noomi, die aus dem Gebiet von Moab zurückgekehrt ist, verkauft das Feldstück, das unserem Bruder Elimelech gehörte» (Rt 4,3).
Zum Inhalt des Buches Ruth
Die Ereignisse im Buch Ruth spielten sich zur Zeit der Richter ab. Von jenen Tagen heisst es: «Jeder tat, was recht war in seinen Augen» (Ri 21,25). Da züchtigte Gott sein Volk durch eine Hungersnot im Land.
Elimelech verliess mit seiner Familie das verheissene Land. Sie kamen in das Gebiet der Feinde des Volkes Gottes und blieben dort. Es erfüllte sich buchstäblich: «Da ist ein Weg, der einem Menschen gerade erscheint, aber sein Ende sind Wege des Todes» (Spr 16,25). Sowohl Elimelech als auch seine beiden Söhne starben in Moab.
Noomi, die Witwe Elimelechs, kehrte in Begleitung ihrer heidnischen Schwiegertochter Ruth völlig verarmt und verbittert in das Land ihres Erbteils zurück. Schliesslich verkaufte sie das Feldstück, das ihrem Mann gehörte.
Die Belehrungen aus dem Buch Ruth haben verschiedene Bedeutungen:
- Die ganze Geschichte trägt einen prophetischen Charakter. Sie zeigt uns, wie Gott in der Endzeit den gläubigen Überrest Israels auf der Grundlage der Gnade annehmen wird.
- Im Buch Ruth sehen wir auch die Glaubensstufen und Entwicklungsschritte eines Menschen, der durch Gottes Gnade errettet, geistlich genährt, geleitet und zur völligen Gemeinschaft mit Christus geführt wird.
- Wir können die Entwicklung im Leben Noomis, wie wir sie soeben zusammengefasst haben, auch praktisch auf uns anwenden.
Die praktische Anwendung
Als Kinder Gottes sind wir in Christus mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern gesegnet (Eph 1,3). Wenn wir in der Christenheit auch mancherorts die Gnade Gottes sehen und uns darüber von Herzen freuen, so tut es uns doch leid, dass so wenige Kinder Gottes mit diesen Segnungen vertraut sind oder sie geniessen. Trägt unsere Praxis nicht oft den Stempel des Unverstands und Eigenwillens? Der Apostel Paulus sagte dazu: «Alle suchen das Ihre, nicht das, was Jesu Christi ist» (Phil 2,21).
Elimelech wohnte mit seiner Familie in Bethlehem-Juda (Bethlehem = Brothaus; Juda = Preis, Lob). Dort trat eine Hungersnot auf. Geistliche Hungersnot am Ort, wo Gott uns nähren will, und eine irdische Gesinnung können zum Verlassen des Ortes führen, wo Gott von uns angebetet werden möchte. Dieser Weg führt zu den Feinden des Kreuzes von Christus (Phil 3,18). Man kommt zu den Wassern, die den Durst der Seele nicht stillen, denn Moab bedeutet «Wasser» (Joh 4,13).
Geistliche Verarmung ist die Folge. Man leidet Mangel an der Gnade Gottes. Wurzeln der Bitterkeit sprossen auf (Heb 12,15). Zuletzt verkauft man gewissermassen das schöne anvertraute Gut, das einem einst gehörte. Aber um welchen Preis!
Möge Gott uns in dieser gefahrvollen Zeit vor einem solch verlustreichen Weg bewahren! Wie viele Wahrheiten der Schrift drohen verloren zu gehen. Wir kennen sie kaum mehr und geniessen sie deshalb auch nicht mehr.
Sowohl Boas und Obed, zwei Personen, die im Buch Ruth vorkommen, als auch die Bedeutung ihrer Namen zeigen uns den Weg, den wir einschlagen sollen. Boas bedeutet: «In ihm ist Stärke» oder «in ihm bin ich stark» (vgl. Phil 4,13). Von ihm heisst es, dass er ein vermögender Mann war. Und Obed hat die Bedeutung von «Diener, Knecht». Gott schenke uns in seiner Gnade das Vermögen und die Kraft, das Feldstück des Wortes Gottes zu erwerben und zu besitzen, um dem Mangel an Erkenntnis (Jes 5,13) als treue Diener entgegenzuwirken und Erquicker der Seelen zu sein (Rt 4,15).