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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Neuntes Buch
11. Die Personeinheit des Gottmenschen.
Erkennst du nunmehr das Geheimnis des apostolischen Glaubens? Besitzest du nun eine Erkenntnis von Christus? Ich frage dich nämlich, wer derjenige sei, der sich des Fleisches beraubt, und was für ein Fleisch es ist, das geraubt wird. Ich habe nämlich die Bezeichnung zu einer zweifachen Deutung vom Apostel her zur Hand: des geraubten Fleisches, und dessen, der es sich raubt; und dazu noch höre ich, daß Christus durch das Wirken Gottes von den Toten auferweckt sei. Da Gott den Christus von den Toten erweckt und da Christus von den Toten erweckt wurde, so frage ich, wer derjenige sei, der sich des Fleisches beraubt; wer derjenige, der Christus von den Toten erweckt und uns mit Christus zum Leben weckt. Wenn Christus nämlich nicht derselbe ist, der auch das geraubte Fleisch ist, so zeige mir die Bedeutung für das „geraubte Fleisch” und erkläre mir anderseits das Wesen dessen, der sich des Fleisches beraubt hat! Ich finde nämlich, daß es derselbe Gott ist, der als Christus von den Toten erweckt wurde, der sich des Fleisches beraubt hat, und daß anderseits das geraubte Fleisch als Christus von den Toten erweckt wurde; ihn finde ich danach, wie er die Vorherrscher und Mächte der Verachtung preisgibt und über sie in sich obsiegt.
Erkennst du den, der in sich die Mächte niederzwingt? Erfaßt du, daß das geraubte Fleisch und der sich des Fleisches Beraubende nicht unterschieden sind? In sich [S. 78] selbst hat er nämlich obgesiegt, d. h. in demjenigen Fleisch, dessen er sich beraubt hat. Siehst du, daß auf die Weise die Gottheit und Menschheit gelehrt, daß der Tod dem Menschen, dem wahren Gott aber die Erweckung des Fleisches zugeschrieben wird? Daß aber dennoch nicht ein anderer sei, der gestorben ist, und ein anderer, durch den der Gestorbene erstand? Das geraubte Fleisch ist nämlich der gestorbene Christus; und anderseits, wer den Christus von den Toten erweckt, derselbe Christus beraubt sich des Fleisches.
In der kraftvollen Auferstehung erkenne also das Wesen Gottes; seine Stellung und Bestimmung als Mensch erkenne durch den Tod! Wenn auch beides je durch sein Wesen vollzogen ist, so bleibe dir doch dessen bewußt, daß es ein Christus ist, der beides ist!