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China verbraucht doppelt so viel Wasser, Land und andere Rohstoffe, wie sein Ökosystem auf lange Sicht hergibt. Dies geht aus einer Studie hervor, die chinesische und internationale Wissenschaftler erarbeitet haben. Die Studie, die Chinas «ökologischen Fussabdruck» untersuchte – den Verbrauch von natürlichen Ressourcen wie Landwirtschaftsland, Holz, Wasser, Kohle sowie Land für Kehrrichtdeponien –, ergab, dass China im Verhältnis zu seiner Bevölkerungszahl noch gut dasteht.
Eine Reihe von Gefahren
Trotzdem hat sich der Rohstoffverbrauch des Landes seit den 1960er Jahren ungefähr verdoppelt, wie aus dem vom WWF und dem China Council for International Cooperation and Environment veröffentlichten Bericht hervorgeht. Darin wird gewarnt, dass «das Land die vorhandenen Kapazitäten des gesamten Planeten aufbrauchen werde», sollten die Chinesen pro Kopf genauso viel konsumieren wie die USA.
Die Studie basiert überwiegend auf Datenmaterial von 2003, dem letzten Jahr, für das umfangreiche Eckwerte vorhanden sind, kommentierte der WWF. Aber die Ergebnisse spiegeln einen Trend, der nach Angaben der Autoren anhalten wird. Danach ist China weltweit auf Platz 69, was den Ressourcenverbrauch pro Kopf betrifft, knapp hinter Syrien. Die USA liegen an zweiter Stelle hinter den Vereinigten Arabischen Emiraten. Japan rangiert auf Position 27.
Die Studie definiert den ökologischen Fussabdruck eines Landes als die Menge an biologisch produktiven Land- und Wasserflächen, die für den Bedarf der Bevölkerung benötigt wird. Chinas Durchschnittswert lag bei 1,6 ha pro Person, weit unter dem globalen Durchschnitt von 2,2 ha. Doch China hat selbst nur Rohstoffe von 0,8 ha pro Person zur Verfügung. Das bedeutet, dass das Land ein Ressourcendefizit in Höhe seines halben Gesamtbedarfs hat.
Um einen Teil davon gutzumachen, importiert China Rohstoffe aus Ländern wie Kanada, Indonesien und den USA. Aber viel davon wird dann in Form von endverarbeiteten Gütern in den Westen re-exportiert. So ist China ein Nettoexporteur von Rohstoffen, ergibt sich aus der Studie. Was China braucht, sind einfache kurzfristige Lösungen, wie etwa den Gebrauch von energieeffizienten Glühbirnen. Aber es muss auch langfristig planen. Das Land verfügt über 15% der weltweiten «biologischen Kapazität» – der Fähigkeit, nützliche biologische Stoffe zu produzieren und Abfall aufzunehmen. Die USA verfügen über 20% der globalen Biokapazität (siehe Grafik).
Gefahr fürs Ökosystem
«In den kommenden 10 bis 20 Jahren wird der Verbrauch in China vermutlich weiterhin eine Gefahr für das Ökosystem des Landes darstellen und die globale Biokapazität weiterhin unter Druck bringen», heisst es in der Studie. Li Lin, Leiterin Naturschutz-Strategie in China für den WWF, sagte, die besondere Bedeutung der Studie sei, «dass man nur managen kann, was man auch messen kann». Chinas Führung nehme «die Herausforderung an und sagte zu, die Sache objektiv zu betrachten». Chinas Führer hatten sich bis vor kurzem in einem Bereich schmerzhaften Schritten widersetzt, die nach Ansicht von Experten die Effizienz rasch steigern könnten: Einer Aufhebung der staatlichen Subventionen für Energieprodukte. Der Leiter des staatlichen Energiebüros sagte, sie seien nötig, um die soziale Stabilität aufrechtzuerhalten.
China hat nun aber über Nacht die staatlich kontrollierten Treibstoffpreise drastisch bis zu 25% erhöht, will die Kostensteigerungen aber mit Milliardensubventionen abfedern.
Die Entwicklungs- und Reformkommission begründete die überraschende Preissteigerung mit der wachsenden Kluft zwischen den künstlich niedrig gehaltenen Treibstoffpreisen in China und den immer höheren Rohölpreisen auf dem Weltmarkt. Die internationale Energieagentur in Paris erhöhte ihre Prognose für das Wachstum der Ölnachfrage in China in diesem Jahr von 4,9 auf 5,5%.