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Zwei Zeitlinien, ein Haus, zwei Frauen: Der Zeit-Thriller The Call von Chung-Hyun Lee ist ein koreanisches Remake des britischen/portorikanischen Films The Caller (2011).
Der Verlust ihres Smartphones bringt die 28-jährige Seo-yeon (Park Shin-Hye) dazu ein altes Telefon aus der Abstellkammer auszugraben. Bald erhält sie darauf Anrufe von einer ihr unbekannten Frau, die verzweifelt klingt. Die Anruferin Young-sook (Jong-Seo Jun) behauptet im selben Haus wie Seo-yeon (Park Shin-Hyezu) wohnen und es stellt sich heraus: das stimmt, zumindest gewissermassen. Die Anrufe kommen nämlich 20 Jahre aus der Vergangenheit.
Wie du mir, so ich dir
Young-sook lebt 20 Jahre vor Seo-yeon im selben Haus, das Telefon erlaubt den beiden miteinander zu kommunizieren. Was mit einem unterhaltsamen Austausch von simplen Informationen beginnt, «Kein Walkman? Du hörst Musik auf einem «Smartphone?», führt bald zur ersten Veränderung der Zeitlinien: Seo-yeon bietet Young-Sook an den Tod ihres Vaters in der Vergangenheit zu verhindern.
Um sich zu revanchieren vertieft sich Seo-yeon in Recherchen über Young-Sooks Leben und findet heraus, dass diese in wenigen Tagen sterben wird. Als sie diese Information weitergibt, löst sie eine ungeahnte Kette an Konsequenzen aus. Young-Sook stellt sich nämlich als wenig zimperlich heraus und bald befinden sich die beiden Frauen in einem erbitterten Kampf über zwei Zeitlinien.
Starkes Schauspiel überdeckt Logik-Lücken
Dabei sitzt Young-Sook in der Vergangenheit deutlich am längeren Hebel und Seo-Yeon muss über mehr als nur vier Ecken denken, um sich zu wehren. Dabei macht nicht alles absolut Sinn, zulange über die innere Zeitlogik des Films nachzudenken, sollte man besser unterlassen. Dass die Geschichte dennoch glaubwürdig wirkt, ist nicht zuletzt den beiden Hauptdarstellerinnen zu verdanken. Park Shin-Hyezu ist grandios in der Vergangenheit als unberechenbare, psychopathische Zeitbombe und Jong-Seo Jun (Burning (2018)) Charakter bildet mit ihrer Naivität, die hart zerrüttet wird, ein spannendes Gegenstück.
Erste Klasse sind auch die Effekte, die gerade bei Veränderung der Zeitlinien wuchtig einschlagen. Wobei letztere oft auch einen heftigen emotionalen Schlag mit sich bringen, was den Kampf zwischen Young-sook und Seo-yeon zu mehr als einem kalt-kalkulierten Schachspiel macht.
Fazit
The Call macht zwar logisch nicht immer Sinn, bietet aber unter anderem dank seinen beiden starken Hauptdarstellerinnen ein raffiniertes Spiel über zwei Zeitebenen.
3.5/5 Sterne
The Call ist nur auf Netflix streambar.
The Call (2020), Regie: Lee Chung-hyun, Südkorea.