Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03279.jsonl.gz/881

Biographie von Evert van Muyden (1853-1922)
Der Maler und Illustrator Evert van Muyden wurde in Albano in der Nähe von Rom geboren. Er wuchs in einer künstlerisch geprägten Familie auf.
Sein Vater war der Maler Jacques Alfred van Muyden. Er hatte eine Schwester Louise van Muyden (1851-1930) und seine Brüder Albert-Steven van Muyden und Henri van Muyden waren ebenfalls als Künstler tätig. Henri van Muyden zeichnete u.a. auch jahrelang für den Nebelspalter.
Ersten malerischen Unterricht erhielt Evert van Muyden von seinem Vater, nachdem dieser die Zeichnungen in den Schulheften seines Sohnes sah. So lehrte Evert van Muyden bei seinem Vater, der streng und hart war, was sich positiv auf die Arbeiten seines Sohnes auswirkte. Zudem schickte ihn sein Vater zum Landschaftsmaler Barthélemy Menn, der unter anderem auch Maler wie Ferdinand Hodler und, Eugène Burnand unterrichtete. 1872 ging Evert van Muyden an die Berliner Kunstschule, anschliessend für sechs Monate zum Tiermaler Carl Steffeck. 1874 folgte der Besuch der Ecole des Beaux Arts in Paris.
Seine Eindrücke bei Carl Steffeck hatten später seine eigenen Arbeiten mehrheitlich geprägt und Evert van Muyden schuf zahlreiche beeindruckende Gemälde und Zeichnungen aus der Tierwelt.
Schliesslich kehrte er nach Genf zurück, wo er wieder von seinem Vater geschult wurde. Es entstanden erste Gemälde, die er erfolgreich verkaufen konnte. Den Erlös seiner ersten verkauften Bilder investierte er in seine Leidenschaft - dem Reiten.
1879 zog er zu Hause aus und er ging nach Rom, wo er die nächsten fünf Jahre lebte und vor allem Landschaftsbilder in einem kleinen Atelier anfertige, welches Wind und Regen nicht gänzlich den Zugang zu den Räumlichkeiten verweigerte.
In Rom knüpfte er Kontakte zu vielen anderen Künstlern wie den Bildhauer Kissling oder die Maler Frank Buchser, Aerni, Corrodi, Gallori und Chiaradia. Von seinen veräusserten Bildern konnte er sich damals gar ein Pferd kaufen und studierte deren Physiognomie.
1885 verliess er Rom mit einem reichen Schatz an Skizzen und Entwürfen in seinen Notizbüchern und ging nach Paris, wo er von Heinrich Moser (1844-1923) beauftragt wurde, dessen Reise in Zentralasien zu illustrieren.
In Paris wurde er schnell bekannt mit seinen einprägsamen Tiergemälden und -zeichnungen. Seine Eindrücke sammelte er mit zahlreichen Besuchen des Nationalen Naturkundemuseums in Paris und später des Zoologischen Gartens in Basel.
Da weitere Aufträge ausblieben, wandte er sich schliesslich auch der Illustration von Büchern und Tagesromanen zu und er schuf Zeichnungen und Aquarelle zu Büchern wie "Trois explorarions effectuées ands l'Ouest African" (1887) von Pierre Savorgnan de Brazza vom Verlag Maurice Dreyfous, "Versiculets" (1892) von Alfred Poussin, "Contes choisis" (1899) von Champfleury, "Die Kriegstaten der Schweizer" (05) von Emil Frey, "Rechenfiebel mit Bildern" (1921) vom Verlag Landschäftler und "Souvenirs de la campagne romaine" (1923) von ihm selbst beim Verlag Edition d'art Boissonnas. Er stattete auch Luxusausgaben von Romanen von Autoren wie Emile Zola, Guy de Maupassant (Une Vendetta, 1895) und Lafontaine aus. Da seine Vorlagen durch andere Stecher teilweise zu unzufriedenen Ergebnissen führten, erlernte Evert van Muyden selber diese Technik. Dies war der Beginn einer neuen Kunstrichtung in seiner Karriere - der Radierung.
Daneben verfasste er auch ein eigenes Manuskript mit dem Titel "Die Abenteuer von vier Ameisen", welches er auch entsprechend illustrierte.
Ebenfalls in dieser Zeit realisierte Evert van Muyden auch einige Werke als Bildhauer, darunter eine Gruppe junger Löwen, von denen auch einige Bronzefiguren gegossen wurden.
In den kommenden Jahren war Evert van Muyden als Radierer, Lithograph und Aquarellmaler tätig.
Von 1887 bis 1889 war er zudem wie später sein Bruder Henri als Karikaturist für den Nebelspalter tätig, seine Zeichnungen signierte er dabei mit dem Pseudonym Pastarella bzw. PA.
Als der Nebelspalter in der Dezember-Ausgabe 1899 den Zeichner Henri van Muyden als neuen ständigen Zeichner ankündigte, wurde im Text behauptet, dass er zuvor schon unter dem Pseudonym Pastarella Zeichnungen beisteuerte. Diese Aussage ist falsch und kann glücklicherweise belegt werden, weil ein Brief von Evert van Muyden von 1887 erhalten geblieben ist, in welchem er gegenüber dem Bildhauer Richard Kissling erwähnt, dass er seine Zeichnungen mit Pastarella signieren werde. Der Brief befindet sich im Besitz der Zentralbibliothek Zürich. Warum der Nebelspalter diese falsche Aussage gemacht hat, kann nicht mehr eruiert werden. Möglich, dass die Zusammenarbeit zwischen Evert van Muyden und dem Nebelspalter mit Misstönen endete oder aber der Verfasser hat schlicht die beiden Brüder verwechselt.
Ab 1900 zeichnete er dann regelmässig für die Zeitschrift "Die Schweiz", wo er bis 1905 aktiv war.
Seine Arbeiten wurden mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet, so erhielt er unter anderem eine Ehrenerwähnung im Salon Paris 1887 und die Medaille an der Weltausstellung 1889. In New York konnte er seine Arbeiten 1893 auf Einladung von Atherton-Curtis an einer Ausstellung einem interessierten Publikum zeigen.
Neben seiner Tätigkeit als Maler war er auch als Bildhauer aktiv. So schuf er eine Gruppe von Löwen,
welche in kleiner Auflage auch in Bronze vervielfältigt wurde.
Seine Arbeiten fanden Eingang in die Kunstsammlungen von Basel, Neuenburg, Zürich, Genf, St. Gallen und Bern sowie dem Eidgenössischen Kupferstichkabinett.