Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03553.jsonl.gz/1795

US-Präsident Joe Biden war am Dienstag (US-Ortszeit) in Arizona dabei, als die historische Ankündigung erfolgte: Apple lässt die Chips für das iPhone und weitere Geräte neu in den Vereinigten Staaten produzieren, nicht in Asien.
Möglich wird dies, weil der weltgrösste Chiphersteller TSMC aus Taiwan im südlichen US-Bundesstaat nicht nur eine, sondern gleich zwei riesige Fabriken baut.
TSMC sagte am Dienstag, dass es 40 Milliarden Dollar für die beiden Werke in Arizona investiere. Das erste Werk in Phoenix soll ab 2024 Chips produzieren. Das zweite Werk soll nach Angaben der US-Regierung 2026 eröffnet werden.
Der ursprüngliche Deal für TSMC zum Bau einer grossen Chipfabrik in den USA war 2020 zustande gekommen, als noch Donald Trump US-Präsident war. Gemäss der jüngsten Ankündigung verdreifacht TSMC seine US-Investitionen.
Die Investition von TSMC ist gemäss US-Medienberichten eine der grössten ausländischen Investitionen in der Geschichte der USA und die grösste im Bundesstaat Arizona.
Die US-Regierung kann damit die eigene Computerindustrie und alle Unternehmen (der weltgrössten Volkswirtschaft) unabhängiger machen von globalen Lieferketten.
Die geplanten TSMC-Fabriken in Arizona sollen bei vollem Betrieb 600'000 Wafer pro Jahr produzieren, was nach Angaben des National Economic Council ausreichen soll, um den Jahresbedarf der Vereinigten Staaten zu decken.
Mit den Chips «Made in USA» reagiert Apple auf Befürchtungen, China könnte Taiwan überfallen und die dort ansässige Chipproduktion beeinträchtigen oder lahmlegen.
Die BBC zitiert einen Wirtschaftsanalysten:
Die TSMC-Fabriken sollen in der Lage sein, die 4-Nanometer- und 3-Nanometer-Chips herzustellen, die für modernste Prozessoren wie Apples A-Serie und M-Serie sowie Nvidias Grafikprozessoren verwendet werden.
Die weltweite Halbleiterknappheit hat Apple bislang rund 6 Milliarden US-Dollar an Umsatzeinbussen gekostet – und sie führt zu Lieferengpässen im wichtigen Weihnachtsgeschäft. Das Unternehmen hat kürzlich angekündigt, mehr Chips aus europäischen und US-Fabriken zu kaufen, um Versorgungsproblemen entgegenzuwirken.
Die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company ist Weltmarktführerin bei der Chipherstellung. Zu den grössten Kunden gehören die US-Konzerne Apple, Nvidia und AMD. Taiwan produziert rund 60 Prozent der Mikrochips weltweit – bei den modernsten Chips sind es über 90 Prozent.
Intel lässt ebenfalls bei TSMC Chips produzieren. Die US-Firma baut aber auch eigene Chipfabriken in Arizona und Ohio und hofft, Apple als Chip-Abnehmer zurückzugewinnen.
Die TSMC-Fabriken in Arizona werden von der US-Regierung subventioniert. Der US-Präsident hat den «CHIPS and Science Act» in Kraft gesetzt. Dieser bietet finanzielle Anreize in Milliardenhöhe für Unternehmen, die Kapazitäten zur Chipherstellung auf US-amerikanischem Boden aufbauen.
Im August unterzeichnete Biden das Gesetz, das 280 Milliarden Dollar für Hightech-Fertigung und wissenschaftliche Forschung bereitstellt. So soll verhindert werden, dass die USA ihren technologischen Vorsprung an China verlieren.
Nicht zuletzt wegen Chinas unverhohlenen Kriegsdrohungen gegen Taiwan will die EU bei den für moderne Gesellschaften unverzichtbaren Mikrochips unabhängiger werden.
Gemäss Medienberichten vom Oktober treibt TSMC Pläne für eine eigene Fertigung in Deutschland voran.
Im März hatte Intel den Bau einer Chipfabrik im ostdeutschen Magdeburg bekannt gegeben. Das Projekt soll im Rahmen des «European Chips Act» subventioniert werden – einem Gesetz zur Stärkung der Halbleiterfertigung in Europa.
Was in der Schweiz zu Übungszwecken stattfindet, ist in der Ukraine traurige Realität: Heulende Sirenen, die die Bevölkerung auf unmittelbar drohende Gefahr hinweisen.