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In der Schweiz messen Fachleute die Armut, indem sie die eingeschränkten Lebensumstände Armutsbetroffener mit dem Lebensstandard der Gesamtbevölkerung in Beziehung setzen (man spricht daher von «relativer Armut»). Nach einer ökonomisch orientierten Definition hingegen ist arm, wer in einem Haushalt lebt, dessen Einkommen unterhalb der Armutsgrenze liegt. Gemäss Berechnungen der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) liegt die Armutsgrenze für eine Alleinerziehende mit zwei Kindern bei 3800 Franken. Für ein Paar mit zwei Kindern liegt die errechnete Armutsgrenze bei 4600 Franken. Gemäss Schätzungen des Hilfswerks Caritas leben in der Schweiz 700 000 bis 900 000 Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Davon sind 260 000 Kinder – pro Schulklasse zwei bis drei.
Regula Heggli, Leiterin Sozialpolitik bei Caritas Schweiz, sagt: «Armut ist damit keineswegs ein Randphänomen.» 50 Prozent der Sozialhilfebezügerinnen und -bezüger sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Besonders armutsgefährdet sind Kinder mit alleinerziehenden Eltern, Kinder mit mehr als zwei Geschwistern und solche mit Migrationshintergrund. Kinder, deren Familien zu wenig Geld haben, essen weniger gesund, leben häufig an einer benachteiligten Wohnlage, sind «uncool» gekleidet. Von Armut betroffene Kinder haben häufig ein schlechteres Selbstwertgefühl, entwickeln Schulschwächen.
Studien zeigen: Nicht nur Reichtum wird vererbt, sondern auch Armut. Der Basler Soziologieprofessor Ueli Mäder: «Der Bildungsstand der Eltern und deren finanzielle Möglichkeiten tragen zur Reproduktion der sozialen Ungleichheit bei – aber auch Vorurteile des Lehrpersonals sowie schulische Inhalte, die sich an der Mittelschicht orientieren.»