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Die Früchte der in der heißen Zone fast überall in Küstenländern und auf Inseln angepflanzten und wild
wachsenden Kokospalme (Cocos nucifera), liefern für unsern Handel das Kokosöl und die Kokosfaser. Die äußere, 4-6 cm
dicke Hülle der fast kopfgroßen Steinfrucht besteht aus längshin laufenden, dicht zusammenhängenden
Fasern, welche zugerichtet Coir, bei uns Kokosfaser heißen. Sie ist nur von Früchten zu nehmen, welche nicht völlig reif
sind.
Von diesen wird die Außenschicht abgespalten, mehrere Wochen in Wasser gelegt und dann mit Klopfern oder zwischen geriffelten
Walzen bearbeitet, wodurch die Fasern sich vereinzeln und in starke, mittle und feine sortiert werden
können. Sie sehen braun aus und nehmen büschelweise immer noch die Krümmung ein, in der sie an der Nuß lagen. Die vielseitige
Verwendung, welche die Kokosfasern in den Ursprungsländern schon immer gehabt haben, hat sich zunächst nach England, jetzt
auch nach Deutschland fortgepflanzt, das jetzt nur noch den Faserstoff, aber keine daraus gefertigten englischen Waren mehr
bezieht.
Der Stoff dient zu Polstermaterial, zu geflochtenen Teppichen, Unterlegern, Abtretern, zu Bürsten und Pinseln, gesponnen zu
Seilerwaren und selbst zu Schiffstauen, was für seine große Haltbarkeit spricht. Die neueste gelungene Verwendung ist
die zu Maschinentreibbändern statt der Lederriemen. Die Verarbeitung des Materials geschieht in Deutschland wie England
fast ausschließlich in Zuchthäusern. Es werden in Deutschland jährlich für circa 700000 Mk. Kokosfasern
verarbeitet. Die harte Schale der Nüsse bildet bekanntlich ein Material zu kleinen Drechsler- und Schnitzwaren. In England
hat man gefunden, daß sich dieselbe durch heiße Dämpfe und Quetschwerke ebenfalls in Faserbündel
auflösen läßt; die so erzeugten Fasern werden dort zu Bürsten, Pinseln, Staubbesen u. dgl. verarbeitet.
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Eine größere Bedeutung als Handels- und Industrieartikel hat das Kokosnußöl (Kokosfett, Kokosbutter) erlangt. Es wird
in Menge importiert, in Frankreich und England zum Teil auch erst aus eingeführten getrockneten Kokoskernen
gepreßt. Die hauptsächlichen Bezugsländer sind Ceylon, woher das meiste kommt und das über 20 Mill. Bäume zählt, Vorder-
und Hinterindien
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(Cochin), Zanzibar. Die Gewinnung des Öls aus den Nußkernen erfolgt in verschiedner Weise, je nachdem sie Eingeborne oder
Europäer betreiben; letztere arbeiten mit kräftigen Pressen (namentlich auf Ceylon) und erhalten durch heißes Auspressen
der getrockneten und zerkleinerten Kernmasse die stärkste Ausbeute, während die Eingeborenen die Kerne gewöhnlich in Wasser
kochen und das obenauf schwimmende Öl abschöpfen. Das Öl ist weiß oder schwach gelblich, bei gewöhnlicher
Temperatur von der Konsistenz des Schweineschmalzes, riecht und schmeckt ursprünglich nicht unangenehm, nach Europa gekommen
aber meist schon ranzig.
Seine hauptsächliche Verwendung ist die zu Seifen; es geht mit starker Natronlauge leicht zu einer harten
Seife zusammen, die nur das üble hat, daß sie einen lange beharrenden Geruch hinterläßt. Die Beliebtheit des Kokosöles
für die Zwecke der Seifenfabrikation hat ihren speziellen Grund in dem Umstande, dass die daraus bereitete Seife eine große
Menge Wasser oder Lauge binden und dabei doch trocken und hart erscheinen kann. Diese Eigenschaft überträgt
das Fett auch noch auf Seifen, in denen es nur einen kleinern Bestandteil ausmacht. Sie heißen im Gegensatz zu den guten
sog. Kernseifen gefüllte. Das Kokosöl kann wie andre Fette in einen festen und einen flüssigen
Bestandteil, durch Pressen in einem dicht gewebten Sacke getrennt werden; es besteht aus den Glyceriden
der Caprylsäure, Laurinsäure, Myristinsäure und Palmitinsäure. - Eingangszoll:Kokosnüsse und Kokosfasern sind zollfrei.
Grobe Waren aus Kokosfasern z. B. Stricke, Decken etc. s.
T. im Anh. No. 22 d, dergleichen gefärbte Waren No. 22 e 3. Flüssiges Kokosöl wird gemäß No. 26 a 4, festes nach No. 26 a 5 verzollt.