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Sie ist vielleicht eines der grössten Blues- und Soul-Talente der vergangenen Jahrzehnte – und gleichzeitig eine der am meisten missverstandenen Künstlerinnen. Alles Mögliche wurde über die US-Sängerin im Nadelstreifenanzug und mit tief ins Gesicht gezogenem Hut geschrieben; das Wichtigste kommt nicht selten zu kurz: dass sie ein sehr sensibler und expressiver Mensch ist – und dass sie mit wunderbaren eigenen Songs und dunkler, rauchiger Stimme ihrem Publikum mitten ins Herz trifft. Ihr lustvolles Spiel mit den Geschlechterrollen wird überbewertet, ihr eigentlicher Joker ist und bleibt die Musik. Jetzt kommt sie zu unserer grossen Freude nach Basel: Marla Glen.
1960 geboren und aufgewachsen in Chicago, wurde Marla als 5-jähriges Mädchen bereits von der Kraft des Blues erfasst: durch eine kleine Plastik-Mundharmonika, geschenkt von einem Mann aus der Nachbarschaft. Dass der Mann Muddy Waters hiess, und was dieser Name bedeutet, erfuhr sie erst später. Mit 11 schrieb sie ihren ersten Song («Repertoire», das Stück landete später auf ihrem Platin-Album «Love and Respect»). Mit 15 sang und spielte Marla bereits im Stil der Grossen, im berühmten Chicagoer Club «Kingston Mines», wo sie im Schutz von Uncle Billy (dem renommierten Bluesmusiker Billy Branch) auf die Bühne gelassen wurde. Mit 18 brillierte sie bei Jamsessions in Chicago, Detroit, New York, jobbte in Kalifornien als Assistentin für die legendäre Nina Simone und lief dort auch Bo Diddley über den Weg. Beide gaben dem Multitalent wertvolle Tipps fürs Leben, und dennoch fand Marla den Rank nicht sogleich. Erst 1990 kam ihr Karrierezug ins Rollen, als sie bei einem Wettbewerb das Ticket zur Teilnahme an einem Festival in Frankreich gewann. Marla begeisterte, blieb gleich in Frankreich, gründete dort eine Band und begann ihre Bilderbuchkarriere in Europa. Das Energiebündel erhielt schon bald einen Plattenvertrag, zog nach Deutschland, schaffte es 1993 mit ihrem ersten Album «This is Marla Glen» auf Anhieb in die D- und CH-Charts – und toppte das Ganze zwei Jahre später noch mit ihrem Erfolgsalbum «Love and Respect». Ein Song aus diesem Album («Believer») wurde schliesslich für einen C&A-Werbespot verwendet, ein paar Jahre später dasselbe mit ihrer umwerfenden Interpretation des James Brown-Hits «It's A Man's World», welche die Hymne für ein Männerparfüm wurde. Inzwischen war Marla Glens Radio-, TV- und Bühnenpräsenz beachtlich, vor allem in Europa. Nach diesen Erfolgen wurde ihre Laufbahn durch eine Reihe von Höhepunkten und Tiefschlägen geprägt, doch die Ausnahmekünstlerin machte die ganze Zeit hindurch hochkarätige Musik, produzierte fantastische Platten («Dangerous» 2006, «Humanology» 2011, «Here I Am – Live» 2016) und beweist mit ihrem brandneuen Album «Unexpected» nun eindrücklich, dass sie in der Form ihres Lebens ist: ausdrucksstark, selbstbewusst und berührend wie nie zuvor. Die Musikwelt wartet gespannt auf die von Stacey McClain verfasste, autorisierte Marla Glen-Biografie, die demnächst erscheinen soll. Eines wissen wir schon jetzt: Auf der Bühne ist Marla am stärksten. Ein emotionales Kraftpaket im Spannungsfeld von Blues, Soul, Afro, Jazz und Rock'n'Roll. Einzigartig! rk