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Was ist Demeter?
Häufig gestellte Fragen
Was ist Demeter?
Demeter ist ein internationales Label für Nahrungsmittel der höchsten Qualitätsstufe. Produkte mit dem Gütesiegel Demeter sind aus einer umfassend nachhaltigen und ganzheitlichen Bewirtschaftungsweise entstanden: aus biodynamischer Landwirtschaft.
Woher kommt die biodynamische Landwirtschaft?
1924 war eine Gruppe von Bauern besorgt über die Entwicklungen der Landwirtschaft. Sie bemerkten, dass die technischen Errungenschaften auch Probleme mit sich brachten. Mit Besorgnis beobachteten sie, wie die Technologie der im Krieg verwendeten Bomben zur Entwicklung von synthetischen Düngemitteln führten. (Quelle: SPIEGEL Wissenschaft). Sie mussten zusehen, wie die Technik für die Herstellung von tödlichem Nervengas zur Entwicklung von Pflanzenschutzmitteln führte. (Quelle: Deutsche Welle, Wissen & Umwelt).
Schon bevor es soweit kam, bemerkte diese führende Gruppe mitteleuropäischer Bauern, dass diese Methoden den Boden, die Kulturen, das Saatgut und die Tiere schwächten. Vermutlich merkten es alle Bauern. Jedenfalls war es eine Gruppe, die sich zusammentat und nach einer neuen Vision für eine Landwirtschaft mit Zukunft suchte. Sie stiessen auf Rudolf Steiner, der damals schon bekannt war durch seine alternative Unterrichtsmethode, aber auch von der Landwirtschaft begeistert war. In einem Dorf aufgewachsen, das heute zu Slowenien gehört, hatte er als Bub Anbaumethoden kennengelernt, die über Jahrhunderte hinweg unverändert geblieben waren und noch genauso funktionierten. Rudolf Steiner wurde von der besagten wachen und besorgten Gruppe von Bauern gebeten, ihnen ein neues Leitbild für die Landwirtschaft zu geben. So stellte Rudolf Steiner 1924 in Koberwitz seine Alternative im "Landwirtschaftlichen Kurs" dar, der bis heute Grundlage des biologisch-dynamischen Anbaus ist. Darin sagte er unter anderem voraus, dass aufgrund des Pestizideinsatzes die Bienenpopulation weltweit um das Jahr 2000 zusammenbrechen würde, mit Konsequenzen für die Bestäubung von Kulturpflanzen.
Quelle: Monty Waldin: Biodynamisch Gärtnern. Die biologisch-dynamische Bewegung. S.58
Was ist biodynamisch?
Biodynamisch ist die Kurzform von biologisch-dynamisch. Die grundlegende Idee der biodynamischen Landwirtschaft beruht darauf, dass jeder Hof so eigenständig wie möglich existieren und sich auf allen Ebenen von Jahr zu Jahr verbessern soll. Das bedeutet:
1. Geschlossene Kreisläufe: Möglichst alle Nahrung für Tier und Mensch wird auf dem Hof produziert und das, was dabei übrig bleibt, als Dünger verwendet, bzw. kompostiert. Möglichst wenig wird von aussen zugeführt und möglichst kein Abfall produziert.
2. Der Boden wird genutzt und dabei unter anderem durch die biodynamischen Präparate verbessert. Humusaufbau ist ein zentrales Ziel der biodynamischen Landwirtschaft.
3. Die Pflanzenvielfalt wird gefördert und damit die natürliche Bestäubung durch Insekten. Zur Pflanzenvielfalt gehört auch das Pflanzen von Blumen und Obstbäumen sowie heimischen Baumarten wie die Eiche oder Linde. Dies auch, wenn dadurch mehr Handarbeit beim Heuen entsteht. Es geht um den Zukunftsgedanken, dass die Bäume die Fähigkeit haben, Wasser im Boden zu speichern. Damit leisten sie einen grossen Beitrag dazu, den Boden in der auf uns zukommenden Trockenzeit fruchtbar zu erhalten.
4. Die Tiere werden wesensgerecht gehalten, d.h. sie dürfen sich ihrem Wesen entsprechend verhalten: Ein Huhn scharrt im Erdboden, um sich Nahrung zu suchen und flattert in die Höhe, um zu schlafen (in der Natur würde es dies auf einem Baum tun), und so weiter. Alle Tiere sind täglich im Freien und dürfen ihre Jungtiere selbst aufziehen, die Jungtiere bekommen die Milch ihrer Mutter. Die Tiere haben ein Recht auf eine Sexualität (Natursprung statt künstliche Besamung). Die Tiere haben ein Recht auf alle ihnen angeborenen Körperteile: Kühe, Ziegen und Schafe tragen Hörner, Schafe haben lange, z.T. wollige Schwänze. Das Tier hat eine Würde und soll auch ohne Stress sterben dürfen.
5. Auch den Menschen, die auf dem Hof leben und arbeiten soll es gut gehen. Und sie tragen die Verantwortung, dass alles, was auf dem Hof lebt, jeden Tag die beste Form seiner selbst sein kann und mit allem anderen harmoniert.
6. Die biodynamische Landwirtschaft anerkennt eine geistige Dimension des Lebens sowie die Wirkung der Planeten unseres Sonnensystems auf unsere Erde.
Was sind biodynamische Präparate?
Es geht schlicht darum, den Boden zu ernähren und ihn wieder mit jahreszeitlichen Rhythmen und natürlichen Zyklen zu verknüpfen. Eine nachhaltige Kultur liefert aromatische Nahrungsmittel von hoher Qualität, die Körper und Seele wohltun und dem Land mehr geben, als man ihm entnimmt. Zunächst mögen manche Methoden merkwürdig erscheinen, doch basiert der biodynamische Anbau auf überlieferten Erfahrungen. Das Prinzip beruht auf gesundem Boden und Nachhaltigkeit und darauf, mit der Natur und nicht gegen sie zu arbeiten. Den Unterschied machen die biologisch-dynamischen Präparate aus. Neun Zubereitungen auf der Grundlage von 6 Pflanzen (Schafgarbe, Kamille, Brennnessel, Eichenrinde, Löwenzahn, Baldrian), 3 tierischen Innereien (Hirschblase, Rinderdarm- und -gekröse), Schädel, Kuhhorn, Rindermist und Quarz beleben die Erde und alles, was darin wächst.
(Quelle: Monty Waldin: Biodynamisch Gärtnern, Einführung, S.10)
Wer mehr über die Arbeit mit biodynamischen Präparaten wissen möchte, kann hier ein Dokument von Demeter Schweiz downloaden, das die Grundlagen erläutert.
Was ist der Unterschied zwischen biologischer und biodynamischer Landwirtschaft?
Die biologische Landwirtschaft erhält, was da ist: den Boden, die Pflanzen, die Tiere artgerecht (vs. biodyn. wesensgerecht).
Die biodynamische Landwirtschaft hat den Anspruch, nicht nur zu erhalten, sondern zu verbessern: den Boden fruchtbarer zu machen (Humusaufbau, regenerative Landwirtschaft), die Biodiversität vielfältiger, die Tiere gesünder durch wesensgerechte Haltung, die Menschen zufriedener.
Und die geistige Dimension des Lebens ist anerkannt und führt zu entsprechenden Methoden mit Pflanzen und Tieren zu leben, zu kommunizieren und zu wirtschaften.
Natürlich gibt es auch Biobäuerinnen, die mit ihren Tieren kommunizieren. Und viele Biobetriebe tun mehr fürs Tier als Vorschrift ist. Die generellen Richtlinien der Bio Suisse erlauben jedoch Dinge wie Entthronung oder gentechnisch produzierte Impfstoffe usw. mit denen die biodynamische Landwirtschaft nicht einverstanden ist. Das heisst nicht, dass alle Biobetriebe enthornen. Das Beste ist immer, hinzugehen, an den Ort, wo eure Nahrungsmittel hergestellt werden und zu beobachten und Fragen zu stellen. Wenn euch wohl ist, tun euch auch die Lebensmittel gut, die dort produziert werden.
Am 2. April 2023 habe ich erstmals meinen Vortrag mit dem Titel "Was ist Demeter?" in Degersheim gehalten und viele Komplimente dafür bekommen.