Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03547.jsonl.gz/2127

Mission auf dem Prüfstand
Innerhalb von knapp hundert Jahren wurde der Name «Basel» in Ghana weitherum bekannt. 1828 kamen zum ersten Mal Basler Missionare in das Land, wo sie nach anfänglichen Rückschlägen einige Jahre später die erste dauerhafte Missionsstation errichteten. Heute ist Ghana grösstenteils christlich geprägt. Dies sei wesentlich auf die Basler Mission zurückzuführen, schreibt Abraham Nana Opare Kwakye. Der Uni-Dozent und Pfarrer der Presbyterianischen Kirche in Ghana erforschte die Spuren der Mission in seiner Heimat.
In den letzten Jahren begannen Wissenschafter wie Nana Kwakye, die bewegte Geschichte des Basler Werks aus der Perspektive der missionierten Länder aufzuarbeiten. Ihre kritische Würdigung der Missionsarbeit aus afrikanischer, asiatischer und lateinamerikanischer Sicht bildet einen Schwerpunkt am Jubiläumssymposium von Mission 21 in Basel. Verdrängte die Mission die einheimische Kultur oder beförderte sie die Ausprägung der eigenen Identität? Wie zwiespältig das Wirken der Mission ausfiel, beschreibt Abraham Nana Opare Kwakye für Ghana.
So führte die Basler Mission in Ghana das westliche Bildungssystem ein, mit sechsjähriger Grundschule und vierjähriger Mittelschule, wie wir es in der Schweiz heute noch kennen. Positiv wirkte sich die Mission auch auf die Entwicklung der lokalen Sprachen aus. Diese wurden in den Schulen unterrichtet. Ganz im Sinne Luthers übersetzten die Missionare zudem die Bibel in die einheimischen Sprachen Ga und Twi. «In ihren Volkssprachen zu sprechen und geschult zu werden, stärkte die Ghanaer in ihrer kulturellen Identität», stellt Nana Kwakye fest.
Westliche Werte und afrikanisches Erbe
Die Missionare bauten in Ghana für die neu bekehrten Einheimischen christliche Dorfgemeinschaften auf. Sie sollten hier sicher sein vor Verfolgung und dem Zugriff lokaler Autoritäten. Diese Salems hätten der Mission als strategisches Instrument gedient, mit dessen Hilfe «die traditionellen lutherischen Auffassungen von Familie, Autorität und produktiver Arbeit auch an der Goldküste gedeihen konnten», erklärt Nana Kwakye. Doch die Missionare wurden dafür kritisiert, dass sie die neuen Christen in den Salems ihrer eigenen Kultur entfremdeten und die Menschen entwurzelten. Rigoros gingen sie gegen alles Afrikanische vor. Ein Lehrer etwa, der seine Schüler in die afrikanische Musik einführen wollte, verlor seine Stelle. Das Fazit von Abraham Nana Opare Kwakye lautet: Die Basler Mission habe den traditionellen afrikanischen Gemeinschaften in Ghana «den Schritt hin zur Moderne ermöglicht. Trotzdem hat sie einige grosse afrikanische Werte, wie die ethnische Solidarität, auch untergraben.»
Missionsgeschichte aus vier Kontinenten
Neben Ghana interpretieren und reflektieren Gastreferenten aus Asien, China und Lateinamerika die Missionsgeschichte an der Jubiläumskonferenz in Basel.
Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Rolle der Migrationskirchen. Kann man ihre Verbreitung als Umkehrung der Missionsbewegung Richtung Westen deuten? Und wie können die Erkenntnisse aus der 200-jährigen Missionsgeschichte für die Zukunft der Kirche fruchtbar gemacht werden?
Jubiläumssymposium von mission 21
Neue Perspektiven und Schritte in die Zukunft. Nach 200 Jahren Basler Mission zieht Mission 21 mit einer internationalen Konferenz Zwischenbilanz und schaut in die Zukunft. Dazu lädt sie namhafte Fachleute aus vier Kontinenten ein.
Donnerstag bis Samstag, 24. bis 26. September, Missionsstrasse 21, Basel, Kosten ohne Mahlzeiten: Tagungsbeitrag 140 Franken, Tagesgäste 100 Franken, Anmeldung und Programm: www.mission-21.org/symposium oder Tel. 061 260 22 67.
Zum Bild: Am Jubiläumsfest der Basler Mission im Juni zeigte sich die internationale Verbundenheit im persönlichen Gespräch dieser Besucherinnen.| Mission 21/Pilling
Karin Müller
Verwandte Artikel:
25.09.2015: Mission: «200 Jahre sind ein guter Anfang»