Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03189.jsonl.gz/2118

|http://www.nzz.ch/nachrichten/international/garcia_lorcas_grab_1.960832.html
García Lorcas Grab
In Andalusien, das die aufständischen Militärs zu Beginn des Spanischen Bürgerkrieges in ihre Gewalt bekamen, war die Zahl der summarisch Abgeurteilten oder heimlich zum Verschwinden Gebrachten besonders hoch. Das berühmteste Opfer ist zweifellos der Dichter Federico García Lorca. Der Ort am Fuss eines Olivenbaums am Bach Viznar bei Alfacar nordöstlich von Granada, wo er zusammen mit einem Lehrer und zwei Stierkämpfern erschossen und vermutlich auch verscharrt wurde, ist dank den Nachforschungen des britischen Historikers Ian Gibson seit langem bekannt. Die Umgebung, in der noch viele weitere Schicksalsgenossen liegen dürften, ist heute eine als öffentlicher Park gestaltete Gedenkstätte. García Lorcas Angehörige hatten sich einer Exhumierung bisher widersetzt, weil sie einen pietätlosen Rummel befürchteten und die Ruhe der Toten nicht stören wollten.
Jetzt hat sich freilich die Situation verändert. Die Familie des Lehrers Dióscoro Galindo hat beim Richter Garzón die Exhumierung der Überreste ihres Angehörigen beantragt; sie möchte ihn im Friedhof seines Dorfes zur Ruhe
betten. Diesen Wunsch wollen die Angehörigen des Dichters laut seiner Nichte Laura respektieren. Sie wollen jedoch die Gebeine García Lorcas, sollten sie gefunden und identifiziert werden, wieder an der gleichen Stelle begraben. Damit bleibe die Bedeutung der Stätte erhalten, die neben dem berühmten Mann Hunderte, wenn nicht Tausende von weiteren, unbekannten Opfern berge, die des Gedenkens nicht weniger würdig seien als er.
http://www.nzz.ch/nachrichten/international/garcia_lorcas_grab_1.960832.html
30. September 2008, Neue Zürcher Zeitung