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Der »Regenwald der gemäßigten Breiten« ist ein Wald-Ökosystem, das sich durch einen besonderen Wasserhaushalt auszeichnet. Die Abgrenzung zum tropischen Regenwald ist durch seine Lage in gemässigten Klimazonen gegeben. Diese Wälder wuchsen ausser in Afrika und der Antarktis auf jedem Kontinent, allerdings sind sie in Europa und Asien durch Kahlschlag beinahe gänzlich von der Landkarte verschwunden. Heute wachsen grosse Flächen der gemässigten Regenwälder nur noch in British Columbia, Alaska und Chile. Kleine Flächen blieben in Australien und Neuseeland über. Wohl am bekanntesten von allen gemässigten Regenwäldern der Welt, ist der ''temperate rainforest'' an der nordamerikanischen Pazifikküste zwischen Kalifornien, Britisch-Kolumbien und dem südöstlichen Teil von Alaska. Hier dominieren die Nadelbäume, vorwiegend Fichten und in Kalifornien der Küstenmammutbaum, die höchste Baumart der Erde.
Als Regenwald gelten Wälder, die im langjährigen Mittel mehr als 2000 mm Niederschlag im Jahr erfahren. Diese Niederschlagsmengen werden in den gemäßigten Breiten nur an den Hängen von Küstengebirgen erreicht. Hier führen landeinwärts gerichtete Seewinde feuchtigkeitsgesättigte Luftmassen gegen das Gebirge und zwingen diese zum Aufstieg, was zum Steigungsregen führt.
Das maritime Klima dämpft die jahreszeitlichen Klimaschwankungen im gemässigten Regenwald, so dass die Winter milder und die Sommer kühler sind als im Landesinneren. Im Sommer tritt oft Nebel auf, der den Wald zusätzlich feucht hält.
Einer der faszinierendsten Aspekte des gemässigten Regenwaldes ist die verschwommene Grenze zwischen dem terrestrischem und dem marinen Ökosystem. Forscher der Universität Victoria haben in den Jahresringen der Bäume Spurenelemente von Lachsen isolieren können. Wie die dorthin kommen? Bären fangen die Lachse, transportieren sie in den Wald und lassen die nur teilweise gefressenen Lachse liegen. Andere Tiere wie Insekten, Möwen, Adler fressen den Rest und verteilen den Lachs als Dünger im Wald. Diese Entdeckung zeigt einmal mehr wie wichtig diese Lachszüge sind und was für eine bedeutungsvolle Rolle jede noch so kleine Spezies in einem gesunden Ökosystem innehat.
Der gemässigte Regenwald ist das artenreichste Ökosystem in der gemässigten Klimazone. Die hohe Biodiversität zeigt sich in der Tierwelt besonders bei Insekten und Spinnentieren sowohl in der Kronenschicht wie in den oberen Bodenschichten.
Das milde Klima und die ganzjährig hohe Feuchtigkeit ermöglichen eine hohe Geschwindigkeit biologischer Abbauprozesse. Abgestorbene Bäume und anderes Totholz, abgeworfenes Laub und alles andere abgestorbene biologische Material werden in kurzer Zeit abgebaut und die Nährstoffe von Pflanzen wieder aufgenommen. Die Böden sind daher in der Regel nährstoffarm.
Der gemäßigte Regenwald ist in vielen Gebieten durch die Forstwirtschaft bedroht. In den großflächigen Urwäldern stehen oft besonders große Exemplare gefragter und damit wertvoller Baumarten. An der Küste Kanadas in British Kolumbien stehen über 25% des übriggebliebenen gemässigten Regenwaldes der Welt. Über 50% dieser Wälder wurden bereits abgeholzt.
Insbesondere in Nordamerika ist die übliche Nutzungsform der Kahlschlag, der das gesamte Ökosystem vollständig zerstört. Selbst wenn die Wiederaufforstung vorschriftsmäßig durchgeführt wird und erfolgreich ist, dauert es über zweihundert Jahre, bis der Urzustand des Waldes wieder erreicht ist. Darüber hinaus ist auf den nährstoffarmen Böden auch nur eine wenig wirtschaftliche Nutzung möglich. Um den Gesamtbestand zu schonen, geht man nun in einigen Gebieten unter Einsatz von Helikoptern zur Entnahme von einzelnen Stämmen über.
Mitte der 1990er Jahre wurden im Nordwesten des nordamerikanischen Kontinents große Vorkommen des gemäßigten Regenwaldes unter Naturschutz gestellt. Für andere wurden Nutzungseinschränkungen eingeführt, aber trotzdem bleiben auch weiterhin weite Gebiete für die Nutzung per Kahlschlag offen.