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Internationales – grenzüberschreitende Erwerbstätigkeiten
Grenzüberschreitende Erwerbstätigkeiten wie die Mehrfachtätigkeit (arbeiten in mehreren Ländern) und die Entsendung gehören heute in Europa und weltweit zum beruflichen Alltag. Die stetig steigende Mobilität der Arbeitnehmenden hat auch Auswirkungen auf die Sozialversicherungen. Daher sind Abkommen mit den EU- und EFTA-Staaten von besonderer Wichtigkeit. Für eine bessere Koordination und somit für ein lückenloses Sozialnetz hat die Schweiz internationale Sozialversicherungsabkommen abgeschlossen. Die wichtigsten Informationen, Links und Formulare haben wir hier für Sie zusammengetragen.
Mehrfachtätigkeit von Arbeitnehmenden
(arbeiten in mehreren Ländern)
Schweizer Arbeitgeber müssen mit den Sozialversicherungen anderer Staaten abrechnen können, wenn sie Grenzgänger beschäftigen, welche beidseits der Grenze erwerbstätig sind. Wenn ein Arbeitnehmer in mehreren Ländern der EU bzw. der EFTA arbeitet, gelten in der Regel nur die Rechtsvorschriften eines Staates. Ein Arbeitnehmer, der in verschiedenen Ländern erwerbstätig ist, untersteht nur einem System der sozialen Sicherheit für all seine Tätigkeiten. Die Koordinierung solcher Fälle übernimmt der Wohnsitzstaat.
Situation A:
Arbeitet ein Grenzgänger in der Schweiz und übt er gleichzeitig in seinem Wohnsitzstaat eine Erwerbstätigkeit von mindestens 25% aus, müssen die Sozialversicherungsbeiträge vollständig in seinem Wohnsitzstaat abgerechnet und bezahlt werden, inklusive für seine Tätigkeit in der Schweiz. Der Arbeitgeber im Wohnsitzstaat des Grenzgängers und der Arbeitnehmer melden diese Mehrfachtätigkeit ihrem zuständigen Sozialversicherungsamt (im Wohnsitzstaat). Das entsprechende Sozialversicherungsamt (im Wohnsitzstaat) stellt danach eine A1-Bescheinigung aus, welche die anzuwendenen Rechtsvorschriften festlegt, und schickt diese dem Arbeitgeber im Wohnsitzstaat des Grenzgängers zu. Es ist Sache des Arbeitnehmers, seinen Arbeitgeber in der Schweiz darüber zu informieren, dass seine Sozialversicherungsbeiträge in seinem Wohnsitzstaat abgerechnet werden.
Situation B:
Arbeitet ein Grenzgänger in der Schweiz und übt er gleichzeitig in seinem Wohnsitzstaat eine Erwebstätigkeit von weniger als 25% aus, müssen die Sozialversicherungsbeiträge vollständig in der Schweiz abgerechnet und bezahlt werden, inklusive für seine Tätigkeit im Wohnsitzstaat. Der Arbeitgeber in der Schweiz füllt zusammen mit seinem Arbeitnehmer das Formular «Antrag zur Weitergeltung des schweizerischen Sozialversicherungsrechts» und das «Hilfsblatt zum Antrag für Mehrfachtätigkeit» aus und schickt diese an seine zuständige AHV-Ausgleichskasse in der Schweiz. Die entsprechende AHV-Ausgleichskasse in der Schweiz stellt danach eine A1-Bescheinigung aus, welche die anzuwendenen Rechtsvorschriften festlegt, und schickt diese dem Arbeitgeber in der Schweiz zu. Es ist Sache des Arbeitnehmers, seinen Arbeitgeber im Wohnsitzstaat darüber zu informieren, dass seine Sozialversicherungsbeiträge in der Schweiz abgerechnet werden.
Für Personen, die in ihrem Wohnsitzstaat Arbeitslosenunterstützung erhalten, haben die Schweiz und Frankreich ein Abkommen geschlossen, wonach eine Person, die in Frankreich Arbeitslosenunterstützung erhält und in der Schweiz erwerbstätig ist, dem System der sozialen Sicherheit von Frankreich unterstellt ist. Das bedeutet, dass der Schweizer Arbeitgeber die Anmeldung in Frankreich vorzunehmen hat, und dies unabhängig vom Beschäftigungsgrad in der Schweiz. Der Schweizer Arbeitgeber hat bei den betroffenen Arbeitnehmern zwingend zu überpfrüfen, dass sie keine Erwerbstätigkeit in einem anderen Land ausüben und dass sie keine Arbeitslosenunterstützung erhalten. Diesbezüglich gilt es das Formular «Antrag zur Weitergeltung des schweizerischen Sozialversicherungsrechts» und das «Hilfsblatt zum Antrag für Mehrfachtätigkeit» auszufüllen. Im Zwiefelsfall sollte der Arbeitgeber seine AHV-Ausgleichskasse kontaktieren.
Mehrfachtätigkeit von Selbstständigerwerbenden
(arbeiten in mehreren Ländern)
Selbstständigerwerbende, die in verschiedenen Ländern der EU oder der EFTA bzw. in der Schweiz tätig sind, sind im Wohnsitzstaat sozialversichert, vorausgesetzt, sie arbeiten auch mindestens einen Tag pro Monat in ihrem Wohnsitzstaat. Ist dies nicht der Fall, dann sind sie in dem Land sozialversichert, in dem sie überwiegend tätig sind und müssen sich dort als Selbstständigerwerbender registrieren.
Wenn ein Selbstständigerwerbender vorübergehend ausserhalb der Schweiz arbeitet, bleibt er in der Regel in der Schweiz versichert (siehe dazu auch unter «Entsendung»).
In den meisten Ländern kontrollieren die zuständigen staatlichen Stellen, ob ein Selbstständigerwerbender sozialversichert ist. Dies wird mit einer sogenannten A1-Bescheinigung nachgewiesen, welche von der zuständigen Ausgleichskasse ausgestellt wird. Es dient als Nachweis gegenüber den Sozialversicherungsträgern der beteiligten Staaten. In manchen Fällen darf man ohne A1-Bescheinigung nicht erwerbstätig werden.
Soziale Absicherung von Künstlern und Musikern im Ausland
Die wichtigsten Fallgestaltungen (mehrere Arbeit- bzw. Auftraggeber) sind in der nachfolgenden Tabelle dargestellt:
*AS = Abkommensstaat
Ausnahmen:
Vorübergehende Tätigkeit ausserhalb der Schweiz
Bei einer vorübergehenden Auslandstätigkeit im EU-Raum oder in einem anderen EFTA-Staat für max. 24 zusammenhängende Monate verbleibt es bei der Unterstellung unter die schweizerischen Vorschriften über die soziale Sicherheit (Entsendung).
Bei der Entsendung in Abkommensstaaten gibt es je nach anzuwendendem Sozialversicherungsabkommen für die Dauer einer Entsendung unter Anwendung der schweizerischen Sozialversicherungsvorschriften unterschiedliche Fristen (zwischen 12 und 60 Monaten).
Vorübergehende Tätigkeit in der Schweiz
Bei einer vorübergehenden Tätigkeit ausländischer Künstler/Musiker in der Schweiz aus dem EU-Raum oder aus einem anderen EFTA-Staat für maximal 24 zusammenhängende Monate wird auch für diese Personen weiterhin das Sozialversicherungsrecht des Entsendestaates angewendet (Entsendung).
Entsendung
Für Arbeitnehmende, welche auf Rechnung ihres Arbeitgebers vorübergehend in einem anderen Land einen Auftrag erledigen, bleibt während dieser Zeit weiterhin die Sozialversicherungsgesetzgebung des Ursprungslands anwendbar, falls gewisse Voraussetzungen erfüllt sind. Auch Selbstständigerwerbende können sich unter gewissen Bedingungen entsenden.
Der Selbstständigerwerbende bzw. der Arbeitgeber in der Schweiz füllt zusammen mit seinem Arbeitnehmer das Formular «Antrag zur Weitergeltung des schweizerischen Sozialversicherungsrechts» aus und schickt dieses an seine zuständige AHV-Ausgleichskasse in der Schweiz. Die entsprechende AHV-Ausgleichskasse in der Schweiz stellt danach eine A1-Bescheinigung aus, welche die anzuwendenen Rechtsvorschriften festlegt, und schickt diese dem Selbstständigerwerbenden bzw. dem Arbeitgeber in der Schweiz zu.
Beschäftigung ausserhalb der Schweiz in einem EU- oder EFTA-Staat
Wenn Arbeitnehmende dauerhauft in einem anderen Land als der Schweiz beschäftigt sind, sind sie nicht mehr in der schweizerischen Sozialversicherung versichert, sondern ab diesem Zeitpunkt im Beschäftigungsland. Sind Arbeitnehmende befristet ausserhalb der Schweiz tätig, bleiben sie in der Regel in der Schweiz versichert. In diesem Fall spricht man von einer Entsendung.
Arbeitnehmende bleiben in der Schweiz versichert, wenn:
- sie weiterhin bei einem Arbeitgeber in der Schweiz angestellt sind;
- der Arbeitgeber in der Schweiz weiterhin den Lohn zahlt sowie die fälligen Sozialversicherungsbeiträge in der Schweiz einzahlt;
- der Arbeitnehmer die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaats der EU/EFTA oder der Schweiz besitzt und in einem EU- oder EFTA-Staat arbeitet.
Als Selbstständigerwerbende(r) in einem EU- oder EFTA-Staat
Wer eine selbstständige Tätigkeit ausserhalb der Schweiz ausübt, ist nicht mehr in der schweizerischen Sozialversicherung versichert, sondern in dem Land, in dem er/sie arbeitet. Wenn man in verschiedenen Ländern der EU oder der EFTA bzw. in der Schweiz als Selbstständigerwerbende(r) tätig ist, gelten unterschiedliche Bestimmungen für die Sozialversicherungsunterstellung. Erkundigen Sie sich im betreffenden Land, wofür Sie in einem solchen Fall genau sozialversichert sind. Wer eine befristete Tätigkeit ausserhalb der Schweiz aufnimmt, bleibt in der Schweiz versichert. Man spricht dann von einer Entsendung.
Selbstständigerwerbende bleiben in der Schweiz versichert, wenn:
- sie in der Schweiz als Selbstständige erwerbstätig sind;
- die fälligen Sozialversicherungsbeiträge an die zuständige Ausgleichskasse entrichtet werden;
- sie in einem EU- oder EFTA-Mitgliedstaat arbeiten.
Überblick über die EU-, EFTA- und Vertragsstaaten
AHV-Merkblatt «Arbeitnehmer im Ausland und ihre Angehörigen»
|Das EU-Abkommen ist anwendbar mit folgenden Staaten||Das EFTA-Abkommen ist anwendbar mit folgenden Staaten||Die Schweiz hat mit folgenden Staaten ausserhalb der EU ein Sozialversicherungsabkommen|
|Belgien*||Island||Australien|
|Bulgarien*||Fürstentum Liechtenstein||Chile|
|Dänemark*||Norwegen||Indien|
|Deutschland*||Israel|
|Estland||Japan|
|Finnland*||Kanada/Quebec|
|Frankreich*||Mazedonien|
|Griechenland*||Norwegen|
|Irland*||Philippinen|
|Italien*||San Marino|
|Kroatien*||Türkei|
|Lettland||USA|
|Litauen||Bosnien & Herzegowina|
|Luxemburg*||Montenegro|
|Malta||Serbien|
|Niederlande*||Uruguay|
|Österreich||Südkorea|
|Polen|
|Portugal*|
|Rumänien|
|Schweden*|
|Slowakei*|
|Slowenien*|
|Spanien*|
|Tschechische Republik*|
|Ungarn*|
|Vereinigtes Königreich*|
|Zypern*|
* mit diesen Staaten besteht zusätzlich noch ein Sozialversicherungsabkommen