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Geschichte der Modellautos
Schon kurz nach den ersten Originalen tauchten auch die ersten Modellautos auf. In Deutschland produzierten Märklin, Bing, Carette und weitere Firmen bereits kurz nach 1900 aufwendige Nachbildungen von Automobilen aus Blech. Diese Modelle - als Spielzeug für die Söhne wohlhabender Eltern gedacht - waren in grösseren Massstäben gehalten und verfügten über ein Federwerk oder gar einen Dampfmotor. Auch nach dem ersten Weltkrieg wurden in ganz Europa grosse Blechmodelle mit vielfältigen Funktionen hergestellt. Berühmt wurden die originalgetreuen Modelle in den Massstäben 1:8 bis 1:11, die die französische Automobilfirma Citroën in den 1920er-Jahren nach Vorbildern aus ihrem aktuellen Angebot anfertigen liess, oder die ab 1936 hergestellten Blechautos der deutschen Firma Schuco mit Funktionen wie Wendeautomatik am Tischrand (Wendelimousine), Aktivierung des Federwerks durch einen Lufthauch (Kommando-Auto) oder Viergang-Getriebe (Examico).
Günstiger als die Blechautos waren Modellautos in kleineren Massstäben aus Bleiguss und später Zinkdruckguss (Diecast-Modelle). Eine der ersten Firmen, die dieses Material für Spielzeugautos benutzte, war der amerikanische Hersteller Tootsietoy mit Bleiguss-Modellen ab 1911 und Zinkdruckguss-Modellen ab 1933. In den 1930er-Jahren begann die Produktion von Diecast-Modellen, die zur Modelleisenbahn der Spurweite 0 (Massstab ca. 1:43) passten, unter anderem bei Solido (Frankreich, ab 1932), Dinky Toys (England/Frankreich, ab 1934) und Märklin (Deutschland, ab 1935). Nach dem zweiten Weltkrieg folgten die äusserst erfolgreichen britischen Firmen Matchbox (ab 1948) und Corgi (ab 1956).
In den 1950er-Jahren hatten Modellautos aus Blech noch immer eine starke Marktposition. Die wichtigsten Herstellerländer waren Deutschland (z.B. Gama, Schuco) und in immer stärkeren Ausmass Japan (z.B. Ichiko, Bandai). Durch die steigenden Kosten der Blechproduktion, die mit viel lohnintensiver Handarbeit verbunden war, gerieten jedoch immer mehr Hersteller von Blechautos ab 1960 in eine Krise. Hinzu kam, dass die Nachfrage nach Blechmodellen mit vielen Spielfunktionen sank, da mit Autorennbahnen, Plastikbausätzen und später funkferngesteuerten Autos neue Konkurrenz aufgetaucht war. Manche Blechproduzenten versuchten sich an Funktionsmodellen im neuen Werkstoff Plastik, andere begannen mit der Herstellung von Diecast-Modellen, und viele schlossen ihre Tore für immer.
In den 1960er-Jahren beherrschten die Hersteller von Diecast-Modellen im Massstab 1:43 aus Grossbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland den Modellauto-Markt. Ihre Modelle wurden immer detaillierter und originalgetreuer: Corgi stellte ab 1956 Modelle mit Verglasung und Inneneinrichtung her, Solido führte die funktionstüchtige Federung (1957 beim Jaguar D-Type) und bewegliche Türen (erstmals beim Lancia Flaminia Coupé von 1961) ein, und auch Tekno aus Dänemark und die italienischen Firmen Politoys, Mebetoys und Mercury präsentierten äusserst aufwändige Modelle. In den 1970er-Jahren wurden die Modellautos im Massstab 1:43 wieder einfacher: Typgerechte Felgen auf Gummireifen wurden durch einteilige, auf Schnelllaufachsen angebrachte Plastikräder ersetzt. Dies erhöhte den Spielwert und half Kosten sparen, zumal auch viele Diecast-Hersteller in der Rezession der 1970er-Jahre in wirtschaftliche Probleme gerieten.
In den 1970er-Jahren setzte aber auch - zuerst in Italien - ein Trend hin zu grösseren Diecast-Modellen ein: Firmen wie Bburago, Polistil und Mebetoys präsentierten detailreiche und relativ preiswerte Modelle in den Massstäben 1:24/25 und bald darauf auch 1:16/18. Diese Modelle hatten zwar ausser zu öffnenden Türen und Hauben kaum Spielfunktionen, erfüllten aber mit ihrer originalgetreuen Ausführung den anscheinend auch nach dem Ende des Blech-Zeitalters noch bestehenden Bedarf an hochwertigen Modellautos in grösseren Massstäben. Für solche Modelle interessierten sich auch immer mehr erwachsene Sammler.
In den 1980er- und vor allem den 1990er-Jahren reagierte der Markt auf diese Entwicklung. Neue Direktversender und auf Modellautos spezialisierte Fachgeschäfte kamen den Bedürfnissen der erwachsenen Kundschaft entgegen, und immer mehr Hersteller boten Modelle mit geringem Spielwert, aber hoher Detailtreue an, die nicht mehr für einen Einsatz in Kinderzimmer und Sandkasten, sondern als Schmuckstück fürs Wohnzimmer gedacht waren. Bereits in den 1970er-Jahren hatten sich Hersteller von Kleinserienmodellen aus Resin und Weissmetall sowie einzelne industrielle Produzenten wie Rio und Brumm mit ihren Produkten vor allem an erwachsene Sammler gerichtet. Ab 1990 machten dann neue Anbieter wie Minichamps dieses Konzept mit immer besseren Modellen populär. Mit der besseren Detaillierung stiegen aber auch die Preise, und zahlreiche Hersteller verlegten ihre Produktion aus Kostengründen in den Fernen Osten. Das Angebot an detaillierten Sammlermodellen wurde immer grösser, wobei sich weltweit die Modelle in den Massstäben 1:18 und 1:43 am weitesten verbreiteten. Während im kleineren dieser beiden Massstäbe die grösste Vielfalt an Modellen herrscht, erreichen Modelle im Massstab 1:18 wegen der noch höheren Detailtreue und der repräsentativen Grösse höhere Stückzahlen.
Ein neuer Trend in verschiedenen Märkten ist seit dem Jahr 2000 das Aufkommen von Sammelserien mit preiswerten, aber gut detaillierten Diecast-Modellen. Diese Modelle werden entweder am Kiosk oder im Abonnement verkauft und sollen offensichtlich neue Zielgruppen für das Hobby erschliessen. Ausserdem erschienen neue Produzenten wie Spark und Neo, die an der Schnittstelle zwischen Gross- und Kleinserienproduktion angesiedelt sind. Sie stellen in China hoch detaillierte Modelle aus Resin in grosser Vielfalt her, die in ihrer Machart an europäische Kleinserienmodelle erinnern, aber wesentlich günstiger angeboten werden. Verschiedene traditionelle Kleinserienproduzenten mussten als Folge dieser verschärften Konkurrenz ihre Produktion einstellen. Im Massstab 1:18 sind hoch detaillierte Modelle in einem höheren Preissegment in den vergangenen Jahren wichtiger geworden, aber auch die Qualität der günstigen Modelle in diesem grossen Massstab hat sich markant verbessert. Um die Preise tief zu halten, begannen aber um 2015 verschiedene grössere Hersteller auf bewegliche Teile an Diecast-Modellen in 1:18 zu verzichten. Ausserdem ist Resin auch in grösseren Massstäben als Werkstoff immer weiter verbreitet, was eine rentablere Produktion auch bei kleineren Stückzahlen erlaubt. Ein Vorreiter im Bereich der Resin-Modelle im Massstab 1:18 war Ottomobile.
Über die Entwicklung der Modellauto-Industrie in den einzelnen Ländern gibt die Seite "Modelle aus aller Welt" Auskunft.