Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03171.jsonl.gz/422

Die erste Schutzhütte im hinteren Gauligebiet an der Südflanke des Tälligrats wurde 1895 auf Initiative von Carl Ludwig Lory – bekannt als Stifter des Loryspitals Bern – gebaut. Der Bauherr schenkte das in Blockbauweise erstellte und verschindelte kleine Gebäude kurz nach dem Bau der SAC Sektion Bern. Die ursprünglich «Lory-Hütte am Gauligletscher» genannte SAC-Hütte wurde später auf Wunsch des Bauherrn in «Gaulihütte im Urbachtal» abgeändert. Für den Bau verantwortlich war Jean Bissantz, von ihm stammen etliche hochrepräsentative und heute geschützte Wohn-, Geschäfts- und Tourismusbauten im östlichen Berner Oberland. 1939 baute der Architekt Eduard Merz aus Bern den Innenraum sorgfältig um. Die knappen Platzverhältnisse machten 40 Jahre später eine Erweiterung notwendig. Der 1978 erstellte Neubau ist formal dem Altbau angenähert, wie dieser im Holzbau erstellt und ebenfalls verschindelt.
Die historische «Lory-Hütte» zeugt trotz mehrfacher Veränderungen vom Schutzhüttenbau der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Typisch dafür ist die Ausführung als freistehender Holzbau. Sie steht für den Paradigmenwechsel, der damals weg von den an Felswänden angelehnten Bauten in Trockenmauerwerk führte. Das ursprüngliche Gebäude ist heute noch als eigenständiger Baukörper erfassbar. Es handelt sich um die einzige im Blockbau ausgeführte, am Originalstandort erhaltene Schutzhütte im Kanton Bern.
Diverse Vorgaben galt es bei der Renovation zu berücksichtigen: Die alte denkmalgeschützte «Lory-Hütte» musste grundsätzlich erhalten und als solche erkennbar bleiben. Die Raumbeziehungen in und über beide Gebäude hinweg sowie die Haustechnik sollten so optimiert werden, dass sie die betrieblichen Bedürfnisse zukünftig besser erfüllten. Ein ästhetisch überzeugendes, dauerhaftes und unterhaltsfreundliches Resultat wurde erwartet.
Die bestehende dreiteilige Anlage aus Haupthaus, Altbau und Zwischenbau wurde zu einem neuen Ensemble mit zwei Baukörpern verdichtet. Die formale Charakteristik der bestehenden Hütten und die Typologie der Bauten wurden beibehalten. Die baulichen Eingriffe fokussierten sich auf den Zwischenbau und eine Neukonzeption der Nutzung. Der bestehende Übergang wurde zurückgebaut, der Hauptbau mit einem neuen Baukörper nach Nordosten hin erweitert. Der ehemalige Eingang der alten «Lory-Hütte» wurde reaktiviert. Das denkmalgeschützte Gebäude tangiert das neue nur mit einer minimalen Anbaufläche. Der Grundidee einer einheitlichen neuen Hütte folgt auch der Ausdruck der mit Lärchenschindeln homogen verkleideten Fassade.
Im Sinne einer nachhaltigen Lösung konnte ein grosser Teil der bestehenden Konstruktion erhalten werden. Die selbstverständliche Volumenergänzung des Haupthauses beugt einer Vereinzelung der baulichen Einheiten vor und trägt so zur Stärkung und besseren Wahrnehmung der einzelnen Teile bei, was dem schützenswerten Altbau aus dem Jahre 1895 sehr entgegen kommt. Durch die Reaktivierung des ehemaligen Südzugangs kann die Nutzung des Altbaus als Winterraum sichergestellt und im selben Zug der attraktive Südvorplatz wieder zugänglich gemacht und belebt werden.
Joris Rothenbühler, Edith Biedermann
Ort Urbachtal (Südflanke Tälligrat), Innertkirchen
Bauvorhaben sanfte Renovation (Gesamtsanierung)
Schutzstufe schützenswert
Bauzeit Mai 2022 – November 2022
Baukosten: 2,6 Mio. CHF
Bauherrschaft: SAC Sektion Bern
Architekur und Bauleitung: Werkgruppe AGW, Joris Rothenbühler und Lorenz Frauchiger, Bern
Studienauftrag im Einladungsverfahren 2018. 1. Rang: Werkgruppe AGW, Bern
Website Werkgruppe AGW
Website der Gauli-Hütte
Einiges heller, sicherer und ökologischer
Berner Zeitung BZ, 17.03.2023