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So lange ist es nicht her, da stellte die «New York Times» die Frage: Ist Toyota das beste Unternehmen der Welt? Die Frage war rhetorisch gemeint. Der Autokonzern aus der gleichnamigen Stadt in Japan war tatsächlich der Musterknabe der globalen Wirtschaft. Mit Just in time und Kaizen revolutionierten die Japaner den industriellen Produktionsprozess.
Bald wurde die schlanke Produktion weltweit zum Vorbild, nicht nur in der Autoindustrie. Wirtschaftsprofessoren schrieben schwärmerische Bücher über das Toyota-Produktions-system, während amerikanische Polizisten und Schweizer Tourismusfachleute sich in dessen Geheimnisse einweihen liessen.
Die Toyota-Produkte waren ebenfalls wegweisend. In den Achtzigerjahren konnten sich die Corollas und Camrys rühmen, die am wenigsten reparaturanfälligen Autos zu sein. Während die deutsche Konkurrenz, allen voran VW, in den Neunzigerjahren auf die Dieseltechnologie setzte – und bis heute einen hohen Preis dafür bezahlt –, entwickelten die Japaner den Prius.
Obwohl anfänglich belächelt, setze sich dieses Hybrid-Modell mit Batterie und Benzinmotor bald durch und wurde zu einem Symbol. Linksliberale Universitätsprofessoren tauschten ihre Volvos gegen den Prius ein, die Google-Co-Gründer Larry Page und Sergei Brin liessen sich gerne darin blicken und subventionierten den Erwerb dieses Autos für ihre Mitarbeiter.
Auch in der Produktion gilt Toyota als vorbildlich. Kreislauf-Wirtschaft haben die Japaner umgesetzt, bevor die Konkurrenz den Begriff kannte. So verlässt beispielsweise das Wasser, welches im Werk im französischen Onnaing benützt wird, die Fabrik sauberer als beim Eintritt.
Toyota war tatsächlich mehr als der grösste Autohersteller, es war das beste Unternehmen der Welt.
Und nun das: Toyota will Elektroautos verhindern; Toyota finanziert Republikaner, die Trumps Big Lie unterstützen; Toyota zieht seine Werbung an den Olympischen Spielen zurück. Schlagzeilen dieser Art finden sich derzeit in der Weltpresse. Was geht da ab?
Wie die meisten japanischen Unternehmen geht Toyota umsichtig vor und springt nicht sofort auf jeden Trend auf. Die Technik des Elektroautos schien Firmenchef Akio Toyoda und seinem Stab lange als zu wenig ausgereift. Sie verfolgten stattdessen eine andere Strategie: Mit dem Hybrid sollen die Autofahrer zunächst von den Verbrennungsmotoren entwöhnt werden. Danach sollen sie auf das ultimativ umweltfreundlichste Gefährt umsteigen: das Wasserstoff-Auto.
In der Theorie ist dies einleuchtend: Die Herstellung von Wasserstoff braucht sehr viel elektrischen Strom. Solar- und Windenergie sind nicht nur kostengünstig geworden, sie liefern zu Spitzenzeiten immer wieder weit mehr Strom als verbraucht werden kann. Mit diesem Überschuss-Strom soll der Wasserstoff für die umweltfreundlichen Fahrzeuge erzeugt werden.
Toyota tüftelt seit Jahrzehnten am Wasserstoff-Auto. Seit 2014 wird das Modell Mirai auch serienmässig hergestellt. Doch bisher konnten davon gerade mal 11’000 Stück abgesetzt werden. Das hat verschiedene Gründe.
Zyniker wenden auf Wasserstoff den bekannten Brasilien-Spruch an: Es ist der Stoff der Zukunft – und wird es immer bleiben. Obwohl intensiv daran geforscht wird, ist es bis heute nicht gelungen, Wasserstoff zu wettbewerbsfähigen Kosten herzustellen. Selbstverständlich fehlt auch ein flächendeckendes Versorgungsnetz.
Die meisten Ölmultis haben sich inzwischen ebenfalls ins Wasserstoff-Geschäft gemischt, und die deutsche Regierung unterstützt sie grosszügig. Trotzdem sind kurzfristig kaum Durchbrüche zu erwarten. BP gehe davon aus, dass Wasserstoff frühestens in den 30er-Jahren ein substanzieller Teil seines Business sein werde, meldet etwa das «Wall Street Journal».
VW hat sich einst mit dem Dieselmotor verdribbelt. Sitzt Toyota nun in der Hybrid-Falle?
Mary Nichols hat als ehemalige Vorsitzende des California Air Resources Board immer wieder mit den Japanern verhandelt. Nun erklärt sie gegenüber der «New York Times»: «Sie haben über die Jahre hinweg wirklich fantastische Technologie entwickelt und waren Pioniere. Doch im Moment sind sie auf dem falschen Fuss erwischt worden.»
Deshalb setzt Toyota nun sein Powerplay ein, um aus der Hybrid-Falle zu entkommen. Wie die «Financial Times» meldet, wurde die britische Regierung regelrecht erpresst. Sie wollte eigentlich ein Gesetz erlassen, wonach ab 2030 nur noch Elektroautos produziert werden dürfen. Darauf erklärten Toyota und Nissan: Wenn ihr nicht bis mindestens 2035 auch Hybride zulässt, schliessen wir unsere Werke auf der Insel.
In den USA versucht Toyota, härtere Emissionsgesetze zu verzögern. Gleichzeitig setzen die Japaner auf Trump und seine Republikaner. Als der Ex-Präsident Kalifornien zwingen wollte, seine Umweltgesetze zu entschärfen, wurde er ausgerechnet von Toyota unterstützt. GM und Ford hingegen schlugen sich auf die Seite Kaliforniens. «Toyota hat sich vom Vorbild zum Sorgenkind entwickelt», erklärt Danny Margill vom Think-Tank InfluenceMap in der «New York Times».
Auch politisch geht Toyota seltsame Wege. Es zieht seine Werbung bei den Olympischen Spielen im eigenen Land ab, will aber Sponsor der Spiele in Peking bleiben. Und während die meisten Konzerne ihre Spenden an Republikaner eingestellt haben, welche Trumps Big Lie verteidigen, hat Toyota sie weiterhin grosszügig finanziert. Dieses Vorgehen hat dem Konzern landesweite Schlagzeilen und einen wenig schmeichelhaften Spot des Lincoln Projects, einer republikanischen Anti-Trump-Organisation, eingebracht.
Toyota will sich jedoch nun aus der Hybrid-Falle befreien. Auf Druck von China hat es die ersten Elektromodelle auf den Markt gebracht – und auf Druck der liberalen Medien haben die Japaner die Unterstützung der Big-Lie-Republikaner eingestellt.