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Es war nicht Absicht, dass die Schneeberge im oscar-nominierten Film «Frozen - Die Eiskönigin» von einer Schweizerin modelliert wurden. Aber so wollte es der Zufall, als die Luzerner Animatorin Nadja Bonacina, 39, von Disney engagiert wurde, um dem eisigen Königreich Arendelle Form zu geben. «Das Referenz-Material war eigentlich eine norwegische Fjord- und Berglandschaft, aber ich habe mich auch vom zackigeren Pilatus inspirieren lassen», sagt die Innerschweizerin lachend. Fünfeinhalb Monate hat sie im vergangenen Jahr am Hit-Zeichentrickfilm gearbeitet, der in der Kategorie bester Zeichentrickfilm und bester Song («Let It Go») für einen Oscar nominiert ist. Bei den Visual Effects Awards hat der Eispalast bereits einen Preis gewonnen. Wegen Bonacinas schönen Bergen im Hintergrund, witzelte nachher ihr Chef, der Art Director David Womersley.
Nadja Bonacina arbeitet seit 2000 in der Märchenwelt des Hollywood Zeichentrickfilms. Die Weichen dazu wurden aber schon viel früher gestellt: «Ich war als Kind ein Zeichentrickfilm-Fan und in der Schulzeit habe ich zweimal einen Vortrag über Walt Disney gehalten. An einem Disney-Film mitgearbeitet zu haben, ist für mich die Erfüllung eines Kindertraums!» Insbesondere, da Disney zu Lebzeiten selber geplant hatte, «Die Schneekönigin» von Hans Christian Andersen, die «Die Eiskönigin» inspiriert hat, zu adaptieren.
Der Weg ins Maus-Haus in Burbank war aber auch mit Steinen gepflastert. Das fing in Luzern schon an: «Ich wollte in die Kunsthochschule, aber da nahmen sie mich nicht, weil mein Stil zu extrem sei», erinnert sich Nadja Bonacina, die inzwischen von der Schule als Referentin eingeladen wurde. Extrem vielleicht, weil sie sich nicht nur mit den süssen Disney-Figuren, sondern auch gerne mit gothisch düsteren Bösewichten, Vampiren und Hexen identifiziert. Ihre Mutter war es dann, die sie dazu ermunterte, doch in Los Angeles eine Ausbildung zu machen. So kam Nadja Bonacina in den 90er-Jahren ans Los Angeles City College und belegte erste 3D-Modellier-Kurse. Ein Praktikum folgte, aber da sie kein Arbeitsvisum hatte, musste sie schliesslich wieder abreisen. «Ich arbeitete darauf in Deutschland an der TV-Serie ‹Stevie Stardust›, die aber nie ausgestrahlt wurde.»
Schliesslich klappte es dann aber doch mit einem US-Arbeitsvisum. Drei Jahre arbeitete sie bei Klasky/Csupo an den «Thornberrys» und «Rugrats»-Filmen, danach an «Sponge Bob Square Pants» für Warner Bros. und schliesslich wurde Nadja Bonacina bei DreamWorks fix angestellt, wo sie während acht Jahren an Filmen wie «Madagascar 2», «Shrek Forever After», «Puss in Boots» und «Turbo» mitarbeitete. Mittlerweile als Modelliererin gut etabliert, hatte sie gerade in ihre ersten eigenen vier Wände, ein an die «Jetsons» erinnerndes Mid-Century-Haus in Burbank, investiert, als bei DreamWorks die Axt fiel: «Viele Animations- und Effekt-Jobs werden heute nach Kanada, Indien oder China ausgelagert. Als ‹Oriental DreamWorks› in Shanghai die Arbeit aufnahm, wurden hier 400 Stellen gestrichen.»
Das war 2012. Die zu bewältigende berufliche Eiszeit danach war dann aber zum Glück die von Anna, Elsa und Olaf. Nach den Schneebergen für die Eiskönigin wechselte Bonacina zumindest in ihrem Computer das Klima und formte die Häuserblocks von Atlanta und Dubai fürs Vorvisualisierungs-Stadium von «Fast and Furious 7». Und neu ist sie nun bei der finnischen Firma Rovio tätig und wird sich mindestens ein Jahr mit der Kinoversion des App-Games «Angry Birds» beschäftigen. Zum Filmstart muss man sich aber noch eine ganze Weile gedulden. Dieser ist nämlich erst für 2016 geplant.
Aber Nadja Bonacina hoffte, dass es schon viel früher einen Grund gibt, die Korken knallen zu lassen. Nämlich am Sonntag, als «Frozen» als Oscar-Favorit in der Kategorie «Bester Animationsfilm» ins Rennen gegangen ist - und gewonnen hat! An die Verleihung waren die Film-Techniker leider nicht eingeladen. Kein Problem für Nadja Bonacina: Sie hat es sich mit einer Freundin und ihren drei Katzen Mystery, Zero und Strugi zu Hause vor dem Fernseher gemütlich machen: «Prosecco wird es so oder so geben, egal, ob der Film gewinnt oder nicht.»