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«Wer hat dich, du schöner Wald, aufgebaut so hoch da droben? Wohl, den Meister will ich loben, so lang noch mein Stimm’ erschallt!» Seit Jahrzehnten schildert der Beginn des vorerwähnten Liedes die Sauberkeit und die Schönheit unserer Wälder. Der Komponist muss vom Zustand unserer Wälder derart beeindruckt gewesen sein, dass er überhaupt dieses Lied komponierte.
Als Kinder mussten wir jede freie Minute in den sauberen und aufgeräumten Wald gehen, um dort fingerdicke Ästchen sowie Tannzapfen einzusammeln, damit Kochherd und Sandsteinofen geheizt werden konnten. Erlaubte man sich etwas dickere, vielleicht armdicke Äste, die von den Bäumen gefallen waren, oder ein überaus dürres Tännchen einzusammeln, riskierte man, falls man vom Bannwart ertappt wurde, sanktioniert zu werden.
Damals mussten sogar auch die durch einen Holzschlag gefällten Bäume bis zum 31. März des gleichen Jahres entrindet werden; dies zur Verhinderung des Borkenkäfers. Wer dieser gesetzlich vorgeschriebenen Vorschrift nicht nachkam, wurde bei der Behörde verzeigt.
Heute, gut zehn Jahre nach dem Sturm Lothar, liegen inzwischen in gewissen Wäldern, ja sogar an Strassenrändern, gut sichtbar unentrindete Trämel, die teilweise eine Länge von bis zu sieben Metern und einen Umfang von bis zu einem Meter aufweisen. Vor Jahren noch benutzte man solche verständlicherweise als Nutz- oder Brennholz. Heute lässt man sie schlicht und einfach verfaulen.
Ungepflegte Wälder deuten heute darauf hin, dass die zuständigen Behörden beabsichtigten, neue unbewilligte Nationalparks entstehen zu lassen. Schöne, saubere und gepflegte Wälder sind in den letzten Jahren zur Wildnis verkommen! Man könnte dem Schreibenden entgegen halten, dass eben Holzheizungen durch Ölheizungen, Heizungen mit Wärmepumpen, Gas- und Elektroheizungen sowie durch Sonnenenergie ersetzt wurden. Dessen bin ich mir auch voll bewusst.
Wie wär’s aber wenn Waldbesitzer, seien dies Private, Gemeinden oder Pfarreien, ihre finanziellen Mittel für den Ankauf pyrotechnischer Artikel für die 1.-August-Feiern etwas reduzieren würden und dafür Schulklassen, Feuerwehrvereine oder den Zivilschutz für das Aufräumen und den Abtransport von solchem Holz einsetzen und dementsprechend auch entschädigten?
Falls es öffentliche Institutionen geben sollte, die trotz fehlender Steuereinnahmen auf den Verkauf von gefälltem Holz verzichten sollten, könnten sie immer noch einem Dorfverein die Kompetenz erteilen, das erwähnte Holz zu verwerten. Eine solche Offerte würde sicher dankend entgegengenommen. So fände dieses in den Wäldern und seit Jahren an den Strassenrändern brachliegende Holz doch noch eine nützliche Verwendung.
Tentlingen