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Die Feststellung, dass ein Zusammenhang zwischen den somatischen Kulturen heterosexueller Männer und ihrem Schutzverhalten (vgl. Projekt Kondomgebrauch bei heterosexuellen Männern zum Zusammenhang von Schutzverhalten und somatischer Kultur.) gegenüber HIV besteht, liefert nicht nur neue Erkenntnisse für die Theoriebildung im Rahmen von Erklärungsmodellen zu HIV-bezogenem Schutzverhalten, sondern auch wichtige Hinweise für die Präventionspraxis. Sie lässt bei aller Vorsicht darauf schliessen, dass künftige Präventionsarbeit die somatische Kultur der Adressaten berücksichtigen sollte und die Männer typgerecht, d.h. nach unseren vier Typen somatischer Kultur (vgl. Projekt Kondomgebrauch bei heterosexuellen Männern zum Zusammenhang von Schutzverhalten und somatischer Kultur) differenziert angesprochen werden sollten. Die Erkenntnis, dass die Männer, die sich an einer Vision orientieren, und die Männer, die ihrem Körper ambivalent gegenüber stehen, über ausformulierte Schutzstrategien verfügen, lenkt die Aufmerksamkeit der Präventionsarbeit insbesondere auf jene Männer, die a) eine somatische Kultur des funktionalistischen oder nachlässigen Typus teilen, b) auf Grund ihres Beziehungsstatus kein Risiko für sich erkennen können und c) sich keine Schutzstrategie zurecht gelegt haben. Ihre Weigerung, HIV überhaupt als ein mögliches Risiko wahrzunehmen, und ihre Vorstellung, durch die Ehe per se geschützt zu sein, lässt auf eine hohe Vulnerabilität bei sexuellen Kontakten ausserhalb der Ehe oder bei einem Partnerwechsel schliessen.
Vor diesem Hintergrund wurde in Zusammenarbeit mit Vertretern der Aids-Hilfe Luzern und der Aids-Hilfe Zug ein Konzept für die Präventionsarbeit mit Männern des funktionalistischen und des nachlässigen Typus somatischer Kultur entwickelt werden. Das Ziel dabei war, den betreffenden Männern ihre Gefährdung bewusst zu machen und ihre Wahrnehmung für aidsrelevante Fragen zu schärfen.
Die Entwicklungsarbeit erfolgte in Form eines Praxis-Optimierungs-Zyklus indem die Träger unterschiedlicher Wissensbestände (wissenschaftliches Erklärungswissen, Handlungswissen, Erfahrungswissen, Kontextwissen etc.) aus Hochschule und Praxis in der Praxis zusammenkamen und in einem Prozess über mehrere Schritte hinweg ein Konzept ausarbeiteten. In diesem Prozess, in dem zeitweise ein Grafiker mit den Professionellen zusammenarbeitete, entstanden sechs unterschiedliche Variationen von Tischsets mit Präventionsbotschaften. Diese Papier-Tischsets wurden in Restaurants der Innerschweiz eingesetzt und sprechen in diesem Rahmen Männer an, die über andere Kanäle (wie Bildungsangebote, Sportvereine, etc.) weniger erreicht werden können.
Diese Tischsets thematisieren, dass auch Männer, die glauben, dass für sie die HIV-Prävention nicht von Bedeutung ist, in Situationen kommen können, in denen ein Schutz vor einer HIV-Infektion relevant wird. Unter einem Motto, das wort-spielerisch hierauf aufmerksam macht, werden auf den verschiedenen Sets unterschiedliche Kurzgeschichten erzählt, in denen ein Mann, der sich so sicher war, nie in eine infektionsrelevante Situation zu geraten, genau in diese Lage kommt .... Die Sets tragen die Slogans:
Ehemann sich versieht ..., Aus vers(ehe)n?, Mann weiss ja nie!, Worauf Mann sich verlassen kann ..., Nicht jeder weiss, was er hat! und Mann ist vielleicht der Beste, aber nicht der Erste.
Gemäss den Rückmeldungen der beiden Vertreter der Aids-Hilfen Luzern und Zug war die Aktion ein Erfolg. Insgesamt konnten 30000 Tischsets an diverse Restaurants in den drei Kantonen Zug, Luzern und Schwyz verteilt werden.