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Jede Beziehung hat jederzeit eine Chance, wenn es gelingt, die anstehenden Konflikte zu bewältigen. Es ist dazu nicht nötig, dass sich Ihr Partner innerlich so stark von seiner Frau löst, als ob sie nie gelebt hätte.
Er kann sie durchaus auch Jahre nach ihrem Tod weiterlieben. Das schliesst keineswegs aus, dass er Sie ebenfalls liebt. Natürlich muss er unterscheiden können, dass die eine Frau – Sie – lebendig ist und die andere tot. Dass er zwar seelisch oder geistig noch mit seiner Frau verbunden sein kann, dass aber die Beziehung zu Ihnen von dieser Welt, das heisst auch körperlich und materiell ist.
Helfen können Sie Ihrem Freund eigentlich nicht; das käme auch gar nicht gut heraus, denn Sie sind nicht seine Therapeutin. Am besten, Sie äussern ehrlich Ihre Gefühle, Sie drücken aus, was Ihnen fehlt oder was sein Verhalten bei Ihnen auslöst. Aber Achtung: Das ist nicht dasselbe wie Vorwürfe, Ratschläge oder Deutungen. Diese sollten Sie unterlassen.
Die wichtigste Leitlinie lautet also: Vergessen Sie sich selber nicht! Wenn Sie nicht bloss eine Schwester, sondern eine Geliebte sein möchten, müssen Sie das Ihrem Freund deutlich sagen. Falls er Ihre Bedürfnisse nicht befriedigen kann, müssen Sie sich fragen, ob Sie die Beziehung aufrechterhalten oder sich von ihm trennen wollen. Wenn Sie diese Haltung einnehmen, ist es durchaus möglich, dass er das Gefühl bekommt, er hätte tatsächlich ein Problem bezüglich seiner verstorbenen Frau und brauche deshalb psychotherapeutische Hilfe. Aber dies ist einzig und allein seine Entscheidung.