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Der nächste Olympiasieger in der Alpin-Kombination nach dem Bündner Sandro Viletta wird der letzte sein. Bei den Spielen in vier Jahren in Peking wird die Disziplin nicht mehr zum Programm gehören.
Im Zeitalter der Spezialisierung bei den Alpinen hat der Kombinationswettkampf ausgedient. Nach der olympischen Dernière am Dienstag in Jeongseon fällt in zwei Jahren auch im Weltcup und an den Weltmeisterschaften in Are in Schweden der letzte Vorhang.
Erfolg im alpinen Skirennsport bedingt die Konzentration auf den Speed-Sektor beziehungsweise die technischen Wettbewerbe. Heutzutage ist es praktisch unmöglich, in mehr als zwei Einzeldisziplinen mit den Besten mithalten zu können. Eine Mikaela Shiffrin ist da die grosse Ausnahme, ein männliches Pendant zur Amerikanerin gibt es nicht.
Talent allein reicht nicht. Selbst ein Hochbegabter könnte den Aufwand für Abstimmungsarbeiten und Training nicht mehr stemmen. Der Kraftakt würde sich angesichts der geringen Anzahl an Weltcup-Wettbewerben auch nicht lohnen. Mittlerweile sind zwei oder drei Wettkämpfe pro Saison Standard. Es mangelt an interessierten Organisatoren, die Verantwortlichen des Internationales Skiverbandes tendieren längst in Richtung Parallel-Events in Städten.
Favorit ohne Medaille
Am ehesten dem Typ des Allrounders entspricht Alexis Pinturault. Der Franzose hat im Weltcup vier der letzten sieben Wettkämpfe für sich entschieden. An Grossanlässen dagegen ging er bisher ausnahmslos leer aus. Weder bei den Olympischen Spielen vor vier Jahren in Sotschi noch an den letzten drei Weltmeisterschaften schaffte er den Sprung unter die ersten drei.
Am Dienstag erhält Pinturault die nächste Gelegenheit auf den ersten Medaillengewinn. Als unbestrittener Favorit tritt er indessen nicht an. Ebenso hoch gehandelt wird Marcel Hirscher. Der Österreicher, vor drei Jahren in Beaver Creek in Colorado Weltmeister und im letzten Winter WM-Zweiter in St. Moritz hinter dem Berner Luca Aerni, macht sich auf, die letzte grosse Lücke in seinem beeindruckenden Palmares zu schliessen. Hirscher hat 55 Weltcup-Rennen gewonnen, ist sechsfacher Weltmeister - aber noch nicht Olympiasieger.
Vorreiter Aerni
Dass der Kampf um den Olympiasieg nicht zu einem Duell wird, dafür wollen unter anderen die Schweizer sorgen. Luca Aerni hat mit seinem Titelgewinn in St. Moritz gezeigt, dass er bei optimalem Verlauf des Wettkampfs zu allem fähig ist. Entscheidend wird für ihn sein, dass er den Rückstand in der Abfahrt in Grenzen und er sich in der Rangliste in den ersten dreissig zu halten vermag. Wie wichtig im Slalom eine vordere Startposition ist, hat Aerni im vergangenen Februar selber gezeigt. Mit der Nummer 1 fuhr er aus Position 30 zum Titel - mit einem Hundertstel Vorsprung auf Hirscher.
Neben Aerni vertreten Carlo Janka, Mauro Caviezel und Justin Murisier in Jeongseon die Schweizer Farben. Sie alle haben wie ihr Teamkollege das Potenzial für eine vordere Klassierung - falls denn alles ohne gravierende Aussetzer und Fehler verläuft. Dass dabei ganz Grosses, Unerwartetes herauskommen kann, hat ihnen Sandro Viletta vor vier Jahren mit seinem Olympiasieg vorgemacht.
Der Engadiner fährt nach seinem im vorletzten Dezember erlittenen Kreuzbandriss im rechten Knie wieder rennmässig Ski, bisher allerdings lediglich auf Stufe FIS und Europacup. Für den durch Verletzungen mehrfach zurückgeworfenen Viletta war die Teilnahme an den Spielen in Pyeongchang deshalb kein Thema.
SDA-ATS