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Fragwürdige Methode
Geparde und Hunde als beste Freunde
Geparde sind sehr scheue Tiere mit einem ausgeprägten Fluchtinstinkt. Um den Tieren ihre Angst zu nehmen, stellen ihnen Zoos in den USA Hunde als Freunde zur Seite. Aus der Schweiz gibt es Kritik an der Methode.
Es sind herzerwärmende Bilder. Das Gepardenbaby Emmet spielt mit dem Labrador-Retriever-Welpen Cullen, sie toben und trollen im Gras umher und sind die besten Freunde. Die Freundschaft begann im letzten Herbst im Columbus Zoo im US-Bundesstaat Ohio. Damals musste Emmet wegen einer Lungenentzündung behandelt werden und wurde danach von Hand aufgezogen, wie der Zoo auf Facebook schrieb. Welpe Cullen sollte ihm die Angst nehmen und Vertrauen schenken.
Solche Beispiele gibt es in den USA viele. Auch der Zoo von Cincinnati, ebenfalls in Ohio, der Metro Richmond Zoo in Virginia, die Bush Gardens in Tampa, Florida, und der Zoo von Dallas haben schon Geparden und Hunde zusammengebracht. Den Anfang machte aber der kalifornische San Diego Zoo in den frühen 80er-Jahren. Das Ziel sei, so gibt der San Diego Zoo an, den Katzen ihre natürliche Scheu zu nehmen, damit sie sich in ihren Anlagen wohler fühlen und vermehrt paaren. Denn die Nachzucht von Geparden sei schwierig. Damit würden die Hunde auch zum Überleben der Tiere in der Wildnis beitragen.
Gepärdli Emmet und Labrador Retriever Cullen als beste Freunde (Video: Courtesy Columbus Zoo and Aquarium):
Vom Hund lernen
Hunde seien in diesen Beziehungen der dominante Part, erklärt Tiertrainerin Janet Rose-Hinostroza vom San Diego Zoo gegenüber dem Online-Wissensmagazin «Thoughtco». «Die Geparden schauen deshalb zu ihnen auf und lernen, sich ihre Verhaltensweisen anzueignen. Wir möchten, dass sie die ruhige, unbekümmerte Arte der Hunde verstehen lernen.»
Im San Diego Zoo haben allerdings nur ausgewählte Geparden ein Hunde-Gspändli. Wie der Zoo auf seiner Webseite schreibt, werden einige der Katzen als «Ambassadors» (deutsch: Botschafter) ausgesucht und trainiert. In Vorführungen wie beispielsweise dem «Cheetah Run» müssen sie vor Publikum auftreten. Dadurch, dass die Besucher die Tiere hautnah erleben können, werde in den Menschen das Bewusstsein für die Not der wildlebenden Geparden geweckt, schreibt der Zoo. Um die Tiere darauf vorzubereiten, wird ihnen von klein auf ein Hund zur Seite gestellt.
In die gleiche Richtung geht es auch im Zoo von Columbus, wo Gepard Emmet zusammen mit Labrador Retriever Cullen aufwächst. Emmet soll dereinst mit Jack Hanna, dem medienaffinen ehemaligen Direktor des Zoos als Geparden-Botschafter durchs Land touren. Cullen soll ihm dabei nicht von der Seite weichen und ihm helfen, mit dem Stress besser umgehen zu können.
Im Zoo von San Diego werden Geparde und Hunde an der Leine im Zoo spazieren geführt (Video: Chris Morrow):
Nicht in Schweizer Zoos
Diese doch sehr amerikanischen Vorgehensweisen wirken hierzulande befremdlich. Die Geparden im Basler Zolli etwa werden nie Bekanntschaft mit Hunden schliessen. «Wir ziehen so etwas nicht in Betracht», sagt die Kommunikationsverantwortliche Tanja Dietrich. «Im Zoo Basel vertreten wir die Haltung, dass die Jungtiere bei ihren Artgenossen aufwachsen sollen, damit sie ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben können. Ansonsten können sich später Schwierigkeiten im Umgang mit Artgenossen zeigen.»
Ähnlich tönt es aus Knies Kinderzoo in Rapperswil SG, wo ebenfalls Geparden gehalten werden: «Ein Angstabbau-Programm damit die Tiere möglichst schnell die Scheu vor dem Menschen verlieren, kommt für uns nicht in Frage. Das wäre der falsche Weg und würde ein völlig irritierendes Zeichen setzen», sagt Direktor Benjamin Sinniger. «An erster Stelle steht die tiergerechte Haltung, die Achtung der Würde und der Respekt. Der Gepard ist und bleibt ein Wildtier.» Deshalb müsse man die Sichere Distanz waren und einen direkten Kontakt von Mensch und Tier vermeiden. Dennoch seien Struktur und Abwechslung zentrale Punkte in der Tierhaltung. Weil dies bei Geparden sehr anspruchsvoll sei, arbeiten laut Sinniger derzeit Spezialisten aus dem Kinderzoo gemeinsam mit Studierenden der Hochschule Rapperswil an Beschäftigungsmethoden, die im nächsten Jahr zum Einsatz kommen sollen.