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Argumente
“Wir sind nicht nur für das verantwortlich, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.” (Molière)
Argumente zu folgenden Themen: hochradioaktiver Abfall, Wissenswertes, Atomstrom/Atomkraftwerke, Sicherheit, Wirtschaft, Wasser, Verantwortung, Alternativen, allgemeine Gedanken
(aktualisiert April 2010)
(Quelle*: BFE Literaturbericht Kernenergie Schlussbericht 22. Juli 2009)
Hochradioaktiver Abfall
- Tiefenlager weltweit: Zum heutigen Zeitpunkt ist weltweit noch kein einziges Tiefenlager im Betrieb für jenen hochradioaktiven Abfall, der in Atomreaktoren anfällt! Der radioaktive Abfall ist der heikle Punkt, ja das Problem der 435 in Betrieb stehenden Atomkraftwerken (Stand: 1.9.2009, Quelle: Welt-Statusreport Atomindustrie 2009/August 2009) mit einer Netto-Kapazität von 371’576 GW(e) weltweit (Stand: 7.2.2009, Quelle: IAEA) . Die globale Herausforderung ist deshalb die erfolgreiche Bewältigung der sicheren Tiefenlagerung. (Interessante Zusatzinformationen (Quelle: siehe *): Gemäss Bundesamt für Energie (BFE 2008c) unterstützten nur 40% der Schweizerinnen und Schweizer die Nutzung der Kernenergie, 52% sprechen sich gegen eine Nutzung aus. Für die Akzeptanz der Kernenergienutzung ist die Diskussion um die geologische Tiefenlagerung der Abfälle in der Schweiz derzeit möglicherweise bedeutender als der sichere Betrieb der Kernkraftwerke (Neue Zürcher Zeitung NZZ 2007). Diese Vermutung wird durch die Befragung des BFE bestätigt. Derzeit sind 97% der Schweizer und Schweizerinnen der Meinung, dass heute eine Lösung zur Entsorgung von radioaktiven Abfällen gefunden werden sollte (Bundesamt für Energie BFE 2008c). Dabei erachten 46% der Befragten die geologische Tiefenlagerung als beste Entsorgungsmöglichkeit.
Ein Vergleich mit der Europäischen Union zeigt, dass von einem gewissen Konsens in Europa ausgegangen werden kann. Demzufolge wäre eine knappe Minderheit der Befragten bereit, ihre negative Einstellung gegenüber der Kernenergie zu ändern, wenn eine sichere Lösung zur Entsorgung von radioaktiven Abfällen bereit stünde (Eurobarometer 2008).)
-Zwischenlager: “Die aus den Kernkraftwerken entladenen abgebrannten Brennelement sowie die aus der Wiederaufarbeitung stammenden verglasten hochaktiven Abfälle müssen während mehreren Jahrzenten zur Abkühlung zwischengelagert werden, bevor sie in ein geologisches Tiefenlager gebracht werden können. Deshalb ist in der Schweiz ein geologischen Tiefenlager für diese Abfälle erst ab 2040 nötig.” (Dr. A. Zurkinden, Chef Sicherheit von Transport & Entsorgung, Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen HSK, November 2006) Dieses Zwischenlager wird also weiterhin benötigt (mit und ohne Endlager)!
-Vorbild Schweiz: Wie die Schweiz mit ihrem Atommüll umgeht, hat auch Vorbild- und Signalwirkung für die übrige Welt (z.B. für Asien). Indem wir zulassen, dass das Tiefenlager unter bewohnte Dörfer gebaut wird, signalisieren wir, ein Tiefenlager sei sicher und der Atommüll könne problemlos überall entsorgt werden (die Schweizer schlafen sogar darüber …!). Das Risiko wäre deshalb gross, dass die Akzeptanz eines Tiefenlagers für hochradioaktiven Atommüll in einem dicht besiedelten Gebiet Europas gar als Mittel zum Zweck missbraucht und dieses Ja substantielle Subventionen und Sonderkonditionen für die weitere Forschung und Entwicklung von erneuerbaren Energien verhindert. Ein Ja zum Endlagerstandort Zürcher Weinland wäre somit einerseits ein Ja zur Atomtechnologie, ein Ja zu einem Vorzeigeprojekt mit weltweiter negativer Signalwirkung.
- Tiefenlager im Weinland: Laut der sozioökonomischen Studie haben 70% der Weinländer Bevölkerung ein ungutes Gefühl betr. ein mögliches Tiefenlager für hochradioaktiven Abfall. Die Attraktivität des Weinlandes nimmt durch die Verstädterung, die ein Tiefenlager mit sich bringen würde, als Erholungs- und Wohngebiet ab. Zusätzliche Luftschadstoffemissionen und zusätzliche Lärmbelastung während der Bau- und Betriebsphase sind nicht zu vermeiden. Die Lagerung von Atommüll kann Imageproblem bedeuten. Eine Ausdehnung der Landwirtschaft auf Labelproduktion, Tourismus oder andere Gebiete (Paralandwirtschaft), würde erschwert. Tourismus und Landwirtschaft sich sensible Sektoren, die durch die Realisierung von Entsorgungsanlagen wirtschaftliche Nachteile erleiden können.
Wissenswertes
- Transmutationsforschung Es ist eine Tatsache, dass die Schweiz in der Transmutationsforschung einen Spitzenplatz innehält. Die Aussicht, dass eventuell die radioaktiven Abfälle auf diese Art „verbrannt“ werden können, rückt mit der Medienmitteilung vom 31.1.2007 des Paul Scherrer Instituts: Megapie erfolgreiches Schlüsselexperiment in den Fokus.
- Tschernobyl: Gem. der Schweiz. Ärztezeitung Nr. 3/2005 führt die interne Cäsium-137-Kontamination in Tschernobyl zu Kardiomyopathie, plötzlichem Herztod, Hypertonie, autoimmunen und allergischen Krankheiten, chronischen Infektionen, Augenleiden, Magendarmkrankheiten, endokrinen Störungen, Sterilität, Missbildungen und hereditären Krankheiten, ferner zu malignen Tumoren. Alle diese Pathologien sind bittere Realität für die Bevölkerung. Kinder sind besonders gefährdet, da die wachsenden Organe Cäsium in erhöhtem Masse akkumulieren. Die Schweiz führt kein nationales Krebsregister und bisher wurden die Folgen der radioaktiven Strahlung nicht wissenschaftlich gemessen.
- Ungeborene Kinder: Atomkraftwerke geben auch im Normalbetrieb radioaktive Isotope, z.B. überschweren Wasserstoff (H 3, Tritium) und radioaktiven Kohlenstoff (C 14) in die Umgebung ab, die vom menschlichen Körper unbemerkt aufgenommen werden und “innere” Strahlung verursachen. Bei Brennelementwechseln, Störfällen und Schnellabschaltungen sind diese Vorgänge gesteigert. Selbst wenn “erlaubte” Grenzwerte dabei nicht überschritten werden, sind ungeborene Kinder offensichtlich in Gefahr. Die Regelwerke für diese Grenzwerte sind veraltet und unterschätzen das wahre Risiko. (Quelle: IPPNW ) – Ralf Kusmierz von der Universität Bremen und Kristina Voigt sowie Hagen Scherb vom Institut für Biomathematik und Biometrie der Helmholtz-Gemeinschaft in München haben untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen der Zahl der neugeborenen Mädchen und Jungen und der Nähe zu einem ionisierende Strahlung (IR) abgebenden Atomkraftwerken in Deutschland, der Schweiz und Belgien gibt. In der neuen, ausdrücklich als vorläufig bezeichneten Studie: “Is the human sex odds at birth distorted in the vicinity of nuclear facilities (NF)? A preliminary geo-spatial-temporal approach” wollen die Wissenschaftler herausgefunden haben, dass es einen Unterschied im Hinblick auf das Geschlechterverhältnis in Abhängigkeit der Entfernung des Wohnorts zu einem Atomkraftwerk gibt. Hintergrund dafür ist die KIKK-Studie von 2007, nach der das Leukämierisiko für Kinder mit der Nähe zu Atomkraftwerken steigt.Die Wissenschaftler sprechen von einer “Geschlechterlücke” bei den Lebendgeburten und durch radioaktive Strahlung “verlorene Kinder”. Betroffen seien davon vor allem die Mädchen. In einer Studie gehen Scherb und Weigelt davon aus, dass durch Tschernobyl in Europa und Teilen Asiens zwischen 1987 und 2007 250.000 weniger Jungen als erwartet und 831.000 weniger Mädchen geboren worden seien. (Quelle: heise.de/Florian Rötzer)
-Opalinuston: Laut Experten hält er unangenehme Überraschungen breit. So waren die Wissenschaftler überzeugt, im Opalinuston kein Leben zu finden. Der Fund der Bakterien war deshalb eine Sensation. Der Opalinuston enthält selber Wasser, 180 Millionen Jahre altes, salziges Meerwasser. Das Wasser ist noch da, doch die Hälfte der Stoffe, die im Meerwasser drin waren, sind weg – „hinaus diffundiert“ – „die Radionukide würden auch irgendwann rausdiffundieren, spätestens nach hundertausend Jahren, wenn die Behälter durchgerostet sind, dürfte dies beginnen“. „Es wäre klüger, keine Stahlbehälter im Ton einzulagern. Kupfer ist auch nicht viel besser. Da braucht es noch viel Materialforschung. Ich bin mir gar nicht sicher, ob es da richtige Material überhaupt gibt.“ (Paul Bosshart, Geologe , Direktor Versuchslabor Mont-Terri)
„Wir stecken in einem ausserordentlichen Experiment. Einem Experiment, das es noch nie gegeben hat – und die Experimentatoren, die es in Gang setzen, werden nie erfahren wie es ausgeht. Am Projekt der Nagra ist noch vieles unklar und nicht zu Ende gedacht“. (Marco Buser, Geologe, überwacht im Auftrag des Kt. Jura die Arbeiten im Mont Terri) (Quelle: SES – 1/2010)
-Kernenergiegesetz (Stand 1. Januar 2009): Art. 31 Pflicht zur Entsorgung:1 Wer eine Kernanlage betreibt oder stilllegt, ist verpflichtet, die aus der Anlage stammenden radioaktiven Abfälle auf eigene Kosten sicher zu entsorgen. Zur Entsorgungspflicht gehören auch die notwendigen Vorbereitungsarbeiten wie Forschung und erdwissenschaftliche Untersuchungen sowie die rechtzeitige Bereitstellung eines geologischen Tiefenlagers.
2 Die Entsorgungspflicht ist erfüllt, wenn:
a.
die Abfälle in ein geologisches Tiefenlager verbracht worden sind und die finanziellen Mittel für die Beobachtungsphase und den allfälligen Verschluss sichergestellt sind;
b.
die Abfälle in eine ausländische Entsorgungsanlage verbracht worden sind. Art. 34 Umgang mit radioaktiven Abfällen: 2 Für die Einfuhr von radioaktiven Abfällen aus Kernanlagen, die nicht aus der Schweiz stammen, aber in der Schweiz entsorgt werden sollen, kann ausnahmsweise eine Bewilligung erteilt werden, wenn zusätzlich zu den Voraussetzungen nach Artikel 7:
a.
die Schweiz in einer völkerrechtlichen Vereinbarung der Einfuhr der radioaktiven Abfälle zur Entsorgung zugestimmt hat;
b.
in der Schweiz eine geeignete, dem internationalen Stand von Wissenschaft und Technik entsprechende Entsorgungsanlage zur Verfügung steht;
c.
die Durchfuhrstaaten der Durchfuhr zugestimmt haben;
d.
der Empfänger mit dem Absender der radioaktiven Abfälle mit Zustimmung des Ursprungsstaates verbindlich vereinbart hat, dass der Absender sie nötigenfalls zurücknimmt.
Atomstrom / Atomkraftwerke
- CO2-Emissionen: Die Emissionen von CO2 von Energieträgern sind in der Umweltrelevanz einer der wichtigsten Faktoren. Sovacool (2008) fasst die Ergebnisse von 103 Lebenszyklusstudien zusammen. Die Emissionen der Kernenergie liegen in diesen Studien zwischen 1.36 g CO2e/kWh und 288.25 g CO2e/kWh.(Quelle:*)
- Strompreis: Atomstrom ist billig als Folge der massiven staatlichen Subventionierung und weil die Atomkraftwerkbetreiber keine volle Haftpflichtversicherung abschliessen müssen. Die Schätzung der Schäden eines Kernschmelzunfalls in Deutschland variiert zwischen 500 Mia. Euro bis 5 Billionen Euro (Umweltbundesamt 2007). Nach Greenpeace liegen die geschätzten Kosten bei einem mittelschweren KKW-Unfall zwischen 10 und 20 Mia. CHF, bei einem schweren KKW-Unfall zwischen 50 und 500 Mia. CHF und bei einem sehr schweren KKW-Unfall (vergleichbar mit Tschernobyl) bei über 4000 Mia. CHF (Greenpeace 2008a). Alle Studien kommen also zu einem ähnlichen Ergebnis, wonach von Maximalschäden in Höhe von ca. 4000 Mia. CHF ausgegangen werden muss. Selbst die angepasste obligatorische Versicherungssumme von 1.8 Mia. CHF würde demnach weniger als ein halbes Promille der möglichen Schadenssumme decken. (Quelle:*)
-externe Kosten: Die externen Kosten der Kernenergie sind höher als diejenigen der erneuerbaren Energien. Die externen mit einem Risikoaversionsfaktor gewichteten Kosten der Kernenergie liegen gemäss Modellschätzungen für die Schweiz bei bis zu 35.67 Rp./kWh.
Internationale Studien kommen zu Ergebnissen, die diesen Wert um ein Zigfaches übersteigen (Ecoplan 2007). (Quelle: *)
- Atomkraftwerke und Atomwaffen müssen als „siamesische Zwillinge“ eingestuft werden. Die „zivile“ Nutzung von Atomenergie führt deshalb zur weltweiten Weiterverbreitung von Atomwaffen.
- Entwendung hochradioaktiven Materials: Die Gefahr einer Entwendung radioaktiven Materials zu kriminellen oder terroristischen Zwecken ist einfacher möglich als uns lieb sein kann. Gemäss einem Artikel vom 4.3.2007 in der NZZ gibt es zurzeit gut 1700 Tonnen Isotop Uran-235 weltweit und beim waffenfähigen Plutonium sind es etwa 450 Tonnen. Die Datenbank der IAEA verzeichnet rund 650 Fälle von Diebstahl radioaktiven Materials aller Art. Die Ignoranz gegenüber dieser offensichtlich vorhandenen Gefahr ist erschreckend!
- Kernwaffen: Der Betrieb von Kernkraftwerken gibt jedem Land die Möglichkeit, Kernwaffen zu bauen. Dass die dabei produzierten Stoffe angeblich nicht waffenfähig sein sollen, wie manche gerne behaupten, kaschiert deren Zerstörungspotential – man kann nur nicht genau abschätzen, ob die Zerstörungskraft viermal so gross oder halb so gross ist wie die Nagasaki-Bombe, und nur deshalb bezeichnet man das Material als „nicht waffenfähig“ (Aussage des Kernphysikers Hans-Peter Dürr, früherer Direktor des Max-Planck-Instituts für Physik und Schüler von Werner Heisenberg und Edward Teller anlässlich des Europäischen Atomkongresses 2004 in Berlin). Weltweit werden Tausende Tonnen Plutonium durch Wiederaufbereitungsanlagen und Produktionsanlagen für MOX (Mixed fuel) gehandhabt. Die Umwandlung von rund 0.1% der jährlich verarbeiteten Menge würde für den Bau einer Atombombe reichen (World Information Service on Energy WISE 2003).(Quelle:*)
- Wärmeüberschuss bei Atomkraftwerken: Der Wärmeüberschuss der Atomkraftwerke (lediglich ein Drittel der produzierten Energie kann tatsächlich genutzt werden, zwei Drittel wird als Abwärme mittels Kühltürme in die Atmosphäre oder in Flüsse abgegeben) eignet sich wegen der hohen Kosten für die Fernwärmeleitungen von zentralen Kraftwerkblöcken kaum für die Kraft-Wärme-Koppelung. Atomkraftwerke produzieren ausschliesslich träge Bandenergie. Sie lassen sich nicht kurzfristig regulieren und die Stromproduktion auch nicht an den jahres- und tageszeitlich schwankenden Bedarf anpassen.
-Multikriterienanalysen: Roth et al. (2008) haben verschiedene Energiebereitstellungstechnologien mit Hilfe einer Multikriterienanalyse miteinander verglichen. Die Kriterien decken dabei sowohl Umweltaspekte als auch soziale und ökonomische Aspekte ab. Je nach Gewichtung ergeben sich bei der Multikriterienanalyse unterschiedliche Gesamtresultate. Bei höherer Gewichtung auf Ressourcenverbrauch, Sicherheit, politische Stabilität und Legitimation inkl. Proliferationsrisiken, Risikowahrnehmung und Konsequenzen schwerer Unfälle und direkte Arbeitsplatzeffekte verbleiben die Wasserkraft, die Geothermie und Biogasanlagen an der Spitze der Rangfolge, gefolgt von der Gasgewinnung mit Holz (SNG) und der Windenergie. Die Kernenergie in der Schweiz fällt auf Platz 11 von 18 zurück. (Quelle: *)
-Katastrophenpotential: Das Katastrophenpotential von Kernkraftwerken ist sehr hoch und mit dem Unfall von Tschernobyl 1986 auch für viele Menschen in der Schweiz anschaulich geworden. Radioaktivität ist mit den menschlichen Sinnen nicht direkt wahrnehmbar und lässt sich dadurch für den einzelnen Menschen auch schlecht einschätzen und kontrollieren. Die Folgen schwerwiegender Unfälle in Kernkraftwerken sind langfristig, was auch durch die langen Einschlusszeiten, mit denen bei der Entsorgung radioaktiver Abfälle kalkuliert werden muss,
unterstrichen wird. Die Langfristigkeit wird dadurch verschärft, dass sich Schäden an der Keimbahn auf kommende Generationen auswirken können. Schwere gesundheitliche Schäden bei Menschen oder Umweltschäden, die durch Radioaktivität verursacht wurden, sind zudem nicht oder kaum reversibel. (Quelle:*)
-Krebsrisiko:Baker und Hoel (2007) haben in einer umfangreichen Meta-Studie Daten von 17 internationalen Studien zu Kinderleukämien um Kernkraftwerke untersucht. Die Analyse zeigt, dass bei Kindern in der Altersgruppe bis neun Jahren ein je nach Entfernung vom Kernkraftwerk um 14 bis 21% erhöhtes Risiko an Leukämie zu erkranken besteht. In der Altersgruppe unter 25 Jahren war die Erkrankungswahrscheinlichkeit um 7 bis 10% und die Sterberate um 2 bis 18% erhöht. (Quelle:*)
-Strahlenschäden: Akute Strahlenschäden (auch: Frühschäden) gehören zu den nicht stochastischen Strahlenschäden und treten bei kurzzeitigen Ganzkörperdosen (Strahlendosis) ab 0,5 Sv (Sievert) auf.
Ab solchen Dosen werden so viele Zellen durch die ionisierende Strahlung abgetötet oder funktionsgestört, daß innerhalb von Stunden oder Tagen zahlreiche Schäden sichtbar werden, die bis zum Tod führen können. Der Krankheitsverlauf ist um so schwerer, je höher die Dosis war. Speziell betroffen sind Zellen, die sich häufig teilen, insbesondere die blutbildenden Zellen im Knochenmark, deren Ausfall das Immunsystem schwächt bis lahmlegt, die Zellen des Darmepithels, deren Ausfall zu Störungen im Wasser- und Mineralhaushalt sowie Darmkoliken führt, und die Haarwurzel, deren Schädigung Haarausfall nach sich zieht.
Weitere mögliche Akute Strahlenschäden: Trübung der Augenlinse (Grauer Star), Hautschädigung, Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit, Mißbildungen, Tod- und Fehlgeburten durch Bestrahlung des Embryos. Symptome bei kurzzeitiger Ganzkörperbestrahlung ohne medizinische Behandlung s. Tab.. Den typischen Krankheitsverlauf nennt man Strahlenkrankheit (weitere Symptome dort). Todesfälle bis etwa 5 Sv sind meist Folge der erhöhten Infektionsbereitschaft.
Bei höheren Dosen sind Darmstörungen Haupttodesursache. Bis etwa 10 Sv Ganzkörperdosis haben Bestrahlte bei stationärer medizinischer Versorgung gute Chancen zu überleben. Bei den Überlebenden können zahlreiche Spätschäden (Strahlenschäden) auftreten: Krebs, unspezifische Lebensverkürzung, Sterilität, dauerhafte Immunschwäche (Immunsystem) etc.. Akute Strahlenschäden wurden bei Atombombenopfern in Hiroshima und Nagasaki (Atomwaffen) und bei Betriebsunfällen im Kernkraftwerksbereich beobachtet.
Lit.: L.Rausch: Mensch und Strahlenwirkung, München 1986
-Fallout: Bei Atomwaffenexplosionen und schweren Kernkraftunfällen (GAU) gelangen radioaktive Substanzen (Radioaktivität) in die Atmosphäre und fallen in Form fester Stoffe oder Niederschlag als Fallout auf die Erde zurück.
Je nach Explosions- bzw. Unfallablauf und Wetterlage werden die radioaktiven Stoffe nur einige hundert Kilometer weit getragen oder verteilen sich über weite Teile der Erde. Die gesundheitlichen Folgen des Fallout hängen von den radioaktiven Stoffen und ihren Halbwertszeiten ab.
Autor: KATALYSE-Institut, Köln
Sicherheit
- Neue Forschungsergebnisse: Die Sicherheit der Endlagerung in 500 Meter Tiefe wurde anlässlich der Weltgeologentagung in Florenz 2004 angezweifelt und alternativ die Methode einer Endlagerung in 4-5 Kilometern Tiefe in Bohrlöchern im Granit diskutiert.
-Sicherheitsrelevante Ereignisse: Viele sicherheitsrelevante Ereignisse finden jedes Jahr überall auf der Welt in allen Typen von Kernkraftwerken und Kernreaktoren statt. Die INES-Skala ist nicht genügend aussagekräftig, um die Ereignisse zu bewerten. (Quelle:*)
- Forschung Opalinuston: Gemäss NAGRA liegen heute noch keine direkten bautechnischen Erfahrungen von Tunnelbauten in grosser Tiefe in flachliegendem Opalinuston vor. Hier werden in den nächsten Jahren die Erfahrungen aus dem französischen Felslabor, welches an einem potenziellen Standort in flachliegenden Tonsteinen gebaut wird, wertvolle Informationen liefern. (Quelle: NAGRA NTB 02-03, Seite 623)
- Schutz von Mensch und Umwelt: „Oberstes Ziel bei der weiteren Endlagersuche muss vor allen anderen Aspekten der Schutz der Menschen und der Umwelt sein, denn ein Endlager mit seinen möglichen Folgen wird unsere nachfolgenden Generationen bis in unvorstellbare Zeiträume beschäftigen.“ (Landrat Tilman Bollacher)
- Risiko Mensch: Absolute Sicherheit ist eine technische Utopie, vor allem dann, wenn der Mensch als unkalkulierbarer Risikofaktor dazutritt. Da Sicherheitssysteme und Handlungen des Betriebspersonals nicht als vollständig zuverlässig angesehen werden können, können Schäden infolge unzulässig hoher Strahlenexpositionen durch Störfälle nicht vollständig ausgeschlossen werden. Trotz der hohen Sicherheitsvorkehrungen verbleibt ein Restrisiko, dass durch Versagen von einer höheren Anzahl von Sicherheitssystemen bzw. durch Fehlhandlungen der Betriebsmannschaft Schutzziele nicht eingehalten werden und sich daraus Störfallsequenzen entwickeln, die zu Kernschäden und gegebenenfalls auch zu gravierenden Freisetzungen von radioaktiven Stoffen führen. Etwa die Hälfte der meldepflichtigen Ereignisse werden auf Fehler des Personals oder Mängel in der Organisation bzw. des Managements des Betreibers zurückgeführt. Im Vergleich zu anderen technischen Risiken sind zudem die grossen Langzeitschäden im Falle eine Unfalles zu berücksichtigen.(Quelle:*) Um eine mögliche potentielle Gefährdung von Lebewesen ausschliessen zu können, müssten deshalb jegliche hochradioaktiven Abfälle weit weg von der Bevölkerung im bestmöglichen Untergrund endgelagert werden.
-Vergleich Risiken von Stauanlagen zu Risiken der Kernenergie: Mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 10^-6 pro Jahr ist bei der Kernkraft ein Ereignis mit rund 40’000 Todesopfern, Schwer- und Leichtverletzten zu erwarten. Ein Störfall bei einer grossen Stauanlage mit der gleichen Eintretenswahrscheinlichkeit fordert rund 20’000 Todesopfer, Schwer- und Leichtverletzte. Mit derselben Wahrscheinlichkeit ist für die Wasserkraft mit rund 300 km2 und für die Kernenergie mit rund 8’000 km2 geschädigter Lebensgrundlage zu rechnen. So wird durch einen sehr schweren Unfall in einer Kernanlage bis zu 25-mal mehr Fläche geschädigt als durch einen sehr schweren Unfall bei einer grösseren Stauanlage. Teile der betroffenen Flächen sind über mehrere Jahrhunderte nicht bewohnbar und nicht oder nur eingeschränkt nutzbar. Im Falle eines sehr schweren Unfalls ist bei den unmittelbar betroffenen Menschen von irreversiblen genetischen Schäden auszugehen.(Quelle:*)
-Probabilistische Sicherheitsanalysen: Sie können nur ein theoretisches Risiko berechnen. Für neue Reaktoren ist aufgrund der geringen Betriebserfahrung in diesen Sicherheitsanalysen mit grösseren Unsicherheiten zu rechnen. Zudem ist eine kompetente Kontrolle durch die Aufsichtsbehörden aufgrund des erforderlichen Detailwissens schwierig. (Auffassung von Walter Wildi, Direktor des Instituts F.A. Forel, Universität Genf.) (Quelle:*)
-Erdbebengefährdung: Die Autoren des Projekt PEGASOS kommen zum Schluss, dass das zerstörerische Potential von Erdbeben heute höher eingestuft werden muss als früher. (Quelle: *)
- Langzeitverhalten: Im Entsorgungsnachweis wurde von der KSA darauf hingewiesen, dass das Langzeitverhalten des Opalinustons unter der Beanspruchung von Gasen unter hohem Druck nicht genügend abgeklärt worden ist (Quelle: KSA 23/170, Seite 34). Dieses Problem kam auch in der Rundschau vom 7.2.2007 zur Sprache. Herr Paul Bossart Direktor Mont Terri sagte: „Wir wissen noch nicht richtig wie das Gas weggeht.“
- Sonderdeponie Kölliken: Die angelaufene Sanierung der Sondermülldeponie Kölliken bestätigt, dass offensichtlich auch von anerkannten Fachleuten, nach Einbezug von bestem Wissen, im Untergrund nicht alles voraussehbar ist. Die sichere geologische Tiefenlagerung ist nur „bedingt planbar“.
-D-Asse: Das Bergwerk, in dem 126.000 Fässer mit strahlendem Inhalt eingelagert sind, wurde von 1995 bis 2005 zur Stabilisierung mit Salz verfüllt. Täglich brachten Güterzüge Abraumsalz heran, das in die noch verbliebenen Hohlräume des Atommülllagers eingebracht wurde. Das von dem ehemaligen Betreiber Helmholtzzentrum München (vormals GSF) immer als Versuchsendlager bezeichnete Atommülldepot sollte ursprünglich bis 2013 stillgelegt und endgültig geschlossen werden. Seit dem 1. Januar 2009 hat das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) wegen der jetzt bekannt gewordenen skandalösen Zustände in der Asse den Betrieb übernommen.
Am 15. Januar 2010 hat das Bundesamt für Strahlenschutz das Ergebnis des Optionenvergleichs bekanntgegeben: das BfS enpfiehlt, sämtliche 126 000 Fässer aus der Asse herauszuholen, da mit keinem anderen der geprüften Verfahren eine Langzeitsicherheit zu erreichen ist.( Quelle: AAA – Aktion Atommüllfreie Asse) Der Vorsitzende der Entsorgungskommission des Bundes, Michael Sailer, hat Zweifel an der Durchführbarkeit der Räumung des Atomlagers Asse geäußert. Auch der Präsident des Bundesamtes, Wolfram König, hat Zweifel, ob die Zeit für eine Räumung des Atomlagers Asse ausreicht.(Quelle: RP online)
- Terrorakte: Die Nutzung der Kernenergie bietet verschiedenen Angriffsflächen für Terroranschläge: Anschläge auf den Transport von radioaktivem Material, Anschläge auf ein zukünftiges Tiefenlager, Anschläge auf ein Kernkraftwerk (Flugzeug, interne Sabotage). (Quelle: *) Kein einziges Atomkraftwerk ist gegen Terrorakte wie z.B. gezielte Flugzeugattentate wirksam geschützt. Der Schweizer Pool für die Versicherung von Nuklearrisiken schrieb im Brief an den Bundesrat vom 30.April 2002: „Die Ereignisse vom 11. September haben ein völlig anderes Licht auf das Ausmass, die Eintrittswahrscheinlichkeit, die Bandbreite sowie die Cumulusgefahr des Risikos für Versicherer geworfen, … weil …. Nuklear-Risiken als Ziel –Risiken für Terrorismus betrachtet werden.“
- Uranabbau: Der Uranabbau ist flächenintensiv und die Uran-Erze hinterlassen voluminösen Abraum der meistens ungeschützt in der Landschaft deponiert wird. Radioaktive Kontaminationen sind unvermeidlich. Derzeit werden Erze abgebaut, die ca. 1% Uran enthalten. In Zukunft wird sich diese Konzentration verschlechtern, der Abraum anwachsen. Durch Regen kommt es zu Ausschwemmungen; die radioaktiven Substanzen gelangen in Flüsse, von dort in die Nahrung und ins Grundwasser. Heute werden die alten Wismuth-Uran-Minen der ehemaligen DDR saniert. Seit vierzehn Jahren arbeiten dort 2200 Bergleute und Spezialisten mit einem Budget von 13 Milliarden Euro. Für die Sanierung kommt der Staat auf. In Afrika, Canada und Australien gehören eingeborene Völker zu den Betroffenen. Sie wehren sich gegen die radioaktive Uran-Verschmutzung. Als Minderheiten finden sie aber wenig Gehör. (Quelle: Rudolf Rechsteiner, Erneuerbar statt atomar – Die no-risk-Strategie)
-Umweltauswirkungen bei der Uranaufbereitung: Eine jüngst erschienene Studie von Doka (2008) bewertet den Umwelteinfluss durch Emissionen aus den Absetzbecken des Uranbergbaus. Während des gesamten Lebenszyklus werden rund 0.009 kg Tailing pro kWh produzierte Energie produziert. Etwa 72% der Gesamtbelastung aus der nuklearen Energieumwandlungskette stammen aus der Uranmine, wobei etwa 12% auf die Radiotoxizität des emittierten Radons zurückzuführen sind. Bei dem Rest handelt es sich um chemisch-toxische Emissionen aus den Absetzbecken. Dies führt zu einer Neubewertung in Ökobilanzierungen, nach der die Kernenergie etwa um den Faktor 2,5 stärker umweltbelastend ist, als zuvor angenommen. (Quelle:*)
-Gesundheitliche Folgen des Uranbergbaus allgemein und am Beispiel des Konzerns Areva in Niger:
Alle natürlichen Uranisotope (U 234, U235, U238) sind radioaktiv. Das am häufigsten vorkommende Uran 238 zerfällt natürlicherweise in 13 weitere Uranisotope. Diese Zerfallsprodukte sind wie das natürliche Uran ebenfalls radioaktiv. Bis auf Radon 222, welches ein radioaktives Gas darstellt, sind alle Uranzerfallsprodukte ebenfalls wie das Uran Metalle.
Uran emittiert Alpha-, Beta- und Gammastrahlung. Das in der Erde befindliche Uranmetall verfügt über eine spezifische Radioaktivität von 40 Bq/kg. Solange sich das Uran unter der Erde befindet, sind Mensch und Tier weitgehend gegen die radioaktiven Risiken geschützt, schon eine 1 cm dicke Erdschicht schützt gegen Alpha und Beta-Partikel. Zum unmittelbaren Schutz gegen Gammastrahlung braucht es hingegen schon einige Meter Erde.
Wenn das Uran jedoch aus der Erde mittels Bergbau an die Erdoberfläche kommt, wird es mitsamt seinen Spaltprodukten gefährlich für alle Lebewesen.
Der Weg des Uran durch den Körper:
Uran kann durch Inhalation von uranverseuchter Luft oder durch mit Uran verseuchtem Trinkwasser in den menschlichen Körper gelangen. Von der Lunge aus wandert es in die dortigen Lymphknoten und gelangt in den Blutkreislauf. Die Ausscheidung erfolgt über die Niere oder den Darmtrakt. Uran ist radiotoxisch und chemotoxisch wirksam. Einmal im menschlichen Körper gelagert, konzentriert es sich im Skelett, in der Leber, in der Niere, in Lymphknoten im Gehirn und in den Hoden.
Uran verursacht vor allem durch sein Spaltprodukt, das Radongas, Lungenkrebs, aber auch andere Krebssorten, wie Leberkrebs, Magenkrebs, Lymphome, Leukämie und andere Bluterkrankungen. Auf die Niere wirkt es als Metall toxisch und verursacht schwere Nierenschäden. Am Embryo kann es zu Fehlbildungen, erhöhte Säuglingssterblichkeit, Totgeburten und Down-Syndrom führen.
Die in der Nähe der Bergbau-Orte durch die unabhängige Organisation Criirad im Jahr 2009 gemessenen Werte von Radioaktivität in der Luft, im Wasser und im Boden sind eindeutig auf den Uranbergbau zurückzuführen. Sie übersteigen die von der WHO herausgegebenen Grenzwerte um ein Vielfaches.
Nach unseren Informationen arbeiten in den von COGEMA-AREVA betriebenen Krankenhäusern von Arlit und Akouta keine Arbeitsmediziner. Nur zwei Krankheiten werden als berufsbedingt anerkannt: Eine Dermatose und Gehörschäden. Die nigrische Gesetzgebung zum Abbau radioaktiver Stoffe führt dagegen eine Vielzahl von Krankheiten auf, insbesondere eine Vielzahl von Krebserkrankungen wie Blut-, Knochen-, Augen- oder Lungenkrebs.
Der Konzern Areva behauptet, dass er in Zusammenarbeit mit der nigerianischen Regierung, der Organisation Sherpa und der Organisation Medicins de Monde ein Gesundheits-Monitoring betreibe. Außerdem würden Qualitätskontrollen durch die „French Nuclear Safety and Radiation Protection Institute, Quanta Médical, Gispe“ und die AFAQ durchgeführt.
Aus den Ergebnissen der neueren Untersuchungen von Greenpeace und der Criirad zu radioaktiven Kontamination in der Nahumgebung der Uranminen geht jedoch hervor, dass für die Arbeiter und die Wohnbevölkerung in der Nahumgebung der Uranminen kein ausreichendes Gesundheits-Monitoring existiert. Ein solches Monitoring müsste zwingend die Untersuchung von möglichen Uranbelastungen im Blut, im Urin und im Stuhlgang der betroffenen Arbeiter bzw. der Wohnbevölkerung beinhalten. Auch die Suche nach chromosomalen Aberrationen im Blut der Betroffenen, besonders der Kinder, könnte Hinweise auf Uranbelastungen der Arbeiter bzw. der Wohnbevölkerung geben. (Dr. Angelika Claußen, IPPNW-Vorsitzende
Benutzte Quellen:
1. British Journal of Cancer (2006) 95, 128 0 -1287, B. Grosche et al: Lung cancer risk among German male uranium miners: a cohort study
2. Survey finds excess deformities and cancer near Jadugoda uranium mine, India (The Telegraph, March 2, 2008)
3. Schmitz-Feuerhake: Folgen des Uranbergbaus der SDAG WISMUT, Strahlentelex Nr. 494-495/2007
4. Shields,L M; Wiese,W H; Skipper,B J; et al.: Navajo birth outcomes in the Shiprock uranium mining area, in: Health Physics Vol.63, No.5, Nov.1992, p.542-551)
- Tschernobyl (1986): In der Umgebung von Tschernobyl leben heute Millionen Menschen, die seit Jahren radioaktiv kontaminierte Nahrungsmittel einnehmen und daran erkranken. Von den russischen Behörden, aber auch von der UNO/WHO werden die Leiden der Bevölkerung krass heruntergespielt. Offiziell ist Tschernobyl als Krankheitsursache nur für Schilddrüsenkrebs anerkannt, weil hier die Signifikanz nicht länger zu verschweigen war. Zahlreiche weitere Krankheitsbilder, die insbesondere Kinder treffen (auch Kinder die lange nach dem Unfall geboren wurden) werden von den Behörden nicht mit dem Unfall von Tschernobyl ursächlich verknüpft. Die Betroffenen erhalten deswegen keine angemessene Entschädigung und Hilfe (Quelle: Rudolf Rechsteiner)
Wirtschaft
- Ökonomischer Aspekt Tiefenlager: Jedem Land sein eigenes Tiefenlager für hochradioaktiven Abfall ist aus ökonomischer Sicht nicht sinnvoll.
- Sonderdeponie Kölliken: Die angelaufene Sanierung der Sondermülldeponie Kölliken bestätigt, dass offensichtlich auch von anerkannten Fachleuten, nach Einbezug von bestem Wissen, im Untergrund nicht alles voraussehbar ist. Die sichere geologische Tiefenlagerung ist nur „bedingt planbar“. Zur Erinnerung: der Betrieb der Sondermülldeponie Kölliken in den Jahren 1978 bis 1985 hatte zur Bildung von ca. Fr. 2 Millionen Rückstellungen für die Endabdeckung der Grube gereicht. Für die umweltgerechte Sanierung wird nun mit Kosten von rund insgesamt Fr. 700 Millionen gerechnet. Von diesen rund Fr. 700 Millionen wird die öffentliche Hand, das heisst die Steuerzahler, für rund 90% aufkommen müssen! Assoziationen mit der geplanten Tiefenlagerung von hochradioaktiven Atommüll sind unvermeidlich. Unvoraussehbarkeit kann jederzeit zu kleineren wie auch gigantischen Katastrophen führen. Das lateinische Sprichwort drängt sich auf: „Was immer du tust, tu es weise, und bedenke das Ende“.
- Kosten: Die gesellschaftlichen Kosten der Atomenergie, die z.B. infolge des Uranbergbaus oder der Endlagerung anfallen, sind nicht bekannt.
-Investitionskosten: Die Produktion von Grundlaststrom mit sehr hohen Investitionskosten in Kernkraftwerken konkurrenziert sowohl die Förderung von Stromeffizienz wie auch den Bau von ebenfalls hochinvestiven erneuerbaren Energiesystemen. Einerseits kann der gleiche Franken nur einmal investiert werden, andererseits muss der Überschussstrom zu Offpeak-Zeiten Abnehmer finden, was zu neuen Stromanwendungen führt, die zu Vollkosten kein Marktpotential hätten (beispielsweise Elektroheizungen). Somit findet real keine Reduktion der Treibhausgasemissionen statt, da emissionsarme Technologien behindert bzw. verdrängt werden. Gemäss Studien des Rocky Mountain Institutes ist ein Franken investiert in Energieeffizienzmassnahmen 3 bis 10-mal klimawirksamer als ein Franken investiert in ein neues Kernkraftwerk (Amory B. Lovins et al. 2008).(Quelle: *)
-Nachbetriebsphase/Stilllegung: Für die 5-jährige Nachbetriebsphase (Brennstäbe und überflüssige Betriebsmedien werden entfernt, der radioaktive Betriebsabfall aus dem Reaktor geschafft) der fünf Schweizer AKW müssen 1’447 Millionen Franken aufgewendet werden. Für die Stilllegung (Abbruch der Reaktoren) fallen 2,13 Milliarden Franken an. (Quelle: NZZ am Sonntag 5.4.2009)
- Entsorgung/Stilllegung: Die Kosten für die Entsorgung und Stilllegung sowie andere Umweltkosten werden nicht hinreichend im Atomenergiepreis berücksichtigt.
-Vorteile versus Risiken: Faktenwidrig werden die wirtschaftlichen Vorteile gepriesen, die Risiken bagatellisiert oder als technisch lösbar deklariert. Die Atomenergienutzung ist das Resultat einer gigantischen politischen Subventions- und Privilegierungsmaschinerie. (Aussagen von Hermann Scheer, Träger des alternativen Nobelpreises und ehrenamtlicher Präsident von Eurosolar).
- Staatswirtschaft: Die für ihre Rentabilität unabdingbare Auslastung kapitalintensiver Atommeiler kann nur gewährleistet werden, wenn Regierungen die Strommärkte wieder entliberalisieren und Alternativen blockieren. Atomwirtschaft bleibt (verdeckte) Staatswirtschaft.
- Arbeitsplätze: Die bei einem Atomausstieg verloren gehenden Arbeitsplätze würden durch den Innovationsschub bei den erneuerbaren Energien neu entstehenden Arbeitsplätze mehr als wettgemacht. Davon würden auch die Randregionen profitieren.
- Profit: Der Schutz von Mensch und Umwelt darf niemals gegenüber vermeintlichen wirtschaftlichen Interessen zurücktreten.
Wasser
- Gefahr: Gleichgültig, in welches Gestein man den Atommüll einlagern will, überall besteht die Gefahr, dass die radioaktiven Stoffe, z.B. durch Wassereinbrüche an die Erdoberfläche dringen und Böden und Grundwasser verseuchen.
- Grösstes nicht genutztes Wasservorkommen des Kantons Zürich: Westlich von Marthalen (eine der drei Kerngemeinden des bis anhin im Fokus stehenden Gebiets für ein mögliches Tiefenlager für hochradioaktiven Abfall) in Rheinau liegt das grösste nicht genutzte Wasservorkommen des Kantons Zürich. Der Kanton beabsichtigt, dieses nutzbar zu machen für den Fall, dass der Zürichsee durch ein Grossereignis nicht mehr genutzt werden könnte. (Leitungsbau bis nach Winterthur, von Winterthur nach Zürich ist die Leitung bereits beinahe fertig erstellt.) Das geplante Tiefenlager soll neben das zweite kantonale Wasser-Standbein für die Städte Winterthur und Zürich zu liegen kommen! (Quelle: NZZ vom 11./12. Februar 2006)
-Wasserverbrauch beim Abbau von Uran: Unter der Annahme eines mittleren Wasserverbrauchs von 580’000 Liter / t U3O8 (Median) ergibt sich für das in der Schweiz verwendete Uran (pro Jahr rund 600 Tonnen Natururan gemäss Nuklearforum Schweiz 2008) ein Verbrauch von rund 350’000 m³ Wasser pro Jahr. Dies entspricht zwar nur einem Bruchteil (0.03%) des jährlichen Trinkwasserverbrauchs der Schweiz, das Wasser wird aber zum Teil in Regionen verbraucht, in welchen Wasser ein knappes Gut ist (z.B. Niger, Namibia, Australien).(Quelle: *)
- Kühlung der Atommeiler: Die Atomenergie ist nicht zukunftsfähig, da der enorme Wasserbedarf für die Dampfprozesse und Kühlung mit den sich weltweit ausbreitenden Wassernotständen durch die Klimaänderungen und den Wasserbedarf der wachsenden Bevölkerung kollidiert.
Verantwortung
- Gesellschaft zur Umwelt: Atomkraftwerke und der anfallende Atommüll sind aus gesellschaftlicher Sicht nicht nachhaltig, da die von ihnen ausgehenden Gefahren eine konstante Kontrolle erfordern, die keine Gesellschaft dauerhaft erbringen kann. Eine Technologie, die hochradioaktiven Abfall (oder abgebrannte Reststoffe), der in Atomreaktoren anfällt und hundertausende von Jahren radioaktiv bleibt, hinterlässt, widerspricht dem Ziel der Nachhaltigkeit.
- Für die nächste Generation: Verantwortung übernehmen heisst auch, zu den gemachten Fehlern zu stehen und daraus zu lernen. Die Atomtechnologie produziert hochradioaktiven Abfall, der rund 200’000 Jahre braucht, bis er wieder Natururan entspricht (Quelle: Info NAGRA Nr. 18, Oktober 2005). Seit 40 Jahren wird nach einer Endlagerung gesucht.
- Grundforderung: Unsere Verpflichtung zur Bewahrung der Schöpfung, unsere Ehrfurcht vor allem Leben und die Beachung der Menschenrechte sollte uns Menschen streng verbieten eine Technik zu entwickeln und betreiben, die im schlimmsten Falle ihres Versagens (dem maximal möglichen Störfall ohne Berücksichtigung seiner Eintrittswahrscheinlichkeit) einen nach diesen allgemeinen Grundsätzen inakzeptablen* Schaden verursachen kann! (Inakzeptabel ist insbesondere, wenn der Schaden in hohem Masse andere (jetzt oder in der Zukunft) trifft als die Nutzniesser dieser Technik). (Hans-Peter Dürr, Träger des alternativen Nobelpreises, ehemaliger Direktor des Werner-Heisenberg-Instituts am Max-Planck-Institut für Physik und Astrophysik in München)
- Es ist unsere Verantwortung und Aufgabe gegenüber der nachfolgenden Generation die politischen Grundlagen einzuleiten für die Energieversorgung mit nachhaltigen erneuerbaren Energien. Atomenergie lässt keine Veränderungen zu.
- Der Atommüll ist eine Hypothek für alle, die nach uns leben!
- Übermittlung: Wir wissen nicht wie nachfolgenden Generationen übermittelt werden kann, wo der „entsorgte“ Atommüll begraben liegt. In Artikel 40 Absatz 7 des Kernenergiegesetzes ist vorgeschrieben, dass der Bundesrat die dauerhafte Markierung des Endlagers vorschreibt. Zudem besagt Artikel 40 Absatz 6, dass der Bundesrat dafür sorgen soll, dass die Informationen über das Lager, die eingelagerten Abfälle und den Schutzbereich aufbewahrt werden und die Kenntnisse darüber erhalten bleiben. Zurzeit wird im Auftrag des BFE eine Studie zu Markierungsmöglichkeiten erarbeitet. Es muss berücksichtigt werden, dass sich Sprache, Schrift und Symbole über die Zeit stark ändern. So konnte beispielsweise bis heute nur rund einem Viertel der Zeichen der Maya eine Bedeutung zugeordnet werden. (Quelle: *)
Alternativen
- Dezentralisierung: Eine dezentrale Stromversorgung , die auf einer Vielzahl von Anlagen und Technologien beruht, erhöht die Versorgungssicherheit, mindert das Klumpenrisiko und schafft Arbeitsplätze.
- Energieoptimierung: Unser Alltag ist auf Energieverbrauch – um nicht zu sagen Energieverschwendung – ausgerichtet. Mit Optimierungsmassnahmen könnten bis zu 30% Elektrizität eingespart werden (Quelle: S.A.F.E.), ohne wesentliche Komforteinbussen.
- Tiefenlager: Die Schweiz kann weder isoliert Forschung betreiben noch im Alleingang die Umwelt schützen. Sinnvoll ist daher die internationale Zusammenarbeit auch für ein Atommüll-Tiefenlager: die Schweiz als aktiver, zuverlässiger Partner (internationale Beteiligung, internationaler Betrieb auf internationalem Gebiet im bestmöglichen „Gestein“, möglichst weit entfernt von jeglicher Zivilisation!)
-Energiewende: Die Energiewende kostet, aber keine Energiewende kostet die Zukunft. (Franz Alt)
Allgemeine Gedanken:
- Ein von Materialismus geprägter Mensch tut sich schwer mit nicht anfassbarer Energien wie Wind und Sonne.
- Die Verdrängung der Fakten ist ein Schutzmechanismus. Unser Problem ist aber: wenn wir immerzu verdrängen, können wir genauso wenig überleben (Franz Alt).
- Umhandeln ist gefragt, nicht umdenken. (Franz Alt)
- Unser technokratisch, eindimensionales Denken hat uns in eine Sackgasse geführt.