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Asiatische Optionen: Grosse Versprechen mit kleinen Tücken
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Serge Nussbaumer, Chefredaktor
Derzeit werden vermehrt Strukturierte Produkte mit asiatischen Optionen emittiert, deren Rendite sich nach einem definierten Durchschnittspreis richten. Diese versprechen oft mehr als sie halten können. Wie sich aus einem Praxisbeispiel ablesen lässt, gilt für Anleger «Augen auf»!
Tiefere Prämie
Da asiatische Optionen auf einen Durchschnittskurs referenzieren, welcher immer eine tiefere Volatilität hat als der einmalig fixierte Endkurs, sind sie immer günstiger als plain vanilla-Optionen. Hinzu kommt, dass asiatische Optionen, im Gegensatz zu herkömmlichen Optionen, mit kürzerer Restlaufzeit immer weniger auf preisliche Veränderungen des Basiswerts reagieren, sich deren Volatilität mit der Zeit also reduziert.
Zwei Typen
Asiatische Optionen lassen sich in zwei Typen unterscheiden: die arithmetischen und die geometrischen. Bei Ersterer wird das arithmetische Mittel und bei Zweiterer das geometrische Mittel zur Durchschnittsbildung herangezogen. Finanzmathematisch kann nachgewiesen werden, dass bei einer geometrischen asiatischen Option die Prämie geringer ist als bei einer arithmetischen. Eine präzise Berechnung des Wertes einer asiatischen Option ist während der Laufzeit nicht möglich. Dies, weil der Preis von sehr vielen voneinander abhängigen Zufallsvariablen anhängt. Das bedeutet, dass der Wert mithilfe der Monte-Carlo-Simulation geschätzt wird. Im aktuellen Tiefzinsumfeld mit niedrigster Volatilität zu bauen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Mögliche Anpassungen sind die Reduktion des Kapitalschutzes, die Reduktion der Partizipation und die Verbilligung der Option.
Beispiel
In Zusammenarbeit mit dem Equity Derivative Team der Credit Suisse haben wir folgende Struktur als Basis genommen: Dreijähriges Kapitalschutzprodukt mit Partizipation auf den DJ Eurostoxx 50, mit einem Kapitalschutz von 95%, at-the-money (ATM) Strike und brutto berechnet. Aufgelöst nach der Partizipation ergibt sich bei einem Vanilla-Call eine Rate von 57%, bei einem Asian-Call 106%. Die Kosten für die Optionen sind 9,79% für den Vanilla-Call resp. 5,24% für den Asian-Call. Anhand dieses Beispiels soll nun aufgezeigt werden, wo die Unterschiede zwischen einem klassischen kapitalgeschützten Produkt und einem mit arithmetischem Asianing liegen. Zu diesem Zweck sind drei Dreijahresperioden des DJ Eurostoxx 50 verwendet worden. Einmal wird eine Seitwärtsbewegung im Underlying illustriert, ein Beispiel zeigt einen steigenden Basiswert und eines einen erst steigenden und dann wieder sinkenden Basiswert.
Erstaunliche Renditeunterschiede
Im ersten Beispiel (Zeitperiode vom März 2010 bis März 2013) tendierte der DJ Eurostoxx 50 seitwärts. Der Index hat über diese drei Jahre eine Rendite von 4,35% erreicht. Unser Beispielprodukt mit Vanilla-Call verfügt über eine Partizipationsrate von 57%. Das heisst, der Vanilla-Call performt mit knapp 2,5%. Nimmt man nun die 36 monatlichen Renditen, berechnet davon das arithmetische Mittel und unter der Betrachtung einer Partizipationsrate von 106%, ergibt dies 0,27%. Bei diesem Szenario würde die Struktur mit Vanilla-Call somit besser abschneiden. Die zweite betrachtete Zeitperiode beginnt Anfang 2005. In diesen drei Jahren machte der Index gut 32%. Wie der Chart zeigt, auch hier mit ein paar zwischenzeitlichen Rückschlägen. Der Vanilla-Call zeigte hier eine Performance von gut 18%. Auch in diesem Bullenmarkt performte der Asian-Call mit seiner Durchschnittsrendite deutlich schlechter. Er zeigt einen Wert von knapp 1%. Die dritte Zeitperiode beginnt im Juli 2005. Steigende Märkte bis Mitte 2007 und dann sinkend. Über die drei Jahre gerechnet eine negative Performance des DJ Eurostoxx 50 von gut 5%, um die Partizipationsrate angepasst heisst das für den Vanilla-Call knapp minus 3%. Im Gegensatz zum Vanilla-Call berücksichtigt der Asian-Call in diesem Szenario die anfänglich positive Performance. Seine Durchschnittsperfomance ist zwar auch negativ, aber mit minus 0,08% deutlich besser als der Vergleichswert.
Produkte mit Asianing haben ihre Tücken
Asiatische Optionen eignen sich insbesondere bei stark volatilen Basiswerten, welche kurzfristig deutliche Rückschläge verzeichnen können. Durch die Durchschnittsberechnung verringert sich für den Anleger das Risiko, dass genau am Ausübungstag ein solcher Rücksetzer eintritt. Ein weiterer Vorteil asiatischer Optionen ist, dass derartige Produkte sich weniger volatil verhalten als Produkte mit einer klassischen Option. Dies insbesondere bei kurzer Restlaufzeit. Grundsätzlich ist es aber so, dass asiatische Optionen weniger Performance bieten. Entsprechend ist dieser Optionstyp auch günstiger zu haben. Asiatische Optionen werden daher vor allem dann eingesetzt, wenn sich eine plain vanilla-Option nicht finanzieren lässt und ein Produkt aber optisch trotzdem ansprechend daherkommen soll. Für Anleger gilt es daher, stets auf den Vermerk «asiatisch» zu achten. Auch wenn ein Produkt, wie in unserem Beispiel, eine viel höhere Partizipation verspricht (106% anstatt nur 57%), soll man sich nicht blenden lassen. Oftmals sieht ein «asiatisches» Produkt nur besser aus, ist es aber nicht.