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Manche Kunstexperten haben schon lange bezweifelt, dass das Gemälde "Samson und Delilah", das in der National Gallery in London ausgestellt ist und dem flämischen Künstler Peter Paul Rubens zugeordnet wird, tatsächlich von Rubens stammt. Es unterscheidet sich in einige Merkmalen von anderen Bildern, die nachweislich von Rubens stammen. Und seine Geschichte kann nicht lückenlos belegt werden. Zwar ist belegt, dass Rubens einst tatsächlich ein Bild mit demselben Motiv für den Bürgermeister von Antwerpen gemalt hat. Als dieser 1640 starb, im selben Jahr wie Rubens selbst, wurde es aber verkauft, und man weiss nicht, an wen. Deshalb besteht der Verdacht, dass später ein von einem anderen Künstler gemaltes Gemälde mit demselben damals beliebten biblischen Motiv Rubens zugeschrieben wurde.
Wie der 'Guardian' berichtet
, sagen mittels KI-Technologie durchgeführte Vergleiche mit anderen Werken von Rubens nun (für KI-Verhältnisse) klipp und klar: Samson und Delilah stammt mit 91,8% Wahrscheinlichkeit nicht von Rubens.
Durchgeführt wurden die Tests vom Adliswiler Startup Art Recognition. Die Resultate seien sehr erstaunlich gewesen, weil sie so eindeutig waren, sagte die Mitgründerin Carina Popovici dem 'Guardian'. "Ich war schockiert. Wir haben die Experimente mehrmals wiederholt, um sicher zu gehen, aber das Resultat war immer das gleiche. Jeder einzelne Teil des Bildes … wurde von der KI als nicht-authentisch eingestuft, immer mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90%."
Für die National Gallery wäre es ein harter Schlag, wenn das Gemälde nicht mehr als ein Rubens, sondern als das Werk eines weniger berühmten und bedeutenden Malers eingestuft werden würde. Das Londoner Kunstmuseum hat es 1980 für damals 2,5 Millionen Pfund gekauft. Die Frage ist allerdings, ob die Kunstwelt das Verdikt eines Algorithmus ernster nimmt als die Zweifel, die menschliche Experten früher geäussert haben.
Die Geschichte zeigt auf jeden Fall, dass KI-Technologie auch in Aufgabengebieten eingesetzt werden kann, auf die man wohl nicht auf Anhieb kommt, wie eben die Überprüfung der Authentizität eines Gemäldes. Art Recognition bietet seine Dienste sowohl Kunstbesitzern als auch potenziellen Käufern an. Bisher habe man über 300 Beurteilungen durchgeführt, heisst es auf der Website. Zu den Kunden gehören sowohl private Sammler als auch Kunsthändler, Berater, Galerien und ein Auktionshaus.