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Die frühen Jahre (1895 bis 1945)
"Geehrter Herr,
In einer Gesellschaft von Einwohnern der ehemaligen Gemeinde Fluntern ist unlängst die Frage der Gründung einer Zunftgesellschaft erörtert worden, welche etwas liberalere Tendenzen verfolgen würde als die bisher bestehenden Zünfte der Altstadt, dabei aber auch die Förderung der Interessen des Quartiers durch Besprechung aller wichtigen Angelegenheiten bezwecken soll."
Mit diesem Text wurde zur vorbereitenden Versammlung zur Gründung einer "Zunftgesellschaft Fluntern" eingeladen. Bereits 1894 hatte der Präsident des "Sechesläuten-Central-Comité" Oberst Jakob Wirz-Nägeli die neuen Quartiere, die mit der Eingemeindung von 1893 entstanden waren aufgefordert, nach dem Beispiel von Riesbach Zünfte zu gründen.
Am 2. April 1895 beschlossen die 12 teilnehmenden Herren, eine solche Zunftgesellschaft zum Zwecke "der Feier des Sechseläutens, zur Pflege der Geselligkeit und Freundschaft sowie zur Förderung der wichtigen Quartierinteressen" zu gründen. Am 19. April 1895 waren es dann zehn wackere Fluntermer, die als Gründungsmitglieder im Restaurant Plattengarten die Zunft Fluntern aus der Taufe hoben. Als "Zunftpräsident" wurde Dr. iur. Albert Sieber gewählt. Niemand hätte damals gedacht, dass Dr. Sieber das Geschick der jungen Zunft für die nächsten 25 Jahre als Zunftmeister prägen und als erster Ehren-Zunftmeister in die Geschichtsbücher eingehen würde.
Die Sechseläuten 1895 und 1896 feierten die Fluntermer noch unter sich im Plattengarten. Mit der einstimmigen Aufnahme ins "Sechesläuten-Central-Comité" vom 2. März 1897 nahm die Zunft Fluntern, die unterdessen auf 30 Mitglieder angewachsen war, am 26. April 1897 zu ersten Mal am Sechseläuten teil. Den ersten Abendbesuch erhielt die junge Zunft von der Zunft zur Saffran mit dem Sprecher Pfarrer Johann Alfred Usteri, welcher 1888-1916 als Pfarrer in Fluntern amtete. Als zweite besuchende Zunft erschien die Stadtzunft.
Am 3. Mai 1897 wurde das erste Zunftbanner (eine Spende von Rudolf Gujer-Müller) geweiht. Im Schutze dieses Banners ging die Entwicklung der Zunft zügig voran. Es wurden Zunftinsignien, Abzeichen und Laternen beschafft, 1899 ein "Martinimahl mit Gans" eingeführt, 1899 eine einheitliche Kopfbedeckung (blaue Tellerkappen mit weissen Stofflilien). Zur Jahrhundertwende zählte die Zunft 53 Mitglieder.
Die Weltkriege überstand die Zunft Fluntern in guter Verfassung, die Zunft begann sich in Kostümgruppen zu organisieren "damit das Bild farbiger werde". 1921 löst Rudolf Gujer-Müller nach 25 Jahren Dr. Sieber als Zunftmeister ab. Im gleichen Jahr wird beschlossen, das Martinimahl in Zukunft mit Frauen durchzuführen. Trotz reichlich Spottes aus dem Kreis der Zünfte wurde dies bis 1958 beibehalten. Das Jahr 1922 brachte die erste Fluntermer Reitergruppe. Die damaligen acht Mann haben sich bis 2006 auf 19 Mann vergrössert.
Doch auch von Tragischem blieb die junge Zunft nicht verschont. So wurde zum Beispiel am 21. Mai 1930 der Zünfter Dr. Siegfried Rhonheimer (Bezirksanwalt in Zürich) von einem Betrüger, den er vor Gericht anzuklagen hatte, erschossen.
Trotzdem zählte die Zunft zum 50-Jahr-Jubiläum 1945 stolze 67 Zünfter.