Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03136.jsonl.gz/895

Im Besitz des Klosters und städtische Rechte
Wie Rorschach in den Besitz des Klosters St. Gallen gelangte
Es war am 8. April 850, als 16 freie Bauern ins Kloster St. Gallen hinauf aufbrachen. Zu jener Zeit waren Schenkungen an das Kloster üblich. An jenem Tag schenkte Vurmheri ein Grundstück zwischen Goldach (damals Goldahun) und Roscahun dem Kloster und zwar so, dass er das Grundstück sein Leben lang zur Nutzniessung hatte und von da an einen jährlichen Zins an das Kloster leistete. Nach seinem Tode ging das Grundstück in den klösterlichen Besitz über. So kam es, dass am Rorschacherberg und am See bereits im 10. Jahrhundert ein grosser Teil dem Kloster St. Gallen gehörte.
Rorschach erhält städtische Rechte
Bereits 857 stand vor dem westlichen Zugang zum Hof Rorschach die St. Jakobskapelle. Rorschach war damals ein wichtiger Durchgangsort für die Rom-Pilger. Der Hof lag auch am Handelsweg nach Italien. Ganze Kolonnen von Wagen mit Kaufmannswaren zogen durchs Dorf, wo sie rasteten. Danach folgten sie dem Rhein entlang nach Chur und über den Splügenpass nach Italien. Andere Warenzüge kamen zurück aus dem Süden. Rorschach war damals ein wichtiger Ort am Handelsweg von Deutschland nach Italien.
Das Kloster St. Gallen befand sich zu Beginn des 10. Jahrhunderts in einer schwierigen Lage. 926 waren die Ungarn ins Kloster eingedrungen und hatten es verwüstet. 937 hatte ein Brand das Klostergebäude, der von einem widerspenstigen Schüler gelegt wurde, grossen Schaden angerichtet. Zudem verlor das Kloster viele Besitztümer.
Der damalige Abt von St. Gallen, Graloh, war gezwungen, die Einnahmen zu erhöhen und fand Hilfe beim Herzog Hermann I. von Schwaben. Dieser nahm ein Gesuch des Abts entgegen und leitete es an den König Otto I. weiter. Der Abt bat um die Verleihung des Markt- und Zollrechts für den Hof Rorschach. Der König entsprach seiner Bitte und erlaubte in einer Urkunde, in Rorschach Märkte abzuhalten, Zölle zu erheben und Münzen zu schlagen. Die Urkunde von 947 war für den Abt und für Rorschach von grosser Bedeutung. Rorschach bekam dadurch Rechte, wie sie sonst nur Städte hatten. Am Bodensee besass einzig Konstanz diese Rechte, die Stadt St. Gallen jedoch nicht....mehr»»