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Vassilev sagte, Kosloduj an der Donau im Nordwesten Bulgariens, sei ein fertiger Standort mit einer abgeschlossenen Umweltverträglichkeitsprüfung und einer «bestehenden Belegschaft». Wenn Bulgarien in diesem Jahr mit den Arbeiten an einer neuen Anlage beginnen würde, könnte diese zwischen 2028 und 2030 fertiggestellt werden, so Vassilev. Er erwähnte auch die Möglichkeit, eine zweite neue Einheit in Kosloduj zu errichten.
Am Standort Kosloduj ist das einzige Kernkraftwerk des Landes in Betrieb. Von den sechs Einheiten liefern heute nur noch zwei Strom. Als Bedingung für den EU-Eintritt Bulgariens waren Kosloduj-1 bis -4 vom Typ WWER-440/V-230 Ende 2002 und Ende 2006 vorzeitig vom Netz genommen worden. Kosloduj-5 und -6 vom Typ WWER-1000/V-320 können bis 2027 und 2028 in Betrieb bleiben.
Kosluduj vs. Belene
Im Januar 2022 war die bulgarische Regierung zum Schluss gekommen, dass ein Neubauprojekt am Standort Kosloduj realistischer sei als am Standort Belene. Dort hatte der Bau von zwei Einheiten vom Typ WWER-1000/V-466 bereits 1986 begonnen. Die Arbeiten kamen jedoch 1991 aus Geldmangel zum Stillstand, als Belene-1 zu 65% fertiggestellt war. Seit der Wiederaufnahme des Belene-Projekts im Jahr 2018 ist es Bulgarien jedoch nicht gelungen, Investoren für das Projekt zu finden.
Offiziell wird in der Koalitionsvereinbarung der Regierung vom Dezember 2021 eine «unabhängige Expertenanalyse» gefordert, um den Bedarf an neuen Kernkraftwerken auf der Grundlage der wirtschaftlichen Machbarkeit, der Kosten und des Zeitrahmens für den Bau zu bewerten. Diese Analyse wurde bisher noch nicht veröffentlicht.
Es bleibt unklar, welche Technologie für einen neuen Kosloduj-Block in Frage käme. Im Jahr 2012 bot das amerikanische Unternehmen Westinghouse Electric seinen Druckwasserreaktor AP1000 für eine Erweiterung von Kosloduj an. Im Gespräch steht auch, die für Belene beschafften russischen Komponenten in Kosloduj zu verwenden.
Im Februar 2022 hatte Vassilev erklärt, dass die Regierung Verhandlungen mit Griechenland über den möglichen Bau eines neuen Kernkraftwerks in Bulgarien aufgenommen habe. Das neue Kernkraftwerk würde beide Länder mit Strom versorgen, einen langfristigen Abnehmer für den erzeugten Strom garantieren und das mit dem Projekt verbundene Geschäftsrisiko verringern.
Quelle
M.A. nach NucNet, 14. März 2022