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Die Jugendorganisation des SAC
VON PIERRE VANEY, LAUSANNE
Erst im Jahre 1912, als der SAC sich auf die Fünfzigjahrfeier seines Bestehens rüstete, diskutierte das damalige Central-Comité in Chur die Frage, ob eine Jugendorganisation ins Leben gerufen werden sollte.Von da an nahm die Idee Gestalt an, und das CC St. Gallen ( 1914-1916 ) beauftragte eine Kommission, das Problem der bergsteigerischen Erziehung der Jugendlichen zu studieren. Diese legte der Abgeordnetenversammlung vom 28. November in Basel einen Rapport vor, worauf mit Begeisterung beschlossen wurde, die Sektionen zur Gründung von Jugendgruppen zu bevollmächtigen.
Dieser Beschluss war die Antwort auf den Wunsch einiger einflussreicher SAC-Mitglieder, die den Wert der Zuführung von Jugendlichen in den Schoss der Sektionen erkannten. Schon 1910 hatten die Sektionen Genève, Neuchâtel, des Diablerets, Pilatus, St. Gallen und Thurgau mit Erfolg Kurse und Exkursionen für Jugendliche organisiert. 1911 nahm die Sektion Genf 100 Schüler in ihren theoretischen und praktischen Kurs für Alpinismus und die Gefahren der Berge auf. Der Kurs wurde in den folgenden Jahren wiederholt und 1914 wie folgt begründet:
Fast alle Bergunfälle sind auf Mangel an Erfahrung und Einsicht zurückzuführen. Daher betrachtet es die Sektion Genf des SA C, die sich eifrig dafür eingesetzt hat, das Interesse für Bergtouren zu wecken und zu verbreiten, als ihre Pflicht, die jungen Bergsteiger, denen es an Rat und Führung fehlt, vor möglichen Gefahren zu bewahren.
In Lausanne waren die Anfänge nicht leicht, und die Sitzung, an der Pfarrer Louis Spiro, ein grosser Förderer der JO, die Gründung einer Jugendgruppe vorschlug, verlief ausserordentlich lebhaft: Befürworter und Gegner standen einander aufgeregt gegenüber. Die ersteren machten geltend, dass es Pflicht des SAC sei, die Jungen zum Bergsteigen zu erziehen, und versicherten, dass damit den Sektionen neuer Auftrieb gegeben und ihnen neue Kräfte erwachsen würden. Die zweiten fürchteten, dass der Berg « demokratisiert » werde und dass durch die Hintertüre der JO, bei der die jungen Mädchen zugelassen seien, Frauen in den SAC eindringen könnten. Vor allem fürch- teten die Gegner, sich eine schwere Verantwortung aufzuladen und erklärten, dass sich die Jungen selbst zurechtfinden müssten, wie sie es in ihrer Jugend auch getan hätten. Am Ende siegten doch die Befürworter der JO. Vorträge über das Bergsteigen füllten im Jahr darauf die Säle, und die Sektion gratulierte sich zu ihrem glücklichen Entschluss.
Das CC Genf ( 1917-1919 ) ernannte Ch.Fontannaz zum ersten JO-Chef. Die Sektionen wurden eingeladen, Jugendgruppen ins Leben zu rufen und die alpinistische Ausbildung des Nachwuchses zu übernehmen. Die jungen Bergsteiger sollten vor allem auf die Gefahren in den Bergen aufmerksam gemacht werden und auf das Verhalten bei Unfällen. Ausser den Kursen sollten Wanderungen durchgeführt werden, um die jungen Leute mit der engeren und weiteren Heimat vertraut zu machen. Die JO-Kandidaten sollten ohne Unterschied des Standes, der Religion oder Nation zugelassen werden. Der Vizepräsident des CC St. Gallen, E. Hartmann, ein Pionier der JO, schrieb: nachdem die Berge für den Menschen erschlossen worden seien, heisse es nun, den Menschen für die Berge vorzubereiten. Und Chorderet sagte: durch die Erziehung der Jugend übernehme der Alpenclub eine Aufgabe von grosser moralischer Tragweite; es sei eine patriotische Tat, die eine starke, mutige und begeisterte Generation heranziehen werde. Die Begeisterung wurde durch die realistischen Richtlinien des CC St. Gallen etwas gemässigt, welches 1917 die wissenschaftlichen Ziele betonte, die allen andern vorgehen sollten. « Es steht ausser Frage », sagte man, « dass der junge Mann, bei welchem man Freude und Interesse für die Naturwissenschaften geweckt hat, im praktischen Leben vor vielen Verführungen geschützt ist. Daneben hat er auf seinen Ausflügen einen viel grösseren Genuss als der gewöhnliche Bergkraxler. »Der Schaffung von Jugendgruppen war von den Delegierten mit Begeisterung zugestimmt worden. Sie zu organisieren war nicht so einfach. Es waren viele Probleme zu lösen: Wie waren die jungen Leute zu rekrutieren? Sollten auch Mädchen aufgenommen werden? Waren Ausländer vom Beitritt auszuschliessen? Welche Altersgrenze war festzusetzen? Was für Themen sollten in Vorträgen für die jungen Hörer behandelt werden? Und endlich: welchen Namen sollte man diesen Schutzbefohlenen des SAC geben. t 1936 beschloss das Central-Comité, um die Bande zwischen den JO-Gruppen der verschiedenen Regionen der Schweiz enger zu gestalten, jedes Jahr ( später, von 1949 an, alle drei Jahre ) eine Zusammenkunft der Junioren zu organisieren. Bis heute haben sie sich neunmal versammelt: 1936 in Champex s/Orsières, 1937 auf dem Pilatus, 1938 am Schwarzsee ( Hochberg ), 1939 in Kandersteg, 1949 in Schwyz, 1952 auf dem Schilt ( Glarus ), 1955 in Meiringen-Ochsental ( Engelhörner ), 1958 im Chalet du Soldat de Fribourg ( Gastlosen ) und 1961 in Leysin ( Tour de Mayen ).
An diesen Zusammenkünften sind gewöhnlich nicht alle JO-Gruppen der verschiedenen Sektionen vertreten, besonders wenn das Treffen in einer der « äussersten Ecken » des Landes stattfindet. Die Teilnahme variiert von 150 bis 300 « JO-lern ». 1961 waren Tessiner, Deutsch- und Welschschweizer oberhalb Leysin brüderlich um ein Lagerfeuer vereinigt.
Auf den Antrieb des CC Sion ( Monte Rosa ) hin treffen sich seit 1936 auch die JO-Chefs der ganzen Schweiz einmal im Jahr zur Diskussion von Fragen, die den Alpinismus und die Jugend berühren. Von den in den letzten Jahren behandelten Themen erwähnen wir: Sollen die « JOler » in das technische Klettern eingeführt werden? Auf welche Art werden die jungen Leute am besten angeworben? Organisation einer JO-Woche im Hochgebirge.
Im Jahre 1936 wurde auch der erste Kurs für JO-Chefs organisiert, und seither sind jedes Jahr, Sommer und Winter, Wochenkurse vorgesehen. Sie stehen unter der technischen Leitung von hochqualifizierten Chefs und Bergführern, und es ist kaum nötig, ihre Nützlichkeit zu betonen.
Für die Mitglieder der JO werden periodisch alpine Kurse in einer Hütte durchgeführt. Sie sind für alle « JOler » des SAC bestimmt, vor allem aber für junge Mitglieder kleiner Sektionen, denen die finanziellen Mittel zur Durchführung einer eigenen Hochgebirgswoche fehlen. Schon mehr als einmal hat die Trienthütte die jungen Leute aus allen vier Ecken der Schweiz beherbergt.
Ein JO-Blatt: Der junge Bergsteiger ( Le jeune alpiniste; II giovane alpinista; Il giuven alpinist ), redigiert von Hugo Nünlist, Luzern, wurde nur kurze Zeit herausgegeben, von 1946-1948. Es wurde durch « Die Seite der JO » im Monatsbulletin der « Alpen » ersetzt.
Der SAC hat drei Propagandaschriften für die JO veröffentlicht. Die erste, vom CC-Neuenburg ( 1953-1955 ) herausgegeben und von Sämi Pulver, St. Gallen, verfasst, erschien 1955. Sie war rasch vergriffen, und das CC Chur ( 1959-1961 ) beschloss die Herausgabe von zwei neuen, illustrierten Broschüren: eine in deutscher Sprache, verfasst von Konrad Steiner, Luzern, und eine auf französisch vom Verfasser dieses Berichts ( 1961 ).
Die Oberleitung der Jugendorganisation liegt in den Händen des JO-Chefs vom Central-Comité. Ihm steht eine schweizerische JO-Kommission zur Seite, welcher der JO-Chef des vorhergehenden CC und drei bis fünf weitere Mitglieder angehören, grundsätzlich JO-Chefs von Sektionen. Sie sind für drei Jahre gewählt. Die Kommission hat gewöhnlich zwei Sitzungen im Jahr. Sie organisiert die JO- und die JO-Leiterkurse und bestimmt die schweizerischen Zusammenkünfte der JO-Gruppen und der JO-Chefs usw. Sie diskutiert die Frage, ob mit ausländischen Alpenvereinigungen Beziehungen zu unterhalten seien; sie teilt die Subsidien auf die verschiedenen Jugendgruppen auf ( 1920 bewilligte das CC im ganzen die Summe von Fr. 1000 und 1961 von Fr. 25 000 ). Und endlich studiert sie sorgfältig alles, was mit Bergsteigen und Skifahren zusammenhängt und prüft das beste Vorgehen, um diejenigen zu gewinnen, welche die Clubisten von morgen sein werden.
Heute, gute fünfzig Jahre nach ihrer Gründung, zählt die Jugendorganisation des SAC fünf- bis sechstausend Mitglieder in 69 Gruppen. Mehrere Sektionen gehen in der Heranziehung von Jugendlichen noch weiter und organisieren für Kinder von 10 bis 14 Jahren Skilager, welche ermutigenden Erfolg aufweisen.Übers.: F. Oe. )