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Kolonien und Tierversuchen ebenso verhielten wie Erysipelaskokken, und mit denen er niemals eine der echten
Diphtheritis ähnliche
Krankheit erzeugen konnte, wäh- rend er aus den echten Diphtheriefällen das von
Klebs bereits gesehene und beschriebene Stäbchen
züchten konnte. Nach 1884 wurden die Funde von Löffler von verschiedenen Seiten bestätigt, besonders
haben
Roux und Dersin im
Institut Pasteur Unter- suchungen angestellt, und 1887 konnte Löfsler den
Bacillus als Erreger dcr
epidemischen
Diphtheritis bezeichnen.
Die Diphtheriebacillen sind Stäbchen, welche etwa die Länge von Tuberkelbacillen haben und etwa ein Viertel so dick wie lang sind. Sie sind vielgestaltig, zeigen Keulen-, Hantel- und Spindel- formen. Im ungefärbten Präparat sieht man häufig glänzende runde Teile, welche von Klebs irrtümlich als Sporen angesehen wurden, die jedoch eine An- hüusung der chromatischen Substanz sind und sich am leichtesten und stärksten färben. Die Vermehrung der Diphtheriebacillen erfolgt wie bei allen stäbchen- förmigen Bakterien: die Zelle [* 3] wächst in die Länge und teilt sich durch Einschnürung vom Rande her. Wo eine lebhafte Vermehrung stattfindet, findet man kurze Stäbchen, da wo die Vermehrung beein- trächtigt ist, wächst dcr Vacillus in die Länge, teilt sich aber nicht, sondern erscheint gekörnt, indem sich die chromatische Substanz ungleichmäßig, meist an den Enden, anhänft.
Dauerformell bildet dcr Va- cillus nicht;
durch halbstündiges Erhitzen auf K0' werden die Kulturen abgetötet.
Gegen Austrocknen sind Diphtheriebacillen sehr widerstandsfähig;
Rein- kulturen, an ^cidenfädcn angetrocknet, bleiben im Zimmer 3-4 Wochen, im Exsiccator 5-10 Wochen, einzelne bis 14 Wochen lebensfähig.
Das Licht [* 4] hat einen schädigenden Einfluß.
Der Nacillus gedeiht am besten bei Zutritt von Luft oder Sauerstoff;
die Vegetationsfähigkeit beschränkt sich anf Tempera- turen zwifchen 22 und 40" 0., das Optimum liegt zwischen 33 und 37 °. Im Hängenden Tropfen (s. d.) betrachtet, ist der Vacillus ganz unbeweglich.
Die Reaktion des Nährbodens, auf dem der Vacillus gedeihen soll, muß schwach, aber deutlich alkalisch ^ein. Die Bacillen gedeihen am besten auf eiweißreichem Nährboden, Blutserum, Fibrin, Ei, [* 5] Peptonbouillon; kohlehydrathaltige Nährmateria- lien, Kartoffel, Agar-Agar, sagen ihnen weniger zu. Traubenzucker wird von ihnen zersetzt und be- günstigt in einem Zusatz von ^4 Proz. zu einer Mischung von drei Teilen Hammel- oder Ninder- blutserum und einem Teil Bouillon (Lösflerscher Nährboden) die Entwicklung der Vacillen ganz außerordentlich; der Löfflersche Nährboden wird da- her als elektiver Nährboden für die Diagnose ver- wendet.
Ebenso begünstigt das
Glycerin, in der Menge von (i Proz. dem Äqar-Agar zugesetzt, das Wachstum. Werden die Vacillen
auf Blutserum geimpft und bei Körpcrtemperatnr aufbewahrt, so sind schon nach 12-14
Stunden die ersten
Anfänge der
Entwicklung zu fehen, kleine, mit unbewaffnetcm
Auge
[* 6] eben erkennbare, zunächst noch durch- scheinende Körnchen;
in den nächsten Stnnden nehmen sie rasch an
Größe zu, nach 18-20
Stunden erreichen sie die
Größe eines Stecknadelkopfes
und lassen im auffallenden Lichte eine deutlich milchweiße
Farbe erkennen. Auf
Agar-Agar erscheinen die
in der
Tiefe liegenden
Kolonien als ruude oder ovale dunkelbraune, grobkörnige, nicht ganz scharf be- grenzte Scheiben.
Ost
stoßen mehrere
Kolonien zu- sammen, so daß unregelmäßige
[* 1]
Figuren entstehen.
Die oberflächlichen
Kolonien bieten ein sehr
charakte- ristisches Aussehen; sie sind graugelblich mit körniger, fast netzartiger rauher Oberfläche.
Hn
Bouillon ist nach 18-24
Stunden eine diffnse feme
Trübung zu fehen, die aus kleinsten Flöckchen besteht und sich an den
abhängigen
Stellen des
Glases zu einem zarten staubförmigen Niederfchlage verdichtet. Die Reaktion der
Bouillon wird an: zweiten
Tage sauer, nach einigen Wochen wieder alkalisch. Bei
Tieren durch
Einatmen von verstäubten
Massen, Verfüttern,
Einbringen auf Konjunktival- und Trachealfchleimhaut
Diphtheritis zu erzeugen, ist, wenn die Epithelschicht unverletzt
ist, unmöglich; bei ver- letzter Epithelschicht bildet sich eine kleine Membran, jedoch schreitet dieselbe nicht selbstthätig
fort, son- dern stößt sich allmählich ab. Bei subkutaner
Impfung
[* 7] sind nur
Maus und Ratte unempfindlich, die
andern
Tiere sterben meist innerhalb 24-60
Stunden. An der Impfstelle findet sich ein grau- weißer Belag, in dem Vacillen
nachweisbar sind, in der Umgebung besteht ein ausgedehntes sulziges Odem des Unterhautbindegewebes. Nour und Dersin haben
gefunden, daß sich die Vacillen nur bis zur sechsten oder achten
Stunde an der Impfstelle ver- mehren.
Von da nimmt die Zahl ab, und im Augenblick des
Todes sind weniger
Bacillen vor- handen als in der achten
Stunde.
Außer an der
Impfstelle wurden die Vacillcn nicht gefunden, fo daß kein Zweifel bestehen kann, daß der
Tod des
Tieres nicht infolge dcr
Verbreitung der Mikro- organismen im Körper, sondern durch ein
Gift hervorgerufen wird, welches an der
Impfstelle produziert und von dort in die Säfte r^ovlnevt wird. Die
Darstellung diefes
Giftes wurde, nach- dem erwiesen war,
daß das vollkommen batterien- frei gemachte Filtrat einer Bouillonkultur ebenfo wirkte wie die unfiltrierte Kultur, von
Roux und Aersin, Löffler,
Brieger und C.
Fränkel, Wasser- mann und Proskauer erreicht, indem sie das Torin,
durch Füllung mit
Alkohol isolierten.
Daß das Toxin nicht einfach ein Abbauprodukt des Nährbodens, sondern vielmehr ein
im Zellleib der
Bakterien produzierter eigener Körper sei, bewies Guinochet, indem er zeigte, daß das keimfreie Filtrat
einer auf eiweißfreiem Nährsubstrat gezüchteten Kultur eiue unverminderte Giftigkeit besitzt. Es wird
also von den
Bakterien synthetisch das
Gift dar- gestellt und wahrscheinlich nach Art einer Sekretion ausgeschieden, wofür
neuere Versuche von H. Kossel sprechen, während bisher meist mit Gamaleia an- genommen wurde, daß das Toxin infolge Maceration
aus den toten Bacillenleibern in das Nährfubstrat übergehe. Vrieger hat gefunden, daß, wenn man das
Filtrat einer Diphthcriebouillon mit
Queck- silberchlorid, Zinksulfat, oder noch besser mit
Zink- chlorid versetzt, das Diphtherietoxin
quantitativ ausgefüllt wird. Dieser Niederschlag ist in Wasser unlöslich, löslich in kochsalzhaltigem oder schwach alkalischen:
Wasser. Diese Zinkdoppelverbindung der Toxine enthält keine
Spur
Eiweiß oder
Pepton. Es ist also das Toxin
nicht ein sog. Eiweißderivat im landläufigen
Sinne. Für die Wirkung des Toxins ist es ein großer Unterschied, wie das
Gift in den Tierkörper kommt. Bei Verfütterung ist es fast wirkungslos, bei subkutaner
Applikation treten zuerst an der Impfstelle
Erscheinungen aus; erst allmählich kommen Veränderungen in den innern Organen; wenn es intravenös
gegeben wird, er- scheinen sogleich die Veränderungen in den innern
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Organen. Die Veränderungen an der Injektions- stelle entsprechen denjenigen, welche bei Injektion [* 9] der Vacillen auftreten, die in den innern Organen betreffen hauptsächlich die serösen Häute und die Nebennieren, welche stark hyperämisch sind. Bei Injektion des Toxins treten deutlicher als bei In- jektion der Bacillen Lähmungen auf, und zwar be- sonders bei den Tieren, welche gegen T. weniger empfänglich sind (Hund, Katze, [* 10] Taube, Kaninchen). [* 11] Diese Lähmungen können sich wieder zurückbilden, in der Regel geht jedoch das Tier unter Abmage- rung zu Grunde.
Wenn das Tier von einer Kultur nur so viel injiziert erhält, daß es nicht daran stirbt, so tritt eine Immunität auf, so daß das Tier, selbst wenn ein Vielfaches der sonst tödlichen Dosis injiziert wird, nicht zu Grunde geht. Die immuni- sierenden Stoffe scheinen neben dem Törin in den Kulturen gebildet zu werden; sie besitzen einen hohen Phosphoraehalt, passieren im Gegensatz zu den Toxalbnmmen, wenn überhaupt, nur schwer Thon- filter und werden bei 100" 0. zerstört, während sie ein Erhitzen auf 70" ohne Schaden vertragen.
Diese Körper rufen die Immunität nicht direkt hervor, sondern dadurch, daß sie die Bildung eines Anti- körpers im lebenden Gewebe [* 12] veranlassen. Die Virulenz einzelner Kulturen ist verschieden. Wenn nun auch nicht der klinische Verlauf der Krankheit vollkommen der Virulenz der Bakterien parallel geht, sondern vor allem von der Neaktiou des Or- ganismus abhängig ist, so scheint doch der Grad der Virulenz von Einfluß auf den Charakter der Epidemie: wo hohe Virulenzgrade fehlen, wird die Epidemie milder verlaufeu, ebenso können das ge- häufte Austreten von Lähmungen, besonders schwere Herz-, Nierenerscheinungen u. dgl., auf besondere Rasseneigentümlichkeiten der Bacillen einer Abstam- mung zurückzuführen sein.
Von diesen minder virulenten oder ganz ungiftigen Nassen des echten Diphtheriebacillus sind streng zu unterscheiden die zuweilen im Munde vorkommenden Pseudo- diphtheriebacillen, welche eine morphologisch und kulturell abweichende Art darstellen. Die diphtherischen Prozesse treten am häufigsten auf an der Schleimhaut der Nase [* 13] und des Kebl- kopfes und folgen dem Respirationswege, während sie sich viel seltener auf andern Schleimhäuten (der Konjunktiva, Vaginalschleimhaut u. s. w.) aus- breiten.
Nächstdem sind die anatom. Verhältnisse bestimmend: die Beschaffenheit des Epithels, des darunter liegenden Gewebes, vielleicht auch beson- dere die Vacillen anlockende oder ihr Wachstum be- günstigende Sekrete, wozu besonders diejenigen Blut- bestandteile gehören, die aus deu durch die Torine der Bacillen geschädigten Gefäßen austretenund Pseudo- membranen bilden. Allein die Bacillen beschränken sich nicht auf die Membranen, sondern dringen einerseits in die Tiefe der Gewebe ein und finden sich andererseits in der Umgebung in der dünnen, das Epithel überziehenden Schleimschicht.
Diese Va- cillen sind es, welche das Fortkriechen der Membranen bewirken. Die von ihnen produzierten Giftstoffe können, da sie unmittelbar der Schleimhaut auf- liegen, sofort resorbiert werden, und schließlich wer- den die Vacillen mit dem Speichel, dem Nasen- oder Vronchialsekret des Kranken fortgeschwemmt und verleihen so einem anscheinend ungefährlichen Auswurfe ansteckende Eigenschaften. Wie bei der weitern Ausbildung der Membranen zuerst die Bacillen vorhanden sind, so treten auch bei der ersten Erkrankung die Membranen erst auf, nach- dem die Bacillen durch ihre Toxine die Gewebe ge- schädigt haben.
Nach dem Abstoßen der Membranen können stets noch lange Zeit, Wochen-, selbst monate- lang , virulente Bakterien im Munde nachgewiesen werden. Außer auf den Schleimhäuten sind Diph- theriebakterien auch vereinzelt an Wunden nach- gewiesen worden; allein bei weitem nicht alle Wund- krankheiten, welche durch Infiltration, Zerfall und oberflächliche Nekrose zur Bildung eines weißlichen Belages auf der Oberfläche führen, sind durch den Diphtheriebacillus verursacht; die geringe Empfäng- lichkeit der Wundfläche für das diphtherische Gift wird am besten bewiesen durch das seltene Vorkom- men der dipbtherischen Erkrankung bei der geradezu ununterbrochen der Insektion ausgesetzten Wunde des Luströhrenschnittes.
Eine Vermehrung der Diphtheriebacillen außer- halb des menschlichen Körpers ist nicht anzunehmen, die menschliche Schleimhaut ist als die einzige in Betracht kommende Brutstätte anzusehen. Von hier aus können sich die Bakterien auf zweierlei Weife verbreiten: entweder kommen sie direkt, wenn sie durch Aushusten, Küssen, Benutzen der gleichen trageir werden, wieder auf einen geeigneten Nähr- boden, oder, was häufiger ist, es gelangen die diph- tberiscben Produkte auf leblose Gegenstände: Wäsche, Gebrauchgegenstände, Eßwaren, Spiel- sachen, Möbel [* 14] und Fußboden. Da die Vacillen gegen Austrocknen sehr widerstandsfähig sind, können sie sich dort lange lebensfähig erhalten und gelangen dann wieder auf die Schleimhaut durch Kontaktübertragung.
Ein Transport durch die Luft auf weitere Entfernungen hin, so daß die Berüh- rungen nicht mehr in Konkurrenz treten und die Luft mithin eine specifisch gefährliche Infektions- quelle repräsentiert, scheint nicht stattzufinden, weil die Diphtheriebacillcu bei dem Grade von Trocken- heit, den Luftstäubchen haben muffen, wenn sie leicht transportierbar sein sollen, absterben. Als Art der Übertragung durch die Luft kommt vielleicht in Be- tracht, daß beim Husten feinste Wasserbläschen aus- gestoßen und durch Luftströme fortgetragen werden, und so die Träger [* 15] des Insektionsstoffes sein können.
Allein meist läßt sich mit Sicherheit eine Kontaktinfek- tion nicht ausschließen. Wenn Infektionsstoffe auf leblose Gegenstände gelangen, kommt es nur darauf an, ob sie dort konserviert werden. Die Konservie- rung und Wciterverbreitung der Bacillen nun wird von Einflüssen unserer natürlichen Umgebung oder von Sitten und Gebräuchen abhängen. Niedrige Temperatur, feuchte Luft und Dunkelheit schützen die Vacillen am besten vor dem Absterben. Ferner wird für die Häufigkeit der Erkrankung Erleichte- rung oder Erschwerung des Transportes des Konta- giums ausschlaggebend sein.
Dichtes Zusammen- wohnen, häusiges Küssen, Verzehren eines Nahrungs- mittels, gemeinsames Spielzeug u. s. w. werden die Übertragung begünstigen. Bei den Ärzten und im größcrn Publikum besteht noch vielfach die Mei- nung, daß bestimmte Häuser und Stadtteile von der Seuche mehr gefährdet sind, daß sog. Diphtherie- herde bestehen. Allein diese lokale Disposition wird meist dadurch vorgetäuscht, daß in den betreffenden Häusern ein starker Wechsel der Bewohner statt- findet, oder daß daselbst zahlreiche Kinder sind, welche viel miteinander verkehren, wodurch die Übertragung erleichtert wird. Von engl. und ¶
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amerik. Ärztell wird noch vielfach angenommen, daß Zersetzungsprodukte organischer Stoffe für die Ent- stehung der
Diphtheritis in
Betracht kämen; mangelhafte Ab- fuhrsysteme, schlechte Kanäle, defekte Syphons, durck welche Kanalgase in die Wohnung dringen
konnten, bat man für die Hltiologie der
Diphtheritis herangezogen. Alles dies jedoch ist völlig unbegründet und
läßt sich mit den heutigen Anschauungen über die Natur der Infektionserreger gar nicht vereinigen. Lokale Ein- flüsse (Bodenstruktur,
Grundwasserstand, Boden- verunreinigung , Luftbesckaffenbeit, Beschaffenheit der Häuser) sind auf die Ausbreitung von keinem
Einfluß oder treten wenigstens vollkommen zurück gegenüber andern Momenten.
Die Bevölkerungs- dichtigkeit ist hauptsächlich ausschlaggebend für die Zahl der Diphtheriefälle.
Vielfach ist auch bebauptet worden, daß die Kinder wohlhabender Eltern mehr gefährdet seien; allein es baben Kaiser für
Berlin
[* 17] und Flügge für Vreslau nachgewiesen, daß gerade das Umgekehrte der Fall ist. Besonders ausge- sprochen ist
bei der
Diphtheritis die Altersdisposition. Wäh- rend die Erkrankung im ersten Lebensjahre zurück-
tritt, steigt die Disposition schnell im zweiten und dritten Jahre, um dann im sechsten Jahre allmäh- lich wieder abzunehmen;
vom elften Jahre an ist sie bereits gering, vom fünfzehnten Jahre an ist sie fast vollkommen erloschen.
Die Erkrankungen an D. von 18W bis 18W in Breslau
[* 18] nach Flügge: Im Alter von Jahren Diphtherie-ertrankungen
1886-90 Durchschnittlich pro Jahr Lebende der betreffenden Altersklasse Auf 1000 Lebende jährlich erkrantl 0-1 160 32 7393
4,32 1-2 574 115 6682 17,18 2-3 813 163 6143 26,47 3-4 787 157 6184 25,45 4-5
655 131 5783 22F5 5-6 660 132 5640 23,4" 6-7 113 6031 18,73 7-8 550 110 5952 13,51 8-9 325 65 6201
10,48 9-10 258 52 6311 8,17 10-11 126 25 5765 4,37 11-12 150 .".0 5738 5,23 12-13
125 25 5639 4,43 13-14 65 13 5645 2,30 14-1'" 41 8 4511 1,52 15-1" 35 7 5521
!,'_'.'! 16-17 32 5979 1,0? 17-18 35 7 5983 1,17 18-19 23 5 5942 0,75 19-20 22 4 6097 0,72
Hinsichtlich der Verhütung der
Diphtheritis wird eine sorgsame Beaufsichtigung der Kinder am meisten leisten.
Man gewöhne diese daran, daß sie nicht alle Sachen in den Mund stocken, halte sio von einem zu ausgedehnten und intimen Verkebr mit andern fern und versuche sie beizeiten gegen Erkältungskrank- heiten abzuhärten; denn em Kind, welches zu Ka- tarrhen neigt, ist mehr gefährdet als ein abgehär- tetes Kind. Jede Erkrankung an D. sollte polizeilich ge- meldet werden. Das erkrankte Kind ist streng zu iso- lieren, und wo das nicht angängig ist, in einem Hospital unterzubringen.
Die Pfleger des kranken Kindes sollen mit gesunden möglichst nickt in Berüh- rung kommen. Keine auch
nicht die geringste Hals- entzündung darf zu Epidemiezeiten vernachlässigt werden. Besonders sind antiseptische Mundspülun-
gen von Vorteil, indem diese die Bakterien abtöten, bevor sie schädlich wirken. Nach Ablauf
[* 19] der Krankbeit ist eine sachgemäße
Desinfektion
[* 20] erforderlich. Die Behandlung der
Diphtheritis mußte sich bis vor kurzem darauf beschränken,
durch Betupfen mit anti- septischen Flüssigkeiten die eingewanderten Erreger abzutöten, die
Kräfte des Patienten durch
reichlichen Weinqenuß hoch zu halten, das Fieber durch Bäder und Medikamente zu dämpfen und durch die Tracheo- tomie einer
Erstickungsgefahr vorzubeugen.
Seit- dem jedoch von Nehring (s. d.) 18W das Diph- therieh eilserum entdeckt worden ist, ist man in der Lage, auch den Krankheitsprozeß selbst wirksam zu bekämpfen und die schädlichen Wirkungen des Torins zu paralysieren. Behring sand, daß das Blutserum von Tieren, denen erst abgetötete, später wachsende Dosen lebender Diphtheriekulturen eingespritzt wor- den sind, im stände ist, eine bestimmte Menge Torin für den Körper unschädlich zu machen. Als Normal- antitorinlösung wird ein Serum bezeichnet, von dem 0,i ecin hinreicht, 1 cem einer bestimmten Normal- giftlösung (diese hat die Konzentration, daß 0,4 ccm hinreichen, 1 KZ Meerschweinchen sicher zu töten) un- giftig zu machen; dieses enthält 1 Normalantitorin- einheit.
Von den Farbwerken vormals Meister, Lucius ^ Brüning in Höchst a. M. wird unter staat- licher Kontrolle Heilserum mit bestimmtem Anti- toringehalt dargestellt. Die das Tiphtherieheil- mittel enthaltenden Fläschchen sind der Einwirkung des Lichts zu entziehen und an einem kühlen, aber frostfreien Orte aufzubewahren. Unter dieser Vor- ausfetzung bleibt der Wirkungswert monatelang nnvermindert. Vor Zerfetzung durch Mikroorganis- men ist das Mittel durch einen Gehalt von 0,5 Proz. Karbolsäure geschützt.
Zur Zeit werden in den Apo- theken Sera von verschiedenen Konzentrationen ver- kauft. Bis vor kurzem gelang es nicht, stärkeres Serum darzustellen, als daß in'i ccui 100-200 Im- munisierungseinheiten (ahgckürzt: I.-Iil.) waren. Von diesem Serum sind vier verschiedene Fläschchen im Handel. Nr. 0: Fläschchen mit gelber Etikette, enthaltend 200 I.-ll., dessen Inbalt genügt, um ge- sunde Kinder und erwachsene Personen gegen die Erkrankung zu schützen, und da angewendet werden soll, wo die Hausgenossen eines dipbtheriekranken Menschen geschützt werden sollen (Immunisierungs- dosis); Nr. I: Fläschchen mit grüner Etikette, enthält die einfache Heildosis -^ 600I.-N., welche für solche Fälle genügt, bei welchen gleich nach dem Ausbruch der Krankheitssymptome die Behandlung mit Heil- serum begonnen wird; Nr. II: Fläschchen mit weißer Etikette, enthaltend 1000 I.-ll.; Nr. III: Fläschchen mit roter Etikette -^ 1500 I.-I^. Da bei diesem alten Serum 1 ccm nur 100-2001.-N. enthielt, so mußte bei schweren Diphtberiesallen, wo 1500 und mehr Immunisierungseinbeiten^ injiziert werden sollten, eine große Quantität ^crnm eingespritzt worden, was mancherlei unangenebme Nebenwir- kungen mit sich brachte; jetzt ist es gelungen, hoch- wertiges Serum zu gewinnen, von dcm 1 ccin 500 und mehr Immunisierungseinheiten enthält.
Dieses hochwertige ^erum wird nicht etwa durch einen KonzentrationZprozeß aus minderwertigem dargestellt, sondern es ist ein unmittelbar aus dem Tierkörper gewonnenes Serum. Die Schwierigkeit, dieses Resultat zu erzielen, sowie namentlich die stärkere Abnutzung des Ticrmaterials haben dazu genötigt, das hochwertige Serum teurer zu be- rechnen, und zwar kosten 100 I.-N. von 300fachem Serum 15 Pf., von 400fackem 60 Pf., von 500fachem und darüber 80 Pf., wäbrend für Serum bis zu 2001.-N. in 1 oom .")5 Pf. für 1001.-N. angerechnet ¶