Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03528.jsonl.gz/152

Impingement ist ein Begriff, der häufig verwendet wird. Er stammt aus dem Englischen und bedeutet soviel wie ‘Einklemmen’. Im Raum zwischen Oberarmkopf und Schulterdach verlaufen Sehnen, die für die Beweglichkeit und Funktion der Schulter von großer Wichtigkeit sind. Außerdem findet man dort einen Schleimbeutel (Bursa subacromialis), der als Gleitkissen zwischen Knochen und Sehnen fungiert. Die genetischen Anlagen (Anatomie) von Schulterdach und Oberarmknochen, das heißt der Aufbau und die Struktur sind maßgebliche Faktoren dafür, ob ein Impingement-Syndrom begünstigt wird. So gibt es am Oberarmknochen Knochenhöckerchen (Tubercula majus und minus), an denen die Sehnen der Rotatorenmanschette ansetzen.
Diese können bei bestimmten Bewegungen am Schulterdach anschlagen und ein Einklemmen der Sehnen und des Schleimbeutels verursachen. Dieser Raum kann aus verschiedenen Gründen (Verknöcherungen, Sehnenbeschaffenheit, etc.) zu eng werden und ein müheloses Gleiten der Strukturen beeinträchtigen. Als Folge dieser Einengung werden die Weichteile eingeklemmt und durch die Bewegung chronisch gereizt, was wiederum eine Entzündung des Schleimbeutels (Bursitis), im schlimmsten Fall sogar Sehneneinrisse, mit sich bringen kann. Zieht man sich z. B. dicke Skisocken an und steigt damit in enge Schuhe, kann man nach einer gewissen Zeit Blasen oder Reizungen bekommen. So ähnlich verhält es sich mit dem Schleimbeutel, wenn er chronisch eingeklemmt wird.
Viele Menschen mit einem Impingement-Syndrom empfinden Schmerzen vor allem im seitlichen Bereich der Schulter und des Oberarms, die in Richtung Ellbogen und Unterarm ausstrahlen können, bei Überkopfarbeiten und bestimmten Bewegungen.
Bei einer Drehbewegung nach innen und hinten, z. B. als würde man im Auto vom Fahrersitz aus nach hinten greifen wollen, kann es zum Anschlag bzw. Einklemmen kommen. Eine Einschränkung der Kraft ist meist nicht vorhanden.
Wird der Arm seitlich abgespreizt, können sich Bewegungseinschränkungen und deutliche Schmerzen im Bereich von 60° bis 120° bemerkbar machen, welches mit Reibeempfindungen und -geräuschen verbunden sein kann. Eine Bewegung unter 60° und über 120° hinaus ist meist nicht mehr schmerzhaft.
Im Röntgen wird die Morphologie und Anatomie des Schulter-daches untersucht. Hier kann festgestellt werden, um welche ‘Art’ des Schulterdachs es sich handelt (gerade, gebogen, hakenförmig). An dieser Stelle ist wichtig zu erwähnen, dass der CSA (kritische Schulterwinkel), ein Wert, den man im Röntgen messen kann, Aufschluss darüber gibt, wie groß der Winkel zwischen Gelenkpfanne und Schulterdach ist. Dieser Winkel kann darauf hinweisen, ob ein Impingement und unter anderem auch ein Rotatorenmanschettenriss begünstigt wird. Ein anderer Winkel ist der sogenannte GTA (Greater Tuberosity Angle), hier wird das Ausmaß der Verbreiterung des Oberarmkopfes gemessen.
Da es sich um ein Weichteilproblem handelt, verschafft ein Ultraschall Klarheit über die Symptomatik. Als deutliches Zeichen für eine Schleimbeutel-entzündung ist im Ultraschall eine Flüssigkeitsansammlung im subacromialen Raum erkennbar. Unter dem Deltamuskel befindet sich ebenfalls eine Bursa (Schleimbeutel), welche im Ultraschall sichtbar ist.
Häufig wird beim Ultraschall eine dynamische Untersuchung vorgenommen, d. h.der Patient wird aufgefordert, den Arm zu bewegen. Hier kann man direkterkennen, ob eine Einklemmung der Weichteile vorliegt und wo genau dasProblem ist. Beim MRI ist ebenfalls eine vermehrte Flüssigkeitsansammlung (Schleimbeutelentzündung) feststellbar.
Als nicht-operative Maßnahme können im ersten Schritt NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) verabreicht werden. Diese Medikamente werden zur Schmerzlinderung und als Entzündungshemmer eingesetzt. Sie können hochdosiert über einen Zeitraum von 10 bis 14 Tagen eingenommen werden, um den Teufelskreis zu durchbrechen, da eine Entzündung meist eine Schwellung und damit eine weitere Verengung zur Folge haben kann.
Sollte eine Behandlung mit NSAR keine Wirkung zeigen, können Kortisoninjektionen in die betroffene Stelle verabreicht werden. Begleitend zur medikamentösen Behandlung kann eine Physiotherapie eingeleitet werden. Gelenkzentrierende Übungen sind häufig gesetzte Maßnahmen.
Bei den gelenkzentrierenden Übungen wird versucht, den Oberarmkopf am Platz zu halten, ohne dass er nach oben wandert und am Schulterdach ‘anschlägt’.
Helfen weder Medikamente noch Physiotherapie, ist über einen minimalinvasiven Eingriff mittels Arthroskopie nachzudenken. Bei der Operation wird der Schleimbeutel und entzündetes Gewebe entfernt und auch der Teil des Schulterdaches abgeschliffen (Acromioplastik), der für die Einklemmung mitverantwortlich ist. Dadurch wird der Raum vergrößert und verhindert das ‘Anschlagen’ der Knochenteile aneinander.