Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03372.jsonl.gz/783

Sorgfältige Dokumentation des Generalstreiks 1918
Gegen den SRF-Dok-Film vom 8. Februar 2018 «Generalstreik 1918 – Die Schweiz am Rande eines Bürgerkrieges» wurden zwei Beanstandungen eingereicht. Der Vorwurf fehlender Sachgerechtigkeit wurde in beiden Fällen nicht unterstützt.
Ende des Ersten Weltkriegs erschüttert die Schweiz ein landesweiter Generalstreik. Über 250’000 Arbeiter fordern bessere Lebensbedingungen. Der Bundesrat befürchtet eine gewaltsame Revolution wie in Russland und mobilisiert die Armee. Die Schweiz steht am Rande eines Bürgerkriegs. Nach nur drei Tagen kapitulieren die Arbeiter, aber die Folgen der Auseinandersetzung sind weitreichend. Eine 90minütige Doku-Fiktion arbeitete nun 100 Jahre danach Ursachen und Hintergründe des Konflikts auf, unter anderem mit Reenactment-Szenen.
Der grundsätzliche Vorwurf der ersten Beanstandung lautet, die Sendung sei schlecht recherchiert und die Darstellung der Ereignisse zudem tendenziös. So sei beispielsweise im Zusammenhang mit Nationalrat Robert Grimm verschwiegen worden, dass er Lenin nach Petrograd gefolgt war, um «im sozialistischen und kommunistischen Sinn» auf das Weltgeschehen einzuwirken.
In der Stellungnahme kommt Daniel Pünter, Bereichsleiter DOK und Reportagen von Fernsehen SRF jedoch zum Schluss, dass Grimm unabhängig von Lenin nach Russland reiste. Es gibt auch keine Belege für ein Treffen. Vielmehr reiste Grimm in halboffizieller Schweizer Mission nach Petrograd, um einen Friedensschluss zwischen Deutschland und Russland zu erreichen, was jedoch misslang. Es ist zudem unbestritten, dass Grimm und Lenin verschiedene Ansichten vertraten: Grimm beharrte auf demokratisch-parlamentarischem Vorgehen, während Lenin Befürworter der Revolution war. All dies zu erzählen hätte jedoch den Umfang des Films gesprengt und hat wenig mit dem Landesstreik – dem eigentlichen Thema des Films – zu tun. Daher wurde in diesem Werk lediglich das kritische Verhältnis Grimms zur Oktoberrevolution aufgegriffen.
Ombudsmann Roger Blum verweist in seiner Bewertung des Falles auf die Komplexität der Thematik und lobt den Film von Hansjörg Zumstein als ausserordentlich sorgfältig und gelungen. Nationalrat Grimm traf sich in Russland mit Sozialrevolutionären und Menschewiki, nicht aber mit Bolschewiki. Blum nennt Grimm sogar einen «Gegenspieler Lenins». Schon bei den Konferenzen von Zimmerwald und Kiental stritten sich die beiden heftig über die Frage zwischen Bürgerkrieg, Revolution und Reformen.
Historisch fundiert
In der zweiten Beanstandung geht es vor allem um die als tendenziös empfundene Darstellung der militärischen Befehlshaber und sozialistischen Kräfte. Erstere würden als kriegsverherrlichend und gewalttätig dargestellt, während letztere stets die «guten Erlöser mit wohlwollenden Absichten» seien. Sowohl die Redaktion, als auch Ombudsmann Blum kommen jedoch zum Schluss, dass diese Vorwürfe unbegründet sind. Einerseits sind die Darstellungen mit historischen Quellen belegt und andererseits äussern sich im Film verschiedenste Historikerinnen und Historiker zu diesen Themen. Aus ihren Aussagen geht hervor, dass die Thematik in Forschungskreisen nicht wirklich umstritten und die Sachlage verhältnismässig klar ist.
Text: SRG.D/lh
Bild: Ein Beanstander stört sich an der Darstellung der Schweizer Armee und der Armeeführung. Im Bild: Oberstdivisionär Sonderegger (Fabian Krüger) (rechts) mit Oberst de Perrot. Screenshot, SRF
Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:
Ombudsmann stützt DOK-Film über die Geheimarmee P-26
Ombudsmann Roger Blum behandelte eine Beanstandung des DOK-Films «Die Schweizer Geheimarmee P-26» vom 21. März 2018. Die «Gruppe für eine Schweiz ohne Armee» (GSoA) wirft dem Film Einseitigkeit und Unsachlichkeit vor. Der Ombudsmann sieht das Sachgerechtigkeitsgebot nicht verletzt.
«DOK»-Film über die «Hüslischweiz» erzeugt Emotionen
Ombudsmann Roger Blum hatte zwei Beanstandungen des «DOK»-Films «Hüslischweiz ohne Ende» vom 8. Dezember 2016 zu behandeln. Während ein privater Beanstander sich vor allem am Wort «Hüsli» stört, beanstandet der Hauseigentümerverband den ganzen Film als einseitig. Ombudsmann Roger Blum kann beide Beanstandungen nur teilweise unterstützen.
«DOK» hat Verschleierung arabischer Touristinnen nicht verharmlost
Ombudsmann Roger Blum kann eine Beanstandung eines «Dok»-Films über verschleierte arabische Touristinnen nicht unterstützen. Der Beanstander ist der Ansicht, der Film habe die Verschleierung verharmlost und salonfähig gemacht. Ombudsmann Roger Blum kann diese Argumentation nicht teilen.
Alle Schlussberichte der Ombudsstelle jetzt ansehen