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In einer knappen Abstimmung hat die Schweiz vor kurzem ihr Portfolio an Freihandelspartnern um Indonesien erweitert. Doch wie vernetzt ist unser Land in Sachen Handel generell? Wie schneidet es im Vergleich zu den grossen Handelsblöcken China, USA und der EU ab? Und wie handhaben kleinere Staaten wie Singapur oder Neuseeland ihre Handelsbeziehungen?
Grosse Länder mit grossem Binnenmarkt
Nimmt man als Messlatte China, USA und EU, fällt eines sofort auf: Diese Handelsblöcke weisen sowohl prozentual als auch nominell viel weniger Abkommen als die Schweiz auf. Die USA – einstmals vehemente Verfechter des Freihandels – sichern sich nur zu knapp 25% des Welthandels den Zugang über Freihandelsabkommen. Zum einen spielt die Grösse des Binnenmarktes eine entscheidende Rolle. Zum andern sind die gescheiterten Verhandlungen zum Transatlantischen Freihandelsabkommen (TTIP) und zur Transpazifischen Partnerschaft (TTP) ein gutes Beispiel für den wachsenden Unwillen grosser Volkswirtschaften, sich gegenüber dem Freihandel zu öffnen. Auch in der EU müssen neue Abkommen immer grössere innenpolitische Hürden nehmen. Sowohl beim kürzlich ratifizierten Ceta-Abkommen mit Kanada als auch bei den Verhandlungen mit dem Mercosur regte und regt sich grosser Widerstand von Globalisierungskritikern und Umweltaktivisten in den einzelnen Mitgliedsstaaten.
Diversifizierte Schweiz
Als kleine Volkswirtschaft (0,81% der globalen Wirtschaftsleistung, 2019) hat die Schweiz sinnvollerweise einen anderen Weg beschritten. Insbesondere in den letzten beiden Jahrzehnten konnte sie die Zahl ihrer FHA verdoppeln, und zwar auf derzeit 77 (bilateral oder im Verbund mit der Efta). Sie deckt aber nur 55% des Weltmarktes ab. Tatsächlich wurden viele Abkommen mit sehr kleinen Partnern geschlossen, wie etwa Nordmazedonien (BIP: 34 Mrd. $), Albanien (BIP: 40 Mrd. $) oder Georgien (BIP 56 Mrd. $) (Weltbank 2020).
Es ist wichtig, dass auch Kleinstaaten nicht vergessen gehen – umso mehr, wenn ein beträchtlicher Teil der Diaspora hierzulande lebt. Nicht aus dem Blick geraten dürfen jedoch die Handelsmächte. Noch fehlen auf der Schweizer Liste «grosse» Namen wie die USA, Indien oder die von Russland geprägte, eurasische Zollunion (EAEU). Bei allen dreien scheint ein Abschluss in weiter Ferne. Bei den USA scheiterte 2019 nur schon die Wiederaufnahme formeller Verhandlungen, die 2006 vor allem aufgrund des Widerstandes der Schweizer Agrarlobby gestoppt wurden.
Im internationalen Mittelfeld
Auch anderen Kleinstaaten gelingt die Kooperation mit grösseren Partnern nicht immer nach Lehrbuch. Das Freihandelsnetz von Neuseeland deckt mit gerade mal 19 Partnern ein Drittel des Weltmarktes ab. Von den grossen Volkswirtschaften konnte einzig mit China ein Abkommen abgeschlossen werden. Doch sind die Voraussetzungen Neuseelands für zukünftige Abschlüsse intakt, denn anders als in der Schweiz ist die dortige Agrarlobby kein Klotz am Bein des Freihandels. Die liberale Agrarpolitik Neuseelands ermöglichte eine von staatlichen Subventionen unabhängige, kompetitive Landwirtschaft. Laufende Verhandlungen mit grossen Partnern wie der EU und mit Indien sind somit erfolgsversprechender als für die Schweiz.
Wiederum anders ist die Lage in Singapur. Dem Stadtstaat gelang mit wesentlich weniger Partnern (36) eine viel grössere Abdeckung des Welthandels durch FHA (vgl. Abbildung). Verträge bestehen sowohl mit den USA, aber auch mit China und Indien. Das Land weiss um seine geografischen Begrenzungen und Möglichkeiten: Neben Exportinteressen steht auch die Erleichterung von Importen im Vordergrund, um am internationalen Handel zu verdienen und einen Beitrag zur nationalen Versorgungssicherheit zu.
Viele Fragezeichen für die Schweiz
Gerade die durch die Corona-Krise gebeutelte Wirtschaft benötigt dringend frische Luft und neuen Schub. Die Förderung von Freihandel wäre hier die richtige Arznei. Insgesamt ist es der Schweiz bis dato gelungen, ein ansehnliches Netz an Freihandelsabkommen zu weben und sich einen Ruf als verlässliche Freihändlerin zu erarbeiten.
Auch gegenüber China und der EU wurde die Öffnung und Vereinfachung des Handels durch FHA erreicht. Dennoch: die Zukunft scheint weniger rosig. Das prominententeste Beispiel sind die Unsicherheiten in Bezug auf das Rahmenabkommen mit der EU. Aber auch das Mercosur-Abkommen hängt u.a. wegen Umweltbedenken in der Schwebe. Vor steigendem Druck durch Umweltaktivisten und Globalisierungskritiker sind selbst bestehende Handelsbeziehungen nicht gefeit.