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Baldrian (Valeriana officinalis L.) kennen viele Menschen als Heilpflanze mit schlaffördernder Wirkung. Doch auch zur Anwendung bei Nervosität oder Unruhe hat sich Baldrian bewährt - häufig in Kombination mit anderen Heilpflanzen. Deshalb gehört Baldrian heute zu den meistgenutzten pflanzlichen Beruhigungsmitteln. Lesen Sie in diesem Beitrag mehr über das Vorkommen, Aussehen, die Geschichte, Wirkung und Anwendung der Baldrianpflanze.
Vorkommen und Verbreitung des Baldrians
Der Baldrian ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Baldriane (Valeriana) und gehört zur Familie der Geissblattgewächse (Caprifoliaceae). Zur Pflanzengattung Valeriana gehören insgesamt mehr als 300 verschiedene Baldrianarten. Sie sind auf der Nordhalbkugel in Asien, Europa, Nordamerika und Südamerika verbreitet. Viele dieser Arten wachsen in höheren Lagen. Zum Teil findet man sie auch in Bergregionen, zum Beispiel in den Anden.
Für Arzneimittel wird häufig der Echte oder Grosse Baldrian verwendet. Er wächst wild in grossen Teilen Europas und ist ostwärts bis China, Korea und Japan verbreitet. Auch in der Schweiz ist die Pflanze heimisch, vor allem in wärmeren, höher gelegenen Gebieten. Oft wächst die Pflanze auf Wiesen in der Nähe von Bächen, Flüssen oder Seen.
Hat man den passenden, sonnigen und feuchten Standort im Garten, können einige Valeriana-Arten auch als Zierpflanze, Bienenstaude und Heilpflanze angepflanzt werden.
Aussehen des Baldrians
Echter Baldrian wird bis zu zwei Meter gross. Er ist eine winterharte Staude, die mit unterirdischen Rhizomen überdauert. Ein hoher Stängel trägt grosse, gefiederte Blätter. Im Frühjahr von Mai bis Juni bilden sich Blüten in Dolden aus. Die vielen kleinen Einzelblüten können weiss bis rosa gefärbt sein. Auffällig ist der stark süsslich eigenartige Geruch der Blütenstände.
Nach der Blüte bildet die Pflanze kleine Nüsschenfrüchte (Achänen) aus, die sich mit einem Schirmchen im Wind verbreiten können. Valeriana officinalis verträgt auch Überschwemmungen. Diese fördern sogar die Ausbreitung, da die Samen sich schwimmend verbreiten und bei Nässe leicht an anderen Oberflächen anhaften können. Pflanzen mit dieser Art der Vermehrung nennt man auch Wasserhafter.
Geschichte des Baldrians
Wird die Baldrianwurzel getrocknet, entsteht der typische Baldriangeruch. Menschen finden diesen eher unangenehm. Auf Katzen wirkt er jedoch genauso anziehend wie die bekannte Katzenminze. Als Trivialname werden deshalb auch die Bezeichnungen Katzenkraut und Stinkwurz verwendet. In alten Legenden wird sogar berichtet, der Rattenfänger von Hameln habe Baldrian bei sich gehabt, um damit die Ratten anzulocken. Baldrianauszüge werden auch in der Parfümherstellung eingesetzt. In winzigen Mengen verleihen sie Parfümmischungen eine leicht moschusartige Note. Verantwortlich für den starken, je nach Spezies anziehenden oder abstossenden Duft ist der Inhaltsstoff Isovaleriansäure. Übrigens beruht auch unangenehmer Fussgeruch unter anderem auf dieser Substanz. Bestimmte Bakterien bilden aus dem im Schweiss vorkommenden Leucin die Isovaleriansäure.
Der intensive Geruch ist auch der Grund dafür, dass die Baldrianpflanze bei nordischen Völkern früher als Schutz vor bösen Geistern über die Haustür gehängt wurde. Trug man ein Stück der Pflanze bei sich, sollte das vor Hexen und dem Teufel schützen. Davon zeugt heute der lokal noch immer verwendete Name Hexenkraut. Bewegte sich ein im Raum aufgehängtes Baldrianbüschel, wies dies der Überlieferung nach darauf hin, dass ein unsichtbarer Geist oder eine Hexe das Zimmer betreten hatte.
Seit vielen Jahrhunderten wird die Baldrianwurzel in der Volksmedizin verwendet. Auch damals war schon die positive Wirkung als Entspannungs- und Beruhigungsmittel bekannt. Dabei wurde der Baldrian oft wie heute zusammen mit Melisse oder Hopfen verabreicht.
Inhaltsstoffe und Wirkung des Baldrians
Medizinisch wird nur die Baldrianwurzel (Valerianae radix) verwendet. Sie enthält eine Reihe spezieller Inhaltsstoffe. Dazu gehören unter anderem ätherische Öle und Valepotriate aus denen u.a. die erwähnte Isovaleriansäure abgespalten wird. Im ätherischen Öl der Wurzel sind Inhaltsstoffe wie Borneol, Kampfer oder Beta-Bisabolen zu finden.
Baldrian beruhigt und hat eine schlaffördernde Wirkung. Neben ätherischen Öl-Bestandteilen könnten dafür Lignane verantwortlich sein. Diese Stoffe wirken offenbar ähnlich wie die körpereigene Substanz Adenosin auf das zentrale Nervensystem. Adenosin ist Teil des Systems, das den Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflusst. Es bindet unter anderem an sogenannte A1-Rezeptoren und induziert damit Müdigkeit und den Schlaf. Lignane aus der Baldrianwurzel wirken auf dieselben Rezeptoren. Möglicherweise spielen aber zusätzlich auch noch weitere Inhaltsstoffe des Baldrians eine Rolle für die Wirkung.
Baldrian als Arznei
Baldrian bei Einschlafstörungen
Rund ein Drittel aller Erwachsenen und auch immer mehr Schulkinder leiden unter Schlafproblemen. Ein erster Schritt in der Behandlung sollte zunächst immer eine Verhaltenstherapie sein, wie z.B. eine Verbesserung der Schlafhygiene. Aber auch pflanzliche Arzneimittel können bei Schlafproblemen helfen. Baldrianpräparate entspannen und fördern das Ein- und Durchschlafen sowie die Schlafqualität. Traditionell werden dafür vielfach auch Präparate aus einer Kombination von Baldrian und Hopfen eingesetzt.
Baldrianwurzel bei Anspannung oder Unruhe
Dies sind allgemeine Informationen. Für eine individuelle Beratung wenden Sie sich an eine Fachperson.