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Geschichte der Firma NAW
Die Nutzfahrzeuggesellschaft Arbon & Wetzikon (NAW) war ein Ende 1982 gegründeter Schweizer Nutzfahrzeug-Hersteller mit Sitz in Arbon. Das Unternehmen entstand aus dem Zusammenschluss der Adolph Saurer AG aus Arbon mit der Franz Brozincevic & Cie (FBW) mit Sitz in Wetzikon. Die beiden kleinen Schweizer Nutzfahrzeughersteller konnten mit der grossen internationalen Konkurrenz nicht mehr mithalten und gerieten in finanzielle Probleme. Als Folge davon übernahm Daimler-Benz im Jahre 1980 49% der FBW-Aktien und übernahm schliesslich 1982 auch die Firma Saurer. Durch die Übernahme der beiden Schweizer Nutzfahrzeughersteller wurde es Mercedes-Benz möglich, die Aktivitäten von Saurer und FBW massgebend zu beeinflussen und zu rationalisieren. Schliesslich liess Mercedes verlauten, dass die Absicht bestehe, eine neue Gesellschaft mit Sitz in Arbon zu gründen, in der die beiden Firmen FBW und Saurer unter einem Dach zusammengefasst würden.
Am 17.12.1982 beschloss der Vorstand die Gründung einer neuen Firma. Sie sollte durch den Zusammenschluss von FBW und Saurer sowie aus Finanzanteilen von Mercedes bestehen. Dies war die Geburt der neuen Firma NAW. Die Aktien wurden unter der Oerlikon-Bührle Holding, Saurer und Daimler Benz aufgeteilt. Die Führung lag jedoch vollständig bei Mercedes.
Durch die Gründung der NAW durch Daimler-Benz, Saurer und Oerlikon-Bührle wurde Mercedes zum klaren Marktführer im schweizerischen Nutzfahrzeuggeschäft. Man hoffte, mit den kleinen Fertigungsstätten in Arbon und Wetzikon gezielter auf Schweizer Kundenwünsche einzugehen zu können als mit der bisherigen Grossserienproduktion. Mit der neuen Gesellschaft, unter der industriellen Führung von Daimler Benz, gaben sowohl Saurer als auch FBW ihren eigenen Nutzfahrzeugbau auf. Grund dafür waren die viel zu hohen Produktionskosten, welche aufgrund der Kleinserien und Einzelanfertigungen entstanden waren. Fortan bestand die Hauptbeschäftigung der NAW durch die Adaption von Daimler-Benz-Seriennutzfahrzeugen an die besonderen Kundenwünsche und die Montage von Spezialfahrzeugen mit Daimler-Benz-Komponenten.
Hier beginnt nun die Geschichte unseres Fahrzeuges. Die Schweizerische Post als grösster Kunde im Bussegment suchte bei NAW einen geeigneten Nachfolger für die bekannten Saurer Postautos, welche mit ihrer Breite von 2.30m und grosszügigen Kofferräumen bis anhin das ideale Fahrzeug für den Kursbetrieb darstellten. NAW entwickelte dafür den Bustyp BH4-23, bei welchem die bisher gewohnten Abmessungen und Ausstattungen grösstenteils berücksichtigt werden konnten. Dafür wurde in den Werkstätten ein Chassis zusammengebaut, welches mit einen Mercedes Motor aus der Mercedes-Serienproduktion ausgestattet wurde. Schlussendlich gelangten die fertigen Fahrgestelle in eines der externen Karrosseriewerke der Schweiz, wo die Fahrzeuge fertiggestellt wurden.
Durch die Öffnung verschiedener Strassen auf Normalbreite in den 90er Jahren, welche bis anhin noch 2.30m breiten Fahrzeugen vorbehalten waren und durch den zunehmend zurückgehenden Postverkehr, verloren die bis anhin im Pflichtenheft der Post für Neufahrzeuge vorgeschriebenen Voraussetzungen zunehmend an Bedeutung. Die Post konnte nun auch vermehrt auf Serienfahrzeuge aus ausländischer Produktion zurückgreifen, welche die Busse günstiger offerieren konnten. Dadurch verlor NAW Mitte der 90er Jahre einen ihrer grössten Kunden. Trotzdem wurden noch bis ins Jahr 2002 nebst der Adaption von Lastwagen vor allem Trolleybusse und Flughafenbusse hergestellt. Letztere stellten bis zum Ende einen der grössten Standbeinen der Firma dar, wobei auch dieser Markt durch die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA einbrach. Doch auch die schlechte Konjunkturlage machte der Firma zu schaffen. Schlussendlich beschloss Daimler-Benz die noch gut laufenden Produkte in ihre eigenen Werke zu integrieren und gab den Produktionsstandort Schweiz und damit die Marke NAW auf.
Wissenswertes über das NAW-Posti
Typ: NAW BH4-23
Karrosserie: Lauber Nyon
Motor: Mercedes-Benz OM 447 hA
Baujahr 1990
Leistung: 300 PS
Länge: 10m
Breite: 2.30m
Höhe: 3.2m
Sitzplätze: 43
Höchstgeschwindigkeit: 100km/h
Unser NAW stand während gut 18 Jahren beim Postautohalter Epiney im Val d’Anniviers im Wallis im Einsatz. Danach wurde er von uns übernommen, um im Originalzustand erhalten zu werden. Seither kann er während des Sommerhalbjahres für verschiedene Anlässe und Ausflüge gebucht werden, wobei sämtliche Einnahmen dem Unterhalt und der Restaurierung des Busses zugutekommen. Während des Winters werden zur Vorbeugung von Korrosionsschäden keine Extrafahrten durchgeführt.
Zu beachten ist ferner, dass das Fahrzeug nicht Rollstuhlgängig ist und über keine Klimaanlage verfügt.