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Nachdem 1838 die drei Kleinbasler Ehrengesellschaften – vor allem auf Betreiben von Samuel Minder-Merian – das Areal des alten Richthauses am Brückenkopf erworben hatten, wurde der dort in der nächsten Nachbarschaft aufgewachsenen Merian mit dem Entwurf für ihr Gesellschaftshaus an der Greifengasse 2 beauftragt. Ausgeführt wurde der Bau grösstenteils durch Matthias Oswald, dessen Steinmetzhof sich seit 1835 in der Rebgasse befand. Mit ihm war Merian gleichzeitig an der Bauakademie in München gewesen. Die Fassadendetails schuf der Basler Bildhauer Johann Heinrich Neustück.
Das Gebäude sollte zwei Geschosse umfassen mit einer öffentlichen Gaststätte im Erdgeschosse und einem Gesellschaftsraum im 1. Obergeschoss, der durch bewegliche Wände unterschiedlich unterteilbar sein sollte. Auf rechteckigem Grundriss errichtete Merian einen weitgehend frei stehenden, von einem niedrige Walmdach gedeckten Bau, dessen Fassaden zum Rhein hin sieben Achsen und zur Strasse fünf Achsen aufweisen. Beide Hauptansichten sind symmetrisch angelegt und haben in der Mitte einen Eingang. Das Parterre ist durch eine fein stuckierte Bossenquaderung ausgezeichnet, in die abgestufte tiefe Rundbogenöffnungen für Portale und Fenster eingelassen sind. Das durch ein flaches, leicht verkröpftes Gurtgesims abgesetzte Obergeschoss hat hohe rechteckige Fenster im Verhältnis von 2:1. Die Eckachsen des Baus sind durch von eingetieften Pilastern gerahmte feine Risalite hervorgehoben, die kleine Akroterien betonen. Auf der Rheinseite verbindet im 1. Obergeschoss ein Balkon mit einem schmiedeeisernen Geländer die drei mittleren Achsen. Das Ausserordentliche dieses Gesellschaftshauses besteht in den feinen Abstufungen seiner Oberfläche, die teilweise mit fantasievoller Ornamentik gefüllt sind. So wird das Kranzgesims durch ein vertieftes Ornamentban mit geometrischen Mustern begleitet, auf das die Brüstungsfelder der oberen Fenster antworten. Das Prunkstück der Ausstattung ist das Portal an der Greifengasse mit den Wappen der drei Ehrengesellsachten im flachen Gebälk über dem Eingangsbogen. Die Bogenzwickel füllt lebhaftes Rankenwerk, das in verwandter Form auch den Türsturz, die Balkonkonsolen sowie die Zwickel der oberen Fenster schmückt.
Diese Kombination geometrischer und organischer Formen entwickelt einen ganz eigenen Reiz. Bei seinem Studium in München hatte Merian Anstösse durch die Werke Friedrich bon Gärtners und Leo von Klenzes erhalten. Aber Merian schuf hier eine ganz eigene Synthese des Klassizismus, islamischer Kunst und früher Renaissance und verband die Elemente zu einer abwechslungsreichen Einheit. Trotz Bedrohung durch Abbruch im Zusammenhang mit dem Brückenneubau 1902 und trotz des Brandes von 1962 blieb diese Ikone des romantischen Klassizismus erhalten. Nur der Erweiterungsbau Merians von 1857 – 1860 musste, anscheinend aus bautechnischen Gründen, schliesslich einem stabilen, aber wenig ansprechenden Ersatz weichen.
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Funktion: Café Spitz
Adresse: Greifengasse 2
Baujahr: 1838 – 1841
Architekt: Amadeus Merian
Quelle: Architekten des Klassizismus und Historismus, Bauen in Basel 1780-1880, Rose Marie Schulz-Rehberg, 2015, CHF 39.00 > Bestellung unter >> www.merianverlag.ch/de/publikationen
Foto: © Christoph Merian Verlag