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Die Arbeit der mit der Herstellung von Spielwürfeln sich befassenden Würfler weist nach einem mittelalterlichen Lebensgebiet hin, auf dem sich die Stadtinsassen in vergnüglicher Lust und Ausgelassenheit ergingen, war doch das Würfelspiel eine überaus beliebte und vielleicht die älteste Unterhaltung der Männer auf den Zunft- und Gesellschaftstuben.
Bereits im 14. Jahrhundert war das Würflerhandwerk in Basel eingebürgert, vertreten durch Zugewanderte aus den Städten des Reiches: Würzburg, Colmar, Strassburg.
Die Zugehörigkeit der Würfler zur Safranzunft ergab sich wie die der Paternosterer aus dem Umstand, dass sie mit ihrem Werk die Krämer belieferten. So zählte man beispielsweise im Jahre 1408 im Warenlager des Krämers Fries 150 Würfel. Freilich waren die aus Holz, Bein oder Horn gemachten Würfel kein Gebrauchsartikel, dem im Laden täglich nachgefragt wurde. Darum bilden auch die Würfler seit ihrem Auftauchen zu Safran eine der schwächsten Berufsgruppen. Auch in pekuniärer Hinsicht handelte es sich bei den Würflern zumeist um bescheidene Existenzen, ohne jeglichen Einfluss in der Zunft. Einzelnen verbot ihr finanzielles Unvermögen überhaupt die Zunft anzunehmen; sie figurieren daher in den Steuerlisten unter der Schar jener geringen Leute, die der politischen Rechte der Zünftigen entbehren mussten. Der im Jahre 1479 zu Safran aufgenommene Heinrich Ortlieb von Strassburg vermochte bloss ein Viertel der Einkaufssumme aufzubringen; «zu merer sicherheit hat er mynen herren zum Saffron ingesetzt zu under pfant sin huss, darinnen er gesessen ist .. »
Nicht dem Handwerk der Würfler, wohl aber dem Würfelspiel galten seit der Konzilszeit mehrfach Massnahmen der Obrigkeit. Als Arten des Würfelspiels nennen die Ratsbücher «lustlis, passen, koufen, letz und recht werfen». Diese mannigfache Spielfreiheit beschnitt nun der Rat von der Erwägung ausgehend, dass gerade das Würfeln als übelstes und verrufenstes der Spiele zu Streit und Fluchen besonderer Anlass gebe. Der Ahndung «groben, ufsetzigen » Spiels folgte dann aber bald ein generelles Spielverbot, das einzig harmloses Spielen zu Kurzweil und mit bescheidenstem Einsatz erlaubte. Nur die Angehörigen der Hohen Stube der Adeligen und Achtburger genossen allzeit unbegrenztes Spielrecht. Immerhin sah auch dort die Obrigkeit gelegentlich zum Rechten, musste doch 1453 Schnabel, der Herrenknecht auf der Hohen Stube, vor den Kreuzen leisten, weil er ein Spiel erlaubt hatte «wider der räten ruf und gebot». Dass auch das unschuldigste Spiel in Unfug ausarten konnte, verrät die 1472 vom Safran in Aussicht gestellte hohe Strafe im Betrag eines Pfund Wachses für diejenigen, welche die Würfel zum Fenster hinauswarfen.
In einem gedruckten Mandat von 1495 wiederholte der Rat sein Verbot und setzte auf dessen Uebertretung ein Pfund Schilling Strafe, und 1500 wurde alles Spielen auf den Zünften zwischen Mitfasten und Ostern überhaupt untersagt. Aber gerade in jener Epoche antwortete dieser verschärften Polizei ein ausserordentliches Anschwellen von Lebenslust, Unbotmässigkeit und Leidenschaft.
Im Jahre 1510 befahlen die Safranherren dem Oberknecht des Spieles halb auf ihrem Hause, dass er an hohen Feiertagen, ebenso, wenn man «gegen dem wetter lüttet», niemanden zu spielen erlaube, wie er auch normalerweise nach nachts zehn Uhr kein Licht mehr dazu geben dürfe.
Das Würflerhandwerk freilich war bereits im Absterben. Seit dem 16. Jahrhundert verzeichnen die Zunftrodel keinen Eintritt mehr, da die Krämer ihren Bedarf mit andern «Pfennigwerten» von auswärts bezogen.