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Der Stau im Tal
Das Naturschutzgebiet Tal liegt am Oberlauf der Ergolz in den Gemeinden Anwil, Oltingen und Wenslingen. Seinen Ursprung hat es in einem Walderschliessungsweg, der es nötig machte, einen Damm parallel zur Ergolz zu erbauen. Es kam die Idee auf, den Fluss aufzustauen und so zwei künstliche Weiher zu schaffen. Dies stiess auf Anklang, und nachdem die Bauern, deren Land von der Aufstauung betroffen waren, vom Kanton mit anderen Flächen entschädigt worden waren, konnte der Bau beginnen. Das ursprüngliche Bauprojekt wurde 1968 abgeschlossen, und das Gebiet fand 1991 Aufnahme in die Liste der kantonalen Naturdenkmäler. Die heutige Grösse des Naturschutzgebiets ist auf zahlreiche Erweiterungen zurückzuführen; die letzten fanden im Jahr 2000 statt. Diese Erweiterungen schufen ein grösseres Naturschutzgebiet, das allerdings von der Landstrasse durchschnitten und gestört wird.
Weiher und Sümpfe
Die Flora und die Fauna des Naturschutzgebiets sind vor allem durch Arten gekennzeichnet, die einen Bezug zum Wasser haben. Neben den Pflanzen und Tieren, die im Weiher leben, finden sich einerseits Lebensgemeinschaften der Sümpfe und andererseits Tiere wie etwa Libellen, die nur während der Larvenphase im Wasser leben. Besonders die Sumpfbewohner sind erwähnenswert, weil sie in unserer Region Seltenheitswert haben. Während im Schweizer Mittelland der Untergrund für die Herausbildung nasser Böden eher gegeben ist, kann sich Nassvegetation im Jura wegen des durchlässigen Gesteins nur an wenigen Stellen ausbilden. Sumpfgebiete sind äussert empfindlich auf Tritte, weshalb die Wege um diese Bereiche herumführen. Dennoch finden sich entlang der Pfade im Gebiet ideale Beobachtungspunkte.
Seltene Wassergewächse
Bei der Pflanzenwelt ist die gut ausgebildete Ufer- und Wasservegetation hervorzuheben, die sonst in der Region mangels natürlicher stehender Gewässer nicht vorkommt. Besonders auf den Sumpf- und Riedwiesen sind Pflanzenarten zu beobachten, die sonst fehlen. Beispiele hierfür sind der Gebräuchliche Baldrian (Valeriana repens) oder die Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi). Das leichte Relief im Gelände führt je nach Distanz zum Grundwasserspiegel zu vielfältigen Lebensbedingungen, die sich kleinräumig rasch ändern und eine hohe lokale Pflanzenvielfalt ermöglichen.
Tierwelt im Nass
Eine faunistische Besonderheit ist das Vorkommen des schweizweit gefährdeten Dreistachligen Stichlings (Gasterosteus aculeatus). Obschon bedroht, wird darauf geachtet, dass die Stichlingspopulation nicht zu dicht wird, da diese Fischart die jungen Amphibienlarven erheblich beeinträchtigt. Der Talweiher ist nämlich auch ein wichtiger Standort für Amphibien; es kommen sieben der zwölf im Kanton Basel-Landschaft bekannten Arten vor. Auch wenn ganz seltene Amphibien fehlen, gilt der Talweiher als Amphibienschutzgebiet von nationaler Bedeutung, weil die Bestände der Tiere ausserordentlich gross sind.
Des Weiteren lassen sich verschiedene Wasservogelarten beobachten, deren Vorkommen von regionaler Bedeutung sind. Die bereits erwähnte geringe Anzahl natürlicher Stillgewässer im Kanton Basel-Landschaft – alle jetzigen sind künstlich entstanden – hat eher spärliche Vorkommen typischer Wasservögel wie Enten oder Watvögel zur Folge. Eine Einmaligkeit der einheimischen Vogelwelt ist der Eisvogel: Obschon er nicht direkt am Weiher haust, sondern am oberen Ergolzlauf seine Bruthöhlen baut, sitzt er häufig auf Gehölzen am Weiherrand und macht Jagd auf Kleinfische.
Amphibienleitsystem
Für Frösche, Kröten und Molche stellt der Verkehr auf der Landstrasse, die durch das Naturschutzgebiet verläuft, eine grosse Gefahr dar. Die Männchen der Erdkröten halten die im Frühling erwärmte Fahrbahn für einen idealen Platz, um auf die Weibchen zu warten, und auch Grasfrösche überqueren die Strasse recht langsam. Um den Strassentod von Tausenden von Fröschen jährlich zu verhindern, hat der Kanton ein Leitsystem und Unterführungen für die bedrohten Lurche gebaut. Rund zwei Drittel der Amphibien nutzen seither diese Tunnel und gelangen unversehrt zu ihren Laichgewässern.
Verlandung und Überdüngung zurückbinden
In der künstlich errichteten Weiheranlage muss darauf geachtet werden, dass die Geschiebefracht der Ergolz die Weiher nicht verlanden lässt. Der Gefahr wird mit Geschiebefallen begegnet, welche periodisch ausgebaggert werden. In nährstoffreichen Weihern entsteht auch eine zweite Form der Verlandung. Während der Sommermonate wachsen Wasserpflanzen und Algen heran, die beim Absinken der Temperaturen im Winter absterben. Da in der kalten Jahreszeit nicht alle abgestorbenen Pflanzenteile zersetzt werden, lagert sich auf der Weihersohle Schlamm ab und füllt den Weiher mit der Zeit auf.
Auch die sogenannte Eutrophierung bildet eine Gefahr für die Weiherlebensgemeinschaft. Gelangen besonders viele Nährstoffe ins Stillgewässer, wird wegen der schnell wachsenden Pflanzenbestände die Aktivität der zersetzenden Bakterien erhöht. Im tieferen Bereich des Weihers kann dies den Sauerstoffgehalt so weit senken, dass Fische oder überwinternde Amphibien sterben. Diesen Eutrophierungsfolgen wird in Anwil durch das gezielte Zurückschneiden der Ufervegetation und das Abschöpfen von Wasserlinsen begegnet.
DK / MS