Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03351.jsonl.gz/1618

Palmöl liegt im Trend. Seit 1995 wurde die Produktion des Pflanzenöls weltweit verdoppelt – gleichzeitig steigen die Nachfrage und der Preis stetig. Das Fett findet laut der Weltbank in etwa 10% aller Lebensmittel, 20% aller Kosmetikprodukte und zunehmend auch in Biodiesel Verwendung. Heute ist es bereits das meist verwendete Pflanzenöl weltweit. Anbau und Produktion von Palmöl sind sehr kostengünstig, ertragreich und benötigen weniger Landfläche als Raps- oder Sojaplantagen. Der Rohstoff kann aufgrund seiner einzigartigen Beschaffenheit zu einer Vielzahl von Produkten verarbeitet werden, ermöglicht den Verzicht auf tierische Öle und ist ausserdem gesünder als gehärtete Fette. Verständlicherweise erfreut es sich beispielsweise bei Coop und Migros, Grosskonzernen wie Nestle und selbst beim Biohersteller Rapunzel grosser Beliebtheit. In Asien ist das Öl unter anderem als Bratfett sehr beliebt. Die wichtigsten Abnehmerstaaten sind Indien, Indonesien, China und die EU. Produktion und Export konzentrieren sich zu über 85 % auf Indonesien und Malaysia, die im Palmölmarkt einen blühenden Wirtschaftszweig entdeckt haben.
Davon profitieren multinationale Konzerne, landwirtschaftliche Grossbetriebe, aber auch einige Kleinbauern, denen kleine Teil von Plantagen gehören. Auf der Verliererseite hingegen findet man grosse Teile der indigenen Bevölkerung und insbesondere den tropischen Regenwald, der für die Monokulturen der Ölpalme im grossen Stil abgeholzt wird. Durch die Brandrodungen und die Trockenlegung von Sumpfwäldern werden Treibhausgase freigesetzt und zahlreicheTier- und Pflanzenarten verlieren ihre Lebensgrundlage. Im Jahr 2007 entwickelte sich Indonesien aufgrund des brennenden Regenwaldes zum drittgrössten Erzeuger von Treibhausgasen, angeführt von China und den USA. Laut Greenpeace wurden auf Kosten des Palmöls weltweit bereits 20 Millionen Hektar Wald gerodet. Aufgrund der unklaren Regelung der Bodenrechte, insbesondere in Indonesien, ist es ausserdem nicht selten, dass für den Anbau die lokale Bevölkerung von ihren Grundstücken vertrieben wird. Die Brandrodungen und Vertreibungen sind in vielen Fällen schlicht rechtswidrig.
Im Jahr 2007 entwickelte sich Indonesien aufgrund des brennenden Regenwaldes zum drittgrössten Erzeuger von Treibhausgasen, angeführt von China und den USA.
Was können wir gegen diese verheerenden Verhältnisse tun? In den letzten Jahren sorgte das Thema vermehrt für Schlagzeilen, beispielsweise gab es einen Skandal um Nestlé's „Kitkat“, für dessen Herstellung Palmöl aus illegal gerodeten Plantageflächen verwendet wurden. Verschiedene Umweltschutzorganisationen forderten Massnahmen. Nestlé, sowie einige andere Unternehmen, haben Verträge mit potentiell kriminellen Produzenten gekündigt. Dennoch: Die Produktion und damit die Waldrodungen steigen weiter an. Inzwischen ist mit der RSPO („Roundtable on Sustainable Palmoil“) eine Organisation entstanden, die den sozial und ökologisch nachhaltigen Anbau von Palmöl fördern will. Diese Initiative scheint hoffnungsvoll, wurde aber bereits von vielen NGOs und unabhängigen Experten als Etikettenschwindel bezeichnet. Offenbar werden zwar Richtlinien beschlossen – beispielsweise sollen in Malaysia seit 2005 kein Regenwald mehr gerodet werden – dann aber kaum eingehalten. Offenbar fanden weiterhin illegale Rodungen statt, selbst von RSPO-Mitgliedern.
Doch auch wenn die europäischen Industriestaaten die Nachhaltigkeitskriterien verschärfen würden, die Nachfrage aus Ländern wie China und Indien wird sich wohl kaum verändern. Ludger Breloh, Betriebsleiter der Rewe-Gruppe, die sich für nachhaltiges Palmöl einsetzt, sagt: „Chinesen, Inder und andere Nationen brauchen immer mehr Palmöl und denken dabei nicht unbedingt primär an Nachhaltigkeit. Verständlich, denn sie müssen ihre großen Völker ernähren.“
Der Konsument selbst kann wenig ausrichten, weil in den meisten Produkten Palmöl nicht deklariert ist. Dies wird sich aber auf Anfang 2015 ändern: die EU führt eine obligatorische Palmöl-Deklaration für alle Produkte ein. Es bleibt zu hoffen, dass der Druck der Öffentlichkeit dadurch steigt.