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Todsünden der PowerPoint Präsentation
Was Sie in herkömmlichen Rhetorikseminaren und -Ratgebern zum Thema PowerPoint hören und lesen, sind meiner Meinung nach nicht wirkende Oberflächenbehandlungen. Diese klingen dann in etwa so:
Langweilige Folien
Das Problem ist:
Selbst wenn Sie all diese Punkte vermeiden, schießen Sie trotzdem kilometerweit am Ziel vorbei. So entsteht noch lange keine interessante, spannende Präsentation. Todsünden sind nicht diese sieben Punkte, Todsünden sind die firmeninternen Vorschriften und Foliensätze.
Da gibt es Vorschriften, nach denen eine Power Point-Präsentation im Vorfeld an alle Teilnehmer einer Sitzung gesandt werden muss. Und dann meint jeder, er müsse das, was er vorher verschickt hat, natürlich auch während der Präsentation abspulen. Da kann ja nur noch eine zweitklassige Präsentation herauskommen. Zweitklassig im Sinne einer Gegenüberstellung mit der Zwei-Versionen Methode, meiner Vorgehensweise, die Sie im Verlauf meines Buches “Präsentieren Sie noch oder faszinieren Sie schon?” noch kennenlernen werden.
Der Manager einer Großbank kam zu mir ins Rhetorik-Coaching. Er bat mich darum, ihm zu zeigen, wie er aus den von seinen Assistenten vorgegebenen PowerPoint-Charts eine packende Rede machen könne. Besonders in den Großfirmen gibt es Heerscharen von Kommunikations- und Marketingexperten, die Vorschriften erlassen, wie eine Power Point-Folie auszusehen hat.
Da wird einfach alles definiert:
- die Hintergrundfarbe,
- die Schrifttype der Texte,
- Überschriften und Aufzählungszeichen,
- der Abstand der Aufzählungszeichen zueinander,
- Größe und Position des Logos …
und wer weiß was sonst noch.
Solch ein streng nach den internen Richtlinien erstelltes Folienpaket mit Verlaufsfarbe im Hintergrund ließ dieser Manager sich bringen und legte es vor mir auf den Tisch. Ich sah mir einige der von seinen Marketingstrategen entwickelten Folien an und sagte:
„Wenn Sie mir einen Rohdiamanten geben, schleife ich Ihnen einen funkelnden Diamanten daraus.
Wenn Sie mir aber einen Kieselstein geben, kann ich schleifen, solange ich will – es wird niemals ein Diamant daraus.
Was ich hier sehe, sind Kieselsteine. Mit dem Material können Sie keine packende Rede halten!“
Es gibt keine Sünden bei der PowerPoint Präsentation – PowerPoint IST die Sünde
All diese Vorschriften, wie eine PowerPoint-Folie auszusehen hat, wirken wie ein zu enges Korsett, in das keine zündende, lebendige Rede mehr passt. Noch schlimmer sind die von einer zentralen Stelle in der Firma für alle verbindlich erstellten Foliensätze, die jedermann benutzen muss. Sie werden regelmäßig von Leuten entwickelt, die ähnliche Kurse wie „Die sieben Todsünden der PowerPoint-Präsentation“ besucht, aber sonst keine Ahnung haben, wie man Überzeugung, Gefühle, Meinungsführerschaft, Motivation und Faszination wirklich erzeugt.
Alle zentral entwickelten Foliensätze, die mir je untergekommen sind, waren ohne Ausnahme Spannungs-Verhinderungs-Folien. Wie ich früher dachte. Aber wir kennen es nicht anders, und das ist das Problem!
Früher predigte ich noch:
Man muss PowerPoint nur richtig einsetzen, dann ist alles in Ordnung. Ich war zwar damals schon radikaler als 95 % aller Rhetorik-Trainer, bin aber seither noch einen Schritt weitergegangen. Ich stelle Ihnen im Folgenden all jene Regeln vor, nach denen – wie ich früher dachte – man Folien zu erstellen hätte. Eine Folie, die sich selbst erklärt, ist eine schlechte Folie.
Eine Folie braucht zum Verständnis immer den Redner. Damit erübrigen sich alle Textfolien, auf denen komplette Aussagen stehen.
Das gilt auch für alle selbsterklärenden Diagramme. Wenn das Publikum auf der Folie liest: „Herausforderung Komplexität – Drastische Zunahme der Modell- und Produktvielfalt“ und ich erkläre es in denselben Worten nochmals, dann kann man mich als Redner wegräumen. Prüfen Sie nach dieser Regel Ihre Folien, und Sie werden sehen: 90 Prozent davon landen im Papierkorb.
Die Botschaft einer Folie muss in maximal zwei Sekunden zu erfassen sein. Dabei ist es gleichgültig, ob Sie ein Schaubild auflegen oder ob Sie ein Textfragment zeigen oder einen Cartoon. Machen Sie den Test vorher mit einem Kollegen. Schalten Sie Ihre Folie zwei Sekunden an und löschen Sie sie wieder. Fragen Sie, ob er alles zusammenfassen kann, was auf der Folie stand. Wenn nicht, taugt die Folie nichts. Prüfen Sie nach dieser Regel Ihre Folien, und Sie werden sehen:
90 Prozent davon landen im Papierkorb. Auf der Folie sollen nur Rumpfbotschaften stehen.
Das heißt:
Mit dem, was dort steht, darf der Zuhörer ohne Ihre erklärenden Worte nichts anfangen können. Nur so entsteht Spannung! Dort stehen nur Stichwörter, Schlagwörter und Abkürzungen – beispielsweise:
„28,4%“. Und der Redner sagt: „China hat von 2004 auf 2005 seinen Export um 28,4 Prozent gesteigert.“
Das eingeblendete Kürzel liefert nur den Anlass, um noch Unmengen an frei gesprochenem Text zu erzählen.
Prüfen Sie nach dieser Regel Ihre Folien, und Sie werden sehen: 90 Prozent davon landen im Papierkorb. Das gesprochene Wort muss zeitgleich mit der Folienbotschaft kommen.
Der Zeitpunkt, wann Sie den Hellraumprojektor mit der Folie anknipsen, ist wichtig. Für obiges Beispiel bedeutet das, dass Sie die Folie „28,4%“ genau dann einblenden, wenn Sie auch „28,4 Prozent“ sagen. „China hat von 2004 auf 2005 seinen Export um (knips) 28,4 Prozent gesteigert.“ Niemand macht das so. Alle zeigen erst das Ergebnis, und dann wird darüber gesprochen – und gelangweilt. Prüfen Sie nach dieser Regel Ihre Folien, und Sie werden sehen: 90 Prozent davon landen im Papier korb. Auf einer Folie darf nur eine Botschaft stehen.
Die Botschaft kann eine Zeichnung, ein Bild, ein Diagramm oder ein Satzfragment sein. Wie im Leben auch, müssen Sie bei Präsentationen Aufmerksamkeit fokussieren und nicht dividieren. Mit mehreren Botschaften, mit mehreren Fotos, mit mehreren Diagrammen dividieren Sie die Aufmerksamkeit und damit die Energie für Ihre Botschaft. Prüfen Sie nach dieser Regel Ihre Folien, und Sie werden sehen: 90 Prozent davon landen im Papierkorb. Jedes Element, das der Hauptbotschaft Leseenergie wegfrisst, muss von der Folie weg.
Das gilt für alle grafischen Spielereien, alle Quellenangaben, alle Seitenzahlen, alle Fußzeilen, alle zusätzlichen Einblendungen von Übersichten: Weg damit. Was bleibt, ist eine pure, nackte Botschaft. Prüfen Sie nach dieser Regel Ihre Folien, und Sie werden sehen: 90 Prozent davon landen im Papierkorb. Auf einer Folie hat das Firmenlogo nichts zu suchen.
Das Firmenlogo hat keinen Informationsgehalt, frisst natürlich auch Leseenergie und muss deshalb weg. Wenn das Logo auf jeder Folie steht, lenkt das ständig Aufmerksamkeitsenergie von der eigentlichen Botschaft ab. Sie haben sicherlich noch niemals einen Auftrag bekommen, weil Sie auf Ihren PowerPoint-Folien ständig rechts unten Ihr Firmenlogo eingeblendet hatten. Prüfen Sie nach dieser Regel Ihre Folien, und Sie werden sehen: 90 Prozent davon landen im Papierkorb. Folienpräsentation und Handout sind nicht dasselbe.
Für die meisten Redner ist das Handout identisch mit ihrer Folienpräsentation. Deshalb sind die Präsentationen auch so langweilig. Die Folienpräsentation muss separat vom Handout erstellt werden. Beim Handout brauchen Sie Achsenbeschriftungen, Überschriften, Kopf- und Fußzeilen, Quellenangaben, ausformulierte Sätze usw. – all das ist wichtig fürs Nachlesen zu Hause. Aber während Sie präsentieren, verzichten Sie auf 95 Prozent der Handoutinhalte – dann ist nämlich Showtime, und da ist weniger immer mehr. Prüfen Sie nach dieser Regel Ihre Folien, und Sie werden sehen: 90 Prozent davon landen im Papierkorb. Eine Folie bleibt immer ohne Überschrift.
Wenn Sie sagen: „Hier sehen Sie die Umsatzzahlen 2007“ (knips), und auf der Folie steht auch noch „Umsatzzahlen 2007“, dann ist Letzteres eine nutzlose Information. Das Gehirn des Zuhörers verlinkt Ihren gesprochenen Satz mit dem erscheinenden Bild. Da muss also gar nichts mehr stehen. Leseenergie wird von der Hauptbotschaft abgelenkt. Prüfen Sie nach dieser Regel Ihre Folien, und Sie werden sehen: 90 Prozent davon landen im Papierkorb. Diagramme brauchen keine Achsenbeschriftungen.
Wenn Sie Ihre Diagramme mit Achsenbeschriftungen versehen, frisst das ebenfalls Leseenergie. Das ist unnötig, so etwas liest sowieso keiner. Zeichnen Sie lediglich einen Strich auf der X-Achse ein, zum Beispiel bei 1 Million – das reicht. Prüfen Sie nach dieser Regel Ihre Folien, und Sie werden sehen: 90 Prozent davon landen im Papierkorb. Zeigen Sie Diagramme niemals komplett.
Balkendiagramme, Kuchendiagramme, Trendlinien, Ablaufdiagramme sollten niemals als Komplettbild gezeigt werden. Bauen Sie sie animiert, Stück für Stück während Ihrer Präsentation auf oder blenden Sie sie Einheit für Einheit ein. Das tun Sie aus Spannungsgründen! Wenn Sie die Umsatzentwicklung der letzten fünf Jahre als vollständiges Balkendiagramm zeigen, ist keine Spannung mehr zu erzeugen. Wenn Sie Ihre Niederlassungen auf der Weltkarte alle auf einmal einblenden, ist keine Spannung mehr zu erzeugen. Wenn Sie den Warenfluss mit Ihrem neuen System als Gesamtübersicht zeigen, ist keine Spannung mehr zu erzeugen. Bei jedem Schaubild, bei dem es möglich ist, blenden Sie Element für Element nacheinander ein. Prüfen Sie nach dieser Regel Ihre Folien, und Sie werden sehen: 90 Prozent davon landen im Papierkorb. Eine Abbildung soll immer ohne jeden beschriftenden Text sein.
Wenn Sie einen Eisberg abbilden, der im Wasser schwimmt, und zu dem unter Wasser liegenden Teil erklären, er entspreche dem Unterbewusstsein, dann müssen Sie um Himmels willen nicht auch noch das Wort „Unterbewusstsein“ hinschreiben. Wie bei den Überschriften auch verlinkt das Gehirn Ihren gesprochenen Satz mit dem, was das Auge sieht. Das gilt für alle Abbildungen, Schaubilder, Diagramme und Fotos. Es ist ein Trugschluss, dass der Text auf einem Schaubild die Verständlichkeit erhöhe. Probieren Sie’s aus! Ein beschriftender Text an der Grafik verwirrt und lenkt die Aufmerksamkeit ab. Aufmerksamkeit muss aber fokussiert und nicht dividiert werden! Das Bild verliert seine Einfachheit, seine Übersichtlichkeit und damit die Ruhe. Und unser Gehirn geht mit jeder textlichen Zusatzinformation auf der Folie mehr auf Widerstand. Prüfen Sie nach dieser Regel Ihre Folien, und Sie werden sehen: 90 Prozent davon landen im Papierkorb. Eine Folie muss beim ersten Anknipsen sofort Lust aufs Anschauen machen.
Die vorhin erwähnte Zwei-Sekunden-Methode, um die Einfachheit von Folien zu testen, kann man auch für den Lust-Unlust-Test anwenden. Wir entscheiden, wenn wir etwas Neues sehen, innerhalb von zwei Sekunden über Lust oder Unlust. Bitte entschei den Sie bei den Folien auf der folgenden Seite innerhalb von zwei Sekunden, welche von ihnen mehr Lust oder Unlust bei Ihnen auslösen. Prüfen Sie nach dieser Regel Ihre Folien, und Sie werden sehen: 90 Prozent landen im Papierkorb.
Die Gegenüberstellung
Damit Sie einmal sehen, wie Folien nach meinen obigen, veralteten Regeln aussehen könnten, zeige ich Ihnen im Folgenden Folien mit der Zwei-Versionen-Methode in der Gegenüberstellung.
Wo schauen Sie lieber hin? Überprüfen Sie ehrlich: Löst diese Folie bei Ihnen eher Lust oder Unlust aus?
Versuchen Sie sich im Vergleich die Wirkung vorzustellen, wenn ein Redner diese Informationen frei, ohne jegliche Unterstützung durch ein PowerPoint-Chart, vermittelt:
„Die Globalisierung ist da – ob wir es wollen oder nicht. Zwei Milliarden Menschen erhalten plötzlich Zugang zu den globalen Märkten. Als Kunden, aber auch als Anbieter. (Pause) Ich rede von China! Im Jahr 2004 hat China in der Autoproduktion ein traditionsreiches Land überholt:
Dieses Land war (Pause) Deutschland. China produziert heute tatsächlich mehr Autos als das Mutterland von Gottlieb Daimler. Im Jahr 2005 stieg China zum größten Stahlproduzenten der Welt auf. Wenn Deutschland von Exportzuwächsen spricht, handelt es sich um Größenordnungen von 3 bis 7 Prozent. China hat von 2004 auf 2005 einen Exportzuwachs von (Pause) 28,4 Prozent erreicht. Inzwischen ist das Reich der Mitte nach den USA und Japan die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt.
Wenn wir uns im Gegensatz dazu den Stundenlohnfaktor anschauen, dann sieht das so aus:
Sie können in China für dasselbe Geld, das hier ein einziger Arbeiter kostet, 16 Arbeiter einstellen.“
Noch einmal: Dieser Text ist frei gesprochen, ohne jegliche Unterstützung durch PowerPoint. Wenn Sie das einmal live in der Zwei-Versionen-Methode erlebt haben, werden Sie mir recht geben: Power Point verhindert Wirkung! Der Zuschauer kann alle Information selbst ablesen. Der Referent könnte eigentlich ebenso gut schweigend daneben stehen. Hier der Vorschlag mit meiner früher propagierten Methode.
Der Referent spricht: „Sehen wir uns einmal den durchschnittlichen Stundenlohn für einen Arbeiter in Westeuropa, USA und Japan an. (Klick)
Wir haben hier bei uns einen durchschnittlichen Stundenlohn von (Klick)
sechzehn Dollar. In den Tigerstaaten Singapur, Korea und Taiwan sieht es so aus: Da arbeitet ein Arbeiter für (Klick)
sechs Dollar die Stunde. Doch es gibt eine Ländergruppe, die noch billiger ist: Osteuropa, Mexiko, Brasilien. Da arbeitet ein Arbeiter für (Klick)
zwei Dollar die Stunde! Und jetzt kommen wir zu Indien. Hier arbeitet ein Arbeiter für (Klick)
einen Dollar die Stunde. Das heißt: Für den Lohn eines Arbeiters in Deutschland können Sie in Indien 16 Leute arbeiten lassen.“ Bitte entscheiden Sie nun wieder aus dem Bauch heraus: Wo haben Sie mehr Lust empfunden? Beim Volltextdiagramm oder bei dieser „Nacktversion“?
Und so würde es nach meiner „veralteten Methode“ aussehen. Der Referent spricht: „In Ihren Firmen sieht es so aus: (Klick)
Es wird zum Beispiel ein Motor zusammengebaut. Zuerst wird in der Rohgehäuseabteilung der Rohling von einem Arbeiter entgratet. Dann wird er gelagert, und anschlie ßend kommt er in die Galvanisierungsabteilung. (Klick)
Dort wird der Block mit einer Legierung beschichtet. Dann wird er gelagert, und anschließend kommt er in die Elektroabteilung. (Klick)
Dort wird die elektrische Magnetspule eingebaut. Dann wird er gelagert, und anschließend kommt er in die Sensortechnikabteilung. (Klick)
Dort werden die Sensoren eingebaut. Dann wird er gelagert, und anschließend kommt er in die Verkabelungsabteilung. (Klick)
Dort werden die Verkabelungen eingebaut. Dann wird er gelagert, und anschließend kommt er in die Gehäuseabteilung. (Klick)
Dort wird das Gehäuse eingebaut. Und von dort kommt das Werkstück schließlich ins Auslieferungslager. Wir haben gemessen, dass bei dieser Art der Produktion das Werkstück 3,5 Stunden in den Händen der Arbeiter ist. Die Durchlaufzeit hingegen beträgt (Pause) 14 Tage! Wenn wir in Ihrem Unternehmen waren, wird das anders aussehen. Wir organisieren die Produktion nicht mehr nach Abteilungen, sondern organisieren die Produktion nach dem zu produzierenden Endprodukt. Alle, die an dem Produkt beteiligt sind, befinden sich an einem Ort.“
Auf Klick werden jetzt nacheinander die Pfeile im Laufe der Rede eingeblendet. „Dies ist von oben gesehen eine u-förmige Werkbank. Das Werkstück geht vorn hinein, zum ersten Arbeiter (klick, erster Pfeil erscheint). Dann wird der Rohling von einem Arbeiter entgratet (klick, nächster Pfeil). Er gibt ihn weiter: Der Block wird mit einer Legierung beschichtet (klick, nächster Pfeil) und weitergegeben: Die elektrische Magnetspule wird eingebaut (klick, nächster Pfeil). Der Block geht weiter: Die Sensoren werden eingebaut (klick, nächster Pfeil). Der Block geht weiter: Die Verkabelungen werden eingebaut (klick, nächster Pfeil). Und zum Schluss wird das Gehäuse darum herum gebaut. Die Bearbeitungszeit für das Werkstück beträgt hier drei Stunden. Die Durchlaufzeit war vorher 14 Tage – mit diesem System ist es (Pause) ein Tag!“ Bitte entscheiden Sie nun wieder aus dem Bauch heraus: Wo haben Sie mehr Lust empfunden? Edward Tufte aus den USA ist ein erklärter PowerPoint-Gegner. Aber selbst er findet, dass ein Zahlenchart wie dieses noch als „good“ eingestuft werden kann.
Wenden wir einmal meine „alten“ Regeln darauf an: Wie die meisten anderen PowerPoint-Kritiker leider auch sagt Edward Tufte nur, dass PowerPoint falsch eingesetzt wird. Meine Ansicht zu PowerPoint heute
Sie erinnern sich:
Früher predigte ich, man müsse PowerPoint nur richtig einsetzen, dann könne es funktionieren. Heute denke ich anders. PowerPoint verfügt über eine Funktion, die überraschenderweise nur sehr wenigen Anwendern bekannt ist. Es handelt sich um die Taste „B“ auf Ihrer Tastatur – „B“ wie „Black“. Wenn Ihre PowerPoint-Animation läuft und Sie diese Taste drücken, schaltet sich Ihr Bildschirm sofort aus – er ist nicht weiß überblendet, nicht eingedunkelt, sondern komplett ausgeschaltet. Mein Tipp lautet: Halten Sie während Ihrer Präsentation durchgehend die Taste „B“ ge drückt.
Heute sieht meine Lösung für PowerPoint so aus:
Setzen Sie PowerPoint für Präsentationen gar nicht mehr ein! Aber keine Sorge, die Anschaffung war nicht umsonst: Sie können PowerPoint getrost weiter benutzen – für Bildschirmpräsentationen auf Ihrer Homepage, für Memos zum Weiterverschicken, als Handout-Erstellungs-Tool oder als Animation am Messestand. Aber bei Präsentationen vor Publikum erreichen Sie ohne PowerPoint um ein Vielfaches mehr Wirkung. Wenn ich für einen vollständigen Verzicht auf PowerPoint plädiere, höre ich am häufigsten folgenden Einwand: „Aber PowerPoint ist mein roter Faden. Wenn ich das weglasse, dann muss ich mir ja alles auswendig merken.“ Falsch! Angenommen, Sie sind in Ihrem Büro schon so modern eingerichtet, dass Sie einen Drucker besitzen. Dann haben Sie die großartige Möglichkeit, Ihre komplette PowerPoint-Präsentation auf Papierauszudrucken und sie bei Ihrem Vortrag vor sich auf den Tisch zu legen. Anstatt Ihren Blick auf den Laptopbildschirm zu richten, sehen Sie eben auf das Papier, das haargenau dieselbe Information enthält. Nur diesmal sieht das Publikum nicht, was Sie sehen – die Spannung bleibt erhalten! So einfach ist das. Es gibt keine Regel ohne Ausnahme, so auch hier.
Es sind ein paar Ausnahmefälle denkbar, in denen Sie PowerPoint einsetzen können – weil es in diesen Fällen zur Wirkungssteigerung statt zur Wirkungsvernichtung beiträgt. Aber freuen Sie sich nicht zu früh: Das heißt jetzt noch lange nicht, dass ich PowerPoint wieder über die Hintertür einführen möchte. Power Point bleibt prinzipiell verboten, aber es gibt wenige Ausnahmen, wo man es benutzen kann. Um es noch einmal klar zu sagen: Ich rede hier nicht von PowerPoint im Einsatz für Homepage-Animationen, Memos oder Handouts. Ich rede nur von PowerPoint als unterstützenden Einsatz bei Reden, Vorträgen und Präsentationen. Fotos kann man mit PowerPoint zur Wirkungssteigerung des Vortrags einsetzen. Aber dabei sind einige Regeln zu beachten. Ich habe sie aufgestellt, denn dadurch wird Spannung und Wirkung aufgebaut.
Ich coachte ein Architekturbüro zur Verbesserung seiner Akquise-Präsentationen. Das Architekturbüro war spezialisiert auf die Planung von Verwaltungsgebäuden, Krankenhäusern und Chip-Fabriken. Bei der üblichen Firmenvorstellung wurden auf einer Folie bereits gebaute Gebäude als Referenz eingeblendet. Einmal ganz abgesehen von der überflüssigen Überschrift, überflüssigen Bilduntertexten und überflüssigen Grafik-Elementen waren auf der Folie fünf (!) Fotos untergebracht. Das widerspricht einer meiner rhetorischen Grundregeln: Aufmerksamkeit muss fokussiert und darf nicht dividiert werden. Daraus leitet sich die folgende Regel ab: Es darf nur ein einziges Foto auf der Folie abgebildet sein – und das immer flächendeckend.
Kleine Redner bringen kleine Fotos, große Redner bringen große Fotos. Mehrere Fotos auf einer Seite verbieten sich. Daraus machen Sie dann jeweils eine neue Folie (falls überhaupt alle Fotos nötig sind). Große Fotos wirken wuchtig – damit wirkt auch Ihr Anliegen wuchtig! Ich coachte einmal einen Zahnarzt, der einen Vortrag über Parodontose halten sollte. Er hatte mehrere Fotos und fotorealistische Zeichnungen in seinen Vortrag aufgenommen, die die Parodontose in verschiedenen Stadien zeigten. Die Fotos waren mit erklärenden Texten übersät. Das widerspricht der Regel, dass eine selbsterklärende Folie eine schlechte Folie ist. Ein Foto muss immer ohne jeglichen Text und ohne Firmenlogo abgebildet werden.
Im Medizinbuch sind solche beschreibenden Texte wichtig, da ja kein Redner dabei ist. Aber bei einer Präsentation macht sich der Redner dadurch überflüssig, die Aufmerksamkeit wird dividiert, und die Spannungskurve flacht gegen null ab. Ich coachte den Inhaber einer Lebensmittelkette für einen Vortrag auf einem Lebensmittelhändler-Kongress. Seinen 35 Folien starken PowerPoint-Vortrag strich ich auf fünf Fotos zusammen – alles andere flog raus. Die meisten PowerPoint-Benutzer gehen so vor: Zuerst knipsen sie die Folie an, und dann reden sie über das, was jeder sieht. Jetzt verrate ich Ihnen einen goldenen Trick, mit dem Sie sich von allen anderen PowerPoint-Folienlegern unterscheiden können. Sie können riesige Spannung aufbauen, wenn Sie folgende Regel beachten: Sprechen Sie zunächst über das Foto, ohne es anzuknipsen – erst dann schalten Sie es ein.
Dadurch wird jedes Foto zu einem kleinen Krimi. Schauen Sie sich an, wie wir das bei meinem Lebensmittelketteninhaber umgesetzt haben (die Power Point-Animation war natürlich über die Taste „B“ ausgeschaltet): „Wir haben immer wiederkehrende Erkennungsmerkmale in all unseren Läden, Sie werden es gleich auf einem Foto sehen: Alle Fußböden sind grün und alle Decken rosa. Zusätzlich werden die Decken mit blauem Licht angestrahlt. Die Regale sind von unten beleuchtet und lassen dadurch die Ware scheinbar schweben. Und so sieht das in unserem Markt Düsseldorf aus.“ Erst jetzt klickt er das Foto an. Bis hierher werden die Leute „heiß“ auf das Foto. Sie erzeugen ein zusätzliches Spannungselement. Damit Sie aber zu Ihrem Foto noch etwas zu erzählen haben, sparen Sie sich etwa die Hälfte der Information auf und geben sie erst preis, nachdem Sie das Foto angeklickt haben. „Hier sehen Sie den grünen Fußboden, die rosa Decke, die blau angestrahlt wird. Hier können Sie die Beleuchtung der Regale von unten sehen. Über den Regalen sehen Sie die stets handgeschriebenen Kreidetafeln. Achten Sie bitte auf den subjektiven Eindruck der Warenfülle. Da denkt man doch: Man kann in Ware baden. Hier oben ebenfalls eine Besonderheit all unserer Märkte: die unverkleidete Decke …“
Ich gab ein Inhouse-Seminar für Finanzdienstleister, bei dem mir ein PowerPoint-Chart mit Aktienkurven zur Beurteilung vorgelegt wurde. Ich sah es mir an und sagte: „Das ist nicht verkehrt. So kann man das machen, aber es ist eben nur die zweitbeste Version. Wenn Sie es anders aufziehen, erzielen Sie dreimal so viel Wirkung.“ Ich erklärte, wie ich mir das vorstellte, und daraufhin veranlasste der Chef einen seiner Mitarbeiter, meine Vorschläge während der Mittagspause in die Folien einzubauen. Am Nachmittag kam er mit dem Resultat. Er zeigte zunächst die ursprüngliche Version und direkt im Anschluss die überarbeitete Version. Alle zwölf anwesenden Se minarteilnehmer fanden die neue Version eindeutig besser. Ich habe festgestellt, dass Aktienkurven besser mit PowerPoint kommen als mit der nachfolgend vorgestellten Methode – einmal aus Gründen der Glaubwürdigkeit, und zum Zweiten kann man hierfür PowerPoint zur showartigen Inszenierung nutzen.
Aus der alten Präsentation machten wir nach obigen Kriterien eine völlig entschlackte Version. Alles bis auf die pure, nackte Botschaft wurde weggestrichen. „Wenn Sie Anfang 2002 Aktien von fünf Anlagebanken gekauft hätten und wir hätten dort den Wert auf 100 nivelliert, dann hätte sich das bis 2004 folgendermaßen entwickelt. Zunächst hier drei unserer Mitbewerber.“ (Klick) An diesem Punkt liefen die Aktienkurven animiert von links nach rechts in etwa vier Sekunden bis zum Ende durch. Sie müssen sich diese Kurven in Farbe und bewegt vorstellen.
„Die erste Kurve stellt Bank A dar, die zweite Kurve Bank B und die dritte Bank C. (Pause) So hat unsere Bank abgeschnitten.“ (Klick) Jetzt lief die Aktienkurve der eigenen Bank von links nach rechts in etwa vier Sekunden bis zum Ende durch.
„Und hier ist die Kursentwicklung unseres Hauptkonkurrenten, der Bank D.“ (Klick) Jetzt lief die Aktienkurve des Hauptkonkurrenten von links nach rechts in etwa vier Sekunden bis zum Ende.
So macht man Eindruck!
Bereiten Sie sich f. die Präsentation gut vor!
Wenn jemand eine PowerPoint-Folie bringt und fragt, ob ich sie für brauchbar halte, versuche ich, denselben Inhalt mit meiner im folgenden Kapitel (im Buch “Präsentieren Sie noch oder faszinieren Sie schon?”) ausgeführten alternativen Methode darzustellen. Dann vergleiche ich beide Versionen und lasse meinen Bauch entscheiden. Wenn ich erkenne: Nein, PowerPoint kann das wirklich besser, dann bleibt PowerPoint bestehen – da bin ich gar nicht dogmatisch. So sollten es auch Sie machen. Aber aufgepasst! Das ist sehr selten der Fall!
Die eher ernüchternde Regel lautet nämlich:
Ein erstklassiger Redner reduziert durch den Einsatz von PowerPoint seine Rede zu einem zweitklassigen Vortrag.
Lernen Sie mehr beim Rhetorik Seminar Stuttgart.
Letztes Update: 21. November 2017