Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03546.jsonl.gz/1340

Ein umfassendes Netzwerk an informellen Kontakten sorgt für viel Input und zahlreiche Einflüsse von aussen, die für jeden kreativen Prozess unabdingbar sind.
Wissenschaftliche Studien belegen, dass die meisten Menschen vier bis sieben enge Freundinnen oder Freunde haben. Zwischen den verschiedenen Ländern und Gesellschaftsgruppen bestehen in dieser Hinsicht nur geringfügige Unterschiede. Bei der Anzahl an Bekannten, mit denen man in einer weniger engen Beziehung steht, gibt es hingegen extreme Unterschiede. Einen erheblichen Einfluss hat das Umfeld, in dem man lebt. Die Menschen mit den meisten Kontakten leben in der Regel in einem städtischen Milieu.
Vorteile eines grossen Bekanntenkreises
Menschen mit einem ausgedehnten sozialen Netzwerk sind in der Regel überdurchschnittlich kreativ. Martin Ruef, Soziologe an der University of Princeton, hat 766 Absolventinnen und Absolventen der Stanford Business School, die eine Firma gegründet hatten, auf diesen Aspekt hin untersucht. Die meisten von ihnen hatten relativ wenige Kontakte, die sich auf eine kleine Gruppe von Leuten mit ähnlichen Interessen oder einem ähnlichen Hintergrund beschränkten.
Einige wenige pflegten jedoch ein grosses informelles Netzwerk. Sie scheuten sich nicht, auf einer Konferenz Unbekannte anzusprechen oder im Restaurant ein Gespräch mit einem Tischnachbarn zu beginnen. Diese Unternehmerinnen und Unternehmer waren tatsächlich drei Mal so innovativ wie die anderen, die einen kleineren Freundeskreis hatten. Die Einflüsse aus ihrem Netzwerk brachten sie auf originellere Ideen und halfen ihnen dabei, sich von vorherrschenden Denkmustern zu lösen, so das Fazit des Soziologen.
Kommunikation mit Kollegen
Der Soziologe Brian Uzzi von der Kellogg School of Management hat die Kommunikation per Instant Messaging zwischen den Tradern eines grossen Hedge Funds unter die Lupe genommen. Der Forscher analysierte über einen Zeitraum von 18 Monaten rund zwei Millionen Nachrichten. Er stellte fest, dass die Trader, die am meisten mit ihren Kolleginnen und Kollegen kommunizierten, eine höhere Erfolgsquote hatten: Sie erwirtschafteten mit mehr als 70% ihrer Anlagepositionen Gewinne, während die Quote normalerweise bei 55% lag.
Den intensivsten Nachrichtenverkehr gab es in der Regel, unmittelbar nachdem die Presseagentur Bloomberg eine wichtige Neuigkeit veröffentlichte. Die am besten vernetzten Trader konnten durch den Austausch mit den Kollegen ein Maximum an Informationen sammeln, die sie dann für kreative und intelligente Investments nutzten.
Ein kleines dicht besiedeltes Land erleichtert den Kontakt
Nicht jedes Umfeld ist für den Aufbau eines grossen Netzwerks gleicht gut geeignet. In einem kleinen Land wie Israel oder (in geringerem Masse) der Schweiz, wo sich innerhalb eines Fachbereichs die meisten Leute kennen, wird Interaktion begünstigt. Israel ist eines der Länder mit der höchsten Bevölkerungsdichte und hat einen Urbanisierungsgrad von 91%. Die allgemeine Wehrpflicht - jeder Mann und jede Frau muss zwei Jahre in der Armee ableisten - bietet Gelegenheit für Begegnungen zwischen Menschen aus unterschiedlichen Milieus oder entgegengesetzten Teilen des Landes. Das Ergebnis: In Israel wurden in den letzten zehn Jahren mehr Start-ups gegründet als in Japan, Südkorea, Grossbritannien oder Indien.
Quelle: Imagine: How Creativity Works, Jonah Lehrer, Houghton Mifflin Harcourt.