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Sie erhebt sich imposant über dem Dorf, unsere Kirche, sie steht da, wie ein Fels in der Brandung und überdauert die Stürme der Zeit.
Quelle der folgenden Beschreibungen:
Hermann Schöpfer, in: Die Kunstdenkmäler des Kantons Freiburg, Bd V, Herausgegeben von der Gesellschaft für schweizerische Kunsgeschichte, Bern. Wiese Verlag Basel 2000 Seiten 380-390.
Unsere Kirche hat vor lauter Alter keinen Jahrgang mehr!
Kirchenbezirk
Pfarrkirche St. Martin
962 vergabte Königin Berta von Hochburgund dem Cluniazenserpriorat Payerne als Gründungsgut unter anderem eine Kirche zu Kerzers. Die Urkunde ist eine spätere Fälschung, dürfte aber inhaltlich richtig sein. Das Kloster blieb Eigentümer bis zur Reformation 1530, worauf Bern nach Teilung der Kirchengüter mit Freiburg die Nachfolge übernahm. Den Rest seiner Ansprüche verlor das Priorat durch das waadtländische Reformationsmandat von1536, welches die Klöster auflöste und deren Besitz Bern zuteilte. Bern und Freiburg unterhielten den Chor bis 1798 gemeinsam, danach hielt Bern weiterhin die Hand darauf, trat aber 1884 den Chor der Kirchgemeinde ab. Bei der für das Hochmittelalter erwähnten „Ecclesia“ handelt es sich um die ab 1228 in den Pfarreilisten aufgeführte und 1984 archäologisch nachgewiesene Kirche auf der Burgstatt. Priester sind seit 1286 vereinzelt belegt. Der Sprengel umfasste ebenfalls Fräschels, Niederried, Kallnach, Gurbrü, Wileroltigen und Golaten. Davon gehörten die Dörfer Kerzers und Fräschels zur Gemeinen Herrschaft Murten, die übrigen zu Bern. Filialkapellen sind für Wilerolrigen, Golaten und Kallnach überliefert. Kallnach und Niederried wurden 1528 der Kirchgemeinde Bargen zugeteilt. Der hl. Martin, Bischof von Tours (um 316-397), ist 1470 und 1479 als Kirchenpatron erwähnt. Dem Nationalheiligen des gallo-fränkischen Reichs wurden in der Westschweiz seit dem 6.-Jh. Kirchen geweiht.
Baugeschichte
Gräberfeld. Der im Mesolithikum begangene Kirchenbezirk diente seit nachrömischer Zeit als Friedhof. Merowingische, karolingische und spätere Gräber liegen im Bereich eines römischen Siedlungsplatzes, Auf dem Untersuchungsfeld wurden nebst 409 Gräbern 81 Knochenhaufen gefunden, welche auf Wiederbeisetzung hinweisen und die Friedhofstradition bestätigen, - Frühmittelalterliches Mauerwerk wurde rechtwinklig zur Nordmauer festgestellt, doch in seiner Funktion nicht bestimmt. Das Martinspatrozinium erlaubt die Annahme, dass in Kerzers zu merowingischer Zeit eine Kirche gestanden hat - karolingische Kirche. Unter den Mauern des gotischen Chorpolygons wurde das Fundament einer Apsis festgestellt, die der Archäologe Chaerles Bonnet als karolingisch einstuft. Die Seitenwände übertrafen die heutige Chorbreite. Ob westwärts anschliessende Fundamente dazu gehören, ist ungelöst, - romanische Kirche. 1959 wurde innen, 1984 aussen beim Neuverputzen festgestellt, dass das Mauerwerk des Schiffs samt Giebelwänden eine bauliche Einheit bildet und aus gleichmässigen Lagen von Feldsteinen und etwas römischen Spolien, vor allem Kleinquaderwerk aus gelbem Jurakalk, erstellt ist. Die Eckverbände bestehen aus mittelgrossen Spolienblöcken von Jurakalk. An der Nordwand wurden oben drei, auf der Südwand zwei Rundbogenfenster freigelegt […]. Zur gleichen Phase dürfte eine Rundbogentür in der Nordwand gehören. Die romanische Decke lag 70 cm höher als die heutige. Mauerwerk und Fenster gestatten eine zeitliche Einordnung des Schiffs ins 12.Jh. Bei den Annexen auf der Südseite handelte es sich um Kapellen oder Ossuarien. Im Laupenkrieg 1339 füllten die Kerzerser die Kirche mit Vorräten und Gütern. Bei der Plünderung und Brandschatzung des Dorfes durch Graf Peter von Aarberg fielen Kirchturm und Glocken samt eingelagertem Gut dem Feuer zum Opfer. Mauerwerk von Chor und Schiff wurden beim Wiederaufbau beibehalten, das Chorgewölbe erneuert. - Bei der bischöfllchen Visitation 1417 war der Bau in gutem Zustand, 1453 dagegen wurden erhebliche Verbesserungen verlangt: Das Neudecken der Kirche, der Ausbruch zweier Fenster auf der Turmseite (Sudseite Schiff) zu besserer Belichtung sowie das Auslegen der Böden von Chor und Sakristei mit Stein oder Holz. - Im Juni1476 wurde die Kirche durch burgundische Truppen erneut geplündert und eingeäschert. Bern gewährte am 5.Juni einen Bettelbrief und bat am 14. August den Bischof von Lausanne um Neukonsekration der Kirche, was im Herbst geschah. Der Wiederaufbau wurde wahrscheinlich erst 1477 in Angriff genommen. In diesem Jahr stellten Freiburg 20, die Stadt Murten 10 Pfund zur Verfügung. Das Mauerwerk wurde samt Chorgewölbe beibehalten. - Gotischer Chor. 1512/1513 wechselten Bern, Freiburg und Amadeus de Boumardis, Prior von Payerne, Briefe über die Kostenverteilung des Chorneubaus, der bereits in Gang war. Der Chor wurde bis auf die Seitenmauern abgebrochen, von 3,5 auf 5,2m aufgestockt und nicht mehr halbrund, sondern polygonal und mit einer Flachdecke geschlossen. Der gleichzeitig in die Chorbogenwand eingebaute heutige Triumphbogen ist schmäler und höher als der romanische. Seither sind Umfang und Mauerbestand der Kirche gleich geblieben. 1688 wurde die Empore erstellt und 1722 stiftete Freiburg eine Scheibe. Vermutlich wurden 1722 im Schiff das (1929 wieder entfernte) Spiegelgewölbe eingezogen und die Rundbogenfenster ausgebrochen. 1756 liessen Bern und Freiburg den Chor vergipsen, und Kirchenstühle anfertigen. 1884/85, vor dem Abtreten des Chors an die Kirchgemeinde, stellte Bern diesen instand. Bei der Innenrenovation 1920 nach Plänen von Karl Indermühle, Architekt in Bern, wurde das barocke Gipsplafond im Schiff durch eine Holzdecke ersetzt, im Chor ein Kreuzgratgewölbe in Rabbitztechnik eingebaut, sowie ein Vorzeichen und eine Aussentreppe zur Empore errichtet. Die Sanierung 1958-1960 durch dasselbe Büro machte, mit Unterstützung des Bundes und der Kantone Bern und Freiburg, verschiedene Eingriffe der 1920er Jahre rückgängig: Im Chor wurde das Rabbitzgewölbe entfert, die Holzdecke restauriert; die gotische Wandmalerei freigelegt und der Tabernakel rekonstruiert. Ähnliches erfolgte im Schiff: Die neubarocke Vorhalle mit geschweiftem Dach wurde durch eine mittelalterliche, ersetzt, die Treppe ins Innere verlegt, die Bestuhlung ausgeweehselt und ein Tonplattenboden gelegt. Gleichzeitig löste Hans A. Fischer spätgotische Malerei von der Nordwand. Archäologische Untersuchungen blieben aus. 1983/84, anlässlich einer Entfeuchtungsaktion und eines neuen Aussenputzes, wurde das Mauerwerk archäologisch untersucht und iängs der Mauer teilweise gegraben.