Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03133.jsonl.gz/1363

Tausende Babys, die vorzeitig geboren werden und bisher starben, könnten überleben, wenn die Geburtshelfer die Nabelschnur nicht sofort durchschneiden, sondern 60 Sekunden warten würden. Diese überraschende Erkenntnis haben Forscher der University of Sydney gewonnen.
3'000 Geburten analysiert
Die Experten haben die Daten von 3'000 Geburten von Frühchen ausgewertet, die vor der 37. Woche geboren wurden. Bei einem Teil von ihnen wurde die Nabelschnur sofort durchtrennt, beim anderen Teil mit Verzögerung.
Daraus ging klar hervor, dass die Todesrate bei den Babys, deren Nabelschnur verzögert durchgeschnitten wurde, um ein Drittel geringer war als bei denen, die sofort abgenabelt wurden. Gefahren für Mutter und Kind gab es nicht. Auch sind spätere Bluttransfusionen seltener nötig. Und die Neugeborenen haben mehr rote Blutkörperchen im Blut.
"Unsere Studie zeigt erstmals, dass eine verzögerte Abnabelung die Überlebenschancen verbessert", sagt William Tarnow-Mordi, Professor für Frühgeborenenmedizin an der University of Sydney. Deshalb empfiehlt er die verzögerte Abnabelung in jedem Fall - es sei denn, eine sofortige Reanimation ist nötig. Würden alle Frühgeborenen verzögert abgenabelt, könnten weltweit zwischen 11'000 und 100'000 Babys gerettet werden, sagt David Osborne, Spezialist für Neugeborene am Royal Prince Alfred Hospital in Sydney.
Hintergründe noch ungeklärt
Roger Soll, Professor für Kindermedizin am College of Medicine an der University of Vermont, der an der Studie beteiligt war, schätzt die Vorteile noch weitaus höher ein: "Weltweit werden jährlich rund 15 Mio. Babys vor der 37. Woche geboren. Davon sterben eine Million." Wie viele davon gerettet werden könnten, sagt er zwar nicht, fügt aber hinzu: "Unser Vorgehen kostet nichts, macht aber einen großen Unterschied für Familien in aller Welt aus."
Warum die winzige Verzögerung bei der Abnabelung so grosse Auswirkungen hat, können die Mediziner noch nicht sagen. Möglicherweise verstärkt das schnelle Durchtrennen der Nabelschnur den ohnehin gewaltigen Stress für die Babys durch die Geburt. Zusätzlich 60 Sekunden mit Blut ohne Zutun des eigenen Körpers zu bekommen, könnte die Folgen lindern.
Artikelfoto: SeppH (CC0 Creative Commons)