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«Schlummernde Kulturbahn-Schätze»
Zentralarchiv der RhB
Im rechten Flügel des Direktionsgebäudes der RhB in Chur, genauer gesagt im Kellergeschoss, befindet sich das Zentralarchiv der RhB. Im dunklen Keller lagern unzählige Dokumente, Schriften, Protokolle, Geschäftsberichte, Pläne, Skizzen, Fotos, Festschriften, Fachliteratur etc., welche die wechselvolle Geschichte der inzwischen 130-jährigen RhB wiedergeben.
46 Regale mit rund 270 Tablaren (Gesamtlänge 675 m!) sind erforderlich, um all diese wertvollen Zeitdokumente in Aktenordnern, in Schachteln oder zwischen Kartondeckeln gebündelt sicher aufzubewahren. Um die Übersicht nicht zu verlieren, hilft ein seit 1888 historisch gewachsener Archivplan mit Ablagestrukturen, der in die drei Hauptbereiche «Bau», «Betrieb» und «Finanzen & Verkehr» geordnet ist.
Nebst der Aufarbeitung einer Rollmaterial-Datenbank legt historic RhB den Fokus auf einzelne Projekte wie z.B. der Digitalisierung von Unterlagen aus dem Bahnbetrieb, von Plänen der Kunstbauten oder der unzähligen Foto-Glasplatten, Fotografien, Dokumenten etc.
Anlagen zur Generalofferte Ph. Holzmann
Das Konvolut wurde im Herbst 1897 verfasst, wahrscheinlich von Carl Wetzel in Davos. Die Deckblätter tragen seinen Bürostempel in Zürich, gültig ab 1918 sowie eine Adresskorrektur gültig ab April 1925. Es ist anzunehmen, dass die Dokumente aus dem Büro Wetzel stammen und bis zu seinem Tod 1928 dort aufbewahrt wurden. Im Frühling 2018 wurde die Sammlung historic RhB übergeben.
Nachdem Holsboer die Kontrolle über die RhB verloren hatte und die Albulabahn kurz vor dem Baubeginn stand, fürchtete er, dass der Anschluss von Davos ans Engadin verzögert würde. Deshalb propagierte er den raschen Bau aller Bündner Schmalspurbahnen durch eine Generalunternehmung, eben Holzmann, und die Finanzierung durch die Deutsche Bank. Die eigentliche Projektarbeit für Holzmann scheint das Büro Wetzel in Davos durchgeführt zu haben. Es wurden Projekte mit 45, 35 und 25 Promille Steigung ausgearbeitet.
Das vorliegende Dokument ist die Beilage zum Holzmann-Projekt vom Oktober 1897 mit 450-Steigung. Es bleibt nachzuforschen, ob die Hauptdokumente zur Finanzierung und die Streckenbeschreibung im RhB- oder Staatsarchiv Chur vorhanden sind. Die Projekte Wetzel/Holzmann von 1897/98 sind weder von besonderer Qualität des Entwurfs, noch hatten sie irgendwelchee Wirkung auf den Bau der weiteren Bündner Schmalspurbahnen. Interessant sind einige der Planunterlagen, weil sie sich auf die Praxis der L-D bzw. RhB 1888 - 1896 stützen.
Gion Caprez
Glasplatten digitalisiert
Ein ganz besonderer «Schatz» ist die Kiste mit den rund 500 Glasplatten und –Dias. Schon der Hinweis auf der Kiste «Achtung, Foto-Glasplatten dürfen nur mit den weissen Handschuhen angefasst werden» verbreitet Respekt und fordert, mit den historischen Zeitdokumenten behutsam umzugehen. Renato Mengotti, passionierter Fotograf und Sammler von historischen Bildern, hat bereits alle vorhandenen Glasplatten hochauflösend gescannt, angeschrieben und nach Strecken geordnet eingeteilt. Diese digitalisierten Bilder bleiben somit der Nachwelt erhalten und vermitteln dem Betrachter, unter welch teilweise widrigen Umständen die Bahnbetreiber damals zu kämpfen hatten.
Legenden zu den zwei untenstehenden Fotos:
Die schweren Unwetter vom 24./25. September 1927 verursachten zwischen Truns – Reichenau verschiedene Streckenunterbrücke. Ein Bauzug mit einer G 4/5 passiert die unterhalb von Tavanasa erstellte Notbrücke.
Die drei gemauerten Bogen des Castielerviadukts mussten 1942 abgetragen und durch aufgesetzte Eisenträger ersetzt werden. Unser Bild zeigt den Bauzug während des Einbaus der Eisenträger.
Fotos: Slg. Renato Mengotti