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Häusliche Gewalt hat ihren Preis
Politische Entscheidungen und die Kosten häuslicher Gewalt
Auf der Ebene der politischen Entscheidungsträger ist eine angemessene Zuteilung der zur Verfügung stehenden Mittel, sei es Personal, Strukturen, Infrastrukturen entsprechend den politischen Zielen oder den internationalen Verpflichtungen, ein sinnvoller Ansatz.
Zu diesem Zweck sind zwar die politischen Ziele oder internationalen Verpflichtungen relativ leicht zu definieren oder zu identifizieren, doch die angemessene Zuweisung hängt von der Qualität der verfügbaren Informationen ab.
Das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) listet eine große Anzahl von Berichten, Studien etc. im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt auf (Link).
Studie von 2013 zu den Kosten von Gewalt in Paarbeziehungen (Zahlen von 2011)
Auf Schweizer Ebene wurden die Kosten von Gewalt in der Partnerschaft in einer Studie aus dem Jahr 2013 geschätzt, die vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann beim Institut INFRAS in Auftrag gegeben wurde. Die Links für diesen Bericht sind Vollständig, Zusammenfassung (wenn die Links nicht mehr funktionieren, ist eine Version auf der Website von KidsToo als Langfassung oder als Zusammenfassung verfügbar).
“Alle Kosten, die durch Gewalt in Paarbeziehungen verursacht werden,Auszug aus dem Vorwort der Direktorin des EBG
in der vorliegenden Studie berechnet werden konnten. So fehlen beispielsweise die notwendigen
Datengrundlagen für die Kostenberechnung von Gerichtsverfahren oder von Unterstützungsangeboten
für mitbetroffene Kinder sowie deren gesundheitlichen Folgekosten. Gerade bei diesen
Kosten dürfte es sich um eine nicht zu unterschätzende Grössenordnung handeln, denn die
Folgen für Kinder, die von Gewalt in Paarbeziehungen mitbetroffen sind, sind weitreichend und
wirken oft ein Leben lang nach. Zudem stellt als Kind miterlebte Paargewalt einer der signifikantesten
Risikofaktoren dar, im Erwachsenenalter selber Opfer oder Tatperson häuslicher Gewalt
zu werden.”
In der Methode, die die Autoren der Studie aus dem Jahr 2013 anwandten, verwendeten sie einen durchschnittlichen Faktor von 75%, um die Kosten innerhalb der Partnerschaft im Vergleich zu den Kosten häuslicher Gewalt darzustellen.
Darüber hinaus räumte das INFRAS-Institut in einem E-Mail-Austausch im November 2020 ein, dass es legitim sei, tangible und intangible Kosten zu addieren, wenn diese nicht ohne weiteres ceteris paribus addiert werden können. Das EBG wurde damals über diese Möglichkeit informiert.
Zahlenmäßige Ergebnisse der Studie
|GESAMTKOSTEN VON GEWALT IN PAARBEZIEHUNGEN (TANGIBLE UND INTANGIBLE KOSTEN)||Kosten|
in Mio. CHF
|Direkte tangible Kosten für das Jahr 2011||124 – 186|
|Indirekte tangible Kosten für das Jahr 2011||40 – 102|
|Total tangible Kosten (jährliche Kosten für das Jahr 2011)||164 – 287|
|Intangible Kosten (lebenslange Kosten)||1969|
|Coûts totaux annuels de la violence au sein du couple||n/a|
Die Autoren des Berichts weisen darauf hin, dass die greifbaren Kosten (für ein Jahr) und die immateriellen Kosten (während des gesamten Lebens) nicht addiert werden können.
Dies führt dazu, dass bei politischen Präsentationen der jährlichen Kosten häuslicher/ehelicher Gewalt die Zahlen 164 bis 287 Millionen verwendet werden und nicht die jährlichen Kosten zwischen 2’133 Millionen und 2′ 256 Millionen.
Extrapolation auf die Kosten häuslicher Gewalt
|Art der Kosten im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt||Kosten|
in Mio. CHF
|Direkte tangible Kosten für das Jahr 2011||165 – 248|
|Indirekte tangible Kosten für das Jahr 2011||53 – 136|
|Total tangible Kosten (jährliche Kosten für das Jahr 2011)||218 – 384|
|Intangible Kosten (lebenslange Kosten)||2’625|
|Jährliche Gesamtkosten von häuslicher Gewalt (unter sonst gleichen Bedingungen im Jahr 2011)||2’843 – 3’009|
Häusliche Gewalt verursacht jährliche Kosten von mindestens 3 Milliarden Euro, wobei nicht alle Kosten beziffert werden konnten (siehe das oben erwähnte Zitat der Präsidentin des EBG).
Zwischen den Zahlen, die auf politischer Ebene verwendet werden, und den Schätzungen ist die häusliche Gewalt zehnmal teurer für die Gesellschaft. Aus wirtschaftlicher Sicht macht es Sinn, erhebliche Mittel für die Erforschung und Prävention häuslicher Gewalt sowie für die Bestrafung der Täter bereitzustellen.