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FAQ
BCI
In der BCI sind die Firmen Ciba, Clariant, Novartis, Syngenta, Roche, Rohner, CABB und Henkel in einer so genannten einfachen Gesellschaft zusammengeschlossen. Um sicherzustellen, dass die Verantwortung kontinuierlich und auf Dauer wahrgenommen wird, hat sich die BCI 2002 entschlossen, die bci Betriebs-AG zu gründen. Nach dem Willen aller an der AG beteiligten Aktionäre übernimmt diese alle im Zusammenhang mit der Betreuung und der Sanierung der Deponie anfallenden Aufgaben der BCI. Mit der Gründung der bci Betriebs-AG geht keine umweltrechtliche Schuldenübernahme einher. Die Gesellschaft der BCI bleibt vielmehr für die Sanierung verantwortlich. Die Übertragung der Aufgaben an die bci Betriebs-AG ermöglicht aber ein transparenteres und effizienteres Vorgehen.
Deponiegeschichte
Um 1960 hat die Basler Chemische Industrie (BCI) zur Deponierung ihrer Produktionsabfälle eine dichte Grube in der näheren Umgebung von Basel gesucht und sie in der von der Keramikindustrie ausgebeuteten Tongrube in Bonfol gefunden. Ab 1961 wurden dort, zum ersten Mal in Europa, Chemieabfälle kontrolliert abgelagert, was damals als vorbildlich und richtungweisend galt. Grund- und Oberflächengewässer wurden von Beginn weg überwacht.
In der Deponie Bonfol, die von 1961 bis 1976 in Betrieb war, findet sich ein breites Spektrum an organischen und anorganischen Abfällen aus der chemischen Produktion. Ausserdem gibt es Industrieeinlagerungen von Firmen aus dem damaligen Kanton Bern, beispielsweise aus der Uhrenindustrie, sowie der Schweizer Armee. Insgesamt wurden rund 114'000 Tonnen Sonderabfälle eingelagert, teilweise in Fässern, teilweise lose.
Die Deponie musste im Jahr 1976 aus Kapazitätsgründen geschlossen werden.
Während des Betriebs der Industriemülldeponie Bonfol von 1961-1976 war es nicht üblich, die Zusammensetzung der Abfälle genau zu bestimmen. Deshalb sind die detaillierte Zusammensetzung und der genaue Ort der Einlagerung nicht bekannt. Die Deponie wurde jedoch bereits seit Beginn des Betriebs regelmässig nach strengen Richtlinien überwacht. Dank umfassenden Sicherheitsmassnahmen, die gemeinsam mit den kantonalen Behörden erarbeitet wurden, stellen die eingelagerten Substanzen zurzeit keine Gefahr für Mensch und Umwelt dar.
Im Jahr 2000 haben sich der Kanton Jura und Vertreter der Basler Chemischen Industrie auf eine Vereinbarung über die definitive Sanierung der Sondermülldeponie geeinigt. 2003 erarbeitete die bci Betriebs-AG das Sanierungsprojekt gemäss der Altlastenverordnung. Im Sommer 2006 stellte die bci Betriebs-AG den kantonalen Sondernutzungsplan vor, der im November 2006 öffentlich aufgelegt wurde. 2007 wurde die Baubewilligung beantragt. Das Sanierungsprojekt läuft in fünf klar definierten Etappen ab. Der Zeitplan sieht vor, die Sanierung bis im Jahr 2015 fertigzustellen.
Umwelt & Sicherheit
Ein grundsätzliches Risiko ist eine mögliche Freisetzung von Schadstoffen. Durch umfassende Sicherheitsmassnahmen wird das unerwartete Austreten von Schadstoffen verhindert. Sollte es dennoch zu Emissionen kommen, sorgt die laufende Überwachung der Deponie dafür, dass dies frühzeitig bemerkt und entsprechende Massnahmen ergriffen werden können.
Mit ihrem umfassenden Überwachungs- und Sicherheitssystem zählt die Deponie Bonfol zu den am besten überwachten Deponien der Schweiz. An 75 Messpunkten untersuchen die bci Betriebs-AG sowie die jurassische Umweltbehörde (ENV) regelmässig die Qualität des Grund- und des Oberflächenwassers rund um die Deponie. Die Resultate der umfangreichen Überwachungsarbeiten bestätigen die Sicherheit. Alle Resultate finden sich in jährlich erscheinenden Berichten, die öffentlich zugänglich sind. Für den sicheren Betrieb der Kläranlage und die Überwachung der Deponie und der Umwelt wendet die bci Betriebs-AG rund 1,5 Millionen Schweizer Franken pro Jahr auf.
Die Überwachung der Deponie Bonfol steht unter der Aufsicht des Kantons Jura und ist in einem Pflichtenheft (Concept de Surveillance et de Sécurité, CSS) geregelt. Das Kontrollsystem der Deponie Bonfol umfasst 75 Messpunkte für die Qualitätsüberprüfung des Grund- und Oberflächenwassers. Die bci Betriebs-AG führt regelmässig alle 4,5 Monate Messkampagnen durch. Diese Frequenz wird ab Beginn der Sanierungsarbeiten erhöht. Die Messwerte werden der kantonalen Aufsichtsbehörde und der Gemeinde Bonfol direkt zugestellt. Zudem werden Proben regelmässig durch das Labor der kantonalen Aufsichtsbehörde analysiert.
Dank des Überwachungssystems wurde um 1980 festgestellt, dass die Abdeckung der Deponie nicht dicht ist und sich die Grube mit Wasser füllt. Es kam zu begrenzten Auswaschungen von Schadstoffen, wodurch eine Bodenschicht lokal verunreinigt wurde. Als Sofortmassnahme senkten die Betreiber das Wasserniveau in der Deponie durch Abpumpen. Das abgepumpte Sickerwasser wurde damals in Industriekläranlagen der Region Basel entsorgt. Mittlerweile ist die Deponie mit einem neuen dichten Deckel versehen und verfügt über Drainageleitungen, die ein Auffüllen der Grube mit Wasser verhindern. Das durch die Drainageleitungen erfasste Sickerwasser wird in einer eigenen Kläranlage vor Ort behandelt. Regelmässige Kontrollen zeigen, dass sich die Verunreinigung nicht weiter ausbreitet.
Dank dem Drainagesystem, der Kläranlage und der neuen Abdeckung aus den 1990er - Jahren stellt die Deponie zurzeit keine Gefahr für Menschen und Umwelt dar. Die definitive Sanierung der Deponie Bonfol wurde eingeleitet, damit auch auf lange Sicht die Gefahren aus der Welt geschafft sind.
Sanierung
Für die Sanierung einer Sondermülldeponie von der Grössenordnung von Bonfol gibt es weltweit wenig Erfahrungswerte. Es galt, sämtliche Risiken genau zu evaluieren, damit man die optimale Vorgehensweise wählen konnte. Bevor die zuständigen Behörden die notwendigen Entscheide fällen konnten, mussten die Untersuchungen mit der nötigen Sorgfalt durchgeführt werden. Das Sanierungsprojekt, wie es im Jahr 2007 aufgelegt wurde, bildet die Grundlage für eine nachhaltige und ökologisch sinnvolle Lösung. Eine Sanierung ohne die notwendigen Abklärungen und Analysen wäre wegen der schwer abschätzbaren Risiken für Mensch und Umwelt (Schadstoffemissionen, Explosionsgefahr etc.) unverantwortlich gewesen. Seit 2003 läuft das Bewilligungsverfahren.
Der Zeitplan sieht vor, die Sanierung bis im Jahr 2015 fertigzustellen. Dabei werden fünf Etappen durchlaufen. Bis Ende 2008 werden die Planungsphase sowie die Ausführungsprojektierung abgeschlossen sein. Bereits im August 2007 wurde mit der Erstellung der notwendigen Infrastruktur begonnen. Dieser Schritt dauert bis im Winter 2009. Anschliessend startet die eigentliche Deponiesanierung, die im Sommer 2014 ihren Abschluss finden sollte. Die abschliessende Demontage der Infrastruktur sowie die Wiederaufforstung und die Nachsorge beenden im Frühling 2015 das Projekt.
Bei den Partnern, welche die bci Betriebs-AG beim Technologieentscheid unterstützt haben, handelt es sich um ausgewiesene Spezialisten der Altlastensanierung. Diese sind eingebunden in ein weltweites Netzwerk von Fachleuten und garantieren so, stets auf dem neuesten Stand des Wissens zu sein.
Die bci Betriebs-AG leitet das Sanierungsprojekt. Ihr stehen ausgewiesene Sanierungsfachleute als Berater zur Seite. Ein Firmenkonsortium, bestehend aus den Unternehmen Marti AG, Bern, und Züblin Umwelttechnik, Stuttgart (Deutschland), errichtet die Infrastruktur und führt den Aushub der Abfälle durch. Das deutsche Spezialunternehmen HIM GmbH, Biebesheim (Deutschland), ist für die Vorbereitung, den Transport und die Verbrennung der Sonderabfälle zuständig.
Die Aushubhalle ist 150 Meter lang, 122,5 Meter breit und rund 10 Meter hoch. Es handelt sich dabei um eine Leichtbaustruktur, die auf Stahlträgern ruht. Es ist die gleiche Hallenkonstruktion, die auf der Sondermülldeponie Kölliken errichtet wurde. Die Halle deckt etwas mehr als die Hälfte der auszuhebenden Fläche ab. Sie wird während des Aushubs einmal versetzt. Die Vorbereitung des ausgehobenen Abfalls geschieht in einer zusätzlichen, angrenzenden Halle. Zum Schutz von Mensch und Umwelt sind beide Hallen geschlossen und stehen unter ständigem Unterdruck. Vor Ort werden während der eigentlichen Sanierungsarbeiten bis zu 20 Fachleute arbeiten.
Zur Erstellung der umfangreichen Infrastruktur braucht es eine spezielle Zufahrtsstrasse für Lastwagen. Die Lastwagen transportieren die Elemente zum Bau der Hallen und das Material für die Verlängerung der Geleiseanlagen. Ebenso muss das Gebiet mit Elektrizität, Wasser etc. erschlossen werden. Die Bau- und Vorbereitungsarbeiten dauern von August 2007 bis im Winter 2009. Während der Sanierung wird der ausgehobene und vorbereitete Sonderabfall in Spezialcontainern per Bahn zu drei externen Sonderabfallverbrennungsanlagen in Biebesheim, Hamburg und Ebenhausen (Deutschland) transportiert. Die Verantwortlichen rechnen mit zwei Güterzügen pro Tag. Mit dem Transport per Bahn sind das Risikopotenzial und die Umweltbelastung minimiert.
Mit der HIM GmbH, Biebesheim (Deutschland), die für die Vorbereitung, den Transport und die Verbrennung der Sonderabfälle zuständig ist, hat die bci Betriebs-AG ein ausgewiesenes Fachunternehmen als Sanierungspartner. Die Sonderabfallverbrennungsanlagen der HIM GmbH und von deren Partnerfirmen zählen zu den modernsten Anlagen ihrer Art. Die anfallende grosse Menge an Sonderabfällen aus der Deponie Bonfol hätte aus Kapazitätsgründen durch keine der bestehenden Sonderabfallverbrennungsanlagen in der Schweiz fachgerecht innerhalb vernünftiger Zeit entsorgt werden können.
Der Aushub und die Vorbereitung der Abfälle werden in geschlossenen Hallen durchgeführt. Aussenarbeiten während der eigentlichen Sanierungsarbeiten, die zu Lärmemissionen führen können, sind das Beladen und Abladen der Bahnwagen mit Abfallcontainern. Lärmemissionen der eingesetzten Geräte und Anlagen werden durch verschiedene Schallschutzmassnahmen soweit technisch möglich eingedämmt. Durch die Lage des Deponiestandortes ist keine merkliche Lärmbelastung für die Bevölkerung der Gemeinde Bonfol zu erwarten.
Zum Schutz von Mensch und Umwelt sind die Aushub- und die Vorbereitungshalle geschlossen und stehen unter ständigem Unterdruck. Die Luftqualität innerhalb der Hallen wird laufend kontrolliert und die anwesenden Mitarbeitenden verfügen über eine umgebungsluftunabhängige Atemluftversorgung. Die Abluft aus den beiden Hallen wird über ein Behandlungssystem gereinigt und die behandelte Luft kontinuierlich überwacht. Somit ist sichergestellt, dass die strengen Auflagen der schweizerischen Luftreinhalteverordnung (LRV) stets eingehalten werden. Die gelagerten Abfälle werden mit einem ferngesteuerten Kran-Greifer-System ausgehoben. Dadurch wird die Anzahl der in der Aushubhalle beschäftigten Mitarbeitenden auf ein Minimum reduziert. In Ausnahmefällen kommt ein bemannter Bagger zum Einsatz, dessen Kabine abgedichtet ist und unter leichtem Überdruck steht. Der Transport der Sonderabfälle geschieht in Spezialcontainern per Bahn. Auf diesem Transportweg sind das Risikopotenzial und die Umweltbelastung minimiert. Das gefasste Sickerwasser wird aus der Aushubhalle abgeführt und nach Basel in eine industrielle ARA zur fachgerechten Behandlung transportiert. Abwasser, das durch Reinigungsarbeiten entsteht, wird ebenfalls gesammelt und vor Ort in einer mehrstufigen Abwasserreinigungsanlage behandelt. 36 Bohrungen erlauben die Überwachung der lokalen und regionalen Grundwasserträger.
Von den auszuhebenden Sonderabfällen in der Deponie und der Art der Arbeiten gehen gewisse Gefahren für Mensch und Umwelt aus. Die bedeutendsten Risiken gemäss Risikoanalyse, basierend auf der Störfallverordnung, sind ein Brand oder eine Explosion an der Abfallfront in der Aushubhalle, die allfällige Freisetzung einer toxischen Substanz, der Einsturz der Aushubhalle und die Verletzung der unteren Abdichtung der Grube. Diese werden mit technischen, organisatorischen und individuellen Schutzmassnahmen auf ein akzeptables Minimum reduziert. Die Risiken werden im Projektverlauf periodisch neu analysiert. Sollten sich zusätzliche oder erhöhte Risiken ergeben, würde dies zu entsprechenden Massnahmen oder Anpassungen im Projekt führen. Behörden überwachen die Einhaltung der Gesetze. Um die Auswirkungen eines allfälligen Unfalls zu minimieren, besteht eine Krisenorganisation, die regelmässig beübt wird.
Damit Störfälle verhindert oder in ihrer Auswirkung beschränkt bleiben, besteht für alle Projektetappen der Sanierung ein Alarm- und Sicherheitskonzept. Die Projektleitung wird unter Mitwirkung von Experten und in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen kantonalen Fachstellen sowie unter Einbezug der zuständigen französischen Behörden ein umfassendes Störfalldispositiv ausarbeiten.
Die bci Betriebs-AG arbeitet sowohl mit den zuständigen Gemeinde- wie auch Kantons- und Bundesbehörden eng zusammen. Dem Kanton Jura – vertreten durch die kantonale Umweltschutzbehörde ENV (Office de l'environnement) – obliegt die Aufsicht über das Sanierungsprojekt.
Die bci Betriebs-AG informiert während der Sanierung Anwohner und weitere interessierte Kreise regelmässig und transparent über den Projektverlauf, sei es an Informationsveranstaltungen für die umliegenden Gemeinden, mit Medienmitteilungen und Jahresberichten oder auf ihrer Website. Zudem hat die bci Betriebs-AG gemeinsam mit dem Kanton Jura 2001 die Commission d’information ins Leben gerufen. Diese vereint sämtliche an der Sanierung interessierten Kreise. Die Kommission stellt sicher, dass ihre Mitglieder über den aktuellen Projektverlauf jederzeit informiert sind. Sie hat das Recht, Einsicht in die Akten zu nehmen, ihre Meinung kundzutun und Experten beizuziehen.
Dies erfolgt durch die Abnahme der sanierten Grube durch die kantonale Behörde. Die dabei einzuhaltenden Kriterien werden aus den Sanierungszielen abgeleitet.
Nach Beendigung der Sanierungsarbeiten werden die Hallen demontiert und die für die Sanierungsarbeiten benötigte Infrastruktur rückgebaut. Danach wird das Gelände wieder aufgeforstet. Dies wird voraussichtlich im Jahr 2015 der Fall sein. Bis sich jedoch der Wasserhaushalt im Gebiet wieder stabilisiert hat, werden noch weitere drei bis vier Jahre vergehen. In dieser Zeit erfolgt eine lückenlose Überwachung der Grund- und Oberflächenwasserqualität.
Als ehemalige Deponiebetreiberin steht die BCI beziehungsweise die bci Betriebs-AG voll zu ihrer Verantwortung und ist entsprechend bereit, die Kosten im Rahmen ihrer damit einhergehenden gesetzlichen Verantwortung zu tragen. Über diese gesetzliche Verantwortung hinaus hat sich die BCI zudem verpflichtet, auch für allfällige Kosten geradezustehen, die von Gesetzes wegen von der öffentlichen Hand im Kanton Jura zu tragen wären. Eventuelle Beiträge aus dem Altlastensanierungsfonds des Bundes (VASA) sind von dieser freiwilligen Kostenübernahme aber ausgenommen.