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Am letzten Weltcup-Wochenende dieser Saison bekomme ich meinen heiss ersehnten Startplatz im Weltcupzirkus. Erkämpft habe ich ihn mir aber eher mit der starken Sommersaison als an den letzten beiden Testläufen.
Als Selektionswettkämpfe der beiden letzten Weltcupblöcke in Tschechien und der Schweiz zählten die nationalen Läufe auf der Ruosalp und in Estavayer-le-Lac. Mit grossen Hoffnungen und einem guten Gefühl im Bauch reiste ich ins Muotathal für die verkürzte Langdistanz nahe der Glattalp. Doch ich zog einen sehr schlechten Tag ein, lief unsauber und kam nie in einen Flow. Eine Woche später, beim Sprint am Neuenburgersee, erfuhren alle Eliteläufer ein eindrückliches Erlebnis. Je näher der Start rückte, umso dichter und dunkler wurden die Wolken. Und just als die ersten Topläufer in die Gassen des schmucken Städtchens einbogen, überkam uns ein Wolkenbruch. Es schüttete wie aus Kübeln, die Gassen standen unter Wasser und vor Dunkelheit konnte man kaum noch Karte lesen. Ich fand das eigentlich noch lustig, als ich dann aber beim zweitletzten Posten nicht begriff, dass dieser auf einer Dachterrasse platziert war (vielen Dank für diese tolle Idee!), wurde ich stinkig. Die Verhältnisse liessen kein faires Rennen mehr zu und obschon ich versuchte cool auf das Ganze zu reagieren, nervte es mich, meine Form nicht mehr unter Beweis stellen zu können.
Gerade nach dem Sprint am Samstag, fand auf der anderen Seeseite am Sonntag die Staffel-SM statt. Ich lief in einem wild zusammengewürfelten Team auf der Startstrecke, froh noch kurzfristig zwei Staffelkollegen gefunden zu haben. Von Beginn an versuchte ich offensiv zu laufen und so konnte ich mich mit Anders Holmberg (Staffelmedaillengewinner an der WM in Frankreich) früh von den restlichen Konkurrenten absetzen. Anders war physisch stärker als ich und ich versuchte so gut wie möglich von ihm zu profitieren, aber dennoch immer offensiv auf der Karte zu bleiben. Dies funktionierte gut - zögerte er im Postenraum, lief ich zum Posten, kam ich läuferisch an den Anschlag, übernahm er wieder die Spitze. Weil ich kartentechnisch immer auf der Höhe war, konnte ich mich auch im entscheidenden Moment absetzen. Während der Basler mit Migrationshintergrund einen anderen Gabelungsposten (wie es bei Staffeln üblich ist, hatten nicht alle Läufer auf derselben Strecke die gleiche Bahn) benötigte und diesen etwas zögernd anlief, kam ich direkt zu meinem Posten und schuf einen kleinen Vorsprung heraus. Diesen konnte ich bis ins Ziel verwalten und meinem Teamkollegen Roland mit knapp einer Minute Vorsprung übergeben. Er und auch Pascal kämpften hartnäckig, mussten aber doch den einen oder anderen Kaderläufer passieren lassen.
Die zweitbeste Tageszeit an der Staffel-SM gab mir die Bestätigung, gut in Form zu sein. Umso mehr freute ich mich dann auch über die Nomination für die Mitteldistanz am Weltcupfinale in La Chaux-de-Fonds! Seither trainiere ich voll und ganz auf dieses Rennen hin, einerseits mit Trainings im Jura (Trainingslager mit dem Kader und eigener Trainingsaufenthalt mit Kollegen), andererseits versuche ich auch meine physische Form ein letztes Mal zu puschen. Dazu bestritt ich unter anderem die 10km-Strecke am Greifenseelauf und konnte diese überraschenderweise gleich gewinnen!
Die Mitteldistanz wird also mein erster und höchstwahrscheinlich auch letzter Weltcupeinsatz in dieser Saison sein. Es sei denn, ich sammle genügend Punkte, um am Sonntag unter den besten 40 Anwesenden des Gesamtweltcups zu sein. Nach der Punkteverteilung in Tschechien benötigte ich dazu wohl einen Sieg am Samstag - also nichts wie los ;+)
© 2016 Raffael Huber