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Situation und Ort Das Gebiet in der Sihlweid entwickelt über die Bebauungsmuster der 60er und 70er Jahre und über den umgebenden zusammenhängenden Freiraum eine grosse Präsenz und erstaunliche Grosszügigkeit. Die langen, mehrfach abgestuften Wohnzeilen setzen sich quer oder längs zum Hang als Komposition von Einzelgebäuden in den Grünraum. Die frei gebliebene Lücke des Bauperimeters scheint dabei im Schwarzplan eine unmissverständliche Prämisse im Zusammenspiel der vier bestehenden Baukörper. Der Ergänzungsneubau versteht sich daher als weiterer Stein, autark und selbsbewusst. Ein Solitär, welcher sich, um dem gedachten Freiraum zwischen den Nachbargebäuden Sihlweid 24 und 8 zu respektieren, nicht in die Lücke setzt, sondern exakt daneben. Die ursprüngliche Absicht der Arealüberbauung bleibt somit erhalten und wird in additiver Art um einen Neubau ergänzt. Der Ausnützungsreserve und dem Raumprogramm entsprechend entsteht ein kompaktes hohes Volumen, welches seine direkten Nachbarn zwar überragt, über seine differenzierte Ausgestaltung aber eine spannungsvolle Nähe aufbaut. Bewusst wurde die gebaute Masse dabei möglichst gering gehalten und im Zusammenspiel mit einer erhöhten Geschossigkeit ein einfaches, dichtes und rankes Gebäudevolumen erzeugt, welches nicht etwa als Kopf- oder Endbau des Bestandes fungiert, sondern emanzpiert im Freiraum steht und dem erklärten Ziel einer Ökonomie der Mittel auch in seiner äusseren Erscheinungsform ein Gesicht verleiht. Die Ausformulierung der Aussenbereiche als eingezogene oder als ausgestellte Balkone lassen das an sich einfache Volumen nuanciert erscheinen und mit seinem direkten Vis à Vis im Diskurs. Es entsteht ein Schattenspiel über Einbuchtungen und Auskragungen, welches das Volumen gliedert und lebendig erscheinen lässt.
Seiner Lage entsprechend wird das siedlungseigene Wegsystem fein angepasst und neu am Haus entlang geführt. Die gemeinsame „Spielfläche“ wird östlich verschoben und mit der Ergänzung um zwei Bäume mehr in den Mittelpunkt gerückt. Als Vorbote der inneren Struktur zeigt sich der Splittlevelversatz sowohl in der Fassade als auch in der Erschliessung und Zugänglichkeit des Neubaus. Dabei verankert sich der Baukörper selbstverständlich in den Hangverlauf und die erdgeschossigen (1. Untergeschoss) Wohnungen erhalten einen Hochparterre ähnlichen Charakter. Der Lift schliesst direkt an der öffentlichen Wegführung an und gewährleistet damit den behindertengerechten Zugang. Gleichzeitig kann über eine Rampe im Eingangsbereich das halbgeschossig versetzte Untergeschoss mit Velo- und Kinderabstellplatz direkt von aussen erschlossen werden.
Struktur und Wohnen
Eine einfache und direkt gewählte Struktur gliedert den Grundriss in zwei identische Hälften. Über das Treppenhaus werden so halbgeschossig versetzt zwei Wohnungen spiegelverkehrt erschlossen. Über die volumetrische Manipulation der eingezogenen oder angehängten Aussenbereiche wird innerhalb desselben Gerüsts ein entwerferischer Spielraum geschaffen für den gewünschten Wohnungsmix von 3.5- und 4.5- Zimmerwohnungen. Zudem werden je nach Typ und Stellung eine vorhanden Nähe zum Nachbarn über die Balkontiefe nach innen gefiltert (3.5 ZiWhg) oder in den Freiraum greifend als Ausblick inszeniert (4.5 ZiWhg). Feine innenräumliche Differenzierungen in der Anordnung von Wohnungsinternen Schrankeinheiten und der Position der Küche vervollständigen die Anpassungsfähigkeit der Grunddisposition und lassen maximale Planungsvariabilität. Der konkret zur Verfügung stehenden Ausnützungsreserve kann mit der vorgeschlagenen Struktur und Verteilung der Wohnungen im Haus optimal und maximal Rechnung getragen werden. Der Wohnungsschlüssel wird möglichst gleichwertig gewählt und auf das äussere Erscheinungsbild abgestimmt. Über den Geschossversatz kann das baurechtlich zum Wohnen nutzbare Untergeschoss gewinnbringend mit zwei Wohnungen belegt werden und ergänzt den Wohnungsschlüssel mit einer 2.5 Zimmer-Kleinwohnung. Vorstellbar wäre hier selbstverständlich auch eine Nutzung mit zumietbaren Atelierräumen. Oberer Abschluss des Hauses bildet in Ergänzung zur unteren Grundrissanordnung eine gemeinsame Dachterrasse in adäquater Grösse und versetzt dazu das mit Sonnenkollektoren ergänzte nicht begehbare Flachdach.
Mit wenigen Mitteln wird versucht, den einzuhaltenden Vorgaben zu Zimmergrössen und Wohnungsnutzung zu entsprechen und einen Mehrwert zu schaffen. So versteht sich der grosszügige Eingangsbereich einerseits als Ankunftsort und einziger Erschliessungsbereich, andererseits aber auch als je nach Bewohnerstruktur nutzbaren Raum, so zum Beispiel für Familien als Spielbereich der Kinder, als Schmutzschleuse und Aufbewahrungsort oder für WG’s als Gemeinschaftsraum wenn alle Zimmer belegt sind. Als Folge und in Ergänzung zum Entrée wird bewusst eine bipolare Anordnung von Küche/Essbereich zum Wohnzimmer gewählt. Dies um der Dreiseitigkeit der Wohnung Ausdruck zu verleihen und über die Bewegung innerhalb des Tagbereichs für den Bewohner erlebbar zu machen.
Die Unmittelbarkeit der Grundrissanordnung wird sowohl räumlich, als auch aus technischer Sicht gewinnbringend eingesetzt. Die vertikale Schachtführung ist direkt vom Treppenhaus zugänglich und für den Nasszellenbereich optimal gesetzt. Eine Massnahme, welche bautechnisch aber auch im Unterhalt und Gebrauch sinnfällig ist und zusammen mit dem einfachen statischen System (Wandscheiben und Decken tragend, Fassade nicht tragend) ökonomisch und nachhaltig wirkt.
Materialität und Konstruktion
Die Körperhaftigkeit des Volumens in seiner Ausprägung der Masse, Höhe und Tiefenwirkung entspricht dem städtebaulichen Anspruch an solitärer Wirkung genauso wie dem Anspruch an einem nachbarschaftlichen Diskurs mit dem Bestand. In Anlehnung an den Bestand wird über die prägende Wirkung der Anordnung der Balkone die Fassade gestaltet und gegliedert. Zeitgemäss und als moderne Antwort auf die 60er und 70 wird dies jedoch nicht in einer additiven, sondern für das Gesamtvolumen in einer kompositorischen Art gemacht. Die Öffnungen zu horizontalen Bändern mit unterschiedlichen Brüstungshöhen verbunden, ergänzen dabei diese Bild und lassen den Baukörper allseitig und offen wirken. Die muralen Brüstungen als verputzte Wandflächen sind dabei durchaus vergleichbar mit dem Vorhandenen, sollen sich jedoch über eine frische und leuchtende Farbgebung in einem rosa-purpur-Gemisch auch deutlich davon absetzten.
Konstruktives und kostenrelevantes Gebäudekonzept
Der Fassadenaufbau entspricht einem erprobten System. Er bietet einen optimalen Wärmschutz, ist rückbau- und wieder verwertbar, ist nicht brennbar, dauerhaft im Alterungsverhalten und weist folglich ein gutes Kosten/Nutzen-Verhältnis auf. Ein harte Oberflächenputz mit einem Grundputz mit Bewehrung auf der hinterlüfteten Trägerplatte, hält auch hohen mechanischen Beanspruchungen stand. Als Dämmung wird eine hochwertige Steinwollplatte angewendet. Die Fassadenflächen des untersten Geschosses mit Erdberührung wird mit einer mit Fliessen belegten Aussendämmung versehen. Der Wirtschaftlichkeit und Ökologie wird im Projekt mit einen guten Verhältnis von Fassade und Gebäudefläche Rechnung getragen. Die Modularität des strukturellen Aufbaues gewährleistet vor allem während der Planung eine hohe Flexibilität. So kann der Wohnungsmix relativ spät festgelegt werden. Der Tiefbau im Erdreich wird mit der sanften Setzung des Baukörpers (Splitlevelversatz) minimal gehalten, was die angestrebte ‚Ökonomie der eingesetzten Mittel’ gezielt unterstützt.