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In den Wetterprognosen erfährt man immer wieder, welches Hochdruck- oder Tiefdruck-Gebiet das Wetter bestimmt. Da spricht man zum Beispiel von einem atlantischen Hoch, das sich über Europa nach Osten bewegt, oder von einem Tief über dem Ärmelkanal, das eine Föhnphase einleitet.
Besser verfolgen
Seit einigen Jahren findet man vor allem auf Wetterkarten des Deutschen Wetterdienstes männliche oder weibliche Vornamen für Hoch- und Tiefdrucksysteme, die unser europäisches Wetter direkt beeinflussen. Das Ziel war es, die Verlagerung und Veränderung der Wettersysteme besser verfolgen zu können. Das ist schon lange Zeit für tropische Wirbelstürme bekannt. Hurrikane im Atlantik und Ostpazifik oder Taifune im Westpazifik erhielten früher nur weibliche Vornamen. Weil aber die meisten dieser Wirbelstürme grosse Verwüstungen hinterliessen, gingen Frauenorganisationen in den USA auf die Barrikaden. Sie verlangten, dass solche energiereichen und zerstörerischen Wettergebilde nicht mit weiblichen, sondern eher mit männlichen Vornamen bezeichnet werden sollten.
Sechs feste Namenslisten
Man hat sich geeinigt, und seit 1979 werden Hurrikane und Taifune alphabetisch mit A wie «Anna» oder wie «Albert» bis W wie «Wanda» oder «Walter» benannt. Wenn man in einem Jahr bei A mit einem weiblichen Vornamen beginnt, dann muss im kommenden Jahr zwingend mit einem männlichen begonnen werden. Die Buchstaben Q, U, X, Y und Z lässt man weg, weil es dazu zu wenig Vornamen gibt.
Es existieren derzeit sechs feste Namenslisten, die immer wieder verwendet werden, das heisst, in diesem Jahr 2017 gilt wieder die gleiche Liste, wie im Jahre 2011.
Aus der Liste verbannt
In der Vergangenheit gab es hie und da einen Hurrikan, der besonders grosse Schäden verursachte. Wir erinnern uns an Hurrikane wie Dennis, Katrina, Rita, Stan und Wilma. Diese Namen werden dann für immer aus den Listen gestrichen und mit neuen Namen ersetzt, wie im vorliegenden Fall mit Don, Katia, Rina, Sean und Whitney. Auch wenn gebietsweise andere Regeln bei der Verwendung der Listen gelten, hat sich die Namensvergabe für tropische Wirbelstürme weltweit durchgesetzt.
260 Namen in Europa
In Berlin, am ortsansässigen Institut für Meteorologie an der Freien Universität (FU), studierte 1954 die später als Fernsehmeteorologin bekannt gewordene Karla Wege. Sie regte an, dass man auch für europäische Wettersysteme Namen vergeben sollte. Das Institut führte darauf folgendes System ein: Die Namensvergabe erfolgte für Hochs und Tiefs nach zehn Listen mit je 26 Namen in alphabetischer Reihenfolge. Nach dem Durchgang der jeweils 260 Namen begann man wieder von vorne.
Das allererste Hoch hiess übrigens Albert und das erste Tief Anka. Diese Einteilung wurde aber vorerst nur im Institut für Meteorologie der FU Berlin verwendet. Sie hatte damals, während der Zeit des Eisernen Vorhanges, die Aufgaben des Wetterdienstes für West-Berlin inne.
Dann kam Vivian
Ausserhalb von Berlin, am Deutschen Meteorologischen Institut in Offenbach am Main, hatte man bis Anfang der 1990er-Jahre kein Interesse an diesen Einteilungen. Die beiden Orkantiefs Vivian und Wiebke Anfang 1990 änderten allerdings diese Situation schlagartig. Das Medieninteresse an den Zerstörungen durch diese beiden Orkantiefs in Deutschland war so gross, dass man in Zukunft immer häufiger zur Beschreibung von Wetterlagen die Namen der Hochs und Tiefs erwähnte.
Sehr viele Tiefs bei uns
Die Regeln verlangten, dass man Tiefdrucksystemen weibliche und Hochdrucksystemen männliche Namen gab. Das führte erneut zu heftigen Diskussionen, weil der Ausdruck «Tief» im Volksmund immer mit schlechtem und «Hoch» mit schönem Wetter verbunden ist. Der Wetterdienst wollte aber keine Wertung, weder mit weiblichen noch mit männlichen Vornamen. Mit den weiblichen Namen sollte der Laie vielmehr sofort ein Tief erkennen können.
Es gibt gerade in unseren Breitengraden mit dem wechselhaften Westwind-Wetter viele davon. Nur wenige sind gefährlich, die meisten aber nützlich, denn sie garantieren den Wassernachschub und damit das Pflanzenwachstum.
Ein guter Kompromiss
Bei den Hochdruckgebieten kann es auch solche geben, die gefährlich werden können, vor allem wenn sie eine Dürre mit Waldbränden verursachen. Damit werden eben die Begriffe «schönes Wetter» und «schlechtes Wetter» sehr relativ. Die Diskussionen endeten mit einem Kompromiss. Die Namen werden nun jährlich gewechselt. In diesem Jahr 2017 zum Beispiel erhalten alle Hochdruckgebiete weibliche, die Tiefdruckgebiete männliche Vornamen. Im nächsten Jahr 2018 wird es dann umgekehrt sein.
Ein Hoch für 299 Euro
Im Jahre 2002 gab es eine letzte Erneuerung. Es wurde die «Wetterpatenschaft» eingeführt (www.met.fu-berlin.de/wetterpate/vorgehensweise/). Die alphabetischen Namenslisten sind nicht mehr festgelegt. Man kann nun beim Deutschen Wetterdienst in Berlin einen Namen für ein Hoch oder Tief bestellen. Ein Tief kostet 199 Euro, ein Hoch 299 Euro. Der Preisunterschied soll auch hier nicht als Wertung verstanden werden, denn es gibt im Jahresdurchschnitt in Europa zirka 130 bis 150 Tiefs und nur zirka 50 bis 60 Hochs. Der Preis geht damit auf Angebot und Nachfrage zurück. Der Andrang für Wetterpatenschaften sei gross und die Listen über viele Monate im Voraus ausgebucht.
Ein schönes Geschenk
Und zum Schluss noch das: Jemand wünschte sich zu Weihnachten 2002 für seine Liebste ein Hoch namens Michaela. Das Hoch brachte dann in der ersten Monatshälfte vom August 2003 die bekannte Hitzewelle in Euro-pa mit Temperaturen in der Schweiz von 36 bis 38 Grad Celcius – und das für 299 Euro…
Mario Slongo ist ehemaliger DRS-Wetterfrosch. Einmal im Monat erklärt er in den FN spannende Naturphänomene. Weitere Beiträge unter: www.freiburger-nachrichten.ch, Dossier «Wetterfrosch».