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Genf, Brüssel, Frankfurt, und dann die Städte Amerikas als zweite Heimat: Der gebürtige Schweizer Ernest Bloch (1880-1959) hat nicht nur eine wahre Tonspur um den Globus gezogen, er hat auch einen ureigenen Tonkosmos geschaffen. Seinem Geburtsland widmete er das sinfonische Gedicht „Helvetia“, seinem Gastland die Orchesterrhapsodie „America“, dazwischen liegen Jahre intensiven Suchens nach und Schaffens an einer spezifisch jüdischen Nationalmusik (“Trois poèmes juifs“, Sinfonie Nr. 2 „Israel“, Rhapsodie für Cello und Orchester „Schelomo“). Dabei hat Weltbürger Bloch keine Grenzen gekannt, er hat musikalische Stile aus sämtlichen Himmelsrichtungen studiert und in seinen eigenen Welt-Musik-Kosmos einfliessen lassen: Anfangs stark geprägt von der europäischen Klassik – Spätromantik, Impressionismus, Neoklassizismus –, hat er in seine amerikanischen Kompositionen Hymnen, Indianergesänge und Volkslieder einfliessen lassen, in seinen „israelischen“ und immer ausgeprägt Blochschen Kompositionen aber auch hebräische, asiatisch-orientalische, tibetanische Elemente eingewoben.
Ein typischer Bloch der bereits vorgerückten Jahre ist das „Symphonische Klavierkonzert“ von 1948, ein ungeheuer schwerer, oft geradezu bedrohlicher Schlagabtausch zwischen dem schmetternden Orchester und dem sturmläutenden Klavier, der dann und wann wieder Gefechtspausen von unerwarteter Lieblichkeit, Leichtigkeit und Anmut kennt. – Ein weniger typischer Bloch ist das noch im gleichen Jahr geschriebene „Fantastische Scherzo“, eine ungeschminkt virtuose Spielwiese für das Soloinstrument – als ob der Komponist nach Vollendung des strengen „Concerto Symphonique“ das Bedürfnis gehabt hätte, dem gebändigten Piano nach getaner Arbeit im „Scherzo“ einen Moment freien Ausgang zu geben. Gebändigt oder ausgelassen – die bei den Aufnahmen eben erst 20jährige japanisch-kanadische Pianistin Micah Yui, die sich ein Jahr lang auf die Einspielung vorbereitet hatte, zeigt sich als unerhört virtuose Mitbürgerin des Blochschen Musikkosmos, der eine ganz grosse Karriere gewiss ist. – Den Abschluss dieser aussergewöhnlichen Ernest Bloch-Sammlung macht sein zweites „Concerto Grosso“ aus dem Jahr 1952: Hier stehen sich ein Streichquartett und das Orchester in einem auf- und abwogenden Dialog gegenüber, der überraschenderweise stark barock angehaucht ist. Alles in allem ein lohnender Ausritt in den abenteuerlichen Kosmos dieses bedeutenden Weltschweizers.