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Wir eröffnen die Retrospektive «Das Kino der jungen BRD» mit Peter Lorrres Der Verlorene und einer Einführung von Wolfram Knorr.
«Der Verlorene wäre in praktisch jedem Kontext bemerkenswert gewesen; als Produkt der flauen deutschen Nachkriegs-Filmindustrie ist er absolut phänomenal. Es war Lorres einziger Film als Autor und Regisseur und ist eindeutig sein persönlicher Kommentar zu jener Seite von Deutschland, die ihn 1933 ins Exil drängte, genauso wie seine Darbietung als Hauptdarsteller als Neuinterpretation jener Psychopathenrollen erscheint, die er in M und vielen Hollywoodfilmen verkörpert hatte. Die Handlung, die durchwegs in Rückblenden entwickelt wird, zeigt, wie der Arzt und Forscher Rothe (Lorre) von den Nazis zu politischer Komplizenschaft gezwungen wird, indem sie seine emotionalen und psychischen Schwächen geschickt und kaltblütig ausnützen; alles daran (einschliesslich der expressionistischen Zuckungen in der Bildgestaltung) ist durchdrungen vom Geist der deutschen Vergangenheit, bis das heftige Melodrama zum Schluss den Film in die noch trostlosere Gegenwart katapultiert.» (Tony Rayns, Time Out Film Guide, Übersetzung: Filmpodium Zürich)
«Peter Lorre als Arzt und Mörder in der Titelrolle seiner einzigen Regiearbeit, konfrontiert mit einem Geheimnis, einer Bedrohung: mit der Wahrheit. Ein scharf konturiertes, klar strukturiertes Bild aus einer verschwommen-zwiespältigen Zeit der Risse.» (Filmfestival Locarno)