Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03164.jsonl.gz/1803

Geheime Platten sind andere, aber anstelle einer Halbjahresbilanz und wiederholten Loblieder auf die Tonspuren von Sufjan, Panda, Earl, Colleen, Holly und Gefährten gibts hier ein sehr spätes auf Shamirs «Ratchet».
Hier ist eine der Hoffnungen auf ein allmähliches Verschwinden, oder besser: Überwinden der Männlichkeiten und Sexismen im Popbetrieb. Der Name dieser Hoffnung auf ein Post-Gender-Zeitalter lautet Shamir Bailey, und glücklicherweise ist der 20-Jährige aus Las Vegas schon sehr gut ausgeleuchtet: er figurierte auf der «Sound of 2015»-Liste der BBC, der New Yorker schrieb ein Porträt und sein Debüt «Ratchet» erhielt den «Best New Music»-Stempel von Pitchfork.
Abseits dieser Zuschreibungen der Hype-Blase ist «Ratchet» ein Album, das mit der schwülen Hassliebe-Hymne «Vegas» und den grossen Zeilen «You can come to the city of sin and get away without bail // But if you're living in the city oh you already in hell» beginnt; der tanzende Hitreigen folgt («Make a Scene», «On the Regular» und «Call It Off») und Shamir gibt hier die tolle Disco-Diva, die Sätze wie «While everyone is minus you can call me multiply» unterbringt. Zwischen diesen Aufscheidereien und cleveren Aufständen blickt Shamir bereits leicht sentimental auf seine eben überlebte, unschuldige Jugend zurück («Oh youth!»). Und auch wenn die Produktion zuweilen zu stromlinienförmig ausgefallen ist: diese bubenhafte Stimme ist es nie. Hier, der entscheidende Tweet und die Clipschau:
Also to those who keep asking, I have no gender, no sexuality, and no fucks to give— Shamir (@ShamirBailey) 24. März 2015
Shamir: «Ratchet» (XL/MV)
Live: 26.8., Zürich Open Air, Rümlang