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Ausgangslage
Mit Beschluss vom 24. Januar 2011 beauftragte der Bildungsrat die Bildungsdirektion zur Entwicklung eines standardisierten Tests für die 6. Primarklasse. Der Test soll die Beurteilung der fachlichen Leistungen und der allgemeinen kognitiven Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler ermöglichen. Gleichzeitig beschloss der Bildungsrat, dass der Test im Schulfeld zu erproben und ein Konzept für die Einführung des Tests bei den Schulen und Lehrpersonen der Primarstufe der Volksschule zu erarbeiten sei.
Mit der Einführung eines Tests für die 6. Klasse wurde das Ziel verfolgt, die Klassenlehrpersonen in der Gesamtbeurteilung der Schülerinnen und Schüler im Hinblick auf den Übertritt in die Sekundarschule bzw. ins Langgymnasium zu unterstützen.
Eine Arbeitsgruppe der Bildungsdirektion mit Vertreterinnen und Vertretern des Schulfeldes (Lehrpersonen, Schulleitungen) und der PH Zürich hat in der Zeit zwischen September 2011 und Mai 2012 Rahmenbedingungen und Eckpunkte für den Einsatz eines Tests für die 6. Klasse erarbeitet. Vorgeschlagen wurde, den Test auf der Grundlage dieser Rahmenbedingungen mit einer Auswahl von 100 Klassen zu erproben und den Pilotversuch wissenschaftlich zu evaluieren.
Der Bildungsrat hat die Vorschläge und Überlegungen der Arbeitsgruppe in seinen Sitzungen vom 9. Juli und 1. Oktober 2012 diskutiert. Anlässlich der Sitzung vom 9. Juli 2012 wurden dazu verschiedene Einwände vorgebracht (vgl. Erwägung 2a). An der Sitzung vom 1. Oktober 2012 wurden deshalb mögliche Alternativen erwogen.
Erwägungen
Test für die 6. Klasse
Dem Nutzen eines standardisierten Tests für die 6. Klasse stehen verschiedene Nachteile und Risiken gegenüber. So ist der Test nicht förderorientiert angelegt, und es besteht das Risiko, dass er insbesondere von Eltern und Schülerinnen und Schülern als Selektionsinstrument im Sinne einer Übertrittsprüfung verstanden wird. Zudem bedeutet die Durchführung des Tests einen zusätzlichen Aufwand für die Klassenlehrpersonen der 6. Klasse. Weiter besteht für rund einen Sechstel der Schülerinnen und Schüler eine zeitliche Nähe zur Zentralen Aufnahmeprüfung ZAP ins Langgymnasium. Zusammen mit den (stichprobenartigen) Erhebungen bei der künftigen Überprüfung der Bildungsstandards im Rahmen des Bildungsmonitorings von Bund und Kantonen ergäbe sich so eine beträchtliche Testdichte in der Mitte der 6. Klasse. Der Test ist mit beträchtlichen Kosten verbunden. Von einem Teil der Verbände des Schulfelds wird er abgelehnt, u. a. aufgrund der Vergleichsmöglichkeiten zwischen den Schulen und wegen des Aufwands für die Lehrpersonen. Der Test für die 6. Klasse könnte frühestens auf 2016 zur Verfügung stehen.
Angesichts der Risiken und des ungünstigen Verhältnisses von Nutzen und Aufwand verzichtet der Bildungsrat auf die Einführung eines Tests für die 6. Klasse.
Förderorientierter Test am Ende der 5. Klasse
Als Alternative zum Test für die 6. Klasse wurde ein förderorientierter Test am Ende der 5. Klasse in Erwägung gezogen. Ein solcher Test zur individuellen Standortbestimmung ermöglicht eine Überprüfung der Beurteilung durch die Lehrpersonen und eine Einschätzung des Potenzials der Schülerinnen und Schüler am Ende der 5. Klasse. Er gibt Hinweise für die Förderung in der 6. Klasse und verbessert so die Vorbereitung auf den Übertritt in die Sekundarstufe der Volksschule bzw. ins Langgymnasium. Der Test für die 5. Klasse liegt jedoch zu weit entfernt vom Zeitpunkt der Gesamtbeurteilung mit Blick auf den Übertritt und kann deshalb den Lehrpersonen nicht als Unterstützung bei Zuteilungsgesprächen dienen. Ferner kann der Test bezüglich individueller Förderung im ersten halben Jahr der 6. Klasse nur noch begrenzte Wirkung entfalten, und die Belastung der Lehrpersonen wird durch die Planung und Umsetzung individueller Fördermassnahmen in der 6. Klasse erhöht. Darüber hinaus entstehen zusätzlich zur Testentwicklung hohe Kosten für die Erarbeitung von entsprechenden Fördermaterialien. Der förderorientierte Test am Ende der 5. Klasse könnte frühestens auf Schuljahr 2017/18 zur Verfügung stehen.
Da ein förderorientierter Test für die 5. Klasse nur eine begrenzte Wirkung und keinen entscheidenden Mehrwert gegenüber dem Test für die 6. Klasse aufweist, wird diese Variante nicht weiterverfolgt.
Interaktive Lern- und Testsysteme auf der Mittelstufe
Am 24. August 2012 haben die Kantone St. Gallen und Zürich eine Absichtserklärung unterzeichnet, welche eine verstärkte Zusammenarbeit der Kantone Zürich und St. Gallen im Bereich der Lern- und Testsysteme für die Volksschule vorsieht. Die bisherige Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Instrumenten zur individuellen Standortbestimmung und Förderung auf der Sekundarstufe I («Stellwerk», «Lernpass») soll intensiviert und ausgebaut und auf die Primarstufe ausgedehnt werden. Beabsichtigt ist, dass Lern- und Testsysteme für die Förderung von Schülerinnen und Schülern auch auf der Mittelstufe zur Verfügung stehen (Arbeitsbezeichnung: «Lernlupe»). In Abstimmung mit dem Aufbau des Lehrplans 21 sollen die Instrumente für den sogenannten 2. Zyklus, also die 3. bis 6. Klassen hergestellt werden.
Mit den geplanten Lern- und Testsystemen können die mit dem Test für die 6. Klasse verbundenen Ziele verfolgt werden. Darüber hinaus bringen sie zusätzlichen Nutzen. Die Lern- und Testsysteme dienen nicht nur der individuellen Standortbestimmung sondern auch der Förderung im Unterricht. Sie sind flexibel während des Jahres einsetzbar und adaptiv im Schwierigkeitsgrad. Die Lernentwicklung der Schülerinnen und Schüler kann dabei über mehrere Jahre hinweg beobachtet und zu Handen der Eltern dokumentiert werden. Zudem leisten die Lern- und Testsysteme einen Beitrag an die Objektivierung der Leistungsbeurteilung und somit an die Erhöhung der Chancengerechtigkeit. Sie unterstützen die Lehrpersonen bei der Gesamtbeurteilung und bei Elterngesprächen, und dies nicht nur anlässlich des Übertritts von der Primar- auf die Sekundarstufe. Überdies können die im Kanton Zürich anfallenden Kosten für die Entwicklung und Erprobung der Instrumente durch die gemeinsame Finanzierung mit dem Kanton St. Gallen im Rahmen gehalten werden. Die Lern- und Testsysteme stehen frühestens ab Schuljahr 2017/18 zur Verfügung und sie sind ebenfalls mit Aufwand für die Lehrpersonen verbunden, da individuelle Fördermassnahmen umgesetzt werden müssen.
Angesichts des breiten Nutzens der geplanten interaktiven Lern- und Testsysteme verzichtet der Bildungsrat auf die weitere Entwicklung und Durchführung des Tests für die 6. Klasse.
Dem Bildungsrat sind vor der Vertragsunterzeichnung mit dem Kanton St. Gallen die Grobkonzepte für die Lern- und Testsysteme für die 3. bis 6. Klassen («Lernlupe») und die Anpassungen bzw. Ergänzung der Lern- und Testsysteme auf der Sekundarstufe («Lernpass») zur Beschlussfassung vorzulegen. Die Bildungsplanung wird beauftragt, in Zusammenarbeit mit dem Volksschulamt und dem Lehrmittelverlag, die entsprechenden Arbeiten an die Hand zu nehmen.
Antrag
Auf Antrag der Bildungsdirektion beschliesst der Bildungsrat:
- Auf die Entwicklung und Durchführung eines standardisierten Tests 6. Klasse gemäss Bildungsratsbeschluss vom 24. Januar 2011 wird verzichtet.
- Die mit den entsprechenden Vorbereitungsarbeiten beauftragte Arbeitsgruppe wird aufgelöst.
- Die Bildungsplanung wird beauftragt, die Grobkonzepte für die Lern- und Testsysteme für die 3. bis 6. Klassen («Lernlupe») und die Anpassungen bzw. Ergänzungen der Lern- und Testsysteme auf der Sekundarstufe («Lernpass») im Frühjahr 2013 zur Beschlussfassung vorzulegen.
- Publikation des Bildungsratsbeschlusses in geeigneter Form im Schulblatt und im Internet.
- Mitteilung an: Bildungsdirektion (Bildungsplanung, Volksschulamt, Mittelschul- und Berufsbildungsamt, Lehrmittelverlag), Begleitkommission Chance Sek