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#36 Wer profitiert von Freihandelsabkommen?
Fakten
Rolf Weder, Professor für Aussenwirtschaft und Europäische Integration an der Universität Basel, Interview mit der Swissmem vom 1. Dezember 2020
- «Der internationale Handel führt in Volkswirtschaften zu einer Erhöhung der Produktivität und des Realeinkommens»,
- «Theoretisch und empirisch belegt ist: Der internationale Handel führt wie bereits erwähnt zu einer Spezialisierung, und in der Folge erhöhen sich die Produktivität und das Realeinkommen in einer Volkswirtschaft. Es profitiert also grundsätzlich jedes Land vom Handel ….».
- «Der internationale Handel führt auch in Entwicklungsländern zu einer Erhöhung des Wohlstands pro Kopf. Da in diesen Ländern die Spezialisierung aufgrund der relativ grossen Bevölkerung und der deshalb tiefen Löhne eher in Richtung arbeitsintensive Güter geht, profitieren die Ärmeren verhältnismässig stark. Nun kann man allerdings in den USA seit den 80er-Jahren beobachten, dass die tiefqualifizierten Arbeitnehmer relativ zu den hochqualifizierten lohnmässig unter Druck kommen und sich der Strukturwandel hier schwierig gestaltet.»
Gut zu wissen:
- Die Schweiz verfügt – neben der EFTA-Konvention und dem Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union (EU) – gegenwärtig über ein Netz von 31 Freihandelsabkommen mit 41 Partnern.
- Die Welthandelsorganisation (WTO) fördert die Bildung von Freihandelszonen und den Abschluss von Freihandelsabkommen. Dies, weil das Modell der vergleichbaren Kostenvorteile von David Ricardo aufzeigt, wonach durch freien Handel zwischen Staaten Wohlfahrtsgewinne für alle beteiligten Staaten erreicht werden können.
- Entwicklungspolitische Bedeutung haben Freihandelsabkommen, die Entwicklungsländern den Zugang zu den Märkten der Industrieländer öffnen sollen; zu diesem Zweck führt die EU mit Staaten in Afrika, in der Karibik und im Pazifik Verhandlungen, die zum Abschluss von Freihandelsabkommen führen sollen (siehe Economic Partnership Agreement).
#36 Wer profitiert von Freihandelsabkommen?
Unsere Haltung
Freihandelsabkommen im Interesse der Schweiz abschliessen:
- Freihandelsabkommen mit Drittstaaten werden umso wichtiger, je unsicherer die Beziehungen zur EU sind. Mit Volldampf sollte daher der Kontakt zu interessierten und interessanten Partnerstaaten gesucht werden, laufende Gespräche konkretisiert und angedachte Abkommen abgeschlossen werden.
Abbau von Zöllen und Vorschriften
- Ungehinderten Marktzugang für Entwicklungsländer ist die beste Entwicklungshilfe. Entwicklungsländer wollen keine Almosen sondern Arbeitsplätze schaffen. Dies wird erreicht indem Zölle und Vorschriften abgebaut werden und diese Länder einen einfachen Marktzugang zu den entwickelten Ländern erhalten.
Massnahmen zum Abbau von Handelshemmnissen ergreifen:
- Bei Verschlechterung der Beziehungen zur EU kommen auf die Schweiz neue Handelshemmnisse zu (bspw. Medizinalprodukte). Es ist daher, zum einen, umso dringlicher, dass die Schweiz unilateral alles Mögliche unternimmt, damit der Handel in die und aus der Schweiz gestärkt wird. Die Unternehmen müssen so gut es geht von Handelskosten erleichtert werden – gerade für KMU kann das existentiell wichtig sein.