Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03359.jsonl.gz/1863

Jules, der gute Mensch aus Schötz
Jules Greber muss wohl aus einer fröhlichen und balancierten Familie stammen. Er stand fest auf der Erde und war ein fröhlicher Mitbruder; viel hat er gelacht. Sieben Geschwister wuchsen auf in dieser Familie Greber. Hier lernte er teilen, miteinander auskommen und wohl auch Rücksicht auf andere nehmen. Eine gute Voraussetzung für den priesterlichen und missionarischen Beruf. Er durfte studieren gehen nach Rebstein und Immensee, machte das übliche Theologiestudium und beendete es mit der Priesterweihe. Dann gings in die Weltstadt London zum Englischstudium, denn er wollte unbedingt nach Afrika – und da war Rhodesien offen für ihn. Die gute und gesunde Erziehung im Elternhaus haben ihn für die kommende Aufgabe in Afrika bestens zugerüstet. Er stammte aus einer gesunden Familie und wir haben ihn in all den Jahren als einen guten Menschen und Mit-Missionar erlebt.
Der eifrige Arbeiter im Weinberg
Was gilt es als Erstes zu tun als Missionar in einer anderen Kultur? Die Sprache lernen! Jules tat es. Er legte sich zünftig ins Shona Studium und wurde richtig gut, redete und predigte frei. Bald konnte er als Seelsorger in verschiedenen Pfarreien der Diözese Gweru wirken. Zhishavane, Moyo Musande, St. Joseph’s, Berejena, Beitbridge, Silveira, nochmals Beitbridge (dreizehn Jahre) und Masvingo. Beitbridge am Limpopo-Fluss, die Grenzstadt zu Südafrika, ist fürchterlich heiss, da lebte er am längsten, total fünfzehn Jahre lang. Sonnenverbrannt und gesund kam er jeweils an die SMB-Versammlungen ins Regionalhaus in Driefontein, mit einem breiten Lachen im Gesicht, und das nach sieben-stündiger Autofahrt.
Jules war überall gern gesehen. So ist es nur logisch, dass man ihn als Dekan für viele Jahre wählte. Er wurde auch in den Regional- und Bischofsrat gewählt. Die Mitbrüder schätzten seine Gedanken und manchmal frechen und mutigen Äusserungen. Später sieht man ihn als Regionalobern, und von 1995 bis 2003 war er Mitglied des Generalrates der Missionsgesellschaft, aber mit Sitz in Simbabwe. Zweimal im Jahr kam er zu Sitzungen in die Schweiz, weil damals noch keine Möglichkeit für Skyping und Telefonkonferenz bestand. Er besuchte im Auftrag des Generalrates auch Japan, Taiwan, Indien und südamerikanische Länder. Jules nutzte seine Talente und seine frohe Natur für den Dienst an den Menschen und dem Reich Gottes. Die Bildung der jungen Afrikaner war ihm ein grosses Anliegen, speziell in Beitbridge. Hier konnte er zwei Schulen aufbauen mit Hilfe der Pfarrei St. Mauritius in Bern. Zeitlebens war er mit dieser Pfarrei verbunden, und es gab gegenseitige Besuche. In Beitbridge leben verschiedene Stämme: Shona, Matabele und Venda. Ihm gelang es, sie alle – seien sie sprachlich und kulturell noch so verschieden – in eine grosse Pfarrei zu vereinen. Die Liturgie feierte er dreisprachig. Das war das Gewinnende an Jules, er war keineswegs klerikal, sondern nahe beim Volk, liebte die Menschen, war mit ihnen bei Trauer und bei Festen und beim Bier, teilte Freud und Leid. Das spürten sie, und es wird viele Tränen geben in Beitbridge am Auferstehungsgottesdienst, den sie für ihn halten werden. Jules war eben ein guter Mensch, echt und lebendig. Er war ein rassiger Autofahrer und begeisterter Prediger. Das passte zu ihm.
Jules geerdet und humorvoll
Für seine fast unbekümmerte Lebensweise, seinen Schalk und seine Leichtigkeit, Kontakt zu schaffen, hatte er ein Vorbild. Das war Stocker Sebi aus Buttisholz. Einige Jahre waren sie zusammen in derselben Pfarrei. Stocker war ein echtes Original und auch ein liebenswerter Mensch, einfach, bescheiden, das Herz bei den Leuten. Dasselbe darf ich auch von Jules sagen. Beim Jules, da war es einem richtig wohl. Zu essen und zu trinken gab es immer etwas, auch irgendwo ein Nachtlager im Haus gab es.
Tief in die Nacht konnte man mit Jules diskutieren. Nicht nur über Manchester United oder Liverpool-Fussball oder über Artikel im «Time Magazin». In seinem Büchergestell oder auf dem Pult lagen spirituelle und theologische Bücher. Jules war ein offener Geist und studierte Neues. Er liebte es, nach Südafrika einkaufen zu gehen oder mal eine Reise nach Moçambique zu unternehmen, um seinen Mitbruder und Freund Alois Graf in Machaze aufzusuchen. Und jedes Mal brachte er eine gute Flasche Whisky mit. Unter dem Mond wurde lange gelacht, getrunken und es wurden Geschichten erzählt. Echt menschlich, das tat beiden gut.
Leider musste Jules die letzten Jahre mit gesundheitlichen Problemen verbringen. Er zügelte von Beitbridge nach Mazvingo, dann ins Regionalhaus und schliesslich nach Immensee auf die Pflegeabteilung. Hier erlitt er in den letzten Monaten mehrere Hirnschläge, verlor immer mehr die Sprache und musste im Rollstuhl die bittere Erkenntnis machen, dass er nie mehr nach seinem geliebten Zimbabwe zurückkehren würde. Im Beisein von Sr. Margrith Achermann, der Hausmutter von Driefontein, die zur Zeit im Urlaub in der Schweiz ist, sowie einigen Mitbrüdern durfte er seinen Leidensweg verlassen und nun eingehen in die neue Welt, die Gott denen schenkt, die ihn und die Menschen lieben.
Wir sagen: Bye, Bye Jules, wir danken dir für alles, was du uns geschenkt hast. Wir glauben an ein Wiedersehen mit dir.
Josef Christen