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<h2>SubmittedText<h2><p>Im PSI-"Energie-Spiegel" Nr.13 vom Mai 2005 wird behauptet, die Katastrophe von Tschernobyl habe "bis zu 33 000 geschätzte latente Tote" zur Folge:</p><p>1. Welchen Effort hat das PSI in epidemiologischer Hinsicht geleistet, als es zu seiner erstaunlich niedrigen Opferbilanz gelangte? Welche Untersuchungen wurden vor Ort durchgeführt, mit wie vielen Personen? Wo sind die Daten publiziert?</p><p>2. Die Zahl der heute in kontaminierten Gebieten rund um Tschernobyl lebenden Menschen wird auf 2,5 Millionen geschätzt. Sie essen radioaktiv belastete Lebensmittel; deren Isotope reichern sich im Körper an. Bei den Aufräumarbeiten waren zudem über 600 000 junge "Liquidatoren" im Einsatz. Viele von ihnen sind erkrankt oder verstorben, teils durch Suizid. Weshalb zieht das PSI (und die IAEA) die erhöhte Morbidität und das Leiden dieser Menschen mit keinem Wort in Betracht? Haben die Opfer von Tschernobyl diese extreme Art der Menschenverachtung nach Ansicht des Bundesrates verdient? Kann man von Bundesstellen nicht, wie bei den Holocaust-Opfern, ein Minimum an Respekt gegenüber der Menschenwürde erwarten, anstatt dass die Leiden permanent und mit Methode verharmlost werden?</p><p>3. Kann der Bundesrat mit Sicherheit ausschliessen, dass höchstens 33 000 Menschen wegen Tschernobyl eine verkürzte Lebenserwartung haben, wie dies vom PSI verbreitet wird, und nicht bedeutend mehr, wie etwa von deutschen Strahleninstituten geschätzt wird?</p><p>4. Der russische Professor Wassilij Nesterenko hat die Konzentration von Radioaktivität in den Körpern von 110 000 Menschen in Minsk und Umgebung untersucht und festgestellt, dass viele Menschen, besonders auch nach 1986 geborene Kinder, durch die Aufnahme kontaminierter Nahrung geschädigt werden. In manchen Kindern wurde eine radioaktive Aktivität zwischen 50 und 1250 Becquerel Radioaktivität pro gemessenem Kilogramm Gewicht gemessen. Hat das PSI die Untersuchungen von Prof. Nesterenko bei seinen Todesfallschätzungen berücksichtigt, und wenn ja, in welcher Hinsicht?</p><p>5. Cäsium und Strontium strahlen während vielen hundert Jahren, Isotope wie Plutonium sogar während Hunderttausenden von Jahren. Welche Methodik führt zur Schätzung des PSI über die Zahl der Opfer ("bis 33 000 Menschenopfer"), wenn man die zukünftige Population in den kontaminierten Gebieten in Zukunft noch nicht kennt?</p><p>6. Das Bundesamt für Zivilschutz und die Prognos AG schätzten die Kosten eines schweren Atomunfalls in der Schweiz auf 4000 bis 9000 Milliarden Franken. Eine Versicherung dieses Risikos würde zu Versicherungsprämien führen, welche die geltenden Marktpreise für Strom um ein Vielfaches übersteigen. Die Autoren der PSI-Studien ignorieren diese ungedeckten Versicherungskosten systematisch. Teilt der Bundesrat die Auffassung, dass man von einem Projekt, das sich "ganzheitliche Betrachtung von Energiesystemen (Gabe)" nennt, erwarten kann, dass es die externen Kosten vollständig und eben nicht willkürlich in seine Berechnungen einbezieht?</p><p>7. Auf der aktuellen Internetsite des Gabe-Projektes und in der Publikation "Ökologisches Profil von Nuklearsystemen" (P. Hardegger, R. Dones, 2005) wird die Windenergie mit Gestehungskosten von 20 bis 51 Rappen pro Kilowattstunde beziffert, Atomenergie mit Kosten von unter 10 Rappen pro Kilowattstunde (inklusive externe Kosten!). Die Einspeisevergütungen für Windenergie betragen in Deutschland und Spanien, beides Länder mit mehreren tausend Megawatt Zubau pro Jahr, im Jahre 2005 zwischen 5,8 und 8,7 Eurocents pro Kilowattstunde, also unter 13,5 Rappen pro Kilowattstunde. Aus welchen Quellen bezieht das PSI seine phantastischen, im Effekt völlig absurden Zahlenangaben über die Kosten der Windenergie?</p><p>8. Welche Konsequenzen zieht der Bundesrat, wenn hoch bezahlte Forschungsabteilungen des Bundes (und internationale Organisationen wie die IAEA) auf Staatskosten reinen Pfusch publizieren, und ihre Woodoo-Wissenschaft auch noch auf Staatskosten dem breiten Publikum verbreiten?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Im Rahmen des Projektes "Ganzheitliche Betrachtungen von Energiesystemen" studiert das Paul-Scherrer-Institut (PSI) die technischen, sicherheitstechnischen, ökologischen und ökonomischen Zusammenhänge bei der Produktion und dem Einsatz von Energiesystemen. Im "Energie-Spiegel" des PSI wird periodisch über Erkenntnisse aus der Energieforschung und den interdisziplinären Studien berichtet. Der Energiespiegel Nr. 13 vom Mai 2005 berichtet über schwere Unfälle bei der Anwendung fossiler Energiequellen, der Wasserkraft und der Kernenergie. In diesem Zusammenhang werden auch die Risiken von schweren Unfällen angesprochen und die Zahl von 33 000 latenten Todesfällen für die nächsten 70 Jahre aus dem Tschernobyl-Unfall genannt.</p><p>1.-5. Das PSI hat die Zahlen für latente Todesfälle im Zusammenhang mit dem Reaktorunfall von Tschernobyl aufgrund von Studien der EU, IAEA und WHO (1996) und UNSCEAR (1993) unter Berücksichtigung von russischen Quellen in einem umfassenden Bericht über schwere Unfälle im Energiebereich (alle erwähnten Berichte und Publikationen sind auf Anfrage über das Staatssekretariat für Bildung und Forschung beziehbar) im November 1998 publiziert. Dessen Ergebnisse wurden von nationalen und internationalen Experten überprüft und als richtig befunden. Bei einer erneuten Überprüfung im Jahr 2004 im Rahmen einer EU-Studie hat das PSI festgestellt, dass die Zahlenwerte weiterhin gültig, jedoch im Vergleich zu Ergebnissen anderer Publikationen eher zu hoch geschätzt worden sind. Im September 2005 wurde von einem Forum der Uno (unter Beteiligung von IAEA, WHO, UNDP, FAO, Unep, UN-OCHA und UNSCEAR), der Weltbank und den Regierungen von Russland, Belarus, und der Ukraine eine neue unabhängige Studie zu den Folgen des Tschernobyl-Unfalles veröffentlicht. Eine der Schlussfolgerungen aus diesem Bericht ist, dass aufgrund der Strahlenbelastung durch den genannten Unfall bis zu 4000 Menschen gestorben sein könnten. Bis Mitte 2005 sind gemäss Bericht etwa 50 Todesfälle registriert worden, die in direktem Zusammenhang mit dem Unfall stehen. Die neuesten Erkenntnisse von namhaften Experten, die mit Studien und Forschungsarbeiten vor Ort in Kontakt waren, ergeben demnach deutlich tiefere Todesfallzahlen als die im "Energie-Spiegel" dargestellten Werte.</p><p>6. Die durch Reaktorunfälle potenziell verursachten externen Kosten sind in den Berechnungen der externen Kosten der Kernenergie in den PSI-Studien berücksichtigt. Auch bei Annahme möglicher Folgeschäden in der angegebenen Grösse bleiben die resultierenden Zusatzkosten aufgrund der geringen Wahrscheinlichkeit derart schwerer Unfälle bei schweizerischen Kernkraftwerken auf 0,01 bis 0,1 Rappen pro Kilowattstunde beschränkt. Auch diese Ansätze sind im Vergleich zu Studien der EU und der USA konservativ.</p><p>7. Die zitierten Angaben zu den Kosten für die in der Schweiz produzierte Windenergie stammen aus einer PSI-Publikation aus dem Jahre 1999. Darin wurden sowohl Windenergieanlagen berücksichtigt, die an geeigneten Standorten und mit moderner Technik produzieren, als auch Anlagen, die in weniger geeigneten Gebieten vorgesehen waren. Für aktuelle Windenergieprojekte, die das PSI in seinen Studien berücksichtigt hat, liegen die Produktionskosten bei 20 Rappen pro Kilowattstunde. In Deutschland und Spanien kann Windenergie kostengünstiger produziert werden als in der Schweiz. Dies hängt damit zusammen, dass dort die Windverhältnisse wesentlich besser sind und zudem grössere Windparks errichtet werden können.</p><p>8. Das PSI hat eine hohe nationale und internationale wissenschaftliche Reputation. Seine Energiesystemstudien und anderen Energieforschungsarbeiten geniessen hohe Anerkennung und werden von Wissenschaftern aus dem In- und Ausland in Publikationen zitiert und für deren Studien berücksichtigt. Aus diesen Gründen sieht der Bundesrat keinen Handlungsbedarf, der über die im Rahmen seines Leistungsauftrages an den ETH-Bereich durchzuführenden Evaluationen hinausgehen würde. Er begrüsst die Anstrengungen des PSI, die Öffentlichkeit über Erkenntnisse aus seinen Forschungsarbeiten zu informieren.</p>  Antwort des Bundesrates.