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Im September machten wir uns entlang des «Jüdischen Kulturwegs» im aargauischen Surbtal auf die Suche nach Spuren von Schweizer Jüdinnen und Juden in diesem Gebiet. Auf einer Führung durch das Dorf Lengnau und den jüdischen Friedhof in der Nähe lernten wir mehr über das Zusammenleben mit ihren christlichen Nachbarn.
Im 17. Jahrhundert wurden in den Dörfern Lengnau und Endingen Jüdinnen und Juden als fremde Schutzgenossen angesiedelt. Diese mussten sich ihre Aufenthaltsbedingung alle paar Jahre in Form eines Schutz- beziehungsweise Schirmbriefes teuer erkaufen. Zeitweise waren diese beiden Dörfer die einzigen Orte in der Schweiz, an denen sich Jüdinnen und Juden niederlassen durften.
Während ihres rund 200-jährigen Zusammenlebens mit den Christinnen und Christen auf engem Raum waren sie im Berufs- und Sozialleben stark eingeschränkt. Sie waren von Gesetzes wegen abgesondert, durften also nicht mit ihren christlichen Nachbarn unter einem Dach wohnen. Deshalb wurden Häuser mit zwei separaten, nebeneinander liegenden Eingägen, sogennanten «Doppeltüren», erbaut. Zudem durften sie kein Handwerk ausüben oder Boden besitzen und beschränkten sich auf den Handel von Tüchern, Fellen und Häuten. Untereinander sprachen die Surbtaler Jüdinnen und Juden Jiddisch, in welchem sie bald einen eigenen Dialekt entwickelten. Das Surbtaler Jiddisch wird heute aber kaum mehr gesprochen.
Im 18. Jahrhundert erhielten die Juden die Erlaubnis, einen Friedhof anzulegen und in den beiden Dörfern Synagogen zu bauen, welche heute noch stehen. 1850 empfingen diese Gotteshäuser zum Gebet rund 1000 Personen in Endingen beziehungsweise 500 in Lengnau. Nach der Gleichberechtigung der Jüdinnen und Juden durch die Bundesverfassung 1866 erfolgte eine rasche Abwanderung aus diesem Gebiet. Heute beschränkt sich die jüdische Bevölkerung im Surbtal auf ein paar Familien. Allerdings haben nicht wenige der heute in der Schweiz ansässigen Jüdinnen und Juden ihren Herkunfts- respektive Bürgerort im Surbtal.
Nach dieser interessanten Führung und einem leckeren Mittagessen schlenderten wir durch das historische Bäderquartier in Baden. Natürlich durften wir uns ein Fussbad im mineralreichsten Thermalwasser der Schweiz nicht entgehen lassen!