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Angela: "Ich war zu stolz, um meine Sorgen und Not zuzugeben"
Auf Drängen einer Mitarbeiterin nahm sie dann die Unterstützung des Überlebensprogramms doch noch an. Der Alltag ihrer Familie hat sich dadurch radikal verändert.
Regelmässige Untersuchungen, Vitamine und eine gute Ernährung sind essentiell, damit eine werdende Mutter ihre Schwangerschaft unbeschadet überstehen kann.
Für Angela, die in der Dominikanischen Republik lebt, war das alles nicht möglich. Sie hatte gesundheitliche Probleme, die ihr Baby im Bauch gefährdeten, und ihr Mann konnte nach einer Operation nicht aufstehen. Sie konnte weder ihre Familie ernähren, noch hatte sie die Möglichkeit, sich auf die Ankunft ihres Babys vorzubereiten.
Ein Überlebensprogramm wird eröffnet
Als sie im siebten Monat schwanger war, startete eine Kirche in ihrer Nachbarschaft ein Überlebensprogramm von Compassion für Mütter und Babys. Dies hätte eine gute Nachricht für Angela sein können.
Mariber, eine Mitarbeiterin, ging von Haus zu Haus im Quartier, um Frauen in Not zu finden, die ins neue Programm aufgenommen werden könnten. Angela war nicht zu Hause, als Mariber vorbeikam. Eine Nachbarin hörte jedoch die gute Nachricht und forderte Angela eindringlich auf, sich zu melden. Als Angela das Kinderzentrum aufsuchte, wurde festgestellt, dass sie alle Anforderungen erfüllte, und ihr wurde angeboten, sofort am Überlebensprogramm teilzunehmen.
Gesundheitliche Probleme schwächten ihre Familie
Angela hatte eine Mauer von Stolz und Scham um sich herum gebaut. Sie weigerte sich, über ihre Notlage zu sprechen. „Wenn ich sie fragte, was sie brauchte, antwortete sie nicht“, erzählt Mariber. Zu Beginn war es gar nicht einfach, sie zu begleiten. „Sie wollte auch nicht über ihre Arzttermine sprechen“, erzählt Mariber weiter.
Als Mariber Angela zu Hause besuchte, wurde sie zutiefst erschüttert. „Die Kinder lagen weinend auf dem Boden. Angelas Füsse waren dick angeschwollen. Sie blieb aufrecht stehen und kochte mit den wenigen Dingen, die sie noch hatte, eine Suppe. Und noch schlimmer war es, ihren Mann im Bett liegen zu sehen. Er war notfallmässig am Blinddarm operiert worden und konnte nicht arbeiten. Und Angela war wegen ihres hohen Blutdrucks in unbezahltem „Mutterschaftsurlaub“. Sie hatten wirklich nichts, aber sie hatte kein Wort darüber gesagt. Doch an diesem Tag erfuhr ich das ganze Ausmass ihrer Schwierigkeiten.“
Lebensmittel für die Familie
Mariber und Genoveba, die Leiterin des Überlebensprogramms, machten sich auf den Weg, um Lebensmittel für Angela und ihre Familie sowie Medikamente für ihren Blutdruck zu kaufen. Angela war verblüfft über so viel Zuwendung und Unterstützung in so kurzer Zeit.
Aber obwohl sie nun genug zu essen hatte und ihr Blutdruck unter Kontrolle war, gab es immer noch andere Dinge, die Angela Sorgen bereiteten. Auch darüber hatte sie nie mit jemandem gesprochen. Später berichtet Angela: „Einen Tag vor der Entbindung fragte mich Mariber erneut, was ich für das Baby brauche. Ich habe kein Wort gesagt, aber ich listete auf einem Stück Papier ein paar Dinge auf, die ich wirklich brauchte.“ Die Mitarbeitenden hatten bereits einiges für die Ankunft des Neugeborenen besorgt und ergänzten dies mit Angelas Liste.
"Sieh mal das Moskitonetz!"
Angela war überwältigt, als sie die grosse Tasche voller Babybedarf sah, die ihr ins Spital gebracht wurde. Darin befanden sich Schoppenfläschchen, Windeln, Feuchttücher, Kleider, Handtücher, ein Moskitonetz und vieles mehr. Sie öffnete die Tasche und zeigte ihrem Baby nacheinander die neuen Sachen: „Sieh mal, dein Moskitonetz, und schau mal die Schüssel hier, darin wirst du ein Bad nehmen.“
Die Unterstützung hatte noch weitere Auswirkungen auf Angelas Leben. „Sie spricht jetzt viel offener mit mir. Da ihr Blutdruck immer noch hoch ist, erhält Angela weiterhin medizinische Unterstützung. Sie bekommt auch Hausbesuche und Einladungen zu Kursen, in denen junge Mütter lernen können, wie man gute Eltern sein kann.”
“Es ist erstaunlich, wie sich das Leben dieser Familie in nur vier Monaten verändert hat”, sagt Mariber voller Dankbarkeit. “Das mag sich kurz anfühlen. Aber es war die perfekte Zeitspanne, um im Leben von Angela und Alexander eine tiefgreifende Veränderung zu bewirken. Ohne diesen viermonatigen Einsatz hätten Angela und Alexander vielleicht nicht überlebt.