Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03462.jsonl.gz/1535

Seit den sechziger Jahren beschäftigt er sich nämlich mit dieser immensen, von Nomaden besiedelten Wüste, weil ihn ihre Vorgeschichte und ihre heutigen Bewohner von Anfang an fesselten. Dabei hat er zahlreiche Expeditionen und Reisen organisiert, um die Felsmalereien und -gravuren zu entdecken und fotografisch zu dokumentieren (auch für die Wissenschaft). Parallel dazu hat er natürlich auch immer die heutigen Saharavölker, ihr Leben und vor allem ihre Landschaft, diese so vielfältige, vom Wind und gelegentlich vom Wasser geformte Welt aus Sand und Stein, im Bild festgehalten.
In den Jahren 1961 und 1962 lebt er bei den Tuareg des Tassili n'Ajjer (Algerien). Von diesem Aufenthalt bringt er einen einzigartigen Film über das Leben der Nomaden nach Hause, «Ombres bleues du Tassili», den er auf einer Vortragstournee unter dem Patronat von «Connaissance du monde» in der ganzen Schweiz, ja selbst in Paris in der Salle Pleyel vorführt. 1964 leitet er eine dreimonatige Mission im Fezzan, Tassili und Hoggar (Libyen und Algerien); hier studiert er die lokalen Ethnien (die schwarzen Völker des Fezzan, die Tuareg in den Tassili- und Hoggar-Berggebieten) und erfasst die Felsmalereien und -gravuren dieser Regionen.
1966/67, nach einer Reise durch Südmarokko und Südtunesien zu den Nomaden und sesshaften Oasenbewohnern dieser Gebiete, übernimmt er die Führung einer umfangreichen Mission in den Tassili, Tenere, Tibesti und Tschad (Mission T4). Während dieser Expedition dreht er eine Serie von sechs Filmen mit dem Titel «L'homme face au desert» für die Television Suisse Romande. Von der sechseinhalb Monate dauernden Reise bringt der Fotograf eine vollständige Fotodokumentation über die besuchten Völker sowie über die vorgefundenen Felsmalereien und -gravuren zurück. Diese Materialien macht er auch den Völkerkundemuseen von Basel, Genf und Neuenburg zugänglich, mit denen er regelmässig zusammenarbeitet, um ihre Sammlungen mit vorgeschichtlichen Werkzeugen sowie traditionellen Objekten der Tuareg und anderer Saharavölker zu ergänzen oder sie bei thematischen Ausstellungen über die Sahara zu unterstützen. Ausserdem entdeckt er eine bedeutende Fundstätte für vorgeschichtliche Kunst im Enneri Blaka (Niger), auf der Djado-Hochebene. 1968/69 kehrt er nochmals für drei Monate in diese Region zurück und entdeckt sieben weitere Fundstätten. Er nutzt die Reise für eine Reportage über die Salzgewinnung in Bilma und den Transport dieses kostbaren Guts mit traditionellen Kamelkarawanen - Azalaï - durch den Tenere nach Agades.
1969/70 leitet er eine fotografische Mission in der Sahelzone Mauretanien, Senegal, Mali und Niger), bei der er mit Professor Henri Jean Hugot zusammenarbeitet. Der Ethnologe, Paläontologe und Vizedirektor des Pariser Museums d'Histoire naturelle führt zu dieser Zeit Forschungs- und Ausgrabungsarbeiten über jungsteinzeitliche, vom Sand begrabene Städte in Mauretanien durch. Ausserdem realisiert Maximilien Bruggmann umfangreiche Fotodokumentationen über die Gebiete am Nigerstrom, in Timbuktu und Gao sowie über die Peul Bororo im Niger. Mehrere seiner Reportagen befinden sich im Museum der Universität Dakar und im Musée d'ethnographie von Niamey. In den 1970er Jahren sind Algerien und Marokko auf dem Programm, einige Jahre später erneut Niger und der Tenere.le Ténéré.
Von 1999 bis 2004 begleitet er als Fotograf sechs Expeditionen im Niger - in den Bergen des Aïr und Tenere - für die französische Vereinigung „Le Lien“. Sie führt jugendliche französische Delinquenten, die sich in unserer Industriegesellschaft nicht zurechtfinden, durch die Sahara, um sie mit der Wüste und den traditionellen Lebensregeln und Werten der Völker in dieser Region vertraut zu machen. Während den mehrmonatigen Reisen teilen die Jungen den Alltag von nomadischen Tuareg-Viehzüchtern im Aïr, und zwar in deren Lagern wie auf Kamelkarawanen.
Dem Saharakenner Maximilien Bruggmann bieten diese Reisen die Gelegenheit, Regionen kennen zu lernen und zu fotografieren, die zum Teil noch nie von Weissen besucht wurden. Dabei gelingt es ihm erneut, bisher unbekannte Felsmalereien und -gravuren zu dokumentieren. Ausserdem hält er den Alltag der Tuareg fest, die Ankunft der Kamelkarawane an einem Wasserloch (Guelta genannt), das Beladen der Tragtiere, die Abende am Lagerfeuer, eine junge, prachtvoll geschmückte Mutter, Frauen beim Melken oder Hirsemahlen, einen alten Mann bei der Teezubereitung oder einen Azawakh, den Wind- und Hütehund der Sahara, etwas abseits von den Männern in der Sonne liegend, aber stets die Herde im Auge behaltend.
Fasziniert von den nomadischen Viehzüchtern, geht er ihnen entgegen, teilt mit ihnen ihr Leben, lebt ihre Traditionen, bereichert sich mit ihren Erfahrungen. Während er Wert darauf legt, diskret und respektvoll zu bleiben, nutzt er ihr Wissen über die Umwelt und kann so einmalige und eindrückliche Aufnahmen machen.
Ein Zeichen, dass die Tuareg Maximilien Bruggmann längst als einen der ihren betrachten, ist sein Spitzname Efitel (der Mähnenspringer), weil er wie dieser von morgens bis abends unermüdlich von Fels zu Fels klettert und springt, um jeden Felsunterstand und jede Spalte zu inspizieren, die eine Felsmalerei oder -gravur enthalten könnte. Und wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, kämpft er sich sicher durch ein Wadi oder eine Sanddüne hoch, um einen einsamen Baum, eine einzigartige Landschaft, vom Wind geformte Sandmuster, eine «wehende» Düne in der Ferne, Spuren im Sand oder eine Karawanenroute im Bild festzuhalten, die sich am Horizont verliert ... Um die Sahara, diese einzigartige Wüste, für die Nachwelt zu erhalten, dieses Land von Nomaden, Traditionen, Legenden, Abenteuern und Träumen seit Tausenden von Jahren.
So hat Maximilien Bruggmann während einem halben Jahrhundert eines der bedeutendsten fotografischen Archive der Welt geschaffen von den prähistorischen Fundstellen in der Sahara, von Landschaften und Völkern, die eine traditionelle Existenz führen. Bei diesen Langzeitexpeditionen begleiteten ihn manchmal andere Forscher und Fachleute aus dem Sahara-Umfeld, darunter der Herpetologist Jean Garzoni, der Professor Henri Jean Hugot, Ethnologe, Paläontologe und Spezialist für Vorgeschichte wie auch der Professor Theodore Monod.
Maximilien Bruggmann war der offizielle Fotograf der Expo 1964 in Lausanne und hat später zahlreiche Bildbände in den Verlagen C.J. Bucher in Luzern sowie Silva und Bär in Zürich veröffentlicht. Für solche Buchprojekte wurde er der Sahara vorübergehend untreu, um andere Weltregionen zu bereisen: Mexiko, die Andenländer Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Argentinien und Chile, Kanada, die USA, Malaysia, Sri Lanka, Indonesien, Indien sowie zahlreiche europäische Länder und Regionen (Belgien, Korsika, Sardinien, Finnland, Norwegen, Provence, Camargue, Bretagne, das Wallis, die Zentralschweiz usw.) sowie die Städte Venedig, Rom, London.
In die Sahara kehrt er 1992 und 1993 wieder zurück auf Reisen ins Aïrgebirge im Niger sowie 1997 auf Reisen im Tadrart und Tassili n'Ajjer (Algerien).
Als Verfechter von Druck und Papier hat er die Bücher immer als idealen Weg betrachtet, um seine Entdeckungen und Leidenschaften mit der breiten Öffentlichkeit zu teilen, um seine Leser mit auf seine Reisen zu nehmen. Sein Freund, der Journalist und Schriftsteller Alex Décotte, Mitbegründer der „Vereinigung der Freunde von Maximilien Bruggmann“, schrieb die Texte mehrerer Bücher: Gauchos (CJ Bucher, 1978), Korsika und Sardinien (Silva, 1982), Provence und Carmarque (Silva, 1983), Cowboys & Rodeo (Bär, 1990) und andere. Mit dem Journalisten und Kunstschriftsteller Sylvio Acatos veröffentlicht der Fotograf ein Buch über die Pueblos (Bär, 1989), ein bemerkenswertes Kunstbuch.
Im Jahr 1999 veröffentlichte der Verlag „Les éditions de l’Amateur“, Paris, das Buch Sahara – Art rupestre. Mit diesem Nachschlagewerk von ca. 600 Seiten und 660 Fotografien dokumentiert Maximilien Bruggmann die bedeutendsten Fundstellen in der Sahara. Es ist mit Texten von Professor Henri Jean Hugot bereichert und das Vorwort wurde von Professor Théodore Monod geschrieben.
Als er nicht mehr reisen konnte, pflegte der Fotograf die Freundschaft. Gerne empfing an seinem Tisch in Yverdon-les-Bains (VD) seine Freunde und Reisebegleiter sowie viele Verleger, Journalisten, Schriftsteller, Wissenschaftler, Museumskuratoren, Forscher, Reiseführer, nicht zu vergessen die jungen Abenteurer und Fotografen, die ihn um Rat zu baten.
Von 2004 bis zu seinem Tod am 21. August 2016 in Yverdon-les-Bains (CH) im Alter von 82 Jahren befasst sich Maximilien Bruggmann, dessen Gesundheit schlechter wurde und ihn daran hinderte, weitere Reisen zu unternehmen, mit einem weiteren großen Unternehmen ... im Herzen seiner fotografischen Archive. Der Fotograf arbeitet, um seine Arbeit zu archivieren und zu bewahren. Von den argentinischen Gauchos bis hin zu Tuareg-Kamelen, durch die Gewürzstrasse, die ungewöhnlichen Landschaften der amerikanischen Nationalparks, die grandiosen Panoramen der Alpen oder der bunte Schimmer der Zeremonien der nordamerikanischen Indianer, fast 150.000 Diapositive legen Zeugnis ab von großer Vielfalt und von außerordentlichem Reichtum. Durch sorgfältige Überprüfung der großen Themen und der Reisen, die seine Arbeit unterstreichen, wählt er für jedes von ihnen die Bilder aus, die ihm aus dem künstlerischen wie dem thematischen Standpunkt am interessantesten erscheinen und bemüht sich, diese zu scannen.
Heute, da Maximilien Bruggmann, wie Professor Theodore Monod einmal sagte "aufs andere Ufer“ gegangen ist, eine Gruppe von Freunden, darunter Alex Décotte, André Dutoit und Jean-Claude Bourgeon, wie auch sein Bruder Peter Bruggmann arbeiten nun daran, die Arbeit des Fotografen weiterzuführen und das Archiv zu bewahren: Diapositive, Filme, Grafikdokumente, Gemälde, Bücher, Dokumente und Notizbücher, die seine Reisen, Souvenirs und Gegenstände dokumentieren. Zu diesem Zweck gründeten sie die Vereinigung der „Freunde von Maximilien Bruggmann“, deren Aufgabe es ist, einerseits die Verbindung zu seinen Freunden auf der Website www.les-amis-de-maximilien.org aufrechtzuerhalten und andererseits seine Fotos weiter zu veröffentlichen auf den Webseiten www.maximilienbruggmann.com und www.maximilien-bruggmann.ch (diese Webseite), um dieses einzigartige kulturelle Erbe zu bewahren und zu verbessern, das vielfach aus unveröffentlichten und unersetzlichen Dokumenten besteht.
«Wir alle haben heute einen Freund verloren, der uns besonders lieb war. Die Arbeit der Digitalisierung und Publikation, die wir seit Monaten unternommen haben - und die ich hoffe, weitergeführt wird - brachte mich diesem Bruder in Freundschaft noch näher: diskret, tief, freiwillig, warm und komplizenhaft», sagte Alex Décotte, ein treuer Freund, eine treibende Kraft hinter der Gruppe und Präsident des Vereins.
Texte: Armande Reymond, Journalistin, Mitglied des Vereins Les Amis de Maximilien Bruggmann
Übersetzung: Robert Schnieper, Peter Bruggmann
In mehr als 50 Jahren hat Maximilien Bruggmann, der über 40 Jahren in Yverdon-les-Bains gelebt und rund sechzig Fotoreisen gemacht hat, etwa 60 Bücher als Bildautor veröffentlicht (die Mehrzahl sind in Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch erschienen), unter anderen:
Der 1999 erschienene grossformatige Bildband SAHARA - Art rupestre, Editions de l'Amateur, Paris, erneut mit einem Text von Henri-Jean Hugot sowie einem Vorwort des berühmten Saharaforschers Theodore Monod, ist ein umfassender Katalog der Felsmalereien und -gravuren der Sahara. Für Maximilien Bruggmann bildet dieser Band von rund 600 Seiten und mehr als 650 Fotografien die Krönung eines Lebenswerks. Tatsächlich besitzt der Fotograf eine der vollständigsten Ikonografien der Welt über die vorgeschichtliche Kunst der Sahara.