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Vergangene Woche widmete ich meine Kolumne Kashya Hildebrand, der Gattin des abgetretenen Nationalbankchefs Philipp Hildebrand. Ich machte mich darüber lustig, dass eine selbstständige Persönlichkeit mit einer eigenen Kunstgalerie Geldtransaktionen über das Konto ihres Mannes abwickelt. Nicht gerade ein Zeichen von Unabhängigkeit, wie das selbstbewussten Frauen eigen ist.
Es gebe sehr wohl plausible Gründe, Devisengeschäfte übers Konto des Mannes zu tätigen, schrieb mir eine Leserin. Kashya Hildebrand sei amerikanische Staatsbürgerin und damit in den USA steuerpflichtig, obschon sie ihren Wohnsitz in der Schweiz habe. Werden die Währungsgewinne auf dem Konto ihres Mannes erzielt, so könnte der amerikanische Fiskus umgangen werden. Ein anderer Leser meinte, die Galeristin könnte versucht haben, den Schweizer Fiskus zu umgehen. Verbuche Kashya Hildebrand die Währungsgewinne über das Konto der Galerie, müsse sie höhere Gewinnsteuern bezahlen. Auf dem Konto ihres Mannes seien Währungsgewinne hingegen steuerfrei. Theoretisch ist das alles richtig, praktisch jedoch nicht plausibel. Kashya Hildebrand war früher Devisenhändlerin. Wäre sie auf Spekulationsgewinne aus gewesen, so hätte sie nicht in Dollar, sondern in Euro investiert. Und dann hätte sie nicht einfach Euros, sondern Call-Optionen gekauft. Mit einer Call-Option erwirbt der Käufer, hier die Käuferin, das Recht, Devisen zu einem vorgegebenen Preis zu kaufen. Sinkt der Kurs, so werden die Optionen wertlos. Steigt aber der Preis, kann man mit solchen Optionen dank eines Hebeleffekts ein Mehrfaches des eingesetzten Kapitals gewinnen. Mich stört in der ganzen Hildebrand-Affäre, dass man den Notenbanker und seine Frau in die Ecke gieriger Spekulanten stellt. Natürlich hat das Duo Hildebrand Devisentransaktionen getätigt. Und selbstverständlich ist das für einen Notenbanker nicht statthaft. Die Hildebrands taten das jedoch nicht aus Gier. Sie taten das aus Dummheit.
Erschienen in der BZ am 17. Januar 2012