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Das Holzboot von Simaran und Almaleia liegt in der kleinen Bucht vor Mabul. Es ist zehn Meter lang und eineinhalb Meter breit, als Dach dient eine Plane.
Das Boot ist so eng, klein und instabil, dass man sich nur auf Knien und Händen vorwärts bewegen kann. Almaleia hat auf den harten Planken ihre fünf Kinder zur Welt gebracht – eines starb kurz nach der Geburt, die anderen vier leben mit ihren Eltern auf dem Boot. Glück sei für sie, auf diesem Boot zu sein und es so wenig wie möglich zu verlassen, sagen Simaran und Almaleia.
Die Bajau Laut würden landkrank, so wie andere Leute seekrank würden, heisst es. Das Meer ist ihr Element. Zwei bis drei Minuten könne er unter Wasser bleiben, sagt ein alter Mann, der in seinem Kanu herangekommen ist.
Die Bajau Laut sind gefeierte Freediver, tauchen also ohne Sauerstoff. Die besten von ihnen kommen in eine Tiefe von bis zu 70 Meter. Da sie keinen Druckausgleich machen, hätten die meisten zerstörte Trommelfelle, sagt Arafat, ein Tauchlehrer, der selbst kein Bajau Laut ist, aber diese gut kennt. Früher seien sie meist nur einmal im Jahr für ein paar Wochen auf die Insel gekommen, wenn das Wetter in den Philippinen schlecht war, sagt er.
Sie blieben einige Zeit, fischten und verkauften ihren Fang und reisten dann zu den nächsten Fischgründen. Wegen der Konflikte auf Mindanao seien jedoch viele hier geblieben und nie mehr in die Philippinen zurückgereist.
Auf der philippinischen Insel Mindanao kämpften Separatisten jahrzehntelang gegen Regierungstruppen, just in jenem Gebiet, wo auch viele der Bajau Laut beheimatet sind. Auch Terrorgruppen wie Abu Sayyaf teilen sich das Gebiet mit den Bajau Laut. Die Terroristen verdienen ihr Geld mit Entführungen, Lösegeldforderungen und Raub – die Bajau Laut wurden nicht verschont.
Am Strand der malaysischen Insel Mabul hausen Dutzende von Bajau Laut in Hütten, die sie sich aus Abfall zusammen gebastelt haben. Sirasia wäscht eben einen Tintenfisch, den ihr Sohn gefangen hatte. Ihr Mann Islidatik erzählt: «Räuber haben unser Boot und unseren Fang gestohlen. Wir konnten nur noch an Land schwimmen. Danach flohen wir nach Malaysia und blieben hier. Wenn wir das Geld hätten, würden wir sofort wieder ein Boot kaufen.»
Terror sei jedoch nicht der einzige Grund, weshalb immer mehr Bajau Laut an Land kommen müssten, sagt der schwedische Anthropologe Erik Abrahamsson. Er hat die letzten neun Jahre immer wieder bei verschiedenen Bajau Laut gelebt und ihr Leben erforscht. «Das grösste Problem ist die Überfischung der Meere und der drastische Rückgang des Fischbestands, aber auch der Klimawandel, stärkere Stürme und gebleichte Korallen.»
Die Einrichtung mariner Schutzgebiete hat die Jagdgründe der Meeresnomaden noch weiter verkleinert. Von den mehreren Tausend Bajau Laut lebten heute die meisten auf Inseln oder dem Festland, sagt Sanen Marshall von der Universität Malaysia. Doch wie alle traditionellen Gemeinschaften, die die Berufe und Gebiete ihrer Vorfahren aufgeben mussten, hätten auch sie grosse Probleme, sich an Land anzupassen.
Die meisten Bajau sind staatenlos, ihre Kinder können deshalb nicht in die Schule gehen, sie haben keinen Zugang zu Spitälern.
Viele bleiben in der Nähe des Meeres. Sie sammeln und verkaufen Muscheln oder werden zu Bettlern. Werden ihre Fähigkeiten nicht erkannt und bleiben sie staatenlos, werden viele von ihnen verarmen.
Vor einer Bar auf Mabul fährt ein Bajau Laut vor und hält seinen Fang zum Verkauf in die Höhe. Noch ernährt ihn das Meer, die Frage ist, wie lange noch.