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Von Unabhängigkeit wollte der wohlhabende Farmerssohn zunächst nichts wissen. Ihm ging es eher um Bürgerrechte, die die Kolonisatoren den PhilippinInnen verweigerten: um rechtliche Gleichstellung, eine angemessene Vertretung im spanischen Parlament, Pressefreiheit. Dass es Zwangsarbeit, Armut und Hunger gab und die Bevölkerung unter der spanisch-katholischen Geistlichkeit litt, darauf kam der 1861 auf Luzon geborene Doktor der Medizin erst später. Dabei hatte der hochbegabte Student selbst einmal die Universität verlassen müssen, weil er dem von Dominikanern beherrschten Lehrpersonal zu freche Fragen gestellt hatte. Als er in Europa weiterstudierte, lernte er nicht nur das koloniale Machtzentrum Madrid kennen, sondern auch das republikanische Paris, wo er seine Ausbildung zum Augenarzt vervollständigte. Mit einem Dutzend Sprachen im Gepäck nahm er damals auch die Gelegenheit wahr, sich in Österreich und der Schweiz, in Japan, Hongkong und den USA umzusehen.
Schliesslich verfasste er zwei Bücher, in denen er die spanische Kolonialregierung und den katholischen Klerus angriff, ihnen unter anderem Korruption, Landraub und sexuelle Übergriffe vorwarf. Als er 1892 auf die Philippinen zurückkehrte und die Reformbewegung Liga Filipina gründete, dauerte es deshalb nicht lange, bis man ihn nach Mindanao verbannte. Dass er sich dort um die Bildung und medizinische Versorgung der Bevölkerung kümmerte, trug zum Ruhm des «ilustrado» bei (so nannte man die «Erleuchteten», die aus Europa die Ideen der Aufklärung und der Revolution heimbrachten). Als er nach vier Jahren freikam, blieb ihm nicht mehr viel Zeit: Obwohl er sich am Aufstand, der zur Philippinischen Revolution führte, nicht beteiligen wollte, richteten die Spanier den geistigen Aufrührer am 30. Dezember 1896 wegen Hochverrats hin.
Wer war der philippinische Nationalheld, dessen Tod die Revolution erst richtig anheizte und dem der Schweizer Bildhauer Richard Kissling – Schöpfer des Tell-Denkmals in Altdorf und der Alfred-Escher-Statue in Zürich – 1912 ein Denkmal schuf?
Wir fragten nach dem philippinischen Arzt und Schriftsteller José Rizal (1861–1896). Die beiden Bücher, die ihn berühmt machten, waren der 1887 in Berlin erschienene Roman «Noli me tangere» («Rühr mich nicht an») und der 1891 im belgischen Gent veröffentlichte Roman «El filibusterismo» («Der Aufruhr»). Rizal hielt die Revolution (1896–1898) für verfrüht und schlecht vorbereitet, ausserdem fürchtete er das Eingreifen der USA, deren Rassismus er auf seinen Reisen kennengelernt hatte. 1898 übernahmen die USA die spanische Kolonie für zwanzig Millionen US-Dollar.