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Gürtelrose ist eine Infektionskrankheit, die durch das gleiche Herpesvirus verursacht wird, wie die Windpocken (Varizellen). Nach dem ersten Kontakt mit dem Virus erkrankt man an Windpocken (Varizellen). Wenn der Krankheitserreger später erneut aktiv wird (Reaktivierung), entsteht Gürtelrose (Zoster), eine schmerzhafte Nervenentzündung mit bläschenförmigen Hautveränderungen. Dies ist in jedem Alter möglich, betroffen sind indessen vornehmlich Menschen über 60 Jahre sowie Patienten mit geschwächter Immunabwehr.
Die Tatsache, dass das gleiche Virus diese beiden Erkrankungen verursacht, liess sich erst Mitte des vergangenen Jahrhunderts nachweisen. Der Erreger trägt nun den Doppelnamen „Varizellen-Zoster-Virus“ (VZV), oder deutsch Windpocken-Gürtelrose-Virus. Dieses wird wie alle Herpesviren nach einer Infektion charakteristischerweise nicht aus dem Körper eliminiert, sondern verbleibt lebenslang im Nervengewebe. Verglichen mit dem Herpes-Simplex-Virus bzw. den Fieberbläschen ist eine Reaktivierung beim VZV jedoch bedeutend seltener (10 bis 20%) und wird mehrheitlich bei Abwehrschwäche beobachtet, ausserdem machen die meisten Menschen höchstens einmal eine Gürtelrose durch.
Es können nur Personen an Gürtelrose erkranken, die früher mit dem VZV infiziert wurden. Die Gürtelrose entsteht also immer durch Reaktivierung von Viren, nicht durch eine erneute Ansteckung. Es besteht ein Ungleichgewicht zwischen den im Körper verbliebenen Viren und der zellulärer Immunität. Gründe dafür können sein: geschwächte Abwehrlage, zum Beispiel im Alter oder durch die Wirkung von immunsupprimierenden (die Immunabwehr schwächende) Medikamenten, auch Kortison, verschiedene Infektionskrankheiten (unter anderem Grippe), evtl. Stresssituationen oder schwere Verletzungen. Selten erkranken junge und nicht immungeschwächte Virusträger.
Bei der Reaktivierung vermehren sich die Viren in den Ganglien (Nervenknoten), wandern dann entlang der Nerven zur Haut und verursachen die typischen Symptome.
Das Virus breitet sich entlang eines Nervenstrangs aus, der ein bestimmtes Hautgebiet (Dermatom) versorgt, in der Regel nur auf einer Körperseite. Dies geschieht am häufigsten am Rumpf im Bereich der Lende oder des Brustkorbs, wo ein streifen- oder gürtelförmiger Ausschlag entsteht. Im Gesicht erkrankt gewöhnlich die eine Seite der Stirn, der Nase, der Wange oder des Kinns. Manchmal sind mehrere, benachbarte Nervensegmente mit ihren Dermatomen betroffen, seltener nicht benachbarte oder Nervenäste beider Körperseiten; der Befall des ganzen Körpers ist sehr selten.
Herpes Zoster beginnt mit ziehenden, brennenden oder reissenden Nervenschmerzen (Neuralgien) und Empfindungsstörungen. Daneben besteht ein allgemeines Krankheitsgefühl mit Müdigkeit, Kopfweh, Lichtscheu und gelegentlich mässig hohem Fieber. Anschliessend röten sich die schmerzenden Hautareale und es entstehen dort gruppenweise angeordnete, flüssigkeits- oder blutgefüllte Bläschen. Diese verkrusten nach einigen Tagen oder platzen auf und werden dann mit einem Schorf bedeckt, der sich nach einigen Tagen ablöst. Der Inhalt der Bläschen ist infektiös und kann daher nach direktem Hautkontakt mit nicht-immunen Personen Windpocken auslösen, nicht aber eine Gürtelrose. Manchmal sind die Hauterscheinungen so diskret, dass sie übersehen werden und die Nervenschmerzen deshalb schwer erklärbar sind.
Die Krankheitszeichen klingen nach sieben bis zehn Tagen ab. Seltener dauert es bis zur Heilung drei bis vier Wochen, doch kann ein Schmerzzustand vereinzelt monate- oder im Extremfall jahrelang bestehen bleiben, vor allem bei älteren Menschen.
Die Prognose der Gürtelrose ist bei Jüngeren gut, die Erkrankung heilt mehrheitlich folgenlos aus. Im höheren Lebensalter und bei Abwehrgeschwächten sind komplizierte Verläufe, Dauerschäden oder sogar der Tod möglich.
Meistens sind die Symptome so unangenehm, dass sich der Arztbesuch aufdrängt.
Die Diagnose ist gewöhnlich anhand der Symptome zu stellen. Bluttests sind weniger geeignet, da es sich um eine Reaktivierung des Erregers handelt. Bei Bedarf kann das Virus in Bläscheninhalt oder anderen Materialien mit speziellen Untersuchungsmethoden nachgewiesen werden.
Ziele der Therapie sind Eindämmung der Schmerzen und Prophylaxe von Komplikationen. Bei schwerem Verlauf ist eine Therapie nötig, welche die Virusvermehrung hemmt (Virostatikum); die Behandlung muss jedoch frühzeitig beginnen. Der Ausschlag lässt sich mit lokal anwendbaren Umschlägen und Mixturen behandeln.
Auch in der Schweiz ist seit 2007 ein Impfstoff zugelassen, der es erlaubt, ältere Menschen (ab dem 50. Lebensjahr) vor dem Auftreten von Herpes Zoster zu schützen oder zumindest den Verlauf zu mildern und insbesondere andauernde Schmerzen im Zusammenhang mit der Erkrankung zu verhindern.
In speziellen Situationen kann zusätzlich ein sog. Varizella-Zoster-Immunglobulin (passive Immunisierung) gespritzt werden, das ebenfalls schweren Verläufen vorbeugen soll.