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Brunnen mit zwei sitzenden Frauen, 1927, Otto Kappeler
Neckisch nackt
Die Siedlung Birkenhof wurde zusammen mit dem Schulhaus Milchbuck konzipiert und bildet mit diesem eine städtebaulich markante Anlage. 1925-26 nach den Plänen der Architekten Albert Froelich, Karl Kündig und Heinrich Oetiker in einer offenen Hofrandbebauung im Heimatstil erstellt, zeugt sie vom aufgeklärten Geist der sich zur Metropole entwickelnden Stadt Zürich. Neben ihrer differenzierten Bemalung (Jakob Gubler) fällt vor allem die grosszügige Grünfläche auf, die sie umschliesst. Ein Beweis für den gestalterischen Anspruch ist auch der ausladende Brunnen mit zwei Frauenfiguren am Rand der Wiese, die - von einem mächtigen Kastanienbaum überragt - zum Schulhaus-Areal führt. Dieser Brunnen aus Muschelkalk entstand 1927 und stammt von Otto Kappeler (1884-1949), einem der gefragtesten Bauplastiker seiner Zeit. Die beiden verträumt auf dem Beckenrand sitzenden Damen, die ihre fliessenden Gewänder so geschickt drapiert haben, dass ihre nackten Oberkörper voll zur Geltung kommen, würde man eher in einem klassischen Park als in einer kommunalen Wohnsiedlung erwarten. Das Relief mit den zwei ein Wappen flankierenden Löwen auf der einen Seite des Brunnenbeckens bringt uns allerdings wieder auf heimischen Zürcher Boden. Geradezu neckisch ist die gegenüber liegende Szene mit den zwei verschreckten Wassernymphen, die den Fängen eines Oktopus zu entkommen suchen. Ein hübsches Detail sind die vier feinen, zu Seepferdchen geformten bronzenen Wasserspender. Der gestrenge Kunsthistoriker Peter Meyer fragte sich in den fünfziger Jahren, ob die «so feierliche und grosse Brunnenanlage» da am richtigen Ort sei, und stiess sich an dem «dünnen Springbrünnchen» in der Mitte der Wasserfläche, das ihm «komisch» erschien.
Charlotte Tschumi