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Schneeleopard
Panthera (Uncia) uncia
© 1993 Markus Kappeler
(erschienen in der UN-Briefmarkensammlung «Gefährdete Tierarten»)
Der Schneeleopard (Panthera uncia), der früher auch «Irbis» genannt wurde, ist etwas kleiner als der «normale» Leopard - und damit die kleinste aller Grosskatzen. Seine Heimat sind der Himalaja, der Pamir, der Hindukusch und weitere zentralasiatische Gebirgszüge. Dort hält er sich vorzugsweise oberhalb der Baumgrenze in Höhen von 3000 bis 4000 Metern auf und steigt manchmal sogar bis auf 6000 Meter hinauf. An seine ungastliche Gebirgsheimat mit ihren Geröllhalden, Felswänden und Schneeflächen ist er mit seinem rauchgrau gefleckten Fell, seinem langen Schwanz und seinen breiten Pranken vorzüglich angepasst: Der dicke, verhältnismässig helle Pelz schützt ihn gegen die bissige Kälte und ist zugleich im Fels ein vorzügliches Tarnkleid. Der lange Schwanz dient ihm als «Balancierstange» beim Wandern auf schmalen Felsgraten sowie als «Steuerruder» beim Überspringen von Abgründen. Und mit seinen Riesenpfoten findet er auch in den steilsten Felswänden sicheren Tritt und sinkt im Schnee nicht tief ein.
Wie fast alle Katzen lebt der Schneeleopard als Einzelgänger. In der Nähe von Dörfern geht er ausschliesslich nachts auf die Pirsch; in abgelegenen Gegenden ist er aber oft auch mitten am Tag unterwegs. Gern benutzt er grosse Felsblöcke dazu, seine Umgebung nach Beute abzusuchen. Diese Ausgucke erklettert er im allgemeinen nicht, sondern springt mit einem mächtigen Satz hinauf. Überhaupt ist er ein phantastischer Springer, der Weiten von bis zu 15 Metern überwinden kann - das ist Weltrekord im Tierreich.
Der Schneeleopard bejagt so ziemlich alles, was ihm über den Weg läuft. Er kann selbst Tiere reissen, die dreimal so schwer sind wie er selbst. Huftiere aller Art bilden den Hauptteil seiner Kost. Zu nennen sind Blauschaf, Steinbock, Schraubenziege, Thar, Goral, Serau und wie sie noch alle heissen. Daneben fallen ihm aber auch Pfeifhasen, Murrneltiere, Schneehühner und andere mittelgrosse Säuger und Vögel zum Opfer.
Jeder Schneeleopard besitzt ein festes Wohngebiet. Dessen Grösse richtet sich nach dem örtlichen Nahrungsangebot, das heisst nach der lokalen Beutetierdichte, und bemisst sich gewöhnlich auf 20 bis 100 Quadratkilometer. Der erhebliche Vorteil der Ortstreue liegt für den einzelnen Schneeleoparden darin, dass er jeden Winkel seiner Umgebung kennt und darum stets weiss, wo am ehesten Beutetiere zu finden sind, von wo man eine gute Aussicht aufs Gelände hat und wo man ungestört schlafen kann.
Jeweils im Frühsommer, nach einer Tragzeit von ungefähr 100 Tagen, bringt die Schneeleopardin in einem gut versteckten Lager unter Steinen oder in einer Felsnische zumeist zwei bis drei, seltener vier oder gar fünf Junge zur Welt. Diese bleiben während der ersten beiden Lebensmonate in ihrem sicheren Versteck. Danach begleiten sie ihre Mutter bei den Pirschgängen durchs Revier. Rund zwei Jahre lang lernen sie von ihr alles, was sie für ihr späteres Leben wissen und können müssen. Dann ziehen sie auf eigene Faust los.
In früheren Zeiten war der Schneeleopard über em Gebiet von ungefähr einer Million Quadratkilometern verbreitet gewesen - das entspricht etwa dreimal der Fläche Deutschlands. Heute ist er überall sehr selten geworden und mancherorts sogar vollständig verschwunden. Man schätzt, dass nur noch rund 5000 bis 7000 der prächtigen Katzen in freier Wildbahn leben.
Ein Hauptgrund für diese traurige Entwicklung ist die rapide Verminderung der Beutetiere des Schneeleoparden durch die höher und höher in die Hochgebirgstäler drängenden Menschen. Denn dies hat zur Folge, dass er sich gezwungenermassen immer häufiger an Hausschafen und anderen Nutztieren des Menschen vergreift. Die oft sehr armen Bergbewohner können nicht einsehen, weshalb ein wildes Tier ungestraft ihr Vieh soll rauben dürfen, und so fällt alljährlich eine grössere Zahl von Schneeleoparden ihrer Rache zum Opfer - obschon die Art heute in den meisten Bereichen ihres Verbreitungsgebiets unter gesetzlichem Schutz steht.
Der andere wesentliche Grund für den Rückgang der Bestände ist die Verfolgung durch Felljäger. Zwar darf der prächtige Pelz des Schneeleoparden aufgrund der «Konvention über den internationalen Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten» (CITES) seit bald zwanzig Jahren weltweit nicht mehr gehandelt werden, doch blüht der illegale Handel noch immer. Ein erstklassiger Schneeleoparden-Pelzmantel, für den unter Umständen bis zu einem Dutzend Felle verarbeitet werden, bringt auf dem Schwarzmarkt über 50 000 US-Dollar. Solche Preise verlocken natürlich zur Wilderei, umsomehr als die Gefahr, erwischt zu werden, für die Jäger ziemlich gering ist.
Leider gibt es in Zentralasien bislang erst wenige grossflächige Gebirgsreservate, in denen der arg bedrängte Schneeleopard mitsamt seinen Beutetieren eine sichere Zuflucht findet. Es ist dringend erforderlich, dass weitere Schutzgebiete hinzukommen, denn nur so erhält diese herrliche Hochgebirgskatze eine echte Überlebenschance.
Schneeleopard
Panthera uncia
Systematik
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Raubtiere
Familie: Katzen
Körpermasse
Kopfrumpflänge: 75-130 cm
Schulterhöhe: 55-60 cm
Gewicht: 35-65 kg
Fortpflanzung
Tragdauer: 96-105 Tage
Jungenzahl: meist 2-3 je Wurf
Höchstalter: ca. 15 Jahre
Bestandssituation
Bestand: ca. 6000 Tiere
Rote Liste: «bedroht»
CITES: Anhang I
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