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Es ist bekannt, dass an den Brennstäben des AKW Leibstadt die Zirkoniumhüllrohre zum Teil oxidiert und korrodiert sind. Zirkoniumhüllrohre schliessen den Brennstoff, das angereicherte Uran und dessen Spalt- und Fusionsprodukte ein, damit nicht radioaktive Isotopen ins Kühlwasser des Reaktordruckbehälters und somit in den Dampf, der die Turbinen antreibt, gelangen. Viele Zirkoniumhüllrohre des Leibstadtreaktors sind nun zum Teil oberflächlich oxidiert und korrodiert. Der Siedewasserreaktor in Leibstadt hat dabei - wie alle Siedewasserreaktoren - einen einzigen Wasserkreislauf und keinen Wärmeaustauscher, der die Wärme des Primärkreislaufwassers aufnimmt und sie über den Sekundärkreislauf an die Dampfturbine weitergibt. Spaltprokte können im Wasser zu chemischen Reaktionen führen und eine Kaskade unkontrollierter Ereignisse auslösen. Ausserdem gelangen so allenfalls aus den Brennstäben ausgetretene Spaltprodukte, Uran und Fusionsprodukte (Transurane) direkt in den Dampf, der die Turbinen antreibt. So kann der Reaktor ausser Kontrolle geraten und ein grosser Atomunfall kann passieren, wie in Tschernobyl oder in Fukushima. So wurden am 6. Juni 2012 erhöhte Werte des Edelgases Xenon 133 und Xenon 135 nachgewiesen und festgestellt, dass dieses Verhältnis „eindeutig auf einen Brennelementschaden“ hinweist.“ (ENSI (2012): Aufsichtsbericht 2012, S. 65) Die Korrosion an den Brennstabhüllen ist auf ein sogenanntes Dryout Phänomen zurückzuführen, was bewirkt, dass die Brennstäbe überhitzen und dann leicht oxidieren und korrodieren. Zur Erinnerung: Die AKW in der Schweiz wollten immer wieder die Leistung ihrer Anlagen steigern, um mehr Strom erzeugen zu können. Das ENSI (Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorat), die frühere HSK (Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen), bewilligte solche Leistungserhöhungen nach sogenannten Sicherheitsabklärungen immer wieder. Die letzte Leistungserhöhungsbewilligung auf 114.7% erfolgte am 21.12.2001. Der Bundesrat erteilt die Bewilligungen und ist damit politisch in der Verantwortung, weil er diesem Vorgehen zugestimmt hatte, wenn auch unter Auflagen, die die damalige Sicherheitsbehörde HSK definieren und verlangen musste.
Und nun?
Das ENSI hat bisher weder plausible wissenschaftliche Erklärungen für die Schäden abgeben können, noch hat es die Oeffentlichkeit über die tieferen Ursachen aufgeklärt. Trotzdem soll der Leibstadt Reaktor in den nächsten Tagen wieder ans Netz gehen, nun mit einer Leistung von 90% (90% wovon?). Hat wohl die Leistungserhöhung auf 114.7% den Reaktor an seine Grenzen gebracht? Hat das "money making" dem Reaktor Schaden zugefügt?
Weshalb war die Bevölkerung vor der Abstimmung vom 27. November 2016 über die Grüne Initiative nicht breit aufgeklärt bezüglich der Probleme des Leibstadt Reaktors?
Bevor nicht klar ist, was los ist mit dem Leibstadt Reaktor - und dem ältesten Reaktor der Welt, Beznau I - , dürfen die beiden AKW nicht ans Netz. Dass wir weder Beznau noch Leibstadt brauchen, ist bewiesen und dass wir es leid sind, dass die Atomlobby mit unserer Bevölkerung und deren Gesundheit spielt, unsere Oekologie und unsere Volkswirtschaft riskiert, muss auch die Wiederinbetriebnahme des AKW Leibstadt verhindert werden. Die AKW-Gegnerschaft schreibt deswegen das ENSI, die KNS (Eidgenössische Kommission für nukleare Sicherheit), die Betreiber und unsere Politiker an.
Eine ausgezeichnte Fernsehsendung von SRF im Gefäss "Rundschau" illustriert die Probleme des AKW Leibstadt und vermittelt einen Eindruck darüber, wie hilflos die Politik sich gegenüber den Problemen der AKW im Interview präsentiert, das vom Journalisten Sandro Brotz im Rahmen einer Sendung über eine Recherche über das AKW Leibstadt gemacht wurde.
Ein Ausschnitt aus der "Rundschau" vom Fernsehen SRF vom 1.2.2017
Epikrise - 17.2.2017
Noch während der Uebergabe einer Petition, die 16'244 Leute unterschrieben haben ("AKW Leibstadt soll nicht ans Netz") teilte uns der Sprecher des ENSI, Sebastian Hueber, mit, dass die Bewilligung für das Wiederanfahren durch das ENSI erteilt worden sei. "Russisch Roulette"?