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(griech., »Steinzeichnung«,
Steindruck), die Kunst, eine Zeichnung mittels chemischer Kreide
[* 3] oder der Feder oder durch Gravieren so auf eine Steinplatte zu
entwerfen, daß sie, mit Farbstoff bedeckt, abgedruckt werden kann. Sowohl dem Prinzip als dem Wesen dieser graphischen Technik
nach steht die Lithographie zwischen dem Kupferstich und dem Holzschnitt in der Mitte. Denn während der erstere
vermittelst Tiefdrucks, der zweite vermittelst Erhabendrucks reproduziert, indem dort die Zeichnung vertieft, hier erhaben
erscheint, bleibt sie auf der lithographischen Druckplatte, ausgenommen bei der Radier- und der Graviermanier, in der Ebene,
von welcher der Abdruck auf chemischem Weg bewirkt wird.
Unter den verschiedenen Manieren der Lithographie steht die Steinkreidezeichnung obenan. Sie bringt eine der Zeichnung mit schwarzer
Kreide auf Papier ähnliche Wirkung hervor und besitzt als charakteristische Merkmale Weichheit und malerischen Effekt. Damit
das Bild nicht zu weich und verwaschen aussieht, muß die Oberfläche des Steins etwas rauh gemacht, gekörnt
werden, wodurch die Zeichnung eine punktartige Textur erhält. Die Federzeichnung, welche mittels der lithographischen Tinte
ausgeführt wird, hat einen ähnlichen Charakter wie die Radierung in Kupfer;
[* 8] aber ihre Strichlagen erscheinen beim Druck selten
so rein wie bei der letztern.
Zeichnung sich erhaben und für den Druck auf der Buchdruckpresse geeignet darstellte. Eine sehr interessante, aber bisher
wenig geübte Manier ist die lithographische Schabkunst, wobei der ganze Stein mit lithographischer Tusche eingeschwärzt und
dann die Lichter mit der Nadel und dem Schabmesser herausgekratzt werden. Der Tondruck unterscheidet sich von der gewöhnlichen
Lithographie nur dadurch, daß dazu mehrere Platten nötig sind, welche verschiedene Partien derselben Zeichnung in verschiedenen Tönen
gefärbt darstellen und nacheinander gedruckt werden.
Der einfache Tondruck, welcher seine Entstehung dem Umstand verdankt, daß die Zeichnung auf der gelblichen Farbe des Steins
eine andre, saftigere Wirkung hervorbringt als auf dem kalten Grunde des weißen Papiers, besteht darin,
daß ein der Steinfarbe ähnlich gefärbter Grund, vielleicht mit Aussparung der höchsten Lichter, untergedruckt und auf diesen
dann die eigentliche Zeichnung gedruckt wird. Bei drei und vier Platten enthält eine den Grundton, die zweite die eigentliche
Zeichnung, die andern die Mitteltonpartien.
Der Druck gravierter Platten wird nur bei kleiner Auflage von dem Originalstein hergestellt, bei größern Auflagen überträgt
man den Originaldruck mehrmals auf einen zweiten Stein (Umdruck, Überdruck) und behandelt diesen wie bei der Kreidemanier.
Nach dem von Eberle inWien
[* 12] angegebenen Brennätzverfahren wird der Umdruck durch Aufbrennen von Kolophoniumstaub
widerstandsfähiger gemacht, so daß er sich stark ätzen läßt. Während die gewöhnlichen Umdrucke höchstens 3-4000 Abzüge
lieferten, kann man nach dem Brennätzverfahren die drei- oder vierfache Auflage drucken, ohne daß der Umdruck wesentlich
leidet.
Die lithographische Presse unterscheidet sich wesentlich von der Buchdruckpresse (s. d.) und der Kupferdruckpresse.
Die früher gebräuchliche Stangenpresse (Reiberpresse) bestand in einer Vorrichtung, vermittelst deren eine fest aufdrückende
Leiste (Reiber) über die Rückseite des auf dem Stein liegenden Papiers oder vielmehr der dasselbe bedeckenden Pappdecke fortgezogen
wurde. Später wurde die Rollenpresse (Sternpresse) angewandt, bei welcher
der auf einer beweglichen Unterlage
ruhende Stein vermittelst des Sterns, so genannt nach den sternartig um die Achse stehenden Speichen eines Triebrades, unter dem
feststehenden Reiber hindurchgetrieben wird.
Die Walzenpresse ist eine Vervollkommnung der Rollenpresse, indem statt des feststehenden Reibers eine sich um eine Achse drehende
Druckwalze angewandt wird, die den Druck erleichtert. Als eine große Vervollkommnung erwies sich die
lithographische Schnellpresse,
[* 13] deren KonstruktionÄhnlichkeit
[* 14] mit der des Buchdrucks (s. auch Schnellpresse) hat. Soll zum Druck
eines Steins geschritten werden, so ist derselbe nach vollendeter Zeichnung durch Anätzen und Gummieren druckfähig zu machen,
nach welcher Vorbereitung er in die Presse gebracht und dann mit Druckschwärze vermittelst der Walze eingerieben
wird. Von größern Steinen sind auf der Handpresse täglich höchstens 200-300 Abdrücke herzustellen, von kleinern bis 1000;
die Leistungen der Schnellpresse können auf das Sechs- bis Achtfache der Leistungen der Handpresse veranschlagt werden.