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Ich spreche heute zu Ihnen aus Wien, wo sich der dritte Sitz der Vereinten Nationen befindet, und ich freue mich, dass ich diese Rede unter der Schirmherrschaft des Long-Beach-Ortsverbandes der UNA-USA** in Kalifornien, dem Geburtsort der Vereinten Nationen, vor Ihnen halten kann. Es ist schon sehr eindrucksvoll, dass die UNA-USA zusammen mit der Better World Campaign die grösste der zivilgesellschaftlichen Gruppen repräsentiert, die die Vereinten Nationen weltweit unterstützen.
Das Bekenntnis zur Vielfalt als Grundlage des internationalen Friedens war die Botschaft, die die Gründer der Weltorganisation in der Präambel der Charta der Vereinten Nationen feierlich verkündeten. Im Namen von «Wir, die Völker der Vereinten Nationen» bekräftigten sie die «Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie von allen Nationen, ob gross oder klein». Die Achtung der Vielfalt, die die gleichberechtigte Anerkennung aller Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen beinhaltet, ist auch im Grundsatz der «souveränen Gleichheit» in der Charta verankert. Die Gemeinsamkeit in der Zielsetzung zwischen den Mitgliedern der Vereinten Nationen kann nur erreicht und bewahrt werden, wenn sie sich gegenseitig in ihrer ganzen Vielfalt akzeptieren – in bezug auf ethnische Identität, kulturelle Traditionen sowie politische und wirtschaftliche Systeme. Dies war 1945, nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs, eine der grundlegenden Botschaften der Gründer der Organisation: Dauerhafter, nachhaltiger Frieden erfordert die gegenseitige Akzeptanz der Vielfalt!
Als die UNO in San Francisco gegründet wurde, war die Zahl der Mitgliedsstaaten mit 51 relativ gering, verglichen mit der heutigen Mitgliederzahl von 193. Viele Völker lebten noch unter Kolonialherrschaft oder unter dem Joch der Fremdherrschaft. Im 21. Jahrhundert verkörpern die Vereinten Nationen als weltgrösster Zusammenschluss souveräner Staaten die Vielfalt der Menschheit, einschliess-lich der Vielzahl nationaler Interessen, mehr als jede andere zwischenstaatliche Organisation. Dies bringt ganz besondere Herausforderungen, aber auch Chancen mit sich.
Im Zuge der rasant fortschreitenden Globalisierung seit dem Ende des Kalten Krieges ist sich jedes Volk, jede Nation und jede Kulturgemeinschaft der Unterschiede zwischen Zivilisationen, Kulturen, Wertesystemen und Lebensstilen viel stärker bewusst geworden – ganz einfach auf Grund der ständigen und unausweichlichen globalen Verflechtung in allen Bereichen, sei es politisch, sozial oder wirtschaftlich. Die Auswirkungen der Kommunikationstechnologie und der damit einhergehenden «virtuellen Realität», einschliesslich der neuen Sozialen Medien, können im heutigen «globalen Dorf» nicht unterschätzt werden.
Die Erhaltung des Friedens
Die Erhaltung des Friedens – der Daseinszweck der Vereinten Nationen – wird davon abhängen, wie die internationale Gemeinschaft mit der immer komplexer werdenden Vielfalt der Welt umgeht. In einem ganz grundlegenden Sinne verkörpert nur eine Friedensordnung die Einheit der Menschheit. In Anbetracht des in der Charta verankerten Grundsatzes der souveränen Gleichheit der Staaten darf kein Land diese Einheit gefährden, indem es die Vereinten Nationen dazu benutzt, dem Rest der Welt sein eigenes System oder seinen eigenen Lebensstil aufzuzwingen. Dies ergibt sich auch aus dem anderen Grundprinzip der Charta, nämlich der Nichtanwendung von Gewalt in den Beziehungen zwischen den Staaten. Um es noch einmal zu sagen: Die gemeinsame Zielsetzung bei der Erhaltung des Weltfriedens erfordert die Anerkennung der Vielfalt auf allen Ebenen – der Staaten und der Menschen, sowohl international als auch innerstaatlich. Weiters braucht es auch Verfahren zur Beilegung von Differenzen auf der Grundlage gegenseitigen Respekts. Genau darum geht es in der Charta der Vereinten Nationen.
Zusammensetzung des Sicherheitsrats
Damit die Vereinten Nationen die Herausforderungen unseres globalen Zeitalters bewältigen können, sollte die Zusammensetzung des höchsten Entscheidungsgremiums der Organisation, des Sicherheitsrats, die zunehmende Vielfalt der internationalen Gemeinschaft widerspiegeln. Bei der Gründung im Jahr 1945 entsprach die ständige Mitgliedschaft im Rat dem Machtgleichgewicht zwischen einer relativ kleinen Anzahl von Staaten. (Die Zusammensetzung der Mitglieder war noch nicht wirklich repräsentativ für die Völker der Welt.) Mehr als 75 Jahre später, nachdem fast alle souveränen Staaten der UNO beigetreten sind, haben sich die geo-politischen Gegebenheiten geändert. Weite Teile der Welt – Afrika, Lateinamerika, Süd- und Südostasien – sind nicht auf der Ebene der ständigen Mitgliedschaft vertreten. Um in der sich abzeichnenden multipolaren Welt – nach fast einem halben Jahrhundert eines bipolaren Machtgleichgewichtes, gefolgt von einer kurzen Phase der Unipolarität – relevant zu bleiben und ihre Problemlösungskapazität angesichts immer komplexerer sicherheitspolitischer Herausforderungen zu bewahren, ist es für die Vereinten Nationen unerlässlich, ihre Charta der neuen Realität anzupassen und die Liste der ständigen Mitglieder sozusagen zu «aktualisieren». Auf Grund des Vetorechts wird die Reform eine schwierige Aufgabe sein, aber Inklusivität mit Bezug auf ständige Mitgliedschaft ist unabdingbar, wenn die Einheit in der Zielsetzung zwischen allen Mitgliedern gewahrt werden soll.
Vielfalt der kulturellen Identität
Neben dem Bereich der internationalen Sicherheit sind Vielfalt und Inklusivität auch im Bereich der kulturellen Identität von höchster Bedeutung. Ich möchte die Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass die von der UNO initiierte Allianz der Zivilisationen, der heute 127 Länder, einschliesslich der Vereinigten Staaten, angehören, angesichts der Spannungen entlang kultureller und ideologischer Trennlinien – innerhalb wie zwischen den Staaten – gestärkt wird. Die Gefahr eines bewaffneten Konflikts, die von zunehmender Entfremdung zwischen den Kulturen ausgeht, darf nicht unterschätzt werden.
Zu diesem feierlichen Anlass möchte ich auch die Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass die Vereinigten Staaten der wichtigsten Sonderorganisation der Vereinten Nationen in diesem Bereich, nämlich der UNESCO – der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur – wieder beitreten, deren Gründungsmitglied sie 1946 waren. Ich hoffe ausserdem, dass die USA auch das Abkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen von 2005 ratifizieren. Ohne die aktive Beteiligung der Vereinigten Staaten werden die Massnahmen und Programme der internationalen Gemeinschaft zur Erhaltung der kulturellen Vielfalt auf globaler Ebene nicht wirkungsvoll sein. Ich bin davon überzeugt, dass zivilgesellschaftliche Organisationen wie die UNA-USA in dieser Hinsicht eine entscheidende Rolle spielen können.
Abschliessend wünsche ich der United Nations Association of the United States of America und der Global Peace Foundation weiterhin viel Erfolg bei ihrer vornehmen Aufgabe, die UNO bei der Schaffung einer gerechten und friedlichen Welt zu unterstützen!
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. •
* Vortrag anlässlich der Feierlichkeiten zum Tag der Vereinten Nationen, veranstaltet von der United Nations Association of the United States of America (UNA-USA) Long Beach Chapter, in Zusammenarbeit mit der Global Peace Foundation in Long Beach, Kalifornien, USA am 31. Oktober 2021. © International Progress Organization, 2021
** Die United Nations Association of the United States of America (UNA-USA) ist eine gemeinnützige Bürgerorganisation, die sich für die Förderung der politischen und öffentlichen Unterstützung der Vereinten Nationen unter den Amerikanern einsetzt.
(Übersetzung aus dem Englischen)
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