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In einer Reprise von Frankes Jahrhundertwerk “Trotzdem Ja zum Leben sagen – ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager” (S. 36f):
Der Mediziner unter ihnen lernt vor allem eines: die Lehrbücher lügen! Irgendwo hieß es einmal, der Mensch könne es ohne Schlaf nicht länger als soundso viel Stunden aushalten. Ganz falsch! Selber hatte man sich immer eingebildet, man könne dies oder jenes nicht tun oder nicht sein lassen; man könne nicht schlafen, »wenn nicht…«, man könne nicht leben »ohne…«.
… die ganze Zeit des Lagerlebens über ohne Zähneputzen auskommen und trotz des sicherlich erheblichen Vitaminmangels der Kost ein besseres Zahnfleisch haben als je zuvor (auch zur Zeit gesündester Ernährung). Oder: ein halbes Jahr lang ein und dasselbe Hemd tragen, bis man ihm mit bestem Willen nicht mehr ansieht, daß es eines war; tagelang wegen Einfrierens der Wasserleitung im Waschraum sich überhaupt nicht, nicht einmal partiell waschen können und trotz wunder Stellen an den Händen, die von Erdarbeiten verschmutzt sind, keine eiternden Wunden bekommen (freilich nur solange, als nicht die Frosteinwirkungen mit im Spiel sind). Oder: als Mensch, den früher das leiseste Geräusch im Nebenzimmer geweckt und nicht mehr wieder hatte einschlafen lassen, aneinandergepreßt neben einem Kameraden liegen, aus dessen Nase in einer Entfernung von wenigen Zentimetern vom eigenen Ohr heftiges Schnarchen tönt; und trotzdem fällt man, kaum daß man sich hinlegt, in tiefen Schlaf.