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Zogg, Jakob (1896-1974)--DB4576
Person
Lebensdaten
1896-27.05.1974
Mädchenname, Herkunftsort bzw. Heimatort
Zivilstand, Konfession, Nachkommen
Verheiratet
Soziale Herkunft, verwandtschaftliche Beziehungen
Bauernsohn aus Metzwil bei Necker im Untertoggenburg
Ausbildung, berufliche Tätigkeit und Funktionen in der Öffentlichkeit
Ausbildung
Primarlehrerpatent des Kantons St. Gallen 1924; Kantonales Lehrerseminar in Chur 1921-1923; Lehrerseminar in Schiers
Berufsausübung
Gesamtschule im Steintal bei Wattwil: Lehrer 1952-; Gesamtschule Bendel bei Ebnat-Kappel: Lehrer 1928-1952; Schule in Sculms: Lehrer; Landwirtschaftliche Kolonie "Alte Vogtei" Herrliberg: Landwirt 1918-1921 (u.a. gemeinsam mit Kleiber, Max (1893-1976)--DB1937); Imker, Möbelschreiner, Heuer und Bürolist; Knecht auf dem Betrieb von Ineichen, Franz (1887-1953)--DB1734 in Muri (AG)
Funktionen in landwirtschaftlichen Institutionen
Funktionen in anderen Institutionen
Männerchor Wintersberg-Bendel: Dirigent
Funktionen in der Politik
Biographische Skizze
Jakob Zogg wuchs auf dem kleinen Bauernhof seiner Eltern im Weiler Metzwil bei Necker im Untertoggenburg auf. Nach der Sekundarschule besuchte er das Lehrerseminar in Schiers im Prättigau, das er jedoch 1916 vorzeitig abbrach. In den folgenden zwei Jahren arbeitete er auf dem Bauernbetrieb von Ineichen, Franz (1887-1953)--DB1734 in Muri als Knecht sowie bei Welti-Furrer in Zürich als Bürolist.
Durch seinen Schwager Johann Barandun erfuhr Zogg von der landwirtschaftlichen Kommune 'Alte Vogtei' in Herrliberg. Dieser Hof gehörte dem Pelzhändler Mayer, Bernhard (1866-1946)--DB4404 und wurde ab November 1918 von Kleiber, Max (1893-1976)--DB1937 geleitet. Mayer verkehrte in anarchistischen und künstlerischen Kreisen und pflegte Bekanntschaften u.a. mit Ragaz, Leonhard (1868-1945)--DB4344, Peter Kropotkin, Gustav Landauer, Erich Mühsam, Max Nettlau, Martin Buber, Franz Pfemert, Errico Malatesta und Hardegger, Margarethe (1882-1963)--DB4578. Hardegger, die bekannte Anarchistin und erste Sekretärin des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, lebte einige Monate in der Kommune mit ihrer Tochter Lisa und ihrem Lebenspartner Hans Brunner. Weitere Siedler in der kommunistischen Vogtei waren Alfred Böwig, Hermann Theodor Langmaak, Friedrich Benjamin Hoffman, Karl Graf und Walter Deuchler. Sie alle strebten eine Arbeits- und Wohnform ohne hierarchische Strukturen an.
ogg kam im Dezember 1918 in Herrliberg an. Da er der neben Max und Anna Kleiber der einzige mit Kenntnissen über die Arbeit auf einem Bauernhof war, übernahm er die Verantwortung für die Landwirtschaft. Während seiner Zeit in der Vogtei ging Zogg mit Leidenschaft der landwirtschaftlichen Arbeit nach, blieb jedoch gegenüber der in der Kommune propagierten Ideologie eher zurückhaltend. Einer der Siedler, Walter Deuchler, schrieb später über Zogg, dass 'wir [ihn] nie als Mitglied der Genossenschaft betrachteten, weil er sich ideell nie profilierte'. Da der Betrieb defizitär war und da es zu Meinungsdifferenzen kam, verliessen Kleiber, Max (1893-1976)--DB1937 und seine Frau Anna Anfang 1920 die Genossenschaft. Ein Jahr später trat auch Zogg aus der Siedlung aus, um seine Lehrerausbildung wieder aufzunehmen, welche er 1923 abschloss.
Seine erste Stelle als Lehrer trat Zogg in Sculms im Safiental an. Zwischen Frühsommer und Herbst, während dem die Schule geschlossen war, arbeitete er als Heuer bei einem Davoser Bauern und als Schreiner in Bonaduz. Ausserdem setzte er sich zu dieser Zeit für die Abstinenzbewegung ein und fuhr mit einer 'Süssmostkanone' von Hof zu Hof. 1924 erwarb er schliesslich das Primarlehrerpatent des Kantons St. Gallen, das es ihm erlaubte an einer Ganzjahresschule in seinem Heimatkanton zu arbeiten. 1928 wurde er Lehrer an der Gesamtschule Bendel bei Ebnat-Kappel, wo er auch seine spätere Frau Berta kennenlernte. 1952 wechselte Zogg an die Gesamtschule im Steintal bei Wattwil.
Neben seiner Tätigkeit als Lehrer war Zogg musikalisch aktiv und wirkte lange als Dirigent im Männerchor Wintersberg-Bendel. Er engagierte sich weiterhin für sozialpolitische Anliegen und war Abonnent der sozialdemokratischen Zeitung 'Volksstimme', deren Redaktor von 1930 bis 1947 der Agronom Schmidt, Franz (1902-1947)--DB3161 war, ein Freund von Max Kleiber. Auch Zogg interessierte sich weiterhin für die Landwirtschaft; im Sommer half er jeweils seinem Bruder auf dem väterlichen Hof. Ausserdem wurde er ein leidenschaftlicher Imker und richtete neben dem Schulhaus im Bendel ein Bienenhaus ein. Er starb am 27. Mai 1974.
Autor/in: Silvia Burri und Peter Moser
Quellen und Literatur
Eigene Publikationen
Quellen
- AfA Personendossier Nr. 1263
- Hess, Marie-Louise: Jakob Zogg. Bauernbub - Landwirt und Siedler in der Vogtei - Lehrer und Imker, in: Herrliberger Kalender 2012, S. 15-19
- Hess, Marie-Louise: Wer wohnte im Wohnhaus Vogtei?, in: Herrliberger Kalender 2012, S. 20-23.