Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03437.jsonl.gz/1279

Der 8. September wird weltweit als internationaler Tag der Alphabetisierung gefeiert. Als Kultur- und Gedächtnisinstitution begrüsst die Schweizerische Nationalbibliothek dieses Engagement. An diesem wichtigen Tag zeigt sie ein Werk von Emil Zbinden, das Jeremias Gotthelfs «Leiden und Freuden eines Schulmeisters» illustriert.
Trotz erzielter Fortschritte besteht der Analphabetismus weiterhin und ist auf der Welt ungleich verbreitet. Gemäss dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen sind noch immer 64 Millionen Kinder im Primarschulalter nicht eingeschult, davon mehr als die Hälfte in Subsahara-Afrika. In Entwicklungsländern ist jedes vierte Mädchen nicht eingeschult.
Der Schweizerischen Nationalbibliothek (NB) ist es als Kultur- und Gedächtnisinstitution wichtig, dass das Wissen demokratisiert wird. Sie ist vom internationalen Tag der Alphabetisierung betroffen, denn ohne Lesekenntnisse ist es nahezu unmöglich, auf das Wissen zuzugreifen, welches die NB zur Verfügung stellt. Dies vermögen auch ihre Bestrebungen zur Digitalisierung ihrer Sammlungen und zu deren Zugänglichkeit auf Distanz nicht zu ändern.
Am 8. September 2019 zeigt die NB eine Druckgrafik von Emil Zbinden (1908–1991) aus dem Jahr 1939. Zu sehen sind ein Lehrer und seine Klasse während dem Unterricht. Das Werk befindet sich in der Graphischen Sammlung der NB. Deren reichhaltiger Bestand zu diesem Schweizer Künstler umfasst neben seinen Skizzen und Holzschnitten auch persönliche Korrespondenz, autobiografische Schriften, Ausstellungskataloge, Arbeitsutensilien zum Zeichnen und Malen und sogar wichtige persönliche Gegenstände.
Emil Zbinden wird 1908 in eine arme Familie geboren. Von 1924 bis 1928 absolviert er eine Ausbildung als Typograf in Bern und zieht anschliessend nach Deutschland. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz illustriert er zwischen 1935 und 1953 sechzehn Bände aus dem Werk des Schweizer Schriftstellers Jeremias Gotthelf, was massgeblich zu seiner internationalen Anerkennung beiträgt. Das hier gezeigte Werk stammt aus der Ausgabe der Büchergilde Gutenberg von 1939 der Leiden und Freuden eines Schulmeisters von Jeremias Gotthelf (Pseudonym von Albert Bitzius, 1797–1854).
Emil Zbinden glaubte fest an den Menschen und an die Einrichtung einer gesellschaftlichen Gerechtigkeit: «Ich bin nicht pessimistisch. Ich glaube nach wie vor an den Willen der Menschen, eine gerechtere Ordnung zu schaffen. Das ist ein langer und schwieriger Prozess mit vielen Rückschlägen. Aber es gibt auch viele Zeichen der Hoffnung. Der Mensch erhebt sich immer wieder aus allen Niederlagen. Keine Macht der Welt, keine Gewalt, nichts hat ihn bis jetzt dazu gebracht, Unterdrückung als etwas Unabänderliches hinzunehmen. Immer wieder steht er auf und kämpft für Gerechtigkeit in dieser Welt. Und das wird so bleiben, solange es Menschen gibt.» Quelle des Zitats: Alfred A. Häsler: Kunst für den Menschen. Gespräch mit Emil Zbinden. Ex Libris, Heft Nr. 12, Dezember 1974.
Quellen:
Archiv von Emil Zbinden in der Schweizerischen Nationalbibliothek:
Alfred A. Häsler: Kunst für den Menschen. Gespräch mit Emil Zbinden. Ex libris, Heft. Nr. 12, Dezember 1974.
Article original et intégral disponible dans le fonds Emil Zbinden sous Materialien_Biografie_u_Werk mit Signatur EZ-021 -D4-ARTIK_135-140.
Weitere Bestände zu Emil Zbinden:
Informationen über Emil Zbinden:
Buch von Jeremias Gotthelf:
Letzte Änderung 08.09.2019