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Eurythmie als Bühnenkunst
Eurythmie ist eine Bewegungskunst, die ab 1912 von Rudolf Steiner (1861-1925) entwickelt wurde. Die Inspirationsquellen der eurythmischen Bewegung liegen in dem gesprochenen Wort und in der Musik. Sie ist sichtbare Sprache und sichtbarer Gesang.
Die eurythmischen Gebärden machen eine Verbindung zwischen kosmisch-universalen und innermenschlichen Kräften sichtbar. Sie sind ebenso gesetzmäßig wie Sprache und Musik, die mit der eurythmischen Bewegung zu einer Einheit verschmelzen. Der Eurythmist wird selbst zum Instrument und bringt Musik und Sprache als sichtbares Singen und sichtbares Sprechen individuell gestaltet zur Erscheinung. Eurythmische Bewegung will nicht etwas bedeuten, sondern spricht als Bewegung unmittelbar zum Menschen. Ihre Ausgestaltungen sind ebenso individuell wie die der Sprache und Musik. Anhand musikalischer Werke der Klassik und Moderne wird die Eurythmie solistisch oder chorisch gestaltet. Es werden neben Soloinstrumentalmusik und Kammermusik auch Orchesterwerke zur Aufführung gebracht. Sie verbindet sich mit den Sprachschöpfungen aller Epochen und Länder und wird sowohl in Verbindung mit lyrischer Poesie, als auch mit Prosaerzählungen gestaltet. Dem Schauspiel, z. B. in Goethes »Faust« oder Rudolf Steiners Mysteriendramen, erschließt sie neuartige Gestaltungsmöglichkeiten. Es gibt auch reine eurythmische Bewegungskompositionen ohne musikalische oder sprachliche Begleitung. Die ersten öffentlichen Eurythmieaufführungen fanden 1919, sieben Jahre nach Entstehung dieser Kunst, statt. Seitdem veranstalten verschiedenste Eurythmieensembles in Europa und der ganzen Welt Aufführungen und Tourneen. Die Entwicklung der eurythmischen Bühnenkunst wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts durch bedeutende Künstlerpersönlichkeiten, wie z. B.Tatjana Kisseleff, Ilona Schubert, Isabella de Jaager, Marie Savitch, Elena Zuccoli, Lea van der Pals, Else Klink, Helene Reisinger, Marguerite Lundgren und vielen anderen geprägt.
Berufsbild
Die Tätigkeit des eurythmischen Bühnenkünstlers erfolgt im Rahmen von Bühnengruppen, kleineren Kammerensembles oder als Solist. Innerhalb vielfältiger Ausübungsformen setzt sich, wie auch in anderen Bühnenberufen, immer mehr das projektbezogene Engagement durch. Es gibt eurythmisch-bühnenkünstlerische Aktivitäten in vielen Ländern, aber noch wenig größere Ensembles.
Voraussetzungen
Eurythmische Bühnenkünstler besitzen eine abgeschlossene Ausbildung zum Eurythmisten bzw. Eurythmielehrer und eine darauf aufbauende Zusatzausbildung. In einigen Ausbildungsstätten werden Grundausbildung und Ausbildung zum Eurythmielehrer integrativ miteinander verbunden. Durch die Grundausbildung beherrschen die Absolventen die Bewegungskunst Eurythmie und sind in der Lage, sie in Erwachsenengruppen (Laiengruppen) zu unterrichten.
Die Zusatzausbildung zum Eurythmielehrer befähigt sie darüber hinaus, Kinder und Jugendliche im Rahmen einer Schulgemeinschaft zu unterrichten. Das schließt die Befähigung zur Zusammenarbeit mit Eltern, Lehrern und Berufskollegen ein. Die Zusatzausbildung zum Eurythmischen Bühnenkünstler versetzt den Absolventen in die Lage, selbstständig den Beruf des Eurythmischen Bühnenkünstlers zu ergreifen und im Rahmen eines Ensembles auszuüben.
Wie die Lehrerausbildung, ist der Werdegang des Bühnenkünstlers durch eine zeitgemäße sozialverantwortliche Einbettung gekennzeichnet. Das Studium umfasst nicht nur eine künstlerische Fachausbildung, sondern stellt die Bildung und Erziehung des ganzen Menschen in seinen Mittelpunkt. Bildung wird so verstanden, dass der Auszubildende in der Auseinandersetzung mit den verschiedenen Fachgebieten Anregungen erhält, seine Denk- und Erkenntnisfähigkeiten, seine Gefühls- und Empfindungsfähigkeiten, wie auch seine Willensimpulse selbständig zu verwandeln und neu auszurichten.
Es besteht die Möglichkeit, mit Bachelor das Grund-Studium an vielen Ausbildungen abzuschließen und anschließend den Master of Arts zu erwerben in 2 jährigem nebenberuflichem- und 1jährigem Vollzeit-Studium an der Alanus-Hochschule.