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Am 8. September 1970 schrieb die Ortsbehörde die Bootsbesitzer an um abzuklären wie gross das Interesse an Bootsplätzen für das vorgesehene Hafenprojekt zwischen Landungssteg und Mündung Dorfbach war. Die veranschlagten Baukosten waren 1.075 Millionen Franken.
Die Zeit war noch nicht reif, dem Projekt wurde die Zustimmung versagt.
Chance Kunstseideareal
Mit der Schliessung der Kunstseidefabrik im Jahre 1976 bot sich der Gemeinde Steckborn die Gelegenheit, das Kunstseideareal in der Grösse von rund 60`000 Quadratmetern zum Preis von 10.7 Millionen Franken zu erwerben, wobei 41 Prozent Bundessubventionen zugesichert waren.
Im September 1976 befürwortete die Bevölkerung in einer Abstimmung diesen Kauf mit gut 88 Prozent Ja zu 12 Prozent Nein bei einer Stimmbeteiligung von über 60 Prozent.
Vorgesehene Nutzung: Turnhalle, Hallenbad, Oberstufenschulhaus, Sportplätze
Der Hafen war einer der Hauptfinanzierungsträger; er bildet einen finanziellen Eckpfeiler neben dem Verkauf von 12'700 Quadramter Land an BERNINA à 130.- Franken pro Quadratmeter für eine Fabrikerweiterung.
An der ordentlichen Gemeindeversammlung vom Freitag 11. Februar 1977 sollte unter Traktandum 3 ein Kredit 2.4 Millionen Franken für den Hafenbau bewilligt werden.
Es hagelt jedoch harsche Kritik, weil das Vorgehen eine Zwängerei des abtretenden Gemeindeammanns Willy Labhart sei. Das Traktandum wurde an der Gemeindeversammlung zurückgezogen.
Im letzten Februarwochenende 1977 wurde Edy Minder als neuer Gemeindeammann mit Amtsantritt 1. Juli 1977 gewählt.
Der Bund verordnet ein Sparpacket, auch der Kauf des Kunstseideareals war betroffen, die Subventionen waren neu nur noch 31 Prozent, die erste Million aus Bern sollte fliessen, sobald der Kanton Thurgau die zugesagten 800'000.- Franken bezahlt hat.
Der Feldbach-Hick-Hack beginnt
Der SVP Nationalrat Hp. Fischer „Puure Fischer“ engagiert sich in Bern zu Gunsten Steckborns. Bern lenkt nicht ein, Bundesrat Hürlimann teilt mit, es bleibe bei dem Nein.
Im August 1977 taucht im Bote vom Untersee der erste Artikel gegen den Hafen auf, unterzeichnet von Tell und Sohn. Segelmasten seien die Stange für den Hut der Bonzen den die Steckborner dann grüssen müssten.
Am Dienstag den 6. September 1977 hält der Segelclub Steckborn mit einem Artikel dagegen.
Am 9. September 1977 wurde an der Gemeindeversammlung ein Kredit für 50‘000.- Franken zur Planung des Hafens genehmigt.
Das Prinzip: ein Schwimmhafen. Räschle, Frauenfeld und Berardi, Zürich erhalten den Planungsauftrag. Die Referenzen sind Häfen auf dem Zürichsee.
Ziel ist es, noch 1977 an einer Gemeindeversammlung über den Hafen abstimmen zu lassen und den Betrieb 1978 aufnehmen zu können.
Ab 13. September 1977 konnte man sich auf die Warteliste für Hafen- und Winterlagerplätze setzen lassen.
Es kamen sofort 300 Anmeldungen und 150 Vorauszahler zusammen. Vorauszahler bezahlen für 15 Jahre im Voraus. Sie trugen in etwa die Hälfte der Finanzierung. Sieben Prozent subventionierte der Kanton Thurgau, 1.387 Millionen Franken mussten durch die Gemeinde finanziert werden.
An der Gemeindeversammlung vom 20. Dezember 1977 der Politischen und der Schulgemeinde wurde der Kredit behandelt und schlussendlich auch genehmigt.
Es war eine hitzige Gemeindeversammlung; die «Steckborner» wollten keinen Hafen für Bonzen bauen. Hans Kilchenmann vom Segel Club Steckborn ergriff das Wort; bin ich als segelnder BERNINA- Büetzer ein Bonz? Mein Schiff baut gerade jetzt die Schiffswerft Labhart mit dem Bootsbauerlehrling Ernst Ulmer (dem späteren Hafenmeister).
Der Student Werner Strasser ergriff ebenfalls das Wort; ich baue mein Schiff einen Tornado in der Modellbauerei Füllemann selber, kommen sie mich besuchen und sehen sie zu wie ein Segelschiff gebaut wird.
Die Stimmung in der Hubturnhalle begann zu drehen, der Antrag wurde schlussendlich in geheimer Abstimmung mit 294 Ja zu 26 Nein deutlich angenommen.
Das Baubewilligungsverfahren wurde am 14. Februar 1988 eröffnet.
Die Heimatschutzbehörde verlangte die Verschiebung des Hafens gegen Osten so dass der Blick auf das Refektorium frei bleibt.
Die Stadt bewilligt den landseitigen Bau, der Kanton den Wasserbau mit der Auflage drei Gratis-Plätze für den Kanton (Polizei, Umweltamt, Fischereiaufsicht) inklusive kostenloses Ein-/Auswassern.
Die Bojenfelder Glarisegg und Schweizerland seien auf zu heben.
Fischer Labhart müsse durch die Gemeinde Steckborn für 7 Land-, 2 Halde-, und 3 Tiefenreisser entschädigt werden.
Arbeitsvergabe
Am 24. Januar 1978 fand die Arbeitsvergabe statt. Die Bauarbeiten für die Schwimmmolen und die Wasserbauarbeiten wurden an die Arbeitsgemeinschaft Hermann Stutz AG, Hatswil und W. Stäubli. AG Wasserbau, Zürich vergeben. Dies geschah auf Grund der Erfahrung im Wasserbau. Ein Teilbetrag von einer Millionen Franken, enthaltend Stahl- und Metallbau, Holzarbeiten und Kettenlieferung wurde an einheimische Betriebe vergeben. Die Stahlbaufirma Neuweiler AG, Kreuzlingen und Unterlieferant Emil Weiss, Steckborn fertigten die feuerverzinkten Schwimmstege und Arme. Der Vortragende schweisste als Student an den Stegträgern mit und regte sich über die unterdimensionierten stumpfen Schweissnähte auf.
Jahre später hat er den entsprechenden Schaden als Hafenlieger als die Stege mehrmals bei Sturm abbrachen.
Konrad Labhart, Steckborn erhielt den Auftrag für das Elektrische
Die Gärtnerei Ruh erhielt den Auftrag für die Umgebung.
Hat der heutige Stadtrat Micha Ruh damals schon mitgearbeitet?
Die Zimmerei Kollbrenner fertigte die Holzroste. Der heutige Hafenmeister Andi Gisler war als Lehrling beteiligt. Er beschäftigt sich also heute nicht das erste mal mit dem «Kistenholz».
Nach Einsprache von Anstössern musste das Projekt nochmals geändert werden. Die Kranplattform und der Schlipf musste vom Ostende in die Hafenmitte verschoben werden.
Mitte Februar 1978 erfolgte das Baubewilligungsverfahren, das schliesslich mit verschiedenen Auflagen, darunter die Verpflichtung die Bojenfelder Glarisegg und Schweitzerland aufzuheben, bewilligt wurde.
So konnte der Bau des Hafens mit dem Ziel begonnen werden, dass er im Sommer 1978 bezugsbereit sei.
Bauvorgang
Der Bauvorgang für die schwimmenden Hafenmolen in vorgespanntem Beton war so, dass erst mit Spundwänden ein Trockendock vor der Kläranlage erstellt wurde. Darin wurden die einzelnen Molenelemente hergestellt. Waren diese fertig gegossen wurde das Trockendock geflutet und die Elemente an ihren Verankerungspunkt geflösst.
Die Elemente der Hafenmole selbst sind an Schwenkarmen befestigt deren Fundament in den Seegrund verrammt wurde.
Die inneren Schwimmstege sind an Stahlrohrpfälen befestigt. Diese mussten im Hochwasser 1999 sogar verlängert werden sonst hätten sich die Schwimmstege ausgefädelt.
Erneutes Gerichtsverfahren
Leider liessen die Einsprecher trotz Verlegung der Kran Plattform und des Schlipfes nicht locker und hielten sich nicht an den eingegangenen Kompromiss. Sie kamen mit neuen Forderungen und Klagen auf die Stadt zu.
Im Mai 1978 erwirkten sie einen Baustopp durch Verfügung durch das Bezirksgericht; die Bauarbeiten seien unverzüglich ein zu stellen.
Die Molen schwammen im Trockendock auf und mussten geflutet werden.
Ein planerischer Kompromiss um die Einsprache los zu werden wurde schlussendlich gefunden. Dank einer Einigung der Ortsbehörde Steckborn und der einsprechenden Partei gelang es einen Weiterzug an das Obergericht zu verhindern.
Ende November 1978 konnten die Bauarbeiten fortgesetzt werden.
Ein weiteres Gerichtsverfahren wurde losgetreten.
Mit grossem Mehr beschloss die Ortsgemeindeversammlung vom 24. Februar 1978 die Subventionskürzung von 520'000.- Franken durch den Bund sei vor Bundesgericht einzuklagen.
Mit Datum vom 12. Juni 1978 heisst das Bundesgericht die Klage von Steckborn gut und die ursprüngliche Versprechung von 41 Prozent Subventionen wurden bezahlt.
Somit war das Finanzierungskonzept wieder auf Kurs.
Im Sommer 1979 beziehen die ersten Schiffe in zwei Etappen den Hafen Ost
Darum können wir heute das Hafenfest unter dem Titel 40 Jahre Hafen Steckborn feiern.
Am Samstag den 28. Juni 1980 wurde der dann fertige Hafen mit einem Festakt eingeweiht. Entsprechend könnte man 2020 nochmals 4o Jahre Hafen Steckborn feiern.
Der «Alt Gemeindeammann Edi Minder darf stolz sein, es ist «sein» Hafen. Er hat ihn gegen viele Widerwärtigkeiten erfolgreich durchgeboxt.
Heute haben wir einen modernen und gut ausgerüsteten Hafen. Es ist der schönste Hafen am Untersee.
Um den Hafen im Schuss zu halten braucht es den Hafenmeister. Er setzt Recht und Ordnung durch und sorgt für Ordnung und Sauberkeit.
Der grossen Umsicht von Hafenmeister Andi Gisler und seinem pensionierten Vorgänger Ernst Ulmer ist der ausgezeichnete Ruf des Hafens zu verdanken.
Viel Arbeit stecken aber auch die Hafenkommission und die Vertreter der drei im Hafen liegenden Segel Clubs in den Ruf des Hafens.
Peter Röthlisberger hat sich sehr für das Umweltzertifikat «blauer Anker» stark gemacht. Der Hafen Steckborn ist der einzige Hafen am Untersee mit diesem jährlich zu erneuernden Umweltzertifikat (siehe blaue Fahne am Fahnenmast).
Die Spielregeln des Hafens sind durch das vom Stimmbürger verabschiedete Hafenreglement klar und transparent. Jedermann kann das Hafenreglement auf dem Internet abrufen und nachlesen.
Wartung und Unterhalt
Die Konstruktion der Schwimmmolen ist dem dauernden Wellenschlag und dem schwankenden Wasserstand ausgesetzt und benötigt entsprechend Ueberwachung und Unterhalt. Taucher überprüfen regelmässig die Ketten, deren Verankerung und die Schwenkarme.
Bei starken Stürmen kommt es leider immer wieder zu Stegabbrüchen, so auch am 2. Juli 2012
Der letzte grössere Schaden war 2018 ein Schäkel Ermüdungsbruch.
Solche Schäden lassen sich mit keinen technischen Mitteln voraussagen.
Der damalige Stadt- und Hafenkommissionspräsident Roger Forrer war sofort zusammen mit Hafenmeister Andi Gisler auf Platz. Roger Forrer ist ausgebildeter Polizeitaucher und auch Andi Gisler ist ein ausgebildeter Sporttaucher. Es war beiden sofort klar «es mues eine abe». Diese Aufgabe übernahm Dive Master Dani Hofer.
Mittels Spanngurten sicherte er unter Wasser die losen Enden. So konnte verhindert werden, dass der Mittelsteg weg driftete und grosser Schaden an Stegen und Boten entstand. Die Wasserbaufirma Salzmann aus Bregenz-Rohrspitz wurde sofort aufgeboten. Allerdings dauert die Anfahrt quer über den Bodensee bis Steckborn einen Tag. Mittels Bootskran und einer aufgebrachten Kraft von 5 t konnten die Kettenende mit einem neuen Schäkel wieder verbunden werden und der Schaden war behoben.
Der Vorfall zeigte klar auf, dass rasches und kompetentes Handeln vor Ort grösseren Schaden vermieden hat.
Ernst Ulmer hat nach dem auswassern im Herbst 2009 klar darauf hingewiesen, dass der Kran so im kommenden Frühjahr nicht wieder in Betrieb genommen werden könne. Es passierte nichts und im Frühjahr 2010 musste mit einem Pneukran als Provisorium gearbeitet werden. Eine Schmach für die Gemeinde. Immerhin bringt der Kran pro Ein/Aus-Wassern Periode ca. CHF 50 000 ein. Im Februar 2011 wurde er dann ersetzt.
2014 waren die Schwenkarme zu ersetzen. Beauftragt wurde die Firma Neuweiler, Kreuzlingen die schon die ersten Arme gebaut hatte. Es wurden dickwandigere und Feuerverzinkte Rohre eingesetzt. Die Bauüberwachung führte wie beim Kranersatz Peter Röthlisberger als Mitglied der Hafenkommission durch. Der Ersatz wurde über den Winter vorgenommen und im Frühjahr war der Hafen tipp-top bereit. Die Abnutzung der Kettenglieder zeigt sich gut an dem Beispiel im Hafenmeisterbüro. Sedimente im Wasser wirken wie Schleifpapier und schmirgeln die Kettenglieder ab.
All diese Unterhaltsarbeiten kosten Geld das durch die Hafenlieger bezahlt wird. Nach dem mühsamen Ersatz des Krans haben die Stimmbürger der Installation eines Unterhaltsfonds zugestimmt, damit der Stadtrat kurzfristig und rasch reagieren kann.
Mit dem Bau des Projekt Nautilus hat der Hafen leider seine ausgezeichnete Sanitärinfrastruktur verloren. Die realisierte Ersatzmassnahme ist leider bis heute keine befriedigende Lösung. Sie werden nach dem zweiten Bier realisieren was ich meine, es fehlen die nötigen WC-Anlagen.
An der letzten Budgetversammlung haben die Stimmbürger zwar den nötigen Kredit für 2019 gesprochen. Auf Grund von Einsprachen verzögert sich aber auch hier die Realisation wieder.
Hochwasser
Der Bodensee ist nicht reguliert. Sein Wasserstand richtet sich nach der Natur und den natürlichen Zu- und Abflüssen. Nebst dem Alpenrhein sind vor allem die Bregenzer- und die Schussenach mit den Zuflüssen aus dem Allgäu entscheidend für den Wasserstand. Die normale Schneeschmelze ist nicht kritisch. Fällt diese aber mit einer Starkregenperiode zusammen ist die Hochwassergefahr sehr gross.
Die Pegelschwankungen können bis zirka drei Meter betragen. Im Hochwasser 1999 ist der Pegel stündlich um einen Zentimeter angestiegen und hat schlussendlich die Marke von 5.65 Metern erreicht. Das war ein Jahrhunderthochwasser.
Heute stehen wir bei zirka 4.79 Meter.
Wirtschaftsfaktor
Der Hafen ist für Steckborn ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.
Mit 273 Liegeplätzen, zirka 20 Gastplätzen und 50 Trockenplätzen erwirtschaftet der Hafen solide Einnahmen für Steckborn.
Die jährlichen Einnahmen aus dem Hafen von durchschnittlich 200‘000.- Franken entsprechen zirka drei bis vier Prozent der Steckborner Steuerkraft. Dies netto nach Wartung- Unterhalt und Erneuerung.
Oder anders gesagt, ohne die Einnahmen aus dem Hafen müsste der Steuerfuss Steckborns um drei bis fünf Prozent erhöht werden.
Der Bootstourismus und die Gastlieger erbringen dem Hafen und der lokalen Gastronomie zusätzliche Einnahmen. Bei grossen Regatten und Schweitzer Meisterschaften sind jeweils auch die Hotels gut belegt.
Für die Schiffsführerausbildung, die Wartung und den Unterhalt der Schiffe hat das lokale Gewerbe Arbeitsplätze und Verdienstmöglichkeiten geschaffen.
Es sind diese Gewerbetreibenden die zusammen mit dem Hafenmeister das heutige Hafenfest lanciert haben. Hagen Ludwig von der Bootswerft Labhart gehört genauso zum Hafen wie unser Hafenmeister Andi Gisler, Dani Hofer und viele weiteren Gewerbetreibenden und Helfer.
Nicht zuletzt schaffen die drei im Hafen liegenden Clubs, Yacht Club Schaffhausen, Segel Club Steckborn und Jugendsegeln Steckborn eine sehr positive Publicity für die Gemeinde Steckborn.
Tragen wir also Sorge zu unserem schönsten Hafen am Untersee damit wir unser Hobby, den Wassersport, auch weiterhin mit Freude betreiben und geniessen können und weiterhin zum Wohle von Steckborn beitragen.
Werner Strasser
Steckborn, 23. Juni 2019