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März 2018 – Inlandsbriefe im Inlandstarif über das Ausland gelaufen
Heute möchte ich mit zwei Belegen aus Graubünden aufzeigen, wie Briefe behandelt wurden, deren Abgangs- und Bestimmungsort in der Schweiz lag, die aber oft aus einfachen Gründen der Geographie und Machbarkeit über ausländisches Territorium geleitet wurden.
Der erste Beleg [1] wurde in der Postablage Soglio auf der Nordflanke des Val Bregaglia / Bergells abgegeben, ein korrespondierender Stabstempel wurde rückseitig abgeschlagen. Eine Rayon III mit grosser Wertziffer (Zu Nr. 20) wurde mit eidgenössischer Raute auf dem Postamt Castasegna entwertet, der entsprechende Zweikreiser-Datumsstempel vom 12. März 1853 daneben abgeschlagen. Castasegna liegt unterhalb von Soglio im Talboden und ist der Grenzort, damals zur österreichisch verwalteten Lombardei, heute zu Italien. Der Brief war nach Fürstenau gerichtet, ein handschriftlicher Leitweg-Vermerk lautet ‚Splügen und zu Tusis franko abzulegen‘, da ein Transport im Winter über Maloja- und Julierpass (2284 M. hoch) wohl schlecht machbar war. Rückseitig findet sich der Transitstempel von Splügen-Dorf, bereits vom folgenden Tag, ein Ankunftsstempel wurde nicht abgeschlagen.
Dieser Brief wurde also aus dem bündnerischen Bergell ins bündnerische Thusis versandt, der Transport fand aber von Castasegna bis zum Splügenpass auf dem Gebiet der Lombardei statt. Trotzdem ist der Brief wie ein ganz normaler Inlandsbrief des dritten Briefkreises über zehn Wegstunden (48 km) im Tarif vom 1. Januar 1852 mit 15 Rappen frankiert, genau hierfür wurde die Rayon III ja auch heraus gegeben.
Grundlage für diese Möglichkeit bot der Postvertrag zwischen der Schweiz und dem Deutsch-Österreichischem Postverein vom 23. April 1852, gültig ab 1. Oktober 1852. In Paragraph 20 wird unter der Überschrift „Transitcorrespondenz, Transitgebühren“ folgendes festgelegt:
In Artikel IX des Postvertrags zwischen Österreich und der Schweiz vom 26. April 1852, ebenfalls ab 1. Oktober 1852 gültig, wird für die spezielle Situation bei Transport über den Splügenpass aber der schweizerischen Seite der Wegfall der Transitvergütung garantiert, solange die Briefpakete ausschliesslich mit schweizerischen Transportmitteln stattfinden:
Neben diesen postgeschichtlichen Fakten sind auch Absender und Empfänger des Briefes von Interesse. Absender war Fritz von Salis-Soglio, gerichtet war der Brief an den Alt-Landvogt von Planta, Mitglieder von zwei der grossen bündner Familien.
Der zweite Beleg stammt auch aus dem Bergell und ist diesmal nach Lugano im Tessin gerichtet. Er wurde in der Postablage Casaccia aufgegeben, der Stabstempel diente auch zur Entwertung der Sitzenden 10 Rp. rot (Zu Nr. 38). Vorderseitig finden sich noch der Poststempel des zugehörigen Postamts von Vicosoprano vom 20. November 1869 und ein PD-Stempel. Rückseitig sieht man wieder einen Datumsstempel von Castasegna vom 22. November 1869, bevor der Brief die Schweiz verliess. Der Leitweg wurde vom Absender als „Como per Lugano“ angegeben und ein nicht lesbarer italienischer Stempel könnte aus Como stammen. In Lugano kam der Brief am gleichen Tag an.
Auch hier wurde also der Inlandstarif verwendet.
Da es in den Sammlungen unserer Mitglieder sicherlich eine ganze Reihe ähnlicher Belege geben dürfte, bietet sich dieser kleine Online-Beitrag an, zu einem richtigen ‚POSTGESCHICHTE‘-Artikel ausgebaut zu werden. Wer hierzu also Material beisteuern kann, soll gute Scans (300dpi) doch bitte an den Autor (<email-pii>) senden.
Quellen:
[1] Sammlung Jack Luder; 219. Corinphila-Auktion, November 2017, Los 2307; [2] Sammlung Lukas Reist
Literatur:
Bäuml, Robert; „Schweizer Inlandsbriefe über die Splügenroute“, SBZ 4 (2012), S. 138-149.
Postvertags-Projekt auf der Seite des Deutschen Altbriefsammler-Vereins, http://www.dasv-postgeschichte.de/pv/pv_main.asp
Ich danke Adrian Benz, Joos Dünki und Lukas Reist für Scans und inhaltliche Beiträge.
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