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Wir sind uns gewohnt den Stecker in die Dose zu stecken und schon läuft der Rasierer, z.B. ein Sixtant von Braun, der Toaster oder es heizt das Bügeleisen, z.B von Jura, auf.
Wir sind uns gewohnt, an der Zapfstelle den Tiger in den Tank zu fassen, die Petrollampe als Sturmlampe anzuzünden. Wir sind uns auch gewohnt, den Gashahn zu öffnen, die Flamme zu dosieren und schon lässt sich ein Ei kochen, auch nach der „Ogi-Methode“.
Wir sind uns gewohnt, im Spätherbst die Heizung einzuschalten und diese erst im April oder Mai wieder auszuschalten. Die Wohnung ist auf 21°C geheizt. Den Slogan „Heizen mit Öl“ kann man täglich lesen, als ob alternative, bzw. erneuerbare Energieträger ein Tabu wären. In warmen Zonen werden Geschäfts- und Wohnräume mittels Air Condition von 35-40°C auf 20°C heruntergekühlt. Dabei sind diese Bauten meist nicht einmal so gut gedämmt, wie unsere Häuser. Während man bei uns begriffen hat, dass man nicht ins Freie heizen soll, kühlt man dort auch noch die Umgebung…
Am Beispiel des „Wüstenfliegers“, der u.a. in Libyen im Einsatz war, soll gezeigt werden, dass im Hintergrund viel Sisiphus-Arbeit erforderlich war und ist, damit das schwarze Gold sprudelt und letztlich zu den Verbrauchern gelangt. Sein Einsatz liegt zwar schon eine Weile zurück. Er zählt heute zu den alten Piloten (es gibt viele alten Piloten und es gibt viele berühmte Piloten. Aber es gibt nur wenig alte und berühmte Piloten).
Die Wüstenpiloten taten damals ihren Dienst weit ab von der Zivilisation. 4 Wochen Einsatz, 4 Wochen Unterbruch, für Urlaub zu Hause. Während des Urlaubes mussten jeweils Pflichtlektionen im Simulator (Nachtflug, Flüge nach Instrumenten) absolviert werden! Die Mannschaften waren während des Einsatzes hohen Temperaturen ausgesetzt (Klimadiagramm Sheba). Sie flogen im Durchschnitt etwa 100 Stunden pro Monat. Die Tätigkeiten umfassten:
- Bohrstellen versorgen
- Wasserstellen bedienen. Man musste 80- 100km weit fliegen, um eine Wasserpumpe ein- oder auszuschalten. Wenn Wasser gefunden wurde, konnte dies aus etwa 20m Tiefe gepumpt werden. Die Wassertemperatur lag etwa bei 10-15° Celsius und das Wasser war von höchster Qualität. Im Umkreis von etwa 150 km oder mehr, gab es aber kein zweites Bohrloch!
- Unfallpikett
- Luft-Taxi für den Crew-Change. Man bringt die Leute zum grösseren Flughafen in Sebha,von wo diese mit einem grösseren Flugzeug nach Tripolis und von dort schliesslich nach den Destinationen in Europa weiter fliegen.
- Ersatzteile zubringen
- Verpflegung transportieren (Frischfleisch , Gemüse u. Obst)
- Suche von Pannenfahrzeugen oder solche, die sich verirrt haben, besonders nach dem „Gibli“, dem warmen Wüstenwind, der auch Sandstürme auslöst.
- Transport der Geologen an vorbestimmte Positionen
Das Werk des Gibli, innerhalb von ein paar Stunden
Folge: Blokade für ewa eine Woche, bis das Flugzeug ausgepuddelt und danach mittels Zugfahrzeug auf „befestigten Grund“ geschleppt werden konnte. Wasservorrat und Notproviant reichten exakt aus…
Die Start- und Landebahnen waren meist improvisierte Landefelder im Wüstensand, in einem Wadi (ausgetrocknetes Flussbett) oder es wurde einfach eine Strasse benutzt.
Strasse als Start- und Landebahn
Ein eher ungeeignetes Wadi
Der Pilot musste den Platz aus der Luft rekognoszieren! Je nach topografischer Beschaffenheit waren starke Böen, ausgelöst durch Konvektionsströmung bzw. Thermik vorhanden.
Gelände für eine Notlandung ungeeignet!
Die Navigation war meist sehr anspruchsvoll. Es musste viel nach Sicht, Kompass und Stoppuhr geflogen werden. Der Zugang zum GPS-System gab es damals noch nicht. Das ist umso schwieriger, je stärker der Wind, dessen Stärke und Richtung nur ungenau bekannt waren, blies.
Das Tal ist für die Navigation gut geeignet. Ein Rückmarsch würde Tage dauern.
Man lernte jeden Busch oder Baum kennen, um diese als Navigationspunkte in der endlosen Wüste, verwenden zu können.
Eingesetzte Flugzeutypen: Der Pilatus Porter oder auch Jeep der Lüfte hat sich sehr schnell empfohlen, auch im Einsatz in der Wüste. Daneben waren die Twin Otter, siehe auch im Bild, die BN-2 Islander von Britten Normen sowie auf grösseren Plätzen die Fokker F-27 anzutreffen.
Die Piloten sind für ihre Maschine verantwortlich. Sie erstellen die Flugbereitschaft, Zwischenflugkontrollen und am Abend die Retablierung. Dass trotz grosser Erfahrung hin und wieder der Schlendrian durchbricht, zeigte sich an verschiedenen Flugunfällen. Wer bei der Flugbereitschaft die Steuerlockierungen nicht entfernte, steckte kurze Zeit nach dem Start im Sand… meist mit fatalen Folgen! Und wer seine Ladung nicht richtig verzurrte, der fiel nach Turbulenzen wie eine reife Zwetschge vom Himmel. Und wer die Hinweise der Meteoberatung ausser Acht liess, erlebte ein Flame-out wegen Vereisung, eine Notlandung in ungeeignetem Gelände oder eine Wasserung in der grossen Syrte. Grosse Aufmerksamkeit ist dem Sand zu widmen. Spezielle Filter sind zum Schutz der Triebwerke (Propellerturbine) angebracht. Diese müssen regelmässig gereinigt werden.
Treibstoff wurde mit Lastwagen geliefert. Die Qualität war gut und der Reinheitsgrad hoch, so dass bei der Betankung keine zusätzliche Filterung nötig war.
Die Piloten waren in klimatisierten Containern untergebracht. Entweder war man im Einsatz, oder auf Pikett. Dienst und Pikett dauerte 24 Std/Tg an 7 Tagen jeweils während 4 Wochen! Anfänger wurden systematisch auf die Wüstenfliegerei eingewiesen. Walter hatte gute Voraussetzungen. Er besass Lizenzen für Unterhalt und Wartung sowie eine Instruktorenlizenz für den Pilatus Porter. Der Wüstenkoller konnte ihm nichts anhaben. Schwierig wurde es erst dann, wenn nicht richtig gekocht wurde! Wichtig war, stets genug Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Er konnte sich gut selber beschäftigen. Als Radioamateur war er mit der Welt verbunden, jedoch nur als Zuhörer. Senden durfte er von Libyen aus nicht! Das wäre streng bestraft worden. Mit der Bevölkerung gab es praktisch keinen Kontakt. Die Arbeitsplätze waren wirklich in der Wüste!
Das Vordringen der modernen Technik hat auch Auswirkungen auf die Nomaden in der Wüste. Jahrtausende war es das Kamel, bzw. das Dromedar, welches Reichtum und Einfluss des Besitzers ausdrückte. Das änderte, als das erste Auto dort auftauchte. Die moderne Welt zerstört Traditionen… Aber selbst modernste Technik kann nie ganz auf bewährtes, altes Wissen verzichten.
Bewährtes mit dem Modernen verbinden… im Hintergrund eine Bohreinheit für die Wasserförderung
Vibratoren im Dienste der Geologen
Die Geologen setzten nicht mehr TNT ein, um die Schichten zu untersuchen. Sie arbeiteten mit Vibratoren und netzartig ausgelegten Sensoren, deren Anzeigen zentral erfasst und in entsprechende Dateien verwandelt wurden. Im Bild sind 4 Vibratoren zu sehen.
Bohrturm für die Ölförderung
Gebohrt wurde bis in Tiefen von 3000m ! Das bedingt mehrmaliges Aus- und wieder Einfahren der Bohrgestänge und Bohrköpfe.
Die Tuareg in Libyen sind eine kleinere Volksgruppe und leben vor allem im Südwesten des Landes. Sie sind heute weitgehend sesshaft geworden. Aber das Brot aus dem Sand wissen sie noch zuzubereiten. Die frühesten Einwohner Libyens sollen mit den Berbern verwandt sein.
Warum wird jemand Wüstenflieger? Es sind mehrere Punkte zu erwähnen: Möglichkeit zu fliegen, Reiz des Abenteuers, Meisterung der Herausforderung, selbständige und eigenverantwortliche Arbeit, fern ab von kleinkarierter Betriebshierarchie, indirekt: Stärkung des Selbstvertrauens, des Vertrauens in sein Wissen und sein Können. Relativ guter Verdienst. Praktisch keine Gelegenheit, das Geld auszugeben. Nachteil: Lange Zeit ohne Familie. Diese hat ihren Anteil am Erfolg des persönlichen Einsatzes geleistet.
Für den Dämmerungs- oder Nachtflug bereit