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Amiet blieb von Mai 1892 bis Juni 1893 im kleinen Fischerdorf, Monate, die für seine künstlerische Entwicklung von nachhaltiger Bedeutung sein sollten. «Dreizehn Monate konnte ich im schönen Pont-Aven verweilen», erinnert sich der Künstler im Rückblick, "und dann musste ich Frankreich verlassen, mein Frankreich, das ich herzlich liebte, das mich beherbergt hatte wie einen seiner Söhne, das mir freiwillig seine schöne Seele offenbarte durch die Kunst. Wenn auch mit leeren Taschen, so doch reich beschenkt mit Gütern höherer Art, kam ich jetzt in meine Heimat zurück».
Die «Prozession in Pont-Aven» gehört zu eben jenem schmalen Werk, das während Amiets Aufenthalt in der Bretagne entstanden ist. Die überaus reizvolle Darstellung einer traditionellen «Pardon», einer religiösen Prozession zu Ehren lokaler Heiliger, ist ohne seine Auseinandersetzung mit dem Werk seiner bretonischen Vorbilder, vorab Gauguin und van Gogh, undenkbar. Auf der Suche nach Licht und Farbe, entwickelte er seine eigene Charakteristik in der pointilistischen Maltechnik. Diese beruht auf dem gleichzeitigen Wechselwirken (Simultankontrast) von kleinen benachbarten Farbtupfern. Durch optische Verschmelzung und additive Farbmischung formen sich die Farbpunkte zu Gestalten. Diesem Prinzip folgend ist der Bildinhalt des Gemäldes auf seine elementarsten Formen reduziert, denn der gesamte Farbeindruck einer Fläche ergibt sich erst im Auge des Betrachters und aus einer gewissen Entfernung. Mit Begeisterung nahm Amiet die Anregungen seiner Künstlerfreunde auf und integrierte sie innerhalb weniger Wochen in seine eigene Ausdrucksweise. Ein sonnig leuchtendes Kolorit und der sichtbar bleibende, prägnant die Bildfläche strukturierende Pinselstrich gehören zu den hervorstechendsten Stilelementen seiner in Pont-Aven entstandenen Bilder, wie es auch das charmante «Stillleben mit Fayence und Äpfeln» zeigt.
Nebst dem Werk von Cuno Amiet besitzt bromer kunst auch das Gemälde „Pont Aven. La Lande de Saint Guénolé“ des französischen Malers Henry Moret, welches er im Jahre 1902 gemalt hatte. Moret kann zu den bedeutendsten post-impressionisten Künstler Frankreichs gezählt werden und wurde während seiner Zeit an der École des Beaux-Arts in Paris von den Künstlern Rudolf Lehmann, Jean-Léon Gérôme und Jean-Paul Laurens unterrichtet. 1888 entdeckte Moret die bretonische Hafenstadt Pont-Aven, wo sich zu dieser Zeit ein Mekka für Kunstschaffende entwickelte. Es bleibt ungewiss, ob sich die beiden Künstler Cuno Amiet und Henry Moret kennengelernt haben. Allerdings ist es offensichtlich, wie das legendäre Fischerdörfchen Pont-Aven für beide ein wichtiger Einfluss in ihrem künstlerischen Werdegang war und ihnen verhalf, einen Schritt in die Moderne zu gehen.