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Der erste Superstar war da, und wir können Ihnen drei Filme ans Herz legen, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Nur die Warterei auf Cate Blanchett macht unnötig nervös.
Antonio Banderas macht das Gleiche wie sein Film: Er sieht gut aus. Vielleicht kommt er ja deshalb 40 Minuten zu spät zur Pressekonferenz, weil Schönheit ab einem gewissen Alter einfach ihre Zeit braucht. Den mehr als erwachsenen Zürcherinnen, die hinter dem Festivalzentrum seinen Wagen abpassen, gefällt er jedenfalls ausnehmend gut, es sind da einige Kusshände zu sehen und höflich aufgeregte «Herr Banderas! Herr Bandeeeraaaaas!»-Schreie zu hören.
Drinnen, im Festivalzentrum auf dem Sechseläutenplatz, macht die Presse dann sofort alles falsch. Was ist uns eingeschärft worden? Genau, keine persönlichen Fragen. Und was fragt der deutsche Kollege von der «Bunten»? «Herr Banderas, Sie spielen in dem Film mit ihrer Ex-Frau Melanie Griffith. Werden Sie nicht sentimental, wenn Sie das jetzt so sehen?» Selbstverständlich ist das ungefähr die Frage, die auch wir Schweizer alle gerne gestellt hätten.
«Melanie war, ist und wird immer eine wundervolle Schauspielerin bleiben. Sie spielt in dem Film erstens eine Rolle und leiht zweitens der Roboterfrau Cleo ihre Stimme. Als Cleo und ich uns im Film voneinander verabschieden, da verabschieden sich auch Melanie und ich von unserer Beziehung.» Was für eine würdevolle Antwort. Selbst die anwesenden Männer seufzen.
Roboter also. Der Film, den Banderas auch produziert hat, heisst «Autómata», ist der Drittling des spanischen Regisseurs Gabe Ibáñez und mit 5 Millionen Euro ein billiger Science-Fiction-Film. Und endlich wird darin jene grosse Frage beantwortet, die Philip K. Dick 1968 stellte: «Träumen Androide von elektrischen Schafen?» Eine Frage, aus der Ridley Scott später den Film «Blade Runner» machte. Nach «Autómata» lässt sich sagen: Nein. Die Androiden von 2044 finden nicht Schafe herzig, sondern Kakerlaken. Sie tun das in einer riesigen weissen, von Kakerlaken verseuchten Wüste, und weil sie die Krabbeltiere so süss finden, bauen sie sich flugs eine hyperintelligente Kunstkakerlake als adäquates Haustier.
Die Androiden in «Autómata» sind nämlich keine Geschmacks-Hipster, im Gegenteil, es sind gewöhnliche Roboter, von den Menschen als Arbeitssklaven geschaffen. Ganz langsam legen sie sich ein Wertesystem zurecht und ergreifen entsprechend die Flucht vor ihren Schöpfern. Und schleppen Antonio Banderas mit sich. Der doch zuhause, in einer hochkünstlichen Stadt, die exakt aussieht wie aus «Blade Runner», eine schwer schwangere Frau (Birgitte Hjort Sørensen) hat, die sich gerne Hologramme von ihrem Baby in die Stube projiziert. Eine hochkarätige Wissenschaftlerin (Melanie Griffith) gibt es auch noch, und diese hat den Superroboter Cleo geschaffen.
Und so weiter und so fort, die Geschichte ist nicht das Raffinierteste an «Autómata», ganz im Gegensatz zum Look: Der ist irgendwie roh und anders, wie ein Punk im weissen Wüstensand. Sie hätten sich, sagt Banderas, ihre Kulissen vor allem aus den Abfallbergen eines bulgarischen Filmstudios zusammengehamstert, und ihre Roboter seien echte, schäbige, normale Roboter, denn für die coolen, computergenerierten Bilder hätte ihnen das Geld gefehlt. Jetzt würde der Film sehr «europäisch» aussehen.
Es hat «Autómata» jedenfalls kein bisschen geschadet, der Film, der eine Pastiche aus «mindestens 25 Referenzfilmen» (Banderas) sei und dessen Kulisse aus Recyclingmaterial besteht, kommt doch wie aus einem guten und definitiv neuen Guss daher.
Das ZFF ist diese Jahr ja das Fest der grossen letzten Runden. Am Montag läuft «A Most Wanted Man», der letzte Film mit Philip Seymour Hoffman (ausserhalb der «Hunger Games»). Und schon jetzt läuft «The Drop», der wirklich allerletzte Film mit James Gandolfini, dem Tony aus den «Sopranos». Seymour Hoffmann verstarb im Januar mit 46, Gandolfini im Juni 2013 mit 51 Jahren, beide will man sich noch immer nicht wegdenken müssen.
«The Drop», die Dennis-Lehane-Verfilmung des Belgiers Michaël R. Roskam, gibt Gandolfini noch einmal die grosse Bühne für den saftigen Patriarchen mit dem kalten Blut. Zusammen mit seinem Cousin (Tom Hardy) leitet er eine Bar in Brooklyn, in der Mafiagelder zusammenfliessen. Der Cousin (ein einfacher Mensch, kein Roboter) verliebt sich erst in einen verletzten Hundewelpen, dann in eine Frau (Noomi Rapace), doch irgendwie hängen Frau und Hund und ein Erzfeind miteinander zusammen, von allen Seiten droht irgendeine Form der Blutrache, und die Frage, wer denn nun der grösste Psychopath von allen sei, wird schliesslich so geschickt beantwortet, dass es eine Freude ist.
Auf ganz andere Art einnehmend ist «The Skeleton Twins» von Craig Johnson, ein leiserer, lieblicherer Film über ein Zwillingspaar, das sich nach zehn Jahren wieder trifft, weil beide versuchen, sich am gleichen Tag das Leben zu nehmen. Der Bruder (Bill Hader) kommt im Versuch weiter als seine Schwester (Kristen Wiig) und wird von ihr gesund gepflegt, und es offenbart sich da auf sehr genaue und verspielte Art die Besonderheit, aber auch Ausschliesslichkeit, so einer engen Geschwisterbeziehung, die für die beiden trotz jahrelanger Trennung die intakteste Beziehung ihres Lebens ist.
«The Skeleton Twins» ist eine im Kern tieftraurige Komödie, und auch wenn sie gelegentlich in einen sehr amerikanischen Harmoniedrang einbiegen muss, so rührt sie einem doch ganz fürchterlich. Und es tut wohl zu sehen, was für eine fabelhaft sensible Schauspielerin sich in Kristen Wiig verbirgt, die wir doch eher als Kreischneurotikerin aus «Bridesmaids» kennen.
Und damit gebe ich zurück an den grünen Teppich, wo demnächst Cate Blanchett scheinen und allen aufgebrezelten Provinzgumseln heimleuchten wird. Ach ja, die Festivalfrisösen sind grässlich nervös: Eine von ihnen wird am Samstagnachmittag das Haupt der Blanchett unter ihren Händen haben.
«Autómata»: Sa, 04.10., 21 Uhr, Arena 5.
«The Drop»: Sa, 27.9., 14 Uhr, corso 1; Do, 02.10., 21.15 Uhr, corso 2. Ab 4. Dezember im Kino.
«The Skeleton Twins»: Mo, 29.9., 20.15 Uhr, Le Paris; Di, 30.9., 20.30 Uhr, corso 2; Do, 02.10., 19 Uhr, corso 4.