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Beispiele für Krankheiten des Mittelmeerraumes
In der Schweiz leben viele Menschen, die aus anderen Ländern stammen. Neben den kulturellen, sozioökonomischen Aspekten gibt es erbliche Krankheiten, die in der Praxis bei der Diagnosestellung unbedingt berücksichtig werden müssen. Beispiele hierfür sind:
Thalassämie
«Thalassämie» kommt von griechisch «thalassa», dt. das Meer, und das Verbreitungsgebiet umfasst hauptsächlich den Mittelmeerraum. Bei der Thalassämie liegt eine erbliche, sprich angeboren Veränderung des Hämoglobins vor. Diese bewirkt, dass viele rote Blutkörperchen geschädigt und deshalb sehr schnell abgebaut werden, wodurch es zum Mangel derselben kommt, also zur Blutarmut.
Die Krankheit wird in Alpha- und Beta-Thalassämie bzw. in Thalassämia minor oder major eingeteilt.
Die schwere und therapiebedürftige Thallassamia major wird oft schon in der frühen Kindheit diagnostiziert, weil bereits sichtbare Indizien wie Wachstumsverzögerung, häufige Infekte, Blutarmut und ein erhöhtes Eisen in der Blutuntersuchung bestehen.
Ein Ultraschall des Bauchraums bestätigt die Milz- und Lebervergrösserung, und auf dem Röntgenbild sieht man die Verdickung und Strukturveränderung des Schädelknochens oder auch die langen Knochen in Armen und Beinen, welche Knochenmark erhalten.
Die Sichelzellanämie
Bei der Sichelzellanämie liegt eine angeborene Veränderung im Hämoglobin vor, die bewirkt, dass die roten Blutkörperchen schneller abgebaut werden. Zusätzlich verstopfen sie häufig kleine Gefässe, was die Durchblutung der Organe behindert.
Eine Blutarmut führt in der Regel zu Müdigkeit und Schwäche, Atemnot und Herzklopfen bei Anstrengung. Da bei der Sichelzellanämie die Blutarmut seit frühester Kindheit besteht, werden diese Symptome durch die Patienten kaum wahrgenommen, weil sie sich in der Zwischenzeit daran gewöhnt haben.
Die Sichelzellanämie verleiht einen gewissen Malariaschutz. Das veränderte Hämoglobin, welches bei der milden Form nur etwa die Hälfte des normalen Hämoglobins ersetzt, hindert den Erreger der Malaria daran, sich in den roten Blutkörperchen zu vermehren, was er in Gegenwart von ausschliesslich normalem Hämoglobin ungehemmt tut. Diese Veränderung des Hämoglobins verbessert somit die Chancen, eine Malariainfektion zu überleben.
Morbus Behçet
Die Behçet-Krankheit ist eine Erkrankung, die mehrere Organsysteme befällt. Charakteristische Kennzeichen sind wiederholt auftretende geschwürartige Veränderungen im Mund- und Genitalbereich sowie eine Mitbeteiligung der Augen.
Das Leiden befällt hauptsächlich junge Erwachsene aus der Mittelmeerregion sowie dem Mittleren und Fernen Osten. Kommt häufig in der Türkei und anderen Staaten vor, die an die ehemalige Seidenstrasse angrenzen. Die Erstmanifestation tritt zwischen 20. und 40 Lebensalter ein, bei Männern 3-Mal häufiger als bei Frauen.
Die Ursache sowie die Entstehung der Krankheit sind bisher unbekannt. Möglicherweise spielen sowohl Genetik als auch Umweltfaktoren zusammen eine Rolle.
Die Formen mit Schleimhautbeteiligung können meist gut mit örtlich wirksamen Korticosteroidhaltigen Salben, bei Augenbeteiligung mit entsprechenden Augentropfen, behandlet werden. Bei schweren Verlaufsformen kann auch eine Einnahme des Medikaments (Korticosteroide, Colchicin, ggf. Immunsuppressiva oder Cyclophosphamid) in Form von Tabletten in Erwägung gezogen werden.