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Das Turiner Strafgericht griff hart durch: Es verurteilte die ehemaligen Mitbesitzer der italienischen Eternit S.p.A. Stefan Schmidheiny und den belgischen Baron Jean-Louis de Cartier de Marchienne wegen vorsätzlicher Tötung. Die Verteidigung hatte einen Freispruch verlangt.
Die Anklage gegen die beiden Unternehmer lautete auf vorsätzliche Tötung in rund 3000 Krankheits- und Todesfällen und Verursachung einer Umwelt-Katastrophe. Der Prozess hatte am 10. Dezember 2009 vor dem Strafgericht in Turin begonnen.
Dabei ging es um die Frage, wer für Sicherheitsmängel in vier italienischen Eternit-Werken zwischen 1966 bis zum Konkurs der italienischen Holding 1986 verantwortlich war. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatten Schmidheiny und de Cartier das Sagen in den italienischen Werken.
Staatsanwalt Raffaele Guariniello beschuldigt sie, absichtlich die Sicherheit in den Eternit-Werken vernachlässigt und damit asbestbedingte Erkrankungen und Todesfälle in Kauf genommen zu haben.
Die Verteidigung beklagte, der Prozess in Turin sei unfair: unter anderem habe die Anklage den Verteidigern eine Einsicht in Krankenakten der Opfer verweigert, in dem die Staatsanwaltschaft diese nicht als Beweise eingebracht habe. Auf diesen Akten beruhten jedoch Gutachten, die im Prozess eine zentrale Rolle gespielt hätten.
Schmidheiny will das Urteil an die nächsthöhere Instanz weiterziehen. Dies kündigte sein Sprecher Peter Schürmann in einer Medienmitteilung an. Für die Verteidigung von Stephan Schmidheiny sei dieses Urteil völlig unverständlich, schreibt Schürmann. Deshalb werde es an die nächsthöhere Instanz weitergezogen.
Die beiden Angeklagten waren bei der Urteilsverkündung nicht anwesend.
(vst/chb/sda)