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• Saxo Bank veröffentlicht zehn absurde Prognosen für 2021
• Ereignisse sind nicht wahrscheinlich, aber möglich
• Corona-Pandemie beschleunigt technologische Trends
Die veröffentlichten Prognosen, stellen den Angaben der Bank zufolge keine offiziellen Marktprognosen der Saxo für das neue Jahr dar. Sie würden jedoch "vor einer möglichen Fehlallokation von Risiken bei Anlegern, die normalerweise nur eine Wahrscheinlichkeit von einem Prozent für das Eintreten dieser Ereignisse zuweisen" warnen und das was möglich - wenn auch nicht wahrscheinlich - ist, berücksichtigen.
Steen Jakobsen, CIO der Saxo Bank, äusserte sich zu den absurden Prognosen wie folgt: "Für die Reihe der absurden Prognosen für 2021 haben die COVID-19-Pandemie und der schmerzhafte US-Wahlzyklus, das, was eine ferne Zukunft schien, einen Quantensprung näher gebracht und nahezu jeden zugrunde liegenden sozialen und technologischen Supertrend beschleunigt. Einfach ausgedrückt bedeuten die Traumata von 2020, dass im Jahr 2021 die Zukunft ist."
Diese zehn absurden Prognosen hat die Saxo Bank für das Jahr 2021 aufgestellt:
1. Amazon "kauft" Zypern
Die Saxo Bank malt für 2021 ein Szenario, in dem grosse Online-Giganten, aufgrund ihrer Marktmacht und den geringen Steuerzahlungen, zunehmend Druck von Regierungsseite bekommen. Amazon verlegt daraufhin seinen EU-Hauptsitz nach Zypern, wo das Unternehmen freudig begrüsst wird. Die Steuereinnahmen tragen dazu bei, dass Zypern seine Schuldenquote von fast 100 Prozent senken kann, "nachdem es sich über die harte Behandlung durch die EU während der EU-Staatsschuldenkrise 2010-12 geärgert hat", schreibt die Saxo Bank. Zypern würde unter Hilfe von Amazon-Beratern seine Steuergesetzgebung neu schreiben - mit noch niedrigeren Unternehmens- und sonstigen Steuern als in Irland - woraufhin die EU-Regulierungsbehörden gegen Amazon vorgehen würden. Das Unternehmen sei dann dazu gezwungen, seine Praktiken zu ändern - Zypern und andere EU-Länder dazu, ihre Steuervorschriften zu harmonisieren.
h2>2. Deutschland rettet Frankreich
Das zweite Ereignis, das die Saxo Bank voraussagt, ist, dass Frankreich bei Deutschland betteln muss, "um der EZB zu ermöglichen, genügend Euro zu drucken, um eine massive Rettung ihres Bankensystems zu ermöglichen, um einen systemischen Zusammenbruch zu verhindern". Grund hierfür: Die Saxo Bank geht in ihrem Szenario davon aus, dass Frankreich eine Insolvenzwelle 2021 nicht vermeiden kann. Viele Unternehmen im Dienstleistungssektor würden trotz Konjunkturpaket und Darlehensprogramm den immer wiederkehrenden Wechsel zwischen Lockdowns und Lockerungen nicht überstehen. Es käme "zu einem massiven Verkauf französischer Megabanken" - "die Marktkapitalisierung und das Preis-Leistungs-Verhältnis der französischen Banken" würden auf ein beispiellos niedriges Niveau sinken. Dazu käme eine hohe Staatsverschuldung, die durch die Pandemie noch beschleunigt wurde.
3. Blockchain-Technologie killt Fake News
2021 komme es zu einer zunehmenden "Gefahr der Desinformation" und einer "Erosion des Vertrauens selbst in etablierte Nachrichtenanbieter". Mit einem gemeinsame Blockchain-Netzwerk für Nachrichteninhalte - der Enabling-Technologie -, die Nachrichten einer Gültigkeitsprüfung sowohl des Inhalts als auch der Quelle unterzieht - gingen grosse Medienunternehmen gegen erfundene und irreführende Nachrichten vor. Wie die Saxo Bank schreibt, würden Unternehmen wie Twitter und Facebook, aufgrund der Bedrohungen durch Aufsichtsbehörden, stark in diese Blockchain-Technologie investieren.
4. Chinas digitale Währung sorgt für Verschiebung der Kapitalflüsse
In diesem Szenario geht die Saxo Bank davon aus, dass China mithilfe seiner neuen digitale Version des Yuan "die Wirksamkeit der Geld- und Fiskalpolitik durch eine zunehmend bargeldlose Gesellschaft verbessern" und Ausländern einen uneingeschränkten Zugang zu den chinesischen Kapitalmärkten ermöglichen will. Die Transparenz in China und die externe Nutzung des Yuan bei Transaktionen würden dadurch erhöht. "Die Eröffnung des chinesischen Kapitalkontos und die Schaffung einer Währung, die dem Reservestatus des US-Dollars Konkurrenz macht, werden dazu beitragen, den chinesischen Konsum anzukurbeln, ein völlig neues chinesisches Rentensystem zu finanzieren und die Kapitalmärkte des Landes zu vertiefen", prognostiziert die Saxo Bank.
5. Revolutionäres Fusionsdesign sorgt für Energie im Überfluss
Das fünfte absurde Ereignis ist, dass es 2021 durch die Verbesserung des SPARC-Fusionsreaktordesign des MIT mithilfe eines AI-Algorithmus zum "grössten Paradigmenwechsel in der Energietechnologie seit der Kernenergie" kommt. Durch massive Investitionen des öffentlichen und privaten Sektors würde die Umsetzung des Fusionsdesigns innerhalb weniger Jahre ermöglicht. Die Saxo Bank erklärt: "Das Beste ist, dass fast jedes Land durch Fusionsenergie unabhängig von Nahrungsmitteln und Energie wird und die schnellste und grösste Verbesserung des Lebensstandards verzeichnet, die jemals beobachtet wurde."
6. Das universelle Grundeinkommen dezimiert Grossstädte
Die Saxo Bank prognostiziert, dass "wachsende, lohndeflationäre Kräfte von Software, KI und Automatisierung" dafür sorgen, dass eine zunehmende Zahl an Arbeitsplätzen in verschiedenen Branchen wegfallen werden. Man komme zu der Erkenntnis, dass ein universelles Grundeinkommen nötig sei - ein einzelnes Gehalt reiche nicht mehr aus, um eine Familie zu versorgen. Durch das Grundeinkommen, den Wegfall von Arbeitsplätzen und das vermehrte Arbeiten im Home-Office käme es auch zu einem Wandel bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Junge Menschen würden vermehrt dort bleiben, wo sie aufgewachsen sind und Fachkräfte und Randarbeiter Grossstädte, aufgrund mangelnder Beschäftigungsmöglichkeiten, verlassen.
7. Citizens Technology Fund sorgt für mehr Gerechtigkeit
In Szenario Nummer sieben spinnt die Saxo Bank den Gedanken, dass die Politik im neuen Jahr grundlegend verändert wird, um gegen ungerechte Verteilung und die Spaltung der Gesellschaft vorzugehen und "politische Umwälzungen, soziale Unruhen und systemische Risiken" zu verhindern. Die "Disruptionsdividende" solle, mithilfe eines Citizens Technology Fund, "der einen Teil des Eigentums an Kapitalvermögen an alle überträgt", unter anderem dazu beitragen wirtschaftliche und soziale Ängste abzubauen.
8. Erfolgreicher COVID-19-Impfstoff zerstört die Wirtschaft
Die Geldflut der Zentralbanken und Lockerungen der Finanzbedingungen aufgrund der Corona-Krise haben Anleger in risikoreichere Anlagen getrieben, was "durch die Aussicht auf einen wirksamen Impfstoff […], der einen neuen Boom des Wirtschaftswachstums bringt" gerechtfertigt wird. Im Nachhinein stelle sich laut Saxo Bank dann aber heraus, dass die Wirtschaft während der Corona-Pandemie stark überreizt gewesen sei; die Inflation steige, die Arbeitslosigkeit sinke und die Fed lasse infolgedessen zu, dass die Renditen langfristiger Staatsanleihen steigen. "Die Fed macht am Ende einen politischen Fehler, indem sie zulässt, dass sich die finanziellen Bedingungen über höhere, längere Zinssätze zu schnell verschärfen, da sie die Kontrolle der Zinskurven nie implementiert hat […]", so Saxo. Es komme vermehrt zu Unternehmensausfällen. Die Ersten: "die am stärksten verschuldeten Unternehmen im physischen Einzelhandel", die bereits vor der Corona-Pandemie zu kämpfen hatten.
h2>9. Es kommt zu einer Silberversorgungskrise
2021 sieht die Saxo Bank in ihren absurden Prognosen eine schnell steigende Nachfrage nach Silber in industriellen Anwendungen als "Turbolader für den Anstieg des Silberpreises". Eine "Silberversorgungskrise" würde zudem "die politische Unterstützung für Solarenergieinvestitionen unter der Präsidentschaft Bidens, den Europäischen Green Deal und Chinas klimaneutrales Ziel 2060" vereiteln. Dass der Grossteil des Silbers als Nebenprodukt beim Zink-, Blei- und Kupferabbau gewonnen wird, erschwere zudem die überproportional steigende Nachfrage zu bedienen.
10. Rasanter Aufschwung für Emerging Markets
Im letzten Szenario prognostiziert die Saxo Bank, dass die Technologie der nächsten Generation in den Schwellenländern im Jahr 2021 für ein enormes Wachstum sorgt. Die Wachstumsraten seien in den letzten Jahren stark unterschätzt worden und es zeige sich, dass "Schlüsseltechnologien die Ursache für eine Beschleunigung des Produktivitätswachstums des Privatsektors sein können, die weit über das hinausgeht, was in den Industrieländern in den letzten Jahrzehnten zu beobachten war". Eine wichtige Rolle sollen dabei die Einführung satellitengestützter Internet-Bereitstellungssysteme, die anhaltende Revolution in den Fintech-Zahlungs- und Bankensystemen und die Drohnen-Technologie spielen.
Wenngleich die Prognosen der Saxo Bank tatsächlich sehr absurd erscheinen, weisen sie doch in überzogener Weise auf einige Entwicklungen, die bereits im Gange - oder in Zukunft möglich - sind, hin.
Redaktion finanzen.ch