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Gegen Ende des 9. Jahrhunderts, zur Zeit des Karl III. (833-888) stand in Boswil eine Eigenkirche der Fraumünsterabtei Zürich. Die Fraumünsterabtei besass 924 in «Pozwila» einen «Kelnhof», welcher über ein weit über den heutigen Gemeindebann hinausreichendes Gebiet Verwaltungs- und Gerichtszentrum war. Auch die Chorherren des Grossmünsters Zürich waren damals hier sehr begütert. Einen Hinweis, dass in Boswil schon früh zwei Kirchen standen, finden wir 1111 bei der Vergabung der «oberen Kirche» (Martinskapelle) an das Kloster Muri.
Das Patronatsrecht mit dem Kirchensatz wechselte von den ursprünglichen Inhabern, dem Grossmünster und dem Fraumünster im 14. Jahrhundert zuerst an die Habsburger, um 1380 an die Ritter von Hallwil und 1483 an das Kloster Muri.
Auf dem Moränenhügel am östlichen Dorfrand stand zuerst eine Kirchenburg. Um 1500 errichtete das Kloster Muri den spätgotischen Käsbissenturm. Von Neubauten des Chors hören wir in den Jahren 1498 und 1696. Die Erweiterung von 1667 betraf zur Hauptsache das Kirchenschiff. Als im 19. Jahrhundert die Kirche zu klein war und auf dem Moränenhügel keine weitere Vergrösserung möglich war, liess die Gemeinde im Oberdorf durch den Solothurner Architekten Wilhelm Tugginer eine grosse neugotische Kirche errichten.
Am 21. Oktober 1890 erteilte Bischof Leonhard Haas der neuen Pankratiuskirche die sakrale Weihe und 1913 wurde südlich der Kirche das neue Pfarrhaus erstellt. Da die Gemeinde nicht zwei Kirchen unterhalten konnte, wurde die alte profaniert und die ganze Baugruppe - Kirche, Odilokapelle und Pfarrhaus - an Glasmaler Richard Arthur Nüscheler zuerst vermietet und 1918 verkauft. Nüschelers Erben veräusserten schliesslich die Liegenschaft an die Stiftung «Alte Kirche Boswil», die im Pfarrhaus ein Altersheim für Künstler einrichtete und in der Kirche Benefizkonzerte zu Gunsten des Betriebes veranstaltete.
1934, neben der Kirche entdeckte man Ruine der Burg der Herren von Boswil aus dem 13. Jahrhundert.
Dank mehreren Renovationen konnte die historische Baugruppe erhalten werden und die Institution erreichte mit ihrem Veranstaltungskalender auf hohem Niveau eine weltweite Ausstrahlung.
Bibliographie