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Verse des indischen Meisters Shantideva
"Wann werde ich am Fuße eines Baumes verweilen?"
Die folgenden Verse (25 bis 37) stammen aus dem achten Kapitel aus Shantidevas Werk Lebensweg eines Bodhisattva. In teilweise drastischen Worten wird an die Vergänglichkeit erinnert, um Enthusiasmus für die Meditationspraxis zu entfachen.
Die Tiere in der Wildnis, die Vögel
und die Bäume reden nichts Schlechtes.
Wann werde ich mit ihnen zusammenleben,
die so angenehm im Umgang sind?
Wann nur werde ich, frei von Anhaftung
und ohne zurückzublicken, in
Höhlen, leeren Tempeln oder am
Fuße eines Baumes verweilen?
Wann nur werde ich als mein eigener
Herr und ohne Begehren leben, in
von Natur her weiten Gegenden, die
niemandem gehören?
Wann nur werde ich selbst dann
furchtlos leben können, wenn ich
meinen Körper nicht verberge, nichts
als eine Bettelschale und anderer wenige
Habseligkeiten besitzend und
Kleidung tragend, die von niemandem
mehr gebraucht wird?
Wann nur werde ich mich auf die Leichenstätte
begeben, um dort die Skelette
der anderen und meinen eigenen
Körper als Gegenstände des Verfalls
gleichzusetzen?
Denn eben dieser mein Körper wird
in gleicher Weise verwesen, so dass
sich wegen seines Gestanks selbst die
Schakale nicht in seine Nähe wagen.
Selbst das Fleisch und die Knochen,
die natürlich zu diesem Körper gehören,
fallen auseinander und trennen
sich, obwohl er als eine Einheit entstanden
ist. Was muss man dann von
den anderen Nahestehenden sagen?
Geboren wird der Mensch allein, und
allein stirbt er. Kein anderer übernimmt
einen Anteil seines Leidens.
Was sollen dann die Lieben, die das
Heilsame behindern?
Wie Reisende auf ihrem Weg sich eine
Unterkunft nehmen, so nehmen sich
die auf der Straße der Existenzen Reisenden
die Unterkunft der Geburt.
Solange man noch nicht von vier Leichenträgern
aus dem Haus fort getragen
wird, beweint von aller Welt, sollte
man sich in die Waldeinsamkeit begeben.
Wenn man sich von Vertrauten und
Feinden befreit hat, verweilt dieser
Körper allein in der Abgeschiedenheit;
und wenn man schon vorher wie tot
betrachtet wird, gibt es niemanden,
der trauert, wenn man wirklich stirbt.
Es gibt niemanden, der in der Nähe
steht und einen mit seinem Klagen
belästigt; so gibt es keinen, der einen
von der Erinnerung an den Buddha
und ähnlichem ablenkt.
Deshalb will ich allein in der lieblichen
Waldeinsamkeit leben, wo ich wenig
Mühen aufzubringen habe und wo ich
mich wohl und glücklich fühle und alle
Ablenkungen zur Ruhe kommen.
Aus dem Tibetischen übersetzt von Christof Spitz