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Basel, um 1600
Künstler: wohl Mathis Giger II.
Eiche und Nadelholz (Sitzfläche),
geschnitzt und punziert
L. 230 cm, T. 56 cm, H. 92 cm
Inv. 2008.173.
Die in Renaissanceformen geschnitzte und teilweise punzierte Bank stammt aus dem alten Ehegerichtssaal des Basler Rathauses, für den sie vermutlich um 1600 gefertigt wurde. Mathis Giger II, der auch das Prunkportal und das Täfer der ehemaligen Hinteren Ratsstube (heute Turmzimmer) des Basler Rathauses schnitzte, wurde als möglicher Hersteller der Bank vorgeschlagen.
Die durchbrochene Rückenlehne und die vordere Zarge der Sitzbank sind reich mit Schnitzwerk - Muschel- und Beschlagwerk, Blattvoluten und Rosetten - sowie mit Punzierungen versehen. Auf den Seitendoggen erscheinen flach geschnitzte Masken. An der Rückseite der Bank ragen rechts und links Kopfknäufe empor, die Grimassen schneiden. Mög-licherweise karikieren sie die streitenden und lamentierenden Rechtsparteien.
Mit der Reformationsordnung setzte der Basler Rat im April 1529 ein eigenes Ehegericht ein, dessen Protokolle bis zu seiner Auflösung im Jahre 1875 fast lückenlos im Gerichtsarchiv Basel-Stadt erhalten sind. Das reformierte Basler Ehegericht, das aus fünf weltlichen und zwei geistlichen Richtern bestand, hatte als öffentliche Kontrollinstanz einerseits die Aufgabe, Ehekonflikte zu klären und ehebrecherische Beziehungen zu unterbinden. Andererseits regelte es Auseinandersetzungen um die Rechtmässigkeit von Eheversprechen und die seit der Reformation neu eingeführten Scheidungsklagen. Vermutlich standen im Ehegerichtssaal mehrere solcher Bänke hintereinander, um den Angehörigen und Zuschauern eine Sitzgelegenheit zu bieten. Eine 1839 datierte Gouachezeichnung illustriert eine Gerichts-szene, in der das Publikum hinter einer Schranke auf langen Bänken Platz nehmen konnte (Inv. Nr. 2003.103., vgl. Jahresbericht HMB 2003, S. 80). Nachdem der Ehegerichtssaal in den 1870er Jahren für den Vorsteher des Departements des Inneren, Regierungsrat Gottlieb Bischoff, eingerichtet wurde, gelangte die Bank in das Basler Staatsarchiv. Dort stand sie zuletzt im Vestibül des ersten Stockes und wurde nun dankenswerterweise dem Historischen Museum Basel als Geschenk überlassen.