Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03624.jsonl.gz/2267

Die Forschungsgruppe «Seismische Interferometrie und Bildgebung» wird von Dr. Anne Obermann geleitet. Der Begriff seismische Interferometrie bezeichnet das Verfahren, seismische Reaktionen, die mit virtuellen Quellen verbunden sind, durch Kreuzkorrelierung von seismischen Wellenfeldern zu rekonstruieren, die an verschiedenen Empfängerstandorten aufgezeichnet wurden.
Diese Reaktionen werden dann verwendet, um Bilder von der Geschwindigkeits- und Streuungsverteilung des Untergrunds zu erstellen. Man nutzt die direkten Wellen zur statischen Abbildung der Geschwindigkeitsstruktur des Untergrunds (3D-Tomographie). Die Empfindlichkeit einer direkten Welle für geringfügige Schwankungen der physikalischen Eigenschaften ist jedoch oft begrenzt. Wenn die dynamische Entwicklung des Untergrunds überwacht werden soll, konzentriert sich ein grosser Teil der Arbeit auf die rekonstruierten seismischen Codawellen. Ähnlich wie die Coda von Erdbeben resultieren diese langanhaltenden Schweife in den Korrelogrammen aus der Zerstreuung der Wellenenergie an den Ungleichmässigkeiten der Erde. Die sich wandelnden Zielbereiche – z. B. Magmakammern, Verwerfungsgebiete, Lagerstätten usw. – generieren bisweilen nur geringfügige Spannungs- oder Dichtestörungen im Ausbreitungsmedium. Solche Störungen lassen sich in Form von Phasenverschiebungen oder Wellenformänderungen mithilfe der hochempfindlichen seismischen Codawellen erkennen.
Nicht nur die zeitliche Entwicklung der Veränderungen ist von Interesse, sondern auch deren räumliche Verteilung innerhalb des Mediums. Die räumliche Verteilung der Veränderungen unter Nutzung von Codawellen zu ermitteln, ist angesichts der Komplexität der mehrfach gestreuten Wellenpfade kein einfaches Unterfangen. Die Forschungsgruppe hat einen probabilistischen 3D-Sensitivitätskernel entwickelt, um die durch die Veränderungen des Mediums bewirkten Wellenformstörungen zu modellieren.
Zurzeit überträgt die Gruppe diese Methoden auf den Massstab von Untergrundfelslaboren.