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Projekte
Projekt 1: Unvernehmen zwischen Religionen. Zur Epistemologie religiöser Konflikte
PD Dr. Luca Di Blasi, Institute of Systematical Theology, Philosophy
Prof. Dr. Zhang Xinzhang, Institute for Globalizing Civilizations, Zhejiang University (China)
Projektmitarbeitender: Lapidot, Elad
Ziel dieses Projekts ist die kritische Selbstreflexion der epistemologischen Voraussetzungen der Forschung zu religiösen Konflikten auf Grundlage einer historisch-konzeptionellen Analyse des Leitkonzepts „religiöser Konflikt“. In einem ersten Schritt wird die Annahme einer epistemischen Neutralität, wie sie dem Diskurs zu „religiösen Konflikten“ zugrunde liegt, problematisiert. Als Alternative zur epistemischen Neutralität wird in einem zweiten Schritt der Versuch unternommen, die Grundlagen einer Theorie der Inter-Epistemologie zu entwickeln. Indem strukturelle Vorurteile des herrschenden Diskurses identifiziert und zurückgewiesen werden, leistet dieses Projekt einen theoretischen Beitrag zur Lösung gewaltsamer religiöser Konflikte durch Prävention. .
Projekt 2: Religiöse Bewältigungsstrategien bei Menschen mit inneren religiösen und spirituellen Konflikten
Prof. Dr. Isabelle Noth, Faculty of Theology, Institute of Practical Theology
Prof. Dr. Hansjörg Znoj, University of Bern, Faculty of Human Sciences, Institute of Psychology
Projektmitarbeitende: Dr. Lampe, Jessica
Religion und Spiritualität sind potentiell wertvolle Ressourcen, die einen wesentlichen Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden ausüben können. Aufgrund ihrer Ambivalenz kann Religion jedoch zugleich schwere emotionale Probleme verursachen, so genannte „religious/spiritual struggle“ (Fitchett & Risk 2009) bzw. „religiös/spirituelle Konflikte“. Religiös/spirituelle (r/s) Konflikte zeichnen sich durch negative Emotionen (z.B. Wut) aus und werden mit negativen Gesundheitsfolgen bis hin zu Psychopathologien in Verbindung gebracht. Dieses Projekt, das die Perspektiven der klinischen Psychologie und der Religionspsychologie verbindet, verfolgt daher folgende Ziele: (1) die Identifizierung von r/s Konflikten, (2) die Analyse spezifisch religiöser Bewältigungsstrategien und (3) die Evaluation der jeweiligen Einstellungen, des Verhaltens sowie der Auswirkungen religiöser Bewältigungsstrategien derer, die unter inneren r/s Konflikten leiden.
Projekt 3: Das Recht als Bewältigungsstrategie religiöser Konflikte. Eine Analyse der Legitimität rechtlicher Regulierungen
Prof. Dr. Martino Mona, Faculty of Law, Institute of Penal Law and Criminology
Prof. Dr. Anna Goppel, Faculty of Humanities, Institute of Philosophy
Projektmitarbeitende: Dr. Hohl, Sabine
Religiöse Praktiken und mit ihnen in Verbindung stehende Fragen der Integration von ImmigrantInnen sind immer wieder Gegenstand heftiger politischer Debatten. Unser Projekt verfolgt die Frage, auf welcher Grundlage und in welchem Ausmass Staaten berechtigt sind, den Bereich Religion rechtlich zu regulieren. Das Projekt verbindet eine theoretische Analyse der für eine rechtliche Regulierung relevanten Kriterien und der Grenzen legitimer staatlicher Eingriffe mit einer praktischen Anwendung auf häufig diskutierte aktuelle Fälle wie beispielsweise das Burkaverbot.
Projekt 4: Der eine Gott: Konfliktgebiet und Integrationskonzept
Prof. Dr. Rainer Hirsch-Luipold, Faculty of Theology, Institute of Biblical Studies
Prof. Dr. Richard A.H.King, Faculty of Humanities, Institute of Philosophy
Projektmitarbeitender: Dr. Lötscher, Peter
Ist Monotheismus notwendig als Konfliktfaktor zu betrachten? Das Projekt fragt gegenüber dieser prominent vorgetragenen Position nach dem integrativen (sozial-)ethischen und auch politischen Potential monotheistischer Positionen, indem es der Vorstellung der Einzigkeit Gottes in den Schriften eines der produktivsten, vielseitigsten und geistesgeschichtlich wirkmächtigsten Philosophen nachgeht: Plutarch von Chaironeia schrieb im 1./2. Jh. n. Chr. als platonischer Philosoph und Priester des Apollon am Orakelheiligtum in Delphi über unterschiedlichste religiöse Traditionen und Phänomene. Plutarchs Konzept, die vielen Götter und ihre Kulte auf die Verehrung des einen Göttlichen zurückzuführen, zielt darauf, so die Arbeitshypothese des Projekts, die verschiedenen religiösen und kulturellen Traditionen einer gemeinsamen religiös-philosophischen Wahrheitssuche zuzuordnen und es so zu ermöglichen, sie in ihrer Eigenständigkeit wahrzunehmen und zugleich in ein übergeordnetes Wertesystem einzuordnen. Das Projekt leistet einen Beitrag zur immer noch unabgeschlossenen Debatte über die Existenz eines paganen Monotheismus und eröffnet Perspektiven für die Suche nach heutigen Konfliktlösungsstrategien angesichts konkurrierender, vielfach religiös konnotierter und mit Ausschliesslichkeit vorgetragener Wahrheitsansprüche.
Projekt 5: Gender und die Handlungsfähigkeit von Frauen in religiösen Konflikten und sozialen Transformationsprozessen
Prof. Dr. Angela Berlis, University of Bern, Faculty of Theology, Department for Old Catholic Theology, Chair for History of Old Catholicism and General Church History
Prof. Dr. Patricia Purtschert, University of Bern, Interdisciplinary Center for Gender Studies
Projektmitarbeitende: Lic. Phil. Kaya, Meral; Narmann, Martina
In komplexen Konfliktsituationen mit religiösen Dimensionen kommt den Aspekten Gender und Sexualität eine zentrale, wenn auch oftmals vernachlässigte Bedeutung zu. In Phasen gewaltsamer gesellschaftlicher Umbrüche, deren Protagonisten vielfach männlich sind, werden Gegner oftmals stereotypisiert, orientalisiert oder feminisiert. Zugleich wird Angehörigen von Minoritäten, Frauen wie Männern, der Zugang zu diesen Diskursen erschwert bzw. gänzlich vorenthalten. In diesem Projekt wird die Bedeutung beider Dimensionen mit Hilfe von zwei Fallstudien erschlossen. Die Fallstudien fokussieren auf kulturelle Konflikte in Westeuropa, vergangene wie gegenwärtige, in denen Religion einen zentralen Faktor darstellt. Das Gendering der jeweiligen Gegner ist dabei ebenso Gegenstand der Bearbeitung wie die Handlungsfähigkeit von Frauen. Ziel dieses Projektes ist damit eine Analyse des Umgangs von Frauen (wie von Männern) mit religiösen Konflikten, sei es durch unmittelbares Handeln oder durch das Verfassen von Schriften, um auf diese Weise Strategien der Konfliktlösung sichtbar werden zu lassen.
Projekt 6: Religiöse Rituale als Konfliktbewältigungsstrategien
Prof. Dr. Michaela Schäuble, Faculty of Humanities, Institute of Social Anthropology
Prof. Dr. David Plüss, Faculty of Theology, Institute of Practical Theology
Projektmitarbeitende: M.A. Faust, Lene; Schubert, Agnes
Ziel dieses Projekts ist die Analyse und der Vergleich zentraler Kultformen der drei monotheistischen Religionen – Judentum, Christentum und Islam – im Blick auf ihre rituellen und diskursiven Strategien, anhand derer religiöse Identität, Abgrenzung und/oder Konflikte verhandelt werden. Grundlage des Vergleichs bilden ethnographische Studien religiöser Rituale in je einer konservativen christlichen, jüdischen und muslimischen Gemeinschaft in urbanen Kontexten sowohl der Schweiz als auch des Mittelmeerraums. Im Zentrum des Forschungsinteresses stehen dabei sowohl der Umgang dieser Gemeinschaften mit religiös motivierten Konflikten als auch die Wechselbeziehung zwischen rituellen und diskursiven Modi der Interaktion. Das Projekt hinterfragt gängige Vorstellungen des Verhältnisses der drei monotheistischen Religionen und v.a. das Diktum eines „clash of civilizations“, während es zugleich die Ermöglichungsbedingungen wie Gefährdungspotentiale von Koexistenz und Konfliktmanagement auslotet.
Projekt 7: Politische Instrumentalisierung des Islam? Framing der Burka als Gefahr für nationale Werte und Sicherheit in der Schweiz und die Folgen
Dr. Dorothee Arlt & Dr. Beatrice Eugster, Faculty of Business, Economics and Social Sciences, Institute of Communication and Media Studies
Prof. Dr. Marc Bühlmann, Institute of Political Sciences
PD Dr. Elham Manea, Faculty of Humanities & University of Zurich, Institute for Islamic and Middle Eastern Studies
Projektmitarbeitende: Dr. Schmidt, Franzisca
Die Gesichtsverschleierung von muslimischen Frauen ist nach wie vor ein Thema im öffentlichen Diskurs. Allerdings geht es bei diesem Diskurs weniger um Religion an sich als um die Instrumentalisierung religiöser Glaubensinhalte und Symbole. In modernen Gesellschaften finden solche öffentlichen Diskurse vorwiegend in den Medien statt. Ausgehend davon verfolgt dieses Projekt zwei Ziele: Erstens sollen die Struktur und Argumente der öffentlichen Debatte in der Schweiz über den Islam im Allgemeinen und die Burka im Speziellen erfasst werden. Zweitens wird die Wirkung dieser Debatte auf die Schweizer Bevölkerung untersucht.
Projekt 8: Die Rationalität des Zorns – Emotionen in religiösen Konflikten im Alten Testament sowie im alten Ägypten
Prof. Dr. Andreas Wagner, Faculty of Theology, Institute of Biblical Studies, Old Testment
Prof. Dr. Antonio Loprieno, University of Basel, Faculty of Humanities, Seminar of Egyptology
Projektmitarbeitende: Gräbner, Susanne
In der Rezeptionsgeschichte des Alten Testaments (A.T.) wird bis in die Gegenwart hinein der zornige Gott als verantwortlich für die Gewalt angesehen, die durch Religion bzw. in seinem Namen verübt wurde und wird. Eine Parallele hierzu stellt das alte Ägypten dar als Beispiel einer polytheistischen Tradition, in der der Zorn der Götter jedoch eine gänzlich andere Rolle spielte als im A.T. Die wissenschaftliche Diskussion leidet allerdings nach wie vor daran, dass emotionale Situationen und Szenarien im A.T. (sowie im alten Ägypten) oftmals unreflektiert aus der Perspektive der heutigen emotionalen Welt interpretiert werden. Schwerwiegende hermeneutische Verzerrungen sind die Folge. Das Projekt zielt daher auf eine Darstellung des göttlichen Zorns entlang der Rezeptionsgeschichte. Dabei richtet sich das Hauptaugenmerk auf jene Aspekte, die eine Verbindung zwischen religiösen Konflikten und göttlichen (wie menschlichen) Emotionen, etwa Zorn, aufweisen lassen. Auf diese Weise soll eine Korrektur problematischer Interpretationen ermöglicht und zugleich das Potential von Emotionen wie Zorn für die Lösung religiöser Konflikte eruiert werden.
Projekt 9: Bearbeitung und Verschärfung religiöser Konflikte durch Konzilien in der Spätantike
Prof. Dr. Stefan Rebenich, Faculty of Humanities, Institute of History
Prof. Dr. Katharina Heyden, Faculty of Theology, Institute of Historical Theology
Projektmitarbeitende: Marti, Liliane; Dr. Westeinde, van `t, Jessica
Dieses Projekt führt aus historischer wie aus theologischer Perspektive eine konflikttheoretische Analyse interner Auseinandersetzungen des spätantiken Christentums durch. Eine zentrale Rolle kommt dabei den Konzilien zu, auf denen dogmatische Streitpunkte wie auch Fragen zur Struktur und Organisation des Christentums verhandelt wurden. Da die Konfliktparteien dort auf direkte, aber zugleich geordnete Weise aufeinandertrafen, lassen die Konzilien problemorientierte Konfliktbewältigungsstrategien erkennen. Soziologisch gesprochen tragen Konzilien damit zur Vergesellschaftung der Konfliktparteien bei. Das Projekt verknüpft globale und regionale Perspektiven, indem zwei Teilprojekte die vier Ökumenischen Konzilien und die Konzilien im Donatistischen Streit in Nordafrika untersuchen. Das Projekt leistet einen Beitrag zu einer historisch differenzierten Beantwortung der stets aktuellen Frage, in welchem Masse Konzilien als Formen der kollektiven Konfrontation wie der Konsensfindung zur Lösung von Konflikten beitragen können.
Projekt 10: Rhetoriken konfessioneller Identität und Alterität. Religionskriege in der Schweiz zwischen Reformation und Liberalismus
Prof. Dr. Martin Sallmann, Faculty of Theology, Institute of History of Christianity
Prof. Dr. Heinrich R. Schmidt, Faculty of Humanities, Institute of History
PD Dr. Christian von Zimmermann, Faculty of Humanities, Institute of German Language and Literature
Projektmitarbeitende: Juen, Dominique; M.A. Scheurer, Janine
Ziel dieses Projekts ist eine Untersuchung der vier Schweizer Religionskriege der frühen Neuzeit – der beiden Kappelerkriege und der beiden Villmergerkriege – sowie des Sonderbundskrieges. Den Ausgangspunkt bildet dabei die Frage nach dem Umgang mit konfessionellen Differenzen in Zeiten der Eskalation und Deeskalation sowie in den Phasen, in denen die unterschiedlichen religiösen Parteien der Eidgenossenschaft ihr alltägliches Leben wiederaufnahmen. Dabei sind folgende Forschungsfragen leitend: Welche Rolle spielten die religiösen Differenzen bei der Konfliktentstehung (Ursache oder Mittel zum Zweck)? Wie wurden sie dann strategisch eingesetzt, um die jeweils eigene Position zu stärken und zugleich den Anderen als Feind zu klassifizieren? Auf welche konfessionellen Stereotypen und Vorbehalte konnte eine konfessionalisierende und/oder religionskritische Rhetorik aufbauen? Auf welche Weise fand schliesslich ein ‘Coping’ im Umgang mit konfessionellen Differenzen statt, um, pragmatisch gesprochen, ein friedliches Zusammenleben im Alltag (eine „Sozialisierung des Konflikts“) zu ermöglichen? Und nicht zuletzt: Lassen sich grundlegende rhetorische Konflikt- und Copingstrategien aufzeigen, die in unterschiedlichen Kontexten und Zeiten auftreten?
Projekt 11: Religion, Politik und nationale Identität in der heutigen Mongolei
Prof. Dr. Karénina Kollmar-Paulenz, Faculty of Humanities, Institute for the Science of Religion
Prof. Dr. Jens-Uwe Hartmann, LMU Munich (Germany), Institute of Indology and Tibetan Studies
Projektmitarbeitende: Dr. Batmunkh, Mungunchimeg; M.A. Liakhova, Iuliia
Dieses Projekt widmet sich der Geschichte sowie der aktuellen Praxis der Verehrung tibetisch-buddhistischer Schutzgottheiten in der Mongolei. In der post-sozialistischen Mongolei spielen einige dieser Gottheiten eine zunehmend wichtige Rolle in den konfligierenden Konstruktionen einer mongolischen buddhistischen Identität, die teilweise entlang doktrinärer Linien wie der soteriologischen Stellung der verschiedenen Schutzgottheiten verhandelt wird. Dieses Projekt hat sich die Analyse dieser Identitätskonstruktionen zur Aufgabe gemacht. Zentrale Forschungsfragen beziehen sich dabei auf die Geschichte und Ausbreitung des Kults der Schutzgottheiten in der Mongolei, ihre doktrinäre Position und unterschiedlichen Funktionen für Mönche, Nonnen sowie Laienanhängerinnen und –anhänger, die möglichen Konsequenzen der negativen Haltung des Dalai Lamas gegenüber einer dieser Gottheiten sowie auf den Einfluss des Kults der Schutzgottheiten auf die Identitätspolitiken des mongolischen Staats an der Schnittstelle von religiöser und säkularer Sphäre.
Projekt 12: Zur Instrumentalisierung des Israel-Palästina-Konflikts
Prof. Dr. René Bloch, Faculty of Theology, Jewish Studies
Prof. Dr. Laurent Goetschel swisspeace/Schweizerische Friedensstiftung, Bern and University of Basel, Political Science
Prof. Dr. Maurus Reinkowski, swisspeace/Schweizerische Friedensstiftung, Bern and University of Basel, Islamic Studies
Projektmitarbeitende: Socquet-Juglard, Mylène
Dieses Projekt widmet sich der zentralen Bedeutung des Israel-Palästina-Konflikts aus verschiedenen Perspektiven, darunter die der direkt Betroffenen (Israelis und Palästinenser), der Bevölkerung im Nahen Osten (Nachbarstaaten im engeren und weiteren räumlichen Sinne) sowie der europäischen Gesellschaften und der internationalen Organisationen. Dabei zeigen sich erhebliche Unterschiede in der Art und Weise, wie Sinnzuschreibung im Blick auf den Israel-Palästina-Konflikt erfolgt und inwiefern dieser Konflikt in die jeweilige Interpretation des Weltgeschehens aufgenommen oder aber ausgeschlossen wird. Im weiteren Kontext der IFK „Religious Conflicts and Coping Strategies“ stellt dieses Projekt einen Beitrag zum tieferen Verständnis und zur Analyse der Folgen dar, die die Benennung des umkämpften Raums einerseits und die jüngste Positionalisierung des Konflikts andererseits auf die Region haben. Vor dem Hintergrund tiefgreifender Veränderungen im Nahen Osten geht es dabei insbesondere um die Implikationen dieser Entwicklungen für die Aussicht auf friedliche Koexistenz und Konflikttransformation in der Region.