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Die vorherrschende Gefahr ging in dieser Wochenberichtsperiode von Nass- und Gleitschneelawinen aus. In der mittleren Phase war die Aktivität bei schlechter Abstrahlung in den Nächten, Wärme und Regen am höchsten. Insbesondere an Nordhängen lösten sich viele Lawinen bis in hohe Lagen. Die Ausaperung schritt weiter zügig voran.
Auch diese Wochenberichtsperiode war mild. Die Nullgradgrenze lag bis am Sonntag, 19.02. zwischen 3000 und 3500 m und sank dann etwas. Insbesondere die Nächte auf den Mittwoch, 22.04. und Donnerstag, 23.04. waren deutlich kälter (vgl. Abbildung 1).
Diese Wochenberichtsperiode startete so, wie die letzte aufgehört hatte – mit meist klaren Nächten und sonnigen Tagen bei einer Nullgradgrenze zwischen 3000 und 3500 m (vgl. Abbildung 1). Allerdings nahmen die Luftfeuchtigkeit und die Bewölkung jeden Tag etwas zu. Damit kühlte die Schneeoberfläche weniger gut ab als an den Vortagen. Mit der zunehmenden diffusen Strahlung erhielten Nordhänge tagsüber etwas mehr Strahlung. Die Durchfeuchtung der Nordhänge schritt weiter voran und kletterte auf 2300 bis 2500 m. Damit kam sie in einen Höhenbereich, der vor allem in den inneralpinen Gebieten des Wallis und vor allem Graubündens interessant war, weil dort tiefer in der Schneedecke Schwachschichten vorhanden waren. Durch das Einsickern von Schmelzwasser werden solche Schwachschichten zusätzlich und rasch geschwächt.
Ost- und Westhänge waren unterhalb von rund 3000 m, Südhänge unterhalb von rund 3200 m schon länger durchfeuchtet und bis in Höhenlagen von 2000 bis 2400 m ausgeapert.
Die Gefahr von trockenen Lawinen konnte weiterhin mit Stufe 1 (gering) beurteilt werden, die Gefahr von Nass- und Gleitschneelawinen war einem leichten, tageszeitlichen Anstieg unterworfen und wurde im Lawinenbulletin mit Stufe 2 (mässig) eingeschätzt. Die Lawinenaktivität war klein. Gemeldet wurden nur wenige, meist kleine und mittlere Nass- und Gleitschneelawinen, Gleitschneelawinen vereinzelt auch grosse.
Die Nacht auf den Sonntag war wechselnd bis stark bewölkt und die Abstrahlung damit deutlich reduziert. Zudem gab es am Samstagnachmittag/-abend vor allem am Alpennordhang und in Nordbünden gewittrige Schauer mit einer Schneefallgrenze von 2800 bis 2300 m. Tagsüber war es im Westen und im Norden meist bewölkt. Im Südosten war es am Vormittag recht sonnig, dann auch zunehmend bewölkt. Am Nachmittag setzten aus Südwesten Schauer ein. Diese Niederschlagsperiode dauerte bis am Dienstagnachmittag und betraf vor allem den Alpenhauptkamm vom Monte Rosa Gebiet bis ins Bergell und südlich davon (vgl. Abbildung 3). Am meisten Niederschlag fiel im mittleren Tessin und im Sottoceneri. Die Schneefallgrenze sank am Alpensüdhang von 2600 m bis auf 2000 m, in den nördlichen Gebieten lag sie zwischen 2800 m und 2300 m. Im Hochgebirge fielen 5 bis 15 cm Schnee. Im Osten hellte es am Dienstagnachmittag auf, viel später als erwartet. Grund dafür war Saharastaub in grosser Höhe, welcher zu Wolkenbildung führte und in der Prognose unterschätzt wurde (Quelle: MeteoSchweiz).
In dieser Periode blies der Wind am Nördlichen Alpenkamm zeitweise stark aus Südost, sonst schwach bis mässig aus südlichen Richtungen. In den oberen Alpentälern des Nordens war es föhnig.
Die Abfolge von warmem, zum Teil wolkigem Tag am Samstag und feucht-milder Nacht ohne Abstrahlung auf Sonntag und gebietsweisem Regen bis am Dienstag befeuerte die weitere Durchfeuchtung der Schneedecke an Nordhängen bis in Höhenlagen von rund 2800 m. Ab dem Nachmittag des Sonntags mass das Lysimeter auf dem SLF-Versuchsfeld Weissfluhjoch (2544 m, Davos, GR) Schmelzwasserabfluss aus der Schneedecke. Dieses Einsetzen des Abflusses korreliert meist mit einer erhöhten Nassschneelawinenaktivität.
An diesen drei Tagen (ab der Nacht auf Sonntag) gingen vermehrt Nassschneelawinen ab. Am meisten Lawinen wurden aus den Altschneegebieten Graubündens gemeldet, wo oft die ganze Schneedecke ausgeräumt wurde. Dabei gingen die meisten Lawinen an Nordhängen zwischen 2000 und 3000 m ab (vgl. Abbildung 4). Die Lawinen wurden als klein (Grösse 1), mittel (Grösse 2) oder gross (Grösse 3) klassiert.
Abb. 6 (Video): Abgang einer Nassschneelawine am Sattelhorn (2979 m, Davos, GR) am Sonntag, 19.04. um den Mittag. Ursprung hat die Lawine in einer Lockerschneelawine unterhalb der Felsen welche dann in der Sturzbahn eine Schneebrettlawine auslöste, die den Schnee bis auf den Boden ausräumte (Film: SLF/ L. Eberhard).
Noch Stufe 2 (mässig) oder doch schon Stufe 3 (erheblich) für Nass- und Gleitschneelawinen? Diese Frage wurde im Prognoseteam täglich intensiv diskutiert – auch schon für die Vortage. Da die Schneedecke rasch und auf eine erste Anfeuchtung zudem auch sehr sensibel reagieren kann, können ein paar Stunden mehr Abstrahlung in der Nacht oder Bewölkung am Tag oder ein Spritzer Regen die Lawinengefahr (vgl. Gefahrenentwicklung unten) deutlich beeinflussen. Gemessen an der Lawinenaktivität dürfte diese Gratwanderung bis und mit Samstag gelungen sein. Für die Nacht auf Sonntag wurde die Bewölkung und die «warme Dusche» unterschätzt. Der rasche Anstieg im Tagesverlauf war dann nach nur kurzer Abstrahlung aber berücksichtigt. Für Montag und Dienstag galt während des ganzen Tages erhöhte Nass- und Gleitschneelawinengefahr, die Stufe 3 (erheblich) dürfte aber nicht in allen Gebieten erreicht worden sein, mindestens im Engadin aber schon. Insbesondere die länger anhaltende, durch den Saharastaub bedingte Bewölkung am Dienstag sorgte für weniger starke Einstrahlung als angenommen und damit verbreitet zu weniger Lawinenaktivität.
Im Laufe des Mittwochs klarte es im Süden auf, während im Norden schon die Nacht auf den Mittwoch teils klar war. Nach einer klaren Nacht war es am Donnerstag meist sonnig mit einigen Quellwolken. Lawinen wurden am Mittwoch vor allem noch aus dem Oberengadin gemeldet, es war jedoch nicht klar, ob diese schon am Dienstag, 21.04. abgingen. Der Wortlaut der Meldung eines Beobachters lässt eindeutig auf hohe Lawinenaktivität schliessen: «Schwierig Abgangszeitpunkt einzuschätzen. Bis am Morgen dichter Nebel. Sieht eher frisch aus. Ganzes Oberengadin betroffen. Von Celerina bis nach Maloja sind die NW-Hänge abgegangen. Anrisse bis auf 3000 m. Teils ganze Bergflanken.»
Die Schneeschmelze schritt zügig voran (vgl. Abbildung 7). Auf den Messstationen nahm die Schneehöhe in den letzten zwei Wochen oberhalb von 2000 m meist zwischen 30 bis 50 cm ab. Im Allgemeinen sind die Schneehöhen in hohen Lagen kleiner als sonst um diese Jahreszeit üblich. Auf 2000 m liegen noch die in Abbildung 8 dargestellten Schneemengen.
Die Schneegrenze liegt an Nordhängen zwischen 1400 und 1800 m. An steilen Südhängen liegt sie 400 bis 800 m höher (vgl. Abb. 2).
In dieser Berichtswoche ereigneten sich keine Lawinenunfälle.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.