Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03426.jsonl.gz/265

Vortrag von Josef Kaiser SMB anlässlich des 1. Treffens des Freundschaftskreises SMB am Samstag, 29. Oktober 2016
UNSERE EIGENART
Um unsere Spiritualität zu verstehen, müssen wir zuerst kurz von der Grundgestalt der Gemeinschaften wie der unseren ausgehen: wie sie entstanden und sich entwickelten (Konst. No 1-4). In der Kolonialzeit wurde die Missionsarbeit in den neu entstehenden Kolonien weitgehend von den Kolonialherren Portugal und Spanien verantwortet. Sie beriefen dazu die Orden: der Dominikaner und Franziskaner. – 1622 wurde durch den Papst die Kongregation zur Verbreitung des Glaubens errichtet, um das Missionsmonopol der Könige von Spanien und Portugal zu brechen und auch von Rom aus missionarische Verantwortung zu übernehmen. Da diese Kongregation für ihren Auftrag auch selbst über missionarisches Personal verfügen wollten und unter den Ortsbischöfen das Bedürfnis entstand, sich an der Mission der Kirche zu beteiligen, wurden zu diesem Zweck Weltpriestergemeinschaften gegründet. Die ersten waren die Pariser Missionare. Das 16. Institut dieser nationalen Missionsseminare waren wir. Die Priester waren anfänglich noch in den Heimatkirchen inkardiniert. Später inkardinierten andere, wie die SMB, sie durch einen Eid in die eigene Gesellschaft. Das bedeutet, dass sie sich von den Orden absetzten, den Weltpriestercharakter behielten und den eigentlich ihren Ortsbischöfen aufgetragenen, zwischenkirchlichen Dienst in deren Auftrag übernahmen. – Diese Eigenart des weltpriesterlichen Charakters der neuen Gemeinschaften ist der Grund, weswegen ihre Mitglieder keine Gelübde ablegen und dass auch die ,Brüder‘ in unsern Konstitutionen analog zu den Priestern im Dienst der kirchlichen Diakonie verstanden werden. (Konst. No 45). Von diesen gilt darum: „Die Gesellschaft leitet ihre Existenz und Tätigkeit aus dem Missionsauftrag ab. ER ist daher die Quelle für ihre Normen“ (Dokumente 1981, S. 25). – Das gilt auch von unserer Spiritualität – wie wir gleich sehen werden. Zunächst nur so viel: Der Codex, das kirchliche Rechtsbuch, kannte nur die Orden und ,die Gemeinschaften des apostolischen Lebens‘. Beide waren dem Teil der Ordenskongregationen zugeordnet. Darum richtete die Konferenz aller Missionsinstitute nach der Schaffung des neuen Codex an den Präfekten der Missionskongregation den Antrag, dass sie unter sie gehören und nicht den Orden gleichgestellt werden, und bekamen recht. Aber: „Wenn wir unsern Ort unter den vielfältigen Formen kirchlicher Gemeinschaften vom Ordens- und Religiosenstand abgehoben haben, soll das in keiner Weise bedeuten, dass nicht auch von uns ein Leben nach dem Evangelium verlangt wäre“. (Dok 67/29).
UNSERE GRUNDHALTUNG
Die No 6 unserer Satzungen formuliert diese so: „Mit dem Namen hat die Gesellschaft die Gnadengabe empfangen, Geist und Weg des Missionars im Geheimnis von Bethlehem zu erkennen, wo unser Herr sein Werk auf Erden begann: Er entäusserte sich, nahm Knechtsgestalt an und wurde in allem seinen Brüdern ähnlich (Phil 2,7; Hebr 2,14.17.) – Darin liegt jene Einfachheit, die unser Herr Jesus Christus von der Krippe an lehrte durch seine Demut, Armut und seinen Gehorsam, vor allem durch seine Liebe zum Vater und zu den Menschen, in rückhaltloser Hingabe an seinen Auftrag (Hebr. 10,7). So machte er Weisheit und Macht der Welt zuschanden (1 Kor 1,26f), gab Gott die Ehre und brachte den Menschen Heil (Lk 2,14)“.
Diese Bethlehem-Spiritualität ist ganz biblisch und christologisch. In ihrem Zentrum steht der Geist der Einfachheit/Ganzheit. Sie orientiert sich an Jesus, der der einfache Mensch schlechthin ist. Er hat die Teilung des Herzes überwunden: Ganz Gott gehörig, gehört er auch ganz den Menschen! (Spiritualität Heute S. 16). Wie der Name sagt, geht es um das Geheimnis der Menschwerdung Gottes in Jesus zum Heil der Menschen und zur Ehre des Vaters. Das umzusetzen enthält ein ganzes, geistliches Programm, das zum missionarischen Zeugnis befähigen und sich zeitgemäss entwickeln kann und soll. – Es hat sich denn auch – ausgehend von der Barralzeit – in vier Richtungen ausgefaltet.
Geist der Kindschaft:
Es geht dabei um das Vatersein Gottes das Jesus als Geschehen mitten in seinem Leben erfuhr und verkündete. Ein Schwerpunkt unter diesem Aspekt ist, in Jesus Nachfolge ein grosses Vertrauen auf Gott in uns aufbrechen zu lassen, und daraus verfügbar zu sein für ihn und die Menschen.
Geist der Entäusserung:
Gott selbst hat sich in Jesus entäussert, der in allem seinen Brüdern und Schwestern ähnlich wurde. So hat er sich in Jesus offenbart als der Gott, der in unserer Niedrigkeit einging um uns zu seiner eigenen Lebensfülle zu erhöhen. Wenn wir in Jesu Nachfolge demütig, anspruchslos und bescheiden sind, werden wir Mitmenschen missionarisch überzeugend zum Leben in Fülle begleiten.
Geist der Sachlichkeit.
Diesen Aspekt hat besonders das GK 1967 eingebracht. Nicht zuletzt auf Grund der Dissertationen die Paul Bernardi und Josef Amstutz zum Thema Einfachheit geschrieben haben (Spiritualität heute S. 40). Auch hier geht es um eine missionarische Verhaltensform. Jesus hat gesagt, „wer mich sieht, sieht den Vater“. In seinen Worten und Taten ereignet sich die Nähe Gottes zu den Menschen und der Welt: Das Reich Gottes bricht an. Gottes missionarischer Geist will und soll uns antreiben, dieses Reich unter den Zeichen der Zeit in die reale Wirklichkeit einzuschreiben. Dazu braucht es u.a. biblische Einsicht und fachliches Können. Sachgerechtigkeit ist somit eine Weise sich der Ordnung Gottes zu fügen, „der alle Wirklichkeit trägt und sie in sein Eigentum einsetzt“ (Gaudium et spes 26 b). Man geht der Wirklichkeit auf den Grund – den Grund Gottes! Der Geist der Sachlichkeit hat zwei Aspekte, wenn wir uns zu treuem Dienst an der Sache des Evangeliums zurüsten möchten: Einerseits mit unserer Initiative und Intelligenz, mit den Methoden von heute an Gottes Werk heranzugehen, andererseits uns als geistliche Gemeinschaft vor Gott zu versammeln um sich ihm einfachen Herzens für den Dienst am Reich einzusetzen (Spiritualität heute S. 40).
Geist der Solidarität.
Der Aspekt, sich dieses Christusgeheimnis anzueignen entstand unter unseren Mitgliedern in den schweren Zeiten in Tsitsihar wie in Zimbabwe. Aus Dankbarkeit dafür wurde er als einer der Schwerpunkte spiritueller Praxis am Generalkapitel 1981 sozusagen „offiziell“ auch in der Theorie reflektiert und umschrieben: Er animiert dazu das Los der Armen und Entrechteten auf ihrem Weg zur christlichen Freiheit zu teilen (Dok. 81 S. 25/ B34).
Unsere Spiritualität kann auf vielfältige Art gelebt werden. Die Einheit in der Vielfalt soll auf jeden Fall die aufrichtige Sorge sein, die aus dem Glauben vollzogene Antwort auf den Ruf des Herrn, auf die Person, das Werk und die Botschaft Jesu zu geben.
DIE TREUE ZUR BERUFUNG
Unter diesem Titel behandeln unsere Konstitutionen jene Anliegen, die bei den Ordensleuten traditionell Gelübde genannt werden. Wie oben gesagt, geht es bei uns als Missionsinstitut darum den Vollzug von Gehorsam, Armut und Ehelosigkeit vom Missionsauftrag her zu motivieren.
Selbstloser Dienst.
Unsere Konstitutionen umschreiben, was in den Orden traditionell „Gehorsam“ heisst so: Aufgrund unseres Treueversprechens bei der Promissio ordnen wir uns möglichst gut in die gemeinsame Erfüllung unseres Auftrages ein unter der Führung derer, die uns im Herrn vorstehen (20b). Unser Versprechen richtet sich also ganz darauf, den missionarischen Dienst möglichst selbstlos zu leben. Das aus dem Vertrauen, dass wir von Gott dazu berufen wurden und aus dem Anspruch, der sich aus diesem Ruf ergibt. Schwerpunkt ist optimales Zusammenwirken und nicht das Zusammenleben. Letzteres ist in der Auftragserfüllung oft gar nicht möglich. Wo es jedoch von der Aufgabe her nötig ist, heisst das jedoch nicht, dass die brüderlich gelebte Gemeinschaft für das Zeugnis in unserem Wirken bedeutungslos wäre (Konst No 41-44). – Die Führung der Gesellschaft liegt in den Händen Gottes. Darum wächst die innere Norm der Selbstlosigkeit für die einzelnen wie die Gemeinschaft aus der Aufmerksamkeit für Gottes Geist. Grundprinzipien auf ihn zu achten und in der Lebensrealität ernst zunehmen legen uns wiederum die Konstitutionen vor: Die Vorgesetzten sollen ihren Auftrag als geistlichen und brüderlichen Dienst verstehen. Die einzelnen sollen mit ihren Begabungen und ihrer Sachkenntnis ein- und unterordnen und die gemeinsame Mitverantwortung mittragen (Räte!). Die Bestimmungen der Konstitutionen und die Organisationsstruktur sollen zu klaren Zuweisungen von Kompetenzen die Einheit des Zusammenwirkens fördern.
Ungeteilter Dienst.
Diese Bezeichnung meint bei uns die Ehelosigkeit um des Evangeliums willen. Ihr Sinn ist „die grössere Freiheit, sich im Dienst am Evangelium Gott und den Nächsten ungeteilt hinzugeben“ (Konst. 25). Das ist keine Minderbewertung der Eheleute. Bei aller Anerkennung der grossen Leistungen verheirateter Mitarbeiter – so sagte schon das GK 67 – geht es in unserer Gemeinschaft darum, in ihr jene zu sammeln „die um der Gottesherrschaft willen“ ehelos bleiben wollen. Die beiden Charismen – Ehe und Zölibat – wollten bei uns nie im Sinne einer Wertung verstanden werden.
Uneigennütziger Dienst.
Armut bedeutet heute Entbehrung und Unsicherheit. Das können wir für uns nicht beanspruchen. Für Paulus bedeutet evangelische Armut Uneigennützigkeit und Anspruchslosigkeit. Sie zielt auf das gemeinsame Werk und die Solidarität mit den Armen (Dekr 67 S. 61). Deswegen übernahm das GK 67 anstelle des Begriffes Armut die Bezeichnung Uneigennützigkeit. Er entspricht der Realität und der spirituellen Zielsetzung unseres Werkes besser. Ziel ist die Absicht, dass jedes Mitglied wie die Gemeinschaft insgesamt vom Geist Gottes auf dem Weg des uneigennützigen Verhaltens deutlich gefordert werden. Als Hilfestellung für den uneigennützigen Dienst am missionarischen Auftrages schrieb das GK einige Schwerpunkte in die Konstitutionen (No 27-33). Wir sollen uns von Jesu Wort und Beispiel animieren lassen, der von seinen Jüngern verlangte, sich von der Bindung an Hab und Gut freizuhalten; wir verzichten auf eigenen Erwerb und geben alles, was wir nicht als Privateigentum erhalten ins Eigentum der SMB; auch die Gemeinschaft soll alles in den Dienst der Sendung stellen und der Frohbotschaft kein Hindernis in den Weg legen; das Bemühen um persönliche Anspruchslosigkeit und Einfachheit ist unser Anliegen für den Einsatz der zeitlichen Güter und Mittel sei ihre Notwendigkeit und Zweckmässigkeit für die Aufgabe Richtschnur.
Geistlicher Dienst.
Darüber handeln die Konstitutionen im 5. Kapitel No 34 – 40. Es seien hier nur einige Grundzüge genannt.
Auch hier gehen die Gedanken davon aus, dass Missionsdienst bedeutet, in der Kraft des Heiligen Geistes an der Fortsetzung des Erlösungswerkes mitzuwirken, wofür eine lebendige Gemeinschaft mit dem, „der alles in allem wirkt“ (1 Kor 12,6) unerlässlich ist. Solche Spiritualität ist ganzheitlich. Denn diese Gemeinschaft mit dem Herrn vollzieht sich im Glauben, der durch die Liebe wirksam wird, in Sakrament und Wort, in der Begegnung mit den Mitmenschen, in Gebet und Arbeit, im Leid und in der Freude. Vorzügliche Quelle ist die Liturgie, besonders die Feier der hl. Eucharistie.
Das sind ganz plakativ einige Zielsetzungen unserer Spiritualität. Wir leben sie, wie sie sicher beim Vortragen auch gedacht haben, nicht alle meisterlich. Wir wollen aber sicher alle auf dem Weg dazu sein, dass der Gott mit uns immer mehr zum Gott aller werde.
Josef Kaiser