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Kanton Bern
1. Geschichte des Kantons Bern
Archäologische Zeugen von ur- und frühgeschichtlichen Siedlungen sind im ganzen Kanton Bern zu finden. Nahe der Hauptstadt sind auf der Engehalbinsel Fundamente der Siedlung der Helvetier ausgegraben, die im Jahre 58 v.u.Z. die Schlacht gegen die Römer verloren. 1191 gründete Herzog Berchtold V von Zähringen auf der weiter oben gelegenen Aare-Halbinsel die Stadt Bern. Die auf der Kuppe über der Aare angelegte Stadt gehört zu den grossartigsten Zeugen des mittelalterlichen Städtebaus Europas, sie ist in der ICOMOS-Liste der Weltkulturdenkmäler eingetragen. Am Fuss der Stadt wird die Wasserkraft seit dem Mittelalter für die Krafterzeugung genutzt. Bern machte sich 1218 unabhängig und wuchs nach der Reformation von 1528 zum grössten Stadtstaat nördlich der Alpen. Das Untertanengebiet dehnte sich vom Genfersee über die Alpen bis zum Jura aus. Nach der französischen Revolution von 1789 verlor Bern die nördlichen und südlichen Gebiete (Aargau und Waadt), erhielt aber 1815 vom Fürstbistum Basel den katholischen Jura. 1848 wurde Bern die Bundeshauptstadt des neu gegründeten Bundesstaates Schweiz. Bern baute seine zentrale Stellung in der Schweiz mit staatlicher Förderung des Baus von Eisenbahnen und Wasserkraftwerken aus. Nach einer jahrzehntelangen Unabhängigkeitsbewegung verkleinerte sich das Gebiet des Kantons Bern 1979 um den Nordjura (Kanton Jura).
2. Geografisch-topografische Übersicht
Das heutige Gebiet des Kantons Bern ist gegen 6000 km2 gross und beherbergt gegen 1 Million Einwohner. Im Süden bildet die Hochgebirgskette des Aaremassivs (Granit, Gneis, Sedimente) die Grenze. Die höchsten Gipfel heissen Finsteraarhorn (4274m), Jungfrau, Mönch und Schreckhorn. Die Gebirgsbäche vereinigen sich in der Aare, dem längsten rein auf schweizerischem Gebiet gelegenen Fluss (295km). Das Gebirgsgebiet mit dem Brienzer- und dem Thunersee wird Berner Oberland genannt, es ist die zweitwichtigste Tourismusregion der Schweiz (nach Luzern – Zentralschweiz). Im nördlich anschliessenden Voralpengebiet sammelt der Fluss Emme das Wasser, die Region heisst Emmental. Die nördlichste Region gehört zum Sedimentgebirge des Juras. Dazwischen liegen drei Regionen im schweizerischen Mittelland, wie das Hügelgebiet zwischen Boden- und Genfersee genannt wird: das Berner Mittelland, das Seeland (Bieler-, Neuenburger- und Murtensee) und der Oberaargau (mit dem tiefsten Punkt des Kantons auf 407 Meter über Meer). Die natürlichen Rohstoffe des Kantons sind Wasserkraft, Holz und Steine, ferner Mineralien in vielen kleinen Lagerstätten.
3. Die wichtigsten Industrie-Kultur-Regionen
Die zwei wichtigsten Themen der Industriekultur des Kantons Bern sind der Kraftwerk- und Wasserbau und der Strassen- und Eisenbahnbau. Einerseits verursachten die Gebirgsbäche und Flüsse immer wieder Überschwemmungen, denen man bereits ab dem 18. Jahrhundert mit Flusskorrektionen entgegentrat: Die Flüsse Kander (1714), Aare und Juragewässer (1841/1891) und Birs (1875) sind sehr aufwändig in für den Menschen ungefährlichere Bahnen gebracht worden. Die reichen Wasserkräfte wurden vor allem in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts für den Bau von Grosskraftwerken an der Aare und an der Kander (Bernische Kraftwerke BKW ab 1909) und im Oberaargebiet (1925 – 1990, 32 Turbinen und Pumpen 1500 Megawatt), genutzt. Im Bahn- und Strassenbau wirkte die in der Schweiz zentral gelegene Bundeshauptstadt Bern sehr aktiv mit – früh schon beim Bau von Kunststrassen im Mittelland und von Alpenstrassen und dann vorerst erfolglos mit der Finanzierung einer Eisenbahntransversale Bern – Luzern – Zürich (ab 1859), später erfolgreich mit der Förderung der Jura- Simplon-Achse von Frankreich über Neuenburg (1901) und Moutier (1915) nach Bern und über den Lötschberg (1913) zum Simplon (Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn). In die Belle-Epoque-Zeit der Jahrhundertwende fiel auch die touristische Erschliessung der Alpen durch Bergbahnen (Brünig 1888, Brienzer Rothorn 1892, Berner Oberland und Jungfrau 1890 – 1912, Montreux – Oberland 1905).
Eine spezielle uhrenindustrielle Ausrichtung hatte seit dem 18. Jahrhundert der Jura, insbesondere auch der Berner Jura. In diesem Zusammenhang haben sich die Städte Biel, Moutier und Dörfer wie St.Imier, Tavannes oder Tramelan zu Orten mit überwiegendem Arbeitsplatzanteil in der Metallverarbeitung entwickelt. Andere Kleinstädte mit industrieller Dominanz über lange Zeit sind Langenthal (Porzellan- und Maschinenindustrie), Burgdorf (Maschinen- und Textilindustrie, Schwergewicht Leinen) und Thun (Metall- und Rüstungsindustrie).
Im ganzen Kantonsgebiet finden sich Industriemühlen. Im Emmental liegt ein Wirtschaftsschwerpunkt in der holzverarbeitenden Industrie. Im Bereiche des Bergbaus und der Industrie der Steine und Erden wurden nach einem Autarkie-Boom der 1940er Jahre alle Bergwerke stillgelegt, geblieben sind bedeutende Zeugen des Berner Bergbaus z.B. bei Trachsellauenen und aktive Ton- Kies- und Steinbruchwerke, das bedeutendste für die Zementindustrie in Reuchenette.