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Auf Weisung des Bundesrats musste während dem Lockdown vom 16. März bis zum 27. April 2020 in der Schweiz auf alle zahnärztlichen Eingriffe verzichtet werden, die nicht als dringend eingestuft wurden. Hatten diese Beschränkungen Auswirkungen auf den zahnmedizinischen Notfalldienst? Dieser Frage wollte ein Forschungsteam um Prof. Dr. Michael M. Bornstein und Dr. Florin Eggmann vom Universitären Zentrum für Zahnmedizin Basel (UZB) in einer aktuellen Untersuchung nachgehen.
Die Studie zeigte, dass der Lockdown zu deutlichen Veränderungen im Patientenaufkommen, in der Art der zahnmedizinischen Notfälle und den durchgeführten Therapiemassnahmen führte. So verdoppelte sich zum Beispiel die Zahl der Zahnabszesse während dem Lockdown im Vergleich zu den Wochen davor, wie die Forschenden im Fachjournal «Clinical Oral Investigations» berichten.
Die Bedeutung von regionalen zahnärztlichen Notfallzentren
Die Längsschnittstudie untersuchte sämtliche Notfallbehandlungen, die am UZB während dem sechswöchigen Lockdown im Frühling 2020 durchgeführt wurden. Verglichen wurden diese mit den Notfallbehandlungen, die in den sechs Wochen zuvor und danach erfolgten. Insgesamt gab es im untersuchten Zeitraum über 3'100 Notfallbehandlungen. Während dem Lockdown und in den Wochen danach wurde dabei ein deutlicher Anstieg des Patientenaufkommens verzeichnet. Weiter wurde beobachtet, dass die Patientinnen und Patienten während dem Lockdown von weiter her ans UZB kamen. Das deutet darauf hin, dass die Verfügbarkeit zahnärztlicher Notfalldienste in dieser Phase signifikant eingeschränkt war. Dies unterstreicht klar die Bedeutung regionaler zahnärztlicher Notfallzentren in Krisenzeiten.
Reduktion Aerosol produzierender Therapiemassnahmen
Der Vergleich der Notfallbehandlungen zeigte, dass während dem Lockdown Therapiemassnahmen, die Aerosole produzieren, erheblich eingeschränkt werden konnten. Aerosole sind kleine Schwebeteilchen in der Luft, die unter anderem beim Bohren und Polieren in der Mundhöhle entstehen können. Solche kleine Schwebeteilchen und grössere Tröpfchen können grundsätzlich auch Krankheitserreger enthalten. Um die Verbreitung vom neuartigen Coronavirus einzudämmen, galt es deshalb Aerosol produzierende Therapiemassnahmen zu reduzieren.
Übertragungsrisiko minimieren
Gewisse Grunderkrankungen erhöhen das Risiko für einen schweren Verlauf bei einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus. Personen mit solchen Grunderkrankungen nahmen den zahnärztlichen Notfalldienst im Lockdown und den nachfolgenden Wochen seltener in Anspruch als in den Wochen zuvor. Das ist ein Hinweis, dass besonders gefährdete Personen möglicherweise aus Angst vor einer Coronainfektion nicht in die Zahnklinik kamen. „Es ist wichtig, dass der sichere und niederschwellige Zugang zu zahnärztlichen Notdiensten für alle, die ein dringendes zahnmedizinisches Problem haben, auch in Krisenzeiten gewährleistet bleibt“, betont Dr. Florin Eggmann. Das UZB hat daher – wie alle Zahnarztpraxen und Zahnkliniken in der Schweiz - frühzeitig Schutzkonzepte entworfen und umgesetzt, die das Übertragungsrisiko für Patientinnen und Patienten und das zahnmedizinische Personal möglichst minimieren.
Originalpublikation (Open Access)
Florin Eggmann, Asin Ahmad Haschemi, Dimitrios Doukoudis, Andreas Filippi, Carlalberta Verna, Clemens Walter, Roland Weiger, Nicola U. Zitzmann, Michael M. Bornstein
Impact of the COVID-19 pandemic on urgent dental care delivery in a Swiss university center for dental medicine
Clinical Oral Investigations (2021), doi.org/10.1007/s00784-021-03872-1
Weitere Auskünfte
Dr. Florin Eggmann
Klinik für Parodontologie, Endodontologie und Kariologie
Universitäres Zentrum für Zahnmedizin Basel UZB
Tel. +41 61 267 26 80
E-Mail: <email-pii>
Prof. Dr. Michael Bornstein
Klinik für Oral Health & Medicine
Universitäres Zentrum für Zahnmedizin Basel UZB
Tel. +41 61 267 25 45
E-Mail: <email-pii>
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