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Hamana liegt im Binnenland Guineas (Oberguinea) und erstreckt sich östlich der Stadt Kouroussa ca 20 Kilometer entlang des Oberlaufes des Nigers und dessen Nebenflusses Niandan. Das Gebiet wird fast ausschliesslich vom Volk der Malinke bewohnt.
Im sozialen Leben der Malinke in der Hamanaregion spielen Feste eine wichtige Rolle. Zu Anlässen wie Hochzeiten, Feldarbeit, bei religiösen Festen und unzähligen anderen Gelegenheiten wird getanzt, gesungen, werden wichtige Persönlichkeiten geehrt, soziale Verbindungen gefestigt und Masken vorgeführt. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Festkultur ist die Musik. Sie wird live gespielt und steht im direkten Zusammenhang zum Ablauf der Festlichkeit.
Die Malinke kennen einige Melodie- und eine Vielzahl von Perkussionsinstrumenten. Die wohl bedeutendsten sind die „Djembé“ und die Dunduns (Basstrommeln).
Die „Melodie“ und der Charakter der Rhythmen, werden vorwiegend von den Dunduns bestimmt. An der Art, wie die Bassstimmen zusammengehen, erkennt man die einzelnen Stücke.
Die Dunduns sind mit Kuhfellen bespannte Zylindertrommeln. Sie werden in waagrechter Position mit einem Stock gespielt. Die Grösste (Dundumba) und die Mittlere (Sangban) haben zusätzlich eine Glocke, welche mit einem kleinen Metallstab oder Ring zum Klingen gebracht werden. Die kleinste der Basstrommeln (Kensedeni oder Kenkeni) wird im Dorf ohne Glocke gespielt.
Die Djembé hat eine Kelchform und ist in der Regel mit einem Ziegenfell bespannt. Sie wird mit den Händen gespielt und dient weitgehend als Soloinstrument. In etwas größeren Formationen kommt sie auch als Begleitinstrument vor.
Der Solist an der Djembé übernimmt häufig (nicht immer) die Führung des musikalischen Geschehens, Er korrespondiert direkt mit den Tänzer/innen und zeigt, in enger Zusammenarbeit mit dem Sangbangspieler, Wechsel, Verdichtungs- und Beschleunigungsphasen (Echauffements) an. Neben den teilweise sehr komplexen rhythmischen Strukturen zeichnet sich die Trommelmusik der Malinke durch eine raffinierte Kommunikation zwischen den verschiedenen Stimmen und den Tänzern aus. Was von aussen häufig als abgezählt und abgemacht wirkt, entsteht also direkt während des Zusammenspiels und wird durch musikalische Signale und Codes oder durch das Verhalten der Tänzer/innen bestimmt. Je nach Festverlauf und den Launen des Ensembles und der Teilnehmer des Festes, kann das gleiche Stück von Mal zu Mal komplett neu entstehen.
Um die Trommelmusik der Malinke zu verstehen, sollte man sich bewusst sein wie sie entstanden ist. Die Stücke wurden nicht komponiert, sie sind nicht im Kopf eines musikalischen Genies entstanden und dann in Notenschrift auf ein Blatt Papier geschrieben worden. Vielmehr ist die Trommelmusik in ihrer Funktion als „Festmusik“ über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte gewachsen.
Wie oben schon erwähnt gibt es unzählige verschiedene Feste in deren Verlauf wiederum unzählige verschiedene „Situationen“ entstehen für die es spezifische Rhythmen gibt. Die Trommler im Dorf werden engagiert um diese Feste zu „bedienen“. Ihre Musik hat also immer eine Funktion welche der aktuellen Festsituation entspricht.
Beispielsweise gibt es Stücke zu denen die wichtigen Männer des Dorfes ihre „Bedeutung und Würde“ zur Schau tragen, andere sollen die Attribute der Vertreter und Vertreterin einer gewissen Generation hervorheben. Es gibt Rhythmen, welche die Arbeiter auf dem Feld unterstützen oder solche die bei geheimnisvollen Feticheur-Ritualen für die nötige Stimmung sorgen. Andere sollen junge Mädchen zum Hüpfen bringen oder Jungs kurz vor der Initiation Mut machen. Dabei unterliegt die Musik, welche beispielsweise zu Maskentänzen gespielt wird, natürlich ganz anderen Regeln als diejenige für Hochzeiten oder religiöse Feste.
Aufgrund dieser Funktionalität unterliegt die Musik diversen „Notwendigkeiten“. Beispielsweise muss für gewisse Tanzschritte eine bestimmte Geschwindigkeit erreicht werden und/oder die Musiker müssen fähig sein die Musik blitzschnell dem Verhalten der Maske oder den Launen der Tänzerinnen anzupassen. Je nachdem soll sie ein bestimmtes Gefühl (z.B. Stolz) transportieren. Diese Erfordernisse spiegeln sich im Wesen der Stücke und beeinflussen somit wichtige Charakteristiken wie den Aufbau, den dramatur-gischen Verlauf oder die Phrasierung sowie die Kommunikation zwischen Tanz und Musik.
Fazit… wenn du Musik „richtig“ spielen willst, ist es hilfreich ein Bild der Situation vor dem geistigen Auge haben.
Nun ist es natürlich nicht so, dass jeder das Privileg hat, solche Feste miterlebt zu haben. Es liegt also an mir, euch auf eine gedankliche „Reise“ nach Hamana mitzunehmen damit ihr euch ein Bild machen könnt – es wird sich in eurer Musik wiederspiegeln.
Nun… wie lernt man diese Musik? Um zu verstehen wie ein Trommler in den Dörfern sein Handwerk lernt, muss man miteinbeziehen in welchem Umfeld er aufwächst und ausgebildet wird. Erstens ist damit zu rechnen, dass er schon als Baby, oder sogar schon vor seiner Geburt, die Musik mitbekommt. Irgendwann, wenn er sowohl talentiert wie motiviert ist und die soziale Situation stimmt, darf er die Musiker bei ihrer Arbeit begleiten und fängt vielleicht irgendwann an die Kensedeni zu spielen. Im Verlauf der Jahre steigt er in der Hierarchie auf und kommt an die Dundunba, danach die Sangban und vielleicht wird er sogar mal zum Solisten in seiner Gruppe.
Jetzt ist es natürlich so, dass wir hier in Europa nicht die gleichen Voraussetzungen haben. Wir sind nicht von Geburt an mit dieser Musik, die sich doch sehr von der unsrigen unterscheidet, konfrontiert. Wir haben auch nicht die Möglichkeit jahrelang die Kensedeni in einem Ensemble von Profis zu spielen. Ausserdem sind wir es uns häufig gewöhnt, Musik mathematisch und eher kopflastig anzugehen. Dies ist allerdings eine Herangehensweise mit der man Malinkemusik nicht vollumfänglich lernen kann.
Und trotzdem können auch wir zu guten Trommlern und Trommlerinnen werden!
Nach unzähligen Stunden bei verschiedensten Lehrern aus Afrika und Europa und durch meine eigene langjährige Unterrichtstätigkeit, habe ich einen Stil entwickelt um euch diese Musik vermitteln und sie euch erleben, fühlen aber auch begreiffen zu lassen.