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Alles verschenkt Das Januarloch in Afrika
- Donnerstag, 12. Januar 2017, 20:41 Uhr
An Weihnachten die Familie besuchen, das ist auch in Afrika Tradition. Und mit leeren Händen darf niemand kommen.
Das etwas andere Januarloch in Afrika
Die Tradition: Wer in der Stadt arbeitet, reist an Weihnachten zur Familie aufs Land. Wer in der Stadt eine Arbeit gefunden hat, ist für die Dorfbewohner ein vom Schicksal Auserwählter. Und nach afrikanischer Tradition hat nach der Jagd das ganze Dorf Anrecht auf die Beute. «Teile alles, was du hast, mit deinen Verwandten», heisst das oberste Familiengesetz. Es ersetzt den Wohlfahrtsstaat, denn es gibt meist keine Sozialversicherungen.
Die Familie: Sie ist ein riesiges, verknüpftes Netz aus Brüdern und Schwestern. Die Verwandtschaftsgrade können sich im Verlauf des Lebens ändern. Ein Onkel kann bei einem Todesfall zum Vater werden, ein Bruder zum Ehemann und Cousins zu Brüdern. Für den Bruder muss man bei Bedarf mehr beisteuern als für eine entfernte Tante, aber zahlen muss man immer.
Die Begehrlichkeiten: «Sie glauben, der Besucher wird ihre Probleme für das kommende Jahr lösen», sagt Geoffry Moses, der in Nairobi arbeitet. «Die Familie kommt zu mir und sagt, wir brauchen von dir eine Kuh oder drei Säcke Mais für die Hochzeit deines Cousins – oder wenn die Tante im vergangenen Jahr im Spital war und die Rechnung über 2000 Franken noch nicht bezahlt ist, muss dieser Betrag in der Familie aufgeteilt werden.»
« Die Familie kommt zu mir und sagt, wir brauchen von dir eine Kuh oder drei Säcke Mais für die Hochzeit deines Cousins. »
Geoffry Moses
Angestellter in Nairobi
Die Konsequenzen: Die Widrigkeiten Afrikas überlebt man nur als Grossfamilie. Doch dieses System treibt manche, die es in Nairobi zu einem kleinen Wohlstand gebracht haben, in den Ruin. Es ist so nicht möglich, etwas auf die Seite zu legen, sich Land zu kaufen oder ein Geschäft aufzubauen. Auch wer ein vernünftiges Einkommen hat, kommt auf keinen grünen Zweig. Und wer sich weigert, zu bezahlen, wird beschimpft und verwünscht. Westlicher Individualismus ist in Afrika gleichbedeutend mit Unglück. «Und wenn ich eines Tages ins Dorf zurückziehe und ein Problem habe, wird mir niemand helfen», sagt Geoffry Moses.
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1 Das etwas andere Januarloch in Afrika 4:54 min
aus Rendez-vous vom 12.01.2017
Für viele werktätige Afrikanerinnen und Afrikaner beginnt das neue Jahr mit einem leeren Portemonnaie. Die Festtage haben sie in den Ruin getrieben, die Verwandten haben sie ausgenommen wie Weihnachtsgänse. Denn traditionell besucht man über die Festtage die Familie. Und dort sind die Begehrlichkeiten gegenüber den Arbeitenden gross.