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Seit 1990 hat sich der weltweite Warenhandel auf ein jährliches Volumen von 16 Bio. $ (2015) verfünffacht. Die Erschliessung neuer Produktions- und Absatzmärkte liess das globale Bruttoinlandprodukt (BIP) um knapp 60% wachsen und hat den Lebensstandard von Hunderten von Millionen Menschen erhöht. Trotz dieser unübersehbaren Erfolge ist die internationale politische Debatte zurzeit von einer zunehmenden Skepsis gegenüber der Globalisierung geprägt.
Handelspolitisch stockt der multilaterale Weg im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO. Stattdessen verzeichnete die Weltkarte in den letzten 20 Jahren immer mehr regionale Handelsabkommen. Doch auch diese Abkommen werden immer stärker bekämpft. Zuletzt drohte das Umfassende Wirtschafts- und Handelsabkommen (CETA) zwischen der EU und Kanada zu scheitern, aktuell steigt mit dem Ausstieg der USA der Druck auf die geplante Transpazifische Partnerschaft (TPP). Was mit dem geplanten Grossabkommen der Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) zwischen der EU und den USA geschieht, ist zurzeit offen.
Wachstum durch TTIP oder…
Denn auf beiden Seiten des Atlantiks ist die Skepsis gross, dass die durch mehrere Studien errechneten Wohlstandsgewinne auch wirklich eintreffen. TTIP würde den weltweit grössten Freihandelsraum der Welt schaffen. Mit einer Bevölkerung von 831 Millionen Menschen, einem BIP von 34’176 Mrd. $ sowie einem Anteil von 43,7% am Welthandel (2015) stünde TTIP an erster Stelle. Eine Studie der Universität Bern (World Trade Institute 2016) prognostiziert als Folge von TTIP mehr Exporte, Produktionserhöhungen, steigende Investitionen, tiefere Konsumentenpreise und eine höhere Produktauswahl. In der EU soll gemäss Berechnungen das BIP um 0,5% steigen, in den USA um 0,4%. Eine Studie (Felbermayr, Heid und Lehwald 2013) geht von über zwei Millionen zusätzlichen Arbeitsplätzen in den OECD-Staaten aus, falls TTIP umfassend ausfiele. Sollten nur Zölle abgebaut werden, wären die Effekte immer noch positiv, verringerten sich aber auf 500’000 zusätzliche Arbeitsplätze.
…durch mehr Abschottung?
Aktuell wird das Arbeitsplatz-Argument ins Gegenteil verkehrt: Nicht mehr, sondern weniger internationaler Freihandel soll nicht nur Arbeitsplätze im Inland erhalten, sondern sogar neue schaffen. Gemäss der Logik der «Trumponomics» sollen Strafzölle auf importierten Komponenten und Produkten in den USA Jobs schaffen. Kurzfristig mag dies zutreffen. Denn je höher die Importzölle und je grösser der potenzielle Absatzmarkt, umso höher der Anreiz für ein Unternehmen, im Land selbst zu produzieren. Gerade bei einem Land wie den USA mit dem grössten und kaufkräftigsten Markt weltweit wird ein Hersteller eher zugunsten einer inländischen Produktion und zulasten verteuerter Importe entscheiden. Dank «re-shoring» wäre das «trumpsche Jobwunder» vollbracht.
Abschottung als langfristiger Prosperitätskiller
Doch eine solche Strategie wird langfristig nicht nachhaltig sein: Erstens wird das Potenzial des Inlandkonsums nicht ausgeschöpft, da mit einer «Made in America»-Strategie viele Produkte und deren Komponenten teurer werden dürften. Denn die Produktion ausserhalb der USA hatte einen Grund, oft waren dafür die niedrigeren Herstellkosten ausschlaggebend. Die Zeche der Abschottung werden langfristig Millionen von amerikanischen Konsumenten mittels höheren Produktpreisen zahlen. Für Haushalte mit geringem Einkommen kann dies eine spürbare Mehrbelastung sein.
Zweitens verteuern Importzölle den Zugang zur Innovation. Denn neben günstigeren Kosten kann der Entscheid, ein Produkt aus dem Ausland zu beziehen, auch darin liegen, dass es kein vergleichbar innovatives Produkt im Inland gibt. Man denke an die Automobilindustrie, bei der ein Grossteil der Innovation von Zulieferern aus anderen Ländern erbracht wird. Können diese Komponenten nur noch zu einem höheren Preis bezogen werden, schränkt das deren Verwendung im Inland ein.
Drittens vermindern Importzölle den Wettbewerbsdruck im Inland. In einem grossen Markt wie den USA ist dies ein allenfalls untergeordnetes Argument gegen Abschottung, da der inländische Wettbewerb bereits ausgeprägt sein kann. Aber bei Gütern die nur in geringerer Zahl benötigt werden, beispielsweise bei spezialisierten Geräten für die Forschung, den Infrastrukturbau oder in der Rüstungsindustrie, führt eine Erhöhung des Importzolls zu einer Verteuerung der Leistungserbringung. Nicht nur Konsumenten, auch Steuerzahler müssten einen Grossteil der Kosten dafür tragen.
Viertens dürften vom amerikanischen Importzoll betroffene Staaten Gegenmassnahmen ergreifen. Entweder über den Prozess einer Klage bei der Welthandelsorganisation oder direkt durch das Erheben eigener Einfuhrzölle. Am Ende haben alle Staaten verloren, insbesondere die Konsumenten müssten jeweils tiefer in die Tasche greifen.
Weiterführende Informationen finden Sie in der Avenir-Suisse-Studie Handel statt Heimatschutz.