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Zwölf Jahre lang blieb Verena Motschi im Kantonsrat, von 1973 bis 1985. Obwohl die Oberbuchsiterin eigentlich gar nicht im Sinn hatte, in die kantonale Politik einzusteigen. Die sechsfache Mutter hatte sich zwar in ihrem Dorf in der Schulkommission engagiert und hatte erreicht, dass in Oberbuchsiten der Kindergarten eingeführt wird. An ein Kantonsrats-Amt hatte sie aber nicht gedacht, als die CVP eines Tages an ihre Türe klopfte.
Wir Frauen haben die Solothurner Politik verändert
1973 fanden im Kanton Solothurn die ersten Wahlen statt seit der Einführung des Frauen-Stimm- und -Wahlrechts 1971. Da gehörte es einfach dazu, dass die Parteien auf ihren Listen auch Frauen präsentieren konnten. Und weil die CVP in der Region noch keine Kandidatin hatte, fragte die Partei eben Verena Motschi an, als «Lückenbüsserin», wie sie sich erinnert.
«O heje, die arme Chind»
Die Lückenbüsserin wurde gewählt – als erste Solothurner Kantonsrätin. Davon erfahren hatte Verena Motschi, als am Nachmittag des 6. Mai jemand an der Türe läutete, um zu gratulieren. Mit ihren sechs Kindern an der Hand ging sie dann am Abend an das Platzkonzert der Dorfmusik. «O heje, die arme Chind», hörte sie jemanden sagen, erinnert sich Verena Motschi im Gespräch mit dem Regionaljournal von Radio SRF.
Mit Verena Motschi wurden 1973 noch fünf weitere Frauen in den Kantonsrat gewählt, unter ihnen Cornelia Füeg, welche später die erste Solothurner Nationalrätin und die erste Regierungsrätin wurde. Im damals 144-köpfigen Kantonsrat erreichten die Frauen einen Anteil von 4,2 Prozent. Die 3 FDP-, 2 CVP- und 1 LdU-Vertreterinnen arbeiteten über die Parteigrenzen hinweg zusammen.
Die Männer wurden entspannter
Damit, und weil sie grundsätzlich anders an Themen herangingen, haben die Frauen die Solothurner Politik verändert. «Ich glaube, ich darf das sagen: Das war so», zeigt sich Verena Motschi überzeugt. Die Männer seien dank den Frauen im Kantonsrat entspannter geworden.
Die Anfänge allerdings waren schwierig. Die Frauen mussten sich von einigen Männern dumme Sprüche anhören. Der Solothurner Baudirektor meinte beispielsweise in einer Debatte: «Ich wusste gar nicht, dass Frauen so mit Zahlen umgehen können».
Frauen mussten besser sein als die Männer
Verena Motschi will solche Episoden nicht dramatisieren. Die ersten Kantonsrätinnen seien von den Männern im Grossen und Ganzen gut aufgenommen worden. Und denen, die über die Frauen die Nase rümpften, sei sie halt ausgewichen.
Und auch daran erinnert sich die 80-jährige Polit-Pionierin: Frauen im Kantonsrat durften nicht provozieren, wenn sie politisch etwas erreichen wollten. Und die Kantonsrätinnen mussten zu Beginn viel besser vorbereitet sein als die Männer, sonst habe es rasch geheissen: «Das ist Wiibergschnurr».