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Seit den Anfängen des wieder aufschmelzbaren (thermoplastischen) Kunststoffs, wird dieser gemeinhin als „Plastik“ bezeichnet, dies ist heute noch gebräuchlich, vorallem in der Umgangssprache. Ein Wort, das im Deutschen, im Englischen und in den romanischen Sprachen beinahe gleich ist, Plastik – plastic – pastique – plastica – plástico, und das gleichzeitig auch Adjektiv für „verformbar“ ist. Ich habe berufshalber viel mit Kunststoff zu tun, wohl deswegen hat sich in Kombination mit meiner Schwäche für Objekte der 40er bis 70er Jahre ergeben, dass ich auf geile Plastikprodukte stehe. Ich werde hier fortan eher von Kunststoff reden und weniger von Plastik, dieser „vulgäre“ Begriff sollte auch in einem professionellen Umfeld nicht angewendet werden. Es ist interessant, dass sich in den oben erwähnten Sprachen einzig im Deutschen ein nobleres Wort für diese Materie gibt: „Kunststoff“. Im Französischen beispielsweise wäre es dann „matière artificielle“ was wohl kaum verwendet wird für das, was man unter „plastique“ versteht.
Die oben erwähnten Objekte sind oft immer noch billig, und ursprünglich wurde Kunststoff in der Tat primär dazu eingesetzt, ein Produkt billiger zu machen. Wohl auch deswegen hat man grosse Probleme mit der Verschmutzung der Ozeane. Jährlich landen 8 Millionen Tonnen Kunststoff in den Meeren, was einem Würfel mit 204 Meter Seitenlänge entspricht, Basis Polypropylen mit einer Dichte von 946 Kilo pro Kubikmeter. Ergibt 615 Milliarden von der linken dickeren Plastiktüte (13 Gramm) und beinahe das doppelte der rechten dünneren, die gängige Grösse in Schweizer Supermärkten, diese kosten seit rund einem Jahr 5 Rappen pro Stück und wurden vorher gratis abgegeben.
Es ist nicht voraussehbar, wie sich die Trends entwickeln. Wer weiss, vielleicht sinken in fünfzig Jahren die Preise heutiger Antiquitäten (100 und mehr Jahre alt) und Midcentury Preise steigen, warum nicht auch für tägliche Gebrauchsartikel. Deswegen, wenn man interessante Gegenstände aus Kunststoff besitzt, sollte man Sorge tragen dazu. Ich weiss, ich habe auf meiner Webseite auch Sachen aus diesem Gebiet, die kaum ernst zu nehmen sind. Mit der Verwendung von Kunststoff mögen die Stückzahlen gestiegen sein, jedoch wird eben auch viel mehr und viel schneller weggeworfen. Dazu kommt beim Kunststoff die Alterung, welche oft höhere Zerbrechlichkeit nach sich zieht. Infolge dieser Faktoren werden Artikel wie meine Hooverette unten extrem rar, vor allem wenn sie in unbeschädigtem und komplettem Zustand vorliegen.
Meine kürzlich erworbene Hooverette 2944B in der 70er Jahre Farbe schlechthin: orange!
Bei diesem Gerät fehlen freilich einige Accessoires wie auf den Bildern unten oder durch die ganz unten angeführten Links ersichtlich. Hoover, eine bemerkenswerte Marke. Gegründet 1908 in den USA, expandierte die Firma nach dem ersten Weltkrieg nach England und wurde 1927 Hoflieferant für Staubsauger am Königshaus, per königlichem Dekret. Hier das atemberaubende Hoover Building im Art Deco Stil in Perivale, Westlondon, dieses beheimatet heute Appartements und einen Supermarkt.
1995 wurde der europäische Zweig von der italienischen Gruppe Candy übernommen und 2007 ging das Amerika Geschäft an den chinesischen Konzern Techtronic Industries. Die Bedeutung dieser Firma auf dem Markt zeigt sich auch dadurch, dass in Wörterbüchern unter staubsaugen das englische „to hoover“ erscheint. Die Marke ist also zum Synonym für die von diesen Geräten ausgeführte Tätigkeit geworden.
Das Gerät, lanciert im Jahr 1962, besticht durch ein für die 60er Jahre typisches Design, heute unter dem Begriff Space Age bekannt, die Hooverette gab es noch in anderen Farbvarianten. Ich nehme an, dass orange die am letzten eingeführte Farbe war.
Das Gerät kann auch als Handstaubsauger eingesetzt werden. Der Staubsauger war in Grosssbritannien und auf dem Festland erfolgreicher als in Amerika, dort wurde es durch ein ähnliches, wohl leistungsfähigeres Gerät ersetzt, welches bei weitem nicht so schön war. Den Preis von damals konnte ich nicht in Erfahrung bringen, die Kosten heute richten sich nach dem Verteiler, meiner bei der Heilsarmee war CHF 11.90, je nach Stand des Fiebers des Verkäufers ist die Skala ist nach oben offen – Weiteres zum Thema „Floorcare for people who care“ – dem Slogan von Hoover von 1962 – findet sich auf youtube:
Staubbeutel gibt es hier. Wer mit dem Preis für den Beutel gerne unter jenem des Staubsaugers ist, kann auch ein Produkt von Elektrolux abändern.
In dem Sinn, tragt Sorge zu Euren „Plastik“-juwelen.