Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03363.jsonl.gz/1972

J. L. Brandstetter : Die Namen Bilstein und Pilatus
In einer eingehenden Studie, welche der Festschrift zur Eröffnung des neuen Kantonsschulgebäudes in Luzern 1893 beigegeben ist, führt der geschichts- und sprachkundige Verfasser an der Hand der Originalquellen, Urkunden und Chroniken den Beweis, daß das verbreitete, oberdeutsche Ortsetymon „ Bilsteinschroffer Fels, der aus dem umliegenden Gelände wie aus einer Spalte hervortritt, für die Deutung des Berges bei Luzern, der Frakmont oder Pilatus heißt, nicht verwendet werden kann; das anlautende P erweist den letztern Namen deutlich als einen Fremdling. Anderseits ist Frakmünd ursprünglich nur der Name einer Alp ob Hergiswyl und einer zweiten ob Alpnach und wurde von da auf das ganze Massiv übertragen, wie die „ Riginen " von einem zur Gemeinde Küssnacht gehörigen Teil auf den ganzen Rigiberg.
Die Sage von dem in einem See spukenden Geiste des bösen Landpflegers erscheint zuerst cirka 1384 in einer Konstanzer Weltchronik in der Gegend von Luzern lokalisiert; in der altern Chronik des Martinus minor, aus der jene Stelle entlehnt ist, wird er in cujusdam montis cisternam profundissimam geworfen, und die Erzählung von den sechs Priestern, welche laut dem Ratsbuch von Luzern 1387 Urfehde schwören mußten wegen der Gefangenschaft, in der sie gelegen, weil sie auf die Spitze der Frakmünd gehen wollten, setzt die Pilatussage als bekannt voraus, weil eine Strafe auf den Besuch des Berges gesetzt war. Nach einem alten Lehenbrief hatte der Besitzer des Hofes Gantersey im Eigen-