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Die Weidetierhalter werden durch die grausamen Wolfsattacken auf ihre Tiere traumatisiert. Dies wird leider in öffentlichen Debatten über die Folgen der Wiederansiedlung der Grossraubtiere viel zu selten angesprochen. Einer der wenigen Artikel zu diesem Thema erschien in der Bauernzeitung am 5.9.2021: „Älplerin wird Bilder von Wolfsangriff im Kopf nicht los“.
Das Ausmass der psychischen Belastung der Weidetierhalter ist erschreckend, wie eine kürzlich publizierte norwegische Studie aus dem Jahr 2020 zeigt.
Die Autoren analysierten dabei Daten zur psychischen Gesundheit von Landwirten (Schafbauern und nicht Schafbauern) in ganz Norwegen. Die Daten wurden mit einem schriftlichen Fragebogen erhoben, wobei insgesamt 1650 Landwirte teilgenommen haben. Bei der Befragung wurde das Thema Wolf nicht angesprochen. Es ging ausschliesslich um die psychische Verfassung der Bauern. Die Ergebnisse wurden dann mit Zahlen zur geografischen Häufigkeits-Verteilung der von Wölfen verursachten Schafsverluste korreliert. Mit dieser Vorgehensweise wollten die Forscher sicherstellen, dass eine ablehnende Haltung der befragten Schafbauern gegenüber Wölfen die Ergebnisse nicht beeinflussen. Die Auswertung dieser Daten, ergänzten die Forscher mit persönlichen Interviews mit 20 Schafbauern die in der Wolfsregion in Norwegen leben.
Die Datenauswertung ergab, dass Schafbauern in Regionen, wo Wölfe innerhalb der letzten 5 Jahre Schafe gerissen haben, eine deutlich höhere psychische Belastung aufweisen, als Schafbauern, die keine Wolfsattacken zu befürchten haben. Oder als Bauern in derselben Region, die jedoch keine Schafe halten. Die Autoren sagen, dass lange Arbeitszeiten oder ökonomischer Druck bei den Bauern in Norwegen überall etwa gleich sind. Und daher diese Faktoren nicht die Ursache für die höhere psychische Belastung bei den Schafbauern sein können.
Die Ergebnisse der Datenanalyse wurden durch die Findings der Interviews mit den 20 Schafbauern bestätigt. Die von Wolfsattacken direkt betroffenen Bauern leiden unter Stresszuständen, die zu Schlaflosigkeit, Schuldgefühlen und ständigen Angstzuständen führen, und einem ernstzunehmenden psychischen Trauma. Auch Bauern, die nicht direkt von Rissen betroffen sind, verursacht die potentielle Bedrohung durch Wölfe grosses Unbehagen und Verunsicherung. Sogar staatliche Informationssysteme, die eigentlich als Hilfestellung gedacht sind, und die Bauern per SMS über die aktuelle Wolfspräsenz benachrichtigen, können den psychischen Druck auf die Bauern erhöhen. Sie fühlen sich machtlos, und von den staatlichen Autoritäten im Stich gelassen: Es ist unmöglich, die eigenen Tieren vor den grausamen, von den Wölfen verursachten Qualen zu beschützen. Und die staatlichen Autoritäten bieten keinerlei wirksame Lösung an, die das Leid verhindern könnte. Staat und weite Teile der Gesellschaft lassen die Tierhalter im Stich. Das Gefühl der Machtlosigkeit entsteht auch, weil sie sich in der öffentlichen Debatte um die Wölfe nicht frei einbringen können. Dies aufgrund von üblen Hassnachrichten der Wolfsbefürworter, oder deren persönlichen Racheaktionen, beispielsweise falsche Anzeigen bei der Lebensmittelaufsicht.
Die Befragung hat zudem ergeben, dass die Bauern aufgrund der Wolfspräsenz dazu genötigt sind, ihre bisherige Arbeitsweise zu ändern. Sie halten die Schafe näher bei den Häusern, und müssen die Fütterung entsprechend anpassen. Sie wenden mehr Zeit auf, ihre Tiere im Freien zu betreuen, oder nach getöteten oder verletzten Tieren zu suchen. Die ständig latente Bedrohung durch Wölfe führt bei den Bauern zu Angstzuständen.
Ein weiteres sehr interessantes Ergebnis der Studie ist, dass die geografische Aufteilung in Norwegen in dezidierte Wolfszonen, sowie wolfsfreie Zonen, in denen die Weidewirtschaft im Freien den Vorrang hat, nicht zur Entspannung der belastenden Situation führt. Dies aus dem einfachen Grund, weil sich die Raubtiere nicht an diese Zoneneinteilung halten, und die Schafe am Rand der vermeintlich wolfsfreien Regionen immer wieder attackiert werden. Auch die Schafbauern in den wolfsfreien Zonen erfahren so eine erhöhte psychische Belastung, und damit eine reduzierte Lebensqualität.
Daraus schliessen wir, dass der krankmachende permanente Stress der Weidetierhalter nur verhindert werden kann, wenn keine Wolfsattacken mehr drohen.
Ceterum censeo: Grossraubtiere gehören nicht in unsere intensiv genutzte Kulturlandschaft. Sie gehören in eine von jeglicher Zivilisation abgeschiedene Wildnis, weit weg von Mensch und Haustier, wo die Regeln der Natur auch für das Wildtier Wolf gelten.
4 Comments
Im Mittelalter wurden Menschen für vogelfrei erklärt, damit waren geächtete Menschen gemeint. Schutzlose, der Willkür ausgelieferte und entrechtete Menschen, die ausserhalb der Gesellschaft stehen.
Bei der Wolfspolitik scheinen ebenfalls solche Tendenzen zu bestehen, dass man weniger wertvollen Menschen Schäden und Lasten zumutet, die der Rest der Bevölkerung nicht zu tragen bereit ist.
Wie oben im Beitrag dargestellt mit bedenklichen psychischen Belastungen für Tierhalter.
Synonym für vogelfrei wurde auch der Begriff wolfsfrei verwendet.
Vielen Dank, wolflos!
Danke für die Ausführungen, welche auch viele direkt betroffene Tierhalter aus dem Unterwallis und Oberwallis aus eigener Erfahrung bestätigen können.
Zur Grafik: Wölfe umsiedeln nach KANTON URI und WALLIS ist leider nicht mehr möglich, weil beide Kantone an Volksabstimmungen diesen verfassungsmässigen Auftrag angenommen haben und umsetzen: «Der Staat erlässt Vorschriften zum Schutz vor Grossraubtieren und zur Beschränkung und Regulierung des Bestands. Die Förderung des Grossraubtierbestandes ist verboten». Das ist ein deutliches und unmissverständliches Zeichen, das 93’149 Schweizer Bürgerinnen und Bürger, von Feb. 2019 UR bis Nov. 2021 VS, an der Urne gesetzt haben.
Jetzt muss nur noch die gemäss BV vorgesehene Kompetenz zur Jagdgesetzgebung den Kantonen zugestanden werden, und so der rechtmässige Zustand wiederhergestellt werden. Im Moment mischt sich das BAFU in kantonale Kompetenzen ein, wozu es nicht legitimiert ist. Dazu bringen wir hier demnächst einen Beitrag.