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Die Zuwendung und das ruhige, geduldige gemeinsame Arbeiten an Gedanken, Gefühlen, Erfahrungen, Impulsen und Bedürfnissen in einer Psychotherapie können Unterschiedliches auslösen. Viele Patientinnen und Patienten finden darin Anstösse, um besser mit Schwierigkeiten und Leiden umzugehen und sich als Person zu entfalten.
Es kann aber auch anders kommen (siehe: Wird man in einer Psychotherapie abhängig?). Manche ertragen diese Art Nähe nicht und brechen die Therapie ab. Andere können eine Flut von Sehn-süchten erleben, etwa sexuelle Wünsche an den Therapeuten, und sie versuchen, ihn zu einer privaten Beziehung zu bewegen. Wenn dieses Erleben in der Therapie besprochen wird, kann es reflektiert und für die Entwicklung genutzt werden. Der Therapeut trägt dabei die volle Verantwortung für den psychotherapeutischen Rahmen und dafür, dass die Patientinnen in der Therapiestunde Sicherheit erleben. Sexuelle Handlungen haben in einer Psychotherapie keinen Platz; sie zerstören den vertrauensvollen Freiraum, den der Therapieprozess braucht. Dies hat auch das Bundesgericht anerkannt.
Aber es kommt vor, dass ein Psychotherapeut mit dieser Situation unprofessionell umgeht und den Wünschen entgegenkommt. Unprofessionell handelt ein Therapeut auch dann, wenn er von sich aus Nähe, Bewunderung oder Erregung sucht oder die vertrauensvolle Zuwendung, die er dank dem Therapievertrag bekommt, mit Liebe verwechselt.
Was tun? Wichtig ist, dass die Patientin die Therapie abbricht und Hilfe sucht. Das kann ihr schwer fallen, vor allem dann, wenn sie sich in den Therapeuten verliebt hat, ihn als wichtige Person für sich ansieht oder ihn einfach schonen will. Doch dieser Schritt ist unabdingbar, weil die Therapie gar keine mehr ist. In diesem Zusammenhang ist es nützlich zu wissen, dass die Opferhilfe die Kosten einer Folgetherapie übernimmt (dies auch dann, wenn der in einer früheren Therapie erfolgte sexuelle Übergriff nicht schon zu Beginn, sondern erst im Laufe der jetzigen Therapie zur Sprache kommt).
Wenn die Patientin darüber hinaus (für sich oder für andere potentielle Opfer) auf die Grenz-überschreitung reagieren will, gibt es drei verschiedene Wege:
Erstens: Die Patientin erstattet bei der Polizei oder beim Kantonsarzt Anzeige gegen den Therapeuten. Diese Behörde muss dann zwingend ein Verfahren in Gang setzen. Dies kann aber belastend oder demütigend sein. Die Opferhilfe bietet hier eine wichtige Stütze: Sie bereitet die Patientin auf das Verfahren vor, begleitet sie auf Wunsch beim Erstatten der Strafanzeige und zu den Anhörungen.
Zweitens: Die Patientin klagt bei der Berufsorganisation des Therapeuten gegen ihn (Adressen siehe: Kann man eine Therapie abbrechen?).
Drittens: Der Kantonsarzt von Basel-Stadt hat uns zugesagt, im Einzelfall mit der Standeskommission des Berufsverbandes zusammen zu prüfen, was gegebenenfalls unternommen werden kann, falls die Patientin keine Anzeige/Meldung erstatten möchte. Wichtig ist in diesem Fall, dass der Kantonsarzt die Personalien des Therapeuten und der Patientin nicht erfährt - wenn es um ein Offizialdelikt geht, ist er sonst gezwungen, auch gegen den Willen der Patientin Strafanzeige zu erstatten.
Und wenn keiner dieser Wege infrage kommt? Die Erfahrung zeigt, dass Grenzüberschreitungen in psychotherapeutischen Beziehungen früher oder später als Gerücht auftauchen. Wer eines hört, steht vor der Frage: Was mache ich damit? Soll ich es einfach ignorieren, oder muss ich etwas unter-nehmen? Es gibt keine Sicherheit, dass Gerüchte etwas Wahres berichten. Im Hinblick auf die Sicherheit der PatientInnen wollen wir trotzdem Informationen, die als Gerüchte zirkulieren, nicht übergehen. Manche Dinge können nicht anders gesagt werden. Eine Arbeitsgruppe des VPB bietet deshalb an, Gerüchte über sexuelle Übergriffe in Psychotherapien entgegenzunehmen. Vorerst behält die Arbeitsgruppe diese Informationen einfach bei sich; weiter passiert gar nichts. In einem nächsten Schritt kann die Gruppe, wenn sie es für erforderlich hält, mit dem betroffenen Kollegen das Gespräch suchen; sie sagt ihm aber nicht, von wem das Gerücht stammt und welche Patientin es betrifft. In Ausnahmefällen, zum Beispiel wenn sich Gerüchte im Hinblick auf eine Person oder eine Institution verdichten, kann die Arbeitsgruppe weitere Schritte erwägen, z.B. das Gespräch mit dem Kantonsarzt zu suchen. Dabei behandelt sie die Angaben über die meldende Person immer vertraulich.
Wer von Grenzüberschreitungen in Psychotherapien hört, kann diese Information bei der Arbeits-gruppe Gerüchte deponieren mit einem Mail oder auf dem untenstehenden Kontaktformular. Hier kann auch anonym bleiben, wer das möchte.
(Zur Sprachregelung: Der weitaus grösste Teil der Täter ist männlich, der überwiegende Teil der Betroffenen weiblich; wir verwenden deshalb hier jeweils nur eine Form.)
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