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Die längste Geschichte der Erde dauerte vier Milliarden Jahre. Es ist ihre eigene Geschichte. Die meiste Zeit spielte der Mensch darin keine Rolle. Mit ihm liess sich die Erde Zeit. Sehr viel Zeit.
Übertragen auf den Zeitraum eines Jahres war von ihm von ihm bis Ende Dezember nichts zu sehen.
Die Erde hatten anderes zu tun.
Im Januar formte sie aus dem Gebräu von Gasen und Dünsten des Weltraums den rotierenden Feuerball. Allein sechs Monate benötigte sie, um das Chaos aus gasförmigen, flüssigen und festen Stoffen zu einer fruchtbaren Erdkugel zu ordnen, auf der sich in der zweiten Hälfte des Jahres die winzigen Ursprünge des Lebens entwickelten. Es dauerte bis Ende November, ehe Fische in den Meeren schwammen, Reptilien die Farnwälder durchstreiften und erste Vorläufer der Vögel in den Lüften schwebten.
In der ersten Dezemberhälfte kürt sie die Dinosaurier für vierzehn Tage zu Herrschern der Welt. Sie braucht bis zum 22. Dezember, um die Idee der Laubwälder zu verwirklichen. Darin tauchen drei Tage später die ersten Säugetiere auf.
Und wann kommt der Mensch?
Die Erde zögerte lange. Sie zögerte so lange, dass sie ihn beinahe versäumt hätte.
Am 31. Dezember, zwei Stunden und elf Minuten vor Mitternacht, gedachte sie seiner und liess Homo erectus das Licht der Welt erblicken. Fast noch Tier, aber schon im aufrechten Gang entwickelt er sich in zwei Stunden und zehn Minuten zum Homo sapiens. Sechzig Sekunden vor Mitternacht beginnt seine Geschichte, die Geschichte des modernen Menschen.
Fünfzig Sekunden vor Mitternacht baut er die ersten Städte und erfindet den Krieg.
Als er Gott mit dem Turmbau zu Babel herausfordert, sind es noch 21 Sekunden, als er Christus ans Kreuz schlägt noch 16 Sekunden bis Mitternacht. Nach dem Dreissigjährigen Krieg hat er noch drei Sekunden.
Noch zwei Sekunden trennen ihn von Mitternacht, als er mit der Erfindung der Dampfmaschine und der Elektrizität die industrielle Revolution einläutet. Für das Auto braucht er noch einmal eine Sekunde.
Mit den Atomblitzen von Hiroshima und Nagasaki eröffnet er 0,4 Sekunden vor Mitternacht das Sylvesterfeuerwerk. Als er den Mond betritt, sind es noch 0,2 Sekunden. Bis das Ozonloch aufreisst und sich das Klima aufheizt noch 0,1 Sekunden.
Jetzt ist Mitternacht.