Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03416.jsonl.gz/442

Die Behandlung einer Abhängigkeitserkrankung fokussiert sich auf die Klärung der persönlichen Behandlungsmotivation und -ziele, sei es kontrollierter Konsum oder Entzug, sodann auf die Entwöhnung und eine allfällige längerfristige Rehabilitationsbehandlung. Insbesondere bei einer Alkoholabhängigkeitserkrankung wird neben der Dosisreduktion eine Abstinenz durch Entgiftung angestrebt. Die Erfolge sind vielversprechender als mit dem Ziel eines kontrollierten Konsums. Während der Entgiftungsphase kommt eine medikamentöse Therapie zum Einsatz. Zudem trainieren Betroffene ihre Alltagsaktivitäten.
Screening
Screening bezeichnet die Anwendung von schnell durchführbaren Tests zur Früherkennung. Diese dienen der Prävention und frühzeitigen Intervention. Sie kommen dann zum Einsatz, wenn eine beginnende Erkrankung vermutet wird, und sollen dabei helfen, Personen mit gefährdendem oder risikoreichem Konsum zu erkennen. Es gibt spezielle Screening-Verfahren, die auf Abhängigkeitserkrankungen älterer Menschen ausgelegt sind. Falls das Screening Auffälligkeiten aufweist, werden die betroffenen Personen an Fachpersonal verwiesen zur weiteren Abklärung. Dort erhalten sie eine Diagnose und die notwendige Behandlung. Die Resultate zeigen an, ob eine Frühintervention, eine Kurzintervention oder eine weitergehende Behandlung indiziert ist.
Frühintervention
Die Frühintervention bietet unterstützende Massnahmen für suchtgefährdete ältere Menschen. Sie soll das riskante Verhalten reduzieren und eine vollständige Abhängigkeitserkrankung verhindern. Dazu gehören Informationsvermittlung, Unterstützung der Autonomie und allenfalls vermehrte Begleitung durch medizinisches Personal. Eine mögliche Intervention kann zum Beispiel darin bestehen, dass ein Protokoll des Alkoholkonsums geführt und mit dem Arzt besprochen wird. Die Vorteile der Frühintervention liegen darin, dass die Problematik in einer ruhigen, wenig prekären Situation angegangen werden kann. Zudem erhalten betroffene Personen schon früh professionelle Unterstützung. Auch übermässiger Zeitdruck kann so vermieden werden.
Kurzintervention
Eine Kurzintervention wird oft in Verbindung mit der Motivierenden Gesprächsführung und dem Transtheoretischen Modell nach Prochaska und DiClemente eingesetzt.
Die Kurzintervention besteht in einer beschränkten Anzahl Gespräche kurzer Dauer. So sollen Betroffene begleitet und allenfalls unterstützend behandelt werden. Die Unterstützung variiert je nach Stand des Risikoverhaltens und je nach Veränderungsbereitschaft seitens der Betroffenen. Sie soll vor allem dazu motivieren, riskantes Verhalten zu vermindern.
Mithilfe der motivierenden Gesprächsführung sollen Ambivalenz-Konflikte aufgelöst werden, um das Verhalten langfristig zu verändern. Sie kommt sowohl bei problematischem Konsum als auch bei einer Abhängigkeitserkrankung zum Einsatz. Durch die motivierende Gesprächsführung soll die Selbstverantwortung der Betroffenen gefördert werden. Sie ist gezeichnet von einer akzeptierenden Begleitung der betroffenen Person, der Achtung vor deren Autonomie, Respekt und Empathie sowie klaren Rückmeldungen. Im Rahmen dieser Gespräche wird das Konsummuster erarbeitet, es werden Vor- und Nachteile des Konsums besprochen, Ambivalenz und Sorgen thematisiert, Grenzen festgelegt, Vereinbarungen getroffen und nach Bedarf weiterführende Hilfsangebote vermittelt.
Das Transtheoretische Modell nach Prochaska und DiClemente befasst sich mit der intentionalen Verhaltensänderung. Es beschreibt verschiedene Stadien, die durchlaufen werden können, um ein Problem zu lösen. Das Modell baut auf der Haltung auf, dass eine Verhaltensänderung ein Prozess ist und verschiedene Stadien mehrmals durchlaufen werden, bis eine nachhaltige Verhaltensänderung eintritt. Mithilfe des Modells kann festgelegt werden, in welchem Stadium sich die betroffene Person befindet, um die Intervention darauf abzustimmen. Die Phasen gliedern sich in: “Absichtslosigkeit”, “Absichtsbildung”, “Vorbereitung”, “Handlung”, “Aufrechterhaltung” und “Rückfall”.
Therapeutische Intervention
Falls die Frühintervention und die Kurzintervention nicht in Frage kommen, ist eine therapeutische Intervention indiziert. Die Erfolgschance st bei älteren Menschen hoch. Ein Aspekt der therapeutischen Intervention ist die psychotherapeutische Behandlung. Sie zielt darauf ab, das Überleben zu sichern und ein würdevolles und selbstbestimmtes Altern zu ermöglichen. Zudem sollen die Gesundheit und die soziale Integration verbessert werden. In Bezug auf die Abhängigkeitserkrankung wird je nach Stadium auf eine Konsumreduktion oder die dauerhafte Abstinenz hingearbeitet.
Ein weiterer Aspekt der therapeutischen Intervention ist die Pharmakotherapie. Mittels Medikamente werden Entzugssymptome gelindert und die Abstinenz unterstützt. Zudem werden auch begleitende psychiatrische wie auch körperliche Erkrankungen behandelt.