Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03207.jsonl.gz/984

Dezember 4, 2017 Depressionen während der Schwangerschaft Depressionen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen von Frauen im gebärfähigen Alter. In Europa werden rund 3 bis 8 % der Frauen während ihrer Schwangerschaft antidepressive Medikamente verschrieben. Die Wirkstoffe treten jedoch über die Plazenta in den Blutkreislauf des Kindes über. Aktuelle Daten zeigten bisher im Großen und Ganzen, dass Antidepressiva nicht zu erhöhten Fehlgeburten oder Missbildungen führen, wenn die Mutter während der Schwangerschaft Medikamente gegen Depressionen eingenommen hatte. In Studien der letzten Jahre zeigten sich jedoch immer mehr Hinweise, dass die Einnahme von Antidepressiva möglicherweise zu einem Autismus bei Kindern führen kann. Hintergrund Ein möglicher Zusammenhang zwischen Antidepressiva und Autismus wurde schon länger vermutet. Unklar war bislang, ob der Grund für Autismus die psychische Störung der Mutter oder die Einnahme von antidepressiven Medikamenten war. Eine nun im British Medical Journal veröffentlichte Studie der Universität Bristol hat ergeben: Die Einnahme von Antidepressiva während der Schwangerschaft und das Auftreten von Autismus bei Kindern könnten zusammenhängen. Methodik In diese prospektive Kohortenstudie (in Schweden) wurden mehr als 254.000 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 4 und 17 Jahren eingeschlossen. Hiervon hatten mehr als 5300 Kinder die Diagnose Autismus (a. von Müttern, die keine Antidepressiva einnahmen und keine psychiatrische Störung hatten, b. Mütter, die während der Schwangerschaft Anti-depressiva einnahmen oder c. Mütter mit psychiatrischen Erkrankungen, die während der Schwangerschaft keine Antidepressiva einnahmen). Zur fundierteren Beurteilung möglicher Zusammenhänge wurden 4 Auswertungsansätze angewendet (Regressionsanalyse, Propensity-Score Matching, Geschwisteranalyse und Antidepressivaeinnahme des Vaters als Negativkontrolle). Die Einnahme der Antidepressiva von der Mutter wurde während des ersten vorgeburtlichen Interviews aufgezeichnet oder anhand von Verschreibungsprotokollen bestimmt. Ergebnisse: Von 3.342 Kindern, deren Mütter Antidepressiva eingenommen hatten, wurde bei 136 (= 4,1%) ein Autismus diagnostiziert Im Vergleich zu 12.325 Mütter mit einer psychiatrischen Diagnose, die aber keine Antidepressiva einnahmen – hier zeigte sich bei 353 (= 2.9%) Kindern ein Autismus Von beinahe 239.000 Kindern, deren Mütter weder Antidepressiva einnahmen noch an einer psychiatrischen Erkrankung litten, hatten 4.489 (= 2.1%) Autismus Signifikant häufiger waren Fälle von Autismus ohne intellektuelle Beeinträchtigung, hingegen keine Signifikanz bei Fällen von Autismus mit intellektueller Beeinträchtigung Antidepressiva-Einnahme des Vaters wies keine Assoziation auf Zusammenfassung Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft Antidepressiva erhielten, hatten einhöheres Autismus-Risiko als Kinder, deren psychisch erkrankte Mütter auf diese verzichten konnten. Ein kausaler Zusammenhang zwischen AD-Einnahme in der Schwangerschaft und Autismus beim Kind ist somit nicht auszuschließen. Die Untersuchung der potenziell zugrundeliegenden biologischen Mechanismen (z.B. genetisch, familiär) könnte zum Verständnis bezüglich Ätiologie von Autismus beitragen.