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Die heute immer noch verwendete französische Bezeichnung «Concours d’Élégance» für solche Veranstaltungen hat ihre Wurzeln in Frankreich. Es war im Bois de Boulogne bei Paris, wo Automobil-Hersteller und Carrossiers in den 1920er-Jahren begannen, ihre Schöpfungen einer Fachjury und dem interessierten Publikum zu präsentieren. Charmante und derweil auch berühmte Damen mit grosser Ausstrahlung unterstützten die Präsentation durch elegantes Ein- und Aussteigen in massgeschneiderten Gewändern – und wurden bei einigen Veranstaltungen in die Bewertung mit einbezogen.
Allgemein teilte man die Automobile in verschiedene Klassen ein, so zum Beispiel Serien-Fahrzeuge und Spezial-Karosserien. Innerhalb dieser Kategorien wurde zusätzlich nach Fahrzeugwert und Aufbau (Cabriolet, Coupé etc.) unterschieden. Eine «goldene Auszeichnung», der Titel «Grand Prix d’Honneur», verhalf einem Hersteller der Einzelanfertigung und dem Hersteller der Serien-Fahrzeuge zu hervorragendem Ruf und viel Publizität. Volle Auftragsbücher waren die Folge. Vielfach wurden diese Einzelstücke von den Auftraggebern selber präsentiert und nicht selten von berühmten Persönlichkeiten aus der Mode- und Filmwelt unterstützt, wobei sehr oft noch elegante Hunde zum Einsatz kamen.
In der Schweiz fand die erste «Internationale Schönheits-Konkurrenz für Automobile» am 11. August 1928 in Luzern statt. Diese erfolgreiche Veranstaltung, bei der neben Schweizer Spezial-Karosserien auch Einzelanfertigungen von Carrossiers aus dem benachbarten Ausland teilnahmen, ist bis 1955 am Nationalquai in Luzern durchgeführt worden. Personen des öffentlichen Lebens wie zum Beispiel die bekannten Rennfahrer Rudolf Caracciola und Hans Stuck nahmen 1930 einige Tage vor ihrem Einsatz am Klausenrennen am mondänen Luzern-Anlass teil. Zirkusdirektor Knie fiel den Reportern vor allem durch seine Begleitung auf, denn im Fond seines Nash sass die legendäre Josephine Baker mit einem Löwenbaby, was seinerzeit sicherlich viel zu reden gab.
Neben der Veranstaltung in Luzern gab es in der Schweiz weitere Schönheitskonkurrenzen für Automobile. So zum Beispiel in St. Moritz (ab 1929), Zürich (ab 1932), Montreux (ab 1934), Lausanne (1947) und Genf, organisiert von der jeweiligen kantonalen Sektion des Automobil Clubs der Schweiz (ACS). Im Gegensatz zu den heutigen «Concours d’Élégance» stellten sich damals neue Fahrzeuge in unterschiedlichen Klassen der Bewertung durch ein besonderes Preisrichterkollegium. Dabei wurden insbesondere die Eleganz im Gesamteindruck sowie die Harmonie der Farben und der verwendeten Materialien bewertet.
In der Berichterstattung von der IV. Internationalen Schönheits-Konkurrenz im Jahre 1948 können wir dazu in der ACS-Clubzeitschrift Folgendes nachlesen: «Da der Begriff ‹schön› immer subjektiv ausgelegt wird, ist es unvermeidlich, dass bei einer Schönheitskonkurrenz mit genauer Klassierung die Meinungen der Teilnehmer und Zuschauer nicht immer mit denjenigen des Preisgerichts übereinstimmen. Es kommt hinzu, dass die Zuschauer – und dazu zählen in diesem Falle auch die Konkurrenten – meist nur Form und Farbe einzelner Fahrzeuge – und dies meist nur flüchtig – beurteilen, während die Preisrichter von Lackierung und Innenausstattung, die Sichtverhältnisse, die Anordnung der Instrumente und der Bedienungsorgane, die Zulänglichkeit von Motor, Batterie und Übertragungsorganen, die Unterbringung von Gepäck und Reservereifen und die Bequemlichkeit (Einstieg und Sitzanordnung) beurteilen.»
Luzern war einer der Austragungsorte, die auch nach 1945 die lange Tradition weiterführten. Der immer grösser und attraktiver werdende Genfer Automobil-Salon trug auch seinen Anteil dazu bei, dass die siebte «Schönheits-Konkurrenz für Automobile» 1955 auch die letzte war. Zudem fiel es den Carrossiers immer schwerer, Fahrgestelle für ihre Einzelanfertigungen zu finden. Immerhin konnte Hermann Graber in Wichtrach dank den immer noch produzierten Alvis-Chassis bis 1967 zeitlos elegante Karosserien in handwerklich ausgezeichneter Ausführung aufbauen.
60 Jahre nach der letzten Durchführung 1955 fand in Erinnerung an die langjährige Luzerner Tradition 2015 am Nationalquai in Luzern ein «Concours d’Excellence» in Form eines Prologs statt. Ermutigt durch den Erfolg dieser Veranstaltung wird am 27. September 2016 – wiederum am Nationalquai – ein «Concours d’Excellence International» für Automobile der Jahre 1930 bis 70 durchgeführt. Mit der Präsentation von Fahrzeugen aus der aktiven Zeit der «Schönheits-Konkurrenz für Automobile» in Luzern soll an diese lange Tradition erinnert werden; seltene und einmalige historische Automobile aus verschiedenen Epochen werden ausgestellt und bewertet.
1928 bis 55 wurden jeweils neue Fahrzeuge in verschiedenen Klassen zur Schau gestellt. Wenn nun in Erinnerung an die «Internationale Schönheits-Konkurrenz in Luzern» historische Fahrzeuge präsentiert werden, so soll bei der Bewertung durch die Fachjury nicht wie sonst üblich der Zustand im Vordergrund stehen. Die Teilnehmer werden auch Gelegenheit haben, eine Stimme für ihren Favoriten abzugeben – natürlich nur nicht für das eigene Fahrzeug. Die Zuschauer können ebenfalls für ein Automobil votieren und nehmen dadurch am Publikumswettbewerb teil. Die Ausschreibung erfolgt auf Einladung oder Anmeldung. Die Teilnehmerzahl ist limitiert, Anmeldeschluss ist der 31. Juli 2016.