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Der Erfolg der Sempacher Woche ist geprägt von Weitsicht und viel Mut zu Neuem
Der Gewerbeverein Sempach und Umgebung erfüllte sich am Samstag, 24. Dezember 1910 seinen grossen Weihnachtswunsch: Nach langer Begehrlichkeit – jedoch nur eine Woche nach Vereinsbeschluss – erschien damals im Eiltempo die erste Ausgabe des «Anzeiger für Sempach, Neuenkirch und Umgebung».
Auf rund drei der vier Seiten erhielten vor allem die einheimischen Geschäftsleute und Landwirte wöchentlich die günstige Möglichkeit, ihre Waren und Produkte in Inseraten anzupreisen und so Kundenkontakte zu knüpfen. Im Textteil sollten vor allem Amtsstellen, Gemeinderäte und das Gericht die Möglichkeit erhalten, ihre Kundmachungen lokal zu veröffentlichen. Strengstens ausgeschlossen blieben jedoch «die Erörterung oder Behandlung von Dingen politischen oder religiösen Charakters».
Bis 1920 wurde das Format des Anzeigers kontinuierlich vergrössert und auch der Umfang wuchs zwischenzeitlich von vier auf sechs Seiten an. Nach finanziell turbulenten Jahren war das Ende des Anzeigers absehbar. Am 26. Dezember 1925 wurde der Leserschaft die letzte Ausgabe des Anzeigers für Sempach, Neuenkirch und Umgebung zugestellt. Bereits drei Wochen zuvor, am 5. Dezember 1925, erlebte die neue Sempacher Zeitung unter der Redaktion von Hans Schnarwiler, der in Sempach eine Druckerei betrieb, ihre Premiere. Die zweifarbige Grossauflage – mit 2000 Exemplaren war die Sempacher Zeitung nach dem Oberwiggertaler das zweitgrösste Anzeigeblatt im Kanton Luzern – in ihrem vergrösserten Format erregte Aufsehen. Im Vorwort der ersten Ausgabe versprach Schnarwiler, allen etwas bieten zu wollen: «Dem Manne soll sie die Neuigkeiten aus aller Welt bringen, der Frau ein Geschichtlein erzählen und den Kindern Bilder zeigen.» Finanziert wurde die Zeitung vor allem mittels Inseraten und mit einem jährlichen Abobeitrag von fünf Franken. Im Oktober 1929 bezog Hans Schnarwiler sein neu gebautes Druckereigebäude an der Sempachstrasse in Sempach Station. Nach dem frühen Tod des Gründers führten seine Frau und später die beiden Söhne Hans und Willy Schnarwiler den Betrieb in Sempach Station weiter. In diesem Gebäude sind Redaktion und Verlag sowie die Druckerei noch heute untergebracht.
Gründung der Firma WM Druck Sempacher Zeitung AG
Im Jahre 1984 führte Willy Schnarwiler mit den beiden Verlegern Adolf Meyer, Ruswil (Anzeiger vom Rottal) und Ernst Wallimann, Beromünster (Anzeiger vom Michelsamt) Übernahmegespräche des Betriebes in Sempach Station. In der Folge wurde aus der Druckerei Schnarwiler die WM Druck Sempacher Zeitung AG. Am 3. Oktober 1984 wurde sie im Handelsregister des Kantons Luzern eingetragen. Erster Geschäftsführer war Franz Bussmann aus Ruswil. Im Jahre 1986 übernahm Otto Schmid, Neuenkirch, die Redaktion der Sempacher Zeitung und ab September 1991 als Verlagsleiter und Geschäftsführer zusätzlich die Gesamtverantwortung für die WM Druck Sempacher Zeitung AG.
Weder die Krisenjahre der 30er-Jahre noch der Zweite Weltkrieg konnten das wöchentliche Erscheinen der Sempacher Zeitung ernsthaft gefährden. Grund für das Weiterbestehen der Sempacher Zeitung waren immer wieder weitsichtige Entscheidungen. So trat die Sempacher Zeitung 1985 der Inserate-Kombination Luzerner Landzeitungen bei. Diese wurde 1962 mit dem Ziel einer verlegerischen Zusammenarbeit innerhalb der Lokalzeitungen gegründet.
Zusammenarbeit Surseer Woche und Sempacher Woche
Ein weiterer wichtiger Schritt in der Geschichte der Sempacher Zeitung leitete Verleger und damaliger Redaktionsleiter Otto Schmid 1995 in die Wege. Wie bereits Hans Schnarwiler in den Zwanzigerjahren mit dem Volksboten, ging Otto Schmid eine redaktionelle Zusammenarbeit mit der 1992 gegründeten Surseer Woche ein. Seit dem 1. Oktober 1995 erscheint die Sempacher Woche – finanziell und redaktionell zwar nach wie vor absolut eigenständig – als Kopfblatt der Surseer Woche. Die Folge dieser Zusammenarbeit war nicht nur der Wechsel des Titels Sempacher Zeitung zu Sempacher Woche, sondern auch ein neues Layout sowie der wesentlich ausgebaute redaktionelle Inhalt sowie der Inserateteil. Nur so ist es möglich, dass die Sempacher Woche – die Wochenzeitung für die Region am oberen Sempachersee – auch nach über 90 Jahren gesund und stark in die Zukunft blicken darf.
Seit der Pensionierung von Otto Schmid im Jahre 2017 führt nun Gregor Lötscher das Unternehmen WM Druck Sempacher Zeitung AG.
Marcel Schmid/Red
Quellenangabe: Jahrbücher des Anzeiger für Sempach, Neuenkirch und Umgebung sowie der Sempacher Zeitung. Verträge und Unterlagen aus dem Stadtarchiv Sempach. Luzerner Historische Veröffentlichungen, Band 25: Geschichte der politischen Presse im Kanton Luzern von 1914 bis 1945, Max Huber. Festschrift: 70 Jahre Lokalzeitung in Sempach, 1910 bis 1980.
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