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Berner Nationalrätin 1979 – 1995
«Wir waren nicht mehr unbedingt eine Kuriosität, aber wir waren auch nicht besonders zahlreich. Und ich hatte den Eindruck, dass man uns von der Tribüne des Grossen Rates aus weniger zuhörte. Vor allem mir, weil ich auf Französisch sprach, um die Zweisprachigkeit des Kantons zu unterstreichen.»
4.2.2021, Le Journal du Jura, «Une pionnière de la politique dans le Jura bernois»
Geneviève Aubry (*1928) wird 1979 als Kandidatin der FDP mit dem schweizweit besten Wahlergebnis in den Nationalrat gewählt. Die erste Nationalrätin des Kantons Bern sitzt in ihrer Amtszeit in verschiedenen Kommissionen: in der Sicherheitskommission, in der Wirtschaftskommission, in der aussenpolitischen Kommission und in der Kommission für Wirtschaft. Zudem gehört sie der ältesten internationalen politischen Organisation an, der Interparlamentarischen Union.
Vor ihrer Wahl in den Nationalrat ist Geneviève Aubry von 1977 bis 1980 Grossrätin im Kanton Bern. 1986 kandidiert sie für den Regierungsrat. Dank ihres Rückhalts in der bernjurassischen Bevölkerung soll sie den garantierten Jura-Sitz in der bernischen Regierung übernehmen. Der Gegenkandidat der Freien Liste für den Jura-Sitz erhält im deutschsprachigen Gebiet aber mehr Stimmen, und Geneviève Aubry wird nicht gewählt. Der Berner Jura fühlt sich dadurch nicht mehr in der Regierung vertreten. Um den bernjurassischen Stimmen zukünftig mehr Gewicht zu verleihen, wird deshalb für die Zuteilung des garantierten Sitzes das so genannte geometrische Mittel der beiden Ergebnisse eingeführt.
Im Leben von Geneviève Aubry spielt der Berner Jura nicht nur für deren Wahlkampf zur Regierungsrätin eine wichtige Rolle. Geneviève Aubry ist auch die führende Frauenstimme in der antiseparatistischen Bewegung. Sie kämpft für den Verbleib des Südjuras im Kanton Bern und gründet 1974 das «Groupement féminin de Force démocratique», welchem sie als Präsidentin vorsteht. Diese Gruppierung hat in ihrer Blütezeit 6500 Mitglieder, alles Frauen, die ohne die Unterstützung der Männer gegen den Separatismus ankämpfen.
Geneviève Aubry gelangt als Journalistin in die Politik. Sie absolviert verschiedene Praktika, ist als Modejournalistin und Korrespondentin verschiedener Zeitungen tätig. 1984 wird sie Redaktorin der Leitartikel «L’Atout», der französischen Ausgabe des «Trumpf-Buur». Publiziert wird diese von der Aktion für freie Meinungsbildung. 1988 präsidiert Geneviève Aubry zudem die «Fédération romande des auditeurs et téléspectateurs» (Westschweizer Vereinigung der Fernsehzuschauer und Radiohörer). Der Verband übt Druck auf Medien aus, damit diese nicht nur separatistischen Stimmen eine Plattform geben. Im gleichen Jahr wird Geneviève Aubry Präsidentin der Antikommunistischen Weltliga.
Als Tochter des ehemaligen Regierungs- und Nationalrats Virgile Moine kommt Geneviève Aubry früh mit Politik in Berührung. Sie wächst in der Ajoie auf. Nach ihrer Schulzeit absolviert sie die Ausbildung zur Hauswirtschaftslehrerin in Basel. 1949 heiratet Geneviève Aubry und bringt danach eine Tochter und zwei Söhne zur Welt.