Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03619.jsonl.gz/1482

Nancy Bush und Bruce Greyson 1)Greyson B., Bush N.E., Distressing Near-Death Experiences. Psychiatry, 55:95-110, 1992 haben 50 Fälle erschreckender NTE’s untersucht und daraus drei unterschiedliche Typen abgeleitet. Diese wurden später durch Barbara Rommer 2)Rommer, B.R.. Der verkleidete Segen: Erschreckende Nah-Todeserfahrungen und ihre Verwandlung, Goch 2004, S.56f um einen weiteren Typus ergänzt:
- Der häufigste Typus beinhaltet dieselben Elemente wie eine angenehme NTE, beispielsweise die ausserkörperliche Erfahrung oder die schnelle das schnelle Durchqueren eines Tunnels. Es dominieren jedoch negative Emotionen wie Verunsicherung und Angst. Gerade Menschen, die eine Vorahnung des eintretenden Todes empfinden oder die bereits einmal eine NTE hatten, können abwehrend reagieren, wenn sie nicht bereit sind, zu sterben. Sie wehren sich beispielsweise verzweifelt – meist mit mässigem Erfolg – gegen das Durchqueren des Tunnels und erleben die an sich positive Erfahrung damit negativ.
- Die zweite, seltenere Form belastender NTE’s beruht auf der hyperrealen und zutiefst erschreckenden Erfahrung völliger Einsamkeit und Leere, so zum Beispiel dem Verharren in stockdunklem Raum, verbunden mit dem Gefühl, auf ewig verlassen und fern aller Hilfe zu sein. Gelegentlich wird dem Erfahrenden auf hämische Art und Weise klar gemacht, dass seine Existenz nur das Trugbild gemeiner Mächte gewesen, sein irdisches Leben nur leerer Schein gewesen seien. All diejenigen, die sie geliebt hätten, hätten gar nie wirklich existiert. Auch gebe es keine gute Macht, die helfen könne.
- Die wahrscheinlich seltenste Form ist die Erfahrung einer höllengleichen Region, in welcher menschliche Zerrbilder, schauderliche Tiere und Dämonen hausen, wo ein vernichtendes Feuer brennt und die ganze Umgebung als absolut beängstigend und grauenhaft wahrgenommen wird. Es finden sich klassische Aspekte der Höllendarstellungen wieder: Dunkelheit, ohrenbetäubendes Geschrei, bösartige Stimmen und unvergleichlicher Gestank. Die Betroffenen scheinen häufiger Zeugen von höllischen Folterszenen zu sein, als dass sie selber gefoltert werden.
- Die Ärztin Barbara Rommer fügte als vierten Typus den belastenden Lebensrückblick hinzu. Üblicherweise berichten Erfahrende, dass der Lebensrückblick zwar leid- und schamvolle Empfindungen auslöse, weil die bei den Mitmenschen ausgelösten Emotionen selber durchlebt werden, dass sie sich aber durch die anwesende Liebeskraft keinesfalls verurteilt, sondern vielmehr getragen und getröstet gefühlt hätten. Bei der negativen Lebensbilanz fehlt diese umfassende Liebe und es dominiert das Gefühl des Verurteiltseins aufgrund des schlecht geführten Lebens.
Die hier vorgestellten Unterscheidungskriterien bleiben jedoch schematisch und können, wie oft bei Klassifikationsversuchen, der Komplexität der NTE’s nicht ganz gerecht werden. Umso weniger, da glückselige NTE’s sich in erschreckende wandeln können und umgekehrt. In der Untersuchung von Rommer begann die Erfahrung des dritten Typus für 13% friedvoll, ging dann aber in eine höllische über. Bei 47% der Fälle wiederum begann die Erfahrung in höllengleichen Regionen und endete meist durch die Intervention einer Hilfe aus dem Lichte oder mittels einer innigen Bitte um göttlichen Beistand, positiv. 3)Rommer, B.R.. Der verkleidete Segen: Erschreckende Nah-Todeserfahrungen und ihre Verwandlung, Goch 2004, S. 79, Fallbeispiele S. 65-110.
Referenzen [ + ]
|1.||↑||Greyson B., Bush N.E., Distressing Near-Death Experiences. Psychiatry, 55:95-110, 1992|
|2.||↑||Rommer, B.R.. Der verkleidete Segen: Erschreckende Nah-Todeserfahrungen und ihre Verwandlung, Goch 2004, S.56f|
|3.||↑||Rommer, B.R.. Der verkleidete Segen: Erschreckende Nah-Todeserfahrungen und ihre Verwandlung, Goch 2004, S. 79, Fallbeispiele S. 65-110.|