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Frau wegen brennender Kerze verurteilt
Weil eine Frau ihre Mückenkerze über Nacht nicht auslöschte, verursachte sie im Sommer 2017 einen Brand mit hohem Sachschaden. Am Freitag stand sie vor Gericht.
Winterthur Sie liebt Kerzen aller Art, vor allem jene, die durch ihren austretenden Duft Mücken aus Wohnräumen vertreibt. Die 68-Jährige aus Winterthur dachte jedoch nicht, dass auch solche Mückenkerzen, obwohl sie durch ein Glas geschützt sind, unbeaufsichtigt ein Brandrisiko darstellen. Weil sich aber genau ein solcher Brand entfachte, als sie die Kerze während des Schlafens brennen liess, stand die Frau am Freitag vor Bezirksgericht Winterthur.
Fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst lautete die Anklage. Denn die Frau platzierte die brennende Kerze auf einer Kunststoffablage, die auf dem Fernseher stand. Auch als sie um 2 Uhr nachts kurz aufwachte, liess sie die fast abgebrannte Kerze weiterflackern. So fing die Kunststoffablage kurz nach 5 Uhr Feuer, das sich über das gesamte TV-Möbel und über den ganzen Stock ausbreitete. Die Feuerwehr konnte das Feuer damals löschen, rund eine halbe Million Franken Sachschaden entstand am Einfamilienhaus.
20-jähriges Ritual
Dass sie die Kerze brennen liess, bestritt die 68-Jährige nicht, jedoch habe sie nie fahrlässig gehandelt. «Ich lasse meine Mückenkerzen jeweils seit 20 Jahren brennen über Nacht und es passierte noch nie etwas», sagte die Frau der Richterin. Auf die Warnhinweise bei Kerzen angesprochen meinte sie, solche seien auf dem gekauften Produkt nicht angebracht gewesen. Offene Kerzen würde sie nie unbeaufsichtigt lassen. «Doch diese war in einem Glas.» Wie die Brandermittler herausfanden, verursachte offenbar das überhitzte Glas oder die entzündlichen Wachsdämpfe die Feuersbrunst.
«Damit habe ich nicht rechnen können», argumentierte die Beschuldigte. Zudem hätte auch der alte Röhrenfernseher, aus dem Explosionsgeräusche zu hören waren, der Auslöser sein können, bekräftigte zudem ihr Verteidiger. Auch hätte es sich beim überhitzten Glas um einen Fabrikationsfehler handeln können. Er forderte einen Freispruch.
Sorgfaltspflicht eindeutig verletzt
Das Gericht urteilte anders und befand die Frau für schuldig. Nebst den Verfahrensgebühren wird ihr eine bedingte Geldstrafe von 5400 Franken auferlegt. Das Urteil fiel somit ein wenig milder aus, als von der Staatsanwaltschaft gefordert. Auch von der geforderten Busse sah die Richterin ab.
Da aufgrund ihrer Aussagen erwiesen sei, dass es erst oberhalb des Fernsehers brannte und dieser ausgeschaltet war, sei eine technische Ursache auszuschliessen. Sie habe ihre Sorgfaltspflicht verletzt. Da sie aber kooperativ, geständig und einzige Geschädigte sei, habe man die Strafe gemildert.
Fabrice Dubler