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Hauptstadt der nordital. Provinz B., Verkehrsknotenpunkt am Alpensüdfuss. Vom 11. Jh. an freie Stadtrepublik, unterstand B. im 14. Jh. der mailänd. Herrschaft der Visconti und wurde 1426 in den venezian. Stadtstaat eingegliedert. Die Stadt war die bedeutendste Eisenverhüttungs-, Schmiede- und Waffenstätte der Lombardei. Im 15. Jh. sind erste Beziehungen zu den Drei Bünden nachgewiesen: 1411 plante der Brescianer Guglielmo de Tengatino ein Bündnis mit den Bündnern. 1458 setzten Eisenexporte über das Val Camonica ins Veltlin und nach Graubünden ein; 1486 wurde Anton Chasser aus B. Teilhaber am Bergwerk Buffalora am Ofenpass. 1497 ist Viehhandel der Bündner und Glarner in die Region B. nachgewiesen. Mit dem bündner. Erwerb des Veltlins 1512 wurden Venedig und Graubünden Grenznachbarn. Die Pässe von B. ins Veltlin gewannen an Bedeutung: der Aprica (1209 m) von Edolo nach Tirano, der Salzweg über den Guspessa (1824 m) von Cortenedolo nach Sernio und der Mortirolopass (1896 m) von Monno nach Mazzo. Diese Übergänge gehörten zur Nord-Süd-Transitroute über Albula- und Berninapass nach Venedig, auf welcher 1548 ein Postdienst (Chur-Aprica) des franz. Königs eingerichtet worden war. B. wurde im 16. Jh. von reformator. Ideen geprägt; Schriften aus der Puschlaver Druckerei Landolfi, für Venedig bestimmt, fanden in B. Absatz. Evang. Gemeinschaften entstanden in Capodiponte und Maderno im Val Camonica und in Gardone im Val Trompia. Von 1550 an durch die Inquisition verfolgt, wanderten die Büchsenmacher von Gardone nach Tirano und Chur, der ref. Pfarrer Giovanni Antonio Cortesi aus B. nach Sils im Engadin, Mitglieder der Fam. Martinengo da Barco ins Veltlin, nach Chiavenna und Genf. Im 17. Jh. trug die Provinz B. mit der Kapuzinermission entscheidend zur Rekatholisierung bündner. Gebiete bei (1621-93). Nach Aufhebung der Privilegien für die Bündner durch Venedig 1764 erlahmten die Beziehungen zu B. und hörten zur Zeit der Franz. Revolution fast ganz auf.
Literatur
– A. Albertini, Brixiana, 1973
– M. Bundi, Frühe Beziehungen zwischen Graubünden und Venedig, 1988
Autorin/Autor: Martin Bundi