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(Vulnus), jede mechanische Trennung organischer Teile. Man unterscheidet nach der Art der verletzenden GewaltSchnitt-, Hieb-, Stich-, gequetschte, gerissene Wunden, Schuß- und Bißwunden. Am gefährlichsten sind Wunden, welche in die
großen Körperhöhlen (Kopf-, Brust- und Bauchhöhle) dringen, weil in diesen die lebenswichtigsten Organe
liegen, ferner solche, welche die großen Blutgefäße oder Nerven
[* 3] treffen, sowie auch die Splitterwunden der Knochen.
[* 4]
Die Ausdehnung
[* 5] einer Wunde ist nicht maßgebend für die Beurteilung ihrer Gefährlichkeit, z. B.
ist eine ausgedehnte flache Hautwunde relativ ungefährlich gegenüber einer kleinen Stichwunde, welche möglicherweise weit
in die Tiefe reicht. Gefährlich sind ferner Wunden bei alten, kachektischen, mit Syphilis, Skrofeln, Skorbut
behafteten Personen, da bei diesen die Heilung meist eine sehr langwierige ist, während junge, kräftige Individuen die Wunden
leichter ausheilen. Die Merkmale einer Wunde sind in allen Fällen: Schmerzen, Blutung und Klaffen der Wundränder. Die Schmerzen
entstehen durch die Durchtrennung der sensibeln Nerven und sind um so größer, je mehr die Wunde und damit
auch die Nerven gequetscht und gerissen sind, während sie bei glatten Schnittwunden viel geringer sind. Bei hochgradiger
psychischer Erregung, z. B. Kampfeswut in der Schlacht oder in einer Schlägerei,
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Der normale Heilungsverlauf einer Wunde kann sich nun in zweierlei Weise gestalten:
1) Wenn man eine schnelle Heilung (reunio per primam intentionem) erstrebt, so reinigt man die Wunde, vereinigt
die Ränder und bedeckt sie mit einem Okklusivverband. Die Wundränder pflegen alsdann in den ersten Tagen ein wenig anzuschwellen,
sehen gerötet aus und verursachen ein leicht brennendes Gefühl, gleichzeitig sondern sie ein wässerig-trübes Sekret ab.
Die Zeichen der Schwellung, die übrigens gelegentlich völlig fehlen, schwinden bald, die Wundränder
sehen schon nach wenig Tagen völlig verklebt aus, so daß man bald die etwa angelegten Nähte entfernen kann. Die Wunde vernarbt
sich bald, und zwar sieht die Narbe anfänglich rot aus, was von der reichlichen Bildung feinster Blutgefäße in derselben
herrührt, später veröden die letztern, und die Narbe erhält ein derbes, weißes Aussehen.
2) Wenn man allmähliche Heilung (reunio per secundam intentionem) anstrebt, so läßt man nach geschehener Blutstillung die
klaffende Wunde nach zweckmäßiger Lagerung des Gliedes offen daliegen. In demGrunde der Wunde, die man zur Vermeidung äußerer
Beschmutzung mit einem leichten Läppchen überdeckt, bilden sich kleine stecknadelkopfgroße Fleischwärzchen
(Granulationen), welche aus der Tiefe hervorwachsen und allmählich die Wunde ausfüllen, während sich gleichzeitig
von den Seiten her eine Überhäutung mit frisch gebildeter Epidermis
[* 8] über die Wunde ausbreitet. Das sich reichlich bildende
Sekret läßt man in geeigneter Weise abfließen. Das Allgemeinbefinden bleibt ungestört. Diese Behandlungsart nennt man offene
Wundbehandlung.
Im Gegensatz zu diesen normalen Arten der Wundheilung stehen diejenigen Fälle, in denen Entzündung und Eiterung der Wunde eintritt.
Noch vor 1-2 Dezennien galten diese beiden letztern als normale Stadien im Wundverlauf, der sich demgemäß folgendermaßen
darstellte. Gleich in den ersten Tagen tritt entzündliche Schwellung der Wundränder mit Absonderung eines
eiterigen Sekrets ein. Während an einer Stelle die Wunde per primam heilt, bildet sich an einer andern eine eiternde Höhle, eiternde
Unterminierungen mit Fistelbildungen etc. Gleichzeitig besteht Wundfieber, allgemeine Abgeschlagenheit, und der Patient wird
stark angegriffen. Die Heilung erfolgte allmählich durch Granulationsbildung.
Durch die modernen Entdeckungen auf dem Gebiet der Bakteriologie in den letzten 20 Jahren sind wir in den
Stand gesetzt, die Ursachen dieses ungünstigen Wundverlaufs zu erkennen und zu bekämpfen, wenn auch zugegeben werden muß,
daß die Listersche Wundbehandlung in
empirischer Weise den exakten bakteriologischen Forschungen vorangeeilt ist. Man weiß
heutzutage, daß sich überall in der Luft wie an allen Gegenständen Keime der niedrigsten Organismen
finden, die, wenn sie auf eine Wunde oder deren Sekret fallen, daselbst eine Zersetzung bewirken, welche zur Bildung gewisser deletärer
Stoffe (sepsis, septische Stoffe) führt.
Finden sich nun diese Stoffe in einer Wunde stagnierend, so daß sie von den Geweben aufgenommen werden können,
so wirken sie zuerst örtlich entzündungserregend, es bildet sich eine Schwellung, Ödem, in höherm Grad Eiterinfiltration
aus, die zur Zersetzung aller dieser Teile führen kann. Ferner gelangen eitererregende Bakterien durch den Lymph- und Blutstrom
in den Körper, und es erfolgt eine Allgemeininfektion (Wundfieber, Faulfieber, septisches Fieber, Pyämie). Um nun einen
Wundverlauf ohne diese ungünstige Komplikation (»aseptisch«) zu gestalten, wendet man folgende Mittel an: 1) Reinigung und
Desinfektion
[* 9] der Wunde. Dies geschieht durch Abwaschen und Abrasieren der Umgebung der Wunde, nachdem zuvor
der Operateur selbst und seine Gehilfen sich durch Waschen der Hände, Ausbürsten der Nägel
[* 10] gereinigt haben.
Zum Desinfizieren gebraucht man Lösungen antiseptischer (fäulniswidriger) Mittel (s. d.), wie Karbolsäure,
Sublimat, Salicylsäure, Borsäure etc., welche mittels eines Irrigators über die Wunde gespült werden. Nachdem hierdurch die
Wunde aseptisch gemacht ist, wird 2) zur Ableitung des Wundsekrets ein ebenfalls aseptischer Drain (kleines, durchlöchertes
Röhrchen aus Kautschuk) in den nach abwärts geneigten Wundwinkel gelegt und 3) zum Schutz der Wunde gegen
von außen eindringende Fäulniskeime dieselbe durch einen Okklusivverband aus antiseptischen Verbandstoffen bedeckt und
mit Bindentouren komprimiert.
Die heute gebräuchlichen Verbandstoffe sind besonders entfettete Watte und Mullkompressen, welche durch Tränkung mit einem
der genannten antiseptischen Mittel und nachfolgendes Trocknen haltbar antiseptisch gemacht sind. Ebenso
werden mit Jodoform getränkte Stoffe viel angewendet. Der ursprüngliche Listersche Verband
[* 11] (das Prototyp des antiseptischen
Verbandes) bestand darin, daß man auf die desinfizierte Wunde zunächst ein StückWachstaft legte, um ein Verkleben der Wunde mit
den Verbandstoffen zu verhindern, hierauf kam eine achtfache Schicht von karbolisierter Gaze und über das
Ganze karbolisierter Gummistoff.
Die große Masse von Gaze sollte das Sekret aufsaugen und seine Zersetzung verhindern. Dies erreicht man heute in einfacherer
und billigerer Weise dadurch, daß man nur direkt auf die Wunde antiseptische Watte oder Gaze auflegt und diese mit Säcken aus
Gazezeug umgibt, die mit einem gut aufsaugenden Stoff locker angefüllt sind, z. B. mit Torf, Asche, Moos,
Holzwolle, Sägespänen u. dgl., nachdem dieselben in
trocknem Zustand mit einem Antiseptikum versetzt sind. Derartige Verbände können 8-10 Tage ohne Wechsel liegen bleiben und
sind besonders für Feldzugszwecke äußerst praktisch, da man die Verwundeten mit einem derartigen Verband vom Schlachtfeld
fort ohne Gefahr in mehrtägigen Reisen nach der Heimat evakuieren kann, ohne daß ein Verbandwechsel nötig
wäre. Der Hauptpunkt in der ganzen modernen Wundbehandlung ist peinlichste Sauberkeit der Wunde, des Operateurs und des ganzen
Operationsmaterials.
Eine oberflächliche Hautwunde bedeckt man nach Vereinigung der Wundränder, ohne Drainage,
[* 12] mit trocknem antiseptischen Stoff
(Jodoformgaze), es
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mehr
bildet sich ein trockner Schorf über den Wundrändern, unter welchem die Wunde ohne Störung heilt (Heilung unter dem Schorf).
Bei großen Höhlenwunden dagegen vereinigt man die Ränder gar nicht, sondern stopft die ganze Wundhöhle mit Jodoformgaze
aus, die bei öfterm Verbinden erneuert werden muß. Ganz neuerdings läßt man diese Höhlen sich mit
einem Blutgerinnsel füllen, welches die Heilung günstig beeinflussen soll (Heilung unter dem feuchten Blutschorf), doch ist
der Erfolg dieser Behandlung noch nicht allgemein anerkannt. Der früher vielgebrauchte Karbolspray wird heute gar nicht
mehr angewandt.
Die Allgemeinbehandlung eines Verwundeten besteht in kräftiger, leichtverdaulicher Diät, Milch, Eiern, Bouillon, Wein etc.
Ein ganz geringes (sogen. aseptisches) Fieber tritt zuweilen in den ersten Tagen auch bei normalem Wundverlauf auf und rührt
von einer Aufsaugung des normalen Wundsekrets in das Blut her. Es ist bedeutungslos. Wichtig sind Vergiftungserscheinungen,
die sich nach Aufnahme gewisser antiseptischer Stoffe, besonders Karbol, Sublimat und Jodoform, einstellen.