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Dass Englisch seit dem Zweiten Weltkrieg zur Weltsprache geworden ist, liege nicht nur an der hard und soft power angelsächsischer Mächte, legte der Neuenburger Linguist Anton Näf in zwei Ausgaben der Zeitschrift «Sprachspiegel» dar. Er kam dabei ohne diese englischen Ausdrücke aus, die einerseits handfeste militärische oder wirtschaftliche Macht bezeichnen, anderseits subtilere, vor allem (pop)kulturelle. Den Ton geben dabei die USA an, während Grossbritannien noch ein «softes» Wort mitredet. Der Professor sieht in der Sprache selber weitere Gründe für den Erfolg des Englischen.
Als Hauptschlüssel dazu nennt Näf den hohen Anteil kurzer Wörter und damit die Möglichkeit, prägnante Ausdrücke und Redewendungen zu bilden, etwa Burn-out, Check-in, sex sells, too big to fail. Die finden dann leicht den Weg in andere Sprachen, in denen die Übersetzung sperriger daherkäme. Mir scheint, eine weitere Eigenschaft des Englischen erleichtere es, solche Formulierungen zu finden: die Polyvalenz vieler Wörter, die unverändert etwa als Verb oder als Substantiv dienen können und auch dann akzeptiert werden, wenn jemand sie zum ersten Mal umnutzt. Als Google zur (Online-) Welt kam, folgte das Verb to google auf dem Fuss.
Ding wird Tun oder umgekehrt
Das funktionierte bald auch auf Deutsch: googeln. Aber wenn uns solche Neuerungen nicht auf Englisch vorgegeben werden, fallen sie eher befremdlich aus. Die X-Seite der Zürcher Professorin Dürscheid, vor zwei Wochen in der «Sprachlupe» vorgestellt, bildete jüngst ein Plakat ab: «Adventskalendere deinen Kamin, weihnachte dein Zuhause». Die Bloggerin denkt weiter: «das Haus weihnachtsbaumen», was sie kaum ernst meint. Auf Englisch klänge X-mas tree your home nicht viel besser, aber den Nachtbubenstreich to TP a house gibt’s oder gab’s durchaus: ein Haus ver(un)zieren, indem man den Anfang des Toilettenpapiers festhält und die Rolle übers Dach wirft.
Der in England lehrende Linguist Guy Deutscher hat einmal geschrieben: «Wörter laufen [nicht mit] T-Shirts herum, auf denen ‹Substantiv› oder ‹Verb› steht.» Dass erst der Gebrauch die Wortart zeigt und dass diese wechseln kann, wird im modernen Englisch besonders deutlich. Der emeritierte Professor Näf hat mich darauf hingewiesen, dass im Altenglischen die Infinitive noch durch eine Endung gekennzeichnet waren, wie etwa fiscian für fischen. In diesem Fall sei eindeutig der Fisch zuerst da gewesen, aber bei vielen gleichlautenden Verben und Substantiven sei es umgekehrt. Heute kann man nur im Zusammenhang unterscheiden, ob a fish oder to fish gemeint ist.
Nachahmen will gekonnt sein
Wer im Englischen neue Erscheinungen oder Erfindungen mit Namen versehen will, ist mit der Flexibilität des Wortschatzes gut bedient. Auch der Reichtum an Reimen und Stabreimen kommt zupass: cash&carry (bar zahlen und mitnehmen), name and shame (an den Pranger stellen), texmex (Gerichte aus Texas und Mexiko). In anderen Sprachen ist es oft eleganter, das englische Wort zusammen mit der Sache zu übernehmen, als die Neuerung in der eigenen Zunge nachzubilden. Dennoch täte es manchmal gut, sich vom spielerischen angelsächsischen Umgang mit der Sprache inspirieren zu lassen. Am ehesten geschieht es in der Werbung; fast scheint es, sie werde allmählich ihrer Englisch-Manie müde (nein, liebe Ladenkette, es heisst nicht mania).
Trotzdem fällt es schwer, die deutschen Sprüche gut zu finden, die Dürscheid ebenfalls aufgegabelt hat: «Back deine Liebsten glücklich», «schenk dich glücklich», «wie kann man sich glücklich essen?». Nach üblichem Muster müsste man seine Liebsten «bebacken» – au Backe! Sich beschenken könnte man, aber das war nicht gemeint. Am besten geglückt ist «sich glücklich essen», analog zu «sich satt essen»: Da isst man sich nicht selber, sondern man ist als Ergebnis des Essens satt oder glücklich (oder beides). Deutsche Sprach’, schwere Sprach’ – das gilt leider auch beim kreativen Umgang mit ihr.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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