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Uetendorf
Kirche Uetendorf
Die Kirche Uetendorf wurde im Jahr 1956 von Edgar Schweizer gebaut. Bis dahin gab es keine Kirche im Dorf, die Uetendorfer waren der Kirche Amsoldingen zugeteilt, ab dem Jahre 1576 durften sie auch nach Thierachern gehen. Die Kirche wurde teilweise vom Amerikaner William Maul Measey gestiftet, zum Andenken an seinen Uetendorfer Freund Otto Lädrach. Auf Wunsch des Stifters wurde die Kirche im Stil der alten Berner Landkirchen erbaut.
Uetendorf CH
Année de construction | 1954
Architecte | Schweizer, Edgar
Communauté politique | Uetendorf
Paroisse | Thierachern-Uetendorf-Uebschi
Lange Zeit war Uetendorf ein sehr kleines Dorf. Bis zur Kanderumleitung zu Beginn des 18. Jahrhunderts war es häufig Opfer von Überschwemmungen, daher auch nicht sehr wohlhabend. Dies änderte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Gürbetalbahn durch Uetendorf gebaut wurde und die Metallwerke Selve sich in Uetendorf niederliessen, was dem Dorf einen grossen Aufschwung brachte.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wanderte der Uetendorfer Otto Lädrach nach Amerika aus. Er wurde dort Privatsekretär des Patentanwaltes William Maul Measey. Aus dem Arbeitsverhältnis wurde eine Freundschaft. Die beiden Männer hielten sich öfters hier in der Gegend auf, Measey erwarb das Schloss Oberhofen als Sommerresidenz. Otto Lädrach stiftete den Uetendorfern einen Friedhof. Nach dessen Tod stellte Measey den Uetendorfern 100 000 Dollar zur Verfügung für den Bau einer Kirche. Mit grossem Engagement trug die Uetendorfer Bevölkerung die andere Hälfte des benötigten Betrages selber zusammen.
William Maul Measey brachte seine sehr genauen Vorstellungen vom Aussehen der Kirche in den Bauprozess ein. Als grosser Verehrer Alberst Schweitzers veranlasste er, dass dieser die Disposition der Orgel erstellte. Sie sollte der Orgel in Schweitzers Heimatdorf Günsbach im Elsass entsprechen. Im Jahr 1957, zur Einweihung der Orgel, stattete Albert Schweitzer Uetendorf einen Besuch ab. Im Untergeschoss der Kirche befindet sich der Albert Schweitzer-Saal mit Bildern von diesem Besuch sowie aus Lambarene, dem Standort des Albert-Schweitzer-Spitals.
Der Taufstein wurde von der Münsterbauhütte Bern nach dem Vorbild des Taufsteines im Berner Münster geschaffen. Die Chorfenster wurden 1969 hergestellt. In der Mitte das «Christusfenster» mit Geburt, Abendmahl, Kreuzigung und Himmelfahrt. Links alttestamentliche Motive: Mose, Passah, Opferung Isaaks, Elias mit dem Feuerwagen. Rechts neutestamentliche Motive: Kindersegnung, Emmausjünger, Steinigung des Stephanus, Paulus vor Damaskus. Die drei Fenster stehen zueinander in einem theologischen Zusammenhang: Das linke Bild ist jeweils eine Hinführung zum jeweiligen Bild in der Mitte, das rechte die Fortführung in die Zeit der christlichen Gemeinde.
Die Wandbeleuchtung wurde in Anlehnung an das Kloster Einsiedeln aus Muranoglas gefertigt. Auch die Vorliebe Measeys für Schmiedeeisenarbeiten kommt in der Kirche mehrfach zum Ausdruck, wie z.B. die Abdeckung des Taufsteins, das Emporengeländer, die Türen im Eingangsbereich sowie die Inschrift über dem Haupteingang, die an das Andenken Otto Lädrachs erinnert. Links neben dem Kircheneingang, in einer Nische des Friedhofs, befinden sich die Gräber von Otto Lädrach und William Maul Measey.
- Kunstführer durch die Schweiz, hg. von Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2006-2012, Bd. 3, S. 444.
- Die Broschüren "Führung durch die Kirche Uetendorf" sowie "Die Geschichte der Kirche Uetendorf" sind in der Kirche erhältlich.