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23.07.2019
Wohlverdiente 5 Sterne
Waves of Mercy, Band 2: Chicago, 1897. Anna steht vor der Hochzeit mit William, dem einzigen Sohn einer einflussreichen Chicagoer Familie. Sie langweilt sich, denn sie will mehr vom Leben, als nur Dinnerpartys und Teegesellschaften zu geben. Ihr Verlobter verbietet ihr, sich sozial zu engagieren oder öffentlich über den Glauben zu sprechen. Sie muss immer wieder an Oma Geesje denken, die sie erst vor Kurzem kennengelernt hat – und an Derk, den zukünftigen Pastor. Anna, die als Kleinkind adoptiert wurde, versucht, mehr über ihre leiblichen Eltern zu erfahren und löst unerwarteterweise eine Lawine aus…
Erster Eindruck: Das Cover gefällt mir sehr gut – ich mag stimmungsvolle Fotografien in Verbindung mit Wasser. Die Frau, die auf dem Felsen sitzt, ist mir erst beim näheren Betrachten aufgefallen.
Das Buch spielt hauptsächlich 1897 in Chicago sowie Holland, Michigan, USA, und in Rückblenden 1871/72 (USA) sowie 1893 (Niederlande). Dies ist der Folgeband zu „Töchter der Küste“, den ich erst vor ein paar Tagen gelesen habe. Das vorliegende Buch kann sicherlich ohne Kenntnisse des Vorgängerbandes gelesen werden, aber für mehr Lesegenuss empfehle trotzdem, die Reihenfolge einzuhalten.
Annas Heirat steht bevor, aber sie interessiert sich nicht für die Hochzeitsvorbereitungen – im Grund der Dinge will sie William gar nicht heiraten. Sie will mit dieser Verbindung die finanziellen Schwierigkeiten ihres Vaters beseitigen und sich dafür opfern. Seit sie ihre Oma Geesje kennengelernt hat, fällt ihr auf, wie langweilig und wenig sinnvoll ihr Tagesablauf ist. Wenn Anna in Holland ist, kann sie sein, wie sie wirklich ist, aber in Chicago erdrücken sie die gesellschaftlichen Verpflichtungen. William interessiert sich nicht wirklich für ihre Belange – sie muss lernen, ihre Bedürfnisse zu äussern und dafür einzustehen. Die Recherchen über ihre leiblichen Eltern bzw. ihren Vater bringen grosse Unruhe mit sich.
Geesje kriegt einen Hausgast: Cornelia, die 17-jährige Enkelin von Dominee den Herder, die aus den Niederlanden kommen. Der Dominee, der im Nachbarhaus bei Derk und seinem Vater Unterschlupf findet, wirkt wütend und unnahbar, aber vielleicht versteckt er seine Sorge um die Enkelin hinter dieser Wand aus Wut… Was haben die beiden erlebt? Wieso haben sie so ein schlechtes Verhältnis? Geesje hat ihre Freundinnen gebeten, mit ihr für Cornelia und ihren Grossvater zu beten. Schön fand ich, dass es ihr sofort leichter ums Herz wurde, da sie die Last mit den anderen teilen konnte. Die Wortgefechte mit dem Dominee über die Auslegung der Bibel haben mir gut gefallen.
Derk hat mir – wie bereits in Band 1 – sehr gut gefallen. Ein junger Mann mit Charakter, der zu seinen Überzeugungen steht.
Fazit: Beeindruckend, dramatisch, ergreifend – ein wunderbares Buch über den Glauben, Erwartungen und Entscheidungen, das man mit leisem Seufzer nach der letzten Seite zuklappt. Wohlverdiente 5 Sterne.