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Die Rebsorte Grenache existiert in dunkler, grauer oder heller Variante. Einmal im Jahr messen sich die besten Weine aller Farbschattierungen auf einem internationalen Wettbewerb. Die Nase vorn hatten dieses Mal viele Süssweine aus dem Roussillon – mehr oder weniger oxidativ ausgebaut. Trotz goldener Medaillen sind aber selbst uralte Spezialitäten nicht sonderlich teuer.
Die Juroren kamen aus aller Herren Länder, die Weine eher nicht. Beim jüngsten Wettbewerb namens Grenache du Monde zeigte sich, dass der allergrösste Teil der aus dieser Sorte erzeugten Weine aus dem Roussillon (Frankreich) und nicht allzu weit entfernt liegenden Anbaugebieten Spaniens angeliefert wurde, ergänzt um einige Rhône-Vertreter und sardische Spezialitäten.
Seltener Purismus
Ausserhalb des westlichen Mittelmeerraumes existieren zwar ebenfalls Grenache-Rebstöcke, doch werden die daraus gekelterten Weine in Kalifornien, Australien oder Südafrika häufig mit anderen Sorten verschnitten. Für den Wettbewerb Grenache du Monde, der vor wenigen Tagen in Perpignan über die Bühne ging, war dagegen nur zugelassen, was ausschliesslich oder zumindest zum überwältigenden Teil aus Grenache bestand; eine Regel, die zahlreiche Weine der Rhône oder des Languedoc ausschloss.
Den Grenache-Purismus pflegen halt nur wenige Weinbaugebiete, datunter auch Sardinien. Manche Sarden behaupten sogar, dass die dort als Cannonau di Sardegna bekannte Sorte eine noch längere Tradition geniessen als anderswo.
Im Roussillon bestreitet man diese These mit Vehemenz und verweist darauf, dass Grenache hier schon seit dem 13. Jahrhundert angebaut wird. Nichts da, kontern in diesem Moment gern die Spanier und beharren darauf, dass im Königreich Aragón noch früher Garnacha-Reben gepflanzt worden sein sollen.
Weiss, grau oder rot
Wer von Grenache oder Garnacha spricht, katalanisch von Garnatxa, meint fast immer kraftvolle dunkle Weine aus Grenache Noir mit häufig 14,5 oder mehr Alkoholprozenten. Die seit einigen Jahrzehnten Weltruhm erlangenden Priorat-Tropfen zum Beispiel oder den an steilen Terrassen ausgebauten Collioure aus dem Roussillon.
Andere Kenner glauben, dass der Prototyp des Grenache in Gigondas nahe Avignon abgefüllt würde oder nirgendwo auf eine so überzeugende Weise gelänge wie in Châteauneuf-du-Pape. Tatsächlich unterscheiden sich die Weine von hier und dort erheblich: Schieferböden ergeben halt ganz andere Spezialitäten als kiesige Flächen, die von uralten Reben stammenden Priorat-Kostbarkeiten schmecken verschieden von den mächtigen, mit Lakritznoten aufwartenden Châteuneufs.
Stilistische Unterschiede existieren auch bei den Weissweinen. Kaum bekannt ist die Tatsache, dass auch Grenache Blanc und Grenache Gris für originelle Weine gut sind: an der Rhône wie im Roussillon. Weil die Sorte allerdings in sämtlichen Schattierungen eher wenig Säure, aber viel Zucker aufweist, ist vor allem die Vinifikation von Weissweinen eine Gratwanderung. Wer als Winzer nicht aufpasst, erzeugt keine frischen, eleganten, Trinkfreude verbreitenden Crus, sondern breit wirkende, mächtige und undelikate Monster.
Süss und zum Essen
Solche alkoholischen Fehlgriffe waren auch beim Grenache-du-Monde-Wettbewerb zu verkosten. Die besten roten Grenaches wiederum begeisterten mit Substanz und passten zu mediterran geprägten Fleischgerichten, zu Tauben mit Blutsauce, zu Wild oder Rindfleischragout mit Kartoffel-Knoblauch-Püree; reifer weisser Grenache kann zudem prima mit Trüffelgerichten mithalten.
Doch kein Wein harmoniert besser mit vielen Speisen als das, was die Winzer in den südfranzösischen Appellationen Banyuls, Maury und Rivesaltes erzeugen. Süssweine aus der Grenachetraube begeistern nämlich vielfach – ganz egal, ob sie aus der roten, der weissen oder der grauen Variante gekeltert wurden.
Vor allem jene Spezialitäten, die in alten Fässern lagerten, in Glasballons unter freiem Himmel oxidative Noten annahmen oder gar in Soleras nach Vorbild der Sherry-Winzer reiften. Es wäre ein Fehler, solche Cuvées nur zu Schokolade und Crema catalana auszuschenken, sie passen auch da, wo trockene Rot- und Weissweine versagen.
Wer ein Entrecôte mit buttriger Sardellensauce anrichtet und dazu einen 2002er Banyuls Grand Cru mit vergleichweise wenig Restzucker öffnet, versteht das Geheimnis der süssen Grenacheweine auf der Stelle.
Viel Geld anlegen muss er übrigens selbst für die kostbarsten Spitzen nicht; einen 1969er von höchster Güte kann er für gerade mal 80 Euro erwerben, der 1948er kostet aktuell 60 Euro mehr. Portweinhäuser würden ohne zu Zögern ein Vielfaches verlangen.