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Im Phyto-Forum der Aerztezeitung antwortete Dr. Rainer C. Görne auf die Frage nach dem generellen Unterschied zwischen pflanzlichen Schlafmitteln und synthetischen Präparaten.
Als unerwünschte Nebenwirkung der abendlichen Einnahme von Schlafmitteln kann es zu Müdigkeit am folgenden Tag kommen, die auch als „Hang-over“ bezeichnet wird. Ein solcher „Hang-over“ ist vor allem bekannt nach der Einnahme von Abkömmlingen der Barbitursäure (Barbiturate) und verwandten Verbindungen wie Piperidindion-Derivaten (Glutethimid, Methyprylon, Thalidomid), halogenierten Harnstoff-Derivaten (Bromisoval, Carbromal) und Chloralhydrat.
Auch nach der Einnahme von Benzodiazepinen mit langer Halbwertszeit (HWZ) oder Benzodiazepinen, deren Metabolite eine lange Halbwertszeit aufweisen, wurden Hang-over-Effekte beobachtet.
Dies gelte für das schnell verstoffwechselte Benzodiazepin-Derivat Flurazepam (HWZ: 2 bis 3 Stunden), dessen Hauptmetabolite eine HWZ von bis zu 100 Stunden aufweisen können, ebenso, wie für die langsam verstoffwechselten Derivate Nitrazepam (HWZ: ca. 24 Stunden) und Diazepam (HWZ: bis zu 48 Stunden), deren Metabolite Halbwertszeiten von bis zu 100 Stunden aufweisen können.
Das Auftreten solcher Hang-over-Phänomene sei neben den bekannten unerwünschten Effekten wie Toleranzentwicklung, Abhängigkeit und Entzugsproblemen übrigens auch der Grund, weshalb zahlreiche der beschriebenen chemisch-synthetischen Hypnotika inzwischen ihre Zulassung als Arzneimittel verloren haben oder ihre Verwendung als obsolet (überholt, veraltet) zu bewerten ist.
Im Gegensatz hierzu seien für Hypnotika, die Extrakte verschiedener Pflanzen, wie Baldrianwurzel, Hopfenzapfen, Johanniskraut, Melissenblätter oder Passionsblumenkraut, enthalten, weder Hang-over-Effekte noch Toleranzentwicklung, Abhängigkeit und Entzugsprobleme beschrieben worden.
Eine mögliche Ursache dafür sieht der Autor darin, dass die pflanzlichen Schlafmittel in den verwendeten Dosierungen verglichen mit den chemisch-synthetischen Arzneistoffen relativ schwach hypnotisch wirken.
Fazit:
„Daher eignen sich pflanzliche Präparate eher zur Beruhigung und Schlafeinleitung als zur Förderung des Schlafes im Sinne von Durchschlafmitteln. Dies ist für den Gebrauch in der Selbstmedikation als entscheidender Vorteil, neben der guten Verträglichkeit, zu bewerten.“
Quelle:
http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/schlafstoerungen/article/815353/entzug-gibts-phyto-schlafmitteln-nicht.html?sh=9&h=269785939
Kommentar & Ergänzung:
Mit pflanzlichen Schlafmitteln lässt sich nicht jedes Schlafproblem lösen. Ihre gute Verträglichkeit legt aber nahe, sie als wichtige Option in die therapeutischen Überlegungen einzubeziehen. Insbesondere bei älteren Personen erhöhen pflanzliche Schlafhilfen im Gegensatz zu synthetischen Produkten nicht die Sturzgefahr – ein wichtiger Pluspunkt.
Weitere Infos zu pflanzlichen Schlafmitteln:
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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