Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03555.jsonl.gz/2224

Die slowakischen Helden mit dem WM-Pokal. Bild: AP
11.05.2002: Weltmeister! Was die Slowakei schaffte, ist für die Schweiz auch möglich
11. Mai 2002: Die Slowakei holt durch einen 4:3-Finalsieg gegen Russland zum ersten Mal den WM-Titel. Nur der EM-Titel der griechischen Fussballer zwei Jahre später ist eine noch grössere Sensation.
Nach der Auflösung der Sowjetunion und dem Untergang des Kommunismus wurden am 1. Januar 1993 aus der Tschechoslowakei (CSSR) zwei Staaten: Tschechien und die Slowakei. Das brachte auch Verwirrung ins Eishockey. Wer sollte nun den Platz der CSSR in der A-WM einnehmen? Tschechien oder die Slowakei?
Die Tschechen durften das Erbe der tschechoslowakischen Hockeykultur weiterführen und in der A-WM bleiben. Das war irgendwie logisch. Denn der grösste Teil der Nationalspieler waren tatsächlich Tschechen. Aber die Relegation in die C-WM war eine schwere Beleidigung für die Slowakei. Die Tschechen durften oben bleiben, sie aber mussten ganz unten wieder neu anfangen.
Viele Hände, ein Pokal: Die Slowaken feiern ihren WM-Titel ausgelassen Bild: EPA
Der rasante Aufstieg aus dem Nichts
1994 gewannen die Slowaken die C-WM im eigenen Land mit einem Torverhältnis von 43:3 in sechs Spielen und stiegen in die B-WM auf. Die Slowaken durften 1995 auch diese B-WM organisieren.
Sie gewannen das Turnier mit 60:15 Toren in sieben Spielen und kehrten in die A-WM zurück. Turnier-Topskorer Peter Stastny buchte in sechs Spielen 16 Punkte (8 Tore/8 Assists) und im All-Star-Team standen mit Miroslav Satan, Robert Petrovicky und Stastny gleich drei slowakische Stürmer.
1996 waren sie damit bei der WM wieder auf Augenhöhe mit Tschechien. Bei der A-WM in Wien reichte es mit Platz 10 zum Klassenerhalt. 2002 die grosse Sensation: Die Slowaken holen durch ein 4:3 gegen Russland in Göteborg den WM-Titel.
Der Vergleich mit der Schweiz
Die WM- und Olympia-Klassierungen der Slowakei sind äusserst interessant, weil die Slowakei eigentlich das kleinere Potenzial hat als die Schweiz, denn es hat viel weniger Eishallen und auch weniger registrierte Spieler.
Geprägt ist die slowakische Hockeykultur immer noch von den Helden der Vergangenheit: Über 70 Slowaken spielten schon in der NHL und es waren NHL-Stars, die auch das Weltmeister-Team von 2002 prägten: Miroslav Satan (WM-Topskorer), Peter Bondra (3. der WM-Skorerliste) und für die letzten drei Spiele wurden aus der NHL zusätzlich Jozef Stumpel (Boston) und Zigmund Palffy eingeflogen. Palffy brachte es in drei Partien auf sagenhafte sieben Skorerpunkte (1 Tor/6 Assists).
Peter Bondra bezwingt Maxim Sokolov exakt 100 Sekunden vor Spielende zum alles entscheidenden 4:3. Bild: AP CP
Diese Geschichte zeigt, dass auch ein Schweizer WM-Titel möglich ist
Heute stehen die Slowaken, unser häufigster Länderspielgegner seit Auflösung des Kommunismus, mehr oder weniger auf Augenhöhe mit den Schweizern. Dieses Auf- und Ab der Slowaken mag auch zeigen, dass wir als WM-Finalisten von 2013 keineswegs damit rechnen dürfen, dass wir nun ständig um Medaillen spielen. Die Geschichte der Slowaken zeigt uns aber auch, dass für uns ein WM-Titel möglich ist.
Captain und WM-Torschützenkönig Miroslav Satan führt den Tatzelwurm an. Bild: AP CP
Die Selbständigkeit der Slowakei hatte auch unmittelbaren Einfluss auf unsere Nationalmannschaft. Als Trost für den Neustart in der C-WM durften die Slowaken das Olympia-Qualifikationsturnier für die Spiele von 1994 in Lillehammer bestreiten und hätten dabei gegen die Schweiz antreten müssen.
Unsere Verbandsgeneräle waren damals der Meinung, dass wir gegen diese Slowaken (u.a. mit Peter Stastny) absolut chancenlos wären und verzichteten auf die Olympia-Qualifikationspartien und damit gleich auf die Olympia-Teilnahme von 1994 – eine der ruhmlosesten Augenblicke in unserer Hockeygeschichte. Allerdings zeigten die Slowaken dann beim Olympiaturnier 1994 (6. Schlussrang), dass wir damals wohl tatsächlich noch ziemlich chancenlos gewesen wären.
Hol dir die App!