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Zwei Wochen (Update = eine Woche) vor den Wahlen ist ein guter Zeitpunkt um zu prüfen, wie gut die Prognosen der kantonalen Ständeratswahlen zu jenen der Sitzverteilung im Ständerat passen.
In vielen Kantonen istdie Wahl in den Ständerat relativ unumstritten. Praktischerweise deckt sich das recht gut mit jenen Kantonen, zu denen es keine Wahlbörsen gibt. In diesen Kantonen gehe ich davon aus, dass sich die Bisherigen oder die Favoriten durchsetzen. Etwas Spannung ist vielleicht noch im Kanton Genf angesagt, doch angesichts der Versplitterung des bürgerlichen Lagers rechne ich nicht damit, dass es gelingen wird, SP oder Grünen einen Ständeratssitz abzujagen. Somit haben wir für die nicht an der Wahlbörse kotierten Kantone:
Im Total ergibt das:
Korrektur: Ich hatte den einen jurassischen Sitz fälschlicherweise der SVP statt der CVP zugeordnet.
Für die übrigen 26 Sitze gehe ich von den Prognosen der Wahlbörse aus. Wer über 50% hat, erreicht das absolute Mehr und ist damit gewählt (ausser er oder sie scheidet als Überzähliger aus). Wenn weniger als 2 KandidatInnen das absolute Mehr erreichen, gibt es einen zweiten Wahlgang. An diesem beteiligen sich alle, die entweder über 40% Stimmen holten oder unter den ersten 3 sind. Für die Wahl im zweiten Wahlgang schaue ich, wer von den Stimmen der KandidatInnen profitieren kann, die sich zurückgezogen haben. Falls sich keine eindeutige Antwort herauskristallisiert, verteile ich die Sitze anteilsmässig an die chancenreichen KandidatInnen.
Damit dieser Post nicht allzu lang wird, erstelle ich für jeden Kanton eine Antwort. Das Gesamtergenbnis aktualisiere ich jedoch jeweils hier oben:
Ich ergänze noch Antworten zu den einzelnen Parteien, die ein Minimum und ein Maximum des Erwartbaren abgeben. Das Minimum berücksichtigt nur die Sitze aus den Kantonen ohne Wahlbörse + die sicheren Sitze aus dem ersten Wahlgang. Das Maximum gibt an, was die Partei erreichen würde, wenn alle zweiten Wahlgänge zu ihren Gunsten ausfiehlen.
Fazit: Aufgrund der kantonalen Ständerats-Wahlmärkten ist unklar, woher die hohen Verluste von CVP und FDP resp. die hohen Gewinne von SVP, GLP und BDP kommen sollen. Hier wird es eine Korrektur geben müssen. Der Ständerat funktioniert eben deutlich anders als eine gewöhnliche Proporz-Wahl.
Update: Nach einer Woche sind CVP und FDP immer noch drastisch unterbewertet, während SVP, Grüne, GLP und BDP unrealisch hohe Werte aufweisen. Die Mikro-Prognosen für die einzelnen Kantone passen schlecht zur Makro-Prognose für die ganze Schweiz.
PS: Vielleicht mag ja jemand den Versuch unternehmen eine ähnliche Zusammenstellung für die Nationsalratswahlen zu erstellen.
Im Kanton Aargau wird es gemäss Wahlbörse einen zweiten Wahlgang mit Bruderer (SP), Egerszegi (FDP) und Giezendanner (SVP) geben. Da sich die meisten der KandidatInnen, die im zweiten Wahlgang nicht mehr antreten, in der politischen Mitte befinden und da Egerszegi sowohl für gemässigte Rechte wie Linke wählbar ist, gehe ich davon aus, dass sie die Wahl sicher gewinnt. Die Prognose für den zweiten Sitz ist schwieriger, da unklar ist, ob die Mitte-WählerInnen bei der Wahl zwischen Bruderer und Giezendanner den Ausschlag eher nach links oder nach rechts geben.
Update: Bruderer ist inzwischen so nah absoluten Mehr, dass ich fast sicher bin, dass sie die Stichentscheidung im zweiten Wahlgang gewinnen wird.
Auch im Kanton Bern zeichnet sich ein zweiter Wahlgang mit Amstutz (SVP), Luginbühl (BDP) und Stöckli (SP) ab. Sowohl Amstutz als auch Luginbühl haben bereits einmal bewiesen, dass sie eine Mehrheit der Berner Wahlberechtigen hinter sich scharen können, doch bei Luginbühl war die Ausgangslage damals ziemlich anders als heute. Ich rechne darum damit, dass Amstutz wiedergewählt wird und dass die Entscheidung zwischen Luginbühl und Stöckli als offen gelten kann.
Im Kanton Glarus sieht es nach einem Wahlsieg der Bisherigen Freitag (FDP) und Jenny (SVP) bereits im ersten Wahlgang aus:
Im Kanton Luzern dürfte nur Graber (CVP) die Wahl im ersten Wahlgang schaffen. Bei der Ausmarchung zwischen Pardini (SP) und Theiler (FDP) dürfte im bürgerlich-konservativen Kanton Luzern der FDP-Kandidat das Rennen machen:
Im Kanton Schaffhausen rechnen wir mit einer Wahl von Germann (SVP) im ersten Wahlgang. Die Entscheidung im zweiten Wahlgang zwischen Freivogel (SP) und Minder (parteilos) ist offen.
Update: Offenbar ist der FDP-Kandidat Heydecker nicht so chancenlos, wie ich letzte Woche aufgrund der damals aktuellen Kurse dachte. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob die Kursbewegungen nicht bloss auf Manipulationsversuche zurückzuführen sind. Es kann aber auch fundamental gerechtfertigt sein, weil bisher die breite bürgerliche Allianz für Heydecker zu wenig berücksichtigt wurde.
Im Kanton Solothurn kann Zanetti (SP) seinen Sitz ziemlich sicher bereits im ersten Wahlgang verteidigen. Für den zweiten Wahlgang mit der Entscheidung zwischen Bischof (CVP), Fluri (FDP) und Wobmann (SVP) rechne ich mit einem Sieg des CVP-Kandidaten, der gemäss Wahlbörse einen Vorsprung hat.
Im Kanton St. Gallen dürfte niemand im ersten Wahlgang das absolute Mehr erreichen. Somit gibt es einen zweiten Wahlgang zwischen Brunner (SVP), David (CVP), Keller-Sutter (FDP) und Rechsteiner (SP). Hier gehe ich davon aus, dass besonders die Mitte-Rechts-KandidatInnen noch an Stimmen zulegen werden. Darum glaube ich wird Keller-Sutter sicher gewählt und die Entscheidung zwischen Brunner und David halte ich für offen. Bereits vor vier Jahren hat sich David in einer ähnlichen Konstellation gegen Brunner durchgesetzt.
Auch im Kanton Tessin zeichnet sich ein zweiter Wahlgang mit Abate (FDP), Cavalli (SP), Lombardi (CVP) und Morisoli (Lega/SVP) ab. In der Wahlbörse sind alle Kandidaten nah bei einander, so dass ich keine Prognose für den zweiten Wahlgang wage.
Update: Inzwischen gehe ich davon aus, dass der Bisherige Lombardi die Wiederwahl sicher schaffen wird. Unter den restlichen chancenreichen Kandidaten ist Abate etwas zurückgefallen, doch seine Wahlchancen im zweiten Wahlgang sind nach wie vor intakt.
PS an das Wahlbörsen-Team: Gehe ich richtig in der Annahme, dass der mögliche Sitz von Morisoli der SVP zugerechnet würde?
Im Kanton Thurgau wird Eberle (SVP) sicher im ersten Wahlgang bestätigt. Im zweiten Wahlgang zwischen Graf-Litscher (SP) und Häberli-Koller (CVP) rechne ich mit einem Sieg der CVP-Kandidatin, die dann zusätzliche Stimmen von Mitte-Rechts erhält.