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Ein unheimlicher Ort!
Das seltsame Kloster "Carol" des "Père de Coma"
im Département Ariège
Ein Abstecher auf einer unserer diesjährigen Forschungsreisen führte uns in die Umgebung des Ortes Baulou, im Departement Ariège, einige Kilometer westlich der Stadt Foix gelegen. Schon etliche Male hörten wir Geschichten über ein sehr seltsames, mystisches und auch etwas unheimliches, ehemaliges Kloster, welches in der Zeit um 1860 durch einen Priester namens "Louis de Coma" erbaut - dann aber im Jahr 1956 fast vollständig dem Erdboden gleichgemacht wurde.
Gemäss Überlieferungen hätte der Erbauer des besagten Klosters zu seiner Zeit häufig Kontakte zu Bérenger Saunière, dem Abbé von Rennes-le-Château, gepflegt. Auch schien es, dass teilweise die gleichen Geldgeber die Bautätigkeiten sowohl von Abbé Saunière in Rennes-le-Château, wie auch die von Père Coma in Baulou, unterstützten (der Name des "Comte de Chambord" tauchte in beiden Fällen auf). Die "Monastère du Carol" wurde von Louis de Coma in ca. 30-jähriger Bauzeit verwirklicht und wie in Rennes-le-Château, stand auch hier die Verehrung der Maria-Magdalena anscheinend im Zentrum des Geschehens.

Ausgerüstet mit GPS und Karte machten wir uns auf den Weg nach Baulou, um uns direkt vor Ort genauer zu informieren. Die herbstliche Sonne wurde durch mächtige Wolkenschiffe belagert und ein warmer Wind liess die bereits schon stark verfärbten Blätter jahrhundertealter Platanen rauschend durch die Luft wirbeln. Nach einigen Irrfahrten durch Feld und Wald entschlossen wir uns, einen sich auf einem ratternden, alten Traktor nähernden Bauern anzuhalten und nach dem genauen Weg zu fragen. Nach einigen Worten der Begrüssung äusserten wir unser Anliegen. Mit sichtlicher Begeisterung schwang sich der braungebrannte Mann von seinem Gefährt herunter, lehnte sich durch das Fenster in unser Fahrzeug hinein und holte zu einer umfassenden Erklärung betreffend der Geschichte der "Monastère du Carol" aus. Dabei erfuhren wir einiges Interessantes aus dem Leben des "Père de Coma" und auch, was möglicherweise dazu führte, dass der Komplex vernichtet wurde.
Louis de Coma wurde 1822 in Foix geboren. Anscheinend war die kinderreiche Familie sehr wohlhabend, da der Vater - ein gefragter Architekt – sehr viele Aufträge hatte. Die Wurzeln der Comas reichten bis in 16. Jahrhundert zurück. 1844 trat Louis de Coma ins Jesuitenseminar in Amiens ein. Als der Ernährer der Familie im Jahr 1855 starb, zog man auf ein eigenes Grundstück bei der Ortschaft Baulou. Der Tod des geliebten Vaters hinterliess bei dem jungen Priester einen tiefen, bleibenden Eindruck. Aufgrund dieser Erfahrung entschied de Coma sich vermutlich, einen grossen Teil seiner seelsorgerischen Tätigkeit dafür aufzuwenden, die Menschen noch im irdischen Leben auf das Jenseits vorzubereiten. Dies führte angeblich zu einer regen Reisetätigkeit innerhalb Frankreichs und zu einem umfassend gestalteten System von Totenmessen, welche gegen eine Spende für das Seelenheil Verstorbener abgehalten wurden. Man erzählte, dass de Coma durch seine Mission so sehr wohlhabend wurde. 1856 begann er, mit Hilfe seines Bruders Ferdinand, welcher wie der verstorbene Vater den Beruf des Architekten ergriffen hatte, auf dem Familiengrundstück, eine Kirche zu errichten. Das Bauwerk glich - so stellte man später fest – fast exakt der Kirche von Lourdes (allerdings bestand zum damaligen Zeitpunkt die Kirche von Lourdes noch gar nicht, da die "Marien-Sichtungen" der Bernadette Soubirous erst ab dem Jahr 1858 erfolgten und Lourdes somit erst zu einem späteren Zeitpunkt zu einem Wallfahrtsort erhoben wurde).
Unter der Kirche wurde eine gigantische Krypta erstellt. Ein Vetter von de Coma war Eigentümer der Grotten von Portel. Durch diesen erhielt er die Genehmigung, mehrere Tonnen an Gesteinsmaterial, bestehend aus Tuff und Stalaktiten, abzubauen und für die zu errichtende Krypta zu verwenden. In die Gruft wurden steinerne Sarkophage eingebaut, welche die sterblichen Überreste der Familienangehörigen der Comas aufnahmen. Das ganze Gelände um die Kirche wurde in den Gestaltungsplan miteinbezogen. Man errichtete mehrere Nebengebäude und Unterbringungsmöglichkeiten für eine fromme Gemeinschaft geistlicher Brüder oder Schwestern, Besucher und Pilger, sowie eine Parkanlage mit Allee und Wasserspielen. Auf der gegenüberliegenden Seite der Kirche erbaute man unterhalb eines Hügels eine im Wasser stehende Grotte - eine künstliche Höhle aus Tuffstein mit Stalaktiten und Stalagmiten - in welche die Statue einer weinenden Maria Magdalene gestellt wurde. Das entsprechende Gestein wurde ebenfalls aus umliegenden Höhlen herausgeschlagen und an diesen Ort transportiert (in früheren Zeiten befand sich auf dem Gelände eine alte Ziegelei. Man grub damals, um den für Ziegel notwendigen Ton zu gewinnen, einige Stollen unter den Fels hinter der Grotte.)
Stationen eines aus massivem Stein gefertigten Kreuzweges zogen sich an gewundenen Pfaden neben der Magdalenen-Grotte den Hügel empor, bis hin zu einer grossen Kalvarien-Kapelle mit dem gekreuzigten Christus und zu seine Füssen stehen der Evangelist Johannes, die Jungfrau Maria und Maria Magdalena.
Die ganze Anlage, die Kirche, die Grotte und der Kalvarienberg, sollten den Garten "Gethsemane" darstellen. Es wird berichtet, dass Coma sogar Pflanzen und Bäume aus Palästina importierte, um den Ort möglichst authentisch erscheinen zu lassen!
Als im Jahr 1879 der Jesuitenorden in Frankreich aufgelöst wurde, stand Louis de Coma vor der Entscheidung, aus Frankreich zu fliehen oder den Bund der Jesuiten zu verlassen. Von vorgesetzter Stelle wurde ihm mutmasslich zu Letzterem geraten, mit dem Auftrag, doch möglichst seine Bautätigkeit zu vervollständigen. Angeblich beendete er bis 1885 sein Werk und fand sogar bestimmte Brüder einer "Heilig-Geist-Gemeinschaft", welche bereit waren, sein Anwesen zu ihrer Wirkungsstätte zu erküren. Im selben Jahr wurde durch Antoine Decressol, dem geistlichen Oberhaupt der besagten Gemeinschaft, ein Vertrag über die Nutzung des Anwesens ausgearbeitet, welcher von de Coma aber nie in allen Punkten unterzeichnete und akzeptiert wurde. Entsprechend diesem Vertrag wäre de Coma nur noch erlaubt gewesen, auf dem Grundstück zu leben und sich um die Gebäulichkeiten zu kümmern. Eine weitere Einflussnahme auf die Gemeinschaft und ein religiöses Wirken wurde ihm abgesprochen. Das Verhalten de Comas und die Nichtunterzeichnung des Vertrages verärgerte Decressol anscheinend dermassen, dass, als sich der Priester auf einer Pilgerreise nach Lourdes befand, die Gemeinschaft das ganze Anwesen räumte und verschwand.
Das Ansinnen, ein religiöses Zentrum aufzubauen war somit gescheitert! Gespenstische Ruhe senkte sich über die "Monastère du Carol". Père de Coma war nun nur noch Priester des Ortes Baulou und zelebrierte die Messe in der dortigen – ebenfalls der Maria Magdalena geweihten - Dorfkirche. Auch die Idee, sein Anwesen der apostolischen Schule von Pamiers anzugliedern wurde schlussendlich nicht verwirklicht. Noch ein Letzte Mal - in den Jahren 1904 bis 1907 - anlässlich der Trennung von Kirche und Staat, wurde seine Monastère als Zufluchtsort einiger Priester genutzt.
Louis de Coma war nun ein alter, einsamer und seltsamer Mann geworden. Man sagte auch, dass seine kontroverse Haltung und die Beschäftigung mit den Toten seinen Verstand nachhaltig beeinflussten. Er wurde am 14. November 1911, im Alter von 89 Jahren, tot in seinem Bett gefunden.
De Coma hinterliess kein Testament. Dies bedeutete, dass der gesamte Besitz an die Diözese von Pamiers fiel. Bis ins Jahr 1956 geschah mit dem Anwesen überhaupt nichts. 1956 jedoch wurde die Liegenschaft an eine ortsansässige Familie verkauft. In den Verkaufsbedingungen wurde genau festgelegt, dass die gesamte vorhandene Infrastruktur dem Erdboden gleichgemacht werden musste. Das bischöfliche Ordinariat befürchtete anscheinend ein "Wiederauferstehen" eines religiösen Wallfahrtsortes und man wünschte wohl keinen "Konkurrenz-Ort" zu Lourdes.
Es stellt sich nun im Nachhinein trotzdem die Frage, wieso man zu so einer drastischen Massnahme gegriffen hat - und dies nach so vielen Jahren? In der Zeit nach dem Tod von Louis de Coma bis hin ins Jahr 1956 waren vor Ort keine tiefgreifenderen "religiöse Aktivitäten" zu erkennen. Die Kirche und die Gebäude wurden verschiedentlich genutzt, z.B. auch zur Unterbringung von Militär. Oftmals haben auch Jungendliche ihre Partys dort gefeiert. Allerdings betraten auch unbekannte Personen die Krypta und schändeten die dortigen Gräber - vermutlich auf der Suche nach wertvollen Gegenständen.
Die Pilger, welche sich in heutiger Zeit zu diesem Ort begeben, werden es sehr schwer haben, sich das ganze Ausmass des ehemaligen "Heiligtums" vorzustellen.
Von den ehemals errichteten Bauwerken sieht man heute nur noch einige wenige klägliche Reste. Im November des Jahres 1956 versuchte man ein erstes Mal - aufgrund der obgenannten Anordnung des Bischofs von Pamiers, alle Gebäude und Anlagen, welche irgend einen religiösen Charakter trugen, mittels Dynamit zu sprengen. Die Explosion war - gemäss dem Bericht eines Augenzeugen - gewaltig, doch die Mauern des Klosters stürzten nicht in vollem Umfang ein. Man wagte einen zweiten Versuch, noch vor dem Wintereinbruch, mit der Absicht und Hoffnung, dass eine dicke Schneedecke das ganze Werk der Zerstörung für einige Zeit unter sich begraben würde. Selbst der Kreuzweg, entlang des Hügels bis hinauf zur Kapelle, wurde total demontiert und die Bildtafeln zur Kirche "Notre-Dame de la Raynaude" (Mas d' Azil) 1*) übertragen.
Der einstige Standort der Kirche ist nun kaum mehr zu identifizieren. Einige Gesteinsbrocken und lose Mäuerchen geben schwache Hinweise im Gelände. Vieles ist stark überwuchert. Das einzige Gebäude, welches in der heutigen Zeit noch etwa zur Hälfte intakt ist, diente wohl schon damals landwirtschaftlichen Zwecken. Ein Weg führt zur rechten Seite an diesem Gebäude vorbei, zu einer Alle. Beim Eingang zu dieser Alle erkennt man im Boden die Fragmente eines seltsam geformten Teiches mit mehreren Becken. Überquert man diesen und durchschreitet die Alle, so gelangt man an deren Ende an die Grotte der "Madeleine qui pleure". Es ist ein sehr mystischer und unheimlicher Ort!
Mittels des Einsatzes eines Scheinwerfers dringen wir in das Dunkel ein. Der Saal, in welchem die Statue über einem herzförmigen, kleinen See sitzt, hat eine fast runde Form und gleicht wirklich einer natürlichen Höhle. Aufgrund der zahlreich vorhandenen, abgebrannten Kerzen erkennt man, dass doch ab und zu einige treue Pilger den Weg zu diesem Heiligtum finden.
Der zerstörte Kreuzweg hinter der Magdalenen-Grotte ist mit ungeübtem Blick kaum zu erkennen. Gewundene Pfade ziehen sich durch dornenbesetztes Buschwerk den Hang hinauf. Vereinzelt erhöhte, mit runden, bemoosten Steineinfassungen versehene Einschnitte im Hang weisen auf besondere Plätze hin. Behauene Steine mit eckigen Formen liegen verstreut im dichten Unterholz. Man glaubt, Reste eines Kreuzes zu sehen, sowie Simse und Postamente. Aus dem Waldboden ragen
unheimliche, steinerne Objekte. Halb zusammengestürzte Grotten starren mit dunklen Augen durch das Laub der Bäume und locken den unbedachten Wanderer in gefährliche, unterirdische Kavernen. Nach etwa 15 Minuten erreicht man den höchsten Punkt des Hügels. Ein bizarres Bauwerk - etwa 10 Meter hoch - erhebt sich über einer halbrunden Plattform. Die Kapelle des Kalvarienberges! Der Bewuchs ist auch hier höher als das Bauwerk, daher erkennt man aus der Ebene gar nichts. Überall führen Schächte in die Tiefe unter das Gemäuer. Auf der Rückseite findet sich der Eingang zu einer weiteren Krypta. Hier wollte Louis de Coma die verstorbenen Mönche seines Klosters bestatten.
Nachdem wir einige Fotos von der ganzen Anlage aufgenommen hatten, schreiten wir in Gedanken versunken und schweigend durch die grüne Hölle den Berg hinunter.
Bei einer umfassenden Betrachtungsweise kann der ganzen Anlage jedenfalls ein gewisser "esoterischer Hauch" nicht abgesprochen werden. So z.B. kann man im Hügel mit dem Kreuzweg unschwer auch ein Pyramide erkennen, an deren Fuss die Höhle der Maria Magdalena mit dem zugehörigen Weg und den Teichsystemen ein ägyptisches "Anch-Kreuz" bildet (das Zeichen steht für das körperliche Leben, aber auch für das Weiterleben im Jenseits).
Auch Maria Magdalena über der herzförmigen, kleinen Quelle erinnert unvermittelt an eine Passage aus der "Serpent Rouge":
"… weht zu mir der süsse Wohlgeruch, der die Grabstätte erfüllt. Einige nannten sie: ISIS, Königin aller wohltätigen Quellen, "KOMMT ALLE ZU MIR, DIE IHR MÜHSELIG UND BELADEN SEID, ICH WILL EUCH ERQUICKEN". Andere nennen sie MAGDALENA von der berühmten Schale mit heilendem Balsam. Die Eingeweihten kennen ihren wahren Namen: UNSERE DAME VOM KREUZ.”
Viele Fragen Beschäftigen uns!
Louis de Coma und Bérenger Saunière; hatten sie wirklich Kontakt zueinander? Stichhaltige Beweise existieren wohl nicht. Selbstverständlich gibt es Ähnlichkeiten zwischen den beiden Geistlichen :
- beide waren Dorfpriester
- beide hatten Kirchen, welche der Maria Magdalena geweiht waren
- beide betrieben eine umfassende Bautätigkeit
- beide errichteten Marien-Grotten
- beide unternahmen viele Reisen
- beide empfingen Spenden und hielten Messen gegen Bezahlung
- beide Orte befinden sich im "Kernland" der Katharer
- Gehörten die Priester einer "geheimen Bewegung" an?
- Wieso musste das Anwesen von Louis de Coma so radikal zerstört werden?
- War etwas vorhanden, was die Welt nicht sehen durfte?
Wenn ja - was war es ... ??

1*) Église ND de la Raynaude et son chemin de croix: une église, d’abord dédiée à saint Lizier ("Saint Lizier d’Estilled" dans le cartulaire du Mas d’Azil, 1100) se trouvait non loin du lieu: endommagée durant les guerres de religion; restaurée et consacrée en 1777. Elle fut démolie en 1860; une nouvelle église fut construite (première pierre posée le 2 octobre 1863) à Portetény (dédiée à l’Immaculée Conception) sans le concours de l'État. L'histoire retient l'anecdote suivante: En 1892, l'édifice n'est pas fini par manque de finances. Rockefeller passant dans le secteur laisse au curé bâtisseur, Rousse, l'argent nécessaire à sa finition... Elle sera bénie par Mgr Rougerie le 4 mai 1895. A côté de l'édifice religieux, un orphelinat et une école (pour éviter que les enfants n'aillent chez les protestants!) y avaient été construits par le curé.
La plupart des tableaux qui ornaient les chapelles du chemin de croix ayant été détériorés ou volés, l'évêché fit don, dans les années cinquante, de motifs décoratifs en métal repoussé récupérés lors de la destruction du monastère du Carol (commune de Boulou). Restauration du chemin de croix extérieur en 2005.
Text und Farbbilder
Copyright © 10.10.07 / F. Seiler
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