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Klinischer Erfolg von 4mm langen Implantaten im Unterkiefer
In den letzten Jahren ist das Interesse am klinischen Einsatz kurzer Implantate in der Praxis gestiegen. Dies wird durch positive Resultate in Studien zu einem erfolgreichen Einsatz solcher Implantate unterstützt. Neuere systematische Reviews zeigen, dass kurze Implantate eine ähnliche Überlebensrate und Resorptionen wie längere Implantate aufweisen. In verschiedenen Studien werden Implantate bis 10 mm als kurz definiert. In einer strikteren Definition werden nur Implantate < 8 mm als kurz bezeichnet. Es gibt nur wenig Evidenz zum klinischen Erfolg kurzer Implantate bei reduziertem Knochenangebot.In einer prospektiven klinischen 5-Jahres Multicenter-Studie (Borås; Halmstad, Bergen, Jönköping, and Gävle), wurde die Überlebensrate und der marginale Knochenverlust von 4-mm Implantaten in stark resorbiertem Knochen im Unterkiefer, welche mit Brücken versorgt wurden untersucht. Die Implantate wurden gemäss den Angaben des Herstellers eingesetzt (4.1 mm Durchmesser Straumann Regular Neck, SLActive Tissue Level Prototypen; Institut Straumann AG, Basel, Switzerland)..
Bei 28 Patienten (21 Frauen und 11 Männer – Durchschnittsalter 64 Jahre mit uni- oder bilateralem Zahnverlust im Bereich der Molaren des Unterkiefers) wurden 86 osseointegrierte 4-mm lange Implantate, welche eine 3- oder 4-gliedrige verblockte Brücke ohne Zwischenglied oder Extension trugen, über einen Zeitraum von 5 Jahren untersucht.
71 Implantate bei vierundzwanzig Patienten waren bei der Nachuntersuchung nach 5 Jahren in situ (92.2% Überlebensrate). Nach einem Jahr zeigte sich ein marginaler Knochenverlust von 0.44 mm. Nach 2, 3 und 5 Jahren, lag dieser bei 0.57 mm, 0.55 mm und 0.53 mm (kein signifikanter Unterschied zum ersten Jahr) Nach 5 Jahren lag der durchschnittliche Plaqueindex bei 13.3%; 69% der Implantate waren Plaquefrei. Bei 8.1% der Implantate zeigte sich eine leichte Blutung. Bei zwei Patienten kam es während der 5 Jahre zu einer Lockerung der Brücke. Es kam zu keinen weiteren Komplikationen über diese Zeitraum.
Schlussfolgerungen Bei reduziertem Knochenangebot im Bereich der Unterkiefer Molaren können 4 Millimeter lange Implantate über einen Zeitraum von 5 Jahren zur Verankerung von festsitzenden Brücken mit gesunden periimplantären Verhältnissen eingesetzt werden. Diese Ergebnisse unterstützen einen Trend hin zu weniger invasiven Methoden für die Versorgung von teilweise bezahlten Patienten mit stark resorbiertem Knochen. Eine geringere Morbidität, ein reduzierter Aufwand und tiefere Kosten sind ein positiver Nebeneffekt dieser Entwicklung.
Ch. Slotte, A. Grønningsaeter et al Four-Millimeter-Long Posterior-Mandible Implants: 5-Year Outcomes of a Prospective Multicenter Study Clinical Implant Dentistry and Related Research, Volume *, Number *, 2014 DOI 10.1111/cid.12252
Behandlung von Paro- Endoläsionen
Zwischen Parodont und Pulpa gibt es verschiedene anatomische Verbindungen, wie das apikale Foramen, laterale und akzessorische Kanäle oder exponierte Dentintubuli. Diese anatomische Strukturen erlauben die Entstehung von Erkrankungen mit gleichzeitiger Beteiligung parodontaler und pulpaler Gewebe, so genannten Paro-Endo-Läsionen. Eine endodontische Läsion kann eine entzündliche Reaktion der angrenzenden parodontalen Gewebe auslösen und so eine retrogade parodontale Enzündung initiieren. Genau so kann eine parodontale Läsion eine endodontische Reaktion zur Folge haben. Parodontose und endodontische Läsionen können sich aber auch getrennt entwickeln.
Die Behandlung solcher kombinierter Läsionen stellt eine Herausforderung dar. Verschiedene Klassifikationen wurden zur Beschreibung dieser Läsionen, nach der Pathogenese oder der möglichen Therapie vorgeschlagen. Die aktuelle Klassifikation der parodontalen Erkrankungen, welche kontrovers diskutiert wird, nennt diese “kombinierte parodontal-endodontische Läsion”, unabhängig der vermuteten Pathogenese der Läsion. In einer systematischen Review sollten die Behandlungsoptionen und die Ergebnisse bei parodontal-endodontischen Läsionen evaluiert werden. Aus1087 Artikeln konnten 5 Studien und 18 Fallberichte aus den Jahren 1981 bis 2012 in die Review eingeschlossen werden.
Es zeigt sich eine grosse Hereogenität bei den in den Studien angewendeten Vorgehensweisen. Bei allen klinischen Studien mit insgesamt 111 Zähnen, wurde eine konventionelle endodontische Behandlung als initialer Behandlungsschritt gewählt. Eine nicht chirurgische und/oder chirurgische Parodontaltherapie wurde in einingen Studien ohne Berücksichtigung der endodontischen Heilung durchgeführt. eine Reduktion der Taschentiefen konnte bei allen 80 nachuntersuchten Zähnen beobachtet werden.
Schlussfolgerung: Ein sequentielles Vorgehen bei der Behandlung mit einer endodontischen Behandlung als erstem Schritt, scheint vernünftig zu sein. Vor einer Reevaluation und Weiterbehandlung sollte ein genügend langer Zeitraum zur Beobachtung eingeräumt werden.
Schmidt JC, Walter C, Amato M, Weiger R. Treatment of periodontal-endodontic lesions –a systematic review. J Clin Periodontol 2014; 41: 779–790. doi: 10.1111/ jcpe.12265.
Mikrorisse bei reziproker Aufbereitung von Wurzelkanälen
Die Ziele der Aufbereitung des Wurzelkanals sind eine vereinfachte Entfernung der infizierten Gewebe, eine Reduktion der Keimzahl, die Desinfektion und dessen dichte Füllung. Während der instrumentellen Aufbereitung des Kanals kann es zur Bildung von Mikrofrakturen oder Haarrissen kommen, welche durch die okklusale Belastung zur Fraktur der Wurzel führen können. Vor allem bei der mechanischen Aufbereitung vermutet man durch die höheren Kräfte ein vermehrtes Auftreten von Mikrorissen. In einer Studie an 150 extrahierten Unterkiefer Molaren (6er) sollte der Einfluss von Ni–Ti Handfeilen, ProTaper Hand- und rotierenden Feilen und den reziproken WaveOne Feilen auf die Bildung von Mikrorissen untersucht werden. Driessig Zähne blieben unbehandelt und dienten als Kontrolle. Die restlichen 120 Zähne wurden in vier Gruppen unterteilt. Ni–Ti Hand K-Feilen, ProTaper Handfeilen, ProTaper rotierende Feilen und WaveOne reziproke Feilen wurden zur Aufbereitung der mesialen Kanäle eingesetzt. Die Wurzeln wurden anschliessen 3, 6 und 9 mm vom Apex her sektioniert und die Schnittflächen unter dem Elektronenmikroskop auf Mikrorisse im Dentin hin untersucht. Bei der Kontrollgruppe und der Gruppe mit den Ni–Ti Hand K-Feilen zeigten sich keine Mikrorisse. In den Wurzeln, die mit ProTaper Handfeilen, ProTaper rotierenden Feilen und WaveOne reziproken Feilen aufbereitet wurden, zeigten sich Mikrorisse im Dentin. Der Unterschied zur Kontrollgruppe war statistisch signifikant. ProTaper rotierende Feilen zeigten die meisten Mikrorisse. Es fand sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Wurzeln, die mit ProTaper Handfeilen oder mit WaveOne reziproken Feilen behandelt worden waren.
Schlussfolgerung: ProTaper rotierende Feilen erzeugten signifikant mehr Mikrorisse als ProTaper Handfeilen oder WaveOne reziproke Feilen. Ni–Ti Hand K-Feilen zeigten gar keine Mikrorissbildung in den behandelten Kanälen. Bei der endodontischen Behandlung scheint eine kombinierte Behandlung mit Hand- und rotierenden Instrumenten angezeigt. Bei der maschinellen Aufbereitung sollte mit wenig Druck und genügender Spülung gearbeitet werden, um so die Wahrscheinlichkeit von Mikrorissbildungen zu reduzieren.
V. Ashwinkumar, J. Krithikadatta et al Effect of reciprocating file motion on microcrack formation in root canals: an SEM study International Endodontic Journal, 47, 622–627, 2014