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Wiedmer-Stern, Jakob
Jakob Wiedmer-Stern (* 10. August 1876 in Bern; † 3. August 1928 ebenda) war ein Schweizer Archäologe, Erfinder und Schriftsteller.
Inhaltsverzeichnis
Leben
Jakob Friedrich Wiedmer war das einzige Kind von Jakob Wiedmer (1844–1923) aus Sumiswald und Elisabeth Wiedmer-Brügger (1843–1936) von Frutigen. Die Familie führte eine Zuckerbäckerei in Herzogenbuchsee. Jakob Wiedmer fiel durch seine hohe Intelligenz auf, doch sein Vater verwehrte ihm das Studium. Nach Beendigung seiner Ausbildung zum kaufmännischen Angestellten zog er nach Athen, wo er rasch Kontakte zu Antiquitätensammlern und zu Archäologen des griechischen Nationalmuseums knüpfte. Diese Kontakte führten um die Jahrhundertwende zu verschiedenen Tauschgeschäften zwischen dem griechischen Nationalmuseum und dem Museum aus Bern.
Am 29. Januar 1904 vermählte sich Jakob Wiedmer mit Maria Stern (1866–1957). Nach der Hochzeit zog das Ehepaar nach Wengen, wo Jakob Wiedmer-Stern kurzzeitig dem Beruf eines Hoteliers nachging. Sein 1905 erschienener Roman «Die Flut», worin er sich kritisch mit den wirtschaftlichen und menschlichen Auswirkungen des Bergtourismus auseinandersetzte, trug ihm den Hass einiger Kurorte des Berner Oberlands ein, so dass er in der Folge die Gegend fluchtartig verliess.
Am 1. Oktober 1905 trat er das Amt des Konservators der Archäologischen Abteilung des 1894 gegründeten Bernischen Historischen Museums an und wurde gleichzeitig Vizedirektor des Museums. Vom 1. Oktober 1907 bis zum 31. März 1910 war er Direktor des Museums. 1908 wurde er zum Präsidenten der Schweizerischen Gesellschaft für Urgeschichte gewählt. Als Folge einer Amtspflichtverletzung – er verlängerte seine Ferien in Istanbul, ohne Bescheid zu geben – und aufgrund interner Personalquerelen trat er am 31. März 1910 von seinem Amt als Direktor des Museums zurück.
Nach der Tätigkeit im Bernischen Historischen Museum versuchte sich Jakob Wiedmer-Stern glücklos in Handelsgeschäften. Eine Krankheit fesselte ihn an den Rollstuhl. Er versuchte sich in chemischen Experimenten, technischen Erfindungen, gestaltete geistreiche Inserate- und Plakatentwürfe und schrieb Kurzgeschichten für die Tageszeitungen Der Bund, die Neue Berner Zeitung und die Basler Nachrichten.
Sein Wohnzimmer wurde zum Treffpunkt für Vertreter des Presseamtes des griechischen Aussenministeriums und 1926 gehörte Jakob Wiedmer-Stern zu den Mitbegründern von «Hellas, Schweizerische Vereinigung der Freunde Griechenlands», eine Gruppierung, die den Wiederaufbau Griechenlands nach den Zerstörungen des Ersten Weltkriegs und des griechisch-türkischen Kriegs unterstützte.
Im Alter von 51 Jahren starb Jakob Wiedmer-Stern am 3. August 1928 im Diakonissenheim Villa Favorite in Bern. Die Trauerfeier fand in der Kapelle des Burgerspitals in Bern statt.
Der Schriftsteller
Bereits mit 18 Jahren veröffentlichte Jakob Wiedmer eine Fortsetzungsgeschichte in der Berner Volkszeitung mit dem Titel «Burg Aeschi am See. Eine oberaargauische Erzählung aus der Zeit vor dem Laupenkrieg». Ulrich Dürrenmatt war der damalige Redaktor und kündigte die Geschichte auf der Frontseite der Zeitung an. Die Geschichte handelt von einer Schar Bauern im Jahr 1332, die versuchen, der Leibeigenschaft von Graf Eberhard von Kyburg auf Schloss Burgdorf zu entfliehen. In dieser dramatischen Geschichte über historische lokale Adelsfamilien, bernische Geschlechter wie die «von Steins», römische Schriftsteller, Kreuzzüge und den Perserkönig Darius entfaltete sich das Schreib- und Sprachtalent von Jakob Wiedmer erstmals, auch wenn die rasante Erzählung manchmal etwas verwirrend wirkt, weil der Autor verschiedene Figuren in der Geschichte verwechselte.
Neben vielen Artikeln in verschiedenen Zeitungen und Mitteilungsblättern veröffentlichte Jakob Wiedmer Erzählungen wie «Um neue Zeiten» und sein Hauptwerk, der Roman «Die Flut», worin er seinen persönlichen Konflikt als Hotelier in Wengen verarbeitete. Mit der «Flut» ist der Tourismus gemeint, der seit Ende des 19. Jahrhunderts das Berner Oberland überflutet und die Dorfgemeinschaften durcheinander rüttelt. Die Hoffnung auf rasches Geld verwandelt die armen «Geisshirten und Kuhbauern» in Bodenspekulanten und führt zu Mord und Totschlag. Ein Föhnsturm zündet das Dorf an und lässt die Dorfgemeinschaft untergehen. Der Roman erhielt gute Kritiken und im Bund wird Jakob Wiedmer-Stern als Anwärter auf die Nachfolge von Jeremias Gotthelf gerühmt.
Zwölf Jahre nach dem Tod von Jakob Wiedmer wurde postum sein letzter Roman «Kyra Fano» veröffentlicht. Maria Waser schrieb das Geleitwort und zitiert darin längere Ausschnitte aus einem Briefwechsel zwischen ihr und dem Autor. Das Buch war ein leinengebundener Band mit Zeichnungen von Alfred Willimann. Die Handlung spielt am Vorabend der Griechischen Revolution in der Region Epirus im Umfeld der Soulioten. Die Protagonisten der Handlung sind die erfundene weibliche Person der Kyra Fano und die historische Persönlichkeit des Tepedelenli Ali Pascha, die sich als Antagonisten gegenüberstehen. Auf der Basis des Romans sollte mit Unterstützung der griechischen Regierung ein Film gedreht werden, wobei Hugo Marti das Drehbuch verfassen und der junge Alfred Hitchcock den Film drehen sollte. Noch 1927 reiste der griechische Parlamentsabgeordnete und Marineoffizier, Konstantinos Melas, aus Athen an, um sich mit Hugo Marti über das Projekt auszutauschen, doch daraufhin verflüchtigen sich die Informationen.
Rezeption
Jakob Wiedmer-Stern war Archäologe, Erfinder und Schriftsteller. Darüber hinaus war er Kaufmann, Hotelier, Museumsdirektor und Journalist. Nach den Worten von Maria Waser kann auch noch Historiker, Chemiker, Ingenieur, Geologe, Zeichner und Entdecker hinzugefügt werden und Felix Müller ergänzt die Auflistung mit Restaurator, Karikaturist, Diplomat und Philhellene. Arnold Hans Schwengeler schrieb 1940 im Bund: «(…) Der Schriftsteller Jakob Wiedmer, der uns den starken schweizerischen Zeitroman «Die Flut» schenkte, war, was der Sturm und Drang ein Kraftgenie nannte.»
Belletristische Veröffentlichungen
- Um neue Zeiten. Erzählungen. Huber Verlag. Frauenfeld 1903.
- Flut. Roman. Huber Verlag. Frauenfeld 1905.
- Griechische Erinnerungen eines Veteranen. Bern 1925.
- Junker Künzlin und das Vermächtnis des Nikodemos. 1926.
- Kyra Fano Ein Roman aus der Zeit der griechischen Freiheitskämpfe. Zürich 1940.
- Wendelin Gnietig. (Verschollen)
Literatur
- Maria Waser: Land unter Sternen. Roman eines Dorfes. Stuttgart 1930.
- Karl Zimmermann: Jakob Wiedmer-Stern 1876–1928 – Archäologe aus Herzogenbuchsee. In: Felix Müller (Hrsg.): Münsingen−Rain, ein Markstein der keltischen Archäologie. Funde, Befunde und Methoden im Vergleich. Akten Internationales Kolloquium „Das keltische Gräberfeld von Münsingen-Rain 1906–1996“. Münsingen/Bern, 9.–12. Oktober 1996 (=Schriften des Bernischen Historischen Museums. Band 2). Bern 1998. S. 37-48. Erneut abgedruckt in: Jahrbuch des Oberaargaus Band 43, 2000, S. 203–222
- Felix Müller: Rastlos. Das erstaunliche Leben des Archäologen und Erfinders Jakob Wiedmer-Stern (1876–1928). Chronos Verlag, Zürich 2020.
Bestände UB Bern
- Felix Müller (Bern): Jakob Wiedmer. In: Historisches Lexikon der Schweiz.