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Der gestrige Nachmittag verlief in Mörschwil und der Umgebung ruhig. Bis auf zeitweiliges Donnergrollen aus dem Appenzellerland passierte nichts.
In der Nacht zog ein kräftiges Gewitter von Nordwesten in Richtung Winterthur und hinterliess in Winterthur-Seen 30 mm Niederschlag in einer Stunde. Auch um den Untersee am Seerücken regnete es kräftig. Hier erreichte die Stundensumme 14 mm.
Der Outflow (vom Gewitter wegströmende, kalte Luft) des Gewitters bei Winterthur verursachte eine Konvergenz von Wil bis an den Bodensee. Eine Konvergenz ist das Zusammenströmen von Winden, sodass sie nach oben ausweichen müssen. Zusammen mit immer noch vorhandener Energie im Thurgau erwartete ich die Bildung von Gewittern in diesem Bereich, worauf eine erste Warnung herausgegeben wurde. Tatsächlich entwickelte sich eine Schauerlinie, wobei der östliche Teil im Bereich Häggenschwil-Arbon stärker wurde und auch Blitze produzierte. Da das Gewitter genau in der Konvergenz lag und aufgrund der schwachen Höhenwinde lange ortstfest bleiben würde, waren grosse Niederschlagsmengen in kurzer Zeit absehbar. Mörschwil lag am Rande der Gewitterzone, doch auch hier krachte es ordentlich.
Die Blitzaktivität war zwar nur mässig, aber es schlugen mehrere Blitze auf Mörschwiler Boden ein. Drei Blitze dürften bis unter 300 Meter an meinen Standort herangekommen sein, da Blitz und Donner – wobei Knall schon fast treffender wäre – praktisch gleichzeitig auftraten!
(Wir sehen den Blitz praktisch exakt zur gleichen Zeit, wie er sich entlädt. Der Schall bewegt sich aber nur mit 333 m/s fort. Deswegen kann man aus der Zeitdifferenz die Entfernung berechnen. Folgt der Donner eine Sekunde nach dem Blitz, hat der Blitz eine Entfernung von 333 m.)
Allerdings kann es sein, dass der Blitz über einen hinweg zieht und weiter entfernt einschlägt. Die Blitzortung zeigte nämlich den nächsten Blitzeinschlag hinter dem Bachwies an, in 340 Metern Entfernung. Ein weiterer Blitz wurde neben der Seeblickhalle detektiert und zwei andere im Bereich der Burgerwiese an der Bahnhofstrasse.
Ein Sturmjäger wie ich steht bei sowas unter Hochspannung, obwohl ich ja nicht getroffen wurde.
Beim ganzen Krach bemerkte ich den Gewitterregen kaum. Dieser war aber auch einigermassen kräftig: Meine Station mass von 1 bis 2 Uhr 18.4 mm. Diese Summe reiht sich auf Platz 4 ein und ist per Definition ein „Starkregen“.
- 50.1 mm 27.4.2015
- 33.1 mm 12.6.2014
- 19.8 mm 2.5.2013
- 18.4 mm 26.7.2016
Wie man sieht, ist dieser Regen kein ungewöhnliches Ereignis. Heikel wird es hier in Mörschwil normalerweise erst ab 30 mm/h. Aussergewöhnlich war der Starkregen auf Platz eins. So etwas kommt nur alle 10 bis 20 Jahre vor, während der Starkregen der vergangenen Nacht im Schnitt beinahe jährlich zu erwarten ist.
Einige Kilometer entfernt kam aber gleich viel mehr Wasser vom Himmel.
Bisherige Tagessummen (26.7.2016)
Häggenschwil: 36.6 mm
Arbon (Stachen): 36.6 mm
Egnach: 36 mm
St.Gallen-Rotmonten: 24.0 mm
Mörschwil-Bitzi: 23.3 mm
Horn: 10 mm
Eine Station in Berg SG mass 50 mm. Die Quelle ist mir allerdings nur halbwegs vertrauenswürdig, weshalb ich den Wert nicht aufliste. Generell liegen die Spitzenwerte laut Radarsummenkarte bei 40 bis 50 mm, was recht viel ist.
Während mir bisher nur ein überfluteter Keller aus Berg SG bekannt ist, hat es den Kanton Schwyz hart getroffen. Entsprechende Berichte finden Sie in den Medien.
Auch heute könnte es zu ähnlichen Szenarien kommen.