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Ein Werk des Pharmakonzerns Sanofi im französischen Departement Pyrénées-Atlantiques musste im Juli 2018 die Produktion aufgrund von Untersuchungen der Umweltorganisation France Nature Environnement einstellen. In der Fabrik wird das Antiepileptikum Depakine hergestellt, das zu Missbildungen oder kognitiven Beeinträchtigungen bei Tausenden Kindern geführt hat, deren Mütter das Medikament während der Schwangerschaft eingenommen hatten. Nun steht das Werk im Verdacht, auch die Gesundheit der eigenen Mitarbeiter und der Anwohner zu gefährden, weil es «enorme Mengen an Schadstoffen» ausstösst.
Ein Bericht, der drei Monate zuvor im Auftrag des Departements Pyrénées-Atlantiques erstellt wurde, hatte bereits eine hohe Umweltgefährdung durch Sanofi festgestellt. Die Fabrik hatte «fünf flüchtige organische Verbindungen» in einer Konzentration von 770’000 mg/m3 statt der «erlaubten 110 mg/m3» ausgestossen und somit den Grenzwert um das 7000-Fache überschritten. Besonders beunruhigend ist die Freisetzung von Brompropan, einem der Wirkstoffe von Depakine, die um das 90’000- bis 190’000-Fache über dem zulässigen Wert lag.
Untätige Behörden
Wie konnte das Werk weiter produzieren, obwohl die Departementsbehörden bereits wussten, dass dieses die Umwelt mit Unmengen von Schadstoffen belastet? Alle ausgestossenen Verbindungen sind Kohlenwasserstoffderivate, die Atembeschwerden verursachen können und potenziell krebserregend sind. Gemäss dem Nationalen Institut für Forschung und Sicherheit (INRS) in Frankreich kann Brompropan, dessen Metaboliten im Urin der Fabrikarbeiter nachgewiesen wurden, «die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und Kindern im Mutterleib schaden», «starke Reizungen der Augen, Atemwege und der Haut» sowie «Schwindel und Übelkeit» verursachen.
Sanofi auf dem Prüfstand
Der Pharmaproduzent wollte die Probleme mit seiner Fabrik unter den Teppich kehren und informierte die Behörden erst im März 2018, als eine Inspektion anstand. Sanofi kontrollierte immer nur einen der drei Fabrikkamine. Dass die andern zwei Kamine gewaltige Schadstoffmengen ausstiessen, blieb somit unentdeckt. Dies ist umso schockierender, als das Pharmaunternehmen jedes Jahr Gewinne in Milliardenhöhe einstreicht (2017 waren es 8,5 Milliarden).
In einer Medienmitteilung vom 9. Juli 2018 gab Sanofi zu, «ein Problem mit lokalen Grenzwertüberschreitungen von Lösungsmitteldämpfen» zu haben, versicherte aber, die Bevölkerung sei «keiner Überschreitung der gesetzlich festgelegten Grenzwerte ausgesetzt» gewesen. Weiter kündigte das Unternehmen eine interne Untersuchung an, um «die Ursachen und die Entstehungsgeschichte» der Situation zu analysieren.
Am 10. Juli 2018 gewährte der französische Staat Sanofi eine dreimonatige Frist, um die Produktionsbedingungen den Vorgaben anzupassen. Zudem kündigten die Behörden an, unabhängige Labors mit der Entnahme und Analyse von Proben zu beauftragen, um sicherzustellen, dass die Bedingungen erfüllt sind, bevor die Fabrik ihren Betrieb wieder aufnehmen kann.