Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03590.jsonl.gz/918

An der Universität Freiburg führt ein Forschungsteam Experimente mit Fruchtfliegen durch, um die Alzheimer-Krankheit zu erforschen. Neue Ergebnisse zeigen, dass Schlaf und Medikamente gegen Epilepsie einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben könnten.
Alzheimer ist die häufigste Demenz-Erkrankung bei älteren Menschen. Knapp 150’000 Menschen sollen gemäss der Gesellschaft Alzheimer Schweiz darunter leiden. Und bis ins Jahr 2050 soll sich diese Zahl verdoppeln. Die Krankheit geht mit einer Abnahme der kognitiven Funktionen sowie einem allmählichen Gedächtnisverlust einher.
Ein Forschungsteam um Professor Simon Sprecher an der Universität Freiburg hat in einem Experiment mit Fruchtfliegen nun herausgefunden, dass Epilepsie-Medikamente und Schlaftabletten bei betroffenen Fruchtfliegen einen positiven Effekt haben könnten.
Zwei Gruppen von Fruchtfliegen
In einem Versuch wurden die Fliegen in zwei Gruppen eingeteilt: in eine Kontrollgruppe mit gesunden Fruchtfliegen und in eine Experimentalgruppe mit Fruchtfliegen, die gentechnisch so verändert wurden, dass sie in ihren Gedächtniszentren Eiweissfragmente namens Anyloid-Beta produzieren. Dieses Anyloid-Beta entsteht auch in den Zellzwischenräumen von Gehirnzellen bei Alzheimer-Patienten. Über die Krankheitsmechanismen von Alzheimer herrsche derzeit noch wenig Verständnis, aber es scheine, dass die Eiweissfragmente eine wichtige Rolle spielen würden.
In einem Experiment zeigte sich, dass die Fruchtfliegen in beiden Gruppen gleich schnell lernten. So konnten sie bestimmte Gerüche gleich gut mit einer Bestrafung oder einer Belohnung verbinden. Allerdings erinnerten sich die gentechnisch veränderten Fruchtfliegen zwei Stunden später schlechter an das Gelernte.
In weiteren Versuchen wurden die diese Fliegen mit einem Medikament gegen Epilepsie und einem Schlafmittel behandelt. Dadurch konnten die Gedächtnisdefizite bei den Experimentalfliegen behoben werden.
Neues Modell zur Hand
Die Forschenden führen das darauf zurück, dass das Medikament und der Schlaf die Erregbarkeit von Nervenzellen abschwächen. Und diese Nervenzellen seien während einer Vorstufe der Alzheimer-Erkrankung übermässig erregbar. Das lasse darauf schliessen, dass die Vergesslichkeit mit der Aktivität der Gehirnzellen zusammenhänge.
Dank dieser Resultate haben die Forschenden nun ein Modell einer beginnenden Alzheimer-Erkrankung zur Hand, wie die Universität schreibt. Durch diese Erkenntnisse lasse sich hoffentlich der Krankheitsverlauf verlangsamen oder im Idealfall sogar aufhalten.