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Die Ankunft der Pilgerväter im November 1620 und die frühen Jahre der neuen Kolonie in Plymouth nach der Landung der Mayflower wurden erstmals in Morton’s Memorial erzählt, dem ältesten in den U.S.A. erschienenen Geschichtsbuch, von dem hier eine der ersten Ausgaben zu sehen ist. Daneben das erste Glaubensbekenntnis der Neuen Welt, und das Bekenntnis der Baptisten, der heute grössten protestantischen Konfession des Landes. Schon 62 Jahre vor der Fahrt der Mayflower hatte Calvin an Amerika gedacht, allerdings an das südamerikanische Rio, von wo sein Gesandter Jean de Léry mit dem aussergewöhnlichen Reisebericht Voyage faict en la terre du Brésil zurückkehrte, der 1580 veröffentlicht wurde.
Le Mayflower (44)
Dieser 27 Meter lange Dreimaster wurde in Holland gebaut, einem Land der Reeder, wo ein solches Schiff in gerade mal sechs Monaten entsteht. Es stach am 16. September von Plymouth aus in See und landete nach einem Zwischenstopp in Neufundland am 11. November 1620 an der Küste von Cape Cod, nachdem ein gewaltiger Sturm den Segler daran gehindert hatte, sein Endziel zu erreichen. Als sich einige Pilgerväter dort niederliessen, schlossen sich ihnen weitere Passagiere an. Im Frühjahr 1621 setzte die Mayflower erneut die Segel und kehrte nach England zurück.
Keramik von Pablo Rezzonico
Die Landung der Pilgerväter (46)
Der Kupferstich von J. Rogers aus dem 18. Jahrhundert zeigt die historische Landung der Pilgerväter in der Plymouth Bay, nach ihrer zweimonatigen Atlantiküberquerung auf der Mayflower. Diese Puritaner, 35 von 102 Passagieren und Besatzungsmitgliedern, waren aus dem ihnen immer noch zu katholischen England unter König Jakob I. geflohen und gründeten hier eine Kolonie mit dem Anspruch, so getreu wie möglich nach ihrem calvinistischen Glauben zu leben. Clint Eastwood und Edward Snowden behaupten von sich, Nachkommen dieser Pioniere zu sein.
J. Rogers nach Charles Lucy (1814-1873), The Landing of the Pilgrim Fathers,
Kupferstich, 18. Jahrhundert, Musée historique de la Réformation, Genf,
Depositum im Internationalen Museum der Reformation.
Morton’s Memorial (47)
Dieses Werk kann als das erste Geschichtsbuch über die Vereinigten Staaten von Amerika gelten. Verfasst wurde es von Nathaniel Morton (1616-1685), der zur ersten Generation der Pilgerväter gehörte, die sich in Plymouth niederließen. 40 Jahre lang amtierte er als Sekretär der Kolonie, deren Gouverneur William Bradford ihn nach dem Tod seines Vaters aufgenommen hatte. Von ihm stammt namentlich der Bericht über die Odyssee der Pilgerväter, in dem auch die Unterzeichner des berühmten Mayflower Compact, dieses Vorläufers der amerikanischen Verfassung, aufgeführt sind.
Nathaniel Morton, New England’s Memorial, 1721 (1. Auflage 1685), Leihgabe des Museum of the Bible, Washington.
Das Glaubensbekenntnis von Increase Mather (48)
Sechzig Jahre nach der Landung der Mayflower an der Küste von Massachusetts erscheint in Boston das erste in Amerika niedergeschriebene Glaubensbekenntnis. Verfasser ist der puritanische Pastor Increase Mather (1639-1723), auch einer der ersten Präsidenten der Universität Harvard. Der Text ist kongregationalistisch geprägt, d.h. die Autorität liegt kollegial bei der Gesamtgemeinde, ein Modell, das sich an der urchristlichen Kirche orientiert. Hierarchische Strukturen sind verboten.
Increase Mather, A Confession of Faith, 1680, eine Leihgabe der Congregational Library in Boston.
Erstes baptistisches Glaubensbekenntnis (1743) (49)
Die Baptistische Kirche hat in den Vereinigten Staaten mehr als 50 Millionen Mitglieder. Sie stellt die Bibel ins Zentrum des Glaubens und praktiziert die Erwachsenentaufe. Schon 1742 organisierte sich das 1609 von einem englischen Pastor gegründete Baptistentum mit der Annahme dieses Glaubensbekenntnisses, das sich weitgehend an einem englischen Vorbild orientiert. Drucker des Textes war kein geringerer als Benjamin Franklin (1706-1790), einer der Väter der amerikanischen Unabhängigkeit, bekannt auch als Erfinder des Blitzableiters und des Holzofens.
Philadelphia Confession of Faith, 1743, gedruckt von B. Franklin,
Leihgabe der American Baptist Historical Society, Atlanta.
Die Geschichte einer Reise im Land Brasilien (50)
Die einzige direkte Beziehung zwischen Calvin und Amerika besteht mit dem Schicksal von Pastor Jean de Léry. Der Reformator schickte ihn 1558 mit anderen in die Bucht von Rio, um eine französische Kolonie zu stärken, die sich dort angesiedelt hatte. Das Zusammenleben degenerierte. Jean de Léry floh und suchte bei den Tupinambas-Indianern Zuflucht. Er wird sie in dieser außergewöhnlichen Erzählung beschreiben, die Montaigne als Inspiration für seinen Essay über Kannibalen verwenden wird. Claude Lévi-Strauss sagte, dass Jean de Léry der Vorfahre der Ethnologen sei.
HISTOIRE D’UN VOYAGE FAICT EN LA TERRE DU BRÉSIL, AUTREMENT DITE AMERIQUE, A Genève, Pour Antoine Chuppin, 1580, Ausgabe 1580, Faksimile.