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«Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme». Diese Worte des englischen Staatsmann Thomas Morus (1478-1535) zeugt von einer Philosophie des Weitergebens von Essenzen. Es ist im traditionellen Karate die totale Fokussierung auf den einen, alles entscheidenden Punkt. Oder wie im 16./17. Jahrhundert im ausgetragenen Pistolenduell der Adligen und Offiziere auf den alles entscheidenden Schuss. Oder: Wenn ein Samurai sein Schwert zog, dann war er jedes Mal, mit seinem Tod konfrontiert. Foto: Felipe Schärer.
Ein traditioneller Karateka beschäftigt sich deshalb nicht mit den Punkten die er erzielt hat, sondern mit jenen Tsuki-, Uchi- und Keri Waza die er erlitten hat. In einem echten Kampf könnte einer davon tödlich gewesen sein. Ein Meister des Karate ist derjenige, der alle Kämpfe ohne Gegenpunkte gewinnt.
Im heutigen schweizerischen Karateleben steht das geistige Handeln, der Erwerb von körperlichen, psychischen und mentalen Kompetenzen, im Zentrum. Für den traditionellen Karateka immer die Selbst- und Fremdverteidigung auf der Grundlage des Bunkai von Omote und tiefergehend Okuden. Gütekriterium ist die individuelle, von anderen unabhängige, persönliche Weiterentwicklung: Wie gut war ich gestern, wie gut bin ich heute?
An den in Bern (OK-Verantwortliche Urs Affolter, Regine Kocher, Beni Isenegger) ausgetragenen traditionellen Schweizermeisterschaften stand die Philosophie des alles entscheidenden, einzigen Punktes im Brennpunkt. Im Blick hoch konzentriert entluden sich die Anspannungen im Angriff und im Konter. Konzentriert auf das Wesentliche. Aufgeladen bis in die innersten Nervenfasern.
Bilder (Felipe Schärer):
Fokussiert auf den einen Punkt: Ilija Letic, Gewinner Kumite 18+
Fokussiert auf den einen Punkt: Christian Mundwiler (rechts) mit André Zuraikat, Laurent Jornod, Patrick Baeriswyl und Hanspeter Rütsche.
Fokussiert auf den einen Punkt: Top-Fotograf Felipe Schärer, NSK-Präsident Tommaso Mini,
Dr. Cong Khanh Huynh, Pascal Fritsch und Tendar Shitsetsang.
Fokussiert auf den einen Punkt: Kämpferin, Schiedsrichter, Zuschauer.
Fokussiert auf den einen Punkt: Andrea Brunner (Präsidentin Nationale Coachkommission),
Toni Romano (Cheftrainer Karateschulen Taisho) und Zuschauer.
Fokussierung auf den einen Punkt: Schiedrichter Stéphane Emery, Kämpfer.
Fokussierung auf den einen Punkt: Dr. Cong Khanh Huynh.
Roland Zolliker, Zentralpräsident: Das traditionelle Karate wird in den nächsten Jahren seine
Renaissance, seine Wiederbelebung erleben. Dies analog zur Wiederentdeckung der kulturellen Leistungen der griechischen und römischen Antike im 15./16. Jahrhundert.