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Ende 2008 - 17 Jahre Zucht - Rückblick und Ausblick
1991 erblickte der Haredale A-Wurf die Welt. Mein Ziel war es von Anfang an gesunde, nervenfeste und vielseitig leistungsbereite Labradors zu züchten, die nebst ihrer Arbeitsfähigkeit vor allem auch als angenehme Familienhunde zu halten sind.
Seit 1991 habe ich im Durchschnitt einen Wurf pro Jahr gezogen und blicke nicht ganz ohne Stolz auf die 18 Würfe mit insgesamt 115 Welpen zurück, denn in bisher jedem einzigen Wurf findet sich mindestens ein Hund, der durch besondere Leistung hervorstach oder zur Zeit heraus sticht, wie ein Blick auf die Arbeitsresultate (siehe Listen der Würfe) und insbesondere die Auflistung der verschiedenen Jahressieger des RCS oder der Schweizermeisterschafts-Teilnehmer-, Schweizermeister-Titel - in den Klassen BH3, LawH3 und SanH3 sowie Arbeitschampiontitel zeigt. Die meisten Haredales arbeiten in mehr als einer Sparte und beweisen damit ihre vielseitige Belastbarkeit. Allen voran natürlich Haredale Carin Chuck, der wohl einzigartig bleiben wird!
Was das Zuchtziel der Gesundheit angeht, so gibt es trotz sorgfältigster Planung, dem Studium der Ahnentafeln und Hintergründe, immer wieder Wermutstropfen, die jedoch zeigen, dass man nur dann die Aussage machen kann, dass "alles gut sei", wenn auch wirklich ausnahmslos alle Welpen eines Wurfes geröntgt sind. Dies hat sich jetzt schon mehrmals bewahrheitet, als nur noch eine einzige Auswertung des Wurfes fehlte und es
dann genau diese war, die eben schlecht oder jedenfalls schlechter als der Rest zurückkam.
Am 2. Juni 2008 schrieb mir eine bekannte Persönlichkeit aus dem europäischen Retrieversektor mit Blick auf meinen Zusatz im Zwingernamen («Our Show is in the Field*» = Unsere Show ist im Felde) folgendes:
Their is only one field which is the real field, our show must have place in the shooting field. All the rest is "spielerei" and can be done by everybody. Of the whole working test scene their are only a few who can start in a FT and gain a result... (Originalzitat)
Übersetzt heisst dies soviel wie: Es gibt nur ein Gebiet, welches das echte Gebiet ist, unsere "Show" muss im Jagdgeschehen stattfinden. Der ganze Rest ist "Spielerei" und kann von jedermann gemacht werden. In der ganzen Working Test Szene gibt es nur wenige, die an einem Field Trial starten können und ein Resultat machen.
Ich bin mir bewusst, dass meine Ansprüche an meine Zuchthunde sehr hoch sind und danke mit Blick auf die obige Aussage für das Kompliment, denn alle meine Hunde gehören zu diesen wenigen, die sowohl an Working Tests als auch an Field Trials mithalten können - ausserdem noch in der Rettungsarbeit...
Solange die "Spielerei" dazu führt, dass Haredales an verschiedenen Meisterschaften mitlaufen, dass sie als Rettungshunde im Sport oder Einsatz sind, sowie als Betäubungsmittel-Spürhunde oder Schweisshunde im Dienste des Menschen stehen, so lange bin ich sogar glücklich und werde alle meine WelpenkäuferInnen weiter zu "Spielereien" ermuntern und von meinen ursprünglichen Zuchtzielen nicht abweichen!
Bedingt dadurch, dass wir in der Schweiz – abgesehen von kleineren Entenjagden - keine Federwild- oder Hasenjagd haben, in welcher ein Retriever seine rassespezifische Arbeit machen könnte, sehe ich mich gezwungen hunderte von Kilometern zu fahren um meinen Zuchthunden die Möglichkeit der echten Retrieverarbeit zu geben. Im Vergleich zu Hunden, die in Ländern daheim sind, wo sie jeden Winter unzählige Tage im jagdlichen Einsatz stehen (so genanntes "picking up") und somit unschätzbare Erfahrungen sammeln können, sind meine Zuchthunde arm dran. Einige Entenjagden, ein paar Tage Rothuhnjagd oder in Ausnahmefällen eine Woche Fasanenjagd ist alles, was ich ihnen an "picking up" bieten kann.
Dennoch erbringen alle meine Zuchthunde nebst der Arbeit in den zwei Rettungssparten (SanH und LawH**) sowie an Working Tests, alle auch den Nachweis der Leistungen an Field Trials, weil ich sicher sein will, dass sie die ursprünglichen Retrievereigenschaften wie "steadiness", "gamefinding ability", "soft mouth", und den "will to please" in der Suche haben.
Ein Teil dieser Eigenschaften machen es nämlich möglich, dass ein und derselbe Hund in verschiedensten Sparten arbeiten kann, dass der Hund diese Intelligenz hat, die ich für die vielseitige Arbeit mit den Hunden brauche. Deshalb freue ich mich, nach Haretor Wischnu, Conneywarren Spike, nun auch Spikes Tochter, Enchanting Goldcrest vom Keien Fenn zum "Internationalen Arbeitschampion" geführt zu haben - in der Schweiz die bisher einzigen drei Labrador Retriever, die in der 125-jährigen Geschichte der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft diesen Titel erreicht haben!***
Und die Zukunft?
Die Beurteilung dessen, was ein "schöner" Labrador ist, hat sich leider in den 33 Jahren, seit ich meinen ersten Labrador, Dirk von Stieg, gekauft habe, derart verändert, dass ein rein gezogener Field Trial Labrador - so schön er auch sein mag - bei uns in der Schweiz kaum mehr den Formwert "sehr gut" erhält. Wenn alle reinen Field Trial Linien Labradors nur noch den Formwert "gut" erhalten, womit soll ich in Zukunft züchten, wenn unser Reglement vorschreibt, dass mindestens ein Teil einer Verpaarung den Formwert "sehr gut" aufweisen muss?
* "field" hat die Doppelbedeutung von "Feld" und "Gebiet". Vielleicht müsste ich meinen Zwingerzusatz abändern in «Our Show is many Fields» (unsere Show ist in vielen Gebieten)?
** alle meine Zuchthündinnen waren 2008 für die SM-LawH qualifiziert: Dart mit André Bühler (sie wurden Vizemeister!); Crest & Kanya mit mir...
*** Insgesamt gibt es bis zum heutigen Tage in der Schweiz nur 5 Retriever, die den Titel des Internationalen Arbeitschampions erlangt haben: Nebst meinen drei Hunden noch "Amirene Intrepid" (Golden Retriever von Béa Loetscher) und "A Blizzard of de Bartelt" (Golden Retriever von Werner Haag).
Verena Ommerli, Januar 2009