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Herzberg und Transaktionsanalyse
Im Zusammenhang mit der Motivation am Arbeitsplatz hat Frederick Herzberg die „Zwei-Faktoren-Theorie“ aufgestellt. Ich werde hier diese Theorie kurz vorstellen und einen Bezug zur Transaktionsanalyse herstellen.
Definition „Motivation“
Motivation ist der Motor für Tätigkeiten.
(Stroebe / Stroebe)
Das Bild des Motors werde ich später aufnehmen.
Die Zwei-Faktoren-Theorie
Frederick Herzberg betrachtet Unzufriedenheit nicht als das Gegenteil von Zufriedenheit. Zufriedenheit und Unzufriedenheit sind in seiner Theorie zwei unabhängige Eigenschaften.
Wer nicht unzufrieden ist, muss nicht zwingend zufrieden sein.
Als Grundlage zu seiner Theorie befragte Herzberg Menschen nach Ereignissen, die zu hoher Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit am Arbeitsplatz führten. Dabei stellte er fest, dass es unterschiedliche Faktoren sind, welche Zufriedenheit und Unzufriedenheit beeinflussen.
Hygienefaktoren
Faktoren, welche helfen, die Unzufriedenheit zu vermeiden, nennt Herzberg „Hygienefaktoren“. Es geht hier um äussere Rahmenbedingungen:
- Entlöhnung
- Personalpolitik
- Arbeitsbedingungen
- zwischenmenschliche Beziehungen zu Mitarbeitern und Vorgesetzten
- usw.
Das Vorhandensein von Hygienefaktoren schafft keine Zufriedenheit (höchstens für kurze Zeit), vermeidet aber das Unzufriedensein. Man kann sie daher auch als „Unzufriedenheitsvermeider“ bezeichnen.
Im Auto-Beispiel sind Hygienefaktoren mit der Pflege des Wagens zu vergleichen. Wer zu seinem Fahrzeug Sorge trägt, es regelmässig durch einen Automechaniker warten lässt, schafft gute Bedingungen dafür, dass das Auto dann auch wirklich fährt. Eine gute Pflege ersetzt aber nicht den Treibstoff.
Motivationsfaktoren
Zu den Motivatoren oder Motivationsfaktoren zählen z. B.
- Freude an der Arbeit
- Anerkennung
- Arbeitsinhalte
- Verantwortung
- Zukunftsperspektiven
Diese Faktoren schaffen Zufriedenheit, ihr Fehlen bewirkt aber nicht unbedingt Unzufriedenheit.
Motivationsfaktoren entsprechen dem Kraftstoff, den der Motor braucht, um ein Fahrzeug antreiben zu können.
Die Zwei-Faktoren-Theorie im Überblick
Gemäss der Herzberg-Theorie, die sich mit meinen Erfahrungen und Beobachtungen deckt, gibt es einen neutralen Bereich, in welchem weder Zufriedenheit noch Unzufriedenheit herrscht. Es handelt sich um die Grenze zwischen Zufriedenheit und Unzufriedenheit.
Hygienefaktoren sind dafür verantwortlich, dass eine Person sich nicht unterhalb der Grenze befindet. Sie können ihn aber nicht in den oberen Bereich bringen. Motivationsfaktoren tragen dazu bei, dass sich jemand oberhalb der Grenze bewegen kann.
Der Versuch, mit Hygienefaktoren zu motivieren (z. B. mit gutem Gehalt), wird gemäss der Zwei-Faktoren-Theorie scheitern.
Verbindung zur Transaktionsanalyse: Grundbedürfnisse
Eric Berne nennt drei verschiedenen Antriebsfaktoren oder Arten von Hunger:
- Bedürfnis nach Stimulierung
- Bedürfnis nach Anerkennung
- Bedürfnis nach Struktur
Für das Bedürfnis nach Stimulierung verwendet Leonhard Schlegel den Begriff Grundbedürfnis nach (sinnlicher) Anregung. Hennig und Pelz erwähnen in Zusammenhang mit der Stimulierung den gesunden Stress. Es geht hier um die Arbeitsinhalte und somit um Motivationsfaktoren.
Obwohl Anerkennung gemäss Herzberg zu den Motivationsfaktoren zählt, muss das Bedürfnis nach Anerkennung differenziert betrachtet werden. In der Transaktionsanalyse werden verschiedene Arten von Strokes unterschieden, mit welchen Anerkennung weitergegeben werden:
- positiv und bedingungslos
z. B. „Es ist schön, dass du hier bist.“
- positiv und bedingt
z. B. „Diese Arbeit hast du gut gemacht.“
- negativ und bedingt
z. B. „Deine Arbeit entspricht nicht unseren Standards.“
- negativ und bedingungslos
z. B. „Du bist dumm.“
Die beiden positiven Arten fördern die Motivation – vorausgesetzt, sie sind ehrlich gemeint. Auch negative bedingte Strokes sind meiner Meinung nach den Motivationsfaktoren zuzuordnen, sofern sie begründet, nachvollziehbar und wohlwollend formuliert werden. Ist dies nicht der Fall schwingt vermutlich unterschwellig auch ein bedingungsloser negativer Stroke mit.
Es liegt auf der Hand, dass negative bedingungslose Strokes keine motivierende Wirkung haben. Diese Art von Strokes am Arbeitsplatz haben Unzufriedenheit zur Folge. Ihr Fehlen bewirkt aber nicht zwingend Zufriedenheit. Ich bezeichne daher „fehlende bedingungslos-negative Strokes“ als Hygienefaktor.
Das Strukturbedürfnis verlangt gemäss Hagehülsmanns nach Sicherheit und Information. Dies wird durch die Strukturierung der Zeit erreicht (darüber werde ich in einem späteren Artikel mehr schreiben). Es geht dabei hauptsächlich um die Gestaltung der gemeinsamen Zeit. Somit ist das Strukturbedürfnis im Bereich der Hygienefaktoren anzusiedeln. Gemäss Herzberg gehören zwischenmenschliche Beziehungen zu Mitarbeitern und Vorgesetzten dorthin. Eine befriedigend erlebte Zeitstruktur hilft also Unzufriedenheit zu vermeiden, verschafft aber noch nicht Zufriedenheit.
Fazit
Struktur und das Fehlen von negativ-bedingungsloser Zuwendung sind wichtig, weil dadurch Unzufriedenheit vermieden werden kann. Jedoch nur wenn die drei anderen Zuwendungs-Arten erlebt werden und das Bedürfnis nach Stimulation befriedigt wird, kann Motivation und Zufriedenheit wachsen.
(Diesen Beitrag habe 2009 als Teil meiner schriftlichen CTA-Prüfungsarbeit verfasst und 2010 im damaligen TA-Blog erstmals veröffentlicht.)