Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03164.jsonl.gz/2250

Das musikalische Programm
Felix Mendelssohn:
Ouvertüre „Meeresstille und glückliche Fahrt“ für Orchester
Der 42. Psalm „Wie der Hirsch schreit“
für Sopran, Chor und Orchester
Antonín Dvořák:
Biblische Lieder, Nrn. 1-5 für Mezzosopran und Orchester
Te Deum op. 103 für Sopran, Bass, Chor und Orchester
Das musikalische Programm des Konzerts in Uster gliedert sich klar in zwei Blöcke. Zwei Kompositionen des norddeutschen Romantikers Felix Mendelssohn stehen zwei Werke des Böhmen Antonín Dvořák gegenüber. Eine Verbindung zwischen den beiden Blöcken schafft der Umstand, dass sowohl Der 42. Psalm als auch die Biblischen Lieder textlich auf das Buch der Psalmen im Alten Testament zurückgreifen.
Mendelssohns Meeresstille und glückliche Fahrt ist kein geistliches Werk, sondern eine Konzert-Ouvertüre, deren programmatischer Gehalt auf einem Gedicht von Goethe beruht: Ein Segelschiff bleibt wegen einer Flaute des Windes auf dem Meer stecken, doch sobald der ersehnte Wind einsetzt, kommt das Schiff in Fahrt, und alsbald erspähen die Matrosen die Küste. Auf den geistlichen Bereich übertragen, spielt sich auch beim 42. Psalm etwas Ähnliches ab. Die Situation des Menschen ist mit der des Hirsches vergleichbar: So wie der Hirsch, wenn er kein Wasser bekommt, stirbt, so verkümmert auch der Mensch, wenn er seine Verbindung zu Gott aufgibt. So beschreibt es der Psalm. Die ersten sechs Sätze der Komposition sind dieser Idee gewidmet. Erst in der Schlussfuge schlägt dann die Gewissheit der göttlichen Hilfe in einen freudigen Lobgesang um.
Dvořáks Biblische Lieder für tiefe Stimme und Klavier entstanden 1894 in New York. Sie drücken eine schlichte und aufrichtige Frömmigkeit aus. Fünf dieser Lieder hat der Komponist später orchestriert, und in dieser Fassung erklingen sie in unserem Konzert. Ebenfalls in Amerika entstanden ist das Te Deum. Ursprünglich als Beitrag zum 400-Jahr-Jubiläum der Entdeckung Amerikas geplant, fand die Uraufführung aber erst nach den Feierlichkeiten statt. Das gross besetzte Werk strahlt vom ersten Takt an eine festliche Erregtheit aus und steigert sich in den Alleluja-Rufen des Schlusses zu ekstatischem Jubel.
Thomas Schacher