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Erschienen in der SonntagsZeitung vom 30.08.2020
Etwa 24 Milliarden Franken würden uns die neuen Kampfjets kosten, das grösste Rüstungsprojekt der Schweizer Geschichte. Den genauen Betrag kann oder will das VBS vor der Abstimmung am 27. September nicht kommunizieren. Die Grössenordnung dürfte aber stimmen.
24 Milliarden sind ein Betrag, bei dem es sich lohnt, ein paar Vergleiche anzustellen. Beginnen wir mit ein paar Absurditäten: Der Nachhaltigkeitsbericht der Nationalbank gibt nicht extrem viel her, aber er enthält immerhin den Brennwert von Notengeld. Damit kann man ausrechnen, dass man ein durchschnittliches Einfamilienhaus während knapp zweier Jahrhunderte beheizen könnte, indem man 24 Milliarden in Form von Zehnernoten verbrennt. Oder man könnte das Geld anstatt in Düsenflieger in Luftballons investieren und eine Ballonkette auf einer Länge basteln, die von hier bis zur Sonne reicht.
Falls wir nicht zufrieden sein sollten mit den neuen Zügen der SBB, könnten wir den Bundesbahnen eine komplette neue Fernverkehrsflotte kaufen – zwölfmal. Für diejenigen, die es eher mit dem motorisierten Individualverkehr haben: Mit 24 Milliarden könnte man genügend Autos kaufen, um damit eine zwölfspurige Kolonne von Genf nach Romanshorn zuzuparkieren.
Wir Sozis haben ja den Ruf, gerne zu verstaatlichen und zu enteignen, darum noch dieser Vergleich: Wären alle Einwohner und Einwohnerinnen einer Stadt wie Frauenfeld Millionäre, müsste man sie alle enteignen, um an 24 Milliarden zu kommen.
Diese Vergleiche machen zwar Spass, aber schlussendlich geht es um eine banale Wahrheit: 24 Milliarden sind ein unverschämt hoher Betrag. Wir können jeden Steuerfranken nur einmal ausgeben. Das Geld für die Kampfjets fehlt danach andernorts.
Hier darum noch ein paar ernsthaftere Vergleiche. Der Bund wird für Corona-Nachtragskredite, für die Kosten von Kurzarbeit, Erwerbsersatz und Schutzmaterial voraussichtlich um die 18 Milliarden ausgeben. Das ist weniger, als die Kampfjets uns kosten. Mit den Kosten für die Kampfjets könnten wir 100 Jahre lang den Vaterschaftsurlaub finanzieren, der auch am 27. September zur Abstimmung kommt. Man könnte mit dem Geld anstatt Kampfjets für jeden Menschen in der Schweiz 7500 Hygienemasken kaufen. Oder wir könnten allen Angestellten im Gesundheitswesen einen Bonus von zwei Jahreslöhnen bezahlen. Sie hätten es verdient. Oder wir könnten einen Grossteil der Schweizer Energieversorgung auf Fotovoltaik umstellen. Eine Investition, von der noch unsere Enkelkinder profitieren würden.
Stimmen wir am 27. September Nein zu den Luxusjets, geben wir dem VBS die Möglichkeit, ein kostengünstigeres Projekt für die Luftpolizei auszuarbeiten. Das ist nicht schwierig, wenn man sich vom ideologischen Ballast des Kalten Krieges befreit, und die Zeit bis zur Ausmusterung der F/A-18 reicht noch gut dafür.
Danach können wir überlegen, was die Schweiz mit den eingesparten Milliarden machen soll. Die Ballonkette bis zur Sonne wäre zwar spektakulär, aber wir hätten sicher noch bessere Ideen.