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Buchprojekt von Sylvia Sasse
Ausgangspunkt des Buches ist ein Satz des Kellerlochmenschen aus Dostoevskijs 1864 veröffentlichter Erzählung "Aufzeichnungen aus dem Kellerloch". Dieser Kellerlochmensch charakterisiert seine Lebensphilosophie wie folgt: "Ich hatte mir für alles eine edle Hintertür (lazejka) zugelegt...". Lazejka bezeichnet im Russischen eine Ausflucht, eine Hintertür, eine Öffnung, ein Schlupfloch, beispielsweise ein Loch im Zaun, durch das man potentiell verschwinden kann.
Bei Dostoevskij steht lazejka für eine mögliche Ausflucht, die man sich von vornherein offenlässt. Die spezifische Hintertürphilosophie des Menschen aus dem Kellerloch haben zwei unterschiedliche Philosophen bzw. Philologen, und zwar Friedrich Nietzsche und Michail Bachtin, implizit und explizit zum Thema eigener Überlegungen gemacht.
Nietzsche liest die Aufzeichnungen aus dem Kellerloch im Winter 1886/87 zur Zeit der Niederschrift der Genealogie der Moral. Das Hintertürverhalten ist in Nietzsches Genealogie Kennzeichen des reaktiven Verhaltens des Menschen mit Ressentiment. Bei Bachtin ist die Hintertür, genauer gesagt das Wort und das Bewusstsein mit Hintertür, ein Charakteristikum des Möglichkeiten erzeugenden, dialogischen Prinzips der Rede, das er in seiner 1929 veröffentlichten Studie zur Poetik Dostoevskijs beschreibt.
Nietzsches und Bachtins Lektüren von Dostoevskijs Text sind auf den ersten Blick sehr unterschiedlich, sie führen den einen, Nietzsche, zur Reaktivität, den anderen, Bachtin, zur Dialogizität. Das Buch beginnt mit dieser Dreierkonstellation, verfolgt die Idee der Hintertür in ihrer Philosophie, diskutiert das poetische und philosophische Potential eines Hintertürdenkens und zeigt, wie sich dieses insbesondere in der russischen Literatur (Charms, Nabokov, Kabakov) auf andere Weise fortsetzt.
Projektleitung: Prof. Dr. Sylvia Sasse