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Irgendwann im Jahre 1986 kam dann bei Gila-Baby, Schackofatz, Davida und mir die Idee auf, einmal für einen Monat nach Südfrankreich zu gehen und dort auf Campingplätzen, in Beizen und in Discos aufzutreten. Wir trafen uns ganz zufällig in einer Zupfstube im Welschdörfli in Chur. Diese war allgemein unter dem Begriff "Fuzastuba" bekannt. Damals traf man sich auch in der „Grata Figa", die zur Tarnung „Cava Grischa" hiess, in der „Felsenbar" und im „Safari". Unter welchem Bandnamen das geschehen sollte, war nach ein paar Bier klar: Tyte Stone waren wieder reaktiviert! Wir spielten dann in Chur noch zwei, drei Gigs zum Aufwärmen und waren innert kürzester Zeit bereit für alle möglichen Schandtaten. Bei dem einen dieser Gigs war Davida so katzkegelvoll, dass wir ihn nach Hause tragen mussten. Vermutlich war der Trennungschmerz von Schizofränzi, einer seiner Gespielinnen, einfach zuviel für den sensiblen Kerl. Vielleicht war er aber auch nur geschwächt, denn zu der Zeit ernährte er sich fast ausschliesslich von Bier, Milch und Mais. Unnötig zu erwähnen, dass er von den Frauen seines tadellos schneeweissen Körpers wegen oft ausgenutzt worden ist.
Gesagt, getan. Gila-Baby organisierte auf français-federal telefonisch eine Villa mit Pool. Das Aufspüren von Gigs war sogar viel leichter als gedacht. Gila-Baby und Shy-Boy fuhren 2 Tage vor dem Rest der Band gen Süden ins gelobte Land. Wir klapperten einfach ein paar Beizen und Campingplätze entlang der Hauptstrasse von St. Aigulf nach Bagnole en fôret, wo unsere Villa war, ab, und fragten die Beizer, ob wir gegen ein bescheidenes Entgelt und gratis Bier und Essen spielen dürften. Innerhalb von drei Tagen hatten wir bereits vier Engagements. In einer dieser Beizen, wo wir dann jedes Jahr ein paar Mal spielen sollten, war gerade eine Party mit Fremdenlegionären auf Heimaturlaub im Gang. Alles kahlrasierte, durchgeknallte Typen, die sich gerade einen ansauften und gröhlten. Gila-Baby hätten die fast die Haare mit ihren Macheten abgeschnitten. Wir konnten aber durch einen Spontanauftritt mit unseren Gitarren die Stimmung kehren und hauten dann nach einer halben Stunde französisch ab. Schmackofatz und Davida kamen dann am nächsten Tag mit einem zweiten Auto an und so ging es zuerst in einen Supermarkt, wo wir einen Kofferraum voll Bier kauften, und dann ab in die Villa zum Einpuffen. Der Vermiter, der kleine Scherzkeks, hatte alle Kästen abgeschlossen. Die mussten wir dann aufbrechen.
Ach ja, dann haben wir noch im Schnitt jeden zweiten Abend auf Campingplätzen und in Discos aufgespielt. Das waren vielleicht Parties! Nur die Holländer postierten sich in Campingstühlen ausserhalb der Beizen und brachten ihr eigenes Bier mit. Nun wussten wir, dass Holländer geiziger als Schotten sind. Die Beizer haben sich ziemlich genervt. Jedes Mal haben wir natürlich auch mit dem Publikum kommuniziert, auf deutsch, französisch und englisch. Immer fragten wir auch, wer aus welchem Land kommt. Und eines Abends ist es dann halt passiert. Keiner der Anwesenden konnte Deutsch! Das setzte ungeahnte Kräfte und Energien in uns frei, denn nun erfanden wir ad hoc Schweizer Volkslieder. Das ging so vor sich, dass wir dem Publikum sagten, dass das folgende Lied ein Volkslied wäre und einfach irgendein Thema spielten und dazu einen Text erfanden. Abwechselnd sangen Gila-Baby und ich um die Wette, wer krassere Texte aus dem Stand erfinden konnte, der hatte die Bewunderung des Anderen auf sicher. Also sangen wir vom Koten, von ausuferndem Sex mit Omas, mutwilliges Überfahren von Hamstern, öffentlichem Urinieren u.s.w. Die anderen in der Band konnten kaum noch spielen vor Lachen. Und das Publikum johlte mit und verstand keinen Schluck, die glaubten doch tatsächlich unseren mehr als ironischen Ansagen, dass es zärtliche Heimatlieder seien. Das sollte noch Folgen haben...
Ein paar unbedeutende Zwischenfälle gaben es schon auch noch. Gila-Baby hatte eines Tages einen Unfall mit seinem Motorrad, das Totalschaden erlitt, natürlich standesgemäss im Suff. Man brachte ihn dann ins Krankenhaus, um ihn zu verarzten. Die Wunden waren nicht weiter tragisch, deshalb musste er ein paar Minuten alleine in einem Zimmer auf den Arzt warten. So ganz alleine im Zimmer liess er auch den einen oder anderen gehaltvollen Bierfurz fahren. Einer war ganz besonders würzig und just in dem Moment kommt der Arzt mit Schwester rein. Gerne hätte ich in diesem Moment sein verlegenes Lächeln und die Gesichter der Franzosen gesehen. Denn weit und breit war kein Köter, dem man das in die Schuhe schieben konnte. Entgegen der gestreuten Gerüchte war es übrigens wirklich ein Furz, denn erst ab einem gestrichen vollen Kaffeelöffel gilt es als "in die Hosen geschissen".
Eins führte zum Anderen: Davida fuhr einen Tag später seinen Wagen eine Böschung runter, vielleicht weil er etwas abgelenkt war. Er selber ist sich nicht mehr sicher und seine Begleiterin bekam es nicht richtig mit, weil sie ihm gerade einen am Blasen war. Auf der kurvenreichen Strecke hatte er es übrigens geschafft, auf der einzigen -100 Meter langen - existierenden Gerade rechts abzubiegen, wo es eigentlich nichts abzubiegen gab. Es drittelt auch noch: Mein Amifass hatte kurz nach der Ankunft eine verbrannte Wasserpumpe und musste zur Reparatur in die Garage und so standen wir ohne Fahrzeug da. Jetzt mussten wir doch tatsächlich mit dem Taxi an unsere Gigs!
Aber auch dieser Sommer ging leider vorüber.