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Der gleiche strukturelle Rückenwind, der die Schwellenländer vor zwei Jahrzehnten beflügelt hat, treibt auch die Schwellenländer der nächsten Generation (NGEN) an. Gründe dafür sind die Verlagerung der arbeitsintensiven Produktion weg von China und Europa in die NGEN-Volkswirtschaften, die mit günstigen demografischen Bedingungen, Kostenvorteilen und steuerlichen Anreizen locken. Hinzu kommt die Erholung des weltweiten Reiseverkehrs.
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Das dürfte den NGEN-Volkswirtschaften Auftrieb geben, in denen der Tourismus oft einen grossen Anteil am BIP ausmacht. Drittens dürften die Rohstoffpreise Ländern und Unternehmen zugutekommen, die «grüne» Materialien wie Kupfer und Lithium produzieren, da Investitionen erforderlich sind, um die weit verbreiteten Verpflichtungen zu Netto-null-Klimazielen zu erfüllen.
Nicht index-, sondern ideenorientiert
In den NGEN-Schwellenländern gibt es gut geführte Unternehmen mit starken Wachstumsaussichten, die zu angemessenen Bewertungen in Sektoren wie Finanzdienstleistungen, Konsum, Fertigung und Werkstoffe in Afrika, Lateinamerika, dem Nahen Osten und Asien gehandelt werden.
James Johnstone ist Portfoliomanager für die Frontier-Markets-Strategie bei Redwheel. Ausserdem ist er Mitglied des Anlageausschusses für die Strategien Emerging und Frontier Markets. Er verfügt über 25 Jahre Erfahrung in den Bereichen Investment Management und Research. Zuletzt war er seit 2009 Senior Managing Director und Director of Investments bei Everest Capital, wo er für Portfoliomanagement und Research in Frontier Markets zuständig war. Davor war er Mitbegründer und CIO von Alcor Investment Management, einem asiatischen Long-Short-Hedgefonds mit mehreren Strategien und Hauptsitz in Singapur.
Zuvor war Johnstone drei Jahre lang bei Gartmore Investment Management tätig, wo er sowohl dem Long-Only- als auch dem Long-Short-Team für globale Schwellenmärkte angehörte. Er begann seine Karriere bei Schroders Investment Management, wo er in den Teams für britische Aktien und globale Schwellenmärkte arbeitete. Johnstone diente ausserdem fünf Jahre lang in der Royal Navy. Er schloss sein Studium an der Christ Church, Oxford University mit einem MA (Hons) in Klassischer Philologie und modernen Sprachen ab. Er spricht Russisch.
Interessant sind die Chancen in Märkten wie Indonesien, Kolumbien und Ägypten. Sie sind in den Indizes (MSCI World) nur minimal gewichtet und bieten dennoch ähnliche Anlagemöglichkeiten wie einige der grösseren Schwellenländer vor 10 bis 15 Jahren. Dadurch bleibt ein Portfolio nicht index-, sondern ideenorientiert. Dort gibt es weitere strukturelle Wachstumschancen in der nächsten Generation von Schwellenländern, deren Bewertungen im Vergleich zu den entwickelten Märkten weiter sehr attraktiv sind.
Dem Umfeld trotzen
Dieser Trend kommt jedoch in einer unsicheren und tragischen Zeit, da die russische Invasion in die Ukraine weithin auf die Märkte und Lieferketten weltweit ausstrahlt. Einige Länder könnten von den daraus resultierenden höheren Rohstoffpreisen profitieren, während andere mit steigenden Preisen für wichtige Importe und Inflationsdruck zu kämpfen haben.
Trotz diesem Umfeld ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um sich mit den Märkten der nächsten Generation zu befassen, da starke strukturelle Trends dazu beitragen, einige dieser aktuellen Unsicherheiten zu überwinden.
Entwicklung eines Frontier Market
Im Allgemeinen stützen sich Volkswirtschaften in einem frühen Entwicklungsstadium eher auf die Landwirtschaft. Wenn eine Volkswirtschaft ihren Ertrag aus der Landwirtschaft maximiert, führt dies in der Regel zu einem Produktionsüberschuss, der die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen ankurbelt. Dies führt zu einer Hinwendung zur verarbeitenden Industrie und zur Verstädterung, da die Arbeitskräfte aus der Landwirtschaft abwandern und sich auf die Fabrikarbeit konzentrieren. Billige Arbeitskräfte und attraktive Preise für Industrieerzeugnisse wecken das Interesse anderer Volkswirtschaften.
Wenn die Exportbasis einer Volkswirtschaft wächst, steigt das verfügbare Einkommen. In der Regel findet dann eine technologische Modernisierung statt, um den Herstellungsprozess zu rationalisieren. Das führt zu einem Anstieg der Importe, die wiederum die Grundlage für die Industrialisierung einer Volkswirtschaft bilden. Für diesen Prozess sind Finanzierungen und Kredite erforderlich, und die finanzielle Eingliederung ist ein ständiges Thema während dieses Prozesses. Wenn das verfügbare Einkommen steigt, nimmt die Nachfrage nach Immobilien und Haushaltsgeräten exponentiell zu.
Was Investoren beachten müssen
In einigen Frontier-Märkten ist die Liquidität nicht gegeben. Daher sollte nur in liquide Frontier-Märkte investiert werden. Interessant sind marktführende Unternehmen in Sektoren wie Finanzdienstleistungen, Konsum und Produktion. Die Unternehmen sollten eine dominante Marktposition mit starken Managementteams haben, um von der Wachstumsdynamik der zugrunde liegenden Volkswirtschaften zu profitieren.
Das Universum umfasst Unternehmen in Afrika, Lateinamerika, dem Nahen Osten und Frontier-Asien. Wenn man in Ländern wie Sambia, Pakistan oder Burkina Faso investiert, müssen die Risiken analysiert werden. Investitionen in solchen Ländern werden subjektiv als höheres Risiko wahrgenommen, insbesondere wenn man sein gesamtes Geld in ein Land investiert. Daher muss ein Portfolio gut diversifiziert sein und die Anlagen in allen Ländern genau überwacht werden.
Treiber in diesen Märkten
Die Schwellenländer der nächsten Generation dürften in den nächsten ein bis zwei Jahren von drei wichtigen Faktoren angetrieben werden: Rohstoffpreisen, der Verlagerung von Fabriken aus China und der Rückkehr des Reisens. Die säkulare Unterstützung angesichts der weit verbreiteten Verpflichtungen zu Netto-null-Emissionszielen in der Mitte des Jahrhunderts dürfte den Herstellern von «grünen» Materialien wie Kupfer, Lithium usw. zugutekommen.
NGEN-Volkswirtschaften haben die Chance, Investitionen in arbeitsintensive Fertigungsindustrien anzuziehen, die durch Steueranreize und eine günstige demografische Entwicklung angezogen werden. Darüber hinaus könnte die Erholung der weltweiten Reisetätigkeit denjenigen Frontier-Volkswirtschaften Auftrieb geben, in denen der Tourismus einen grossen Teil des BIP ausmacht, wie etwa in Vietnam.