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In den Medien wird Pascal Couchepin gerne als Machtpolitiker, der nicht so recht in die Schweizer Konkordanzdemokratie passen will, dargestellt. Was er zu diesem Bild sagt, und welche Haltung er zu verschiedenen politischen Themen einnimmt, erfahren wir in den im vorliegenden Buch veröffentlichten Gesprächen mit Jean Romain, dem Westschweizer Schriftsteller.
In seiner Antwort auf die Frage, was er davon hält, wenn er mit römischen Kaisern oder Napoleon verglichen wird, ist nicht zu überhören, dass solche Vergleiche ihm schmeicheln. Eine "gewisse Strenge in der Politik" hält er für richtig und er ist der "festen Meinung, dass sich die Staatsmacht von Zeit zu Zeit in ihrem vollen Glanz zeigen sollte." Er würde beispielsweise ungern "bei offiziellen Empfängen ganz auf die Ehrengarde" verzichten. Diese Haltung nehmen zweifelsohne auch andere Schweizer Politiker ein, denen deswegen aber nicht gleich imperiale Politik nachgesagt wird. Die charismatische Erscheinung Couchepins ist wohl das entscheidende Merkmal, denn Charismatiker sind in der Schweizer Politik ungewohnt.
Seine Stellungnahmen zu Sachfragen fördern keine Überraschungen zu Tage. Couchepin ist ein Politiker mit einem fest verankerten (idealistischen) Fortschrittsglauben und ein repräsentativer Vertreter des Schweizer Freisinns. Etwas störend ist, dass Jean Romain kaum eine Behauptung Couchepins hinterfragt. Romain führt Couchepin durch die verschiedenen Gebiete ohne ihn argumentativ herauszufordern. Dabei hätten sich genügend Gelegenheiten geboten, beispielsweise wenn Couchepin behauptet, der Einfluss der Transnationalen Konzerne sei mit Nutzen auch für die ärmsten Länder verbunden, ohne die mehrfach wissenschaftlich belegte Tatsache zu beachten, dass Länder, die sich gegenüber den Transnationalen Konzernen als besonders offen zeigten, heute diejenigen sind, die marginalisiert oder in ihrer Entwicklung stagniert sind und sich durch eine besonders ausgeprägte innere Einkommensungleichheit auszeichnen.
Couchepin versprüht Optimismus und lässt Fortschrittsskeptiker und Globalisierungskritiker als politische Bremser erscheinen, die sich von Unsicherheit leiten lassen. So pachtet er den Pragmatismus für sich. Eine kontroversere Diskussion wäre zu wünschen gewesen.