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Warum haben sich die Raumfahrtbehörden heute mit den Rückständen aus über sechzig Jahren Raumfahrt herumzuschlagen? Wie konnten sich alte Raketenstufen, Explosionsfragmente und Kollisionstrümmer im erdnahen Weltraum ansammeln? Und wann wurde der Widerstand dieser Hinterlassenschaften erstmals wahrnehmbar?
Fragen wie diese stehen im Zentrum des Dissertationsprojekts von Luca Thanei. Das Projekt beschäftigt sich mit der Geschichte von 128 Millionen kleineren (<1cm) und 34'000 grösseren (>10cm) Trümmern, die gegenwärtig um die Erde kreisen. Besonders interessiert dabei, wie die Hinterlassenschaften der Raumfahrt aus dem kollektiven Gedächtnis verdrängt werden konnten, wie sich der Müll im All zu verselbstständigen begann und welche Folgen dies für etablierte Satellitendienste, bewohnte Raumstationen und geplante Missionen nach sich zog.
Mit neuen Antworten möchte sich das Projekt für eine ausgewogene Geschichte der Raumfahrt stark machen: Es soll weniger von fleissigen Ingenieur*innen, mutigen Astronaut*innen, verblüffenden Innovationen, unglaublichen Erfolgen oder grossen Raketen erzählen und dafür mehr über blinde Flecken kühner Zukunftsvisionen, anfällige Spitzentechnologie, vergessliche Bürokratien und unabsehbare Langzeitfolgen in Erfahrung bringen. Dies in der Hoffnung, einen Beitrag an die historisch informierte Beurteilung gegenwärtiger Ziele der Raumfahrt leisten zu können.