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Kurt Hinrichsen, 1901 in St. Gallen geboren, in Basel aufgewachsen, lebte fast ein Leben lang in Paris, wo er 1963 starb.
Kurt Hinrichsen war in seiner Zeit nicht berühmt, aber von Insidern, Galeristen und Sammlern als ein aussergewöhnlicher Maler anerkannt und geschätzt. Leider verpasste er es, sich mit Kritikern und Medienverantwortlichen anzubiedern und ging aus diesem Grund nicht unbemerkt, aber doch als zu wenig bekannt über die Bühne. Sammler kauften seine Bilder, auch der französische Staat, die Stadt Paris, der Kunstkredit Basel und verschiedene Firmen. Etwa 400 Bilder befinden sich in der Schweiz, in Frankreich, in Holland und in den USA in Privatbesitz. Er stellte auch in renommierten Galerien wie Durand-Ruel, Chardin und Barbizon in Paris, in der Kunsthalle Basel und immer wieder bei Bettie Thomen in Basel aus.
Hinrichsen wurde von vielen Kritikern abgelehnt, von andern wieder hoch gelobt. So zieht beispielsweise der Belgier Paul Fierens, der bedeutende europäische Kunstkritiker in der Mitte des letzten Jahrhunderts, eine Linie von den Venezianern, über Rubens, Delacroix, Van Gogh, Soutine und sogar bis zu Ensor. Er schreibt: „Kurt Hinrichsens Kunst spricht nicht, sie erstaunt, sie singt, sie schreit, sie explodiert und lässt niemanden unberührt. Weitere Kritiker platzieren ihn in die Nähe von Renoir oder sprechen von einem ins Expressive übersetzten Impressionismus.
Einer der bekanntesten Sammler von Cézanne Zeichnungen, Adrien Chappuis, aus Aix-les- Bains, verfasste 1954 ein Buch mit schwarzweissen und farbigen Abbildungen über Kurt Hinrichsen. Er findet darin eine Verbindung von den Venezianern, namentlich von Tintoretto zu Rubens, zu Delacroix und meint, die in keine Schule und keine gängige Etikette passende Malerei könne man vielleicht als expressionistisch angetönten Barock bezeichnen, obwohl sich Hinrichsen nie zu den Expressionisten hingezogen fühlte. Chappuis bezeichnet sie als eine eigene, individuelle, mit viel Feinheit und Engagement gestaltete, echte Schöpfung, die Befürworter begeistere und ebenfalls Ablehnende finde.
Hinrichsen war ein guter Zeichner und feinfühlender Gestalter, der in seinen Bildern Menschen, Architektur, Objekte und Musik zu Kompositionen zusammenwob. Den Weg zur Farbe fand er durch seine Arbeit. Er betrachtete und liebte das reale Leben um sich herum, fühlte sich in die Dinge hinein, suchte den Ausdruck und übersetzte Gedanken und Gefühle in seinen persönlichen Stil. Jede Figur und jedes Objekt setzte er mit der damit gehenden Stimmung in seine Kompositionen. Seine Menschen, die Gegenstände und Landschaften leuchten oft zart, dann wieder mit aller Kraft und oft mit Dramatik. Alles was er malt ist ausgewogen und in letzter Konsequenz übereinstimmend. Fast jedes Bild zeigt dynamisierte Lyrik, oft mitreissende Bewegung und fein aufeinander abgestimmte Details. Sein Werk lässt keinen Betrachter unberührt. Eine französische Zeitung schrieb einmal: „Alles braust, musiziert, tönt und lebt. Hinrichsen malt aus seiner Sicht immer das Leben, das Sichtbare, die vibrierende Welt und zeigt gleichzeitig dahinter steckende Kräfte. Sein Ausspruch: «L‘art c‘est la vie!» ist in jedem seiner Werke enthalten. Mehr als einmal hiess es, Hinrichsen sei ein Visionär der Realität.
Die Stiftung „Kurt Hinrichsen, domiziliert in Basel, umfasst einen grossen Teil des Nachlasses, der von Werner und Daisy Iselin in CH-2952 Cornol/JU verwaltet wird. Viele Bilder befinden sich in Privatbesitz.