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Entertainment
Was passiert, wenn 11 Menschen auf engstem Raum über den Atlantik segeln? Die neue Doku "The Raft" erzählt, was bei einem Sozialexperiment in den 70ern geschehen ist.
Die Szenen in der neuen Doku "The Raft" zeigen eine seltsam faszinierende Hippie-Odyssee aus dem Jahr 1973: Auf einem 12 Meter langen und 7 Meter breiten Boot tummeln sich 11 Menschen unterschiedlicher Herkunft, Rasse, Bildung und Alter – darunter ein angolanischer Priester, eine Kellnerin aus Alaska (die vor ihrem gewalttätigen Ehemann geflohen ist), ein französischer Taucher und ein Arzt aus Israel. Eine Gemeinsamkeit gibts: Alle Teilnehmenden sind durchwegs attraktiv.
Der mexikanische Anthropologe Santiago Genovés hatte das Sozialexperiment initiiert. Er wollte herausfinden, wie Menschen in Extremsituationen reagieren. Wann würden die Dinge ausser Kontrolle geraten, womöglich sogar in Gewalt ausarten? Hätten die wissenschaftlichen Erkenntnisse vielleicht sogar so viel Gehalt, dass sich Kriege verhindern liessen? Genovés beschloss, eine Gruppe von Menschen auf einem kleinen Boot quer über den Atlantik zu schicken.
Im Mai 1973 setzte das Boot ab. 101 Tage dauerte die Reise übers Wasser von den kanarischen Inseln bis nach Mexiko. Eine Kameracrew filmte den ganzen Trip - was das ganze zu einem der ersten Reality-TV-Formate überhaupt macht. Obwohl die Reise von einem mexikanischen TV-Sender gesponsert wurde, wurden die Aufnahmen nie ausgestrahlt. Wohl unter anderem, weil sie nicht das lieferten, was man sich von ihnen versprochen hatte. Statt in Gewalt zu versinken, schafften es die Menschen an Bord, sich auf ein friedliches Zusammenleben zu einigen. Und obwohl die Presse während des Experiments vom "Sex-Boot" hechelte, gab es offenbar gar keine tagelangen Orgien.
Der Filmemacher Marcus Lindeen hat in seiner neuen Doku, die ab heute im Kino zu sehen ist, die alten Aufnahmen gebündelt. Und: Bringt die Crew nach 43 Jahren wieder zusammen. "Sie benahmen sich beim ersten Treffen wie Geschwister", sagt der Regisseur in einem Interview mit "Dazed".