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Trix Haussmann-Högl wurde 1933 in Chur geboren, Robert Haussmann 1931 in Zürich. Sie studierte an der ETH in Zürich Architektur, er besuchte die Kunstgewerbeschule und studierte an der Rietveld Academie in Amsterdam. 1958 wurde er Mitglied der Gruppe «Swiss Design». 1967 heirateten Trix Högl und Robert Haussmann und eröffneten ihre «Allgemeine Entwurfsanstalt» in Zürich. Beide lehrten an der ETH und an Kunsthochschulen. Zu ihren bekanntesten Werken gehören die Gestaltung des Shopville mit den markanten Streifen im Zürcher Hauptbahnhof und die Einkaufspassage Galleria in Hamburg.
von Gabrielle Boller
Dieser Sessel ist offensichtlich ein bisschen janusköpfig: Im oberen Teil erinnert er mit seinem kunstvoll in Rauten gelegten und sorgfältig kapitonierten, also knopfgesteppten Polster an die von Whiskydämpfen und Zigarrenrauch geschwängerte Behäbigkeit der klassischen ChersterfieldMöbel; im unteren Teil hingegen gemahnen schlanke Stahlrohrbeine an die kühle Funktionalität der Moderne. Dass diese Kombination, 1962 für die Swiss Design Collection entworfen, nicht zu einer heillosen Dissonanz, sondern zu leichtfüssiger, nonchalanter Noblesse führt, ist dem Sinn für fein dosierte Ironie des Designerpaars Trix und Robert Haussmann zu verdanken. Geschult an den strengen Prinzipien der Moderne – zu ihren Lehrern gehörten Gerrit Rietveld, Willy Guhl und Werner Moser – wurde ihnen der dogmatische Leitzsatz des «Form follows function» schon bald einmal suspekt. Sie taten sich zusammen, nicht nur um zu heiraten, sondern auch um 1967 die «Allgemeine Entwurfsanstalt » zu gründen, in der sie an all den schönen Überzeugungen der reinen Lehre modernen Designs und moderner Architektur zu rütteln begannen.
Dass die «gute Form» erstarrt und die Moderne in der Krise sei, zu dieser Überzeugung gelangten Anfang der 1970er Jahre einige Gestalter – doch anders als die postmodernen Neuerer aus dem Umkreis von Ettore Sottsass etwa, die mit «Memphis» bald einmal einen schrillen Stil entwickelten, betrieben Trix und Robert Haussmann ihre Demontage bei aller Verspieltheit der Entwürfe didaktisch, ernsthaft und mit System. So entwarfen sie beispielsweise neun «Lehrstücke», bei denen unter anderem Architekturzitate wie Brücken oder Säulen zu Möbelstücken umfunktioniert wurden. Dabei soll die Form nun nicht mehr der Funktion folgen, sondern vielmehr durch diese gestört werden, wenn etwa ausschwenkbare Schubladen die klare Linie einer kannelierten antiken Säule zerstückeln. Mit solchen Modellmöbeln, und später auch in einem schriftlichen Manifest, formulierten die Haussmanns ihren «Kritischen Manierismus» – denn mit den illusionistischen Tricks der Epoche des Manierismus, der von der Renaissance zu den Ausschweifungen des Barocks überleitete, arbeitete das Schweizer Designerpaar gegen die Schmallippigkeit einer humorlos ihre Dogmen verteidigenden Moderne an. Zu ihren Stilmitteln, mit denen sie Möbel, Geschirr, Textilien, Innenräume und Architektur gestalten, gehören Spiegel, die Perspektiven verändern und endlose Räume suggerieren, trügerische Materialverfremdungen, bei denen sich Marmor womöglich als bemaltes Holz erweist, und überhaupt Trompe-l’oeil-Malereien, die dem Betrachter genüsslich etwas vorgaukeln, das so gar nicht wirklich vorhanden ist. Spielerisch verschränken Trix und Robert Haussmann traditionelle Techniken, historische Elemente und moderne Formsprache, unterlaufen sämtliche Forderungen nach karger Schlichtheit, wie sie die Designszene der Sechziger vorgab – und schufen, ja, ziemlich frivol, legendäre Klassiker des Schweizer Designs.