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Die Zahlen werden uns noch länger die Luft anhalten lassen: 96 Jahre alt geworden. 70 Jahre auf dem Thron. 11 US-Präsidenten überlebt, neun deutsche Bundeskanzler und 63 Trainer des Ruhrpott-Fussballclubs «Schalke 04». Für den 64., der wohl – Resultat-geschuldet – auch bald fällig wird, hat es der beliebtesten Monarchin des letzten Beinahe-Jahrhunderts nicht mehr gereicht. Ironie des Schicksals…
«London Bridge is down»!
Mit diesem Kernsatz wurde die neue britische Premierministerin Liz Truss am vergangenen 8. September über den überraschend schnellen Tod von Königin Elisabeth II. ins Bild gesetzt. Überraschend schnell schon, unerwartet – zuletzt nicht mehr.
Allerdings… das Ableben der am 2. Juni 1953 gekrönten Elizabeth Alexandra Mary oder eben Elisabeth II. aus dem Hause Windsor fällt in eine Zeit, da man sich sogar mit der Wahrscheinlichkeit auseinanderzusetzen wagte, sie könnte womöglich auch den Dauer-Thronfolger Charles, Prince of Wales überleben. Nun ist die 8-fache Grossmutter und 12-fache Urgrossmutter all den Spekulationen zuvorgekommen. Friedlich eingeschlafen, wie es aus dem Königshaus zu vernehmen war, in ihrer schottischen Sommerresidenz «Balmoral Castle».
«Le roi (exakter vielleicht la reine) est mort, vive le roi » («Der König, oder eben die Königin) ist tot, es lebe der König»)… das ist die Heroldsformel, mit der in Frankreich einst der Tod des alten Königs verkündet und gleichzeitig der neue ausgerufen wurde. Betont wurde damit die Kontinuität der französischen Erbmonarchie und die rechtliche Tatsache, dass beim Tod des Königs die Krone sofort in den Besitz des Nachfolgers übergeht. Das war allerdings 1824 letztmals der Fall, als Karl X. den Thron von seinem verstorbenen älteren Bruder Louis XVIII. im Exil vererbt bekam. Louis und Karl hatten sich nach Ausbruch der französischen Revolution 1789 und der Hinrichtung ihres Bruders Louis XVI. ins Ausland abgesetzt – Karl zum Beispiel auf einer abenteuerlichen Reise durch halb Europa… von Brüssel via Bern, Turin und Koblenz nach Grossbritannien.
Grossbritannien, das Stichwort.
Dort ist in Sachen «Kontinuität der Erbmonarchie» gerade eben ein Exempel statuiert worden. The queen is dead, long live… the king! Charlie ist also doch noch zum Handkuss gekommen. Und das ging – wie es eben Tradition ist – ganz fix. Aus Charles, Prince of Wales wurde mit einem Federstrich His Majesty King Charles III. Und seine Angetraute Camilla darf sich ab sofort Queen Consort nennen, was simpel und einfach die Königs-Gemahlin bezeichnet. Noch trauert ganz England um die Leitfigur des britischen Adels – und tut das mit aller Garantie bis mindestens Montagnachmittag, wenn ihre Familie und die versammelten gekrönten Häupter Europas sich pompös von «Tía Lilibeth», wie der heutige spanische König Felipe und seine Geschwister die Queen immer nannten, verabschieden werden.
Pompös – natürlich. Mann kann es sich schliesslich leisten.
Das Wirtschaftsmagazin «Forbes» schätzte den privaten Besitz von Elisabeth II. zuletzt auf 550 Millionen Franken. Zum Vermögen gehören Schlösser und Landsitze wie «Sandringham House» in der Grafschaft Norfolk, der «Holyrood-Palast» in Edinburgh oder Schloss «Balmoral» im schottischen Aberdeenshire, wo die Königin vor einer Woche gestorben ist. Die Queen war auch an der Börse investiert. Der Wert ihrer Anteile an britischen Firmen wird auf rund 100 Millionen Franken geschätzt. Dazu addiert sich das «Einkommen» der Krone aus den sogenannten «Crown Estates» – dem Besitz des Königshauses, auf den der Monarch indessen keinen direkten Zugriff hat, und dessen Überschüsse in die Kasse der englischen Regierung fliessen. Dieser soll um die 30 Milliarden Franken wert sein! Die «Firma» oder das «Familiengeschäft», wie der Queen-Gemahl Prinz Philip diese Besitztümer einst augenzwinkernd genannt hatte, bewirtschaftet Ländereien im ganzen Königreich, Top-Immobilien an bester Lage in London oder auch die Pferderennbahn «Ascot». Die Erträge daraus werden in den «Sovereign Grant» abgeführt. Aus den verschiedenen Töpfen kassierte der Buckingham Palast (von den Steuerzahlern also) zuletzt eine jährliche «Vergütung» von bescheidenen 95,5 Millionen Franken.
Mitglied des britischen Königshauses zu sein, rentiert sich allemal. Bei diesen Summen zieht es selbst den hartgesottensten Royalisten den Schottenrock aus. Doch – auch wenn die monarchie-kritischen Stimmen jenseits des Ärmelkanals zuletzt wieder lauter geworden sind, der Tod der quer durch den Commonwealth beliebten und respektierten Langzeit-Herrscherin hat diese vorübergehend wieder zum Verstummen gebracht. In Erinnerung ist augenblicklich die Königin, der ein beachtenswerter Humor eigen war, und die sich auch nicht scheute, mit Daniel Craig, ihrer Majestät Geheimagent James Bond 007, 2012 an einem Union-Jack-Fallschirm ins Olympiastadion in London zu schweben.
Sicher ist eines: König Charles III. tritt kein leichtes Erbe an. Die Fussstapfen, die seine Mum zurückgelassen hat, sind nicht eben klein. Wäre der Nachfolger von Elisabeth II. nicht auch schon 74 (bald, am 14. November nämlich), man würde ihm zutrauen, dass er in diese hineinwachsen könnte. Aber – wie ist das mit dem Wachsen im «höheren» Alter?
Vielleicht hilft ja Gottvertrauen. Immerhin gibt da die flugs angepasste Nationalhymne schon mal die Richtung vor: «… God save the King!»