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Lead
Seit Beginn der 2000er-Jahre haben Schwellenländer wie Brasilien, China und Indien einen rasanten wirtschaftlichen Aufstieg erlebt. Das Projekt untersucht, wie sich dieser Aufstieg auf internationale Differenzierungsnormen auswirkt, die Industrie- und Entwicklungsländern unterschiedliche Rechte und Pflichten zuschreiben.
Lay summary
In der internationalen Politik finden sich einige Normen, die Entwicklungsländern im Gegensatz zu Industriestaaten besonderen Zugang, Ausnahmen oder finanzielle Hilfe gewähren. Im Handelsbereich gilt dies etwa für die Norm der Vorzugsbehandlung von Entwicklungsländern; in der Umweltpolitik für die Norm der geteilten, aber differenzierten Verantwortung, die Industrieländer bei der Lösung globaler Umweltprobleme stärker in die Pflicht nimmt als Entwicklungsländer. Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg Brasiliens, Chinas und Indiens stellt sich die Frage nach der Zukunft solcher Differenzierungsnormen. Auf den ersten Blick lässt sich vermuten, dass der wachsende Einfluss aufstrebender Mächte auch eine Stärkung dieser Differenzierungsnormen zur Folge hat. Offen bleibt allerdings, ob Schwellenländer weiterhin Koalitionen mit Entwicklungsländer eingehen, die diese Normen stärken. Zudem sehen die Industrieländer die Schwellenländer zunehmend als Konkurrenten, deren Anspruch auf Konzessionen durch den wirtschaftlichen Aufstieg verwirkt ist. Trifft letzteres zu, liegt die Erwartung nahe, dass Differenzierungsnormen durch den Aufstieg der Schwellenländer unter Druck geraten.
Vor diesem Hintergrund wollen wir im Rahmen des Projekts herausfinden, ob internationale Normen der Differenzierung durch den Aufstieg der Schwellenländer gestärkt oder geschwächt werden. Gewinnen Sie an Bedeutung, weil die Koalition ihrer Unterstützer nun stärker ist? Büßen Sie im Gegenteil möglicherweise an Relevanz ein, weil die aufstrebenden Mächte aus der Gruppe der Entwicklungsländer ausscheren? Oder hängt die Entwicklung der Differenzierungsnormen von Gegebenheiten ab, die ja nach Politikfeld unterschiedlich ausfallen können?
Das Projekt fragt also letztlich danach, wie sich die normative Ordnung der Weltpolitik durch den Aufstieg Brasiliens, Chinas und Indiens verändert. Im Gegensatz zur aktuellen Forschungslandschaft schaut es dabei weniger auf die Konsequenzen, die dieser Aufstieg für „westliche Normen“ hat; sein Augenmerk gilt vielmehr dem Schicksal „südlicher Normen“. Mit diesem Fokus will das Projekt zu einem umfassenderen und differenzierteren Verständnis der nach-westlichen Weltordnung und ihrer normativen Dynamiken beitragen.