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Erschreckt über hochgezüchtete Kuh
Zum Artikel «Freude und Stolz auf dem Bauernhof Erlen in Willerzell» im EA vom letzten Freitag.
Es erschreckt mich, dass man stolz sein kann, wenn eine Kuh dermassen hochgezüchtet wurde, dass sie über 8000 Liter Milch pro Jahr produziert. In den 90er-Jahren war die Milchleistung einer Kuh gut 6000 Liter. Die Kuh wurde in den wenigen Jahren zu einer Turbokuh hochgezüchtet. Durch die Hochleistung leiden sie oft an Euterentzündungen oder Stoffwechselproblemen. Vier von fünf Kühen müssen heute aus gesundheitlichen Gründen frühzeitig geschlachtet werden.
Im Beitrag wird das Tierwohl auf dem Hof hochgelobt. Jedoch wurden sehr wichtige Fakten vergessen: Damit Milchkühe überhaupt Milch geben, müssen sie ein Kalb gebären – wie jedes Säugetier. Damit dies geschieht, werden sie durch den sogenannte Besamer künstlich befruchtet. Dieser Besamer fährt mit dem einen Arm in den Enddarm der Kuh, wo er den Muttermund so fixiert, dass der mit der andern Hand in die Vagina eingeführte Samen das Ei befruchtet. Wird zusätzlich ein Embryotransfer durchgeführt, entfernt der Tierarzt der Kuh, deren Trächtigkeit vorher vom Computer bestätigt worden ist, einige befruchtete Eier aus der Gebärmutter und pflanzt sie anderen Kühen ein.
Die Spermien kauft der Landwirt bei einer Schweizer Firma, welche mit Stiersperma handelt. Diese Firma hält an fünf Standorten über 2000 Bullen, die auf künstlichen Kuhrücken permanent in Behälter absamen, also Sperma produzieren, das in Dosen gefüllt und in Stickstoff bei knapp minus 200 Grad tiefgefroren wird. Das Stiersperma wird immer öfter dem «Sexting» unterzogen, also nach X- und Y-Chromosomen getrennt, damit der Bauer zwischen einem männlichen und einem weiblichen Kalb wählen kann. Das Kälbchen wird der Mutter direkt nach der Geburt weggenommen, denn die Milch ist für die Menschen vorgesehen, nicht für das Kalb. Das Kalb wird isoliert in ein sogenanntes Kälber-Iglu gesteckt. Zudem kommen Turbokühe ohne Kraftfutter kaum mehr aus. Um die enormen Futtermengen beschaffen zu können, wird in Südafrika Urwald gerodet, um in Monokulturen Sojaplantagen anzupflanzen (Quelle: Neue Zürcher Zeitung).
Fabienne Broch, Willerzell