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Der Jean-Widmer-Preis wird alle zwei Jahre von der Philosophischen Fakultät der Universität Freiburg in Erinnerung an Professor Jean Widmer verliehen, der die Kommunikationssoziologie nachhaltig geprägt hat. Das Hauptziel des Preises ist die Unterstützung des akademischen Nachwuchses in den Sozialwissenschaften. Er zeichnet einen hervorragenden Artikel eines jungen Forschenden aus, der in einer wissenschaftlichen Publikation erschienen ist und einen bedeutenden Beitrag zur Reflexion über die Kommunikation und den öffentlichen Raum leistet.
Für 2021 hat die Jury, bestehend aus Fabrice Plomb, Francesca Poglia Mileti, Muriel Surdez (Jurypräsidentin), Philippe Gonzalez (Universität Lausanne) und Alain Bovet (Haute Ecole de Gestion Arc, Neuchâtel), beschlossen, zwei Autoren auszuzeichnen, die zu sehr unterschiedlichen Themen arbeiten, um den Reichtum der aktuellen Studien in dem vom Preis abgedeckten Bereich zu illustrieren.
Hauptpreis: Justo Serrano Zamora
Justo Serrano Zamora, der vier Sprachen fliessend spricht, war Postdoktorand in zahlreichen Forschungsprojekten in Deutschland und Frankreich; vor kurzem wurde er zum Assistenzprofessor an der Universität Málaga ernannt. Neben dieser Erfahrung in verschiedenen akademischen Welten ist er Spezialist für die Untersuchung sozialer Bewegungen und Forderungen, die in den öffentlichen Raum getragen werden, aus einer sowohl philosophischen als auch soziologischen und historischen Perspektive. In dem Artikel "Approfondir la démocratie : pratiques épistémiques et mouvements sociaux. John Dewey et le potentiel politique des luttes contre l’injustice" (erschienen 2019 in der Zeitschrift Pragmata: Revue d'Études Pragmatistes 2, 63- 110) entwickelt er auf brillante Weise einen Rahmen, um zu verstehen, wie Akteure, die an sozialen Mobilisierungen teilnehmen, eigenes Wissen und eigene Diskurse entwickeln, um ihre Vorstellungen, insbesondere die von Gerechtigkeit, durchzusetzen. Ausgehend von verschiedenen sozialen Bewegungen in mehreren Ländern - den "conciousness-rising groups", dem "testimonio" in Lateinamerika und der "conricerca" der italienischen Fabriken - vertieft er Deweys Gedanken mit Strenge und Erfindungsreichtum, um zu zeigen, wie diese Bewegungen für die Demokratie wesentlich sind.
Zweiter Preis: Michael Perret
Michael Perret, ehemaliger Student der Universität Freiburg, ist seit 2015 Professor an der Haute Ecole de Gestion Arc in Neuchâtel, wo er für soziale Medien zuständig ist und als Vizedekan des Instituts für Kommunikation und Erlebnismarketing fungiert. Der preisgekrönte Beitrag trägt den Titel ""Retrouvez-moi sur Twitch !". La gestion du live streaming comme relation au public et entrée en jeu" (erschienen 2019 in der Zeitschrift Études digitales (Nr. 7, 1, S. 135-154, DOI: 10.15122/isbn.978-2-406-10419-3.p.0135). Sein Interesse besteht darin, zu zeigen, wie eine Spezialistin für Online-Spiele mit dem Publikum, das ihr folgt, in Dialog tritt, wie sie deren Aufmerksamkeit aufrechterhält und mit ihren manchmal scharfen Kommentaren umgeht, wobei sie weiss, dass eine der Herausforderungen darin besteht, ihre Publikumsgemeinschaft aufrechtzuerhalten. Über den untersuchten Fall hinaus schätzte die Jury die konzeptionellen Überlegungen, die angestellt wurden, um die Bildung von Spieler- und Publikumsgemeinschaften in diesem neuen Gebiet der öffentlichen Räume, die Online-Spiele und Streaming-Plattformen darstellen, zu erfassen. Dieses Thema ist umso aktueller, als Spielerinnen gerade das Cybermobbing öffentlich gemacht haben, dem sie zum Opfer gefallen sind.
Redaktion: Muriel Surdez
Bild: Szene aus einem Videospiel, aus dem Artikel von Michael Perret