Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03216.jsonl.gz/2775

Das Ende einer Hotel-Ära
Noch ist das einstige Hauptgebäude des Hotel Okura in guter Erinnerung. Der von Yoshiro Taniguchi entworfene Bau war ein architektonisches Wahrzeichen von Tokio, wo die Mächtigen und die Stars dieser Welt übernachteten. 1962 wurde es eröffnet. Architektur-Liebhaber lobten es als ein Meisterwerk des japanischen Modernismus. Das Herzstück des Hotels mit seinen 408 Zimmern war die Lobby: Eine hohe Decke, hängende Hexagonal-Lampen, seidene Tapeten mit vierblättrigen Blumenmotiven, Shoji-Papierfenster mit Holzgittern, ein karierter Teppich, elegante stehende Papierlampen, eine Weltkarte mit einer digitalen Uhr sowie Stühle und Sitze, die in der Form einer Pflaumenblüte angeordnet waren. Klassische japanische Elemente wurden mit modernem Design kombiniert. Simplizität und Eleganz zeichneten das Okura aus (Asienspiegel berichtete).
Wenn Sie diesen Artikel gratis lesen, bezahlen andere dafür. Mit einem Abo sichern Sie die Zukunft dieses Japan-Blogs.
2015 wurde das Hauptgebäude, diese Ikone der 1960er-Jahre, abgerissen. Dafür gab es viel Kritik. Die Hotelführung begründete den Schritt mit der notwendigen Erneuerung und Modernisierung. Ausserdem erfüllte der in die Jahre gekommene Bau nicht mehr die Vorgaben für die Erdbebensicherheit. Vier Jahre später wurde an derselben Stelle das neue Hotel Okura eröffnet. Es sind zwei moderne Hochhäuser, die von Yoshio Taniguchi, dem Sohn von Yoshiro Taniguchi, entworfen wurden. Dabei wurde die legendäre Lobby originalgetreu reproduziert und erstrahlt heute wieder im neuen alten Glanz. Auch das ist eine Eigenheit Japans.
Das Überbleibsel jener Epoche
Derweil existierte ein Überbleibsel des alten Hotel Okura weiter. Das Nebengebäude, der South Wing, wurde 1973 vom Architekturbüro von Yoshiro Taniguchi im selben Stil des Hauptgebäudes entworfen, bei dem klassische japanische mit modernen Elementen verwoben wurden. Die grosse Lobby mit den riesigen Wandschirm-Elementen war ein Blickfang. In der Zeit des Neubaus des Hauptgebäudes garantierte der South Wing den Weiterbetrieb des Okura.
Für Architekturfans aus dem Westen war das Nebengebäude ein besonderer Anziehungspunkt. Viele hofften, dass zumindest dieser Bau erhalten bleiben würde. Doch es kam, wie es kommen musste. Im September 2020 endete dieses Kapitel. Der South Wing wurde geschlossen. Auch dieses Bauwerk entsprach nicht mehr den modernen Ansprüchen einer Stadt, die sich architektonisch alle paar Jahrzehnte komplett neu erfindet. Eine Wiederverwendung erlebte das leere Nebengebäude kurzzeitig als offizielles Akkreditierungsbüro für die Olympischen Sommerspiele 2021.
Das Ende
Schliesslich wurden im November 2021 die Abrissarbeiten eingeleitet. Im Dezember waren bereits erste Teile der Fassade beseitigt. Mehrheitlich konnte man den South Wing noch in seiner alten Pracht von aussen betrachten. Die Abrissarbeiten werden bis Ende 2022 andauern. Es sind die letzten Momente in der Geschichte dieses legendären und stilprägenden Bauwerks der Nachkriegszeit.
Was danach mit diesem Ort geschehen wird, ist unklar. 2019 plante das Hotel Okura den Bau zweier Hochhäuser für Wohnungen und Büros, die es bis 2025 eröffnen wollte. Nun aber scheint nicht mehr sicher zu sein, ob dieses Projekt überhaupt umgesetzt wird. Bezüglich der künftigen Nutzung des ehemaligen Standortes des Nebengebäudes habe man noch keinen definitiven Entscheid gefällt, heisst es für den Moment.
Der Standort von The Okura Tokyo
Ohne Abonnenten kein Asienspiegel
September 2022 – Dass dieser Blog mit über 5000 kostenlos zugänglichen Artikeln existiert, ist einzig der Grosszügigkeit vieler treuer Abonnenten zu verdanken. Mit regelmässigen Beiträgen bilden sie das finanzielle Fundament dieses unabhängigen Ein-Mann-Blogs, der 2009 gegründet wurde. Das Resultat sehen Sie täglich in Form eines neuen Artikels über das Geschehen in Japan. Es ist ein kleines Fenster in dieses faszinierende Land. Ich danke Ihnen von Herzen.
VORTEILE JAHRES-ABO
Jahres-Abonnenten stehe ich zudem für Fragen zur Verfügung. Klicken Sie hier, um mehr darüber zu erfahren.
- Zahlungsmittel: Master, Visa, PayPal, Apple Pay, Google Pay
- Für TWINT bitte via Asienspiegel Shop bezahlen
- Für Banküberweisung hier klicken