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Das Künstlerhaus
Die Geschichte des Hauses an der Postgasse in der Funktion als Künstlerhaus reicht bis in die 1930er Jahre zurück. Zahlreichen Künstlerinnen und Künstler war und ist das Haus zentraler Arbeits- und Lebensort, von wo aus sie die lokale, nationale und internationale Kunstwelt mitgestalteten und nach wie vor mitgestalten.
Die Künstler*innen
Walter 'Pips' Vögeli (1929-2009) war einer der prägensten Figuren des Künstlerhauses.
Nach der Ausbildung in Zürich und Luzern und einem Aufenthalt in Paris zieht er nach Bern, wo er ab 1953 im Künstlerhaus lebte und arbeitete.
Der Maler und Eisenplastiker war einer der ersten Schweizer Künstler, der ab Mitte der 1960er Jahre synthetische Materialien als Mittel der künstlerischen Gestaltung einsetzte. Es entstanden teilweise sehr grossformatige Werke aus Polyester und Kunstharzen, die er in einem seriellen Prinzip einsetzte oder als konstruktive Plastiken raumgreifend installierte. 1970 vertrat er die Schweiz an der 35. Biennale in Venedig.
Zusammen mit Iris Gerber und Margrit Zimmermann veranstaltete er 1986 die erste Ausstellung im Künstlerhaus: bianchi-neri war ein interdisziplinäres Projekt zwischen zeitgenössischer Klaviermusik und Kunst.
Doch Walter 'Pips' Vögeli war nicht der erste Künstler, der im Künstlerhaus arbeitete. Seit 1936 ist eine rege künstlerische Produktion und Ausstellungspraxis im Haus zu verzeichnen. Zahlreiche Künstler*innen haben unterschiedlich lange und intensiv an der Postgasse gearbeitet und gelebt. Es sind bis heute unter anderem:
Pia Berla
Verena Felber (*1945)
Anita Hosig
Andreas Roth
Walter Schächli (1907 - 1984)
Marianne Vögeli (*1939)
Die frühesten Daten, die die Künstlerateliers bezeugen, sind aus dem Jahr 1936. Simon Fuhrer war einer der ersten eingemieteten Maler, der von 1936 bis 1942 im dritten Stock nordseitig arbeitete. 1939 zog Elsa Stauffer in das Atelier im grossen Parterreraum mit Veranda und Balkon, den heutigen Ausstellungsraum, wo sie bis 1984 blieb. Dass vor ihr der Dekorations- & Flachmaler de Quervain hier sein Geschäft hatte, belegt eine Wandanschrift im Hausflur.
In der Zeitung Berner Woche vom 6. September 1941 wird über eine Begehung des Hauses berichtet.
Und so treffen wir denn gleich im selben Haus Postgasse 20, fünf Menschen, die mit Liebe und Hingebung ihrem Berufe nachgehen; Über die engen Treppen hinauf gerät der Besucher in die verschiedenen Ateliers. Auf der Schattseite, Front Postgasshalde, haben eine Bildhauerin, Fräulein Elsa Stauffer, und 2 Maler, sehr verschiedener Richtung, Alex Müllegg und Simon Fuhrer, ihre Werkstätten aufgeschlagen, und an der Sonnseite wohnt im dritten Stock oben Herr Acconci, ein begabter Musiker, und im ersten Stock arbeitet Herr Nussbaum, ein Italien-Schweizer, mit Liebe und Sorgfalt an seinem Arbeitstisch.
Die Architektur
Das Haus Postgasse 20 hat wie die meisten in der unteren Altstadt eine mehr als 400-jährige Geschichte. Die Fassade wurde immer wieder verändert, eine Aufstockung erweiterte die bewohnbare Fläche und verschiedene Modernisierungen folgten dem Lauf der Zeit.
Eine Dokumentation über das Künstlerhaus und seine Künstler*innen ist in Arbeit und soll 2021 erscheinen.