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FAQs
Wie viele Wölfe gibt es in der Schweiz bzw. in meinem Kanton?
Die aktuellste Schätzung der gesamtschweizerischen Wolfspopulation finden Sie unter Bestand. KORA macht keine Schätzungen pro Kanton, da die Wölfe sehr grosse Raumansprüche haben und keine administrativen Grenzen kennen.
Woher stammen die Wölfe in der Schweiz?
Die Wölfe sind ursprünglich aus der sehr kleinen Restpopulation der italienischen Halbinsel (italienischer Apennin) via die italienisch-französischen Alpen in die Schweiz zurückgewandert. Wölfe können auf ihren Wanderungen enorme Strecken zurücklegen (bis 1’500 km). Ihre Herkunft ist in diesem Fall aber genetisch eindeutig erkennbar. Sie besitzen genetische Eigenschaften (einen speziellen Haplotyp, d.h. einen charakteristischen Sequenzabschnitt auf der DNA eines Chromosoms), die nur italienische Wölfe aufweisen, nicht aber Wölfe aus anderen Gebieten. Die zahlreichen Rudel in den Alpen werden mittlerweile als separate Alpenpopulation bezeichnet. Im Jahr 2020 wurden in der Schweiz dann auch erstmals Wölfe festgestellt, die aus der Zentraleuropäischen bzw. der Dinarischen Population stammen (siehe Verbreitung, Abschnitt Europa).
Gibt es in der Schweiz Wolf-Hunde-Hybriden?
Bei den Wölfen, die bis anhin in der Schweiz genetisch nachgewiesen wurden, war der Anteil jener, welche Anzeichen einer Kreuzung mit Hunden zeigten, vernachlässigbar klein. Das Wolfsmonitoring erfolgt in der Schweiz wesentlich über die Untersuchung von genetischen Proben. Entsprechend ist auch die breite Erfassung und Erkennung allfälliger Wolf-Hunde-Hybriden gegeben. Im Gegensatz zu anderen Regionen fehlt hierzulande ein Bestand wilder, streunender Hunde, mit welchen sich Wölfe verpaaren könnten.
Hat der Wolf in der dichtbesiedelten Schweiz überhaupt Platz?
Ganz Europa ist eine vom Menschen geprägte Kulturlandschaft. Wölfe sind sehr anpassungsfähig und können sich in einer solchen Landschaft gut zurechtfinden. Wichtig ist, dass sie genügend Nahrung und Rückzugsmöglichkeiten für die Aufzucht ihrer Jungen finden. Mindestens 50% unserer Landesfläche ist geeigneter Lebensraum für den Wolf, vor allem die Alpen und der Jura. In diesem Lebensraum könnten rein biologisch ca. 50–100 Rudel leben.
Welchen Einfluss hat der Wolf auf seine Beutetiere?
Die Effekte in einem von Prädatoren beeinflussten Ökosystem sind hochkomplex. Dazu gibt es Studien, die sowohl positive als auch negative Effekte aufzeigen. Man unterscheidet einerseits direkte (numerische) Einflüsse auf den Bestand und die Demografie der Beutetiere (Hirsche, Rehe, Gämse und Wildschweine) und andererseits indirekte Einflüsse wie z.B. auf die Verteilung der Beutetiere im Lebensraum. Grundsätzlich sind die Beutetiere des Wolfes in den allermeisten Fällen junge, alte oder kranke Tiere, aber auch unachtsame Erwachsene. Damit greift der Wolf selektiv in die Schalenwildbestände ein und trägt zur Fitness der Bestände von Hirsch, Reh, Wildschwein und Gämse bei. Wo es Grossraubtiere gibt, meiden Beutetiere Orte mit erhöhtem Risiko, z.B. offene Lichtungen und Gräben und passt sein Verhalten an (z.B. indem es wachsamer ist). Je nach Lebensraumqualität kann der Wolf zusammen mit der jagdlichen Nutzung lokal Huftierbestände limitieren. Mit den Überresten seiner Risse liefert er aber auch Nahrung für viele Aasfresser (Fuchs, Wildschwein, Marder, Geier, Adler, Rabe, Insekten…).
Wie viele Nutztiere sterben jährlich durch einen Wolfsangriff?
Zwischen 2006 und 2019 schwankte die jährliche Anzahl von Wölfen gerissene Nutztiere in der Schweiz zwischen ca. 100 und 500 Tieren. Im Jahr 2020 stieg diese Anzahl auf 815 (siehe auch Übergriffe auf Nutztiere). In der Mehrzahl sind Schafe von Übergriffen betroffen. In seltenen Fällen, je nach Situation, sind Wölfe jedoch auch in der Lage Kälber und junge Rinder zu reissen.
Warum reisst der Wolf manchmal mehr als er fressen kann?
Ein Wolf kann sowohl einzelne als auch mehrere Schafe pro Attacke reissen. Aus naheliegenden Gründen wurde unseren Nutztieren das Fluchtverhalten weitestgehend „weggezüchtet“. Schafe flüchten nicht weit und nicht schnell genug. Wölfe können deshalb mehrere Schafe reissen, weil sich der Tötungsreflex immer wieder neu auslöst, solange sich ein Beutetier bewegt und erreichbar ist. Bei einem Wildtier ist das Fluchtverhalten völlig anders. Greift der Wolf zum Vergleich ein Hirschrudel an, flüchtet das ganze Rudel innerhalb von wenigen Sekunden in alle Himmelsrichtungen. In dieser Situation erwischt der Wolf meist nur ein Tier, wenn überhaupt. Werden Wölfe nicht gestört, kehren sie wiederholt an den Riss zurück, bzw. transportieren Stücke des Risses ab und vergraben sie für späteren Verzehr.
Ist der Wolf für Menschen gefährlich?
Von einem gesunden wildlebenden Wolf geht i.d.R. keine Gefahr aus. Wölfe meiden normalerweise Begegnungen mit Menschen. Sie reagieren auf Menschen mit äusserster Vorsicht und in der Regel nicht aggressiv. Es gibt aber Faktoren, welche das Risiko eines Angriffs erhöhen können: 1) Tollwut: Berichte über Angriffe aus früheren Jahrhunderten lassen sich zum grössten Teil auf tollwütige Wölfe zurückführen. Die Schweiz und die meisten Länder Europas sind mittlerweile tollwutfrei. 2) Gewöhnung («Habituierung»): Wölfe können z.B. durch Anfüttern die Scheu vor Menschen verlieren, was zu problematischem Verhalten führen kann. 3) Provokation: wird ein Wolf provoziert und in die Enge getrieben, kann er sich mit Bissen wehren. Der letzte bekannte Todesfall durch einen Wolf in Europa ereignete sich in 1975 in Spanien. Seit seiner natürlichen Rückkehr in die Schweiz (1995), ist kein Fall von einem aufdringlichen oder aggressiven Wolf bekannt geworden. Wölfe welche ein problematisches Verhalten (mit dem Potential zur Gefährdung von Menschen) entwickeln, können gemäss Konzept Wolf Schweiz (Anhang 5) abgeschossen werden.
Wie verhalte ich mich, falls ich einem Wolf begegne?
In der Regel zieht sich ein Wolf zurück, sobald er einen Menschen bemerkt. Junge Wölfe können aber neugieriger und weniger vorsichtig reagieren als erwachsene Wölfe. Sollte der Wolf Sie nicht bemerken oder sich nicht zurückziehen, verhalten Sie sich folgendermassen:
- Machen Sie sich bemerkbar (z.B. reden, rufen oder in die Hände klatschen) und gehen Sie langsam zurück. Rennen Sie nicht.
- Falls Sie einen Hund dabei haben: Rufen Sie Ihren Hund zu sich und leinen Sie ihn an. Sprechen sie den Wolf laut an, um sein Interesse vom Hund abzulenken. Gehen Sie langsam rückwärts und sprechen Sie laut, den Hund nahe bei sich. Stellen Sie dabei sicher, dass der Hund nicht von sich aus versucht, den Wolf anzugreifen.
- Falls der Wolf Ihnen wider Erwarten folgt, bleiben Sie stehen und schreien Sie ihn an. Versuchen Sie, ihn einzuschüchtern, indem Sie sich gross machen und eventuell etwas nach ihm werfen. Gehen Sie in diesem Fall eher auf das Tier zu, als von ihm weg.
- Füttern Sie nie einen Wolf. Wölfe, die über einen längeren Zeitraum an den Menschen gewöhnt werden, insbesondere durch Anfüttern, können aufdringliches und dreistes Verhalten entwickeln, was für den Menschen gefährlich werden kann.
Bitte melden Sie auffällige Beobachtungen umgehend der lokalen Wildhut.
Braucht es den Wolf überhaupt?
Diese Frage wird häufig bei Tierarten gestellt, deren Anwesenheit nicht von allen Menschen gutgeheissen wird. Der Wolf gehört zur einheimischen Fauna. Er ist als Spitzenprädator am Zusammenwirken von Arten und Lebensräumen und den entsprechenden Entwicklungsprozessen wesentlich beteiligt. Damit ist er ein integraler Bestandteil der Biodiversität, welche auch die Existenzgrundlage für die Menschen darstellt.