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Faust und die Folgen
Faust und die Folgen
Ist Faust ein historisches Zwitterwesen oder gar ein Zivilisationsbefördrer ? Warum diese Fragen? Der historische Faust, geboren 1480 und an den Folgen seiner alchemistischen Versuche 1539 oder 1540 in Staufen zu Tode gekommen, steht für das Ende des Mittelalters und zugleich für die Neuzeit. Er studierte Medizin, Astrologie und die Modewissenschaft Alchemie, die er Kraft seiner Begabung bis zur Scharlatanerie trieb. 1587 erwuchs aus den Faust-Legenden das Volksbuch „Historia von Dr. Johann Faustus“. Die Faust zugedachten Bravour-Stücke konnten nur mit Hilfe des Teufels gelingen, so der Glaube. Der Teufel – ursprünglich in Gestalt eines Hundes- erfüllte ihm während 24 Jahren jeden Wunsch gegen den Verkauf seiner Seele.
Und inwiefern steht Faust für die Neuzeit?
Faust ist eine Art – wenn auch vorerst verworren-irrational – moderner Antichrist, d.h. er steht in der Tradition der sich von der Theologie emanzipierenden Wissenschaften: Chemie, Physik (vergl. seine Flugversuche), also Naturwissenschaften – oder wie Faust bei Goethe fragt: Was hält die Welt im Innersten zusammen?
Ab dem 16. Jahrhundert gibt es dutzendweise Bearbeitungen des Faust-Stoffes (Marlow, Puppenspiele, Grillparzer,Berlioz, Bulgakow, Th. Mann usw.) Dass die Faust-Figur Fragen zu Reichtum, Erfolg, Wisssensdrang – und Sexualität stellt, trug ihm den Namen „Fussabdruck des Teufels“ ein.
Rudolf Schenker
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