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Der zu den Porlingen gehörende Zunderschwamm bildet konsolenförmige Fruchtkörper an älteren oder toten Baumstämmen. Diese sind meist aschgrau und von konzentrischen Wulsten durchzogen (gezont). Sie können bis zu 30 Jahre alt werden. Weil der Zunderschwamm mehrere Wachstumsperioden im Jahr haben kann, lässt sich an der Zahl der Wulste allerdings nicht das Pilzalter ablesen. Am Anfang zäh und korkig, werden die Fruchtkörper im Alter hart und holzig. Die auffallend robusten Konsolen kommen oft in Gruppen am gleichen Baum vor.
Seinen Namen hat der Zunderschwamm nicht von ungefähr: Früher war der aus ihm gewonnene "Zunder" unentbehrlich zum entfachen von Feuer (siehe unten). Auch wenn es inzwischen praktischere Feuerzeuge gibt, sind vom Zunder abgeleitete Wörter wie "Zündholz" oder "anzünden" und Redewendungen wie "Das brennt wie Zunder" noch heute gebräuchlich.
Der Graue Feuerschwamm (Phellinus igniarius) kann leicht mit dem Echten Zunderschwamm verwechselt werden, da er diesem in Form und Farbe sehr ähnelt. Er wird auch Falscher Zunderschwamm genannt. Die sichersten Untscheidungsmöglichkeiten sind der Standort (z.B. Auenwälder, Wegränder, Parks) und die Wirtsbäume (z.B. alte Weiden, kranke Apfelbäume).
Auch ältere Exemplare des Rotrandigen Baumschwamms (Fomitopsis pinicola) ohne roten Rand werden mit dem Zunderschwamm verwechselt. In solchen Fällen hilft die Brandprobe: die Kruste des Zunderschwamms schmilzt nicht, wenn sie mit einer Flamme in Berührung kommt.
Verbreitung und Lebensraum
Der Zunderschwamm ist von Nordamerika über Europa bis nach Nordasien, Indien und Pakistan verbreitet. Man findet Fomes fomentarius an verschiedenen Laubbäumen in Wäldern, Mooren und Parkanlagen. In Mitteleuropa sind die Rotbuchen, seltener auch Birken, die weitaus häufigsten Wirtsbäume für den Echten Zunderschwamm. In Nordeuropa besiedelt der Pilz vorwiegend Birken, in Mittelmeerländern meistens Eichenarten. Man findet ihn aber auch an vielen anderen Laubbäumen: Rosskastanie, Erle, Esskastanie, Pappel, Weide oder Ulme.
In der Schweiz kommt der Echte Zunderschwamm hauptsächlich in den tieferen Lagen vor. 80 % aller bisherigen Funde stammen von unterhalb 1000 m. Im Mittelland ist der Pilz allerdings sehr selten geworden, weil es über Jahrzehnte kaum dickeres Buchentotholz in den Wirtschaftswäldern gab und weil der Zunderschwamm bis Mitte des 19. Jahrhunderts oft gesammelt wurde.
Biologie
Zahlreiche Fruchtkörper an Baumstamm Der Zunderschwamm ist einer der imposantesten einheimischen Pilze. Foto: Hans Frey Herstellung von Zunder Zunder lässt sich aus der faserigen, locker-filzigen Röhrenschicht (Trama) des Echten Zunderschwammes herstellen. Die Zunderschicht wird von der Rinde und vom korkigen Material getrennt, gekocht, getrocknet und weichgeklopft. Danach legt man das Material für einige Wochen in Urin ein (Alternative: Salpeter). Die dadurch ausgelöste Nitrierung dient dazu, den Zunder mit Sauerstoff anzureichern, was eine bessere Entflammbarkeit bewirken soll. Eine Alternative zum Zunderschwamm sind die Samenstände des Rohrkolbens. => Im Internet finden Sie Dutzende Seiten und Forumsbeiträge, die sich mit der Herstellung von Zunder und mit der Anfeuerungstechnik beschäftigen. Die Fruchtkörper des Echten Zunderschwamms sind ganzjährig zu beobachten. Der Sporenabwurf findet von März bis Juni statt. Die Oberfläche des Porlings ist in dieser Zeit oft vom weissen Sporenstaub bedeckt, weil die freigegebenen Sporen von der Luft wieder hoch getragen werden und sich auf der Oberfläche ablagern.
Nur wenn die Röhren genau senkrecht stehen, können die reifen Sporen – angezogen von der Schwerkraft der Erde – herausfallen. Um das zu gewährleisten richtet sich der Fruchtkörper immer nach der Schwerkraft aus. Dies lässt sich besonders gut an schon vorher befallenen, inzwischen aber umgestürzten Bäumen beobachten. Der Fruchtkörper wächst in solchen Fällen in einem anderen Winkel zu seiner ursprünglichen Orientierung weiter (Geotropismus).
Der Zunderschwamm ist ein Schwäche- oder Wundparasit, der geschwächte und absterbende Bäume befällt. Nach dem Baumtod kann er aber auch noch während Jahren saprophytisch (von totem Holz ernährend) an abgestorbenen Stämmen oder Ästen weiterleben. Weil der Pilz neben Zellulose auch das hochkomplexe Lignin abbauen kann, zählt er zu den typischen Erregern der Weissfäule. Dabei zerstört er das Holz relativ rasch. Grosse, noch belaubte Buchen, an deren Stämmen Fruchtkörper des Zunderschwammes sitzen, können urplötzlich zusammenbrechen, weil der Pilz die Festigkeit des Holzes von aussen unsichtbar mindert. Besonders nach Buchen-Rindennekrose ist der Zunderschwamm ein regelmässig auftretender Folgepilz.
Verwendung der Fruchtkörper
In früheren Zeiten besass der Zunderschwamm grosse wirtschaftliche Bedeutung. Vor der Erfindung von Streichholz und Feuerzeug war es aufwendig, Feuer zu machen: Man musste einen Feuerstein auf Markasit oder Pyrit (beides chemisch FeS2) schlagen, um daraus Funken zu lösen. Mit den erzeugten Funken galt es dann, ein möglichst leicht entzündliches Material zum Glimmen zu bringen. Das am besten geeignete Material dafür war Zunder, der aus dem Fruchtkörper des Zunderschwamms hergestellt wurde. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts löste die Erfindung des Zündholzes den Zunder zur Feuerherstellung allmählich ab.
Der Echte Zunderschwamm war nicht nur eines der wichtigsten Hilfsmittel zum Feuermachen, er wurde ausserdem zur Wundbehandlung verwendet. Bis ins 19. Jahrhundert war Zunderschwamm in Apotheken dank seiner blutstillenden Wirkung unter der Bezeichnung Fungus chirurgorum (sog. Wundschwamm) zu kaufen.
Daneben verwendete man die Fruchtkörper auch zur Herstellung von Kleidern, Mützen und dergleichen. Zunder diente auch als Rohstoff für viele weitere Produkte des täglichen Lebens wie etwa Taschen, Decken, Wandteppiche, Kissen, Lesezeichen, Bucheinbände oder Bilderrahmen. Sogar als Korkersatz oder als Radiermaterial bei Kohlezeichnungen fand der Zunderschwamm Verwendung.
Gefährdung und Schutz
Die Nachfrage nach den Zunderschwämmen war in der Zeit, als Zunder ein wichtiger Rohstoff war, so hoch, dass der Pilz zeitweise aus Skandinavien, Böhmen und Ungarn importiert werden musste und in einigen Gebieten Deutschlands zur Rarität wurde. Im 20. Jahrhundert hat die intensive Nutzung der Wälder und die damit verbundene "Sauberkeit", insbesondere das vorzeitige Abholzen von kränkelnden Bäumen, dazu geführt, dass der Pilz in vielen Gegenden nur noch selten anzutreffen war. Heute gilt der Fomes fomentarius in Mitteleuroa wieder als einer der häufigsten mehrjährigen Porlinge, der nicht gefährdet ist.
Förderungsmöglichkeiten
- In Laubwäldern absterbende Buchen und Birken sowie totes Holz belassen.
Beobachtungstipp
Den Echten Zunderschwamm findet man in alten Buchenwäldern, in denen es reichlich absterbende Bäume und Totholz gibt. Die grossen grauen Fruchtkörper sind oft schon von weitem zu entdecken. Verwechslungen mit anderen Porlingen sind möglich.
Zunder lässt sich aus der faserigen, locker-filzigen Röhrenschicht (Trama) des Echten Zunderschwammes herstellen. Die Zunderschicht wird von der Rinde und vom korkigen Material getrennt, gekocht, getrocknet und weichgeklopft. Danach legt man das Material für einige Wochen in Urin ein (Alternative: Salpeter). Die dadurch ausgelöste Nitrierung dient dazu, den Zunder mit Sauerstoff anzureichern, was eine bessere Entflammbarkeit bewirken soll. Eine Alternative zum Zunderschwamm sind die Samenstände des Rohrkolbens.
=> Im Internet finden Sie Dutzende Seiten und Forumsbeiträge, die sich mit der Herstellung von Zunder und mit der Anfeuerungstechnik beschäftigen.