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Kohlmeisen in Grossbritannien haben heute einen längeren Schnabel als ihre Vertreter in Zentraleuropa. Grund dafür könnte die Liebe der Briten zum Vogelfüttern sein.
Kohlmeisen in den Niederlanden und Grossbritannien sehen sich fast zum Verwechseln ähnlich. Nur ein Merkmal ist deutlich anders: die Länge des Schnabels. Durch Analyse genetischer Proben konnten Forscher aus Gossbritannien und den Niederlanden Variationen in Gensequenzen feststellen, die beim Menschen mit Gesichtsformung und der Schnabelformung in Darwins Finken assoziiert werden. Beim Vergleich mit historischen Präparaten stellte sich heraus, dass diese Variation mit einer Verlängerung der Schnabellänge korreliert und innerhalb der letzten 47 Jahre begann vermehrt aufzutreten.
Anpassung an unnatürliches Futterangebot?
Lewis Spurgin, Evolutionsbiologe an der East Anglia Universität in Grossbritannien, war schon immer daran interessiert herauszufinden, wie Vögel als Modelle gesehen uns helfen können, grosse evolutive Fragestellungen zu beantworten. Aufgrund dieses Interesses begann er sich auch damit auseinanderzusetzen, wie sich zwei isolierte Populationen von Kohlmeisen genetisch unterscheiden.
Nach Analyse tausender DNA-Proben fanden die Forscher signifikante Unterschiede in Genvarianten der beiden Populationen. In Kohlmeisen aus Grossbritannien lässt sich öfter eine Genvariante finden, die mit längeren Schnäbeln assoziiert wird als in Kohlmeisen in den Niederlanden. Die Forscher konnten durch die Untersuchung historischer Präparate Hinweise darauf finden, dass innerhalb der letzten Jahre eine schnelle Selektion für lange Schnäbel in britischen Kohlmeisen stattfand. Als Grund für diese Selektion vermuten Sie etwas ganz und gar Faszinierendes: Das ausgeprägte Futterangebot in Vogelhäuschen in Grossbritannien.
Evolutiver Vorteil?
Die Briten lieben Vögel. Fast doppelt so viel Geld investieren sie in Vogelfutter als Zentraleuropäer. Durch einen längeren Schnabel könnte es für die Vögel einfacher sein, an das Futter in Futterspendern und Meisenknödel zu kommen. Die Tiere mit einem längeren Schnabel hätten somit einen evolutiven Vorteil. Um zu testen, ob dies wirklich der Fall ist, haben die Forscher die Anzahl der Jungvögel von langschnäbligen und kurzschnäbligen Kohlmeisen untersucht. Dabei konnten sie feststellen, dass Kohlmeisen mit einem langen Schnabel in Grossbritannien mehr Nachkommen haben als ihre Verwandten mit kürzeren Schnäbeln. In den Niederlanden fanden sie diesen Zusammenhang nicht.
Die Ergebnisse der Forscher untermauern die Vermutung, dass ein starker Selektionsdruck spezifisch auf die Vögel in Grossbritannien herrscht. Dr. Spurgin bestätigt, dass Vögel, die besser an Futter kommen, generell in einer besseren Verfassung sind, sich vermehrt Fortpflanzen können und dadurch ihre Mitstreiter übertreffen können. Zusatzfutter hat sich zu einer wichtigen Nahrungsquelle für die Vögel im Winter entwickelt und der Zugang zu Futter erhöht mit die Überlebenschancen der Tiere.
Noch kann noch nicht mit absoluter Sicherheit gesagt werden, dass Vogelfutterspender die treibende Selektionskraft für die Verlängerung der Schnäbel sind, jedoch zeigen alle Indikatoren in diese Richtung.
Die Orginalpubikation finden Sie im Magazin Science (englisch).