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Die Zucht eines gesunden Pferdes stellt eine Grundvoraussetzung für optimale Leistung und Leistungsbereitschaft dar. Dies wird auch im Zuchtziel des Schweizer Warmblutpferdes spezifisch festgehalten und soll durch eine strenge Auswahl der Hengste erreicht werden. Um die Gesundheit mittels züchterischer Massnahmen weiter und gezielt verbessern zu können, muss jedoch zuerst der aktuelle Zustand der Population bekannt sein.
Dies war das Ziel der Studie «Auftreten gesundheitlicher Probleme beim Schweizer Warmblutpferd mittleren Alters». Mittels einer telefonischen Umfrage wurden Daten zum Gesundheitszustand der Schweizer Warmblutpferde mittleren Alters während ihres bisherigen Lebens gesammelt und aufbereitet. Anschliessend wurde die Erblichkeit (Heritabilität) der häufigsten Gesundheitsprobleme berechnet, um zu eruieren, zu welchem Teil eine multifaktoriell beeinflusste Eigenschaft erblich bedingt ist. Das Auftreten der meisten Erkrankungen hängt nämlich zwar stark von Umwelteinflüssen (Haltung, Nutzung usw.) ab, eine genetische Veranlagung kann deren Auftreten aber begünstigen.
Lahmheit, Kolik und Sarkoide
Insgesamt konnten zwischen 2016 und 2018 Daten zu 1861 Pferden erhoben werden. Die Studie gehört damit wohl zu den grössten erhobenen Datensätzen zum Gesundheitszustand beim Pferd in der Schweiz. Die Pferde waren zum Zeitpunkt der Befragung zwischen 6 und 16 Jahre alt, da diese Altersgruppe einen wesentlichen Teil der Population ausmacht. Lahmheit (34%), Kolik (22%), Sarkoide (19%) und Mauke (16%) waren die am häufigsten vorkommenden Gesundheitsprobleme, gefolgt von Rückenproblemen (13%), Husten (10%), Nesselfieber (10%), Kotwasser (9%), Nasenausfluss (8%) und Sommerekzem (4%).
Bezüglich des Vorkommens von Koliken ist bemerkenswert, dass gut ein Viertel der betroffenen Pferde bereits einmal an einer Klinik behandelt wurde, und 8% davon wurden sogar operiert. Beinahe ein Fünftel der in die Studie miteinbezogenen Pferde litt im Verlauf ihres Lebens unter Sarkoiden. Dies zeigt die Bedeutung dieses Hauttumors in der Population des Schweizer Warmblutpferdes auf. Obwohl die Erkrankung nicht tödlich verläuft, kann sie die Nutzung und das Wohlbefinden eines Pferdes beträchtlich einschränken und geht mit einer Wertminderung einher. Bei etwas mehr als der Hälfte der Pferde (58%), die keine Sarkoidtherapie erhielten, verbesserte sich der Zustand, und die Sarkoide wurden kleiner, weniger oder verschwanden sogar ganz. Mit Behandlung konnte bei 89% der in unserer Studie berücksichtigten Fälle eine Verbesserung erzielt werden, wodurch ein statistisch deutlicher Zusammenhang zwischen Therapie und Verbesserung der Sarkoidsituation bestand. Das Geschlecht hatte einen statistisch erwiesenen Einfluss auf das Auftreten von Kotwasser: Männliche Tiere waren hiervon fast doppelt so häufig betroffen wie weibliche.
Genetische Komponente gering
Die Heritabilitäten (Erblichkeit) der Gesundheitsmerkmale waren allesamt niedrig. Dies lässt vermuten, dass die genetische Komponente bei den meisten Erkrankungen beim Schweizer Warmblutpferd derzeit eine untergeordnete Rolle spielt und deren Auftreten vielmehr mit der Ernährung, Haltung, Aufzucht und dem Training im Zusammenhang steht. Einzig beim Sarkoid lag sie etwas höher, was das Vorliegen einer genetisch verankerten Anfälligkeit für diese Hauterkrankung weiter erhärtet.
Vinzenz Gerber
Vetsuisse-Fakultät
Universität Bern