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Politik könne man durchaus mit Billardspielen vergleichen, sagt Yvan Luccarini, bevor er eine Billardkugel zielsicher in eines der Löcher in den Ecken des grün ausgeschlagenen Tisches versenkt. Der neu gewählte Stadtpräsident von Vevey ist begeisterter Billardspieler.
«Es braucht viel Geduld und Training, wenn man im Billard ein gewisses Niveau erreichen will. Auch in der Politik hat man Ideen und möchte vielleicht alles ändern. Aber man muss den richtigen Moment und die Gelegenheit dazu abwarten», sagt Luccarini, und stösst mit dem langen Queue, das zwischen Daumen und Zeigefinger gleitet, ein weiteres Mal zu.
La ville des images
Vevey gilt als eine der Perlen in der Genfersee-Region – Seeanstoss, Blick auf das Alpenpanorama, mildes Klima und Weinberge. Selber nennt sich Vevey «la ville des images». Die letzten drei Jahre aber gab Vevey ein schlechtes Bild ab. Die Stadt steckte in einer politischen Krise. Gegen drei der damals fünf Mitglieder der Stadtregierung liefen Strafverfahren. Die Mehrheit der Stadtregierung wurde suspendiert.
Die Regierungskrise
Zurück geht die Krise auf eine Affäre, die rund um SP-Mitglied Lionel Girardin öffentlich wurde. Lionel Girardin wurde vorgeworfen, die öffentlichen Gelder für den Betrieb einer Stiftung, die im sozialen Wohnungsbau tätig ist, falsch verwaltet und sich selber bereichert zu haben.
Gemäss der Staatsanwaltschaft hätte sich Girardin Einkünfte von bis zu 75'000 Franken zugeschanzt. Und die Stiftung, subventioniert von Kanton und mehreren Waadtländer Städten, hätte gemäss Schätzung 90'000 Franken verloren.
Im Sommer 2018 wurde SP-Mann Lionel Girardin suspendiert und schliesslich von einem Waadtländer Gericht verurteilt. Unter anderem, weil zwei weitere Regierungsmitglieder Alarm geschlagen haben. Sie brachten die Affäre ins Rollen, gaben Informationen an ihren Anwalt, ihren politischen Berater und an die Geschäftsprüfungskommission des Stadtparlaments weiter.
Wegen Amtsgeheimnisverletzung wurden schliesslich auch diese beiden Regierungsmitglieder kurzzeitig vom Kanton Waadt suspendiert, dann von einem Gericht wieder in der Stadtregierung eingesetzt, um schliesslich vom Volk abgewählt zu werden.
Der Neuanfang
Und nun also der Neuanfang. Von den Bisherigen wurde im Frühling lediglich Stadtpräsident Yvan Luccarini von der décroissance alternatives wiedergewählt. Seine sechs Amtskolleginnen und Amtskollegen sind allesamt neu. «Die Bevölkerung hat diesen Neuanfang gewünscht. Jetzt ist der Wechsel passiert und wir müssen beweisen, dass wir das können», sagt ein zuversichtlicher Yvan Luccarini.
Die Erwartungen an die neue Stadtregierung dürften gross sein. Alle wissen: Was die Stadt nun braucht, ist Stabilität. Deshalb hofft Vevey umso mehr, künftig wieder mit schönen Bildern, statt mit politischen Krisen für Schlagzeilen zu sorgen.