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Für „Sterngucker“ ist der sonnennächste Planet nicht gerade ein sehenswertes Himmelsobjekt. Um ihn beobachten zu können, muss der Winkelabstand von der Sonne genügend gross sein. Gut sichtbar ist Merkur im kommenden Jahr am Abendhimmel zwischen dem 6. und dem 26. Februar, respektive zwischen dem 24. Mai und 18. Juni. Für Morgenbetrachtungen sind die Zeiten zwischen 24. Juli und 12. August oder vom 7. November bis 4. Dezember zu wählen. Aber aufgepasst: Es sind alle Vorsichtsmassnahmen zu beachten beim Einsatz von Hilfsmitteln (Kein Sonnenlicht ins Instrument; um nicht das Auge zu schädigen).
Sonderbar für Uneingeweihte sind die Beziehungen zwischen Merkurjahr und Merkurtag. So dauert ein Merkurjahr rund 88 Erdentage. Oder anders gesagt: Ein Merkurjahr ist rund viermal kürzer als ein Erdenjahr.
Wegen der „verlangsamten“ Eigenrotation des Merkurs entsteht für das Verhältnis Jahr zu Tag ein ganz anderes als auf der Erde. Merkur kreist nämlich in 87,97 Tagen um die Sonne und dreht sich in 58,646 Tagen um die eigene Achse. Die Länge eines Sonnentages (von einem Sonnenaufgang zum nächsten) ist dies allerdings nicht, da der Planet ja während eines Umlaufs um die eigene Achse einen beträchtlichen Teil seines Orbits um die Sonne zurückgelegt hat. Tatsächlich dauert ein Sonnentag auf Merkur, also seine so genannte synodische Rotationsperoide, 176 Tage und damit zwei Merkurjahre.
Dazu eine kleine Rechnung
Bist du auf der Erde 30 Jahre alt, also hättest Du die Sonne 30 mal umkreist, so wärest Du auf Merkur rund 125 Jahre alt (125 Umläufe um die Sonne). In dieser Zeit hättest Du auf der Erde knapp 11 000 Tage erlebt, hingegen auf dem Merkur während den 125 „Merkurjahren“ erst rund 62 „Merkurtage“.
Leben ist nicht möglich, da die Tagestemperatur bis 426°C reicht. Bei dieser Temperatur schmilzt etwa Blei. Und auch die Nächte sind nicht verlockend, wird doch die Temperatur bei etwa minus 170°C liegen.
Eis auf dem Merkur
Kürzlich veröffentlichte die Fachzeitung „Science“ eine Studie, woraus hervorgeht, dass die Sonde Messenger Beweise gefunden hat, dass es in der permanent im Schatten liegenden Region des Planeten eine Eisdecke gibt. Diese beträgt mindestens 30 cm und höchstens etwa 20 m. Nun wird vermutet, dass auch am Südpol des Merkurs Eis existieren könnte.
Wissenschaftler rätseln nun, wie Wasser auf Merkur hätte gelangen können und vermuten, dass Kometen oder möglicherweise Asteroiden, die auf dem Merkur eingeschlagen sind, die Ueberbringer von Wasser waren. Sie schliessen aus, dass der Fund von Eis mit der Existenz von Leben auf dem Planeten in Zusammenhang stehen könnte.
Mit Sicherheit finden wir auf unserem innersten Planeten Merkur keine ach so süsse kleine bräunliche Angebote oder Hotelbetten eines Unternehmens mit dem Namen des Planeten. Dort „oben“ dürften wohl auch kein Garageunternehmen, keine Druckerei mit demselben Namen existieren. Wer aber dennoch in Merkursnähe wohnen möchte, könnte ja sich ein Heim an der Merkurstrasse in Affoltern a./A. besorgen oder bei der „Merkur“-Versicherung (0esterreich) vorstellig werden.
Paul Furrer-Bischofberger