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Arterienverkalkung
Was im Volksmund als „Arterienverkalkung“ bezeichnet wird, findet sich in der Medizin unter den Fachbegriffen Atherosklerose oder Arteriosklerose wieder: Gemeint ist eine Verengung der Blutgefässe, namentlich der Arterien. Diese Gefässverengung entsteht, wenn sich Fette, Blutgerinnsel, Bindegewebe und Kalk in den Gefässwänden ablagern.
Das natürliche Altern der Gefässe findet bei jedem Menschen statt. Die Ausprägung der Gefässverengungen hat oft eine genetische oder familiäre Komponente, ist aber auch durch den individuellen Lebensstil stark beeinflusst. Dieses Phänomen kann alle Arterien im Körper betreffen und zu vielfältigen Folgeschäden führen.
Je nach Arterie, die betroffen ist, sind die durch Arteriosklerose ausgelösten Symptome unterschiedlich. Betrifft die Arterienverkalkung die Halsschlagader, kann sie einen Schlaganfall mit entsprechenden Anzeichen, wie z. B. der so genannten flüchtigen Blindheit, hervorrufen. Verengte Becken- und Beinarterien, welche wir periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) nennen, verursachen oft starke Muskelschmerzen nach kurzen Gehstrecken (die sogenannte Schaufensterkrankheit). Auch Erektionsstörungen können die Folge einer Gefässverengung durch Arteriosklerose sein.
Schaufensterkrankheit
Als Hauptursache der sogenannten Schaufensterkrankheit (periphere arterielle Verschlusskrankheit, pAVK) gilt die Arteriosklerose. Das Risiko dafür kann durch eine Reihe von vorbeugenden Massnahmen deutlich gesenkt werden. Die eingeschränkte Durchblutung führt zu einem Mangel an Sauerstoff und Nährstoffen im Versorgungsgebiet einer betroffenen Arterie. Zu spürbaren Beschwerden kommt es meist erst, wenn eine Arterie zu mehr als 50 Prozent verschlossen ist.
Die pAVK kann alle Arterien betreffen und geht häufig mit anderen Krankheiten einher, insbesondere Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefässe und der hirnversorgenden Gefässe (Halsschlagader). Dadurch ist das Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall stark erhöht.
Raucherbein
Hinter der Bezeichnung „Raucherbein“ versteckt sich ebenfalls die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK). Es handelt sich dabei um eine Erkrankung der Blutgefässe, die sich verengen, wodurch der Blutfluss gestört ist. Da die Erkrankung hauptsächlich Raucher betrifft und sich in 90 Prozent der Fälle am Bein manifestiert, wird sie umgangssprachlich auch „Raucherbein“ genannt.
Neueren Angaben zu Folge sind 70 Prozent der Patienten Männer, die Frauen holen jedoch auf. Das Durchschnittsalter der Patienten und Patientinnen mit Raucherbeinen beträgt rund 70 Jahre. Nicht selten tritt die Krankheit jedoch schon Mitte ab 40 auf.
Die Folgen der Erkrankung können bis zu einer Amputation führen. Der Betroffene kann jedoch mit den richtigen Massnahmen den Verlauf der Erkrankung stark beeinflussen. Nebst dem Rauchen gibt es noch weitere Risikofaktoren, welche die Verkalkung der Gefässe zusätzlich beschleunigen. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:
- Diabetes mellitus
- Bluthochdruck
- Hohes Alter
- Ein gestörter Fettstoffwechsel (Hypercholesterinämie)
- Bewegungsmangel
- Übergewicht
Behandlung
- Perkutante transluminale Angioloplastie (PTA)
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Perkutane transluminale Angioplastie (PTA)
Die PTA ist ein Verfahren zur Aufweitung von Gefässverengungen, die z.B. durch eine Gefässverkalkung (Arteriosklerose) oder ein Blutgerinnsel entstanden sind.
Wie weiss der Arzt wo die zu behandelnde Engstelle im Gefäss liegt?
Die Arterie wird in der Regel in der Leiste (da die Arterie hier sehr oberflächlich gelegen und daher gut auffindbar ist) nach vorgängiger örtlicher Betäubung mit einer Hohlnadel punktiert. Anschliessend wird ein kleines Plastikröhrchen (Schleuse), das während der ganzen Untersuchung in der Arterie als „Arbeitskanal“ verbleibt, in die Arterie gelegt. Nach Spritzen von Kontrastmittel wird die Gefässeinengung unter Röntgenkontrolle auf dem Bildschirm sichtbar. Durch die Schleuse wird dann ein dünner Führungsdraht eingeführt und bis über die Engstelle vorgeschoben. Das Vorschieben spürt der Patient nicht, da die Gefäss-Innenhaut keine Nervenfasern besitzt. Sobald der Führungsdraht die Engstelle passiert hat, wird ein sehr dünner flexibler Kunststoffschlauch (Katheter), an dessen Ende sich ein aufblasbarer Ballon befindet, über den Draht an die zu behandelnde Engstelle gebracht. Liegt der Katheter an der gewünschten Stelle, wird der Ballon unter hohem Druck (bis zu 16 atü) mit Kontrastmittel gefüllt und aufgeblasen. Dieser Vorgang heisst perkutane transluminale Angioplastie (PTA). Durch den starken Druck, den der Ballon auf die Gefässwand ausübt, werden die Kalkablagerungen (Arteriosklerose) in die Gefässwand gedrückt, und der Gefässdurchmesser vergrössert sich. Oft verwenden wir Ballone, welche auf der Aussenhaut mit Medikamenten beschichtet sind, welche die Ausbildung erneuter Engstellen an den Gefässen verhindern oder verlangsamen sollen. Da die Gefässwand selber Nervenfasern besitzt, spüren einige Patienten die Aufdehnung. Das Ergebnis der Ballonerweiterung wird durch wiederholte Kontrastmittelgaben und Darstellung des Gefässes auf dem Röntgenbildschirm überprüft.
Wann und warum braucht es einen Gefässstütze (Stent)?
Durch die Gefässaufdehnung kommt es immer zu kleinsten Einrissen der Gefässwand und zur Überdehnung der in der Wand befindlichen elastischen Fasern. Kleine Risse sind in der Regel kein Problem und können durch eine längerdauernde (ca. 3 Min.) Ballondilatation geglättet werden. Grössere Risse hingegen, so genannte Dissektionen, können den Blutfluss behindern, weshalb in diesem Fall ein Metallröhrchen (Stent) in das Gefäss eingelegt wird. Dieses ist auch notwendig, wenn nach mehrfacher Ballondilatation, die Einengung nicht zufriedenstellend ausgedehnt werden konnte. Der Stent gewährleistet die ungehinderte Durchblutung des Gefässes und verbleibt nach der Intervention im Gefäss. Im Laufe der Zeit wächst er in die Gefässwand ein. Analog zu den oben genannten medikamentenbeschichteten Ballonen gibt es auch medikamentenbeschichtete Stents.
Was verspürt man während des Eingriffes?
Der Eingriff ist bis auf die Durchführung der Lokalanästhesie (kleiner Stich wie bei einer Blutentnahme) weitgehend schmerzlos. Während das Kontrastmittel gespritzt wird, bemerkt man vorübergehend ein allgemeines Wärmegefühl oder Harndrang. Selten wird, wenn der Ballon aufgeblasen oder der Stent entfaltet wird, ein Druckgefühl (Gefässdehnungsgefühl) verspürt. Am Ende der Behandlung wird das Loch in der Arterie mit einem Verschlusssystem verschlossen, welches sich nach einiger Zeit auflöst, so dass keine Rückstände verbleiben.
Ist eine Angioplastie immer erfolgreich?
Der Eingriff ist bei > 95 % aller Gefässverengungen und in > 80 % bei einem kurzen Verschluss erfolgreich. Wie bereits erwähnt, kann es durch die Gefässaufdehnung zu kleinsten Einrissen der Gefässwand und zur Überdehnung der in der Wand befindlichen elastischen Fasern kommen. Der Körper verschliesst diese Risse in der Regel durch eine Narbenbildung. Ist die Narbenbildung überschiessend, kann es zu einer Rezidivstenose (Wiederauftreten einer Engstelle am selben Ort) kommen. Dies ist je nach Lokalisation in etwa 20-30% (bei den Unterschenkelarterien häufiger) der so behandelten Patienten der Fall. Die Rezidivstenose manifestiert sich in der Regel in den ersten 3-6 Monaten nach dem Eingriff. Sollte dies der Fall sein, kann der Eingriff problemlos wiederholt werden. Wichtig zu wissen ist, dass keiner der genannten Eingriffe das Gefäss erneuert oder heilt.
Was für Komplikationen gibt es?
Eine Ballonerweiterung ist nicht ganz risikolos. Ein Grossteil der Komplikationen kann während des Eingriffs behoben werden, ohne dass sie etwas davon merken.
Durch das Vorschieben des Drahtes oder bei der Ballondilatation kann es zu Einrissen an der Gefäss-Innenhaut und zu einem Gefässverschluss kommen oder es können sich Gefässwandauflagerungen ablösen, die zu einer Verstopfung einer weiter distal gelegener Arterie und letztendlich zu einer Verschlechterung der Blutzirkulation im Fuss führt. Die abgelösten Gefässwandablagerungen werden in der gleichen Untersuchung abgesaugt, das kann manchmal kompliziert sein und die Eingriffsdauer deutlich verlängern. Wenn viele Blutgerinsel vorliegen, führen wir eine starke Blutverdünnung durch, die so genannte Lysetherapie, welche direkt über den Katheter gegeben werden kann um am richtigen Ort zu wirken.
Beim Gefässverschluss wird der Arzt versuchen durch eine erneute Ballonerweiterung, den Einriss zu verkleben oder das Gefäss wieder zu eröffnen. In den Fällen, in denen das nicht gelingt, ist eine Notoperation (Bypass-Operation) erforderlich, um eine drohende Beinischämie zu verhindern. Das Risiko, dass eine Bypass-Operation nach einer Ballondilatation erforderlich wird, ist äusserst selten (deutlich unter 1%).
Weitere Komplikationen, die auftreten können, sind:
- Es kann sich eine Verbindung zwischen Arterie und der benachbarten Vene ausbilden (arteriovenöse Fistel). Diese heilen in der Regel spontan ab oder bedürfen bei Persistenz keiner Behandlung. Nur in Ausnahmefällen bedarf es eines erneuten Kathetereingriffs oder einer Operation um die arteriovenöse Fistel zu verschliessen.
- Aussackungen der Gefässwand (Aneurysma spurium). Dieses fällt in der Regel nach dem Eingriff auf und kann durch Kompression oder durch die Injektion eines „Klebers“ behoben werden.
- Überempfindlichkeit auf das Kontrastmittel. Dies wird umgehend medikamentös behandelt und für Folgeeingriffe vermerkt und einer erneuten allergischen Reaktion zuvor zu kommen.
- Störungen der Schilddrüsenfunktion durch jodhaltiges Kontrastmittel. Dies kann durch eine mehrwöchige medikamentöse Therapie behandelt werden.
- Verstärkung der Durchblutungsstörungen im Bein mit hieraus resultierender Operation oder erneuter Intervention.
- Nervenverletzungen und Bluterguss in der Leiste (Ellenbeuge).
- Verletzungen (Einrisse) der Leisten-, Becken-, Arm- oder Hauptschlagader (Aorta).
Was ist vor und nach der Behandlung zu beachten?
Vor der Behandlung sind meist keine besonderen Vorbereitungen nötig. Einige Stunden vorher sollte man nichts mehr essen und nur noch wenig Flüssigkeit zu sich nehmen. Die meisten Medikamente können wie gewohnt weiter eingenommen werden. Gerinnungshemmende Medikamente müssen eventuell nach Absprache mit dem Arzt für einige Tage ausgesetzt werden. Dosierungen von Medikamenten gegen Zuckerkrankheit und die Insulin-Dosis bei Diabetikern sind vom Arzt vorher festzulegen. Eine besondere Vorbereitung unter ärztlicher Anweisung erfordert die Behandlung bei Menschen, die an einer fortgeschrittenen Niereninsuffizienz und an Allergien leiden.
Nach der Behandlung wird Ihnen um einen Bluterguss in der Leiste (Einstichstelle) zu vermeiden ein Druckverband angelegt und sie bleiben deswegen noch ca. 4 - 6 Std. im Spital zur Überwachung. Zu Hause sollten grössere Belastungen sicherlich während 2 Tagen vermieden werden. 3, 6 und 12 Monate nach dem Eingriff sind Verlaufskontrollen vorgesehen, insbesondere, wenn Stents implantiert wurden oder die Gefässerkrankung langstreckig ist.
Im Anschluss an die Behandlung sollte eine Dauerbehandlung mit einem Medikament durchgeführt werden, welches die Fliesseigenschaften des Blutes verbessert. Meist wird hierzu ein Thrombozytenaggregationshemmer, z.B. ASS verwendet und ein Cholesterinsenker, der zu einer Verminderung der entzündlichen Veränderungen in den arteriosklerotischen Plaques führt und diese stabilisieren kann.
Um die Bildung von Blutgerinnseln an dem Stent zu verhindern, ist es üblich, für einige Wochen ein zusätzliches gerinnungshemmendes Medikament einzunehmen, welches Clopidogrel heisst und etwas wirksamer als ASS ist
Da bei allen Verfahren die Gefahr einer erneuten Verengung an gleicher Stelle besteht, haben begleitende Therapiemassnahmen (Nikotinstopp, Gewichtsreduktion, gesunde Ernährung, ausreichende körperliche Bewegung) einen hohen Stellenwert.
Welche Behandlungsalternativen gibt es?
Die Ballondilatation ist heute im Bereiche der Beinarterien oder an anderen Lokalisationen das Standardverfahren zur Aufweitung von Gefässverengungen oder eines Gefässverschlusses. Das Verfahren erfordert jedoch, dass der Führungsdraht durch die Engstelle hindurchgeführt werden kann, andernfalls ist keine Behandlung möglich.
In diesem Fall kann eine Bypass-Operation durchgeführt werden.