Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03525.jsonl.gz/45

419 Vogelarten aus der Datenbank
Mehr
Eulen wecken die Emotionen
Zum Thema
Artenförderung Lachmöwe
Zum Projekt
Kurzstreckenzieher
Zum Merkblatt
Vogelstimmen kommen in der Musik vor, aber längst nicht bei allen Komponisten. In den streng durchkonstruierten Fugen von Johann Sebastian Bach (1685–1750) oder in der Zwölftonmusik von Arnold Schönberg (1874– 1951) und Anton Webern (1883–1945) haben Vogelstimmen nichts zu suchen.
Olivier Messiaen (1908–1992), ein Komponist, dessen Name untrennbar mit Vogelstimmen verbunden ist. Foto von Yvonne Loriod-Messiaen anlässlich eines Ausflugs mit dem Schweizer Dirigenten Karl Anton Rickenbacher und seiner Frau Gaye zum Meije- Gletscher (Frankreich) am 12. September 1987.
Der Komponist, der sich am intensivsten mit Vogelstimmen befasst hat, ist der Franzose Olivier Messiaen. Er hat fast überall auf der Welt Vogelstimmen studiert und aufgenommen. Er war Organist, Komponist und Lehrer am Pariser Conservatoire. Vogelstimmen dienten ihm oft als Ausgangsmaterial für seine Kompositionen. Sie tauchen in vielen seiner Werke auf, teilweise kunstvoll verändert, im Tonumfang proportional gedehnt oder komplizierten rhythmischen Prozessen unterzogen. Es ist daher eigentlich auch nicht angebracht, nun zu kontrollieren, ob er die Stimmen etwas besser oder schlechter trifft, denn die rein naturalistische Wiedergabe war nicht sein Ziel. Dennoch ist es erstaunlich, wie klar erkennbar er z.B. die melancholisch flötenden Strophen der Heidelerche in seinem Klavierwerk «Catalogue d’oiseaux» wiedergibt.
Eines seiner späten Hauptwerke ist die Oper «Saint François d’Assise». Im 6. Bild, der Vogelpredigt des Heiligen Franziskus, erklingen viele Vögel, besonders ausführlich die Mönchsgrasmücke, deren Gesang Messiaen besonders liebte. In der Partitur des «Saint François d’Assise» sind die Stellen mit Vogelstimmen beschriftet, und zwar nicht bloss mit dem Artnamen, sondern mit Ort und Datum: Der Komponist hat ganz konkrete, an bestimmten Orten zu bestimmten Zeiten gehörte Vogelgesänge musikalisch umgesetzt.
Am weitesten ging Messiaen wohl in seinem Orchesterwerk «Oiseaux exotiques», das ausschliesslich auf der Bearbeitung von Vogelstimmen beruht. Da Messiaen viele Vogelstimmen verwendete, die er von Schallplatten übernahm oder die er auf seinen Reisen zu Konzerten auf der ganzen Welt gesammelt hatte, ist die Analyse für nicht so weitgereiste Ornithologen nicht ganz einfach.
Olivier Messiaen hat das Tonbandgerät zum Sammeln von Vogelstimmen eingesetzt, aber nicht in seinen Kompositionen.
Der finnische Komponist Einojuhani Rautavaara schrieb 1972 ein Orchesterwerk, worin Vögel eine wichtige Rolle spielen: In seinem «Cantus arcticus» erklingen die Stimmen von Singschwänen und weiteren Vogelarten ab Tonband als Ergänzung zum Orchesterklang. Es ist ein ruhiges, fast mystisches Werk, das an die Weiten des Hohen Nordens erinnert.
Ausschliesslich aus technisch veränderten Vogelstimmen setzte der Amerikaner Jim Fassett (1904–1986) seine «Symphony of the Birds» zusammen.