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In meinem Artikel „Die perfekte Pose für Pferdebilder“ habe ich beschrieben, wie Du die schönsten Pferdefotos machst. Und ich habe dabei erwähnt, dass es gut ist, eine grosse Brennweite, also ein Teleobjektiv zu benutzen (über 100 mm). Aber: Im normalen Alltag hast Du selten so eine Kamera dabei. Wenn Du im Stall bist, ist die Kamera, die Dir am nächsten ist, Deine Handykamera. Also wirst Du, ausser bei speziellen Gelegenheiten, normalerweise Pferdefotos mit dem Smartphone schiessen. Ich schiesse ständig Pferdefotos mit dem Smartphone. Mein Iphone ist überschwemmt mit Pferdefotos und Videos.
Dabei gibt es ein paar Dinge zu beachten, damit die Fotos ansehnlich werden.
Die Handykamera und was sie macht
Das Handy hat eine Kamera, die einem Weitwinkelbobjektiv entspricht. Im Falle meines Handys (Iphone SE) ist es das Äquivalent eines ca 35 mm Objektivs. Ein Weitwinkel verändert das Bild folgendermassen: Was nah ist, wirkt auf dem Foto noch näher und grösser. Was weiter weg ist, wirkt noch weiter weg und kleiner, als wir es normalerweise sehen.
Wenn wir unser Pferd nun so positionieren, dass es schräg steht, ist sein Hinterteil weiter weg und sein Kopf näher, was dazu führt, dass der Kopf noch näher und grösser und die Hinterhand noch weiter weg und kleiner abgebildet werden. Solche Pferdefotos sind in den seltensten Fällen schmeichelhaft.
So sieht das aus:
Die Fotos von Lucky und Siddhi / Mia gewinnen gegenüber dem von Serafina insofern an Aussehen, dass sie von unten her aufgenommen sind. Darum ist es nicht so schlimm, dass das Pferd „verzogen ist“, weil der Blickwinkel sowieso nicht dem normalen Blickwinkel entspricht und wir gar nicht erwarten, ein normales Bild zu sehen. Somit wird die Tatsache, dass die Kamera das fotogafierte Objekt (Pferde-Subjekt) verzieht, in ein photographisches Stilmittel umgewandelt.
Das Bild von Serafina sieht einfach doof aus. Sie ist eine sehr kräftige Stute, um nicht zu sagen dick. Und hier sieht sie aus, als würde sie nur aus Kopf bestehen.
Lösungsvorschläge für Pferdefotos
Es gibt mehrere Möglichkeiten.
Eine davon ist es, das Pferd schön seitlich zur Kamera zu stellen. Mia steht hier auf dem ersten Foto ziemlich senkrecht zur Blickrichtung. Damit wird nichts grösser, nichts kleiner, das Pferd wird sozusagen „flach abgebildet“. Leider wirkt das Bild so ein kleines bisschen langweilig.
Eine andere Möglichkeit ist es, weiter weg zu gehen. Pferdefotos mit dem Smartphone sind problemlos, wenn man aus der Distanz fotografiert. Denn dann sind alle Pferde in der Herde etwa gleich weit weg und werden natürlicher abgebildet, als wenn man näher dran geht. Das zeigen die beiden unteren Fotos. Beim rechten Foto wirkt natürlich der Nebel noch mit und löst das „Hintergrundsproblem“, auf das ich unten noch eingehen werde.
Für ein Portrait, wenn man eins möchte, bleibt einem wirklich nur die seitliche Fotografie, weil das Pferd von vorne einfach nur noch aus Nase besteht. Das zeigt das Foto von Risha. Sie ist total verzogen. Das Foto kann zwar lustig wirken, aber ein „schönes Portrait“ ist es nicht.
Übrigens ist das auch ein Problem bei Selfies. Weitwinkel machen auch bei Menschen spitze Gesichter und prominente Nasen. Ein Mensch-Pferd Selfie zu machen, das hübsch ist, ist eine echte Kunst.
Ein schöner Hintergrund?
Wie man auf allen Fotos sieht, ist der Hintergrund ein Thema. Eine Handykamera verfügt nicht über die Möglichkeit, diese schöne Unschärfe im Hintergrund zu machen. Bei Pferdefotos mit dem Smartphone kriegst Du alles mehr oder weniger scharf abgebildet. Je weiter weg Du gehst, desto eher wird alles auf dem Bild scharf. Wenn Du näher hingehst, verzieht es Dir Dein Sujet.
Es bleibt nur eins: Such Dir einen schönen Hintergrund, oder fotografiere bei Nebel 🙂 Die beiden Fotos, die auf Spaziergängen entstanden sind (Lucky und Mia / Siddhi) sind vom Hintergrund her durchaus zu vertreten. Die anderen sind Fotos, die Arbeit dokumentieren, aber für mich nicht unter „schönes Pferdefoto“ gehen würden.
Die beste Möglichkeit für ein Ganzkörperfoto ist es, an einen schönen Ort zu spazieren und sein Pferdchen senkrecht zur Kamera zu positionieren. Lass genug Platz ums Pferd herum und nimm Abstand! Denn das Handykamera-Objektiv verzieht gegen den Rand das Bild ganz schön.
Was auch schön sein kann, ist ein Ausschnitt. Wer sagt denn, dass immer das ganze Pferd aufs Foto muss. Bei Serafinas Foto ist das Auge so prominent, dass ich darauf wette, keinem fällt der Reithallenhintergrund auf.
Pferdefotos mit dem Smartphone: Woher kommt das Licht?
In meinem Artikel „Die perfekte Pose für Pferdebilder“ habe ich mich ja auf die Pose beschränkt und das Licht gar nicht erwähnt, wo das her kommen sollte. Mit dem Handy fällt es mir sehr viel mehr auf, weil die normale Iphone Kamera mir nur Jpegs zur Verfügung stellt. Auch wenn ich die Fotos dann in Lightroom und Photoshop importiere, sind meine Möglichkeiten sehr beschränkt.
Mit dem Handy ist es besonders wichtig, anständige Lichtverhältnisse zu haben. Am besten fotografiert man das Pferd gegen einen Hintergrund, der nicht extrem stark mit dem Pferd kontrastiert von der Helligkeit her.
Hier ein Beispiel eines hübsch posierten Pferdchens mit hoffnungsloser Belichtung: Bild 1 ist wie es aus der Kamera gekommen ist. Bild 2 ist das Beste, was ich in Lightroom hingekriegt habe vom gleichen Foto. Bild 3 ist nochmal ein Beispiel eines bearbeiteten Pferdefotos, das aber auch noch nicht so wahnsinnig toll aussieht. Siddhi steht schön da und eigentlich wäre die Gegend auch nicht allzu übel, aber das Gegenlicht und ein schwarzes Pferd, das geht nicht. Mit einem Schimmel würde es ein bisschen besser gehen, wäre aber nicht ideal.
Achte also darauf, dass in Handy-Pferdefotos das Licht entweder sehr ausgeglichen ist (gute Bewölkung, Reithalle mit Kunstlicht, Nebel) oder dass Du mit dem Licht oder seitlich dazu fotografierst. Und eben: Kontrast reduzieren. Nichts schlimmeres als ein schwarzes Pferd gegen hellen Hintergrund (Schnee, Himmel).
Das Foto von Lucky mit Moro, Samy und Liam (der Hund) im Hintergrund ist anständig belichtet und hübsch komponiert. Man sieht, wenn man den Schattenwurf von Liams Hinterbein anschaut, wo das Licht herkommt. Nämlich von der Seite.
Color me beautiful: Benutze eine Foto-App
Es gibt fürs Smartphone jede Menge Apps, mit denen man mit einfachen Methoden Fotos verändern kann. Ich mag Snapseed und Pixlr sehr. Und es gibt zusätzliche Kamera-Apps, mit denen man etwas mehr Kontrolle über das Foto hat, wie z. B „Manual“, das auch RAW Format speichert, oder Halide. Bei diesen Kameras kann man mehr selbst einstellen, als an der Iphone Kamera, die eingebaut ist. Obwohl man auch da die Helligkeit und den Fokuspunkt selbst wählen kann, einfach indem man dort auf den Schirm tippt, wo die Kamera scharf stellen soll. Dann erscheint auch eine kleine Sonne und ein Regler, und man kann die Helligkeit regulieren.
Unten ein Beispiel eines Fotos vor und nach der Fotobearbeitung. Auch mit einfachem Zuschneiden und etwas Fotofiltern und einem Rahmen kann man mehr aus einem Foto machen. Da kann man stundenlang damit rumspielen….
Wenn ich Pferdefotos mit dem Smartphone mache, tendiere ich dazu, ihnen ein „anderes Gesicht“ zu verpassen als meinen Fotos aus der DSLR. Dazu benutze ich die Apps auf dem Iphone. Mir gefallen Pferdefotos, die so ein wenig „Cowboy“-mässig aussehen oder so, als wären sie schon uralt. Und das kriegt man mit den meisten Apps problemlos hin.
Probier aus, was Dir am meisten liegt, und wenn Du Lust hast, poste doch ein Foto von Deinem Pferd, das Du mit dem Handy gemacht hast, auf meiner FB Seite, die Du hier findest. Ich freue mich schon darauf!
Übrigens, wenn Du gerne noch mehr wissen möchtest und üben möchtest, mit dem Handy Fotos von Deinem Pferd oder auch Hund zu machen, gibt es dazu ja auch einen Fotokurs bei mir: „Fotografie mit dem mobile Phone„.