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Neutralisierungspraktiken und grenzüberschreitende Beziehungen in Kriegszeiten im frühneuzeitlichen Europa
Während staatliche Neutralität als die Aussenpolitik eines Staates bestimmendes völkerrechtliches Konzept jüngeren Datums ist und insgesamt eine Ausnahmeerscheinung geblieben ist, praktizierten die Gesellschaften der Frühen Neuzeit in Konfliktsituationen vielfältige Formen der Neutralisierung, mit denen sie die Auswirkungen von Kriegen im Alltag zu begrenzen suchten. Besonders verbreitet waren lokale Neutralisierungspraktiken vom frühen 16. Jahrhundert bis zum spanischen Erbfolgekrieg in den Grenzräumen zwischen der französischen und der spanischen Monarchie. Neben formellen Neutralisierungsverträgen finden sich in allen Konflikten auf lokaler Ebene ausgehandelte Salvaguardien, die gegen Kontributionszahlungen oder Einquartierungen mehr oder weniger friedliche Beziehungen mit den Heeren sicherten. Diese verschiedenen Praktiken erlauben es, zentrale Fragen einer politischen Sozialgeschichte der Frühen Neuzeit zu thematisieren. Dazu gehören zum Beispiel die Beziehungen zwischen privilegierten Gebietskörperschaften und den Fürsten in einer Zeit, in welcher mit militärischen Mitteln ausgetragene Konflikte die Herausbildung staatlicher Strukturen begleiteten. Insbesondere stellte sich dabei die Frage, unter welchen Bedingungen Untertanen gegenüber dem eigenen Fürsten Neutralität wahren durften.