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Der Süden Tschads ist geprägt von hoher Arbeitslosigkeit, Migrationsströmen und wachsendem Druck auf die ohnehin fragilen natürlichen Ressourcen. Zusammen mit ihren lokalen Partnern organisiert Caritas Schweiz sechsmonatige Berufsbildungskurse in den Dörfern. Diese bieten neue Perspektiven und zeigen, dass Armut kein Schicksal ist.
Der Tschad ist ein Land der Extreme. Mit einer Fläche von 1'284'000 km2 ist es das fünftgrösste Land in Afrika und bildet die Schnittstelle zwischen Nordafrika und der Subsahara. Die Hauptstadt N’Djamena liegt 1'700 Kilometer vom nächstgelegenen Meereshafen in Douala im Nachbarland Kamerun. Ein grosser Teil des Binnenlands besteht aus Wüste. Der Tschad erstreckt sich über drei Klimazonen: die Saharawüste im nördlichen Drittel, die Sahelsteppe im Zentrum des Landes und eine Zone im Süden, die über beträchtliches landwirtschaftliches Potenzial verfügt.
Gerade im südlichen Teil des Landes kommt es immer wieder zu starken wirtschaftlichen und sozialen Spannungen, verursacht durch den schwierigen Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen, mangelnde öffentliche Infrastrukturen, fehlende wirtschaftliche Chancen, hauptsächlich für junge Menschen, und die Schwierigkeiten für Frauen, sich im Arbeitsmarkt zu integrieren. Zu diesen internen Faktoren kommt die anhaltende regionale Instabilität in vielen ländlichen Gegenden hinzu, die regelmässig zu Flüchtlingsströmen aus der Zentralafrikanischen Republik und Kamerun und Rückkehrwellen von Tschadern aus der Zentralafrikanischen Republik führt. Das friedliche Zusammenleben dieser unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen ist bedroht durch Faktoren wie mangelnde Aussicht auf Arbeit, beschränkte natürliche Ressourcen und Klimagefahren wie Überschwemmungen und wiederkehrende Dürren.
Caritas Schweiz verfolgt den inklusiven «Nexus»-Ansatz
Das Projekt zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensbedingungen von Einheimischen, Flüchtlingen und Rückkehrenden (DIZA) von Caritas Schweiz ist in den Regionen Logone-Oriental, Mandoul und Moyen-Chari angesiedelt. Ziel des Projekts ist die Verbesserung der Lebensbedingungen von Einheimischen, Flüchtlingen und Rückkehrenden. Dabei wird der sogenannte «Nexus»-Ansatz verfolgt, bei dem Massnahmen der humanitären Hilfe und der Entwicklungszusammenarbeit verknüpft werden. Auf diese Weise wird der Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen verbessert, und die Wirtschaft und die lokalen Regierungsstrukturen werden gestärkt. Es ist wichtig, dass sämtliche Bevölkerungsgruppen (Flüchtlinge, Rückkehrende, Gastgemeinschaften und Frauen) in die Aktivitäten des Projekts involviert sind.
Ein verbessertes Berufsbildungsangebot ist einer der Hauptpfeiler für bessere Lebensbedingungen. Die Kurse dauern drei bis sechs Monate und decken Berufe wie Schreiner, Schneider und Motorradmechaniker ab. Alle Ausbildungen sind für Männer und Frauen zugänglich. Nach der Ausbildung erhalten die Teilnehmenden nicht nur ein Diplom, sondern auch eine Box mit den wichtigsten Werkzeugen und Utensilien, die sie für die Ausübung des erlernten Berufs brauchen. Insbesondere Frauen übernehmen nach der Ausbildung oft eine Führungsrolle in der Gemeinschaft. Ein inspirierendes Beispiel ist Cynthia Betamadji, die im Dorf Yamodo lebt und sich zur Schneiderin ausbilden liess. «Ich konnte mein Einkommen erhöhen und etwas auf die Seite legen. Zusammen mit dem Einkommen meines Mannes aus der Landwirtschaft erlaubte uns dies, ein Haus zu kaufen, in dem wir jetzt leben», freut sie sich.
Technische Kompetenzen und soziale Integration
Damit möglichst viele Junge und junge Erwachsene von den Kursen profitieren können, werden diese nicht in städtischen Zentren, sondern wenn möglich in den Dörfern selbst durchgeführt. Dieser Aspekt ist wesentlich für die soziale Integration. Zudem besteht ein weiteres Ziel der Ausbildung in der Förderung von gemeinsamen Treffen und einem Austausch unter den Lernenden. So können sie ihre Kenntnisse im Beruf, in dem sie ausgebildet wurden, stetig verbessern und zu einer verstärkten sozialen Kohäsion beitragen.
Schritt für Schritt in die Selbständigkeit
In Moissala ging kürzlich ein sechsmonatiger Schreinerkurs zu Ende. Tolnan Kossemadji aus dem Dorf Maimana konnte sein Diplom entgegennehmen und ist dankbar, dass er diese Ausbildung absolvieren konnte. «In der Schule war ich nicht gut. Dank der Fertigkeiten, die ich jetzt erlernt habe und die für das Leben auf dem Land nützlich sind, kann ich meine Familie besser versorgen und meinen Kindern eine Ausbildung ermöglichen». Er ist nun daran, seine eigene Werkstatt im Dorf einzurichten. Behodjim Fidèle aus Danamadja, der denselben Kurs besuchte, ergänzt, dass die Ausbildung einem echten Bedürfnis im Dorf entspreche. «Zuerst werden alle fünf Absolventen der Ausbildung eine gemeinsame Werkstatt aufbauen. Dort werden wir ein Jahr lang zusammenarbeiten. Wenn wir sicher sind, dass wir alle Schreinertechniken beherrschen, wird jeder seine eigene Werkstatt eröffnen».
Für Caritas Schweiz ist die Qualität der Perspektiven ebenso wichtig wie die Umsetzung der Aktivitäten. Alle Interventionen sind langfristig geplant und fördern in erster Linie die Eigenverantwortung der Gemeinschaft. Die Tatsache, dass sich die Menschen zusammenschliessen, um von den Kompetenzen und Ressourcen der Gemeinschaft zu profitieren, ist ein vielversprechendes Zeichen für die Nachhaltigkeit dieser Aktivitäten.
Geschrieben von Luca Heim
Titelbild: © Caritas Schweiz