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Trotz der von Donald Trump verhängten Importzölle bleibt der chinesische Autobauer BYD im hart umkämpften Markt von Elektro-Autos der unangefochtene Spitzenreiter, was nicht zuletzt dem US-amerikanischen Tesla-Unternehmen und damit Elon Musk zusehends Sorgen bereitet. Wie Keith Bradsher, Korrespondent der New York Times aus Shenzhen berichtet, hat diese Erfolgstory nicht nur mit tiefen Fertigungskosten zu tun, sondern auch mit einem visionären Management.
Eine chinesische Erfolgsstory
BYD (Build Your Dreams: Baue deine Träume) Auto Company Limited hat seinen Hauptsitz in der Millionenmetropole Shenzhen in Chinas bevölkerungsreichster Provinz Guangdong. Obwohl das Unternehmen hierzulande noch nahezu unbekannt ist, gilt BYD als einer der grössten Autohersteller Chinas. Beim Verkauf von Elektro-Autos hat das Unternehmen Ende letzten Jahres Tesla überholt und ist seitdem weltweit führend. In den letzten beiden Jahren betrug das Wachstum verkaufter Elektro-Autos jeweils über eine Million.
BYD wurde von seinem heutigen Geschäftsführer Wang Chuangfu 1995 gegründet, allerdings als Batteriehersteller für Motorola und andere ähnliche Unternehmen. Aber Wangs Traum war seit Beginn die Herstellung von Autos. 2003 kaufte er eine Fabrik in Xian, allerdings waren die dort gefertigten Autos als «Klapperkisten» bekannt. Noch 2007 machten sich US-Geschäftsleute anlässlich eines Autosalons in Guangzhou über die ersten BYD-Modelle lustig. Inzwischen ist ihnen das Lachen vergangen.
Zwei richtungsweisende Entscheide
Ab 2008 begann BYD mit der Herstellung von Elektro-Autos, vorerst noch im Gleichschritt mit so genannten Hybrid-Modellen. Allerdings schien es 2012, BYD könne nicht mehr mit der ausländischen Konkurrenz mithalten, da auch in China die Anforderungen der Konsumentinnen und Konsumenten gestiegen waren. CEO Wang traf zwei wegweisende Entscheide: Er holte sich Wolfgang Egger, einen bekannten Audi-Designer, der in der Folge mit seiner Crew von Ingenieuren die BYD-Modelle vollständig neu entwarf. Und er ersetzte die in der Industrie als Standard geltende chemische Zusammensetzung aufladbarer Lithium-Batterien (Nickel, Kobalt und Mangan) durch die wesentlich günstigeren Elemente Eisen und Phosphat.
Heute machen Elektro- und Hybrid-Autos zusammen in China 40 Prozent des Automarktes aus, und in einem Jahr soll dieser Anteil bereits über 50 Prozent betragen. Dies hat natürlich nicht nur mit Wangs richtungsweisenden Entscheiden, sondern auch mit der tatkräftigen Unterstützung der Autoindustrie durch die chinesische Regierung zu tun. Für den Zeitraum von 2008 bis 2022 soll BYD staatliche Subventionen in der Höhe von 3,6 Milliarden US-Dollars erhalten haben.
BYD setzt auf Export
BYD hat inzwischen Fabriken in Brasilien, Ungarn, Thailand und Usbekistan, wo die Elektro-Autos zusammengesetzt und vertrieben werden; bald sollen weitere Produktionsstätten in Mexiko und Indonesien dazukommen. Weil in China doppelt so viele Wagen hergestellt, als von einheimischen Konsumentinnen und Konsumenten gekauft werden, setzt BYD auf den Export. Dafür baut das Unternehmen sogar eigene Frachtschiffe. Das erste, der BYD-Explorer Nr. 1, ist im Moment mit 5000 Elektro-Autos unterwegs in die Niederlande.
BYD baut eigene Fabriken in Brasilien, Thailand, Ungarn und Usbekistan. Die drei grossen Auto-Hersteller in den USA sollten sich Sorgen machen.Robinson Meyer, New York Times, 29.2.2024
Die BYD-Modelle sind in der Regel fast 40 Prozent günstiger als die vergleichbaren Modelle von Tesla oder der Volkswagen-Gruppe. Die BYD-Seagull ist bereits für weniger als 11’000 US-Dollar zu bekommen. Zwar haben die Immobilienkrise und die fallenden Börsenkurse die Nachfrage in China spürbar sinken lassen, aber die Konzernleitung zeigt sich überzeugt, dass ihre Modelle auf dem Weltmarkt konkurrenzlos sind. Obwohl es inzwischen in fast jedem Dorf Ladestationen gibt, sind in China Hybrid-Fahrzeuge nach wie vor sehr beliebt, da die Leute bei grossen Distanzen «keine Zeit verlieren» möchten.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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