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Eine Möglichkeit der Diabetestherapie heisst Loop-System. Es besteht im ausgeklügelten Zusammenspiel von Insulinpumpe und Glukosesensor. Das System eignet sich für Typ-1-Diabetesbetroffene. Die hier porträtierte Lynn nutzt es genauso wie einige Teilnehmende des Events von diabetesaargau zum Loop-System.
Fachliche Informationen zu Insulinpumpen und Loop-Systemen finden Sie im nächsten Artikel.
Lynn trainiert mit viel Freude, zeigt Talent und Schlagkraft. Im Juni stand sie an einem internationalen Karate-Wettkampf, dem Trimmiser Cup, in ihrer Gewichtsklasse zuoberst auf dem Podest. Die Elfjährige erzählt strahlend von der Urkunde, die sie schön einrahmen und in ihrem Zimmer aufhängen wolle. Es ist nicht ihr erster Sieg, sie hatte aber auch schon Pech, als sie an einem Wettkampf in die Rippen geschlagen wurde. «Ich konnte kurz nicht mehr atmen und musste aufgeben. Das war blöd. Aber wenn ich im Karate-Training dranbleibe, kann ich mich steigern. Meist werde ich von den anderen unterschätzt, weil ich eher klein bin», sagt Lynn.
Vorbereitung auf das Training
Wenn sich Lynn in der Turnhallen-Garderobe für das Training umzieht, bereitet sie sich anders vor als die Mädchen neben ihr. Lynn schaut kurz auf das Display der Insulinpumpe, steckt sie dann aus, überprüft mit den Fingern, ob der am seitlichen Rücken gesetzte Katheter sicher verklebt ist, und zieht die weisse Baumwollhose bis unter die Klebestellen hoch. Die Insulinpumpe, welche sie normalerweise im Bauchtäschchen mitträgt, entfernt Lynn für die Trainingsstunde, um sich und andere durch das Gerät nicht zu verletzen. Der Glukosesensor bleibt am Oberarm, auch bei Wettkämpfen, doch in solchen Situationen polstert Lynns Mutter den Sensor mit Watte und fixiert ihn mit selbsthaftender Bandage. «Ich bin fast parat, fehlt nur noch das Komplizierteste », schmunzelt Lynn, als sie ihren roten Karate-Gürtel aus dem Rucksack zieht. Mit ruhigen, routinierten Gesten bindet sie den langen Gürtel über der weissen Jacke und achtet darauf, dass er oberhalb der Stelle mit dem Katheter liegt.
«Wenn ich im Karate-Training dranbleibe, kann ich mich steigern.»
Der farbige Karate-Gürtel ist ein Symbol des gegenseitigen Ansporns. Wer mit viel Freude dranbleibt, sich im Training anstrengt und konzentriert, kommt von Stufe zu Stufe weiter und erhält zur Anerkennung einen Gürtel des nächsten Grades. Zuerst weiss, dann rot, und bald möchte Lynn den nächsten, den blauen Gürtel erreichen: Sie stellt sich neben einen Buben mit blauem Gürtel, als sich die 24 Schülerinnen und Schüler zu Beginn des Kindertrainings nach Erfahrungsstufen aufreihen.
Kurze Pause mit Traubenzucker
Während des Aufwärmtrainings hält Lynn plötzlich die Hand hoch. Sensei (japanisch Lehrer) Dominique Frey nickt, ohne die Übungsanweisungen zu unterbrechen. Lynn verlässt die Reihe und setzt sich vor der Sprossenwand auf den Boden. Es sei ihr komisch, sie sei zu tief. Aus der Seitentasche des Rucksacks nimmt sie die Insulinpumpe, die über Bluetooth mit dem Glukosesensor verbunden ist. «Drei Komma drei», sagt sie schliesslich. «Ich brauche Traubenzucker und muss pausieren, bis ich höher komme.» Der Sensei bringt ihr den Traubenzucker, kniet sich zu ihr hin und fragt, wie sie sich fühle. Er meint, sie solle wieder mitmachen, sobald der Wert gestiegen sei. Lynn findet es nervig, dass sie das Training unterbrechen muss und blickt betrübt zu den anderen Kindern. Doch einige Minuten später ist sie wieder dabei und zeigt während der Übungen viel Freude, Ausdauer, Beweglichkeit, Kraft und einen starken Willen. Sie wird im Training genauso gefordert wie alle anderen Kinder. Falls sie sich körperlich gut fühlt. Sensei Dominique Frey und die assistierenden Lehrpersonen achten auf Lynn, informieren die anderen Kinder über den Diabetes und geben der Karate-Klasse zu verstehen, dass sich dieser Sport auch mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung gut ausüben lässt.
Hinweis an die Lesenden:
Lynn und ihre Mutter suchen nach Informationen zu Karate und Diabetes, insbesondere von Diabetesbetroffenen, die Erfahrungen mit Karate-Wettkämpfen haben. Kontaktadresse: <email-pii>
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Voneinander lernen: Event von diabetesaargau zum Loop-System
Der elfjährigen Lynn begegnete ich an einem Event von diabetesaargau, der am 24. September 2022 stattfand. Sie sass neben ihrer Mutter Claudia Matt auf der Bühne des Kultur- und Kongresshauses Aarau und beide erzählten eindrücklich von den Erfahrungen mit Lynns Diabetes Typ 1, der im Alter von drei Jahren diagnostiziert worden war. Die Diabetestherapie begann mit Spritzen sowie Pens und wurde einfacher mit dem Einsatz des Glukosesensors. «Die Werte waren jedoch nicht so, wie wir es wünschten», stellte Claudia Matt fest. Erst mit der Insulinpumpe wurde die Diabetestherapie erfolgreich. «Dank des Loop-Systems, dem Zusammenspiel von Sensor und Insulinpumpe, haben wir schnell viel Lebensqualität zurückerhalten – besonders auch nachts.»
Am sehr gut besuchten Anlass von diabetesaargau drehte sich alles um die Loop-Systeme, über die Dr. Anne Katrin Borm in ihrem Referat auf lebensnahe Weise informierte. Das Publikum – vorwiegend aus Diabetesbetroffenen und Angehörigen bestehend – schätzte es offensichtlich, viel Wissen und unterschiedliche Erfahrungen vermittelt zu erhalten, was auch mit den Fragestellungen und Diskussionen zum Ausdruck kam. Eine kurze Umfrage im Saal zeigte, dass ein Drittel der Anwesenden eine Insulinpumpe verwendet und fünf Personen bereits ein Loop-System benützen. Eine Frau sagte lachend, man könne sie nicht überzeugen, sie bleibe weiterhin beim Insulinpen, selbst wenn sie vielleicht mehr denken müsse als mit einer Pumpe.
Anfangsschwierigkeiten gehören dazu
Die rege Beteiligung des Publikums widerspiegelte das abwechslungsreiche Geschehen auf der Bühne. Moderiert von Dr. Beatrice Kuhlmann und Dr. Jürg Lareida erzählten neben Lynn und ihrer Mutter zwei weitere Diabetesbetroffene authentisch von den Erfahrungen mit Loop-Systemen.
Valentina Rrafshi schilderte ihre Anfangsschwierigkeiten mit dem Loop-System: Sie hatte Mühe, die Kontrolle für die Steuerung der Insulinmenge an die Pumpe abzugeben. Doch jetzt sei sie der gleichen Meinung wie Markus Andres, der von Vorteilen des Loopens berichtete. Der 62-Jährige ist erst seit einem halben Jahr Diabetiker. Er meint, seine Blutzuckerschwankungen hätten damit zu tun, dass er im Schätzen der Kohlenhydratmengen zu wenig geübt sei. Denn auch beim Loop-System muss der Insulinpumpe vor jeder Mahlzeit «mitgeteilt » werden, wie viele Kohlenhydrate der Körper zu erwarten hat. Probleme gäbe es zudem, wenn die Verbindung zwischen Sensor und Pumpe unterbrochen werde. Da bestehe Verbesserungspotenzial seitens Hersteller. Generell sieht Markus Andres im Loop-System einen klaren Gewinn für seine Lebensqualität. Zuerst habe er vier bis fünfmal täglich mit dem Pen Injektionen vorgenommen, nun müsse er nur noch zweimal wöchentlich den Katheter wechseln.
Darauf erwähnte Lynn, sie trainiere Karate. «Ich stecke den Katheter seitlich am Rücken, und Mama überklebt die Stelle, um sie gut zu schützen. Wäre der Katheter am Bauch, würde Wie und wo Sensoren und Katheter befestigt werden können, worauf es in der Handhabung von Insulinpumpen ankommt, was in den Ferien wichtig ist, wie andere Menschen, insbesondere Lehrpersonen, auf Diabetesbetroffene reagieren, und viele weitere Themen wurden diskutiert. Die gute, heitere Atmosphäre dieses Events entsprach dem, was Marco Grimm, Präsident von diabetesaargau, resümierte: «Es ist wichtig, dass wir über unsere Unsicherheiten offen miteinander reden, mit anderen Diabetesbetroffenen, mit Fachpersonen, aber auch mit Menschen, die wenig über Diabetes wissen.»