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Da Dänemark mehr Grönländer für seine Streitkräfte rekrutieren möchte, sieht Grönland die Chance, gleichzeitig Konflikte zu verhindern und seine jungen Menschen auf die Zukunft vorzubereiten
Im Vereinigten Königreich Dänemark ist der einzige wirklich obligatorische Bestandteil der Wehrpflicht die Teilnahme an einem „forsvarets dag“. Zwar schreibt die Verfassung vor, dass alle Männer, die im dänischen Hoheitsgebiet geboren sind, einen „körperlichen Beitrag“ zur Verteidigung des Heimatlandes leisten müssen, doch heutzutage bedeutet dies für die große Mehrheit der jährlich 30’000 jungen Männer, die 18 Jahre alt werden, lediglich, dass sie sich einer geistigen und körperlichen Untersuchung zu unterziehen und an einer Einführung in eine Karriere bei den Streitkräften teilzunehmen haben. Pro Jahr nehmen die Streitkräfte weniger als 5’000 Rekruten auf, und bis auf eine Handvoll melden sich alle freiwillig.
Als Frau oder als Einwohner und Einwohnerin der Färöer-Inseln und Grönlands ist man nicht verpflichtet, an einem forsvarets dag (dänisch für “ Wehrdiensttag“) teilzunehmen. Die Verantwortlichen für die Rekrutierung und eine große Zahl von Politikern in beiden Ländern würden es begrüßen, wenn sich mehr Menschen aus allen drei Gruppen melden würden, aber um sie dazu zu verpflichten, müssten sie eine Verfassungsänderung vornehmen.
Stattdessen wurde den drei Gruppen im Namen der Gleichstellung der Geschlechter und der nationalen Einheit das gesetzliche Recht eingeräumt, freiwillig am forsvarets dag teilzunehmen. Für die Mehrheit der Frauen bedeutet dies lediglich, dass sie sich am selben Tag wie die Männer, die dazu verpflichtet sind, im nächstgelegenen Rekrutierungszentrum einzufinden haben.
Um jungen Männern und Frauen aus Grönland und von den Färöer-Inseln die Möglichkeit zu geben, mehr über den Dienst zu erfahren und ihre Diensttauglichkeit beurteilen zu lassen, hat das Militär seine Veranstaltung hin und wieder unterwegs durchgeführt – mit einigem Erfolg. Das jährliche Veranstaltungsformat hat in Grönland zu einigen Fortschritten bei den Rekrutierungszielen geführt, bis die Veranstaltungen aufgrund der Pandemie verschoben und 2021 auf Wunsch der grönländischen Regierung ganz eingestellt wurden, obwohl die 22 Rekruten, die sich 2019, dem letzten Mal, als die Veranstaltungen in Grönland stattfanden, gemeldet haben, etwa die Hälfte der dänischen Rekruten im Verhältnis zur Einwohnerzahl waren.
Nun scheint es, dass das Militär dort weitermachen wird, wo es gezwungen war, aufzuhören. Nach Angaben des Rundfunksenders KNR sind bis zu sechs Forsvarets dag für später in diesem Jahr geplant. Zusätzlich zu den regulären Militärangehörigen werden auch die ersten etwa 20 Mitglieder einer auf die Arktis ausgerichteten Zivilverteidigung gesucht, die ironischerweise der von den grönländischen Nationalisten angestrebten freiwilligen Heimatschutztruppe ähneln wird. Dies ist um so ironischer, da der Widerstand der Nationalisten, die keine grönländischen Jugendlichen in dänischen Uniformen sehen wollten, erst die Absage Grönlands an die Rekrutierung erst überhaupt ermöglicht hatte.
Die aktuelle Regierung sieht das anders und hat dem Verteidigungsministerium im vergangenen Jahr mitgeteilt, dass es die Rekrutierung in Grönland wieder aufnehmen kann. Allerdings deutete Außenministerin Vivian Motzfeldt im vergangenen Monat an, dass die Regierung in der Zwischenzeit in dieser Sache eine Kehrtwende vollzogen habe und die forsvarets dag nicht wieder aufnehmen werde. Inzwischen hat sie sich präzisiert: Die Rekrutierer sind willkommen, doch müssen sie vor allem über das Zivilverteidigungskorps und die Bildungsmöglichkeiten im Rahmen des Dienstes informieren.
„Bei den Rekrutierungsveranstaltungen geht es ebenso um eine Ausbildung, die auch in der zivilen Welt breit anwendbar ist. Unser Ziel ist es, junge Menschen zu gewinnen, die sich mehr für den Bevölkerungsschutz als für den Militärdienst interessieren“, erklärte Ministerin Motzfeldt. „Außerdem leben wir in unsicheren Zeiten, und wir wollen damit signalisieren, dass die Spannungen in der Arktis gering bleiben sollen.“
Für Grönland könnte es sich zeigen, dass die beste Offensive eine zivile Defensive ist.
Kevin McGwin, Polar Journal