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Diese Frage hätte bereits im Jahr 1892 gestellt werden können, als der japanische Verleger Shusai Byoin den vermutlich ersten Sprachführer publizierte, der sich unter anderem der hawaiianischen Sprache annahm. «Hawaiian, Japanese and English phrase-book», Rar 51602 https://doi.org/10.3931/e-rara-88067
Abb. 1: Seite 9, Zahlen 1-9
Hawaiianisch ist die Sprache der polynesischen Ureinwohner der Hawaii-Inseln (ursprünglich auch «Sandwich-Inseln») und gehört zusammen mit anderen polynesischen Sprachen, wie Samoanisch, Maori oder Tahitianisch, zur austronesischen Sprachfamilie. Entdeckt wurde die hawaiische Inselgruppe 1779 von James Cook, welcher dort, nach anfänglich erfolgreichen Annäherungsversuchen, im selben Jahr von Einheimischen umgebracht wurde. Später entwickelten sich rege wirtschaftliche Beziehungen nicht nur mit europäischen Ländern mit kolonialen Gelüsten, sondern auch mit China und Japan. Dies hatte zur Folge, dass ab Mitte des 19. Jahrhunderts die Einwanderung von Vertragsarbeitern, zwecks Abbau von Zuckerrohr und Ananas, aus den zwei asiatischen Ländern gefördert wurde und sich somit auch deren Sprachen und Kulturen auf den Inseln verbreitete. Das erklärt uns, weshalb es von Interesse war, 1892 einen Sprachführer in Hawaiianisch und Japanisch herauszugeben. Warum das Chinesische ausgelassen wurde, wissen wir nicht.
Abb. 2: Karte der “Sandwich-Inseln”
30 Jahre zuvor lud der damalige König von Hawaii die anglikanische Kirche ein, auf der Insel zu missionieren und zusammen mit den chinesischen Religionen und dem japanischen Shintoismus entstand ein kultureller Schmelztiegel, der das ursprünglich «Hawaiische» stark bedrängte und fast zum Erlöschen brachte. Umso erstaunlicher, dass sich der japanische Verlag nicht davor scheute, die hawaiische Sprache in seinen Führer zu integrieren.
Abb. 3: “Predigt eines Missionars für Eingeborene…” aus: “Narrative of a tour through Hawaii…” (Rar 6048)
Der deutsch-schweizerische Vulkanologe Immanuel Friedländer (1871-1948), aus dessen Sammlung die vorliegenden Bücher stammen, erkundete denn auch die hawaiischen Inseln nicht nur wegen der Vielzahl an Vulkanen und weiteren terrestrischen Besonderheiten. Es ist bekannt, dass sich Friedländer besonders auch für die Kultur, Religion und Sprache der von ihm besuchten Länder interessierte. Er war es auch, der gegenüber seiner Familie die Besonderheiten der hawaiischen Sprache hervorhob, etwa dass das hawaiische Alphabet im 19. Jahrhundert von amerikanischen Missionaren eingeführt worden war und deshalb auf dem lateinischen Alphabet basiert. Vor der Einführung des Alphabets gab es Hawaiisch nur in gesprochener Form. Oder ein Hinweis auf das spezifische «Hawaiian Creole English». Hierbei handelt es sich um eine Mischung auf Basis des Englischen mit Lehnwörtern aus dem Hawaiischen, Chinesischen und Japanischen und sie entstand als Verständigungsmassnahme zwischen den Plantagenarbeitern unterschiedlichster Herkunft.
Eine grammatikalische Besonderheit des Hawaiischen ist auch, dass es nur zwei Wortarten gibt: Bedeutungswörter und Partikeln (Signalwörter). Und das Alphabet besteht aus nur 12 Buchstaben: a, e, i, o, u, h, k, l, m, n, p, w. Leider schreitet die Verdrängung der hawaiischen Sprache durch das Englische stark voran. Nachdem um 1900 noch ca. 37’000 Menschen fliessend hawaiianisch sprachen, sind es heute gerade noch ca. 1’000. Und dies obschon die Sprache 1978 in den Rang einer Amtssprache erhoben wurde. Also, lassen wir diesem vernachlässigten kulturellen Erbe wieder vermehrt Aufmerksamkeit zukommen!
Abb. 4: Einige der meist verwendeten Wörter in Hawaiisch
Abb. 5: Umschlagseite des Sprachführers
Literaturangaben:
- William Ellis, Narrative of a tour through Hawaii, or, Owhyhee, London, 1827, H. Fisher (Rar 6048) https://doi.org/10.3931/e-rara-23798
- Frank Godfrey, Illustrated handbook of the Hawaiian islands, Honolulu, 1898, Robert Grieve (Rar 32312) https://doi.org/10.3931/e-rara-87519
- Rudolf Vierhaus, Deutsche Biographische Enzyklopädie, München, 2006, K.G. Saur