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Anleger sollten die Auswirkungen steigender Staatsschulden auf die Bondmärkte nicht vernachlässigen, warnt die Fondsgesellschaft Columbia Threadneedle Investments.
Tammie Tang und Paul Smillie (Photo) , Senior Investment Analyst im Bereich Obligationen
„Wenn sich die Wogen geglättet haben, wird das Länderrisiko für Anleger in Unternehmensobligationen eine immer wichtigere Rolle spielen, da die Spreads von Unternehmenspapieren auch die Nachhaltigkeit von Staatsschulden widerspiegeln werden“, schreiben Portfoliomanagerin Tammie Tang und Paul Smillie, Senior Investment Analyst im Bereich Obligationen, in einem aktuellen Kommentar.
Die Haushaltsdefizite beziehungsweise Schuldenstände der Regierungen sind Columbia Threadneedle zufolge seit dem Zweiten Weltkrieg noch nie derart schnell gestiegen wie aktuell. „Da die Zentralbanken über quantitative Lockerungsprogramme im grossen Umfang Staatsobligationen kaufen, wird die Tragfähigkeit des Schuldenstands nicht infrage gestellt werden“, schreiben Tang und Smillie. „Im Laufe der Zeit wird diese Annahme jedoch immer gefährlicher.“
Columbia Threadneedle geht davon aus, dass sich die Staatsschuldenquoten weltweit weiter verschlechtern werden – in Anbetracht umfangreicherer Konjunkturmassnahmen, zunehmender Verschuldung des öffentlichen und des privaten Sektors und eines sinkenden Bruttoinlandsproduktes. Vom Ausbruch der globalen Finanzkrise im Jahr 2007 bis Ende 2019 sei die Schuldenquote von rund 280 auf etwa 320 Prozent gestiegen. „Wir dürften in diesem Jahr einen Wert von ca. 350 Prozent erreichen, und wenn das Angebot erneut deutlich einbricht, etwa durch eine zweite Welle der COVID-19-Pandemie, könnte sich die Quote, sofern keine einschneidenden Massnahmen zur Senkung der globalen Schuldenlast umgesetzt werden, in den nächsten zehn Jahren auf einen Wert von 400 Prozent zubewegen“, schreiben Tang und Smillie.
Angesichts dessen bevorzugt Columbia Threadneedle innerhalb des Investmentgrade-Universums Unternehmensobligationen aus Staaten, die über ausreichend finanziellen Spielraum und politischen Willen verfügen, um weitere Konjunkturmassnahmen zu finanzieren und neue Schulden aufzunehmen. „Hierzu gehören etwa Deutschland, die Niederlande und die skandinavischen Länder“, schreiben Tang und Smillie. Unter den hochverschuldeten Ländern, d. h. Staaten mit einer Verschuldung von über 100 Prozent des BIP, ziehen die Experten Länder vor, die über eigene Zentralbanken und Währungen verfügen und daher nötigenfalls Massnahmen zur Kontrolle der Zinskurve umsetzen können. „In dieser Kategorie bevorzugen wir die USA und Grossbritannien gegenüber zum Beispiel Frankreich und Spanien, denen diese Möglichkeit fehlt.“
Darüber hinaus ist Columbia Threadneedle vorsichtig im Hinblick auf das politische Risiko in der Eurozone. Der Umgang mit den Schulden Italiens werde nach einem starken politischen Willen innerhalb der EU verlangen, und es dürfte in Zukunft immer wahrscheinlicher werden, dass Fragen bezüglich der Verwendung des EU-Wiederaufbaufonds, der Lastenteilung und eines Schuldenerlasses aufkommen.
„Wir sind besorgt, dass der Markt nur zu gerne davon ausgeht, dass diese schwerwiegenden politischen Veränderungen rechtzeitig und mit der gebotenen Vernunft umgesetzt werden“, so die Experten.
Quelle: BondWorld.ch