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Padma ist gut dreissig Jahre alt, verwittwet und erzieht ihre beiden Söhne seit fünfzehn Jahren alleine. Sie lebt in einer kleinen Mietwohnung – und benutzt zwei Namen: einen für das Gesundheitssystem und einen für das Leben. Padma ist HIV+, sie wurde von ihrem an Aids verstorbenen Mann angesteckt. Sie ehrt ihn immer noch mit einem das Zimmer dominierenden Altar. Ihre HI-Infektion ist der Grund für die zwei Namen, denn sie will ihre wirkliche Identität schützen.
In der Zweizimmerwohnung ist es sauber und ordentlich, am Fenster steht eine alte Singer-Tretnähmaschine mit einer unfertigen Näharbeit. Padma arbeitet im Medi City Hospital in der Millionenstadt Secundrabad – und hat so ein bescheidenes, aber regelmässiges Einkommen von monatlich 6’800 Rupien – etwa 105 Franken, das sie mit Nähabeiten ergänzt. Davon leben die drei mehr schlecht als recht.
Padma nimmt keine Medikamente, sie fürchtet sich vor den Nebenwirkungen, aber sie schaut sehr gut auf sich. Die letzten Laborresultate hat sie noch nicht abgeholt, denn sie will nicht zu oft in die HIV-Klinik – sie fürchtet sich davor, dort gesehen zu werden.
Ihr Mann starb nach vier Jahren Ehe wenige Tage vor der Geburt des zweiten Sohnes.Und Padma ging in der Folge sprichwörtlich durch die Hölle. Um die Geburt des Sohnes zu verzögern, wurde sie im staatlichen Spital auf Tabletten gesetzt. Der diensthabende Arzt wollte keine Geburt einer HIV+ Frau während seiner Schicht. Also erlitt Padma fünf lange Tage Wehen – allein. Nach der Geburt musste sie sich selber säubern, die Abnabelung machen und sie wurde dann sprichwörtlich aus dem Spital geworfen. Zu Hause war es nicht besser: bei den Schwiegereltern wurde sie geschlagen und 22 Tage nach der Geburt aus dem Haus vertrieben. Verstossen, ohne Zuhause, Geld und ohne eine Menschen, der ihnen beistand fand sie sich mit ihren zwei kleinen Kindern auf der Strasse wieder.
Da sie keine Milch hatte, konnte sie ihr Kleinkind nicht stillen. Und weil sie auch kein Geld hatte, konnte sie keine Babynahrung für ihn kaufen. Der Anteil an Kuhmilch im Milchwassergemisch, das sie leisten konnte, war zu klein und der Kleine bekam Durchfall und drohte zu sterben. Das Spital weigert sich, ihn zu behandeln – er werde sowieso sterben. Dabei ist der Sohn ist nicht HIV+ aber aus ihren Unterlagen war ersichtlich, dass sie selbst es ist.
In die Trauer um ihren vor kurzem verstorbenen Mann mischte sich die Sorge, nicht für ihre beiden Kinder sorgen zu können und den Kleinsten sterben zu sehen. In diesem Moment grösster Verzweiflung, sass sie auf den Stufen vor dem Spital und wollte sie sich umbringen. Als eine Frau sie ansprach und fragte, warum sie weine, erklärte sie ihre Situation. Die Frau nahm sie mit, gab ihr Milch von ihren eigenen Büffeln für das Kind, etwas Geld und vermittelte den Kontakt zu einem Unterstützungsprojekt für junge Mütter und zum damals existierenden Netzwerk HIV+ Menschen. Padma fing sich langsam auf, lernte mit dem Computer umzugehen und bekam als einzige der 17 Kursaboslventinnen eine Stelle. Von ihrem ersten, kleinen Lohn bezahlte sie das Schulgeld ihres älteren Sohnes.
Weil sie alleine mit ihren beiden Kindern lebte, kamen Kinderhändler auf sie zu und versuchten sie dazu zu bringen, ihnen ihren älteren Sohn für 10’000 Rupien zu verkaufen (Ca. 170 Franken). Sie habe das Geld sowieso nicht, um ihn durchzubringen… Sie weigerte sich und beschied den Menschenhändlern: „ Eher bringe ich erst ihn und dann mich selber um, als dass ich ihn verkaufe.“ 2013 hatte sie Probleme mit dem Blinddarm. Das staatliche Spital weigerte sich wegen ihrer HIV-Infektion, sie zu behandeln. Zu Fuss ging sie viele Meilen zum einem weiteren Spital. Vergeblich, auch dort wurde sie rausgeschmissen. Das sind Erfahrungen, die nachdenklich machen.
Padmas jüngerer Sohn ist eines der Kinder, das von unserem Back to school Programm und der täglichen Aufgabenhilfe profitieren.