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Am Vormittag des 28. Juli wurde die 1931 erbaute Rohrbrücke beim Kraftwerk
EW Höfe, welche das Quellwasser vom Rossberg nach Samstagern leitet, erfolgreich gesprengt, um einer neuen vierzig Meter langen Brücke Platz zu machen.
Text: Reni Bircher
Aus einer Stahlbrücke wurden vier Teile gemacht; 36 sorgfältig platzierte Schneidladungen wurden mittels Schaltdrehung von Sprengfachmann René Landolt (mountain work gmbh) gezündet. Knapp ein Kilo des hochexplosiven Materials, welches sich in einem kupferummantelten winkelförmigem Profil befand, durchschnitt den Stahl innert Millisekunden und neun Tonnen Stahl stürzten herab. «Die Sprengmasse, die wir benutzen, zerfetzt das Material nicht», erklärt Landolt. Das würde sonst Kleinstteile verursachen und bleihaltige Farbe an der Stahlkonstruktion ablösen, die mit der Sihl weggetragen und in die Umwelt gelangen würden.
Eine massive, so genannte Baggermatratze – ein Gebilde aus massiven Bohlen aus Fichtenholz – in Ufernähe verhinderte, dass die Brückenteile auf den Kanal des Kraftwerks stürzten. Die Teile der auf umweltschonendste Art niedergebrachten Rohrbrücke wurden von einem 16 Tonnen schweren Schreitbagger geborgen, an Land gebracht und fachgerecht entsorgt.
Eine neue Rohrbrücke wird gebaut
Auf tiefer gelegenem Niveau als die alte Rohrbrücke wird mit Elementen, wie sie für den Autobahnbau verwendet werden, eine Montagebrücke (auch Notbrücke genannt) gebaut. Von dieser aus findet der Bau der neuen Rohrbrücke statt, welche sich wieder an der gleichen Stelle befinden wird wie die alte zuvor.
Diese neue Brücke setzt sich aus 21 Bauelementen zusammen und wiegt an die 33,5 Tonnen. Bauingenieur Taylan Oezer der HTB Ingenieure AG sowie Benno Heussi der Geoinfra Ingenieure AG (Geoterra Gruppe) zeichnen für die neue Konstruktion verantwortlich. Für Taylan Oezer ist dieses Projekt Herausforderung wie Herzensangelegenheit gleichermassen: «Ein Brückenbau, welcher Art und Grösse auch immer, kommt nicht so häufig vor», erklärt der Statiker. Für ihn ist es die erste Stahlbrücke, die er planen durfte. Der Brückenbau gehört der Meisterklasse an. «Ich glaube, dass jeder junge Ingenieur davon träumt, irgendwann in seiner Karriere an einem solchen Auftrag beteiligt zu sein», ist Oezer überzeugt und strahlt zufrieden, dieses Ziel erreicht zu haben.
Die neue Rohrbrücke sollte innert zwei bis vier Wochen fertig gestellt sein. «Insgesamt haben wir ein Zeitfenster von sieben Wochen für dieses Projekt», erzählt Stefan Schläpfer, Bereichsleiter der Gas- und Wasserversorgung Richterswil. Spätestens Ende September müssen sie aus dem Gewässer raus, denn dann beginnt die Fischschonzeit. «Ein weiterer Faktor zur raschen Beendung der Arbeiten ist die Gefahr eines Hochwassers», fügt Taylan Oezer hinzu.
Am Tag der Sprengung haben Oezer und Schläpfer in Flüelen die neue Brücke für den Einbau abgenommen. Dort wurde sie zur Überprüfung zusammengebaut und wartete auf den Einbau an ihrem neuen Standort auf Hüttner Gebiet. «Es muss nachher wirklich schnell vorwärts gehen, deshalb ist es entscheidend zu wissen, dass alles passt, jede Schraube sitzt und der Bau der neuen Rohrbrücke reibungslos über die Bühne gehen kann.»
Ist die neue Rohrbrücke aufgebaut und sämtliche Leitungen wieder angeschlossen, wird die Montagebrücke samt Brückenpfeiler im Fluss abgebaut.
Leitungen für bestes Quellwasser
Die Trinkwasserversorgung in Richterswil-Samstagern besteht aus je einem Drittel Grund-, See- und Quellwasser. Letzteres wird seit dem Start der Brückenarbeiten oben an der Sihl durch Seewasser ersetzt. Pro Jahr fliessen um die 330 000 m3 Quellwasser von Rossberg in die Haushaltungen.
Nach Beendung der Bauarbeiten müssen die Rohre zuerst gut gespült werden. Dieses Wasser wird in den Bach und die Kanalisation geleitet. «Bevor das Wasser dem Reservoir Fälmis zugeführt werden kann, müssen Proben entnommen und die Qualität geprüft werden», erläutert Schläpfer das Vorgehen. Es muss den chemischen und bakteriellen Vorgaben entsprechen, bevor vom Lebensmittelinspektor die Erlaubnis zur Verwendung erteilt wird. Dann erst wird die Gemeinde wieder mit bestem Quellwasser versorgt werden. n
Um die Sprengung filmisch festzuhalten, wurden zwei Highspeedkameras installiert.