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Zu wenig Geld und schlecht informiert. Aus diesen Gründen schaffen es qualifizierte Flüchtlinge in der Schweiz oft nicht, an Universitäten zu studieren und Karriere zu machen. Das sagt der Verband der Schweizer Studierendenschaften, der eine neue Informationswebsite für geflüchtete Studierende geschaffen hat.
Omar Aljundi kam 2013 als Kriegsflüchtling aus Syrien in die Schweiz. Als er seine Heimat verliess, hatte er bereits die Hälfte eines Bachelorstudiums in Ingenieurwissenschaften absolviert und wollte unbedingt weiterstudieren.
In der Schweiz wurde er dem französischsprachigen Kanton Neuenburg zugeteilt. Er begann sofort, Französisch zu lernen. Gleichzeitig versuchte er, sich über die Anforderungen eines Universitätsstudiums in der Schweiz kundig zu machen, damit er sein Studium in der Schweiz fortsetzen kann – ein Prozess, der ihn zwei Jahre in Anspruch nahm.
Aljundi erzählt, dass er oft nicht wusste, wohin er sich wenden sollte und fast aufgegeben hätte. "Zu verstehen, wie das System funktioniert, reduziert die Zeit die man braucht, um etwas zu erreichen, und hilft bei der Motivation", sagt er.
Das möchte der Verband der Schweizer Studierendenschaften mit seiner neuen Website perspektiven-studium.chexterner Link erleichtern. Die Website gibt es zurzeit auf Deutsch. Der Verband plant, die Inhalte so bald wie möglich auch auf Englisch und Französisch zu übersetzen.
Die Flüchtlinge können sich auf der Website über Zulassungsbestimmungen, Finanzen, das Schweizer Bildungssystem und die Landessprachen informieren. Die Website informiert über die unterschiedlichen Regelungen in den 26 Kantonen und den Dutzenden von Hochschulen der Schweiz. Es ist das erste landesweite Informationsportal dieser Art.
Der Verband will auch zusammen mit Politikern Vorschläge im Parlament machen, damit zukünftig mehr Mittel in den Zugang zu Bildung für Flüchtlinge investiert werden.
Bisher umfasste die Unterstützung für Flüchtlinge lediglich so genannte "Schnuppersemester": Geflüchtete Studierende können probeweise eine Universität besuchen, um einen Einblick in den Studienalltag zu erhalten. Ein Flüchtling aus Simbabwe, der an einem solchen Probesemester der Universität Zürich teilnahm, erzählte swissinfo.ch letztes Jahr, wie sehr sich das Studentenleben in der Schweiz von jenem in Simbabwe unterscheidet.
"Falscher" Kanton macht es schwerer
"Wir haben festgestellt, dass zwei Drittel der Flüchtlinge, die sich über das Studium in der Schweiz informieren wollen, auf Hilfe angewiesen sind", sagt Martina von Arx, Projektleiterin der neuen Website. "Es kann besonders schwierig sein, wenn man im falschen Kanton lebt."
Im schweizerischen Asylsystem verteilt der Bund Asylsuchende und Bundesmittel auf die 26 Kantone. Diese unterscheiden sich in den Bereichen Sprachunterricht, Sozialhilfe und Informationszugang.
Eine Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) und der Stanford University hat kürzlich gezeigt, dass sich die Erwerbstätigenquote bei Flüchtlingen von aktuell 15 innert drei Jahren auf 26% erhöhen liesse, wenn die Zuteilung der Flüchtlinge mittels Datenalgorithmus statt des heutigen kantonsbasierten Systems erfolgen würde.
"Wenn mehr Flüchtlinge arbeitstätig sind, mindert das die finanzielle Belastung für Bund, Kantone und Gemeinden", argumentiert Dominik Hangartner, ein Mitautor der ETH-Studie.
Das Potenzial ausloten
Auch die Parlamentarierin Rosmarie Quadranti von der Bürgerlich-Demokratischen Partei (BDP) findet, dass mehr für den Zugang zu Bildung und Arbeitsmarkt für Flüchtlinge getan werden könnte. "Um das Potenzial auch von hochqualifizierten Flüchtlingen zu nutzen, ist eine Potenzialabklärung so rasch als möglich notwendig", sagt sie.
Quadranti reichte im Parlament kürzlich eine Motion ein, in der sie die Schweizer Regierung auffordert, mögliche Bildungs- und Karrierewege für aufgenommene Asylsuchende unmittelbar nach dem Asylentscheid zu prüfen. Sie appellierte an den Bund, den Kantonen für ein solches Vorhaben genügend Mittel zur Verfügung zu stellen.
Der Bundesrat teilte zwar Quadrantis Meinung, lehnte die Motion aber ab mit der Begründung, zunächst die Ergebnisse der formellen Integrationsstrategie des Bundes abwarten zu wollen.
Der Verband der Schweizer Studierendenschaften plant – gestützt von Quadranti und anderen Parlamentariern – das Thema in der Frühlingssession voranzutreiben, wenn das Parlament über die Motion debattiert.
"Es gibt noch viel Arbeit zu tun", sagt Quadranti. Die Regierung sei bisher "zu langsam" tätig geworden.
(Übertragen aus dem Englischen: Sibilla Bondolfi)