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Andere Bezeichnungen
- Hyperkortisolismus
- Hyperadrenokortizismus
Gängige Abkürzungen
- keine
Klassierung der Krankheit nach ICD-10
Zur Verschlüsselung von Diagnosen wird weltweit die von der Weltgesundheitsorganisation herausgegebene ICD, die Internationale Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, angewendet. Sie werden vor allem in Überweisungsschreiben zwischen Tierärzten/Tierspital verwendet.
|ICD-10 Code||Krankheit|
|E24||Cushing-Syndrom|
Vererbung
Beim Pudel tritt die Krankheit gehäuft auf. Der Erbgang ist noch ungeklärt.
Was ist die Krankheit?
Beim Cushing Syndrom handelt es sich um eine hormonell bedingte Erkrankung. Ausgelöst wird sie durch eine chronische Überproduktion des Hormons Cortisol, welches als körpereigenes Hormon in den Nebennieren gebildet wird. Unterschiedliche Ursachen führen zu einer vermehrten Ausschüttung des Hormons in die Blutbahn.
Diese Erkrankung gehört, neben dem Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), zu den häufigsten hormonell bedingten Erkrankungen des Hundes. Durch den starken und vielfältigen Einfluss des Cortisols auf nahezu alle Körpergewebe bleiben die Symptome nicht auf ein Organ beschränkt, sondern erfassen eine ganze Reihe von Körperfunktionen, entsprechend können eine Reihe von Symptomen auftreten.
Die Nebennieren befinden sich direkt an den Nieren, trotz ihrer nahen anatomischen Lage haben diese zwei Organe aber nur wenig miteinander gemeinsam, denn ihre Aufgaben sind im Grunde völlig unterschiedlich. Dennoch sind beide für den Körper lebenswichtig, ihr Ausfall würde den Tod des Hundes bedeuteten. Die Nebennieren produzieren Hormone, fällt diese aus, können Hormonmangelzustände auftreten, die für den Organismus tödlich enden können (Addison-Krankheit). Beim Cushing Syndrom handelt es sich nicht um ein Versagen der Nebennieren bzw. ein Ausbleiben der Hormonproduktion, sondern um eine gesteigerte Synthese der Hormone.
|Pudel mit fortgeschrittenem Cushing-Syndrom||Pudel mit Cushing-Syndrom im Anfangsstadium|
Symptome
Da die Glukokortikoide in nahezu allen Geweben und Organen ihre Wirkung entfalten, gestaltet sich das Krankheitsbild vielfältig. Allerdings treten die Symptome oft allmählich auf und da das Cushing Syndrom vor allem (aber nicht ausschliesslich) eine Erkrankung von älteren Hunden ist, werden Veränderungen oft fälschlicherweise als „normale“ Folge des Alterns interpretiert.
Die häufigsten Symptome sind:
- vermehrtes Trinkbedürfnis
- gesteigerter Urinabsatz
- Muskelschwund
- Umverteilung der Körperproportionen; während sich vermehrt Fett im Rumpfbereich ansammelt, erscheinen die Extremitäten durch den auftretenden Muskelschwund dünn
- Entwicklung eines Hängebauches
- gesteigerter Appetit
- vermehrtes Hecheln
Auswirkungen auf den Sexualzyklus:
- ausbleiben der Läufigkeit oder verzögerte Läufigkeit
- bei Rüden Hodenatrophie
- Haarausfall als Folge des herabgesetzten Haarwachstums
- insgesamt schütteres und dünnes Fell
- Änderungen in der Fellfarbe, oft starke weissliche Veränderungen
- dünne Haut – Blutgefässe werden sichtbar, die Haut ist trocken
- schlechte Wundheilung
- die Haut ist anfällig für Infektionen aller Art
- vermehrte Pigmenteinlagerungen, oft Schwarzfärbung der Haut
- verstopfte Talgdrüsen
Auswirkungen auf den Gesamtorganismus:
- viele Hunde erkranken in Folge an einem Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- die erhöhten Glukocorticoidwerte können zu einer Osteoporose führen, damit verbunden die steigende Gefahr von Knochenbrüchen
- insgesammt steigt die Infektanfälligkeit
Diagnose
Oft liefern die Symptome einen ersten Hinweis auf das Vorliegen eines Cushing Syndroms. Dennoch ist es mehr als sinnvoll durch weitere Testmethoden diesen Verdacht zu bestätigen oder gar zu wiederlegen.
Die Behandlung des Cushing Syndroms ist nicht ohne Risiko und dazu nicht sehr billig, wenn auch letzteres für den Hundebesitzer wohl eher eine untergeordnete Rolle spielt. Eine sichere Diagnose ist nicht nur aus der Verantwortung heraus unbedingt nötig, sondern auch sinnvoll, da diese die Ursache der Fehlsteuerung ans Licht bringt. Je nach Sitz der Störung (Hypophyse oder NNR) wird auch die Therapie ausfallen.
Zunächst wird der Tierarzt anhand der vorliegenden Symptome eine Verdachtsdiagnose stellen und diese dann durch eine Reihe von Blut- und Urintests überprüfen. Zur weiteren Diagnostik werden Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen ggf. auch ein CT oder MRT nötig sein. Diese Untersuchungen dienen u.a. dem Auffinden von Tumoren, geben aber auch Aufschluss auf den Zustand anderer Organe, die bei einem Cushing Syndrom in Mitleidenschaft gezogen werden könnten.
Einfache Blutuntersuchungen
Cortisolbestimmung im Blut
Untersucht werden neben normalen Parametern v.a. die Hormonkonzentration des Cortisols im Blut.
Leider ist eine einmalige Blutentnahme zur Absicherung der Diagnose oft nicht ausreichend. Das Hormon Cortisol, welches bei einem Cushing Syndrom in erhöhten Werten im Blut vorkommt, ist abhängig vom Hormon ACTH aus der Hypophyse. Dieses ACTH unterliegt tageszeitlichen Schwankungen und wird stark beeinflusst durch Stressfaktoren die auf den Organismus einwirken. Stress führt zu einem Anstieg von ACTH, dieser wiederum führt zu einer vermehrten Ausschüttung von Cortisol – die Werte im Blut steigen an. Aus diesem Grund ist eine Blutentnahme möglichst morgens durchzuführen – zu diesem Zeitpunkt unterliegt der Körper dem geringsten Stress bzw. steht noch am Anfang der Tagesstresskurve.
Zur sicheren Diagnose ist die alleinige Bestimmung von Cortisol nicht geeignet!
ACTH-Bestimmung im Blut
Eine weitere Möglichkeit ist die Bestimmung des Hormons ACTH im Blut welches in der Hypophyse gebildet wird, aufgrund der tageszeitlichen Schwankungen (s. Cortisolbestimmung) sollte die Blutentnahme morgens erfolgen. ACTH stimuliert die Cortisolausschüttung in den NNR und führt somit zu einem Anstieg der Cortisolwerte im Blut. Ist der ACTH-Wert normal bis erniedrigt, der Cortisol-Wert aber erhöht, so liegt die Störung sehr wahrscheinlich in der NNR selbst (Tumore). Dagegen deuten erhöhte ACTH Werte (und damit verbunden erhöhte Cortisol-Werte) auf eine Störung der Hypophyse (Tumore die unkontrolliert ACTH ausschütten)
Die Bestimmung ist zwar sinnvoll, aber sehr aufwändig, so müssen die Blutproben bis zur Bestimmung eingefroren werden. Da die meisten Tierarztpraxen solche Untersuchungen nicht selbst durchführen, sondern an spezielle Labore versenden, kann es hier zu Problemen kommen.
Spezielle Blutuntersuchungen
Neben diesen „einfachen“ Testmethoden, bei denen dem Hund einmalig Blut entnommen wird, gibt es zur sicheren Abklärung sogenannte Stimulations- bzw. Suppressionstests. Hier werden dem Hund verschiedene Substanzen verabreicht, die zu einer gehemmten bzw. gesteigerten Hormonproduktion führen. Aus der Physiologie des hormonellen Regelkreises lassen sich die Testergebnisse gut dazu verwenden, die Ursache der Störung zu finden.
ACTH-Stimulationstest
Bei diesem Test wird dem Hund zunächst Blut zur Bestimmung des Cortisol-Wertes entnommen (basales Cortisol). Anschliessend erhält der Hund eine Injektion mit dem Hormon ACTH. Das Prinzip welches dahinter steckt ist, dass tumorös veränderte Zellen der NNR sehr viel stärker auf diese ACTH-Injektion mit einer Cortisol-Ausschüttung reagieren als derer von gesunden Hunden.
Um dies zu erfassen, erfolgt nach ca. 1 Stunde eine 2. Blutentnahme. Überschreitet der Cortisolwert einen bestimmten Grenzwert, spricht dies für ein Cushing Syndrom.
Diese Untersuchung gibt keinen Hinweis auf die Ursache des Cushing Syndroms!
Dexamethason-Suppressionstests
Beim Dexamethason-Suppressionstest wird dem Hund zunächst Blut zur Bestimmung des basalen Cortisol-Wertes entnommen. Das Prinzip ist ähnlich wie dem des ACTH-Stimulationstests, dem Hund wird eine niedrig dosierte Dexamethason-Gabe (ein synthetisches Cortisonpräparat) injiziert. Dexamethason wirkt auf die übergeordneten Regelzentren und hemmt die Ausschüttung von ACTH. Um die Reaktion der NNR auf diese Dexamethasongabe zu erfassen, wird dem Hund 4 und 8 Stunden nach der Injektion erneut Blut entnommen und der Cortisolspiegel ermittelt.
Bei gesunden Hunden – mit normalen Regelkreisfunktionen – fehlt durch die ACTH Ausschüttung (die ja durch die Dexamethasongabe ausgeschaltet wurde) die stimulierende Wirkung auf die Cortisol-Ausschüttung in den NNR. Der Cortisolwert im Blut müsste demnach sinken.
Bei Hunden mit Cushing Syndrom kann man mit dieser zweimaligen Abnahme nicht nur die Diagnose sichern, sondern erhält auch einen Hinweis auf den Sitz der Störung. Das Dexamethason wirkt in den ersten Stunden nach Injektion hemmend auf die ACTH Ausschüttung, fällt der Wert des Cortisols nach 4 Stunden also niedrig aus, liegt die Störung sehr wahrscheinlich in der Hypophyse (Tumore). Bleibt dieser Effekt aus, reagiert die erkrankte NNR nicht, sie produziert trotz fehlender ACTH Ausschüttung weiter ihr Hormon und gibt dieses in das Blut ab – der Cortisolwert steigt oder bleibt weiter sehr hoch; die Ursache wird somit in der NNR zu finden sein.
Diese Untersuchung ist zwar aufwändig, aber sie kann einen ersten Hinweis auf die Ursache des Cushing Syndrom liefern!
Behandlung Schulmedizin
Welche Behandlung eingesetzt wird, hängt von der Ursache ab.
Bei Tumoren der Nebennierenrinde ist eine chirurgische Entfernung möglich, ob diese durchführbar ist muss im Einzelfall entschieden werden. Insbesondere sollte abgeklärt werden, ob es bei bösartigen Tumoren bereits zu einer Metastasenbildung gekommen sein könnte. Tumore in der Hypophyse sind leider chirurgisch nicht oder nur sehr schwer zu entfernen, da diese meist sehr klein und schwer zugänglich sind.
Wie in der Humanmedizin auch, ist bei Tumorerkrankungen eine Strahlentherapie möglich. Diese wird nur von Spezialkliniken durchgeführt, mit dem Ziel, die Zerstörung des Tumors zu erzielen.
Die häufigste Therapie stellt derzeit aber die medikamentöse Behandlung da. Hierbei kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz die sich in ihrer Wirkung zwar unterscheiden, aber alle zum Ziel haben die übermäßige Hormonproduktion einzudämmen. Erreicht wird dieses durch den Einsatz von Präparaten, die die hormonproduzierenden Zellen der NNR zerstören (z.B. Lysodren) oder aber in die Hormonproduktion eingreifen, indem sie ein Enzym blockieren welches zur Herstellung von Cortisol benötigt wird (z.B. Vetoryl oder Modrenal).
Beide Therapien bewirken im Falle eines hypophysären Tumors nicht das Verschwinden des Tumors, dieser bleibt weiterhin bestehen und gibt durch die ständige Produktion von ACTH weiterhin den Befehl Cortisol zu produzieren. Durch die Zerstörung bzw. die Hemmung der Cortisolproduktion aufgrund der Medikamente aber, kann die NNR nicht mehr reagieren und der Cortisolwert im Blut fällt.
Ein Hund mit Cushing Syndrom sollte so schnell wie möglich einer Therapie unterzogen werden, die Auswirkungen von überhöhten Cortisol auf den Gesamtorganismus ist so gravierend, das sie potentiell für das Tier lebensbedrohlich werden kann.
Neben der aufwändigen Diagnose stellt die Therapie für den Besitzer eine ganz besondere Aufgabe da, jede Behandlung muss vom Tierarzt engmaschig kontrolliert und in ihrer Wirkung ständig überprüft werden, meist für den Rest des Lebens. Diese Kontrollen sind wie die Therapie selber lebensnotwendig, denn sinkt der Cortisolspiegel durch die Medikamente zu stark ab, kann es zu einer lebensbedrohlichen Unterversorgung durch das Hormon kommen (Addison-Krankheit) die ebenfalls tödlich enden kann.
Prognose
Die meisten Hunde mit einem Cushing-Syndrom reagieren positiv auf die Behandlung. Die Flüssigkeitsaufnahme vermindert sich, der Appetit normalisiert sich, die Tiere nehmen ab. Nach einigen Wochen wachsen die Haare wieder nach, die Haut verliert ihre Schwarzverfärbung und die bakteriellen Sekundärinfektionen verschwinden. Die Therapie verbessert die Lebensqualität und die äussere Erscheinung des Tieres, muss jedoch lebenslang durchgeführt und kontrolliert werden.