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Lieber Strichpunkt
Das Magazin N°5 – 2. Februar 2019
Lieber Max Küng
Super, dachte ich heute, als ich im Zug Ihre Kolumne las; endlich legt sich einmal einer für den Strichpunkt ins Zeug! Ich bin nämlich nebst Ihren Kolumnen und noch mehr Ihres kuulen Freundes Klumpen auch ein grosser Fan des Semikolons; dies im Gegensatz zu Houellebecq, dessen Zeugs ich ganz wie Ihre Kollegin einen ausgemachten Schmarren finde. Die Tatsache, dass der Gebrauch des Strichpunkts keiner festen Regel unterliegt, sondern eine Ermessenssache der Schreibenden ist, macht ihn unglaublich attraktiv. Ich liebe solche Freiheiten; doch oh weh! In Ihrer ganzen Kolumne habe ich nicht ein einziges Semikolon gefunden! Das darf doch nicht wahr sein; es wäre so einfach und nötig gewesen, ein paar davon unterzubringen. Zum Beispiel: “Der Doppelpunkt darf vor grossen Reden stehen; Dich aber scheint man kaum zu gebrauchen, abgesehen von Deiner trennenden Funktion in öden Aufzählungen (…) Denn manchmal ist ein Komma einfach zu schwach; und ein Punkt ist zu hart” usw. usw. Oder war das Ganze etwa ein listiger Trick eines Selbstverliebten, der möchte, dass man seine Kolumne wieder und wieder liest, um endlich doch noch einen Strichpunkt zu finden? Wie auch immer: wenn ich in Ihrer nächsten Kolumne nicht mindestens ein halbes Dutzend Semikolons finde, sind Sie für mich unglaubwürdig; oder Sie laden mich auf ein Bier ein. Und im letzteren Fall dann bitte auch gleich noch Ihren tollen Freund Klumpen.
Herzlich, Karin Huser