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Ehrenbürger
Gustav Hasler (1877–1952)
Berner Industrieller und Bergsteiger, wohnhaft in Grindelwald ab 1943.
Geboren in Bern am 28. Oktober 1877, musste der junge Gustav Hasler, erst dreiundzwanzigjährig, beim Hinschied seines Vaters die Leitung der Telegrafenwerkstätte Hasler übernehmen. Diese beschäftigte damals zwischen 100 und 200 Personen, eine Zahl, die sich bis zum Tode dieses erfolgreichen Industriellen auf rund 3’000 erhöhte.
Persönlich blieb Gustav Hasler lebenslänglich ein bescheidener, eher scheuer Berner, den Bergen über alles zugetan. Ihn selbst lockte es noch im 74. Altersjahr mehrere Male auf das Faulhorn zu steigen – damit überschritt er das Faulhorn das 250. Mal! – während wenige Jahre vorher noch Jungfrau, Mönch und andere Grindelwalder-Berge ihm nicht zu viel waren. Mit Grindelwald fühlte er sich immer sehr eng verbunden. Er war auch sehr grosszügig der Grindelwalder-Schuljugend gegenüber. Nicht nur fuhren die obersten Klassen aller Schulhäuser 1939 auf seine Kosten an die «Landi» nach Zürich; sie durften in der Folge jeweils dreitägige Schulreisen ins Tessin, nach Zermatt, an den Genfersee, aufs Rütli, auf den Säntis und zum Rheinfall erleben. Etliche Jahre lang durfte die Lehrerschaft jeweils an Weihnachten vierundzwanzig Paare «Haslerski» mit Stöcken unter weniger gut gestellte Schulkinder verteilen, das heisst drei Paar pro Schule. Und schliesslich gab es im Gemeindehaushalt lange Zeit einen „Haslerfonds“, der immer wieder durch Zuwendungen gespeist wurde. Aus ihm konnten Anschaffungen für die Schule und den Hauswirtschaftsunterricht bezahlt werden. Als Dank und Anerkennung wurde Gustav Hasler an der Gemeindeversammlung vom 19. Dezember 1936 einstimmig das Ehrenbürgerrecht erteilt.
Im Band II der Schriftenreihe «im Tal von Grindelwald» – «vom Bergbauerndorf zum Fremdenort» ab Seite 143 sind noch mehr Informationen über Gustav Hasler enthalten.
Ernst Nobs (1886–1957)
Bundesrat Ernst Nobs war der erste sozialdemokratische Bundesrat der Schweiz und wuchs im Gletscherdorf Grindelwald auf, wo sein Vater als Schneidermeister tätig war.
Ernst Nobs wurde am 14. Juli 1886 in Seedorf im Kanton Bern geboren. Er wirkte 6 Jahre lang als Lehrer, dann als sozialistischer Redaktor, von 1915 bis 1935 am „Volksrecht“ in Zürich, wo er 1935 in den Regierungsrat gewählt wurde. 1942 wurde Nobs als Nachfolger Dr. Klötis Stadtpräsident von Zürich. Dem Nationalrat gehörte er seit 1919 an. Im Dezember 1943 wurde Ernst Nobs als Nachfolger von Ernst Wetter in den Bundesrat gewählt und übernahm das Finanz- und Zolldepartement. 1949 war sein Jahr als Bundespräsident. 1951 trat er zurück.
Auf Grund seiner grossen Verdienste wurde Ernst Nobs an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung vom 15. Januar 1944 einstimmig zum Ehrenbürger von Grindelwald ernannt.
Ernst Nobs hat seine Jugendheimat nie vergessen und ihr Zeit seines Lebens eine grosse Anhänglichkeit bewahrt. Eine besondere Freundschaft verband ihn lebenslang mit Samuel Brawand und mit den Hoteliersleuten vom „Gletschergarten“, Huldi und Dani Füllemann. Mit Dani Füllemann verbrachte er viele Ferientage beim Malen. Neben dem Malen schrieb er auch gerne. Grindelwald widmete er 1956 den Band «Breitlauinen», der lauter Erzählungen und eigene Illustrationen aus dem Gletschertal enthält. Ernst Nobs starb am 15. März 1957 in Meilen am Zürichsee. Man gedenkt seiner in Grindelwald stets mit grosser Zuneigung und Achtung.
Mehr Informationen auch im Band V der Schriftenreihe «im Tal von Grindelwald» ab Seite 223.
Samuel Brawand (1898–2001)
Samuel Brawand begann seine politische Laufbahn im Gemeinderat von Grindelwald, wurde als Vertreter der sozialdemokratischen Partei 1933 -1936 Mitglied des Grossen Rates des Kantons Bern, dann von 1935 bis 1947 schweizerischer Nationalrat und im Jahre 1947 Bernischer Regierungsrat. Er amtete während 15 Jahren als kantonaler Bau- und Eisenbahndirektor, und zweimal, 1950/51 und 1961/62, war er Regierungspräsident. Bei seinem Rücktritt aus der Regierung wurde er von der Universität Bern mit dem Dr.h.c. geehrt. Von 1955 bis 1967 gehörte er ein zweites Mal dem Nationalrat an und präsidierte in dieser Zeit u.a. die eidgenössische Strassenplanungskommission, welche das Autobahnnetz des Landes entwarf. Nach seinem Ausscheiden aus der Regierung im Jahre 1962 leitete er schliesslich als Direktor der BLS während sechs Jahren die Geschicke der Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn und ihrer mitbetriebenen Linien. Für seine grossen Verdienste wurde Samuel Brawand an der Gemeindeversammlung vom 02.12.1961 zum Ehrenbürger der Gemeinde Grindelwald ernannt. RegierungsratSamuel Brawand18. Mai 1898 – 11. Juli 2001
In seinem Chalet «bim Ahoren» in der Bodmi verbrachte er seinen Lebensabend. Samuel Brawand kommen grosse Verdienste für seine Bestrebungen um die Erhaltung der einheimischen Mundart zu. Mit einem aussergewöhnlichen Gedächtnis begabt, wusste der verdiente Ehrenbürger von Grindelwald über Dinge zu berichten, die sonst kaum jemand mehr weiss.
Am 11. Juli 2001 ist Samuel Brawand im Alter von 103 Jahren in Grindelwald verstorben.
Mehr Informationen u.a. im Band V der Schriftenreihe «im Tal von Grindelwald» ab Seite 219 und im Band II der gleichen Schriftenreihe ab Seite 204.
Rudolf Rubi (1918–2004)
Grindelwald verlor mit dem Tod von Rudolf Rubi einen engagierten Lokalhistoriker, der mit zahlreichen Publikationen zum Erhalt altüberlieferten Wissens und Kulturgutes beigetragen hat. Unter anderem stammen drei Bände der sechsteiligen Serie «Im Tal von Grindelwald – Bilder aus seiner Geschichte» aus seiner Feder. Mit unzähligen Berichten hat er auch immer wieder in Zeitungen und anderen Publikationen dafür gesorgt, dass die Geschichte des Gletscherdorfes nicht in Vergessenheit geriet und das alpinistische Abenteuer der Eroberung der Bergwelt ihren gebührenden Platz erhielt. Rudolf Rubi erblickte 1918 in Unterseen das Licht der Welt. 1943 wurde er als Lehrer an die Schule zu Burglauenen gewählt. Hier lebten seine direkten Vorfahren nachweisbar schon im 16. Jahrhundert! Begreiflich somit, dass er der Geschichte und Heimatkunde des Tales stets seine besondere Aufmerksamkeit schenkte. In Grindelwald, wo er an der Oberschule im Endwegschulhaus wirkte, war er Mitbegründer der Heimatvereinigung und verwaltete über lange Jahre hinweg das Heimatmuseum. Als Dank und Anerkennung für seine ausserordentlichen Dienste wurde Rudolf Rubi an der Gemeindeversammlung vom 7. Dezember 2001 zum Ehrenbürger ernannt.