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Charlotte Moormans Charme konnte sich kaum jemand entziehen. Die schöne, dunkelhaarige Frau mit den grossen Augen hatte ein überschäumendes Temperament, eine warme Ausstrahlung und bewegte sich als Cellistin umwerfend elegant.
Sie hatte aber vor allem eine fast messianische Passion: Sie wollte zeitgenössische Musik und Kunst aufführen, weitergeben, fördern.
Voller Einsatz: planen, putzen, flirten
Charlotte Moorman tat so ziemlich alles, um ihr berühmtes «Annual Avant Garde Festival of New York» auf die Beine zu stellen: Sie lud die Künstler ein, organisierte, entwarf Flyer, schleppte Material herum, putzte und war sich auch nicht zu schade, ihre Weiblichkeit einzusetzen. Sie umgarnte Verwaltungsangestellte und flirtete mit Geldgebern.
Vor allem aber war ihr Festival ein absolutes Highlight, von dem die Crème de la Crème der Avantgarde hell begeistert war: von John Cage über Joseph Beuys bis zu Nam Jun Paik, von Christo bis zu Yoko Ono.
Alle strömten sie zu Moorman und ihrem verrückten Kunstfest, das mehr und mehr im öffentlichen Raum stattfand: in Parks, auf Fähren oder auf Staten Island. 15 Jahre lang war Moorman war die alleinige Verantwortliche.
Skandal? Egal. Es geht um die Kunst.
Charlotte Moorman wurde berühmt, weil sie Anfang der 1960er-Jahre nackt Cello spielte und dafür verhaftet wurde; weil sie auf einem Bett aus Fernsehern Musik machte; weil sie in eine Tonne Wasser tauchte und danach klatschnass den «Schwan» von Camille Saint-Saëns spielte. Oder, weil sie Geigen zertrümmerte.
Eine Ausstellung in Salzburg zeigt nun exemplarisch, dass sie aber eben auch eine begnadete Kuratorin, Förderin und Networkerin war, und dass ihr Ziel in erster Linie der Kunst galt, die sie unter die Leute bringen wollte.
Die besessene Performerin
Die Schau macht aber auch deutlich, wie wichtig Charlotte Moorman für die Disziplin «Performance» war – noch vor der Star-Performerin Marina Abramovic. Wie diese hatte Moorman etwas Besessenes. Wie bei dieser muteten ihre Auftritte manchmal an, als wäre sie eine Heilige, eine Märtyrerin.
Moorman tat es ohne Starkult und verdiente dabei kaum Geld. Sie spielte die verrücktesten Stücke von John Cage, Nam Jun Paik oder anderen, als wäre es das Normalste der Welt.
Erst Fan, dann Feind
Es verwundert kaum, dass sie auch angefeindet wurde: John Cage etwa, der sie zuerst bewunderte, meinte schliesslich, sie habe sein Stück «14‘1.1499‘‘» zerstört. Dies, weil sie es mit der Zeit immer freier interpretierte. Als Teil des Stückes briet sie zum Beispiel Pilze – John Cage war ein Pilzliebhaber …
«Ich lebte mein Leben mit extremer Passion, extremem Sex und extremer Schönheit», sagte Charlotte Moorman am Ende ihres Lebens, das zu kurz war: 1991 starb sie in New York an Krebs, 57-jährig.
Ausstellungshinweis
Im Museum der Moderne Salzburg 4. März bis 18. Juni 2017.