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Gründung der Baiana-Riege
Ihr Schöpfer war Roberto Paulino, zwischen 1960/62 bei der “Mangueira“ – er hatte die Idee der “Ala das Baianas“ mit den noch heute geltenden Charakteristika – 125 Baianas, die von Dona Neuma koordiniert wurden. Es geschah bei der Parade der Champions 1970 – als Juvenal Lopes Präsident war – das die berühmteste Baiana der Mangueira, Nair Pequena – just als die Escola ihr Samba-Thema zu intonieren begann “Um Cântico a Natureza“ (Ein Lied für die Natur) – mitten auf der Avenida tot umfiel.
Schule kam auf die Avenida (Parade-Strasse) ohne Allegorien
Beim Karneval des “Império Serrano“ 1972, unter dem Thema “Alô, Alô, Tai Carmem Miranda” (Hallo, hallo, hier ist Carmen Miranda) – angeführt vom unvergessenen Mestre Fuleiro – passierte es, dass seine Mitglieder mit fast leeren Wagen zum Paradeplatz kamen – sie waren einfach nicht fertig geworden, hatten die Requisiten in Plastik gewickelt mitgebracht, und jetzt standen sie da, wie begossene Pudel, traurig und besorgt. Plötzlich fing der Karnevalist Fernando Pinto an, Unmengen von Blattwerk auszupacken und aufzustellen – montierte Tiere und Palmen dazwischen und verwandelte die nackten Wagen in einen faszinierenden, herrlichen Urwald. Das Genie Fernando Pinto war aus seiner Hülle geschlüpft. Die Escola de Samba Império Serrano wurde Sieger mit einem Karneval, den bis heute niemand vergessen hat.
Bringt das Karnevalsthema “Bahia“ Pech?
Im Jahr 1969, als Fernando Pamplona bekannt gab, dass ihr Thema “Bahia de Todos os Deuses” (Bahia aller Götter) heissen sollte, begannen die Mitglieder des “Sagueiro“ sich zu sorgen. Denn man glaubte allgemein, dass ein Karnevalsthema über Bahia Pech bringen würde, denn allen Schulen die sich je mit diesem Thema befasst hatten, war es nicht gelungen, über einen dritten Platz in der Wertung hinaus zu kommen. Auch der Salgueiro war 1954 mit einem dritten Platz beschieden worden, als er sich mit dem Thema “Uma Romaria a Bahia“ (Eine Pilgerfahrt nach Bahia) präsentierte. Und diesmal wurde die ganze Sache noch unheimlicher, als der Salgueiro auf die rechte Seite der Avenida Candelária dirigiert wurde, um dort Aufstellung zu nehmen – was, wollte man den Sambistas glauben, noch mehr Pech bedeutete. Allen pessimistischen Prognosen zum Trotz wurde der Salgueiro dann Sieger des Jahres 1969!
Erste Frau, die eine “Surdo” in einer Escola de Samba spielt
Dagmar, die Frau von Nozinho, dem verschworenen Mitglied der Portela, war die erste Frau, welche es wagte, eine “Surdo” in jener Escola de Samba zu spielen (Surdo ist eine grosse Bauchtrommel, die beim Paradieren an breiten, ledernen Schultergurten vor dem Bauch getragen wird – was auch einen gewissen Kraftaufwand erfordert).
Adelaidinha erblickt das Licht der Welt inmitten der Parade
Während einer Parade der Blau-Weissen in der Sylvesternacht – promoviert von der Zeitung “A Manhã” (Der Morgen) in der Nacht des 31. Dezember 1949 – nahm die hochschwangere Pastorin Finoca, ungeachtet der Bedenken ihrer Mutter Adelaide, ebenfalls Sambista, und ihres Mannes Nunes, an der Parade ihres Vereins teil. In der Morgendämmerung des 1. Januars 1950 setzte sich die Escola vom Praça Onze in Richtung auf den Obelisk in Bewegung – auf der Höhe der Rua D. Gerardo verspürte Finoca, die in Tanzschritten über den Asphalt schwebte, das plötzliche Einsetzen der Wehen. Sie setzte sich benommen aufs Trottoir, lehnte ihren Kopf an eine Strassenlaterne und rief dem Reporter Aroldo Bonifácio zu, eine Ambulanz herbeizurufen. Als der sich gerade auf die Suche nach einem Telefon begeben wollte, hielt sie ihn plötzlich am Arm fest – die Wehen hatten nun voll eingesetzt und es ging ihr schlechter. Da gab’s kein Telefonsuchen mehr – das Baby wurde unter Zuhilfenahme des verzweifelten Journalisten auf dem Trottoir geboren. Es war ein Mädchen, und es bekam den Namen Adelaidinha – klar, dass aus ihr eine berühmte Karnevalistin geworden ist.
Die von Männern gebildete Riege der Baianas
Die “Ala das Baianas” in den 30er Jahren wurde fast ausschliesslich von Männern dargestellt, die den Zug an seinen Seiten begleiteten und absicherten. Sie waren mit Rasiermessern bewaffnet, die sie an ihren Beinen unter den weiten Röcken befestigt hatten, um im Fall von Streitereien ihren Verein verteidigen zu können.
Kulturelle Projekte als Parade-Themen (Enredos)
Seit 1996 erscheinen die “Enredos” der Escolas de Samba immer öfter verpackt in kulturelle Projekte, die von Spezialisten erarbeitet werden. Die Notwendigkeit, Sponsoren für den Auftritt der Schule zu gewinnen, hat die Verantwortlichen auf diese Idee gebracht, die ihnen für ihre Promotion eine finanzielle Vergütung von Seiten der entsprechenden Unternehmen sichert. Nach Auskunft einiger Administratoren jener Samba-Schulen sind die in dieser Richtung orientierten Themen ein Mittel um die zunehmend steigenden Kosten ihres Karnevals bestreiten zu können.
Brasília ohne Paraden
Die brasilianische Hauptstadt sah zwischen 1994 und 1995 keine Paraden subventionierter Vereine, weil die Regierung dafür kein Geld bereit gestellt hatte, denn die inzwischen auf ganze 23 angewachsene Zahl von paradierenden Einheiten (Escolas de Samba, Blocos Carnavalescos und noch Frevo-Clubs) “missachteten den Verwendungszweck der zur Verfügung gestellten Gelder”. Die “Frevos”, so erklärte der Sambista Brigadeiro, “hatten ein so unverschämtes Glück, dass sie auf die übertriebene Zahl von 12 Vereinen angewachsen waren, deren Mitglieder in 3 – 4 – 5 Clubs paradierten. Dasselbe war mit den Escolas de Samba und den Blocos passiert – und alle wollten von der Regierung subventioniert werden”. 1996 rief die Regierung jene Vereine zu sich und diktierte ihnen ihre Bedingungen: sie betrachtete die Blocos Carnavalescos und die Frevo-Clubs als liquidiert und begrenzte die Zahl der Escolas de Samba auf 9 – jede als Repräsentant einer der 9 Satellitenstädte. Die von der Regierung beigesteuerte Summe für den Karneval 1997 betrug dann RS 150.000 – das waren etwa 17.000 Reais für jede Escola de Samba. Und alle sind verpflichtet, Rechenschaft über die Anwendung des Geldes bei der “Liga de Escolas de Samba de Brasília” abzulegen. Die am besten strukturierte Escola de Samba von Brasília, so Brigadeiro, ist die “Associação Recreativa Cultural Unidos do Cruzeiro” ( ARUC ) – sie besitzt einen eigenen Vereinssitz und organisiert Shows während des ganzen Jahres. Damit nimmt sie Gelder ein, die sie befähigen, ihren Karneval so zusammenzustellen, wie es ihr passt.
Paradierende kamen aus São Paulo und Minas Gerais
Zum Karneval 1996 kamen zirka 20% der paradierenden Mitglieder von Escolas de Samba, wie Imperatriz Leopoldinense, Portela und Mocidade Independente aus Nachbarstaaten Rio de Janeiros, wie São Paulo und Minas Gerais.
Sabino ist ein Künstler auf dem “Pandeiro”
Sabino Barroso, einer der Architekten, die am Projekt der “Quadra” der Escola Mangueira beteiligt waren, ist ein ausgesprochener Künstler mit dem “Pandeiro” (Tambourin). Er spielte sechs Jahre lang in der Percussion der Mangueira mit. Wie er berichtet, gefiel dem Mestre Waldomiro der Einsatz des Tambourins innerhalb der “Bateria” des Vereins (gute “Pandeiristas” gab es wenige), denn dieses Instrument gab der Perkussion einen leichteren Sound.
Paulinho de Ouro sagt
Er ist einer der effizientesten Administratoren im “Barracão” (Abteilung zur Präsentation der Schule zur jährlichen Karnevalsparade) und sagt: “Ich arbeite mit maximal 50 Zulieferanten und die gesamte Planung wird in Etappen abgewickelt. Wenn eine Etappe vollendet ist, folgt die nächste – auf diese Weise vermeiden wir das Hin und Her kurz vor dem Karneval, wo in anderen Schulen 200 und manchmal noch mehr Leute im “Barracão” auf dem Boden knien, um Tag und Nacht unter furchtbarem Stress die letzten Vorbereitungen durchzuziehen”.
Als die High Society sich in den Escolas zeigte
Irênio Delegado, ein Journalist war es, der die privilegierteren Gesellschaftsklassen zum ersten Mal in die Escolas de Samba einführte, damit sie einmal ein Training der Mitglieder erleben konnten. Das war 1949, als ein grossartiges Programm zur Einführung eines neuen Erfrischungsgetränks innerhalb der “Serrinha” (Império Serrano) organisiert wurde. An diesem Tag erschien im Clubhaus ein Kommitée von 30 bedeutenden Persönlichkeiten aus São Paulo und Rio de Janeiro – unter ihnen auch der Direktor des “Rádio Nacional”, Victor Costa. Anschliessend plante man weitere Festivitäten unter der Schirmherrschaft der Zeitungen “A Noite” und “A Manhã”. Danach weitete man die Festlichkeiten auf die Samba-Schulen “Portela, Aprendizes de Lucas und Azul e Branco do Salgueiro” aus. Die “Império Serrano” hörte auf mit ihrem Training in der “Serrinha” und kam herunter in den “Madureira Tênis Clube”.
Und die “High Society” begann, ab der zweiten Hälfte der 60er Jahre, die Quadras der Escolas de Samba regelmässig zu deren Trainings zu besuchen – es wurde sozusagen zur Mode.
Ein wirkliches Kunstwerk
Eine der schönsten Wagen-Dekorationen (Alegorias) war die “Yemanjá” (Göttin des Wassers) – ein wirkliches Kunstwerk – geschaffen von Arlindo Rodrigues für den Karneval 1969 – aus versilbertem Papier-Maché. Die Göttin sass in einem Meer aus silbernen Rosen, vor ihr diverse bunte Geschenke, umgeben von einem Wasserfall aus zahllosen, winzigen Spiegelglas-Stückchen, die, wenn das Sonnenlicht sie traf, den Effekt hervorriefen, den sich der Künstler wünschte. In jenem Jahr begann der “Salgueiro” seine Parade just gegen 11:00 früh – und mit verhangenem Himmel.
Samba-Buffet
Die “Escola Império Serrano” pflegte in den 50er Jahren Touristen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in ihrem Clubhaus am Ende der Rua Balaiada zu empfangen, einer der höchst gelegenen Stellen des Morro da Serrinha (um dort hin zu gelangen, musste man eine schmale, in den Lehm gegrabene Treppe emporklettern), zu ihrer berühmten “Ceia do Samba” (Samba-Abendmahl). Unter den illustren Gästen möchten wir zum Beispiel den Präfekten der Stadt Rio zitieren, die Sängerin Marlene, den Radiosprecher Manuel Costa und viele andere. Ein starkes Unwetter, das 1958 die Stadt verwüstete, machte auch dem alten Clubhaus den Garaus und beendete damit eine der traditionellsten Events vor dem Karneval.
Die “Deixa Falar” sah er nicht mehr paradieren
Rubem Barcelos, berühmter Komponist der “Estácio” und Gründer vieler karnevalistischen Blocks, starb am 17. Juni 1927 an einer “Hemoptise galopante” (Tuberkulose). Dadurch wurde ihm verwehrt, die erste Escola de Samba, die “Deixa Falar” – seine Gründung – bei ihrer ersten Parade zu erleben – wirklich Pech.
Der Erfinder der “Jaguar-Milch”
Der Komponist der “Salgueiro”, Djalma Sabiá, Schöpfer eines der schönsten Samba-Themen aller Zeiten, unter dem Titel “Navio Negreiro”, ist der auch der Erfinder eines Getränks, das als “Batida leite de onça” bekannt ist (leider wird das Rezept nicht verraten).
Extra-Parade
Zwischen 1958 und 1962 sponserten Coca Cola und die Zeitung “Ultima Hora” Extra-Paraden vor dem Karneval (sie fanden auf dem “Praça Sete” und auf dem “Campo Fluminense” statt). Die Initiative wurde aber danach nie mehr wiederholt.
Weder besser noch schlechter
Nelson de Andrade, Ex-Präsident von “Salgueiro” und der “Portela”, bezeichnet man als Autor jenes Slogans, der noch heute auf der Fahne der rot-weissen Escola von Tijuca prangt: “Weder besser noch schlechter”.
Holzkisten
Das Publikum, welches 1958 den Paraden der Escolas de Samba in der Avenida Rio Branco beiwohnte – zusammengepresst von einem Stahlseil, das man entlang der Trottoirs gespannt hatte – konnte Holzkisten zu je CRS 5,00 (Fünf Cruzeiros) das Stück von geschäftstüchtigen Camelos mieten.
Escola de Samba ohne Strick
1959 widersetzte sich die “Salgueiro” zum ersten Mal dem bisher üblichen Parade-Reglement, welches die marschierenden Escola-Mitglieder verpflichtete, ihre Gruppe mit einem langen Seil unter Kontrolle zu halten – sie marschierten ohne! Ihr Beispiel hatte die Eliminierung der “Seil-Pflicht” zur Folge.
Verspätete Parade
1959 hatte sich die Parade der Escolas de Samba um ganze 4 Stunden verspätet, weil die “Unidos de Bangu”, wegen einem Defekt an einem ihrer Wagen, nicht startbereit war. Die zweite Escola im Programm, die “Aprendizes de Lucas”, weigerten sich, als Erste zu marschieren. Um die Peinlichkeit zu beseitigen entschloss sich Nelson de Andrade, damals Präsident der “Salgueiro”, zu Ehren der ungeduldig wartenden Zuschauer, einzuspringen und die Parade zu eröffnen. Im selben Jahr reiste die “Salgueiro” nach Cuba und paradierte bei der Einweihung von Brasília.
Die “Bambas” aus Estácio
Der Stadtteil Estácio, Wohngebiet zwielichtiger Elemente, Hafenarbeitern und Halsabschneidern, in der Nachbarschaft von São Carlos, war Treffpunkt sämtlicher Dunkelmänner von Rio – einige von ihnen exzellente Sambistas, und deshalb gebührt dieser Gegend auch ein bedeutungsvoller Platz in der Geschichte des Samba. Die Botecos (Bars) im Estácio, vor allen andern der “Compadre” oder der “Apolo”, wurden frequentiert von den “Bambas” (Anführern), welche die erste Escola de Samba gründeten.
“Deixa Falar” und der Plattenmarkt
Das Erscheinen der “Deixa Falar” fiel zusammen mit der Einführung der elektrischen Gravierung in Brasilien – verantwortlich für die Entstehung des Plattenmarktes.
Abgeordneter führt den “Tag des Samba” ein
Das gesetzliche Dekret, welches den 2. Dezember als “Nationaltag des Samba” festlegt, wurde vom Abgeordneten Frota Aguiar eingebracht – anlässlich des Ersten Nationalen Samba-Kongresses.
Mobile Jury
1961 schuf der damalige Direktor des “Departamento de Turismo”, Victor Bouças, die “Juri-Móvel”, einen Wagen, auf dem sich die Jury-Kommission einrichtete, um während der Paraden zirkulieren zu können – um deren Performance aus verschiedenen Blickwinkeln zu beurteilen. Aber das Ding funktionierte nicht, und die Jury blieb bei ihrer festen Plattform. Im selben Jahr schlug Victor Bouças vor, die Paraden der Escolas de Samba ins Maracanã-Stadion zu verlegen, denn die Avenida Rio Branco verkraftete das kontinuierliche Wachstum der Escolas schon nicht mehr. 1962 fand dann die letzte Parade auf der Rio Branco statt – sie wechselte nach Candelária, auf die Avenida Presidente Vargas.
Parade ohne Licht
1963, mitten in ihrer Parade, marschierte die “Caprichosos dos Pilares“ – die mit ihrem Thema “Um Cardápio a Brasileira“ (Ein Brasilianisches Menü) in der “Grupo Especial“ glänzte – plötzlich im Dunkeln, während einer geschlagenen Stunde – der Strom war ausgefallen. Die Escola marschierte zwar weiter, aber bei der Auswertung, zwei Tage später, wurden ihre Punkte nicht offiziell in den Computer eingegeben – und die Schule verblieb in der “Grupo Especial“. Ein ähnlicher Fall passierte der Escola de Samba santa Cruz 1992, die ebenfalls ihre Parade im Dunkeln fortsetzen musste. Von da an legten die Administratoren im Reglement fest, dass im Falle eines Stromausfalls die Escolas ihre Parade fortzusetzen hatten, während die Jury ihre Kabinen über der Menge zu verlassen hatte, um direkt an der Piste ihre Beobachtungen fortzusetzen.
Der Fluch des Natal
Zum Karneval 1974 rief Natal, der Präsident der “Portela”, seinen damaligen Direktor der kulturellen Abteilung, den Wissenschaftler Hiram Araújo, zu sich, um ihm einen besonderen Wunsch vorzutragen. Er setzte ihn davon in Kenntnis, dass sein “Pai-de-Santo” (Hohepriester der Umbanda und des Candomblé) ihn mit einer “Arbeit” beauftragt habe, die bewirken würde, dass der “Adler” (Symbol der Portela) in diesem Jahr Champion würde: “Du musst nur deinen Mund mir Cachaça füllen und ein bisschen davon auf jeden unserer Wagen spritzen”, instruierte er seinen verblüfften Direktor.
Hiram wollte es nicht glauben. Niemals würde er einen Schluck Cachaça zu sich nehmen – und auch zu diesem Zweck würde er dieses Opfer nicht bringen! Natal verwandelte sich in die verkörperte Furie der Götter: “Dann also wird die “Portela” dreissig Jahre lang nicht mehr Champion sein”! schrie er dem Direktor seine Enttäuschung ins Gesicht.
Diese Episode trug sich zu am Vorabend des Karnevals 1974 – am nächsten Tag präsentierte sich die “Portela” mit dem Thema “O Mundo Encantado de Pixinguinha” (Die entzückende Welt des Pixinguinha”) und verlor den Titel an die “Salguieiro” wegen einem einzigen Punkt Unterschied – und zwar in der Wertung für das Samba-Thema (Hiram war der Autor). Und der “Fluch” endete genau am Karneval 2004! Aber im Folgejahr 2005 fehlte nur ein Haar am Abstieg der “Portela”.
Das Röntgenbild der 21 von der LIESA bisher organisierten Karnevalsparaden
Die LIESA (Liga Independente das Escolas de SAmba – Unabhängige Liga der Samba-Schulen), gegründet am 23. Juli 1984, organisiert die Paraden der “Grupo Especial” (Erste und höchste Parade-Liga) seit dem Karneval von 1985.
Bei diesen 21 Karnevals-Paraden hatten 29 Escolas de Samba das Privileg, am grössten und besten Spektakel dieser Erde teilnehmen zu dürfen.
Von diesen 29 Escolas de Samba nahmen allerdings lediglich 6 an sämtlichen Paraden im Sambódromo von Rio de Janeiro teil. Und zwar: Beija-Flor de Nilópolis, Imperatriz Leopoldinense, Mocidade Independente de Padre Miguel, Estação Primeira de Mangueira, Acadêmicos do Salgueiro und die Portela.
Innerhalb der von der LIESA administrierten Paraden ist die “Imperatriz Leopoldinense” die grösste Siegerin – mit sechs Titeln. An zweiter Stelle kommen Beija-Flor, Mocidade und Mangueira – mit vier Titeln jede – und dann die Sagueiro, mit einem.
Weitere drei Vereine brachten es während der Ära LIESA zum höchsten Titel: Viradouro, Vila Isabel und Estácio de Sá – letzterer befindet sich derzeit in der “Grupo de Acesso” (Aufsteiger-Gruppe).
Das Ranking der LIESA erfasst die Resultate der letzten fünf Karnevalsparaden. Jedoch, wenn man die erreichten Punktzahlen aller Paraden bis 1985 zurückverfolgen würde, ergäben sich ebenfalls nur wenige Veränderungen. Die “Beija-Flor” wäre immer noch die mit der besten Performance – mit 36 Punkten vor der Zweitplazierten “Imperatriz Leopoldinense”. Mangueira, Mocidade und Salgueiro würden sich ebenfalls in den ersten Reihen wiederfinden.
Unter den sechs Vereinen, die bei allen von der LIESA organisierten Paraden mitgemacht haben, ist es nur einem nicht gelungen, einmal als Champion dazustehen: der “Portela”. Und trotzdem ist ihr Adler der grösste Gesamtgewinner in der Geschichte des Cariocanischen Karnevals – mit 21 Titeln!
Der letzte Portela-Titel datiert von 1984 – bei der Parade zur Eröffnung des “Sambódromo”. In jenem Jahr wurde das Spektakel zum ersten Mal auf zwei Tage verteilt. Die “Portela” wurde als Siegerin der Sonntags-Parade ausgerufen und die Mangueira gewann den Titel am Montag. Darauf hin setzte man die entscheidende Parade für den folgenden Samstag an – dem “Samstag der Champions” – zu dem man die drei besten Escolas vom Sonntag, die drei besten vom Montag, sowie Champion und Vize-Champion der “Grupo de Acesso” aufstellte. Die “Mangueira” gewann und wurde zum “Super-Champion 1984” erklärt. Damit hatte sie gleich zwei Titel an einem Karneval eingeheimst: den vom Parade-Montag und den vom Samstag der Champions – während die “Portela” sich mit dem vom Parade-Sonntag begnügen musste.