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Franz Stampfli, die FTTH Conference von openaxs hat bisher eher in Grossstädten stattgefunden. Warum wurde in diesem Jahr Scuol als Austragungsort ausgesucht?
Franz Stampfli: Der Vorstand hat den eigentlichen Auftrag hinterfragt. Unser Ziel ist ein flächendeckendes Hochbreitband-Netz für Telekommunikation. Wir haben festgestellt, dass diese Botschaft in den Zentren angekommen ist. Wir spüren aber in den nicht so dicht besiedelten Gebieten eine Verlangsamung der Dynamik. Wenn die ländlichen Regionen, in denen die Investitionskosten für die Anschlüsse pro Haushalt eh schon höher sind, sich nicht bewegen, schläft die gesamte Entwicklung ein. Dann hätten wir im Jahr 2025 einerseits Grossstädte mit Hochbreitband als Standortvorteil, andererseits auch ländliche Regionen, die in diesem Bereich verhungern. Deshalb treten wir als Prediger auf und versuchen, die Botschaft in die Regionen zu bringen.
Wie lautet die Botschaft?
Stampfli: Wir versuchen, die Gemeinden und Regionen zu motivieren, sich wenigstens Gedanken über die Entwicklung zu machen. Die Frage lautet: Wo stehen die Gemeinden und Regionen in zehn Jahren? Die Gemeinden können dann immer noch sagen, es interessiere sie nicht, was für mich eine schlechte Antwort ist. Jede Region hat einen Plan für Verkehr, für Energie, für Bildung usw. Nur für Telekommunikation haben sie keinen Plan. Und das ist schlecht. Die entsprechenden Köpfe müssen zusammensitzen und eine Strategie für die nächsten zehn Jahre erarbeiten.
Die Verantwortlichen des Projektes mia Engiadina vergleichen die Idee oft mit der Erschliessung des Engadins mit Strassen, mit Energie, mit der Rhätischen Bahn. Hat die Erschliessung des Engadins mit Glasfaserleitungen diese Bedeutung?
Stampfli: Absolut! Die Bedeutung ist vergleichbar. Ich bin der Meinung, dass jedes Projekt, sei es mia Engiadina oder das Projekt im Oberwallis, seine Eigenheiten hat. Im Engadin konnten die Verantwortlichen einen Deal mit der Swissgrid und mit der Rhätischen Bahn abschliessen. Das sind wichtige Komponenten, die in die gleiche Richtung zielen.
Das Projekt mia Engiadina wurde anlässlich der Konferenz detailliert vorgestellt. Wie beurteilen Sie als Fachmann dieses Projekt?
Stampfli: Dieses Projekt ist ein Leuchtturm für die ganze Schweiz. Es ist beeindruckend, wie eine Infrastruktur gebaut werden kann, die zum Teil über wichtige Deals vorfinanziert wird. Der Geist rund um das Projektteam ist beeindruckend. Natürlich braucht auch jeder Flieger Gegenwind, sonst kann er gar nicht abheben. Aber bei mia Engiadina sind sehr viele wichtige Personen vom Projekt überzeugt, und diesen Personen glaube ich.
Was braucht es für solche Projekte?
Stampfli: Es braucht verrückte Visionäre, die solche Projekte vorantreiben. Es braucht aber auch Realisten, die versuchen, die grosse Wolke auf den Boden zu bringen.
Bedenken gibt es bei der Frage der Finanzierung. Bei einer flächendeckenden Erschliessung durch Glasfaserleitungen reden wir von 50 Millionen Franken. Wer muss ein solches Infrastrukturprojekt finanzieren?
Stampfli: Die Finanzierung ist für mich nie ein Problem. Geld ist immer vorhanden, aber niemand weiss, wohin mit dem Geld. Wir haben auch zwei Löcher durch die Alpen gebohrt und diese auch finanziert. Wir haben daran geglaubt und waren der Meinung, diese Investition bringe etwas, nicht sofort, aber in 30 oder 40 Jahren. Ich bin überzeugt, dass, wenn jeder Engadiner zusammenzählt, was er für Internet, für Telefon und für andere Dienste aufwendet, dieser Betrag auch für die Refinanzierung des Projektes ausreichen würde. Die gesamte Region muss daran glauben, und dann wird die Finanzierung möglich sein.
Muss eine solche Investition von den Gemeinden finanziert werden? Im Referat von Marc Furrer, Präsident der Eidgenössischen Kommunikationskommission (ComCom) haben wir gehört, dass die Finanzierung nicht Sache des Bundes sei.
Stampfli: Ich kann die Aussage von Marc Furrer gar nicht teilen. Die öffentliche Hand ist gefordert, und der Bund hat Verpflichtungen, wenn die Randregionen nicht entvölkert werden sollen. Der Bund muss ein Konzept für Telekommunikation entwickeln, und dieses muss anders aussehen, als nur zwei Megabit pro Sekunde als Grundversorgung.
Fehlt die Lobby in Bern?
Stampfli: Vielleicht ja. Bundesbern hat genügend Geld zur Verfügung. Die Frage ist, wie das Geld auf die verschiedenen Bereiche verteilt wird. Der Nationalrat beschäftigt sich mit der Aufstockung von zwei auf drei Megabit pro Sekunde als minimale Grundversorgung. Der Bündner Nationalrat Martin Candinas will sogar zehn Megabit erreichen. Mit einem Glasfaserprojekt reden wir von 100 Megabit aufwärts.
Haben die Politiker in Bern noch nicht verstanden, um was es eigentlich geht?
Stampfli: Viele Politiker in Bern wissen anscheinend nicht, was in der Telekommunikation abgeht. Wir reden von einem Technologiesprung für die nächsten 100 Jahre. Die bisherigen Kupferleitungen sind hundertjährig und haben ausgedient. Jetzt muss der Quantensprung zur Lichtwellentechnologie erfolgen.
Es gibt verschiedene Strategien: «Fibre to the Home» oder «Fibre to the Street» usw. Auch im Engadin gibt es verschiedene Strategien bis zu Funklösungen im Oberengadin. Welche ist die richtige Strategie?
Stampfli: Viele Varianten, zum Teil auch in Kombination, sind möglich. Schlussendlich benötigen aber alle Glasfasern. Eine fixe Lösung, also «Fibre to the Home», ist immer besser für die Verfügbarkeit, für die Geschwindigkeit und für die Sicherheit. FTTH ist also die Lösung für die nächsten hundert Jahre.
Wie zufrieden sind Sie mit der «FTTH Conference 2016» in Scuol?
Stampfli: Ich bin sehr zufrieden. Die Referate waren sehr interessant, und es war immer Spannung drin. Ich hatte das Gefühl, dass sich niemand langweilt. Sehr viele Unternehmer aus der Region waren anwesend.
Was raten Sie diesen Betrieben?
Stampfli: Die Infrastruktur muss jetzt einfach gebaut werden. Jeder Betrieb muss jetzt Lösungen vorantreiben und nicht Risiken suchen.
Quelle: Engadiner Post
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