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« …cette insurmontable habitude d’objectivité qui empêche tant de gens de vivre. » anton tchechov (in m.leiris : journal)
„ich behaupte, dass das entscheidende datum jeglicher verhaltenswissenschaft eher die gegenübertragung denn die übertragung ist, weil man eine aus der übertragung ableitbare information gewöhnlich auch noch auf anderen wegen gewinnen kann, während das für die information, die aus der analyse der gegenübertragung hervorgegangen ist, nicht zutrifft. […] worauf es uns hier ankommt, ist, dass die analyse der gegenübertragung, wissenschaftlich gesehen, mehr daten über die natur des menschen erbringt.
[these:] die wissenschaftliche erforschung des menschen
1- wird durch angsterregende überschneidung von objekt und beobachter behindert,
2- was eine analyse von art und ort der trennung zwischen beiden erfordert;
3- muss die unvollständigkeit der kommunikation zwischen objekt und beobachter auf der ebene des bewusstseins kompensieren,
4- muss aber der versuchung widerstehen, die vollständigkeit der kommunikation zwischen objekt und beobachter auf der ebene des unbewussten zu kompensieren,
5- was angst und infolgedessen gegenübertragungsreaktionen hervorruft,
6- die wiederum die wahrnehmung und deutung von daten verzerren
7- und gegenübertragungswiderstände hervorbringen, die sich als methodologie tarnen und somit weitere verzerrungen sui generis verursachen.
8- da die existenz des beobachters, seine beobachtungstätigkeit und seine ängste (sogar im fall der selbstbeobachtung) verzerrungen hervorbringen, die sich sowohl technisch als auch logisch unmöglich ausschliessen lassen,
9- muss jede taugliche verhaltenswissenschaftliche methodologie diese störungen als die signifikantesten und charakteristischsten daten der verhaltenswissenschaft behandeln und
10- sich die aller beobachtung inhärente subjektivität als den königsweg zu einer eher authentischen als fiktiven objektivität dienstbar machen,
11- die eher anhand des real möglichen zu definieren ist, als anhand dessen, was ‚sein sollte’.
12- ignoriert man diese ‚störungen’ oder wehrt sie durch als methodologie getarnte gegenübertragungswiderstände ab, so werden sie zu einer quelle unkontrollierter und unkontrollierbarer irrtümer, obwohl sie, wenn man sie
13- als elementare und charakteristische daten der verhaltenswissenschaft behandelt, gültiger und der einsicht förderlicher sind als irgendeine andere art von datum.
kurz, verhaltenswissenschaftliche daten erregen ängste, die durch eine von der gegenübertragung inspirierte pseudomethologie abgewehrt werden. dieses manöver ist für nahezu alle mängel der verhaltenswissenschaft verantwortlich.“
devereux, georges: angst und methode in den verhaltenswissenschaften. p.17,18
obsession
das produzieren neuer objekte, texte, auch von erlebnissen geht doch auch mit einer gewissen obsession einher: das sammeln, akkumulieren, ‚lernen’, tüfteln mehr oder weniger weit ab der tieferen wünsche ist, graduell individuell wohl verschieden, etwas zwanghaft. das aushalten eines nichtigen zustandes in der schwebe, ein nichthandeln, lässt sich nur schwer denken – es liesse sich vielleicht nichtdenken. die mit der produktion verbundene lust ist natürlich am schönsten, wenn sich neue zusammenhänge und situationen ergeben, die über das komplettieren (und das ist nun wirklich nur zwanghaft) hinausgehen, wenn ein gegenwärtiges dasein entsteht, eine zuckende überraschung.
obvious, explaining the
besides the obvious, which seems to be beyond the common place, there is nothing to be explained. was ist obvious, manifest, offensichtlich ausser dem, was man nicht wahrnimmt – nichts ist es.
der zirkelschluss, der aus dem sinn katapultiert in die absenz der tautologie, könnte die aporie auflösen : nur ist dann nichts und das ist schon vernetzt in zirkelschlüssen und tautologien. also : ich geh jetzt schlafen und seh dann weiter.
öd & pussy (: no way : kindergarten : freudian slip)
was dann kindergärtler so an bildnerischem gestalten hervorbringen : das, was ich gemacht hab, ist mir rätselhaft (auch wenn ich das bild meiner mutter geschenkt habe). mit freud kann ich mir da neue, wunderliche geschichten ausdenken, als hätt ich den ödipus damals erlebt : als wär das eine geschichte, die auf mich passt, ganz à la freud. ich denk aber nicht, dass es so war oder ist. ich denk heute überhaupt nicht, dass da mehr war, als dass ich eine zeichnung machte, die mir grad durch das märchenhirn pfurzte. und ich stieg beinah jede nacht in das bett meiner eltern und kuschelte rum. und das tat mir gut. kann ich nicht das bild als etwas verkrampfte märcheninterpretation sehen? oder, wenn dann der zeitgeist mich packen würd (oder tätigte) : ich hab was schlimmes erlebt? forget it : ich hab damals doch garnix kapiert, hab masturbiert, war grad ganz glücklich im leben, soweit das halt ging und geht : und warum schreib ich jetzt überhaupt was : weil ich unverminderten spass an dem bildli haben will und mir ganz viele interpretanautipsychosen erspart geblieben sind : weiss wer was warum und wieso : die traumaindustrie nervt mich – ich denk, dass es menschen gibt, die mehr grund zu desperatheit haben. die subtilitäten der hofreitschulelippizanerhochleistungszivilisationen gehen mir nicht unter die haut. an die haut gehen die interpretationen. die brauch ich nicht. bitz wach sein schon. und das ist subjektiv : da gibt’s keine theorien, hierarchien schon gar nicht.
oden
Oden, wenn man sie liest, so gehen einem mit Respekt zu sagen Nasenlöcher und Zehen auseinander.
Georg Christoph Lichtenberg: Sudelbücher # e 98
oh Darwin, die fischstäbchen schwimmen
das irreversible mit leichtigkeit reversibel machen - bedingtheiten durch fragestellungen und neuinterpretationen befreien vom zwang des sprechenden systems - wenn auch nur für momente als ein denkbares anderes. (wie auch immer das system zu autorität gekommen ist, es steht doch nie allein, es gibt immer das andere und die anderen.)
om mani padme hum
Avalokiteshvara soll das gesagt haben : was heisst es denn? „etwas mitleid bitte.“ oder „juwelen lotos irgendetwas“. man weiss wenig und grad alles. ich übersetze, angesichts der verworrenen lage „lasst uns mal“.
one hand clapping
die hand auf/an einen spiegel klatschen: es muss kein laut hörbar werden, man kann den laut sehen.
die spiegelung (identität, sich selbst sehen) : dass man das spiegelbild weglässt und sich doch (unvermittelt?) sieht : das erzeugt einen krach so laut wie alles zusammen : nicht mehr, nicht weniger.
/ buzzläs (the she cat) arbeit am spiegel. das fleischstück klebt am spiegel zwei mal, und zwei katzen versuchen es gleich schnell wegzuholen. ---
: merkt die katze nicht, dass die andere katze ihr spiegelbild ist, kann sie froh sein, dass sie doch immer ein stück fleisch erwischt (das andere stück ist ohnehin kleiner).
: merkt die katze, dass die andere immer zu spät kommt (sie erwischt ja das stück fleisch), kann sie sich ungestört auf das fleisch konzentrieren.
: merkt die katze, dass ich das fleisch gegen den spiegel werfe, schaut sie auf mich.
: was merke ich : ich schaue der katze zu : ziemlich blöd, nicht?
die offensichtliche absenz: narzissmus und auch die sogenannte selbstreflexion /
//das jämmerliche an diesem text ist nicht das beschriebene. wie kommt es zu der trennung von katze, fleisch, mensch, spiegel : alles (ein jedes) ist (gleichzeitig, interaktiv, wahrnehmend in verschiedenen oder unbenannten strukturen). jämmerlich ist, dass ich selbst im eingeständnis, dass sich dies alles in meinem hirn abspielt, zu jeder transzendenz des jämmerlich eingestandenen sagen muss: das bin ich. und somit dort bin, wo ich begonnen habe. kurzschluss. der grössenwahn, der dem homo sapiens sapiens eigen ist, ist die selbstliebe. wenn man das (und sich) vergessen könnte, wär es ein schönes, herumzutollen. wenn man das wissen würde, ebenso.//
[mvs:980920/010526]
man kann es nicht allein tun. es braucht zwei oder mehr. (einer allein kann es ohnehin wie von selbst. zwei können es nur, wenn sie sich nicht in den schatten stellen.
only me
opfer des zivilisatorischen fortschritts
ich habe, in den 10 jahren, in denen ich meine wohnung mit holz geheizt habe, ein inniges verhältnis zu meinem bademantel entwickelt. er war immer dieses flauschige ding, das mich am morgen vom kühlen zimmer (ofen allenfalls noch lauwarm) über den kalten gang ins kalte badezimmer begleitet hat, wo man dann den hochpotenten elektroheizstrahler einschalten konnte und unter die warme dusche stehen, um nachher wieder in den weissen flauschmantel zu schlüpfen und warm eingepackt zurück ins zimmer zu huschen. (unterdessen hat dann der mann in der küche heldenhaft schon mal ein feuer gemacht und kaffee aufgesetzt.) jetzt, wo sich eine permanente laue wärme diffus in der wohnung ausgebreitet hat (so zentralheizungswärme ist irgendwie nie ganz adäquat), ist der bademantel zum verzichtbaren objekt geworden. ich mein, er ist immer noch ein freundliches kleidungsstück, und aufgrund seiner geschichte noch nicht ganz in die kategorie möve-katalog abgerutscht, wo bademäntel feilgeboten werden für leute, die sowas eigentlich nicht brauchen, ausser sie verbringen tatsächlich darin den sonntagmorgen (wie im katalog suggeriert) oder haben furchtbar angst davor, blutt in der wohnung rumzulaufen. ich würd es mal so sagen: mein bademantel ist jetzt poesie.
ordnung im alltag
die ordnung der küchentücher und putzlappen : das gute gefühl von sicherheit und unendlichkeit, das dabei entsteht, wenn man einen völlig zerbrauchten lappen wegfirwt (das ist neu: in werfen ‚w’ und ‚f’ verwechseln und erst beim ‚w’ stutzen – oben sträubte ich mich irgendwie noch gegen das wegwerfen, das beendende, das damit angesprochen wird; umkehrung der lettern als umkehrung des wortsinns? item:) und wenn die reihe, die beige der lappen erneuert wird durch einen neugekauften (der sich unter den anderen, alteingesessenen, so sonderlich rechtwinklig gefaltet abhebt) – so dass eine bestimmte gesamtzahl erhalten bleibt – entsteht eine reihe, die nie abzubrechen scheint. die sauber eingeräumten schränke, die von unten bis oben ordentlich gefüllten wäschedepots als veranschaulichung eines lebenszirkels ohne vorausbestimmbares ende, die aufhebung des todes in der potenz der gattung. (aufhebung nun nicht gerade, eher eine abschwächung.) die optische ordnung ergänzt, drückt die gedachte regeneration aus; das meine ich jetzt wenigstens : eine auslaufende reihe kann ja auch in sauberen häufchen stehen, aber das wird die ordnungsfreudigkeit wohl unterstützen: dass mit der erfassbaren ordnung ein stück unendlichkeit mitgedacht wird. (ein stück unendlichkeit: wie widersinnig: trotzdem oft: wie wahr: gerade ‚ewig’ möchte ich ja nicht unbedingt leben, aber schon mal eine rechte weile länger, als zu erwarten ist.) die abnützung der gebrauchsgegenstände, die an ihre endlichkeit denken lässt, verschafft mir eher ein noch besseres gefühl. die abgeschliffenen steinstufen alter treppen, die tassen, töpfe mit einem ecken ab, kleider, die mir am körper dünner und dünner werden, das weckt ein gefühl der einigkeit, das vielleicht tröstlich ist, resignierter auch, ohne ausblick auf ein jenseitiges leben, mit keiner option auf ein stückchen unendlichkeit : der topf wird halt fortgeworfen, wenn er zerbricht, der mensch wird eingegraben, wenn er stirbt. die wäscheschränke machten mich früher oft hässig : wie viel zeit da in ordnung um der ordnung willen eingesetzt wurde, wieviele wünsche begraben werden mussten, weil die wäsche gebügelt sein musste und keine zeit für wünsche übrigblieb; dass dieser verzicht nicht zuletzt dem gefühl der sicherheit zugute kommen sollte, ist eine sehr späte erfahrung von mir. die innere und äussere sicherheit aller staaten hängt von der disziplin ab. und disziplin wird nicht erreicht, wenn jeder so vor sich hin wünscht. vielleicht ist das gefühl der sicherheit bei kindern noch vorhanden ohne wäsche- und andere ordnungen – die zeit, da die wünsche noch in erfüllung gehen – und dieses gefühl geht verloren in verschiedenen wäschebergen und geordneten schränken. so ist die freude an einem geordneten wäscheschrank wohl resignierter als ich vorerst dachte : wiedererwachen aus wunschträumen in ordnungen, die sich ewig repetieren, ist doch eher ein einschlafen : vom selbertun zum getanwerden. (vielleicht kann man sich die hölle so vorstellen: eine wäscheabteilung bei friedrich dem grossen.) die abnützung bei gegenständen und lebewesen, vor allem bei gegenständen, ist mir nie unnatürlich vorgekommen, hat mich nie hässig gemacht. dass ein spielzeug (was immer das auch sei, ich meine nicht nur kinderspielzeug – ich spiele mit büchern, sätzen, lebensmitteln) nicht an jedem tag gleich aussieht, dass es sein gesicht und seinen charakter ändert, ist doch nicht an sich störend, im gegenteil. was mich zum schreien bringt ist der tod der existenzien (gegenstände). ich will die abnützung nicht in kausalen zusammenhang mit dem tod bringen; die schmerzen, die angesichts des todes erlebt werden, haben nichts mit rationalem verstehen zu tun. dass abnützung zur auflösung einer existenz führt, ist eine rationale erkenntnis (und wie wenig oft werden tode aus altersschwäche, oder was man dafür halten muss, gestorben). die veränderung, abnützung ist doch dem leben lieb, den wünschen gemässer als eine starre, unveränderliche ordnung. dass mit zunehmendem alter ‚die zeit im nu vergeht’ : könnte das nicht mit eben diesen ordnungen zusammenhängen, die gewöhnungen erzeugen, klischees zu tatsachen machen. die welt ist erklärt, die wünsche haben sich dünn gemacht. man stutzt nicht mehr ‚wegen jedem dreck’, man setzt sich nicht mehr mit vielen dingen auseinander: das denken und fühlen hat seine formen gefunden – die erlebnisweisen sind eingeschränkt durch ordnungen – die zeit, in der nichts ‚spannendes’ geschieht, ist häufig und verfliegt in windeseile. die wäscheordnungen haben die wünsche eingewickelt und vertrieben. die welt ist sauber geputzt. die sprache hat nichts mehr neues zu sagen. eine mottenkugel im wäscheschrank. adieu!
ordnung und reinlichkeit
ordnung, ab origine
ein satz, so ganz aus gottes hosenboden: „auch ich erfinde“.
(so, oder auch nicht, ist es.)
organisaation, neu – organization, revised : AntoninArtaud
unerklärlich. wie dieser verbesserungsvorschlag re: homo sapiens sapiens wie eine pest in der abendländischen kultur auftreten konnte, ohne grossen schaden anzurichten. wenige sind anfällig für den verwirrenden virus, der ALLES neu organisiert: vom organismus bis zum hirn, vom dasein bis zum sein bis zum nichtsein – und, was die resistenz der meisten erklären mag, mindestens teilweise (denn verwirrungsanfällig sind wir alle, alle), ist die ideologielosigkeit seiner aussage. keine und keiner (von den öffentlich gewordenen) im 20. jahrhundert hat das leben (ens) so sehr neu formuliert wie a.a. – auch wenn ich zugeben muss, dass ich ihn nicht verstehe (wer schon versteht, und wenn vorgeblicherweise schon, dann was). das virus, das er freigesetzt hat, ist aktiv.
(was sollen mir all die aliens-movies, die auf der engerling-maikäfer ebene operieren: das sind die ängste und übernahmeszenarien der hergebrachten oben-unten machtszenarien mit kopf ab und revolution und jetzt sind wir dran mentalität und dann kommen wieder die anderen dran ad.lib.. was an artaud verstörend und in bestem sinne subversiv ist, ist der individuelle unfall ins unmächtige mit klarer existenz, der nicht nachvollziehbar sein will aber gemeingültigkeit haben kann, und so sich über artaud hinausfu(r)zt, im besten sinne des alchemistischen gases oder lebenshauches. (wer sich den stein der weisen als kristall vorstellt, soll sich die arterien testen lassen, wer ihn sich als fluidum vorstellt, soll was währschaftes in den magen bekommen, wer sich sonst noch was vorstellt, soll das in aller ruhe tun und darüber schweigen oder sprechen, je nach g(es)ang und gabe. so spricht einer, der jetzt aber gar nix kapiert und unverschämterweise noch spass hat, kreuz und quer rumzupfurzen (durchaus eingedenk der überflüssigkeit und der kommunizierenden röhren, trotzdem lachend, wenn das wort ‹relevanz’ ertönt, gar noch mehr, wenn ‚valenz’ aufgebracht wird (=schifffahrt: ein schiff aufbringen = kapern, die (und welche, man frage einen anständigen koch), jeden salat perfekt machen.) dann kommt mir wegen dem salat noch „the new world order“ in den sinn: dann ess ich lieber salat. und: artaud lesen. oder so in etwa. weil mir so sehr gefällt an ihm, dass er keine befehle erteilt hat, oder hat er das? glaub nicht, und drum – aber das hab ich schon gesagt.
was ich zu neuorganisation sagen möchte, ist, dass nichts spannender ist als einen vollen kehrichtsack rauszunehmen und einen neuen leeren reinzutun. und dann, weil der neue leere auch nichts weiss, den alten vollen wieder reintun und noch was draufpacken. und dann, weil er prallvoll und schon am überlaufen ist, wieder rausnehmen, und wieder den neuen reintun. wenn man soweit gekommen ist, duzt man beide säcke schon. und dann sitzen wir an den küchentisch und erzählen uns, wie’s in der jugend war. das tut alles dem artaud unrecht (who am i to speak), aber mir entspricht es.
ou mallon
O’Brien, Flann
Biran O’Nolan, Brian O Nuallain. 5. oktober 1911 strabane, nordirland bis 1.april 1966, dublin