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Datum: 22. Februar 2011 Die islamkonforme Ernährung Die islamkonforme Ernährung hat in der Lebensmittelindustrie an Bedeutung gewonnen. Die Auffassungen darüber, was konform ist, können unter Muslimen sehr unterschiedlich sein. von Alimenta Import Teilen Newsletter Input group with success Ihre E-Mail-Adresse Δ Gemäss Schätzungen leben heute in der Schweiz rund 440?000 Muslime, was einem Anteil von knapp sechs Prozent der Bevölkerung entspricht. Weltweit sind etwa zwanzig Prozent der Bevölkerung Muslime. Die islamkonforme Ernährung hatte in der Schweizer Lebensmittelwirtschaft lange Zeit keine grosse Bedeutung. Durch wachsende Kundenanforderungen im Export und zur Erweiterung des inländischen Angebotes gewinnen islamkonforme Lebensmittel aber auch hierzulande immer mehr an Bedeutung. Doch was bedeutet islamkonforme Ernährung für Muslime, und wie werden die Gebote des Korans bezüglich der Ernährung umgesetzt? Cemile Ivedi erläutert, worauf geachtet wird. Die Ethnologin mit schweizerischen und türkischen Wurzeln bezeichnet sich als praktizierende Muslimin. Was bedeutet Halal? Das arabische Wort «Halal» steht für das Zulässige, Erlaubte und Gestattete. Im Gegensatz dazu steht das arabische Wort «Haram» für das Unzulässige, Verbotene und nicht Gestattete. Ein Lebensmittel wird als halal bezeichnet, wenn es gemäss islamischer Philosophie erlaubt ist. Die islamische Religion basiert auf dem Koran, der wörtlichen Offenbarung Gottes an den Propheten Mohammed. Zusätzlich ist die Sunna, die Lebensweise des Propheten Mohammed, ein wichtiger Bestandteil für Sunniten. Die Sunna stellt eine Anleitung für die Alltagspraxis dar. In mehreren Stellen im Koran wird darauf hingewiesen, was man essen darf und was nicht. Alle pflanzlichen Produkte und tierische Erzeugnisse, die ohne Schlachten hergestellt werden, wie zum Beispiel Milch oder Eier, sowie Fisch gelten grundsätzlich als halal. Schweinefleisch und Blut sowie der Konsum von Alkohol sind klar verboten. Für die Fleischproduktion sind genauere Vorschriften definiert. Das Vorgehen beim Schlachten von erlaubten Tieren lässt jedoch einen Interpretationsspielraum zu. Die Begriffe halal und haram beschränken sich nicht nur auf Lebensmittel, sie können auch Handlungen beschreiben. Bei der Lebensmittelproduktion ist es wichtig, dass alle damit zusammenhängenden Handlungen halal sind. Ein Beispiel für eine Haram-Handlung ist das Nehmen von Zins. Am besten ist es für Muslime, gar nichts mit Zins zu tun zu haben. Kann das nicht vermieden werden, muss das durch Zinsen eingenommene Geld weitergegeben werden. Für viele Muslime stellt dieses Gebot ein Dilemma dar, da ein Bankkonto zu haben, was an sich haram ist, eine fast unabdingbare Voraussetzung zum Leben in der westlichen Welt ist. In der Finanzbranche wurde diese Nachfrage jedoch erkannt. Unter dem Stichwort «Islamic Banking» bieten Banken Dienstleistungen an, die mit den religiösen Regeln des Islam vereinbar sind. Diese sind jedoch nicht für den kleinen Geldbeutel gedacht. Glaubensrichtungen und Rechtslehren Der Islam ist in mehrere Glaubensrichtungen gespalten. Die Sunniten stellen mit 85 Prozent die grösste Glaubensrichtung dar. Innerhalb der Sunniten werden vier Rechtsschulen unterschieden. Auch innerhalb der zweitgrössten Glaubensrichtung, den Schiiten, werden verschiedene Rechtsschulen unterschieden. In den verschiedenen Glaubensrichtungen und Rechtsschulen gibt es kleine Unterschiede bezüglich Ernährungsvorschriften, was eine allgemein gültige islamkonforme Nahrungsmittelproduktion erschwert. Muslime in der Schweiz Die Zahl der Muslime in der Schweiz ist seit den 1970er-Jahren stetig gestiegen. Der grösste Teil davon sind Migranten aus dem Balkan und aus der Türkei. Unter den in der Schweiz lebenden Muslimen gibt es viele Unterschiede in ihrer Auffassung der Religion. Es existieren schweizweit mehr als dreissig islamische Vereine und Kulturzentren, wobei kein Verband für alle sprechen kann. «Nur ein Teil der in der Schweiz lebenden muslimischen Minderheit sind praktizierende Muslime», sagt Cemile Ivedi. Doch was heisst praktizierend? Für Ivedi heisst es, die fünf Säulen, welche die Grundpflichten des Islam darstellen, zu erfüllen. Dazu gehören ein Glaubensbekenntnis, fünf Mal tägliches Beten, Almosensteuer, das Fasten während des Ramadans (Fastenmonat) sowie eine Pilgerfahrt nach Mekka. Für einen praktizierenden Muslim ist die Halal-Ernährung wichtig. Wobei hier die Auffassungen auseinander gehen. «Für viele bedeutet eine Halal-Ernährung, einfach kein Schweinefleisch zu essen», erklärt Ivedi. «Erlaubtes Fleisch wie Rind oder Geflügel wird bei Grossverteilern gekauft. Für andere ist die Schlachtung der Tiere entscheidend, wobei dort die Meinungen wiederum auseinander gehen, wie die Schlachtung vonstattengehen soll. Das Tier muss durch einen Halsschnitt getötet werden. Gemäss einigen Interpretationen der Essvorschriften ist eine Betäubung durch Elektroschock vor der Schlachtung erlaubt, gemäss anderen nicht. Und welche Voraussetzungen muss die schlachtende Person mitbringen? Es sind sehr individuelle Fragen, bei denen jeder Muslim selber entscheidet, wie er sie beantwortet.» Mehr Durchsichtigkeit ist erwünscht «Obwohl das Angebot an Halal-Lebensmitteln in der Schweiz in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat, ist es schwierig, den Durchblick zu haben», meint Ivedi. «Wenn eine Metzgerei Halal-Fleisch verkauft, ist nicht garantiert, dass sie unter halal das gleiche versteht wie ich. Es kann heissen, dass lediglich kein Schweinefleisch enthalten ist, oder dass die Tiere nach bestimmten Vorgaben geschlachtet wurden. Oft gibt es Misstrauen und Gerüchte, dass das angebotene Fleisch den individuellen Anforderungen nicht entspricht. Sicher spielt hier auch der Wettbewerb unter den Anbietern eine Rolle. Die abgepackten Fleischprodukte mit einem Halal-Label sind deshalb sehr praktisch. Sie garantieren eine authentische Herkunft. Doch auch dort ist zu beachten, wer das Label herausgibt und aufgrund welcher Kriterien.» Bei nicht fleischhaltigen Produkten ist es wichtig, dass die Inhaltsstoffe der Produkte richtig deklariert sind. Versteckte tierische Produkte, wie zum Beispiel in Zusatzstoffen, oder Hilfsstoffe, die im Endprodukt nur noch als Spuren vorhanden sind und nicht deklariert werden müssen, stellen ein Problem dar. «Ich schaue immer genau auf die Zutatenliste von Lebensmitteln», meint Ivedi. «Doch manchmal reicht dies nicht. Erst kürzlich habe ich erfahren, dass Apfel- und Traubensaft mit Schweinegelatine geklärt werden. Dies wird jedoch nicht deklariert.» Authentische Halal-Labels sind folglich sehr gefragt. Weltweit gibt es etwa 100 verschiedene Zertifizierungsstellen, die die Islamkonformität in Lebensmittelbetrieben überprüfen. Bei dieser grossen Labelanzahl und durch verschiedene Auffassungen der Zertifizierungsstellen besteht die Gefahr, dass die Konsumenten nicht allen das gleiche Vertrauen schenken.