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Jakob Fugger d. J. (1459–1525), später von aller Welt »Jakob Fugger der Reiche« genannt, wurde in Augsburg als Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns geboren, der unter anderem ein Münzprägeunternehmen im Tiroler Silberminenrevier betrieb. Im Alter von 14 Jahren wurde Fugger nach einem Aufenthalt in Rom in die familieneigene Niederlassung nach Venedig entsandt, wo er vor allem Buchführung studieren sollte. Er studierte aber auch alles, was ihm an politischer, ökonomischer und kirchlicher Theorie und Praxis begegnete, wobei er sich offensichtlich als sehr talentierter Schüler erwies, dem auch die raffiniertesten Kombinationen, Techniken und Manipulationen nicht verborgen blieben. In der Dynamik der oberitalienischen Renaissance konnte er sein vorhandenes Talent voll entfalten: „Ein Lehrling zog nach Rom und Venedig. Ein junger Meister seiner Kunst ist aus Italien nach Augsburg heimgekehrt“, wurde über ihn später preisend geschrieben.
Um 1510 hatte Fugger Niederlassungen unter anderem in Frankfurt, Antwerpen, Leipzig, Breslau, Wien, Ofen (dem heutigen Budapest), Venedig, Rom, Lyon und Madrid. Und bereits 1505 beteiligte er sich an der Finanzierung von Expeditionen der Portugiesen, obwohl er sich insgesamt bei den risikoreichen Entdeckungsreisen und Kolonialplänen auffallend zurückhielt. Sein Ziel war kein geringeres, als die erste weltumspannende Handelsorganisation zu schaffen – den ersten multinationalen Konzern der Weltgeschichte.
Was war nun dafür entscheidend, dass dieser Traum verwirklicht werden konnte? Ein solches System konnte nur funktionieren, indem er kompetente Personen vor Ort hatte, die nicht nur ihr Handwerk beherrschten, sondern auch vertrauensvoll in seinem Sinne handelten. In einer Zeit, in der man nicht auf Telefon, Videokonferenz und Flugzeug zurückgreifen konnte, war er auf die Personalauswahl in höchstem Maße angewiesen. Fugger musste den Personen vor Ort weitreichende Autonomie einräumen und größtes Vertrauen entgegenbringen, worin ein nicht zu unterschätzendes unternehmerisches Risiko für ihn lag. Schließlich konnte er nur mit einiger zeitlicher Verzögerung Kenntnis über falsche Entscheidungen, handwerkliche Fehler und nicht tolerierbares Verhalten dieser Mitarbeiter erlangen.
Ohne Zweifel war Personalauswahl für Jakob Fugger eines der zentralen Elemente für seinen Erfolg. Dass dein zukünftiger Chef und Arbeitgeber dir viele Fragen stellt, ist klar, aber was wären kluge Fragen, die du stellen solltest, bevor du eine neue Stelle antrittst?
22 gute Fragen, die du in einem Job-Interview stellen solltest
Beamen wir uns von Fugger in die heutige Zeit. Dir wurden viele Fragen in deinem Vorstellungsgespräch gestellt. Was du auf keinen Fall verpassen solltest, ist deine Chance, selbst Fragen am Ende des Gesprächs zu stellen. Zum einen kannst du dich durch kluge Fragen weiter beweisen, zum anderen kannst du herausfinden, ob die Stelle wirklich zu dir passt.
Bevor du mit deinen Fragen beginnst, solltest du sicherstellen, dass du, aufbauend auf dem geführten Vorstellungsgespräch, deine wichtigen Botschaften platzieren konntest. Zu viele Bewerber lassen sich führen, das ist okay, aber du musst auch sicherstellen, dass du das gesagt hast, was dir wichtig ist. Du solltest dir also vor dem Vorstellungsgespräch zwei oder drei Botschaften überlegen, die du kommunizieren möchtest. Hattest du im Gespräch die Gelegenheit, das zu tun, bestens. Falls nicht, ergänze sie zum Ende des Vorstellungsgesprächs und dann starte mit deinen ergänzenden Fragen.
Deine Fragen sollten eine natürliche Fortsetzung des geführten Gesprächs sein. Baue also auf euren Gesprächsthemen auf, in dem du Fragen, die ihr besprochen habt, vertiefst. Oder du greifst ein Projekt auf, das im Gespräch erwähnt wurde, und verknüpfst deine ergänzenden Fragen damit. Es deine Chance, wertvolle Informationen zu erhalten. Gerade wenn du gut bist, musst du auch davon ausgehen, dass derjenige der dich gewinnen möchte, insbesondere jene Aspekte betont, die es dir schmackhaft machen dich für die Stelle zu entscheiden, dass er aber andere Aspekte zurückstellt, die es weniger attraktiv für dich machen.
Mache die Fragen konkret und spezifisch für dich und die Situation, in der du auf der neuen Stelle arbeiten wirst. Hier einige kluge Bespielfragen, die du anpassen und am Ende eines Vorstellungsgesprächs stellen kannst:
Fragen zur Aufgabe und Stelle
1. Welche Erwartungen haben Sie in dieser Funktion an mich?
2. Was soll ich im ersten halben Jahr erreicht und gelernt haben?
3. In welchen konkreten Projekten werde ich arbeiten?
4. Was wird die grösste Herausforderung für mich auf der neuen Stelle sein?
5. Was ist mein zentraler Auftrag, mein Assignment, auf dieser Stelle in den nächsten 12 bis 18 Monaten?
6. Welche Ziele verfolgt das Unternehmen und wie trägt Ihr Team dazu bei?
Fragen zum Team
7. Welche Stärken muss ein neuer Mitarbeiter mitbringen, um das bestehende Team, in dem ich arbeiten werde, zu ergänzen?
8. Was können Sie mir über mein künftiges Team sagen, wer ist in diesem Team?
9. Mit wem und mit welchen Abteilungen werde ich am engsten zusammenarbeiten?
10. Was sind die grössten Herausforderungen für das Team, mit dem ich arbeiten werde?
Fragen zur Kultur
11. Anhand welcher Ziele und Ergebnisse wird meine Leistung bewertet?
12. Wie werden neue Mitarbeiter ins Unternehmen eingeführt?
13. Was wird im Unternehmen getan, um Teamkultur und Zusammenhalt zu entwickeln?
14. Wie würden Sie die Kultur und Werte des Unternehmens beschreiben?
15. Was hat sich in den letzten Jahren im Unternehmen verändert?
Fragen zu Lernen und Weiterentwicklung
16. Was sollte ich in den nächsten 12 bis 18 Monaten lernen?
17. Welche Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten habe ich auf dieser Stelle?
18. Wie könnte ein typischer Karriereweg mit dieser Stelle aussehen?
Fragen an den künftigen Chef
19. Was begeistert Sie an diesem Unternehmen?
20. Was begeistert Sie an Ihrer Arbeit?
21. Gibt es etwas, dass ich Ihnen zu meinen Qualifikationen noch erläutern sollte?
22. Haben Sie noch weitere offene Fragen an mich?
Die Chance, am Ende deines Gesprächs für einen neuen Job, Fragen zu stellen, solltest du dir nicht entgehen lassen. Es ist die Gelegenheit, deine künftige Stelle, dein Team und das Unternehmen besser zu verstehen.
Und Unternehmer und Entscheider?
Sie sollten Antworten zu diesen Fragen parat haben. Und zwar echte Antworten, mit denen ein Bewerber eine bessere Entscheidungsgrundlage hat, ob er oder sie wirklich ins Team und zum Unternehmen passt. Kein Bewerber will glattgebügelte Antworten erhalten, die eher einer Marketingbroschüre entspringen als der Realität der Unternehmensumwelt. Um so erfahrener die Bewerber sind, mit denen du sprichst, um so leichter werden sie diese Täuschungsversuche durchschauen. Jemand der 10, 15 oder 20 Jahre Berufserfahrung hat, hat vermutlich auch ein sehr feines Gespür dafür, was echt ist und was nicht. Und es ist nicht in deinem Interesse, jemanden zu gewinnen, der nicht zur Kultur, zu den Möglichkeiten oder den anstehenden Projekten passt. Personalentscheidungen treffen erfolgreiche Unternehmer und Entscheider langsam, gewissenhaft und gründlich. Ansonsten würden sie zehnfach so viel Zeit aufwenden, den Fehler wieder zu bereinigen.
An der Stelle nochmals zu Jakob Fugger: Er musste den Personen vor Ort größtes Vertrauen entgegenbringen, da die von ihm ausgewählten Personen mit einem Höchstmass an Autonomie arbeiten mussten. Das unternehmerische Risiko war für Fugger enorm, da die Informationen nur stark verzögert erhielt und selbst nur sehr schwer eingreifen konnte. Über alle gelieferten Zeugnisse, Referenzen und Antworten hinaus stellt sich dir als Unternehmer oder Entscheider also die Frage: Kann ich der Person vertrauen? Und dir auch als Bewerber stellt sich die Frage: Kann ich der Person vertrauen?
Insights für unternehmerischen Erfolg
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Über den Autor:
Dr. Frank Arnold (geb. 1973) hat umfangreiche Erfahrungen aus über 300 Veränderungsprojekten mit Unternehmen aller Branchen gesammelt. Seit 2009 begleitet er Unternehmen dabei, Strategie- und Transformationsprozesse zu etablieren, in denen die kollektive Intelligenz des Unternehmens optimal genutzt wird. In seinen Leadership Journeys sowie in der von ihm entwickelten FLYWHEEL CONCEPT Methode, www.flywheel-concept.com
, hat er seine Erfahrungen aus Strategie, Transformation und Umsetzungsmanagement zusammengeführt. Die Prozesse und Methoden ermöglichen Unternehmen, ihre strategischen Ziele wirksam und effizient zu erreichen.--> Impuls-Vorträge für Veränderunghttps://frankarnold.com/vortraege/