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Bikle, Arnold (1906-1994)--DB351
Person
Lebensdaten
13.06.1906-18.05.1994
Mädchenname, Herkunftsort bzw. Heimatort
Winterthur
Zivilstand, Konfession, Nachkommen
Verheiratet mit Gertrud Müller; zwei Kinder
Soziale Herkunft, verwandtschaftliche Beziehungen
Sohn eines Kaufmanns und einer Haushaltungslehrerin
Ausbildung, berufliche Tätigkeit und Funktionen in der Öffentlichkeit
Ausbildung
Ing. Agr. ETHZ, 1933-1937; Landwirtschaftliche Schule Strickhof 1924-1926
Berufsausübung
Schweizer Bauer: Fachredaktor 1937-1972 (als Nachfolger von Ryf, Ernst (1903-1964)--DB2999); Berufskalender für den Schweizer Bauern: Redaktor; Gutsbetrieb des Dienstbotenheims Oeschberg-Koppigen: Melker
Funktionen in landwirtschaftlichen Institutionen
Herausgeber der Schriftenreihe "Die praktische Bäuerin"
Funktionen in anderen Institutionen
Ökonomische und gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Bern (OGG): Vizepräsident, Sekretär 1944-1976 (Nachfolger von Hämmerli, Walter (1880-1944)--DB1473 und Vorgänger von Schärer, Walter (1918-1988)--DB3064), Sekretär der Bildungskommission 1939-
Funktionen in der Politik
Einwohnergemeinde Worb: Gemeinderatspräsident 1963-1964
Biographische Skizze
Als Arnold Biklé 1937 Redaktor des OGG-Blattes Der Schweizer Bauer wurde, sorgte der Fachjournalist für frischen Wind. Mit der Schaffung einer Verlagsgesellschaft erfolgte im gleichen Jahr auch eine Ausweitung der Trägerschaft auf die grossen landwirtschaftlichen Verbände im Kanton Bern. Von 1944 bis 1975 diente Biklé der OGG zudem als Sekretär – länger als jeder andere in der 250-jährigen Geschichte der Gesellschaft. Dafür erhielt er 1976 von der OGG die Ehrenmitgliedschaft.
Im Gegensatz zu vielen seiner Studienkollegen fand Arnold Biklé in den von der Weltwirtschaftskrise geprägten 1930er Jahren gleich nach Abschluss seiner Ausbildung als Agronom an der ETH in Zürich eine Stelle, an der er die erworbenen Kenntnisse umsetzen konnte. Für seine Tätigkeit als Redaktor einer landwirtschaftlichen Fachzeitschrift war er gut vorbereitet, hatte er doch schon während seines Studiums regelmässig für die Schweizerische Landwirtschaftliche Zeitschrift, die Grüne, gearbeitet. Das Publikationsorgan des Schweizerischen Landwirtschaftlichen Vereins konzentrierte sich seit der Gründung 1873 auf Fachthemen und war auf eine Leserschaft in der gesamten Deutschschweiz ausgerichtet. Im Schweizer Bauer hingegen beanspruchte auch die Berichterstattung über wirtschafts- und standespolitische Themen seit dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts einen wichtigen Platz.
Gegründet worden war das Organ der OGG 1846 als Wochenblatt für Landwirthschaft und Gartenbau; 1849 erfolgte die Umbenennung in Bernische Blätter für Landwirthschaft, Wald- und Gartenbau, die ab 1857 ohne den Zusatz Wald- und Gartenbau erschienen. Der 1896 neu gewählte Titel Schweizer Bauer sollte deutlich machen, dass die Ausweitung des Themenfächers auch vom Anspruch begleitet war, den Leserkreis geografisch zu erweitern. Schon Mitte der 1880er-Jahre hatten der Landwirtschaftliche Verein des Kantons Solothurn und der Ökonomische Verein des freiburgischen Sensebezirks die Blätter als Mitteilungsorgan bestimmt.
Nach dem Ersten Weltkrieg übertrug die OGG die Herausgabe des Schweizer Bauers gegen eine jährliche Entschädigung der Verbandsdruckerei Bern, dem 1920 von den grossen landwirtschaftlichen Organisationen im Kanton gegründeten Verlags- und Druckereiunternehmen. Aus dem potenziellen Zugewinn an Leserschaft wurde aber nichts; denn durch die Gründung der ebenfalls von der Verbandsdruckerei herausgegebenen Neuen Berner Zeitung, dem offiziellen Publikationsorgan der 1917/18 gegründeten Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB), kam der Schweizer Bauer auf dem Land unter zusätzlichen Druck, ohne dass sich die Neue Berner Zeitung wirklich durchsetzen konnte. Die Verbandsdruckerei versuchte mit einem Ausbau des landwirtschaftlichen Fachteils die Position des Schweizer Bauers zu stärken. Namhafte Agronomen wie Hans Stähli, Walter Pauli und Ernst Ryf prägten den Fachteil bis 1935, während der allgemein politische und literarische Teil bis 1931 vom ehemaligen Lehrer Jakob Stalder, danach vom Ökonomen und Kunsthistoriker Werner Augsburger redigiert wurde.
Mitte der 1930er-Jahre war Augsburger eine Zeit lang Alleinredaktor. Das verringerte zwar die Kosten, war aber der Qualität der Zeitung nicht zuträglich, die schon in den frühen 1930er-Jahren einen massiven Rückgang an Einnahmen aus dem Inserateverkauf zu verkraften hatte. Als nun auch noch die Zahl der Abonnenten zurückging und 1936 mit der Gründung des Jungbauers, dem Sprachrohr der nun dissidenten Jungbauernbewegung, ein weiteres Konkurrenzorgan auf den bernischen Medienmarkt drängte, spitzte sich die finanzielle Lage zu. Die Verbandsdruckerei war nicht mehr in der Lage, das wachsende Defizit allein zu tragen, und suchte zusammen mit der OGG-Direktion nach Lösungen. Man war sich rasch einig, dass in erster Linie der Fachteil ausgebaut werden sollte. Dazu brauchte es wieder einen qualifizierten Fachredaktor. Denn in der Grünen, die seit 1930 ebenfalls von der Verbandsdruckerei produziert wurde, schrieben regelmässig schweizweit bekannte Agronomen wie Friedrich Traugott Wahlen, Oskar Howald oder Albert Volkart.
Im Herbst 1936 zum ersten Mal als neuer Fachredaktor innerhalb der OGG erwähnt, wurde Arnold Biklé, der schon vorher provisorisch für den Schweizer Bauer tätig gewesen war, 1937 als neuer Redaktor angestellt. Zum Ausbau des Fachteils kam die Ausweitung der Herausgeberschaft des OGG-Organs, das schon am Ende des 19. Jahrhunderts zum Mitteilungsorgan der grossen landwirtschaftlichen Organisationen im Kanton Bern geworden war. Die OGG-Direktion strebte die Gründung einer «Verlagsgesellschaft» an, die «aus den grossen Verbänden» bestehen sollte und in der die OGG entsprechend ihrer Bedeutung vertreten sein sollte. Dieser Vorschlag stiess bei den Angesprochenen auf Zustimmung und am 24. November 1936 stimmten die landwirtschaftlichen Kantonalverbände dem Projekt zu. Das Ziel war, die Auflage auf 20'000 Exemplare zu erhöhen. Die Summe, die zugeschossen werden musste, schätzte man auf 30’000 bis 40’000 Franken. An der Gründungsversammlung der Verlagsgesellschaft am 8. Dezember wurde beschlossen, dass ab dem 1. Januar 1937 die Verlagsgesellschaft, rechtlich eine Genossenschaft, den Schweizer Bauer herausgeben sollte. Die neue Herausgeberschaft änderte den seit 1896 geltenden Untertitel Bernische Blätter für Landwirthschaft in Zeitung für das Landvolk um – und deutete damit zumindest implizit den Anspruch an, künftig über das Bernbiet hinaus tätig sein zu wollen. Doch die Berichterstattung im Schweizer Bauer blieb weit über die Pensionierung Biklés 1972 hinaus weitgehend auf den Kanton Bern und die benachbarten Gebiete beschränkt.
Mit Biklés Eintritt in die Redaktion erfolgte eine inhaltliche und umfangmässige Ausdehnung der Berichterstattung, obwohl in der Kriegszeit auch für den Schweizer Bauer das Papier rationiert war. Die Zahl der Artikel stieg von 1300 im ersten Jahr von Biklés Tätigkeit auf fast 2000 im Jahr 1941; im Durchschnitt der Jahre 1937–1945 erschienen gut 1600 Artikel. Neben dem Fachteil wurde erneut auch die Berichterstattung über die Wirtschafts- und Agrarpolitik ausgebaut. Auch der Verband Bernischer Landfrauenvereine (VBL) verfügte seit den 1930er-Jahren über eine eigene, wöchentlich erscheinende und während Jahrzehnten von Erika Siegenthaler bestrittene Seite der Landfrau.
Nicht nur die Zahl der Artikel nahm zu, auch die Qualität des Drucks und die Beilagen machten den Schweizer Bauer ab den 1940er-Jahren für die Leserschaft wieder attraktiver. Neben dem seit 1905 dank einem Legat von Elise Affolter erscheinenden Sonntagsblatt war es die seit 1943 der Freitagsausgabe beigelegte illustrierte Tiefdruckbeilage, die das starke Wachstum der Abonnentenzahl in den 1940er-Jahren beförderte. Biklé hatte nun die Möglichkeit, Vorschauen auf und Berichterstattungen über landwirtschaftliche Veranstaltungen mit Lageplänen und Bildern von Traktoren, Tieren und Menschen zu illustrieren. Die Beilage war sogar nach heutigen Massstäben ausgesprochen reichhaltig illustriert. In der bilderarmen Kriegs- und Nachkriegszeit trug sie nicht wenig dazu bei, dass der Schweizer Bauer in vielen bäuerlichen Haushalten im Kanton Bern lange Zeit die wichtigste, wenn nicht gar die einzige regelmässig gelesene Zeitung blieb.
Biklé diente dem Schweizer Bauer bis zu seiner Pensionierung 1972. 'Ein Vergleich unserer Fachteile von 1937 und 1972' verdeutliche die in dieser 'kurzen Epoche auf fast allen landwirtschaftlichen Gebieten eingetretenen Änderungen', schrieb er bei seinem Abschied. Die Verlagsgesellschaft wurde 1959 wieder aufgelöst und durch eine Redaktionskommission ersetzt, in der die landwirtschaftlichen Verbände weiterhin vertreten waren. Im Jahr 1991 wurden sie ganz von Bord geschickt. Seither trägt der Schweizer Bauer den Untertitel Die unabhängige Zeitung für die Landwirtschaft und konzentriert sich auf die agrartechnische und -politische Fachberichterstattung.
Autoren: Samuel Krähenbühl, Peter Moser
Quellen und Literatur
Eigene Publikationen
- Bikle, Arnold 1946: Der Schweizer Bauer 1846-1946, in: 100 Jahre Schweizer Bauer, S. 29-50
- Agrarpolitische Revue August 1948, S. 464-471 ("Neue Wege der bäuerlichen Berufs- und Geistesbildung")
Quellen
- AfA Personendossier Nr. 441
- Tätigkeitsbericht OGG 1976, S. 10
- Tätigkeitsbericht OGG 1972, S. 7
- Samuel Krähenbühl, Arnold Biklé - ein Leben für den "Schweizer Bauer" , in: Kartoffeln, Klee und kluge Köpfe. Die Oekonomische und Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Bern OGG (1759-2009). Herausgegeben von Martin Stuber, Peter Moser, Gerrendina Gerber-Visser und Christian Pfister, unter Mitarbeit von Dominic Bütschi, Bern-Stuttgart-Wien 2009, S. 199-203