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Das globale Wettergeschehen ist längst nicht so chaotisch, wie es oft den Anschein macht. Manche erinnern sich noch an den Geographieunterricht, wo ihnen Bilder der globalen atmosphärischen Zirkulation gezeigt wurden, die an eine regelmässig drehende Rührmaschine erinnern. Angetrieben wird darin die Luftzirkulation von der im Tropengürtel aufsteigenden Warmluft und dabei entstehenden Tiefdruckgebieten. Die aufgestiegene Warmluft wird von der Erdrotation abgelenkt und sinkt in den sogenannten Rossbreiten in Form trockener Fallwinde (Passat) wieder zu Boden. Diese Dynamik soll auch das Wetter im Westwindband höherer Breiten bis hinauf zur Arktis stark beeinflussen. So behauptet es jedenfalls ein Erklärungsansatz, der schon in der Vorkriegszeit zum Dogma wurde.
Der französische Meteorologe Marcel Leroux hat den grössten Teil seines wissenschaftlichen Werdegangs im tropischen Afrika absolviert, also genau dort, wo der Motor der globalen Zirkulation vermutet wurde. Bei der über zehnjährigen zähen Arbeit an einem erstmals 1983 von der World Meteorological Organisation (WMO) in Genf veröffentlichten und 2001 neu aufgelegten zweibändigen Wetter- und Klimaatlas Afrikas, für den er alle bis dahin verfügbaren Wetterdaten zusammentrug, fiel Leroux jedoch auf, dass die Dynamik des tropischen Wettergeschehens, je nach Jahreszeit, deutlich von Vorgängen am Nord- oder Südpol geprägt wird. Und zwar gelingt es starken, von den Polen Richtung Äquator wandernden Hochdruckgebieten immer öfter, das Tiefdruckband des meteorologischen Äquators zu verschieben. Das hat dramatische Auswirkungen auf das Wetter. Leroux deutet unter anderem die Trockenheit in der Sahel-Zone und die El-Niño-Anomalie vor der südamerikanischen Pazifikküste als Folgen von Einbuchtungen im meteorologischen Äquator.
Als Professor für Klimatologie an der Universität Jean Moulin in Lyon ging Leroux dieser Entdeckung nach, indem er eine Vielzahl von Satellitenphotos auswertete. Diese zeigen in Form charakteristischer Wolkenbilder ganz klar, was sich abspielt: seit den 70er Jahren lösen sich von den Polregionen vermehrt flache Kaltluftlinsen mit hohem Druck, die auf charakteristischen Bahnen Richtung Äquator ziehen, da sie Gebirgszüge nicht überqueren können, die höher sind als tausend Meter. Dabei verdrängen sie wärmere Luftmassen, deren Aufsteigen zu sekundären Depressionen mit Gewittern und Wirbelstürmen führen kann. Kurz: nicht Tiefs und Warmluft, sondern durch das thermische Defizit an den Polen erzeugte Hochs erscheinen als die eigentlichen Motoren der globalen Luftzirkulation. Leroux hat dafür den Begriff «Mobile Polar High (MPH)» geprägt. Die von ihm als Beleg angeführten Satellitenbilder bestätigen die alte Erkenntnis, dass Europas «Wetterküche» im Norden und nicht im Süden liegt.
Der inzwischen pensionierte Klimatologe wirft seinen Zunftkollegen in einer 2005 im renommierten Springer Verlag erschienen grundlegenden Auseinandersetzung mit der These von der «Globalen Erwärmung» vor, seit über einem halben Jahrhundert theoretisch auf der Stelle zu treten und die seit rund drei Jahrzehnten verfügbaren Aufnahmen von Wettersatelliten nicht als Chance genutzt zu haben, überkommene Vorstellungen von den Triebkräften des Wettergeschehens kritisch in Frage zu stellen.
Die nach dem Ende des Kalten Krieges freigegebenen Wetterdaten vom Nordpol zeigen, dass die Luft in den letzten Jahrzehnten auf der europäischen Seite der Arktis und über Alaska vor allem in mittlerer Höhe im Schnitt etwas wärmer geworden ist, was zum Schmelzen des Packeises führen kann, während die Temperatur der niederen Luftschichten über Sibirien und Ostkanada immer tiefer sank. Dort entstehen die meisten MPHs. Für Leroux ist diese Temperaturentwicklung und die eindeutig belegte Häufung von MPHs seit den 70er Jahren, die an vielen Wetterstationen, ganz im Widerspruch zur Erwärmungsthese, den durchschnittlich gemessenen Luftdruck ansteigen lässt, ein unübersehbares Vorzeichen einer bevorstehenden nächsten Eiszeit.
Jedenfalls hat die vom zwischenstaatlichen Klimarat IPCC in den Vordergrund gerückte Kurve ansteigender Temperaturmittelwerte für Leroux keinerlei Aussagekraft. Die aus den Messungen einer Vielzahl mehr oder weniger repräsentativer Wetterstationen errechneten Mittelwerte verbergen gegenläufige Temperaturtrends in verschiedenen Teilen der Welt. Satellitenmessungen der Lufttemperatur haben in den letzten Jahrzehnten keine nennenswerte Veränderung des Mittelwertes ausmachen können. Für geradezu abenteuerlich hält Leroux die inzwischen durch UN-Verträge zur Staatsreligion erhobene These, es gebe einen engen Zusammenhang zwischen der (konstruierten!) Kurve der globalen Durchschnittstemperatur und dem Anstieg der atmosphärischen Konzentration des «Treibhausgases» CO2.
Denn «Treibhausgase» (wie vor allem Wasserdampf und in geringerem Ausmass CO2) kühlen in Wirklichkeit die Erde und ihre Atmosphäre ab. Leroux beruft sich mit dieser These auf seinen Kollegen Yves Lenoir, der an der altehrwürdigen Pariser Elite-Ingenieurschule Ecole des Mines lehrt. Lenoir hat vorgerechnet, dass die Erdoberfläche auf der Sonnenseite ohne «Treibhausgase» mindestens dreimal wärmer würde. Beim Transport der Wärme vom aufgeheizten Boden in die Atmosphäre und von dort in den Weltraum spielt die Konvektion des Wasserdampfes übrigens eine weitaus grössere Rolle als die Strahlung. «Treibhausgase» könnten die Atmosphäre nur dann aufwärmen, wenn es wie in einem richtigen Gewächshaus eine Scheibe gäbe, die die warme Luft am Aufsteigen hindert. Die gängige Treibhaushypothese stellt demgegenüber die Verhältnisse auf den Kopf, indem sie behauptet, der Erdboden werde durch «Rückstrahlung» aus der Atmosphäre erwärmt. Diese «Rückstrahlung» halten Lenoir und Leroux für ein pures Phantasieprodukt.
Worin sich die Erde von ihrem Trabanten, dem Mond, unterscheidet, erklärt der Wiesbadener Chemiker Heinz Hug in seiner kürzlich erschienen polemisch-humoristischen Auseinandersetzung mit dem Hexenwahn der «Ökoscholastik». Wie Leroux betont auch Hug, dass die Erde vor allem ein «Wasserplanet» sei. Die Ozeane bedecken über 70 Prozent der Erdoberfläche und empfangen deshalb den allergrössten Teil der in Form von Infrarotstrahlen zur Erde gelangenden Sonnenenergie – und zwar bis zu 470 Watt je Quadratmeter. Hug rechnet vor, dass eine knapp 10 Zentimeter dicke Ozeanschicht bereits so viel Energie speichert, wie dem gesamten «Treibhauseffekt» nach IPCC-Lesart zugeschrieben wird. Dass es nachts auf der Erde nicht so kalt wird wie auf der Rückseite des wasserlosen Mondes, hängt neben der viel rascheren Erddrehung vor allem an dem im Ozean gespeicherten riesigen Energievorrat, den Hug auf 1,57 mal 10 hoch 18 Megajoule veranschlagt.
In den letzten drei Jahren ist die mittlere Oberflächentemperatur der Ozeane übrigens gesunken. Das haben John M. Lyman und seine Mitarbeiter von der US-Wetterbeobachtungsbehörde NOAA kürzlich in den «Geophysical Newsletters», dem Organ der American Geophysical Union, berichtet. Das könnte sowohl mit dem kühlenden Effekt des von Menschen verursachten Anstiegs der CO2-Konzentration in der Atmosphäre als auch mit dem verstärkten Zustrom polarer Kaltluft zusammenhängen. An der Sonneneinstrahlung wird es hingegen höchstwahrscheinlich nicht liegen, denn diese ist in den letzten Jahrzehnten deutlich stärker geworden. Für die nahe Zukunft erwarten russische und amerikanische Astronomen und Astrophysiker jedoch eine Abnahme der Sonnenfleckenzahl und eine damit einhergehende Abschwächung des solaren Magnetfeldes, das die Erde vor kosmischer Strahlung abschirmt. Da die kosmischen Partikel bzw. die von ihnen beim Eintritt in die Erdatmosphäre erzeugten freien Elektronen nach einer inzwischen experimentell bestätigten Hypothese der dänischen Atmosphären-Physiker Henrik Svensmark und Eigil Friis-Christen die Zusammenlagerung von Kondensationskeimen der Wolkenbildung (feinste Tröpfchen von Schwefelsäure und Wasser) begünstigen, wird das zu einer Abkühlung der Erde führen. Die russische Akademie der Wissenschaften erwartet, dass es auf der Erde schon ab 2012 spürbar kühler wird.
Kein Zweifel – das Klima, das Politiker aller Schattierungen retten wollen, existiert nur im Computer. Statt eines «globalen Klimas», das niemand definieren kann, gibt es auf unserem Planeten, wie Leroux mit Hilfe von Satellitenbildern demonstriert, in Wirklichkeit sechs relativ selbständige aerologische Zirkulationseinheiten, drei auf jeder Hemisphäre. Doch diese kommen in den gängigen Klimamodellen ebensowenig vor wie MPHs. Überhaupt, so kritisieren Leroux und Hug, sind die numerischen Computermodelle, die den IPCC-Berichten mit ihren angstmachenden Überhitzungs-Projektionen zugrunde liegen, weitgehend frei von meteorologischem Sachverstand. An die Stelle optisch und experimentell überprüfbarer physischer Zusammenhänge treten bei ihnen Korrelationen zwischen statistischen Mittelwerten. Diese erlauben es jedoch nicht, Ursache und Wirkung eines Prozesses auseinanderzuhalten, solange es keine schlüssige Theorie über physische Zusammenhänge gibt. Leroux: «Ein Marsmensch, der zum ersten Mal ins Innere eines Autos blickt, könnte leicht auf die Idee kommen, dieses werde vom Kühlerpropeller angetrieben.»
So zitiert Leroux eine lange Liste von Beispielen, in denen aus seiner Sicht meteorologisch unbedarfte Computerspieler den Schwanz mit dem Hund wedeln lassen. Da trieben etwa Meeresströmungen Winde an, obwohl es sich tatsächlich umgekehrt verhalte. Er schreibt, dass es nur wegen dieser Verwechslung von Ursache und Wirkung zur gewagten Behauptung komme, dass der Golfstrom, der vom Südwestwind angetrieben wird, infolge des Einströmens von süssem Schmelzwasser in die Grönlandsee versiegen und es zur schlagartigen Vereisung des Nordatlantiks kommen könne. Diese von Stefan Rahmstorf am Potsdam–Institut für Klimafolgenforschung aufgestellte These liegt dem Szenario eines bekannten Horrorfilms aus Hollywood zugrunde.
Demgegenüber hat Leroux’ Ansatz, der im Detail sicher noch verbesserungsfähig ist, den Vorteil, die seit den 70er Jahren ohne Zweifel wachsende Zahl von Wetterextremen nachprüfbar erklären zu können. Die Auseinandersetzung zwischen den sehr unterschiedlichen Ansätzen zur Erklärung von Wetter und Klima ist viel mehr als ein akademischer Streit. Es geht um Hunderte von Milliarden Dollar, die die Unterzeichner des Kyoto-Protokolls ausgeben wollen, um ein Phantom zu bekämpfen, sowie um eine grosse Zahl von falschen An- und Abreizen, die die globale ökonomische und ökologische Entwicklung hemmen und in falsche Bahnen lenken.
besprochen von EDGAR GÄRTNER, freiem Wissenschaftsjournalisten in Frankfurt am Main.