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Projektive synthetische Geometrie in Lady Frieda Harris Tarotgemälden und in Aleister Crowleys Buch des Gesetzes.
Claas Hoffmann
Im Jahre 1904 schrieb der englische Magier Aleister Crowley das Buch des Gesetzes. Es wurde ihm von einer außerirdischen Intelligenz die sich selbst Aiwass nannte, diktiert. Das Buch besteht aus drei Kapiteln die in Kairo am 8., 9. und 10. April jeweils in der Mittagsstunde niedergeschrieben wurden.
33 Jahre später traf Crowley die Malerin Lady Frieda Harris. Er hatte beschlossen ein neues Tarot-Deck zu erschaffen und bat Harris, die Karten nach seinen Ideen bzw. unter seiner Anweisung zu malen. Harris willigte ein, wurde Mitglied des O.T.O. und sie begannen zusammen zu arbeiten. Viele der Karten mußte Harris mehrmals malen, bis Crowley zufrieden war. Die Entwürfe befinden sich heute in privater Hand, während die Originalgemälde dieses Tarots im Warburg Institut in London, einem Teil der Universitätsbibliothek, sind.
Die Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg wurde 1903 vom Jüdischen Bankierssohn Aby Warburg in Hamburg gegründet. Als die Institution 30 Jahre später, zu Beginn der Nazizeit, mit ihrem gesamten Bestand (80'000 Bände) nach London übersiedelte, entstand aus der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek das Warburg Institut. Wärend verschiedener Reisen nach England erhielt ich die Gelegenheit, die Original Tarotgemälde zu studieren. Auch bekam ich die Möglichkeit, die im Privatbesitz befindlichen unveröffentlichte Harris-Tarotgemälde zu sehen. Lady Frieda Harris malte weit mehr Tarot-Bilder als die veröffentlichten. Insgesamt arbeitete sie 5 Jahre lang an den Gemälden.
Am Ende seines Lebens schrieb Crowley ein Buch über diesen neuen Tarot, welches er Das Buch Thoth nannte. Zum Tarottrumpf Das Aeon schreibt Crowley im Buch Thoth:
> Dieser neue Tarot kann darum als eine Reihe von Illustrationen zum Buch des Gesetzes betrachtet werden; die Lehre dieses Buches ist überall mit inbegriffen.<
Wenn man die Tarotkarten ausschneidet, also ihren Rahmen entfernt, lassen sich viele Karten, besonders die Trümpfe, sehr harmonisch miteinander verbinden. Warum ist dies der Fall?
Crowley schreibt im Buch Thoth, die Harmonie der Tarotkarten untereinander sei ein Beweis für die Richtigkeit der Symbol- und Farbzuordnungen der heiligen Kabballa, auf deren Grundlage dieser Tarot erschaffen wurde. In vielen Collagen wird aber eine Verbindung der Karten untereinander hergestellt, die nicht durch ihre Bedeutung, ihre Farben oder Symbole entsteht, sondern durch ihre Geometrie. Welche Geometrie benutzte Harris, durch die diese Verbindungen möglich wurden?
Die verwendete Geometrie ist die Weiterentwicklung der starren euklidischen Geometrie. Den Beginn dieser Weiterentwicklung machte der Mathematiker Deskartes schon im 16. Jahrhundert. Sie wird Projektive synthetische Geometrie genannt, und wurde von Mathematikern und Wissenschaftlern aus vielen europäischen Ländern entwickelt. Viele von Deskartes Gedanken haben einen ebenso mystischen wie mathematischen Charakter, z.B. seine Idee, parallele Linien würden sich an einem Punkt in der Unendlichkeit treffen. Die Enden von parallelen Linien liegen in zwei entgegengesetzten Richtungen, aber die Idee vom Punkt in der Unendlichkeit ist, daß der Punkt, unendlich entfernt in der einen Richtung, der gleiche ist, wie jener, unendlich entfernt in der entgegengesetzten Richtung.
Dieser Schritt in der Entwicklung der Projektiven Geometrie, der auf der Idee von Elementen in der Unendlichkeit beruhte, brachte Bewegung und Perspektive in den euklidischen Gedanken von starren, festen Formen. In den folgenden Jahrhunderten wurde der nächste Schritt auf der Basis der Idee der Polarität (Zentrum und Peripherie) genommen; in anderen Worten, der Begriff einer Polarität zwischen einem zentralen Punkt und einer Fläche in der Unendlichkeit.
Dieser Gedanke hat dann die Konsequenz, daß jeder Punkt in jedem denkbaren Raum dieselbe Entfernung zu einer Fläche in der Unendlichkeit hat.
Der nächste Schritt, welcher im 20. Jahrhundert genommen wurde, besteht aus dem Gedanken eines Raumes, der Polar oder Gegensätzlich zu unserem dreidimensionalen Erdenraum ist. Kann man seine Gedanken von einer Fläche in der Unendlichkeit in ein unendliches Zentrum bewegen? ...
Wie kam nun Frieda Harris in Berührung mit den Gedankeninhalten der Projektiven Geometrie und ihrer praktischen, zeichnerischen Umsetzung?
Drei Menschen, deren spiritueller Weg ein anderer war als jener, den Crowley ging, waren hierfür wichtig: Rudolf Steiner, George Adams und Olive Whicher.
Rudolf Steiner ist der Begründer der Anthroposophie aus der sich unter anderem die Waldorfschulen, die Eurythmie und die biodynamische Landwirtschaft entwickelten.
George Adams war einer jener Menschen, die halfen, die Anthroposophie nach England zu bringen. Er hatte durch eine Reise nach Dornach Rudolf Steiner persönlich kennengelernt und gehörte gleichzeitig zu einer Gruppe von Wissenschaftlern, die an der Weiterentwicklung der Projektiven Geometrie arbeiteten. Sie arbeiteten an dem Gedanken eines Raumes, dessen Zentrum die Unendlichkeit ist.
Rudolf Steiner erkannte, daß der Mensch in seinen Gedanken die Idee der Unendlichkeit in einem Zentrum genauso benötigt, wie die Unendlichkeit in der Peripherie. Die Menschheit braucht den Gedanken einer Unendlichkeit in einem Zentrum, um ihr seelisches und emotionales Gleichgewicht zu finden, und um sich spirituell weiter entwickeln zu können. Steiner selbst nahm Unendlichkeit in einem Zentrum in der Sonne wahr. Das heißt, in der Sonne befindet sich Unendlichkeit, oder, vielleicht besser gesagt, unendliches Nichts.
Olive Whicher versuchte geduldig, mir die Prinzipien der Projektiven Geometrie verständlich zu machen. Sie schrieb und veröffentlichte zusammen mit George Adams Bücher über die Projektive Geometrie und arbeitete nach Adams Tode bis heute weiter als Schriftstellerin, Anthroposophische Forscherin und Lehrerin. Ihre zur Zeit letzte große Veröffentlichung ist das Buch Sonnenraum, in dem sie ihre mathematischen Forschungen besonders durch die geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse Rudolf Steiners erläutert. Sie unterrichtet im Emerson College, einer Rudolf Steiner Schule in Forest Row in Süd England.
Im März 1935 "traf" sie die Anthroposophie in London und somit kurze Zeit später auch George Adams. Adams unterrichtete im Rudolf Steiner House Projektive Geometrie. Whicher besuchte Adams Vorlesungen und begann bald, mit ihm zusammen zu arbeiten. Adams und Whicher gaben Kurse in Projektiver Geometrie, als Frieda Harris das Rudolf Steiner House besuchte.
Dies geschah wärend Harris begann an den Crowley-Tarotgemälden zu arbeiten, vermutlich im Jahre 1937, denn von dieser Zeit an gibt es Einträge in Crowleys Tagebüchern über seine Arbeit mit Harris.
Harris nahm Kurse in Projektiver Geometrie und freundete sich mit Whicher und Adams an. George Adams nannte Harris Diana, denn er fand, daß dieser Name wesentlich besser zu ihr passe als Frieda. Eine Darstellung der Göttin Diana ist auf dem Tarot-Trumpf Kunst zu finden. Frieda erzählte George und Olive manchmal von ihrer Arbeit mit Crowley, und daß sie das in den Kursen gelernte in ihrer Gestaltung der Tarotbilder verwende. Wann immer Whicher mir von Harris erzählte, sprach sie davon, was für eine besondere und freundliche Person sie gewesen ist.
Das Treffen mit Harris gab auch Adams und Whicher ganz praktische Impulse in ihrer eigenen zeichnerischen Arbeit. Harris schlug ihnen vor, sehr harte Farbstifte zusammen mit sehr weichen Pastellfarben für ihre Arbeit mit Pflanzenbildern zu benutzen. Einige dieser Pflanzenbilder an denen Adams und Whicher arbeiteten, hängen noch heute im Rudolf Steiner House in London. An diesen Pflanzenbildern arbeiteten sie, um die Gedanken der Projektiven Geometrie in der für uns sichtbaren, bekannten Welt zu zeigen. Auch wollten sie Goethes naturwissenschaftliche Ideen in ihre Arbeit einbeziehen. Für mich ist der wesentliche Inhalt der Goetheanischen Forschung ein Auflehnen gegen den Irrtum, man könne etwas Lebendiges auf die gleiche Art und Weise analysieren und verstehen wie etwas Totes. Man kann aber nicht dazu gelangen einen Baum zu verstehen, in dem man ihn genauso auseinandernimmt und analysiert wie ein Auto.
Goethes Idee von sich verändernden Formen in der Pflanzenwelt bezogen Adams und Whicher auf ihr Verständnis eines ständigen Prozesses zwischen Raum und Gegenraum, wobei der Gegenraum besser mit dem Wort Sonnenraum beschrieben ist, denn er ist die Quelle jener Kräfte, welche das Leben auf der Erde möglich machen. Daß diese Kraft in der Pflanze für jeden Menschen sichtbar ist, erkannte Adams an einem Frühlingstag 1947 zusammen mit Olive im Regents Park, (der nur eine Minute vom Rudolf Steiner House entfernt liegt), als sie an knospenden Hecken vorbei gingen, Adams plötzlich stehenblieb, und Olive zurief (ich zitiere aus Whichers Buch George Adams):
>"Ja natürlich! Das IST ein ätherischer Raum!"
Und dann beschrieb er in geometrischen Begriffen, wie der keimende Trieb - die zusammengeschlossene Gruppe von kleinflächigen Blättern oder ein einzelnes Blatt, wie es konisch aus dem Wachstumspunkt heraustritt und mit dem größerwerden immer mehr von seiner Vitalität verliert - tatsächlich in der lebenden Substanz eine physische Manifestation eines ätherischen Raumes. Dieser Wachstumsprozeß findet statt in einem ätherischen Raum, eben in dem Raume und mit den Kräften des "Wachstums-Punktes", welcher eine Unendlichkeit im Innern enthält. So ein "Punkt" wie ein Samen oder ein keimender Embryo ist physisch klein, aber ätherisch groß! Es war eine exakte Analogie zu dem aus der höheren Mathematik gewonnenen Begriff.<
Auch im Buch des Gesetzes wird deutlich der unendlich kleine Punkt, der Lebenskraft aus der Unendlichkeit enthält, hervorgehoben. Das Buch bezeichnet diesen Punkt als Hadit. Hadit beschreibt sich im Buch des Gesetzes folgendermaßen:
>Ich bin nicht ausgedehnt< und:
>Ich bin die Flamme, die in jedem Menschenherzen brennt und im Kern jedes Sterns. Ich bin Leben und Lebensgeber; aber darum ist das Wissen um mich das Wissen um den Tod.<
Die drei Kapitel des Buch des Gesetzes beziehen sich auf die drei ägyptischen Götter Nuit, Hadit und Horus.
Had oder Hadit steht für das innerste Zentrum eines jeden Menschen. Er ist jener Funke Licht, welcher den Tod überdauert und wiedergeboren wird. Hadit ist nicht ausgedehnt. Der Raum, in dem er sich befindet, ist von der Qualität des Sonnenraumes.
Nu oder Nuit ist die Göttin des Himmels. Sie ist der Sternenhimmel und umschließt alles, was uns umgibt.
Hoor oder Horus ist das Kind von Nuit und Hadit. Er ist das Ergebnis der Interaktion zwischen der Unendlichkeit in einem Zentrum und der Unendlchkeit in der Peripherie.
Das zweite Kapitel des Buch des Gesetzes beginnt mit den folgenden Versen:
1. Nu! das Verbergen von Hadit.
2. Kommt! Ihr alle, und lernt das Geheimnis, daß bis jetzt noch nicht entschleiert worden ist. Ich, Hadit bin das Komplement von Nu, meiner Braut. Ich bin nicht ausgedehnt, und Khabs ist der Name meines Hauses.
3. Im Raum bin ich überall das Zentrum, wie sie, der Umfang, nirgendwo gefunden wird.
4. Doch sie soll erkannt werden und ich niemals.
In diesen Versen findet sich ein direkter Bezug zu den Gedankeninhalten der Projektiven Geometrie und zum Konzept des Sonnenraumes. Ein Zitat aus Adams Aufsatz Die Weltenkräfte des Umkreises und die Pflanze wird dieses verdeutlichen:
>Wir sollen möglichst anschaulich den Begriff bilden können von realen Bilderkräften, welche wie flächenhaft von allen Seiten des Weltalls heranschweben, statt wie die irdisch gearteten Kräfte von punktuellen Zentren pfeilartig nach außen zu schießen. Also gewinnen wir in wissenschaftlich exakter Weise den Begriff von Kräften, die keinen Mittelpunkt, sondern einen Umkreis haben ...<
Auch in unseren Sinnesorganen können wir eine Analogie zum Sonnenraum finden: Wenn wir in die Ferne sehen, erscheinen die Dinge je kleiner, je weiter sie von uns entfernt sind. Es ist mir nicht möglich, klar zu beschreiben, auf welche Art und Weise meine Augen mit meiner Seele im Sonnenraum verbunden sind, aber ich erkenne, daß die Gesetze der Optik mit den Gesetzen des Sonnenraumes übereinstimmen: Je näher die sichtbaren Dinge meinem Zentrum kommen, desto größer werden sie, je näher die Dinge zum Zentrum meiner Wahrnehmung, also zu meiner Seele im Sonnenraum kommen, desto mehr Platz ist für sie vorhanden.
Bezugnehmend auf das Konzept des Sonnenraumes möchte ich auch die folgenden Verse des ersten Kapitels aus dem Buch des Gesetzes erörtern:
6. Sei du Hadit, meine geheime Mitte, mein Herz und meine Zunge!
7. Siehe! es wird von Aiwass, dem Priester von Hoor-paar-kraat offenbart.
8. Das Khabs ist in dem Khu, nicht das Khu in dem Khabs.
9. Verehret darum das Khabs und sehet mein Licht über euch ausgegossen.
Aiwass ist der Gesandte des passiven, introvertierten Teils von Horus. Seine Natur entspricht der Sonne. Hadit befindet sich vollkommen im Sonnen- bzw. Gegenraum; ebenso das Khabs, das Haus in dem Hadit wohnt. Die Verbindung zwischen unserer Seele und unserem Körper besteht in dem Khu. Das Khu ist unser Licht- bzw. Astralkörper. Steiner schreibt in Die Geheimwissenschaft im Umriss, daß sich im Astralkörper all unsere Gefühle und Leidenschaften befinden. In der Geheimwissenschaft schreibt Steiner im weiteren, daß dieser Astralkörper in uns einen weiteren Körper durchdringt, jenen Körper, der unseren physischen Leib belebt. Der Astralkörper, das Khu, durchdringt also den Lebenskörper, der wiederum unseren physischen Leib durchdringt. Dieser Lebenskörper besteht in einem Wechselspiel zwischen Raum und Gegenraum. Er ist abwechselnd materiell und nicht-materiell. Da das Khu den Lebenskörper durchdringt und dieser aus einem Wechselspiel von Materiellem und Nicht-materiellem besteht, ist das Khu immer noch direkt mit unserem fleischlichen Körper verbunden und durch unseren fleischlichen Körper beeinflußbar. Das Khu hat sogar soweit Anteil an der Natur des Materiellen, daß es vergänglich ist. Nicht aber das Haus der Seele und die Seele selbst. Das Haus Khabs und sein Bewohner Hadit sind unvergänglich. Mit der Aufforderung >verehret das Khabs< verlangt Aiwass, das Ewige und somit unser Innerstes zu verehren, und zu den Dingen um uns herum rechnet er nicht nur unseren grobstofflichen, sondern auch unseren feinstofflichen Körper.
Die hier beschriebenen Raum- und Zeitstrukturen zielen alle im Kern auf unser Innerstes und Heiligstes und verfolgen letztendlich nur ein einziges Ziel: Sie sollen jedem Menschen helfen, seinen freien Willen zu verwirklichen. Dieser freie Wille entspringt der spirituellen Welt: Unserem höheren Selbst, unserer Seele.
Nachtrag 10. Oktober 1999
Seit dem 18.9.1999 besuche ich wieder das Emerson College und habe die Möglichkeit, mich mit Frau Whicher zu unterhalten.
Im März 2000 wird Olive 90 Jahre alt, falls dies ihre Gesundheit zulässt. Sie hat starke Gedächtnisprobleme und erkannte mich zunächst nicht wieder. Mit sichtlicher Anstrengung erinnerte sie sich nach mehreren Gesprächen an unsere Treffen 1990/91.
Den obigen Artikel über die Projektive Geometrie im Harris-Tarot hatte Whicher 1990/01 in seiner Urform korrektur gelesen und die sie betreffenden Fakten bestätigt. Heute beschreibt Olive die Geschichte der Projektiven Geometrie im Harris-Tarot etwas anders:
Um das Jahr 1938 herum lernte sie Frieda Harris kennen. Friedas Atelier befand sich sehr dicht beim Regent Park und sehr nahe beim Rudolf Steiner House. Olive erinnert sich, wie sie Harrs mehrfach in ihrem Atelier besuchte, das sich in einem oberen Stockwerk befunden haben muss, da sie sich an Treppenstufen erinnert.
Abweichend von ihrer mir 1990/91 dargestellten Version der damaligen Gegebenheiten erzählt Olive heute, sie hätte Harris privat, während Harris am Crowley-Tarot arbeitete, in Harris' Atelier unterrichtet. Der Unterschied zur ersten Version besteht darin, dass in der früheren Version Harris die Projektive Geometrie in Adams und Whichers Kursen im Rudolf Steiner House lernte. Ich persönlich gehe davon aus, dass beides der Fall gewesen ist.
Auch heute erinnert sich Whicher daran, dass auch Adams sich mit Harris anfreundete und sehr beeindruckt von ihrer Persönlichkeit war. Whicher bestätigte mir erneut, dass Adams Harris "Diana" nannte, was sich auf die auf der Karte "Kunst" im Crowley-Tarot dargestellte Göttin bezieht.
Olive erzählte mir, Harris hätte sich die Haare rot gefärbt, was in der damaligen Zeit etwas sehr besonderes und ungewöhnliches gewesen sei. Harris war die Frau eines liberalen Politikers und selbst eine sehr freiheitsliebende, lebendige und starke Persönlichkeit. Olive erzählte mir, dass sie es bedauerte, als sie erfuhr, dass Harris zum Ende ihres Lebens England verliess, um ihren Lebensabend in Kaschmir auf einem Hausboot zu verbringen.
Ganz besonders drückte Whicher mir gegenüber ihr Bedauern darüber aus, dass Harris keine Anthroposophin geworden sei.
1991 erbat ich von Whicher die Erlaubnis, die mir von ihr erzählten Zusammenhänge zwischen der in Rudolf Steiner House gelehrten Projektiven Geometrie und dem Harris Tarot mit Hilfe einiger Bilder aus Whichers "Sonnenraum" veröffentlichen zu dürfen. Nach erheblichem Zögern gab mir Whicher die Erlaubnis, mit der Begründung der Freiheit der Information, so wie Steiners Philosophie der Dreifachen Gliederung der Gesellschaft (Freiheit in Kultur und Religion, Brüderlichkeit im Wirtschaftlichen und Gleichheit vor dem Gesetz).
Von Thelema und Aleister Crowley hält Whicher nichts Gutes.
Es ist ihr vollkommen unverständlich, warum Harris nicht ihren Weg in die Anthroposophie gefunden hat.
Bei unserem letzten Treffen erzählte mir Whicher, es schien ihr, als sei Harris "under Crowley's spell" gewesen, weil sie so stark zu ihm gehalten hatte. Es tat Harris sehr leid, dass Crowley aufgrund seines Asthmas so viel zu leiden hatte. Adams und Whicher hatten beide eine uneingeschränkte gute Meinung von Harris. Harris hielt uneingeschränkt zu Crowley.
Jede Beschäftigung mit der Person oder den Lehren Aleister Crowleys hält Whicher für falsch und gefährlich. Jegliche Verbindung zwischen Anthroposophischer und Thelemitischer Philosophie hält Whicher für einen Irrtum. Um dies zu verdeutlichen abschliessend ein Zitat aus unserem letzten Gespräch: "Vergiss alles, was du weisst, und lies alle Bücher, die Rudolf Steiner geschrieben hat!"
Claas Hoffmann, Haferkamp 14, 21640 Horneburg, Germany
oder:
Claas Hoffmann, Emerson College, Forest Row, RH 18 5JX, England
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