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PJ Wassermann ist einer der frühesten Pioniere der elektronischen Pop-Musik in der Schweiz. Bereits Ende der 70er begann er mit dem legendären ARP 2600 zu experimentieren (im Schlafzimmer) und anfangs der 80er eröffnete er mit seiner Partnerin Stella das Space-Sound-Studio. Zur Finanzierung der damals sehr teuren elektronischen Geräte wurden Auftragsproduktionen wie Jingles, Film- und Video-Soundtracks realisiert, doch die eigentliche Leidenschaft war von Anfang an die eigene künstlerische Arbeit und dies häufig im Zusammenhang mit psychedelischen Substanzen wie LSD, was auch zu einer Freundschaft mit Albert Hofmann führte. Stellas und PJs erstes Projekt war Schaltkreis Wassermann, zuerst mit der Single „Sex is out, ich bin geklont“ und danach mit dem Album PSYCHOTRON, das in den Top Five der Synthesizer-Charts im englischen Melody Maker auftauchte und heute als Kult-Album verehrt wird. 2012 ist das Album vom Berliner Label Private Records wieder auf Vinyl veröffentlicht worden.
Als mit dem ersten Sampling-Computer Fairlight IIx sich neue Wege in der elektronischen Musik auftaten, verschuldeten sich Stella und PJ mit 60’000 Franken für das neue Spielzeug. Entstanden sind die Pop-Hits „MUH!“ und „Yo-Lollo-Diuh“ unter dem Namen Matterhorn Project. „MUH!“ war Nr. 2 in der Schweiz, Nr. 5 in Südafrika und wurde in Japan und ganz Europa veröffentlicht. Der kommerzielle Erfolg hatte aber auch seine Schattenseiten, er entfremdete Stella & PJ von ihren psychedelisch-elektronischen Fans und führten die beiden auf einen kommerzielleren Weg, der sich als Sackgasse erweisen sollte. Weitere MattPro-Produktionen wie „I’d Love to Be Your Tampas Now“, eine Persiflage auf die berüchtigten Telefonate von Prince Charles mit seiner damals heimlichen geliebten Camilla, waren zwar genial, aber doch zu provokativ für die Pop-Industrie.
Mitte der 90er-Jahre hatte PJ die Nase voll von Auftragsproduktionen, er empfand die Komposition und Produktion von Auftragsmusik zunehmend als Prostitution. Die eigenen Produktionen als Eternal Bliss im Goa/psyTrance-Bereich waren in dieser Nische durchaus erfolgreich, brachten aber zuwenig zum Leben ein - PJ entschloss sich schweren Herzens zu einem neuen Standbein als Software-Entwickler, was zu einer bis heute anhaltenden Spezialisierung in der Entwicklung von Filemaker-Datenbanken führte. Die Musik wurde jedoch stets weiter gepflegt mit zwei sehr schönen Solo-Alben von Stella Wassermann, PJ’s erstem chilligem Solo-Album „Triple E“ und ab 2009 mit Live-Auftritten mit neuem Repertoire von Schaltkreis Wassermann und ab 2010 mit PJ’s-Live-Gigs als Eternal Bliss in der psyTrance-Szene. 2011 kam das zweite Eternal Bliss-Album „Full-OM“. Tragisch, dass Stella 2008 schwer erkrankte und 2011 verstarb.
Und nun hat PJ Wassermann sein zweites Chillout-Album „Space Drone Salad“ mit psychedelischer Geschmacksrichtung veröffentlicht, „back to the roots“ sozusagen. Wie kam es zu diesem seltsamen Album-Titel? PJ: „Dieser Album-Name ist mir einfach zugeflogen. Eigentlich ist es der Name der ersten Tracks auf dem Album. Space symbolisiert die Weite des Kosmos und der psychedelischen Welten, ein Drone ist ein sich langsam entwickelnder und sich stets verändernder elektronischer Klang, und ein Salat ist eine Mischung von leckeren Ingredienzen zu einer Gaumenfreude. Ich finde es auch ganz gut, wenn ein Album-Name erst mal irritiert.“
„Space Drone Salad“ mit seinem relaxten Stil ist deutlich von Ibiza inspiriert, wohin sich die Wassermanns in den letzten 30 Jahren immer wieder zurückgezogen hatten und wo Jam-Sessions an Parties und Trommel-Marathons an den Stränden für archaische Musik-Erlebnisse sorgten. Der grössere Teil der Songs ist in Ibiza entstanden und im Schweizer Studio fertiggestellt worden. Aber auch Reisen nach Bali („Bali Morning“, „In High Spirits“) und Peru („Iquitos“) sorgten für Inspiration.
Stilistisch ist bei PJ in den letzten Jahren die Gitarre wieder stärker in den Vordergrund gerückt. Er hatte das Instrument mit 14 Jahren als Beatles-Fan zu spielen begonnen und wechselte dann bald zur elektrischen Version. Mit Beginn der Synthesizer-Leidenschaft wurde die Gitarre eine Zeitlang fast vergessen, erst mit der Rückkehr zur Bühne kam die Liebe zur Gitarre zurück. Dazu PJ: „Vor etwa 10 Jahren wurde mir klar, dass ich wieder live spielen wollte. Zuerst wollte ich das mit elektronischen Mitteln anpacken, aber ich bin kein virtuoser Keyboarder, und ein DJ wollte ich auf keinen Fall sein. Mit der Gitarre kann ich mich einfach am besten ausdrücken.“ PJ spielt live vorwiegend eine umgebaute Fender Stratocaster, die das VG-99 Gitarren-Synth-Modul der Firma Roland ansteuert.
Abgesehen von der Gitarre, den Vocals und einigen von Hand gespielten Trommel-Parts ist das Album primär im Computer entstanden. PJ: „Die Produktionsarbeit im Computer, bei mir konkret mit der Software LogicPro, ist für mich ein wahrgewordener Traum. Das ist, verglichen mit den Anfangszeiten elektronischer Musik, alles so praktisch und effizient, früher war alles ein endloses Gebastel mit dem Schneiden von Tonbändern und mit unzuverlässigen Geräten. Allerdings habe ich ind en letzten Jahren wieder meine Liebe zu den alten analogen Synthesizern entdeckt und spiele gerne Parts mit diesen ein.“
„Space Drone Salad“ ist den stilistischen Schubladen Psychedelic und Chillout zuzuordnen, oftzusammengefasst als „psyChill“.