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Wer war eigentlich Henri Nestlé?
Der Erfinder vom Kindermehl
1839 zog es den 25-jährigen, in Frankfurt am Main geborenen Apothekergesellen Heinrich Nestle auf seiner Wanderschaft in die Schweiz nach Lausanne. Fünf Jahre zuvor hatte er seine Apothekerlehre abgeschlossen. Wie aus dem Gesellen Henri Nestlé wurde, ein tüchtiger Geschäftsmann und Gründer des Lebensmittel-Imperiums, ist eine spannende Geschichte.
Vom Gesellen zum kreativen Unternehmer
1839 legte Heinrich Nestle seine Zulassungsprüfung als Apothekergehilfe ab und arbeitete dann in einer Apotheke in Vevey. Im selben Jahr nannte er sich auf Henri Nestlé um. Er bekam im Kanton Waadt zwar die Aufenthaltsbewilligung, aber mit der Auflage, selber keine Apotheke zu betreiben. Sein damaliger Arbeitgeber, der Apotheker Marc Nicollier, war mit modernen, experimentellen Forschungsmethoden vertraut und brachte sie seinem Gehilfen bei. Dank seiner Fürsprache konnte Henri 1843 zum Unternehmer werden: er erwarb eine Gewerbeliegenschaft sowie Maschinen, darunter eine Schnapsbrennerei.
Henris erste Unternehmerjahre: von einem Projekt zum nächsten
Am Anfang stellte Henri Nestlé Öle für Lampen, Branntwein, Essig und Dünger her. Danach nahm er Mineralwasser und Limonaden in seine Produktion auf – ein Geschäft, das er nach zwei Krisenjahren 1847 wieder einstellen musste. Er liess sich jedoch nicht einschüchtern.
Von der Limonade zum Flüssiggas bis hin zum Baugeschäft
Henri Nestlé entwickelte ein transportierbares Flüssiggas, das er ab 1852 der Stadt Vevey für deren Beleuchtung lieferte. 1960 heiratet er mit 46 Jahren die Frankfurter Arzttochter Anna Ehmant. Als sich Vevey 1863 an ein zentrales Gaswerk anschliessen liess, musste sich Henri Nestlé wieder etwas Neues einfallen lassen. Nach einem erfolglosen Versuch in der Baubranche wandte er sich dem Bereich der Kindernahrung zu.
Gab die hohe Säuglings- und Kindersterblichkeitsrate den Ausschlag?
Im 19. Jahrhundert war die Säuglingssterblichkeitsrate in Europa enorm hoch. 15% bis 25% der Säuglinge starben noch im ersten Lebensjahr. Und in vielen Regionen Europas wurden bis 1880 nur 15% der Babys mit Muttermilch ernährt. Hierfür waren mehrere soziale und wirtschaftliche Faktoren verantwortlich: in gehobenen Gesellschaftskreisen galt das Stillen als unschicklich, Arbeiterinnen konnten oft nicht stillen, weil es ihre Arbeitsschichten nicht erlaubten und zudem waren Mütter oft selbst zu krank zum Stillen. In der damaligen Gesellschaft wurde der Tod von Säuglingen einfach hingenommen. Hinterfragt wurde dieses Phänomen nur in wissenschaftlichen Kreisen. Henri Nestlé hatte erkannt, dass zwischen der hohen Kindersterblichkeitsrate und der Ernährung ein Zusammenhang bestand.
Das Kindermehl: eine wundersame Säuglingssuppe
Im Herbst 1866 machte Henri Nestlé die bedeutendste Erfindung seines Lebens: das sogenannte Kindermehl als Muttermilchersatz. Die Hauptbestandteile waren Milch, Brot und Zucker. Der Erfolg war so gross, dass er innerhalb von sieben Jahren 1,6 Millionen Dosen Kindermehl in 18 Länder auf allen Kontinenten verkaufte.
Zu viel Erfolg – was nun?
Der Expansionskurs, auf dem sich die Firma befand, erforderte jedoch immer komplexere Organisationsstrukturen und überstieg Nestlés finanzielle Möglichkeiten. 1875 verkaufte Henri Nestlé sein Unternehmen, die Marke Nestlé, das Nest-Vögel-Symbol, die Firmenbezeichnung „Farine Lactée Henri Nestlé“, seinen Namen sowie seine Unterschrift an seinen Mehllieferanten Pierre Sanual Roussy. Da er seinen Namen verkauft hatte, nahm er den Namen seiner Frau an und hiess von da an Henri Nestlé-Ehmant. Seinen Lebensabend verbrachte er als reicher Mann in Glion bei Montreux.
Nicht nur Erfinder, sondern auch Vorreiter der Markenpflege
Henri Nestlé war sehr stolz auf sein Produkt und wollte es vor Nachahmern schützen. Daher wollte er für Henri Nestle’s Kindermehl nicht nur einen Namen, sondern auch ein unverwechselbares Logo: von seinem Familienwappen inspiriert, entschied er sich für ein Vogelnest mit Vögeln, ein wegweisendes Symbol. Somit schuf er 1866 einen der ersten Schweizer Markenartikel – lange Zeit bevor es in der Schweiz die rechtlichen Rahmenbedingungen hierzu gab.