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Für die Entwicklungszusammenarbeit mit Subsahara-Afrika greift das wachstumsorientierte kapitalistische Wirtschaftsmodell zu kurz. Nicht nur angesichts des Klimawandels braucht es zwingend ein Umdenken.
In vielen afrikanischen Ländern ist der Anteil der Beschäftigten im Landwirtschaftssektor nach wie vor sehr hoch, während er in Europa verschwindend klein geworden ist. Umgekehrt ist der Anteil der im zweiten, dritten und vierten Sektor Beschäftigten in Europa viel höher als in den Ländern der Subsahara. Ein Beispiel: In Tschad arbeiteten 2017 rund 87 Prozent der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft, ähnlich wie 1991 (86 Prozent); der Anteil der im Tertiärsektor Erwerbstätigen stieg im gleichen Zeitraum nur um 0,7 Prozent (7,1 versus 7,8 Prozent), während er in der Schweiz von 67 auf 76 Prozent wuchs.
Auch wenn die Entwicklung in einzelnen Ländern der Subsahara weniger einseitig verlief und keine generellen Aussagen getroffen werden können, darf man davon ausgehen, dass sich vom zweiten, dritten und vierten Sektor erzielten Profite für reichere Länder sehr positiv auswirken. Der Handel benachteiligt diese afrikanischen Staaten massiv, weil sie vor allem Rohstoffe und nur in sehr geringem Ausmass Industriegüter oder Dienstleistungen verkaufen. Die Erträge aus der Rohstoffindustrie eröffnen der Mehrheit der Bevölkerung in der Subsahara kaum bessere Zukunftsperspektiven. Es gibt vorderhand kaum Grund zur Annahme, dass solche Konzepte die beschriebenen Diskrepanzen beseitigen. «Ein bislang nicht korrigierter Strukturfehler der Entwicklungszusammenarbeit liegt in der Annahme, die Partnerregierungen seien primär am Gemeinwohl und an gesamtgesellschaftlichen Verbesserungen interessiert», meint dazu der deutsche Politologe und Historiker Rainer Tetzlaff. Ein weiterer Faktor der strukturellen Ungleichheit sind die Mehrkosten aufgrund des diskriminierenden Handelssystems, das den afrikanischen Ländern souveränes Wirtschaften erschwert. Zudem werden Bodenschätze teilweise schonungslos ausgebeutet, und Kleinbauern verlieren wegen Landgrabbing wertvollsten Boden.
Für eine nachhaltige Entwicklung müssen wir Ansätze finden, die nicht die Gewinnmaximierung, sondern sozialethische Prinzipien in den Vordergrund rücken. Nachhaltige Entwicklung ist möglich, wenn die Wertvorstellungen einer Gesellschaft ernst genommen werden und als Basis für politische und wirtschaftliche Veränderungen dienen.
Es braucht ein integratives Verständnis von Ökonomie
Die weltweite Ungleichheit beruht auf dem Widerspruch, dass die Produktion von Ressourcen globalisiert ist, während alle anderen Aufgaben national organisiert sind. Dies bringt zwar den reichen Staaten enorme Vorteile, bedeutet aber für die armen Länder, dass sie ihre gesellschaftlichen Aufgaben nur informell über gesellschaftliche Netzwerke angehen können. Dies wiederum führt zu einem völlig anderen ethischen Verständnis, weil die sozialen Netzwerke – und nicht das Individuum – der prioritäre Bezugsrahmen sind. Um eine nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen, müsste das ökonomistische Wirtschaftsmodell durch ein integratives Verständnis von Ökonomie abgelöst werden, denn ein unbegrenztes Wirtschaftswachstum ist in einer endlichen Welt ein Mythos.
Der sich selbst verstärkende Klimawandel dürfte in einigen Jahrzehnten zur Hauptsorge werden und die Vulnerabilität der armen Bevölkerungsgruppen weiter verstärken. Die Menschheit ist an die Grenzen des Wachstums gestossen; wir haben die Ressourcen ausgereizt. Stellt man dem Wirtschaftswachstum die Umweltzerstörung und die immense Kluft zwischen Arm und Reich gegenüber, darf bezweifelt werden, dass die globale Ökonomie heute noch einen Gewinn schafft.
Bild aus Mali: Fabian Biasio
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