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Wein und Wohlstand
25. Juni 2016 – 16. Dezember 2018
Über Weinbau und Weinhandel von der Klosterzeit bis heute
Weinbau und Weinhandel waren für die Kartause Ittingen seit dem Mittelalter von zentraler Bedeutung. Der Wein diente nicht nur der Versorgung der Mönche und ihrer Angestellten. Der Weinhandel war zudem ein ertragreiches Geschäft, das dem Kloster gutes Geld einbrachte, was ab der Mitte des 16. Jahrhunderts einen stetigen Ausbau der klösterlichen und wirtschaftlichen Infrastruktur erlaubte. 1836 lagerten in den Kellern von Ittingen über 1,3 Millionen Liter Wein.
Das Weingeschäft ging weit über den Anbau auf dem eigenen Hof hinaus. Zusätzlich bezog das Kloster den Weinzehnten in der Umgebung, kaufte verschiedenen Produzenten die ganzen Traubenernten ab und liess sich Kreditzinsen vorzugsweise in Form von Trauben bezahlen. Die Aufzeichnungen von Prokurator Josephus Wech (1702–1761), denen wir reichhaltige Einblicke in das Ittinger Weingeschäft verdanken, enthalten auch eine prägnante Schilderung dieser Verzahnung von Wein und Bankgeschäften. Er schreibt: «Hat das Gottshaus in seinen Kellern viel Wein, bezieht es aus diesem täglich viel Geld. Viel Geld erzeugt Wachstum und ermöglicht die Vergabe von Krediten. Aus den vielen Krediten fliesst viel Zins, und viel Zins ergibt wiederum viel Wein.»
Eindrückliche Zeugnisse der stolzen Ittinger Weintradition sind die zahlreichen, teilweise bis heute in der Region erhaltenen Trotten und Zehntenkeller. Im Besitz der Kartause befanden sich im 18. Jahrhundert Trotten und Keller im Gebiet von Uesslingen, Dietingen, Iselisberg, Uerschhausen, Horgenbach, Buch, Horben, Hüttwilen und Warth-Weiningen. Bis heute zeugen zudem der ehemalige Weinkeller in der Kartause selbst – heute als Ausstellungsraum genutzt – oder das 45’000 Liter fassende Prunkfass aus dem Jahr 1759 in der Remise des Schlosses Frauenfeld vom schwunghaften Handel mit dem edlen Rebensaft.
Die Französische Revolution und die darauf folgenden politischen Umwälzungen brachten Einschnitte in die wohl abgestimmte Wirtschaft der Mönche mit sich. So konnten dank einem Gesetz von 1804 Zehnten und Grundzinsen abgelöst werden. 1836 schliesslich geriet das Kloster unter staatliche Verwaltung, die ihre Aufgabe mehr schlecht als recht erfüllte. So musste sich 1855 der in Ittingen eingesetzte Verwalter Joseph Giezendanner vor Gericht wegen langjähriger Unterschlagungen verantworten, weil er unter anderem Zahlungen für verkauften Wein in die eigene Tasche gesteckt hatte. Für seine Verfehlungen büsste er sieben Jahre in der Haftanstalt Tobel.
Nicht zuletzt wegen solcher Schwierigkeiten verkaufte der Kanton Thurgau das Kloster, das 1867 in den Besitz des jungen Landwirtschaftspioniers Victor Fehr (1846–1938) kam. Zu dieser Zeit gingen die Rebflächen im Kanton Thurgau massiv zurück: Die Reblaus und der falsche Mehltau bedrohten die Erträge, die neu gebaute Eisenbahn ermöglichte Importe von billigen Weinen, und Zollschranken erschwerten den Absatz ins Ausland. Vor diesem Hintergrund richtete Victor Fehr den Weinbau konsequent auf Spitzenqualität aus. Er konzentrierte sich auf die besten Lagen, verbesserte die Kelterung und die Weinpflege.
Auch heute ist der Weinbau noch immer ein bedeutender Zweig der unternehmerischen Aktivitäten der Stiftung Kartause Ittingen. Die Bedeutung des Weins liegt allerdings weniger im finanziellen Ertrag, als vielmehr in seiner Funktion als Imageträger einer nachhaltigen Landwirtschaft.
Die Ausstellung «Wein und Wohlstand» lädt ein zu einer Zeitreise von der Klosterzeit bis heute und lässt erleben, wie sich Produktionsbedingungen und Bedeutung des Weins in der Kartause Ittingen im Lauf der Jahrhunderte verändert haben. Die Produktion des Weins, der Handel und dessen Bedeutung als Nahrungsmittel werden über die Jahrhunderte hinweg verfolgt. Personen aus verschiedenen Zeitepochen lassen das Publikum teilnehmen an ihren Strategien und Entscheidungen, wodurch die Veränderungen lebendig nachvollzogen werden können. Originaldokumente und attraktive Artefakte geben einen Einblick in die Bedeutung des Weins für Wirtschaft und Alltagsleben in der Kartause und den ganzen Thurgau.
Die Ausstellung wird durch interessante Begleitveranstaltungen, einen Audioguide sowie durch eine Publikation begleitet.