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«(...) Man darf nicht übersehen, dass der weibliche Körper seiner Bestimmung gemäss nach unten geöffnet ist, so dass bei heftigen Leibesübungen gar leicht Vorfälle entstehen können. (...) Übermässige Schritte, Spreizstellungen, hohe Sprünge sind deshalb aus dem weiblichen Turnunterricht auszuschliessen», schrieb der Mediziner Moritz Kloss im Jahr 1855.
Gewarnt wurde aber auch vor einer Vermännlichung in physischer und psychischer Hinsicht. Man sorgte sich, dass durch ungeeignete und übermässige Leibesübungen Amazonen mit männlichen Formen und Mannsweiber mit keckem Wesen herangezüchtet werden könnten. «Man befürchtete aber nicht nur eine Schädigung der Gebärmutter und die Vermännlichung der Frauen», sagt Walter Mengisen, Leiter der Eidgenössischen Hochschule für Sport in Magglingen und Dozent der Sportgeschichte. «Frauen waren auch durch ihre Kleidung in der Beweglichkeit eingeschränkt.» Lange Röcke und Korsagen behinderten die Bewegungsfreiheit und führten zu einer Unterentwicklung der Muskulatur.
Nur gesunde Frauen gebären gesunde Kinder
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden viele der heutigen Sportarten im viktorianischen England. Doch Sport gab es nur für Männer. Die Gesellschaft war prüde zu dieser Zeit, die Regeln von den Männern geschrieben. Zentral waren die Probleme der Schicklichkeit und Sittlichkeit. Mädchen und Frauen sollten nicht öffentlich turnen, dies galt als unanständig und provozierte wohl die Männer.
«Der Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert und auch die schrecklichen Ereignisse der beiden Weltkriege bedeuteten die Wende im Frauensport», sagt Walter Mengisen. «Die Stellung der Frau in der Gesellschaft änderte sich, man sagte: Nur gesunde Frauen gebären gesunde Kinder.»
Bei dieser Haltung blieb es – zumindest in den westlichen Ländern: Ab den 1960er-Jahren hatten Frauen Zugang zu fast allen Sportarten.