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Der neue DOK am 5. November 2020 um 20:05 Uhr auf SRF 1: Ems-Chemie - die verborgene Geschichte. Untertitel: Dunkle Helfer nach dem Zweiten Weltkrieg.
Der Film erzählt, wie das Unternehmen Ems, heute von Christoph Blochers Tochter Magdalena Martullo geführt, nach dem Krieg deutsche Chemiker mit dunkler Vergangenheit engagierte. Dies noch vor Christoph Blochers Zeit. Er nimmt im Film ausführlich Stellung.
Nachtrag 20.11.2020:
Die Robert-Grimm-Gesellschaft wehrt sich gegen die Darstellung von Robert Grimm im Film - ohne mich vorher zu konsultieren. Nach Intervention meinerseits publizierte
sie meine Replik:
Der Historiker Adrian Zimmermann, Vorstandsmitglied der Robert-Grimm- Gesellschaft,
kritisiert eine Kern-Aussage des SRF DOK-Films «Ems-Chemie – Dunkle Helfer nach dem Zweiten Weltkrieg». Er schreibt, es sei «wenig überzeugend», dass Robert Grimm und seine rechte Hand, der Zürcher Rechtsanwalt Ernst Imfeld,
den Auschwitz- Monowitz-Direktor Johann Giesen an die Hovag/Ems-Chemie vermittelt hätten. Er vertritt den Standpunkt, es handle sich hier um eine «Fehlinterpretation einer Quelle».
Seine Aussage ist aus unserer Sicht falsch. In dem im Bundesarchiv
archivierten Protokoll vom 29. April 1952 der Hovag-Überwachungskommission, die der Sozialdemokrat Robert Grimm präsidierte, heisst es wörtlich (Rechtschreibung Original):
«Der Vorschlag, Herrn Gisen anzuhören, ist sehr zu begrüssen.
Es ist daran zu erinnern, dass er in den Jahren 1945/46 von uns zur Hovag gebracht wurde. 1949 schob ihn dann Oswald beiseite, da er sich gegen die unsinnigen Investitionen aussprach. Nachdem nunmehr die Forschungen Dr. Zorns lediglich zu grossen Verlusten
führten und Dr. Zorn entlassen wurde, holte Oswald Gisen wieder hervor, der nun genau dort wieder anfangen muss, wo er 1949 aufhörte.»
Mit anderen Worten: Die von Grimm präsidierte Überwachungskommission nimmt für sich in Anspruch, Giesen
vermittelt zu haben. Die Darstellung im Film ist somit korrekt.
Unmittelbar nach dieser Sitzung erfolgte eine weitere (telegrafische) Einladung Giesens, die im Film visualisiert wurde. Laut dem Protokoll vom 1. Juli 1952 gab es bereits 1946/47 eine
Anhörung Giesens durch die Grimm-Kommission. Das entsprechende Protokoll von 1946/47 hat SRF DOK allerdings nicht gefunden. Die Protokolle der staatlichen Hovag- Überwachungskommission haben amtlichen Charakter.
Weiter schreibt Adrian Zimmermann,
die Schlussfolgerung, Robert Grimm hätte um die dunkle Vergangenheit Giesens wissen müssen, scheine «doch sehr gewagt» und spricht von «dünner Faktenlage».
Seine Aussage erstaunt. Denn das Schreiben, dass SRF DOK im Film als
Beleg zitiert, hat speziellen Charakter: Im Unterschied zu der allgemeinen Korrespondenz Imfeld-Grimm ist dieser Brief vom 6. Mai 1952 nämlich ausnahmsweise an Grimms Privatadresse gerichtet. Es trägt die Überschrift «Vertraulich» und beginnt
mit den Worten: «Mein Lieber» (die meisten anderen Schreiben von Imfeld waren an Grimms Büroadresse und hatten formelle Anreden wie “Herr Nationalrat”). Aus dem Schreiben geht hervor, dass Imfeld die berufliche Biographie Johann
Giesens in Deutschland sehr wohl recherchierte. Der Brief ist ein starkes Indiz, dass Imfeld dabei auf Giesens Tätigkeit als Direktor des Methanolwerks Auschwitz-Monowitz gestossen ist, denn Imfeld schreibt in seinem vertraulichen Brief an Grimm, dass
«Giesen selbstverständlich eine Kapazität sei mit Bezug auf Industrie-Organisator, in seinen Gebieten, also Metanol.»
Nur nebenbei sei erwähnt, dass das andere IG-Farben-Methanolwerk in Leuna,
auch unter Giesens Leitung, ebenfalls Zwangsarbeiter einsetzte.
SRF DOK analysierte weiter ausführlich die persönlichen Handakten von Robert Grimm. Daraus geht hervor,
dass Robert Grimm spätestens im November 1949 den schriftlichen Beleg erhielt, dass Johann Giesen als Direktor bei IG Farben tätig war. Dies ein Jahr nachdem IG-Farben-Kadermitglieder in Nürnberg wegen Kriegsverbrechen rund um den Industriekomplex
Auschwitz-Monowitz verurteilt worden waren. Über das IG Farben-Urteil berichtete auch die Schweizer Presse. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war für politisch aufmerksame Zeitgenossen erkennbar, welche problematische Rolle IG Farben-Direktoren in Nazi-Deutschland
damals spielten. Es ist sicher nicht vermessen, den damaligen Nationalrat Robert Grimm zu den „politisch aufmerksamen Zeitgenossen“ zu zählen.
Wir möchten auch darauf hinweisen, dass Adrian Zimmermann im privaten Grimm-Nachlass ein Telegramm
von zwei hochbelasteten Nazis gefunden hat: Das ehemalige SS-Mitglied Friedrich Kadgien, die rechte Hand Görings, und Ludwig Haupt gratulierten Robert Grimm 1951 zum Geburtstag – das Telegramm findet sich in Grimms persönlichen Akten unter anderen
Geburtsgratulationen von Partei- und Gewerkschaftsgenossen. Wäre Grimm diese Gratulation peinlich gewesen, hätte er sie wohl kaum aufbewahrt.
Und schliesslich sei noch folgende historische Begebenheit erwähnt: Als der ehemalige SS- Hauptsturmführer
Ernst Rudolf Fischer am 5. März 1953 in der Schweiz seine Aufenthaltsbewilligung verlängern wollte, gab er als Referenz Robert Grimm an.
Mit anderen Worten: Es gibt mehrere Belege, die darauf hinweisen, dass Robert Grimm im und nach dem Zweiten Weltkrieg
Kontakte zu mehreren einflussreichen ehemaligen deutschen Nazis pflegte. Auch dann, als er hätte wissen müssen, dass insbesondere Johann Giesen im dritten Reich eine dunkle Rolle spielten. Wir begrüssen es, wenn die Robert-Grimm-Gesellschaft bestrebt
ist, sich offen mit der Vergangenheit von Robert Grimm auseinanderzusetzen und aufgrund der heute bekannten Quellen und Fakten eine kritische Betrachtung der Person vorantreibt.
DIE BUCHENWALD-KINDER
"Die Buchenwald-Kinder, eine Schweizer Hilfsaktion": Dieser DOK wird am 9. November 2020 umd 22:25 nach der 4. Folge der Serie "Frieden" ausgestrahlt.
Der Film dokumentiert die grausame Vernichtungspolitik des Nationalsozialismus. Und er zeigt, wie die offizielle Schweiz nach dem Krieg zu helfen versuchte.
Im Mittelpunkt des Filmes: Der 2014 verstorbene Bieler Unternehmer Leon Reich, der in einem aufgezeichneten Interview seine Leidensgeschichte erzählt. Und ein weiteres aufgezeichnetes Interview der im Jahr 2000 verstorbenen Betreuerin Charlotte Weber, die an der Hilfsaktion zentral beteiligt war.
Der Film wird auf RTS am 9. Februar 2020 um 21 Uhr ausgestrahlt. Der welsche Titel lautet: "Marche ou crève"
Generalstreik 1918
Dreharbeiten ausserhalb des Parlaments. Streikführer Robert Grimm (Ralph Gassmann) auf dem Weg zur Sondersession.
Dreh im Parlament
Mit einer Spezialbewilligung durften wir im Ständeratsssaal drehen. Sowohl der Ständerats- als auch der Nationalratspräsident erteilten eine Ausnahmebewilligung. Denn die historischen Vorgänge im Parlament während dieser harten
sozialen Auseinandersetzung waren einmalig: Trotz grosser politischer Gegensätze existierte schon damals in der Schweiz eine tief verankterte parlamentarische Diskussionskultur - im Gegensatz zu den umliegenden Ländern, in denen die Gräben unüberwindbar
schienen.