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Solarstrom, um Leben zu retten
«In unserem Spital kam es schon zu Todesfällen aufgrund von Stromausfällen»», erzählt Albert Marti. Er ist die treibende Kraft hinter HaitiRehab Schweiz, dem Verein, der seit 2014 im Norden Haitis die Spitalinfrastruktur des Hôpital Convention Baptiste d´Haïti in Cap-Haïtien unterstützt. Auf dem Gelände des Spitals befindet sich auch ein Reha-Zentrum für Menschen mit neurologischen Problemen, beispielsweise mit Rückenmarkverletzungen oder Schlaganfällen. Das Zentrum wurde nach dem verheerenden Erdbeben von 2010 aufgrund einer Anfrage der World Health Organization mithilfe des Paraplegiker-Zentrums Nottwil aufgebaut. Seither finden regelmässig Schulungen durch das Paraplegiker-Zentrum statt. HaitiRehab Schweiz hilft Betroffenen durch Mikrokredite oder behindertengerechten Umbau von Häusern, nach dem Spitalaufenthalt wieder Fuss zu fassen. Im angrenzenden Kinderheim finden Kinder mit Beeinträchtigung eine angemessene Betreuung. Nicht selbstverständlich in einem Land, in dem Behinderungen als Strafe Gottes angesehen und Betroffene belästigt und ausgestossen werden.
Schwacher Staat
Haiti ist das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Es herrscht viel Korruption. 40 Prozent der Bevölkerung sind vom Hunger bedroht. «Im Norden der Insel ist die bewaffnete Bandengewalt glücklicherweise kaum zu spüren. Sie beschränkt sich vor allem auf das Gebiet der Hauptstadt Porte-au-Prince. Deshalb ist die Versorgungslage etwas besser», erzählt Marti, der im Februar wie praktisch jedes Jahr die Insel besucht hat.
Die Stromversorgung auf Haiti ist sehr unzuverlässig, weshalb viele Institutionen Dieselgeneratoren zur Stromproduktion betreiben. Die ständigen Gewaltausbrüche haben die Treibstoffknappheit verschärft. Bis zu 40 Spitäler mussten schliessen. HaitiRehab Schweiz und zwei weitere Organisationen haben deshalb in den letzten Jahren das Hôpital Convention Baptiste d´Haïti mit einer Solarinfrastruktur ausgestattet, die etwa 50 Prozent des Strombedarfs deckt. Treibstoff ist der drittgrösste Kostenfaktor nach Personal und Medikamenten. Deshalb konnte die finanzielle Situation des Spitals stark verbessert werden. Die Spenden der Schaffhauser Bettagsaktion sollen in weitere Solarinfrastruktur fliessen, damit das Spital zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie versorgt werden kann. Der Dieselgenerator dient als Ausweichmöglichkeit im Falle einer Regenperiode. Damit sollen Todesfälle aufgrund von Stromausfällen nicht mehr vorkommen.
Perspektive wichtig
Zeitweilig musste allerdings die Bäckerei, die ebenfalls auf dem Spitalgelände durch HaitiRehab Schweiz aufgebaut worden ist, schliessen. Heute läuft sie aber wieder bestens. Mittlerweile ist ihr die Spitalkantine angegliedert. Die Bäckerei bietet Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung. Ebenso die Rollstuhlwerkstatt, die dank HaitiRehab Schweiz erstellt werden konnte und in der Rollstühle zusammengesetzt werden.
Auf die Frage, wie es zur Gründung des Vereins gekommen ist, erzählt Albert Marti: «Ich arbeitete 2011 bereits bei der Schweizer Paraplegiker-Forschung. Es war bekannt, dass ich ein Handbike betreibe, ein Velo für Rollstuhlfahrer. Ich wurde gefragt, ob ich helfen würde, Menschen im Reha-Zentrum von Cap-Haitien mit Handbike-Training eine soziale Perspektive aufzuzeigen. Tatsächlich konnte ein Mann im Handbike an den Paralympics teilnehmen. Er bewies, dass es andere Möglichkeiten gibt mit einer Behinderung, als zu betteln und irgendwann zu sterben.»