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Standardlösungen sind interoperabel. Sie definieren eine Reihe von gemeinsamen Regeln auf verschiedenen Protokollebenen, damit die Produkte unterschiedlicher Anbieter zusammenarbeiten können. Proprietäre Systeme dagegen sind in erster Linie an einzigartigen Vorteilen für bestimmte Anwendungen interessiert. Auf Kosten der Kompatibilität erlauben sie Differenzierungen, die spezifische Probleme lösen oder wichtige Eigenschaf- ten einem Produkt hinzufügen können, beispielsweise Reichweite oder Energie. Änderungen in tiefen Kommunikationsschichten sind aufwendig und führen manchmal zu ASIC-Lösungen (vgl. Artikel 1/6, Polyscope-Ausgabe 1-2/14).
Weniger Interoperabilitätskosten, aber auch weniger Volumenpotenzial
In kostensensitiven Anwendungen können proprietäre Lösungen die Gesamtkosten des Systems verringern, insbesondere dann, wenn man viele unnötige Komponenten weglässt. Dies macht vor allem Sinn, wenn es genug Volumen gibt, um die Entwicklung eines ASICs zu rechtfertigen. Zusätzliche Funktionen werden entfernt und Software getrimmt. Die entfallenden Interoperabilitätskosten führen zu Einsparungen. Im Gegenzug haben Standardlösungen mehr Volumenpotenzial. Dabei entstehen mit der Zeit ein grösseres Angebot und ein Wettbewerb, was zu sehr günstigen Komponenten führt. Dies wiederum macht Chips für Standardsysteme günstig.
Konzentration auf das Wesentliche sorgt für geringeren Energiebedarf
Der Energiebedarf ist eines der ganz wichtigen Argumente für proprietäre Systeme. Standardlösungen eignen sich für viele Anwendungen. Dies ist oft mit zusätzlichen Komponenten verbunden und führt zu einem höheren Energieverbrauch. Ein System, das auf eine bestimmte Anwendung zugeschnitten ist, kann sich auf die wesentlichen Hardware- und Softwarekomponenten konzentrieren. Dies spart Platz, Energie und Kosten. Der Aufwand bei den Protokollen und die Grösse der Kommunikationspakete können ebenfalls reduziert werden. Dies hat eine bessere Nutzung der Energie zur Folge. Viele Firmen, die an Standardlösungen arbeiten, können von ihren verschiedene IPs (Intellectual Properties) profitieren und so Techniken nutzen, die nicht immer zugänglich für proprietäre Lösungen sind (oder nur gegen hohe Gebühren).
Das Thema Sicherheit ist ein zweischneidiges Argument
In Anwendungen, bei denen Sicherheit sehr wichtig ist, ist man oft versucht, mit proprie-tären Verfahren zu arbeiten. Anwender argumentieren, dass ein Verfahren sicherer ist, je weniger Leute darüber Bescheid wissen. Dieses Argument ist zweischneidig. Denn ein geschlossenes System wird in der Regel auch nicht so umfangreich getestet wie eines, das mehrere Personen nutzen.
Proprietäre Systeme haben eine kürzere Time to Market
Hersteller können proprietäre Systeme schnell auf den Markt bringen, da sie (fast) alleine über die Systemcharakteristika bestimmen. Mit einem gewissen Mass an Rücksicht auf vergangene Produktgenerationen können sie schnell reagieren und neue Produkte wesentlich schneller einführen als mit Standards. Dazu entfallen Zeit und Kosten für Zertifizierung und Lizenzierung.
Weniger Wettbewerb kann zu höheren Kosten führen
Für eine gegebene proprietäre Lösung gibt es normalerweise weniger interessierte Firmen und damit auch weniger Hersteller der Komponenten – der Markt ist also kleiner. Dies führt zu weniger Wettbewerb und beeinflusst die Kosten. Die Weiterentwicklung eines Produkts kann im Vergleich zu einem Standardprotokoll leiden.
Fazit
Proprietäre Lösungen erlauben eine schnellere Reaktion und Markteinführung, Time to Market. Die Hersteller können ihre Lösungen sehr früh entwickeln, auch wenn die Diskussionen über einen Standard noch nicht einmal begonnen haben. Proprietäre Systeme können helfen, entscheidende Differenzierungen für ein Produkt zu schaffen. Auf Dauer aber sind Lösungen, die den gängigen Standards entsprechen, in der Regel preiswerter und bieten mehr Auswahl.
Der Autor Pius Gutzwiller ist wissenschaftlicher Assistent am Institute of Embedded Systems der ZHAW in Winterthur