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Warum schlafen wir?
Die Frage, warum wir schlafen, beschäftigt die Menschen seit jeher. Kein Wunder, verbringen wir doch rund ein Drittel unseres Lebens in diesem Zustand.
Bis heute hat die Wissenschaft auf diese Frage keine befriedigende Antwort gefunden. Klar ist heute, dass Schlaf ein aktiver Prozess darstellt, in welchem gewisse Hirnzentren eine besonders starke Aktivität aufweisen. Da Schlaf bei allen höheren Lebewesen vorkommt, muss er eine lebenswichtige Funktion haben.
Weit verbreitet ist die Theorie, dass Schlaf als Erholungs- und Aufbauphase des ganzen Körpers aber ganz besonders des Gehirns dient und bei Lernvorgängen eine wichtige Rolle spielt. Obwohl subjektiv leicht nachvollziehbar, ist dies in wissenschaftlichen Untersuchungen nur schwer zu objektivieren. Auch die Erklärung, der Schlaf sei quasi ein "Stand-by-Modus" und reduziere so den Energieverbrauch, stimmt nicht unbedingt. Zummindest nicht für das Gehirn, denn in Wirklichkeit geht der Schlaf hier mit einer erstaunlichen Aktivität einher, und die Energieersparnis beim Menschen beträgt nur ca. 10%.
Was ist ein gesunder Schlaf?
Auf das Gefühl, ob man gut und lange genug geschlafen hat, kann man sich häufig nicht verlassen.
Solange der Schlaf im Normalfall erholsam ist und keine Müdigkeit oder Schläfrigkeit am Tag auftritt, besteht kein Anlass zur Sorge. Auch bei relativ kurzer Schlafdauer oder mehrfach unterbrochenem Schlaf drängen sich dann keine spezielle Massnahmen auf.
Schlaf-Wach-Rhythmus
Der Schlaf-Wach-Rhythmus wird grundsätzlich von zwei Prozessen beeinflusst:
- der "inneren Uhr" und
- von der Länge der vorangegangenen Wachperiode sowie von der Länge und Qualität des letzten Schlafes ("Selbstregulation" der Wachheit und des Schlafbedürfnisses, vergleichbar mit einer Sanduhr).
Die "innere Uhr" wird vor allem durch die Sonne, bzw. den Wechsel von hell und dunkel, aber auch durch die Arbeits- und Esszeiten oder andere äussere Reize beeinflusst (=Zeitgeber, vergleichbar mit dem rotierenden Uhrzeiger).
Der beste Schlaf kann sich dann ausbilden, wenn der innere Rhythmus mit dem äusseren Rhythmus übereinstimmt, was sich dann einstellt, wenn der Rhythmus über lange Zeit möglichst konstant gehalten wird. Schon geringe Verschiebungen der Schlafzeiten können negative Auswirkungen auf die Qualität des Schlafes und die Wachheit am Tag zur Folge haben.
Dies wird besonders deutlich bei der Sommerzeitumstellungen und bei Flugreisen über mehrere Zeitzonen. Am Zielort stimmt der äussere Hell-Dunkel-Rhythmus nicht mit dem Rhythmus der inneren Uhr überein, was zu ungewohnter Wachheit in der Nacht bzw. störender Schläfrigkeit am Tag führt. Dieses Phänomen, welches bei Flügen in Richtung Osten ausgeprägter ist als bei Flügen westwärts, wird auch "Jetlag" genannt. Die Anpassungsphase an den neuen Rhythmuss kann mehrere Tage dauern und ist individuell sehr unterschiedlich.
Auch bei Schichtarbeit stimmt die Schlafperiode plötzlich nicht mehr mit der von der inneren Uhr vordefinierten Schlafperiode überein. Dementsprechend fühlt man sich nach einer durchgearbeiteten Nacht morgens nicht unbedingt sehr müde, und der darauf folgende Tagesschlaf ist verkürzt und von häufigem Erwachen unterbrochen. Schichtarbeit kann zu chronischen Schlafstörungen führen. Länger dauernde konstante Schichtperioden ermöglichen eine bessere Anpassung als häufige kurzfristige Wechsel der Schlaf-Wach-Zeiten.
Der Einfluss der "Selbstregulation" lässt sich am besten anhand des Mittagsschlafs verdeutlichen. Je später ein solcher stattfindet und je länger er dauert, desto schwieriger wird das Einschlafen in der darauf folgenden Nacht. Der Schlafdruck wurde durch den Mittagsschlaf reduziert.
Schlafphasen
Eine genaue Analyse des Schlafes ist mit Hilfe eines Elektroenzephalogrammes (EEG) möglich, welches die elektrische Hirnaktivität aufzeichnet. Der Schlaf ist nicht während der gesamten Zeit gleich tief. Normalerweise verläuft der Schlaf in Phasen, die sich während einer Nacht mehrmals wiederholen: der REM-Schlaf und der Non-REM-Schlaf. REM steht für Rapid Eye Movement und bezeichnet Schlafepisoden, die sich durch rasche Augenbewegungen auszeichnen. Die REM-Schlafepisoden sind zu Beginn des Schlafs kurz und werden im Verlauf der Nacht länger. Während man früher annahm, der REM-Schlaf sei gleichbedeutend mit Traumschlaf, weiss man heute, dass man sich sowohl beim Erwachen aus dem REM-Schlaf als auch aus dem Non-Rem-Schlaf an Träume erinnern kann. Die Non-REM-Episoden umfassen Stadien verschiedener Schlaftiefe. Dabei fallen die intensiven Tiefschlafphasen auf die ersten Stunden nach dem Einschlafen, die REM-Phasen v.a. in die zweite Nachthälfte. Das Schlafwandeln, welches aus dem Tiefschlaf heraus auftritt, findet deswegen 1-2 Stunden nach dem Einschlafen statt, während die REM-Schlaf gebundenen Alpträume mehr in der zweiten Nachthälfte auftreten.
Schlafdauer
Wie viel Schlaf ein Mensch durchschnittlich braucht, ist sehr unterschiedlich: Die Durchschnittsdauer liegt zwischen 4 und 10 Stunden pro Tag. Es ist auch mit Trainig nicht möglich, von einem "Langschläfer" zu einem "Kurzschläfer" zu werden. Mit zunehmendem Alter nimmt die Dauer des täglich benötigten Schlafs nur sehr wenig ab. Weil gleichzeitig auch die Fähigkeit abnimmt, ein Schlafmanko zu kompensieren, müssen gewisse Personen beim älter werden sogar länger schlafen.
Säugling: 16 Stunden
Kleinkind: 11-13 Stunden
Jugendliche(r): ca. 9 Stundem
Erwachsener: 4-10 Stunden (Im Schnitt 6.5 - 8.5 Stunden)
Es gibt vom "Langschläfer" (9 und mehr Stunden) bis zum "Kurzschläfer" (5-6 Stunden) alles. Solange Sie sich gesund und leistungsfähig fühlen, besteht kein Handlungsbedarf.
Auch die Verteilung des Schlafs während des Tages ändert sich während des Lebens und ist zum Teil auch von kulturellen und sozialen Faktoren abhängig. Kleinkinder haben mehrere kurze Schlafphasen, Erwachsene meistens eine lange Schlafphase, und im hohen Alter finden sich wieder mehrere kurze Phasen. Solange der Schlaf erholsam ist und keine Tagesschläfrigkeit auftritt, besteht kein Anlass zur Sorge; auch nicht bei kurzen und unter Umständen mehrfach unterbrochenen Gesamtschlafzeiten. Die abendliche Bettzeit verschiebt sich im Jungedalter häufig nach hinten und führt zu den bekannten Problemen beim Aufstehen, während ältere Personen wieder eine sehr frühe Bettzeit wählen.