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Ein Spaziergang durch Tokios Entwässerungsanlage
Es handelt sich um Japans grösste unterirdische Infrastruktur, deren Name kaum auf diesen Gigantismus hindeutet: Shutoken Gaikaku Hōsuiro oder auf Deutsch «der äussere Entwässerungskanal für das Hauptstadtgebiet» nennt sich dieses Bauwerk. Auf Englisch spricht man ganz einfach von G-Cans.
Januar 2022 – Ich wünsche allen ein frohes neues Jahr! Ein ganz spezieller Dank geht an alle Leser, die diesen Blog mit einem Abo unterstützen.
Es ist die grösste Entwässerungsanlage der Welt, die in der Stadt Kasukabe in der Präfektur Saitama nördlich von Tokio in einer Tiefe von 50 Metern unter der Oberfläche gebaut wurde. Fünf längliche, 65 Meter hohe Schächte sind auf einer Länge von 6,3 Kilometern mit Tunneln verbunden. In einem einzigen Schacht hätte gleich ein ganzes Space Shuttle Platz (hier eine ausführliche Erklärung auf Englisch.
Die gigantische Halle
Am Ende dieses Systems steht das Herzstück auf einer Fläche von 14’000 Quadratmetern. Es ist ein gigantischer Wasserspeicher, der 177 Meter lang, 78 Meter breit und 18 Meter hoch ist. Diese riesige Halle wird von 59 Stützpfeilern getragen, die jeweils 500 Tonnen wiegen. Die Bauweise lässt den Speicher wie eine unterirdische Kathedrale aussehen. Bei Taifunen und starken Regenfällen in Tokio werden die Wassermassen in dieses System geleitet und schliesslich kontrolliert in den Fluss Edogawa entlassen. 1992 wurden die Bauarbeiten in Angriff genommen. 2006 wurde die Anlage fertiggestellt. Die Zahl der Überschwemmungen und überfluteten Häuser konnten seither nachweislich reduziert werden. G-Canst hat eine Vorbildfunktion.
Inzwischen werden auch in anderen urbanen Regionen ähnliche Projekte geplant und umgesetzt. Unter dem Tokioter Bahnhof Shibuya entstand 2020 im gleichen Stil eine Entwässerungsanlage, deren Halle 45 Meter lang, 22 Meter breit und 12 Meter hoch ist. Knapp zehn Jahre dauerten die Bauarbeiten für diese riesige Halle 25 Meter unter der Erdoberfläche (Asienspiegel berichtete).
Die virtuelle Tour
G-Cans hat sich während den Trockenzeiten zu einer attraktiven Sehenswürdigkeit entwickelt. Die Architektur und die schiere Grösse dieses Bauwerk zieht seit Jahren neugierige Touristen an. Für einen Besuch ist eine Anmeldung notwendig. Die Führungen sind regelmässig ausgebucht, auch aktuell im Dezember 2021 und Januar 2022.
Die Corona-Krise führt jedoch dazu, dass dieses imposante Bauwerk für die meisten Leser dieses Blogs in weiter Ferne bleibt. Japans Regierung wird das Einreiseverbot für ausländische Touristen leider noch eine längere Weile aufrechterhalten. Und trotzdem gibt es seit einigen Jahren eine Alternative, um sich einen Eindruck von dieser Anlage zu verschaffen. Dank Google Street View kann jeder von zuhause aus, über die Treppen in den Untergrund steigen. Ebenfalls empfehlen kann ich die englischsprachige App zu dieser Anlage, die einen guten Überblick verschafft.
Der Standort von G-Cans
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