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Beatenberg ist mit seinen 7 km Länge nicht nur das «längste Dorf Europas», sondern mit einer Höhendifferenz von 1400 m zwischen Thunersee und Niederhorn auch ein ziemlich hohes. Und zählt man die Unterwelt dazu zählt, wahrscheinlich eines der durchlöchertsten.
Da ist einerseits das zweitgrösste Höhlensystem der Schweiz im Karstgebiet Beatenberg-Siebenhengste-Hohgant. Und unterhalb des Niederhorns finden sich die Stollen des ehemaligen Kohlenabbaus. Ausserdem gibt es insgesamt drei militärische Bunkeranlagen. Diese sind gut getarnt, während das grösste Loch, der riesige Krater des Balmholz-Steinbruches, nicht zu übersehen ist. Am bekanntesten sind aber die Beatushöhlen, ein Verbund von Tropfsteinhöhlen am Thunersee, die auf 1 km ins Innere begehbar sind.
Die Höhle, wie auch das Dorf, haben den Namen vom Heiligen Beatus, welcher der Legende nach einen Drachen aus der Höhle verscheucht hat, um selbst drinnen zu hausen. Nun ist der Beatus bei weitem nicht der erste, der einen Kampf gegen das Fabeltier ausfocht. Der Heilige Gregor ist nur einer der vielen Vorgänger; schon in der babylonischen Mythologie besiegt der Gottkönig Marduk einen Drachen. Es handelt sich bei der Beatusgeschichte also um ein «Palimpsest». So nannte man im Mittelalter ein wiederbenütztes Pergament, wo die alte Tinte abgeschabt und das Pergament neu beschrieben wurde und moderne Techniken es heute ermöglichen, den ursprünglichen Text sichtbar zu machen.
Neben dem Eingang zur Beatushöhlen befindet sich auch eine Halbhöhle.Die Chance ist gross, dass wenn man die Bodenschichten der Höhle abschaben würde, Spuren früherer Besiedlungen zum Vorschein kämen. Solche Halbhöhlen waren bevorzugte Wohnlage jener Menschen, die sich nach dem Rückzug der Gletscher beim ausgehenden Eiszeitalter in den Alpentälern ansiedelten. Bei Ausgrabungen im Muotatal beispielsweise stiess ein Forschungsteam in einer solchen Halbhöhle auf 12’000 Jahre alte Spuren menschlicher Besiedelung. Archäologen sind überzeugt, dass auch die Halbhöhlen bei der Balmfluh am Thunersee in diesem Zeitraum Menschen beherbergten und dass man deren Spuren finden würde, wenn man tief genug gräbt.
Wenn wir in der Zeitdimension tief genug graben, und die Menschheitsgeschichte bis zum Beginn vor ein paar Millionen Jahren zurückverfolgen, erscheint auf der „paläogenetischen Pergamentrolle“ ein Bild unserer Urahnen, das nach einer Korrektur der hergebrachten Vorstellung ruft. Mit den Kohlewelten erkunden wir nicht nur die Geschichte der Kohle und der Menschen, sondern damit eng verbunden auch eine Geschichte des Klimas.