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Im Wüstenstaat am Nil ist Siemens schon sehr lange präsent. Die ersten geschäftlichen Kontakte des Firmengründers gehen aufs Jahr 1856 zurück und bereits 1901 eröffnete Siemens in Kairo ein erstes technisches Büro. Heute arbeiten rund 800 Personen für Siemens Ägypten und ermöglichen durch effiziente Energieerzeugung, bessere Verkehrserschliessung, moderne Industrielösungen und ein finanziell tragbares Gesundheitssystem dem afrikanischen Land ein nachhaltiges Langzeitwachstum. Einer dieser Mitarbeitenden ist Joachim Rizzo, der bei der Division Mobility in Wallisellen gearbeitet und vor gut einem Jahr seine neue Arbeitsstelle als Country Division Controller bei Siemens in Kairo angetreten hat. In dieser Funktion kümmert er sich unter anderem um das Controlling von Mobility-Projekten, die derzeit in Ägypten umgesetzt werden. Die ägyptischen Eisenbahngesellschaft (ENR) arbeitet seit mehr als 25 Jahren mit Siemens zusammen. Auf dem über 9500 Kilometer langen Schienennetz transportiert die Staatsbahn jährlich rund 500 Millionen Fahrgäste und sechs Millionen Tonnen Güter.
Verlässlicher Partner für Bahnmodernisierungen
Für die Umsetzung des ambitionierten Bahnausbauprogramms hat das nationale Verkehrsministerium in den letzten Jahren mehrere Modernisierungsprogramme in Auftrag gegeben. So schrieb die ägyptische Eisenbahngesellschaft im Jahr 2009 das Projekt zur Modernisierung der Signalsysteme für den 200 Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen Kairo und Alexandria und im Jahr 2014 denselben Auftrag für die rund 260 Kilometer lange Bahnstrecke zwischen Benha und Port Said aus. Für beide Projekte liefert Siemens modernste Signaltechnik. Weil die spanische Niederlassung von Thales, einem internationalen Unternehmen auf den Märkten der Militärtechnik, Luft- und Raumfahrt sowie Sicherheit und Transport, den Auftrag für das Resignallingprojekt zwischen Kairo und Alexandria gewonnen hat, fungierte Siemens als Technologiezulieferer für rund 1200 Gleisabschnitte. Anders als beim erstgenannten Projekt wurde Siemens bei der Ausschreibung für Benha/Port Said der Gesamtauftrag und somit die vollumfängliche Projektverantwortung zugesprochen. Die Modernisierung der Signalsysteme der 260 Kilometer langen Bahnstrecke umfasst die Bahnkorridore von Zagazig nach Abu Kebir im Norden Kairos sowie von Benha nach Port Said, einer Hafenstadt am Mittelmeer, die als nördliche Einfahrt für den Suezkanal dient. Für die rund 21 Stationen umfassenden Strecken liefert Siemens elektronische Stellwerke, Weichenantriebe, Signale, Gleisfreimeldesysteme sowie Bahnübergangs- und Kommunikationstechnik.
Schweizer Gleisfreimeldesystem
Joachim Rizzo ist insbesondere für die finanziellen Belange bei der Modernisierung der Strecke Benha nach Port Said verantwortlich. Der Schweizer Aspekt bei diesem Projekt sowie beim Bahnkorridor von Kairo nach Alexandria beschränkt sich aber nicht nur auf Controlling-Arbeiten. Bei der Realisierung dieser beiden Grossprojekte kommen nämlich entscheidende Bestandteile aus der Schweiz: So wird das Gleisfreimeldesystem Clearguard UGSK3, welches zur Detektion von Zügen eingesetzt wird, von Siemens Mobility in Wallisellen fabriziert. Die UGSK3 sind Systeme, die der eindeutigen und zuverlässigen Informationsübermittlung von freien und/oder belegten Gleisabschnitten an das Stellwerk dienen. Damit schaffen sie eine wichtige Grundlage für einen sicheren Bahnbetrieb und eine kontrollierte Gleisbelegung. In der ganzen Schweiz sorgt der Clearguard UGSK3 wie auch dessen Vorgängerversion, der UGSK 95, bereits seit Jahren für einen reibungslosen Bahnbetrieb bei der SBB und 25 Privatbahnen. Über 5000 Exemplare dieser beiden Typen tragen in der Schweiz zur Sicherheit im Schienenverkehr bei. Durch die Ausstattung der Gleisabschnitte zwischen Kairo und Alexandria mit dem Gleisstromkreis aus Wallisellen ist der Schweizer Mobility-Division erstmals der Markteintritt in Ägypten gelungen. Damit verbunden ist natürlich eine vorteilhafte Positionierung für zukünftige Projekte – wie das Projekt zwischen Benha und Port Said eines darstellt. Für eine möglichst effiziente und kostengünstige Ausstattung der Gleisabschnitte mit den notwendigen Produkten aus der Schweiz waren beim Modernisierungsprojekt Kairo-Alexandria eine enge Zusammenarbeit mit den Kollegen vor Ort sowie ein intensiver Know-how-Transfer erforderlich. Exemplarisch für diese Teamleistung war die Inbetriebnahme von sechs Gleisabschnitten durch Thales. Mit der Vorort-Unterstützung durch spanische und Schweizer Siemens-Kollegen wurde die Pilotanlage in lediglich zwei Nächten anstatt der angesetzten sieben in Betrieb genommen. Im Rahmen des Vorort-Supports schulten die Schweizer Experten auch das Montage- und Wartungspersonal von Thales und den Unterlieferanten. Neben der koordinierten Zusammenarbeit zwischen den diversen Vertragsparteien und dem Endkunden waren die landesspezifischen Produktanpassungen Herausforderungen, die es zu meistern galt. Die Signaltechnikkomponente Clearguard UGSK3 musste so angepasst werden, dass sie den extremen Bedingungen in Ägypten standhält und vor Diebstahl sicher ist.
Positiver Eindruck vom neuen Arbeitsumfeld
Klimatisch und gesellschaftlich sind die Anforderungen in Ägypten mit jenen in der Schweiz nicht zu vergleichen – und auch arbeitstechnisch musste sich Joachim Rizzo umgewöhnen: «Gearbeitet wird hier von Sonntag bis Donnerstag», erklärt er. «Aber daran habe ich mich schnell gewöhnt. Ich fühle mich grundsätzlich sehr wohl an meinem neuen Arbeitsort. Eine Herausforderung ist die Pflege der Beziehung zur Familie. Geschäftlich reise ich immer mal wieder nach Europa und verbinde diese Aufenthalte oft mit einem Besuch der Heimat.» Gemäss aktueller Planung wird Joachim Rizzo die Arbeit nicht so schnell ausgehen: Die beiden Projekte mit Schweizer Beteiligung markieren lediglich den Anfang des umfassenden Modernisierungsprogramms in Ägypten. Zahlreiche weitere Projekte stehen zur Ausschreibung bereit – hoffentlich auch weiterhin mit Know-how von Siemens Schweiz.
Ägyptens Megaprojekt
Im Juni 2015 hat Siemens den grössten Einzelauftrag seiner Geschichte zum Ausbau der Energieversorgung Ägyptens erhalten. In Zusammenarbeit mit den lokalen Partnern Elsewedy Electric und Orascom Construction errichtet Siemens bis im Mai 2018 drei schlüsselfertige Gas- und Dampfturbinenkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 14,4 Gigawatt (GW). Die erste Phase des Megaprojekts ist in Rekordzeit abgeschlossen worden. Statt dem versprochenen Ziel von 4,4 Gigawatt (GW) sind bereits heute 4,8 GW am Stromnetz. Allein der erzielte Überschuss von 400 Megawatt reicht aus, um mehr als eine Million Menschen in Ägypten mit Strom zu versorgen.
Nach der Fertigstellung werden die drei Kraftwerke in Beni Suef, Burullus und New Capital die grössten Gas- und Dampfturbinenkraftwerke sein, die weltweit je gebaut und betrieben wurden. Die Anlagen werden Strom für 45 Millionen Menschen liefern. Ausserdem spart Ägypten dank der effizienten Siemens-Technik pro Jahr Brennstoffe im Wert von 1,3 Milliarden Dollar.