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Today we ride to our destiny.
Dieser Film lässt ihn einfach nicht in Ruhe. 2004 kam das leicht misslungene, knapp 3-stündige Historienepos «Alexander» von Oliver Stone («Born on the Fourth of July») in die Kinos. Anschliessend fertigte er einen acht Minuten kürzeren «Director’s Cut» an, der ihn (und auch mich) aber auch nicht recht befriedigte. Ende 2007 erschien dann die gemäss Titel «endgültige» Fassung, die im November 2009 endlich auch im deutschsprachigem Raum auf Blu-ray-Disc und DVD erschien. 213 Minuten dauert der Film nun, der immer noch nicht wirklich überzeugt, aber die vorhergehenden Versionen klar in den Schatten stellt.
Im Frühling 2007 habe ich kurz vor meinen Abschlussprüfungen an der Universität «Alexander: Director’s Cut» aus historischem Blickwinkel betrachtet. Das Resultat fiel ebenso zwiespältig aus, wie wenn der Film unter rein filmischen Aspekten behandelt wird. Das gilt auch für «Alexander Revisited: The Final Cut». Besonders störend wirkt die überhöhte Konzentration auf die ödipale Beziehung von Alexander (Colin Farrell, «Cassandra’s Dream») zu seinen Eltern (Angelina Jolie und Val Kilmer).
Das Verhältnis ist in den Quellen viel zu wenig ausgearbeitet, als dass es eine solche starke Erwähnung verdienen würde. Dafür überspringt Stone in seiner Erzählung gleich mehrere entscheidende Jahre vom Machtantritt im Sommer 336 bis zur Entscheidungsschlacht gegen den Perserkönig Dareios bei Gaugamela im Oktober 331. In dieser Zeit sicherte ich der junge makedonische König die Vormachtstellung in Griechenland, lieferte sich bereits zwei grosse Schlachten mit den Persern, befreite die griechischen Städte an der ostägäischen Küste und zog in Ägypten ein. Eine durchaus relevante Periode.
Selbstverständlich darf Oliver Stone in seiner Erzählung gewisse Episoden übergehen. Er erlaubt sich die gleichen Freiheiten, die er Ptolemaios (Anthony Hopkins, «Beowulf») für alle Historiker formulieren lässt: «Did such a man as Alexander exist? Of course not. We idolize him, make him better than he was.» Wenn Stone dafür aber wenig verbürgte Figurenkombinationen ins Zentrum rückt, dann vermittelt er ein verfälschtes Alexanderbild. Für den Historiker sind solche Verfälschungen einfach ein Graus. Auch dramaturgisch bringen sie den Film nicht voran. Von der erzählerischen Seite her fallen in diesem Zusammenhang vor allem die zahlreichen schwülstigen Dialoge und Monologe negativ auf, welche die Handlung unnötig bremsen.
Stone bedient sich in seinen erfunden Gesprächen ausgiebig neoliberalen Jargons. Er verbreitet fleissig das Gedankengut des diktatorischen Terroristenjägers Bush, der beim Einmarsch in fremde Länder gerne von Freiheit redete. Diese Darstellung widerspricht besonders den eigentlichen Absichten Alexanders, der den Krieg gegen die Perser als Rachefeldzug darstellte, etwa für den Perserkrieg von Xerxes. Beim Betrachten des «Final Cut» habe ich jetzt allerdings den Eindruck gewonnen, dass die weltvereinenden Absichten von Alexander, die er ab einem gewissen Zeitpunkt womöglich tatsächlich verfolgte, noch ein wenig mehr und auch glaubwürdiger ins Zentrum gerückt wurden. Alexander erscheint durch zusätzliche Szenen ausgewogener und besonnener. Dadurch wirkt auch der Film ausbalancierter.
Negativ fallen natürlich immer noch gewisse «künstlerische» Freiheiten auf. Obwohl ich nicht besonders darauf achtete, sind mir bereits im «Director’s Cut» einige schwerfällige und unnötige Verschiebungen von historischen Ereignissen aufgefallen. So kämpfte etwa Parmenions Sohn Philotas (Joseph Morgan) bei der Schlacht von Gaugamela gar nicht mit seinem Vater auf dem linken Flügel (der nicht aus Fusstruppen, sondern aus griechischen und thrakischen Reitern bestand), er führte nämlich mit Kleitos (Gary Stretch) die Hetairoi an, mit denen Alexander den entscheidenden Angriff ausführte.
Bei der Ankunft in Babylon wird Alexander dann die Prinzessin Stateira (Annelise Hesme) vorgeführt, eine Tochter von Dareios, die allerdings schon seit der Schlacht von Issos zwei Jahre zuvor in der Obhut von Alexander war. In ihrer Figur wird zudem eine Episode zusammengeführt, in der Sisygambis, die Mutter von Dareios, sich vor Alexanders engstem Gefährten Hephaistion (Jared Leto) niederwarf, weil sie im grossgewachsenen Makedonen irrtümlich den König vermutete. Das sind zwar nur Kleinigkeiten, in Details wird aber die Schlacht und somit das Urteil über den Film entschieden.
Spätestens in Indien entgleitet Stone das Geschichtsheft dann endgültig. Kleitos, der Alexander das Leben in der Schlacht am Granikos und nicht bei Gaugamela gerettet hatte, war zu diesem Zeitpunkt bereits von Alexander aufgespiesst worden. Der Verweigerung der Soldaten, den Feldzug weiterzuführen, ereignete sich bereits vor der Schlacht am Hydaspes, und die Einwände gegen einen Weiterzug wurden nicht von Krateros (Rory McCann) vorgetragen (der in der Szene wie ein einfacher Soldat wirkt, in Wahrheit aber ein Gefährte von Alexander war), sondern von Koinos.
Zudem werden wichtige Vorfälle und Bestandteile aus der Überlieferung komplett ausgeblendet, insbesondere die Kämpfe um die Vorherrschaft in Griechenland, aber auch die Brandstiftung und Plünderung in Persepolis, die Massenhochzeit von Susa, andere werden nur zu kurz gestreift, wie der Zug in die Oase Siwa, der mörderische Zug durch die gedrosische Wüste oder die letzten Pläne zur Eroberung der arabischen Halbinsel.
Als Geschichtslektion taugt «Alexander» also nur wenig, aber auch ideologisch und filmisch sind Fragezeichen angebracht. Der «Final Cut» ist knapp 40 Minuten länger als die Kinofassung, aber immerhin durch die neue Erzählstruktur (die Jugend wird in Rückblenden eingefügt) keine Minute langweilig. In der Einführung auf der amerikanischen Blu-ray-Disc von Warner erklärt Stone, dass er nun die vollständige Freiheit hatte, die Fesseln des kommerziellen Filmemachens zu sprengen und eine unverwässerte, unverfälschte und unzensierte Version präsentiert: «This would be a freedom for me that I’ve neber had.» Betörende cineastische Momente sind reichlich enthalten, besonders die Visualisierungen der Schlachten bei Gaugamela und am Hydaspes, die das Chaos auf dem Schlachtfeld überwältigend wiedergeben.
Das Bonusmaterial auf der amerikanischen Blu-ray-Disc von «Alexander Revisited: The Final Cut» ist beinahe identisch mit den Extras des «Director’s Cut». Es besteht aus drei halbstündigen Drehberichten von Stones Sohn Sean Stone, der am Drehort eine beträchtliche Menge an aufschlussreichem Material einfangen konnte. So ist zu sehen, wie Oliver Stone ungläubig erfährt, wie aufwändig die Bearbeitung der visuellen Effekte ist, und der ehemalige US Marine Dale Dye, der offensichtlich bei jedem Film mit einem Soldaten die Rolle des technischen Beraters übernimmt, erklärt besondere Aspekte antiker Kriegsführung. Vangelis darf schliesslich noch in vier Minuten seine Musik erklären.
Zusätzlich sind eine Einführung von Oliver Stone und zwei Audiokommentare enthalten. Das Bonusmaterial auf der günstigen deutschen Blu-ray-Disc von Constantin Film besteht lediglich aus diesen beiden Audiokommentaren und einem 12-minütigen Drehbericht. Auf einem Audiokommentar ist Oliver Stone gewohnt ausufernd zu hören, auf dem zweiten weist Historiker Robin Lane Fox auf die Wahrheiten und Lügen des Films hin. Bild- und Tonqualität der beiden Blu-ray-Discs sind identisch. Vorzüglich ist vor allem die Bildqualität. Die Effekte auf der Tonspur in DTS-HD Master Audio 5.1 beschränken sich selbst im Schlachtgetümmel ein wenig zu stark auf die Frontlautsprecher.
Film:
Bildqualität (Blu-ray):
Tonqualität (Blu-ray):
Bonusmaterial (Blu-ray):
(Bilder: ©Warner Home Video)
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