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Der in Duisburg, Nordrhein-Westfalen, geborene Komponist Ramin Djawadi darf neben John Powell und Harry Gregson-Williams zu den erfolgreichsten „Abgängern“ aus der Hans Zimmer-Schule Remote Control gezählt werden. Neben grossen Hollywood-Blockbustern vertont er seit Jahren die aberwitzig erfolgreiche HBO-TV-Serie Game of Thrones (seit 2011). Hierfür schrieb er eine der zwischenzeitlich wohl bekanntesten Titelmelodien im Serienuniversum. Doch mit der sechsten Staffel und dem damit nun vorliegenden sechsten Album hat auch seine Musik um dieses Hauptthema herum einen Quantensprung bezüglich dramatischer Verdichtung und packender Melodiebögen gemacht.
Die Fans auf den Foren scheinen sich einige zu sein: Die 6. Staffel von Game of Thrones soll die bis dato Beste sein. Dies kann definitiv auch zu Ramin Djawadis Filmmusik gesagt werden. Nachdem er mit seinem Score zur 1. Staffel einen sehr vielversprechenden Auftakt bot, mäanderte seine Musik zumindest auf den offiziell veröffentlichen Soundtrack-Alben zu den Staffeln zwei bis fünf über weite Strecken im weniger interessanten „Underscore-Tal“ herum, wobei lediglich einzelne Fan-Favoriten wie „The Rains of Castamere“ und „Warrior of Light“ (Season 2), „Mhysa“ (Season 3), „The Children“ (Season 4) und „Throne for the Game“ (Season 5) neben dem populären Hauptthema etwas nachzuhallen vermochten. Mit dieser „Tradition“ bricht das jüngste Game of ThronesSoundtrack-Album, wobei die hier präsentierte Musik auch einen Zacken an Epik zulegt – Orchester und Chor haben mehrere kraftvolle Tutti-Momente. Nachdem das bestens bekannte Titelthema in den „Main Titles“ das Album kurz und prägnant eröffnet, folgt mit „Blood of My Blood“ eines dieser ersten, wuchtigen Orchester-Chor-Tutti-Stücke. Im selben „Kanon“ können die mitreissenden Kompositionen „Khaleesi“, „Reign“, „Let’s Play a Game“, „Bastard“ und „The Winds of Winter“ genannt werden. Mit dem dritten Stück, „Light of the Seven“, eröffnet sich dem Hörer wohl eine der bis dato dramatischsten Kompositionen von Djawadi überhaupt (wobei das später folgende Stück „My Watch Has Ended“ mit dem berührenden Cello-Solo nahe kommt). „Light of the Seven“ präsentiert während knapp 10 Minuten ein wiederkehrendes Thema, welches zu Beginn nur im Duett von Klavier und Streicher alternierend gespielt wird, bis zum Finale hin jedoch stetig anschwillt und letztlich gar mit kraftvollem Chor und Orgel erklingt. Dann folgt eine neue Facette mit dem Stück „Needle“, welches gezupft-tänzerisch daherkommt und mit Staccato-Streichern und Perkussion zunehmend an Fahrt gewinnt. Ein weiterer Höhepunkt ist das gut 7-minütige Stück „Hold the Door“, in welchem Djawadi einen grossen, narrativen Bogen mit allen möglichen Tempi und Emotionen spannt – von anschwellendem Ungemach, hin zu Action und abschliessender Trauer und Mystik.
Das vorliegende Album enthält viele wirklich tolle Musikmomente, womit es sich die Aufmerksamkeit des Hörers durchwegs sichern kann – dies war bei früheren Game of Thrones-Score-Alben nicht der Fall. Dies liegt sicherlich an der tollen Qualität der Musik, aber auch an einer gelungenen Highlight-Zusammenstellung und Programmierung auf CD. Nach dem kraftvollen Finale mit „The Winds of Winter“ kann man sich mit einem Promo-Code, welcher dem CD-Booklet beigelegt ist, weitere knapp 20 Minuten Musik downloaden (7 Stücke). Die Fans werden das sicherlich machen, doch verbergen sich hier keine weiteren Höhpunkte sondern mehr „more of the same“. So gesehen ist die Musik auf dem Album eigentlich ausreichend.
Fazit: Der Soundtrack zu Game of Thrones – Season 6 (2016) ist nicht nur der bis dato überzeugendste Soundtrack zu dieser Franchise, sondern auch eine der besten Arbeiten von Ramin Djawadi überhaupt (gefolgt von Pacific Rim aus dem Jahr 2013). Die Musik begeistert mit tollen Themen, schönen, kraftvollen Orchester- und Chor-Momenten, krachender Perkussion aber auch ruhigen, sehr dramatischen, intimen (Cello-) Solo-Passagen. Topp!