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Diesseits des Van-Allen-Gürtels (Ein-Satz-Review)
von Cedric Weidmann
Ein-Satz-Review
Herrndorf möchte unaufgeregt wirken, das liebe ich, nur scheint die Form der Kurzgeschichte ihn zu einer Aufregung zu zwingen, die die Frage aufwirft, warum man es gerade hier geendet, gerade dort begonnen hat, eine Frage zuviel für die Belanglosigkeit der Figuren, und es ist kaum verwunderlich, dass die meisten Geschichten in chaotischen Settings aufgezogen sind, überworfenen Parties, in unaufgeräumten Häusern oder einem seltsam zusammengezwirbelten Fernen Osten, wo es einmal lakonisch heisst: «Langsam wurde es unübersichtlich», wo die chaotische, amoralische, aber immer präzise komponierte Welt wie in Herrndorfs übrigen Büchern einem die Faust ins Gesicht schlägt, was nur deshalb kein Problem ist, weil er manchmal eben doch nicht so tut, als wäre er unaufgeregt und zufällig, wenn, wie in der Kurzgeschichte «Herrlich, diese Übersicht», alle Fäden der anderen Geschichten zusammengesponnen und als bedeutsames Gesamtpacket verschnürt werden, nur ist das dann, und das macht es vielleicht aus, auch ganz erfrischend bedeutungslos: Herrlich, wie wenig uns die Übersicht geholfen hat.