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Wildmannli
Archäologen haben in der Wildmandli Höhle unter dem Selun, einem der sieben Churfürsten, bei Ausgrabungen einen Schuh entdeckt, der endlich Auskunft geben kann über den Wilden Mann, den man lange Zeit nur für eine Legende gehalten hat, und dessen Existenz nun konkrete Formen annimmt. Es handelt sich um einen Schuh aus Holz, ziemlich gut erhalten, dessen Eigenschaften Erstaunliches über den Träger verraten. Der Wilde Mann, davon kann man nun ausgehen, muss über 2.70 m gross gewesen sein, auf jeden Fall aber hat er übermässig grosse Füsse gehabt.
Er war also alles andere als ein Mannli, wie die Legende erzählt. Er dürfte um die 290 Kilo gewogen haben, das lässt sich an Abschürfungen am Absatz ablesen und an den Abdrücken der Fersen innerhalb des Schuhs. Das Holz, aus dem der Schuh hergestellt wurde, stammt von einer Baumart, die unterdessen ausgestorben ist, und die im Toggenburg verbreitet gewesen sein muss, wie andere Holzfunde belegen. Er muss sich vorwiegend von Gämsen und Wildschweinen ernährt haben, darauf lassen Blutspuren auf dem Schuhwerk schliessen. Das widerspricht dem Gerücht, dass er in mondlosen Nächten ins Tal geschlichen kam und in den Dörfern Hühner und Gänse gestohlen und in seine Höhle mitgenommen hat.
Herstellung und Machart des Schuhes lassen erkennen, dass der Wilde Mann Linkshänder war, und dass ihm das vordere Glied des Mittelfingers fehlte, ja die Archäologen haben sogar feststellen können, dass das im Kampf mit einem Bären geschah. Das ergibt sich aus der speziellen Handhabung des Schnitzmessers: Angestellte von Zoos, die ebenfalls im Kampf mit Bären ihre Mittelfinger verletzten, zeigen beim Schnitzen dieselbe typische Messerführung, wie man sie auf dem Holzschuh aus dem Wildmannlisloch sehen kann.
Janis
Der Wilde Mann hat offenbar keine Socken getragen, denn es konnten im Innern des Schuhs keine Rückstände von Hanf oder Schafwolle festgestellt werden, dafür aber Rückstände eines Fettes, das inzwischen als Murmeltierfett identifiziert werden konnte, mit dem der wilde Mann offenbar seine Füsse pflegte. Das bringt die Theorie ins Wanken, wonach der Wilde Mann ein ganz und gar ungehobelter, rückständiger Klotz gewesen sei, der lebte wie ein wildes Tier und nicht viel Menschliches an sich hatte, daher der Name: Wildmannli. Kommt noch dazu, dass die komplizierte Art, mit der der Schuhbändel geknüpft ist, Schönheitssinn, Geschick und viel Fingerspitzengefühl verrät.
Der Fund dieses Schuhes zwingt uns, die Geschichte des Wilden Mannes neu zu schreiben. Es gibt immer mehr Indizien, dass er ein sehr später Nachkomme jenes Volkes der Riesen gewesen sein muss, das unser Land vor langer, langer Zeit bevölkert hat, und das verantwortlich dafür ist, dass unser Land zu zwei Dritteln aus Bergen und Felsen besteht. Oder umgekehrt gesagt: Dass wir heute ein Mittelland haben, das einigermassen eben ist und fruchtbar, ist darauf zurückzuführen, dass dieses Riesenvolk sich die Mühe machte, Steine und Felsen aus den Äckern zu entfernen und dort aufzuhäufen, wo jetzt unsere Berge stehen.