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Als Jesus Christus in die Schweiz kam
Als Jesus Christus in die Schweiz kam
Die Schweiz ist ein Land mit alten christlichen Wurzeln. Sie reichen viel weiter zurück als zur Reformation, sogar noch weiter zurück als zum Bundesschluss aus dem Jahr 1291. Schon bevor die Schweiz als heutiges Staatsgebiet bestand, war ein grosser Teil der Bevölkerung bereits christianisiert. Doch wie kam die Botschaft von Jesus Christus eigentlich in die Schweiz?
Strassen sind die Lebensadern eines Staates. An ihnen pulsiert der Handel und der Reiseverkehr. So wie heute der Gotthard-Tunnel eine wichtige Verkehrsverbindung zwischen Nord- und Südeuropa bildet, führten damals enge Passstrassen durch das Schweizerische Alpenmassiv. Im frühen Mittelalter gehörte das gesamte Gebiet der heutigen Schweiz zum römischen Reich. Es war bereits damals ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Wahrscheinlich brachten christliche Reisende aus dem römischen Reich schon in frühester Zeit das Evangelium in die Schweiz.
Frühe Märtyrer
In Agaunum im heutigen Saint-Maurice im Wallis spielten sich um 280 n. Chr. gemäss alten Überlieferungen dramatische Ereignisse ab. Eine römische Legion, bestehend aus über 6000 christlichen ägyptischen Soldaten, soll sich dem Befehl des Kaisers widersetzt haben, gegen andere Christen zu kämpfen. Gemäss der Überlieferung wurde die gesamte Legion hingerichtet. Rund 200 Jahre später entstand an diesem Märtyrerort ein Kloster, das eine Ausstrahlungskraft nach ganz Europa entwickelte. Seine Eigenart von Agaunum bestand darin, dass über 300 Jahre lang ununterbrochen Psalmen gesungen wurden – Tag und Nacht. Seit 1500 Jahren ist kein Tag vergangen, an dem im Walliser Dorf Saint-Maurice kein Psalm gesungen worden wäre. Was für ein geistliches Erbe!
In den politischen Umwälzungen des frühen Mittelalter wirkten die neu entstandenen Klöster wie sichere Häfen. Das weströmische Reich, das grosse Teile Europas umfasst hatte, zerbrach. Gewaltige Völkerwanderungen brachten Zerstörung und Chaos über den Kontinent. Von den Klöstern aus wurde die Gesellschaft über Generationen hinweg mit dem Evangelium erreicht. Diese Stätten des Gebets waren gleichzeitig die Keimzellen der Christianisierung der Schweiz.
Kolumban und Gallus
Auf der Alpennordseite dauerte die Christianisierung etwas länger. Zwar gab es in grösseren Städten bereits christliche Gemeinden, aber die Bevölkerung war noch heidnisch. Die Herrschaft des römischen Reiches war längst zerbrochen, als sich die zwei irischen Mönche Kolumban und Gallus auf den Weg machten, um entlang des Rheins von Christus zu erzählen. Nach einem längeren Aufenthalt in Bregenz (Ö) zog Kolumban weiter nach Norditalien, während Gallus krankheitshalber zurückblieb. In einem dichtbewaldeten Tal in der Ostschweiz lebte er als Einsiedler. Immer wieder unternahm er Reisen ins nahe gelegene Arbon, um über Christus zu predigen. Als er starb, entstand an der Stelle seiner Einsiedelei das Kloster und später die Stadt St. Gallen. Seine missionarische Tätigkeit hatte den Grundstein gelegt, dass auch die Landbevölkerung in der Nordschweiz von Jesus Christus hören konnte.
Aus der Geschichte lernen
- Die Schweiz hat das Evangelium nicht erfunden. Menschen aus dem Ausland liessen sich rufen, um die Botschaft von Jesus Christus in das heutige Staatsgebiet der Schweiz zu tragen. Das verpflichtet uns zur Demut: Wir stehen in einer langen Tradition des Glaubens. Und es verpflichtet uns dazu, den Glauben an Jesus Christus weiterzutragen – in die Nachbarschaft, in die Ortsgemeinde, in die Schweiz und darüber hinaus. Es gibt heute noch Länder, die vom Evangelium unerreicht sind.
- Die Rolle der Gebetshäuser und des Gebets kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Das Kloster Agaunum in Saint-Maurice war ein Gebetsort. Die irischen Mönche in der Nordostschweiz waren Männer des Gebets. Gebet und Evangelisation gingen Hand in Hand.
- Die Schweiz hat eine lange geistliche Geschichte. Es lohnt sich, den Anfängen nachzugehen und alte Segensquellen wieder auszugraben. Gehen Sie der Geschichte nach: Wie kam Jesus Christus in Ihr Dorf, in Ihre Stadt, in Ihren Kanton?