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unverheiratete Männer im Alter der Ehefähigkeit heirateten in Nidwalden 44 (19. Rang der Kantone) und in Obwalden 37 (23. Rang). Nur Wallis und Uri zeigen noch geringere Zahlen. Auf je 1000 lebende Personen entfallen jährlich Geburten: in Nidwalden 30,8 (13. Rang der Kantone) und in Obwalden 27. Hinter diesen Zahlen stehen nur noch Graubünden und Genf zurück. Auf je 1000 lebende Personen sind verheiratete Frauen: in Nidwalden 105 (20. Rang) und in Obwalden 96 (letzter Rang).
Dafür aber dauern die Ehen lange: in Obwalden durchschnittlich 28,1 Jahre (länger nur im Tessin mit 28,4 Jahren) und in Nidwalden 22,8 Jahre. Ebenso sind die Ehen ziemlich kinderreich, und es stehen in dieser Beziehung Nidwalden mit 5,2 Kindern im 9. Rang und Obwalden mit durchschnittlich 5 Kindern im 13. Rang. Ebenso scheinen die Kinder lebenskräftig zu sein, denn Nidwalden steht mit 1% Totgebornen an 1. Stelle und Obwalden mit 1,6% an 2. Stelle unter allen Kantonen. Die spärlichen Eheschliessungen sind nicht etwa nur auf Mangel an gutem Willen zurückzuführen, sondern hier macht sich auch der Umstand geltend, dass gerade unter den jungen Männern die Auswanderung (nicht nur nach Amerika, sondern besonders auch nach Deutschland als «Stallschweizer») unheimliche Dimensionen angenommen hat. Aus Amerika kommt ein verhältnismässig kleiner Prozentsatz wieder heim; viele beschliessen dort ihre Tage, besonders in Brasilien, wohin sich viele Obwaldner wandten.
Im Ganzen ist das Unterwaldner Volk ein gesunder Stamm. Man trifft viele alte Leute noch relativ rüstig und gesund. Verheerende, bezw. ansteckende Krankheiten sind jetzt sehr selten. Im 16. und 17. Jahrhundert wütete der schwarze Tod wie überall in der Schweiz; im 18. und 19. Jahrhundert trat hier und überhaupt in der Zentralschweiz unter dem Namen «Alpenstich» öfters eine sehr ansteckende und sehr bösartige Pleuropneumonie (Lungenentzündung) auf. Im Jahr 1834 überwogen in Unterwalden hauptsächlich infolge dieser Krankheit die Sterbefälle die Geburten um 147. Besonders stark herrschte der Alpenstich auch 1846, in welchem Jahr in Engelberg allein über 70 Personen daran starben.
Dr. Troxler in Luzern schrieb damals: «Obschon in Unterwalden eine Verachtung der Todesfurcht herrscht wie bei alten Völkern, so blieb dennoch die Verzweiflung nicht aus; man suchte durch feierliche Umzüge und öffentliche Gebete den Zorn des Himmels zu beschwören».
Seit dieser Zeit ist die Krankheit nie mehr epidemisch beobachtet worden. Das früher in Giswil, Alpnach und Stansstad endemische Wechselfieber ist seit mehr als 40 Jahren gänzlich erloschen.
Die Unterwaldner Volkstracht, einst eine der schönsten der Schweiz, verschwindet immer mehr und wird durch geschmacklose moderne Kostüme ersetzt. Obwalden und Nidwalden haben sich von jeher in der Tracht besonders des weiblichen Teils scharf unterschieden. Gemeinsam war im letzten Jahrhundert für die ledigen Personen nur der Haarpfeil, dessen eine Hälfte in breit-lanzenförmiger Form mit Filigran und Schmucksteinen reich verziert war. In diesen Filigranverzierungen hatten die Goldschmiede viel Geschmack entwickelt, und man sieht da zuweilen ganz zierliche und reizende Muster.
Die Obwaldnerin trug zu diesem Haarpfeil weisse und die Nidwaldnerin rote Haarschnüre. Kam die Obwaldnerin unter die Haube und wurde sie Frau, so trug sie bis gegen 1850 wortgemäss die «Haube», einen doppelteiligen, aus weissen Spitzen gewobenen und ziemlich grossen Kopfschmuck; später ein aus schwarzen Spitzen ohne ausgesprochenen Charakter verfertigtes, den Kopf bedeckendes Häubchen. Die Frau in Nidwalden hingegen trug nun einen Silberschmuck, den man «Haarnadel» nannte, der aber keine Nadel ist, sondern aus zwei grossen ovalen, der Hinterseite des Kopfes anliegenden Silberblechen besteht.
Wenn auch nicht so schnell wie jetzt, wechselte die Mode doch stets. Anfangs des 19. Jahrhunderts trugen Mädchen und Frauen riesige, ganz flache und oben mit Blumen verzierte Strohhüte, sog. «Schwefelhüte», und dazu ein Nestelmieder und um den Hals ein vielfach gefälteltes, farbenreiches seidenes Halstuch, das sich mit etwelcher Formveränderung bis in die zweite Hälfte des Jahrhunderts hielt. Ende des 18. Jahrhunderts war ein aus Filz gefertigtes sog. Dreiröhrenhütchen Mode.
Die Tracht der Männer war immer einfacher, aber ebenfalls malerisch. Kurze Hosen, Kniestrümpfe und Schnallenschuhe, ein Bauchgurt aus verziertem Leder, eine «Länderli» genannte farbige (meistens grellrote) Weste, für das Festkleid ein langer, für gewöhnlich aber ein ganz kurzer Rock (der sog. Mutzentschoppen), der dem gerade waltenden Geschmack da oder dort etwas angepasst erschien, behaupteten sich bis gegen Mitte des 19. Jahrhunderts. Merkwürdigerweise trugen Anfangs des 19. Jahrhunderts auch die Männer am Sonntag einen mit Bändern und Blumen verzierten Strohhut. Jetzt hat die Tracht der internationalen Mode alle Konzessionen gemacht: der weibliche Teil richtet sich mehr oder weniger nach dem Modejournal und einer zweifelhaften Schneiderinnenphantasie, der männliche folgt dem Geschmack des nächsten Kleidermagazins. Bauernburschen tragen bei festlichen Anlässen noch eine mit Stickerei verzierte Bluse und einen flachen runden Tätschhut.
Abgesehen von den Dorfschaften ist ganz Unterwalden sehr zerstreut besiedelt. Nach altalemannischem Brauch wohnt der Bauer nahezu immer auf seiner Liegenschaft, und so kommt es, dass das ganze Land bis auf die Höhe von durchschnittlich 800 Meter mit Einzelgehöften übersät ist. Das höchstgelegene bewohnte Heimwesen, der «Dossen» in der Gemeinde Alpnach, liegt in 1400 Meter Höhe. Ein vollständiges Gehöfte bestand früher aus Haus und Scheuer, jedes unter eigenem Dach; meistens kamen dazu noch ein kleiner Speicher von oft sehr eleganter Bauart, ein Dörrofen, in dem während des Herbstes das gesammelte Obst gedörrt wurde, und ein Schweinestall.
Jetzt steht der Dörrofen meistens verödet, dafür rumpelt im Tenn eine kleine Mosttrotte. Der älteste bekannte Typus des Unterwaldnerhauses war ein flacher und schindelgedeckter Holzbau; später kam ein gemauertes und weiss getünchtes Kellergeschoss dazu. Auch wurde das früher nur mit Steinen beschwerte sog. «Schwaardach» nach Aufkommen des genagelten Schindeldaches etwas steiler und damit das ganze Haus freier, während die zu beiden Seiten breit ausladenden Vorlauben dem Ganzen doch einen behäbigen und soliden Charakter geben. Damit bietet das Unterwaldner Bauernhaus ein ungemein liebliches und stimmungsvolles Bild und trägt mit seinem ¶
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dunkelgebeizten warmen Holzton und der weissgetünchten hellleuchtenden Kellermauer in die sattgrüne Unterlage hineingestreut sehr viel zur Belebung und Verschönerung des Landschaftsbildes bei.
Geselliges Leben und öffentliche Lustbarkeiten in Unterwalden unterscheiden sich nur wenig von denen anderer Kantone. Im Winter bilden Liebhabertheater und -konzerte einen Vereinigungspunkt. Auf diesem Gebiete wurde in Unterwalden, speziell Nidwalden von jeher Bedeutendes geleistet. Die Theatergesellschaften von Stans und Buochs haben einen guten Klang bis weit über die Kantonsgrenzen. Besonders die Aufführungen der patriotisch-volkstümlichen Stücke des verstorbenen Pfarrers Jos. Ign. von Ah von Kerns brachten ihnen weit-herum verdiente Anerkennung. Im Herbst bieten Anlass zu froher Festlichkeit die verschiedenen Kirchweihen, vor Allem die Schützen- und Aelplerkirchweihen.
Besonders die letztern mit ihren zahlreichen Beamten und dem altmodischen Aufputz nebst «Wildmann» und «Wildwib» bringen die Festwogen in kräftiges und oft bis 2 Tage währendes Branden. Dem Schwingen und den Schwingfesten, einer alten aber zeitweise etwas vernachlässigten Volksbelustigung, wird seit etwa 15 Jahren hauptsächlich durch die Bemühungen des Schwingerverbandes wieder grosse Sympathie entgegengebracht. Unterwalden stellt fast für jedes ausserkantonale Schwingfest einige Vertreter, und im Kanton selbst werden alljährlich einige Schwingfeste abgehalten, die immer eine zahlreiche Zuschauerschaft herbeiziehen.
Von Festanlässen vergangener Zeiten haben sich nebst andern auch noch in die neue Zeit hinübergerettet: in Obwalden das «Bot» in Kerns, der Ueberrest der alten Meisterzunft von Sarnen und Kerns, die bei ihrer Auflösung 1875 ihr Zunftvermögen dem Krankenverein übergab, aber die Erinnerung an die alte Meisterherrlichkeit noch durch ein alljährlich stattfindendes Nachtessen mit Tanz aufrecht erhielt; in Nidwalden die Gesellschaft des «grossen und unüberwindlichen Rathes», eine fröhliche Vereinigung, die ihren Ursprung vom Söldnerzug des «Tollen Lebens» im 15. Jahrhundert herdatiert und unter ihrem selbstgewählten Magistrat nach uraltem Zeremoniell alljährlich am fetten Donnerstag in Stans bei Nachtessen und Tanz ihre Festfeier abhält.
9. Landwirtschaft und Viehzucht.
Unterwalden war früher sozusagen ein ausschliesslich Landwirtschaft treibender Kanton und noch heutigen Tages ist die Landwirtschaft auf dem Erwerbsgebiet der wichtigste Faktor, fallen doch in Obwalden auf 4941 in einem Beruf tätige Männer 3051 in Viehzucht und Landwirtschaft Tätige und in Nidwalden auf 3972 Berufstätige deren 1933. Der Ackerbau, der vor 300-400 Jahren noch sehr bedeutend war, ist jetzt sozusagen ganz verschwunden, nachdem er Anfangs der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts nach Verteilung der Allmenden an die Korporationsbürger noch etwelches Aufleben gezeigt. An seine Stelle ist nun nahezu reine Wiesen- und Weidewirtschaft getreten.
Grosse zusammenhängende Liegenschaften sind hier selten, indem das Höchstmass 50 ha nirgends übersteigen mag; dagegen gibt es viele kleine, zerstückelte Grundbesitze. Der Graswuchs ist ein vorzüglicher und kräftiger. Hermann Christ, der bekannte Botaniker, sagt in seinem Buch Ob dem Kernwald schon 1869, er erinnere sich nirgends schönere, grünere Matten gesehen zu haben als in Obwalden. Bessere Wiesen als im Stanserboden existieren in der Schweiz jedenfalls nirgends; von den besten werden jährlich 4 Erträge eingeheimst, von den mittelmässigen 3, und nur ganz hoch gelegene oder sonst schlechte Wiesen geben bloss 1-2 Erträge. Der Preis ist denn auch ein hoher und steigt in den besten Lagen bis auf 2 Fr. per Quadratmeter. Ein ziemlich bedeutendes Nebenerträgnis ab den Wiesen liefert der Obstbau, der in Unterwalden sehr intensiv betrieben wird und infolge des milden Klimas ausgezeichnet gedeiht. So entwickelt sich hier z. B. der weisse Winterkalvill in günstigeren Lagen zu prachtvollen Exemplaren.
Unterwalden hatte schon früher vorzügliche Obstsorten, und in der neuen Zeit wird dem Tafelobst besondere Aufmerksamkeit geschenkt und der Anbau von Mostobst eher etwas eingeschränkt.
Von der grössten Bedeutung für das Land sind die Alpweiden. Obwalden besitzt deren 290 mit einem Kapitalwert von rund 5500000 Fr.;
224 davon gehören Korporationen oder «Teilsamen» und 66 Privatbesitzern an.
Nidwalden besitzt 166 Alpen mit einem Kapitalwert von rund 3900000 Fr.;
hievon gehören 55 Korporationen oder Genosssamen und 111 Privatbesitzern an.
Auf dem Gebiete der Alpwirtschaft wurde in den letzten Jahren vieles verbessert;
immerhin ist für eine weitere verbessernde Tätigkeit noch auf lange Zeit hinaus ein weites Feld offen.
Die Unterwaldner Alpen liegen zwischen 1000 und 1900 m Höhe und sind in ihrer grossen Mehrheit gutgräsig, was schon daraus hervorgeht, dass etwa 1½ ha eigentliches Weideland für einen Stoss von etwa 90 Weidetagen genügen. (Stoss oder, wie sie in Unterwalden genannt wird, eine Kuhschweere ist die Bezeichnung der Einheit einer erwachsenen Kuh in der Weide; 3 kleine oder zwei ältere Rinder oder auch sieben Ziegen = eine Kuhschweere). In den obern Alpen wird aber überall über eine merkliche Verwilderung und Verschlechterung der Weiden geklagt. Für sämtliches Rindvieh sind auf den Alpen Stallungen vorhanden. Während der Weidezeit von Anfangs Juni bis Ende September wird die Weide 2-5mal gewechselt.
Einen wichtigen Faktor in der Unterwaldner Landwirtschaft bedeutet auch die Allmend. Früher ausschliesslich gemeinsame Weide, dient sie jetzt nur mehr teilweise diesem Zweck. Ihr grösserer Teil ist in Parzellen von 200-350 Aren abgeteilt und wird unter die männlichen und weiblichen Mitglieder zu lebenslänglicher Nutzung verlost. Diese Parzellen sind jetzt fast durchgehends mit Gras angesät, nur ein kleiner Teil noch mit Ackerfrüchten. Bergheimwesen liegen zwischen Thalgut und Alp, sind nicht ständig bewohnt und dienen teils vor der Alpfahrt zur Weide, teils wird der Heuertrag im Winter dort verfüttert. Während diese sog. Bergheimen früher sehr beliebt waren und jeder grössere Bauer eines zu erwerben strebte, sind selbe jetzt im Wert ungemein gesunken. Das selbe gilt auch für die vom Zentrum ganz weit abliegenden das ganze Jahr bewohnten Heimwesen. Im gleichen Verhältnis ist der Preis der nahe am Dorf liegenden Heimwesen sehr stark gestiegen.
Den Hauptanteil an der Viehzucht hat die ¶