Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03199.jsonl.gz/1200

Hohenems, auf der österreichischen Seite des Rheintals unmittelbar an der Schweizer Grenze gelegen, gab es während Jahrhunderten eine lebendige jüdische Gemeinschaft. Ein Schutzbrief von Reichsgraf Kaspar von Hohenems erlaubte jüdischen Familien eine erste Ansiedlung im Jahre 1617. In der Folge entwickelte sich die Gemeinde mit einer Synagoge, einer Schule, einer Mikwe und einem Armenhaus. Sie pflegte enge Handels- und Familienbeziehungen nach St. Gallen und bis nach Paris, Wien, Konstantinopel und in die USA. Mit der Niederlassungsfreiheit in der Schweiz 1866 wanderten viele Familien in Schweizer Städte ab.
Nach dem "Anschluss" Österreichs an das deutsche Reich 1938 wurde die Gemeinde zwangsaufgelöst. Die letzten acht noch verbliebenen Jüdinnen und Juden wurden in die Konzentrationslager im Osten deportiert. Niemand kehrte dauerhaft zurück.
Das Jüdische Museum Hohenems wurde 1991 in der Villa Heimann-Rosenthal im Zentrum des ehemaligen jüdischen Viertels, in dem alle der genannten jüdischen Gebäude bis heute erhalten sind, eröffnet. Gestaltet wurde das Museum als „begehbares Buch“, in dem die Zeugnisse der jüdischen Geschichte von Hohemens präsentiert werden.
Das Jüdische Museum Hohenems stellt Menschen mit ihren Lebensentwürfen, Bräuchen und Brüchen in den Vordergrund. Dabei vertieft es die Auseinandersetzung mit Span-nungsfeldern wie Tradition und Moderne, Assimilation und kulturelle Eigenständigkeit, Integration und Ausgrenzung, Identitäten und Vorurteile. Das Museum unterhält eine grosse Fachbibliothek, die öffentlich zugänglich ist, sowie für Forschung und Bildungsarbeit zur Verfügung steht.
Die Wechselausstellungen und vielfältigen Veranstaltungsprogramme beschäftigen sich mit jüdischer Geschichte und Gegenwart. Angeboten werden auch Gruppenführungen ins ehemalige jüdische Viertel und zum jüdischen Friedhof.
Mit den Ausstellungen und Aktionen trug das Museum wesentlich zur Aufarbeitung der Lokalgeschichte und Revitalisierung des ehemaligen jüdischen Viertels bei.
Nachkommen der Hohenemser Gemeinde leben heute in aller Welt. Aufgrund intensiver Genealogieforschung bestehen enge Beziehungen über die Grenzen hinaus, auch in die Schweiz.
Das Jüdische Museum Hohenems bildet für die Nachkommen eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Zwischen den Familien hat sich eine dauerhafte Kommunikation entwickelt, zu der die American Friends of the Jewish Museum Hohenems beitragen.
Als Ort der Bildung und Kommunikation ist das Museum international vernetzt. Fragen gegenwärtiger Migration – sei es freiwillige oder erzwungene – spielen in den Vermittlungsprogrammen des Museums eine zentrale Rolle.
LOEWY, Hanno (Hg.) 2008: Heimat Diaspora. Das Jüdische Museum Hohenems. Hohenems: Bucher-Druck.
JÜDISCHES MUSEUM HOHENEMS 2018: www.jm-hohenems.at.
Bilder:
Dietmar Walser