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Ätzfiguren,
[* 1] die mikroskopisch kleinen und von ebenen Flächen begrenzten Vertiefungen (oder Erhabenheiten), die auf den glatten Flächen von Krystallen durch den hinreichend langsamen und vorsichtigen Angriff von lösenden oder korrodierend wirkenden Mitteln künstlich hervorgebracht werden, und durch die sich für die Krystalle gewisse Zusammenhangsverhältnisse nach bestimmten Richtungen offenbaren. Die [* 1] Figuren lassen erkennen, daß die Löslichkeit nach verschiedenen Richtungen eine verschiedene ist, sind aber auf einer und derselben Fläche eines homogenen Krystalls sämtlich einander ähnlich und parallel gestellt; ferner erweisen sie sich gleichartig auf krystallographisch gleichwertigen und verschiedenartig auf ungleichwertigen Flächen, stets nach rationalen Parameterverhältnissen ausgebildet.
Sie erscheinen zwar unabhängig von den Spaltungsrichtungen, stehen aber mit den Symmetrieverhältnissen der betreffenden Krystalle im engsten Zusammenhang, indem sie in dieser Hinsicht genau von derselben Ordnung sind, wie die Krystallform selbst. Deshalb ermöglichen sie nicht nur die Erkennung des Krystallsystems, sondern geben auch, selbst wenn man nur einzelne Flächen der Krystalle untersuchen kann, ein Mittel an die Hand, [* 2] die Existenz und Art einer etwaigen hemiedrischen, tetartoedrischen oder hemimorphen Ausbildung festzustellen.
Zudem zeigen die Ätzeindrücke in manchen Fällen, daß gewisse Krystallflächen, wenn sie auch holoedrisch erscheinen, dies doch in Wirklichkeit nicht sind, sondern als Grenzformen hemiedrischer oder tetartoedrischer Gestalten aufgefaßt werden müssen (z.B. bei dem Apatit). [* 3] Wo auf einer Fläche eine ganz variable Lage der A. hervortritt, wird auf eine geringe Symmetrie der Krystallsubstanz zu schließen sein. Wegen ihrer relativ verschiedenen Lage auf den gleichnamigen Flächen miteinander verwachsener Krystalle lassen diese künstlichen Eindrücke ferner Zwillinge leicht als solche erkennen und die Art ihrer Verbindung beurteilen; auch treten nach der Ätzung die Zwillingsgrenzen, sowie die eingeschalteten Lamellen besonders deutlich hervor.
[* 1] ^[Abb.]
Die beistehende [* 1] Fig. a, giebt die auf der Basis oP des rhombischen ¶
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Topases vermittelst geschmolzenen Ätzkalis,
[* 4]
Fig. b die auf der Basis oP des monoklinen Glimmers (Muscovits) durch Behandlung
mit Flußspat
[* 5] und Schwefelsäure
[* 6] erzeugten
Ätzfiguren wieder; die erstern sind, entsprechend der Symmetrie der rhombischen Basis,
gleichgestaltet einerseits nach rechts und links, andererseits nach vorn und hinten, wogegen diejenigen auf der Basis des
Glimmers bloß nach rechts und links sich symmetrisch verhalten.
[* 4]
Fig. c zeigt die mit Salzsäure
hervorgerufenen
Ätzfiguren auf dem Brachypinakoid ^[Abb.] des nach der Vertikalachse hemimorphen Kieselzinks;
dieselben sind oben anders als unten ausgebildet.
[* 4]
Fig. d ist ein krystallographisch links gebildeter,
[* 4]
Fig. e ein ebenso rechts
gebildeter Quarzkrystall, beide mit den durch Flußsäure erzeugten
Ätzfiguren, die sich auf beiden Krystallen
ebenfalls in gerade entgegengesetzter Stellung befinden. Der scheinbar ein einfaches Individuum bildende Drilling von Aragonit
[* 7] (Fig. f) läßt auf der mit Essigsäure geätzten Basis oP die drei verwachsenen Krystalle I, II, III durch die relativ abweichende
Lage ihrer
Ätzfiguren deutlich unterscheiden.
Die Wahl des Ätzmittels richtet sich nach der Natur der Krystallsubstanz: bei den in Wasser löslichen wirkt schon der Angriff durch letzteres (oder durch den Wasserdampf beim Anhauchen), bei andern bedient man sich der Salzsäure, Schwefelsäure, Fluorwasserstoffsäure, bei dem Diamant [* 8] bilden sich während des Verbrennens auf feiner Oberfläche (durch den Sauerstoff als korrodierendes Mittel) kleine dreiflächige Vertiefungen aus, deren flächen denen eines Ikositetraeders parallel gehen.
Wenn auch die
Ätzfiguren auf denselben Flächen eines Krvstalls dieselbe Symmetrie und zwar diejenige des Krystalls selbst aufweisen,
so sind sie doch ihrer Ausbildungsweise und Form nach von der Natur des angewandten Ätzmittels abhängig,
woraus sich ergiebt, daß dieselben nicht etwa zugleich die Form der den Krystall aufbauenden Moleküle wiedergeben können.
Auch scheint die Konzentration des Ätzmittels auf die Lage der von Einfluß zu sein. Die Beobachtung derselben geschieht unter
dem Mikroskop,
[* 9] entweder unmittelbar an der geätzten Fläche oder an. Haufenblasenabdrücken derselben. An
einem und demselben Krystall werden die ungleichartigen Flächen (und Kanten) auch durch Ätzmittel abweichend rasch und stark
angegriffen. Natürliche Krystallflächen scheinen meist schwieriger durch Ätzung angreifbar als künstliche Spaltflächen;
Spaltflächen, die längere Zeit der Luft ausgesetzt waren, schwieriger als frisch erzeugte.