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Was die Beatles Ende der 60er-Jahren für den Westen waren, waren "Kino" und ihr Frontmann Viktor Tsoi in den 80er-Jahren für den Ostblock. Mit seinen Texten über die Sehnsucht nach Veränderung und Freiheit prägte Tsoi wie kein anderer die Musik der sogenannten Glasnost- und Perestroikaära. Diesen Sommer wäre Viktor Tsoi 60 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass widmeten wir ihm und seiner Band zwei Stunden Intravinyl.
Geboren wurde Viktor Robertovich Tsoi 1962 in Leningrad (heutiges St. Petersburg) als Sohn einer Sportlehrerin und eines Ingenieurs. Die Familie seines Vaters stammt ursprünglich aus Korea, wurde aber unter nach Kasachstan zwangsdeportiert. Obwohl Tsoi ohne viel Bezug zu seinen Wurzeln erzogen wurde, entwickelte er eine Faszination für ostasiatische Philosophie und Kampfkunst und modelte sein Aussehen nach seinem Idol Bruce Lee. Aber auch Musik spielte in Tsois Leben schon früh eine grosse Rolle. Als seine Eltern in seiner Jugend ohne ihn in die Ferien fuhren, hinterliessen sie ihm 90 Rubel. Anstatt das Geld für Essen, Kleider und Sonstiges auszugeben, kaufte sich Tsoi kurzer Hand seine erste Gitarre. Es folgten erste kleine Engagements für relativ unbedeutende Bands, welche ihn schon bald ins Scheinwerferlicht von Boris Grebenshchikov dem Frontmann der bereits recht etablierten sowjetischen Undergroundband Aquarium, führten. Dieser war sofort überzeugt von Tsois Talent und liess ihm im legendären Leningrader Rockclub als Solokünstler auftreten. Zusammen mit dem Gitarristen Aleksei Rybin und dem Drummer Oleg Valinsky gründete er schliesslich Anfang der 80er-Jahre die Band "The Hyperboloid of Engineer Garin". Valinsky musste die Band aber schon früh verlassen, da er von der sowjetischen Regierung in den Afghanistankrieg gezogen wurde. Die Band änderte daraufhin ihren Namen zu Kino und veröffentlichte 1982 ihr erstes Album unter dem Titel 45. Das Album ist extrem untypisch für Kino, da praktisch nur akustische Instrumente und kaum Drum Machines oder Synthies zu hören sind. Aufgenommen wurde das Ganze unter der Leitung von Boris Grebenshchikov und mit der zusätzlichen instrumentalen Unterstützung von Mitgliedern seiner Band Aquarium.
Tsoi als überzeugter Pazifist hatte ständig Angst, wie sein ehemaliger Bandkollege Oleg Valinsky auch für den blutigen Afghanistankrieg aufgeboten zu werden. Mit der Hilfe seiner Frau Marianna inszenierte er eine manisch-depressive Psychose. Er verbrachte daraufhin mehrere Wochen in einer psychiatrischen Klinik. Obwohl die Ärzte der Anstalt Betrug vermuteten, konnte Tsoi sein Ziel erreichen und wurde als militärdienstuntauglich eingestuft. Seine Zeit in der psychiatrischen Klinik hinterliessen schwere Spuren in Zois Persönlichkeit. Auf dem Lied "Trankvilizator" verarbeitet Tsoi diese Zeit. Der abstrakte Songtext wird von verzerrten Synthies und einer dröhnenden Basslinie unterlegt. "Trankvilizator gilt als einer der experimentellsten Tracks der gesamten Kino-Diskographie.
1990 kam Viktor Tsoi bei einem Autounfall im heutigen Lettland ums Leben. Sein Tod hinterliess eine tiefe Narbe in der Rockszene der verschiedenen Sowjetrepubliken. Berichten zufolge war Tsois Tod auch der Grund für eine Welle an Selbstmorden von Jugendlichen, die nach dem Verlust ihres Propheten keinen Sinn im Leben mehr sahen. Auch heute noch sind die Spuren, die Viktor Tsoi im Osten hinterliess deutlich spürbar. Bands wie Ploho aus Russland oder Molchat Doma aus Belarus halten die sowjetische Post-Punk Kultur, welche durch Tsoi revolutioniert wurde, immernoch am Leben.
Willst du mehr über das Leben und Werk von Viktor Tsoi und Kino wissen, dann kannst du dir hier die ganze Sendung zu Gemüte führen: <3