Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03580.jsonl.gz/223

Keine Frau kann der Menopause entrinnen. Ihr Beginn im Alter um das 52. Lebensjahr ist in allen Kulturen und im Laufe der Geschichte ziemlich stabil (während der Eintritt in die Pubertät heute vier Jahre früher liegt als vor hundert Jahren). Der Zeitpunkt der Menopause lässt sich nicht beeinflussen, weder durch Hormone noch durch eine gesunde Lebensweise.
Bis vor Kurzem galt als gesichert, dass weibliche Säuglinge mit einer festgelegten Zahl an Eizellen zur Welt kommen und später keine weiteren Eizellen gebildet werden können.Dieses medizinische Dogma wurde 2012 gekippt. Forscher des Massachusetts General Hospital in Boston fanden heraus, dass die Anzahl der Eizellen nicht begrenzt ist, da sie aus in den Eierstöcken vorhandenen Stammzellen neu gebildet werden können.
Nichtsdestotrotz ist es eine Tatsache, dass im Laufe der Zeit die Zahl der Eizellen abnimmt, da die Eierstöcke schrumpfen und schliesslich ihre Funktion ganz einstellen. Dabei handelt es sich um einen ganz natürlichen Vorgang, auch wenn die Begleiterscheinungen oftmals durchaus Krankheitswert haben können.
In den Eierstöcken werden auch die weiblichen Geschlechtshormone gebildet. Zu Beginn der Wechseljahre nimmt zunächst die Produktion des Gelbkörperhormons Progesteron ab, das normalerweise in der zweiten Hälfte des Monatszyklus dafür sorgt, dass ein Ei befruchtet werden und sich in der Gebärmutter einnisten kann. Im weiteren Verlauf des Klimakteriums verringert sich zudem die Produktion der Östrogene, die in der ersten Hälfte der Mens den Eisprung veranlassen und die Gebärmutter auf eine mögliche Schwangerschaft vorbereiten.
Nach der Menopause ruht die Hormonproduktion in den Eierstöcken. Allerdings wird Östrogen nach wie vor in den Nebennieren und einigen Fettzellen gebildet. Aus diesem Grund haben mollige Frauen im Allgemeinen weniger Wechseljahrsbeschwerden als schlanke. Jedoch erreicht diese Östrogenproduktion nur fünf bis zehn Prozent des ursprünglichen Wertes.
Herzrasen, Schlafstörungen, Hitzewallungen und Schweissausbrüche, die sich über Jahre hinziehen, machen mancher Frau das Leben schwer. Doch auch diejenigen, die unter milden Symptomen leiden, kommen nicht umhin, sich mit den Folgen der Wechseljahre abfinden zu müssen.
Denn mit dem Mangel bzw. dem Verlust an weiblichen Sexualhormonen verliert die Frau nicht nur ihre Fruchtbarkeit, sondern auch einen weitreichenden Schutz in Bezug auf den Stoffwechsel und zahlreiche Organe. Die Haut verliert Elastizität, Stärke und Feuchtigkeit; Falten und Pigmentflecke vermehren sich. Auch die Schleimhäute werden trockener, vor allem die der Augen und der Vagina. Die Spannkraft der Muskeln lässt nach, das Gewicht steigt, die Fettverteilung ändert sich und konzentriert sich um Bauch und Hüften. Kopfhaare werden dünner, dafür manifestiert sich nicht selten ein Damenbart. Das Drüsengewebe der Brust bildet sich zurück und führt zu einer Erschlaffung und Verkleinerung der Brüste. Viele Frauen empfinden, dass die Libido nachlässt. Längerfristig steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoporose.
Wenn die Tränen aus nichtigem Anlass fliessen, der Geduldsfaden rascher als sonst reisst, die Gefühle wechselbaden, wird die Schuld oft auf die Hormone geschoben. Nicht zu Unrecht. Sexualhormone beeinflussen nicht nur den Körper, sondern steuern auch Psyche und Geist.
Die Schwankungen während des Menstruationszyklus sowie die kontinuierliche Abnahme der Hormone machen Frauen besonders im Vorfeld der Menopause Probleme. In dieser Zeit sind sie sehr verletzlich und leiden unter Konzentrations- und Schlafstörungen, Reizbarkeit und depressiven Verstimmungen. Östrogene beeinflussen im Gehirn auf positive Weise die Botenstoffe, die massgebend für das seelische Befinden sind. Sie verhindern oder vermindern Depressionen und wahrscheinlich auch Aggressivität; sie beeinflussen Gedächtnisfunktionen positiv und schützen vor den Auswirkungen von Stress.
Östrogene werden wegen dieser günstigen Effekte auch als «Psychoschutz der Natur» bezeichnet. Mangelt Östrogen zur Hemmung bzw. Aktivierung von Botenstoffen, können vermehrt Ängste, Depressionen, körperliche Antriebslosigkeit, sexuelle Lustlosigkeit und Konzentrations- bzw. Gedächtnisschwächen auftreten.
Progesteron sorgt für einen tiefen Schlaf, entspannt und beruhigt. Deshalb wird es auch das «Hormon der inneren Gelassenheit» genannt. Fehlt dieses Gelbkörperhormon, treten gegenteilige Wirkungen ein: Schlaflosigkeit, Unruhe, Weinerlichkeit, schwankende Gemütsverfassung.
«Launen, nichts als Launen!», stöhnte Geheimrat Goethe – und da war und ist er sicher nicht der einzige Mann. Dabei könnten viele Männer «in den besten Jahren» ruhig etwas toleranter und mitfühlender mit ihren Partnerinnen sein, die mit Fünfzig angeblich auf direktem Weg ins «dritte Lebensalter» sind.
Der Verlust der körpereigenen Produktion der Sexualhormone, insbesondere der Östrogene, aber auch die vielfältigen psychosozialen und körperlichen Veränderungen, die Frauen in den Wechseljahren erfahren, spielen bei psychischen Beschwerden eine Rolle. Es ist halt eine Zeit, in der viele Belastungen zusammenkommen.
Gereizten Nerven und depressiven Stimmung ist man nicht schutzlos ausgeliefert. Und man sollte sich wegen der depressiven Phasen keinesfalls genieren, denn schliesslich können sie jeden treffen.
Um das innere Gleichgewicht wiederzufinden, haben sich Präparate mit dem Extrakt von Johanniskraut (Hypericum perforatum) besonders bewährt: das gilt für leichtere bis mittelschwere depressive Störungen und damit rund 90 Prozent der Betroffenen.
Bei kaum einem anderen Pflanzenheilmittel ist die Wirkung vergleichbar gut mit wissenschaftlichen Daten untermauert. Heutzutage gilt das gut verträgliche und nebenwirkungsarme Johanniskraut gar als «Star» unter den Antidepressiva.Zwar kennt man viele Inhaltsstoffe der Pflanze, doch welcher Inhaltsstoff beziehungsweise welche Kombinationen für die therapeutische Wirkung verantwortlich sind, ist immer noch nicht restlos geklärt. Man geht davon aus, dass der gesamte Extrakt, will sagen: das Zusammenwirken aller Inhaltsstoffe, der Wirkstoff ist.
Wie bei vielen synthetischen Antidepressiva muss man auch beim Johanniskraut einen verzögerten Wirkungseintritt beachten; abhängig von der Dosierung kann es zwei bis vier Wochen dauern, bis die Stimmung tatsächlich stabil bleibt.
«Keine Wirkung ohne Nebenwirkung» heisst ein Erfahrungssatz. Die beim Johanniskraut meistdiskutierte Nebenwirkung war die Photosensibilisierung. Nach neueren Untersuchungen müssen nur sehr hellhäutige und licht(über)empfindliche Personen eine intensive Sonnenexposition meiden.
Im Übrigen treten Nebenwirkungen im Vergleich zu synthetischen Antidepressiva sehr viel seltener und milder auf. Mit einigen Medikamenten gibt es Wechselwirkungen (Interaktionen). Ärztlichen Rat muss man einholen, falls man Medikamente einnimmt: nach einer Organtransplantation, bei HIV-Infektion, bei Einnahme des Herzmedikaments Digoxin, des Protonenhemmers Omeprazol bei Sodbrennen und Magengeschwüren, des Wirkstoffs Theophyllin, der bei Asthma bronchiale eingesetzt wird, des von Diabetikern verwendeten Gliclazids, von Cholesterinsenkern und von Medikamenten zur Hemmung der Blutgerinnung.
In Einzelfällen sind bei gleichzeitiger Einnahme der Antibabypille Zwischenblutungen beobachtet worden. Insgesamt ist das Risiko einer Wirkungsverminderung der Pille eher als gering einzustufen.
In der Schweiz und in Deutschland sind zahlreiche Johanniskrautextrakte auf dem Markt. Von Präparaten aus dem Supermarkt wird abgeraten, denn sie erfüllen oft nicht die Arzneibuchvorgaben und bestehen unter Umständen aus minderwertigem (chinesischem) Johanniskraut. Das Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker sprach 2011 von «Ramschextrakten» und meinte, von diesen Produkten gehe «ein nicht kalkulierbares Risiko» aus. Verantwortungsbewusste Hersteller beziehen die Pflanzen meist aus eigenem, biologisch kontrolliertem Anbau und verarbeiten die goldgelben Blüten und die zarten Triebspitzen zum optimalen Erntetermin so frisch wie möglich.
Sind die trüben Gedanken verscheucht und das Gemüt aufgehellt, helfen zur Verringerung der Wechseljahrsbeschwerden regelmässige sportliche Aktivitäten und eine ausgewogene Ernährung ebenso wie Freude im Alltag und Anerkennung der Leistung in Familie und/oder Beruf.
Gehen Sie mit erhobenem Kopf der Zukunft entgegen! Untersuchungen zeigen, dass sich die meisten Frauen nach dem Klimakterium (wieder) glücklicher, leistungsfähiger und gesünder fühlen als zuvor.