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Fünf Monate verbrachte Manuela Kuratli, Studentin im Bachelor Mehrsprachige Kommunikation, an der Costa del Sol in Málaga. Ihr Praktikum bei einer Spanisch-Sprachschule war in jeder Hinsicht lehrreich: Hier bewältigte sie unterschiedlichste Aufgaben vom Ausstellen von Sprachzertifikaten bis zum Trösten von Student:innen mit gebrochenem Herzen. Sie lernte dabei Menschen aus aller Welt kennen, staunte über die spanische Arbeitsmentalität, verbesserte nebenbei ihre Sprachfähigkeiten und lernte durch all diese Erfahrungen sich selbst besser kennen.
Autorin: Manuela Kuratli
Ich erinnere mich immer noch ganz genau an den 5. August 2021, als die Flugzeugräder die Landebahn des Flughafens Malaga berührten und ich zum Fenster hinausschaute. Einerseits war ich froh, endlich in Malaga angekommen zu sein, andererseits aber auch sehr nervös wegen all dem, was in den kommenden Monaten auf mich zukommen würde. Klappt alles mit der Wohnung, die ich gemietet habe? Werde ich Freunde finden? Wie wird mein Praktikum sein? «Immerhin kann ich schon Spanisch», sagte ich mir und verliess den Flughafen, um mir ein Taxi zu suchen.
«Nicht einmal der Taxifahrer verstand mich»
Voller Mut und meinem bestmöglichen Spanisch sagte ich zum Taxifahrer: “A Calle Refino 24, por favor”. Ich war schliesslich ein bisschen stolz, dass ich wie eine Einheimische eine normale Adresse nennen konnte, und nicht den Namen eines Hotels. Der Taxifahrer antwortete: „Rafino?”, und ich: „No, REFINO”. „Ah, vale. ¿Y 13 me dijiste, verdad?”. „No, 24, perdona”. „Nono, le entiendo perfectamente”. Naja, der erste Satz in Malaga und nicht einmal der Taxifahrer verstand mich, wenn ich meine Adresse nannte. Das konnte ja noch heiter werden. Aber da sass ich nun im Taxi auf dem Weg zu meinem neuen zu Hause, und es gab kein Zurück mehr. Also: Auf ins Abenteuer Praktikum!
Abwechslungsreiche Aufgaben im Praktikum
Mein Praktikum absolvierte ich an der Spanisch-Sprachschule CLIC in Málaga. Ich war Teil des vierköpfigen Administrationsteams, war Hauptverantwortliche für das wöchentlich wechselnde Kulturprogramm der Schule und die erste Ansprechperson für alle Fragen unserer Schüler:innen. Zudem kümmerte ich mich um neue Reservierungen. Ich buchte Unterkünfte, beantwortete und übersetzte E-Mails und stellte Zertifikate und Ausweise für die Studierenden aus. Ausserdem war ich täglich in Kontakt mit Sprachreiseagenturen auf der ganzen Welt und mit den Organisator:innen unserer Aktivitäten. Ich unterstützte zudem meine Chefin und die Studienleiterin bei der Buchhaltung, beim Erstellen von Ankunftslisten oder half der Direktorin beim Marketing. Mein Alltag war also immer abwechslungsreich und kein Tag war wie der andere.
Im Praktikum eintauchen in die spanische Arbeitsmentalität
Dass die Dinge im Süden Spaniens etwas anders ablaufen als bei uns in der Schweiz, wurde mir schon an meinem ersten Arbeitstag klar. Meine Chefin spazierte eine halbe Stunde nach mir in die Schule, die Lehrer:innen waren gedanklich immer noch in ihren letzten Ferien, freuten sich bereits am Mittwoch aufs Wochenende und kündigten jeweils am Freitag an, dass sie sich jetzt zwei Tage von der strengen Woche erholen müssten, indem sie mindestens acht Stunden pro Tag am Strand liegen.
Geplante Termine wurden immer wieder verschoben und es konnte vorkommen, dass man kurz vor einem Meeting feststellte, dass anderes gerade wichtiger war. Neues Personal wurde am Freitag interviewt, um am Montag die neue Stelle anzufangen und bestehendem Personal wurde manchmal am Freitag mitgeteilt, dass sie am Montag nicht mehr zu kommen bräuchten, da gerade kein weiterer Bedarf an Lehrpersonen bestünde. Diese Arbeitsmentalität ist für uns Schweizer:innen – gelinde gesagt – etwas ungewohnt.
«In Sprachschulen steckt sehr viel Arbeit»
Zugegeben, auch ich hatte schon einige Sprachaufenthalte hinter mir und war schon an verschiedenen Sprachschulen. Doch hätte ich nie gedacht, wieviel Arbeit dahintersteckt. Der August war immer noch Hochsaison und wir hatten viele relativ junge Schüler:innen im Alter zwischen 18 und 22 Jahren an der Schule. Für mich war das ziemlich cool, da immer noch hochsommerliche Temperaturen herrschten und ich viele Schulaktivitäten draussen planen konnte. Dabei lernte ich die Schüler:innen auch ausserhalb der Schule näher kennen.
Im Herbst erwarteten wir etwas ruhigere Monate. Da aber wegen Corona viele Reservierungen immer wieder verschoben wurden und sich ab September die Coronasituation in Spanien beruhigte, bekamen wir plötzlich eine Flut an neuen Reservierungen. Die kommenden zwei Monate waren deshalb ziemlich chaotisch: Wir mussten irgendwie versuchen, die Klassen bestmöglich einzuteilen, für alle Studierenden eine passende Unterkunft finden und die unzähligen Ankünfte am Wochenende koordinieren.
«Wir waren auch ein bisschen die Mamis»
Am Montag, 6. September hatten wir zum Beispiel über 50 Neuankömmlinge – so viele wie noch nie. Diesen Tag meines Praktikums werde ich so schnell nicht vergessen. Meine Chefin war in den Ferien und ich versuchte, mir irgendwie einen Überblick zu verschaffen, mir möglichst viele Namen auf einmal zu merken und alle in der richtigen Klasse zu platzieren. Über 70 Prozent der neuen Studierenden waren jedoch aus Holland und hatten Namen, die ich in meinem Leben noch nie gehört hatte. Erschwerend kam hinzu, dass einige gleich hiessen. Zudem waren die meisten um die 18 Jahre alt und das erste Mal allein im Ausland. Neben all den administrativen Aufgaben, die wir zu erledigen hatten, waren wir deshalb manchmal auch noch ein bisschen die Mamis unserer Schüler:innen.
Schnell fanden sie am spanischen Lifestyle und vor allem am Nachtleben gefallen. Das führte dazu, dass die Zahl der Schüler:innen, die täglich zum Unterricht antraten, immer kleiner und meine Aufgaben noch abwechslungsreicher wurden: Ich begleitete eine Schülerin ins Krankenhaus, um zu übersetzen. Ich füllte eine Polizeimeldung wegen eines gestohlenen Handys aus und versuchte, «meine» Teenies von gebrochenem Herzen zu heilen, wenn sie sich hoffnungslos in spanische Jungs verliebt hatten. Alles war dabei.
Ein kunterbunter Haufen
Nebst den vielen jungen Studierenden hatten wir ab September aber auch ältere Schüler:innen an der Schule, da wir auch Seniorenkurse – für Leute ab 50 Jahren – anboten. Der kunterbunte Mix an der Schule war einzigartig: Schüler:innen aus über zwölf Nationen im Alter zwischen 16 und 75 Jahren. Ihr könnt euch vorstellen, dass es uns als Team bei all diesen Begegnungen nie langweilig wurde. Und ab und zu mussten wir auch schmunzeln, wenn wir wieder eine schräge Ausgehstory hörten oder miterlebten, wie sich die älteren Semester an der Weindegustation einander annäherten. 🙂
Das Allerschönste war jedoch mitzuerleben, wie sich die Schüler:innen während ihres Aufenthaltes entwickelten. Ich konnte sehen, wie viele am ersten Tag nervös die Schule betraten und sich kaum trauten, mit jemandem zu sprechen. Und am letzten Tag: Da streckten sie ihr Zertifikat jubelnd in die Luft, den Rucksack vollgepackt mit Erinnerungen und stolz, dieses Abenteuer angetreten und gemeistert zu haben.
Ein unvergessliches Praktikum
Für mich gingen bald auch fünf lehrreiche Monate zu Ende. Ich konnte mein Spanisch verbessern und ich brauchte während des Praktikums täglich mehrere Sprachen. Dazu lernte ich jede Woche neue Leute von überall auf der Welt kennen. Ich durfte an diversen Schulaktivitäten teilnehmen und viel über Málaga und die spanische Kultur und Gastronomie lernen. Ich war auf mich allein gestellt, lernte mich dadurch selber besser kennen und bin über mich hinausgewachsen.
Mit einem lächelnden und einem weinenden Auge
Meine Heimreise trete ich, ähnlich wie bei meiner Ankunft, mit einem weinenden und einem lächelnden Auge an. Vor allem aber bin ich dankbar, dass ich trotz Corona ein Praktikum im Ausland absolvieren konnte, in dem ich viel gelernt habe. Zudem habe ich in Málaga eine zweite Familie gefunden, zu der ich bestimmt zurückkehren werde.
In diesem Sinne, „No es un adiós, sino un hasta luego, Málaga.”
Im Praktikumssemester schreiben Studierende des Bachelor Mehrsprachige Kommunikation einen Blogbeitrag. Die Beiträge werden von einer Jury prämiert. Dies ist einer von vier ausgezeichneten Blogbeiträgen aus dem Herbstsemester 2021.
Im Bachelor Mehrsprachige Kommunikation (bisher: Bachelor Angewandte Sprachen) bildet das IUED Institut für Übersetzen und Dolmetschen Sprachinteressierte zu Sprach- und Kommunikationsprofis aus, die sich souverän zwischen Sprachen, Kulturen und Domänen bewegen. Das Studium mit den Vertiefungen Mündliche Kommunikation & Sprachmittlung, Multimodale Kommunikation & Translation sowie Fachkommunikation & Informationsdesign qualifiziert Studierende für die Arbeit sowohl in der Language Industry als auch in nationalen oder internationalen in Organisationen und Unternehmen, in denen professionelle Mehrsprachigkeit gefragt ist.
Beruflichen Perspektiven mit dem Bachelor Mehrsprachige Kommunikation
- Projekt-Manager:in
- Content-Manager:in
- Copywriter:in
- Sprachmittler:in
- Technische:r Redakteur:in
- UX-Writer:in