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Untertitel / Graf. Technik:
Handschrift MS Add. 18850 der British Library, London.
Buchdaten / Blattgrösse:
Faksimile: (29 x 21 cm), 289 Bl., mit 38 großformatigen, reich mit Gold und Silber verzierten Miniaturen sowie über 1250 kleinere Miniaturmedaillons; Kommentarbd.: 4°, 243 S., einige Abb.
Bemerkung:
Der Kommentar zur Faksimile-Ausgabe von Eberhard König mit einem Beitrag von Jenny Stratford. Nr. 26 von 980 arabisch numerierten Exemplaren.- Das Bedford-Stundenbuch gilt weltweit als das reichste und schönste illuminierte Manuskript der mittelalterlichen Buchkunst. Es wurde im frühen 15. Jahrhundert in der renommierten Werkstatt des Pariser Bedford-Meisters, einem der begabtesten mittelalterlichen Buchkünstler Europas, angefertigt. Lange Zeit wurde angenommen, dass das kostbare Stundenbuch von John I. of Lancaster, dem Herzog von Bedford, in Auftrag gegeben wurde. Diese Annahme erklärt den Titel des Werkes und auch den Notnamen für seinen Gestalter, den Bedford-Meister. Obwohl der Bedford-Meister zur obersten Riege der mittelalterlichen Buchkünstler weltweit gehört, sind so gut wie keine Quellen über sein Leben überliefert. Es ist lediglich bekannt, dass der Meister von 1405 bis 1465 als einer der angesehensten Buchmaler Europas in Paris arbeitete. So gut wie alle umwerfenden Miniaturen seines Stundenbuches, welches die größte Meisterleistung des Künstlers darstellt, fertigte er persönlich an. Die British Library, in der die Handschrift aufbewahrt wird, hat inzwischen nachgewiesen, dass das unglaublich kostbare und teure Stundenbuch als Geschenk in Auftrag gegeben wurde: Am Weihnachtsabend 1430 überreichte Anne von Burgund (1414 32), die Frau von Johann, Herzog von Bedford, ihrem neunjährigen Neffen Heinrich den prächtigen Codex. Dieser wohnte zu jener Zeit bei dem Herzog und der Herzogin in Rouen, wo er auf seine Krönung zum König von Frankreich wartete. Der Herzog von Bedford schloss die politisch wichtige Ehe mit Anne von Burgund, der Tochter des französischen Herzogs, im Jahr 1423. Die Ehe der beiden wird in historischen Quellen trotzdem nicht als reine Zweckehe, sondern als echte Liebesbeziehung beschrieben. Annes früher Tod führte zum Ende des Bündnisses zwischen England und Burgund und trug dazu bei, den Hundertjährigen Krieg zugunsten der Franzosen zu entscheiden. Das ausgesprochen umfangreiche Stundenbuch ist mit 1288 (davon 38 blattgroß) Miniaturen in prächtigen Farben und opulentem Gold- und Silberschmuck ausgestattet. Jede Seite des Werkes präsentiert mindestens ein Bildnis. Die Miniaturen, welche allesamt bedeutende Szenen des Alten und Neuen Testaments darstellen, revolutionierten die mittelalterliche Buchmalerei. Der Bedford-Meister besaß ein unbeschreiblich genaues Gespür für eine realitätsnahe Wiedergabe der Natur, für perspektivische Darstellungen, für landschaftliche Weite und für architektonische Zusammenhänge. Auch sein Talent in der Kunst des Portraitierens blieb von seinen zeitgenössischen Künstlerkollegen unerreicht. Seine ausdrucksstarken, realistischen Bildnisse stellen einen Höhepunkt unter der Illuminationskunst des Mittelalters dar und übten starken Einfluss auf spätere Miniatoren aus der ganzen Welt aus. Besonders das Bildnis zur Geschichte vom Turm zu Babel setzte Maßstäbe und ist bis heute berühmt.