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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

7. Buch
25. Die Deutung, welche die Weisheit der Griechen für die Verstümmelung des Attis ersann.
Von dem bekannten Attis, zu dessen Liebesgedenken sich der Galle verschneidet, sagt Varro überhaupt nichts und er sucht hier nicht nach einer Ausdeutung. Jedoch die gelehrten und weisen Griechen haben mit der so heiligen und erhabenen Beziehung keineswegs hinter dem Berge gehalten. Wegen des Frühlingsantlitzes der Erde, das schöner ist als das der anderen Jahreszeiten, soll nach Porphyrius, einem berühmten Philosophen, Attis die Blüten bedeuten, und entmannt sei er deshalb, weil die Blüte abfällt, vor die Frucht kommt. Also nicht den Menschen oder den vermeintlichen Menschen, der den Namen Attis führte, sondern sein Schamglied setzten sie der Blüte gleich. Denn dies fiel ab, während er selbst fortlebte; nein, es fiel nicht ab, es wurde auch nicht abgepflückt, sondern roh zerstört; und der Verlust dieser Blüte hatte nicht irgend welche Frucht, sondern im Gegenteil Unfruchtbarkeit zur Folge. Was ist es also mit ihm selber und mit dem, was ihm nach der Entmannung noch blieb? was soll das noch bedeuten? worauf bezieht es sich? welche Auslegung gibt man davon? Vergeblich bemühen sie sich, sie bleiben die Antwort schuldig und legen dadurch die Vermutung nahe, daß man nur eben gläubig hinzunehmen habe, was die Fama über einen verschnittenen Menschen ausstreute und man dann schriftlich aufzeichnete. Mit Recht wandte sich hievon unser Varro ab und zog es vor, nichts darüber zu sagen; denn entgangen ist es ja diesem gelehrten Manne sicher nicht.