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Epilog
Bereits beim Lesen des Titel erkennt der aufmerksame Leser: Wer regelmässig eine Fliege trägt, erhöht die Chancen, eines Tages ein «Sir» zu werden, um sagenhafte 0.28%. Als Vergleich: die Chance Taylor Swift, Arnold Schwarzenegger oder auch Michelin Calmy Rey in echt zu treffen – liegt deutlich tiefer (0.12%).
Aller Anfang ist schwer
Zurück zu Winston, welcher als «Dicker Winnie» oder auch als Lebemann in die Annalen der Weltgeschichte eingegangen ist. Der Gewinner des Literaturnobelpreises bekleidete einst das Amt des «Ersten Lordes der Admiralität» (das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen) und führte Grossbritannien (nicht England ihr Geschichtsverweigerer!) so souverän durch den zweiten Weltkrieg, wie das damals eben so ging. Bekanntlich wirft Krieg immer sehr viel moralische Fragen auf, dieser Text soll sich aber auf die Qualitäten unseres Winston konzentrieren und stellt kein Essay über den Homo homini Lupus werden, welcher der Philosoph und Staatstheoretiker Thomas Hobbes damals an William Cavendish, den Grafen von Devonshire, geschrieben hat. Wir schweifen ab.
Churchill durchlebte eine klassische britische Jugend, welche durch den Besuch von Militärakademien hüben wie drüben und die Teilnahme an einer enttäuschenden Fussball-WM (als Fan, nicht als Spieler) geprägt wurde. Ziemlich schnell entschied sich seine Admiralität für eine politische Karriere. Sein Aufstieg an die Spitze verlief in etwa so schnell, wie derjenige von Britney Spears anfang der 00er-Jahre: direkt auf die 1. Ok gut, so schnell gings nicht. Winston «musste» seine Sporen im ersten Weltkrieg als Kabinettsmitglied abverdienen. Schon damals zeigte sich sein strategisches Geschick, indem er die britische Flotte von Kohle- auf Ölfeuerung umrüstete. Was zwar deren Aktionsradius erhöhte, Greenpeace aber beides mal vor Schock erstarren liess. Weder Öl, noch Kohle sind bekanntlich gesund für die globale Erwärmung, aber Tesla-Gründer Elon Musk war damals noch nicht auf der Welt und das Thema Erderwärmung ist in Zeiten des Krieges ein quartiärer Punkt auf der Agenda einer Regierung. Maximal.
Der Aufstieg des Winston C.
Nach dem ersten Weltkrieg zeigte Churchill in verschiedenen Momenten seinen Charakterkopf und überwarf sich mit allen möglichen Personen: Premierministern, Verteidigungsministern oder auch mit seiner Grossmutter. Sogar Charlie Chaplin verwickelte er in hitzige Dispute und die Migros-Kasse verliess er nur dann zufrieden, wenn er noch irgendetwas beanstanden konnte (was er wiederum als Cliffhanger nutzte, um seine politischen Prinzipien an die Frau und den Mann zu bringen, so entstand übrigens der Begriff «volksnah»). Doch diese Ereignisse zeigten nicht anderes auf, als das Churchill ein brillianter Rhetoriker war und seine Reden in etwa gleich fesselnd sind, wie Whale Watching an der Küste von Montevideo.
Wir wissen alle, wie sich die Brennpunkte im europäischen Zeitgeschehen entwickelten. Wie bei schlechten Kinofilmen folgt der Zweite Teil viel zu schnell auf den Ersten. Bei den Weltkriegen war das nicht anders und ziemlich schnell war Grossbritannien so etwas wie die letzte freie Bastion in Europa, aber eigentlich ziemlich unterlegen. Doch Winston, der Fuchs, bietete seinen Gegnern die Stirn, bandelte mit den USA an und erfand ziemlich coole Namen für die geplanten Operationen (ein erster, primitiver Gehversuch von Corporate Branding). Mit seinen Erfolgen stellte er gerade noch im richtigen Moment die Weichen um und legte den Grundstein für die Weltordnung, wie wir sie heute kennen.
Neben seinen politischen Erfolgen gilt und galt Churchil als Lebemann unter den Lebemännern. Er schwor gemäss Gerüchten völlig dem Sport ab (andere Quellen behaupten wiederum das Gegenteil, darum wissen wir eigentlich nicht, was jetzt stimmt) und gleichzeitig ass und trank er so viel am Tag, wie ein Normalsterblicher an drei Weihnachtstagen und an Songkran zu sich nimmt. Seine Leber musste bärenstark sein und hatte vermutlich eine eigene Leber, um der Haupt-Leber beim lebern (Fachbegriff) zu helfen. Unbestätigten Gerüchten zufolge kann man sogar «einen Churchill machen». Das ist der Moment am Samstag Abend, wenn mann einen brillianten Einfall hat, ihn aber am Sonntagmorgen nicht mehr weiss (Pro-Tipp: Immer mit einem Notizbuch ausgehen, anhand von Selfies kann man die Ideen meistens nicht mehr rekonstruieren). Churchill war auch verantwortlich dafür, dass der Martini mit einer Olive serviert wird (dadurch wurden seine verwöhnten Geschmacksnerven intensiver stimuliert) und schlussendlich erfand er die Kategorie «Doppelt». Genau wie beim Espresso giesst man mit dieser Methode einfach doppelt so viel Alkohol ins Getränk. Das hat sich vor allem an kalten Tagen bei englischen Nieselregen enorm bewährt. So gut, dass diese Technik heute von vielen Jungen am Wochenende kopiert wird. Die meisten kennen den Ursprung dieser Idee jedoch gar nicht (jetzt habt ihr noch etwas small-talk-know-how für die nächste Firmenfeier aufgebaut).
Mit Fliege ist immer besser
Eigentlich ist es überflüssig zu erwähnen, aber als erprobter Staatsmann, standfester Trinker und Freund des gepflegten Zigarren-Rauchens wusste sich Sir Winston Churchill stets gut zu kleiden. Sein liebstes Accessoire waren seine Fliegen, welche ihn sehr edel und weltmännisch wirken liessen. Aber auch edel. Und weltmännisch. Churchill prägte die britische Galanz, gepaart mit einer Nonchalance, die seinesgleichen sucht. Und wenn auch ihr ein bisschen Churchill an euch haben und diese Welt dadurch ein kleines Stückchen besser machen möchtet, dann überlegt nicht zwei mal: kauft euch eine stregli Fliege, bindet sie euch um und fühlt euch für einen Tag als Helden.
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