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Sommer
Hitze setzt Hühnern zu
Auch in diesem Sommer wird die Schweiz wieder von Hitzewellen überrollt. Manche geniessen die heissen Tage, andere wünschen sich bereits den Winter herbei. Doch wie sieht es bei den Hühnern aus? Wie gehen sie mit der Hitze um?
Die übliche Körpertemperatur beim Geflügel liegt viel höher als bei einem Säugetier. Sie beträgt zwischen 40 und 43 Grad, wobei man davon ausgeht, dass die Kerntemperatur eines ausgewachsenen Huhnes bei 41,9 Grad liegt. Interessanterweise ist die Körpertemperatur in der Regel um 16 Uhr am höchsten und um 24 Uhr am tiefsten. Der englische Verhaltensforscher Joseph Barber stellte bei seinen unzähligen Versuchen mit Hühnern fest, dass ein durchschnittliches weisses Leghorn seine Körpertemperatur, mit mehr oder weniger grossem Aufwand, halten kann, wenn die Temperatur in der Umgebung zwischen minus 1 und 37 Grad beträgt.
Geht ein Huhn seinen «normalen» Tätigkeiten nach, verändert sich seine Körpertemperatur zwischen 17 und 28 Grad Aussentemperatur kaum. Fällt die Aussentemperatur unter 17 Grad muss ein hungerndes Huhn seinen Stoffwechsel steigern oder mittels Muskelzittern die Körpertemperatur auf einen normalen Wert bringen. Nach oben liegt der kritische Punkt bei 28 Grad. Dann beginnen sich die meisten Hühner mit einer schnelleren Atmung bei aufgesperrtem Mund, dem sogenannten «Hecheln», Abkühlung zu verschaffen. Schwitzen können Hühner nämlich nicht, da sie keine Schweissdrüsen haben.
Hitze sorgt für kleine Eier
Eine wichtige Unterstützung zur Abkühlung bieten der Kamm und die Kehllappen. Durchzogen von einem dichten Kapillarnetz, durch welches das Blut vom Kamm in die Kehllappen strömt, wird die Wärme vom Blut in die Luft abgeleitet. Eine weitere Möglichkeit zur Abkühlung bietet das Abspreizen der Flügel, um die Luftzirkulation unter den Flügeln zu verbessern.
Hohe Aussentemperaturen über längere Zeit führen beim Huhn zwangsläufig zu einem Leistungsabbau. Einerseits nimmt die Legetätigkeit ab, da viel Energie in die Kühlung des Körpers gesteckt wird. Andererseits sind die Tiere anfälliger für Krankheitserreger. Bei Küken kann zu hohe Hitze ohne genügend Wasseraufnahme gar zu einer geringen Wüchsigkeit führen.
Erstaunlicherweise nahm auch die Leistungsfähigkeit von Junghennen ab, die nach dem Schlupf permanent einer Wärme von 32 Grad ausgesetzt waren. Zwar legten die Hennen im Vergleich zu gleichaltrigen, deren Umgebungstemperatur nach dem Schlupf reduziert wurde, gleich viele Eier, jedoch waren sie deutlich kleiner. Hinzu kommt, dass die Hennen mit einer höheren Umgebungstemperatur mehr Futter benötigten und eine höhere Körpertemperatur sowie eine höhere Sterblichkeit aufwiesen.
Dem Stallklima muss im Sommer besondere Beachtung geschenkt werden. Denn die Kombination von hoher Temperatur und hoher Luftfeuchtigkeit ist unbedingt zu vermeiden. Da dies die Wärmeabgabe des Geflügels besonders negativ beeinflusst. Der fehlenden Schweissdrüsen wegen muss der grösste Teil der erzeugten Körperwärme an Wasserdampf gebunden mit der Atemluft an die Stallluft abgegeben werden. Dadurch wird der Kreislauf hochgradig belastet, denn die hohe Luftfeuchtigkeit erhöht die Anfälligkeit der Atmungsorgane gegenüber Krankheiten.
Jedoch sind nicht alle Hühnerrassen gleichermassen hitzeempfindlich. Carl-Heinrich Engelmann, ehemals Abteilungsleiter am deutschen Institut für landwirtschaftliches Versuchs- und Untersuchungswesen in Jena, stellte in seinen zahlreichen Versuchen mit Geflügel fest, dass leichte Rassen wie die Leghorn bei grosser Hitze viel mehr trinken als schwere Rassen. Worin dies begründet liegt, fand er allerdings nicht heraus.
Trinken ist unverzichtbar
Bei seinen Versuchen hielten Hühner eine Aussentemperatur von 42 Grad lediglich zwölf Stunden in guter Verfassung aus, wobei sie ständig am Trinken waren. Die permanente Wasseraufnahme sorgt für eine Durchspülung und damit eine Kühlung des Darmes. Dabei genügt schon die Aufnahme von grösseren Wassermengen in den Kropf. Denn die Nähe dieser kühlen Wasserquelle zu den Kopfarterien und Venen sichert die Abkühlung des Blutes auf seinem Weg zum und vom Kopf. Wasser ist ein entscheidendes Element für Hühner. Deren Körper besteht nämlich aus etwa 60 Prozent Wasser. Ein Ei gar aus 70 Prozent. Zum Vergleich: Auch der Körper eines erwachsenen Menschen besteht aus rund 70 Prozent Wasser.
Ihre Nahrung mögen Hühner lieber kühl als heiss. Bereits 35 Grad warmes Wasser lehnen Hühner in der Regel ab. Ist das Wasser 45 Grad warm, bleibt es in jedem Fall unberührt. Spannenderweise verändert sich die Bedeutung der Wärme der Nahrung sobald der Tastsinn ins Spiel kommt. Bietet man Hühnern zum Beispiel Kartoffelstock an, der den Tastsinn anspricht, was bei Wasser weniger bis gar nicht der Fall ist, ist die Hitzetoleranz weitaus grösser.
Transport lieber in der Nacht
In diesem Fall verweigern die Hühner die Nahrungsaufnahme erst ab 55 Grad. Bei noch beliebterer Nahrung, wie den Weizenkörnern, werden gar 60 Grad toleriert. Je stärker also der Tastsinneseindruck eines Futtermittels ist, desto höher kann seine Temperatur sein, ehe es vom Huhn als unangenehm eingestuft wird. Auch bei der Wasseraufnahme ist die Wärme nur relativ zu sehen. Dann nämlich, wenn Hühner eine Vergleichsmöglichkeit haben. 20 Grad warmes Wasser lehnen rund die Hälfte der Hühner ab, wenn es neben drei Grad kaltem steht. 40 Grad warmes Wasser bietet überhaupt keinen Anreiz mehr, wenn es neben drei Grad kaltem steht.
Zuletzt soll gesagt sein, dass an heissen Sommertagen nach Möglichkeit auf einen Transport von Hühnern zu verzichten oder ein solcher in die Nacht zu verlegen ist. Ist eine Autofahrt dennoch unumgänglich, müssen einige Punkte beachtet werden, ansonsten kann ein Ausflug innert Minuten zum Tod der Hühner führen. In einer Transportkiste sollten sich wenige Hühner befinden, damit sie ihre Flügel ausspreizen können, um sich Kühlung zu verschaffen. Dazu muss die Kiste mit grossen Luftgittern oder Löchern ausgestattet sein. Damit ist gewährleistet, dass genügende Luftzirkulation stattfinden kann. Bei längeren Fahrten empfiehlt es sich, die Tiere immer wieder mit ausreichend Wasser zu versorgen und stets ein Fenster offen zu haben.