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Die OECD warnt vor gesellschaftlicher Spaltung durch eine Einkommenskluft in bisher nicht bekanntem Ausmass. "Die Einkommensungleichheit ist beispiellos im Moment und gefährdet den sozialen Zusammenhalt", sagte OECD-Generalsekretär Ángel Gurría am Dienstag bei einer Konferenz der Organisation in Berlin.
Laut OECD ist das Einkommensgefälle auf dem höchsten Stand seit 50 Jahren. Das durchschnittliche verfügbare Einkommen der reichsten zehn Prozent der Bevölkerung stieg im OECD-Raum demnach auf über das Neunfache des Einkommens der ärmsten zehn Prozent. Vor einem Vierteljahrhundert war es nur siebenmal so hoch.
Der Anteil der Jobs für Arbeitskräfte mit mittlerer Qualifikation fiel zwischen 1995 und 2015 um 9,5 Prozentpunkte im Durchschnitt der 35 OECD-Staaten. Dafür gibt es mehr Jobs für Hoch-, aber auch für Geringqualifizierte. Viele Fabrikarbeiter hätten schlechter bezahlte Jobs im Dienstleistungssektor annehmen müssen, so die OECD.
In der Schweiz blieb der Anteil Jobs für Angestellte mit niedriger Qualifikation in der genannten Zeitspanne konstant. Dagegen wuchs das Jobangebot für Hochqualifizierte von allen OECD-Staaten am stärksten - der relative Anteil nahm um mehr als 15 Prozent zu. Auf eine ähnliche Rate kommen nur Österreich und Irland.
Gleichzeitig nahm in der Schweiz zwischen 1995 und 2005 der Anteil Jobs für durchschnittlich Qualifizierte um mehr als 15 Prozent ab. Einzig Österreich verzeichnete eine noch stärkere Verschiebung.
Technologisierung und Automatisierung brächten Chancen und Risiken, kommentierte Generalsekretär Gurría den Trend. Neun Prozent der Arbeitsplätze in den OECD-Ländern könnten in den kommenden Jahren automatisiert werden. Weitere 25 Prozent könnten sich massiv ändern.
Die OECD empfiehlt aktive arbeitsmarktpolitische Massnahmen und Kurzarbeitprogramme für Krisenzeiten. Sie rief zu forcierter Weiterbildung der Beschäftigten und zur Schaffung von Jobs auf, "indem potenzielle Gewinne aus dem Handel besser genutzt werden".
(SDA)