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Durch die Volksabstimmung vom 2. Februar 1964 über die dritte Bauetappe des Bürgerspitals wurde das Haus "zur alten Treu" an der Hebelstrasse gefällt. Die Staatskanzlei hatte es schriftlich ausgefertigt, indem der Bau auf den Beschluss des Regierungsrates von der Liste der geschichtlich wertvollen Einzelbauten des Kantons gestrichen wurde.
Der Reiz seiner Spätgotik zeigte sich in der abwechslungsreichen Art, wie die zwei-, drei- und vierteiligen, teils in der Mitte überhöhten Fenster über die breite Fassade verteilt waren, in dem weit vorspringenden Satteldach, das die beiden Geschosse in seinen Schutz nahm, und in den Butzenscheiben in den Fenstern der Dachkammern. Von der Strasse aus nicht zu sehen waren die hübsche Laube auf der Rückseite und das idyllische Höflein, bei dessen Anblick man sich beinahe ins Elsass versetzt fühlte.
Die Geschichte des Hauses lässt sich bis in die Zeit vor dem Erdbeben zurückverfolgen. Nach einigen Handwechseln, die hier nicht Erwähnung finden sollen, gelangte das Haus 1474 an den Rebmann Lorenz Bruckmüller. Rebleute wohnten mit Vorliebe in den Häusern an der "Neuen Vorstadt", wie die Hebelstrasse bis 1871 offiziell hiess; denn nördlich von der Strasse bis hinunter gegen die Einfriedung des Predigerklosters dehnte sich ein grosses Gelände von Rebgärten mit Rebhäuschen und Trotten. Aus einem Geschlecht von Rebleuten stammte vermutlich auch jener Leinenweber mit dem schönen Namen Peter Lutterwyn, der Haus und Hofstatt um die Mitte des 16. Jahrhunderts besass. Um diese Zeit hatte die "Alte Treu" einen vornehmen Nachbarn erhalten: Gian Francesco Castiglione, Seidenfärber und Seidenhändler mit grossem Reichtum. An der Stelle der Seitengebäude des späteren "Holsteinerhofs" (Hebelstrasse 28/30) liess er zwei Häuser zu einem erbauen; damit verbunden waren bedeutende Stallungen, Baum- und Krautgärten. Wegen dieses Baus gab es einen Streit zwischen Castiglione und dem Besitzer der "Alten Treu" vor dem Fünfergericht, dessen Ausgang uns nicht bekannt ist.
1696 ging Castigliones Liegenschaft in das Eigentum der Markgräfin Augusta Maria von Baden, einer Herzogin von Holstein-Gottorp, von welcher der Holsteinerhof seinen Namen trägt. Bis 1736 war ein Teil des markgräflichen Hofstaates hier untergebracht, und als der Zimmermann Hans Jacob Otterney 1733 um die Bewilligung zur Errichtung eines Sodbrunnens in der "Alten Treu" nachsuchte, musste die nachbarliche Zustimmung eingeholt werden. Um noch einige Besitzer der Liegenschaft zu nennen: 1771 gehörte sie einem aus Kurland gebürtigen Hauptmann Johann Friedrich von Rosenthal, und 17 Jahre später sass darauf nochmals ein ehemaliger Offizier: der Hauptmann Daniel Ryhiner-Wolleb, der im Schweizer Regiment Sullin Châteauvieux gedient hatte. Viel Erspartes hatte er nicht in die Heimat mitgebracht; denn zum Erwerb des Hauses, das ihn 2100 Stück neue französische Thaler samt sechs neuen Louisdor "zu einem angedungenen Trinkgeld" kostete, hatte er beim Direktorium der Kaufmannschaft (Vorläuferin der Handelskammer) ein hypothekarisches Darlehen von 5000 Pfund aufzunehmen. 1823 kam die Liegenschaft dann an den Bandfabrikanten Samuel Koechlin-Burckardt in der St. Johanns-Vorstadt. Dieser wurde zum Stammvater des Basler Zweigs seiner Familie, die schon während drei Jahrhunderten in der elsässischen Nachbarschaft geblüht hatte.