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»Nach einer Recherche über Schlachttiertransporte in Rumänien besuchten wir im März 2000 das kommunale Tierheim der Stadt Varna im benach-barten Bulgarien.
»Dies nicht zufällig, sondern aufgrund der Bitte einer Schweizerin, die mir von den entsetzlichen Zuständen in diesem Tierheim berichtete.
»Als wir das Tierheim – damals eher Vernichtungslager – erreichten und auf die Umzäunung zugingen, erhielten wir bereits einen ersten Eindruck davon, was uns hier erwarten würde. Zahlreiche, auf dem Gelände herumlaufende Hunde kamen uns entgegen gerannt und bettelten um Essen. Die Hunde bestanden nur noch aus Haut und Knochen, wie Skelette, die sich bewegten! Ich habe noch nie Hunde gesehen, die um ein wenig trockenes Brot so dankbar waren wie diese. In der Halle, wo die gefangenen Strassenhunde untergebracht waren, befanden sich mehrere Reihen mit Zwingern.
»Die meist sehr scheuen Hunde vegetierten in dreckigen Zwingern auf nacktem Steinboden trostlos dahin und warteten auf ihre Hinrichtung. In der Halle war es kalt und feucht! Futter und Wasser waren nicht vorhanden. Ein Anblick des Grauens! Bestürzt von diesen Zuständen entschlossen wir uns, so viele Hunde wie möglich herauszuholen. Nach intensiven Verhandlungen mit dem damaligen Tierheimleiter erreichten wir, dass wir 6 Hunde und 10 Welpen, die in einem erbärmlichen Zustand waren mitnehmen durften. Nach gründlicher Untersuchung in einer privaten Tierklinik mussten wir alle 10 Welpen schweren Herzens einschläfern lassen, um ihnen weiteres Leid in einer ausweglosen Situation zu ersparen. Die 6 erwachsenen Hunde nahmen wir mit in die Schweiz, wo alle an gute Lebensplätze vermittelt wurden.
»Nach dem erschütternden Besuch im kommunalen Tierheim Kamenar verlangten wir unverzüglich eine Audienz beim Bürgermeister Kiril Yordanov und dem Gemeinderat der Stadt Varna. Im Gespräch mit dem Magistrat protestierten wir gegen die grausamen Zustände und dass dort noch immer massenhaft brutale Hundetötungsaktionen durchgeführt werden. Unterstützt wurde unser Protest vom örtlichen Verein für Ethik und Tierschutz-Varna. Um die Population der Streuner zivilisiert zu reduzieren, schlugen wir vor, die Hunde zu kastrieren und markiert wieder an ihre angestammten Plätze retour zu bringen, wo sie ihre Reviere gegen nachrückende Rudel verteidigen. Tötungsaktionen wirken nur kurzfristig, da verwaiste Plätze schnell von nachrückenden Rudeln besetzt werden.
»Wieder zu Hause in Zürich schrieb ich dem Bürgermeister und dem Gemeinderat einen geharnischten Brief, in dem ich drohte, in der Schweiz einen Touristenboykott zu lancieren und vor den Reisebüros die erschüt-ternden Hundebilder zu zeigen. Der Brief zeigte in der drittgrössten bulgarischen Stadt seine Wirkung. Einen Monat später antwortete Kiril Yordanov. Er gab zu, dass man mit den herrenlosen Hunden tatsächlich ein Problem habe und bat Animal Life Schweiz, der Stadt Varna ideell und finanziell zu helfen. Er liess uns wissen, dass Varna eine der schönsten und am meisten besuchten Städte Bulgariens ist und dass er keinesfalls möchte, dass die Besucher einen unangenehmen Eindruck gewinnen.
»Ich sicherte der Stadt Varna die gewünschte Hilfe zu, unter der Bedingung, dass ab sofort keine Strassenhunde mehr getötet würden, sondern im kommunalen Tierheim kastriert und nach einer 7 bis 10tägigen Erholungs-phase markiert wieder an ihre ansässigen Reviere retour gebracht würden, dass die von Animal Life zur Verfügung gestellten Spendengelder für das Kastrationsprojekt von der Präsidentin des eingetragenen Vereins für Ethik und Tierschutz-Varna verwaltet würden, dass sie als meine Vertreterin Mitbestimmungsrecht geniessen würde und dass die oben erwähnten Bedingungen in einem Vertrag von allen drei Parteien unterzeichnet würden!
»Der Bürgermeister stimmte meinen Wünschen zu und am 23. Oktober 2000 wurde zwischen Animal Life Schweiz, dem Verein für Ethik und Tierschutz-Varna und der Stadtverwaltung ein gemeinsamer Vertrag unterzeichnet.
»Obwohl die Verträge erst im Oktober 2000 unterschrieben wurden, leistete Animal Life bereits im Juni 2000 finanzielle Unterstützung, damit dringend benötigte Hilfsgüter wie Medikamente Geräte, Futter usw. vorhanden waren um so schnell wie möglich mit den Kastrationen beginnen zu können.
»Wir haben das bestehende Tierasyl nach unseren verfügbaren Finanzen saniert um den Hunden den Aufenthalt nach der Kastration so angenehm wie möglich zu gestalten. Zu diesem Zweck liessen wir eine Isolationsdecke montieren, die sowohl im Winter vor Kälte, wie auch im Sommer vor Hitze schützt. Um im Winter eine Temperatur von 10 - 12 ° C zu gewährleisten, haben wir 2 leistungsstarke Heizkörper gekauft. Wir liessen die ganze Halle abdichten und zusätzliche Fenster anbringen, damit die Hunde während der Erholungsphase mehr Tageslicht geniessen können. Wir kauften neue, saubere Holzliegen und wechseln diese nach Bedarf aus. Die Tiere werden täglich ausreichend gefüttert, Wasser steht ihnen in jedem Zwinger zur Verfügung. Die Zwinger werden täglich gereinigt. Im Operationsraum wurden Boden und Wände mit neuen Kacheln ausgestattet sowie 2 neue Lavabos montiert. 2 neue, stabile Operationstische, einen Schrank für Medikamente, einen Kühlschrank, Operationsgeräte, Schermaschinen, qualitativ bestes Nahtmaterial wurden gekauft und eine gute Beleuchtung wurde installiert. Wir spenden monatlich Futter, Medikamente usw. – für das Wohl der Hunde. Wir sponsern Ohrmarken und mehrmals jährlich teure Artikel von der Firma Telinject um das schonende Fangen der Tiere zu garantieren. Im Jahr 2002 haben wir der Gemeinde einen intakten Occasionswagen gekauft, der zu einem Hundfängerauto umfunktioniert wurde. Für die auf dem Tierheimareal freilebenden Pensionäre haben wir 15 Hundehütten gekauft und 2 Schattendächer erstellen lassen.
»Meine Vertreterin vor Ort organisierte die ganze Sanierung und beim Kauf des Wagens zog sie einen Sachverständigen aus ihrem Verwandtenkreis zu. Sie überwacht den Ablauf des Kastrationsprojekts und kontrolliert auch das kommunale Tierheim regelmässig und unangemeldet. Was immer benötigt wird um den reibungslosen Ablauf dieses Projekts aufrecht zu erhalten, meldet die Gemeinde meiner Vertreterin, die die gewünschten Artikel unverzüglich kauft. Selbstverständlich kontrolliere ich dieses Projekt auch persönlich.
»Analog zum Kastrationsprojekt unterstützen wir Personen, die in ihrer Umgebung Strassentiere betreuen mit Futter für ihre Lieblinge und weil die kärgliche Rente nicht reicht, bezahlen wir auch Medikamente oder Tierarztkosten wenn nötig. In der Varnaer Tierklinik GmbH haben wir seit Juni 2000 mehr als 100 Strassentiere, die mit Verstümmelungen, Verätzungen, gebrochenen Gliedern und Schussverletzungen eingeliefert wurden operieren und heilen lassen.
»In 4 Jahren fruchtbringender Zusammenarbeit mit der Stadt Varna, dem örtlichen Verein für Ethik und Tierschutz-Varna und Animal Life Schweiz wurden von Juni 2000 bis November 2004 6000 Strassenhunde nach allen Regeln dieser Kunst kastriert und nach der Erholungsphase mit Ohrmarken gekennzeichnet wieder an ihre Plätze retour gebracht. Der Erfolg ist sicht-bar, die Population der Tiere ist markant gesunken.
»Anlässlich einer Pressekonferenz im Juli 2003 überreichte mir der Bürgermeister von Varna ein Schreiben, in dem er sich bei Animal Life und den Sponsoren für die geleistete Unterstützung bedankt.
»Varna ist die erste Stadt in Bulgarien, wo sich die kommunalen Behörden entgegen den geltenden Veterinärgesetzen entschlossen, keine Hunde mehr zu ermorden!
Animal Life Schweiz
Dora Hardegger
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