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Pionierstandorte
Pionierstandorte sind neu entstandene, vegetationslose Flächen, welche einen nährstoffarmen Untergrund (Kies, Schotter) und keinen organischen Boden (Humus) aufweisen. Dieser magere Lebensraum ist von Wärme und Trockenheit geprägt und wird zuerst von jenen Pflanzen- und Tierarten besiedelt, welche sich auf solche Lebensräume spezialisiert haben. Einige seltene Arten brauchen diesen Lebensraum als Jagdrevier, wie beispielsweise das Grosse Mausohr. Diese Fledermausart ernährt sich von Laufkäfern, welche sich auch auf Pionierstandorten aufhalten. Auf den offenen, gebüschfreien Flächen kann die Fledermaus besser landen und hat somit mehr Erfolg beim Jagen
Eine Spezialistin für Pionierstandorte ist die Südliche Grille. Die in der Schweiz potenziell gefährdete Heuschreckenart bewohnt meist Gleisschotter von Bahnanlagen, Schotterflächen oder ausgetrocknete Schlammflächen an Gewässerufern. Sie ist lokal im Gebiet der Alten Aare heimisch. Die Tiere leben gut versteckt in Lücken von Schotter, unter Steinen oder in Erdritzen.
Die Männchen «singen» im Sommer erst in der Abenddämmerung, tagsüber findet man sie kaum. Mit diesem Zirpen, das durch das Aneinander reiben der Flügel erzeugt wird, locken die Männchen die Weibchen an. Die Weibchen wiederum sind stumm, und können den Gesang der Männchen dank ihrer schallempfindlichen Trommelfelle an den Vorderbeinen wahrnehmen.
In Asien werden Grillen, wegen ihrer «Musik», in speziellen Bambuskäfigen als Haustiere gehalten. Bei uns gehören die Grillen zu den «nützlichen Insekten», da sie Allesfresser sind und andere Insekten und tote Tiere (aber auch pflanzliche Stoffe) fressen. Sie können weder springen noch fliegen, sondern krabbeln relativ flink in ihre Erdlöcher, sobald Gefahr droht.
Im Wandel der Zeit
Früher war die Aare zwischen Aarberg und Meienried ein dynamischer Fluss mit natürlichen Auenlebensräumen. Im breiten Flussbett wurden bei Hochwasserereignissen Teilflächen weggeschwemmt und neue Kiesbänke abgelagert. So entstanden die oben beschriebenen Pionierstandorte als Teil der Lebensraumvielfalt der Auen. Mit der Juragewässerkorrektion wurde die Aare in den Bielersee umgeleitet. Für das Gebiet der heutigen Alten Aare hatte dies umfassende Auswirkungen: Die Wassermenge wurde auf rund 1 Prozent des früheren Abflusses reduziert und das weitverzweigte Gewässersystem auf einen Bachlauf verkleinert. Mit den damit ausbleibenden Hochwasserereignissen und Geschiebefrachten, wie bspw. die Ablagerung von Kiesbänken, gingen die natürliche Dynamik und damit die Pionierstandorte verloren. Die anfangs noch vegetationslosen Flächen wuchsen langsam ein (vgl. Foto). Im Rahmen des umfassenden Revitalisierungsprojektes wurden entlang der Alten Aare verschiedene offene und vegetationsarme Schotterflächen wieder neu geschaffen und die Lebensraumvielfalt um Pionierstandorte und lichte Föhrenwälder erweitert.
Lichte Föhrenwälder
Lichte Föhrenwälder leisten mit ihrem vielfältigen Lebensraumangebot einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität im Wald und sind aus nationaler Sicht speziell förderungswürdig. An diesen Standorten ist aufgrund des hohen Lichteinfalls und des relativ mageren und durchlässigen Bodens neben hohen Bäumen und einzelnen Sträuchern auch eine artenreiche Bodenvegetation auf kleinem Raum vorhanden. Von den speziellen Lichtverhältnissen in diesen Föhrenwäldern profitieren Orchideenarten wie beispielsweise die Breitblättrige Stendelwurz oder das Weisse Breitkölbchen. Diese beiden Arten sind zwar nicht speziell gefährdet, aber wie alle anderen Orchideenarten gesetzlich geschützt. Das reiche Blütenangebot in den besonnten Standorten ist für zahlreiche Insektenarten attraktiv.
Pflege ist nötig
Um Pionierstandorte und lichte Föhrenwälder zu erhalten und die weiterhin fehlende natürliche Dynamik zu ersetzen, sind wiederkehrende Pflegeeingriffe von grosser Bedeutung: Mit der fortschreitenden Entwicklung (Sukzession) wird sonst aus diesen Flächen nach und nach geschlossener Wald und die Artenvielfalt nimmt damit ab.
In lichten Föhrenwäldern wird mit periodischem Mähen sowie gezielter Durchforstung der wertvolle, offene Charakter aufrechterhalten. In den Pionierstandorten werden aufkommende Gehölze und invasive Neophyten regelmässig ausgejätet. Damit immer lokal vollständig vegetationsfreie Teilflächen vorhanden sind, werden die ausgebliebenen Hochwasserereignisse simuliert: die Vegetation und die dünne Humusschicht werden mit einem Bagger periodisch abgeschürft.