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Seit Jahren hält sich hartnäckig das Gerücht und die Anekdote, dass man auf Svalbard nicht sterben darf. Dies ist natürlich völliger Unsinn. In Longyearbyen existierte bis 2016 ein Friedhof, der zuerst von 1918 bis 1950 genutzt worden war. Danach wurden Verstorbene auf das Festland gebracht und dort begraben. Später kam die Möglichkeit einer Urnenbestattung dazu, bis der Friedhof 2017 geschlossen wurde. Nun soll an einer neuen Stelle, näher bei der Kirche, ein neuer Friedhof entstehen und ab 2022 bereit sein.
Wie die lokale Zeitung Svalbardposten berichtet, ist vom Kirchenrat ein entsprechender Antrag beim Ministerium für Justiz und Notfallvorbereitung, das für Belange auf Svalbard zuständig ist, eingereicht. Der Plan sieht vor, etwas nördlich von der Kirche einen neuen Friedhof für Urnenbestattungen zu erstellen und ab 2022 betreiben zu können. Da noch verschiedene Genehmigungen und Abklärungen durchgeführt werden müssen, wird mit einem Entscheid erst nächstes Jahr gerechnet.
Der alte Friedhof, der einige hundert Meter südlich der Kirche angelegt worden war, war 2017 geschlossen worden, weil die Gefahr durch Erdrutsche als zu hoch für einen regulären Betrieb erachtet worden waren. Jetzt soll die neue Lage dieser Gefahr, die auch durch den Klimawandel begünstigt wird, Rechnung tragen. Zwischen der Kirche und dem Verwaltungsgebäude der Sysselmannen soll der neue Friedhof entstehen, wie Svalbardposten weiter schreibt. Er soll für Verstorbene, die zum Zeitpunkt ihres Hinschieds offiziell registrierte Einwohner auf Svalbard waren, zur Verfügung stehen und den Angehörigen den weiten Weg auf das norwegische Festland ersparen. Ganz ohne dies geht es jedoch nicht, da nur Urnengräber zur Verfügung stehen. Sargbestattungen sind weiterhin nur auf dem Festland gesetzlich erlaubt.
Auf dem alten Friedhof sind die Gräber, die zwischen 1918 und 1950 entstanden, kulturelles Erbe und dürfen nicht bewegt werden. Daher wird der alte Friedhof auch nach der Eröffnung des neuen, sollte er genehmigt werden, an der Stelle bleiben. In den Gräbern des alten Friedhofs liegen unter anderem auch die Opfer der Spanischen Grippe von 1918, die in einer eigenen Reihe begraben wurden. Die Furcht, dass der Erreger im Permafrostboden Svalbards überdauerte, hat sich nach wissenschaftlichen Untersuchungen als unbegründet erwiesen. Die neueren Urnengräber sollen, nach Angaben der Zeitung, auf den neuen Friedhof übertragen werden, wenn dies gewünscht wird.
Dr. Michael Wenger, PolarJournal