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04.09.2017

Welche Baugrössen gibt es? Wie verhält es sich mit den Spurweiten? Was ist H0m?
Alle diese Fragen stellen sich dem Einsteiger in der Modellbahnwelt. Hier zuerst also einmal der Versuch einer Definition:
Modelleisenbahnen und das dazu gehörende Zubehör wie Häuser, Bäume etc. werden in einem bestimmten Massstab verkleinert hergestellt. Damit alles auch schön zueinander passt, sollte auf einer Anlage alles im gleichen Massstab sein. Der Massstab gibt also das Verhältnis des Modells zum Original an. Zum Beispiel ist bei einer Anlage im Massstab 1:87 alles, also Loks, Häuser, Autos, Personen usw. 87 mal kleiner als im Original.
Es haben sich im Lauf der Jahre verschiedene Modell-Massstäbe durchgesetzt. Der Einfachheit halber haben diese gewissermassen einen "Namen" bekommen. Dieser Name wird als Baugrösse bezeichnet. So wird der Massstab 1:87 als Baugrösse H0 (sprich Ha Null), abgeleitet von halb Null, benannt. Dies bedeutet, dass das ganze H0 Zubehör im gleichen Abbildungsmassstab ist und somit von den Proportionen her zueinander passt.
Die Spurweite hat nichts mit dem Massstab zu tun. Sie bezeichnet den Abstand der Schienen; gemessen wird dabei das Innenmass an den Schienenoberkanten. Die Regelspur oder Normalspur, welche die grossen Bahngesellschaften in Europa verwenden, beträgt 1435mm. Dies kommt daher, dass zu Beginn des Eisenbahn-Zeitalters viele Lokomotiven aus England importiert wurden. Somit wurde auch die Spurweite von vier Fuss und achteinhalb Zoll übernommen. Umgerechnet ergibt dies 4 x 12 x 25.4mm + 8.5 x 25.4mm = 1435.1mm. Nun existieren aber noch weitere, schmalere Spuren - eben die Schmalspurbahnen. Die wichtigsten dabei sind die Meterspur (mit 1000mm Schienen-Innenmass), sowie die noch schmalere 750mm Spur. Des weiteren existieren noch sog. Feldbahnen, welche Spurweiten von meist nur 500 ... 600mm aufweisen. Wie beim Original können natürlich auch Modelleisenbahnen nicht auf Gleisen fahren, dessen Schienenabstände nicht passen. Um dies beim Modell ersichtlich zu machen, wurden Zusatzbezeichnungen geschaffen. Diese werden als kleine Buchstaben der Baugrösse "angehängt". Steht nichts, handelt es sich um die Normalspur.
Um dies zu verdeutlichen hier eine Übersicht aller Spurweiten im Massstab 1:87 (H0):
Hier eine Tabelle aller in Europa verwendeten Baugrössen mit den entsprechenden Schienenabständen:
Welche Baugrösse ist für mich nun die beste?
Das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die wichtigsten sind:
Welchen Platz kann ich für meine Anlage zur Verfügung stellen?
Schon auf einer Fläche von 1 x 1m kann in der Baugrösse Z eine schöne Anlage erstellt werden. Bei H0 kann 1 x 2m als absolutes Minimum angenommen werden, dann sind allerdings keine grossen Bahnhöfe und ähnliches möglich.
Was möchte ich auf meiner Anlage abbilden?
Möchte ich lange Züge, z.B. einen ICE fahren, oder eine kleine Nebenbahn? Will ich ein grosses Betriebswerk (BW) mit Drehscheibe? Eine Grossstadt mit mehrgleisigen Bahnhof oder ein kleines Dorf?
Wie möchte ich meine Anlage betreiben?
Möchte ich viel rangieren, dann müssen Kupplungen leichtgängig und zuverlässig arbeiten. Ausserdem sollte man beachten, dass bei kleinen Baugrössen (N und Z), bedingt durch das geringe Gewicht der Loks, vermehrt Kontaktprobleme auftreten, welche den Spielbetrieb doch erheblich einschränken können.
Bei
der Festlegung auf eine bestimmte Baugrösse sind aber auch andere Faktoren
massgebend. Die Baugrösse H0 hat die meisten Anhänger. Schätzungsweise drei
von vier Modellbahner haben sich für diese Baugrösse entschieden. Das kommt
nicht von ungefähr. Bei dieser Baugrösse sind selbst kleine Details ohne
Lupe sichtbar. Aber auch das Zubehör lässt sich bei H0 noch gut
verarbeiten. Wer einmal versucht hat, eine Figur in Grösse N selbst
zu bemalen, wird das bestätigen können. Beim Anlagenbau ist dies ein nicht
zu unterschätzender Vorteil.
An zweiter Stelle in der Beliebtheit folgt, allerdings weit abgeschlagen, die Spur N. Hier ist die Auswahl an Rollmaterial schon wesentlich kleiner. Wie oben erwähnt ist die Betriebssicherheit ebenfalls deutlich schlechter - eine regelmässige Reinigung der Gleise ist hier ein Muss. Der einzige Vorteil gegenüber H0 ist der geringere Platzbedarf.
Ähnlich verhält es sich bei der Spur Z. Der besondere Reiz dieser Spur sind die extrem kleinen Loks und Wagen, wahre Wunderwerke. Eine schwere Güterzug-Lokomotive hält man bei dieser Spur locker zwischen zwei Finger.
Die
grösseren Spuren 0, 1 und 2 haben nur noch
verhältnismässig wenige Anhänger. Die Gründe dafür sind einerseits der
Preis. Eine Lok der Grösse 1 kann schon mal 1600 € und mehr kosten - nicht
gerade für ein zwischendurch Kauf geeignet. Auf der anderen Seite ist der
enorme Platzbedarf auch nur wenigen Modellbahnfreunden gegeben.
Dann gibt's noch die Baugrösse TT (abgeleitet von Table Top). Diese Baugrösse hat im deutschsprachigen Gebiet praktisch nur in der ehemaligen DDR eine Bedeutung. Diese "Zwischendurch-Baugrösse" vereint teilweise den Vorteil von H0 (hohe Detaillierung) und N (geringer Platzbedarf). Trotzdem, da H0 und N zusammen schon gegen 90% des Marktes ausmachen, wird sich eine weitere Baugrösse dazwischen langfristig am Markt kaum auf breiter Front durchsetzen.
Man kann sich schon fragen, ob der Markt so viele Baugrössen "verkraftet". Schliesslich müssen für jede Baugrösse die Modelle entwickelt, hergestellt und vermarktet werden. Preislich interessant wird es erst, wenn in grösseren Stückzahlen produziert werden kann. Mit den Baugrössen N, H0, 1 und G wären doch eigentlich alle Bedürfnisse abgedeckt. Schon klagen Spur N Betreiber über fehlende Neuheiten. Die grossen Hersteller konzentrieren sich immer häufiger auf H0. Dies ist zwar eine Chance für Kleinserien-Hersteller, drückt sich aber unweigerlich im Preis der Modelle und des Zubehörs aus.

Seite erstellt am:

2.03.2004