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In gewissen Fällen ist Passiv durchaus die beste Wahl, etwa wenn nicht bekannt ist, wer der Urheber einer Aktion ist oder wenn das Resultat wichtiger ist. Problematisch wird es jedoch, wenn sich diese Formulierungen häufen. Passivkonstruktionen wirken oft schwerfällig und repetitiv und das Hirn beginnt sich schnell zu langweilen.
Gerade bei technischen oder wissenschaftlichen Texten schnappt die Passivfalle besonders gern zu. Wenn der Urheber nicht bekannt bzw. irrelevant ist oder mehrere Personen an einem Projekt beteiligt sind, bieten sich Passivformen an:
Das stattliche Gebäude wurde 1964 gebaut. Damals wurde noch kein Augenmerk auf nachhaltiges Heizen gelegt. Bei der Sanierung wurde darauf Wert gelegt, den Heizenergiebedarf zu senken. Darum wurde ein erfahrenes Architekturbüro beauftragt.
Bei jedem dieser Sätze hat das Passiv grundsätzlich seine Daseinsberechtigung, doch wenn alle nacheinander stehen, wirkt es störend. Besser ist, mit den Satzkonstruktionen zu variieren:
1964, als das stattliche Gebäude gebaut wurde, war nachhaltiges Heizen noch kein allgegenwärtiges Thema. Bei der Sanierung galt es, den Heizenergiebedarf zu senken. Die Eigentümer entschieden sich deshalb für ein erfahrenes Architekturbüro.
Aktive Formulierungen führen zu aktivem Handeln
Beliebt sind Passivformulierungen beispielsweise bei der Beschreibung einer Anlage oder eines Vorgehens:
Mit der Projektoptimierung konnte die Umweltbelastung in der Bauphase stark verringert werden.
Besser: Die Projektoptimierung reduzierte die Umweltbelastung in der Bauphase stark.
Nebst dem Umweltnutzen konnte die Bauzeit um mehr als 10 % verringert werden, und die Kosten um über 20 %.
Besser: Die Lösung hatte nicht nur einen grossen Umweltnutzen, sie reduzierte auch die Bauzeit um mehr als 10 % und die Kosten um über 20 %.
Steht im Pflichtenheft eines Umweltberichtes: «Die Flora muss im Frühling durch einen Naturschutzexperten erhoben werden», besteht die Gefahr, dass sich niemand angesprochen fühlt.
Besser wäre: «Der Projektverantwortliche des Büros XY organisiert zwischen März und Mai 2020 eine Begehung des Projektgebietes. Dabei wird eine Fachperson die Flora mit Schwerpunkt geschützte Pflanzenarten detailliert erheben.»
So ist klar, wer wann welche Aufgabe zu erledigen hat.
Es lohnt sich, am Ende der Schreibarbeit seinen Text gezielt auf Passivkonstruktionen zu durchforsten und – wo möglich und sinnvoll – eine entsprechende aktive Formulierung zu suchen.
Ein paar Ausweichtricks
Gleich vorneweg: Wir empfehlen nicht, das Passiv mit unpersönlichen Pronomen wie «man» oder «jemand» zu umgehen, denn dadurch bleibt Ihre Textstelle farblos und anonym.
- Subjekte einsetzen – sicher die eleganteste und einfachste Methode
Am ersten Arbeitstag eines neuen Mitarbeiters wird eine Einführung in die Organisation durch den Gruppenleiter vorgenommen.
Besser: Der Gruppenleiter führt neue Mitarbeitende am ersten Arbeitstag in die Organisation ein.
- «sich lassen» / «gelingen» und Infinitiv
Entsprechend waren weniger Lastwagenfahrten notwendig, und Primärmaterial konnte mit Recyclingmaterial ersetzt werden.
Besser: Dadurch waren weniger Lastwagenfahren notwendig und durch den Einsatz von Recyclingmaterial gelang es, Primärmaterial einzusparen.
Oder: Dadurch waren weniger Lastwagenfahren notwendig und durch den Einsatz von Recyclingmaterial liess sich Primärmaterial einsparen.
- mit der Endung ‚-lich‘ oder ‚-bar‘ ein Adjektiv bilden
Diese Berechnungsmethode kann sehr gut angewendet werden.
Besser: Diese Berechnungsmethode ist sehr gut anwendbar.
- mit sein + zu + Infinitiv ein Passiv ausspielen
Das Bauland wird nicht verkauft.
Besser: Das Bauland ist nicht zu verkaufen.
- durch ‚bekommen‘ oder ‚kriegen‘ und Partizip II eine Passivkonstruktion ersetzen
Dem Bauherrn werden die Pläne des ausgeführten Bauwerks übergeben.
Besser: Der Bauherr bekommt die Pläne des ausgeführten Bauwerks ausgehändigt.
- «zum Einsatz kommen» statt «wurde gebraucht/verwendet/eingesetzt»
Als Baustoff wurde anstelle von zugeführtem Kies Aushub eingesetzt, der bereits vor Ort war.
Besser: Anstelle von Kies kam als Baustoff Aushub zum Einsatz, der bereits vor Ort vorhanden war.
- Es galt + Infinitiv
Zunächst musste für die Analyse ein realistisches Szenario erstellt werden, welches dann als Grundlage für die Berechnungen genommen werden konnte. Dazu wurde von einem Worst-Case-Szenario ausgegangen, welches trotzdem noch als realistisch betrachtet werden kann.
Besser: Für die Analyse galt es, ein realistisches Szenario als Grundlage für die Berechnungen zu skizzieren. Die Basis bildeten Worst-Case-Werte, die aber noch in einem realistischen Bereich liegen.