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Die Kramgasshäuser
Als Herzog Berchtold V. von Zähringen die Stadt Bern 1191
in den Aarebogen bauen liess, sollte sie nicht nur kriegerisches
Bollwerk sein, sondern pulsierender Marktort.
Die ersten Häuser wurden aus Holz gebaut. Nach dem grossen
Brand von Bern im Jahre 1405, als 550 Häuser nieder brannten
und rund 100 Bewohner starben, wurden die meisten Häuser
in Stein wieder aufgebaut, meist in Sandstein. Die heutigen Fassaden
stammen aus verschiedenen Epochen. Die elegantesten an der Kramgasse
jedoch wurden in der ersten Hälfte des 18. Jahrhundert gebaut,
als Bern eine Blütezeit in Architektur und Inneneinrichtung
erlebte.
Die Apotheke, Kramgasse 2
Im Ratsmanual Nr. 370 des Jahres 1566 es wörtlich: "Questorij
a Grafenried gwalt gebenn und bevolchen, dass husz am scharpff
egg von Houptmann Hanns Frisching säligen erbenn zu der
Statt handen, insonders eines Apothekers vonnung khoufflich
zebestehheen." Unter
der Bezeichnung "Deutsche Apotheke" wurde dann im
Jahre 1571 an dieser Stelle wirklich eine Apotheke eröffnet.
Einen besseren Platz für eine Apotheke hätte man
damals kaum finden können. Zwar bestand schon längere
Zeit gleich diagonal gegenüber die "Welsche" Apotheke
im Gegensatz zu der einzurichtenden "Deutschen" Apotheke,
aber dank der zentralen Lage an der Verkehrs- und Marktader
der Stadt brauchte eine neue Apotheke die Konkurrenz kaum
zu fürchten.
An diesem Platz stand während des Landtags der Richtstuhl,
hier wurden die Urteile eröffnet, in früher Zeit
Todesurteile vollstreckt. Hier stand auch der Schandpfahl,
das Halseisen,
in welches man die Delinquenten steckte, die zu Ehrenstrafen
verurteilt worden waren. Aber auch im Alltag stand das Haus
mit der Apotheke nicht verlassen da. Hier, am Schnittpunkt
zweiter
Achsen, pulsierte das städtische Leben besonders kräftig,
lag doch das Haus zwischen Rathaus und Münster, den
Zentren weltlicher und geistlicher Macht und zugleich an
der grossen
Längsachse der Stadt.
Erster Apotheker war Tschan Monier. Um 1700 liess der Apotheker
und Ratsherr Samuel Wyttenbach durch die Werkmeister Abraham
und Joh. Jakob Dünz das heutige Haus erstellen. Von 1764
bis 1836 waren Vater Abraham und Sohn Carl Friedrich Morell Besitzer
dieses Hauses und der Apotheke. Die bisher aus zwei getrennten
Häusern bestehende Liegenschaft wurde durch Umbau im Jahr
1824 vereinigt. Aus jener Zeit stammt die Holzarchitektur in
der Laube und im Innern, wie auch das Palladiomotiv gegen die
Kreuzgasse. 1953 gingen die Liegenschaft an die Gesellschaft
zu Zimmerleuten und die Apotheke an die Firma H.U. Neuenschwander
AG über. 1994 übernahm Dr. Stefan Fritz die Apotheke
und wagte sich Anfang 2005 an den Umbau der Drogerieabteilung;
Alt und Neu harmonieren in einer kühnen aber schönen
Kombination.
Siehe auch unter Sehenswert - Rathausapotheke
Das ehemalige Kaufhaus, Kramgasse 20
Das erste Kaufhaus an der Kramgasse 20 wurde 1373 gebaut. Alle
ankommenden Waren mussten dorthin gebracht werden, wo Zoll und
Geleit (Polizeischutz auf der Reise) zu bezahlen waren. Auch
alle Käufe mussten dort abgewickelt werden. 1405 wurde es
beim grossen Stadtbrand zerstörte und wieder aufgebaut.
1620 war wieder ein Neubau nötig. Danach befanden sich im
Erdgeschoss die Warenlager, die Wägeräume, die Schreibstube
und eine gepflästerte Durchfahrt.
1832 wurde das Kaufhaus zum Postamt umgebaut, das Zollamt zog
weg. Das Postamt verliess 1861 die Räumlichkeiten an der
Kramgasse und zog in die Nähe des Bahnhofs. Immerhin beliess
sie eine Filiale in der Kramgasse 1, die noch immer exisistiert.
Heute beherbergt das ehemalige Kaufhaus Büros diverser kantonaler Ämter.
Die Fassade stammt von 1832.
Das Konservatorium, Kramgasse 36
Wo heute das Konservatorium für Musik steht, wurde früher
Fleisch verkauft. Eine offene Halle mit Fleischbänken von
Berner Metzgern zog sich von der Kramgasse bis an die Metzgergasse
(heute Rathausgasse). Eine Abzweigung des Stadtbaches durchfloss
sie und ermöglichte deren Reinigung. Das heutige Schaalgässchen
erinnert noch daran.
Aber die Fleischschaal mit ihren Gerüchen und herumlungernden
Hunden war den Zeitgenossen schon im 19. Jahrhundert ein Dorn
im Auge. Sie passte immer weniger zum Bild der schönen Gasse,
in der moderne und elegante Geschäfte entstanden. Um 1910
verwaisten die Fleischbänke. Verschiedene Projekte befassten
sich mit einer Neugestaltung. Eines davon galt dem Ausbau
einer modernen Markthalle.
Schliesslich entstand ein Neubau für das Konservatorium
für Musik, das damals am Münsterplatz untergebracht
war und aus allen Nähten platzte. Es wurde 1940 an der Kramgasse
36 eingeweiht. Seine Architektur wurde sofort heftig kritisiert.
Die Gestaltung der Fassade mit der schwebenden Muse war ein Fremdkörper
im Gassenbild. Das sensibilisierte die Denkmalpfleger und Kunsthistoriker.
Fortan durfte keine Fassade mehr verändert oder ergänzt
werden.
Das Konservatorium bildete Kinder und angehende Berufsmusiker
sowie Schauspieler aus und brachte viel Leben in die Gasse.
Es florierte, und bald mangelte es wieder an Platz. Im Jahr
2002 zog die Berufsschule weg. An der Kramgasse verblieb die
Musikschule
für Kinder und Erwachsene. Fast jedes Instrument kann hier
gelernt werden. Rund 100 Lehrer stehen zur Verfügung. Im
grossen Konzertsaal finden nicht nur Schüleraufführungen,
sondern oft auch namhafte internationale Konzerte statt.
Das Einstein-Haus, Kramgasse 49
Albert Einstein lebte von 1903 bis 1905 im zweiten Stock dieses
Hauses.
Im Erdgeschoss wurde in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts
das Restaurant "Zum unteren Juker" von der Brauerei
Juker eröffnet.
Siehe auch unter Sehenswert - Einsteinhaus
Tscharnerhaus, Kramgasse 54
Das Haus wurde um 1740 von Albrecht Stürler für Bernhard
Tscharner errichtet. In seiner Grösse (Breite), mit seinen
schönen Fenstern ist es ein Juwel Berner Baukunst. Der erste
Besitzer, Junker Bernhard Tscharner, liess sein Familienwappen
unter dem Fensterbank des Mittelfensters anbringen. Im Tscharnerhaus
befand sich um 1860 diePrivatbank Wagner & Co. Im Erdgeschoss
ist seit Jahrzehnten Wohnkunst Mäder untergebracht.
Das Kirchbergerhaus, Kramgasse 61
Das Haus gehörte seit 1598 einer Patrizierfamilie Kirchberger.
1718/19 baute Friedrich Kirchberger, gewesener Landvogt in
Sumiswald, das Haus im Stile Louis XV neu.
Auf der Höhe der ersten Fensterreihe erinnert eine wappenförmige
Schrifttafel daran, dass hier der letzte Schulheiss des Alten
Bern, Niklaus Friedrich von Steiger, gewohnt hatte. Er stieg
am 4. März 1798, nachdem die Berner im Grauholz die Schlacht
gegen Napoleons Armee verloren hatten, mit Tränen in
den Augen vom Thron der Berner Schulheissen herab, um einer
neuen
provisorischen Regierung Platz zu machen.
Das Capitol, Kramgasse 74
Die Kramgasse 74 ist eines der grössten Häuser der
Gasse, ein "sechachsiges Sässhaus", ein
Haus mit 6 nebeneinander liegenden Fenstern. Ursprünglich
wurde es für Emanuel Tscharner gebaut, es beherbergte
später
die Bank Zeerleder, dann diejenige von Grenus & Co.
1929 entstand darin das Lichtspieltheater Kapitol (anfänglich
mit "K" geschrieben). Es besass nebst der Leinwand
eine grosse Bühne, ein eigenes Orchester und eine
riesige Orgel, um die Stummfilme und Darbietungen musikalisch
begleiten
zu können. Josephine Baker sang hier 1929 und Anna
Pavlova tanzte 1930. Erst nach dem zweiten Weltkrieg
wurde das Capitol
reiner Kinobetrieb.
Das Brunner-Haus, Kramgasse 85 / Hotelgasse 1
Der 1562 begonnene Bau an der Hotelgasse 1 wurde 1690 – 1710
frühbarock umgebaut und 1905/1907 mit Einbezug
des Hauses Kramgasse 85 in schulmässiger Neogotik
"restauriert".
Das Hôtel de Musique, Hotelgasse 10 / Theaterplatz
7
1766 wurde eigens für den Bau des Hôtel de Musique
eine Aktiengesellschaft gegründet, die älteste und
noch bestehende in Bern. Sie lässt 1767/69 von N. Sprüngli
und Waeber das Hôtel de Musique mit Bühne für
das erste Theater Berns und für Konzerte erbauen. Die Stadt
wollte aber keine niederen Lustbarkeiten dulden und erlaubte
bis 1798 nur Bälle und Feste.
1836/38 wurde der Theatersaal
ausgebaut. Von 1862 – 1903 diente er als Stadttheater.
Das Café du Théatre im Erdgeschoss, das heutige
Du Théâtre, bestand schon vor der Mitte des 19.
Jahrhunderts. Die Renovation des Hauses 1904/05 unter René von
Wurstemberger zerstörte die Freitreppe auf den
Theaterplatz und die Proportionen des Erdgeschosses.
Der Theatersaal
verschwand.
Ehemalige Sonne, heute Bären-Apotheke,
Bim Zytglogge
1
Von 1485 – 1525 gab es neben dem Zytglogge
ostseitig den Gasthof Sonne. Das Haus wurde 1505
von Boley Gantner
teilweise
neu gebaut. Den Erker des Hauses trug bis 1837 die
Halbfigur des Brotschelms.
Von diesem Erker aus erzählt der Samichlaus
jeweils am ersten Adventsonntag den wartenden Kindern
eine Wintergeschichte,
die
genau zum Glockenschlag 17.00 Uhr endet.
Im Erdgeschoss ist die Bären-Apotheke eingerichtet.
Die Zeitglocken-Apotheke, Bim Zytglogge 5
Im Westteil des Zeitglockenturms eröffnete Daniel Lauterburg
1633 eine Apotheke. Noch heute existiert die Zeitglocken-Apotheke.
1642 wurde dem Haus eine hölzerne Verkaufsbude
angebaut. An deren Stelle befindet sich heute
ein Kiosk.
Die Central-Apotheke, Zytgloggelaube 2
Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts befindet
sich im 1925 durch einen Neubau ersetzten
Eckhaus eine
Apotheke.
Die ehemalige Rathaus-Galerie, Kramgasse 10
Die Kramgasse wurde 1838 um eine Attraktivität reicher.
An der Kramgasse 10 liess Major Emanuel Rebold das Haus zu einer
Galerie umbauen, wie man sie von Paris oder Mailand kennt. Ein
von Eisengittern getragenes Glasdach überdeckte eine nach
neusten Vorstellungen konzipierte Galerie von elf Kaufläden,
von der Kramgasse bis an die damalige Metzgergasse (Rathausgasse)
durchgehend. Sie wurde zum Treffpunkt der laubenpromenierenden
Welt. Offenbar war aber die Schaulust grösser als die Kauflust.
Rebold musste einige Jahre später den Konkurs anmelden.
Heute ist im Erdgeschoss das Geschäft für antike
und orientalische Teppiche Irmak untergebracht.
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