Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03376.jsonl.gz/1806

Kieferorthopädische Behandlungen macht uns weniger einzigartig
Das menschliche Gebiss enthält viele Merkmale, die zur Identifizierung einer Person anhand des Gebisses oder erzeugter Bissspuren verwendet werden können. Abformungen der Zähne lassen sich nutzen, um einen Verdächtigen mit einem Verbrechen in Verbindung zu bringen. Ziel dieser Studie war es, den Einfluss der kieferorthopädischen Behandlung auf die Einzigartigkeit der menschlichen Frontzähne durch Vergleich der Anzahl der Zahnformübereinstimmungen bei einer Gruppe von Patienten vor Beginn und nach Abschluss einer kieferorthopädischen Behandlung zu untersuchen.
Dazu wurden Modelle der Ausgangs und Schlusssituation von 36 Patienten verwendet. Die Abformungen wurden gescannt und die vorderen sechs Zähne an insgesamt 24 Stellen markiert. Es erfolgte eine Einteilung der Modelle in vier Gruppen: präorthodontischer Ober und Unterkiefer sowie postorthodontischer Ober und Unterkiefer. Partielle und vollständige Procrustes Analysen wurden durchgeführt, um die Ähnlichkeit zwischen den Zahnmodellen innerhalb je der Gruppe zu untersuchen und um festzustellen, ob einer der Vergleiche genug Ähnlichkeit ergab, um als Übereinstimmung eingestuft zu werden. Die Daten wurden statistisch ausgewertet und verglichen.
Die kieferorthopädische Behandlung reduzierte die Einzigartigkeit der Zähne und erhöhte die Ähnlichkeit zwischen ihnen, was durch eine Verringerung der maxi malen partiellen Prokrustes Abstände in den postorthodontischen Zahngruppen belegt werden konnte. Keiner der zahnmedizinischen Modellvergleiche in der prä- oder postorthodontischen Ober bzw. Unterkiefergruppe wurde als übereinstimmend mit der partiellen Procrustes Analyse eingestuft. Allerdings wurden viele falsch positive Übereinstimmungen (zwischen 35 und 61) innerhalb der postorthodontischen Ober und Unterkiefergruppen unter Verwendung der vollständigen Procrustes Analyse identifiziert.
Schlussfolgerungen: Die kieferorthopädische Behandlung reduzierte die Einzigartigkeit des menschlichen Frontzahnes zwischen verschiedenen Patienten. Mit der partiellen Procrustes Analyse wurden keine Übereinstimmungen identifiziert, aber beim Einsatz der vollständigen Procrustes Analyse ergab sich eine große Anzahl von falschpositiven Übereinstimmungen. Es wird daher vorgeschlagen, dass für diese Art von Arbeit statt der ungeeigneten vollständigen nur die partielle ProcrustesAnalyse verwendet werden sollte.
Dyke AEC, Cunningha, S, Hunt N, Ruff C. A comparative study to investigate the effect of orthodontic treatment on the uniqueness of the human anterior dentition. Forensic Sci Int 2018;289:368-373.
Kauleistung wird durch Abrasion der Zähne nicht beeinträchtigt
Die Kauleistung wird durch eine Reihe von Variablen wie Alter, Geschlecht, Bisskraft und Okklusionseinheiten beeinflusst. Auch die Abrasion kann aufgrund von Veränderungen im Okklusionsbereich und in der vertikalen Dimension der Okklusion eine Rolle spielen.
Ziel dieser Studie war es, den Einfluss der Abrasion auf die Kauleistung mittels eines Kommunikationstests zu untersuchen. Patienten mit unterschiedlichem Grad an Zahnabnutzung, die von ihren Allgemein Zahnärzten überwiesen und in das „Radboud Tooth Wear Project“ aufgenommen worden waren, wurden für diese Studie angesprochen und nach vorheriger Einwilligung aufgenommen. Um den Abnutzungsgrad zu
ermitteln, kam der Tooth Wear Index (TWI) zum Einsatz. Die Anzahl der okkludierenden Seitenzahneinheiten wurde bestimmt und die Bisskraft mit einem Aufnehmer gemessen. Die Messung der Kauleistung erfolgte mit einem Kommunikationstest, wobei die mittlere Partikelgröße (X50) nach 20 Kauzyklen als Ergebnismaß herangezogen wurde. Ein multiples Regressionsmodell wurde verwendet, um die Beziehung zwischen TWI, Alter, Geschlecht, Bisskraft, Okklusionseinheiten und X50 zu beurteilen.
52 Teilnehmer (40 Männer, 12 Frauen, Durchschnitts alter: 40 ± 8,2 Jahre) wurden in die Studie einbezogen. Der TWIScore lag zwischen 1,0 und 3,3. Die durchschnittliche Anzahl der Okklusionseinheiten pro Teilnehmer betrug 11,9 ± 1,4 und die mittlere Bisskraft 369 ± 172 N. Der Mittelwert von X50 belief sich auf 4,2 ± 1,1. Die Ergebnisse zeigten keinen signifikanten Zusammenhang zwischen TWIScore, Alter, Geschlecht, Bisskraft und Okklusionseinheiten am X50 (p > 0,13).
Schlussfolgerungen: Die Studie zeigt, dass der Grad des Zahnverschleißes keinen Einfluss auf die Kauleistung hat. Auf individueller Ebene könnte ein Effekt vorhanden sein, aber bei einer größeren Gruppe von Patienten stand der Grad der Zahnabnutzung in keinem Zusammenhang mit der Kauleistung.
Sterenborg BAMM, Kalaykova SI, Loomans BAC, Huysmans MDNJM. Impact of tooth wear on masti- catory performance. J Dent 2018 Jun 27 [Epub ahead of print].