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- Die meisten Experten gehen davon aus, dass die Schweizer Alpengletscher am Ende des Jahrhunderts auf einen kümmerlichen Rest zusammenschmelzen. Kleine Gletscher verschwinden ganz.
- Der Rhonegletscher dürfte dann noch etwa zehn Prozent der heutigen Masse aufweisen.
- Bis Mitte Jahrhundert werden die schmelzenden Eismassen für ausreichend Wasser, aber auch ausgedehntere Hochwasserlagen sorgen.
- In der zweiten Jahrhunderthälfte wird das Schmelzwasser aus Eis markant zurückgehen, was neuen Lösungen in der Wasserspeicherung bedingt.
Es schmilzt wie verrückt in den Schweizer Alpen. Um nicht weniger als 160 Meter hat etwa der Rhonegletscher in den vergangenen fünf Jahren an Länge eingebüsst, wie Glaziologe David Volken berichtet. Um eindrückliche 1,5 Kilometer ist gar der Berner Triftgletscher seit der Jahrtausendwende zurückgegangen.
Der Rhonegletscher wird bis Ende des Jahrhunderts auf einen Zehntel des heutigen Volumens schrumpfen.
Das Bild ist überall ähnlich. Alle fast tausend Gletscher in den Schweizer Alpen verlieren relativ stark an Masse und Länge. Es bilden sich an vielen Orten stehende Gewässer. 500 bis 600 neue Seen prognostiziert der Gletscher- und Klimaexperte im Bundesamt für Umwelt (Bafu) bis zur Jahrhundertwende in den Alpen.
Vier Fünftel des Schweizer Gletschereises liegen im Wasserschloss Wallis, wo auch der Rhonegletscher das zunehmend wärmere Klima der letzten 30 Jahre zu spüren bekommt. Zuvor machte das dortige Eismassiv gelegentlich auch Vorstösse, so in den kühlen Sommern der Jahre 1960 und 1980. Der Rhonegletscher hat eine «Reaktionszeit» von 20 Jahren. «Bis Ende dieses Jahrhunderts werden noch etwa zehn Prozent des heutigen Eisvolumens übrigbleiben», so Volken.
Frühere und längere Hochwasser
Die anhaltende Gletscherschmelze hat zugleich bedeutende Folgen für die Wasserlage in der Schweiz. So werden die Abflüsse voraussichtlich bis Mitte Jahrhundert zunehmen. Der Spitze dürfte beim Rhonegletscher zwischen 2040 und 2050 erreicht werden. Vermehrte Hochwasser aus den Hochalpen seien in den Monaten Juli und August zu erwarten. Die Hochwassersaison werde zudem verlängert. Sie werde bereits im Mai einsetzen und bis in den November hineinreichen.
Im Verlauf der zweiten Jahrhunderthälfte dürften dann die Abflüsse markant zurückgehen: «Vor allem nach der Schneeschmelze im Mai/Juni wird es im Juli/August weniger Wasser geben. Das Wasser wird dann in den Einzugsgebieten fehlen, vor allem in der Rhone», so Volken. Für diese Zeit seien intelligente Lösungen mit Wasserspeichern gefragt, die dann möglicherweise nicht mehr nur zur Stromproduktion eingesetzt werden. Solche Multifunktionsspeicher könnten dann etwa die landwirtschaftliche Bewässerung in den heissen Sommermonaten sicherstellen.
Die Gletscherschmelze bereitet Probleme, doch diese sind lösbar.
Volken ist zuversichtlich, dass die Schweiz die Herausforderungen der schmelzenden Gletscher bewältigen kann. Das Land sei mit den finanziellen und personellen Ressourcen von Bund und Kantonen in einer privilegierten Lage und könne sich anpassen: «Lösungen müssen aber bereits heute erarbeitet werden und nicht erst in 40 Jahren, wenn die Gletscher nur noch klein sind.»