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Das Selbst ist ein Konzept, das in der Psychologie und Philosophie verwendet wird, um das Wesen oder die Identität einer Person zu beschreiben. Es bezieht sich auf das Bewusstsein, das Gefühl der Einheit und Kohärenz der eigenen Persönlichkeit und Identität.
In der Psychologie wird das Selbst als eine Struktur im menschlichen Geist angesehen, die eine Person dazu befähigt, sich selbst als getrennt von anderen und als Individuum zu erkennen. Es umfasst sowohl bewusste als auch unbewusste Aspekte und kann durch Erfahrungen, Beziehungen und kulturelle Einflüsse beeinflusst werden.
In der Philosophie wird das Selbst oft als das grundlegende Subjekt oder Bewusstsein angesehen, das Erfahrungen macht und Handlungen ausführt. Es wird auch als Quelle von Werten, Überzeugungen und moralischen Vorstellungen betrachtet.
In diesem Guide lernst du, wie Kinder ein Selbstbild entwickeln und wie Eltern dazu beitragen können, ein positives Umfeld zu schaffen.
Selbstbild, Identität, Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl: Alles dasselbe?
Das Selbstbild bezieht sich auf die Vorstellung, die eine Person von sich selbst hat, einschliesslich ihrer körperlichen Erscheinung, Persönlichkeit, Fähigkeiten, Interessen und Werten. Das Selbstbild kann von verschiedenen Faktoren beeinflusst werden, wie z.B. Erfahrungen, Feedback von anderen und sozialen Vergleichen.
Die Identität bezieht sich auf die einzigartigen Merkmale und Eigenschaften, die eine Person als individuell und unterscheidbar von anderen definieren. Die Identität kann auf verschiedenen Ebenen beschrieben werden, wie z.B. der kulturellen Identität, der Geschlechtsidentität oder der persönlichen Identität.
Das Selbstbewusstsein bezieht sich auf das Bewusstsein, das eine Person von sich selbst hat, einschliesslich ihrer Gedanken, Gefühle und Handlungen. Es bezieht sich auch darauf, wie eine Person ihre Beziehungen zu anderen und ihre Umgebung wahrnimmt und bewertet.
Das Selbstwertgefühl bezieht sich auf die Bewertung, die eine Person von sich selbst vornimmt, einschliesslich ihrer Wertschätzung ihrer Fähigkeiten, ihrer Leistungen und ihres Selbstbildes. Ein hohes Selbstwertgefühl bedeutet, dass eine Person ein positives Bild von sich selbst hat und sich selbst als wertvoll und liebenswert betrachtet.
Obwohl diese Konzepte miteinander verbunden sind, haben sie unterschiedliche Bedeutungen und können sich voneinander unterscheiden. Eine Person kann z.B. ein hohes Selbstwertgefühl haben, aber ein negatives Selbstbild oder eine Identitätskrise durchlaufen.
Das Selbst von Babys
Bei Babys ist das Selbst noch nicht vollständig entwickelt, aber es beginnt sich im Laufe der Zeit zu entwickeln. In den ersten Monaten des Lebens erkennen Babys nicht, dass sie getrennt von ihrer Umgebung sind, und haben keine Vorstellung von sich selbst als individuelles Wesen.
Im Alter von etwa 6-8 Monaten beginnen Babys jedoch, sich selbst als getrennt von ihrer Umgebung wahrzunehmen und beginnen, sich auf ihre eigene Person zu beziehen. Sie erkennen, dass sie eine eigene Identität haben und nicht diejenige der Bezugspersonen (z.B. Eltern), und beginnen, ihre Handlungen und die Handlungen anderer in Bezug auf sich selbst zu interpretieren.
Im Alter von 18-24 Monaten entwickeln Babys ein Verständnis für sich selbst als individuelles Wesen mit eigenen Gedanken, Gefühlen und Wünschen. Sie beginnen auch, ihre Umgebung aktiv zu erkunden und ihre Fähigkeiten und Grenzen zu testen.
Der Spiegeltest bei Babys
Der Spiegeltest wird bei Säuglingen durchgeführt, um zu untersuchen, ab welchem Alter sie in der Lage sind, ihre eigene Reflexion im Spiegel (Spiegelbild) zu erkennen. Dies wird als ein frühes Anzeichen für die Entwicklung eines Selbstkonzepts angesehen.
In der Regel wird der Spiegeltest bei Babys ab dem Alter von 6 Monaten durchgeführt. Das Baby wird vor einem Spiegel platziert und eine unauffällige rote Markierung wird auf die Stirn des Babys aufgetragen, während es abgelenkt ist. Dann wird beobachtet, ob das Baby seine eigene Reflexion im Spiegel erkennt und versucht, die Markierung auf seiner eigenen Stirn zu entfernen. Wenn das Baby tatsächlich versucht, die Markierung auf seiner eigenen Stirn zu entfernen, wird dies als Hinweis darauf interpretiert, dass es seine eigene Reflexion im Spiegel als sich selbst erkennt und damit über ein rudimentäres Selbstbewusstsein verfügt.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass nicht alle Babys diese Aufgabe ausführen können. Die Fähigkeit, die eigene Reflexion im Spiegel zu erkennen, entwickelt sich im Laufe der Zeit und kann je nach individuellen Faktoren wie Temperament, Erfahrungen und Entwicklungsgeschwindigkeit unterschiedlich ausfallen.
Die Entwicklung des Selbst bei Kleinkindern
Die Entwicklung des Selbst bei Kleinkindern setzt sich fort und vertieft sich im Vergleich zum Säuglingsalter. Kinder lernen, dass sie unabhängig von anderen Wesen sind und erkennen ihre Vorlieben und Fähigkeiten.
Hier sind einige wichtige Meilensteine in der Entwicklung des Selbst bei Kleinkindern:
Ab dem Alter von 2 Jahren beginnen Kinder, sich selbst mit Namen zu identifizieren und ihr Geschlecht zu verstehen.
Im Alter von 3 Jahren erkennen Kinder ihre eigenen Emotionen und beginnen, sie verbal auszudrücken. Sie entwickeln auch ein Verständnis dafür, dass andere Menschen ihre eigenen Gedanken und Gefühle haben.
Im Alter von 4 Jahren entwickeln Kinder eine Vorstellung davon, wie sie von anderen gesehen werden und beginnen, ihr Verhalten aufgrund dieser Erkenntnis anzupassen. Sie entwickeln auch ein Konzept von Recht und Unrecht und beginnen, ihre eigenen Handlungen danach zu beurteilen.
Im Alter von 5 Jahren haben Kinder ein besseres Verständnis ihrer eigenen Persönlichkeit und Vorlieben und können sich auf komplexe Weise ausdrücken.
Im Alter von 6-7 Jahren beginnen Kinder, ihre eigene Identität zu erforschen und ihre Vorstellungen von sich selbst in Bezug auf ihre Fähigkeiten, Vorlieben und Werte zu entwickeln.
Das kindliche Selbstbild fördern
Eltern können auf verschiedene Arten dazu beitragen, dass Kinder ein positives Selbstbild entwickeln. Hier sind einige Tipps:
Lobe das Kind: Gib dem Kind regelmässig Anerkennung und Lob für seine Erfolge und Bemühungen.
Bestärke das Kind in seinen Interessen: Ermutige das Kind, seine Interessen zu verfolgen und unterstütze es dabei. Wenn das Kind etwas gerne tut und darin gut ist, kann dies dazu beitragen, dass es sich selbst als kompetent und fähig ansieht.
Gib dem Kind Raum zur Selbstentfaltung: Gib dem Kind die Möglichkeit, seine eigenen Entscheidungen zu treffen und Erfahrungen zu sammeln. Das Kind sollte lernen, seine eigenen Fähigkeiten und Grenzen zu verstehen.
Fördere positive Beziehungen: Fördere positive Beziehungen zu Familie, Freunden und anderen wichtigen Menschen im Leben des Kindes. Kinder lernen viel über sich selbst und ihre Beziehungen durch die Interaktion mit anderen.
Vermittle ein positives Selbstbild: Vermeide es, negative Aussagen über das Kind oder seine Fähigkeiten zu machen. Stärke stattdessen das Selbstbild des Kindes, indem Sie ihm sagen, dass es liebenswert und wertvoll ist.
Ermutige das Kind, seine Emotionen auszudrücken: Ermutige das Kind, über seine Gefühle zu sprechen und helfe ihm dabei, diese zu verstehen. Wenn Kinder lernen, ihre Emotionen auszudrücken, können sie auch lernen, sich selbst besser zu verstehen und zu akzeptieren.
Setze realistische Erwartungen: Setze realistische Erwartungen für das Kind, die seinen Fähigkeiten und Interessen entsprechen. Übermässiger Druck oder unrealistische Erwartungen können dazu führen, dass das Kind ein negatives Selbstbild entwickelt.
Es ist wichtig zu betonen, dass die Entwicklung eines positiven Selbstbildes ein Prozess ist, der Zeit und Geduld erfordert. Eltern sollten ihr Kind unterstützen, während es lernt, sich selbst zu verstehen und zu akzeptieren.
Die Wahrnehmung der eigenen Gedanken und Gefühle
Die Förderung der Selbstwahrnehmung ist ein wichtiger Teil der Entwicklung des Selbstbildes bei Kindern. Hier sind einige Tipps, wie Eltern die Selbstwahrnehmung ihrer Kinder fördern können:
Fragen stellen: Stelle deinem Kind offene Fragen, um seine Gedanken und Gefühle besser zu verstehen. Zum Beispiel: "Wie hast du dich gefühlt, als du das gemacht hast?" oder "Was denkst du über diese Situation?"
Feedback geben: Gib deinem Kind Feedback über seine Leistungen, aber auch über seine Bemühungen. Lobe das Kind, wenn es sich besonders angestrengt hat, unabhängig vom Ergebnis.
Emotionen ausdrücken: Ermutige dein Kind, seine Emotionen auszudrücken und zu benennen. Unterstütze dein Kind dabei, seine Gefühle zu verstehen und zu akzeptieren.
Interessen erkunden: Ermögliche deinem Kind, neue Dinge auszuprobieren und verschiedene Interessen zu erkunden. Dadurch kann es seine Vorlieben und Abneigungen besser verstehen.
Fehler akzeptieren: Ermutige dein Kind, Fehler zu akzeptieren und daraus zu lernen. Hilf ihm, positive Aspekte aus schwierigen Erfahrungen zu ziehen.
Kritisches Denken fördern: Stelle deinem Kind Fragen, um es dazu zu ermutigen, kritisch zu denken und verschiedene Perspektiven zu betrachten.
Respektiere die Meinung deines Kindes: Nimm die Meinungen Ihres Kindes ernst und respektieren Sie seine Entscheidungen. Dadurch fühlt sich dein Kind wertgeschätzt und kann seine Selbstwahrnehmung stärken.
Hat mein Kind ein negatives Selbstbild?
Es gibt einige Anzeichen, die darauf hinweisen können, dass ein Kind ein negatives Selbstbild hat. Hier sind einige davon:
Negative Selbstgespräche: Wenn ein Kind häufig negative Dinge über sich selbst sagt, wie "Ich bin dumm" oder "Ich kann nichts richtig machen", kann dies ein Hinweis darauf sein, dass es ein negatives Selbstbild hat.
Mangelndes Selbstvertrauen: Kinder mit einem negativen Selbstbild können unsicher und ängstlich sein, wenn es darum geht, neue Herausforderungen anzugehen oder ihre Meinung zu äussern.
Vermeidung von Herausforderungen: Kinder mit einem negativen Selbstbild können sich selbst davon überzeugen, dass sie etwas nicht können, bevor sie es überhaupt versucht haben. Dadurch können sie sich von neuen Herausforderungen fernhalten.
Vermeidung von sozialen Interaktionen: Kinder mit einem negativen Selbstbild können sich zurückziehen und soziale Interaktionen meiden, weil sie sich nicht sicher fühlen.
Selbstkritik: Kinder mit einem negativen Selbstbild können sich ständig selbst kritisieren und unangemessene hohe Erwartungen an sich selbst stellen.
Wenn Eltern bemerken, dass ihr Kind Anzeichen für ein negatives Selbstbild zeigt, sollten sie versuchen, das Kind zu unterstützen und ihm dabei helfen, ein positives Selbstbild aufzubauen. Eine offene Kommunikation und ein unterstützendes Umfeld können dabei helfen, das Selbstbild des Kindes zu verbessern. Es ist auch wichtig, professionelle Hilfe von einem Psychologen/einer Psychologin in Betracht zu ziehen, wenn das Kind unter schwerwiegenden emotionalen Problemen leidet.
Was können Eltern in dieser Situation tun?
Wenn ein Kind Schwierigkeiten hat, sein Selbstbild zu akzeptieren, können Eltern ihm auf verschiedene Weise helfen:
Zuhören und Verständnis zeigen: Eltern sollten ihrem Kind zuhören und verstehen, wie es sich fühlt, anstatt es abzutun oder zu kritisieren. Eltern sollten auch vermeiden, das Kind mit Vergleichen mit anderen Kindern unter Druck zu setzen.
Konzentriere dich auf Stärken: Eltern sollten die Stärken und positiven Eigenschaften ihres Kindes hervorheben und es ermutigen, diese Stärken zu nutzen.
Ermutige zu neuen Erfahrungen: Eltern können ihr Kind ermutigen, neue Erfahrungen zu machen, indem sie es dazu ermutigen, neue Aktivitäten auszuprobieren und sich neuen Herausforderungen zu stellen.
Grenzen setzen: Eltern sollten klare Grenzen setzen und konsequente Regeln und Erwartungen haben, um ihrem Kind Sicherheit und Stabilität zu bieten.
Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen: Wenn das Kind weiterhin Schwierigkeiten hat, sein Selbstbild zu akzeptieren, können Eltern in Erwägung ziehen, professionelle Hilfe von einem Psychologen/einer Psychologin in Anspruch zu nehmen.
Was haben Geschlechterstereotypen mit dem Selbstbild zu tun?
Geschlechterstereotype können eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Selbstbildes von Kindern spielen, da sie die Erwartungen und Überzeugungen beeinflussen können, die Kinder über sich selbst und andere Geschlechter haben.
Zum Beispiel können Geschlechterstereotype dazu führen, dass Jungen und Mädchen bestimmte Aktivitäten oder Verhaltensweisen als "typisch" für ihr Geschlecht betrachten. Wenn ein Kind dann eine Aktivität ausübt oder eine Verhaltensweise zeigt, die nicht den stereotypischen Erwartungen seines Geschlechts entspricht, kann es dazu führen, dass es sich anders oder unangemessen fühlt.
Dies kann dazu führen, dass Kinder bestimmte Verhaltensweisen und Interessen unterdrücken oder vermeiden, um in das stereotypische Bild ihres Geschlechts zu passen. Dies kann zu einem negativen Selbstbild führen, insbesondere wenn das Kind das Gefühl hat, nicht akzeptiert oder verstanden zu werden.
Es ist daher wichtig, dass Eltern und Erziehungsberechtigte darauf achten, dass sie Kindern eine breite Palette von Möglichkeiten und Interessen zur Verfügung stellen und sie ermutigen, ihre eigenen Interessen und Talente zu verfolgen, unabhängig von Geschlechterstereotypen. Dies kann dazu beitragen, ein positives Selbstbild und Selbstbewusstsein zu fördern und Kinder in ihrer individuellen Entwicklung zu unterstützen.
Die Entwicklung der Identität
Die Entwicklung des Selbst bezieht sich auf die Art und Weise, wie Menschen ein Verständnis von sich selbst, ihrer Persönlichkeit und ihrer Beziehung zur Welt um sie herum entwickeln. Es ist ein kontinuierlicher Prozess, der sich über die gesamte Lebensspanne erstreckt und von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird, wie z.B. biologischen, psychologischen, sozialen und kulturellen Faktoren.
In der frühen Kindheit beginnen Babys und Kleinkinder, eine grundlegende Vorstellung von sich selbst und ihrer Umgebung zu entwickeln, und werden sich allmählich bewusst, dass sie eine eigene Identität haben, die von anderen getrennt ist. Im Kindergartenalter beginnen Kinder, ihre Identität in Bezug auf ihre Rolle in der Familie und in der Gemeinschaft zu entwickeln. Sie beginnen auch, ihre Vorlieben und Abneigungen zu erkennen und auszudrücken.
Im Grundschulalter beginnen Kinder, sich bewusster mit ihrer Identität auseinanderzusetzen. Sie beginnen, sich mit ihren Stärken und Schwächen sowie ihren Interessen und Werten auseinanderzusetzen. Sie beginnen auch, sich mit ihren Gleichaltrigen und Freunden zu identifizieren und entwickeln oft enge Freundschaften.
In der Adoleszenz beginnen Jugendliche, ihre Identität in Bezug auf ihre zukünftigen Ziele und Pläne zu entwickeln. Sie beginnen auch, ihre Sexualität, kulturelle Identität und ihr Verhältnis zur Gesellschaft zu erkunden. In dieser Phase können sie auch mit Identitätskrisen und Konflikten konfrontiert sein, während sie versuchen, ihre Identität zu finden und zu definieren.
Die Entwicklung des Selbst ist also ein lebenslanger Prozess, der von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Eltern und andere Erziehungsberechtigte können dazu beitragen, dass Kinder ein gesundes Selbstbild und Selbstwertgefühl entwickeln, indem sie sie unterstützen, ihnen positive Bestätigung geben und ihnen helfen, ihre Interessen und Talente zu entdecken.
Was sagt die Forschung?
Hier sind einige Studienergebnisse ab dem Jahr 2000 zum Thema Entwicklung des Selbst bei Kindern bis 6 Jahre mit entsprechenden Quellen:
Eine Studie von Pomerantz et al. (2007) ergab, dass das Selbstkonzept von Kindern im Alter von 3-6 Jahren stark von ihren Erfahrungen in der Familie beeinflusst wird. Insbesondere können elterliche Unterstützung und die Qualität der familiären Beziehungen dazu beitragen, dass Kinder ein positives Selbstbild entwickeln.
Eine Studie von Hughes et al. (2010) ergab, dass das Selbstkonzept von Kindern im Vorschulalter auch von ihren Erfahrungen in der Kita beeinflusst wird. Insbesondere kann die Wahrnehmung von Unterstützung und Wertschätzung seitens der Erzieherinnen und Erzieher dazu beitragen, dass Kinder ein positives Selbstbild entwickeln.
Eine Studie von Carpendale und Lewis (2006) ergab, dass das Selbstkonzept von Kindern im Alter von 2-6 Jahren auch von ihren Interaktionen mit anderen Kindern beeinflusst wird. Insbesondere können positive soziale Erfahrungen und Interaktionen dazu beitragen, dass Kinder ein positives Selbstbild entwickeln.
Eine Studie von White et al. (2013) ergab, dass das Selbstkonzept von Kindern im Alter von 4-6 Jahren auch von ihrer Fähigkeit beeinflusst wird, ihre Emotionen und Gedanken zu regulieren. Insbesondere kann die Fähigkeit zur Selbstregulation dazu beitragen, dass Kinder ein positives Selbstbild entwickeln.
Quellen:
Pomerantz, E. M., Moorman, E. A., & Litwack, S. D. (2007). The how, whom, and why of parents' involvement in children's academic lives: More is not always better. Review of educational research, 77(3), 373-410.
Hughes, J. N., Luo, W., Kwok, O. M., & Loyd, L. K. (2010). Teacher-student support, effortful engagement, and achievement: A 3-year longitudinal study. Journal of educational psychology, 102(4), 828-841.
Carpendale, J. I., & Lewis, C. (2006). How children develop social understanding. Blackwell publishing.
White, L. O., McDermott, J. M., Degnan, K. A., Henderson, H. A., & Fox, N. A. (2013). Behavioral inhibition and increased prefrontal cortex activation during social evaluative threat in young adults who were temperamentally inhibited as children. Developmental psychology, 49(3), 390-400.
Mit gutem Beispiel voran?
Eltern sind Rollenmodelle für ihre Kinder - doch wie zeigt sich das beim Selbstbild?
Es gibt einige Studien, die einen Zusammenhang zwischen dem elterlichen Selbstbild und dem kindlichen Selbstbild aufzeigen:
Eine Studie von Brummelman et al. (2014) ergab, dass das Selbstbild der Eltern (insbesondere die Selbstüberschätzung) mit dem Selbstbild der Kinder im Zusammenhang stand. Kinder von Eltern mit einem positiven Selbstbild hatten eher eine höhere Selbstüberschätzung als Kinder von Eltern mit einem negativen Selbstbild.
Eine weitere Studie von Seginer (2008) zeigte, dass das Selbstbild der Eltern mit dem Selbstbild und der Selbstakzeptanz ihrer Kinder im Zusammenhang stand. Insbesondere die elterliche Selbstakzeptanz war ein wichtiger Faktor für das Selbstbild der Kinder.
Eine weitere Studie von Muris et al. (2011) fand heraus, dass das elterliche Selbstbild mit dem Selbstbild und der Selbstwertregulation ihrer Kinder im Zusammenhang stand. Insbesondere Kinder von Eltern mit einem hohen Selbstwertgefühl hatten eher eine positive Selbstwertregulation.
Es macht also durchaus Sinn, wenn Eltern vorleben, wie ein positives Selbstbild im Alltag praktiziert wird, um das Kind in seinen Überzeugungen zu stärken.
Quellen:
Brummelman, E., Thomaes, S., & Sedikides, C. (2014). Separating narcissism from self-esteem. Current Directions in Psychological Science, 23(6), 1-6.
Seginer, R. (2008). Parenting adolescents' identity needs in changing societies. Identity, 8(2), 115-137.
Muris, P., Meesters, C., & Blijlevens, P. (2007). Self-reported narcissism and the Five-Factor Model of personality in young adolescents. Personality and Individual Differences, 43(3), 809-818.
Wann kann es zu Störungen des Selbst kommen?
Einige zugrundeliegende psychische Erkrankungen können die Entwicklung des Selbst beeinträchtigen. Dazu zählen:
Identitätsstörung: Kinder mit Identitätsstörungen haben Schwierigkeiten, ein stabiles und kohärentes Selbstkonzept zu entwickeln. Sie können unsicher oder inkonsistent in ihren Überzeugungen und Verhaltensweisen sein.
Borderline-Persönlichkeitsstörung: Bei Kindern mit dieser Störung treten Stimmungsschwankungen, instabile Beziehungen und ein gestörtes Selbstbild auf.
Autismus-Spektrum-Störung: Kinder mit Autismus können Schwierigkeiten haben, sich in sozialen Situationen zurechtzufinden und ein angemessenes Selbstkonzept zu entwickeln.
Essstörungen: Kinder mit Essstörungen haben oft ein negatives Selbstbild und eine verzerrte Wahrnehmung ihres Körpers.
ADHS: Kinder mit ADHS können Schwierigkeiten haben, ihr Verhalten und ihre Impulse zu kontrollieren und können ein negatives Selbstbild entwickeln.
Es ist wichtig, dass diese Störungen frühzeitig erkannt und behandelt werden, um die Entwicklung eines gesunden Selbstkonzepts und Selbstwertgefühls zu fördern. Eine frühzeitige Intervention kann dazu beitragen, langfristige negative Auswirkungen auf das Kind zu vermeiden