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„Wenn man Menschen machen lässt, kreieren sie manchmal Dinge, die sich andere nie erträumt hätten und dadurch wird die Gesellschaft bereichert.“
David Graeber zur Idee des bedingungslosen Grundeinkommen
Graeber ist Professor für Anthropologie in England. Er hat ein sensationelles Buch geschrieben zur Geschichte von Schulden. Graeber zeigt darin auf, dass seit der Erfindung des Kredits (und damit des Geldes) vor 5000 Jahren das Versprechen auf Rückzahlung die Menschen in die Sklaverei treibt. Und er zeigt auf, dass das Mittel eines Schulderlass oder Schuldenschnittes in der Geschichte immer wieder praktiziert wurde und auch heute eine relevates und vielleicht notwendiges Mittel sein könnte zum Ausstieg aus der weltweiten Schuldenkrise.
Ab Minute 50.20 stellt die Moderatorin Barbara Bleisch Herrn Graeber die Frage, was er zur Idee des bedingungslosen Grundeinkommens denkt, die in der Schweiz gerade grosse Aktualität hat.
David Graeber:
„Das wurde in einem gewissen Kontext ausgebrütet, mit dem ein Wirtschaftssystem tiefgreifend verändert werden soll. Als Konzept gefällt mir diese Idee. Die Initianten wollen damit sagen: wenn man es den Individuen überlässt, was sie zur Gesellschaft beitragen wollen, tun sie meistens etwas, das wertvoller ist, als wenn man sie dazu zwingt. Denn Menschen wollen grundsätzlich keine Parasiten sein – einige wenige vielleicht schon, aber nicht so viele, dass sie wirklich Schaden anrichten können.
Mir gefällt das Beispiel der Gefängnisse. Auch in Hochsichherheitsgefängnissen werden Insassen relativ gut behandelt. Man gibt ihnen Essen und Unterkunft. Ihre Grundbedürfnisse sind gedeckt. Ihre Strafe besteht darin, dass sie nicht arbeiten dürfen. Jeder will doch arbeiten und etwas aus seinem Leben machen.
Viele Leute kreiren Dinge, die wir nicht für möglich halten würde. Ich lebe momentan in London. Haben sie bemerkt, dass dort kaum neue Bands entstehen? Früher entstand dort grossartige Musik. Fragt man die Leute, weshalb nicht mehr, sagen sie, wegen den Arbeitsbestimmungen für Erwachsene. Jede dieser Bands bezieht Sozialhilfe. Doch auf jeden Jugendlichen, der nichts aus seinem Leben macht, sich nur zudröhnt und das Leben geniesst, gibt es einen oder zwei, die eine Band gründen und Grossartiges vollbringen. Das kann man nicht vorhersehen.“
Wenn man Menschen machen lässt, kreieren sie manchmal Dinge, die sich andere nie erträumt hätten und dadurch wird die Gesellschaft bereichert.“
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