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Es ist nicht ganz so einfach mit den Marvel-Filmen und grade Captain Marvel hat hier einen schweren Stand. Es ist ein Film über eines der mächtigsten Wesen im Marvel-Universum und entsprechend erwartungsvoll war vor allem die Fanbase. Schliesslich hat DC-Comics mit Wonder Woman imposant und beeindruckend vorgelegt. Eines der grössten Aushängeschilder der Marvel-Welt darf da nun nicht fehlen und sollte mindestens genauso aus den Socken hauen. Leider haut Captain Marvel nicht wirklich aus den Socken… und das liegt nicht nur daran, dass wir bei der Hitze wohl keine Socken tragen.
Captain Marvel: Der originale Comic kurz überschlagen
Eigentlich war Captain Marvel im Original der 1960er Jahre ja ein Kerl. Der Ausserirdische Mar-Vell kam zur Erde und nahm dort dort die Identität des Dr. Walter Lawson an. Er konnte fliegen, war übermenschlich Stark, besass zudem übersinnliche Fähigkeiten und war wohl einer der stärksten Charaktere des Marvel-Universums. Ein paar Jahre später – gegen Ende der 1970er Jahre – tauchte die US-Pilotin Carol Danvers auf, die ihre Auftritte als Ms. Marvel neben Mar-Vell bekam. Sie diente als weiblicher Counterpart besass sehr ähnliche Kräfte.
Der Comic rund um den Ausserirdischen Mar-Vell verkaufte sich allerdings sehr schlecht, so dass man ihn in den 80er Jahren im letzten Band (The Death of Captain Marvel) an Krebs sterben liess. Danach übernahm die junge Afroamerikanerin Monica Rambeau die Rolle. Es gab allerdings auch hier nicht all zu viele Auflagen und auch nur ein paar Gastauftritte. Marvel strickte die Geschichte also wieder um: Mar-Vell hatte eine Geliebte mit dem Namen Elyssus und diese bekam zwei Kinder. Der Sohn hiess Genis-Vell und die Tochter Phyla-Vell. Die beiden stiegen in den 1990er Jahren zu Vertretern des Captain Marvel Franchise auf und dieses zog sich bis in 2010 hinein. Zwischenzeitlich wurden auch ein Kree und ein Doppelagent der Skrull als Captain Marvel ausgeschrieben, allerdings nur für eine sehr kurze Zeit.
Seit 2012 ist allerdings Carol Danvers wieder in die Geschichte eingebunden und als neuer Captain Marvel in die Story integriert. Viele der Referenzen aus den alten Comics finden sich übrigens auch im Film wieder, was vor allem bei eingefleischten Fans, die sich mit der Materie auskennen, für Aha-Momente sorgen wird.
Captain Marvel: Schwacher Start, deutlich bessere Mitte, keine Höhepunkte
Was mich also persönlich am meisten interessierte, war die Tatsache, wie Disney mit einer der mächtigsten Superheldinnen und Wesen des Marvel-Universums umgehen würde. Die Messlatte hing mit Wonder Woman vom Rivalen DC-Comics ordentlich hoch und schliesslich ist Captain Marvel für das Comic-Studio genau das, was Wonder Woman für DC-Comics ist. Die Erwartungen lagen also auch bei mir als Fan hoch.
Der schwächste Start gepaart mit einem schwachen Jude Law
Diese verpufften allerdings bereits nach 30 Minuten, denn hier machen die Verantwortlichen so ziemlich alles falsch was man eigentlich nur falsch machen kann. Der Einstieg wirkt nahezu belanglos und stilistisch stark aufgesetzt. Von der rumreichen Hauptstadt der Kree (Hala) aus den Comics – wo die Geschichte beginnt – ist absolut nichts zu spüren. Stattdessen gibt es ziemlich unspektakuläre Kampfszenen zwischen Vers (Carol Danvers, gespielt von Brie Larson) und dem Kree Yon-Rogg. Auch der Clinch zwischen den Rassen Kree und Skrull wird nicht wirklich erörtert und was der Krieg zwischen diesen beiden für das Marvel-Universum eigentlich bedeutet.
Das zieht sich dann ein wenig durch den gesamten Start des Films: Auch weitere Kampfszenen wirken schwach und sehr austauschbar. Wenn man als Fan anfängt auf die Uhr zu schauen und das irgendwann mehrmals, merkt man erst wie langatmig diese Phase ist. Daran ändert der Absturz von Vers in eine Blockbuster-Fiale der 90er Jahre nichts, denn dass Captain Marvel ja eigentlich in den 1990er spielen soll, davon ist nicht viel im Film zu spüren. Da stört es auch nicht, dass eine Brotdose aus den 70er Jahren noch eine grössere Rolle gegen Ende hin spielen sollte.
Nachdem allerdings Nick Fury zum Anfang der Mitte auftaucht wird vieles besser. Die humorige Integration von Fury ist durchaus gelungen. Es ist amüsant zu sehen wie der aufstrebende S.H.I.E.L.D.-Chef seinen Weg als Sidekick und normaler Agent an der Seite von Captain Marvel geht und dabei immer einen lockeren Spruch auf den Lippen hat. Das wirkt weit weniger aufgesetzt als die Rolle von Jude Law als Yon-Rogg, der als Mentor von Vers agiert und ihr oftmals zur Seite steht. Jude Law gibt hier nicht seine stärkste Performance zum Besten, was sich bis zum Schluss des Films hinzieht, schade.
Captain Marvel bietet Fans einige Referenzen und Wendungen
Die Wendungen im Film sind allerdings gut geschrieben und halten dann über die gesamte Mitte hinweg auf Trab. Besonders interessant für Fans ist der Auftritt von Maria Rambeau (gespielt von Lashana Lynch): Die beste Freundin von Carol Danvers im Film. Diese hat übrigens auch eine Tochter mit dem Namen Monica Rambeau. Fans werden das Easter-Egg sofort deuten können.
Natürlich darf auch Mar-Vell nicht fehlen, allerdings im Film in einer weiblichen Rolle und mit dem Namen Dr. Wendy Lawson. Die Geschichte steht an diesem Punkt auch den Comics am nächsten. Allerdings geht der Film nicht auf die starken Bande zwischen den Charakteren aus dem Comic ein, sondern konzentriert sich eher auf die Freundschaft zwischen den Figuren Maria Rambeau und Carol Danvers. Schlimm ist das allerdings nicht, da viele MCU-Filme sich oftmals von der eigentlichen Vorlage entfernen.
Immer noch negativ fallen die Kampfszenen auf, die auch im weiteren Verlauf von Captain Marvel nich wirklich an Attraktivität gewinnen. Keine der Szenen ist spannend, hat Feuer oder bleibt wirklich im Gedächtnis hängen. Nicht einmal der Endkampf ist spektakulär, im Gegenteil, es ist eher ermüdend. Nick Fury und die Katze Goose sind hier eher die Protagonisten, die für einen amüsanten Ablauf sorgen, auch wenn diese weniger mit den Kampfszenen zu tun haben. Aber das Internet wusste es ja schon immer: Cat-Content geht immer!
Inszenierung von Captain Marvel unerwartet unspektakulär
Das führt einfach dazu, dass der gesamte Film kein echtes Highlight bietet, bis auf ein paar ausgesuchte Szenen mit einer starken Katze und einem tollen Nick Fury. Überraschen kann auch Brie Larson in der Rolle der Carol Danvers. Allerdings braucht auch sie durch den schlechten Start des Films eine gewisse Zeit, um den Charakter der Captain Marvel zum Leuchten zu bringen. Einfach war das mit Sicherheit nicht.
Zumal die Nachricht des Films eigentlich sehr eindeutig ist und auch transportiert wird: Eine Frau, die sich versucht in den 90er Jahren in eher von Männern dominierte Bereiche durchzusetzen, immer wieder hinfällt, aber doch wieder aufsteht, um ihren Weg zu gehen. Egal wie oft man ihr auch sagt, dass es nichts für sie ist – trotz aller Hindernisse – sie geht ihn dennoch. Und das ist tatsächlich mehr als stark, zumal Captain Marvel so ziemlich zum mächtigsten Wesen des MCU zählt.
Allerdings verschenken Disney und Marvel Studios hier sehr viel Potenzial. Die Nachricht, die stark und wichtig ist, hängt sich an einen sehr unaufgeregten Streifen und wäre weitaus präsenter, wenn die Szenen teilweise nicht so belanglos eingespielt wären. So entsteht der Eindruck, dass Captain Marvel eher seichtes Popcorn-Kino darstellt und weniger Wert auf den Charakter und seine Entwicklung legt, obwohl diese sichtbar ist, aber nicht stark genug zur Geltung kommt.
Fazit: Ich hätte mir so viel mehr gewünscht…
Wie bereits erwähnt, wird der Film zur Mitte hin deutlich besser und auch das Ende weiss zu gefallen und knüpft direkt an Avengers: Infinity War und schlussendlich damit auch an Avengers: Endgame an. Allerdings finde ich es als grosser Fan sehr sehr schade, dass gerade ein derart wichtiger Charakter wie Captain Marvel bzw. Carol Danvers, den bisher schwächsten Film der Reihe bekommt. Iron Man, Captain America, Spider-Man oder auch Doctor Strange waren in ihrer Inszenierung und Vorstellung der Charaktere überragend (grade Doctor Strange zählt zu den besten Marvel-Filmen!). Sie zeichnen die Figuren aus und überbringen die Nachrichten, die diese vielschichtigen Probanden schreiben, eindrücklich wieder. Das bleibt in Erinnerung.
Captain Marvel hingegen ist zwar bei weitem kein Film zum vergessen, aber es bliebt nicht viel übrig, an das man sich zurückerinnert. Man sitzt eher am Ende des Films auf dem Sofa sitzen und fragt sich “Wie jetzt? Mehr nicht? Das war es?!”.
Der Film ist wirklich nicht schlecht und um das MCU zu komplettieren auch ausreichend. Man sollte halt nur seine Erwartungen drosseln. Ein absolutes Marvel-Feuerwerk, wie man es bisher gewohnt war, bringt Captain Marvel nicht. Unterhaltend ist er aber durchaus. Hoffen wir an dieser Stelle, dass ein weiterer Solo-Auftritt von Captain Marvel dann auch eine entsprechende Würdigung erfährt.