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ein Institut des deutschen Erbrechts, kommt in zweifacher Gestalt, als Witwengerade und
als Niftelgerade, vor. Die Witwengerade bildete einen Inbegriff gewisser beweglicher Gegenstände, welche die Witwe aus dem
Nachlaß ihres verstorbenen Ehemanns wahrscheinlich zur Entschädigung für ihr in der Ehe untergegangenes bewegliches Vermögen
erhielt. Solche Gegenstände waren Hausgerätschaften und für den Hausstand bestimmte Vorräte an Waren und Lebensmitteln,
bei dem Adel auch die Equipage, deren sich die Gatten zu ihrem persönlichen Gebrauch bedient hatten; doch
herrschte hinsichtlich der Bestimmung dessen, was zur Gerade gerechnet wurde, in den Partikulargesetzen große Verschiedenheit.
So erbten hin und wieder auch die Geistlichen die Gerade, insofern sie von der Erbschaft des Heergeräts ausgeschlossen waren und
deshalb hinsichtlich der Gerade gleiche Rechte mit den Frauenspersonen erhielten.
Die Niftelgerade dagegen war ein Inbegriff beweglicher, aus dem Nachlaß einer Frau den Töchtern oder in deren Ermangelung
den nächsten weiblichen Verwandten von der Weiberseite (Niftel) gebührender Gegenstände. Anfänglich gehörten zu dieser
letztern nur weibliche Kleider, Wäsche und Schmuckgegenstände nebst den zur Aufbewahrung dienenden Behältern;
später wurden auch gewisse Haustiere dahin gerechnet. Die Niftelgerade wurde häufig dadurch umgangen, daß die betreffende
Frauensperson ihre Gerade bei Lebzeiten an den verkaufte, welchem sie dieselbe eben zuwenden wollte. Das Institut der Gerade ist fast
allenthalben durch die moderne Gesetzgebung aufgehoben, und nur vereinzelt finden sich noch Spuren desselben.
und Ungerade, ein sehr gewöhnliches einfaches Glücksspiel, welches darin besteht, daß man verschiedene Münzen
[* 5] oder sonstige kleine Gegenstände in die Hand
[* 6] nimmt, letztere schließt und einen andern erraten läßt, ob die Zahl derselben
eine gerade oder ungerade sei; es war schon den Griechen (artiazein) und den Römern (ludere par impar)
bekannt. GroßeÄhnlichkeit
[* 7] hat hiermit das Fingerspiel oder Fingerlosen, wobei man schnell eine Anzahl Finger einschlägt oder
ausstreckt und, indem man die Hand verborgen hält, die Anzahl derselben von einem andern erraten läßt. Vgl. Mora.
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