Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03597.jsonl.gz/1569

Warum untersuchen wir den Tanganjikasee?
Der Tanganjikasee ist der längste Süßwassersee der Erde. Seine Nord-Süd Ausdehnung von 673 km entspricht in etwa der Entfernung von Zürich nach Berlin. Außerdem beherbergt er die zweitgrößte Binnenfischerei Afrikas. Leider nehmen seine Fischbestände im Zuge von Überfischung und Klimawandel ab. Man kann am Beispiel des Tanganjikasee also viel darüber lernen, wie sich unmittelbare (Überfischung) sowie subtilere, globale menschliche Umwelteingriffe (Klimawandel) auf ein großes Seeökosystem auswirken.
Die Nährstoffdynamik ist entscheidend für die Fischproduktion
Der Klimawandel erwärmt die oberen Wasserschichten des Sees und verstärkt somit die thermische Schichtung der Wassersäule (Stratifizierung). Das hat zur Folge, dass weniger Nährstoffe aus dem Tiefenwasser ins nährstoffarme, lichtdurchflutete Oberflächenwasser gelangen. Die Nährstoffarmut verlangsamt das Algenwachstum, mit Folgen für das gesamte Nahrungsnetz. Da in aquatischen Nahrungsnetzen alles höhere Leben von Algen und Bakterien abhängt, bedeuten weniger Algen letzten Endes auch weniger Fische.
Die Geschichte könnte aber einen Helden haben: stickstofffixierende Cyanobakterien. Sie haben die außergewöhnliche Fähigkeit, Stickstoff aus der Luft (N2) fixieren zu können, wohingegen andere Algen auf gelösten anorganischen Stickstoff (DIN) angewiesen sind (Abb. 1). Da Stickstoff der wachstumslimitierende Nährstoff im Tanganjikasee ist, könnten stickstofffixierende Cyanobakterien den verminderten Nährstofftransport kompensieren und womöglich eine ebenso produktive Bakterien- und Algengemeinschaft aufrecht erhalten.