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Aller guten Dinge sind drei. Dieses Sprichwort scheint bei Miguel Peralta perfekt zu passen. Dreimal stand er in den vergangenen Jahren kurz vor dem Sprung in die 1. Mannschaft des FC Aarau. Zweimal sorgten Verletzungen für ein Verschieben dieses Traums. Anfang Juni 2014 unterschrieb Peralta einen Fünfjahresvertrag beim FCA, nachdem er im Winter bereits mit dem Fanionteam ins Trainingslager gereist war. «Ich spürte das Vertrauen des Vereins und hatte eine riesige Vorfreude», erinnert sich der 20-Jährige.
«Ich wusste sofort, dass etwas Schlimmes passiert war.»
Wenige Tage später, am 11. Juni 2014, spielte er mit dem FC Baden gegen Neuchâtel Xamax FCS um den Aufstieg in die Promotion League. Nach einem harten Zweikampf auf dem Kunstrasen in Neuenburg ging er zu Boden. «Ich hatte starke Schmerzen, konnte das Bein nicht mehr belasten und wusste sofort, dass etwas Schlimmes passiert war», so Peralta. Die Untersuchungen bestätigten seinen Verdacht. Er hatte sich das Kreuzband in seinem rechten Knie gerissen sowie eine Meniskusverletzung erlitten. «Es war hart und tat sehr weh, vor allem weil ich dem Verein nichts zurückgeben konnte», erzählt Peralta.
Dank seiner positiven Art und der grossen Unterstützung von Familie und Freunden schaffte er es, trotz der Hiobsbotschaft sogleich wieder nach vorne zu blicken und sich zurückzukämpfen. Ein halbes Jahr lang pendelte er täglich zwischen Therapie und seiner Arbeit. Nach der obligatorischen Schulzeit hatte er eine vierjährige Sportlehre als Kaufmann auf der Gemeindeverwaltung im aargauischen Reinach begonnen und zum Zeitpunkt der schweren Verletzung noch ein Lehrjahr vor sich. Also verbrachte Peralta jeden Tag sehr viel Zeit in Zügen und Bussen, um von zuhause ins Büro sowie in die Therapie und ins Training zu kommen.
Erste Schritte beim FC Niedergösgen
Zusammen mit seiner älteren Schwester Diana und dem jüngeren Bruder Manuel wuchs Miguel in Niedergösgen nur wenige Meter vom örtlichen Fussballplatz entfernt auf. Vom fussballbegeisterten Vater wurde er als kleiner Knirps beim FC Niedergösgen angemeldet, wo er bis zu den D-Junioren spielte. Es folgte als 13-Jähriger der Übertritt nach Aarau, wo er später ins Team Aargau integriert wurde und begann, an eine Zukunft als Profifussballer zu glauben.
«Es war hart ohne Ball und Kickschuhe.»
An die Zeit nach dem Kreuzbandriss erinnert er sich noch gut: «Es war hart, nur noch Zeit mit Therapie und im Kraftraum zu verbringen – ohne Ball und Kickschuhe.» Gegen Ende des Jahres konnte Peralta wieder ins Training einsteigen und im Januar 2015 mit der 1. Mannschaft unter dem damaligen Cheftrainer Sven Christ erneut ins Trainingslager in die Südtürkei reisen. Aus der gemeinsamen Zeit beim FC Baden kannten sich Christ und Peralta bereits bestens, und der heutige Winterthur-Coach hielt grosse Stücke auf seinen ehemaligen Junior. Aber es kam wieder alles anders: Nach einigen Tagen verletzte sich Peralta erneut am rechten Knie und musste die vorzeitige Heimreise antreten. In der Heimat zeigte sich, dass er einen Meniskusriss erlitten hatte, welcher in einer Operation genäht wurde.
Abermals war Peralta für vier Monate zum Zuschauen gezwungen. Ans Aufhören dachte er trotz des neuerlichen Rückschlages aber keine Sekunde, denn: «Fussball ist mein Leben!» Nach erfolgter Genesung startete er mit dem Team Aargau U21, um wieder zu Spielpraxis zu kommen. Etwas früher als geplant, im November 2015, reiste Peralta erstmals mit dem Aarauer Fanionteam zu einem Pflichtspiel – ohne beim torlosen Remis in Wohlen zum Einsatz zu kommen. Eine Woche später feierte er sein Debüt beim Heimsieg gegen den FC Le Mont-sur-Lausanne, wo er über die gesamte Distanz auf dem Platz stand. «Ich war vor dem Spiel extrem nervös», erinnert er sich, «aber es war ein unbeschreibliches Gefühl.»
Bester Vorlagengeber der Mannschaft
Er hatte als rechter Aussenverteidiger debütiert, aber nur eine Woche später kam er im Cup-Viertelfinal gegen den FC Luzern als Flügelspieler zum Einsatz. Auf dieser Position ist er unter Chefcoach Marco Schällibaum inzwischen gesetzt. «Bis zur U18 habe ich als Flügelspieler gespielt, danach wurde ich als Aussenverteidiger eingesetzt», so Peralta, der sich auf beiden Positionen sehr wohl fühlt. Bemerkenswert: Erst beim 1:2 gegen Lausanne verlor er zum ersten Mal ein Meisterschaftsspiel mit dem FC Aarau.
«Entscheidend war, dass ich nach meinen Verletzungen immer wieder zurückkam.»
Mit Ausnahme von einer Gelb-Sperre und einer verletzungsbedingten Abwesenheit kam Peralta bei allen Partien seit seiner Premiere zum Einsatz. Obwohl er erst 14 Spiele absolvierte, steht er mannschaftsintern mit sieben Torvorlagen bereits an der Spitze – vor Daniele Romano (6) und Sandro Burki (4). Auf einen eigenen Treffer wartet er hingegen noch. «Momentan fehlt mir noch die Ruhe vor dem gegnerischen Tor», so Peralta selbstkritisch. Dass er durch die Verletzungen eineinhalb Jahre verloren hat, sei zwar bitter, aber er könne es auch nicht mehr ändern. «Entscheidend für die Karriere waren nicht meine Verletzungen und Rückschläge, sondern dass ich immer wieder zurückkam.»
An den Spielen darf Peralta jeweils auf eine sehr grosse Unterstützung zählen – sowohl seine Familie als auch Freundin Elinora und unzählige Freunde besuchen jedes Heimspiel von ihm. Beobachtet wird er auch aus Venezuela, dem Heimatland seiner Mutter. Kontakte zum Verband gab es zwar bislang noch keine, doch in Zeitungen sowie in den sozialen Medien ist Peralta regelmässig ein Thema. Doch nicht nur für Venezuela könnte Peralta eines Tages auflaufen, aufgrund der Wurzeln seines Vaters könnte er auch für Spanien oder Kroatien spielen. Aufgrund seines multinationalen Hintergrunds spricht er fliessend Spanisch, aber auch Italienisch und Französisch hat er durch den Kontakt mit seinen Mitspielern inzwischen gelernt und kann sich somit mit jedem Spieler unterhalten.
Über Umwege scheint Miguel Peralta endlich in der 1. Mannschaft des FC Aarau angekommen zu sein, weil aller guten Dinge eben drei sind.
Matchzeitung Nr. 19 (2015/16) lesen
Dieser Artikel ist am 16. Mai 2016 in der Ausgabe Nr. 19 (Saison 2015/16) der Matchzeitung HEIMSPIEL gegen den FC Chiasso erschienen.