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Die Auswahl der amerikanischen Westinghouse Electric Company als Reaktorlieferantin für das Kernkraftwerk am Standort Lubiatowo-Kopalino wurde bereits Ende Oktober 2022 verkündet. Dies, via Twitter und Medien vom polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki und dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Jacek Sasin. Am 2. November 2022 hat nun der polnische Ministerrat einen Beschluss über den Bau von grossen Kernkraftwerken in Polen gefasst. «Darin heisst es, dass Polens erstes Kernkraftwerk mit der amerikanischen AP1000-Reaktortechnologie gebaut werden soll», schrieb das polnische Ministerium für Klima und Umwelt und ergänzte, dass dieses aus drei Kernkraftwerkseinheiten bestehen werde. Mit dem Bau der ersten Einheit soll bereits 2026 begonnen und diese 2033 in Betrieb genommen werden.
Bei der Auswahl habe die Regierung die «sicherste und bewährte Reaktortechnologie, die Stabilität des Stromsystems und die Notwendigkeit, die Dekarbonisierung der polnischen Wirtschaft zu beschleunigen» berücksichtigt, erklärte das Ministerium und bezog sich auf den amerikanischen Konzept- und Ausführungsbericht. Dieser wurde von amerikanischen Regierungsvertretern zusammen mit der Offerte von Westinghouse am 12. September 2022 an Polen überreicht – «im Einklang mit dem polnisch-amerikanischen Regierungsabkommen über die Entwicklung des polnischen Kernenergieprogramms vom Oktober 2020», betonte das Ministerium. Die im Bericht enthaltene detaillierte Studie bestätige die technologische Machbarkeit eines Kernkraftwerks in Lubiatowo-Kopalino auf der Grundlage der AP1000-Reaktortechnologie von Westinghouse.
Der vom Ministerrat verabschiedete Beschluss bilde «die Grundlage für die weitere Umsetzung der gegenseitigen Verpflichtungen im Rahmen des Abkommens, einschliesslich der Unterstützung der beteiligten Unternehmen sowie der Aktivitäten auf Regierungsebene – von der Regulierungsarbeit, der Forschung, der Personalschulung über die Entwicklung von Lieferketten und Kampagnen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit bis hin zur Zusammenarbeit bei Kernkraftprojekten in Europa», ging das Ministerium auf die bevorstehenden Arbeiten ein. Ebenfalls habe der Ministerrat beschlossen, den Bau des zweiten staatlichen Kernkraftwerks in Polen zu beschleunigen, habe sich bei diesem aber noch nicht auf einen Technologielieferanten festgelegt, um Handlungsspielraum zu behalten. Das dritte in Polen geplante Kernkraftwerk am Standort Patnow, das privat finanziert und zusammen mit der südkoreanischen Reaktorlieferantin Korea Hydro and Nuclear Power (KHNP) gebaut werden soll, wurde vom Ministerrat nicht thematisiert.
Finanzierung der frühen Projektphasen gesichert
«Noch nie war Polen dem Bau eines Kernkraftwerks so nahe wie heute», verkündete Anna Moskwa, polnische Ministerin für Klima und Umwelt: «Die Auswahl der Technologie für das erste Kernkraftwerk in Polen bringt uns der Verwirklichung dieses strategischen Projekts tatsächlich näher, und eine angemessene Finanzierung für den Bau grosser Kernkraftwerke in Polen wird es ermöglichen, die Strompreise zu senken und gleichzeitig die Interessen der Endverbraucher zu berücksichtigen.»
«Wir gehen von Gesamtkosten in Höhe von etwa 20 Mrd. USD aus», hat Ministerpräsident Morawiecki gemäss Medienberichten gegenüber Journalisten geäussert und fügte hinzu: «Die Anfangsinvestitionen sind hoch, aber sobald ein Kernkraftwerk in Betrieb ist, sind die Kosten für die Stromerzeugung relativ niedrig.» Details zur Finanzierung habe der Ministerpräsident nicht preisgegeben sondern lediglich verlauten lassen: «Wir haben die Finanzierung für die gegenwärtigen frühen Projektphasen gesichert. Der Grossteil des Geldes wird später benötigt, und es gibt mehrere Möglichkeiten, es zu sichern.»
Hinweise auf eine mögliche Finanzierung enthält der amerikanische Konzept- und Ausführungsbericht: «In dem Bericht wurden auch potenzielle Finanzierungsquellen für das Projekt genannt, einschliesslich der Beteiligung von Institutionen der amerikanischen Regierung, d.h. der Export-Import Bank of the United States und der U.S. International Development Finance Corporation», liess das Ministerium für Klima und Umwelt verlauten.
Westinghouse betont Schaffung von Arbeitsplätzen
Auch Westinghouse zeigte sich erfreut über die Auswahl Polens: «Dies ist ein historischer Tag für Polen und für Westinghouse. Wir fühlen uns geehrt, mit der polnischen Regierung zusammenzuarbeiten, um eine neue Ära der Energiesicherheit einzuleiten, die den Menschen in Polen zuverlässige, erschwingliche und kohlenstoffarme Elektrizität und wirtschaftliche Vorteile bringen wird», sagte Patrick Fragman, Präsident und CEO von Westinghouse. «Dieses Projekt wird Tausende von Arbeitsplätzen während des Baus und für viele Jahrzehnte des Betriebs der Anlagen schaffen.»
Vier AP1000-Kernkraftwerksblöcke von Westinghouse sind in China in Betrieb, zwei Blöcke wurden in den USA am Standort Vogtle erstellt und vier Blöcke befinden sich in China in Bau. Zudem habe China sich bei zwei weiteren Blöcken für die AP1000-Technologie entschieden und diese sei auch für neun Blöcke von der Ukraine ausgewählt worden, sagte Westinghouse. Auch weitere Länder zeigten Interesse am AP1000, welcher der einzige in Betrieb befindliche Reaktor der Generation III+ mit vollständig passiven Sicherheitssystemen, modularer Auslegung und der kleinsten Stellfläche pro MWe auf dem Markt sei, so Westinghouse.
Quelle
B.G. nach polnischem Ministerium für Klima und Umwelt sowie Westinghouse, Medienmitteilungen, 2. November 2022
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