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Audio-Tune-Spielerei
das Cover
Rezeption und Statistik
Erinnern wir uns: 1966 wollte Paul McCartney ein Album mit dem Titel «Paul McCartney has gone too far» aufnehmen. Er tat es nicht. An Neujahr 2019 veröffentlichte er die Single «Get Enough», ein Song, an dessen Veröffentlichung er zunächst gezweifelt hat und ihn deshalb nicht auf das letztjährige Album «Egypt Station» nahm. Ist Paul McCartney mit der Veröffentlichung nun zu weit gegangen?
«Get Enough» hat dasselbe Drehbuch wie viele Songs auf «Egypt Station», kaum glaubt man verstanden zu haben, wie der Song funktioniert, folgt die nächste musikalische Überraschung. So startet «Get Enough» als Klavierballade und bleibt ein melancholisch-optimistisches Liebeslied, mit den Soundeffekten wird es zu einem experimentellen Song, die Kritiker loben und verreissen den Song in ihren Reaktionen. Kurz: «Get Enough» ist ein typischer McCartneysong in allen Belangen.
Audio-Tune-Spielerei
«Get Enough» ist McCartneys zweite Neujahrssingle, die erste war «Only One» mit Kanye West. Das deutsche Rolling Stone stellte denn auch fest, dass Paul auf «Get Enough» wie Kanye klinge; dies wegen der Anwendung von Auto-Tune. 1996 brachte Antares die Software Auto-Tune auf den Markt, die automatisch einstimmige Gesangsaufnahmen analysiert und die Stimme auf den nächsthöheren, korrekten Halbton der Tonart zieht. Dabei kann man die Korrekturgeschwindigkeit wählen. Ist die Geschwindigkeit zu hoch eingestellt, entsteht ein gurgelndes, eher mechanisches Glissando. Dass sich damit spielen lässt, haben gewiefte Produzenten wie Mark Taylor und Brian Rawling schon früh herausgefunden und setzten diesen Effekt auf Chers 1998 Hit «Believe» ein, weshalb man auch vom Cher-Effekt spricht.
Zunächst verwendet Paul den Effekt bei der Fragezeile «Do you remember?», und dann beim Refrain. Auf «Only One» verwendeten West und McCartney den Cher-Effekt ebenfalls im Refrain. «Get Enough» ist nicht der erste Song, auf dem Paul Auto-Tune eingesetzt hat, auf «Fuh You» auf «Egypt Station» wird der Effekt sparsam und nicht als Hauptstilmittel eingesetzt, das wurde jedoch in den Besprechungen nicht erwähnt, da sich die Journalisten darauf konzertriert haben, ob Paul mit dem Titel tatsächlich fuck you meint und singt.
Paul McCartney am 17. Juli 2017 in Miami.
Foto: MJ Kim, paulmccartney.com
Die neuerliche Verwendung von Auto-Tune auf «Get Enough» verwundert nicht, stammt der Song nicht bloss aus denselben Albumsessions wie «Fuh You», er wurde mit Ryan Tedder und Zach Skelton auch vom gleichen Team produziert. Tedder, Sänger und Pianist bei One Direction, ist ebenso bekannt für seine Arbeiten als Produzent, so produzierte Songs von Adele, Beyoncé, Ed Sheeran oder U2.
das Cover
Weshalb «Get Enough» es nicht mehr auf «Egypt Station» geschafft hat, ist nicht bekannt. Die Verwandtschaft mit dem Album ist auf mit dem Singlecover augenfällig. Wie das Album und dessen Singles ist es ein Ausschnitt aus einem Gemälde von Paul McCartney. Als Titel ist erneut ein Sticker verwendet worden, die Sonnenblume vom «Egypt Station Cover» findet sich ebenfalls. Die vier Figuren mit ihren trompetenförmigen Rüsseln erinnern an den Saugvogel aus dem Beatles-Film «Yellow Submarine». Das Album Artwork basiert auf dem Gemälde «Egypt Station» von Paul McCartney. Das Textbooklet der Vinylversion bildet das blaue, bzw. nächtliche Gemälde «Egypt Station 2» ab, woraus der Teil mit den vier Figuren stammt.
Rezeption und Statistik
Während der Promotion von Egypt Station gab Paul McCartney Chris Earth von GQ ein Interview und spielte ihm Get Enough vor. Earth schreibt, dass der Auto-Tune Effekt ziemlich gut klinge. Winston Cook-Wilson findet McCartneys Stimme im Spin Magazin Stimme ängstlich und zugleich wild, den Song, je nach Übersetzung sehr seltsam oder unheimlich. Ryan Reed vom Rolling Stone schreibt, dass Paul McCartney eine liebeskranke Klavierballade in ein wanderndes, auto-tune Experiment verwandele. Dave Lifton von Ultimate Classic Rock bezeichnet «Get Enough» als eine der experimentelleren Arbeiten McCartneys. Lake Schatz von Consequence of Sound nennt es einen Song mit epischen Proportionen.
Zurzeit hat «Get Enough» nirgendwo die Chartes erreicht.
Links zu der mit der Single korrelierenden Aufnahmen:
Egypt Station, Album, 2018
Nothing For Free (DJ David Holmes Remix), Single, 2019
Home Tonight/In A Hurry, Single, 2019
Paul McCartney, 2018, an seinem Magic Piano sitzend. Dieses Foto postete er als Weihnachtsgruss auf seiner Facebookseite- Foto: facebook.com/paulmccartney