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Das musst du wissen
- Bei Legasthenikern ist die Hörregion im Gehirn nicht besonders aktiv. Es fehlen bestimmte Gehirnwellen.
- Durch Elektrostimulation konnten Forscher diese Hirnwellen bei Probanden mit Lese-Rechtschreib-Schwäche zurückbringen.
- Dadurch verbesserten sich auch die Resultate von Hör- und Lesetests.
Warum das interessant ist. In der Schweiz ist jeder zehnte Schüler von einer Lese-Rechtschreib-Schwäche, auch Legasthenie genannt, betroffen, bis zu zwei Prozent davon sogar schwer. Verhaltens- und Rehabilitationsmethoden können dabei helfen, diese Störungen zu lindern oder zu kontrollieren. Eine neue Studie von Neurowissenschaftlern der Universität Genf zeigt nun die Rolle bestimmter neuronaler Mechanismen bei Legasthenie auf und könnte den Weg für neue innovative Behandlungsmethoden eröffnen.
Legasthenie aus Sicht des Gehirns. Im Gehirn bilden Neuronen Schaltkreise. Damit diese funktionsfähig sind und koordiniert arbeiten, müssen sie synchron aktiviert werden. Diese Aktivität erzeugt so genannte Hirnwellen oder Schwingungen. Diese Wellen können unterschiedliche Frequenzen haben, je nachdem, was ihre Funktion ist.
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Bereits vor einigen Jahren beobachteten die Autoren der aktuellen Studie eine Besonderheit bei Legasthenikern: Eine Region der linken Gehirnhälfte, die fürs Hören zuständig ist, wies im Vergleich zum Rest der Bevölkerung eine geringere Intensität der neuronalen Aktivität im Bereich der 30-Hz-Frequenzen auf. Diese könnten im Zusammenhang mit der Verarbeitung von Phonemen, den Grundeinheiten von Sprache, stehen.
Forscher hoffen nun, diese Schwingungen wiederherzustellen und so die durch Legasthenie verursachten Störungen zu behandeln. Diesen Ansatz haben die Professorin Anne-Lise Giraud und ein von der Postdoktorandin Silvia Marchesotti geleitetes Forscherteam verfolgt.
Der experimentelle Ansatz. In ihrer Studie untersuchten die Forscher die phonologischen Fähigkeiten von 30 Teilnehmern in Bezug auf die Organisation von Klängen. Dabei verglichen sie 15 Legastheniker und 15 Nichtlegastheniker.
- Die Hirnaktivität in der Hörregion der linken Gehirnhälfte wurde vor und nach einer Stimulation verglichen.
- Die Leseleistung aller Teilnehmer wurde mittels eines Lesetests beurteilt.
- Die Forscher testeten auch die Fähigkeit der Teilnehmer, die ersten Buchstaben von zwei Wörtern umzukehren und Wörter zu lesen, die nicht existieren. Anne-Lise Giraud erklärt:
«Dies sind besonders schwierige Aufgaben für Menschen mit Legasthenie.»
- Die Messung der Hirnaktivität zeigte, dass die Legasthenikergruppe vor der Stimulation tatsächlich Schwingungen bei 30 Hz mit einer geringeren Intensität als die Kontrollgruppe zeigte.
- Daraufhin wurde die Wirkung einer Elektrostimulation des Gehirns untersucht, einer nicht-invasiven und schmerzlosen Technik. Die Forscher gingen der Frage nach, ob eine Elektrostimulation der Neuronen bei 30 Hz zu einer verbesserten Wahrnehmung von Phonemen bei Legasthenikern führt.
Die Ergebnisse. Sie sind vielversprechend.
- Bei den nicht-legasthenen Probanden in der Kontrollgruppe gab es nach der Elektrostimulation keine Verbesserung der Resultate der Hör- und Lesetests und auch die Anzahl der entsprechenden Gehirnwellen änderte sich nicht. Einige gute Leser schienen sogar leichte Leistungseinbussen zu verzeichnen. Der Grund dafür? Die Technik konnte eine bereits vorhandene oszillatorische Aktivität nicht stimulieren, erklärt Anne-Lise Giraud, «wie ein Herzschrittmacher, der den Rhythmus eines gesunden Herzens stören könnte.»
- Bei legasthenen Teilnehmern hingegen wurde die Intensität der 30-Hz-Wellen verstärkt und auch die Leistung in den Tests verbesserte sich. Das zeigt, wie unverzichtbar die Hirnwellen bei der phonologischen Verarbeitung sind. Die Wirkung der Elektrostimulation stellte sich nach einer einstündigen Behandlungszeit ein und war in schweren Fällen besonders intensiv.
Neue Therapieansätze. Die Autoren vermuten, dass eine Wiederholung dieser Behandlung positive Langzeitwirkungen haben könnte. Sie schlagen therapeutische Ansätze vor, die auf dieselben Mechanismen abzielen, jedoch ohne Elektrostimulation auskommen. Denkbar wären eine Stimulation durch akustische Signale oder durch sogenanntes Neurofeedback. Dies ist eine Technik, die die Wahrnehmung der eigenen Hirnaktivität ausnutzt, um Lernprozesse zu erleichtern