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Weitere Luftaufnahmen von Jegenstorf
Das Schloss Jegenstorf liegt am östlichen Rand des gleichnamigen Dorfes in einem baubestandenen Park. Im Mittelalter hatte es wohl die alte, westlich an ihm vorbeiführende Strasse von Bern nach Solothurn abzusichern. Durch die Lage in der freien Ebene boten sich keine besonderen Geländevorteile als natürlicher Schutz an. Deshalb umgab man die ursprüngliche Burg mit einem breiten Wassergraben, der vom unweit des Schlosses in den Dorfbach gespiesen wurde.
Die frühe Besitzergeschichte liegt weitgehend im Dunkeln. Als erste einer langen Reihe von Besitzern treten die Herren von Jegistorf auf, die seit der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts urkundlich bezeugt sind. Sie waren Dienstleute der Herzöge von Zähringern und traten 1218 nach dem Tod des letzten Zähringers und Gründers von Bern, Berchtold V, in den Dienst seiner Erben, der Grafen von Kyburg. Die Tatsache, dass Cuno von Jegistorf von 1225-1226 als Vertreter des Hohenstauferkaisers Friedrich II - Schultheiss der Stadt Bern war, illustriert die recht bedeutende Stellung des Geschlechtes.
Im Verlauf des 13. Jahrhunderts gelangten wohl wenigstens Teile der Herrschaftsrechte zu Jegenstorf an die Herren von Schwanden und 1275 als Ehesteuer seiner Gattin, Elisabetha von Schwanden, an Rudolf Frieso von Friesenberg. 1310 gelangten diese Rechte an Peter d.Ä. Von Krachthal. Doch gewisse Anteile dürften schon gegen das Ende des 13. Jahrhunderts durch Heirat an Kastlan Ulrich von Erlach gekommen sein. Dieser vererbte sie seinen beiden Söhnen Rudolf dem nachmaligen Anführer bei Laupen und dessen jüngerem Bruder Burkhard. 1316 teilten die Brüder ihr Erbe, und Burkhard erhielt wohl vor allem die Jegenstorfer Anteile zugesprochen. Als er dann 1321 Adelheid, die Tochter Peters d.Ä. Von Krauchthal, heiratete, wurde er Besitzer vom « Gesesse (Burg)... graben und inrent dien graben » zu Jegenstorf. Ein Teil der Rechte blieb aber bei Adelheids Bruder, Peter d.J. Sein Anteil fiel erst 1425 nach dem Tod von Petermann d.J. Von Krachthal an die Familie von Erlach.
Während des 15. und 16. Jahrhunderts gehörten nun Burg und Herrschaft zu Jegenstorf verschiedenen Linien des Geschlechtes von Erlach, bis Ulrich von Bonstetten den Besitz von der Witwe des 1578 an der Pest gestorbenen Hans Rudolf von Erlach kaufte. Ulrich von Bonstetten war zu seiner Zeit einer der reichsten Berner und kam durch seine Heirat mit der Gräfin Anna von Neuenburg in den Besitz grösserer Ländereien. Als Oberst in französischen Diensten und später auch als gesandter nach Savoyen und an den Hof Heinrichs IV machte er sich einen Namen. Von ihm kam Jegenstorf an seinen Sohn Karl von Bonstetten. Dieser vererbte es an seine Tochter Anna Maria, die es ihrerseits 1675 als väterliches Erbe ihrem Gatten Niklaus von Wattenwyl einbrachte.
1720 wurde erneut die Familie von Erlach Besitzerin des Schlosses, denn der baufreudige Albrecht Friedrich von Erlach kaufte Schloss und Herrschaft von Samuel von Wattenwyl-von Diesbach um 14000 Bernpfund und liess das Schloss in der Folge tief greifend umbauen. Albrecht Friedrich der später selbst als Schultheiss von Bern eine wichtige rolle spielte war der Sohn des berühmten Schultheissen und Erbauers von Hindelbank, Hieronymus von Erlach, dessen unvollendet hinterlassenes Stadtpalais, den Erlacherhof, er fertig baute. Nachdem er 1746 von seinem Vater die Herrschaft Hindelbank erhalten hatte, übergab er Jegenstorf seinem Sohn Karl Ludwig. Dieser verkaufte 1759 « sein schön Schloss Jegenstorf, Garten und Matten an Herrn [Hauptmann Anton Ludwig] Stürler um 23000 Pfund, behaltet jedoch die Herrschafts-gerechtigkeiten sich vor, dergestalt, dass derselbe jetzt die Herrschaften nahe beisammen besitzt: Jegenstorf, Urtenen, Mattstetten, und an keinem der drei orten ein Herrschaftshaus » (Gruner).
Die Herrschaftsrechte bleiben bis zum Zusammenbruch des Ancien Régime (1798) in den Händen von Erlach. 1812 kam es innerhalb der Stürlerschen Familie zu einem Tausch. Johann Rudolf von Stürler tauschte mit seinem Vetter Rudolf Gabriel von Stürler von Serraux das Schlossgut gegen dessen Mühlimattgut zu Thierachern. Bis 1936 bleib das Schloss nun Familienbesitz der von Stürler. Nach dem Tode des Handelsmannes Arthur Vinzenz von Stürler ging es an den neugegründeten « Verein zur Erhaltung von Schloss Jegenstorf ». Dieser machte es der Öffentlichkeit zugänglich und begann darin ein Museum für Bernische Wohnkultur des 17. - 19. Jahrhunderts einzurichten. Vor allem seit 1948 finden im Schloss auch immer wieder Wechselausstellungen zu diesem und anderen Themen statt. Heute unterhält und verwaltet die 1954 ins Leben gerufene « Stiftung Schloss Jegenstorf » den Besitz, während der « Verein Schloss Jegenstorf » die Ausstellungen betreut.
Bibliographie