Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03201.jsonl.gz/1620

[* 2] (hierzu »Fluß- und Gebirgskarte« und »Staatenkarte von Asien«). Nach
seiner geschichtlichen Entwickelung ist der älteste, nach seiner Lage der mittelste, nach seiner horizontalen Ausdehnung
[* 4] der
größte, nach seinem vertikalen Aufsteigen der höchste, nach seiner Körpermasse der stärkste und nach seinen physischen
Kräften und Schätzen der reichste der fünf Erdteile. Wie der Name »Asia« entstanden ist, welches Volk ihn
zuerst gebraucht habe, ist noch unklar; genug, daß er schon aus den frühsten Zeiten der griechischen Geschichte als eine
uralte Benennung herüberklingt.
Alle zusammengenommen bilden annähernd ein Fünftel des ganzen Erdteils. Selbst die Nordküste, die am wenigsten gegliedert
ist, zeigt mehr Meeresbuchten und vorspringende Landzungen als der ErdteilAfrika; dagegen wird Asien an Reichtum der Formen wie
in seiner Längenentwickelung von der europäischen Küste weit übertroffen. In Europa kommt eine Küstenmeile auf 37 QM.
Kontinent, in Asien auf 105, in Afrika auf 150 QM. Bevorzugt ist dagegen in der Zahl der Inseln; namentlich im O. und SO. umgeben
Inseln Asien wie mit einer eignen Atmosphäre.
Sie sind in ihrem Flächeninhalt dem 17. Teil des Kontinents gleich (2,500,000 qkm) und über einen Raum
verteilt, der von der Sundakette bis Neuguinea in Australien, von der Molukken- und Philippinenkette bis Formosa und Japan
[* 26] hinüberreicht
und etwa der Ausbreitung des europäischen Kontinents gleichkommt. Diese Inseln treten in einer solchen Größe und dicht gedrängten
Anzahl und mit solchem Reichtum an Erzeugnissen auf, daß sie des Kontinents kaum noch bedurften und, eigne
Tierarten sowie einen eignen Volksstamm (den malaiischen) beherbergend, beiden Geographen schon darum den Namen eines insularischen
Erdteils verdienten.
Bodengestaltung.
Das Tiefland nimmt in Asien vom Gesamtareal etwa 17,340,000 qkm (315,000 QM.) ein,
d. h. also nur etwa 37 Proz. der Gesamtoberfläche; es überwiegt
daher, wie in Afrika, das Hochland sehr bedeutend. Von diesem Tiefland beansprucht ein Fünftel Zentralasien;
[* 27] an 8 Mill. qkm gehören Sibirien zu, und nur etwas mehr als 3 Mill. qkm sind den Ozeanen zugewandt, nämlich das Tiefland von
China (1,1 Mill. qkm), die indo-gangetische NiederungVorderindiens, Mesopotamien am untern Euphrat und Tigris; räumlich
am kleinsten, aber äußerst ertragsreich ist das Tiefland von Siam.
Gebirge. Asien zeigt das größte System der Massenerhebung der Erde mit ausgedehnten und hoch gelegenen Plateaubildungen innerhalb
und zwischen den Gruppengebirgen. Die Massenerhebung mit ihren Stufenländern nimmt über zwei Fünftel
des Erdteils oder ein Areal von ca. 18,72 Mill. qkm (340,000 QM.) ein. Eine Eigentümlichkeit
der Gebirgszüge, welche das InnereAsiens von den Küstenländern abschließen, ist ihr nahes Aneinandertreten unter 75°
östl. L. v. Gr. DreiGebirge vereinigen sich hier zur Bildung unwirtlicher Hochwüsten: Thianschan, Kuenlün
und Himalaja; nahe heran reicht mit seinen Ausläufern das Altaisystem oder die Gebirgsketten des südlichen Sibirien.
breitet sich das große, in der Mitte gehobene Längenthal Tibet aus, das von O. nach W. streicht und durch eine große Wasserscheide
in einen östlichen und westlichen Teil getrennt wird. Im Karakorum erreicht der Dapsang oder »K 2« genannte Berggipfel 8616 m
Höhe, er ist somit nach unsrer jetzigen Kenntnis der zweithöchste Berg der Erde; die mittlere Paßhöhe
beträgt 5610 m; die Schneegrenze liegt auf der Nordseite bei 5500 m, auf der Südseite bei 5800 m. Der Kuenlün ist geologisch
das älteste Gebirge von Asien, dem an der Südseite Karakorum und Himalaja und zwar mit veränderten Faltungen anwuchsen.
Wir kennen nur die südlichen Ausläufer; diese erreichen Höhen von 700-1100 m und sind stark bewaldet.
Das Sinische Gebirge füllt die südlichen chinesischen ProvinzenJünnan, Setschuan, Schensi, Kansu aus, reicht nach Osttibet
hinein und findet seine Grenze im Land um den hoch gelegenen großen Alpensee Kuku-Nor, in dessen Umgebung sieben in die Wolken
ragende Schneepiks erwähnt werden. Es fehlt noch völlige Aufklärung über den innern Zusammenhang dieses
weitverzweigten Gebirges; sein westliches Ende schildern die wenigen Europäer, die es betraten, als hoch gelegen, rauh und
waldlos.
Der Boden der Gobi oder Schamo ist grobkörniger roter Sand, stellenweise mit Beimischung von Gerölle; im nördlichen wie südlichen
Teil erheben sich, teils archipelartig gruppiert, teils kettenartig hingelagert, Höhenzüge mit Paßübergängen
von 100-140 m relativer Höhe. Auf durchaus vegetationslose Stellen stößt man selten; am fruchtbarsten ist der Südrand der
Gobi. Vom eigentlichen China, der reichlich bewässerten Niederung, trennen die Mongolei eine schmale, im S. Mulingberge genannte
Gebirgskette, die östlichen Ausläufer der Funfuschankette, der Sungschan mit seinem reichen Kohlengebiet und
nördlich vom Huangho eine Reihe von Bergketten, die von SW. nach NO. streichen.
Auf diesem Randgebirge ist die weltberühmte Chinesische Mauer aufgeführt. Im weitern nördlichen Verlauf steigt das Bergland
zum weide- und waldreichen Chingan oder Mandschurischen Alpenland auf, das kaum über 2000 m reicht. Auch der Norden und das
Innere von Korea sind voll gebirgiger Waldwildnisse. Ebenso ist die ganze mandschurische Küste gebirgig
und steil, im N. bis zum Amurland ein 600-700 m hohes Plateau mit aufgesetzten niedern Hügelzügen.
Im Nordrand des großen innerasiatischen Hochlandes, dem in seiner Gesamtausdehnung Sibirien vorgelagert ist, breitet sich
zwischen den FlüssenIrtisch und Jenissei der Altai aus, der in der Bjelucha 3352 m Höhe erreicht; östlich
vom Jenissei streicht das Sajangebirge, ein schmalrückiges Kammgebirge, in seinen östlichen Partien Ergik-Targak-Taigan,
auch Gurbi, Urall und Tunkinskische Alpen
[* 42] genannt. Der höchste Gipfel, der Munku Sardik (3473,5 m), stellt den Gebirgsknoten
dar, dem nordwärts die Oka, Bjellaja, der Kitoi und Irkut entströmen, während sich südwärts ein Gebirgsstreifen
abtrennt, der auf sieben Pässen den Übergang nach dem Kossogolsee ermöglicht und als Querjoch die Ergik-Targak-Taigankette
mit dem Tangnu, einer Parallelkette des Sajan, verbindet.
Das Kamardabangebirge umlagert den Süden des Baikalsees (2000 m). Das Apfel- oder Jablonoigebirge streicht östlich davon
zuerst in Nordostrichtung meist in mehreren Parallelketten, wendet sich dann ostwärts, bleibt größtenteils
auf dem 55.° nördl. Br. und nimmt erst am Ochotskischen Meer als Stanowoigebirge wieder die Richtung nach NO. an. Die Höhenzüge
verflachen sich allmählich und erreichen durchschnittlich in den Pässen 900-1200 m, in den Kämmen 1500-1800 m. Die
Küstenflüsse des Eismeers trennt vom Flußsystem der Lena das Werchojanische Gebirge. Eine andre Meridiankette ist das Burejagebirge
(der KleineChingan genannt), das unter 131° östl. L. v. Gr.
mit steilem Abfall am Nordufer des Amur beginnt und bis zu 52° nördl. Br. hinzieht.
Alatau, vom Ural durch die große, ebene Barsukisteppe getrennt;
Dsungarischer Alatau, zwischen dem See Alakul
und dem Ilistrom, in den Kopalketten fast 2400 m hoch;
Transilenischer Alatau, zwischen der Iliniederung
im N. und dem Issi-kulplateau im S. (44 und 43° nördl. Br.), der Krümmung des Tscharin (linker Nebenfluß des Ili) und dem
Tschu-Knie westlich vom Issi-kul.
Die mittlere Kammhöhe ist 1900 m, die Gipfelhöhe von
¶