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Die Entwicklung der1'C l' h2-Lokomotive der Baureihe 64 für Nebenbahnen mit max 15 t Achslast begann im Jahre 1926. Bis Ende 1928 hatte die Deutsche Reichsbahn bereits mehr als 200 Maschinen in Dienst gestellt, an deren Bau fast alle Lokomotivfabriken mit unterschiedlichen Stückzahlen beteiligt waren. Ab 1933 kam auch noch Krauss-Maffei als Hersteller hinzu. Die ca. 900 PS starken und 75 t schweren Personenzugloks waren für kürzere Strecken ohne Wendemöglichkeit gedacht. Nach Lieferung von 520 Fahrzeugen endete die Beschaffung bei der DRG Ende 1940. Sowohl der Kessel als auch Gruppen des Triebwerks entsprachen jenen der Baureihe 24 und waren tauschbar, auch die Baureihe 86 ist eng verwandt. Im Laufe der langen Beschaffungszeit kam es zu verschiedenen Bauartänderungen. Bis zur Betriebsnummer 64383 waren alle Loks ohne Laufradbremsen und mit nur einseitig wirkenden Bremsen an Treib- und Kuppelrädern ausgestattet. Die weiteren Maschinen bis einschließlich der 64421 hatten Scheren- und Laufradbremsen erhalten. Danach wurden wieder einfach wirkende Bremsen an Kuppel- und Laufradsätzen eingebaut. Aus Kostengründen waren die Laufachsen bis zur Betriebsnummer 64 510 in einfachen Bissel-Lenkgestellen mit einem Seitenspiel von 110 mm und die Kuppelradsätze fest im Rahmen gelagert. Die Spurkränze der Treibräder wiesen eine Schwächung von 15 mm auf. Erst ab der Betriebsnummer 64 511 wurden Krauss-Helmholtz-Lenkgestelle eingebaut und das Laufverhalten der 90 km/h schnellen Maschinen deutlich verbessert. Die Länge über Puffer wuchs ab der 64 368 auf 12500 mm. Die meisten Lokomotiven verfügten ab Werk noch über genietete Kohlen- und Wasserkästen, die 3 t Kohle und 9 m3 Wasser aufnehmen konnten. Bei späteren Lieferserien waren die Vorratsbehälter geschweisst. 1950 standen der DB noch 275 Lokomotiven der Baureihe 64 zur Verfügung. Als letzte Exemplare wurden die 64415 und 419 im Dezember 1974 ausgemustert. Die DR besaß 1950 noch 129 Maschinen und musterte die letzten Loks ebenfalls 1974 aus.
Das Modell mit einem Zug aus Umbau-Dreiachsern - ein typischer Nebenbahnzug der Epochen 3 und 4. Der kompakte Dreikuppler sollte eigentlich auf keiner entsprechenden Anlage fehlen. Die Wartezeit bis zur 64er von Märklin habe ich vor einigen Jahren mit einem Umbau verkürzt.
Ich habe 2009 aus einer Baureihe 86 den Bubikopf 'geschnitzt'. Die Gleichteile-Philosophie der Vorbildloks lässt sich wunderbar in den Massstab 1:220 übertragen. Natürlich ist das Modell keines für Nietenzähler, es gibt verschiedenste Kompromisse. Hauptsache, die Lok wirkt stimmig und auch die 0.9 mm zu kleinen Räder fallen kaum auf, wenn nicht gerade die 86er daneben steht. Exakte Räder mit 1500 mm Vorbilddurchmesser finden sich leider bei keinem Märklinfahrzeug und die Räder der 24 sind aufgrund des Durchmessers der Spurkränze nicht verwendbar.
Meine 64 hat geschweisste Wasserkästen. Da die Nietennachbildung bei der Säge- und Feilaktion doch leidet, ist das ein legitimer Weg, die Vorbildtreue einzuhalten. Die Lampen bestehen aus winzigen Polystyrolsockeln, die die Lampennachbildungen aus 1mm Litze tragen. Die Lampenschutzbügel bestehen aus 0.2 mm Bronzedraht. Die ganze Pufferbohlenumgebung wurde anhand Vorbild- und Modellfotos umgestaltet. Polystyrolprofile und Messingbleche sind die Baumaterialien. Der Luftkessel ist aus einem Spritzlingsrest gefeilt.
In der Draufsicht sieht man, dass man eigentlich nichts sieht. Als der Kessel der 86 in zwei Teilen vor mir lag, hätte ich das nicht für möglich gehalten. Die Teile wurden mit Sekundenkleber aneinandergeheftet, dann mit Zweikomponentenkleber dauerhaft verbunden. Hervorquellender Kleber füllte die unvermeidlichen Fugen sehr schön aus und wurde mit Schleifpapier begradigt. Was nicht stimmt, ist die Anordnung der Dome - die 64 hat nur einen Sanddom und der ist in der Mitte. Somit stimmen auch die angedeuteten Kesselleitungen nicht. Aber man kann es ja auch übertreiben... Wichtiger war mir auf jeden Fall der Erhalt der Gehäusebefestigung
Der direkte Vergleich: Jaaaaa, die Räder... Ich werde auch bei der 64 noch die Radreifen rot lackieren, was optisch einen grösseren Durchmesser ergibt. Aber neben der 86 wirkt die 64er doch viel kompakter und völlig anders proportioniert.
Die 64 sollte auch fahren können - eine harte Nuss, wie sich herausstellte. Bei der 86 sind ja die höherliegenden Achsen 1 und 4 für Stromaufnahme und Traktion verantwortlich. Da bei der 64 Achse 1 entfällt, ergibt das eine grössere Aktion betreffend Stromaufnahme und Achslagertiefe. Auch der Getriebedeckel gab mir zu denken, er wird wohl irgendwann einer Neuanfertigung weichen.
Hier der alles entscheidende Schnitt in der Nahaufnahme. Der Kessel wurde mit der Laubsäge freihändig durchtrennt. Für diese Aktion hätte ich mir doch eine Profiausstattung gewünscht...
Die anders gestaltete Pufferbohle und die Aufstiege zum Umlauf machen den Unterschied. Bei der 86 sind Reichsbahnlaternen von Westmodel montiert, die 64 hat, wie oben beschrieben, Eigenbauten nach DB-Vorbild. Die Pufferbohle wird noch weiter durchgestaltet und Schienenräumer sind auch vorgesehen.
Kaum einen Qualitätsunterschied gibt es bei den Loknummern. Hier kann der Tintenstrahler durchaus mit dem Tampondruck konkurrieren.
Und von oben nochmals die 2 Kandidaten.
Schnittstellen: Hier wurde der Kessel durchtrennt. Ich habe bewusst auf eine genaue Anleitung zur Zerstörung einer 86 verzichtet. Der Umbau setzt ein geruhsames Wochenende an Zeit und Gefühl für Metallarbeiten voraus. Mit einem gut bestückten Maschinenpark und entsprechendem Know-How steigt die Erfolgschance natürlich. Es bleibt aber in jedem Fall viel Raum für Improvisation und individuelle Lösungen, die in einigen Fällen sicher bessere als meine sind. Falls ich nochmals einen solchen Umbau vornehme, ist die Kamera garantiert dabei.