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Das Rennen um den begehrtesten Filmpreis der Welt beginnt. Einige Spitzenreiter haben sich im Verlauf des Jahres bereits an Filmfestivals wie Cannes, Venedig oder Toronto abgezeichnet, einige stossen erst noch dazu. Wir wagen eine erste Prognose und haben eine Liste mit 14 Filmen zusammengestellt, die sich grosse Chancen auf eines oder mehrere Goldmännchen ausrechnen können.
Auch der Schweizer Film darf sich dieses Jahr gleich mehrere Hoffnungen machen. Die grösste Chance auf eine goldene Statue hat der Stop-Motion-Animationsfilm «Ma vie de Courgette», eine französisch-schweizerische Co-Produktion von Regisseur Claude Barras. Der Film wurde schon am Festival in Cannes gezeigt und gewann sowohl den Audience Award als auch den Cristal for a Feature Film-Award am Annecy International Animated Film Festival. Dass er diesen Montag auch für den Golden Globe nominiert wurde, hat die Wahrscheinlichkeit für eine Nominierung gleich nochmals um ein Vielfaches erhöht.
Die Aussicht auf eine Nominierung in der Kategorie «Bester Animationsfilm» stehen nicht schlecht, selbst wenn er mit Filmen wie «Zootopia», «Moana», «La tortue rouge» und «Kubo and the Two Strings» einer taffen Konkurrenz gegenübertritt. «Ma vie de Courgette» ist auch die offizielle Einsendung der Schweiz für den besten fremdsprachigen Film. Dort stammen die Favoriten aus Frankreich («Elle»), Venezuela («From Afar»), Spanien («Julieta»), Chile («Neruda»), dem Iran («The Salesman») und aus Deutschland («Toni Erdmann»).
Ausländische Kurzfilme qualifizieren sich mit einem Gewinn an einem renommierten Festival fürs Rennen um die Academy Awards. Die drei animierten Schweizer Kurzfilme «Erlkönig» von Georges Schwizgebel, «Die Brücke über den Fluss» von Jadwiga Kowalska und «Analysis Paralysis» von Anete Meiece, die in Leipzig bzw. Locarno bzw. Bristol das Publikum und die Jury von sich überzeugen konnten, haben es leider nicht auf die kürzlich veröffentlichte Shortlist der Academy geschafft und sind somit aus dem Rennen.
Immer noch dabei sind die beiden hiesigen kurzen Spielfilme «Bon Voyage» von Marc Raymond Wilkins (gewann am Palm Springs International ShortFest) und «La femme et le TGV» von Timo von Gunten, der in Los Angeles im Kino vorgeführt wurde und sich deshalb automatisch qualifizierte.
Dass zwei Schweizer Produktionen unter den besten 10 in ihrer Kategorie aufgeführt sind, ist eine beachtliche Leistung.
Und nun, let the countdown begin …
Erst Mitte November sehr erfolgreich gestartet, erfüllt der Ableger von Harry Potter nebst denen der Kritiker auch die Erwartungen des Publikums.
Prognose:
Die positiven Nachrichten beim Kinostart werden dem Film helfen, vor allem in technischen Kategorien wie Production Design, Costume Design und Visual Effects gegen die Konkurrenz bestehen zu können. Eine Nominierung für Eddie Redmayne oder gar als bester Film liegt aber nicht drin.
«Fantastic Beasts» läuft momentan in den Kinos. Hier geht’s zum Review.
Obwohl der Film erst dieser Tage in die Kinos kommt, kann man sich sicher sein, dass die Production Values ähnlich hoch sein werden wie bei «The Force Awakens» vor einem Jahr. Dieser staubte fünf Nominierungen ab.
Prognose:
Fünf Nominierungen werden es dieses Jahr tendenziell nicht mehr sein. In den Kategorien Visual Effects, Score (die Filmmusik ist diesmal von Michael Giacchino) und beim Sound ist man dem Blockbuster aber wahrscheinlich wohlgesinnt.
«Rogue One» kommt am 15. Dezember ins Kino.
Die Live-Action-Adaption des Zeichentrick-Klassikers erregte die Gemüter bereits im April. Bis auf die Figur des Mowglis komplett computergeneriert, überzeugte der Film vor allem durch seine Liebe zum Detail und eine überzeugende Geschichte, die die losen Szenen des Originals miteinander verbindet.
Prognose:
Den Preis für die visuellen Effekte wird ihm wohl weder «Fantastic Beasts» noch «Rogue One» (vielleicht aber «Doctor Strange»?) abluchsen können. Aber auch hier werden sich die Nominierungen bzw. Gewinne auf die technischen Kategorien beschränken. Für eine Nominierung für Regisseur Jon Favreau wird es nicht reichen.
«Hidden Figures» hat seinen Kinostart noch vor sich. Die Geschichte dreier afroamerikanischer Frauen, die der NASA wichtige mathematische Daten für ihre Weltraummissionen lieferten, wird aber soziopolitisch genug «wichtig» sein, um die Aufmerksamkeit der Academy auf sich zu lenken. Regie führte der relative Newcomer Theodore Melfi («St.Vincent»), Oscar-Gewinnerin Octavia Spencer («The Help») und die bereits einmal für den Oscar nominierte Taraji P. Henson («The Curious Case of Benjamin Button») sind vor der Kamera zu sehen.
Prognose:
Ob der Film den Standards der Academy Awards gerecht wird, muss sich noch zeigen.
«Hidden Figures» kommt hierzulande am 12. Januar 2017 ins Kino.
«Lion» war der Eröffnungsfilm des diesjährigen Zurich Film Festivals. Obwohl der Film auch durchzogene Kritiken hervorlockte, hat er wohl genug Hollywood-Schwergewichte um sich vereint, um ein paar Nominierungen einzuheimsen. Produzent Harvey Weinstein ist für seine grossen Oscar-Kampagnen bekannt, und auch die Geschichte des von Dev Patel gespielten jungen Mannes, der in Indien seine leibliche Familie sucht, wird bei vielen Anklang finden.
Prognose:
Allen voran eine Nominierung für das Adaptierte Drehbuch (die Geschichte basiert auf einer Buchvorlage) und eine für Nicole Kidman als beste Nebendarstellerin sind möglich.
Der Kriegsfilm mit Andrew Garfield in der Hauptrolle markiert das Regie-Comeback von Mel Gibson. Handeln tut die Geschichte vom Armee-Sanitäter Desmond T. Doss, der sich weigerte, andere zu töten und somit als erster in der amerikanischen Geschichte eine «Medal of Honor» bekam, ohne einen Schuss abzufeuern.
Prognose:
Unterschätze bei den Oscars nie die Macht eines Films im Zweiten Weltkriegs. Besonders gelobt wird die Leistung von Andrew Garfield (der auch für einen zweiten Film nominiert werden könnte, siehe unten), in technischen Kategorien kann sich der Film ebenfalls gute Chancen ausrechnen.
«Hacksaw Ridge» kommt am 26. Januar 2017 ins Kino.
Nachdem die letztjährige Ausgabe als die «weissesten Oscars» aller Zeiten galten, sind dieses Jahr mehrere Projekte im Rennen, die sich der Rassenthematik annehmen und afroamerikanische Talente in den Vordergrund stellen. So auch «Loving», der die Ehe von einem Weissen und einer Schwarzen porträtiert, die 1958 in Virginia dafür in Haft genommen wurden.
Prognose:
Die Darstellung dieser Hauptdarsteller durch Joel Edgerton und Ruth Negga ist bereits in Cannes hoch gelobt worden. Eine Nominierung für Jeff Nichols als Regisseur, eine für das beste Drehbuch und eine für den Besten Film sind wahrscheinlich.
«Loving» startet am 9. Februar 2017.
Jedes Jahr gibt es einen imposanten Science-Fiction-Streifen, der die Jury von sich zu überzeugen weiss. Dieses Jahr wird dies «Arrival» von Denis Villeneuve («Sicario», «Prisoners») sein, die Geschichte einer Linguistin (Amy Adams), die angeheuert wird, um die Sprache von Ausserirdischen zu entschlüsseln.
Prognose:
Solche Filme sind immer etwas unberechenbar, was den Anklang bei der Academy und somit die Anzahl Nominierungen angeht. Bester Film ist eine Möglichkeit, Beste Hauptdarstellerin eine Wahrscheinlichkeit – sicher sind mehrere Nominierungen in den technischen Kategorien.
«Arrival» läuft momentan in den Kinos. Hier geht’s zum Review.
Das dritte Drama, bei dem die Rassenthematik in den USA im Mittelpunkt steht. Denzel Washington führte Regie und mimte auch gleich die Hauptfigur Troy, einen Vater, der in den 1950er-Jahren trotz schlecht bezahlten Jobs versucht, seine Familie würdevoll über die Runden zu bringen.
Prognose:
Auch «Fences» kommt erst noch ins Kino, gilt aber als Garant für Nominierungen in den Hauptkategorien Bester Film, Beste Regie, Adaptiertes Drehbuch, Beste Hauptdarstellerin (für Viola Davis aus «The Help») und Bester Hauptdarsteller (für Washington). Sofern der Film hält, was er verspricht.
Wann «Fences» in der Schweiz startet, ist noch nicht bekannt.
«Moonlight» wird von vielen als absolutes Meisterwerk bezeichnet und gilt bereits als einer der besten Filme des Jahres. Er schildert das Erwachsenwerden eines jungen Schwarzen in einer rauen Nachbarschaft in Miami, von der Kindheit bis zur Adoleszenz.
Prognose:
Die zeitlose Geschichte wird in allen grossen Kategorien vertreten sein, inklusive Bester Film. Die Chronik des Jungen wird vor allem dem aus «House of Cards» bekannten Mahershala Ali zum grossen Durchbruch verhelfen. Auch Naomie Harris könnte auf ihrer Erfolgswelle mit «Westworld» reiten und dadurch in die Nominiertenkiste gespült werden.
Wann «Moonlight» in der Schweiz startet, ist noch nicht bekannt.
«Silence» wurde schon vor der Veröffentlichung des Trailers als Favorit gehandelt. Wieso? Weil Martin Scorsese. Und die Thematik von zwei jesuitischen Priestern (gespielt von Andrew Garfield und Liam Neeson), die im 17. Jahrhundert nach Japan reisen, um das Christentum zu verbreiten und ihren Mentor zu suchen.
Prognose:
Der Film ist noch ganz frisch, es gab bisher nur eine Handvoll Screenings in Los Angeles. Deshalb gestaltet sich eine Prognose noch schwierig. Ist der Film gut – was bei Martin Scorsese meistens der Fall ist – könnte er der grosse Abräumer werden.
Der Starttermin für «Silence» ist der 2. März 2017.
«Jackie» war der Überraschungserfolg der Filmfestspiele in Venedig und Toronto. Natalie Portman stellt ihr darstellerisches Können diesmal als Jackie Kennedy unter Beweis – sie hat die Nominierung bereits in der Tasche. Der Film wirkt – dem Trailer nach zu urteilen – sehr künstlerisch und poetisch.
Prognose:
In Kategorien wie Costume Design, Cinematography und Production Design, aber auch mit der Filmmusik oder dem Drehbuch wird ihm dies zugute kommen. Regie führte der Chilene Pablo Larraín.
Der Starttermin für «Jackie» ist der 26. Januar 2017.
Auch bei «Manchester by the Sea» spricht man nicht mehr von Nominierungen, sondern bereits von den Gewinnen, die wahrscheinlich sind. Casey Affleck spielt einen Mann, der nach dem Tod seines Bruders auf dessen Sohn aufpassen muss, was zu Konflikten in seinem eigenen Leben führt.
Prognose:
Casey Affleck wird in dieser Rolle bereits als Best Lead Actor gehandelt. In allen grossen Kategorien ist der Film weit vorne mit dabei, und gewisse Auszeichnungen kann ihm nur die unten aufgeführte Nummer eins streitig machen.
«Manchester by the Sea» kommt am 19. Januar 2017 ins Kino.
Das ist der grosse Favorit. Der melancholische Musikfilm, der die Leute in Venedig und Toronto begeisterte, darf sich die grössten Hoffnungen auf den Oscar in der Königskategorie machen. Emma Stone wurde in Venedig bereits ausgezeichnet.
Prognose: Als Musikfilm wird er in den Sound-Kategorien, in den Kamera-Kategorien und auch in den Set- und Kostümdesign-Kategorien auftrumpfen können.
«La La Land» kommt am 12. Januar 2017 ins Kino.
Natürlich gibt es noch weitere Filme, die sich als Aussenseiter einmischen könnten. Insbesondere «Sully» von Clint Eastwood oder aber «Hell or High Water» von David Mackenzie und «Nocturnal Animals» von Tom Ford – die beiden letzten haben bei den Golden-Globe-Nominierungen überraschend gut abgeschnitten – sollte man im Auge behalten. Weitere Möglichkeiten sind «20th Century Women» von Mike Mills, «Florence Foster Jenkins» von Stephen Frears und «Passengers» von Morten Tyldum.
Welche der vorgestellten Filme wie erfolgreich und ob die Schweizer Filme eine Runde weiter sind, wird sich am 24. Januar zeigen, wenn die Nominierungen für die 89. Academy Awards bekanntgegeben werden.