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Die westschweizerischen antifaschistischen Zeitschriften sind heute praktisch unbekannt. Sie haben unter der offiziellen Erinnerung gelitten, die seit Kriegsende zelebriert wird und die betont, dass es in der Schweiz weder Faschisten noch Antifaschisten gegeben habe. In der Absicht, diesen Mythos zu relativieren, haben sich die Historiker vor allem darauf konzentriert, einen Teil der politischen und ökonomischen Elite blosszustellen. Daneben waren die Vertreter der Arbeitergeschichte kaum an den Zeitschriften und an der Geschichte von Intellektuellen interessiert, während die Exponenten der Westschweizer Literatur im Namen einer konstruierten Parteilosigkeit und auf grund methodischer Überlegungen für die eindimensionale Verachtung der politischen Verstrickungen der Schriftsteller plädierten. Heute jedoch – dank der Erkenntnisse einer kritischen Geschichtsschreibung, die sich im Zuge der Debatten um die nachrichtenlosen Vermögen etabliert hatte, und vor dem Hintergrund der Bestrebungen einer erfolgreichen französischen Geschichte der Intellektuellen hat man damit begonnen, die Zeitschriften aus dem Schatten heraus zu holen. Ihre Wiederentdeckung wird es uns nicht nur erlauben, die Verhaltensweisen der Intellektuellen in jener Zeit besser zu verstehen. Sie wird auch dazu beitragen, Fragen nach Verantwortlichkeiten einschätzen zu können und uns damit zu vergegenwärtigen, dass sich einige mit klarem Verstand und Mut – selbst während der schlimmsten Zeiten – wussten zu behaupten.
(Übersetzung: Simone Chiquet)