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Wann hast du das letzte Mal eine Ausrede gebraucht? Na, klingelts? Vermutlich ist das gar nicht mal so lange her. Wenn du jetzt zurückschaust, bist du dann mit deiner damaligen Ausrede happy oder … packt dich jetzt, wo du daran denkst, ein schlechtes Gewissen? Hm,… das müsste nicht sein, wenn du statt einer Ausrede zu gebrauchen, gleich gesagt hättest, was du wirklich hättest sagen wollen. Dann würde sich jetzt auch kein komisches Gefühl in der Magengrube einstellen, ein Gefühl, das die Qualität hat, deinen Geist ein bisschen zu vernebeln. Stimmt’s? Siehst du. Und jetzt, ohne eine Ausrede sofort weiterlesen.
Nun denn. Was könnte, was müsste, was sollte also anstelle einer Ausrede stehen? Wie wär’s mit der Wahrheit und damit wohl in den allermeisten Fällen, ein grosses, fettes NEIN … Punkt!
Schliesslich willst du dich ja von irgendetwas, was du gerade nicht willst, herausreden, daher die Ausrede. Ein Geradeheraus-Nein wäre irgendwie logisch, fühlt sich aber für den Moment etwas gar hart an. Man könnte nun sagen: aber wenn es doch die Wahrheit ist, dann gehört das eben gedachte NEIN doch auch tatsächlich ausgesprochen! “Ja, schon … magst du jetzt erwidern, aber nur NEIN sagen geht nicht!”
Okay, dann frage ich dich: “Für wen ist das NEIN zu hart?
Für denjenigen, der das NEIN bekommt, logischerweise. “Nur mal angenommen du sagst nicht nein, du bringst auch keine Ausrede, sondern aus irgendeinem “guten Grund” machst du die berühmte Faust in der Hosentasche und willigst in die Anfrage ein. Das wäre dann ein JA gewesen. Fühlt sich das nun besser an, oder ist es jetzt nur noch hart für dich selbst? Magst du das lieber? Der Anfrager hat ja schliesslich bekommen was er wollte, und du in deiner grenzenlosen Freundlichkeit? Du ärgerst dich, du verurteilst dich, weil du wieder einmal nicht hast zu dir stehen können und jetzt bist du dazu noch in der Verpflichtung irgendwann, irgendetwas für irgendjemand zu machen, denn du hast zugesagt. Dagegen würde sich doch eine Ausrede gleich viel besser anfühlen, stimmts? “Nein, gar nicht!” sage ich dir. Denn mit einer Ausrede verlieren gleich alle Beteiligten. Der Anfrager wird mit einer Ausrede von “Flunkern bis Lüge” bedient. Weder hat er sein Problem gelöst, noch muss er die Ausrede als Wahrheit akzeptieren. Das schafft kein gutes Gefühl. Wer die Ausrede zu seinem Vorteil eingesetzt hat, hat nun den Nachteil, dass man allenfalls herausfinden könnte, dass es nur eine Ausrede ist oder er fühlt sich genötigt, die Ausrede z. B. “Ich bin am Samstag gar nicht zu Hause!” nun sogar in die Tat umzusetzen, nur damit sichergestellt ist, dass er nicht etwa noch zu Hause gesichtet werden kann, die andere Partei davon “Wind” bekommt und ihm auf die Schliche kommt. Akademisch betrachtet ist es dann wenigstens keine Ausrede mehr, wenn er am Samstag wirklich nicht zu Hause ist. Das ist dann das Gute daran. Da der “Ausflug” durch eine sich selbst auferlegte Nötigung mittels Ausrede zu Stande gekommen ist, löst dies auf jeden Fall keine Hochgefühle aus. Freiwillig, aus freien Stücken zu handeln, sieht definitiv anders aus. Und damit ist klar, dass auch der Ausredende nicht zufrieden sein kann..
Okay, aber wie könnte es denn nun wirklich gemacht werden? Beispiel: Du wirst angefragt, am kommenden Samstag bei einem Fest zu helfen. Nach einer kurzen Denkpause, wenige Sekunden genügen in der Regel, weil die ehrliche Antwort aus deinem Unterbewusstsein schon aufsteigt und nach aussen drängt, könntest du folgendes machen. “Diesen Samstag meinst du, ja? Das geht leider nicht, da habe ich bereits etwas anderes abgemacht.” Punkt. Ja genau. Punkt, Stopp, Vollbremsung. Das reicht, wirst du jetzt denken?! Natürlich reicht das. Es sei denn du möchtest jetzt noch nachschieben was genau du abgemacht hast, um dann beim Gegenüber in eine Rechtfertigungsfalle hineinzulaufen, … wo du so schnell nicht wieder rauskommen wirst. Es wird gefeilscht, interpretiert, auf die Solidarität gepocht und und und. Brauchst du das, wenn du doch längst weisst, dass es kommenden Samstag halt einfach nicht passt? Nein, so hoffe ich für dich.
Wenn du selbstbewusst sagen kannst was Sache ist, dann wird dich niemand umzustimmen versuchen. Du brauchst dann weder eine Ausrede, noch verstrickst du dich in Rechtfertigungen. Auch brauchst du nicht plötzlich noch ein Alternativprogramm, um auch noch in die Beweisfalle zu tappen. Denn du hast dich gerade, für dieses Mal, für dich selbst entschieden. Eine schöne Form der Selbstliebe. Das schafft dir Freiraum und gibt dir auch bei anderer Gelegenheit wieder die Möglichkeit für ein JA, wenn es stimmig ist.
Es geht weder partout ums NEIN sagen, noch es geht darum egoistisch zu sein. Nein, es geht darum JA ZU DIR SELBST zu sagen. Beginne jetzt damit.
Alfred