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Salix purpurea ssp. purpurea Linné 1753 -- Purpurweide
Weide mit grosser ökologischer Amplitude
Die Purpurweide kann als Strauch bis 6 m hoch werden. Sie wächst buschig mit stark aufrecht gerichteten, gelblichen bis purpur gefärbten, kahlen Zweigen. Die jüngsten Triebe können manchmal aber noch kurz und samtig behaart sein. Die Kätzchen erscheinen von März bis April mit dem Blattaustrieb. Männliche und weibliche Kätzchen werden 2 bis 5 cm lang, sind schlank und häufig gekrümmt geformt, wobei Staubbeutel und Narben vor der Blütezeit purpurn gefärbt sind! Die beidseits unbehaarten Sommerblätter sind mit ihrer bläulichgrünen, matten Oberseite und der schlanken, lanzettlichen Form ein gutes Merkmal zur Erkennung der Art. Ein weiteres signifikantes Merkmal betrifft die Anordnung der Blätter und Kätzchen sowie im Winter der Knospen: Die zeigen sich nämlich oft gegenständig (Lautenschlager-Fleury 1994).
Weide - Weidenrinde - Salicylsäure: Seit der Antike ist die Verwendung von Weidenrinde als pflanzliches Arzneimittel als Mittel gegen Fieber und Schmerzzustände belegt. Als im Jahr 1897 mit der Acetylsalicylsäure und dem Handelsprodukt ASPIRIN ein synthetisches Analogon zu dem in Salix cortex enthaltenen Salicin synthetisiert wurde, verlor die Weidenrinde therapeutisch an Bedeutung. Aufgrund des fehlenden Nebenwirkungspotentials erlebt sie aber heute eine Renaissance.
Salix purpurea ist hierbei eine offizinelle Stammpflanze für die Herstellung von Arzneimitteln aus Weidenrinde. Neben den Rinden junger Zweige der Reifweide Salix daphnoides enthalten jene der Purpurweide am meisten der wirksamkeitsbestimmenden, phenolischen Inhaltstoffe (Salicin, Salicortin, Tremulacin) (Kaul/Lagoni 1999).
Die Purpurweide ist die am häufigsten verwendete Weide. Ihre grosse ökologische Amplitude (feuchte bis trockene Böden und niedere bis hohe Lagen), ihre sehr gute vegetative Vermehrbarkeit und ihre ausgezeichnete Elastizität machen sie für Ufer- und Hangsicherungen sehr beliebt. Ihre Verwendbarkeit für lebende Flechtzäunen und Weidenskulpturen begründen sich in den erwähnten Eigenschaften und der ausserordentlich guten Schnittverträglichkeit. Mit ihrer Schadstoff- und Salzresistenz eignet sie sich zudem für Abschlusshecken an stark befahrenen Strassen.In der Natur finden sich Purpurweiden in Auengebüschen, an Ufern, auf Schotterbänken und insbesondere in Steinbrüchen als Pionierpflanze (Hörandl et al. 2002).
Salix purpurea L. ssp. angustior Lautenschlager 1987 --
Schmalblättrige Purpurweide
Filigrane Variante der grossen Schwester
Die Zweige der in subalpinen Lagen anzutreffenden Schmalblättrigen oder Alpen-Purpurweide sind dünn und biegsam sowie sehr zäh. In Färbung und Gestaltung der Zweige, Blätter und Kätzchen entspricht sie in etwa deren der grossen Schwester; die Dimensionen der Organe sind allesamt aber kleiner. So erreicht der Strauch nur noch eine Höhe von 3 Metern, die Kätzchen werden noch in etwa 15 mm lang und die Blätter wachsen grad mal halb so lang wie die von Salix purpurea ssp. purpurea.
Ausserdem lässt sich bei genauem Hinschauen eine leicht abweichende Blattgestalt feststellen: Bei ssp. purpurea weisen die Blätter die grösste Breite im vorderen Drittel auf, bei ssp. angustior sind sie durchgehend extrem schmal, lineal lanzettlich geformt.
Bei einer Kultur im Flachland bleiben diese Eigenschaften allesamt erhalten (Lautenschlager-Fleury et Lautenschlager 1994).
Die wissenschaftliche Nomenklatur der Schmalblättrigen Purpurweide wurde 1987 von Dagmar und Ernst Lautenschlager überarbeitet (Lautenschlager-Fleury 1987). Denn bei Salix purpurea var. gracilis WIMMER 1849 handelte es sich nach Beschreibungen von Friedrich Wimmer um auf mageren, sandig-trockenen Böden kleingewachsene Salix purpurea ssp. purpurea. Werden solche Typen auf bessere Böden gepflanzt, so können sie sich zu normal grossen Sträuchern entwickeln. Als Robert Buser 1881 in subalpiner Lage eine besondere, schmalblättrige Sippe von Salix purpurea findet, beschriftet er sie im entsprechenden Herbarbeleg als var. alpina. In seinem zwei Jahre später verfassten Werk (Buser 1883) fasst er dann Wimmer's Varietät und seine var. alpina unter der Bezeichnung var. gracilis zusammen: " Mit zunehmender Meereshöhe wird S. purpurea graziler und schmalblättriger ... " Salix purpurea ssp. gracilis (Wimmer) Buser 1883.
Die nun seinerseits von Buser endeckte, aber nie publizierte var. alpina ist aber subalpin verbreitet und behält beim Umpflanzungen ins Flachland ihre signifikanten Merkmale. An ihren extrem schmalen Blättern ist sie leicht zu erkennen. Um Verwechslungen vorzubeugen wurde die Subspecies schliesslich von Lautenschlager als ssp. angustior Lautenschlager 1987 bezeichnet.
Eintrag erstellt: 02.03.2011/züm - Letzte Aktualisierung: 02.06.2016/züm