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Schmerzen entstehen, wenn spezielle, den ganzen Körper durchziehende Nervenfasern auf schmerzauslösende Reize (z.B. Kälte, Hitze, Druck, Verletzungen, Entzündungen oder Verschleisserscheinungen) reagieren und dies in Form von Schmerzsignalen an das Schmerzzentrum im Gehirn weiterleiten. Dort werden die Schmerzsignale verarbeitet und in die eigentliche Schmerzempfindung umgewandelt.
Je nach individueller Veranlagung des Patienten, seiner Lebensgeschichte, psychosozialer, kultureller sowie gesundheitlicher Vorgeschichte und seiner Stimmungslage kann ein und dieselbe Schmerzursache zu einer völlig unterschiedlichen Schmerzempfindung führen. Was der eine kaum wahrnimmt, empfindet ein anderer vielleicht schon als sehr quälend.
Treten Schmerzen auf, so versucht der Körper zuerst selbst, die Schmerzen zu unterdrücken. Hierzu bedient er sich körpereigener Substanzen, der sogenannten Endorphine. Sie werden bei akuten und zeitlich begrenzten Schmerzen vom Gehirn bzw. speziellen Nervenzellen bereitgestellt und haben eine gute Wirkung. Die Endorphine blockieren einfach die Weiterleitung der Schmerzreize auf den betroffenen Nervenfasern. Die Wirkung ist von persönlichen körperlichen und seelischen Zuständen abhängig. Stärkere und länger anhaltende Schmerzen vermag der Körper allerdings nicht mehr zu unterdrücken. Im Gegenteil: Es entstehen sogar weitere Stoffe, die die Schmerzintensität noch verstärken können. In solchen Fällen müssen Medikamente eingesetzt werden, die die körpereigene Schmerzunterdrückung ersetzen. Opioide und Opiate sind den körpereigenen Endorphinen in ihrer Wirkung sehr ähnlich und imitieren sie.
Was versteht man unter "akutem" Schmerz?
Der akute Schmerz tritt plötzlich auf (z.B. nach Verletzungen) und klingt wieder ab, wenn seine Ursache bzw. die verursachten Schäden beseitigt sind.
In seiner Funktion als wichtiges Warnsignal meldet er, dass etwas mit unserem Körper nicht in Ordnung ist, und hilft uns somit, schädliche Einflüsse zu erkennen und auszuschalten.
Wann spricht man von "Dauerschmerz"?
Ein Dauerschmerz (chronischer Schmerz) kann sich entwickeln, wenn eine schmerzhafte Erkrankung lange anhält oder die Schmerzursache nicht zu beseitigen ist.
Beispiele sind Erkrankungen des Bewegungsapparates (z.B. Rückenschmerzen, Verschleisserscheinungen der Gelenke), Nervenschmerzen (z.B. Gürtelrose), Durchblutungsstörungen oder Phantomschmerzen.
Dauerschmerzen haben ihre natürliche Signalfunktion verloren und werden deshalb zum "sinnlosen" Schmerz". Sie stellen für den Schmerzpatienten häufig eine grössere Belastung dar als die zugrundeliegende Erkrankung selbst.
Die andauernden Schmerzen und die dadurch häufig bedingten Schlafstörungen können körperlich zermürben und das Denken und Empfinden beherrschen. Oft fühlt man sich vom normalen Leben isoliert.
Deshalb müssen Dauerschmerzen genauso sorgfältig behandelt werden wie jede andere Krankheit auch. Sie haben einen Anspruch darauf, so schmerzfrei wie möglich zu leben.
Durchhalteparolen sind bei Dauerschmerzen fehl am Platz! Egal, von wem sie kommen!
Wenn der Schmerz sich verselbständigt
Schmerz kann bei fehlender Therapie im "Gedächtnis" bleibenDer akute Schmerz ist ein natürlicher Schutzmechanismus, der zwar unangenehm, aber überlebenswichtig ist, weil er Gefahren signalisiert:
Je nach Schmerzursache wird der Finger von der spitzen Nadel weggezogen oder der aufgeschlagene Ellenbogen geschont. Heilt die Wunde und verschwindet damit die Ursache des akuten Schmerzes, bessert sich dieser in der Regel wieder.
Aus dem akuten Schmerz kann sich jedoch auch ein chronischer Schmerz entwickeln, der seine Warnfunktion verloren hat. Experten sprechen von einer Chronifizierung und damit gehen Sie von einer eigenständigen Erkrankung aus, wenn die Beschwerden länger als sechs Monate vorliegen. Die Ursache sind Veränderungen im Schmerzverarbeitungssystem.
Andauernder Schmerz kann im "Gedächtnis" bleiben
Dauert der akute Schmerz über eine längere Zeit an, beispielsweise weil die Ursache bestehen bleibt und eine effektive Schmerztherapie fehlt, kann das komplexe System der Schmerzentstehung auf verschiedenen Ebenen sensibilisiert werden. So erhöhen die ständigen Schmerzreize die Empfindlichkeit der Schmerzrezeptoren. Zudem werden die Funktion und der Aufbau spezieller Nervenzellen für die Schmerzverarbeitung auf Dauer verändert, so dass diese ständig aktiv und leichter erregbar sind.
In Folge dieser Veränderungen kann die Schmerzempfindung bestehen bleiben, auch wenn keine Ursache mehr vorliegt – es entsteht ein "Schmerzgedächtnis". Oder an sich harmlose Reize, wie eine Berührung, werden schmerzhaft wahrgenommen. Auch ein Teufelskreis aus Schmerzen des Bewegungsapparates und Schonhaltung kann dazu beitragen, dass sich der Schmerz verstärkt oder sogar verselbständigt.
Chronische Schmerzen können schwerwiegende Folgen haben
Diese chronischen Schmerzerkrankungen sind mit einem hohen Leidensdruck für die Betroffenen verbunden. So zeigte der "Pain in Europe Survey", in dem zwischen Oktober 2002 und Juni 2003 mehr als 46.000 Menschen aus 16 europäischen Ländern zu chronischen Schmerzen befragt wurden, dass im Durchschnitt jeder fünfte Erwachsene in Europa (19 Prozent) chronische Schmerzen hat; in Deutschland waren es 17 Prozent und in der Schweiz 16 Prozent. Die Beschwerden lagen im Durchschnitt bereits seit sieben Jahren vor, 21 Prozent der Befragten hatten sie sogar seit mehr als 20 Jahren. Ein Drittel litt rund um die Uhr unter Schmerzen - also 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr.
Jeder fünfte Betroffene hatte aufgrund seiner Erkrankung bereits einmal den Arbeitsplatz verloren. Darüber hinaus entwickelte sich bei einem Fünftel als Folge der chronischen Schmerzen eine Depression. Und etwa jeder Sechste empfand die Schmerzen als so schlimm, dass er nicht mehr leben wollte.
Frühe Schmerztherapie wirkt chronischem Schmerz entgegen
Um diese schwerwiegenden Folgen der chronischen Schmerzen zu verhindern, gilt inzwischen als anerkannt, dass akute Schmerzen so früh und so effektiv wie möglich behandelt werden müssen. Bei starken Schmerzen kommen zum Beispiel Opioide zum Einsatz, die an die Opioid-Rezeptoren des körpereigenen Schmerzhemmsystems binden. Denn die Anwendung von Schmerzmitteln kann den Umbauprozessen entgegenwirken, die zur Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses führen. Darüber hinaus ermöglichen sie ein besseres Mass an Beweglichkeit und Aktivität und damit eine gezielte Therapie wie beispielsweise Krankengymnastik bei Schmerzen des Bewegungsapparates.
Was ist zu tun bei unzureichender Wirksamkeit von einfachen Schmerzmitteln?
Leichte bis mässig starke Schmerzen werde normalerweise mit Nicht-Opioidanalgetika behandelt (nachfolgend „einfache Analgetika“). Sie dürfen die Dosis bzw. die Einnahmehäufigkeit entsprechend den Vorschriften des Arztes oder gemäss der Anleitung auf dem Beipackzettel erhöhen. Die zulässige Höchstdosis darf jedoch nicht überschritten werden. Wenn dies zu keiner Schmerzlinderung führt, sollten Sie den Arzt oder Apotheker erneut beiziehen.
Starke Nebenwirkungen bei „einfachen Analgetika“ (WHO Stufe 1) – was ist zu tun?
Treten unerwünschte Nebenwirkungen auf, sollte die Therapie unterbrochen und der Arzt oder Apotheker beigezogen werden. Hinweise zu den Nebenwirkungen, die für einen Therapieabbruch sprechen, finden Sie auf dem Beipackzettel.
Unterschied: „einfache Analgetika“ zu stärkeren Schmerzmitteln
Präparate der WHO Stufe 1 sind schwach! Sie sind im Gegenteil in vielen Fällen bereits sehr erfolgreiche „Schmerzkiller". Wichtig ist, dass sie gemäss Verordnung eingenommen werden. In gewissen Fällen kann es nötig werden, zusätzlich Präparate zu verordnen, die den Schmerz über einen anderen Weg bekämpfen.
Behandlung von Dauerschmerz
Trotz vielfältiger nichtmedikamentöser Behandlungsmethoden, wie z. B. Bewegungstherapie, Massagen oder Akupunktur, ist eine medikamentöse Behandlung von Dauerschmerzen häufig unabdingbar.
Dabei sind jedoch bestimmte Anforderungen zu berücksichtigen, weil Dauerschmerzen meist
Ein Medikament gegen Dauerschmerzen muss daher
Medikamente zur Dauertherapie – Vorteile von Retardtabletten
Medikamente zur Dauertherapie werden oft in Form spezieller Tabletten, sogenannter Retardtabletten, hergestellt. Diese Tabletten wirken nach der Einnahme nicht sofort, sondern geben über einen Zeitraum von i.d.R. 12 Stunden den Wirkstoff langsam an den Körper ab. Dadurch wird eine anhaltende und gleichmässige schmerzlindernde Wirkung erzielt.
Im Vergleich zu kurzwirksamen Schmerzmitteln bringt Ihnen das wichtige Vorteile:
Was versteht man darunter?
Wie die körpereigenen Schmerzhemmstoffe, die in bestimmten Situationen (z.B. bei schweren Verletzungen unmittelbar nach einem Unfall) freigesetzt werden, hemmen zentralwirksame Schmerzmittel die Weiterleitung und Verarbeitung von Schmerzsignalen im Rückenmark und im Gehirn.
Deshalb haben sich zentralwirksame Schmerzmittel bei der Behandlung mittelstarker und starker Schmerzen als zuverlässig erwiesen und bewährt.
Gibt es typische Nebenwirkungen?
Wie Sie sicherlich wissen, können alle Arzneimittel neben der gewünschten Hauptwirkung auch unerwünschte Wirkungen, sogenannte Nebenwirkungen, haben.
Als mögliche Nebenwirkungen von zentralwirksamen Schmerzmitteln sind unter anderem Verstopfung, Übelkeit und Erbrechen sowie Müdigkeit zu nennen.
Sollten Sie an Verstopfung leiden oder sollte im Verlauf der Behandlung mit zentralwirksamen Schmerzmitteln eine Verstopfung auftreten, so fragen Sie Ihren Arzt um Rat. Er kann ein geeignetes Opioid wählen oder zusätzlich ein darmregulierendes Mittel - auch auf pflanzlicher Basis – verordnen oder auf ein anderes zentralwirksames Schmerzmittel wechseln.
Sie selbst können einer Verstopfung vorbeugen, indem Sie sich ausgewogen und ballaststoffreich ernähren, viel trinken und sich, soweit es Ihnen möglich ist, viel bewegen.
Die übrigen Nebenwirkungen (z.B. Übelkeit und Erbrechen) sind zwar ebenfalls unangenehm sein, sie treten jedoch meist nur vorübergehend, am Anfang der Behandlung (1-3 Tage) auf und können, wenn notwendig, ebenfalls behandelt werden.
Falls Sie weitere Fragen zu diesen oder weiteren im Beipackzettel erwähnten Nebenwirkungen haben oder falls Nebenwirkungen bei Ihnen auftreten sollten, sprechen Sie mit Ihrem Arzt und/oder Apotheker.
Machen solche Medikamente nicht abhängig?
Umfangreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass die vorschriftsmässige Einnahme zentralwirksamer Schmerzmittel bei Schmerzpatienten nur äusserst selten zu einer Abhängigkeit führt.1 Während diese Mittel bei Gesunden eine stimmungsaufhellende Wirkung haben können, die zu erneuter Einnahme verführt, tritt eine solche Wirkung bei Schmerzpatienten nicht auf.
Vielmehr erfahren Schmerzpatienten bei konsequenter Einnahme nach einem festen Zeitschema (z.B. alle 12 Stunden) eine ununterbrochene und gleichmässige Schmerzlinderung, die ein Verlangen nach einer erneuten Einnahme und das Risiko einer Abhängigkeitsentwicklung minimiert. Diese Schmerzmittel können daher auch jederzeit wieder stufenweise abgesetzt werden.
Worauf muss geachtet werden?
Zunächst wird Ihr Arzt die Dosierung Ihres Schmerzmittels individuell auf Ihren "persönlichen" Schmerz einstellen - so hoch wie nötig, aber so niedrig wie möglich.
Mehr Nebenwirkungen → zu hohe DosierungGuten Schmerzlinderung → richtige DosierungGeringe Schmerzlinderung → zu geringe Dosierung
Scheuen Sie sich nicht, Ihren Arzt anzusprechen, wenn Sie noch Schmerzen haben oder wenn im Laufe der Behandlung erneut Schmerzen auftreten. Ihr Arzt braucht Ihre Rückmeldung, um Sie umfassend behandeln zu können. Eine Dosiserhöhung könnte nötig sein. Ausser der Dosierung wird Ihnen Ihr Arzt auch ein festes Zeitschema für die Einnahme der Tabletten vorgeben: z.B. morgens um 8 Uhr, abends um 20 Uhr.
Für den Erfolg Ihrer Schmerzbehandlung ist es entscheidend, dass Sie diesen Einnahme-Rhythmus genau einhalten!
Sie dürfen auf keinen Fall die Dosierung oder das Einnahmeschema verändern, ohne vorher mit ihrem Arzt darüber zu sprechen!
Nur durch genaues Einhalten dieser Vorgabe können Sie das Ziel der Behandlung - die ununterbrochene, gleichmässige Schmerzlinderung mit möglichst geringen Nebenwirkungen - erreichen.
Einnahme: nicht warten bis der Schmerz beginnt
Beachten Sie bitte, dass bei der allerersten Einnahme retardierter Schmerzmittel i. d. R. ca. 2 - 4 Stunden vergehen, bis die Wirkung eintritt. Haben Sie einmal eine Tablette vergessen oder zu spät eingenommen, kann es ebenfalls zu einer Wirkungsverzögerung kommen.
Hier noch einige Tipps!
Wenn Sie Ihr Schmerzmittel erst dann einnehmen, wenn die Schmerzen zu stark werden, erleiden Sie nicht nur unnötige Schmerzen, sondern nehmen auch zusätzliche Risiken in Kauf:
Sie benötigen höhere Dosen, um den gleichen schmerzstillenden Effekt wie bei der Einnahme nach einem festen Zeitplan zu erzielen. Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen erhöht. Zum anderen kann durch die unregelmässige Schmerzlinderung das Verlangen nach erneuter Einname der Tabletten entstehen, was zu vermeiden ist.
Wichtig: Die ersten Behandlungstage
Wie bei jeder medikamentösen Behandlung kann es einige Zeit dauern, bis Ihr Arzt das Schmerzmittel optimal eingestellt hat. Gerade in den ersten Tagen können daher Nebenwirkungen wie Übelkeit und Müdigkeit vorübergehend auftreten.
Deshalb ist gerade zu Beginn der Behandlung die enge Zusammenarbeit mit Ihrem Arzt besonders wichtig:
Komplementäre Methoden
Die nachfolgenden Massnahmen können allein oder als Ergänzung einer Therapie mit Schmerzmitteln angewendet werden. Es ist aber immer ratsam, sich im Zweifelsfalle vorher mit dem behandelnden Arzt abzusprechen.
Eis: Eis kann bei akuten Entzündungen, Prellungen und Schwellungen sehr wirksam sein. Doch Vorsicht: Bei neuropathischen Schmerzen, d.h. bei einer Nervenschädigung, ist unter Umständen das Temperaturgefühl herabgesetzt oder fehlt. Dann besteht die Gefahr von örtlichen Erfrierungen.
Warmes Bad: Ein warmes Bad kann die Muskelspannung vermindern und damit schmerzlindernd wirken. Wiederum ist bei Neuropathien Vorsicht geboten. Ein Thermometer kann wertvolle Dienste leisten. Bei Entzündungen oder Herzschwäche sind solche Bäder ungünstig.
Massage: Eine wohltuende Massage mit einem feinen Massageöl kann Wunder wirken. Lassen Sie sich von einer ausgebildeten Fachperson ein wenig verwöhnen. Es gibt Ausnahmen, wo eine Massage nicht möglich ist. Informieren Sie sich genau.
Akupunktur und Akupressur: Diese traditionellen chinesischen Therapien haben sich bei Schmerzbehandlungen in vielen Fällen (ausser bei Krebsschmerzen) bewährt. Vorsicht ist bei der Akupunktur geboten, falls eine erhöhte Blutungsneigung besteht.
Musik, Malen und Lesen: Das Hören oder, wenn möglich, das Praktizieren von Musik hat einen sehr entspannenden Einfluss auf das körperliche Befinden. Das gleiche gilt für das Malen und Lesen. Alle diese musischen Tätigkeiten können von Schmerzen in wunderbarer Art und Weise ablenken.
Religion: Alle grossen Religionen erlauben die Therapie mit Schmerzmitteln. Es wird darin nichts Anstössiges gesehen. Das Praktizieren von Religion kann zu einer grösseren Ausgeglichenheit und Ruhe führen. Beten kann als meditative Form sehr zur Entspannung und damit auch zur Schmerzlinderung beitragen.
Entspannungsübungen: Es gibt eine grosse Anzahl verschiedener Methoden der Entspannung wie beispielsweise Autogenes Training, Yoga, Meditation etc. Die Literatur hierzu ist umfangreich, und zahlreiche Kurse werden angeboten. Alle Methoden haben sich bewährt. Es kommt also nicht so sehr auf eine einzelne Methode an. Entscheiden Sie sich für diejenige, die Ihnen am ehesten zusagt.
Nichtmedikamentöse Schmerzlinderung
In gewissen Fällen wirken auch die besten Schmerzmittel nicht vollständig. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Schmerzen nicht trotzdem gelindert werden können. Hierzu stehen zusätzlich verschiedene weitere Massnahmen bereit, unter anderem:
Neurochirurgische Eingriffe: Schmerzen werden durch Nerven übermittelt. Bei unstillbaren Schmerzen können die Nervenleitungen wieder freigelegt, entlastet , durchtrennt bzw. verödet werden; auch eine Stimulation durch Implantation von Elektroden ist möglich. Eine Nervendurchtrennung ist endgültig und kann nicht rückgängig gemacht werden.
Nervenblockade: Mittels einer lokal wirksamen Substanz können einzelne Nerven zeitweise unempfindlich gemacht werden. Die Nervenblockade verursacht meist auch eine vorübergehende Lähmung des dazugehörigen Muskels sowie Gefühlsverlust im betroffenen Hautgebiet.
Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Durch milde elektrische Ströme können umschriebene Hautareale stimuliert werden. Ziel: hierdurch werden die Nervenbahnen so beeinflusst, dass die Schmerzweiterleitung zum Gehirn verringert oder gar verhindert wird. Gleichzeitig werden körpereigene schmerzhemmende Systeme aktiviert. Gegenanzeigen beachten!
Sie können durch aktive Mithilfe Wesentliches zu einem grösstmöglichen Behandlungserfolg beitragen:
Ihr Arzt als Experte ist Ihr zentraler Ansprechpartner bei der Schmerzbehandlung.
Er kann die Behandlung am besten auf Ihre persönliche Situation abstimmen und stellt so ein wichtiges Bindeglied zwischen Ihnen und dem Medikament dar. Ein vertrauensvolles Verhältnis zu Ihrem Arzt ist eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Schmerzbehandlung.
Unbedingt notwendig für ein Vertrauensverhältnis ist das ausführliche Gespräch. Häufig ist es jedoch nicht leicht, in der begrenzten Zeit eines Arztgesprächs alle Fragen und Probleme zu klären, die man auf dem Herzen hat.
Tipps für das Gespräch mit Ihrem ArztBereiten Sie sich in aller Ruhe auf das Gespräch vor!Wenn Sie fürchten, etwas zu vergessen, schreiben Sie es sich einfach vorher auf.
Machen Sie am besten eine Liste aller Punkte, die Sie gerne ansprechen möchten. Das Aufschreiben Punkt für Punkt hilft Ihnen, Ihre Gedanken präzise zu formulieren. Das wiederum erleichtert sowohl Ihnen als auch Ihrem Arzt das Gespräch.
Opioide haben eine den körpereigenen Endorphinen vergleichbare Wirkung. Unmittelbar nach Verabreichung dieser Substanzen kann man eine Dämpfung der Atem- und Herzkreislaufaktivität, eine Verkleinerung der Pupillen, eine Zunahme des Leberstoffwechsels und eine Verlangsamung der Magen-Darm-Tätigkeit feststellen. Diese Wirkungen sind bei korrekter Dosierung und Verabreichung ungefährlich. Als unerwünschte Wirkung gelten Schläfrigkeit, Verstopfung, Übelkeit und Erbrechen. Höchst erwünscht jedoch: Die Schmerzempfindung wird gedämpft.
Die suchtbildende Wirkung der Opioide hat sich, wenn diese verantwortungsbewusst eingesetzt werden, bei der Schmerzbekämpfung als Fehleinschätzung erwiesen. Gleich mehrere Studien haben beispielsweise ergeben, dass es bei chronischen Schmerzpatienten unter Einnahme von Opioiden praktisch nicht zur Entwicklung einer Sucht kommt. Es existiert auch keine Studie, die eine Suchtbildung nach Schmerzbehandlung nachgewiesen hätte. Es ist bei Schmerzabnahme jederzeit möglich, die Opioidtherapie schrittweise zu reduzieren, ohne dass ein Verlangen nach dem Medikament auftritt.
Eine Gewöhnung, oder Toleranz ist im Rahmen der Schmerzbehandlung eher selten. Meist führt das Fortschreiten der zugrunde liegenden Erkrankung zu erhöhtem Bedarf. Wenn das Leiden zu einer Zunahme der Schmerzen führt, muss die Dosierung erhöht werden. Dies ist jedoch nicht Zeichen einer Gewöhnung. In vielen Fällen kommt man aber ohne eine Dosissteigerung aus.
Opioide sind nicht „organtoxisch“. D. h. der chronische Gebrauch von Opioiden verursacht keine Organschäden. Als körperliche Störungen treten hartnäckige Verstopfungen und in gewissen Situationen auch Harnverhaltungen sowie evtl. eine verminderte sexuelle Aktivität auf.
Opioide können bei gesunden Personen, die keine Schmerzen haben, zu einer kurzdauernden Euphorie führen und über eine gewisse Zeit eine anhaltende stimulierende bzw. von inneren Konflikten abschirmenden Effekte bewirken. Bei den meisten Schmerzpatienten treten diese Empfindungen nicht oder nur am Anfang in sehr geringem Masse auf. Bei Opioiden mit verzögerter Freisetzung und oraler Anwendung werden bei korrekter Dosierung i. d. R. keine euphorisierenden Wirkungen beobachtet. Die Hauptwirkung beschränkt sich auf die Schmerzlinderung.
In der Schmerzbehandlung stellt man bei Opioiden in angepasster Dosierung kaum Ermüdungszeichen fest. Zu Behandlungsbeginn kann als Folge eines schmerzbedingten Schlafmangels ein erhöhtes Schlafbedürfnis auftreten. Dieser Effekt verschwindet jedoch nach einigen Tagen spontan. Gut eingestellten Patienten ist es möglich, ein Fahrzeug zu lenken. Es ist jedoch wichtig, dass Sie dies mit Ihrem Arzt besprechen. Hierzu gibt es strenge gesetzliche Vorgaben.
Vorsicht: Bei allen Schlaf- und Beruhigungsmitteln sowie gleichzeitiger Einnahme von Alkohol besteht in Kombination mit Morphin und anderen Opioiden die Gefahr der Überdosierung mit Müdigkeit, Schwäche, Atemschwierigkeiten, Verwirrtheits- und Angstzuständen. Schmerzmedikamente der ersten Stufe dagegen kann der Arzt mitverschreiben.
Wenn die Schmerzen mit einem Präparat der Stufe 1 oder anderen, nichtmedikamentösen Massnahmen nicht gelindert werden können, kommen je nach Intensität Stufe 2 oder 3 zum Einsatz.
Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten von Opioiden der Stufe 3: Mittelstarke bis starke prolongierte Schmerzen bzw. bei ungenügender Wirksamkeit nicht-opioider Analgetika.
Opioide wirken dann optimal, wenn sie in hinreichender Dosierung und in richtigen Abständen gegeben werden. Unterdosierungen und zu lange Abstände zwischen der Verabreichung bzw. bei Einnahme nach Bedarf können die Schmerzfreiheit beeinträchtigen und zu einer Dosissteigerung führen.
Zum Einsatz kommen auf Stufe 3 normalerweise starke Opioide in Tablettenform mit verzögerter Wirkung. Sie haben infolge der verzögerten Wirkstofffreisetzung eine lange Wirkungsdauer. Weiter stehen auch sogenannte Opioid-Pflaster, Zäpfchen, Schmelztabletten, Trink- und Infusionslösungen zur Verfügung.
Müdigkeit: Schmerzen ermüden! Die Müdigkeit verschwindet innerhalb weniger Tage, da mit der Schmerzreduktion auch der Schlafmangel abgebaut wird. Bei fortbestehender Müdigkeit sollte der Arzt um Rat angegangen werden. Möglicherweise ist die Dosierung zu hoch oder es werden weitere Präparate eingenommen, die ebenfalls müde machen.
Verstopfungen: Massnahmen gegen die Verstopfung sind meistens nötig! Trinken Sie möglichst zwei bis drei Liter Flüssigkeit täglich. Bevorzugen Sie ballaststoffhaltige Nahrungsmittel, z.B. Vollkornprodukte, sowie Früchte und Gemüse. Rezeptfreie und rezeptpflichtige Abführmittel, teils auf pflanzlicher Basis können die Darmtätigkeit ebenfalls unterstützen.
Harnverhaltungen: Oft wird nicht bemerkt, dass die Blase voll ist. Deshalb sollte vor dem Zubettgehen die Toilette aufgesucht werden. Überhaupt ist auf regelmässiges „Wasserlasen“ zu achten, insbesondere auch bei Prostatavergrösserungen.
Übelkeit oder Erbrechen: Diese Symptome verschwinden meist nach wenigen Tagen. Sind sie eine Folge der Schmerzen, sollte die Schmerztherapie optimiert werden.
Teilen Sie dem Arzt unverzüglich mit, wenn die Therapie nicht genügend wirkt (das Führen eines Schmerztagebuches ist zu empfehlen). Durch schrittweise Dosiserhöhung oder allenfalls Kombination mit weiteren Medikamenten oder Massnahmen sollte möglich sein, eine für Sie befriedigende Schmerzlinderung zu erreichen. In schwierigen Fällen kann auch der Schmerzspezialist weiterhelfen.
Letzte Aktualisierung: 26. April 2017
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