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«Wir ziehen uns nicht zurück – wir rücken nur in eine andere Richtung vor.»
Douglas MacArthur
Der US-Dollar hat seit dem Zweiten Weltkrieg eine zentrale Rolle in der Weltwirtschaft gespielt. Auch heute bilden die US-Dollar-Reserven noch ungefähr 60 Prozent aller bestehenden Währungsreserven. Aber es gibt immer mehr Anzeichen und Tatsachen, die darauf hindeuten, dass der US-Dollar seinen Zenit als Handels- und Reservewährung überschritten haben könnte. Diese Behauptung gleicht einer Gotteslästerung, auch in meinen Augen. Aber, wenn wir die Lage der Welt im Jahr 2014 mit jener vor dreissig Jahren vergleichen, sehen wir, dass die US-Aussenpolitik viele Skeptiker und sogar Feinde hervorgebracht hat, und dass sich sowohl frühere Verbündete als auch «Feinde» weniger von den USA abhängig machen wollen. Die Ironie dabei ist, dass die Welt während der Finanzkrise, die 2008 begonnen hat, nicht nur von der US-Geldpolitik abhängiger geworden ist, sondern gänzlich von dieser gesteuert worden ist.
Die Globalisierung hat die Abhängigkeit von der US-Geldpolitik verstärkt. Vor der Globalisierung wurden Handel und Kapitalfluss von Handelsbeziehungen auf Länderebene angetrieben. Es gab nur wenige Handelszonen und sehr hohe direkte und indirekte Steuern für Import und Export. Das Internet und die Fähigkeit der Handelsorganisationen, Grenzen zu öffnen und Regierungen den Merkantilismus schmackhaft zu machen, haben nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 und der darauffolgenden Demokratisierung von Ost- und Mitteleuropa zu einem starken Anstieg des Handels, des Kapitalverkehrs und der Gewinne geführt. Nach der Asienkrise in den 1990er-Jahren erleichterte auch Asien den Kapitalverkehr. Die Hauptbegünstigten all dieser Entwicklungen waren die USA und der US-Dollar. Neue aufstrebende Länder stützten sich für die Finanzierung und für Transaktionen auf den US-Dollar. Der Dollar dominierte die Welt vollends.
Globalisierung – die Kosten für die Gesellschaft steigen
Die USA erlebten den Höhepunkt ihrer Stärke in den 1980er-Jahren, als der damalige Vorsitzende der US-Notenbank Fed, Paul Volcker, die Zinsen anhob, um die Inflation zu bremsen. 2000/01 wurde ein weiterer, noch bedeutenderer Höhepunkt erreicht. Vor dem NASDAQ-Crash. Geld floss in die USA. Ich lebte in den USA und arbeitete dort für die UBS. Viele meiner Kollegen kündigten und begannen, privat mit Internetaktien zu handeln. Ihre Löhne waren klein, verglichen mit den Gewinnen, die sie mit Amazon und Apple erwirtschafteten. Kommt Ihnen das bekannt vor? Ja, natürlich.
Nun, in diesem späteren Zyklus, in der Finanzkrise, war der US-Dollar aufgrund einer extrem lockeren Geldpolitik schwächer als in den 1980er-Jahren. Paul Volcker versuchte, die Inflation zu bekämpfen, aber spätere Fed-Vorsitzende wie Greenspan, Bernanke und Yellen strebten nach Inflation – bisher erfolglos, da die Globalisierung das Warenangebot um ein Vielfaches vergrössert und die Preise gesenkt hat. Dies führt dazu, dass lokale Einzelhändler aus dem Markt gedrängt und durch die Online-Einkaufsmanie auf Amazon oder Badoo ersetzt werden. Natürlich ist das günstiger, aber die Kosten für die Gesellschaft verändern sich kaum, denn die Sozialkosten, die Unterdeckung der Altersvorsorgesysteme und die Ungleichheit wachsen.
Die Entglobalisierung läuft – gemeinsame Interessen nehmen ab
Die Globalisierung wird nun durch die Entglobalisierung ersetzt. Der Handelsverkehr steigt nicht mehr weiter, länderübergreifende Konflikte nehmen zu: China versus Japan, Islam versus Westen im Nahen Osten und in Afrika, Israel versus Gaza, Russland versus Ukraine, und immer mehr Regierungen und Länder versuchen, selbstständig zu werden, statt sich am globalen Handel zu beteiligen. Denken Sie nur an die Energiepolitik in Deutschland, an den Schutz der Minen in Südafrika und an die Aufrechterhaltung toter Industriezweige in Frankreich. Die Kosten? Gewaltig! Deutschland hat die höchsten Verbraucherpreise für Strom, Südafrika fällt aufgrund mangelnder Reformen und fehlendem Wettbewerb auseinander, und Frankreich gerät nicht nur in die Rezession, sondern wahrscheinlich sogar in die Depression.
Der Gedanke dahinter ist, sich auf einen schwächeren US-Dollar vorzubereiten. Die Welt wird introvertierter. China will, dass wir den Renminbi verwenden, Asien diskutiert die Einführung eines Euro-Äquivalents, und im Nahen Osten versucht man, sich vom US-Dollar loszureissen und weicht auf den japanischen Yen und auf den Euro aus. Russland tätigt fast seine gesamten Energieverkäufe ausserhalb der USA, und wenn ich in der Welt herumreise, sehe ich immer weniger kluge Leute, die das Risiko des US-Dollars noch auf sich nehmen wollen. Das regulatorische Umfeld in den USA ist zu einem ernst zu nehmenden Hindernis für den US-Dollar geworden. Die Tatsache, dass ein Kommissionsmitglied der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC kürzlich fast die französische Grossbank BNP Paribas zu Fall gebracht hat, ist kaum ein Zeichen für ein funktionierendes, sondern eher für ein sterbendes System.
Das Ende des Dollars? Was wird danach kommen?
Ja, es ist an der Zeit, das eigene Modell für die USA zu überdenken, auch für US-Zentristen und Greenback-Liebhaber wie mich. Die jüngsten Daten des US-Finanzministeriums über die Kapitalflüsse zeigen den schlechtesten Nettoabfluss der Geschichte. All das macht eine Währung nicht stärker. Die Angst, dass die Notenbank die Zinsen erhöhen könnte, wird kleiner, wenn man die Daten genauer anschaut. Der US-Dollar war in den vergangenen 80 Jahren das Einzige, was zählte.
Jetzt wird etwas anderes an seine Stelle treten. Ich weiss nicht, welche Währung gewinnen wird, aber wir dürfen nicht vergessen, dass das britische Königreich seit 80 bis 90 Jahren eine Vormachtstellung innehat. Ich selber habe in dieser Woche meine US-Dollar verkauft und japanische Yen und Euro gekauft. Das ist eine langfristige Strategie, die nicht dem Mainstream entspricht, aber ich ziehe mich nicht zurück, ich rücke nur in einer anderen Richtung vor.
Steen Jakobsen, Chefvolkswirt Saxxo Bank