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„Woher nimmst du nur all die Ideen für dein Weblog?“ fragte mich neulich A.
Mein Problem sind überhaupt nicht die Themen, über die ich blogge, sondern alles, worüber ich nicht blogge.
Zum Beispiel heute: Das Kind brauchte neue Kleider. Das Kind ist zwar nicht markengeil, aber heikel, was den Schnitt der Kleidung angeht. Es verwendet auf die Passbarkeit viel Probierzeit. Mangels Access in Umkleidekabinen habe ich heute nicht gebloggt über:
Klara Obermüllers Besprechung (in der NZZ am Sonntag, 2.10.05) von Nafisi „Lolita lesen in Teheran“, einem Buch, das ich auch schon wärmstens empfohlen habe. Nicht darüber, dass ich ihre Einwände an den Haaren herbeigezogen finde. Nicht darüber, dass sich Obermüller in ihrer Kritik keine Gedanken darüber gemacht hat, weshalb Nafisi hauptsächlich die angelsächsischen Klassiker zur Aufklärung einsetzt. (Antwort: Nicht weil Nafisi so eingleisig ist, sondern weil diese Literatur in Persien verfügbar war und die gebildeten Leute eben Englisch lasen und nicht Französisch oder Deutsch.)
Nicht gebloggt über die Diskussion über die Diskussion(en) zu „Paradise Now“ und auch nicht über das erhellende Privatgespräch, das ich am Wochenende mit Freunden über den Film geführt habe.
Nicht über André Glucksmanns neues Buch „Hass. Die Rückkehr einer elementaren Gewalt“ und seine Interviews über Krieg und Terrorismus. Ich gäbe viel darum zu erfahren, was Susan Sontag ihm entgegnen würde. Beide mit so einem ähnlichen Hintergrund und doch so anderen Rezepten. Oder hätte sich Sontag – so viele Terroranschläge nach 9/11 – ohnehin Glucksmann angenähert?
Eben, eigentlich blogge ich heute gar nicht.
„Woher nimmst du nur all die Ideen für dein Weblog?“ fragte mich neulich A.