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Unfruchtbarkeit und soziale Reproduktion in Afrika
Ethnologisches Proseminar von Laura Preissler, MA
Das Seminar beschäftigt sich mit den soziokulturellen Aspekten von Unfruchtbarkeit und Kinderlosigkeit in afrikanischen Gesellschaften. Weltweit leiden 8-12% der Paare im fortpflanzungsfähigen Alter unter Fruchtbarkeitsstörungen. In afrikanischen Ländern fällt die Infertilitätsrate mit schätzungsweise 20-30% besonders hoch aus, wobei die Konsequenzen hier gravierender ausfallen können, als in den meisten euro-amerikanischen Ländern. Unfruchtbarkeit bedeutet die Unfähigkeit ein Kind zu bekommen, wobei dies sowohl kinderlose Personen mit primärer Infertilität, als auch Personen mit sekundärer Infertilität, die bereits Kinder haben, betrifft. In einigen afrikanischen Gesellschaften können Frauen, die keine Söhne geboren haben, ebenfalls als unfruchtbar klassifiziert werden. Anhand von verschiedenen Fallbeispielen werden wir uns mit lokalen Definitionen und Interpretationen von Infertilität, sozialen Konsequenzen sowie Bewältigungsstrategien auseinandersetzen. Außerdem werden wir thematisieren, auf welche Weise Verwandtschaftsstrukturen, Geschlechterrollen sowie Prokreations- und Körperkonzepte die Erfahrung von Unfruchtbarkeit in afrikanischen Gesellschaften prägen. Hinsichtlich der Strategien, die Frauen und Männer verfolgen, um Kinderlosigkeit zu umgehen, werden wir die Nutzung der Neuen Reproduktionstechnologien beleuchten, die in afrikanischen Ländern wie Ägypten, Mali oder Südafrika durch Kostenreduzierung mehr und mehr zugänglich werden. Zudem werden wir diskutieren, inwiefern Pflegschaft, Adoption oder Frauenheirat Lösungsmöglichkeiten für Personen mit unerfülltem Kinderwunsch darstellen.
HS 2016, wöchentlich (Mittwoch), 12:15 - 14:00 Uhr, 3.B55
6002 Luzern