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Doré,
Paul Gustave, franz. Zeichner, Illustrator und Bildhauer, geb. zu Straßburg, zeigte schon als Knabe große Geschicklichkeit im Zeichnen und bildete sich hierin eigentlich ohne Lehrer aus. Als 16jähriger Jüngling lieferte er geistreiche Illustrationen für das «Journal pour rire» und brachte in die Ausstellung von Paris eine Reihe Federzeichnungen und Landschaften von reicher Phantasie, seltener Handfertigkeit und geistvoller Durchführung. Nachdem er auch in den folgenden Jahren die Welt durch dergleichen Arbeiten in Staunen ¶
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gesetzt hatte, gab er ein illustriertes «Journal pour tous» heraus und gründete mit Philipon das «Musée anglo-français». Das Hauptgebiet seiner gewaltigen Schöpferkraft ist die Illustration der Dichter für den Holzschnitt. Meisterhaft versteht er es, die jedesmalige Situation durch die Landschaft und die sonstige Umgebung in Licht und Schatten wiederzugeben und dadurch ein malerisches Element in den Holzschnitt zu bringen, das sonst nur der Linienmanier des Kupferstichs angehört.
Aber eben hierin reißt ihn seine Phantasie auch zu Übertreibungen hin und zu Dingen, die nicht in der Intention des Dichters liegen. Arbeiten dieser Art, mit denen er am meisten Glück machte, sind die Illustrationen zu Eugène Sues «Ewigem Juden», zu Rabelais' «Gargantua und Pantagruel», zu Perraults Märchen, in denen man auch die in Deutschland bekannten Gestalten des Rotkäppchens, des Däumlings und des gestiefelten Katers wiederfindet. Die geistreichsten sind unbedingt die zum «Don Quichotte» von Cervantes, die infolge einer Reise durch Spanien sehr humoristische, freilich auch oft an Übertreibung und Karikatur grenzende Scenen enthalten.
Von den beiden bis jetzt erschienenen Hauptwerken, Dantes «Göttliche Komödie» und der Bilderbibel, kann man sagen, daß ersteres ein durch großartige, phantasievolle Auffassung dem Geiste der Dichtung angemessenes Werk ist, besonders in der unterweltlichen Landschaft der Hölle, letzteres dagegen sich dem Geiste der heiligen Schriften nur selten anpaßt und sich bisweilen gänzlich in dämonisch-phantastische Gebilde verliert. Außerdem illustrierte er noch Lafontaines Fabeln, Tennysons Gedichte, Davilliers «Spanien» und (1876) Coleridges «Alten Matrosen»; in letzerm namentlich folgt er wieder ganz seinem Hang zu dämonisch-effektvollen Scenen.
Auch als Maler zeigt er eine großartige Auffassung und eine überaus kecke Pinselführung, der es aber auf Harmonie des Ganzen wenig ankommt. Die besten dieser Bilder sind: die Tochter Jephthas, Tobias mit dem Engel, der Kindermord in Bethlehem, die Leichen der Märtyrer im Cirkus. Bilder der neuesten Zeit (1878 und 1879), in denen er wiederum bald dem Orient, bald der Antike huldigt, sind: Ecce homo, Himmelfahrt Christi, die eherne Schlange, Christi Einzug in Jerusalem, Moses vor Pharao und Tod des Orpheus (1879 in Paris), zwar wieder ein glänzender Beweis seiner Produktionskraft, aber als Kunstwerk nicht tadelfrei.
Als Bildhauer hat er sich erst in den letzten Jahren hervorgethan und damit mehr Ehre eingelegt als mit seinen Ölbildern, namentlich seit der Weltausstellung von 1878, wo er die geniale Gruppe einer Parze mit Amor, der sie vergebens um Schonung eines Lebensfadens anfleht, und eine für den Bronzeguß bestimmte, viel bewunderte Vase brachte, die am Fuß und am Bauch eine Schar von reizenden Amoretten und Nymphen zeigt; ebenso 1879 eine in ihrer Bewegung sehr kühne Ägypterin, die in jähem Entsetzen ihr Knäblein hoch emporhält, um es vor dem Biß einer Schlange zu schützen. Noch im Erscheinen begriffen sind seine Illustrationen zu Ariosts «Rasendem Roland».