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Arbenz-Huber Hedwig, 1910-1955
1955 verstarb Hedwig Arbenz-Huber in ihrem 46. Lebensjahr. Sie hat sich verdient gemacht für die Hilfswerke des Frauenvereins. Als dessen Vertreterin gehörte sie dem Vorstand der Frauenzentrale an. Ihre Hilfsbereitschaft bewährte sich immer und überall: die Organisation der Heimarbeit, die Leitung des Hilfswerks für die Patenstadt Hall, in der Schaffung des zivilen FHD und in der Organisation der Netzgruppen sowie in der «Nachbarhilfe» und in der Gründung der Kinderlesestuben.
Der Text ist auszugsweise der Abdankungspredigt von Pfarrer W. Zollinger entnommen. Er sprach am 7. März 1955 im Krematorium Rosenberg.
Frau Hedi Arbenz-Huber wurde am 5. Januar 1910 in Etzwilen geboren als erstes von zwei Kindern des Bahnbeamten Jakob Huber und der Fanny geborenen Maurer. Bald nach der Geburt dieses ersten Kindes übersiedelte die Familie nach Herisau, so dass das Töchterchen seine Kleinkinderzeit im Appenzellerland verlebte. 1914 kam die Familie nach Winterthur-Veltheim, wo Hedwig Huber zusammen mit seiner sieben Jahre jüngeren Schwester die Jugend verbrachte, die Primar-, die Sekundar- und schließlich die Töchterschule besuchte. Nach der Schulzeit in Winterthur kam die Tochter ins Pensionat nach Grandson. Ihre erste Stelle fand die ins Elternhaus Zurückgekehrte bei der Schweizerischen Bankgesellschaft. Dann betätigte sie sich während eines Jahres in Le Havre als Kindererzieherin. Auf Weihnachten 1931 verlobte sich Hedi Huber mit Carl Arbenz, dem Freund aus ihrer Jugendzeit, und am 3. April 1934 schlossen die beiden den Bund der Ehe. In froher Lebens-gemeinschaft waren es die Sprachen, die Literatur und die Kunst, sowie auch die lebendige Teilnahme an den Problemen der Welt und das Interesse an der Geschichte, die die beiden herausforderten. Ein Höhepunkt für sie beide war im Jahre 1950 die gemeinsam verlebte Griechenlandreise, auf der sich der Gattin so recht die Welt ihres Mannes erschloss: die Welt der Griechen.
Der bei Frau Arbenz außergewöhnlich ausgeprägte Wunsch, zu helfen, wo immer eine Hilfe nottut, und ihre besondere Wesensart, eine Aufgabe, die sich ihr stellte, ohne Zögern anzupacken, führten sie Schritt um Schritt auch in die gemeinnützige Frauenarbeit hinein: In den bangen Kriegstagen voller Ungewissheit über das, was unseres Landes und Volkes warten werde, stellte sich Hedwig Arbenz spontan für den Zivilen Frauenhilfsdienst zur Verfügung. Im Jahre 1942 wurde ihr im Rahmen der Städtischen Kriegsschaden-Fürsorge als Leiterin der Netzgruppen eine große Aufgabe gestellt: Es galt die Organisation der Hilfe bei allfälligen Bombardierungen vorzunehmen; man dachte an den Einsatz von Helferinnen für den Kriegsfall, an die Bereitstellung von Kochstellen, Lebensmitteldepots, Notnachtlagern und so weiter. Zur Entlastung der Bauernfrauen während der Kriegssommermonate wurde ein Wäscheflickdienst für den Bezirk Winterthur unter die Leitung von Hedwig Arbenz gestellt. Bei Kriegsende leitete sie dann wieder den örtlichen Wäschereinigungs- und den Wäsche- und Kleiderersatzdienst für die Auffanglager der aus Deutschland hereinströmenden Flüchtlinge.
Seit 1946 aber war Hedwig Arbenz ein sehr geschätztes Mitglied des Vorstandes der Frauenzentrale Winterthur, in der sie die Vertreterin des Frauenvereins war. Da betreute sie die Strickabteilung, und manche der gegen vierzig Heimarbeiterinnen vermittelte sie nicht nur willkommene Arbeit, sie wurde ihr auch zur Beraterin und mütterlichen Freundin. Wo immer es aber in der Nachkriegszeit eine Sammlung vorzubereiten und durchzuführen galt, sei es für das Rote Kreuz oder im Rahmen der Winterthurer Hilfsaktion für die Patenstadt Hall oder eine Kartoffelsammlung für Jenbach im Tirol, überall stand Hedwig Arbenz hilfsbereit und mit Umsicht und Tatkraft in vorderster Linie.
Ihre Liebe zur Schweiz drängte sie immer von neuem zur Tat. Schon in jungen Jahren war sie darum stets eine fleißige und äußerst erfolgreiche Abzeichenverkäuferin zugunsten der Bundesfeier-Sammlungen. Nach dem Kriege wurde sie dann eine treue Helferin der Bezirksleiterin dieser Sammlungen, und von 1952 an stand sie selber an der Spitze der Sammelaktion im Stadtkreis Winterthur-Altstadt.
Ihr waches, aus letzter Verantwortung quellendes Interesse an den politischen Fragen und ihre Überzeugung, dass auch der Frau im Staate große Aufgaben harren, ließ sie die Initiative ergreifen zur Gründung der Liberalen Frauengruppe Winterthur. Dass sie schließlich deren Vorsitz übernahm, entsprang nicht etwa einem Ehrgeiz ihrerseits, sondern war die natürliche Folge ihrer ideellen Interessen und ihrer steten Arbeitsbereitschaft.
Eine letzte große Freude bereitete ihr der Erfolg, welcher der auf ihre Initiative hin in den letzten Herbstferien in der Frauenzentrale eröffneten Kinderlesestube beschieden war. Und dass sie bei deren Errichtung mit ihrer einstigen Lehrerin, Fräulein Margrit Wening, zusammenarbeiten durfte, erfüllte sie noch mit besonderer Freude.
Am 3. März 1955 ist Hedwig Arbenz nach schwerer Krankheit in ihrem erst 46. Lebensjahr aus ihrem engagierten Wirkungskreis herausgerissen worden. Ihre Familie und ganz Winterthur hat mit ihrem Tod eine prächtige Frau, die für alles Gute kämpfte und so manches ins Leben gerufen hatte, verloren.