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Die Klimaerwärmung betrifft die Schweiz besonders stark. Durch die erhöhten Temperaturen steigt das Risiko von Naturkatastrophen wie Murgängen, Erdrutschen und Überschwemmungen. Ein Überblick über einige der grossen Katastrophen, welche die Schweiz in den letzten beiden Jahrhunderten heimgesucht haben.Dieser Inhalt wurde am 26. Juli 2020 - 11:00 publiziert
In den letzten 150 Jahren ist die Temperatur in der Schweiz um rund zwei Grad Celsius gestiegen. Das ist doppelt so viel wie der weltweite Durchschnitt.
Die schmelzenden Gletscher und der auftauende Permafrost machen die Alpenhänge instabiler. Das erhöht die Gefahr von Erdrutschen, Hangrutschen und Murgängen. Weil die extremen Wetterereignisse immer intensiver werden, steigt auch die Wahrscheinlichkeit beispielloser Überschwemmungen und Hochwasser.
Laut Klimaforscherinnen und Klimaforschern "gehören extreme Wetter- und Klimaereignisse wie Hitzewellen, Dürreperioden oder Starkregen sowie andere damit zusammenhängende Naturgefahren zu den grössten Herausforderungen, welche die Schweiz in direktem Zusammenhang mit dem Klimawandel zu bewältigen haben wird".
Nachfolgend eine Auswahl der schlimmsten klimabedingten Naturkatastrophen, welche die Schweiz in den letzten zwei Jahrhunderten heimgesucht haben. Es waren aussergewöhnliche Ereignisse, die nicht nur Tod und Zerstörung brachten, sondern in einigen Fällen auch positive Folgen hatten.
1806 – Der Bergsturz von Goldau
Am 2. September 1806 brechen am Rossberg in der Zentralschweiz infolge starker Regenfälle 35 bis 40 Millionen Kubikmeter Gestein und Schotter ab und donnern ins Tal. Der Erdrutsch bedeckt die Schwyzer Dörfer Goldau und Röthen auf einer Fläche von 6,5 Quadratkilometern. Hundert Häuser und 220 Ställe werden zerstört. Es gibt 457 Todesopfer zu beklagen. Der Bergsturz gilt als die schlimmste Naturkatastrophe der Schweiz.
1816 – Das Jahr ohne Sommer
Die Schweiz erlebt, wie der ganze Planet, die direkten Folgen eines Klimawandels: Ein Jahr zuvor war der Vulkan Tambora in Indonesien ausgebrochen. Die Aschewolke und das Schwefelgas, die durch den Ausbruch in die Atmosphäre gespien wurden, senken die Temperatur der Erde um drei Grad Celsius.
Der Temperaturrückgang und die Zunahme der Niederschläge im Sommer 1816 beeinträchtigen die Ernten und lösen die letzte grosse Hungersnot in der Schweiz und in Europa aus.
Vor einigen Jahren identifizierte ein Team des Oeschger-Zentrums für Klimaforschung der Universität Bern die Kette von Ereignissen, die wahrscheinlich zu diesem katastrophalen Sommer geführt haben. Einzelheiten dazu im folgenden Artikel.
1868 – Die Flut, welche die Schweiz veränderte
Der Herbst 1868 gehört zu den regenreichsten in der Schweizer Geschichte. Die 1118 mm Niederschlag während acht Tagen auf dem San Bernardino-Pass sind ein Rekord für die Schweiz.
Das Rheintal und die Magadinoebene im Tessin werden von Hochwasser überschwemmt. 51 Menschen verlieren ihr Leben. Der Schaden beläuft sich damals auf 40 Millionen Franken. Das würde heute etwa einer Milliarde entsprechen.
Das grosse Hochwasser sei eine Kraft gewesen, die nicht nur die Landschaft, sondern auch die Schweizer Politik und Gesellschaft geprägt habe. Das sagte Stefan Brönnimann, Professor am Geographischen Institut der Universität Bern, gegenüber swissinfo. Dies anlässlich der Präsentation einer Publikation über die Ursachen und Folgen des Hochwassers von 1868, wie der folgende Artikel zeigt.
1999 – Der Orkan Lothar
Am 26. Dezember 1999 fegt der Orkan Lothar über die Schweiz. Er verschont lediglich die südlichen und südöstlichen Regionen. Auf dem Uetliberg, dem Hügel über Zürich, wird eine Windgeschwindigkeit von 241 km/h gemessen.
Der Orkan fordert 14 Todesopfer und beschädigt zwei Prozent des Waldbestands des Landes. Mit einem Schlag bringt Lothar zehn Millionen Bäume in der Schweiz zu Boden, vier- bis zehnmal mehr Holz als normalerweise in einem Jahr gefällt wird.
Heute wissen wir, dass der "Jahrhundertsturm" auch positive Auswirkungen hatte: Die Wälder, die dem Boden gleichgemacht wurden, weisen eine grössere biologische Vielfalt auf. In niedrigen Höhenlagen wuchsen Bäume, die Trockenheit besser überstehen. Darunter Eiche und Spitzahorn, welche die Wälder klimaresistenter machen.
2005 – Extreme Niederschläge in der Schweiz
Im August 2005 fallen tagelang sintflutartige Regenfälle über weite Teile der Alpennordseite. Ganze Täler werden von der Aussenwelt abgeschnitten, viele Seen, darunter der Vierwaldstättersee, treten über die Ufer. Die Aare überflutet den historischen Stadtteil Matte in Bern.
Überschwemmungen und Erdrutsche fordern sechs Todesopfer und verursachen Schäden von insgesamt rund drei Milliarden Franken. Es ist der grösste finanzielle Schaden, der durch ein einzelnes Naturereignis in der Schweiz je verursacht wurde.
Nach dem Jahrhundert-Hochwasser wird das Alarmsystem in der Schweiz überarbeitet. Die Verwaltungsverfahren werden verbessert und Massnahmen zur Hochwasservorsorge umgesetzt.
2017 – Der Bergsturz von Bondo
Am 23. August 2017 löst sich am Piz Cengalo im Kanton Graubünden ein Gesteinsvolumen, das dem von 3000 freistehenden Einfamilienhäusern entspricht (3 Millionen Kubikmeter). Dem Bergsturz, einem der grössten in der Schweiz seit Ende des 19. Jahrhunderts, folgt eine Trümmer- und Schlammlawine, die einen Teil des Dorfs Bondo im Bergell überspült.
Bei der Katastrophe kommen acht Wanderer ums Leben. Dank des Frühwarnsystems und eines Material-Rückhaltebeckens sind im Dorf keine Todesopfer zu beklagen.
(Übertragung aus dem Italienischen: Christian Raaflaub)