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Geschichtlicher Überblick
Zibol kaufte vom Rat den Bischofshof an der Südostecke von Kleinbasel und konnte 1401 dem ersten Prior (Wynand von Strassburg) das Gebäude als provisorische Behausung für zwei Mönche und einen Laienbruder übergeben. 1408 liess er den Grundstein für die Errichtung der Kirche legen und übertrug Johannes von Ungarn, einem der besten Ordensbaumeister in Deutschland, auch die Gesamtplanung der Klosteranlage. Schutzpatronin wurde die heilige Margaretha, daher der Name Margarethental. Mit der Weihe der drei Altäre im Jahre 1416 war der Kirchenbau abgeschlossen. Während des Basler Konzils 1431 bis 1448 erlebte das Kloster durch Schenkungen mächtiger und vermögender Gönner einen Aufschwung, was zu einem baulichen und gebietsmässigen Höchststand führte, selbst wenn im Anschluss an das Konzil die Spenden ausblieben.
Nach der Reformation und dem Tod des letzten Kartäusers 1564 wurde das Kloster zum verlassenen Gemäuer; ein Schaffner übernahm als Sachverwalter das Kloster, und 1590 wurden die Bestände der Klosterbibliothek in die Universitätsbibliothek überführt. Ausserdem wurden zahlreiche Zierobjekte der Kirche verkauft oder dem Schmelzofen übergeben. 1669 führte man mit der Gründung des Waisenhauses das Areal mit seinen Gebäulichkeiten einem neuen Zweck zu: Zwei Jahre zuvor waren Waisenkinder zusammen mit Straffälligen im heruntergekommenen Steinenkloster untergebracht; die Kinder mussten für einen Bandfabrikanten arbeiten und lebten unter schlimmen Bedingungen, woraufhin man beschloss, sie umzusiedeln. Die Zahl der Kinder war in den vorangegangenen Jahren stark angestiegen, und man fand in der leerstehenden Kartause eine gute Möglichkeit.
Damit sich die Gläubigen in der Theodorskirche nicht das Gebet mit Waisenkindern teilen mussten, wurde eigens ein Waisenprediger eingesetzt, der den Gottesdienst für die Kinder in der Kirche der Kartause abhielt. 1677 lebten 140 Kinder in der Kartause, womit die Kapazitäten ausgeschöpft waren; ausserdem geriet das Waisenhaus in finanzielle Nöte. Glücklicherweise wurde der Stadt die Kirche St. Jakob mitsamt ihren Häusern, Reben sowie Einnahmen aus Weiderechten, Zöllen und Bodenzinsen übergeben, wodurch ein Ausweg gegeben war. Der Hausvater des Waisenhauses bezog sein Einkommen aus den Arbeiten der Kinder, musste damit aber auch den Unterhalt des Hauses abdecken sowie für Gesundheit, Kleider und Ernährung der Kinder sorgen.
In den Zwanzigerjahren des 18. Jahrhunderts herrschten im Waisenhaus üble Zustände; Waisenvater Abraham Bauler, Strumpffabrikant, vernachlässigte seine Pflichten und misshandelte die Kinder. Sie waren verwahrlost und hatten Milbenbefall, was auf mangelnde Ernährung hindeutete. Später im 18. Jahrhundert trennte man die Straffälligen von den Waisenkindern und brach einige der dürftig gebauten Mönchszellen ab, um mit deren Baumaterial für die räumliche Trennung zu sorgen. Die letzten davon wurden 1776 abgebrochen und im ehemaligen Grossen Kreuzgang ein Nutzgarten angelegt. Zur selben Zeit beendete man die Praxis, dem Waisenvater die Erträge aus der Kinderarbeit zu überlassen. Unter Napoleons Mediationsverfassung 1803 wurde das Waisenhaus dem Stadtrat unterstellt und dadurch die Gefangenen ins alte Predigerkloster übersiedelt, weg von den Waisenkindern.
Beschreibung
Die Meriansche Ansicht von 1615 vermag uns wohl am besten vor Augen führen, wie die Kartause einst ausgesehen hat. Sie hält die typische Anlage eines Kartäuserklosters fest; für den Bau einer Kartause waren nicht nur erhebliche Geldmittel nötig, auch ein weitläufiger Platz musste für diesen Zweck gefunden werden. Ein solcher bot sich innerhalb der kleinbasler Stadtmauern an, wo der Bezirk zu drei Seiten ummauert war: gegen den Rhein, den Stadtgraben im Osten und den Kirchhof von St. Theodor. Durch Landerwerbungen in westlicher Richtung gegen das Lessertor zu entstand bis zum Jahr 1450 ein Geviert im im Ausmass von ungefähr 150x100 Metern. Johannes von Ungarn hat geschickt die Hauptbauten im Osten um den Wirtschaftshof angeordnet. Alles, war westlich der Linie der Kirche lag, gehörte zur Klausur. Hier konnten um den Grossen Kreuzgang jene Zellenwohnungen entstehen, die jeweils rechtwinklig gegen aussen einen geschlossenen Lebensraum für jeden einzelnen Mönch darstellten. Zur Blütezeit zählte man 16 Giebelhäuschen, also zwei weniger als Merian abgebildet hat. Das Gelände des heutigen Waisenhauses besitzt glücklicherweise noch die mittelalterlichen Ausmasse, auch wenn das Leben innerhalb der Mauern ein offenes und der Welt zugewandteres geworden ist.
Die Kirche: Nach der Weihe im Jahr 1416 waren der Bau und die Ausstattung längst noch nicht abgeschlossen. Sie vereinigt unter einem durchgehenden Dachfirst, der lediglich einen Dachreiter trägt, zwei in ihrer Bestimmung, ihrem Ausmass und der Innengestaltung verschiedene Bauteile. Der grössere Mönchschor, der mit seinem polygonalen Altarhaus bis weit gegen Nordosten vorstösst, ist im Verhältnis zum Laienschiff ein Drittel länger als dieses. Die gesteigerte architektonische Bedeutung des ausschliesslich von den Mönchen benutzten Chors kommt im Inneren durch das eingezogene Netzgewölbe zum Ausdruck. Bei der Errichtung des Gotteshauses waren Mönchs- und Laienkirche mit flachen Holzdecken versehen und nur durch den Lettnereinbau voneinander getrennt. Erst 1488 wurde das steinerne Gewölbe im Mönchschor erstellt. Um den Schub der Steinkonstruktion aufzufangen, war man gezwungen, aussen Strebepfeiler anzusetzen. Die drei hohen Masswerkfenster erhellen das Chorhaus, während einige Doppelfenster Licht spenden. Die Ausstattung der Kirche konzentriert sich hauptsächlich auf den Mönchschor. Zum bauplastischen Schmuck gehören vor allem die 1929 entdeckten und wiederhergestellten Architekturnischen eines Priestersitzes und einer Piscina (zur Handwaschung und zur Aufbewahrung der Altargeräte) im Chorhaupt. Im Jahr 1692 wurde die Laienkirche dem Waisenhaus überlassen; in den Jahren 1821-1822 wurden Böden und Fenster eingebaut und somit Wohnraum für die Kinder und Jugendlichen geschaffen.
Das Chorgestühl entspricht in seiner Form der Vorstellung des Bruderordens. Den Längswänden entlang aufgestellt, besteht es aus Tannenholz: drei Gruppen mit volutenartigen Gestühllehnen, flachen Bogen an den Rückwänden und einem Brettdach als Bekrönung. Einzig die vier Abschlusswangen sind mit Figurenschnitzereien geschmückt. Gegen die Eingangsseite Maria und der Verkündigungsengel Gabriel, gegen das Chorhaupt zu die Apostel Petrus und Paulus. Die Schnitzereien stammen aus dem Jahr 1428.
Die Totenschilde an den Längswände über den Chorgestühlen waren ursprünglich oberhalb der Grabstätten der Wappeninhaber im Chorhaupt angebracht. Von den achtzehn hölzernen, farbig gemalten heraldischen Tafeln sind sechzehn erhalten geblieben, alle hochrechteckig bis auf eine runde neben der Sakristeitüre, die dem Junker Schorpp von Freudenberg gehört (gest. 1521). Die übrigen gleich sich im Aufbau, jeweils ausgezeichnet durch Insignien der meist während des Konzils verstorbenen Würdenträger, welche in der Kartause begraben wurden.
Der Lettner, heute Eingangshalle zur Kirche, stand als architektonische Scheidewand gegen die Laienkirche hin offen und war gleichzeitig Verbindungsglied zwischen ihr und dem Chor. Da er jetzt gegen Süden zugemauert ist, hat er viel von seiner Wirkung verloren. Mit drei Rippengewölben überdeckt, wird er von schlanken Arkadenbogen getragen. Die drei runden Schlusssteine zeigen kräftig modellierte Blattrosetten, auf denen verschiedene Wappen angebracht sind.
Der Sakristeibau Ursprünglich nur vom Chor aus zu erreichen, steht das dreigeschossige Gebäude im rechten Winkel zur Kirche. Es enthält zu ebener Erde einen im Grundriss quadratischen, hohen Sakristeiraum und im Westen angrenzend die Kapitelstube. Darüber lag die Paramentenkammer, durch ein Treppentürmchen erreichbar. Im obersten Stock war in zwei Räumen die grosse Bibliothek untergebracht. Der Sakristeiraum erstreckt sich über zwei Geschosse und verdient Beachtung besonders wegen der an den Wänden aufgestellten Grabplatten; sie stammen aus dem Chor und sind teilweise stark abgelaufen. Nur wenige zeigen figürliches Beiwerk, so jenes des Kardinals Alphons von Curillo und des Grafen Franz von Bossio, Bischof von Como, beide 1434 gestorben.
Im Verbindungsgang zwischen den beiden Kreuzgängen eignete sich die Aussenmauer gut für die Ausmalung mit einem monumentalen Wandgemäldezyklus. Hier wird das Leben des Ordensgründers Bruno erzählt. Auf einer Fläche von 18m Länge sind zehn hochformatige Bilder gemalt. Von der alten Substanz der Temperamalereien auf trockenem Verputz ist nichts mehr zu erkennen, vor allem da Kunstmaler Paul Burckhardt 1931 die ruinösen Gemälde vollständig übermalt hat. Wir müssen uns also auf die Beschreibung der Bildinhalte beschränken, wie sie durch Emanuel Büchel 1770 zeichnerisch festgehalten worden sind. Da auch andere Kartäuserklöster Monumentalgemälde mit dem Leben des Ordensheiligen besassen, ist anzunehmen, dass der Basler Zyklus auf einer alten Bildtradition fusst.
Die übrigen Klostergebäude. In der Fortsetzung der Kirche gegen Süden und in Verbindung mit dem ehemaligen Laienschiff, das heute in vier Geschosse unterteilt ist, schliesst der mittlere Flügel des heutigen Waisenhauses an. Ausser den Umfassungsmauern, einigen Fenstern, Tor- und Türgewänden blieb wenig vom alten Bestand übrig. Das "Grosse Haus", ehemaliges Wohnhaus des Bischofs, entspricht im rechteckigen Grundriss dem Kernbau des alten Bischofshof, welcher den Eckturm umschliesst. Zu unterscheiden sind der ältere Bau im Süden, 1499 erneuert, und das Gebäude gegen den Hof mit dem Repertorium, 1525 vollendet. In der Klosterzeit wurde das Refektorium für die Mönche im Erdgeschoss eingerichtet. Die Mönche assen hier allerdings nur sonntags gemeinsam. Üblicherweise nahmen sie die Mahlzeiten in der Einsamkeit ihrer Zellen zu sich. Als das Waisenhaus in den Räumlichkeiten der Kartause eingerichtet wurde, diente das Refektorium als Schul- und Esszimmer. Im Erdgeschoss liegt, dem Rhein zugewendet, ebenfalls die heute noch benützte grosse Küche: ein nahezu quadratischer Raum mit vier rippenlosen Kreuzgewölben. Neben dem Eckturm, gegen den Graben zu gelegen, findet man jenen Prunkraum vor, der nach dem damaligen Prior als Zscheckenbürlin-Zimmer bekannt ist und für hohe Gäste bestimmt war. Hieronymus war ein angesehener und reicher Basler Bürger bevor er 1487 in die Kartause eintrat. Seine Kontakte pflegte er weiter und begrüsste viele Gäste im Kloster. Die spätmittelalterliche Stube ist vollständig mit Holz ausgekleidet - ein spätgotischer Wohnraum, wie er in solcher Einheit selten ist; gleichzeitig ein Beispiel für den festlichen Lebensstil des Priors. Ausser dem schmucken Wandschränkchen an der Südseite müssen wir uns den Raum mit zwei spätgotischen Prunkbetten vorstellen, deren Betthimmel die Form der gewölbten Decke übernimmt.
Quellen
- Murbach 1969: 2ff.
- Bürgerliches Waisenhaus Basel