Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03400.jsonl.gz/1815

Das Kraftwerk Kosloduj lieferte letztes Jahr 42% der elektrischen Energie Bulgariens. 1993 hatte Sofia für die Betreiberin, die NEK, zugesichert, gegen einen Kredit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, der EBRD, die vier Druckwasserblöcke des ex-sowjetischen Typs WWER-440/230 bis 1998 ausser Betrieb zu nehmen, das heisst, sobald die beiden neueren Einheiten am Standort, Kosloduj-5 und -6 des Typs WWER-1000, nachgerüstet wären. Die NEK stellt sich jedoch jetzt auf den Standpunkt, ein solches Stilllegungsprogramm sei nicht realistisch. Mit weiteren Nachrüstarbeiten sei es möglich, die Sicherheit von Kosloduj-1 bis -4 auf ein Niveau zu bringen, das auch für den Westen annehmbar sein sollte. Die NEK meint, diese Nachrüstarbeiten für rund US$ 150 Mio. jetzt selber finanzieren zu können, sollten westliche Geldgeber und besonders die EBRD keine weitere Hilfe leisten. Der WWER-440/230 verfügt nicht über eine eigentliche Sicherheitshülle, jedoch über ein System von Teil-Containment. Wie im Fall der slowakischen Schwesteranlage Bohunice-1 und -2 gezeigt worden ist, kann jedoch durch Einbau zusätzlicher Druckabbau-Behälter und -Filter ein grösserer Kühlmittelverlustfall beherrscht werden, ohne dass übermässige Mengen radioaktive Stoffe ins Freie gelangen. Ein entsprechendes Projekt hat die Betreiberin den bulgarischen Sicherheitsbehörden zur Genehmigung unterbreitet. Können die Arbeiten wie geplant ausgeführt werden, möchte die NEK Kosloduj-1 und -2 bis 2005 und Kosloduj-3 und -4 bis 2012 am Netz behalten. Ersatzenergie aus Braunkohlekraftwerken würde mindestens 20% mehr kosten.
Quelle
P.B. nach First Atomic Kozloduy NPP Periodical 1/1999 und Nucleonics Week vom 1. Juli 1999