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Die Tabakfabrik von Brissago spiegelt einen Teil Schweizer Wirtschaftsgeschichte.
Der Niedergang der vor 160 Jahren gegründeten Fabrik konnte 1999 durch die Übernahme durch den Dannemann-Konzern abgewendet werden.
Die "Brissago"-Zigarre ist bis heute weltweit ein Markenzeichen geblieben. Gegründet wurde die Fabbrica Tabacchi Brissago (FTB) 1847 als eine der ersten Aktiengesellschaften der Schweiz.
Die Investoren waren politische Dissidenten aus Mailand, die von neutralem Boden aus den italienischen Markt erobern und so das Tabakmonopol der österreichischen Besetzer unterlaufen wollten.
Wer Zigarren aus Brissago rauchte, galt demnach italienischerseits als Patriot. Und deshalb entwickelte sich das Geschäft innert kürzester Zeit prächtig. Mit 800 Angestellten war die FTB vor dem Ersten Weltkrieg die grösste Tessiner Fabrik und operierte bereits damals global.
Virginia-Tabak, über Brissago nach Argentinien exportiert
Der Tabak kam aus Virginia und Kentucky, wurde in Brissago verarbeitet und dann bis nach Argentinien exportiert, wo italienische und Schweizer Auswanderer ein Stück Heimat rauchen konnten.
In den vergangenen Jahrzehnten ging das Geschäft jedoch stark zurück, Geld für Investitionen fehlte und in den 90er-Jahren drohte die FTB ganz von der Bildfläche zu verschwinden. Erst mit der Übernahme durch die Dannemann-Gruppe 1999 konnte das Blatt gewendet werden.
Das traditionsreiche Tabakunternehmen in Schweizer Besitz renovierte die gesamte Anlage und konzentrierte seine Schweizer Produktion mit Ausnahme der Zigarillo-Fertigung in Reinach AG - unter anderem aus Kostengründen - auf Brissago.
Vom Samenkorn bis zur fertigen Zigarre
Nebst Plantagen und Manufakturen in Brasilien, Nicaragua und Indonesien gehört somit der Tessiner Grenzort zu den Produktionsstandorten der Dannemann-Gruppe. Diese zählt zu den drei weltweit grössten Zigarrenproduzenten und kontrolliert den ganzen Prozess vom Samenkorn bis zur fertigen Zigarre.
Das Unternehmen geht zurück auf den aus Bremen stammenden Auswanderer Gerhard (Geraldo) Dannemann, der 1872 im brasilianischen São Felix den Grundstein für das Imperium legte.
Der Markenname Dannemann wurde 1954 von der Banco do Brasil nach Deutschland veräussert. Die heutige Dannemann GmbH und die Schweizer Firma Burger Söhne erhielten die Lizenzrechte.
swissinfo, Gerhard Lob