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Der Vorschlag, ein Thema wie die handwerkliche Fischerei in einem Alpenland zu behandeln, mag etwas seltsam erscheinen. Aber in einer Zeit, in der ein Fisch, der am Vortag im Mittelmeer oder im Atlantik gefangen wurde und am nächsten Tag in den Schweizer Alpen serviert wird, ergibt dies im Hinblick auf BNE durchaus Sinn. Zwar stammt der bei uns servierte Fisch vielleicht nicht aus der handwerklichen, sondern eher aus der industriellen Fischerei, die auf modernsten Technologien und einer leistungsfähigen Kühlkette beruht. Vielleicht kommt er auch aus der Aquakultur: Die Hälfte der weltweit verzehrten Fischereierzeugnisse stammen aus der Zucht von Fischen, Schalentieren, Muscheln sowie Algenkulturen. Die Fischerei passt thematisch somit auch in ein Alpenland.
Aber was ist unter handwerklicher Kleinfischerei und Aquakultur zu verstehen? Laut FAO gibt es keine allgemeingültige Definition, welche Art von Fischerei oder Aquakultur als «handwerklich» oder «klein» gilt. Allgemein beschreiben diese Begriffe Fischerei und Aquakultur, die relativ kleine Produktionseinheiten mit geringen Inputs und wenigen Produkten nutzen sowie wenig Technologie oder Kapitalinvestitionen verwenden. Die Sport- oder Freizeitfischerei ist davon ausgenommen. Vielfach führen Familien, eine kleine Gruppe von Beschäftigten oder Personen auf gemeinschaftlicher Ebene Kleinfischereibetriebe. In vielen Fällen verkaufen lokale Märkte den Fisch, er kann aber auch auf nationalen und internationalen Märkten vertrieben werden.
Die handwerkliche Kleinfischerei und Aquakultur stehen als Methoden der nachhaltigen Lebensmittelproduktion vor immer grösseren Herausforderungen: Hunger und ernährungsbedingte Krankheiten, Sicherung von ausreichenden und gesunden Lebensmitteln für eine wachsende Weltbevölkerung, Verluste und Verschwendung von Lebensmitteln, Erschöpfung der natürlichen Ressourcen, Umweltzerstörung und Klimawandel.
Zudem sehen sich die handwerkliche Kleinfischerei und Aquakultur durch die Konkurrenz der industriellen Fischerei bedroht, die die Gewässer, manchmal auf dem Territorium der Kleinfischerei, überfischen darf. Überfischung bedeutet, dass im Verhältnis zu den verfügbaren Fischbeständen mehr gefischt wird als durch die natürliche Vermehrung nachwachsen oder zuwandern. Greenpeace Frankreich erklärt dazu: «Durch Überfischung werden den Ländern wertvolle Ressourcen entzogen. Für Hunderte Millionen Menschen sind Meeresprodukte die einzige Quelle von tierischem Eiweiss. Die Überfischung beeinträchtigt die lokale Wirtschaft und das soziale Gleichgewicht. Zuerst davon betroffen sind die ärmsten Bevölkerungsgruppen und insbesondere Frauen, vor allem in Westafrika (…), wo nur gerade 1 Prozent der Schiffe 50 Prozent der Fänge erzielt!»1
Bereits heute wurden biologische Gleichgewichte, die während Millionen von Jahren relativ stabil waren, wurden in 120 Jahren industrieller Fischerei zerstört.
Nebenprodukte
Die Industrie zur Verarbeitung von Fisch, Krusten- und Weichtieren erzeugt aus den nicht konsumierten Teilen wie Haut, Gräten, Köpfen, Eingeweiden, Schalen oder Panzern zahlreiche Nebenprodukte. Der konsumierte Teil macht kaum 40 bis 60 Prozent des gesamten Fisches aus. Der Rest wird entsorgt oder nicht vollständig genutzt. Zu den Nebenprodukten gehören:
- Düngemittel für die Landwirtschaft,
- Mehl und Öle für die Tierernährung,
- Öle und proteinhaltige Derivate für die menschliche Ernährung (Sporternährung),
- ganze oder teilweise Verwendung von Fisch in gehackter Form, als Nahrungsbrei, Gelatine, Brühe und Sauce auf Fischbasis, Lebertran für die menschliche Ernährung,
- Omega-3-Fettsäuren, Kalzium, Kollagen usw. für Kosmetika und Biotechnologie.
Die Ifremer-Tabelle liefert weitere Informationen zu den Nebenprodukten.
Die Berufsfischerei in der Schweiz
In der Schweiz gibt es eine handwerkliche Berufsfischerei, aber die Zahl der Berufsfischer/-innen nimmt stetig ab. 2016 lösten 262 Personen 270 Berufsfischerpatente (acht beantragten zwei Patente), wobei je nach Grad der Berufstätigkeit drei Kategorien unterschieden werden: 163 betrieben die Fischerei als einziges Gewerbe (Kat. 1: mind. 90 % des Lebensunterhalts oder der Arbeitszeit), 58 als Haupterwerb (Kat. 2: mind. 30 % des Lebensunterhalts oder der Arbeitszeit) und 49 als Nebenerwerb (Kat. 3: weniger als 30 % des Lebensunterhalts oder der Arbeitszeit). 2016 waren 18 Frauen (7 %) als Berufsfischerinnen tätig.
Die Berufsfischerei ist mit vielen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Schwierigkeiten konfrontiert. Die Überalterung der Fischer-/innen, sinkende Erträge, die Konkurrenz von Aquakulturbetrieben (und Kormoranen!) oder auch die Wasserqualität: All dies macht diesen Beruf für Nachwuchskräfte nicht gerade attraktiv. Die Seefischerei in der Schweiz deckt nur etwa 10 % des Bedarfs, erfüllt aber die Kriterien einer nachhaltigen Bewirtschaftung.
1 https://www.greenpeace.fr/surpeche-fleau-oceans/
Faktenblatt