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newsletter Albanien
Schweizer Zeitschrift
für die Zusammenarbeit mit Albanien

Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Dies ist der erste newsletter Albanien im neuen Jahr und unabhängig von der Tatsache, dass genau betrachtet das neue Jahrtausend erst im nächsten Jahr beginnt, nehme ich das Jahr 2000 für einen kurzen Rückblick zum Anlass. Vor 2000 Jahren waren die Gebiete des heutigen Albaniens Teil des Römischen Reiches. Als solcher hatten sie eine Bedeutung, die bis heute vielleicht nie mehr erreicht wurde. Denn damals war Albanien wichtige Verbundstelle zwischen dem westlichen Reichsteil mit der Hauptstadt Rom und den griechischen Provinzen sowie Byzanz. An die grosse via egnatia wird auch heute noch immer wieder angeknüpft. Die Städte an der albanischen Küste waren nicht unbedeutend - Cicero bezeichnete Apollonia als »berühmte und wichtige Stadt«. Die Ebenen sollen zu den Kornkammern des Reiches gezählt haben. Es wird sich damals zwar kaum um das goldene Zeitalter gehandelt haben, aber was nachher folgte, war mit Sicherheit nicht besser.
Vor 1000 Jahren steckte Albanien wie der Rest Europas im dunklen Mittelalter. Nur dauerte dieses in Albanien noch einiges länger. Die osmanischen Vilayets Shkodra, Kosova, Janina und Manastir waren Randgebiete des Reiches und entwickelten sich kaum. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass immer wieder bedeutende Ämter in Konstantinopel durch Albaner besetzt waren. So hatte die Industrialisierung in Albanien auch vor 100 Jahren noch nicht eingesetzt. Umso grösser war die Unbedeuteutendheit des Landes, auch wenn es bald einmal die Unabhängigkeit erlangen sollte. Machthungrige Nachbarn, Weltkriege und innere Querelen setzten dem Land weiterhin zu und verhinderten den Anschluss an den Westen. Erst die Kommunisten brachten dem Land ersten Fortschritt. Doch Hoxhas Verfolgungswahn setzte auch diesem bald wieder ein Ende: Auf die Unterstützung durch stärkere Partner musste verzichtet werden, dafür wurden die spärliche Ressourcen für Bunker verschwendet.
Vor bald zehn Jahren setzte das Ende des stalinistischen Regimes ein. Doch auch die Pseudo-Demokraten der Neunziger brachten nur wenig Gutes. Die politischen Sitten blieben die gleichen, die Wirtschaft stagnierte - dafür florierten Mafia und Korruption.
Daran sind die Albaner auch selber schuld. Der Albaner ist in der Regel ein kompromissloser Mensch, was immer seltener in die heutige Zeit passt: Vom wenigen, was sie hatten, wurde noch vieles aus Hass auf den Staat zerstört. Zur Problemlösung wird nach wie vor mehr auf die eigenen Waffen als auf den Staat vertraut. Vom Sozialismus enttäuscht, schaut ein jeder nur für sich selbst, was Korruption und Vetternwirtschaft zur Folge hat. Dadurch werden dringend benötigte ausländische Gelder fern gehalten.
Im neuen Millenium gab es noch kein besonderes Ereignis, das konkret auf eine Besserung hoffen lassen würde. Vielleicht bringt die Zeit eine langsame Wende. Es liegt aber vor allem an den Albanern, sich selbst eine neue Zukunft aufzubauen. Wir können sie dabei lediglich unterstützen und versuchen, über die schwersten Momente hinwegzuhelfen.
Lars Haefner

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