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Dichte und Konzentration
16.11.2015 - Mitteilung
Im Kanton Zürich müssen alle enger zusammenrücken – so suggeriert durch Volksinitiativen sowie raumplanerischen Zielsetzungen und hervorgehoben in vielzähligen Artikeln in Zeitungen und Online-Medien. Bauentwicklung und Dichte werden dabei oft anhand unterschiedlicher Massstäbe gemessen. Was ist Dichte und wo ist sie im Kanton entstanden?
Wachstum in der Stadt und auf dem Land
Im Dezember 2014 kürte eine Jury zudem das Wort „Dichtestress“ zum Unwort des Jahres für die Schweiz und begleitete es mit den Worten „wer gleichsam einen Gartenhag um unser Land errichten möchte und in der beschaulichen Schweiz über „Dichtestress“ klage, habe noch nie solchen erlebt“. Wenngleich Dichtestress vor allem im Kontext der Masseneinwanderungsinitiative gebraucht wurde, so schlägt sich dieser – sofern in der Schweiz überhaupt vorhanden – in der gebauten Stadt und ihrer Nutzung nieder.
Tatsache ist, dass in den letzten zehn Jahren in der Regel zwischen 8‘000 und 11‘500 neue Wohnungen gebaut wurden und im selben Zeitraum die Einwohnerzahl um ca. 190‘000 zugenommen hat.
In der Stadt Zürich wurden seit der Jahrtausendwende ca. 26‘200 Wohnungen erstellt, gefolgt von Winterthur mit ca. 9‘400 Wohnungen und Wetzikon und Uster mit jeweils ca. 3‘400 Wohnungen. Dabei nehmen die Neubauten in den kleineren Zentren einen deutlich höheren Anteil am heutigen Wohnungsbestand ein. Während die Neubauten in der Stadt Zürich ca. 12 % des heutigen Wohnungsbestandes ausmachen, wurde beispielweise in Wetzikon, Bülach, Opfikon und Wallisellen sogar ein Viertel der heute bestehenden Wohnungen erst nach der Jahrtausendwende gebaut. In einzelnen Gemeinden ist fast jede zweite Wohnung 15 Jahre oder jünger.
Nutzungsdichte
Die grössten Einwohnerdichten werden im Kanton Zürich in den Zentren und grösseren Gemeinden innerhalb der Handlungsräume Stadtlandschaft und urbane Wohnlandschaft erreicht. Insbesondere sind dies die Stadt Zürich und anschliessende Gemeinden im Glatt- und Limmattal, wie z.B. Wallisellen oder Dietikon. In Bezug auf die Beschäftigungsdichte ist eine deutlich höhere Konzentration auf wenige Standorte zu verzeichnen. Neben dem Arbeitsplatzschwerpunkt Stadt Zürich, heben sich das Flughafenumfeld sowie das Limmattal und der Kern Winterthurs von ihrem Umfeld ab.
Die gedankliche Überlagerung beider Karten lässt die funktionalräumliche Verteilung der Nutzungen sehr gut erkennen, wie z.B. in der Stadt Winterthur, wo hohe Einwohnerdichten vor allem ausserhalb der Arbeitsplatzschwerpunkte der zwei Zentrumsgebiete Altstadt und Neuhegi-Grüze erreicht werden.
Die Nutzungsdichte ist ein gutes Mass, um neben der baulichen Dichte die tatsächliche Nutzung eines Raumes besser einschätzen zu können. Ob es sich jedoch um einen Raum handelt, der von der Bevölkerung als dicht wahrgenommen wird hängt zum Teil von anderen Faktoren ab, wie der jeweiligen Wohnsituation.
Wie schwierig die Interpretation dieser Daten hinsichtlich einer klaren Dichteaussage sein kann, verdeutlicht der Vergleich zwischen den östlichen Seegemeinden und der Region Weinland. Während beide Gebiete einen sehr hohen Wohnflächenverbrauch und sehr grosse Wohnungsgrössen aufweisen, ist nur im Weinland auch eine hohe Belegungsdichte zu erkennen.
Konzentration der Neubauentwicklung
Wie und ob Dichte und insbesondere Verdichtung wahrgenommen wird, hängt in grossen Masse davon, wie stark sich Bauentwicklungen konzentrieren. Die Aggregation von Bauentwicklungsdaten auf die gesamte Gemeinde gibt daher oft nur ein sehr abstraktes Bild der Realität wieder.
Gesamtkantonal wird deutlich, dass nur an wenigen Orten die Wohnbauentwicklung so konzentriert stattgefunden hat, dass von einer wahrnehmbaren baulichen Verdichtung gesprochen werden kann. Dichte Wohnbauentwicklungen konzentrieren sich dabei auf Gemeinden mit mehr als 10‘000 Einwohnern bzw. liegen in den kantonalen Zentren, in den Handlungsräumen 1 und 2 gemäss kantonalem Raumordnungskonzept. Besonders deutlich treten die Bauentwicklungen in Oerlikon und Opfikon hervor, wo auf engem Raum mit dichten Baustrukturen eine Reihe von Grossbauprojekten umgesetzt wurden bzw. immer noch in der Umsetzung sind. Ausserhalb der Handlungsräume 1 und 2 finden sich nur wenige Orte, an denen sich innerhalb der letzten 15 Jahre Wohnbauentwicklungen vergleichbar stark konzentriert haben.
Schaut man sich zum Beispiel einen grossen Teil der Seegemeinden an, die verglichen mit vielen anderen Kantonsgemeinden eher dicht bebaut sind, so stellt man fest, dass sich die Neubauentwicklung seit 2000 fast gleichmässig über das gesamte Siedlungsgebiet verteilt. Grössere, konzentrierte Bauentwicklungen findet man hier eher selten und sie tragen entsprechend weniger zu einer Veränderung des Ortsbildes bei – oder zumindest nicht zu einer sprunghaften Veränderung der Dichte. Die Lage bzw. räumliche Verteilung der Neubauten mit Wohnnutzung (blaue Punkte) deutet darauf hin, dass die Gemeinden in weiten Teilen bereits im Jahr 2000 in ihrer heutigen räumlichen Ausdehnung bestand und vorwiegend einzelne Baulücken ausgenutzt werden konnten bzw. Ergänzungen und Ersatz von Wohnungen stattgefunden haben.
Nimmt man die Gemeinden Schlieren und Dietikon als Vergleich, so wird auf den ersten Blick deutlich, dass die Konzentration der Wohnbauentwicklung zu einer drastischeren Veränderung des Ortsbildes geführt haben muss bzw. die Siedlungsentwicklungsziele der jeweiligen Gemeinden über unterschiedliche Massnahmen erreicht werden. An den entsprechenden Orten ist eine Veränderung in der Dichtewahrnehmung zwangsläufig. Insbesondere im direkten Einzugsgebiet der Bahnhöfe Schlieren und Dietikon sind zahlreiche Wohnungen im Rahmen von Grossprojekten entstanden. Die Projekte zeichnen sich zudem dadurch aus, dass im Vergleich zum Umfeld deutlich dichtere Bebauungstypologien gewählt wurden – auch neuer städtebaulicher Grundformen wurde sich bedient.
Die feingliedrigen Siedlungsstrukturen scheinen in Zollikon grosse Wohnungsdichten eher zu verhindern, während in Schlieren und Dietikon die groben Siedlungsstrukturen eine höhere Wohnungsdichte zu fördern scheinen oder zumindest städtebauliche Voraussetzungen schaffen, welche offen für Bauformen mit grösseren Wohnungsdichten sind.
Weiterführende Informationen zur Gebäudestuktur und baulichen Entwicklung innerhalb des Kantons finden sind in folgender Publikation enthalten: