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Forschungshighlights
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Nachfolgend finden Sie eine Auswahl von Projekten, mit denen sich die Forscherinnen und Forscher des Departements GESS zur Zeit beschäftigen.
Die Konstruktion öffentlicher Bilder "Indischer Hungeropfer" im kolonialen, nationalen und globalen Diskurs der Nothilfe
In der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts reagierte eine zunehmend diverse Gruppe indischer und ausländischer Akteure auf den Hunger in Indien. Während der „Late Victorian Holocaust“ die indische Hungersnot in ein globales Medienereignis verwandelte, in dem Bilder abgemagerter Körper die Weltöffentlichkeit aufschrecken liessen, war das Kolonialregime Britisch-Indiens in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts darum bemüht, die Weltöffentlichkeit davon zu überzeugen, dass es den Hunger in Indien erfolgreich besiegt habe. Tatsächlich zeigte sich der Hunger in Indien weiterhin in Form lokaler Hungerskrisen, in der Problematik der Mangelernährung und des wachsenden Nahrungsdefizits.
Darstellungen des indischen Hungers wurden von Hilfskomitees und Interessensgemeinschaften eingesetzt, um öffentliches Aufsehen zu erzeugen, um Spenden zu sammeln und um auf Missstände hinzuweisen. Die politische Brisanz des Hungers bedingte es zudem, dass Gruppen diesen nutzten, um politische Eliten zu delegitimieren und um politische und soziale Reformanliegen zu untermauern. Das Projekt untersucht die Öffentlichkeitskampagnen von Hilfskomitees und Interessensgemeinschaften, widmet sich der Rolle der Medien in der Generierung öffentlicher Aufmerksamkeit und geht Formen und Praktiken zeitgenössischer Darstellungen des Hungers nach. Die Dissertation beleuchtet auf diese Weise Netzwerke, die sich als Reaktionen auf den Hunger in Indien bildeten und spürt der Einbettung des indischen Hungers in transnationalen Debatten nach.
Web: www.gmw.ethz.ch
Alltag und Auflehnung ostafrikanischer Träger in europäischen Expeditionen
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts umspannte ein dichtes Netz an Handelsstrassen die Kolonie Deutsch-Ostafrika (heute Tansania, Burundi und Ruanda), auf dem sich grosse Karawanen und Expeditionen bewegten. Ihre Last ruhte auf menschlichen Schultern.
Das Promotionsprojekt rückt diese Träger ins Zentrum. Es untersucht ihren Alltag in europäischen Expeditionen um 1900, der von Zwang und Gewalt geprägt war. Die Träger waren jedoch nicht blosse Opfer der europäischen Kolonisatoren, sondern entwarfen verschiedene Strategien, mit denen sie sich gegen die koloniale Ordnung zur Wehr setzten. Dazu zählten Streiks und Desertionen.
Die Handlungsmacht der Träger konnte für europäische Reisende lebensbedrohlich werden. Oft genug kamen Expeditionen durch Desertionen für Monate im Inneren des Kontinents zum Erliegen. Die koloniale Regierung von Deutsch Ost-Afrika entdeckte im Trägerwesen eines der grössten Hindernisse für die wirtschaftliche Ausbeutung und die von ihnen propagierte „Zivilisierung“ Ostafrikas. Mit verschiedenen Massnahmen versuchte sie ab den 1890er Jahren, dieses Problems Herr zu werden, etwa durch den Ausbau von Infrastruktur.
In diesem Sinne betrachtet das Projekt Expeditionen als Interaktionsräume, in denen koloniale Ordnung und Hierarchie einer ständigen Aushandlung durch ihre Akteure unterlagen. Wie sich zeigt, wirkte die Auflehnung der Träger über den Mikrokosmos der Expedition hinaus und konnte Anlass geben zu Grossprojekten wie der Eisenbahn. Insofern sind die ostafrikanischen Träger ein gutes Beispiel dafür, welchen Einfluss lokale Akteure an den Rändern imperialer Systeme auf staatliche Politikgestaltung ausüben konnten.
Web: www.gmw.ethz.ch
Humankapital
Humankapital ist eine Schlüsselressource der modernen Wissensgesellschaft. Unternehmen und Schulen bis hin zu internationalen Organisationen wie OECD oder Weltbank sind an seiner Produktion, Evaluation und Optimierung beteiligt. Der flexible Einsatz und die individuelle Aufstockung von Humankapital gelten als Bestandteile der unternehmerischen Wettbewerbsfähigkeit. Über Assessments, Einstellungs- und Eignungstests ist das Humankapitalkonzept im Alltag vieler Menschen zu einem realitätsgestaltenden Dispositiv geworden.
Web: www.tg.ethz.ch
No place to go
Der Zustand urbaner, sanitärer Einrichtungen in den Gebieten mit tiefem Einkommen in Kampala
Die Resultate einer repräsentativen Studie, die mit 1500 Haushalten in Ugandas Hauptstadt im November 2010 durchgeführt wurde, zeigen, dass die Mehrheit der urbanen Armen in Kampala Zugang zu lokalen, sanitären Einrichtungen hat. Trotz des breiten Zugangs zu sanitären Einrichtungen ist der Zustand vieler Einrichtungen auf Grund der grossen Anzahl von Nutzern aber nicht zufriedenstellend.
Dies führt zu tiefen Hygiene-Standards und Wartezeiten für Toilettenbenutzer. Aus diesem Grund sind "flying toilets" bisweilen immer noch gang und gäbe unter den urbanen Armen und viele Toiletten sind nach relativ kurzer Zeit verlassen. Dies stellt das tatsächliche Ausmass des Zugangs zu sanitären Einrichtungen in den Gebieten mit tiefem Einkommen in Kampala in Frage. Die Haushaltsinvestitionen in örtliche, qualitativ hochstehende Einrichtungen werden vom Mangel an Besitzrechten und hohen Preisen, welche oft das durchschnittliche Jahresgehalt pro Kopf in Kampala's Armenvierteln übersteigen, gebremst.
Web: www.nadel.ethz.ch