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Kim Métraux kam im letzten Moment ins 60-köpfige Teilnehmerfeld, nachdem sich eine qualifizierte Spielerin hatte abmelden müssen. Albane Valenzuela ist ein Mitglied des alles dominierenden amerikanischen Circuits, der LPGA Tour. Zur absoluten Spitze im grossen Circuit gehört sie am Ende ihrer erst zweiten Saison als Profi (noch) nicht.
Mit ihrer Stellung in der Hierarchie haben Valenzuela und Métraux keinerlei Chancen auf einen Medaillengewinn an den Sommerspielen, müsste man meinen. Aber eine Eigenschaft des Golfs auf höchstem Niveau ist die Unberechenbarkeit. Auf den grossen Tours und selbst an den wichtigsten Turnieren, den sogenannten Majors, schlagen Prognosen bei den Frauen wie bei den Männern immer wieder fehl. Wer von den Profis ein sehr solides Grundkönnen mitbringt, hat immer eine Chance, die ganze Konkurrenz im Wettkampf über 72 Löcher hinter sich zu lassen oder - an den Olympischen Spielen reizvoll - unter die ersten drei zu kommen.
Höchstens vier Golferinnen pro Nation
An den Sommerspielen sind die Aussichten noch wesentlich besser als an den Majors, weil Südkorea und die USA als klar stärkste Nationen des Frauengolfs nur je vier Spielerinnen stellen können. Unter den besten 50 der aktuellen Weltrangliste stehen aber 16 Südkoreanerinnen und 12 Amerikanerinnen. Das Olympiaturnier bildet die Stärkeverhältnisse also nicht ab.
Das Basiskönnen führen Kim Métraux wie auch Albane Valenzuela im Gepäck mit. Die 23-jährige Valenzuela qualifizierte sich Ende 2019 auf Anhieb für die LPGA Tour und wechselte danach zu den Professionals. Die Saison 2020 missriet ihr - allerdings nicht, weil es ihr am Spielniveau gefehlt hätte. Sie hatte lange Zeit mit einer Nervenverletzung zu kämpfen und erkrankte überdies am Coronavirus. Sobald sie wiederhergestellt war, erspielte sie sich inmitten der Weltelite den 5. Platz am Turnier in Ocala, Florida.
Patriotische Valenzuela
Es war ein prägendes Erlebnis, das der Genferin jetzt die Gewissheit gibt, dass sie gegen die Besten um den Sieg spielen kann. Wieso nicht in dieser Woche? «Ich kenne die Girls auf der Tour schon sehr gut», sagte Valenzuela an einem Medientermin von Swiss Olympic in Tokio. «Es ist für mich eine gewohnte Umgebung.» Valenzuela, Schweizerin mit französischer Mutter und mexikanischem Vater, hatte schon in Rio de Janeiro 2016 - damals qualifizierte sie sich als Amateurin - hervorgehoben, wie viel es ihr bedeutet, an den Sommerspielen die Schweizer Farben zu vertreten. Und heuer sagt sie trotz des dichten Terminplans auf dem amerikanischen Circuit: «Die Olympischen Spiele sind mein Hauptziel.» An der Einstellung wird es garantiert nicht fehlen.
Ein Kindheitstraum
Die 26-jährige Kim Métraux, seit 2018 Profi, ist noch nicht ganz dort angelangt, wo Albane Valenzuela schon ist. Sie strebt den Aufstieg auf die LPGA Tour über den europäischen Circuit an. Respektable Erfolge kann aber auch sie schon vorweisen. So qualifizierte sie sich heuer für das wichtigste Frauenturnier, das US Open. Auch sie, deren jüngere Schwester Morgane Métraux als Profi ebenfalls verheissungsvoll unterwegs ist, braucht nicht angestachelt zu werden. «Die Olympischen Spiele sind ein Kindheitstraum, sie sind etwas Aussergewöhnliches», sagt sie.
Sollte Kim Métraux entgegen allen Prognosen der grosse Coup gelingen, wäre dies eine phantastische Geschichte. Denn sie kam ja erst kurz vor Torschluss ins Teilnehmerfeld.