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Die ersten Porsche-Sportwagen: Ein Rückblick mit bisher unbekannten Details
Im Sommer 1947 entstanden erste Konstruktionszeichnungen mit der Nummer 356, dies noch unter der Bezeichnung „VW Sport“; die ersten Skizzen dafür mussten schon vor diesem Datum entstanden sein: Gitterrohrrahmen, Mittelmotor (Typ VW) und Leichtmetallkarosserie.
Das Getriebe, die Hinterachse, die Vorderachse, die Lenkung, die Räder und die Bremsen stammten vom Volkswagen.
Dr. Karl Rabe war einer der wichtigsten Mitarbeiter von Professor Ferdinand Porsche, sie hatten sich schon 1913 bei Austro-Daimler kennengelernt. Rabe folgte Porsche auf allen seinen Karrierestationen und wurde 1931 zum Chefkonstrukteur des neu gegründeten Konstruktionsbüros in Stuttgart ernannt.
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Die Arbeitsbedingungen in der Nachkriegszeit waren sehr kompliziert, es fehlte an allen Ecken und Enden. Rabe schrieb am 11. Juli 1947 im Tätigkeitsbericht für die alliierte Kommission an den Senior Military Government Officer, Klagenfurt, und an die Vermögensverwaltung Bezirkszweigstelle Spittal an der Drau: „Das Wohnungsproblem in Gmünd ist untragbar. Der Grossteil der Arbeiter ist in kleinen Holzbehelfsheimen, in betriebseigenen Baracken und in von der RAB gepachteten Baracken in Eisentratten untergebracht“. Auch die Finanzlage sowie die Beschaffung von Material waren ein Problem: „Die Grosslieferanten verlangen durchwegs Anzahlungen auf Bestellungen, die erst in Monaten geliefert werden, Rohmaterial ist bei Übernahme zu bezahlen. Diese Vorlagen stellen an die Liquidität des Betriebes grosse Anforderungen, da die Fertigstellung der Produkte vom Rohmaterial bis zum Endprodukt Monate in Anspruch nimmt.“
Ende Februar 1948 erstellte Karl Rabe einen weiteren Tätigkeitsbericht an die alliierte Kommission, er vermeldete zum Fortgang der Arbeiten am neuen Fahrzeug dies: „Typ 356, VW Sport: Konstruktion des Rahmens und der Karosserie. Fertigstellung des ersten Aggregatesatzes für VW Sport Typ 356. Fertigstellung des ersten Fahrgestells für VW Sport Typ 356. Geschweisster Rahmen, Einbau von Motor, Getriebe, Vorder- und Hinterachse.“
Ausserdem: „Mit der Firma R.G. von Senger in der Schweiz sind Verhandlungen wegen eines Auftrages auf Fertigung von Sportwagen aus VW-Aggregaten im Gange. 10 Sportwagen aus gebrauchten VW-Aggregaten sind in Auftrag genommen. Die Aggregate haben wir hier, die Karosserien werden in unserem Betrieb hergestellt. Das erforderliche Blech kommt aus der Schweiz. Die Genehmigungen für die Ein- und Ausfuhr sind angesucht und haben wir die Zusage, dass das Warenverkehrsbüro dieses Geschäft genehmigt.“
Am 8. Juni 1948 erhielt der Prototyp Nr. 1 mit einer Einzelgenehmigung die allgemeine Betriebserlaubnis für Österreich, die interne Typenbezeichnung lautete „Sport 356/1“. Am 15. Juni erhielt das Fahrzeug das berühmte Kennzeichen „K 45-286“. Und schon am 4. Juli wurde der „Sport 356/1“ während des Grossen Preises von Bern in der Schweiz präsentiert, bereits im Vorfeld konnte er von diversen Journalisten getestet werden.
Am 7. Juli dann erschien der erste Fahrbericht über einen Porsche, die Automobil-Revue titelte „Der jüngste Spross eines grossen Namens – Porsche 356, ein neuer Heckmotor-Sportwagen“. Dass diese erste Fahrt für Journalisten im Umfeld des Grand Prix von Bern veranstaltet wurde, war kein Zufall, denn damit war Porsche viel Aufmerksamkeit garantiert, und die Fachpresse war sowieso vor Ort.
Der 7,26 Kilometer lange Strassenkurs im Bremgartenwald war seit Anfang der 1930er-Jahre eine bekannte und gefährliche Rennstrecke, zuerst nur für Motorräder, ab 1934 auch für Automobile. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die ersten Rennen schon ab 1947 ausgetragen, ab 1950 trug das Rennen den Titel „Grand Prix von Bremgarten“ und zählte bis 1954 zum Formel-1-Kalender.
Am 7. September 1948 schliesslich erlangte Porsche die Exportlizenz, danach wurde der 356 „Nr. 1“ Roadster in der Schweiz verzollt; als Karosserie-Form wurde „Torpedo Sport“ eingetragen. Am 16. Dezember erfolgte die technische Abnahme in Zürich. Nachdem einige kleine Mängel an der Beleuchtung behoben worden waren, erhielt die „Nr. 1“ am 20. Dezember die Zulassung und die Kontrollschilder ZH 20640.
Damit war dies der erste offiziell zugelassene Porsche. Erster Käufer war ein gewisser Peter Kaiser, ein in Zürich wohnhafter deutscher Architekt, der für das über Bernhard Blank importierte Fahrzeug den damals erstaunlich hohen Preis von 7.500 Franken bezahlte. Der 356 „Nr. 1“ Roadster hat ein wildes Leben hinter sich, es grenzt an ein Wunder, dass das Fahrzeug noch existiert und sich im Besitz des Porsche Museum in Stuttgart befindet.
Der Schweizer Importeur des 356 „Nr. 1“ Roadster und vor allem Porsche-Geldgeber der ersten Stunde war Bernhard Blank. Blank war eine stattliche Erscheinung, ein erfolgreicher Geschäftsmann und Besitzer des Hotels „Europe“ in der Zürcher Dufourstrasse 4.
Ausserdem hatte Blank den zweiten Porsche, den 356/2, zur Carrosserie Beutler nach Thun geschickt, damit die Gebrüder Ernst und Fritz Beutler die Möglichkeit eines Cabriolet-Aufbaus prüfen konnten.
Ernst Beutler besichtigte das Fahrgestell in Zürich und war sofort begeistert von der Einfachheit und Qualität des Chassis. Er besuchte umgehend den Betrieb in Gmünd, um sich die nötigen Daten und Anweisungen aus erster Hand zu holen. Schon im Juli 1948 entstanden die ersten 1:1-Zeichnungen, die zur Prüfung nach Gmünd gesandt wurden. Erwin Komenda, zuständig für den Karosseriebau, war überzeugt von den Entwürfen, und die Freigabe für einen ersten Prototyp wurde erteilt.
Beutler erinnert sich, dass ihn Prof. Porsche, G. Kaes und Erwin Komenda kurz darauf in Thun besuchten. Die Herren schienen mit der Arbeit von Beutler sehr zufrieden gewesen sein, der Auftrag für fünf weitere Cabriolets wurde über Blank erteilt. Ein weiterer Grund für die Reise der Porsche-Führung in die Schweiz war, dass man einen neuen Produktionsstandort suchte.
Die angestammten Liegenschaften in Stuttgart waren von den Alliierten besetzt und 1948/49 machte es den Eindruck, dass diese dort auf unbestimmte Zeit bleiben sollten. Daher war es nicht ganz abwegig, auch in der Schweiz einem neuen Produktionsstandort zu suchen.
Für den Genfer Auto-Salon 1949 bestellte Blank also, mit Genehmigung von Porsche, ein Coupé aus Gmünd und dazu ein Beutler-Cabrio. Diese beiden Fahrzeuge wurden kurz vor der Ausstellung auf der Zürcher Seepromenade fotografiert, was Fräulein Jolantha Maria Tschudi auf den Plan rief. Die junge Dame, Tochter des Gründers der AMAG, die dann 1945 als Neue AMAG an Walter Haefner „verkauft“ wurde, war schon mit ihren Forschungsreisen durch Afrika und als Sportfliegerin zu einiger Berühmtheit gelangt. Sie besuchte die Porsche-Vertretung im Hotel „Europe“, wo sie auf der Stelle das dunkelblaue Beutler-Cabrio (356/2-002) kaufte.
Blank erklärte ihr, dass die Auslieferung aber erst nach dem Salon in Genf möglich sein werde, doch das Cabriolet wurde schon mit dem Kennzeichen ZH 44035 auf Fräulein Tschudi zugelassen und an den Lac Leman mitgenommen, erst nach der Messe erfolgte die Übergabe. Ferry Porsche und seine Schwester Louise Piëch waren übrigens auch in Genf zugegen. Es musste für beide ein grosser Augenblick gewesen sein, ihre Produkte auf dem Automobilsalon zu sehen, und zwar auf dem Stand Nummer 11 in der Haupthalle – umringt von neugierigen Zuschauern und belagert von informationshungrigen Journalisten aus aller Welt.
Titelbild: Porsche 356 „Nr. 1“ Roadster in der Schweiz, 2018
Quelle: Porsche Schweiz
Titelbild: obs/Porsche Schweiz/Porsche/Dirk Michael Deckbar