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Photographischen Gesellschaft Winterthur
125 Jahre oder über drei Jahrhunderte, von 1893 bis 2018, umfassen die Vereinsgeschichte der Photographischen Gesellschaft Winterthur PGW. Der technologische Wandel, die gesellschaftlichen Entwicklungen und die Digitalisierung haben die Fotografie stark verändert. Ohne einen guten Blick für das Motiv und das Wissen um die Umsetzung, helfen weder die beste technische Ausrüstung noch das neueste Bildbearbeitungsprogramm ein gutes Bild zu erhalten.
Gründung
In der Schlangenmühle am Bahnhofplatz war es gewesen, als am 16. Dezember 1892 fünf Männer zusammenkamen. Jakob Furrer aus Oberwinterthur, Theodor Hanhart-Howald aus Winterthur, Eduard Sulzer-Ziegler (1854-1913), Dr. med. L. Alfred Brunner und Alfred Ulrich hatten das Ziel einen Verein von Freunden der Photographie zu gründen. Bereits einen knappen Monat später, am 13. Januar 1893 wurde im „Obern Local“ der Schlangenmühle die Photographische Gesellschaft Winterthur gegründet. Jakob Furrer übernahm das Präsidium, Theodor Hanhart-Howald die Finanzen. Dr. med. Alfred Brunner amtete als Vicepräsident, Alfred Ulrich als Aktuar, und H. Hofmann als Bibliothekar. Die Berufsfotografen Hermann Linck (1866-1938) und Klaus Stephan gesellten sich als Beisitzer dazu.
Um ihrer Zielsetzung, nämlich die Förderung der Mitglieder auf dem Gebiet der Photographie, sowie der Pflege der gesellschaftlichen Beziehungen nachzukommen, trafen sich die Mitglieder der Photographischen Gesellschaft Winterthur (PGW) regelmässig einmal pro Monat. Die Zusammenkünfte wurden minutiös protokolliert. So ist noch heute festgehalten, dass am 4. April 1897 Nationalrat Dr. L. Furrer über „Urheberrechte an Werken von Literatur, Kunst und speziell der Fotogra?e“ referiert hat. Im Juni des gleichen Jahres ging es um „Retusche von Landschafts-Negativen“. Dazu sprach Pro?fotograf Hermann Linck.
Ein Höhepunkt wurde die 1. Photoausstellung, die im Februar 1894 im Gewerbemuseum durchgeführt wurde. 250 Fotos zeigten landschaftliche Aufnahmen aus nah und fern, Wintersujets, Gruppen, Porträts, Interieurs von Wohnungen, Aufnahmen aus Maschinensälen und Werkstätten; attraktiv waren u.a. Bilder aus Herzogowina, Bosnien, Syrien und dem Libanon.
1896 zählte die PGW 28 Mitglieder (alles Männer). Sie beschlossen 1897 einen Vergrösserungsapparat anzuschaffen. Sich mit den technischen Neuerungen für die Fotografie auseinanderzusetzen war somit von allem Anfang an ein Nutzen für die Mitglieder. Alle diese Bemühungen eines aktiven Teils der PGW führten trotzdem in die Krise. Die Teilnahme an den Zusammenkünften litt stark. Nachdem eine Einladung zu einer Zusammenkunft im Casino auf den 16. Januar 1922 an 14 Mitglieder nur fünf Zusagen und 2 Absagen (die übrigen 7 keine Rückantwort gegeben haben) hat diese Versammlung nicht stattgefunden. Der Weiterbestand war gefährdet, ja er führte zur Stilllegung der Aktivitäten der PGW. Es bahnte sich die Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Schweizerischer Amateur-Photographen Winterthur (G.S.A.P.) an. Dieser junge Verein hatte 1922 100 Mitglieder. Sie trafen sich zu ihren Monatsversammlungen im Restaurant Steinbock an der Marktgasse 27.
Die Auferstehung der Photographischen Gesellschaft Winterthur
Die 1930er-Jahre markieren die Rückkehr zum früheren Namen und die Auferstehung der Photographischen Gesellschaft Winterthur. An der ausserordentlichen Generalversammlung vom 8. März 1930 ist erstmals wieder von „Photographischer Gesellschaft Winterthur“ die Rede. Es werden neue Statuten verabschiedet und die alten der G.S.A.P. von 1924 ersetzt. An der Zweckbestimmung änderte sich nichts. Nach wie vor standen die monatlichen Versammlungen mit Vorträgen und Demonstrationen zum Thema Fotografie im Zentrum. Die PGW war weiterhin auch Mitglied des Schweizerischen Amateur-Photographen-Verband SAPV (heute PhotoSuisse).
Die PGW organisierte 1961 die Delegiertenversammlung ihres Verbandes SAPV (Schweizerischer Amateur-Photographen-Verband) in Winterthur. Die PGW hatte in diesem Jahr 94 Mitglieder. Die Mitglieder waren an Wettbewerben der SAPV sehr erfolgreich. Die damalige Zeit war geprägt vom Aufkommen der Farbfotogra?e. Dazu eine interessante Passage aus dem GV-Protokoll: „Die seit einigen Jahren im Zunehmen begri?ene Farben-Photographie ist uns ja bekannt. An uns selbst liegt es, das Nötige zu tun, um die schwarz-weiss Photographie nicht ganz zu verdrängen. In den meisten Fällen ist dieser Mangel der gegenwärtigen beru?ichen Hochkonjunktur zuzuschreiben. Dem Amateur wird es zu umständlich sich mit Vergrössern von Negativen abzugeben, weshalb er zum bequemeren und weniger zeitraubenden Mittel der Farbenphotographie greift“.
Der Mitgliederschwund riss nicht ab und das Vereinsleben serbelte erneut. Die Preise für die Mitgliedschaft in der PGW betrugen 1969 17 Franken und für die Mitgliedschaft bei der PhotoSuisse 6 Franken. Dass die Aktivitäten aber nicht ganz versiegten, zeigte sich 1971. Die PGW organisierte eine Fotoausstellung im Gewerbemuseum. Im „Der Landbote“ vom 10. Juni 1971 hiess es: „Gegenwärtig beherbergt das Gewerbemuseum am Kirchplatz eine sehenswerte Ausstellung von fotogra?schen Aufnahmen. Anlässlich der Vernissage sprach Schulamtssekretär E. Roth einführende Worte. Wie er dabei erklärte, zeichnet der Fotoclub Winterthur für die abwechslungsreiche Schau verantwortlich. In dieser Vereinigung sind Amateure der unterschiedlichsten Berufsrichtungen zusammengeschlossen. Sie alle fühlen sich durch das Interesse an der gepflegten Fotogra?e verbunden. Die heute gezeigten Bilder geben recht eigentlich dem Wesen unserer Zeit Ausdruck. Sie zeichnen sich vor allem durch guten Geschmack und durch reichhaltige Wahl der Themen aus.“
Fünf Jahre später organisierte die PGW erneut eine Fotoausstellung im Gewerbemuseum. Vom 12. Januar bis zum 29. Februar 1976 stellten 16 Fotografen rund 200 Bilder aus und erfreuten die Besucher auch mit Dia-Schauen. Als Gäste waren zudem auch einige Fotografen aus Yverdon zugegen. In der Ausgabe vom 12. Januar schrieb „Der Landbote“: „Hinsichtlich der Wahl der Motive und der künstlerischen Au?assung vermittelt die vielfältige Bildersammlung einen recht aufschlussreichen Querschnitt. Vorzügliche Darstellungen in Schwarz und Weiss sind ebenso häu?g vertreten wie farbige Aufnahmen.“
Die Mitgliederstatistik gab Jahr für Jahr zu Sorgen Anlass. Trotz allem organisierte der Fotoclub, wie er immer mehr genannt wurde, 1987 im Einkaufszentrum Rosenberg eine Ausstellung. Die Resonanz in den Medien war wieder positiv: „Der Fotoclub Winterthur zeigt in beeindruckender Art und Weise, dass Photographie ein Hobby mit sehr grossem Spektrum ist. Vielleicht macht’s dadurch bei vielen Besuchern „klick“ für dieses Sehen mit der Kamera. Eine sehenswerte Ausstellung!“
1990 entstand eine Koordinationsstelle „Pro Foto Winterthur“. Diverse Fotoclubs, die inzwischen in Winterthur entstanden sind, PGW, Fotoclub Sulzer/SLM, Focus Foto Club Seen, Fotoklub V 99 sowie das FTS Foto Team Seen, wollten enger zusammenarbeiten. Diese Koordinationsstelle bestand einige Jahre, wurde aber dann wieder aufgelöst. Im Jubiläumsjahr 2018, 125 Jahre nach der Gründung, existieren nur noch die PGW sowie der Fotoklub Sulzer.
Nach dem Grossanlass „Jahrhundertfeier 1993“, 100 Jahre PGW, und nach dem Jahrhundertwechsel kam einmal mehr eine Krise auf die PGW zu. Wegen Organisations- und Führungsmängeln sowie infolge vieler Absage von Anlässen häuften sich die Austritte. An den Anlässen, die durchgeführt wurden, nahmen immer weniger Mitglieder teil. Zu diesen chaotischen Zeiten passte auch, dass der Wanderpokal vermisst wurde und niemand mehr wusste, wo sich dieser befand. Der Pokal blieb rund 10 Jahre verschollen. Dann endlich hat sich die Firma, bei welcher der Pokal für die Gravur abgegeben wurde, bei der PGW gemeldet. Das Tradition-Prunkstück kam zurück.
2002 übernahm ein neuer Präsident das Ruder des schlingernden Clubs. Diesem Präsidenten und auch seinem Nachfolger gelang es, den Club zu stabilisieren und die Mitgliederzahlen nahmen langsam, aber beständig zu. Seit 2005 entwickelte sich der Mitgliederbestand von 17 auf mehr als das Doppelte. 2009 wurden die aus dem Jahr 1930 stammenden Statuten überarbeitet und modernisiert. Im August 2017 hatte der Club 40 Mitglieder, der höchste Bestand seit mehr als 30 Jahren.
Der Durchbruch der digitalen Fotogra?e
Die Digitalisierung in der Fotogra?e machte auch vor der PGW nicht Halt. Ein Mitglied nach dem anderen vollzog den Wechsel. Einige blieben ihrer bisherigen Marke treu, andere nahmen die Gelegenheit wahr und wechselten auch die Marke. Der letztlich doch langsame Systemwechsel führte dazu, dass im Club einige Jahre lang die beiden Welten der analogen und der digitalen Fotogra?e parallel nebeneinander bestanden.
Ab 2002 wurden an einzelnen Anlässen digitale Themen diskutiert und behandelt. Zu Beginn der Digitalisierung wurden vorwiegend technische Fragestellungen besprochen und es wurde darüber debattiert, welches Kamerasystem das Beste sei. Die Fotowettbewerbe wurden eine Zeit lang sowohl digital als auch analog durchgeführt.
Heute haben alle Mitglieder digitale Kameras, viele mit mehreren Gehäusen und zahlreichen Objektiven. Dennoch, ein paar wenige experimentieren nach wie vor mit analogen Kameras, einer sogar mit einer Lochkamera. Dadurch, dass nunmehr alle Mitglieder digital fotogra?eren, wird an den Anlässen wieder mehr Gewicht auf Bildgestaltung und -betrachtung gelegt.
Mit einer Feier und einer Fotoausstellung in der „Alten Kaserne Kulturzentrum Winterthur“ wurde im Februar 2018 das 125 Jahre Jubiläum gefeiert. Zudem wurde ein Fotobuch mit der Geschichte der PGW und Fotobeiträgen der aktuellen Mitglieder publiziert, ein neues Logo kreiert und die Homepage neu gestaltet. Die „Photographische Gesellschaft Winterthur“ hat allen Unbill zum Trotz diese stolze Jahreszahl erreicht. Die technische Entwicklung in diesem eineinviertel Jahrhundert war enorm und ist auch nicht abgeschlossen. Neustes Thema ist die Smartphone-Fotografie!

||Präsidenten der letzten 50 Jahre|
|1968
||1972
||Kurt Brenner

|1973||1974||Bruno De Martin|
|1875||1975||Rolf Siegrist|
|1976||1978||Silvio Mugwyler|
|1979||1979||Arthur Frei|
|1980||1983||Nino Comand|
|1984||1984||Silvio Mugwyler|
|1985||1989||Carl Mani|
|1990||2000||Arthur Wegmann|
|2001||2001||Hans Gugger|
|2002||2004||Bruno De Martin|
|2005||Peter Bihr|