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(MA) Die Mission am Hauptsitz der Kirche ist eine besondere Mission. Flächenmässig ist sie die zweitkleinste, aber vom “Personal” her die grösste Mission der Kirche: ca. 1200 Voll- und Teilzeitmissionare, inkl. 72 junge Elders, die aus bestimmten Gründen keine Evangeliumsmission erfüllen können. Worin besteht meine Arbeit? Ich sitze am Empfang für Elder Snow, Kirchenhistoriker und Elder Curtis, stellvertretender Geschichtsschreiber, sowie für alle Direktoren der Geschichtsabteilung und melde Besucher an oder lotse sie ins richtige Sitzungszimmer. Während der Sitzungen hüte ich die Telefone. Die Regel lautet: Wenn ein Telefonanruf der Ersten Präsidentschaft oder der Zwölf Apostel kommt, muss die Sitzung augenblicklich unterbrochen werden.
Für die neue Buchreihe “Die Heiligen” habe ich Aufnahmen einiger Interviews von Mitgliedern aus der ehemaligen DDR getippt und danach für die Historiker in die englische Sprache übersetzt. Diese kommen auch oft zu mir, wenn sie ein Dokument studieren müssen, das Thomas Bullock geschrieben hat. Bruder Bullock schloss sich 1841 in England der Kirche an, wurde Privatsekretär von Joseph Smith und später Schriftführer im Büro für Kirchengeschichte. Seine Handschrift ist sehr schwer zu entziffern, wenn er Protokolle von Versammlungen erstellte. Ich habe auf meiner ersten Mission (2010-14) sechs Wochen lang seine Schrift intensiv studiert und gelte jetzt als Expertin, so kann ich den Historikern oft beim Lesen helfen. Der vorherige Kirchenhistoriker Marlin K. Jensen fragte mich einmal: “Schwester Ghosh, spüren Sie auch die Gegenwart eines Geistwesens? Ich spüre dies jedes Mal, wenn ich an Ihnen vorbei gehe.” Ich erklärte ihm, dass Thomas Bullock immer an meiner Seite ist, wenn ich seine Dokumente in den Computer tippe und Mühe habe mit seiner Handschrift. Seine Anwesenheit ist immer ein unbeschreibliches Gefühl.
Meine Hauptaufgabe ist das Entziffern der alten englischen Stenographie. Thomas Bullock’s handschriftliche Aufzeichnungen enthalten oft stenografische Symbole. Auf meiner ersten Mission erlernte ich deshalb die alte «Pitman» Stenografie. Nun helfe ich mit, stenografische Aufzeichnungen zu entziffern oder lese die Arbeit der Expertin Korrektur, bevor die BYU deren Arbeit veröffentlicht.
Hier zu dienen ist ein grosses Privileg und ein Segen. Noch nie habe ich in einer so geistigen und von Liebe geprägten Umgebung gearbeitet. Ich freue mich jeden Morgen auf die Arbeit, vermisse aber meine Familie sehr nach bisher sechseinhalb Jahren am Hauptsitz der Kirche. Im März 2021 werde ich meine Missionszeit (vorläufig?) beenden.