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Das Christentum kam durch keltische Mönche in die Ostschweiz. Um 600 n.Chr. wurde das Bistum Konstanz gegründet. Die wenigen Weinfelder gehörten in der Frühzeit zu Bussnang. Dort gab es seit 885 eine Kirche mit eigenem Pfarrer.
Die erste Kirche in Weinfelden wurde im 13. Jahrhundert gebaut und war Johannes dem Täufer geweiht. Ab 1255 wirkte in Weinfelden ein Pfarrhelfer. Die Pfarrei gehörte aber immer noch zur Pfarrei Bussnang. Vermutlich erst seit 1293 ist Weinfelden eine selbständige Pfarrei. Das Kirchengebäude war sehr sehr bescheiden. Im Jahre 1567, als das Dorf an Bedeutung gewann, leisteten sich die Bewohner einen neuen und höheren Turm und etwas später auch neue Glocken.
Die Reformation erreichte ab 1529 auch Weinfelden. Das reformierte Zürich unterstützte diese gezielt. Die Reformierten setzten dann kurzerhand und eigenmächtig einen neuen Pfarrer ein und die katholische Messe aus. Die Friedensverträge nach den beiden Kappelerkriegen brachten aber leider keine Ruhe ins Land.
Eine Beruhigung des Religionsstreits brachte erst der Friedensvertrag nach dem Villmergerkrieg (1712). Darin wurden die Rechte, die Bezeichnung wie auch die Verteilung der politischen Ämter geregelt.
Das paritätische (gleichberechtigte) Prinzip wurde eingeführt. Die Voraussetzung für eine neue, gemeinsam genutzte Kirche, die gross genug war für das gewachsene Dorf, war somit gegeben. Für den Neubau des Kirchenschiffs wurde Baumeister Jakob Grubenmann von Teufen beauftragt. Diese Kirche, die im Dezember 1726 eingeweiht wurde, hatte zwei Taufsteine und für die Bedürfnisse der Katholiken drei Altäre.
Mit dem neuen Kirchbau war eine Zeit der gegenseitigen Akzeptanz angebrochen. Die Forderung der Unabhängigkeit des Kantons einte die Parteien. 1803 kam der Thurgau zur Eidgenossenschaft. Zwar brachte der Sonderbundkrieg nochmals etwas Unruhe ins Dorf. Doch die Bundesverfassung von 1848 festigte den religiösen Frieden. Wenn es auch kein Miteinander gab, so war es doch ein recht friedliches Nebeneinander.
Am Ende des 19. Jahrhunderts wünschte die katholische Kirchenvorsteherschaft den Anbau einer Sakristei an der Ostseite der damals paritätisch genutzten Kirche. Auch der Turm mit dem Geläute wurde als dürftig angesehen. Zudem wurde von vielen ein „schöneres Aussehen“ der eher altertümlich wirkenden Kirche gewünscht. So wurde eine paritätische Kommission ins Leben gerufen. Im Januar 1900 legte Architekt Keller von Romanshorn einen Vorschlag für einen Neubau des Turmes vor wie auch eine neue modernere Bestuhlung im Innern. Der Vorschlag fand keine Mehrheit. Die evangelische Kirchenvorsteherschaft verlangte einen neuen Vorschlag; die katholische hat von sich aus Architekten Rimli von Zürich beauftragt, einen Entwurf zu unterbreiten. Im Mai 1901 wurde der Turmersatz nochmals in Angriff genommen. Der Vorschlag der Architekten Pfleghard und Haefeli befriedigte beide Parteien einigermassen. Das Thurgauer Tagblatt berichtetet am 7. Mai 1901: „Zum ersten male hat gestern in Weinfelden eine paritätische Kirchgemeindeversammlung getagt. [...] Es waren Zweifel an der Solidität der Kirche laut geworden, die nun durch Gutachten dreier Architekten beseitigt werden. Die Kirche, so hiess es, werde in hundert Jahren noch so fest stehen wie heute.“ Nach lebhafter Diskussion sei der Antrag fast einstimmig angenommen worden, wird weiter berichtet. Eine neue Bestuhlung und der Ersatz der Heizung zu Gunsten des Turmneubaus mit einem neuen harmonischen Glockengeläute wurden zurückgestellt.
Drei Monate später, beim Abbruch des Turmes, zeigte sich, dass dieser wirklich in sehr schlechtem Zustand war. Aus heute nicht mehr eindeutig erklärbarem Grund wurde auch das Kirchenschiff einer erneuten Prüfung unterzogen. Das neue Gutachten sagte aus, dass auch der Rest der Kirche sehr baufällig sei. Geeignete Massnahmen zur Sanierung gäbe es nicht. Die beiden Kirchenvorsteherschaften stoppten darum den Turmneubau und prüften nun einen Kirchenneubau. Doch die Vorstellungen und Wünsche beider Konfessionen für einen gemeinsamen Neubau waren nicht unter einen Hut zu bringen. Nicht nur die Kostenaufteilung waren unklar, sondern auch die Gestaltung und Benutzung des Chors, die Taufsteine, die Altäre, die Bestuhlung und nicht zuletzt auch die Benutzungszeiten. Auf beiden Seiten regten sich starke Kräfte für den Bau von zwei Kirchen. Die evangelische Kirchenvorsteherschaft erachtete den Bau einer eigenen Kirche für zeitgemäss und wünschenswert. Nachdem die katholische Kirchenvorsteherschaft, ermutigt durch ihren Bischof, sich auch für einen eigenen Neubau entscheiden konnte, beschlossen die beiden Kirchenvorsteherschaften einstimmig, getrennt zu bauen. Am 1. Dezember 1901 wurde der Abbruch der alten Kirche und je einen eigenen Neubau beschlossen. Am 2. Februar 1902 fand der letzte Gottesdienst in der alten Kirche statt. Am Tag darauf wurde mit dem Abbruch begonnen. Am 13. April 1902 beschloss die evangelische Kirchgemeinde: Die neue Kirche wird gemäss den Plänen der Architekten Pfleghard und Häfeli aus Zürich als Zentralbau erstellt. Nur dieses Projekt erfüllte alle Anforderungen der Kirchenvorsteherschaft . Die neue evangelische Kirche sollte nach den Vorstellungen der Verantwortlichen ein stattlicher Bau sein, der schon von weitem auffällt. Ein erster Entwurf entsprach nicht diesen Vorstellungen. Erst der Vorschlag mit einem mächtigen Turm der Architekten Pfleghard und Häfeli aus Zürich fand Anklang und wurde umgesetzt. Am 10. März 1904, ein halbes Jahr später als bei den Katholiken, fand die Einweihung statt.