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Apropos
Angst und Furcht – Begleiterinnen der Freiheit
Oktober 2018
Guy Kirsch zeigt im Buch «Angst vor Gefahren oder Gefahren durch Angst?» der Progress Foundation, dass die Phänomene der Angst und Furcht auch in liberalen Gesellschaften ihren Platz haben. Damit räumt er mit der Vorstellung auf, nur in Diktaturen oder anderen unfreien Gesellschaften müssten sich die Menschen fürchten, während sich in der liberalen Demokratie sorglos leben liesse.
Kirsch unterscheidet die Begriffe Angst und Furcht: Angst sei gegen etwas Diffuses und nicht Bestimmtes gerichtet, Furcht hingegen habe man vor etwas Konkretem und Identifizierbarem. In einer Diktatur dürfe man keine Angst haben; die Menschen blieben mit ihrer Angst vereinzelt und isoliert. Allerdings dürfe man sich vor etwas Bestimmten fürchten – aber nur davor, was die herrschende Macht als zu fürchtende Dinge aufzwinge.
Im liberalen Staat dürften jedoch alle davor Angst haben, wovor sie selbst Angst haben wollen. Ausserdem bestünde die Möglichkeit, diese gefährlich diffuse Angst in fassbare Furcht zu transformieren und diese auch zu äussern. Die Menschen könnten ihre Ängste und Befürchtungen mitteilen und auf dem wettbewerblichen Markt bekanntmachen sowie Lösungen finden oder selbst anbieten. Deshalb seien diese Gefühle wichtig für den Fortschritt und die Prosperität von freiheitlichen Ordnungen, so Kirsch. Es ist daher überhaupt nicht paradox, sondern ganz normal und durchaus wünschenswert, wenn sich in liberalen Gesellschaften Ängste und Befürchtungen artikulieren.
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