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Ar 201.263
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Ar 201.263
1934-1944
0.07 m
Der „Block der Arbeiterbewegungschöre der Schweiz“ wurde am 7. Oktober 1934 im Volkshaus Olten gegründet. Dem „Block“ gehörten anfänglich fünf Gruppen an: der Neue Chor Zürich, der Arbeitersprech- und Bewegungschor Bern, das Rote Kollektiv Basel, der Freie Chor Olten und die Rote Spielgruppe der Sozialistischen Arbeiterjugend Luzern. Bis zum Sommer 1935 traten weitere Gruppen bei: der Arbeiterbewegungschor Aarau, der Neue Chor Biel, die Rote Spielgruppe Untersiggenthal und das Arbeiter- und Bauernkabarett Langenthal. Im Juni 1936 erfolgte die Namensänderung in „Block der Arbeiterbühnen-Truppen“. Im Winter 1936/1937 kamen die Aktivitäten des „Blocks“ praktisch zum Erliegen, nicht zuletzt infolge der unhaltbaren finanziellen Lage.
Initiant und künstlerischer Leiter des „Blocks“ war Otto Zimmermann (1894-1956), ein deutscher Emigrant, unter dessen Einfluss die Festkultur der Schweizer Arbeiterbewegung erneuert und mit den Formen des Agitprop-Theaters im Stil der proletarischen Revuen Erwin Piscators unter Einbezug von Projektionen, Spiel- und Dokumentarfilmen sowie Musik neu gestaltet wurde.
Nach seiner Inszenierung von Hendrik de Mans «Wir! Ein sozialistisches Festspiel» (Musik: Ottmar Gerster) gründete Otto Zimmermann im Sommer 1933 den «Neuen Chor Zürich», dessen Leitung er 1934 an Jo Mihaly abgab. 1934 folgte die Uraufführung von Zimmermanns Chorwerk «Flamme der Freiheit» beim SATUS-Verbandsfest in Luzern. Für den „Block der Arbeiterbewegungschöre“ formulierte Zimmermann ein sowohl kulturpolitisch wie künstlerisch ambitioniertes Programm. Angestrebt wurde eine „mustergültige Arbeiterkultur“ auf der Grundlage proletarischer Gesinnung: „Wir müssen heraustreten über den Rahmen der Bühne, heraus auf die Strasse, überall, wo es Gelegenheit gibt an der Verwirklichung einer neuen Arbeiterkultur arbeiten.“ Es sollten grosse Festspiele veranstaltet werden, „möglichst alljährlich in Form von Schweizer Arbeiter-Olympiaden“. Zudem wünschte Zimmermann die selbständige Meinungsbildung über die aktuellen Probleme innerhalb des „Blocks und die Aktivierung der Arbeiterbewegung in unserem Sinne durch das Mittel der chorischen Gestaltung.“ Mit diesen Vorstellungen geriet Otto Zimmermann in Konflikt mit der Parteileitung der SPS. Insbesondere Parteipräsident Ernst Reinhard hatte eine klare Vorstellung von der Rolle und den Aufgaben der Sprech- und Bewegungschöre, die sich voll und ganz in den Dienst der Partei stellen sollten. Der Konflikt zwischen der SPS und dem „Block der Arbeiterbewegungschöre“ eskalierte, als Reinhard die Berücksichtigung von Dialektstücken forderte, was von Otto Zimmermann als „Kitsch und „Heimatschutztheater“ rundweg abgelehnt wurde.
Die Unterlagen gelangten am 21.08.2013 aus dem Besitz von Beat Schaffer, Biel, schenkungsweise ins Schweizerische Sozialarchiv.
Vorhanden sind: Statuten, Protokolle, Rundschreiben, Korrespondenz und Unterlagen der Mitglieder des Blocks der Arbeiterbewegungschöre (insbesondere zum "Neuen Chor Biel"). Mit grosser Wahrscheinlichkeit handelt es um die Aktensammlung des "Neuen Chors Biel" bzw. von Fritz Burkhalter zum Block der Arbeiterbewegungschöre.
Es wurden keine Kassationen vorgenommen.
Es werden keine Neuzugänge erwartet.
Der Bestand ist im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs ohne Benutzungsbeschränkungen einsehbar.
Tobias Kästli: Das rote Biel 1919-1939. Probleme sozialdemokratischer Gemeindepolitik, Bern 1988. Signatur: 86907
Karl Schwaar: Isolation und Integration. Arbeiterkulturbewegung und Arbeiterbewegungskultur in der Schweiz 1920–1950, Basel 1993. Signatur: 97281
Ivo Frey: Proletarisches, Agitprop- und antifaschistisches Theater, ein Beitrag zur Geschichte des schweizerischen Arbeitertheaters der Zwischenkriegszeit (unveröffentlichte Diss. Universität Bern) Bern 1983. Signatur: GR 4689
Die Verzeichnung erfolgte am 18.09.2013 durch U. Kälin.