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Das Wirken im Hintergrund für die Fotografie durch Rosellina Burri-Bischof (1925–1986) kann nicht überschätzt werden. Die Fotostiftung Schweiz widmet u.a. ihrer eigenen Mitgründerin eine kleine Würdigungsschau mit Archivmaterialien.
Rückwirkend ist es nur mehr schwer vorstellbar, welche Hürden zu überwinden waren, die allererste Fotografieausstellung überhaupt in einer Schweizer Kunstinstitution zu verwirklichen. Rosellina Burri-Bischof wird als eine der zentralen treibenden Kräfte dafür genannt, dass im Herbst 1974 die Ausstellung «Photographie in der Schweiz von 1840 bis heute» im Zürcher Kunsthaus ausgerichtet werden konnte, die innerhalb von zehn Wochen von 70 000 Personen gesehen werden wollte. Zum Vergleich: Heute will das um ein Vielfaches an Fläche und Sammlungen erweiterte Kunsthaus die Richtzahl von 400 000 Besucher:innen jährlich erreichen. Hugo Loetscher eröffnet den dazugehörenden Katalog mit den Worten, die Ausstellung sei «ein einzigartiges Ereignis».
Die aktuelle Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Rosellina-Archiv entstanden ist, stellt ihren Werdegang in Fotografien, Briefen, Korrespondenzen und wenigen Filmbeiträgen ins Zentrum. Hier ist zu erfahren, dass der Impuls auf sie zurückgeht, «Werner Bischof für das Thema der Kinder zu sensibilisieren». In den direkten Nachkriegsjahren reiste die ausgebildete Kindergärtnerin mit einer u.a. auch bei den Roten Falken und bei Kursen im Mösli am Albisgrat vertieften sozialistischen Sozialisation für das Schweizerische Arbeiterhilfswerk nach Rimini, wo sie das «Centro Educativo Italo-Svizzero» aufbauen hilft. Das frühe Praktikumszeugnis des Städtischen Jugendheims Höngg beschreibt Rosa Helene Mandel als einen «lauteren, fröhlichen Charakter» und fährt mit der Lobeshymne fort, dass sie sich «insbesondere in der Bereitung von Freude auszeichnet».
Nicht zu überschätzende Wirkung
Mit den Reisen nach der Hochzeit mit Werner Bischof wächst ihre Weltläufigkeit, sie verfasst die Bildunterschriften und Texte für seine Reportagen und übernimmt alle administrative Arbeit. Als er 1952 als erster Fotograf des damals noch jungen Kollektivs Magnum Photos tödlich verunfallt, verfassen Henri Cartier Bresson, Cornell Capa und Robert Haas eine Art Manifest der vollumfänglichen agenturseitigen Unterstützung für die junge Witwe und Mutter. Auf einem Gruppenbild des Magnum-Treffens 1957 bildet sie den Mittelpunkt. Von 1956 bis 1968 verantwortet sie die Zürcher Niederlassung Magnum und dies dermassen erfolgreich, dass ihr Cornell Capa depeschiert: «You are beating all the others, both in volume and quality.» Weil wenige Tage nach Werner Bischof Robert Capa bei der Arbeit getötet wurde und wenige Jahre später auch noch David Seymour, gründeten das Magnum-Kollektiv zuerst den International Fund for Concerned Photography und zehn Jahre später Rosella Burri, Cornell Capa und Eileen Schneidermann den Capa-Seymour-Bischof Photographic Memorial Fund, die beide mit dem Gedanken des Bewahrens, der Verbreitung und der Förderung von jungen Talenten ideell als indirekter Vorläufer für 1971 die ebenfalls von ihr mitinitiierte Stiftung für Photographie in der Schweiz (heute: Fotostiftung Schweiz) genommen werden kann. Die Anzahl, die Grösse und die Wirkmächtigkeit der von ihr organisierten, teils im Zürcher Kunsthaus, teils im Centre Le Corbusier, teils während Jahrzehnten durch die Welt tourenden Fotografieausstellungen, die Herausgabe von Publikationen inklusive all des Kleinkrams im Hintergrund, kurz ihr Engagement für die Etablierung der Fotografie an sich ist immens und kann nicht überschätzt werden. Ihr riesengrosses Netzwerk wird mit einer Namenswand neben ihrem Konterfei am Eingang der Ausstellung angedeutet, ihre Unermüdlichkeit, ihr gewinnendes Wesen und ihre berufliche Hartnäckigkeit muss man sich vorstellen. Wohltuend, dass ihr jetzt gedacht wird.
«Rosellina (Burri-Bischof) – Leben für die Fotografie», bis 28.1.24, Fotostiftung Schweiz, Winterthur.