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Indien erlebt in diesen Zeiten einen rasanten, wirtschaftlichen Aufschwung. Doch das Geld kommt nicht überall an. Das indische Kastenwesen lässt viele Menschen noch heute in extremer Armut leben. Die tiefe Kluft zwischen Reich und Arm und auch zwischen Mann und Frau lähmt die Entwicklung. Beinahe jedes dritte Kind unter fünf Jahren ist unterernährt. Die Hälfte aller Frauen über 15 Jahren kann nicht lesen und schreiben.
Vor allem im Süden des Subkontinents, in den Slums, den überbevölkerten, verwahrlosten Elendsvierteln, ist der Anteil an Armen besonders hoch. Es mangelt an Zugängen zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen. Viele Menschen leiden an geschwächten Immunsystemen, an Infektionen, an Unter- und Fehlernährung. Fehlende Bildung und die Chancenlosigkeit auf dem Arbeitsmarkt lässt sie im Elend feststecken.
Hier knüpft ora international an: Gemeinsam mit den beiden, lokalen Projektpartnern, dem Kloster Anbu Illam unter der Leitung von Ordensschwester Ephrem und dem Pastor Aristotle leistet ora im südindischen Distrikt Salem Hilfe für viele notleidende Menschen in schwierigen Lebenslagen.
Die Missionsstation Anbu Illam
Die indischen Ordensschwestern im Kloster von Anbu Illam am Stadtrand von Salem leben ganz im Dienst an armen und ausgegrenzten Menschen. Schwester Ephrem leitet die soziale Arbeit und kümmert sich gemeinsam mit Schwestern und Sozialhelferinnen aus der Provinz um Kinder und Frauen, Notleidende und Kranke. Wöchentlich halten sie Treffen in sogenannten Kinderparlamenten ab, organisieren Frauen-Selbsthilfegruppen, halten und leisten individuelle Hilfe in Notlagen.
Damit Kinder aus armen Familien in die Schule gehen können, wurde das Patenschaftsprogramm ins Leben gerufen. Der monatliche Patenschaftsbeitrag deckt die Grundversorgung der Kinder, vor allem ihren Schulbesuch und die Schulmaterialien, ab. Die Kinder treffen sich wöchentlich im Kinderparlament, wo sie die Prinzipien von Teilhabe, Demokratie und Verantwortung lernen. Durch die wöchentlichen Treffen können die Sozialhelferinnen die Entwicklung jedes Kindes verfolgen. Ohne die Patenschaft würden viele Kinder, insbesondere die Mädchen, früh die Schule abbrechen und zur Arbeit geschickt werden. Die Patenschaft schafft Zugang zu Bildung und Wege aus dem Kreislauf der Armut.
Die Stellung der Frau ist in Indien nach wie vor eine untergeordnete: Noch heute gelten Mädchen als Ballast für eine Familie und es wird auf die Geburt eines Buben gehofft. Deswegen wird die Bildung von Frauen und Mädchen oft vernachlässigt. Und es werden noch immer minderjährige Mädchen verheiratet, auch wenn es offiziell verboten ist. Die ora-Mädchenförderschaften unter Betreuung von Schwester Ephrem und Pastor Aristotle ändern solche Schicksale. 32 Mädchen werden auf diese Weise heute gezielt unterstützt. Im Auftrag von ora international besuchen die Projektkoordinatoren die jeweiligen Familien regelmässig und achten darauf, dass die Fördergelder gemäss den Vorgaben verwendet werden: Mädchenförderschaften decken konkret ausgewogene Ernährung, medizinische Versorgung, Kleidung, Lernutensilien und den Schulbesuch ab.