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Plötzlich ist die Ruhe vorbei. Das Graupapageienpaar lebte in Harmonie miteinander, die Vögel pfiffen lustig, turnten an Ästen herum, schwangen in einem von der Decke baumelnden Holzring, kraulten sich gegenseitig das Gefieder, nagten an Ästen. Jetzt rupft sich das Weibchen die Brustfedern aus, scharrt am Volierenboden in einer Ecke, das Männchen krallt sich ans Gitter und ist aggressiv. In den düsteren Morgen- und Abendstunden hört man schnalzende Geräusche aus der Voliere. Die beiden sitzen eng aneinandergeschmiegt und paaren sich. Ein normales Verhalten, das aber zu Problemen führen kann.
Papageien sind Höhlenbrüter. Wenn sie keine Nisthöhle zur Verfügung haben, kommen sie meistens weniger stark in Brutstimmung. Die Frühlingswochen, wo der Bruttrieb stärker ist, sollten mit vielen Beschäftigungsmöglichkeiten überbrückt werden. Die Graupapageienspezialistin Deborah Blaser beispielsweise empfiehlt, brutlustigen Graupapageien Rollen mit Toilettenpapier anzubieten. Sie hat eine Vorrichtung fabriziert, die man am Käfiggitter befestigt und in die eine Rolle eingespannt werden kann. Es ist für die Graupapageien ein Erfolgserlebnis, wenn sie das Papier in Stückchen wegrupfen können. Zudem können ihnen am Boden Kartonschachteln hingestellt werden. Es dauert nicht lange, und sie stolzieren mit aufgeplusterten Federn darauf zu und beginnen, den Karton zu zernagen und zu zerlegen.
Jungenaufzucht im Wohnzimmer
Trotzdem kann es aber passieren, dass sich beim Weibchen ein Ei bildet. Der Schwanz zeigt dann abgeknickt nach unten, die Kloake hat eine Wölbung. Höchste Zeit, einen Nistkasten anzubieten. Wer züchten will, muss sich der Verantwortung bewusst sein. Wo die Jungvögel platzieren? Ein Graupapagei kann 50 Jahre alt werden. Nur wenige Leute können Grosspapageien gute Lebensplätze bieten. Wer keine Jungvögel möchte, sollte die Eier mit einer Nadel anstechen. Die Vögel können dann zumindest brüten. Nach Ablauf von 28 Tagen, wenn die Jungen schlüpfen würden, sollte der Nistkasten entfernt werden. Oft hört das Weibchen nämlich nicht auf zu brüten. Auch in der Natur führt lange nicht jedes Gelege zum Erfolg. Feinde stehlen Eier oder gar Junge, heftige Regenfälle überschwemmen Bruthöhlen.
Wer Kanarienvögel oder Zebrafinken hält und nicht züchten möchte, hat es einfacher mit zwei Männchen. Solange sie keine Weibchen sehen, leben sie gut zusammen. Auch zwei Wellen- oder Nymphensittichmännchen verstehen sich bestens, gehen sogar in ein Nistkästchen und verhalten sich harmonisch. Es ist einfacher, Wellensittiche, Agaporniden, Prachtfinken oder Kanarien zu züchten, da diese Vögel weitaus weniger alt werden als Grosspapageien. Auch kann Nachwuchs besser platziert werden, denn gerade kleinere Arten können im Wohnbereich in Zimmervolieren gehalten werden.
Während Wellensittiche in einem Nistkasten auf Buchenholzgranulat oder Sägespänen brüten und lediglich eine Nistmulde anlegen, bauen Zebrafinken und Kanarienvögel ein Nest. Im Fachhandel gibt es vorgefertigte Körbchen aus Plastik sowie Nistmaterial, das von den Vögeln verwoben wird. Kokosfasern oder Scharpie eignen sich hierfür. Natürlich können auch trockene Gräser zur Verfügung gestellt werden. Es ist ein grosses Erlebnis, den Nestbau, die Eiablage sowie den Brut- und Aufzuchtsverlauf aus nächster Nähe beobachten zu können.
Altvögeln sollte während der Brut und Aufzucht ein Weichfutter gereicht werden, das fertig im Handel erworben und beispielsweise mit geraffelten Rüebli oder Apfel angereichert werden kann. Couscous und Keimfutter sind weitere Nahrungsmittelergänzungen während der Zuchtzeit. Vögel zu züchten, ist sinnvoll und faszinierend, wenn man es planmässig macht.