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Klimaveränderung - Vegetationsveränderung?
Antworten mit Hilfe von Modellen Wie könnte sich eine Klimaveränderung auf die Vegetation der Schweiz langfristig auswirken? Mit verschiedenen Modellen hat die Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft ( WSL ), Birmensdorf, in den letzten Jahren versucht, die möglichen Folgen zu simulieren. Eine Risikoabschätzung liegt nun vor.
Ob sich das Klima als Folge des Aus-stosses grosser Mengen von Treib-hausgasen verändern wird, ist unter Wissenschaftlern umstritten. Was aber geschieht mit der Vegetation in der Schweiz, falls sich das Klima tatsächlich verändert? Dies ist eine wichtige Frage, wenn man zum Beispiel an die Schutz- und Wohlfahrtsfunk-tion der Wälder, an die touristische und ökologische Bedeutung der Vegetation in den Alpen oder an Natur-und Landschaftsschutzgebiete denkt.
Mit klassischen Experimenten allein lässt sich dieses Risiko nicht abschätzen. Es braucht umfassende ökologische Risikoanalysen, die sowohl auf Experimenten und Beobachtungen als auch auf mathematischen Modellen aufbauen.
Laubwald könnte Teile des Nadel-walds verdrängen Damit Aussagen über mögliche klimabedingte Vegetationsveränderungen gemacht werden können, muss bekannt sein, wie die natürliche Vegetation der Schweiz unter heutigen Klimabedingungen aussähe, d.h. ohne Einf luss des Menschen. Die WSL hat ein entsprechendes Modell entwickelt. Durch Veränderung der Umweltbedingungen im Modell, zum Beispiel durch Erhöhung der Temperatur, können nun Karten der möglichen zukünftigen Vegetation hergestellt werden. Ein zweites Modell erlaubt zusätzlich Aussagen über die Zeiträume, in denen sich die Veränderungen abspielen würden.
Wird es bei erhöhten Temperaturen zu einer Verschiebung der oberen Waldgrenze kommen? Spezialistinnen und Spezialisten sind sich in dieser Frage nicht einig. Bleibt die Nutzungsintensität auf den Beide Modelle zeigen klar: Falls die Temperaturen um 1 bis 1,5° C steigen, wird sich an vielen Standorten die potentielle natürliche Vegetation verändern. Der Laubwald könnte im Verlauf der nächsten 150 bis 200 Jahre in höhere Lagen vorrücken, gleichzeitig verkleinert sich das Gebiet des heutigen Nadelwaldgürtels. Steigen die Temperaturen sogar um 2 bis 2,5° C an, werden laut Modell die Buchenwälder des Mittellandes von Ei-chen-Hainbuchenwäldern abgelöst.
Da sowohl Eichen-Hainbuchen-wälder als auch trockenheitsertra-gende Buchenwälder grosse Artenzahlen haben, dürfte bei Erwärmung und gleichbleibenden Niederschlägen der Artenreichtum im Schweizer Wald tendenziell zunehmen. Ist allerdings die Erwärmung mit erhöhten Niederschlägen verbunden, wird sich der Artenreichtum nicht wesentlich verändern, da sich der Anteil trockenheitsertragender Wälder gegenüber heute kaum erhöht.
Unklar ist, ob sich bei einer Klimaveränderung die obere Waldgrenze nach oben verschieben würde. Immerhin lässt sich aufgrund des Modells soviel sagen: Bleibt die Nutzungsintensität auf den Alpweiden gleich hoch wie heute, ist kaum mit einem Ansteigen der Waldgrenze zu rechnen, selbst wenn eine Verschiebung aus klimatischen Gründen möglich wäre.
Die Modelle zeigen, dass im Fall einer klimatischen Erwärmung der Laubwald in höhere Lagen vorrücken könnte und der Nadelwald gleichzeitig kleiner würde; bei Stechelberg im Lauterbrunnental ( BO ).
Alpweiden gleich hoch wie heute, ist kaum mit einem Ansteigen der Waldgrenze zu rechnen, auch wenn dies aus klimatischen Gründen möglich wäre; Lonzahörner im Lötschental.
Schon heute nicht Standorts-gemässe Wälder Eine Veränderung der potentiellen natürlichen Vegetation bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich die Artenzusammensetzung der tatsächlich vorhandenen Wälder auch verändert oder dass Waldbestände grossflächig absterben. Schon unter den heutigen Klimaverhältnissen entspricht nämlich in rund 25 Prozent aller Wälder der Schweiz die Zusammensetzung der Baumarten nicht jener, die von Natur aus zu erwarten wäre. Bei massigem Temperaturanstieg um 1 bis 1,5° C, ohne Erhöhung des Niederschlags, würde der Anteil nicht stand-ortsgemässer Wälder laut Modellen um 5 bis 10 Prozent zunehmen. Bei starkem Temperaturanstieg ( 2 bis 2,5° C ) nähme er um 10 bis 30 Prozent zu. Solche Wälder müssten im Fall einer Klimaveränderung erst von besser angepassten Baumarten besiedelt werden. Diese Anpassung dürfte aber nur auf rund 2 bis 5 Prozent der bewaldeten Fläche der Schweiz schwierig sein, und zwar auf Flächen in niederschlagsarmen Gebieten und auf Böden, die das Wasser schlecht speichern können. In den inneralpinen Trockentälern ist bei starkem Temperaturanstieg in Tief lagen mit einer Versteppung zu rechnen.
PD Dr. Felix Kienast, WSL Birmensdorf