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Nach langer Krankheit ist am 19. April 2008 Paul Ward, Professor für Evolutionsbiologie und Verhaltensökologie am Zoologischen Museum der Universität Zürich, viel zu früh im Alter von 49 Jahren verstorben.
Paul Ward wurde am 25. Oktober 1958 in Schottland geboren. Seinen Studienerstabschluss des Bachelor of Science erlangte er an der heimatlichen Universität Glasgow, wo er sein Interesse für Tiere und ihr Verhalten entdeckte. Daraufhin zog es ihn zur Doktorarbeit über den britischen Röstigraben in die englischen Niederungen nach Liverpool zu Prof. Geoff Parker, der mit seiner Entdeckung der Spermienkonkurrenz Ende der 1960er Jahre das Fachgebiet der sexuellen Selektion revolutioniert hat.
Nach Abschluss seiner Dissertation 1984 zog Paul Ward zusammen mit seiner Frau Lesley Gardiner-Ward gleich für zwei Postdoktorate weiter auf den europäischen Kontinent, ans renommierte Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie in Seewiesen nahe München. Weitere Postdoktorate führten ihn kurzzeitig nach Liverpool und ins Mutterland nach Edinburgh zurück, bevor er 1988, damals als einer der jüngsten Professoren der Universität überhaupt, zum Assistenzprofessor ans Zoologische Museum berufen wurde.
Der Schotte Paul Ward fühlte sich sichtbar wohl in der Schweiz und an der Universität Zürich, wo er seine akademische Laufbahn erfolgreich fortsetzte und 1994 zum Ausserordentlichen, 2001 zum Ordentlichen Professor ernannt wurde. 2002 beerbte er schliesslich Vincent Ziswiler als Direktor des Zoologischen Museums.
«Kryptische» Wahlmechanismen
Anfänglich war Paul Ward’s Arbeitsgruppe noch klein und mit Wassergetier beschäftigt; später wendeten sich seine Forschungsarbeiten den in der Alpenrepublik sehr zahlreichen (Kuh)Dungfliegen zu, die Paul bei Geoff Parker schätzen gelernt hatte.
Sein Spezialgebiet war die sexuelle Selektion bei Tieren, die Frage wie und nach welchen Kriterien Tiere ihre Partner wählen. Insbesondere untersuchte er «kryptische» (d.h. verdeckte), da im weiblichen Körper stattfindende Wahlmechanismen bei der Grossen Gelben Dungfliege. Diese sind stets dann zu vermuten, wenn Spermienkonkurrenz herrscht, also wenn Weibchen sich mit mehreren Männchen paaren und deren Spermien über längere Zeit lagern, was bei vielen Tieren der Fall ist.
Leidenschaft für Wissenschaft, aber auch Sport
Die Arbeitsgruppe stach nicht nur durch hervorragende wissenschaftliche Leistungen hervor; auch im sportlichen Bereich schlug sie sich wacker. Meines Wissens wurde keines der zahlreichen Fussballspiele gegen das Institut für Umweltwissenschaften jemals verloren. Paul war auch ein begeisterter Badmintonspieler und jagte mich des öfteren auf dem Spielfeld umher. In jungen Jahren in Schottland spielte er Rugby, und seine entsprechende Statur hat ihm bei seinem Werdegang sicherlich viele Vorteile eingebracht. Zumindest war er dadurch stets sofort als der «Boss» zu erkennen.
Paul Ward war langjähriger Sekretär der Schweizerischen Zoologischen Gesellschaft SZG sowie der International Society for Behavioral Ecology ISBE. Im Jahr 2000 war hat er als Hauptorganisator gemeinsam mit Barbara König, Paul Schmid-Hempel (ETHZ) und mir selbst deren zweijährliche internationale Tagung mit nahezu 1000 Delegierten in Zürich ausgerichtet. Als damaliger Vorsitzender des Fachbereichsrats war Paul auch massgeblich an der Bologna-Reform des Studiengangs Biologie beteiligt.
Schon bei Antritt des Direktoriums des Zoologischen Museums zeigten sich bereits erste Anzeichen seiner Krebserkrankung. Nach fünf Jahren hat er schliesslich dieses Frühjahr den Kampf gegen die Krankheit verloren.
Symposium zu Ehren von Paul Ward Am Samstag, 25. Oktober findet an der Universität Zürich ein Symposium zu Ehren des verstorbenen Paul Ward statt.«Symposium on Sexual Selection, Sperm Competition & Cryptic Female Choice in Honor of Paul Ward», Universität Zürich Irchel, Hörsaal Y24 G55, 8:30 – 18:00 Uhr
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