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Berlin 1992: Der siebzigjährige Benno Besson ist nach 15 Jahren Abwesenheit wieder in „seine“ Stadt zurückgekehrt und inszeniert am Schiller-Theater die deutschsprachige Version von Coline Serreaus „Lapin Lapin“. Mit Einblicken in die Probearbeiten beginnt der Film, mit der erfolgreichen Premiere endet er. Dazwischen blendet Macasdar zurück und erzählt mit historischen Aufnahmen, mit Ausschnitten aus aktuell geführten Gesprächen mit Weggefährten und Zeitzeugen - so u.a. mit den Schauspielerinnen Ursula Karusseit, Katharina Thalbach (Bessons Tochter), mit den Besson-Kollegen Peter Palitsch, Manfred Wekwerth, den Dichtern Heiner Müller, Erwin Strittmatter sowie Wolf Biermann - und in der Begegnung mit Besson selbst dessen Lebensweg.
Neben den Tätigkeiten in Genf, Paris und Zürich erhält die (Ost-)Berliner Zeit eine zentrale Bedeutung. 1949 folgte der Waadtländer dem Ruf Bertolt Brechts ans Berliner Ensemble. Als einer der wichtigsten Schüler Brechts geriet er jedoch nach dessen Tod 1956 in Konflikt mit den dogmatischen Brecht-Adepten Palitsch, Wekwerth und Helene Weigel. Am Deutschen Theater und an der Volksbühne arbeitete er aber bis 1977 weiter. Anschließend wirkte er an unzähligen Häusern in ganz Europa, auf der Reise durch verschiedene Länder und Sprachräume.
Als eine Art Reise durch ein Kapitel europäischer Kulturgeschichte, das Besson wesentlich mitschrieb, versteht denn auch Macasdar seinen Dokumentarfilm, dem er als Motto ein Zitat aus dem Reisejournal Montaignes voranstellt: „Ich weiß wohl, vor was ich fliehe, aber nicht, was ich suche.“ Im Offenen lässt Macasdar, der selbst seit 1984 als Regieassistent, Dramaturg und Schauspieler mit Besson arbeitet, auch seine Recherchen. Es geht ihm nicht um eine persönliche Stellungnahme und auch nicht um abschließende Beurteilungen. Assoziativ verknüpft er vielmehr historisches und gegenwärtiges Material, Ansichten und Reflexionen, Bild und Wort. Dies kann - gerade in bezug auf die sinnlich poetische Arbeitsweise Bessons und seine Vita als Grenzgänger - als Tugend interpretiert werden. Ein insistierende- res Fragen und Hinsehen hätte jedoch die schillernde Figur Bessons und sein Schaffen - im Spannungsverhältnis der deutschen und der französischen Sprach- und Kulturräume in bezug auf das Brecht-Erbe, hinsichtlich der Frage nach dem engagierten Theater im Verhältnis zum „Boulevard“ usw. - schärfer zu konturieren vermocht. So bleibt dieses filmische Porträt eine Hommage eines Schülers an seinen Meister.