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Das musst du wissen
- Kondensstreifen entstehen, wenn Flugzeuge in einer Höhe von über 8000 Metern fliegen.
- Die Abgase treffen dort auf sehr kalte Luft und es bilden sich Eiskristalle – welche Wärme auf der Erde zurückhalten.
- Die Kondensstreifen tragen so zur Klimaerwärmung bei. Würden die Flughöhen angepasst, könnte dies verhindert werden.
Die Kondensstreifen, welche Flugzeuge am Himmel oft ziehen, sind so manchem Verschwörungstheoretiker suspekt. Doch hier soll es nicht um Chemtrails gehen sondern um Contrails, wie der englische Name für Kondensstreifen lautet. Fliegt ein Flugzeug sehr hoch, wo die Luft unter minus 40 Grad kalt ist, dann dienen die Abgas- und Russpartikel als Kerne für Eiskristalle. Diese Kondensstreifen sind in der Tat nicht unproblematisch – wenn auch in anderer Weise, als dies Verschwörungstheoretiker meinen.
Die Eiskristalle verhindern, dass Wärme von der Erde ins All abgegeben wird und tragen so zur Klimaerwärmung bei. Zwar reduzieren die Streifen teilweise auch die Sonneneinstrahlung und reflektieren das Sonnenlicht. Dies allerdings nur am Tag. Am Abend und in der Nacht wirken sie wie eine Decke und sorgen so dafür, dass sich die Erde nicht abkühlen kann. Die meisten Kondensstreifen verschwinden nach wenigen Minuten. Einige aber können, je nach Luftfeuchtigkeit, über Stunden bestehen bleiben. Per Satellit wurden Kondensstreifen beobachtet, die 17 Stunden bestehen blieben.
Der Effekt ist nicht zu vernachlässigen: In Zentraleuropa, wo der Luftverkehr besonders rege ist, sind laut Berechnungen rund 10 Prozent des Himmels von Kondensstreifen-Zirren bedeckt – so nennt man die Wolken, die durch die Streifen entstehen. In weniger beflogenen Gegenden sind 0,1 bis 0,4 Prozent des Himmels durch diese bedeckt. Wissenschaftliche Schätzungen gehen davon aus, dass die Auswirkungen auf die Klimaerwärmung vergleichbar gross sind wie jene durch das CO2, welches beim Fliegen entsteht.
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Eine neue Studie hat nun anhand konkreter Flugdaten berechnet, wie viel dem Klima gedient wäre, wenn die Flugzeuge besonders feuchte Luftschichten, in denen die Kondensstreifen besonders langlebig sind, umfliegen würden. Die Resultate wurden im Fachmagazin Environmental Science & Technology publiziert und ergaben, dass durch minimale Änderungen die Effekte auf die Klimaerwärmung durch Kondensstreifen um bis zu 59 Prozent verringert werden könnten.
Science-Check ✓Studie: Mitigating the Climate Forcing of Aircraft Contrails by Small-Scale Diversions and Technology AdoptionKommentarDies ist ein Kommentar der Autorin / des AutorsEs handelt sich hier um Modellierungen, die auf Basis des Luftverkehrs im japanischen Luftraum erstellt wurden. Die Erkenntnisse können aber laut Autoren auf den Flugverkehr der gleichen Breitengrade plus minus angewendet werden. Die Frage, wie stark Kondensstreifen zur Klimaerwärmung beitragen, ist hingegen noch relativ wenig erforscht und deshalb noch mit Unsicherheiten behaftet.Mehr Infos zu dieser Studie...Zuverlässigkeit: Datenbank für Flugverkehrsdaten im japanischen Flugraum (Carats), Modellierungen zu Kerosinverbrauch über Daten von Base of Aircraft Data 3 (BADA3), Wetterdaten vom European Centre for Medium-Range Weather Forecast (ECMWF), peer-reviewed.Studien-Art: ModellierungGeldgeber: Lloyd's Register Foundation, Imperial College London.Alle Informationen zum higgs-Science-Check
Die Forschenden kombinierten Flugdaten des japanischen Flugraumes mit Emissionsberechnungen, Berechnungen zur Kondensstreifen-Bildung, Schätzungen zur klimatischen Auswirkung und mit Wetter- und Klimadaten. Daraus leiteten sie ab, welche Flugrouten die langlebigsten Kondensstreifen produzieren. So sind 2,2 Prozent der Flüge für 80 Prozent der Verschiebung der Energiebilanz durch Kondensstreifen verantwortlich. Die Wissenschaftler berechneten für diese Fälle alternative Flugrouten. Konkret heisst das, dass die Flugzeuge im Sommer bis zu 600 Meter tiefer fliegen und im Winter bis zu 600 Meter höher, denn besonders feuchte Luftmassen erstrecken sich in der Vertikalen meist nicht weiter. Betroffen sind Flüge zwischen 15 Uhr und 6 Uhr morgens – dann, wenn die Zirren keine Sonnenstrahlung ins All zurückreflektieren können und so einen positiven Nutzen haben.
Bei manchen Routen führt dies zu leicht mehr Kerosinverbrauch und damit auch zu mehr CO2. Im Schnitt aber führen die Massnahmen zu einer klaren Verbesserung: Würden nur 1,7 Prozent der Flüge umgeleitet, würden 59 Prozent der negativen Effekte durch Kondensstreifen eliminiert – und nur zu 0,014 Prozent mehr CO2 ausgestossen.
Noch mehr würde der Umstieg auf modernen Verbrennungstechnologien bringen. Diese allerdings lassen sich nicht von heute auf morgen in allen Flugzeugen ersetzen. Die Flughöhe hingegen lässt sich theoretisch schon morgen anpassen.