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Der US-Justizminister kann sich plötzlich an ein Treffen erinnern, von dem er Wochen zuvor noch nichts wissen wollte.
März 2016: Im Trump Tower in Manhattan trifft sich Präsidentschaftskandidat Donald Trump mit seinem Wahlkampfteam. Am Tisch sitzt unter anderem ein gewisser George Papadopoulos.
Der 30-jährige US-Grieche versucht in der hitzigen Wahlkampfphase Trumps Team mit den Russen in Verbindung zu bringen. An jenem Treffen im März 2016 schlägt Papadopoulos ein Treffen zwischen Trump und hochrangigen Vertretern des Kremls – sogar mit Wladimir Putin – vor.
Papadopoulos hat zu diesem Zeitpunkt Kontakt mit Russen, die ihm unter anderem belastende Emails gegen Hillary Clinton versprechen. In London trifft er sich mehrmals mit einem russischen Professor, der enge Kontakte zum Kreml hat und ihm «Schmutz» über Hillary Clinton verspricht.
Mit am Tisch sitzt damals auch der heutige Justizminister Jeff Sessions.
Januar 2017: Donald Trump ist mittlerweile gewählt worden. Als designierter Minister des neuen Präsidenten-Teams sagt Jeff Sessions bei seiner Anhörung aus, er habe sich während des Wahlkampfes nicht mit russischen Vertretern getroffen.
Doch das stimmt so nicht. Im Juni gibt der Justizminister nämlich zu, dass er sich zweimal mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak getroffen habe. Nur: Er möge sich nicht so genau an die Inhalte der Gespräche erinnern.
Die Kontakte zu Kisljak gibt Sessions also zu. Aber von einem weiteren Treffen von Trumps Wahlkampfteam mit den Russen will er vorerst nichts wissen. «Ich glaube nicht, dass es passiert ist», sagt Sessions unter Eid.
14. November 2017: Jeff Sessions muss vor dem Justizausschuss des US-Kongresses seine Rolle als aussenpolitischer Berater im Wahlkampfteam von Trump erklären – und plötzlich passiert Wundersames. Denn der Justizminister kann sich nun doch an ein Treffen erinnern, bei dem Kontakte zu Russland besprochen wurden.
Eingefallen sei ihm dies, als der inzwischen wegen Meineid angeklagte George Papadopoulos aussagte, ein solches Gespräch habe stattgefunden.
Papadopoulos log das FBI unter Eid an und wurde im Juli verhaftet. Seither kooperiert er mit Sonderermittler Robert Mueller und gab unter anderem zu, dass er Trump und Sessions erzählt habe, dass er einen Kontakt habe, der ein Treffen mit Putin organisieren könnte.
Sessions sagt am Dienstag: «Ich erinnere mich jetzt an das Treffen im Trump Hotel im März 2016, an dem Herr Papadopoulos teilgenommen hat, aber ich habe keine klare Erinnerung an die Einzelheiten dessen, was er auf diesem Treffen gesagt hat.»
Er habe jedoch, so meint sich Sessions zu erinnern, Papadopoulos gesagt, dass ein Treffen mit der russischen Regierung nicht erlaubt sei. Auf jeden Fall habe er den Vorschlag von Papadopoulos abgelehnt.
Und wie erklärt sich Sessions, dass er sich erst jetzt wieder an das Treffen erinnern kann? «Keiner von euch war Teil der Trump-Kampagne. Es war eine brillante Kampagne in vielerlei Hinsicht, aber es war ein Chaos jeden Tag ... Schlaf war knapp, und ich war immer noch ein Vollzeit-Senator», so der Justizminister.
Gelogen habe er jedenfalls nie, meint Sessions, er habe sich stets ehrenhaft und konsequent verhalten. Das gelte auch für die Treffen mit Kisljak, schliesslich habe er ja nicht gesagt, dass er sich «nie in seinem Leben» mit Russen getroffen habe.
Nach diesen denkwürdigen Aussagen des US-Justizministers fragt sich die «Washington Post»: «Hat Jeff Sessions etwa das schlechteste Gedächtnis der Welt, oder was?» Und falls ja: Sollte er dann wirklich diesen Job haben?