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Ein Aspekt, den Sie damit ansprechen, ist uns auch bei der Lektüre Ihrer Bücher aufgefallen. Sie legen viel Wert auf die handelnden Personen, auf ihre Beweggründe, Interessen und intellektuellen Fähigkeiten. Würden Sie sagen, dass die Zeit um 1500 eine Zeit war, die in besonderem Masse durch Charaktere und Persönlichkeiten geprägt worden ist?
So weit würde ich mich nicht vorwagen, denn wir müssten mehr wissen über die grundlegenden Kräfte, die damals am Werk waren. In Basel war mit Erasmus natürlich einer der Stars der damaligen Zeit vor Ort, also ein sehr starker Charakter und eine prägende Persönlichkeit. Für Basel war seine Präsenz sicher wichtig, obwohl es auch in anderen Städten ähnliche Entwicklungen gab. Erasmus wirkte eben auch und vor allem durch seine Schriften, die man in ganz Europa kaufen konnte. Ähnliches könnte man von Martin Luther und Wittenberg sagen. Natürlich gab es auch andere Schubkräfte, teilweise auch aus älterer Zeit. Man denke an den spätmittelalterlichen Antiklerikalismus, an die Basisbewegung der Bauern, die Handwerkerzünfte und andere Widerstandskräfte gegen die dominanten Doktrinen und Herrschaftspraktiken. Aber um auf Ihre Frage zurückzukommen: Als Historikerin, die gelernt hat, Quellen kritisch zu lesen, kann ich die Personen, vor allem die Gelehrten, gut interpretieren. Deshalb sind sie in meinen Büchern wohl so präsent. Aber ohne die anderen, insbesondere sozialen Schubkräfte – die allerdings auch immer von Menschen getragen werden – kann ich mir die Reformation nicht vorstellen.