Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03186.jsonl.gz/1396

In den letzten Monaten haben Wissenschaftler mindesten zehn bisher unbekannte Kaiserpinguin-Kolonien entdeckt. Dies gelang anhand von Satellitenaufnahmen, wie Peter Fretwell vom British Antarctic Survey (BAS) berichtete.
Die meisste Zeit ihres Lebens verbringen Pinguine im Wasser. Zur Brut und Aufzucht ihres Nachwuchses kehren sie jedoch an Land zurück. Da die Kaiserpinguine auf weissem Polareis des Antarktischen Festlandes brüten und dabei Spuren in Form von Kot hinterlassen, konnten anhand von Satellitenaufnahmen insgesamt 38 Brutkolonien ermittelt werden. 10 Kolonien waren bis anhin unbekannt. Auf den Fotos waren wegen der zu geringen Auflösung nicht die Pinguine, sondern ihre Hinterlassenschaften in Form einer rot-braunen Verfärbung des Eises zu erkennen. «In der Brutzeit bleiben die Pinguine acht Monate lang in der Kolonie, da wird das Eis schon ziemlich schmutzig», sagt Peter Fretwell. Der Kaiserpinguin ist der grösste der 17 Pinguinarten. Er kann bis 1,30 Meter gross werden und bis zu 45 Kilo wiegen.
Während sich die Weibchen mit der Futtersuche beschäftigen brüten die Männchen das Ei in ihrer Bauchfalte, um vor der Kälte zu schützen, aus. Die Kolonie der brütenden Männchen kann von einigen Dutzend bis zu einigen tausend Tiere zählen. Die Kaiserpinguinmännchen verlieren in der zweimonatigen Brut-, bzw. Hungerphase bis zur Hälfte ihres Körpergewichtes. Um sich warm zu halten drängen sich die Tiere in der Brutkolonie eng aneinander und wechseln regelmässig ihre Position, so dass jedes Tier mal am Rand und mal im wärmeren Inneren der Kolonie steht. Es herrscht Polarnacht, die höchstens von etwas Polarlicht aufgehellt wird. Die Temperatur beträgt minus 60-70 Grad Celsius, teilweise fegen fürchterliche Schneestürme über das Eis. Nach mehr als zwei Monaten, genauer nach 64 Tagen, schlüpft das Junge und wird vom Vater fürs erste mit einem ausgewürgten Kropfsekret ernährt. Nun kehrt endlich auch die Mutter zurück, die den langen Landweg zum dritten mal zurückgelegt hat. Die wohlgenährte Mutter, sie hat ca. 3 kg vorverdauten Fisch im Magen, kann das Junge zwei bis drei Wochen lang füttern. Der Vater wandert inzwischen seinerseits mit all den übrigen abgemagerten Männchen zum Meer, um zur Jagd unter dem Packeis zu tauchen.
Jetzt beginnt die Zeit der gemeinsamen Fütterung. Während das eine Elterntier jagt, ist das andere mit dem füttern des Jungen beschäftigt oder auf dem Weg dorthin. So wandert jedes Elterntier ca. 8-mal zum Meer und zurück, sodass das Küken ungefähr 16-mal gefüttert wird. Die Fütterung erfolgt in mehreren Etappen, verteilt auf 2-3 Tage. Im Alter von 5-7 Wochen beginnen sich die Küken im so genannten Kindergarten zu sammeln. Alle Küken stehen dicht beisammen, um sich vor Kälte und Sturm zu schützen. Durch den langen Weg der Eltern zum Meer und zurück können zwischen den einzelnen Fütterungen schon mal 3-4 Tage vergehen. Jetzt zeigt sich der Vorteil ihrer Brutstrategie. Es wird Sommer (November-Januar), das Eis ist aufgebrochen und jetzt wo die Küken viel Nahrung brauchen ist der Weg zum Meer nicht mehr so weit.
Nach etwa sechs Monaten, im Januar, verlassen die jugendlichen Kaiser nach der Mauser die Kolonie, um nach 3-6 Jahren an ihren Geburtsort zurückzukehren um das erste Mal selbst zu brüten.
Die Kaiserpinguine schaffen es mit diesem Rhythmus jedes Jahr zu brüten. Die nächsten Verwandten, die Königspinguine haben nur zwei Brutphasen in drei Jahren.
Aktuellste Artikel