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Der Fall ist folgender:
Die Brustwarzen sind vom Stillen ganz wund. Die linke Brustwarze schmerzt deutlich mehr als die rechte. Sie ist bereits verschorft und hat Risse in der empfindlichen Brustwarzenspitze.
Wunde Brustwarzen sind etwas fürchterliches. Ich kenne Frauen, die sagen, Wehenschmerzen wären erträglicher gewesen als Stillen mit wunden, blutigen Brustwarzen.
Ausserdem sind Wunden jeder Art immer eine Eintrittspforte für Keime. Bei wunden Brustwarzen können Keime, wie Staphylococcen in das Brustgewebe eindringen und eine Mastitis, eine Brustdrüsenentzündung, verursachen.
Deshalb ist es ganz wichtig, schnell das Richtige zu tun, damit diese Situation sich rasch wieder verbessert.
WAS KANN DIE URSACHE SEIN?
Häufig ist die Ursache von wunden Brustwarzen eine falsche Ansetztechnik.
Das Baby hat nur die Brustwarze, nicht aber das umliegende Brustgewebe im Mund. Die Brustwarzenspitze wird so zwischen den Kiefernleisten wund gerieben. [hier] wird die Technik erklärt.
In seltenen Fällen ist das Zungenbändchen des Kindes zu kurz. Das Kind kann seine Zunge nicht weit genug rausstrecken, um die Brustwarze der Länge nach auszustreichen. Wenn man die Zunge dieser Kinder betrachtet, ist das Zungenbändchen unterhalb der Zunge so kurz, dass es die Zunge in der Mitte leicht herzförmig einzieht. Einige Hebammen oder Stillberaterinnen schneiden das Bändchen beherzt selber ein, andere verweisen an einen Kinderarzt, der diesen kleinen Eingriff dann durchführt.
WAS SOLL DIE FRAU MACHEN?
• Häufiger stillen! Aber kürzer. Am besten das Kind anlegen, bevor es vor Hunger weint und sucht. Es wird sanfter an den Brustwarzen saugen, als wenn die Stillintervalle verlängert werden. Das ist für die Brustwarzen schonender.
• Der Ansetzschmerz kann verringert werden, indem der Milchspendereflex durch Massagen und/oder warme Wickel angeregt wird. Die Milch fliesst dann schon, wenn das Kind angesetzt wird.
• Immer mit der besseren Brust beginnen, in diesem Fall mit der rechten Seite. Dann ist das Kind bereits einigermassen gesättigt, wenn es an der wunden Seite trinkt. Es saugt sanfter und kürzer.
• Stillpositionen wechseln. Meistens ist die Brustwarze an der Stelle wund, an der der Unterkiefer des Babys am häufigsten saugt. Ein Wechsel der Stillposition verteilt die Belastung des Unterkiefers. Im Rückhaltegriff wird die wunde Stelle entlastet.
• Wichtig ist, das Kind nicht länger als nötig an der Brust saugen zu lassen. Nur trinken, aber nicht nuckeln lassen. Das belastet die Brust unnötig.
• Wenn das Kind die Brustwarze nicht von alleine loslässt, lösst das Vakuum, indem ihr mit eurem Finger in den Mundwinkel eingeht und die Kieferleisten öffnet.
• Ein Stillhütchen aus Silikon kann der Brustwarze als vorübergehender Schutz dienen. Stillen ist aber am besten, je weniger Hilfsmittel man braucht. Deshalb rate ich, nur wenn dringend nötig ein Stillhütchen zu gebrauchen. Wenn die Schmerzen aber nicht erträglich sind, ist das selbstverständlich ein guter Grund.
• Vielleicht ist der Schmerz sogar so gross, dass Stillen auch mit einem Stillhütchen nicht möglich ist. Dann ist eine Möglichkeit, für 1-2 Tage die Milch auszupumpen und sie dem Baby mit dem Fläschchen zu geben. Pumpen ist weniger schmerzhaft als stillen.
WIE DIE WUNDEN BRUSTWARZEN PFLEGEN?
Ganz wichig ist, die wunden Brustwarzen gut zu pflegen. Als Basispflege ist immer gut, Speichel des Kindes und Milchreste auf der Brustwarze zu belassen. Aber das reicht bei wunden Brustwarzen nicht aus.
Früher hat man geraten, die Brustwarzen an der Lust zu trocknen. Eventuell sogar trocken zu föhnen. Das macht man heute nicht mehr. Die Brustwarzen trocknen aus und bilden Schorf. Der Heilungsprozess durch Neubildung von Gewebe ist verzögert. Wird das Baby angesetzt, reisst der Schorf samt Gewebe wieder auf.
Besser ist die feuchte Wundheilung. Deshalb sind Wollfettsalben wie Purelan so gut. Sie binden Feuchtigkeit und halten die Brustwarzen geschmeidig. Schorfbildung wird vermieden, die Zellteilung und Gewebeneubildung wird gefördert. Purelan muss vor dem Stillen nicht entfernt werden.
Bei sehr wunden Warzen, helfen Wundcremes wie z.B. von Bepanthen oder auch die Hydrogelpads sehr gut.
Stilleinlagen aus Wolle/Seide schaffen ein wundheilungsförderndes Klima. Auch Heilwolle verstärkt die Wundheilung. Solange allerdings die Brustwarzen offen sind, würde ich von Heilwolle abraten, da die Häärchen unangenehm mit der Brustwarze verkleben können
In ganz ausgeprägten Fällen kann ein Brustwarzenschutz in den BH eingelegt werden, um die wunden Brustwarzen vor schmerzhafter Reibung an der Kleidung zu bewahren.