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„Nachrichten entstammt etymologisch dem Wort „Nachrichtung“, also etwas, nach dem man sich zu richten hat. Auch im angelsächsischen Bereich wird der Plural „news“ nur für Nachrichten oder Nachrichtensendungen verwendet. Die Nachrichten sind für die Urteils- und Meinungsbildung der Bevölkerung von wesentlicher Bedeutung, wobei das mediale Nachrichtenangebot dem menschlichen Informationsbedürfnis entspringt. Die Vielzahl und Komplexität der weltweit täglich stattfindenden Ereignisse kann vom Menschen nicht vollständig wahrgenommen und erfasst werden. Deshalb ist eine Selektion in wichtige und weniger bedeutende Nachrichten entscheidend. Hier leisten Radio- und Fernsehnachrichten wichtige Vorarbeit“ (Quelle: Wikipedia)
Die erste live-Sendung von Nachrichten erfolgte am 31. August 1921 von der Radiostation 8MK in Detroit zur Präsidentenwahl. Der Sender hatte erst Wochen vorher seine Lizenz erhalten, die an Michael DeLisle Lyons, einen Teenager und Radio-Pionier, vergeben wurde. Das Geld für den Sender hatte Michael von E.W. Scripps, Zeitungsverleger und Inhaber der Detroit News, erhalten. Scripps wollte nicht, das die Lizenz auf seinen Namen lief, da er sich nicht sicher war ob das neue Medium Radio überleben würde. Trotzdem sah er die Chance hier neue neue Wege in der Nachrichtenverbreitung zu beschreiten. Aus dem Radiosender 8MK wurde später WWJ Newsradio 950, eine Station des CBS Netzwerks. Hatte 8MK bei seinem Start eine Reichweite von gerade einmal 30 Haushalten, so erreicht WWJ Newsradio 950 heute ca. 700.000 Zuhörer pro Woche.
Auch die Detroit News hat bis heute überlebt und bewies nicht nur mit der Gründung von 8MK Weitsicht. So brachte die Zeitung bereits 1931 mit dem Kauf der Pitcairn PCA-2, einer Mischung auf Flugzeug und Helikopter, die ersten professionellen Luftaufnahmen in die kommerzielle Berichterstattung ein. Die Verwendung von Drohnen in der heutigen Berichterstattung ist also alles andere als “innovativ”.
Die Geschichte von 8MK und der Detroit News zeigt, das es sich auszahlt neue Wege zu gehen und neue Entwicklungen zu umarmen, wenn man langfristig überleben will. Beim Start von 8MK wußte niemand, ob dieser neue Verbreitungsweg für Nachrichten Erfolg haben wird.
Heute haben wir eine ähnliche Situation.
Die Art und Weise wie Nachrichten erzeugt, verteilt und konsumiert wurden, befindet sich im Umbruch. Es ist noch gar nicht so lange her, da kamen Nachrichten in gedruckter Form als Zeitung einmal am Tag, im Radio immer zur vollen Stunde und im Fernsehen in den Abendnachrichten. Jetzt erhalten wir Nachrichten per “Push”-Funktion über die Smartphone-App innerhalb von Minuten nachdem etwas passiert ist. Die ersten Videos und Bilder von Ereignissen erscheinen sofort auf Plattformen wie YouTube, Facebook, Twitter, Instagram oder neu, Periscope. Dies verändert nicht nur unsere Erwartung gegenüber den Nachrichtendiensten sondern stellt diese auch vor ganz neue Herausforderungen. Wenn man schon den ganzen Tag über, durch unterschiedlichste Kanäle und Quellen mit Informationen versorgt wird, braucht es dann noch einen Nachrichtensprecher, der einem um 20:00 noch einmal das vorliest was man sowieso schon weiß? Wäre das nicht eine Chance, statt vieler kurzer Berichte, eine dem journalistischen Anspruch genügende vertiefende Berichterstattung zu liefern? Braucht es in Zeiten sinkenden linearen Fernsehkonsums noch Nachrichtensendungen in der jetzigen Form und zu festgelegten Zeiten? Wie wertvoll sind 20:00 Uhr Nachrichten wenn man sie um 22:00 Uhr schaut?
Aber Sendung und Verteilung, sind nur eine Hälfte der Geschichte. Die Erhebung von Nachrichten vor Ort und deren schnelle Übertragung eine andere. Nachrichten sind schnell verderbliches Gut. Solange der Transport für alle gleichlang dauerte, war dies kein Problem. Heute erfolgt die Berichterstattung per Laptop, Tablet, Smartphone direkt vom Ort des Geschehens und durch unterschiedlichste Quellen. Ich nenne es Crowd Generated News. Nachrichten von Quellen, deren Glaubwürdigkeit nicht garantiert ist, aber ohne die kein Sender mehr auskommt. Die Schnelligkeit der Berichterstattung steht daher für viele (kommerzielle) Sender vor der Verifizierung des Wahrheitsgehalts. Sollte sich etwas als unwahr herausgestellt haben, so wird es einfach in einer späteren Darstellung “korrigiert”. Der Konsument muss dabei noch lernen, mit dieser „neuen“ Art der Berichterstattung umzugehen.
Die Sender selbst, sehen sich mit einer Veränderung in der Berichterstattung durch Ihre Journalisten konfrontiert. Gab es früher eine (mehr oder weniger) klare Rollenverteilung in der multimedialen Berichterstattung, (Radiojournalist, Fernsehjournalist, Kameramann, Toningenieur, Techniker, etc.), so sind die Grenzen heute fließend. Der selbstdrehende Journalist (und ich rede hier nicht von seinen Zigaretten), der einen Beitrag direkt kommentiert, während dieser in Echtzeit von der Kamera in’s Netz „ge-streamed” wird, ist technisch gesehen bereits Realität. Hersteller, wie z.B. Sony, haben all Ihre VJ-Kameras schon so ausgestattet, dass ein live-streaming und/oder eine Dateiübertragung über mobile Netze möglich ist. Kleine aufsteckbare Module wie z.B. das Vidiu Mini von Teradek, ermöglichen eine live-Übertragung direkt von digitalen Kameras. Alles was es dazu braucht, ist ein HDMI Ausgang an der Kamera.
Tragbare, selbstausrichtende Satellitenantennen, wie z.B. MSAT Portable von Vislink, ermöglichen es auch “Nichttechnikern”, innerhalb von Minuten eine leistungsfähige und vom Mobilfunknetz unbabhängige Übertragung aufzubauen.
Stellte 1921 die Geburt von „Broadcast-Nachrichten“ eine Revolution da, so ist dies nichts im Vergleich zu dem was uns erwartet. Nachfolgend 2 aktuelle Beispiele.
- Periscope, ein live-streaming Service (und App) wurde Anfang 2015 für 100 Millionen US-Dollar von Twitter gekauft. Gerade erst am 26. März 2015 gestartet, setzte Guardian Reporter Paul Lewis, Periscope bei der Live-Berichterstattung über die Unruhen in Baltimore bereits erfolgreich ein
- Auch die heutige Meldung von Politico.com über den Wechsel von CNN’s besten politischen Journalisten, Peter Hamby, zu Snapchat, zeigt einmal mehr, das Nachrichten und Broadcast dabei sind sich grundlegend neu zu definieren.
Von wem Nachrichten übermittelt werden, über welchen Kanal sie uns erreichen und wie sie dorthin übertragen werden ist im Fluss und niemand kann deren genaue Auswirkungen exakt vorhersagen.
Insofern ist 2015 ein bisschen wie 1921.