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Ein Pilotenfehler ist schuld am Flugunfall in Hergiswil NW, bei dem im August 2018 eine vierköpfige Familie aus dem Kanton Nidwalden ums Leben kam. Die Ermittler weisen auf fehlendes Training des Piloten auf der Unfallmaschine hin.
Der damals 47-jährige Chef-Testpilot der Pilatus Flugzeugwerke wollte an jenem Samstag mit seiner Frau und den beiden Kindern nach Holland in die Ferien fliegen, wie aus dem Schlussbericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) hervorgeht, der am Dienstag veröffentlicht wurde. Er startete mit einem Kleinflugzeug vom Typ Socata TB-10 vom Flugplatz Kägiswil OW.
Die Maschine, die der Motorfluggruppe Pilatus gehörte, kollidierte sechs Minuten nach dem Start mit den Baumkronen auf der Krete des Renggpasses und stürzte danach 200 Meter nahezu senkrecht nach unten, wo sie Feuer fing. Alle vier Insassen wurden beim Aufprall tödlich verletzt.
Laut den Ermittlern war der Pilot mit der Topografie der Gegend vertraut und verfügte über eine vielseitige Flugerfahrung von insgesamt 8040 Stunden. Er sei ausgeruht und gesund gewesen. Das Wetter war sonnig, windschwach und warm, es habe keinen Einfluss auf den Unfall gehabt. Auch lägen keine Anhaltspunkte für technische Mängel am Flugzeug vor.
Die Sust vermass nach dem Unfall die Krete mit einem Laserscanner und einer Drohne. Daraus stellte sie ein fotorealistisches 3D-Modell der Kollisionsstelle her. Sie kam zum Schluss, dass das Flugzeug sich bis zur Kollision in der Steigfluglage befunden habe und die Sicht des Piloten in Flugrichtung stark eingeschränkt gewesen sei.
Die vom Pilot gewählte Flugtaktik, indem er mit geringer Geschwindigkeit im Steigflug die Krete in einem stumpfen Winkel tief anflog, sei risikoreich gewesen, da keinerlei Reserven vorhanden waren. Die Kollision mit den Baumwipfeln dürfte den Piloten überrascht haben.
Die angewandte Flugtaktik erklärt sich die Sust damit, dass der Pilot fast ausschliesslich Erfahrung auf leistungsstarken Flugzeugmustern aufwies, die ein vergleichbares Manöver mit entsprechenden Geschwindigkeitsreserven zugelassen hätten.
Im vorliegenden Fall handelte es sich jedoch um ein leichtes Flugzeug, dessen Flugvektor im Langsamflug schnelleren Änderungen unterliegen kann. Das fehlende Training auf dem Unfallmuster erschwerte das Antizipieren derartiger Änderungen des Flugvektors, was zur Entstehung des Unfalls beigetragen habe. (aeg/sda)