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Weitere Luftaufnahmen von Orbe
Die Gegend von Orbe muss, nach zahlreichen Funden zu schliessen, bereits in der römischen Kaiserzeit dicht besiedelt gewesen sin. Der lang gestreckte Hügel am westlichen Rand der Thielle-Ebende, auf dem sich heute das Städtchen und die Reste der Burganlage erheben, schein jedoch erst im Verlaufe des Mittelalters zum Siedlungs- und Herrschaftszentrum geworden zu sein. Obwohl gewisse historische Nachrichten die Existenz eines befestigten Platzes zu Orbe schon für die Epoche des Frühmittelalters glaubhaft machen, sind die heute noch erhaltenen Wehranlagen der Burg und des Städtchens nicht vor das 13. Jahrhundert zu datieren.
Auf dem höchsten Plateau des weitläufigen Hügelzuges erhob sich die Burg von Orbe. Als deren bedeutendster Rest darf ein mächtiger, runder Wachtturm gelten, der auf einem kleinen Felskopf an der stadtseitigen Peripherie des einstigen Burgareals steht. Der Hocheingang liegt in der Höhe des ersten Obergeschosses, etwa neun Meter über dem Boden. Der heutige ebenerdige Eingang ist nachträglich eingebrochen worden. Die oberen Geschosse des Turmes werden durch Schmalscharten erhellt. Den oberen Abschluss bildete einst ein leicht vorkrangender Zinnenkranz mit Wehrgang. Das spitze Kegeldach, sein Mitte des 18. Jahrhunderts seines obersten Teiles beraubt, setzt auf dem inneren Mauerhaupt an und lässt somit den Wehrgang frei. Das ursprünglich wohl als Kellerraum und erst nachträglich als Gefängnis verwendete Erdgeschoss ist mit einem Gewölbe eingedeckt, durch das ein Angstloch in die Tiefe führt.
Ein weiterer Turm der Burganlage erhebt sich in der Nordostecke des Areals. Er hat einen viereckigen Grundriss. Wie aus alten Abbildungen hervorgeht, diente er als Flankierungsturm im bering. Sein Inneres enthält keine Hinweise auf eine dauernde Bewohnbarkeit. Schiessscharten für Handfeuerwaffen und leichte Geschütze sind anlässlich eines fortifikatorischen Umbaues im 15. Jahrhundert angebracht worden. Weitere viereckige Ecktürme, die heute nur noch in geringen Fundamentresten erhalten sind, waren gemäss alten Abbildungen im 18. Jahrhundert noch aufrecht. Über die Gebäude im Innern des Burgareals sind wir wenig unterrichtet. Das Gelände ist heute planiert, so dass kein aufsteigendes Mauerwerk mehr sichtbar ist. Ein Aquarell aus der Mitte des 18. Jahrhunderts zeigt jedoch Trümmer eines mehrstöckigen Gebäudes. Weitestgehend verschwunden sind auch die äusseren Annäherungshindernisse der Burg; dagegen haben sich in den peripheren Häusern der Altstadt noch Mauerreste der ehemaligen Stadtbefestigung erhalten. Ein starker Wehrturm der Stadtmauer ist in die im 15. Jahrhundert erweiterte Stadtkirche integriert.
Seine Entstehung
Obwohl die historische Überlieferung von Orbe für die Zeit vor der Jahrtausendwende auf Dokumente von teilweise umstrittener Echtheit abgestützt ist, lässt sich doch erkennen, dass der Platz bereits in merowingischer und karolingischer Zeit eine grosse Bedeutung als regionales Herrschaftszentrum hatte. Im 10. Jahrhundert gehörte Orbe den Königen von Hochburgund. Nach dem Übergang Burgunds an das Römisch-Deutsche Reich unter Kaiser Konrad II um 1032 zählte Orbe zum burugundischen Reichsgut. Dieses ist im 11. und 12. Jahrhundert an verschiedene hochadlige Herren verliehen worden, was sein allmähliche Zersplitterung und seine Integration in verschiedene regionale Adelsherrschaften bewirkte. Zur Verwaltung der herrschaftlichen Güter und rechte zu Orbe war ein Meier eingesetzt. Urkundlich wird dieser Beamte mit Tietmar, der offenbar eine Sippe des lokalen Kleinadels zuzuweisen ist, bereits 1109 erwähnt. Kaiser Friedrich Barbarossa gab 1168 Orbe zur einen Hälfte an den Pfälzgrafen Wilhelm von Burgund zu Lehen, zur anderen an Amadeus II von Montfaucon-Mümpelgard. Unter diesem sowie seinem gleichnamigen Sohn scheint die heutige Burganlage errichtet worden zu sein. Amadeus III erwarb 1255 durch Kauf auch den Anteil der Grafen von Burgund und wurde so zum Alleinbesitzer von Orbe. Er baute das von seinem Vater errichtete Schloss weiter aus und umgab auch den alten Marktflecken mit Befestigungsanlagen. Durch die Erwerbung der Herrschaften Echallens und Montagny-le-Corbe erweiterte er seinen ohnehin schon beträchtlichen Besitzstand im Waadtland. Das Geschlecht erlosch um die Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert. Henri von Montfaucon zog als Soldritter auf die Schlachtfelder in Flandern und fiel wie so mancher anderer Haudegen 1396 in der Schlacht von Nikopolis. Mit dem Untergang des Hauses Montfaucon löste sich das Familiengut auf.
Die Châlon
Die Herrschaft Orbe fiel zusammen mit Echallens und Montagny-le-Corbe schliesslich an Ludwig von Châlon, Fürst von Orange, einen der mächtigsten Herren Burgunds. Das Haus Châlon stammte aus der Freigrafschaft und hatte seit dem ausgehende 14. Jahrhundert seine Macht erfolgreich über den Jura hinaus gegen den Neuenburgersee vorgeschoben. Zu Ludwigs Güter und Herrschaftskomplex gehörte auch Grandson. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts ist die Burg von Orbe durch die Châlons ausgebaut und verstärkt worden. Den Hauptsitz des Geschlechtes bildete freilich die Feste Grandson am Neuenburgersee.
Niedergang
Da das Haus Châlon zu den lehnsabhängigen Parteigängern Karls des Kühnen zählte, sind seine Burgen und Herrschaften durch die Wirren der Burgunderkriege schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Die zur Herrschaft Orbe gehörenden Burgen Echallens und Montagny-le-Corbe wurden 1475 von den Eidgenossen erstürmt und verwüstet. Orbe, von Niklaus von Joux zäh verteidigt, konnte erst nach längerer Belagerung eingenommen werden. Das Städtchen entging der Zerstörung, doch wurde die Burg am Ende des Feldzuges von den abrückenden Eidgenossen niedergebrannt. Der Ausgang der Burgunderkriege brachte dem Hause Châlon den Verlust seines Waadtländer Besitzes.
Grandson, Orbe und Echallens wurden zu Gemeinen Herrschaften der Orte Bern und Freiburg, wobei sich das Städtchen Orbe dank seinen alten Freiheiten eine beachtliche Autonomie zu erhalten wusste. Das gute Einvernehmen zwischen den von einem eigenen Rat regierten Stadtbürgern und der Berner bzw. Freiburger Obrigkeit bewirkte, dass 1798 beim Ausbruch der Revolutionswirren ein grosser Teil der Bevölkerung zum alten Regiment hielt.
Die Burg von Orbe scheint nach ihrer Zerstörung 1475 nur notdürftig wiederhergestellt worden und vom 17. Jahrhundert an zerfallen zu sein.
1835 wurden die Trümmer ausgeebnet, als das Burgareal zur Parkterrasse umgestaltet wurde.
Bibliographie