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Drei Tage reichen nicht aus, um all die berühmtesten Sammlungen in Stockholm zu besuchen. Deshalb legt jedes von uns seine eigene Priorität fest. Felix widmet sich dem Vasa Museum und ich dem Nordiska Museum.
Schon das riesige Gebäude an sich im Stadtteil Djurgården und oberhalb der Vasa ist eine Sehenswürdigkeit. Es wurde im Renaissance-Stil gebaut und 1907 eingeweiht.
Nichts ahnend trete ich in die 24 Meter hohe und 126 Meter lange Halle ein. Die Statue in der Mitte raubt mir fast den Atem, weil sie so dominant und mächtig ist. König Gustav Wasa (1523 – 1560) in seinem Prunk blickt streng auf mich herunter.
Das Museum zeigt «Die nordische Lebensart» und die Sonderausstellungen «Das Paris des Nordens» und «Leben in der Arktis bei schmelzendem Eis».
Ich beginne bei der nordischen Lebensart. Die Traditionen und die Feiertage von Ostern bis Neujahr sind lebendig in Szenen dargestellt.
Tische sind gedeckt für üppige Festessen und leichte Mahlzeiten der wohlhabenden Leuten. Sie geben Einblick über die Ernährung, Macht und Status aus fünf Jahrhunderten.
Folkhemmet, ist der schwedische Begriff, den der sozialdemokratische Politiker Per Albin Hanson verwendete. Er beschrieb eine gleichberechtigte Gesellschaft ohne Klassenunterschied. Sie soll von gegenseitigem Verständnis geprägt sein.
In Schwedens Folkemmet zwischen 1930 und 1965 hatte jeder Anspruch auf ein menschenwürdiges Zuhause. Die Wohnungsbaugenossenschaft HBS schaffte bezahlbare Wohnungen für ihre Mitglieder.
Ich trete ein in eine nachgebaute HBS-Mietwohnung aus den 1940er Jahren. Die Familie Johansson (fiktiv) sei vor kurzem eingezogen und lässt die Türe extra für uns Besucher offen. Sie hausten vorher in einer Wohnung mit einem Zimmer, einer Küche mit kaltem Wasser. Der Abort befand sich ausserhalb. Ihre neue Wohnung ist mit einem Badezimmer, Küche mit Elektroherd und Kühlschrank und zwei Zimmern ausgestattet – ein bezahlbarer Luxus für die Familie aus dem unteren Lohnniveau.
Das Paris des Nordens, NK’s (Nordiska Kompaniet) französische Damenschneiderei von 1902 bis 1966 liegt in meinem Fokus. Der Salon in NK’s französischem Atelier in der Hamngatan war der eleganteste Ort in Stockholm. Kundinnen kamen, um sich die neuste Mode von Pariser Designer wie z.B. Jeanne Lanvin, Coco Chanel, Christian Dior und Yves Saint Laurent zeigen zu lassen. Die Pariser Mode wurde aber an den Geschmack der Skandinavierinnen angepasst, reduziert und elegant. Der Modesalon war Stockholms beste Bühne für das Mass höchster Handwerkskunst.
Die Sonderausstellung Leben in der Arktis bei schmelzendem Eis ist ergreifend. In Videos, Bildern und Texttafeln wird die verheerende Erderwärmung dargestellt und wie sich das Leben der Inuit in der Arktis drastisch verändert. Ich beobachte, dass sich kaum Besucher im gespaltenen Eisblock aufhalten. Das Thema scheint die Allgemeinheit nicht unter den Fingernägeln zu brennen oder es wird ignoriert.
Vollbepackt mit dem vermittelten Wissen im Nordiska Museum, setze ich mich kurz für einen Lunch hin. Nachher mache ich einen Ausflug in die glitzernde Popwelt der 70er Jahren.