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Meine lieben Kandidaten des Diakonats,
Ihr habt auf den Ruf des Herrn geantwortet und wollt mit ihm den Weg zum Priestertum gehen. Dazu empfangt Ihr heute die Diakonenweihe. Gerne möchte ich für mein Wort auf den Weg drei Begriffe aus der Weiheliturgie aufnehmen, drei Begriffe, welche zu Bereitschaftserklärung gehören und bei der Befragung des Bischofs vorkommen, nämlich die Begriffe „Dienst in der Kirche“ (1), „Hingabe an Christus“ (2) und „Männer des Gebetes“ (3). Diese drei Begriffe sollen Eure Gesinnung prägen und Euch als Richtschnur für Eure neue Aufgabe in der Kirche dienen.
Vom Dienst in der Kirche ist in der ersten Frage die Rede: Seid ihr bereit, euch durch die Auflegung meiner Hände und die Gabe des Heiligen Geistes zum Dienst in der Kirche weihen zu lassen? Zugrunde liegt der lateinische Ausdruck „ministerium“ oder das griechische διακονία (diakonia). Auf Grund dessen werdet Ihr Diakone genannt und als Diakone tätig sein.
Das Sakrament der heiligen Weihe ist in drei Stufen gegliedert: Diakonat, Presbyterat und Episkopat. Die Grundlage dieses sechsten Sakraments ist der Diakonat, die Aufgabe zu dienen. Ihr werdet in Dienst genommen. Der Dienst ist ein Kennzeichen des Weihesakramentes als solches. Er steht nicht nur am Anfang und gilt nicht nur für den Diakonat. Der Gedanke des Dienens bezieht sich auf alle Weihestufen, muss also auch ein Kennzeichen des Auftrages eines Priesters und eines Bischofs sein.
Dienen ist der Gegensatz zu herrschen. Herrschen heißt bestimmen, was zu geschehen hat. Herrscher ist in diesem Sinn nur der Herr, so dass wir ihn denn auch „Herr“ nennen: „Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt mich mir Recht so; denn ich bin es“ (Joh 13,13). Der Diakon ist als Diener der Kirche ganz vom Herrn abhängig. Er hört hin auf das, was der Herr will. Er lebt in der Haltung des jungen Samuel: „Rede, Herr, denn dein Diener hört“ (1 Sam 3,10). Er führt das aus, was der Herr im aufträgt, und es ist sein innigster Wunsch, die Menschen zum Herrn zu führen.
Die Menschen zum Herrn zu führen bedeutet ebenso, die Menschen zur Kirche zu führen. Denn die Kirche ist die Braut des Herrn. Die Kirche ist das Werk des Herrn, und der Herr will die Menschen in seiner Kirche als Volk Gottes sammeln. Deshalb ist es der Wunsch und das Verlangen des Diakons, die Menschen zur Kirche zu führen, damit sie so dem Herrn begegnen. Von daher kommt die Umschreibung der Aufgabe des Diakons als Dienst in der Kirche. Das ist ein Dienst im Raum der Kirche, in der Gemeinschaft der Kirche und zum Wohle dieser Gemeinschaft. Das ist aber auch ein Dienst im Sinne der Kirche, ein Dienst, bei welchem sich der Diakon an das hält, was die Kirche sagt und verlangt. Denn auf die Kirche hören, heißt auf Christus hören. Der Kirche dienen heißt, dem Herrn dienen. Deshalb ist die zweite und die dritte Frage nichts anderes als eine Ausweitung der ersten Frage: Der Diakon ist zur Unterstützung des Bischofs und der Priester berufen, sowie zur Bewahrung und Weitergabe des Glaubens.
Von der Hingabe an Christus, der zweite Begriff, ist in der vierten Frage die Rede: Seid ihr bereit, zum Zeichen euerer Hingabe an Christus, den Herrn, um des Himmelreiches willen ehelos zu leben und für immer eurem Vorsatz treu zu bleiben, in dieser Lebensform Gott und den Menschen zu dienen? Hingabe an Christus bedeutet, wie es die Frage anzeigt, Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen. Die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen erhält ihren Ausdruck in der Tugend der Keuschheit, durch die der Mensch ganz Christus gehört, wie der verheiratete Mann ganz seiner Frau gehört, und wie die verheiratete Frau ganz ihrem Mann gehört (vgl. 1 Kor 7,4). So gehört ihr durch das Zölibatsversprechen nun ganz Christus, leiblich, seelisch, geistig, nicht nur für den Dienst, den Ihr nun vollzieht, sondern vor allem für die Gemeinschaft, die Ihr mit Christus teilt. Ihr seid mit Christus unterwegs, wie die Jünger von Emmaus, deren Bild wir auf der Einladung zu dieser Feier finden. Ja, Ihr seid durch das Zölibatsversprechen eins mit ihm. Ihr seid in einem geistigen Sinn ganz ein Leib mit ihm und müsst diese Einheit sorgfältig hüten. Setzt sie nie der Gefahr aus. Setzt sie nie aufs Spiel. Denn sie ist die Kraft, aus der Ihr schöpft, um an Euch erfüllen zu lassen, was der Herr im Evangelium von sich sagt: „Denn … der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele“ (Mt 20,28). In dieser übernatürlich bräutlichen Verbundenheit mit dem Herrn wird auch Euer Leben Hingabe und Lösegeld für die Menschen.
Schließlich nimmt die fünfte Frage den Begriff „Männer des Gebets“ auf: Seid ihr bereit, aus dem Geist der Innerlichkeit zu leben, Männer des Gebetes zu werden und in diesem Geist das Stundengebet als euren Dienst zusammen mit dem Volk Gottes und für dieses Volk, ja für die ganze Welt treu zu verrichten. Im Sinne der Weihe zu dienen, vermag man nur, wenn man sich immer wieder mit dem Herrn ins Gebet zurückzieht, mit dem Vater im Himmel spricht, ihn anbetet und ehrt, die ganze menschliche Not vor ihn hinträgt und aus dieser Gebetsverbundenheit mit Gott, die Kraft schöpft, um seinen Dienst zu erfüllen. Wenn Ihr nicht Männer des Gebets seid und bleibt, wird Euer Dienst leer und oberflächlich. Er verkommt zu einem reinen Menschendienst. Er soll aber immer „Gottesdienst an den Menschen“ sein. Das wird er durch das Gebet insbesondere.
Es hat mich bei einem Gespräch mit Diakonen tief betroffen gemacht, als ich erfahren musste, dass sie das Stundengebet kaum oder nur auswahlweise einhalten würden. Ich habe mich gefragt: „Warum sagen sie ein Ja zu diesem Auftrag, wenn sie ihn doch nicht erfüllen? Sind wir so weit, dass die Befragung vor der Weihe nur noch eine Formalität ist? Kann ich das als Bischof verantworten?“ Nein, das kann ich als Bischof nicht verantworten, nicht für diese Frage und nicht für die übrigen Fragen. Dann würden wir Gott und dem Volk Gottes etwas vortäuschen. Das kann ich nicht verantworten, und deshalb ist es auch meine Pflicht, Euch auf solche Missstände aufmerksam zu machen und Euch zu bitten, Euer Versprechen bezüglich dieser Frage, aber auch bezüglich aller anderen Fragen einzuhalten. In der Treue zu diesem Versprechen wird es möglich, das zu verwirklichen, was in der letzten Frage der Bereitschafterklärung ausgedrückt wird, nämlich: „Seid ihr bereit, nach dem Bild und Beispiel Christi, dessen Leib und Blut euch zur Ausspendung anvertraut wird, euer eigenes Leben zu gestalten?“ Werdet ein Bild des Herrn, und ein Vorbild für die Menschen. Seid und bleibt, wie es die Lesung aus der Apostelgeschichte sagt, Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit (vgl. Apg 6,3), damit das Wort Gottes sich ausbreite, und damit die Zahl der Jünger unseres Herrn immer größer werde (vgl. Apg 6,7). Der Herr geht durch die Gnade der Weihe mit Euch wie mit den Jüngern von Emmaus. Bleibt immer bei ihm. Geht auch Ihr immer mit ihm. Amen.