Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03603.jsonl.gz/2022

Das Projekt stellt ausgewählte Werke dreier berühmter Komponistinnen des Barock vor und wirft ein erhellendes Licht auf das Leben dieser Frauen, die unterschiedlicher nicht hätten sein können: Antonia Padoani Bembo und Elisabeth Claude Jacquet de la Guerre als bewunderte Talente am glänzenden Hof Ludwigs XIV., Barbara Strozzi als Kurtisane in Venedig und Mutter verschiedener Kinder von verschiedenen Männern – alle drei lebten auf ihre Weise ein autonomes Leben in grosser Kreativität, Kraft und Freiheit in einer Gesellschaft, die von Männern dominiert war.
In ihren Werken erscheint Barbara Strozzi als eine der grossen Komponistinnen ihrer Zeit, und sowohl ihre frühen Madrigale wie auch die späteren Kantaten sind von ausserordentlicher Expressivität und Schönheit.
Elisabeth Jacquet war, als Tochter eines Cembalobauers, schon im Kindesalter als Cembalovirtuosin hoch angesehen. Im Alter von 15 Jahren wurde sie von Ludwig XIV. engagiert, der sie förderte und ihre Kompositionen zur Aufführung brachte. Antonia Bembo war in zwei unterschiedlichen Städten und Musikkulturen verwurzelt – in Venedig als Schülerin von Francesco Cavalli und etablierte Sängerin, und in Paris als von Ludwig XIV. geschätzte und durch lebenslange Pension unterstützte Sängerin und Komponistin, was ihre gleicher-massen tiefe Vertrautheit mit dem italienischen und dem französischen Geschmack erklärt. Durch die enge Verflechtung beider Stile nehmen Jacquet de la Guerre und Antonia Padoani Bembo am zeitgenössischen Diskurs über "Les gôuts réunis" teil.
Es ist nicht so sehr die Absicht dieses Programms, belehrende Kommentare über Geschlechterfragen zu vermitteln, als vielmehr, in einem atmosphärisch dichten Ablauf von Musik, Bildern und Texten das Lebensgefühl jener Frauen nachzuzeichnen, die in einer Zeit massiver Widerstände den Mut hatten, ein selbstbestimmtes Künstlerinnenleben zu führen und ihr kreatives Potenzial auszuschöpfen.
Zeitgenössische Texte begleiten in diesem Programm die Musik und werden ihrerseits von Videoprojektionen begleitet, die das historische Venedig zum Thema haben. Die Video-Arbeit ist aus einer Zusammenarbeit mit Studierenden und ihren Dozentinnen des Instituts Lehrberufe für Gestaltung und Kunst Basel hervorgegangen. Alle drei Ebenen – Musik, Texte und Bilder – vereinen sich zu einer Hommage an drei ausserordentliche Frauen der Barockzeit.
Ziel dieses Projekts ist es nicht nur, diese wiederentdeckte Musik einem grösseren Publikum bekannt zu machen, sondern explizit auch ein jüngeres Publikum anzusprechen.
Weiter ist der pädagogische Aspekt dieser Arbeit sehr wichtig: Den Masterstudierenden ist es möglich, sich in einem sehr frei gehaltenen Rahmen in ein ihnen komplett unbekanntes Feld einzuarbeiten und es mit ihren gewählten Fächern (Malerei, Fotografie etc.) umzusetzen.
Altes soll mit Neuem verbunden werden: Wichtig ist uns, dass die Alte Musik keinesfalls museal gehandhabt wird, sondern als etwas sehr Lebendiges und Aktuelles gezeigt werden kann.
Die Konzerte finden statt am
6. März 2018, Venedig
8. März 2018, Basel, Ackermannshof (Eröffnungskonzert Festival Frauenkomponiert)
9. März 2018, Zürich, St. Anna-Kapelle
Kontakt: <email-pii>
Person: Daniela Dolci