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Seit dem Regierungswechsel in Kiew im Februar 2014 hat die ukrainische Nationalbank fast 100 Banken liquidiert. "Diese Säuberungsphase ist zu Ende und wir sehen, dass Banken wieder aktiv Kredite vergeben und sich auch ihre Bilanzdaten verbessern", sagte Sologub in Kiew im Gespräch mit der österreichischen Nachrichtenagentur APA.
Sologub war früher als Analyst für die ukrainische Raiffeisen Bank Aval tätig war und amtet seit März 2015 als einer von fünf Vizegouverneuren der ukrainischen Nationalbank.
Hohe Kosten für den Staat
Gleichzeitig sprach der Vizegouverneur von hohen Kosten der Bankenkrise von 2014/2015. Die staatliche Subventionierung der ukrainischen Einlagensicherung, die Rekapitalisierung staatlicher Banken sowie die Verstaatlichung der zuvor vom Oligarchen Igor Kolomojski kontrollierten "Privatbank" im Dezember 2016 hätten von 2014 bis 2016 jeweils 14 Prozent des Bruttoinlandprodukts ausgemacht.
"Das ist natürlich eine hohe Summe, aber nicht die verheerendste Krise in der Weltgeschichte", meinte Sologub. Nun blicke man in die Zukunft und versuche die Bankenaufsicht so zu gestalten, dass der Finanzsektor zum Wirtschaftswachstum beitrage und es ein wettbewerbsfähiges Milieu gebe, ergänzte er.
Die militärische Auseinandersetzung im Donbass und der Verlust der staatlichen Kontrolle über einen Teil des Ostukraine haben aus Sicht der Vizegouverneurs für die Krise des Bankensystems nur eine beschränkte Rolle gespielt. "Ich habe keine einzige Bank gesehen, die ihre Lizenz nur als Resultat von Problemen mit einem Kreditportfolio im Osten der Ukraine verloren hat", sagte Sologub.
Viele Banken wären eigentlich schon während der Finanzkrise von 2008 gestorben, seien von der ukrainischen Nationalbank damals jedoch nicht liquidiert worden, erklärte er. Ein weiteres Problem seien Banken gewesen, die Spareinlagen einsammelten und Kredite vor allem an mit den Bankeigentümern verbundene Strukturen vergaben.
Vorsichtig optimistisch für die Wirtschaft
Insgesamt beurteilte der Spitzenvertreter der ukrainischen Nationalbank die wirtschaftlichen Entwicklungen in seinem Heimatland als "vorsichtig optimistisch". Im Kreditwesen etwa sehe man eine sukzessive Verbesserung, die mit der gesamtwirtschaftlichen Lage sowie mit positiven Entwicklungen im Finanzsystem zu tun habe, betonte er.
Dass das Land aus dieser Krise mit Budgetproblemen, wachsenden Staatsschulden, dem abrupten Verlust eines grossen Anteils im Aussenhandel mit Russland und einem Krieg, der alle massgeblichen Wirtschaftssektoren im Osten der Ukraine tangiert habe, herausgekommen sei, sei fast ein Wunder, erklärte Sologub.
"Die Wiederherstellung wird nach so einer Krise noch einige Zeit dauern. Ich sehe aber, dass schrittweise Reformen durchgeführt werden, sich die Wirtschaft des Landes verändert und das Assoziierungsabkommen mit der EU hier eine positive Rolle im Aussenhandel spielt", sagte er.
(AWP)