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Fragen & Antworten: Sex ist lernbar
Frage Nr. 15518 vom 19.02.2012
Ich bin 21 Jahre alt & seit meinem 15. Lebensjahr mit kleineren und einer größeren Unterbrechung in einer Partnerschaft mit meinem ersten festen Freund (22), welcher auch der einzige Mann ist, mit dem ich je Geschlechtsverkehr hatte.
Ich hatte und habe große Schwierigkeiten, mit Sexualität umzugehen. Seit ca. zwei Jahren habe ich nicht mehr masturbiert, und seit einigen Monaten habe ich zunehmend Probleme, mit meinem Freund zu schlafen. Im Moment haben wir keinen Geschlechtsverkehr. Auf das Thema Pornographie bzw. Erotik in Filmen, auf Bildern, etc. reagiere ich empfindlich & schotte mich sofort ab. Als Jugendliche war ich sehr verunsichert und eifersüchtig als ich erfuhr, dass mein Freund sich mithilfe von Videos befriedigt.
Rational kenne ich inzwischen den Unterschied zwischen körperlichem Sexualtrieb & emotionalem Bedürfnis nach Verbundenheit, doch so sehr ich mir auch wünsche, eine glückliche, "gesunde" Partnerschaft zu führen & diese Art von Zweisamkeit zu verspüren, bin ich dazu nicht in der Lage. Selbst bei Küssen verkrampfe ich mich zunehmend.
Was raten Sie mir? Eine Paartherapie? Ich bin Studentin und mein Budget ist begrenzt... gibt es andere Möglichkeiten? Können Sie mir Hinweise für die Ursachen meines "eigenartigen" Verhaltens geben?
Ich danke Ihnen für Ihre Hilfe.
Unsere Antwort
Du beschreibst deine sexuellen Erfahrungen sehr eindrücklich. Wenn du dir deinen Text noch mal anschaust, kommst du vielleicht selbst drauf, was du tun könntest. Du schreibst, dass du sexuelle Erfahrungen mit dir selbst seit zwei Jahren aufgegeben hast. Damit machst du auch wenig bewusste Erfahrungen wie du dich sexuell erregst und welche Erregungsquellen du wirkungsvoll nutzen kannst. Mit solch einem eingeschränkten Selbststudium übst du ganz methodisch Unsicherheit ein. Dann werden alle erotischen Inputs, wie Bilder und Filme eher zur Gefahr, als dass sie zur Unterstützung deiner sexuellen Erregung dienen. Gut dass du das rational verstehst.
Zentral ist, dass dein Körper wieder aufwacht - und darin kannst du dich unterstützen. In einer ersten Phase probierst du aus, welche Berührungen, Düfte, Geschmäcker, Töne etc. zu Wohlbefinden führen. Du kannst dabei kleine Experimente machen: Wie fühlt sich deine Hand auf deinem Bauch, deinem Arm, deinem Hals etc. an, wenn du dich ganz stark anspannst? Verändert sich in deinem Wohlgefühl etwas, wenn du die Spannung schrittweise löst? Weitere Übungen sind: Wie nimmst du wahr, dass du sexuell erregt bist? Nenne dir selbst mindestens 5 Wahrnehmungen in deinem Körper. Merke dir auch, wo du die Körperempfindungen hast. Im zweiten Teil der ersten Phase probierst du aus, wie du dich sexuell erregst - ganz allein. Was kannst du tun? Was steigert die Erregung? In welchen Stellungen gelingt es dir, dich zu erregen?
In einer zweiten Phase kannst du mit deinem Partner ausprobieren, wie du ihn für deine Erregung nutzen kannst: Was erlebst du, wenn du seinen Körper streichelst? Welche Körperbereiche sind dir leicht zugänglich, und du fasst sie gern an (Wohlgefühl!)? Welche müssen erst noch erobert werden, bzw. welche musst du noch besser kennen lernen? Und du kannst auch deinen Partner bitten, dich zu berühren. Dabei konzentrierst du dich ganz darauf, was du selbst erlebst. Auch hier kannst du experimentieren: spann dich stark an, wenn er dich streichelt - oder - lass alle Muskeln ganz los - oder folge (wie eine Katze) mit ganz kleinen Bewegungen seiner Hand. Was macht dein Wohlgefühl bei den unterschiedlichen Berührungen?
In einer dritten Phase übst du Küssen ohne Krampf - und schaust, wie dir ein Wohlgefühl gelingt und ob deine Lippen bereits einen direkten Draht zu deiner sexuellen Erregung aufgebaut haben, oder ob du noch weiter üben musst.
Wenn du dich ganz real mit der Entwicklung deiner sexuellen Fähigkeiten beschäftigst und dir «rational» mit Einsichten hilfst, sparst du eine Therapie. Sexuelle Fähigkeiten sind gelernt - je erfahrener du bist und je mehr Lust du an der Selbstwahrnehmung entwickelst, desto eher kannst du dein Begehren steigern.