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Der weltweite Rohstoffsuperzyklus ist kein neues Phänomen. Obwohl sich die Details unterscheiden, neigen die Primärexporteure von Rohstoffen dazu, sich immer wieder gleich zu verhalten, und die wirtschaftlichen Ergebnisse folgen grösstenteils erkennbaren Mustern. Aber das Element von Vorhersagbarkeit macht das Auf und Ab des Rohstoffpreiszyklus, das mit einer Achterbahn verglichen werden kann, nicht unbedingt leichter verdaulich.
Seit dem späten 18. Jahrhundert gab es bei den Rohstoffpreisen (ohne Öl), verglichen mit den Preisen für Produktionsgüter, sieben oder acht Höhepunkte. (Die genaue Anzahl hängt davon ab, wie Höhe- und Tiefpunkte definiert werden.) Die Aufschwünge hielten üblicherweise etwa sieben bis acht Jahre an, bis auf denjenigen von 1933, der fast zwei Jahrzehnte andauerte. Für diese Ausnahme sorgte zunächst der Zweite Weltkrieg und dann der Wiederaufbau in Europa und Japan sowie das schnelle Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten. Der jüngste Boom, der von 2004 bis 2011 stattfand, entspricht eher der Norm.
Sieben Jahre Abschwung
Auch die Abschwünge bei den Rohstoffpreisen – mit Rückgängen vom Hoch- zum Tiefpunkt von über 30 Prozent – dauern ähnlich lang, nämlich durchschnittlich etwa sieben Jahre. Der aktuelle Abschwung befindet sich nun in seinem vierten Jahr, und die Rohstoffpreise ohne Berücksichtigung des Ölpreises sind seitdem (relativ zu den Preisen für Produktionsgüter) um etwa 25 Prozent gefallen.
Booms bei den Rohstoffpreisen gehen normalerweise mit steigenden Einkommen, besserer Haushaltslage, aufwertenden Währungen, abnehmenden Kreditkosten und stärkeren Kapitalzuflüssen einher. Während der Abschwünge kehren sich diese Trends um. In der Tat hat sich seit dem Beginn des aktuellen Einbruchs vor vier Jahren die wirtschaftliche Aktivität vieler Rohstoffexporteure deutlich verlangsamt. Ihre Währungen wurden nach fast einem Jahrzehnt relativer Stabilität abgewertet, die Zins-Spreads sind grösser geworden und die Kapitalzuflüsse versiegt.
Ausufernde Tendenzen
Wie schmerzhaft der Abschwung tatsächlich wird, hängt grösstenteils davon ab, wie sich Regierungen und Einzelpersonen während des Booms verhalten. Wenn sie die Verbesserungen ihrer Handelsbedingungen als dauerhaft betrachten – eine Sichtweise, die bei steigenden Preisen an Beliebtheit gewinnt – sind die Steigerungen des Konsums und der Investitionen oft höher als die Einkommenszuwächse, was zu stärkerer öffentlicher und privater Verschuldung führt. Das Risiko besteht nun darin, dass die Märkte dann bei fallenden Preisen durch eine Schuldenkrise aus der Bahn geworfen werden.
Und in der Tat haben Banken, Währungen und Schuldenkrisen während Einbruchsphasen der Rohstoffpreise die Tendenz auszuufern – und für Politiker wird die Krisenvermeidung zu einem ernsten Thema, wie auch im jüngsten Weltwirtschaftsausblick des Internationalen Währungsfonds betont wird. Dass der letzte Zusammenbruch der Rohstoffpreise zwischen den späten 1970ern und 1992 mit mehr als zehn Jahren Schuldenkrise in den Industrieländern zusammenfiel, war kein Zufall.
Drei Wellen von Preisrückgängen
Natürlich war dies keine normale Abschwächung. Im Gegenteil: Es war bis heute der schlimmste Einbruch der Rohstoffpreise mit einem Rückgang vom Hoch- zum Tiefpunkt von 40 Prozent. Noch ungewöhnlicher war, dass er drei Wellen von Preisrückgängen umfasste, die von jeweils ein bis zwei Jahren Erholung unterbrochen wurden. Die erste Welle fiel mit den Bemühungen der US-Federal-Reserve zusammen, im Herbst 1979 die Inflation unter Kontrolle zu bringen, was zu einem scharfen Anstieg der internationalen Zinssätze führte und in den USA und anderswo eine tiefe Rezession auslöste.
Die zweite Welle begann im Jahr 1985 und spiegelte eine Angebotsflut wider, die dadurch ausgelöst wurde, dass viele Rohstoffexporteure gleichzeitig an harte Währungen zu gelangen versuchten, und dies oft inmitten einer wirtschaftlichen Krise. Die dritte Welle von 1989 bis 1992 wurde durch die Auflösung der Sowjetunion und den Zusammenbruch der dortigen Produktion ausgelöst.
Alles blickt nach China
Die Frage ist nun, ob der aktuelle Crash nach ähnlichem Muster abläuft und der jüngsten Pause ein weiterer Preisverfall folgen wird. Die Antwort liegt in erster Linie (aber nicht nur) in China.
Sollte Chinas wirtschaftliche Verlangsamung anhalten, wie es nach Investitionsbooms und Schuldenüberhängen oft der Fall ist, wird wahrscheinlich auch der Verfall der Rohstoffpreise weitergehen, da die Nachfragelücke von keiner anderen Volkswirtschaft gefüllt werden kann. Erhöht die Fed die Zinsen, wird die wirtschaftliche Expansion der USA wohl bald abflauen. Und Europas kürzliche Erholung wird wahrscheinlich nur schwach ausfallen und sich tendenziell auf Dienstleistungen beschränken.
Achterbahnfahrt geht weiter
Weiterhin behält die Preisentwicklung auf dieser Stufe des Rohstoffzyklus gewöhnlich ihre Abwärtstendenz bei. Am Ende des Booms haben viele Rohstoffexporteure bereits Investitionsprojekte zu Ausweitung der Förderung in die Wege geleitet. Wenn diese Investitionen Früchte tragen, wird das steigende Angebot die Preise weiter drücken. Und aufgrund der verständlichen Abneigung vieler Regierungen der Entwicklungs- und Schwellenländer gegen grundlegende und dauerhafte Leistungsbilanzdefizite werden diese versuchen, die niedrigeren Exportpreise durch eine Steigerung des Exportvolumens auszugleichen, auch wenn dies die Preise noch weiter nach unten treibt.
Diese Achterbahn der Rohstoffpreise ist wahrscheinlich noch nicht vorbei. Auch wenn wir nicht sicher sein können, was passiert, wäre es vernünftig, uns auf eine weitere Talfahrt einzustellen – und zu tun, was wir können, um einen Crash zu vermeiden.
Die Autorin Carmen Reinhart ist Professorin für das Internationale Finanzsystem an der Kennedy School of Government der Harvard-Universität. Aus dem Englischen von Harald Eckhoff. Copyright: Project Syndicate, 2015.