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Metalinside (Pelze Bub): Hallo Jarkko. Wie gehts?
Jarkko Aaltonen: Ziemlich gut, danke!
MI: Ich möchte dir ein paar Fragen stellen…
JA: … Nun, das ist ziemlich genau der Grund, weshalb ich anrufe. (grinst)
MI: Vor eineinhalb Jahren erschien euer letztes Album «Ukon Wacka», jetzt wurde ein neues Werk angekündigt, welches am dritten August erscheinen wird. Was geschah in dieser Zeit?
JA: Ich würde sagen, eigentlich das selbe was wir in den letzten paar Jahren getan haben. Wir veröffentlichen ein Album und gehen danach auf Tour. Nach «Ukon Wacka» waren wir sozusagen überall, machten einige Europatourneen, einige Nordamerika-Tourneen, oder zumindest eine, und wir werden auf jeden Fall auch jetzt wieder eine machen. Dann waren wir in Südamerika, in Japan und dann kam schon wieder die Arbeit am nächsten Album.
Ausserdem gab es da noch diese lustige Geschichte als wir uns für den Eurovision Song Contest bewarben. Wir sendeten denen eine Demo, welche wir in Jonne’s Heimstudio aufgenommen hatten. Natürlich qualifizierte sich der Song mitnichten, doch das ESC-Komitee wollte schlussendlich mit unserem Song und unserer Band den gesamten Contest promoten.
Zu diesem Zweck fragte man uns, ob wir dieses Lied noch sauber aufnehmen könnten; das war irgendwann letzten Sommer. Wir hatten aber das Studio schon für den Januar gebucht zwecks Aufnahme des Albums. Wir reservierten also das Studio schon im August oder September, nur um diesen einen Song aufzunehmen. Als wir dort waren, dachten wir uns, dass es unsinnig sei, die ganzen Instrumente nur für einen Song aufzubauen, ausserdem ist es schwierig, den Drum-Sound ein halbes Jahr später für den Rest des Albums nochmal genau so hinzukriegen – und so kam es, dass wir die kompletten Drumparts fürs Album schon einspielten.
Wie dem auch sei, danach nahmen wir den ESC-Song «Metsälle» auf, damals noch mit einem anderen Geiger. Der Song wurde danach als Download-Single veröffentlicht. Als wir aber im Januar das Album aufnahmen, spielte unser jetziger Violinist den Song neu ein – was vielleicht Sammler interessieren könnte; «Metsälle» existiert sozusagen in zwei Versionen mit zwei verschiedenen Geigern.
MI: «Manala» ist der Name des Reichs der Toten in der Finnischen Mythologie.
JA: Genau, es war sozusagen die Unterwelt der Finnischen Mythologie, der Ort, wo die Leute hingehen wenn sie sterben. Aber es war auch ein Ort, den man besuchen konnte, man konnte also lebendig dort hingehen und umgekehrt. Einige Songs handeln von ebendiesen Reisen zwischen den Welten.
MI: Was genau inspirierte euch dazu, dieses Thema zu wählen?
JA: Das ist eigentlich unserem Songschreiber zuzuschreiben. Wir setzen jetzt schon ziemlich lange auf einen Gast-Songschreiber; einige Texte schrieben wir auch selber, doch diese Zusammenarbeit hat sich bisher bewährt. Für «Manala» arbeiteten wir erstmals mit Tuomas Keskimäki zusammen, der irgendwie der Vizepräsident des Finnischen Kalevala-Poesievereins ist oder was auch immer. Die Themen waren also mehrheitlich seine Idee. Ich bin nicht sicher, ob er von Anfang an explizit geplant hatte, sich textlich in diese Richtung zu bewegen. Er schrieb mal ein paar Texte, von denen wir dann einige auswählten, alles weitere ergab sich daraus. Doch es war sozusagen ein Unfall, ich weiss nicht ob du es weisst, aber ursprünglich war geplant, die CD unter dem Titel «Kunnia» (finnisch: ehren, Anm. d. Verf.) zu veröffentlichen, was auch bereits so kommuniziert wurde. Dann realisierten wir, dass dieser Titel irgendwie nicht so recht passt, da sich so viele Songs um dieses «Manala» drehten. Also änderten wir den Namen, um dem vorherrschenden Thema etwas mehr gerecht zu werden.
MI: Was können wir vom neuen Album erwarten?
JA: Nun, ein jeder Künstler antwortet auf diese Frage folgendermassen: «Ich bin sicher, dies ist unser bestes Album bisher!» – und auch ich werde die Frage gemäss dieses Klischees beantworten. (grinst)
Für mich klingt es wirklich nach dem Besten, was wir je gemacht haben; wieder etwas anders. Viele Leute beschweren sich über Bands, welche immer gleich klingen und nie was neues ausprobieren, auch über uns wurde das schon gesagt. Ich persönlich habe jedoch das Gefühl, dass wir uns von Album zu Album weiterentwickelt haben. Das letzte Album «Ukon Wacka» klingt für mich eher nach Motörhead, zumindest vermittelt es das selbe Rock’n’Roll-Gefühl, während wir uns auf «Manala» wieder mehr vom (Thrash-)Metal beeinflussen liessen. Ausserdem habe ich das Gefühl, dass wir wieder etwas mehr auf die melodiöse Karte gesetzt haben.
MI: Kannst du uns etwas über die Zukunftspläne der Band erzählen?
JA: Wir haben auch dieses Jahr bereits wieder sehr viele Pläne. Zuerst absolvieren wir jetzt einige Festivalshows in Europa und gehen dann Ende August nach Nordamerika auf Tour. Nach einem Monat gehen wir für drei Wochen wieder nach Hause und beginnen dann die Heidenfest-Tour.
Danach ist das Jahr eigentlich schon vorüber, es sei denn wir werden noch für ein paar Einzelshows gebucht.
Ausserdem wird mit «Manala» unser Vertrag mit Nuclear Blast auslaufen, welcher vier Alben vorsah, das heisst, wir werden eine Menge Bürokram erledigen müssen. Und für nächstes Jahr habe ich noch keine Ahnung.
MI: «Manala» wird in zwei Versionen erscheinen, in Finnisch und in Englisch. Welche Idee steckt dahinter?
JA: Stimmt nicht ganz. Die ursprüngliche Idee war tatsächlich, das Album in zwei Sprachen herauszugeben. Grund hierfür waren all die Leute, die sich ständig darüber beklagen, dass unsere Texte mehrheitlich auf Finnisch verfasst sind, während andere davon begeistert sind. Also kamen wir auf die „brillante“ Idee mit den zwei Versionen, wir wollten dann sehen, welche von beiden sich besser verkauft. Wir merkten dann aber relativ schnell, dass dies eine stupide Idee ist – es wird also nur eine Version geben, allerdings wird diese aus einem Doppelalbum bestehen; eines in Finnisch und eines in Englisch, so viel mir ist zum Prei von einem. Die Englische Ausgabe wurde also sozusagen zum Bonusmaterial.
MI: Und habt ihr nicht Angst, dass die Message eurer Texte nicht dieselbe ist auf Englisch wie auf Finnisch?
JA: Absolut, und dies ist einer der Hauptgründe, weshalb wir die Idee mit den zwei verschiedenen Versionen wieder verworfen haben. Auf diese Weise können wir den Fans ein komplettes Album auf Finnisch präsentieren, um ihnen zu zeigen, wie wir sind, und wie wir sein wollen, und dazu gibt es eine Menge Bonustracks, nämlich das komplette Album in Englisch.
Es ist aber völlig richtig, dass die Songs komplett anders klingen wenn nur schon die Sprache eine andere ist.
MI: Ihr habt einen neuen Geiger. Bitte erzähl uns doch, wie es dazu kam und wie die Zusammenarbeit mit Tuomas Rounakari bisher verlief.
JA: Wir haben gerade kürzlich darüber gesprochen, dass wir innert kürzester Zeit fünf Violinisten hatten. Es ist eine lange Geschichte – unser langjähriger erster Geiger konnte sich nie so recht für die Live-Auftritte begeistern und fühlte sich dementsprechend jeweils unwohl – worunter wir alle litten. Und so beschlossen wir eines Tages, getrennte Wege zu gehen und spielten danach einige Konzerte ohne Geiger. Nachdem wir uns dann für einige Shows von verschiedenen Freunden unterstützen liessen, engagierten wir diesen Wunderknaben, der mit uns einige Festivalshows absolvierte sowie zu Beginn die US-Tour. Doch auch ihn mussten wir nach sieben oder acht Tagen wieder nach Hause schicken weil die Chemie einfach nicht stimmte. Wir spielten also die US-Tournee wiederum mit einem Freund zu Ende, der kurzfristig einsprang.
Nach der Tour kontaktierten wir dann einen Geiger, den wir irgendwie kannten. Er sagte uns, er sei zur Zeit ziemlich beschäftigt mit anderen Auftritten, sagte aber provisorisch zu. Wir liessen ihm eine gewisse Bedenkzeit, denn ich denke er hatte so seine Zweifel, weil er aus einem komplett anderen Umfeld stammt und nicht aus der Metalszene und somit eventuell seine Mühe hätte unter uns bösen, gemeinen Metallern. Er realisierte dann irgendwann, dass wir ja genauso normal sind wie er oder gar viel normaler – es scheint fast so, als wäre er nun der „crazy dude“ der Band. Er war meiner Meinung nach eine sehr gute Wahl und passt hervorragend zu uns. Ausserdem verfügt er über eine beeindruckende Bühnenpräsenz und scheint das was er tut auch zu mögen.
MI: Erzähl uns von den Aufnahmen.
JA: Nun, unsere Aufnahmeprozesse sind eigentlich ziemlich langweilig. Alle denken immer, wir seien während der Aufnahmen dauernd betrunken, aber wenn wir im Studio sind dann arbeiten wir.
Normalerweise ist es so dass wir zuerst die Instrumente aufnehmen, welche am meisten Raum benötigen um einen guten Klang zu erzeugen, also Schlagzeug, Violine sowie die Flöten. Wir mieteten uns zu diesem Zweck in die Petrax Studios in Hollola ein, ein sehr schönes Studio, welches von vielen Bands wie zum Beispiel Nightwish oder Children Of Bodom geschätzt wird. Weil wir aber nicht Nightwish oder Children Of Bodom sind mussten wir dann für den Rest in ein kleineres Studio wechseln, wobei das Mixing wiederum in den Petrax Studios erfolgte. Meiner Meinung nach hat sich die ständige Herumspringerei gelohnt.
MI: Ihr scheint die Schweiz zu mögen, ihr kommt nämlich im Normalfall mindestens einmal im Jahr hierher. Was verbindest du mit diesem Land?
JA: Ich denke, es ist genau umgekehrt. Nicht dass wir die Schweiz nicht mögen, wir hatten schon bei unserem ersten Schweizer Konzert vor ungefähr sieben Jahren wunderbares Publikum, und danach jedes Mal wieder. Ausserdem haben wir eine sehr enge langjährige Beziehung mit Eluveitie, das erste Mal sind wir im Jahr 2005 gemeinsam aufgetreten. Wenn wir also mal keine anderen Schweizer Auftritte haben, so bleibt uns wenigstens das „Eluveitie and friends“-Fest. (grinst)
Nochmal: Wir spielen wirklich sehr gerne in der Schweiz weil wir immer ein ausserordentlich angenehmes Publikum haben!
MI: Ein auffällig grosser Anteil eures Publikums reduziert euch wie es scheint auf eure alkoholbezogenen Partysongs und kümmert sich wenig um die etwas ernsthafteren, besinnlicheren. Was sagst du dazu?
JA: Ich muss sagen ich bin etwas verärgert darüber, dass sich offenbar viele Leute nicht die Mühe machen, sich etwas eingehender mit unseren Songs zu beschäftigen. Wir haben eigentlich mehr ernstere, zum Teil auch etwas düstere Themen.
Andererseits kann ich niemandem übel nehmen wenn er hauptsächlich Songs wie «Vodka», «Beer, Beer» oder «Tequila» kennt, schliesslich waren wir es, die die Songs auf die CD gepackt haben.
MI: Es kursieren immer wieder Gerüchte über die Veröffentlichung einer Live-DVD. Möchtest du dazu etwas sagen?
JA: Offen gestanden bin ich es ziemlich leid, über dieses Thema zu sprechen. Es scheint offenbar üblich zu sein, eine Live-DVD auf den Markt zu bringen. Vor Jahren spielten wir einmal mit dem Gedanken, den Wacken-Auftritt zu veröffentlichen und diesen mit einigen Akkustik-Clubshows zu ergänzen. Wir hatten jedoch jedesmal dermassen Pech, irgendetwas lief immer schief, entweder das Bild- oder das Tonmaterial missriet. Ich erinnere mich an einen Fall, wo irgendjemand die DVD noch vor der Finalisierung aus dem Aufnahmegerät nahm – die Aufnahmen waren futsch.
MI: Gibt es eine Frage, die du schon immer beantworten wolltest, welche dir aber bisher noch nie gestellt wurde?
JA: (überlegt) Das ist eine sehr schwierige Frage. Nein. Warte, da gibt es dafür eine Frage, welche ich nie mehr hören möchte, und zwar folgende: „Erzähl mir bitte alles über deine Band!“
MI: Zu guter Letzt: Was ist das erste, was dir einfällt, wenn du den Begriff „Metalinside“ hörst?
JA: Irgendwie fühle ich mich zurückversetzt in die Achziger, klingt irgendwie wie der Albumtitel einer Thrashmetalband aus Los Angeles!
MI: Vielen Dank fürs Gespräch und alles Gute!
JA: Danke, dir auch.
Telefon-Interview: Pelze Bub, 25. Juni 2012