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die Urkunde bezeichnet, mit der Iwan Grosny 1570 ihre Organisation bestätigte. Von nun an nahmen sie eine bestimmte feindliche Stellung gegen Tataren und Türken und erbauten kaum 60 km von Asow ihren befestigten Hauptort Tscherkask. Sie wurden schnell mächtig; ja, sie verschonten gelegentlich auch russische Provinzen nicht und beraubten namentlich die Karawanen, welche von Moskau [* 2] nach Asow gingen. Auch auf dem Meer trieben sie ihr Unwesen und machten Raubzüge bis weit hinter die Wolga.
Über ihre innere Einrichtung besitzen wir aus der ersten Zeit nur sehr dürftige Nachrichten. Obwohl Tscherkask schon damals als Hauptort genannt wird, so ist es doch wahrscheinlich, daß keineswegs alle Kosaken einem Häuptling gehorchten, sondern daß sich die meisten da anschlossen, wo es reiche Beute gab. Mit dem 17. Jahrh. wurde ihr Zustand geregelter. Die Zentralregierung in Tscherkask wurde anerkannt, doch besaß jede Kosakenansiedelung (Staniza) noch ihren eignen Vorsteher und ordnete ihre innern Verhältnisse selbst.
Alle Kosaken traten zu einem Kriegsrat (Woiskowoi Okrug) zusammen, in welchem entschieden wurde, ob ein Kriegszug zu unternehmen sei oder nicht, wie die Beute zu teilen u. dgl. Präsident war ein besonderer Woiskowoi Ataman; für den Krieg und die Streifzüge wurde jedesmal ein besonderer Anführer (Pochodnij Ataman) gewählt. Seit 1718 wurden die Atamans von der Regierung bestimmt, und dies war der erste Schritt zur jetzigen Organisation der Kosaken. Als sich dieselben wiederholt gegen die Eingriffe der Regierung in ihre alten Rechte aufgelehnt hatten und diese nun ihrerseits vollständig die Gefahr eines solchen »Staats im Staat« einsah, gab der Pugatschewsche Aufstand 1774 und 1775, obwohl die Donischen Kosaken sich wenig an ihm beteiligt hatten, günstige Veranlassung, ihre Freiheiten zu beschränken.
Die Volksversammlungen wurden aufgehoben, dagegen aus den Ältesten und Issauls ein Adel geschaffen, aus dem man von nun an alle Ämter besetzte. An die Stelle des Kriegsrats trat eine Kanzlei, welche die Funktionen eines Gerichtshofs übernahm, aber auch die administrativen und finanziellen Verhältnisse zu leiten hatte. Alexander I. schuf einen Bauernstand, wie er in Rußland existierte, und endlich ward 1841 das letzte Zeichen der ursprünglichen Gleichheit unter den Kosaken beseitigt, indem das Land, welches früher gemeinschaftliches Eigentum war, in der Weise verteilt wurde, daß jede freie männliche Seele 30 Deßjätinen, jeder Leibeigne die Hälfte erhielt.
Gegenwärtig bildet das Land der Donischen Kosaken ein eignes russisches Gouvernement von 160,277 qkm (2911 QM.) Flächeninhalt. Es ist eine große Steppe, die von den Flüssen Don, Donez, Medwjediza, Choper, Tschur, Kolitwa, Sal, Aksai, Mius und den Grenzflüssen Manytsch und Kalmius bewässert wird. Der höchst fruchtbare Boden besteht aus einer ziemlich dicken Schicht Humus, welche auf Lehm liegt. Weniger fruchtbar, wegen seines starken Salzgehalts, ist das linke Ufer des Don, eine ganz flache Fortsetzung der aral-kaspischen Ebene, deren vollständige Einförmigkeit nur dann und wann durch einen künstlichen Kurgan (Hünengrab) unterbrochen wird.
Das rechte Ufer ist hügeliger und steigt im Bezirk Mius bis 122 m an. Die Flora ist die südrussische, während dieselbe am linken Ufer ganz den Charakter der aral-kaspischen trägt. Vom Areal sind 45 Proz. Ackerland, 42 Proz. Wiesen und Weiden, 2 Proz. Wald und 11 Proz. unbrauchbares Land. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 6,3° R. Der wärmste Monat (Juli) hat im Mittel 17,7° und der kälteste (Februar) -5,7°. Trotz des strengen Winters gedeiht Wein gut und könnte bei richtiger Behandlung eine große industrielle Bedeutung gewinnen. Zu den wichtigsten Landesprodukten gehören ausgezeichnete Steinkohlen und der in unermeßlicher Menge vorhandene Anthracit.
Außerdem liefert das Mineralreich Kreide, [* 3] Kalkstein, Salz, [* 4] Glaubersalz, Gips; [* 5] auch Eisen [* 6] wird gewonnen. Einen bedeutenden Ausfuhrartikel liefert die Fischerei, [* 7] namentlich an Hausen, Stören, Sewrugas und Sterletten. Wichtiger noch ist die Viehzucht. [* 8] 1883 zählte man 1,851,000 Stück Hornvieh, 3,311,000 Schafe [* 9] und 425,000 Pferde. [* 10] Die donischen Pferde sind berühmt durch ihre Ausdauer; in jüngster Zeit geschieht auch viel für ihre Veredelung in zahlreichen Gestüten.
Die Bevölkerung [* 11] des Gouvernements beträgt (1882) 1,474,133 Seelen und schließt auch Tataren und Zigeuner sowie etwa 24,000 nomadisierende Kalmücken, denen ein besonderer Bezirk zugeteilt ist, ein. Der Konfession nach gehören 88 Proz. der griechisch-katholischen Kirche an, 9 Proz. den Raskolniken, ½ Proz. andern christlichen Konfessionen [* 12] und den Juden; 2½ Proz. sind Heiden. Im Schuljahr 1883 gab es 346 Volksschulen mit 22,377 Schülern (darunter 4126 Mädchen).
Die Fabrikindustrie ist noch im Entstehen; der Wert derselben beziffert sich auf 1½ Mill. Rubel. Hauptsächlich werden betrieben: Branntweinbrennerei, Ziegelei, Talgschmelze, Ölschlägerei, Tabaksindustrie, Seife-, Lichte- und Lederfabrikation. Das Land zerfällt in die acht Bezirke: Choper, Donez, Tscherkask, Mius, erster und zweiter donischer Bezirk, Ust-Medwjediza und das Land der nomadisierenden Kalmücken (südlich vom Sal). Außerdem wird es in fünf Militärbezirke geteilt, welche zusammen das donische Kosakenheer stellen, welches im Frieden aus 16 Regimentern zu Pferd, [* 13] 8 Batterien mit 46 Kanonen und 15,832 Mann, im Krieg aus 47 Reiterregimentern, 16 Batterien mit 100 Kanonen und 46,985 Mann besteht. Die Hauptstadt ist Nowo-Tscherkask.
Aus den Donischen Kosaken hervorgegangen sind die Nekrassowschen Kosaken, die nach Bessarabien übergegangen waren, 1812 aber, als dieses russische Provinz wurde, sich den Russen unterwarfen; ferner die Jaikschen oder Jaizkschen Kosaken, welche nach der Niedermachung der Donischen Kosaken durch den Heerführer des Zaren Murad Bei 1577 zuerst nach dem Kaspischen Meer entwichen und von da den Jaik hinaufgingen, an dessen Ufern sie 1584 eine Stadt erbauten. Sie waren 1773 die wärmsten Anhänger Pugatschews, weshalb um das Andenken an diesen Aufstand zu verwischen, Katharina II. ihre Stadt Jaizk und den Fluß Jaika in »Uralsk« und »Ural« umtaufen ließ und aus den Jaikschen Kosaken das Heer der Uralischen Kosaken bildete (s. unten).
Die Kaukasischen Linienkosaken hießen so, weil sie mit ihren Stanizen eine lange Verteidigungslinie Rußlands gegen den Kaukasus bildeten. Schon im 16. Jahrh. hatten sich Kosaken am Terek angesiedelt, später andre auch längs des Kuban; 1722 wurden hier die Terekschen und Kislarschen Kosaken organisiert, welchen dann je nach Notwendigkeit immer neue Kosakenregimenter zugegeben wurden. So entstanden im ganzen 14 Regimenter, welche zwischen den Mündungen des Terek und des Kuban eine ununterbrochene Linie bildeten. Unter allen Kosaken waren diese Linienkosaken die tapfersten. Durch die ewigen Überfälle der Kaukasier in einem beständigen Krieg lebend, wetteiferten sie mit den Tscherkessen an Tapferkeit und List. Auch Kleidung, Waffen [* 14] sowie manche Sitten und Gebräuche haben sie von letztern angenommen. Nach einem ¶
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kaiserlichen Befehl von 1840 erhielt jeder in ihren Kosakenverband Aufgenommene 30 Deßjätinen, jeder Offizier 60, jeder Stabsoffizier 300 Deßjätinen Land. 1860 wurden sie in zwei besondere Stämme geteilt: die Terekschen und Kubanischen Kosaken. Die erstern, zu denen 1770 auch hierher übergeführte Wolgakosaken kamen, stellen im Frieden 4 Reiterregimenter mit 8 Geschützen und 3500 Mann, im Krieg 12 Reiterregimenter mit 12 Geschützen und 9182 Mann. Die Kubanischen Kosaken, mit denen die Tschernomorischen Kosaken vereinigt wurden, stellen im Frieden 10 Regimenter, 64 Sotnien zu Pferd und 8 Sotnien zu Fuß mit 20 Geschützen und 15,060 Mann, im Krieg 30 Regimenter, 184 Sotnien zu Pferd und 24 zu Fuß mit 30 Geschützen und 37,391 Mann. Von den Kubanischen Kosaken bilden 2 Gardeeskadrons die Eskorte des Kaisers, die mit den Terekschen abwechseln, und 2 Sotnien, welche in Warschau [* 16] stehen. Diese beiden Abteilungen bewohnen jetzt den terschen und den kubanischen Landstrich nördlich des Kaukasus.
Die Kleinrussischen oder Ukrainischen Kosaken finden wir bereits im 14. Jahrh. urkundlich oft angeführt. König Stephan Báthori von Polen vertraute ihrer Hut [* 17] die ganze südöstliche Grenze seines Reichs, das frühere Großfürstentum Kiew, [* 18] an, und dadurch entstand der Name Ukraine (»Grenzland«). Im 16. Jahrh., als schon unter dem Hetman Predslav sich ihre Ansiedelungen weit über die Dnjeprstromschnellen ausdehnten, tritt die Sonderstellung der Kleinrussischen Kosaken besonders hervor.
Bis dahin hatten sie fast dieselbe Verfassung wie die Saporoger (s. unten) gehabt. Während aber letztere ihre bisherige Verfassung beibehielten, wurden jene sogen. Städtekosaken. Sie lebten mit ihren Familien in Ansiedelungen. Stephan Báthori ließ sie durch den Hetman Roshinsky in 20 Regimenter, jedes zu 2000 Mann, formieren. Die Regimenter rekrutierten sich aus den jungen Kosaken, über welche ein laufendes Register geführt wurde, woher man sie auch die »einregistrierten Kosaken« nannte.
Als die Union eingeführt war und Polen die stets wachsende Macht dieser Kosaken zu fürchten hatte und ihre Selbständigkeit durch die härtesten Mittel zu vernichten strebte, unterwarfen sich die Kosaken 1654 unter ihrem Ataman Bogdan Chmelnizky dem russischen Zaren, worauf die ganze östlich vom Dnjepr liegende Ukraine ihrem neuen Herrscher huldigte. Zahlreiche Scharen von Kosaken waren schon zwei Jahre früher von der Westseite des Dnjepr ausgewandert und hatten von Rußland in dem heutigen Gouvernement Charkow Wohnsitze erhalten.
Die letztern bildeten 5 Regimenter, die den Namen der Slobodischen Kosaken erhielten. Der Zar beschwor die neue Verfassung, in der alle Kosaken untereinander gleichstanden und allein zu Ämtern im Land zugelassen werden durften. Als dann Peter d. Gr. seine Pläne, die russische Grenze bis an das Schwarze Meer zu rücken, entwarf und seine Nachfolger sie ausführten, verloren die als Grenzhüter für Rußland ihre Vorteile und wurden deshalb allmählich auf die Seite geschoben.
Mazeppa, der Ataman der Ukraine, der den gänzlichen Untergang seiner Landsleute voraussah, versuchte als letztes Mittel, ihre alte Unabhängigkeit wiederzugewinnen, sich Karl XII. anzuschließen; aber nach dem entscheidenden Sieg bei Poltawa (1709) folgte alsbald die Eroberung der Sjetsch (Zentralsitz) auf der Insel Chortitza, und obwohl nur eine geringe Anzahl Ukrainer sich empört hatte, mußte doch das ganze Land die Folgen des Aufstandes erfahren. Alle Freiheiten wurden ihnen genommen, selbst die freie Wahl eines Atamans ward ihnen entzogen. 12,000 Kosaken wurden gegen ihren Willen an den Ladogasee übergesiedelt, um dort bei harter Arbeit am Bau eines Kanals allmählich zu Grunde zu gehen; dasselbe Schicksal hatte im nächsten Jahr eine gleiche Anzahl, und 10,000 Mann mußten nach Persien [* 19] marschieren.
Damit hatte die Selbständigkeit des kleinrussischen Heers ein Ende erreicht. Katharina II. hob 1784 den Kosakenbund mit allen seinen Privilegien auf. Das ganze Land erhielt die Statthalterverfassungen und wurde den übrigen Provinzen Rußlands gleich behandelt. 1812 wurden aus Bauern der Gouvernements Kiew und Podolien 4 Regimenter eines ukrainischen Kosakenheers gebildet, jedoch schon 1816 in Ulanenregimenter umgeformt. Außerdem müssen hier noch zwei Kosakenstämme genannt werden, die, obschon andern Ursprungs, doch eine Zeitlang in Kleinrußland existierten: die Bug- oder Dnjestr- und die Tschugujewschen Kosaken. Erstere wohnten in der Otschakowschen Steppe zwischen Dnjestr und Bug und wurden zur Belohnung dafür, daß sie mit den Waffen von den Türken zu den Russen übergingen, kosakisch als Grenzwächter organisiert. Die Tschugujewschen Kosaken, die aus Bewohnern des donischen Landes gebildet wurden, erhielten ihren Wohnsitz in der Umgegend Tschugujews, in der slobodischen Ukraine. Beide wurden in reguläre Ulanenregimenter umgeformt. - Die Neurussischen Kosaken, ursprünglich Donau-Kosaken, die aus Moldauern, Bulgaren und den aus der Türkei [* 20] zurückkehrenden Saporogern 1829 formiert waren, hatten ihre Ansiedelungen in Bessarabien und wurden 1868 ganz aufgehoben.
Die Orenburgischen Kosaken (nicht zu verwechseln mit der ehemaligen »Orenburgischen Linie«) wurden 1836 gebildet aus Kosaken der Städte Samara, Ufa und der kleinen Grenzfestungen (auch die Baschkiren gehören zu diesem Korps) und stellen gegenwärtig im Frieden 6 Reiterregimenter mit 12 Geschützen und 6582 Mann, im Krieg 18 Reiterregimenter mit 52 Geschützen und 20,166 Mann. Die Transbaikalischen Kosaken wurden 1815 aus einem Teil der sibirischen Städtekosaken und dortigen Ureinwohnern organisiert. Sie verrichten hauptsächlich den Wachtdienst an der chinesischen Grenze und stellen im Frieden 1 Regiment, 6 Sotnien zu Pferd und 10 zu Fuß mit 8 Geschützen und 3242 Mann, im Krieg 3 Regimenter, 18 Sotnien zu Pferd und 30 zu Fuß mit 18 Geschützen und 9507 Mann.
Die Saporoger Kosaken (d. h. die hinter den Stromschnellen des Dnjepr wohnenden Kosaken) sind mit den Kleinrussischen Kosaken, mit denen sie gleichen Ursprung haben, der älteste Kosakenstamm. Schon 1304 wird ihr Ataman Kritikija urkundlich erwähnt. Die Saporoger Kosaken hatten in ihrer Einrichtung große Ähnlichkeit [* 21] mit den Deutschen Rittern in Preußen, [* 22] obschon ihre Verfassung eine echt demokratische war. Alle Saporoger waren untereinander gleich, und damit kein Hausstand den Kosaken von seinen Pflichten abzog, war Ehelosigkeit Gesetz.
Als mit der Zeit die Einwanderungen sich häuften und sich selbst Familien innerhalb der Grenzen [* 23] des Saporoger Landes niederließen, veränderte sich der Zustand nur insofern, als die Unverheirateten die herrschende Kaste bildeten und nur aus ihnen die Mitglieder der Regierung gewählt wurden. Der Zentralsitz (Sjetsch) war meist in einem unzugänglichen Ort, später auf der Insel Chortitza. Außerdem hatte aber noch jede einzelne Genossenschaft ihren besondern Sitz (Polanke) für die eignen innern Angelegenheiten. Die Besetzung der Stellen geschah an jedem Neujahr durch die Volksversammlung. Das Oberhaupt (Ataman Koschewoi) ¶