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Definition und natürliche Entwicklung
Die Trichterbrust ist durch eine trichterförmige Einsenkung des kaudalen Anteils des Brustbeins in den Brustraum gekennzeichnet. Das abnormale Wachstum des chondrokostalen Rippenknorpels wird als Ursache vermutet. Die Inzidenz der Trichterbrust liegt bei etwa 1:300 Lebendgeburten. Meistens ist die Trichterbrust bereits bei der Geburt erkennbar und entwickelt sich insbesondere im Rahmen des pubertären Wachstumsschubes markant. Die Trichterbrust korrigiert sich praktisch nie von allein aus. Unbehandelt kommt es in den meisten Fällen zu einer deutlichen Befundzunahme mit möglichen kardiopulmonalen und psychologischen Auswirkungen bei den Betroffenen. In bis zu 20% der Fälle ist die Trichterbrust mit einer Skoliose, einer Bindegewebserkrankung wie Morbus Marfan oder Morbus Ehlers-Danlos oder aber einem Syndrom wie Morbus Poland oder einem Herzleiden assoziiert.
Konservative Therapie mittels Saugglockenbehandlung nach Klobe
Prinzip ist, dass das Brustbein durch die Saugglocke angehoben wird. Durch die regelmässige Anwendung der Saugglocke (2 x täglich jeweils 30 min pro Tag) kann eine Trichterbrust remodelliert und auskorrigiert werden. Die Behandlungsdauer ist abhängig von Trichtertiefe, Trichterform, Patientenalter (je älter der Patient, desto geringer die Brustwandelastizität) und Motivation, die Behandlung regelmässig durchzuführen. Komplikationen der Saugglockenbehandlung sind Hautrötung/Hämatom oder Parästhesien um das Sternum bzw. ausstrahlend in den Rücken oder Arme. Indiziert ist die Saugglocke bei einer Trichterbrust mit einer Trichtertiefe unter 3 cm oder wenn der Patient keine Operation wünscht. Kontraindikation sind Vaskulo- oder Koagulopathien sowie skeletale Krankheiten (z.B. Osteogenesis imperfecta). Vor Beginn der Behandlung ist ein Herzultraschall erforderlich. Die klinischen Nachkontrollen erfolgen alle 3 Monate in unserer Sprechstunde für Thoraxwanddeformitäten mit Bestimmung der Trichtertiefe und des erforderlichen Korrekturdruckes. Die Saugglocke kann im Liegen und oder im Stehen appliziert werden.
Chirurgische Therapie mittels minimal-invasiver Korrektur nach Nuss
Diese Operationstechnik wurde 1987 in den USA entwickelt. Sie ist weltweit der chirurgische Goldstandard für die Korrektur einer Trichterbrust. Die Operation erfolgt in Vollnarkose. Über zwei kleine Hautschnitte (3-4 cm) am seitlichen Brustkorb wird ein Stahl- bzw. im Falle einer Metallallergie ein Titaniumbügel unter thorakoskopischer Sicht hinter das Brustbein eingeführt. Der Bügel wird vor Einführen in die gewünschte Korrekturform gebogen und 3 Jahre im Thorax belassen. Die Entfernung erfolgt in einer kleineren, zweiten Operation in Vollnarkose. Die Operation dauert jeweils zwischen 30 und 60 Minuten. Bei steifer Brustwand können zur besseren Druckverteilung mehrere Bügel implantiert werden. Die Spitalaufenthaltsdauer beträgt bei der Bügelimplantation etwa 5 Tage und weniger als 1 Tag bei der Entfernung. Sportliche Aktivitäten können nach 3 Monaten wieder aufgenommen werden. Mögliche Komplikationen sind während der Operation die Verletzung von Herz/Herzbeutel oder Lunge und nach der Operation Pneumothorax (sehr selten drainagepflichtig), Verrutschen des Bügels (in weniger als 50% der Fälle ist eine erneute Platzierung des Bügels notwendig), Wundinfekt/-allergie. Indiziert ist die MIRPE u.a. bei einem Haller-Index > 3.25, einer pathologischen Lungen- und/oder Herzfunktion oder einer deutlichen psychischen Belastung.
Chirurgische Therapie mittels offener Korrektur nach Ravitch
Diese Operationstechnik bedarf eines langen intermamillären Hautschnittes zur Rekonstruktion der vorderen Thoraxwand und ist insbesondere bei kombinierten Deformitäten (Trichter- und Kielbrust oder Pectus arcuatum) indiziert.