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Methodisten in Deutschland präsentieren drei Entwürfe für die Zukunft der Kirche
Juli 22, 2019
In der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Deutschland hat ein «runder Tisch» drei Entwürfe ausgearbeitet, wie ein weiterer Weg der Methodist/innen in Deutschland angesichts der verschiedenen Positionierungen in der Beurteilung der Homosexualität aussehen kann. Als nächstes können Kirchgemeinden und Werke zu diesen Vorschlägen Stellung nehmen.
Nach der Entscheidung der Generalkonferenz, des höchsten legislativen Gremiums der weltweiten United Methodist Church (UMC), im Februar, am traditionellen Verständnis von Homosexualität festzuhalten und dieses neu mit Disziplinarmassnahmen gegenüber Pfarrpersonen konsequent durchzusetzen («Traditional Plan»), sind in verschiedenen Teilen dieser methodistischen Kirchenfamilie Diskussionen darüber im Gang, ob und wie diese Entschlüsse umgesetzt werden sollen. Der Kirchenvorstand der EMK in Deutschland hatte in einer ersten Reaktion auf die Beschlüsse festgehalten, dass «dass diese Bestimmungen des Traditional Plan für unsere Kirche in Deutschland nicht akzeptabel sind». Zugleich hatte er eingeladen, dass die unterschiedlichen Gruppierungen innerhalb der EMK in Deutschland an einem Weg zur Bewahrung der Einheit mitwirken sollen. Dazu hatte er einen «Runden Tisch» ins Leben gerufen, bestehend aus Personen, die die unterschiedlichen Meinungen und Richtungen innerhalb der EMK in Deutschland vertreten. Ein erstes Treffen hatte im Mai stattgefunden. Anfang Juli fand das zweite Treffen statt.
Drei Entwürfe vorgestellt
Das zweite Treffen des Runden Tisches in Deutschland hatte als Schwerpunkt die Entwicklung und Diskussion verschiedener Entwürfe für die Struktur und Arbeitsweise der EMK in Deutschland, die den unterschiedlichen Positionierungen Rechnung tragen. Diskutiert wurden drei Entwürfe, die von Arbeitsgruppen vorgestellt wurden, die «jeweils aus Vertreter/innen der sich gegenüberstehenden Grundüberzeugungen zusammengesetzt waren», wie es im Bericht vom zweiten Runden Tisch heisst.
Ein Entwurf sieht «Regelungen, Ordnungen und Absprachen in Kirche und Gemeinden» vor, die ermöglichen, dass die strukturelle Einheit der EMK in Deutschland erhalten bliebe. Diese verbindlichen Vereinbarungen zielen darauf hab, dass «sowohl homosexuell empfindende Menschen ordiniert und homosexuelle Paare gesegnet werden, als auch traditionell eingestellte Menschen nicht gegen ihre Überzeugungen handeln müssen, vielmehr ihre Vorstellungen und Lebensweisen bewahren können», heisst es im Bericht. Zwei weitere Entwürfe sehen Modelle vor, die der «konservativen» Prägung und Sichtweise innerhalb der EMK in Deutschland eigene strukturelle Bereiche ermöglichen. Das könnte durch die «Einrichtung einer eigenen, ‹konservativ› geprägten Jährlichen Konferenz» geschehen oder durch die «Einrichtung eines eigenen, in dieser Frage ‹konservativ› geprägten Verbunds im Rahmen der Zentralkonferenz in Deutschland».
Diskussion in den Kirchgemeinden angeregt
Aus den beim Runden Tisch diskutierten drei Entwürfen werden im Nachgang zur Sitzung «drei substantielle Vorschläge für den weiteren Weg der EMK in Deutschland» formuliert, die im August allen Gemeinden und Werken der Kirche als «Gesprächsimpulse» zur Verfügung gestellt werden. Die Mitglieder des Runden Tisches laden «Gemeinden, Werke, Regionalgruppen und auch Einzelpersonen» ausdrücklich dazu ein, die Vorschläge zu diskutieren und bis Anfang Dezember dieses Jahres ihre «Rückmeldungen und Einschätzungen» zu formulieren. Daneben betonen die Mitglieder des Runden Tisches, dass weiterhin «hoher Gesprächsbedarf bei der Suche nach dem weiteren Weg der Kirche» besteht. Ausserdem sei deutlich zu spüren, «wie sehr sich viele Menschen schon jetzt nach dringlichen Orientierungen auf dem Weg sehnen».
Beispiel macht Schule
Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Berichts vom Runden Tisch hob der für die EMK in Deutschland zuständige Bischof Harald Rückert hervor, dass der Weg der Methodist/innen in Deutschland innerhalb der weltweiten UMC als beispielgebend aufgenommen wurde. Dieser Umstand sei der Tatsache zu verdanken, dass der Kirchenvorstand der EMK in Deutschland nach der ausserordentlichen Tagung der Generalkonferenz in St. Louis im Februar dieses Jahres das erste offizielle EMK-Gremium weltweit war, das zum Ergebnis der Generalkonferenz eine Stellungnahme veröffentlichte. Deshalb fand der Vorschlag des Kirchenvorstands, einen Runden Tisch einzusetzen, an vielen Orten Widerhall. Dieses Vorgehen habe als Beispiel gewirkt, «denn», so Rückert, «nur wenn wir miteinander im Gespräch bleiben, können wir gangbare Wege finden, um die Einheit zu bewahren».
Quelle: Klaus Ulrich Ruof, emk.de
Beitragsbild: Klaus Ulrich Ruof, emk.de
Der Prozess in der Schweiz
Die Methodist/innen in der Schweiz sind Teil der Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa. In den 16 zum Bischofsgebiet von Bischof Patrick Streif gehörenden Ländern zeigen sich sehr weitreichende Differenzen in der Beurteilung der Beschlüsse der Generalkonferenz. Auch in der Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa wurde Anfang März eine Studiengruppe eingesetzt, die Szenarien erarbeiten und evaluieren soll, wie die EMK in den verschiedenen Ländern der Zentralkonferenz so eng wie möglich vereinigt und/oder verbunden bleiben kann. Auch in der Jährlichen Konferenz (Synode) Schweiz-Frankreich-Nordafrika wurde an der Tagung im Juni in Wettingen eine Gruppe von Personen eingesetzt, die mögliche Szenarien für eine weitere Entwicklung prüfen soll.
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