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Uina
(Val d') (Kt. Graubünden,
Bez. Inn).
1900-1124 m. Rechtsseitiges Nebenthal des Unter
Engadin, zu dem es zwischen
dem
Scarlthal und dem
Val d'Assa bei
Sur En unter dem
Weiler
Crusch sich öffnet. Das wildromantische Thal mit seinen grossartigen
Schluchten und
Engen, mit ausgedehnten dunkeln
Wäldern und idyllischen Bergwiesen, mit herrlichen Quellen, mächtigen Schuttgehängen
und einer ruinenartigen, grotesken Gebirgsumrahmung erstreckt sich in NW.-Richtung und ist bis zur Gebirgsschwelle
des
Hintergrundes fast 7 km lang. Rechnet man die
Schlucht Il Quar bis zum Grossläger (2162 m) unter dem
Munt Schlingia an
der österreichischen Grenze hinzu, wo die Quellen des
Uinabaches zusammenströmen, so ergibt sich für Val d'Uina eine Länge
von fast 9 km. Auf der
O.-Seite des
Thales ragen die wilden
Gräte und Stöcke der beiden
Schellenberge
(Piz
S-chalambert
Dadora und
Piz S-chalambert Dadaint; 2681 und 3034 m); im
Hintergrund der
Piz Mezdi (2543 m), der
Piz da Gliasen (2455
m) und
Piz Bims (2775 m); im W. die Mauern und Türme des
Piz
Curtinatsch (1929 m),
Piz Triazza (3046 m)
und des hintern
Piz
Ajüz (2797 m), sämtlich der Lischannagruppe angehörend.
Bei Uina Dadora (1500 m) zweigt zur Linken die schuttige, trockene Felsennische Curtinatsch ab; rechtsseitige Nebenthälchen sind das von La Stüra hinter Uina Dadaint, sowie weiter vorn Val da Gliars, Val Torta und Val Glatschera. Aus dem Hintergrund (Uina Dadaint; 1782 m) leitet ein neuer, markierter Klubweg über La Stüra auf den Munt Schlingia und zur Pforzheimerhütte des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins (2250 m) auf der Schliniger Alp. Ausserdem führt ein Pass neben dem Piz da Gliasen auf den Munt Schlingia und zur Klubhütte hin, während die wohl an 180 m hohe Quarschlucht des eigentlichen Thalhintergrundes nur etwa von Jägern begangen wird.
Durch
Val
Curtinatsch endlich gewinnt man von
Uina Dadaint aus den Lischannagletscher.
Die mittlere Thalhöhe beträgt von der
Mündung des
Uinabaches bei 1124 m bis zur
Brücke bei 1637 m zwischen
Uina Dadora und
Uina Dadaint 1380 m,
das Gefälle 10,3%; von 1637 m bis zum Grossläger hinter der Quarschlucht ist die mittlere Thalhöhe 1900 m, das Gefälle
15,4%. Totalgefälle 12,8%, mittlere Thalhöhe auf der ganzen Strecke 1640 m. Val d'
Uina wird auf einem guten Fahrweg über
Crusch, sowie von
Schuls aus auf hübschem Fussweg am rechten Innufer über
Pradella und
Sur En erreicht.
Indem man an den gewaltigen Moränenablagerungen (mit geschrammten Geschieben) und den Geröllmassen des Schuttkegels am Thalausgang aufsteigt, betritt man den Fuss eines Gneissattels, in welchen sich der starke Bach eine malerische Schlucht eingeschnitten hat. Diese Gneisklamm ist verhältnismässig jugendlichen Datums. An den Gneis legen sich Verrucanoschichten, worauf wir eine Mulde von alpinem Muschelkalk betreten. In dieses Gestein ist die grossartigste, mit einem brausenden Wasserfall geschmückte Schlucht des Thales eingeschnitten.
Der oberste Teil der wilden Klammwände zeigt die Umbiegung der Muschelkalkmulde in einen liegenden
Sattel,
auf dessen S.-Flügel am hintern
Piz
Ajüz die jüngern Sedimente lagern. Verrucano folgen
im Thal wieder Verrucano (Buntsandstein)
und ein zweites Gneisgewölbe
(Uina Dadora 1500 m). Die prächtigen Bergwiesen des während des ganzen Jahres bewohnten
Hofes
von Ausser
Uina
(Uina Dadora) bilden eine höchst angenehme Abwechslung in der ernsten Fels- und Waldlandschaft.
Aus der grünen Idylle leitet der Weg auf die rechte
Seite des
Uinabaches. Der Thalkessel ist hier mit enormen Schuttmassen
(Moränen-, Gehänge- und Rüfenschult mit Flusskiesen) aufgefüllt, doch bleibt der Gneis an beiden Gehängen mehrmals sichtbar.
Zu beiden Thalseiten folgen auf die kristalline Formation die Triaskalke bis zum Steinsbergkalk und seinen
Breccien samt den Liasmergeln und den da und dort in den grössten Höhen auftretenden Aptychenschiefern des Tithon (Malm).
Hinter dem Hof und der Alp Uina Dadaint (1782 m), der letzten freundlichen Oase vor den Schuttwänden und Steilmauern des obersten Thales, brechen am Stüraweg nocheinmal Gneis und Verrucano hervor, worauf die letzte und zugleich grösste Sedimentmulde (aus Trias und Lias) folgt. Die wilde Schlucht Il Quar ist hauptsächlich in Hauptdolomit eingeschnitten. Man übersteigt also von Uina Dadaint aus zweimal nahezu alle Formationen, welche das Gebirge zusammensetzen.
Dessen Sedimentreihen erscheinen gegen das österreichische Grenzgebirge
(Griankopf, Rassassergrat) hin ganz
vom Gneis der Oetzthalmasse überfaltet und überschoben. Die Sedimente gehören sämtlich der ostalpinen Decke an. Die aus
ihnen hervortretenden beiden Gneisrücken in Val d'
Uina sind als Faltungen des Oetzthalgneises als der bewegten normalen
Grundlage der ostalpinen Decke, die aus dem S. oder SSO. herübergeschoben wurde, zu betrachten. Val d'
Uina ist
reich an herrlichen Süsswasserquellen.
So. entspringen deren 2 von Bachstärke in und hinter der Klamm des Muschelkalkes, sowie 3-4 andere am Rand der vordern Sedimentmulde unter Uina Dadora. Die letztern, unter denen eine 5° C. Temperatur zeigt, liefern einen starken Ertrag und sind mit den folgenden Quellgruppen die reichsten und vorzüglichsten Quellen der Gemeinde Sent. Von 3-4 Quellen nahe am kristallinen Gesteinsrand oberhalb Uina Dadora misst eine wieder 5° C. Ferner erscheinen vorzügliche Quellen zwischen den beiden Bachbrücken in der Nähe des Punktes 1637 m anscheinend aus dem Gneis, und unter La Stüra sprudeln am Weg mehrere gute Quellen von 5-6 °C.
Mineralquellen besitzt Val d'
Uina nicht. In
Curtinatsch findet man etwas Kupferkies, Eisenglanz und Brauneisenerz. Die Wälder
und die beiden
Höfe
Uina Dadora und
Uina Dadaint mit ihren kleinen
Alpen, wie auch die Alp auf dem
Munt Schlingia gehören zur
Gemeinde
Sent. Von seltenen Gebirgspflanzen sei die ostalpine schleimige Primel (Primula glutinosa) auf
dem kristallinen Boden des
Munt Schlingia und Rassassergrates erwähnt. Val d'Uina ist mit
Scarl und
Val d'Assa noch heute das
Wohngebiet des braunen
Bären, dessen Spuren auf dem
Hof Vorder Uina noch jeden Winter wahrgenommen werden.