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Als der heilige Fridolin das Frauenkloster zu Säekingen erbaute, lebten in Glarus zwei Brüder, die aufgrund ihrer Vornehmheit und ihres Reichtums großes Ansehen genossen. Der eine hieß Urs, der andere Landolf. Als von diesen beiden Urs die Heiligkeit des heiligen Fridolin erkannte, schenkte er mit vollem Einverständnis seines Bruders einen Teil seiner Besitzungen dem Kloster in Säekingen und bestätigte die Schenkung mit Urkunden, die nach der Vorschrift ausgefertigt wurden.
Als diese Stiftung geschehen war, verstarb Urs. Nach seinem Tod aber riß sein Bruder Landolf die einzelnen Besitzungen, die der Bruder dem genannten Kloster geschenkt hatte, gegen Recht und Gerechtigkeit an sich.
Als sich nun der heilige Fridolin lange Zeit vor den Richtern wehrte, aber sein volles Recht nicht erlangte, sagte man ihm, wenn er seinen Rechtsstreit be enden wolle, müsse er den Schenker jener Besitzungen dem Gericht vorführen, damit so die tatsächliche Anwesenheit jenes Zeugen bestätige, daß die Schenkung rechtmäßig sei.
Diesen Schiedsspruch nahm der heilige Fridolin an und ersuchte den Landgrafen, der Baldebrecht hieß, er möge ihm und seinem Gegner einen Termin und den Ort des Gerichts für den geschilderten Streit bestimmen. Nachdem er dies erreicht hatte, begab sich der heilige Fridolin nach Glarus, stellte sich über das Grab Urs, öffnete es und rief ihn beim Namen; im Vertrauen auf die Macht Christi weckte er ihn von den Toten auf. Er nahm ihn bei der Hand und führte ihn von dort etwa fünfzig Kilometer weit in die Stadt Rankweil. Dort fand er den genannten Landgrafen als Gerichtsvorsteher, seinen Gegner und eine große Menge Schaulustiger.
Nun sagt der von den Toten erweckte Urs vor allen Anwesenden zu seinem Bruder: »Bruder, warum hast du mich nach meinem Tode des Anteils der Besitzungen beraubt, der mir gehört hat?«
Der antwortet: »Liebster Bruder, ich gebe dir deinen Anteil zurück und außerdem den meinen dazu für das Kloster in Säckingen.«
Danach geleitete der heilige Fridolin den Toten zurück zu seinem Grab, aus dem er ihn hergeführt hatte.
Zum Andenken an dieses Ereignis sind dort folgende Verse geschrieben:
Ihre Güter für Gott, den Herrn/ geben zwei Brüder an Fridolin gern.
Nach langer Zeit ist der eine im Grab,! nun leugnet der andre, was jener ihm gab.
Den Toten erwecket der heilige Mann,! als Zeugen ihn gütig geleiten er kann.
Die Menge erzittert in Angst und in Schreck,! der Heilige aber erreicht seinen Zweck.
Der heilige Fridolin entschlief nach vielen Wunderzeichen und herrlichen Taten am 6. März im Herrn.