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1926 eröffnete an der Klingelbergstrasse 80/82 das neue Gebäude für die Physikalische und Physikalisch-chemische Anstalt - die Fächer der Naturwissenschaften setzten ihre räumliche Expansion und Ausdifferenzierung fort.
Ein Neubau für die Physik
Erste Pläne für einen eigenen Neubau der Physikalischen Anstalt gab es bereits seit 1918, 1922 wurden sie im Grossen Rat behandelt. In seinen Anfängen war das Fach Physik im Museumsneubau an der Augustinergasse, ab 1874 im Bernoullianum untergebracht gewesen. Dort verfügte die Anstalt über zunächst nur zwei Zimmer, nach dem Wegzug der Chemie übernahm sie deren freigewordene Räume, ergänzt noch durch das Parterre der Mittleren Strasse 40, das für ein physikalisches Praktikum angemietet wurde. Die langandauernden Klagen über die unzureichende Unterbringung und die zu engen Räumlichkeiten gewannen mit dem Ausbau und Neubau der Strassenbahn, die um den Spalenberg führte, führten zu einer neuen Dringlichkeit. Neben dem Argument des Platzmangels wurde nun ins Feld geführt, der Forschungs- und Schulbetrieb wäre am Standort Bernouillianum beeinträchtigt, da die Strassenbahn elektromagnetischen Störungen, ‚vagabundierende‘ Ströme und Erschütterungen verursache und unter diesen Bedingungen eine Forschung im Bereich der Physik nur schwerlich gedeihen könne. In den Debatten des Grossen Rates spielte auch die wirtschaftliche Situation der Zeit eine Rollen - die Notwendigkeit, die Arbeitslosigkeit zu lindern, wurde zu einem weiteren Baustein in der Argumentation für den Neubau. Schlussendlich wurde das Gebäude bewilligt - die Kosten beliefen sich auf 2.4 Millionen Franken. Mit dem Neubau wurde auch der Raumbedarf der Chemischen Fächer berücksichtigt: 1926 konnte neben der physikalischen auch die bislang gerade nebenan im Gebäudekomplex der Chemie untergebrachte Physikalisch-Chemische Anstalt in die neuen Räumlichkeiten einziehen.
Auf der Höhe der Technik: Ein modernes Unigebäude....
1926 wurde das für die physikalische Forschung und Lehre errichtete Gebäude an der Klingelbergstrasse Nr. 80/82 feierlich, aber im Vergleich zu früheren Anlässen bescheiden eingeweiht. Der «Tag der offenen Tür» dagegen musste wegen des grossen Publikumsaufmarschs um einen Tag verlängert werden: Rund 15'000 Personen nutzten die Gelegenheit, die neuen Institute zu besichtigen. Das Interesse der Basler Bevölkerung an der Universität im Allgemeinen und an dieser Anstalt im Besonderen war enorm. Auch vom anderen Teil der Physikalisch-Chemischen Anstalt hiess es nach der Eröffnung, es sei «eines der modernsten und geräumigsten Institute dieser Art»; es umfasste neben allgemeinen Räumen auch Speziallaboratorien für Photochemie, Elektrochemie und Thermochemie. Hier hatte es auch Platz für ophthalmologische und neurologische Laborräume.
Der mit einem imposanten Eingangsportal versehene Doppelbau war, wie 1930 festgehalten wurde, «für weite Zukunft» berechnet. Diese Einschätzung erwies sich bis heute als zutreffend. Von den Inneneinrichtungen der Physikalischen Anstalt, dem Maschinenraum bis zur Versuchsradiostation, wurde damals gesagt, sie entsprächen dem neuesten Stand der Wissenschaft und Technik, so dass «alle wünschenswerten Grundlagen» für Unterricht und Forschung gegeben seien.
.... kommt in die Jahre
Es dauerte immerhin bis Ende der 1960er Jahre, bis die Raumnot des Faches wieder akut wurde. Nicht verwunderlich, dass mittlerweile auch die technische Ausstattung veraltet und höchst investitionsbedürftig erschien. Der 1967 und 1968 durchgeführte Totalumbau kostete 15 Millionen - fünfmal mehr als seinerzeit der Neubau. Neu wurden nun das physikalische Institut und das chemische Institut durch einen gemeinsamen Trakt räumlich miteinander verbunden. Inzwischen sind im Institut für Physik weitere zahlreiche innere Raumanpassungen vorgenommen worden, zu nennen ist insbesondere die Einrichtung des nanowissenschaftlichen Instituts im Jahr 2004.
Nanoscience - Neues Zentrum in alter Anstalt
Dass Wissenschaften ihre Gebäude nicht füllen, ist selten der Fall. In der Regel überquillt Wissenschaft, und sind ihre baulichen Behälter in einem bescheidenen Verhältnis zur Substanz, die sie beherbergen. Das auf die kleinsten Masseinheiten der Welt (nanoscale: 1 Nanometer = 1 Millionstel Millimeter) ausgerichtete Kompetenzzentrum (Swiss Nanoscience Institute) ist dem alten Institut für Physik an der Klingelbergstrasse Nr. 32 angegliedert. Es wurde im Juni 2001 zum Leading House des Nationalen Forschungsschwerpunkts (NCCR) für nanoscale science und bildet das Zentrum eines Netzwerks von acht weiteren Forschungsinstitutionen mit über 200 Forscherinnen und Forschern.
Eine Präsentation aus dem Jahr 2004 (uni-intern) betonte ebenfalls den Gegensatz: «Das Gebäude ist behäbig und unprätentiös. Aber alte Mauern können täuschen. Hier wird an der Zukunft geforscht.» Die Nanowissenschaften, oft als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts bezeichnet, erforschen pluri- und interdisziplinär (Physik, Biologie, Chemie, Medizin, Informationstechnologie) die Welt der Atome und Moleküle. Fragen aus Materialwissenschaften, Computertechnologie und Medizin münden immer häufiger in Fragestellungen der Nanowissenschaften. Ziel ist die nachhaltige Nutzung von Ressourcen. - Die eigene Wissensherstellung, die Forschung, ist Ausgangspunkt für die Lehre. Sie ist Voraussetzung, wie die Lehre ihrerseits irgendwie logische Folge ist. Deshalb folgte sozusagen auf dem Fuss ein entsprechendes Lehrangebot: Seit dem Wintersemester 2002/03 bietet die Universität Basel als erste und einzige Uni der Schweiz diesen zukunftsträchtigen Lehrgang in Nanoscience an.