Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03473.jsonl.gz/784

Schlingbeschwerden
(Dysphagie), die Folge sehr mannigfaltiger Krankheitszustände, sowohl der Rachengebilde und des Schlundkopfes als auch der Speiseröhre bis zum Magenmund hinab. Im weitern Sinn wird hierher auch das erschwerte Saugen und Kauen gerechnet, weshalb denn auch die krankhaften Affektionen der Kaumuskeln, der Kieferknochen, der Lippen etc. dabei in Betracht kommen. Die am häufigsten vorkommenden S. sind diejenigen, welche veranlaßt werden durch die entzündliche Anschwellung der in der Rachenhöhle gelegenen Gebilde, besonders der Mandeln und des Gaumensegels mit dem Zäpfchen, sowie auch durch die Entzündung und Geschwürbildung im Bereich des Kehlkopfes und der Luftröhre (bei Schwindsüchtigen).
Alle Geschwülste und entzündlichen Zustände der Speiseröhre, wie solche z. B. durch Verschlingen zu heißer Speisen, ätzender Substanzen (Schwefelsäure, [* 3] Ätzkalilauge etc.) erzeugt werden, sind mit S. verbunden. Zuweilen beruhen die S. auf einem Krampf der Rachenmuskeln, z. B. bei der Hundswut. Bei Krankheiten der Nervenzentralorgane kommt gelegentlich eine Lähmung der Muskulatur des Rachens und der Speiseröhre vor, mit welcher Unvermögen zum Schlingen verbunden ist (Bulbärparalyse).
Die Bedeutung der S. ist nach den angegebenen Ursachen natürlich eine sehr verschiedene. Diejenigen Fälle von S., welche auf entzündlichen Zuständen der Rachengebilde und der Speiseröhre beruhen, sind vorübergehender Art, sofern die S. mit dem Ablauf [* 4] der Entzündung von selbst aufhören. Diejenigen Fälle aber, wo die S. auf narbiger Verengerung oder auf krebsiger Entartung der Speiseröhre oder auf Lähmung des Schlundes beruhen, sind mit großen Beschwerden verbunden und geben wenig oder gar keine Hoffnung auf Heilung oder auch nur auf erhebliche Besserung. Oft sind die Kranken zum Hungertod verurteilt, wenn es nicht gelingt, dieselben durch Schlundröhren mit nährenden Flüssigkeiten zu ¶
mehr
erhalten. Nur die Verengerungen, welche infolge von Hinabschlucken ätzender Flüssigkeiten, z. B. von Schwefelsäure, entstanden sind, lassen durch Einlegen von Schlundsonden und allmähliche Erweiterung der Speiseröhre Hoffnung auf Wiederherstellung.