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Monesterio, mein letzter Ort der Übernachtung, liegt am Rande einer Hochebene, leicht erhöht. Das frühe Morgenessen ermöglichte auch einen frühen Start. Nach dem Karten- und Profilstudium der Strecke, kam ich zum Schluss mir heute eine etwas längere Strecke erlauben zu können. Die ersten knapp 100 Kilometer sollten eigentlich bergab gehen. Wobei da natürlich noch alle die Gegensteigungen auch noch zu nehmen waren. Aber über lange Strecken half mit ein schwacher Rückenwind.
Bald wurde es sehr flach.
Die gestrigen Gebüsche und Baumgruppen verschwanden wieder. Ab und zu ein Getreidefeld, Wiesen, Äcker auf denen ich aber nicht erkennen konnte, was da einmal wachsen sollte.
Auch der Stier tauchte am Horizont einmal auf.
Gestern Abend, während meines Nachtessens im Restaurant, liefen gleich drei Stierkämpfe hintereinander am Fernsehen ab. Wenn ich das Prinzip richtig begriffen habe, geht es in einer ersten Phase darum, den Stier zu ermüden. Wild kommt er aus seiner Box, stürmt auf alles los was sich irgendwie bewegt und rot ist. Dann kommt die Phase mit dem Pferd. Da habe ich nicht wirklich begriffen was passiert. Der Stier jedenfalls nimmt das Pferd auf die Hörner und der Reiter steckt ihm schon mal eine erste Lanze in den Rücken/das Genick. Das Pferd ist geschützt mit einer Art beweglicher Panzerung und hat verbundene Augen. In der dritten Phase stecken dann, vermutlich die künftigen Stierkämpfer, dem Stier in drei Angriffen jeweils zwei kleinere Lanzen in das Genick. In der vierten Phase nimmt der Stierkämpfer dann alleine den Kampf gegen den Stier auf. Wobei mir Kampf deutlich übertrieben erscheint. Der sichtlich bereits stark ermüdete Stier rennt immer noch auf das rote Tuch los. Das Ziel des Stierkämpfers in dieser Phase ist wohl, dem Stier möglichst nahe zu kommen, so dass er das Blut des langsam verblutenden Stieres an seiner pompös dekorierten Jacke abgestreift bekommt. Mir scheint, dass er dabei eine Art von Pflichtfiguren/Pflichttänzen erfüllen muss. Irgend einmal scheint der Zeitpunkt zu kommen, bei dem der Stier realisiert, dass nicht das rote Tuch, sondern der Stierkämpfer dahinter sein Problem ist. Vermutlich ist es dieser Zeitpunkt, den der Stierkämpfer abwartet / hinauszögert, bis er dem Stier die finale Lanze ins Genick steckt. Mindestens ein Meter langes scharfes Messer, bis zum Anschlag. Sofort kommen weitere, vermutlich angehende Stierkämpfer auf das Feld, und verwirren den vermutlich innerlich verblutenden Stier wieder mit ihren roten Tüchern. Nach ein paar Minuten beginnt dieser zu straucheln und bleibt schlussendlich liegen. Ein weiterer Messerstich in den Kopf, ausgeführt von einem der angehenden Stierkämpfer, dürfte dann den Stier vollends umbringen. Er wird anschliessend von hübsch dekorierten Pferden aus der Arena geschleift.
In einem Falle anscheinend ging allerdings der finale Lanzenstich des Stierkämpfers daneben. Der Stier wollte einfach nicht straucheln und hinfallen. Der Stierkämpfer entfernte dann die eingesteckte Lanze wieder und musste nun selbst, dem immer noch angriffigen Stier das Messer in den Kopf stecken.
Ich nehme nicht an, dass der Stier bei einem solchen Kampf eine Überlebenschance hat. Gefährlich für den Stierkämpfer dürfte es aber dennoch sein. Einiges an Mut dürfte er sicher auch aufwenden müssen. Aber dafür darf er sich ja richtig fotogen und showmässig dem TV präsentieren. Was mich etwas verwunderte war das Gewicht der Stiere. Das lag bei allen dreien unter 600 Kg. Jedem Land seine Spielereien.
Die Fahrt geht weiter. Olivenbäume, manchmal zusammen mit Rebstöcken auf einem Feld, bis schlussendlich nur noch Rebstöcke die weite Ebene zu füllen scheinen.
Nach knapp 100 KM treffe ich in Merida ein. Schon lange vorher, lassen Wegweiser zu römischen Bädern und Theatern vermuten, dass sich die Römer nicht nur in Andalusien aufgehalten hatten. Mein Mittagessen aus dem Anhänger nehme ich an einem schattigen Plätzchen in Merida ein, bevor ich etwas unfreiwillig auf eine kleine Stadtrundfahrt starte. Dabei komme ich aber an Bauten vorbei, die wahrscheinlich nur von den Römern gebaut werden konnten.
Was es einmal war, kann ich nicht sagen. Rechts, verdeckt durch das Gebüsch könnte vielleicht eine ehemaliges Stadttor stehen.
Bald nach Merida wird es wieder einöd und dürr. Nichts was man nach einem ersten Blick brauchen könnte.
Einige der Flüsse die ich überquere sind ebenfalls ausgetrocknet, in anderen fliesst aber tatsächlich noch Wasser. Nicht schnell, sondern sehr langsam, aber immerhin in Bewegung und nicht nur seichte Wasserlachen. Ich befinde mich auf ungefähr 300 bis 400 Meter über Meer, da kann in dieser weiten Ebene ohnehin keine grosse Strömung mehr erwartet werden.
Die Strasse beginnt zu steigen, hinauf und über die nächsten Hügel. Endlos lange Rampen. Auf dem Hügel ein Kurve und weiter geht die Steigung, wieder bis zum nächsten Hügel.
Das können manchmal zwei oder drei Kilometer lange Strecken sein. Schnurgerade, Gefälle zwischen zwei und drei Prozent. Kein Schatten, die Sonne brennt. Der Rückenwind hat zum Gegenwind gekehrt. So habe ich etwa 200 Höhenmeter zu überwinden. Doch ich habe auch das geschafft und finde den Weg in mein heutiges Hotel ohne besondere Probleme. Es ist ein Hostal am Via de la Plata. Einfach, familiär. Im Kühlschrank stehen nebst Wasserflaschen auch zwei grosse kühle Bier. Eines davon ist jetzt in meinem Zimmer.
Weblog am 12.05.
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