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Die vierte und voraussichtlich vorletzte Staffel der hervorragenden Retro-Dramedy-Serie «The Marvelous Mrs. Maisel» ist in den Sechzigerjahren angekommen und bleibt ein spritzig inszeniertes, clever geschriebenes und schlagfertig-skurril gespieltes Serien-Juwel.
Die 1960er Jahre beginnen alles andere als rosig für die jüdische Hausfrau Miriam «Midge» Maisel (Rachel Brosnahan). Kaum hat ihre Karriere als Stand-Up-Komikerin richtig begonnen, Fahrt aufzunehmen, wird sie vom erfolgreichen Soulsänger Shy Baldwin (LeRoy McClain), auf dessen Tour sie im Vorprogramm auftreten sollte, in einer «Casablanca»-Gedenkszene auf einem Flughafen-Rollfeld gefeuert und sitzengelassen. Denn Midge outete in ihrem Programm Baldwin quasi als homosexuell, wovon dieser sein Image und seine Karriere bedroht sieht und sogleich die Beziehung zu Mrs. Maisel kappt.
Ein Rückschlag, der für viele Probleme sorgen wird – denn nicht nur die hart erarbeitete Unabhängigkeit der aufsteigenden Comedienne steht nun auf dem Prüfstand; auch das Geld des lukrativen Gigs hätten sowohl Midge als auch ihre Spielschulden verheimlichende Managerin Susie Myerson (Alex Borstein) mehr als gut gebrauchen können. In den früheren Staffeln konnte sich Midge noch auf den Wohlstand ihrer Eltern (Tony Shalhoub und Marin Hinkle) verlassen, doch da sich ihr Vater Abe zwischen zwei Jobs befindet, fällt auch dieses Sicherheitsnetz für sie weg, und sie muss ihren Eltern sogar in ihrer Wohnung selbst Unterschlupf gewähren.
«Die Drehbuchautoren Amy Sherman-Palladino und Daniel Palladino schickten Midge Maisel in den ersten beiden Staffeln noch vermehrt auf die Suche nach dem richtigen Mann an ihrer Seite. In der 4. Staffel fällt dieser Aspekt deutlich in den Hintergrund: Midge macht sich mehr Gedanken über ihre Integrität als über die Suche nach dem perfekten Partner.»
Die Drehbuchautoren Amy Sherman-Palladino und Daniel Palladino, die uns schon die wunderbare Welt der «Gilmore Girls» (2000–2007) schenkten, schickten Midge Maisel vor allem in den ersten beiden Staffeln noch vermehrt auf die Suche nach dem richtigen Mann an ihrer Seite. In dieser Staffel fällt dieser Aspekt deutlich in den Hintergrund: Midge macht sich mehr Gedanken über ihre Integrität als über die Suche nach dem perfekten Partner – eine Entwicklung, die ein augenzwinkernder Auftritt von «Gilmore Girls»-Alumnus Milo Ventimiglia passend unterstreicht. Das gibt Rachel Brosnahan («House of Cards») die Gelegenheit, ihre Figur noch stärker als emanzipierte und selbständige Frau zu porträtieren als zuvor – wobei die Serie nur im Unterton eine sozialkritische Beleuchtung der Sechzigerjahre ist. Im Kern bleibt sie ein eskapistisches Märchen.
Die Suche nach einem Job, der Midge völlige Freiheit bietet, ist so schwungvoll, bunt und einnehmend inszeniert, wie man es sich von der Serie gewohnt ist. So führt Midges Odyssee sie irgendwann in einen Stripclub, in dem sie die Pausenunterhaltung zwischen den Burlesque-Darbietungen übernimmt, die erstaunlich aufwendig und ausschweifend zelebriert werden. Die fantasievolle und üppige Inszenierung ist neben den spritzigen Dialogen die grösste Stärke der Retro-Dramedy, was auch etwas darüber hinwegtäuscht, dass die Serie handlungstechnisch ein wenig auf der Stelle tritt.
«Das unendlich charismatische Figurenensemble rund um Midge ist gespickt mit Szenendieben wie Tony Shalhoub, Jane Lynch und Luke Kirby, welche die überbordenden Stakkato-Dialoge mit viel Verve und Spielfreude rauspfeffern.»
Im Endeffekt ist das aber nicht weiter tragisch, denn das unendlich charismatische Figurenensemble rund um Midge ist gespickt mit Szenendieben wie Tony Shalhoub («Monk»), Jane Lynch («Glee») und Luke Kirby («The Deuce»), welche die überbordenden Stakkato-Dialoge mit viel Verve und Spielfreude rauspfeffern. Stellvertretend dafür steht eine Szene auf dem Coney-Island-Riesenrad, auf dem die ganze Familie von verschiedenen Kabinen aus über Midges Tour-Rauswurf debattiert. Das Kreuzfeuer aus Eingeständnissen, Vorwürfen und Bonmots ist meisterhafte Screwball-Comedy at its best.
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Jetzt auf Amazon Prime
Serienfakten: «The Marvelous Mrs. Maisel» (4. Staffel) / Creator: Amy Sherman-Palladino / Mit: Rachel Brosnahan, Alex Borstein, Michael Zegen, Marin Hinkle, Tony Shalhoub, Kevin Pollak, Luke Kirby, Jane Lynch, Caroline Aaron / USA / 8 Episoden à 53–64 Minuten
Bild- und Trailerqulle: Amazon Prime
In «The Marvelous Mrs. Maisel» lässt Amy Sherman-Palladino ihre Figuren weiterhin mit Sätzen wie mit Wurfmessern jonglieren und bietet liebevoll-skurrilen Retro-Eskapismus.