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Die Sprachsituation der Schweiz ist zweifelsohne besonders. Es gibt nämlich nicht bloss eine, sondern vier Landessprachen (Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch), wobei Deutsch die meist gesprochene Sprache in der Schweiz ist. Hinzu kommt, dass wir es in der deutschsprachigen Schweiz mit einer Diglossie-Situation zu tun haben. Das bedeutet, dass zwei Sprachen, beziehungsweise Varietäten, nebeneinander existieren und nach funktionalen Kriterien voneinander abgegrenzt werden. Im Falle der Deutschschweiz sind das die beiden Varietäten Standarddeutsch (das schweizerische Hochdeutsch) und Schweizerdeutsch.
In diesem ersten Einführungsblogbeitrag zum Schweizerdeutschen wollen wir sowohl auf das Standard- als auch Schweizerdeutsche eingehen, Unterschiede klären und verstehen, wann welche Varietät in der Schweiz zur Anwendung kommt.
Was ist Standarddeutsch?
Deutsch ist eine Standardsprache, die zahlreiche Dialekte überdacht. Eine Standardsprache standardisiert Rechtschreibung, Wortschatz und Grammatik und legt darüber hinaus den Status und den Verwendungskontext einer Sprache fest.
Das Schweizer Hochdeutsch ist das Standarddeutsch der Schweiz und unterscheidet sich vom Standarddeutschen Deutschlands und Österreichs. So ist das Schweizer Hochdeutsch gekennzeichnet durch Helvetismen. Ein Helvetismus ist eine sprachliche Besonderheit, die nur im Schweizer Hochdeutsch Anwendung findet. Beispiele sind parkieren, grillieren, Trottoir, und Glace. Unterschiede gibt es jedoch nicht bloss im Bereich des Wortschatzes, sondern auch unter anderem in der Grammatik, Rechtschreibung und Aussprache.
Übrigens: Sprachliche Besonderheiten, die nur im österreichischen Hochdeutsch vorkommen, heissen Austriazismen, und sprachliche Besonderheiten, die nur im Hochdeutschen vorkommen, nennen wir Teutonismen.
Wann wird Standarddeutsch gesprochen?
In der Deutschschweiz wird Schweizer Standarddeutsch vor allem in der schriftlichen Kommunikation verwendet. So sind beispielsweise E-Mails, Briefe und Zeitungen in Standarddeutsch verfasst. Sämtliche Dokumente, die im beruflichen Kontext gebraucht werden, liegen ebenfalls in Standarddeutsch vor. Des Weiteren wird in Schulen, auf Universitäten und in anderen schulischen oder akademischen Einrichtungen Standarddeutsch gesprochen. Letzteres gilt auch für den institutionellen Kontext und für Nachrichtensendungen. Nicht zuletzt wird auch im Gespräch mit Personen, die nicht Schweizerdeutsch sprechen, auf Standarddeutsch gewechselt.
Was ist Schweizerdeutsch?
Schweizerdeutsch, oder «Schwizerdütsch» bezeichnet die in der deutschsprachigen Schweiz gesprochenen Dialekte. Die allermeisten dieser Dialekte sind alemannische Dialekte. Alemannische Dialekte werden zum Beispiel auch im Elsass, in Südbaden und in Liechtenstein gesprochen.
Wir unterscheiden Nieder-, Mittel-, Hoch- und Höchstalemannisch. So wird beispielsweise in Basel ein niederalemannischer Dialekt gesprochen, nämlich «Baaseldytsch» (Baseldeutsch) während in Zürich ein hochalemannischer Dialekt gesprochen wird, namentlich «Züritüütsch» (Zürichdeutsch).
Gerade weil das Schweizerdeutsche so viele verschiedene Dialekte umfasst und es keine klare Abgrenzung zwischen den Dialekten gibt, kann nicht gesagt werden, wie viele Dialekte es letztlich in der Schweiz gibt.
Wann wird Schweizerdeutsch gesprochen?
Schweizerdeutsch wird hauptsächlich in der alltäglichen Kommunikation gebraucht. Das heisst beim Einkaufen, im Gespräch mit Familie, Freunden und Arbeitskolleg:innen, am Telefon und so weiter. Auch in Radiosendungen wird oft Schweizerdeutsch gesprochen. Interessanterweise wird Schweizerdeutsch mittlerweile auch vermehrt für alltägliche schriftliche Texte verwendet, also für SMS, WhatsApp etc. Da es keine eindeutigen grammatikalischen Regeln gibt, sprechen und schreiben alle so, wie sie wollen.
Das Nebeneinander von Standard- und Schweizerdeutsch ist eine Herausforderung
Der grosse Abstand zwischen Schweizer Standard- und Schweizerdeutsch ist vor allem für in die Deutschschweiz Zugewanderte oftmals eine Herausforderung. In Sprachkursen wird sehr oft Schweizer Standarddeutsch gelehrt und gelernt. Im Alltag sprechen Deutschschweizer:innen jedoch Schweizerdeutsch. Deswegen kann es frustrierend sein, zu merken, dass man trotz Deutschkurs Schwierigkeiten hat, alltäglichen Gesprächen zu folgen und daran teilzunehmen.
Aus diesem Grund wollen wir euch mit dieser neuen Blogreihe zum Schweizerdeutschen den Zugang zum «Schwizerdütsch» etwas erleichtern. Konkret wollen wir auf die Besonderheiten dieser Varietät eingehen und sie euch möglichst einfach mit Beispielen erklären. Bleibt also dran und haltet die Augen offen für die nächsten Beiträge dieser neuen Blogreihe.
Falls ihr Anregungen, Vorschläge oder Rückmeldungen habt, freuen wir uns, davon in den Kommentaren zu lesen. Bis bald!
Nelly Müller – Sprachen Akademie