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«Die Musik befreit uns aus der Dunkelheit»
Mit 13 erfuhren die Zwillinge, dass sie erblinden. Sie waren niedergeschlagen – doch dann änderte ein Klavier ihr Leben.
Es ist ein Tag, den Paula und Fabiana nie vergessen werden: Sie waren 13 Jahre alt, als ihr Vater vom Augenarzt heimkam. Dort hatte er erfahren, dass die beiden Mädchen an Morbus Stargardt, einer seltenen Erbkrankheit, litten und erblinden würden. Auch für die Zwillinge brach da eine Welt zusammen.
Zwar waren ihre Augen schon als Vierjährige schlechter geworden. Seit sie sechs Jahre alt waren, trugen sie fortan immer stärkere Brillen. Doch die Hiobsbotschaft ihres Vaters stürzte die Geschwister trotzdem in tiefe Depressionen.
Was die Teenager nicht wussten: Ihre Eltern legten Woche für Woche einen Teil des geringen Lohnes zur Seite. Eines Morgens trugen drei Männer ein Klavier ins Wohnzimmer. Papa Juan Chavez hatte es gekauft, um seine Töchter von ihrem seelischen Schmerz abzulenken. Ein voller Erfolg! «Das Piano änderte alles. Es lenkte unsere Konzentration weg von uns selbst auf etwas anderes», erinnert sich Paula. Sofort setzten sie sich und begannen nebeneinander stundenlang zu klimpern.
Jeden Tag übten die beiden von nun an – und das sechs bis sieben Stunden lang. Nach dem Schulabschluss studierten sie Musik, wurden Piano-Lehrerinnen, während ihr Augenlicht langsam weiter schwand.
Heute, mit 55 Jahren, sind die Zwillinge völlig blind. Doch sobald sie nebeneinander am Klavier sitzen, ist es, als wären sie eine Person. «Die Musik befreite uns aus der Dunkelheit», sagt Fabiana und lächelt.