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»Das Wunder der Achtsamkeit« von Thích Nhất Hạnh
»[…] Achtsamkeit meint also nicht verkrampfte Selbstkontrolle, mit der wir eine Cola-Dose in höchster Konzentration auf unsere Bewegungen auf dem Waldboden abstellen und dort liegen lassen, ohne daran zu denken, was wir mit unserer Umwelt in diesem Moment machen. […] Die Übung der Achtsamkeit […] heisst mit liebevoller Akzeptanz alles willkommen, worauf sie sich richtet, von unseren körperlichen Vorzügen, spirituellen Fortschritten und altruistischen Idealen bis hin zu geistiger Trägheit, Wut und Haarausfall.«
Mit dieser Aussage im Vorwort bereitet Ulrich Scharpf den Weg in die Lektüre von Thích Nhất Hạnh.
Angaben zum Buchinhalt
Das Buch ist in acht Kapitel gegliedert, die im Folgenden vorgestellt werden. Zwischen jedem Kapitel ist ein Gedicht von Thích Nhất Hạnh aufgeführt, das gleichermassen als Übergang dient, wie auch zum Nachdenken einlädt.
- »Vom Alltagsbewusstsein zum Kern der Übung«: Thích Nhất Hạnh erklärt den Wert von alltäglichen Handlungen. Beispielsweise tragen das achtsame Halten eines Gegenstandes oder das bewusste Abwaschen dazu bei, unser Leben zu veredeln, denn wir verankern uns in der Erfahrung des gegenwärtigen Augenblicks.
- »Das Wunder, auf der Erde zu gehen«: In diesem Kapitel wird die Bedeutsamkeit des Atems als Werkzeug herausgestrichen. Atem ist Achtsamkeit, schreibt Thích Nhất Hạnh. Er empfiehlt, 24 Stunden am Tag zu meditieren, denn auch der informellen Meditationspraxis misst er einen hohen Wert bei.
- »Gönnen Sie sich einen Tag der Achtsamkeit«: Thích Nhất Hạnh erklärt, warum man sich einen Tag pro Woche ganz der Achtsamkeit verschreiben sollte, und welches Vorgehen sich dazu empfiehlt.
- »Wie ein Kieselstein«: In diesem Kapitel wird der Zweck der Achtsamkeitsmeditation erläutert. Dabei wird auch die Unterscheidung der Gedanken in heilsam und unheilsam thematisiert.
- »Eins ist alles, alles ist eins«: Thích Nhất Hạnh führt aus, wie man sich vom Leiden befreien kann. Die Reflexionen über den Tod und dessen Bedeutsamkeit in Bezug auf unsere Lebensgestaltung nehmen dabei einen nicht unwesentlichen Bestandteil des Textes ein.
- »Der Mandelbaum in Ihrem Vorgarten«: Im Fokus dieses Kapitels steht das Mitgefühl mit allen Lebewesen, einschliesslich sich selbst. Dabei beschreibt Thích Nhất Hạnh, wie Meditation enthüllen und heilen kann.
- »Drei wunderbare Antworten«: Dieses Kapitel steht ganz im Zeichen von Tolstois Erzählung »Die drei Fragen des Kaisers«. Die Geschichte ist vollständig niedergeschrieben, und Thích Nhất Hạnh hält seine Überlegungen dazu fest.
- »Zweiunddreissig grundlegende Achtsamkeitsübungen«: Zum Schluss folgen 32 Übungen, die sich je nach Interesse und Zeitressourcen in kürzerer oder ausgedehnter Form anwenden lassen.
Mein persönliches Fazit zu »Das Wunder der Achtsamkeit«
Ein inspirierendes Buch, verfasst von einem klugen, sprach- und weltgewandten Autoren.
Thích Nhất Hạnh bedient sich einer einfachen, in ihrer Schlichtheit eleganten Sprache und ergänzt seine Erklärungen mit Anekdoten und eingängigen Bildern. Das Buch kann meines Erachtens durchaus als Standardwerk für die Meditationspraxis betrachtet werden: Das Konzept der Achtsamkeit wird ebenso sorgfältig beschrieben wie die Möglichkeiten zum Erlangen derselben. Die 32 alltagstauglichen, praxisnahen Übungen laden zum Ausprobieren ein.
Ein einziger Kritikpunkt verbleibt: Beim Lesen des Kapitels »Gönnen Sie sich einen Tag der Achtsamkeit« habe ich mich gefragt, wie zur Hölle ich das anstellen soll. Für allein wohnende Singles mag das Konzept umsetzbar sein. Für Menschen in Partnerschaften und / oder mit Kindern scheint mir die wöchentliche Umsetzung des beschriebenen Unterfangens eher illusorisch. Aber wer weiss: Vielleicht fehlt es mir ja Disziplin oder Weitsicht in Bezug auf die informelle Meditationspraxis?
Hier geht’s zum Blogeintrag, wie Achtsamkeit im Alltag gelebt werden kann: Achtsamkeit im Alltag leben
Quellenangabe: Thích Nhất Hạnh (1975). Das Wunder der Achtsamkeit. Theseus, Bielefeld.