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1991 machte der Wirtschaftswissenschaftler Michael B. O'Higgins, der Urvater der Dividendenstrategie, eine neue Investitionsmethode einer breiten Öffentlichkeit bekannt: Die "Dogs of the Dow". Die Bezeichnung "Dogs" stammt aus der amerikanischen Umgangssprache. Dort steht der Begriff für eine "wertlose Sache". Damit ist also eine Investition in die am meisten unterbewerteten Aktien gemeint.
Mit der Strategie werden zu Beginn eines neuen Jahres die zehn Aktien aus dem Dow Jones mit der höchsten Dividendenrendite zu gleichen Dollarbeträgen gekauft. Diese werden zwölf Monate gehalten. Danach wird das Portfolio erneut überprüft und, falls notwendig, neu ausgerichtet und ausbalanciert. Die Dogs-of-the-Dow-Strategie funktioniert dann am besten, wenn sich der Markt an Value-Investment-Prinzipien orientiert.
Da die meisten Aktien des Dow Jones stabile Dividenden aufweisen, kommen meist diejenigen Titel in die Auswahl, die einen Rückgang des Aktienkurses verbucht haben. Wenn dies nur eine kurzfristige Korrektur ist, steigt die Aktie im Laufe des Jahres oft, übertrifft den breiteren Durchschnitt und macht dann unter Umständen Platz für eine neue, im Kurs zurückgekommene und unterbewertete Aktie. Die Strategie ist demnach auch eine Contrarian-Strategie: Es geht um antizyklisches Investieren konträr zu den bisher erfolgreichen Trends.
Und diese Dividenden-Strategie ist auch auf andere Leitindizes anwendbar: So werden bei "European Dogs of the Dow" zum Jahresbeginn die zehn Aktien aus dem europäischen Aktienleitindex Euro Stoxx 50 mit der höchsten Dividendenrendite zu gleichen Beträgen gekauft. Dies sind die europäischen Dividendenaktien für 2023:
Mercedes-Benz
Der Lauf bei teuren Luxusmodellen bescherte Mercedes-Benz zuletzt eine hohe Profitabilität im Kerngeschäft mit Autos. Der deutsche Autobauer besitzt weiterhin eine hohe Preissetzungsmacht. Auch die Aktie hat seit Jahresbeginn deutlich zugelegt. Die Attraktivität des Titels dürfte auch der hohen Dividendenrendite von rund 8 Prozent geschuldet sein.
Enel
Der italienische Energiekonzern Enel mit Sitz in Rom ist in den Bereichen Stromerzeugung und Erdgas tätig. Trotz des starken Kursanstiegs 2023 liegt die Dividendenrendite bei 7 Prozent. Gleichzeitig ist der Titel eher teuer bewertet, und der italienische Staat hat mit einer Beteiligung von knapp 24 Prozent weiterhin grossen Einfluss beim früheren Monopolisten.
Stellantis
Der Automobil-Riese Stellantis, zu dem unter anderem die Marken Chrysler, Citroën, Opel und Peugeot gehören, zeigt auch im zukunftsträchtigen Wasserstoff-Bereich Präsenz. Insbesondere auch die erzielte Marge überzeugt am Markt, was die Aktie deutlich angetrieben hat. Die Dividendenrendite liegt trotz des Kursanstiegs bei 9 Prozent.
Vonovia
Die Aktien des deutschen Wohnkonzerns Vonovia haben auf Jahressicht beinahe die Hälfte des Werts eingebüsst. Die hohen Schulden sind durch die steigenden Zinsen zu einer Belastung geworden. Und Abschreibungen drückten die Gewinne. Trotzdem sehen Analysten wieder Potenzial. Und als Folge der Kursschwäche liegt die Dividendenrendite bei 5 Prozent.
BASF
Beim deutschen Chemiekonzern BASF lässt der Kostendruck durch die Energiepreise zwar allmählich nach, aber die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft bleibt gross. Es erstaunt daher nicht, dass die Aktie an der Börse im laufenden Jahr kaum vom Fleck kommt. Immerhin winkt den Anlegerinnen und Anleger eine Dividendenrendite von 7 Prozent.
BMW
Der Autobauer aus München setzt weiterhin auf die Produktion von Verbrennern, Wasserstoff und Elektromodellen. Mit dieser Strategie übertrifft BMW mit den Geschäftszahlen wiederholt die Erwartungen, was die Aktie ansteigen lässt. Trotzdem ist der Titel weiterhin tief bewertet und bietet eine Dividendenrendite von 9 Prozent.
BNP Paribas
Trotz der Bankenkrise ist die Kursperformance der Aktien von BNP Paribas seit Jahresbeginn klar positiv. Die französische Grossbank profitiert aktuell von einem starken Geschäft mit Anleihen, Rohstoffen und Währungen. Mit einer Ausschüttungsrendite von 7 Prozent gehört BNP Paribas zu den gut zahlenden Finanztitel.
Nordea Bank
Die im finnischen Helsinki beheimatete Nordea Bank ist ein führender Finanzkonzern in Nordeuropa und dem Baltikum. Die Geschäftsbereiche beinhalten Retailbanking, Vermögensverwaltung und Lebensversicherungen. Eine solide Geschäftstätigkeit, das für Banken positive Zinsumfeld und eine Dividendenrendite von satten 8 Prozent sprechen für den Kauf dieses Titels.
Eni
Der Energiekonzern Eni bietet Anlegern eine Dividendenrendite von 7 Prozent, was die zuletzt fehlende Kursfantasie kompensiert. Die unter staatlichem Einfluss stehenden Italiener haben zuletzt vor allem wegen eines schwächeren Preisumfeldes weniger verdient als im Vorjahresquartal. Die Produktion nahm jedoch zu, und das Gas- und Flüssiggasgeschäft entwickelte sich stark.
Volkswagen
Die Dividende hat der Autoproduzent Volkswagen zuletzt stark angehoben, wodurch die Rendite aktuell bei 6 Prozent liegt. Trotz Absatzschwächen in China und dem Preiskampf mit Tesla will der deutsche Konzern 2023 15 Prozent mehr Umsatz und Verkäufe erzielen. Mit Investitionen in die Batterieherstellung macht sich zusätzlich VW fit für die Zukunft.
4 Kommentare
Die Kommentare bisher haben alle mehrheitlich recht. Dividende Strategie mit Einzelaktion als Schweizer nur mit CH, GB und AUS Aktien. Es gibt jedoch auch einige wenige interessante ETF, mit Domizile in Irland bei denen Quellensteuer zumindest reduziert ist. Mir persönlich gefallen einige Wisdomtree Produkte, sogenannte Dividend, Quality, Growth Strategien. Rel. geringe Dividende, dafür auch Wachstum...
Was nützt mir eine schöne Dividende wenn der Währungsverlust diese wieder neutralisiert? Beispiel: Wer am 17. Mai 2022 zB. für 1000 € Aktien kaufte, zahlte CHF 1050. Wenn er diese Aktien heute verkauft, erhält noch ca. CHF 970. Also 8% weniger. Dann wird noch in Europa, USA u.a. die Quellensteuer fällig, was den Gewinn zusätzlich schmälert. Wo also ist der Vorteil dieser "European Dogs of the Dow"-Strategie?
Richtig, da könnte auch die Eidg. Steuerverwaltung viel aktiver sein.
Ein ähnlich Problem ist in den USA mit Fatca, auch hier besteht eine grosse
Problematik, die eigentlich bei jedem Empfehlung zu erwähnen wäre.
Und schon wieder kein Hinweis auf die Quellensteuer, welche abgezogen wird und nur sehr mühsam, oft nur teilweise wieder zurückgeholt werden kann. Wenn das nicht wäre, hätte ich schon lange BMW gekauft.
Quellensteuerfreie Staaten: GB und AUS (hier wird nichts abgezogen).