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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

53. Vortrag
2.
Dann bringt der Evangelist das vor, wovon das heutige Kapitel vorgelesen wurde, und sagt: „Obwohl er aber so große Zeichen vor ihnen getan hatte, so glaubten sie nicht an ihn, damit das Wort des Propheten Isaias sich erfüllte, das er sprach: Herr, wer glaubt unserer Predigt, und wem ward der Arm des Herrn offenbar?“1 Hier zeigt er deutlich genug, der „Arm des Herrn“ sei der Sohn Gottes selbst genannt, nicht als ob Gott der Vater durch die Gestalt des menschlichen Fleisches begrenzt wäre und ihm der Sohn gleichsam als ein Glied des Körpers anhinge, sondern er heißt deshalb „Arm des Herrn“, weil alles durch ihn gemacht wurde. Wie nämlich dein Arm das genannt wird, [S. 769] womit du wirkest, so heißt der Arm des Herrn sein Wort, weil er durch das Wort die Welt bewirkt hat. Denn warum streckt der Mensch, um etwas zu wirken, den Arm aus, als weil nicht sofort geschieht, was er gesagt hat? Wenn er aber eine solche Macht besäße, daß ohne jede Bewegung seines Körpers das, was er sagt, geschehen würde, so wäre sein Wort sein Arm. Aber der Herr Jesus, der eingeborene Sohn Gottes des Vaters, ist, wie kein Glied am Körper des Vaters, so auch kein durch Denken erfaßbares oder tönendes und vorübergehendes Wort, weil er, da alles durch ihn geworden ist, das Wort Gottes war.
1: Is. 53, 1.