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Leopold Münzer, auch Müntzer geschrieben, stammt aus in Freiburg im Breisgau. Sein Geburtsjahr ist nicht überliefert. Es muss aufgrund seiner späteren Lebensdaten vor 1690 geboren sein. Freiburg ist zu dieser Zeit unter französischer Herrschaft.[1] Nicht nur Leopold, sondern mindestens ein weiterer Bruder der Freiburger Familie wird für den geistlichen Stand bestimmt. Dieser, Franziskus, ist 1727–1753 Abt der Benediktinerabtei Schuttern.[2] Leopold tritt ins Zisterzienserkloster Tennenbach ein. Vor seiner Wahl ist er Beichtiger[3] im Zisterzienserinnenkloster Friedenweiler. Am 23. Januar 1725 wird er zum Abt von Tennenbach gewählt. Der Vorgängerabt Antonius Merz ist nach nur wenig mehr als fünf Jahren Regierung soeben verstorben.[4] Ein Teil der nach dem Bauernkrieg wieder aufgebauten Konventgebäude sind 1723 in einem Brand zerstört worden. Kirche und Ostflügel bleiben unbeschädigt. Zwar wird mit dem Wiederaufbau begonnen, aber schon damals denkt der Konvent an einen vollständigen Neubau. Wenige Monate nach der Abtswahl fallen im März 1725 auch die Kirche und die Konventgebäude der Zisterzienserinnen von Friedenweiler einem Grossbrand zum Opfer. So kommt es, dass Abt Leopold 1725 dem Vorarlberger Peter Thumb zuerst den Neubau von Friedenweiler überträgt und erst 1726 mit dem gleichen Baumeister über den Neubau von Tennenbach einen Generalakkord schliesst. Der Abt kann sich bei der Wahl des Baumeisters auf eine schriftliche Empfehlung des Abtes Ulrich Bürgi von St. Peter berufen, der «seinen» Baumeister für Friedenweiler und Tennenbach empfiehlt. Die Frauen von Friedenweiler können ihre Zellen schon 1727 beziehen. Der bedeutend grössere und anspruchsvollere Bau in Tennenbach dauert von 1726 bis 1741. Thumb rechnet 1743 ab. Abt Leopold überträgt dem Vorarlberger Baumeister auch den neubauähnlichen Umbau des Zisterzienserinnenklosters Günterstal bei Freiburg. Thumb beginnt hier 1727 mit der Kirche, die Abt Leopold als Vaterabt von Günterstal 1731 weiht. 1737 sind auch die Konventgebäude erstellt.[5] In die fast dreissigjährige Regentschaft des Abtes Leopold fallen der Polnische und der Österreichische Erbfolgekrieg, die wieder den Breisgau zum Kriegsschauplatz machen. Dieser Krieg fordert im Breisgau weniger Zerstörungen, aber Riesenopfer an Kriegslasten, die unerbittlich sowohl von den Franzosen als auch von der kaiserlichen Regierung von den Abteien gefordert werden. Noch in die Amtzeit des Abtes Leopold fällt die Übernahme der Paternität der Zisterzienserinnenabtei Olsberg durch Tennenbach.[6]
Ein paar lateinische Zeilen im Äbteverzeichnis des St. Galler Konventualen Gallus Mezler und die ergänzenden Angaben des Abtes Martin Gerberts von 1788 sind bis heute einzige Quelle für diesen wichtigen Abt Tennenbachs.[7] Er stirbt gemäss dessen Angaben am 12. August 1754.
Trotz der mageren Quellenlage für alle Äbte von Tennenbach erlaubt sich die vom Zisterzienserorden betriebene Online-Dokumentation «Cistopedia - Encyclopædia Cisterciensis» folgende Wertung: «Nach dem verheerenden Brand von 1723 baute er das Kloster pompös wieder auf, von diesen Schulden hat sich Thennenbach nicht mehr erholt, es verarmte».
Pius Bieri 2011
Literatur:
Mayer, J. G.: «Monumenta historico-chronologica monastica collecta a P. Gallo Mezler, monacho S. Galli», in: Freiburger Diözesan-Archiv, Band 15. Freiburg im Breisgau 1882.
Link:
Cistopedia - Encyclopædia Cisterciensis
Anmerkungen:
[2] Darauf weist Abt Martin Gerbert von St. Blasien 1788 in seiner Geschichte des Schwarzwaldes (Band II, Seite 545) hin. Es ist dies das letzte Mal, dass sich ein Historiker für die Biographie dieser beiden Äbte der Familie Münzer interessiert hat.
[3] Confessario, Beichtvater. Der vom Vaterkloster für die Priesterfunktionen entsandte Konventuale.
[4] Abt Antonius Merz (reg. 1719–1725) muss um die Jahreswende oder schon 1724 verstorben sein. Der vorangehende Abt Martin Steiger (reg. 1708–1716) resigniert. Er stirbt erst 1727 in der österreichischen Abtei Lilienfeld. Die sofortige Neuwahl nach der Resignation verhindert Fürstabt Stephan Jung von Salem als Generalvikar des Ordens, bis sich Tennenbach 1719 dem Paternitäsrecht Salems ausdrücklich wieder unterwirft.
[5] Das Kloster Günterstal wird 1809 zu einer Spinnerei umgebaut und brennt 1829 nieder. Später Bierbrauerei, dann Waisenhaus. Heute, stark umgebaut, wieder Kloster.
[6] Lützel ist seit 1648 unter französischem Einfluss. Der Wechsel wird von Olsberg gewünscht. Damit ist Tennenbach für die Abteien Günterstal, Wonnental, Friedenweiler, Lichtental, Wald und Olsberg zuständig.
[7] P. Gallus Mezler (1743–1820), von Rorschach, ist 1774–1789 Pfarrer in Ebringen und verfasst 1798 im Exil zu St. Peter die «Historico-chronologico-Monastica monumenta». Übersetzt lautet der Text: 38. Leopold Münzer aus Freiburg, vorher Beichtvater zu Friedenweiler wird er am 23. Januar 1725 zum Abt gewählt. Mutiger Verteidiger der Klosterrechte, als erster Assessor das lebendige Protokoll der Landstände genannt, erlebte harte Kriegszeiten und Überschwemmungen, sah das Kloster von den Flammen verzehrt, erbaute es wieder von Grund auf, war 29 Jahre und sechs Monate Abt, der Verdienste und Ehre voll. Er stirbt 1754, einen Tag vor den Iden Augusti.
|Leopold Münzer (vor 1690–1754), Abt 1725–1754 in Tennenbach|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|vor 1690||Freiburg im Breisgau D||Vorderösterreich|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt der Zisterzienserabtei Tennenbach||1725–1754|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|12. August 1754||Tennenbach bei Freiamt D||Vorderösterreich|
|Kurzbiografie|

Wie bei allen Äbten von Tennenbach fehlen auch bei Leopold Münzer, dem wichtigen Bauabt der Barockzeit, verlässliche biografische Daten. Brände lösen seine Bautätigkeit aus. Das Frauenkloster Friedenweiler baut er mit Baumeister Peter Thumb wieder auf, der gleiche Baumeister errichtet auch Tennenbach und Günterstal neu. Die wenigen zeitgenössischen Quellen melden keine Verschuldung des Klosters, trotz seiner Bautätigkeit und den Kontributionen im Polnischen Erbfolgekrieg. «Er war 29 Jahre und sechs Monate Abt, der Verdienste und Ehre voll», schreibt der gut orientierte Chronist Gallus Mezler 1798.
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