Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03495.jsonl.gz/658

Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben
Otto Siegfried (14.03.1916 - 02.12.1998) war ein Politiker und Gründungsmitglied des Schweizerischen Friedensrats, der sich zeitlebens für die Militärdienstverweigerer und die Schaffung eines Zivildienstes einsetzte. Bereits in seiner Jugend kam er in Kontakt mit antimilitaristischen und friedensorientierten Ideen, als er in die Jugendgruppe von Leonhard Ragaz eintrat. Im Alter von zwanzig Jahren trat er zudem der Sozialdemokratischen Partei Schaffhausen bei und setzte sich in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg für einen gewaltlosen Widerstand im Fall eines deutschen Einmarsches ein. In dieser Zeit begann auch sein Engagement für Flüchtlinge, das anhielt und sich später etwa durch seine Funktion als Mitglied der Flüchtlingskommission des SAH bemerkbar machte.
In Zürich, wohin er zwecks Nachholen der Matura hingezogen war und wo er anschliessend sein Rechtsstudium aufnahm, lernte er auch seine spätere Frau Laura Ramel kennen. Wie er besuchte auch sie die Treffen der religiös-sozialen Vereinigung, der Leonhard Ragaz vorstand.
In der Nachkriegszeit nahm Siegfried sein Engagement für die Schaffung eines Zivildienstes auf: Er gab unter anderem die Kurzfassung seiner (zurückgewiesenen) Dissertation "Die Dienstverweigerung aus Gewissensgründen, ein Bericht... ein Vergleich... ein Vorschlag" als Broschüre heraus, hielt Reden zum Thema und verteidigte Militärdienstverweigerer.
In seiner späteren beruflichen Laufbahn war Siegfried für die SP im Bereich der Bildungspolitik tätig, zuerst als Zürcher Kantonsrat, danach als Erziehungsrat. Pensioniert wurde er Ende März 1981, womit seine letzten Amtsjahre noch in die Zeit der 80er Jugendunruhen fielen. Für seinen Einsatz für Hilfsbedürftige (insbesondere Jugendliche) im Kanton Zürich, für seine wichtige Rolle bei der Ausgestaltung des zürcherischen Stipendienwesens sowie für die Förderung der Anliegen der Universität Zürich und der Schulen allgemein wurde er am Dies academicus 1985 von der Universität Zürich zum "ständigen Ehrengast" ernannt.