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Beinahe jeder Mensch erleidet mindestens einmal in seinem Leben ein Zustand der intensiven Trauer, Hoffnungslosigkeit oder verliert kurzzeitig die Freude am Leben. Das ist ein normalpsychologischer Teil des Lebens eines Menschen, verursacht durch zum Beispiel den Verlust eines geliebten Partners oder durch das Nichterreichen eines sehnlichst gewünschten Zieles. Dieser Zustand lässt sich jedoch mit der Zeit verarbeiten und den Menschen danach wieder so leben, wie er es gerne möchte. Etwas anders verhält es sich beim Depressiven Syndrom als klinisches Krankheitsbild. Das Depressive Syndrom gehört zur Kategorie der affektiven Störungen und ist gekennzeichnet durch eine ausgeprägte, andauernde gedrückte Stimmungslage mit formalen Denk- und Affektstörungen sowie einer reduzierten Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit.
Diagnosen:
Im Rahmen einer Depression sind diverse Diagnosen bekannt. So kommt das Syndrom sowohl bei Anpassungsstörungen, beim Burnout (hier gilt anzumerken, dass das Burnout keine Diagnose an sich ist, sondern gemäss ICD-10 einer Z-Diagnose unterliegt – Z73.0), aber auch in saisonalen oder in agitierten Formen und in der Bipolar-Affektiven Störung vor.
Symptome:
Um sich einen umfassenden Eindruck dieses Krankheitsbildes zu machen, lässt es sich mittels vier Ebenen sehr gut beschreiben:
Das Depressive Syndrom zählt nebst dem Angst- und dem Chronischen Schmerzsyndrom zu den häufigsten Krankheitsbildern der Menschheit und gehört somit unweigerlich zum Klientenkreis einer Medizinischen Entspannungsfachperson.
Wirkmechanismen der Entspannung auf das Syndrom:
Die Medizinischen Entspannungsverfahren (Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung und Achtsamkeits-Interozeption) setzen mit ihren Wirkmechanismen an allen oben dargestellten Ebenen bzw. Symptomatiken des Depressiven Syndroms an. Desweiteren regulieren sie die mit der Depression verbundene physiologische Stressreaktion, welche unter anderem mit einem deutlichen Anspannungs- und Unruhepegel einhergeht. Die Betroffenen befinden sind meistens in einer negativen Gedankenspirale, die sich auch in einem depressiven Affekterleben zeigen. Durch die Arbeit mit den Entspannungsverfahren und dem damit einhergehenden Körperbezug mittels der Interozeption (Körperinnenwahrnehmung), wird diese Eigendynamik der negativen Gedanken und Emotionen durchbrochen. Mit der Zeit wird auch der Körperbezug konstant verbessert.
Bei einem Burnout oder einer Anpassungsstörung setzen die Wirkmechanismen primär am zur Erholung dienenden Entspannungszustand an.
Während dem Medizinischen Entspannungszustand, der anhand eines der obengenannten Verfahren induziert wird, verweilt der Patient im gegenwärtigen Moment und erlernt damit, sich nicht mehr mit seinem depressiven Erleben zu identifizieren, sondern sich davon zu distanzieren. Er nimmt somit die Metaebene ein und gewährt einen Abstand zu seinem Störungsbild.
Modifikationen der Entspannungsverfahren
Doch gerade weil die Depression eine eingeschränkte Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit zur Folge hat, kann dies eine Schwierigkeit in der Anwendung eines Entspannungsverfahrens darstellen. So ist das Ausmass der Einschränkungen eben genannter Fähigkeiten stets ausschlaggebend in der Entscheidung, welches Entspannungsverfahren angewendet wird.
Bei mittelschweren bis schweren depressiven Zuständen, in denen die Aufmerksamkeitsfähigkeit und die kognitiven Eigenschaften derart eingeschränkt sind, geschieht der Einstieg meist zuerst über passive Entspannungsverfahren oder über die Bewegungselemente von achtsamkeitsbasierten Verfahren, um erst einmal überhaupt einen Körperbezug herzustellen.
In anderen Fällen z.B. einer leichten bis mittleren Depression können die Medizinischen Entspannungsverfahren modifiziert angewendet werden. Hierbei gilt das oberste Gebot, den Betroffenen vor jeglichen Überforderungssituationen stets zu schützen, um keine Insuffizienzgefühle oder ein erneut auftretendes depressives Erleben hervorzurufen.
Mit geduldiger und langsamer Vermittlung des Verfahrens und allfällig repetitiven Interventionen führt die Entspannungsfachperson den Betroffenen an das jeweilige Verfahren heran. Im Weiteren muss damit gerechnet werden, dass vermehrte motivationale Arbeit nötig sein wird. So gilt es, bereits die kleinsten Erfolgserlebnisse und positiven Empfindungen oder Veränderungen zu würdigen. Ein Mensch mit einem Depressiven Syndrom muss zuerst wieder lernen, dass er selbstwirksam weg von seinem Krankheitsbild, hin zu seiner Gesundheit und dem Wohlbefinden kommen kann.
Auch kann es nötig sein, mit dem Patienten zusammen Übungszeiten zu definieren und diese als fester Bestandteil in den Tagesablauf zu integrieren.
Zudem nimmt die Entspannungsfachperson eventuelle Suizidgedanken/Wünsche jederzeit sehr ernst und setzt den behandelnden Arzt/Therapeuten darunter in Kenntnis. Allfällige Kompetenzgrenzen sind jederzeit zu wahren!
Quellen:
Allgemeine Psychopathologie, Thieme Verlag
Wissensaufbau aus dem Unterricht 2019 – 2021
Lehrskript medrelax, 2014