Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03295.jsonl.gz/506

Urin Inkontinenz (Frau und Mann)
Bei der Inkontinenz unterscheidet man verschiedene Arten: die Harninkontinenz und Stuhlinkontinenz. Man spricht von Harninkontinenz, wenn der Betroffene nicht in der Lage ist, den Urin bis zur Entleerung in der Blase zu halten. Normalerweise verfügt die Blase über zwei Schliessmuskeln, wobei der Äussere willentlich beeinflussbar ist. Es ist einem gesunden Menschen also möglich, den Urin bis zu einer bestimmten Füllmenge der Blase zurückzuhalten und bei Bedarf die Blase durch Entspannung des Schliessmuskels zu entleeren.
Man unterscheidet innerhalb der Harninkontinenz nochmals mehrere Arten der Inkontinenz, wie unter anderem die Drang-, Belastungs- (auch Stressinkontinenz) und die Mischinkontinenz. Betroffene empfinden eine Inkontinenz meist als äusserst belastend und viele schämen sich für ihre Beschwerden. Dies kann sogar dazu führen, dass der Besuch eines Arztes aus Scham vermieden wird und der Betroffene sich aus seiner Umwelt zurückzieht. Kampagnen zur Enttabuisierung dieses Themas sollen Patienten helfen, ihre Scheu abzulegen und sich Hilfe zu suchen. Heutzutage gibt es sehr viele effiziente Behandlungsmöglichkeiten um eine Inkontinenz zu bessern oder komplett zu beseitigen.
Belastungsinkontinenz und Stressinkontinenz
Bei der Stressinkontinenz tritt ein unfreiwilliger Harnverlust unter körperlicher Belastung auf, etwa beim Husten, Niesen oder Heben von schweren Lasten. Häufig handelt es sich um einige Urintropfen, in manchen Fällen sogar um eine komplette unkontrollierte Blasenentleerung. Diese Form der Harninkontinenz ist durch eine Schliessmuskelschwäche begründet. Von der Belastungsinkontinenz sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Bei Männern kann dieses Problem nach einer Prostataoperation auftreten.
Dranginkontinenz
Diese Form der Inkontinenz ist gekennzeichnet durch Auftreten von plötzlichem Harndrang und sofortigem Urinabgang, bevor die Toilette erreicht wird. Der Problematik können anhaltende Blasen- und Harnröhrenentzündungen, Blasensteine, Blasentumore aber auch neurologische Erkrankungen zugrunde liegen. Die Dranginkontinenz wird oft durch häufiges Wasserlösen am Tag und in der Nacht begleitet. Man spricht von einer überaktiven Blase als Ursache.
Mischinkontinenz
Bei dieser kombinierten Harninkontinenz kommt es sowohl bei plötzlichem Harndrang als auch unter körperlicher Belastung zum unfreiwilligen Urinverlust. Am häufigsten sind Frauen ab dem 30. Lebensjahr betroffen.
Diagnostik
- Körperliche Untersuchung
- Urinanalyse
- Harnstrahlmessung
- Ultraschall
- Urodynamik (Blasendruckmessung) mit Röntgendarstellung der Blase und Harnröhre
- Blasenspiegelung
Therapie der Belastungsinkontinenz
- Beckenbodentraining, evt. unterstützt mit Elektrostimulation des Beckenbodens
- Medikamentös (kein zugelassenes Medikament in der Schweiz)
- Mechanische Hilfsmittel wie spezielle Tampons bei Frauen, Penisbänder oder Penisklemmen beim Mann
- Operativ mit Implantation von spannungsfreien Bändern (TVT-Bänder) unter der Harnröhre: TVT-Bänder bei der Frau, TVT-Bänder oder Netze beim Mann
Injektion von kollagenähnlichen Substanzen unter die Schleimhaut des inneren oder äusseren Harnröhren-Schliessmuskels
Implantation hydraulischer Schliessmuskelprothesen
Therapie der Drangharninkontinenz
- Medikamentös mit Tabletten, Pflaster oder auch Instillationen von Medikamenten in die Harnblase
- Elektrotherapeutische Behandlung (Tens-Geräte)
- Botox-Injektionen in die Harnblase
- Neuromodulation über Stimulation der Blasennerven