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Schweiz am Sonntag / Lifestyle / von Reinhold Hönle / 20. Juli 2014
Der durch seine historischen Romane bekannt gewordene Basler Autor Claude Cueni (58) lebt am liebsten zusammen mit den Figuren und Gegenständen seiner Romane.
Als uns Claude Cueni und seine philippinische Ehefrau Dina in ihre Vierzimmerwohnung in einem modernen Mehrfamilienhaus in Allschwil BL führen, staunen wir nicht schlecht: Wir sind nicht die einzigen Gäste! Im grosszügigen, mit der offenen Küche verbundenen Wohn- und Esszimmer sitzen bereits ein Kardinal und ein Höfling, dessen Gewand und Perücke aussehen, als wäre er dem Film «Gefährliche Liebschaften» entsprungen.
Angesichts ihrer Wortkargheit stellt der Schriftsteller sie vor. «Mathematik-Genie John Law, ein Frauenheld und Finanzpolitiker am Hofe des Sonnen königs, gilt als Erfinder des Papiergelds, erlitt mit dessen Einführung jedoch Schiffbruch.» Er ist der Protagonist in Cuenis Roman «Das grosse Spiel», der ebenso wie «Cäsars Druide» und der Vatikan-Thriller «Gehet hin und tötet» zu seiner international erfolgreichen Trilogie über Geld und Liebe gehört. Im letztgenannten Teil versucht Kardinal Albertini in der Bankenkrise, den Papst zu schützen. In seinen Werken sind diese Figuren allerdings viel lebendiger als diese Schaufensterpuppen.
«Ich lebe gern umringt von Persönlichkeiten und Gegenständen, die mich an meine Romane erinnern», schwärmt der Autor. «Wenn ein Buch fertig ist, belohne ich mich, indem ich wieder etwas herstellen lasse.» Die detailgetreue und messerscharfe Nachbildung einer Guillotine, die in seinem Arbeitszimmer steht, verweist auf seinen letzten historischen Roman «Der Henker von Paris», die in Originalform gegossene, 30 Kilogramm schwere Bronze-Freiheitsstatue daneben bereits auf das nächste, schon fast fertige Werk «Giganten».
Sein historisches Faible lebte Cueni in den zwölf Jahren, in denen er mit seiner Familie in einem grossen Haus mit Umschwung in Binningen wohnte, noch viel stärker aus. «Statt 4 waren es 17 Figuren. Es gab ein Römerzimmer, in dem es wie in einem Museum aussah. Im Wald hatte ich eine römische Pension nachgebaut», erzählt er. «Am liebsten hätte ich jedes Zimmer im Stil einer Epoche eingerichtet, doch nach dem Krebstod meiner ersten Ehefrau und meiner darauf folgenden Leukämie-Erkrankung musste ich das Haus verkaufen, da mir klar war, dass ich mir den Unterhalt nicht mehr leisten können würde.»
Die aktuelle Wohnung konnte Cueni vor zwei Jahren von seinem Sohn kaufen, der als Richter ans Strafgericht der Stadt Basel berufen wurde und deshalb seinen Wohnsitz in den nur zwei Gehminuten entfernten anderen Halbkanton verlegen musste. «Von hier aus ist man mit dem Trämli in 13 Minuten auf dem Marktplatz», sagt er. «Das ist für mich ideal, da ich nicht mehr Auto fahre, weil ich so viele Pillen schlucken muss.»
Die Krankheit beeinflusst sein Leben auch in anderer Hinsicht. Da er seit seiner Knochenmarktransplantation eine extreme Pollenallergie hat, müssen die Fenster im Sommer oft geschlossen bleiben. Wegen seines geschwächten Immunsystems bleibt der Autor im Winter, wenn Grippeviren kursieren, ebenfalls zu Hause. Dann machen es sich Cueni und seine Frau in der schwarzen Polstergruppe vor dem 75-Zoll-Flachbildschirm-TV gemütlich. «Wir sind beide Kinofans und süchtig nach guten Dok-DVDs, die kulturelles Wissen vermitteln. Fernsehen schaue ich schon lange nicht mehr – zu frustrierend war, was man dort zum Schluss aus meinen Drehbüchern gemacht hat!» Die Ausnahme von der Regel gilt jeweils während der Fussball-WM. «Ich war selbst Fussballer – sehr motiviert, aber wenig talentiert – und habe früher beim FCB gespielt. Beim FC Breite.»
Der Schriftsteller
Claude Cueni (58) ist in Basel geboren, wuchs im Jura auf und lebt seine Fantasie bis heute als Schriftsteller aus. Als Hauptwerke gelten seine zwischen 1998 und 2008 erschienene Trilogie über Geld und Liebe («Cäsars Druide», «Das grosse Spiel», «Gehet hin und tötet»), «Der Henker von Paris» und sein autobiografischer Roman «Script Avenue». Er schrieb Drehbücher für Krimiserien wie «Tatort» oder «Eurocops» und war in den 90er-Jahren mit seiner Game-Software-Firma Black Pencil erfolgreich. Ein Jahr nach dem Krebstod seiner ersten Frau, mit der er einen erwachsenen Sohn hat, erkrankte Cueni 2009 an Leukämie. 2010 heiratete er seine zweite Ehefrau Dina Ariba.
«Am liebsten hätte ich jedes Zimmer im Stil einer Epoche eingerichtet.»
Schweiz am Sonntag / Lifestyle / von Reinhold Hönle / 20. Juli 2014