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Jugendzeit und Ausbildung
Emil Baumgartner wurde am 11. November 1884 als Sohn des Friedrich Baumgartner und der Pauline Friedrich geboren. Er wuchs in Malleray auf, wo die Eltern als Uhrenmacher arbeiteten. Weil auch die Mutter tägliche Arbeitszeiten von 10 bis 12 Stunden bewältigen musste, half Emil oft in der Küche mit. Nach der Schulzeit absolvierte Baumgartner eine Lehre als Koch in Basel. Seine ersten Stellen im Beruf fand er im ägyptischen Alexandria und in Luzern.
Der Wechsel in die Velobranche, Gründung der Sport AG
Die Anregung, zur Velobranche zu wechseln, kam von einem Verwandten, der ein Versandhaus für Fahrradartikel betrieb. Nach einer kurzen Tätigkeit für dieses Versandhaus gründete Baumgartner am 24. 12. 1907 sein erstes Velogeschäft an der Dufourstrasse 19 in Biel. Der Laden wurde als Familienbetrieb geführt - bei der Übernahme seines ersten Verkaufsladens hatte Baumgartner die Ladentochter Johanna Gribi kennen gelernt, und nach der Heirat im Dezember 1909 war Frau Baumgartner als Verkäuferin tätig. Das Geschäft gedieh - die Baumgartners benötigten ein grösseres Verkaufsmagazin und fanden es im Eckhaus Dufourstrasse-Collègegasse. 1914 verkaufte das Paar in Biel über 400 Velos. Im Zusammenhang mit dem geschäftlichen Einbruch infolge des Ersten Weltkriegs erweiterte Baumgartner seine Geschäftstätigkeit. Er entwickelte eine Batterie, die er durch die noch im Jahr 1914 gegründete Sport A.G. produzieren liess. Die Batteriefabrik wurde vorerst in Aegerten angesiedelt und 1916 nach Biel verlegt, an den Unteren Quai 31a. Dank der wachsenden Nachfrage wuchs die Firma, und es konnten 70 Personen beschäftigt werden.
Die Fahrradlampe Phoebus - ein Erfolgsprodukt
Nach einem erneuten Einbruch des Geschäfts im Zusammenhang mit der Nachkriegskrise gelang es Baumgartner, die Sport A.G. zu sanieren und die Produktionspalette noch einmal zu erweitern. Er verbesserte eine elektrische Fahrradlampe der Marke Dufaux, bevor er 1925 unter der Marke Phoebus eine selbst entwickelte Lampe auf den Markt brachte. Der Absatz dieses Produkts wuchs so rasch, dass Baumgartner schon 1927 an der Plänkestrasse 12 neue Fabrikräumlichkeiten erwerben musste. 1929 wurde neben dieser Fabrik eine neue errichtet - insgesamt beschäftigte die Sport A.G. 1932 über 200 Personen.
Die Radios der Marke Biennophone
Die ab 1929 einsetzende Weltwirtschaftskrise traf auch die Uhrenindustrie. In disem Zusammenhang wurde versucht, im Raum Biel neue Industrien anzusiedeln. Baumgartner fasste den Entschluss, die Produktion von Radioapparaten zu wagen. 1931 stellte die Sport A.G. das erste Radio der Marke Biennophone vor - das Modell 31. Ein Jahr später baute die Firma für den 1931 eingeführten Telefonrundspruch den ersten NF-TR-Empfänger, das Modell Biennophone 50. Eigentliche Radioempfänger wurden ab 1933 hergestellt. Auch dieser Geschäftszweig der Sport AG gedieh - bereits 1932 beschäftigte die Firma 30 Personen in der Radioproduktion, und die Marke Biennophone etablierte sich auf dem Markt.
Baumgartners Engagement für die Velobranche
Baumgartner engagierte sich früh über seine eigene Geschäftstätigkeit hinaus für das Gedeihen der Velobranche. Er wurde Vorsitzender im Verband der Schweizer Grossisten und Fabrikanten der Fahrradbranche und gründete 1928 die "Internationale Vereinigung der Grossisten". 1931 gründete er das "Centralbureau für den Handel von Fahrrädern und Teilen".
Der Existenzkampf der Fahrradindustrie 1939-45
Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 begann auch für die Fahrradindustrie eine schwierige Zeit. Je länger der Krieg dauerte, desto spärlicher wurden die Zufuhren von Rohmaterialien aus Übersee. Baumgartner hatte diese Entwickung kommen sehen. Schon früh setzte er sich für das Recycling ein, vor allem für die Wiederverwertung alter Velopneus. Bald hatte er die zuständigen staatlichen Stellen für dieses Anliegen gewonnen. Als die Versorgungslage sich weiter verschlechterte, initiierte Baumgartner am 6. Juni 1941 die gesamtschweizerische Einkaufsgenossenschaft für Fahrradpneus (EGFAP). Der Genossenschaft mit Sitz in Biel gelang es, mitten im Krieg Rohgummi aus Frankreich, den USA und England zu importieren. Gleichzeitig suchte sie nach Möglichkeiten, die Fahrtüchtigkeit von Fahrrädern auf andere Weise zu erhalten - in einer Zeit, als die meisten Beschäftigten noch mit dem Fahrrad zur Arbeit fuhren, ein sehr wichtiges Ziel. Auch nach der deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 kamen die Güterströme nur langsam in Gang. Noch 1946 war die Tätigkeit der EGFAP für die ganze Fahrradindustrie von zentraler Bedeutung.
Emil Baumgartner verstarb am 29. 10. 1953 in Biel.
Quellen:
Stadtgeschichtliches Lexikon, Biel 1999
E. Baumgartner, Mein Lebenswerk, Biel 1932
E. Baumgartner, Eine Industrie kämpft um ihre Existenz, Biel 1946