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Ob ein Kind im Teenagealter sexuelle Belästigung oder andere Gewalt erfährt, hängt auch davon ab, wie es sich zur Primarschulzeit verhalten hat. Das zeigt eine Studie der Universität Zürich.
Ein Forschungsteam an der Universität Zürich hat 1138 Siebenjährige während zehn Jahren begleitet. Es wollte herausfinden, ob das soziale Verhalten im Kindesalter eine Auswirkung darauf hat, ob die Studienteilnehmer im Teenagealter zum Opfer von Gewalt, Mobbing oder sexuellen Übergriffen werden. Das berichtete am Freitag der «Tagesanzeiger».
Um die Gewalterfahrung und das soziale Verhalten sowie die Beziehungen zu messen, wurden verschiedene Methoden eingesetzt. Während der Primarschulzeit wollte das Forschungsteam des Jacobs Center for Productive Youth Development mit Einzelinterviews herausfinden, ob das Kind bereits gemobbt wird, wie es Probleme mit anderen Kindern löst und wie abenteuerlustig es ist. Zudem wurden die Eltern und die Lehrpersonen persönlich und schriftlich zur Dominanz des Kindes befragt. Auch die Herkunft der Elternteile spielte in der Forschung eine Rolle.
Als die Kinder dann 17 Jahre alt waren, befragte das Forscherteam sie nochmals und wollte von ihnen wissen, ob sie in den letzten zwölf Monaten Opfer von Gewalt wurden. So konnten sie herausfinden, ob das frühere Verhalten einen Einfluss auf die Chance einer Gewalterfahrung hat.
Bei der Befragung wurde zwischen verschiedenen Arten von Gewalt unterschieden. Besonders fällt die hohe Prozentzahl von sexueller Belästigung bei Mädchen auf. Demnach gaben 33 Prozent aller 17-jährigen Mädchen an, schon einmal sexuell belästigt worden zu sein.
Verhaltensmuster wie Ängstlichkeit, Rückzug oder Traurigkeit und sogenanntes «Sensation Seeking», also die Tendenz, auffällig viele physische und psychische Risiken für den Nervenkitzel auf sich nehmen, sind bei Mädchen sowie Knaben ein Faktor dafür, später ein Opfer von Gewalt zu werden.
Allerdings gibt es zwischen beiden Geschlechtern auch Unterschiede. Verhält sich ein Mädchen dominant oder aggressiv, kann es sein, dass es später Gewalt erfahren wird. Bei den Knaben ist es jedoch genau das gegenteilige Verhalten, das sie angreifbar macht: hilfsbereit, einfühlsam oder introvertiert.
Der Zusammenhang zwischen Verhaltensmustern und Gewalterfahrung kommt nicht von ungefähr. «Das hat mit den gesellschaftlichen Geschlechter-Stereotypen zu tun. Von Mädchen und Knaben wird ein bestimmtes Verhalten erwartet und wenn sie das nicht erfüllen, wirkt das provozierend», erklärt Margit Averdijk, Mitautorin der Studie und Kriminologin am Jacobs Center for Productive Youth Development an der Universität Zürich.
Von Knaben im Teenagealter werde erwartet, dass sie mit einem dominanten Verhalten zeigen, dass sie die Gruppe beschützen können. «Die Gewalt ist scheinbar ein Mittel, mit dem sich Jugendliche zurechtweisen, wenn sich jemand nicht geschlechtertypisch verhält», sagt Matthias Luterbach, Geschlechterforscher an der Universität Basel. In ihren Augen sei das Verhalten nicht richtig, also müsse es «weggemacht» werden.