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Wenn ich in Süd-Island bin, dann zieht mich das Gebiet rund um die Laki-Spalte fast schon magisch an. In dieser unheimlich schönen und jungen Landschaft liegt schliesslich die Wiege der französischen Revolution! Und da nun Louis Napoleon, der spätere Kaiser Napoleon III, fast in meiner Nachbarschaft aufgewachsen ist, interessierte mich natürlich, warum ein Vulkan in Island die Dynastie Bonaparte besiegelt haben sollte.
Die Eruption im Jahr 1783 begann am 8. Juni. Es war ein Pfingstsonntag. Nach mehreren leichten Erdbeben öffnete sich zunächst eine 12 km lange Eruptionsspalte. Bis zu 1000 m hohe Lavafontänen schossen in den Himmel. Die Lava floss durch 2 Flusstäler Richtung Meer. Das Wasser der Flüsse verdampfte unter der Lava. Selbst in 40 km Entfernung wurden Bauernhöfe vernichtet. Im Laufe der Eruption verlängerte sich die Spalte auf 27 km Länge. Auf ihr wuchsen mehr als 130 Schlackenkegel. Der Ausbruch förderte fast 15 Kubikkilometer Lava und 0,6 Kubikkilometer Tephra. Die Stärke des explosiven Anteils der Eruption war unglaublich. In Bezug auf die geförderte Lavamenge war es die 2. stärkste Eruption auf Island. Nur die Eldgjá pumpte noch mehr Magma an die Erdoberfläche.
Neben der schieren Lava-Menge stellten die ausgestossenen Gase ein grosses Problem dar. Sie verursachten in vielen Regionen der nördlichen Halbkugel undurchdringlichen Smog. Schwefeldioxid und das giftige Flour bildeten Gaswolken, die bis nach Schottland und England drifteten. Sie beeinflussten das Klima und vergifteten Weiden und Feldfrüchte. Es kam zu Missernten. Unzählige Tiere verendeten. Auf Island verhungerten mehr als 10.000 Menschen. Auf den Britischen Inseln waren es sogar 25.000 die den Tod fanden. Der Winter 1783 – 1784 war in ganz Mitteleuropa einer der Härtesten und äusserst schneereich. Ende Februar führten viele Flüsse in Deutschland extremes Hochwasser. Besonders betroffen war Köln. 65 Menschen starben in den Fluten, zahlreiche Brücken und Gebäude entlang der Flüsse wurden zerstört. Darunter war auch die Holzbrücke in Heidelberg Ein Problem waren Eismassen, die sich an vielen Stellen stauten und meterhoch auftürmten. Extremes Tauwetter liess die zugefrorenen Flüsse in unglaubliche zerstörerische Fluten verwandeln.
Die Laki-Erhebungen im Süden Islands haben somit auch historische Bedeutung. Nicht nur in vulkanologischer Hinsicht. Die Folgen dieser massiven Vulkanausbrüche zwischen 1783 und 1785 haben möglicherweise, so vermuten Umwelthistoriker, 1789 in Frankreich die Revolution ausgelöst. So kam Napoleon Bonaparte an die Macht, der Ursprung seiner Herrschaft liegt somit vermutlich im unglaublichen Ausbruch der Laki Spalte begründet. Kalte Sommer nach den Eruptionen brachten Missernten und Hungersnöte. Die dramatischen Folgen waren selbst in Nordamerika zu spüren. Benjamin Franklin schrieb 1783 von einem «trockenen Nebel» und machte die dadurch verminderte Sonneneinstrahlung für die ungewöhnliche Kälte im Folgejahr verantwortlich.
Eine wichtige Erfindungen dieser Zeit war das Lokomobil: eine mobile Dampfmaschine, die überwiegend in der Landwirtschaft eingesetzt wurde. Durch das Sterben vieler Nutztiere in Schottland als Auswirkungen der Gase aus den Laki-Vulkanen wurde der Erfinder, der Schotte William Murdoch vermutlich zu dieser Erfindung motiviert.
Wer heute den Schauplatz eine der folgenschwersten Eruptionen der letzten 2000 Jahre besichtigen möchte, erreicht die Laki-Spalten über die Piste F206. Diese ist keine der leichtesten Strecken und sollte nur mit einem Jeep bewältigt werden. Von der Ringstrasse aus, erreicht man den Laki-Krater in etwa 3 Stunden, Parkplatz mit Infotafel. Von dort kann man mit dem Jeep der Strasse weiter folgen – die Piste ist ein Rundweg und führt so wieder zurück.
BESTEIGUNG LAKI-KRATER
Der Parkplatz ist unmittelbar vor dem Berg Laki, der diesem Gebiet den Namen gab. Auf dem Gipfel hat man eine tolle Aussicht auf die Kraterreihe nach Osten und Westen.
Dauer: ca. 1 h (h)
WEITERE WANDERUNGEN
Route 2: Wanderung zum Krater
Dauer: ca. 20 min
Route 3: Wanderung um den Laki
Dauer: ca. 2-3 h
Route 4: Zum Krater und zur Höhle
Dauer: ca. 20 min
KRATERRUNDWEG
Direkt vom Parkplatz aus beginnt der Rundwanderweg. Nach 300 m erreicht man einen Holzsteg, der als Aussichtspunkt für den Kratersee gedacht ist. In unmittelbarer Umgebung sieht man weitere farbenprächtige Vulkanschlote und Lavaskulpturen. Lohnenswerter Weg!
Dauer: ca. 1,5 h
Quellen:
Homepage Vatnajökull National Park
Tages Anzeiger: Auf die Eruption in Island folgte die Revolution in Frankreich
Bilder Laki Gebiet Island by michael’s beers & beans
Erinnerungstafel (Hochwassermarkierung) in der Altstadt Heidelberg