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Der milde Weizen (T. sativum Zam.),
mit an den etwas breitern Seiten der Ähre dachziegelförmig übereinander, an den schmälern zweizeilig liegenden Ährchen
und breiten, kurzen, festen, an der Spitze abgeschnittenen Kelchspelzen mit wenig hervortretendem Kiel,
[* 6] wird in allen Kulturländern
als Sommer- und Winterfrucht gebaut und zwar vorherrschend die Arten ohne Grannen, seltener die begrannten.
Man klassifiziert die Sorten dieses Weizens nach Farbe der Ähre (weiß, rot, fahl), des Korns (weiß, gelb, rot) und nach Behaarung derÄhre (glatt, behaart); jedoch ändern alle diese Merkmale je nach Klima,
[* 7] Boden, Düngerzustand ab und gehen ineinander über,
ebenso wie der gedrungene und gestreckte Wuchs der Ähre.
Der Weizen wird als Sommer- und Winterfrucht gebaut, er erfordert einen viel bindigern Boden als Roggen und gedeiht besonders in
gutem Kalkmergel- oder Thonmergellehm, aber auch in gutem Lehmboden mit vorherrschendem Sandgehalt. Je weniger Bindigkeit
der Boden besitzt, um so mehr ist man auf die robustern begrannten Arten angewiesen, welche auch ein rauheres
Klima vertragen. Der Weizen bedarf nicht so fein gepulvertes Land wie der Roggen, doch muß dasselbe frei vonSchollen sein und mehr
in Kraft
[* 8] stehen.
Gegen vorübergehende Nässe ist er viel weniger empfindlich als Roggen, aber stehende Nässe und Säuerung
verträgt er besonders in kalkarmem Boden nicht. Sehr förderlich ist dem Weizen Drillsaat und späteres Behäufeln der Saatreihen.
Bei zu geilem Wuchse schröpft man. Bei nassem Erntewetter wächst Weizen viel öfter aus als Roggen. In strengerm Boden, in welchem
letzterer für sich allein nicht mehr gedeiht, kultiviert man denselben im Gemenge mit Weizen als Gemengkorn,
welches gutes
Brot
[* 9] gibt.
Als Saatgut verwendet man Samen,
[* 10] die in der Glas- und Vollreife geerntet wurden. Sehr vorteilhaft ist es, von einer Ernte
[* 11] auf
gutem Weizenboden die schönsten Ähren und aus diesen die besten Körner zu wählen, diese einer sorgfältigen Kultur zu unterwerfen
und aus dem Ertrag neues Saatgut in derselben Weise auszuwählen. Setzt man dieses Verfahren mehrere Jahre fort, so erhält
man eine Sorte mit viel längern Ähren und gehaltreichern Körnern; doch geht dieselbe alsbald wieder zurück, sobald man in
der sorgfältigen Behandlung erlahmt.
Der grobe Weizen (T. turgidumL.), mit etwas breit gedrückten, sonst dem vorigen ähnlich gebauten
Ähren, bauchigen, eiförmigen, stark gekielten Kelchspelzen und oft lang begrannten Blütenspelzen, besitzt sehr steife Halme
und dicke Ähren, ist weniger dem Rost ausgesetzt, lagert sich seltener, hat kornreiche Ähren, ist so robust wie der gemeine
Grannenweizen, gibt aber wegen weitläufigern Standes der Halme und dickschaligerer Körner keine höhern
Erträge; das Stroh ist etwas fester, soll sich weniger leicht dreschen und das Mehl
[* 12] mehr Umsicht beim Verbacken erfordern.
Man baut ihn als Sommer- und Winterfrucht in Mitteleuropa in mehreren Varietäten, zu welchen auch der Wunderweizen (Pyramiden-,
Mumien-, Josephsweizen) gehört. Bei diesem verästeln sich die Ähren bis gegen die Spitze hin. Er wintert
leicht aus und bringt selten dichte Bestände. Den Namen Pyramidenweizen erhielt er, weil der Weizen, den man aus Körnern, welche
in den Pyramiden gefunden waren, erzogen haben wollte, teilweise zu dieser Art gehört. Wunderweizen wurde aber schon im 16. Jahrh.
in Deutschland
[* 13] angebaut, während GrafSternberg weit später zuerst Körner aus den Pyramiden aussäete;
da dieselben aber nicht keimten, ersetzte sie dessen Gärtner (wie letzterer dem Geheimrat Kühn-Halle selbst gestanden) heimlich
durch einheimische Samen, und es ist daher die Historie des Mumienweizens auf eine Täuschung zurückzuführen.
Der Gerstenweizen (hartsamiger, Bart-, Glasweizen, T. durumL.), mit Ähren wie die vorigen Arten, aber
bauchigen, dreimal so langen als breiten, breit stachelspitzigen, gekielten Deckspelzen, sehr lang begrannten Blütenspelzen
und innen glasigen Körnern, wird meist als Sommerfrucht und fast einzig im südlichen Europa
[* 14] gebaut. Der polnische Weizen (Gommer,
walachisches, astrachanisches, sibirisches Korn, Korn von Kairo,
[* 15] T. polonicumL.), mit unregelmäßig vierseitiger
oder zusammengedrückter, sehr langer Ähre, etwas bauchigen, länglich lanzettlichen, papierartigen, deutlich vielnervigen,
gekielten Deckspelzen, lang begrannten Blütenspelzen und sehr langen Körnern, wird als Sommerfrucht gebaut und liefert ein
Mehl, welches zwischen Roggen- und Weizenmehl steht; einen Kulturwert hat diese Spezies nicht. Über Aussaat, Ertrag etc.
des Weizens belehrt die nachstehende Tabelle:
Jedenfalls gehört er zu den am längsten angebauten Cerealien. Theophrast beschreibt den begrannten Sommerweizen, aus welchem
sich der Winterweizen erst später entwickelt haben soll. Auch in China
[* 42] war er schon 3000 Jahre v. Chr. als Kulturpflanze bekannt.
Die große Mannigfaltigkeit der ältern Namen des Weizens deutet hinlänglich auf den großen Verbreitungsbezirk
hin, welcher der Pflanze schon ursprünglich zukam. T. turgidum wurde ebenfalls schon von den Ägyptern kultiviert und war
auch den Römern zur Zeit des Plinius bekannt. Daher weder früher noch später nach Indien vordrang, so muß sein Vaterland
eher im Süden und Westen des Mittelmeers
[* 43] als in Mittelasien zu suchen sein. T. repens, s. v. w. Agropyrum
[* 44] repens.