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von Arizona via New Mexico bis nach West-Texas
vom 21. Januar – 17. Februar 2023
Grünes Kalifornien
In den europäischen Medien wird Kalifornien gern als sehr fortschrittlich bezüglich Umweltschutz beschrieben, was wir in einigen Punkten bestätigen können (verglichen mit den übrigen USA). So ist es hier relativ einfach, Plastikflaschen getrennt zu entsorgen. In den übrigen Staaten der USA konnten wir bis jetzt Plastik nur in den Nationalparks getrennt entsorgen, sonst gab es nur einen Müllcontainer für alles. Der Müll wird hier generell in Gruben resp. Deponien entsorgt, was sie Landauffüllung nennen (landfill); Kehrrichtverbrennungsanlagen wie bei uns in der Schweiz gibt es kaum.
Sobald wir aber etwas im Hinterland von Kalifornien unterwegs sind, so sehen wir das gleiche «Puff» wie so oft in Nordamerika: In sich zusammenfallende Häuser und Industrieanlagen sowie dahinrostende Autos im Vorgarten etc. Wie das in Zukunft mit den E-Autos sein wird, mit den hochgiftigen Akkus?
Als wir Kalifornien Richtung Arizona wieder verlassen fällt uns weiter auf, wie viele Wind- und Solarkraftwerke es hier gibt. Dutzende Quadratkilometer der Sonorawüste sind mit Solarpanels bedeckt. Meist Photovoltaik-Panels, manchmal aber auch mit Spiegeln, die eine Flüssigkeit erhitzen, welche dann wiederum eine Dampf-Turbine antreiben.
Vorallem aus der Luft sehen diese Flächen eindrücklich aus.
(wie immer: auf das Bild klicken, damit es in bester Qualität, richtigem Format und Grösse erscheint)
Kurz vor der Grenze zu Arizona steht ein riesiger Gefängniskomplex in der Wüste. Auf der Ausfahrt der Autobahn / Interstate 10 steht nur ein Name auf dem Schild: «Gefängnis».
Kurz darauf gibt es ein weiteres Schild: «Keine Autostopper mitnehmen».
Quartzsite
Die Grenze zwischen Kalifornien und Arizona bildet auch hier der Colorado River, entlang dessen Ufer sich ein breiter grüner Streifen mit viel Landwirtschaft etabliert hat. Die erste richtige Ortschaft auf Arizona-Seite heisst Quartzsite, die gemäss Wikipedia knapp 2’500 ständige Einwohner hat. Im Winter kommen dann noch tausende von sogenannten Snowbirds (Schneevögel) dazu, so nennt man die Bewohner aus dem Norden der USA, die jeweils im Winter ihre kalte Heimat verlassen und in den Süden ziehen, meist mit grösseren Wohnmobilen oder Wohnwagen. Auch aus der Luft sieht das ganze imposant aus:
Geoglyphen – Fischer von Bouse
Geoglyphen sind in den Boden gezeichnete Linien, die aus der Luft ein Bild ergeben. Die berühmtesten Geoglyphen sind wohl die riesigen Nasca-Linien in Peru, die bis zu 20km lang sind und von hoch oben aus der Luft als Menschen, Affen, Vögel oder Wale erkennbar sind.
Gemäss den Thesen des Schweizer Buchautors Erich von Däniken sind hier Ausserirdische gelandet. Die Wissenschaft nimmt diese Behauptungen allerdings nicht ernst, kann aber auch nicht genau sagen, um was es sich hier handelt resp. die Frage beantworten, warum diese Zeichnungen praktisch nur von oben erkennbar sind. Deshalb klingt die Antwort logisch, dass dies für jemanden war, der fliegen konnte. Aber wer konnte zu jener Zeit fliegen?
Etwas nördlich von Quartzsite gibt es ebenfalls Geoglyphen, allerdings viel kleinere: Ein ins Erdreich gezeichneter Fischer. Viel ist dazu nicht bekannt, man schätzt das Alter auf 500 – 2’000 Jahre. Vom Boden aus ist es schwierig, die Figur als solche zu erkennen, von oben mit der Drohne sieht man sie sehr gut.
Also, für wen wurde diese Zeichnung nun angefertigt, doch für Ausserirdische?
Komet C/2022 E3 (ZTF)
Die nächsten Tage warten wir auf ein weiteres Paket von Amazon, erhalte ich damit doch mein langersehntes Tele-Zoom Objektiv mit einer Brennweite von 100 – 400mm. Im Herbst 2021 wurde die Linse von Nikon angekündigt, wegen Probleme der Lieferkette ist das Objektiv erst seit diesem Winter lieferbar.
Weiter arbeite ich an einer verbesserten Bildbearbeitung für die bereits gemachten Bilder des Kometen (mit 200mm Brennweite). Mit Hilfe von einigen YouTube Videos zu meiner Software PixInsight sowie dank meinen 40GB Handy-Datenvolumen komme ich den Geheimnissen der guten Kometenbilder langsam auf die Spur.
Als das neue Objektiv ankommt, fahren wir nochmals einen dunkeln Ort in der Nähe von Tombstone in Südost-Arizona an und fotografieren den Kometen bei -6°C von 2 – 4 Uhr in der früh. Dann muss das Laptop zuerst 7 Stunden arbeiten, bis aus den vielen Einzelbildern noch zwei Bilder vorhanden sind: Eines mit nur den Sternen und eines mit nur dem Kometen. Danach arbeite ich nochmals etwa 3 Stunden am Compi, bis das finale Bild da ist:
New Mexico
White Sands NM
Wir verlassen Arizona über die I-10 und halten Kurs auf das White Sands National Monument. Im Hintergrund kommt ein Schneeberg immer näher und vorne befinden wir uns bald in ganz weissem Sand, manchmal haben wir das Gefühl, es sei Schnee. Im Visitor Center werden sogar Bobs verkauft und verliehen, mit denen man die Sanddünen runter schlitteln kann.
Gemäss den Informationen im Visitor Center besteht der weisse Sand aus Gips, er ist der Grund eines Meeres, das vor ca. 250 Millionen Jahren hier war, noch bevor sich die Rocky Mountains bildeten.
Die Wüste besteht nicht nur aus Dünen, zu unserer Überraschung spriessen aus dem weissen Sand immer wieder Pflanzen, vorallem die kleine Yucca-Palme sehen wir oft. Grössere Pflanzen binden den Sand mit Feuchtigkeit, so dass er zu weichem Sandstein wird und vom Wind nicht mehr weggetragen werden kann. So können die Pflanzen viel grösser resp. breiter werden.
Holloman Air Force Base und Museum of Space History
Beim Besuch des White Sands National Monuments sehen wir immer wieder F-16 Kampfflugzeuge beim Starten oder Landen über die Wüste fliegen, nördlich vom Nationalmonument liegt die Holloman Air Force Base. Gemäss Wikipedia sollen hier vorallem grosse Drohnen stationiert sein, wir sehen aber keine davon.
Um das White Sands NM gibt es ein riesiges militärisches Sperrgebiet, die White Sands Missile Range. Auf dieser «Range» wurde nicht nur im Rahmen des Manhattan Projektes 1945 die erste Atombombe gezündet, sondern später auch die ersten Raketen der USA gestartet, am Anfang vorallem erbeutete V1 und V2 aus dem ehemaligen Nazi-Deutschland.
In den 1970er-Jahren wurden zwei riesige Landebahnen für das Space Shuttle gebaut, beide über 10 km lang. Gelandet ist das Space Shuttle hier aber nur ein einziges Mal, im März 1982 im Rahmen der dritten Mission (STS-3, Space Shuttle Columbia). Meistens landeten die Space Shuttle direkt auf der Landebahn im Kennedy Space Center in Florida oder, wenn dort das Wetter nicht stimmte, auf der Edwards Air Force Base in Kalifornien.
Zu diesen Themengebieten gibt es viele Ausstellungsgegenstände im Museum of Space History in Alamogordo, das ganz in der Nähe liegt. Auf dem Parkplatz steht eine deutsche Panavia Tornado, wir können direkt daneben parkieren. Die deutsche Luftwaffe unterhielt von 1992 – 2017 auf der Holloman Air Force Base einen Trainingsstützpunkt.
Im Museum sind die Patches vieler Weltraummissionen ausgestellt, wir finden auch zwei des bisher einzigen Schweizer Astronauten, Claude Nicollier. Er flog zwischen 1992 und 1999 viermal mit den Space Shuttles ins Weltall.
Neben dem Museum besuchen wir auch das Planetarium, wo der aktuelle Sternenhimmel erklärt wird, aber auch einiges zur Geschichte des Polarsterns. Unser Polarstern bewegt sich nämlich langsam vom «Himmelsnordpol» weg und wird erst in rund 26’000 Jahren wieder an diesem Punkt stehen. Auf Abbildungen der Ägypter sieht man, dass damals der Stern Thuban im Sternbild Drachen Richtung Nordpol zeigte. Der Grund ist die Präzession, d.h. die Rotationsachse der Erde ist leicht schräg, wie bei einem drehenden Kreisel üblich.
Vor dem Planetarium steht übrigens «unser Traum»: Ein Teleskop auf Rädern.
Es war wieder einmal ein sehr informativer und spannender Tag.
Richtung Südosten
Wir fahren weiter, zuerst geht es etwas über die Berge wo wir dem 3’652m hohen Sierra Blanca Peak ziemlich nahe kommen, der seinem Namen alle Ehre macht und ziemlich weiss erscheint. Danach geht es runter in eine Ebene und wir kommen der Grenze zu Texas immer näher und sehen auch immer wieder Erdölpumpen, die meisten davon in Aktion.
Unbekannte Flugobjekte (UFO) in Roswell
Der Ort Roswell in New Mexiko ist für alle UFO-Fans ein Begriff, denn hier stürzte anfangs Juli 1947 irgend etwas äusserst geheimnisvolles ab. Das amerikanische Militär war rasch zur Stelle und sammelte alles Material ein. Gleichzeitig bedrohte es Augenzeugen mit dem Tod, sie durften nicht darüber sprechen. Wegen dieser Geheimniskrämerei kam das Gerücht auf, ein ausserirdisches UFO sei abgestürzt, dabei seien drei Ausserirdische ums Leben gekommen, einer habe überlebt…
Zu diesen Geschichten gibt es seit Jahren in Roswell ein UFO-Museum. Man kann dutzende, wenn nicht hunderte von Artikeln aus der damaligen Zeit lesen. Wenn man so durch die Ausstellung geht kriegt man den Eindruck, alles sei klar und es sei tatsächlich ein UFO mit Ausserirdischen abgestürzt. Wie seriös all diese Zeitungs- und Augenzeugenberichte wirklich sind, bleibt leider unbeleuchtet, auch zu möglichen heutigen Erkenntnissen steht kaum etwas. Es gibt einzig eine kleine Wand mit wenigen Infos zu aktuellen Ausgrabungen an diesem Ort, die keine einzige Spur von unbekannten Materialen etc. fanden.
Heute gibt es im Schlepptau der Entdeckung von aktuell bereits über 5’000 Planeten in fremden Sonnensystemen, sogenannten Exoplaneten, einen immer grösser werdenden wissenschaftlichen Zweig, der sich mit ausserirdischem Leben befasst. Davon ist leider keine Rede, dafür stehen überall ET-Figuren herum. Es sollen wohl vorallem Touristen angezogen werden.
Ich bin überzeugt, dass man noch während meines Lebens in irgend einer Form ausserirdisches Leben nachweisen wird, wenn auch nur für Mikroorganismen. Für Gestalten wie Menschen wird es wahrscheinlich noch etwas dauern…
Carlsbad Caverns Nationalpark
Die Höhle von Carlsbad haben wir 2001 bereits einmal besucht und bis heute ist sie uns als imposanteste Höhle in Erinnerung geblieben und auch jetzt beeindruckt sie uns mit ihrer Grösse wieder aufs Tiefste. Die einzelnen Kammern sind so riesig, dass man nach ihrer Entdeckung anfangs des 20. Jahrhunderts Überlegungen anstellte, sie für Autos befahrbar zu machen…
Seit 1923 stehen sie unter Schutz und wurden von vielen Millionen Menschen besucht. Zum hinunter fahren gibt es einen Lift, wir benutzen aber den natürlichen Eingang, denn gerade da ist die Grösse dieser Tropfsteinhöhle voll erfassbar.
Super ist auch, dass man die Höhle ohne Führung besuchen darf, dass man darin fotografieren darf, auch mit Stativ. Trotzdem ist das Fotografieren nicht einfach, die LED-Beleuchtung ist sehr hart und oft zu grossflächig, so dass man fast keine Kontraste findet, um ein interessantes Detail hervorzuheben oder dann ist der Vordergrund viel zu dunkel und der Hintergrund zu hell… Eigentlich hätte ich in solchen Situationen mehrere unterschiedlich belichtete Aufnahmen machen müssen und sie dann als HDR-Bild verrechnen, Bettinas Handy (Samsung S21FE) machte das…
Treffen Gabi und Erich
Mit Gabi und Erich sind wir dank unserer Webseite schon seit mehreren Jahren in Kontakt, allerdings immer nur per E-Mail oder Telefon. Sie haben den jüngeren Bruder von Jupi, d.h. auch ein Bimobil EX366 aber mit ein paar Jahren weniger auf dem Buckel und erst rund 18’000 km, während bei uns bald 130’000 km auf dem Tacho stehen. Wir kamen im Mai 2022 in Kanada an, sie im September. Und nun haben sich unsere Wege zum ersten Mal gekreuzt und in der Nähe der Carlsbad Caverns treffen wir uns auf BML-Land. Da es ein Wochenende ist, gibt es von unserer Seite am Sonntagmorgen frischen Zopf. Bei ihnen gibt es dann zum z’Nacht für uns unbekannte aber sehr leckere Würste (und Salat), die ab jetzt auch auf unserer Einkaufsliste stehen werden.
Und dazwischen haben wir über tausend Themen gesprochen, wie es bei Weltenbummlern so üblich ist. Sie hatten früher einen Land-Rover und waren damit unter anderem mehrere Male in Namibia und sogar neun Monate in Südamerika. In Australien waren sie schon mit Mietfahrzeugen.
Ich bin sicher, unsere Wege werden sich weiter kreuzen, Bettina und ich freuen uns schon darauf.
Texas
Guadalupe Mountains NP
An der Grenze von New Mexico und Texas befinden sich die Guadalupe Mountains, auch die Carlsbad-Höhlen sind ein Teil davon. In dem Teil von Texas gehören diese Berge zum Guadalupe Mountains Nationalpark und wir unternehmen eine rund 15 km lange Wanderung in den McKittrick Canyon, an dessen Ende es eine natürliche Grotte gibt. Interessant für uns ist, dass der Fluss, welcher aus dem Canyon kommt im Kiessbett versickert, d.h. plötzlich ist er weg…
Es windet sehr stark, aber scheinbar ist das in dieser Schlucht normal.
Praktisch für uns: Beim Visitor-Center gibt es gutes Wasser, so dass wir all unsere Wasserreserven wieder auffüllen können.
Launch Site One – Blue Origin
Auf dem Weg von den Guadalupe Mountains in den Südwesten von Texas kommen wir am Startgelände der Raketen von Blue Origin vorbei, d.h. in etwa 8 km Entfernung, näher ist es nicht möglich. Da es hier aber ziemlich eben ist, können wir einige Gebäude erkennen.
Die Firma Blue Origin startet etwa alle 2 – 4 Monate eine einstufige Rakete namens New Shepard, die in ihrer Raumkapsel bis zu 6 Personen mitführt und auf eine Höhe von 100 km steigt. Die bezahlenden Passagiere können während des rund 11 minütigen Fluges einige Minuten der Schwerelosigkeit geniessen. Danach fällt die Kapsel wieder runter und landet an einem Fallschirm in der Nähe des Startgeländes. Es handelt sich um sogenannte Suborbitalflüge, d.h. die Raumkapsel kommt nicht in eine Umlaufbahn um die Erde, es geht «nur» gerade rauf und runter.
Ein Flug kostet pro Person ca. US$ 500’000.–.
McDonald Observatorium in Fort Davis
Im Westen von Texas steht auf rund 2’000 müM eine sehr grosse, professionelle Sternwarte mit mehreren grossen optischen Teleskopen und seit neustem auch einem Radio-Teleskop. Für «normale» Besucher gibt es ein interessantes sowie recht grosses Visitor-Center und ein umfangreiches Angebot an Veranstaltungen.
Nachdem wir Mitte November in Arizona einen Abend im Mount Lemon Observatorium verbrachten und viele Sterne beobachten konnten, im New Mexico Space History Museum im Planetarium viel zum Polarstern erfuhren, buchen wir hier ein Nachmittagsprogramm mit Sonnenbeobachtung und der Besichtigung der grossen optischen Teleskope.
Sonne im Teleskop
Die Sonnenbeobachtung findet drinnen in einem Kinosaal statt und wir sehen die Sonne live an der grossen Leinwand. Die drei dafür im Einsatz stehenden Teleskope stehen draussen, auch diese werden mit einer Kamera gefilmt und live gezeigt. Auf diese Weise können viel mehr Erklärungen weitergegeben werden, als wenn zwanzig Personen durch ein oder zwei Teleskope schauen würden. Der Führer zoomt an vielen Stellen hinein und erklärt, was gerade genau passiert, wirklich spannend. Zusätzlich zeigt er noch einige Video-Sequenzen der vergangenen 12 Monate, wo grosse Ausbrüche auf der Sonne stattgefunden haben. Aber auch heute passiert einiges und wir sehen z.Bsp. acht aktive Sonnenflecken. Weiter zeigt er noch die Grössenverhältnisse von Erde und Sonne, was wieder einmal zeigt, wie klein wir sind…
Weiter klärt er uns über die nächsten Sonnenfinsternisse hier in Nordamerika auf und wir haben grosses Glück: Am 14. Oktober dieses Jahres findet eine ringförmige und am 8. April 2024 sogar eine vollständige Sonnenfinsternis statt, beide auch hier in Texas. Informationen zum Verlauf sind hier zu finden: https://www.greatamericaneclipse.com
Bis zu einer weiteren Sonnenfinsternis in Nordamerika dauert es dann wieder einige Jahre.
Spiegel-Teleskope XXL
Für die Besichtigung von zwei grossen optischen Spiegel-Teleskopen fahren wir mit einem Shuttle-Bus auf die beiden Berggipfel. Die Teleskope sind, verglichen mit unseren Foto-Objektiven, gigantisch: Der Primär-Spiegel des Harlan J.Smith-Teleskopes hat einen Durchmesser von 2.7 Metern und besteht aus einem Stück. Das Spiegel-Teleskop wurde von 1964 – 1969 gebaut und war damals das drittgrösste der Welt. Das Teleskop sitzt mit einem grossem Gegengewicht auf einer voll beweglichen Montierung, ähnlich wie bei unserer kleinen Amateur-Ausrüstung. Die Führerin zeigt, wie es sich bewegt und dreht auch den riesigen Dom des Observatoriums, so cool.
Das noch grössere Hobby-Eberly Teleskop hat einen Primär-Spiegel von 10 x 11 m, dieser besteht aus 91 kleineren achteckigen Spiegeln. Es deckt einen grossen Teil des Himmels ab, lässt sich aber selbst nicht bewegen, sondern wartet, bis die Sterne zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Nacht vorüber ziehen. Die Führerin konnte nicht so genau erklären, wie die Langzeitbelichtung genau funktioniert. In Wikipedia lese ich dann dazu, dass Belichtungen von bis zu zwei Stunden möglich sind, dank einem beweglichen Tracker.
Mit dem Teleskop werden nicht optische Bilder gemacht, sondern es wird das Licht-Spektrum der Zielregion gemessen, damit lässt sich die Zusammensetzung von fremden Sternen oder Exoplaneten bestimmen.
Das alles funktioniert natürlich nur, wenn es viele klare Nächte gibt, nicht wie bei uns im Schweizer Mittelland, wo es oft nur wenige klare Nächte pro Monat gibt und dies meistens während Vollmond… An diesem Ort hier soll es an zwei von drei Nächten klar sein, d.h. in rund 243 Nächten im Jahr, in Arizona sprechen sie ja von 300 Sonnentagen pro Jahr.
Solch grosse Teleskope haben wir in unserem Leben noch nie live gesehen, ja fast berühren können.
Die Wissenschaftler, die mit diesen Teleskopen forschen, kommen dafür nicht vor Ort, sondern können von irgendwo auf der Welt darauf zugreifen. Nur einige wenige Techniker arbeiten vor Ort.
Der 2.7m Spiegel des Harlan J.Smith-Teleskopes wird alle zwei Wochen gereinigt, nicht etwa mit einem Staub-Pinsel oder Lappen sondern es wird gasförmiges CO2 darauf gespritzt. Alle drei Jahre wird die Oberfläche des Spiegels neu vergütet und dazu das 3’500 kg schwere Teil aus dem Teleskop ausgebaut.
Übrigens: Die Crew von Apollo 11 hat einen Spiegel auf dem Mond installiert. Mit einem starken Laser kann man darauf zielen und via die verstrichene Zeit, bis der Laserstrahl wieder zur Erde zurückkehrt, die Distanz errechnen. Genau dies wurde hier am McDonald Observatorium auch getan. Die Spiegel auf dem Mond stammen übrigens aus Deutschland, Hanauer Glas. Sie funktionieren noch heute. Allein mit diesem Experiment kann man die ganzen Verschwörungstheorien bezüglich unwahrer Mondlandung wegwischen. Aber gut, Verschwörungstheoretiker interessieren Fakten ja nicht wirklich.
Fazit: Absolut empfehlenswert; für uns war das der beste Besuch eines Observatoriums, den wir je erlebt haben.
Weltgrösstes Dark Sky Reservat
Das Observatorium hat zusammen mit verschiedenen Ortschaften in der nahen und fernen Nachbarschaft sowie dem Big Bend Ranch State Park, dem Big Bend National Park und auch mit mexikanischen Partnern das grösste Dark Sky Reservat der Welt gegründet, welches bis nach Mexiko hinein reicht und knapp 40’000 km2 gross ist, also fast so gross wie die Schweiz (41’285 km2). Die im Park liegenden Ortschaften sind daran, die Lichtverschmutzung in der Nacht zu reduzieren, so dass keine Lichtkegel mehr vorhanden sind, genial. Davon können alle (Hobby-)Astronomen in Europa nur träumen.
In einer Broschüre lesen wir, dass in der Ortschaft Alpine, nicht weit weg vom McDonald-Observatorium, nun Grundstücke für Hobby-Astronomen angeboten werden, es wird mit dem riesigen Dark-Sky Reservat geworben, sie wollen wie in Portal, Arizona ein Sky Village bauen.
Bettina und ich schauen uns die Webseite davon genauer an: Die Land-Preise sind für unsere Verhältnisse extrem günstig, nur 1 – 1.5 US$ pro m2. Die kleinsten aktuell erhältlichen Grundstücke messen um die 12 Acres, die grössten 100 Acres. Acres? Dies ist eine amerikanische Einheit, die nichts mit unseren Aren zu tun hat. Die Amerikaner sind neben Uganda und Myanmar die einzige Nation, die nicht das metrische System benutzen sondern mit Zoll, Füssen, Yards, Meilen etc. messen.
1 Acre sind ca. 4’047m2, 12 Acres also knapp 50’000 m2, ergibt also rund US$ 75’000. Dazu kommen dann natürlich noch alle Gebühren, Steuern, die Erschliessung und das eigentliche Gebäude…
Ob wir uns für einen Besichtigungstermin melden sollen?
Big Bend Ranch State Park
Bevor wir in den Big Bend Nationalpark einfahren, besuchen wir den nebenan liegenden State Park. Da wir noch weitere State Parks in Texas besuchen wollen, kaufen wir gleich den Jahrespass für siebzig Dollar, damit haben wir keine Eintrittsgebühren mehr sowie Rabatte auf den Campingplätzen.
Die Landschaft besteht aus wunderschönen roten Bergen, steil abfallend bis zum Rio Grande, der die Grenze zu Mexiko bildet. Vom Rio Grande sind wir ähnlich enttäuscht wie vom Colorado River zwischen Arizona und Kalifornien: Wir erwarteten einen grossen Fluss à la Rhein oder Donau, doch was wir sehen ist ein Bächlein, nicht einmal so gross wie die Emme, also eher ein Rio Picolo als ein Rio Grande.
Dem Gewässer wird wie dem Colorado River das meiste Wasser für die Landwirtschaft entzogen, ja dem Rio Grande wird sogar in der Region El Paso soviel Wasser entzogen, dass er zeitweise trocken fällt. Das wenige Wasser, welches wir zur Zeit sehen, stammt von einem späteren Zufluss, dem Rio Conchos. Es wäre, als würde zum Beispiel dem Rhein und Bodensee soviel Wasser entzogen, dass danach ausser bei starken Regenfällen kein Wasser mehr den Rhein runterfliesst. Erst bei Koblenz würde dann die Aare wieder Wasser ins Flussbett bringen.
Obligatorische Restwassermengen, die bei der Entnahme nicht unterschritten werden dürfen, kennt man hier nicht.
Big Bend National Park
Der Big Bend Nationalpark ist mit 3’600 km2 einer der grössten Nationalparks der USA, er ist grösser als der Kanton Waadt in der Schweiz, mehr als doppelt so gross wie der Kanton Aargau.
Gabi und Erich haben uns vorgewarnt, dass die Campingplätze oft im Voraus schon ausgebucht seien, deshalb haben wir schon vor rund einer Woche zwei Nächte im Chisos-Basin gebucht. Im Visitor-Center buchen wir dann noch zwei Backcountry-Campingplätze sowie einen dritten im Rio Grande Village, wo es auch zur aktuellen Jahreszeit viele Vögel geben soll.
Wanderungen
Die Berge hier gehörten einmal zu einem riesigen Vulkan und das Chisos-Basins liegt sozusagen in einem von mehreren Kratern, nehmen wir jedenfalls an. Von hier aus brechen wir zu verschiedenen Wanderungen auf und bei allen sieht die Landschaft wieder etwas anders aus: Bei der mehreren Kilometer langen Fenster-Wanderung (Window-Trail) kommen wir bis an einen steilen Felsabgrund und sehen durch ein relativ schmales Fenster-Schlitz in die weite Ebene im Westen, beeindruckend.
Bei der Wanderung zum ausbalancierten Fels sehen wir viel rotes Felsgestein und hoch oben auf den Bergen sogar noch ein paar Bergschafe, wir würden sie als Gämsen bezeichnen. Und am Ende dann ein Felsen, von dem wir hoffen er fällt nicht auf unsere Köpfe.
Die längste Wanderung, etwa 12 km, führt uns zur verlorenen Mine, von der wir aber gar nichts sehen – sie ist ja verloren gegangen… Obwohl wir am Nachmittag unterwegs sind, entdecken wir aber auf vielen Bäumen noch Eiskristalle von der kalten Nacht.
Im Süden des Parks wandern wir dem Rio Grande entlang in den Santa Elena Canyon, wunderschön. Und ganz am Schluss unternehmen wir noch eine rund 10 km lange Wanderung zu den heissen Quellen in der Nähe vom Rio Grande Village, natürlich auch am Rio Grande gelegen.
Fahrten
Die meisten Strassen sind asphaltiert. Die Parkverwaltung empfiehlt zwar nur Wohnmobilen von unter 7.5m und Wohnwagen von unter 6m Länge die Einfahrt, doch es hat auch viele grössere Fahrzeuge.
Es gibt aber auch einige Pisten, wo hohe Bodenfreiheit und 4×4 vorgeschrieben sind. Eine solche rund 80km lange Strecke führt im Süden dem Rio Grande entlang. Sie ist anspruchsvoll, doch mit unserem Mercedes Sprinter gut zu bewältigen. Leider haben wir an diesem Tag keinen Sonnenschein, so dass die wunderbare Landschaft nicht wirklich zur Geltung kommt.
Tiere
Im Chisos-Basins sehen wir vorallem krähengrosse mexikanischen Blauhäher. Mit ihrer blauen Farbe sehen sie für uns schon sehr exotisch aus. Im Rio Grande Village entdecken wir einen Blau-Reiher, auch Kanadareiher genannt sowie einen Grünreiher, beides für uns Schweizer ebenfalls sehr exotische Reiherarten. Daneben sehen wir immer wieder die Wander-Drossel, die wir auch sehr oft in Kanada sehen, ob sie hier überwintern?
Auf dem Zeltplatz im Rio Grande Village laufen auch immer wieder kleine «Wildschweine» herum. Sie sehen sehr putzig aus, sind hier überhaupt nicht scheu und heissen Javelina. Gemäss Wikipedia heissen sie auch neueweltliche Schweine und sind weit aussen mit unseren Wildschweinen verwandt. Bereits in Arizona haben wir einmal ein solches Tier gesehen.
Grundstückkauf in Texas?
Wie bereits weiter oben beschrieben entsteht hier ein riesiges Dark Sky Reservat, also ein Gebiet wo es praktisch keine Lichtverschmutzung gibt und daher in der Nacht sehr dunkel ist. Und wir haben in einer Broschüre gelesen, dass hier günstig Land zu kaufen ist, deshalb melden wir uns zu einer Besichtigung in der Ortschaft Alpine an.
Am Tag davor verlassen wir nach 6 Tagen den Nationalpark und übernachten auf einem Campingplatz in der Nachbarortschaft Marathon. Auch hier wird mit dem dunkeln Himmel geworben und auf dem Campingplatz gibt es einen speziellen Bereich für Astrofotografen, es stehen auch mehrere kleine Observatorien auf dem Areal. Die Ortschaft Marathon tut schon jetzt sehr viel, dass kaum künstliches Licht in den Himmel scheint und so ist es hier schon jetzt sehr dunkel.
Und jeden Abend zeigen und erklären Astronomen die Sterne und Sternbilder des Himmels, woran wir natürlich teilnehmen. Es war so spannend, dass ich leider vergass, davon Bilder zu machen, denn wir guckten durch ein riesiges Dobson-Teleskop mit einem Spiegeldurchmesser von 20″ = 50cm in den Himmel.
Land-Besichtigung
Am nächsten Tag empfängt uns Dave, der Verkäufer, um 14 Uhr am Rande des Geländes zur Sierra La Rana Ranch. Er zeigt uns die verschiedenen noch erhältlichen Grundstücke, leider sind im Astro-Village in der Zwischenzeit schon alle verkauft. Alle Grundstücke gehören einer Ranch, es laufen immer noch Kühe auf dem Areal herum und deshalb gelte das Gebiet als landwirtschaftlich, man muss so weniger Steuern bezahlen. Zäunt man das eigene Grundstück aber ein, so entfällt diese Steuererleichterung.
Das ganze ist eine sogenannte Gated Community, übersetzt eine geschlossene Gesellschaft und zum Gelände gibt es nur zwei abgeschlossene Zugänge. Es gibt recht strenge Vorschriften bezüglich was man darf und was nicht: So muss die Wohnfläche des Gebäudes mind. 140m2 gross sein plus eine Garage für mind. zwei Fahrzeuge, die Autos dürfen nicht vor dem Gebäude parken, die Baufirmen sind vorgeschrieben, das Baumaterial ebenfalls und Mobil Homes sind verboten. Die Stromleitung zu jedem Grundstück sind bereits gezogen, Wasserleitungen aber nicht, man muss auf dem Grundstück hier selber nach Wasser bohren und für das Abwasser eine Abwassergrube installieren, aber das scheint hier üblich zu sein.
Ein Windgenerator für die Wasserförderung ist aber gestattet, Solarzellen sind aber verboten, ausser sie sind von aussen nicht sichtbar!!! Das im Jahre 2023??? ein absolutes noGo für uns…
Weiterfahrt
Wir fahren jetzt weiter Richtung Süden, unser Ziel ist die Küste des Golf von Mexiko. Davon dann mehr im nächsten Bericht.
Unsere Route
Im folgenden unsere Route auf der Karte, die wir mit Jupi während dieses Bericht-Zeitraums gefahren sind. Jupi sendet alle 15 Minuten seine Position via Spot Satelliten-Tracker an uns, deshalb folgt die Route nicht genau der Strasse, sondern macht etwas «Abkürzungen».
Die aktuelle Position von Jupi, wie auch die gesamte Route unserer Nordamerika-Reise seit dem 26. Mai 2022, ist auf dieser Seite zu finden: https://www.jupi.bvision.ch/jupispot/