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Eine neue transalpine Eisenbahnlinie
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Seit vielen Jahren schon schwelt zwischen dem Unterengadin und dem Vinschgau im Südtirol eine utopische Idee: Nachgedacht wird über eine Eisenbahnverbindung von Scuol ins obere Vinschgau, wo schon heute Bahnanschlüsse vorhanden sind: Mit einer solchen Verbindung würde eine durchgehende Zugsverbindung vom Schweizer Mittelland und Süddeutschland nach Italien in Richtung Venedig geschaffen, welche zwischen Chur und Scuol durch die Rhätische Bahn bewältigt würde. Es gibt dazu bereits einige Projektskizzen, welche alle auf einem langen und teuren Tunnel beruhen. Mit einem Gleisast nach Landeck würde der Knoten Scuol und das Engadin auch an die grosse Ost-Westzugslinie (Wien-Zürich) der Oesterreichischen Bundesbahn angeschlossen und zusätzliche Ausgangsbahnhöfe etwa in Bayern erschliessen.
Scuol - Landeck - Mals
Marcel Meili, Günther Vogt, Jürg Conzett - Entwurfsaufgabe FS 2016
Die Studie des Semesters geht hier einen anderen Weg: Die Studierenden sollen eine oberirdische Zugslinienführung untersuchen, welche auch deutlich touristische Ziele mitverfolgt, etwas verwandt zur Berninabahn. Unter Führung von Ingenieuren soll deshalb eine Linienführung untersucht werden, welche den Landschaftsbezug aktiv mitdenkt und uunter Umständen auch Zwischenstops auf dem Weg einplant, etwa im Talstationenbereich einer neuen Bergbahn. Es wird die grundlegende Frage aufgeworfen, nach welchen Kriterien eine Bahnlinie ins Gelände gelegt werden kann, wenn dazu nicht ausschliesslich technische Argumente eingesetzt werden. Eine solche Linienführung würde eine Reihe von Ingenieurbauwerken (etwa Brücken oder kürzere Tunnels) bedingen, deren Form Gegenstand von landschaftsbezogenen Entwürfen sein soll. Ein zweiter grösserer Entwurfsteil untersucht im Sinne der Förderung der Destination Scuol die Erweiterung des benachbarten Nationalparks nach den Kriterien einer „Musealen Landschaft“, deren Grundstruktur die mannigfaltigen geschichtlichen Ablagerungen von menschlichen Kulturzeugnissen in seinem Einzugsbereich berücksichtigt: Bergwerke, frühere Alpenpfade, Lawinenverbauungen, verlassene Alpen und ähnliche. Ziel dieser Untersuchung ist es, eine begehbare „Landschaft der Erinnerung“ zu konzipieren, deren Konzept unter Umständen auch weitere Bauwerke bedingt: Restaurants, Ortsmuseen, Zutritts-Bauten, vielleicht ein Hospiz.
Das ganze Projekt geht von der Annahme aus, dass ein solcher Eisenbahnknoten eine neue attraktive Touristen-Destination im untersten Engadin nach sich ziehen könnte, welche im Verlauf der Jahre eigene Bauwerke hervorbringen dürfte. Solche Bauwerke sollen exemplarisch als Entwürfe vorgedacht werden: Berghotels, Kulturbauten, Parkgaragen, einen neuen Bahnhof, neue Wohnungen, Lawinenschutzmassnahmen. Das Projekt rechnet dabei auch mit einer Art Kurzschlusseffekt, in dem es zwei wichtige und eigenständige Kulturräume miteinander in Beziehung setzt: das Südtirol und das Unterengadin.
Ziel des Semesters ist es, eine Serie von unterschiedlichen alpinen Entwurfsaufgaben zu schaffen, die alle über zwei Bezüge ausserhalb der Architektur verfügen: den Landschaftsbezug und den Ingenieurbezug, insofern das Bauen in dieser alpinen Landschaft fast in jedem Fall besondere Fragen des Ingenieurbaus aufwerfen dürfte. Fachleute aus beiden Bereichen (Kulturlandschaft und kulturelle Produktion sowie Ingenieure und Experten zu den Naturgefahren) sollen in der Arbeit beigezogen werden.