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Der sogenannte “Blue Monday”, der dritte Montag im Januar soll der deprimierendste Tag des Jahres sein. Mehrere negative Elemente scheinen auf unsere Gemütslage zu drücken: der Lohn, das Wetter, die guten Vorsätze, die man nicht eingehalten hat, fehlende Motivation, der erste Tag der Woche, usw. Obwohl es zu diesen Behauptungen keine wissenschaftlichen Beweise gibt, ist die Depression trotzdem eine reale Beeinträchtigung. Wir nutzen die Gelegenheit, um uns mit dieser Erkrankung zu befassen, die alle treffen kann, unabhängig vom Alter, vom Geschlecht, von der Herkunft und vom sozialen Status.
Um die Depression besser zu verstehen, haben wir mit Frau Dr. Hélène Chappuis Niquille, Leitende Ärztin der Abteilung Gemeindepsychiatrie und -psychotherapie im Spital Wallis, Standort Martinach, gesprochen.
Was ist eine Depression?
Depression ist eine psychische Erkrankung. «Im Vergleich zu einem vorübergehenden Blues ist die Depression schwerer und dauert eine gewisse Zeit», erläutert Dr. Chappuis Niquille. «Gemäss den medizinischen Kriterien dauert eine Depression mindestens 2 Wochen».
Es gibt mehrere Formen von Depression. Die häufigsten Symptome sind:
- Niedergedrückte Stimmung
- Verlust von Interesse und Freude
- Antriebslosigkeit und Ermüdbarkeit
Diese Anzeichen können auch von anderen Symptomen begleitet sein: Schuldgefühle, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, fehlendes Selbstvertrauen, Pessimismus und Hoffnungslosigkeit, die zu Suizidgedanken führen kann.
Die Anzahl und die Intensität dieser Symptome sind von Person zu Person unterschiedlich und können mit der Zeit zunehmen.
Welches sind die Risikofaktoren?
Für eine Depression bestehen mehrere Risikofaktoren, insbesondere:
- somatische oder psychiatrische Erkrankungen; zum Beispiel Angstzustände.
- Alkoholsucht;
- soziale Faktoren können dazu beitragen: Probleme bei der Arbeit, persönliche, familiäre oder partnerschaftliche Umwälzungen (eine Trennung, die Geburt eines Kinds, der Tod eines Angehörigen, usw.), finanzielle Gründe oder andere widrige Lebensumstände wie körperliche Erkrankungen.
- Jahreszeiten, insbesondere Herbst und Winter mit atypischen Merkmalen (ausgeprägter Energiemangel, Hypersomnie und Appetitzunahme). Die kürzeren Tage und die Veränderung des Schlaf-Wach-Rhythmus können sich auf gewisse Personen auswirken. Im Frühling mit den längeren Tagen geht es den Personen, auf die sich die Jahreszeiten auswirken, oft wieder besser.
- Vererbung: Eine genetische Anfälligkeit kann eine Rolle spielen.
Wie kann man einer Depression vorbeugen?
«Die Art der Vorbeugung hängt von der Situation der Personen ab», präzisiert die Fachärztin, die anfügt: «einer wiederkehrenden Erkrankung mit mehreren Episoden kann nicht auf die gleiche Art und Weise vorgebeugt werden wie einer einmaligen Depression». Bei den Personen, die mit einem Antidepressivum behandelt werden, hängt die Dauer der Behandlung von der Intensität und der Dauer der depressiven Episode ab. Auch das Auftreten von mehreren depressiven Episoden (wiederkehrende Depression genannt) hat einen Einfluss auf die Dauer der Behandlung. Sowohl bei der Behandlung der depressiven Episode als auch bei der Prävention gegen einen Rückfall ist eine psychotherapeutische Behandlung angezeigt.
Für die Verhinderung eines Rückfalls stellt die Psychoedukation eine gute Technik dar. Sie hilft dem Patienten, die ersten Anzeichen für einen Rückfall zu erkennen, die Möglichkeiten der Reduktion der Stressfaktoren zu nutzen und seine Gesundheit im Alltag zu verbessern.
So verbessert eine gute Lebenshygiene den Gesundheitszustand und hilft, einer depressiven Episode vorzubeugen. «Man weiss zum Beispiel, dass sich eine körperliche Aktivität positiv auf unsere psychische Gesundheit auswirkt, im Gegensatz zum regelmässigen Konsum von Substanzen wie Alkohol, die den Gemütszustand negativ beeinflussen», erwähnt Dr. Chappuis Niquille.
Wie kann man einer deprimierten Person helfen?
Eine schwere Depression ist eine Erkrankung, die nichts mit den Schwächen einer Person zu tun hat.
Um ihr zu helfen, wird Folgendes empfohlen:
- Ihre Depression ernst nehmen.
- Ihr zuhören: Das Verständnis ist für die deprimierte Person eine Entlastung.
- Sie dazu ermutigen, mit einer Fachperson zu sprechen, die sie orientieren und unterstützen kann.
Was soll man vermeiden?
- Für die Person sofort eine Lösung finden, ohne auf darauf einzugehen, was sie durchmacht und empfindet: «Im Allgemeinen will man oft sofort Lösungen finden und vorschlagen, ohne zu berücksichtigen, was uns die leidende Person erzählt», erläutert die Fachärztin, die empfiehlt, diese Methode zu vermeiden, da sie für die deprimierte Person oft nicht geeignet ist.
- Sie aufrütteln: «Fälschlicherweise versucht man oft, sie mit folgenden Sätzen zu motivieren: Du wirst sehen, morgen geht es besser!, Nimm dich zusammen!, usw. Das ist jedoch selten der richtige Weg. Die betroffene Person kann nicht etwas tun, was sie nicht imstande ist zu tun.
- Bei ihr Schuldgefühle wecken, insbesondere indem man ihre Situation mit anderen, schlimmeren Situationen vergleicht. Das wird die bereits bestehenden Schuldgefühle der depressiven Person nur noch verstärken.
- Mit Erholung kann die Depression auch nicht behandelt werden. Man muss im Gegenteil eine geeignete Aktivität finden.
Wie wird eine Depression behandelt?
Die Behandlung ist abhängig von der Schwere der Erkrankung. Bei einer leichten Depression werden vorerst das Zuhören und Beobachten bevorzugt, während bei einer mittelschweren oder schweren Depression eine Psychotherapie und/oder eine Behandlung mit Medikamenten (hauptsächlich Antidepressiva) angezeigt ist. Bei einer Resistenz gegen die Behandlungen oder bei einer sehr schweren Depression kann auch eine EKT-Therapie (Elektrokonvulsionstherapie) vorgeschlagen werden.
Für die Diagnose und die Behandlung ist hauptsächlich die Anamnese massgebend. «Das Diagnostizieren einer Depression ist für einen Facharzt nicht immer einfach», betont die Leitende Ärztin. «Eine Person, die sagt, dass es ihr schlecht geht, leidet nicht unbedingt unter einer Depression. Es können andere Probleme bestehen, die ihre psychische Gesundheit beeinträchtigen».
An wen kann man sich wenden?
Die meisten Leute wenden sich an ihren Allgemeinarzt. Dieser wird je nach Schwere oder Verlauf bestimmen, ob es notwendig ist, den Patienten an einen Facharzt weiterzuweisen.
Fachliche Hilfe findet man auch bei verschiedenen Psychiatern und Psychologen, die in Psychotherapie spezialisiert sind und in ihrer Privatpraxis arbeiten.
Man kann sich über die Nummer +41(0)27 604 36 50 auch direkt ans Psychiatriezentrum Oberwallis (PZO) wenden.
Für zusätzliche Informationen: Psychiatriezentrum Oberwallis
Unterstützung bieten auch verschiedene Verbände und Organisationen wie: