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Von der «Armee 61» zur «Armee 95»
Die 1973 von den OPEC-Staaten ausgelöste Erdölkrise im Gefolge des Jom-Kippur-Kriegs gegen Israel läutete nach einer Phase der Hochkonjunktur eine weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise ein. Die Schweiz blieb davon nicht verschont. Die Auswirkungen waren in allen Bereichen spürbar, auch beim Bund. Fortan war er bemüht, seine tiefroten Finanzen ins Lot zu bringen.
Hans-Ulrich Büschi
Ehrenzentralpräsident swissPersona
Sparen, rationalisieren und reorganisieren waren damit angesagt. EMD, Armee und Rüstungsbetriebe waren davon besonders stark betroffen: Von 1970 bis 1994 gingen insgesamt knapp 2400 Stellen verloren. Den Abschluss dieser für die die Gesamtheit der Mitarbeitenden äusserst bedrückenden Periode markierte der Übergang von der «Armee 61» zur «Armee 95».
«Fitness-Training»
Laut dem damaligen EMD-Chef Kaspar Villiger handelte es sich dabei um die «grösste in der Schweiz je durchgeführte Armeereform». Sie erschütterte bisherige Strukturen bis in ihre Grundfesten. In der Tat schrumpfte die «Armee 61» mit ihren mehr als 800‘000 Mann zur halb so grossen «Armee 95». Armee und EMD benötigten dringend «mehr Muskeln und weniger Fett», lautete die programmatische Botschaft Villigers an die SMPV-Delegiertenversammlung 1990 in Wangen an der Aare. Seine deklarierte Absicht war es, das EMD zu einem «Hochleistungsdepartement» zu trimmen. Dass dieses «Fitness-Training» nicht ohne Schweiss und Muskelkater absolviert werden konnte, lag auf der Hand. Auslöser der Reformen waren neben den knappen Ressourcen im Inland namentlich auch die Entwicklungen auf dem internationalen Parkett, vor allem in Mittel- und Osteuropa: 1989 fiel die Berliner Mauer, in der Folge kollabierten die kommunistischen Diktaturen, und 1991 brach die Sowjetunion auseinander. Der Kalte Krieg war damit beendet – und die Zeit für eine Anpassung der Landesvereidigung an die neuen Umweltbedingungen gekommen.
«EMD 95»
Parallel zu «Armee 95» wurde das Projekt «EMD 95» lanciert. In seiner Komplexität stand dieses Vorhaben der Armeereform in nichts nach. Nach seinem Abschluss verblieben von den bisherigen 18 noch 11 Bundesämter. Gleichzeitig wurde das Industriepotenzial von 90 auf 65 Betriebe reduziert.
1992 begann der Stellenabbau in den Bundesämtern und den Rüstungsbetrieben. Um Härtefälle zu vermeiden, reagierten die Sozialpartner rasch und effektiv: Ein «Sozialplan EMD» wurde ausgearbeitet und eine Stellenbörse eingerichtet. Beide Massnahmen bewährten sich. Der massive Stellenabbau hatte dank diesen Vorkehren schliesslich «nur» 60 Entlassungen zur Folge, weit weniger als ursprünglich befürchtet. Der zielgerichtete, hartnäckige Einsatz der Personalverbände hatte sich gelohnt. Das bestätigt ein Blick auf die nationale Arbeitsmarktlage, die 1993 eine rekordhohe Arbeitslosenquote von 5,1 Prozent aufwies.
Positiv trotz allem
Auch in anderer Hinsicht konnten die Verbände des Bundespersonals 1995 auf eine trotz widrigem wirtschaftlichem und politischem Umfeld insgesamt recht erfreuliche Zeitspanne seit 1971 zurückblicken. Stichworte dazu: Einführung des 13. Monatslohns und der 5. Ferienwoche für Beschäftigte ab 55 Jahren, generelle Einführung der «Gleitenden Arbeitszeit» GLAZ und der 42-Stunden-Woche, für die sich der SMPV während Jahren eingesetzt hatte, neue EVK-Statuten mit Einführung des flexiblen Rentenalters, Revision der Ämterklassifikation mit aus der Sicht des SMPV erfreulichen Ergebnissen, versuchsweise Einführung der flexiblen Arbeitszeit FLAZ in den Bundesbetrieben.
Die meisten dieser Verbesserungen mussten vorab wegen der permanent angespannten Finanzlage des Arbeitgebers Bund in zum Teil zähen und langwierigen Verhandlungen erkämpft werden. Dies änderte sich erst mit der Inkraftsetzung der neuen Finanzordnung des Bundes im Jahr 1995. Die Einführung der Mehrwert- und der direkten Bundessteuer stellte die Eidgenossenschaft auf ein solideres, wenn auch zeitlich befristetes finanzielles Fundament.
SMPV auf Erfolgskurs
Der SMPV hatte 1995 an seiner Feier zum 75-jährigen Bestehen durchaus Anlass für eine positive Selbsteinschätzung. Er befand sich auf Erfolgskurs: Mit 4949 Mitgliedern hatte er im Jahr zuvor seinen Höchststand erreicht. Der Mitgliederzuwachs von rund 60 Prozent seit 1971 war zu einem guten Teil den Kollektivverträgen zu verdanken, die er nach und nach mit den wichtigsten Krankenversicherern des Landes abgeschlossen hatte. Auch die übrigen im Milizsystem zugunsten der Mitglieder erbrachten Leistungen waren mitverantwortlich für den Erfolg. Zu erwähnen sind die 1979 eingeführten Kurse «Vorbereitung auf die Pensionierung», die Herausgabe des «Verbandskalenders» beziehungsweise des «Verbandstaschenbuchs», aber auch die Vereinfachung der Administration durch Umstellung auf EDV im Jahr 1994.
«Weisser Fleck» Romandie
Der Umstand, dass sich die Verbandsbasis auf die deutsche, italienische und rätoromanische Schweiz konzentrierte, beschäftigte die Geschäftsleitung immer wieder. Von der Gründung einer Sektion in der Westschweiz mit eigenem Sekretariat musste jedoch aus Kostengründen abgesehen werden. Dafür konnten die Sektionen Wangen an der Aare und Nordwestschweiz neu in der SMPV-Familie willkommen geheissen werden. Den Link zur Romandie sicherte der für den SMPV äusserst wichtige Unterverband VIF (Verband der Fach- und Instruktions-Unteroffiziere), der 1979 zum VIU (Verband der Instruktions-Unteroffiziere) mutierte und sich ab 1992 auch für Berufsoffiziere öffnete.
Im Verhältnis zu den übrigen Personalverbänden blieb der SMPV trotz wachsenden Mitgliederzahlen und positivem Leistungsausweis stets ein Juniorpartner. «Klein, aber fein», lautete seine Devise, die auch das Auftreten gegenüber dem Sozialpartner bestimmte: Wurden andere laut, bevorzugte der SMPV zielfokussierte Sachlichkeit. Und so attestierte ihm Bundesrat Villiger in seiner Grussbotschaft, die er aus terminlichen Gründen über Videolink von Bern nach Luzern an die Jubiläums-Delegiertenversammlung richtete «Als fairer Verhandlungspartner hat der SMPV zu einer Kultur der Offenheit beigetragen. Dafür gebührt ihm unser Dank.» ■ (Der Fall der Berliner Mauer 1989 und die darauf folgende Beendigung des Kalten Krieges hatten einen wesentlichen Einfluss auf die neue Ausrichtung der Armee (Armee 95). (Bild: Wikipedia)