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Reinheit und Schmutz – ein Stadtrundgang der Frauen in Freiburg
Autor: Von Elisabeth Schwab-Salzmann
Christina Sturny führte ihre Gäste auf dem Stadtrundgang der Saane entlang und verknüpfte Historisches mit Anekdoten. Am Fusse des Funiculaire wies die ausgebildete Geologin auf die Wasserquellen hin, die direkt aus dem Molassefelsen sprudeln. Dieses Wasser speiste im Mittelalter das städtische Brunnensystem und die öffentlichen Badehäuser. Das älteste dieser Häuser, es steht an der Alten Brunnengasse, ist 1355 erstmals erwähnt. Nicht weit davon entfernt ist das Haus der drei Tellen, auch dieses wurde 1384 schon als Badehaus in den Akten erwähnt. Christina Sturny erklärte, die Badehäuser seien immer schon in der Nähe zur Prostitution gestanden. In lustiger Eintracht hätten damals Geistliche auf der Durchreise mit weltlichen Pilgern und ausgesprochen freudigen Pilgerinnen zusammen nackt gespeist, gebadet und Gespräche geführt. Die Teilnehmer des Stadtrundgangs konnten sich anhand alter Stiche davon überzeugen, dass Freiburg im Mittelalter ein attraktives Kulturprogramm anzubieten hatte.
Die Bademägde
Die Bademägde mussten den Gästen den Körper mit Asche schrubben und anschliessend mit Weidenruten die Blutzirkulation anregen. In den Archiven ist nachzulesen, dass eine Bademagd mit Namen Greda Svendihammer die zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilte Ita Stucky am ganzen Körper rasieren musste. Die Inquisitoren wollten bei der als Hexe verurteilten Frau die Hexenmale finden, die sie auf dem ganzen Körper der Frau vermuteten. Bei anderen verdächtigen Personen dienten die Rasur und das anschliessende Bad dazu, sie von den vielen Sünden zu befreien.
Das erste Bordell im Jahre 1413
Das erste öffentliche Bordell in Freiburg befand sich 1413 in einer Badestube am Galterntor. Damit sich die eifrigen Kneipptouristen und Freudenhausbesucher nicht immer bis hinunter in die Unterstadt bemühen mussten, richtete man bald auch am heutigen Python-Platz und an weiteren Orten solche Etablissements ein.
Nach dem Höhepunkt der Bäderzeit im 14. und 15. Jahrhundert verlor sich die Wasserkultur im 16. und 17. Jahrhundert. Schuld daran waren laut Christina Sturny die aus den Mittelmeer-Häfen eingeschleppten Krankheiten wie Syphilis und die grossen Pestepidemien. Die Jahrhunderte der «Trockenen Toilette» kamen, man puderte und parfümierte sich, anstatt sich zu waschen. Noble zogen weisse Leibwäsche an.
Badekultur in der Neuzeit
Dort, wo in früheren Zeiten die Textilbleiche stand, auf dem Gebiet der Motta-Wiesen, entstand 1923 die Badeanstalt «la Motta». Beda Hefti, derselbe, der auch das Sportstadion St. Leonhard gründete, drängte auf den Bau des Schwimmbades, das damals noch mit Flusswasser betrieben wurde.
Seine Frau, eine aktive Schweizer Schwimmmeisterin, gründete den Klub Fribourg Natation. Die Bademode war damals noch nicht so offenherzig wie heute. Man badete in Pumphosen, Röcken und Blusen mit Ärmeln.
Beim Neustadt-Schulhaus machte Christina Sturny auf die hygienischen Verhältnisse aufmerksam, die in der Unterstadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch herrschten. Enge Wohnverhältnisse, Mangelernährung und fehlende medizinische Versorgung prägten die Bevölkerung. Im 1910 eingeweihten Schulhaus richtete man deshalb helle Schulzimmer ein, öffentliche Duschen und eine grosse Quartierküche, um die Kinder an gesunde Verhältnisse zu gewöhnen und eine warme Mahlzeit für alle zu kochen. Der erste Internationale Kongress für Hauswirtschaft fand im neu eröffneten Schulhaus in der Neustadt in Freiburg statt.
Auf dem Klein-St.-Johann-Platz, vor dem St.-Anna-Brunnen, verwies Christina Sturny nochmals auf die grosse Bedeutung der geregelten Wasserversorgung für die Bevölkerung.
Die Bevölkerungsentwicklung des Au-Quartiers zeigt Erstaunliches: 1447 wohnten 948 registrierte Einwohner in der Au, 1940 bereits 2449, und im Jahr 1997 waren es 800 Menschen, fast gleich viele wie im 15. Jahrhundert.
Im Jahre 1940 wurde das erste private Badezimmer der Au im Haus an der Goltgasse 41 eingebaut. Am St.-Anna-Brunnen endete der Stadtrundgang zwischen Reinheit und Schmutz – weibliche Wassergeschichten entlang der Saane.