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Reinhard Bonnke
Georg O. Schmid, 9. Dezember 2019
Der umstrittene Pfingstprediger und Massenevangelist Reinhard Bonnke, der sich selbst als den „Mähdrescher Gottes“ bezeichnete, ist am 7. Dezember 2019 im Alter von 79 Jahren verstorben.
Bonnke wurde 1940 in Ostpreussen geboren als Sohn eines Berufsmilitärs, der sich einer Pfingstgemeinde angeschlossen hatte. 1945 flohen die Bonnkes in den Westen Deutschlands und liessen sich im schleswig-holsteinschen Glücksstadt nieder, wo Vater Bonnke als pfingstlicher Prediger tätig wurde.
Seine Rolle als Pastorensohn hatte Reinhard tief geprägt, so folgte er schon im Alter von neun Jahren einem Altarruf und bekehrte sich, und später veranstaltete er Predigtwettstreite mit seinen Kollegen. Weltanschauliche Debatten hingegen waren offenbar nicht sein Thema: „Was auch immer ich von Mitschülern oder aus Lehrbüchern erfuhr, wischte ich, sofern es meinen pfingstlichen Glaubensüberzeugungen widersprach, einfach beiseite, ohne es weiter in Betracht zu ziehen.“ (Reinhard Bonnke: Im Feuer Gottes. Eine Autobiographie, Frankfurt a.M. 2009, s. 73.)
In dieser Aussage spiegeln sich gleich zwei Eigenschaften Bonnkes, die sich später deutlich zeigen sollten: Ein fundamentalistisches Glaubensverständnis, das verkündet, aber nicht diskutiert, und eine Teflon-Persönlichkeit, die Kritik an sich abperlen lässt.
Nach Abschluss seiner Schulzeit absolvierte Bonnke eine Ausbildung zum Detailhandelskaufmann, und danach als 19jähriger eine Bibelschule in Wales, wo er auch Englisch lernte. Seine Hoffnung, nach Abschluss der Bibelschule als Missionar in Afrika tätig werden zu können, zerschlug sich, so dass Bonnke eine Stelle als Pastor einer Pfingstgemeinde in Flensburg antrat.
Im Jahr 1967 konnte Bonnke im Auftrag der Apostolic Faith Mission in Südafrika tätig werden, und führte in den folgenden Jahren erste Evangelisationen mit Betonung der Heilung durch. 1975 gründete Bonnke unter dem Namen „Christ for all Nations“ (im deutschen Sprachraum „Christus für alle Nationen“) CfaN sein eigenes Missionswerk. CfaN baut in Europa ein Spendernetzwerk auf, welches die Missionskampagnen in Afrika finanziert. 1978 kann er ein Zelt mit 10’000 Plätzen erwerben.
Bonnke entwickelte seinen typischen Missionsstil: Eine zupackende Verkündigung mit Aufruf zur Bekehrung und der Verheissung von Heilungen. Berichte von Menschen, die sich als geheilt fühlen, wurden auf der Bühne gesammelt. Z.T. wurden Geheilte dem Publikum vorgeführt, indem Bonnke mit ehemals Blinden Fangen spielte u.dgl. Die Teilnehmenden wurden aufgefordert, Objekte traditioneller Religionen und Vorstellungen abzugeben, so dass sie aufgehäuft und verbrannt werden konnten. Wer sich durch Handzeichen bekehrte, wurde aufgefordert, sich einer Gemeinde in seiner Umgebung anzuschliessen.
In den Achtzigerjahren wurde Bonnke durch seine Massenveranstaltungen innerhalb der pfingstlich-charismatischen Szene immer bekannter, was wiederum das Spendenaufkommen erhöhte.
Ab der zweiten Hälfte der Achtzigerjahre wurde Bonnke vor allem im bevölkerungsreichen Westafrika tätig, wo er mitunter mehrere Hunderttausend Menschen zu Evangelisationen und Heilungsgottesdiensten versammeln konnte.
In den Neunzigerjahren wollte Bonnke seinen Wirkungskreis auf die westlichen Länder ausweiten, wozu er das Büchlein „Vom Minus zum Plus“ schrieb, das grundlegende Lehren des Christentums ohne spezifisch pfingstliche Theologie enthielt. Dieses Büchlein wurde mit dem Postwurf unter die Leute gebracht, in der Schweiz etwa im Jahr 1995.
Der Rücklauf der Aktion, die für Bonnkes Spendende eine massive Investition bedeutete, war enttäuschend, so berichtete Bonnke in seiner Autobiographie (s. 540) von einem Rücklauf im Promille-Bereich – gerechnet hatte er mit vier Prozent. In der Schweiz sind die Berichte von Menschen, die sich durch die Aktion „Vom Minus zum Plus“ neu fürs Christentum interessiert haben, wenig zahlreich.
Für öffentlichen Wirbel in der Schweiz sorgte Bonnke durch seinen Auftritt am 15-Jahr-Jubiläum des Freikirchenverbands ICF im Jahr 2011 im Zürcher Hallenstadion. Im Vorfeld wurde Bonnke in der Schweizer Öffentlichkeit kritisch diskutiert, zur Sprache kam z.B. Bonnkes Nähe zu problematischen Potentaten, so hatte Bonnke vom nigerianischen Diktator Sami Abacha eine Tüte mit 100’000 Dollar in bar angenommen und aufs Konto von CfaN einzahlen lassen, obwohl ihm die problematischen Hintergründe des Geldes bekannt waren (Im Feuer Gottes, s. 559).
Im Jahr 2017 übergab Reinhard Bonnke die Leitung seines Missionswerks CfaN an den Amerikaner Daniel Kolenda.