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André Dosé tritt als Konzernchef der Swiss zurück. Dies nur zwei Jahre nach seinem Antritt bei der krisengeschüttelten Airline.
Grund ist eine Flugunfall-Untersuchung über den Absturz einer Crossair-Maschine, welche Mängel bei der Fluggesellschaft feststellte.
André Dosé ist am Mittwoch als Konzernchef der Swiss überraschend zurückgetreten. Er zieht damit die Konsequenzen aus einer Strafuntersuchung gegen unbekannt wegen des Crossair-Absturzes vom November 2001 in Bassersdorf, bei dem 24 Personen ums Leben kamen.
Der Verwaltungsrat (VR) habe ihm diese Woche mitgeteilt, dass er im Falle einer Untersuchung derart beansprucht werde, dass es unmöglich sei, weiterhin als Chef von Swiss tätig zu sein, erklärte Dosé am Mittwochabend vor den Medien.
Der VR habe zwar vorgeschlagen, ihn während der Untersuchung frei zu stellen. Er könne es aber nicht verantworten, als Konzernchef für eine unbestimmte Zeit in den Ausstand zu treten, sagte Dosé. Er habe sich deshalb mit dem Aufsichtsgremium geeinigt, sein Arbeitsverhältnis aufzulösen.
Laut Quellen aus dem Umfeld Dosés soll ein Kräftemessen im VR zu Dosés Ungunsten ausgefallen sein. "Ich kann nicht sagen, wann der Entscheid gefallen ist, aber diese Woche ging es sehr, sehr schnell", sagte der Ex-Swiss-CEO.
Spekulationen über eine Strafuntersuchung
In den letzten Wochen war spekuliert worden, dass die Bundesanwaltschaft (BA) die laufende Strafuntersuchung gegen unbekannt auf den damaligen Crossair-Chef Dosé ausdehnen könnte. Die BA ermittelt wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger schwerer Körperverletzung.
"Ich wurde bisher weder angeklagt noch hat mich die Bundesanwaltschaft kontaktiert", betonte Dosé am Mittwoch. Die Vorwürfe seien haltlos. Er werde alles unternehmen, um sie zu widerlegen.
Flugunfallbericht: Mängel bei der Crossair
Die Untersuchung des Büros für Flugunfalluntersuchungen, auf Grund welcher die BA anfangs Februar ihre Ermittlungen einleitete, war zum Schluss gekommen, dass der Absturz des Crossair-Jumbolinos hauptsächlich durch Fehler des übermüdeten Piloten verursacht worden sei.
Es wurden aber auch Mängel bei der Crossair selber entdeckt – so seien fliegerische Defizite des Piloten nicht entdeckt worden.
Bouw mit Doppelmandat
Der Swiss-VR würdigte in der Mitteilung Dosés grosse Verdienste beim Aufbau der neuen Fluggesellschaft. Das Gremium verurteilte auch die Unterstellungen, persönlichen Angriffe und Vorverurteilungen, denen Dosé ausgesetzt worden sei.
VR-Präsident Pieter Bouw übernimmt ab sofort zusätzlich die Funktion des Konzernchefs. Als zweiter Vizepräsident des Verwaltungsrats wurde gleichzeitig Walter Bosch ernannt, der schon bisher im VR sass.
Probleme bleiben bestehen
Der Abtritt Dosés komme zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt, sagte Aviatik-Spezialist Sepp Moser gegenüber swissinfo, aber möglicherweise müsse Dosé einen Teil der Verantwortung für den Absturz in Bassersdorf übernehmen.
Moser wies aber auch auf die andern Schwierigkeiten der Swiss hin, insbesondere die strukturellen und finanziellen Probleme und die kulturellen Unterschiede zwischen den ehemaligen Crossair- und Swissair-Angestellten, die in der neuen Swiss zusammengeführt wurden.
Allgemeines Bedauern
Politiker und Airline-Gewerkschaften drückten in ersten Stellungnahmen ihr Bedauern über den Rücktritt Dosés aus. Bundesrat Hans-Rudolf Merz, Leiter des Swiss-Ausschusses der Regierung, hielt ihn für richtig. Dosés Entschluss zurückzutreten, zeuge von hohem Verantwortungsbewusstsein, sagte Merz.
Dieser Beurteilung folgten auch SVP und CVP. Die SP bezeichnete die interimistische Lösung mit Bouws Doppelmandat als problematisch. Aus den Reihen der FDP verlautete, es sei jetzt entscheidend, dass die Swiss rasch wieder eine Führung habe.
Überraschung und Bedauern herrschte auch bei den Gewerkschaften und Personalverbänden. Einen Nachfolger für Dosé zu finden, sei nicht einfach.
swissinfo mit Jacob Greber, Ariane Gigon Bormann in Zürich und Agenturen
Fakten
Basserdorf:
Im November 2001 stürzte ein Crossair-Jumbolino in Bassersdorf ab.
24 Menschen, darunter die beiden Piloten, starben. 9 Passagiere überlebten.
Hauptursache war ein Piloten-Fehler: Der Kapitän flog zu tief.
In Kürze
Zur Zeit des Absturzes von Bassersdorf war André Dosé CEO der Crossair.
Die Bundesanwaltschaft hat wegen des Unfalls ein Strafverfahren gegen Unbekannt eröffnet. Es wird erwartet, dass dieses auf André Dosé ausgedehnt wird.
Daneben hat Swiss viele weitere Sorgen: Einen Überbrückungskredit von bis zu 500 Mio. Franken wollten die Banken bisher nicht garantieren.
Die Verluste der Airline konnten von 980 Mio. Franken im Vorjahr - so die vorläufigen Zahlen - auf 687 Mio. Franken reduziert werden.
Die Liquidität der Swiss schmilzt rasch dahin, wegen geringer Auslastung und hohen Leasing-Gebühren.