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Aus heutiger Sicht sollte man meinen, das grosszügige Geschenk von Fridolin Huber «ein einfaches, zweckmässig eingerichtetes und mit genügend Wasser versehenes Krankenhaus für mindestens 30 Kranke» war ein Segen für die Gemeinde. Die Gemeindeversammlung sah dies allerdings anders, denn die Sorge um die belastenden Folgekosten war hoch. Die Verhandlungen sowie die Streitigkeiten mit den Erben von Fridolin Huber waren langwierig und hatten Bauverzögerungen zur Folge. Zwischenzeitlich war sogar das Spitalprojekt als Ganzes in Gefahr, was dazu führte, dass das Spital Walenstadt erst 1891 seinen Betrieb aufnehmen konnte.
VOR 1891
Grund für die Verzögerung war ein Streit zwischen den Erben von Fridolin Huber und der politischen Gemeinde. Die Bürgerversammlung hatte im Juni 1889 beschlossen, auf die Krankenhausstiftung zu verzichten, da sich die Bürgerschaft nicht in der Lage sah, das Stiftungs-vermögen von 200'000 CHF zu verwalten. Nach heutigem Geldwert ging es um rund 20 Millionen Franken. Die Bitte der Gemeinde, dass der Kanton die Stiftung übernehmen sollte, stiess jedoch bei den Erben auf Ablehnung. So dauerte es lange, bis sich Erben und Kanton einig waren.
1891-1900
Für die Bevölkerung von Walenstadt und dem Sarganserland war das neue Spital ein Segen. Das Kantonale Spital Walenstadt beseitigte die Benachteiligung der Bevölkerung im Sarganserland in der medizinischen Betreuung von Schwerkranken und Verunfallten, die bis dahin gegenüber anderen Kantonsteilen aufgrund der grossen Distanz zum Kantonsspital St. Gallen bestanden hatte. Am 1. Januar 1891 nahm das Spital Walenstadt seinen Betrieb mit 35 Krankenhausbetten auf. Erster ärztlicher Leiter wurde Dr. Alfred Aepli, der bis dahin Assistenzarzt im Spital Münsterlingen gewesen war. Die Pflege der Kranken erfolgte durch die Geistlichen von Walenstadt.
PatientInnen, die nicht gehfähig waren, wurden von Trägern auf Karren oder Fuhrwerken aus der ganzen Region ins Spital Walenstadt gebracht. Um 1900 übernahm der Bauer Gustav Eberle die Krankentransporte mit einem Pferd und einem grossen, geschlossenen Kastenwagen. Zu dieser Zeit war die Angst vor dem Krankenhaus noch gross und das Vertrauen in die Ärzte gering. Krankheiten wurden geduldig zu Hause ertragen und auch Kinder brachte man zu Hause auf die Welt.
Ein grosser Fortschritt war die Einführung des elektrischen Lichtes 1893, denn bis dahin wurden notfallmässige Operationen, die nicht verschoben werden konnten, in gewöhnlichen Krankenzimmern beim Schein einiger Petrollampen durchgeführt. Die Situation verbesserte sich weiter als 1889 ein zweckmässiges Operationszimmer im oberen Stock eingerichtet wurde.
1901-1920
Platzmangel war bereits damals ein Problem. So beschloss der Grosse Rat 1901 einen Kredit zum Bau eines Pavillons, der 1903 in Betrieb genommen wurde. Bis das Spital das erste Krankenauto erhielt, dauerte es weitere sechs Jahre. 1909 wurde zudem für 550 CHF die erste Schreibmaschine angeschafft. Der erste Weltkrieg hatte auch auf den Spitalbetrieb Auswirkungen: Fleischportionen wurden reduziert, die Milchversorgung war knapp. Erleichterung in der täglichen Arbeit brachte die 1916 angeschaffte elektrische Wäscheeinrichtung mit Dampfkessel, welche eine Erledigung der Spitalwäsche in drei bis vier Tagen ermöglichte.
Der Platzmangel war weiterhin eines der grössten Probleme. Statt der vorgesehenen 66 Betten waren oft bis zu 100 Betten in Gebrauch. Selbst Liegestühle und Matratzen dienten als vorübergehende Schlafstätten. Durch die Grippeepidemie 1918 wurde diese Situation weiter verschärft. Wie gefährlich die Grippe war, zeigt sich daran, dass alle Ärzte, der Krankenwärter und acht Schwestern erkrankten. Um den Betrieb aufrecht zu erhalten, wurden Aushilfen aus dem Kantonsspital geholt. Insgesamt gab es innerhalb kurzer Zeit 31 Grippetote in Walenstadt, darunter der erst 36-jährige Pfarrer, der sich bei einem Besuch im Spital angesteckt hatte.
1921-1937
1924 erfolgte ein weiterer Ausbau, als der Grosse Rat den Um- und Ausbau der Operations- und Röntgenabteilung bewilligte. Drei Jahre später ermöglichte ein Kredit über CHF 540'000 den Um- und Neubau des Spitals und eine Erweiterung auf 107 Betten. Im Zuge dieser Baumassnahmen wurde im August 1929 auch die Abteilung für Geburtshilfe eröffnet.
1938-1945
Trotz des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs erfolgte 1941 der Ausbau der Röntgenabteilung, die Modernisierung des Labors und der Apotheke sowie die Anstellung einer Spitalhebamme. In der Festung Sargans wurde eine zentrale Krankenabteilung eingerichtet. Von dort wurden schwer erkrankte oder verletzte PatientInnen ins Spital Walenstadt überführt. Die Rationierungsvorschriften in den Kriegsjahren machten den Spitalbetrieb zu einer Herausforderung. Die Kriegsmobilmachung führte zudem zu Personalengpässen. So war 1943 wochenlang neben dem Chefarzt nur ein Assistenzarzt im Dienst. Nachwuchsmangel bei den Ordensschwestern führte zudem zu Schwierigkeiten bei der Nachbesetzung von Pflegestellen. Das hatte zur Folge, dass Ordensschwestern immer häufiger durch weltliches Personal ersetzt wurden.
1946-1960
1953 war die Erneuerung der 20 Jahre alten Röntgenanlage der Anlass, weitere
bauliche Massnahmen in Angriff zu nehmen. Zu dieser Zeit wurde auch diskutiert, ob der dauernde laute Schiesslärm von der Schiessanlage Paschga Grund sein sollte, um das Spital Walenstadt in einen anderen Ort zu verlegen. Das Engagement von Chefarzt Dr. Otto Keller und die Verhandlungen des Kantons sorgten schliesslich dafür, dass mit dem Militär eine Lösung gefunden werden konnte. Damit war das grösste Hindernis für den Ausbau des Spitals beseitigt.1956 stimmten der Grosse Rat und das Volk einem Umbauprojekt für 8 Millionen CHF zu. In dieser Zeit wurde aufgrund des steigenden Aufwands auch neues Personal eingestellt. So wurde erstmals ein Küchenchef angestellt, nachdem diese Position bis dahin immer eine Krankenschwester versehen hatte. Zudem musste nach der Inbetriebnahme des neuen Kesselhauses ein geschulter Elektriker eingestellt werden, der die Wartung der komplizierten Anlage durchführen konnte. Noch vor der Fertigstellung des Umbaus 1960 wurde 1959 eine physikalische Therapieabteilung eröffnet. Acht Jahre später folgte mit dem Bau eines zweiten Personalhauses eine neuerliche Erweiterung. Trotz der neuen Räumlichkeiten gab es Rekturierungsprobleme durch einen einschneidenen Personalstopp und die Ausländerkontingentierung.
1970-1990
Im Jahr 1971 verstarb Chefarzt Dr. Otto Keller plötzlich und unerwartet. Nachdem Dr. Keller 20 Jahre lang als Chefarzt das Spital geführt hatte, bedeutete dies eine grosse Zäsur. Um den Mitarbeiterinnen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern wurde 1975 auf das Betreiben von Chefarzt Dr. Marcel Cadalbert ein spitaleigener Kinderhort geschaffen. In den Siebziger Jahren waren die Spitalbauten endgültig in die Jahre gekommen. Deshalb wurde 1979 mit der Projektierung des Neubaus begonnen. Der erste Teil des Neubaus konnte 1987 bezogen werden. Am 5. September 1989 wurde der Spitalneubau eingeweiht.
1991-2002
1991 wurde das hundertjährige Bestehen des Spitals gebührend gefeiert. Im selben Jahr fand ein eintägiger Warnstreik der AssistenzärztInnen statt - ein noch nie dagewesenes Ereignis, das bei Ärzteschaft und Bevölkerung auf wenig Verständnis stiess. Im April 1991 konnte die Dialysestation mit vier Dialyseplätzen eröffnet werden. Grosse Veränderungen bedeuteten 1995 die Teilnahme am Pilotprojekt Gobalkreditsystem, wie auch die neue Zusammensetzung der Spitalleitung. Nun war im Spital, das bislang als öffentliches Unternehmen geführt worden war, Unternehmerisches Denken und Handeln gefragt.
1997 entschied der Kanton aus Kostengründen, die Schliessung der Akutspitäler Rorschach und Wil sowie der Geburtenstation in Walenstadt. Aufgrund von Protestmassnahmen der Sargan-serländischen Talgemeinschaft und einer Unterschriftenaktion mit über 12'000 Unterzeichnenden wurde darauf verzichtet, und die Geburtenabteilung besteht bis heute.
1998 wurde in Walenstadt das Codiersystem ICD-10 eingeführt als Basis für die Umsetzung des neuen Krankenversicherungsgesetzes. Im selben Jahr wurde erstmals die Stelle eines Qualitätsbeauftragten geschaffen, um das Qualitätsmanagement im Spital Walenstadt sicherzustellen. Kurz nach der Jahrtausendwende wurden dann die Weichen für den gemeinsamen Spitalverbund der Spitäler Altstätten, Grabs und Walenstadt gestellt.
2003-2016
Grosse Veränderungen brachte der Zusammenschluss der Spitäler Altstätten, Grabs und Walenstadt zu einer gemeinsamen Spitalregion im Jahr 2003 mit sich. Für Walenstadt kamen nach zwei negativen Geschäftsjahren zudem weitere einschneidende Massnahmen hinzu, um die Wirtschaftlichkeit des Spitals zu erhöhen. 2006 wurde das erste Palliativzimmer in Walenstadt in Betrieb genommen und 2008 zur Palliativstation ausgebaut. Im Rahmen des Palliativkonzeptes erhalten schwerkranke PatientInnen in einer entsprechenden und ansprechenden Umgebung die nötige Pflege und Behandlung. Auch die neu gestaltete Geburtenstation sowie die neue Wochenklinik konnten 2006 in Betrieb genommen werden.
Auch 2010 stand im Zeichen des Ausbaus. Neben der neuen Notfallstation konnte die Erneuerung der Skelettradiologie sowie der Angiographieanlage verwirklicht werden. Ausserdem wurde die Dialysestation um zwei Plätze erweitert. Im Zusammenhang mit der Einführung von siwssDRG begann 2011 ein Strategieprozess, der eine neue Führungs- und Organisationsstruktur zur Folge hatte: 2014 wurde die eine horizontale Struktur in der gesamten Spitalregion umgesetzt.