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Der Handlungsspielraum und die Lebenschancen der Personen sowie die Interventionsbereiche der Sozialpolitik geben Aufschluss über die Lebensbedingungen der Bevölkerung. Die Lebensbedingungen beziehen sich sowohl auf materielle (z.B. Einkommen und Wohnung) als auch auf immaterielle Aspekte (z.B. Bildung und Gesundheit).
Die finanziellen Mittel beeinflussen die Lebensbedingungen, den Lebensstandard und den Konsum von Gütern und Dienstleistungen. Sie können auch Ursache von materiellen (z.B. Wohnsituation, materielle Konsumgüter) oder immateriellen Ungleichheiten (z.B. Ausbildung, Gesundheit) sein.
2016 betrug das mediane verfügbare Äquivalenzeinkommen 4121 Franken pro Monat, d.h. bei der Hälfte der in der Schweiz wohnhaften Personen lag das Einkommen über, bei der anderen Hälfte unter diesem Wert. Dieses Einkommen hat seit dem Jahr 2000 um 19% zugenommen.
In den Jahren 2012 bis 2014 entsprach das verfügbare Einkommen der Alleinlebenden unter 65 Jahren 4885 Franken und dasjenige der Alleinlebenden ab 65 Jahren 3491 Franken. Paare ohne Kinder hatten ein verfügbares Einkommen von 9037 Franken, Einelternhaushalte von 6183 Franken und Paare mit Kindern von 9736 Franken.
Die in einer Ausbildung erworbenen Kompetenzen und Qualifikationen sind wichtige Voraussetzungen, um sich der sich ständig verändernden Gesellschaft und Wirtschaft anpassen zu können.
2017 hatten 12,2% der ständigen Wohnbevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren keine nachobligatorische Ausbildung, 45,2% einen Abschluss auf Sekundarstufe II (Maturitätsschule, Fachmittelschule oder berufliche Grundbildung) und 42,6% einen Abschluss auf Tertiärstufe (höhere Berufsbildung und Hochschulen).
2016 konnte sich ein Drittel der Bevölkerung nicht wie gewünscht aus- und weiterbilden. 23,8% nahmen an mindestens einer Bildungsaktivität teil, hätten aber gerne mehr gemacht, und 9,4% der Erwachsenen konnten trotz Wunsch gar keine Aus- oder Weiterbildung besuchen. Die restlichen zwei Drittel waren mit ihrer Bildungssituation zufrieden. Entweder konnten sie sich wie geplant aus- oder weiterbilden (45,2%) oder sie hatten keine Bildungsabsicht (21,5%).
Arbeit sollte es Erwerbspersonen ermöglichen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, Kompetenzen zu entwickeln und berufliche und soziale Erfüllung zu finden. Bei optimalen Arbeitsbedingungen können Erwerbspersonen langfristig planen, verfügen über einen guten Sozialschutz und sind in der Lage, ihren Alltag wunschgemäss zu gestalten. Umgekehrt können nicht wunschgemässe Arbeitsbedingungen zu Prekarität führen.
Der Anteil der Teilzeiterwerbstätigen (Beschäftigungsgrad von weniger als 90%) ist von 27,4% im Jahr 1996 auf 36,4% im Jahr 2018 gestiegen. Bei den Männern beträgt dieser Anteil lediglich 17,0% (1996: 8,3%), bei den Frauen 58,6% (1996: 52,2%).
2018 hatten 8,2% der Erwerbstätigen mehr als eine Arbeitsstelle. Dieser Anteil hat sich seit 1996 (4,8%) praktisch verdoppelt. Bei den Frauen (10,9%) ist Mehrfachbeschäftigung stärker verbreitet als bei den Männern (5,9%).
Ob jemand Zugang zum Arbeitsmarkt hat und am sozialen Leben teilhaben kann, hängt grösstenteils von seiner Gesundheit ab. Soziale Ungleichheiten und Nachteile häufen sich mit zunehmendem Alter und haben Auswirkungen auf die Gesundheit und das Gesundheitsverhalten wie z.B. die Inanspruchnahme von Leistungen des Gesundheitssystems.
Männer und Frauen beurteilen ihren Gesundheitszustand in allen Altersklassen je nach Bildungsstand sehr unterschiedlich. Personen ohne nachobligatorischen Abschluss bezeichnen ihre Gesundheit viel seltener als gut oder sehr gut als Personen mit einer höheren Ausbildung (66,4% bzw. 90,7%).
Gemäss der schweizerischen Arbeitskräfteerhebung 2017 gaben 1,2 Millionen der zu Hause lebenden Personen ab 15 Jahren an, ein dauerhaftes Gesundheitsproblem zu haben, das sie in ihrem Alltag (stark oder etwas) einschränkt. Sie gelten gemäss Gleichstellungsgesetz als Menschen mit Behinderung. 297 000 dieser 1,2 Millionen Menschen sind stark eingeschränkt und 717 000 sind zwischen 15 und 64 Jahre alt. Hinzu kommen 130 000 Kinder unter 15 Jahren und Personen in Alters- und Pflegeheimen oder in anderen Kollektivhaushalten.
Alter, Geschlecht und Bildungsstand beeinflussen das Behinderungsrisiko: Je älter die Person und je niedriger ihr Bildungsstand, desto grösser ist das Risiko. Frauen sind etwas öfter betroffen als Männer.
Die Möglichkeit, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren, kann bei der Entscheidung, Kinder zu bekommen, der Gestaltung des Familienlebens, der Rollenverteilung in der Familie, der Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit und beim Beschäftigungsgrad ein massgebendes Kriterium sein.
In Paarhaushalten mit Kindern, in denen sowohl die Partnerin als auch der Partner zwischen 25 und 54 Jahre alt sind, ist das Modell mit vollzeiterwerbstätigem Vater und teilzeiterwerbstätiger Mutter am häufigsten, gefolgt vom Modell mit vollzeiterwerbstätigem Vater und nicht erwerbstätiger Mutter. Wenn Kinder unter 13 Jahren im Haushalt leben, hat die Mutter mehrheitlich ein Arbeitspensum von weniger als 50%. Ist das jüngste Kind im Haushalt zwischen 13 und 24 Jahre alt, kommt hingegen das Modell, bei dem die Mutter zwischen 50% und 89% erwerbstätig ist, am häufigsten vor.
Ein Zuhause zu haben, in dem man sich wohlfühlt, ist ein Grundbedürfnis. In einer Wohnung leben zu können, die gross genug, gut unterhalten und bezahlbar ist, trägt massgeblich zu einer genügenden bis guten Lebensqualität bei.
Nahezu ein Fünftel der Erwerbslosen und je ein Achtel der Einkommensschwachen und der Ausländerinnen und Ausländer sind mit ihrer Wohnsituation eher unzufrieden (Skalenwerte 0 bis 5). In der Gesamtbevölkerung beträgt der Anteil Unzufriedener 6,5%. Auch Alleinlebende unter 65 Jahren und Personen ohne nachobligatorische Ausbildung sind überdurchschnittlich häufig unzufrieden.
Soziale Beziehungen helfen, mit kritischen Lebenssituationen umzugehen. Sie fördern die persönliche Entfaltung, erfüllen das Bedürfnis nach Anerkennung und tragen zur Verbesserung der physischen und psychischen Gesundheit bei.
95% der Wohnbevölkerung können nach eigenen Angaben Verwandte, Freunde oder Nachbarn um moralische oder materielle Hilfe bitten. 5% haben hingegen keine Person, an die sie sich bei Problemen wenden können. Ausländerinnen und Ausländern, Personen ohne nachobligatorische Ausbildung, Einkommensschwachen und Erwerbslosen fehlt es besonders häufig an sozialer Unterstützung.
Neben den offensichtlichen, objektiven Lebensbedingungen spielt auch das subjektive Wohlbefinden eine wichtige Rolle, d.h. wie zufrieden die Person mit ihrem Leben ist.
Die Bevölkerung ab 16 Jahren ist mit ihrem jetzigen Leben im Allgemeinen sehr zufrieden. Auf einer Skala von 0 («gar nicht zufrieden») bis 10 («vollumfänglich zufrieden») liegt ihr durchschnittlicher Zufriedenheitsgrad bei 8,0. 9,3% der Personen ab 16 Jahren gaben jedoch an, dass sie mit ihrem jetzigen Leben nicht oder eher unzufrieden (Werte 0 bis 5) sind. Am höchsten ist dieser Anteil bei den Erwerbslosen. Auch bei den Alleinlebenden unter 65 Jahren, den Einkommensschwachen und Personen ohne nachobligatorische Ausbildung ist der Anteil Unzufriedener vergleichsweise hoch.
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