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China als Seemacht ist wieder da. Aussenminister Yang Jiechi verweist darauf, dass sein Land «resolut entschlossen» sei, seine territoriale Souveränität und Interessen weltweit zu verteidigen.
Es verteidigt selbst Gebiete wie das südchinesische Meer, die ihm völkerrechtlich gemäss dem Urteil des internationalen Schiedsgerichts in Den Haag gar nicht gehören. Erst vor wenigen Tagen wurden dort australische Helikopterpiloten von chinesischen «Fischerbooten» aus mit Laserpointern attackiert.
Durchaus legitime Interessen Chinas
Man sei gezwungen aufzurüsten, meint Fu Ying, eine der einflussreichsten chinesischen Aussenpolitikerinnen. China müsse den USA und allen mit ihnen militärisch verbündeten Ländern im indopazifischen Raum etwas entgegenstellen.
Beobachter sehen durchaus legitime Interessen Chinas, seine Kriegsmarine auszubauen. Etwa den Schutz der Handels- und Rohstoffversorgungsrouten. Oder das Engagement in UNO-Friedensoperationen. Und nicht zuletzt das Bestreben, seine Bürger im Ausland notfalls zu evakuieren.
Dazu Alex Neill, China-Experte beim Londoner Strategieinstitut IISS: «Nicht nur Staatspräsident Xi Jinping weiss: Wenn China zur Supermacht werden will, braucht es eine potente hochseetaugliche Marine.»
China besitzt neuerdings eine grosse Militärbasis im afrikanischen Dschibuti. Seine Schiffe sind im Golf von Aden, im Mittelmeer, in der Ostsee, im Atlantik und vielleicht bald sogar in der Arktis unterwegs. Das Land besitzt bereits gleich viele Kriegsschiffe wie die USA. Bis 2020 dürften es gar fünfzig mehr sein. Bei den U-Booten hat es zahlenmässig schon jetzt die Nase vorn.
Zur chinesischen Marine kommt eine riesige Küstenwache mit mehr als tausend Schiffen und eine sogenannte «maritime Miliz» dazu: Fischerboote, die gar nicht fischen, dafür mit einem verstärkten Rumpf zum Rammen ausgestattet sind. Als Besatzung dienen ausgemusterte, aber gut trainierte Soldaten der Volksbefreiungsarmee.
Nick Childs verblüfft vor allem das enorme Tempo: «China hat in den vergangenen vier, fünf Jahren mehr hochmoderne Kriegsschiffe vom Stapel laufen lassen als die gesamte britische oder französische Marine besitzen.» Zwar gebe es offene Fragen und Schwächen. Beispielsweise wie effizient diese Schiffe in Operationen wären, sei nicht erprobt. Ebenso wenig der Ausbildungsstand der Besatzungen.
Für den Singapurer Strategieexperten William Choong ist klar: «China will die US-Streitkräfte aus dem Westpazifik und dem Indischen Ozean weghaben.»
Akute Bedrohung für kleinere Länder
«Asien den Asiaten», so das Motto in Peking. Das läuft den Interessen jener kleineren Länder in der Region zuwider, die auf die militärische Rückversicherung durch die USA setzen. Akut bedroht ist Taiwan. Immer weniger rechnen damit, dass die Amerikaner eine chinesische Invasion in Taiwan erfolgreich verhindern könnten, so Neill.
Den Chinesen das südchinesische Meer wieder abzuringen, gilt als Illusion. Admiral Philip Davidson spricht neidvoll von den immer mehr und immer besseren chinesischen Kriegsschiffen und den Raketen, die zunehmend US-Flugzeugträger bedrohen.
Nur noch eine Frage der Zeit
Hinter vorgehaltener Hand räumen US-Militärs gar ein, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis die Chinesen in dieser Region nach der wirtschaftlichen auch die militärische Vorherrschaft erringen.