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Für die Entwicklung des Waffenplatzes Thun dürfte die mit der neuen Verfassung verbundene Erweiterung der Bundeskompetenzen im Militärwesen die folgenreichsten Konsequenzen der vergangenen 200 Jahre gehabt haben. Indem die Kantone ihre Kompetenzen im militärischen Bereich an den Bund abtraten, wurde dieser allein für Aufgebot und Ausbildung der Truppen verantwortlich. Die Revision brachte erneut eine Verlängerung der Ausbildungszeiten und damit eine intensivere Belegung des Waffenplatzes mit sich. Verstärkt wurde dieser Effekt dadurch, dass die Spezialtruppen (Genie, Kavallerie, Artillerie), deren Kader alle in Thun ausgebildet wurden, eine im Vergleich zu den übrigen Truppen überproportionale Vergrösserung erfuhren.17 Mit dem Bau der Offizierskaserne in den Jahren 1895–1897 trug der Bund dieser Entwicklung Rechnung. Auch für die Rüstung war er nun allein zuständig. Das bescherte Thun weitere Ausbauten der eidgenössischen Betriebe. Bereits 1874 wurde das Feuerwerk-Laboratorium aufgewertet und zur Munitionsfabrik ausgebaut. Gleiches geschah mit der mechanischen Werkstätte, die zur eidgenössischen Konstruktionswerkstätte wurde. In diese Zeit fallen auch Investitionen in die Pferderegieanstalt, die mit dem Bau der Anlagen im Schwäbis und der Regiebrücke 1882 einen ersten Höhepunkt erreichten. Der Bund hatte die Anlagen vorerst nur von der Burgergemeinde gemietet; 1886 kaufte er das Areal und 1890–1893 entstanden die Neubauten der Regieanstalt nördlich der Aare.18
Eng mit der Regieanstalt verbunden ist der Concours Hippique von Thun. Der damalige Direktor der Anstalt liess ihn erstmals im Juli 1916 durchführen, um Reiter und Bereiter wettkampfmässig zu schulen. Fotografie, um 1940.
Dank der Armee kam Thun relativ früh zu einem Telefonnetz: Für das Militärdepartement richtete die eidgenössische Telegrafenverwaltung 1884 eine Telefonverbindung zwischen den Militäranstalten und der Zentralverwaltung in Bern ein, an die man in der Folge ein öffentliches Netz für die Stadt Thun anschloss.19 Der Artillerie-Schiessplatz wurde 1881 durch den Erwerb des Hasliholzes erweitert und 1893 durch einen Bundesbeschluss zur Artillerie-Versuchsstation erhoben. Diese arbeitete eng mit der Munitionsfabrik zusammen. Vorerst war sie im Zeughaus untergebracht; 1896 erhielt sie ihr erstes eigenes Gebäude, dem bald weitere folgten.20
Die Jahrzehnte vor dem Ersten Weltkrieg waren von grossen Rüstungsanstrengungen gekennzeichnet. Das neue Bundesgesetz über die Militärorganisation aus dem Jahr 1907 verstärkte diese Entwicklung noch, denn es brachte eine Erhöhung der Militärausgaben um rund 15 Prozent.21
Soldaten beim Stellungsbezug mit Artillerie, Oktober 1906. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts rüstete die Armee massiv auf. Diese Fotografie entstand anlässlich von Schiessversuchen in Thun.
Aufgenommen hat sie ein Fotograf der Friedrich Krupp AG in Essen, deren Kanonen hier getestet wurden.
Die Ausdehnung des Waffenplatzes, 1907. Rot markiert ist das Gebiet der Eidgenossenschaft, gelb sind die Parzellen von Besitzern, mit denen der Bund Servitutsverträge abgeschlossen hat. Diese Grundstücke gehören zum Aktionsradius der Armee. Zusätzlich sind die Schusslinien der Artillerie eingezeichnet.