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Die CSS Gesundheitsstudie untersucht seit 2020 wie es der Schweizer Bevölkerung geht. Sie wird vom Forschungsinstitut Sotomo durchgeführt. Befragt wurden 2’432 Personen in der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz. Die untersuchten Altersgruppen gliedern sich in junge Erwachsene (18 - 35 Jahre alt), Erwachsene (36 - 65 Jahre alt) und Seniorinnen und Senioren (über 65 Jahre alt).
Rund die Hälfte der Senioren/-innen fühlt sich gesundheitlich angeschlagen
Die CSS Gesundheitsstudie zeigt, dass es den Schweizerinnen und Schweizern im Vergleich zum Beginn der Pandemie gesundheitlich schlechter geht: Im März 2020 gaben 22 Prozent der Befragten an, sich nicht ganz gesund zu fühlen. 2023 ist dieser Anteil auf 34 Prozent gestiegen. Auffällig ist die Zunahme bei den Senioren/-innen: von 30 Prozent im Jahr 2020 ist der Anteil auf 46 Prozent in diesem Jahr angestiegen. Vor und während der Pandemie lag die Zahl der Krankheitstage der Senioren/-innen bei 2,6 pro Jahr und damit deutlich unter dem Durchschnitt von 3,8. Im Jahr der verstärkten Corona-Massnahmen (2021) sank der Wert der Senioren/-innen auf 2,2 Tage und stieg 2023 an auf mehr als das Doppelte mit 4,5 Tage.
Erschöpfte Nation
Mehr als zwei Drittel der sich krank fühlenden Personen gaben an, dass sie oft an Müdigkeit und Erschöpfung (68%) litten. Es ist dabei nicht ausgeschlossen, dass die Erschöpfung auch auf Covid-Erkrankungen zurückzuführen ist. Häufig genannt werden zudem Schmerzen (48%), Infektionskrankheiten (41%) sowie Stress (40%). Die angeschlagene Gesundheit wirkt sich auch auf den Alltag aus: Betroffene leiden an Schlafproblemen und Bewegungsmangel, reduzieren gar ihr Sozialleben und leiden unter angespannten Beziehungen.
Engpässe bei Medikamenten
Gut die Hälfte der Bevölkerung benötigte im vergangenen Jahr Medikamente. 37 Prozent von ihnen waren von Lieferschwierigkeiten bei Medikamenten betroffen. Die meisten konnten gleichwertige Alternativen finden. Bei 7 Prozent der Personen mit Medikamentenbedarf wirkten sich die Lieferschwierigkeiten hingegen negativ auf die Behandlung aus.
Psychisches Wohlbefinden bei Frauen zwischen 41 und 50 Jahren am schlechtesten
Die mentale Gesundheit ist eine grosse Herausforderung für die Schweiz: Während es 2021 noch knapp drei Viertel der Bevölkerung immer oder meistens gut ging, sind es 2023 nur noch gut zwei Drittel. Immer noch geht es den jungen Erwachsenen schlechter als der übrigen Bevölkerung. Allerdings zeigt sich eine leichte Aufhellung der Stimmung: Der Anteil der jungen Erwachsenen, denen es psychisch gut geht, ist von 57 auf 60 Prozent gestiegen. Eine anhaltende negative Tendenz zeigt sich dagegen bei den Erwachsenen: Seit 2021 ist der Anteil der mental ganz Gesunden von 75 auf 67 Prozent gesunken. Am schlechtesten ist die mentale Stimmung bei Frauen zwischen 41 und 50 Jahren. Es ist das Lebensalter, in dem sich beruflicher und familiärer Stress oft vermischen. Psychisch am robustesten zeigen sich weiterhin die Senioren/-innen.
Senioren/-innen behalten psychische Probleme eher für sich
Von fünf Befragten wenden sich zwei (39%) an niemanden, wenn es ihnen psychisch nicht gut geht. Es sind vor allem ältere Menschen, die sich ausschweigen, während es jüngeren leichter fällt, über Probleme zusprechen. Dies steht im Kontrast zum Umgang mit psychischen Problemen am Arbeitsplatz. 40 Prozent der jungen Erwachsenen sind schon einmal aufgrund ihres psychischen Befindens von der Arbeit ferngeblieben, bei den Erwachsenen sind es deutlich weniger mit 23 Prozent. Von allen Befragten haben nur 45 Prozent die Gründe für das Fernbleiben von der Arbeit offen kommuniziert, 40 Prozent haben einen anderen Grund vorgeschoben, der Rest hat keinen Grund genannt. Junge Erwachsene schieben mit 51 Prozent besonders häufig einen falschen Grund vor. Womöglich, weil psychische Erkrankungen mit verminderter Leistungsfähigkeit assoziiert werden.
Junge Erwachsene haben Mühe, professionelle Unterstützung zu finden
38 Prozent derjenigen, denen es psychisch nicht gut geht, gaben an, professionelle Hilfe in Anspruch genommen zu haben. Eine Mehrheit von 62 Prozent holt sich in dieser Situation jedoch keine Unterstützung durch einen Psychiater/-in oder einen Psychologen/-in. Allerdings finden nicht alle, die professionelle Hilfe suchen auch die benötigte Unterstützung. Für knapp die Hälfte der Befragten gestaltete sich dies schwierig.
Besonders junge Erwachsene, denen es ohnehin öfter schlecht geht, haben eher Mühe, professionelle Unterstützung zu erhalten. Auch für Personen, die sich in einer akuten psychischen Krise befinden, gestaltet sich die Suche nach einem Therapieplatz schwieriger.
Mehr Flexibilität bei der Arbeit reduziert Stress
Wie wirkt sich die Arbeit auf unser psychisches Wohlbefinden aus? Eine grosse Mehrheit der Schweizer Bevölkerung (70 Prozent) erachtet eine psychische Erkrankung aufgrund von Leistungsstress als Gefahr für die Gesundheit. Entgegen der Annahme, dass die räumliche und zeitliche Flexibilisierung der Arbeitswelt zu mehr Druck führt, beurteilen drei von vier berufstätigen Befragten die Flexibilisierung bei der Arbeit als positiv. Sie wirkt entlastend: Die Arbeit lässt sich an die eigene Tagesform und an private Angelegenheiten anpassen. Diese positive Wahrnehmung ist bei Frauen, die auch heute noch mehr Care-Arbeit übernehmen, etwas stärker verbreitet als bei den Männern.
Lebensqualität ist wichtiger als ein langes Leben
Wenn sich die Bevölkerung zwischen einem langen, einem erfüllten oder einem gesunden Leben entscheiden müsste, würden sich nur für 2 Prozent für ein langes Leben entscheiden. Für 54 Prozent steht ein erfülltes Leben an erster Stelle, für 44 Prozent ist es die Gesundheit. Für Senioren/-innen ist die Gesundheit im Vergleich zur Erfülltheit wichtiger. Interessanterweise betrachten auch Personen, die (eher) krank sind, ein erfülltes Leben als den wichtigsten Aspekt ihrer Lebenszeit.
Grosse Vorbehalte gegenüber einer Monetarisierung der Lebenszeit
Die rasante Entwicklung von innovativen Medikamenten hat dazu geführt, dass viele Patientinnen und Patienten, die einst als unheilbar krank galten, heute eine Chance auf Heilung oder zumindest eine Verlängerung ihrer Lebenszeit haben. Doch diese Fortschritte in der Medizin bringen auch ethische und finanzielle Herausforderungen mit sich. 45 Prozent der Befragten wollten kein Urteil darüber abgeben, welcher maximale Preis für lebensverlängernde Medikamente pro Jahr angemessen ist. 71 Prozent, die sich zu dieser Frage äussern, sind der Ansicht: Lebensverlängernde Medikamente dürfen die Prämien um höchstens zusätzlich 40 Franken pro Monat verteuern.