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Wie würde Jesus abstimmen? Im zweiten Teil unseres Experiments betrachten wir die «Heiratsstrafe»-Initiative der CVP. Der Basler Theologe Moises Mayordomo klärt wieder auf.
Aus purer Nachlässigkeit ging bei unserer sonntäglichen Spielerei, das Abstimmungsverhalten von Jesus Christus zu erörtern, die Heiratsstrafe-Initiative der CVP vergessen. Moises Mayordomo, Professor für Neues Testament an der Uni Basel, hat sich nochmals für uns hingesetzt, die Bibel auf belastbare Aussagen abgeklopft und diese mit dem historischen Wissen über jene Epoche verknüpft.
Da die Initiative zwei Dinge will – einerseits eine steuerliche Entlastung für einige Tausend gut verdienende Ehepaare, anderseits die Festschreibung der Ehe als Bündnis zwischen Mann und Frau – gliedert sich seine Antwort in zwei Teile:
Steht Jesus hinter der «Heiratsstrafe»-Initiative der CVP?
«Beim Thema Steuern war Jesus relativ laid back. Die Äusserungen, die er dazu macht, lassen darauf schliessen, dass es ein notwendiges Übel war. (Wobei in der Antike Steuern, zumal die an Rom zu entrichtenden, etwas anderes waren als unser Steuersystem, das bis zu einem gewissen Grad auch noch eine Mitsprache im Hinblick auf die Ausgaben ermöglicht.) Ob man gut verdienende Ehepaare gegenüber Konkubinatspaaren steuerlich entlasten sollte, ist (mal wieder) aus der Sicht Jesu beinahe unbeantwortbar. Generell hatte er nichts dagegen, wenn Bessergestellte einen substanziellen Beitrag für die Gesellschaft leisten.
«Von daher: eher nein.»
Besteht er auf der Ehe als Lebensgemeinschaft zwischen Mann und Frau?
«Die Definition der Ehe als Lebensgemeinschaft zwischen Mann und Frau ist sowohl in den jüdischen, in den römischen und in den späteren christlichen Vorstellungen einer Ehe natürlich fest verankert. Das hatte im Wesentlichen mit der Zeugung legitimer Erben und damit dem Erhalt der ethnischen und städtischen Identitäten zu tun.
Aus diesem kulturellen Zusammenhang ist es natürlich nicht ganz einfach, Jesus einfach herauszunehmen. Andererseits hat er Ehe und Familie nicht als absolute Werte anerkannt und hat viele seiner Schüler und Schülerinnen aus dem engen familiären Zusammenhang (und damit auch aus der legalen Macht des pater familias) herausgerissen.
Dass heute dank einer ganz anderen Form von Kinderplanung (Verhütung, künstliche Befruchtung, in vitro usw.) die Ehe grundsätzlich von dem Anspruch der Zeugung legitimer Erben/Kinder entkoppelt werden kann, ist eine so starke Veränderung der sozialen Wirklichkeiten, dass ich eine Aussage über die Meinung eines galiläischen Wanderpropheten aus dem 1. Jahrhundert dazu schlicht nicht machen kann.
«Daher: keine Antwort zur impliziten Ehefrage.»
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Antworten gibt es dafür zu den restlichen Abstimmungen vom 28. Februar 2016 und zwar hier: So würde Jesus stimmen.