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Die Schweiz verfügt über eine hervorragende Trinkwasserqualität. Rund 70% der Haushalte sind aber von hartem Wasser betroffen und lassen sich eine Entkalkungsanlage in ihrem Einfamilienhaus installieren, weil rund 98% des konsumierten Wassers nicht zum Trinken, sondern für technische Zwecke verwendet werden. Doch was bringt der Einbau einer Wasserenthärtungsanlage?
Das Wasser, das von der örtlichen Wasserversorgung angeliefert wird, enthält je nach Herkunft und Bodenbeschaffenheit mehr oder weniger Kalk. In den Alpen ist das Wasser eher weicher, im Jura und Mittelland eher hart bis sehr hart. In der Schweiz werden die verschiedenen Härtebereiche in Grad französischer Härte (°fH) gemessen und in verschiedene Härtebereiche unterteilt:
• Weiches Wasser 0° – 15°fH
• Mittelhartes Wasser 15° – 25°fH
• Hartes Wasser > 25°fH
Die Rohwasserhärte kann in einigen Gemeinden weit über 50°fH liegen, was einer Menge von über 500 Gramm Kalk pro m3 entspricht. In einem 4-köpfigen Haushalt mit einem jährlichen Wasserverbrauch von ca. 200 m3 kommen so jährlich über 100 kg Kalk zusammen, der mit dem Wasser in den Leitungen mittransportiert wird und Schäden anrichten kann.
Kalk ist zwar für den menschlichen Organismus wichtig, allerdings wird die Bedeutung im Trinkwasser massiv überschätzt. Kein Mensch in einem Gebiet mit natürlich weichem Wasser hat eine Mangelerscheinung aufgrund des fehlenden Kalks. Wir nehmen nämlich meistens bereits genügend Kalk über unsere Nahrung auf, sodass im Trinkwasser keine grossen Mengen Kalk notwendig sind. Sanitäre Installationen und teure Haushaltgeräte hingegen können durch hohe Kalkmengen beschädigt werden, was Reparaturen und teure Unterhaltskosten, aber auch einen höheren Energiebedarf bewirkt. Mit zunehmender Wasserhärte (ab ca. 20 französischen Härtegraden) trägt eine Entkalkungsanlage dazu bei, den Stromverbrauch von Boilern zu senken (und deren Entkalkungsintervalle zu verlängern), den Verbrauch von Wasch- und Reinigungsmitteln zu reduzieren und die Lebensdauer von technischen Geräten, Waschmaschinen, Geschirrspülern etc. zu verlängern. Wichtig ist jedoch eine fachmännische Installation und eine regelmässige Wartung durch Fachpersonal, um einen sicheren und hygienisch einwandfreien Betrieb der Entkalkungsanlage sicherzustellen.
Heutzutage werden auf dem Markt vorwiegend zwei Verfahren angeboten: Wasserenthärtung durch Ionenaustausch oder physikalische Verfahren. Das am häufigsten verwendete Verfahren zur Enthärtung des Wassers ist der Ionenaustausch. Beim Ionenaustausch durchfliesst das harte, kalkhaltige Wasser ein in einer Druckflasche befindliches Filterbett aus Harzkügelchen, die mit Natriumionen angereichert sind. Die im Wasser enthaltenen Calcium- und Magnesiumionen werden vom Harz aufgenommen. Natriumionen werden im Massstab 1:1 (deshalb die Bezeichnung Ionenaustausch) an das Wasser abgegeben. Sobald die Aufnahmekapazität des Harzbetts erschöpft ist, wird das Harz bzw. die Anlage regeneriert, d.h. das Harz wird mit einer schwachen Kochsalzlösung durchgespült und so wieder mit Natrium angereichert. Die aufgenommenen Härtebildner Calcium und Magnesium werden bei der Regeneration automatisch mit dem Spülwasser ins Abwasser geleitet. Eine Regeneration der Enthärtungsanlage wird vom SVGW (Schweiz. Verein des Gas- und Wasserfachs) mindestens 1x pro Woche vorgeschrieben, besser sind aus hygienischer Sicht allerdings kürzere Regenerierintervalle von max. 4 Tagen, wie sie von manchen Herstellern befolgt werden. Geräte mit kürzeren Regenerierintervallen verfügen über intelligente Steuerungen oder sind als Doppelanlagen aufgebaut, was zwar den Anschaffungspreis erhöht, für den Konsumenten aber eine bessere Wasserqualität und mehr hygienische Sicherheit bedeutet.
Während die Wirksamkeit von Entkalkungsanlagen auf Basis des Ionenaustauschs in der Fachwelt weitherum akzeptiert ist, sind Geräte zum physikalischem Kalkschutz immer noch sehr umstritten. Die physikalische Verhütung einer Kalksteinbildung basiert auf elektronischen, magnetischen, elektromagnetischen oder elektrochemischen Prozessen. Fast alle physikalischen Verfahren haben das Manko, dass ihre Wirksamkeit wissenschaftlich bisher nicht bewiesen ist und der Grund für die propagierte Wirksamkeit häufig auch von den Herstellern nicht zweifelsfrei erklärt werden kann. In jedem Fall wird mit einem physikalischen Gerät das Wasser nicht weich, da der Kalk ja – wie von diesen Herstellern oft als Vorteil gegenüber dem Ionenaustausch propagiert wird – im Wasser verbleibt. Im besten Fall erfolgt eine Umwandlung der Kalkstruktur, so dass die Kalkausscheidung und die Fleckenbildung im Optimalfall reduziert werden. Eine solche Wirksamkeit wird durch ein DVWG-Prüfzeichen bestätigt (Achtung: ein Prüfzeichen des SVGW ist keine Bestätigung für die Wirksamkeit des Geräts).
Der SVGW und der Fachverband aqua suisse empfehlen deshalb, vorsichtig zu sein und raten dringend, sich beim Kauf solcher Anlagen vertraglich auf deren Wirksamkeit abzusichern. Auch die Fachhochschule Rapperswil hat vor ein paar Jahren mit umfangreichen Tests die meist fehlende Wirksamkeit solcher Geräte bestätigt (Factsheet Physikalische Wasserbehandlungsgeräte).
Auf der einen Seite stehen die Kosten für eine fertig montierte Anlage, die im Einfamilienhaus je nach Gerätetyp im niedrigen bis mittleren 4-stelligen Bereich liegt. Auf der anderen Seite erzielt man Einsparungen beim Energieverbrauch sowie beim Unterhalt von Geräten wie Boiler, Waschmaschinen und Geschirrspüler etc. Und natürlich steigt der Komfort: Dieser zeigt sich beispielsweise bei weicherer Wäsche, seidenweichen Haaren, weniger Hautirritationen, einem wohligen Gefühl beim Duschen und Baden oder dadurch, dass Tee und Kaffee wesentlich geschmacksintensiver werden.