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um 840 , 6.4.912, aus einem in der Gegend von Jonschwil ansässigen Geschlecht. Um 858 in die Abtei St. Gallen eingetreten, war N. hier Schüler von Iso und Marcellus. Gemäss den "Casus sancti Galli" Ekkehards IV. war er mit Tuotilo und Ratpert freundschaftlich verbunden. Er versah im Kloster versch. Funktionen; seine eigentl. Berufung war die eines Lehrers. Sein Wirken trug zur Blüte des Klosters bei. Um 1215 schrieb ein Anonymus eine teils auf Ekkehard beruhende, teils fabulöse Vita. Sie diente dem Versuch, N. kanonisieren zu lassen, was aber misslang; 1513 wurde er immerhin selig gesprochen. N. bereicherte die liturg. Dichtung durch seinen "Liber ymnorum", eine Sammlung von rund 50 Sequenzen, Messgesängen für die wichtigsten Feste des Kirchenjahres; mindestens 40 der ihm zugeschriebenen Stücke dürften authentisch sein. Mit seinen wortmächtigen Dichtungen, die in ihrer Form der Psalmodik nahestehen, folgte N. meist bereits vorhandenen, v.a. aus dem westfränk. Raum stammenden Melodien. Bei ihm gelangte die Sequenz älteren Stils zu voller Entfaltung; einzelne Stücke wie z.B. die Pfingstsequenz fanden jahrhundertelang weite Verbreitung.
Ferner schuf N. vier Gedichte auf den hl. Stephanus und ein Begrüssungslied für einen König. In Form eines Prosimetrums, d.h. im Wechsel von Prosa- und Gedichtstücken, stellte er gemeinsam mit zwei jüngeren Mitbrüdern das Leben des hl. Gallus dar ("Metrum de vita sancti Galli", nur fragmentarisch erhalten). Komplexen Charakters ist das "Formelbuch", das N. für seinen einstigen Schüler Bf. Salomo III. von Konstanz, zugleich auch Abt von St. Gallen, zusammengestellt hat. Seinen (modernen) Namen verdankt es der Sammlung von Mustertexten für Urkunden und Briefe einer geistl. Kanzlei, die es enthält. Hinzu kommt die "Notatio de viris illustribus", ein auch gesondert überlieferter christl. Lektüreplan in Form eines zweiteiligen Lehrbriefs an Salomo mit kurzgefassten Bewertungen von Autoren und Texten. Ausserdem beinhaltet die Sammlung persönl. Prosabriefe und Briefgedichte. In seinen "Gesta Karoli Magni Imperatoris" zeigt sich N. als lebendiger Erzähler; auf Grund ihm zugetragener Geschichten zeichnet er ein Charakterbild Karls des Grossen. Eine breit angelegte, gelehrte Kompilationsarbeit ist sein nur unvollständig tradiertes "Martyrologium", das v.a. den hist. Martyrologien des Hrabanus Maurus und Ados von Vienne verpflichtet ist. In seinem Brief an einen Lantbertus erläutert N. den Gebrauch von Buchstaben zur Charakterisierung der Vortragsweise von Melodien.
Literatur
– W. von den Steinen, Notker der Dichter und seine geistige Welt, 2 Bde., 1948
– VL 6, 1187-1210
– R. Schaab, Mönch in Sankt Gallen, 2003
Autorin/Autor: Peter Stotz