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Der Dialog und die Bewegungslehre
Der "Dialog über die beiden hauptsächlichsten Weltsysteme ..." (Link verlässt diese Seite) ist vor allem ein hervorragendes Werk über Astronomie und – gemäss heutigen Kenntnissen – auch über Astrophysik.
Gespräche und Experimente betreffend zwei neue Wissenschaften
Am Schluss des Vierten Tages des Dialogs (IV 61) kündigt Salviati die bevorstehende Veröffentlichung einer neuen Wissenschaft "unseres Akademikers" [Galilei] an, in der von den natürlichen und widernatürlichen Bewegungen die Rede sein werde. Es handelt sich dabei um Galileis Werk "Discorsi e dimostrazioni intorno a due nuove scienze" (Gespräche und Experimente betreffend zwei neue Wissenschaften), das im Jahr 1638 in Leiden erschien. Diesem letzten Werk hat Galilei seine jahrzehntelangen Studien auf dem Gebiet der Mechanik anvertraut. Allerdings hatte er bereits im "Dialog über die beiden hauptsächlichsten Weltsysteme ..." die wichtigsten Forschungsresultate veröffentlicht, nämlich diejenigen über die schiefe (auch 'geneigte') Ebene und den Fall von Körpern.
Das Gesetz der schiefen Ebene
Die Fallzeiten ab gleicher Höhe längs zwei schiefen Ebenen sind proportional zur Länge dieser Ebenen. Das Gesetz der schiefen Ebene kommt im dritten Theorem über die beschleunigte Bewegung wieder vor; es ist im Dritten Tag der Discorsi enthalten. "Wenn längs einer geneigten Ebene, sowie längs der Senkrechten gleicher Höhe ein und derselbe Körper sich aus der Ruhelage bewegt, so verhalten sich die beiden Fallzeiten zu einander wie die Länge der geneigten Ebene zur Länge der Senkrechten (oder wie die Weglängen)" (Galilei, Galileo. Opere VIII 215-6).
Der Beweis wird von Galilei am Dritten Tag der Discorsi präziser dargelegt, und zwar in den Erläuterungen zum Problem IX:
"Nehmen wir das Dreieck ABC, in welchem die der Basis BC parallelen Linien die den wachsenden Zeiten entsprechenden Geschwindigkeitengrade darstellen, so sind dieselben ihrer Zahl nach unendlich, wie die Punkte der Geraden AC, entsprechend den Momenten zu irgendwelchen Zeiten. Sie füllen das Dreieck aus, wenn wir annehmen, dass die Bewegung um eine ebenso lange Zeit fortgesetzt werde wie vorher, allerdings nicht mehr beschleunigt sondern gleichförmig mit einem Wert, der dem durch BC dargestellten Maximum entspricht."
(Galilei, Galileo. Opere VIII 243; Discorsi, ed. Carugo, Torino 1958, S. 248–249)
Galileis Mechanik konnte sich auf ein bemerkenswertes Erbe aus dem 16. Jahrhundert stützen, das heute – völlig zu Unrecht – in Vergessenheit geraten ist.
Autoren die noch hie und da im Gespräch sind, wie
- Alessandro Piccolomini
- Niccolò Tartaglia
- Giovan Battista Benedetti
- Francesco Maurolico
- Bernardino Baldi
- Guidubaldo dal Monte
Zu den vergessenen Autoren, die Galilei beeinflussten, gehören
- Michael Varro (1542–1586) mit dem in Genf 1584 edierten Werk "De motu tractatus" und
- Francesco Buonamici (1533–1603), der in Pisa Galileis Professor für Naturphilosophie war. Buonamici publizierte 1591 in Florenz ebenfalls eine Schrift mit dem Titel De motu tractatus.