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Die Rennen in Lake Louise gehören nicht zur Spezialität der Tessinerin. Im Super-G konnte sie zwar 2013 und 2014 triumphieren, mit dem sechsten Platz hat sie letztes Wochenende aber ihr bisher bestes Abfahrts-Resultat erreicht. Mit den Rängen sechs, sieben und acht fuhr die Tessinerin ausserdem sehr konstant. In früheren Jahren waren ihre Leistungen jeweils von grossen Schwankungen geprägt.
Mit dem Sieg in Aspen und ihrem vierten Platz in Sölden ist Lara Gut die Rückkehr an die Riesenslalom-Spitze gelungen. Sie hat in dieser Disziplin bereits jetzt mehr als doppelt so viele Punkte gewonnen als letzte Saison. Überhaupt ist die 24-Jährige noch nie besser in eine Riesenslalom-Saison gestartet. Selbst im Winter 2013/14, als sie den vierten Schlussrang in der Disziplinenwertung erreichte, hatte sie nach den ersten beiden Rennen 50 Punkte weniger auf dem Konto. Bemerkenswert ist ausserdem, dass die Schweizerin erstmals seit vier Jahren in keinem der beiden ersten Riesenslaloms ausgeschieden ist.
Man mag sich vielleicht noch erinnern: Als Lara Gut letztes Jahr bei Olympia in Sotschi durchs Ziel fuhr und nur die zweitbeste Zeit aufleuchtete, schüttelte sie frustriert den Kopf und verwarf die Hände. Sich über tolle Klassierungen aufzuregen, weil die Fahrt nicht perfekt ist, zeigt ihren unbändigen Ehrgeiz. Dieser wird ihr im Kampf um die entscheidenden Punkte eine grosse Hilfe sein. Ausserdem war sie ihn der Saison 2013/14 mit dem dritten Rang schon einmal nahe am Gewinn des Gesamtweltcups und will den Sieg nun unbedingt,
Mit Anna Fenninger und Tina Maze fehlen die Dominatorinnen der letzten Saison. Damals lieferten sich die Österreicherin und die Slowenin bis zum Schluss ein packendes Duell um den Gesamtweltcup. Der drittplatzierten Lindsey Vonn fehlten fast 500 Punkte auf das Spitzenduo. Fenningers schwerer Sturz, bei dem sie sich das vordere Kreuzband, das innere Seitenband und die Patellasehne gerissen hat und Tina Mazes Sabbatjahr könnten sich also als Glücksfall für Lara Gut erweisen. Denn man muss sich fragen: Wenn nicht jetzt, wann sollte sich die Schweizerin die grosse Kugel dann sichern?
In den technischen Disziplinen ist die Ausfallquote deutlich höher als in den Speedrennen. Dass auch Topfahrerinnen im Slalom und Riesenslalom nicht vor Ausfällen gefeit sind, zeigte Michaela Shiffrin in Aspen. Die Amerikanerin rutschte im drittletzten Tor aus und Lara Gut gewann das Rennen. Weitere Nuller kann sich die Amerikanerin in einem engen Kampf nicht leisten.
Lindsey Vonns Leidensgeschichte begann am 5. Februar 2008 an der WM in Schladming. Die Amerikanerin stürzte im Super G, als sie einen Sprung nicht richtig landen konnte. Dabei zog sich die Amerikanerin diverse Verletzungen im rechten Knie und Schienbein zu. Die Rehabilitation verlief zwar besser als erwartet, doch bereits im November des gleichen Jahres stürzte sie im Training von Copper Mountain erneut und erleidet einen Teilabriss des Kreuzbandes. Trotzdem setzte die 31-Jährige die Saison vorerst fort und verschob eine Operation. Bei einer neuerlichen Untersuchung zeigte sich im Dezember allerdings, dass das Kreuzband doch ganz durchgerissen war. Die Speed-Queen musste sich erneut einer Operation unterziehen und gab Forfait für die Olympischen Spiele in Sotschi.
In der Saison 2014/15 stürzte sie zwar einige Male, blieb jedoch immer unverletzt. In diesem Sommer dann aber die nächste Verletzung: Im Training in Neuseeland zieht sich Vonn einen Knöchelbruch zu und musste zehn Wochen pausieren. Anfang November wurde sie zudem von ihrem Hund gebissen und am Daumen operiert.
Um im Kampf um die grosse Kugel den einen oder anderen wichtigen Punkt zu holen, kann Lara Gut auch im Slalom antreten. Dass sie durchaus in der Lage ist, im Stangenwald zu punkten, bewies die Tessinerin vor sechs Jahren ausgerechnet in Are mit einem 14. Platz. Am Sonntag steht ein Start an gleicher Stätte für die 24-Jährige allerdings nicht zur Debatte. Sie tritt nur im Riesenslalom an. Gute Slalom-Künste sind diese Saison umso wichtiger, da es auch in der Super Kombination insgesamt 400 Punkte zu gewinnen gibt.
Zum Abschluss dieses Winters gastiert der Skitross zuerst in der Lenzerheide und für den Weltcupfinal in St. Moritz. Zwei Heimrennen also, bei denen das Publikum Lara Gut zu entscheidenden Siegen tragen könnte. In St. Moritz lancierte die Schweizerin ihre Karriere einst so richtig. Hier holte sie sich ihren ersten Podestplatz und ihren ersten Sieg im Weltcup. Unvergessen bleibt der Super-G von 2008: Damals lag sie lange in Führung, stürzte kurz vor Schluss – und rutschte dennoch als Dritte ins Ziel.
Auch an die Lenzerheide dürfte die 24-Jährige gute Erinnerungen haben. Als der Skizirkus 2014 letztmals dort gastierte, gewann sie sowohl den Super-G als auch die Abfahrt.
Vor einem Jahr sorgte er für «die geilste Geschichte des Winters» wie er selbst sagt. Und natürlich ging es um Corona. Nun wurde Manuel Feller selbst positiv getestet und verpasst den Slalom am Samstag in Kitzbühel.