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Bringt Gesundheitsförderung im Alter mehr Gesundheit?
Bis zum Jahr 2060 wird ein Drittel der Schweizerischen Bevölkerung über 65 Jahre alt sein. Um möglichst lange selbstständig zu bleiben und zu Hause wohnen zu können, ist eine gute Gesundheit entscheidend. Doch bringt eine gesunde Lebensweise im Alter tatsächlich mehr Gesundheit und vielleicht sogar mehr Lebensjahre?
Von Prof. Dr. Katharina Meyer*
Der Beweis wurde letztes Jahr durch eine internationale Studie**) erbracht, an der auch die Schweiz beteiligt war. Und zwar über folgenden Weg: Mehr als 2000 selbständig zu Hause lebende Personen im Alter über 65 Jahre wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Gruppe 1 erhielt die übliche medizinische Betreuung, Gruppe 2 neben dieser Betreuung zusätzlich ein neuartiges Beratungsprogramm.
Die Personen erhielten einen Fragebogen, in dem sie ausführlich über ihre Gesundheit bzw. ihre Einschränkungen und ihr Gesundheitsverhalten Auskunft gaben. Diese Angaben ermöglichten die Erstellung eines individuellen Gesundheitsprofils, das dem Hausarzt übermittelt wurde. Anschliessend erfolgte eine persönliche Gesundheitsberatung durch eine Pflegefachkraft. Ziel des Gespräches war, dem älteren Menschen notwendige Änderungen seines Gesundheitsverhaltens und der Gesundheitsvorsorge aufzuzeigen und ihn auf freiwilliger Basis zur Umsetzung zu bewegen. Eine Pflegekraft unterstützte die Umsetzung, am Anfang, nach 6 Monaten und später bei Bedarf. Was war das Ergebnis der Bemühungen?
Bereits nach zwei Jahren konnte für Personen in der Gruppe 2 nachgewiesen werden, dass sie körperlich aktiver waren, sich ausgewogener ernährten und auch häufiger an umfassenden Gesundheitsvorsorge-Massnahmen teilnahmen. All dies war in der Gruppe 1 deutlich weniger ausgeprägt. Nach acht Jahren Beobachtungszeit zeigte sich die Ernte: Der Gesundheitszustand in Gruppe 2 war in eindrücklicher Weise besser als in Gruppe 1. Zudem wurde berechnet, dass unter 21 gesundheitsbewusst lebenden Personen ein Todesfall vermieden werden konnte.
Bessere Gesundheit, längere Lebenszeit
Was unterschied die Gruppen im Detail? Bezüglich des Gesundheitsverhalten bewegten sich Personen der Gruppe 2 deutlich häufiger 30 Minuten pro Tag in mittlerer bis höherer Intensität. Sie assen überdies täglich durchschnittlich häufiger zwei Portionen Obst, Gemüse und faserreiche Nahrungsmittel bzw. weniger als zwei Portionen fettreiche Kost, und sie tranken häufiger keinen oder nur ein Glas Alkohol pro Tag. Ferner benutzten sie beim Autofahren häufiger als Gruppe 1 immer den Sicherheitsgurt.
Was die Gesundheitsvorsorge betrifft, liessen in Gruppe 2 mehr Personen regelmässig ihren Blutdruck und Blutzucker kontrollieren, nahmen häufiger an der Grippeimpfung im letzten Jahr teil und folgten häufiger einer Impfung gegen Bakterien, die eine Lungenentzündung auslösen können.
Während in der Gruppe 1 in den acht Jahren Beobachtungszeit 171 Personen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen (koronare Herzkrankheit, Bluthochdruckbedingte Erkrankungen und Schlaganfall) verstarben, waren dies nur etwa halb so viele in der gesundheitsbewusst lebenden Gruppe. Auch starben hier wesentlich weniger Personen an Krebs, Atemwegserkrankungen, Magendarmerkrankungen oder gynäkologischen Krankheiten. Das sind ermutigende Ergebnisse!
Fangen auch Sie an - es lohnt sich!
Das oben beschriebene Gesundheitsprofil-Verfahren ist derzeit noch nicht für die breite Bevölkerung zugänglich. Jedoch finden Sie bei Pro Senectute ähnliche Angebote unter Stichworten wie beispielsweise «gesund altern», «gesund im Alter» oder «zwaeg is alter». Auch kantonale Gesundheitsdepartemente bieten über ihre Abteilungen für Gesundheitsförderung und Prävention immer häufiger spezifische Aktivitäten zur Gesundheitsförderung im Alter an. Im Kanton Bern zum Beispiel unter www.zwaeginsalter.ch oder im Kanton Baselstadt unter www.gesundheit.bs.ch/ueber-uns/programme/alter-gesundheit.
Suchen Sie Unterstützung? Dann schauen Sie sich in Ihrem Kanton um!
**) Andreas Stuck et al. Effects of health risk assessment and counselling on health behaviour and survival in older people. PLOS Medicine 12 (10), 2015
*Prof. Dr. Katharina Meyer ist Gesundheitswissenschaftlerin und Belastungsphysiologin mit grosser Erfahrung im Bereich Gesunderhaltung und Krankheitsbewältigung im Alter. Hierin unterstützt sie unter anderem auch Privatpersonen. Mehr Information unter cardiodyn.ch/begleitungen