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15.05.2020 - Wie wirken sich die Massnahmen, die gegen die Coronavirus-Pandemie ergriffen worden sind, auf die Umwelt in der Schweiz aus? Und welche Massnahmen müssen wegen der Krise im Umweltbereich ergriffen werden? Die Auswirkungen und Folgen sind schwierig festzustellen, da sehr viele verschiedene Einflüsse auf die Umwelt wirken.
Diese Auswirkungen sind nicht auf umweltpolitische Massnahmen zurückzuführen, sondern auf diese Krise mit ihren enormen wirtschaftlichen und sozialen Folgen. Das BAFU stellt hier – nach Themen geordnet – die Auswirkungen dieser Krise auf die Umwelt mit Informationen und Daten sowie die Massnahmen, die im Umweltbereich wegen dieser Krise ergriffen werden mussten, zusammen.
Abfall
Empfehlungen des Bundes an die Kantone für die Abfallentsorgung in ausserordentlichen Lage wegen Coronavirus-Pandemie (PDF, 199 kB, 07.04.2020)In Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG), dem Bundesamt für Strassen (ASTRA) und der SUVA vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) erstellt.
Biodiversität - One Health
Die pandemische Verbreitung des SARS-CoV-2-Virus zeigt auf, wie sich der sorglose Umgang des Menschen mit der Biodiversität auf die menschliche Gesundheit auswirken kann.
Die pandemische Verbreitung des SARS-CoV-2-Virus zeigt auf, wie sich der sorglose Umgang des Menschen mit der Biodiversität auf die menschliche Gesundheit auswirken kann. Das SARS-CoV-2-Virus entwickelte sich in Wildtieren und ist höchstwahrscheinlich von diesen auf den Menschen in Situationen übertragen worden, in denen ein enger Kontakt zwischen (Wild)Tieren und dem Menschen herrschen. (BAG: Was ist das neue Coronavirus?)
Dies ist kein Einzelfall: Bei mehr als der Hälfte der Krankheiten, welche zwischen 1940 und 2008 aufgetreten sind, waren Viren tierischen Ursprungs die Auslöser – es handelte sich um Zoonosen (Krankheiten, welche von Tieren auf Menschen und umgekehrt übertragen werden), eine Mehrheit davon ist auf Wildtiere zurückzuführen. Allerdings zeigen zahlreiche Studien, dass der Übergang vom Tier auf den Menschen bei degradierten Ökosystemen und verminderter Biodiversität einfacher vonstatten geht. Wird die Umwelt zerstört oder so verändert, dass die Tiere ihre angestammten Habitate verlieren und in ihren neuen Lebensräumen in ungewohnt engen Kontakt mit Menschen kommen, wird die Entstehung neuer Krankheitserreger und das Überspringen von Krankheiten auf den Menschen erleichtert. Schliesslich ermöglicht der enge Kontakt die Barriere zwischen den Arten zu überwinden und sich über den globalen Waren- und Reiseverkehr rasend schnell über die ganze Welt auszubreiten.
Der Schutz der Lebensräume der Tiere und der Erhalt und die Förderung einer reichhaltigen Biodiversität ist deshalb eine wirksame Prävention gegen solche Krankheiten. Sie werden dadurch nicht verhindert, treten aber seltener auf. Die Ausrichtung auf die Umweltqualität als massgebender Bestandteil unserer Gesundheitsvorsorge ist Teil des interdisziplinären Ansatzes «One Health» («Eine Gesundheit»). Diese Initiative strebt die Gesundheit von Mensch und Tier, aber auch den Schutz der Umwelt sowie einen effizienten Mitteleinsatz an. Der interdisziplinäre Ansatz von One Health ist bei der Bewältigung von Gefahren, wie sie beispielsweise durch die COVID-19 Pandemie ausgelöst werden, unabdingbar. Auch die Schweiz engagiert sich in der One Health Initiative.
Biosicherheit
Seit Beginn der Krise überwachen das Bundesamt für Umwelt (BAFU) und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gezielt die Sicherheit der SARS-Cov-2-Aktivitäten in den Laboren.
Während einer Epidemie ist eine frühe und schnelle Diagnose der Infizierten entscheidend, um die Ausbreitung der Krankheit zu stoppen.
Als Reaktion auf die Aufforderung des Bundesrates gegen Covid-19 vorzugehen, haben viele Labore die Kapazitäten für die Diagnose des SARS-CoV-2-Virus massiv ausgebaut und Forschungsinstitutionen haben mit der Suche nach einem Impfstoff und Therapien gegen die Krankheit begonnen. Bei diesen Arbeiten muss das Entweichen des Virus in die Umwelt verhindert werden, denn dies könnte wiederum Auswirkungen auf die Gesundheit haben.
Seit Beginn der Krise überwachen jedoch das Bundesamt für Umwelt (BAFU) und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gezielt die Sicherheit der SARS-Cov-2-Aktivitäten in den Laboren. Gemäss ihrem Auftrag prüfen sie das Niveau der Biosicherheit, das jede Einrichtung zu gewährleisten hat, um die Ausbreitung von SARS-CoV-2 zu verhindern.
Seit Februar sehen sich die Biosicherheitsfachleute des BAFU mit einer Zunahme der Meldungen und Gesuche um rund 50% konfrontiert. Dieser Ausbau der Diagnose- und Forschungskapazitäten dauert nach wie vor an, so wie auch die koordinierte Aktion der Bundes- und kantonalen Behörden zur Gewährleistung der biologischen Sicherheit in den Laboren und damit zum Schutz der Gesundheit und der Umwelt.
Anfragen für Aktivitäten in Laboratorien (geschlossenes System) werden regelmässig veröffentlicht unter www.ecogen.ch.
Elektrosmog
Einige Theorien im Internet verbinden die SARS-CoV-2-Pandemie mit der Einführung der neuen 5G-Technologie. Es gibt keine Studien, die eine direkte Verbindung zwischen 5G und Covid-19 bestätigen.
Einige Theorien im Internet verbinden die SARS-CoV-2-Pandemie mit der Einführung der neuen 5G-Technologie. Sie behaupten, dass die Übertragung des Coronavirus durch 5G-Antennen gefördert würde, da sich deren Strahlung negativ auf das Immunsystem auswirken würde. Es gibt keine Studien, die eine direkte Verbindung zwischen 5G und Covid-19 bestätigen, und die erwähnten Theorien werden von der wissenschaftlichen Gemeinschaft bestritten. Unter anderem zeigt die Tatsache, dass die Verbreitung des Virus global ist und sich weit über die Regionen hinaus erstreckt, in denen 5G eingeführt wurde, dass eine solche direkte Verbindung unwahrscheinlich ist.
Die zurzeit laufende Einführung von 5G erfolgt in Frequenzbereichen, wie sie bereits heute für den Mobilfunk und für WLAN verwendet werden. Unabhängig von dieser Einführung wendet die Schweiz zusätzlich zu den international empfohlenen Grenzwerten, die vor nachgewiesenen Wärmewirkungen schützen, weitere Grenzwerte an. Diese sollen – aufgrund von wissenschaftlichen Beobachtungen von biologischen Effekten, bei welchen nicht klar ist, ob und unter welchen Bedingungen sie zu einem Gesundheitsrisiko werden könnten – im Sinne der Vorsorge eine zusätzliche Sicherheitsmarge schaffen.
Die Vorsorgegrenzwerte sind etwa zehnmal strenger als die internationalen Grenzwerte und begrenzen die Mobilfunkstrahlung an Orten, an denen sich Menschen über längere Zeit aufhalten können (wie in Wohnungen, Schulen, Spitälern, Büros, auf Kinderspielplätzen etc.). Sie reduzieren dort die Langzeitbelastung und damit auch das Risiko für allfällige, heute noch nicht klar erkennbare Gesundheitsfolgen.
Klima
Die in der Schweiz gegen die Corona-Pandemie ergriffenen Massnahmen wirken sich bei längerer Dauer auf den Treibhausgasausstoss des Landes aus.
Die in der Schweiz gegen die Corona-Pandemie ergriffenen Massnahmen wirken sich bei längerer Dauer auf den Treibhausgasausstoss des Landes aus.
Die Treibhausgasemissionen der Schweiz sind zu rund drei Vierteln durch die Nutzung fossiler Energieträger verursacht, allen voran im Verkehr, zur Beheizung von Gebäuden und in der Industrie. Die verbleibenden Emissionen stammen zu einem grossen Teil aus der Landwirtschaft. Werden durch die Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie die Aktivitäten eingeschränkt, sinkt der Energieverbrauch und folglich auch die Emissionen.
Der Strassenverkehr stösst jährlich rund 15 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente aus. Ein über längere Zeit anhaltender deutlicher Rückgang des motorisierten Individualverkehrs würde folglich zu einer vorübergehenden Reduktion der Emissionen aus Treibstoffen führen (gegenwärtig 30% weniger Verkehrsaufkommen, am Wochenende 50% weniger). Die Reduktion des Verkehrs lässt sich an reduzierten Schadstoffbelastungen (z.B. NOx, Feinstaub) an verkehrsnahen Messstandorten nachweisen.
Die Treibhausgasemissionen werden hingegen aus dem Treibstoffabsatz berechnet, nicht aus der Messung der atmosphärischen Treibhausgaskonzentration. Dadurch lässt sich der Effekt auf die Treibhausgasemissionen erst im Nachhinein berechnen, wenn die Statistiken zum Treibstoffabsatz vorliegen. Es ist weiter zu erwarten, dass der Einbruch des internationalen Flugverkehrs zu einem deutlichen Rückgang der Emissionen aus Kerosin führen wird. Diese Verminderung kann allerdings nicht an das Klimaziel der Schweiz unter dem CO2-Gesetz und Kyoto-Protokoll angerechnet werden.
Der Gebäudesektor ist von den Massnahmen im Zusammenhang mit der Pandemie nur bedingt betroffen. Emissionsreduktionen sind nur dort zu erwarten, wo die Beheizung der Gebäude eingestellt oder auf ein Minimum reduziert wurden. Ausschlaggebend für den Ausstoss im Gebäudesektor ist vor allem die Witterung, da bei kälteren Temperaturen stärker geheizt wird.
Auch der Ausstoss aus dem Industriesektor dürfte sich erst dann deutlich vermindern, wenn flächendeckende Massnahmen insbesondere die Aktivitäten energieintensiver Unternehmen einschränken. Auch hier lässt sich der Effekt erst beim Vorliegen der Statistiken zum Energieverbrauch genau berechnen.
Lärm
Luft
Verkehr
Wald
Dichtestress im Wald? Der Lockdown während der Corona-Pandemie ab Mitte März veränderte die Waldbesuche der Schweizer Bevölkerung markant. Dies zeigt ein einzigartiger Vergleich zweier Umfragen der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, die vor und während der Krise stattfanden.
Wasser
Abwasserreinigung auch in Zeiten der Coronavirus-Pandemie gewährleistet (PDF, 165 kB, 14.04.2020)Ein Informationsblatt des BAFU in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG), dem Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute (VSA) und dem Wasserforschungsinstitut Eawag gibt Auskunft über die wichtigsten Fragen.
Coronavirus-Dossiers anderer Bundesämter
Weiterführende Informationen
Letzte Änderung 15.05.2020