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zf. Die schwedische Professorin Inger Enkvist publiziert regelmässig in verschiedenen Medien zur aktuellen Situation an schwedischen Schulen. Die «Chronik» in «Svenska Dagbladet» enthält ein Beispiel, aus welchen Gründen Schwedens Wirtschaft zunehmend Probleme bekommt, geeignetes Personal zu finden, und dies trotz grosser Investitionen in die Schulen und trotz öffentlichen Wetteiferns der Politiker um die beste Schulreform.
Die Zeitung «Dagens samhälle» hat am 12. April eine Ausgabe zum Thema Schule herausgegeben. Die grosse Neuigkeit ist, dass immer mehr Schulen einen Wachmann brauchen, weil Gewalt vorkommt. Der Artikel zählt Schulen von Nord- bis Südschweden auf, in denen man als Massnahme mit abgeschlossenen Türen und an den Kleidern befestigten Erkennungsmarken begonnen hat, in denen man die Pausenplätze ummauert, damit keine aussenstehenden Personen das Schulareal betreten können. Weil die Gesellschaft im weiteren Sinn die Probleme nicht in Angriff nimmt, muss die Schule ihren Betrieb und ihre Räumlichkeiten schützen. Dies kostet Geld in Form von Umbauten und Personal.
Wenn es um den Zusammenhang von Schule und Gewalt geht, muss man zwei Zusammenhänge unterscheiden. Einer ist der eben beschriebene, nämlich, dass aussenstehende Personen in die Schule eindringen, diese bedrohen und verwüsten.
Gewalt kommt aber auch vor, weil die heutige Schule ein pädagogisches Prinzip – genannt «Integration» – anwendet, das weitgehende Konsequenzen mit sich bringt. Die weitere Folge ist, dass das Recht des einzelnen Schülers, eine Regelklasse zu besuchen, in der Praxis vor dem Recht anderer Schüler auf einen effektiven Unterricht steht. Schritt für Schritt hat man die Sonderklassen abgeschafft und Schüler mit allen möglichen Problemen in Regelklassen integriert, ungeachtet der Folgen.
Die Zeitung «Nacka-Värmdö-Posten» greift am 9. April den Fall eines Unterstufenschülers auf, der mehrere Erwachsene in Anspruch nimmt, die einander ablösen, nur um diesen Schüler daran zu hindern, andere anzugreifen. Die Arbeitsumweltbehörde hat nun bestimmt, dass die Erwachsenen, die mit dem Schüler arbeiten, zwei «Rückzugswege» benötigen und dass sich keine Gegenstände, die man zum Zuschlagen verwenden kann, in der Nähe des Schülers befinden dürfen. Wachmänner müssen gerufen werden können. Wem nützt es, diesen Schüler zu integrieren? Wie sollen die übrigen Schüler, Eltern und Lehrer einer Schule vertrauen, die so funktioniert? Es ist ein extremer Fall, aber es gibt weitere Beispiele.
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Zufällig veröffentlichte die Zeitung «Svenska Dagbladet» am 13. April im Wirtschaftsteil einen Artikel darüber, dass es nun nicht nur Industrieunternehmen sind, die aus Schweden wegziehen, sondern auch Dienstleistungsunternehmen. Anna-Karin Hatt, Vizedirektorin von Almega [Schwedens führende Organisation für Dienstleistungsunternehmen], bezeichnet die Situation als akut und sagt, dass im stillen ein Wegzug von qualifizierten Dienstleistungsunternehmen vor sich geht. Der Grund sei, dass man keine geeigneten Arbeitnehmer findet. Wie sollen die Schüler in Schweden, die in einer ungeordneten und gewalttätigen Umgebung lernen, sich qualifiziertes Wissen aneignen?
Wie soll die Qualität aufrechterhalten bleiben, wenn das Geld, das für die Schule zurückgelegt wird, aufgebraucht wird, um mit Gewalt und Beschädigungen fertigzuwerden? Schweden ist heutzutage ein Beispiel für ein Land mit einem gut finanzierten Ausbildungssektor, der trotzdem nicht garantiert, dass das Land Zugang zu gut ausgebildeten Arbeitnehmern hat. Im Artikel in «Svenska Dagbladet» wird darauf hingewiesen, dass die globale Konkurrenz knallhart ist. Globale Unternehmen können ganz einfach nicht in einem Land überleben, in dem es keine kompetenten Arbeitskräfte gibt. Können wir uns darauf einigen, dass es durchgreifende Veränderungen braucht? •
* Inger Enkvist ist emeritierte Professorin für Spanisch an der Universität Lund in Südschweden. Sie hat zahlreiche Bücher über die spanische Literatur und Kultur sowie über Ausbildungsfragen auf Spanisch und Schwedisch publiziert. In ihrem Werk über die schwedischen Schulreformen übt sie deutliche Kritik (De svenska skolreformerna 1962–1985 och personerna bakom dem, 2016, ISBN 978-91-7844-954-5). Seit Jahren fordert sie in Schweden eine bessere Qualität des Schulunterrichts. Inger Enkvist geht der Frage nach, wie verschiedene Länder ihr Bildungssystem gestalten und was Schweden von ihnen lernen kann.
Quelle: «Utflyttning i det tysta vittnar om en akut situation.» In: «Svenska Dagbladet», elektronische Ausgabe vom 15.4.2018
(Übersetzung Zeit-Fragen)
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