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Es war einmal ein sehr kleiner Knirps. So klein war er, dass er unter einem Pilz wohnte. Dieses Knirpslein war Schuster. Den ganzen langen Tag sass er unter dem Pilz, der ihm als Haus diente, klopfte Leder und zog Bindfaden.
Zwei Frauen, die ausgegangen waren Pilze zu suchen, hörten das Klopfen und wollten sehen, woher es kam. Dabei bemerkten sie den schönen Pilz und nahmen ihn mit. Unser Knirpslein aber fiel ins Gras hinunter und verzweifelte schier, dass er nun kein Häuschen mehr hatte. So verbrachte er die Nacht traurig unter einer mitleidigen Margaretenblume.
Am Tag danach, während er noch schlief, kam eine Bäuerin, um Gras zu schneiden und der kleine arme Kerl wurde in den Tragkorb hineingestopft zwischen all die abgeschnittenen Blumen. Er glaubte, er müsse ersticken, so sehr wurde er gedrückt.
Das Gras wurde einer Kuh gegeben, die beim Fressen das kleine Männchen hinunterschluckte. Er war beinah glücklich, als er sich im Warmen fühlte. Aber er hatte Hunger und es war doch gar zu dunkel da drinnen. Gottlob, die Frau kam zu melken und da fing er an zu schreien: „Nicht alle Milch für dich! Ein wenig für mich Kleinen."
Die Bäuerin lief zum Priester, der kam und sagte, dass die Kuh besessen sei und geschlachtet werden müsse. So wurde es gemacht und aus dem aufgeschlitzten Magen hüpfte das kleine Männlein heraus, das sogleich eine grosse, schöne Verbeugung machte. Die Bäuerin, die keine Kinder hatte, nahm ihn als Sohn an. Sie pflegte ihn und hielt ihn so gut, dass er wuchs und gross und dick wurde und seiner Adoptivmutter helfen konnte im Haus und auf dem Acker. Da bedauerte sie nicht mehr ihre geschlachtete Kuh und war froh über ihren Sohn.
Quelle: L. Clerici, Helene Christaller (Übers.), Märchen vom Lago Maggiore.
Nach mündlicher Überlieferung gesammelt von Luigi Clerici, Basel o. J.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch; typografisch leicht angepasst.