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Der Kanton St.Gallen und die neun regionalen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden veröffentlichen den jährlichen Kenndatenbericht zu den Tätigkeiten der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden und zu Aufenthalten von Kindern und Jugendlichen in Heimen oder Pflegefamilien. Der Bericht zeigt, dass sowohl im Erwachsenenschutz als auch im Kindesschutz die Zahl der eingreifenden Massnahmen abnimmt, aber der Bedarf an Unterstützung durch die Behörden weiterhin besteht.
Seit 2015 werden jährliche Kenndaten zu angeordneten Massnahmen und Aufenthalten in Kinder- und Jugendheimen sowie in Pflegefamilien veröffentlicht. Per 31. Dezember 2018 waren für 2'698 Kinder und 4'947 Erwachsene Schutzmassnahmen, wie zum Beispiel Beistandschaften, angeordnet. Dies bedeutet gegenüber dem Vorjahr bei den Minderjährigen eine Abnahme um 120, während die Zahl bei den Erwachsenen um 60 leicht angestiegen ist. Umgerechnet auf die Gesamtbevölkerung des Kantons heisst das: Für den Schutz von 12 von 1'000 Erwachsenen und für rund 29 von 1'000 Minderjährigen bestand am Stichtag eine Massnahme. Dies sind bei den Erwachsenen etwas weniger und bei den Kindern etwas mehr als der schweizerische Durchschnitt.
Veränderungen bei der Art der Beistandschaften
Es handelt sich um das sechste Jahr, in dem das neue Erwachsenenschutzrecht umgesetzt wird. Mit dem neuen System werden genau jene Unterstützungen angeordnet, die notwendig sind. Entweder ist eine Beistandsperson eingesetzt, die lediglich berät und unterstützt, oder die eingesetzte Person erhält auch Vertretungs- oder Mitwirkungsrechte. Es ist immer definiert, in welchen Aufgabenbereichen, wie zum Beispiel bei den Finanzen oder beim Wohnen, die Begleitung, Vertretung oder Mitwirkung der Beistandsperson erfolgt. Die Anzahl der auf diese Weise sogenannt massgeschneiderten Beistandschaften für Erwachsene hat leicht zugenommen. Die Anzahl an umfassenden Beistandschaften, bei denen eine Person vollumfänglich vertreten wird und ihre Rechte nicht mehr selber wahrnehmen kann, nimmt stetig ab. Der Anteil dieser Massnahmen beträgt rund 17 Prozent, im Vorjahr waren es noch 19 Prozent. Es kommt damit zu einem differenzierteren Einsatz des zur Verfügung stehenden Instrumentariums. Ein grosser Teil der Mandate im Erwachsenenschutz wird durch Angehörige oder andere Private geführt.
Aufenthalte von Kindern in Kinder- und Jugendheimen gehen zurück
Die Zahl der Kinder, die in einem Kinder- und Jugendheim leben, nimmt im langjährigen Vergleich stetig ab. Im Jahr 2018 lebten 195 St.Galler Kinder und Jugendliche für kürzere oder längere Zeit in einem Kinder- und Jugendheim. Zudem bestanden im Kanton St.Gallen 340 Pflegeverhältnisse. Die Pflegekinder stammen aus verschiedenen Kantonen. Dem Amt für Soziales, zuständig für die Aufsicht über die Pflegefamilien, ist nicht bekannt, wie viele St.Galler Kinder sich in Pflegefamilien in einem anderen Kanton aufhalten. Etwa ein Drittel der Pflegekinder lebt bei Verwandten. Bei einer grösseren Anzahl Kinder und Jugendlichen wird die Platzierung nicht durch die KESB angeordnet, sondern sie erfolgt einvernehmlich mit den Eltern. Bei 291 Kindern und Jugendlichen aus dem Kanton St.Gallen wurde den Eltern das Aufenthaltsbestimmungsrecht entzogen. Dies entspricht rund 9 Prozent aller Massnahmen.
Kindesschutz beschäftigt viele Fachpersonen
Bei 72 Prozent aller Massnahmen unterstützt eine Beistandsperson die Eltern, in 10 Prozent aller Massnahmen besteht eine Weisung oder eine ähnliche Massnahme. Die Eltern können zum Beispiel angewiesen werden, eine sozialpädagogische Familienbegleitung, Therapien oder Beratungen in Anspruche zu nehmen. Das System der Massnahmen im Kindesschutz ist nicht neu, wird aber von den KESB insgesamt differenzierter genutzt als dies noch bei den Vormundschaftsbehörden der Fall war. Einen Einfluss auf die Tätigkeiten im Kindesschutz haben nicht nur das Kindesschutzrecht, sondern auch gesellschaftliche Veränderungen und die zunehmende Bedeutung der Kinderrechte. Im November wird der 30. Jahrestag der Kinderrechtskonvention begangen.
Verschiedene Fachorganisationen und -stellen beschäftigen sich mit Fragen des Kindes-schutzes. Sorgen bereiten zunehmend psychische Probleme von Eltern und von Kindern, Elternkonflikte bei getrennten Eltern oder die Betroffenheit von Kindern bei häuslicher Gewalt. Im Zusammenspiel der Fachorganisationen und -Behörden müssen die KESB für das Wohl der Kinder intervenieren, wenn die Eltern nicht Hilfe annehmen oder eine Situation auch mit Hilfe von Fachpersonen nicht verbessert werden kann. Auch nach der Meldung an die Kindesschutzbehörde sind oft viele Stellen involviert, die ihren Beitrag zur Sicherung des Kindeswohls leisten.
Die KESB wirken in der kantonalen Fachkonferenz Kindesschutz und in weiteren Arbeitsgruppen mit, um Lösungsmöglichkeiten und Zusammenarbeitsfragen zu klären. Die einzelnen Mitglieder und Fachmitarbeitenden der KESB bilden sich laufend weiter und es werden auch interne Weiterbildungen organisiert. Am 9. September fand zum Beispiel eine Weiterbildung aller St.Galler KESB zum Thema «Umgang mit hochstrittigen Eltern» statt. Trotz der erfolgten Konsolidierung der neuen Behörden bleiben die Reflexion der Arbeit und eine laufende Weiterentwicklung wichtig.
Die Kenndaten zum Kindes- und Erwachsenenschutz 2018 befinden sich auf der Website des Amtes für Soziales www.soziales.sg.ch – Stichwort «Kindes- und Erwachsenenschutz».
Informationen zum Kindesschutz befinden sich auf den Seiten www.kindesschutz.sg.ch.
Auskünfte zu regionalen Daten, zu fachlichen Fragen und zur Praxis der KESB erteilen die Präsidentinnen und Präsidenten der KESB. Die Kontaktangaben befinden sich auf der Website der St.Galler KESB www.kesb.sg.ch.