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1956-58 Handmuster TRIX Fährboot-Früchte-Wagen
Text und Bilder: Peter Anderegg
TRIX-Handmuster Langer Gedeckter Güterwagen mit diagonalen Querstreben. Die Wagen-Front ist verstärkt. Der Hebel unten ab Mitte nach rechts ist die Handhebelbremse für England
Vorgeschichte
TRIX-Handmuster Langer Gedeckter Güterwagen und TRIX Kassel o. BrH. in Grau
Das TRIX-Handmuster ist etwa 20 mm länger als der von TRIX Nürnberg ab 1953 hergestellte Gedeckte Güterwagen Kassel.
Diagonale Querstreben
Sofort fallen die diagonalen Querstreben zwischen den senkrechten Verstärkungs-Profilen zwei und vier, resp. sieben und neun auf:
Diagonale Querstreben zwischen den senkrechten Verstärkungs-Profilen
Diagonale Querstreben machen den Wagen Spurwechsel-tauglich
Die diagonalen Querstreben verstärken das Güterwagen-Gehäuse.
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Es wird möglich, den beladenen Wagen mit Spindeln anzuheben und
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die Achsen auszutauschen bei der Umspurung auf das spanische Breitspurnetz.
Also verkehrt das Vorbild zwischen europäischem Normalspur-Netz und spanischem Breitspur-Netz.
Exkurs: Erste Spurwechselanlage von Normal- zu Breitspur in Henday Frankreich
Erste Spurwechselanlage von Normal- zu Breitspur in Henday Frankreich
1949 Die erste Spurwechselanlage mittels Austausch der Achsen entstand in Henday an der Spanischen Grenze. Die Erfindung wirkt eher rudimentär, ist aber ein grosser technischer Fortschritt für den durchgängigen Bahnverkehr zwischen Spanischer Breitspur und kontinentaler Normalspur.
Suche nach dem Vorbild des TRIX-Handmusters
Die Partnerfirmen TRIX und TTR England bis in die 1950er Jahre eng zusammen. Modelle wurden gegenseitig ausgetauscht und katalogisiert. Im TRIX-Sortiment wurden mit EXPRESS-Kupplung angeboten:
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Vierachs-WELTROL-Tieflade-wagen ab 1953
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Zweiachs-Kohlen-Kippwagen
Beide Modelle wurden von TTR England produziert.
Wollte TRIX Nürnberg als Gegengeschäft ein Güterwagen-Modell entwickeln, das beim Vorbild sowohl auf dem Kontinent, als auch in England zum Einsatz kam?
Die seitliche Aufbaustruktur des TRIX-Handmusters entspricht der eines Fährboot-Wagens.
Engeres Lichtraumprofil in England
Die Bahnen Englands haben ein engeres Lichtraum-Profil. Wenn dieser Fährboot-Wagen sowohl auf dem Europäischen Festland, als auch in England verkehren kann, müssten die Modell-Masse dem Britischen Lichtraumprofil entsprechen - da dort enger.
Die modellmässige Umsetzung dieser Vorgabe hätte ich bei einem TRIX-Handmuster niemals erwartet, aber:
TRIX-Handmuster Langer Gedeckter Güterwagen und TRIX Kassel o. BrH. in Grau
Vergleich der Fronten
Front 1 Front 2 Front 3 Front 4 Front 5
Vergleich der Fronten TRIX Handmuster Langer Gedeckter Güterwagen und TRIX Kassel o.BrH. in Grau
Vergleich der Fronten - von links nach rechts
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TRIX Handmuster mit Profil für das engere Britische Lichtraumprofil
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TRIX DB-Güterwagen KASSEL
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Grössenvergleich der Fronten (in Messing das schmälere TRIX-Handmuster)
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Fotomontage genau massstäblich
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Lichtraumprofil: Gelb=England / Schwarz= Europäisches Festland
Vorbild
Vorbild des Handmusters ist der TRANSFESA-Fährboot-Früchte-Wagen Type Hcfhs closed van for ferry traffic.
26 Tonnen TRANSFESA Fährboot-Früchtewagen: Werbung und Datenblatt von Railfreight International
Datenblatt
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Tara: 13.7 t
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Tragfähigkeit: 26 t (C Line)
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Ladevolumen: 53.5 m3
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Engster Kurvenradius: 60 m
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Wagenkasten und Wagenboden: Holz
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Bremssystem ITX Doppel-Bremsen:
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Handhebelbremse,
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Unterdruckrohrbremse mit automatischem Luftverschluss
Hersteller
H. Fuchs, Waggonfabrik A.G., Heidelberg
1953 Die Firma H. (Heinrich) Fuchs, Waggonfabrik A.G., Heidelberg, baut für die DB (DR Saarbrücken) einen Fährboot-Wagen nach englischem Lichtraumprofil.
1955 baut H. Fuchs, Waggonfabrik A.G. für TRANSFESA einen Fährboot-Früchtewagen nach englischem Lichtraumprofil. Da TRANSFESA ihre Wagen aus Steuergründen immer in dem Land einstellt, wo sie gebaut wurden, werden die Wagen aus Heidelberg bei der DB immatrikuliert!
Mir bekannt sind TRANSFESA-Wagen RENFE, SNCF, DB.
Weitere Deutsche Hersteller des Blauen TRANSFESA als Gedeckter Fährboot-Früchtewagen
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Waggonfabrik Krefeld-Uerdingen
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Westwaggon-Köln-Deutz
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Linke Hoffmann Busch Braunschweig
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Gebrüder Credé & Co. GmbH, Niederzwehren b. Kassel
Anker-Symbol
Die Fährboot-Früchte-Wagen nach englischem Lichtraumprofil zirkulierten mit Südfrüchten auf dem Kontinent, aber auch regelmässig nach England - daher das aufgemalte Anker-Symbol.
Vorbild zum TRIX-Handmuster: Fährboot-Früchte-Wagen TRANSFESA Hcfhs. Der Hebel unten ab Mitte nach rechts ist die Handhebelbremse für England
Detail Vorbild Handhebelbremse für England - Handhebel, fixiert in Arretierung oben
Vorbild zum TRIX-Handmuster: Fährboot-Früchte-Wagen TRANSFESA Hcfhs. Der Hebel unten ab Mitte nach rechts ist die Handhebelbremse für England
Detail Vorbild Handhebelbremse für England - Handhebel unter Aufstiegsleiter
Detail Handhebelbremse für England im Modell - Fotomontage
Handhebelbremse für England
Mein TRIX-Freund Patrick Enz wies mich auf die Handhebelbremse für England hin. Diese war für den Rangierbetrieb notwendig und in England vorgeschrieben, – also gleich wichtig wie das engere Lichtraum-Profil -. Die Wagen vom Kontinent hatten schon das fortschrittliche Bremssystem auf Basis von Druckluft. Bei den British Railways (BR) – entstanden 1948 aus Verstaatlichung – waren die meisten Wagen in den 1950er Jahren noch ungebremst (BR = graue Wagenfarbe vorgeschrieben, gilt aber nicht für P.O. – Private Owner-Wagen. Wurden die Wagen abgestellt, mussten sie mittels Handbremshebel arretiert werden, in besonderen Fällen sogar abgebremst werden.
Datierung TRIX-Handmuster Fährboot-Früchte-Wagen TRANSFESA Hcfhs
TRIX-Handmuster TRANSFESA von unten
Der TRANSFESA Güterwagen weisen ähnliche Merkmale auf wie das letzte komplett in Guss-Technologie gefertigte TRIX-Modell, der TRIX Rungenwagen von 1960:
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Im Gehäuseboden befinden sich zwei Schraubenlöcher Durchmesser 2 mm zur Befestigung der Achslager
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Damit die Nieten der Kupplungs-Befestigung am Chassis Platz finden, wurden zwei weitere Löcher in den Gehäuse-Boden gebohrt.
Das TRIX-Handmuster TRANSFESA wurde aber früher als der TRIX Rungenwagen entwickelt:
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Die Bodengruppe war vermutlich noch aus Blech - Beim Rungenwagen war die Bodengruppe erstmals aus Guss.
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Beim TRIX-Handmuster liegen die Schraubenlöcher zur Befestigung der Achslager um rund 2,5 mm weiter auseinander als beim Rungenwagen.
1956-58 muss das TRIX-Handmuster TRANSFESA Fährboot-Früchtewagen entstanden sein.
Anregung für das Modell durch die Modellbahn-Zeitschrift MIBA
Die Idee für das TRIX-Handmuster wurde vermutlich angeregt durch die Publikation einer technischen Zeichnung des Fährboot-Früchte-Wagens in der MIBA 8/1955 (in 1:87). Die MIBA-Redaktion befand sich im selben Gebäude wie TRIX, und viele TRIX-Modelle entsprechen sehr weit den MIBA-Plänen.
Die MIBA 08/1955 zeigt den DB (DR Saarbrücken) Fährboot-Wagen nach englischem Lichtraumprofil von 1953, also das Vorgänger-Modell des TRIX Handmusters TRANSFESA von 1955
Englisches Lichtraumprofil und Handhebelbremse
Die genau im Massstab 1:87 ausgeführten Pläne geben wieder:
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Engeres Englisches Lichtraumprofil
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In England vorgeschriebene Handhebelbremse.
Teil 1:
TRIX Handmuster, welches von den gängigen europäischen Gedeckten Güterwagen abweicht: Suche nach dem Vorbild
Teil 2
Geschichte TRANSFESA
Inserat TRANSFESA
1943 TRANSFESA Spanien wurde gegründet als Transport-Firma zur Beförderung von Vieh.
1949 Beförderung von Südfrüchten in eigenen umspurbaren durchgehenden Wagen von Spanien nach Europa. Hierzu wurden an der Grenze eigene Anlagen zur Umspurung von Spanischer Breitspur 1668 mm auf Europäische Normalspur 1435 mm gebaut. Ein Umladen der empfindlichen Südfrüchte entfiel. Die Umspurung eines Zweiachswagens dauert nur drei Minuten.
Zwischen Spanien und Europa folgten weitere Transport-Leistungen. Die Tätigkeits-Bereiche von TRANSFESA Logistics wurden im Laufe der Jahre erweitert.
Rechts vor einem TRANSFESA-Wagen Umspur-Achsen für Breitspur in Spanien
2007 erwarb die Deutsche Bahn die Mehrheit an diesem vor Allem für die spanische Güter-Bahn zuständigen Unternehmen.
2009 wurde TRANSFESA in die neue DB Schenker Rail (heute DB Cargo) eingegliedert.
TRANSFESA ist heute ein Gemeinschaftsunternehmen von der DB (70,29 %) und der spanischen Staatsbahn RENFE und einer der bedeutendsten Mitbewerber im europäischen Güterverkehr.
2020 Karte der Bahn-Korridore Gütertransport Mittelmeer-Raum - Atlantik
Karte der Bahn-Korridore Gütertransport Mittelmeer-Raum - Atlantik (Stand 2020)
Kühlung der Fährboot-Früchte-Wagen
Fährboot-Früchte-Wagen waren keine Kühlwagen, sondern durch die Zugluft von aussen belüftet - dank acht Lüfter-Klappen pro Seite.
Unterschied zwischen Bananen- und Orangen-Transport
Eine Banane wird - in Gegensatz zur Orange - grün geerntet. Im Schiff und auf dem weiteren Transport beginnt ihr Reife-Prozess und bei Ankunft wird die Banane in Reifereien gebracht.
Die Orange hingegen wird essfertig geerntet, am Zielhafen eingelagert oder zu Pack-Betrieben befördert, wo die Orange genässt und dann direkt in den Handel gebracht wird. Da in Südeuropa die Erntezeit von November bis März geht, werden die Südfrüchte in der kalten Jahreszeit transportiert. So konnte TRANSFESA in den 1950er-Jahren gut auf Kühl-Wagen beim Transport von Südfrüchten verzichten. Es war aber von entscheidender Bedeutung, dass die reifen Orangen so schnell wie möglich in den Handel gebracht wurden!
Mögliche Umsetzung als TRIX-Modell
Das Vorbild des TRIX Handmusters des TRANSFESA-Fahrboot-Früchte-Wagens war bereits in den 1950er-Jahren unterwegs in den Farben Blau und Braun. Die Variante in Blau hätte bestimmt einen wahren Hingucker in den Sortimenten von TRIX und TTR gegeben.
Modell von Fährboot-Früchte-Wagen in Blau - immatrikuliert bei DB
Auch die spanische RENFE kennt denselben Fährboot-Früchte-Wagen - dieses Modell hat einen verstärkten Unterboden
Ein weiterer Fährboot-Früchte-Wagen der spanischen RENFE
Französischer SNCF-TRANSFESA-Wagen
Die Vorbilder des TRIX-Handmusters liefen für verschiedene europäische Bahn-Verwaltungen, sowohl auf dem Kontinent wie auch in England.
Im TRIX-Programm kam es zu keiner Realisierung des Fährboot-Früchte-Wagens .
Um weiter mit Märklin und Fleischmann konkurrieren zu können, musste TRIX Ende der 1950er Jahre dringend seinen Lok-Park ausbauern. TRIX hatte ab 1950 ein vielseitiges Angebot an Supermodell-Güter-Wagen geschaffen: so ist der Verzicht auf einen Fährboot-Wagen verständlich.
1972 TRIX realisierte für die Freunde von TRANSFESA doch noch einen Plastik-Kühlwagen in Silbergrau mit der Anschrift TRANSFESA INTERFRIGO in roten Ringen rechts und links der Lade-Türe.
TRIX TRANSFESA INTERFRIGO in Silbergrau von 1972
Der TRANSFESA INTERFRIGO wurde von fast allen Modellbahn-Herstellern ab Mitte 1960er Jahre nachgebildet. Hat eventuell TRANSFESA die Modellbahn-Hersteller bei einer Realisation finanziell unterstützt?
Beim sechsachsigen TRIX-Schwer-Transportwagen hatte 1958 die Firma "Siemens" die Kosten von DM 30.000 für den Formenbau des "Siemens"-Trafos übernommen.
So scheint es auch möglich, dass TRIX beim Fährboot-Früchte-Wagen nicht primär TTR England im Auge hatte, sondern auf eine finanzielle Unterstützung von TRANSFESA hoffte.