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Betont puristisch präsentiert sich das Bühnenbild im Rossstall der Kaserne Basel: Ein schwarzer Laufsteg vor einer schwarzen Stellwand. In einen dichten Trockeneisnebel schlendert Eisa Jocson kaugummikauend und nur mit Cowboystiefeln, knappen Shorts und Tanktop bekleidet auf die Bühne.
Zu den Klängen von Metallica, Bonnie Tyler und Erik Santos räkelt sie sich breitbeinig auf dem improvisierten Catwalk und setzt ihren durchtrainierten Körper möglichst publikumswirksam in Szene. Sie leckt ihren Bizeps, formt mit ihren Händen imaginäre Pistolen, lässt betont langsam und aufreizend ihr Becken kreisen, greift sich in den Schritt und wirft immer wieder herausfordernde Blicke in den Zuschauerraum. Das gestische Repertoire der Tänzerin weckt im Zusammenspiel mit der wummernden Rockmusik und der schummrigen Bühnenbeleuchtung Assoziationen an verrauchte Nachtclubs im Rotlichtmilieu.
Doch ihre Körpersprache will nicht zum Bewegungsrepertoire einer typischen Gogo-Tänzerin passen. Sie ist aggressiv, dominant und eindeutig maskulin geprägt. Die Bewegungsabläufe erinnern an die stereotypen Posen eines Bodybuilders, der seinen eingeölten Körper dem kritischen Auge einer Jury präsentiert.
Der Macho als Lustobjekt
Für ihr zweites Solo-Projekt “Macho Dancer” liess sich die zeitgenössische Tänzerin und Choreographin Eisa Jocson von einem Phänomen aus ihrer philippinischen Heimat inspirieren, dem “Macho Dancing”. In den einschlägigen Nachtclubs der Metropole Manila tanzen leichtbekleidete Männer als sogenannte “Macho Dancers” für eine gemischtgeschlechtliche Klientel. Sie sind Objekte der Begierde und ihre durchtrainierten Körper ihr grösstes Kapital. Trotz ihrer niedrigen gesellschaftlichen Stellung verkörpern sie in den “Macho Clubs” stets von übersteigerter Männlichkeit strotzende, sexuell dominante Figuren wie den klassischen Cowboy oder den Handwerker. Abseits der Bühne nehmen sie jedoch eine weitaus unterwürfigere Position ein und befriedigen allfällige Zusatzwünsche ihrer Kunden.
Vom Rotlichtbezirk auf die Theaterbühne
Das spezifische tänzerische Vokabular dieser Nachtclubtänzer überträgt Eisa Jocson in “Macho Dancer” nun auf ihren eigenen Körper und schlüpft damit in die Rolle eines männlichen Sexobjekts. Tanzenderweise erforscht sie männliche Geschlechterstereotypen und verwandelt sich auf der Bühne in ein verstörendes Zwitterwesen. So tauscht sie ihre Hotpants relativ bald gegen einen Lederslip mit grosszügig ausgebeulter Front, entledigt sich ihres Oberteils und tanzt sich mit entblösster Brust und fliegenden Haaren in Ekstase. Der Körper im Dienstleistungsgewerbe ist ein Thema, dass die Künstlerin bereits in ihrer früheren Arbeit “Death of a Pole Dancer” von 2011 beschäftigte, wo sie als fragile Gogo-Tänzerin an der vertikalen Stange praktizierte. In “Macho Dancer” löst die Bühnenschaffende eine auf ein bestimmtes Milieu beschränkte Tanzform aus ihrem spezifischen Kontext und überführt das Macho Dancing damit vom Rotlichtbezirk Manilas in die Theaterräume und Kulturzentren der Welt. Das Stück feierte im Frühjahr des letzten Jahres seine Premiere im Theater “Beursschouwburg” in Brüssel und wurde in der Schweiz bereits am Zürcher Theater Spektakel und in der Dampfzentrale in Bern aufgeführt.
In der Rolle des Voyeurs
So hypnotisch Eisa Jocsons Bewegungen und so reizvoll ihr androgynes Auftreten auf der Bühne auch sein mögen, liefert “Macho Dancer” dennoch verhältnismässig wenig geistige Anregung. In erster Linie handelt es sich um eine Performance, in der eine Frau auf virtuose Weise wie ein Mann tanzt; nicht mehr und nicht weniger. Dieses Konzept ist keineswegs neu und wird von Eisa Jocson auch nicht kritisch reflektiert sondern konsequent und geradlinig ohne eine Spur von Selbstironie umgesetzt. Nichtsdestotrotz weiss das Stück starke Emotionen zu wecken. Als die Tänzerin gegen Ende ihrer Darbietung schweissglänzend und mit nacktem Oberkörper durch die Reihen des Publikums schlendert, beginnen sich einige Zuschauer sichtlich unwohl in ihrer Rolle als Voyeure zu fühlen und wenden betreten den Blick ab. Andere nutzen hingegen den Anlass, Eisa Jocsons athletischen Körper eingehend zu studieren. Schliesslich beendet die Künstlerin ihren hypermaskulinen Tanz, zieht sich einen Kapuzenpullover über und verlässt schweigend die Bühne. Das Publikum erwacht aus seinem Bann. Und zurück bleibt ein feiner Nebelschleier aus Trockeneis.