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André Kertesz (1894–1985) gehört zu den grossen Fotografen des 20. Jahrhunderts. Der Ungar stellte mit Man Ray aus, inspirierte Cartier-Bressons und war stilprägend für eine ganze Generation. Er selbst bezeichnete sich gerne als ewigen Amateur, als unbeirrbaren Liebhaber der Fotografie.
Budapest, Paris, New York. Die drei Lebensstationen von André Kertesz prägten auch seine Kunst. Schon als Kind beschloss er, Fotograf zu werden. Eines seiner ersten Bilder – ein schlafender Mann in einem Restaurant – gehört bis heute zu seinen bekanntesten.
Mit 31 Jahren ging er nach Paris und verliebte sich in die Stadt. «Ich schreibe mit Licht – und das Licht von Paris half mir, auszudrücken, was ich fühlte.» Seine Bilder wurden in europäischen Zeitschriften abgedruckt. Für Robert Capa und Brassai fungierte er als Mentor. 1933 begann Kertesz mit seinen Distortions (Verzerrungen). Die surrealen Aktfotografien, in welchen er Modelle mit Zerrspiegeln aus ungewöhnlichen Perspektiven fotografierte, waren umstritten, machten ihn aber berühmt. Die Machtergreifung der Nazis trieb Kertesz 1936 nach New York. Doch der in Europa gefeierte Fotograf erhielt dort kaum Aufträge. Erst rund 30 Jahre später erlebte Kertesz eine Rehabilitation: Seine Bilder wurden in Galerien und Museen ausgestellt, sein Preis auf dem Fotomarkt stieg.
Aufgrund seines Gesundheitszustandes konnte Kertesz im Alter seine Wohnung nicht mehr verlassen. Doch er machte aus der Not eine Tugend und fotografierte aus dem Fenster seines Apartments in der Fifth Avenue in New York alles, was seinen Blick fesselte.
Die Retrospektive im Fotomuseum Winterthur ermöglicht mit den über 250 gezeigten Werken eine umfassende Sicht auf das Schaffen eines der grossen Fotografen des vergangenen Jahrhunderts. ANINA RETHER
Fotomuseum Winterthur, ZH: Bis 15. 5. Di–So 11–18, Mi 11–20 Uhr,
Tel. 052 - 234 10 60, Publikation CHF 69.–, www.fotomuseum.ch