Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03518.jsonl.gz/2863

Das “Netzwerk für Steuergerechtigkeit”, wie es auf Deutsch heisst, ist eine international ausgerichtete Nichtregierungsorganisation, die sich für eine demokratisch bestimmte, progressive Verteilung der Steuerlast und für Transparenz auf den internationalen Finanzmärkten einsetzt.
Geleitet wird das Tax Justice Network (kurz: TJN) von einem internationalen Komitee, dessen Vorsitzender der Schweizer Entwicklungsökonom Bruno Gurtner ist. Das internationale Sekretariat ist in London bei der New Economics Foundation angesiedelt.
Das zentrale Thema des Netzwerkes ist die Kapitalfluch in Steueroasen, die aus drei Gründen abgelehnt wird:
. erstens wegen der Verschlechterung öffentlicher Dienstleistungen wie Schulen, Krankenhäuser, öffentliche Verkehrsmittel
. zweitens, die vermehrte Schuldenaufnahme des Staates und
. drittens, die höhere steuerliche Belastung mittlerer und unterer Einkommensschichten.
Das Netzwerk ist überzeugt, dass diese drei Folgen der Steuerflucht weltweit Demokratien schwächten. Betroffen seien sowohl ärmere Entwicklungsländer wie auch reiche Staaten, denn Kapitalflucht sei ein allgegenwärtiges Phänomen.
Im März 2005 schätzte TJN, das verlagerte Kapital wohlhabender Einzelpersonen belaufe sich auf 11,5 Billionen US-Dollar. Das den Herkunftsländern dadurch entzogene Steueraufkommen betage jährlich 255 Milliarden US-Dollar.
Hinzu kommen nach Ansicht von TJN noch höhere jährliche Einnahmeausfälle durch multinationale Konzerne, die Steueroasen zur Verbuchung von Gewinnen und zur Umgehung interner Verrechnungspreisen benutzten.
Das Netzwerk ist politisch und medial aktiv. Es publiziert regelmässig Berichte, führt Kampagnen, und es unterhält unter anderem eine mehrsprachige Website sowie einen Blog zum Thema “Steuergerechtigkeit”. Für Aufmerksamkeit in der Schweiz sorgte das Netzwerk im Zusammenhang mit der jüngsten Debatte über das schweizerische Bankgeheimnis.
Claude Longchamp