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Joseph Eberwein
|Joseph Eberwein|
|* 1840 in Sigmarigen (Deutschland)|
|† 24. April 1911 in Grenchen|
|Lehrer am Institut Breidenstein und an der Bezirksschule.|
Unter den Lehrern, die am international renommierten Knabeninstitut Breidenstein unterrichteten, fasziniert besonders das Bild von Joseph Eberwein. Nach der Ära Breidenstein blieb er in Grenchen, unterrichtete an der Bezirksschule und befasste sich mit der Geschichte Grenchens.
Joseph Eberwein wurde 1840 im preussisch-hohenzollerischen Sigmaringen geboren. Nach Abschluss des humanistischen Gymnasiums wurde er vorerst Kaufmanns. In Genf arbeitete er als Lehrling in einem Textilgeschäft und erlernte die französische Sprache. Im gleichen Geschäft arbeitete Werner Munzinger, der Bruder von Bundesrat Joseph Munzinger. In Antwerpen vertiefte Eberwein dann seine wissenschaftlichen Studien und lernte bei einer Familie Born Wilhelm Breidenstein kennen. Dieser nahm ihn mit als Lehrer nach Berg am Irchel, wo er sein Knabeninstitut gründete. 1864 zog das renommierte Institut, das den Beifall der Zürcher Behörden gefunden hatte, nach Grenchen und mit ihm auch Joseph Eberwein. Im Institut wurde Eberwein zur rechten Hand des Direktors und unterrichtete Griechisch und Latein, Italienisch und Französisch, Geschichte, Geographie und Algebra. Er beherrschte die spanische und die hebräische Sprache. Sein Lieblingsfach aber war die Geschichte. Obwohl er verschiedene Berufungen erhielt, fühlte sich Eberwein der Schule Breidensteins verbunden und blieb der Institution bis zu ihrem Ende treu. Bezirkslehrer Dr. Hermann Hugi schilderte Eberweins täglichen Schulweg ins Institut im Bachtelentälchen:
"Joseph Eberwein wohnte nicht im Institut, obwohl ihm dort im neuerstellten hinteren Gebäude besondere Räume angeboten worden waren, sondern zuerst im Hause Wullimann an der Bielstrasse und später bei Adolf Schild, dem Gründer unserer grössten Uhrenfabrik. Sein Schulweg war also verhältnismässig lang und bei den damals dürftigen Verkehrsverhältnissen recht beschwerlich. Vom neuen Friedhof, dem heutigen Stadtpark (heute Lindenpark) führte ihn ein schmaler Pfad über das heutige Nordbahnhofgebiet zum grossen Strassenkreuz beim Schützenstand, nunmehr Gärtnerei Wullimann [heute ist die Gärtnerei Wullimann verschwunden; gemeint ist hier die Schützengasse]. Damals waren die Winter ungemein schneereich, und es kostete Eberwein oft grosse Mühe, den Weg zu finden und allen Hindernissen Trotz bietend, rechtzeitig im Institut anzulangen."
Als Breidenstein gestorben war und "das Institut seinen guten Ruf eingebüsst hatte", sah sich Eberwein nach einer anderen Stelle um. An der Grenchner Bezirksschule war der beliebte Bezirkslehrer Urs Joseph Feremutsch zurückgetreten. Es war deshalb naheliegend, dass die Solothurner Regierung 1887 als dessen Nachfolger Joseph Eberwein bestimmte. Eberwein war bei den Schülern sehr beliebt und sein vielseitiges Wissen überzeugte alle. Seine Lehrmethoden waren sehr erfolgreich, und es gelang ihm, die Schüler optimal zu fördern. Bundesrat Hermann Obrecht soll später erklärt haben, es sei sein Lehrer Joseph Eberwein gewesen, der ihn überzeugt habe, Lehrer zu werden. Als guter Schulmann wurde Eberwein Kantonaler Schulinspektor für die Schulen der Gemeinden Bettlach, Langendorf und Riedholz. Joseph Eberwein hatte zeitlebens Finanzsorgen. Im Institut Breidenstein war er finanziell nicht auf Rosen gebettet, und auch an der Bezirksschule war der Lohn nicht gross. Zudem war es ihm nicht möglich, einer Pensionskasse beizutreten. Aus diesem Grunde war an eine Pensionierung nicht zu denken. Noch mit 70 Jahren unterrichtete er. Am 24. April 1911, am Tag seines 71. Geburtstages, erlitt er einen Schlaganfall und verstarb. Joseph Eberwein, der "uomo universale", ist heute ein Unbekannter. Sehr zu Unrecht. Er legte nämlich die Grundlagen zur Grenchner Ortsgeschichte. Leider wurde diese bis heute leider nie veröffentlicht und es fragt sich, ob seine Arbeiten noch irgendwo existieren. Nach den Darstellungen von Dr. Hermann Hugi umfasste Eberweins Manuskript zur Dorfgeschichte Grenchens acht dichtbeschriebene Hefte. Er verfügte zudem auch über umfangreiches Quellenmaterial und Abschriften von Dokumenten, die heute offenbar leider verschollen sind. Dazu Hermann Hugi:
"Nennen wir nur jenes wertvolle Jahrzeitenbuch, welches sich 1890 im Staatsarchiv befand, das seither jedoch vollständig verschollen ist. Wie gut war der fleissige Geschichtsfreund beraten, dass er sich davon einen Auszug verfertigte! Im Gemeindearchiv standen ihm ebenfalls Zeugnisse und Verhandlungsberichte zur Verfügung, die schon längst dahin sind. Glaubwürdige Zeugen berichteten uns, die Frau eines früheren Gemeindeschreibers habe sie einmal in ihrem Ofenhaus verbrannt, als sie grosse Wäsche hatte."
Es bleibt zu hoffen, dass Eberweins Sammlung gefunden und publiziert werden kann. Und schliesslich könnte man sich vorstellen, dass irgendwo in der Stadt über kurz oder lang ein „Eberweinweg“ benannt wird.
Quellen
- Text von Rainer W. Walter
(Dieser Artikel ist Eigentum des Autors / der Autorin und kann deshalb nicht editiert werden.)