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Helfer Leichtathletik EM14
Jürg Stahl stand an der Leichtathletik-Europameisterschaft im Einsatz: «Als Helfer gebe ich dem Sport etwas zurück»
Jürg Stahl sagt von sich, er habe möglicherweise «ein Sport-Gen mehr erhalten» als der Durchschnitt. Damit trifft der ehemalige Spitzensportler vermutlich den berühmten Nagel auf den Kopf: Der in Brütten wohnhafte SVP-Nationalrat amtierte an der Leichtathletik-EM im Zürcher Letzigrund als Schiedsrichter beim Stabhochsprung.
Artikel Mano Reichling
Stahls Engagement als Kampfrichter hat eine zweijährige Vorlaufzeit. Alain Blondel, technischer Direktor der EM 2014 und im Jahr 1994 Europameister im Zehnkampf hatte vorgeschlagen, die Referees für die verschiedenen Disziplinen in Teams zusammen zu fassen. Damit, so die Idee, sei eine kompakte Einheit für das Schiedsgericht gewährleistet. Severin Moser – der Schwager von Jürg Stahl – ist Disziplinenchef des Nationalkaders der Stabhochspringer und hatte die Aufgabe, ein solches Team für den Wettkampf der Stabhochspringer zusammen zu stellen. Er griff dabei auf ehemalige Trainingskollegen zurück, unter ihnen auch Jürg Stahl.
Das Team von neun ehemaligen Trainingskollegen – alles Stabhochspringer oder Zehnkämpfer – hat sich an verschiedenen sportlichen Veranstaltungen «eingeschliffen» und war an der Leichtathletik-Europameisterschaft in Zürich in mehreren Einsätzen eingeteilt. Neben den Qualifikationen der Damen und Herren bildete der Final der Damen den Höhepunkt des ehrenamtlichen und freiwilligen Engagements der EM. Beim Final der Herren war sein Team am Samstag als Reserve ausgelost. «Alle Gruppen der Kampfrichter waren zur Sicherheit doppelt geführt», präzisierte der Brüttener, der seit seinem 46. Geburtstag zu Beginn dieses Jahres Mitglied der Männerriege des Turnvereins ist. Ausserdem spielt er Tennis.
Erfolgreicher Sportler
Jürg Stahls Karriere als Sportler lässt sich sehen. So kämpfte er in seinen Jugendjahren zuerst als Kunstturner erfolgreich in Wettkämpfen, wechselte später zum Zehnkampf und war Mitglied des Juniorennationalkaders. Im Stabhochsprung erreichte er 4,40 Meter Höhe und bezeichnet den Vize-Schweizermeister-Titel der Junioren 1984 in dieser Disziplin als seinen grössten Erfolg. Im Zehnkampf konnte er das Kantonale Turnfest in Neftenbach 1993 als Sieger feiern. Der Einsatz dafür war aber auch gross: Stahl trainierte sechsmal pro Woche. «Mein Leben war stark auf den Sport ausgerichtet.» Nach den Erfolgen in den Juniorenkategorien wurde es schwieriger: «Mit einer Grösse von 1,77 Meter ist man als Zehnkämpfer eher limitiert», stellt der Brüttener fest. Trotzdem bestritt er bis zum letzten Zehnkampf 1999 Schweizermeisterschaften über 110 und 400 Meter Hürden, im Zehnkampf und Stabhochsprung.
«Für mich war der Stabhochsprung immer die Paradedisziplin», erklärte Stahl. Der Umstand, dass alle Richter-Teammitglieder an der EM Erfahrungen im Stabhochsprung mitbrachten, sei in der technisch anspruchsvollen Disziplin von Bedeutung gewesen. Der Ablauf der Wettkämpfe sei reibungslos verlaufen. Jürg Stahls Aufgabe bestand darin, die Höhe des Stabes mittels eines Theodolits akribisch auszumessen, «denn 5,50 bedeuten 5,50 und nicht 5,499 Meter», stellt er klar. Insgesamt stand der Brüttener an vier Konkurrenzen und einmal als Reserve im Einsatz der Europameisterschaft.
Persönliche Bedeutung
Der Stabhochsprung-Wettkampf bedeutet für das neunköpfige Kampfgericht einen aufwendigen Betrieb. So reisen die Sportler mit vier bis sechs Stäben an, mit verschiedenen Härtegraden, Längen und Spezifikationen. Nach dem Einstich variiert die Lage der Anlage bis zu 80 Zentimeter in der Tiefe, und zudem muss die Latte auf der gewählten Höhe liegen und kontrolliert sein. Zusätzlich müssen die Zeiten eingehalten werden. «Den Wettkämpfern geht es um Vieles, da muss das Kampfgericht eine möglichst unauffällige Atmosphäre schaffen, um keine störenden Ablenkungsmanöver zu verursachen.» Eine Europameisterschaft sei zudem viel beachtet und das Interesse der Fernsehzuschauer sehr gross, analysiert Stahl weiter. So wolle man als Schiedsrichter in einem guten Licht erscheinen, auch wenn die Kamera auf die Athletinnen und Wettkämpfer gerichtet sei.
«Die Aufbietung zur Teilnahme als Kampfrichter der EM in Zürich und dazu noch in der ‹eigenen› Disziplin bedeutet mir sehr viel», sagt Stahl, der unmittelbar nach dem Karriere-Ende als Leistungssportler die Trainer- wie auch die Kampfrichterausbildung absolviert hat. So kam er an verschiedenen Wettkämpfen zum Einsatz, «in den letzten Jahren aus zeitlichen Gründen allerdings weniger.»
Sport im Alltag wichtig
«Ohne freiwillige Helferinnen und Helfer funktioniert kein solcher Anlass », sagt Jürg Stahl, der im Exekutivrat von Swiss Olympics sitzt, als Präsident des Swiss Cup Zürich «Weltklasse Turnen» amtet und Präsident der Parlamentarischen Gruppe Sport der Bundesversammlung ist. Die Reise- und Hotelspesen zu internationalen und nationalen Wettkämpfen bezahlt er jeweils selber. «Wir sind der Meinung, dass das Geld in den Sport und nicht in die Reisen der Sportfunktionäre einfliessen soll. Wenn jemand diese Aufgabe wegen des Geldes machen will, ist er in der falschen Organisation engagiert.» Die grosse Masse betreibe den Sport aus Leidenschaft, betont er und veranschaulicht, dass auch viele Eltern ihre Kinder für sportliche Betätigungen im grossen Stil und unentgeltlich unterstützen. «Ich habe in meiner aktiven Zeit an rund 35 Zehnkämpfen teilgenommen und von den damaligen Helfern selbst auch profitiert. Ich kann heute mit meinem Einsatz als Helfer dem Sport etwas zurückgeben, und das ist für mich ein sehr wichtiger Punkt», stellt Jürg Stahl klar.