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Der Brunnen der Göttin Latona, das Prunkstück der hydraulischen Wasserspiele im Schlosspark von Versailles, wird mit Schweizer Hilfe restauriert. Die Stiftung Philanthropia führt damit eine Schweizer Tradition im ehemaligen Königsgarten fort.
Die Beziehungen zwischen der Schweiz und dem prunkvollen Schloss von Versailles gehen bis in die Zeit von Marie-Antoinette im 18. Jahrhundert zurück, der Frau von Louis XVI.
Richtig eng wurden sie aber erst gut 200 Jahre nach dem blutigen Ende der Königin unter der Guillotine, nämlich seit Anfang der 2000er-Jahre: Breguet, einer der ältesten Schweizer Hersteller von Luxusuhren, der heute im Besitz von Hayeks Swatch-Imperium ist, erklärte sich bereit, eine Uhr der legendenumwobenen Marie-Antoinette zu restaurieren. Damit half das Traditionsunternehmen gleichzeitig mit, die Erinnerung an die geköpfte Königin aufzufrischen.
Für die kostbare Uhr fehlte aber ein würdiges Kästchen. Dazu erhielt der inzwischen verstorbene Swatch-Boss Nicolas Hayek Holz von einem Baum aus dem Schlosspark, der einem Sturm zum Opfer gefallen war. Hayek war darüber so entzückt, dass er gleich noch die Renovation des Petit Trianon spendierte. Diesen Pavillon in Versailles hatte Marie-Antoinette besonders gern aufgesucht.
Philanthropia, eine Stiftung aus Genf, die von der Privatbank Lombard Odier & Cie. alimentiert wird, schreibt diese Tradition jetzt fort. Sie finanziert die Restaurierung des Brunnens der Göttin Latona, genauer: die Erneuerung des gesamten Hydrauliksystems, das für die Wassersspiele im Brunnen sorgt. Das Prunkstück des Schlossparks von Versailles ist seit Jahren in einem pitoyablen Zustand. (Ev. deutsch: bedauernswerten)
Die Arbeiten sind auf November geplant und sollen 16 Monate dauern. Sie fallen also 2013 in die Feiern, die André Le Nôtre gewidmet sind, dem Gärtner des Königs und Gestalter der Beete, die den Latona-Brunnen umgeben.
Die Kosten sind auf acht Mio. Euro veranschlagt. "Von der Bedeutung her ist die Renovation mit derjenigen des Spiegelsaales im Schloss von 2004 vergleichbar", sagt Catherine Pégard, Präsidentin des Museums Schloss Versailles, das sich im Besitz des Staats Frankreich befindet.
Know-how-Transfer
"Am Anfang unseres Engagements standen Wünsche von Kunden unserer Bank, die sich stark für kulturelle Projekte interessieren", erklärt Thierry Lombard, Präsident der Stiftung Philanthropia und Mitglied der Geschäftsleitung der Privatbank.
Das finanzielle Engagement der Genfer umfasst nicht nur die Erneuerung des Brunnens und seiner Umgebung, sondern sieht auch einen Transfer von Fachwissen vor.
"Parallel zu den Restaurierungsarbeiten unterstützen wir die Vermittlung von Fachwissen in verschiedenen Kunsthandwerken wie Bildhauerei, Malerei und Tischlerarbeiten, die für die Wiederinstandsetzung des Schlosses nützlich sind", sagt Lombard mit besonderem Stolz.
Konkretes Ziel dieser Unterstützung ist eine Talentschmiede, aus der junge Handwerker hervorgehen, welche die alten Kunsthandwerke fortführen können. Auch sollen ihnen die erworbenen Fähigkeiten helfen, sich auf dem Arbeitsmarkt durchzusetzen. "Für uns ist dies ein Beitrag zur Entwicklung der Handwerke und zur beruflichen Entfaltung der Handwerker", so Lombard.
Am meisten profitieren können laut Catherine Pégard die Brunnenbauer, die ihr Kunsthandwerk seit den Zeiten von Louis XIV, also seit Generationen, ausübten.
Globalisiertes Geschäft
Die Schweiz ist aber nicht allein auf weiter Flur. Auch andere Länder, Unternehmen, Stiftungen und Familien tragen zur Wiederherstellung der meistbesuchten Schlossanlage Europas bei. "Versailles lässt alle Grenzen fallen", antwortet Catherine Pégard auf die Frage, weshalb sie sich beim Latona-Brunnen für eine Schweizer Beteiligung entschieden habe. "Heute ist es die Schweiz, morgen kann es China oder Österreich sein."
Lange hatten die USA eine Vorreiterrolle gespielt. Bereits 1930 hatte John D. Rockefeller eine waschechte Rettungsaktion finanziert.
Im Konglomerat der Mäzene spielen Schweizer Geldgeber eine traditionell diskrete Rolle. Thierry Lombard spricht denn auch von einer "bescheidenen Geste".
Die Frage, ob die Bank mit den Engagements der Stiftung Philanthropia nicht in erster Linie das Image aufpolieren wolle, hört Lombard nicht gerne. "Wir haben das Glück, dass wir im Gegensatz zu gewissen grossen Banken keine strategischen Fehler ausbügeln müssen. Wir schieben unsere kleine ruhige Kugel so professionell wie möglich", so der Bankenvertreter.