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Schlussfolgerungen
- Zusammenfassung
- Gibt es mehr als einen Gott im Sinne eines Absoluten?
- Parallelen in Buddhismus und Christentum
- Welches Gottesbild ist das Richtige?
- Gott in der Lebenspraxis
Zusammenfassend lässt sich über Gott bzw. das Absolute und dessen Darstellung in den verschiedenen Religionen und deren Schulen folgendes sagen:
- Jede Religion kennt ein absolutes Prinzip, auf das sich alles Seiende bezieht.
- Weder die Existenz noch die Nicht-Existenz eines Absoluten lassen sich beweisen. Es gibt bis heute keine schlüssigen und widerspruchsfreien Gottesbeweise.
- Gott bzw. das Absolute lässt sich offenbar in Ausnahmefällen erfahren, die Erfahrung lässt sich jedoch sprachlich nicht adäquat wiedergeben oder in Konzepte fassen.
- Beschreibungen und Konzepte über Gott bzw. das Absolute sind spekulativ, unpräzis und oft nicht frei von inneren Widersprüchen. Sie können bestenfalls als Annäherungen oder Metaphern verstanden werden. ↑
Viele religiöse Menschen nehmen für sich in Anspruch, zum 'einzig wahren' Gott zu beten und lehnen die Gottesvorstellungen aller anderen Religionen ab. Das würde bedeuten, dass entweder alle anderen Menschen nicht zum 'richtigen' Gott beten oder dass es mehr als ein Absolutes gibt. ↑
Die Vorstellung von unterschiedlichen, voneinander verschiedenen Absolutums (Gott, Allah, Brahman etc.) steht jedoch im Widerspruch zur Vorstellung eines Absoluten an sich. Wenn es nämlich so etwas wie Gott bzw. ein Absolutes gibt, dann muss dieses für alle Menschen das gleiche sein. Sonst handelt es sich nicht um ein Absolutes sondern um etwas, das sich als ein Aspekt eines umhüllenden Absoluten verstehen liesse. ↑
Wenn nun die Anhänger der verschiedenen Religionen behaupten, dass nur ihre Vorstellung eines Absoluten bzw. ihr Gottesbild das Richtige ist, notabene ohne dies beweisen zu können, stellen sie indirekt entweder die Existenz eines Absoluten an sich in Frage oder sie bestätigen implizit, dass ihr 'Gott' nicht diesem Absoluten entspricht.
Damit berauben sie aber sowohl ihre eigene als auch alle anderen Religionen ihrer innersten Essenz und ihres eigentlichen Sinns, der ja in der Rückbindung zu Gott bzw. zum Absoluten liegt. Zudem leisten sie mit ihren oft naiven und widersprüchlichen Gottesbildern dem zunehmenden Atheismus Vorschub. ↑
Wie andernorts dargestellt, kennen sowohl das Christentum als auch der Buddhismus ein Konzept für ein Absolutes. Beide Konzepte sind grundsätzlich verschieden. So geht das Christentum von einem personalen Schöpfergott aus, der direkt ins Weltgeschehen eingreift, während der Buddhismus mit der 'Leerheit' ein apersonales Konzept der letzten Wahrheit hat und den Schöpfungsakt nicht thematisiert. Dennoch gibt es gewisse Parallelen:
- Sowohl das Christentum als auch der Buddhismus kennen ein letztes transzendentes Prinzip. Im Christentum ist dies Gott bzw. der Gottvater, im Buddhismus die Leerheit. Beides wird als grundsätzlich 'unverfügbar' und 'unbeschreibbar' angesehen.
- Sowohl im Christentum als auch im Buddhismus ist das transzendente Prinzip eng mit dem Aspekt von Schöpfung bzw. Manifestation verbunden. Transzendenz und Schöpfung werden als Einheit verstanden, wobei im Christentum der Schöpfungsaspekt durch den 'Gottsohn' und im Buddhismus durch den Begriff der 'Form' repräsentiert wird. Im Christentum bilden Gottsohn und Gottvater mit dem Heiligen Geist zusammen eine göttliche Einheit. Im Buddhismus wird die Manifestation bzw. die Form als untrennbar von der Leerheit angesehen (Leerheit ist Form – Form ist nichts anderes als Leerheit). Mit diesem Verständnis können beide Konzepte als 'panentheistisch' angesehen werden. ↑
Wir wissen nicht, welches Gottesbild, welche Beschreibung oder welches Konzept von Gott bzw. dem Absoluten der Realität am nächsten kommt. Sicher ist, dass die Zuordnung von Attributen zum Absoluten grundsätzlich heikel ist. Im besseren Fall führt sie zu einem unvollständigen Bild und damit zu einer begrenzten Sicht auf Gott bzw. das Absolute. Oft führt sie auch zu logischen Widersprüchen, wie das Beispiel der » Theodizee zeigt. ↑
Sowohl der christliche Gottesbegriff als auch alle anderen Beschreibungen und Konzepte des Absoluten sind als Metaphern zu verstehen. Eine Metapher stellt eine Umschreibung bzw. ein vereinfachtes Abbild einer Realität dar, nicht die Realität selbst. Die Realität kann auch durch andere Metaphern beschrieben werden. Wer Gott bzw. das Absolute nicht aus eigener Anschauung kennt, kann nicht beurteilen, welche der Metaphern besser passt. Damit wird der Absolutheitsanspruch sowohl des christlichen als auch aller anderen Gottesbilder hinfällig – es ist eines unter vielen, die erst einmal gleichwertig nebeneinander stehen.
Neben den theologisch-philosophischen Ansprüchen an den Gottesbegriff gibt es noch den rein praktischen Anspruch der Gläubigen an eine im Alltag handhabbare Gottesvorstellung. Für einen religiös praktizierenden bzw. spirituellen Menschen ist der Bezug zu Gott essenziell. Der Aufbau einer inneren Beziehung zu einer unfassbaren transzendenten Wirklichkeit ist jedoch ungleich schwieriger als der Bezug zu einem personalen Schöpfergott, zum 'Sohn Gottes' oder zu einer buddhistischen oder hinduistischen Gottheit.
Für den persönlichen spirituellen Pfad kann die Vorstellung eines personalen Schöpfergottes bzw. eines 'Vaters' oder einer 'Mutter' ein 'geschicktes Mittel' sein, das trotz aller philosophischer Vorbehalte seinen Zweck im Alltag erfüllt und den Menschen seinem eigenen göttlichen Kern langsam näher bringt.
Das ist so lange unproblematisch, als die eigene Position nicht absolut gesetzt und alle anderen Gottesbilder als Häresie abgelehnt werden. Ein hoher Anspruch, gewiss, angesichts zunehmend multireligiöser Gesellschaften aber ein notwendiger. ↑
Version vom 24. Januar 2021
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