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Karl Gademann (geboren 1972) studierte an der ETH Zürich Chemie und promovierte 2000 bei Prof. Dr. Dieter Seebach. Nach einem Forschungsaufenthalt bei der Givaudan (Herstellung neuer Duftstoffe) wechselte er an die Harvard Universität, wo er zusammen mit Prof. Dr. Eric N. Jacobsen neue Synthesemethoden in der Katalyse entwickelte. Seit 2002 arbeitete er an der ETH Zürich im Umfeld von Prof. Dr. Erick M. Carreira an seiner Habilitation (venia legendi Oktober 2006).
Karl Gademann erhielt einen Ruf an die ETH Lausanne, wo er eine Forschungsgruppe als Assistenzprofessor (Tenure Track) aufbauen und leiten wird. Seine Forschung wurde durch mehrere Preise ausgezeichnet, so erhielt er den Latsis Preis der ETH 2004 und den Lilly Lecture Award 2005. Die Arbeiten zum potentiellen Alzheimerwirkstoff Nostocarboline fanden 2006 weltweit Widerhall in den Printmedien, im Radio und im Fernsehen.
Im Zentrum der Forschung von Karl Gademann stehen chemisch hergestellte Naturstoffe und deren Anwendung in Biologie und Materialwissenschaft. Diese Substanzen, die von Organismen wie Bakterien, Algen oder Pilzen hergestellt werden, sichern ihren Produzenten einen evolutionären Vorteil, indem zum Beispiel Konkurrenten eliminert oder Spurenelemente besser aufgenommen werden können. Die chemischen Strukturen solcher Naturstoffe wurden über Jahrmillionen hinweg auf eine biologische Wirkung optimiert und bilden so einen idealen Startpunkt, um biologische Phänomene mit chemischen Derivaten zu beeinflussen und zu untersuchen.
Ein Forschungsprojekt in der Gruppe von Karl Gademann dreht sich um die Verbindung Anachelin, ein Molekül, das von einer Blaualge (im Bild rechts) produziert wird, um Eisen aufzunehmen. Diese Verbindung wurde durch die Evolution ausgewählt, um Eisenionen mit sehr hohen Affinitäten zu binden. Die Frage stellte sich nun, ob solche Moleküle nun nicht nur einzelne Atome, sondern ganze Oberflächen binden können.
In der Tat konnte nun in Zusammenarbeit mit der Gruppe von Prof. Dr. Marcus Textor an der ETH Zürich gezeigt werden, dass der Naturstoff Anachelin ein ideales Strukturmotiv besitzt (Bildmitte), um Titanoxidoberflächen zu binden. Weiter wurden diese Oberflächen (im Bild links) durch Anachelin-Derivate resistent gegen das Anheften von Proteinen aus menschlichen Blutserum gemacht, was eine der Herausforderungen an biokompatible Materialien in der Medizinaltechnik darstellt. Dieses Projekt zeigt somit, wie eine evolutionär optimierte Eigenschaft des Naturstoffes Anachelin (Bindung von Spurenelementen) durch chemische Synthese gezielt modifiziert werden konnte, um so für ein scheinbar ganz anderes Problem, der Herstellung biokompatibler Oberflächen, eine effiziente, molekulare Lösung zu finden.
Die diesjährige jury unter dem Präsidium der SCNAT-Sektion Chemie und Philippe Renaud, Professor am Departement für Chemie und Biochemie der Universität Bern, setzt sich folgendermaßen zusammen: