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Für seinen ersten Langfilm hat sich der argentinische Filmemacher Pablo Briones mit zwei Kollegen aus den USA – The Moving Picture Boys – zusammengetan, die er während eines Workshops kennenlernte, den der iranische Regisseur Abbas Kiarostami an einer kubanischen Filmschule gab. Basierend auf Pezcal (2016), einem Kurzfilm, den er im Rahmen dieser Ausbildung drehte, führt uns Briones mit Baracoa in den Alltag zweier junger Kubaner. Antuán ist einen Kopf grösser als Leonel, was nicht überrascht, denn der Junge mit dem provokativen Auftreten und dem explosiven Temperament ist dreizehn, während sein stillerer Freund erst neun ist. Trotzdem scheinen sie wie für einander geschaffen.
In einem verschlafenen Dorf auf dem Land verbringen Leonel und Antuán ihre Sommerferien damit, ein Universum fernab der Erwachsenenwelt zu erkunden. Ihre Freundschaft besteht zum Beispiel darin, in verlassenen Ruinen umherzuschweifen, von einem Ausflug an den Strand von Baracoa zu träumen und erstaunlich reife Gespräche zu führen. «Hast du nie mit offenen Augen geträumt?», fragt Leonel Antuán. «Du musst etwas anstarren und dabei an irgendwas denken, zum Beispiel: Wo auf der Welt möchtest du am liebsten leben?» Die beiden Freunde geniessen diese gemeinsamen Augenblicke.
Nachdem sie Streichhölzer gekauft und Fackeln gebastelt haben, erforschen sie eine Höhle. Die Flammen verlöschen allmählich und weichen der schwarzen Nacht – einer bedeutungsschweren Nacht, da die beiden Jungs wissen, dass sie solche Momente sommerlicher Faulheit nicht mehr lange erleben werden. Nach den Ferien wird sich die Magie der Kindheit verflüchtigen: Antuán zieht nach Havanna, wo er bei seinem Vater leben wird. Die zwei – bisher immer zusammen gefilmten – Kumpane erscheinen nun einzeln auf der Leinwand. Während der ältere vom Leben in der Hauptstadt fasziniert ist, denkt Leonel über sein Leben und seinen Platz in der Welt nach. Über Antuáns nahenden Wegzug will er sich keine Gedanken machen. Wenn es so weit ist, wird ihn dessen Abwesenheit unvermittelt überrumpeln.
Baracoa ist ein Film, angesiedelt zwischen Doku und Fiktion, über die Freundschaft. Leonel und Antuán begegnen sich später in Havanna wieder, aber es ist nicht mehr wie früher – der Zauber der Kindheit ist unweigerlich einer Welt gewichen, in welcher für Gefühle scheinbar kein Platz mehr ist. Briones’ erster Langfilm erfasst das Erwachsenwerden klar und sensibel – wie auch die beiden Hauptdarsteller. Indem Baracoa zeigt, wie sich die Freundschaft von Leonel und Antuán wandelt, wird der Film zur Metapher für die Veränderung der kubanischen Gesellschaft.