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Abessinien
(weniger richtig Abyssinien, eigentlich Habesch, Habaschâ, s. Karte »Ägypten«), [* 2]
ein großes Reich im O. Nordafrikas, im S. von den Gallaländern, im übrigen von zum ägyptischen Sudân gehörigen Landschaften begrenzt. Es umfaßt drei ehemals selbständige Reiche: Tigré im N., mit der frühern Hauptstadt Adua (4000 Einw.) und dem alten, in Ruinen liegenden Axum, Amhara, mit der frühern Hauptstadt Gondar (12,000, einst 60,000 Einw., mit 44 Kirchen) und der jetzigen Residenzstadt Debra Tabor im O. des Tanasees, und Schoa im S., mit den verfallenden Städten Ankober und Angolala, und hat ein Gesamtareal von 333,200 qkm (6058 QM.) und 3 Mill. Einw. Aus den ringsum liegenden niedrigen Landschaften steigt das Land im N. und S. allmählich, im O. und W. aber unvermittelt zu einem äußerst zerrissenen Alpenland von 2000-2300 m mittlerer Erhebung auf.
Das Innere ist eine Folge grasreicher, aber meist waldloser Plateaus, auf welchen sich zahlreiche isolierte, oft sehr grotesk gestaltete Felsmassen. mit senkrecht abfallenden Wänden und von sehr verschiedener Größe erheben. Während einzelne derselben nur mit Leitern erstiegen werden können, haben andre das Aussehen von Tafelbergen, sind auf der Gipfelfläche wohlbewässert und mit üppiger Vegetation bedeckt, daher auch bewohnt und angebaut. Diese Felsmassen dienen der Bevölkerung [* 3] in ihren Kriegen gegen auswärtige Feinde und bei ihren innern Fehden als natürliche Festungen und werden mit dem allgemeinen Namen Amba bezeichnet.
Außerdem sind die
Hochebenen von mehreren ansehnlichen, nur teilweise voneinander getrennten
Gebirgsketten durchzogen, unter
denen im nördlichen Teil des
Landes besonders folgende bemerkenswert sind. Die eine zieht sich an der Nordgrenze von der
Landschaft
Semién durch ganz
Abessinien bis in die
Nähe des Hawaschthals, wo sie noch bis zu 3500 m ansteigt, um sich dann gegen W.
in die
Hochebene der
Galla zu verflachen. Eine nach
SW. gehende Abzweigung umfaßt im S. den großen
Tanasee und endigt in dem
wenigstens 3600 m hohen Talba-Wahagebirge in den
Landschaften Matscha und
Godscham.
Dieser langen Gebirgskette gehören in Semién und Wogera an der Ras Daschan von etwa 4620 und der Buahit von 4510 m Höhe, deren Gipfel einen großen Teil des Jahrs mit Schnee [* 4] bedeckt sind. Südwestlich von Semién setzen sich die Gebirge in der 3000 m hohen, gestaffelten Terrasse von Wogera fort, die sich allmählich nach SO. verflacht und kesselförmig das große Becken des Tanasees umgibt. Ohne Unterbrechung ziehen die Gebirge nach SO. weiter durch das 4300 m hohe Gunagebirge bis zum trennenden Thal [* 5] des Beschilo.
Südlich von diesem ragt isoliert
Abessiniens höchstes
Gebirge, die
Kollo, bis 4600 m empor. Auch die
südlichen
Landschaften
Kaffa und
Enarea sind gebirgig und haben sogar mit ewigem
Schnee bedeckte Gipfel aufzuweisen. Die Hochflächen
sind häufig von engen, manchmal sehr tiefen, schluchtenartigen
Thälern durchfurcht, in denen die
Flüsse
[* 6] des
Landes ihren
Lauf nehmen. Wo breitere
Einschnitte sind, besteht die
Hochebene aus mehreren isolierten
Plateaus mit steil
abstürzenden
Wänden, so besonders im
Hochland von
Schoa.
Von dem niedrigen Küstenstrich, der Samhara, aus gesehen, gewährt den Anblick einer ragenden Burg, durch deren Wälle nur wenige, oft treppenartige Pässe auf das eigentliche Hochland führen. Der frequenteste dieser Pässe ist der am Tarantaberg, der von dem Hafenort Massaua [* 7] nach dem Hochland führt, neben welchem wir im Innern Semiéns noch den in fast 3000 m Höhe liegenden Selkipaß erwähnen, der bis in die Schneeregion reicht. Den nördlichen und westlichen, wahrscheinlich auch den südlichen Abfall des Hochlands umzieht eine 6-7 Tagereisen breite, sumpfige, mit dichtem Urwald bedeckte und von Elefanten, Raubtieren und Schlangen [* 8] erfüllte, aber dünn bevölkerte Region, die sogen. Kola oder Kwola (d. h. heißes Land). Von ganz andrer Beschaffenheit als das Hochland ist die Samhara, indem sich diese nur wenig über den Meeresspiegel erhebt und ein heißes, wasser- und vegetationsloses, schwach bevölkertes Gebiet bildet, dessen Oberfläche teils aus nacktem Fels, teils aus flüchtigen ¶
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Sandablagerungen über demselben besteht. Geognostisch ist
Abessinien vorwiegend vulkanischer Natur, und nur von O. her ragt die Kalk
und Sandsteinformation in den vulkanischen Kern keilförmig hinein. Schon in der Samhara finden sich ausgebrannte Krater,
[* 10] Lavaströme
und Lavafelsen. Ebenso ist der ganze nördliche Rand des Hochlands mit Massen von Lava, Schlacken, Mandelsteinen
und Basalt bedeckt, und weiter im Innern ist der Tanasee von einem schroffen, aus vulkanischem Gestein bestehenden Kamm umschlossen,
an welchem zahlreiche warme Quellen entspringen. Weiterhin befinden sich besonders in den Landschaften Wogera, Talemt, Agamé
und Semién vulkanische und plutonische Gebilde in großer Verbreitung, und auch in den südlichern Landschaften
Begemeder, Godscham, Ghedem, Agaomeder hat man dergleichen in Masse angetroffen, die aber vorzugsweise aus Trachyt bestehen.
Aktive vulkanische Thätigkeit hat man 1861 noch beim Vulkan Ed am Roten Meer beobachtet.
Abessinien ist überaus reich an Gewässern, aber keins derselben ist schiffbar oder auch nur flößbar. Alle befinden sich in
einer Höhe von fast 3000 m. Als der bedeutendste Strom im nördlichen Teil des Landes ist der Abaí, der obere Lauf des Blauen
Nils, zu nennen, der bei Säkkala in der Provinz Matscha entspringt, als reißender Bergstrom in den Tanasee fällt und, nachdem
er ihn wieder verlassen, in langer Spirale die amharische Landschaft Godscham umzieht, eine lange Reihe von
Stromschnellen und Katarakten bildend.
Unter seinen zahlreichen Nebenflüssen seit seinem Austritt aus dem Tanasee sind die bedeutendsten: auf der linken Seite Beschilo,
Dschamma, Guder, Didessa, Jabus und Tumat, auf der rechten Dinder und Rahad, von denen die zwei letzten von den
Bergen
[* 11] Godschams herkommen. Der Takazzé, der zweite Hauptstrom Nord
abessiniens, entspringt auf der Grenze zwischen Lasta und
Begemeder, scheidet in seinem nordwestlich gerichteten Lauf bis zum 17° nördl. Br. die Landschaften Tigré und Amhara voneinander
und bildet, mit einer Breite
[* 12] von etwa 200 m ein hohes Plateauland durchziehend, den Abzugskanal für das
nordöstliche
Abessinien. Er erhält später den Namen Setit und fällt dann als Atbara in den Nil. Im südlichen
Abessinien ist der Hawasch von
Bedeutung, der im Guraguegebirge entspringt, in einem weiten, fruchtbaren Thal zuerst nach N., dann nach O. fließt, die Landschaft
Schoa gegen die freien Gallaländer abgrenzend, und endlich sich wieder nach N. wendet, um sich in
den Aussasee zu ergießen.
Endlich ist noch der Mareb oder Gasch zu erwähnen, der in Tigré entspringt, auf einer weiten Strecke nach NW. fließt, dann
aber eine nordöstliche Biegung macht. Man glaubte früher, daß er in das Rote Meer münde, weiß aber
jetzt, daß er sich zur Zeit seiner Hochflut in den Atbara ergießt. Alle angeführten Ströme also, mit Ausnahme des Hawasch,
gehören dem Stromsystem des Nils an. Nur der in der nördlichen Landschaft Hamasen bei Tatsega entspringende Ainsaba, der
Mensa und Bogos durchzieht, wendet sich dem Baraka zu und gehört so dem Roten Meer an. In der trocknen Jahreszeit
sind die Ströme teilweise ohne Wasser, in der Regenzeit aber überfluten sie, oft furchtbare Zerstörungen hervorbringend,
das Flachland. Sie bedingen wesentlich das Steigen des Nils und sind Ursache des fruchtbaren Schlammabsatzes in Ägypten durch
die aufgelösten vulkanischen Massen, die sie mit sich führen. - Unter den zahlreichen Landseen
Abessiniens
sind
einige sehr bedeutende, die fast ohne Ausnahme im Hochland liegen und den Charakter der europäischen Alpenseen haben.
Ihre vulkanische Umgebung scheint zu der Annahme zu berechtigen, daß sie Ausfüllungen von erloschenen Kratern sind. In Nord
abessinien
ist als der größte der 1859 m ü. M. gelegene Tana oder Dembeasee in der Landschaft Dembea (s. Tana), im
O. der Aschangisee in der Landschaft Wogera zu erwähnen, welch letzterer, von 3300 m hohen Bergen umgeben, in 2441 m Höhe liegt
und einen Umfang von 22 km hat.
[Klima, [* 13] Naturprodukte.] Der Abessinier unterscheidet in seinem in klimatischer Beziehung so viele Abwechselung bietenden Vaterland zwei Hauptregionen: die Kola oder Kwola (das Tiefland unter 1600 m) und die Deka, nebst einem vermittelnden Gliede, der Woina Deka (1600-2400 m). Das Klima ist im Hochland gemäßigt und angenehm, nur in der Deka und namentlich auf den hohen Gebirgszügen von Lasta und Semién im Winter sehr kalt. Auf den östlichen höhern Plateaus steigt das Thermometer [* 14] im Sommer selten über 30° R. und fällt nicht unter 17°, so daß die mittlere Temperatur etwa 24,5° beträgt.
Weit milderes Klima hat das westliche Hochland, wo die mittlere Temperatur zwischen 17,5 und 31,5° schwankt. Gondar hat bei seiner 1904 m hohen Lage eine mittlere Temperatur von 15°, aber bei fast immer heiterm Himmel [* 15] ist die Wärme [* 16] selbst im Sommer nicht drückend. In den Niederungen herrscht dagegen einen großen Teil des Jahrs hindurch eine glühend heiße Temperatur, die in den engen Flußthälern wahrhaft erstickend wird. Da in der Samhara die Tropenregen fehlen oder nur periodisch eintreten, so ist hier zugleich die Atmosphäre außerordentlich trocken, während in der Kola wegen des dichten, für die Sonnenstrahlen undurchdringlichen Urwalds und Gestrüpps bei ebenfalls großer Hitze Feuchtigkeit vorherrscht. Im nördlichen Hochland beginnt die Regenzeit im April, um mit Unterbrechungen bis Oktober anzuhalten; in Schoa dauert sie von Mitte Juni bis September.
Bei der außerordentlichen Reinheit der Luft erfreuen sich die Bewohner der höher gelegenen Gegenden einer ausgezeichneten Gesundheit; nur rheumatische Übel werden durch die kalten Winde [* 17] veranlaßt, und in Schoa grassiert der Aussatz. Eine unter den Abessiniern sehr verbreitete Krankheit ist der Bandwurm, [* 18] ohne Zweifel infolge des fortwährenden Genusses von rohem Fleisch; doch bietet die Natur selbst in einigen Pflanzen die kräftigsten Gegenmittel dar. In den heißen Flußthälern und in der Kola herrschen Dysenterien, Faulfieber und heftige nervöse Krankheiten, welche besonders den Weißen verderblich werden. - Der Pflanzenwuchs ist bei den verschiedenen klimatischen Verhältnissen des Landes sehr mannigfaltig und in günstigen Lagen außerordentlich üppig.
Während er in den hoch gelegenen Gegenden schon ganz subalpinisch ist, hat er in der Kola und in den heißen Thälern des
untern Mareb und Takazzé ganz den tropischen Charakter. Die Vegetation der letztern zeigt Tamarisken, Sykomoren,
Adansonien und Fikusarten, Tamarinden und Kigelien, Akazien, wilde Baumwolle,
[* 19] Sesam und Büschelmais längs der Flußufer. In der
mittlern Region der Kola beginnt die Vegetation der Aloepflanzen. In 1500 m Höhe erscheint die für
Abessinien so charakteristische
Kolkwaleuphorbie, die bis 3600 m Höhe aufsteigt. Ihr gesellen sich der Ölbaum und die mächtige Adansonia
bei, doch stehen alle diese Bäume in der Kola
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nie in Massen beisammen. Die Woina Deka führt ihren Namen nach dem Weinstock, der bis 2500 m Höhe geht. Hier gedeihen zumal
Ölpflanzen (Nuk und Lein), Hülsenfrüchte, Dakuscha, Tef, Mais, Weizen, Gerste
[* 21] und andre Cerealien. Kaffee wird noch in der Kola
gebaut, wächst aber hauptsächlich im südlichen
Abessinien, seinem Heimatsland, zwischen 1800 und 2300 m
Höhe. Die Ensetebanane wird noch höher hinauf angepflanzt; mit ihr steigt eine Phönixpalme bis 2400 m.
Bignonien, Erythrinien, Loranthus und Orchideen
[* 22] zieren diese Region mit reichem Blütenschmuck; in ihr gedeihen Myrten, Granaten,
[* 23] Zitronen.
Auch die Kartoffel ist dort eingeführt. Reichtum, Mannigfaltigkeit, Fülle und Üppigkeit zeichnen die Woina Deka aus. Gehen ihr auch die Riesenformen der Adansonien und Kigelien des Tieflands ab, so finden wir hier andre, ihrem Typus nach echt tropische Gewächse, wie Kolkwal und Ensete, oft waldartig zusammengedrängt neben herrlichen blühenden Zwiebelgewächsen, Gladiolus, Hämanthus, Amaryllis etc. Den größten Teil des Landes nimmt die Deka ein; bis zu 3900 m gedeihen hier noch Gerste, Weizen, Einkorn, der bandwurmvertreibende Kusso (Brayera anthelmintica).
Ein baumartiges Hyperikum und die baumartige Heide bilden in 3500 m die Baumvegetation mit ihren zahlreichen Flechten.
[* 24] In dieser
Höhe beginnt die Region der merkwürdigen Gibarra (Rhynchopetalum montanum), einer Lobeliacee, die an der Grenze
des Schnees plötzlich die Form der Palmen
[* 25] vor Augen zaubert. Neben ihr blühen Alpenpflanzen; bis in die gleiche Höhe gehen
baumartige Kugeldisteln (Echinops). Außer den schon erwähnten Getreide
[* 26] und Ölfrüchten werden in
Abessinien folgende Nutzpflanzen
angebaut: die Ensetebanane, Rettiche, Senf, Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer, Kaffee, Indigo,
[* 27] Tabak,
[* 28] Baumwolle, Wein, Pfirsiche, Mandeln
etc. Reich ist das Land an medizinischen Pflanzen, namentlich an wurmtreibenden (Brayera, Bussena);
Celastrus dient gegen Wechselfieber;
Rizinus ist häufig.
Bambus, Rotang, Sykomoren, der Ölbaum, Akazien etc. liefern Nutzholz. - Kaum minder reich als die Pflanzenwelt
ist die Tierwelt
Abessiniens, ebensowohl durch Menge der Individuen als Mannigfaltigkeit der Arten. Zahlreich
sind besonders die Pachydermen: Elefanten, die selbst auf dem Plateau bis zu einer Höhe von 2500 m hinausgehen, ein und zweihörnige
Nashörner, Nilpferde, Büffel und wilde Schweine
[* 29] bevölkern die Kola. Rindvieh, worunter eine Varietät, das Sangarind, durch kolossale
Hörner ausgezeichnet ist, ernähren die wiesenreichen Striche des Hochlands in großer Menge; Kamele
[* 30] finden
sich aber nur in der Samhara und im Adâlland; Schafe,
[* 31] zum Teil fettschwänzige, auch behaarte, werden besonders in der Provinz
Begemeder, treffliche Pferde
[* 32] und Maulesel auf den Hochebenen Nord
abessiniens und in den Gallaebenen gezüchtet.
Giraffen bewohnen die sandigen südöstlichen Gegenden, Antilopen in Menge und in verschiedenen Arten Gebirge und Ebenen; mehr vereinzelt kommen wilde Ziegen vor. Raubtiere, [* 33] namentlich Schakale und Hyänen, werden oft zur Landplage. Löwen [* 34] schweifen in der Samhara und im Adâlgebiet, Panther und Leoparden, Luchse, wilde Katzen, [* 35] Füchse und Zibetkatzen (wichtig für den Handel der südabessinischen Länder) in Enarea und Kaffa umher. Affen [* 36] sind in verschiedenen Arten, darunter der herrliche schwarz und weiß gefärbte Guereza, der im Hochgebirge weilende Tscheladapavian, der Silberpavian oder Hamadryas, die Meersäugetiere im Dugong (Halicore tabernaculus) an der Dahlakgruppe im Roten Meer vertreten.
Als besondere Charaktertiere sind noch zu erwähnen: der Walgiéhund in den höchsten Gebirgen Semiéns, der Honigdachs oder das Ratel, das Erdferkel (Orycteropus), der abessinische Steinbock, das Nachtschwein (Nyctochoerus Hassama), der Klippschliefer (Hyrax). In außerordentlicher Menge sind Vögel [* 37] vorhanden, besonders Geier, Adler [* 38] und Falken, Guinea und Rebhühner, Nashornvögel und Strauße, letztere in den heißen, sandigen Landstrichen. Von Reptilien gibt es Krokodile [* 39] in Menge, jedoch nur in den größern wärmern Flüssen, und große Schlangen in der Kola. Reich an Fischen ist der Tanasee; am Strande der Adulisbai lebt der froschlarvenartige merkwürdige Fisch Periophthalmus Koehlreuteri. Im Atbara kommt ein Wels vor, der Hausenblase liefert. Von Insekten [* 40] treten die Heuschrecken [* 41] und Termiten [* 42] oft als Landplage auf, und eine Fliege (Tsaltsalya) ist in der Regenperiode dem Vieh selbst tödlich. Schöne Mollusken, [* 43] auch Perlmuscheln und Austern bieten die Küsten des Roten Meers dar. - Von Mineralien [* 44] findet sich Gold [* 45] im N. in der Kola von Râs el Fil und in den Alluvionen am Mareb, im W. in den an Agaomeder angrenzenden Gegenden der Kola, im S. im Sande der Flüsse von Damot, Kaffa und Gurague, in den Trachytgesteinen von Schoa. Eisen [* 46] ist besonders in Tigré und Schoa am Tschatschafluß verbreitet; Steinkohlen birgt der Ostrand des Plateaus von Schoa, Schwefel die Taltalebene bei Alaul, Salz [* 47] die flachen Striche des Adâllands.
[Bevölkerung.] Die Bevölkerung von Abessinien ist sehr gemischt. Durch die Vielweiberei und den Sklavenhandel, welcher seit Jahrtausenden Frauen aus sehr verschiedenen Völkern ins Land gebracht hat, wurden die eigentlichen echten Typen vielfach verwischt, wie dadurch auch die Ausbildung eines festen nationalen Charakters mit scharfem Gepräge bei den einzelnen Völkerstämmen unmöglich geworden ist. Was man als eigentliche Abessinier (s. Tafel »Menschenrassen«) [* 48] oder Äthiopier bezeichnet, ist ein zur südlichen Familie der Semiten gehöriges, ursprünglich aus Arabien eingewandertes Volk, das infolge seiner höhern Anlage und Gesittung die Herrschaft an sich gebracht hat.
Viele Angehörige tragen noch das rein kaukasische Gesichtsgepräge und haben schlichtes, schwarzes Haar, [* 49] während die Hautfarbe wechselt; man hat Kinder Eines Vaters mit roter, olivengelber, brauner und schwarzer Hautfarbe, mit schlichten oder wollig gekräuselten Haaren. Als ausgestorbene, nur noch in den religiösen Büchern lebende Ursprache der Abessinier gilt die äthiopische oder das Geéz, das zur Zeit der Einführung des Christentums im Land gesprochen wurde. An seine Stelle traten (seit wann, ist unbekannt) zwei lebende Sprachen, die von den beiden Hauptstämmen der Abessinier heute geredet werden.
Das Amharische (Amhareña) wird in den südlich und westlich vom Takazzé gelegenen Landschaften, das Tigrische (Tigreña, Tigré) in den östlich davon gelegenen Gegenden gesprochen. Das Amharische hat mehr Fremdartiges angenommen als das Tigrische, aber es wurde zur Regierungssprache erhoben und reicht bis Harar im O. Das Tigrische hat im Dialekt von Gurague, einer südabessinischen Landschaft, eine Tochtersprache aufzuweisen. Wie sprachlich, so sind auch im Charakter die beiden Hauptstämme der Abessinier mannigfach geschieden, und diese Verschiedenheit hat auch Einfluß auf den ¶