Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03379.jsonl.gz/1302

Nach seiner erneuten Vorwahlschlappe wächst der Druck auf den US-Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders, aus dem Rennen auszusteigen. Mehrere Politiker der US-Demokraten riefen den linksgerichteten Senator am Mittwoch auf, das Handtuch zu werfen und Ex-Vizepräsident Joe Biden damit das Feld zu überlassen.
Sanders selbst will nun zunächst das weitere Vorgehen prüfen. Die Demokraten befürchten inmitten der Coronavirus-Krise eine aufreibende Fortsetzung des Wahlkampfes, die letztlich Präsident Donald Trump in die Hände spielen könnte.
Sanders hatte am Dienstag herbe Wahlniederlagen gegen Biden kassiert: Der selbsternannte «demokratische Sozialist» unterlag dem Mitte-Politiker Biden in in Florida, Illinois und Arizona und damit in allen drei Bundesstaaten, in denen am Dienstag abgestimmt wurde.
Im bevölkerungsreichen und damit besonders wichtigen Florida, in dem 219 Delegierte vergeben wurden, landete der 78-jährige Senator gar rund 40 Prozentpunkte hinter seinem 77-jährigen Rivalen Biden.
Rein rechnerisch hat Sanders inzwischen so gut wie keine Chancen mehr auf die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. Biden hat einen kaum einholbaren Vorsprung an Delegierten, die im Juli den Herausforderer Trumps wählen sollen.
Sanders äusserte sich am Wahlabend nicht. Sein Sprecher Faiz Shakir erklärte aber am Mittwoch, der Senator werde nun «Gespräche mit seinen Unterstützern führen, um seine Kampagne zu beurteilen». Die nächste Vorwahl finde nach derzeitigem Stand ohnehin frühestens in drei Wochen statt. Die Coronavirus-Pandemie hat den Vorwahlkalender der US-Demokraten stark durcheinandergebracht, mehrere Vorwahlen wurden verschoben.
Mehrere Demokraten riefen Sanders aber auf, schon jetzt den Wahlkampf zu beenden. Die frühere Senatorin Claire McCaskill sagte dem Sender MSNBC, für Sanders sei es an der «Zeit» aufzugeben. Die Demokraten müssten sich hinter dem Kandidaten vereinen, der die klare Präferenz der Wähler habe - und das sei Biden.
Die «New York Times» zitierte den Abgeordneten Don Beyer mit den Worten, für Sanders sei es «vorbei». Ein Erwachsener müsse wissen, wann die Zeit gekommen sei, zu «verschwinden».
Die Demokraten befürchten ein Szenario wie vor der Präsidentschaftswahl 2016. Damals hatte Sanders sich ein langes und erbittertes Vorwahlrennen mit seiner Rivalin Hillary Clinton geliefert, das die Demokraten tief spaltete. Kritiker machen den langjährigen Senator deswegen mitverantwortlich für Clintons Niederlage gegen Trump bei der Präsidentschaftswahl 2016.
Biden streckte den Anhängern seines Konkurrenten am Dienstagabend die Hand aus. Er und Sanders hätten vielleicht unterschiedliche Ansichten zur «Taktik, aber wir teilen eine gemeinsame Vision», sagte er in einer Ansprache. Biden nannte unter anderem das Ziel einer besseren Gesundheitsversorgung sowie den Kampf gegen den Klimawandel.
Der einstige Stellvertreter von Präsident Barack Obama wandte sich explizit an junge Wähler, bei denen Sanders grossen Rückhalt geniesst. «Ich höre euch. Ich weiss, was auf dem Spiel steht. Ich weiss, was wir zu tun haben.»
Biden hat zuletzt zunehmend versucht, den linken Parteiflügel für sich zu gewinnen. Er übernahm bereits mehrere Vorschläge des progressiven Demokraten-Lagers. Dazu gehört ein kostenloses Studium an öffentlichen Hochschulen für Studenten, deren Familien weniger als 125'000 Dollar im Jahr verdienen. (sda/afp)