Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03320.jsonl.gz/1289

DMZ - KULTUR ¦
Marcus Aurelius Aprilius Restio stiftete genau vor 1800 Jahren der Göttin Epona einen Altar mit lateinischer Weihinschrift. Dieser Stein ist für die Stadtgeschichte von Solothurn von grosser Bedeutung, denn die Inschrift ist der älteste bekannte Nachweis des Ortsnamens Salodurum.
Marcus Aurelius Aprilius Restio war ein Benefiziarier, eine Art Strassenpolizist. Er war vom Provinzstatthalter von Mogontiacum/Mainz nach Salodurum abkommandiert worden. Die Kleinstadt, der Vicus Salodurum, war ein Etappenort an der Fernstrasse zwischen Italien und dem Rheinland. Aprilius Restio war als Chef des Strassenpostens für die Überwachung der Strasse zuständig.
Die keltische Göttin Epona wachte als Schutzherrin der Pferde, Esel und Maultiere auch über den Reiseverkehr. Deshalb war sie bei den Benefiziariern besonders populär. Wahrscheinlich hatte Epona so gut für den Strassenverkehr rund um Salodurum gesorgt, dass sich Aprilius Restio am Ende seiner Dienstzeit mit einer grosszügigen Gabe bedankte.
In der Inschrift verewigte Aprilius Restio das Datum seiner Weihung: Der «13 Kalendas Septembres» entspricht im heutigen Kalender dem 20. August. Die römische Jahresangabe erfolgte nach den beiden amtierenden Konsuln.
Die Inschrift nennt das Jahr, als Kaiser Elagabal und der Senator Quintus Tineius Sacerdos zum zweiten Mal Konsuln waren. In der heutigen Jahreszählung ab Christi Geburt entspricht dies dem Jahr 219.
Bei der Aufstellung des Steins existierte der Vicus Salodurum bereits seit gut 200 Jahren. Dies zeigten verschiedene Ausgrabungen in der Altstadt. Das Fundmaterial aus den ältesten Siedlungsschichten lässt sich zwischen 15 und 25 n. Chr. datieren. In diesem Zeitraum entstand der Vicus als Brückenort an der Strasse durch das Mittelland.
Im Jahr 219 war der Ort eine florierende Kleinstadt mit schätzungsweise 700 Einwohnern. Ihre Wohnhäuser reihten sich entlang der Hauptstrasse aneinander. Neben den Privathäusern gab es auch öffentliche Gebäude, beispielsweise einen grossen Tempel für den obersten römischen Staatsgott Jupiter.
Rund 100 Jahre später, um das Jahr 330, wurde die Siedlung verkleinert und mit einer mächtigen Wehrmauer umgeben. Salodurum war nun ein Castrum. In der 10 Meter hohen und bis zu 3 Meter mächtigen Castrumsmauer landete jede Menge Steinmaterial aus dem früheren Vicus. Auch der Eponaaltar wurde als Baustein verwendet. Bis ins Jahr 1896 war der Stein an der Schaalgasse 9 eingebaut, wo er als Teil einer Türeinfassung diente.
Quelle: Kanton Solothurn