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Thomas Boos
Inhaltsverzeichnis
Lebensdaten
Profess: 29. September 1923
Priesterweihe: 5. Juli 1928
Primiz: 15. Juli 1928
Lehrer an der Stiftsschule: 19?–1961
Beziehungsnetz
Verwandtschaft
Sohn des Joseph Boos und der Marie Jöhl.
Lebensbeschreibung[1]
Beat Boos wurde 5. April 1903 in Amden geboren. Drei Geschwister seines Vaters hatten den Ordensstand gewählt und von seinen eigenen sieben Geschwistern wirkte sein älterer Bruder als Pfarrer in Kolumbien, während zwei Schwestern in Ingenbohl Profess ablegten. Der Vater, dem eine Sägerei gehörte, erlag in den besten Jahren einem heimtückischen Leiden; seine Mutter hingegen erreichte ein hohes Alter. P. Thomas blieb zeitlebens seiner Heimat verbunden und liebte die Amdener Berge, die er alle bestiegen hatte. Es regten sich der Wunsch nach erweitertem Wissen und das Verlangen, selbst einmal am Altar Gott als Priester zu dienen. Bereits hatte auch sein Primarlehrer die aussergewöhnliche musikalische Begabung des Knaben erkannt und gefördert.
Im Herbst 1916 trat Beat in die erste Klasse der Engelberger Stiftsschule ein. Es traf sich, dass er in P. Leopold Beul einen hochbegabten Musiker als ersten Klassenlehrer erhielt, seinen Vorgänger im Amt des Stiftsorganisten. Mühelos durchlief der begabte Schüler die sechs Klassen des Gymnasiums, seinen Kameraden in Freundschaft verbunden. Nicht selten mass er seine Kräfte mit seinen Gefährten in einem Hosenlupf und entschied dabei manchen Gang zu seinen Gunsten. P. Thomas bewahrte lebhafte Erinnerungen an seine Studentenjahre und neckte gern in harmloser Art seine einstigen Professoren, besonders P. Konrad Lötscher, dem er trotz anderer Begabung nahestand. Die Zeit, die neben Schule und Studium übrigblieb, widmete Beat der musikalischen Weiterbildung. Er galt als der beste Pianist unter den damaligen Schülern.
Beat Boos bat nach der sechsten Klasse um Aufnahme im Engelberger Kloster und trat im Herbst 1922 ins Noviziat ein. Nach der einfachen Profess besuchte Fr. Thomas die zwei Klassen des Lyzeums und schloss sie mit einer vorzüglichen Maturität ab. An der theologischen Hausschule absolvierte er seine Studien. Er gab sich gern mit Fragen der theologischen Spekulation ab und machte mit seinen Zweifeln hie und da dem Dogmatiklehrer zu schaffen. Am 5. Juli 1928 empfing er die Priesterweihe empfing und feierte am 15. Juli seine Primiz. P. Thomas hätte wohl am liebsten sein theologisches Studium fortgesetzt, doch die Oberen sandten ihn nach Salzburg, damit er sich am Mozarteum in Klavier, Orgel und Musiktheorie weiterbilde. 1931 kehrte er mit dem Musikdiplom ins Kloster zurück. Er achtete sehr auf die Erfüllung seiner klösterlichen und priesterlichen Pflichten. Pünktlich nahm er jeweils am Chorgebet teil. Noch am Todestag kam er dem Wunsch seiner Klasse, sie auf dem Spaziergang zu begleiten, erst nach, als er die Non im Chor verrichtet hatte, und er wollte unbedingt zur Vesper wieder heimkehren. Fast ängstlich meinte er einmal: "Wenn mir Gott nur die Gnade gibt, dass mir das Chorgebet nie verleidet."
P. Thomas war kein Einzelgänger. Er liebte sein Kloster, und er bangte und betete viel, als der Nachwuchs rarer wurde. Bescheiden hielt er sich im Hintergrund, verzichtete auf einen Anspruch, wenn er so einem Mitbruder eine Freude bereiten konnte. Die zunehmende Nervosität brachte P. Thomas manche schlaflose Nacht und die unruhig zwinkernden Brauen, die erregten Gebärden und hastigen Sätze verrieten die Schwäche seiner Nerven. Im Dienst der Gemeinschaft setzte P. Thomas alle seine Talente ein. Dass er über fünfundzwanzig Jahre als Stiftsorganist wirkte, verlangte viel an Arbeit und Bereitschaft. Da kam ihm seine gewandte Art zustatten: Er beherrschte die Register und die Spieltechnik; er verstand es, in einem Vorspiel die rechte Feststimmung zu wecken; er rettete den Chor aus heikler Lage. Mit einer der drei Messen, die er komponierte, erwarb er sich in einem Wettbewerb für Schweizer Komponisten einen Preis. Doch besonders freute er sich, wenn sein "Salve Regina" für Männerchor erklang. Seiner einfachen Art entsprachen eher kleine Werke: Lieder ernsten und heitern Gehaltes, zu denen er häufig auch den Text verfasste. Da er mit der Kenntnis des Orgelbaus den Sinn für die bestimmten Bedürfnisse verband, wurde P. Thomas öfters als Experte verpflichtet, und er leitete manchen Neu- und Umbau von Orgelwerken.
P. Thomas wäre gerne in die Mission nach Kamerun gegangen, doch es kam anders. Er wurde zum Schuldienst eingeteilt und lehrte zu Beginn Realfächer. Später betreute er die Jüngsten als Klassenlehrer und lehrte dann für zwanzig Jahre die Rhetoriker in Latein und Griechisch, wobei er häufig eines der Fächer in zwei Klassen erteilte. Zwar hatte er nie akademische Vorlesungen in der klassischen Philologie besucht, doch arbeitete er sich mit seinem Sinn für Sprachen in den Stoff ein. Ausserdem unterrichtete er Musik: Bald unterrichtete er in einem Klavierzimmer, bald in der Kapelle, dann wieder in einem Kurs für Harmonielehre.
Zwei Anlässe haben sich den Klassen, die P. Thomas betreute, unvergesslich eingeprägt. Zunächst die Vakanztage. Er liebte die Berge, kannte alle Pfade im Umkreis, und so wusste er die Schüler für eine Tour zu begeistern. Am Rastplatz aber wurde der Bergführer zum Küchenchef: Er kochte ab und verteilte Schokolade und Bonbons, die er sich für diesen Tag aufgespart hatte. Da konnte er jauchzen, dass man es spürte: Draussen unter freiem Himmel, in seinen Bergen, fühlte er sich daheim. Darum gehörte früher zu seinen Ferien immer eine Hochtour, auf das Matterhorn oder andere Walliser Gipfel, und er konnte von mancher steilen Wand und manchem engen Kamin berichten. Der zweite Anlass, den P. Thomas nach seiner eigenen Art gestaltete, war die letzte Schulstunde der Woche. Da führte er die Schüler kurz in die Sonntagsliturgie ein, regte zur Mitfeier des Gottesdienstes an. P. Thomas wollte Erzieher und Seelsorger sein. Einem Engelberger Schüler, der 1950 der Grippe erlag, errichtete P. Thomas mit der Klasse auf einem hohen Felskegel zum Gedenken ein grosses Holzkreuz. Gern führte er später die Klassen zu diesem Zeichen und stellte es wieder her, wenn es durch Sturm und Wetter beschädigt war.
An seinem Todestag war er wieder in den Bergen unterwegs: An die Westflanke des Horbistales stieg er mit der Klasse von der Lourdes-Grotte zur grossen Schutthalde empor. Dort vergnügten sich die Schüler, Steine ins Rollen zu bringen. Unterdessen kletterten aber einige noch weiter hinauf und blieben im brüchigen Gestein zurück, als P. Thomas mit der Mehrzahl der Klasse den Rückweg zum Vespertrunk antrat. Am Rastplatz vernahm er, es habe sich einer zu weit hinaufgewagt und finde keinen Ausweg mehr. Verantwortungsbewusst entschloss sich P. Thomas sogleich, den Gefährdeten zu retten, und schickte einen Schüler heim, damit er ihm Bergschuhe und Seil hole. Er selbst stieg rasch die Geröllhalde hinan. Nachdem ihn der Beauftragte eingeholt hatte, wechselte er die Schuhe. Allein arbeitete er sich nun aufwärts, warnte aber seine Begleiter, er könne es nicht verhindern, Steine zu lösen. Schon wenige Augenblicke nachher gab er eine zweite Meldung, er komme weder vorwärts noch rückwärts: «Betet für mich!» Nach kurzer Weile gab er ein letztes Zeichen: «Ich habe keinen Halt mehr, betet!" Wenige Sekunden darauf mussten seine Begleiter zusehen, wie er kopfüber ab stürzte, zweimal auf dem Felsen aufschlug und schließlich die Geröllhalde hinunterkollerte. Noch atmete der Schwerverletzte, als P. Prior mit dem heiligen Oel und der Arzt eintrafen. Man verfügte sofort die Überführung ins Spital, doch P. Thomas erlag den schweren Verletzungen auf dem Weg dorthin.
Werke
- Alle Kreaturen loben Gott den Herrn im Himmel droben - V (2), pf.
- Desiderium animae - Coro, org
- Im Kameruner Hinterland da isch es wunderwunderschö - V (2), pf.
- Justus ut palma - Coro, org.
- Songs - V (2), pf.
- Sperent in te - Coro, org.
- Stamba Jamakuba - V (2), pf.
- Stetit angelus - Coro, org.
- Tamquam lignum quod plantatum est - Coro femminile, org.
Professnummer
- Nr. 735
Einzelnachweise
- Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüsse 47, 1960/61, S. 57-62, übernommen.
Bibliographie
- Nachruf P. Thomas Boos, in: Titlisgrüsse 47, 1960/61, S. 57-62.