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Walliser Bote. Der SAC will dem vor 144 Jahren verstorbenen Louis Agassiz die Ehrenmitgliedschaft nicht entziehen. Jetzt sollen sich die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus und die Fachstelle für Rassismusbekämpfung mit dem Fall beschäftigen.
Louis Agassiz kam 1807 im freiburgischen Môtier zur Welt. Der Zoologe und Glaziologe wanderte später in die USA aus. Zu seinen Ehren wurde ein Berg benannt. Das Agassizhorn, auf der Walliser Kantonsgrenze zu Bern gelegen, sorgt seit Jahren für Diskussionen. 2007 verurteilte der Bundesrat das «rassistische Denken» Agassiz’, sah aber keinen Grund, den nach ihm benannten Berg umzutaufen. Trotzdem blieb eine Umbenennung ein Thema. Ein Komitee versuchte während Jahren, eine Namensänderung zu erzwingen. 2016 lehnten die drei zuständigen Gemeinden Grindelwald, Guttannen und Fieschertal dies endgültig ab.
Anfang August hat nun ein transatlantisches Komitee «Démonter Louis Agassiz» den SAC-Zentralvorstand aufgefordert, «angesichts der klaren Verurteilung der SAC-Ehrenmitgliedschaft von Louis Agassiz durch den Alpinisten Reinhold Messner von sich aus in dieser Angelegenheit aktiv zu werden, noch bevor allenfalls eine weitere SAC-Sektion einen Antrag auf Aberkennung behandelt und diesmal auch beschliesst.» Sie forderten, dass Agassiz, der 1873 verstorben ist, die SAC- Ehrenmitgliedschaft aberkannt wird. Mit Schreiben vom 21. August hat der SAC mit einem Brief der Präsidentin an das Komitee zu dieser Forderung Stellung genommen. Die Ehrenmitgliedschaft, so der SAC in seiner Antwort, «ist ein persönliches Recht, das mit dem Tod erlischt». Agassiz sei also seit mehr als 140 Jahren kein Ehrenmitglied mehr: «Wir können nicht absprechen, was nicht mehr existiert.»
Der SAC will Agassiz auch nicht aus der Liste der ehemaligen Ehrenmitglieder streichen. Agassiz sei «aus heutiger Sicht Rassist» gewesen, sein «radikales Gedankengut» sei «damals in vielen Kreisen üblich gewesen». Der heutige SAC-Vorstand sieht also keinen Grund für eine Kritik am Verhalten des damaligen Vorstands, weil Agassiz die Ehrenmitgliedschaft nur «für seine wissenschaftlichen bedeutenden Arbeiten als Glaziologe erhalten habe».
Den Inhalt der SAC-Antwort findet das Komitee unbefriedigend. Diese Ehrenrettung des damaligen SAC-Vorstands durch den heutigen sei unhaltbar. «Wir haben uns deshalb entschlossen, in dieser Angelegenheit an die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus EKR sowie an das Eidgenössisches Departement des Innern EDI (Fachstelle für Rassismusbekämpfung) zu gelangen», schreiben der Freiburger Hans Barth und der St. Galler Hans Fässler.
Denn erneut hole die Vergangenheit den Schweizer Alpenclub (SAC) ein. Der heutige Zentralvorstand des SAC leugne die von Louis Agassiz betriebene Rassenhetze. In dieser Darstellung würden die rassistischen Machenschaften Louis Agassiz’ in extremer Weise verharmlost, ja wortwörtlich als «üblich» und damit normal und hinnehmbar entschuldigt: «Dies ist eine grobe Geschichtsklitterung und eine Verharm losung der damaligen Rassenhetze und der Verbrechen gegen die Menschheit, an denen sich Louis Agassiz in herausgehobener Stellung beteiligt hat.»