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Pinguine stehen in der Nahrungshierarchie des Südpolarmeeres relativ weit oben. Besonders Eselspinguinen haben ein breites Nahrungsspektrum, welches sie in losen Verbänden in den Weiten des südlichen Ozeans jagen. Doch man weiss nur wenig über die Jagdstrategien der Tiere. Forscher haben daher Tiere mit Minikameras ausgestattet, um die Jagd zu dokumentieren. Dabei zeigte sich, dass die harmlos scheinende Beute sich durchaus zu wehren weiss.
Wenn ein Kleiner gegen einen Grossen kämpfen müsste, verliert normalerweise der Kleine, richtig? Nun, seit David gegen Goliath wissen wir, dass dies nicht die Regel sein muss. Und genau das kann es auch unter Wasser geben. Nur ist in diesem Fall David ein kleiner Krebs namens Munida gregaria, bewaffnet mit einem Paar scharfer Krebsscheren. Und als Goliath dient der Eselspinguin, der von den kleinen Krebsen lebt. Im Gebiet der Falklandinseln kommen beide Arten vor: Die Pinguine nisten an den Küsten in grossen Kolonien und jagen in den nährstoffreichen Gewässern rund um den Archipel nach Fischen und eben Krebsen. Jonathan Handley, ein Wissenschaftler an der Nelson Mandela Universität in Port Elizabeth, Südafrika, untersucht die Fress- und Jagdgewohnheiten der Pinguine. Diese verbringen normalerweise ein bis zwei Tage auf dem Meer für die Jagd und kehren danach zurück zu ihren Nestern, die sie auf sogenannten „Pinguinautobahnen“ an Land erreichen. Da ein Pinguin immer wieder dieselbe Autobahn benutzt, um zum Nest zurückzukommen (ähnlich wie Pendler), war es für den Forscher einfach, individuelle Pinguine zu erkennen. Zusammen mit Falkland Conservation untersuchte er die Gewohnheiten der Pinguine im Wasser.
Die Forscher positionierten sich am Rande einer Autobahn. „Man wartet dann sehr ruhig und tief liegend, wenn die Tiere an einem vorbeigehen“, erklärte Handley. Mit einem Netz an einem langen Stab fingen dann die Wissenschaftler ein Tier auf dem Weg ins Meer, markierten ihn mit einem Tiermarker, befestigten schnell das Äquivalent einer Pinguin GoPro am Kopf und liessen das Tier wieder frei, um auf dessen Rückkehr zu warten. „Man verbrachte viel Zeit damit, die Autobahn zu beobachten“, meinte Handley. Insgesamt wurden 38 Vögel aus zwei Kolonien markiert und die Forscher erhielten so insgesamt knapp 36 Stunden Videomaterial von 31 Pinguinen. Anhand der Aufnahmen konnten die Wissenschaftler einen Nahrungskatalog erstellen. Gejagt wurden Tintenfische, junge Südkabeljau und andere Fische und Munida-Krebse. Auf einer Aufnahme erkannten aber die Forscher, dass der Pinguin an einem grossen Schwarm dieser Krebse einfach vorbeischwamm. „Beim ersten Mal dachten wir noch „Oh, wie interessant“. Aber wir beobachteten es immer und immer wieder“, sagte Handley. „Da merkten wir, dass das was Grösseres ist.“ Nicht nur liessen einige Pinguine die Schwärme links liegen, sondern manchmal jagten sie zwar hinein, fingen aber keinen einzigen Krebs.
Auf den Videoaufnahmen entdeckten die Forscher „dramatische“ Kampfaufnahmen, meinte Handley weiter. Auf einigen konnte man sehen, wie Krebse ihre Scheren in Kampfstellung brachten. Das war wohl genug Warnung für die Pinguine, die rund zehnmal grösser als die Krebse sind. Dieses Verhalten könnte erklären, warum Pinguine Krill im offenen Wasser von unten attackieren und von Angriffen auf Schwärme oder in Bodennähe absehen. Die Gefahr, verletzt zu werden, sei einfach zu gross für die Pinguine, zog Handley und seine Kollegen als Schluss. Wie gross der Schaden ist, den die Krebse anrichten könnten, ist gemäss Handley nicht klar. Aber die Forscher schreiben, dass „der Krebs ist durchaus in der Lage, einen üblen Zwick überall dort zu verpassen, wo er will.“
Quelle: Sarah Zielinski, Science News
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