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Wie aus einer Gutenachtgeschichte und einem verstauchten Fuss eine der erfolgreichsten Kinderbücher aller Zeiten entstand.
Es war einmal eine junge Zeitungsvolontärin, die Schriftstellerin werden wollte. Doch dann wurde die damals 18-jährige Astrid Ericsson von ihrem Chef schwanger. In den 1920er-Jahren war es für eine alleinstehende Mutter auch in Schweden sehr hart – sie musste ihren Sohn schweren Herzens in eine Pflegefamilie geben. Auch den Traum der Schriftstellerei begrub sie vorerst.
1928 wurde Astrid Ericsson Sekretärin im Kungliga Automobilklubben (Königlicher Automobil-Club), wo sie ihren späteren Mann Sture Lindgren kennenlernte. Sie heirateten, der Sohn zog wieder zur Mama – ein Happy End, das mit der Geburt von Tochter Karin am 21. Mai 1934 besiegelt wurde. In dieser Zeit entstanden auch Astrid Lindgrens erste Kurzgeschichten.
Lindgrens erstes Buch, das 1939 erschien, war jedoch kein Kinderbuch, sondern ein Auto-Reiseführer für den «Motormännens Riksförbund» (Schwedischen Automobilclub), den ihr Mann als Geschäftsführer leitete. Astrid Lindgrens «25 Autotouren durch Schweden» wurden sogar ins Deutsche und Englische übersetzt. Doch dann kam der Zweite Weltkrieg und Astrid Lindgren arbeitete für den Nachrichtendienst, was sie zur unmittelbaren Zeugin der Kriegswirren machte.
Ausgerechnet in dieser düsteren Zeit erwachte Pippi Langstrumpf zum Leben. Es war im Winter 1941, als Astrid Lindgrens Tochter Karin mit einer Lungenentzündung krank im Bett lag und eine Geschichte hören wollte. Das Mädchen dachte sich den Namen «Pippi Långstrump» aus und Mutter Astrid fing zu erzählen an. Beide konnten ja nicht ahnen, dass diese Geschichte einmal um die Welt gehen wird.
Erst drei Jahre später, nachdem sich Astrid Lindgren auf einem vereisten Winterweg den Fuss verstauchte, brachte sie die Gutenachtgeschichte zu Papier. Das Manuskript sollte ein Geburtstagsgeschenk für Tochter Karin werden. Gleichzeitig schickte es Lindgren aber auch an einen Verlag, der die Geschichte jedoch ablehnte. Anders der noch junge Verlag Rabén & Sjögren, der das Talent der damals 37-Jährigen erkannte und den ersten Pippi-Langstrumpf-Band 1945 veröffentlichte; zwei weitere folgten alsbald. Bis heute wurden die drei ursprünglichen Bücher in 77 Sprachen übersetzt und über 66 Millionen Mal verkauft.
Der Verlag stellte Astrid Lindgren in den frühen 1950er-Jahren halbtags als Lektorin ein, um die Kinderbuchabteilung auszubauen. Wer jetzt denkt, dass Astrid Lindgren den Job hingeschmissen hat, nachdem sie insgesamt 170 Millionen Kinderbücher verkauft hatte, der irrt. Sie arbeitete halbtags im Verlag weiter – bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1970. Morgens schrieb sie zuhause ihre legendären Geschichten von «Karlsson auf dem Dach» bis «Michel aus Lönneberga», um sich danach im Verlag persönlich um die Kinderbuchautoren und Manuskripte zu kümmern.
Pippilotta Viktualia Rullgardina Krusmynta Efraimsdotter Långstrump feiert 2020 also den 75. Geburtstag. Das ewig neunjährige Mädchen ist keinen Tag älter geworden und immer noch so modern, dass sie Kinder von einst bis heute lieben. Und nicht nur Kinder: Pippi wurde sowohl zum feministischen Vorbild als auch zur Ikone der Autonomen und Anarchisten. Denn das selbstbewusste Mädchen pfeift auf Schule, Regeln und sogar auf die Schwerkraft, träumt von Abenteuer, lebt die Freiheit und lässt ihren Worten mutige Taten folgen. Pippi ist frei, lustig, kreativ, grosszügig und tierlieb. Ihre einzigen Feinde sind die Erwachsenen und die Gesellschaft, die das wilde Mädchen zähmen möchten. Das macht Pippi zur perfekten Rebellin – und das kommt nie aus der Mode.
Wie würde Pippi wohl ihren 75. Geburtstag feiern? Natürlich mit Torten und viel Spass. Die Astrid Lindgren Company, die das Erbe der Autorin verwaltet und von ihrer Familie geführt wird, plant für 2020 grosse und bunte Aktionen in aller Welt. Besonders am 21. Mai 2020, dem Geburtstag von Astrid Lindgrens Tochter Karin Nyman, der ja auch ein bisschen Pippis Geburtstag ist.
Geplant ist nicht nur eine neue Verfilmung von Pippi Langstrumpf, sondern auch ein Musical. Für «Pippi im Zirkus» hat niemand Geringeres die Musik und Texte geschrieben als Björn Ulvaeus und Benny Andersson; ja genau, die beiden Bs von ABBA.
Die stärksten Filmszenen: