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Der Sommer begann mit einer Anfrage: Stehst du wieder als Experte für verfilmte Literatur zur Verfügung? Die Antwort „Ja“ führte dazu, dass die heissen Monate ganz anders verliefen, als ich gedacht: nämlich kriminell. Unter den verfilmten Büchern befindet sich der berühmte „Murder on the Orient Express“. Ich postete mir das Buch von Agatha Christie und – rein aus Neugier – gleichzeitig ein weiteres: „4.50 from Paddington“.
Wenn man sich auf die Arbeit als Experte vorbereitet, dann weiss man: Ich muss mich auf verschiedene Szenarien einstellen. Allgemein sagen viele unkundige Christie-Kenner, die Ägypten im Orient ansiedeln, der „Death on the Nile“ ähnle dem Orientexpress. Um mich als Experte auf Ungereimtheiten in der Arbeit der Prüflinge zu wappnen, beschloss ich also, in den zurückliegenden Sommermonaten auch die Geschichte auf dem „Nil“ zu lesen – mit der Folge:
Wieder einmal hat mich das Agatha-Christie-Fieber gepackt. Dies trieb mich dazu, nach der Nilfahrt zum Londoner Bahnhof Paddington zu greifen. Der Buchdeckel machte mich darauf aufmerksam, dass es sich um eine Miss-Marple-Geschichte handelt. Ich sagte mir sofort: Das lass ich mir nicht entgehen! Ich prüfte, ob es sich beim „Paddington“ um den ersten Marple-Auftritt handelt. Dem ist nicht so! Jane Marple trat über das Buch „The Murder at the Vicarage“ in die Weltliteratur ein. Die übrigen Marple-Stories sicherten ihr den festen Sitz im Olymp der Literaturgeschichte.
Mich nahm es selbstverständlich wunder, wie Agatha Christie ihre Miss Marple in die Literatur einführte. Jene, die damals, als das Buch erstmals erschien, den „Mord im Vikariat“ lasen, wussten nicht, welche Rolle die Autorin ihrer neuen Figur beimass. Heute wissen wir es. Ich las das Buch darum aus einer ganzen speziellen Spannungsperspektive: Wie wird Miss Marple werden, was sie geworden ist. Jetzt weiss ich es – und ich weiss auch: Der Sommer hat sich gelohnt.