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Wie der Spezialist für Immunerkrankungen in einer achtseitigen Abhandlung im renommierten US-Fachblatt "Archives of Internal Medicine" berichtet, starb der Meister vermutlich an Trichinose , einer oftmals tödlich verlaufenden Wurmerkrankung. Dabei fressen sich die Würmer, als Larven verspeist, durch das Muskelgewebe der betroffenen Patienten.
In Hirschmanns Augen spricht vieles für die durch nicht ausreichend erhitztes Schweinefleisch hervorgerufene Krankheit. Die bei Mozart beschriebenen Symptome - hohes Fieber, Gliederschmerzen oder Muskelschwellungen - werden allesamt auch von der Wurmerkrankung hervorgerufen. Zudem sei Ende des 18. Jahrhunderts in Wien eine unbekannte Epidemie aufgetreten; möglicherweise Trichinose, die in Europa erst im 19. Jahrhundert endgültig diagnostiziert werden konnte.
Im Fall Mozart scheint auch der zeitliche Rahmen zu stimmen. Der Komponist erkrankte exakt 44 Tage, nachdem er seine Ode an das Schweinekotelett verfasst hatte. Die Inkubationszeit bei Trichinose kann bis zu 46 Tage betragen. 15 Tage nach dem Ausbruch der Krankheit, am 5. Dezember 1791, starb der Künstler schließlich - ein durchaus plausibler Krankheitsverlauf bei Trichinose.
Die Wiener Ärzte gaben damals nur eine schwammige Erklärung zur Todesursache ab, eine Autopsie gab es nie. Nach dem Tod schossen die Spekulationen ins Kraut, unter anderem angeheizt durch Gerüchte, die von Constanze Mozart in die Welt gesetzt worden waren: Die Gattin des Schweinekotelett-Fans hatte Gift als Todesursache ins Spiel gebracht.
Seither haben sich viele Wissenschaftler mit dem mysteriösen Tod des Musikgenies befasst. Erst im vergangenen Jahr hatte Faith Fitzgerald von der University of California mit der Theorie für Schlagzeilen gesorgt, Mozart sei an rheumatischem Fieber gestorben.
Dass es nun einen weiteren Erklärungsversuch gibt, stört die Medizinerin nicht weiter. "Bislang wurden 150 Diagnosen vorgeschlagen, und nun gibt es eben eine weitere", so Fitzgerald. "Es erstaunt mich immer wieder, wie viel Energie Forscher in etwas investieren, was nie völlig aufgeklärt werden kann."
Auch Hirschmann räumt ein, dass seine Theorie nicht hundertprozentig sicher ist. Doch, so der Mediziner, ein gewisser Grad an Spekulation mache das Wissenschaftlerleben um einiges angenehmer. (Spiegel Online, 12. Juni 2001)