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Teil 1: Vom Oboistenensemble zum Feldmusikkorps
Die früheste geordnete militärische Musikausübung in der Schweiz bestand aus dem so genannten Feldspiel, das aus einem Trommler und einem Pfeifer zusammengesetzt war. Unsere überlieferten historischen Märsche lassen ihre Herkunft deutlich von der Trommel und der Querpfeife erkennen und dürften im Kern ins 15. und 16. Jahrhundert zurückgehen. Erst die allmähliche Erweiterung der Besetzung im 18. Jahrhundert brachte die Mehrstimmigkeit und damit ein harmonisches Gerüst.
Um die Dreissigerjahre des 18. Jahrhunderts waren eigenständige Bläserensembles in der Besetzung von 3 Oboen, 1 Fagott und 2 Waldhörnern oder von 2 Oboen, 2 Fagotten und 2 Waldhörnern unerlässliche Einrichtungen bei den Gardetruppen weltlicher und geistlicher Fürsten in ganz Europa. Sie dienten als Vorbild für die Verwendung derartiger Bläsertruppen in den vielfältigen nichthöfischen Lebenskreisen; so auch in den Städten und Länderorten der 13-örtigen Eidgenossenschaft. Man nannte solche Besetzungstypen generell Hautboistenensembles. Im "Exercitium militare" der Bernischen Land-Miliz von 1735 ist im Abschnitt der Zugsordnung eines Regiments zu lesen: "wenn Hautboisten bey dem Regiment sind, gehen sie 6-8 Schritte vor dem Obrist". Es besteht daher kein Zweifel, dass unter der Bezeichnung Hautboisten ein zeittypisches Ensemble in der eingangs erwähnten Zusammensetzung zu verstehen war.
Die Stadt und Republik Bern unterhielt auf der Festung Aarburg neben den Trommlern und Pfeifern ein festes Bläserensemble; es bestand gemäss dem "Etat der Besetzung" von 1794 aus 6 Hautboisten.
Es gehörte zum guten Ton der Regimentsinhaber, eigene Märsche zu besitzen. Aus diesem Grund gingen die Märsche der Regimenter Stuppa, von Zurlauben, de Salis, de Diesbach und de Courten hervor.
Die Hautboisten-Ensembles und ihre prunkvolle Repräsentanz lösten im 18. Jahrhundert eine Flut von Marschkompositionen aus. Märsche und Airs gehörten damals so gut zur so genannten Kunstmusik wie die Werke der grossen Tonschöpfer der barocken oder klassischen Stilepoche. In welchem Ausmass die neue militärische Ensemblemusizierform Komponisten wie Bach, Händel, Gluck, Haydn und Mozart zur Komposition von Märschen inspirierten, dürfte sicher bekannt sein.
Um die Jahrhundertwende stiessen weitere Instrumente zu den Bläsersextetten und -oktetten. Paarweise kamen Klarinetten hinzu, etwas später fanden die Trompeten, die Posaunen und der Serpent Aufnahme. Die Veränderung der instrumentalen Besetzung kommt auch in der Bezeichnung der Bläsergruppen zum Ausdruck: aus dem Hautboisten-Ensemble entstand die Bande Musicanten.
Eine frappante Neuigkeit beim weitergehenden Ausbau der Bande Musicanten war der Zuzug der grossen Trommel sowie der Becken. Da diese Schlaginstrumente zusammen mit dem Triangel und dem Schellenbaum aus der türkischen Heeresmusik übernommen worden waren, erhielt diese neue Form der Militärmusik den Namen "bande turque", im deutschen Sprachraum "Türkenmusik".
Türkenmusiken, bei uns auch Feldmusiken genannt, sind in den Milizen von Bern, Schaffhausen und Zürich nachzuweisen, die 1792 zum Schutze der Rheingrenze aufgeboten wurden.