Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03588.jsonl.gz/2577

Kristin T. Schnider, Schriftstellerin und Präsidentin des Deutschschweizer PEN-Zentrums, sprach auf Einladung des Frauenforums Rheintal und der Bibliothek St. Margrethen über die internationale Schriftstellervereinigung, die Freiheit des Wortes und die schreibenden Frauen innerhalb des PEN.
Jolanda Spirig
01:12:2008
ST. MARGRETHEN. Gegründet worden war der internationale PEN - die Abkürzung steht für Poets, Essayists und Novelists - nach dem Ersten Weltkrieg von der Schriftstellerin Catharine Amy Dawson Scott in London. Die weltweit grösste Schriftstellervereinigung setzt sich für Meinungsäusserungsfreiheit, Förderung der Literatur, Freundschaft und intellektuelle Zusammenarbeit unter Schreibenden auf der ganzen Welt ein.
Im laufenden Jahr hat der internationale PEN tausend Fälle verfolgter Autorinnen und Autoren bearbeitet.
Innerhalb des PEN sorgt das International Pen Women Writers Committee dafür, dass die spezifischen Anliegen und Aktivitäten schreibender Frauen die gebührende Unterstützung und Beachtung finden. Nach wie vor haben Frauen weltweit, keinen gleichberechtigten Zugang zu Ressourcen, wenn auch in unterschiedlichem Mass. Ziel des Frauenkomitees ist es, Autorinnen, wenn nötig zu schützen, sie zu unterstützen, den gegenseitigen Austausch zu fördern und vor allem: sie sichtbar zu machen.
In Kirgisien beispielsweise dürfen Frauen nicht mehr publizieren, weil es sich nicht schickt, dass sich eine kirgisische Frau in der Öffentlichkeit äussert.
Dabei waren die Frauen relativ frei, als Kirgisien zur Sowjetunion gehörte. Als die nationalen Gepflogenheiten wieder Überhand gewannen, wurden sie zurückgebunden. Der PEN gibt diesen Frauen einen geschützten Raum, wo sie sie äussern können, und vernetzt sie an Konferenzen mit Frauen anderer Kulturen, die ähnliche Probleme zu bewältigen haben. Durch die Medienpräsenz werden die Schriftstellerinnen sichtbar.
Die Chance auf Veröffentlichung steige, erzählte Kristin T. Schnider, die als Autorin weiss, wie wichtig es ist, dass Texte nicht nur geschrieben, sondern auch veröffentlicht werden.
Schnider hat 1990 ihren ersten Roman "Die Kodiererin" bei Nagel&Kimche publiziert. "Aggressiv bis an die Schmerzgrenze, ohne Tabus", beschrieb damals die Basler Zeitung ihren Erstling. Es folgten ebenso tabulose Erzählungen: "Ich wollte töten" (1994) und preisgekrönte Beiträge in Anthologien.
Wer beschauliche Texte sucht, ist bei Kristin T. Schnider an der falschen Adresse. Die Autorin beschönigt nichts. Doch wer die Realität erträgt und die inhaltliche und sprachliche Herausforderung liebt, ist von ihren Texten, die sie in der Bibliothek St. Margrethen mit ungewohnt sanfter Stimme vorgetragen hat, beeindruckt.