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Abgefahren!
Not so pretty
In der S-Bahn von der Agglo nach Winterthur. Im Türbereich steht eine Businessfrau, Anfang 40, mit schicker Frisur, Gucci-Tasche, Blazer, Stiefeln. Auf den Ohren hat sie Kopfhörer. So gute Kopfhörer, dass man nicht mitbekommen würde, was sie hört. Eigentlich. Das Zugabteil wird dennoch Zeuge, denn die Frau singt mit. Sie singt laut mit. Sie singt falsch mit. Sie singt enthusiastisch und begeistert mit. «You don’t have to be rich to be my girl you don’t have to be cool to rule my world …»
Die Mitreisenden schauen sie irritiert bis fassungslos an. «I just want your extra time and your kiss, oh oh!» Viele Fragen in den Augen der Mitpendler. Ist sie betrunken? Weiss sie, dass sie so laut singt? Weiss sie, dass sie so falsch singt? Sollte man sie bremsen? Geht es ihr gut? Die Menschen staunen, amüsieren sich, schütteln den Kopf – und ich google, während die Businessfrau unbeirrt den Prince-Klassiker weiterschmettert, auf Youtube jene Filmszene, die ich bestimmt 15 Mal gesehen habe. Da: Julia Roberts singend in der Badewanne. Die Pretty Woman taucht immerhin irgendwann ins Schaumwasser ab. Dann hat das Singdebakel im Film ein Ende. Im richtigen Leben dauert es offenbar manchmal etwas länger bis zum Happy End.