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Im Anfang war das Experiment: Wirtschaftskarte von Südamerika, Ernst Spiess, 1981
Mit dieser komplexen Wirtschaftskarte von Südamerika begann 1981 ein neues Kapitel der Schweizer Kartografie. Bis dahin enthielt der offizielle Schulatlas vorwiegend physische Karten für die Kontinente und Länder. Sie zeigten Städte, Flüsse, Staatsgrenzen, Geländeformen und Höhenstufen. Daneben standen verkleinerte thematische Karten, zum Beispiel für Sprachen, Bevölkerungsdichte und Wirtschaft. Besonders die Wirtschaftskärtchen konnten die zunehmend globalisierte und vernetzte Welt nur noch ungenügend abbilden. Daher wagte die Atlasredaktion unter der Leitung von Ernst Spiess ein Experiment und entwickelte zwei neue Kartentypen: erstens eine Übersichtskarte mit Vegetationsdarstellung in naturähnlichen Farben, zweitens eine komplexe Wirtschaftskarte im gleichen Massstab. Die Reaktionen aus den Schulen waren ungewohnt kontrovers. Man lernte aber bald, die verschiedenen Informationsschichten der Wirtschaftskarte zu lesen: helle Flächentöne für die Landnutzung, bildhafte Einzelsymbole für lokal wichtige Agrarkulturen, geometrische Einzelsymbole für Bergbau, Energie und Industrie, Pfeile für die wichtigsten Transportwege, und schliesslich Staatsgrenzen, Flüsse, Relief und Schrift für die allgemeine Orientierung. Das kartografische Konzept von 1981 wurde für spätere Auflagen des «Schweizer Weltatlas» optimiert und hat sich seither bewährt. Die Zukunft wird zeigen, ob die veränderten Sehgewohnheiten der «digital natives» und die neuen Lehrpläne einen weiteren grundlegenden Umbau der Kartengrafik nötig machen.
Bibliografische Angaben
Südamerika. In: Schweizer Weltatlas für die Volks- und Mittelschule. Ausgabe 1981. Zürich: Lehrmittelverlag des Kantons Zürich, 1981. Seite 123.
Bildauswahl und Text
Abteilung Karten und Panoramen, Zentralbibliothek Zürich