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Das Wichtigste in Kürze
- Tom Petty ist mit 66 Jahren überraschend an Herzversagen verstorben.
- Ihm gelang der Durchbruch 1976 mit seiner zweiten Band Heartbreakers.
- Musik war zunächst Ausflucht aus einer schwierigen Kindheit: Doch auch später schrieb er immer wieder über seine Herkunft in den Südstaaten, über die dortige Enge und Bigotterie.
Müsste man die Karriere von Tom Petty in einem Song zusammenfassen, so käme man vielleicht bei «You Don’t Know How It Feels» von 1994 an.
Einem Lied aus einem seiner Solo-Alben, die sich weder musikalisch noch in der Begleitung von denen mit seiner Band «The Heartbreakers» unterschied.
Der Einzelgänger
Zu einem schleppenden Country-Beat, der aus Neil Youngs Lehrbuch stammen könnte, singt er: «Lass mich zur Sache kommen, lass mich einen Joint drehen und das Radio laut machen, ich bin zu einsam um stolz zu sein – du weisst nicht, was es heisst, ich zu sein.»
Das muss nicht, darf aber durchaus autobiographisch gelesen werden: Hier spricht der Einzelgänger.
Musik als Ausflucht
Tom Petty, geboren 1950 in Florida, durchlebte eine schwierige Jugend: Die Schulschwäche und ein gewalttätiger Vater liessen die Gitarre zum Ausweg werden. Der gelang im zweiten Anlauf.
Nach der ersten Band «Mudcrutch», die es zu lokaler Berühmtheit schaffte, gelang mit den Heartbreakers der Durchbruch mit einem ersten Album von 1976, das aus unerfindlichen Gründen der New Wave zugerechnet wurde.
Er schrieb Geschichte weiter
Petty hatte ein anderes musikalisches Verständnis, andere Wurzeln: etwa beim Folkrock der Byrds («American Girl») oder den rockigen Riffs der Rolling Stones, aber auch bei der textlichen Lakonie eines Bob Dylan. Petty zeigte Geschichtsbewusstsein, schrieb diese Geschichte aber auf eigene Art weiter.
Irgendwie war Tom Petty unklassifizierbar. Ein unverkennbar amerikanischer Musiker, der sich in die Mainstream-Hitparaden und in die Herzen des Heartland der USA spielte, dabei aber gleichzeitig ein intelligenter, hochsensibler Songwriter blieb, dessen beste Lieder zum Kanon gehören.
Dahin wo es weh tut
Einer, der sich auf die Äste hinauswagte, der einen Streit mit seiner Plattenfirma um den Verkaufspreis eines seiner Alben gewann – er wollte und erhielt den tieferen Preis.
Auch thematisch ging er dorthin, wo es weh tat. Immer wieder schrieb er über seine Herkunft in den Südstaaten, über die dortige Enge und Bigotterie, über das Leben und die Mentalität seines Heimatlandes mit ironischer Distanz.
Essenz der Gefühle
Etwa in «Free Fallin’» von 1989, einem weiteren Titel aus seiner «Solo»-Karriere. Darin singt er über das Leben eines typischen jungen Mädchens aus Reseda, einem anonymen Stadtteil von Los Angeles, aus der Sicht ihres nichtsnutzigen Boyfriends. «Der Tag ist lang, wenn man in Reseda lebt» – knapper hat noch kaum einer den Vorstadt-Blues definiert.
Unter Kollegen war Tom Petty sehr angesehen. Er begleitete mit seinen «Heartbreakers» eine Tournee von Bob Dylan, dann eines der famosen Alterswerke der Country-Legende Johnny Cash, er gründete mit Dylan, Roy Orbison, George Harrison und Jeff Lynne das witzige Superstar-Projekt «The Traveling Wilburys» und landetete damit den weltweiten Hit «Handle With Care».
Gesundheitliche Probleme
In den letzten fünfzehn Jahren liess es Petty ruhiger angehen: Es kam zu einer Wiedervereinigung mit «Mudcrutch», es folgten wenige Alben und ein paar Tourneen mit den Heartbreakers. Die Rede war von gesundheitlichen Problemen, die nun in einem allzu frühen Herzversagen endeten.
Tom Petty, der Einzelgänger aus Gainesville, Florida, ist mit 66 Jahren verstorben.
Sendung: SRF 2 Kultur, Kulturnachrichten, 3.10.2017, 6.01 Uhr.