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Bewegungsmangel gilt bei vielen chronischen Erkrankungen als relevanter Risikofaktor, und die WHO bezeichnet den chronifizierten Bewegungsmangel als zehnthäufigste Todesursache. Der Nutzen von körperlicher Aktivität ist Allgemeinwissen, und bereits Plato hat beschrieben, dass "Aktivitätsmangel der Gesundheit abträglich" sei.
Körperliche Aktivität und Leistungsfähigkeit
Es handelt sich um zwei unterschiedliche Begriffe, die nicht selten fälschlicherweise gleichgestellt werden. Bei der körperlichen Aktivität handelt es sich um die Gesamtmenge des über den Grundumsatz hinausgehenden Energieverbrauchs. Somit werden auch minimale körperliche Aktivitäten miterfasst und summieren sich über den Tag auf. Bei der Leistungsfähigkeit handelt es sich um die physikalisch messbare Arbeit pro Zeiteinheit, die in der Regel in Watt, metabolischen Äquivalenten oder via Messung der maximalen Sauerstoffaufnahme erfasst wird. Zu sehr hat man sich in der Medizin bisher auf die Leistungsfähigkeit in einem diagnostischen und zum Teil auch therapeutischen Sinne fokussiert und zu wenig auf die prognostisch wichtige körperliche Aktivität. Im Gegensatz zur
Leistungsfähigkeit lässt sich die «physical activity» nicht einfach messen: Standardisierte Fragebogen sind häufig ungenau, und einfache Pedometer können langsame Bewegungen und Aktivitäten des Oberkörpers nicht erfassen, so dass eigentlich nur Accelerometer oder weiterentwickelte Devices verwertbare Messungen ermöglichen.
(Foto: Lungenliga Schweiz)
"Physical activity" bei Chronic obstructive pulmonary disease (COPD): Prognosefaktor und Intervention
"Physical activity" bei COPD
Die COPD führt regelmässig zu einer deutlichen Abnahme der körperlichen Aktivität, die z.B. ausgeprägter ist als bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit. Bereits in den frühen, klinisch häufig noch nicht diagnostizierten COPD Stadien kann eine Reduktion
der "physical activity" im Vergleich zur nicht erkrankten Bevölkerung festgestellt werden. In den letzten Jahren konnte gezeigt werden, dass die körperliche Aktivität bei der COPD einer der zentralen Prognosefaktoren ist, der eine ähnliche Bedeutung hat wie das Einsekundenvolumen (FEV1). Somit wird die Erhöhung der "physical activity" zu einem primären Therapieziel im Gesamtkonzept der COPD Behandlung.
Pulmonale Rehabilitation als Kick-off-Intervention
Die pulmonale Rehabilitation steigert nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern verbessert die Lebensqualität und senkt die Exazerbationsfrequenz. In einem weiteren Sinne soll es auch darum gehen, den in der Rehabilitation erreichten «lifestyle change» in den Alltag
zu übernehmen, was allerdings bei vielen Patienten nicht einfach ist. Zu dieser Frage fehlt noch die Evidenz, dass die Rehabilitation nachhaltig die körperliche Aktivität im Alltag erhöhen kann. Andererseits gibt es keine alternative Massnahme, die dieses wichtige
Therapieziel erreichen könnte.
Die pulmonale Rehabilitation ist nicht lediglich ein medizinisches Trainingsprogramm, sondern ist ein komprehensives Angebot, bei dem neben der individualisierten Trainingstherapie, der Optimierung der pharmakologischen Behandlung, der Rauchstoppunterstützung auch dem Self-Management-Training, z.B. nach dem kanadischen Vorbild «Living Well With COPD», eine zentrale Bedeutung zukommt.
Konsequenzen für die Praxis
Bei COPD-Patienten sollen die körperliche Aktivität regelmässig erfragt und die Patienten dazu ermuntert werden. Hier können durchaus einfachere Devices wie Pedometer oder einfachere Accelerometer nicht nur den Bewegungsmangel erfassen, sondern den Patienten auch motivieren, körperlich aktiv zu sein. Die Anwendung entsprechender Apps auf den Smartphones entspricht dabei absolut dem Zeitgeist! Patientinnen und Patienten sollen individualisiert zu körperlichen Aktivitäten angehalten werden, die ihrem Leistungsniveau, ihren Neigungen und ihren motorischen Fähigkeiten angepasst sind.
Bei COPD-Patienten mit vermutetem oder sicherem Bewegungsmangel sollte frühzeitig die Indikationsstellung zur Rehabilitation erfolgen, die in aller Regel ambulant und damit kostengünstiger durchgeführt werden kann. Die stationäre Rehabilitation ist indiziert bei polymorbiden Patienten oder sehr fortgeschrittenen COPD-Stadien. Die Schweiz verfügt mit über 70 akkreditierten Programmen über ein sehr dichtes Netz an Angeboten; sowohl die ambulante als auch die stationäre Rehabilitation ist eine Pflichtleistung der Kostenträger.
Quelle: Lungenliga Schweiz