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Der kleine Unterschied bei den Mut-Vorbildern: Während Männer oft Staatschefs, Wirtschaftskapitäne, Abenteurer oder Sportler als mutige Menschen sehen, ist für Frauen eher humanitäres Engagement oder ziviler Ungehorsam besonders mutig.
Das hat die Forschungsstelle Sotomo mit einer am Montag veröffentlichten repräsentativen Umfrage herausgefunden. Frauen und auch ältere Befragte schätzen zudem sowohl ihre Väter als auch ihre Mütter als mutig ein, während Männer etwas häufiger ihre Väter als Vorbild für Mut sehen.
Mut kontra Leichtsinn
Gezeigt hat sich auch, dass Ältere und Jüngere unterschiedliche Vorbilder haben. Ältere Menschen bewundern eher schweizerische Persönlichkeiten für deren Mut, während Jüngere auch Vorbilder aus dem Ausland nennen. Jüngere und Männer assoziieren Mut häufiger mit Wagnis und Risiko.
Was ist Mut und was ist Leichtsinn? Einen Taschendieb zu stellen oder bei einer Pöbelei einzugreifen, hielten die meisten für mutig, trotz Selbstgefährdung bei diesen Handlungen. Öfter als leichtsinnig als als mutig angesehen wurde dagegen, ins Blaue die Stelle zu kündigen oder frisch verliebt zu heiraten.
Extremsportarten, die ein anerkannt höheres Risiko bergen, tödlich zu verunglücken, werden lediglich von 15 Prozent der Antwortenden als Leichtsinn bezeichnet. 52 Prozent halten Menschen, die solche Sportarten ausüben, für mutig.
Basejumping allerdings – Sprünge mit einem Fallschirm, beispielsweise von einem Felsvorsprung – wird von 56 Prozent als leichtsinnig und nur von 29 Prozent als mutig angesehen. Überwiegend als leichtsinnig bezeichnet wurde Roofing – das Besteigen von hohen Gebäuden in Städten ohne Sicherung.
Leichtsinnig auf der Strasse
Eigenes Verhalten als leichtsinnig eingeschätzt wird vor allem im Strassenverkehr: 6 von 10 Männern und 4 von 10 Frauen gaben an, sich auf der Strasse schon einmal leichtsinnig verhalten zu haben. Die Strasse und das Glücksspiel sind jene Bereiche, in denen mehr Menschen lieber vorsichtiger als mutiger wären.
Eine Mutprobe im Alltag ist für 57 Prozent der Antwortenden, Nein sagen zu können. Diese Haltung erfordere besonders viel Mut, fanden sie. Für 54 Prozent ist für das Ansprechen von Problemen besonderer Mut nötig und für 45 Prozent das Einstehen für eine eigene Meinung.
«Loslassen können», Entscheidungen treffen« oder »nicht perfekt sein wollen“ verlangen in den Augen von etwa jeder dritten Person Mut. Die Antwortenden fanden, dass Männer von Frauen lernen können, Probleme anzusprechen und Frauen von Männern vor allem, nicht perfekt sein zu wollen.
Trennung und Heirat
Ihren ganzen Mut zusammennehmen mussten die Antwortenden vor allem für Trennungen respektive Scheidungen. Während aber Frauen in erster Linie eine Trennung als ihre mutigste Tat bezeichnen, ist in den Augen der Männer dagegen die eigene Heirat ein mutiger Schritt.
Die mit der Ehe übernommene Verantwortung scheine in den Augen der Männer Mut zu verlangen, schrieb Sotomo dazu. Für Frauen sei das Lösen der eigenen Beziehung eine Herausforderung. Zu dieser Kategorie gehöre für sie auch «alleine reisen», «Umgang mit dem Tod», „Auslandaufenthalt« oder »Wegzug und Verzicht“.
Männer wiederum fanden, dass vor allem Berufliches ihnen Mut abverlangt habe, etwa Weichenstellungen oder Leistungen im Arbeitsleben. Auch auf geleistete Nothilfe oder Rettungseinsätze sind Männer stolz. Für Frauen hingegen steht eher soziales Engagement im Zentrum.
Viele Facetten
Mut hat für die Befragten viele Facetten. 30 Prozent verbinden Mut in erster Linie mit einem Wagnis, 28 Prozent mit dem Verlassen einer Komfortzone oder dem Überwinden von Ängsten. Für 25 Prozent bedeutet Mut Zivilcourage und 17 Prozent fanden, dass Mut heisst, zu sich selbst zu stehen.
Die Befragung wurde zwischen dem 27. Dezember 2017 und dem 2. Januar 2018 online durchgeführt und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die Portale blick.ch, lematin.ch und tio.ch rekrutiert. Daten von knapp 13’000 Antwortenden wurden gewichtet und ausgewertet, berücksichtigt wurden 18- bis 70-Jährige.