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Fröbel an Keller
Julius Fröbel Brief an Gottfried Keller 30. August 1843
„Es ist kaum etwas schwieriger, als bei noch mangelhaften poëtischen Erzeugnissen vorauszusagen, ob der Dichter die Mängel überwinden wird oder nicht. Ich selbst bin in solchen Fällen zu sehr geneigt, das günstigere Urtheil zu fällen. Bei Ihnen aber glaube ich nicht zu irren, wenn ich mich zu der Meinung berechtigt halte, dass Sie sehr poëtische Anlagen in sich haben, die allerdings nach mehreren Richtungen noch der Ausbildung bedürfen.
Ich setze voraus – ob mit Recht, weiss ich freilich nicht – Sie sind noch jung, u. entwickeln sich überhaupt weiter. – Ich setze ferner voraus, Sie sind ein Schweizer u. es würde mir leid thun, wenn ich mich darin irrte, weil ich nun schon eine Menge poetische Versuche junger Schweizer in den Händen gehabt habe, die sämtlich weniger waren, als Ihre Gedichte, u. weil es für die ganze Weiterentwickelung der Schweiz von der höchsten Wichtigkeit ist, dass sie in der allgemeinen Bewegung der Zeit sich auch literarisch geltend macht, was bisher durchaus nicht geschehen ist.“