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Editorial
Man entschuldige mir den eindeutig vulgären Titel, aber – ehrlich gesagt – bringt mich der gegenwärtig in der westlichen Welt vorherrschende Wahn des «politisch Korrekten» zur Weissglut. Mir scheint, dass man im Osten zu Recht ganz andere existenzielle Probleme als wichtig erachtet, vielleicht weil man dort an weitaus dringendere Dinge denken muss: Hunger, Arbeitslosigkeit, Armut etc.
Aber wen kümmert denn diese Geschlechtergleichmacherei?
Man verzeihe mir mein Unverständnis, aber ich bin in einer Welt geboren worden und aufgewachsen, in der ein Mann ein Mann war, und eine Frau eine Frau, und wenn man im Plural von beiden zusammen sprach, benutzte man die männliche Sprachform. Mutter und Vater waren die «genitori» (Erzeuger = Eltern), Lehrerinnen und Lehrer waren die «Lehrer», und wenn man sich bei einer Ansprache an die «Damen und Herren» richtete, benutzte man im darauf folgenden Partizip Präsens/Perfekt die männliche Mehrzahlsform. In der schon sonst nicht einfachen italienischen Sprache vermied man damit unnötige Wiederholungen und Sprachakrobatik, um jedem Geschlecht sein spezifisches Attribut beizuordnen. Das war allgemein anerkannt und löste keine Probleme aus; wenn man «Ihr» sagte, war es klar, dass man beide Geschlechter darunter verstand, auch wenn das darauf folgende Partizipativ wie «stati», «andati», «venuti» etc. ausschliesslich männlich war. Die Frage von Gleichheit und Rechten war noch nicht dermassen semantisch geprägt.
Aber ausgehend vom sakrosankten Kampf für die Rechtsgleichheit, der praktisch das ganze vergangene Jahrhundert prägte und zu Recht fast sämtliche Ungleichheiten zwischen Mann und Frau ausmerzte, hat man, wie üblich, die Dinge aus der Hand gegeben und ist zunehmend zur heutigen Forderung nach Geschlechtergleichheit übergegangen. Anders gesagt: Mann und Frau sollen in ihrer geschlechtlichen Unterschiedlichkeit nicht mehr nur über die gleichen Rechte verfügen, sondern die Unterschiedlichkeit selber muss eliminiert werden, Mann und Frau müssen das Gleiche sein, und im Hang zu einer übersteigerten Hysterie möchte man die von Mutter Natur geprägte Ordnung durch ein Mischmasch ersetzen, in welchem auch eine von der heutigen Gesellschaft völlig akzeptierte Sparte von Geschlechtervielfalt anzutreffen ist (Homos, Lesben, Transsexuelle, LGBT, und wer weiss was anderes, das uns künftig noch bevor steht).
Nun ist es durchaus richtig, dass man aufgrund des eigenen Geschlechts nicht diskriminiert werden darf, dass Mann und Frau vor dem Gesetz über die gleichen Rechte verfügen müssen und dass dies auch für Homos und Lesben gelten soll; das ist bereits heute so. Aber dass man die «Gleichheit» der Geschlechter fordert, ist ein kolossaler Unsinn, da uns die Natur männlich oder weiblich erschaffen hat, auch wenn mit manchmal sexuell abweichenden Tendenzen.
Der Sinn fürs Lächerliche ging verloren (und das ist tragisch)
Vorerst hat man es den Verfassern schriftlicher Texte dadurch schwer gemacht, dass man es für «politisch nicht korrekt» erklärte, die sprachlichen Geschlechter in der Mehrzahl nur in männlicher Form auszudrücken, d.h. von «Schweizern» zu sprechen, auch wenn man damit sowohl Männer wie Frauen dieser Staatsangehörigkeit meinte, dasselbe gilt für die Begriffe «Bürger», «Politiker» und vieles weitere. Also muss es heissen «Schweizerinnen und Schweizer», «Bürgerinnen und Bürger», «Politikerinnen und Politiker»; dabei vergisst man, dass dadurch (im Italienischen) oft das darauf folgende Adjektiv ändert (Beispiel: «Le Svizzere e gli Svizzeri oneste/i» etc.). Um dieses offenbar den Sprachtalibans der Geschlechtergleichheit so wichtige Problem zu lösen, hat man letzthin daran gedacht, den letzten Buchstaben des Wortes, welches in der Regel geschlechtsbestimmend ist, durch ein Sternchen zu ersetzen. «Svizzer*», «cittadin*», «polititic*» etc. Für die Vereinheitlichung des Artikels «Le/gli» hat man noch keine Lösung gefunden, aber man denkt sicherlich ernsthaft darüber nach.
(A.d.Ü.: Auch im deutschen Sprachgebrauch werden solche *-Lösungen leider langsam immer häufiger gefordert (z.B. «Schweizer*innen» etc.).
Eine Generation von Hypersensiblen?
Man möchte meinen, wir sähen uns mit einer Generation von Hypersensiblen konfrontiert, die – zunehmend paranoide Züge annehmend – der Ansicht sind, dass es die Verfasser von schriftlichen Texten darauf abgesehen hätten, irgendwelche Minderheiten zu beleidigen. Wenn man «behindert» sagt statt «in der Bewegungsfreiheit eingeschränkt», scheint dies schlimmer zu sein, als architektonische Mauern abzureissen. Ehrlich gesagt erscheint mir der Unterschied zwischen den beiden Begriffen nicht derart bedeutend, um eine öffentliche Empörung zu rechtfertigen, aber alles in allem kann ich es verstehen, dass man die Empfindungen der vom Schicksal Betroffenen nicht verletzen will.
Aber dass diese Hypersensibilität sich praktisch auf sämtliche Bereiche des Menschengeschlechts – Geschlecht, Ethnie, Rasse, Religion, Behinderung, sexuelle Ausrichtung etc. – ausdehnt, ist schlicht lächerlich und unwürdig für Institutionen, die weitaus wichtigere Probleme zu lösen hätten, wie bereits erwähnt: Hunger, Arbeitslosigkeit, Armut etc.
Dennoch scheint es tatsächlich, dass der Sinn fürs Lächerliche – oder in gewisser Hinsicht auch fürs Tragische – völlig verloren gegangen zu sein scheint bei den Spitzen der EU, die in einem pompös «Union of Equality» genannten Dokument sprachliche Direktiven erlassen haben, um Minderheiten nicht zu «beleidigen». So müssen – gemäss ihren neu veröffentlichten Kommunikationsvorschriften – die Begriffe «Miss oder Mrs» entfernt und ersetzt werden durch ein generelleres «Ms» (warum denn nicht gleich durch ein «M*»?). Das Wort «Weihnachten» wird ersetzt durch «Festtage», weil es diskriminierend sei für nichtchristliche Minderheiten (aber was haben diese Minderheiten denn an Weihnachten zu feiern? Dann sollen sie doch weiter arbeiten wie an gewöhnlichen Werktagen!). «Ladies and gentlemen»? Bewahre, man müsse «collegues» sagen, denn mit all den tagtäglich neu auftretenden Sexualformen weiss man ja nie.
Der Irrsinn kennt keine Grenzen, aber tragischerweise wird er ernst genommen. Vor ein paar Tagen habe ich eine Radiosendung verfolgt mit Publikumsbeteiligung, die ausschliesslich dem Dilemma gewidmet war, ob man einander «Frohe Weihnachten» wünschen darf oder nicht besser «schöne Festtage» sagen soll.
Erlauben Sie mir somit, die Aussage des Titels dieses Artikels vor allem an die EU zu richten, aber ebenso an all jene, die deren Direktiven befolgen: Leckt mich doch am A…!
Was ich mit A… meine, überlasse ich dem Urteil der Leserschaft, denn ich möchte keine Minderheiten beleidigen.