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In meinen ersten neun Saisons als Gottéron-Fan schafften es die Drachen nie über den 7. Qualifikationsrang hinaus. Es waren denn auch keine sportlichen Gründe, die mich zum Drachen machten. Gerne würde ich sagen, dass mich einst mein Thuner Kollege Mitzu vom Gottéron-Fanclub Green Dragons mit dem Drachenfieber angesteckt hat. Er hat Anfang der 00er-Jahre regelmässig FC Thun-Fans wie mich mit ins St. Leonhard genommen. Aber der eigentliche Grund war banaler: Im Herbst 2003 begann ich ein Politologiestudium an der Universität Freiburg. Da ich von Montag bis Donnerstag jeweils erst um 19 Uhr aus dem Miséricorde-Gebäude herauskam, waren die Beizen meist schon viel zu voll, um dort gemütlich ein Feierabendbier trinken zu können – anders das St. Leonhard, wo ich in jenen Jahren immer ganz schnell zum Bier kam.
Mein erstes Abo löste ich im Herbst 2004 mit Studentenrabatt. Noch in der gleichen Woche rief mich ein Mitarbeiter von Gottéron an. Ich solle doch bitte dem Verein weiterhin die Treue halten und mein Abo verlängern. Ich fand das so kurz nach dem Abokauf ziemlich frech und wurde am Telefon laut. Es stellte sich heraus, dass jemand auf der Gottéron-Geschäftsstelle zwei Adresslisten verwechselt hatte. Deshalb rief der Mitarbeiter nicht Fans an, die ihr Abo nicht verlängert hatten, sondern Neuabonnenten wie mich. Er entschuldigte sich bei mir und fügte hinzu, dass ja nicht er als Spieler der 1. Mannschaft auf die Idee der Telefonaktion gekommen sei.
Im Mai 2010 erhöhte Gottéron die Preise für die Stehplatzabos von 495 auf 595 Franken. Dumm für mich: In jenem Mai 2010 ging die Zeitung, für die ich nach meinem Studium arbeitete, Konkurs. So schrieb ich dem Verein, dass ich zwar ein gewisses Verständnis für die Preiserhöhung habe, mir das Abo als Arbeitsloser aber nicht mehr leisten könne. Als Zeichen des guten Willens legte ich eine 20er-Note für die Nachwuchsabteilung bei. Als Gegenleistung bat ich um eine Information darüber, in welchen Zeitabständen die Einzeltickets für die Heimspiele in den Vorverkauf kommen würden. Statt eines Infoblatts erhielt ich einen persönlichen Brief von Laurent Haymoz, der in jenem Sommer sein Amt als Gottéron-Präsident angetreten hatte. Da mein Brief eine der wenigen anständigen Rückmeldungen auf die Preiserhöhung gewesen sei, habe er sich dazu entschlossen, mir das Stehplatzabo für die Saison 2010/2011 zu schenken. Eine unglaublich herzliche Geste, die ich ihm und dem ganzen Verein nie vergessen habe. Es hat mich sehr getroffen, dass Haymoz 2013 viel zu jung gestorben ist.
Ich habe in den folgenden Saisons mein Stehplatzabo jedes Jahr verlängert. Ich bin bis heute an jedem Heimspiel – es sei denn, der FC Thun spielt gerade gleichzeitig. Beim Super-League-Klub meiner Heimatstadt habe ich nämlich ebenfalls ein Stehplatzabo, und bei Terminkollisionen gehe ich ins Fussballstadion, weil dort die Abstiegsgefahr nun mal viel präsenter ist als beim Eishockey. Und weil es infolge der wiedererweckten Eishockeyeuphorie in Freiburg heute schwieriger ist als vor 15 Jahren, sich während eines Hockeyspieles in vernünftiger Zeit ein Bier zu holen.
Einmal im Jahr kann ich aber darauf zählen, dass meine Kollegen den ganzen Abend lang das Bier für mich holen. Denn immer an meinem Geburtstag spielt Gottéron. Für einmal ist es ein Vorteil, kurz vor Weihnachten, am 23. Dezember, geboren worden zu sein. Und mittlerweile habe ich auch gelernt, damit zu leben, dass der 23. Dezember inzwischen auch zum SCB-schlägt-Gottéron-Tag geworden ist. Eine Ausnahme gab es immerhin: An meinem 31. Geburtstag lag Gottéron 33 Sekunden vor Schluss in Bern 1:3 hinten – und glich dann die Partie durch zwei Tore von Plüss und Aubin noch aus. Der anschliessende Sieg im Penaltyschiessen hat jenen 23. Dezember im Jahr 2009 endgültig zu meinem schönsten Geburtstag gemacht.
Am 23. Dezember 2018 werde ich 40 Jahre alt. Die Chancen auf einen weiteren schönen Geburtstag – und einen weiteren Gottéron-Sieg – stehen gut, spielen die Drachen dann doch im Hallenstadion.