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Im September 2021 wird das Projekt ‚Poetik des Überflusses. Ästhetik – Ökonomie – Literatur‘ unter der Leitung von Dr. Sebastian Meixner seine Arbeit aufnehmen. Gemeinsam mit einem Doktoratsprojekt werden in den kommenden vier Jahren die Interdependenzen von ästhetischer und ökonomischer Theorie in literarischen Texten vom 18. bis ins 21. Jahrhundert erforscht. Das Projekt wird vom Schweizerischen Nationalfonds im Rahmen des Ambizione-Programms gefördert.
In Meixners Ansatz wird Überfluss, der in seiner Krisenvariante aktuell omnipräsent zu sein scheint, sowohl als ökonomisches wie auch als ästhetisches Problem angegangen: Es gibt zu viele Daten, um sie zu interpretieren; zu viel CO2, um es zu kompensieren; zu viel Geld, um es zu verzinsen – und zu viele Bücher, um sie zu lesen. Dabei entwickelt die Ästhetik aus den rhetorischen Verfahren der abundantia seit der Antike Theorien des Überflusses, die den Überfluss strukturell ambivalent begreifen. Das Projekt bringt diese Theorien des Überflusses zum ersten Mal mit ökonomischen Theorien in Verbindung. Ökonomische Theorien nämlich können nur begrenzt mit dem Überfluss umgehen, der nicht als Gewinn abgeschöpft oder als Investition in ihre Modelle reintegriert werden kann. Das dabei zugrundeliegende Korpus der literarischen Texte, in denen metaphorischer Überfluss oft auf den ganz literalen Überfluss zurückgeführt wird, reicht von Sophie von La Roche über Gottfried Keller bis hin zu Christian Kracht.
Sebastian Meixner wurde 2017 an der Eberhard Karls Universität Tübingen mit einer Arbeit zu «Narratologie und Epistemologie. Studien zu Goethes frühen Erzählungen» promoviert und forscht seit 2016 in Zürich. Im Februar wurde er mit dem Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis ausgezeichnet. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Narratologie, Rhetorik und der deutschen Literatur um 1800.