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THEMEN-SPEZIAL
Bären: Die bekanntesten Arten
Sie finden sich meist als Stofftiere in Kinderzimmern, aber echten Bären sollten Sie lieber aus dem Weg gehen. Die Großbären wirken zwar behäbig, können in freier Wildbahn jedoch gefährlich für arglose Wanderer werden. Wo sie leben, welche Arten es gibt und wie sie sich voneinander unterscheiden, erfahren Sie hier.
Der Braunbär
Obwohl es unzählige Unterarten der Bärenfamilie gibt, sind nur acht Arten der sogenannten "echten Bären" oder Großbären bekannt. Einer, den Sie bestimmt schon seit Ihrer Kindheit kennen, ist der Braunbär (Ursus arctos). Er lebt hauptsächlich in Alaska, Kanada und Sibirien, kann aber auch in einigen Teilen Europas wie beispielsweise der Alpenregion und Zentralasien gefunden werden.
Zu den Unterarten gehören der europäische Braunbär, der Grizzly und der Kodiakbär. Sie sind, wie der Name schon sagt, mit einem dicken braunen Fell ohne besondere Zeichnung ausgestattet und können bis zu 2,80 Meter lang werden. Die Schulterhöhe beträgt zwischen 90 und 150 Zentimeter. Das Gewicht von bis zu 780 Kilogramm ist ebenfalls beeindruckend. Durchschnittlich wiegt ein Braunbär aber "nur" um die 150 Kilo. Er ernährt sich sowohl von Pflanzen als auch von anderen Tieren wie Fisch oder Weidetieren.
Braunbären sind Einzelgänger und kommen nur während der Paarungszeit zusammen. Die einzige dauerhafte Bindung zu Artgenossen haben Mutter und Junges. Da diese Bären kein ausgeprägtes Territorialverhalten besitzen, können sich ihre Streifgebiete überlappen. Die Reviergröße kann bis zu 800 km² betragen.
Gewöhnlich greifen Braunbären Menschen nur äußerst selten an. Sie sind sehr scheu und fliehen, wenn sie Menschen hören. Gerade Mütter mit Jungtieren können auf eine Begegnung mit den Zweibeinern allerdings aggressiv reagieren. Durch Glöckchen an den Stiefeln oder ähnliche Gegenstände, die Lärm machen, können Wanderer verhindern, dass Sie einen Bären überraschen. Treffen sie doch auf einen, gilt es, provokante Gesten zu vermeiden. Experte raten, sich lieber tot zu stellen, so verliert der Bär das Interesse.
Der Schwarzbär
Der amerikanische Schwarzbär (Ursus americanus) oder auch Baribal lebt vorwiegend in Nordamerika, also in Kanada und den USA. Seine Population wird auf um die 30.000 Exemplare geschätzt. Bären dieser Art haben einen kräftigen Körperbau und können zwischen 1,50 und 1,80 Meter lang werden. Bei einem durchschnittlichen Gewicht von circa 100 Kilogramm weisen sie eine Schulterhöhe von etwa 90 Zentimetern auf. Sie sind damit deutlich kleiner als ihre Verwandten, die Braunbären.
Der Name täuscht bei diesen Bären, denn nicht alle Vertreter ihrer Gattung sind schwarz. Es gibt durchaus unterschiedliche Fellfärbungen, die manchmal silbergrau oder sogar rötlich ausfallen können. Die Fellfarbe passt sich dem jeweiligen Lebensraum an. Sind die Bären im kalten Norden beheimatet, ist ihr Fell meist schwarz, je südlicher sie leben, desto heller wird es.
Auch die Schwarzbären sind Einzelgänger und kommen nur für die Paarung zusammen. Ihr Territorium kann bis zu 100.000 Hektar groß sein. Als Allesfresser ernähren sich die Bären zu mehr als 75 Prozent von Pflanzen wie Früchten, Gräsern und Wurzeln. Dazu kommen Insekten sowie kleine Säugetiere. Als größter Feind gilt der Mensch. Etwa 90 Prozent aller Todesfälle von Tieren über 18 Monaten werden ihm zugeschrieben. Weitere Feinde sind die Grizzlys, Puma, Kojoten und Wölfe. Wie beim Braunbären kommt es nur selten zu Angriffen, wenn der Mensch sich bei Begegnungen entsprechend verhält.
Der Eisbär
Ein weiterer berühmter Vertreter der Bären ist der Eisbär (Ursus maritimus). Er ist der größte seiner Art und zählt sogar als größtes Raubtier der Welt. Trotzdem galt er lange als bedroht. Zum Glück verdoppelte sich der Bestand in den vergangen 40 Jahren von circa 10.000 auf etwa 20.000 Exemplare. Durch den Klimawandel ist der Lebensraum dieser Bären allerdings stark gefährdet. Denn das Eis des Nordpols schmilzt. Es gibt aber auch Eisbären in Alaska, Kanada, Spitzbergen und Grönland.
Eisbären werden durchschnittlich zwischen 2,40 und 2,60 Meter groß. In Extremfällen wurden aber auch schon 3,40 Meter gemessen. Die Schulterhöhe beträgt bis zu 1,60 Meter. Das Gewicht der Bären liegt im Durchschnitt bei 420 Kilo. Das Besondere an Eisbären ist nicht etwa ihr weißes Fell, sondern die schwarze Haut darunter. Sie sorgt dafür, dass die Tiere in den kalten Regionen nicht erfrieren.
Wie seine südlichen Verwandten ist der Eisbär Einzelgänger und teilt sein Revier mit unterschiedlichen Artgenossen, die sich bis zur nächsten Paarungszeit lieber aus dem Weg gehen. Diese Bären sind von allen Arten bei der Ernährung am meisten auf Fleisch angewiesen. Durch ihre Kost aus Robben und jungen Walrossen setzen sie eine dicke Speckschicht an, die sie vor dem Auskühlen schützt. Für die Jagd müssen die Tiere oft längere Zeit im Wasser verbringen, entsprechend sind sie hervorragende Schwimmer.
Obwohl diese Bären als sehr tolerant gelten, neigen sie stärker dazu, Menschen als potenzielle Beute zu betrachten. Am Häufigsten kommt es zu Attacken von Müttern mit Jungtieren oder halbwüchsigen Exemplaren. Die Bewohner von Spitzbergen werden dazu angehalten, Waffen gegen die Tiere mitzuführen, um sich verteidigen zu können.
Der Pandabär
Der Pandabär (Ailuropoda melanoleuca) ist ebenfalls ein sehr bekannter Vertreter der Bären und vom Aussterben bedroht. Es wird geschätzt, dass es nur noch 1864 frei lebende Exemplare gibt. Sein Lebensraum ist äußerst begrenzt: Der Panda kommt nur in den chinesischen Provinzen Sichuan, Gansu und Shaanxi vor. Er bevorzugt als Nahrung Bambus.
Diese Bären werden zwischen 1,20 und 1,50 Meter lang und wiegen zwischen 75 und 160 Kilogramm. Der sonstige Körperbau entspricht dem ihrer Verwandten, nur die besondere Fellzeichnung unterscheidet sie grundlegend. Die evolutionären Hintergründe für die Schwarz-Weiß-Färbung sind nicht bekannt. Da sie sich nicht zur Tarnung eignet, gehen die Forscher davon aus, dass sie Feinde abschrecken soll.
Der in der Natur einzelgängerische Panda verträgt sich in Gefangenschaft gut mit anderen Bären seiner Art. Er gilt allerdings als Fortpflanzungsmuffel, weshalb die Pfleger in den Zoos oft bei der Paarung nachhelfen müssen. Da Pandas eher gemütliche Zeitgenossen sind, geht von ihnen keine Gefahr für den Menschen aus.
Der Malaienbär
Der kleinste unter den „echten Bären“ ist der Malaienbär (Helarctos malayanus) oder auch Sonnenbär genannt. Ein ausgewachsenes Tier misst meist zwischen 1,00 und 1,40 Meter. Die Schulterhöhe beträgt lediglich 70 Zentimeter. Im Vergleich zu den anderen Bären ist diese Art mit ihren 27 bis 65 Kilogramm ein echtes Leichtgewicht. Das Verbreitungsgebiet der Sonnenbären liegt im östlichen Indien und erstreckt sich über das südliche China, Indochina, die Malaiische Halbinsel bis nach Sumatra und Borneo. Ihr typischer Lebensraum sind tropische Regenwälder.
Als Allesfresser ernähren sich die Bären hauptsächlich von Insekten und wirbellosen Tieren. Diese finden sie bevorzugt auf Bäumen, weshalb Malaienbären hervorragende Kletterer sind. Eine feste Paarungszeit haben sie nicht, aber auch sie trennen sich nach dem Akt wieder und leben als Einzelgänger.
Für den Menschen sind die Malaienbären nicht gefährlich, da sie nur in Extremfällen angreifen. Sonst halten sie sich lieber von Eindringlingen fern und flüchten. Auffällig ist vor allem die helle Fellzeichnung auf der Brust. Ansonsten ist ihr Fell dunkel – manchmal werden sie deshalb auch mit dem Kragenbären verwechselt, der ebenfalls in dieser Gegend beheimatet ist.
Der Kragenbär
Diese Bären sind enge Verwandte des amerikanischen Schwarzbären und leben in Asien. Im Gegensatz zur amerikanischen Art ist der Kragenbär wirklich schwarz. Bräunliche Exemplare sind extrem selten. Die sichelförmige helle Färbung auf der Brust brachte ihnen auch den Spitznamen Mondbär ein. Die Bezeichnung Kragenbär verdankt diese Art aber dem zotteligen Fellkragen um ihren Hals.
Der Kragenbär wird zwischen 1,00 und 1,80 Meter lang und wiegt zwischen 65 und 150 Kilogramm. In den tropischen Regenwäldern ernähren sich die Bären hauptsächlich von Pflanzen, Nüssen und Obst. Dazu kommt eine Kost aus Insekten, Larven und kleinen Wirbeltieren.
Die einzelgängerischen Tiere greifen nur sehr selten Menschen an. Ein solcher Angriff kann aber im schlimmsten Fall auch tödlich ausgehen, denn die Zähne und Krallen der Bären können schwere Verletzungen hervorrufen.
Der Lippenbär
Eine ganz spezielle Gattung der Bären sind die Lippenbären. Sie haben ihren Lebensraum vor allem in Indien und Sri Lanka, kommen aber auch vereinzelt in Bangladesch, Bhutan und Nepal vor. Das Besondere an ihnen sind die ausgeprägten und sehr beweglichen Lippen. Dazu kommen eine lange Zunge und die Fähigkeit, die Nasenlöcher zu schließen. Außerdem fehlen ihnen die oberen Schneidezähne, die Schnauze ist hell und unbehaart. Alles Anpassungen an ihre extravagante Diät.
Lippenbären sind wahre Experten, wenn es darum geht, Insekten zu jagen. Ihre Kopf- und Schnauzenform hilft ihnen dabei. Das Fell ist lang und zottelig, außerdem weist es eine dunkelbraune Färbung auf. Wie die Kragen- und Malaienbären haben sie eine helle Zeichnung im Brustbereich die einem V oder einem Y ähnelt. Diese Bären werden zwischen 1,40 und 1,80 Meter lang und haben eine Schulterhöhe von 60 bis 90 Zentimeter. Sie weisen ein Gewicht von 55 bis 145 Kilo auf. Auf ihren Streifzügen durchs Revier begegnen sie mitunter anderen Artgenossen, leben ansonsten aber als Einzelgänger.
Durch ihren schlechten Gesichts- und Gehörsinn bemerken Lippenbären den Menschen erst im letzten Augenblick. Sie können nicht flüchten und erweisen sich oftmals aufgrund ihrer Angst als aggressiv. Menschen sollten sich dementsprechend verhalten und auf Abstand gehen.
Der Brillenbär
Der Andenbär oder auch Brillenbär (Tremarctos ornatus) ist der einzige überlebende Vertreter der Kurzschnauzenbären und lebt in Südamerika – in den Anden und in den Gebirgszügen Kolumbiens. Diese Bären werden zwischen 1,30 und 1,90 Meter groß, mit einer Schulterhöhe von 70 bis 90 Zentimeter. Ihr stattliches Gewicht: 130 bis 175 Kilo.
Die Fellfärbung des Brillenbären ist überwiegend schwarz, dunkelbraun oder auch rotbraun. Die auffällige helle Zeichnung um die Augen verläuft den Hals hinab und trug zur Namensgebung bei. Obwohl die Bären meist auf dem Boden leben, sind sie auch geschickte Kletterer. In den Baumspitzen ernähren sie sich von jungen Trieben und Früchten, aber auch von Nagetieren, Insekten, Schnecken und Vögeln.
Durch den fortschreitenden Verlust ihres Lebensraumes sind die Brillenbären gefährdet. Die Jagd durch den Menschen dezimiert ihre Anzahl weiter. Obwohl die Einzelgänger relativ tolerant gegenüber Eindringlingen sind, gibt es einige, meist durch den Menschen verschuldete Übergriffe.
Fazit: Die verschiedenen Arten der "echten Bären" unterscheiden sich sowohl in ihrem Lebensraum als auch in ihrem Aussehen und ihren Vorlieben, was Nahrung anbelangt. Alle sind Einzelgänger, aber nur Bären in kälteren Regionen halten Winterschlaf oder Winterruhe. Eigentlich greifen sie den Menschen nur an, wenn sie von ihm überrascht oder provoziert werden. Vorausschauendes Verhalten ist deshalb ratsam. Bei einer Attacke sollten Betroffene nicht weglaufen, sondern sich tot stellen.