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Albert Hoffmann-Burckhardt (1826-1896)
Albert Hoffmann-Burckhardt ( 1826-1896 ) Mitbegründer der Sektion Basel des SAC am 17. April 1863, zwei Tage vor der auch von ihm besuchten Gründung des SAC in Olten. Im Central-Comité: Kassier 1864 und Centralpräsident 1870-1872. In der Sektion Basel: Schreiber 1865-1869, Statthalter 1869-1872 und Obmann 1872 bis 1876. Ehrenmitglied der Sektion Basel 1893.
In Basel geboren, machte Albert Hoffmann im väterlichen Seidenbandgeschäft seine Lehre. 1847 in die Filiale eines grossen Basler Tuchgeschäfts nach Mailand berufen, gründete er dort den eigenen Hausstand mit der Tochter eines früheren Bürgermeisters von Basel und kehrte anfangs der sechziger Jahre in die Heimatstadt zurück. Als tüchtiger und unabhängiger Kaufmann widmete er später seine Arbeitskraft, alter Basler Tradition gemäss, vielen öffentlichen Ehrenämtern in der Bürgergemeinde und auch in der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft. « Es darf nichts versäumt werden », war der Grundsatz, mit dem er alle seine Aufgaben zu erfüllen suchte. So bietet er uns das Bild eines Mannes dar von vielseitigen Interessen, von hervorragendem Pflichtgefühl und von seltener Arbeitsfreudigkeit.
Sein lebhaftes Interesse galt auch der Alpenwelt und der Gründung und den Zielen des SAC. Der Berner Chronist schrieb über das erste Vereinsjahr: « Die Sektion Basel wuchs rasch zu einer Zahl von 46 Mitgliedern an. Hier wie in Bern findet sich die Wissenschaft und die Montanistik gleich tüchtig vertreten. Wohl die fleissigste unter sämtlichen Sektionen, hält die von Basel alle vierzehn Tage Sitzung. » Als Vertreter der Wissenschaft ragt Prof. Ludwig Rütimeyer hervor, und als typischen Repräsentant der Montanistik können wir Albert Hoffmann betrachten. Während der ersten Jahrzehnte wurden vom SAC offizielle Exkursionsgebiete bezeichnet. Albert Hoffmann nennt als den ihn charakterisierenden Beweggrund zur Bereisung eines solchen Clubgebietes « sowohl seine individuelle Neigung als auch das Bewusstsein seiner Pflicht ».
Aus der grossen Zahl seiner Bergtouren, die er in vielen Sektionsvorträgen und zum Teil auch in den « Jahrbüchern » des SAC beschrieben hat, sei deshalb hier nur eine Erkundungsfahrt im Triftgebiet, dem Exkursionsgebiet für 1864/1865, kurz zusammengefasst ( vgl. SAC J. III ).
13. Juli 1865.
Mit den Führern Ulrich Lauener und Andreas von Weissenfluh brach Albert Hoffmann vom Grimselhospiz auf und überschritt nach kurzer Rast auf der Gelmeralp erstmals die Nördliche Gwächtenlimmi ( ca. 3100 m ) mit Abstieg zur Clubhütte am Thältistock ( spätere Trifthütte ).
14. Juli 1865.
Erste Ersteigung des Kilchlistocks ( 3113 m ), der sich schroff zwischen Steinhaushorn und Gwächtenhorn erhebt. Hoffmann schreibt: « Mutig griffen wir den finsteren Kameraden an. Mühsam rückten wir vor. Die scharfkantigen, spitzen, zum Teil lockeren Steine ritzten die Hände blutig und drückten sich empfindlich in Knie und Schienbein. Stets auf allen Vieren ging es dachjäh in die Höhe, doch fehlten auch nirgends Bänder und Vorsprünge, wo Hand und Fuss und Knie haften konnten, und so erreichten wir glücklich, wenn schon etwas zerfetzt und ermattet, nach einstündigem Klettern den ersehnten Gipfel... Der Rückweg war für mich um so mühsamer und kitzlicher, da ich mit meinen kurzen Gehwerkzeugen nicht so leicht guten Stand fassen konnte wie meine langbeinigen Begleiter; doch langten wir wohlbehalten nach dreiviertel Stunden wieder am Fusse des Felskegels an. » 15. Juli 1865.
Gegen 3 Uhr früh brachen die Drei von ihrem Heulager in der Clubhütte bei schwülem Föhnwetter auf und erreichten um halb 7 Uhr erstmals den Hauptgipfel des Dammastocks ( 3633 m ), nachdem Albert Hoffmann schon am 28. Juli 1864 mit Andreas von Weissenfluh und Johann Fischer, dem Vater von Dr. Andreas Fischer, den Eggstock ( 3556 m ) und den Schneestock ( 3608 m ), die nördlichen Gipfel der Dammakette, erstmals erreicht hatte. ( Vgl. Berg- und Gletscherfahrten der Sektion Basel SAC, Bd. I, p. 80/81, und « Jahrbuch » II SAC, p. 64/65. ) « Um den längst gesuchten Übergang nach dem Dammafirn und der Göscheneralp zu bewerkstelligen », hatte Hoffmann diese schneefreie Spitze gewählt, weil es von den andern überwächteten Gratkuppen nicht möglich war, den jenseitigen Abhang zu erkunden. Die Bergsteiger wurden hier jedoch von einem eisigen Nordwind überrascht, so dass nur eine oberflächliche Orientierung stattfinden konnte und die Sicherheit des Abstieges voreilig ausser acht gelassen wurde. Bald gerieten sie denn auch in eine höchst gefährliche Lage. Der voranschreitende Weissenfluh musste in einer Schneerinne Tritte in den spröden Firn nach unten hacken; hoch über ihnen lastete eine weit vorgeschobene Schneewächte, und mit Sausen und Donnern fuhren zwei mächtige Felsblöcke an ihnen vorbei. « Gott Lob und Dank, dass die uns nicht getroffen haben, die hätten uns z'Fätzen verschlagen », meinte Lauener. Endlich konnten sie sich in die nördlichen Randfelsen retten und nach kurzer Rast die Felswand vollends hinabklettern, wobei Hoffmann und sogar Weissenfluh stellenweise am Seil hinabgelassen werden mussten. Ein langer Abstieg führte über den Dammafirn,'die Göscheneralp, Göschenen nach Wassen und im Fuhrwerk nach Amsteg. Dort endete um 10 Uhr abends nach zweistündiger Wagenfahrt das anstrengende Tagewerk. Damit war der erste Übergang vom Triftgletscher zum Dammafirn über die « Winterberge » gelungen, eine Art Dammapass.
Mit dieser gefährlichen Route war Albert Hoffmann nicht zufrieden. Er suchte einen besseren Übergang. Es gelang ihm am 1. August 1868 mit seinem getreuen Ulrich Lauener und einem jungen Urner Träger in umgekehrter Richtung von der Göscheneralp aus erstmals den richtigen Dammapass ( 3513 m ) zwischen Rhonestock und Dammastock zu überschreiten, vom Dammafirn aus erst in steilem, tiefem Schnee, dann « beinahe senkrecht über lose aufeinandergeschichtete Granitblöcke » und über einen Schneekamm bis unter die mehrere Schuh hinausragende Gwächte, durch die sich Lauener ein Loch bohren konnte. Der Abstieg erfolgte über die Triftlimmi zur Clubhütte am « Thältistock » ( vgl. SAC J. V ).
Der Urner Clubführer warnt ausdrücklich vor beiden Übergängen Hoffmanns wegen Wächtenbruch, Lawinen- und Steinschlaggefahr. In späterer Zeit wurden dann gefahrlosere Wege über diese Bergkette gefunden.W.Bemoulli-Leupold