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Vom 0:2 zum 3:2 – der in den letzten zehn Minuten sichergestellte Sieg des Schweizer Nationalteams in der EURO-Qualifikation gegen Slowenien ist eine historische Rarität. In 110 Jahren Schweizer Länderspielgeschichte gelang eine Wende in dieser Form erst zum dritten Mal. Die „Mutter aller gedrehten Spiele“ war an der WM 1938 das Achtelfinal-Wiederholungsspiel der Schweiz in Paris gegen Grossdeutschland, das mit einigen hochbegabten Österreichern als stärkstes Team jener Zeit galt. 0:2 lagen die Schweizer nach 21 Minuten schon zurück, sie liefen am Limit und mussten vor und nach der Pause auch für rund 18 Spielminuten auf ihren Stürmer Georges Aeby verzichten, der sich nach einem Zusammenprall behandeln lassen musste und nicht ersetzt werden durfte. In Unterzahl blühten Alfred Bickel & Co. förmlich auf. Sie kamen zum Anschlusstreffer, nach etwas mehr als einer Stunde zum Auslgeich und dann – mit einer Doublette von André „Trello“ Abegglen in der 75. und 78. Minute – noch zum 4:2-Sieg. Es ist eine der ganz grossen Sternstunden Schweizer Fussballgeschichte.
Ebenfalls unvergessen ist das „Wunder von Sofia“ am 1. Mai 1991, als die Schweizer unter Nationaltrainer Uli Stielike in Sofia nach einer halben Stunde mit 0:2 zurücklagen und wenig Land sahen. Der Anschlusstreffer von Adrian Knup nach rund einer Stunde leitete die Wende ein, die allerdings erst in den letzten fünf Minuten gelang. Abermals Knup und der unwiderstehliche Lauf von Kubilay Türkyilmaz sorgten noch für einen 3:2-Auswärtssieg. Genützt hat der Effort letztlich doch nichts. Nach einem 0:1 in Rumänien scheiterte die Schweizer EM-Mission 1992 um einen einzigen Zähler. Statt den Schweizern reisten die Schotten an die Endrunde.
Die dritte „grosse“ Wende ist im Vergleich noch weniger bedeutsam. Es war im Februar 1991, als sich die Schweizer Auswahl unter ihrem Nationaltrainer Uli Stielike auf eine USA-Reise begab. Nach einem 1:0-Sieg gegen die USA lag man zwei Tage später in der Orange Bowl von Miami gegen Kolumbien 0:2 zurück, ehe Marcel Koller und Beat Sutter mit zwei Treffern das Spiel noch drehen konnten. Emotional war das schön, sportlich jedoch weit weniger bedeutsam als nun das 3:2 gegen Slowenien, das die Tür Richtung EURO 2016 in Frankreich nun ganz weit aufgestossen hat. Und natürlich ist das 3:2 in Sachen Timing und Dramatik unübertroffen, da der Siegtreffer erst in der Nachspielzeit fiel.
Das 3:2 gegen Slowenien steht einem anderen gedrehten Spiel mit tieferer Wirkung in nichts nach: Am 29. Oktober 1961 lag die Schweiz im proppenvollen Wankdorf-Stadion in Bern gegen Schweden mit 0:1 und 1:2 zurück, Charles Antenen und Rolf Wüthrich konnten jeweils ausgleichen, ehe Norbert Eschmann in der 81. Minute noch der Siegtreffer gelang. Dank diesem Sieg kamen die Schweizer auf ihrem Weg zur WM 1962 in Chile noch zu einem Entscheidungsspiel gegen die nun punktgleichen Schweden und gewannen den Ausstich in Berlin ebenso mit 2:1 – natürlich lagen die Rot-Weissen auch dort mit 0:1 hinten. Bemerkenswert: alle fünf Schweizer Tore gegen Schweden in diesen beiden Partien wurden mit dem Kopf erzielt…
Dass die Schweiz nach einem 0:2 immerhin noch zu einem Remis kommt, das gabs in der Geschichte des öftern, etwa in der EM-Qualifikation 1996, als Nestor Subiat in Budapest mit zwei Treffern in der 74. und 84. Minute der Schweiz noch einen wichtigen Auswärtspunkt sicherte. Auch auf dem Weg zur ersten WM-Teilnahme der Schweiz 1934 mussten die Eidgenossen in der Qualifikation gegen Jugoslawien und gegen Rumänien zweimal einen 0:2-Rückstand wettmachen und kamen jeweils noch zu einem 2:2.
Ein einziges Mal kam die Schweiz sogar nach einem 0:3 nochmals zurück: Am 19. März 1950 feierten 62000 Zuschauer in Wien bereits den Sieg ihrer Österreicher, ehe Fatton, Tamini und Oberer für die Schweiz noch ausgleichen konnten. Am 20. Juni 1948 lag die Schweiz im Zürcher Hardturm gegen Spanien 0:2 und 2:3 zurück, Charles Antenen schoss in der 71. Minute noch das 3:3.