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Aktinomykose
(griech.), Geschwulstbildung, welche bei Rindern und Schweinen, wahrscheinlich auch bei andern Tieren und beim Menschen vorkommt. Rinder [* 2] erkranken nicht selten an einer Verdickung und Verhärtung der Zunge (chronische Zungenentzündung, Holzzunge), an Knochengeschwülsten im Unterkiefer (Winddorn) und an Geschwülsten in der Rachenschleimhaut. In diesen Geschwülsten fand Hahn [* 3] 1872 Pilze, [* 4] und Bollinger erkannte 1877, daß diese Geschwulstbildung eine echte Pilzkrankheit sei.
Der Pilz [* 5] wurde von Harz untersucht und Actinomyces (Strahlenpilz) benannt. Die Geschwulst in der Zunge oder am Kiefer der Rinder besteht aus einem Konglomerat verschieden großer Knötchen, welche auf der Schnittfläche meist trübe und gelblichweiß aussehen, und nimmt in der Regel einen chronischen Verlauf. Gewöhnlich behindert aber die Geschwulst des Kiefers nach 2-3 Monaten das Kaugeschäft des Rindes so sehr, daß das Tier sich kaum noch am Leben erhalten kann. ¶
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Günstiger verläuft die Geschwulstbildung in der Zunge, deren Ausbildung sich oft nach längern oder kürzern Intervallen, in welchen die Tiere keine erhebliche Störung der Futteraufnahme erleiden, vollzieht. Von erheblichen Störungen ist dagegen die der Rachenschleimhaut und des Kehlkopfs begleitet, weil dieselbe das Schlucken des Futters oder das Atmen beeinträchtigt. Der Pilz, welcher als die spezifische Ursache der Geschwülste zu betrachten ist, hält sich in Stallungen längere Zeit und kommt gelegentlich mittels des Maulschleims auf eine wunde Stelle der Schleimhaut, welche seiner Kolonisation günstig ist.
Ponfick hat die Vermutung ausgesprochen, daß die Pflanzennahrung bei der Entstehung der
Aktinomykose eine Rolle spiele,
weil die Krankheit bei Fleischfressern, soweit die bisherigen Erfahrungen reichen, nicht vorkommt. Neuerdings ist die Übertragbarkeit
der von kranken auf gesunde Rinder durch Versuche nachgewiesen worden. Bei Schweinen scheinen die Geschwülste in der Halsgegend
und an den Ohrdrüsen vorzugsweise durch den Strahlenpilz veranlaßt zu werden. Oft brechen diese Geschwülste
auf, worauf sich eine schmierige, eiterige Masse entleert und vorübergehend eine Erleichterung in dem Befinden der Tiere eintritt.
Beim Menschen sind die nachteiligen Wirkungen des Strahlenpilzes viel gefährlicher als bei den Haustieren, namentlich führen
die Eiterungen zur Erschöpfung, und es kommt auch besonders leicht zur sekundären Erkrankung des Herzens
und andrer wichtiger Organe. Die Behandlung der
Aktinomykose kann nur eine chirurgische sein, doch lassen sich die Geschwülste in der
Regel nicht exstirpieren. Um so größer ist die Bedeutung der Prophylaxis, und da nach Ponfick der Strahlenpilz von jeder verletzten
Stelle der äußern Haut
[* 7] oder der Schleimhäute in die Gewebe
[* 8] des tierischen Körpers einzudringen vermag,
so wird es darauf ankommen, durch sorgfältige Reinigung der Stallutensilien der Gefahr einer Verbreitung des Leidens zu begegnen
und außerdem die unschädliche Beseitigung der beim Schlachten
[* 9] der Tiere gefundenen Krankheitsprodukte zu bewirken.