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Wie wichtig sind eurer Meinung nach die Lyrics für einen Song?
Joya Marleen: Mega wichtig, die Lyrics sind essentiell! Olivia Rodrigo etwa hat sehr schöne, aber auch direkte, krasse Lyrics geschrieben, wo alles zusammenpasst, auch Amy Winehouse hat mich mit der sehr persönlichen Ehrlichkeit ihrer Texte beeindruckt.
Thomas Fessler: Ja, die Lyrics sind sehr wichtig, das zeigt nicht zuletzt, dass ihr Tantièmen-Anteil bei der SUISA 50 Prozent beträgt, also gleich viel wie derjenige der Musik.
Habt ihr eine typische Vorgehensweise beim Schreiben der Songtexte?
Joya Marleen: Ich gehe gerne von Wörtern aus, die irgendwie gut tönen oder eine Idee vermitteln, wohin sich der Song entwickeln soll oder wie eine Geschichte aussieht. Dementsprechend habe ich dann vielleicht drei Wörter, die im Song vorkommen müssen und dazu kommen dann die Gefühle, die dazugehören. Daraus kann sich dann der Song bilden. Aber meistens schreibe ich zuerst die Melodie zu den drei Wörtern.
Thomas Fessler: In diesen Wörtern ist bereits die Stimmung des Songs enthalten. Der Rest ist zunächst «Joghurttext»: unverständlicher oder sinnloser Text für die Stellen, wo der Text noch nicht feststeht.
Der nominierte Song «Nightmare» (Albtraum) zeigt, wie wichtig ein einziges Wort sein kann und bereits viele Emotionen auslösen kann. Joya, brachte das Wort Nightmare die Initialzündung für den Text des gleichnamigen Songs?
Joya Marleen: Ja, zusammen mit «Hold on, hold on», das ergibt schon fast einen Seemanns-Vibe, ein Albtraum auf einem Schiff, diese Atmosphäre passt gut.
Entstand die Musik daraus, quasi aus dem Schaukeln dieser drei Worte?
Thomas Fessler: Joya hatte diesen Refrain, die Kombination dieser Wörter und der Melodie, in einer Vorversion mit dem Smartphone aufgenommen und mir geschickt. Und ich dachte, uh, das ist etwas Besonderes, daraus kann man einen tollen Song machen.
Joya Marleen: Zu Beginn hatte der Song einen starken Reggae-Einschlag …
… der immer noch leicht herauszuhören ist in der rhythmischen Betonung, im Schaukeln dieser drei Wörter …
Beide: Ja!
Joya, wusstest du schon beim Wort «Nightmare», um was es in diesem Song gehen soll? Oder hat sich der Sinn des Songs erst nach und nach entwickelt?
Joya Marleen: Ich wollte, dass aus diesem Wort eine bizarre Stimmung entsteht. Deshalb habe ich diese Person beschrieben, die auf einen Albtraum wartet, weil es ihr langweilig ist. Der Albtraum ist für sie essentiell im Leben, sie sucht eine toxische Herausforderung. Der Song klingt bizarr, ist aber eigentlich sehr melancholisch, trotz der gegensätzlichen Gesangsstelle «Hold on!», und dies erzeugt eine Spannung.
Entstand der Rest des Textes dann parallel zur Musik?
Thomas Fessler: Joya hat während der Musikaufnahme auch am Text gefeilt, hier auf dem Sofa des Regieraums – und ihn dann auf der Heimfahrt im Zug fertig geschrieben, so wie sie es jeweils macht … Der Text hat keine klare Storyline, schafft eher eine Stimmung, ist quirlig und frisch, etwas schräg und auch etwas chaotisch. Das ist auch gut so, denn wenn alles klar verständlich wäre, würde der Text langweilig. Man muss sich beim Zuhören noch etwas vorstellen können.
«Nightmare»
Komposition: Joya Marleen und Thomas Fessler.
Text: Joya Marleen.
www.joyamarleen.com
www.571.ch
|Swiss Music Awards: SUISA ehrt die Songwriter/innen des «Best Hit» |
In der Kategorie «Best Hit» werden an den Swiss Music Awards jeweils die erfolgreichsten nationalen Songs der Schweizer Hitparade des Vorjahres nominiert und das Siegerlied wird während der TV-Show per Publikumsvoting ermittelt. Die SUISA ist dieses Jahr zum ersten Mal Presenting Partner des «Best Hit»-Award und stellt die Arbeit der Songwriterinnen, Songwriter, Textautorinnen und Textautoren des Siegersongs in den Vordergrund. 2022 sind in der Kategorie «Best Hit» die Songs «Nightmare», «Tribut» und «Show You» nominiert. (Text: Giorgio Tebaldi)
www.swissmusicawards.ch