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Ein nicht alltägliches Projekt: Für die Restaurierung des Weltpostdenkmals wurde ein neuartiges nachhaltiges Verfahren gewählt, nämlich die Behandlung mittels eines Pilzes, einer so genannten Bio-Patina.
Das Weltpostdenkmal steht seit 1909 auf der Kleinen Schanze. Über einer Felsformation aus rötlichem Granit erhebt sich ein Wolkengebilde mit einer Weltkugel. Um diese herum schweben fünf Frauengestalten. Diese symbolisieren die fünf Kontinente: Asien, Afrika, Ozeanien, Amerika und Europa. Die Frauen halten sich nicht etwa an den Händen, sondern reichen einander Briefe zu. Rechts davon sitzt eine gekrönte Frauenfigur am Wasserbecken, neben sich ein Schild mit dem Berner Wappen darauf. Die Berna schaut dem Weltgeschehen zu.
Ausgangslage: Material und Zustand
Das Denkmal besteht aus mehreren Teilen: Sockel und Tragkonstruktion, darüber ein Granitmantel, die Bronzeteile des Globus und der Berna sowie vorgelagert der Teich, mit Wasserzu- und ablauf sowie dem Überlaufschacht.
Über einem Betonfundament, in das ein Stahlträger eingelassen ist, wurde ein Mantel aus Granit-Bruchsteinen gelegt. Der Porphyrgranit stammt aus einem Steinbruch von St. Maurice-les-Chàteauneuf /FR. Er ist vom Künstler ausgesucht und hier in Bern unter Verwendung von Zementmörtel zusammengefügt worden.
Am Weltpostdenkmal wurden in den letzten Jahren mehrmals Ausbesserungsarbeiten getätigt:
- 2015 wurde die Statik des Sockels und der Tragkonstruktion in Bezug auf die Erdbebensicherheit überprüft.
- 2017 wurden die Fugen der Sockelsteine durch die Münsterbauhütte Bern von Pflanzenbewuchs gereinigt und neu gekittet.
- 2020 - nach der nachfolgend beschriebenen Restaurierung der Bronzeplastik - wurden die Steine gereinigt: Wasserläufe und Metalloxyde hatten Verfärbungen verursacht. (Restaurator: Tobias Hotz, Weinfelden).
Reinigung und Restaurierung der Bronze
Die Skulptur mit der Weltkugel und den fünf Frauenfiguren sowie die Figur der Berna bestehen aus Bronze. Alle Bronzeteile waren von Anbeginn an patiniert. Durch die inzwischen mehr als hundert Jahre Bewitterung war die Skulptur recht unansehnlich geworden. Wasserläufe verunklärten die Gesichter der Figuren und störten deren Lesbarkeit. Gewählt wurde ein mehrstufiges Reinigungs-Verfahren sowohl trocken wie auch nass. (Restaurator Wolf Meyer zu Bargholz, Bielefeld)
Anschliessend wurde ein neues, nachhaltiges, bisher noch nie auf einer so grossen Fläche (es sind mehr als 100m2) angewendetes Verfahren gewählt: eine Behandlung durch eine Bio-Patina – bei der eine Pilzkultur auf die Metalloberfläche aufgebracht wird, welche diese so beeinflusst, dass die Poren geschlossen werden. Die Pilzkultur ist in einem Gel enthalten, das 10-15 Tage lang in einer mindestens 1 cm dicken Schicht auf der Oberfläche kultiviert wird. Um die klimatischen Verhältnisse zum Wachstum des Pilzes herzustellen, wurde ein Klimazelt um das Denkmal herum errichtet und darin insgesamt 24 Nebeldüsen angebracht. Das sehr schöne und warme Wetter im Monat Juli hat das Wachstum des Pilzes positiv beeinflusst. Als die Oberfläche nach 10 Tagen relativ gleichmässig mit der Pilzkultur überzogen war, wurde das Gel abgeschabt und in Tonnen auf einem Recyclinghof entsorgt. Dieser Müll ist biologisch abbaubar.
Die Wirkung dieser Bio-Patina besteht auf mindestens 25 Jahre hinaus und lässt alle Möglichkeiten für die Zukunft offen. Die Methode ist von Prof. Edith Joseph, Université de Neuchâtel, entwickelt worden. Sie hatte ein Stipendium zur Erforschung von Erhaltungsmethoden mittels Microbiologie auf Metalloberflächen erhalten.
Bedeutung
Zusammen mit dem Welttelegraphen-Denkmal auf dem Helvetia-Platz ist das Weltpost-Denkmal eines der wichtigsten Denkmale, die das Mitwirken der Schweiz in der weltumfassenden Kommunikation darstellen. Sie sind beide von internationalen Künstlern für diesen Berner Standort entworfen worden. Sie stellen eine Visitenkarte der Schweiz gegenüber den internationalen Organisationen dar und werden daher der Bedeutung entsprechend gepflegt. Das Weltpostdenkmal steht in einem hochfrequentierten Park und wird täglich von vielen Menschen gesehen. Dem gilt es Rechnung zu tragen.
Letzte Änderung 03.11.2020