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Die Schwellenländer sind wegen steigender Schulden, steigender Zinsen und lahmendem Wachstum unter Druck. Russlands Krieg in der Ukraine hat dazu geführt, dass das Land Ende Juni erstmals seit 100 Jahren seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkam. Sri Lanka kann ebenfalls nicht mehr zahlen. Eine schwere Wirtschaftskrise, von einer faktischen Staatspleite begleitet, hat auch den Libanon erfasst.
Wer kommt als nächstes? Die Analyseabteilung Bloomberg Economics vom Finanznachrichtendienst Bloomberg hat 50 sich entwickelnde Volkswirtschaften untersucht. Vier Kriterien wurden angewandt: Dollaranleihen-Renditen, die Spreads von Kreditausfall-Swaps, Zinslasten und Schulden. Aus Sicht von Bloomberg sind es El Salvador, Ghana, Ägypten, Tunesien und Pakistan, die am unmittelbarsten von einer Zahlungsunfähigkeit bedroht sind. Nicht weit danach folgen Kenia, Argentinien und die Ukraine.
Darstellung der finanziellen Verwundbarkeit von Bloomberg Economics (BE).
All diese Länder haben Probleme mit ihren Schulden. Die Belastung für in Dollar denominierte Schulden liegt mindestens zehn Prozentpunkte über der Rendite von US-Staatsanleihen.
Zusammen mit einer insgesamt hohen Verschuldung bedeutet dies für diese Länder, dass der Schuldendienst einen grossen Teil der Staatseinnahmen ausmacht. Russlands Zahlungsausfall unterscheide sich insofern, als dass das Land grundsätzlich die Mittel für den Schuldendienst habe, heisst es bei Bloomberg Economics. Sanktionen wegen des kriegerischen Angriffs auf die Ukraine tragen dazu bei, dass Zahlungen schwieriger geworden sind.
Fed-Zinserhöhungen belasten finanziell schwache Länder
Viele der von Zahlungsschwierigkeiten bedrohten Länder sind bereits in einem Schuldenprogramm des Internationalen Währungsfonds (IWF). Das letzte Mal, als die US-Notenbank Federal Reserve die Zinsen in einer Phase verlangsamten Wachstums anhob, musste der IWF in Lateinamerika mehrfach eingreifen, weil Staaten in akuter Bedrängnis waren.
Zahlreiche von den am meisten verwundbaren Ländern müssen innerhalb der nächsten 18 Monate Zahlungen leisten. Ägypten beispielsweise muss fast vier Milliarden Dollar im November begleichen und drei Milliarden Dollar im nächsten Februar. Dank Reserven und Hilfe aus den reichen Öl-Staaten am Persischen Golf sollte Ägypten den Aufwand aber begleichen können.
Länder mit anstehenden Zinszahlungen.
Eine Dezember-Zahlung über 1,7 Milliarden Dollar im Dezember von Pakistan könnte schon schwieriger zu bewältigen sein. Ein Rettungspaket des Internationalen Währungsfonds könnte Gelder aus anderen Ländern wie Saudi-Arabien freisetzen. Wenn aber kein solcher Deal zustandekommt, wird es angesichts der schwachen Reserven Pakistans und des hohen Aussenhandelsdefizit des Landes schwierig.
Das Staatsbudget der Ukraine ist wegen des Krieges extrem unter Druck. Das Land muss 1,4 Milliarden im September begleichen, weitere Zahlungen werden 2023 fällig. Eine Restrukturierung der Schulden wäre ein unmittelbarer Schritt, den das Land anstreben könnte.
Argentinien wiederum kann sich auf seine Reserven verlassen, um bis Ende Jahr die finanziellen Lasten für die Staatsschulden zu begleichen. Allerdings wird die Währungsfonds-Auflage, die Reserven bis Ende Jahr aufzustocken, schwieriger zu erfüllen. Die Zahlungsfähigkeit wird im weiteren Verlauf dann gefährdet sein.
Tiefe Verschuldung im Falle Äthiopiens
Auch Ländern ohne Zahlungsfälligkeiten wie Tunesien oder Ghana könnten in der nächsten Zeit Probleme bekommen, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Die Notwendigkeit, lebenswichtige Güter zu importieren, könnte zulasten der Schuldendienste gehen.
Es gibt auch Beispiele, wo die Lage bei näherem Hinsehen weniger dramatisch ist. Äthiopiens Anleihen weisen zwar hohe Renditen auf und die Spreads bei Credit-Default-Swaps sind weit. Im Raum steht aber nur eine begebene Anleihe, die Ende 2024 ausläuft. Angesichts der tiefen Verschuldung des Landes gehört Äthiopien damit nicht zu den gefährdetsten Ländern.
Am wenigsten verwundbar für einen Staatsbankrott sind laut Bloomberg übrigens die Ölförderländer Kuwait, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Schulden dieser Länder sind sehr tief. Zudem profitieren sie von den steigenden Rohstoffpreisen.
(cash/Bloomberg)