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Meine Kindheit war geprägt von ständigen Wechseln: verschiedene Heime, Pflegefamilien, Aufenthalte bei Freunden oder meinem Vater, der aus einem niedrigeren sozioökonomischen Milieu stammte. Diese Unbeständigkeit spiegelt sich in meinem Bildungsweg wider, der von Höhen und Tiefen durchzogen ist.
In meiner frühen Schulzeit fiel ich auf, leider jedoch nicht aus den Gründen, die man sich wünschen würde. Oft unkonzentriert und als Klassenclown agierend, hielt ich sehr oft die Klasse auf. Diese Verhaltensweisen waren teilweise eine Reaktion auf die fehlende Unterstützung im Bildungsbereich, sowohl in den Heimen als auch bei meinem Vater. Hausaufgaben machte ich selten oder gar nicht, für Prüfungen lernte ich kaum. Das führte dazu, dass ich im niedrigsten Schulniveau in Basel landete.
Viele Interessen – aber nicht für die Schule
Trotz der Herausforderungen in der Schule hatte ich ein ausgeprägtes Interesse an anderen Bereichen. Schon als Kind faszinierten mich Filme, und ich begann früh, eigene kleine Drehbücher zu schreiben. Als ich neun Jahre alt war, entdeckte ein Sozialarbeiter meine Drehbücher und bot mir die Möglichkeit, eines davon während der Sommerferien in Südfrankreich zu verfilmen. Der Film «Die magischen Bandeln 2» wurde tatsächlich gedreht – mit den anderen Heimkindern als Schauspielern.
Zwischen meinem sechsten und zehnten Lebensjahr entwickelte ich eine Leidenschaft für das Tanzen. Ich brachte mir in meinem Zimmer selbst sechs verschiedene Tanzarten bei, darunter Hip-Hop, African Dance und Ausdruckstanz. Als ich mit Zwölf erneut das Zuhause wechseln musste, war ich oft tagsüber allein. Zum ersten Mal hatte ich unlimitierten Zugang zum Internet, das weckte mein Interesse für YouTube-Videos. Statt Hausaufgaben zu machen oder für Prüfungen zu lernen, schaute ich stundenlang Videos über die Relativitätstheorie, Stringtheorie und Biologie. Später kamen Themen dazu wie die neuesten wissenschaftlichen Entdeckungen, Körpersprache, Strategien und Philosophie. Auch auf der untersten Schulstufe war ich kein Musterschüler, schloss jedoch in Physik und Biologie mit einer Sechs ab.
Elektriker-Lehre – Kampf gegen Widrigkeiten
Nach meiner obligatorischen Schulzeit entschied ich, eine Lehre als Elektriker zu beginnen, ein Entscheid, der auf meinem Interesse für Physik basierte. Die Lehre war jedoch herausfordernder als erwartet. Erstmals begann ich ernsthaft zu lernen und meine Hausaufgaben zu machen. Trotz der stetigen Verbesserung meiner schulischen Leistungen zogen die Noten in den praktischen Übungen mein Gesamtzeugnis herunter. Dies führte dazu, dass ich regelmässig Gespräche mit meinem Lehrmeister führen musste, um zu klären, ob meine praktischen Fähigkeiten ausreichten, um die Lehre zu bestehen. Der Druck, möglicherweise zu scheitern, war während der gesamten drei Jahre meiner Ausbildung allgegenwärtig. Doch letztlich bestand ich die Abschlussprüfungen und erhielt mein Diplom als Montage-Elektriker EFZ.
Berufsmatura – Zeit der Anstrengung
Mit dem Abschluss der Lehre und dem Verlassen des Heims stand ich mit 18 Jahren vor einer neuen Herausforderung: der Vorbereitung auf die Berufsmatura-Aufnahmeprüfung. Ich entschied mich für die Richtung Gesundheit und Soziales, da ich den Wunsch hatte, Lehrer zu werden. Mein erster Versuch, die Aufnahmeprüfung zu bestehen, scheiterte, aber ich liess mich nicht entmutigen und bestand sie beim zweiten Anlauf.
Die Berufsmatura war eine Zeit intensiver Anstrengung. Als ehemaliges Heimkind, das nun auf sich allein gestellt war und keine Bezugsperson hatte, musste ich mit finanziellen Schwierigkeiten und dem ständigen Kampf mit Bürokratie und Behörden zurechtkommen. Trotz dieser Hindernisse gab ich mein Bestes, machte meine Hausaufgaben und lernte fleissig. Letztendlich bestand ich die Berufsmatura mit einem Durchschnitt von 4,7. Nach meinem Abschluss verlor ich jedoch das Interesse am Lehrerberuf – ich musste mich neu orientieren.
Auszeichnung zum «Leader of Tomorrow»
Nachdem ich einige Praktika, unter anderem bei Roche und der Straumann Group, absolviert hatte, entschied ich mich für ein Studium der Betriebswirtschaftslehre. Parallel dazu gründete ich einen Verein, der sich für die Rechte ehemaliger Heim- und Pflegekinder in der Schweiz einsetzt. Durch meine Arbeit ist es mir gelungen, über 15 Vorstösse in 12 Kantonen einzubringen und eine parlamentarische Gruppe und Bundesbern aufzubauen. In Baselstadt konnte ich sogar eine «Gesetzesänderung» herbeiführen – die Einführung des Careleaver-Status. Dieser erleichtert ehemaligen Heim- und Pflegekindern den Umgang mit diversen Ämtern und sorgt dafür, dass sie schneller finanzielle Unterstützung vom Kanton erhalten. Für meinen Einsatz in diesem Bereich wurde ich mit dem Basler Sozialpreis ausgezeichnet und von der Universität St. Gallen als einer von weltweit 200 «Leaders of Tomorrow« geehrt. Ich erhielt viele weitere Auszeichnungen für mein Engagement.
Heute habe ich mein Engagement erweitert und ein neues Projekt ins Leben gerufen: OpenDesk. Zusammen mit über 30 Studierenden mit PoC-Hintergrund unterstütze ich Kinder mit afrikanischem oder lateinamerikanischem Hintergrund, die in Basel wohnhaft sind, in ihrer Ausbildung. Durch mein politisches Engagement bin ich seit letztem Jahr Mitglied des Schulrats der Primarschule Gellert. Im November wurde ich für die Amtsperiode 2024 bis 2028 als Mitglied der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ) vom Bundesrat gewählt. In dieser Funktion berate ich gemeinsam mit den anderen 19 Mitgliedern den Bundesrat in kinder- und jugendpolitischen Fragen.
Ganz schön viel los im Moment… Ich bin gespannt, was die Zukunft noch alles für mich bringen wird!