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Le grand Karl
85-jährig ist Karl Lagerfeld in Paris gestorben. Mit ihm geht einer der Dienstältesten der Branche.
Seit Karl Lagerfeld am 22. Januar 2019 erstmals überhaupt die Applausrunde zum Ende seiner Chanel-Show im Pariser Grand Palais ausliess, sorgte sich die Modewelt. Seit 35 Jahren prägte er als kreativer Chef bei Chanel die Branche und hatte keine Schau ausgelassen. Er sei an dem Morgen müde gewesen, hiess es von offizieller Seite. Heute nun ist der Mode-Pop-Star 85-jährig gestorben: Er soll an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt gewesen sein, berichtet «Paris Match».
1933 in Hamburg geboren, interessierte sich Karl Otto Lagerfeld bereits als junger Mann für Design und Mode. Mit 14 Jahren zog er nach Paris und gewann den ersten Preis im damals prestigeträchtigen Wettbewerb des Internationalen Wollsekretariats in der Kategorie «Mantel». Kurz darauf engagierte ihn der französischen Designer Pierre Balmain, 1958 bis 1963 war er als künstlerischer Direktor bei Jean Patou tätig. Er arbeitete als selbständiger Designer und entwarf Pelzkollektionen für Fendi oder etwa den ersten Duft für das französische Label Chloé.
1983 übernahm er dann die Stelle als kreativer Leiter bei Chanel, die er bis heute hielt. Hatte bereits Coco Chanel ein Arsenal an unverkennbaren Stilelementen geschaffen – Lagerfeld machte daraus wieder ein modernes und hochprofitables Unternehmen. Er verstand es, Ikonen zu schaffen und zu zementieren, allen voran sich selbst: Vatermörder, Sonnenbrille, weiss gepuderte Pferdeschwanz-Frisur. Er war der erste, der für H&M eine Capsule-Kollektion entwarf, er verlegte Bücher, fotografierte und machte selbst seine Birma-Katze Choupette zum Instragram-Star.
Und schliesslich füllen die prägnanten Zitate des Meister heute ganze Bücher: «Wenn Sie von mir wissen wollen, was ich mir wünschte, entworfen zu haben, wäre es das weisse Hemd. Ein Hemd ist der Ausgangspunkt von allem. Alles andere kommt danach.» Über Heidi Klum soll er gesagt haben: «Ich kenne sie nicht. Claudia kennt die auch nicht. Die war nie in Paris, die kennen wir nicht.» Er war exzentrisch, überheblich und machte keinen Hehl daraus: «I'm very much down to earth. Just not this earth.»
Und schliesslich soll er auch gesagt haben: «Eitelkeit ist das Gesundeste im Leben.» Hatte der Modezar all die Jahre sein Älterwerden erfolgreich weggeredet und -arbeitet, gab er sich ganz zum Schluss ungewohnt entspannt. Eines der letzen Fotos zeigte Lagerfeld herzaft lachend, was er sonst kaum machte – und man sah, dass ihm zwei Zähne fehlten. Erfrischend unperfekt, überraschend bis zum Schluss. Mit der Modelegende geht einer der Dienstältesten der Branche. Auf Wiedersehen Karl.