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Dornenvögel und Wildsäue
Alles, was ich über das Gefühlsleben von Priestern, Wildschweine und Homosexualität weiss, lehrte mich die TV-Miniserie
«Die Dornenvögel» (1983). Durch die tragische Liebesgeschichte von Meggie (Rachel Ward) zu Pater Ralph (Richard Chamberlain) erfuhr ich als kleine Fernsehzuschauerin, dass ein katholischer Priester nichts mit Frauen (und natürlich auch nichts mit Männern und so) anfangen darf. Und dass die Liebe dann halt doch stärker ist als jedes Papstgesetz.
Weil Meggies Bruder in der Nähe der australischen Familienfarm von einer Wildsau aufgespiesst wird, weiss ich, dass Begegnungen mit diesen Tieren tödlich enden können – was in unseren Breitengraden, in denen wir Wildschweinen vor allem in Wurstform begegnen, eher in den Bereich «Trivialwissen» fällt.
Nun zur Sache mit der Homosexualität: Damals in den Achtzigerjahren, als «Die Dornenvögel» ein wahrer Strassenfeger war, sprachen plötzlich alle von Richard Chamberlains sexueller Ausrichtung. Kann ein Schwuler überzeugend einen heterosexuellen Priester spielen, der sich in eine Frau verliebt, die er kennt, seit sie ein kleines Mädchen ist, und mit ihr an einem romantischen Strand einen Sohn zeugen? Einen Sohn, der mit einem anderen, Schaf scherenden Vater aufwächst, später selber Priester werden will und dann viel zu jung tragisch ums Leben kommt?
Ja, das geht. Jedenfalls in dieser kitschigen US-australischen Miniserie, die über Pfingsten wieder am TV läuft. Und die einer neuen Generation von Serienjunkies ganz viel beibringen wird.