Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03340.jsonl.gz/2026

Mit kulturellen Eventen, jeder Menge Ansprachen, Informationsveranstaltungen und auch Protesten wird in Brasilien am Sonntag (8.) der internationale Frauentag begangen. In Brasilien stellen sie mit 51,4 Prozent die Mehrheit der Bevölkerung. Sie sind aber auch die Mehrheit bei den Arbeitslosen, verdienen weniger und sind in der Abgeordnetenkammer und dem Senat lediglich mit neun und 13 Prozent vertreten. Kaum anzutreffen sind sie ebenso an der Spitze großer Unternehmen. Dort ist in den vergangenen Jahren sogar eine Verschlechterung verzeichnet worden, was die Präsenz von Frauen betrifft.
Wie in vielen Ländern gibt es auch in Brasilien bei der Gleichstellung der Geschlechter noch viel zu tun. Immerhin wird bei den Gehältern mittlerweile eine, wenn auch langsame, Angleichung verzeichnet. Dennoch haben laut einer Studie des Statistikiinstitutes IBGE vom Setember 2014 die Frauen im Durchschnitt nur 73,7 Prozent von dem verdient, was die Männer an Gehalt erhalten haben.
Nach einer Erhebung des Beratungsunternehmens Grant Thornton sind in 57 Prozent der großen brasilianischen Firmen keine Frauen im Management sowie den Verwaltungs- und Aufsichtsratsgremien vertreten. Damit liegt Brasilien weit über dem weltweiten Durchschnitt von 32 Prozent. In den vergangenen drei Jahren hat sich dabei der Anteil der Frauen in Führungspositionen sogar noch verschlechtert, fehlten 2012 doch nur in 26 Prozent der Großunternehmen Frauen in Leitungspositionen. Anders sieht es bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen aus. Laut der Serasa Experian sind 43 Prozent der Firmen in Frauenhand und zählt Brasilien knapp 5,7 Millionen Unternehmerinnen.
Auf politischer Ebene ist der Frauenanteil hingegen äußerst gering. Lediglich neun Prozent der Abgeordnetensitze waren in der vergangenen Legislaturperiode von Frauen besetzt. Im Senat betrug ihr Anteil 13 Prozent. Beim internationalen Ranking der Interparlamentarischen Union steht Brasilien damit auf dem 116. Platz von 190 Ländern, überrundet von etlichen Ländern des Nahen Ostens und weit unter dem weltweiten Durchschnitt von 22,1 Prozent. Immerhin hatte sich jedoch bei den Wahlen im vergangenen Jahr die Anzahl der Kandidatinnen auf 6.572 erhöht, während es 2010 lediglich 5.056 waren. Wahlberechtigt sind mit 77,45 Millionen indes mehr Frauen als Männer (68,24 Millionen).
Bei der Ausbildung haben die Frauen indes längst die Männer überholt. An den Universitäten sind mit 57,1 Prozent mehr junge Studentinnen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren eingeschrieben als Studenten. Darüber hinaus studieren 15,1 Prozent der Frauen an Hochschulen, während es bei den Männern nur 11,4 Prozent sind. Allerdings studieren die meisten von ihnen „typische“ Frauenfächer, wie Pädagogie und Kunst. Bei der durchschnittlichen Schul- und Studienzeit stehen die Mädchen ebenso an der Spitze. So konnten 2013 neun Millionen Frauen eine Schulbesuchzeit von 15 Jahren vorweisen. Bei den Männern waren es indes nur 6,5 Millionen.
Verbesserungen konnten bei der Bekämpfung der häuslichen Gewalt erreicht werden. Brasilien steht zwar weltweit auf dem siebten Platz, was Morde und Tötungen von Frauen betrifft. Mit dem Gesetz „Lei Maria da Penha“ konnte jedoch eine stärkere Erhöhung der Gewalttaten gegenüber Frauen verhindert werden, wie aus einer Studie des Forschungsinstitutes Ipea hervorgeht. Dennoch sind die Zahlen erschreckend. Nach offiziellen Angaben sterben 1,1 Frauen pro 100.000 Brasilianern an den Folgen von häuslicher Gewalt.
Doch haben die Abgeordneten am Dienstag (3.) ein Gesetzesprojekt verabschiedent, nach dem Frauenmorde künftig als schweres Verbrechen und qualifizierte Morde eingestuft werden sollen, wenn die Tat häusliche Gewalt, Diskriminierung und Unterdrückung der Frauen beinhaltet.
Mehr investiert wird ebenso in die Vorbeugung. Mit landesweiten Kampagnen soll auf das Problem aufmerksam gemacht werden und ein spezieller Notruf soll für mehr Sicherheit sorgen. Erst Anfang Februar wurde im Bundesstaat Mato Grosso do Sul zudem ein Frauenzentrum eröffnet. Dort steht den Frauen ein Team von Zivilpolizistinnen, Psychologinnen, Sozialberaterinnen und weiteren professionellen Helfern zur Verfügung. Darüber hinaus bietet das Zentrum Unterschlupf für Frauen und Kinder in Notsituationen. Angesichts des riesigen Landes mag ein Zentrum wenig erscheinen. Doch sind weitere geplant und ist immerhin ein Anfang gemacht.