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6.1 Lindenhof
Auf dem Lindenhof
Südseite der Lindenhofterrasse. In der Mitte das langgezogene Haus Lindenhof 2 unter dem die historischen Mauern liegen.
Die geöffnete Bodenklappe auf der Seite des Hauses ist der Zugang zu diesem archäologischen Keller.
Bild Stadtarchäologie Zürich
Wenn wir fast oben auf dem Lindenhof sind, erinnert uns linker Hand die Kopie einer Inschrift an die Familie eines römischen Zollbeamten. Seine Frau und er hatten den Tod ihres kaum eineinhalbjährigen Knaben zu beklagen.
„D(is) M(anibus)
Kopie des Grabsteins, den man auf die Zeit um 200 n.Chr. datiert. Man fand das Grabdenkmal 1747 auf dem Lindenhof. Das Original befindet sich im Landesmuseum.
Hic situs est
L(ucius) Ael(ius) Urbicus
qui vixit an(no)
uno m(ensibus)V d(iebus) V.
Unio Aug(usti) lib(ertus)
p(rae)p(ositus) sta(tionis) Turicen(sis)
XL G(alliarum) et Ae(lia)Secundin(a)
p(arentes) dulcissim(o) f(ilio)“
„Für die Totengötter
Hier liegt
Lucius Aelius Urbicus,
der 1 Jahr, 5 Monate, 5 Tage
gelebt hat.
Unio, Freigelassener des Kaisers,
Vorsteher der Station TVRICVM
des Gallischen Zolls und Aelia Secundina,
die Eltern, für ihren allersüssesten Sohn“
Der Name Zürich, Turicum, ist hier erstmals schriftlich festgehalten, und der Stein macht auch klar, dass es in Zürich eine Zollstation gab.
Spätrömisches Kastell
Spätrömisches Kastell
In den Krisenzeiten des 4. Jahrhunderts entstand auf dieser Anhöhe ein Kastell mit mächtigen Mauern und zehn Türmen.
Pfalzanlage
Pfalzburg auf dem Lindenhof
Rekonstruktion mit den Umrissen der heutigen Lindenhofterrasse. (rund 4500 m2)
Zeichnung Oliver Lüde, Stadtarchäologie Zürich.
Schon in karolingischer Zeit entstand hier eine Pfalz. Die Pfalz – vom lateinischen palatium, Palast – beherbergte den Hof des herumziehenden Königs. Sie war Residenz und Verwaltungssitz. Die Pfalz auf dem Lindenhof wurde im 10./11. Jahrhundert erneuert. Reste der Mauern können in einem sogenannten „archäologischen Fenster“ beim Gebäude der Freimaurerloge besichtigt werden. Der Schlüssel ist beim Baugeschichtlichen Archiv am Neumarkt 4 erhältlich.
Später bekam das Kastell eine Funktion in der Stadtbefestigung. Als die Stadtmauern weiter gezogen werden mussten, nutzte man ab dem 13. Jahrhundert den Lindenhof als freien Platz. Als einzige öffentliche Grünanlage innerhalb der mittelalterlichen Stadtbefestigungen war er mit steinernen Tischen, Armbrustständen, Schachspielen und einer Kegelbahn ausgestattet.
Einblicke in den Lindenhofkeller mit den historischen Mauern. Bild Stadtarchäologie Zürich
Der Lindenhof war auch in religiöse Feierlichkeiten einbezogen. Einmal jährlich, am Pfingstmittwoch, führte eine Prozession zu Ehren der Stadtheiligen Felix und Regula über den Hof. 1304 berichtet der „Richtebrief “ von einem Beschluss, die Reliquien der Heiligen über den Hof zu tragen, wie es schon von alters her Gewohnheit gewesen sei. So erhoffte man sich den Schutz der Stadtheiligen weiterhin zu sichern. Natürlich verschwand das Prozessionswesen in der Reformation.

||Auf dem Lindenhof

Wir bleiben auf dem Lindenhof

||Aber setzen wir uns doch auf eine Bank und verschaffen wir uns einen Eindruck von einer solchen Prozession.