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Im Jahr 2016 startete Valentin Guillod in seine erste Saison in der MXGP-Kategorie, der Königsklasse der internationalen Motocross-Szene. Mit dem neunten WM-Gesamtrang war es für den Pilot aus Môtier ein äusserst vielversprechendes Debüt im Kreis der Besten. Doch anstatt noch weiter vorne anzugreifen, geriet die Karriere Guillods in der Folge ins Stottern. Erst konnte er nicht an die starken Leistungen seiner Premiere-Saison anknüpfen, dann folgte die Trennung von seinem Trainer und Mentor Yves Demaria, und schliesslich wurde der 27-Jährige immer wieder von Verletzungen gebremst. Die bittere Konsequenz: Für das WM-Championat 2019 fand er keinen Platz im MXGP-Fahrerlager und musste in die Schweizer Meisterschaft der Kategorie Open zurückkehren, wo er sich prompt den Titelgewinn sichern konnte.
Vor Jahresfrist wurden Valentin Guillods Bemühungen, in die MXGP-Klasse zurückzukehren, belohnt: Er konnte sich einem französischen Honda-Privatteam anschliessen. Am vorletzten Wochenende beendete er die Weltmeisterschaft auf dem 24. Schlussrang – weit von seinen Erwartungen entfernt. «Mit dieser Klassierung kann ich natürlich nicht zufrieden sein. Ich hatte mir einen Platz zwischen 10 und 15 erhofft», bilanziert Guillod, der aber differenziert. «Was die einzelnen Grand Prix betrifft, habe ich mir für Ende Saison Plätze in den Top 10 als Ziel gesteckt. Das habe ich erreicht, so fuhr ich in den abschliessenden Rennen vom GP von Italien dreimal unter die ersten zehn.»
Offerten von zwei Werkteams
Dass es für Guillod gerade in den ersten Saisonrennen einer Weltmeisterschaft, die natürlich von der Coronavirus-Pandemie geprägt war und deshalb die GPs in Übersee gestrichen wurden, nicht mit guten Rangierungen geklappt hatte, lag an einer Viruserkrankung, die sich der Freiburger im Sommer eingefangen hatte. «Beim GP von Lettland im August ging plötzlich gar nichts mehr. Ich war todmüde und stand die Rennen körperlich nicht mehr durch. Erst als nach eingehender Analyse klar war, woran ich leide, und die Erkrankung dementsprechend behandelt werden konnte, ging es wieder bergauf.»
Nicht wirklich ein Nachteil sei für ihn gewesen, dass er für ein Privatteam an den Start gegangen sei. «Bezüglich Material bekam ich eigentlich, was ich wollte und wie ich es mir vorgestellt hatte. Ein kleiner negativer Punkt war vielleicht, dass es noch ein junges Team war, dass erstmals mit zwei Piloten an der WM teilnahm. Es fehlte manchmal ein wenig an Erfahrung, um mit dieser Situation umzugehen», sagt Guillod, der ansonsten kaum Unterschiede zu einem Werksteam ausmachen konnte. Eine entscheidende Differenz gab es allerdings für ihn ganz persönlich. Der frühere Europameister musste Geld aufwerfen, um für die französische Equipe fahren zu dürfen. «Mit dem Palmarès, den ich mir erworben habe, war es schon irgendwie komisch, Geld für einen Platz im Fahrerlager mitzubringen. Immerhin hatte ich das Glück, dass mich Honda Schweiz und meine privaten Sponsoren dabei unterstützt haben.» Finanziell sei die Covid-Krise für ihn Glück im Unglück gewesen, weil kostenträchtige Reisen in fernere Gefilde gestrichen wurden. «Im Nachhinein sehe ich dieses Geld als Investment in die Saison 2021. Die Top-10-Plätze haben es mir erlaubt, im Kontakt mit anderen Teams zu kommen.» Dieser Tage sollte Guillod Angebote von zwei Werkteams bekommen. Es ist so gut wie gewiss, dass er für das kommende Jahr einen Lenker auf sicher hat.
So lange wie möglich fahren
«Als ich 2019 keinen Platz in der MXGP-WM bekam, war das schon nicht ganz so einfach zu verkraften», blickt Guillod zurück. «Wenn es läuft, hast du viele Schulterklopfer, aber wenn du verletzt bist, ist plötzlich niemand mehr da.» Zu dieser Zeit habe ihn die Motocross-Szene ein Stück weit angewidert. Daran gedacht, alles hinzuschmeissen, habe er dennoch nicht. «Ich habe nicht Lust, etwas zu bedauern, wenn ich älter bin. Mit 40 kann ich immer noch in einer Fabrik arbeiten gehen; die Möglichkeit, Motocross auf Top-Niveau zu bestreiten, ist dann aber vorbei.» Er wolle so lange wie möglich alles im Sport versuchen.
So hat sich Guillod unabhängig von seinem zukünftigen Team für die WM 2021 das Ziel gesteckt, konstant unter die ersten zehn zu fahren und punktuell gar die Top 6 anzuvisieren. Aktuell steht für den Freiburger aber noch die Erholung im Vordergrund. Bis Mitte Dezember gönnt er sich noch Urlaub, dann beginnt die physische Vorbereitung auf die neue Saison, die im April starten soll. «Der Rennkalender ist schon draussen. Ich bin jedoch überzeugt, dass es wegen Corona wiederum noch zu Änderungen kommen wird.» So seien wiederum sieben Grand Prix in Übersee angesetzt. Guillod zweifelt aber daran, dass diese wie geplant stattfinden können. «Trotzdem werden wir eine Weltmeisterschaft durchführen können. In diesem Jahr fanden mitten in der Pandemie auch 18 statt der ursprünglich vorgesehenen 20 Grand Prix statt.»