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Im Hochmittelalter regieren im Deutschen Reich, das 911 n.Chr. aus dem Ostfrankenreich entsteht, nacheinander drei Königsgeschlechter, die Ottonen (Sachsen) 919 - 1024, die Salier (Franken) 1024 – 1125 und die Staufer (Schwaben) 1137 – 1250. Das Westfrankenreich entwickelt sich zu Frankreich, ab 987 regieren dort zentral die Capetinger.
Zwischen König und Stammesherzögen besteht eine ständige Rivalität, ein Kampf um die Macht. Der König wird gewählt, gesalbt und in Aachen gekrönt. Es gibt keine "Erbmonarchie", sondern eine „Wahlmonarchie", in der der regierende König die Nachfolge immer wieder durch die Stammesfürsten bestätigen lassen muss. Auch die Kaiserkrönung muss immer wieder neu durch den Papst vollzogen werden. Damit demonstriert der Papst seine geistliche Macht über die weltliche Macht. Als der Staufer Kaiser Heinrich IV. die Macht des Papstes zur Einsetzung von Bischöfen in Frage stellt (Investiturstreit), bekommt er diese geistliche Macht zu spüren. Durch die Verhängung des „Kirchenbannes“ wird Heinrich zum Bussgang nach Canossa (1077) gezwungen. Das Wormser Konkordat 1122 beendet den Streit zu Ungunsten des Kaisers. Die Macht der Kirche ist gestärkt, das Kaisertum hat einen empfindlichen Imageverlust erlitten. Den Kampf um den Anspruch auf „von Gott verliehener Macht“ hat die Kirche zu ihren Gunsten entschieden.
Die Stammburg der Staufer (die Burg Hohenstaufen) liegt im Süden Deutschlands. Der erste Staufer Kaiser ist Friedrich I., genannt Barbarossa, Vater des späteren Kaisers Heinrich VI. und Grossvater Friedrichs II., dessen Mutter die Tochter eines sizilianischen Normannenfürsten ist. Friedrich II. ist in jeder Beziehung ein ungewöhnlicher Mensch und er wird nicht umsonst schon in seiner Zeit „stupor mundi“ (Erstaunen der Welt) genannt. Er ist gebildet, von einem unersättlichen Wissensdurst getrieben, er spricht Italienisch, Lateinisch, Griechisch, Arabisch, Französisch, Provenzalisch und Deutsch. Er schreibt ein Buch über die Aufzucht und Abrichtung von Jagdfalken, das heute noch als Standardwerk der Falknerei gilt. Die von ihm gegründete Universität Neapel gibt es heute noch. Obwohl er Deutscher König ist (im Bild rechts oben blau ist das Heilige Römische Reich [deutscher Nation] im 13. Jahrhundert), fühlt er sich in Sizilien mehr zu Hause und verbringt die meiste Zeit seines Lebens dort. Während seine Herrschaft über Sizilien unbestritten ist, muss er in Deutschland immer wieder um die Krone kämpfen. Obwohl er ein christlicher Kaiser (seit 1220) ist, pflegt er bevorzugt Umgang mit Mauren (Muslimen). Durch eine neue Gesetzgebung versucht er, sein Königreich Sizilien zu einem Musterstaat zum Wohle der Bürger zu machen. Mit dem Papst hat er nicht viel am Hut, doch er muss ihn bei Laune halten, denn er ist von Papstes Gnaden Kaiser. So drängt ihn dieser auch immer wieder zu einem Kreuzzug ins Heilige Land. Friedrich zeigt wenig Interesse daran.
Als er dann 1228 doch "auf einen Kreuzzug" geht, „erobert“ er Jerusalems ohne einen einzigen Blutstropfen zu vergiessen. Im Februar 1229 gelingt es Kaiser Friedrich II. - er ist jetzt auch König von Jerusalem - durch einen Kompromissfrieden - dem Ayyubiden-Sultan al-Kamil die Stadt durch einen Vertrag abzuhandeln (Friede von Jaffa). Der Erwerb hält jedoch nicht lange, denn erstens ist mit dem Vertrag nicht genügend Land übergegangen, um die Stadt wirksam verteidigen zu können und zweitens hat Jerusalem keine nennenswerten Befestigungsanlagen mehr, da diese vor der Übergabe geschleift worden sind. Das „Christliche Königreich Jerusalem“ ist faktisch nicht lebensfähig. 1244 erobern die Ayyubiden die Stadt zurück.
Die letzten Jahre Friedrichs II. sind geprägt von Streitigkeiten mit der Kirche. Am 13. Dezember 1250 stirbt Friedrich II. im 56. Lebensjahr an einer Darminfektion. Er lässt sich in der grauen Kutte des Zisterzienserordens, dem er jetzt angehört, neben seiner Mutter und seinem Vater im Dom von Palermo begraben. Mit ihm endet auch das hohe Mittelalter
Die Nachfolge im Reich ist nicht geregelt. So entsteht ein gefährliches Machtvakuum, bis 1273 mit der Thronbesteigung Rudolfs von Habsburg wieder sicherere Zeiten anbrechen. Diese kaiserlose Zeit von 1250 bis 1273 wird „Interregnum“ genannt. In diese Zeit fallen wohl auch die ersten Bündnisse der Waldstätte, die den Kern zur Eidgenossenschaft und zur späteren Schweiz bilden. Der Bundesbrief von 1291 ist wahrscheinlich „nur“ eine Weiterführung und Erneuerung dieser Schutzbündnisse gegen Übergriffe fremder Herrscher.
Aufgaben und Recherchen
Wie entwickeln sich die karolingischen Königreiche weiter?
Nenne die drei Kaisergeschlechter, die auf die Karolinger folgen und halte grob das Jahrhundert ihrer Regierung fest!
Wie heisst die Dynastie, die vom 10. Jahrhundert bis in die Neuzeit die französischen Könige stellt?
Die Entwicklungen in Frankreich und Deutschland verlaufen entgegengesetzt. In Frankreich setzt der König das Lehenssystem konsequent durch. Dadurch wird das französische Königtum bald erblich. In Deutschland gelingt das nicht, der König muss mehr und mehr Zugeständnisse machen und die Lehen werden erblich, wodurch der deutsche König (Kaiser) mehr und mehr an Macht verliert. Am Ende stehen die Habsburger, die den Titel zwar erben, aber praktisch keine Macht mehr haben, ausser der, die sie von Haus aus aufbringen.
Was ist der Investiturstreit, um was geht es?
Woher kommen die Staufer Kaiser, wie heisst der legendäre erste Stauferkaiser?
Der Vater Friedrichs II. erleidet 1077 eine schwere Niederlage. Wer ist es? Worum geht es? Erkläre!
Weche „Ehrenbezeichnung“ geben ihm seine erstaunten Zeitgenossen?
Friedrich II. hat einige Besonderheiten. Nenne mindestens drei!
Wann stirbt Friedrich II.? Welche Zeit folgt danach? Inwiefern ist diese Zeit bedeutend für die Schweiz?