Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03236.jsonl.gz/1188

Kurz nach ihrer Gründung erhielten die heutigen Agrarwissenschaften ein eigenes Gebäude. Das LFW (Land- und Forstwirtschaftliches Institut, Westbau) ist auch heute noch ein Schmuckstück. Zwar erfuhr es über die Jahre mehrere Umbauten. Die authentischen Stilelemente der damaligen Architekten sind jedoch erhalten geblieben.
Nach der Gründung 1871 brauchte die höhere Landwirtschaftliche Schule am Eidgenössischen Polytechnikum auch Räumlichkeiten. Auf dem Areal des ehemaligen Spitalgutes entstand 1872–1874 der Neubau der «Eidgenössischen Land- und Forstwirtschaftsschule», der aus einem einfachen, geschlossenen Kubus mit Mittelrisalit und Säulenportal im Stil eines Renaissance-Palazzos bestand. Die Pläne stammten von den Staatsbauinspektoren Otto Weber und Johann Jakob Müller. 1888 wurde die Anlage um ein Gewächshaus, Geschirrhaus und Gartengerätemagazin ergänzt.
Das Gebäude wächst
Bei einem Wettbewerb für die Um- und Neubauten der Erweiterung des Eidgenössischen Polytechnikums, u. a. für die Land- und Forstwirtschaftsschule, ging Gustav Gull im Jahr 1909 als Sieger hervor. Er war Professor für Architektur an der ETH Zürich und prägte das architektonische Bild Zürichs nachhaltig mit.
Das Gebäude wurde zwischen 1912 und 1915 umgebaut, mit Pilastern, bepflanzten Dachterrassen resp. Versuchsgärten und im Innern mit einem Lichthof mit imposanter Glaskuppel, der von säulengebenden Galerien umgegeben ist. Insgesamt wurde der gesamte Bau nach Osten, Norden und Süden erweitert. Erst 40 Jahre später erfolgte die nächste Erweiterung, und zwar durch ein zweigeschossiges Aufstocken des Osttraktes. 1987–1993 wurde das LFW-Gebäude nochmals umgebaut, um den modernen Anforderungen gerecht zu werden. Das LFW beherbergte über all die Jahre verschiedenste Institute, die zu den biologischen Wissenschaften zählen und heute überall an der ETH angesiedelt sind.
Heute sind die Agrarwissenschaften an der ETH nicht mehr in verschiedene Institute aufgeteilt, sie haben ihre «Basis» aber selbstverständlich nach wie vor im LFW, wo ausserdem auch einige mit dem Institut assoziierte Professuren aus den Instituten für Integrative Biologie und für Molekulare Pflanzenbiologie untergebracht sind.
Ein Streifzug durch das heutige LFW
Betreten Besuchende heute das LFW von der Universitätstrasse her, gelangen sie durch ein schmiedeeisernes Tor zu einem Vorplatz, der von Steinbänken gesäumt ist. Durch das Eingangsportal und ein paar Treppenstufen geht es in eine säulengetragene niedrige Vorhalle; dahinter zeigt sich der hohe, quadratische Lichthof mit seinen drei Stockwerken und breiten Galerien. Rund um die Galerie gibt es Arbeits- und Aufenthaltsplätze, wie z. B. den berühmten LFW-Stall, wo die berüchtigten «Dunnstigsbiere» der Studierenden stattfinden. Hinter den Türen verbergen sich Hörsäle, Büros, Labors und Praktikumsräume. Im Innenhof hat es eine Ausstellung mit Präparaten und Modellen von Tieren. Ebenso findet sich fast ein wenig versteckt in der Vorhalle ein kleiner Brunnen.
Wer aufmerksam hinschaut, findet innen und aussen künstlerische Elemente, so z. B. skulptierte Reliefplatten des Bildhauers Adolf Meyer vor dem Haupteingang. Diese zeigen allegorische Darstellungen der Land- und Forstwirtschaft. Wurden die Dachterrassen früher als Versuchsgärten gebraucht, so werden sie heute als mehrheitlich für Mittagspausen und gesellige Anlässe genutzt.