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Erstabschläge (EA) - Definition, Geschichte und Vorkommen
Erstabschläge von Schweizer Bundesmünzen sind speziell geprägte Münzen, die für Museen, Institutionen, numismatische Vereine und Honoratioren bestimmt waren. Aber auch private Sammler, die sich um Erstabschläge bemühten, hatten die Möglichkeit, diese zu erwerben. Diese speziell geprägten Münzen haben eine Spiegelglanz-Oberfläche, welche der PP-Ausführung ähnlich sieht. Die Struktur der Prägung ist besonders markant definiert, was man an den scharfen Kanten der Zahlen und Buchstaben erkennen kann. Die freien, nicht geprägten Felder, haben eine glänzende Oberfläche. Die erhabenen Stellen sind matt und zeigen eine raureifartige Oberfläche. So entsteht der typische Erstabschlag-Kontrast, zwischen den geprägten und nicht geprägten Stellen der Münze.
Die maximale Stückzahl pro Nennwert und Jahrgang dürfte nicht mehr als 100 Stücke betragen, bei einzelnen Ausgaben wurden sogar nur fünf bis zehn Stücke ausgegeben. Die genauen Prägezahlen der Erstabschläge sind schwer zu ermitteln, da keine lückenlose Aufzeichnungen über diese Münzprägungen geführt wurden. Es wird jedoch angenommen, dass seit 1850 für jeden Nennwert und jeden Jahrgang Erstabschläge geprägt wurden. Eine unbekannte Anzahl von Stücken blieb immer als Belegsexemplare in der Eidgenössischen Münzstätte in Bern.
Obwohl die Münzstätte Bern schon früh bekannt gab, dass sie Erstabschläge prägte, entwickelte sich der Markt für diese Münzen erst in den späten 1960er oder frühen 1970er Jahren.
Die wichtigste Entwicklung in diesem Markt fand am 11. Oktober 1969 statt, als eine überwältigende Anzahl und eine nahezu komplette Sammlung von Erstabschlägen in einer öffentlichen Auktion der Galeries des Monnaies im Hotel Schweizerhof in Olten, im Kanton Solothurn, zum Verkauf angeboten wurde. Noch heute gilt diese monumentale Versteigerung als einer der Höhepunkte in der Geschichte der Schweizer Numismatik. Versteigert wurden alle großen Raritäten der Eidgenossenschaft in Erstabschlag! Darunter befanden sich die äusserst seltenen 1896er 5-Franken-, 2-Franken-, 1-Franken- und ½ -Franken-Stücke, sowie die sehr seltenen 1857er 2-Franken- und 1-Franken-Stücke. Ebenfalls enthalten waren die 2 Franken von 1879 und 1901 sowie der seltene 5 Franken von 1928.
Viele dieser Münzen fanden sich wieder in der Sammlung Ahlström, welche am 24. Januar 1995 durch den Schweizerischen Bankverein in Basel versteigert wurde. Aus diesen Versteigerungen gelangten einige Stücke, in die bis heute wohl bekannteste Erstabschlagssammlung moderner Zeit, von Albert Beck. Der passionierte Sammler und Messeveranstalter, Albert Beck hat als Pionier in diesem Gebiet, diese höchstmögliche Qualitätsstufe von Münzen, schon seit den frühen siebziger Jahren für seine Bundesmünzensammlung gesucht und erworben. Seine Erstabschlagssammlung wurde am 18. Januar 2009 in Basel durch die Union de Banques Suisses (UBS) versteigert. Viele Stücke aus der Beck-Kollektion fanden so ein neues Zuhause, unter anderem auch in der Sammlung „Top of Switzerland“, welche im Oktober 2013 in Zürich versteigert wurde. Als letztes Auktionshighlight dieses Sammelgebiets, wurde die mit Passion und akribisch zusammengetragene Sammlung von Werner Pfister, am 23. Oktober 2019 durch die Sincona AG in Zürich versteigert. Diese Sammlung profilierte sich zudem mit einer aussergewöhnlich grossen Anzahl Kleinmünzen, 5 Rappen bis 20 Rappen, in feinstem Erstabschlag.
Es ist sicher schade, dass diese Sammlungen nicht komplett erhalten blieben. Wiederum ist es eine Chance für Sammler, diese seltenen Präziosen zu erwerben. Eine attraktive Herausforderung für die Sammler der Gegenwart, eine Kollektion ähnlicher Güte zusammen zu tragen. Hierbei möchte ich betonen, dass eine Münzensammlung in bester Qualität sowohl Erstabschläge wie auch Stempelglanz-Stücke beinhalten kann. Es ist die Vielfalt der Erhaltungen und der verschiedenen Münzbilder, welche die Faszination ausmacht.
Ich habe die Marktpreise aus Auktionsergebnissen und Händlerangeboten der letzten 25 Jahre analysiert und in zwei Richtpreislisten erfasst: