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Zocken wie Caesar: Glücksspiel in der Antike
23.10.2018
«Alea iacta est.» – Die Würfel sind gefallen. Dies waren die berühmten Worte des römischen Feldherrn Gaius Iulius Caesar, als er im Jahre 49 v. Chr. mit seiner Armee am Rubikon erschien. An der Grenze zum italienischen Kernland, das von keinem römischen Feldherrn betreten werden durfte, war Caesar im Begriff, dieses zu erobern. Es war einmal, vor 5 000 Jahren...
Obwohl das Glücksspiel zur damaligen Zeit im römischen Reich verboten war, wählte Caesar ausgerechnet diese Worte, um auszudrücken, dass das Schicksal an diesem Punkt nicht mehr umzukehren sei.
Während man heutzutage der Ansicht ist, dass das Glücksspiel eher ein Phänomen sei, das der Moderne entsprang, zeigen Aufzeichnungen und Funde aus ältester Vergangenheit das genaue Gegenteil. Seit mehr als 5 000 Jahren sind Wetten und Glücksspiele um materiellen Besitz ein Zeitvertreib, der eng mit der kulturellen Grundstruktur verwoben ist. Ein Brauch, so alt wie die Zivilisation selbst.
Caesars Wortwahl die Würfel betreffend sowie die Funde von 5 000 Jahre alten mesopotamischen Würfeln aus Knochen und Elfenbein, lassen darauf schliessen, dass das Glücksspiel in Form von Würfelspielen beliebt und weit verbreitet war. Doch welche anderen Glücksspiele waren beliebt und von welchen altertümlichen Völkern wurden sie gespielt?
Hellsehen und Brettspiele im alten Mesopotamien
Als Mesopotamien wird das Gebiet zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris bezeichnet. Es war nördlich des heutigen Bagdad gelegen und erstreckte sich bis zum südlichen Teil des Tarurusgebirges. Zudem gilt es als einer der ersten Orte, an dem sich Menschen dauerhaft niederliessen und als Geburtsort von zahlreichen Neuerungen für die Menschheit.
Die Mesopotamier beschäftigten sich allerdings nicht ausschliesslich mit Würfelspielen. Jäger im alten Mesopotamien entschieden nach beendeter Jagd per Knochenwurf, wer von ihnen das beste Stück Fleisch der erlegten Beute mit nach Hause nehmen durfte.
Zudem wurden Knochen als Instrument des Hellsehens verwendet, bei dem ein Schamane oder Heiler anhand der Konstellation der geworfenen Knochen die Zukunft deuten konnte. Die Mesopotamier beschäftigten sich darüber hinaus mit einer Anzahl an Brettspielen, von denen eines stark an das heute bekannte Backgammon erinnert.
Mögen die Götter mit dir sein!
Die ersten Formen des Pokers wurden vor rund 3 500 Jahren in der frühesten Hochkultur Europas, der minoischen Kultur, gespielt. Heutzutage ist der Wurf einer Doppel-Sechs ein Glückstreffer.
Doch bereits vor Tausenden von Jahren wurde dieser Wurf als Zeichen des Spielgewinns gesehen und als Wurf der Aphrodite bezeichnet. Wie so viele Bräuche, die unserer Zeit entsprungen zu sein scheinen, ist auch dieser viele Generationen alt.
Vor allem im antiken Griechenland war das Spiel mit dem Glück weit verbreitet und beliebt, es wurden verschiedene Würfelspiele gespielt, Karten kamen zum Einsatz und selbst «Kopf oder Zahl» war eine beliebte Art und Weise, Hab und Gut zum Wetteinsatz zu machen. Hierbei verwendete man im alten Griechenland allerdings Muscheln statt Münzen. Die Münze als Spielinstrument wurde erst zur Zeit der Römer eingeführt.
Doch das Glücksspiel war nicht nur ein Zeitvertreib mit aufregenden Konsequenzen. Viele Kulturen sahen diesen Brauch als Unterhaltung für die Götter. Das Spiel mit dem Schicksal war sonst eine Beschäftigung, der die Götter nachgingen, indem sie den Menschen allerlei unvorhersehbare Ereignisse bescherten.
Doch beim Wurf der Würfel, dem Aufdecken der Karten und dem Fallen der Münze konnte der Mensch für einen Moment selbst in die Rolle eines Gottes schlüpfen.
Im Land der aufgehenden Sonne
Allerdings ging man nicht nur im Griechenland der Antike dem Glücksspiel nach. Viele Überlieferungen und Geschichten lassen vermuten, dass das Glücksspiel zunächst vor allem im alten China gespielt worden ist und sich dann über die ganze Welt verbreitet hat.
Das Glücksspiel in China ist seit seiner Einführung vor mehreren Tausend Jahren strengstens verboten, beziehungsweise durch strikte Regulierungen überwacht. Dennoch ist es seit Anbeginn der Zeit überaus beliebt.
Die Urform des Keno-Spiels soll vor fast 2200 Jahren erfunden und zur Finanzierung der Chinesischen Mauer eingeführt worden sein. Statt Zahlen musste damals eine Auswahl aus 120 chinesischen Schriftzeichen erraten werden.
Bei der Ziehung wurden weisse Tauben zum Einsatz gebracht, die aus einem Stapel von Briefchen mit den entsprechenden Schriftzeichen einige herauspickten – eine Art der Ziehung, die auch heute noch in vielen Teilen Chinas üblich ist.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als chinesische Arbeiter Keno erstmalig in die USA brachten, wurden die Schriftzeichen durch Zahlen ersetzt und von 120 auf 80 reduziert. Das chinesische Volk soll darüber hinaus der Erfinder der Karte gewesen sein.
Es war die erste Zivilisation, die Papier herstellte und Geld in Papierform verwendete. Überlieferungen zufolge soll das Kartenmischen dem Mischen von Geldscheinen entsprungen sein.
Für immer ein Teil von uns?
Wie kommt es also, dass eine Tradition sich über tausende von Jahren hält und wir auch heute noch Kartenspiele wie Blackjack um Geld spielen? Besitzt der Mensch eine angeborene Neigung zum Spiel mit dem Schicksal oder handelt es sich um ein kulturelles Phänomen, das in allen Teilen der Welt immer wieder erscheint?
Eines ist klar: Das Glücksspiel ist ein fundamentaler Bestandteil der Kultur fast aller Nationen und keine junge Form der Unterhaltung. Sie ist so alt wie die ältesten uns bekannten Zivilisationen und bleibt womöglich ein Grundstein der Unterhaltungskultur des Menschen bis die Zivilisation, wie wir sie kennen, ein Ende findet. Gewissheit herrscht erst dann, wenn die Würfel gefallen sind.
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