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Zu jener Zeit weilte der Erhabene Buddha bei Uruvelā am Ufer des Flusses Nerañjarā am Fuße des Bodhibaumes, zum ersten Male vollkommen erleuchtet. Da saß der Erhabene sieben Tage lang am Fuße des Bodhibaumes mit gekreuzten Beinen, das Glück der Befreiung genießend Und der Erhabene überdachte während der ersten Nachtwache in seinem Geiste vorwärts
(skt., pi. anuloma) und rückwärts (skt. pratiloma) die Kette des bedingten Entstehens:
"Aus dem Nichtwissen entstehen die Geistesregungen, aus den Geistesregungen das Bewusstsein, aus dem Bewusstsein Name und Form, aus Name und Form der sechsfache Sinnenbereich, aus dem sechsfachen Sinnenbereich die Berührung (Bewusstseinseindruck), aus der Berührung die Empfindung, aus der Empfindung der Durst, aus dem Durst das Anhaften (Ergreifen), aus dem Anhaften das Werden (Entstehen), aus dem Werden die Geburt, aus der Geburt Alter, Tod, Kummer, Trauer, Unheil, Missstimmung und Verzweiflung.
So verhält es sich mit dem Ursprung dieser ganzen Masse von Leid. Durch das gänzliche Aufhören und Verschwinden des Nichtwissens nun hören die Geistesregungen auf, durch das Aufhören der Geistesregungen das Bewusstsein, durch das Aufhören des Bewusstseins Name und Form, durch das Aufhören von Name und Form der sechsfache Sinnenbereich, durch das Aufhören des sechsfachen Sinnenbereichs die Berührung, durch das Aufhören der Berührung die Empfindung, durch das Aufhören der Empfindung der Durst, durch das Aufhören des Durstes das Anhaften, durch das Aufhören des Anhaftens der Werdeprozess, durch das Aufhören des Werdeprozesses die Geburt, durch das Aufhören der Geburt Alter, Tod, Kummer, Trauer, Unheil, Missstimmung und Verzweiflung. So verhält es sich mit dem Aufhören dieser ganzen Masse von Leiden."
Als nun der Erhabene diesen Sachverhalt erkannte, brach er zu dieser Zeit in folgenden begeisterten Ruf aus:
"yadā have pātubhavanti dhammā ātāpino jhāyato brāhmaṇassa, ath`assa kaṃkhā vapayanti sabbā yato pajānāti sahetu-dhamman`ti."
"Wahrlich, wenn die Dhammas aufgehen, einem eifrigen, schauenden Heiligen, dann vergehen dessen Zweifel alle, weil er den Dhamma mitsamt Ursache sieht."
Stephan Schumacher Zen DiedrichsKompakt 2001
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Nondualität oder Nichtdualität (wörtlich: nicht zwei, Sanskrit advaita, chin. bu er), die Nicht-Zweiheit bezeichnet den von den großen spirituellen Traditionen angestrebten Bewusstseinszustand, in dem das dualistische Denken und die dualistische Wahrnehmung transzendiert sind. Denken und Wahrnehmung sind charakterisiert durch die Aufspaltung der nondualen (absoluten) Wirklichkeit in zwei entgegengesetzte Kategorien. Die fundamentalste diese Spaltungen ist die in „Subjekt“ und „Objekt“, Ich und Andere(s), woraus sich in der Projektion von Dualität auf die Wirklichkeit die weiteren Dichotomien wie innen/aussen, angenehm/unangenehm, Seiendes und Nichtseiendes, Leben und Tod, Gut und Böse ergeben. Die Subjekt-Objekt-Spaltung wird als die Wurzel allen Übels und aller Leiden des Menschen angesehen. Die Bibel bezeichnet diesen Vorgang im menschlichen Bewusstsein als den „Sündenfall“ durch das Essen vom Baum des „Wissens um Gut und Böse“. Er führt zur Vertreibung aus dem Paradies, im ursprünglichen Glücks seligen Zustand des Menschen.
Seite 17
Keizan Zenji, Denkoroku Aufzeichnung über die Weitergabe des Lichts
„Beim Anblick des Morgensterns erfuhr Shakyamuni Buddha Erleuchtung und sagte: Ich und die grosse Erde und alle Lebewesen haben gemeinsam Erleuchtung erlangt.“
Byung-Chul Han Philosophie des Zen-Buddhismus Reclam 2002
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Die Erleuchtung (Satori) bezeichnet keine Entrückung, keinen ungewöhnlichen ekstatischen Zustand, in dem man doch sich gefiele. Sie ist vielmehr das Erwachen zum Gewöhnlichen. Man erwacht nicht in ein extraordinäres Dort, sondern in ein uraltes Hier, in eine tiefe Immanenz...Der Zen-Buddhismus ist beseelt von einem Urvertrauen ins Hier, von einem ursprünglichen Weltvertrauen. Das Zen-Wort „Nichts Heiliges“ verneint jeden extraordinären, extraterrestischen Ort.
Sengcan Xinxinming Die Meisselschrift vom Glauben an den Geist
Verweile nicht
in dualistischen Anschauungen;
vermeide absolut,
ihnen zu folgen.
Existiert auch nur ein wenig
Richtig und Falsch,
dann wird der Geist
in Verwirrung verloren.
Zwei existiert
abhängig vom Einen,
aber man darf auch nicht
beim Einen verweilen.
Hans-Georg Möller
In der Mitte des Kreises
Daoistisches Denken
Insel Taschenbuch 2001
Das große Erwachen ist das Erwachen von Zhuang Zhou und Schmetterling zu Zhuangzi, es ist das "Erwachen" aus dem Kreislauf von Traum und Wachsein, von Tod und Leben zur daoistischen Heiligkeit inmitten von Leben und Tod.
Der daoistische Heilige identifiziert sich, wie die Nabe im Rad, nicht jeweilig mit dem, was ihn umkreist. Die Nabe wird als Mittelpunkt des Geschehens mit dem ganzen Kreislauf identifiziert. Die "Nullperspektive" der Nabe oder die Nullperspektive aus der Zhuangzi die Wandlung von Zhuang Zhou zu Schmetterling und wieder zu einem Zhuang Zhou beschreibt, ist die Perspektive des Heiligen auf den Wandel von Leben und Tod... Es muss gewissermaßen ein Sprung in die Mitte von Leben und Tod erfolgen. Indem sich der daoistische Heilige im Leben weder mit dem Leben noch mit dem Tote identifiziert, identifiziert er sich mit dem Wandlungsprozess als Ganzem und tritt in die Nullperspektive ein. Er muss die Position der Mitte einnehmen, er muss im Angelpunkt des Dao (dao shu) verweilen...
Der daoistische Heilige, der gross Erwachte, hat sich aller Körperlichkeit und aller Geistigkeit - entzogen und ist in einem Zustand völliger Leere gekommen.