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Spannende Ressourcen wie Gold, Kupfer usw. sind in Guatamala Mangelware. Exportiert werden vor allem Bananen, Kaffee, Zucker, Textilien, Baumwolle, Tabak, Kautschuk und Rum. Seit 20 Jahren läuft es jedoch auch im Tourismus rund. Die einen wollen rein, viele wiederum wollen raus. Ein bizzarer Wirtschaftsfaktor sind die von aussen kommenden Überweisungen. Jährlich fliessen rund zwei Milliarden Dollar an Familien ausgewanderter Guatemalteken in das Land.
Lange wurde das Land von Spanien gebeutelt, dann von den Vereinigten Staaten und schliesslich immer wieder durch eigene Diktatoren. Zwischen 1871 bis 1944 wurde die wirtschaftliche Modernisierung des Landes forciert. Es begann der grossflächige Kaffee- und Bananenanbau, letzterer insbesondere durch die US-amerikanische United Fruit Company, welche ja in meinem Bericht über Ecuador schon Erwähnung fand. Die UFC hatte in Guatemala ihre grössten Plantagen und war zudem noch Eignerin der International Railways of Central America und des damals einzigen Karibikhafens des Landes, Puerto Barrios. Guatemalas Verwaltung wollte unbedingt ein Schienennetz für die Erschliessung diverser Gebiete, war jedoch ausser Stande sich eines zu leisten noch war das Wissen für den Bau vorhanden. United Fruit witterte schon lange ein gutes Geschäft in Guatemala nach dem Bau des Schienennetz in Costa Rica und offerierte Guatemala mit Bananen und Landfläche bezahlen zu können, natürlich zu vorgegebenen Preisen. Die Geburt von Banana-Land. Vor allem günstige wie auch tüchtige Jamaikaner wurden eingeschifft. Bezahlt wurden die Arbeiter mit Scheinen, die nur in firmeneigenen Verkaufslokalen eingelöst werden konnten. United Fruit stand auch Coca-Cola sehr nahe. Lange Zeit wurde auf Guatemalas Plantagen die Brause abgefüllt, UFC verkaufte es ihren Arbeitern und machte sie abhängig.
Nach kommunistischen Tendenzen in Guatemala Mitte des letzten Jahrhunderts ergriff die USA mit der CIA die Notbremse. Hilda, Che Guevaras erste Frau, schrieb, dass der damalige Coup der Vereinigten Staaten in Guatemala ihren Mann zu radikaleren Mitteln bewog. Che Guevara soll für Latinamerika als einzige Lösung nur noch den bewaffneten Widerstand gesehen haben. Wenig später bereitete er in Nord-Mexico mit Fidel Castro die Befreiung Kubas vor.
Ich starte in Antigua, Hauptstadt der spanischen Kolonien in Zentralamerika für 230 Jahre. Ein brutales Erdbeben zerstörte das für diese Zeit hochentwickelte Antigua 1773 vollständig. Die Spanier errichteten darauf 45 Kilometer östlich Guatemala-Stadt. Ein farbiges Bouquet aus altspanischer Architektur, überaus freundlichen Menschen, Dienstleistungen auf hohem Niveau, gemütlichen Kaffees und leckeren Restaurants. Obwohl jede Ecke zum Bleiben einlädt, dürste ich nach Abenteuer. Eine Tour buchen wäre zu einfach. Um den Lago Atitlan und seine malerischen Dörfer zu erreichen, besteige ich frühmorgens einen „Chicken-Bus“. Das bunte Gefährt trägt seinen Namen nicht zu Unrecht. Was einmal für rund 60 amerikanische Kinder gedacht war, transportiert nun zu Stosszeiten bis 100 grosse und kleine Menschen. Ich klebe mittendrin. Nach Stunden der holprigen Trance wechsle ich in ein Tuktuk ohne Türen und danach auf die Lade eines klapprigen Freiluft-Pickups (stehend), der guatemaltekische Arbeiter auf die umliegenden Kaffeeplantagen bringt. Mit einem Kleinboot einmal quer über den See und schon zwingt mich die Zeit wieder zurück.
Via Guatemala-Stadt tuckere ich nach Lanquin. Dass über dem Biertransport ein mit Schrotflinte bewaffneter Schutzmann wacht, zeigt die hohe Wahrscheinlichkeit auf guatemaltekischen Strassen von biersüchtigen Dieben überfallen zu werden. Guatemala ist offiziell immer noch ein Drittweltland und kommt nur schwer voran. Reisen innerhalb des Landes ist dennoch überaus simpel.
Der Höhlenkomplex in Lanquin erinnert mich an das Hauptquartier von Batman, zumal pünktlich um sieben Uhr abends ein Schwadron geflügelter Blutsauger zur Nahrungssuche über meinen Kopf hinweg ausschwärmt. Dank der Reflektion von Schallwellen und ihrem natürlichen Sonar kann ich das Schauspiel hautnah mitverfolgen ohne dabei durchlöchert zu werden.
Ich besuche das Naturschutzgebiet Semuc Champey. Muschelablagerungen haben über Jahrtausende die Basis für die türkisblauen natürlichen Pools gebildet, dass durch mehrere Wasserfalltreppen miteinander verbunden ist. Zauberhaft.
Als Schweizer schaue ich verdutzt, als mir Kinder hartnäckig selbstgebastelte Schokoladentaler andrehen wollen. Ich lade mich darauf zu einer guatemaltekischen Grossfamilie ein, röste rohe Kakaobohnen, mahle das ganze mit Wasser und Zucker zu Brei. Fertig ist die Urschokolde. Lindt würde staunen ab meinen selbstgekneteten Tierfiguren. Ich staune, denn nicht die Schweizer sondern die Die Mayas waren die ersten, die um 600 n. Christus Kakao angebaut und verarbeitet haben.