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Die Pazifistin – Gertrud Woker: Eine vergessene Heldin
Regie: Fabian Chiquet, Matthias Affolter
Mitw.: Franziska Rogger, Gerit von Leitner, Martin Woker u.a.
Mit einem im Namen der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit verfassten Aufruf von Professor Dr. Gertrud Woker an John F. Kennedy, die Atombombentests zu stoppen, beginnt «Die Pazifistin». Dazu erblickt man den markanten Gipfel des Niesen durch das Fenster von Gertrud Wokers Haus in Merligen am Thunersee. Während in der Eröffnungsszene eine animierte Atombombenexplosion die Sicht verdunkelt, fliegt in der Schlussszene eine Friedenstaube dem Niesen entgegen. In den dazwischenliegenden 75 Filmminuten vermitteln die Regisseure Fabian Chiquet und Matthias Affolter die unglaubliche Biografie von Gertrud Woker (1878–1968), der ersten Schweizer Uniprofessorin (Chemie und Physik) und einer der ersten Professorinnen Europas überhaupt. Sie war eine Pionierin der Friedens- und Frauenbewegung und forderte bereits 1917 «Gleichen Lohn für gleiche Arbeit». Mittels Tagebucheinträgen, historischen Archivaufnahmen, Wochenschauausschnitten, Animationen und Gesprächen mit Historikerinnen und Historikern entsteht das Bild einer Frau, die sich nie den Konventionen ihrer Zeit beugte. Einer der Historiker ist der ehemalige NZZ-Redaktor Martin Woker, der wie seine älteren Brüder Daniel und Kaspar wiederholt sein Bedauern äussert, dass er als Kind kaum etwas über seine Grosstante Gertrud erfahren habe. In der Familie hiess es nur, «s’Tante Trudi» sei etwas seltsam, sie habe Briefe an alle möglichen Staatsmänner geschickt und irgendwann habe man sie in der Psychiatrie versorgen müssen, wo sie dann gestorben sei. Damit reiht sich Gertrud Woker in die grosse Anzahl von herausragenden Frauen ein, die von der Gesellschaft ausgegrenzt, psychiatrisiert und von der Geschichtsschreibung totgeschwiegen wurden. Es ist verdienstvoll, dass die Regisseure ein schändliches Kapitel der Schweizer Geschichte umschreiben und Gertrud Woker zu längst fälligem Ansehen verhelfen, hat sie sich doch schon sehr früh für Dinge eingesetzt, die heute aktueller sind denn je: die rechtliche Gleichstellung der Frauen, internationale Verständigung statt Nationalismus, Verantwortung der Wissenschaft und interdisziplinäres Denken.
Die Premiere am 8. September findet in Anwesenheit der Regisseure Fabian Chiquet und Matthias Affolter sowie Helena Nyberg, Vorstand Women International League for Peace and Freedom Schweiz, statt. Das Gespräch führt Judith Grosse, stellvertretende Leiterin des Archivs für Frauen-, Geschlechter- und Sozialgeschichte Ostschweiz.