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Wie ein Basler vor 80 Jahren in die Luft ging und erst wieder in Italien gelandet ist.
Die Fotos aus der Sammlung von Hans-Jörg Walter, die in dieser Zeitmaschine zu sehen sind, stammen aus einer Serie von sechs Aufnahmen, die den Start eines Stratosphärenballons festhalten. Anders als beim Fotografen, dessen Namen sich nicht mehr feststellen lässt, handelt es sich beim kühnen Luftschiffer um eine bekannte Persönlichkeit. Der Mann mit dem Beret und der hohen Stirn ist kein anderer als Auguste Piccard (1884–1962), der sich im vergangenen Jahrhundert einen Namen als Stratosphären- und Tiefseeforscher gemacht hat.
Auguste Piccard wuchs in Basel auf, wo sein Vater als Professor für Chemie tätig war. Nach einem Studium der Physik und der Ingenieurswissenschaften an der ETH Zürich wurde Auguste Piccard 1922 Professor an der Freien Universität Brüssel, wo er bis 1954 einen Lehrstuhl für Physik innehatte.
Ein erster Flugversuch mit dem von Piccard eigens für grosse Höhen konstruierten Ballon erfolgte am 14. September 1930 bei Augsburg, musste aber wegen widriger Winde abgebrochen werden.
Der zweite Versuch war erfolgreich: Am 27. Mai 1931 startete Piccard kurz vor neun Uhr morgens zusammen mit dem Physiker Paul Kipfer wiederum in Augsburg. Der Ballon trug sie in eine Höhe von 16 000 Meter. In der Kabine herrschte zeitweise eine Temperatur von plus 41 Grad. Dies bei einer Aussentemperatur von minus 60 Grad. Der Flug dauerte länger als ursprünglich geplant, da die Ventilleine riss und Piccard und Kipfer warten mussten, bis der Ballon infolge der Abkühlung am Abend sank. Erst gegen 21 Uhr landeten sie auf einem Gletscher bei Gurgl im tirolischen Oetztal.
Einen weiteren erfolgreichen Flug in die Stratosphäre unternahm Auguste Piccard am 18. August 1932 von Dübendorf aus. Diesmal begleitete ihn der Physiker Max Cosyns. Die beiden erreichten eine Höhe von 16 700 Meter und landeten um 17 Uhr in Italien südlich des Gardasees bei Monzambano. Dort wurde ihnen ein begeisterter Empfang bereitet.
Abflug bei Sonnenaufgang
Die sechs Aufnahmen unseres unbekannten Fotografen sind mit Sicherheit in den frühen Morgenstunden des 18. August 1932 entstanden. Dies macht ein Vergleich mit Fotos des Augsburger Stratoshärenflugs deutlich. Bei jenem Aufstieg war an Piccards Fluggerät nämlich eine Fahne mit dem Zeichen CH 113 angebracht.
Dank zeitgenössischer Zeitungsberichte und Piccards eigener Schilderung in seinem Buch «Auf 16 000 Meter» kennen wir den Verlauf des Starts in Dübendorf sehr genau. Nach einem kurzen Schläfchen kam Piccard um 2.15 Uhr in einem «dunkelblauen Sportsanzug» und mit der «gewohnten Baskenmütze» aufs Flugfeld und «visitierte» die Arbeit an Gondel und Hülle. Als im Osten langsam die Dämmerung erschien, wandte sich Piccard um 4.30 Uhr in einer kurzen Ansprache an die Pressevertreter. Um 5.05 Uhr war es dann so weit: «Professor Piccard erscheint nochmals an der Gondelöffnung, beugt sich mit dem Oberkörper hinaus und ruft in Richtung, wo seine Familie steht: Au revoir! Oberstleutnant Gerber gibt den Befehl, die vier Hauptseile durchzuschneiden.» Um 5.07 Uhr «verlässt der Ballon den Boden» und steigt langsam auf.
Den zu Tausenden angereisten Zuschauern bietet sich nun ein eindrückliches Schauspiel. «In einer Höhe von zirka 800 Meter», so Walter Dollfus in den «Basler Nachrichten», «wendet der Ballon langsam nach Westen hinüber, beschreibt einen grossen Halbkreis, steigt in der nächsten Viertelstunde bis auf zirka 8000 Meter Höhe und erglänzt plötzlich im Sonnenlicht als goldene Kugel.» Noch etwa 50 Minuten lang kann man den Flug des Ballons mit blossem Auge verfolgen, dann entschwindet er in südöstlicher Richtung.
Ende der 1930er-Jahre wandte sich Piccard der Tiefseeforschung zu. 1953 drang er mit seinem Tauchschiff «Trieste» gar bis in die Tiefe von 3150 Meter vor und erforschte erstmals eine bisher unbekannte Tiefseewelt.
Auguste Piccard starb am 24. März 1962 in Lausanne.
Historische Aufnahmen der Landung und des Empfangs in Italien:
Kurze Piccard-Sendung des kroatischen Staatsfernsehen mit historischen Aufnahmen:
Piccard über die Bedeutung der Stratosphäre :
Will Gregory’s spectacular operatic balloon adventure «Piccard in Space»:
Quellen
Auguste Piccard: Auf 16‘000 Meter. Meine Fahrten in die Stratosphäre. Schweizer Aero-Revue, Zürich o. J. (wahrscheinlich 1933)
Bibliothèque Cantonale et Universitaire Lausanne: Auguste Piccard 1884 – 1962. Exposition No 146, du 19 sept. au 27 oct. 1984
diverse Artikel in den «Basler Nachrichten» und der «National-Zeitung»