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Wer zu Fuss durch den Wald des Tessenbergs wandert, nachdem zuerst der Campingplatz von Prêles durchquert wurde, entdeckt dieses ungewöhnliche Bauwerk inmitten der Natur.
Als die Hütte 1920 erbaut wurde, bot sie einen freien Blick auf die Alpen und den darunter liegenden Bielersee. Heute hat sich die Natur ihren Raum zurückerobert, die Ferienhütte ist von einer üppigen Vegetation umgeben. Grosse, schöne Bäume ersetzen den Blick auf die Umgebung. Anders als die Umgebung hat die Architektur ihren ursprünglichen Charakter erhalten.
In den 1920er-Jahren entwickelten sich die Geisteswissenschaften, insbesondere die Traumdeutung. Wissenschaftler wie Carl Jung oder sein Kollege Hans, träumten davon, einfache Formen menschlicher Behausungen zu ihrer eigenen Erholung, aber auch als Ort der Begegnung und des Austauschs über diese neuen Disziplinen zu schaffen. Hans Schmid, nicht zu verwechseln mit dem Architekten Hans Schmidt, wurde zum Bauherrn.
Beide hatten den Plan, in Prêles eine Reihe von Hütten zu errichten, um ihre Jünger aufzunehmen. Die Ufer des Zürichsees wurden jedoch schlussendlich den Wäldern des Juras vorgezogen, so dass dieses Projekt nie verwirklicht wurde.
Die beiden Ärzte, die zur Avantgarde ihrer Zeit gehörten, interessierten sich für die in Mode gekommenen neuen architektonischen Ideen – insbesondere für jene, die später als die moderne Architektur definiert werden sollten, zu der sich Paul Artaria, der Architekt dieses Bauwerks, bekannte. Die Artaria-Hütte wurde zu einer wichtigen Zeitzeugin.
Die Abmessungen der Hütte betragen 5 m in alle drei Richtungen (Länge, Breite, Höhe). Das Dach hat eine Dreiecksform, der zurückversetzte Eingang schafft ein Vordach mit Sitzbänken an beiden Seiten. Der Innenraum bietet hauptsächlich Schlafräume und einen von aussen zugänglichen Dachboden. Das Gebäude ist fast vollständig aus Holz gebaut, mit Ausnahme des Fundaments, das leicht über dem Boden liegt, und des konischen Schornsteins, der an das Volumen des Gebäudes angelehnt ist. Es bietet zwei wesentliche Funktionen der Architektur: Schutz und Wärme.
Hans Schmidt, ein guter Freund Artarias, hatte 1922 am Projektwettbewerb für den Hörnli-Friedhof in Basel teilgenommen, doch sein Entwurf wurde in der ersten Runde als qualitativ unzureichend abgelehnt. Dieser Entwurf hatte jedoch unter den damaligen Architekten eine große Polemik ausgelöst, zwischen den Konservativen, die den damals noch gängigen Monumentalismus vertraten und jenen, die eine modernere Linie verfolgten, die mit genau diesem brach.
Als Reaktion auf dieses Ereignis fand auf dem Tessenberg ein Treffen junger Schweizer Architekten statt, die sich als Avantgardisten bezeichneten. Ein Wochenende lang wurden dort Debatten geführt, die angeregt von dem Wettbewerb für den Friedhof und allgemein über die zeitgemässe Architektur entstanden waren. Sie hängten gar ihre Entwürfe und Pläne an einer Wäscheleine zwischen den Bäumen auf, um bestimmte Projekte besser diskutieren zu können. Das Treffen wurde zu einem der Gründungsereignisse der modernen Bewegung in der Schweiz.
Text von Raphaël Chatelet
Zahlen, Daten, Fakten
Ort: 2515 Prêles (Tessenberg)
Bauprojekt: 1920
Schutzstufe: schützenswert, K-Objekt
Dauer der Arbeiten: ca. zwei Monate
Kosten der Arbeiten: CHF 3344.– (+ CHF 234. –Architektenhonorar)
Bauherr: Privatperson
Architekt: Paul Artaria
– Artaria, Paul: Vom Bauen und Wohnen. Basel 1939 (2. Auflage 1943, 3. Auflage 1948), 34–37; 168.
– Furer, René: Die Rütliwiese der Schweizer Moderne, in: Werk, Bauen + Wohnen, Nr. 6, 1988, 15–17
– Gadola, Reto, Eine Moderne Urhütte Architektur der Sehnsucht, 80-84
– Schnell, Dieter, Ein Zelt aus Holz, Fundstück in Berner Zeitschrift für Geschichte, 2011, No 2, 32-36
– SMH canton de Berne, Recensement architectural, Commune Plateau de Diesse, parcelle 2525