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Seit den frühen 1960er Jahren sammeln sich im erdnahen Weltraum allerhand Überreste der Raumfahrt an. Alte Raketenstufen, gefrorene Treibstoffpartikel, Kollisionstrümmer und tausende Satelliten, zu denen schlicht die Verbindung abgebrochen ist. Heute gehen die Raumfahrtbehörden von 130'000’000 kleineren (<1cm), 1'000'000 mittleren (1cm – 10cm) und 36'500 grösseren (>10cm) menschengemachten Objekten aus, die noch bis zu mehreren hundert Jahren um die Erde kreisen werden. Und da sich diese Teile mit sehr hohen Geschwindigkeiten (über 7 km/s) fortbewegen, stellen selbst kleinste Partikel eine ernsthafte Gefahr für Satellitendienste, bewohnte Raumstationen und geplante Missionen dar.
Die ungebremste Ansammlung langlebiger Überreste der Raumfahrt hat also dazu geführt, dass sich der erdnahe Weltraum in nur sechzig Jahren von einer noch namenlosen und vielversprechenden Leere hin zu einer risikoreichen und immer knapper werdenden Ressource für satellitengestützte Technologien gewandelt hat. In Anbetracht der Tatsache, dass die Raumfahrtbehörden die Verknappung des erdnahen Weltraums bereits seit den frühen 1970er Jahren überwachen und quantifizieren, indes bis heute noch keinerlei brauchbare Lösungen gegen den zunehmenden Ressourcenschwund entwickelt haben, scheint es nicht abwegig zu sein, eingehender nach den historischen Bedingungen und den konkreten Mechanismen dieser Verknappung zu fragen.
Das Projekt beschäftigt sich hierfür mit Ereignissen zwischen 1970 und 2010, in denen sich die zunehmende Verknappung des erdnahen Weltraums jeweils plötzlich, unerwartet und folgenreich bemerkbar machte. Mit Ereignissen, die die vorangehende Überwachung und Quantifizierung dieser zunehmenden Verknappung abrupt in Frage stellten und den bisherigen Umgang mit dem Ressourcenschwund kritisch reflektierten.
Aus diesen reflexiven Ereignissen ergeben sich Fragen: Was lösten die plötzlichen Erscheinungen der Verknappung auf der Erde aus? Wie reagierten Raumfahrtbehörden und deren multilateralen Zusammenschlüsse auf solche Erscheinungen? Wo musste die Überwachung und Quantifizierung der Verknappung jeweils angepasst werden? Wo war dies nicht möglich? Wie liess sich wieder Gewissheit um das Ausmass der Knappheit gewinnen? Welche Ungewissheiten um dieses Ausmass mussten bewusst verdrängt werden? Das Dissertationsprojekt sucht Antworten auf derartige Fragen und hofft damit neue historische Perspektiven auf die gegenwärtige Knappheit des erdnahen Weltraums zu ermöglichen.
Das Projekt wird von Prof. Sabine Höhler (KTH Stockholm) mitbetreut und vom Schweizerischen Nationalfonds (doc.ch) finanziert.