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អង្គរ Angkor
Die vergessene Tempelstadt im Urwald
Photos und Text R.Wening
Silva-Verlag Zürich
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Veröffentlicht Khmer Kulturzentrum
Keo Chhun
Samstag, 7. Januar 2023. 9:11
Nach dem Zusammenbruch der Khmer-Dynastie war eine große Zahl des Volkes in Kriegsgefangenschaft geraten. Viel Land war zerstört, die künstliche Bewässerung ruiniert, der Boden vollkommen ausgelaugt und für Reisbau nicht mehr zu gebrauchen. Die Bauern flüchteten nach Süden. Jede Familie suchte sich anderswo einen Flecken Land, der sich für Reisbau eignete. Wenn der Boden keine Nährkraft mehr hatte, zog man weiter. Somit war jedermann sein eigener Herr. Da dem Khmer ein starker Wille und eine gute Gesinnung eigen waren, überdauerten sie in ihren kleinen Bauerndörfern und Siedlungen die Krisenzeit vom 15. bis 19. Jahrhundert. Nachdem Kambodscha in unserem Jahrhundert ein souveräner Staat geworden und unter französischer Herrschaft zusammengehalten wurde, hatte die Bevölkerung wieder ein Vaterland. Ein großer Teil der Nachkommen der Khmer lebt jedoch seit dreihundert Jahren auf siamesischem Boden in der Karat-Ebene. Sie fühlten sich als Thai. Nicht zu vergessen ist, daß ein Drittel von Kambodscha bis zum Jahre 1902 von Siam verwaltet wurde und die Mischung Khmer-Thai zunahm. Wir finden Khmer nicht nur in Kambodscha und in Thailand, auch in Laos wie in Annam wurden sie ansässig.
Der ursprüngliche Mon-Khmer-Typus ist im Laufe der Jahrhunderte ebenfalls vermischt worden. Dieser alte Menschenschlag hat eine hohe breite Stirn, klare offene Augen, starke Jochbeine, breite Nasenflügel und einen großen Mund. Ihre Ähnlichkeit mit Tibetanern ist auffallend, die Hautfarbe spielt mehr ins Gelbliche und hat Bronzeton. .Als sympathischen Merkmal haben sie ein freundliches und offenes Wesen, Unternehmungsgeist und Freude am Leben. .
Einen zweiten Typus bilden die Indo-Khmer. Alle hohen Beamten, ja sogar Könige kamen aus Indien. Es waren Brahmanen, und diese bauten und betreuten die prachtvollen Tempel. Auf zahlreichen Plastiken ist deren Aussehen zu erkennen; sie haben hohe Stirne, leichtgebogene Nase, mandelförmige Augen und einen schöngeformten Mund. Ihre Hautfarbe ist mittel- bis dunkel-graubraun. Dieser Menschenschlag entstand in Angkor. .
In nächster Nähe von Angkor gibt es Dörfer mit Annamiten und Chinesen, die den Handel beherrschen. Die sechzig Jahre Kolonialzeit haben zudem auch zur Aufhellung der Hautfarbe der Khmer-Nachkommen beigetragen. Es ist daher gar nicht verwunderHlich,(105) wenn jeder Forscher vom Volke der Khmer seine eigene Ansicht hat; ein reiner Typus ist kaum zu bestimmen.
Die Vorfahren der Khmer kamen ursprünglich vom Himalaja, dem Mekong entlang, und ließen sich am Inle-See nieder. .
Ein Volk gleicher Abstammung sollen die Karten in Burma sein. Auch sie kamen vom Norden, doch folgten sie nicht dem Mekong, sondern dem Irawadi und später dem Salwin, um in den Shan-Staaten seßhaft zu werden. .
Eine Analogie besteht auch bei uns Schweizern: Schweden--Schweiz. Beide Völker (106) haben denselben Ursprung, ähnlichen Typus, ähnliche Sagen, ähnliches Staatswappen. Vor fünfunddreißig Jahren lernte ich die Karten in ihrem Lande kennen. Ihr Aussehen und ihr Karakter ist dem der Khmer sehr ähnlich, nur sind sie weniger fröhlich. Ihre Handfertigkeit ist erstaunlich. Sie gleichen in ihrer Kunstliebe ebenfalls den Khmer. Im Gegensatz zu diesen tragen die Karien-Männer lange Haare, die sie zu einem Knoten binden; doch auf den Reliefs in Angkor trugen dazumal auch die Khmer einen Haarknoten. Beide Volkstypen haben glatte, tiefschwarze Haare, ebenso die Frauen. Heute dagegen haben die Khmer-Frauen Me auch die Siamesinnen, die Frauen von Laos und (107) Kambodscha schöngewelltes oder krauses Haar. Jedoch ist hier beizufügen, daß in diesen Ländern der Import von Haarwicklern und Brennscheren sowie Dauerwellenutensilien ganz enorm ist. Bis in die hintersten Bergdörfer findet diese Ware dankbare Käufer, und wenn ich nicht vor vierzig Jahren alle diese Dorfschönheiten mit steckengeraden Haaren gesehen hätte, so wüßte auch ich nicht, daß die Frauen dieser Völker von Geburt aus glattes, schwarzes Haar haben. Damals bestand auch noch die Sitte des freien Oberkörpers für Frauen und Mädchen wie auf der InseI Bali. Doch in den letzten dreißig Jahren ist diese Bekleidungsart in allen Ländern von Hinterindien verschwunden. Die Frauen sind in jungen Jahren hübsch, altern jedoch früh, da neben dem Kindergebären viele Arbeiten zu bewältigen sind, die ihnen die Männer generös überlassen. Doch immer sind sie fröhlich und sorgen vorbildlich für Haus und Hof. Tabak schätzen sie sehr, und viele Mädchen und Frauen rauchen. Ebenso ist das Betelkauen heute noch häufig anzutreffen, und die rotbraunen Zähne verschönern sie keineswegs. Die Khmer-Nachkommen sind Bauern wie vor fünfhundert Jahren; sie pflanzen Reis, besitzen Wasserbüffel, Kühe, Schweine, Hühner und Enten. Da, wo eine natürliche Überflutung der Felder möglich ist, sind sie seßhaft. Mit großen Mühlenrädern, die zugleich Wasser schöpfen, wird aus den Bächen und Flüssen das edle Naß auf die höhergelegenen Felder geleitet. .
Diese Menschen sind heute noch sehr kunstliebend und stellen in Silber und Textilien prachtvolle Arbeiten her. Ebenso im Flechten sind sie wahre Künstler. Auch sind verschiedene Edelsteinminen in Kambodscha in Betrieb. Schon zur Zeit der Khmer-Dynastien wurden Diamant, Saphir, Zirkon, auch Nephrite gefunden und bearbeitet, und die Kunst des Steinschleifens ist bis heute erhalten geblieben. Leider wird über kurz oder lang die Industrie hier Einzug halten und dann die alte Tradition der Kunsthandwerke zum Ersticken bringen. .
Im Glauben ist das Volk buddhistisch geblieben. Andere Religionen sind nur schwach vertreten. Durch die Mission wurde das Christentum stark gefördert. In Phnom Penh dürften einige tausend Kambodschaner der christlichen Kirche angehören. Doch überall im ganzen Lande werden buddhistische Tempel und Klöster gebaut. Die orange- gelben Roben der Mönche wirken sehr malerisch und beleben häufig die Straßen der Städte und Dörfer. Immer noch gehört es zur Pflicht eines jeden Kambodschaners, daß er einige Monate seines Lebens in einem Kloster verbringt. bier findet er Lehrer, die ihm Schreiben und Lesen beibringen und die ihm auch den liefern Sinn der buddhistischen Lehre offenbaren. .
«Noch heute gibt es in Angkor einige Elefanten, doch zur Zeit der Khmer waren hier einige Tausend von Arbeits- und Kriegselefanten.» .
Das heutige Kambodscha ist nun ein selbständiger Staat, das Protektorat von Frankreich ist aufgehoben, und ein Staatschef leitet als Steuermann das Regierungsschiff durch den hohen Wellengang, den der kommunistische sowie der demokratische westliche Wind verursachen. Prinz Norodom Sihanouk hat dieses verantwortungsvolle Amt inne. Sein Palast ist in Phnom Penh, in der Hauptstadt von Kambodscha. Hier leben auch viele Nachkommen der Khmer, doch das Bild auf der Straße zeigt alle Volkstypen von Ostasien, vor allem Annamiten, Tonchinesen, Laoten ; ebenso ist China stark vertreten. Noch heute endet man Kambodschaner, die ihren Bartwuchs nach alter Sitte tragen, den Ringbart, wie wir ihn auf den Statuen der Gottheiten sehen. Ja sogar Könige der Khmer- Zeit dürften diesen Bartschnitt getragen haben, auch Schnurrbärte sind keine Seltenheit auf Khmer-Plastiken.
Will man den Khmer-Typus erkennen, dann endet man denselben Viel häufiger auf dem Lande in den Dörfern. Hier blüht noch nicht dieses Völkergemisch wie in den großen Städten, hier sind noch die Khmer zu finden, die Menschen mit stark modelliertem Gesicht, mit frohem Gemüt und der großen Liebe für ihr Reisfeld; Menschen, die wie dazumal mit ihren Wasserbüffeln pflügen, Menschen, die auf Regen warten, damit das Hochwasser den jungen Reissetzlingen gesundes Wachstum ermöglicht. Menschen, die im Kreise ihrer Familie glücklich sind und die sich auf jedes Kind freuen, das ihnen der hebe Gott schenkt. Und wenn ich fragte: « dann antworteten sie mit Stolz: «Wir sind Kambodschaner!» .
|Info-Khmer-Typ, auf vielen Buddha gesichtern zu erkennen||Die Frau aus dem Volke, fröhlich und arbeitsam||Mon-Khmer, sehr vital, intelligent und zuverlässig|
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