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lichen nicht zurückschreckt, stark ausgebildet zeigt. Ich gebe in Fig. 155 die kleine Bronzefigur eines Anglers, die in Pompeji gefunden wurde, jedenfalls aber alexandrinischen Ursprungs ist. Andere solcher Bildwerke stellen Bauern, die Vieh zum Markt treiben, alte Männer und Frauen, Trunkene u. s. w. dar. Auch in Flachbildern kommen derartige Sittenschilderungen vor, wie die Probe Fig. 162 zeigt.
Laokoongruppe. Auf durchaus großartige Wirkung ging im Gegensatz zu Alexandrien die Schule von Rhodos aus. Das erhaltene Hauptwerk dieser Schule ist die schon auf S. 119 erwähnte (von den Künstlern Agesandros, Athanadoros und Polydoros gefertigte) Gruppe des Laokoon und dessen Söhne, deren Abbildung ich auf S. 145 gebe. Der Sinn der Darstellung ist der folgende: Laokoon, der Priester des Poseidon, hatte die Trojaner vor dem hölzernen Pferde der Griechen gewarnt und wurde zur Strafe dafür mit seinen Söhnen durch zwei von Athena gesandte Schlangen getötet, als er im Poseidontempel ein Opfer darbringen wollte.
Der Priester ist auf dem Altar niedergesunken und bemüht sich mit aller Kraft, die eine Schlange von sich abzuhalten, die ihn bereits in die Seite beißt (der rechte Arm ist falsch ergänzt, man muß ihn nach dem Hinterkopfe zu gebogen denken). Der Sohn zur Rechten des Laokoon ist an Armen und Füßen von der zweiten Schlange umstrickt und hat nicht mehr die Kraft, den Biß derselben abzuwehren; der zweite Sohn, der am wenigsten bedrängt ist, blickt mit hilfloser Geberde zum Vater auf.
Der Ausdruck des Schmerzes zeigt sich am stärksten im Kopf des Laokoon, der trotz des Entsetzens doch nicht abstoßend wirkt. Man sieht, die Künstler suchen mit großen äußeren Mitteln auf die Gemüter der Beschauer zu wirken, und das ist die Schwäche des Werkes; die Vorzüge liegen in der ausgezeichneten treuen Wiedergabe der kraftvollen Muskelbewegungen, in der trotz aller Bewegtheit geschlossenen Wirkung der drei durch die Schlangen verknüpften Körper und in der Abstufung des Ausdruckes der körperlichen und seelischen Empfindungen, des Schmerzes und Entsetzens in den Köpfen.
Sterbender Gallier. Auch das Wesen der pergamenischen Kunst ist auf S. 119 kurz gekennzeichnet worden. Die Abbildung Fig. 156 ist eine Probe der dort erwähnten Gallierdarstellungen, welche die Naturbeobachtung der Künstler von Pergamon in der getreuen Wiedergabe der Volkseigentümlichkeiten in Gesicht und Körper zeigt. Der Gallier ist, an der rechten Seite tötlich verwundet, auf den Schild niedergesunken und stützt den erschlaffenden Körper mit dem rechten Arm. Der Kopf zeigt den Ausdruck des Leidens ohne Uebertreibung in einfacher Naturwahrheit. - Das Hauptwerk der Kunst von Pergamon, der Schmuck des großen Altares, bildet für die Flachbildnerei der Antike den Gipfelpunkt der bewegten Darstellung, wie die Laokoongruppe den der Rundbildnerei. Ich stelle deshalb eine Probe des Frieses an das Ende einer kleinen Zahl von Abbildungen, die einen kleinen Ueberblick über die Entwicklung des Flachbildes in der griechischen Kunst geben sollen.
^[Abb.: Fig. 175. Römischer Sarkophag mit Darstellung der Niobesage.] ¶
Beispiele der Flachbildnerei. Gemeinsam mit der Entwicklung der Rundbildnerei bildete sich auch das Flachbild zu höchster Vollendung aus. Seiner ganzen Art nach war es vornehmlich zum Schmuck von Bauten geeignet, und diese Verwendung behielt es hauptsächlich auch dann noch, als die Rundbildnerei sich völlig aus der Abhängigkeit von der Baukunst gelöst hatte. Wir finden deshalb viele Flachbilder als Zierde einzelner Bauteile, wie z. B. der Metopen oder der Wände der Zelle u. s. w., die meist mit zusammenhängenden Darstellungen geschmückt wurden.
Ueber den Stil der Flachbilder ist zu sagen, daß bei den Teilen, die aus der Ferne wirken sollten, z. B. bei den Metopen, naturgemäß ein größeres Heraustreten aus der Fläche (um kräftigere Gegensätze zwischen Licht und Schatten zu erhalten) nötig war, als bei dem aus größerer Nähe zu betrachtenden Schmuck der inneren Gebäudeteile. Eine andere Anwendung fand das Flachbild in den Gedenkpfeilern (Grabstelen), die an den Gräbern errichtet wurden und Bildnisse der Verstorbenen oder Schilderungen des Abschiedes von den Hinterbliebenen enthielten. Für den Schmuck der Metopen gab ich schon in Fig. 92 Beispiele vom Tempel zu Selinunt, die wohl die ältesten erhaltenen Darstellungen dieser Art sind.
Grabstelen des 6. Jahrhunderts v. Chr. In Fig. 157 u. 156 gebe ich nun die Abbildungen zweier Grabstelen, die Bildnisse der Verstorbenen enthalten. Die eine (Fig. 157) zeigt den Toten, einen attischen Hauptmann, in voller Rüstung. Das Bild ist wenig erhaben und erst durch kräftige Bemalung wirksam gemacht worden. Einer freieren Darstellung begegnen wir in Fig. 158, die einen Mann in langem Mantel darstellt, der seinem Hunde eine Heuschrecke hinhält. In der Fußstellung versuchte der Künstler schon eine Loslösung von der reinen Seitenansicht, doch gelangte er dadurch, daß er den rechten Fuß von vorn gesehen bildete, zu einer unnatürlichen Verrenkung der Beine. Den Fortschritt der Flachbildnerei zu Beginn des 5. Jahrhunderts zeigt die Metope vom Tempel zu Olympia (Fig. 101).
Attische Flachbilder des 5. Jahrhunderts. Zur vollen Entwicklung gelangte das Flachbild jedoch erst in den attischen Werken des 5. Jahrhunderts, deren bedeutendste den Schmuck der Zelle des Parthenon bildeten. Fig. 159 zeigt ein Flachbild, das unter der Bezeichnung «die eleusischen Gottheiten» bekannt ist und Demeter, deren Tochter Persephone und den jugendlichen Dionysos darstellen soll. Wahrscheinlich ist es etwas früher entstanden als der Schmuck des Parthenon, doch entstammt es dem Kreise des Phidias. Die Gewänder sind schon sehr schön, doch zeigen sie noch eine gewisse Befangenheit, wie auch die ganz regelmäßig gebildeten Haare. Wirklich
^[Abb.: Fig. 176. Eherne Wölfin.
Rom, Kapitol.]
^[Abb.: Fig. 177. Chimäre.
Florenz, Museo Nazionale.] ¶