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Aus seinem Ursprungsland Äthiopien brachten die Osmanen den Kaffee in die arabische Welt, von der aus er Europa eroberte und langsam, aber stetig salonfähig wurde. In erster Linie wegen der Kolonialherren, die sich vom Luxusgetränk satte Gewinne versprachen. Als Erste investierten die Holländer in neue Plantagen und brachten die Coffea arabica nach Java. Zu jenem Zeitpunkt war sie die einzige bekannte Spezies der Coffea-Gattung. Inzwischen kennen wir knapp 130.
Nebst den über 100 Spezies gediehen in den Urwäldern Äthiopiens auch noch hunderte von verschiedenen Arabica-Varietäten. Die Holländer allerdings brachten nur wenige Setzlinge nach Java. Von dort aus verbreitete sich der Kaffee in die Welt hinaus, und mit der Zeit wuchsen tausende Pflanzen, die alle aus einer sehr geringen genetischen Vielfalt entstanden waren. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde genau das zu einem grossen und bis heute andauernden Problem für den Kaffeeanbau.
1869 brach in Sri Lanka eine nach wie vor gefürchtete, nicht zu bekämpfende und in höchstem Masse Schaden anrichtende Krankheit aus. Verursacht wird sie von einem Pilz namens Hemileia Vastatrix – Kaffeerost –, der die Blätter absterben lässt. Das verhindert die Photosynthese, sodass die Kaffeekirsche nicht ausreifen kann – was bis zum Totalausfall der Ernte führt.
Durch den Wind und den Menschen getragen, verbreitete sich der Pilz innerhalb eines Jahrhunderts rund um den Globus. Da die mittlerweile weltweit angesiedelten Kaffeepflanzen durch die geringe genetische Vielfalt keine Resistenz gegen den Schädling aufwiesen, liess sich dieser nicht stoppen. Unzählige Kaffeebauern und -bäuerinnen waren von dramatischen Ernteausfällen und damit einhergehenden Hungersnöten betroffen. Erst durch die Suche nach resistenten Varietäten wurden auch neue Spezies entdeckt, wie beispielsweise die Coffea canephora, die vor allem unter dem Namen Robusta bekannt ist. Innert weniger Jahrzehnte eroberte die Robusta-Pflanze insbesondere die asiatischen Kaffeekulturen und begann sich auch in der restlichen Welt zu verbreiten. Heute macht sie bereits 40 Prozent des gehandelten Kaffees aus.
Die Prognosen für «100 Prozent Arabica» sehen nicht rosig aus. Abgesehen davon, dass dieser von Industrieröstereien gern gewählte Terminus im Grunde genommen nicht viel aussagt und von den Konsumenten und Konsumentinnen immer mehr hinterfragt wird, schränken auch der Klimawandel und verschiedene Krankheiten die Arabica-Produktion zunehmend ein. Findige Bäuerinnen und Bauern sowie Spezialitätenröstereien haben das längst begriffen und in die Verbesserung des Nachernteprozesses von Robusta investiert. «100 Prozent Robusta»: ein gut mögliches Zukunftsszenario.