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Die Präimplantations-Diagnostik (PID) berührt als Teil der Fortpflanzungsmedizin zahlreiche Problemfelder der Ethik. Im Fokus stehen dabei nicht nur der Status der Embryonen und ihr allfälliges Recht auf Schutz, sondern auch die elterlichen Bedürfnisse sowie die Bedeutung des Verfahrens für die Gesellschaft.
Die Würde des Embryos
Mit der PID werden nicht nur Krankheiten und Anomalien an befruchteten Eizellen festgestellt. Das Verfahren führt zwingend zu einer Selektion und anschliessender Verwerfung von ungeeigneten Embryonen. Daher stellt sich die Frage, ob Embryonen bereits in diesem Stadium bereits eine Würde besitzen und damit eigentlich ein Recht auf Schutz hätten.
Zwei Positionen stehen sich bei der Fragestellung gegenüber. Die erste überträgt dem Embryo die Schutzwürdigkeit des geborenen Menschen von Beginn an. Vertreter dieser Position argumentieren unter anderem, dass Embryonen biologisch der Spezies der Homo sapiens zugehörig sind und daher dieselben Rechte wie die anderen Mitglieder der Spezies besitzen.
Die Vertreter der zweiten Position sprechen dem Embryo eine Schutzwürdigkeit in abgestufter Weise zu. Diese ist nicht von Anfang an gegeben, sondern hängt vom Erreichen einer bestimmten Entwicklungsstufe ab. Dabei können unterschiedliche Stadien der Entwicklung als würderelevant definiert sein: die Einnistung in die Gebärmutter oder die Bildung des sogenannten Primitivstreifens, ein Zellwulst, der anzeigt, dass eine Mehrlingsbildung ausgeschlossen ist..
Das Wohl der Eltern
Befürworter der PID nennen als Legitimationsgründe das Wohl der Eltern sowie die medizinische Bedeutung des Verfahrens für die Gesellschaft. Folgende Argumente werden unter anderem geltend gemacht:
- Eltern könnten Mitleid mit dem zu erwartenden kranken Kind haben
- Die Eltern muten sich kein (weiteres) behindertes Kind zu
- Die Feststellung von Gendefekten oder Krankheiten ist technisch möglich und hilft diese zu vermeiden
- Eine PID stellt für die Eltern eine geringere körperliche und seelische Belastung dar als ein Schwangerschaftsabbruch
- Langfristig könnten mit der PID schwerwiegende Erbkrankheiten zum Verschwinden gebracht werden.
Unterwegs zum Mensch nach Mass
Gerade weil es bei der PID letztlich um Selektion und Verwerfung von Embryonen geht, kann die Einführung des Verfahrens auch gesellschaftliche und familiäre Folgen haben. Dabei stehen folgende Fragen im Vordergrund:
- Fördert die PID die Vorstellung, dass gesunde Kinder machbar sind und eine Art «Rückgaberecht» besteht, wenn ein Embryo genetische Defekte aufweist?
- Führt die PID zu einer Diskriminierung von Behinderten und ihrer Eltern?
- Senkt die PID die gesellschaftliche und elterliche Hemmschwelle gegenüber Selektion und kommt es dadurch zu einer Bevorzugung von positiv bewerteten Erbanlagen?