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Entstehung und Idee
Der ökologische Fussabdruck («ecological footprint») wurde 1994 von Mathis Wackernagel und William Rees entwickelt und hat sich seither als Indikator für Nachhaltigkeit durchgesetzt. Er gibt an, wie stark das Ökosystem und die natürlichen Ressourcen der Erde beansprucht werden.
Das Instrument des ökologischen Fussabdrucks soll die Frage beantworten, wie viel biologische Kapazität des Planeten von einer gegebenen menschlichen Aktivität oder einer Bevölkerungsgruppe beansprucht wird. Es werden dafür zwei Flächen zueinander in Beziehung gesetzt: die für einen Menschen durchschnittlich verfügbaren Land- und Wasserflächen (Biokapazität) und diejenigen Land- und Wasserflächen, die tatsächlich in Anspruch genommen werden.
Anwendbarkeit und globaler Kontext
Mit dem ökologischen Fussabdruck kann man ausdrücken, wie viele «globale Hektaren» (Einheit gha) von Wald, Weideland, Ackerland und Meeresfläche nötig wären, um die verbrauchten Ressourcen zu erneuern und die entstandenen Abfallprodukte aufzunehmen. Die standardisierte Berechnung ermöglicht einen Vergleich unseres aktuellen Konsums mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen der Erde.
Derzeit verursacht das Konsumverhalten der Weltbevölkerung ein Defizit: Die Menschheit würde zur Kompensation ihres Ressourcenbedarfs und ihre Abfallentsorgung 1,7 Erden benötigen. Die ökologischen Fussabdrücke der meisten westeuropäischen Länder sind überdurchschnittlich hoch. Die meisten Industriestaaten verbrauchen mehr, als zwei Erden hergeben würden, während die Länder des indischen Subkontinents, Südostasiens und Afrikas weniger als die Ressourcen einer Erde verbrauchen. Mittlerweile gibt es online einfach zugängliche Berechnungs- und Visualisierungstools, um die Fussabdrücke einzelner Länder zu ermitteln und zu vergleichen.
Der ökologische Fussabdruck kann auch für andere Berechnungen des Ressourcenverbrauchs verwendet werden: z. B. von ausgewählten Aktivitäten, einzelnen Personen, Unternehmen, Gemeinschaften oder Städten.
Und in der Schweiz?
Es ist ein offenes Geheimnis: Wenn alle Menschen auf der Erde wie die Schweizer Bevölkerung leben würden, wären beinahe drei Erden erforderlich. Dieses Ungleichgewicht zwischen dem ökologischen Fussabdruck der Schweiz und der weltweiten Biokapazität besteht leider schon seit Jahrzehnten.
Die Schweiz konsumiert 2,8-mal mehr Umweltleistungen und -ressourcen als global verfügbar sind pro Person. Sie hat einen gha-Wert von 1,6 pro Person (Jahr 2020). Der hohe Konsum ist nur dank des Imports von natürlichen Ressourcen und der Übernutzung von globalen Gütern (z. B. der Atmosphäre) möglich. Die Schweiz lebt auf Kosten künftiger Generationen und anderer Erdteile.
Stärken und Schwächen des Konzepts
Eine Stärke des ökologischen Fussabdrucks ist seine einfache Visualisier- und Kommunizierbarkeit. Die Masseinheit des globalen Hektars ist anschaulich und relativ einfach verständlich. Der Einfluss von künftigen Technologien oder sich wandelnder Wertungen, was sinnvoller Konsum oder notwendiger Lebensstandard ist, bleiben im Konzept unberücksichtigt. Die starke Reduktion auf das Wesentliche hilft, besser zu kommunizieren und kommt auch der Umweltbildung zugute.
Die starke Reduktion oder «Übersimplifizierung» ist jedoch auch die Schwäche des Konzepts des ökologischen Fussabdrucks. Die Reduktion auf die Kenngrösse globaler Hektar ist in vielen Fällen zu undifferenziert. Der Hektar-Ansatz ist beispielsweise nicht für alle biologischen Faktoren anwendbar: Wichtige Kenngrössen wie der Wasserverbrauch oder die Biodiversität sind nicht berücksichtigt. Zudem fehlen nicht biologische Faktoren wie Abfälle, nicht erneuerbare Ressourcen oder toxische und andere gefährliche Substanzen in der Methodik. Der ökologische Fussabdruck ist somit kein vollumfänglicher Nachhaltigkeitsindikator.