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Eine Meisterin der Harfe
Die bekannte Basler Harfenistin Ursula Holliger ist im Alter von 76 Jahren gestorben.
Es gab in den 50er und 60er Jahren eine Reihe von Musikerinnen und Musikern, die das Bild ihres Instruments prägten, indem sie es veränderten. Nichts mehr klang wie zuvor. Sie spielten nicht nur mit Klarheit, Präzision und Lebendigkeit, sie erweiterten auch die Spieltechniken und die klanglichen Möglichkeiten, wenn sie nicht sogar selber komponierten. Die Stimme, die Flöte, die Oboe, das Cello, die Posaune hatten dabei ihre prominenten Vertreter – und die Harfe. Jene, die dieses gern mit Klischees umgebene Instrument neu zu interpretieren wusste, stammte aus Basel: Ursula Holliger.
Geboren am 8. Juni 1937, studierte sie an der Musik-Akademie der Stadt Basel und am Conservatoire Royal de Musique de Bruxelles und sie machte sich bald schon international einen Namen als Solistin und Kammermusikerin. So trat sie unter anderem mit den Berliner und den Wiener Philharmonikern, dem Los Angeles Philharmonic Orchestra, dem English Chamber Orchestra, und dem Orchestre de Paris unter der Leitung von Dirigenten wie Michael Gielen, Pierre Boulez, Simon Rattle, André Previn und Neville Marriner auf. Zahlreich sind ihre Plattenaufnahmen. Ihr Repertoire reichte dabei von den Konzerten Händels, Mozarts und Louis Spohrs über die französischen Komponisten wie Debussy, Ravel und André Caplet bis zur Moderne, wo sie häufig auch zusammen mit ihrem Mann Heinz Holliger in Erscheinung trat. Die Form des dialogisierenden Doppelkonzerts – hier mit Oboe und Harfe – ist stark geprägt von ihrem Duo. Hans Werner Henze, Hans Ulrich Lehmann, Jacques Wildberger, Alfred Schnittke, Frank Martin, Ernst Krenek, Isang Yun, Witold Lutosławski, Norbert Moret, Elliott Carter, Harrison Birtwistle und natürlich Heinz Holliger haben für die beiden konzertante und kammermusikalische Werke geschaffen. Daneben entstand auch eine neue Sololiteratur. Tatsächlich wurde die Harfe dabei zu einem anderen Instrument. Entsprach Ursula Holliger mit ihren langen blonden Haaren gleichsam auch der Märchenbuchgestalt einer Harfenistin, die die Töne aus ihrem Instrument herauszauberte, so verfügte sie doch über eine weitaus grössere, ungemein reichhaltige Farbenpalette.
Ursula Holliger hat ihr Wissen in zahlreichen Meisterkursen und viele Jahre lang als Dozentin an der Musikhochschule Freiburg im Breisgau und an der Musik-Akademie Basel weitervermittelt. Und sie engagierte sich über die Musik hinaus. Von früher Kindheit an wirkte sie häufig bei Benefizkonzerten mit. Sie bewunderte die Person und das Wirken Albert Schweitzers und gehörte zu den Gründungsmitgliedern einer Stiftung für die Förderung seines geistigen Werkes. – Am 21. Januar ist Ursula Holliger nach schwerer Krankheit in Basel gestorben.