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Die ISKCON (International Society for Krishna Consciousness) führt ihre Wurzeln auf die vedische Kultur zurück. Nach der Darstellung der Bewegung handelt es sich um eine Kultur, in der religiöse Prinzipien nicht gebrochen werden durften. Dieses System wurde Varnashrama-Dharma genannt. Die ISKCON strebt ein Leben nach den Prinzipien dieser vedischen Kultur an. Sie berufen sich also auf Bücher wie die Bhagavadgita, die sich auf eine Zeit vor ca. 5000 Jahren beziehen. Die Hare Krishna Bewegung möchte allen Nachfolgern der vedischen Kultur die Möglichkeit bieten, Krishna, den höchsten Herrn zu verehren und die vedische Kultur zu studieren und zu praktizieren.
Vor 500 Jahren erschien Sri Krishna Caitanya Mahaprabhu als Inkarnation von Krishna (1486-1534). Er verbreitete die Bewegung für Krishnabewusstsein in Indien und gab seinen Schülern einen Missionsauftrag. Das war vorher nicht notwendig, da sich das Wissen in der vedischen Kultur tradierte. Mit dem Niedergang dieser Kultur wurde eine Inkarnation notwendig (vgl. Selbstdarstellung von Hare Krishna, 1986). Hier sieht sich die ISKCON der Schülernachfolge im vedischen Stil verpflichtet. Die Bewegung sagt von sich, sie sei philosophisch nach höchstem vedischen Massstab autorisiert.
In dieser Folge stand ein Schüler namens Srila Bhaktisiddhanta Thakura (1874-1936). Dieser wiederum beauftragte seinen Schüler A. C. Bhaktivedanta Swami (1896-1977), in den Westen zu reisen und dort in englischer Sprache Wissen über die vedische Kultur zu verbreiten. 1965 reiste der Schüler im Alter von 70 Jahren quasi mittellos nach New York. 1966 gründete er dort die International Society for Krishna Consciousness. Diese soll die vedische Kultur und Religion in organisierter Form den Menschen zugänglich machen und eine Alternative der Lebensführung bieten. Später reiste er um die Welt und gründete 100 Zentren in 49 Ländern.
Nach dem Tod Shrila Prabhupadas (so nannte man ihn innerhalb der Bewegung) 1977, wurde die Bewegung für Krishna-Bewusstsein von der GBC, der `Governing Body Commission, ` – geführt. Der Führungsrat der ISKCON ernannte eine neue Generation von spirituellen Meistern (gegenwärtig rund 70), die die Aufgabe haben, die Reinheit der krishna-bewussten Tradition aufrechtzuerhalten und neue Schüler einzuweihen.
Die Philosophie
Die Bewegung sieht sich nicht als hinduistisch an, da Hinduismus u. a. mit den Assoziationen wie dem Polytheismus verbunden wird. Selber nennen sie sich lieber Vaishnavas und zählen sich also zu den Verehrern des Gottes Vishnu, der in den Veden als höchste Gottheit dargestellt wird. Laut der ISKCON sind die Veden klar und absolut. Hier berufen sie sich auf die Bhagavadgita als eine wichtige heilige Schrift. Dort werde das Wissen über das Selbst und den höchsten Gott eindeutig geklärt. In der Bhagavadgita gilt der Körper als vergänglich, die Seele als ewig. Die Wandlung des Körpers wird einer Seele gegenübergestellt, welche sich zwar durch Erfahrungen verändert, aber immer die gleiche bleibt. Dieser Schöpfer von allem, dem die ganze Liebe und Hingabe (Sanskrit: Bhakti) zusteht, kann laut der Krischna-Bewegung viele Namen tragen, deren wichtigste im Hare-Krishna-Mantra rezitiert werden. Mit dem Gesang der heiligen Namen Gottes entstehen transzendentale Schwingungen, welche alle materiellen Verunreinigungen fortwaschen sollen:
- Hare Krishna, Hare Krishna,
- Krishna Krishna, Hare Hare,
- Hare Rama, Hare Rama
- Rama Rama, Hare Hare
Mit einer Holzkette, welche 108 Holzperlen trägt, wird meditiert. Das Mantra wird 16 Runden gechantet. Also 16 x 108 = 1728. (1.5 – 2h) Der Geist soll damit auf Gott ausgerichtet werden. Vier Prinzipien regulieren das Leben im Tempel und dienen als Richtschnur für alle Anhänger: 1. Kein Fleisch, kein Fisch und keine Eier. Auch keine Zwiebeln, Knoblauch oder Pilze darf man zu sich nehmen. 2. Keine Rauschmittel, auch Nikotin, Kaffee, Tee gehören dazu. 3. Das Glücksspiel ist untersagt. 4. Keine sexuellen Kontakte ausserhalb der Ehe. Zudem wird jeglicher Besitzanspruch abgelehnt.
ISKCON in der Schweiz
Im Jahr 1972 entstand der erste Krishna-Tempel in der Schweiz im Genfer Vorort Petit-Lancy. Er wurde von einer Gruppe von zehn Geweihten aus dem französischen Zentrum aus Grenoble und unter der Führung eines amerikanischen Gurus gegründet. Mit der Gründung der Schweizerischen Gesellschaft für Krishnabewusstsein wurde die Grundlage für die Gründung weiterer Tempelvereine, welche dem internationalen Verwaltungsrat der GBC verpflichtet sind, gelegt.
Die Bemühungen der westschweizer Devotees wurden bald mit dem Besuch von Prabhupada belohnt. Er besuchte den Genfer Tempel im Jahre 1974. Dabei hielt er auch einen Vortrag vor der UNO in Genf. Ein Jahr später zog der Tempel ins grössere Château Banquet um.
Im Jahr 1975 entstand das erste Zentrum in der Deutschschweiz, in Zürich. In den folgenden Jahren wuchs die Gemeinschaft in der deutschsprachigen Schweiz an, während sie in der Romandie kleiner wurde. 1979 fand das erste grosse Wagenfest, ratha-yatra, in Zürich statt. 1980 erfolgten der Kauf und der Umzug in die alte und renovationsbedürftige Patriziervilla an der Bergstrasse, wo sich der Tempel als wichtigster Ort der ISKCON bis heute befindet.
Veränderungen in den 90er Jahren
Mitte der 90er Jahre lebte die Hälfte der 140 aktiven Mitglieder bereits ausserhalb der Zentren, bevorzugt im Umfeld des Zürcher Tempels. Damit begann eine Öffnung zur Aussenwelt, welche bis dahin vor allem als Ort der Unwissenheit, Unehrlichkeit und der ungezügelten Sexualität verurteilt worden war.
Im Jahr 1998 wurde mit Harikesha Swami einer der elf von Prabhupada persönlich ausgesuchten Nachfolgegurus, wegen bis heute teilweise ungeklärten Verstössen gegen die Grundprinzipien der Bewegung, aus der ISKCON ausgeschlossen. Harikesha Swami war der für die Schweiz zuständige GBC-Sekretär. Er war auch der einweihende Guru für viele der Geweihten in der Schweiz. Der Vertrauensverlust und Zorn war unter den schweizer Devotees zu spüren und es war nicht klar, ob der Zürcher Tempel gehalten werden konnte. Gleichzeitig half die Krise fortschrittlichen Gruppierungen, auf die Entwicklung der Bewegung Einfluss zu nehmen. Die verschiedenen Massnahmen zeigten ab 2005 erste Erfolge. Im Jahr 2008 wurde das Krishna-Zentrum in Langenthal gegründet und 2010 stieg die Zahl der im Tempel in Zürich lebenden Geweihten das erste Mal wieder in den zweistelligen Bereich.
Ebenfalls in dieser Zeit begann die Veränderung in Richtung Gleichberechtigung der Geschlechter. Seit 2003 ist der Vorstand des Zürcher Tempelrates auch mit Frauen besetzt. Die Wahl von Dina Sharana Devi Dasi in den ISKCON-Verwaltungsrat ist ein Zeichen dieser Veränderung.Sie wurde im Jahr 2010 als Vollmitglied des ISKCON Verwaltungsrat gewählt und ist die zweite Frau, welche eine Position als GBC Mitglied hat. Ihr Verantwortungsbereich liegt im deutschsprachigen Raum; Deutschland, Österreich, der Schweiz und Lichtenstein.
Die ISKCON verfügt heute in der Schweiz, gemäss eigenen Angaben, über ungefähr 300 aktive Mitglieder und etwa 2000 interessierte Personen.
Literatur:
Hare Krischna! Eine Selbstdarstellung der Internationalen Gesellschaft für Krischna-Bewusstsein. Veda-traktat no. 3, Zürich 1986.
Meier, Roger, Entwicklung und Geschichte der ISKCON Schweiz, In: 30 Jahre Krishna-Tempel Zürich. 1980 - 2010, Hrsg. v. Schweizerische Stiftung für Krishna-Bewusstsein. Zürich, 2010.
Vegetarismus- gesünder, ökonomischer, natürlicher, ethischer. Veda Traktat no. 1, Zürich 1985.
Reinkarnation. Gibt es die Wiedergeburt tatsächlich? Veda-traktat No. 2, Zürich 1986.
Krishna im Westen, Weber, E. (Hrsg.), Frankfurt a. M. 1985.
http://krishna.ch/tempel/iskcon vom 22.10.2016.
Neubert, Frank: Krishnabewusstsein. Die International Society for Krishna Consciousness (ISKCON)-«Hare-Krishna-Bewegung», Marburg 2010.