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Der Ursprung der Bezeichnung Pimpinella liegt im Dunkeln. Von einigen Sprachforschern wird der Name auf das lateinische piper für «Pfeffer» zurückgeführt. Dieser Zusammenhang kommt wohl daher, dass die Wurzel auf der Zunge einen würzigen, nachher brennend scharfen Geschmack hinterlässt. Der Name erscheint erstmals im 7. Jahrhundert beim italienischen Arzt Benedictus Crispus. Doch die Bezeichnungen Pimpinella, Bibernella u. Ä. wurden für die verschiedensten Pflanzen gebraucht. Heute lässt sich nicht mehr feststellen, welche Arten damit gemeint waren. Ab dem 16. Jahrhundert wird die Bibernelle zweifelsfrei in allen Kräuterbüchern erwähnt. 1626 wurde sie im «Kreutterbuch» des Matthiolus gegen Phthisis, Fieber, Stoss, lokal bei Sehschwäche und bei Milchmangel erwähnt. Im Volksmund wurde der Name Bibernell als Schimpf- und Spottname verwendet. Davon zeugen der elsässische Spottname «Mamsell Bimpernell» und das Schweizer «Pimpernell» als verächtliche Bezeichnung für eine dicke Weibsperson.
Der Name saxifraga ist abgeleitet von saxifragus, was «felsbrechend», «in Felsritzen wachsend» oder «Steinbrech» bedeutet. Die Bibernelle galt, wie auch andere als Steinbrech bezeichnete Arten (z.B. Saxifraga granulata), als Mittel gegen Blasensteine. So schreibt Hieronymus Bock 1551: «Bibernell ist ein recht steingewächß, denselbigen zermalen und außzutreiben.
Pimpinella major (L.) HUDS., die Grosse Bibernelle, und Pimpinella saxifraga L., die Kleine Bibernelle, gelten beide als offizinell für die Wurzeldroge. Beide Arten weisen eine grosse Formenvielfalt und viele Unterarten auf. Allein von der P. saxifraga sind drei Unterarten bekannt, die ssp. eusaxi fraga, ssp. alpestris und ssp. nigra. Die Kleine Bibernelle ist perennierend und wächst aus einer dicken, verzweigten Pfahlwurzel. Ihre 30–70 cm hohen Stängel sind gerillt und oft leicht behaart. Die unteren Laubblätter sind einfach unpaarig gefiedert mit drei bis neun länglich-ovalen, gesägten Teilblättern. Der Teilungsgrad der unteren und oberen Blätter ist sehr variabel. Endständig sitzen die weissen, in höheren Lagen rötlichen Blütendolden, die im Herbst längsgerillte, 2 mm lange Früchte tragen. Im Gegensatz zur Kleinen Bibernelle sind die Stängel der Grossen Bibernelle röhrig-hohl und tief kantig gefurcht. Die Blütezeit ist von Juni bis Oktober.
Die Grosse und die Kleine Bibernelle sind fast die einzigen in Europa heimischen Vertreter der artenreichen Apiazeaegattung Pimpinella. Alle anderen Vertreter sind in Asien beheimatet. Die Kleine Bibernelle bevorzugt, im Gegensatz zur Grossen Bibernelle, trockene Magerwiesen und lichte Wälder im Flachland und bis auf 2'000 m Höhe. Sie ist in ganz Europa und Westasien heimisch, in Nordamerika ist sie eingebürgert. Die Grosse Bibernelle ist seltener anzutreffen.
Bei der Bibernelle sind aufgrund der Artenvielfalt (= z. B. nicht-offizinelle Sorten), der Bastardbildungen und der Ähnlichkeit mit anderen Gattungen (z. B. Heracleum sphondylium L. (Bärenklau) und Pastinaca sativa L. (Pastinak)) Verwechslungen und Verfälschungen bei der Handelsware sehr häufig. Sie lässt sich, wenn überhaupt, nur durch chromatografische Verfahren identifizieren.
A.Vogel verwendet im Herbst ausgegrabene frische Wurzeln aus kontrolliert biologischem Eigenanbau zur Herstellung der Urtinktur. Der Eigenanbau gewährleistet die genetische Einheitlichkeit der Pflanze, schliesst Verwechslungen und Verfälschungen aus und garantiert eine gleichbleibende Qualität. Bibernellwurzeln können als Tee zubereitet werden. Sie dienen ferner zur Herstellung von Likören. Das mit Honig gemischte Wurzelpulver wird bei Heiserkeit gelutscht. Frisches Kraut findet als Gewürz und Suppeneinlage Verwendung.
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