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Im Rahmen meines Interdisziplinären Abschlussprojekts habe ich mir vorgenommen, den Begriff «Intuition» genauer unter die Lupe zu nehmen. Mehrere Male hatte ich die Gelegenheit, mich mit Nora, meiner zweieinhalb jährigen Nichte, zu treffen und mich zeichnerisch mit ihr auseinander zu setzten. Darauf hin, habe ich in verschiedenen Varianten auf Noras Zeichnungen Reagiert und versuchte ihrer kindlichen Unvoreingenommenheit spielerisch näher zu kommen.
Grundsätzliches
Im Grunde genommen heisst das, ich untersuchte, ob mir die Experimente mit Nora einen neuen Zugang und Umgang zu Kunst zugänglich machten würden.
Um nicht den Faden aus den Augen zu verlieren, formulierte ich für mich die wichtigsten Ideen, die als Grundstein zur Durchführung der Arbeit dienten.
- Ich zeichne und male mit Nora insgesamt nur drei Mal (Treffen 1, Treffen 2, Treffen 3) um nicht ein zu grosses Ausmass an Material zu erhalten.
- Während einer Zeichnungseinheit filme ich Nora und frage sie wiederholt was oder wer das sei um zu wissen welche Inhalte sie verarbeitete.
- Um auf einer übereinstimmende Basis aufbauen zu können, werden wir nur A4 Blätter verwenden.
- Ich werde jedes mal Kleinigkeiten, z.B. eine gegebene Form oder Worte, einbringen und beobachte wie Nora damit Umgeht.
- Nachträglich experimentiere ich mit den Ergebnissen der einzelnen Treffen und gehe direkt auf die Zeichnungen von Nora ein. D.h. ich habe auf jede der drei «Zeichnungstreffen» eine differenzierte Angehungsweise.
Die Arbeiten mit Nora
Treffen 1
Ziel des ersten Treffens war, Nora eine totale Freiheit zu ermöglichen. Deshalb stellte ich ihr, auf Empfehlung von Sarah, auch einen Leimstift zur Verfügung mit dem sie bisher meistens grosse Freude hatte. So konnte sie, die zuvor von ihr zerrissenen Zettelchen, in die Zeichnung integrieren. Das Einzige was sie in der folgenden Stunde unterbrach in ihrem Schaffen, waren die von mir gestellten Fragen, was sie denn gerade male und das «Bäbi», dass ihrer Meinung nach auch malen wollte. Oft war das Fragen aber gar nicht notwendig, denn sie erzählte meistens selbst was sie gerade zeichnete. Es war wirklich faszinierend ebenso wie amüsant mit Nora zu zeichnen. Nicht selten habe ich mit ihr laut gelacht. Die verknorzten Grimassen die Nora machte, je nach dem wie konzentriert sie war oder welchen Stift sie auswählte, waren herrlich zu beobachten. Schon nur die Tatsache, dass sie alles was sie mir befehligte zu zeichnen, sofort überkritzelte oder nach ihrer Ansicht nach korrigierte, war sehr unterhaltsam und auch spannend.
Die folgenden Zeichnungen sind eine Auswahl von zwei Zeichnungen von Noras und meine jeweiligen Reaktionen, bei denen ich versucht habe, mich absolut frei zu bewegen. Das heisst, ich betrachtete Noras Bild, lies einen Gedanken dazu entstehen und brachte diesen sofort auf das Blatt. Allerdings, sobald ich an etwas anderes dachte, folgte ich diesem Impuls und brachte diesen auch gleich auf das Blatt. Ich versuchte mich also von meinen eigenen Gedanken leiten zu lassen, ohne zu wisse was am Schluss entstehen würde
Treffen 2
Als Leitfaden des zweiten Treffens wählte ich die geometrische Form. Im laufe des Zeichnens malte ich eine beliebige Form (Viereck, geschwungene Bohnenform,…) auf Noras Blatt und beobachtete wie sie auf neu eingebrachten Formen reagieren wird. Es überraschte mich, mit welcher Intensivität sie damit umging. Auf der ersten Zeichnung des Tages hatte ich sie noch frei malen lassen. Wie die meisten ihrer Zeichnungen enthielt sie überwiegend kreisförmiges «Gekrizzel». Doch als ich bei der zweiten Zeichnung das Viereck einbrachte, sah ich zum ersten Mal in ihren Zeichnungen Striche, die beinahe rechtwinklige Richtungsänderungen enthielten. Ich konnte also beobachten das sich Nora mit ihrer grossen Neugier auf meine Form stürzte und diese kopierte.
Bei einer der Varianten des zweiten Treffens, habe ich mit Hilfe eines Leuchtpults eine exakte Kopie jedes Striches von einer der Zeichnungen Noras gemacht. Nachträglich, hatte ich die Fläche, die sich aus den verschiedenen Strichen bildete, weiterverarbeitet. Das Ergebnis waren drei Zeichnungen die mich sehr stark an eine grafische Arbeit erinnerten. Das Experimentieren mit Formen und Flächen endete schlussendlich in einer Grafik.
Treffen 3
Die vorherigen Varianten aus denen diese kleineren Serien entstanden, thematisierten Noras Intuition, ihre Motive und ihre Anpassungsfähigkeit. Der Gedanke, aus beiden Varianten eine neue Mischvariante zu entwickeln erwies sich als simpel, aber überzeugend. In der letzten Variante wollte ich versuchen die Idee, Nora Impulse einzubringen, auf die Spitze zu treiben. Meine Idee war, dass wenn ich Nora sagen würde, dass ich «Mami» male, sie ebenfalls «Mami» malen wird. Das bestätigte sich dann auch.
Zusätzlich wollte ich in der Nachbearbeitung ihre Zeichnungen auch anders interpretieren. Das hiess, ich kombinierte den gegebenen Inhalt mit meinen eigenen Vorstellungen von der ganzen Situation als Ganzes. Ich überlegte folglich wie ich mir die ganze Situation von einer zeichnenden Nora vorstelle und lies mich gleichwohl von Form, Inhalt und meiner Intuition leiten.
Zu den vier Zeichnungen Noras, entstanden jeweils drei Illustrationen. Die Reaktionen auf eine davon zeigen die folgenden Bilder.
Die Arbeit mit Nora hat mir grosse Freude bereitet und ich bin meinem Ziel, der Annäherung der Intuition im Bereich der Kunst, ein grossen Schritt nähergekommen. Die vielen Erfahrungen die ich gewonnen habe, werden mich sicherlich auch noch in den anstehenden Projekten begleiten.
Ausstellung
Im Verlaufe dieses Projekts sind elf kleinere Serien zu Noras Zeichnungen entstanden. In diesem Artikel hatten sie die Möglichkeit, in vier dieser Experimente Einblick zu erhalten.
Falls sie sich interessieren die restlichen Serien ebenfalls zu begutachten, lade ich sie herzlich ein, die Ausstellung der Diplomarbeiten der GBM II zu besuchen. Dort treffen sie ebenso wie auf meine Diplomarbeit, auch auf andere spannende Projekte der gesamten Klasse der Gestalterischen Berufsmatur.
Die Ausstellung beginnt am 24. April 2015, und endet am 24. Juni 2015. Sie befindet sich im Untergeschoss des GIBS Schulhauses in Olten.