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Neue Grafik mit sechs Feldern
Zentrale Neuerung ist eine Grafik mit sechs Feldern, auf der der FEQ und der Harnstoffwert jeder geprüften Kuh dargestellt ist. Sie zeigt dir, wie gut deine Tiere energetisch versorgt sind und ob die Eiweissversorgung ihres Pansens ausgewogen ist. Der FEQ ist dabei ein Parameter, der unabhängig von der Milchleistung der Kuh beurteilt werden kann.
FEQ und schlechte Energieversorgung
Kühe, die viel Fett aber wenig Eiweiss in der Milch haben, haben ein weites Fett-Eiweiss-Verhältnis oder einen hohen Fett:Eiweiss-Quotienten.
Höher als 1.4 zeigt er in der Startphase, dass die Energieversorgung im Pansen und somit auch diejenige der Kuh ungenügend sein könnte. Sie baut deshalb Körperfett ab. Werte kleiner oder gleich 1.4 (1.53 bei Jersey, 1.3 bei Montbelliard) deuten dagegen auf eine gute Energieversorgung hin.
FEQ und Pansengesundheit
Bezüglich der Strukturversorgung wurde in neuen Untersuchungen gezeigt, dass die tatsächliche Aussagekraft eines niedrigen FEQs diesbezüglich gering ist. Im neuen MLP-Bewertungsschema wird die Strukturversorgung daher nur noch über einen leistungsabhängigen Grenzwert beim Fettgehalt beurteilt.
Harnstoffgehalt und schlechte Proteinversorgung
Ein Harnstoffgehalt von weniger als 15 mg/dl weist auf einen Mangel an Rohprotein, resp. an pansenabbaubarem Protein (APDN) hin. Weil das Protein für die Pansenmikroben limitiert ist, können sie ihr Wachstumspotential nicht voll ausschöpfen. Der maximal mögliche Futterverzehr und die optimale Futterverwertung werden nicht voll erreicht.
Harnstoffgehalt und zu gute Proteinversorgung
Ein hoher Harnstoffgehalte in der Milch (> 27 mg/dl) zeigt an, dass im Pansen deutlich mehr Ammoniak anfällt als die Pansenmikroben aufnehmen und der eigenen Proteinsynthese zuführen können. Das kann zwei Gründe haben:
Entweder gibt es im Pansen zu viel pansenlösliches Protein (APDN) - der häufigste Grund - oder zu wenig pansenverfügbare Energie (APDE).
Ergebnisse der Milchleistungsprüfung
Die Ergebnisse der Milchleistungsprüfung in der Schweiz sind jetzt in einer 6-Felder-Grafik abgebildet.
Achtung bei der Interpretation:
Die Werte des FEQ sind hier umgekehrt dargestellt wie bisher – die hohen FEQs sind neu unten in der Grafik und nicht wie früher oben abgebildet.
FEQ hoch
Kühe, die in der unteren Hälfte der 6 Felder-Tafel abgebildet sind, haben eine Verdacht auf eine Stoffwechselstörung. Der Grenzwert liegt bei 1,4 (Aussnahme bei Jersey-Kühen: 1.5, Montbelliard: 1.3).
Es müssen für eine Bewertung aber zusätzlich die Buchstaben K oder E bzw. die farblichen Markierungen beachtet werden
FEQ tief
Kühe, die in der oberen Hälfte der 6 Felder-Tafel abgebildet sind, haben eine genügende Energieversorgung und keinen Verdacht auf eine Stoffwechselstörung. Der Grenzwert liegt bei 1,4 (Aussnahme bei Jersey-Kühen: 1.5, Montbelliard: 1.3).
Es müssen für eine Bewertung aber zusätzlich die Buchstaben S oder F bzw. die farblichen Markierungen beachtet werden.
Kontrolle durch den Züchter
Du musst Deine als auffällig markierten Tiere (K, E, S, F) unbedingt im Stall kontrollieren:
Tiere mit K, was tun?
K = Ketoseverdacht bei Kühen bis 100 Tage in Milch. Sie erhalten ein K, wenn der FEQ über 1.4 liegt und gleichzeitig das Milcheiweiss über bzw. der Fettgehalt unter leistungsabhängigen Grenzwerten liegen).
Praxis-Tipp
Tiere mit E, was tun?
E = Energiemangel bei Kühen 100 bis 200 Tage in Milch. Sie erhalten ein E, wenn der FEQ über 1.4 liegt.
Praxis-Tipp
Tiere mit S, was tun?
S = Strukturmangel. Die Kühe erhalten ein S aufgrund unterhalb eines leistungsabhängigen Fettgehalt-Grenzwerte, nicht wegen des FEQs.
Praxis-Tipp
- Überprüfe die Fett- und Eiweissgehalte. Wahrscheinlich sind sie beide tief.
- Überprüfe die Pansenfunktion und insbesondere das Wiederkauverhalten Deiner Kühe, sie sollten mit mindestens 56 Kauschlägen pro Bissen wiederkäuen.
- Wasche ausserdem den Kot der Kühe aus und überprüfe den Verdauungsgrad.
- Überwache Deine Startphasekühe regelmässig (wöchentlich) mit einem Ketosetest.
- Prüfe den Ablauf Deiner Fütterung und setze verzehrsfördernde Massnahmen um.
Tiere mit F, was tun?
F = Verfettungsgefahr. Kühe ab 200 Tage in Milch erhalten ein F, wenn ihr Eiweissgehalt oberhalb eines leistungsabhängigen Grenzwerts liegt.
Praxis-Tipp
- Überwache die Körperkondition aller Kühe regelmässig mit BCS (Body Condition Score), denn die Fettreserven werden schleichend angelegt und fallen Dir sonst zu spät auf.
- Reduziere die Ergänzungsfütterung (Kraftfutter) rechtzeitig.
- Senke die Nährstoffdichte der Ration, reduziere energie- und proteinreiche Grundfuttermittel ( z.B. Futterrüben; Maissilagen, Grassilagen, Emd ...). Verdünne die Ration mit mittlerem Heu.
- Vergleiche die Ration bezüglich Ausgeglichenheit und Leistungsniveau mit Deinem Futterplan.
Gründe für die Umstellung des Systems
Die Daten des bisherigen Bewertungssystems stammen alle aus den 1980er Jahren. In wissenschaftlichen Untersuchungen ergaben sich jedoch Hinweise, dass viele Kühe mit den alten Wertebereichen falsch beurteilt wurden. Die Leistungsabhängigkeit mancher Parameter war nicht berücksichtigt. Die neuen Empfehlungen wurden mit grossen Datensätzen in Deutschland und in der Schweiz validiert.
Unsere Empfehlung
Für die Schweiz gibt es bei der AGRIDEA ein Merkblatt, das die Grundlagen und Anwendung der neuen MLP erklärt: "Die neue Milchleistungsprüfung - Hintergrund, Interpretation und Managementanpassungen " (pdf)
Die Deutsche Landwirtschaftliche Gesellschaft (DLG) erklärt die Hintergründe für die Umstellung auf die 6-Felder-Grafik ausführlich in einem Merkblatt «Nutzung von Milchkontrolldaten zur Fütterungs- und Gesundheitskontrolle bei Milchkühen - Die neue Dummerstorfer Fütterungsbewertung». (pdf auf deutsch).