Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03515.jsonl.gz/140

Hatten Hans Schmidt und Paul Artaria beim Wohnhaus Schmidt-Kohl am Hölzliweg in Binningen zwei Jahre zuvor auf eine feinteilige Holzkonstruktion gesetzt, entschied sich Artaria für den Bau des Einfamilienhauses Wildberger an der Rebgasse ebenfalls in Binningen für ein Eisenskelett.
Mit Abmessungen von 6 × 18 Metern ist das Haus wahrlich kein Riese, passt sich aber den Verhältnissen der langrechteckigen Parzelle an. Artaria setzte das Gebäude von der Strasse aus gesehen in die hintere linke, nordwestliche Ecke. Neben und vor dem Haus blieb noch genügend Grünraum. In der heute üppig mit hohen Bäumen durchsetzten Umgebung verhält sich das Haus trotz seiner drei Geschosse sehr unauffällig. In zwei Jahren wird das Gebäude neuzig; 1931 dürfte der Baumbestand rundherum noch nicht so hoch gewachsen sein. Dank dem Flachdach aber wirkte das Einfamilienhaus aber auch damals nicht überdimensioniert. Artaria versah die Geschosse mit unterschiedlichen Nutzungen: betreten wird das Gebäude über das Erdgeschoss, dieses ist etwas zurückversetzt. Es beinhaltet zudem Arbeits- und Vorratsräume, sowie Haustechnik- und Waschräume. Auf Stützen vorgerückt und über eine Aussentreppe in der Verlängerung des Gebäudes erreichbar, befindet sich darüber das erste Obergeschoss mit Ess- und Wohnräumen, Küche und Arbeitszimmer. Eine geradläufige, analog zur Aussentreppe an der Westfassade platzierte Innentreppe in der hinteren Hälfte das Hauses erschliesst alle Geschosse. Sie bietet den einzigen Zugang zum zweiten Obergeschoss mit den Schlafräumen mit Bad und Toilette. Ein südseitiger Balkon mit schwarzen Geländern befindet sich über der Terrasse.
Orientieren sich die Räume im vorderen Teil des Hauses, mit Schotten gelenkt, an der Länge der Parzelle Richtung Süden, so werden die anderen Räume entweder via Bandfenster in der Ostfassade oder einzelne Fenster in der Westfassade belichtet. Freilich hält sich die Westfassade mit grossen Öffnungen zurück, steht sie doch praktisch an der Parzellengrenze.
Der innengedämmte Eisenskelettbau ist mit Backsteinen ausgefacht, die Fassade verputzt. Heute weiss, präsentierte sich das Haus ursprünglich in einem rosa Farbton. Die Geschossdecken bestehen aus in Doppel-T-Trägern eingespannten Betondecken. Der Dachrand ist schlicht gehalten. Die Originalgrundrisse geben ein schlichtes Bild ab. Paul Artaria orientierte sich wohl an Le Corbusiers Wohnhaus in der Mustersiedlung Weissenhof in Stuttgart vier Jahre zuvor 1927. Mit einer zusätzlichen Aussendämmung 1980 hat die Fassade des schmalen Hauses etwas an Flächigkeit verloren. Dabei sind die originalen Metallfenster durch Holzfenster ausgetauscht worden. Erhalten geblieben sind allerdings noch die Riemenböden, sowie die Rohrheizungen im Inneren.
Text: Simon Heiniger / Architektur Basel
Wohnhaus Wildberger
Adresse: Rebgasse 32, 4102 Binningen
Architektur: Paul Artaria
Baujahr: 1931
Funktion: Einfamilienhaus
Fotos:
– © Börje Müller Fotografie
Quellen:
– Hasche, K. & Hanak, M. (2010), Bauten im Baselbiet: eine Architekturgeschichte mit 12 Spaziergängen, Schwabe AG, Basel. ISBN: 978-3-7965-2664-0
– Affolter, C. im Auftrag der Denkmalpflege BL (2002), Bauinventar Kanton Basel-Landschaft BIB, Gemeinde Binningen