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«Meet-my-life» heisst eine Plattform, auf der «jedermann» dazu eingeladen wird, seine Autobiografie zu verfassen. Die Plattform wurde vom ehemaligen Fust-CEO Erich Bohli aus der Überzeugung heraus gegründet, dass jede Lebensgeschichte es wert sei, dokumentiert zu werden. Auf der Website kann man nach einem Leitfaden die eigene Biografie erstellen. Über 500 Fragen dienen als Inspiration, sie sind in Kapitel unterteilt und chronologisch gegliedert. Die Kapitel heissen «Erste Erinnerungen und Kindheit», «Meine Eltern» oder «Armee» (allein dazu gibt es vierzehn Fragen). Die Fragen lauten etwa: «Was für Haushaltsgeräte hattet ihr? Was bedeuteten sie?», «Bezahlst du Kirchensteuer», «Wie war dein Temperament zu dieser Zeit?» oder «Hast du dich für Musik interessiert?».
«Meet-my-life» könnte momentan auch der Titel der «Republik» sein. Das Onlinemagazin, das im Januar mit ersten journalistischen Texten startet, hat in den letzten Monaten ausführlich alle Mitarbeitenden vorgestellt – frei nach Erich Bohli: Jede Lebensgeschichte ist es wert, erzählt zu werden. Und wie! In sagenhaft ausgeschmückten Texten wird von wunderbaren HeldInnen erzählt, die furchtlos und unerschrocken sind (vor allem die Frauen) oder ziellos, aber talentiert (vor allem die Männer), und alle haben sie bereits Abenteuerliches erlebt – jede Biografie ein kleines Start-up.
Das klingt dann zum Beispiel so: «Stunden vor der Geburt ihres ersten Kindes las sie Strafrechtsartikel zur Bekämpfung der Geldwäscherei», «er zeltete auf einer Eisscholle vor Ostgrönland und schlich nachts mit jungen Afrikanern zum Grenzzaun von Melilla», «Nach einigem Herumbummeln zwang ihn sein Vater in eine kaufmännische Lehre, abends spielte er in Punkbands», «ein ‹Typ in einer Pariser Dachstube›, wurde auf Anhieb zu einem der wichtigsten politischen Kommentatoren der Schweiz» oder «seine herausragende Kompetenz war, keine zu haben».
Erich Bohli ist übrigens ein grosser Fan von Karl May – noch so einer, der seine Biografie zu Abenteuerromanen hochstilisiert hat.
Silvia Süess hat Stunden vor der Geburt ihrer Tochter Portwein getrunken. Ob sie das zu einer guten Journalistin oder zu einer schlechten Mutter macht, weiss sie nicht.