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Oman
Land am Rand der Welt
Bis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts wusste mit Ausnahme einiger Geologen und Ingenieure kaum jemand etwas über dieses weltabgeschiedene Gebiet an der südostecke Arabiens.
Oman ist etwas grösser als Deutschland – jedoch nur von einer knappen Million Menschen bewohnt. Auf der Landkarte betrachtet scheint es ein beängstigend unwirtlicher Lebensraum. Im Norden liegt das riesige Sandmeer der Wüste Rub’Al-Khali – im Süden dehnt sich der Indische Ozean endlos bis nach Australien.
Bis 1970 lebte das Volk von Oman sozusagen im Mittelalter – ohne Strassen, Elektrizität oder Flugverbindungen – regiert vom starrköpfigen Sultan Said Bin-Taimur, der keinen Fortschritt duldete. Im ganzen Land gab es lediglich drei kleine Koranschulen und ein armseliges Missionsspital. Für Mädchen war die Schule verboten. Nur wenige privilegierte Kinder besuchten heimlich nachts den Unterricht.
Auch Qabus, der einzige Sohn des Herrschers, stand nach einem Studienaufenthalt in England jahrelang unter Hausarrest in seinem Land und durfte nur bei gutem Verhalten einmal wöchentlich seine Mutter besuchen. Was sich indes rächen sollte…
Die Stunde Null schlug am 23. Juli 1970. Mit britischer Unterstützung wurde der alte Sultan entmachtet und ins Exil geflogen. Der Sohn Qabus Bin-Said Bin-Taimur Al-Bu Said übernahm die Regierung und realisierte in den folgenden 30 Jahren ein grosses Entwicklungs-Programm. Öl machte es möglich! Das Land war arm und verschuldet gewesen – doch glücklicherweise begann 1967 auch in Oman das Schwarze Gold zu fliessen. Der junge Herrscher unterschrieb Verträge – holte Fachleute und moderne Technik in sein Land.
Es lohnt sich, das legendäre Land Sindbads des Seefahrers zu erkunden – seinen Menschen zu begegnen – den Fischern und Beduinen – den Oasenbewohnern und Händlern in der Stadt.
Die Omanis sind ein prächtig unabhängiges Volk – jeder Mann bärtig und bewaffnet zum Fürchten -, doch von strahlender Heiterkeit. Tradition und Brauchtum sind gültig geblieben im Alltag und bei herrlichen Festen.
Und es ist faszinierend, in dieser unbekannten Welt Neues zu lernen; zu erfahren, wie man nach altem Wissen kleinste Fischerboote und grosse Segelschiffe baut – wie in der Wüste Gärten existieren und woher das Wasser kommt.
Auch in den Ruinen alter Städte nach der Geschichte zu fahnden, kann spannend sein. Schliesslich möchte man auch wissen, wo der seit 3000 Jahren berühmte Weihrauch wächst – und darf nicht enttäuscht sein, dass es in der heutigen Hauptstadt Muscat keine Muskatnüsse gibt.
In der Abgeschiedenheit von Wüste und Bergen lebt kein wildes Volk. Oman hat Tradition, strenge Sitten und eine grosse kulturelle Vergangenheit. Die omanische Geschichte reicht bis zu den Steinzeit-Kulturen Mesopotamiens und des Industales. Schon vor vier Jahrtausenden zogen arabische Schiffe durch den Golf nordwärts und brachten Kupfer aus dem damals sogenannten Lande Magan nach Ur in Chaldaea, der legendären Stadt Abrahams.
Die grosse Zeit des Weihrauch-Handels wird hier wieder lebendig – in Erinnerung an die einst mächtigen altsüdarabischen Reiche von Saba und Qataban, als die Karawanen von der Küste des Indischen Ozeans zum fernen Mittelmeer zogen.