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Timo Meier gilt nach einer überragenden NHL-Saison als der Aufsteiger im Schweizer Eishockey. In einem Interview spricht der 22-Jährige über Anfeindungen im Internet, Vorbild Joe Thornton und sein hohes Salär.
Insgesamt 35 Tore und 46 Assists erzielt Timo Meier in der letzten NHL-Saison und pulverisiert damit den bisherigen Schweizer Punkterekord von Marc Streit (62 Punkte) regelrecht. Der Ostschweizer trägt so seinen Teil zum erfolgreichen Abschneiden der San Jose Sharks bei, die in den Playoffs erst im Conference Final am späteren Stanley-Cup-Sieger St. Louis scheitern.
Die Belohnung: Meier erhält bei den Sharks im Sommer einen neuen, besser dotierten Vertrag für weitere vier Jahre. Pro Saison soll er rund sechs Millionen Dollar kassieren. Das ändere allerdings nicht viel: «Es sind einfach ein paar Gedanken weniger, die ich mir machen muss. Das Geld verändert mich nicht. Ich bin immer noch der bodenständige Timo aus der Ostschweiz und kurve nicht mit dem Lamborghini herum. Geld ist für mich kein Antrieb, ich spiele Eishockey, weil es mir Spass macht», sagt Meier in einem Interview mit der «NZZ» und führt aus: «Das Gefühl ist immer noch das gleiche wie in meinem ersten Jahr in Nordamerika, als ich in Halifax 60 Dollar pro Woche erhalten habe. Was ich mir leiste, ist zum Beispiel, meinen Eltern etwas zurückzugeben und sie in die Ferien einzuladen.»
Im Vergleich zu Halifax sei aber nicht nur der Lohn, sondern auch das Interesse für den Sport grösser. «Die Aufmerksamkeit ist grösser geworden, ja. Ich geniesse das. Es freut mich, wenn ich erkannt werde, wenn ich mit Menschen plaudern kann, ich bin da ziemlich offen.»
Meier: «Da war ziemlich was los»
Als bekannte Sportlergrösse gibt es aber auch Schattenseiten, die Meier in dieser Saison am eigenen Leib erfahren musste. Nachdem er im Conference-Final in einem Spiel das entscheidende Tor mit einem irregulären Handpass vorbereitet, erhält er in den sozialen Netzwerken zahlreiche negative Reaktionen: «Da war ziemlich etwas los. Ich erhielt einige Morddrohungen und Beleidigungen mit nicht druckreifen Ausdrücken.» Sich deswegen aber von Social Media fernzuhalten, kommt für den Ostschweizer nicht in Frage. «Ich kann das gut ausblenden. Darum: Nein. Ich mag die Interaktion mit den Fans. Und ich finde sie wichtig.»
Inspiration holt sich Meier aber auch in der eigenen Garderobe – von einem Mitspieler, der einst für de HC Davos spielte. «Joe Thornton ist ein Vorbild für mich. Er ist jetzt 40 Jahre alt und hat über 1700 NHL-Spiele bestritten. Aber ich habe ihn noch nie schlecht gelaunt erlebt, er kommt jeden Tag mit einem Grinsen in die Kabine. Solche Teamkollegen inspirieren mich.»
Der 22-Jährige will mit den Sharks nach dem starken Jahr auch nächste Saison angreifen und träumt vom ganz grossen Coup: «Der Gewinn des Stanley-Cups steht über allem, da gibt es keine Diskussion. Mein ganzer Fokus liegt darauf. Ich träume von dieser Trophäe, seit ich ein kleines Kind war.»