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Anhand der Familie des Herodes lassen sich unterschiedliche Haltungen von Machthabern gegenüber Jesus Christus erkennen.
MICHA, KAPITEL 5, VERS 1
«Und du, Betlehem in Efrata, … aus dir wird er für mich hervorgehen, um Herrscher zu sein über Israel.»
Aus dem Nichts tauchen Sterndeuter aus dem Osten auf und fragen nach einem neugeborenen König der Juden. Sie hätten dessen Stern aufgehen sehen, nun aber in Jerusalem die Spur verloren. Der amtierende König, Herodes der Grosse, wird auf dem falschen Fuss erwischt – schon Jahre plagt er sich erfolglos mit der Entscheidung, welchen der vielen Söhne und Enkel aus seinen zehn Ehen er als Nachfolger einsetzen soll. Am Hof des Herodes entsteht grosse Aufregung, da die Überzeugung vorherrscht, dass da nicht irgendein König geboren worden ist, sondern jener ganz besondere König, den alle erwartet haben, der Messias oder Christus genannt wird.
Herodes tut, was Politiker bis heute zu tun pflegen, er setzt eine beratende Kommission ein. Deren Mitglieder stammen im Gegensatz zu heute ausschliesslich aus dem Bereich der Religion, es sind Hohepriester und Schriftgelehrte. Die Kommission soll klären, wo der verheissene König geboren wird. Die Antwort ist für die Sterndeuter überraschend: Der neue König stammt nicht aus der Familie des amtierenden Königs, sondern muss ein Nachkomme der Jahrhunderte zurückliegenden Herrscher-Dynastie des Königs David sein. Folgerichtig ist für die Gelehrten nicht Jerusalem die Geburtsstadt des neuen Königs, sondern Bethlehem, der Heimatort Davids. Den Schlüssel zu dieser Erkenntnis liefert das eingangs zitierte Prophetenwort aus dem Buch Micha.
Während sich die Sterndeuter aufmachen, um dem neuen König zu huldigen, verfolgt Herodes seine eigene Agenda: Er möchte den Konkurrenten seiner Familie beseitigen. Das gelingt nicht, und so wird Jesus rund 30 Jahre später seinem Sohn Herodes Agrippa als Gefangener vorgeführt. Dieser empfindet den Christus nicht als Konkurrenten, sondern als gescheiterten Wundertäter. Wieder rund 40 Jahre später ist Herodes Agrippa II, ein Urenkel Herodes des Grossen, das letzte Familienmitglied auf dem Königsthron. Ihm wird der gefangene Apostel Paulus vorgeführt, der ihm von seiner Begegnung mit dem auferstandenen Jesus erzählt. Beinahe lässt sich Agrippa von Paulus dazu überreden, sich selbst Gott zuzuwenden. Konkurrenzgefühle und Verachtung sind geschwunden, Christus ist zu einem ernsthaften Angebot geworden.
Andreas Werder
reformiert, wohnhaft in Opfertshofen, Pfarrer in Dorf ZH
Kolumne in den Schaffhauser Nachrichten
Archiv der Bibelkolumnen