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Licia Chery brachte das Fernsehstudio am 7. Dezember beim Experten-Check zum Kochen. Entsprechend verdient war ihre Qualifikation für die Schweizer ESC-Entscheidungsshow in Kreuzlingen. douzepoints.ch traf die sympathische Sängerin in einem Café in Genf.
Licia, herzlichen Glückwunsch zur Qualifikation für die Entscheidungsshow in Kreuzlingen. Wie hast du davon erfahren?
Ich war bereits zurück in Genf. Meine Managerin Pascale rief mich an und wollte einen Gag machen: «Hör zu, du wirst noch hart arbeiten müssen … weil … du fährst nach Kreuzlingen!!!» (lacht). Ich war natürlich sehr glücklich. Umso mehr, weil ich etwas Angst vor der Deutschschweiz hatte. Die Leute dort kannten mich nicht. So sagte ich mir, dass ich sie mit meiner Energie überzeugen müsste. Und alles lief hervorragend.
Licia Chery beim Experten-Check am 7. Dezember 2015
Und wie fühlst du dich heute, einen Monat vor der Entscheidungsshow?
Ich möchte so vieles machen. Ich habe viele Ideen für die Show und es wird grossartig (lacht).
Erzähl uns bitte etwas über dich. Wann hast du mit der Musik begonnen?
Ich bin Autorin, Komponistin und Interpretin und wohne in Genf. Mit Musik begann ich sehr früh. Ich war am Musikkonservatorium. Während meiner gesamten Schulzeit kreierte ich Choreographien für meine Kameraden oder stand auf der Bühne, um zu singen. Wenn es irgendeine Gelegenheit gab, trat ich in Shows auf.
Welches war dein erster Schritt in Richtung Profimusik?
Mit 17 machte ich als Maturarbeit mein erstes Album. So begann alles. Ich ging dann in die USA und nach Kanada, wo ich mich verwirklichen konnte. Eine kleine Anekdote: Ich war in Montreal und vernahm von einem Casting in Brooklyn. Es war 17:30 Uhr und das Casting war am andern Tag um 9. Ich hüpfte in den ersten Nachbus nach New York, kam um 7 Uhr morgens an. Und: Ich gewann das Casting! Das erlaubte mir, in Brooklyn Songs zu produzieren. Bloss hatte ich nach 6 Monaten kein Geld mehr und musste in die Schweiz zurück (lacht). Nach meiner Rückkehr begegnete ich meinem Gitarristen Pierre, der nun seit 6 Jahren bei mir spielt. Wir gaben Konzerte, nahmen an Wettbewerben teil. Ich durfte am Caribana Festival auftreten.
Und danach, «My Major Company» …
Ja, ich stellte meine Songs auf diese Crowdfunding-Website. 987 Personen legten 100 000 Euro zusammen, damit ich mein Album «Blue Your Mind» produzieren konnte. Da begann alles, Profis entdeckten mich. Und heute bin ich am ESC … nun … hoffentlich! (lacht)
Ist der Eurovision Song Contest die logische Folge für dich?
Es ist ein Weg. Mein Ziel ist es, den Leuten Spass zu machen, sie zum Lachen zu bringen, wenn ich auf der Bühne bin, sie mit mir zum Fliegen mitzunehmen (lacht). Es gibt viele Wege, die an mein Ziel führen. Der Eurovision Song Contest ist einer davon.
Verkörpert dein Lied «Fly» deine Lebens-Philosophie?
Ganz genau. Das Lied entstand, weil ich erstaunt war, wieviele Menschen nicht glücklich in ihrem Leben sind – wie der ersten Satz im Lieds erzählt. Sie sind überzeugt, dass es viel braucht, um glücklich zu sein. Im Grunde braucht es aber nicht mehr, als dass sie das machen, wonach sie Lust haben und ihrem Herzen folgen. Ich sage nicht, dass es keine Probleme gibt. Aber wir müssen lernen, von Zeit zu Zeit den Blick auf anderes zu richten: 2 Minuten durchatmen, 2 Minuten lachen, 2 Minuten Licia Chery hören (lacht) … oder eher 3 Minuten (lacht). In der Tat: Wenn das Leben kein Märchen ist, so ist es auch keine Hölle. Man muss einen Mittelweg finden.
Du bist auf Social Media sehr aktiv. Wie kommt das?
Ich war es lange Zeit nicht. Von Zeit zu Zeit und mehr zufällig veröffentlichte ich etwas. Da ich an verschiedenen Orten spielte wurde mir plötzlich bewusst: Ich muss davon etwas mit den Leuten teilen. Erst postete ich nicht viel und ich machte entsprechend nicht Werbung für meine Seite. So hatte ich nicht sehr viele Fans auf Facebook. Deshalb sagte ich mir, dass ich dort wirklich Gas geben muss.
Grossartiger Moment diesen Sommer: Youssou Ndour lädt Licia Chery ans Paléo Festival ein. Zusammen mit ihm durftest du «7 seconds» singen. Welche Erinnerungen hast du daran?
Kurz bevor ich auf die Bühne ging, als der Song begann, spürte ich die Schwingungen des Publikums. Dieser Moment bleibt mir, er hat mir Energie für den Auftritt gegeben. Ich hatte wirklich Angst davor, hätte sterben können (lacht). Ein Lied zu singen, das die ganze Welt kennt und viele berührt inklusive mir, das war eine grosse Ehre.
Du organisierst ein Essen für 3 Personen: Wen lädst du ein? Was wäre das Motto? Was gäbe es zu essen? Und welche Musik würde laufen?
Ok … Johann Sebastian Bach, Otis Redding und Michael Jackson. Das Motto wäre «Musikgenies». Es gäbe Lachsfilet mit Reis. Wir würden ihre grossen Werke hören und ich würde sie fragen: «Kommt Leute, jetzt sagt mir mal, wie das alles entstanden ist!» (lacht)
Ich gebe dir nun immer zwei Begriffe, für einen musst du dich entscheiden: Haiti oder Schweiz?
Beide! Beide sind Teil von mir und ich sehe das als Bereicherung, als Chance. Ich will nicht wählen! (lacht)
Fondue oder Raclette?
Fondue!
Lange oder kurze Haare?
Kurze Haare
Soul oder Pop?
Soul
Englisch oder Französisch?
Frenglisch (lacht)
Michael Jackson oder Norah Jones?
Gut, normalerweise mag ich nicht zwischen zwei Künstlern wählen. Aber wenn ich nicht Michael Jackson sage, dann kommt er nicht an mein Dinner. Also: Michael Jackson. (lacht)
SEBalter oder Anna Rossinelli?
Da muss ich zwischen zwei Landsleuten wählen, die beide im Finale des Eurovision Song Contest waren. Und ihr stellt mir die Frage in der Schweiz, einem neutralen Land. Also … neutrale Antwort. (lacht)
Conchita Wurst oder Loreen?
Conchita-Reen! Du erwischst mich nicht! (lacht)
Erzähl uns von deinen ersten Erinnerungen an den Eurovision Song Contest?
Es war mit Céline Dion. Man muss wissen, dass ich ein grosser Fan von ihr war. Doch seinerzeit gab es noch kein Youtube, wo man Videos anschauen konnte. Deshalb nahm ich jede Sendung über sie auf und schaute mir das mehrmals an. Eines Tages kam ein Céline Dion Special am Fernsehen. Sie zeigten alle ihre Stationen. Angekommen im 1988 ging es um ihren Sieg am Eurovision Song Contest. Ich entdeckte den Song Contest und dass sie für die Schweiz gewann. Das faszinierte mich dermassen, dass ich mir in den Kopf setzte: Das nächste Mal gewinnt die Schweiz den Eurovision Song Contest dank mir! (lacht) Es war ein Kindertraum, ich war 12 Jahre alt.
Was denkst du über Conchita Wurst?
Ich finde ihren Song auf ganzer Linie gewinnbringend. Er berührt die Menschen, er berührte mich. Wenn man zu einer Minderheit gehört – ob in der Gesellschaft akzeptiert oder nicht – ist man immer anders. Conchita fand ihre Art zu sagen: «Hier bin ich und ihr müsst mich so nehmen, wie ich bin». Sie konnte das allen sagen, die ihr zuhörten. Und sie sagte ihnen: «Ihr seid nicht allein». Das ist die Macht der Musik: Zu den Menschen gehen, sie über die Musik und mit dem Glitzer in den Herzen berühren. Das gibt Kraft!
Kennst du die fünf anderen Teilnehmenden an der Entscheidungsshow in Kreuzlingen? Was denkst du über ihre Songs?
Ich kenne sie nicht persönlich, aber ich habe ihre Auftritte gesehen. Ich finde es toll, wie hoch das Niveau und die Qualität bei allen Finalisten ist. Es wird eine grosse Herausforderung, ein tolles Finale. Zudem ist die Stimmung kollegial. Es macht also Lust, da hinzugehen.
Und du? Wie siehst du deine Chancen?
Ehm … sehr gut (lacht). Nein, im Ernst: Ich denke, alle sechs haben die gleichen Chancen. Es wird eine Frage der Energie. Es wird davon abhängen, was das Publikum spürt. Man kann es nicht belügen und es wird zusammen mit der Jury den richtigen Song auswählen. Wir werden alles daran setzen, eine super Show zu liefern, damit die Leute mit uns abheben. Danach sehen wir (lacht).
Du wirst als Cover auch «All About That Bass» von Meghan Traynor singen. Warum diese Wahl?
Weil ich auch nicht ganz schlank bin (lacht). Dieser Song berührte mich und ich finde ihn eingängig. Ich habe auch zwei kleine Neffen die ganz verrückt nach diesem Lied sind. Wenn Kinder ein Lied dermassen mögen, dann kommts gut!
Solltest du für die Schweiz nach Wien gehen dürfen: Was wären deine Ziele? Deine Hoffnungen? Deine Erwartungen?
Der Eurovision Song Contest ist eine hervorragende Bühne, um zu zeigen, was ich mache. «Fly» komponierte ich selbst, also gab ich alles. Was immer passiert, was immer das Resultat ist, die Leute sollen meinen Auftritt nicht vergessen. Hoffentlich sagen sie: «Sie hat mich zum Lächeln gebracht! Sie hat mich mich mitgerissen!». Ich möchte Spuren hinterlassen (lächelt).
Merci Licia für das Interview. Wir wünschen dir viel Glück für die Entscheidungsshow!
Photo: Selfie von Licia Chery
Licia Chery in Genf – exklusiv für douzepoints.ch
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