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Die Schulleistungen von Teenagern mit ausländischen Wurzeln bewegen sich in der Schweiz im OECD-Durchschnitt. Zudem sind sie im Vergleich wenig motiviert - aber deutlich motivierter als ihre einheimischen Mitschüler, wie eine Sonderauswertung der PISA-Studie zeigt.
Für die PISA-Studie 2015 waren in 72 Ländern mehr als eine halbe Million 15-bis 16-jährige Schülerinnen und Schüler in den Disziplinen Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften getestet worden. Ausserdem mussten sie Kontextfragebögen unter anderem zu Themen wie Lernmotivation oder sozialen Faktoren beantworten.
Für die am Montag veröffentlichte Sonderauswertung hat die Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit in Europa (OECD) nun die Daten für Schüler mit ausländischen Wurzeln extra verglichen. Die Analyse zeigt: Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund in der Schweiz sind durchschnittlich leistungsstark.
Der Anteil der Jugendlichen mit ausländischen Wurzeln, die in allen drei Testgebieten mindestens grundlegende Kenntnisse aufweisen (Level 2 von insgesamt 6), liegt hierzulande bei 58 Prozent und damit knapp über dem OECD-Schnitt von 54 Prozent und dem EU-Schnitt von 55 Prozent. Zum Vergleich: Spitzenreiter sind Singapur (91 Prozent), Macao (88), Hongkong (84) und Kanada (82); am schlechtesten schneiden Tunesien, Mexiko und Algerien (alle 4 Prozent) ab.
Letzter Platz bei Leistungsbereitschaft
Im OECD-Vergleich schwach ausgeprägt ist die Leistungsmotivation der Schülerinnen und Schüler, die in der ersten Generation in der Schweiz leben: 46 Prozent von ihnen beantworten die Frage «Ich will der beste sein in allem, was ich mache» mit «Ich stimme zu» oder «Ich stimme eher zu».
In dieser Kategorie belegt die Schweiz den letzten Platz. Im OECD-Schnitt sind es 70 Prozent, im EU-Schnitt 66 Prozent. Besonders hoch ist die Motivation der Migranten in den angelsächsischen Ländern, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar und der Dominikanischen Republik mit Werten jeweils weit über 80 Prozent.
Am Ende der Tabelle befinden sich fast ausschliesslich europäische Länder. Noch schlechter stehen die einheimischen Teenager da: Sie weisen in der Regel eine deutlich tiefere Motivation auf als ihre Mitschülerinnen und Mitschüler mit Migrationshintergrund - in der Schweiz betrachten sich bloss 33 Prozent als motiviert.
Zugehörigkeitsgefühl unter dem Schnitt
Uneinheitlich ist das Bild der Schweiz bei sozialen Faktoren: 54 Prozent der eingewanderten Teenager gaben an, sich in der Schule zugehörig zu fühlen (OECD-Schnitt: 60 Prozent, EU-Schnitt: 58 Prozent). Dieser Wert hat sich hierzulande zwischen 2003 und 2015 mit über minus 17 Prozentpunkten deutlich verschlechtert.
Hingegen sind in der Schweiz die eingewanderten Schüler überdurchschnittlich zufrieden mit ihrer Lebenssituation: Drei von vier der Befragten werten ihre Lebenszufriedenheit auf einer Skala von null bis zehn mit mindestens sieben (OECD und EU: rund 69 Prozent). Zudem gaben diese Jugendlichen seltener als im OECD-Schnitt an, unter schulischen Versagensängsten zu leiden.
Für die Studie ebenfalls erhoben wurde der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund in den einzelnen Staaten. Zu dieser Kategorie gehört demnach in der Schweiz mehr als jeder zweite Schüler (52 Prozent, Rang 6). Das liegt sowohl über dem EU-Schnitt (21 Prozent) als auch über dem OECD-Schnitt von 23 Prozent.
Als Schüler mit Migrationshintergrund galten für die Auswertung - anders als in anderen Untersuchungen - Migrantenkinder erster Generation (nicht im Testland geboren, beide Eltern ebenfalls nicht im Testland geboren), zweiter Generation (im Testland geboren, beide Eltern nicht im Testland geboren), «Rückkehrer-Kinder» (nicht im Testland geboren, aber mindestens ein Elternteil im Testland geboren) sowie Einheimische mit gemischter Herkunft (im Testland geboren, aber mindestens ein Elternteil nicht im Testland geboren). (sda)