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Replik
auf die Leserbriefe zum Artikel: van Spijk P. Die Medizin: Auf der Suche nach einem neuen Menschenbild (Schweiz Ärzteztg. 2018;99(19–20):633–4)
Die Zahl der Leserbriefe (Briefe zu van Spijk P. Die Medizin: Auf der Suche nach einem neuen Menschenbild. Schweizerische Ärztezeitung. 2018;99(22)707f.; 2018;99(23)753f.) und die vielen eingegangenen, privaten Mails geben einen Hinweis darauf, dass die Ärzteschaft dabei ist, sich der Bedeutung dieses Themas bewusst zu werden; das ist erfreulich! Allen, die sich die Mühe gemacht haben, ihre Gedanken zu Papier zu bringen, sei an dieser Stelle bestens gedankt.
Das Verlassen eingefahrener Denkmuster (z.B. dasjenige der Unterscheidung von «Körper» und «Seele») fällt schwer und so ist bei solchen Unternehmungen umsichtiges Vorgehen gefragt. Darum gehe ich mit Arnold Bleisch und Annegret Schläppi einig, dass meine Aussage, «Menschen haben keine Seele» im weiteren Fortgang der Diskussion präzisiert werden müsste. An dieser Stelle immerhin so viel: Es gibt keinerlei empirische Hinweise für die Existenz einer Seele, verstanden als res cogitans, d.h. als «denkendes Ding» (res, lat.: Ding). Obwohl ich mit Urs Pilgrim übereinstimme, wenn er schreibt, «die alte Vorstellung der Dualität von Körper und Seele, diese zweigeteilte Wirklichkeit (sei) nicht mehr haltbar», so lehne ich doch die von ihm (vorsichtig formulierte) neurowissenschaftliche Lösung dieses Problems ab: Die Reduktion menschlichen Denkens, Fühlens, Hoffens und Sehnens auf biochemische und biophysikalische Prozesse! Die Ablehnung dieser Reduktion (wie auch die Zweifel an der Existenz einer res cogitans) erfolgt nicht, wie Annegret Schläppi meint, aus weltanschaulichen Gründen, sondern liesse sich (bei passender Gelegenheit) wissenschaftlich und (philosophisch-)argumentativ überzeugend begründen.
Trotz meiner Kritik an einigen Elementen der Descart’schen Philosophie gehe ich mit Urs Steiner einig, dass Descartes einer der bedeutendsten und genialsten Persönlichkeiten der Weltgeschichte war. Descartes – auch da gehe ich mit Urs Steiner einig – war sehr an der anschliessenden Synthese der von ihm analysierten Gegenstände interessiert. Nur: Organismen (Pflanzen, Tiere, Menschen) lassen sich im Gegensatz zu Maschinen, sind sie einmal analysiert und in Teile zerlegt, nicht mehr zu einem sinnvollen Ganzen zusammensetzen. Die Methode des Zerteilens stört die untersuchten Lebensprozesse und hinterlässt Artefakte. So gesehen kann die Unterscheidung von Körper und Seele als ein Artefakt der Descart’schen Methode der Analyse verstanden werden.
Wenn Urs Steiner des Weiteren ausführt, der Verzicht auf die Vorstellung einer Seele beraube uns der «Suche nach etwas Höherem», dann würde mich interessieren, mit welchen Argumenten er diese Behauptung untermauern möchte.
In einem weiteren Leserbrief will sich Jann Peter Schwarzenbach bei der Suche nach einem neuen Menschenbild vermehrt auf unsere eigene Existenz, d.h. auf unser menschliches Dasein im Heidegger’schen Sinne, konzentrieren und das Ringen nach weiteren, den Menschen charakterisierenden Begriffen, Definitionen und Vorstellungen aufgeben. Und auch der Hinweis von Professor Ambros Uchtenhagen, dass «der» Mensch ein Konstrukt sei, zielt in eine ähnliche Richtung. In der Tat: Ein für die Medizin taugliches Bild des Menschen darf nicht abstrakt und blutleer sein, sondern sollte dem subjektiven Erleben der Menschen gerecht werden. Nach meiner Überzeugung kann es hier aber nicht um subjektive Erfahrung auf der einen und Theorie auf der anderen Seite gehen; beide Bereiche sollten gleichermassen abgedeckt sein. Wie dies geschehen soll, ist eine der vielen spannenden Herausforderungen, die es bei der Suche nach einem neuen Menschenbild in der Medizin zu lösen gilt.
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