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Eine gut etablierte Massnahme, um Krebs zu bekämpfen, ist die Durchführung einer Chemotherapie. Dafür werden heute Medikamente verwendet, die zwar den Krebs bekämpfen, doch ist dies oft mit starken Nebenwirkungen und der Schädigung von gesundem Gewebe verbunden. Jedoch können nicht alle Tumore mit einer Chemotherapie bekämpft werden. Dario Neri und sein Team suchen nach spezifischen Antikörpern, welche es ermöglichen, Tumorzellen gezielter zu detektieren. Dabei machen sie sich bestimmte, für Krebszellen spezifische Eigenschaften zunutze wie beispielsweise die Bildung neuer Blutgefässe. Diese ist für Krebszellen typisch, nicht aber für normale Zellen, was eine zielgerichtete Therapie ermöglicht. «Die Antikörper, welche wir entwickeln, sind mit einem Medikament verbunden, welches dann freigesetzt wird, wenn der Antikörper die durch den Tumor neu gebildeten Blutgefässen erreicht», erklärt Dario Neri. Er ergänzt: «Das Wachstum des Tumors wird dadurch eingeschränkt, da dieser nicht mehr mit Nährstoffen versorgt wird. Diese Methode ist schonender für den Körper und auch für aggressive, bisher unheilbare Krebsarten anwendbar.»
Neben spezifischen Antikörpern, welche als relativ grosse Moleküle gelten, sind Dario Neri und seine Gruppe auf der Suche nach kleinen Molekülen, welche Wirkstoffe in ihr Zellinneres aufnehmen können. «Die kleinen Moleküle werden bei uns im Labor so verändert, dass sie spezifisch Krebszellen binden und den aufgenommenen Wirkstoff rasch an Krebszellen abgeben können, welche dann zerstört werden», betont Dario Neri. Die vielversprechendsten Kandidaten werden anschliessend im Mausmodell auf ihre Spezifität und Wirksamkeit getestet. Derzeit laufen mehrere klinische Studien, welche die von Dario Neri und seiner Gruppe entwickelten Moleküle testen.
Mit dem ERC Advanced Grant stehen Dario Neri und seinen Mitarbeitern für die nächsten fünf Jahre mindestens 2 Millionen CHF zur Verfügung, welche sie für die Bekämpfung von chronischen Entzündungen wie der rheumatoiden Arthritis sowie aggressiven, bisher unheilbaren Krebsarten einsetzen werden. Diese von der EU finanzierten Grants sind jedoch seit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative in Gefahr. Derzeit hat der Bund eine Übergangslösung etabliert, welche eine Teilassoziation der Schweiz an das Horizon-2020-Programm ermöglicht. Diese läuft Ende 2016 aus. «Über 50 % meiner Gruppe sind aus dem Ausland. Um Spitzenforschung zu gewährleisten sind wir auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. Wir spüren zurzeit eine allgemeine Verunsicherung vor allem von interessierten Doktoranden und Post-Doktoranden, da sie die zukünftige Finanzierung ihrer Projekte in Gefahr sehen», sagt Dario Neri. Wird mit der EU bis am 9. Februar 2017 keine Lösung zur Personenfreizügigkeit und deren Ausdehnung auf Kroatien gefunden, wird sich dies negativ für den Forschungsplatz Schweiz auswirken.
Dario Neri wurde 1963 in Rom geboren. Er studierte Chemie in Pisa und führte seine Doktorarbeit unter der Leitung des Nobelpreisträgers Kurt Wüthrich an der ETH Zürich aus. Für seine besonderen Leistungen wurde er mit der Silbermedaille der ETH geehrt. Nach einem fünfjährigen Postdoktorat am Cambridge Centre of Protein Engineering in Cambridge wurde er Assistenzprofessor an der ETH Zürich. Seit 1999 ist Dario Neri Professor für Biomakromoleküle am Departement Chemie und angewandte Biowissenschaften an der ETH Zürich.