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Quelle: Keystone-SDA
Ab der Saison 2023/24 wird der auf den ersten Blick komplizierte Modus nach dem schottischen Vorbild die gültige Formel sein. Dieses Modell wurde von den SFL-Klubs im 2020 verworfen. Jetzt hat es sich dennoch durchgesetzt – als Alternative zu dem vor allem auch von den Fans heftig bekämpften Modus mit 32 Runden und anschliessenden Playoffs um den Meistertitel und Startplätze im Europacup.
Der schottische Modus sieht nach der Aufstockung auf 12 Mannschaften drei Runden mit je elf Spielen pro Team vor. Danach wird das Feld halbiert, wobei die besten sechs Mannschaften eine einfache Finalrunde und die übrigen sechs Teams eine ebenfalls einfache Abstiegsrunde spielen. Also werden zu den 33 Runden noch 5 Runden hinzukommen.
Playoffs – es hätte beispielsweise eine Best-of-3-Finalserie um den Meistertitel zwischen dem Ersten und Zweiten nach 32 Runden gegeben – hätten dem ganzen Wettbewerb den Charakter einer Meisterschaft genommen. Es wäre eine Art Regular Season mit einer Art aufgesetztem zweitem Cupfinal geworden. Die einzelnen Spiele der neunmonatigen Meisterschaft hätten zuletzt keine Bedeutung mehr gehabt.
Auch die weiteren Europacup-Ränge hätten über Playoffs verteilt werden sollen. Im Extremfall hätten sich zuletzt der Neunte und der Zehnte für Europa League oder Conference League. Kurz: Es hätte bei weitem keine Garantie mehr gegeben, dass sich die geeigneten Mannschaften für die jeweilige Europacup-Wettbewerbe qualifizieren. Mit dem schottischen Modus hat die SFL möglicherweise oder sogar wahrscheinlich für die nächsten Jahre Eigentore für ihre Stellung innerhalb Europas vermieden.
Röschtigraben im Fussball
Die Verteilung der Stimmen in der entscheidenden Abstimmung ist auffällig. Es wurde mit einem Röschtigraben entschieden. Die Grasshoppers stimmten auf einziger Deutschschweizer Klub für die Beibehaltung der Playoffs, Neuchâtel Xamax als einziger Westschweizer Klub dagegen. Lugano und Bellinzona schlossen sich der breiten welschen Fraktion an.
Zürichs Präsident Ancillo Canepa hatte den schottischen Modus trotz der Ablehnung im 2020 noch einmal aufs Tapet gebracht. Die Young Boys, vertreten durch CEO Wanja Greuel, hatte er von Anfang an auf seiner Seite. Mit Überzeugungsarbeit und Lobbying gelang es ihnen, Klub für Klub davon zu überzeugen, dass die schottische Variante weniger schlecht ist und mehr Schaden abwendet als die Playoffs. Der FC Basel, der als zuletzt oftmals Zweiter am ehesten von einer Titelentscheidung mit Playoffs direkt hätte profitieren können, entschied sich zuletzt ebenfalls gegen die Playoffs und tat dies an der Generalversammlung vor der Abstimmung kund.
Die sehr breit angelegte Unterschriftensammlung der Fangruppierungen – 60'000 unterschrieben, auch Breel Embolo – trug ihren Teil bei, ebenso die Ankündigungen der verschiedenen Polizei-Instanzen, dass sie an den Wochenenden keine Hochrisikospiele – als solche würden die Playoffs betrachtet werden – dulden würden. Gerade die entscheidenden Spiele hätten also unter der Woche stattfinden müssen.
Scheinargument Spannung
In die langweilige Meisterschaft soll wieder Spannung kommen: So lautete eines der ersten Argumente für die Einführung von Playoffs. In den letzten acht Saisons betrug der Punktabstand zwischen dem Ersten und dem Zweiten nach 36 Runden tatsächlich im Durchschnitt 16,4 Punkte. Es wäre indessen in höchstem Mass unfair gewesen, wenn die klar beste Mannschaft den Titel am Schluss noch hätte aufs Spiel hätte setzen müssen.
In einer späteren Saison könnte es handkehrum auch wieder sein, dass sich zwei ausgeglichene Mannschaften in der ganzen Saison einsam an der Spitze duellieren. In diesem Fall würde die herbeigewünschte Spannung im Frühling verfliegen, weil diese beiden Teams schon als Playoff-Teilnehmer feststehen.
(sda/lol)