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Ricardo Gonzalez, in dieser Woche Gast am Swiss Seniors Open in Bad Ragaz, hatte vor gut 21 Jahren ebenfalls in der Schweiz den besten Auftritt seiner Karriere. Er triumphierte am Omega European Masters 2001 in Crans-Montana und liess dabei Stars wie Ernie Els, Thomas Björn, Lee Westwood, Nick Faldo und Craig «The Walrus» Stadler hinter sich.
Als sich Gonzalez am 7. September 2001 am 18. Green von der Argentina-Connection auf der Europa-Tour – angeführt vom zweifachen Crans-Sieger Eduardo Romero – mit einer Champagner-Dusche beglückwünschen liess, war die Welt noch in Ordnung. Niemand konnte wissen, dass keine 48 Stunden später Attentäter Passagierflugzeuge in die Twin Towers lenken würden. Es ist ein historischer Konnex.
Ricardo Gonzalez siegte auf dem Walliser Hochplateau mit scheinbarer Leichtigkeit. Er führte nach jeder der vier Runden. Start-Ziel-Siege waren am European Masters vorher nur dem Kanadier Jerry Andersen (1984) und dem Spanier José Maria Olazabal (1986) geglückt. Die Leichtigkeit verschaffte sich Gonzalez auch mit dem Driver. Er nahm den Mitspielern bisweilen bis zu 40 Meter ab. Das Meisterstück war ein Eagle am 15. Loch der dritten Runde: Für den zweiten Schlag an diesem 472 Meter langen, bergauf führenden Par 5 benötigte er lediglich ein Eisen 7.
Gonzalez, ein Golfer mit viel Ausstrahlung und enormem Potential in den langen Schlägen, stand auf dem Höhepunkt einer Tellerwäscher-Karriere. Er entstammt einer armen Familie in Rosario und wuchs mit sechs Geschwistern auf. Als Bub verdiente er ein wenig Geld als Caddie und trainierte daneben so fleissig, dass er bereits mit 17 Jahren Profi werden konnte. 1992 spielte er erstmals eine volle Saison in Europa. Sechs Jahre später kehrte er endgültig auf die PGA European Tour zurück.
Im Wallis langte Gonzalez am Höhepunkt der Karriere an, aber bis 2009 liess er noch drei weitere Turniersiege auf dem europäischen Circuit folgen. Die beste Klassierung an einem Majorturnier gelang ihm als 22. an der von Rich Beem gewonnenen US PGA Championship 2002.
Nach einer langen Durststrecke nach 2010 kämpfte er sich noch einmal auf die Europa-Tour zurück: 2016 machte er sich mit 47 Jahren zum ältesten Spieler, der jemals über die sogenannte Q-School aufstieg.
Wenn wir noch einmal zum Omega European Masters 2001 zurückgehen: Es war das Turnier, an dem Paolo Quirici, der heute längst auch bei den Ü50-Golfern mittun könnte, zu aller Überraschung den Rücktritt vom Profisport erklärte. Der Tessiner war erst 34 Jahre alt und hätte mit seiner Spielstärke noch viele gute Saisons vor sich haben können. Aber er wollte mehr Zeit für seine Familie mit zwei kleinen Söhnen aufbringen.