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Die Odyssee einer toten Königin
Dem Hause Habsburg verdankt Basel zwei der glanzvollsten Beisetzungen seiner Geschichte. Nur ein halbes Jahr alt wurde Karl, der Sohn Rudolfs von Habsburg (seit 1273 König des Deutschen Reiches) und der Königin Anna von Habsburg. Basel sollte Karls letzte Ruhestätte werden. An der Beisetzung im Münster 1276 nahmen nebst der Königin der gesamte Klerus und die gesamte Ritterschaft sowie viele angesehene Bürger teil.
Die Totenbahre Karls war mit einem kostbaren Teppich bedeckt, der nach der Beisetzung an die Kirche ging. Das Grabmal, entstanden etwa um 1300, zeigt den Säugling nicht in seinem realen Sterbealter sondern als Knaben von etwa drei Jahren. Er liegt darauf neben seiner Mutter. Sie starb im Februar 1281 mit 56 Jahren. Ihrem Wunsch gemäss sollte sie im Grabe ihres Kindes im Münster zu Basel bestattet werden.
Man entfernte der toten Königin die Eingeweide und füllte ihren Leib mit Asche. Ihre einbalsamierte Leiche wurde kostbar gekleidet und ihr Gesicht verschleierte. Eine edelsteinbesetzte Krone aus vergoldetem Silber wurde ihr aufgesetzt. Um den Hals legte man ihr eine erlesene Kette. In einen Buchsbaumsarg gebettet wurde die Tote mit grossem Leichengeleit und vierzig Zugpferden von Wien nach Basel gebracht.
In Säckingen erwartete das Domkapitel den Leichenzug, um ihn nach Basel zu begleiten. Der Bischof Basels hatte den Klerus aufgeboten. Über tausend Geistliche folgten mit brennenden Kerzen dem Sarg. Drei Bischöfe hielten am 20. März 1281 das Seelenamt im Münster. Der Sarg wurde aufgerichtet, damit der Leichnam von allen Anwesenden gesehen werden konnte. Dann fand die Königin die letzte Ruhe.
Ihr 1276 verstorbenes Söhnchen Karl nahm sie mit sich in ihr Grab. Im Dezember 1281 folgte der Königin ihr zweitgeborener Sohn in den Tod. Hartmann fand bei einer Fahrt auf dem Rhein von Breisach nach Strassburg einen jähen nassen Tod in den Fluten des Stroms. König Rudolf hatte wohl Hartmann als seinen Nachfolger auf den Thron ersehen, was den Verlust für das Herrscherhaus doppelt schmerzhaft machte.
Auch Hartmann wurde im Chor des Basler Münsters beigesetzt. Sein Grab wurde bei Erdbeben 1356 völlig zerstört. Das Grab von Königin Anna und Karl wurde nach dem Erdbeben auf die linke Seite des Chorumgangs verlegt. Die Gebeine Hartmanns legte man dann zu Karl und der Königin in die Gruft. Die Ruhe am neuen Platz wurde allerdings 1510 durch die Basler Domherren gestört, die keck in die Gruft griffen.
Sie nahmen der toten Königin Krone, Halskette und einen Ring um das "Raubgut" zum Münsterschatz zu legen. Über zweihundert Jahre später wurde die Gruft erneut geöffnet, diesmal auf Ersuchen der österreichischen Kaiserin Maria Theresia. Im Kloster St.Blasien im vorderösterreichischen Schwarzwald war eine neue Gruft für das Haus Habsburg eingerichtet worden. Hier sollte sie in katholischer Erde ruhen.
Basel war seit dem 16. Jahrhundert reformiert. So wurde die Königin mit ihren Söhnen 1770 nach St.Blasien überführt. Das Kloster wurde 1806 aufgehoben, seine Möche fanden in Spital am Pyhrn in Oberösterreich eine neue Heimat. Dorthin wurden 1808 die Gebeine der Königin und ihrer Söhne gebracht. Die Mönche St.Blasiens fanden schliesslich eine Niederlassung in St.Paul im Lavanttal in Kärnten.
Dorthin gelangten im Frühjahr 1809 auch die sterblichen Überreste von Königin Gertrud Anna von Habsburg mit ihren Söhnen Karl und Hartmann. Ruhe kehrte aber noch nicht ein. Die Särge waren hundert Jahre später morsch. Sie wurden bei der Öffnung des Grabes 1917 durch Eichensärge ersetzt. Am 15.Juni 1918 erfolgte die Neubestattung der Gebeine. Im Jahr 1936 wurde die Stiftskirche St.Paul renoviert.
Dabei wurde das Grab der Königin und Ihrer beiden Söhne in die Gruft unter dem Hauptaltar verlegt. Geblieben ist in Basel das eindrückliche Grabmal der Königin und ihres Sohnes Karl im Münster, das noch immer dort steht wo es nach dem Erdbeben 1356 hingerückt wurde. Es ist das einzige königliche Grabmonument in der Schweiz.