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02.02.2023, 17:40 Uhr
«Die Vorteile von Investitionen in Asiens Energieinfrastruktur werden nicht nur in dieser Region, sondern auf der ganzen Welt zu spüren sein», schreibt Nick Parsons, Head of Research, ThomasLloyd Group. Kurz...Artikel lesen
Anleger sollten 2012 auf Rendite, Qualität und Diversifizierung achten und die Weltwirtschaft wird noch einmal an einer Rezession vorbeikommen, so das Fazit von Johannes Jooste in seiner Studie Merrill Lynch Wealth Management Year Ahead 2012.
Das prognostizierte Weltwirtschaftswachstum von 3,7 Prozent wird dabei von den Schwellenländern gestützt. In den USA soll das Wachstum auf 1,9 Prozent etwas zulegen, während China von einer sanften Landung profitieren dürfte, so Jooste.
Weltwirtschaft entkommt der Rezession, wenn auch nur knapp
Die dringende Notwendigkeit der reifen Volkswirtschaften zum Schuldenabbau, die schwache Investitionsneigung und niedrige Aktienkurse deuten auf eine weltweite Rezession hin, die jedoch gerade noch vermieden werden kann, so Jooste in der Studie Merrill Lynch Wealth Management Year Ahead 2012. In China soll das Wachstum der Studie zufolge nachlassen, aber es ist mit einer sanften Landung zu rechnen, wenn die Regierung Anfang 2012 die Zügel wieder lockerer lässt.
"Wir rechnen in China für 2012 mit einem Wachstum von 8,6 Prozent, gegenüber geschätzten 9,2 Prozent 2011", so Jooste. Die grössten Risiken für China sind eine höhere Inflation und niedrigere Investitionen. In Indien und Russland sollte sich das starke Wachstum von 2011 auch in 2012 fortsetzen (Indien: geschätzt 7,5 Prozent; Russland: geschätzt 4 Prozent).
In den USA dürfte die Federal Reserve den notleidenden Immobilienmarkt stützen, um die hohe Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und die Zinssätze bis mindestens 2014 niedrig zu halten. Innerhalb der G5-Länder (Kanada, Eurozone, Japan, USA und Grossbritannien) wird die Inflation laut Jooste zurückgehen, während die Wirtschaft 2011 insgesamt schwach wachsen und mit 1,1 Prozent hinter den erwarteten 1,4 Prozent zurückbleiben dürfte.
Als grösste Risiken für die Weltwirtschaft im 2012 nennt Jooste einen unerwarteten Staatsbankrott in der Eurozone und den Ausstieg eines Landes aus der gemeinsamen Währung. Zu den weiteren Risiken zählen anhaltende politische Lähmung in Europa, die Ausweitung des Deleveraging-Trends von der Eurozone auf andere Regionen, mögliche Währungskriege, Bank Runs (ein rasches Abheben von Einlagen durch Sparer) sowie übertriebene staatliche Sparprogramme. Dennoch könnte es in Europa auch positive Überraschungen geben, so Jooste.
Zum einen könnte etwa die Europäische Zentralbank (EZB) rascher als erwartet Staatsanleihen und Bankschulden monetarisieren, wenn vielleicht auch erst nach weiteren Rückschlägen für die Wachstumsaussichten in der Eurozone. Zum anderen könnte eine unerwartet kräftige Zinssenkung auf 0,5 Prozent die Wachstumsaussichten verbessern. Die Kombination aus Konjunkturabschwächung in der Eurozone und aktiverer Zentralbankpolitik dürfte 2012 zu einem schwächeren Euro führen, der bei geringer Nachfrage im Binnenmarkt der Euroländer zumindest im Export hilfreich sein könnte.
Eine schwache Konsumentenstimmung und Unruhen in der Eurozone werden die Bank of England wohl zu einer weiterem quantitativen Lockerung zwingen. Ein Abgleiten der britischen Wirtschaft in eine Rezession noch in der ersten Jahreshälfte dürfte jedoch auch dadurch nicht zu verhindern sein. "Die Konjunkturprobleme sind diesmal deutlich anders als in bisherigen Zyklen; und die Reaktionen der Politiker haben sich als ungeeignet erwiesen. Zu den grössten Enttäuschungen des Jahres 2011 zählte dabei die mangelnde interne und externe Koordination", so Jooste. "Eine abgestimmte Reaktion auf die Schuldenkrise würde einen Aufschwung in der Eurozone sowie in der gesamten Weltkonjunktur auslösen."
Immer weniger sichere Häfen bleiben
Bei ohnehin schwachem Wachstum wollen die Anleger keine weiteren Überraschungen erleben, geht aus der Merill Lynch Year Ahead 2012 Studie hervor. "Wer sein Portfolio diversifizieren will, hat immer weniger sichere Häfen zur Auswahl", meint Jooste. "Deshalb kommt es nun in der Aktienauswahl besonders auf Rendite, Qualität und Wachstum an".
"Bei der Aktienauswahl für 2012 empfehlen wir Large Caps mit starkem Cashflow und steigenden Dividenden. Für das neue Jahr raten wir zwar dringend zu Vorsicht, rechnen aber nicht mit Katastrophen. Insgesamt kommt es darauf an, strategische Rahmenbedingungen auf die "neue Normalität" einzustellen, die geprägt ist von niedrigerem Wachstum und höheren Risiken. Mit anderen Worten: Es ist stets mit periodischen Verlusten in signifikanter Höhe, Volatilitätsblasen sowie häufigem Wechsel zwischen Warnung und Entwarnung zu rechnen".
Merrill Lynch Wealth Management EMEA empfiehlt in diesem Umfeld die Übergewichtung amerikanischer und britischer Aktien. Amerikanische Large Caps sind dabei die erste Wahl, da sie die Erwartungen der Analysten besser erfüllen als andere Large Caps.
Basis-Konsumgüter, zyklische Konsumgüter und Informationstechnologie sind die drei bevorzugten Sektoren, da sie die beste Mischung aus Ertragskraft, Bewertung und Ausrichtung auf das makroökonomische Umfeld bieten. Merrill Lynch Wealth Management EMEA hält auch grosse Wachstumsthemen wie etwa Konsumwerte der Schwellenländer oder weltweite Infrastrukturprojekte für interessant. "Mit dem Ausbau des Schwellenländer-Portfolios warten wir allerdings noch, bis die Regierung in China die Währungspolitik lockert", so Jooste.
Aktien der Euroländer oder Japans sollte man laut Studie in 2012 untergewichten. In Japan dürfte sich die Wirtschaft zwar erholen, aber die Unternehmensgewinne werden wohl enttäuschen. In der Eurozone, wo die Aktien billig sind und die Marktstimmung am Boden, warnt Jooste jedoch noch vor Investitionen aufgrund des hohen Risikos.
Bei den festverzinslichen Anlagen sollten die Anleger staatliche Papiere meiden und stattdessen auf Unternehmensanleihen setzen, die sowohl im Bereich Investment-Grade als auch als High-Yields interessant sind, vor allem bei amerikanischen Unternehmen. Im High-Yield-Markt ist eine tolerierbare Ausfallquote bereits in den Kursen eingepreist. Meiden sollten Investoren insbesondere Staatsanleihen und Banken mit Exposure gegenüber Peripheriestaaten der Eurozone.
"Bei den attraktiven Spreads ist aktuell ein signifikanter Anstieg der Kreditausfälle eingepreist, wenngleich wir nicht glauben, dass es dazu kommen wird. Staatsanleihen der Euro-Kernstaaten bleiben in sämtlichen Szenarien unattraktiv, es sei denn, es kommt zu einer anhaltenden weltweiten Rezession", so Jooste weiter.
Rohstoffwachstum schwächer; britische Immobilien bieten Chancen
Die Aussicht auf niedrigere Inflation lässt die Attraktivität der Rohstoffaktien sinken. Von den Top-Performern in 2011 dürften Gold und Öl ihre Renditen 2012 nicht wiederholen können. Der Goldkurs wird zwar durch die äusserst niedrigen Realzinssätze gestützt, voraussichtlich aber durch die Stärke des US-Dollars gebremst. Sollte die Fed allerdings wieder zu massiver quantitativer Lockerung greifen, könnten Kurssprünge beim Gold die Folge sein. Die Möglichkeit eines sinkenden Ölpreises dürfte durch ein kontrolliertes Angebot begrenzt sein.
"Wir wollen einen Ausbau der Rohstoff-Position nicht ausschliessen, sollte das Wachstum in China früher als erwartet wieder anziehen. Industriemetalle wie Kupfer würden besonders profitieren", so der Bericht.
Gewerbeimmobilien, vor allem in Grossbritannien, könnten in 2012 robuste Erträge liefern. Dabei liegt der Fokus hauptsächlich auf dem Spitzensegment. Die Polarisierung zwischen Top-Objekten, guten zweitklassigen Objekten und solchen von geringer Qualität dürfte sich der Studie zufolge weiter fortsetzen.
"Drei Jahre nach der Finanzkrise von 2008/2009 sehen sich die Anleger erneut mit stark gesunkenen Kursen bei Werten konfrontiert, die in enger Verbindung mit diesem sehr untypischen Zyklus stehen", so Jooste abschliessend. "2012 sollten die Anleger trotz schrumpfender Möglichkeiten zur Portfolio-Diversifizierung vor allem auf Rendite und Qualität achten und nicht versäumen, ihr Portfolio auch auf die kritischen langfristigen Wachstumsthemen auszurichten".