Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03303.jsonl.gz/2995

Allgemeines zum Anbau
Die Kartoffel ist eine Pflanze des gemässigten bis feuchten Klimas. In der Schweiz kann sie bis auf 1’900 m.ü.M angebaut werden. Sie gedeiht am besten auf Böden mit einer guten Struktur, wenig Steinen und auf solchen, die sich im Frühjahr rasch erwärmen. Geeignet sind mittelschwere, sandig-lehmige und humusreiche Böden mit einem neutralen oder leicht sauren pH-Wert. Die Kartoffel erträgt Frost schlecht und reagiert negativ auf zu trockene oder zu nasse Perioden.
Vorkeimen
Vor dem Anbau müssen die zur Saat bestimmten Knollen vorgekeimt werden. Bei diesem Vorgang regt man die Keimbildung an. Damit kann ein Teil der Knollenentwicklung, die bei nicht vorgekeimten Knollen erst im Boden abläuft, in den Keller verlegt werden. Dadurch kann die Pflanze nach der Pflanzung schneller auflaufen, ist widerstandsfähiger gegen Auflaufkrankheiten, bedeckt den Boden schneller, verkürzt die Zeit bis zur Ernte und liefert zudem meist einen höheren Ertrag. Nachteilig bei diesem Verfahren ist der Platzbedarf und die nötigen Einrichtungen sowie der zusätzliche Arbeitsaufwand.
Anbau
Da beim Kartoffelbau die Saat nicht mit einem Samen erfolgt, sondern mit ganzen Knollen, können die üblichen Sämaschinen nicht eingesetzt werden. Daher werden die Kartoffeln entweder mit halbautomatischen Setzgeräten, bei denen eine Person die Knollen in das Setzrohr fallen lässt, oder einem automatischen Setzgerät gepflanzt. Nach der Aussaat wird das Saatbett meist zu einem Damm angehäuft. Dies verbessert die Durchlüftung des Bodens und erleichtert die Pflege der Kultur und die Ernte. Allfällige Schädlinge wie zum Beispiel der Kartoffelkäfer können je nach Anbauverfahren ganz unterschiedlich bekämpft werden. Während im biologischen Anbau die Schädlinge lediglich mit natürlichen, biologisch-biotechnischen Massnahmen bekämpft werden dürfen und bei der Produktion nach den IP-Richtlinien der Gebrauch von Spritzmitteln streng limitiert ist, dürfen im Anbau mit ökologischem Leistungsnachweis (ÖLN) chemisch-synthetische Herbizide und Fungizide nach dem Schadschwellenprinzip eingesetzt werden.
Ernte
Der Zeitpunkt der Ernte ist erreicht, wenn das Kraut abstirbt. Dann nämlich ist die Stoffeinlagerung in die Knolle abgeschlossen. Der Bauer kann diesen Zeitpunkt dadurch beeinflussen, indem er das Kraut mittels mechanischer oder chemischer Methode oder durch Abflammen frühzeitig zum Absterben bringt. Dies hat den Vorteil, dass die Knollen regelmässiger abreifen, die gewünschten Grösse nicht überschreiten und sie weniger anfällig auf Virusinfektionen und andere Pflanzenkrankheiten sind, die sie bei der Lagerung zerstören könnten. Ausserdem ist die Ernte auf einem vom Kraut befreiten Feld wesentlich einfacher.
Geerntet wird heutzutage in erster Linie mit dem Vollernter. Dieser gräbt die Knollen aus, transportiert sie auf ein Förderband, wo von Hand Steine, grobe Erdschollen und kranke oder beschädigte Knollen entfernt werden. Das Erntegut wird umgeladen und in Anhängern oder Paloxen abtransportiert.
Lagerung
Nach der Ernte werden die Knollen an einem durchlüfteten und vor Licht geschützten Ort zuerst zwischengelagert, damit sie richtig abtrocknen und allfällige Verletzungen gut vernarben können. Für das Winterlager sind lichtgeschützte, frostsichere Räume mit ausreichender Belüftung notwendig. Die Kartoffeln werden in Säcken, Paloxen oder lose gelagert.
Zu Hause werden die Kartoffeln am besten ungewaschen in einem kühlen, frostsicheren Raum (Keller, Reduit) mit hoher Luftfeuchtigkeit gelagert. Tücher oder Säcke gleichen leichte Temperaturschwankungen aus und schützen vor Licht, damit die Kartoffeln nicht grün werden. Grüne Kartoffeln enthalten Solanin. Solanin ist ein natürlicher Giftstoff, weshalb grüne Kartoffeln nicht konsumiert werden sollten.