Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03137.jsonl.gz/16

Der Goldhandel hat eine enorme Bedeutung für die Schweiz. Er macht rund einen Drittel des gesamten Schweizer Aussenhandels aus. Dennoch war bisher nur wenig über die Bewegungen des gelben Edelmetalls bekannt.
Die Statistik, welche die Eidgenössische Zollverwaltung veröffentlichte, fördert Erstaunliches zutage: Fast die Hälfte der gesamten Goldexporte der Schweiz gehen nach Hongkong.
Allein im Januar wurde Gold im Wert von 3,1 Milliarden Franken in die Sonderverwaltungszone im Süden Chinas exportiert. Dies entspricht rund 85 Tonnen Gold, die im vergangenen Monat mehrheitlich in Flugzeuge verfrachtet und nach Hongkong geschickt wurden.
Auch interessant
Jean-Claude Wagnon von der Eidgenössischen Zollverwaltung erklärt diese riesige Menge damit, dass Hongkong neben Zürich und London ein wichtiger Goldhandelsplatz ist. Hongkong sei die Tür zu Asien - insbesondere zu China, sagte Wagnon gegenüber der Nachrichtenagentur sda.
»In China und Indien gibt es viele Produzenten von Goldschmuck. Hongkong stellt eine Zwischenstation des Handels dar», sagte Wagnon. Auch die weiteren Hauptabnehmer von Gold aus der Schweiz befinden sich allesamt in Asien. Insgesamt hat die Schweiz im Januar Gold im Wert von 6,8 Milliarden Franken exportiert.
Während das Gold aus der Schweiz meist nach Asien weiterfliesst, wird es zum grössten Teil vom konkurrenzierenden Handelsplatz in London bezogen. Im Januar wurden 119 Tonnen Gold aus Grossbritannien eingeführt. Dieses hatte einen Wert von 4,3 Milliarden Franken und entsprach damit wertmässig 61 Prozent der gesamten Goldimporte vom Januar. Das Total der Goldimporte des vergangenen Monats belief sich auf 7,1 Milliarden Franken.
Bedeutung des Goldhandels rapid gestiegen
Die Bedeutung des Goldhandels für die Schweiz hat sich im letzten Jahrzehnt vervielfacht. Zwischen 2005 und 2013 verachtfachte sich der Wert der Goldeinfuhren, während sich jener der Ausfuhren mehr als versechsfachte. Laut Wagnon ist dies auf einen Preis- und einen Mengeneffekt zurückzuführen: «Die Preise haben sich mehr als verdoppelt, die Menge hat sich verdreifacht», sagte er.
Beides dürfte zu einem grossen Teil auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen sein. «Es ist zu vermuten, dass sich die Handelsmenge erhöhte, weil die Nachfrage nach Gold als Reserve stieg», sagte Wagnon.
Erste Offenlegung seit mehr als 30 Jahren
Dass erstmals wieder bekanntgegeben wird, woher die Schweiz ihr Gold bezieht und in welche Länder es danach weiterfliesst, ist auf einen Vorstoss des SP-Nationalrats Cédric Wermuth aus dem Jahr 2012 zurückzuführen. Wermuth hatte darin die bisher praktizierte Verschleierung der Goldhandels-Statistik in Frage gestellt.
Seit 1981 hatte die Schweiz nicht mehr offengelegt, aus welchen Ländern sie Gold, Silber oder Münzen bezieht und in welche Länder sie diese Waren ausführt.
Wagnon zufolge hatte die bisher praktizierte Verschleierung zum einen ökonomische Gründe: «Ein Grund war die Konkurrenz zwischen den Goldhandelsplätzen London und Zürich. Da London keine Zahlen bekanntgab, wurde die Publikation von Zahlen über den Goldhandel in Zürich als wettbewerbsschädigend erachtet.»
Aber auch politische Gründe spielten eine Rolle: «Man wollte nicht auf den Handel mit sensiblen Ländern aufmerksam machen», sagte Wagnon. Bei der Gesellschaft für bedrohte Völker wird vermutet, dass der massive Goldhandel mit dem südafrikanischen Apartheidregime und der damaligen UdSSR vertuscht werden sollte.
«Problematische Produzentenländer»
Am Donnerstag äusserte sich die Gesellschaft für bedrohte Völker zu den neu publizierten Goldhandelszahlen. «Es fällt auf, dass die Schweiz auch grosse Mengen an Rohgold aus problematischen Produzentenländern Lateinamerikas, Afrikas und Asiens importiert», hiess es in einer Medienmitteilung.
Konkret genannt werden Thailand, Ghana, Südafrika, Peru, Burkina Faso, Brasilien, Tansania und Chile. In diesen Ländern werde Gold oft unter schlimmsten Arbeitsbedingungen, unter Missachtung der Rechte der lokalen Bevölkerung und unter massiven Umweltschäden abgebaut, schreibt die Organisation. Sie fordert daher vom Bundesrat weitere Schritte zu mehr Transparenz im Goldgeschäft.
Exporte im Januar angestiegen
Nebst der Goldhandelsstatistik gab die Eidgenössische Zollverwaltung am Donnerstag wie bisher die Zahlen zum Schweizer Aussenhandel aller anderen Waren bekannt.
Aus diesen geht hervor, dass die Exporte zu Beginn des neuen Jahres deutlich angestiegen sind. Verglichen mit dem Vorjahresmonat stieg der Wert der Ausfuhren im Januar um 3,3 Prozent auf 17,1 Milliarden Franken. Derweil stagnierten die Importe. Deren Wert ging leicht um 0,1 Prozent auf 14,5 Milliarden Franken zurück. Unter dem Strich resultierte ein Handelsbilanzüberschuss von 2,6 Milliarden Franken.
(sda/tke)