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Von der autonomen Gemeinde zum städtischen Wohnquartier
Zürich-Schwamendingen liegt am nördlichen Fuss des Zürichbergs und bildet mit Örlikon, Seebach und Affoltern den Stadtteil Zürich-Nord. Bis zum 31. Dezember 1933 waren diese Stadtquartiere eigenständige Gemeinden. Per 1. Januar 1934 schlossen sie sich der Stadt Zürich an und bildeten den 11. Stadtkreis.
Von der Eingemeindung erhofften sich die Schwamendingerinnen und Schwamendinger bessere Entwicklungschancen – hatte doch Nachbar Örlikon mit dem Bau der Eisenbahn in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von einem klaren Standortvorteil für die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe profitiert und deshalb in wirtschaftlicher und finanzieller Hinsicht die Nase vorn.
«Die starke Zustimmung zur Eingemeindung zeigte (...), wie sehr man die Verschmelzung mit Zürich als das Zeitgegebene erachtete. Man konnte voraussehen, dass die Zugehörigkeit Schwamendingens zur Stadt für das Quartier manche Vorteile haben werde. Die Bewohner versprachen sich besonders in Bezug auf die Verkehrsverhältnisse und das Strassenwesen Verbesserungen.»
(Zürcher Quartierchronik von Eugen Hermann, Seite 174)
Als die Überlandstrasse noch eine Wohltat war
In der Tat setzte die Bautätigkeit ziemlich rasch ein. Neben diversen Quartierstrassen wurde die Überlandstrasse angelegt, die den Dorfkern von Schwamendingen umfuhr. Damals war diese breit angelegte Ausfallstrasse für Alt-Schwamendingen eine «wirkliche Wohltat und Entlastung». (a.a.O, Seite 175)
Was einst der Quartierberuhigung diente, ist heute seit fast 30 Jahren eine Faktum des Anstosses und des Ärgers. 1981 wurde die damalige Quartierumfahrung Überlandstrasse zur sechsspurigen Autobahn, die seither den Quartierteil Saatlen in zwei Teile zerschneidet. Mit beinahe 130'000 Fahrzeugen täglich ist die SN1.4.4 zwischen Tunnelportal Schöneich und Aubrücke der meist befahrene Strassenabschnitt in dicht besiedeltem Raum in der Schweiz.
Schwamendingen entwickelt sich zur Gartenstadt
Doch blenden wir wieder zurück: In den Nachkriegsjahren gab das städtebauliche Konzept vom damaligen Stadtbaumeister Albert Heinrich Steiner ab 1948 Schwamendingen sei markantes Aussehen als «Gartenstadt», das sich von der urbanen Dichte der innerstädtischen Quartiere klar abhob.
Die gegliederte Wohnstadt für Familien umfasste neben den mehrheitlich genossenschaftlichen Siedlungen mit privaten Gärten oder gemeinschaftlich genutzten Zwischenräumen öffentliche Einrichtungen wie Kirchen und Schulen mit grosszügigen Grünanlagen.
Die Umsetzung des so genannten Steiner-Plans dauerte bis in die 1960er Jahre. Schwamendingen entwickelte sich zum begehrten Mittelschicht-Wohnquartier im Grünen, das die Qualitäten des Landlebens aber in unmittelbarer Stadtnähe bot.
Demgegenüber wurde der Quartierteil Hirzenbach 1955 durch den Stadtbaumeister Adolf Wasserfallen geplant. Es ist ein streng rechteckig angelegtes Wohnquartier mit unterschiedlich ausgestalteten Hochhäusern. Doch auch hier dominieren die grossen Grünflächen mit mächtigen Bäumen.
Ende der sechziger Jahre zählte der Kreis 11 an die 91'000 Einwohnerinnen und Einwohner. 1971 wurde Schwamendingen als bevölkerungsstärkstes Quartier des Kreis' 11 als 12. Stadtkreis abgetrennt.
Krach im Wohnidyll
Den Gartenstadt-Charakter hat sich Schwamendingen erhalten. Er ist in den Siedlungen Mattenhof, Dreispitz und Auzelg sowie den Wohnquartieren Roswiesen-, Glattwiesen- und Luchswiesenstrasse auch heute noch erlebbar.
Die negativen Umwelteinflüsse der Autobahn und der im Oktober 2003 angeordneten Südanflüge auf den Flughafen Zürich-Kloten beeinträchtigen heute die Lebensqualität von fast 29'000 Menschen. Während die Autobahn in den nächsten zehn Jahren eingepackt und damit der daher rührende Verkehrslärm verschwinden wird, ist ein Ende der Südanflüge und Südstarts leider (noch) nicht absehbar. Wir bleiben dran!
Einen kurzen Abriss der Geschichte Schwamendingens finden Sie hier: