Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03499.jsonl.gz/185

Das Patent dieser ersten Cylinderdruckmaschine ist datiert vom In demselben waren die Einrichtung
für einen zweiten Druckcylinder und ein ganzes kombiniertes Walzensystem gleich vorgesehen. Bereits nahm König
ein drittes Patent für neue Verbesserungen, welche bei dem Bau der für die »Times« bestimmten Maschinen in Anwendung kamen.
Diese Maschinen wurden mit zwei Druckcylindern versehen, so daß die auf dem Karren
[* 10] ruhende Schriftform
bei
jedem Hin- und Hergang desselben zweimal statt einmal eingeschwärzt und gedruckt ward, was zu einem Gesamtergebnis von 1100 Bogen
in der Stunde führte und durch spätere Verbesserungen bis auf 2000 gebracht wurde. Am erschien die »Times« zum
erstenmal auf der S. gedruckt, welches Ereignis sie in einem seitdem zu historischer Bedeutung gelangten
Leitartikel feierte.
Die erste Cylinderdruckmaschine hatte Bensley erhalten; sie sowie die beiden Timesmaschinen und alle von König u.
Bauer bis 1825 gebauten wurden durch Dampfkraft betrieben. Dem Bau dieser Doppelmaschine folgte der der Schön- und Widerdruck-
oder Komplettmaschinen, für die König sein letztes Patent in England nahm. Dieselben enthielten
an jedem Ende ein Farbewerk; auch ging der Karren mit der Form nicht mehr unter beiden Druckcylindern durch, sondern jeder
derselben druckte eine besondere Form; der Bogen wurde vermittelst Schnuren und eines Leitungstuchs von einem Cylinder auf
den andern übergeführt, so daß er auf beiden Seiten fertig bedruckt die Maschine verließ, daher auch ihr Name: Komplettmaschine.
Ihre Leistungsfähigkeit betrug 900-1000 beidseitig bedruckte Bogen in der Stunde; aufgestellt wurde die erste 1816 in der Druckerei
von Bensley. Königs Erfolge regten auch andre Konstrukteure an, und 1813 ließen sich Bacon und Donkin
in London eine S. patentieren, die aber nie im großen zur Ausführung gekommen ist; bei ihr stand die Schrift nicht auf einer
einzigen horizontalen Fläche, sondern auf einem prismatischen, sich drehenden Cylinder, welcher seine verschiedenen von einem
Walzenapparat eingeschwärzten Seiten an einem zweiten, ebenfalls prismatischen Druckcylinder zum Empfang
des Druckes vorbeiführte.
Bacon und Donkin wendeten zuerst anstatt Walzen aus Leder solche aus Sirup und Leim zur Erzielung guter Färbung an, welche Masse
sie nach dem Zusammenschmelzen auf Leinwand gossen und um die Walzencylinder befestigten; dieselbe ist ca. 50 Jahre lang allgemein
für Buchdruckwalzen beibehalten worden, nur hat man sie sehr bald direkt um die Walzenkerne gegossen.
Die Einführung des zu druckenden Papiers erfolgt bei Donkins Maschine auf einem Tuch, von welchem es ein Greiferlineal abhob.
Eine folgenschwerere Konkurrenz sollte König durch Bensley erwachsen, welcher sich mit Cowper und Applegath vereinigte und
unter Anwendung unwesentlicher, als Verbesserungen bezeichneter Abänderungen selbst zum Bau Königscher
Maschinen schritt. Rutt und Napier, zwei weitere Nachahmer, folgten bald, und König zog es vor, bald, gefolgt von Bauer, nach
Deutschland
[* 11] zurückzukehren, wo er die Gebäude der ehemaligen Prämonstratenserabtei Oberzell bei Würzburg
[* 12] 1818 in eine Maschinenfabrik
umwandelte. Die ersten vier Schnellpressen in Deutschland und zugleich die ersten Erzeugnisse der Fabrik
zu Oberzell empfingen 1822 die v. Deckersche Hofbuchdruckerei zu Berlin
[* 13] und die Druckerei der »Spenerschen Zeitung« ebendaselbst.
Der Mechanismus der S. besteht (s. Abbild., S. 583) zunächst in einem vierwandigen, innerhalb durch
Kreuzstreben verbundenen Gestell, in dessen oberm Teil in der Mitte der Druckcylinder in Lagern liegt,
während unter ihm, auf Schienen gleitend, der Karren, d. h. das die zu druckende Schriftform tragende Fundament (eine glatte
Eisenplatte in horizontaler Lage), hin- und hergetrieben wird, um durch dasselbe überlagernde Auftragwalzen aus dem Farbapparat
die für den Druck erforderliche Färbung zu erhalten. Die letztere kann entweder mittels Tischfärbung
oder
¶
Aufriß.
a Bogenführungswalzen, b Formcylinder, c Druckcylinder, d Verteilungswalzen, e Auftragewalzen, f Nacktwalzen, g Nackt- und
Verreibungswalzen, h Verreibungswalzen, i die sogen. Hebwalzen, k Duktor, l Schmutzcylinder,
m Putzspindel, n die beiden Schneidcylinder, o Bogen-Abreibwalzen, p Treibräder. - Der Lauf desPapiers ist durch Pfeile bezeichnet.
Bei Maschinen, welche
statt des Falzapparats einen selbstthätigen Ausleger haben, befindet sich letzterer
in dem Raum A.
Cylinderfärbung geschehen; bei ersterer erfolgt die gleichmäßige Verteilung der Farbepartikelchen durch Verreibung auf
vor oder hinter dem Fundament angebrachten Farbentischen, bei letzterer geschieht es nur auf einer Anzahl übereinander gelagerter
Walzen, die man je nach ihrer Zahl und Stellung als einfacherer doppelte (übersetzte) Färbung bezeichnet. In jüngster Zeit
hat man auch die Zahl der Auftragwalzen von zwei auf vier gebracht und die ihnen überlagernden Verreiber
entsprechend vermehrt behufs Erzielung einer feinern und durchaus gleichmäßigen Färbung.
Die Grundzüge der S. haben mit der Ausbreitung letzterer durch die zahlreichen Fabrikanten, die sich ihrem Bau zuwandten,
wesentliche Modifikationen erfahren; eine sehr wichtige Verbesserung war die Ersetzung der Zuführbänder
durch am Druckcylinder angebrachte bewegliche Klammern
[* 17] (Greifer), in welche das zu bedruckende Papier gelegt wird, und die dem
häufig auftretenden Übelstand des Faltenbildens abhalfen, auch nebst den Punkturen (im Cylinder befestigten Stahlstiften)
ein vollkommen genaues Aufeinanderpassen der Seiten (Registerhalten) ermöglichten.
Man bezeichnete die mit Greiferapparat versehenen Schnellpressen fortan als Greifermaschinen zum Unterschied
von den bis dahin gebräuchlichen Schnurenmaschinen, die seitdem ganz außer Gebrauch gekommen sind. Auch der Bewegungsmechanismus
des Karrens ward geändert; er unterscheidet sich noch in Krummzapfen- oder Kurbel-, Eisenbahn- und Kreisbewegung, letztere eine
der wesentlichsten von Bauer gemachten Verbesserungen. SirWilliamCongreve (s. d. 2) baute eine Maschine
zur Ausführung des nach ihm benannten Congrevedrucks, die zwar keine große Ausbreitung gefunden hat, aber als erste Maschine
für zweifarbigen Druck Erwähnung verdient.
Dieser wurde in andrer Weise erreicht durch die von der Fabrik König u. Bauer zuerst vollkommen zweckentsprechend gebaute (von
Königs erstem Sohn, Wilhelm, gegenwärtig Mitchef der Firma König u. Bauer, ersonnene) Zweifarbenmaschine;
auf ihr wird das Papier zweimal nacheinander, unter doppelter Drehung des Cylinders, von getrennten, sich gegenseitig ergänzenden
Formen gedruckt, wobei es nach dem ersten Abdruck unverrückt in seiner Lage festgehalten wird, bis es den zweiten Druck empfangen
hat; die Congrevemaschine trennte
selbstthätig die beiden zu druckenden Platten, vereinigte sie dann wieder
nach erfolgter separater Färbung und gab erst hierauf den Druck ab. Skandinaviapresse wurde eine von dem Schweden
[* 18] Holm erfundene
und um 1840 zuerst in England gebaute S. genannt, welcher, gleich der ersten FlachdruckmaschineKönigs, das Tiegel-, d. h.
Plattendrucksystem zu Grunde lag; der Umstand, daß man damals auf der S. mit Cylinderdruck noch nicht
den feinen Werk- und namentlich den Illustrationsdruck mit allen Anforderungen entsprechender Vollendung zu erreichen verstand,
mag die Veranlassung gewesen sein zu ihrer Konstruktion.
Die Skandinaviapresse hat viele Teile der Handpresse; der Tischfärbungsapparat ist selbstthätig, die Bewegung des
Karrens erfolgt entweder durch eine exzentrische Scheibe auf einer Krummzapfenwelle oder durch eine sich drehende Trommel mit
diagonaler Rinne, in welcher ein unterhalb des Karrens angebrachter »Fisch« läuft; der Tiegel geht in solider Führung auf und
nieder. Anfänglich nur für eine Form, hat man sie später auch doppelt, mit einer Form nach jeder Seite,
jedoch so gebaut, daß sowohl beide Seiten als auch jede einzelne unabhängig von der andern arbeiten können. Die einfache
Skandinaviapresse liefert 500 bis 700, die doppelte bis 900 Abdrücke pro Stunde; man bedient sich ihrer noch vielfach in England
bei feinen Arbeiten mit oder ohne Illustrationen; in Deutschland, wo man von jeher dem Cylinderdruck größere
Sorgfalt zuwandte, hat sie nur eine beschränkte Verbreitung gefunden.
Um den sich täglich steigernden Anforderungen des Zeitungsdrucks zu genügen, waren manche Blätter genötigt, ihren Satz zwei-
bis viermal anfertigen zu lassen, wodurch natürlich ihre Herstellungskosten ganz außerordentlich gesteigert werden mußten.
Man war daher eifrig bestrebt, die Leistungsfähigkeit der Maschinen zu erhöhen, und schon 1828 hatte
Applegath in London, nachdem König zu Oberzell wegen Überbeschäftigung den Auftrag abgelehnt, es übernommen, eine viercylindrige
S. für den Druck der »Times«, mit einer Leistungsfähigkeit von 4000 Exemplaren in der Stunde, zu erbauen; 1846 aber trat
Little in London mit einer vervollkommten viercylindrigen Druckmaschine in die Öffentlichkeit,
welche den Druck von stündlich 6000 Exemplaren gestattete. Vor ihm hatte Rowland Hill (1835) Druckmaschinen zu konstruieren
versucht mit konisch geformten Typen, deren Satz auf einen rotierenden Cylinder gestellt wurde; da er jedoch den Durchmesser
des Cylinders viel zu gering wählte, so mißlang ihm, was später Applegath und Hoe durchführten. Erstgenannter
nahm 1846 ein Patent auf eine S., bei welcher er die zu druckenden Typenformen nicht mehr auf ein horizontales Fundament, sondern,
den Schriftsatz durch konische Spaltenlinien und Schrauben
[* 20] befestigend, auf der Außenseite eines großen, 200 Zoll englisch
im Umfang haltenden senkrechten Cylinders stellte, welcher zwischen den Typenformen auch glatte Flächen
zum Verreiben der Farbe trug.
Rings um diesen großen Typencylinder standen, ebenfalls senkrecht, acht Druckcylinder und zwischen ihnen die Farb- und Reibewalzen
sowie die Apparate zum Einführen des Papiers, welches oben im Kreis
[* 21] horizontal angelegt, durch den Mechanismus jedoch in eine
senkrechte Lage gebracht und zum Druck befördert wurde. Bei jeder Umdrehung des innern Typencylinders wurden
somit acht Bogen auf einer Seite bedruckt, und die Leistungsfähigkeit dieser S. ward auf 12,000 Drucke pro Stunde veranschlagt.
Sie diente für den Druck der »Times«, bis sie 1862 durch Hoesche sogen. Lightning- oder Mammutpressen ersetzt ward. Hoe in New York
brachte Applegaths Verfahren, den Schriftsatz auf einen Cylinder zu stellen, in der Art zur Ausführung,
daß er denCylinder horizontal legte, wobei ihm die inzwischen erfundene und vervollkommte Papierstereotypie (s. Stereotypie)
sehr zum Vorteil gereichte. Mit Hilfe derselben war es möglich, gebogene, den Segmenten des Schriftcylinders genau entsprechende
Schriftplatten zu gießen und sich dieser statt des Satzes aus einzelnen Typen zu bedienen. Hoe umlegte
seinen horizontalen Schriftcylinder mit bis zu zehn Druckcylindern und deren Schwärzwalzen, und da ersterer mit einer Schnelligkeit
von 2000 Umdrehungen pro Stunde getrieben werden konnte, so lieferte eine solche S. bis zu 20,000 Drucke in der Stunde.
Auch in Deutschland hatte das Zeitungswesen in derselben Zeit Fortschritte gemacht. Schon 1832 hatten sich
König u. Bauer zum Bau von vierfachen Maschinen erboten, auch den Druck auf endloses Papier für möglich erklärt, von der Ausführung
solcher Pläne aber abgesehen, »weil es nirgends Verhältnisse gäbe, in welchen die
hierdurch zu erlangende große Geschwindigkeit besondere Vorteile gewähren würde«. Erst 1847 erhielt
die »KölnischeZeitung« eine vierfache, von Bauer konstruierte, mit drei Druckcylindern versehene S., von denen der mittlere
beim Hin- und Hergang der Form, die äußern aber nur je einmal druckten, so daß jeder Doppelweg des Schriftsatzes vier
Abdrücke ergab. Sie lieferte 6000 Drucke in der Stunde und war durch vier das Papier einlegende Personen
(Anleger) bedient; das Auslegen der bedruckten Bogen erfolgte anfänglich auch durch Menschenhände, später durch einen mechanischen
Apparat (Ausleger), eine Art Rechen mit intermittierender Bewegung, wie man ihn, nach amerikanischem Vorgang, bereits auch
an andern Maschinen eingeführt hatte.
In Frankreich, wo die erste S. 1823 aus England eingeführt worden war, und wohin sodann bis zum Ausbruch der Julirevolution
die deutschen Erfinder namhafte Lieferungen machten, hat erst Marinoni den Schnellpressenbau in energischer Weise und mit
großem Erfolg betrieben. Er wandte seine ganze Sorgfalt der Verallgemeinerung der Maschinen durch
Vereinfachung
und Billigkeit derselben zu, vernachlässigte aber auch nicht den Bau großer, rasch arbeitender Schnellpressen für Zeitungsbedarf;
von der vierfachen, die auch andre (namentlich Alauzet) neben ihm bauten, ging er zur Rotationsmaschine über, die nach demselben
Prinzip wie die oben erwähnte Hoesche Mammutschnellpresse nicht von dem Schriftsatz, sondern von halbkreisförmigen Stereotypen
druckt, in ihrem übrigen Bau sich aber sehr wesentlich von jener unterscheidet und besonders durch Verkleinerung der Druckcylinder
größere Schnelligkeit erreicht.
Aber sowohl Marinonis als Hoes großartige Schnellpressen besaßen in der großen Zahl der erforderlichen Bedienungsmannschaft
sowie in einem sehr komplizierten System von Führungsbändern Mängel, welche bei der Eile des Zeitungsdrucks
oft störend wirkten; Abhilfe gewährte die Anwendung des sogen. endlosen Papiers beim Druck auf hierfür geeigneten Rotationsmaschinen,
letztere so genannt von der ununterbrochenen, stets in einer Richtung erfolgenden Drehung der Platten- (Stereotypen-) Cylinder
und der Druckcylinder, die niemals, wie bei andern Systemen, zu momentanem Stillstand oder Rücklauf kommen.