Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03435.jsonl.gz/2333

Neue Publikation über an Milchvieh verfütterten Industriehanf
Die Fachzeitschrift Nature Food veröffentlichte am 15. November 2022 eine vom BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung, Berlin) durchgeführte Studie über die Wirkung von Hanf auf Milchvieh und den Transfer von Cannabinoiden in die Milch. Es wurden verschiedene Szenarien untersucht und es zeigte sich, dass die akute Referenzdosis von Δ9-THC bei mehreren Gruppen von Konsumenten von Milch aus der Milchproduktion mit Hanffütterung überschritten wurde.
In der Schweiz nichts Neues
Bereits in den 1990er-Jahren hatte Agroscope (damals die Eidgenössische Forschungsanstalt für Nutztiere von Posieux, RAP) ähnliche Versuche durchgeführt. Diese Versuche (Zoller und Guidon 1999, unveröffentlichte Versuche) zeigten, dass eine gewisse THC-Dosis in die Milch überging und dass dies für bestimmte Konsumentengruppen wie Kleinkinder, die viel Milch konsumieren, eine Gefahr darstellen könnte. Aufgrund dieser Ergebnisse beschlossen die Bundesbehörden 2005, die Verwendung von Hanf als Futtermittel für Nutztiere zu untersagen. Nach dem Vorsichtsprinzip wurde dieses Verbot für alle Nutztiere erlassen, die für die Produktion von Lebensmitteln genutzt werden. Dieses Verbot wurde 2012 im Rahmen der Revision der Futtermittelbuch-Verordnung (FMBV, SR 916.307.1) bestätigt. Nach der Einführung eines THC-Höchstgehalts für den Hanfanbau dürfen aufgrund des geringeren Risikos seit 2018 Hanfsamen und daraus gewonnene Produkte als Futtermittel für Nutztiere verwendet werden, die nicht zur Milchproduktion genutzt werden. Das Verbot, Hanf als Futtermittel für Nutztiere der Milchproduktion zu verwenden, ist auch heute noch in Kraft.
Unterschied zur Gesetzgebung in der Europäischen Union
Die oben erwähnte neue Studie bestätigt die in der Schweiz durchgeführten Versuche zur möglichen Übertragung von Cannabinoiden in die Milch und zu den damit verbundenen Risiken. Sie stützt die in der Schweiz geltenden Bestimmungen, die strenger sind als in der Europäischen Union. Die Publikation vertieft das Thema zusätzlich, indem die möglichen negativen Auswirkungen von Hanf auf die Gesundheit des Tieres beleuchtet werden.
Erwähnenswert ist im Übrigen, dass die Schweiz, obwohl nicht alle Daten veröffentlicht wurden, die EFSA (European Food Safety Authority) über die Ergebnisse in Kenntnis setzte, worauf die EFSA die Ergebnisse in eine wissenschaftlichen Stellungnahme von 2011 aufnahm. Darin wird auch die Haltung der Schweiz, die sich von derjenigen der Europäischen Union unterscheidet, erwähnt und begründet. Bisher hat die Europäische Union keine Beschränkungen für die Verwendung von Hanf als Futtermittel für Nutztiere erlassen. Aufgrund der derzeit vorliegenden Studien könnten die Bestimmungen jedoch so angepasst werden, dass Höchstgehalte für THC als unerwünschte Substanz in Futtermitteln festgelegt werden.
Wagner, B., Gerletti, P., Fürst, P. et al. Transfer of cannabinoids into the milk of dairy cows fed with industrial hemp could lead to Δ9-THC exposure that exceeds acute reference dose Nat Food 3, 921-932 (2022). https://doi.org/10.1038/s43016-022-00623-7