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Lesen Sie den Nachfolgenden Beitrag von unserem geschätzten Vereinsmitglied Hans Stäbler. Er hat die Ergebnisse seiner Nachforschungen in einem Buch veröffentlicht, "Bergbau im Schams, im Ferreratal und im vorderen Rheinwald", erschien 1981 im Verlag, Freunde des Bündner Bergbaus.
An dieser Stelle möchten wir Hans Stäbler recht herzlich danken für seine grossartige Arbeit. Recht herzlichen Dank auch, dass wir diese Zusammenfassung veröffentlichen dürfen.
16 Plan Tischatscha
17 Haus Rosales
18 Schmelze Sufers
19 Schmelze Ausserferrera
20 Schmelze Innerferrera
21 Schmelze Sut Fuina
1.1 Starlera (Fe, Mn)
Die Lagerstätte Starlera ist die bekannteste Erzzone im Gebiet. Sie liegt in den Dolomitfelswänden östlich von Innerferrera, 1000 m über der Talsohle.
Die Erzzone besitzt eine typische Linsenform. Ihre grösste Mächtigkeit beträgt 12 m. Sie nimmt aber auf beiden Seiten innerhalb weniger Meter auf 4 m ab und verengt sich weiter, bis nur noch ein 20 cm breites Erzband übrig bleibt. Die Erzlinse fällt mit 25° gegen E ins Berginnere.
Der Erzinhalt kann wie folgt unterteilt werden. Die Basis der Lagerstätte bildet eine durchschnittlich 4 m mächtige Eisenerzzone. Da der Eisengehalt des Hämatiterzes nur etwa 25% beträgt, wurde sie nie abgebaut. Über ihr dehnt sich eine 8 bis 10 m mächtige massige Erzschicht aus, deren Eisenerz bis zu 60% Eisen enthält.
In dieser massigen Hämatitzone, die durchwegs einen geringen Mangangehalt aufweist, ist taschenförmig Manganerz, sogenannter Braunit, stärker konzentriert. Diese Anreicherungen erreichen stellenweise eine Oberfläche von 1.5 m2. Der Mangangehalt in diesen Taschen schwankt zwischen 20 und 50 %. Das Manganerz unterscheidet sich vom Eisenerz durch seine tiefschwarze Färbung und durch sein geringeres spezifisches Gewicht.
Erz wurde nur an der mächtigsten Stelle des Erzkörpers, und zwar ausschliesslich innerhalb des massigen Eisen-Mangan-Horizontes abgebaut. Dieser Horizont ist auf einer Breite von 10 bis 25 m gegen Osten ins Berginnere, dem Einfallen der Erzzone folgend, ausgebrochen worden. 15 m vom Grubeneingang entfernt trieb man in horizontaler Richtung einen Versuchsstollen in Nordostrichtung 6 m weit vor.
Der Quarzgehalt und die Grösse der Manganerznester nehmen, wie man an den Abbauwänden leicht feststellen kann, gegen das Grubeninnere zu.
Südlich unterhalb der Erzlinse steht noch die Bergrampe der Grubenseilbahn, aus der Abbauperiode 1917 bis 1920. Daneben sind unter einem überhängenden Felsen auch die Reste einer Arbeiterunterkunft sichtbar.
1.2 Fianel (Fe, Mn)
Eine Lagerstätte, die für Bündner Verhältnisse eine ungewöhnlich grosse Oberflächenausdehnung besitzt, stellt das Erzvorkommen Fianel dar, das auf dem gegen Norden abfallenden Plateau, nördlich unterhalb des Piz la Mazza liegt. Die vererzte Zone dehnt sich über eine Fläche von 65 x 80 m aus. Im NW wird das Lager auf einer Länge von 50 m von einer senkrechten, 12 m hohen Wand begrenzt, die vom früheren steinbruchartigen Abbau herrührt.
Das Dach der Lagerstätte besteht aus stark mit Gangart vermischtem, nicht abbauwürdigem Eisenerz. Darunter folgt eine recht kompliziert gegliederte Zone mit teilweise ähnlich reichhaltigen und gelagerten Eisen- und Manganerzen wie in Starlera. Untersuchungen während des 2. Weltkrieges ergaben, dass daraus wenigstens 100'000 bis 500'000 Tonnen Eisenerz mit einem Eisengehalt 20 - 30 % und 1500 bis 3000 Tonnen Manganerz mit 10 % Mangangehalt gewonnen werden könnten.
In Fianel erfolgte der Abbaubetrieb vor allem steinbruchartig. Die Spuren davon sind die Wand an der Nordwestseite des Vorkommens und die grossen Haufen minderwertigen Eisenerzes vor dieser Wand. Im nordöstlichen Teil dieser Abbauwand wurde noch eine 5 m tiefe Nische ausgebrochen. Weitere Spuren der ehemaligen Abbautätigkeit können nicht mehr festgestellt werden.
Neben diesem auffälligen Hauptvorkommen liegen auf dem gesamten Plateau eine grössere Anzahl weitere kleinere Erzlinsen verstreut, die zum Teil ebenfalls Abbauspuren aufweisen und durch einen heute grösstenteils verschütteten Knappenweg miteinander verbunden waren.
1.3 Tanatzhöhe (Mn)
Die Tanatzhöhe liegt südwestlich von Splügen zwischen der Tamboalp und der Splügenpassstrasse. Auf ihrer Ostseite wurde nach Manganerz gegraben. Es ist nur noch sehr wenig anstehendes Erz sichtbar. Auf den Steinhaufen längs des Weges zwischen Bodmenstafel und Nüstafel bezeugten Manganerzbruchstücke, welche nachträglich von Mineraliensammlern in grossem Stil radikal entfernt worden sind, den ehemaligen Bergbau.
Der Manganerzmangel am Ende des 1. Weltkrieges gab Anlass, etwa 10 t dieser Manganerzbruchstücke zur Verwendung in der Stahlerzeugung wegzutransportieren.[1] Nachher geriet die Fundstelle wieder in Vergessenheit, da der Mangangehalt der Erze 20 % nicht übersteigt. Erst in neuerer Zeit begann man wieder, das Gebiet nach solchen Mangererzbruchstücken abzusuchen, denn unter der Kruste von schwarzem, oxidischen Manganerz liegt ein ganz weisser bis rosafarbener, manganhaltiger Rhodonit verborgen, in den ein weiteres Mangansilikat, der gelbe Spessartin, eingelagert ist. Durch Schleifen und Polieren dieser Mangansilikate entstehen wunderbare Schmucksteine, die sich auf mannigfaltige Art zu Dekorationszwecken verwenden lassen.
2.1 Martegn - Mutalla sura (Fe)
Die Erzzone Martegn - Mutalla sura liegt auf der linken Seite des Ferreratales nördlich von Innerferrera. Sie beginnt oberhalb der Kraftwerkzentrale Ferrera auf 1500 m ü.M. Von dort lassen sich Erzausbisse bis auf 2530 m ü.M. oberhalb des Sees Mualla sura verfolgen. Die einheitliche Lagerung dieser Erzflöze lässt den Schluss zu, dass es sich hier ursprünglich um ein durchgehend zusammenhängendes Erzflöz gehandelt hat, das nachträglich durch Bewegungen des Gebirgskörpers zerrissen und später vom Gehängeschutt teilweise noch verdeckt worden ist.
Der Erzinhalt dieser Flöze besteht vorwiegend aus einem Eisencarbonat, dem gelblich-bräunlichen Siderit. Besonders in den höher gelegenen Flözteilen ist aber auch das schwarze Eisenoxyd, der von Starlera und Fianel her bereits bekannte Hämatit, vertreten. Das Eisenerz, besonders der Siderit, ist intensiv mit Quarz verwachsen, so dass der Eisengehalt eines Handstückes 30 % nie übersteigt.
Das 1 bis 5 m mächtige Erzflöz weist in seinem unteren Teil einen bis 8 m tiefen, dem einfallen des Flözes gegen Norden folgenden Abbauschlitz auf, dessen Dach während der Abbautätigkeit durch Holzpfähle gestützt wurde, die im Laufe der Zeit verfaulten und dadurch zu einem Zusammenstürzen der Abbaustellen führten. Ungefähr in der Mitte des Abbauschlitzes liess man aber zusätzlich zur Holzstütze noch einen Erzpfeiler stehen, sodass der Abbau dort noch in seinem ursprünglichen Ausmass erhalten geblieben ist.
Bei den höher gelegenen Teilen der Erzzone erfolgte der Abbau steinbruchartig. Entlang der Erzzone lässt sich stellenweise ein Knappenweg verfolgen. Unmittelbar unterhalb des Abbauschlitzes führt er an einer mit Trockenmauern ausgekleideten Röstfeuergrube und auf 2200 m ü.M. an drei Ruinen von Knappenhäusern vorbei.
2.2 Alp Samada (Fe)
Die Alp Samada liegt gegenüber der Erzzone Martegn- Mutalla sura auf der rechten Seite des Ferrertales. In ihrem Gebiet befinden sich drei kleinere Eisenerzflöze.
Das eine, ein 15 m langes, durchschnittlich 1 m mächtiges Flöz liegt oberhalb der Alphütten vom Samada sura. Es ist steinbruchartig abgebaut worden.
Bei 1800 m ü.M., unmittelbar neben dem Weg, der Innerferrera mit der Alp verbindet, baute man eine 20 m lange und 2.5 m mächtige Sideritlinse mittels eines 7 m tiefen Schlitzes ab. Als Stütze wurde in der Mitte des Abbaus wieder ein Erzpfeiler stehen gelassen. Die Sohle des Abbaus ist verschüttet und mit Wasser gefüllt. Interessanterweise baute man nur das meist sehr quarzreiche Sideriterz ab. Die aus Magnetit und Hämatit bestehende Eisenerzzone an der Basis der Lagerstätte blieb unbeachtet, obwohl ihr Eisengehalt von durchschnittlich 32 % denjenigen der Sideritmasse von 20 % deutlich übersteigt. Neben dem Abbau blieben auch noch die Ruinen eines Gerätehauses und eine Röstfeuergrube erhalten.
Der dritte Abbau befindet sich am Fusse der Felswand, gerade gegenüber der Kraftwerkzentrale Ferrera. Dieser Abbau war lange Zeit in Vergessenheit geraten. Verraten wird das kleine Bergwerk durch eine Röstfeuergrube und ein verfallenes Knappen/Werkzeughaus. Unmittelbar über diesen Ruinen war das nur 30 cm mächtige Sideritflöz, das sich etwa 50 m weit in der Felswand verfolgen lässt, ursprünglich schlitzartig ausgebrochen worden. Als aber das Dach der Lagerstätte einzustürzen drohte, wurde der Schlitz zugemauert und mit Holzpfählen gestützt. Man trieb oberhalb einen Stollen vor, der 20 m weit, dem Erzflöz folgend, ins Berginnere vorstösst. Den Stolleneingang erreicht man über ein schmales, exponiertes Felsband, das der Wand entlang verläuft.
2.3 Sut Fuina - Unter dem Herd (Fe)
Auf der gegen das Val Mulin abfallenden Nordwestflanke des Piz Grisch oberhalb der Alp Sut Fuina befindet sich die gleichnamige Erzlagerstätte. Von SE gegen NW lässt sich dort ein 250 m langes Erzflöz verfolgen, dessen Mächtigkeit zwischen 0.5 und 8 m schwankt. Das Flöz fällt ziemlich steil gegen SE ins Berginnere ein. Sein Erzinhalt besteht auch aus einer verquarzten Sideritmasse mit einem durchschnittlichen Eisengehalt von 20 %.
Im Osten besitzt das Lager auf einer Strecke von 100 m eine Mächtigkeit von 2 bis 4 m. Es ist dort mittels eines 2 bis 5 m breiten Grabens bis in eine Tiefe von 7 m abgebaut worden. Am Ostende schwillt das Lager sogar zu 8 m Mächtigkeit an, was zum Vortrieb eines kurzen Stollens Anlass gab. Auch in der Nähe des Westendes wurde eine 6 m lange und 5 m hohe Nische ausgebrochen. Nach diesem ersten 100 m langen Erzausbiss hört die Abbauwürdigkeit des Lagers auf. Nach 80 m schwillt das Flöz plötzlich wieder auf 2 m Mächtigkeit an, und es wurde wieder in Form eines 3 m tiefen Grabens ausgebeutet.
In der Nähe der beiden Enden des Hauptabbaus stehen zwei kleine, verfallene Werkzeugschuppen. 150 m südöstlich des Vorkommens sind noch die Grundmauern eines grösseren, in drei Räume aufgeteilten Knappenhauses sichtbar. Vom Bergwerk zur Alp Sut Fuina führt teilweise über einen Moränenwall ein noch gut erhaltener Knappenweg, der an verschiedenen Stellen durch das Erzziehen metertief ausgehöhlt ist.
2.4 Schmorrasgrat (Fe)
Der Schmorrasgrat hinter der Alp Sut Fuina und Alp Mos bildet die Grenze zwischen dem Ferreratal und dem Oberhalbstein. Auf ihm lässt sich mit Unterbrüchen ein zwischen 0.5 und 2 m, stellenweise sogar 5 m mächtiges Flöz verfolgen, dessen Erzinhalt vor allem aus Hämatitquarzit mit einem Eisengehalt von durchschnittlich 10 % besteht. Innerhalb dieses minderwertigen Erzes treten schmitzenartige Eisenerzkonzentrationen mit einem Gehalt von 50 % auf, die an mehreren Stellen zu einem steinbruchartigen Abbau Anlass gaben. Der grösste Teil der gewonnenen Erze konnten wegen seinem geringen Eisengehalt nicht abtransportiert werden und liegt noch heute aufgehäuft neben den Abbaustellen. Im Mittelabschnitt des Grates, unterhalb der Hauptabbaustelle, steht auf der Oberhalbsteiner Seite ein verfallenes Knappenhaus. Grubenwege sind keine mehr sichtbar.
2.5 Weitere Vorkommen
Neben diesen grösseren Vorkommen weisen auch unbedeutendere Eisenerzlager Abbauspuren auf. Die wichtigsten sind hier kurz erwähnt:
Im Val Sterla südöstlich oberhalb Innerferrera schürfte man zwei Eisenerzflöte an, die auf 2400 bzw. 2000 m ü.M. liegen. Der Inhalt des oberen Flözes besteht vorwiegend aus Hämatiterz, während im unteren ausschliesslich ein sehr quarzhaltiger Siderit ansteht.
Auf dem Grat Salegn, südlich unterhalb des markanten Piz la Tschera oberhalb Andeer weist der Roffnagneis zahlreiche unregelmässig angeordnete, 2 bis 15 cm breite Erzschmitzen auf. Ein 15 m langer, überwachsener Abbauschlitz zeugt möglicherweiser von Bergbauversuchen in frühester Zeit. Die Spuren ehemaligen Bergbaus werden hier überlagert und verdeckt durch ein ausgedehntes Schützengrabensystem, welches im 1. Weltkrieg entstanden ist.
Auch im Surettatal, das sich vom Westende der Rofflaschlucht gegen Süden zur italienischen Grenze hinzieht, lassen sich Abbaustellen beobachten. Die eine, ein verstürzter Stollen, der zumindest am Anfang Moränenmaterial durchörtert und in seinem Aushubschutt keine Erzspuren aufweist, liegt auf dem Nordostgrat des Rothörnlis auf der linke Surettatalseite. An der rechten Talseite, in der Runse nördlich des Chli Hirli, versuchte man mittels eines 20 m langen Stollens einige schnuratige, höchstens 10 cm breite Hämatiteisenerzeinlagerungen abzubauen. Bei dem vom Alpweg im Surettatal aus gut sichtbaren Stollen am Fusse der Felswand unterhalb des Chli Hirli handelt es sich nur um einen Versuchsbau, der nirgends eine Vererzung anfährt.
Eine spezielle Abbaustelle befindet sich im Gebiet des "Rotgrinds", dem Nordwestausläufer des Surettahorns. Neben zwei kleinen Pingen ist auf 2160 m ü.M. gegen WNW ein Stollen ins Berginnere vorgetrieben worden, welcher teilweise ein 1.5 m hohes Stollenprofil besitzt. Teilweise ist das Stollenprofil durch Gletscherschlickansammlungen soweit aufgefüllt, dass man nur noch kriechend weiter vordringen kann. In 50 m Tiefe verengen die Gletscherablagerungen den Stollen derart, dass ohne zu graben ein weiterer Vorstoss verunmöglicht wird, obwohl die Stollenbrust noch lange nicht erreicht ist. Dieser vermutlich über 100 m tiefe Bergwerksstollen ist beim markanten Vorstoss aller Rheinwaldner Gletscher in den 1850er Jahre vom Eis des Surettagletschers überflutet worden. Der Surettagletscher hat dabei auch die typische, jede Abbaustelle verratende Abraumhalde beim Stollenmundloch weggeschrämmt. Darum blieb dieser Stollen lange Zeit "unentdeckt", obwohl er dem Vegetationsstand und seiner Umgebung nach zu schliessen, vor etwa 60 Jahren vom Gletschereis wieder frei gegeben worden ist.
Neben dem Mangenerzvorkommen in Starlera sind wohl die zwei Buntmetallerzbergwerke am bekanntesten. Das eine von ihnen liegt bei der Alp Taspegn östlich oberhalb von Zillis, und das andere befindet sich auf dem Gebiet der Alp Ursera auf dem Nordausläufer des Piz Hirli zwischen Hinter- und Averserrhein.
3.1 Taspegn
In den Felsköpfen von Tschaingla nördlich der Alphütten von Taspegn weist das Gestein regellose Einlagerungen aus den Gangarten Baryt und Quarz auf. Diese können von wenigen Zentimetern bis zu 2 m Mächtigkeit erreichen. An einzelnen Stellen besitzen sie wegen ihrer Längenausdehnung sogar flözartigen Charakter. Innerhalb dieser Einlagerungen oder in ihrer näheren Umgebung treten Blei-, Kupfer- und Eisenerzschnüre auf, deren Dicke zwischen wenigen Millimetern und 5 cm schwankt.
Beinahe alle diese Einlagerungen baute man mit Hilfe von Schlitzen und einer Anzahl 5 bis 20 m langen Stichstollen ab. Die intensivste Abbautätigkeit fand gegenüber den Alphütten von Taspegn statt. Dort lassen sich von der Brücke über den Taspegner Bach an gegen SW 100 m weit vererzte Baryteinlagerungen beobachten. Zuoberst wurde das 2 m mächtige Baryt-Bleierzlager mit einer 5 m tiefen Nische ausgebeutet. Das gleiche Flöz fuhr man 25 m weiter nördlich mit einem 25 langen Stollen an. Ganz unten am Bach wurde ein weiterer Stollen gegen das oben erwähnte Lager vorgetrieben. Am unteren Ende des beschriebenen Vorkommens finden sich noch zwei 5 cm dicke Äderchen, die man im Tagbau terrassenförmig abbaute. Bei dieser Arbeit mussten ungeheure Mengen wertloses Nebengestein gelöst werden, was natürlich eine Rentabilität des Abbaus erschwerte bzw. verunmöglichte.
Dieses Beispiel hier zeigt ganz klar die Problematik, mit der vor allem die Buntmetallerzlager in unserer Region behaftet sind:
- ungünstige hoch im Gebirge gelegen
- kleine Ausdehnung, intensiv verwachsen mit viel wertlosem Nebengestein.
Die Vererzungen im zweiten Bereich des Vorkommens entspricht nicht den übrigen Zonen in Taspegn. Findet man normalerweise innerhalb der Gangart Quarz und Baryt, wobei der Baryt vorherrscht, in unterschiedlichen Mengenverhältnissen Blei-, Zink- und Kupfererze mit einem geringen Silbergehalt verteilt, so tritt in dieser Zone der Baryt stark zurück. Seine Stelle nimmt eine starke Verquarzung ein, die von feinen, gelben, von Auge kaum unterscheidbaren Eisenerzkörnern (Pyrit) durchsetzt ist. Die Pyritkörner treten stellenweise nestartig angereichert auf. Diese stark pyritisierten Stellen sind an den rostbraun angewitterten Gesteinspartien, die dem Vorkommen seine charakteristische von den übrigen Zonen abweichende Färbung verleihen, gut zu erkennen.
Im östlichen Teil des Vorkommens weist der grundsätzlich weisse Quarz eine gräuliche Färbung auf. Hervorgerufen wird diese Farbänderung durch von Pechblende ausgehender radioaktiven Strahlungen, die an einigen Stellen die 15fache Intensität der Umweltradioaktivität erreichen. Solche extremen Werte können jedoch nur an wenigen Punkten gemessen werden. Die durchschnittliche Strahlungsintensität liegt bei etwa fünffacher Umweltradioaktivität. Diese radioaktiv strahlenden Stellen konnten trotz intensiver Untersuchungen während einer Zeit, in der die Energiegewinnung aus Atomkraftwerken noch nicht so verpönt war wie heute, nur in einer 1.5 m breiten und 5 m hohen Zone der Abbauwand nachgewiesen werden.
3.2 Ursera
Das Bergwerk Ursera übertrifft den Umfang der Abbautätigkeit in Taspegn wesentlich. Die Gesteinsunterlage in diesem Gebiet besteht aus Roffnaporphyr (im Volksmund fälschlicherweise als Andeerer Granit bezeichnet). An verschiedenen Stellen sind diesem Porphyr Dolomitkeile eingelagert, die von SW gegen NE verlaufen. Bei einigen Keilen grenzt der Dolomit an der Nordseite nicht direkt an den Porphyr, sondern dazwischen liegt noch eine 0.5 bis 2 m breite Quarzschicht, in der Kupfererz eingelagert ist. Die Konzentration dieses Kupfererzes im Quarz ist grossen Schwankungen unterworfen. Meistens weist es so eine feine Verteilung auf, dass der ursprünglich weisse Quarz eine schmutziggraue Reflexfarbe erhält, die durch die mikroskopischkleinen Erzeinlagerung hervorgerufen wird. Selten konzentriert sich das Erz in 2 bis 5 cm grossen Nestern. Auch die schwächsten Vererzungen werden an der Gesteinsoberfläche durch grüne und blaue Oxidationserze, dem Malachit und dem Azurit, gekennzeichnet. Diese kräftigen Oxydationserze verleiteten früher, als man noch keine oder nur ungenaue Erzanalysen durchführen konnte, zum Schluss, man hätte es mit einer reichhaltigen Vererzung zu tun, obwohl der Erzgehalt im Normalfall verschwindend klein ist. Durchschnittlich macht das Erz in einem vererzten Quarzstück nur 1 - 2 Volumenprozente aus. Das reine Kupfererz besitzt einen Kupfergehalt von 32.5 %. Im Kupfererz lässt sich ähnlich wie in Taspegn im Bleierz ein leichten Silbergehalt feststellen, der im reinen Erz durchschnittlich 1.5 ‰ beträgt.
Die vererzten Quarzzonen wurden mit einem Stollensystem, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gut 1200 m lang war, abgebaut. Heute sind noch wenige 100 m dieser Stollen begehbar.
Den Hauptabbau im Grubengebiet finden wir im westlichen oberen Teil. Die vererzte Zone ist dort mit drei Stichstollen, dem Rebasso-, Cantina- und Metacalcinastollen, angefahren und ausgebeutet worden.
Eine recht umfangreiche Grube befindet sich in der Umgebung des P 1530. Die vererzte Zone liegt hier bedeutend flacher als im Hauptabbaugebiet. Sie wurde mit einem 200 m langen Stollenlabyrinth, dem sogenannten Bethlehemstollen, abgebaut.
Der längste und gleichzeitig rätselhafteste Stollen im Grubengebiet von Ursera ist der Römerstollen. Er liegt auf der Nordseite der Erosionsrinne im Steilabsturz zum Val Ferrera. Obwohl nirgends eine Vererzung sichtbar ist oder angefahren wurde, trieben die Bergleute den Stollen 200 m gegen Norden vor und untergruben dabei das Bethlehemstollensystem. Vermutlich hoffte man, in der Tiefe ein reichhaltiges Erzlager anzutreffen, obwohl keine diesbezüglichen Anzeichen vorhanden waren und die Hoffnungen der Bergbaubetreiber geologisch nur schwer begründet werden können. Die Anlage dieses Römerstollens ist eines von vielen Beispielen bei uns, die zeigen, wie in geschichtlicher Zeit ohne Sachverstand planlos auf gut Glück eine teure Schatzgräberei betrieben wurde!
Neben den erwähnten Abbaustellen gibt es noch zahlreiche weitere, meistens eingestürzte Stollen und Oberflächenschürfungen, die von einem intensiven Bergbau zeugen.
Am Fusse der Abraumhalde von Rebasso-, Cantina- und Metacalcinastollen befinden sich die Ruinen von zwei Knappenhäusern, von denen wenigstens eines drei Stockwerke besass. Von diesen Knappenhäusern führt das noch gut sichtbare Trassee einer Holzschienenrollbahn gegen Osten zur Seilbahnbergstation über dem Steilabsturz in Val Ferrera, die um 1865 zum Abtransport der Erze in die Schmelze von Ausserferrera diente. Im Rebassostollen sind noch Reste von Holzschienen und von Holztücheln und Holzrinnen, die der Stollenentwässerung dienten, erhalten geblieben.