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Sie schlagen in langsamem, gleichmässigem Rhythmus auf eine riesige Trommel, halten mit dem Rüssel einen Klöppel für das überdimensionierte Marimbaphon oder lassen in spannungsvoll bemessenen Abständen den grossen Gong ertönen: Im «Thai Elephant Orchestra» von Lampang spielen bis zu 16 Elefanten an grossen, eigens für sie gefertigten Instrumenten.
Im Jahr 2000 haben der in Thailand tätige Elefanten-Experte Richard Leir und der New Yorker Neurologe und Musiker David Sulzer das Elefanten-Orchester gegründet.
Sulzer sorgte in der Folge dafür, dass Aufnahmen des Orchesters auf CD erschienen. So wurde das Elefanten-Orchester international bekannt.
Warum Elefanten trommeln lernen
Die Idee, Elefanten musizieren zu lassen, entstand aus einer Not heraus: die Arbeitselefanten hatten über Jahrhunderte in der Holzfällerei wichtige Dienste geleistet. Aber als das Fällen der Teakbäume und der Export von Edelhölzern verboten wurde, wurden die Elefanten – und damit ihre Mahouts, die Elefantenführer – plötzlich arbeitslos.
Das bedeutete für die Mahouts einen immensen Statusverlust und den drohenden Abstieg in die Misere. Da die Dickhäuter ein relativ hohes Alter erreichen, ging es darum, sinnvolle Tätigkeiten für die Elefanten zu finden und eine neue Einkommensquelle für die Mahouts zu erschliessen.
2011 erschien das Album «Water Music», auf dem ein paar Tracks mit «Elefantenmusik» sind. Die Stücke lassen aufhorchen.
Die Wahl der Instrumente, in Anlehnung an das traditionelle Instrumentarium der thailändischen Musik, sorgt für Klänge, die an ein improvisierendes Ensemble erinnern. Als ob eine Avantgarde-Band aus der Region die traditionelle Tempelmusik neu interpretieren würde.
Auch ein namhafter New Yorker Musikkritiker liess sich von David Sulzer aufs Glatteis führen und nahm die Töne aus Lampang als menschliche Musik wahr.
Von der Einzelhaltung zur matriarchalen Herde
Warum also wird das erfolgreiche Konzept nicht auch an anderen Orten ausprobiert, wo Elefanten in Gefangenschaft gehalten werden?
Alex Rübel, seit 25 Jahren Direktor des Zoos Zürich, war selbst in Thailand und hat die musizierenden Elefanten beobachtet. Er stellt klar: «Die Haltung von Wildtieren, speziell Elefanten, hat sich in den letzten fünf Jahrzehnten grundlegendst gewandelt.»
Man sei zunächst von der Einzeltier- zur Gruppenhaltung übergegangen, dann habe man die Fussfesseln entfernt. Danach, so Rübel, sei der Übergang zur Haltung von Elefanten-Familien erfolgt, wozu man auch einen Bullen halten müsse. Dazu brauchte es ganz andere bauliche Einrichtungen.
Nicht der Pfleger bestimmt, sondern die Mutter
Bullen werden nicht mehr in direktem Kontakt mit den Tierpflegern gehalten, da dies immer eine Gefahr darstellt. Schliesslich vollzog man in Zürich mit der Eröffnung der neuen Elefantenanlage «Kaeng Krachang» den Schritt zur selbstorganisierten, matriarchal geführten Elefantenherde. Der Kontakt zu den Tierpflegerinnen und Pflegern findet dabei immer nur durch das Gitter statt.
«Bei den Elefanten in Thailand», sagt Alex Rübel, «ist immer ein Mahout dabei. Da ist der Mahout der Chef. Bei uns ist nicht mehr der Mensch der Chef, sondern die älteste Elefantenkuh».
Auch im Basler Zoo werden die afrikanischen Elefanten seit 2016 nach diesen Prinzipen des «protected contact» gehalten, und auch hier soll ein Elefantenbulle in Zukunft für Zuchterfolge sorgen, wie sie mit asiatischen Elefanten in Gefangenschaft erzielt worden sind.
Die Herde organisiert und beschäftigt sich selbst
Braucht es für diese Tiere dann keine «Musiktherapie»? Weder der Basler Kurator Adrian Baumeyer noch Alex Rübel sehen dafür eine Notwendigkeit.
«Eine Therapie braucht es ja nur, wenn eine Krankheit vorliegt» sagt der Veterinär und Zürcher Zoodirektor, «und unseren Elefanten geht es gut in dieser neuen Anlage. Sie haben sehr bald gelernt, sich selber zu organisieren und beschäftigen. Sie kommunizieren mit Tönen untereinander – da kann man verfolgen, wie die Mutter der jüngeren Elefantenkuh befiehlt, sie solle jetzt auf das Kleine beim Baden aufpassen, und so weiter.»
«Das Elefantenorchester ist eine Art Dressur – wie auch das Bildermalen der Elefanten, das in Lampang ebenfalls zu sehen ist. Im Zoo wollen wir heute ein Wildtier aber möglichst in seinem natürlichen Verhalten zeigen.»
So dürfte das «Thai Elephant Orchestra» auf absehbare Zeit das weltweit einzige seiner Art bleiben.