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Hin und wieder kommt Sanoj mit dem Motorrad im kanthari Campus vorbei, um die neuen kantharis kennenzulernen. Und vor zwei Jahren nahm er meine damals bereits 80-jährige Mutter auf eine Spritztour durch Kerala mit. Es war kurz vor Weihnachten, gegen Ende des zweiten Monsuns. Den ganzen Tag hatte es geregnet. und als sie spät am Abend noch nicht wieder Zurück waren, begann Paul sich Sorgen zu machen. Um zwei Uhr nachts quietschte das Hof-Tor und meine Mutter war wieder zurück.
Sie war begeistert. Sanoj hatte ihr seine Heimat gezeigt und gemeinsam mit den Verwandten gingen sie durchs Dorf und sangen kommunistische Weihnachtslieder. «Was für ein Abenteuer.»
Sanoj ist kanthari Absolvent von 2014, aber wie kaum ein anderer, ist er ein geborener Abenteurer. Durch seine Reiselust lernte er Indien kennen. Mit dem Zug fuhr er in entlegene Gegenden und begegnete einem Phänomen, dass er aus seinem Heimatstatt Kerala nicht kannte: Railway-Children. (Eisenbahn-Kinder).
Man sieht sie, besonders im Norden Indiens auf den Bahnsteigen der größeren Stationen. Sie ernähren sich von Abfällen oder sie betteln um Geld und Lebensmittel. Oft sind sie schon im jungen Alter drogen- oder alkoholabhängig. Viele der Kinder sind von Zuhause weggelaufen. Sie flüchten vor Missbrauch und Armut, und manche leben mit ihren Eltern in den Bahnhöfen. Hier handelt es sich um Eltern, die selbst noch Kinder sind.
Sanoj studierte Sozialwissenschaften und hatte nach seinem Studium die Möglichkeit, als Projekt Koordinator bei der St Thomas Social Service Society unterschiedliche Strassenkinder Projekte zu beaufsichtigen. Dann beobachtete er eine bedrückende Begebenheit, die sein Leben beeinflusste: Auf einem Bahnsteig entdeckte er eines der Eisenbahnkinder. Es war ein Junge, der sich in Zuckungen wandte. Sanoj erkannte sofort, dass es sich um einen epileptischen Anfall handelte.
«Diese Szene hat mich in meine eigenen Kindheitserinnerungen zurückversetzt. Ich habe sehr unter Epilepsie gelitten. Wenn ich daran denke, sehe ich Bilder von Krankenhauszimmern, ich rieche Desinfektionsmittel. Aber ich erinnere mich auch an die Liebe und Fürsorge meiner Familie und meiner Freunde. Ärztliche Behandlung gepaart mit Menschlicher Wärme, das hatte mich wieder geheilt. Und ich konnte mir vorstellen, wie einsam sich dieser Junge in seinem Anfall fühlen musste. Das war der Ausschlaggebende Punkt: «Ich wollte mein Leben den Railway-Children widmen.»
Vor kurzem wurde Sanoj und seine Arbeit, aber besonders die Hingabe zu den verlassenen Kindern in einem ausführlichen Artikel gewürdigt. Ich möchte hier nicht weiter vorgreifen. Der Artikel ist wichtig, besonders auch wie er Sanojs Bedürfnis beschreibt, genau wie die Kinder auf den Bahnhöfen leben zu wollen. Ich weiß noch sehr gut, wie er mich nicht lange nach seiner Graduierung von kanthari anrief und mir von dem Erlebnis erzählte. Wie er gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen unter Treppenabsätzen und in Nischen, in Staub und Dreck übernachtete. Er teilte mit ihnen das «Trinkwasser» und die, aus den Abfalleimern geklaubten Lebensmittel. Und dann wurde er krank, so krank, dass er das «Experiment» aufgeben musste.
«Ich bin einfach nicht so stark wie die Kinder.» Meinte er am Telefon. Er klang traurig. Doch er gibt nicht auf. Er gründete Child in Rail und setzt seinen Lebenstraum Stück für Stück um.
Lesen Sie im folgenden Artikel mehr über Sanoj und die Kinder der Indischen Eisenbahn: