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Ein Mann namens H. Runge (Heinrich Runge?) veröffentlichte im 19. Jahrhundert einen Artikel über den so genannten Quellkultus in der Schweiz. Damit gemeint ist die Verehrung von Flüssen, Seen und Quellen. Ganz interessant sind natürlich die Beispiele aus meiner Region. Ich habe sie direkt aus dem Dokument kopiert und gebe sie hier unredigiert wieder:
Ein anderer, einst von allen Reisenden besuchter, jetzt indess fast vergessener Brunnen ist derjenige auf Engstlen-Alp (Bern). Er fliesst nur im Sommer drei bis vier Monate lang (ist also ein sogenannter Zeitbrunnen), aber dann auch nicht immer, sondern er steht oft mehrere Stunden lang ab und kömmt darauf wieder mit unterirdischem Geräusch hervor, so stark, dass er ein Mühlrad treiben könnte. Man behauptete von ihm, dass er Menschen und Thieren ausserordentlich wohl thue und niemals schade; auch fliesse er so sanft über die Alp, dass er nicht einmal den Thau von den Pflanzen abspühle. Von ihm erzählt Scheuchzer in der zweiten und fünften Bergreise die Sage, dass er oft auf lange Zeit ausbleibe, wenn etwas Unreines hineingeworfen oder darin gewaschen werde.
Eine sehr merkwürdige Tradition haben wir von dem Todtenbächlein zu St Stephan im Saanenthal, einer starken Quelle, welche am Eingange des Kirchhofes hervorquillt und sofort eine Mühle treibt. Sie soll sich nämlich bei Wetterverände run gen trüben und dann mehrere Stunden lang einen weissen Stoff auswerfen, bei schönem Wetter aber klar sein. Ausserdem glauben aber auch die Einwohner, dass bald nach Eintritt der Trübung Jemand aus der Gemeinde, sterben muss und dass die Quelle früher auch den Eintritt der Pest geweissagt habe.