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Perth - Alice Springs
Wie erwartet, trifft die Typenzulassung von Canberra für
den OKA nicht rechtzeitig ein.
Das bedeutet, dass wir für den OKA auch weiterhin keine Autonummer
lösen können.
Da Ruedi bei OKA offiziell als Testfahrer angestellt
ist, dürfen wir zwar den OKA zu "Testzwecken" mit der Garagenummer
fahren, aber diese ist nur in Western Australien gültig.
Damit wir trotzdem zeitgerecht in Alice Springs sein können,
um unseren Kollegen das benötigte Material zu bringen und
um mit ihnen das Red Centre zu bereisen, stellt und OKA einen
alten
Toyota
75-Series Bushcamper mit 380'000 km auf dem Tachometer
zur Verfügung.
Wir haben betreffend der Route keinerlei
Auflagen und dürfen alles fahren was wir wollen. Bei den
Mietfahrzeugen, auch bei den Allrad-Campern, ist das sonst
nicht der Fall.
Wir installieren eines unsrer GPS Geräte und ein UHF-CB Funkgerät.
Susi näht
Sitzbezüge für die Plastik Sitze aus Ninja Turtle Badetüchern.
Da auf diesen in grossen Buchstaben "Dude" steht, nennen wir fortan
unseren Toyota so.
Wir packen alles Material in den "Dude".
Er ist übervoll
mit Material und wir wissen bereits jetzt, dass wir uns jeden
Abend hassen werden,
wenn
wir vor
dem ins Bett gehen erst den halben Wagen umpacken müssen
....
Aber damit werden wir leben müssen, bis wir den OKA (hoffentlich) nach Alice
Springs geliefert bekommen.
Wir verlassen Perth am Dienstag, den 4. Juli 2006.
Da es
in den vergangenen Tagen auf der Great Central Road, welche
von Kalgoorlie zum Ayers Rock führt, geregnet hat, können
wir diese Strecke nicht nehmen.
Also müssen wir den längeren Weg über den Asphalt nehmen.
Er
führt
in östlicher Richtung der Südküste entlang durch die Nullarbor
in Richtung Adelaide, und später nordwärts auf dem Stuart Highway über
Coober Pedy nach
Alice Springs.
Also verlassen wir die Gegend um Perth über den Brookton
Highway und erreichen schon bald die Australische Kornkammer
(wheat belt).
Die Dürre ist enorm.
Einige Farmer haben dieses Jahr nicht einmal angesät und die Felder sind
unbestellt.
Trotzdem haben einige den Humor nicht verloren ....
Auf dem Weg sehen wir inmitten eines Feldes ein Denkmal:
Einen UTE (Utility = Brückenfahrzeug)
mit einem Hund auf der Ladebrücke. Beim Hundefriedhof
in Corrigin lernen wir mehr darüber.
Das Denkmal erinnert an den Weltrekord der Hunde-im-Brückenfahrzeug-Schlange
(= Cobber Dog in a ute queue), welcher am 31.10.1998 erstellt
wurde.
Damals sind 699 Brückenfahrzeuge mit je mindestens
einem Hund auf der Ladebrücke in einer 7 km langen Prozession
Stossstange an Stossstange durch Corrigin gefahren, um Geld
für
den Fliegenden Ärzteservice (= Royal Flying Doctor Service)
zu
sammeln. Sie brachten 20'000 AUD zusammen.
Dieser Rekord brach den von Victoria gehaltenen Rekord von
325 Fahrzeugen.
Im Jahre 2000 holte Viktoria den Rekord wieder zurück, mit
797 Brückenfahrzeugen und gesammelten 560'000 AUD für
einen guten Zweck.
Das liess Corrigin nicht auf sich sitzen. Im April 2002
brach Corrigin den Rekord mit
1527 Brückenfahrzeugen.
Der Corrigin Hundefriedhof
ist auch sehr speziell.
Er entstand als
Paddy Wrights bester Hundefreund "Strike" starb.
Er fragte bei der Gemeinde um eine Grabstätte für
seinen Hund an und es wurde ihm erlaubte, auf diesem
Gelände
seinen Hund zu beerdigen.
Als Alan Hendersons Hund verstarb hat er ihn auch hier begraben
und sogar einen Grabstein darauf gestellt.
Er hat dann für
beide ersten und alle darauf folgenden Gräber gesorgt,
womit der Corrigin Hundefriedhof entstand.
Wir
nehmen uns die Zeit einige der Hundegräber zu besichtigen
....
... und die der Katzen.
In Kondinin treffen wir auf einige spezielle
Mitglieder dieser Gemeinde .......
Die erste Nacht im "Dude" ist eine eigentliche Herausforderung
...
Wir haben noch keine Erfahrung mit der Einrichtung und dem Material. Laufend
packen wir um und reorganisieren.
Hast Du schon einmal im oberen Teil eines Bushcampers
geschlafen?
Der Raum ist etwa 60 cm hoch und 130 cm breit.
Um rein zu kommen muss man erst mal auf die Küchenkombination steigen
um sich dann noch fertig hoch zu wuchten.
Es ist ein grosser Unterschied zum OKA, wo wir ein Bett mit 140 cm Breite haben
auf dem man bequem sitzen kann und wo man auch ohne Bergsteig-Erfahrung ins
Bett kann.
Susi ist frustriert.
Währen der Nacht fällt die Temperatur unter 10°C und die Feuchtigkeit kondensiert
im Wageninneren.
Susis Schlafsack wird vom Kondenswasser nass und so friert sie.
Am nächsten
Morgen ist sie bereit "nach Hause" zugehen ... und wo wär das
bitte?
Ruedi schafft es sie zu beruhigen und verspricht, dass es mit den mitgeführten
Fliessdecken währen der nächsten Nacht sicher wärmer sein wird.
In Hyden sind wir glücklich, dass
die Hyden - Norseman Road wegen des Regens nicht geschlossen
ist.
Bis
etwa zum Wave Rock Asphaltstrasse, danach
eine Naturstrasse.
Der Wave Rock ist eine Felswand, welche vom Wind erodiert
wurde und wie eine Welle aussieht. Sie
hat uns bei unserem ersten
Besuch im 1995
nicht gerade umgehauen, weshalb einen zweiten
Besuch auslassen.
Da wir noch nicht wissen wie sich "Dude" auf
Naturstrasse zu benehmen gedenkt, sind wir erst etwas vorsichtig
und hoffen, dass wir den Reifendruck
nicht verringern müssen (na, um wie viel denn bitte??).
Aber unsere Bedenken sind umsonst.
Die Strasse wird grösstenteils von den Minen
unterhalten und ist in gutem Zustand, mehr ein Highway als eine Dreckstrasse.
Wir sehen viele touristische Hinweistafeln am Wegrand.
Auch der Holland Track, welchen wir irgendeinmal fahren möchten, endet
auf dieser Strasse.
Etwa 100 km vor Norseman fahren wir durch herrliche Wälder bestehend
aus Salmon Gums (Eukalypten mit lachsroten Stämmen und Ästen).
Auch
hat es einige Salzseen mit guten Bushcamps.
Wir werden hier sicher nochmals vorbeikommen und alles genauer ansehen. Jetzt
haben wir's eilig.
Wir verbringen die Nacht auf dem Norseman Caravan
Park und stellen unser neues Zelt als Schutz vor dem kalten
Wind auf.
Heute Nacht fällt das Thermometer auf 4°C. Susi bewaffnet sich mit
Fleecedecken und Fleecesocken.
Der Schlafsack bleibt tatsächlich trocken, aber am Morgen ist die Oberfläche
der Fleecedecke übersäht mit Kondenswasserperlen.
Am Morgen sehen wir, dass "Dude" Kühler
Wasser verliert.
Die Schotterstrasse hat bereits seinen Zoll gefordert ...
In der lokalen Garage finden sie heraus, dass lediglich einige
Briden ersetzt oder festgezogen werden müssen.
Da
es sich um ein Leihfahrzeug handelt, basteln wir, solange
es sich
verhindern lässt, nicht selber daran herum.
Auch bemerken sie, dass die vordere Schutzplatte fehlt.
Da sie aber hier keine
als Ersatzteil haben, werden wir sie erst in Alice Springs in der Toyota Vertretung
ersetzten lassen können.
In der Garage reparieren sie hauptsächlich
die Fahrzeuge der lokalen Goldminen. Wir sehen an einigen
Beispielen, welchen Schaden Salzwasser anrichten kann
....
Wir fahren zum Aussichtsplatz und finden Norseman mit den
umgebenden Seen eine kleine, aber nicht weniger interessante
Ortschaft.
Da es sich bei allen Seen um Salseen handelt, muss das Wasser für den
Minenbetrieb
über Pipelines einige 100 km weit hergebracht werden.
Auch lesen wir die Geschichte des Pferdes "Norseman" welches
hier zufällig den ersten Goldbrocken gefunden hat. Der
Fund löste den hiesigen Goldrausch aus.
Die Minen sind auch heute immer noch in Betrieb, aber die Bergarbeiter leben
nicht mehr hier. Sie werden von den Betreibern ein- und ausgeflogen.
Norseman ist das Tor zur Nullarbor
(= keine Bäume).
Als gute Touristen, haben wir natürlich auch die verschiedensten
Strassesignale zu photographieren.
In Western Australia hat es auf den Wild-Warntafeln Kängurus, Kamele und
Emus, in South Australia Kängurus, Kamele und Wombats.
Auch befahren wir hier Australiens längsten geraden Strassenabschnitt.
Wegen den vielen kleinen Hügel, über welche er führt, ist es
nichts Besonderes.
Auch ist der Unterschied zu anderen Abschnitten, welche
auch nur
alle paar
Kilometer eine kleine Kurve aufweisen, nur unwesentlich.
Wir kommen bis Caiguna, wo wir draussen
in der Pampas übernachten.
Nach Sonnenuntergang wird es rasch kalt.
Ruedi spielt noch Gitarre, aber auch dafür wird es schon bald zu kalt.
.
Nach einer weiteren kalten Nacht mit 4°C Aussen- und 9°C
Innentemperatur erwachen wir am Morgen zu einem weiteren
sonnigen Tag.
Die Feuchtigkeit ist heute Morgen so hoch, dass man sogar
Regenbogen sehen kann.
Wir fahren weiter auf der Nullarbor und sehen überraschend
viele Wedge
Tailed
Eagles (Keilschwanz Adler).
Da viele Lastwagen die ganze Nacht durchfahren, hat es am Morgen jeweils viele
neue, tote Tiere auf und neben der Strasse. Das zieht die Raubvögel an, da
diese frisches Fleisch bevorzugen.
Die riesigen Vögel verlassen ihren Futterplatz jeweils erst kurz bevor
wir an ihnen vorbeifahren. Damit können wir uns die Tiere aus der Nähe
ansehen.
Einige von ihnen haben eine enorme Spannweite.
Am Madura Pass halten wir kurz an um die
schöne Aussicht zu geniessen.
Dort finden wir einige Blumen, wovon eine von Susi, mit
Hilfe des Blumenbuches bestimmt werden kann:
der Wüsten Hopfenbusch (Dodonaea
viscosea
ssp.
angustissima).
Die anderen .... lasst es uns wissen, falls
ihr sie kennt.
Wir wundern uns, wie die Pflanzen in dieser unwirtlichen Gegen überleben können.
Wahrscheinlich reicht ihnen aber der morgendliche Tau dazu.
Faszinierend finden wir die Landebahn des Royal Flying Doctors
Services.
Der Highway wird einfach über eine gewisse Distanz verbreitert, so dass
sie mit ihren Pilatus Flugzeugen zur Aufnahme von Patienten sicher starten
und landen können.
Wir überqueren die Grenze zu South
Australia und passieren die diesseitige Quarantänestation.
Hier werden nur die Fahrzeuge welche von SA nach WA unterwegs
sind überprüft.
Da wir noch einige Früchte und etwas Gemüse bei uns haben, halten
wir am nächsten
Parkplatz an, schälen alles, schneiden es in Stücke und werfen die Überreste
in die lokalen Abfallkübel.
Anhand der Informationen, welche wir in Norseman bekommen hatten, genügt
das.
Mit gutem Gewissen fahren wir weiter.
Ebenfalls müssen an dieser Grenze die Uhren 1 1/2 Stunden
vorgestellt werden.
Bei der ersten Wild-Warntafeln sehen wir, dass in South
Australia wirklich andere Tiere drauf sind.
Hoffentlich wandert nie ein Wombat nach Western Australia oder ein Emu nach
South Australia ....
Kurz vor 17 Uhr erreichen wir das Nullarbor
Roadhouse, fahren aber weiter zum "Head
of Bight",
wo wir die Wale sehen wollen.
Da sie aber den Park um 17 Uhr schliessen, fahren wir zurück zum Roadhouse
und bleiben über Nacht dort.
Wasser ist hier draussen so rar, dass man auf dem Camping Platz für eine Dusche
3 AUD extra bezahlen muss.
Am nächsten Morgen, dem 8. Juli, fahren wir dann nochmals
zum "Head
of Bight", um die Wale anzusehen.
Die Ranger informieren uns, dass zurzeit eine Gruppe von etwa 50 Wahlen in
der Bucht sei, davon ungefähr 20 Jungtiere.
Am Eingang zu Ceduna kommen wir an die
die Quarantänestation von South Australia.
Wir sind soweit
OK, mit Ausnahme des Orangensalates, den müssten wir abgeben.
Also umkehren, 1 km zurückfahren, Orangensalat essen
bis er uns zu den Ohren herausläuft, wieder zur Quarantäne
- jetzt ist alles im Butter.
Weiter geht die Fahrt durch die unendlichen Weiten der Nullarbor.
In Wirrulla sehen wir zufällig einen
Wegweiser nach Coober Pedy.
Wir fragen im lokalen Pub nach
dem Strassenzustand und erfahren, dass die Strasse frisch
planiert sei und man bis zur Bahnstation der Pacific Railway
in Kingoonya ca. 4 Std. benötigen werde.
Die Strecke führt auf gutem Schotterweg durch das Koolgera
Conservation Reserve in ein Tal, in dem viele
Wombats wohnen (wir dachten zuerst wir hätten
ein Kalb gesehen ....)
Leider wird es bald zu dunkel und wir können die nachtaktiven
Tiere nicht mehr weiter beobachten.
Nach einer kalten Nacht treibt uns am Sonntag, dem 9 Juli,
die Sonne früh aus dem Schlafsack.
Wir haben gemerkt, dass, wenn wir den "Dude" so parkieren,
dass die Morgensonne durch die Hecktüre herein scheinen
kann, es relativ schnell wärmer wird im Fahrzeug.
Das heisst aber auch, dass man in aller Herrgottsfrühe durch
die Sonne geweckt wird.
Wir werden dafür reichlich belohnt: die Ausläufer
der Gawler Ranges sehen im Licht der
Morgensonne herrlich aus.
So fahren wir dann auch früh los und
haben so noch die Chance den einen oder anderen Wombat auf
dem
Nachhauseweg zu sehen.
Sie sehen aus wie übergrosse Meerschweinchen und sind
uns sehr sympathisch.
Hierher werden wir sicher einmal zurückkommen und uns
in Ruhe mit den putzigen Tierchen befassen.
Die Strasse am Lake Everard entlang und
auch die Furt durch den See sind trocken und gut befahrbar.
Aber nach Regen muss das blanke Schmierseife sein ....
Lake Harris und die schöne Sanddünen-Landschaft
gefallen uns sehr gut.
Die Strasse hat zwar Wellblech aber ist gut befahrbar.
Am Strassenrand finden wir immer wieder Nester unbekannter
Tiere.
Wir vermuten, dass es sich im Raupen handelt ... wir
haben so viele Fragen und finden in unseren Büchern
so wenige Antworten dazu ....
Bei der
Bahnstation in Kingoonya folgen wir weiter
dem Wegweiser nach Coober Pedy.
Achtung:
Für die kürzere Streck bis zum Stuart Highway direkt
nach dem Bahnübergang geht's erst links, dann
biegt die Strasse nach rechts ab.
Danach kommt eine Y-Gabelung,
wo wir uns rechts halten und nicht der mehr befahrenen
Strecke nach North Well folgen.
Noch vor dem Erreichen des Stuart Highways fahren wir bei
der Mulga Well durch die Woomera Prohibited Area.
Dabei handelt es sich um ein 500 x 400 km grosses Gebiet,
in welchem früher
Atombombentests durchgeführt wurden.
Durch das Gebiet führen einige Strassen, wie z.B. der Stuart
Highway und hat es einige Stations, aber man darf ohne eine
Genehmigung die Strassen nicht verlassen.
Gottlob macht die Radioaktivität vor Strassen und Ortschaften
halt .....
Am Nachmittag erreichen wir Coober Pedy,
eine Minenstadt. Rund um Ort wird im Untertagebau nach Opal
gesucht.
Speziell
am Ort ist, dass früher wegen des heissen Klimas viele
Bewohner ihre Behausungen in ehemaligen Stollen angelegt
hatten.
Da
das weit herum bekannt war, sind die modernen Hotels heute
teils auch unterirdisch, wobei es sich unserer Meinung meistens
um aufgeschüttete Hügel handelt.
Um Susis Frust etwas zu lindern erlauben wir uns eine
Übernachten in einem dieser Hotels.
Wir gehen noch gemütlich
im griechischen Restaurant "Paul & Mary's
Tavern" Essen und finden es sehr
gut.
Genüsslich kuscheln wir uns in das breite, trockene und warme
Bett und schlummern ein.
Irgendwann kommen unsere Zimmernachbarn heim und verführen
einen ziemlichen Lärm, etwas ärgerlich, aber was
soll's.
In
den frühen Morgenstunden fängt der Lärm wieder
an. Sachen werden in das Auto
getragen,
Türe
auf, päng, Türe
zu, wieder Türe auf und wieder päng, Türe zu
...
Nach
einer Weile wird dann sogar ein Motor angestellt.
Der Wagen muss mit dem Auspuff gegen das Hotel geparkt
sein, denn schon bald stinkt es in unserem Zimmer nach
Abgasen.
Ruedi hat genug und geht mal nachschauen, was das ganze soll.
Das
ist ein Fehler, denn der Automobilist packt ihn am
Kragen, hält ihm die Faust ins Gesicht und schreit ihn
ziemlich aufgebracht an.
Susi hört den Lärm, stürmt raus und kann
gerade noch eine Schlägerei verhindern.
Der gute Herr
meinte, wir seien diejenigen gewesen, welche letzte Nacht
den Lärm verführt haben und wollte sich nun auf seine
Art "revanchieren"
.... tja, auch solche Leute gibt es leider.
Uns ist dadurch leider die gute Stimmung etwas verdorben.
Wir stehen auf und machen uns abfahrbereit.
Doch der "gute" Start in den Tag wird noch etwas verbessert: der Motor
des Toyota startet nicht mehr, obwohl die Batterie OK ist und der Startermotor
gut arbeitet.
Mit
etwas Mühe finden wir einen Mechaniker, der sich den
Wagen anschaut.
Nachdem er "Starthilfespray" in
Luftansaugstutzen bläst, startet der Wagen sofort. Die
ersten paar Sekunden läuft der Motor sehr rau, aber
danach ist alles OK.
Als wir nach ein paar Minuten den Wagen abstellen
um ihn nochmals
zu starten, geht das problemlos.
Also kaufen wir uns auch
eine Dose "Wonderspray".
Wir
werden den Fehler in Alice Springs zu reparieren versuchen.
Ruedi vermutet, dass die Glühkerzen nicht arbeiten.
Mit ziemlich
viel Verspätung fahren wir am 10. Juli weiter Richtung
Alice Springs.
Unterwegs machen wir einen kurzen Abstecher,
weg vom Start Highway, um den bis anhin noch unbesuchten
Confluence Point S 28 E 134 zu suchen.
Unter
Confluence Point versteht man der Kreuzungspunkt eines Längen-
und Breitengrades.
Es gibt eine Projekt, welches als Ziel hat, alle diese Punkte
zu besuchen. Auf deren Webseite ( www.confluence.org
), kann man
sich als "Erstbesucher" eines
solchen Punktes eintragen und auch schauen, welche
Punkte noch nicht besucht wurden.
Der Versuch den Confluence
Point zu
erreichen
scheitert
3
km vorher
an
einem Weidezaun.
Wir müssten von hierher bis zum Punkt laufen,
aber dazu haben wir im Moment leider keine Zeit.
Wir übernachten 22 km südlich von Kulgera auf der Mulga Park
Road, gleich nach dem überqueren der Grenze zum Northern
Territory.
Am nächsten Tage haben wir nur noch knappe 300 km bis
Alice Springs zu fahren und nehmen es etwas gemütlicher.
Unterwegs
warten wir an einer geeigneten Stelle auf Road Trains, um
ein paar
gute
Photos
zu schiessen,
aber
die scheinen zu wissen, dass wir ihnen abpassen und haben
sich verschlauft ....
Am Nachmittag des
11. Juli erreichen wir dann Alice Springs, wo wir uns auf
dem MacDonnell Ranges Holiday Park
einnisten.
Es ist derselbe Caravan Park, wo wir bereits
bei unserem ersten
Besuch in Alice Springs im 1995
zu Gaste waren.
Es ist überhaupt lustig durch die Stadt zu fahren und zu
schauen, was wir noch kennen (oder zumindest meinen, noch
zu kennen ....)
Bald fühlen wir uns wieder pudelwohl in Alice Springs,
von ihren Bewohnern liebevoll "The Alice" genannt.
Es ist
eine Stadt, die uns passt, obwohl wir uns beide nicht
gut
in ihr orientieren
können.
In Alice melden
wir "Dude" bei der lokalen Vertretung (Kittel) zum Service
und zur Reparatur des Kaltstartproblems,
sowie anderer
Kleinigkeiten
an.
Der LandCruiser lässt sich ja seit Coober Pedy am
Morgen nur noch mit Hilfe des Wondersprays starten und unter
dem Armaturenbrett tropft Öl heraus, wahrscheinlich
von der Servolenkung.
Am Mittwoch bleiben wir auf dem Caravan Park, arbeiten an
unseren Fotos und werkeln sonst etwas herum.
Unser Zelt ist wieder Gold wert, da es am Abend, sobald die
Sonne untergegangen ist, rasch empfindlich kalt wird.
Wir nehmen unseren Cobb Grill ins Zelt und geniessen die
wohlige Wärme.
Am Donnerstag 13. Juli müssen wir den Toyota schon
um 7.30 morgens abgeben. Da er für den ganzen Tag im
Service ist, bleibt uns nichts anderes übrig, als in die
Stadt zu gehen und die Zeit zu Tode zu schlagen.
Alice ist bekannt dafür, dass es sehr trocken ist, aber
natürlich
regnet es an diesem Tag und zwar nicht wenig! Solchen Regen
hätten wir in Queensland erwartet, aber nie in Alice.
Also besuchen wir die Basis
der Royal
Flying
Doctors
Service und
das Reptile
Center, wo die Pflegerin Sandra eine sehr gute, humorvolle
Show mit diesen
"liebenswerten" Tierchen vorführt.
Die Leistung der lokalen Toyota Vertretung, Kittle, ist absolut
lausig.
Die meisten Arbeiten sind nicht ausgeführt, das
Startproblem nicht behoben und teuer war's auch noch.
Am Freitag versucht Ruedi den Wagen am Morgen
zu starten, indem er die Stromschiene der Glühkerzen
während des Startvorgangs mit
dem Überbrückungskabel direkt mit der Batterie verbindet.
Das funktioniert!
Kurz darauf findet er auch den Grund des Übels.
Direkt an der Batterie
hat es einen Kabelbruch, welcher auch das Kabel für die Vorglühung
tangiert.
Bei jedem Startvorgang glüht die Bruchstelle und frisst langsam
ein Loch in den Gasungsbereich der Batterie.
Es hätte nicht mehr lange
gedauert und die ganze Batterie wäre explodiert und uns um die Ohren geflogen.
Ruedi meldet den Wagen bei Repco für Montag zur Reparatur an.
Susi wäscht währenddessen auf dem Campingplatz unsere
Wäsche
und arbeitet zwischendurch in unserem Zelt am Laptop.
Wir
haben viele Photos zu verarbeiten, Web-Seiten
zu generieren, Mails zu lesen u.s.w.
Leider hat es keine Mail von OKA dabei ....
Am Samstag dem 15. Juli kommen Guido und Judith in Alice
an. Wir holen sie am Flugplatz ab.
Wir haben extra den halben "Dude" ausgeräumt,
damit sie mit allem Gepäck mitfahren können.
Guido
lacht sich fast krank als er unser Ersatzfahrzeug sieht und
unsere Story über den OKA hört.
Wir wünschen uns schon sehr, dass OKA es schafft unseren
Wagen zur Zeit fertig zu machen, damit Guido ihn auch noch
sehen kann.
Während dem Reintragen des Gepäcks
ins Hotelzimmer klingelt Susis Telefon.
Es sind Fredy
und Monika, unsere Schweizer Bekannten aus Perth, welche sich von ihrem Satelliten-Telefon
melden.
Sie sind auf der Tanami Road, einer über 1'000 km langen
Dreckstrasse durch die Tanami Wüste, unterwegs nach Alice
Springs und sind wegen dem Regen mindestens einen Tag verspätet.
Auch
hat Fredy wieder Ärger mit seinem Fahrzeug gehabt und
musste bei einer Mine eine notdürftige Reparatur machen
lassen.
Gut dass sie uns das melden, wir haben sie nämlich heute erwartet
und wären sehr unruhig geworden, wenn sie nicht gekommen wären.
Wenn man weiss, dass Leute über eine einsame Strecke
unterwegs sind und sie sich nicht zurzeit melden, dann ist
das meistens
nicht so gut ....
Da Guido und Judith von Singapur her eingeflogen sind,
haben sie nur eine kleine Zeitdifferenz d.h. wir können
gemütlich
Essen gehen, ohne dass sie uns einschlafen dabei.
Der Sonntag ist mit seinen 13°C
unfreundlich kühl.
Wir bringen Judith und Guido das versprochene Material für
ihren Camper.
Damit gibt es nun bei uns im Wagen etwas mehr
Platz.
Für den Abend melden sich Monika und Fredy an.
Sie stellen dann ihren Wagen auch auf
unseren Stellplatz, da der Campingplatz voll belegt ist und keine freien
Plätze
zu haben sind.
Am Abend gehen wir ins "Al Fresco" zum Pizza essen, da das "Keller's" nebenan
geschlossen ist.
Die Pizzas sind immer noch gleich gut wie 1995, als wir mit
Marianna und René hier waren.
Tags darauf fassen Guido und Judith ihren Apollo Camper.
Wegen dem schlechten Wetter entscheiden sie sich, noch eine
Nacht länger im Hotel zu bleiben und den Camper dort einzuräumen.
Sie werden ihn für die nächsten 2 Monate ihr Heim
nennen und wollen ihn entsprechend gemütlich eingerichtet
haben.
Fredy ist in der Iveco Garage wegen einer gebrochenen Dieselleitung
und
wir
bei
Repco um
das
gebrochene
Kabel reparieren
zu lassen.
Beim Einkaufen müssen wir wieder einmal mehr über den Humor
der Australier lachen.
Hier unten scheinen Tieren sich etwa gleich viel aus Verboten
zu machen wie bei uns .... so viele Galahs haben wir noch
selten auf einem Haufen gesehen und das obwohl doch ein
grosses Verbotsschild für Tiere auf dem ganzen Areal
am Tor angeschlagen ist ...
Heute am 18. Juli regnet es immer wieder ein bisschen und
es ist immer noch lediglich 13°C warm.
Wir verbringen einen faulen Tag in unserem Oztent Vorzelt.
Judith und Guido ziehen im Caravan Park
ein. Sie räumen immer noch ihren Camper
ein.
Wie wir unterdessen aus eigener Erfahrung wissen, ist das wirklich ein rechtes
Stück Arbeit.
Wir haben ihnen
einen Stellplatz gleich neben unserem bestellt.
So stehen
nun alle 3 Schweizer Fahrzeuge auf einem Haufen.
Am Abend essen
wir alle sechs in Fredys und Monikas Camper.
Ihr Fahrzeug ist mit Bodenheizung ausgerüstet.
Wir geniessen
die wohlige Wärme und haben es cheibe luschtig.
Morgen geht es dann für alle wieder weiter.
Wir werden mit
Guido und Judith erst in der Umgebung von Alice Springs
umher reisen, Monika und Fredy werden ihre Reise durch Australien
fortsetzen.
Schön
wäre es, wenn wir sie irgend einmal wiedersehen könnten,
wer weiss?