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“Yesterday, a wizard entered New York with a suitcase. A case full of magical creatures.”
Die magische Welt von J.K. Rowling geht in die nächste Runde. “Fantastic Beasts and Where to Find Them” erzählt das Abenteuer des Autors und Zoologen Newt Scamander im New York der 1920er-Jahre – 70 Jahre bevor Harry Potter seine Bücher in Hogwarts studiert.
Auf der Bücherliste, die Harry Potter in den Sommerferien kurz vor seinem ersten Schuljahr in Hogwarts erhielt, war ein Werk aufgelistet namens “Fantastic Beasts and Where to Find Them”, geschrieben von Newton Scamander. Hinter der Entstehung dieses Buches verbirgt sich, wie wir nun erfahren, eine Geschichte, wie sie nur von J.K. Rowling erzählt werden kann: Die Geschichte von Newt Scamander. Der Film beginnt, als der Tierforscher in den 1920er-Jahren auf einem Dampfer in New York ankommt. Bei sich hat er einen Koffer voller magischer Geschöpfe. Nun findet er sich in einer von Hexenjägern besiedelten Grossstadt wieder, in der eine Riesenkreatur ihr Unwesen treibt und die Bewohner in Angst und Schrecken versetzt. Durch ein Missgeschick lernt er schliesslich den Muggel Jacob Kowalski und die Hexe Tina Goldstein, die für den “Magical Congress of the United States of America” – das Pendant zum britischen “Ministry of Magic” – arbeitet, kennen. Ein weiteres Missgeschick – Rowling liebt anscheinend Missgeschicke – führt dazu, dass einige seiner magischen Geschöpfe aus dem Koffer entwischen. Die Riesenkreatur und das Wieder-Einfangen seiner eigenen Tiere halten ihn, seine Mitstreiter und natürlich auch seine Kontrahenten im Folgenden mächtig auf Trab. Kurzum: Scamanders ursprüngliche Pläne werden durchkreuzt und stattdessen wird er in die Geschehnisse der Stadt hineingezogen.
Selbstverständlich wird der Ableger eines Klassikers zunächst nur am Originalwerk gemessen. In diesem Fall dienen die Harry Potter-Filme, oder genauer gesagt der Machtaufstieg Gellert Grindelwalds (der übelste Zauberer vor Lord Voldemort, und ehemaliger Freund von Albus Dumbledore) als Rahmung der Geschichte. Diese lose Verbindung zu Harry Potter und der Vibe des New Yorks in den 20er-Jahren erlauben dem Film, sich schnell von den direkten Vergleichen zu lösen und sich in eine eigene Richtung zu entwickeln. Ein weiser Entscheid war auch, das Böse hier nicht in Menschenform erscheinen zu lassen, denn mit Voldemort wird – ausser vielleicht Grindelwald – niemand jemals konkurrieren können. Der Film startet weniger düster als Harry Potter und ist um einiges witziger. Doch gegen Ende wird klar, dass weit mehr auf dem Spiel steht als ursprünglich angenommen. Ein Highlight des Films sind die liebevoll animierten und wahnsinnig erfindungsreichen Fabelwesen, die omnipräsent sind.
“I don’t think I’m dreaming. I ain’t got the brains to make this up.”
Dass J.K. Rowling das Drehbuch zu “Fantastic Beasts” selber verfasst, und damit nebenbei ein beeindruckendes Screenwriting-Debüt hingelegt hat, ist ein Glücksfall. Die Geschichte lebt von ihrem Vorstellungsvermögen und ihrer Fantasie und man merkt, dass sie die Fäden in der Hand hat. Die Detailverliebtheit und Anspielungen auf spätere Episoden sind Zeuge davon. Es wird wieder einmal eindrucksvoll klar, dass ihre magische Welt ziemlich durchdacht ist. “Fantastic Beasts” ist narrativ weniger dicht, da der Film nicht auf einer Romanvorlage basiert. Dies lässt ihn luftiger erscheinen als beispielsweise ein mit Handlungssträngen vollgepackter und von 1000 Seiten auf zweieinhalb Stunden heruntergebrochener “Order of the Phoenix”.
Regie führte David Yates, der bereits die hinteren vier Harry Potter-Filme realisiert hat. Der Stil ist unverkennbar derselbe. Besonders bei den schnellen Kamerafahrten durch schmale Gassen ist es erkennbar. Newt Scamander wird gespielt von Eddie Redmayne (“The Theory of Everything”, “The Danish Girl”), der die Hauptfigur nicht nur spielt, sondern wie für sie geschaffen ist – er ist die Idealbesetzung für Newt. Auch die Nebendarsteller wissen zu überzeugen, allen voran Dan Fogler als liebenswerter, aber mit der Zaubererwelt völlig überforderter Muggel-Bäcker Jacob Kowalski.
Fazit:
Der Film ist gut. Sehr gut sogar. Er ist spannend, humorvoll, und reisst mit. Für diejenigen, die an der Qualität des Materials gezweifelt haben, wird das eine Erleichterung sein. Die Aussicht, dass noch vier weitere “Fantastic Beasts”-Filme geplant sind, mag einige etwas unglücklich stimmen, ich bin aber überzeugt, dass hier eine narrative Grundlage geschaffen wurde, die mühelos fünf Filme füllen kann. Und dass die Story mit der Zeit näher an die Harry Potter-Vorgeschichte heranrücken wird, ist am Schluss des Films spannungsvoll angedeutet.
“Fantastic Beasts and Where to Find Them” läuft ab Donnerstag, 17. November im Kino.
Directed by David Yates / Written by J.K. Rowling / Darsteller: Eddie Redmayne, Katherine Waterston, Dan Fogler, Alison Sudol, Ezra Miller, Samantha Morton, Jon Voight, Carmen Ejogo und Colin Farrell
Trailer- und Bildquelle: © 2016 Warner Bros. Ent. All rights reserved. Harry Potter and Fantastic Beasts Publishing Rights © J.K. Rowling J.K. Rowling’s Wizarding World TM J.K. Rowling and Warner Bros. Entertainment Inc.