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In der Schweiz besuchen fast alle, nämlich 99.6% der Kinder und Jugendlichen mindestens die obligatorische Schule. Danach absolvieren sie meist eine Berufsausbildung oder studieren an einer Universität. 9% der Weltbevölkerung zwischen 15 und 24 Jahren haben hingegen keine grundlegenden Lese- und Schreibkenntnisse. Zudem sind 225 Millionen Jugendliche in Entwicklungsländern nicht in einer Ausbildung, einem Beschäftigungsverhältnis oder einem Training. Was für uns selbstverständlich scheint, ist es noch vielerorts nicht. Darum engagiert sich Horyzon auch schwerpunktmässig im Bereich der Bildung. Dabei liegt der Fokus auf einem umfassenden Verständnis von Bildung. So werden Jugendliche beim Thema Bildung in vier verschiedenen Bereichen unterstützt:
Zugang zur Bildung
Den Teilnehmenden wird ein sicherer Ort geboten, wo sie durch Nachhilfeunterricht ihr Schulwissen stärken können. Zudem werden traumatisierte oder körperlich beeinträchtigte Jugendliche bei der Wiedereingliederung in die reguläre Schule unterstützt. Der Aufbau und die Stärkung von schulischen Fähigkeiten haben einen positiven Einfluss auf die Teilnahme am Unterricht und verringern Schulabbrüche. So wie beispielsweise Ruba aus der palästinensischen Stadt Illar. Aufgrund eines Gendefekts lebt sie mit Muskelschwund, wodurch sie motorisch beeinträchtigt und auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Diese Abhängigkeit belastete auch ihr psychisches Wohlbefinden: Sie fühlte sich minderwertig, war schüchtern und traurig. Ihr mangelndes Selbstvertrauen und die fehlende Motivation wirkten sich auch negativ auf die schulischen Leistungen aus. Mit Unterstützung des Rehabilitationsprogramms und einem auf Ruba zugeschnittenen Interventionsplans, konnte sie ihre Behinderung akzeptieren und verbesserte so auch ihre schulischen Leistungen.
Ausbildung von Betreuungspersonen
Mit Aus- und Weiterbildungen von Bezugspersonen wie z.B. Eltern, Lehrpersonen und Therapeut*innen wird die Qualität im Umgang mit den Jugendlichen sichergestellt. Bezugspersonen werden darin geschult, sexuelle Gewalt zu erkennen und Jugendlichen psychosoziale Unterstützung anzubieten. Mehrere solcher Trainings absolvierte beispielsweise Nilson Moreno Hurtado. Er ist Koordinator des Projektes “Paza la Paz” in der kolumbianischen Stadt Cali. Er wuchs in einem Viertel Calis auf, welches durch Gewalt und Kriminalität beherrscht wurde. Dies prägt natürlich auch die Sozialisierung der Kinder und verleitet sie dazu, sich selbst in illegalen Aktivitäten zu verwickeln.
Nilson beteiligte sich als Jugendlicher an Aktivitäten sozialer Organisationen, welche in seinem Viertel Kunstprojekte entwickelten und das friedliche Zusammenleben der Gemeinschaft förderten. Aus seiner eigenen Erfahrung weiss er, dass Bildung Leben verändern kann. Für Nilson ist Bildung nicht nur ein Beruf, sondern auch eine Berufung. Als Hauptbezugsperson für die Jugendlichen versucht er, sie in ihren Potentialen, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu stärken und Vertrauen herzustellen. Er gibt ihnen damit das Rüstzeug auf den Weg, damit sie selbst zu Akteuren der Transformation werden.
Life Skills
Durch nicht-formelle Bildung in lebenspraktischen Bereichen wie z.B. Kommunikation, kritischem Denken, Stressmanagement und gesundem Lebensstil erleichtern unsere Programme den Jugendlichen den Umgang mit schwierigen Lebensbedingungen. So können sie sich für eine friedlichere Zukunft frei von illegalen Aktivitäten und problematischen Abhängigkeiten entscheiden. Workshops in diesem Bereich des Schwerpunktes Bildung unterstützten beispielsweise Ngbarago Monica Raphael aus Yambio im Südsudan. Sie lebt mit ihren Eltern und den Geschwistern in Yambio und ist stolzes Mitglied des YWCA. Früher wusste sie kaum, wie sie mit ihrer Menstruation umgehen sollte und benutzte jeweils ein Stück Stoff, um ihre Blutung aufzufangen. Aus Scham, dass ihre Periode in die Schuluniform laufen könnte, blieb sie dann jeweils mehrere Tage pro Monat der Schule fern. Durch Workshops zu diesen Themen lernte Ngbarago Monica Raphael beispielsweise, wie sie mit ihrer Menstruation umgehen kann und welche Folgen eine Jugendschwangerschaft für das künftige Leben einer jungen Frau hat. Dies wiederum förderte ihr Selbstbewusstsein, wodurch sie nun öffentlich zu ihrer Meinung steht. Sie diskutiert nun engagiert mit, ohne zu zittern oder sich zu schämen.
Berufsbildung
Ziel des Schwerpunktes Bildung ist es auch, dass sich Jugendliche besser im Arbeitsmarkt positionieren können und finanziell unabhängig werden. Berufsberatungen, Workshops zum Unternehmertum, Schulungen für Bewerbungsgespräche und handwerkliche Trainings bereiten Jugendliche mit und ohne physische oder psychische Beeinträchtigung auf den Berufs(wieder)einstieg vor. Die 32- jährige Sophonie J Victor besuchte beispielsweise die Berufsbildung von YWCA Haiti und verfolgte daraufhin ihr Studium in Buchhaltung. Seit Dezember 2020 arbeitet sie an einer Schule in Port-au-Prince und ist CEO von zwei Jungunternehmen in den Bereichen Innendekoration und Eventplanung. Sie schreibt den Workshops von YWCA Haiti eine zentrale Rolle in ihrem persönlichen Werdegang zu: «Die verschiedenen Workshops haben es mir ermöglicht, mein Selbstvertrauen zu stärken, an meine eigenen intellektuellen Fähigkeiten zu glauben und mir den Weg zu finanzieller Autonomie zu ebnen. Die Mentorinnen waren immer voller Leidenschaft und sorgten so dafür, dass das Wissen in unseren Köpfen hängen blieb.»