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COINACAPA & ACEBA, Bolivien
Über Paranüsse und die zwei Kooperativen COINACAPA & ACEBA
Die Hälfte der weltweit verbleibenden tropischen Regenwälder befindet sich im Amazonasbecken. Davon bildet der brasilianische Teil, der knapp drei Viertel des Amazonasregenwalds einnimmt, die grösste zusammenhängende Waldfläche der Welt. Der Regenwald spielt für das globale ökologische Gleichgewicht eine wichtige Rolle; zum Beispiel wegen seiner Grösse und der entsprechend grossen Speicherkapazitäten für Kohlendioxid oder als Reservat genetischer Vielfalt von Flora und Fauna. Gleichzeitig übernimmt der Wald auch regional wichtige Funktionen. Seit Generationen ist er das Zuhause vieler indigener Volksgruppen und dient den Menschen als natürliche Nahrungs- und Einkommensquelle. Eine traditionelle, nachhaltige Nutzungsart des natürlichen Reichtums des Regenwaldes ist das Sammeln von wildwachsenden Paranüssen.
Die Paranuss ist die Frucht des Castanheira- Baumes (Bertholletia Excelsa), der seit 1998 auf der Roten Liste der bedrohten Arten der IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) steht. Die grösste Bedrohung für die Bäume, ist die Abholzung der tropischen Regenwälder. Die grossflächigen Rodungen reduzieren die genetische Vielfalt und zerstören den einzigartigen Lebensraum der Bäume. Denn, fast alle konsumierten Paranüssen weltweit stammen aus Wildsammlungen. Wissenschaftliche Versuche die Pflanze zu kultivieren sind bisher fehl geschlagen. Der Paranussbaum gedeiht nur im Amazonas Regenwald im komplexen Zusammenspiel mit anderen Organismen.
Auch die traditionellen Paranuss-Sammler, die Castanheiros, sind durch das Vordringen von Holzfirmen, Viehzüchtern und Sojaplantagen in den Regenwald unter Druck geraten. Die Hoffnung ihren Lebensstil aufrecht erhalten zu können und nicht vertrieben zu werden, ist die offizielle Anerkennung ihrer Gebiete als Naturreservat für Extraktivismus. Die IUCN erachtet die nachhaltige Nutzung in Sammelreservaten als den sinnvollsten Schutz der Pflanze.
Die italienische Kooperative Chico Mendes Modena ist seit den 80er Jahre in Südamerika engagiert. Zusammen mit der brasilianischen Bewegung „People of the Forest“ wurde über mehrere Jahre ein Projekt zur Unterstützung der Castanheiros und zum Erhalt der Paranussbäume aufgebaut. 1990 wurden in Brasilien und Bolivien die ersten Sammelreservate unter Schutz gestellt. 1993 gelangen die ersten Exporte in europäische Überseemärkte. In Italien waren die Paranüsse das erste Fair-Trade-Produkt mit richtig grossem Erfolg. Seither wurden die Qualität der Rohware und Abläufe in der Verarbeitung und Auslieferung stetig verbessert. Die qualitativ hohen Anforderungen der EU bleiben eine grosse Herausforderung für die Kooperativen.
Die zwei bolivianischen Kooperativen COINACAPA und ACEBA, die für dieses Projekt Paranüsse sammeln, befinden sich im Westen des Amazonas Regenwalds. Insgesamt befähigt der Handel mit Paranüssen über 1000 Familien die nachhaltige Nutzung des Regenwaldes in traditioneller Form weiterzuführen. Aus dem Fair Trade Projekt mit dem Export von Amazonas Paranüssen erzielen diese Familien ihr Haupteinkommen. Das Sammelgebiet ist unter Schutz gestellt. Das Projekt schützt so eine Fläche von rund 60‘000 Quadratkilometer (so gross ist etwa die Schweiz) vor Abholzung und Übernutzung. Weitere Erfolge des Projekts messen sich insbesondere im Zugang zu Gesundheitsprogrammen, Arztbesuche und freier Zutritt zu Spitälern. Malaria- und Tuberkulose Fälle sind zahlenmässig zurückgegangen, das Denguefieber und seine epidemische Verbreitung konnte unter Kontrolle gebracht werden.
COINACAPA steht für „Cooperativa Integral Agroextractivista Campesinos de Pando“. Die Kooperative wurde 2001 gegründet und beschäftigt heute zirka 350 Familien. COINACAPA war die erste Kooperative im bolivianischen Departamento Pando, die sich für die Sammler von Paranüssen einsetzte.
ACEBA heisst „Asociación de Comunidades Extractivistas del Bosque Amazónico“. Die Kooperative arbeitet ebenfalls im Departamento Pando und hat ihren Sitz in der Stadt Cobija. Zirka 80 Familien aus vier Extraktivisten-Gemeinschaften aus dem Amazonas vereinen sich unter diesem Namen.