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Family Offices – Vermögensverwaltung und Services für Superreiche
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Family Offices gehören zu den diskretesten und am wenigsten auf Publizität bedachten Einrichtungen in der Welt der Finanzanlage und Vermögensverwaltung. Sie kümmern sich ausschliesslich um grosse Vermögen. Wer hier Kunde werden will, muss schon Multimillionär sein.
In Europa soll es rund viertausend Family Offices geben. Eine offizielle Statistik existiert allerdings nicht, so dass man in der Regel auf Schätzungen und die spärlichen Hinweise in Geschäftsberichten und anderen Veröffentlichungen angewiesen ist.
Die Schweiz – Zentrum für Family Offices
Die Schweiz gilt als internationales Zentrum dieser besonderen Form der Vermögensverwaltung. Dazu hat – dank langer politischer und wirtschaftlicher Stabilität – der Ruf als sicherer Hafen wesentlich beigetragen. Auch die vorhandene Bankeninfrastruktur ist sicher förderlich. Alleine rund dreihundert bis vierhundert Family Offices sollen hierzulande ansässig sein. Ein Dutzend davon verwalten private Vermögen in einer Grössenordnung von jeweils zehn bis fünfzehn Milliarden Franken. Schon diese Zahl macht das enorme ökonomische Potential deutlich.
Die Einrichtung von Family Offices ist durchaus nicht neu. Die Ursprünge reichen bis ins Frühmittelalter zurück, als sich im Frankenreich das Amt des Hausmeiers ausbildete, der die Oberaufsicht über den königlichen Haushalt führte und sich damit auch um die Finanzen kümmerte. Nichts anderes tut ein Family Office heute. Im modernen Sinne ist diese Institution erstmals in den USA entstanden. 1838 gründete der amerikanische Unternehmer und Bankier J.P Morgan mit dem „House of Morgan“ das erste Family Office, das sich ausschliesslich um die Vermögensverwaltung der Familie Morgan kümmern sollte. 1882 folgten die Rockefellers diesem Beispiel. Im Rahmen des Investmenthauses Rockefeller & Co existiert dieses Family Office noch heute. Aus den Vereinigten Staaten stammt auch die Bezeichnung „Family Office“, die sich inzwischen international eingebürgert hat.
Single und Multi Family Offices
Längst nicht jedes Family Office ist nur für eine einzige Familie tätig. Solche „Single Family Offices“ nach dem J.P. Morgan- oder Rockefeller-Vorbild werden de facto ausschliesslich für Familien mit Milliardenvermögen betrieben. Fünfhundert Millionen Franken gelten als nötiges Mindestvolumen. Ein Schweizer Beispiel für ein solches Family Offices ist die Jacobs Holding AG in Zürich, eine Beteiligungsgesellschaft, die von dem Deutsch-Schweizer Kaffee-Unternehmer Klaus J. Jacobs ins Leben gerufen wurde.
Viele „Familienbüros“ sind „Multi Family Offices“, die sich um die Vermögen mehrerer Familien kümmern. Manche betreuen hunderte von Vermögen, andere beschränken sich nur auf ein bis zwei Dutzend. Der Einstieg ist bei Multi Family Offices bereits mit „Kleinbeträgen“ möglich. Dazu werden oft Vermögen ab fünfzig Millionen Franken gezählt, manchmal sind auch deutlich geringere Summen zugelassen. Rund die Hälfte der existierenden Family Offices engagiert sich für mehrere Vermögen. Teils handelt es sich dabei um eigenständige und unabhängige Unternehmen, teils um spezialisierte Töchter oder Abteilungen von Banken und anderen Finanzhäusern. Die bedeutendsten Multi Family Offices mit Sitz in der Schweiz sind das Family Office der Pictet-Gruppe in Genf und die Global Family Office Group der UBS.
Unabhängig oder mit einer Bank verbunden
Auch bei der Rechtsform gibt es eine grosse Bandbreite. Manche Family Offices sind als Stiftung organisiert, viele nutzen handelsrechtliche Rechtsformen wie die Aktiengesellschaft oder die GmbH. Wieder andere sind als rechtlich unselbstständige Geschäftsbereiche oder Abteilungen einer Bank tätig. Das Verhältnis von „unabhängigen“ Familienbüros und bankenabhängigen Family Offices ist dabei nicht immer konfliktfrei. Den Bank-Einrichtungen wird oft vorgeworfen, mehr die Interessen ihres Finanzhauses als die der Mandanten zu verfolgen. Das zeige sich in den Vergütungssystemen der bankabhängigen Familienbüros, in denen Kommissionen, Anlage- und Gewinnbeteiligungen eine grössere Rolle spielten als bei den mehr nach Aufwand abrechnenden unabhängigen Anbietern. Ein Vorwurf, der von Bankenseite selbstverständlich zurückgewiesen wird.
Dennoch kommt in der Gründung von Family Offices ein gehörige Portion Misstrauen gegenüber den traditionellen Bankhäusern zum Ausdruck. Dahinter steht letztlich die Überzeugung, dass sich mit den nicht unerheblichen Investitionen in die eigene Vermögensverwaltung mehr erreichen lässt, als wenn das Vermögen einer Bank anvertraut würde. Unabhängige Family Offices nutzen Finanzinstitute nur zur Abwicklung und betreiben das eigentliche Vermögensmanagement selbständig mit hochqualifizierten Spezialisten und ausgeklügelter Software. Da grosse Summen verwaltet werden, ist die Aktivität der Family Offices durchaus eine ernst zu nehmende Konkurrenz für die Bankenwelt. Sie agieren in gewisser Weise als Schattenbanken.
Mehr als nur Vermögensverwaltung
Die Tätigkeiten und Dienstleistungen von Family Offices sind sehr vielfältig und reichen oft weit über die reine Vermögensverwaltung hinaus. So werden neben Finanzberatung, Anlage- und Risikomanagement auch Treuhandleistungen und Unterstützung bei der Steuer-, Nachlass- und Nachfolgeplanung angeboten. Viele Family Offices greifen vermittelnd ein, wenn es zu Streitigkeiten in Familien kommt – bei grossen Vermögen keine Seltenheit – oder versuchen, sie durch geeignete Regelungen von vorneherein zu vermeiden. Einige kümmern sich ausserdem auch um die persönliche Lebensführung ihrer Klienten. Sie organisieren den Haushalt, sorgen für Personal, übernehmen Hausverwaltungen, erledigen alle administrativen Aufgaben, wählen geeignete Studienorte für die Kinder aus oder machen sogar die Reiseplanung. Nicht wenige Reiche sind den Anforderungen des normalen Alltags kaum noch gewachsen und daher froh, diese lästigen Aufgaben auslagern zu können.
Auch bei der Vermögensverwaltung und -anlage haben die Manager von Family Offices in der Regel grössere Spielräume und Entscheidungskompetenzen als ihre Kollegen in einer normalen Bank. Häufig werden den Vermögensverwaltern nur Renditeziele vorgegeben. Wie sie verwirklicht werden, liegt dann weitgehend im Ermessen des Family Offices. Viele Familienbüros setzen sich selbst ein Renditeziel von sechs Prozent und mehr pro Jahr. Die Investment-Strategie ist daher oft offensiver als bei „herkömmlichen“ Privatanlegern. So haben Family Offices im deutschen Sprachraum in den letzten Jahren im Schnitt verstärkt in Aktien investiert, dafür wurden die Anleiheanteile in den Portfolios deutlich zurückgefahren – angesichts der Zins- und Börsenentwicklung keine Überraschung. Auch in Richtung Hedgefonds und Unternehmensbeteiligungen zeigten sie sich aufgeschlossener. Viele Investments, die Family Offices nutzen können, stehen dem durchschnittlichen Anleger wegen der erforderlichen Summen erst gar nicht zur Verfügung.
Eine Vertrauensposition
Es versteht sich von selbst, dass Family Office Manager eine besondere Vertrauensposition besitzen. Die Zusammenarbeit ist meist auf viele Jahre, oft Jahrzehnte angelegt. Es sind daher nicht nur hohe Anforderungen an die fachliche Kompetenz zu stellen, die ggf. ein breites Spektrum abdecken muss. Auch in persönlicher Hinsicht müssen Family Office Manager über hervorragende Eigenschaften verfügen. Dazu gehören Verschwiegenheit, Diskretion, Umsicht und einwandfreie Lebens- und Geschäftsführung ebenso wie Entscheidungsfreude und ausgeprägte Handlungskompetenz. Die meisten Family Offices kommen mit einem kleinen Stab an Mitarbeitern aus, oft sind es nicht mehr als zehn. Bei speziellen Themen wird dann auf externes Beratungs-Know-how zurückgegriffen. Ansonsten besteht die Devise darin, so viel wie möglich selbst abzudecken und Aussenstehende nur dann einzuschalten, wenn das nötig ist. Das entspricht der Firmenphilosophie und sorgt dafür, dass die Tätigkeit dieser vertraulichen Institutionen auch in Zukunft nicht allzu transparent wird.
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