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zum AnfangDer US-Handelsminister William Daley meinte 1997: «Die gesamte Ökonomie wird sich völlig digitalisieren.» In der Musikbranche wird dies noch eine Weile dauern, aber die Grundlagen zur zweiten digitalen Revolution der Musik sind gelegt. Der Wandel betrifft alle Beteiligten.
Tape-Kopien vor MP3Die erste digitale Revolution liegt schon 20 Jahre zurück, als die CD eingeführt wurde. Auch damals hatte die Industrie einen schweren Stand, nicht nur gegen die bösen Piraten, die hemmungslos Bootlegs fertigten und Tape-Kopien verbreiteten. Im weltweiten Underground wurden illegale Live- und Demotapes von Bands getauscht. In der Schweiz kannten Insider ein Jahr vor Veröffentlichung des ersten Metallica-Albums das ganze Repertoire der Band, obwohl diese Band noch nie ausser Kalifornien gespielt hatte. Internationale Verbindungen von Fans ermöglichten das Tauschen von Tapes. So waren schnell Tapes in die Schweiz geflogen, die den Ruf der Band im Untergrund sicherten. Diese illegale Verbreitung von Musik brachte der Band damals sehr viel. Sie konnten ihre Karriere auf ein Rückgrat im weltweiten Untergrund aufbauen.
Steigende UmsätzeDie englische Musikindustrie prägte damals den Slogan «Hometapig is killing music». Das Signet bestand aus einem Totenschädel, der von zwei fleischlosen Knochen gekreuzt wurde. Die Einführung der CD aber bescherte der Industrie einen derart grossen Wachstum, dass die Piraten in Vergessenheit gerieten. Diese trieben ihr Unwesen aber immer weiter und siedelten Anfang der Neunziger ins World Wide Web über und prägten die Geschichte neu.
Thomas M Stein, Vorsitzender des Bundesverbandes der Phonografischen Wirtschaft und Vorsitzender der BMG Entertainment International schrieb: «Als die Musikwoche 1994 meine These druckte, das Internet könnte uns über kurz oder lang 50 % unseres Umsatzes kosten, haben mich alle für verrückt gehalten. Heute scheint diese Einschätzung nicht mal so unrealistisch.» Eine Wachstumsrate von 12 % hatte die Plattenindustrie über die Jahre 84–94 zu einer der am stärksten wachsenden Konsumgüterbranchen gemacht. Die Umsätze erreichten 1995 39, 374 Millionen US $ (Quelle IFPI). Diese Umsätze wurden vor allem durch die Einführung der CD erreicht. Der Umsatz hatte sich von 85 bis 95 vervierfacht, während die Zahl der verkauften Alben sich nur verdoppelte. (Quelle IFPI)
Die Umsätze der Tonträgerindustrie beliefen sich 1998 weltweit auf 40 Milliarden US $. (Quelle IFPI). Die IFPI liess kürzlich verlauten, dass die USA 1999 den grössten Anteil am weltweiten Zuwachs der Umsätze haben. Nach einem Plus von neun Prozent 1998 kletterte dort der Absatz erneut um zehn Prozent. 2, 4 % bestellten in den USA ihre Musik aus dem Internet. 1998 waren es nur 1,1%.
Ausser in Frankreich und Deutschland stiegen in ganz Europa entweder die Verkaufszahlen oder das Kaufvolumen. Das Wachstum in den Vereinigten Staaten konnte die Verluste auf einigen Märkten ausgleichen. Als Hauptgrund für den sinkenden Absatz in Frankreich und Deutschlansd nennt man die Schwarzbrennerei von CDs.
PiratenJedem ist es bekannt, aber nicht geläufig: «All rights of the producer and the owner of the record work reserved, unauthorized copying, public performance and broadcasting are prohibited.» Die phonografische Wirtschaft baut auf diesem Satz auf. Schwarzbrenner verstossen dagegen. Die technologische Entwicklung ist den Gesetzgebern weit voraus, aber trotzdem ist das Internet kein rechtsfreier Raum. Der Schutz der geistigen Eigentumsrechte sollte den neuen Herausforderungen der Globalisierung von Multimedia gerecht werden. Legal ist gemäss SUISA das Herunterladen und Verbreiten von MP3-Files im Kreis der engen Freunde und Verwandte. Illegal können verschiedene Verwendungsweisen des Formates sein. In der Schweiz wurden bisher über 50 Piraten wegen illegaler Verbeitung von Musik via MP3 gebüsst.
Das Landgericht in München hat im Monat April entschieden, dass AOL als Onlinedienst für die illegale Verbreitung von Musikstücken im Jahr 1998 verantwortlich sei. AOL muss eine sechstellige Summe bezahlen. User hatten auf AOL Seiten urheberrechtlich geschützte Titel kostenlos angeboten. Das Urteil gilt in der Branche als Präzedenzfall. Bislang war nicht geklärt, ob Online-Dienste für kriminelle Inhalte auf ihren Seiten haften. Das Teledienstgesetz bestimmte bislang nur, dass Dienstanbieter wie AOL oder T-Online für eigene Inalte voll verantwortlich sind – für fremde Inhalte bloss dann, wenn sie von diesen Inhalten Kenntnis haben und es ihnen technisch zumutbar ist, die Seiten zu sperren.
Illegale VerbreitungAuf Proxy-Servern werden heute Seiten krimineller Art ungeachtet ihres Inhaltes zwischengelagert. Sie bestehen nur aus einem gigantischen Arbeitsspeicher, in dem die Webseiten lagern, die im Laufe eines Zeitabschnitts am häufigsten abgerufen werden. Die meisten Anbieter von Intenet Zugängen schalten einen solchen dummen Proxy vor den gigantischen Datenwall des WWW. Der Proxy-Server verhindert einen Direktzugriff auf die Originalinhalte, wenn er eine aufgerufene Seite in seinem Zwischengedächtnis gespeichert hat. Und genau darum ist er schneller als der normale Server. Ein internatinales Konsortium aus Phonverbänden, Juristen und Internetzugangsanbietern will dies nun ändern. Man will die Proxies intelligent machen. Dazu hat man ein so genanntes Right Protection System entwickelt, das derzeit bei TCP/IP erprobt wird. Falls die Testläufe erfolgreich sind, wird die IFPI durchsetzten, dass jeder deutsche Provider dem WWW einen RPS Proxy Riegel vorschiebt. Der mit Wissen aufgepeppte Proxy würde zur Zollstelle mit Zensurbefugnis. Ist das ein Skandal? (Süddeutsche Zeitung: Vernetzt und zugenäht 4. 4. 00 Bernd Graf)
Das Rights Protection (RPS) als Sperrwerk hätte für die angeschlossenen Internetprovider und ihre Nutzer schlimme Folgen, da komplette Server wegzensiert werden können, wenn eine einzige Piratendatei gefunden würde. Der RPS Ansatz wurde sehr schnell von Gnutella unterlaufen.
(Süddeutsche Zeitung 18. 4. 00: Detlef Borchers: Hase und Igel machen Musik)
Napster und Gnutella
(Screenshot) Bei Napster kann man jederzeit das hören, was man will und das gratis.Leider kommt die IFPI wieder ein wenig spät: Es gibt längst Programme wie Napster und Gnutella, die den Räubern erlauben, ihre Dateien direkt untereinander auszutauschen. Der Proxy-Server, den man juristisch belangen könnte, fällt aus. Programmierer einer AOL-Tochter hatten Gnutella ausgeheckt und am 14. 3. für einen Tag ins Netz gestellt. AOL checkte rasch und liess das Programm entfernen. Leider wieder einwenig spät. Zu viele Downloads wurden an diesem Tag getätigt. Gnutellas Code wurde optimiert. Bald wird es sogar eine Beta-Fassung für Windows, Mac und Linux-User geben. Sogar eine Portal-Site existiert. Das Prinzip von Gnutella basiert auf dem Kettenbrief. Innert Sekunden man der Gnutella-User mit unzähligen Usern, die Musik-Daten freigegeben haben. Mittels Suchmaschine lässt sich nun beinahe jeder Track leicht finden.
Bei Napster kann man jedezeit das hören, was man will und das gratis. Es ist demnach keine Überraschung, dass die RIAA (Recording Industry Association America) Napster letzten Dezember verklagt hat. Auf jeden Fall haben viele College-Campuses den Zugriff auf Napster gesperrt, weil die Site zu viel Bandbreite brauche. Ausser Metallica hat jüngst auch Rapper Dr. Dre Klage wegen Copyrightverstosses gegen Napster eingereicht. Die Recording Industry Association of A merica (Verband der amerikanischen Schallplattenindustrie, RIAA) hatte letztes Jahr einen Prozess angestrengt. Napster ist der grösste von allen Internet-Piraten: Über 5 Millionen Downloads hat die Site schon. Die CEO von Napster, Eileen Richardson, nennt Napster die am schnellsten wachsende Internet Firma in der Geschichte des Netzes. Gründer Shawn Fanning, 19, schrieb den originalen Code für Napster, als er in seinem ersten Jahr an der Uni war. Bei Napster ist die Suche nach MP3 superschnell und supereinfach und man umgeht ebenfalls die smarten Proxy-Server.
In Reaktion auf Gnutella entwickelte die RIAA (Recording Industry Association Of America), ein Programm, das den Netzverkehr nach dem typischen Gnutella Protokoll abfragt. Die Gegenreaktion liess nicht lange auf sich warten: Heute gibt es bereits Gnutella-Varianten, die das SSL oder SSH-Protokoll benutzen, mit dem beispielsweise Kreditkartendaten sicher verschlüsselt über das Internet ausgetauscht werden können.