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100 Jahre Truppenordnungen in der Armee
Rückblick auf den Vortrag vom 23. Juni 2011
Der Vortrag von Jürg Keller, Brigadier a D, hatte zum Ziel, die organisatorische Entwicklung der Schweizer Armee während des 20. Jahrhunderts aufzuzeigen. Anlass dazu war, dass vor genau 100 Jahren der Bundesrat die erste Truppenordnung (TO), welche die Organisation der Armee festhielt, in Kraft getreten war. Vor diesem Zeitpunkt gliederte sich die Armee gemäss den Vorgaben des Gesetzes „Militärorganisation“. Da aber deren Änderungen dem fakultativen Referendum unterlagen und daher notwendige Anpassungen nur sehr schwerfällig zu realisieren waren, wurde die Form der Truppenordnungen geschaffen, welche in die Kompetenz von Bundesrat und Parlament fielen.
Während des kurz nach Inkrafttreten der TO 11 ausgebrochenen Ersten Weltkrieges mussten bereits wieder Anpassungen vorgenommen werden. Dies wegen den im Ausland beobachteten Kriegserfahrungen infolge der fortschreitenden Waffentechnik. Waren zum Beispiel die Maschinengewehre in der Schweiz zu Beginn des Krieges auf Stufe Division eingeteilt, verfügte vier Jahre später jedes Füsilierbataillon über eine Maschinengewehrkompanie. Die Änderungen während der Grenzbesetzung erfolgten gewissermassen im Notrecht und mussten 1925 mit der TO 25 legalisiert werden.
Das gleiche wiederholte sich vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg: Die TO 38, kurz vor Ausbruch des Aktivdienstes veränderte die Armee radikal. Während dieses Dienstes wurden wiederum zahlreiche Anpassungen vorgenommen, welche dann mit der TO 47 gesetzlich verankert wurden.
Die kurz darauf erlassene TO 51 stellte einen ersten Schritt ins Zeitalter der Mechanisierung und der atomaren Bedrohung dar. Nur zehn Jahre später folgte die TO 61, welche bis zum Ende des Kalten Krieges Bestand haben und die letzte Truppenordnung darstellen sollte.
Mit der Armee 95 wurde für dasselbe ein neuer Name eingeführt: Die Truppenordnungen hiessen fortan Armeeorganisation. Diese wurden laufend – eher den finanziellen Möglichkeiten des Landes als den latenten Bedrohungen – angepasst. Dabei ist es bis heute geblieben.
Der von gut 50 Personen besuchte Anlass fand im Rahmen der Vortragsreihe des Vereins Schweizer Armeemuseums statt.
Der nächste Anlass ist am Donnerstag, 18. August vorgesehen, erstmals am zweiten permanenten Standort im AMP Burgdorf. Das Thema: Restaurierung von Fourgons. Referenten: Michiel Brunott und Ludovic Rumo, Restauratoren Stiftung HAM.
Fotos: © Markus Hubacher, Spiez