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Die Orchideenbotanik vom klassischen Altertum bis zur Gegenwart
Teil 2 der Maturarbeit von Roland Wüest

Orchideen als SexualtäuschblumenEinen der verblüffendsten Tricks für garantierte Fortpflanzung wendet die Gattung Ophrys (Ragwurz) an: Die Ophrys-Lippen gleichen in Duft, Gestalt und Oberflächenstruktur dermassen stark den Weibchen von Bienen, Hummeln oder Wespen, dass die Insektenmännchen auf diese imitierten sexuellen Schlüsselreize reagieren. Nachdem das Männchen die Ragwurzblütenlippe angeflogen und einen Kopulationsversuch unternommen hat, belädt es sich automatisch mit Samenpaketen (Polinien) der Orchidee. Besucht das Insektenmännchen die nächste Ophrys-Blüte, wird diese zwangsläufig befruchtet. Bei diesem Vorgang nimmt das Tier keinerlei Schaden, aber Nutzen hat es davon auch keinen.
Das Verbreitungsgebiet der Ragwurz-Orchideen erstreckt sich von Mittelnorwegen (nördliche Grenze) bis zu den Kanaren (südliche und westliche Grenze). Die östliche Verbreitungsgrenze bilden Afghanistan und Pakistan.
Als Eldorado für Sexualtäuschblumen beherbergt der Mittelmeerraum etwa 400 Arten. Immerhin ist auch die Schweiz im Genuss folgender sechs Spezies:
• Ophrys apifera (Bienen-Ragwurz)
• Ophrys araneola (Kleine Spinnen-Ragwurz)
• Ophrys elatior (Kleinblütige Hummel-Ragwurz)
• Ophrys holoserica (Hummel-Rragwurz)
• Ophrys insectifera (Fliegen-Ragwurz)
• Ophrys sphegodes (Spinnen-Rragwurz)
Die Blütezeit dieser ausgesprochen hoch entwickelten Orchideengattung liegt in der Schweiz je nach Art und Standort zwischen März (Ophrys araneola und sphegodes) und September (Ophrys elatior).
Wer hingegen die Artenvielfalt im Mittelmeerraum beobachten will, reserviert sich am besten einige Tage im April.
Aktualisiert 02. 03. 2009
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