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Nadeschda Suslowa war die erste Frau, die sich an der Universität Zürich immatrikulieren durfte und zugleich die erste promovierte russische Ärztin.
Nadeschda Prokofjewna Suslowa wurde am 13. September 1843 als Tochter eines freigelassenen russischen Leibeigenen und Bauern in Panino im Gouvernement Nischni Nowgorod geboren. Trotz dieser schwierigen Voraussetzungen für eine akademische Laufbahn bestand sie die Prüfungen für das Gymnasium und erlangte 1859 das Hauslehrerinnen-Diplom. Wegen ihrem Interesse für Medizin durfte sie von 1861 bis 1864 als Hospitantin an der medizinisch-chirurgischen Akademie in Sankt Petersburg tätig sein. Eine Ausbildung als Ärztin war für die hochbegabte Frau aber wegen des damals geltenden russischen Hochschulbildungsverbots für Frauen nicht möglich.
Weil sie unbedingt Ärztin werden wollte, blieb ihr keine andere Möglichkeit, als ins Ausland zu gehen. Ihre Wahl fiel auf Zürich, weil die dortige Universität damals als liberalste Lehrstätte in Europa galt und zum Beispiel schon seit 1840 vereinzelt Frauen als Hörerinnen in Vorlesungen der Philosophischen Fakultät zugelassen wurden. 1866 war Nadeschda Suslowa (nachdem sich die Russin Marija Alexandrowna Knjazˇnina 1864 als erste Studentin überhaupt an der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich immatrikulieren konnte) die erste Russin und gleichzeitig die erste Frau, die ein Studium an der Universität Zürich aufnahm und erfolgreich abschloss. 1868 folgte ihr mit Marie Heim-Vögtlin die erste Schweizer Medizinstudentin.
Nadeschda Suslowa reiste zusammen mit ihrer Schwester Apollinarija, die als Geliebte des Schriftstellers Fjodor Dostojewski bekannt wurde, nach Zürich. In einem ihrer Briefe nach Russland schrieb Nadeschda über ihr Studium in der Schweiz: «Ich bin die erste, aber nicht die letzte. Nach mir werden Tausende kommen». Und tatsächlich machten Russinnen und Russen 1872 über 30 Prozent aller Studierenden an der Universität Zürich aus. Bei den Frauen betrug ihr Anteil mit 109 Studentinnen sogar sagenhafte 95 Prozent.
Nach ihrer Promotion heiratete Nadeschda Suslowa am 16. April 1868 den Zürcher Augenarzt Friedrich Erismann und zog 1969 zusammen mit ihm nach Sankt Petersburg. Während ihr Ehemann seine Zahnarztpraxis aufbaute, gründete Nadeschda als erste Frau Russlands eine eigene Praxis für Gynäkologie und Pädiatrie.
Am 18. August 1883 wurde die Ehe geschieden und Nadeschda heiratete den russischen Histologen Alexander Jefimowitsch Golubew, mit dem sie in Nischni Nowgorod eine gemeinsame Praxis aufbaute. Lange hielt es das Ehepaar im kalten Norden aber nicht aus und zog in den Kurort Aluschta auf der Krim, wo sie mittellose Leute kostenlos behandelte, eine ebenfalls kostenlose Schule sowie ein Gymnasium und ein Krankenhaus aufbaute. Neben ihrer karitativen Arbeit interessierte sie sich immer stärker auch für philosophische Fragen und verfasste Fachbücher.
Nadeschda Suslowa starb am 20. April 1918 in Aluschta und wurde im Dorf Lasurnoje begraben.
Felix Werner

Nadeschda Suslowa