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Das erscheint als überschaubarer Betrag für die Mammutaufgabe, die globale Erderwärmung einzudämmen. 300 Milliarden Dollar entsprechen dem Bruttoinlandsprodukt von Chile oder den weltweiten Militärausgaben für zwei Monate.
Dabei geht es nicht darum, etwa grüne Technologien oder die Reduzierung der CO2-Emissionen zu finanzieren. Die Lösung ist viel einfacher: Mit einfachen, uralten Praktiken liessen sich Millionen Tonnen Kohlendioxid wieder im Boden einzuschliessen.
«Wir haben die biologische Funktion der Böden vergessen. Wir müssen das umkehren», sagte Barron Orr, leitender Forscher der UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD). «Mit natürlichen Ressourcen – dem Boden – können wird den Klimawandel zu einem grossen Teil bekämpfen».
900 Millionen Hektar Land
Von den 2 Milliarden Hektar Land auf der Erde, das durch falsche Nutzung, Überweidung, Entwaldung und andere weitgehend menschliche Faktoren geschädigt wurde, könnten 900 Millionen Hektar wiederhergestellt werden, errechnete stellvertretende Generaldirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), René Castro Salazar.
Die Rückführung dieser Flächen für Weideland, Nahrungspflanzen oder Bäume würde genügend Kohlenstoff in Biomasse umwandeln, um die Emissionen des Treibhausgases CO2 für 15 bis 20 Jahre zu stabilisieren. Die Welt würde somit Zeit gewinnen, um klimaneutrale Technologien einzusetzen.
Dafür brauche es neben dem politischen Willen etwa 300 Milliarden Dollar, sagen die UN-Experten. Es ist eine günstige Option, welche der Welt etwas Luft verschaffen könnte, bis «klimafreundliche» Technologien in den Bereichen Energie und Verkehr ausgereift genug und auf dem Markt vollständig verfügbar sind.
Im Kern geht es darum, das immer grösser werdende Problem der Wüstenbildung zu lösen. Mindestens ein Drittel der weltweiten Landflächen wurden bis zu einem gewissen Grad abgetragen. Das wirke sich direkt auf das Leben von 2 Milliarden Menschen aus, sagen die Experten bei der FAO.
Sogenannte «marginale» Landflächen werden einerseits durch den Klimawandel belastet, andererseits durch das Bevölkerungswachstum – bis 2050 könnten die Weltbevölkerung auf 10 Milliarden ansteigen, grösstenteils in Afrika südlich der Sahara und Südasien. Gerade in diesen Regionen ist der Boden bereits heute besonders belastet.
CO2 im Boden speichern
Die UN-Experten wollen mehr CO2 im Boden speichern. Kein einfaches Unterfangen, aber schliesslich gehe es auch darum, dass sich Vegetation und Weideflächen wieder regenerieren.
Weltweit seien das 900 Millionen Hektar, die auch wieder zur Nahrungsversorgung gewonnen werden könnten, etwa durch den richtigen Einsatz von Düngemitteln. Diese Fläche haben die UN-Forscher mithilfe von Satellitenbildern und anderen Daten ermittelt.
Jahrzehntelang haben schlechte landwirtschaftliche Praktiken in reichen und armen Ländern zur Ausbeutung des Bodens geführt. Gleichzeitung stammen die Emissionen aus der Landwirtschaft vor allem falscher Landnutzung.
Es gehe jedoch nicht darum, Wüsten zurückzugewinnen, sondern darum, Ödland wiederherzustellen, betont Eduardo Mansur von der FAO. Im September hatten sich 196 Länder und die EU auf einer UN-Konferenz zur Wüstenbildung in Neu-Delhi auf eine Erklärung geeinigt. Demnach soll jedes Land Massnahmen ergreifen, um unproduktives Land bis 2030 wiederherzustellen. Eine Massnahme ist etwa die Aufforstung.
(mlo)