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Selbst
Das Selbst hat als Aufgabe, sowohl die Regeln, Existenzprinzipien, Sinnhaftigkeit und die Lebenskraft (vis vitalis von Bergson) des Individuums an das Trieb-Ich zu vermitteln, als auch Kontakt und Kommunikation mit dem «Höchsten» (für Szondi ist dies Gott), dem Inhaber der «Macht», aufrecht zu erhalten. Nachdem Szondi das Ich mit dem Pontifex oppositorum – unserem Selbst – gleichsetzt, können wir Szondi zustimmend zitieren: «Das Ich/Selbst ist weder das Diesseits noch das Jenseits; es ist die Brücke zwischen Diesseits und Jenseits» (Szondi, ebenda, s. 81). Wir betonen es nochmals: das Selbst ist nicht das Ich.
In unserer bioenergetischen Betrachtungsweise drückt sich das «Höchste» in Form des sog. «A-Feldes» aus, einem kosmischen Energiefeld, das alle Erscheinungsweisen und Entwicklungen der Materie beinhaltet, und daher auch das «Manual» der menschlichen Existenz. Wenn wir den Begriff «pontifex oppositorum» durch «Selbst» ersetzen, dann gelten nach Szondi (ebenda S. 80/81) die folgenden Kernsätze:
«Das Selbst ist weder der allmächtige Gott noch der ohnmächtige Mensch; es ist die Verbindung zwischen Gott und Mensch.
Das Selbst ist weder Geist noch Natur; es ist die Brücke zwischen Geist und Triebnatur.
Das Selbst ist weder Objekt noch Subjekt; es ist Vermittler zwischen Objekt und Subjekt.
Das Selbst ist weder ein Funktionsbündel noch eine besondere Einzelfunktion; es ist die Hand, die die Einzelfunktionen zu einem Bündel verknüpft.
Das Selbst ist weder Mann noch Frau; es ist die Verbindung zwischen Mann und Frau in uns.
Das Selbst ist weder Zentrum des Bewusstseins noch ein Stück des Unbewussten; es ist die Achse, an deren einem Pol das Bewusstsein, am anderen das Unbewusste hängt.
Das Selbst ist weder das Wachen noch das Träumen allein; ist die Brücke zwischen Wachen und Träumen.
Das Selbst ist weder das Diesseits noch das Jenseits; es ist die Brücke zwischen Diesseits und Jenseits.» (Szondi, Freiheit und Zwang, S.80f.)