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Die Befürworter der Familieninitiative sprechen von einer Diskriminierung selbst betreuender Eltern. Ich frage mich, wie diese angebliche Diskriminierung sich präsentieren soll? Werfen wir einen Blick auf zwei Familien mit dem gleichen Einkommen, bei der einen Familie jedoch wird dieses durch einen Elternteil allein erwirtschaftet, die andere erreicht dieses Einkommen nur dadurch, dass beide Elternteile erwerbstätig sind. Bei der ersten Familie betreut ein Elternteil die Kinder zu Hause, es fallen also für die Kinderbetreuung durch dritte keine Kosten an, bei der anderen Familie jedoch fallen Kosten für die Fremdbetreuung an. Ein Steuerabzug nur für die Familien, die ihre Kinder fremdbetreuen lassen, ist demzufolge gar keine Diskriminierung, denn es geht lediglich darum, einen gewissen Ausgleich zu erhalten für Mehrausgaben, die tatsächlich anfallen. Im Gegenteil könnte man argumentieren, dass Eltern, die ihre Kinder fremdbetreuen lassen im Vergleich mit selbstbetreuenden Eltern diskriminiert würden, wenn ein Abzug nun für alle gelten sollte, obwohl die einen keine finanziellen Mehraufwendungen haben.
Nicht alle Befürworter, aber doch eine beträchtliche Anzahl aus ihrem Kreis argumentieren mit „zu geringe Wertschätzung der Arbeit einer Mutter“ oder mit „Unterstützung von intakten Familienverhältnissen“. Da ist der Verdacht schon nicht ganz von der Hand zu weisen, dass es im Grunde nur darum geht, die traditionelle Familienform zu zementieren, was wiederum alle Frauen an den Pranger stellt, die arbeiten müssen (die gibt es tatsächlich!!), aber natürlich vor allem auch jene, die arbeiten wollen. Zudem wird damit auch indirekt (mit dem Zaunpfahl) ausgesagt, dass Familienverhältnisse nicht intakt sein können, wenn die Frau arbeitet. Diese kausale Verknüpfung weise ich zurück, denn Selbstbetreuung der Kinder beinhaltet nicht zwingend eine intakte Familie, sowie arbeitende Eltern nicht gleichbedeutend sind mit nicht intakten Verhältnissen. Aber dies ist ein anderes Thema!
Ich erlaube mir doch auch noch anzumerken, dass Eltern (um wieder von „nur Mama kann’s“ wegzukommen) auch erziehen und die Kinder betreuen, wenn sie arbeitstätig sind. Wer betreut die Kinder am Abend und den Wochenenden, wenn nicht die Eltern? Mutter und Vater ist man nicht nur von Mo-Fr von 08.00-17.00h, sondern 7x24h. Des Weiteren sind die meisten Kinder nicht während 5 Wochentagen fremdbetreut, sondern im Durchschnitt wohl an 3-4 Tagen, weil es sehr vielen arbeitenden Eltern wichtig ist, einen hohen Anteil an der Betreuung selbst übernehmen zu können.
Und ja, ich habe gewisses Verständnis dafür, dass man sich wünscht, die Kinderbetreuung würde mehr wertgeschätzt. Höhere Wertschätzung erreicht man aber nicht einfach durch eine finanzielle Entschädigung und zudem können wir uns das nicht leisten. Wir können uns leisten, einen Steuerabzug zu gewähren, wenn tatsächlich Kosten entstehen und mehr Steuern generiert werden, mehr aber nicht.
Es ist tatsächlich erstaunlich, dass ausgerechnet eine Partei, die immer propagiert, der Staat müsste schlanker werden, die Ausgaben verringert, die Steuern ebenso, nun mit einem solchen Vorschlag kommt. Dies empfinde ich als einen krassen Widerspruch.
Einen weiteren Widerspruch sehe ich darin, dass zwar die einen die Mütter wieder am Herd und nicht auf dem Arbeitsmarkt haben wollen, auf der anderen Seite aber die Einwanderung von Arbeitskräften bekämpfen....... Wo da nur die Logik bleibt?
Was aber am unerfreulichsten ist an der Initiative, wenn es um die Bundessteuern geht: nur die gut verdienenden, die überhaupt Direkte Bundessteuern bezahlen, würden profitieren. Die Familien im unteren Lohnsegment gehen leer aus und das sind nicht wenige. Soll nun tatsächlich eine Familie mit z.B. 200'000.- Einkommen ohne Ausgaben für die Fremdbetreuung der Kinder einen Steuerabzug für die Kinderbetreuung geltend machen können? Wenn wir uns dies dann mal leisten können, dann geht es uns wirklich gut!
Wenn man der Meinung ist, Familien müssten mehr unterstützt werden, dann muss dies auf anderem Weg geschehen, sei dies durch Erhöhung der Familienzulagen oder durch den Pauschalabzug für Kinder. So profitieren alle Familien.
Meine Erläuterungen lassen nur eine Entscheidung zu: NEIN ZUR FAMILIENINITIATIVE, denn sie schafft neue Ungerechtigkeiten und wir können es uns nicht leisten.