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Eigentlich wollte er mit dem Velo von der Schweiz nach Asien fahren. Gelandet ist er mit seinem Velo auf dem Amazonas. (Achtung Funkloch: Da es im Dschungel kein Internet gibt, wurde dieser Beitrag offline geschrieben. Die Gedanken sind drum schon ein paar Tage alt.)
Die Geschichte von Hervé Neukomm ist unglaublich. Aufgewachsen im Welschland startete er seine Berufskarriere erst mal auf der Bank. Das war ihm dann irgendwie aber zu abstrakt und zu viel Büro. So wechselte er zu Globetrotter in die Reisebranche – von da her kennt ihn Paola. Auch das war aber noch zu viel Büro und so startete er mit seinem Velo „Lucie“ in Richtung Asien. Einfach mal losfahren. Und weil die Lage in Afghanistan grad etwas kompliziert war, bog er erst mal nach Süden ab, landete in Afrika und irgendwann nach langer Fahrt in Südafrika. Und weil er grad so im Schuss war, dachte er sich, er könnte wieder nach Norden fahren. Muss ja nicht nochmals Afrika sein, könnte ja auch Südamerika sein.
Gesagt, getan. Und nachdem Südamerika auch erkundet war, beschloss Hervé eine Idee umzusetzen, die er irgendwann in der knochentrockenen Wüste Namibias gehabt hatte. Er könnte doch sein Velo zu einem Boot machen und damit an einem Ort pedalen, wo es immer und überall Wasser hat: dem Amazonas.
Und so begann seine „zweite“ Reise, nachdem er mit Lucie während 5 Jahren bereits 40‘000 Kilometer zurückgelegt hatte. In Ecuador suchte er sich jemanden, der ihm half, Lucie als Antrieb auf ein Boot zu montieren. Das „Biciboat“ entstand und Hervé stach in See, bzw. in Fluss. Die Einheimischen gaben ihm einen Tag auf dem Amazonas, dann würde er sein Abenteuer abbrechen. Hervé hielt mehr als ein Jahr durch und schaffte es bis Leticia. Seine Bootsreise führte ihn während einem ganzen Jahr über elf verschiedene Flüsse, die am Schluss als Amazonas zusammenlaufen und in den Atlantik fliessen. Jeden Tag auf dem Wasser. Hervé meisterte Stromschnellen, Kaimane, Piranhas, Moskitos, Drogenhändler, Piraten und Kannibalen. In Leticia blieb er dann hängen. Nicht weil er das so wollte, sondern weil ihm das brasilianische Militär keine Bewilligung für sein Boot gab. So blieb er halt in Leticia, fand die Liebe, suchte sich einen Job und eröffnete ein Hotel.
Mehrere Monate später kam dann die Bewilligung doch noch. Hervé konnte also auch noch noch den letzten Abschnitt seiner Reise zurücklegen. Von Leticia nach Macapá. Nochmals ein paar Monate, nochmals ein paar tausend Kilometer auf dem Fluss.
So unglaublich das alles klingt – für Hervé ging mit dieser Reise ein Traum in Erfüllung. Weit weg von zuhause auf dem grimmigen Amazonas fand er das schönste Leben, das er sich wünschen konnte. Pura Vida.
Heute ist Hervé wieder in Leticia und führt mit seiner Partnerin Adriana das Habitat Sur. Er engagiert sich für das Amazonasgebiet. Für die einheimischen Völker, Tiere und Pflanzen. Für das Ökosystem, welches von der Ölindustrie, der Palmöl-Produktion, dem Holzhandel und der Viehwirtschaft bedroht ist. Wer mehr über Hervé und sein Leben wissen möchte, der findet weitere Informationen auf: