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Der New Yorker Galerist Louis K. Meisel erwähnte 1969 erstmals den Begriff des Fotorealismus. Er betitelte damit eine bis zu dieser Zeit nicht dagewesene Art der Malerei, welche in den USA viele Kunstverständige ins Staunen versetze. Unwissend über die fotorealistische Bewegung in den USA, gelangte Rudolf Hälser auf seiner Ausreise aus Kuba über Mexiko in den Big Apple. Im Kontrast zum kommunistischen Inselstaat war der omnipräsente Konsum in New York frappierend für Häsler: «Ich musste den Weg in diese Realität suchen. Ich begann die optischen Erscheinungsformen zu untersuchen, so genau wie möglich zu beobachten, was sich hier zeigte.».
In Rudolf Häslers letzter Schaffensphase verschärfen sich die Konturen seiner Pinselführung, das Abgebildete scheint mehr der uns bekannten Wirklichkeit zu entsprechen als in seinen vorherigen Werken. Das Neuartige an fotorealistischen Werken ist die Verschmelzung tradierter Bildmittel der Malerei mit Stilmitteln der Fotografie. Im Gemälde "Metzgerei" von 1985 ist nur die vordere Bildebene scharf abgebildet, der Hintergrund des Gemäldes hingegen ist verschwommen dargestellt – ein Phänomen, das üblicherweise auf Fotografien zu betrachten ist. Die Kompositionen in Häslers fotorealistischen Werken sind sehr detailreich, selbst im Bildhintergrund nimmt die Dichte der dargestellten Einzelheiten nur minim ab.
In seiner fotorealistischen Malweise geht es ihm weniger um die exakte Umsetzung der Darstellung der Fotografie in die Malerei, als um die bewusste künstlerische Entscheidung, welche Details akzentuiert werden sollen. Nicht jede Finesse wird ausgearbeitet, einige Dinge bleiben lediglich angedeutet. Die so entstehenden Unschärfen unterscheiden Häsler von anderen Fotorealisten. Einige Elemente in seiner Malerei bleiben graphisch, wie beispielsweise das Mauerwerk und die Reflektionen auf dem Gemälde "Bar de noche, 43nd Street, New York" von 1992. In diesen Unausgearbeiteten Stellen ist der Entstehungsprozess seiner fotorealistischen Werke erkennbar. Häsler hat nicht bloß Fotografien abgemalt, sondern seinen Gemälden liegen diverse Vorstudien, Skizzen und Farbanalysen zugrunde. Es geht ihm in seinem Schaffen nicht um eine exakte Widergabe der Wirklichkeit, sondern eher um eine abstrahierte, konstruierte Realität, die seines Erachtens besser in der Lage ist, die Stimmung eines Ortes wiederzugeben.