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Der letzte Film gehört sicher nicht zu den Besten im Schaffen des Alfred Hitchcock, nichtsdestotrotz ist es ein Hitchcock-Film eigentlich immer Wert auch musikalisch gehört zu werden. Für Family Plotstanden einige Komponisten zur Auswahl, John Williams war es schliesslich, der den Zuschlag bekam. Sein Erfolg mit Jaws gab ihm einen nicht zu unterschätzenden Vorteil. Frisch nach diesem Grosserfolg und einer verdienten Oscarauszeichnung zählte Williams plötzlich zur Topeilte in Hollywood. Sein Family Plot aber, für dessen Ausführung er viele Freiheiten genoss, klingt mehrheitlich noch nach dem Williams der „leichteren Seite“, ganz nach den Vorstellungen von Hitchcock
Zu hören ist zu Beginn der CD ein nennen wir es mal Mysterium-Motiv (The First Séance), das man ähnlich gestaltet auch in späteren Scores des Maestros zu hören bekommt (insbesondere sticht mir hier immer ähnliches aus den Indy-Musiken, dem Schluss von E.T. oder Close Encounters of the Third Kind ins Ohr). Dieses wird hier von einem wortlosen Frauenchor oder Holzbläsern wiedergegeben, unterstützt von Streichern, Klavier und Harfe, die vorgetäuschte spirituelle Fähigkeit von Barbara Harris (als Blanche) musikalisch unterstreichend. Williams verwendet es auch auf spannend getüncht in Stücken wie Maloney’s Visit to the Jewelry Store/Maloney’s Knife/The Stake Out. Geschäftiges à la Maloney’s Exit erinnert an ähnlich dramatische Momente aus Close Encounters. Auch die Verspieltheit eines Tourists on the Menu aus Jaws ist in Family Plot gut herauszuhören, meist in Zusammenhang mit Blanches Thema, als bestes Beispiel ist der eigentliche Schlusstrack End Cast zu nennen.
Das Cembalo, das Williams gelegentlich in seinen Musiken eingesetzt hat, am aktuellsten kommt einem The Witches of Eastwick in den Sinn, wird mit Blanche assoziiert und weist in humoristischer Art auf die gewiefte Blanche hin. In ähnlichen Bahnen verläuft das bad-guy Thema, das etwas von einer verzerrten Variation von Blanches Thema hat. Folgend ist ein Wechselspiel mit diesen Motiven im Gange, dazu kommt ein weiteres Motiv, das auffällig als Synthesizerklang etwa in Blanche’s Arrival/Blanche’s Note zu vernehmen ist.
Zu guter Letzt: Nach Stück 20, End Cast, ist der Score an sich zu Ende, auch wenn noch zwei weitere Tracks folgen. Das Stück Family Plot Theme (verwendet wird das mysteriose-Thema) war wohl für eine LP- oder vielleicht auch eine Single-Veröffentlichung geplant, mit dem Score hier als solchen hat es nur wenig gemeinsam und die fürchterliche Pop-Variante in The Stonecutters sind wohl ebenfalls Überbleibsel einer damals geplanten aber nicht getätigten Veröffentlichung (oder spielt das Stück vielleicht irgendwo als source music?). Zu bemerken ist noch die Tonqualität, die leider nicht sonderlich gut ausgefallen ist, es fehlt hier an Dynamik, Tiefe und Pepp.
Wer den leichtgewichtigen Williams aus den End-60ern oder von The Witches of Eastwick mag, dem dürfte Family Plot durchaus gefallen. Der Score selber lebt eigentlich von seinen wirklich netten, spannend gemachten Instrumentationen und dem lüpfigen, “Miss Marple-ähnlichen” Thema.
FAMILY PLOT John Williams Varèse Sarabande VCL 1110 1115 63:27 Min. / 22 Tracks Limtiert auf 5000 Stk.