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Folgende "Werkzeuge" haben sich bei Streitigkeiten bewährt:

Beschreiben statt interpretieren

"Sie schreien mich an!" (Fakten konkret beschreiben)
In der Regel massregeln wir das Gegenüber oder interpretieren sein
Verhalten: "Sie müssen nicht immer so laut schreien!
Beherrschen Sie sich!"

Auf Abwertungen und Vorwürfe verzichten

Viele sind sich nicht bewusst, dass beim Reden oft
"Psycho-Tretminen" ausgelegt werden. Sätze, Wörter
können dann wie Bomben einschlagen. Bestimmte Formulierungen
provozieren, verwirren, verspannen, verhindern Verständigung und
verursachen sinnlosen Streit.
Es gibt aber auch Wörter, die klären, entspannen, vermitteln,
die Verständigung fördern und Spannungen lösen können.
Viele Konfrontationen lassen sich konstruktiv austragen,
wenn die Worte besser ausgewählt werden und auf "Wortbomben"
verzichtet wird. Ein Beispiel:

Der Sohn kommt eine Stunde später als verabredet nach Hause.
Bevor er etwas sagen kann, empfängt ihn die Mutter mit:
"Nie bist Du pünktlich! Immer kommst du zu spät!"
Der Sohn antwortet: "Stimmt nicht!" Und schon sind wir mitten im klassischen
"Du - hast- Unrecht - ich - hab - Recht - Streit".
Dialoge, bei denen der Partner unsere verbale "Tretmine" mit:
"Du übertreibst wieder einmal masslos!"
Oder: "Stell dich nicht so an!"
kontern kann, entfernen uns vom konstruktiven Streiten.

Gefühle und vor allem Fakten
konkret formulieren.

Konflikte entzünden sich vor allem an
vagen Formulierungen:
- Wenn wir um dem Brei herum reden,
- wenn wir nur Andeutungen machen
- oder wenn wir indirekt streiten.

Angenommen, eine Frau ärgert sich, weil ihr Mann seine
Unterhosen - trotz Ermahnungen - wieder herum liegen lässt.
In diesem Fall muss die Ehefrau die Fakten genau nennen:

"Erich, du hast am Montag, am Mittwoch und heute morgen
wiederum Deine Unterhosen im Schlafzimmer am Boden liegen lassen.
Mich ärgert es, wenn ich sie in den Wäschekorb
legen muss! Ich habe Dich vor zwei Wochen schon einmal darauf angesprochen.
Was meinst du dazu?"
Dank dieser direkten Formulierung der Fakten weiss der Mann,
wer, was, wann gemacht hat und kennt auch die
Gefühle und Bedürfnisse seiner Frau.
Der Weg ist damit geebnet für einen konstruktiven Streit,
der sogar in einer Verhaltensveränderung enden könnte.
Möglicherweise entschuldigt sich der Mann.
In der beschriebenen Formulierung verzichtete die Ehepartnerin
auf Andeutungen, Verallgemeinerungen oder Interpretationen.
Sie formulierte ohne Vorwürfe und kam direkt zur Sache.
Binnen weniger Sekunden lag das Problem auf dem Tisch.
Dank dieses professionellen Vorgehens lässt sich
konstruktiver streiten.
Bei persönlichen Angriffen kann eine Frage helfen.

Beispiel: Ihr Nachbar beschwert sich, weil auf Ihrem Balkon gegrillt wurde.
"Ich finde, man lernt in der Kinderstube, dass man
auf Nachbarn Rücksicht nehmen soll!"
Anstatt sofort zu diskutieren, könnten Sie fragen:
"Wollen Sie jetzt über die Rauchbelästigung beim Grillen reden
oder über meine Person?"

Beim Streiten lohnt es sich, den Leitspruch zu beherzigen:
"Fragen statt sagen".

Unter vier Augen direkt streiten

Nie unter Zeitdruck; aber auch nicht vor "Publikum" streiten.
Konstruktives Streiten braucht Zeit,
eine ungestörte Atmosphäre und vor allem kein Publikum.
Ebenso gilt: In der ersten Phase, nie schriftlich streiten
Vergleiche dazu den Beitrag
Elektronische Kommunikation .

Mit "ich" Aussagen formulieren

"Ich ertrage diesen Geruch nicht!"
Der andere findet vielleicht den Geruch angenehm und meint:
"Der ist ja gar nicht schlimm."
Meine Aussage: "Ich ertrage diesen Geruch nicht!"
kann als Ich- Aussage nie widerlegt werden.
Denn: Sie stimmt für mich immer. Meine Wahrnehmung ist
und bleibt (für mich) wahr. Deshalb ist eine Ich -
Aussage auch dann "richtig", wenn sie bestritten würde.
In diesem Fall könnte ich die eigene Wahrnehmung
wiederholen z.B.: "Ich habe gesagt: Ich ertrage diesen Geruch
nicht. Er stört mich!" Damit ist klar, wen, was stört.
Bei Streitprozessen wird leider meist viel zu allgemein geredet;
der Sachverhalt wird vage formuliert:
z.B. "Das ist ein grauenhafter Gestank!"

Verzichten wir auf generellen Behauptungen!
Behauptungen können stets problemlos widerlegt werden,
denn es riecht auch in diesem Fall nicht für alle gleich unangenehm.
Die Argumentation endet bei Verallgemeinerungen oft in
langwierigen Streitereien.
Im Beitrag aktives Zuhören
werden alle Techniken des "Spiegelns" ausführlich beschrieben.
In ungezählten Seminaren haben wir festgestellt, dass
nur jene Personen über der Sache stehen, die
gelernt haben, die Aussagen des Gegenübers ernst zu
nehmen.
Beispiel:

Eine Mutter sagt zum Lehrer:
"Sie geben viel zu viele Hausaufgaben. Trudi
wacht nachts auf und weint stundenlang, weil es nicht alle
Aufgaben machen konnte."
Ein ungeschulter Lehrer rechtfertigt sich sofort und
beweist, dass er wenig Aufgaben gegeben hat.
Hierauf wird längere Zeit darüber debattiert, wer nun recht hat.
Eine Lehrperson, die über der Sache steht und das
Problem wichtiger nimmt, als die eigene Person,
ist fähig, den Vorwurf der Mutter zu wiederholen:
"Habe ich richtig verstanden? Trudi wacht nachts auf und schreit, weil es
die Aufgaben noch nicht gemacht hat?"
Dank dieses Spiegelns merkt die Mutter, dass der Lehrer ihr zugehört hat
(sonst könnte er ja das Anliegen gar nicht paraphrasieren.)
In der Regel fährt dann die Mutter gemässigter weiter und liefert
möglicherweise wertvolle Zusatzinformationen.

Anstatt die "Meinungsdifferenz" zu einem Streit eskalieren zu lassen,
folgt durch das Ernstnehmen des Problems ein hilfreicher Schritt in Richtung
konstruktiver Lösungsansatz.
Es lohnt sich immer, schon vor dem Reden zu
überlegen, was zu sagen ist. Siehe dazu die Beiträge:
Es ist normal, dass sich Menschen bei Überraschungen,
Unterstellungen, Beleidigungen oder Provokationen leicht aus dem
Konzept bringen lassen. Die Eskalation des Streites ist dann
vorprogrammiert. Es gibt eine "eskalierende Dynamik".
Wenn wir hingegen bei einer Emotionalisierung sofort ein Stoppsignal
setzen, so ist es möglich, ohne Zeitverlust, rasch zum eigenen
"roten Faden" zurückzukehren.

Kleinliche Äusserungen überhören

Zur Kunst des konstruktiven Streitens gehört auch das
Überhören von rachsüchtigen Äusserungen. Auch kleine
Bemerkungen wie beispielsweise "Auch ein Gläschen Wein ist schon Gift"
oder Bemerkungen, auf die es im Augenblick keine
passende Antwort gibt, dürfen ohne Weiteres überhört werden.
Überhören ist im Zweifelsfall auch den sogenannten
"treffenden Bemerkungen" vorzuziehen, wobei "treffend" wortwörtlich
genommen werden kann: Die Bemerkung kann betroffen machen.
Im Wort "Erwiderung" befindet sich das "wider=gegen".
Darin stecken Begriffe wie - Gegnerschaft, Reibereien, Kampf.
Wer im richtigen Augenblick schweigt,
kann oft besser streiten, weil er nur dort streitet, wo es sich lohnt.
Streitprozesse sind immer von Emotionen geprägt.
Deshalb lohnt es sich, Gegensteuer zu halten und bewusst
kopflastiger zu agieren. Wir haben im Beitrag
Balance darauf hingewiesen, dass wir uns der Gegensätze von
Kopf-Bauch bewusst bleiben müssen. Sobald das Denken vorwiegend
über die Emotionen gesteuert wird, lohnt es sich, gezielt gegenzusteuern,
um sich vom emotionalgesteuerten Verhalten zu lösen.
Konkret gilt bei Emotionalisierungen: Kopf einschalten!
d.h. Weg von der Emotionsebene hin zur Sachebene!