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Der Radikale Konstruktivismus ist eine "Variante" des Konstruktivismus, die auch als Systemtheorie 2. Ordnung und als Autopoiese bezeichnet wird, weil neben E. von Glasersfeld, von dem der Ausdruck stammt, auch H. von Foerster und H. Maturana als Mitbegründer des Radikalen Konstruktivisten gelten. (mehr dazu im Crashkurs Systemtheorie 2. Ordnung).
|ausführlicher in:||

Ernst von Glasersfeld verwendete den Ausdruck "Radikaler Konstruktivismus" erstmals 1974 im Aufsatz "Piaget and the radical constructivist epistemology". In C.D.Smock & E. von Glasersfeld (Eds.), Epistemology and education. Athens
Wir verstehen den Radikalen Konstruktivismus als eine Theorie des Wissens, die Ernst von Glasersfeld aus Theorieansätzen von Jean Piaget entwickelt hat. Der Ausdruck "Konstruktivismus" stammt in diesem Kontext von J. Piaget, der untersuchte, wie sich ein Kleinkind die Wirklichkeit "konstruiert" (u.a. La construction du réel che l' enfant (1937)). Der Ausdruck "Radikal" bezeichnet, die Radikalität des Ansatzes von E. von Glasersfeld, zu welcher J. Piaget sich nicht entschliessen konnte: nämlich dass jedes Wissen eine Konstruktion ist, weil das wissende Subjekt keine Möglichkeit hat, sein Wissen jenseits seiner Erfahrungswelt zu verifizieren. (Der Ausdruck "Konstruktion" wird dabei sehr eigen verwendet, soll sagen, dass keine Naturgebenheit vorhanden sei).
Natürlich - quasi im Sinne der Anwendung der konstruktivistischen Theorie auf sich selbst - besitzt jeder Mensch seinen eigenen Konstruktivismus. Wir entfalten unsere Vorstellungen und unsere Perspektiven zum Radikalen Konstruktivismus auf dieser Site allgemein und speziell im Crashkurs Systemtheorie 2. Ordnung.
Wir sprechen - und wähnen uns dabei im common sense der engineering-Welt - von eigentlicher Konstruktion, wo Artefakte höherer Ordnung produziert werden. Der Eifelturm ist eine Konstruktion aus Profileisen, die ihrerseits keine Konstruktionen, sondern elementare Artefakte sind.
Die Konstruktionen, für die wir uns in unserer Forschung hauptsächlich interessieren, auch weil wir sie systemtheoretisch sinnvoll beschreiben können, sind die kybernetischen Maschinen (Automaten), die wir selbst konstruieren.
Halbwegs entwickelte Konstruktionstätigkeit produziert Konstruktionszeichnungen (Pläne), also Beschreibungen von den Artefakten, die hergestellt werden. (the map is not the territory). Auf der entwickelten Stufe der Konstruktionstätigkeit, auf der Ebene der Programmierung wird die Unterscheidung zwischen dem Konstruktionsplan und dem refenzierten Produkt hinfällig (the map is the territory).
Konstruktivismus ist eine ausführlich dokumentierte Anleitung dafür, wie man für Metaphern eine zweite Redeweise generiert. (Das ist eigentlich keine These, weil Ernst von Glasersfeld seinen Konstruktivismus genau so - nämlich zur Lösung von Problemen, die einer falsch verstandenen Semantik geschuldet sind - eingeführt hat).
Hinweis:
Im biologischen Konstruktivismus von Piaget und im epistemologischen Radikalen Konstruktivismus wird der Ausdruck "Konstruktion" nicht explizit refelektiert, sondern als unproblematische Metapher für eine nicht nährer beschriebene geistige oder mentale Tätigkeit verwendet. (Allenfalls bei Sivio Ceccato, einem Vorläufer des Radikalem Konstruktivismus, lassen sich Hinweise darauf finden, dass Konstruktion technologisch gesehen wird, weil er seine Ueberlegungen mit dem Bau von intelligenten, wahrnehmungsfähigen Maschinen motiviert).
Hinweis:
Weder bei J. Piaget noch bei E. von Glasersfeld wird der Ausdruck "Konstruktion" explizit reflektiert. Beide verwenden ihn als unproblematische Metapher für eine nicht nährer beschriebene geistige oder mentale Tätigkeit verwendet. (Allemfalls bei Sivio Ceccato, einem Vorläufer des Radikalem Konstruktivismus, lassen sich Hinweise darauf finden, dass Konstruktion technologisch gesehen wird, weil er seine Überlegungen mit dem Bau von intelligenten, wahrnehmungsfähigen Maschinen motiviert).
Eine kurze (logischerweise subjektiven) Zusammenfassung des Radikalen Konstruktivismus von einem aussenstehenden Kritiker zeigt, wie verschieden die Wahrnehmungen sind.
"Konstruktivimus" ist ein Label für Theorien, in welchen das Konstruieren und das Konstruiert-Sein im Zentrum steht.
Es gibt Abschnitte dazu in Systemtheorie (Kursunterlagen)
Den Ausdruck "Radikaler Konstruktivismus" verwende ich als Eigenname für eine Lehre. Ich kann also nicht fragen, was Radikaler Konstruktivismus sei oder was daran radikal sein soll, sondern nur, worin die Lehre, die ich so benenne bestehe, und - wenn ich Eigennamen nicht arbiträr begreife - mit welcher Plausibilität eben dieser und kein anderer Name dafür gewählt wurde.
Lehren haben einen Gegenstand, aber extrem selten sind sich die verschiedenen Vertreter einer Lehre darüber einig, worin dieser Gegenstand besteht. Eine Form dieser Differenz zeigt sich im Streit darüber, ob bestimmte Formulierungen überhaupt noch zur jeweiligen Lehre gehören, was dann zu Varianten der Lehre mit je verschiedenen Eigennamen führt. Ein anderes Phänomen besteht darin, dass Eigennamen homonym für ganz verschiedene Lehren verwendet werden. Konstruktivismus etwa gibt es - unabhängig voneinander - in der Mathematik und in der Kunst und in der Epistemologie, und weil Konstruktivismus ein Modewort geworden ist, auch in der Philosophie des gesunden Menschenverstandes, die sich damit beschäftigt, wie wirklich die Wirklichkeit sei.
Zuerst zur Frage nach dem Namen. Warum wohl heisst Paris Paris? Eben. Der Name "Radikaler Konstruktivismus" ist vom Himmel gefallen, aber ich kann eine Geschichte dazu erzählen. E. von Glasersfeld bezeichnete die Lehre von J. Piaget mit Konstruktivismus, weil J. Piaget in einem Buchtitel von "La construction du réel chez l' enfant" gesprochen hatte. Hätte E. von Glasersfeld die deutsche Übersetzung gelesen, die "Der Aufbau der Wirklichkeit beim Kinde" heisst, wäre er wohl nicht auf den Ausdruck Konstruktivismus gekommen, weil der Ausdruck weder im genannten Buch noch in der Lehre von J. Piaget eine wesentliche Rolle spielt. J. Piaget selbst konnte sich mit der "radikal" genannten Variante seiner Lehre, die er selbst als Epistemonologie bezeichnet, nicht anfreunden.
Dann zur bezeichneten Lehre. In einem Gespäch über den Radikalen Konstruktivismus gehe ich davon aus, dass über eine Lehre gesprochen wird. In einem ernsthaften Gespräch kläre ich aber auch das. Schliesslich - bei aller Unbestimmtheit des Wortes Lehre - geht es um den Gegenstand der bezeichneten Lehre. Dann kann ich dialogischerweise nicht mehr vom Radikalen Konstruktivismus überhaupt sprechen, sondern nur noch davon, welche Lehre ich so bezeichne. Natürlich kann man sich auf die Lehre eines einzelnen Buches eines einzelnen Autors einigen. Naheliegenderweise käme dafür das gleichnamige Buch des Erfinders des Ausdruckes in Frage. Ich kenne aber niemanden, der das Buch so gelesen hat wie ich. Ich komme deshalb nicht umhin, von meinem je eigenen Radikalen Konstruktivismus zu sprechen.
Um blödsinnigen Einwänden vorab etwas entgegenzuhalten. Ich habe längere Gespräche mit E. von Glasersfeld gehabt, wir waren uns in fast gar nichts einig. Und umgekehrt meine ich nicht, dass jemand mit Radikalem Konstruktivsmus irgendeine Lehre bezeichne, also beispielweise eine Lehre über das Anpflanzen von Kartoffeln oder die Systemlehre von Hr. von Bertalanffy. Ich gehe davon aus, dass es sich um Lehren im thematischen Umfeld der Epistemologie von J. Piaget handelt. Dann aber ist das Feld ganz weit offen.
Für mich steht im Zentrum der Lehre des Radikalen Konstruktivismus, dass alle Varianten von Erkenntnistheorie aufgehoben sind. Es geht also in keiner Weise um Erkenntnis, sondern um eine systematische Begründung des Dialoges, in welchem Erklärungen beobachtet werden. Um es ganz kurz zu sagen: Es geht um die Konstruktion von Erklärungen.
Geraffte Darstellung: (Henk Goorhuis: Abschied von der Wirklichkeit: Von der Objektivität über die Subjektivität zum Konstruktivismus. In: Ueber die Grenzen des Planbaren hinaus, Ifi, 1995)
With great pleasure I announce the publication of Constructivist Foundations Volume 3 Number 2.
andere Literatur
Irrgang/Klawitter, 1990, 44.
(I) Der Mensch konstruiert sich seine Um-Welt, indem er sich darin bewegt. Das Resultat dieser Bewegung (Lernen), können wir nicht begrifflich verstehen, da er sich nur scheinbar konstruktiv, eigentlich aber natürlich verhält.
(II) Nur was der Mensch konstruiert (Artefakte), können wir eigentlich verstehen.
“Der Partner für den radikalen Konstruktivismus ist demnach nicht die Erkenntnistheorie der Tradition, sondern ihre Theologie (und zwar eine Theologie, die wegen ihrer Ansprüche an Genauigkeit über das hinaus ging, was die Theologie verkraften konnte.)” Siehe dazu: Luhmann, Niklas: Erkenntnis als Konstruktion. In: (ders.): Aufsätze und Reden, hg. von Oliver Jahraus, Stuttgart 2001, S. 218 -243, hier: S. 229 und 228.
www.univie.ac.at/constructivism