Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03540.jsonl.gz/420

Geschichte des Riversurfings
Es fing alles in München damit an, dass einige Abenteuerlustige ein Holzbrett mit einem Seil verbanden, das Seil an einer Brücke festmachten, im Wasser auf das Brett lagen und so auf dem Fluss hin und her fuhren. Dies beobachtete Arthur Pauli im Alter von 10 Jahren von einer Brücke aus und wollte es gleich selbst ausprobieren. Er erzählte: „Ich machte meine erste Bekanntschaft mit einer "Fun"-Sportart, als ich im Alter von etwa 10 Jahren den Kunststücken einiger älterer Kameraden zusah, die in einem schnell strömenden Kanal auf einem Holzbrett hin und her fuhren und auf und ab tauchten.“ (1)
Arthur Pauli gilt als Urvater des Flusssurfens. Im Sommer 1965 baute er sein erstes 2.20 m langes Surfboard, welches aus Sperrholz in Spantenbauweise und mit Glasfaser-Polyester überzogen war. Dieses befestigte er an einem Seil und mit Haken an einem Baum oder an einer Brücke im Fluss Alz. Er fand schnell heraus, dass die Halterung am Baum zu hoch befestigt war und nahm das Zugseil zur besseren Steuerung selbst in die Hand. So konnte er stehend, hin und her surfen. Er wollte mehr über die Bauweise von Surfboards erfahren und beschaffte sich dazu das Grundwissen aus Kalifornien. Er informierte sich auch über die richtige Technik des Wellenreitens, welches ihm später als Vorteil beim Surfen im Fluss zu Gute kam. Er baute vermutlich das erste Longboard aus Hartschaum «Made in Germany», welches 1966 seine Premiere hatte. So produzierte er in den folgenden Jahren viele Surfboards, Riversurfboards und Windsurfboards für seine Freunde. (2)
Zuerst war das Riversurfing eher ein Sport der im Verborgenen ausgeführt wurde, da der Fluss Alz auch gefährlich werden konnte. Erst als die stehende Welle an der Münchner Flosslände entdeckt wurde, gewann das Riversurfing an Bekanntheit, da dieser Ort in der Nähe eines Campingplatzes liegt. Nun wurden auch Vereine gegründet und Riversurfmeisterschaften ausgetragen, die es heute noch gibt. Das Riversurfing wurde immer bekannter und auch Surfer aus den USA interessierten sich für den Sport. Es wurden überall auf der Welt geeignete Riversurfspots in Flüssen entdeckt, wie auch in der Schweiz bei Bremgarten (Aargau), worüber später mehr erzählt wird. Die Welle am Eisbach und diejenige an der Flosslände bleiben die bekanntesten der Welt und München ist und bleibt somit die „Hauptstadt des Riversurfings“. (3)
Material
Auf einer Flusswelle kann mit ganz verschiedenen Surfboards gesurft werden. Zum einen mit den kleinen Shortboards, mit mittel grossen und mit Longboards. Was ich in Bremgarten beobachtet habe, war, dass es einfacher ist mit einem Shortboard zu surfen, welches einen etwas dickeren Kern hat. Es hatte auch welche, die auf einem Longboard gesurft haben. Diese hatten jedoch mehr Mühe, auf der Welle zu surfen und fielen oft vom Brett. Diejenigen, die jedoch auf einem Shortboard unterwegs waren, konnten länger auf der Welle stehen. Mit einem Shortboard kann man sich schneller und wendiger bewegen, als mit einem Longboard, dessen Länge einen beim Fahren auf einer Welle eher einschränkt. Spannend war es auch zu erkennen, dass die meisten, die mit einem Shortboard der Marke DVG Shapes sehr gut mit der Welle klar kamen. Einige surften mit einem Softtech Shortboard. Dies sind Bretter mit einem weichen Kern.
Zudem kann eine Leash am Fuss angebracht werden, damit einem das Brett nicht davon schwimmt. Ein Neoprenanzug ist auch wiederum sehr empfehlenswert, wegen der Kälte und der Steine im Wasser. Viel mehr braucht es nicht, ausser Durchhaltewillen, wenn es beim ersten und zweiten Mal nicht gleich funktioniert.
Technik
Beim Riversurfing wird die starke Strömung eines Flusses genutzt. Dazu müssen die Wellen eine gewisse Grösse erreichen und auch die Wassermenge spielt eine sehr wichtige Rolle. In Bremgarten z.B. muss ca. 200 m3 Wasser pro Sekunde fliessen, damit die stehende Welle entsteht. An einigen anderen Orten wo es eine Flusswelle gibt, wurde diese künstlich gebaut. Bei diesen wurde z.B. ein Betonklotz ins Wasser versenkt, welcher aber manuell nach unten und oben verstellbar ist.
Wie wird nun auf einer Flusswelle gesurft?. Zuerst muss wiederum klar sein, ob rechts vorne oder links vorne gesurft wird. Da bei Flusswellen der Andrang gross ist und es meistens sehr viele Leute hat, wie in Bremgarten, muss manchmal ein wenig gewartet werden. Die Surfer stellen sich in eine Reihe am Flussufer. Dabei kann schon einmal die Flussströmung beobachtet werden. Wenn man selbst an der Reihe ist, wäre es am besten, wenn der Surfer in der vorderen Hälfte der Flusswelle einsteigt. Dann geht es in die Welle und zuerst wird kräftig gepaddelt, bevor der Surfer aufstehen kann. Beim Paddeln ist es wichtig, dass der Surfer nicht zu weit an die dahinterliegende Welle herankommt, sonst wird er aus der Welle getrieben. Wenn der Surfer in der Mitte der Welle auf seinem Brett liegt, kann vorsichtig, aber recht zügig aufgestanden werden. Dieses Aufstehen wird wie ein ganz normaler Surfstart ausgeführt. Zuerst normal auf das Brett liegen, Füsse am Ende des des Boards und die Arme neben dem Körper, wie in einer Liegestützposition aufstützen. Je nachdem ob rechts oder links, den vorderen Fuss ca. in der vorderen Mitte des Brettes und der hintere, ein wenig hinter dem Ende aufsetzen und dabei die Knie unbedingt immer gebeugt lassen. Auf keinen Fall nicht kerzengerade auf dem Brett stehen! Und so kann es losgehen mit hin und her surfen, bis einem die Wucht der Strömung mitreisst und hinter die Welle treibt. Dann wird wieder gewartet, bis man selbst an der Reihe ist.
Orte
Bremgarten Aargau
Die grösste und bekannteste Flusswelle der Schweiz ist bei Bremgarten (AG) an der Reuss. Der Ort ist über eine asphaltierte Strasse sehr gut zu erreichen. Es gibt einen Parkplatz wo manche Surfer auch übernachten. Von dort ist der Surfspot 50 m entfernt. Von der Strasse her hat man eine gute Sicht auf die Welle. In der Mitte des Flusses hat es eine kleine Insel. So können auch die, die rechts vorne sind gut ins Wasser einsteigen. Diese müssen jedoch weiter oben in den Fluss einsteigen und sich zur Insel treiben lassen. Unter der Welle hat es zwei Stufen. Je enger der Abstand zwischen diesen beiden Stufen ist, desto schneller wird das Wasser. Wenn das Wasser über die beiden Stufen fliesst, entsteht die Welle. Hinter der zweiten Stufe befindet sich sozusagen das Bremsbecken. Dieses ist relativ tief (ca. 6-8 m) und bremst die Geschwindigkeit ab. Es gibt einen Wasserrückstau. Dieser Rückstau und das schnelle Wasser bewirken, dass eine Welle entsteht. Je mehr Wasser es hat, desto höher wird die Welle. Es gibt jedoch irgendwann den Moment, in welchem es zu viel Wasser hat. Dann kann sich keine Welle bilden. Befahrbar ist die Welle meistens von Mai bis September. Es braucht einen Wasserstand von 180 cm bis 260 cm, um zu surfen. Bei ca. 220 cm ist gibt es eine durchgehende Welle bis zur kleinen Insel. Auf der Uferseite ist die Welle am steilsten und auch ein wenig schmaler, als auf der Inselseite. Die Welle auf der Inselseite ist nicht so steil, dafür hat man ein wenig mehr Platz zum Surfen. In der Mitte ist es recht flach. Mit einem guten Board ist es möglich, die Welle ganz zu überqueren. Ab ca. 300 cm entstehen auf der Uferseite Strudel, die durch das auf fliessende Uferwasser und das herab fliessende Wasser entstehen. Da sollte man nicht mehr unbedingt ins Wasser gehen, da es schon viele Surfer für ca. 20 Sekunden hinunter gezogen hat, die dann irgendwo weiter unten im Fluss wieder aufgetaucht sind.
Thun
In Thun, in der Aare, gibt es zwei Flusswellen. Die eine Welle befindet sich in der Nähe des Bahnhofs und ist besonders gut für Einsteiger geeignet, da an einem Seil gesurft werden kann. Die zweite Welle ist nur für Fortgeschrittene Surfer geeignet, da dort ohne Seil gesurft wird. Die Entdecker haben ihr auch den Namen „Monster“ gegeben, da es schon viele Verletzungen und halbierte Bretter gegeben hat.
Flusswelle Bern
Der Verein Flusswelle Bern setzt sich seit langer Zeit dafür ein, dass in der Aare eine Flusswelle gebaut wird. Nun haben sie endlich ein "Ja" zur Realisierung bekommen und können wahrscheinlich im Jahre 2020 eine Flusswelle in der Nähe von Worblaufen bauen.
Zürich
Bei Zürich sollte eine Flusswelle in der Limmat gebaut werden (Limmatwave). 2011 wurde das Projekt jedoch nach jahrelanger Diskussionen aufgrund politischer Widerstände aufgegeben.
Luzern
Wie in Zürich scheiterte auch in Luzern das Projekt einer Flusswelle am politischen Widerstand.
Download video: MP4 format
Basel
Wenn es das Wetter und der Wasserstand zulassen, kann an manchen, stürmischen Wintertagen in der Birs, unterhalb der Redingbrücke, in Basel, gesurft werden. Es müssen mindestens 80 Hektoliter pro Sekunde sein. Aber dies ist sehr selten und wenn es eine gibt, wie im Winter 2014, ist sie nur einige wenige Tage surfbar.
Als es um den 04.09.2017 in der Schweiz sehr stark regnete, entstand bei Bürglen (TG), in der Thur eine Hochwasserwelle. Diese entwickelt sich nur bei Hochwasser und ist allgemein bekannt in der Szene. Sie ist jedoch nichts für Anfänger, da es bei jeder Welle Eigenheiten gibt und bei Hochwassser natürlich viel Schwemmholz, Strudel und eine starke Strömung hat.
Meine persönlichen Erfahrungen
Als ich Sandro vom Flussverein in Thun geschrieben hatte, schrieb er mir, dass es in Thun leider zu wenig Wasser hat zum Surfen. So berichtete er mir, dass er am folgenden Tag nach Bremgarten fahren würde, um dort zu Surfen. Der Wasserstand war perfekt und es sollte ein toller Tag werden. Also fuhren wir am 12.8. los nach Bremgarten und kamen dort um die Mittagszeit an. Es waren schon viele Surfer vor Ort. Auf dem Parkplatz wimmelte es von Neoprenanzügen und Surfbrettern. Wir trafen Sandro und er zeigte uns die Flusswelle. Es waren ca. 30 Surfer im Wasser und jeweils zwei Surfer surften gleichzeitig, einer von rechts und einer von links. Sandro erklärte mir alles und ich schaute fasziniert den Surfern zu. Es waren vor allem Jüngere am Surfen, aber auch einige Ältere surften hin und wieder. Es entstanden sehr gute Fotos und Videos. Der Surfspot ist einer der grössten in der Schweiz. An guten Tagen surfen dort bis zu 50 Sportler. Bei schlechtem Wetter kann es sein, dass das Reusswasser nicht besonders sauber ist. Es kam auch schon vor, dass sich Personen mit einem hartnäckigen Virus im Wasser infiszierten und es ihnen sehr schlecht wurde. Bei schönem Wetter ist aber nichts zu befürchten. Es gab drei, vier Surfer, welche sehr gut surften. Sie konnten sogar bis zu einigen Minuten auf der Welle surfen, während andere kämpfen mussten. Diese paddelten und paddelten und wurden jedoch immer wieder hinter die Welle gespült. Ich stellte fest, dass der richtige Zeitpunkt, auf der Welle aufzusteigen, sehr vom Paddeln abhängt. Es ist besser am Anfang genug zu paddeln, bis man sich sicher ist. Erst jetzt aufstehen und nicht einfach wild und schnell in die Welle rutschen und dann überstürzt und wackelig aufstehen. Ich werde das Riversurfing auch sicherlich noch selbst ausprobieren. Dafür werde ich nach Thun zu Sandro gehen.
Um auf einer Flusswelle zu Surfen, muss ich mir zuerst noch ein Surfboard besorgen. Für den 12. August konnte ich so schnell keines auftreiben. Am liebsten hätte ich ein mittleres, welches zwischen einem Longboard und einem Shortboard wäre. Ich habe schon auf einigen in der Karibik gesurft und wenn ich es dann einmal richtig drauf habe, will ich natürlich ein Shortboard. Aber für das muss ich zuerst noch ein paar Stunden auf dem Meer verbringen.
Riversurfing Video von Gravity Kings