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Zwischen April 1999 und Juni 2000 wurde in Klassen des 8. Schuljahrs eine beliebige Mathematiklektion während der regulären Unterrichtszeit gefilmt. Die Lehrpersonen wurden ausdrücklich gebeten, eine alltägliche, wie üblich vorbereitete Lektion zu unterrichten, welche bezüglich des Inhalts der individuellen Planung folgte. Der Filmtermin wurde mit den Lehrpersonen ca. zwei Wochen zuvor telefonisch vereinbart.
Was auf Videoaufnahmen gesehen werden kann, ist in starkem Ausmass auch von der Kameraführung abhängig. Um vergleichbares Datenmaterial zu erhalten, muss sichergestellt werden, dass das Kamerapersonal beim Filmen in ähnlichen Situationen dieselben Entscheide trifft. Aus diesem Grund wurde im Rahmen der internationalen Studie ein Kameraskript entwickelt, welches das grundsätzliche Vorgehen beim Filmen festlegt. Beim Videographieren einer Unterrichtslektion standen zwei Kameras im Einsatz. Die sogenannte "Lehrerkamera" wurde dynamisch geführt und die "Klassenkamera" vermittelt einen statischen Überblick über das Geschehen.
Die Lehrerkamera
Die Lehrerkamera filmte die Lehrperson und einen weiteren Teil des Klassenzimmers. Der primäre Auftrag für diese Kamera lautete, die Lehrperson in jedem Fall im Bild zu behalten. Die Kamera wurde seitlich im hinteren Drittel des Schulzimmers aufgestellt und manuell bedient. Mit dieser Kamera konnten auch kurze Nahaufnahmen von verwendeten Unterrichtsmaterialien oder von einer Wandtafelanschrift usw. gemacht werden. Lehrer-Schüler-Gespräche in Stillarbeits- oder Gruppenarbeitsphasen konnten ebenfalls per Nahaufnahme festgehalten werden.
Die Klassenkamera
Die Klassenkamera wurde auf einem Stativ seitlich im vorderen Drittel des Schulzimmers aufgestellt. Mit einer weiten Kamerawinkeleinstellung sollten möglichst viele Schüler und Schülerinnen erfasst werden. Diese Kamera war während der Filmaufnahmen nicht bedient. Aufgabe dieser Kamera war es, die Interaktionen der Lernenden mit der Lehrperson oder untereinander einzufangen. Das Filmmaterial dieser Kamera wird bei der Datenanalyse herangezogen, wenn beim Betrachten der Lehrerkamera-Aufnahmen Unsicherheiten in der Situationsinterpretation auftreten.
Tonqualität
Nebst guten Bildaufnahmen spielt in diesem Design die Tonqualität eine zentrale Rolle beim Verstehen von Lehr-Lernhandlungen in Klassenzimmern. Drei Mikrophone kamen bei den Videoaufnahmen zum Einsatz: Ein kabelloses Mikrophon, das die Lehrperson am Körper trug, ein Richtmikrophon, das der Lehrerkamera aufgesetzt war, und das eingebaute Mikrophon der Klassenkamera. Das Kamerapersonal hatte den Auftrag, die Tonqualität während der Aufnahmen sorgfältig zu überwachen und bei Bedarf Anpassungen vorzunehmen.
Im Weiteren waren die Kameraleute angewiesen, Kopien von verwendeten Arbeitsblättern, Hellraumprojektorfolien, Schulbuchseiten usw. zu sammeln.
Qualitätssicherung
Die Schulung der Kameraleute fand für die Dauer einer Woche in Los Angeles statt. Mindestens zwei Personen pro Teilnehmerland nahmen an diesem Training teil, in welchem die genauen Aufnahmeregeln gemäss Kameraskript erlernt und Probeaufnahmen in Klassenzimmern gemacht wurden. Im Verlauf des Datenerhebungsprozess wurden die ersten zwei Aufnahmen und danach jede zehnte Videoaufnahme nach Los Angeles geschickt und dort auf Bild- und Tonqualität sowie auf die Einhaltung des festgelegten Kameraskripts hin überprüft.