Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03185.jsonl.gz/275

Beschreibung
Der bekannte, durchwegs als überaus seriös geltende Autor beschreibt in seinem neusten Buch die Aussenbeziehungen der einstigen DDR. Verständlicherweise geht er auch auf die Schweiz ein, wobei er manches recht kritisch sieht. Der Schweizer Nachrichtendienst hätte den Fall der Berliner Mauer zwar frühzeitig erwartet, doch war in Bern der Aussenminister René Felber zu keinem Statement fähig und verkannte völlig, dass die DDR-Bevölkerung die Wiedervereinigung
anstrebte – was in seinen Augen «keine angenehme Vorstellung» war.
Als der Schweizer Peter Gross, der Koch der Schweizer Botschaft in der DDR, seine DDR-Freundin Christa in den Westen schmuggeln wollte, wurden sie dabei verhaftet und er zu fünf Jahren sowie sie zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Hatte sich der Koch in seiner Freizeit stets um den Garten und ebenso um den Hund des Schweizer Botschafters Hans Miesch zu bemühen, so besuchte dieser den Häftling niemals und fragte auch später nie, wie es seinem einstigen Angestellten ergehe. Gelegentlich schickte er allerdings einen Konsul ins berüchtigte
Zuchthaus Bautzen. Statt ihn nach seiner späteren Freilassung zu fragen, ob man ihm helfen könnte, schickte der Herr Botschafter ihm eine Rechnung für die «Mühewaltung» eines jeden Konsul-Besuchs in Höhe von Fr. 1630.90. Niemand auf der Schweizer Botschaft fragte nach dem weiteren Schicksal ihres früheren Mitarbeiters. Inzwischen ist er mit seiner Christa glücklich verheiratet, beide aber haben verbittert die Eidgenossenschaft verlassen.
Für die Schweiz, deren politischer Spürsinn, ihren Freiheitswillen und deren Menschlichkeit im Ausland allgemein gerühmt werden, war diese Episode der Geschichte alles andere als Ruhmestaten!