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DEUTSCHER FILM
|DER
DEUTSCHE

FILM
|Marianne
Winkelstern

1910 - 1966
|.

.
Marianne Winkelstern wurde als Maria Anna Martha Winkelstern in Berlin geboren. Sie machte sich vor allem als Solo-Tänzerin einen Namen. Ihr Vater, Adolf Winkelstern, stammte aus der Gegend südlich von Kassel. Sie wuchs mit zwei Schwestern auf, Eva und Liselotte, erstere war mit einem Sohn des Berliner Bildhauers August Kraus, letztere mit dem Tenor Erich Bodart, dem Bruder des Komponisten Eugen Bodart, verheiratet.
Der Vater hatte eine gutgehende Importfirma für Kaviar, die auch kaiserlicher Hoflieferant war. Er besaß das "Hotel Viktoria" in Misdroy auf Wollin, das nur im Sommer geöffnet war. Vom Wohlstand hatte leider die (spätere) Marianne zunächst nicht allzuviel, da ab 1916 die Folgen des Krieges spürbar wurden, mit dem "Kohlrübenwinter" 1916/17. Dennoch wuchs sie als behütetes Nesthäkchen auf.
Es war der Ehrgeiz des Vaters, aus ihr eine Tänzerin zu machen. Neben ihren Tanzstunden wurde sie nur privat von einer alten Dame unterrichtet, besuchte nie eine Schule. Als Kind gab sie bereits Tanzabende, die der Vater unter Übernahme der Kosten organisierte.
Marianne Winkelstern war eine ausdauernde Person ohne jegliche Sentimentalität oder Romantik, gradlinig und pflichterfüllend, hart gegen sich selbst, später auch gegen andere, die grossen Wert auf Perfektion legte. Einmal tanzte sie einen ganzen Akt weiter, obwohl sich ein Nagel aus dem Ballettschuh in den Fuß getrieben hatte, der blutete. Die Goebbels-Tagebücher erwähnen ihren Besuch, zusammen mit der damals ebenfalls tanzenden Leni Riefenstahl.
Beim Film debütierte sie bereits 1928 in "Der Faschingsprinz" (28), es folgten die Filme " Die Zirkusprinzessin" (28) und "Der weisse Teufel" (30). Hinzu kamen "Liebeswalzer" (30), "Nur Du" (30), die "Die große Attraktion (31) und "Ein Kuss in der Sommernacht" (33).
Mit steigendem Erfolg bezog sie eine eigene Wohnung im Haus ihrer Familie
und leistete sich ein attraktives weißes Kabriolet in Sonderanfertigung.
Mit diesem fuhr sie eines Tages einen alten Mann zu Boden, der daraufhin
starb. Sie wurde von aller Schuld freigesprochen, da letzterer ihr praktisch
vor den Kühler gelaufen und nicht mehr bei Sinnen war. Schockiert
über diesen Vorfall, wollte sie eine Zeitlang Berlin verlassen.
Ihr Förderer "Erik Charell" (Erich Löwenburg) war auf Grund seiner
Abstammung inzwischen nach England emigriert, wo er sie in der nunmehr
im London Coliseum erneut aufgezogenen Musikrevue "Casanova" in ihrer früheren
Berliner Funktion als Ballerina einsetzte.
Seit 1934 oder 35 verheiratet, strebte dieser Ende der 30er Jahre danach, sich und seine Frau "in ruhigeres Fahrwasser zu leiten", und kaufte hierfür ein wunderschönes Anwesen mit Wald, Seen und Wiesen von etwa 1 qkm in Sussex, 100 Kilometer südlich vom Londoner Zentrum. So befand er sich tagsüber in London, während seine Frau im "goldenen Käfig" verblieb. Hieran gewöhnte sie sich, gestützt durch die schöne Umgebung und freundliche Untergebene.
Als der Krieg ausbrach, zog er sich ebenfalls auf das Anwesen zurück.
Dank seines Status, der Tatsache, daß sie eine Frau war, und ihrer
politischen Unkenntnis gab es für sie als gebürtige Deutsche
keine Diskriminierung.
Wie für Damen der angelsächsischen Gesellschaft in den 50ern
in Mode, rauchte sie stark. Ihr Neffe war nicht wenig überrascht,
als sie ihm Anfang der 60er ihren ständigen Begleiter, das Feuerzeug,
beiläufig schenkte.
Eine der rhodesischen Farmen baute, und baut im heutigen Simbabwe weiterhin, ausschließlich Tabak an.
Ein herzliches Dankeschön geht an den Neffen Detlef E. Bodart,
der einen intimen Blick auf das Leben von Marianne Winkelstern gewährte.
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