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1797 verlor Graubünden seine Untertanengebiete im Veltlin, Bormio und Chiavenna. Ein Jahr später lud die Helvetische Republik Graubünden zum Beitritt ein. Die Bündner lehnten einen solchen im August 1798 mehrheitlich ab. Die Gegner eines Anschlusses sicherten den Entscheid dadurch ab, dass sie im Oktober österreichische Truppen ins Land riefen. Diese wurden im Frühjahr 1799 von französischen Truppen vertrieben, worauf Graubünden am 21. April 1799 als Kanton Rhätien der Helvetischen Republik beitrat. Nur rund einen Monat später wandte sich das Blatt jedoch wieder zugunsten der Österreicher. Erst nach einer nochmaligen Rückkehr der Franzosen im Juli 1800 kam es zu ersten Schritten der Integration, die von den Gegnern wiederum stark und effektiv bestritten wurden. Nach Abzug der französischen Truppen und der Restitution der alten Verfassung fiel Graubünden kurze Zeit vor der allgemeinen Auflösung der Helvetischen Republik wieder ab, um dann wenige Monate später, nach dem Erlass der Mediationsakte vom 19. Februar 1803, zum vollberechtigten Stand der Eidgenossenschaft zu werden.[1]
Es sind aus dem Kanton Graubünden denn auch keine ausführlichen Umfrageantworten und nur wenige Berichte über das Strassenwesen überliefert. Ein nicht datiertes kurzes, im Zusammenhang mit der Klassifikationsumfrage abgelegtes Schreiben informiert über den bisherigen Strassen- und Brückenunterhalt. Ein ausführlicher Bericht liegt mit den «Bemerkungen über das Straßenwesen im Kanton Rhätien, und Vorschlag zu deßen Erbeßerung in Rüksicht des Handlungs-, Fuhr-, Spedition- und Zollwesens» aus dem Jahr 1802 vor. Das Dokument enthält interessante Informationen unter anderem zur Befahrbarkeit der Strassen südlich von Chur: die Strecke von Chur nach Thusis war zweispännig, die von Thusis bis Splügen nur einspännig befahrbar, während der eigentliche Passübergang ab Splügen mit Saumpferden bewältigt werden musste. Der Septimerpass war hingegen einspännig befahrbar.[2]
Hinsichtlich des Gebietsstands unterschied sich das damalige vom heutigen Gebiet nur dadurch, dass das kleine Seitental Saiento noch nicht zum bündnerischen Gebiet des Val Poschiavo gehörte.
1800 oder 1801 entstandene Manuskriptkarte «Teil von Graubünden und Glarus». Bei dieser handelte es sich wahrscheinlich um eine Grundlage zur geplanten, aber nicht fertig gestellten Schweizerkarte (vgl. dazu «Raumkenntnisse, Kartenwissen»).
Literatur zur Bündner Strassen- und Verkehrsgeschichte
Barraud Wiener, Christine; Simonett, Jürg. Zum Bau der «Kunststrassen» im 18. und 19. Jahrhundert: Die Disziplinierung von Landschaft und Bevölkerung, in: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte 40, Basel 1990, 415–433.
Simonett, Jürg. Verkehrserneuerung und Verkehrsverlagerung in Graubünden. Die «Untere Strasse» im 19. Jahrhundert, Chur 1986.
[1] Leonhard, Martin. Die Helvetik (1798–1803), in: Handbuch der Bündner Geschichte, Bd. 3, 19. und 20. Jahrhundert, Graubünden 2005, 249–257.
[2] CH-BAR#B0#1000/1483#3150#1, fol. 338-340v [PDF-S. 546-551].