Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03594.jsonl.gz/388

18.12.2020 |News
Europa: E-Zigaretten immer noch hoch im Kurs unter Jugendlichen
Der Global Youth Tobacco Survey (GYTS) ist eine der weltweit standardisierten Umfragen des globalen Tabak-Monitoringsystems und basiert auf an Schulen durchgeführten Umfragen. Er liefert Daten zum Tabakkonsum unter Jugendlichen im Alter von 13 bis 15 Jahren und erhebt gleichzeitig Schlüsselindikatoren zur Tabakkontrolle.
Der Bericht zielt auf die Förderung des Dialogs zwischen Fachleuten der öffentlichen Gesundheit, Verantwortlichen verschiedener Sektoren sowie Entscheidungsträgern, so dass Programme zur Eindämmung des Tabak- und Nikotinkonsums als auch die Umsetzung der Massnahmen des WHO-Rahmenübereinkommens zur Eindämmung des Tabakkonsums auf der Ebene der einzelnen Länder beschleunigt werden können.
Allgemeiner Abwärtstrend, aber grosse Unterschiede zwischen den Ländern
Die Zahlen erschüttern: der Konsum von Tabakprodukten führt jährlich zu 8 Millionen Todesfällen weltweit, davon sterben 1.2 Millionen an den Folgen des Passivrauchens. Die Mehrheit der Rauchenden, nämlich 88%, beginnen mit dem Konsum der schädlichen Produkte vor dem 18. Lebensjahr. Untersuchungen zeigen, dass zwei Drittel derjenigen, die einmal eine Zigarette probieren, zumindest zeitweilig täglich zur Zigarette greifen werden. Dem Kinder- und Jugendschutz muss somit mit griffigen Präventions- und Tabakkontrollmassnahmen eine grosse Bedeutung zukommen, insbesondere auch in der Schweiz.
Trotz eines allgemeinen Abwärtstrends bei der Prävalenz des Tabakkonsums unter Schülern und Schülerinnen im Alter von 13 bis 15 Jahren, verzeichneten mehrere Länder der WHO Region Europa in der letzten GYTS-Runde höhere Raten als früher. Die Prävalenz von aktuellen Rauchenden variiert stark von Land zu Land. Die höchste Prävalenz liegt derweil bei 28.8% in Bulgarien (2015). In mehr als einem Drittel der beobachteten Länder (neun von 25) waren die Prävalenzraten des Zigarettenrauchens bei Jungen signifikant höher als bei Mädchen. Die höchsten Prävalenzraten bei Mädchen wurden in Italien (23,6% für Mädchen gegenüber 16,2 % für Jungen, 2018) und Bulgarien (23,7% gegenüber 17,2%, 2015) evaluiert. Dabei bleiben Zigaretten in den meisten der untersuchten Länder das am häufigsten konsumierte Tabakprodukt, gefolgt von der Wasserpfeife. Die Wasserpfeife (oder Narguila / Shisha) bildet in der Gruppe der alternativen Tabakprodukte unter Jugendlichen das beliebteste Produkt.
Doch auch insbesondere E-Zigaretten erfreuen sich bei Jugendlichen im Alter von 13-15 Jahren zunehmender Beliebtheit. In einigen Ländern, wie beispielsweise in Polen, sind E-Zigaretten in dieser Altersklasse deutlich beliebter als herkömmliche Zigaretten.
Die Umfragen des GYTS geben Aufschluss über weitere Indikatoren wie der Exposition gegenüber Passivrauch an Schulen und zu Hause sowie zu den Raten von Schülerinnen und Schülern, welche einen Rauchstopp versucht hatten und dazu, wie viele hierbei Unterstützung erhalten haben. Weitere Indikatoren sind die Erreichbarkeit von Tabakprodukten, Werbung, das Bewusstsein für Anti-Tabak-Botschaften in den Medien sowie das Wissen und Gewohnheiten der Jugendlichen.
Zu grosse Erreichbarkeit von Tabakprodukten
Besorgniserregend bleibt auch, dass der Zugang junger Menschen zu Zigaretten in fast allen Ländern hoch bleibt. In 16 von 23 Ländern konnten mehr als 50% der Jugendlichen Zigaretten kaufen oder haben diese von verschiedenen Quellen erhalten. Und mehr als zwei Dritteln der Schüler*innen wurde der Kauf von Zigaretten trotz ihrer Minderjährigkeit nicht verweigert.
Die Daten belegen, dass Jugendliche von der Tabakindustrie durch ausgeklügelte Marketingstrategien gezielt angesprochen werden. Fast drei von vier Personen waren einer Medienkampagne für Tabakprodukte ausgesetzt!
Ein vollständiges Verbot von direkter und indirekter Werbung, von Promotion und Sponsoring kann die Exposition junger Menschen gegenüber Marketingeinflüssen und anderen Taktiken der Tabakindustrie deutlich reduzieren. Die Daten der Studie legen nahe, dass die einzelnen Länder somit solche Präventionsmassnahmen fördern sollten, die den Einstieg Jugendlicher in den Tabakkonsum verhindern.
Zum Bericht:
Summary results of the Global Youth Tobacco Survey in selected countries of the European Region. Copenhagen: WHO Regional Office for Europe; 2020.