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Tausende von Wänden sind durch meinen Kopf gegangen. Mit einer Energie, die drei Finger breit unter meinem Buchnabel produziert wird, welche ich durch meine Wirbelsäule in mein Haupt hochleiten kann, dies benötigt übrigens viel Übung, habe ich sie pulverisiert. Das Pulver ist dann aus meinen Ohren gerieselt, auf den schönen Küchentisch hinunter.
«Back Door Divas»
Mit einem Stück Pappe, das einst zur Rückseite eines Kalenders gehörte, «Back Door Divas 1998», ich sammle nämlich alte Pappe, habe ich das Pulver zu hübschen Häufchen zusammen gewischt. Mit einem Strohhalm habe ich es mir nach und nach in die Nasenhöhlen hochgezogen.
Das war gut.
Den Fluss leer getrunken
Gestern Abend haben Kamala und ich den Fluss leer getrunken, der hinter unserem Haus vorbeifliesst. Er kommt aus der Ewigkeit und fliesst wieder dorthin zurück, wie alle Wasser dieser Welt. Nun zappelten die Fische im trockenen Flussbett. Schnell töteten wir sie und luden das ganze Dorf zu Tische. Es gab gebratene, gedämpfte gekochte Fische, dazu jede Menge Brot und Alkohol.
Libidinöse Gemengelage
Bald tanzten die Damen nackt bis auf die Reitstiefel, die man in unseren Breitengraden niemals auszuziehen pflegt, auf den Tischen, wackelten fröhlich mit ihren stattlichen Hintern und Brüsten. Gläser und Teller gingen unter ihren spitzen Absätzen, ihren Sohlen zu Bruch. Manche der Ladies trugen übrigens noch ihre Hüte, Hüftgürtel, Handschuhe, was den Reiz des Dargebotenen durchaus erhöhte. Danach kam es zu einer libidinösen Gemengelage, welche in einer tüchtigen Schlägerei mündete. Am Ende wurde die Tischgemeinschaft von einer bleiernen Müdigkeit niedergestreckt. Ein Abend wie ein ganzes Leben.
Das war gut.
Vier Augen, vier Bildschirme
Meine Brüder, meine Schwestern und ich haben alle vier Augenpaare und vier Paar Ohren. Also verfügten wir zuhause auch über vier Bildschirme, auf denen jeweils – und simultan – vier verschiedene Filme liefen; ein Animationsfilm, ein Kriegsfilm, eine Tragödie und ein Sexfilm. An jeden einzelnen dieser Bildschirme waren zwei Lautspecherboxen sowie ein Tieftöner angeschlossen.
Semiotische Spalten
Wir waren so ungeheuerlich früh-begabt, dass wir einerseits jeden einzelnen Film für sich wahrnehmen, würdigen und – bis in die letzten semiotischen Spalten hinein – auslutschen konnten. Anderseits waren wir jedoch auch fähig dazu, das Gesamtbild, welches sich aus den vier Filmen ergab, zu erfassen, zu analysieren, die Spannungen, die Synchronizitäten, im Sinne C. G. Jungs, aber auch weit über den alten Seelenmetzger hinaus, die soziologischen und kulturellen Implikationen aufzuspüren, einzuordnen, die sich aus dieser medialen Vierfältigkeit ergaben. Zudem haben wir die Sache zutiefst genossen. Als wir dann Haschisch, Psilocybin, Meskalin, Phencyclidin, LSD, DMT, MMC entdeckten, ging es noch einfacher, war zudem noch unterhaltsamer. Wir verfügten am Ende über derart weite intellektuelle Perspektiven, derart tiefe Erkenntnisse, dass die liebe gute Berufberaterin – sie trug übrigens lediglich den «Bondage Teddy with Arm Restraints» von Leg Avenue – uns allen nur ein einziges Arbeitsfeld empfehlen konnte: Serienmord. Und auf diesem Feld haben wir dann ja, alle vier Buben und vier Mädchen, prachtvoll exzelliert!
Das war gut.
…dass man nichts tut
Drei goldene Haare auf dem Haupt des Teufels, drei kleine Schweinchen für den grossen bösen Wolf, drei von sieben Zwergen, die ihre fiesen kleinen Zipfel gleichzeitig ins Schneeflittchen stecken, die anderen vier waren mit sich selbst beschäftigt. Dreimal «gut» in diesem Text. Doch das Bessere, ja das Bessere ist bekanntlich der Feind des Guten!!!
– Und schliesslich werden wir uns niemals damit abfinden, dass man nichts tut.