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| Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)

Sermo XXI-XXX: Zehn Predigten am Geburtsfeste unseres Herrn Jesu Christi.
Sermo XXX. 10. Predigt auf Weihnachten.
2.
Manche glaubten auf Grund der Berichte über die Geburt unseres Herrn Jesu Christi, die ihn als wahren "Menschensohn" bezeichneten, er sei eben auch nicht mehr als der Sohn eines Menschen gewesen. Sie meinten, man dürfe dem nicht göttliches Wesen zuschreiben, den sein Kindesalter, das Wachstum des Leibes und seine leidensfähige Natur, der sogar der Tod am Kreuze nicht erspart blieb, als einen den übrigen Sterblichen völlig gleichen Menschen gekennzeichnet hätten. Andere dagegen staunten seine Wunderkräfte an. Und da sie erkannten, daß seine eigenartige Geburt und die Macht seiner Worte und Taten auf ein göttliches Wesen hinweisen, so wähnten sie, er habe überhaupt nichts von unserer leiblichen Natur. Nach ihrer Meinung ging alles, was mit seiner körperlichen Gestalt, mit seinen menschlichen Handlungen zusammenhing, entweder auf eine " feinergeartete Materie" oder auf einen "Scheinleib" zurück, so daß sich die Sinne jener, die ihn sahen oder berührten, durch ein " Trugbild" täuschen ließen. Gewisse Irrlehrer waren auch von folgender Anschauung fest überzeugt, so daß sie zu behaupten wagten, aus der Wesenheit des Wortes sei nur ein " Teil " Fleisch geworden, und der von der Jungfrau Maria geborene Jesus habe nichts mit der menschlichen Natur seiner Mutter gemein; was dagegen in ihm Gott, in ihm Mensch war, habe beiderseits zu dem gehört, "was das Wort ist". Demgemäß wäre also in Christus infolge der von unserem Fleische verschiedenen Substanzen keine wahrhaft menschliche Natur; infolge des Defektes der Veränderlichkeit keine wahrhaft göttliche gewesen.