Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03201.jsonl.gz/3021

Das Quartier St. Alban liegt am südöstlichen Stadtrand von Grossbasel und gilt als vornehmster Stadtteil von Basel. Mit Ausnahme der St. Alban-Vorstadt – sie entwickelte sich innerhalb der Stadtmauern – war die Gegend des heutigen Quartiers St. Alban bis ins 18. Jh. spärlich bewohnt. Nur am Mühleberg in Richtung Rhein standen ein paar Häuser. Dichter besiedelt war hingegen die engere Umgebung des Klosters im St. Alban-Tal. Die Landschaft vor dem Stadttor bestand aus Äckern, Gärten und Weinbergen. Die meisten Vorstadtbewohner hielten damals Vieh, Schafe und Schweine. Sie weideten auf der Lehenmatt, die sich im Besitz der Vorstadtgesellschaft befand. Mit dem Fall der Stadtmauern ab 1860 entwickelte sich das St. Alban als Wohlstandsviertel auf der oberen Rheinterrasse.
Zum St. Alban gehört auch das Villenviertel Gellert, das südlich der heutigen Zürcherstrasse und in Richtung Aeschenplatz und Bahnhof gebaut wurde. Früher und auch noch heute wohnten und wohnen dort die vornehmen und wohlhabenden Altbasler Familien in Villen, die von ausgedehnten Parkanlagen und altem Baumbestand umgebenen waren. Bekannt ist der 1823 nach englischem Vorbild angelegte 3.5 Hektaren grosse Landschaftspark Gellertgut. Charakteristisch für das Quartier ist auch die Grünanlage beim St. Alban-Tor. Sie ist ein bekanntes Beispiel für die ersten öffentlichen Grünräume der Stadt. Nachdem die Stadtmauern abgebrochen waren, wurde die Anlage nach dem Gutachten des Münchner Hofgärtners Karl von Effner angelegt. Dieser hatte anstelle der Stadtmauern und Gräben einen Ring öffentlicher Anlagen und Promenaden vorgeschlagen.
Mit dem Bau des Gewerbekanals St. Alban-Teich in der Mitte des 12. Jh. entstand im Tal ein Gewerbequartier mit vielen, damals wichtigen Betriebszweigen. Der Kanal wurde vom Kloster St. Alban angelegt, um die Wasserräder der Mühlen anzutreiben. Diese dienten der Holz-, Metall- und Getreideverarbeitung. Zudem flösste man auf dem Kanal Baumstämme aus dem Jura nach Basel. Die meisten Mühlen wurden im Spätmittelalter zu Papiermühlen umgebaut, die Basel im 16. und 17. Jh. zum bedeutendsten Papierproduzenten der Schweiz werden liessen. Seit dem Jahre 1980 befindet sich in zwei ehemaligen Mühlen das heutige Papiermuseum. In diesen beiden Gebäuden wurde 446 Jahre lang, bis 1924, Papier hergestellt. Die 1336 gegründete «Korporation zur Nutzung des St. Alban-Teichs» hat bis heute das alleinige Verfügungsrecht über alles Wasser. Auch die St. Alban-Kirche sowie das letzte Stück der Basler Stadtmauer mit dem Letziturm sind im Tal zu finden.
Das Breite-Lehenmattviertel liegt am östlichen Ende von Grossbasel und ist von Wasser umgeben: Im Osten von der Birs mit dem Birsköpfli und im Norden vom Rhein. Im Westen und Süden grenzt die Breite-Lehenmatt an den St. Alban-Teich. Dieser trennt die Breite vom Quartier St. Alban. Das Viertel wurde auf den untersten Flussterrassen von Birs und Rhein gebaut. Gemessen am historischen Basler Stadtkern ist die Breite-Lehenmatt jedoch noch nicht alt. Erst mit dem Verkauf der Lehenmatt-Weide zu Beginn des 19. Jh. und mit der einsetzenden Industrialisierung sowie nach der Flusskorrektion der Birs um 1870 kam es zur Quartiergründung. Der Hochwasserschutz machte die Besiedlung der Birs- und Rheinterrassen möglich. Die Lehenmatt trägt den ehemals ländlichen Charakter noch in ihrem Namen.
Die Breite ist nach dem Flurnamen «die Gebreite», einem ehemaligen Feld, das zwischen dem St. Alban-Quartier und der Birsmündung lag, benannt. In den Boomjahren zwischen 1890 und 1914 entstand mit der Breite ein Stadtteil, der durch seine Lage, seine Bauten und verschiedene Vereine sowie durch seine soziale Zusammensetzung eine eigene Identität zu gewinnen begann. In der Breite lebten viele Arbeitskräfte, die in der Seidenbandindustrie angestellt waren. Das Quartier hatte deshalb lange den Charakter einer Arbeitersiedlung. Um 1920 entstand die kompakte Blockrand-Bebauung zwischen dem Rheinufer und der unteren Zürcherstrasse. Die bauliche Entwicklung setzte sich ohne kohärente Planung nach und nach bis auf die Birsterrassen fort. Allerdings kam es erst ab 1945 zu einer flächendeckenden Bebauung.
Die Breite-Lehenmatt wird heute von den zwei Verkehrshauptachsen der Zürcherstrasse und der Schwarzwaldbrücke (Auto- und Eisenbahn) gänzlich zerschnitten, mit entsprechenden Luft-, Verkehrs- und Lärmemissionen für die BewohnerInnen. Diese kämpfen seit langem für eine Wohnumfeldverbesserung. Zur Aufwertung des Quartiers hat die in den letzten Jahren durchgeführte Renaturierung der kanalisierten Birs beigetragen. Damit wurden die Uferzonen zu einem attraktiven Naherholungsgebiet. Auch der ehemals private Schwarzpark ist heute öffentlich zugänglich und eine bedeutende Grünfläche, für deren Erhalt sich die Bevölkerung in den 1990er-Jahren eingesetzt hat. Ein in der Stadtbevölkerung praktisch unbekannter Park mit einer politisch und städtebaulich interessanten Vergangenheit ist die Cécile Ines Loos-Anlage, direkt neben der Schwarzwaldbrücke am Rhein gelegen. Sie wurde anfangs der 1990er-Jahre von der Bevölkerung mitgestaltet und wird von dieser bis heute gepflegt.
MJ