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Ist mir grosse EHRE von gleicher Sorte zu sein
Ende des letzten Jahrhunderts war Emil Manser, ein Stadtoriginal und Stras-senphilosoph, wie er auch genannt wurde, eine bekannte Grösse in Luzern. Mit seinen hintersinnigen Sprüchen regte er die Leute zum Nachdenken und zum Schmunzeln an. Einmal begrüsst er eine Dame an einer Kaufhauskasse mit ausgesuchter Höflichkeit: „Guten Tag, hochehrwürdige Frau, es ist mir eine Ehre hinter Ihnen anstehen zu dürfen.“ Die Kundin war leicht irritiert. Als Emil bezahlt hatte, sagte er ziemlich laut: „Ich wünsche Euch allen einen recht schönen Tag und möchte mich bei Euch allen recht herzlich bedanken, dass ich Euch anschauen durfte.“ Erheitert gingen die Leute in den Morgen hinein und dachten, da ist jemand aufmerksam auf mich geworden, hat mich angeschaut und hat anscheinend Freude mich zu sehen.
Manchmal schrieb Emil Manser seine Weisheiten auf einen grossen Pappkarton, den er mit einer Schnur um den Hals befestigte und vor sich hertrug. So wurde er zu einer wandelnden Plakatsäule. Eines Tages ging er mit einem umgehängten Kartonschild durch die Strassen mit der Aufschrift:
„Ist mir grosse EHRE von gleicher Sorte zu sein“
Der Lebenskünstler Manser wollte den Menschen eine wichtige Botschaft mit auf den Weg geben:
„Ich freue mich, dein Mitmensch zu sein. Ich fühle mich geehrt, wie du ein Mensch zu sein.“ Wir reden heute von Menschenwürde. Oft ist das aber ein abstrakter Begriff, ohne Bezug zu unserer täglichen Erfahrung. Wie wäre es, wenn wir heute den Menschen achtsam begegnen würden mit einem liebevollen Blick und der inneren Einstellung: „Es ist mir eine grosse Ehre, dein Mitmensch zu sein. In deinen Augen spiegelt sich meine Würde.“
Das Wort Mitmensch ist eigentlich ein Ehrentitel. In einem Paulusbrief heisst es: „Jesus wurde ein Mensch.“ – Er freute sich, von gleicher Sorte zu sein.