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Nun liegt der konkrete Angebotsprospekt von Roche für die Genentech-Aktionäre vor. Das 79 Seiten umfassende Dokument, das Roche am Montag bei der US-Börsenaufsicht SEC hinterlegt hat, wirft ein neues Licht darauf, wie die Auseinandersetzungen zwischen den unabhängigen Genentech-Verwaltungsräten und dem Pharmariesen Roche bisher gelaufen sind - und wie Genentech den Wert des eigenen Unternehmens einschätzt.
Diesen sieht Genentech bei 112 Dollar pro Aktie. Roche war bis vor kurzem noch bereit, 89 Dollar pro Aktie zu bezahlen. Nach dem Scheitern der Verhandlungen bietet Roche nur noch 86.50 Dollar pro Aktie den Genentech-Aktionären direkt an und umgeht damit die mehr fordernden, unabhängigen Genentech-Verwaltungsräte. Mit dem höheren Preis würden sich die Kos-ten für Roche gesamthaft auf 55 Mrd Dollar belaufen. Der Angebotsprospekt macht deutlich, dass die Treffen von Roche-Präsident Franz Humer mit den Leuten von Genentech zunehmend frustrierend verliefen. Ein wichtiger Streitpunkt war, dass Genentech zwar bis zum November mehr pro Aktie gefordert hatte. Genentech-Finanzberater Goldman Sachs hatte sich laut dem Angebotsprospekt aber trotz Humers Drängen «geweigert», eine eigene konkrete Wertvorstellung von Genentech zu äussern.
Im November 2008 legte Genentech schliesslich ihre Einschätzung des eigenen Potenzials mit dem sogenannten «November Financial Model» auf den Tisch. Basierend auf diesem schätzte Goldman Sachs Genentech im Dezember dann auf mindestens 112 bis 115 Dollar pro Aktie. Das dabei gewählte Modell unterscheidet sich deutlich von der Bewertung durch Roche, die sich auf einen aus dem Dezember 2007 stammenden Langfristplan stützt. Die höhere Schätzung von Goldman Sachs basiert vor allem auf möglichen Preiserhöhungen für Genentech-Produkte, einer grösseren Pipeline-Produktivität und möglichen Erfolgen beim Krebsmedikament Avastin, das für Genentech und Roche auch für die Zukunft das grösste Potenzial verspricht. Zudem ging das neue Modell von tieferen Kapitalkosten aus.
Das Genentech-Management hielt die im Langfristplan von 2007 ausgewiesenen Einschätzungen für zu konservativ. Sie würden das Potenzial von Genentech unterschätzen. Gleichzeitig hatte das Genentech- Management gemäss Roche-Prospekt aber erklärt, eine neue Guidance für die Firma dränge sich nicht auf. Wohl auch wegen dieses Widerspruchs ist nach Ansicht Roches das «November Financial Modell» bloss dazu geschaffen worden, um mehr zu fordern.
Kaum das letzte Angebot
Die Vorgeschichte macht klar, dass es die Genentech-Aktionäre kaum eilig haben werden, ihre Titel anzudienen, selbst wenn der aktuelle Genentech-Kurs unter dem Wert von 86,50 Dollar notiert (am 9.2. bei 82.70 Dollar). Immerhin hat Roche-CEO Severin Schwan anlässlich der Präsentation der Zahlen für 2008 unmissverständlich klar gemacht, dass es für Roche kein Szenario für ein Scheitern der Übernahme gibt. Zudem werden für den April Daten zu einer weiteren Indikation von Avas-tin erwartet, die dessen Potenzial weiter erhöhen können - und damit den Wert von Genentech.
Das Angebotsdokument macht zudem klar, dass die Verzögerung der Übernahme Roche Sorgen bereitet. So hat sich Roche-Präsident Franz Humer schon im September beim CEO und VR-Präsidenten von Genentech, Arthur Levinson, erkundigt, ob das Angebot und die Verzögerungen die Moral bei der Genentech-Belegschaft und die Fähigkeit, Forscher zu gewinnen und zu behalten, negativ beeinflusst habe. Levinson hat damals mit Verweis auf gesprochene finanzielle Halteprämien noch beruhigt. Doch waren offenbar beide der Ansicht, dass eine längere Verzögerung Genentech negativ beeinflussen wird. Von Konkurrenzfirmen in den USA ist zu hören, dass bereits Genentech-Forscher an ihre Türe klopfen.
Von einem schlechten Verhältnis zu Genentech will man bei Roche trotz den Aussagen im Angebotsprospekt nichts wissen. «Die Zusammenarbeit ist gut», sagt Erich Hunziker, Roche-Finanzchef und Genentech-Verwaltungsrat: «Wir kennen und respektieren uns - über all die Jahre ist ein Vertrauensverhältnis gewachsen.»
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