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Immer mehr westliche Firmen lagern ihre Informatik ganz oder teilweise nach Indien aus.
In der Wirtschaft nennt sich das Outsourcing. Ein Schweizer leitet ein solches KMU in New Delhi.
"Dank dem ‘Millennium-Bug’ wurde Indien in der ganzen Welt bekannt", erklärt Samuel Berthoud, Chef von Panther Export Private Ltd, einer kleinen Softwarefirma, die in einem Wohnquartier im Süden New Delhis gelegen ist.
"Dieses Land konnte ganze Heerscharen von Informatikern mobilisieren, um Informatik-Programme zu korrigieren. Und diese Ingenieure trugen dazu bei, dass der grosse Crash um Mitternacht des 31. Dezembers 1999 ausblieb", so der Waadtländer Unternehmer weiter.
Nach einer Karriere als Unternehmensleiter beschloss Berthoud deshalb, sich in Indien mitten in diesem Sektor (die Informatik und die damit zusammenhängenden Dienstleistungen) niederzulassen, der voll im Aufschwung ist (32% im Jahr 2002 mit einem Umsatz von rund 12 Mrd. Dollar).
Der indische Informatikboom
"Ich beschloss, einen Neuanfang zu wagen, und kam in das Land zurück, in dem ich meine ersten 12 Lebensjahre verbracht hatte", erklärt der hochgewachsene 50-Jährige.
"Die Gründer von Panther, zwei Inder, die nicht im Land leben, suchten einen Geschäftsführer, der in der Lage ist, Kunden in Europa zu finden", erinnert sich Sam Berthoud. "Ich packte die Gelegenheit beim Schopf, auch wenn meine Informatikkenntnisse zu Beginn lückenhaft waren."
Im September 2000 reisten Berthoud und seine Frau also in die indischen Hauptstadt. Damals war die Welle der Informations-Technologien noch nicht über diese Stadt mit ihren 15 Millionen Einwohnern hereingeschwappt.
Heute hat die Metropole stark aufgeholt. Nach Bangalore, Hyderabad und Bombay wird auch New Delhi dank den Informations-Technologien immer reicher.
"In der Stadt gibt es einen regelrechten Boom", bemerkt Berthoud. Zum Beweis zeigt er auf all die Autos, die in seiner Quartierstrasse geparkt sind.
"Vor drei Jahren konnte man sie noch an den Fingern einer Hand abzählen", erinnert sich der Schweizer.
Ein KMU in vollem Aufschwung
Die Firma Panther hatte vor drei Jahren neun Angestellte, heute arbeiten 25 Personen auf den zwei Stockwerken des kleinen Gebäudes.
Um dieses Team von jungen Diplomingenieuren der besten Universitäten Indiens führen zu können, musste Berthoud ein erstes Hindernis überwinden.
"In Indien stellt man die Meinung seiner Vorgesetzen nicht in Frage", erklärt er. "Ich musste ihnen deshalb zuerst die Tugend des Diskutierens beibringen."
Seit diese kulturelle Barriere überwunden ist, erfüllt das Team von Panther Ltd die Aufträge ausgezeichnet, die Sam Berthoud bei Kunden wie dem Basler Riesen Novartis, der Union bancaire privée in Genf und der Hotelfachschule in Lausanne einholte.
"Wenn man den Leuten erlaubt, in einem Klima des gegenseitigen Vertrauens selber die Initiative zu ergreifen, wachsen sie über sich hinaus“, stellt er in seinem unnachahmlichen Englisch mit Waadtländer Akzent fest.
Immense Aussichten bei den Arbeitsstellen
So wurde Ranjit Mathew, ein 35-jähriger Inder aus Kerala, die Nummer 2 der Firma. "An dieser Stelle konnte ich meinen Traum verwirklichen, im Bereich Informations-Technologien zu arbeiten", erklärt Mathew in einem fehlerlosen Englisch.
Will man seinen Worten Glauben schenken, haben viele junge Inder den gleichen Wunsch. "Diesen Technologien haben wir viele Arbeitsstellen zu verdanken“, betont der junge Manager.
"Das ist nicht verwunderlich, sind die Preise hier im Allgemeinen fünf Mal tiefer als in Europa." Die Angestellten von Panther werden aber nicht etwa ausgebeutet. Sie verdienen, je nach Funktion und Leistung, zwischen 3500 und 35'000 Schweizer Franken pro Jahr.
swissinfo, Frédéric Burnand, New Delhi
(Übertragung aus dem Französischen: Charlotte Egger)
Fakten
Die Firma Panther Exports Ltd wurde 1995 gegründet. Sie hat zahlreiche Kunden in der Schweiz.
Das indische KMU verbessert und unterhält informatisierte Verwaltungssysteme von Unternehmen (back office) oder deren Website.
Die Firma mit Sitz im Süden Delhis hat 25 Angestellte.
In Kürze
Die Firma Panther Ltd zahlt mindestens 20% ihres Gewinns für Ausbildungs-, Gesundheits- und Arbeitsprogramme in 4 Vorstädten Delhis.
Das sind mehrere Zehntaused Schweizerfranken pro Jahr.
Ein Projekt z.B. finanziert eine Schule in einem Quartier, in dem rund 500 aus Bangladesh zurückgekehrte Familien wohnen.