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19.05.2019
Worauf soll ich beim Erstellen von Untertiteln achten? Wie war das nochmals mit OPEN und CLOSED? Wertvolle Tipps und praktische Erklärungen zum Thema Untertitel.
Untertitel sind ein Thema, das unsere Kunden (und unsere Postproduktion) immer wieder beschäftigt. Oftmals geht es darum, ein Video in anderen Sprachen zugänglich zu machen oder aber es handelt sich um Social Media Content: Denn das muss natürlich ohne Ton verständlich sein.
Dabei stossen wir regelmässig auf Missverständnisse betreffend der Begriffe Untertitel, Subtitles (auch: Subs) und Captions. Darum also hier eine kurze Übersicht:
Untertitel sind Texte, die den gesprochenen Inhalt verschriftlichen, also ein Transkript der Dialoge. Wenn es sich um Untertitel für hörbeeinträchtige Menschen handelt, dann können auch noch mehr Informationen als die Dialoge wie Musik oder Geräusche verschriftlicht sein: Im Deutschen heissen diese Untertitel einfach «erweiterte Untertitel». Im Englischen gibt es zwei Begriffe dafür (die man aber auch hierzulande öfters antrifft): Einfache Untertitel heissen «Subtitles» und erweiterte Untertitel «Captions». Im Alltag werden Subtitles und Captions aber oft synonym verwendet. So ist bei Netflix «captions» eine Untergruppe von Subtitles, im Premiere Pro werden im «Captions»-Fenster auch Subtitles erstellt. Es kann sich also lohnen, mit dem Kunden genau abzusprechen, was er benötigt.
In der Corporate Communication sind Untertitel ohne Erweiterung, also Subtitels, der Standard, wenn es sich um Übersetzungen handelt. Werden aber Untertitel gesetzt, die der Verständlichkeit ohne Ton (das Social Media Must) dienen sollen, empfehlen sich erweiterte Untertitel.
Anmerkung am Rande: Lower Thirds sind keine Untertitel. Lower Thrids (im Bild unten rechts) kommen bei TV Berichten oder Corporate Videos oft zum Einsatz: eine Unterschrift, die beispielsweise die Person und ihre Funktion bezeichnet. Diese werden von uns grundsätzlich anders behandelt als Untertitel (im Bild unten links) – sie sind viel mehr eine einfache Animation als ein Untertitel. Wenn also die Lower Thirds in der Sprache angepasst werden sollen, muss immer eine neue Videoversion gemacht werden.
Wir schreiben im Folgenden von Untertiteln – denn ob erweitert oder nicht spielt in der Diskussion der Erstellung und Implementierung keine Rolle mehr. Was aber von hoher Wichtigkeit ist, ist die Unterscheidung zwischen offenen und geschlossenen Untertiteln:
Offene Untertitel (OPEN SUBTITLES) sind eingebrannte Untertitel. Das heisst, sie sind Bestandteil vom Video und können nicht ausgeblendet werden. Geschlossene Untertitel (CLOSED SUBTITLES) hingegen sind optional für den Zuschauer. Es sind Textinformationen mit Timecode, die der Zuschauer selber ein oder ausschalten kann, bzw. die Sprache wählen kann. Viele kennen dies von Netflix oder auch YouTube.
Offene Untertitel haben den Vorteil, dass sie optisch stark beeinflussbar sind: Man kann die Schrift wählen, die Farbe, die Grösse etc. Ein Nachteil kann jedoch sein, dass man das Video nicht ohne Untertitel schauen kann. Die Untertitel sind immer Teil des Bildes, was unter Umständen als störend oder unnötig empfunden werden kann.
Geschlossene Untertitel sind hier die Lösung und sind für den Nutzer viel flexibler. Dafür muss der Ersteller einige Einbussen akzeptieren: Es kann aus einer kleinen Auswahl von Farben für Schrift, Hintergrund und Position gewählt werden – zumindest in Premiere Pro. Denn das Aussehen der Untertitel hängt von der Streaming Plattform/vom Provider ab. Will heissen: Geschlossene Untertitel werden als Untertitel-File (üblich ist SRT) mit dem Video geliefert und dann vom Provider in ein eigenes Format gesetzt. Das heisst: alle geschlossenen Untertitel auf YouTube sehen gleich aus, alle auf Vimeo sehen gleich aus, alle auf Netflix gleich etc. Ihr versteht schon.
Eigentlich ganz logisch, oder? Aber wie's so ist: Sich merken, was offen und was geschlossen meint, kann sich ja niemand so genau.
Hier also unsere (banale – aber sehr wirkungsvolle) Eselsbrücke: Die offenen Untertitel sind wie offene Menschen: immerzu gerne sichtbar, müssen sich ständig zur Schau stellen. Geschlossene Untertitel hingegen sind eher so verschlossene Typen und geben sich erst (mit beeindruckenden mehrsprachigen Kompetenzen) zu erkennen, wenn sie explizit danach gefragt – also eingeschaltet – werden. Bitte, gern geschehen.
Nun zum Eingemachten: Untertitel erstellen.
Geschlossene Untertitel kann jeder direkt im Provider (auf YouTube oder Facebook beispielsweise) eintippen. Auch ein SRT-File mit Timecodes im Texteditor ist einfach zu erstellen, wenn man sich an die formalen Vorgaben hält. Wie das aussieht und was es für weitere Möglichkeiten gibt, ohne ein professionelles Schnittprogramm Untertitel zu erstellen, findet ihr auf dem ausführlichen Blog von Judith Steiner.
Wir arbeiten für unsere Untertitel mit Adobe Premiere Pro. Ab Version 2017 gibt es das praktische Fenster «Captions». Damit können wahlweise offene oder geschlossene Untertitel bearbeitet werden. Neue Untertitel startet ihr im Projektfenster unter «New Item» / «Captions». Es gibt nun verschiedene Wahlmöglichkeiten: Open Subtitling, Open Captions, CEA-608, CEA-708, Teletext sowie Australian. Für offene Untertitel mag die Wahl ziemlich einfach sein («Open Captions» bzw. «Open Subtitling»), etwas unklarer ist es für die Geschlossenen: Grob gesagt handelt es sich bei den verschiedenen Variationen um unterschiedliche Standards. Wir benutzen meist CEA-708, was gemäss manchen Quellen der aktuelle amerikanische Standard ist, aber auch auf YouTube, Vimeo, VLC etc. einwandfrei funktioniert.
Ist man nun im Captionfenster angelangt, ist die Handhabung (für Premiere Pro Nutzer zumindest) relativ intuitiv. Automatisch erschient eine Untertitelspur in der Timeline. Jeder Untertitel wird einzeln im Caption-Fenster erfasst. In der Timeline kann die Dauer jedes Untertitels manuell verstellt und so auf den Bildschnitt abgestimmt werden. Für jede Sprache erstellt man so eine eigene Spur.
Wichtig ist zu wissen, dass die geschlossenen Untertitel zwar auf dem Vorschauscreen angezeigt werden können (dazu in die Einstellungen des Programm-Fensters (kleiner Schraubenschlüssel) «Closed Captions Diplay» auf «enable» setzen, in den Settings den gewünschten Kanal anwählen), man diese aber immer unformatiert zu sehen bekommt. Von dieser unschönen Darstellung nicht irritieren lassen – wird beim Export angewählt, ein SRT mit zu erstellen, kommt dies beim Test in VLC oder einem anderen Player wunderbar heraus.
Ein letzter Tipp: Musstet ihr einen kleinen Tippfehler in den geschlossenen Untertiteln korrigieren, könnt ihr nun ein Untertitel-File (SRT) einzeln rechnen: Dazu im Projektordner die Untertitelspur anwählen, dann über «File»/«Export»/«Captions» den Auftrag aufgeben. Und schon habt ihrs.
Wir wünschen frohes Untertiteln!