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Die Besitzer sind besorgt - seit einiger Zeit scheint das rechte Vorderbein der energiegeladene Hündin zu schmerzen: Insbesondere nach Liegephasen lahmt sie deutlich, manchmal hebt sie gar im Stehen die rechte Vorderpfote an. Ein Bruder der Hündin musste vor einem Jahr wegen einer Schulter-OCD operiert werden - könnte es sein, dass dieses Problem auch bei Ivy vorhanden ist?
Im Schritt zeigt die Hündin keine Lahmheit. Ein orthopädischer Untersuch wird durchgeführt, bei der alle Gelenke und Knochen abgetastet und bewegt werden um herauszufinden, wo das Tier Schmerzen verspürt. Ivy ist aber sehr verspannt, weshalb keine schlüssige Lokalisation des Problems möglich ist. Nicht zuletzt da der Bruder von Ivy eine Gelenksproblematik aufgewiesen hatte, welche chirurgisch angegangen werden musste, und bei dieser dynamischen Sportlerin allfällige Langzeitfolgen einer nicht erkannten Problematik umso schwerwiegender wären, entscheiden sich die Besitzer für eine Röntgenabklärung in Sedation.
Wir röntgen in Sedation und in absteigender Wahrscheinlichkeit der Lokalisation Ellbögen, Schultern und zuletzt gar die Halswirbelsäule und Handgelenke der Hündin - und finden keinerlei Veränderungen! Schlussendlich fertigen wir noch eine Aufnahme der rechten Vorderpfote an und finden endlich die Nadel im Heuhaufen: Die "Phalanx proximalis Digiti V" (das erste Fingerglied des kleinen Fingers) weist an der Innenseite der Gelenksfläche eine kleine Absprengfraktur auf! Das abgebrochene Stück des Zehenknochens ist mit ca 2.5 x 3 Millimeter winzig. Gleichzeitig findet sich eine kleine Verkalkung im Bereich von Seitenband und Gelenkskapsel des "Fingerwurzelgelenks", welche wohl ebenfalls auf das Trauma am Zehen zurückzuführen ist.
Bei Ivy ist das abgesplitterte Fragment so klein, dass eine Chirurgie nicht zielführend ist. Mit einem Verband wird die Pfote für einige Wochen ruhiggestellt; da es sich um eine Fraktur in die Gelenksfläche handelt, ist es aber möglich, dass das Gelenk nach der Heilung im Laufe der Zeit eine Arthrose entwickeln könnte.
Lahmheiten bei Hund und Katze können eine diagnostische Knacknuss darstellen, weil der Patient nicht befragt werden kann. In einem ersten Schritt muss die betroffene Gliedmasse identifiziert werden; bei Lahmheiten, welche nur phasenweise auftreten, kann ein Video bei dieser Beurteilung helfen. Anschliessend werden in einem orthopädischen Untersuchungsgang die Gliedmassen und allenfalls Wirbelsäule sorgfältig abgetastet und manipuliert; idealerweise erlaubt so ein repetiert auslösbarer Schmerz die Lokalisation des Problemes. Bei Tieren, welche sich schlecht untersuchen lassen (starke Verkrampfung z.B. aufgrund von Angst), ist die Lokalisation aber manchmal schwierig bis unmöglich. Entsprechend muss bei einer Röntgenuntersuchung allenfalls die komplette Gliedmasse durchgeröntgt werden, um das Problem zu finden; in aller Regel wird auch das gesunde Pendant des betroffenen Beins geröntgt, um allfällige Unterschiede besser erkennen zu können.