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Gestern beendete ich die Lektüre über 2 Männer, welche in unterschiedlicher Art und Weise sich für gesellschaftliche Änderungen einsetzten.
Peter Ochs, 1752 in Nantes geboren, wuchs in Hamburg auf, von wo aus sein wohlhabender Vater lukrative Handelsgeschäfte betrieb.
Arkadi Gaidar, 1904 geboren, wuchs in einer wenig begüterten Familie in der russischen Kleinstadt Arsamas auf.
Peter Ochs absolvierte ein Studium der Rechtswissenschaften in seiner Heimatstadt Basel und in Holland, wo der Kontakt mit Personen, welche sich für arme und unterdrückte Menschen einsetzten, ihn entscheidend prägte.
Die Eltern von Gaidar waren im Widerstand gegen den Zaren aktiv. Staatliche Willkür erlebten sie und ihr Sohn wiederholt im persönlichen Alltag.
Nach dem Studium liess sich Ochs in Basel nieder, fasste nach und nach Fuss in der lokalen Politik und in der Stadtregierung.
Dank persönlichen Kontakten pflegte er regen diplomatischen Austausch mit der französischen Regierung, nutzte bereits vor der französischen Revolution intensiv Tinte und Feder um seine Überzeugung, dass alle Menschen gleiche Rechte haben sollten, zu verbreitern.
Gaidar verliess die Schule, bevor er 14 Jahre alt war, um mit dem Gewehr in der Hand die Bolschewiken im Kampf gegen den Zaren zu unterstützen.
Mit 16 war er Kommandant eines Regiments.
Mit 20 verliess er die Rote Armee, mehrfach verwundet und traumatisiert von den Gräueltaten, die er erlebt und selbst begangen hatte.
Die Nähe zur französischen Regierung ermöglichte es Ochs für kurze Zeit der bedeutendste Politiker der Helvetischen Republik zu werden.
Diese Staatsform, Ochs hatte ihre Verfassung massgeblich beeinflusst, wurde der ehemaligen Eidgenossenschaft 1798 von Napoleon aufgezwungen.
So wurden ehemalige Untertanengebiete, wie beispielsweise das heutige Aargau, neu zu eigenständigen und souveränen Kantonen aufgewertet.
Gaidar tauschte das Gewehr mit dem Stift und der Schreibmaschine, begann Kinderbücher zu schreiben.
Sein Roman “Timur und sein Trupp” erlangte, ähnlich wie “Pippi Langstrumpf” in der westlichen Welt, Kultstatus in Russland und in der späteren DDR.
Einflussreiche konservative Politiker leisteten erbitterten Widerstand gegen die Gleichheitsideale von Ochs.
Der Basler Bürgermeister Andreas Merian hatte grossen Erfolg mit seinen Bestrebungen, den Einfluss von Ochs zu schmälern und ihn in Verruf zu bringen.
Wegen Anfeindungen schickte Ochs zur Sicherheit seine Familie nach Paris.
Er blieb in Basel, politisch zunehmend isoliert und finanziell darbend.
Gaidar war dreimal verheiratet. Timur, sein Sohn, kam 1926 zur Welt.
Immer wieder holte die Vergangenheit den Kinderbuchautor ein, Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken waren die Folge.
Ochs war einmal verheiratet, ein Sohn beging Selbstmord, eine Tochter war psychisch krank.
Zwei andere Söhne legten im Erwachsenenalter den sie belastenden Familiennamen Ochs ab.
Als deutsche Truppen 1941 Russland überfielen, legte Gaidar seine Schreibwerkzeuge zur Seite und ergriff wieder die Waffe.
Siebenunddreissigjährig starb er 1941 in einem Gefecht.
Peter Ochs rackerte, angeschlagener Gesundheit und bescheidenen politischen Erfolgserlebnissen trotzend, im Basler Staatsdienst weiter, verfasste daneben Theaterstücke und Gedichte, schrieb über die Geschichte der Stadt Basel und der Landschaft.
1821 verstarb er im Alter von 69 Jahren.
Eigen ist beiden Männern, dass sie sich bis zuletzt für ihre Vorstellung einer gerechteren Gesellschaft einsetzten, ihren Idealen treu blieben, sich nicht schonten, jeder auf seine Weise gegen massive Widerstände ankämpfte und persönliche Opfer erbrachte.
25. Juli 2021