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Die Bahnhofstrasse ist wohl die bekannteste Strasse von Zürich. Während Einheimische die Einkaufsmeile vor allem zu Stosszeiten – also abends, am Wochenende und in der Vorweihnachtszeit – meiden, zieht sie Touristen in Scharen an. Weltweit ist die Bahnhofstrasse für ihre Exklusivität und stolzen Preise bekannt. Doch das war nicht immer so.
Den Anstoss zur grossen Veränderung gab der Zug: 1847 wurde der Bahnhof der «Spanisch-Brötli-Bahn» in Zürich eingeweiht. Anfangs fuhr diese nur zwischen Zürich und Baden. Aufgrund des Bahnverkehrs wurden ein besserer Zugang zum Bahnhof und damit bauliche Massnahmen unausweichlich. Schliesslich war es doch mit Wagen ein Umweg um die halbe Stadt, wenn man vom Paradeplatz zum Bahnhof wollte. Auch zu Fuss ging es über mehrere Querstrassen. Dass nicht einfach die Bahngleise bis zum Paradeplatz verlängert und somit der Bahnhof dahin verlegt wurde, verdanken wir übrigens dem damaligen Stadtrat: Dieser war dagegen, die Stadt durch Gleise zu zerteilen.
Fast wäre der Bahnhof an den Paradeplatz verlegt worden.
Der Fröschegraben mit der Augustinerbrücke auf einer Zeichnung von E. Escher-Kündig, kurz vor Beginn der Bauarbeiten für die Bahnhofstrasse. Im Hintergrund das Sprünglihaus am Paradeplatz, das immer noch steht. Bild: Baugeschichtliches Archiv
Derselbe Ausschnitt auf einem Foto von ca. 1864 kurz nach Beginn der Bauarbeiten, deren Spuren bereits zu sehen sind. Der Kratzturm im Hintergrund wird 1877 abgebrochen, um die Bahnhofstrasse bis zum See zu verlängern. Bild: Baugeschichtliches Archiv
Ab 1863 wurde die Bahnhofstrasse gebaut, für die praktisch kein Stein auf dem anderen gelassen wurde: Der alte Fröschegraben musste aufgeschüttet und das Bollwerk am Rennweg abgerissen werden. Nach einigen Hürden – darunter die Verlegung der Militäranlagen und der heftige Widerstand gegen den Abriss des Baugartens und des Kratzturms – war die Strasse 1877 in voller Länge fertiggebaut.
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Probleme gab es erst später wieder, bei der ersten grossen Eingemeindung 1893 und bei der zweiten 1933: Denn auch in Affoltern, Altstetten, Oerlikon und Seebach gab es eine Bahnhofstrasse. Um Irrtümern vorzubeugen, wurden diese umbenannt in heute Zehntenhausstrasse, Altstetterstrasse, Edisonstrasse und Bahnhaldenstrasse. Die «wahre» Bahnhofstrasse ist eine von wenigen Zürcher Strassen, die ihren Namen behalten durften.
1877
wurde die Bahnhofstrasse in ihrer vollen Länge fertiggestellt.
Heutzutage ist die berühmteste Zürcher Strasse grösstenteils vom Einkaufsrummel gezeichnet, Bewohnerinnen und Bewohner gibt es nur etwas mehr als zwei Handvoll: Im Jahr 2015 waren es 23. Einzig grosse Marken und Ladenketten können sich die Präsenz hier leisten: Für ein Geschäft im Erdgeschoss beträgt die Miete an der Bahnhofstrasse bis zu unglaublichen 15’000 Franken pro Quadratmeter und Jahr – so viel wie nirgends sonst in Europa. Dafür sind auch die Umsätze entsprechend hoch: Nur in Hongkong und New York wird pro Quadratmeter ähnlich viel Gewinn gemacht. Dass sich daran bald etwas ändern wird, ist sehr unwahrscheinlich – schliesslich lockt Zürich unter anderem genau mit diesem Prestige viele Touristen an.
Hier zahlt man jährlich bis zu 15’000 Franken Miete pro Quadratmeter.
Der St. Annahof 1943... (Bild: Baugeschichtliches Archiv)
...und 2018.
Der Bahnhof von der Bahnhofstrasse aus gesehen, ca. 1915. Bild: Baugeschichtliches Archiv
Heutiger Blick auf den Bahnhof, in der Mitte die Statue des Eisenbahnpioniers Alfred Escher.
Ein Magnet ist auch die bekannte und beliebte Weihnachtsbeleuchtung. Sie sorgte jedoch zeitweilig auch für rote Köpfe: Von 1971 bis 2004 verwandelte der «Lichterbaldachin» von Willi Walter und Charlotte Schmid die Bahnhofstrasse in ein weihnächtliches Lichtermeer. Um die in die Jahre gekommene Anlage angemessen zu ersetzen, wurde ein internationaler Wettbewerb ausgeschrieben – als Gewinner ging das Projekt «The World’s largest Timepiece» hervor, das anschliessend über der Strasse strahlte.
Die Weihnachtsbeleuchtung «The World’s largest Timepiece» erhielt für ihr modernes, kühles Aussehen viel Kritik.
Die Lichtinstallation «Lucy» strahlt seit 2010 in der Weihnachtszeit über der Bahnhofstrasse.
Die Installation wurde jedoch stark kritisiert: Sie sei zu modern, sie wirke kalt und sei einfach unweihnächtlich. Auch das speziell dafür entwickelte Computerprogramm, das auf die Bewegung der Passanten reagierte und das Licht anpasste, änderte daran nichts. Nach nur vier Jahren Betrieb wurde die Anlage deshalb bereits wieder ausgewechselt. Seit 2010 strahlt nun «Lucy» über die Bahnhofstrasse und lockt vor allem beim ersten Einschalten Hunderte Menschen an, sodass jeweils sogar der öffentliche Verkehr umgeleitet werden muss.