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Der illegale Holzhandel ist ein Problem mit weltweiten Auswirkungen. In Europa achtet man vermehrt darauf, kein Tropenholz zu kaufen. Bei Holzarten wie Mahagoni oder Teak, die vom Aussterben bedroht sind, schrillen bei vielen die Alarmglocken. Doch es gibt unzählige Arten, deren Namen kaum geläufig sind.
Es kann 1200 Jahre dauern, bis ein Cumaru-Baum einen Durchmesser von 120 Zentimetern und eine Höhe von 50 Metern erreicht. In den Wäldern des Amazonasgebiets verbreitet, bietet er Lebensraum für verschiedene Vogelarten und Nahrung für Säugetiere. Wie auch andere tropische Bäume bindet er grosse Mengen an CO2. Allein in Peru werden jährlich rund 184’000 der jahrhundertealten Bäume gefällt. Zwischen 2012 und 2020 exportierte der Andenstaat mindestens 53’000 Tonnen Cumaru-Holz – das ist mehr als die Hälfte des gesamten Holzexports des Landes. Genaue Zahlen liegen nicht vor, denn die peruanische Zollbehörde Sunat verlangt bei Holzexporten keine spezifizierten Angaben über Art und Herkunft. Die Angabe «Holz» auf den Ausfuhrpapieren ist ausreichend. Das Überprüfen der Lieferkette ist praktisch unmöglich, da gefällte Baumstämme gleich vor Ort zersagt werden. Über die Landesgrenzen gehen sie bereits als fertig zugeschnittene Bretter – und als solche werden sie beim Zoll auch deklariert. Die Angabe, um welche Spezies es sich handelt und woher das Holz stammt, ist freiwillig.
Der übermässigen Abholzung sind bis 2024 keine Grenzen gesetzt.
Die Weltnaturschutzunion IUCN kategorisiert Cumaru als gefährdet, doch Peru – einer der wichtigsten Exporteure weltweit – hat diese Klassifizierung nach wie vor nicht übernommen. Dies, obwohl Wissenschaftler schon seit 2015 warnen, dass es sich bei Cumaru um eine gefährdete Art handelt und Massnahmen ergriffen werden müssen, um die illegale Abholzung unter Kontrolle zu bekommen.
Vergangenen Monat forderten Kolumbien, Panama und die Europäische Union an der internationalen «World Wildlife Conference», dass Cumaru in die internationale Liste der bedrohten Arten aufgenommen wird. Peru beantragte jedoch, dass diese Regelung erst nach einer Frist von zwei Jahren in Kraft trete – und kam mit diesem Vorschlag durch. Dabei ignorierten das peruanische Umweltministerium und die peruanische Forstbehörde Serfor aktuelle Daten, auf die sie nachweislich Zugriff hatte: Gemäss der Berechnung von peruanischen Forscherinnen und Forschern wurden zwischen 2016 und 2020 mehr als 275’000 Kubikmeter Cumaru abgeholzt, und für den Zeitraum zwischen 2021 und 2036 muss mit der dreifachen Menge gerechnet werden. Dies entspricht 85’000 Bäumen. Wenn in dieser Rate weiter abgeholzt wird, könnte der Cumaru endgültig aus den Wäldern des peruanischen Amazonsgebietes verschwinden. Durch die Zwei-Jahres-Frist wird diese Bedrohung real, denn der übermässigen Abholzung sind bis 2024 keine Grenzen gesetzt.
Dass die verschiedenen Berichte und die Warnung der Experten keine Konsequenzen hatten, hängt auch mit dem Widerstand der peruanischen Holzlobby zusammen. «Die Holzindustrie ist in Gefahr, da praktisch alle Holzarten mit hohem und mittlerem Handelswert betroffen sind», schrieb Alfredo Biasevich Barreto, peruanischer Rechtsanwalt und Vorsitzender des Holzausschusses der peruanischen Nationalen Industriegesellschaft 2016 in einer E-Mail an verschiedene staatliche Stellen und den Unternehmerverband. Ironischerweise ist Biasevich auch Vorstandsmitglied des FSC Peru.
Kann Bauhaus die Nachhaltigkeit der Lieferkette garantieren?
Cumaru ist auf dem europäischen Markt sehr beliebt, weil es aussergewöhnlich haltbar und gegen Pilzbefall und Insekten resistent ist. Es ist eins der schwersten und härtesten Hölzer der Welt und gilt als «südamerikanisches Teak». Es wird vor allem im Aussenbereich eingesetzt, zum Beispiel für Terrassenböden. Einer der Abnehmer ist das niederländische Unternehmen Van Den Berg Hardhout, das über ein FSC-Siegel verfügt.
Innerhalb von acht Jahren importierte das Unternehmen mehr als 5’800 Tonnen peruanisches Cumaru im Wert von 4,6 Millionen Dollar. In seinem Online-Katalog erklärt Van Den Berg Hardhout, dass das von ihnen verkaufte Cumaru aus tropischen Wäldern «im Amazonasgebiet von Brasilien» stammt. Peru wird nicht erwähnt, doch auf Nachfrage des peruanischen Mediums Ojo Público hat das Unternehmen bestätigt, dass rund die Hälfte des Imports aus Peru stammt. Die Unternehmenssprecher betonten allerdings, keine Kenntnis davon zu haben, dass die Abholzung von Cumaru im Amazonasgebiet ein gefährliches Ausmass erreicht hat. Auf die Frage, wie garantiert wird, dass das importierte Holz nicht aus illegaler Abholzung stammt, antwortete das Unternehmen: Es werde nur FSC-zertifiziertes Holz gekauft und man halte die europäischen Holzhandelsbestimmungen ein. Ausserdem würden «langfristige Beziehungen zu regelmässigen Lieferanten» gepflegt.
Auch in der Schweiz und in Deutschland werden Produkte aus Cumaru verkauft. Zum Beispiel in der Bauhaus AG mit Sitz in Belp im Kanton Bern, einer der grössten Baumarktketten Europas. Auf Nachfrage bestätigte die deutsche Zweigstelle des Unternehmens, dass Cumaru bei den Endkunden beliebt ist, weil das Holz besonders strapazierfähig und witterungsbeständig ist. Bezogen werde das Holz von einem Lieferanten mit Sitz in Deutschland, der Bauhaus schon seit vielen Jahren beliefere. Ohne den Namen des Zulieferers zu nennen, versicherte Bauhaus im April dieses Jahres per E-Mail: «Wir haben keinen Zweifel daran, dass der Lieferant seine Verpflichtungen vollumfänglich erfüllt. Generell gilt, dass alle bei Bauhaus verkauften Cumaru-Produkte aus zertifizierten Wäldern stammen und damit dem hohen Anspruch einer nachhaltigen Forstwirtschaft entsprechen.» Wie viel des importierten Cumaru-Holzes aus Peru stammt, könne nicht beziffert werden.
Auch wenn die Transparenz der Lieferkette damit auf wackligen Beinen steht, betonte Bauhaus explizit, dass beim Bezug von Holz strenge Massstäbe gelten würden, um bedrohte Waldbestände zu schützen. «So kommt unter anderem eine eigene Qualitätssicherung von Bauhaus zum Einsatz, die die Liefer- und Zollpapiere sowie die Zertifikate namhafter Organisationen wie FSC und PEFC prüft.» Dies sagt allerdings nicht viel aus, wenn man sich die Verlässlichkeit der FSC-Siegel vor Augen führt. Zur Frage, ob Bauhaus bekannt sei, dass Cumaru im Amazonasgebiet übermässig abgeholzt und als bedrohte Spezies eingestuft wird, äusserte sich das Unternehmen nicht. ♦
Den ersten Teil des Textes können Sie hier lesen: «Greenwashing von Tropenholz».
Indigene Gemeinden garantieren Schutz der Wälder
Die Abholzgebiete von Tropenholz befinden sich oft in den Territorien indigener Völker. Ein Report der UN-Welternährungsorganisation von 2021 zeigt, dass die Regenwälder überall dort besonders gut geschützt sind, wo die Verwaltung in den Händen von indigenen Gemeinden liegt. Wo dagegen die Regierungen das Sagen haben oder Konzessionen an Konzerne übertragen wurden, schreitet die Zerstörung und Abholzung in einem besorgniserregenden Ausmass fort. Dies belegen mehr als 300 Studien aus den letzten 20 Jahren, die in den Report der UNO eingeflossen sind. Von allen Waldflächen in Lateinamerika sind 28 Prozent in indigenen Händen. Der Anteil der CO2-Emissionen aus diesen Gebieten beträgt dennoch nur 2,6 Prozent.
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