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Eishockeytrainer, die wissen, dass sie Ende Saison so oder so gehen müssen, wie Hans Kossmann, sind erfolgreicher. Bloss Zufall?
Verschenktes Geld. Ja, die Nationalliga-Klubs verschenken pro Saison gut und gerne eine halbe Million. Weil sie die Trainer mit Mehrjahresverträgen anstellen. Und dann vor der Zeit entlassen.
Kloten muss beispielsweise den gefeuerten Kevin Schläpfer noch zwei weitere Jahre löhnen – wenn der Ligaerhalt gesichert werden kann.
Dabei sind Trainer, die wissen, dass sie Ende Saison gehen müssen, weil der Vertrag ausläuft, viel erfolgreicher. Hans Kossmann ist drauf und dran, für die ZSC Lions die Meisterschaft zu gewinnen. Er hat schon bei seiner Anstellung im Dezember gewusst, dass er nur bis zum Saisonende in Zürich bleiben kann. Weil der neue Trainer (Serge Aubin) schon mit einem Zweijahresvertrag verpflichtet worden ist.
Bei Gottéron war Hans Kossmann nicht bloss auf der Durchreise wie in Oerlikon. In Fribourg wurde ihm nach der ersten Saison im Frühjahr 2012 der Vertrag vorzeitig bis 2015 prolongiert. Meister ist er mit einem Mehrjahresvertrag nicht geworden. Am 12. Oktober 2014 wurde er gefeuert. Und nie war er charismatischer und besser als jetzt bei den ZSC Lions als «Wegwerf-Trainer» und mit dem Wissen, dass er Ende Saison gehen muss.
Der Amerikaner Bill Gilligan verlängerte jeweils nur um ein Jahr und wurde mit dem SCB 1989, 1991 und 1992 Meister. Kent Ruhnke wusste bei den ZSC Lions im Frühjahr frühzeitig, dass er gehen muss und holte trotzdem 2000 den Titel. Beim SCB sagte ihm der Sportchef schon im Januar 2004, dass er keinen neuen Vertrag erhalten wird, er war zutiefst beleidigt – und wurde mit dem SCB Meister. Harold Kreis hat zweimal – 2006 mit Lugano und 2008 mit den ZSC Lions – den Titel geholt. Obwohl sein Abgang schon feststand.
Warum also Mehrjahresverträge? Warum nicht bloss Verträge für eine Saison? Die Frage geht an ZSC-Manager Peter Zahner. Er stellt gleich eine Gegenfrage: «Sie können auch fragen, warum überhaupt Verträge für eine ganze Saison? Warum nicht bloss ganz gewöhnliche, auf drei Monate kündbare Arbeitsverträge?» Er gibt die Antwort gleich selber: «Weil es nicht möglich ist. Gute Trainer bestehen auf Mehrjahresverträgen. Das hat sich über die Jahre so entwickelt. Wenn wir also einen guten, erfahrenen Trainer mit einem Leistungsausweis wollen, dann geht das nur, wenn wir ihm mindestens zwei Jahre anbieten.» Heute habe sich die durchschnittliche Vertragsdauer eines Hockey-Trainers bei zwei Jahren eingependelt.
Peter Zahner räumt ein, dass es auch anders gehe. «In Sion bekommt kein Trainer einen Mehrjahresvertrag. Aber welche Trainer bekommt Christian Constantin noch?» Wer einen Einjahresvertrag akzeptiere, sei in der Regel dringend auf einen Job angewiesen oder bekomme nirgendwo einen Mehrjahresvertrag.
Und tatsächlich ist Sion ein sportliches Lotterteam geworden. Inzwischen hat Christian Constantin mit seinen billigen «Wegwerf-Trainern» auch die Seele eines Sportunternehmens verloren: Der FC Sion zittert um den Klassenerhalt und hat 2017 zum ersten Mal in seiner Geschichte den Cupfinal verloren (0:3 gegen Basel). Zuvor hatte Sion 13-mal das Endspiel erreicht – und jedes Mal gewonnen.
Kein Wunder, sagte der ehemalige Meister- und Nationaltrainer Rolf Fringer einmal auf die Frage, ob er eigentlich einen Job beim FC Sion annehmen würde: «Nein. Ein verlängertes Wochenende im Wallis kann ich noch selber bezahlen…»
Item, im Eishockey fällt auf, wie oft Trainer erfolgreich sind, die schon wissen, dass sie gehen müssen. Meisterliche «Wegwerf-Trainer».
Das hat schon seine Gründe. Wer sowieso nicht bleiben darf, muss keine politischen und sonstigen Rücksichten mehr nehmen und kann ganz anders auftreten. Wer nichts zu verlieren hat, kann alles gewinnen. Was im Eishockey noch stärkeren Einfluss hat als im Fussball: Der Trainer kann im Eishockey auch während des Spiels stärker Einfluss auf seine Jungs nehmen als im Fussball und Emotionen sind noch wichtiger. «Nein» widerspricht Peter Zahner. «Ich halte das weitgehend für einen Mythos».
Der ZSC-Manager kennt beide Seiten. Er war früher Trainer, später jahrelang Verbandsdirektor und Chef des Nationaltrainers und trägt heute die Gesamtverantwortung für die ZSC Lions. Auf den ersten Blick sei die Theorie zwar einleuchtend, ein Trainer, der nichts mehr zu verlieren habe, mache seinen Stars ganz anders Feuer unter dem Hintern. «Aber in Wirklichkeit ist es nicht so. Jeder Trainer versucht aus den Spielern, die ihm zur Verfügung stehen, ein Maximum herauszuholen. Das ist sein Job.» Dabei spiele es keine Rolle, wie lange sein Vertrag laufe. Kein Trainer nehme bei der Matchvorbereitung oder während des Spiels politische Rücksichten.
SCB-General Marc Lüthi sieht es gleich wie Peter Zahner. Und das will etwas heissen: Er ist SCB-Mitbesitzer und hat keinen Mäzen, der Ende Jahr das Defizit bezahlt wie Peter Zahner mit Walter Frey.
Es ist einfacher, einer Löwin das Junge zu entreissen, als Marc Lüthi einen Franken abzuknöpfen. Es ist «sein» Geld, wenn er einen Trainer entlassen und weiterhin bezahlen muss. Bei ihm müsste die Versuchung besonders gross sein, nur noch Einjahresverträge auszustellen: Der spektakulärste Titelgewinn ist dem SCB im Frühjahr 2016 vom 8. Platz aus mit einem «Wegwerf-Trainer» gelungen. Gleich beim Playoff-Start ist Lars Leuenberger mitgeteilt worden, dass er Ende Saison gehen muss. Weil sein Nachfolger (Kari Jalonen) schon bestimmt war.
Trotzdem befürwortet Marc Lüthi den Mehrjahresvertrag: «Wenn wir einen Trainer anstellen, dann streben wir eine längerfristige Zusammenarbeit an.» Eine gewisse Einschränkung gebe es allerdings schon. «Bei uns beträgt die maximale Vertragsdauer zwei Jahre und wenn wir mit der Arbeit sehr zufrieden sind, ist eine Verlängerung um weitere zwei Jahre möglich.» Was die Berner ja soeben bei Kari Jalonen so gehalten haben: Sie holten den finnischen Erfolgstrainer im Sommer 2016 mit einem Zweijahresvertrag und haben im Laufe der letzten Saison bis 2020 verlängert.
Es gibt sogar ein Beispiel, das Peter Zahners These stützt, es habe keinen positiven Einfluss, wenn der Trainer wisse, dass er Ende Saison geht. Serge Aubin weiss seit Ende Dezember, dass er nach der Saison Wien verlassen und mit einem Zweijahresvertrag zu den ZSC Lions wechseln wird. Er ist mit den Vienna Capitals inzwischen als Titelverteidiger im Halbfinale gescheitert. Manche sagen, kläglich gescheitert.
Nun wissen wir nicht, ob das für seine ZSC-Zukunft ein gutes oder ein schlechtes Omen ist.