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Standard des American Bulldog, revidiert 2002
Geschichte und Herkunft
Der American Bulldog ist im Südosten der USA als ländlicher Gebrauchshund zur Arbeit mit Vieh und als Wach- und Jagdhund entstanden. Er war keine Rasse, die auf bestimmte extreme anatomische Merkmale hin gezüchtet wurde. Wichtiger waren die körperlichen Voraussetzungen, um die Aufgaben eines Farmhundes erfüllen zu können. Er musste stark genug sein, um sich beim Treiben gegen Schweine oder Rinder durchsetzen zu können, aber auch schnell und beweglich genug, um bei der Jagd eingesetzt zu werden. Dabei musste er Verträglichkeit mit allen auf der Farm lebenden Menschen und Tieren an den Tag legen.
Erscheinungsbild
Der American Bulldog ist ein mittelgrosser bis grosser Hund, athletisch und von ausgeglichenem Wesen. Er zeigt einen stämmigen und kraftvollen Körperbau, Ausdauer und Beweglichkeit. Ein stabilerer und schwererer Typ kann bevorzugt werden, aber er muss frei sein von irgendwelchen Übertreibungen oder gar Übergewicht. Rüden sollen gegenüber Hündinnen kräftiger, schwerer, starkknochiger und maskuliner erscheinen.
Es wird zur Zeit noch unterschieden zwischen dem Standard- und dem Bully/Classic-Typ, dies aber nur, um den stark unterschiedlichen Typen innerhalb der Rasse Rechnung zu tragen. Die meisten modernen American Bulldogs sind bereits Mischformen beider Typen.
Größe und Gewicht: Rüden: 57-67 cm Schulterhöhe, 35-55 kg, Hündinnen : 53-65 cm Schulterhöhe, 30-40 kg
Das Gewicht sollte stets im Verhältnis zur Größe angemessen sein. Bully-/Classic-Typ breiter und schwerer, Standard-Typ schlanker und sportlicher.
Haarkleid und Farbe: Kurz, dicht, fühlt sich fest an. Farbe weiss oder weiss mit gestromten, roten oder falben Abzeichen. Bis zu 90% Farbe sind erlaubt, aber nur in Verbindung mit weiss am Kopf. Zu disqualifizieren: schwarz oder geschlossene Maske, blau und merle, auch Abzeichen.
Kopf: Von mittlerer Länge, Schädel breit im Verhältnis zu Grösse und Typ. Ausgeprägte Backenmuskeln. Der Oberkopf sollte breit und flach sein. Am Fang ein ausgeprägter Stop. Der Kopf ist bei Rüden stärker ausgeprägt.
Augen: Mittelgroß, rund oder mandelförmig, von dunkler Farbe, weit auseinander. Ein dunkles Auge mit schwarzen Augenrändern ist zu bevorzugen. Rosa Augenränder und helle oder blaue Augen gelten als kosmetische Fehler.
Fang u. Zähne: Fang von mittlerer Länge (5-10 cm), schwer, quadratisch und breit mit einem kräftigen und breiten Unterkiefer, der so breit sein soll, dass die unteren Schneidezähne nebeneinander stehen können. Die Lefzen sollten ausgeprägt, aber nicht lose sein oder gar flattern. Dunkle Lefzenränder bevorzugt. Als Gebrauchshund muss der American Bulldog ein vollständiges Gebiss mit 42 Zähnen haben . Die Zähne sind bei geschlossenem Fang nicht zu sehen.
Zähne Standard-Typ: knapper Vorbiss („umgekehrte Schere“) bevorzugt, Vorbiss, Scheren- oder Zangengebiss gelten jedoch nicht als Fehler.
Zähne Bully-Typ: deutlicher Vorbiss bevorzugt. Umgekehrte Schere, Scheren- oder Zangengebiss sind kosmetische Fehler.
Als Zahnfehler gelten: mehr als vier fehlende Prämolare; extremer Vor- oder Rückbiss; innen stehende Canini. Andere Zahnfehler sind stets der Schwere entsprechend zu bestrafen. Abgebrochene Zähne sind nicht zu bestrafen.
Nase: Farbe schwarz. Fleischfarbene Flecken sind erlaubt. Eine graue oder braune Nase gilt als kosmetischer Fehler.
Ohren: unkupiert. Mittelgross. Seitlich gefaltet anliegend oder Rosenohr. Untypisch ist ein Hängeohr oder ein Stehohr (kosmetischer Fehler)
Hals: Muskulös und von mittlerer Länge, leicht gebogen, sich verjüngend von den Schultern zum Kopf hin. Ein wenig Wamme ist erlaubt.
Schultern: Sehr muskulös, mit weit gewinkelten Schulterblättern, so platziert, dass die Ellbogen nicht ausdrehen.
Brust, Rücken und Lenden: Die Brust sollte tief und breit sein, aber nicht so breit, dass die Schultern nach außen gedrückt werden. Der Rücken sollte mittellang, kräftig und breit sein. Die Lenden sollten leicht abfallen und in einer leichten Biegung in die Hinterhand übergehen. Ein loser Rücken gilt als schwerer Fehler, stets im Verhältnis zur Ausgeprägtheit des Fehlers.
Hinterhand: Breit und gut bemuskelt, ausgewogen im Verhältnis zu den Schultern, nicht breiter als die Schultern. Schmale Hüften gelten als schwerer Fehler.
Läufe: Stark und gerade mit kräftigen Knochen. Das Gewicht soll ersichtlich auf alle vier Läufe gleichmässig verteilt sein. Füsse mittelgross, geschlossen, aufgeknöchert. Die Hinterläufe müssen eine deutliche Winkelung der Hüft- und Kniegelenke haben. Mittelfuss stark, gerade und aufrecht, leicht gebogen kann akzeptiert werden. Schwach oder weich gilt als schwerer Fehler.
Schwanz: Unkupiert. Tief angesetzt, kräftig an der Wurzel, spitz auslaufend. Sollte sich nicht über den Rücken ringeln. Endet in entspannter Haltung am Sprunggelenk.
Bewegungsablauf: Die Bewegung zeigt Beweglichkeit und Kraft mit raumgreifenden Gängen. Starker Schub aus der Hinterhand mit entsprechendem Vorgriff der Vorderhand. Die Oberlinie bleibt dabei fest und gerade, parallel zur Bewegungsrichtung.
Fehler: Fehler sind entsprechend ihrer Wichtigkeit zu bestrafen. Kosmetische Fehler sind weniger wichtig. Schwere Fehler sind solche, die in Verbindung mit den geforderten Eigenschaften eines Gebrauchshundes stehen, also die Gebrauchshundeigenschaften betreffen.
Kosmetische Fehler sind solche, die die Formwertnote „vorzüglich“ ausschliessen sollten: Nasen- und Augenfarbe, Ohren, Schwanzhaltung, weniger als 4 fehlende Prämolare, andere geringe Zahnfehler.
Schwer zu bestrafen sind Übergewicht, zu kurze oder zu lange Fänge, Zahn- und Kieferanomalien, Fehler im Bewegungsablauf, mangelnde Ausdauer, Aggressivität oder Ängstlichkeit, besonders Schussangst.
Disqualifikationsgründe können sein:
Taubheit
Rüden, bei denen nicht beide Hoden klar sichtbar sind
aggressive oder ängstliche Hunde
mehr als 4 fehlende Prämolare
Zahnfehlstellungen und Kieferanomalien
blaue u., schwarze Farbe und Abzeichen, Merle
fleischfarbene Nase
kosmetische Veränderungen
zu langes Fell
Bemerkungen zum Richten auf Ausstellungen:
Zur Zeit sind bereits die meisten American Bulldogs Mischformen („Hybriden“) beider Typen oder reine Standard-Typen.
Reine Bully-Typen entsprechen kaum noch dem Rassestandard, da sie die Funktion, die im Rassestandard beschrieben wird, nicht erfüllen können. Die anatomischen und gesundheitlichen Mängel dieser Hunde waren in den letzten Jahren in Zucht und Ausstellung zu offensichtlich, um den verantwortungsbewussten Züchtern verborgen zu bleiben.
Bully- und Standard-Typ werden auf Ausstellungen in der Regel getrennt gerichtet.
Beim gemeinsamen Richten beider Typen in einer Klasse ist stets der Standard-Typ vorzuziehen, da er dem im Rassestandard beschriebenen Ideal am nächsten kommt. Der reine Bully-Typ kann die Anforderungen des Rassestandards (Schnelligkeit, Beweglichkeit, Ausdauer, Funktionalität) in der Regel kaum erfüllen.
Es wird empfohlen, die Hunde neben der Standbeurteilung einer gründlichen Lauf- und Bewegungsbeurteilung zu unterziehen, so können auch Mängel offengelegt werden, die bei der Standbeurteilung verborgen bleiben.
Die Hunde müssen sich anfassen lassen und gleichgültig gegen Mensch und Hund sein. Die Schussprobe hat sich bei allen Gebrauchshunde-Rassen als Wesensüberprüfung bewährt und ist daher im Ausstellungsring obligatorisch.