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Beispielen liefern können, wobei allerdings die Entscheidung, ob es sich in jedem einzelnen Fall um xerothermische Arten oder um eine Verschiebung des Wohnortes nach Norden handle, nicht immer leicht und sicher sein dürfte.
In Gegensatz zu solchen offenbaren Zuzügern können wir andererseits Formen stellen, welche wir als nur unserm Gebiete angehörig anzusprechen haben. Es sind dies Arten mit ganz beschränktem Verbreitungsgebiet, die nur von einem einzigen Fundorte bekannt geworden sind, so dass sie daselbst ihre Entstehung und Ausbildung genommen haben dürften. Für das Mittelland ist allerdings die Zahl solcher endemischer Arten gering; doch haben wir Grund, u. a. einige Borstenwürmer, welche die Uferzone von Seen bewohnen, dazu zu rechnen. Speziell an Regenwürmern weist das Gebiet der Voralpen eine nicht unbedeutende Anzahl von Arten auf, denen ein so enges Wohngebiet zukommt und deren Abtrennung von weit verbreiteten Formen kaum hinter die Zeit der Vereisung zurückreicht. Eigentümlicherweise konstatiert Lebert für die ächten Spinnen dieselbe Erscheinung, so dass nach ihm die Schweiz und die angrenzenden, stark bergigen Gegenden ein faunistisches Spinnenzentrum sind.
Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass die Fauna des Mittellandes aus sehr verschiedenen Komponenten zusammengesetzt ist: Reste aus der Gletscherperiode, Waldtiere und ausgesprochene Steppenformen, Einwanderungen aus südl. Gebieten und Arten, die hier ihre ursprüngliche Heimat haben, erscheinen in bunter Reihe untereinander gemischt. Nicht ohne Interesse ist eine Zusammenstellung der Fauna des Mittellandes nach der Zahl der es bewohnenden Arten. Von genauer Abgrenzung gegenüber den andern Gebieten, dem Jura und den Alpen, kann natürlich keine Rede sein. Die Angaben können daher nur Näherungswerte darstellen und sind sogar für recht reichhaltige Ordnungen von Wirbellosen unmöglich, da teils die Durchforschung unseres Landes noch bei weitem nicht zu einem befriedigenden Abschluss gelangt ist, teils die Beobachtungen nicht so zusammengestellt sind, dass sie eine solche Zählung leicht möglich machen, oder endlich die Fundorte zu wenig genau vermerkt sich vorfinden.
Die geringe Artenzahl, die Körpergrösse und das wirtschaftliche Interesse, das den Wirbeltieren zukommt, erklärt zur Genüge, dass sie am besten bekannt sind. Von Fledermäusen gehören dem Mittelland etwa 20 Arten an, von Raubtieren nur 10, denn von Katzen haben wir noch die eingewanderte Hauskatze, von Hundearten den Haushund und Fuchs, von marderähnlichen den Haus- und Baummarder, den Iltis, das grosse und kleine Wiesel, den plumpen Dachs und den Fischotter, der sich in so ausgezeichneter Weise an das Leben im Wasser angepasst hat.
Die Insektenfresser sind mit 6 Arten vertreten, dem gemeinen Maulwurf, der Wasser-, Wald-, Haus- und Feldspitzmaus und dem überall im Gebiete verbreiteten Igel. Die Zahl der Nager beträgt 13: das Eichhorn, 3 Schläferarten, 2 Ratten, 5 Mäuse, der Hase und das Kaninchen. An Paarzehern sind das Wild- und Hausschwein, die Ziege, das Rind, das Schaf und das Reh, von Unpaarzehern endlich bloss das Pferd und der Esel zu verzeichnen. In diesem Säugerbestand von fast 60 Arten haben wir um so mehr einen ärmlichen Rest der ursprünglichen Fauna vor uns, als die mitgezählten Haustiere mit Ausnahme des Hausschweines ausnahmslos unserer Fauna ursprünglich fremde Elemente sind.
Ungleich grösser ist die Zahl der Vögel, deren Artenzahl auf etwa 300 zu veranschlagen ist. Den ungefähr 110 Zugvögeln können etwa 60 Stand- und Strichvögel an die Seite gestellt werden; an die 70 Arten nehmen bei uns Winterquartiere, und der Rest von etwa 50 Arten durchwandert das Gebiet bei den regelmässigen Frühjahrs- und Herbstzügen oder stattet uns gelegentlich als Irrgäste einen Besuch ab, beide ohne dauernderen Wohnsitz zu nehmen. Es braucht wohl nicht besonders darauf verwiesen zu werden, dass diese Zahlen nur ganz ungefähre sind, da die Unterscheidung nach den genannten Kategorien vielfach eine durchaus künstliche ist und auch die Beobachtungen noch nicht durchweg mit der wünschenswerten Genauigkeit durchgeführt sind.
Hier ist z. B. die Amsel ein Zug-, dort ein Standvogel, vom Buchfinken wandern fast nur die Weibchen, während die Männchen den Winter bei uns verbringen; die Lachmöve, oft an unsern Seen auch nistend, erhält im Herbst einen gewaltigen Zuzug von Norden. Strenge Winter vertreiben meist viele Standvögel von ihren gewohnten Revieren an Orte, wo ihnen der Tisch besser gedeckt ist, und solche, die sonst regelmässig auswandern, können sich auch etwa zum Verbleiben entschliessen (Rotkehlchen, Bachstelze, Wasserpieper etc.). Nicht immer dürfte gerade in den letzten Fällen die Möglichkeit ausgeschlossen sein, dass solche überwinternde Tiere aus nördl. Gegenden zugewandert sind und bei ihrem Abzug wieder durch unsere alten Freunde ersetzt werden.
Bekannt ist, wie die Wintergäste hauptsächlich unsere Gewässer beleben. Zu ihnen gehören die Sumpf- und Schwimmvögel: von diesen haben wir z. B. nur einzelne häufigere Standvögel (so die Stock- und Krickente, den Haubentaucher und den Zwergsteissfuss), dagegen etwa 30 Arten, die bloss den Winter bei uns verleben;
von jenen dagegen können nur das Blässhuhn und die Waldschnepfe als Standvögel angesprochen werden, während die Zahl der Wintergäste an die 40 beträgt.
Die Sumpfvögel sind bei uns durch etwa 20 Zugvögel, die Schwimmer dagegen blos durch deren 4 vertreten. Letztere sind eben hauptsächlich nordische Tiere. Von unsern 6 Hühnervögeln sind 4 Stand- und 2 Zugvögel; diesen schliessen sich auch die 2 Tauben an. Mit etwas über 60 ist die Zahl der Zugvögel unter den Sängern doppelt so gross als die der ständigen und 6 mal grösser als die der Wintergäste. Unsere 2 Nachtschwalben verlassen uns regelmässig im Herbst. Die Kletterer haben 4 Zug- und 7 Standvögel, und bei den Räubern ist die Zahl beider mit 16 und 13 fast gleich, während nur 2 Wintergäste (grosser Schreiadler und Zwergadler) bei uns vorübergehend Quartier nehmen. Diese zahlengemässe Darstellung der Vogelfauna kann noch durch die Angabe ergänzt werden, dass mehr als die Hälfte der Arten zu den seltenen zu rechnen sind, die nur dem Forscher etwa vor die Augen kommen.
Das Mittelland bewohnen 7 Reptilien, nämlich die Sumpfschildkröte, 3 Echsen und 3 Schlangen.
An Amphibien sind 16 zu verzeichnen, nämlich 11 schwanzlose (Frösche und Kröten) und 5 Schwanzlurche, indes etwa 30 Fische unsere Bäche, Flüsse und Seen beleben. Somit beläuft sich die Gesamtzahl der Wirbeltiere auf reichlich 400 Formen.
Ungleich grösser ist diejenige der Wirbellosen, unter denen die Gliedertiere weitaus das Hauptkontingent liefern. An ächten Spinnen konstatierte Lebert 155 Arten. Ohne Zweifel ist diese Ordnung ungenügend durchforscht, die übrigen Ordnungen und namentlich die Milben aber noch weit weniger. Ueber die Zweiflügler, die Fliegen, konnte ich keine Angabe erhältlich machen. Frei verzeichnet in seinem Katalog etwa 900 Gross- und gegen 1000 Kleinschmetterlinge, während Müller-Rutz die Anzahl der letztern jedoch für beträchtlich grösser hält.
Die Hautflügler dürften nach Mitteilungen von Steck gegen 2000 betragen, an Ameisen allein haben wir 40 Arten (Forel). Nach Stierlins Verzeichnis kann die Zahl der Käfer auf gegen 4000 veranschlagt werden, und Ris gibt diejenige der Netzflügler mit 370 an. Ueber die Saugkerfe ist es nicht möglich, zuverlässige Angaben zu geben. Von Geradflüglern sind etwa 50 gezählt worden, und von Springschwänzen hat Carl 104 namhaft gemacht. Von den Tausendfüssern haben wir nach Rothenbühler 41 Chilopoden, während die Diplopoden noch nicht erforscht sind. Ebenso mangelhafte Kenntnis besitzen wir über die artenreichen Krebse; als Beispiel kann nur angeführt werden, dass Stingelin bei Basel 68 Flohkrebse auffand. Nach diesen nur sehr lückenhaften Angaben kommen wir demnach auf eine Artenzahl von 9000 Gliederfüssern, die getrost um einige Tausend noch vermehrt werden kann, wenn wir der Wirklichkeit nahe kommen wollen.
Von Weichtieren fand Suter im Kanton Zürich 105 Schnecken, davon einige 30 Wasser- und 70 Landbewohner, Ulrich im Thurgau 31 Wasser-, 77 Landschnecken und 12 Muscheln, zu denen die W.-Schweiz noch ein weiteres Kontingent liefert.
Weber beschreibt aus dem Genfersee und dessen ¶
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Umgebung 124 Rädertierchen. Gering ist die Zahl der Egel; meine Zählung der Borstenwürmer weist 120 hieher gehörende Arten auf, von denen die Landformen mit 64 nur wenig zahlreicher sind als die Wasserbewohner. Die Gesamtzahl der Würmer kann also ganz wohl auf 300 veranschlagt werden.
Die Rund- und Schnurwürmer, letztere besonders häufig vorkommend, sind noch nicht bearbeitet. Du Plessis beschreibt aus den Kantonen Waadt und Genf 34 Arten von Strudelwürmern; auch hier ist die wirkliche Zahl offenbar wiederum erheblich grösser und dürfte sich mit Einschluss der schmarotzenden Plattwürmer ganz wohl auf 100 belaufen.
Waren schon bis hieher sehr viele und beträchtliche Lücken in unserer Kenntnis der Fauna unseres Landes zu verzeichnen, so steht es auch mit der Welt der Einzelligen nicht besser, die allerdings gegenüber den Vielzelligen mit vielleicht einigen Hundert nicht mehr ins Gewicht fallen. Nur die einzige Notiz sei noch beigefügt, dass Roux im Genfersee 76 Infusorien beobachtete.
Noch wäre diese Betrachtung in der Weise zu vervollständigen, dass der Unterschied an Tierarten zwischen nördl. und südl. Gebieten, zwischen Wasser und Land hervorgehoben würde. Aus jenem Element wäre zur Sprache zu bringen wiederum die Bach-, Fluss-, Tümpel-, Teich- und Seenfauna, in letzterer endlich diejenige der verschiedenen Regionen und Unterschiede nach der Umgebung und Lage der Gewässer, ob sie eintrocknen oder nicht. Die Tierwelt der trockenen Gebiete liesse sich besprechen nach dem verschiedenen Feuchtigkeitsgehalt des Bodens, der Bepflanzung, der Bodenart u. s. w. Abgesehen davon, dass für eine derartige Darstellung vielfach noch die nötigen Vorarbeiten mangeln, müsste sie notwendig zu einer Besprechung und Aufzählung einzelner Tierformen führen, wie sie sich mit Rücksicht auf den Raum und den Zweck des vorliegenden Werkes von vornherein verbietet.
[Dr. K. Bretscher.]
Wirtschaftliche Verhältnisse.
Wie die klimatischen, so sind auch die wirtschaftlichen Verhältnisse des Mittellandes meist günstiger als diejenigen von Alpen und Jura. Das Mittelland ist zugleich der selbständigste und der stärkste Teil, was sich aus folgendem Vergleich der Flächen- und Einwohnerzahlen ergibt:
|Fläche.||Einwohner.||Ew. auf 1 km2.|
|Jura||11,4%||19%||121|
|Mittelland||29,5%||59%||146|
|Alpen||59,1%||22%||27|
Auf 29,5% der Fläche trifft man also 59% der Bevölkerung der Schweiz, das heisst: das Mittelland ist fast 5½ mal so dicht bewohnt wie die Alpen. Die Ursache liegt natürlich in der Höhenlage; zwischen 200 und 500 m Höhe wohnen nämlich 49% der Bevölkerung der Schweiz.
Von den verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben fällt der Weinbau fast ganz in das Gebiet des Mittellandes. Ausnahmen bilden hauptsächlich Neuenburg, Wallis und Tessin. Vom gesamten Rebenareal der Schweiz entfallen auf das Mittelland etwa 58%, von dem jährlichen Ertrag aber 73%. In noch höherem Grade ist der Getreidebau auf das Mittelland konzentriert; da sind es namentlich die regenärmern Striche, die auch heute noch Getreide in grösserem Mass anpflanzen: Waadt, nördl. Freiburg, Berner Mittelland, Oberaargau, Aargau, nördl. Zürich. Dabei lässt sich ganz deutlich eine Abnahme des Getreidebaus vom Genfersee gegen den Bodensee konstatieren, welche der Zunahme des Regens in dieser Richtung entspricht.
Gerade umgekehrt verhält es sich mit dem Wiesenbau. Je regenreicher das Gebiet ist, desto mehr herrschen die Wiesen vor. In St. Gallen und Appenzell nehmen dieselben 9/10 der landwirtschaftlich benutzten Fläche ein. Ganz parallel damit geht die Obstkultur. Am intensivsten findet sich diese in Thurgau, St. Gallen und Zürich; je weiter nach W., desto kleiner ist die Bedeutung, welche das Obst in der Wirtschaft hat. Von den sogenannten Industriepflanzen spielt der Tabak eine ziemliche Rolle in Waadt, Freiburg und Aargau; dagegen ist der Anbau von Flachs und Hanf stark zurückgegangen. Am meisten findet man davon noch in Bern.
Auch in der Viehzucht leistet gerade das Mittelland Bedeutendes. Die Viehzählung von 1896 hat darüber Folgendes erheben:
|Rindvieh||Stück per 1 km2||Stück per 100 Ew.|
|Jura||13,3%||38.1||31.6|
|Mittelland||56,3%||62.3||42.7|
|Alpen||30,4%||16.7||61.7|
|Schweiz:||100%||42.7||44.7|
Auf 29,5% der Fläche hält man also im Mittelland 56,3% des gesamten Rindviehes. Oder es trifft da auf 1 km2 fast doppelt so viel Rinder wie im Jura, fast 4 mal so viel wie in den Alpen. Die Ursache davon ist natürlich die grössere Produktivität des Bodens im Mittelland, wo weniger Oedland vorhanden ist als im Jura und in den Alpen. Aus der letzten Kolonne ergibt sich, dass die Viehzucht im Mittelland in Bezug auf den gesamten Erwerb relativ eine grössere Rolle spielt als im Jura. Dagegen ist sie hier weniger die Hauptbeschäftigung als in den Alpen. Der letzte Unterschied erklärt sich durch die gewerbliche Tätigkeit im Mittellande.
In der Industrie nämlich dominiert wieder das Mittelland. Der Jura hat einzig die Uhren- und Musikdosenindustrie aufzuweisen, und ins Alpengebiet hinein erstrecken sich nur einzelne Ausläufer wie die Glarner Baumwollenindustrie. Sonst fällt sämtliche Industrie ins Gebiet des Mittellandes. Ueber Arten, Entstehung und Bedeutung der einzelnen Industrien siehe den Artikel Schweiz.
Verkehrswege.
Das Mittelland ist ein uralter natürlicher Durchgangsweg vom Genfersee zum Bodensee, von Südfrankreich nach Süddeutschland. Auf diesem Wege entwickelten sich schon in vorhistorischer Zeit Handelsbeziehungen. In der gleichen Richtung legten die Römer ihre grosse Heerstrasse an von Genf über Avenches, Solothurn, Windisch, Kloten, Winterthur und Pfin nach Arbon. Ausser der grossen Längslinie konstruierten aber ebenfalls schon die Römer Querstrassen: Pontarlier-Lausanne-St. Bernhard; Basel-Vindonissa-Zürich-Chur; Arbon-Chur.
Das Mittelalter und die Neuzeit haben aus diesen wenigen Strassen ein ungemein dichtes Strassennetz geschaffen, das allerdings jetzt, im Zeitalter der Eisenbahnen, fast nur noch dem lokalen Verkehr dient. Die Eisenbahnen dagegen schmiegen sich, wie die Römerstrassen, vielfach ¶