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Astrologie in der Kritik
Kritik an der Astrologie
Von der modernen Wissenschaft wird die Astrologie immer wieder als Aberglaube abgetan. So unterzeichneten z.B. 1982 achtundzwanzig Nobelpreisträger eine Erklärung gegen die Astrologie. Auch in wissenschaftlichen Zeitschriften erscheinen immer wieder Artikel gegen die Astrologie, die entweder den statistischen Nachweis erbringen sollen, dass die Aussagen der Astrologie nicht haltbar seien oder dass es Unsinn ist, den Gestirnen Wirkungen zuzuschreiben. Astrologie sei deshalb nicht mit dem naturwissenschaftlich Denken zu vereinbaren. Hier liegt ein Kategorienfehler vor. Die Astrologie ist eine Geisteswissenschaft und kann deshalb nicht nach naturwissenschaftlichen Kriterien bewertet werden. Die Naturwissenschaft arbeitet mit kausalen Zusammenhängen (Ursache/Wirkung), die Astrologie mit komplexen konditionalen (bedingten) Zusammenhängen.
Grundsätzlich muss man auch erst einmal feststellen, was mit Astrologie gemeint ist: Ist es die Zeitungsastrologie mit ihren Sonnentierkreiszeichen oder die seriöse Astrologie, die mit exakten Messbildern vieler astrologischer Faktoren arbeitet?
Kosmologische Vorstellungen gehören seit Beginn der Menschheit zu den kulturellen Leistungen. Der Mensch sah sich eingebunden in die Natur und in die beobachtbaren jahreszeitlichen Rhythmen (Frühling, Sommer, Herbst und Winter, Tag und Nacht) und Bewegungen der Himmelslichter (Sonne, Mond, Planeten, Fixtsterne). Diese Phänomene waren Teil der archaischen und magisch-mythischen Weltbilder. Die Sterne wurden zu Trägern göttlicher Kräfte und Archetypen. Der Rhythmus des Mondes gab dem Wort "Monat" seinen Namen und die sieben Wochentage sind nach den zwei grossen Himmelslichtern und den fünf sichtbaren Planeten benannt, z.B. Sonntag = Sonne, Montag = Mond, Mittwoch = Merkur usw.
Die Himmelsbeobachtungen führten dann im Mittelalter zu den Anfängen der Astronomie, die sich mit den ersten Kalendern und frühen Sternwarten in Indien und in der arabischen Welt bis in die Neuzeit entwickelten. Im naturwissenschaftlichen Zeitalter löste sich die Astronomie ganz von der Astrologie.
Die Verteidigung der Astrologie ist nicht neu. Bereits Johannes Kepler (1571 - 1630), Universalwissenschaftler (er war Naturphilosoph, Mathematiker, Astronom, Astrologe, Optiker und evangelischer Theologe) verfasste 1610 eine Streitschrift zur Verteidigung der Astrologie. Mit der Warnung, "das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten". Kepler entdeckte die Bewegung der Planeten auf ihren Bahnen und war überzeugt davon, dass die Astronomie und Astrologie Mitarbeiterinnn der Theologie seien, denn nicht nur in der Wissenschaft war man bemüht, die Astrologie zu verbannen, sondern auch in der Theologie bzw. der christlichen Lehre. Doch überall findet man oft an und in Kirchen noch Zeugnisse dafür, dass der Tierkreis mit seiner Symbolik lange Zeit eine Rolle spielte. Auch die vier Tierkreiszeichen des Achsenkreuzes aus der der Stierzeit (Präzessionspunkt) sieht man sehr häufig und nur die wenigsten Menschen wissen, dass diese ursprünglich nicht die vier Evangelisten darstellen, sondern die Tierkreiszeichen Stier, Löwe, Adler (Skorpion) und Wassermann (Menschen). Diese vier Zeichen haben sogar der italienischen Stadt Alba, bekannt für ihre Weine, noch in vorchristlicher Zeit den Namen gegeben (A = Angelo, L = Leo, B = Buo und A = Aquila). So hat die Astrologie stets einen Beitrag an der Kulturgeschichte der Menschheit geleistet, trifft man sie doch in allen Hochkulturen an.
Die Argumente der Kritiker sind meist haltlos
An den Zeugnissen kann man auch die Kulturepochen und Bewusstseinsebenen ablesen (Meme, siehe Ken Wilber). Auch in der Entwicklung der Astrologie haben sie bis heute Ausdruck gefunden. jede Ebene brachte auch wieder eine neue Betrachtung der Astrologie hervor.
Die Astrologie entwickelte sich stets mit dem gerade vorherrschenden Weltbild bzw. den Stufen des Bewusstseins (in den Abbildungen von links nach rechts):
1. In der archaisch-animistischen Frühzeit war der Mensch noch ganz in der Einheit mit der Natur und dem Kosmos. Es entwickelten sich die ersten Vorstellungen einer prähistorischen Astrologie und Gestaltastronomie.
2. In der magisch-mythischen Epoche entstanden die Sternenkulte und die Omen- und Amulett-Astrologie, z.B. in Babylon.
3. In der Zeit der egozentrischen und machtvollen Götter entstand die Kalender-Astrologie und die Astrologie der Priesterkönige, z.B. in Ägypten.
4. In der Zeit der mythischen Götter (Griechenland, Rom, Indien, Mittelalter) entstand die Schicksalsastrologie und die Vorstellungen von einer göttlichen grossen Ordnung, wie z.B. im Christentum
5. In der der rational-naturwissenschaftlichen Zeit begann mit der Aufklärung die Trennung der Astrologie von der Astronomie, die den Aufbau des Kosmos untersucht. In der Astrologie begann eine kritische Auseinandersetzung mit den "Biologischen Uhren", die Anwendung exakter Computerberechnungen für Kosmogramme und die Einführung der Statistik für astrologische Untersuchungen. Ferner eine stärkere Verknüpfung mit der Psychologie (Entstehung der "Psychologischen Astrologie").
6. Mit dem Auftauchen der integralen Kultur entwickelte sich in der Astrologie auch analog zur neuen Psychologie die Humanistische Astrologie und Transpersonale Astrologie.
Einige Hauptargumente der Kritiker:
"Tierkreiszeichen existieren nicht, der Tierkreis ist zudem verschoben"
Ein Hauptargument der Kritiker der Astrologie, vor allem der Naturwissenschaftler, ist die Behauptung, dass es die von den Gestirnkonstellationen abgeleiteten Sternzeichen in Wirklichkeit nicht gibt. Das seien ja Fixsterne, die in früheren Epochen willkürlich zu Bildern zusammengestellt worden wären und inzwischen sogar verschoben seien. Deshalb, und vor allem aber auch, weil von ihnen keine Wirkungen, z.B. im Sinne von Strahlen, zu erwarten seien, wäre die ganze Astrologie Unsinn und damit hinfällig.
Schlägt man einen Weltatlas mit der Himmelskarte auf oder schaut man auf einen Globus, finden man meist die Ekliptik eingezeichnet, das ist die Bahn der Erde um die Sonne. Und auf dieser Ebene liegen auch jene Konstellationen der Fixsterne, die in früheren Zeiten zu den Tierkreisbildern des "Zodiak" führten. Das Wort iZodiacus bedeutet "Kreis der Tiere bzw. des Lebens". Von dem griechischen Wort zoon ist das Wort Zoo abgeleitet. Tiere bewegten sich im Vergleich zu den Pflanzen und waren deshalb ein Zeichen von Leben. Der Zodiakus ist deshalb auch ein "Rad des Lebens". Man beobachtete früher die Sterne und sah, dass sie sich wie Tiere von einem Ort zum anderen bewegten. Sie zogen am Himmel vorbei. Auch die noch schnelleren "Wandelsterne", die Planeten bewegen sich auf Bahnen um die Sonne, weitgehend in der gleichen Ebene, deshalb kann man ihre Bahnen und Positionen heute exakt berechnen.
Die Ekliptik hat ein genau bestimmtes Achsenkreuz, das aus den Sonnenwendepunkten (Sommer- und Winteranfang) und Tag- und Nachtgleichen (Frühling- und Herbstanfang) bestimmt ist. Weil die Erdachse zur Ekliptik geneigt ist, verschiebt sich der Frühlingspunkt während ca. 26'000 Jahren einmal vollständig um die Ekliptik und somit auch zu den imaginären Tierkreisformationen der Fixsterne auf ihrem Hintergrund dieser Bahn. Die Verschiebung des Frühlingspunktes auf der Ekliptik nennt man Präzession. Der Frühlingspunkt selbst wird auch Widderpunkt genannt, weil der Frühling mit dem Tierkreiszeichen Widder beginnt.
Die Präzession war schon in der Antike bekannt und ist keine neue Erkenntnis des wissenschaftlichen Zeitalters. In der Antike und im Mittelalter hat das die Astrologie nicht beeinflusst, wusssten sie doch schon, dass die verschobenen Tierkreisformationen nicht die Basis der Astrologie sind. Das scheinen die Kritker bis heute aber nicht verstanden zu haben. Der Lektor für Astronomie an der Universität Basel, M. Knapp, hat diese alten Zeugnisse in seiner Schrift Antiskia - ein Beitrag zum Wissen um die Präzession im Altertums bereits im Jahre 1927 zusammengestellt und veröffentlicht. Die Grundlage der Astrologie ist dieses Achsenkreuz und nicht der verschobene Tierkreis! Das kann man in jedem guten Astrologiebuch nachlesen.
Fragt man heute die Astronomen und Kritiker danach, wo sich denn jetzt auf der Ekliptik der Frühlingspunkt befindet, können sie darauf meist keine gute Anwort geben, obwohl die Ekliptik auf ihrem Atlas oder Hausglobus eingezeichent ist.
Der griechische Philosoph Plato hat nach der Wanderung des Frühlingspunktes auf der Ekliptik die Abschnitte als "Weltzeitalter" klassifiziert. Seither finden sie in der Symbolik jener Zeit ihren Ausdruck. Ich habe oben ALBA erwähnt. Weitere Beispiele: zur Zeit der Geburt Jesu ging gerade das Zeitalter des Widder (das "Lamm Gottes", das geopfert wurde) zu Ende. Es folgte das Zeitalter der Fische (siehe die christliche Symbolik). Und nun stehen wir am Beginn des Wassermannzeitalters, weshalb mit Recht von einem "Neuen Zeitalter" ("New Age") gesprochen werden kann.
"Von den Planeten können keine Wirkung ausgehen"
Da die Astrologie nicht nur mit der Sonne und dem Mond arbeitet, denen man noch eine physische Wirkung zuschreiben kann (Jahreszeiten, Gezeiten der Meere), richtet sich die Kritik hauptsächlich auf die Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn, die mit dem Auge noch sichtbar sind und das frühere klassische System der Astrologie bildeten. Später wurden weitere Planeten entdeckt, zunächst Uranus, dann Neptun, dann Pluto. Und heute zahlreiche Kleinplaneten. Damit wurde nun die Astrologie, wie man meinte, endgültig als Unsinn entlarvt. Von solchen Himmelskörpern könnten keine Wirkung ausgehen! Das zeigt, dass sich die Kritiker nur an der materialistisch-reduktionistischen Naturwissenschaft orientieren und andere Möglichkeiten aussschliessen. Aber selbst diesen Materialisten können einige Antworten gegeben werden: Mond und alle Planeten beeinflussen mit ihren Gravitationsfeldern die Sonnenaktivität und die damit zusammenhängenden verschiedenen Wellen, Strahlungen, ionisierenden Teilchen in der Atmosphäre, den Sonnenwind und mehr, die alle zusammen wiederum lebendige Wesen beeinflussen.
Man hat inzwischen erkannt, dass der Mensch biologischen Rhythmen unterliegt. So konnte z.B. Professor Michel Gauquelin (1928 - 1991) von der Sorbonne in Paris zeigen, dass es "Uhren im Kosmos" gibt, Rhythmen, die mit den astrologischen Konstellationen in Zusammenhang stehen. Er konnte dabei auch die Vererbung gewisser Begabungen in den Horoskopen erkennen, denn auch astrologische Konstellationen werden vererbt, darüber gibt es inzwischen gut belegte Studien.
Der Astrologe Thomas Ring sprach schon davon, dass "der Kosmos in uns" ist, d.h. in unseren Zellen ticken Uhren wie im Kosmos und diese Rhythmen regulieren das Leben und die Entwicklung des Menschen, individuell wie kollektiv. Hieran sollte weiter geforscht werden, denn es ist durchaus möglich, dass man von den astrologischen Konstellationen zur Zeit der Geburt (erfasst in einem Kosmogramm) auf das Pattern der Gene schliessen kann. Es kann sein, dass die Gene nach den Rhythmen der Planeten ein- und ausgeschaltet werden und so die Entwicklung in bestimmten Lebensstufen bestimmen. Zudem würde es auch den Effekt erklären, dass wiederkehrende Rhythmen durchaus zu Prognosen (Zukunftsdeutungen) herangezogen werden können. Wir sind durch die Rhythmen in den Kosmos und damit in die ALL-EINHEIT eingebunden. Jede Konstellation (z. B. eines Geburtsbildes) ist ein individueller Ausschnitt oder eine festgehaltene Momentaufnahme der Zyklen der Planeten.
"Statistisch ist die Astrologie nicht bewiesen"
Die Astrologie und der Mensch ist zu komplex, um sie statistisch zu erfassen. jedes Geburtsbild ist einzigartig, selbst eineiige Zwillinge werden nicht zur exakten derselben Uhrzeit geboren. Die Kombination von Sonne, Mond, Planeten, Aszendent in den 12 Tierkreiszeichen und 12 Häusern und ihre 11 Winkelbeziehungen sind schon unüberschaubar komplex in ihren Kombinationsmöglichkeiten. Die Deutung eines Kosmogramms ist eine Kunst. Kunst kann man nicht statistisch erfassen. Es macht keinen Sinn, festzustellen wieviel Rot oder Blau in einem Gemälde ist oder wieviel Viertel- und Achtelnoten in einem Musikstück vorkommen und vergleicht sie dann mit der Mehrheit von Gemälden oder Musikstücken. Das kann man zwar alles tun, aber der Wert solcher Statistiken ist gering. Entscheidend ist immer das ganze Bild und das Musikstück. Kommt hinzu, dass astrologische Erhebungen meist mit Fragebögen gemacht werden, also stark davon abhängig sind, wie gut sich ein Mensch selbst einschätzen kann. Nur in Systemen, die nach exakten physikalischen oder chemischen Kriterien ablaufen, kann man eine exakte Statistik anwenden. In lebenden und sozialen Systemen, wie es beim Menschen der Fall ist, versagt Statistik bzw. ist ihr Aussagewert begrenzt. Auch astrologische Deutungen unterliegen den Fähigkeiten des betreffenden Astrologen, deshalb ist in vielen Fällen schon die Fragestellung oder die Deutungsrichtlinie nicht exakt und Trends unterworfen. Bestimmte Fragestellungen, z.B. die nach Spiritualität, sind auf solchen Fragebögen oft gar nicht enthalten und so wird ein vielleicht wesentlicher Charakterzug eines Menschen gar nicht erfasst.
"Astrologie verführt die Menschen zur Annahme eines Schicksalszwangs"
Kritiker befürchten, dass die Astrologie die Sterne für das Schicksal von Menschen und der Entwicklung der Menschheit verantwortlich machen. Der Mensch würde seiner Selbstverantwortung beraubt und lege dadurch sein Schicksal in die Hände der Sterne. Es gibt Menschen, die diese Ansicht haben und sich auch gerne auf die Sterne verlassen. Aber die Naturwissenschaft ist nicht weniger deterministisch, denn sie verführt mit dieser Sicht ebenfalls zu einer Konditionierung durch Gene, Hormone, Anlagen in Hirnstrukturen usw., die eine freie Selbstentfaltung einschränken.
Ausblick:
Eine revidierte und Integrale Astrologie ist nötig
Wir können die Kulturleistungen alter Zeiten würdigen, das Beste daraus nehmen und sie nicht einfach als Unsinn verwerfen. Wir können sie heute ins rechte Licht stellen und zu verstehen suchen. Wir können weiter forschen, alles neu betrachten und so Antworten finden, an die zuvor kaum jemand gedacht hat. Mit der Genforschung und Neurowissenschaft können interdisziplinär auch Forschungsziele in der Astrologie aktuell werden, wenn man aufgeschlossen genug dafür ist. Und auch umgekehrt sollten Astrologinnen und Astrologen bereit sein, wissenschaftliche Erkenntnisse in ihre Arbeit einzubeziehen und Aussagegrenzen zu beachten. Eine Neuformulierung einer Integralen Astrologie würde folgende Deutungsebenen berücksichtigen:
1. Physisch (Physiognomie, Temperament, körperliche Dispositionen)
2. Seelisch (Emotionen, Gefühle, Empfindungen, Empathien)
3. Geistig (intellektuell, künstlerisch)
4. Sozial (in den Beziehungen zu anderen, kulturell, beruflich usw.)
5. Spirituell (auf das SEIN bezogen)
6. Rhythmisch: (die Lebensspanne in den Phasen ihrer Entwicklung)
Fazit: Die Astrologie basiert nicht auf die Wirkungen von Tierkreiszeichenregionen oder dem physischen Einfluss der Planeten sondern aus den Rhythmen, die durch das Achsenkreuz der Jahreszeiten und Planentenbewegungen in der gesamten Natur und im Menschen wirksam sind.
Astrologie ist deshalb ist nicht zu verwerfen sondern zu revidieren, interdisziplinär zu erforschen und in ihren Aussagegrenzen verantwortlich auszuüben!