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Eine Aktie ist ein Besitzanteil an einem Unternehmen. Wer eine Aktie erwirbt, wird Mitbesitzer (Aktionär) eines Unternehmens (konkret: einer Aktiengesellschaft). Der Aktionär hat somit das Recht auf einen Anteil am Unternehmensgewinn und im Fall einer Auflösung des Unternehmens auf einen Anteil am Liquidationserlös. Als Mitbesitzer erhält der Aktionär auch – seinem Anteil entsprechend – ein «Stimmrecht» an der Generalversammlung (GV) des Unternehmens.
Eine Obligation (auch Anleihe oder Bond) ist eine Schuldverschreibung, die von einem Unternehmen oder einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft (Staat, Gemeinde) herausgegeben wird. Wer eine Obligation erwirbt, besitzt gegenüber diesem Schuldner also eine Forderung. Die Käuferin der Obligation (Obligationärin) hat somit Anspruch auf eine Rückzahlung des Schuldbetrags am Ende der Laufzeit und erhält während dieser Zeit im Voraus vereinbarte, meist jährliche Zinszahlungen. Die Laufzeit von Obligationen liegt häufig zwischen 5 und 10 Jahren.
Als Dividende wird die Gewinnausschüttung der Unternehmen an die Aktionärinnen bezeichnet. Die Dividende wird in der Regel einmal im Jahr bezahlt und hängt vom Unternehmenserfolg ab.
Der Nennwert, auch als Nominalwert bezeichnet, ist der auf der Aktie angegebene Festbetrag und berechnet sich wie folgt: Grundkapital geteilt durch Aktienanzahl = Nennwert. Seit Mai 2001 muss dieser mindestens 0.01 Franken betragen. Der Nennwert gibt an, mit welchem Anteil sich ein Investor mit dem Kauf der Aktie am Grundkapital der betreffenden Unternehmung beteiligt. Der Nennwert sagt weder über den Kurs noch über den Emissionspreis (Preis für Ersterwerb) einer Aktie etwas aus.
Der Aktienkurs zeigt den aktuellen Wert einer Aktie an. Zu diesem Preis kann man die Aktie kaufen oder verkaufen. Er verändert sich laufend und kann um ein Vielfaches über dem Nennwert (aber auch darunter) liegen.
Als Coupons werden die meist jährlichen, im Voraus fixierten Zinszahlungen der Unternehmen oder Staaten an die Obligationäre bezeichnet. Die Zinszahlung wird in Prozenten des Nennwerts ausgedrückt, z. B. 5%.
Der Nennwert von Obligationen zeigt den Betrag der Forderung an, der am Ende der Laufzeit an die Obligationäre zurückzubezahlen ist. Der tatsächliche aktuelle Wert der Obligation kann davon abweichen.
Der Obligationenkurs zeigt den aktuellen Wert an, zu welchem eine Obligation gekauft oder verkauft werden kann. Er wird in Prozenten des Nennwerts ausgedrückt und liegt meistens in der Nähe von 100% oder zumindest zwischen 90% und 110%.
Aus Sicht der Anleger sind Aktien und Obligationen zwei der vielfältigen Möglichkeiten, gespartes Vermögen am Kapitalmarkt anzulegen. Aus Sicht der herausgebenden Unternehmen (oder – bei Obligationen – auch Staaten) sind die Ausgabe von Aktien und die Ausgabe von Obligationen zwei unterschiedliche Möglichkeiten, neue finanzielle Mittel zu erhalten, z. B., um Investitionen zu finanzieren. Aus Sicht der Unternehmen stellen Aktien eigenes und Obligationen fremdes (nach einer Frist rückzahlbares) Kapital dar.
Beim Handel mit Aktien und Obligationen unterscheidet man zwischen dem Primärmarkt und dem Sekundärmarkt. Gibt ein Unternehmen neue Aktien oder Obligationen aus, so werden diese in einem ersten Schritt am Primärmarkt platziert. Hier werden neue Aktien oder Obligationen erstmals von Käufern erworben. Die herausgebenden Unternehmen erhalten dafür Geld. Meist wird diese Erstausgabe (Emission) gegen ein Entgelt von Banken durchgeführt. Sobald die neuen Aktien und Obligationen einmal im Umlauf sind, können ihre Besitzer diese Wertschriften nun aber jederzeit weiterverkaufen.
Dies geschieht am Sekundärmarkt. Hier verkaufen die Besitzer von Aktien und Obligationen ihre Wertschriften an neue Käufer. Wenn eine private Kleinanlegerin Aktien oder Obligationen kauft, erfolgt dies typischerweise am Sekundärmarkt. Das Geld fliesst dabei von der neuen Käuferin an den bisherigen Besitzer der Wertschriften. Das Unternehmen, das die Aktie oder die Obligation herausgegeben hat, erhält bei diesen Käufen am Sekundärmarkt kein Geld, sondern lediglich neue Besitzer oder neue Gläubiger.
Wertschriften wie Aktien und Obligationen können an Börsen wie auch ausserhalb von Börsen gehandelt werden. Börsen sind gut organisierte Märkte, welche nach strikten Regeln funktionieren und einen flüssigen, günstigen und transparenten Handel ermöglichen. Wer an einer Börse Aktien oder Obligationen kaufen oder verkaufen will, muss einem angeschlossenen Händler – typischerweise einer Bank – einen Auftrag erteilen. Der Preis (Kurs) von Aktien und Obligationen wird wie auf anderen Märkten durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Der ausserbörsliche Handel wird als OTC (engl. over the counter) bezeichnet. Aktien von kleinen Unternehmen sind oft in Familienbesitz und werden nicht an einer Börse gehandelt. In diesem Fall findet der Kauf oder Verkauf z. B. über eine Bank und häufig am Telefon statt.
Beim Handel mit Aktien und Obligationen fallen diverse Gebühren an. Die Banken verlangen eine Gebühr für jeden Kauf und jeden Verkauf von Aktien und Obligationen (Courtage) sowie für die Verwaltung der Wertschriften (Depotgebühr). Diese Gebühren unterscheiden sich von Bank zu Bank. Ferner gibt es je nach Börse und Land diverse Börsenabgaben und gesetzliche Abgaben an den Staat. Grundsätzlich gilt: Je häufiger eine Anlegerin Wertschriften kauft und verkauft, desto mehr Gebühren fallen an.
Sowohl bei Aktien als auch bei Obligationen gehen die Käufer das Risiko ein, Verluste zu erleiden oder im schlimmsten Fall sogar den ganzen investierten Betrag zu verlieren. Bei Aktien sind diese Risiken klar höher als bei Obligationen. Dies zeigt einerseits die Erfahrung: Während bei Obligationen die Kursschwankungen in der Regel begrenzt sind, kommt es bei Aktienkursen regelmässig zu grossen Schwankungen und nicht selten auch zu deutlichen Einbussen. Dass Aktien grundsätzlich riskanter sind als Obligationen, wird anderseits aber auch im Fall einer Unternehmenspleite klar. Meldet das Unternehmen Konkurs an, werden – sofern der Liquidationserlös genügt – die Obligationäre als Gläubiger des Unternehmens vor den Aktionären bedient. Somit reicht es bei den Obligationären auch im Konkursfall meistens noch für eine teilweise Auszahlung, während bei Aktionären ein Totalverlust viel wahrscheinlicher ist.
Als Rendite bezeichnet man den erzielten Gewinn in Prozenten des eingesetzten Kapitals. Wer 100 Franken in Obligationen investiert und damit nach einem Jahr einen Gewinn von 5 Franken macht, erzielt eine jährliche Rendite von 5%.
Im langfristigen Vergleich zeigt sich, dass Aktien im Durchschnitt eine klar höhere Rendite aufweisen als Obligationen. Das höhere Gewinnpotenzial von Aktien wird deutlich, wenn man die möglichen Gewinne der Anlegerinnen betrachtet. Bei Aktionärinnen besteht der Gewinn aus den erhaltenen Dividenden und einem möglichen Kursgewinn, falls der Aktienkurs beim Verkauf höher ist als beim Kauf. Obligationärinnen erhalten Zinszahlungen und im Falle eines Kursanstiegs ebenfalls einen Kursgewinn. Der Unterschied ist nun, dass Dividenden und Aktienkurse massiv – im Prinzip unbegrenzt – steigen können, wenn eine Unternehmung hohe Gewinne erzielt. Die Zinszahlungen für Obligationen jedoch sind fix und die Obligationenkurse steigen kaum weit über den Nennwert hinaus. Da am Ende der Laufzeit höchstens der Nennwert zurückbezahlt wird, kann der Wert einer Obligation nicht beliebig höher sein.
Wer in Aktien investiert, kann also über lange Fristen – z. B. 20 Jahre – höhere Erträge erwarten als bei Obligationen, nimmt aber auch deutlich höhere Risiken in Kauf. Obligationen sind wiederum – zumindest im Normalfall – rentabler, aber dafür riskanter als Ersparnisse auf einem gewöhnlichen Bankkonto. Diese Zusammenhänge sind kein Zufall, sondern entsprechen einer allgemeinen Faustregel an den Finanzmärkten: Je höher die Rendite einer Anlage ist, desto höher sind auch deren Risiken. Dies macht Sinn, weil die hohe Rendite eine Entschädigung für das grosse eingegangene Risiko darstellt.
Aktien
(Verkaufskurs – Kaufkurs) + Dividenden
Kaufkurs
Obligationen
(Verkaufsbetrag – Kaufbetrag) + Zinsbetrag
Kaufbetrag
Ein Käufer erwirbt 100 Aktien à 10 Franken (Jahr 1). In den folgenden Jahren bezahlt das Unternehmen dem Aktienbesitzer für seine 100 Aktien Dividenden von 0 (Jahr 2), 10 (Jahr 3), 20 (Jahr 4) und 10 Franken (Jahr 5). Nach erhaltener Dividende im Jahr 5 verkauft der Besitzer die 100 Aktien zu einem Börsenkurs von 13 Franken. Dadurch erzielt er mit der Investition (ohne Zinseszinsen) einen Gewinn von 1300 + 10 + 20 + 10 – 1000 = 340 Franken.
Eine Käuferin erwirbt 10 Obligationen im Nennwert von 1000 Franken zum Kurs von 1000 Franken (Jahr 1). Jedes Jahr erhält sie eine Zinszahlung von 2%, d. h. von je 20 Franken pro Obligation (Jahre 2–5). Unmittelbar nach Erhalt der Zinszahlung im Jahr 5 verkauft die Besitzerin die Obligationen zum Börsenkurs von 990 Franken. Dadurch erzielt sie mit der Investition (ohne Zinseszinsen) einen Gewinn von 9900 + 4*200 – 10 000 = 700 Franken.
|Aktien||Obligationen|
|Stellung des Käufers||Mitbesitzer (besitzt Anteil am Unternehmen)||Gläubiger (besitzt Forderung gegenüber Unternehmen oder Staat)|
|Vermögensrechte des Käufers||Anspruch auf Gewinnanteil (Dividende) und auf Anteil an einem Liquidationserlös des Unternehmens||Anspruch auf Zinszahlungen (Coupons) und auf Rückzahlung der Obligation (zum Nennwert) nach deren Ablauf|
|Stimmrecht||Ja||Nein|
|Kapitalart aus Sicht des Herausgebers (Unternehmens)||Eigenkapital||Fremdkapital|
|Rangfolge der Auszahlung im Konkursfall||Nach den Obligationären (und nach allen andern Anspruchsberechtigten)||Vor den Aktionären (aber u. a. nach den Forderungen von Mitarbeitenden)|
|Kursnotierung||Preis pro Aktie||Kurs in Prozenten des Nennwertes|
|Laufzeit||Unbegrenzt (oder bis zur Auflösung des Unternehmens)||Begrenzt (pro Obligation festgelegt,z. B. 10 Jahre)|
|Gewinnpotenzial aus Anlegersicht||Dividenden und mögliche Kursgewinne nach oben unbegrenzt (im langjährigen Durchschnitt rentabler als Obligationen)||Coupon ist fix; deshalb kann der Obligationenkurs kaum weit über den Nennwert hinaus steigen (im langjährigen Durchschnitt weniger rentabel als Aktien)|
|Risiken aus Anlegersicht||Höher als bei Obligationen: grosse Kursschwankungen und im Konkursfall Totalverlust wahrscheinlich||Kleiner als bei Aktien: begrenzte Kursschwankungen, aber im Extremfall auch Totalverlust möglich|
Die meisten Leute werden ihre ersten Ersparnisse auf einem Bankkonto anlegen. Ab einem bestimmten Sparbetrag stellt sich dann die Frage, ob und wie viel man auch in Obligationen und Aktien investieren soll. Dazu gibt es keine objektiv richtige Empfehlung. Die Frage ist individuell zu beantworten und hängt von der Risikofreude der Anlegerinnen ab.
Wer für höhere Erträge auch höhere Verluste riskieren möchte und diese notfalls auch finanziell verkraftet, der kann einen grösseren Anteil seiner Ersparnisse in Aktien investieren. Risikoscheue Anlegerinnen hingegen investieren eher in Obligationen.
Auch der Anlagehorizont spielt eine Rolle: Wer kurzfristig nicht auf die Ersparnisse angewiesen ist, kann eher in Aktien investieren. In jedem Fall gilt aber die allgemeine Empfehlung, nicht alles auf die Aktien oder Obligationen eines einzelnen Unternehmens zu setzen. Wer investiert, kauft vorzugsweise Wertschriften von verschiedenen Unternehmen oder Staaten, weil dies das Risiko der gesamten Anlage reduziert. Eine interessante Möglichkeit dazu bieten sogenannte Anlagefonds, in welchen verschiedene Aktien und/oder Obligationen zusammengefasst werden.