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Der Dialog ist - wenn ich bei mir bin - allgegenwärtig. Mein Problem ist, dass ich oft woanders bin und das oft nicht realisiere. Im "Aktsaal" - so nennen wir unseren Container, respektive den Ort unseres Containments - übe ich im Dialog bei mir zu sein.
Im Containment des Dialoges gibt es einige Spielregeln von D. Bohm. Diese Regeln haben für mich vor allem die Bedeutung von Markierungen, die ich unterwegs beachten kann. Eine dieser Regeln sagt, dass ich in der ich-Form sprechen soll, eine andere sagt, dass ich in die Mitte sprechen soll. Diese Regeln helfen auch beim Achten, wie andere sprechen.
Natürlich haben solche Regeln keinen Anspruch. Im Dialog will ich nicht nach Regeln leben, sondern zu mir kommen. Da mir aber solche Regeln beim Beobachter beobachten helfen, entwickle ich eigene Regeln sozusagen für meinen eigenen Fall. Und im Dialog spreche ich über mich, also auch über meine Regeln.
Mich interessiert die Frage, ob es eine Wirklichkeit gibt, nicht. Es ist mir gleichgültig. Mich interessiert aber sehr, wann oder in welchen Situationen ich über die Wirklichkeit spreche. Also erfinde ich die Regel: Sprich nicht über die Wirklichkeit! Durch die Regel werde ich sensibel. Im Containment kann ich die Regel bewusst halten, auch die andern merken natürlich, wenn ich die Wirklichkeit beschwöre.
Ich finde einfache Sätze: Das oder dies "ist" so oder so. Die Erde ist wirklich rund. Ohne Sauerstoff kannst Du nicht leben. Ich sage: Solche Sätze sind für sich genommen idiotisch. Mit meiner Aussage mache ich natürlich auch so einen Satz, ich sage, wie es ist. Ich frage mich, wann ich solche Sätze mache, wann also ich mich wie ein Idiot verhalte. Darauf achte ich in der Dialogübung.
Ich entwickle ein Gespür. Ich ertappe mich oft dabei, eigene Verhaltensweisen durch gegebene Verhältnisse zu begründen. Diese oder jenes mache ich nicht, weil es mir so gefällt, sondern weil diese oder jene äussere Bedingung mich mehr oder weniger dazu zwingt. Oft finde ich das ganz unproblematisch, weil ich mich oft wirklich gezwungen fühle. Aber auch oft verhalte ich mich vermeintlich aus freien Stücken so, wie ich mich verhalte, und nenne dann doch Gründe, die ausserhalb von mir liegen.
Ich fahre beispielsweise mit Auto durch eine Ortschaft. Ich fahre 50 km/h. Warum? Weil ich das eine angemessene Geschwindigkeit finde oder weil 50 km/h als Höchstgeschwindigkeit vorgeschrieben ist. Wie gesagt, mich interessiert nicht, wie es wirklich ist, sondern in welchen Situationen ich welche Begründung ausspreche.
Mein Eindruck ist, dass ich in Bedrängnis sein muss, wenn ich äussere Gründe gebe. Ich kann auch sagen, dass ich mich durch äussere Gründe bedränge. Wenn es mir gut geht, bin ich Grund genug.