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Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1980 von Peter Ziegler
Der 1875 eingeweihte, im März 1980 abgebrochene Bahnhof Au.
Laut Vertag vom 4. Juli 1872 verpflichtete sich die Nordostbahngesellschaft zum Bau der Linien Zürich-Lachen-Ziegelbrücke-Näfels und Thalwil-Sihlbrugg-Zug. Die beteiligten Gemeinden waren bereit, auf zehn Jahre und zu einem Vorzugszinsfuss Anleihen im Totalbetrag von 7 Millionen Franken zu zeichnen. Dafür versprach die Bahngesellschaft, die Stationen Horgen, Wädenswil und Richterswil in der Nähe des Seeufers zu erstellen.
Noch im Jahre 1872 beteiligte sich Wädenswil mit 400‘000 Franken an der Subventionsanleihe, allerdings unter der Bedingung, dass auch in der Au eine Bahnstation erstellt werde.
Diesem Wunsch wurde entsprochen: Am Einweihungstag der linksufrigen Eisenbahnstrecke, am 18. September 1875, war auch die Station Au betriebsbereit. Der Bahnhof diente aber anfänglich nur dem Personenverkehr. Erst 1892 baute man die Anlage in der Au zur Vollstation aus. 1925, im Zusammenhang mit dem Ausbau auf Doppelspur, erstellten die Bundesbahnen den Zwischenperon mit dem schienenfreien Zugang. Im Februar 1930 wurde die fünfzig Meter lange Perronüberdachung vollendet. Da der Zugang zum Bahnhof Au durch starken Verkehr auf der Seestrasse immer mehr behindert wurde, entschlossen sich die Behörden im Jahre 1970 zum Bau einer Personenunterführung, durch die man von der Brunnenhofstrasse unter der Seestrasse hindurch direkt auf das Bahnhofsareal gelangen kann. Der benötigte Bruttokredit von 910 000 Franken wurde in der Urnenabstimmung vom 15. November 1970 mit 3782 Ja gegen 886 Nein erteilt.
Schon in den 1960er Jahren planten die SBB den Bau eines betrieblich modernen und von den räumlichen Verhältnissen zufriedenstellenden Bahnhofs in der Au. Aber immer wieder wurden wichtigere Bauvorhaben vorgezogen. Im Oktober 1978 gab man dann endlich grünes Licht für den Bahnhofneubau in der Au.
Signalglocken vor dem alten Stationsgebäude Au.
In einer ersten Bauetappe schuf man ab April 1979 in einem Nebengebäude den notwendigen Raum für die elektrischen Installationen und die technischen Einrichtungen. In etwa drei bis fünf Jahren sollen hier auch die Installationen für das automatische Stellwerk untergebracht werden. Die Umstellung vom mechanischem zum automatischen Betrieb kann indessen erst erfolgen, wenn ein entsprechender Ausführungskredit gebilligt ist. Da sämtliche Signale und Weichen der Automatik angepasst werden müssen, ist mit beträchtlichen Kosten zu rechnen. Ein im neuen Stationsbüro räumlich bereits eingeplantes automatisches Stellwerk wird dannzumal ermöglichen, die Station Au von Zürich aus mit Fernbedienung zu schalten, wie dies heute bereits in Thalwil durgehend geschieht.
Im alten mechanischen Stellwerk – das vorläufig weiter im Einsatz steht – werden Signale und Weichen mit Muskelkraft und Hebelwirkung gestellt.
Der neue Bahnhof Au, mit dessen Bau im Frühsommer 1980 begonnen worden ist, schliesst sich dem Nebengebäude direkt an. Er wird das ebenerdig gelegene Stationsbüro mit Schalterhalle und Gepäckraum umfassen und einen zweistöckigen Wohntrakt mit einer 4 ½-Zimmer-Wohnung für den Vorstand. Das Stations- und das Nebengebäude sind als Betonbauten vorgesehen, der Wohnungstrakt soll aus Bachsteinen gebaut werden.
Ende Februar 1980 waren die Schalter im alten Bahnhofgebäude Au zum letzten Mal geöffnet. Dann brachte man Billet-, Gepäck- und Güterschalter in einer Holzbaracke bei der Personenunterführung unter. Am 5. März wurde der 105 Jahre alte Bahnhof – ein typischer Bau aus der Gründungszeit der linksufrigen Zürichseelinie – von einem Bagger zum Einsturz gebracht, und innert weniger Tage schon waren die Abbrucharbeiten beendet.
Am selben Ort begann man anschliessend mit dem Bahnhofsneubau. Weil sich der Untergrund als schlecht erwies, musste zuerst eine Pfählung gerammt werden. Trotzdem hofft man, dass der neue Bahnhof Au im Frühling 1981 bezugsbereit sein wird. Das alte mechanische Stellwerk, in welchem Signale und Weichen mit Muskelkraft und Hebelwirkung gestellt werden, wird vorläufig weiter im Einsatz stehen. Im übrigen aber wird in der Au neben Fotografien vom alten Bahnhof nur noch der Güterschuppen, welcher den Ansprüchen in seiner Form vollauf genügt, an die Anfangszeiten des Eisenbahnverkehrs am Zürichsee erinnern.
Der Bahnhof Au – ein typisches Stationsgebäude aus den Anfangszeiten des Eisenbahnverkehrs am Zürichsee.
Abbruch des Bahnhofs Au. 5. März 1980.
Bahnhofsvorstand Alder vor dem alten Stellwerk, dass einstweilen bestehen bleibt.
Peter Ziegler