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Die FIFA testet zurzeit eine neue Abseitsregel, die schon bald im europäischen Fussball angewendet werden könnte. Der EM-Kracher Deutschland – Frankreich wäre damit deutlicher an die Franzosen gegangen. Aber wäre diese Regel tatsächlich sinnvoll?
Über die Jahre ist die Abseitsregel im Fussball zum Kult geworden. Sie wird oft als Testfrage eingesetzt, wenn jemand behauptet, sich im Fussball auszukennen und bringt in ganz kniffligen Situationen auch gerne Experten und Schiedsrichter ins Schwitzen. Damit könnte aber schon bald Schluss sein. Denn wie FIFA-Präsident Gianni Infantino im Mai bekannt gab, wird die uralte Regel derzeit überarbeitet.
Unter der Leitung von «Professor Arsène Wenger» tüftelt der Weltverband an der «umgekehrten Regel», erklärt Infantino am 71. FIFA-Kongress. Bis jetzt lautete die Regel stets: «Wenn irgendein Körperteil, mit dem man ein Tor erzielen kann, über der Linie des letzten Verteidigers ist, dann ist es Abseits.» Neu soll die Regel wie folgt lauten: «Wenn irgendein Körperteil, mit dem man ein Tor erzielen kann, auf der Linie des letzten Verteidigers ist, dann ist es kein Abseits.»
Kapiert? Ich auch nicht.
Deshalb nochmals etwas anders formuliert: Ein Stürmer dürfte neu mit dem ganzen Körper im Abseits stehen, solange ein einziges Körperteil, das ein Tor erzielen darf, NICHT im Abseits steht. Ob das eine Ferse, die linke Schulter oder die rechte Arschbacke ist, spielt dabei keine Rolle. Die Regel lautet: Steht der Angreifer mit irgendeinem Körperteil, mit dem ein Tor erzielt werden kann, auf gleicher Höhe, dann ist es kein Abseits.
Jetzt verstanden? Sonst hier ein Beispiel.
Wäre der Fussball offensiver oder defensiver?
Mit dieser Regel hätte Karim Benzemas Treffer zum 2:0 für Frankreich am Dienstagabend gezählt. Mbappés Fuss war bei der Ballabgabe nämlich auf der Höhe des letzten deutschen Abwehrspielers, auch wenn der Rest seines Körpers nach aktueller Regel im Abseits steht.
«Wir müssen den Angriffsfussball immer fördern», erklärt Infantino die mögliche Neuerung. «Wir testen diese Regel aktuell in Amerika und China. Der VAR hat eine Situation geschaffen, die nicht vorhergesehen wurde. Vor dem VAR ging das Abseits im Zweifelsfalle an den Angreifer. Mit dem VAR gibt es keine Zweifel mehr, trotzdem sollten wir ein Tor nicht aberkennen, nur weil die Nase im Abseits steht.»
Die neue Regel gäbe den Angreifern massive Vorteile. Stellt sich nun die Frage, ob so eine Änderung den Fussball aber tatsächlich angriffiger und schneller machen würde. Als Verteidiger könnte man sich auch einfach für eine tiefere Linie entscheiden – damit hätte sich die FIFA ins eigene Fleisch geschnitten.