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Die Route der Transat: Le Havre (Frankreich) – Salvador de Bahia (Brasilien); 4350 sm / alle Boote mit 2 Seglern besetzt. Röstiteam erreicht 4. Rang!!
Simon segelt seit er 6 Jahre alt ist. Jetzt zählt er 32 Jahre. Angefangen hat er wie die meisten Segler mit dem Optimist. Es folgten 420er, 470er, Katamaran, Tornado. Er absolvierte die Yachtmasterausbildung in England und arbeitete auf Charterschiffen in England. Teils fuhr er mit Gästen über den Atlantik in die Karibik, nahm dort an Regatten teil und kam wieder zurück nach England. Er betont, auf diesen Törns sehr viel gelernt zu haben. Das Schwierigste an den Trips sei nicht das Seglerische gewesen sondern das richtige Handling der Gäste an Bord – bis zu 10 auf einmal. Dabei musste man jede Woche wieder neu anfangen mit neuen Gästen. Mit der Zeit wurde ihm das zu langweilig. Er wollte mehr.
Für die Minitransat 2011 holte er ein 6.5m Boot im Rohbau in die CH, baute es fertig und testete es auf dem Zürichsee. Zwei Monate später zügelte er das Boot in die Bretagne und segelte auch mit anderen Minitransat-Booten.
2013 erreichte er den 3. Platz in der Serienkategorie. Nun wurde er richtig süchtig. 2015 hatte er die Chance, ein 6.5 Meter Schiff von Grund auf neu selber zu bauen aus Karbon, mit Solarzellen, einem 12m Mast, einem 3m Bugspreet, grosser Segelfläche, Doppelruderanlage und einem Schwenkkiel. Mit diesem Schiff resultierte ein 7. Platz, aber der 3. Platz in der Kategorie Prototyp. Segeldauer: 8 Tage für die Strecke Le Havre – Kanaren, danach 13 Tage bis Martinique in der Karibik! Leider hatte das Schiff noch Kinderkrankheiten.
In Martinique lernte er den heutigen Partner Valentin Gautier kennen. Sie beschlossen, künftig mit grösseren Booten an Regatten teilzunehmen, nämlich mit der Klasse 40. Sie tauften sich als «Röstiteam» in Anlehnung an den Röstigraben, da ein Deutsch- und ein Welschschweizer sich zusammenfanden zu einem Segelteam.
Sogleich begannen sie mit der Vorbereitung: Dazu gehören das Studium des Wetters / die Strategie, die Taktik / das Leben an Bord / ein neues Boot und dessen Finanzierung.
Die Boot-Class 40: 4.5m breit / 4.5t schwer / 19m Masthöhe / 12.2m lang / Doppelruder, fester Kiehl. Kleines Cockpit. Der Designprozess ist immer ein Kompromiss zwischen Komfort und Geschwindigkeit. Sie wollten ein tiefes Cockpit zum guten Schutz, damit man auch bei schlechten Bedingungen im Cockpit sich aufhalten, steuern und Segel stellen kann. Das Ziel war, ein Schiff zu bauen, das bei allen möglichen Regatten gewinnen kann. Dazu wurde das Wetter der letzten 15 Jahre berücksichtigt. Computersimulationen errechneten immer wieder neue Rumpfformen. Aber es brauchte auch noch die Erfahrung der Segler und den Designer. Das Schiff muss nach Reglement symmetrisch sein. – In den letzten Jahren wurden die Schiffe immer breiter, so dass längere Zeit viel Segelfläche gelassen werden kann. Die grosse Breite garantiert einen stabileren Rumpf. Ferner müssen die Schiffe ein Minimum an Gewicht haben, damit sie wie ein Surfbrett durchs Wasser fahren. Sieben Segel sind an Bord, davon zwei verschiedene Spi. Bauort: Bretagne. Die Einwasserung fand einen Monat vor dem Start statt. Das Boot war 130 kg zu leicht, so dass Blei an Bord mitgeführt wird. 4.5 Tonnen sind das Leergewicht. 750 Liter Wasser sind Ballast.
Finanzierung: Preis des Schiffes 620’000 Euro. Dazu wurden in Frankreich 2 Firmen gegründet: Der einen gehört das Schiff, die andere betreibt es. 12 Sponsoren spendeten Geld. Das Schiff soll pro Jahr ca 20’000 Seemeilen segeln bei 5 bis 6 grossen Regatten. Dazwischen muss man für die Sponsoren viel tun: Events organisieren, Medienarbeit pflegen, Social Media benützen. Ferner verbraucht das Projekt pro Jahr ca 400’000 Euro Betriebskapital.
Der Start zur Transat war im Oktober 2019. In der ersten Nacht an Bord brauste es mit 35 Knoten Wind und der kleine Spi ging verloren. Nach 4 Tagen hatten sie keine Windinformationen mehr, weil oben am Mast die Windanzeigen durch die Schläge der Wellen weggeflogen waren. Beim Hochdruckwetter in der Gegend von Madeira konnte endlich einer in den Mast hinauf und die Windanzeige in 45 Minuten reparieren (Fähnchen). – Nach jedem Manöver wird 500 Kg Material ins Lee transportiert um eine optimale Wasserlage mit viel Segelfläche zu erreichen. Das Energiemanagement wird zum grossen Thema: Schlafzeiten, Steuern, Segelgarderobe, Reparaturen, Essen, Wetterbericht empfangen und nötige Schlüsse ziehen. Die objektive Entscheidungsfähigkeit zu behalten braucht mehr Schlaf als einfach geradeaus segeln. Auf dem Wasser darf man technische Hilfe via e-mail anfordern, aber verboten sind, Meinungen zum Wetter einzuholen.
Das Leben an Bord: Trockenfleisch / Energie-Riegel / Kondensmilch / Trockenfrüchte etc. Schlafen kann man zwischen 45 Minuten bis 3 Stunden am Stück je nach Situation. Vier Stunden pro 24 h braucht es unbedingt. Ansonsten besteht die Gefahr, in den Haluzinationsmodus zu fallen. Ein Einhandsegler darf höchstens 30 Minuten schlafen. Dies entspricht der Zeit eines Frachters vom Horizont bis zur Kollision mit dem eigenen Schiff. Es ist menschlich möglich, diesen Rhythmus 2 bis 3 Wochen einzuhalten. Danach dauert es eine Woche, bis der normale Schlafrhythmus wieder gefunden ist.
Technische Hilfsmittel: Gerechnete Parameter des Computers kann man vergleichen mit Bordinstrumenten, um wieviele Prozente die effektive Geschwindigkeit positiv oder negativ von den errechneten Werten abweicht (ein Instrument an Bord zeigt dies an!). Ebenso verhält es sich mit der Segelwahl: Die Konstrukteure haben in einer Tabelle dargestellt, bei welchem Wind und welcher Richtung welche Segel gesetzt werden müssen/sollen. – Mindestens 3 verschiedenen Quellen von Gribdaten zum Wind werden übereinandergelegt und daraus wird die schnellste Route errechnet. Hilfreich ist auch ein Roadbook. Das sind Infos an gewissen Punkten der Route, die die Bedingen bei verschiedenen Wetterlagen sofort als Blase im PC erscheinen lassen.
Daten des Röstiteams: Durchschnittsgeschwindigkeit 10.6 kn / Höchste: 26.7 kn.
Weitere Infos auf: https://www.roestisailingteam.ch/
Wir wünschen dem Röstiteam weiterhin Glück und Erfolg und bedanken uns für den spannenden Vortrag.
Hugo Buser