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Enthauptungsvideos verstärken bestehende Ängste
Damals arbeitete Sarah Redmond von der University of California an der Auswertung einer Längsschnittstudie über die psychologischen Reaktionen des Bombenangriffs beim Bostoner Marathon im April 2013. Sie beschloss, anhand derselben repräsentativen Stichprobe mehr über Personen herauszufinden, die sich solche Videos anschauen. Die Schlussfolgerungen wurden unlängst im American Psychologist veröffentlicht.
Acht Monate nach der Veröffentlichung der Videos befragte eine Forschungsgruppe über 3000 Personen, ob sie eines der veröffentlichten Videos ganz, teilweise oder gar nicht angeschaut haben. Etwa 20 Prozent der Befragten gaben an, mindestens einen Teil eines Enthauptungsvideos und etwa 5 Prozent ein ganzes Video gesehen zu haben. Aus der Datenanalyse resultierte eine Korrelation zwischen der Wahrscheinlichkeit, eines dieser Videos betrachtet zu haben, und bestimmten demografischen Merkmalen (männlich, arbeitslos und christlich) sowie der typischen Fernsehfrequenz, der Gewaltexposition und der Angst vor Terrorismus.
Ein Jahr später füllten die Teilnehmenden erneut einen Fragebogen aus. Die am häufigsten genannten Gründe, sich ein Enthauptungsvideo angeschaut zu haben, waren die Informationssuche und Neugier. Das Forschungsteam fand ausserdem heraus, dass diejenigen, die mindestens einen Teil eines solchen Videos gesehen hatten, vermehrt an Existenzängsten litten und grössere Angst vor negativen Ereignissen in der Zukunft hatten als diejenigen, die keine solchen Videos gesehen hatten.
Die Psychologinnen und Psychologen kommen zum Schluss, dass solche Bilder bereits bestehende Ängste verstärken können. Paradoxerweise veranlasst dies die betroffenen Personen, weiter nach ähnlichen Bildern zu suchen, und trägt letzten Endes dazu bei, dass die Terroristen ihr Ziel erreichen. Ein besseres Verständnis solcher Mechanismen bei den Medienschaffenden könnte zukünftig helfen, einen bestmöglichen Umgang mit solchen Informationen zu finden und das Auslösen einer «Angstspirale» zu verhindern.