Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03474.jsonl.gz/141

Würde man Tee als eine Person beschreiben, so wäre diese wohl eine Mischung aus Mahatma Gandhi und Dschingis Khan. Eine gewagte Aussage? Keinesfalls. Denn hätten Sie gewusst, dass Tee der Auslöser für den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg war? Oder dass er China in den Opiumkrieg stürzte?
Die Faszination am Tee ist nicht alleine die Vielfalt an Sorten und Geschmäckern. Es ist sein enormer Einfluss auf unserer Weltbühne, der ihn so interessant macht. Kein anderes Getränk prägte das Weltgeschehen, die Kultur und die Gesellschaft so nachhaltig wie der Tee.
Tee als Medizin
In China wurde Tee schon 2000 Jahre v. Chr. als Medizin eingesetzt. Im 9. Jahrhundert n. Chr. kam der Tee nach Japan und buddhistische Mönche begannen dort, den Tee als Teil ihrer Meditation zu trinken. Sie erkannten, dass das Trinken von Tee ihre Konzentration verbesserte und half, wach zu bleiben. Der Mönch Eisai schrieb sogar ein Buch über Tee und seine medizinischen Eigenschaften, das bis heute als wichtiger Text der japanischen Teekultur gilt.
Tee als Lebensphilosophie
Jahrhunderte später schrieb der Japaner Okakura Kakuzō das «Buch vom Tee», in welchem es weniger um die Zubereitung des Tees selbst geht, denn um die Art und Weise wie man den Tee zelebriert. Dazu gehörte auch die Schlichtheit des Teezimmers und dessen minimalistische Dekoration, welche Architekten weltweit zu neuen Ideen inspirierte. Zu dieser Zeit war Tee schon längst in Europa angekommen. Teehäuser und Teesalons wurden zu Orten der Zusammenkunft und des Austauschs von Ideen und Kulturen.
Tee löste Kriege aus
1773 brachten die Briten den Tee nach Amerika, wo er bald auf dem dritten Platz der importierten Handelswaren stand. Die britische Regierung belegte diesen Tee jedoch mit hohen Steuern, was zu Protesten im ganzen Land führte. Am 16. Dezember 1773 verkleideten sich Mitglieder der Freimaurerloge Saint Andrew in Boston als Mohikaner, enterten die im Hafen liegenden Schiffe der East India Company und warfen 342 Kisten Tee über Bord. Dieser Akt, bekannt als “Boston Tea Party”, gilt als Auslöser des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs.
Nach dem Verlust ihrer amerikanischen Kolonien stand Grossbritannien bald vor einer finanziellen Herausforderung. Der teure Teehandel mit China führte zu einem enormen Handelsdefizit und wurde durch strikte chinesische Handelsauflagen noch verstärkt. Die Lösung für das Geldproblem wurde schliesslich in Bengalen gefunden, wo die Ostindien-Kompanie Opium anbaute und produzierte. Das Opium wurde nicht direkt nach China verkauft, sondern über private Händler geschmuggelt und dort hochprofitabel veräussert. Mit diesen Gewinnen konnte wiederum Tee von den Chinesen gekauft werden, um ihn für noch höhere Gewinne in England zu verkaufen – ein Geschäft mit gigantischen Profiten für alle Beteiligten. Für China entwickelt sich jedoch der Opiumschmuggel zu einer Katastrophe und der Opiumkrieg wurde ausgelöst.
Tee heute
Heute dürfen wir Tee als ein Getränk betrachten, dass uns im Alltagsstress eine Ruhepause verschafft und uns wieder erden lässt. Wir geniessen Tee als Muntermacher, Gesundheitsförderer, Schlankmacher und Genussmittel. Ob alleine oder auch gerne in Gesellschaft getrunken, Tee wird nie seine Faszination und seine vielfältige Aufgabe in unserer Gesellschaft verlieren.