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Studer siegt in Montreux
Yves "Pitbull" Studer übt Druck aus auf seinen Gegner, der nach einem präzise geschlagenen Lebertreffer des Europameisters der Nicht-EU-Staaten in der 5. Runde aus dem Kampf genommen wurde.
19.10.2009 - Yves Studer , der sich sorgfältig auf seine nächste Titelverteidigung als Europameister im Mittelgewicht (EE-EU-Version) vorbereitet, besiegte im Casino Barrière in Montreux den Polen Mariusz Biskupski (20 Kämpfe, 14 Siege, davon 5 durch KO) in einem auf acht Runden angesetzten Kampf in der 5. Runde durch KO. In der mondänen Ambiance des Casinos wurde mehrheitlich guter Sport geboten. J. J. Ramelet und sein Team haben es verstanden, eine Veranstaltung in der Romandie zu etablieren, die beweist, dass der Boxsport auf höchst ansprechendem Niveau organisiert werden kann.
Yves Studer (Boxing Kings Bern) 72,9 kg vs. Mariusz Biskupski (Polen), 73,2 kg
Der Kampf bestätigte, dass der Berner sich auf jeden Gegner optimal einstellen kann. Für Studer war dieser Kampf nicht ohne Risiko. Der auch in seinem 23. Kampf ungeschlagene Mittelgewichtler musste sich mit einem Gegner auseinandersetzen, der nicht ungefährlich war. Von Studer wurde ein klarer Sieg erwartet und eine Niederlage wäre im Hinblick auf die weitere Karriere des Europameisters aus dem Stall der Boxing Kings fatal gewesen. Dementsprechend vorsichtig gestaltete Studer den Kampfverlauf, wohl wissend, dass jeder Underdog auf die Chance lauert, einen Titelträger überraschend besiegen zu können. Die ersten Runden des Kampfes waren deshalb nicht besonders spektakulär und Yves Studer musste sich hüten, dem Puncher aus Polen ins offene Messer zu laufen. Mit einigen guten Treffern bewies Biskupski, dass Vorsicht durchaus am Platze war. Ab der dritten Runde legte der Berner aber ständig zu und bearbeitete den unberechenbaren Aufbaugegner mit hart geschlagenen Leberhaken. Mit ständigem Pressing, guten Kombinationen und einem punktgenauen Körpertreffer machte Yves Studer bereits in der fünften Runde alles klar: Nach 1’56 schickte er Biskupski zum definitiven Aus auf die Bretter und bewies damit jene Reife, die für seine zukünftigen Ambitionen (EU-Titel) entscheidende Voraussetzung ist.
Manager Daniel Hartmann und Trainer Bruno Arati waren mit der Leistung ihres Schützlings zufrieden: Studer hatte einmal mehr eine nicht einfache Aufgabe mit Bravour gemeistert. Mehr Sorgen bereitet dem Management die Planungsunsicherheit, die durch die Ankündigung eines Klitschko-Kampfes in Bern entstanden ist. Die kurzfristige Ankündigung eines derartigen Grossereignisses ist für die seriös planenden Boxing Kings äusserst störend und erschwert die Vorbereitung für weitere Titelkämpfe des Europameisters empfindlich.
Gestaltete sein Profidebut erfolgreich: Jeremie Canabate. In der Kampfszene trifft er seinen Gegner Frederic Gosset punktgenau auf dessen Nase
Jeremie Canabate (Lausanne), 62,1 kg vs. Frédéric Gosset (Frankreich), 65 kg Mit einem Sieg über den reputierten Journeyman Frédéric Gosset hat der Lausanner bewiesen, dass ein intelligent gestalteter Erstkampf Rückschlüsse auf die Qualität des Debütanten erkennen lässt. Obschon Gosset natürlich nicht ein Massstab für höhere Ambitionen ist, darf die Leistung von Canabate gegen einen Mann mit der Erfahrung aus 59 Profikämpfen nicht unterschätzt werden. Nach einer ruhigen Einschätzung des gegnerischen Potenzials hat der Lausanner systematisch zugelegt und mit variablem Boxen den Franzosen sauber ausgeboxt. Obschon klar ersichtlich war, dass Gosset keine Geschenke machen wollte, dominierte der Neoprofi ab der zweiten Runde das Geschehen im Ring klar und verliess das Seilviereck als verdienter Sieger. Das Verdikt nach 4 Runden: Armin Bracher 39:37: Beat Hausammann 40:37; Fabian Guggenheim 40:36.
Trotz "anständigem" Kampfrekord war der Ungare Gabor Toti gegen Cédric Kassongo chancenlos und musste mehrmals auf die Bretter. Nach diesem Volltreffer hatte Ringrichter Fabian Guggenheim endlich ein Einsehen und nahm den überforderten Toti aus dem Kampf
Cedric Kassongo (Genf), 66,8 kg vs. Gabor Toti (Ungarn) 68,3 kg Für die Enttäuschung des Abends sorgte der Kampf zwischen dem Modellathleten aus Genf und seinem absolut inferioren Gegner aus Ungarn. Toti, übergewichtig und kaum austrainiert, technisch limitiert und unbeholfen hätte eigentlich eine leichte Beute für den physisch und technisch in jeder Beziehung überlegenen Kassongo sein müssen. Der Genfer liess seine guten Anlagen nur selten aufblitzen und suchte offensichtlich nur den finalen Schlag. Obschon er seinen Gegner schon in kürzester Zeit in arge Bedrängnis brachte, setzte er nicht nach. Zwar ging Toti bereits in der dritten Runde zweimal zu Boden und war schon arg ramponiert, aber Kassongo konnte das ungleiche Gefecht erst in der vierten Runde – nach erneuten Niederschlägen des Gegners – für sich entscheiden. Nach 1.26 hatte der hilflose Toti genug und der TKO wurde Tatsache. Wie sehr ein Verdikt über den wahren Kampfverlauf aussagekräftig ist, beweist dieses Urteil. Ein pikantes Detail noch am Rande: während Kassongo auf BoxRec mit 3 Kämpfen geführt wird, monierte sein Umfeld, er hätte allein im letzten Jahr 5 Kämpfe in Frankreich bestritten.
Flavio Turelli (links im Bild) und der Franzose Jaoued Belghali zeigten dem Publikum einen mitreissenden Kampf, den Turelli einstimmig nach Punkten gewann
Flavio Turelli (Montreux), 68,8 kg vs. Jaoued Belghali (Frankreich) 69,4 kg Für den schönsten Kampf des Abends sorgte eindeutig Flavio Turelli. Mit seinem Exploit gelang es ihm, das enthusiastische Publikum restlos zu begeistern. Turelli war erst im letzten Moment verpflichtet worden und sein französischer Gegner (6 Kämpfe, 5 Siege, 3 davon durch KO) ein ernst zu nehmender Siegesanwärter. Daran liess der Franzose mit seinem selbstsicheren Auftreten nicht zweifeln. Eine Arroganz, die er bitter büssen sollte! Obschon Belghali mit Sicherheit Qualitäten hat, strafte ihn Turelli mit einer famosen Leistung gnadenlos ab. Oft – durch Überheblichkeit - bereits am Rande des KO’s musste er nach 6 spektakulären Runden einem Mann den Sieg überlassen, der mit Herz, Klasse und Tempo nichts anbrennen liess. Sieger mit 3:0 Richterstimmen: Flavio Turelli (Armin Bracher 58:56; Beat Hausammann 59:56; Fabian Guggenheim 58:56)
Klarer kann man seinen Gegner kaum dominieren. Mit präzisen Kopf- und Körpertreffern sicherte sich Momo Belkacem den Sieg: Sieger durch Technischen K.o in der 3. Runde: Momo Belkacem
Mohamed Belkacem (Boxing Kings Bern) 80,0 kg vs. Istvan Varga (Rumänien) 81.3 kg Den besten Kampf des Abends lieferte das zweite Zugpferd der Boxing Kings ab. Gegen den robusten und technisch beschlagenen Rumänen zeigte Belkacem bestes Boxen. Obschon Varga keinesfalls eine leichte Beute für den Berner war, liess ihm Belkacem keine Chance. Mit variablen Serien, Aufwärtshaken im richtigen Moment und stupender Geschwindigkeit zerstörte er den Gegner buchstäblich. Bereits in der dritten von sechs angesetzten Runden kam das Aus: Sieger durch TKO Mohamed Belkacem. Auf die weitere Karriere von Belkacem darf man gespannt sein!
Bild oben links: Nach präzisem Körpertreffer wurde Mariusz Bispupski aus Polen in der 5. Runde von Beat Hausamann ausgezählt. Bild oben rechts: In den ersten zwei Runden hielt Omar Moukhtar von den Boxing Kings gegen Bernardino de Brito (N.A.B.C. Montreux) gut mit, baute dann aber in der 3. Runde konditionell stark ab und verlor vorzeitig. Bild unten links: Flavio Turelli freut sich nach seinem grossartigen Sieg zusammen mit Patrik Kinigamasi, Georgo Constantin und Silvio Chanton. Verpasst nur selten ein Box-Meeting in der Schweiz. SwissBoxing-Präsident Andreas Anderegg
Die Amateure: Einmal mehr zeigten die Amateure, dass sie in Bezug auf Spektakel und Spannung den Profis in nichts nachstehen müssen. Der Schüler Tairi Ilber (Box Union Winterthur) lieferte Vaton Ziberi (NAB Montreux) ein Gefecht, das sich sehen lassen durfte. Zu Recht freuten sich die Betreuer am Ring über die Leistung ihrer Schützlinge. Ilber, immer mit einer Hand mehr im Spiel, siegte schliesslich mit 3:0 Richterstimmen. Genau so überzeugend war auch der Kampf zwischen Bernardino De Brito (NAB Montreux) gegen Omar Mukhtar (Boxing Kings Bern). Hier zeigte sich, wie wichtig Physis und Kondition sind. Obschon Mukhtar technisch zu überzeugen wusste, wurde er schliesslich durch De Brito regelrecht überrollt. Sieger mit 3:0 Richterstimmen: De Brito. Kommentar: Dass die Veranstaltung durch die lokalen TV-Anstalten (und TeleBärn) aufgezeichnet wurde, darf nicht unerwähnt bleiben. Genau das hilft, unseren Sport besser zu positionieren. Prominenz am Ring, wie beispielsweise Jean Claude Bouttier (Ex-Europameister im Mittelgewicht, der auch gegen den legendären Carlos Monzon um die WM boxte) bewies als Stammgast, wie hoch das Meeting in Montreux einzuschätzen ist. Peter Stucki, Vizepräsident EBU und Präsident der Berufsboxkommission freute sich besonders, dass die Veranstalter eine weltweite Aktion des World Boxing Councils (WBC) gegen den Nierenkrebs publikumswirksam unterstützten.17.10.2009 - Resultatübersicht Box-Meeting Montreux
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