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Neuer Schlag gegen Monsanto: China stoppt Gen- Reis
F. William Engdahl
Die Regierung der Volksrepublik China hat Monsanto und der US-dominierten Agrobusiness- Industrie einen schweren Schlag versetzt: Völlig unerwartet beschloss das chinesische Landwirtschaftsministerium die Einstellung eines Programms zur Entwicklung von gentechnisch verändertem Reis und Mais. Als am 17. August die Lizenzen für in China entwickelten Genreis und Genmais zur Verlängerung anstanden, galt diese eigentlich als Routineangelegenheit, doch anders als die Gentechnik-freundliche US-Regierung beschloss das chinesische Ministerium für Landwirtschaft, die Lizenzen nicht zu verlängern.
Die Geschichte geht zurück auf die frühere Regierung. 2009 genehmigte der Ausschuss für Biosicherheit des Ministeriums die Entwicklung der beiden Sorten Genreis und Genmais. Die Zertifikate sollten nach fünf Jahren erneuert werden. Bedingung war, dass dieser gentechnisch veränderte Reis und Mais ausschließlich zu Forschungszwecken verwendet wurde und nicht in den Verkauf gelangte.
2009 gab das chinesische Landwirtschaftsministerium sein Programm für die Entwicklung von gentechnisch verändertem Reis und Mais bekannt. Bei einem China-Besuch anlässlich der Veröffentlichung meines Buchs Saat der Zerstörung, die dunkle Seite der Genmanipulation in chinesischer Übersetzung erklärten mir Wissenschaftler des Ministeriums Ende 2009, die Regierung wolle sichergehen, bei einer großen neuen
westlichen Technologie, die einen geringeren Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel und höhere Ernteerträge versprach, den Anschluss nicht zu verlieren.
Das Experiment wurde an der landwirtschaftlichen Hochschule Huazhong in der Nähe von Wuhan durchgeführt. Wie Huang Jikun, Chefwissenschaftler bei der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, 2009 erklärte, hofften chinesische Wissenschaftler, die den rosigen Versprechungen Monsantos und des US- Landwirtschaftsministeriums glaubten, wonach die gentechnisch veränderten (GV) Sorten dazu beitrügen, den Pestizid-Einsatz um 80 Prozent zu verringern und gleichzeitig die Ernteerträge um acht Prozent zu steigern. Bei Tests zeigten der chinesische GV-Reis und -Mais keine solch positiven Resultate.
Wegen des wachsenden Misstrauens gegenüber GVO (gentechnisch veränderten Organismen) in der chinesischen Bevölkerung verbot die chinesische Regierung den Verkauf von GV-Reis auf dem offenen Markt. Dennoch wurde im Juli bei einer Prüfung in einem großen Wuhaner Supermarkt chinesischer Genreis entdeckt. Wuhan liegt am Ufer des Jangtse-Flusses, gegenüber der landwirtschaftlichen Hochschule Huazhong, die den Genreis entwickelt.
Es gab öffentlichen Protest. Ein Reporterteam des staatlichen chinesischen Fernsehsenders CCTV ließ fünf zufällig ausgewählte Päckchen Reis untersuchen, drei enthielten chinesischen gentechnisch veränderten Reis. Die chinesische Öffentlichkeit war, gelinde gesagt, alarmiert. Die Ursprünge des Reisanbaus lassen sich auf die Täler entlang des chinesischen Jangtse-Flusses vor mehr als 7.000 Jahren zurückverfolgen.
Amerikanischer Genmais wird zurückgeschickt
2014 war kein gutes Jahr für Monsanto und die westlichen GVO-Produzenten in China. Seit Ende 2013 schickt die chinesische Regierung Lieferungen von importiertem Mais zurück, mit der Begründung, bei Untersuchungen sei unter normalem Mais auch nicht zugelassener Genmais gefunden worden.
Seit Ende November hat China wiederholt Lieferungen von US-Mais zurückgewiesen, weil Beamte angeblich entdeckten, dass er teilweise eine von Syngenta AG aus Basel entwickelte gentechnisch veränderte Sorte enthielt, die nicht genehmigt worden war. Wie Exporteure berichten, schickt die Regierung voll beladene Frachtschiffe einfach wieder zurück. Jetzt gestattet China seinen Hafenbehörden, ganze Maislieferungen zurückzuweisen, wenn sich darin nur ein einziges Korn mit einem nicht zugelassenen Gen findet.
Die Zurückweisung bedeutet einen schweren Schlag für US-Farmer und Getreidehandelsunternehmen wie Cargill Inc, den größten Getreideexporteur der Welt. China ist der weltweit am schnellsten wachsende Markt für Mais. Noch 2008 importierte China pro Jahr lediglich 47.000 Tonnen Mais, überwiegend aus den USA, dem größten Mais-Exporteur der Welt. 2013 wurden fünf Millionen Tonnen importiert.
Durch diesen gewaltigen Anstieg wird China zu einem Schlüsselfaktor auf dem Weltmarkt für Mais und Getreide. Da die chinesische Mittelklasse in jüngster Zeit zu Wohlstand gekommen ist, steigt die Nachfrage nach Rindfleisch und Fleisch von anderen Tieren, die mit Mais- und Sojamehl gefüttert werden, rapide. China, schon lange ein wichtiger Importeur von Sojabohnen, kauft nun plötzlich auch sehr große Mengen an Mais.
Laut einem Bericht des amerikanischen Getreide- und Futtermittelverbands (NGFA) vom April dieses Jahres erlitten die amerikanischen Sektoren für Mais, Getreide und Soja infolge der chinesischen Nulltoleranzpolitik gegenüber Syngentas Agrisure VipteraTM 162 GV-Mais Einbußen in Höhe von 2,9 Milliarden Dollar bei Ausfuhren nach China, wo diese GVO-Sorte noch nicht für den Import als Nahrungs- oder Futtermittel zugelassen ist.
Die Verluste werden wahrscheinlich noch größer werden. In dieser Saison wird in den USA aufgrund optimaler Wetterbedingungen in Maisanbaugebieten wie Illinois oder Iowa voraussichtlich eine Rekord- Maisernte eingefahren. Der NGFA schätzt, dass die US-Landwirtschaft im Marktjahr 2014/15, das am 1. September 2014 beginnt, bis zu 3,4 Milliarden Dollar Verlust machen könnte.
Streit unter Dieben?
Zwischen den GV-Saatgutproduzenten Syngenta, Monsanto oder DuPont Pioneer Hi-Bred und den großen Getreidespeditionen, dem sogenannten Getreidekartell – Cargill, ADM und Bunge – tobt bereits eine Auseinandersetzung, vergleichbar einem Streit unter Dieben.
Der nordamerikanische Getreideexport-Verband, dem auch ADM und Cargill angehören, verlangt, dass Saatgutproduzenten wie Monsanto oder Syngenta Risiken und Verpflichtungen aus dem Verkauf ihrer Produkte in voller Höhe übernehmen. Er lehnte es auch ab, Samen mit Genmodifikationen in den Verkauf zu bringen, die auf großen Märkten noch nicht zugelassen sind. Getreideproduzenten appellieren an Syngenta, solche Samen erst wieder zu verkaufen, wenn sie von China zugelassen werden. Syngenta hat solche Aufrufe bisher zurückgewiesen.
Amerikanische Farmer, die sich zur Verwendung von Monsantos oder Syngentas GV-Saatgut verleiten ließen, weil ihnen riesige Profite durch höhere Ernteerträge (eine Lüge) und geringerem Pestizid-Einsatz (noch eine Lüge) versprochen wurden, stehen nun vor dem Ruin, weil sich ihr GV-Mais, den sie aus wirtschaftlichen Gründen angebaut hatten, plötzlich als Klotz am Bein erweist.
Chinas administrative Entscheidungen gegen GVO im Inland und beim Export könnten für Monsanto und Verbündete den Todesstoß bedeuten.
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