Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03520.jsonl.gz/2444

«Ich musste 1,5 Liter warmes Senföl trinken»
Traditionelle Praktiken, die eine potentielle Gefahr für Mutter und Kind darstellen, sind in einigen Teilen des nepalesischen Distrikts Baglung weit verbreitet. Beispielsweise sollen Mütter in den ersten zwei Wochen nach der Geburt 1,5 Liter warmes Senföl trinken. Lesen Sie hier, wie FAIRMED die betroffenen Frauen im Distrikt über die Gefahren solcher Praktiken informiert.
Nach der Geburt ihres ersten Kindes trank Kamala Gharti Magar auf Raten der älteren Menschen in ihrem Dorf Senföl. Dieses sollte ihre inneren Organe reinigen. Neue Mütter folgen dieser traditionellen Praxis oftmals ohne sie zu hinterfragen - wie schon ihre Mütter vor ihnen.
«Ich habe gewürgt, als ich das Senföl trank», sagt Kamala. Tage später verlor sie den Appetit. «Ich konnte mein Baby nicht richtig stillen, weil ich nicht mehr essen konnte», erzählte sie. Bis heute leidet sie unter starken Magenproblemen - eine Folge des Rituals. Mit dem Rural Health Improvement Projekt trägt FAIRMED dazu bei, das Bewusstsein für solch traditionell verwurzelten, aber schädlichen Praktiken in der Gemeinschaft zu stärken und bei den betroffenen Frauen eine Verhaltensänderung herbeizuführen.
FAIRMED führt in Baglung dafür gross angelegte Sensibilisierungskampagnen durch, um den Müttern die Gefahren solcher Traditionen aufzuzeigen. «Als FAIRMED mir von den Auswirkungen von Senföl erzählte, begann ich zu verstehen», sagt Kamala. Jetzt gibt sie ihr Wissen an andere Frauen weiter – unter anderem an ihre Schwiegertochter. «In einem Monat wird sie Mutter werden. Ich werde sie definitiv nicht darum bitten, Senföl zu trinken», so die 48-Jährige.