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Datierung
1995
Blattmasse
50 x 70 cm
Technik/Material
Lithografie auf Papier
Nennung
Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Inv.-Nr.
SK13017
Ohne Titel
Jahresgabe der Stiftung für konstruktive, konkrete und konzeptuelle Kunst, 2013
Der 1939 in Zürich geborene Künstler Hans Jörg Glattfelder zählt wohl auch dank seiner nicht nachlassenden Experimentierfreude zu den wichtigsten zeitgenössischen Repräsentanten der konstruktiven und konkreten Kunst. Bekannt wurde er mit Reliefs aus regelmässigen farbigen Pyramiden. Seit seinen künstlerischen Anfängen in den 1960er-Jahren in Florenz hat sich Glattfelder von verschiedenen Avantgardebewegungen anregen lassen. Inspiriert von der Op Art und der kinetischen Kunst, entwickelte er eine eigene, unverkennbare Formensprache. Dies legt exemplarisch sein humorvolles Werk «Décéleration (Langsame Eier / Slow Eggs)» von 2012 (schwarze, eiförmige, sich unmerklich bewegende Figuren) nahe. Prinzipiell hinterfragt er die Beziehung von Raum und Fläche, und auch der Einbezug des Betrachtenden in seine Arbeiten ist zentral. Diese Auseinandersetzung führte zunächst zu den ersten industriell hergestellten Reliefs, die eine Aneinanderreihung prismatischer Stäbe zeigen.
In seiner Hinwendung zum Phänomen Raum sprengte er das «Dogma des rechten Winkels» und stiess zu neuen konkreten Gebilden vor. Anfang der 1970er-Jahre setzte sich der Künstler intensiv mit wissenschaftlichen Raumdefinitionen auseinander, studierte verschiedene Theorien zur nicht-euklidischen Geometrie und fand 1977 zu einer Bildschöpfung, die er «nicht-euklidische Metapher» nennt. Die so konzipierten Werke sind meist viereckige, in konvergierende Farbfelder und -linien unterteilte Bildträger, die gekippte und perspektivisch verzerrte Bildformate zeigen und die Illusion einer Raumkrümmung evozieren. Diese Bilder sprechen vom Versuch, die komplexen Raumvorstellungen der modernen Physik auf die konstruktive Kunst zu übertragen. Glattfelder selbst bemerkte dazu: «Die Formen, die ich erfinde, haben eine Beziehung, sie weisen auf etwas hin, das ich konkret nicht darstellen kann.»
Aus dem beschriebenen Spannungsfeld zwischen dem Rationalen und dem Sinnlichen entsteht die poetische Kraft seiner Werke, die letztlich für das «sehende Sehen» gemacht sind, wie er immer wieder betont.
Dominique von Burg