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Schon länger pfiffen es die Spatzen von den Dächern, dass eine „definitive“ Veröffentlichung von Sebastian anstünde. Nun hat Intrada, notabene mit der Nr. 250 in seiner Special Collection Reihe, diesen Goldsmith-Fan Wunsch also erfüllt. Nebst dem Original Motion Picture Soundtrack (Tracks 11 bis 32) gibt es das bisher bekannte Programm der Dot und Harkit Veröffentlichungen, ausserdem zusätzlich noch einige Toneffekte des Materials, das Tristam Cary für den Film zusammenstellte (Teile davon waren auf der Harkit CD zu hören).
Für den James Bond Spoof aus dem Jahr 1968 (mit Dirk Bogarde, Lilli Palmer und Sir John Gielgud) komponierte Goldsmith einen süffig leichten Score im typischen Stil der End-60er, speziell die des farbenfrohen Londons jener Zeit.
Sebastian beginnt in „The Red Insect“ mit E-Bass und Ridefiguren der Drums, ehe Streicher ein kurzes Statement geben und die Blechbläser mit einem B-Motiv ins Hauptmotiv führen (Stimmen, Holzbläser). Später kommt ein akustischer Bass hinzu und Goldsmith verteilt seine Motive auf Einzelstimmen (E-Gitarre, Querflöte). Ein witziges, kleines Arrangement. Das Hauptthema fusst auf einer Komposition von Goldsmith und Hal Sharper. Es ist mehrere Male zu hören, so auch in Track 12 in „Main Title“, der mit Pop-Barock (Sebastian = Bach = Goldsmiths Gedanke?), durchaus beliebt in jener Ära, schliesslich in rockigere Gefilde führt – Swinging Sixties – (Sax, Drums, E-Gitarre) ehe Goldsmith wieder in die barocke Umgebung zurückfindet. So gestaltet und mal mit weiteren Kleinigkeiten wie Woodblocks, kleinem Amboss und Slidewhistle ausgestattet, sind einige weitere Stücke ( zB. „First Day at Work“, mit fast 4 Minuten mit Abstand der längste Track von Sebastian).
Einer der interessanteren Tracks ist „The Decoders“ mit dem anfänglichen Einlullen vom Klavier – ein Stück das danach durchaus Pfeffer versprüht. „Under Observation“ beginnt mit charakteristischen Goldsmith-Rhythmen und „The Pursuit“ ist ein verspielter Mix aus Thema und Bachtrompetenspiel. „Checkmate“ ist ein in all seiner Kürze gelungenes Stück, das gut und gerne noch ein, zwei Minütchen länger hätte dauern können. Ein weiterer, feiner Actiontrack ist „Jodrell Bank“ mit seinen deutlichen ostinati und Timpanischlägen.
In „A Bad Way“ fungiert Goldsmith das Hauptthema mit Solosax zum seichten Liebesstück um, während „No Answer“ eine rauchige Atmosphäre umgibt. Aber bleiben wir noch einen Moment bei den bemerkenswerteren Tracks: „The Trip“ zählt zu eben diesen mit. Er beginnt mit Schlagzeug und Perkussion und steigert sich dann nach und nach mit instrumentalen Beigaben und elektronischen Verfremdungen. Auch das in jener Zeit oft zu hörende Harpsichord finden wir in Sebastian desöfteren.
Und freilich musste ein pfundiger 007-alike Song sein: „Here Comes the Night (Catol’s Theme)“, geschrieben ebenfalls von Jerry Goldsmith und Hal Sharper.
Noch ein paar Worte zum ominösen Tristam Cary Teil (Untertitel wie „Very mild mix“ lassen einen schon schmunzeln), der schon die Harkit CD Hörer ausschnittsweise „beglückte“: Nur was für die beinharten Komplettisten, die vor Toneffekten nicht zurückschrecken. Gebraucht hätte man das sicherlich nicht.
Sebastian ist kein besonders erinnerungswürdiger Goldsmith, der zwar auf kurze Sicht gesehen durchaus Spass zum Anhören macht, aber eben auch recht oberflächlich bleibt (Ansätze für mehr Pepp und Pfiff hätte es durchaus in der Musik, aber es scheint als ob der Film dazu einfach nicht genügen hergab), auch wenn die Musik als Filmscore besser funktioniert als in der etwas kruden Albummischung (Tracks 1-10). Immerhin kann man mit dieser CD die alten Alben in die Ecke stellen.