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Tagesbericht vom 12.10.2002
Endlich ist das Klima nicht mehr so feucht. Das animiert Bobo den seit dem Zwischenfall mit dem Inverter notwendigen, neuen Anschluss für die elektrische Zahnbürste zu basteln. Die im hinteren Teil von Sir James angebrachten Steckdosen schliesst er an den vorderen Inverter an. In der Zwischenzeit – für solche Arbeiten kann man mich nicht brauchen - gehe ich mich duschen. Erstaunlicherweise geht das auch mit kaltem Wasser. Das warme Wasser, oder zumindest die Installation dazu, hat wahrscheinlich der Hurrikan mitgenommen.
In Cameron bei Lafayette (nicht in Afrika) erhält Sir James zwei neue Reifen. Dies ist zwar ein Luxus, da der eine Reifen sicher noch manche Kilometer gemacht hätte. Da wir aber nicht erwarten können in den USA die gleichen Reifen wie in Namibia kaufen zu können, beschaffen wir die Reifen immer paarweise. Dieses Ereignis hebt unsere durchschnittliche Tagesausgabe um 1.61 CHF an. Wir sind aber froh, dass auch dieser Schaden repariert ist, denn erst beim dritten Anlauf finden wir einen ‚Tire Shop', der unsere Pneudimension führt und diese auch noch auf unsere ‚Split Rims' montiert.
Endlich sind wir im Zentrum des Wirbelsturms. D.h. dort, wo er in der vergangenen Woche durchgegangen ist: bei Crowley. (Hier wird anscheinend ein Viertel des gesamten in der USA produzierten Reises angepflanzt.) Die Spuren der Verwüstung sieht man den Feldern an. Sie sehen etwas zerzaust aus. Berge von Äste liegen am Strassenrand. Viele entwurzelte Bäume liegen in den Wiesen herum. Es sieht aus, wie wenn Godzilla hier durchmarschiert wäre.
Texas heisst der nächste Staat, den wir besuchen. Ob denen das Geld, respektive das Erdöl ausgegangen ist? Die Strassen jedenfalls sind so schlecht, dass Bobo beschliesst auf Nebenwegen zu fahren, um die neuen Reifen zu schonen (Mali's Wellblechpisten verleiten wenigstens nicht zum schnellen Fahren!). Und schon werden wir von einem Autofahrer angehalten: ein texanischer Off-Road Fan möchte unbedingt wissen, wie er zu einem solchen Auto, wie Sir James, kommen könnte. Sir James entspricht genau seinen Träumen. Nach einem kurzen Gedankenaustausch besteigen wir unsere Fahrzeuge: er kehrt um, während wir weiterfahren. Es müsste eigentlich ein lohnendes Geschäft sein, Toyota Landcruiser entsprechend unserem Ausbau herzurichten und in die USA und Kanada zu exportieren.
Im ‚Welcome Center' für Touristen decken wir uns mit den neusten Dokumenten über Texas ein. Wir stellen fest, dass wahrscheinlich Touristen, die nicht in den grösseren Hotels übernachten wollen, nicht so gefragt sind. Aber nichts desto trotz finden wir einen State Park am Golf von Mexiko. Oder hätten wir ihn besser nicht gefunden? Der Wirbli scheint auch hier durchgekommen zu sein: alles steht unter Wasser. Gut hat Sir James einen Schnorchel. Zudem wird auf Tafeln darauf hingewiesen, das Alligatoren und Schlangen den Platz unsicher machen. Aber diese Viecher würden wir sehen. Viel schlimmer sind die kleinen Biester, die uns stechen. Kaum sind wir einen Schritt von Sir James Bauch weg, kommen Tausend dahergeflogen, um sich an uns zu laben. Aber mit unseren Sprays haben sie nicht gerechnet: zu Hunderten sterben sie! (Wenn doch nur nicht dieser Faktor 1:10 wäre!)
Und so stehen wir an Position Nord 29° 40' 32.07“ und West 94° 2' 33.95“ auf dem Sea Rim State Park bei ‚Sabine Pass' im Sumpf direkt am Golf von Mexico. Da wir uns nicht ins Freie wagen, kocht Bobo in Sir James Bauch Tortellini und ich mache den Salat dazu. Bei filtrierter und mückenloser Texasluft schmeckt das Abendessen gar nicht schlecht.
Zum Dessert nähe ich noch die abgerissenen Vorhangschlaufen wieder an. Jetzt sind alle Brandschäden des Zwischenfalls der letzten Woche vollständig behoben. (Natürlich ist der Inverter nach wie vor kaputt.) Wir können uns beruhigt schlafen legen.