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Zwischen den Thurgauer Gemeinden Wilen und Dussnang öffnet sich ein kleines Tal. Durch seine Einbettung in bewaldete Hügelzüge wirkt es von der restlichen Welt etwas entrückt. Die Geländeerhebungen halten den Alltagslärm der Zivilisation zugunsten von Vogelgezwitscher, Froschquaken und Insektenbrummen ab.
Eiszeitliche Gletscher und deren Schmelzwasserströme haben die sehr hügelige Landschaft des Hinterthurgau geformt, wie der 1919 verstorbene Busswiler Lehrer Roman Weber in einem Aufsatz schreibt. Das Mitglied der Naturforschenden Gesellschaft des Kantons Thurgau beschäftiget sich intensiv mit diesem Tal und hat seine historischen, geologischen und klimatischen Fakten eingehend untersucht und dabei sein Augenmerk auch auf die vielfältige Fauna und Flora gelegt.
Blutsauger
Dank seiner grossflächigen Nadelwälder heisst der Hinterthurgau auch «Tannzapfenland». Spuren deuten darauf hin, dass die Region ursprünglich noch waldreicher war. Bei der intensiveren menschlichen Besiedlung ab ca. 500 n. Chr. wurden grössere Areale gerodet. Weber erwähnt grössere Mengen an aufgefundenen historischen Hufeisen, die auf eine intensivere Weidehaltung zwischen Wilen und Dussnang hindeuten.
Das Gebiet war nie stark besiedelt, wegen seiner sumpfigen Beschaffenheit stand es im Ruf, verschiedene Beschwerden auszulösen. Zudem war es dicht mit Blutegeln besetzt. Den Arbeitern, die Sumpfgras als Streugut schneiden mussten, seien sie wie Bärte an den Beinen gehangen, schreibt Weber.
Torf als Energieträger
Wasser ist in Form von verschiedenen Bachläufen und Weihern noch immer reichlich vorhanden. Einer dieser Weiher wurde vom Kloster Fischingen zur Fischversorgung genutzt.
Die Feuchtigkeit in Verbindung mit dem ehemaligen Waldbestand führte im Tal zu einem grossen Torfvorkommen. Ab ungefähr 1850 wurde das verrotte Pflanzenmaterial teils von Hand, teils maschinell im grossen Stil abgebaut. Als die Schweiz während des 1. Weltkriegs kaum mehr Kohle aus Ausland importiere konnte, wurde besonders intensiv Torf genutzt. Bis zu 70 Personen waren zeitweise mit den verschiedenen Arbeitsschritten beschäftigt, wie Weber schreibt.
Der getrocknete Torf wärmte als Brennmaterial zum Teil in der Region die Häuser, zum Teil wurde er auch nach Wil transportiert, und dort auf die Bahn verladen. Da die Torfasche nährstoffreich ist, erschienen immer wieder Bauern aus der Grossregion mit ihren Fuhrwerken, um sie als natürlichen Dünger abzuholen.
Ehemalige Tierquälerei
Der frühere Topfabbau erweist sich heute als Paradies für Fauna und Flora. Er hat grössere Wasserbereiche hinterlassen. Ein Teil des Geländes untersteht heute strengen Naturschutzvorschriften, etwa im Bereich Mooswangen. Das Gebiet ist im Verzeichnis der Flachmoorgebiete von nationaler Bedeutung aufgeführt. Heute ist kaum mehr vorstellbar, dass das Gelände zu Frühlingsbeginn regelmässig mit Fackeln und Laternen begangen wurde. In der Dämmerung sammelten verschiedene Personen die zu ihren Laichplätzenden wandernden Frösche ein. Sie schnitten ihnen die als Delikatesse geltenden Hinterbeine ab.
Vogelparadies
Vor rund hundert Jahren, zu Lebzeiten von Roman Weber, war das Gebiet ein artenreiches Vogelparadies. Er stellte die zeitweilige oder dauerhafte Anwesenheit folgender Arten fest: Stockente, grünfüssigges Teichhuhn, Wasserralle, Himmelsziege, Sumpfschnepfe, Rabenkrähen, Mäusebussard, Eisvogel, Distelfink, Storch, Blässhuhn. Es ist zu hoffen, dass diese Artenvielfalt in absehbarer Zeit wieder anzutreffen ist.