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Spotted: Sommer-Ohrringe, die zu reden geben
Bestimmt könnt ihr Euch an die drei Ladies von Salt’n’Pepa erinnen? Die afroamerikanischen Rapperinnen, die uns in den Achtzigern und frühen Neunziger mit Hits wie „Push it“ oder „Let’s talk about Sex“ beglückten? Wenn ich an die drei Powerfrauen denke, sehe ich sofort folgende Dinge vor meinem geistigen Auge: Bombige Lederjacken in Signalfarben, glänzende Leggings, fette Ketten – und ebenso fette Gold-Ohhringe, Hoop Earrings genannt. Viele schwarze Künstlerinnen haben sie in den letzten Jahrzehnten zur Schau getragen. Gerade in der Rapmusik galt das Motto, je grösser die massiven Kreolen, desto besser. Und gerne auch mit grafittiartigen Slogans durch die Mitte.
Nun, die Hoop-Earrings sieht man im Zuge des Eighties- und Nineties-Revivals ja wieder vermehrt an den Ohren von Fashionistas. Auch an weisshäutigen. Das dies nicht allen gefällt, zeigt der Wirbel, der sich nach der letzten Show von Marc Jacobs entfacht hat. Aus folgendem Grund: Der US-Designer liess sich für seine kommende Herbst/Winter-Kollektion 17/18 von der Hip-Hop-Strassen-Kultur der Siebzigerjahre in New York inspirieren. Neben Bucket-Hats, fetten Ketten und Posen bestückte er seine Models auch mit goldenen Hoop-Earrings. Worauf hin natürlich alle Modeketten ähnliche Kreolen subito im Sortiment führten, Modemagazine sie als „Must Have“ des Sommers deklarierten und so flugs einen Trend auslösten.
Dieser wiederum löste in den Black-and Brown-Communities einen regelrechten Shitstorm aus. Nachdem eine Studentin lateinamerikanischer Herkunft „White Girls take off your hoops“ an eine Wand ihrer kalifornischen Uni gesprayt hat, ging die Diskussion über schwarzes Kulturgut, das gefälligst nicht von weissen übernommen werden soll, erst richtig los. Genau dasselbe ist ja bereits mit den Cornrow-Flechtfrisuren oder den „Baby Hairs“ geschehen, die plötzlich in den Musikvideos von weissen Künstlerinnen wie Miley Cirus oder Katy Perry auftauchten, oder am Coachella-Festival von weissen Frauen zur Schau getragen wurden. Culture Clash, sozusagen.
Aber einer, den ich ehrlichgesagt nicht ganz nachvollziehen kann. Vertiefen solche Diskussionen die Gräben zwischen den Rassen nicht noch mehr, anstatt diese zuzuschütten? Gibt es andersrum nicht auch Stil-Elemente, die eher einen „weissen Hintergrund“ haben, und dann von dunkelhäutigen Modefans übernommen werden? Und ist das nicht genau das Schöne daran und kann gar etwas verbindendes haben? Und seien wir ehrlich, die Hip-Hop-Kultur prägt die Modewelt doch schon seit Jahrzehnten mit ihren Kapuzenpullover, Sneakers und Baggie-Pants. Ist doch gut. Weshalb gerade die Hoops jetzt ein Problem darstellen sollen, ist mir nicht ganz klar.
Auch wenn ich jetzt für mich persönlich auch nicht die ganz fetten Homie-Kreolen in Betracht ziehe, würde ich mir dennoch und durchaus ein paar dezentere Hoops kaufen. Wenn ich denn Lust drauf habe. Und mich dabei nicht als Copy Cat fühlen.
Wer mehr über die Geschichte der Hoop Earrings wissen möchte: Auf I-D.com hats einen guten Artikel.