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Pompeji hat uns die meisten und wertvollsten Aufschlüsse über den Stand der antiken Malerei gegeben. Hier wurden so viele
vorzüglich erhaltene Wandgemälde ausgegraben, daß man einen genügenden Einblick in die
Kunstthätigkeit der ersten Hälfte
des 1. Jahrhunderts n. Chr. gewinnt. Pompeji war aber nur eine Landstadt und sicher
nicht eine
Kunststätte ersten Ranges. Die Ausschmückung der Wohnräume wird hier wohl mehr Kunsthandwerkern
als eigentlichen Künstlern überlassen worden sein. Wahrscheinlich haben diese auch ihren Darstellungen zumeist Vorbilder
berühmter Meister zu
Grunde gelegt. Diese Wandgemälde zeigen also einerseits den vorhandenen Formenschatz, andererseits
die Höhe der Arbeitsfertigkeit, lassen also mindestens ahnen, was die großen Künstler geleistet haben
mochten.
Aldobrandinische Hochzeit. Das berühmteste und was die Anordnung betrifft beste noch vorhandene Werk ist ein im Jahre 1606 in Rom gefundenes Gemälde auf Stuckgrund, die sog. Aldobrandinische Hochzeit (Fig. 179), das seinen Namen nach dem ersten Besitzer, dem Kardinal Aldobrandini, führt. In der Mitte sitzt die in ihren Schleier gehüllte Braut, neben ihr die Göttin der Ueberredung. Andere Frauen und Mädchen, (Göttinnen und Musen), bereiten teils das Brautbad, teils stimmen sie das Hochzeitslied an. Der Bräutigam sitzt auf der Schwelle zur Brautkammer. Es liegt hier wahrscheinlich die freie Nachbildung eines griechischen Gemäldes vor.
Medea und Iphigeneia. Letztere Annahme dürfte auch für die anderen drei Proben gelten. Da die Ausführung nur wenig künstlerisch ist, so geben sie, wie ich nochmals betone, kein wirkliches Bild der «vollendeten» antiken Malerei, sondern nur einen schwachen Abglanz derselben. Der Inhalt aller drei Bilder ist dem griechischen Sagenkreis entnommen, und zwar zeigt das erste (Fig. 180) die in tiefes Sinnen versunkene Medea; möglicherweise einem Gemälde des Timomachos von Byzanz nachgebildet. Das Opfer der Iphigeneia (Fig. 181) enthält vielleicht Anklänge an ein berühmtes Gemälde des Timantes von Kythnos. Die Gestalt rechts ist der Priester, der das Opfer vollziehen soll, links der Vater der Iphigeneia, Agamemnon, der in tiefem Schmerz sein Haupt verhüllt. Fig. 182 zeigt Iphigeneia in Tauris an der Spitze eines Zuges der Priesterinnen. Die Zeichnung ist hier weniger steif und auch die Malart besser als in dem vorgenannten Bilde.
Die Bildnisse von el Fayum. Eine Anzahl anderer höchst wertvoller Zeugnisse haben in neuerer Zeit die
Gräber von el Fayum in Aegypten geliefert. Dort fand man Mumien, deren Gesichter mit bemalten Holztäfelchen bedeckt
waren, welche das Bildnis des Toten darstellten. - Diese Bildnisse, welche aus verschiedenen Zeiten stammen - die meisten
wahrscheinlich aus dem zweiten Jahrhundert n. Chr. -, sind sehr ungleichartig. Einzelne
zeigen eine ganz vollendete künstlerische Ausführung und sind wirkliche Meisterwerke der Bildnis
kunst;
selbst die minderwertigen aber zeichnen sich durch lebendige Wiedergabe der bezeichnenden Eigentümlichkeiten und volle Naturwahrheit
aus (Fig. 183).
Malweisen. Besonders beachtenswert sind die Bildnisse hinsichtlich ihrer Herstellungsweise; die meisten sind nämlich enkaustisch (eingebrannt) gemalt. Dieses Verfahren bestand
^[Abb.: Fig. 187. Römischer Tempel in Nimes.
(Jetzt Maison caré genannt.)] ¶
im folgenden: Gepulverte Farbe wurde mit Bienenwachs, mit einem Zusatz von Harz vermischt, das Gemenge wurde dann auf einem Rost erwärmt und auf die Holztafel entweder mit einem Pinsel aufgestrichen oder mit einem löffelförmigen Werkzeug (cestrum) aufgetragen und mit diesem weiter verarbeitet.
Der Hauptvorzug dieses Verfahrens lag in der Erhaltung der Frische der Farben und Erhöhung ihrer Leuchtkraft. Ein Teil ist a tempera gemalt, d. h. mit Wasserfarben, die mit Eiweiß und Eigelb gebunden sind.
Bei den Wandbildern wurde in der Weise verfahren, daß auf die Wandfläche Stuck in zwei oder drei Schichten aufgetragen wurde, deren oberste eine Beimischung von Wachs enthielt, da hier dem Stuck gleich der Farbstoff zugesetzt ist. Auf diesem (einfarbigen) Untergrunde wurden dann die übrigen Zierstücke und Darstellungen aufgemalt.
Mosaiken. Eine Abart der Malerei fand in Rom, namentlich seit der Kaiserzeit, besondere Pflege: die Mosaikmalerei. Das
Verfahren, durch Zusammensetzen farbiger Steinchen und Glasstiftchen Ziermuster herzustellen, ist «uralt»
und wurde auch im Osten vielfach angewendet. Erst im letzten Jahrhundert v. Chr. scheint
man angefangen zu haben, ganze Gemälde auf diese Weise nachzuahmen. Die Mosaikmalerei wurde hauptsächlich für den Fußboden,
in geringerem Maße auch für Wände benutzt, und hängt ihre Ausbildung mit der steigenden Prunksucht der römischen Gesellschaft
zusammen. Sie blieb auch in der Folgezeit sehr beliebt, da ja bei ihr das Handwerksmäßige überwiegt
und keine höhere
Kunstfertigkeit erforderlich ist.
Von den zwei Proben ist die erste, das sogenannte «Tauben-Mosaik», die Nachbildung eines Werkes des Sosos aus dem Königspalaste zu Pergamon; die zweite stellt einen Bühnenvorgang dar und stammt laut Inschrift von Dioscurides, einem Künstler aus Samos. (Fig. 184 u. 185.)
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Römische Bau
kunst. Auf dem Felde der Bildnerei und Malerei erweist sich die römische Kunstthätigkeit nur als eine Fortsetzung
der griechischen, die auf einen anderen Boden verpflanzt ist und hier sich den Eigenheiten und Bedürfnissen einer Gesellschaft
anpaßt, welche übrigens in Sachen des Geschmackes auch «griechisch»
gebildet war. In der Bau
kunst jedoch brachten es die Römer zu einer mehr selbständigen Eigenart, wenn auch diese nicht als
etwas Einheitliches und dem römischen Geiste unmittelbar Entsprungenes erscheint, sondern das Ergebnis einer bewußten Vermischung
verschiedener Grundteile war. Der scharfe Verstand spielt hierbei eine größere Rolle als das
Kunstgefühl.
Verbindung der altitalischen und griechischen Bauweise. In Kürze läßt die römische Bau
kunst in der Hauptsache sich dahin
kennzeichnen, daß sie zunächst den einheimischen italischen Gewölbebau mit dem griechischen Säulenbau vereinigte und
sodann auf malerische Wirkung das Hauptgewicht legte.
Die italische (etruskische) Bauweise war ohnehin schon frühzeitig von griechischen Anschauungen beeinflußt worden; zu Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. begann dann der griechische Stil den einheimischen in den Hintergrund zu drängen, erfuhr aber dabei mannigfache Umbildung. Die Tempelform des Prostylos wird zunächst eingeführt, bei der Neigung der Römer zum Großartigen
^[Abb.: Fig. 188. Grabmal der Cäcilia Metella.
Rom, Via Appia.] ¶