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Gleich nach seiner Geburt begibt sich seine Mutter mit ihm zu ihrem Mann Alphonse, der bereits einen Monat zuvor in offizieller Mission ins Schweizer Konsulat nach Algier abgereist war, wo die Familie Aeby bis zu den Ereignissen von 1956 lebt. Infolge des Algerienkriegs wird sie ins Konsulat von Manchester (Grossbritannien) versetzt, wo sie bis 1961 bleibt. Anschliessend geht es nach Jakarta, allerdings ohne Pierre, der bei den Patres von La Salette in Broc untergebracht ist, bevor er als Interner das Kollegium St. Michael besucht und dort 1970 seine Matura ablegt.
Mit einem Rechtslizentiat der Universität Freiburg in der Tasche arbeitet der junge Jurist in der Eidgenössischen Steuerverwaltung in Bern und wird einer der seltenen Mehrwertsteuer-Spezialisten. Ende der 1970er Jahre reist er durch die Schweiz als Botschafter der Projekte Chevallaz’ zur Einführung der Mehrwertsteuer (1977, 1979), die das Volk beide verwirft. Von 1978 bis 1981 sitzt er im Gemeinderat von Fétigny und leitet die Geschicke des örtlichen Fussballklubs, der in der ersten Liga spielt.
Zur allgemeinen Überraschung gewinnt er 1981 mit 176 Stimmen Vorsprung vor Charles Pilloud (CVP) die Wahlen zum Oberamtmann des Broyebezirks, um fünf Jahre später mühelos bestätigt zu werden. Er ist der erste sozialdemokratische Oberamtmann in der Geschichte des Kantons Freiburg. Während seiner beiden Amtszeiten legt er erste informelle Fundamente für interkantonale Projekte im medizinisch-sozialen Bereich und für den Sekundarunterricht.
1991 wird Pierre Aeby in den Staatsrat gewählt und übernimmt die Bau-, Zivilschutz- und Umweltschutzdirektion. 1996 verzichtet er auf eine Wiederwahl, da er seit Ende 1995 im Ständerat sitzt, und die beiden Ämter nicht länger kumuliert werden können. Während seines letzten Jahrs im Staatsrat ist er dessen Vizepräsident.
In der Baudirektion leitet Pierre Aeby eine wichtige Revision des Raumplanungs- und Baugesetzes, die insbesondere die Vereinfachung und Beschleunigung der Verfahren vorsieht. Das Strassengesetz wird revidiert, um die Kostenverteilung für den Bau und Unterhalt des in einem Richtplan festgelegten Strassennetzes zwischen Kanton und Gemeinden zu klären. 1994 tritt der Kanton einem interkantonalen Abkommen über das öffentliche Beschaffungs wesen bei. Auf Aebys Initiative wird 1996 ein neues Gesetz über die Abfallbewirtschaftung verabschiedet, das zum ersten Mal in der Schweiz eine ausgewogene Finanzierung der Abfallentsorgung vorsieht und auf drei fast gleichwertigenPfeilern beruht : allgemeine Steuerkasse, Haushaltsgebühr und Sackgebühr. Ein Plan für Luftreinhalte-Massnahmen wird 1992 verabschiedet. Zahlreiche Strassenkredite werden dem Grossen Rat vorgelegt, darunter jener für die Erneuerung der Pérollesbrücke (vom Volk 1992 angenommen).
Mit Erfolg setzt sich Pierre Aeby dafür ein, dass der Staat das Dossier der Poyabrücke von der Stadt übernimmt ; er lanciert die ersten Realisierungsstudien für diesen Kunstbau. Parallel dazu werden erste Vorstudien für eine Umfahrungsstrasse der Agglomeration Bulle durchgeführt. Diese Dossiers werden auch seine Nachfolger beschäftigen. In dieser wirtschaftlichen Krisenzeit bewahrt er ein minimales Investitionsvolumen zur Arbeitsplatzsicherung und ermöglicht mit Hilfe von Strassenunterhaltskrediten die Anstellung ausgesteuerter Arbeitsloser, um ihre Wiedereingliederung zu fördern. Das Tiefbaudepartement des Kantons Freiburg erhält als zweites Amt der Schweiz die ISO- 9001-Zertifizierung. In seiner Amtszeit bemüht sich Pierre Aeby um die Einhaltung der Grundsätze einer harmonischen Raumplanung und des Umweltschutzes. Der Grosse Rat verwirft jedoch einen Entwurf, sämtliche Kiesgruben des Kantons derselben Ordnung wie das Wasser zu unterstellen (konzessioniertes öffentliches Gut), mit der Begründung, dies käme einer « Verstaatlichung » der Kiesgruben gleich. Aeby vertritt den Staatsrat energisch im Conseil du Léman (Genf, Waadt, Wallis, Ain, Haute-Savoie), um Freiburgs Wunsch zu unterstreichen, sich nach der Ablehnung des EWR durch das Volk Ende 1992 seinen französischen und lemanischen Nachbarn anzunähern.
Auf Bundesebene kandidiert Pierre Aeby 1987 für den Nationalrat und findet sich direkt hinter dem Bisherigen Cyrill Brügger wieder. 1995 wird er im zweiten Wahlgang gegen die Freisinnige Monique Pichonnaz in den Ständerat gewählt, muss jedoch 1999 dem neuen CVP-FDP-Bündnis mit Anton Cottier und Jean-Claude Cornu weichen.
Pierre Aeby ist Mitglied zahlreicher Kommissionen – Geschäftsführung, Verkehr und Fernmeldewesen, politische Institutionen und Rechtsfragen – sowie der Delegation bei der Assemblée parlementaire de la francophonie und jener zur Überwachung der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT). Von 2000 bis 2001 nimmt er als Vertreter der Stadt Freiburg im Verfassungsrat an der Abfassung der neuen Freiburger Verfassung teil. Von 1994 bis 1999 ist er Mitglied der Geschäftsleitung und dann Vizepräsident der SP Schweiz ; nach dem Rücktritt von Ursula Koch als Parteipräsidentin und Nationalrätin übernimmt er interimistisch das Parteipräsidium.
Von 1996 bis 2005 ist er Westschweizer Sekretär von Pro Senectute Schweiz und wird 2007 Mitglied des Schweizer Stiftungsrats in Zürich. Seit 2006 ist er Vizepräsident des Verwaltungsrats des Freiburger Spitalnetzes und Mitglied des Verwaltungsrats des interkantonalen Spitals der Broye. Zudem ist er Direktor des Pflegeheims « Les Fauvettes » in Montagny-la-Ville und Präsident des Stiftungsrats des Théâtre des Osses, Centre dramatique fribourgeois, in Givisiez.