Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/86868

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, zu prüfen, wie die Wertprüfung (VAT) zur Eintragung neuer Sorten in den nationalen Sortenkatalog unter biologischen Anbaubedingungen durchgeführt werden kann.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Bestimmungen für den Nationalen Sortenkatalog und die Anforderungen an die Produktion und das Inverkehrbringen von pflanzlichem Vermehrungsmaterial (Landwirtschaftsgesetz, SR 910.1) sind im Saatgutrecht geregelt und mit der EU harmonisiert (bilaterales Abkommen). In der Saatgut-Verordnung des Bundesrates (SR 916.151) sind nebst Grundsätzen für die Aufnahme von Sorten in den Nationalen Sortenkatalog und deren Streichung auch weitere Punkte (z. B. Produktion, Anerkennung) geregelt. Die Saat- und Pflanzgut-Verordnung des EVD (SR 916.151.1) regelt die technischen Details. In den Anhängen sind unter anderem die betroffenen Arten und insbesondere auch die Anforderungen an die Sortenprüfung festgelegt.</p><p>Für die Aufnahme in den Sortenkatalog müssen unter anderem zwei Prüfungen erfolgreich abgeschlossen sein. Erstere dient der Bestimmung, ob eine Sorte morphologisch eindeutig von allen existierenden Sorten unterscheidbar (differenzierbar) ist und ob sie homogen und stabil ist (DHS-Prüfung). Die DHS-Prüfung wird ausschliesslich im Ausland durchgeführt. Die zweite ist die Werteprüfung (VAT = valeur agronomique et technologique) und wird im Weiteren als offizielle Sortenprüfung bezeichnet. Die offizielle Sortenprüfung wird unter klimatischen, pedologischen und produktionstechnischen Bedingungen, die für die Schweiz üblich sind, durchgeführt. Die Sorte als Träger des genetischen Fortschrittes wird sowohl auf ihre Ertrags- und Resistenzeigenschaften als auch auf kultur-, markt- und verarbeitungsspezifische Parameter über zwei Jahre an mehreren Standorten geprüft.</p><p>Die Durchführung der offiziellen Sortenprüfung ist an die eidgenössischen landwirtschaftlichen Forschungsanstalten (Agroscope) delegiert. Agroscope prüft die Sorten verschiedener Ackerkulturen und Futterbaupflanzen aus dem In- und Ausland gemäss den Vorgaben der Verordnung in der ganzen Schweiz. </p><p>Die offizielle Sortenprüfung bei Getreide wird unter extensiven Anbaubedingungen durchgeführt (d. h. ohne Einsatz von Fungiziden und Wachstumsregulatoren, aber mit moderatem Einsatz von mineralischem Dünger, Herbizid, bei Bedarf Insektizid und teilweise Saatgutbeizung), wobei einer der zehn Standorte nach den Bio-Richtlinien bewirtschaftet wird. Nach erfolgreichem Abschluss der offiziellen Sorten- und DHS-Prüfung erfolgt die Aufnahme in den Sortenkatalog.</p><p>In Ergänzung dazu führt Agroscope seit den Achtzigerjahren für Winterweizen zusätzlich zu der offiziellen Sortenprüfung noch Bio-Sortenversuche durch. Heute vergleicht Agroscope in diesem Versuchsnetz ausgewählte Sorten von Weizen an zehn Standorten in der Schweiz unter Bio-Bedingungen. Die Resultate der Bio-Sortenversuche sind eine zusätzliche, ergänzende Information für Bio-Landwirtinnen und -Landwirte, Branchen und Organisationen, da Sorten mitgetestet werden, die nicht im Rahmen des offiziellen Prüfnetzes untersucht werden. Die Resultate bilden die Grundlage für die empfohlene Bio-Getreidesortenliste. Diese wird von der Fachkommission Ackerkulturen Bio Suisse erstellt. Die Liste enthält nur Sorten, die in den nationalen schweizerischen bzw. den gemeinsamen Sortenkatalog der EU aufgenommen sind und von denen Saatgut in Bio-Qualität in der Schweiz verfügbar ist.</p><p>Zurzeit sieht der Bundesrat keinen Handlungsbedarf. Agroscope ist jedoch bestrebt, das System zusammen mit den beteiligten Kreisen laufend zu optimieren.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.