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Er führte seine Forschungen vor Ort in Nepal und Südafrika durch und ist überzeugt von den Auswirkungen, die das auf die Gesellschaft haben kann. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit an der Eawag war Bastien Etter auch als Berater tätig, bevor er ein Start-up gründete. Das Geschäftsmodell von Vuna: Ausscheidungen. Statt sie loszuwerden, behandeln und veredeln die Geräte des 37-jährigen Bielers das, was aus unserem Darm kommt.
Warum haben Sie sich für die Behandlung von Exkrementen interessiert?
In der Schweiz sind wir stark im Recycling von Glas, Plastik oder Aluminium, aber mit Abwasser wird fast nichts gemacht. Man spült und vergisst es. So verschmutzen unsere Ausscheidungen, anstatt recycelt zu werden, unsere Umwelt. An der Eawag haben wir Sanitäranlagen entwickelt, die Urin und Fäkalien trennen. So können sie zu Dünger und Kompost verarbeitet werden. Andere Systeme nutzen Pflanzen zur Filterung von schadstoffarmen Abwässern, was vor allem in abgelegenen Gegenden für ein unabhängigeres Leben nützlich ist.
Wie hat Ihre Forschung zur Gründung eines Start-ups geführt?
Unser Team erhielt viele Anfragen zu unseren Systemen, vor allem aus der Schweiz und dem benachbarten Ausland. Der Schweizer Alpen-Club zum Beispiel hat uns kontaktiert, um autonome Toiletten für seine Hütten in der Höhe zu evaluieren. Wohnungsbauprojekte in Städten sind daran interessiert, graues, d.h. schadstoffarmes Wasser aufzubereiten, um es in einem geschlossenen Kreislauf oder zur Bewässerung von Pflanzen wiederzuverwenden. Dieser letzte Punkt ist besonders interessant in Bezug auf die globale Erwärmung, da mehr Grünflächen benötigt werden, um den Hitzeinseln entgegenzuwirken, die sich in städtischen Gebieten entwickeln.
Wie haben Sie diesen Schritt gemacht?
Es war ein langer Prozess. Zwei Jahre lang habe ich meine Forschungsarbeit an der Eawag fortgesetzt und gleichzeitig Beratungsleistungen entwickelt. Im Jahr 2016 habe ich mit Partnern Vuna gegründet. Es ist eine logische Entwicklung: Ich wollte schon immer, dass meine Forschung in der Praxis angewendet wird und nicht auf den akademischen Bereich beschränkt bleibt.
War Ihr Interesse an angewandter Wissenschaft mit dem Umfeld der Spitzenforschung vereinbar?
Ich war zum Glück in einer Position, in der der Druck, Forschungsarbeiten zu veröffentlichen, nicht allzu gross war. In der Tat habe ich meine Kolleginnen und Kollegen immer dazu gedrängt, mehr ins Feld zu gehen. Ich bin mir bewusst, dass dies nicht immer geschätzt wurde. Denn manche Leute bleiben lieber im Labor und publizieren. Aber für mich ist es absolut essentiell, die eigene wissenschaftliche Forschung mit der realen Welt zu konfrontieren.
Warum?
Es gibt mir viel Inspiration. Wenn man mit Fachleuten aus der Praxis zusammenarbeitet – ob Architekten, Bauarbeiterinnen oder Gärtner – lernt man eine Menge. Ihr Wissen stammt nicht aus Büchern, sondern aus Erfahrungen und Beobachtungen. Das hat mir bei meiner Forschung geholfen, vor allem bei der Identifizierung neuer und sehr konkreter Probleme und der Entwicklung kreativer und flexibler Lösungsansätze. Ausserhalb des Labors entdecken Sie das Unerwartete. Wir müssen improvisieren und mit den vorhandenen Mitteln auskommen, und das zwingt uns, kreative Lösungen zu suchen.
Keine Sehnsucht nach der Forschungsgemeinschaft?
Ich treffe oft meine ehemaligen Kollegen sowie Wissenschaftlerinnen, die kommen, um zu sehen, was wir machen, denn die Büros von Vuna befinden sich im Start-up-Inkubator Glatec in Dübendorf, ganz in der Nähe von Eawag und Empa. Die kreativsten Diskussionen finden aber nicht in Meetings statt, sondern beim Kaffee oder Mittagessen. Das ist das, was ich bei der Coronavirus-Epidemie am meisten vermisse.
Wie schaffen Sie einen Rahmen, der Innovationen unterstützt?
Forschende müssen ermutigt werden, ins Feld zu gehen und mit Fachleuten in allen Bereichen zu interagieren. Wir versuchen, einen Beitrag dazu zu leisten: Jedes Jahr fahren wir mit einem Eawag-Team zu einer Berghütte mit einer innovativen Sanitäranlage.
Fördert die Eawag die angewandte Forschung?
Meiner Meinung nach zu wenig. Ich erkenne eine starke Orientierung an der Grundlagenforschung. Obwohl es möglich ist, substanzielle Mittel zu finden, finde ich das schade, denn die angewandte Wissenschaft eröffnet neue Horizonte. So hoffe ich, dass sie immer ihren Platz neben der akademischen Forschung haben wird.