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Nach Lindenschmit wären alle in Nord- und Mitteleuropa aufgefundenen prähistorischen Bronzen als aus den Mittelmeerländern
stammende Exportartikel oder als rohe Nachahmungen von eingeführten Metallobjekten,
bez. als in eingeführten
Gußformen
[* 15] hergestellte Objekte zu betrachten, und die vorgeschichtliche Bronzekultur Nord- u. Mitteleuropas wäre im Grund
nichts andres als eine Periode gesteigerten Verkehrs des Handels und der Industrie der Mittelmeervölker;
doch ist diese Ansicht nach den neuern Untersuchungen nicht mehr haltbar.
Beck betont die weite Verbreitung der Eisenerze und die verhältnismäßig einfache Gewinnung des Eisens, wogegen die Bronzeindustrie
die Kenntnis des Kupferausbringens, des Zinnschmelzens und der Kunst des Formens und Gießens voraussetzt
und die Zinnerze nur an wenigen von den Kulturzentren der Alten Welt weit entlegenen und für den vorgeschichtlichen Menschen
schwer erreichbaren Lokalitäten angetroffen werden. Auch beweist das Nichtvorkommen von Eisen an irgend einer Fundstätte
keineswegs, daß es nie vorhanden gewesen ist. Denn das Eisen wird durch Rost verhältnismäßig schnell zerstört
und erhält sich nur unter exzeptionellen Bedingungen im Erdboden, während Bronze sehr widerstandsfähig ist. Auch gab man
wohl lieber den Toten die goldschimmernde, wertvolle Bronze mit ins Grab als das minder wertvolle, unansehnliche Eisen.
Daß die Erfindung der Bronze an vielen Punkten der Erde zu gleicher Zeit gemacht wurde, ist in anbetracht
ihrer Herstellung unwahrscheinlich. Vielmehr gab es wohl nur wenige Erfindungszentren, vielleicht ursprünglich nur ein einziges,
von wo aus der Gebrauch der Legierung sich allmählich über den Erdball verbreitet hat. Dem entsprechend zeigen die prähistorischen
Bronzen im allgemeinen gleiche Zusammensetzung. Waffenbronze, bei der es besonders auf Härte ankommt, besteht
fast stets aus 88-90 Teilen Kupfer und 10-12 Teilen Zinn; die häufig vorhandenen Beimengungen von Blei,
[* 17] Arsen und Nickel sind
auf zufällige Unreinheit des verwendeten Kupfers und Zinns zurückzuführen.
BeimBronzeguß benutzte man ein Modell aus Holz
[* 18] oder einer andern harten Substanz und eine zweiteilige Form in Sand oder Thon,
oder ein Wachsmodell, welches mit Lehm umgeben und nach dem Trocknen des letztern geschmolzen wurde. Was das Eisen anlangt,
so dürften die meisten Völker selbständig zur Herstellung und Verarbeitung desselben gelangt sein, da bei zahlreichen auf
niedriger Kulturstufe stehenden Völkern eine Eisenindustrie angetroffen wird, die schwerlich von außen eingeführt wurde.
Kupfer hat wohl in keinem Land in prähistorischer Zeit so allgemeine Verwendung gefunden wie in Nordamerika,
[* 19] wo es außerordentlich
häufig gediegen angetroffen wird. Eine bedeutende Rolle hat das Kupfer in früher prähistorischer Zeit bei den Ägyptern
gespielt; bereits unter den letzten Königen der 3. Dynastie war das auf der Sinaihalbinsel gelegene Kupferbergwerk
Wadi-Meghara in Betrieb.
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Anderseits war die Bronze, die später für das Pharaonenland so wichtig wurde, damals noch nicht bekannt, sondern wurde wahrscheinlich
erst unter der 12. oder gar erst unter der 18. Dynastie durch den Handel daselbst eingeführt. Auf keinen Fall war Bronze eine
ägyptische Erfindung, denn in der Hieroglyphenschrift fehlt eine Bezeichnung für Zinn, und Zinnerze wurden
in Ägypten und seinen Nachbarländern nicht angetroffen; auch unter den Listen der Metalle, welche die Ägypter als Tribut bezogen
oder als Kriegsbeute errungen, wird Zinn nicht aufgezählt.
Jedenfalls beweisen gewisse Funde, daß die Eisenkultur in Ägypten mindestens so alt ist wie die um 3000 v. Chr. erbaute Cheopspyramide.
Da anderseits bereits unter den ersten Königen der 4. Dynastie großartige Bauten errichtet wurden, deren harte Gesteine
[* 37] wohl
nicht ohne Benutzung von Stahlmeißeln bearbeitet werden konnten, so ist der Beginn der ägyptischen
Eisenkultur in noch weit frühere Zeit zurückzuverlegen, wie denn auch die aus der Zeit der 4. Dynastie stammenden bildlichen
Darstellungen der Gräberbauten eiserne Pflugschare, eiserne Sägen
[* 38] und andre Werkzeuge, das stählerne Sichelschwert und andre
Waffen durch ihre blaue Farbe deutlich erkennen lassen.
In Asien ist das Stromgebiet des Euphrat u. Tigris Sitz einer uralten Metallkultur. In diesen Gebieten waren um 4000 v. Chr.
die Sumerier und die Akkadier, zwei Völker, die wahrscheinlich der großen altaischen Völkerfamilie angehörten, die Begründer
der babylonischen Kultur und die Erfinder der Keilschrift, ansässig. Schon um 3000 sind jedoch eingewanderte
semitische Stämme vollständig im Besitz dieser Länder, und bereits unter den alten Herrschern von Elam und Babylon werden zahlreiche
und großartige Bauten errichtet und kostbare Götterbilder hergestellt, was auf eine schon in jener Zeit hoch entwickelte
Metallkultur schließen läßt.
In den Trümmern von Ninive fand Layard Reste einer ansehnlichen Eisenindustrie, während in den ältesten
Trümmerstätten des südlichen MesopotamienKupfer und Bronze sich besonders häufig finden. Den Einfluß der babylonischen
Metallindustrie auf die Kulturentwickelung Kleinasiens und Griechenlands lassen SchliemannsAusgrabungen zu Hissarlik und Mykenä
[* 39] deutlich erkennen. Während einerseits die Hittiter die ägyptische wie die babylonische Metallkultur nach Kleinasien
hin vermittelten, brachten sie die Phöniker den damals noch in der Steinzeit lebenden Bewohnern von Hellas und den westlich
wohnenden, ebenfalls noch in Unkultur befindlichen Mittelmeervölkern.
Auch weist die sibirische (altaisch-ugrische) Gruppe alter Bronzen nach Sophus Müller eine so überraschende
Ähnlichkeit,
[* 42] stellenweise sogar eine Identität mit den Bronzen Nordeuropas auf, daß der direkte Bezug eines großen Teils
der letztern aus Nordasien hierdurch an und für sich schon gesichert ist. Ferner spricht zu gunsten der besagten Annahme,
daß in jenen zwischenliegenden Ländern, welche von dem aus Nordasien nach Nordeuropa sich ergießenden
Kulturstrom berührt wurden, identische Formen angetroffen werden, daß z. B. die asiatische Bronzesichel in Niederösterreich,
andre Erzeugnisse der nordasiatischen Bronzekultur in Ungarn
[* 43] sich finden, während anderseits der flache Bronzemeißel mit
spitz auslaufender Bahn über ganz Europa
[* 44] verbreitet angetroffen wird und der kleine Celt
[* 45] (Hohlcelt, Tafel I)
mit einer oder zwei Ösen ein Verbreitungsgebiet aufweist, welches sich von China
[* 46] und Japan im Osten westlich bis ans Atlantische
Meer erstreckt.
Was ferner den Ursprung des nordasiatischen und des südasiatischen Metallkulturzentrums anlangt, so hält S. Müller die
nördliche Bronzegruppe für eine Ausstrahlung nach einer Richtung, die babylonisch-ägyptische für eine
Ausstrahlung nach andrer Richtung von einem ehedem vermutlich im Südosten Asiens gelegenen gemeinschaftlichen Zentrum der Bronzekultur.
Auch wird dieses vielleicht den ursprünglichen Sitz der Erfindung bezeichnende Zentrum mit den zuvor erwähnten Sumero-Akkadiern,
die wahrscheinlich von Osten her in das Zweistromland eingewandert sind, und der von ihnen lange vor Begründung der
babylonisch-assyrischen Reiche geschaffenen Kultur in Verbindung gebracht.
Neben der asiatischen Bronzekultur hat sich in vielen asiatischen Gebieten noch eine besondere Eisenkultur und Eisenindustrie
entwickelt. Eisen wird in den Wedas als ein ganz gewöhnlicher Gegenstand erwähnt, und für die hohe Stufe der Eisenindustrie
im vorgeschichtlichen Indien spricht die berühmte Lâhtsäule zu Dehli wie der ausgedehnte Handel, der
nach den Mitteilungen des Periplus in vor- und frühgeschichtlicher Zeit zwischen Indien, den KüstenArabiens und des RotenMeers
betrieben wurde, bei dem indischer Stahl einen der wichtigsten Handelsartikel bildete. Berühmt waren auch in früh- und vorgeschichtlicher
Zeit die Stahlschmiede Persiens und die von ihnen verfertigten Schwerter, während die Israeliten zwar
das Eisen selbst bearbeiteten, dagegen die Bronze von den benachbarten Phönikern (Anfertigung der Gefäße für den Tempel
[* 47] Salomos
durch Hiram von Tyros) bezogen. Als ausgezeichnete Stahlschmiede waren auch die an der kleinasiatischen Küste des SchwarzenMeers ansässigen Chalyber bekannt.
Ob und wie weit die aus Asien nach Europa eingewanderten Arier zur Zeit ihrer Ansiedelung in den jetzt von
ihnen bewohnten Ländern den Gebrauch von Metallen gekannt haben, erscheint noch ungewiß. Während hervorragende Anthropologen
glauben, daß die arischen Stämme bei ihrer Einwanderung in Europa sich noch in jenem Stadium der Entwickelung befanden, welches
der neolithischen Kulturepoche (jüngere Steinzeit) entspricht, machen linguistische Gründe und das Vorkommen
von Kupfergeräten, die in ihrer Form mit neolithischen Geräten und Waffen vollständig übereinstimmen, in nachweislich schon
in relativ früher prähistorischer Zeit von Ariern bewohnten Gegenden (Kupferobjekte aus den österreichischen Pfahlbauten
[* 48] des Mondsees und Attersees, in der schweizerischen Pfahlbautenstation Finelz aufgefundene Kupfergeräte,
Nachweis von Kupferobjekten in
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In der ältern nordischen Bronzezeit tragen die Bronzearbeiten als Verzierungen feine, mit dem Stempel eingeschlagene Spiralornamente
u. Zickzacklinien, während die Gräber Reste von unverbrannten Leichen enthalten. Dagegen weisen die der jüngern nordischen
Bronzezeit zugehörigen Fundstücke einen ganz andern Geschmack und wesentlich verschiedene Ornamente
[* 53] auf.
Die Spiralverzierungen sind verschwunden; dagegen zeigen sich die Enden der Ringe, der Messer und Schwertgriffe oft spiralig
aufgerollt.
Die Leichen wurden stets verbrannt. Das Material für die Bronzeindustrie des Nordens ist zweifelsohne dorthin eingeführt worden.
Die meisten Bronzesachen (besonders die schwedischen) sind gegossen, und erst gegen das Ende der Bronzezeit
zeigen sich häufig Spuren von der Anwendung des Hammers. Trotz der hohen Entwickelung der Bronzegießerei blieb aber das Löten
unbekannt; zusammenzufügende Teile wurden durch Nieten oder durch Übergießen mit Bronzemasse verbunden.
Die bronzenen Geräte und Waffen weisen zum Teil höchst charakteristische Formen auf. Rasiermesser von
trapezoider Form, Dolche und Messer von gekrümmter oder geschweifter Gestalt, Sägen, Meißel,
[* 54] Äxte und Hämmer sind in den skandinavischen
Gräbern in großer Anzahl gefunden worden. Die Knöpfe und Schwertgriffe sind bisweilen durch Bernsteineinlagen, häufiger
durch Einlage einer schwärzlichbraunen harzähnlichen Masse verziert; einzelne Bronzegegenstände sind auch mit
dünnen Goldplatten belegt.
Das wichtigste Werkzeug der Bronzezeit ist der in verschiedenen Formen vorkommende Celt, der als Axt, Beil oder Meißel verwendet
wurde. Man unterscheidet zwei Haupttypen: Schaftcelte und Hohlcelte (Tafel I). Die erstern stellen in ihren vorherrschenden
FormenBeile ohne Schaftlappen dar, sind einfachen Steinäxten nachgebildet und ebenso wie diese geschäftet.
Bei den Hohlcelten wurde dagegen der in einem Knie gebogene Schaft in die Öffnung des Celtes gesteckt und meist mittels einer
kleinen Öse, die sich an dem Celt selbst befindet, festgebunden.
Manche Schaftcelte, welche an einer Seite eine Vertiefung und eingebogene Kanten (Schaftlappen) aufweisen und häufig als Paalstab
(paalstave, Tafel I) bezeichnet werden, wurden offenbar in ähnlicher Weise wie der Hohlcelt geschäftet.
Die eigentlichen
Angriffswaffen der nordischen Bronzezeit waren Dolche, Äxte, Spieße, Bogen
[* 55] und Pfeile, vermutlich auch Keulen und Schleudern; die
Verteidigungswaffe war der Schild. Bronzeschwerter der eigentlichen Bronzezeit erweisen sich mehr zum Stich als zum Hieb
[* 56] geeignet
und wurden, wie die auffallende Kleinheit des Griffs vermuten läßt, wahrscheinlich wie Dolche gefaßt.
Die Klingen sind zweischneidig und spitz; dem Griffe fehlt die Parierstange. Er wurde entweder ganz aus Bronze hergestellt oder
aus Holz, Knochen und Horn, durch welche meist die bronzene Griffangel ging. Die Schwertscheiden, aus Holz mit
einem Überzug aus Leder bestehend, trugen unten ein Ortband aus Bronze. Bronzene Pfeilspitzen sind im allgemeinen selten, wahrscheinlich
weil man vielfach noch den Feuerstein für den gleichen Zweck verwendete; dagegen finden sich bronzene Lanzenspitzen ziemlich
häufig.
Von den Völkern des südlichen Europa modifizierten die Hellenen, welche ebensowohl Eisen wie Kupfer und Bronze verwendeten,
die durch die Phöniker übertragene babylonisch-ägyptische Metallkultur nicht unerheblich. Während das griechische Handwerk
im allgemeinen ziemlich autochthon entstanden ist, lernten Kunst und Kunstindustrie von orientalischen Vorbildern. Im Burghügel
von Mykenä fand Schliemann neben Bronzegeräten Gold- und Kupfergeräte und neben Steingerät vereinzeltes
Eisengerät. In eigentümlicher Weise repräsentiert Mykenä eine Mischung der absterbenden Stein- und der heimischen und orientalischen
Metallkultur.
Die ältesten BronzenItaliens,
[* 62] wie sie in den Terramaren (jenen auf trocknem Land errichteten pfahlbauartigen
Ansiedelungen) sich finden, scheinen mit den eingewanderten Italikern von Norden her nach Italien gelangt zu sein. Dagegen
nahm die Verbreitung der ältesten Eisenkultur in Italien und den Alpenländern einen wesentlich verschiedenen Weg. Diese
stark mit Bronze gemischte Eisenzeit Oberitaliens zeigen die Grabfelder zu Villanova, Marzobotto, La Certosa
(unweit Bologna), zu San Francesco, zu Ronzano und auf den EuganeischenHügeln. Mit Ausnahme von Marzobotto und La Certosa sind
die besagten Funde einer altertümlichen voretruskischen Kulturperiode zuzurechnen, welche Undset als altitalische Metallkultur
bezeichnet, die jedoch in engen Beziehungen zu Griechenland und den Küsten des Mittelmeers
[* 63] stand und in
das 9. bis 10. Jahrh. v. Chr. zu verlegen ist. Dagegen werden die
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