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Einer der Hauptgründe, warum Aberdeen Standard Investments in seinen Analysen dem Wirtschaftswachstum besondere Aufmerksamkeit schenkt, liegt darin, dass es mit dem Schaffen von Arbeitsplätzen eng verbunden ist. So besagt das sogenannte Okun'sche Gesetz, dass die Arbeitslosenquote empfindlich auf die gesamtwirtschaftliche Produktion reagiert. Während die Logik hinter dieser Beziehung relativ einfach ist, ist die Glaubwürdigkeit und Stabilität der Beziehung umstritten. So fragen sich die Experten, ob die Kluft zwischen der Arbeitslosenrate und Produktion Grund zur Sorge ist.
Aus Sicht von Aberdeen Standard Investments nicht notwendigerweise, könne die Unstimmigkeit doch zum Teil durch den Entwicklungsstand des aktuellen Konjunkturzyklus erklärt werden. In den USA spiegelt die Verlangsamung des Beschäftigungswachstums die abnehmenden Überkapazitäten und den zyklischen Charakter der Belebung der Wirtschaftstätigkeit wider, die teilweise durch die Fiskalpakete von Präsident Trump ausgelöst wurden. In Japan steht die aktuelle Verlangsamung des Beschäftigungswachstums im Einklang mit dem Rückgang der freien Kapazitäten in dieser Phase des Zyklus. In anderen Ländern ist hingegen der Spielraum für einen weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit noch nicht ausgeschöpft. Beispielsweise liegt die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Eurozone nach wie vor auf einem gesunden Niveau.
Bedenken seitens Kritiker
Um Bedenken gegenüber der Gültigkeit der Beziehung zwischen Arbeitslosenquote und gesamtwirtschaftlicher Produktion vollständig auszuräumen, mag diese Evidenz noch nicht ausreichen, meinen die Ökonomen. Ein Argument von Kritikern sei, dass der technologische Fortschritt zu einem starken Rückgang des Bedarfs an Arbeitskräften in neuen Produktionsanlagen führe. So spielt die Automatisierung durchaus eine grössere Rolle in Volkswirtschaften wie Japan, wo der Arbeitsmarkt angespannt ist. Ein weiteres Argument der Kritiker sei, dass die Globalisierung das Verhältnis zwischen Wirtschaftstätigkeit und einheimischen Arbeitsmärkten untergraben habe. In einer Welt von hochmobilem Kapital und internationalen Lieferketten ist dies durchaus denkbar.
Doch die Analyse von Aberdeen Standard Investments der Wirtschafsdaten über einen längeren Zeitraum deutet darauf hin, dass die negative Korrelation zwischen der Arbeitslosenquote im Verhältnis zu ihrer natürlichen Rate und der gesamtwirtschaftlichen Produktion im Verhältnis zum Potenzial der Volkswirtschaft sowohl für Industrie- als auch für Schwellenländer langfristig durchaus gültig ist. Interessanterweise hat sich in der Zeit nach der Finanzkrise die Sensibilität der Beschäftigungslücke gegenüber der Produktionslücke in den Industrieländern sogar spürbar erhöht. Angesichts dieser Analyse kann aus Sicht von Aberdeen Standard Investments nicht vom Untergang des Okun'schen Gesetzes gesprochen werden.