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Dalwigk,
Karl
Friedrich
Reinhard,
Freiherr von, hess.
Minister, geb. zu
Darmstadt,
[* 2] Sohn des
Freiherrn
Reinhard von
Dalwigk, großherzoglich hessischen
Generalleutnants (gest. 1844), trat 1828 in den großherzoglich hessischen
Staatsdienst, ward 1842
Kreisrat in
Worms,
[* 3] erhielt 1845 das Provinzialkommissariat der
Provinz
Rheinhessen und 1848 das Territorialkommissariat
in der
Bundesfestung
Mainz
[* 4] (vgl. über seine damalige Thätigkeit: »Einige
Bemerkungen zu den
Denkwürdigkeiten des
Generals v.
Hüser, von R.
Freiherrn
v.
Dalwigk«, Darmst. 1878), war 1850 kurze
Zeit Bundestagsgesandter und ward 1. Juli d. J. zum
Ministerpräsidenten und zugleich zum
Minister des großherzoglichen
Hauses,
des Äußern und des Innern ernannt.
Seine innere Politik war eine Politik der entschiedensten Reaktion. Er suchte zum Teil die vormärzlichen Zustände wiederherzustellen und ahmte mit besonderer Vorliebe das System Napoleons III. nach. So wurde namentlich die Gemeindeverfassung nach französischem Muster eingerichtet und für die Wahlen das System der offiziellen Kandidaturen eingeführt. Willkürmaßregeln gegen die Beamten und eine kleinliche Beaufsichtigung derselben waren damit verbunden.
Auch auf kirchlichem Gebiet verfolgte er einseitig reaktionäre Bestrebungen. Er begünstigte in der
protestantischen
Kirche die ultra-orthodoxe
Richtung, während er zugleich die ultramontanen
Elemente des
Katholizismus durch
die
Konvention mit dem
Bischof
Ketteler von
Mainz zu stärken suchte, durch welche er seine eigne
Regierung in völlige Abhängigkeit
von dem
Bischof brachte.
In den deutschen Angelegenheiten zeigte sich
Dalwigk als entschiedener Partikularist
und als ein fast fanatischer Gegner
Preußens.
[* 5] Im
Verein mit
Beust und mit
v. d.
Pfordten war sein Bestreben darauf gerichtet,
die
Idee einer deutschen
Trias zu verwirklichen.
In den langjährigen Verhandlungen über die Bundesreform und über den französischen Handelsvertrag hielt er diese Idee mit Konsequenz fest und ließ sich durch das mehrmalige Scheitern seiner Pläne nicht von immer neuen Versuchen abhalten. Auch in der schleswig-holsteinischen Frage vertrat er mit Entschiedenheit den mittelstaatlichen Standpunkt. 1866 schloß er sich Österreich [* 6] an, flüchtete vor dem Anmarsch der preußischen Mainarmee mit dem Großherzog nach München [* 7] und rief die Hilfe Frankreichs an, mußte aber dann den Frieden schließen, wie ihn der Sieger diktierte. Obwohl er nun die Militärkonvention mit Preußen [* 8] ¶
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und 1870 den Vertrag über den Eintritt Hessens in das Deutsche Reich [* 10] abschloß, erhielt er doch auf Wunsch des Berliner [* 11] Hofs in gnädigster Form seine Entlassung und starb in Darmstadt.