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Der sinkende Strompreis im Grosshandelsmarkt ist in aller Munde. Machen die Erneuerbaren Energien das konventionelle Kraftwerksgeschäft kaputt? Rentiert es bei derzeitigen Strompreisen noch, Kraftwerke zu betreiben? Wie geht es weiter?
Die Strompreise für die deutsche Base- wie auch Peak-Lieferung des rollierenden Frontjahres sind seit dem Start der Börse EEX auf ein Allzeittief gerutscht. Im Juli 2002 handelte das Frontjahr Base gemittelt bei 23.74€/MWh und hangelte sich bis zum 1. Juli 2008 auf einen Rekord von 90.15€/MWh. Der Peak startete sein «Leben» an der EEX bei 34.4€/MWh und wechselte am 1. Juli 2008 bei 127.8€/MWh den Besitzer. Dann aber kam die Finanzkrise, losgetreten durch die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers. Es folgte ein regelrechter Absturz der Preise – der Base sank bis Ende 2008 auf 56.21€/MWh, der Peak schloss das Jahr bei 79.6€/MWh.
Durch diverse Rettungsmassnahmen für die globale Konjunktur und Versuche, eine Wirtschaftskrise aufzuhalten oder mindestens abzufedern, verblieb die Handelsspanne des Base bis Frühling 2011 zwischen 40 und 60€/MWh, jene des Peak lag etwa 20€/MWh höher. Am 11. März 2011 bebte die Erde in Japan und erschütterte die Welt. Die Katastrophe beschleunigte die Energiewende, vor allem in Deutschland, und die Strompreise fanden etwas Unterstützung. Aber seit Sommer 2011 gibt es nur eine Richtung: gen Süden. Seit jenem Zeitpunkt haben sich die Base- wie auch Peakpreise in etwa gedrittelt.
Warum so tief?
Hierauf gibt es keine kurze Antwort, aber sicherlich zwei Hauptpunkte: erstens die Brennstoffpreise und zweitens der Siegeszug der Erneuerbaren Energien. Der Verlauf der Brennstoffpreise zeigt, dass die Bewegung beim Strom jene der Brennstoffe spiegelt.
Im Sommer 2008 erreichten die Brennstoffe allesamt ihren Höhepunkt auf dem Rücken der boomenden asiatischen Konjunktur. Mit der Wirtschaftskrise und weniger Brennstoffverbrauch, vor allem von China, sanken auch die Preise – und seit Fukushima scheinbar unaufhaltsam. Die Abwärtsbewegung wurde unterstützt durch den nordamerikanischen Shale Boom, welcher eine grosse Menge an Schieferöl und -gas auf den Markt gespült hat. Fallen die Preise der Primärbrennstoffe, drückt dies auch auf den Strompreis, denn dieser ist als Sekundärenergie abhängig von den Primärenergien.
Dies führt zum zweiten Punkt: der Siegeszug der Erneuerbaren Energien in Europa, vor allem aber in Deutschland.
Die Erneuerbaren weisen Marginalkosten von null auf, stehen so zuvorderst in der Merit Order und speisen als erstes ein. Die installierte Leistung beim Wind lag schon 2002 bei rund 8.5GW, steigerte sich aber auf über 40GW im Jahr 2015. Auch der Ausblick lässt erblassen, denn bis 2030 wird mit einer installierten Windleistung von rund 67GW gerechnet. Solar hat eine nicht weniger beeindruckende Bewegung erfahren: im Jahr 2002 war man noch nahezu bei null, aber seit 2010 hat die Sonnenenergie einen massiven Zubau erfahren, so dass per Ende 2015 knapp 40GW Leistung installiert waren. Bis 2030 wird mit rund 55GW gerechnet.
Zusammen haben Wind und Sonne in Deutschland derzeit also 80GW Leistung, bis Ende 2030 sollte dies auf enorme 122GW ansteigen. Es ist nur logisch, dass der Grosshandelspreis von Strom hiervon in Mitleidenschaft gezogen wird. Allerdings sei an dieser Stelle erwähnt, dass der Grosshandelspreis nicht dem Endkundenpreis entspricht und dass letzterer steigt, weil beispielsweise die Kosten des Netzausbaus oder des Ausbaus der erneuerbaren Energien auf die Endkunden umgewälzt werden.
Wie geht es weiter?
Der Siegeszug der Erneuerbaren wird sich fortsetzen, die Ziele sind gesteckt. Den 80GW aus Wind und Solar stehen derzeit in Deutschland «nur» 100GW konventionelle Kraftwerksleistung gegenüber. Genau diese Kraftwerke sind es, die bei einer «Dunkelflaute» sicherstellen, dass das Licht noch angeht. Weil aber die Erneuerbaren Energien in immer grösseren Mengen einspeisen, verdrängen sie die konventionellen Kraftwerke und machen diese unwirtschaftlich. Fallende Preise, sinkende Peak-Offpeak-Spreads und Unsicherheiten rund um Verbrauch, Kraftwerkspark und regulatorische Eingriffe sind einige Aspekte, über welche sich die Energiewirtschaft Gedanken macht.
Die BKW hat die Zeichen der Zeit erkannt und sich mit ihrer Strategie entsprechend aufgestellt. Die Vision ist, die Zukunft der Energie zu gestalten – einfach, sicher, integriert. Dafür stärkt der Konzern die Energie, entwickelt die Netze und baut die Dienstleistungen aus. Somit wandelt sich die BKW von der klassischen Stromproduzentin zur führenden Anbieterin von Energie- und Infrastrukturdienstleistungen in der Schweiz.