Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03286.jsonl.gz/2402

Die Geschäftsberichte aus den Jahren der Nachkriegszeit zeigen klar, wie schwierig die Weltwirtschaftslage nach dem 2. Weltkrieg war. Im Jahr 1951 kaufte und baute die AEK Thun ihren heutigen Hauptsitz am Thuner Lauitor.
Der 2. Weltkrieg mit seinen schwerwiegenden Folgen wurde in den Geschäftsberichten der AEK Thun jeweils ausführlich dokumentiert. Im Bericht über das Jahr 1947 ist zu lesen, dass das Jahr den geplagten Völkern den ersehnten Frieden kaum nähergebracht hat. Statt dass die Siegermächte eine Einigung gefunden hätten, haben sich die machtpolitischen Gegensätze verschärft. Durch eine Trennungslinie Nord-Süd in zwei Hälften zerrissen, schien der europäische Kontinent noch lange auf eine erträgliche Ordnung der Dinge warten zu müssen: «In unseren Nachbarländern herrscht das Chaos.» (…) An Arbeit und Verdienstmöglichkeiten in der Schweiz fehlte es während dieser Zeit jedoch nicht. Vollbeschäftigung, weiteres Ansteigen von Preisen und Löhnen sowie ein reger Aussenhandel bildeten die wichtigsten Merkmale des damaligen Wirtschaftslebens: «Die vermehrten Einfuhren an Rohstoffen und Lebensmitteln haben eine wesentliche Verbesserung unserer Landesversorgung bewirkt. Die Rationierung konnte abermals gelockert und der kriegswirtschaftliche Apparat weiter abgebaut werden.»
Wohnbauförderung in der Gemeinde Thun
Im engeren Tätigkeitsgebiet der AEK Thun war das Baugewerbe besonders stark beschäftigt. Im Geschäftsbericht 1947 der AEK Thun wird die starke Auslastung des Baugewerbes genau beschrieben: «Im Westteil der Gemeinde Thun sind neue Siedlungen und zum Teil auch industrielle Bauten entstanden. In dieser Gemeinde ist der Wohnungsbau derart gefördert worden, dass die Anzahl der neuerstellten Wohnungen von 175 (im Vorjahr) auf 294 im Jahr 1947 angestiegen ist. Trotzdem ist die Wohnungsnot noch nicht behoben». (…) Um ihr gegenzusteuern, seien neue Subventionskredite bewilligt worden.
Alters- und Hinterbliebenenversicherung
Als «neue» Geldquelle für den Hypothekarkredit trat im Berichtsjahr 1948 erstmals der Ausgleichsfonds der Alters- und Hinterbliebenenversicherung in Erscheinung und wurde im Geschäftsbericht wie folgt beschrieben: «Von den insgesamt 350 Millionen Franken betragenden Anlagen des Fonds im Jahre 1948 wurden den Hypothekarinstituten auf dem Weg über die Pfandbriefbanken 167 Millionen zur Verfügung gestellt. (…) Zweifellos wird der Hypothekarkredit in Zukunft immer mehr auf diese Quelle angewiesen sein. (…) Bei der gewaltigen Kapitalanhäufung, die durch das Zwangssparen beim Versicherungsfonds entsteht, wird dessen Anlagetätigkeit auf den gesamten schweizerischen Kapitalmarkt einen überragenden Einfluss haben.»
1951: Erwerb und Bau Hauptsitz beim Lauitor
Dem Geschäftsbericht über das Jahr 1951 ist zu entnehmen, dass der Neubau des Kassagebäudes beim Lauitor seit Frühjahr in Ausführung begriffen sei und bald bezugsbereit sein werde. Der Geschäftsbericht über das Jahr 1952 beschreibt den heutigen Hauptsitz der AEK Bank beim Lauitor detailliert: «Unser neues Kassagebäude konnten wir am 1. Dezember 1952 beziehen. Es fand eine bescheidene Einweihungsfeier statt, an welcher der grösste Teil der Genossenschafter sowie Behördenvertreter, Delegationen der übrigen Platzbanken, Presse und Personal teilnahmen.» (…) Mit dem Einzug in den Neubau sei ein gewichtiger Eckstein in der Geschichte der AEK Thun gelegt worden: «Die eigenen Räume am Plätzli, wo unsere Kasse über 50 Jahre lang ihr Domizil hatte, genügten zufolge der Entwicklung ihrer Zweckbestimmung nicht mehr. Das Bauen drängte sich daher auf. Die grösseren Räumlichkeiten und die neuzeitlichen Einrichtungen gestatten uns nun, der Kundschaft unsere Dienste in vermehrtem Masse zur Verfügung zu stellen. So erlaubte uns die nach modernsten Grundsätzen erbaute Tresoranlage, unserem Betrieb einen Wertschriftendienst anzugliedern. Trotz Erweiterung unseres Geschäftskreises wird der uns in den Statuten zugedachten Aufgabe ‚Fleiss und Sparsamkeit zu fördern‘ die grösste Aufmerksamkeit geschenkt.
«Möge das gelungene Werk ein gutes Omen für die Weiterentwicklung unseres Institutes sein.»
Wir können schon heute feststellen, dass die neuen Räume in jeder Hinsicht befriedigen, indem sie einen bequemen Kundendienst und eine rationelle Betriebsweise ermöglichen. Vor allem freut es uns, dass der Neubau bei der Bevölkerung einen sehr guten Anklang gefunden hat. Das formschöne Haus fügt sich prächtig in das Stadtbild ein. Täglich äussern am Schalter Geschäftsfreunde ihre Bewunderung über die heimelige Gestaltung der Büros. Sie freuen sich über die bodenständige Bauweise, die in der reichlichen Verwendung von einheimischem Holz und in den gefälligen handwerklichen Arbeiten zum Ausdruck kommt.»
Internationale Spannungen
Der Geschäftsbericht der AEK Thun aus dem Jahr 1960 macht deutlich, dass die internationalen Spannungen nicht nachgelassen hatten: «Der Kreml trägt die Brandfackel in die ehemaligen Kolonialgebiete, wo sich eine Kampffront zwischen Ost und West bildet. Diesem Geschehen werden sich auch die kleinen Länder nicht verschliessen dürfen. So hat die Schweiz im vergangenen Jahr in zahlreichen neu entstandenen Staaten der asiatischen und afrikanischen Welt diplomatische Vertretungen errichtet und gleichzeitig die Hilfeleistung an die Entwicklungsländer fortgesetzt. Wir werden diesen Weg weiter beschreiten müssen, um mitzuhelfen, den betreffenden Ländern vor Augen zu führen, dass ihnen auf die Dauer nur eine demokratische Entwicklung Freiheit und Wohlstand zu bringen vermag.»
Kubakrise
Der Geschäftsbericht der AEK Thun aus dem Jahr 1962 wiederum beschreibt die Kubakrise und deren «glücklichen Ausgang»: Das weltpolitische Interesse habe sich im verflossenen Jahr auf die Geschehnisse im Karibischen Meer, die mit der amerikanischen Seeblockade gegen Kuba ihren Höhepunkt erreichten, konzentriert: «Die Entscheidung, von der das Schicksal der Welt abhing, lag einzig in der Hand der beteiligten zwei Grossmächte. Dem glücklichen Ausgang der Krise kommt eine Bedeutung zu, die sich über den geographisch weit entfernten Schauplatz hinaus auf die weltpolitischen Ereignisse auswirkt.»
Jahresbericht der AEK Thun 1962
Die Zunahme der Bilanzsumme rührte damals in erster Linie vom kräftigen Anwachsen der anvertrauten Gelder her. So durfte die AEK Thun mit besonderer Genugtuung die beachtenswerte Steigerung der Spareinlagen um 10.2 Millionen anführen: «Sie beliefen sich am Bilanztag auf insgesamt 134.5 Millionen Franken. Trotz der mannigfachen Anlagemöglichkeiten, die dem Publikum von überall her in den schönsten Farben angepriesen werden, erfreut sich das Sparheft unseres alteingesessenen Sparinstitutes grosser Beliebtheit. Der bedeutende Mittelzufluss stammt zum weitaus grössten Teil aus unserem eigentlichen Geschäftsgebiet.»
Quellen
- Amtsersparniskasse Thun, Geschäftsberichte 1947, 1948, 1951, 1952, 1960, 1962, 1964 und 1965.
- Thuner Stadtgeschichte 1798 - 2018, Anna Bähler, Anita Egli, Christian Lüthi, 2018.