Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03149.jsonl.gz/2642

Das fetale Alkohol-Syndrom
Inzwischen haben viele Langzeitstudien zweifellos bewiesen, dass häufiges Trinken von grossen Mengen Alkohol in der Schwangerschaft die Entwicklung des ungeborenen Kindes ernsthaft beeinträchtigt. Fast immer kommt es zu niedrigem Geburtsgewicht und im Extremfall sogar zum fetalen Alkoholsyndrom (Fachbegriff: Alkoholembryopathie, FAD oder FAS).
Dieses Syndrom geht mit einer Reihe von angeborenen Störungen einher, wie z.B. typischen Gesichtsmerkmalen (kleiner Kopfumfang, abgeflachte Stirn, kleine und schräge Augenöffnung, kurze und flache Stupsnase, ausgeprägte Nasen-Lippenfalten, schmale und dünne Oberlippe, fehlende Rinne zwischen Oberlippe und Nase und fliehendes Kinn), verzögerter geistiger Entwicklung, oft in Verbindung mit Überaktivität, Minderwuchs und Untergewicht, sowie irreversiblen Hirn- und Nervenschädigungen mit Krampfanfällen. Das Risiko, später an Blutkrebs zu erkranken, ist bei Kindern alkoholtrinkender Mütter um ein Vielfaches erhöht. Etwa 200 Kinder werden in der Schweiz pro Jahr mit diesem Syndrom geboren - und die Dunkelziffer ist wahrscheinlich sehr viel höher.
Die leichtere Form (Fetale Alkoholeffekte, FAE), bei der die Mutter evtl. nur in der Frühschwangerschaft viel Alkohol getrunken hat, ist noch häufiger. Verzögerungen in der Sprachentwicklung, Konzentrationsschwäche und motorische Störungen sowie soziale Schwächen und Verhaltensstörungen in der späteren Kindheit sind auch schon mit geringerem, aber regelmässigem Alkoholkonsum in der Schwangerschaft in Verbindung gebracht worden. Experten gehen sogar davon aus, dass vorgeburtliche Alkoholexposition die häufigste Ursache für Minderbegabung und Hyperaktivität bei Kindern ist.
Bedenken Sie bei jedem Glas Wein in Ihrer Hand, dass der Alkoholspiegel beim Ungeborenen zwar etwas später, aber immerhin dieselben Werte erreicht wie in Ihrem Blut. Der Alkohol gelangt direkt über den Mutterkuchen in den Blutkreislauf des Kindes. Dann badet Ihr Baby sozusagen in Alkohol! Die fetale Leber produziert jedoch noch nicht ausreichend Stoffe, die den Alkohol verarbeiten können, d.h. der Alkoholabbau muss im wesentlichen über den mütterlichen Kreislauf erfolgen.
Vor allem solche Organe, die sich rasch und intensiv entwickeln, wie das kindliche Nervensystem und Gehirn, die Nieren, das Herz und die Geschlechtsorgane reagieren sehr empfindlich auf Alkohol. Welche Organe konkret geschädigt werden, hängt von der Entwicklungsstufe des Ungeborenen bei der Aufnahme des Alkohols ab. Während es in den ersten drei Monaten besonders leicht zu Fehlbildungen kommen kann, wird im vierten bis sechsten Monat vor allem das Wachstum behindert und am Ende der Schwangerschaft vor allem das Gehirn geschädigt, das zu dieser Zeit stark an Volumen zulegt.
Die Neugeborenen haben ausserdem eine schlechtere Immunabwehr: Eine kürzlich veröffentlichte Studie konnte zeigen, dass die Babys von Müttern, die vor allem im ersten Schwangerschaftsdrittel regelmässig (mindestens ein Drink pro Tag) Alkohol getrunken haben, ein siebenfach erhöhtes Infektionsrisiko hatten.
Bitte lesen Sie unsere Tipps, wie man auf Alkohol in der Schwangerschaft verzichten kann.
Häufige Fragen zum Thema
Es gibt keine Alkoholmenge, die in der Schwangerschaft noch völlig unbedenklich ist. Aber es gibt auch keine eindeutigen Hinweise dafür, dass der gelegentliche Genuss von geringen Mengen Alkohol Ihrem Baby während der Schwangerschaft schadet.
Wenn Sie sicher gehen wollen, sollten Sie ganz auf...vollständige Antwort lesen
Der Alkoholspiegel im Blut des Ungeborenen erreicht mit einer kleinen Verzögerung dieselben Werte, die Sie in Ihrem Blut haben. Aber das Baby kann mit seiner unreifen Leber den Alkohol noch kaum abbauen! Vor allem das kindliche Gehirn reagiert extrem empfindlich auf Alkohol. Im Extremfall kann es zu...vollständige Antwort lesen
Wissen
Newsticker
Alkohol schadet dem Ungeborenen: Alkoholgenuss in der Schwangerschaft kann das ungeborene Kind erheblich schädigen und zum sogenannten "fetalen Alkoholsyndrom" führen. Trotzdem greift ein nicht unwesentlicher Anteil der werdenden Mütter zur Flasche, zeigt eine norwegische Studie. Von mehr als 66.000 Schwangeren konsumierten 16 % geringe Mengen Alkohol, 12 % tranken manchmal sogar exzessiv (>5 Gläser). Besonders Frauen, die ängstlich oder depressiv sind, trinken weiter. Ältere Untersuchungen hatten gezeigt, dass auch ein niedrigeres Einkommen sowie die Trinkgewohnheiten des Partners einen Einfluss auf den Alkoholkonsum während der Schwangerschaft haben. (swissmom-Newsticker, 3.11.2013)
Letzte Aktualisierung : 30-08-16, BH