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Das «Despicable Me»-Studio schickt Mario und Luigi in ihr erstes animiertes Kino-Abenteuer. «The Super Mario Bros. Movie» will alles richtigmachen – und bleibt aus genau diesem Grund hinter den Erwartungen zurück. Spass macht dieser farbenfrohe Film aber auch so.
30 Jahre ist es her, seit Nintendo seinen schnauzbärtigen Klempner in der blauen Latzhose zum ersten Mal auf die Grossleinwand schickte. Die Realverfilmung «Super Mario Bros.» (1993) mit Bob Hoskins («Who Framed Roger Rabbit») und John Leguizamo («The Menu») in den Hauptrollen als Mario und Luigi war ein gigantischer Flop – auch weil der Film verzweifelt versuchte, der absurden «Super Mario»-Welt so etwas wie realitätsnahe Glaubwürdigkeit zu verleihen.
Der japanische Spielehersteller sah sich der Lächerlichkeit preisgegeben und beschloss, künftig vorsichtiger mit seinen Lizenzen umzugehen. Abgesehen von Cameos einzelner Figuren in Filmen wie «Wreck-It Ralph» (2012) oder «Pixels» (2015) blieben die Mario-Charaktere der grossen Leinwand mehrheitlich fern. Das änderte sich, als das französisch-amerikanische Trickfilmstudio Illumination – bekannt für die «Despicable Me»-Filme (seit 2009) – anklopfte und eine Animationsverfilmung vorschlug.
In dieser farbenfrohen Geschichte übernimmt nun Chris Pratt («Jurassic World Dominion») die Sprechrolle von Mario, während Charlie Day («Horrible Bosses») seinen grün gekleideten Bruder Luigi spricht. Das Duo hat sich im New Yorker Stadtteil Brooklyn soeben als Klempner selbstständig gemacht, als sie beim Versuch, einen Rohrbruch zu flicken, in eine andere Dimension gesogen werden.
Als die Brüder getrennt werden, landet Luigi in den Fängen des bösen Bowser (Jack Black), der die verschiedenen Königreiche dieser Dimension unter seine Kontrolle bringen will. Mario freundet sich derweil mit Peach (Anya Taylor-Joy) an, der Prinzessin des Pilz-Königreichs – und gemeinsam versuchen sie, Bowser Einhalt zu gebieten und Luigi zu retten.
Man merkt «The Super Mario Bros. Movie» an, dass die Regisseure Aaron Horvath und Michael Jelenic («Teen Titans Go! To the Movies») aus den Fehlern der ersten Verfilmung lernen und den beliebten Games diesmal wirklich gerecht werden wollten. Der Film versucht darum gar nicht erst, sich mit müden Witzen über die Absurdität seiner Vorlage beim Publikum anzubiedern, sondern nimmt diese Welt – mit all ihren sonderbaren Regeln – ernst.
Selbstverständlich, dass das nicht ohne kleinere zeitgemässe Änderungen geht: So legen Mario und Luigi etwa ihren falschen italienischen Akzent ab, und auch Prinzessin Peach darf in diesem Film ihrer Rolle als «Damsel in Distress» entschlüpfen. Doch auch mit leichten Anpassungen kommen Fans hier definitiv auf ihre Kosten: «The Super Mario Bros. Movie» steckt voller kleiner Details und Referenzen auf die Games und bietet eine Vielzahl an Gastauftritten von Figuren aus dieser Spielewelt – einige davon dürften sich auch für eine wahrscheinliche Fortsetzung anbieten.
Die beiden Regisseure schaffen es zudem, die Mechaniken der verschiedenen Mario-Spiele so in die Erzählung einzubetten, dass es weder den Erzählfluss bremst, noch die Logik der Spiele auf den Kopf stellt. Dabei verlieren sie gerne auch mal für einen Augenblick das breite und unkundige Publikum (das es angeblich geben soll) aus den Augen. Wenn etwa ein Koopa auf der Rainbow Road mal eben zur «Blue Shell» wird, wissen wahrscheinlich nur eingefleischte Fans, was gleich passieren wird.
«‹The Super Mario Bros. Movie› fühlt sich an wie eine Runde auf der Rainbow Road – mit angezogener Handbremse.»
Genau dieses Bedürfnis der Verantwortlichen, die Anhänger*innenschaft glücklich zu machen, wird aber zur Hypothek für den Film. In Zeiten, in denen wütende Fans mit Petitionen einen Neudreh ganzer Serienstaffeln fordern oder Schauspieler*innen aus den sozialen Medien vertreiben, und vor dem Hintergrund des Debakels der ersten Verfilmung scheint bei der Produktion dieses Films die Maxime gewesen zu sein, ja nichts falsch zu machen.
Das hindert «The Super Mario Bros. Movie» daran, sich so richtig auszutoben, und sorgt stattdessen für eine durchwegs verkrampfte Erzählung, die sich an bekannten Plotpoints abarbeitet – hier ein Kampf mit Donkey Kong, dort ein wildes Kart-Rennen –, ohne uns wirklich viel Neues anzubieten. Auch die beiden Hauptfiguren, Mario und Luigi, bleiben blass und ohne Ecken und Kanten. Man könnte meinen, dass ein so farbenfroher und wilder Film wie dieser auch erzählerisch verspielt daherkäme. Doch «The Super Mario Bros. Movie» fühlt sich an wie eine Runde auf der Rainbow Road – mit angezogener Handbremse.
Sicher, es gibt sie, diese Momente, in denen der Film aus seinem Fanservice-Korsett ausbrechen kann, und Spass mit seinen Figuren hat. Das beste Beispiel dafür ist der liebestolle Sadist Bowser, der mit seinen absurden Machenschaften immer wieder für Lacher sorgt und auch mal ein Liedchen für seine angebetene Peach trällern darf. Spätestens da zahlt sich die Verpflichtung von Comedy-Urgestein und Musik-Legende Jack Black («Kung Fu Panda») als Stimme des Krötenfieslings aus. Neben Black sticht auch der andere Mario-Gegenspieler aus diesem Cast heraus: Der Riesenaffe Donkey Kong, dem Seth Rogen («The Fabelmans») mit seinem einzigartigen Lachen gekonnt Leben einhaucht. Und auch sonst mangelt es «The Super Mario Bros. Movie» nicht an witzigen Einfällen und Slapstick – doch der Eindruck bleibt, dass hier viel mehr möglich gewesen wäre, wenn nur jemand den Mut gehabt hätte, diese Welt zumindest ein klitzekleines bisschen auf den Kopf zu stellen.
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Kinostart Deutschschweiz: 6.4.2023
Filmfakten: «The Super Mario Bros. Movie» / Regie: Aaron Horvath, Michael Jelenic / Mit: Chris Pratt, Anya Taylor-Joy, Charlie Day, Jack Black, Keegan-Michael Key, Seth Rogen, Fred Armisen / USA / 92 Minuten
Bild- und Trailerquelle: © 2023 Nintendo and Universal Studios
Die kunterbunte und witzige Videospielverfilmung «The Super Mario Bros. Movie» will die Fans um jeden Preis zufriedenstellen – und vergisst dabei, Neues zu erzählen.