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Dampflokomotive Emma
Auch die Lokfabrik J. A. Maffei in München befasste sich ab 1902 mit dem Bau von Schmalspurloks für den Einsatz auf Baustellen und in der Industrie. Hierzu schuf man die Abteilung SL (Abteilung für Sonderlokomotiven). Dort entwickelte man verschiedene Loktypen für unterschiedliche Spurweiten und Leistungsanforderungen. Die Emma entspricht beispielsweise dem Typ 35, 2/2, 600. Dies bedeutet: eine 35 PS starke Zweikuppler Lok mit 600mm Spurweite. Viele dieser Loks wurden während auftragsschwacher Zeiten auf Vorrat gebaut.
1925 baute Maffei nochmal mindestens eine dieser Lokomotiven. Ihr teilte man die Fabriknummer 4144 zu. Kurz nachdem sie fertiggestellt war, bestellte die Firma Robert Aebi & Cie. am 12. Oktober 1925 bei J. A. Maffei eine Baulok vom oben erwähnten Typ 35, 2/2, 600. Eine neue Lok dieses Typs kostete damals 9‘000.- CHF. Robert Aebi war zu dieser Zeit eine von vielen Firmen die sich darauf spezialisiert hatten Baumaschinen zu beschaffen und bei Bedarf an Bauunternehmungen zu vermieten. So wurde die Maffei 4144 bereits am 17. Oktober in München in Richtung Zürich verschickt. Der Bahntransport dauerte knapp eine Woche, denn am 23. Oktober konnte die kleine Lok auf dem firmeneigenen Werkhof in Zürich-Altstetten abgeladen werden. Kurze Zeit später wurde die Lok zu ihrem ersten Einsatzort gebracht.
In Brugg hatte man gerade mit einem grösseren Bauprojekt begonnen. Der Bahnübergang der Zürcherstrasse sollte durch eine Unterführung ersetzt werden. Diese Bauarbeiten wurden von den beiden Baufirmen Jäggi aus Brugg sowie Rohrer aus Zürich ausgeführt. Letztgenannte Firma mietete für die Dauer der Bauarbeiten zur Vergrösserung der Transportkapazitäten bei Robert Aebi eine weitere Baudampflok an, die Maffei 4144. Als die Erdarbeiten ihren Abschluss fanden, konnte die Firma Rohrer auf die zugemietete Lok verzichten, so wurde diese am 31. Dezember 1926 an Robert Aebi zurückgegeben. Hier konnten diverse Unterhalts- und Reparaturarbeiten durchgeführt werden. Nach längerer Abstellzeit meldete die Firma Robert Aebi vier Loks beim Kesselinspektorat ab, es handelte sich dabei um eine Jung, zwei O&K sowie die Maffei 4144.
Erst am 30. Juli 1941 wurde der Kessel der kleinen Maffei wieder angemeldet, denn die Holzverzuckerungs AG, Zürich interessierte sich für den Kauf der Lok. So kam es zum Verkauf der Maffei 4144. Hier setzte man sie auf dem werksinternen 600mm Gleisnetz im Materialverschub ein. Während des zweiten Weltkrieges war die Triebstoffversorgung mit aus Holz hergestelltem Ethylalkohol, dem sogenannten „Emser Wasser“, sehr wichtig. Das bedeutete für die kleine Lok viel Arbeit bei der Versorgung der verschiedenen Abteilungen.
Gegen Ende 1944 verlor die Holzverzuckerung zunehmend an Bedeutung, die kleine Maffei wurde wieder abgestellt und schliesslich im Februar 1945 beim Kesselinspektorat abgemeldet. Irgendwo abgestellt, vermutlich in einem Schuppen, geriet sie in Vergessenheit und überdauerte so die nächsten Jahrzehnte.
Christoph Oswald, Teil der damaligen Besitzerfamilie der Emser Werke AG genannten Firma, nahm sich 1979 der kleinen Dampflok an und brachte sie nach Adetswil im Zürcher Oberland. Hier arbeitete er gemeinsam mit Kollegen an der betriebsfähigen Revision der Lok. Die kleine Baulok wurde liebevoll restauriert und erstrahlte bald in noch nie dagewesenem Glanz. Am 27. September 1980 fand durch den Kesselinspektor die Abnahme des Dampfkessels statt, sie durfte nach 35 Jahren Stillstand wieder eingesetzt werden. Neu waren zu beiden Seiten des Führerstandes grosse Messingschilder mit dem Namen der Lok: EMMA. Bereits seit ihrem ersten Einsatz in Brugg war die Lok als Emma bekannt, Nachweise für entsprechende Anschriften an der Lok fehlen leider bisher. Sie soll nach der Tochter des Bauunternehmers Rohrer benannt worden sein.
Nach Gründung von Oswald Steam, einer Werkstatt für Dampfloks in Samstagern, zog die Emma dort hin um und konnte fortan auf einer Strecke um die Werkhalle eingesetzt werden. Interessierte konnten die Emma mieten und selbst als Lokführer mit ihr auf dem Feldbahnnetz fahren. Als Christoph Oswald im Jahr 1992 überraschend seine Firma schloss und seine Eisenbahnsammlung auflöste, nutzte einer der regelmässigen Hobbylokführer die Gunst der Stunde und kaufte die Emma. Da sich zu dieser Zeit wenig alternative Einsatzstrecken für die kleine Lok boten, fragte er bei der SchBB an, ob er seine Lok hier einstellen und gelegentlich einsetzen könnte. Mit Freude empfing man diese formschöne Dampflok bei der Baumschulbahn.
In den folgenden Jahren wurde die Emma gelegentlich als zweite Lok eingesetzt. Ein paar Jahre später wurde die Lok wieder zum Verkauf angeboten. Der Verein konnte nach langen Verhandlungen die Lok kaufen. So wurde die Emma am Sonntag 17. September 1998 von ihrem bisherigen Eigentümer an den Verein Schinznacher Baumschulbahn übergeben. Fortan konnten die Einsätze der Emma frei geplant werden. Aufgrund der geringen Leistung und des kleinen Kessels der Lok kann sie maximal zwei Personenwagen durch die Baumschule befördern. Seither geniesst die kleine Maffei ein geruhsames Leben bei der SchBB. Sie wird zur Freude vieler Besucher ein bis zwei Mal im Jahr eingesetzt.
Geschichte1925 gebaut von J. A. Maffei in München, 4144/1925
23. Oktober 1925 Ankunft bei Robert Aebi & Cie.
November 1925 bis Dezember 1926 Einsatz bei Bau Unterführung Zürcherstrasse in Brugg
1928 im Herbst Ersatz des Rohrsatzes durch E. Furrer, Kesselschmiede, Zürich
Oktober 1928 bis Juli 1929 Einsatz in Andelfinden für Fa. Oskar Reutimann, Guntalingen
März bis Juli 1930 Vermietet an Fa. Gobba & Bondietti, Locarno
Bis Herbst 1931 Einsatz in Pfäffikon für Baugeschäft Grossweiler & Cie., Zürich
1932 Einsatz beim Bau des Stauwehrs in Koblenz-
1933 Einsatz auf einer Baustelle in Dietikon
1934 bis 1938 sehr wahrscheinlich abgestellt bei Robert Aebi
18. Februar 1938 Abmeldung des Kessels beim Kesselinspektorat
1938 bis 1941 abgestellt bei Robert Aebi
1941 Verkauf an Holzverzuckerungs AG, Zürich
1941 bis 1944 Einsatz bei der HOVAG in Ems
Februar 1945 Abmeldung des Kessels beim Kesselinspektorat
1944 bis 1979 abgestellt bei EMS-CHEMIE in Ems
1979 Übernahme durch Christoph Oswald, Transport nach Adetswil für Revision
1980 Ersatz des Rohrsatzes durch Walter Jost der SBB Hauptwerkstatt Biel
27. September 1980 Abnahme des Kessels durch den Kesselinspektor
Ab 1983 Einsatz bei Oswald Steam Samstagern
14.und 15. Oktober 1989 Einsatz in Körblingen zur Eröffnungsfeier der 600mm Werksbahn
1992 Verkauf an B. Emmisberger, Wallisellen
Ab 1992 Einsatz als Gastlokomotive bei der Schinznacher Baumschulbahn
17. September 1998 Kauf der Lok durch den Verein Schinznacher Baumschulbahn
Herbst 1999 Ersatz des Rohrsatzes durch den Verein SchBB
21. bis 23. August 2004 Einsatz beim 4. Oldi-Traktoren-Treffen in Guntmadingen
2005 Dreizugbetrieb zu Ehren des 80. Jubiläums der Emma
21. und 22. Mai 2006 Einsatz zum Jubiläum 125 Jahre Robert Aebi AG
8. bis 10. August 2008 Einsatz beim 5. Oldi-Traktoren-Treffen in Guntmadingen
1. bis 5. Oktober 2015 Einsatz an der Schega in Schinznach-Dorf
Daten
|Achsfolge||B n2t|
|Baujahr||1925|
|Hersteller||J.A. Maffei (Deutschland)|
|Fabriknummer||4144|
|Zustand||Betriebsbereit|
|In Schinznach seit||1992|
|Eigentümer||Verein Schinznacher Baumschulbahn|