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Einer stiess sich am Vollmond, der ihn nachts nicht schlafen liess; stur schien der Mond durch das offene Fenster ins Bett des Betreffenden, stöberte seine Einsamkeit auf und leuchtete sie schamlos aus mit seinem weissen, sanft flutenden Licht.
Der von Schlaflosigkeit Geplagte stand schliesslich auf und stellte dem Vollmondgesicht sein eigenes übernächtigtes und bleiches Gesicht entgegen, indem er sich an die Brüstung des offenen Fensters stellte, die Arme verschränkte und den Mond lange böse anblickte. Nach einer Weile zog er die Luft stark durch die Nase und sagte dem Mond ein paar übel gelaunte Worte. Aber der blieb stumm und starrte weiterhin steinern wie eine jahrhundertealte Büste vom düsteren Himmelssockel hinunter; er hätte ihn ohrfeigen können! ihm die Faust ins feisse Antlitz treiben! aber der Mond blieb unberührt.
Da kam dem Schlaflosen eine Idee, wie er den Stummen zum Sprechen bringen könnte. Diese Idee packte ihn dergestalt, dass er sogar vergass, sich umzuziehen, und im weissen, längs und blau gestreiften und laut schlenkernden Baumwollpyjama ins Freie jagte, mit ausladenden Schritten das Dorf rasch hinter sich liess und in die Berge kam. Und hier, in den vom Mond liebevoll beschienen Hügeln, begann er sein Mondspielchen: Zuerst rannte er einen der Hügel hinunter, bis er den Mond hinter dem messerscharfen Horizont der Kuppe zum Verschwinden brachte, ihn sozusagen in die schwarze Erde drückte; und dann, als dem armen Mond fast die Luft ausging, liess er ihn wieder auftauchen, indem er elegant den Berg hinauf sprang.
Aber immer noch wollte der Mond nicht mit ihm reden, und deshalb trieb er das Spiel weiter, tauchte den Mond wieder in den Boden, und im letzten Moment, als er glaubte, er höre ihn um Hilfe gurgeln, hüpfte er den Berg hinauf, gab ihm etwas Luft, brachte ihn aber wieder nicht zum Reden, wurde noch wütender und schrie: Wart nur, Bürschchen, das nächste Mal drück ich dich tot!, raste den Berg hinunter, der Mond litt beträchtlich, bekam kaum noch Himmelsluft, und so ging die Folter weiter, die ganze Nacht lang berauschte er sich an diesem sadistischen Spiel, und der Mond begann schon zu Verblühen, der Tag floss milchig über die östlichen Berge, als der Schlaflose einen Fehltritt tat und über eine Felswand zu Tode stürzte.
In diesem Augenblick ging über das starr gemeisselte Antlitz des Mondes ein feines, aber mieses Grinsen, das den ganzen frühen Morgen anhielt, und uns alle im Dorf davon überzeugte, dass unser schlafloser Mitbürger vom Mond ermordet worden ist.
Einer stiess sich am Vollmond, der ihn nachts nicht schlafen liess; stur schien der Mond durch das offene Fenster ins Bett des Betreffenden, stöberte seine Einsamkeit auf und leuchtete sie schamlos aus mit seinem weissen, sanft flutenden Licht.