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Die Mondin wandelt sich im Rhythmus von 28 Tagen. Nach der Fülle bei Vollmond zeigt sie sich weniger und weniger, bis wir bei Neumond gar nichts mehr von ihr sehen. Dann nimmt sie wieder zu, bis zum Höhepunkt, dem Vollmond.
Früher wurde die Zeit nach der Mondin in 13 Mondphasen eingeteilt. Erst später kam der Wechsel auf Sonnenzeit und damit auf 12 Monate.
Der Vollmond wird in vielen Kulturen gefeiert. Mit unterschiedlichen Ritualen. Ich bin in einer Tradition unterwegs, die für die volle Mondin ein Feuer-Ritual zelebriert.
Das Feuer gibt uns Gelegenheit, alte Denk- und Verhaltensweisen, die uns einschränken und im Wege stehen, im Feuer zu transformieren - sterben zu lassen - und Neues in unserem Leben willkommen zu heissen.
Konkret geht das so: Nachdem ich das Holz in der Feuerstelle aufgeschichtet habe, öffne ich einen heiligen Raum, indem ich die Energien der vier Himmelsrichtungen sowie der Erde und des Himmels einlade. Dann entzünde ich das Feuer. Ich singe ein mantraähnliches Lied für die Elemente und begleite mich dabei mit einer Rassel oder Trommel.
Das Feuer nähre ich dreimal mit Olivenöl: das erste Mal offeriere ich das Öl der Erde und dem Himmel, das zweite Mal den Himmelsrichtungen und das dritte Mal allen, die am Feuer versammelt sind. Ich mache das Ritual gern mit anderen Menschen zusammen.
Sobald das Feuer nicht mehr so wild brennt, sozusagen "zahm" geworden ist, knie ich mich ans Feuer. Ich habe zwei Holzstöcklein bei mir. Ins erste blase ich, was ich gern dem Feuer übergeben und transformieren möchte, und übergebe es dem Feuer. Ins zweite blase ich das, was ich gern in mein Leben einladen möchte, und übergebe es ebenfalls dem Feuer.
Danach nehme ich die Energie des Feuers zu mir - dorthin an meinem Körper, wo ich sie gerade brauche. Falls ich nicht allein am Feuer bin, steht eine Person hinter mir, währenddem ich mein Ritual mache, und schützt meinen Raum von hinten. Danach tue ich das gleiche für diese Person.
Wenn alle ihre Stöckchen verbrannt haben, kommt der Pachamama-Stock ins Feuer. Das ist ein Holzstück, das vor dem Ritual mit natürlichen Materialien dekoriert wurde. Am Feuer blasen alle ihre Wünsche für Mutter Erde in diesen Stock. Dem Feuer übergeben ihn traditionsgemäss eine Frau und ein Mann, die älteste und die jüngste anwesende Person.
Wenn auch der Pachamama-Stock verbrannt ist, wird es still und wir treten einen Schritt zurück. Bis dahin ging das Singen immer weiter. In die Stille lade ich die Wesenheiten des Ortes ein, die Ahninnen und Ahnen des Landes sowie alle verstorbenen Seelen, die das Feuer für ihren Übergang brauchen möchten.
Danach schaue ich resp. schauen wir dem Feuer zu, bis die Flammen verlöschen. Es versteht sich von selbst, dass dabei nicht geschwatzt wird ;-) Denn auch das ist Teil des Rituals. Für ein geselliges Beisammensein ist Zeit, wenn der heilige Raum wieder geschlossen ist.