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Vergleichbar zur Bilanz eines Haushaltes mit Einnahmen, Ersparnissen und Ausgaben rechnet man die Wasserbilanz im Schweizer Wasserhaushalt: Niederschläge minus Verdunstung minus Veränderungen in den Speichern (Schnee, Gletscher, Seen, Grundwasser) = Abfluss.
Das Wasser, das in Bächen und Flüssen abfliesst ist als verfügbare und erneuerbare Wasserressource ein lebensnotwendiges Gut für die in der Schweiz lebenden Menschen. Weil in der Schweiz viele Flüsse entspringen, die durch weitere europäische Länder fliessen, trägt die Schweiz als „Wasserschloss Europas“ eine grosse Verantwortung. Dank umfassenden Messungen von Niederschlag und Abfluss sowie den gespeicherten Schnee- und Eismengen ist der Wasserhaushalt der Schweiz gut belegt. So weiss man, dass beispielsweise 40 Prozent des aus der Schweiz abfliessenden Wassers von der Schneeschmelze stammen und nur knapp zwei Prozent von der Gletscherschmelze.
Im Gegensatz zum Abfluss wird die Verdunstung von Wasser meist nicht direkt gemessen, sondern aus der Wasserbilanz (Verdunstung = Niederschlag minus Abfluss minus Speicheränderungen) abgeleitet (Spreafico & Weingartner, 2005). Die Verdunstung findet an verschiedenen Orten statt: Von Gewässeroberflächen, aus dem Boden und von Pflanzenporen (Transpiration). Die gesamte Verdunstung nennt man Evapotranspiration. Sie ist abhängig von der Lufttemperatur und dem vorhandenen Wasser im Boden. Höhere Lufttemperaturen führen zu einer Steigerung der höchstmöglichen (potentiellen) Verdunstung. Damit die tatsächliche (reelle) Verdunstung dann auch zunehmen kann, muss genügend Wasser im Boden vorhanden sein.
Die Evapotranspiration ist in der Schweiz nicht überall gleich: Weil die Verdunstung aus den Pflanzenporen einen bedeutenden Teil der Evapotranspiration ausmacht, ist letztere vor allem von der Verteilung der Vegetation abhängig. Diese nimmt mit der Höhe ab, weil es nicht nur kälter wird, sondern sich auch die Pflanzendichte verändert – von den landwirtschaftlich genutzten Flächen und Wäldern des Mittellandes über die grossen Weiden und Wälder des Juras und der Voralpen bis hin zu den Geröllhalden und Gletschern in den Alpen. Deshalb nimmt auch die potentielle Verdunstung aus den Pflanzenporen mit der Höhe ab.
Besonders im Sommer führt die Verdunstung im Alpenraum zu einem „Recycling“ des Niederschlags: Bis zu zwei Drittel des verdunsteten Wassers bilden beim Aufsteigen neue (Gewitter-)Wolken, die regional wieder abregnen (van der Ent et al., 2010).