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Geschichte
Auszug aus dem Bettershooting Handbuch IPSC 1.0
Autor: Thomas Steiger, Oktober 2010
Die Geschichte des IPSC Schiessen führt ins 19. Jahrhundert zurück. Durch die Erfindung von Samuel Colt hat die Faustfeuerwaffe erstmals militärisch eine strategische Bedeutung erfahren. Kavalleristen konnten mit den schweren Colt Walker präzisere und schnellere Feuerkraft in das Gefecht bringen als mit den damaligen Musketen. Alleine die 5 bis 6 Schüsse pro Trommelladung entsprachen einer Feuerkraft eines Infanteristen in 2 Minuten.
Als zusätzliche hülsenbasierte Munition die Vorderlader ersetzte hat sich zuerst bei berittenen Einheiten das taktische Verhalten verändert. Die Kavallerie war auch der erste militärische Verband der Feuer und Bewegung mit Faustfeuerwaffen kombinierte.
Um ca. 1885 wurden die ersten Double Action Revolver eingeführt. Diese ermöglichten schnellere, vor allem aber präzisiere Schussfolgen. Auch die US Army führte diese Revolver um 1905 ein. Beim Mexiko Krieg zeigte sich aber auch, dass das eingeführte Kaliber 38 S&W viel weniger Mannstopwirkung erbrachte als die alten 44er Vorderlader oder 45er Long Colt. Aufgrund dieser Erfahruung verlangten die Streitkräfte wieder die bewährte .45 Patrone.
In der Zwischenzeit wurden verschiedene Pistolen, wie die Luger 08 oder die Mauser 96 entwickelt. Die Amerikaner erkannten die taktischen Vorteile der Pistole, wie das schnellere Nachladen oder die Möglichkeit für schnellere Schussfolgen. Zu dieser Zeit waren jedoch keine .45er Pistolen erhältlich.
Erst John Browning konnte die Anforderungen der Streitkräfte erfüllen. Nach einem relativ kurzen Evaluationsverfahren entschieden sich die Streitkräfte zur Einführung der, von John Browning entwickelten, Colt M1911 Pistole in .45 ACP. Diese ist bis in diese Tagen in weiten Teilen der amerikanischen Behörden und Sicherheitskräfte im Einsatz und dient noch heute als Basis für die meisten IPSC Sportwaffen.
Speziell Sondereinheiten von Militär und Polizei in vielen Teilen der Welt setzen wieder auf die klassische 45er. Dies erklärt auch, weshalb renommierte Firmen wie SIG SAUER, die durch moderne Waffenarchitektur berühmt wurden plötzlich 1911er Modelle anbieten.
Nach dem ersten Weltkrieg wurden 1919 erstmals Polizeischiesstechniken und eine standardisierte Schiessausbildung eingeführt. Diese sind am ehesten mit der Stellung des heutigen Präzisionsschiessen zu vergleichen. Durch die Prohibition und des Kansas City Massakers von 1933 wurde erkannt, dass erhebliche Mängel in der Schiessausbildung von Polizisten bestand. Durch die Gründung des FBI wurde die Ausbildung aus anderen Sichtpunkten und Aspekten aufgebaut. Diese neue Organisation legte mit ihrer Ausbildung die ersten Grundsteine des Combatschiessens.
1955 gründeten Jeff Cooper und Sheriff Weaver, beide Polizisten, einen Verein. Dieser Verein bestand nur aus Polizisten und diese übten auf freiwilliger Basis den Umgang mit der Waffe in Form des Combat Schiessens. Aus dieser Zeit stammen viele Grundelemente wie die Haltung der Waffe oder Techniken wie der "Weaver Stance" die auch heute noch, in modifizierter Form, angewendet werden.
1961 brachte Raimond Sasia neue Schiesstechniken in die Ausbildungsstätten des FBI. Diese Techniken revolutionierten das Schiessen, da plötzlich unbekannte Elemente wie das Schiessen mit der schwachen Hand oder das Schiessen bei Nacht intensiver entwickelt wurden. Parallel zu dieser Zeit entwickelt sich aber auch das dynamische Schiessen auf privater Ebene.
1976 wurde durch Jeff Cooper der IPSC Verband gegründet. Das Ziel dieses Verbandes war die Regeln der wachsenden Gemeinde an Combatschützen zu standardisieren und gemeinsam Wettkämpfe zu organisieren. Im gleichen Jahr wurde auch der Schweizerische Verband für IPSC Schützen gegründet. Dies übrigens als einer der ersten Verbände weltweit! Die Schweiz organisierte die erste Weltmeisterschaft 1977 in Glattfelden bei Bülach. 1980 erfolgte die Aufnahme des Schweizerischen Verbandes in den IPSC Dachverband. 1981 erfolgte der Anschluss an den SSV (Schweizerischer Sportschützen Verband).
Heute gibt es in der Schweiz ca. 65 Vereine mit rund 2500 aktiven Schützen in allen Divisionen. Jährlich finden ca. 15-20 Wettkämpfe in der Schweiz und etliche internationale Wettkämpfe weltweit statt.
Das Niveau im Umgang mit Schusswaffen hat sich stetig weiterentwickelt und Jeff Cooper meinte einmal in den 90er "er hätte nie geglaubt, dass man mit einer 1911er so schnell und präzise schiessen können wie dies heute der Fall sei".
Diese Entwicklung wurde von Herrn Cooper eingeleitet und die Techniken wurden laufend verfeinert.
Wenn sie die folgenden Kapitel lesen, werden sie sich auf dem aktuellsten Stand der Schiesstechniker von 2005 finden. Es ist jedoch wie mit der Mode. Wenn sie dieses Buch in 10 oder 15 Jahren zur Hand nehmen werden ist wahrscheinlich bereits in einigen Bereichen wieder "old fashioned".