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Nach mehr als 30 Jahren Tätigkeit in Benin geht die DEZA seit 2014 bei der Unterstützung im Bereich Erwachsenenalphabetisierung neue Wege. Bisher hatte die DEZA dort die Federführung. Sie sorgte für die Finanzierung der 608 Alphabetisierungszentren im Norden des Landes sowie für die Organisation und die Nachbetreuung der Kurse.
Mit dem Programm zur Förderung dezentraler Alphabetisierung (PAGEDA) will die DEZA diese Federführung an die örtlichen Behörden abtreten, da sie der Auffassung ist, dass deren Eigenverantwortung und der Fortbestand dieses Unterrichts nur durch die Übertragung der Kompetenzen gewährleistet werden können.
Der neue Ansatz entspricht überdies der Zielsetzung der vor rund zehn Jahren begonnenen Dezentralisierung des Landes. Für die Alphabetisierung Erwachsener sind in Benin die Gemeinden zuständig. Diese verfügen jedoch nicht über die dafür notwendigen personellen und finanziellen Ressourcen.
Untersuchung dreier verschiedener Vorgehensweisen
In der ersten Programmphase wird die DEZA drei verschiedene Strategien zur Unterstützung der lokalen Akteure in den Provinzen Borgou, Atacora und Alibori im Norden des Landes untersuchen. Es soll festgestellt werden, wie die Gemeinden, die kommunalen Verbände und die Berufsverbände am besten in die Finanzierung und die Organisation der Kurse für Erwachsenenalphabetisierung sowie in deren Nachbetreuung und die Einführung eines Beratungsdiensts eingebunden werden können. Sobald feststeht, welches Organisationsmodell sich am besten eignet, wird das für 12 Jahre geplante Programm anlaufen.
Alphabetisierung und Berufsbildung verknüpfen
Die DEZA legt Wert darauf, dass die Gemeinden die nötige Verbindung zwischen Alphabetisierungskursen und berufsbildenden Kursen herstellen, damit die alphabetisierten Personen zur Ankurbelung der Wirtschaft des Landes beitragen können. Daher sieht das Programm Synergien mit einem DEZA-Projekt zur Unterstützung der Berufsbildung vor. Zu diesem Zweck werden den Alphabetisierungskursen für Erwachsene in Zusammenarbeit mit Handwerker- und Bauernverbänden auch praktische Lehrgänge angegliedert. Das Programm unterstützt auch zwei NGO, die sich auf Ortsebene politisch für die Alphabetisierung Erwachsener einsetzen.
Um den neuen Ansatz zu vervollständigen, soll in den betreffenden Provinzen auch das schriftliche Umfeld weiterentwickelt werden, zum Beispiel durch die Finanzierung von Bibliotheken. Generell soll die Schriftkultur in den verschiedenen Landessprachen gefördert werden.
Populäre Kurse
Die Alphabetisierungskurse für Erwachsene sind bei der Bevölkerung der Provinzen des Nordens, die zu den ärmsten des Landes gehören, sehr beliebt. Die Analphabetenrate liegt nach offiziellen Angaben von 2011 in Borgou bei 63,1% (Frauen: 71,2%) und in Alibori bei 86,9% (Frauen: 91,9%). Seit 2004 konnte diese Rate dank der Schweizer Unterstützung in Borgou um 14% und in Alibori um durchschnittlich 4% gesenkt werden, wie es in einem 2011 veröffentlichten Bericht der DEZA heisst. Im gleichen Jahr lag den amtlichen Statistiken Benins zufolge die Analphabetenrate auf Landesebene bei 65,7% der erwachsenen Bevölkerung (Personen ab dem Alter von 15 Jahren).
Öffentliche Mindestfinanzierung
Die Alphabetisierungskurse für Erwachsene sind von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung des Landes. Allerdings ist dieses non-formale Bildungsangebot noch immer abhängig vom Engagement der NGO und der Finanzierung durch Entwicklungsagenturen.
Die lokalen Behörden betrachten die Kurse wegen mangelnder Ressourcen als ergänzende Massnahmen und räumen der formellen Primarschulbildung nach wie vor Priorität ein. Der Anteil der Erwachsenenbildung und -alphabetisierung am Bildungsbudget des Staates beträgt derzeit lediglich 0,24%.
Menschenrecht
Trotz der Schwierigkeiten vor Ort bemüht sich die DEZA, zum Zugang zu Bildung für alle Menschen beizutragen. Heute ist dieser Zugang als Menschenrecht anerkannt. Die DEZA hofft, dass die Alphabetisierung Erwachsener als eines der Ziele auf der Entwicklungsagenda für die Zeit nach 2015 und damit als unmittelbarer Faktor der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung anerkannt wird.