Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03096.jsonl.gz/2389

Unsere Bilderberger 16.02.2008 19:28

politonline d.a. Wie inzwischen bekannt, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den deutschen Postchef Klaus Zumwinkel. Presseberichten zufolge wird er verdächtigt, jahrelang Geld an der Steuer vorbei in Stiftungen im Fürstentum Liechtenstein geschleust zu haben, wobei es um Millionen gehen soll. Aus umfangreichen Aufzeichnungen eines Liechtensteiner Geldinstituts gehe hervor, dass der Postchef auch überlegt habe, sein Vermögen nach Asien oder auf die Cayman-Inseln zu verlagern. Keineswegs uninteressant ist auch der Fakt, dass Zumwinkel von 2002 an nahtlos an jeder Bilderberger-Konferenz anwesend war, wie dies die Teilnehmerverzeichnisse belegen. Im einzelnen geht es um folgende Konferenzen:
Chantilly, Virginia, U.S.A: 30. Mai bis 2. Juni 2002; Versailles, Frankreich: 15. bis 18. Mai 2003; Stresa, Italien: 3. Juni bis 6. Juni 2004; Rottach-Egern, Deutschland: 5. März bis 8. März 2005: Ottawa, Kanada: 8. bis 11. Juni 2006: Hotel Ritz-Carlton in Istanbul: 1. bis 3. Juni 2007. Wie die Junge Welt vom 15. 2. schreibt 1, »war Zumwinkel als Chef des privatisierten Staatsbetriebes Post AG fast zwei Jahrzehnte eine der Ikonen der Neoliberalen. Sein Handwerk hatte er u.a. bei der weltweit agierenden Wirtschaftsberatungsgesellschaft McKinsey gelernt, wo er es bis zum Seniorpartner brachte. Zumwinkels Faible für schmuddlige Nebengeschäfte zugunsten der Privatschatulle war bereits vor der jetzigen Steueraffaire aktenkundig. Im Dezember 2007 nutzte er nach der Entscheidung für einen gesetzlichen Mindestlohn den Höhenflug der Postaktie für die schnelle Einlösung seiner Aktienoptionen. Das bezeichnete er nach heftiger Kritik zwar als einen Fehler, den Millionengewinn aus dem Deal behielt er selbstverständlich dennoch.« Es stellt sich die Frage, ob es sich bei der Liechtensteinschen Stiftung um eine von Zumwinkel selbst errichtete, also eine auf seinen eigenen Namen lautende Stiftung handelt oder um eine Zweigstelle der zahlreichen bekannten Stiftungen - wie z. B. die Friedrich-Ebert-, die Adenauer-, die Berghof-Stiftung für Konfliktforschung, usw. Die zweite Frage wäre die, warum diese Fahndung nun eigenartigerweise gegen Ende seiner Karriere eingetreten ist. Man ist versucht, anzunehmen, dass ein über so lange Jahre hinweg eingespieltes Prozedere ohne einen Fingerzeig von Insidern schwerlich aufgedeckt werden kann. Lag etwa ein Grund vor, Zumwinkel zu Fall zu bringen?
Stiftungen und ihr praktisch unbegrenzter Einfluss bilden leider einen offensichtlich nicht mehr zu eliminierenden Bestandteil der Politik. Der Mentor von Bill Clinton, Prof. Carroll Quigley, bezeichnet die steuerbefreiten Stiftungen als die Basis von Operationen. Er schildert die Panik, in die das Establishment geriet, als der Kongressabgeordnete Carroll Reece aus Tennessee im Jahr 1953 Vorsitzender eines Komitees zur Untersuchung steuerbefreiter Stiftungen wurde. Quigley bestätigt substantiell die Aussage des Buches von René A. Wormser »Macht und Einfluss von Stiftungen«, in welchem die Ergebnisse der Untersuchung von Reece offengelegt werden. Hierzu gehören die weltweiten Interventionen auf der Basis einer monolithisch vernetzten Machtstruktur, die Bildung eines Elite-Corps von »social engineers« zur weltweiten Verbreitung sozialistischer Ideologien, die Untergrabung des US-Erziehungswesens mit der Drohung »Conform - or no grant«, sowie die Art und Weise, wie bestimmte sozialistische Literatur gefördert wurde. Ferner: wie man die Anhänger von Cecil Rhodes in die Verwaltungsstellen der Regierung brachte, wie die UNO zur Basis für sozialistisch-kommunistische Koalitionen gemacht wurde, wie man die Produktion von Geschichtsbüchern, welche den Amerikanern die Wahrheit vorenthalten, bewerkstelligte - um nur einige Punkte anzuführen. Quigley nennt auch die Gründe, warum der Reece-Bericht nicht die aufrüttelnde Wirkung hatte, die zu erwarten gewesen wäre: »Es stellte sich bald heraus, dass die Vertreter einer extrem begüterten Klasse es als unglücklich erachtet hätten, wenn solche Recherchen zu weit getrieben worden wären, und dass sämtliche ihnen nahestehenden Zeitungen des Landes zu wenig Begeisterung dafür zeigten, solchen Enthüllungen genügend Publizität zu verschaffen, weder im Zusammenhang mit Wahlfeldzügen, noch mit anderen Kampagnen«. Wie die Steuerung der Presse erfolgt, ist zumindest heute längst kein Geheimnis mehr.
Quigleys Buch »Tragedy and Hope« erschien bereits 1966. Es bleibt ein Meilenstein der Geschichtsschreibung und behält seine grosse Bedeutung für alle, welche sich um die Kenntnis derjenigen Kräfte bemühen, welche die heutige Gesellschaft geformt haben und weiterhin formen werden. Die grosse Bedeutung von »Tragedy and Hope« liegt darin, dass hier von einem Insider das klare und schwerwiegende Eingeständnis erfolgt, dass es eine relativ kleine, aber äusserst machtvolle Gruppe gibt, welcher es gelungen ist, die [massgeblichen] Entwicklungen in der amerikanischen und europäischen Gesellschaft in ihren Würgegriff zu bekommen. Quigley identifiziert und benennt den Kern dessen, was er als »network« bezeichnet, als eine Gruppe von »international bankers«, wobei sich diese von gewöhnlichen Banquiers dadurch spezifisch unterscheiden, dass sie »kosmopolitisch und internationalistisch« agieren, indem sie Regierungen in ihre Abhängigkeit bringen, vor allem über die Mechanismen der Staatsverschuldung. [.....] Sie bedienen sich dabei äusserster Verschwiegenheit und ebenso geheimgehaltener Methoden zur finanziellen Beeinflussung des politischen und öffentlichen Lebens.« Abschliessend sei vermerkt, dass sich der ungebrochen starke Einfluss dieser Machtzentren allein schon daran ermessen lässt, dass es offenbar keine Regierung wagt, die Stipulation, gemäss der Stiftungsvermögen keiner Steuer unterliegen, abzuschaffen. Damit bleibt deren finanzielles Wachstum gesichert, was gleichbedeutend mit dem Erhalt ihres ungeschmälerten Einflusses ist.
Siehe politonline Carroll Quigley - Tragedy and Hope, New York 1966; deutsche Ausgabe:
Blick auf Bertelsmann, eine der zahlreichen steuerbefreiten und daher äusserst vermögenden Stiftungen, was ihrer Einflussnahme entgegenkommt
Unter dem Stichwort Bilderberger sind zahlreiche Beiträge zu dieser Gruppierung einsehbar.
1 http://www.jungewelt.de/2008/02-15/036.php