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Rechts von der schmalen Gasse führt ein Abfallberg hinunter, in der Luft liegt ein fauliger Geruch und weniger Zentimeter über unseren Köpfen hängen die Stromleitungen. Wir befinden uns in Rocinha, der grössten Favela inmitten von Rio de Janeiro. Zwischen 70´000 und 250´000 Leute leben hier, genau weiss das aber niemand. Unsere kleine Gruppe wird von einem Tourguide geführt, der selber hier aufgewachsen ist. Während fünf Stunden führt er uns durch die engen und rutschigen Gassen vom oberen Ende der Favela bis ganz nach unten. Die Häuser sind meist aus Holz und Ziegelsteinen von den Bewohnern selber zusammengebaut. Ich stelle mir vor, dass bei den tropischen Regenfällen in Rio de Janeiro sämtliche Wohnräume in den Favelas überschwemmt werden. Man sieht in die Stuben und Küchen, fast ist es, als gäbe es keine abtrennenden Wände. Einmal in einer Favela geboren, gelingt nur Wenigen der Aufstieg. Unser Guide erklärt uns, dass ein Grossteil der hier lebenden Leute einem Beruf nachgehe, oftmals im Gastrobereich oder als Bauarbeiter. Die einzige Möglichkeit auf einen sozialen Aufstieg bilde der Einstieg ins Drogenbusiness. Schöne Kleider, viel Schmuck und grosszügige Häuser; als Drogenhändler sei dies möglich. In den Favelas selber würden fast keine Drogen konsumiert. Leute aus der ganzen Stadt kämen jedoch zu Rocinha, um sich den Stoff zu besorgen. Drei Drogenkartelle kontrollieren ganz Rio de Janeiro und stehen in ständigem Krieg. Wir sind schon fast am Ende unserer Tour, als wir an einer Gruppe von trommelnden und singenden Männern vorbeikommen. Auf den ersten Blick unterscheiden sich die hier lebenden Leute nicht von den Brasilianern aus anderen Stadtteilen. Bei genauem Hinschauen stechen mir die Ekzeme und Hautausschläge bei vielen der jungen Männern ins Auge. Die medizinische Versorgung sei überlastet, erklärt unser Tourguide. Die mangelnden sanitären Anlagen sind Auslöser für zahlreiche Krankheiten, eines der grossen Probleme in Rocinha. Als wir aus der Favela raus sind, haben sich bei mir einige Vorurteile über die Lebenssituation geklärt. Ich erwartete mehr Traurigkeit ab den sozialen Missständen zu entdecken. Stattdessen bot sich mir ein Bild von lebenslustigen und kämpferischen Leuten, die sich mit sehr Wenigem glücklich schätzen.