Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03611.jsonl.gz/2575

Valentin Besier trägt Bart und Brille, ist 25 Jahre alt, wuchs in Bulle auf, wohnt aber seit einem Jahr in Lausanne und studiert an der EPFL Materialwissenschaften. Er stellt irgendwelche Dinger her, die bald in den Weltraum fliegen. Und in seiner Freizeit schlüpft er gerne in Tierkostüme. Sonst noch was? Oh ja: Unter seinem Künstlernamen Krizzli hat er sich eines der heissbegehrten Tickets für die diesjährige Red Bull Music Academy gesichert. Bald schon sitzt er im Flieger Richtung Tokio und werkelt mit der Weltelite an neuer Musik.
SI Style: Valentin, Du nimmst dieses Jahr an der Red Bull Music Academy teil. Das ist kommt für einen jungen Musiker schon fast einem Ritterschlag gleich. Weshalb bist du angenommen worden?
Valentin Besier: Keine Ahnung. Ich habe einen langen Fragebogen ausgefüllt und eine Musikauswahl geschickt, die mich repräsentiert. Ich glaube, ich war bei beidem ehrlich, eklektisch und genau. Es scheint ihnen gefallen zu haben.
Wie würdest Du deine Musik beschreiben?
Als sehr rhythmusorientiert. Die Stimmung ist meistens sehr düster. Ich mache sowohl Techno wie auch UK Bass mit gebrochenen Rhythmen.
Welches sind die unverzichtbaren Elemente deiner Musik?
Ich verwende die Klänge von alten Schlagzeugmaschinen. Und ich integriere oft Aufnahmen von allem Möglichen.
Zum Beispiel?
Ich haue mit einem Holzlöffel irgendwo drauf. Oder ich stelle mich einfach an eine Strassenecke und nehme den Verkehr auf.
Was findet man noch in deinen Stücken?
Samples von Reggae-Platten, Dub-Sirenen und Dark-Ambient-Sounds.
Wie hast Du zur elektronischen Musik gefunden?
Durch Zufall. 2009 war ich für vier Monate in Berlin, um Deutsch zu lernen. Ich hörte damals vor allem harte Gitarrenmusik. Zeug wie System Of A Down oder Korn. Eines Tages habe ich im Schnee vor der Haustür einen MP3-Player gefunden, randvoll mit elektronischer Musik. So lernte ich Acts wie Digitalism oder Simian Mobile Disco kennen.
Was kam zuerst, der DJ oder der Produzent Krizzli?
Der Produzent. Das mit dem Auflegen kam erst später. Vor etwa drei, vier Jahren habe ich dann mit meinen Freunden aus Bulle das Kollektiv Kartel Club gegründet. Mittlerweile tingeln wir durch die ganze Romandie. Wir spielen in Genf, Fribourg, Lausanne, Neuchâtel und ab und zu sogar Bern.
Aber eigentlich kommst Du ja weder aus der Gitarrenecke noch aus der elektronischen Musik, oder?
Ja, das stimmt. Ich habe sehr lange und intensiv Klarinette gespielt. Das hilft mir heute sehr.
Nimmst Du die ab und zu noch zur Hand?
Ja. Ein- bis zweimal pro Jahr im WK. Ich spiele in der Militärmusik.
Wann hast Du das erste Mal Musik richtig zu schätzen gewusst?
Als ich in jungen Jahren Chopin gehört habe.
Ist Chopin dein Lieblingskomponist?
Ja. Wobei: Ich habe ein paar. Aber er ist definitiv in meinen Top 3.
Wer sind die anderen zwei?
Der eine ist Jean Sibelius. Und dann wird’s eng. Ich kann mich nicht zwischen ich kann mich zwischen Antonín Dvořák und Béla Bartók entscheiden.
Was ist deine jüngste Entdeckung im Bereich der Musik?
Diese ganze Vogueing-Bewegung hat mich zuletzt sehr beeindruckt. Dieser feminine Tanz auf dem Catwalk mit den wirren Armbewegungen.
Die wichtigste Lektion, die Du von deinen Eltern mit auf den Weg bekommen hast?
Wirf dein Geld nicht aus dem Fenster.
Sind sie Banker?
Nein, meine Mutter ist Buchhalterin.
Deine Lieblingsserie im Fernsehen?
«Breaking Bad». Definitiv die beste Serie, die ich je gesehen habe.
Der glamouröseste Moment deiner Karriere?
Das war diesen Sommer als wir am Montreux Jazz Festival. Ich hatte zu viel Wodka intus und bin aufs DJ-Pult gestiegen. Ich hab dann sicher fünf Minuten da oben getanzt.
Und dann ist alles zusammengebrochen wie bei Steve Aoki?
Nein, zum Glück nicht.
Der unglamouröseste Moment?
Fünf Minuten später als ich über die Monitorboxen fiel. Ich kam aus eigener Kraft nicht mehr hoch.
Dein Lieblingsmoment beim Auflegen?
Der Moment, in dem du die Leute endgültig am Haken hast und sie zum ersten Mal durchdrehen.
Das beste Lied, um ein Set zu beenden?
Ich spiele meistens etwas sehr Langsames und Souliges. Kennst du «Melba’s Call» von Bok Bok? Das ist einer meiner Lieblingsrausschmeisser. Manchmal spiele ich aber auch etwas aus einem komplett anderen Genre. Zum Beispiel Michael Jackson.
Das Mode-Highlight deines bisherigen Lebens?
Das war letztes Jahr in Korea. Ich hatte mir so einen Plüschtier-Anzug, ein Kigurumi gekauft und bin damit durch die Strassen gerannt. Das war sehr lustig. Alle wollten ein Bild machen mit mir.
In die Rolle welchen Tieres bist Du geschlüpft?
Ich würde sagen, es war eine Art Bär. Ist doch auch naheliegend, oder nicht?
Die Interviewserie «A Personal Note From ...» ist ein Gemeinschaftswerk von Journalist Adrian Schräder und Fotograf Lukas Mäder. Im 2-Wochen-Rhythmus treffen sie dafür kreative Menschen aus den verschiedensten Bereichen. Den Abschluss jedes Gespräches bildet die «Personal Note»: Auf einem weissen Papier halten die Interviewten einen Gedanken handschriftlich fest.