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Liverpool ist drauf und dran, die drittbeste Ausbeute in Englands höchster Liga seit Einführung der 3-Punkte-Regel aufzustellen. Zum Meistertitel dürfte dies trotzdem nicht reichen. Das sind die tragischen Vorgänger Liverpools im Kampf um Meisterehren und gegen den Abstieg.
Die 3-Punkte-Regel wurde in den europäischen Top-5-Ligen zu unterschiedlichen Spielzeiten eingeführt. Insgesamt wurden seither total 125 Meisterschaften (31x in England, 24x in Italien und Frankreich, 23x in Deutschland und Spanien) absolviert. Wir haben die besten Nicht-Meister, die schlechtesten Meister, die besten Absteiger und die schwächsten Nicht-Absteiger gesucht und gefunden.
Läuft alles normal, wird Manchester City am Wochenende mit 98 Zählern verdient englischer Meister – mit der zweitbesten Saison, die je ein Team absolvierte. Der Rekord stammt übrigens von den Citizens aus der letzten Saison mit 100 Punkten.
Dahinter dürfte Liverpool mit 97 Punkten zwar die drittbeste Saison aller Teams in Englands höchster Spielklasse seit 1988/89 feiern, aber gleichzeitig den Meistertitel verpassen. Dass ein Punkteschnitt von 2,55 Zählern pro Partie nicht zum Kübel reicht – das gab es in den grossen fünf Ligen Europas seit der Einführung der 3-Punkte-Regeln noch nie.
Sollte Liverpool verlieren oder Remis spielen, würde die unrühmliche Bestmarke bei Real Madrid bleiben (siehe Punkt 3). So oder so: Bitter wird es für die «Reds» ohnehin, wenn der Titel ausbleibt. Aber wir wissen es ja alle: Erst muss auch diese letzte Runde gespielt werden.
Was auffällt: Während in der Saison 1995/96 (alle Ligen mit 3-Punkte-Regel) noch ein Schnitt von zwei Punkten pro Partie für den Titel reichte (Faustregel: Zuhause gewinnen, auswärts Remis), braucht es aktuell rund 2,5 Punkte pro Spiel. Der Zweitplatzierte holt zwar durchschnittlich ebenfalls mehr Punkte, die Steigerung ist aber kleiner. Mit anderen Worten: Die Allerbesten werden immer besser.
Im Kampf gegen den Abstieg ist die Tendenz zum immer schlechter werden weniger ausgeprägt. Allerdings brauchte es vor rund 20 Jahren einen Schnitt von rund 1,10 Punkten pro Partie, um die Liga zu halten, in den letzten Jahren war meist ein Punkt pro Partie ausreichend. Wer also immer unentschieden spielt oder jeweils nur jedes dritte Spiel gewinnt und sonst verliert, der bleibt in der Liga drin.
Der schwächste Meister seit der 3-Punkte-Regel war Olympique Lyon 2002/03 im zweiten Jahr seiner Dominanz. Damals reichte es den Südfranzosen mit nur 50 Prozent gewonnener Spiele (19 Siege, 11 Remis, 8 Niederlagen) zum Titel.
Der beste Zweitplatzierte war Real Madrid: In der Saison 2009/10 mit sagenhaften 96 Punkten (Punktequote 2,53). Den Titel feierte ausgerechnet Erzfeind Barcelona mit 99 Punkten Dieser Rekord wackelt aber gewaltig. Siegt Liverpool am Samstag, holen die «Reds» den unrühmlichen Rekord mit einer Punktequote von 2,55 Zählern pro Partie.
Der schwächste Zweitplatzierte kommt ebenfalls aus Spanien: 1999/2000 wurde Barcelona mit nur 1,68 Punkten pro Partie der schwächste Vize-Meister – und das «nur» fünf Zähler hinter Überraschungsmeister La Coruña, der bisher zweitschwächste Titelträger der Geschichte.
In England wird der Rekord von Manchester United aus der Saison 1994/95 so oder so pulverisiert. Liverpool (im schlechtesten Fall eine Punktequote von 2,47) oder Manchester City (2,50) werden diese Marke überbieten. Damals feierten übrigens überraschend die Blackburn Rovers mit 89 Zählern den Titel.
Am anderen Ende der Tabelle ist die Übersicht ein bisschen schwieriger. Viele Ligen wechselten den Modus immer wieder. So stiegen mal nur zwei Teams ab, mal musste selbst der Fünftletzte noch in die Relegation. Für die Auswertung haben wir den Relegationsplatz als Abstieg gewertet, gerettet (also Nicht-Absteiger) ist nur, wer den direkten Ligaerhalt schaffte:
Hier zeigt sich: In Deutschland reichen die immer wieder erwähnten 40 Punkte tatsächlich. Sogar 39 waren bisher immer genug. Bitter verlief die Relegation 1999/2000 für Nancy, das als bisher bester Absteiger mit einem Punkteschnitt von 1,24 Zählern in den sauren Apfel beissen musste.
Das bisher schlechteste Team auf dem ersten Abstiegsplatz war Lecce in der Serie A (05/06). Glücklicher konnte sich in der gleichen Saison Messina schätzen, dem nur 0,82 Punkte pro Partie für den direkten Ligaerhalt reichten – und zum Titel: Schlechtestes nicht abgestiegenes Team seit Einführung der 3-Punkte-Regel.
Was über die fünf Ligen hinweg auffällt: Eine so tiefe Punktequote wie in Deutschland braucht es nirgends – was allerdings auch für die Ausgeglichenheit der Liga sprechen kann.