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In den früheren Jahrhunderten gab es die Wasserversorgung, wie wir sie heute kennen, nicht. Der Wasserbezug war damals aufwendig und, je nach Bezugsquelle, auch mit dem Risiko verbunden, sich mit Cholera oder Typhus zu infizieren.
Während das Quartier St. Alban zu den Vorstädten gehörte, d.h. ausserhalb der Innenstadt und der ersten Stadtmauer lag, aber von einem zweiten Stadtmauerring umgeben war, lagen die Quartiere Breite, Lehenmatt und Gellert lange ausserhalb der Stadt. Im Gegensatz zu den übrigen Schweizer Städten grenzten die Häuser der Vorstädte nicht unmittelbar an die Stadtmauer an, sondern liessen einen Streifen zwischen Mauer und den Häusern frei, der für Landwirtschaft, aber auch für die Wasserversorgung genutzt wurde. Das kann man auf dem Merian Plan von 1615 sehr schön erkennen.
Kloster St. Alban: ein Pionier der Wasserversorgung
Das älteste Kloster in Basel war das Kloster St. Alban, das auch ein Pionier der Wasserversorgung war. Um die Mitte des 12. Jahrhunderts liess es einen Kanal anlegen, der Wasser oberhalb von St. Jakob aus der Birs ableitete und zum Kloster führte. 1152/54 werden erstmals Mühlen im St. Albantal erwähnt, denn der Kanal diente in erster Linie gewerblichen Zwecken. 1284 teilte man den Teich im Tal zur besseren Nutzbarkeit in zwei Läufe. Wie erwähnt diente der St. Albanteich (Dalbedych) hauptsächlich dem Gewerbe. Er trieb Mühlen an und wurde zum Heranflössen des Holzes zum Schindelhof genutzt. Aber es liess sich aus ihm auch Wasser für den Hausgebrauch schöpfen, was jedoch nicht der Hauptgrund für seinen Bau war.
Wie schon erwähnt wurde, verfügten die Häuser vor der Stadtmauer über ein Stück Land. Auf diesem Land befand sich für jedes Haus ein Sodbrunnen, der zur Wasserversorgung diente. Das St. Albantal kann mit seinem 1284 genannten Sodbrunnen im Kreuzgang des Klosters einen der frühen Basler Brunnen vorweisen, der unter dem Kirchturm gefunden wurde. Eine andere Quelle für die Wasserversorgung war der Lindenbrunnen im St. Albantal. Dann sind noch die sogenannten Haas’schen Quellen als wichtige Wasserlieferanten zu erwähnen. Diese Quellen lagen im Hinterhof der Liegenschaft St. Alban-Vorstadt 41, die von Wilhelm Haas 1796 erworben wurden. Er plante die Nutzung der 180 Liter pro Minute spendenden Quelle, deren Wasser er zusammen mit jenem des Lindenbrunnens hinauf in die St. Alban-Vorstadt pumpen wollte.
Nutzung der Haas‘schen Quellen
Das Vorhaben erwies sich aber als zu kostspielig. Haas verkaufte die Quelle an die Stadt, die seinen Plan auf Beschluss des Rates 1837/39 umsetzte. Die Haas‘sche Quelle wurde gefasst und ihr Wasser durch eine Leitung in die Brunnstube im Lindenturm geleitet. Von dort aus wurde ein 138,2 Meter langer Tunnel zur Hirzlimühle am St. Alban-Kirchrain 12 gebaut, durch den das Wasser weitergeleitet wurde. In der Mühle förderte ein Pumpwerk nach Plänen von Georg Stehlin das Wasser hinauf, wo es an der St. Alban-Vorstadt 81 in ein Reservoir gelangte. Die 1857 erneuerte Pumpe wurde ab 1865 mit Dampf betrieben.
Reservoir in der St. Alban-Vorstadt
Vom Reservoir in der St. Alban-Vorstadt wurde Wasser auf den Münsterhügel und sogar bis zum Blumenrain geleitet. Das St. Alban-Brunnwerk wurde mit dem Münsterbrunnwerk verbunden. Beide Werke konnten sich so mit Wasser aushelfen. 1906 wurde das Werk St. Alban an das 1866 eröffnete Druckwassernetz angehängt; sein Quellwasser gelangte in die Netzleitungen. 1981 wurde das Werk vom Netz abgehängt. Heute fliesst sein Wasser in ein Kneippbecken am Rheinufer.
Der Grund für die Förderung des Wassers aus dem St. Alban-Tal war der steigende Wasserbedarf durch die rapid steigende Zahl der Wohnbevölkerung. Im 19. Jahrhundert wuchs die Stadt aus ihren Mauern heraus. Die Bevölkerung hatte sich von 1830 bis 1860 mehr als verdoppelt, von 20‘000 auf 42‘000 Einwohner. Damit stieg der Wasserbedarf rapide an.
Wasser aus der Wolfsschlucht
Ein privates Werk im Besitz der Familien Forcart und Sarasin war das Gundeldinger-Brunnwerk aus dem 18. Jahrhundert. Seine Quellen lagen in der Wolfsschlucht auf Land, welches den Familien gehörte. 1739 durfte das Wasser mit Genehmigung des Rats an den St. Albangraben zum Württembergerhof und in die Malzgasse geleitet werden. Den halben Wasserertrag der Familie Sarasin übernahm im Jahr 1840 die Stadt, um damit mehrere öffentliche Brunnen mit Wasser zu versorgen.
Mancher Leser wird sich fragen, warum bis jetzt nur das St. Alban Quartier berücksichtigt worden ist und die andern drei Quartiere Breite, Lehenmatt und Gellert überhaupt nicht. Der Grund ist einfach: Bis ins 19. Jahrhundert waren diese drei Quartiere nicht bebaut und daher war eine Wasserversorgung allenfalls nur für landwirtschaftliche Zwecke notwendig. Diese war durch den Dalbedych gewährleistet. Die Breite hiess damals Breitematte, Lehenmatt kommt von Lehenmatte und das Gellertquartier wurde erst zum Villenquartier, als der Galgen 1824 abgebrochen worden war. Vorher gab es beim Bethesda eine Hinrichtungsstätte (Galgehügeli). Erwähnt werden müssen an dieser Stelle ebenfalls die «Siechenhäuser» bei St. Jakob, in denen Leprakranke untergebracht und gepflegt worden waren. Auch diese mussten mit Wasser versorgt werden. Das geschah durch einen Nebenarm des Dalbedychs.
Moderne Wasserversorung ab frühem 19. Jahrhundert
Einen grossen Entwicklungsschritt bei der Trinkwasserversorgung wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts eingeleitet. Dazu gab mehrere Gründe, um die bisherige Form der Wasserversorgung durch eine moderne für eine moderne zu ersetzen. Im 19. Jahrhundert wuchs die Wohnbevölkerung explosionsartig und damit verbunden der Trinkwasserbedarf. Ein weiterer Grund bildete die industrielle Revolution, die zum Bau von zahlreichen Fabriken führte, die alle auch Wasser benötigten. Die Fabrikarbeiter mussten ebenfalls irgendwie untergebracht werden. Daher riss man die Stadtmauern nieder und es entstanden neue Quartiere.
Cholera- und Typhusepidemie
Im Breitequartier wurden die Arbeiter angesiedelt und auf dem Gellert entstanden Villen. Dieser starken Zunahme der Bevölkerung war die bestehende Wasserversorgung nicht mehr gewachsen. 1855 kam es zu einer Choleraepidemie in Basel, dann zu einer Typhusepidemie. Beide Epidemien forderten viele Todesopfer. Obwohl weder der Cholera- noch der Typhusbazillus zu dieser Zeit entdeckt worden waren, erkannten einige Bürger doch den Zusammenhang zwischen Trinkwasser und Krankheit.
Neben dem offenen Birsig, der durch die Innenstadt floss und als Kloake diente, waren besonders die Sodbrunne eine Quelle der Infektion, da sie direkt neben den Abtrittgruben standen. Als Folge davon sickerte das mit Fäkalien verschmutzte Wasser in die Sodbrunnen. Trotzdem hielten viele Bewohner aus Bequemlichkeit, oder weil keine andere Wasserquelle zur Verfügung stand, daran fest, das Wasser aus diesen Sodbrunnen zu beziehen.
Einst lange Wege zum Trinkwasser
Man muss sich im Klaren sein, dass der Weg für viele Bewohner zum nächsten Brunnen weit war. Gleichzeitig musste aufgrund der knappen Wassermenge bei diesen Brunnen der Wasserbezug limitiert werden. Daher war es einfacher auf den eigenen Sodbrunnen zuzugreifen. Zwar wollte die Obrigkeit die Sodbrunnen schliessen, aber mangels Alternativen konnte das der Bevölkerung nicht zugemutet werden. Schliesslich entschied man sich, Quellwasser aus Grellingen und aus dem Birstal zu kaufen und zusätzlich ein Grundwasserpumpwerk in den Langen Erlen zu errichten. Erst 1874 kam es nach langen, zähen Verhandlungen mit den Quellenbesitzern zu einer staatlichen Wasserversorgung. Doch vielen war diese Wasserversorgung zu teuer. Ungelöst war damals noch das Abwasserproblem, da kein Kanalisationsnetz vorhanden war. Ein Vorschlag zum Bau eines solchen wurde 1877 in einer Volksabstimmung abgelehnt und es dauerte einige Zeit, bis eine allgemeine Kanalisation verwirklicht werden konnte.
Sturz in den Sodbrunnen
Nach den Epidemien versuchten die Behörden nun die Sodbrunnen stillzulegen. Sie wurden mit Brettern zugenagelt. Das allerdings konnte auch schlecht herauskommen, wie es meine Grossmutter erfahren sollte. Als meine Tante sie im Garten suchte hörte sie schwache Hilferufe. Die morschen Bretter des von den Behörden zugenagelten Sodbrunnens waren eingebrochen und meine Grossmutter fiel in den Sodbrunnen. Wie durch ein Wunder wurde ihr Sturz durch eine Wurzel des danebenstehenden Baumes aufgehalten. Aber sie verletzte sich schwer.
In der damaligen Zeit stand die Chirurgie bei weitem nicht auf dem heutigen Stand. Wenn es sich nicht um einen einfachen Bruch handelte, blieb man behindert. So gesehen können wir sehr froh sein um die Fortschritte der modernen Medizin. Auch sind ein modernes Wasserversorgungsnetz sowie eine moderne Kanalisation unerlässlich für die Hygiene und das Wohlbefinden der Bevölkerung. Nur dürfen die anfallenden Gebühren, die von der Bevölkerung bezahlt werden, nicht weit über den anfallenden Gebühren liegen, wie das in Basel geschah (Konzessionsgebühren).
Quellenangaben:
Die Modernisierung der Basler Wasserversorgung, von Markus Haefliger, Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde Band 84 (1984), https://www.e-periodica.ch/digbib/volumes?UID=bzg-002
Basel und die Geschichte seiner Wasserversorgung, www.altbasel.ch, Roger Jean Rebmann
Das Breitequartier, von Edith SchweizerVölker, Basler Stadtbuch 1986