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Dieses Debüt liess aufhorchen: Als die 1937 in Nürnberg geborene Autorin Anfang der Sechziger ihren ersten Roman veröffentlichte, schien es, als würde dies gewiss eine strahlende Laufbahn einläuten. Für das bald in viele Sprachen übersetzte Buch erhielt sie unter anderem den Prix Formentor – einen internationalen Literaturpreis, mit dem im Jahr zuvor kein Geringerer als Jorge Semprún prämiert worden war. Zudem erregte sie mit ihrem unkonventionellen Äusseren und schrillen Auftritten Aufsehen, wofür sie (sehr oberflächliche) Spitznamen wie «schreibende Kleopatra» oder «Femme fatale» verpasst bekam. Nur: Eine vergleichbare Anerkennung sollten ihre späteren Romane wie «Der Nachwuchs» oder «Das Berührungsverbot» nicht mehr finden, mit der Zeit wurde es immer stiller um sie. Zu Unrecht, wie nicht wenige Literaturkritiker:innen heute mit Blick auf ihr Gesamtwerk meinen.
Familiär stammte sie aus dem Grossbürgertum, ihr Vater war Direktor beim deutschen Siemens-Konzern. Die privilegierte Herkunft blieb ihrem Schreiben nicht äusserlich, ihre Texte sind häufig eine Abrechnung mit dem saturierten und biederen bürgerlichen Milieu der Nachkriegsbundesrepublik. Sie machte sich einen Namen als Satirikerin, die die herrschende Doppelmoral aufs Korn nahm. Politisch stand sie weit links, ihre Themen waren die Gewaltverhältnisse im Konsumkapitalismus wie die mangelhafte Aufarbeitung der nationalsozialistischen Diktatur zwischen 1933 und 1945. Und sie machte keinen Hehl um ihre Sympathien für die DDR und wurde Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei, in deren Vorstand sie 1989 gewählt wurde.
Verheiratet war sie zweimal: zuerst mit dem Schriftsteller und Lektor Klaus Roehler. Die beiden galten eine Zeit lang als «Traumpaar der Gruppe 47» – die Ehe hielt aber nur ein paar Jahre. Dann verliebte sie sich in den Maler und Autor Hans Platschek. Die beiden heirateten 1967 und blieben bis 1976 ein Paar.
Psychisch am Ende, politisch desillusioniert und künstlerisch missachtet, nahm sie sich 1992 das Leben. Einige Jahre nach ihrem Tod fand ihr Werk wieder vermehrt Beachtung, der Verbrecher-Verlag machte sich zudem an eine Neuedition ihrer Bücher. Trotzdem muss sie auch heute noch als eine weithin unterschätzte Autorin gelten.
Wie heisst die Schriftstellerin, die oft mit ihrer jüngeren Kollegin Elfriede Jelinek aus Österreich verglichen wird?
Wir fragten nach der Schriftstellerin Gisela Elsner (1937–1992), deren Debütroman «Die Riesenzwerge» ihr grösster Erfolg bleiben sollte. Mit ihrem ersten Mann Klaus Roehler hatte sie einen Sohn namens Oskar, der wiederum ein bekannter Regisseur und Autor wurde: Nicht nur verfilmte er Michel Houellebecqs Roman «Elementarteilchen», sondern mit «Die Unberührbare» auch die Biografie seiner Mutter. Hannelore Elsner, die nicht mit Gisela Elsner verwandt ist, spielte darin die Hauptrolle. Die beiden Exmänner der Schriftstellerin überlebten diese übrigens um acht Jahre: Sowohl Klaus Roehler als auch Hans Platschek starben am 9. Februar 2000. Neben Elsners Romanen ist auch der von Christine Künzel 2009 herausgegebene Sammelband «Die letzte Kommunistin» eine gute Möglichkeit, sich dem Schaffen dieser aussergewöhnlichen Autorin anzunähern.