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Die Gründung des Bundes Schweizerischer Pfadfinderinnen (BSP)
aus der Jubiläumsbroschüre "25 Jahre Bund Schweizerischer Pfadfinderinnen (1919 - 1944)" (Bern, 1944)
Wenn Du die Januar-Nummer 1945 unserer Zeitung Le Trèfle Rouge et Blanc (Das Weiss-Rote Kleeblatt) durchblätterst, findest Du darin eine Liste von 131 Pfadfinderinnen-Abteilungen mit insgesamt 8109 Mitgliedern. Das war der Bestand des B.S.P. Ende 1944.
Damals bei der Gründungsversammlung in Bern, am 4. und 5. Oktober 1919, sah die Sache sehr viel bescheidener aus: sechs Mädchenvereinigungen hatten Vertreterinnen geschickt, drei weitere liessen ihre Abwesenheit entschuldigen; und nicht alle nannten sich Pfadfinderinnen. In Bern hiessen sie Bund der Hilfsbereiten, in Basel Hochwacht und in Genf Girl Scouts. Es waren alles selbständige Mädchenbünde, die in den Jahren 1913-16 entstanden waren, angeregt durch die von Lord Baden-Powell gegründete Pfadfinder- und Pfadfinderinnenbewegung, die sich von England aus ziemlich rasch ausbreitete.
Diese Vereinigungen hatten natürlich keinen Grund, das englische Pfadfinderinnenwesen blindlings nachzuahmen. Die Sache gefiel ihnen einfach, und sie übernahmen davon, was ihnen zusagte, passten es den schweizerischen Verhältnissen an, liessen manches weg und fügten dafür Eigenes hinzu. Jeder Bund hatte seinen Wahlspruch, seine Gesetze, seine verschiedenen Stufen mit entsprechenden Prüfungen, seine besondere Arbeitsweise und sogar schon seine Traditionen.
Die einzelnen Vereine hörten bald voneinander und beschlossen, sich zu einer Aussprache zu treffen. Also fand auf Anregung von Fräulein Jeanne Paschoud, der späteren Waadtländer Hauptführerin, in Lausanne am 10. Juni 1917 eine Zusammenkunft statt. Basel, Bern, Genf, Lausanne, Le Locle, Neuenburg, Villeneuve und Winterthur schickten Abgeordnete, Zürich liess sich entschuldigen. Jede der Delegierten las einen interessanten Bericht vor über ihre bisherige Tätigkeit, ihre Schwierigkeiten und ihre Ziele. Und die Anwesenden fanden, dass in den Bestrebungen der verschiedenen Bünde soviel Gemeinsames sei, dass man sich zu einer schweizerischen Vereinigung zusammenschliessen sollte. Es galt nur noch, herauszufinden, was in den Satzungen dieser Vereinigung als wirklich gemeinsam festzulegen wäre.
Alle waren darüber einig, dass der Rahmen möglichst weit gespannt sein müsse, damit sich die verschiedenen Mitglieder einordnen konnten ohne das Gefühl zu haben, es werde ihnen Fremdes aufgedrängt, oder für sie Wesentliches unterdrückt. Denn ebenso wichtig, oder noch wichtiger als der Zusammenschluss war für alle Beteiligten die Gewissheit, selbständig und in ihrer eigenen Art weitermachen zu können. Das war nicht einfach Kantönligeist oder gar Mangel an gutem Willen. Aber man gibt eben etwas, das man als gut erkannt hat oder das einem lieb geworden ist, nicht gerne preis, besonders dann nicht, wenn man es gegen anfängliche Schwierigkeiten durchsetzen musste.
Dies galt für den Namen der Vereinigung, für die Umschreibung ihres Zweckes, für das Gesetz, den Wahlspruch, das Abzeichen und die Uniform. Auf die letzere, d.h. auf eine Vereinheitlichung derselben, verzichtete man von vornherein; denn einige Bünde hatten schon eine eingeführt, und diese wollten sie weder ändern, noch andern aufdrängen. Man machte einzig die Anregung, dass neu entstehende Abteilungen im selben Kanton dieselbe Uniform wählen möchten.
Schliesslich wurde eine Kommission beauftragt, nach den Vorschlägen aller beteiligten Vereine einen Statutenentwurf auszuarbeiten, der an einer abermaligen Delegiertenzusammenkunft im Herbst diskutiert, kritisiert, abgeändert und hoffentlich auch angenommen werden sollte.
Damit hatte es aber noch gute Weile. Die geplante zweite Besprechung war zwar am 15./16. September desselben Jahres in Bern. Aber die Ergebnisse der eingehenden Diskussionen mussten selbstverständlich den verschiedenen Vereinen vorgelegt werden, bevor sie angenommen werden konnten. Also schrieb man sie in ein Heft, klebte sogar die eingegangenen Entwürfe für ein Bundesabzeichen hinein, liess viele Seiten leer für die Meinungsäusserungen aller, und schickte das Heft auf eine Rundreise von Stadt zu Stadt.
Und die leeren Seiten füllten sich. Es war viel Kritik dabei, die sich sowohl mit der Form als auch mit dem Inhalt der Sätze befasste; aber fast immer war sie verbunden mit Vorschlägen, wie man die Satzungen noch besser, noch allgemein gültiger fassen könnte, um ja recht vielen Gleichgesinnten den Eintritt in den Bund zu ermöglichen. Jedenfalls waren die Einwände und Anregungen so zahlreich, dass von dem ursprünglichen Entwurf nicht mehr viel übrig war, als das Heft als ob es zum mindesten eine Weltreise hinter sich hätte etwa im Februar 1919, also nach fast anderthalb Jahren, wieder bei der Vorsitzenden der letzten Tagung landete. Das war kurz nach dem Ende des letzten Krieges. Davon merkt man einen kleinen Schatten in dem Begleitbrief, mit dem diese Führerin in bewundernswerter Zuversichtlichkeit das ominöse Heft nochmals auf Reisen schickte und alle Beteiligten um ihre Vorschläge bat über die Art und Weise, wie trotz der Meinungsverschiedenheiten eine Einigung erzielt werden könnte.
Sie schliesst mit den Worten: Sobald die Verkehrsverhältnisse es wieder gestatten, sollten wir, meinem Dafürhalten nach, uns wieder vereinigen, um auf Grund des so gesammelten Materials eine allseitig befriedigende Lösung zu finden. Und weil es damals, wie heute noch, Führerinnen gab, die sich ganz für die Sache einsetzten, kam diese Lösung tatsächlich zustande am 4. und 5. Oktober 1919, in Bern.
Der Text stammt aus der Jubiläumsbroschüre "25 Jahre Bund Schweizerischer Pfadfinderinnen (1919 - 1944)" (Bern, 1944), welche im Zentralarchiv der PBS eingesehen werden kann. Abschrift: Doris Stroppel-Lutz.