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Cartographica Helvetica
Zusammenfassung
Jan T. Kozák und Rudolf Dušek:
Seismologische Karten – Ein Beispiel thematischer Kartographie
Cartographica Helvetica 27 (2003) 27–35
Zusammenfassung:
Sehen wir zurück, so können wir am Beispiel der Entwicklung der seismologischen Kartographie auch die Entwicklungen des europäischen Denkens auf dem Gebiet der Naturwissenschaften rekonstruieren. Von den religiösen Vorstellungen und Interpretationen über die Gründe von Erdbebenkatastrophen im 16. und teilweise auch im 17. Jahrhundert, über die spekulativen Theorien der respektierten Wissenschafter im 17. und 18. Jahrhundert führte der Weg zu echt wissenschaftlichen Methoden, die sich auf das Sammeln der gemessenen Daten, deren Analyse und daraus folgenden Interpretationen zurückführen lassen. Die Methodenentwicklung erfuhr eine Beschleunigung durch die vernichtenden Erdbeben von 1755 und 1783 wie auch die wissenschaftliche Aufklärung am Ende des 18. Jahrhunderts. Schliesslich führten alle diese kleinen Stufen der wissenschaftlichen Entwicklung zu der Notwendigkeit, Erdbebenmessgeräte (Seismographen) zu konstruieren. Diese ermöglichen es, objektive, quantitative und zeitliche sowie örtlich vergleichbare Daten für weitere Analysen zu gewinnen. Die vorliegenden Karten belegen diese wissenschaftsgeschichtlichen Forschungsschritte.
Die weitere Entwicklung der seismologischen Kartographie verlief dann nach dem Ersten Weltkrieg und vor allem im Laufe des 20. Jahrhunderts schlagartig, was durch den Fortschritt der geodätischen, photographischen wie auch photogrammetrischen Techniken ermöglicht wurde. Weiter wurde die nachfolgende Entwicklung durch Satellitenaufnahmen und durch die Verbreitung präziser Messgeräte inklusive des Baus neuer seismischer Beobachtungsstationen und Ausbaus seismische Netze vorangetrieben. Die Spitzentechnik im Computer- und Kommunikationsbereich, die in den letzten Jahren verfügbar wurde, ermöglicht es heutzutage, durch die Analyse gesammelter Daten komplizierte Fragen, die mit der Zusammensetzung des Inneren der Erde zusammenhängen, zu lösen. Diese technischen Voraussetzungen bieten gute Anfangsbedingungen für künftige Studien zur Erdbebenvorhersage.
Bibliographische Anmerkung