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Wer Imker werden will, der kann sich seine Bienen aus mindestens drei Unterarten und einer Zuchtrasse auswählen. Nebst Honigertrag, Krankheitsresistenz und Stechlust ist da auch das Kriterium der Herkunft zu bedenken.
Natürlich gut angepasst
Nördlich der Alpen war ursprünglich nur die Dunkle Biene heimisch. Südlich der Alpen erstreckte sich in Richtung Balkan der Lebensraum der Carnica-Biene, im Tessin und in Italien lebte die Ligustica-Biene.
Jede Unterart hatte sich an die Bedingungen ihrer jeweiligen Lebensräume angepasst. Während die Dunkle Biene mit dem wechselhaften atlantischen Wetter zurechtkommen musste, konnte sich die Ligustica auf ein milderes Klima verlassen.
Der Mensch will mehr Honig
Als man ab 1900 begann, das Paarungsverhalten der Honigbienen besser zu verstehen, nahmen gezielte Zuchtanstrengungen – um etwa Honigertrag oder Gesundheit zu verbessern – Fahrt auf. Doch einfach ist die Zucht nicht. Bienenköniginnen paaren sich in der Natur nur hoch in der Luft und die Bienenmännchen wandern auf der Suche nach Königinnen kilometerweit umher.
Zur Zucht muss man die Königinnen und die Männchen deshalb in Gebiete bringen, wo keine unerwünschten Bienen hinkommen. Etwa in abgelegene Bergtäler.
Schleichende Verdrängung
Imker in Nordeuropa importierten immer mehr Bienen; vor allem züchterisch verbesserte Carnica-Bienen und die in England entwickelte Zuchtrasse der Buckfast-Bienen.
Jenen Imkern, die nicht auf Zuchtbienen umstellten, entglitten die Dunklen Bienen zusehends. Ihre Völker verpaarten sich mit den gebietsfremden Bienen, verloren ihre typischen dunklen Hintern und ihre Anpassung an die lokal vorherrschenden Bedingungen.
Glarus prescht vor
Heute gibt es nur noch in wenige, versprengte Restpopulationen der Dunklen Bienen. Ein Rückzugsort für die Dunklen Bienen ist der Kanton Glarus: Er stellte 1977 die Dunkle Biene faktisch unter Schutz, als die Landsgemeinde beschloss, dass man im ganzen Glarnerland nur Dunkle Bienen halten darf. Bis heute bringen Imker und Imkerinnen, die die Dunkle Biene erhalten oder züchterisch verbessern wollen, ihre Bienenköniginnen zur Begattung in den Kanton Glarus.
Gefahr der Inzucht
Doch gut geht es der Dunklen Biene nicht. Je weniger Dunkle Bienen es gibt, desto grösser wird die Inzuchtgefahr. Der Verein Mellifera.ch, der sich dem Erhalt und der Nutzung der Dunklen Biene verschrieben hat, fordert deshalb, die einheimischen Honigbienen unter Schutz zu stellen. Das Ziel: Die verbliebene genetische Vielfalt erhalten. Effektiv bedeutet das: Mehr Gebiete, die – wie der Kanton Glarus – den Import fremder Bienen verbieten.
Die Frage aller Fragen
Der Bund könnte die Errichtung von Schutzgebieten anstossen. Nur, wer ist verantwortlich? Betrachtet man Dunkle Bienen als Nutztier, weil sie wie Kühe vom Menschen gezüchtet werden, dann ist erstens das Bundesamt für Landwirtschaft für sie zuständig und die Biene zweitens ein Fall für Pro Specie Rara.
Betrachtet man sie als Wildtier – als letzte Überlebende einer einst auch wild lebenden Honigbiene – dann ist das Bundesamt für Umwelt zuständig. Doch darf man ein wildes Tier für Honigproduktion nutzen? Heftige Diskussionen sind vorprogrammiert. Je länger diese dauern, desto mehr könnte sich die Situation der Dunklen Biene verschlechtern.
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