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Seemonstertypologie
Die Zeit der Monster
Auf alten Karten tauchen oft Ungeheuer, Monster und Mischwesen auf. Ihre Glanzzeit reicht vom 15. bis zum 19. Jahrhundert, was mit den Entdeckungsreisen der Seefahrer, der Kartografie, der Reformation und mit dem Entstehen der illustrierten naturhistorischen Literatur zu tun hat.
Olaus Magnus hat auf der Carta Marina (Bild unten) von 1539 den Grundstein gelegt mit einer schönen Sammlung von Seemonstern. Die Ungeheuer waren vor allem in Nordeuropa beliebt, Olaus Magnus war ein schwedischer Bischof.
Der norwegische Historiker Erling Sandmo präsentiert in seinem Büchlein «Ungeheuerlich» 20 Seeungheuer.
Die Monster hatten viele Funktionen:
- Sie zeigten etwas. Monstrum hat dieselbe lateinische Wurzel wie monstrare: zeigen. Sie wiesen auf eine moralische Erkenntnis hin, Gottes Willen oder ein Vorzeichen, dass etwas Schreckliches geschieht.
- Abschreckung der Konkurrenz von Fischern: Achtung, hier ist es gefährlich!
- Die Beschreibung des Ungewissen
- Ein Versuch, unbekannte Meerestiere einzuordnen
Das Meerpferd
Erling Sandmo beschreibt das Meerpferd unter dem Titel «Das Phantombild der Sprache». Das Meerpferd ist unten links auf Abraham Ortelius’ Karte von 1590 wunderschön dargestellt. Vor lauter Monstern rund um Island hat sich der Betrachter eine beschwerliche Reise dorthin wahrscheinlich zweimal überlegt.
Auf der Karte hat Ortelius vermerkt, dass dieses Tier Hroshualur heisse, Meerpferd. Es verursache oft grossen Schaden und erfülle die Fischer mit Furcht.
Rosmhvalur ist heute noch die isländische Bezeichnung für Walross. Ortelius muss also Isländisch verstanden haben und gewusst haben, wo welche Tiere leben. Ob er selbst eines gesehen hat, weiss niemand. Er nahm auf alle Fälle die Sprache ernst und wörtlich. Das Wort hat überdauert. Wir wissen jedoch nicht, ob die genannten Schäden wirklich von einem Walross stammten oder doch von einem antiken Meerpferd …