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Nicht jeder Junioren-Weltmeister kann sich später erfolgreich im Weltcup behaupten. Marc Berthod, OK-Mitglied der Junioren-Weltmeisterschaften 2018 in Davos, hat dies aber geschafft. Mit Swiss-Ski hat der 34 Jahre alte Engadiner über seine Zeit an den Junioren-Weltmeisterschaften gesprochen und gibt den Stars der Zukunft wertvolle Tipps.
Marc Berthod, erinnern Sie sich noch an den 8. März 2003?
Marc Berthod: «Sie meinen den Slalom an der Junioren-WM in Montgenèvre? Natürlich, daran erinnere ich mich gut. Ich war damals gemeinsam mit Dani Albrecht und Lucas Senoner auf dem Podest.»
Sie standen nicht nur auf dem Podest, Sie sind damals Junioren-Weltmeister geworden...
«Stimmt. Trotzdem habe ich von diesem Anlass die Abfahrt noch präsenter vor Augen, weil ich dort die erste der beiden WM-Medaillen 2003 herausgefahren habe. Dani Albrecht ist damals Weltmeister geworden und ich habe Bronze gewonnen. Ich wollte unbedingt eine Medaille. Darum habe ich als Zuschauer auch die erste Medaillenfeier besucht und zu mir gesagt: Da oben wirst du an dieser WM auch noch stehen. Auch die Erinnerung an meine erste Junioren-WM-Medaille, ein Jahr zuvor, als ich im Slalom hinter Steven Nyman und vor Aksel Lund Svindal Zweiter geworden bin, ist noch sehr präsent. Das war ein ganz besonderer Moment. Ich habe als um ein Jahr jüngerer Fahrer bei meiner ersten WM-Teilnahme – und gegen starke Konkurrenz – gleich eine Medaille gewinnen können.»
Die Goldmedaille von 2003 war dennoch speziell, weil ...?
«Der WM-Titel hat mir ermöglicht, dass ich beim Weltcupfinal in Lillehammer habe starten können und mich mit den Besten habe messen dürfen. Ich weiss noch, dass Mike von Grünigen dort sein letztes Weltcup-Rennen gefahren ist. Die Teilnahme am Weltcup-Final war für mich als damals 19-jähriger Rennfahrer ein sehr wichtiges Ereignis. Weil die Schweizer Delegation dank den Medaillen von Dani Albrecht, Tamara Wolf und mir so richtig hatte abräumen können, war auch die Resonanz in den Schweizer Medien gegeben.»
Mit dem Junioren-WM-Titel hatte ich ein grosses Etappenziel erreicht.
Was hatte diese Goldmedaille in Ihnen ausgelöst? War das der Moment wo für Sie klar war: «jetzt erst recht, jetzt beginnt die Karriere so richtig»?
«Damals, und weil ich nicht einer war, der weit voraus gedacht hat, war das für mich das Grösste. Rückblickend auf meine Zeit als Rennfahrer sage ich, mit dem Junioren-WM-Titel hatte ich ein grosses Etappenziel erreicht. Denn dieser Erfolg hat mir damals auch den Weg zu Skifirmen und Sponsoren geöffnet.»
Der WM-Titel bei den Junioren ist ein grosser Erfolg, aber noch kein Garant für eine grosse Ski-Karriere auf höchster Stufe. Hatten Sie damals in Ihrem Umfeld Leute, die auf die Euphoriebremse gestiegen sind?
«Das war nicht mal nötig, weil mir die Situation schon bewusst war. Zudem habe ich ja beim Weltcup-Final am eigenen Leib erfahren, dass die Weltcup-Fahrer auf der Piste noch ein gutes Stück schneller unterwegs sind. So wird der Erfolg schnell relativiert.»
Was braucht es, ausser Talent und Wille, dass sich ein Junioren-Weltmeister auch ziemlich schnell im Weltcup durchsetzen kann?
«Das ist schwierig zu beantworten und individuell unterschiedlich. Was sicher jeder benötigt sind ein gesunder Körper, Beharrlichkeit, Zielstrebigkeit und auch das nötige Glück. Es wird sicher nicht jedem Junioren-Weltmeister oder jeder Junioren-Weltmeisterin zu einem oder mehreren Siegen im Weltcup reichen. Aber wenn ein junger Fahrer oder eine junge Fahrerin im Alter von 20 oder 21 Jahren in der Junioren-Kategorie Weltmeister oder Weltmeisterin wird, so sind die Grundvoraussetzungen für eine Karriere im Weltcup nicht schlecht. Die technische und die körperliche Entwicklung sind nach dem Gewinn eines Junioren-WM-Titels nicht abgeschlossen. Wenn das dem Fahrer oder der Fahrerin bewusst ist und er oder sie beharrlich an sich weiter arbeitet, sind die Chancen aber gut.»
Die jungen Athletinnen und Athleten sollen sich von der
besonderen Stimmung einer Junioren-WM mitreissen und
begeistern lassen – ohne dass sie den Fokus verlieren.
Nun stehen Sie im OK der Junioren-WM 2018. Welche Aufgaben kommen da auf Sie zu?
«Ich bin für Sponsoring und Marketing zuständig. Die Arbeiten in diesem Bereich passen genau in mein Studien-Modul Sportmanagement, welches ich an der HTW Chur belege. Ich arbeite daneben am Sportgymnasium Davos. Dort bin ich als Trainer beschäftigt und darf auch Projekte begleiten. Und eines dieser Projekte ist eben die Junioren-WM. Urs Winkler, Rektor des Gymnasiums, ist OK-Präsident der Junioren-WM und hat mich quasi ins OK mitgenommen. So bin ich zu dieser spannenden Arbeit gekommen. Aber ich habe rasch gemerkt, dass es eine anspruchsvolle und herausfordernde Arbeit ist, die mich zeitlich stark beansprucht.»
Haben Sie einen neuen Stern am Schweizer Ski-Himmel im Auge der an der Junioren-WM in Davos hell leuchten wird?
«Sollten die im Weltcup erprobten Melanie Meillard oder Marco Odermatt am Start stehen, wäre das natürlich für den Anlass eine coole Sache.»
Diese beiden haben mit Teilnahmen an einer Junioren-WM bereits Erfahrungen und auch Medaillen gesammelt. Was empfehlen Sie einer Athletin/einem Athleten die/der erstmals an solchen Titelkämpfen teilnehmen kann?
«Sie oder er soll sich eine Siegerehrung anschauen und sich sagen: «Da will ich hin.» Bei mir hat das ganz gut funktioniert. Ganz allgemein aber sollen sich die jungen Athletinnen und Athleten von der besonderen Stimmung einer Junioren-WM mitreissen und begeistern lassen – ohne dass sie den Fokus verlieren.»