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Leo Shepherd ist ein renommierter Schriftsteller, der nach drei Jahren uneingestandener Schreibunfähigkeit erfährt, dass ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen werden soll. Auf der Reise nach Stockholm, wo er den Preis entgegennehmen will, wird er in einen Unfall verwickelt, den er zwar heil übersteht, in dessen Folge er auf Grund einer Verwechslung jedoch für tot erklärt wird. Sein Sohn Paul, der mit Leo seit Jahren in Konflikt steht, nutzt diese unverhoffte Erklärung für Leos Verschwinden und entführt seinen Vater, um ihn zu einer Aussprache zu zwingen. Im Verlauf dieser Auseinandersetzung erinnert ihn Paul an seine zahlreichen in der Kindheit erlittenen Erniedrigungen und Traumata, während sich Leo mit seinem Sinn für Prioritäten rechtfertigt: Die Kunst sei wichtiger als das Leben, niemand interessiere sich dafür, ob Dante oder Faulkner gute Väter gewesen seien.
Am Ende erweist sich diese erzwungene Begegnung jedoch für beide als befreiend. Leo, dem sein angeblicher Tod umso gelegener kommt, als er ihn vor einem öffentlichen Eingeständnis seines «writer’s block» bewahrt, verbringt sein weiteres Leben anonym in der schwedischen Tundra. Paul hat sich in Folge seiner Konfrontation mit dem Vater innerlich genügend gelöst, um vor der Schwedischen Akademie zu dessen Ehre eine Laudatio zu halten.
Der ambivalente Eindruck, den der Film hinterlässt, ist in zweiter Linie auf die latent hysterische Überzeichnung der Figuren zurückzuführen. In erster Linie rührt er daher, dass der Plot stets auch die Beziehung zwischen dem Regisseur und seinem eigenen Vater, dem Schriftsteller und Maler John Berger, zu illustrieren scheint. Gérard und Guillaume Depardieu, die Jacob Berger in diesem Spielfilm für die Hauptrollen gecastet hat, verleihen dem exzessiven Vater-Sohn-Konflikt ebenfalls eine spezifisch ausserfilmische Färbung. Zahlreiche szenaristische Hinweise (der Weltruhm des Vaters, sein absolutes Engagement für seine künstlerische Karriere, die Anspielung auf die Drogensucht des Sohnes) lassen überdies den Rückschluss zu, dass die Charakterisierung der beiden Hauptfiguren aus dem Leben der Darsteller schöpft und metonymisch auch auf die persönlichen Erfahrungen des Autors verweist, zumal Depardieu (Vater) auf dem Abspann des Films auch als Co-Produzent ausgewiesen ist.
Was allerdings ebenfalls bleibt, ist eine dramaturgisch radikale Idee, die Aime ton père eine interessante Eigenständigkeit verleiht: Die blau eingefärbten Flashbacks aus Pauls Kindheit scheinen mit den Bildern des Morgengrauens und den Aufnahmen der Ostsee geradezu zu verfliessen, als ob sich die schmerzhaftesten Erinnerungen und Empfindungen nicht im verbalen Ausdruck, sondern nur im wortlosen Erfahren der Welt zur Auflösung kommen könnten. Auch der Himmel über Leos letzter skandinavischer Zuflucht, in der er malend seiner existenziellen Niederlage beikommen will, ist strahlend blau.