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Der neue Residenzautor des Aargauer Literaturhauses ist der deutsche Autor Michael Kleeberg. Er ist von April bis Ende Juni 2019 im Atelier Müllerhaus zu Gast.
Am 9. Mai wird er im Residenzen-Werkstattgespräch im Aargauer Literaturhaus auf seinen Kollegen Catalin D. Florecu stossen. Am 28. Mai findet mit ihm ein Abend statt, der dem späten Hermann Hesse gewidmet ist. Michael Kleeberg wurde 1959 in Stuttgart geboren. Nach längeren Aufenthalten u.a. in Amsterdam, im Burgund und in Paris lebt der Schriftsteller, der auch als Übersetzer tätig ist, heute in Berlin.
Der schreibende Hafenarbeiter
Kleeberg debütierte 1984 mit dem Kurzgeschichtenband «Böblinger Brezeln»; dies, nachdem ihm ein Freund den Rat gegeben hatte, wenn man schreiben wolle, solle man mit Kurzgeschichten beginnen. Zuvor studierte Kleeberg an der Universität Hamburg Politologie, Geschichte und Visuelle Kommunikation.
Daneben arbeitete er auch als Hafenarbeiter, Pflegehelfer und als Journalist. Im Rahmen des Schriftstelleraustauschs «Westöstlicher Diwan» verbrachte Kleeberg seit 2002 regelmässig längere Zeit im Nahen Osten. Dieser Austausch entstand als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001, mit der Intention, auf literarischem Weg einen Dialog zwischen Ost und West herzustellen.
Tagebuch der anderen Sorte
Aus diesen Aufenthalten entstand ein Reisetagebuch, das Kleeberg 2004 unter dem Titel «Das Tier, das weint» veröffentlichte. Das Buch enthält Reiseaufzeichnungen, Erinnerungen und Einblicke, die Kleeberg dank Abbas Beydoun, einem der wichtigsten libanesischen Autoren, erhielt. Laut seinen eigenen Angaben sei die Reise nach Beirut und die Begegnung mit Beydoun ein lebensveränderndes Ereignis gewesen. 2018 veröffentlichte Kleeberg sein in den Medien vielfach rezensiertes neues Werk «Der Idiot des 21. Jahrhunderts».
In Anlehnung an Goethes Diwan ist das Buch in 12 Bücher strukturiert. Kleeberg verarbeitet hier weitere Eindrücke und Erfahrungen seiner Aufenthalte im Nahen Osten. In dem kaleidoskopischen, multiperspektivischen Text nimmt er orientalische Narrationen - wie u.a. die persische Geschichte von Leila und Madschnun - auf oder wählt u.a. eine essayistische Erzählweise, er erzählt von der Zerrissenheit zwischen Orient und Okzident und umkreist die stets zentrale Frage, wie und ob ein richtiges Leben im falschen möglich ist. «Eine Anleitung für eine humane Gesellschaft» titelte dazu Der Spiegel.
Quelle: Kanton Aargau
24.4.2019