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Genau an der Grenze zwischen Nottwil und Ruswil, im Rütli bei den Stöcken, wurde 1678 die ursprüngliche Flüsskapelle durch den Bauern Niklaus Anderes erbaut. Eine komplette Renovierung von innen und aussen erfolgte 1798 durch den Kapellenstifter, der auch 1815 ein Waldbrüderhaus für eine Eremitenkongregation stiftete. Diese betreuten die Kapelle für 100 Jahre und läuteten täglich dreimal den englischen Gruss.
Schon bald entwickelte sich die Kapelle besonders unter Gläubigen, die an Zahnschmerzen litten, zu einem Pilgerziel. Auf der Suche nach Linderung bissen die Pilger in die Bänke der Kapelle oder schnitten Stücke aus ihnen, um auf den Stücken zu kauen. Dies mündete 1918 darin, dass die Bänke unbenutzbar waren und ersetzt werden mussten. Ungefähr zu dieser Zeit wurde auch neben der Kapelle eine zweite Linde gepflanzt, um die ursprüngliche Linde vor Unwetterschäden zu schützen. Heute überragt die jüngere Linde die ursprüngliche und beide haben gemeinsam allen Unwettern standgehalten.
1947 war die Kapelle stark beschädigt und musste wegen Baufälligkeit niedergerissen werden. Als Zeichen ihrer Dankbarkeit, dass sie den zweiten Weltkrieg so glücklich überstanden hatten, beschlossen 16 Bauern der umliegenden Höfe, die Kapelle an der gleichen Stelle wieder aufzubauen. Auch Geistliche schlossen sich den Bemühungen an. In unzähligen Stunden Fronarbeit und mit vielen Spenden aus den umliegenden Ortschaften setzte sich aus den geschliffenen Steinen der alten die neue Kapelle, wie sie bis heute erhalten ist, wieder zusammen. Am 23. September 1948 konnte das Gebetshaus durch den Weihbischof Franziskus von Streng in einer Feier mit all den am Wiederaufbau Beteiligten eingeweiht werden. Das damalige Ziel, die Kapelle sobald wie möglich zu einer Messkapelle umzubauen, konnte nicht erfüllt werden.
Dank der liebevollen Fürsorge der Kapellgenossenschaft Flüss, welche für ihr Engagement schon durch den Nottwiler Stern geehrt wurde, zeichnet sich das Betshaus noch heute durch seine schlichte, sich hervorragend in die Landschaft eingliedernde Bauart aus. Ihr zugehörig ist auch der Glöckner der Kapelle, der ihre Glocken einmal täglich von Hand läuten lässt. Elektronik wird an diesem Ort keinen Einzug halten. Vielmehr bietet dieser Ort Wanderern und Touristen einen Ort der Besinnung uns des Nachdenkens, wenn sie über die diversen Wanderrouten, die durch die Landschaft am Sempachersee führen, zu der Kapelle finden. Ausserdem dient sie glücklichen Paaren als Ort, um den Bund des Lebens mit dem atemberaubenden Panorama der Alpen im Rücken zu schliessen. Auch bei Fotografen ist die beschauliche Kapelle mit der unvergleichlichen Aussicht ein Geheimtipp.
Im Mai halten Frauen der Kapellgenossenschaft Flüss in der Flüsskapelle Andachten ab, auch zu anderen Anlässen wird die Kapelle, die heute zu der Pfarrei Sempach gehört, in ihrem ursprünglichen Sinne genutzt und gibt allen, die einen Ort der friedlichen Einkehr suchen, einen Moment der Ruhe.