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Anlässlich des ‚qualitativen‘ Trainingslager in Ca‘n Picafort, Mallorca, hatte ich die Chance, dieses Interview mit Corinne Grieder durchzuführen. (Ursula Bindert, Februar 2016)
Danke Corinne, dass Du dir die Zeit für dieses Interview nimmst und uns Einblicke in dein Lauftraining und „Privatleben“ gewährst.
Wenn ich deine Resultate vom letzten Jahr anschaue, brennt mir die Frage auf den Lippen, wann Du bemerkt hast, dass Du so schnell laufen und erfolgreich sein kannst?
Corinne: Vielen Dank für das Kompliment. Nun muss ich aber eine Klammerbemerkung aufmachen, denn ob man schnell und erfolgreich ist, finde ich, ist immer relativ:-).
Natürlich, es kommt schon darauf an, mit wem Du dich vergleichst und was Du anstrebst, aber seit 2015 warst Du bei 9 Wettkämpfen Gesamtsiegerin und bei insgesamt 14 Läufen bist Du 11 mal auf dem Podest als Kategoriesiegerin und 2 mal auf dem 3 Platz gestanden.
Warst Du schon vor dem LSVB in einem Verein und hast an Wettkämpfen teilgenommen?
Corinne: Als ich in Zürich studiert habe, war ich dort im örtlichen Leichtathletikclub Regensdorf (LCR) und habe seit 2010 an Wettkämpfen teilgenommen. Ab 2013 habe ich mit einem spezifischeren Training für längere Läufe begonnen.
Allerdings habe ich mir bei den Vorbereitungen immer wieder Verletzungen eingefangen, die mich zum Pausieren gezwungen haben und keinen konstanten sauberen Aufbau ermöglichten.
Und, war es schon immer Laufsport, was Du am liebsten gemacht hast (das ist doch für Jugendliche eher langweilig ;-)) oder hast Du zuvor noch andere Sportarten „ausprobiert“?
Corinne: Bevor ich zum Laufsport kam, habe ich Wettkämpfe im Geräteturnen und Handball gemacht. Dann kam ich durch meine Eltern zu der Laufbewegung.
Was hast Du in Zürich studiert und wo / was arbeitest Du inzwischen?
Corinne: Ich habe von 2009 bis 2010 Bauingenieurswesen in Zürich studiert. Weil das Studium leider nicht so das „Wahre“ war, habe ich anschliessend während einem Jahr Praktika absolviert, in einem Café gearbeitet und so dann später die Entscheidung gefällt, die Ausbildung zur Primarlehrerin in Angriff zu nehmen.
Im Herbst 2011 habe ich dann in Liestal mit dem Studium als Primarlehrerin begonnen und seit 2014 unterrichte ich nun in Reinach.
Und deshalb bist Du dann zum LSVB gekommen?
Corinne: Genau, im Herbst 2014 bin ich folglich vom LCR zum LSVB gewechselt. Im November 2015 haben sich nun aufgrund der guten Resultate vom Herbst einige Türchen aufgetan und somit versuche ich nun im Leistungssport Fuss zu fassen.
Was für Türchen und was bedeutet das?
Corinne: Nun, über den LSVB bekam ich die Möglichkeit in das Leichtathletik Leistungszentrum (LLZ) Nordwestschweiz aufgenommen zu werden, das Stützpunkttrainings des regionalen Kaders für Mittel- und Langstreckenlauf anbietet. Dort trainiere ich nun zweimal wöchentlich unter der Leitung von Fritz Schmocker, jeweils am Montag und Mittwoch im Schützenmattstadion.
Renate Wyss, Lukas Oldani und David Keller trainieren dort auch schon. Ich werde dabei speziell von Daniel Schwitter betreut.
Das hört sich nach einem megagrossen Trainingsaufwand an. Wie schaffst Du das neben deinem Beruf als Lehrerin?
Corinne: Die Schulleitung als Arbeitgeber ist äusserst verständnisvoll und unterstützt mich sehr. So konnte ich von Anfang an ein reduziertes Pensum antreten und ab kommendem Schuljahr darf ich erneut auf eine Arbeitsentlastung zählen, um mich mehr dem Leistungssport widmen zu können. Ursprünglich war ich Klassenlehrerin von 9 -10 Jährigen, aber ab nächstem Sommer werde ich diese Funktion abgeben und ‚nur noch‘ in mehreren Klassen als Fachlehrperson unterrichten.
Da habe ich grosses Glück.
Das kann ich gut verstehen und finde es auch toll, dass Du so viel Unterstützung bekommst. Wie sieht dein Trainingsalltag denn nun aus? Wie oft trainierst Du am Tag und in der Woche?
Corinne: Mein Training sieht folgendermassen aus: montags und mittwochs abends qualitatives Training im LLZ und donnerstags im LSVB. Am Freitag Stabilität und DL und jeweils über Mittag mache ich regenerative Läufe. Am Samstag steht meist ein langer Lauf auf dem Programm und am Sonntag 1,5 – 2 Stunden mit ausgiebigem Dehnen. Ansonsten gibt es Dauerläufe als „Füller und gelegentlich nehme ich auch meine Weste und gehe ‚zum Rennen‘ ins Wasser. Insgesamt sind das momentan 15 – 20 Stunden Laufen pro Woche, ca. 130 km.
Wie muss ich mir die kombinierte Betreuung im LLZ und LSVB vorstellen und welche Ziele verfolgst Du?
Corinne: Die Betreuung von Daniel sieht so aus: Fritz Schmocker erstellt einen Rahmenplan und Dani macht daraus dann einen Feinplan. So hoffen bzw. planen wir, dass ich in einem ersten Schritt in 2 Jahren soweit bin, um an den Leichtathletik Meisterschaften 2018 teilzunehmen.
Über welche Distanz?
Corinne: Die Idee ist schon der Marathon. Hierbei ist der Austausch auch mit Renate sehr wertvoll, die 2013 an der WM mit dabei war.
Und was machst Du mit dem Training, wenn Du mal keine Lust hast zu laufen?
Corinne: Das kommt nur ganz selten vor und dann – gebe ich mir einfach einen Ruck.
Ein weiterer „Trainingsverhinderer“: was machst Du bei Verletzungen? Und wie sieht deine Regeneration aus?
Corinne: Dann gehe ich hauptsächlich Schwimmen, Aquajogging und ins Fitnesscenter.
Zur Erholung gehe ich in die Sauna, dehne, gehe in Physiotherapie und arbeite mit der Blackroll.
Wissen deine Schüler, dass Du Leistungssport betreibst und was sagen sie dazu?
Corinne: Ja, meine Schüler (und auch deren Eltern) wissen, dass ich Leistungssport betreibe. Wenn sie von meinen Wettkämpfen erfahren, sind sie megastolz. Es motiviert sie auch, selbst Sport zu treiben.
Welche Marathons bist Du bisher gelaufen und welche weiteren Wettkämpfe hast Du geplant?
Corinne: 2013 bin ich meinen ersten Marathon gelaufen. Den Hamburg Marathon. Dort habe ich eine Zeit von 03:17:07 erreicht.
Dann habe ich 2014 am Marathon in Wien teilgenommen. Den wollte ich eigentlich unter 3 Stunden finishen. Aber ab km 35 begann das grosse Leiden und mit 03:04:12 habe ich das zwar nicht ganz geschafft, war aber später über die Steigerung der Zeit trotzdem sehr zufrieden.
Nun planen wir erst einmal eher kurze Distanzen: ich werde im Frühjahr einen 10km Wettkampf machen und dann im Herbst evtl. einen Halbmarathon oder erneut einen 10km Lauf absolvieren.
Die Marathondistanz greife ich vermutlich erst wieder 2017 an, um einerseits das Verletzungsrisiko zu minimieren und anderseits um unten raus mehr Speed mitzubringen.
Zum Thema Ernährung: folgst Du speziellen Prinzipien, hast Du Empfehlungen und was isst Du vor einem Wettkampf?
Corinne: Nein, ich esse eigentlich alles, zumindest im Alltag. Ich versuche mich einfach ausgewogen zu ernähren. Aber vor dem Wettkampf achte ich schon, dass meine letzte Mahlzeit 4 bis 5 Stunden zurückliegt. Dann mag ich besonders Kartoffeln und Hirse, weil dies mein Magen gut verträgt und das bis zum Wettkampf anhält.
Hast Du schon einmal die Saltin-Diät vor einem Wettkampf ausprobiert? (Anm.: Das ist eine Ernährung, bei der ca. vier Tage hauptsächlich Fett und Eiweiß und so gut wie keine Kohlenhydrate gegessen werden, um die Glykogenspeicher zu leeren. Dann wird in den folgenden zwei bis drei Tagen, direkt vor dem Wettkampf (Marathon) extrem viele Kohlenhydrate gegessen, um die Depots maximal aufzufüllen und im Wettkampf effizienter zur Verfügung zu haben).
Corinne: Ich habe es im 2014 vor dem Wien Marathon ausprobiert. Bin mir aber nicht sicher, ob das für mich wirklich etwas bringt. Das können eher Sportler/ Läufer machen, die Profis sind.
Hast Du schon Sponsoren und / oder in welche Richtung suchst Du welche?
Corinne: Nein, Sponsoren im engeren Sinn habe ich noch nicht, aber wir sind dran und führen Gespräche. Ich habe aber bald meinen „Fanclub“ und werde von einem Fitness-Center unterstützt. Schau mal vorbei, das ist meine Homepage http://corinnegrieder.ch
Corinne, hast Du bei einem solchen Trainingsaufwand auch noch Zeit für andere Hobbies?
Corinne: Nein, nicht wirklich viel. Aber wenn ich Zeit habe, gehe ich gerne zum Plaudern und Austauschen mit Freunden Kaffeetrinken:-)
Was gefällt dir beim LSVB besonders?
Corinne: Seit knapp 1.5 Jahren bin ich nun beim LSVB und schätze vor allem das breite (Trainings)Angebot und den Austausch mit den vielen anderen Läufern. Als Langstreckenläufer ist man die meiste Zeit alleine unterwegs, umso mehr schätzt man dann das gemeinsame Training mit der Gruppe.
Danke Corinne. Das hört sich spannend an und ich wünsche dir ganz viel Glück für die Zukunft, besonders, dass Du verletzungsfrei bleibst und deine Ziele erreichst. Mich – und ich glaube, alle LSVBler, würde das sehr freuen und ich drücke dir die Daumen.