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In Mali ein Kind zur Welt zu bringen, ist oft ein Abenteuer. Eine werdende Mutter riskiert bei einer schwierigen Geburt, ihr Leben zu verlieren oder eine bleibende Beeinträchtigung, wie eine Fistel davonzutragen. Bei der Geburtsfistel entsteht ein Geweberiss zwischen Blase und Scheide, der normalerweise nicht vorhanden ist. Die Folge ist Inkontinenz und bedeutet für die Frauen einen Ausschluss aus der Gesellschaft, da sie als unrein gelten. Betroffen sind vor allem Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren, deren Becken für eine Geburt noch zu eng ist.
Von Fisteln betroffene Frauen leben oft isoliert, weil sie ständig nach Urin riechen. Sie werden als Unreine von ihren Ehemännern, Eltern und der Dorfgemeinschaft verstossen, dürfen kein Essen mehr zubereiten und können häufig keine Kinder mehr bekommen. Letzteres ist für die Frauen besonders schwer zu ertragen, denn ihr Ansehen wird eng mit der Anzahl ihrer Kinder verknüpft.
Fatima ist eine Betroffene. Sie war 15 Jahre alt, als sie ihr erstes Kind erwartete. Das Baby starb bei der schwierigen Geburt, bei der sie eine Fistel bekam. Ihr Mann verliess sie, sie wurde von allen verstossen. Die Fistel veränderte ihr Leben komplett. Sie lebte ständig in Angst, ihren Urin zu verlieren, und konnte deshalb nicht mehr unbeschwert zu den Leuten gehen. Es schmerzte sie, dass sie stigmatisiert wurde. Ihre Aktivitäten waren sehr limitiert, denn Fatima hatte auch körperliche Beschwerden: Vom permanenten Verlust des Urins war sie zwischen den Beinen ständig wund.
Fisteln können operativ geheilt werden: Mit einem medizinischen Eingriff wird die Fistel geschlossen. Eine Operation kostet 350 Franken, pro Monat profitieren im Moment fünf bis sechs Frauen davon.