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Die Lage bei Meister Chelsea ist ernst. Nach dem 1:2 bei Leader Leicester City belegen die «Blues» den 16. Tabellenrang. Der Vorsprung auf die Abstiegsplätze beträgt noch einen Punkt.
Die Gründe für die Misere liegen für Chelsea-Trainer José Mourinho auf der Hand. Der Portugiese fasste sie nach dem Leicester-Spiel zusammen:
- «Eine Möglichkeit ist, dass ich letzte Saison einen überragenden Job gemacht und die Spieler auf ein Level gebracht habe, das ihnen nicht entspricht und welches sie jetzt nicht halten können.»
- «Eine meiner grössten Fähigkeiten ist, meine Spieler auf eine Partie einzustellen. Es fühlt sich so an, wie wenn meine Arbeit verraten worden ist.»
- «Im täglichen Training kann ich mich nicht über sie beschweren. Aber es ist frustrierend anzusehen, was die Spieler im Training und was sie im Match zeigen.»
- «Ich glaube, dass sie sich momentan nicht als Top-Spieler oder Superstars betrachten können.»
Rücktritt kein Thema
Selbstkritik übte Mourinho wie üblich nicht. Für ihn steht ausser Zweifel, seinen im Sommer vorzeitig bis 2019 verlängerten Vertrag zu erfüllen. «Ich will bleiben und ich hoffe, dass Herr Abramowitsch und der Vorstand das auch wollen», bekräftigte der Portugiese am Montagabend.
Transfers in der Winterpause seien keine vorgesehen, sagte der 48-Jährige. Die Spieler müssten den Karren selbst aus dem Dreck ziehen. Die Aussage erstaunt. Britische Medien hatten zuletzt das Zerwürfnis des exzentrischen Trainers mit den Stars Diego Costa, Eden Hazard und Cesc Fabregas publik gemacht.
Ranieris süsse Rache
Eine gewisse Genugtuung dürfte Chelseas Krise bei Leicester-Coach Claudio Ranieri auslösen. Denn der Italiener ist einer von vielen Trainern, die von Mourinho schon des Öfteren verbal ihr Fett abgekriegt haben.
Mourinho bezeichnete Ranieri vor einigen Jahren als Verlierer, weil dieser in dreieinhalb Jahren als Chelsea-Trainer keinen einzigen Titel holte. Ranieri musste 2004 abdanken. Mourinho übernahm an der Stamford Brigde und verkündete: «Bitte halten Sie mich nicht für arrogant. Aber ich bin Champions-League-Sieger und ich denke, ich bin etwas Besonderes.» Die Zeitung The Guardian sieht dies aktuell etwas anders. «The Special One» sei bei weitem nicht mehr so besonders.
Sendebezug: Radio SRF3, Morgenbulletin, 15.12.2015, 08:30 Uhr