Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03441.jsonl.gz/797

Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen für Gebärdensprachen
Projekt
Ausgangslage und Ziele
Empirie-basierte Grundlagen für grammatische, pragmatische und soziolinguistische Deskriptoren in Deutschschweizer Gebärdensprache (DSGS)
Ziel des Projekts ist es, geeignete Deskriptoren in den kommunikativen Kompetenzen im produktiven und rezeptiven Bereich der „Textkompetenz“ in der DSGS zu bestimmen.
Textkompetenz lässt sich auch in Sprachen ohne Schrift beschreiben – so der Ausgangspunkt dieses dreijährigen Projekts zur Entwicklung eines Europäischen Referenzrahmens für Gebärdensprachen (GER-GS). Denn nicht das geschriebene Medium als solches, sondern wie ein Gedanke zum Ausdruck gebracht und ausgeführt wird, macht die qualitativen Merkmale von "Textualität" aus. Für Sprachen ohne Schriftsystem sind jedoch neue Herangehensweisen nötig, um Kriterien für die Textkompetenz in den Fertigkeiten „lesen“ und „schreiben“ zu bestimmen. Gehörlose nutzen elektronische Medien, insbesondere Videoaufzeichnungen, um die Flüchtigkeit der Face-to-face-Kommunikation zu überwinden und einen Vortrag, eine Geschichte, eine Erklärung, eine künstlerische Darbietung etc. zu fixieren und weiterzugeben. In diesen Aufzeichnungen treten die Merkmale, die für geschriebene Texte und Textsorten gelten, zutage und lassen sich genauer untersuchen: Wir erkennen sie u. a. an der Qualität der Botschaft, ihrer inhaltlichen Gliederung, der Kohärenz, Adressatenorientierung und Flüssigkeit, aber auch an formalsprachlichen Merkmalen.
Projektleitung
Fakten
Projektteam
Kooperationen
Finanzielle Unterstützung
Fragestellung
Was kennzeichnet „Text“-Kompetenz in gebärdensprachlichen Texten? Oder anders ausgedrückt: Welche Kenntnisse (Deskriptoren) haben bzw. brauchen Gebärdensprachlernende, wenn sie bestimmte Textsorten produzieren oder verstehen sollen? Welchen Sprachleistungsstufen entsprechen diese Kenntnisse?
Methodisches Vorgehen
In einer Arbeitsphase von 36 Monaten soll für die DSGS empirisch geklärt werden, welche Deskriptoren welchen GER-GS-Stufen zuzuordnen sind.
Im Projekt werden für einen Teilbereich der kommunikativen Kompetenzen auf empirischem Wege Deskriptoren bestimmt, welche gut differenzierbare Sprachkenntnisstufen beim Lernen von Gebärdensprachen als Fremd- und Zweitsprache charakterisieren.
Diese Deskriptoren bilden wiederum die Grundlage für einen allgemeinen, europaweiten Bezugsrahmen zur Bestimmung, Charakterisierung, Standardisierung und Prüfung der Sprachkenntnisse beim Erlernen von Gebärdensprachen als Fremd- und Zweitsprache.
Methodisches Vorgehen zur Identifikation von Deskriptoren für die Textkompetenz:
- Wahl kompetenter gehörloser Personen, also Native Signers (NS) aus der Community
- Videoaufnahmen je Textsorte
- Erste Expertenrunde mit DSGS-Gebärdensprachausbildenden (GSA) zur intuitiven Bestimmung der genutzten Kriterien
- Vergleich von NS-Videoaufnahmen mit Aufnahmen von Gebärdensprachlernenden
- Videotranskription und Videoanalyse
- Zweite Expertenrunde mit GSA zur qualitativen Begutachtung und Beschreibung der Videos
- Deskriptoren-Bestimmung und Stufen-Zuordnung mit quantitativen Mitteln
- Dritte Expertenrunde mit externen Experten und DSGS-Gebärdensprachausbildenden
- Interpretation und Schlussfolgerungen
Ergebnisse
Aussagekräftige Deskriptoren für den Kompetenzbereich; in der Deutschschweizer Gebärdensprache (DSGS) sind empirisch identifiziert und analytisch kategorisiert.
Die spezifischen Deskriptoren sind für rezeptive „Lese-“ und produktive „Schreib“-Fertigkeiten differenziert und auf ein „Kann“-Raster abgebildet, sodass sechs Sprachkenntnisstufen beim Lernen von Gebärdensprachen als Fremdsprache zu unterscheiden sind. Diese bilden wiederum die Grundlage für niveaukonforme GS-Kurse, themenspezifische Weiterbildungsangebote, berufliche Qualifikationen, standardisierte Tests, anerkannte Zertifikate etc.