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Aufgrund der Wetterprognosen beschloss ich, den Beobachtungsabend vom Freitag auf Sonntag zu verschieben. Das Wetter am Freitag war aber unerwartet gut, so dass ich beinahe erwartete, einige Leute trotzdem auftauchen zu sehen. Gegen 22 Uhr begann sich aber dann der Nebel zu verdichten, ich war froh, den Anlass verschoben zu haben.
Am Sonntag war tagsüber kein Wölkchen am Himmel zu sehen und das Wetter veränderte sich auch gegen Abend nicht.
Ich wechselte die Fangspiegelspinne gegen eine am Morgen fertig gestellte Drahtkonstruktion aus, in der Hoffnung, die Spikes bei hellen Sternen vermindern zu können.
Die Einweihung meines Selbstbau-Newtons sollte natürlich gebührend gefeiert werden, also buk ich ein Schokolade-Cake, kochte Teewasser, verbrannte mir dabei die Finger und überlegte, was ich wohl alles vergessen hatte.
Bald trafen Grossmueti, Peter Mürner und Annemarie Etter zum Nachtessen ein. Ich machte mich aber schon kurz danach auf, um niemanden beim Beobachtungsplatz warten zu lassen.
Unterwegs traf ich auf Christof, der so freundlich war, mir den Gartenstuhl abzunehmen, der wegen der höheren Einblickposition beim Teleskop nun nötig geworden war.
Als wir mit zehn Minuten Verspätung beim Beobachtungsplatz ankamen, war dort niemand zu sehen. Wenige Minuten später traf aber Ueli ein, der eine Weile zuvor schon den Beobachtungsplatz aufgesucht hatte, durch das Fehlen jeglicher Personen aber etwas verwirrt gewesen war. Ein Telefongespräch mit meiner Schwester Sabine hatte ihn aber wieder zum Zurückkehren bewegen können.
Mit dem Spektiv, das ich bereits aufgestellt hatte, konnten wir einen ersten Blick auf den Mond werfen, der aber noch ziemlich blass erschien.
Bald kam Mama angefahren, sie brachte das ganze Instrumentarium, ein Tischchen und die zubereitete Verpflegung. Christof und Ueli halfen mir beim Aufstellen des Teleskopes.
Obwohl es noch zu hell war, um die Montierung einzunorden, richtete ich das Teleskop auf den Mond. Das war nun das offizielle First Light!
Der nächste eintreffende Besucher war Timon. Er war relativ leicht bekleidet, meiner Aufforderung, sich warm anzuziehen, hatte er keine Beachtung geschenkt. Er teilte uns sogar mit, er wäre beinahe ohne Pullover gekommen...
Wir beobachteten nun Venus, die sehr schön als Halbmöndchen erschien. Plötzlich kam ein Flugzeug in das Gesichtsfeld des Teleskopes geflogen und zog eine Bogenminute neben Venus eine schöne Kurve. Timon konnte auch noch einen Blick auf das Flugzeug erhaschen.
Peter Mürner war nun auch eingetroffen und stellte sein 5-Zoll-Maksutov-Cassegrain von Meade auf. Wir hatten nun eine schöne Gelegenheit, unsere Teleskope zu vergleichen, die sich nur um einen Zoll in der Öffnung unterschieden. Peter Mürners Maksutov ist wie sein grosses LX200 mit einer Computersteuerung und "Go-to" ausgestattet.
Peter Mürner hatte auch einen Fotoapparat mitgenommen und verewigte mein First-Light-Cake. Auf dem Bild wird er von Mond und Venus eingerahmt.
Nachdem wir den Lacrosse-Satelliten verpasst hatten, konnten wir um 20.30 MESZ ein Stück Weltraumschrott, einen Teil einer russischen Rakete, beobachten. Das auf der Seite Heavens-Above beschriebene Flackern war aber nicht erkennbar.
Peter und Annemarie hatten zur Feier des Tages Champagner (mit und ohne Alkohol) mitgenommen. Jetzt wurde auf das erfolgreiche Resultat des Teleskopbaus angestossen.
Annemarie Etter hat den Feldstecher mit Bildstabilisator umgehängt. Im Hintergrund sind Thermos- und andere Flaschen zu erkennen. ;-)
Timon liess sich nur widerwillig dazu überreden, die Reservejacke, die Mama mitgebracht hatte, anzuziehen. Die Temperaturen waren merklich gesunken und Champagner konnte die mangelnde Bewegung nicht ausgleichen.
Das Blitzlicht meiner Kamera ist äusserst blendend und zerstört die Dunkeladaption der Augen. Pascal und Timon zeigen entsprechende Reationen.
Im Vordergrund ist das Maksutov-Teleskop zu sehen. Der Vergleich mit meinem Selbstbau-Newton ergab, dass die Bilder oft vergleichbar sind, der Newton aber tendenziell bezüglich Auflösung und Lichtsammelvermögen etwas überlegen ist. Das Testobjekt ε Lyrae wurde von beiden Teleskopen getrennt, wie man erwarten durfte.
Als Mars genug hoch am Himmel stand, wurden beide Teleskope auf den roten Planeten gerichtet. Trotz mittelmässigem Seeing liess sich ein Dunkelgebiet ausmachen, die beiden Polregionen erschienen etwas aufgehellt. Ausser Papa, der sich offenbar über den Anblick freute, meinten aber alle, es brauche etwas Phantasie, um diese Details zu sehen.
Roger Baumann interessierte sich dafür, wie die Entfernungen der verschiedenen Himmelskörper gemessen werden können. Ein Erklärungsversuch von mir konnte aber nicht ganz alle Fragen klären. Roger meinte, es handle sich jedenfalls um eine relativ komplizierte Sache.
Nachdem wir viele Gasnebel, Galaxien, Sternhaufen und Doppelsterne beobachtet hatten, beschlossen wir, unsere Teleskope nun abzubauen. Ich rief Mama an, damit sie das Auto brachte, da erfuhr ich, dass Sabine mit ihrer Freundin Barbara eben angekommen sei und die beiden auch noch durch das Teleskop schauen wollten.
Während sich also die meisten verabschiedeten, liess ich mein Teleskop noch stehen. Die Frauen trafen bald ein, Sabine machte einen ziemlich erkälteten Eindruck.
Ich stellte jeweils das Paradeobjekt der verschiedenen Objekttypen ein: Die Andromeda-Galaxie, den Hantelnebel, h & χ Persei, M13 und Mars.
Zum Schluss richtete ich die Kamera auf das Newton-Teleskop, dessen "First Light" erfolgreich zu Ende gegangen war. Der Vergleich mit dem Maksutov hatte gezeigt, dass das Teleskop durchaus zu leisten vermag, was man von einem 6-Zöller erwartet.
Gegenüber dem 114/900-Newton ist eine merkliche Leistungssteigerung vorhanden - ein Umstand, der das Öffnungsfieber nur entfachen kann. Wer weiss, vielleicht war dies nicht das letzte "First Light". In meiner Kommode liegt jedenfalls noch eine alte 20cm-Glasscheibe...
Hier kann das Beobachtungsprogramm eingesehen werden.
Hier geht es zur Einladung (PDF-File, 178 kB).