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Schweizer Haushalte geben pro Jahr rund 31,7 Milliarden Franken für Nahrungsmittel, 9,5 Milliarden Franken für Kleiderwaren und 12,9 Milliarden Franken für Möbel und Haushaltsgeräte aus. Das meiste davon wurde aber nicht im eigenen Garten angebaut oder in der Werkstatt gebastelt, sondern fertig gekauft. Eine Eigenproduktion wäre teurer, schwieriger und langsamer. Was Dir logisch erscheinen mag im Privaten, gilt grundsätzlich auch für die Schweiz als Land.
Jedes Land verfügt über unterschiedliche Ressourcen, weshalb sich Länder auch auf die Produktion verschiedener Güter spezialisiert haben. Wenn ein Land mehr Güter braucht als es produzieren kann, muss mit anderen Ländern gehandelt werden. Grundsätzlich werden im eigenen Land bevorzugt diejenigen Güter und Dienstleistungen produziert, die im Ausland teurer verkauft werden können. Wenn hingegen Güter billiger im Ausland produziert werden können, werden diese importiert.
Ob Güter importiert oder exportiert werden, hängt zusätzlich von den Handelsbarrieren zwischen den Ländern ab. Ein Beispiel für solche Barrieren sind Zolltarife: Bei jeder Grenzüberquerung muss ein Teil des Warenwerts an die Zollbehörde bezahlt werden. Ökonomen sind sich einig, dass solche Handelsbarrieren zu einem Verlust auf beiden Seiten führen. Zur Veranschaulichung soll ein iPhone dienen. Diese werden in den USA entworfen, mit Komponenten aus der ganzen Welt in China zusammengebaut und hierzulande ab 879 Franken verkauft. Ein aufgrund von Handelsbarrieren vollständig in den USA hergestelltes und anschliessend in die Schweiz importiertes iPhone hätte ein Preisaufschlag von bis zu 500 Franken zur Folge. Um solche Barrieren abzubauen und den Austausch mit anderen Ländern zu vereinfachen, werden Freihandelsabkommen (FHA) abgeschlossen.
Weil die Schweiz einen kleinen heimischen Markt (Binnenmarkt) hat und über wenig natürliche Ressourcen verfügt, nimmt der internationale Handel in der Schweizer Wirtschaft eine entscheidende Rolle ein. Rund 32 FHA mit 42 Partnern hat die Schweiz abgeschlossen, unter anderem auch mit dem wirtschaftlichen Schwergewicht China. Dazu kommen die FHA mit den anderen EFTA-Staaten (Island, Liechtenstein und Norwegen) und das FHA sowie die bilateralen Verträge mit der EU. FHA dienen sowohl Produzenten als auch Konsumenten. Weil sich einheimische Produzenten gegen die ausländische Konkurrenz behaupten müssen, steigt der Produktivitätsdruck und damit die Effizienz. Dadurch werden lokale Produzenten auch international konkurrenzfähig. Auf der Konsumentenseite führt der Wettbewerb unter den Produzenten zu tieferen Preisen, wovon einkommensschwache Haushalte am meisten profitieren. Ein Blick auf die Statistiken zeigt eindrücklich, wie wichtig der internationale Handel für die Schweizer Wirtschaft ist.
Der Schweizer Aussenhandel in Zahlen
Die Aussenhandelsquote ist die Summe aller Exporte und Importe gemessen am Bruttoinlandprodukt. Die Quote dient als Indikator dafür, wie stark die internationale Handelsverflechtung eines Landes ist. Der Vergleich zeigt eindrücklich: Die Schweizer Aussenhandelsquote betrug 2018 rund 119 Prozent, und war somit 11 Prozentpunkte höher als in Österreich, 31 Prozentpunkte höher als in Deutschland und rund doppelt so hoch wie der Durchschnitt aller OECD-Länder (siehe Abbildung 1).
Abbildung 1: Die Schweizer Aussenhandelsquote im internationalen Vergleich (Quelle: World Bank)
Ein zweiter Indikator für die internationale Handelsverflechtung einer Volkswirtschaft ist der Bestand an ausländischen Direktinvestitionen (FDI). FDI sind Investitionen, die in einem Stimmrechtsanteil an einem Unternehmen von mindestens 10 Prozent resultieren. Unterschieden werden zwischen Schweizer Investitionen im Ausland und ausländischen Investitionen in der Schweiz. Die Schweizer FDI Bestände im Ausland belaufen sich auf 217 Prozent des BIP, während der FDI Bestand in der Schweiz 192 Prozent des BIP beträgt. Beide Quoten gehören im internationalen Vergleich zu den absoluten Spitzenwerten (siehe Abbildung 2).
Abbildung 2: Die Schweizer FDI Bestände im In- und Ausland im internationalen Vergleich (Quelle: UNCTAD)
Die FHA leisten einen essenziellen Beitrag zur starken internationalen Handelsverflechtung der Schweiz. So sparten im Jahr 2018 Schweizer Importeure und Konsumenten dank FHA Zölle in der Höhe von 2,5 Milliarden Franken. Schweizer Exporteure konnten im gleichen Zeitraum 1,8 Milliarden Franken Zollersparnisse verbuchen. Von den Zollerleichterungen profitierten kleine und mittlere Unternehmen (KMU) am stärksten. Folglich überrascht es nicht, dass die Schweiz jüngst zum «Globalisierungsweltmeister» gekrönt wurde. Kein anderes Land verzeichnete zwischen 1990 und 2016 höhere globalisierungsbedingte Pro-Kopf-Einkommenszuwächse als die Schweiz.
Der Freihandel bleibt eine zentrale Stütze der Schweizer Wirtschaft und hat massgeblich zur Entwicklung des Schweizer Wohlstands beigetragen. Warum der Schweizer Aussenhandel trotzdem zunehmend unter Druck gerät, erfährst Du im nächsten Blogbeitrag.