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Edith Chinchay und Jhony Llantoy aus Zentral-Peru haben sich für eine Existenz als Landwirt*innen entschieden. Mit Unterstützung unserer Partnerorganisation CEDEPAS in Pichanaki bauen sie erstklassige Kaffeebohnen an. Ihre Ernte kommt teilweise direkt in die Schweiz, wo die Bohnen als Spezialitätenkaffee «café joven» von einem kreativen Basler Kleinunternehmen von Hand geröstet und vertrieben werden. Beim Besuch am Ende der Regenzeit im April 2021 erzählen Edith und Jhony ihre Geschichte.
«Ich heisse Edith Chinchay, …
… ich bin 25 Jahre alt und wohne mit meinen Eltern und einem jüngeren Bruder auf unserer Kaffeefarm. Sie ist sehr abgelegen. Zur nächsten Stadt Pichanaki sind es eineinhalb Stunden mit dem Auto.
Als Schülerin musste ich jeden Tag zwei Stunden zu Fuss zur Schule gehen. Später habe ich in der Departementshauptstadt Huancayo eine Ausbildung zur Innendekorateurin gemacht, aber danach keine Arbeit gefunden. Deswegen bin ich zurück auf die Kaffeefarm, auf der ich gross geworden bin.
Mit meinen Eltern bewirtschaften wir vier Hektar Kaffee, für eineinhalb Hektar bin ich alleine verantwortlich. Ausserdem baue ich Bananen und Gemüse an und habe einen kleinen Laden an der Strasse aufgemacht, in dem ich Gemüse und andere Lebensmittel verkaufe.
Aber der Kaffee ist mein wichtigstes Produkt und deswegen möchte ich auch seine Qualität verbessern. Seit drei Jahren nehme ich an den Schulungen von CEDEPAS teil und bin Mitglied in der Produzentenvereinigung APACE geworden. CEDEPAS hat mir beigebracht, wie ich meine Kaffeebohnen besser verarbeite, sodass ich eine bessere Qualität erreiche.
Während der Corona-Pandemie konnten wir einen Grossteil unseres Kaffees nicht ernten, weil keine Arbeiter*innen kamen und es keinen Transport gab. Da hat uns CEDEPAS mit Lebensmitteln ausgeholfen. Vor allem aber bin ich CEDEPAS dankbar, weil ich nun weiss, wie ich ein neues Trockengestell für den Kaffee aufbauen muss, damit der Kaffee gut wird.
Nun muss ich nur noch gute Kaffeebohnen auswählen, den Gärprozess genau beobachten und schliesslich die Kaffeebohnen trocknen. Ich hoffe sehr, dass mein Kaffee es dann auch in die nächste Exportlieferung schafft, die wir dank CEDEPAS direkt in die Schweiz exportieren können.
Ich träume davon, meinen Spezialitätenkaffee herzustellen und ein eigenes Café zu betreiben. Und ich möchte Hühner halten und einen grossen Laden für die Bäuerinnen und Bauern hier in der Gegend aufmachen. Hier werde ich auch meine selbstgemachten Kuchen und Torten verkaufen – natürlich mit einem guten Kaffee aus meiner eigenen Produktion.
Viele ziehen in die Stadt, weil sie es nicht besser wissen, weil sie nicht wissen, was man hier auf dem Land alles machen kann. Ich hoffe, dass meine zukünftigen Kinder auch auf dem Land leben werden, denn hier kann man anbauen und ist die eigene Chefin.»
«Ich heisse Jhony Llantoy, …
…ich bin 32 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Kinder. Ein Kind ist neun Jahre alt, das andere kam erst vor ein paar Wochen zur Welt. Schon als Kind begleitete ich meine Eltern aufs Kaffeefeld bei unserer Finca (Bauernhof, Anm. d. Red.) in der Nähe der Stadt Pichanaki. Heute bewirtschafte ich den Kaffee selber.
Es ist ein gutes Geschäft, wenn du einen erstklassigen Spezialitätenkaffee herstellen kannst und deine Finca gut im Griff hast. CEDEPAS hat mir geholfen, die Qualität meines Kaffees stetig zu verbessern. Aber sie haben uns auch sonst gute Tipps gegeben. Zum Beispiel, dass ich Gemüse anbaue, Hühner halte – damit versorgen wir uns nicht nur selber, sondern kommen auch über die Runden, wenn das Geld von der Kaffeeernte aufgebraucht ist.
CEDEPAS hat uns auch geholfen, unsere Produzentenvereinigung für junge Kaffeebäuerinnen und Kaffeebauern zu gründen, APACE. Dort sind wir 60 junge Menschen und ich bin der Präsident.
Vor drei Jahren konnten wir dank der Vermittlung von CEDEPAS und terre des hommes schweiz das erste Mal unseren besten Spezialitätenkaffee direkt in die Schweiz exportieren. Das war ein tolles Gefühl, denn für eine kleine Vereinigung oder für mich alleine ist der Export sehr schwierig.
Es hat sich finanziell gelohnt. Der Gewinn ist rund 30 Prozent höher, als wenn wir auf dem lokalen Markt verkaufen. Ich erinnere mich, wie wir im September 2018 die Ladung verschickten und im Dezember bekam ich meinen Cheque. Das waren vielleicht frohe Weihnachten, denn sonst reicht das Geld von der Ernte im Juli und August meist nicht bis zum Jahresende.
Mein Traum ist es, dass wir als Produzentenvereinigung einen gemeinsam Qualitätsstandard erreichen, mehr produzieren und 100 Prozent unserer Produktion direkt exportieren können. Dafür müssen wir an der Qualität unseres Kaffees und an unserer Organisation arbeiten.
Für kleine Landwirt*innen oder Vereinigungen ist es schwierig, alle erforderlichen Genehmigungen und Auflagen einzuhalten. Momentan befinden wir uns gerade im Prozess der Biozertifizierung. Es wäre super, wenn unsere Partner*innen in der Schweiz weitere Märkte für unseren Direktexport erschliessen könnten.
Ohne CEDEPAS wäre das alles nicht möglich gewesen. Sie haben uns gezeigt, wie wir unsere Kaffeequalität verbessern, aber auch wie wir uns organisieren, und sie haben Führungsschulungen gegeben. Auch durften wir ihr Büro in Pichanaki immer für unsere Versammlungen benutzen.
Manchmal hat uns CEDEPAS auch mit einem Zustupf unterstützt für die Anschaffung von Trockengestellen oder mit Lebensmitteln, als wir während der Corona-Pandemie kaum Einkünfte hatten.
Viele junge Menschen ziehen vom Land in die Stadt, weil sie meinen, dass man mit der Landwirtschaft nichts verdient. Aber das stimmt nicht. Wenn du dich gut organisierst und deine Qualität verbesserst, dann kannst du dir auf dem Land eine Existenz aufbauen und eine Familie ernähren.
Ich habe mit dem Kaffee eine gute Einkommensquelle gefunden, weil ich neue Ideen hatte und auf den Spezialitätenkaffee gesetzt habe, mit dem man mehr Geld verdient.
Aufzeichnung: Hildegard Willer; Fotos: Luisenrrique Becerra
Mehr zu den Perspektiven der jungen Landwirt*innen in Zentral-Peru und zu unserer Partnerorganisation CEDEPAS im Juni-Magazin Nr. 2 2021 von terre des hommes schweiz hier
Mehr zum «café joven», der direkt aus Zentral-Peru in die Schweiz kommt und in Basel geröstet und vertrieben wird hier