Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03418.jsonl.gz/2758

Entwicklungsgeschichte
Um eine pferdegerechte Fütterung ermöglichen zu können, muss die Herkunft und die Entwicklungsgeschichte unserer Pferde berücksichtigt werden. In freier Wildbahn waren sie bis zu 18 Stunden täglich mit der Futtersuche und –aufnahme beschäftigt. Dabei wurden mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt aufgenommen. Das Futterangebot in der Steppe war faserreich, aber energiearm. Obwohl das Pferd seit mehreren tausend Jahren domestiziert ist, blieb der Verdauungsapparat fast unverändert. Dementsprechend sollte auch heute noch die Grundlage der täglichen Fütterung aus rohfaserreichem und eher energiearmem Futter bestehen. Zudem sollten Fresspausen von mehr als 4 Stunden vermieden werden, um Verdauungsproblemen vorzubeugen. Weitere Punkte, die es bei der täglichen Fütterung zu beachten gilt, werden nachfolgend beschrieben.
Wie schwer ist mein Pferd?
Eine bedarfsgerechte Fütterung ist unter anderem vom Gewicht abhängig. Steht keine Pferdewaage zur Verfügung, kann die folgende Formel nach Carrol und Huntington zur Gewichtsbestimmung verwendet werden:
Futterverzehr pro Tag
Damit das Pferd seinen Bedarf decken kann, muss es rund 2 % des Körpergewichtes als Trockensubstanz (TS) aufnehmen. Bei einem Pferd mit 600 kg Körpermasse entspricht dies einer Futtermenge von total 12 kg Trockensubstanz pro Tag. Diese Menge setzt sich aus Raufutter und je nachdem auch noch aus Ergänzungsfutter zusammen.
1 kg Trockensubstanz entspricht ungefähr:
- 1.3 kg Frischsubstanz Haylage
- 4 bis 5 kg Frischsubstanz Gras (= ca. 1.5 Stunden Weide)
- 1.1 kg Frischsubstanz Heu
- 0.9 kg Ergänzungsfutter
Raufutter
Je 100 kg (Soll-)Körpergewicht braucht das Pferd 1.5 – 2 kg Raufutter pro Tag. Bei einem Pferd mit einem Körpergewicht von 600 kg müssen folglich 9 – 12 kg Raufutter je Tag verabreicht werden.
Besonders gut als Raufutterquelle ist qualitativ gutes Heu, vorzugsweise von einem späten ersten Schnitt, geeignet. Auch Haylage kann eingesetzt werden; gerade bei Heustauballergikern oder Pferden mit anderen Atemwegsproblemen ist es eine beliebte Alternative zu Heu. Bei Haylage muss unbedingt die Qualität im Auge behalten werden, da es anfälliger auf Fehlgärungen und Schimmelpilzbefall ist als Heu. Grassilage ist als Raufutterquelle weniger geeignet.
Ergänzungsfutter
Eine Faustregel besagt, dass maximal 200 g bis 300 g Ergänzungsfutter je 100 kg Körpermasse und Portion verabreicht werden sollen. Welches Ergänzungsfutter in welchen Mengen verfüttert wird, muss für jedes Pferd individuell entschieden werden. Die Wahl des Futters sollte sich an den Bedürfnissen des jeweiligen Pferdes orientieren. Die Menge wird dem Bedarf angepasst und sollte von Zeit zu Zeit überprüft werden.
Mineralstoffe
Mineralstoffe werden im Körper in vielen verschiedenen Bereichen benötigt und tragen insgesamt zur Gesunderhaltung des Pferdes bei. Die Vorfahren unserer Pferde konnten ihren Mineralstoffbedarf u.a. durch das vielfältige Angebot an verschiedenen Kräutern, Gräsern, Baumrinden und auch geringen Mengen an mineralhaltiger Erde decken. Die intensivere Nutzung unserer Wiesen und Weiden durch die Landwirtschaft hat dieses breite Angebot reduziert, wodurch der Tagesbedarf eines Pferdes an Mineralstoffen nicht mehr nur durch Weidegras und Wiesenheu abgedeckt werden kann. Durch den gezielten, täglichen Einsatz von mineralisierten Futtermitteln oder konzentrierten Mineralstoffergänzern können Pferde bedarfsgerecht versorgt werden, was langfristigen Mangelerscheinungen entgegengewirkt.
Futterhygiene beachten
Die Qualität von Futtermitteln ist entscheidend, um Pferde gesunderhalten und bedarfsgerecht versorgen zu können. Qualitätseinbussen, die bspw. durch nicht fachgerechte Lagerung entstehen können, erhöhen das Risiko für Koliken und andere Störungen oder Erkrankungen des Verdauungstraktes erheblich. Daher sollte weder gefrorenes, noch stark verschmutztes oder gar verschimmeltes Futter den Pferden verfüttert werden. Eine adäquate Lagerung der Futtermittel, geschützt vor Ungeziefer und Witterung, trägt massgeblich zur Prophylaxe bei.
Futterverabreichung
Das Raufutter sollte, wenn möglich, zur freien Verfügung angeboten werden. Falls dies nicht möglich ist, ist es am besten, das Raufutter in 3 bis 5 Portionen zu unterteilen und über den ganzen Tag verteilt vorzulegen. Dabei sollten Fresspausen von mehr als 4 Stunden möglichst vermieden werden. Grundsätzlich gilt es zu beachten, dass zuerst das Raufutter und anschliessend das Ergänzungsfutter verfüttert werden sollte. Dies ist wichtig, da beim Verzehr von Raufutter vermehrt Speichel gebildet wird. Letzterer hilft dabei, den pH-Wert im Magen zu regulieren, was die Magenschleimhaut schützt. Ist die Magenschleimhaut chronisch zu tiefen pH-Werten ausgesetzt, sei dies durch eine falsche Fütterungsreihenfolge oder zu lange Futterpausen, besteht ein erhöhtes Risiko für Magengeschwüre.
Nach der Kraftfuttergabe sollte dem Pferd mindestens eine Stunde Ruhe gewährt werden, bevor es gearbeitet wird. Es sollte auf regelmässige Futterzeiten geachtet werden, und während der Futteraufnahme muss dem Pferd Ruhe gegönnt werden.
Futterumstellungen sind immer schrittweise und niemals abrupt durchzuführen, damit sich der Verdauungstrakt an die neue Ration gewöhnen kann.
Wasserversorgung sicherstellen und Qualität prüfen
Pferde müssen unbedingt permanent Zugang zu sauberem und frischem Trinkwasser haben. Die Pferde nehmen 30 bis 60 Liter Wasser pro Tag zu sich (abhängig von Temperatur und Leistungsanforderung). Werden Selbsttränken eingesetzt, ist es wichtig, dass diese täglich auf Funktion und Sauberkeit überprüft werden.