Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03596.jsonl.gz/1799

Miesmuscheln sind ziemlich flexibel, was den Salzgehalt und die Temperatur des Wassers angeht – ja vielen Sorten macht es auch nichts aus, wenn sie bei Ebbe auf dem Trockenen sitzen. Nur auf verschmutztes Wasser reagieren Sie je nach Art der Verunreinigung sehr sensibel. Bis zu einem gewissen Grad können Miesmuscheln deshalb als ein Indikator für die Sauberkeit eines Gewässers angesehen werden.
Auf Santa Lemusa wird hauptsächlich die gemeine Miesmuschel (Mytilis edulis) angebaut - daneben gibt es weitere Sorten wie die selten gewordene Meerdattel (Lithophaga lithophaga), die neuseeländische Grünschalmuschel (Perna canaliculus) oder die Mittelmeer-Miesmuschel (Mytilis galloprovincialis). Mytilis edulis verfügt über zwei gleichförmige, blauschwarze Schalen von bis zu 10 cm Länge, deren Inneres von einer Perlmuttschicht überzogen ist. Das Muskelfleisch ist meist orangefarben, manchmal auch beige. Die Muschel hat einen sogenannten «Bart» - Byssusfäden, die das Tier mittels einer Drüse an ihrem Fuss produziert und mit deren Hilfe es sich an einem beliebigen Untergrund festzurren kann. So können die Muscheln von sich aus riesige Muschelbänke bilden.
In den Muschelfarmen nördlich von St-Benoît-des-Ondes werden die Miesmuscheln nach einem Verfahren angebaut, das im frühen 13. Jahrhundert im Frankreich durch Zufall erfunden worden sein soll. Der Legende nach erlitt ein Ire namens Patrick Walton im Jahre 1235 an der französischen Atlantikküste Schiffbruch. Um zu überleben, trieb er Pfähle in den Schlick am Meeresrand und spannte seine Fischernetzte dazwischen aus – mit dem Ziel, so essbare Vögel einzufangen. Bald merkte er, dass sich im unteren Bereich der Pfähle junge Muscheln festsetzten, die mit Ebbe und Flut recht schnell gediehen. Das war die Geburtsstunde der sogenannten «Moule de Bouchot» – wobei der Begriff ein Zusammenzug aus den gälischen Worten bout («Zaun») und choat oder chot («Holz») ist: «Zaun aus Holz».
Für die «Moules de Bouchot» werden in Küstennähe ganze Alleen von Holzpfählen tief in den Schlick getrieben. Früher wartete man einfach ab, bis sich an den Pfählen genügend Muscheln festgesetzt hatten und erntete sie wenn sie gross genug waren. Heute werden die Muscheln indes regelrecht angebaut. Bei ihrer Geburt zu Anfang des Frühlings werden die Muschellarven auf Seile gesetzt - wobei die Muschelsaat von wild vorkommenden Muschelbänken gefischt oder manchmal auch von Aufzuchtspezialisten bezogen wird. Diese Seile werden im Flachwasserbereich auf Holzgestellen ausgehängt, wo das Muschelbaby bis zum Ende des Sommers zu einer Grösse von etwa 1 cm heranwächst.
Etwa im September werden diese Seile um die Pfähle gewunden. Nun wachsen die Muscheln während dem Winter und dem nächsten Frühling zu ihrer erwachsenen Grösse heran. Dabei pumpen die Tiere Tag für Tag rund 70 Liter Meerwasser durch ihren Körper und filtern mit Hilfe von Schleim das Plankton heraus, von dem sie sich ernähren. Meistens werden die Muscheln mit Hilfe von feinen Netzen daran gehindert, vom Pfahl zu fallen - gleichzeitig dienen diese Netze auch dazu, die Delikatesse vor Krabben und anderen hungrigen Tieren zu schützen. Während der ganzen Zeit wird die Qualität des Wassers in den Muschelgärten laufend kontrolliert - auf Santa Lemusa auch vom Ministère des Affaires Maritimes.
Nach wenigstens acht Monaten am Pfahl werden die Muscheln dann zwischen Mai und März geerntet. Im Unterschied zu Muscheln, die etwa an frei im Wasser hängenden Tauen gezogen werden oder direkt auf dem Meeresboden wachsen, sind die «Moules de Bouchot» dem Wechsel der Gezeiten ausgesetzt - und hängen also bei Niedrigwasser in der Luft. Für die Muschelbauern hat dies einen entscheidenden Vorteil: Sie können ihre Pfähle bei Ebbe quasi trockenen Fusses bewirtschaften. Hierfür ziehen die Bauern mit Traktoren ganze Arbeitsplattformen durch den Schlick, von denen aus die Pfähle optimal behängt oder beerntet werden können. Bei etwas höherem Wasser kommen schwimmende Plattformen zum Einsatz.
Die «Bouchot» wächst langsamer und bleibt kleiner als Muscheln, die an Tauen oder auf dem Meeresboden gezogen werden – dafür aber ist sie besonders fleischig und hat einen ausserordentlich feinen Geschmack. «Moules de Bouchot» sind reich an Kalzium, Magnesium, Eisen, Zink und Selenum - und natürlich auch an Jod. Sie enthalten ausserdem die Vitamine B8, B12 und E. Die jährliche Produktion in den Muschelparks von Saint-Benoît-des-Ondes beläuft sich auf etwa 200 Tonnen. Die meisten Muscheln werden auf Santa Lemusa selbst frisch verzehrt – einige auch zu Konserven verarbeitet und exportiert.
Familie: Mytilidae
Wissenschaftlich: Mytilis edulis
Lemusisch: moule
Französisch: moule
Englisch: blue mussel
Spanisch: mejilón
First Publication: 12-2007
Modifications: 4-3-2009, 9-10-2011