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| Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Brief an Marcellinus über die Erklärung der Psalmen (Epistula ad Marcellinum)

Brief an Marcellinus
15.
Da also die Psalmen in dieser Weise geordnet sind, so können nunmehr die Leser in jedem einzelnen, wie schon gesagt, die Bewegungen und den Zustand der eigenen Seele finden, ebenso für die einzelnen Fälle ein Vorbild und eine Anleitung, durch welche Worte man dem Herrn gefallen kann, durch welche Worte man sich bessern und dem Herrn Dank sagen kann, damit nicht der, welcher anders spricht, in Gottlosigkeit verfalle. Denn nicht bloß über die Werke, sondern über jedes unnütze Wort müssen wir dem Richter Rechenschaft geben. Wenn Du also Jemanden selig preisen willst, so weißt Du, wie und zu welchem Zwecke Du den Psalm und welchen Du vortragen sollst, nämlich den ersten, dreissigsten, einundvierzigsten, hundertzwölften, hundertachtundzwanzigsten, hundertsiebenundzwanzigsten. Willst Du aber die Verfolgung des Heilandes durch die Juden tadeln, so hast Du den zweiten Gesang. Wirst Du von den Deinigen verfolgt, und erheben sich Viele gegen Dich, [S. 351] so trage den dritten Psalm vor, hast Du aber so in der Bedrängniß den Herrn angerufen, und willst Du für die Erhörung Dank sagen, so singe den vierten und hundertvierzehnten. Und siehst Du, daß Dir die Bösen nachstellen wollen, und willst, daß Dein Gebet erhört werde, so singe in der Frühe den fünften. Vernimmst Du aber die Drohung des Herrn und siehst Du, daß Du deßhalb in Unruhe bist, so kannst Du den sechsten und siebenunddreissigsten vortragen. Wenn aber auch Einige gegen Dich rathschlagen, wie Achitophel gegen David, und Dir Jemand das hinterbringt, so singe den siebenten und vertraue auf Gott, Deinen Retter.