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Der seit mehreren Wochen vor Angola liegende Atom-Frachter «Sevmorput» wird seinen Transportauftrag, Module für die neue Polarstation «Wostok» zu liefern, nicht erfüllen können. Die ganze Operation wurde abgebrochen. Der Schaden an einem der Propellerblätter lässt sich vor Ort nicht so einfach beheben. Bau- und Transportspezialisten, welche mit dem Eisbrecher «Kapitan Dranitsyn» unterwegs in die Antarktis waren, sind bereits wieder auf dem Heimweg.
In russischen Medien ist zu lesen, dass die Lieferung der Module für den Neubau der russischen Antarktisstation «Wostok» auf 2021 verschoben wurde. In der Zwischenzeit sind Taucher vor Ort eingetroffen, konnten den Schaden aber bis heute nicht reparieren.
Nach einer Meldung der Zeitung Kommersant hatte der Propeller infolge des Blattbruchs eine Unwucht. Um dies zu beseitigen, beschlossen die Taucher, ein weiteres Propellerblatt zu entfernen, um die Symmetrie wiederherzustellen. Die Arbeiten konnten wegen schlechtem Wetter noch nicht abgeschlossen werden. Geschütztes Gewässer in angolanischem Hoheitsgebiet könnte die Reparatur vereinfachen. Da es sich jedoch um ein Schiff mit einem Atomreaktor handelt, erfordert dies „eine komplexe Abstimmung mit den Behörden des Landes“, so ein Regierungssprecher. So konnte das Schiff keinen Hafen anlaufen, sondern musste außerhalb der 12 Seemeilen vor der Küste bleiben. Die Situation wird auch durch strenge Einschränkungen in Angola im Zusammenhang mit dem Coronavirus erschwert.
Da bis heute die Reparaturversuche der Taucher erfolglos waren und sich das Zeitfenster zum Erreichen der Antarktis-Sommersaison demnächst schließt, wurde beschlossen, die «Sevmorput» zurück nach St. Petersburg zu rufen.
Nach dem erfolgreichen Entfernen des Propellerblattes soll die «Sevmorput» wieder in der Lage sein, St. Petersburg selbständig zu erreichen. Zurück in St. Petersburg werden die Module und Container entladen, bevor das Schiff zur Reparatur ins Trockendock kommt.
Die 98 Bauspezialisten und Maschinisten, welche auf dem Eisbrecher «Kapitan Dranitsyn» für den Transport von der «Progress»-Station in der Prydz Bay zur 1.400 Kilometer entfernten «Wostok»-Station unterwegs waren, sind bereits wieder auf dem Heimweg. Der Eisbrecher liegt z.Zt. wieder vor Kapstadt. Die Ankunft in St. Petersburg ist für den 31. Dezember vorgesehen, viel länger als eine solche Reise von Südafrika aus normalerweise dauern würde. Wahrscheinlich deshalb, weil die «Kapitan Dranitsyn» den havarierten Eisbrecher «Sevmorput» unterstützen wird, der für die Rückfahrt die Geschwindigkeit drosseln wird und weil die Manövrierfähigkeit reduziert sein wird, wie The Independent Barents Observer in seinem ausführlichen Artikel vermutet.
Nach dem Ausfall der «Sevmorput» gab es keine anderen Optionen, als die ganze Operation abzubrechen. Der Frühling in der Antarktis ist in diesem Jahr besonders warm und das Eis bei zu spätem Eintreffen des Eisbrechers zu schwach, was das Entladen gefährden würde.
Heiner Kubny, PolarJournal