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Nach starken Schneefällen am Wochenende gilt in den Schweizer Bergen die höchste Lawinen-Gefahren-Stufe. Welche Lawinenrisiken gibt es in der Schweiz und wie werden solche Gefahren überwacht und gebannt?
Am Sonntag verschüttete eine Lawine vier Fahrzeuge auf einer Strasse im Kanton Uri. Die Insassen blieben unverletzt. Letzte Woche stürzte eine Lawine in ein Hotel eines Bergdorfs in der Ostschweiz. Drei Personen wurden leicht verletzt.
Wie häufig sind Lawinen in der Schweiz?
In den letzten 20 Jahren gab es durchschnittlich 100 gemeldete Lawinen pro Jahr, von denen Menschen betroffen waren. Im Durchschnitt starben jedes Jahr 23 Menschen bei Lawinen. Rund 90% der Verunglückten waren Schneesportler, die ausserhalb der gesicherten Pisten und Wege ums Leben kamen.
In kontrollierten Gebieten (Strassen, Eisenbahnen, Gemeinden und gesicherte Skipisten) sank die Zahl der Opfer im Jahresdurchschnitt von 15 Ende der 1940er-Jahre auf weniger als 1 im Jahr 2010. Das letzte Mal, dass jemand in einem von einer Lawine verschütteten Gebäude starb, war 1999.
Lawinen wie jene, die das Hotel Säntisexterner Link in Schwägalp traf, sind selten.
"Eine Lawine dieser Grössenordnung ist nicht vorhersehbar", sagt Bruno Vattioni, Direktor der Säntis-Bahn: So etwas haben die Einheimischen in den 84 Jahren des Bestehens der Säntisbahn nicht erlebt. Normalerweise ist die Südseite des Säntis, die andere Seite des Berges, gefährlicher.
Wie werden Lawinen normalerweise überwacht?
Seit 1945 gibt der nationale Lawinenwarndienst, der vom Institut für Schnee- und Lawinenforschungexterner Link (SLF) in Davos betrieben wird, zweimal täglich ein nationales Lawinenbulletin heraus mit Daten von 200 Fachkräften und 170 automatischen Messstationen in den Schweizer Alpen. Diese Informationen werden von der Polizei, den Kantonen, Gemeinden, Bergstationen und Rettungsdiensten im ganzen Land verbreitet und verwendet.
Sind die Überwachung und der Schutz vor Lawinen wirksam?
Die Dichte des Lawinen-Warnnetzes aber auch der Ausbildungs- und Wissensstand sind einzigartig in der Schweiz. Trotzdem lässt sich bei weitem nicht jede einzelne Lawine erfassen, wie der SLF-Lawinenexperte Frank Techel gegenüber swissinfo.ch erklärt.
"Wir verfügen über ein ausgedehntes Beobachternetz, das sich gleichmässig über die Alpen und den Jura erstreckt. Wir können nicht jede Lawine überwachen. Manchmal ist die Sicht schlecht oder es gibt starke Schneefälle, dann können die Lawinen unbemerkt bleiben, wenn sie weit weg von einem besiedelten Gebiet niedergingen. Wir haben nicht in jedem Tal einen Beobachter", sagt er.
Seit dem tödlichen Lawinenwinter 1951 hat sich die Lawinenbekämpfung stark verbessert. Die dramatischen Ereignisse führten zur Erstellung von Lawinenbulletins, Gefahrenkarten und Lawinenverbauungen. Oberhalb der Schutzwälder schossen überall in den Schweizer Alpen Stahlkonstruktionen und Schneenetze wie Pilze aus dem Boden. Heute erstrecken sie sich über 1000 Kilometer und schützen Dörfer und Verkehrsverbindungen.
Im vergangenen November wurden das Wissen, die Erfahrung und die Strategien der Schweiz und Österreichs im Umgang mit Lawinengefahren von der UNESCO als Welt-Kulturerbe anerkannt.
Dieses SLF-Diagramm zeigt die Schneehöhe am 14. Januar als Prozentsatz des langfristigen Durchschnittswerts.
Gibt es Bestimmungen, wo gebaut werden darf und wo nicht?
Mit Hilfe von Gefahrenkarten bestimmen die kantonalen und kommunalen Behörden, wo Lawinen auftreten, welche Bauzonen sicher sind und wo zusätzliche Schutzmassnahmen erforderlich sind.
Was passiert bei hoher Lawinengefahr?
In den betroffenen Regionen trifft sich eine lokale Lawinenkommission – bestehend aus lokalen Beamten, Polizisten, Bergführern und Vertretern der Wintersportorte –, um die regionalen Prognosen des SLF und andere lokale Wetterdaten zu analysieren, die Bedingungen zu beurteilen und geeignete Massnahmen zu treffen. Das kann die Schliessung von Skigebieten, Wanderwegen, Strassen, Gebäuden oder die Evakuierung von Bewohnern und Touristen beinhalten.
Welche Vorkehrungen sollten Gäste treffen?
Wenn sich Besucher über mögliche Schnee- und Lawinenrisiken Sorgen machen, sollten sie sich an ihren Reiseveranstalter oder das örtliche Tourismusbüro wenden. Weitere aktuelle Informationen zu Lawinen und Wetter finden sich auf den folgenden Websites: SLFexterner Link , SRF Meteoexterner Link und Meteo Schweizexterner Link.
(Übertragung aus dem Englischen: Peter Siegenthaler)