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Wissenschaftler haben in der Mündung des Amazonasflusses ein Korallenriff von der Größe Zyperns entdeckt. Das Besondere daran ist, dass es sich unter der schlammigen Fracht befindet, die der Amazonas mit sich bringt, was eigentlich die Chancen eines Vorhandenseins eines Riffes schmälert.
Selbst etliche Forscher zeigten sich verblüfft, als sich bei näheren Untersuchungen die Vermutung bestätigte, dass es vor der Einmündung des Amazonasflusses ein Korallenriff gibt. Der Amazonas ist für 20 Prozent der Wassereinträge durch Flüsse ins Meer verantwortlich, wie die Forscher in ihrem vor wenigen Tagen im Magazin “Science Advances“ veröffentlichten Artikel schreiben.
Neben Wasser führt er allerdings auch hohe Mengen an Sedimenten und organischen Einträgen mit sich, wodurch der Lichteinfall eingeschränkt wird. Theoretisch dürfte unter diesen Bedingungen kein Korallenriff existieren.
Dennoch wurden vorab in der Mündungsregion des Amazonas Fische und Langusten registriert, die als typische Korallenriffbewohner gelten. Bei Expeditionen im Jahr 2014 entdeckten die Wissenschaftler elf brasilianischer und einer amerikanischen Forschungseinrichtungen dann auch ein Riff, das sich auf einer Fläche von 9.500 Quadratkilometern vom Bundesstaat Maranhão bis zur Grenze von Französisch Guiana erstreckt.
Die Artenvielfalt des versteckten Korallenriffs scheint enorm zu sein. Schon bei einem ihrer ersten Netzzüge holten die Forscher 900 Kilogramm Schwämme 30 verschiedener Arten an Bord. Gefunden haben sie ebenso in einer Tiefe von bis zu 120 Metern Schwämme von bis zu drei Metern Länge. Der Biologe Gilberto Amado Filho spricht von einem äußerst komplexen System und eigenen Charakteristiken.
Neben der Entdeckung neuer Arten erhoffen sich die Forscher ebenso weitere Aufschlüsse über den Evolutionsprozess der zur marinen Biodiversität Brasiliens.
Allerdings gibt es bereits ein Problem. Ausgerechnet in dem Bereich des Korallenriffs gibt es enorme Öl- und Gasvorkommen, die in den kommenden Jahren gefördert werden sollen. In den darüf notwendigen Umweltstudien wird das Korallenrif jedoch nicht erwähnt.