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«Es ist eine Qualität, nicht mitzulaufen»
Die Sendung «Kulturzeit» auf 3sat sang am Freitag «ein Loblied auf den Idioten». Der Einsiedler Christian Marty erklärte den Grund dieser Ehrung.
Vi. «Wir brauchen etwas mehr Idioten gegen zu viel Konformismus. Und deshalb singen wir heute ein Loblied auf den Idioten. » Mit diesen Worten machte «Kulturzeit»-Moderatorin Cécile Schortmann am Freitagabend auf den Einsiedler Christian Marty «glustig». Denn dieser hat seine Doktorarbeit und sein Buch dem «Denker der Freiheit», dem deutschen Soziologen Max Weber (1864–1920), gewidmet (EA 43/20). Nachdem Marty, der als Ideenhistoriker und Journalist vorgestellt wurde, am letzten Freitag bereits im Feuilleton der «Neuen Zürcher Zeitung» seine Interpretation des Idioten darlegte, doppelte er gleichentags im Fernsehen nach: «Manchmal sollte man ein Idiot sein.» Mit «Idiot» bezieht sich Marty auf die altgriechische Ursprungsform dieses Wortes, das einen «einfachen Menschen, einen Privatmann » benennt, mehr Egoist als Dummkompf, der sich aus dem öffentlichen Leben zurückzieht und später gerade wegen dieser Unbefangenheit gar zum Beispiel politischer Mündigkeit wurde.
Heute ortet Christian Marty stattdessen ein Mitläufertum nahezu überall: im politischen, ökonomischen, kulturellen, akademischen und intellektuellen Umfeld. Er verwies auf Weber, gemäss dem «in praktisch allen Gesellschaften tendenziell der Anpassungsfähige prämiert wird». Trotz individualistischer Tendenzen ist Marty der Ansicht, dass «es auch heute noch ein verbreitetes Phänomen ist, sich anzupassen, eben dann, wenn die Prämie hoch genug ist».
Für Marty steht ausser Frage, dass eine Gesellschaft sich auf grundsätzliche Parameter stützen muss, um überleben zu können. Doch gerade im Umgang mit der Corona-Pandemie hätten sich die Folgen des Mitläufertums offenbart: Trotz kontroverser Ansichten herrschte der Mainstream. Für Marty ist es «eine herausragende Qualität, eine Auszeichnung, nicht mitzulaufen». Wobei er sich der Einflussnahme eines «Idioten» durchaus bewusst ist: «Dieser gehört weder zur Macht, noch zum Zentrum der Gesellschaft.»
Am Freitagabend auf 3sat aus Zürich zugeschaltet: der Einsiedler Christian Marty. Foto: Screenshot 3sat