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Onlineversion des Supplementheftes zu Bulletin IFS ITMS IRMS 2, 1995
Die Beschreibung der Abnutzung und der Korrosion hat für die Bestimmung von Fundmünzen grosse Bedeutung. Eine vereinheitlichte Erfassung dieser Kriterien, die allzu oft miteinander verwechselt werden, kann zu einer besseren Kenntnis des Gebrauchs und des Umlaufs von Münzen, ja bestimmter Aspekte der Geldgeschichte überhaupt, beitragen.
In einer Datenbank können Abnutzungs- und Korrosionsstufen von Fundmünzen als Auswahlkriterien für bestimmte Untersuchungen dienen. So lässt sich z. B. in einer grossen Masse von Material, das in zahlreichen Museen und Funddepots zerstreut ist, nach Regelmässigkeiten der Abnutzung bestimmter Münzgruppen suchen. Bei metrologischen Untersuchungen bietet sich die Möglichkeit, je nach dem angestrebten Ziel, stark korrodierte oder abgenutzte Münzen von vornherein auszuschliessen. Besonders interessant wird die Aussicht, Abnutzungserscheinungen von Münzen aus gesichertem Fundzusammenhang einander gegenüberzustellen.
Das hier vorgestellte fünfstufige Schema zur Definition und Beschreibung von Abnutzung und Korrosion wurde 1988 von der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Fundmünzen (SAF) erarbeitet. Am 10. November 1989 führte die SAF in Basel ein Kolloquium zu diesem Thema durch, wobei sich die Diskussion auf antike Münzen beschränkte. Bereits damals bestand der Wunsch, für Abnutzung und Korrosion nicht nur über Beschreibungen, sondern auch Tafeln mit anschaulichen Beispielen von Münzen aller Epochen zu verfügen, auf die jederzeit verwiesen werden kann. Im Laufe der nun vierjährigen Tätigkeit des Inventars der Fundmünzen der Schweiz (IFS) erwies sich dieses Anliegen als immer dringlicher.
Dass eine objektive Beurteilung der Abnutzung und der Korrosion von Fundmünzen aufgrund ihrer optischen Erscheinung nicht möglich ist, versteht sich von selbst; zu viele Faktoren beeinflussen die Zuweisung zu einer bestimmten Abnutzungs- und Korrosionsstufe. Es ging uns daher in erster Linie darum, ein praktisches Hilfsmittel für die tägliche Arbeit mit Fundmünzen zu schaffen. Die vorliegenden Kurzbeschreibungen und Tafeln sollen dazu beitragen, allzu grosse Schwankungen bei der Beurteilung zu verhindern: Wer sich nur sporadisch mit dieser und jener Fundmünzenkategorie beschäftigt, hat an ihr eine Orientierungshilfe, dem professionellen Benutzer bieten sie Gewähr für eine einheitliche Bestimmung. Das IFS hofft, damit nicht nur den Informationsaustausch zu erleichtern, sondern auch der Forschung neue Wege zu eröffnen.
Dieses Projekt hätte nicht durchgeführt werden können ohne die Unterstützung zahlreicher Institutionen und Personen, die uns ihr Material und ihre Kenntnisse grosszügig zur Verfügung stellten. Ihnen allen gilt unser Dank. Für die Durchsicht des Manuskriptes danken wir F. E. Koenig (Bern), M. Peter (Augst) und B. Zäch (Winterthur). Aus dem Augster Material stellte M. Peter Beispiele abgenutzter Trajan-Münzen und technischer Besonderheiten zusammen. H.-U. Geiger (Zürich) beriet uns bei der Auswahl der mittelalterlichen Stücke und überliess uns Beispiele aus seiner reichen Photosammlung von Berner Münzen. Ein besonderer Dank geht auch an F. Delamare (Sophia Antipolis), der alle Texte durchsah und durch wertvolle Hinweise ergänzte.
Abnutzung und Korrosion eines Metallstücks sind das Ergebnis komplexer physikalischer und chemischer Vorgänge, die vielschichtiger Erklärungen bedürfen. Diese zu liefern ist hier nicht der Ort. Die naturwissenschaftliche Seite des Problems wurde erst kürzlich ausführlich und vorbildlich behandelt von F. DELAMARE, Le frai et ses lois (Cahiers Ernest Babelon 5), Paris 1995. Zur Korrosion vgl. W. P. BAUER, Grundzüge der Metallkorrosion, in: P. HEINRICH (Hrsg.), Metallrestaurierung, München 1994, S. 40–69; R. BERTHOLON – C. RELIER, Les métaux archéologiques, in: M. Cl. BERDUCOU (Hrsg.), La conservation en archéologie, Paris – Mailand – Barcelona – Mexico 1990, S. 163–221; J.-M. CRONYN, The Elements of Archaeological Conservation, London 1990, S. 160–237. In diesem Heft geht es allein darum, die beiden Phänomene so zu beschreiben, wie sie sich von blossem Auge erkennen lassen, und sie mit Abbildungen zu veranschaulichen.
Als Bezugspunkt für die Definition der Abnutzung dient die Höhe des erhaltenen Münzreliefs. Für die Bestimmung der Abnutzungsstufen kann man sich eine frisch geprägte Münze vorstellen, deren Relief aus fünf übereinandergelegten Metallschichten besteht; davon ausgehend beurteilt man, in welchem Masse diese Schichten bei der Zirkulation des Stückes allmählich abgerieben werden (abrasiver Prozess), bis sie schliesslich ganz verschwinden.
Wie die Erfahrung mit Fundmünzen zeigt, erweist sich eine allzu feine Einstufung der Abnutzung in der Praxis als untauglich. Deshalb beschränken wir uns auf fünf Stufen und insgesamt sechs Einteilungen:
Physikalisch betrachtet findet dieser Materialverlust, der sich als Gewichtsverlust messen lässt, unabhängig von der ursprünglichen Höhe des jeweiligen Reliefs statt. Die Abnutzungsstufe der Vorder- und Rückseite eines Stückes ist in der Regel dieselbe. Praktisch konzentriert sich die Abnutzung auf die höchsten Stellen des Reliefs. So kommt es etwa bei Münzen der römischen Kaiserzeit vor, dass die Rückseite bereits plan ist, während sich der Kopf auf der Vorderseite noch andeutungsweise erkennen lässt. In diesen Fällen wird man die beiden Seiten oft unterschiedlich beurteilen. Bei einer späteren Auswertung gilt es aber zu bedenken, dass eine Münze als ganzes Objekt umläuft und abgenutzt wird.
Für Stücke ab Korrosionsstufe 3 (K 3–5) ist die Bestimmung der Abnutzung oft unmöglich. Dasselbe gilt für Münzen mit technischen Herstellungsfehlern und Besonderheiten. Im einen wie im andern Fall empfiehlt es sich, die Abnutzungsstufe als „unbestimmt“ (A 0) anzugeben.
Bei Münzen des Mittelalters spielt der Einfluss technischer Eigenheiten des Herstellungsprozesses eine besonders grosse Rolle. Die Auswahl der Stücke auf der folgenden Tabelle ist in dieser Hinsicht nicht unproblematisch; es ist uns nicht gelungen, abgenutzte Münzen zu finden, die ganz von technischen Mängeln frei sind.
Die Münzreihen der einzelnen Tafeln sind nach verschiedenen Epochen, Metallarten und Prägetechniken getrennt angelegt. Wir haben uns auf den Tafeln auf fünf Abstufungen pro Kategorie beschränkt und darauf verzichtet, diese miteinander zu verbinden. Die Abnutzungsstufen gelten daher jeweils nur für vergleichbare Materialgruppen. Es sind also relative Angaben, worauf bei der Auswertung geachtet werden muss. Fehlt hier für eine bestimmte Materialgruppe die geeignete Referenzreihe, können sich die Bearbeiter selbst eine zusammenstellen, die den Beschreibungen der Abnutzungsstufen entspricht.
Bestimmung der Korrosionsstufe geht man von einer Münze mit „intakter“ Oberfläche aus und beurteilt, in welchem Masse diese Oberfläche durch Einflüsse der Korrosion verändert und dadurch die Lesbarkeit der Münze beeinträchtigt ist. Aus den genannten praktischen Gründen werden auch bei der Korrosion fünf Stufen und insgesamt sechs Einteilungen unterschieden:
Als Einflüsse der Korrosion gelten hier allein jene Phänomene, die sich optisch als Veränderungen des Münzreliefs – Löcher oder Verkrustungen – äussern. Die „gute“ Patina, die ebenfalls eine Form (stabiler) Korrosion darstellt, fällt nicht unter diese Kategorie und wird bei der Zuteilung einer Korrosionsstufe als Faktor nicht berücksichtigt.
Die hier beschriebenen Korrosionsstufen werden nach Möglichkeit an gereinigten Stücken erhoben. Bei teilweise gereinigten Münzen, kann eine leichte Korrosionsschicht nach derselben Skala beurteilt werden.
© IFS 2013