Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03259.jsonl.gz/1360

- Die «Covid-19 Task Force des Bundes» ist gegen eine Durchseuchung der Schweizer Bevölkerung mit dem Coronavirus.
- Die Fachleute warnen in einem Bericht vor den gesundheitlichen Folgen einer Durchseuchung.
- Es bestünde die Gefahr eines dramatischen Anstiegs der Todesfälle, heisst es – für den Fall, dass die Epidemie nicht unter Kontrolle gebracht werden könnte.
- Die Experten empfehlen, den derzeitigen Ansatz weiterzuverfolgen, bis ein Impfstoff gegen das Coronavirus verfügbar ist.
Bei einer Durchseuchung wird versucht, eine Herdenimmunität zu erreichen. Diese Herangehensweise beruht dem Bericht der Taskforce zufolge jedoch auf «unsicheren Grundlagen und würde Wirtschaft und Gesellschaft sowie dem Gesundheitswesen massive Kosten verursachen».
Im «Policy Brief» warnen die Experten vor den gesundheitlichen Folgen. Für eine Herdenimmunität müssten zwei Drittel der Bevölkerung infiziert sein. Dies würde den Schutz der Risikogruppen extrem schwierig gestalten. Denn so würde sich das Virus verbreiten, bevor bei den infizierten Personen Symptome auftreten würden.
Und: «Die Zahl der Todesfälle würde dramatisch ansteigen, falls die Epidemie nicht unter Kontrolle gebracht werden könnte.» Das Gesundheitssystem würde kollabieren.
Warum eine Impfung besser als unkontrolliertes «Durchseuchen» ist
Ein grosser Vorteil einer Impfung ist, dass sie im Unterschied zu einer «Durchseuchung» gezielt durchgeführt werden kann. Eine Impfung kann Personen schützen, die aufgrund ihres Alter oder ihrer gesundheitlichen Verfassung ein erhöhtes Risiko dafür haben, schwer an COVID-19 zu erkranken oder zu sterben. Mit Hilfe eines sicheren und möglichst wirksamen Impfstoffs kann eine Herdenimmunität erreicht werden – und zwar in einem kontrollierten Tempo, so dass keine Überlastung des Gesundheitssystems droht – und ohne dass viele Menschen schwer erkranken oder gar sterben.
Dazu kommt ein weiterer Vorteil einer Impfung: Infektionen mit dem Coronavirus verlaufen oft mit milden oder gar keinen Symptomen. Die aktuelle Studienlage deutet darauf hin, dass solche milden oder asymptotischen Verläufen nur eine schwache Immunreaktion hervorrufen könnten – und dass die nachfolgende Immunität auch schneller wieder verschwinden könnte. Bei einer Impfung kann durch die Dosierung des Impfstoffs eine robustere Immunreaktion ausgelöst werden, die – so die Hoffnung – auch eine länger andauernde Immunität nach sich zieht.
Um das zu verhindern, dürfen gemäss der Taskforce nicht mehr als tausend Patienten gleichzeitig auf der Intensivstation behandelt werden. So würde es mindestens ein Jahr dauern, um lediglich die Hälfte der Bevölkerung zu infizieren.
Weiter wie bisher – bis Impfstoff da ist
Mit dem gegenwärtigen Ansatz, die Zahl der Ansteckungen möglichst tief zu halten, würde die Wirtschaft weniger hart getroffen. Diesen Ansatz gelte es weiterzuverfolgen, «bis zur Verfügbarkeit eines Impfstoffes».
Die Strategie der Durchseuchung analysiert haben unter anderen Taskforce-Chef Martin Ackermann, Epidemiologe Marcel Tanner und ETH-Professor Sebastian Bonhoeffer.
Auch Gesundheitsminister Alain Berset hat jüngst erklärt, von einer differenzierten Durchseuchung, wie sie von einzelnen Virologen vorgeschlagen wird, halte er nichts. Wer glaube, man müsse nur die Verletzlichen schützen und könne ansonsten dem Virus freien Lauf lassen, begebe sich auf einen gefährlichen Weg.