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Ziel
Im Selbstversuch sollen Studierende erfahren, dass Suchmaschinenergebnisse zu ein und demselben Begriff möglicherweise erheblich voneinander abweichen. So wird vermittelt, wie Algorithmen interpretativ wirken und die Reihenfolge der Ergebnisse beeinflussen. Durch gezielt ausgewählte Suchbegriffe wird zudem gezeigt, dass Googles Relevanzkriterien häufig nicht mit denen der Wissenschaft übereinstimmen. Der Zeitrahmen beträgt ca. 45 Minuten.
Voraussetzungen
Die Studierenden sollen ihren eigenen Arbeitsgeräte (Laptops, Tablets, Smartphones) mitbringen. Die Dozierenden müssen Grundlagen über den Aufbau der sogenannten Search Engine Results Page (SERP), also der Ergebnisseite von Google vermitteln. Denn für das Suchexperiment sollen nur die “natürlichen Ergebnisse” gesammelt werden, d.h. die verschiedenen anderen Elemente (z.B. Werbung, News, Bilder) werden bei dem Versuch nicht berücksichtigt. Ein Überblick über die verschiedenen Elemente findet sich beispielsweise hier:
Meyers, Peter J., 2013, Mega-SERP: A Visual Guide to Google.
Versuchsaufbau und -durchführung
Die Studierenden werden in Kleingruppen (jeweils ca. 5 Personen) aufgeteilt. Jede Gruppe bekommt einen speziellen Begriff zugewiesen (dazu s.u.). Anschließend suchen die einzelnen Gruppenteilnehmer unter „natürlichen Bedingungen“, d.h. auf dem persönlichen Arbeitsgerät, im gewohnten Browser, mit üblichen Google-Einstellungen usw. die jeweiligen Begriffe. Die URLs der ersten Seite werden von einem/r Gruppenleiter/-in zentral in Tabellenform gesammelt. Wichtig: Nur die „natürlichen Ergebnisse“ (vgl. s.o.) werden berücksichtigt! Anschließend präsentieren die Gruppen anhand der gesammelten Ergebnisse, in wie fern die Resultate vergleichbar sind bzw. voneinander abweichen.
Der Versuch kann erweitert werden, indem beispielsweise verschiedene Suchmaschinen miteinander verglichen werden (wodurch sich entsprechend auch der Zeitaufwand erhöht).
Kriterien für Suchbegriffe
Die Wahl geeigneter Suchbegriffe ist nicht banal. Zur Erreichung eines möglichst großen Lerneffektes empfiehlt es sich „problematische“ Begriffe zu verwenden. Dazu gehören etwa solche, die mehrdeutig sind und mit hoher Wahrscheinlichkeit zu „unwissenschaftlichen“ Resultaten führen. Gleichzeitig sollten die Begriffe jedoch so neutral sein, dass sie die Ergebnisse nicht vorhersehbar machen. Ein interessanter Begriff ist etwa „9/11“, denn er offenbart wie Googles Algorithmen die Relevanz von Webseiten zu einem derart vielfältigen und kontroversen Thema bewerten. Der Begriff „9/11 Lüge“ wird hingegen – kaum überraschend – vor allem zu verschwörungstheoretischen Seiten führen und ist für das Experiment wenig aussagefähig. Um den Lerneffekt zu maximieren, sollten zudem Begriffe verwendet werden, die möglichst nah am fachspezifischen Alltag der Studierenden sind.
Präsentation und Auswertung
Im Anschluss an das Suchexperiment werden die Ergebnisse zusammen im Plenum diskutiert und hinsichtlich der interpretativen Schritte durch Google diskutiert. Hier obliegt es den Dozierenden, besonders auch die jeweiligen fachspezifischen Problematiken herauszustellen. Wieso ist etwa eine von Google als besonders relevant betrachtete Webseite im wissenschaftlichen Kontext kritisch zu beurteilen? In wie fern stellen die voneinander abweichenden Ergebnisse ein Problem hinsichtlich der erwarteten Neutralität von Suchmaschinen dar?
Lesetipps zur Vertiefung
Lewandowski, Dirk (im Erscheinen, 2015): Suchmaschinen verstehen. Springer Vieweg.
Beschreibung bei Amazon
König, René/Nentwich, Michael (2010): Google, Google Scholar und Google Books in der Wissenschaft – Steckbrief III im Rahmen des Projekts Interactive Science. Bericht-Nr. ITA-PB A52-3; Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA): Wien.
Volltext (PDF)
von René König: <email-pii>