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Eine bewegliche Brücke für barrierefreie Wege
Promenade am Jet d’Eau, Genf
Die Möglichkeiten für die Instandsetzung der Mole Eaux-Vives in Genf waren beschränkt. Mithilfe digitaler Technologien entwickelte das Ingenieurbüro Ingeni ein neues System für eine bewegliche Brücke. Eine formal wie funktional innovative und elegante Lösung.
Der weit herum sichtbare Jet d’Eau ist das Wahrzeichen der Stadt Genf. Besucher gelangen über die Mole Eaux-Vives zu der berühmten Wasserfontäne. Eine Stahlbogenbrücke sorgt dafür, dass Boote ohne grossen Umweg passieren können. Für Besucher mit eingeschränkter Mobilität ist die Brücke jedoch ein Hindernis.
Damit der Zugang zum Jet d’Eau künftig für alle möglich ist, hat der von einer privaten Stiftung getragene Verein Handicap Architecture Urbanisme (HAU) ein Instandsetzungsprojekt initiiert, bei dem ein breiter und barrierefreier Fussgängersteg entstehen sollte. Das vom Architekturbüro MIDarchitecture und vom Ingenieurbüro Ingeni vorgeschlagene Projekt lässt das bestehende Bauwerk unberührt und ermöglicht barrierefreie Wege für Besucher und die freie Fahrt für Boote.
Um diesen einschränkenden Anforderungen gerecht zu werden, mussten die Planer eine bewegliche Brücke entwerfen, die durch Schwenken, Verschieben, Drehen oder Heben von Fussgänger- auf Schiffsverkehr umgestellt werden kann. Sie entwickelten ein einzigartiges und innovatives Konzept, das sowohl in der horizontalen als auch in der für den Bootsverkehr angehobenen Position die Kontinuität der neuen Plattform aufrechterhält: Wollen Boote passieren, hebt sich die flache Brücke in einer fliessenden sinusförmigen Bewegung.
Die erwähnte Kontinuität ist nicht nur in der Form, sondern auch in der Funktion gewährleistet, denn Fussgänger können die Brücke auch in angehobener Position überqueren. Im auseinandergefalteten Zustand hat die Brücke eine stilisierte Bogenform, die an typische Kanalbrücken erinnert, wie man sie beispielsweise aus Venedig kennt.
Als das Konzept feststand, stellte sich die Frage, wie eine flache, zur Bogenform wandelbare Tragkonstruktion mit einem einfachen, zuverlässigen und dauerhaften System umgesetzt werden konnte. Die Antwort: Die Brücke besteht aus zwei Scherenkonstruktionen aus Stahl, die einen ebenfalls wandelbaren Gehweg einfassen, der der kolbengesteuerten Bewegung der Brücke folgt. Dafür sorgt ein geniales System aus Holmen und Wangen, das die Kästen des flachen Gehwegs in Treppenstufen verwandelt.
Die vollständig in rostfreiem Stahl gebaute Struktur wurde im Werk vorgefertigt und montiert, in einem Stück transportiert, aufgebockt und schliesslich eingebaut. Die Brücke wurde am 25. Juni 2016 offiziell in Betrieb genommen. Für das weltweit einmalige Konzept der Fussgängerbrücke beim Jet d’Eau wurde ein Patent angemeldet.
Eine ausführlichere Version dieses Artikels erschien zuerst im dreisprachigen Buch «Schweizer Ingenieurbaukunst 2016/2017» (vgl. Kasten).
Angaben zur Publikation
Clementine Hegner-van Rooden et al.: Schweizer Ingenieurbaukunst – L’art des ingénieurs suisses – Opere di ingegneria svizzera – 2015/2016.
Espazium – Der Verlag für Baukultur, Zürich 2016, 128 Seiten, 21 × 29.7 cm, Softcover; dreisprachig deutsch, französisch, italienisch; zahlreiche farbige Pläne und Abbildungen, ISBN 978-3-9523583-4-4, Fr. 45.–;
im Buchhandel oder Bestelladresse: <email-pii>
Schweizer Ingenieurbaukunst 2017/2018
Ermutigt durch den grossen Erfolg von «Schweizer Ingenieurbaukunst 2015/2016», plant espazium – Der Verlag für Baukultur, unterstützt durch die Verbände usic und SIA, den nächsten Band: «Schweizer Ingenieurbaukunst 2017/2018» (vgl. «Call for papers»).
Bereits die erste Projektsammlung erregte eine für Fachbücher aussergewöhnlich hohe Aufmerksamkeit. Deshalb würdigen wir herausragende Ingenieurwerke, die in den nächsten zwei Jahren fertiggestellt werden, in einem neuen dreisprachigen Buch. Erscheinen soll es im November 2018, bei ausreichender Nachfrage ist zusätzlich eine englische Ausgabe vorgesehen.
Bitte schicken Sie Ihre besten Projekte an <email-pii>.