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Altarkreuz
Das in geschweiften Dreipässen endende Kreuz steht auf einem Sockel, der sich über drei gekehlte und geschwungene Stufen verjüngt. Alle Flächen der Vorderseite schmückt durchbrochenes Rocaillenwerk, den Sockel zusätzlich eine Rosenranke. Über dem Kruzifix aus Elfenbein stehen die Insignien und am Balkenschnittpunkt auf der Rückseite das in ein durchbrochenes Oval eingefügte Monogramm Christi. Flammende Strahlenbündel in den Winkeln der Kreuzbalken umfassen das nimbierte Haupt wie ein zweiter Lichtschein. An der Rückseite des Sockels befindet sich eine aufgenietete Silberplakette mit der gravierten Inschrift des Stifters «Georg: Lud:[ovicus] Ign:[atius] Rüttiman Insignis Eccl[esiae] Coll:[egialis] ad S:[anctum] Leodeg:[arum] Lucernae Praepositus 1779» sowie Rüttimanns eigenes Wappen und das Stiftswappen. Am Kreuz und Sockel befinden sich der Beschaustempel Zug und das Meisterzeichen vom Goldschmied Franz Anton Fidel Brandenberg (1729–1808).
Der Stifter Georg Ludwig Ignaz Rüttimann (11.12.1701–27.12.1791) war Propst der Stiftskirche St. Leodegar in Luzern und musste gute Beziehungen zum Goldschmied Franz Anton Fidel Brandenberg (1729–1808) gehabt haben, denn mit dem oben beschriebenen Altarkreuz erwarb er sich nach einem Messbuch (1765) und einem Wettersegen (1771) für St. Leodegar zum dritten Mal ein Werk dieses Goldschmieds. Ob Rüttimann das Altarkreuz für sich behielt oder ebenfalls der Stiftskirche schenkte, ist ungeklärt. Der Zuger Goldschmied Franz Anton Fidel Brandenberg (20.11.1729–16.01.1808) war ab 1750 Mitglied der St. Lukasbruderschaft Zug und vor 1759 Mitglied der St. Lukasgesellschaft in Beromünster. Das äusserst fein geschnitzte Kruzifix stellt mit seinem im Schmerz pathetisch emporgehobenen Haupt den so genannten einsamen Christus dar, einen Typus des Gekreuzigten, den der flämische Künstler Peter Paul Rubens (15.06.1577–30.05.1640) in seinem Antwerpener Altarwerk 1610 prägte, der Elfenbeinschnitzer Georg Petel (1601/1602–1634) in die Elfenbeinskulptur übertrug und den viele Künstler bis ins späte 18. Jahrhundert immer wieder aufgriffen. Verkörpert das zurückhaltend expressive und auffallend flach geschnitzte Elfenbeinwerk am oben beschriebenen Altarkreuz schon den sich ankündigenden Stil des Klassizismus, so verharrt die Goldschmiedearbeit des Kreuzes im vergangenen Rokoko und orientiert sich mit den noch weitgehend symmetrischen Rocaillen sogar einer Stilstufe, die in der Zeit um 1750/1760 auf ihrem Höhepunkt war. Brandenberg blieb, wie viele Goldschmiede seiner Zeit, zeitlebens beim Formenrepertoire des Barocks und Rokokos.