Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03277.jsonl.gz/1387

Navigation mit Access Keys
- Direkt zur Startseite
- Direkt zur Navigation
- Direkt zum Inhalt
- Direkt zur Kontaktseite
- Direkt zur Sitemap
- Direkt zur Suche
Hauptnavigation
Metanavigation
Sprachmenü
Pfadangabe
Stärkung der sozialen Fähigkeiten in der Schule
Die meisten Kinder erwerben Kompetenzen, die ihnen erlauben, sich im Schulalltag wohl zu fühlen. Sie lernen nach und nach, die Gefühle und die Absichten der andern richtig einzuschätzen, angemessen zu interagieren, ihre Impulse zu erkennen und zu steuern, weitere Schritte zu planen und die Folgen abzuschätzen, Regeln zu beachten und kooperative Problemlösungen zu finden.
Durch Kompetenztrainingsprogramme an der Schule werden diese Fähigkeiten systematisch gefördert. Dazu gehören Rollenspiele, Szenarien, Erzählungen und Erlebnisse, integriert in den Schulalltag. Dabei werden jeweils unterschiedliche Prioritäten festgelegt. Alle Programme gehen gegen Aggressionen, mangelnde Selbstbeherrschung, Schwächen im Umgang mit sozialen Problemen und aggressiv geäusserte Meinungsunterschiede vor.
Es gibt zwei Methoden:
- Verhaltensbezogene Methoden. Die Kinder erlernen praktische Fähigkeiten und wenden sie im Umgang bzw. in der Reaktion mit andern an. Dazu üben sie z.B. in Rollenspielen bestimmte Interaktionsmuster ein.
- Kognitiv-soziale Methoden. Die Kinder erlernen und entwickeln die Fähigkeiten, ihr Umfeld richtig zu interpretieren, ihre Wünsche und Gefühle adäquat zu äussern und ihre Impulse zu beherrschen.
Soziale Kompetenzen aktiv fördern
Das Kompetenztraining in Schulen hat sich laut allen Studien bewährt. Eine Metaanalyse, in der 80 Studien unter die Lupe genommen wurden, kommt zu einem positiven Ergebnis. Erfolge sind vor allem bei der Verbesserung der sozialen Kompetenzen sichtbar, etwas weniger bei konkreten Verhaltensproblemen. Das Kompetenztraining ist unabhängig von der Methode für Schüler jeder Altersgruppe nützlich.
Es hat sich gezeigt, dass modellierte Programme effizienter sind als von den Lehrpersonen selbst erarbeitete Programme.
Zudem zeigt die Analyse, dass erfolgreiche Projekte auf aktive Beteiligung, praktische Übungen, Feedback an die Kinder und auf die tägliche Anwendung der erworbenen Kenntnisse setzen. Dagegen sind Projekte, bei denen Inhalte im Frontalunterricht oder auf Übungsblättern (z.T. mit anschliessender Diskussion) vermittelt werden, nicht immer effizient.
PFADE
Das Programm zur Förderung alternativer Reflexionsstrategien aus den USA - in den angelsächsischen Ländern unter dem Namen Paths bekannt - soll Verhaltensproblemen vorbeugen und soziale, kognitive und sprachliche Kompetenzen fördern. Es richtet sich an die Schüler des Kindergartens und des 1. bis 6. Schuljahrs. Mehrere Zürcher und Solothurner Schulen haben dieses Programm eingeführt.
Pfade setzt auf zwei Ebenen an:
- individuell: Relativieren von gezeigten oder nicht gezeigten Reaktionen auf Probleme; Verbesserung von Lernmotivation und schulischen Leistungen;
- in der Schule: Weniger Störungen während des Unterrichts verbessern die Arbeitsatmosphäre.
Dabei müssen sich die ganze Schule und die Elternschaft für das Programm engagieren. Die Förderer von Pfad legen den Schwerpunkt besonders auf die Umsetzung des Programms, das sie mit der Schulleitung und den dafür ernannten Ansprechpersonen erarbeiten.
Pfade findet bisher in den Schulen grosse Resonanz. Positive Auswirkungen wurden in den folgenden Bereichen festgestellt: Selbstbeherrschung, Verstehen der Emotionen, Frustrationstoleranz, Einsatz von effizienten Konfliktbewältigungsmustern, Reflexions- und Planungsfähigkeiten.
Faustlos
Die deutsche Anpassung des Programms Second Step soll von der Vorschule bis zum Ende der Schulpflicht schrittweise zur Gewaltprävention beitragen.
Das auf aktuelle psychologische Erkenntnisse gestützte Programm fördert die Empathie und die Impulskontrolle. Der Schwerpunkt liegt auf der Übertragung der Kompetenzen in den Schulalltag.
Das Programm umfasst altersgerechte Angebote wie Marionettentheater für die jüngsten Kinder oder Rollenspiele und Videosequenzen für Primar- und Sekundarschüler. Die Lehrpersonen erhalten Hilfe von Experten.
Nach Auffassung der Eltern und der Kinder selbst sind Schüler, die am Programm teilgenommen haben, weniger ängstlich. Die Lehr- und Erziehungspersonen stellen im Schulalltag Effekte der Gewaltprävention fest. Bereits in den ersten Schuljahren sind die Kinder in der Lage, die Gefühle der Klassenkameraden zu beschreiben, leichter Lösungen für zwischenmenschliche Probleme und Konflikte zu finden, konstruktive Vorschläge zu formulieren und mit den Klassenkameraden zu verhandeln. Dank diesen Kompetenzen muss weniger Unterrichtszeit für die Konfliktbewältigung aufgewendet werden. Die Kinder lösen Meinungsunterschiede meistens unter sich.
ESSKI – Eltern und Schule stärken Kinder
Sechs Deutschschweizer Kantone setzen dieses Programm gegenwärtig um. Ziele sind die Verringerung von Stress, Aggressionen, Gewalt und Drogenkonsum. Schüler, Eltern und Lehrpersonen sollen sich gleichzeitig für die Thematik Gesundheitsförderung, Ressourcen und soziale Kompetenzen engagieren.
Im schulischen Rahmen nehmen die Kinder am zwölfwöchigen Programm "fit und stark fürs Leben" teil. Die Eltern absolvieren ein Programm zur Förderung ihrer Erziehungskompetenz. Zudem können sie sich in Erziehungsfragen telefonisch beraten lassen. Die Lehrpersonen schliesslich arbeiten in Weiterbildungen an ihren persönlichen Ressourcen und an der Stressbewältigungsfähigkeit.
Die Programmevaluation zeigt, dass Kinder dank der Teilnahme an ESSKI weniger streitlustig, weniger cholerisch und weniger hyperaktiv sind. Sie fühlen sich seltener traurig oder niedergeschlagen und beklagen sich weniger über körperliche Beschwerden. Eltern können besser Grenzen setzen und schwierige Situationen bewältigen. Sie zeigen ihrem Kind häufiger Wertschätzung und gehen gelassener und sicherer mit Konflikten um. Die Lehrpersonen beschreiben sich insgesamt als stressresistenter als vor dem Programm, sie fühlen sich leistungsfähiger und haben mehr Energie.
Contes sur moi (Zähl auf mich!)
Das kanadische Programm setzt auf die harmonische Integration der Kinder in die Gesellschaft. Es fördert die sozialen Fähigkeiten und friedliche Problemlösungsstrategien. Das Programm richtet sich an Betreuungspersonen von fünf- bis neunjährigen Kindern. Ziel ist es, zwischenmenschliche Probleme zu erkennen und die Konsequenzen der jeweiligen Lösungsmöglichkeiten einzuschätzen. Die Kinder sind in der Lage, die jeweils angemessene Lösung auszuwählen.
"Contes sur moi" besteht aus einem Pädagogik-Kit mit drei Teilen:
- theoretische Grundlagen des Programms.
- Praktische Tätigkeiten für jede Altersstufe: Basteln, Rollenspiele, Übungen in Anlehnung an Alltagssituationen.
- Ein Kapitel richtet sich an die Eltern, um sie auch einzubeziehen und über die Aktivitäten an der Schule auf dem Laufenden zu halten. Es geht darum, eine Brücke zwischen Schule und Elternhaus zu schlagen.
Eine auf drei Jahre angelegte Studie zeigt, dass die Schüler das Aktivitätsangebot schätzen und sich stärker für die Schule interessieren. Wenn das Programm konsequent durchgeführt wird, nehmen sozialfreundliche Verhaltensweisen und das Selbstwertgefühl nachhaltig zu.
Différents, mais pas indifférents - früher: Vers le pacifique (Nicht gleich, aber auch nicht gleichgültig - früher: Auf zum Pazifik)
Das vom Pazifikinstitut in Montreal erarbeitete und in Kanada verbreitete Programm wurde in einigen Schulkreisen des Kantons Freiburg eingeführt. Zielpublikum sind Kinder von der Vorschule bis zur Sekundarstufe. Kinder und Jugendliche beteiligen sich aktiv an Konfliktlösungen. Zudem werden Begriffe wie Gewalt, Einschüchterung, Eindrücke, Respekt vor dem Anderssein und gewaltfreie Kommunikation behandelt.
Das Programm umfasst zwei Kapitel:
- Konfliktlösung: Die Kinder werden für die verschiedenen Aspekte eines Konflikts sensibilisiert. Sie machen sich mit den Mitteln vertraut, die sie für eine positive Konfliktlösung einsetzen können.
- Mediation: Als nächsten Schritt führt die Schule eine Peer-Mediation ein. Dabei werden vom Schulpersonal und den Mitschülern ausgewählte Kameraden als Peer-Mediatoren ausgebildet.
Die Evaluation zeigt, dass Schüler, die während zwei Jahren am Programm teilgenommen haben:
- Emotionen in potenziellen Konfliktsituationen besser bewältigen;
- Konfliktursachen besser erkennen;
- Lösungen zur Wiedergutmachung und zur Konfliktlösung finden;
- ihre Gefühle äussern können;
- konfliktlösungsfähig sind;
- Selbstkontrolle beweisen;
- pro-soziales Verhalten zeigen.