Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03240.jsonl.gz/1573

Nadig, 1989
- DE: Schweizer Goldschrecke
- EN: Swiss Gold Grasshopper
- FR: Le Criquet des Churfirsten
- Syn.: No synonym!
Morphologie
Die beiden Geschlechter von Podismopsis keisti sind ebenso unterschiedlich wie bei den anderen Goldschrecken. Die Grundfarbe des kleineren Männchens ist goldbraun. Die Kopfoberseite und die obere Hälfte des Halsschilds sind oft dunkel bis schwarz. Die Halsschild-Seitenkiele sind deutlich nach innen gebogen. Die Flügel sind in der Seitenansicht im ersten Drittel leicht aufgewölbt und erreichen ca. das dritte Viertel der Hinterschenkel, nicht aber das Hinterleibsende. Die deutlich grösseren und plumperen Weibchen sind in der Farbe sehr variabel, meist goldgelb, silbergrau, braun oder grünlichbraun mit mehr oder weniger dunklen Stellen an den Hinterleibsseiten. Die schuppenförmigen Flügel laufen am Hinterrand in eine Spitze aus. Sie erreichen ungefähr die Länge des Halsschilds. Die Hinterschienen sind beim Männchen dunkelgelb und beim Weibchen orangerot. Die Legeröhrenklappen sind kurz und kompakt, ähnlich wie bei Chrysochraon dispar.
Gesang
Der mässig laute Gesang von Podismopsis keisti besteht aus Versen, die im Abstand von 2-4 s mehr oder weniger regelmässig wiederholt werden. Die einzelnen Verse sind aus 5-15 Silben aufgebaut. Je nach Temperatur dauern sie zwischen 0,5 und 3 s. An einem warmen Sommertag dauern die Verse typischerweise 0,5-1,2 s und bestehen aus ca. 7-11 Silben. Die maximale Lautstärke wird erst nach der Versmitte erreicht. Die Männchen gehen zwischen den einzelnen Versen in der Vegetation umher oder sitzen auf einer kleinen Felsfläche. Nur bei hohen Temperaturen singen sie auch bei bedecktem Himmel. Treffen zwei Männchen aufeinander, äussern sie Verse oder einzelne Silben mit kleinen Beinbewegungen. Die Verse haben durchschnittlich weniger Silben und werden z.T. nur mit einem Hinterbein oder mit phasenverschobenen Beinbewegungen erzeugt. Ein intensiver Werbegesang fehlt. Vor einem Weibchen erzeugen die Männchen lange Reihen von Versen, die denjenigen des Spontangesangs gleichen. Die Verse sind aber etwas leiser und können kurz vor einem Paarungsversuch deutlich kürzer sein. Die Anspringlaute vor der Paarung sind ebenso vielfältig wie bei anderen Kurzfühlerschrecken.
Spontangesang von Podismopsis keisti - CH, SG, Grabs, 17 °C (Aufnahme Bruno Keist).
Spontangesang von Podismopsis keisti bei warmen Temperaturen - CH, SG, Gamserrugg, 20 °C, sonnig.
Spontangesang von Podismopsis keisti bei tiefen Temperaturen - CH, SG, Grabs, 17 °C (Aufnahme Bruno Keist).
Spontangesang und kürzere Verse des Rivalengesang von Podismopsis keisti beim Aufeinandertreffen mit einer anderen Heuschrecke - CH, SG, Grabs, 17 °C (Aufnahme Bruno Keist).
Einzelner Vers aus dem Spontangesang von Podismopsis keisti - CH, SG, Grabs, 17 °C (Aufnahme Bruno Keist).
Verbreitung
Podismopsis keisti ist die einzige endemische Heuschrecken-Art der Schweiz. Sie kommt ausschliesslich auf dem Gamser- und Chäserrugg und einigen weiteren Gipfeln der Churfirsten in Höhen von 1500-2250 m vor. Die Entdeckung dieser Goldschrecke Ende der 1980er Jahre durch Lotti und Bruno Keist war eine grosse Überraschung. Mittlerweile wurde mit Podismopsis styriaca in der Steiermark (Österreich) durch Anton Koschuh eine weitere Art der Gattung entdeckt, die ebenfalls nur sehr lokal vorkommt. In Osteuropa kommen mit Podismopsis relicta (Montenegro) und Podismopsis transsylvanica (Rumänien) weitere Arten mit einem kleinen Verbreitungsgebiet vor.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere von Podismopsis keisti können von Ende Juni bis Oktober beobachtet werden.
Die Tiere sind tagaktiv. Die Männchen durchstreifen auf der Suche nach Weibchen die Zwergstrauchheiden und lassen dabei unentwegt ihren explosiven Gesang ertönen.
Lebensraum
Podismopsis keisti besiedelt Alpweiden und Zwergstrauchheiden, die von felsigen Bereichen durchzogen sind. Sie ist sowohl an offenen Stellen als auch in dichter Vegetation anzutreffen.
Gefährdung & Schutz
Podismopsis keisti wurde aufgrund des kleinen Verbreitungsgebiets als stark gefährdet eingestuft. Die Art ist trotz oder gerade wegen der extensiven Bewirtschaftung und des Skitourismus häufig. Als ernsthafte Gefahr könnte sich eine klimatische Erwärmung auf Podismopsis keisti auswirken, da die Gipfel der Churfirsten durch ihre beschränkte Höhe wenig Spielraum für eine Besiedlung höherer Gebiete zulassen.
- CH: EN (Stark gefährdet)
- DE: Abwesend
- AT: Abwesend
- Europa: VU (Verletzlich)
Ähnliche Arten
Besonders die Weibchen von Podismopsis keisti können mit Chrysochraon dispar verwechselt werden. Diese sind schlanker und die Halsschild-Seitenkiele sind nahezu gerade. Die Männchen von Chrysochraon dispar und beide Geschlechter von Euthystira brachyptera können anhand der einheitlich leuchtend grünen bis goldbraunen Grundfarbe unterschieden werden. Im Verbreitungsgebiet kommen mit Miramella alpina und Pseudochorthippus parallelus zwei ähnliche Arten vor. Miramella alpina unterscheidet sich durch die stets grüne Grundfarbe und einem schwarzen Strich, der vom Auge bis zum Flügel reicht. Sie besitzt zudem als eindeutiges Merkmal einen kegelförmigen Fortsatz auf der Brust. Bei den Weibchen von Pseudochorthippus parallelus berühren sich die Flügel auf dem Rücken, bei Podismopsis keisti hingegen nicht. Die Subgenitalplatte der Männchen von Podismopsis keisti läuft in eine stumpfe Spitze aus. Ausserdem sind die Fühler von Podismopsis keisti gerade und am Ende nicht nach aussen gebogen, wie dies bei Pseudochorthippus parallelus oft der Fall ist. Die anderen Arten der Gattung Podismopsis aus Osteuropa sind sich trotz der Entfernung in Morphologie und Gesang sehr ähnlich.