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In der Diskussion um den Begriff «Intelligenz» ist es in letzter Zeit Mode geworden, von der mit Tests messbaren «kognitiven Intelligenz» als zweiten Aspekt die «emotionale Intelligenz» zu unterscheiden, die für die Einführung des Eigenen in den sozialen Raum verantwortlich sei und ungefähr «kommunikative Kompetenz» bedeute.
Diese Differenzierung könnte auf die «Kultur»-Diskussion übertragen heissen: Neben dem quantitativen Aspekt, der Produkthaftigkeit von Kunst, müsste auch ein qualitativer – die Kommunikationsfähigkeit innerhalb des kulturellen Prozesses – diskutiert werden. Wie die kognitive Schlaumeierei nicht das einzige Kriterium sein kann für die Einschätzung menschlicher Intelligenz, so ist die blenderische Artistik des Kunstprodukts nur ein Aspekt unter anderen für die Einschätzung seiner Bedeutung im kulturellen Prozess.
Zwischen der kommunikativen Kompetenz des Kunstwerks und dem in der Kunstepoche der Moderne paradigmatischen Anspruch auf Autonomie besteht ein Spannungsverhältnis. Neben der Frage: Was sagt das Genie wie? wäre es deshalb nötig, die Frage nach der emotionalen Intelligenz seiner Kunstwerke zu stellen: Mit wem versuchen sie ins Gespräch zu kommen? Mit wem nicht? Und warum ist das so? (Zu behaupten, Kunstwerke seien für alle Menschen, ist Marktschreierei von Kleingewerblern: Es ist immer noch so, dass drei Viertel der Menschen auf dieser Welt nicht die Möglichkeit haben, sich für Kunst zu interessieren, auch wenn sie das möchten.)
(25.08.1996; 28.04.2006; 17.10.2017; 25.06.2018)