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Restaurant Kreuzstrasse
An der Kreuzung der Bottminger- und der Therwilerstrasse steht das erste original englische Pub im Leimental, das „Smugglers Pub“. Die Liegenschaft wurde im Jahre 1895 gebaut und liegt an der Kreuzung zwischen der Bottmingerstrasse und der Therwilerstrasse. Die markante Lage zwischen zwei sich kreuzenden Strassen war wahrscheinlich auch der Grund, warum das Restaurant bis ins Jahr 1988 den Namen „Kreuzstrasse“ trug. Der Überlieferung nach soll es sich dabei auch um ein Zollhaus gehandelt haben. In einer ersten Planungsphase der 1887 errichteten Birsigtalbahn war der Oberwiler Bahnhof bei der Wirtschaft Kreuzstrasse geplant. Da die Station aber zu weit ausserhalb des Dorfes schien, wurde die Haltestelle samt Depotanlage weiter westlich auf der anderen Seite des Birsigs errichtet.
Das Restaurant „Kreuzstrasse“ wurde hauptsächlich von Arbeitern besucht, die in der gegenüberliegenden Brauerei Waldschlössli tätig waren. Da die Gastwirtschaft im „Brauereiquartier“ und somit „äne am Jordan“ lag, waren dort nur selten Oberwiler anzutreffen. Ein wichtiger auswärtiger Gast könnte der 1891 geborene Zeichenlehrer und Illustrator Willy Walter gewesen sein. Während der Grenzbesetzung im Ersten Weltkrieg 1914 – 1918 hat ein W. Walter mit Ölfarbe einen einzigartigen Karikaturenfries direkt auf die Holzwände des Restaurants aufgetragen. Humoristisch und schonungslos werden mit akribischer Genauigkeit Portraits von Schmugglern gezeigt, die fast alles, was nicht niet- und nagelfest war, aus der Schweiz ins damalige deutsche Elsass schmuggelten. Das Leimental war im und nach dem Ersten Weltkrieg als Grenzregion zum Elsass ein Schmugglerparadies. So karikierte Walter die Gewinnsucht der Bevölkerung zwischen Oberwil und Rodersdorf: „Helvetia muesch nit verzage. Mir kriege die au no am Krage, und fülle dir denn s’Portmonnaie.“ Über die Grenze verschoben wurden nicht nur Käse und andere Lebensmittel, sondern auch Alkohol, Zigarretten und „hygienische Artikel“: „Dä Gummi wird beschlagnahmt, s’sisch zwar kein zum schluche, doch kas Schwyzer Militär die Gummiware ganz guet bruuche.“
Da einige Landwirte auch Land im benachbarten Elsass besassen, war es einfach, unter dem Heu massenweise Käse ins eigene Dorf zu transportieren, ohne dass es ein Zöllner bemerkt hätte. Als Gegenleistung gelangten Tabakwaren, Konserven, Seife, Schokolade und sehr viel Kaffee auf dem umgekehrten Weg zum Abtausch. Andererseits wurde auch immer wieder auf der Birsigtalbahn-Strecke Flüh-Leymen Ware aus dem Zug geworfen. Da mag man sich fragen, welche Rolle die Zöllner eingenommen haben: „Vom me Zöllner wird verlangt, dass er au emol e Schmuggler fangt!“ Beim genaueren Betrachten von Walters Zeichnungen wird dann auch rasch klar, dass sich so manch ein Zöllner am recht einträglichen Schmuggelgeschäft beteiligte.
Nach einem Besitzerwechsel und fünfmonatiger Umbauzeit wurde das ehemalige Restaurant Kreuzstrasse 1988 in ein Pub umgewandelt. Inspiriert durch die einzigartigen Bildgeschichten an den Wänden des Gasthauses wurde das neue Gesicht eines alten Hauses geprägt. Damit die Schmuggler (engl: smuggler’s) weiterleben können, wurde der passende Name „Smugglers Pub“ ausgewählt. Verdankenswerterweise hat der Besitzer Markus Knöpfli die Wandmalereien mit den Schmugglerbildern aus der Zeit des Ersten Weltkrieges beim Umbau erhalten und erneuert. Die Zeit, in welcher die „Kreuzstrasse“ im Brauereiquartier mehrheitlich von „Fremden“ besucht wurde, gehört schon lange der Vergangenheit an. Unter dem engagierten Wirt Daniel Aufranc ist das Pub bei vielen Oberwilerinnen und Oberwiler zu einem beliebten Stammlokal geworden.