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Erschienen: 26. Februar 2010
Editorial
«Michelle Obama tut es... die Queen auch. Über das Glück im Garten.» titelte das Zeitmagazin im August 2008 und fragte auf den folgenden Seiten «Warum zieht es in diesem Jahr alle Welt in den Garten, sogar Michelle Obama und die Queen, Filmstars und Schriftsteller» – und stellte neben den beiden bereits Genannten unter anderem auch gleich die gärtnerischen Ambitionen von Tilda Swinton, Elfriede Jelinek, Prince Charles und Claus Peymann, Dennis Hopper und Martin Walser vor.
Der Garten ist damit heute nicht nur in der Mitte der Gesellschaft angekommen, sondern auch wieder in ihren höchsten Kreisen. Das Gärtnern ist salonfähige Freizeitbeschäftigung. In einer Gesellschaft, in der Obst und Gemüse industriell gewonnen werden, ist der Ernteerfolg im eigenen Garten nebensächlich.
Interessant ist vor dem Hintergrund des permanenten Bedeutungswandels von Gärten die Renaissance temporärer Anlagen. In ihrer Geschichte wurden sie in Zeiten des Krieges auch in der Schweiz als Zwangsmassnahme verordnet, um Nahrungsmittel direkt dort, wo sie am dringendsten gebraucht wurden, zu produzieren: in den Städten. Der «Plan Wahlen» war ein Programm zur Förderung des innerschweizerischen Lebensmittelanbaus seit 1940, auch Anbauschlacht genannt. Er sah eine Steigerung der Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln vor und hatte zur Folge, dass auf allen grösseren, nicht bebauten Flächen Äcker und Gemüsegärten angelegt wurden. Alleine in Zürich führte dies zur Rodung von über 1000 Hektaren Wald und ihrer Umwandlung in Landwirtschaftsfläche. Mit Hilfe des Plans Wahlen wurden die Anbauflächen fast verdoppelt, weder Fussballplätze noch Parkanlagen blieben verschont.
Temporäre Gärten halten auch heute wieder verstärkt Einzug in Städte, wo sie Baulücken füllen, Brachen beleben oder Touristen anziehen. In Deutschlands neuen Bundesländern werden sie sogar zu Instrumenten städtebaulicher Entwicklung: In schrumpfenden Regionen ist die Bevölkerung aufgerufen, mit Hilfe temporärer Gärten, wie zum Beispiel im Projekt «400 qm Dessau», den Stadtumbau aktiv mitzugestalten.
Gärten haben aber auch immer noch klassische Gartenfunktionen – sie dienen der Repräsentation, der Meditation, der Erziehung und der Therapie. Sie sind Aufgabenfeld von Landschaftsarchitekten, Erholungsorte sowie Treffpunkte für Menschen. Sie verbessern die Siedlungsökologie und leisten ausserdem, besonders als Vertikal- und Dachgärten, einen Beitrag zur Verbesserung des städtischen Klimas.
anthos 1/2010 versucht, diese Bandbreite anzureissen – und beginnt mit dem Streben nach Glück und Erkenntnis im Garten.
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