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»Wenn es Liebe war, so habe ich sie verloren. Sie ist mir abhanden gekommen, wie einer jener Gegenstände, die man ordentlich in einen Schrank gelegt und dort vergessen hat.«
Die Ich-Erzählerin ist eine Frau von 37 Jahren, alleinerziehende Mutter zweier Kinder, der Expartner lebt in Israel. Sie unterrichtet Geografie in einer Abendschule für Erwachsene. An den freien Tagen schreibt sie ihre Beobachtungen in eine Art intimes Tagebuch.
Sie schreibt so, wie sie Jahre zuvor um die Welt gereist ist, als »klassische« Tramperin, unabhängig und allein, geleitet von dem, was ihr begegnet und widerfährt. Diese Weltreise war eine Schlüsselerfahrung, und sie nimmt darauf immer wieder Bezug: das Zufällig-an-einem-Ort-Sein, das Unterwegssein, das flüchtige Abenteuer, das Vorübergehen. Die Tagebuchschreiberin ist bemüht um Genauigkeit, Ehrlichkeit, Illusionslosigkeit – das Leben: »eine lange Reise, auf der man Station für Station registriert«.
Trotz einer bemerkenswert distanzierten Erzählhaltung ist alles andere als ein kalter Text entstanden. Er berichtet von den Erlebnissen einer Mutter, einer Lehrerin, einer Tochter und Schwiegertochter. Keine Sensationen, der Alltag einer modernen berufstätigen Frau. Und doch: ein Text voller Spannungsbögen, der im Laufe der Lektüre einen enormen Zug entwickelt und die Lesenden nicht mehr loslässt.
Andrea Blanqué, geb. 1959 in Montevideo, in einer katalanischen Familie. Studierte Literatur und Philologie in Uruguay und Spanien. Sie schreibt regelmäßig für El País Cultural (Spanien), wo sie vor allem durch ihre Porträts von schreibenden Frauen bekannt geworden ist. Sie hat zahlreiche Gedichte und Erzählungen veröffentlicht. Für La pasajera (2003), ihren zweiten Roman, hat sie mehrere Literaturpreise in Uruguay und Argentinien erhalten. Sie lebt in Uruguay. 2006 LiBeraturpreis für Autorinnen aus Afrika, Asien und Lateinamerika für den Roman Die Passantin (2005).