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Der Bilderkosmos von Claude Sandoz wirkt nicht zufällig wie ein Traum aus exotischen Paradiesen. Tatsächlich verdankt sich der Farb- und Formenreichtum seiner Bilder, Druckgrafiken und raumgreifenden Installationen zu einem guten Teil den Erfahrungen und Eindrücken, die er von zahlreichen Reisen in den Orient, nach Indien und in die Karibik mitgebracht hat.
Sandoz wuchs deutsch- und französischsprachig in Zürich auf, machte seine Matura in Fribourg und besuchte ab 1964 die Kunstgewerbeschulen in Bern und Biel. Seit seinem Abschluss 1966 arbeitet er als freischaffender Künstler. Schlagartig bekannt wurde er Ende der 1960er-Jahre mit bis dahin ungewohnt grossformatigen Schwarz-Weiss-Zeichnungen, die ihm zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien einbrachten. Die Sammlung der Mobiliar verfügt über mehrere Arbeiten von Sandoz, überwiegend auf Papier. Ein Grossteil der Blätter entstand um die Mitte der 1980er-Jahre, als Sandoz begann, nahezu ausschliesslich in Serien und Zyklen zu arbeiten, oft inspiriert von Volkskunst wie dem neapolitanischen Marionettentheater, japanischen Holzschnitten oder der Motivik von Kelimteppichen. Die starke Farbigkeit seiner Figuren, die flirrenden Kontraste und schillernden Verläufe, in denen sie sich zu komplexen ornamentalen Kompositionen verschlingen, lassen seine Bilder förmlich pulsieren. Sandoz selbst hat diesen «Farbsound» einmal als die wichtigste Qualität seiner Arbeiten bezeichnet. Ein anderer zentraler Aspekt in dieser Werkphase ist sein Interesse für Spiegelungen. In der Serie der Zimmer (1986) etwa entwirft er bühnenartige, meist achsensymmetrisch konstruierte Räume für bizarre Traumtänze von in Scheiben fragmentierten Menschen, Pferden und Kamelen. Nahezu perfekt gespiegelt erscheinen auch die beiden eng miteinander verschlungenen Figuren des Blattes Zwillinge (1987), auf dem sich selbst Himmel und Erde entlang der Mittelachse spiegeln. Seit Ende der 1990er-Jahre speist sich Sandoz’ Arbeit grossenteils aus der Auseinandersetzung mit dem Alltag auf der karibischen Insel St. Lucia, wo der in Luzern lebende Künstler mehrere Monate im Jahr verbringt. Seine oft raumgreifenden Installationen bestehen nun häufig aus mehreren Hundert Blättern, die er zu Blöcken arrangiert.
Claude Sandoz’ Werk entzieht sich jeder Kategorisierung. Er kreiert eine eigene Bildwelt, die Figuren, Symbole und Ornamente aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen zu einem utopischen Panorama des harmonischen Zusammenlebens in einer globalisierten Welt sampelt. Er selbst versteht seine lebensfrohen Arbeiten als «Gegenbilder zum Status Quo».
Claude Sandoz, 1946 in Zürich (CHE) geboren, lebt und arbeitet in halbjährlichem Wechsel in Luzern (CHE) und in Soufrière (LCA).
Tätigkeitsbereiche: Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Installation