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Artischocke - Cynara scolymus
Cynara scolymus (syn. Cynara cardunculus);
Artischocke (syn. Französische Artischocke, Grüne Artischocke, Kugelartischocke).
VORKOMMEN
Als Wildpflanze ist die Artischocke unbekannt, Die Pflanze wird in ganzen südlichen Europa und den USA in grossem Massstab kultiviert. Hauptanbaugebiete in Europa sind Italien, Spanien und Rumänien. Als Gartenpflanze kann sie vor Frost geschützt überall gehalten werden.
MERKMALE
Die Artischocke ist eine krautige Pflanze mit kurzem, ausdauerndem
Wurzelstock. Der Stengel wird bis zu 2 m hoch und ist unbehaart. Die
Laubblätter erreichen eine Grösse von bis 80 x 40 cm, sie sind weich,
oberseits hellgrün und unbehaart, unterseits graufilzig behaart. Die
Hüllkelchblätter sind fleischig und an der Spitze zu einem abgeflachten
Zipfel auslaufend. Die Kronblätter sind meistens blau oder lila.
Der fleischige Blütenboden und auch die fleischige Basis der Hüllblätter sind gekocht eine beliebte Delikatesse.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Cynarae folium (syn. Folia Cynarae); Artischockenblätter, die frischen oder getrockneten Laubblätter.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Gefunden wurden Sesquiterpen-Bitterstoffe (bis zu 5 %), vor allem Cynaropikrin. Im weiteren Caffeoylchinasäuren (Chlorogensäure und Cynarin), sowie Flavonoide vom Luteolin-Typ.
PHARMAKOLOGIE
Die Hemmung der Cholesterolbiosynthese sowie
die choloretische Wirkung als Ursache der Blutlipidspiegel senkenden Wirkung gilt als
gesichert. Eine Beteiligung insbesondere der Coffeoylchinasäuren und
der Flavonoide ist wahrscheinlich entscheidend.
Die Steigerung der Galleproduktion und die Steigerung der Sekretion von Gallenflüssigkeit (Cholerese) wird den Cofeoylchinasäuren, insbesondere der Chlorogensäure und ihren Isomeren zugeschrieben. Die Bitterstoffwirkung wird den Sesquiterpenlactonen zugeschrieben.
ANWENDUNG
Anerkannte medizinische Anwendungen:
- Kommission E: dyspeptische Beschwerden (Verdauungsstörung
- ESCOP: Verdauungsstörungen wie Magenschmerzen, Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen, Flatulenz und Gallenbeschwerden.
- Artischockenblätter wurden vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Dosierung: mittlere Tagesdosis 6 g Droge (Zubereitungen entsprechend).
Viele käufliche Gallen- und Lebertees enthalten neben der Artischocke z.B. Mariendistel, Pfefferminze, Schafgarbe, Löwenzahn und Kamille.
Es werden auch Trockenextrakte aus getrockneten (oder frischen) Artischockenblättern in Kapseln, Dragees oder auch gelöst in Flüssigkeiten angeboten.
Die Einnahme von Fertigpräparaten, in denen die Anwesenheit sowohl der Flavonoide als auch der Coffeoylchinasäuren standardisiert vorliegen, ist der Teebereitung vorzuziehen.
STATUS
- Kommission E: - positive Bewertung
- ESCOP: - positive Bewertung
- HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
- Klinische Studien: positiv
HOMÖOPATHIE
Cynara scolymus HAB; Artischocke, die frischen, zur Blütezeit geernteten, oberirdischen Pflanzenteile.
Anwendungsgebiete: chronische Leber-Galle-Störungen.
ARTISCHOCKE IM GARTEN
Die Artischocke liebt sandige, nährstoffreiche Lehmböden ohne Neigung zu
Staunässe. Häufige Wasserzufuhr ist nötig, Artischocken lieben Wasser.
Die Pflanze ist sehr Wärme liebend und nährstoffzehrend.
Die Artischocke braucht möglichst einen sonnigen Platz im Garten, wo sie sich gut ausbreiten kann. Eine üppige Artischockenpflanze nimmt mit ihrem Laub etwa einen Quadratmeter ein.
Angebaut wird durch Aussaat oder Pflanzung. Jungpflanzen kriegen sie in jeder guten Gärtnerei. Als Arzneipflanze ist die Artischocke nur einjährig nutzbar. Artischocken zählen zu den Starkzehrern und müssen daher regelmässig mit Nährstoffen und Wasser versorgt werden. Sie lieben einen pH-Wert von 6,5 – 7,5.
Als Frostschutz im Winter dient eine Lage Stroh mit anschliessender Erdabdeckung, das verhindert selbst bei längeren Frostperioden Kälteschäden
SONSTIGES
Erste Berichte über die Artischocke gibt es bei Plinius und Columella, wobei die Zuordnung der dort erwähnten Pflanzen unsicher ist. So könnte das altgriechische scolymos, das sich auf die Dornen bezieht, auch andere Disteln meinen. Etwa im ersten Jahrhundert nach Christus scheint der Beginn der Kultivierung der Artischocke zu liegen. Die Araber verbreiteten die Artischocke im südlichen Mittelmeergebiet.
Letzte Änderung: 26.04.2017 / © W. Arnold