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EINS
Es war dunkel im Raum. Lichtstreifen vom Morgenlicht, das durch die geschlossenen Fensterläden sickerte, schwebten scheinbar magisch in einer unbestimmbaren Entfernung, je länger er hinschaute. Wenn er die Augen wieder schloss, sah er sie immer noch, nur diesmal leuchtend blau. Diese Lichtstreifen waren wie seine Träume. Sie waren immer da. Wenn er schlief und wenn er erwachte. Sie ließen ihn nicht los. Sie veränderten ihre Farbe, aber niemals ihre Form. Zumindest nicht seit dem Unfall im Tunnel damals.
Alles in seinem Körper schmerzte. Jede Faser vermisste sie, jeder Muskel, jeder Quadratzentimeter Haut. Er glaubte, dass es einfacher für ihn wäre, wenn sie anders gestorben wäre. Aber die Nacht im Tunnel hatte sie einfach aus seinem Herzen gerissen und ein klaffendes Loch hinterlassen. Sein Herz tat, was es konnte, um gegen diesen Verlust anzukämpfen und anzupumpen. Aber wie lange es noch durchhielt, vermochte er nicht zu sagen.
Ich sollte jetzt besser aufstehen, dachte er. Die Fensterläden öffnen, das schmerzende Sonnenlicht hereinlassen und dann irgendetwas tun. Doch jeden Morgen stand er ratloser und ratloser vor dem Tag. Was konnte er machen, was ergab Sinn? Was würde irgendetwas besser machen? Was konnte ihn ablenken, zumindest für einen Augenblick? Immer wieder fragte er sich, ob es sich überhaupt lohnte aufzustehen.
»Luca!«, rief eine Stimme draußen vor der Tür. Schritte polterten auf der alten Veranda. Es war Massimo.
»Du bist zu früh!«, rief Luca.
»Gar nicht. Du schläfst zu lange«, kam es durch den schmalen Spalt in der Tür.
»Gar nicht.«
Luca rappelte sich auf und stöhnte. Mit ausgestreckten Händen tapste er durch die Dunkelheit auf die Tür zu. Er kannte sich in diesem Haus noch nicht gut genug aus, um nicht irgendwo anzustoßen. Er war erst vor Kurzem hier eingezogen. Ein kleines Haus, eigentlich mehr eine Holzhütte, auf einem verwilderten Grundstück direkt über dem Abgrund, dem Steilhang, der über Campione aufragte. Er und Martina hatten zusammenziehen wollen und seine alte Wohnung renoviert und vergrößert. Doch darin hatte er nicht mehr leben können. Er hatte sie verkauft und sich auf dieses kleine Stückchen Land zurückgezogen. Der Komfort war minimalistisch, aber mehr benötigte er nicht. Er brauchte die Abgeschiedenheit. Dafür war es perfekt. Er wollte allein sein.
»Luca!«, drängte Massimo ihn.
»Ja, ja, ich komm ja schon.« Er schlurfte schneller und schloss die Tür auf. Der kleine Massimo stand jetzt freudestrahlend vor ihm und hielt ihm ein Glas Honig hin. Auf dem Etikett waren eine Bleistiftzeichnung einer Biene und ein handgeschriebenes Datum zu sehen.
»Hier, für dich.«
»Danke dir.«
»Was machst du heute?«, fragte der Kleine.
Luca warf vorsichtig einen Blick hinaus in den Garten bis hinunter zum Grundstücksende, das von einem alten Drahtzaun und dichten, undurchdringlichen Brombeerbüschen begrenzt wurde.
»Weiß noch nicht. Und du?«
»Wir fahren nach Gargnano, Fisch kaufen.«
»Wann geht denn die Schule wied