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Die Kernenergie liefert etwa 16% des britischen Stroms, aber der heutige Kernkraftwerkspark nähert sich dem Ende seiner Lebensdauer. 2016 bewilligte die Regierung Verträge für das erste neue Kernkraftwerk seit über einer Generation – Hinkley Point C –, das 7% des gegenwärtigen Strombedarfs des Landes decken wird. Die Branche hat über ein Jahr darauf gewartet, dass die Regierung über die Unterstützung des geplanten Sizewell-C-Projekts sowie der Standorte in Wylfa Newydd und Moorside entscheidet.
Vorgesehene Massnahmen
Das Weissbuch «Powering our Net Zero Future» konkretisiert den Zehn-Punkte-Plan für eine grüne industrielle Revolution, den Premierminister Boris Johnson im November 2020 vorgestellt hatte. Es legt bestimmte Massnahmen dar, welche die Regierung im nächsten Jahrzehnt ergreifen wird, um die Emissionen aus Industrie, Verkehr und Gebäuden um 230 Mio. t zu senken und unterstützt gleichzeitig Hunderttausende neuer grüner Arbeitsplätze. Es folgt zudem Johnsons Ankündigung am Climate Ambition Summit, dass die Regierung ihre direkte Förderung des Energiesektors für fossile Brennstoffe in Übersee beenden werde.
Mit Ausnahme von Sizewell B und Hinkley Point C, die in Bau sind, sollen alle bestehenden britischen Kernkraftwerke bis Ende 2030 abgeschaltet werden. Die Regierung hat sich bereits verpflichtet, bis spätestens 2025 aus der Kohle auszusteigen. Die fehlenden Kapazitäten müssten ersetzt werden, um mit der bestehenden Nachfrage Schritt zu halten, aber diese könnte sich bis 2050 verdoppeln, sagte die Regierung. Infolgedessen könnte Strom bis dann mehr als die Hälfte des Endenergiebedarfs decken (2019 rund 17%).
«Obwohl wir noch mit keiner spezifische Technologielösung planen, können wir einige Schlüsselmerkmale des zukünftigen Generationsmix erkennen», heisst es im Weissbuch. «Ein kostengünstiges Netto-Null konsistentes System besteht wahrscheinlich hauptsächlich aus Wind und Sonne. Um jedoch sicherzustellen, dass das System auch zuverlässig ist, müssen intermittierende erneuerbare Energien durch Technologien ergänzt werden, die bei Strom liefern, wenn der Wind nicht weht oder die Sonne nicht scheint, oder aber die Nachfrage reduzieren.» Heute umfasst dies die Kernenergie, Gas mit Kohlenstoffabscheidung und -speicherung sowie Flexibilität durch Batterien, nachfrageseitige Reaktionen, Verbindungsleitungen und flexible, kurzfristig verfügbare Erzeugungskapazitäten.»
Investitionen in die Kernenergie
Die Regierung strebt bis 2030 Offshore-Windenergie von 40 GW an und wird bis zu diesem Zeitpunkt den Einsatz von mindestens einem Projekt zur Nutzung und Speicherung der Kohlenstoffabscheidung unterstützen. Zudem will sie bis 2024 mindestens ein grosses Nuklearprojekt bis vor den endgültigen Investitionsentscheid (Final Investment Decision, FID) bringen. «Wir werden später für weitere Projekte offenbleiben, wenn die Nuklearindustrie nachweist, dass sie Kosten senken sowie Zeitplan und Budget einhalten kann», heisst es im Weissbuch. «Wir gehen davon aus, dass sie ihr 2018 selbst gesetztes Ziel – die Kosten für nukleare Neubauten bis 2030 um 30% zu senken – erreichen wird», fügte sie hinzu. «Die Beschaffung von genügend privatem Kapital zur Finanzierung eines Kernkraftwerks ist eine Herausforderung, da ein Kernkraftwerksentwickler erhebliche Investitionen tätigen muss, um den FID-Punkt zu erreichen. Bei der Prüfung der Finanzierungsoptionen werden wir die potenzielle Rolle der staatlichen Finanzierung während des Baus untersuchen, sofern das Preis-Leistungs-Verhältnis für Verbraucher und Steuerzahler stimmt.» Darüber hinaus werde die Regierung bis zu GBP 385 Mio. (CHF 460 Mio.) in einen sogenannten Advanced Nuclear Fund bereitstellen, von denen GBP 215 Mio. (CHF 258 Mio.) in die Entwicklung eine inländische SMR-Auslegung investiert werden, das voraussichtlich bis zu GBP 300 Mio. (CHF 360 Mio.) private Co-Finanzierung freisetzen werde. Die verbleibenden GBP 170 Mio. (CHF 203 Mio.) fliessen in ein Forschungs- und Entwicklungsprogramm für fortgeschrittene modulare Reaktoren (AMR). Um die Markteinführung der AMR-Technologien zu unterstützen, werde die Regierung weitere GBP 40 Mio. (CHF 48 Mio.) in die Entwicklung der rechtlichen Rahmenbedingungen und in die Unterstützung der britischen Lieferkette investieren. Als erstes werde das Programm 2021 das Generic Design Assessment für SMR-Technologien öffnen. «Die Unterstützung der Entwicklung unserer Lieferkette wird unsere Chancen erhöhen, über einheimisches Know-how zu verfügen, das weltweit führend bei der Entwicklung der Nukleartechnologien der Zukunft sein kann – SMR und fortgeschrittene modulare Reaktoren. Deren globaler Markt wird bis 2035 auf etwa GBP 250–400 Mrd. (CHF 300–480 Mrd.) geschätzt, so das Weissbuch. Ziel sei es, bis Anfang der 2030er-Jahre eine SMR-Auslegung zu entwickeln und einen AMR-Prototyp zu bauen.
Investitionen in die Fusion
Die Regierung will zudem bis 2040 ein wirtschaftlich rentables Fusionskraftwerk bauen und hat bereits über GBP 400 Mio. (CHF 480 Mio.) für neue britische Fusionsprogramme bereitgestellt. Der Spherical Tokamak for Energy Production (STEP) werde voraussichtlich die weltweit erste kompakte Fusionsanlage sein, die bis 2040 in Grossbritannien gebaut werde. Anfang Dezember 2020 forderte das STEP-Programm die Gemeinden in ganz Grossbritannien, sich als Standort für den STEP zu bewerben.
Quelle
M.A. nach Department for Business, Energy and Industrial Strategy, Medienmitteilung, 14. Dezember 2020, und WNN, 14. Dezember 2020
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