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Unbekannte haben der «Süddeutschen Zeitung» Millionen Dokumente über rund 215'000 Briefkastenfirmen in Panama übergeben. Die Enthüllung bringt Spitzenpolitiker, Sportstars und weitere Persönlichkeiten in Erklärungsnot.
Was wir wissen:
Die Recherchen unter dem Titel Panama Papers basieren auf einem Datenleck bei der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca. Deren Chef Ramón Fonseca Mora bestätigte im Fernsehsender TVN: «Wir wurden gehackt. Das ist ein Verbrechen.»
Sein Unternehmen helfe aber nicht bei Geldwäscherei oder Steuerhinterziehung. Die Kanzlei gründe lediglich Firmen und verkaufe sie dann an Banken, Vermögensverwalter oder Anwälte. Eine Geschäftsbeziehung zu den Endkunden bestehe nicht.
Zu den Profiteuren der Offshore-Dienste zählen den Berichten von Medien aus rund 80 Staaten zufolge zwölf frühere und amtierende Staats- und Regierungschefs sowie 128 weitere Politiker. Auch internationale Finanzinstitute – nicht wenige mit Schweizer Bezug – sind beteiligt.
Bestätigungen oder konkrete Stellungnahmen gibt es von den wenigsten Fällen. Generell gilt: «Der Besitz einer solchen Offshore-Firma ist für sich nicht illegal», schreibt die «Süddeutsche». «Aber wer sich in den Panama Papers umsieht, stellt sehr schnell fest, dass es bei den meisten Fällen vor allem um eines geht: zu verschleiern, wem die Firma in Wahrheit gehört.»
Die Daten belegten, wie die globale Offshore-Industrie im Verbund mit grossen Banken, Anwaltskanzleien und Vermögensverwaltern in aller Verschwiegenheit die Besitztümer von Prominenten verwalte.
Die Medien betonen, dass es viele legale Einsatzmöglichkeiten von Offshorefirmen, Trusts und Stiftungen gebe. Grundsätzlich sei festzuhalten: «Es gilt in jedem Fall bei den hier genannten Personen die Unschuldsvermutung.»
Igor Angelini, Chef der Finanzermittlungseinheit von Europol, erklärt dem Bericht zufolge, dass Briefkastenfirmen auch eine «wichtige Rolle bei Geldwäscherei-Aktivitäten im grossen Massstab» spielen. Gleiches gelte für Korruption: Offshore-Firmen würden besonders genutzt, «um die Bestechungsgelder weiterzuleiten».
Der Enthüller des NSA-Skandals, Edward Snowden, sprach auf Twitter vom «grössten Leck in der Geschichte des Daten-Journalismus, und es geht um Korruption.» Der deutsche Grünen-Europapolitiker Sven Giegold forderte mehr Transparenz. »Es ist eine Schande, dass wir im Kampf gegen die elendige Steuerflucht auf solche Datenlecks angewiesen sind«, erklärte Giegold.
«Ja, der Bericht ist richtig. Ich kann bestätigen, dass wir eine sogenannte Voruntersuchung in die Wege geleitet haben», sagte der Sprecher der ermittelnden Kammer der Ethikkommission, Roman Geiser. Weitere Details nannte er nicht.
Der Leiter des Rechercheverbundes von NDR, WDR und «Süddeutscher Zeitung», Georg Mascolo, sagte am Sonntagabend in der ARD-Sendung «Anne Will», er gehe davon aus, dass von dem Einblick in das Geschäft in Steueroasen «ganz erhebliche» Sprengkraft ausgehe.
Mascolo kündigte weitere Veröffentlichungen an. «Das, was da in den nächsten Tagen zu lesen und zu hören sein wird, in der ‹Süddeutschen Zeitung›, in der ARD und auch anderswo, halte ich für sehr bemerkenswert, weil wir einen solchen Einblick in das Geschäft dieser Steueroasen bisher in diesem Umfang nicht gehabt haben.»
(kad/sda/dpa)