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Sollte sich ein Pferdebesitzer für eine Umstellung seines beschlagenen Pferdes auf das Barhufgehen entscheiden, sind vorgängig folgende Punkte zu beachten:
Sinnvoll wird eine Umstellung erst, wenn die Grundbedingungen - sprich Haltungs- und Hufpflegebedingungen - gegeben sind. Danach muss sich der Besitzer im Klaren sein, dass er mit der Abnahme der Eisen ein Barhufpferd besitzt und entsprechend Rücksicht nehmen muss. Auch ein etwas grösserer zeitlicher- und finanzieller Aufwand muss in der Regel in Kauf genommen werden.
Die Umstellungsphase dauert in der Regel 6-9 Monate, im ungünstigsten Falle bis zu einem Jahr. Dies ist abhängig vom Zustand der Hufe während des Beschlages, von der Beschlagsdauer sowie vom körpereigenen Stofwechsel des Pferdes. Auf keinen Fall kann es jedoch sein dass Pferde nach 1-2 Jahren noch nicht auf "barfuss" umgestellt sind. Eine solche Aussage verbietet alleine schon das entsprechende Hufwachstum.
Hier einige Anhaltspunkte zum Hufwachstum. Das durchschnittliche Wachstum zeigt sich wie folgt:
a) beim Pferd beträgt er monatlich
b) Der Jahresdurchnitt des Wachstums beträgt beim Pferd 103,1 mm
Die Trachten wachsen durchschnittlich um 10 mm mehr als die Zehe.
Eine Umstellung kann jederzeit, bei jedem Pferd und in jedem Alter vorgenommen werden. Grundvoraussetzungen sind wie erwähnt - die Haltungsbedingungen und eine regelmässige Hufpflege.
Umstellung auf Barhuf? Ja - aber nicht so...
Wie läuft eine Umstellung ab?
Aufgrund der Tatsache, dass die Blutzufuhr während des Beschlages nicht vollumfänglich gewährleistet war, hat in der Folge das Pferd während der Beschlagsdauer nichttragfähiges Horn produziert. Dies lässt sich wie folgt erklären:
Thermobilder zeigen, dass unbeschlagene Hufe eine höhere Temperatur - also eine bessere Durchblutung - aufweisen. Nachstehend einige Thermoaufnahmen:
Gut zu erkennen die hellgelben Regionen mit höherer Temperatur also folglich sehr guter Durchblutung.
In Gegensatz dazu ein beschlagenes Pferd:
Unschwer ist zu erkennen, dass die Temperatur deutlich tiefer liegen wie bei einem unbeschlagenen Pferd.
Alle Thermoaufnahmen wurden zum gleichen Zeitpunkt und unter den gleichen Bedingungen gemacht.
Aufgrund der Fixation des Hufes durch den Eisenbeschlag wird die Blutzufuhr zu den Hufen eingeschränkt. Die Aufbaustoffe für die Hufe - welche thermisch empfindlich sind - werden in den obereren Extremitäten angestaut und dort zum Teil zerstört. Der ganze Huf hat mit einem Beschlag seine von der Natur aus erhaltene Elastizität eingebüsst und die "Hufpumpe" kann ihren Dienst nur eingeschränkt erledigen.
Aufgrund der vorliegenden Situation kann Niemand mit Gewissheit sagen, wie gut das Horn, nach der Abnahme der Eisen, das Pferd noch trägt. Ganz entscheidend ist der vorangegangene Hufbeschlag. Je mehr sich auf den Trachtenenden - und nur dort ist beim Beschlag noch eine Bewegung des Hufes möglich - noch bewegen konnte, desto stärker ist in der Regel das Horn.
Aus diesem Grund sollten auch niemals Nägel über der breitesten Stelle an einem Huf angebracht werden.
Werden Nägel über der breitesten Stelle eingeschlagen, bewegt sich schlichtweg nichts mehr. Die Folge davon sind Pferde, bei welchen laufend Tragwände wegbrechen und welche auf längere Zeit hinaus nicht mehr beschlagen werden können.
Die Abnahme der Eisen muss mit grösster Vorsicht geschehen. Wir haben gute Erfahrungen gemacht, die Hufnägel einzeln zu entfernen. Die Gefahr beim "Abreissen" der Eisen mittels Abreisszange liegt darin, dass ganze Wandteile wegbrechen können. Eine gerade während der Umstellung ganz ärgerliche Geschichte. Nach der Abnahme der Eisen müssen die Tragwände entsprechend eingekürzt werden. Auf keinen Fall dürfen nur die Eisen entfernt und das Pferd so stehengelassen werden. Das Resultat ist auf dem ersten Bild zu erkennen. Die Nagellöcher haben die Tragwand "perforiert" und an dieser Stelle können ohne entsprechende Bearabeitung die Hufwände ausbrechen. In der Folge verliert das Pferd schnell an Höhe und wird innert kurzer Zeit fühlig, wenn nicht gar lahm werden.
In den meisten Fällen ist nach der Abnahme der Eisen eine lange "Zehe" anzutreffen und das Pferd steht irgendwie komisch da. Hier ein Beispiel dazu:
Die besagte "lange Zehe" muss unbedingt zurückgenommen werden. Der Grund dafür ist die Tatsache, dass sich dünne Tragwände schneller ablaufen wie dicke Tragwände.
Bei einer "langen Zehe" ist eine dickere Hornwand im vorderen Hufsegment gegenüber den Seitenwände immer der Fall. Aus diesem Grund sind die Hufwände rund um den Huf auf die gleiche Wandstärke auszurichten. Als Anhaltspunkt wird dabei die dünnste Hornwanddicke - im Falle einer langen Zehe an den Seitenwänden - genommen. Danach werden die Hornwände auf diese Dicke bearbetet. Massgebend dabei ist immer die "Weisse Linie". Nur bei genau gleich dicken Hornwänden rund um den ganzen Huf, läuft sich das Pferd seine Horwände plan ab sprich es macht keine Stellungsänderung. Es ist ferner darauf zu achten, dass auch die Eckstreben auf Sohlenniveau eingekürzt werden sollten.
Es empfiehlt sich sehr, der Abnahme der Eisen sowie dem "ersten Schnitt" grösste Aufmerksamkeit einzuräumen.
Nach 14 Tagen ist in der Regel eine Nachkontrolle einzuplanen. erst dann kann festgestellt werden, wie tragfähig das bestehende Hufhorn noch ist. Abbrechende Teile während dieser Zeitspanne sind mittels einer Raspel zu entfernen. Die Bruchstücke können nicht mehr angeklebt oder befestigt werden und stellen für das Pferd eine Verletzungsgefahr dar. Sollten während dieser Anfangsphase Teile der Hufwände abbrechen, ist durch einen erfahrenen Hufpfleger oder Hufschmied eine entsprechende Korrektur vorzunehmen.
Sofern festgestellt wird dass die Trangwände das Gewicht des Pferdes nicht tragen können, darf auf keinen Fall zugewartet werden. Das Pferd muss mit einem entsprechenden Hufschutz unterstützt oder neu beschlagen werden. Die Palette an Hufschuhen resp. Kunststoffklebebeschläge ist gross. Ein bis auf die Sohle abgelaufenes Pferd ist nur bedingt einsatzfähig und sehr schwer wieder auf die gewünschte Höhe zu bekommen.
Es empfiehlt sich ferner während der Umstellungsphase - und auch danach - puren Essig zu verwenden. Essig besitz die Eigenschaft dass er die Hornwände festigt und Strahlfäule vorbeugt. Er kann bedenkenlos pur verwendet werden. Die Essigmarke oder Sorte spielt keine Rolle.
Während der Umstellung gibt es immer wieder Auf und Ab. In jeden Fall kann jedoch ein Pferd von einer Stunde auf die andere neu beschlagen werden. Entscheidet sich ein Pferdebesitzer für eine Umstellung, sollte er fest davon überzeugt sein. Es sind in der Regel 6-9 Monate Zeit für die Umstellung "durchzubeissen". So lange benötigt im Normalfalle ein Pferd bis ein neuer Huf vom Kronrand bis zum Tragrand heruntergewachsen ist. Wie bereit erwähnt ist dies abhängig vom Stoffwechsel des Pferdes und deshalb bei jedem Pferd eine individuelle "Ueberraschung".
Wichtig: Es bringt weder dem Besitzer des Pferdes - noch dem Pferd selbst etwas - wenn immer wieder Versuche zum Barhufgehen unternommen, das Vorhaben jedoch in der Folge nach einigen Wochen wieder abgebrochen werden.
Wir werden immer wieder angefragt, ob sich alle Pferderassen zum Barhufgehen eignen. Dies müssen wir eindeutig verneinen. Nicht alle Pferderassen können problemlos umgestellt werden. Wir müssen hier beispielsweise die Entglischen Vollblutpferde sowie schwere Kaltblutrassen in die Kategorie "schwierig" einstufen. Ebenso liegt es auf der Hand, dass Kutschenpferde sowie Pferde oder Maultiere der Armee nicht ohne entsprechenden Hufschutz - sprich Beschlag oder Hufschuhe - auskommen können. In diesen Fällen ist der mechanische Abrieb auf die Hufwände zu gross.