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Vergiftung PharmakodynamikEine akute Vergiftung entsteht bei der Verabreichung einer Substanz, die im Körper schwere bis lebensbedrohliche unerwünschte Effekte verursacht. Typische Auslöser sind Arzneimittel, Chemikalien, Reinigungsmittel, Giftpflanzen, Giftpilze und Rauschmittel. Eine Vergiftung ist ein medizinischer Notfall, der von einer Fachperson umgehend abgeklärt werden muss. Ein gängiges Mittel für die Behandlung ist die Aktivkohlesuspension. Für einige Vergiftungen stehen spezifische Antidote zur Verfügung. Brechmittel werden heute nicht mehr empfohlen. Definition und Einleitung
Eine akute Vergiftung liegt vor, wenn dem Körper eine Substanz zugeführt wird, welche schwere unerwünschte bis potenziell lebensbedrohliche Effekte verursacht. Sie kann absichtlich, in suizidaler Absicht, aufgrund eines Verbrechens oder unbeabsichtigt entstehen.
Die Gifte gelangen über verschiedene Wege in den Organismus. Sie werden beispielsweise eingenommen, inhaliert, gespritzt oder sie werden über die Haut in den Blutkreislauf absorbiert.
Kinder sind besonders gefährdet, weil sie gerne Dinge in den Mund nehmen, um sie kennenzulernen und sie aufgrund ihres geringen Körpergewichts auf kleine Dosen reagieren. Deshalb sollen gefährliche Stoffe wie Arzneimittel, Reinigungsmittel und Chemikalien sicher aufbewahrt werden.
Und schliesslich werden ältere Menschen häufig mit vielen Medikamenten gleichzeitig behandelt (Polypharmazie), was ein Risiko darstellt. Die physiologischen Veränderungen im Alter erhöhen die Empfindlichkeit auf Arzneimittel, zum Beispiel aufgrund einer Niereninsuffizienz. Gleichzeitig gehen die kognitiven Fähigkeiten zurück, was den richtigen Umgang erschwert.Chronische Vergiftungen
Bei einer chronischen Vergiftung treten akut nur geringe oder keine Symptome auf. Es wird eine Dosis des Gifts zugeführt, die nicht akut, aber im Verlauf von Wochen bis Jahren krank macht. Beispiele sind das Rauchen, Schwermetalle, ein übermässiger und regelmässiger Zuckerkonsum und ein chronischer Alkoholmissbrauch.Arzneimittelvergiftung
Arzneimittel sind in allen Statistiken über Vergiftungen die häufigsten Auslöser. Eine typische Ursache ist eine Überdosierung, zum Beispiel infolge einer Fehldosierung, eines zu kurzen Dosierungsintervalls oder einer absichtlichen Verabreichung. Wirkstoffe mit einer geringen therapeutischen Breite haben ein erhöhtes Gefahrenpotenzial.
Überdosierung, Illustration © PharmaWikiGifte und potenzielle Auslöser
Einige Beispiele sind im Folgenden aufgelistet:
- Arsen
- Arzneimittel, z.B. Opioide, Schmerzmittel, Antipsychotika, Schlafmittel
- Chemikalien wie Säuren und Basen
- Coffein
- Ethanol (Alkohol)
- Farben
- Gase wie Kohlenstoffmonoxid, Dämpfe
- Kohlenwasserstoffe wie Benzin und Diesel (Treibstoffe)
- Giftpflanzen wie der blaue Eisenhut, Engelstrompeten und der rote Fingerhut
- Giftpilze wie der grüne Knollenblätterpilz
- Insektizide, Pestizide, Dünger, Rodentizide
- Kaliumcyanid
- Methanol
- Rauschmittel
- Reinigungsmittel, Geschirrspülmittel, Seifen
- Rizin
- Schwermetalle wie Quecksilber, Blei und Thallium
- Strychnin
- Nervengifte wie VX und Nowitschok, Cholinesterase-Hemmer
Eine Vergiftung ist ein medizinischer Notfall, der eine sofortige Reaktion und eine Abklärung durch eine Fachperson notwendig macht. Tox Info Suisse (Notfallnummer 145) gibt in der Schweiz fachliche Auskünfte. Bei einer schweren Symptomatik muss der Rettungsdienst (144) umgehend alarmiert werden.
Es muss beachtet werden, dass zwischen der Verabreichung und dem Auftreten der Symptome eine symptomlose Latenzzeit liegt, vor allem bei der Einnahme von Giften. Ein typisches Beispiel ist die Paracetamolüberdosis. Von der Abwesenheit von Symptomen auf einen gutartigen Verlauf zu schliessen, ist also nicht angezeigt.
Bei Bedarf soll erste Hilfe geleistet werden. Allerdings muss darauf geachtet werden, nicht selbst in Kontakt mit dem Gift zu kommen. Gifte auf der Haut oder in den Augen sollen mit viel Wasser weggespült und verdünnt werden. Seife kann die Entfernung fettlöslicher Stoffe unterstützen.Medikamentöse Behandlung
Als Mittel der Wahl wird die Einnahme von Aktivkohle als Suspension empfohlen, welche Gifte im Verdauungstrakt an sich bindet und der Ausscheidung mit dem Stuhl zuführt. Aktivkohle muss in der Schweiz in jeder Apotheke vorrätig gehalten werden. Allerdings ist zu beachten, dass sie nicht gegen alle Gifte wirksam ist. Suspensionen müssen vor der Verabreichung geschüttelt werden.
Brechmittel wie Ipecacuanha, Apomorphin und Kochsalz werden heute nicht mehr empfohlen. Das forcierte Erbrechen und die Magenspülung werden aufgrund der Risiken nur noch selten angewandt. Kontraindiziert sind sie bei Säuren und Basen und Kohlenwasserstoffen wie Benzin.
Das Trinken von Milch ist bei den meisten Vergiftungen nicht hilfreich.Antidote
Die meisten Patientinnen und Patienten werden symptomatisch behandelt. Für einige Stoffe stehen aber auch spezifische Antidote zur Verfügung, welche den Effekten der Gifte entgegenwirken. Das sind zum Beispiel Opioid-Antagonisten wie Naloxon bei einer Opioid-Überdosierung oder N-Acetylcystein bei einer Paracetamolvergiftung.
Ausführliche Informationen finden Sie im Artikel mit dem Thema → Antidote.siehe auchLiteratur
- Arzneimittel-Fachinformation (CH)
- Bateman D.N. Poisoning and self-harm. Clin Med (Lond), 2012, 12(3), 280-2 Pubmed
- Fachliteratur
- Frithsen I.L., Simpson W.M. Recognition and management of acute medication poisoning. Am Fam Physician, 2010, 81(3), 316-23 Pubmed
- Mégarbane B. et al. Management of pharmaceutical and recreational drug poisoning. Ann Intensive Care, 2020, 10(1),157 Pubmed
- Müller D, Desel H. Common causes of poisoning: etiology, diagnosis and treatment. Dtsch Arztebl Int, 2013, 110(41), 690-9 Pubmed
- Nationale Giftzentren (CH, D, CAN, AUS)
- Wennig R. et al. Mushroom Poisoning. Dtsch Arztebl Int, 2020, 117(42), 701-708 Pubmed
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