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Das buddhistische Königreich Bhutan im Himalaja war über Jahrhunderte von der Aussenwelt isoliert. Seit den sechziger Jahren öffnet es sich langsam modernen Einflüssen. Der jetzige König Jigme Singye Wangchuk treibt auch die Demokratisierung voran.
Eingeklemmt zwischen Indien und China erstreckt sich Bhutan von der Brahmaputra-Tiefebene bis zu über 7500 Meter hohen Himalaja-Gipfeln. Das Land mit 700'000 Einwohnern ist kaum grösser als die Schweiz. Die dominierenden und mit den Tibetern verwandten Drukpa leben vorwiegend in den Bergtälern.
Bhutan führte lange Zeit eine Isolationspolitik aus Sorge, bei Verlust der eigenen Kultur zwischen den beiden Mächten Indien und China mit ihren Milliarden-Bevölkerungen aufgerieben zu werden. Dem seit 1972 regierenden König Jigme Singye Wangchuk liegt viel daran, die buddhistisch geprägte Kultur zu erhalten.
Der 46-jährige König führte deshalb die von seinem Vater begonnene Öffnung äusserst sanft weiter. Erst seit 1973 wird in Bhutan Radio übertragen; Fernsehen und Internet gibt es sogar erst seit 1999.
Demokratisierung
1998 gab der König auch seine absolute Macht ab. Seither teilt er die Führungsaufgaben mit einer Regierung, einem königlichen Beraterstab und einem Parlament. Ein Verfassungsentwurf wird in einigen Monaten vorgelegt.
Der König schwört auch äusserlich dem Absolutismus ab: Zwar hat er in der Hauptstadt Thimphu im Dzong, dem vornehmen Königsitz und Sitz des obersten religiösen Würdenträgers, seine Verwaltung, doch arbeitet er in bescheidenen Verhältnissen ausserhalb der Stadt.
Bruttoglücksprodukt
Bescheiden ist auch die Wirtschaftskraft des Landes, das als eines der ärmsten der Welt gilt. Die Einwohner leben vorwiegend von der Land- und Forstwirtschaft. Das Bruttosozialprodukt lag 1999 bei tiefen 640 Dollar pro Einwohner.
Die Bhutanesen profitieren allerdings von einer weit verzweigten Gesundheitsversorgung und zunehmend von einem Bildungssystem, das sie unentgeltlich in Anspruch nehmen können. Auch ist das soziale Gefälle viel weniger gross als in anderen Ländern der Region.
Der König spricht in diesem Zusammenhang vom "Bruttoglücksprodukt". Er möchte nicht einfach die wirtschaftliche Leistung der Bhutanesen steigern, sondern ihre Lebensqualität heben.
Der König will eine nachhaltige Entwicklung, welche die Umwelt schont, die Kultur erhält und die sozialen Unterschiede nicht akzentuiert. Diese Vorgaben kommen vor allem in der Entwicklungs-Zusammenarbeit zur Geltung.
Problematischer Süden
Allerdings profitieren nicht alle Bhutanesen im gleichen Mass von diesen hehren Zielen. Im Süden und Südosten schwelt ein Konflikt zwischen dem buddhistischen Staatsvolk und der seit Jahrhunderten aus Nepal zugewanderten hinduistischen Bevölkerung.
Ungelöst ist etwa das Schicksal von rund 100'000 nepalisch-stämmigen Menschen, die in den 90er Jahren aus ethnischen Gründen aus Bhutan vertrieben wurden und seither in sieben grossen Flüchtlingslagern in Nepal leben. Dies führte zu Spannungen zwischen den beiden Königreichen.
Zudem wird der Süden von marxistischen Separatisten aus dem indischen Bundesstaat Assam als Rückzugsgebiet genutzt. Den Entwicklungs-Organisationen ist der Zugang zu diesem Landesteil grösstenteils verwehrt.
Doch Bhutan wird in der Landessprache nicht wegen seinen Konflikten "Donnernder Drache" genannt. Die Stürme, die periodisch über das bergige Land fegen und die Wolken, die sich ohrenbetäubend entladen, geben dem Land den Namen.
swissinfo und Beat Furrer (sda)