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Vor 116 Jahren wurde sie Albert Einstein feierlich übergeben, nun ist sie nach einer abenteuerlichen Reise durch Zeit und Raum wieder zurück: Die Universität Zürich hat die Doktoratsurkunde des weltberühmten Physikers durch eine Zuwendung an die UZH Foundation erworben und stellt sie nun in einer Vitrine in der Eingangshalle des Kollegiengebäudes aus.
Gestern wurde die Vitrine anlässlich einer Veranstaltung zum 100-jährigen Jubiläum der Nobelpreis-Verleihung an Albert Einstein an der UZH vom Executive Director der Nobel-Stiftung Vidar Helgesen und von UZH-Rektor Michael Schaepman eingeweiht. Vor dem Hintergrund des Jubiläums diskutierten schwedische und schweizerische Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik an der UZH Innovationsthemen. Organisiert wurde die Jubiläumsveranstaltung von der Schwedischen Botschaft und den Innovationsagenturen Innosuisse (Schweiz) und Vinnova (Schweden).
Wissenschaftliches Wunderjahr
Albert Einsteins Karriere ist eng mit Zürich verbunden: Einstein studierte von 1896 bis 1900 am Eidgenössischen Polytechnikum Physik und reichte 1905 seine Dissertation «Eine neue Bestimmung der Moleküldimensionen» an der Universität Zürich ein. Im Januar 1906 erhielt er dafür die Doktorwürde und die entsprechende Urkunde. Danach war er von 1909 bis 1911 Professor für Theoretische Physik an der UZH und von 1912 bis 1914 an der ETH Zürich.
1905 war für Albert Einstein ein unglaublich produktives Jahr. In die Geschichte der Physik eingegangen ist es als annus mirabilis, als Wunderjahr. Der Wissenschaftler veröffentlichte damals innerhalb kurzer Zeit fünf Arbeiten, die aus heutiger Sicht alle nobelpreiswürdig waren. Eine dieser für die Physik bahnbrechenden Studien war seine 17-seitige Dissertation «Eine neue Bestimmung der Moleküldimensionen», die der damals 26-Jährige am 30. April 1905 fertigstellte und am 20. Juli an der Universität Zürich einreichte.
Häufig zitierte Doktorarbeit
Albert Einsteins Zürcher Dissertation wurde in der Folge häufig zitiert. Anhand von Daten über Zuckerlösungen mit bekannter Konzentration und einer neuen Formel für die Diffusion zeigte der Physiker, wie sich aus der Zähflüssigkeit (Viskosität) die Molekülgrösse und die Anzahl Moleküle in einem Mol (Avogadro-Zahl) berechnen lassen. Mit seiner Arbeit stützte Einstein auch die damals umstrittene Hypothese, welche die Existenz von Atomen voraussagte. Die Erkenntnisse dieser Studie haben vielfältige Anwendungen gefunden – etwa in der Bauindustrie und der Petrochemie. Zitiert wird die Arbeit beispielsweise auch in ökologischen Studien, die die Ausbreitung von kleinsten Flüssigkeitstropfen (Aerosolen) in der Atmosphäre behandeln.
Vier weitere Geniestreiche
Neben seiner Dissertation publizierte Albert Einstein 1905 in den «Annalen der Physik» vier weitere Arbeiten, die die Physik revolutionieren sollten. Noch vor seiner Doktorarbeit stellte er im März 1905 seine Studie zum photoelektrischen Effekt fertig, für die er später den Nobelpreis erhalten sollte. Einstein formuliert darin seine Lichtquantenhypothese. Sie besagt, Licht bestehe aus Portionen (Quanten) von Energie. Wenn diese Quanten stark genug sind, können damit Elektronen aus einer Metalloberfläche geschlagen werden. Dabei wird elektrische Ladung freigesetzt, die gemessen werden kann – dies nennt man den photoelektrischen Effekt. Einstein gelang es damit, ein in der Physik schon länger bekanntes Phänomen korrekt zu erklären. Seine Lichtquantenhypothese wurde fast zwanzig Jahre später experimentell bewiesen.
Nachträglicher Nobelpreis
Den Nobelpreis des Jahres 1921 erhielt Albert Einstein «für seine Verdienste um die theoretische Physik, besonders für seine Entdeckung des Gesetzes des photoelektrischen Effekts». Da das Nobelkomitee für Physik 1921 keine Nominierung für nobelpreiswürdig einstufte, erhielt Albert Einstein rückwirkend für dieses Jahr seinen Nobelpreis erst im November 1922. An der offiziellen Preisverleihung im Dezember in Stockholm konnte der geehrte Physiker nicht teilnehmen, da er sich auf Vortragsreise in Japan befand. Deshalb nahm der Gesandte des Deutschen Reichs, Rudolf Nadolny, den Preis entgegen und hielt am anschliessenden Bankett in Einsteins Namen die Dankesrede.
«Revolutionizing Physics»
Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums von Albert Einsteins Nobelpreis gibt die UZH gemeinsam mit der ETH die Publikation «Revolutionizing Physics» heraus. Darin finden sich nicht nur die fünf Studien aus Einsteins «Wunderjahr» als Faksimile, sondern unter anderem auch ein lesenswerter Beitrag der beiden Physiker Daniel Wyler und Jürg Fröhlich, der Einsteins forscherische Leistung wissenschaftsgeschichtlich einordnet und würdigt. Zudem wird Einsteins Zeit in Zürich beleuchtet.
Ausstellung
Einsteins Doktoratsurkunde ist in einer Vitrine in der Eingangshalle des UZH-Hauptgebäudes zu besichtigen. Im Lichthof Irchel ist ausserdem bis 29. September eine Ausstellung des Physik-Instituts der UZH zum 100-jährigen Jubiläum des Nobelpreises von Albert Einstein zu sehen.
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