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Viele Gebote und Gesetze in der Bibel dienen dem Schutz vor Ausbeutung. Wer von der Arbeit und Produktion anderer profitiert – egal ob von Menschen, Tieren oder von der Natur überhaupt –, soll es nicht übertreiben, soll für einen gerechten Ausgleich sorgen und für genügend Zeit der Erholung und Regeneration. Ein Gebot zugunsten der Arbeitstiere lautet: «Du sollst dem Ochsen zum Dreschen keinen Maulkorb anlegen.» (Dtn 25,4) Er soll auch mal stehenbleiben und fressen können. Im Ersten Testament ist das Gebot des wöchentlichen Ruhetags zentral. Dieser gilt für alle gleichermassen, für die Familienmitglieder, die Lohnarbeitenden, die Knechte und alle Nutztiere.
Heilende Berufe waren davon nicht ausgenommen, und die Gegner Jesu versuchten, ihm daraus einen Strick zu drehen, weil er auch am Ruhetag leidende Menschen heilte. Jesu fand deutliche Worte in seiner Antwort: «Ihr Heuchler! Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe los und führt ihn zur Tränke?» (Lk 13,15) Auch Kranke sollen am Ruhetag Gottes Grund zum Aufatmen bekommen.
Der Tag der Arbeit am 1. Mai verdankt sein Entstehen ebenfalls dem Schutz vor Ausbeutung. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts nahm die Fabrikarbeit zu, die tägliche Arbeitszeit wurde länger und konnte zehn, zwölf oder noch mehr Stunden betragen. Am 1. Mai 1886 demonstrierten Arbeitende in verschiedenen Städten der USA für den Achtstundentag, der sich in den darauf folgenden Jahrzehnten dann durchsetzte.
Menschen, Tiere, Pflanzen: Alle brauchen Zeiten der Ruhe und Regeneration. Dieses Bedürfnis über das Streben nach Mehr zu stellen, ist ein Gebot Gottes und der Menschlichkeit für das persönliche und politische Handeln.