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Du bist wissenschaftlicher Projektleiter bei der Kantonsarchäologie Zürich und Projektassistent beim Münzkabinett, was beinhalten diese Tätigkeiten?
Als Projektleiter plane ich Projekte, leite bzw. führe diese bis zum Abschluss durch. Im Falle von Feldprojekten – zum Beispiel Grabungen – beinhalten die Arbeiten administrative und organisatorische Aufgaben wie Absprachen mit einzelnen Behörden und Projektparteien, das Erstellen von Konzepten, Budgets und Zeitplänen, das Organisieren von Baumaschinen und Infrastruktur, die eigentliche Feldarbeit, die Renaturierung der Untersuchungsflächen, die Dokumentation, das Archivieren und Verfassen von Berichten und gegebenenfalls das Beauftragen von Laboruntersuchungen sowie gegebenenfalls die wissenschaftliche Auswertung und Veröffentlichung.
Als Projektassistent am Münzkabinett Winterthur arbeite ich die Antikensammlung wissenschaftlich auf. Dazu gehören beispielsweise das Inventarisieren und Dokumentieren der Objekte, das genauere Bestimmen der Stücke, wie auch die Recherche nach Vergleichsstücken und die Forschung zur Provenienz der einzelnen Objekte.
Was hast du studiert und wann hast du abgeschlossen?
Ich habe Klassische Archäologie und Allgemeine Geschichte studiert und im Jahr 2019 abgeschlossen.
Warum hast du dich für dieses Studium entschieden?
Ursprünglich wollte ich Archäologe werden. Da mir mein Umfeld aufgrund möglicher mangelnder Berufsperspektiven riet, meine Ausbildung breiter zu fassen, habe ich zunächst mit Kulturwissenschaften der Antike begonnen. Mir wurde aber bereits kurz nach Studienbeginn klar, dass meine berufliche Zukunft in der Archäologie liegen soll und bin ich dann zur Klassischen Archäologie zurückgekehrt.
Was hast du nach dem Studium gemacht?
Nach dem Studium habe ich begonnen, in der Antikensammlung des Münzkabinetts der Stadt Winterthur zu arbeiten. Dort arbeite ich etwa 10-20%. Nach etwa einem halben Jahr habe ich mich zusätzlich bei der Kantonsarchäologie Zürich beworben und arbeite dort seither in einem 80%-Pensum.
Was gefällt dir an deiner Arbeit?
Mir gefällt besonders die Abwechslung zwischen beiden Anstellungen. Für das Münzkabinett recherchiere ich in Bibliotheken, datiere die Objekte und Suche nach vergleichbaren Artefakten. Bei der Kantonsarchäologie darf ich dagegen Baggersondierungen begleiten, Grabungen durchführen, dokumentieren, archivieren, gegebenenfalls auswerten und veröffentlichen. Die Arbeit ist abwechslungsreich, man lernt jeden Tag Neues und arbeitet mit den verschiedensten Menschen zusammen.
Wie sieht dein Arbeitstag aus?
Je nach Situation ganz unterschiedlich:
Das Münzkabinett besitzt die Antikensammlung der Stadt Winterthur. Diese soll erfasst, inventarisiert und wissenschaftlich aufgearbeitet werden. In einem ersten Schritt vermesse ich die Objekte, untersuche, beschreibe und fotografiere sie. Im Anschluss gehe ich in die Bibliothek und suche Vergleichsbeispiele und Literatur zu den einzelnen Objekten heraus, um später alle Objekte einordnen zu können.
Bei der Kantonsarchäologie stehe ich nach erfolgter Planung und Organisation meist mit einem kleinem Team auf dem Feld und überwache den Baggeraushub. Im Anschluss folgen Dokumentationsarbeiten bevor der Bagger die Schnitte wieder verschliesst. Im Büro wird die Dokumentation archiviert. Im Anschluss verfasse ich einen Bericht und plane gegebenenfalls weitere Schritte– wie beispielsweise nachfolgende Grabungen, Laboranalysen, etc…
Das Wichtigste, was du aus deinem Studium mitgenommen hast?
Für mich ist das sicher die grundsätzliche Fähigkeit, wissenschaftlich zu arbeiten. Besonders die Recherchearbeit und die Objektbeschreibung haben mir bei meiner Tätigkeit im Münzkabinett geholfen. Dazu kommt auch die individuelle Planung und Organisation des Arbeitsalltags, welche das Studium und der Berufsalltag erfordert. Wichtig war auch die Erarbeitung des Fachwissens, um beispielsweise Fragen zum Fundkontext zu lösen, aber auch Fertigkeiten in Bezug auf die archäologische Feldarbeit, die ich während meines Studiums in Praktika erworben habe.
Was macht das Studium in Zürich speziell?
Durch die Sammlung im eigenen Haus hat man als Student stets einen direkten Bezug zu den Objekten, das befeuert die Leidenschaft für die Archäologie zusätzlich. Zudem werden spannende Feldprojekte angeboten. Da der Studiengang nicht allzu gross ist, kennt man seine Kommilitonen und Kommilitoninnen. Der Bezug zum Umfeld wird dadurch persönlich und familiär.
Was würdest du StudienanfängerInnen gerne mit auf den Weg geben?
Man sollte sich bereits während dem Studium Gedanken machen, in welche Richtung der spätere berufliche Alltag gehen soll, bzw. wo man später arbeiten möchte. Daher ist es ratsam, seinen Interessen und Zielen entsprechende Kurse und Praktika zu besuchen. Diese können auch an anderen Unis angeboten werden. Wenn man nicht weiss, wohin die spätere Laufbahn führen soll, kann man mittels Praktika Arbeitserfahrung sammeln und gleichzeitig Bekanntschaft mit späteren Tätigkeitsfeldern schliessen. Auf jeden Fall sollte man mit Leidenschaft dabeibleiben.