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Im Jahr 1975 führte der polnisch-französische Mathematiker Benoît B. Mandelbrot (1924-2010) den Begriff „Fraktale“ ein. Fraktale sind Objekte, die komplexer und irregulärer sind als die Standardobjekte der Schulgeometrie.
In mathematischen Kreisen sah man in diesen Gebilden die Abweichung von der Norm und stempelte sie zu Kuriositäten ab, gar zu mathematischen Monstern – bar jeglichen Realitätsbezuges.
Mandelbrots Verdienst war es zu erkennen, dass diese „Monster“ in einem gewissen Sinne die Regel bilden und nicht die Ausnahme. Er schuf die Kriterien, um die Gebilde streng zu definieren.
Eines der Hauptkriterien: „Ein Fraktal ist ein Objekt, das auf jeder Grössenskala aus mehreren gleich grossen Teilen besteht, die exakte Kopien des Ganzen sind.“
Aktuelle Ereignisse und vergangene Erlebnisse haben in mir einen Mandelbrot-Effekt produziert. Plötzlich fielen mir die sprichwörtlichen Schuppen von den Augen: Guy Lachappelle und Heinz Karrer, Fraktale?
Die Fraktale, Lachappelle und Karrer, haben staatseigene Firmen geleitet – eine Kantonalbank und ein staatseigener, den Kantonen gehörender Elektrizitätskonzern. Beide operierten sie windgeschützt mit Staatsgarantie, beide hätten also eine besondere Sorgfaltspflicht erfüllen sollen, den Mitbürgern gegenüber.
Dürfen wir als Bürger eine erhöhte Ethik von solchen Führungskräften erwarten? Ich denke ja, unbedingt. Dürfen solche staatseigenen Unternehmungen private Investoren an die Wand drücken mit eventuell unlauteren Methoden? Auf keinen Fall.
Doch Sie haben es getan – zumindest für mein Dafürhalten, mein indirektes Empfinden und mein sehr direktes persönliches Erlebnis.
Sowohl die Basler Kantonalbank wie die Axpo AG waren Kontrollaktionäre von anderen börsengelisteten Unternehmen: Bank Cler (Ex Coop Bank) und Energie Laufenburg AG. Sowohl die Basler Kantonalbank wie die Axpo AG haben die Minderheitsaktionäre dieser Unternehmen ganz bös unter ihrem Wert aufgekauft – alles mit dem Segen der ebenfalls staatlichen Übernahmekommission.
Staat kontrolliert Staat. Kann eine solche Kontrolle überhaupt funktionieren?
Im Fall der Bank Cler bewertete die Basler Kantonalbank die Beteiligung zu 72 Franken pro Aktie in ihrer Bilanz. Anlässlich der Übernahme, plötzlich, mittels Angabe einer „sehr schlechten Zukunft für die Bank Cler“ durch die Führung der Bank selbst, wurden die Aktien der Minderheitsaktionäre dann für 52 Franken pro Aktie aufgekauft. Proteste und Klagen von Aktionärsgruppen folgten. Nutzlos.
Im Fall der Energie Laufenburg AG wurde der vom VR (von der Axpo AG kontrolliert und ferngesteuert) eingesetzte neue CEO vermutlich mit der Losung ins Feld geschickt, möglichst viele zukunftsgerichtete Projekte zu verlangsamen, keine grösseren erfolgsversprechenden Akquisitionen zu tätigen, überhaupt die ganze Geschäftstätigkeit der EGL AG zu drosseln, um den Aktienkurs dementsprechend zu bodigen.
Was dann auch tatsächlich geschah. Die operativen Zustände damals, habe ich als sehr schlimm empfunden als dort angestellte Ingenieurin – von heute auf morgen, von einem Stern des europäischen Stromhandels zu einer lahmen Ente, von Neapel bis Warschau belächelt und bemitleidet.
Auch hier die Standardangabe der Firmenleitung zuhanden der Gutachter: „Sehr schlechte Zukunftsaussichten für die Unternehmung.“ Das Resultat: Übernahme der Aktien der Kleinaktionären zu einem Bruchteil von vormaligen Kursen, trotz Übernahmeprämie.
Fraktale, fein ziselierte Objekte, die sich wiederholen, exakte Kopien des Ganzen bildend. Bei einem Fraktal kann man bestimmte Stücke abbrechen, in denen die komplette Information über die Gesamtfigur enthalten ist. Man könnte ohne Probleme aus diesen Teilstücken Lachappelle und Karrer die Gesamtfigur wieder rekonstruieren.
Die Gesamtfigur? Der Staat, der wegschaut, wenn staatseigene Unternehmen die privaten Kleininvestoren reinlegen: Verwaltungsräte, welche die staatseigenen Betriebe kontrollieren sollten, entsandt von Kantonen, politischen Parteien, anderen Staatsbetrieben. In seiner Gesamtheit: der föderale Staat Schweiz selbst, der seine Bürger reinlegt (ach ja, Kleinaktionäre sind auch Bürger). Hat die Schweiz dies denn wirklich nötig?