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Un amour de jeunesse (2011)
Un amour de jeunesse (2011)
Oder: Er liebt mich, er liebt mich nicht ...
Der 19-jährige Sullivan (Sebastian Urzendowsky) und die 15-jährige Camille (Lola Créton) sind ein hübsches Pariser Pärchen. Während Sullivan jedoch eine gewisse Unabhängigkeit wahren möchte, ist Camille völlig von den Gefühlen zu ihm eingenommen. Als Sullivan sich auf einen zehnmonatigen Trip durch Südamerika macht, bedeutet dies für sie das Ende der Welt. Und als er per Brief mit ihr Schluss macht, will sie nicht mehr weiterleben.
Nach dem missraten Selbstmordversuch überwindet Camille über die Jahre langsam die Vergangenheit. Sie widmet sich leidenschaftlich ihrem Architekturstudium und findet in ihrem Dozenten Lorenz (Magne Brekke) eine neue Liebe. Doch dann trifft Camille eines Tages im Bus die Mutter von Sullivan. Bald schon verabredet sie sich mit ihm, und die Liebe wird neu entfacht...
Film-Rating
"Elle court, elle court, la maladie d'amour..." so sang einst Chansonnier Michel Sardou über die Liebe. Frankreichs Faible für das zwischenmenschlichste Thema aller Themen scheint naturgegeben. Und die Liebe, sie kann bekanntlich das Schönste auf Erden sein, oder eben die schlimmste Krankheit überhaupt, wenn sie sich gegen einen wendet. So erlebt es Camille, und dies in einem Alter, in dem die Schützhülle namens "Lebenserfahrung" das Herz noch nicht umgibt.
Un amour de jeunesse ist ein Liebesfilm, ein Liebesfilm durch und durch. Hier sagen sich die Figuren ständig Sätze wie: "Ich kann nicht mehr ohne dich sein", oder: "Ich will alles sein für dich", oder: "Ich vermisse dich" oder ganz einfach: "Ich liebe dich". Das ist Realismus, abgebildetes Leben, frei von jeder Steigerung - überhört man mal das eine oder andere Lied, das über eine Szene gelegt ist. Und das ist - den Verdacht der Gefühlskälte weist der Autor entschieden zurück - vor allem unispiriert und langweilig.
Das wäre wohl anders, wenn Sebastian Urzendowsky etwas Überraschendes tun dürfte, wie in Pingpong, als er den Hund seiner Geliebten in tiefster Bosheit ersaufen liess. Oder wenn Lola Créton wenigstens einen Gebäudeentwurf flachtreten dürfte. Stattdessen folgt hier schön brav Sommer auf Winter, Winter auf Sommer. Als Camille mit Sullivan gegen Ende eine Affäre startet und damit Lorenz hintergeht, keimt aber doch kurz noch Hoffnung auf: Hier bahnt sich der Konflikt an, der dem Film wenigstens am Schluss noch ein bisschen Leben einhauchen könnte! Eine Hoffnung, die jedoch auf lapidarste Art und Weise im Keim erstickt wird.
In einer Szene schafft Un amour de jeunesse immerhin etwas vorzüglich, nämlich auf sich selbst Referenz zu nehmen. Als Camille und Sullivan aus einem Kino kommen und er stöhnt: "Was für ein schlechter Film. Und so französisch!", da lachten nicht wenige Journalisten an der Locarno-Pressevisionierung. Längst hatten sie dieses Werk mit der verdienten Höchstrafe bedacht: mit Gleichgültigkeit.
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05.08.2011 / uas
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