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Ob in fremden Kindergesichtern, in TV-Filmen oder in den Gesichtern ihrer Freunde – überall sah sie weibliche Geschlechtsorgane und andere sexistische Bilder: Rose Bretécher litt zehn Jahre lang unter einer seltenen Zwangsstörung.
Begonnen hat alles in der Pubertät. Zum ersten Mal, erinnert sich die 29-jährige Rose Bretécher, sah sie im Gesicht ihrer Freundinnen nicht mehr Augen, Nase und Mund, sondern eine Vagina. Wenn sie ein Kind sah, zog Bretécher dieses in Gedanken aus, weshalb sie lange dachte, pädophil zu sein. Die junge Frau konnte sich ihr ungewöhnliches Kopfkino nicht erklären – ihre Verzweiflung wurde immer grösser.
Die Krankheit habe ihr Leben so sehr eingenommen, dass Bretécher nicht in der Lage war, eine Beziehung zu führen. Sie brach jegliche Sozialkontakte ab und schmiss sogar ihr Studium. Das Leben der jungen Frau war ein einziger Albtraum. In den schlimmsten Zeiten spielte sie sogar mit dem Gedanken sich umzubringen.
Nach zehn Jahren der Verzweiflung und Ungewissheit stiess sie im Internet auf einen Artikel über die Krankheit OCD (Pure O). Die darin beschriebenen Symptome stimmten identisch mit den Zwängen Bretéchers überein. Zuversichtlich und mit der Hoffnung, dass jetzt alles besser werde, vertraute sie sich erstmals einem Aussenstehenden an. Über Skype trat sie mit einem amerikanischen Arzt in Verbindung, der sie visuell mit einer Therapieform, die sich Response Prevention (ERP) nennt, behandelte.
Diese Methode wird häufig bei der Heilung von Zwangsstörungen angewendet und basiert auf der Idee, dass die Patienten sich gezielt ihren Ängsten stellen, statt vor dem Problem zu flüchten. Sie setzt keine bestimmte Trainingssitzungen vor, sondern wird zu allen Zeiten gehalten. Aus diesem Grund müssen Arzt und Patient sich nicht gegenübersitzen, sondern können über Skype kommunizieren.
Heute, so die junge Frau gegenüber Mirror, seien die ständigen Sex-Bilder in ihrem Kopf zwar fast ganz verschwunden, dafür plagt sie jetzt die ständige Angst, irgendwo runter zu fallen. Diese neue Störung nimmt Bretécher allerdings relativ gelassen, da solche Ängste eine häufige Nebenerscheinung ihrer Therapieform sind und im Normalfall während der Behandlung verschwinden. Obwohl sie laut eigenen Angaben immer noch psychisch instabil ist, fühlt sie sich stark genug, ihre psychischen Störungen endgültig in den Griff zu bekommen.
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