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Weniger flamboyant ist nicht mehr möglich. Ein gesetzter Mann, Glatze, Brille und Bauch, betritt die Bühne, äussert ein paar freundliche Worte, schliesst die Gitarre an, schnallt sie um, und los geht es mit bluesigem Rock.
Dave Mason ist siebzig. Einst spielte er mit Steve Winwood in Traffic. Seine Stimme tönt zuerst ein wenig brüchig und gedrückt, gewinnt dann an Kraft. Sein Gitarrenspiel ist klar, präzis und scharf. Traffic gründete er 1967 in Birmingham, mit Winwood, Drummer Jim Capaldi und Bläser Chris Wood. Die Gruppe existierte in wechselnder Besetzung bis 1975, in einer eigenen Nische zwischen Progrock und Folkrock. Mason sprang mehrfach ab, hatte dann moderaten Erfolg als Solomusiker in den USA, wirkte auf zahlreichen Alben, mit George Harrison, Eric Clapton, Fleetwood Mac oder Michael Jackson.
Die unvergleichliche Union Chapel in Islington ist an diesem Freitagabend gut besetzt, aber beileibe nicht ausverkauft. Es ist ein beschaulich gesetztes Publikum. Wenn andere Pop-Dinosaurier auftreten, Bob Dylan, die Rolling Stones oder selbst Patti Smith, um drei beliebige Beispiele zu nehmen, dann dominieren zwar ebenfalls ältere Fans, aber dazwischen finden sich doch etliche jüngere, die diese Musik neu entdeckt haben. Bei Dave Mason scheint das nicht der Fall zu sein. Dafür war er nie ganz der grosse Star, und so ist ihm überwiegend sein ehemaliges Publikum treu geblieben. Der mehrfach gecoverte Hit «Feelin’ Alright» wird mittlerweile in einem Werbespot von der spanischen Bank Santander benutzt, das bringt angenehme Tantiemen. Aber es ist doch ein bisschen ernüchternd, wenn man eigenhändig auf den bescheidenen Merchandising-Stand in der Eingangshalle hinweisen muss.
Bei Traffic war Mason für den psychedelischen Touch zuständig; in einem beiläufigen Witz meint er, in einem der damaligen Stücke habe er Sitar gespielt, jetzt könnte er nicht mal mehr die entsprechende Sitzhaltung einnehmen. Mittlerweile gibt er sich traditioneller: gepflegter Rock oder Bluesrock. Schlagzeuger Alvino Bennett schlägt einen soliden Rhythmus, kein Takt ausser der Reihe, Gitarrist Johnne Sambataro darf zweimal den Solisten mimen, und Keyboarder Tony Patler zeigt gelegentlich, was er könnte, wenn er sich nicht zumeist auf Basslinien beschränken würde.
Im Mittelpunkt aber steht Dave Masons Gitarre, inklusive Wah-Wah-Pedal. Ja, Mason hat mit Jimi Hendrix auf dessen epochaler Version von «All Along the Watchtower» gespielt, und er präsentiert seit etlichen Jahren eine eigene Version. Schöne, muskulöse Gitarrenläufe, aber das Charismatische fehlt, natürlich.
Das Konzert rockt so vor sich hin, angenehm, unterhaltsam, gewinnt an Tiefe, wenn ein altes Traffic-Stück gespielt wird. Aber insgesamt ist es doch eher ein melancholischer Abend.
Stefan Howald