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Alles, was Odem hat, lobe den Herrn
Ein Vogel ruft's dem anderen zu
Gottlob, die Tage werden wieder länger. Es wird Frühling. Und mit ihm kommen auch die Vögel wieder. Sie pfeifen schon mal mit allem, was in ihnen drin steckt. Loben sie Gott? Vielleicht. Wer weiss...
Samuel Kienast,
Dazu eine kleine Geschichte: Es war einmal ein „kleines Lob“ das grösser werden wollte und dazu in die Welt hinausging. So kam es zu einem Mann bei der Arbeit. „Kannst du mich brauchen?“, fragte das kleine Lob. „Wozu denn?“ fragte der Mann. „Ich arbeite, damit ich Geld verdiene. Alles, was ich tue hat seinen Nutzen. Aber loben ist zu nichts nütze“. Das kleine Lob schluckte und ging weiter. Da traf es ein Kind: „Kannst du mich brauchen?“ „Pah, loben! Was denn? Etwa die Schulaufgaben, mein kaputtes Fahrrad oder meinen nervigen Bruder?!“, rief der Junge aus. Traurig schlich sich das Lob davon und wandte sich an eine alte Frau. „Wen soll ich denn loben?“, entgegnete diese. „Meine Kinder etwa, die sich nicht um mich kümmern? Oder den Arzt, der ohne Wirkung an mir herumdoktert?“ „Vielleicht könntest du ja Gott ein wenig loben?“ sagte das kleine Lob vorsichtig. „Ach du liebe Zeit“, entgegnete die Frau, „heute ist doch nicht Sonntag?!“ „Vielleicht dafür, dass du noch lebst, immer zu essen hast, die Sonne und die Blumen sehen kannst...“ „Was ist das alles gegen mein Rheuma und mein Alleinsein?“ unterbrach die Frau. Da schlich das Lob traurig davon. (frei nach H.Siegel)
Ich glaube, es täte uns gut, uns vom „kleinen Lob“ anstecken zu lassen. Denn loben öffnet ein Fenster zum Himmel. Ein Freund von mir lebte eine Weile unter einem Diktator und erlebte Schreckliches. Er erzählte mir, dass er in der Situation nur bestehen konnte, indem er jeden Abend drei schöne Erfahrungen des Tages in sein Tagebuch schrieb und Gott dafür dankte. Und er fand jeden Abend drei – auch am furchtbarsten Tag! Loben eröffnet uns neue Perspektiven und gibt Hoffnung.
Seit drei Monaten übt auch der Union Gospel Choir im Loben. Die knapp 30 jungen Menschen aus der Region um Frauenfeld bereiten sich vor auf die Konzerte im Mai und den Auftritt am Thurgauer Kirchentag vom 2.Juni. Moderne Gospelsongs sind nichts anderes als Loblieder. So loben wir Gott, mitten im Alltag. Gemeinsam fällt es oft leichter als alleine.
Wo loben sie? Loben sie im Gottesdienst? Inspirieren sie die Vögel, die Natur zum Lob? Oder leuchtende Kinderaugen, ein fantastisches Musikstück, ein tolles Bild? Meist kommt das Loben nicht von selber. Dazu sind wir zu beschäftigt, zu bedrückt, zu verärgert. So ist auch der Psalmvers vom Anfang kein Wunsch, sondern eine Aufforderung: Alles was atmet, lobe den Herrn! (Ps. 150,6)
Lassen wir uns anstecken vom „kleinen Lob“! Steigen wir ein in das Loblied der Vögel! Denn loben führt zum Leben. Ich wünsche einen schönen Frühling.
Pfr. Samuel Kienast-Bayer