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Nächsten Dienstag, knapp drei Monate nach den letzten Wahlen, soll in Bagdad endlich das irakische Parlament zusammenkommen, um eine neue Regierung zu bilden. Der amtierende schiitische Premierminister Nuri al-Maliki steht angesichts des Chaos im Land unter Druck, einer neuen Führung der nationalen Einheit Platz zu machen. Ob er einwilligt ist ungewiss – ebenso wie eine Einigung der zerstrittenen religiösen und ethnischen Volksgruppen.
Momentan stehen die Zeichen im Irak eher auf Auflösung. Vor diesem Hintergrund mutet das Vorhaben der Regierung bizarr an, dem Parlament einen neuen Palast zu bauen. Die Pläne für den eine Milliarde teuren Gebäudekomplex stammen von der irakischen Stararchitektin Zaha Hadid. Eine Realisierung erscheint angesichts der prekären Sicherheitslage aber unwahrscheinlich.
Zudem hatte nicht Hadid, sondern das britische Architekturbüro Assemblage den 2012 durchgeführten Wettbewerb für das neue Parlamentsgebäude gewonnen. Obwohl sie das Preisgeld von 250'000 Dollar entrichteten, sahen sich die irakischen Abgeordneten nicht an das Resultat gebunden. Sie gaben ihrer prominenten Landsfrau den Vorzug, die mit ihrem Projekt auf Platz 3 gelandet war.
Hadids Pläne sind bislang entgegen der Usanz nicht veröffentlicht worden. Die 1950 in Bagdad geborene Architektin zeichnet bereits für das neue Gebäude der irakischen Zentralbank verantwortlich. Angesichts des Chaos in ihrer Heimat soll sie sich bereit erklärt haben, ihr Honorar von 46 Millionen auf 30 Millionen britische Pfund zu senken.
Bekannt ist einzig der Standort des Milliardenbaus: Ein verlassener Luftwaffenstützpunkt im Westen Bagdads, wo Saddam Hussein ebenfalls ein Riesenprojekt geplant hatte. Die Bauarbeiten an der Megamoschee kamen mit der US-Invasion 2003 zum Erliegen. Bis heute zeugen ein paar einsame Säulen von der Frömmigkeit des Diktators.
Zaha Hadid geriet zuletzt für ihre Gleichgültigkeit gegenüber den hunderten tödlich verunfallten Bauarbeitern unter Druck, die in Katar die Stadien für die Fussball-WM 2022 bauen. Sie entwarf eine der Stätten, das Al-Wakrah-Stadion.
Bis der Prachtbau in der irakischen Hauptstadt steht, dürften die 325 Abgeordneten weiterhin im Baghdad Convention Center tagen. Dieses befindet sich wie alle Ministerien und ausländischen Botschaften in der wie eine Festung bewachten Grünen Zone.
(kri via «Quartz»)