Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03265.jsonl.gz/1048

Etwas Nord-östlich vom Grand Canyon beginnt das Navajo Reservoir. Ein Gebiet, dass dem Navajo Indianerstamm, einer von den vier grossen in dieser Region wohnhaften Stämme, angehört. Hier leben Ureinwohner, mitten in der Wüste zwischen Stein- und Felsformationen. Es ist warm bis heiss und wir fragten uns mehrmals, ob die Leute wirklich schon immer hier in der trockenen Wüste, wo nichts zu gedeihen scheint, gelebt haben oder ob sie hierhin vertrieben wurden.
Im Navajo National Monument fanden wir Antworten: 800 jährige Ruinen in einem Canyon bezeugen von einem Leben in dieser Region. Hier waren Ancestral Pueblo-Indianer (ein weiterer, von den vier grossen genannten Indianerstämmen) wohnhaft. Sie lebten aus der Selbstversorgung von angepflanztem Mais, Bohnen und Kürbissen, gejagten Tieren und wilden Pflanzen.
Speziell ist, dass sie ihre Häuser in eine Felsgrotte bauten und so vor Regen und starker Hitze geschützt waren. Durch den Schutz vor Wind und Wetter, sind die Ruinen noch recht gut erhalten - nur Steinschläge liessen gewisse Gebilde einstürzen. Sogar Felsbemalungen sind nach wie vor gut zu erkennen. Eindrücklich ist, wie sie ihre Häuser bauten. Es gab noch keine Werkzeuge wie heutzutage, trotzdem stellten sie ziegelsteinförmige Klötze aus Sandstein her! Diese verbauten sie zusammen mit Lehm, Sand, Kies und Wasser, so dass quadratische Häuser entstanden.
Leider ist nicht viel über die Geschichte der damaligen Einwohner bekannt. Man nimmt an, dass sie von 1250 bis 1300 n.Ch. In den beeindruckenden bauten gelebt haben. Archäologen fanden Anfang der 1900 Jahre Mais, Töpferwaren, Schmuckstücke und einen noch nicht ganz verfaulten Kürbis in einem der zugemauerten Häuser. Es ist anzunehmen, dass sie vorhatten, wieder an diesen Ort zurück zu kehren und darum Vorräte gelagert haben.
Im Visitor Center des Navajo (ausgesprochen Nawahao) National Monument meldeten wir uns für eine Tour zu den Steinhäuser an. Um 8.15Uhr begann die kostenlose, von einer Navajoindianerin geführte Wanderung, hinab in den Canyon. Zu unserer Freude waren wir die einzigen und hatten so gute Gelegenheit um Fragen zu stellen. Zum Beispiel haben wir erfahren, dass die Menschen dazumal nur ca. 50 Jahre in den Behausungen lebten. Man weiss den Grund für den kurzen Aufenthalt nicht, es gibt jedoch verschiedene Theorien: Wasserknappheit, Religiöse- oder Kulturelle Auseinandersetzungen oder Vertreibung durch andere Stämme.
In Felsen eingravierte Zeichnungen, nennt man Petroglyphen. Diese sind bis heute gut erhalten und zeigen Bighornsheeps, Handabdrücke und einige Symbole von verschiedenen Stämmen.
Nur ein schmaler Weg führte zum Eingang des kleinen Dorfes. Um zu den Häuser im hinteren Teil der Grotte zu gelangen, musste man über die Dächer der davor gebauten Häuser steigen.
Die Indianerin erzählte von verschiedenen Bräuchen, die bis heute gepflegt werden. Z.B. Ist es üblich, dass wenn ein Mann eine Frau heiratet, reitet er zu Pferd zu ihr und ihrem Elternhaus. Der gerittene Sattel ist ein Hochzeitsgeschenk vom Bräutigam an die Braut. Dieser Sattel wird dann im Haushalt aufbewahrt. Wenn die Frau ihren Mann nicht mehr will- sei es ob er fremd gegangen ist oder was auch immer, stellt sie den Sattel vor die Tür. Wenn der Mann nach Hause kommt und den Sattel sieht, nimmt er ihn und geht. Er hat kein Recht mehr, seine Sachen zu holen oder Fragen zu stellen. (Dieser Brauch wird von den Navajo Indianern gelebt, wir wissen nicht ob auch andere Stämme gebrauch davon machen.)
Luki stellte unter anderem die Frage, wie es für sie ist, nicht mehr so zu leben wie damals. Unsere Führerin wirkte traurig als sie erzählt, dass viele Traditionen verloren gegangen sind und die Stämme und Clans immer kleiner werden. Denn nur wer Indianerblut heiratet, bleibt im selben Stammbaum. Wer mit einem Ausländer liiert ist, gründet einen komplett neuen Stamm. Heutzutage leben meist nur noch ältere Menschen in Lehmhütten oder Zelten. Viele haben Häuser oder zumindest eine Baracke. Noch nicht alle haben fliessend Wasser und Strom, jedoch immer häufiger.
Es ist keine schöne Vorstellung, wie es für die Ureinwohner sein musste, von „den Weissen“ verdrängt worden zu sein.
Die meisten Kinder der Navajo Indianer gehen heutzutage wieder in eigene Schulen und lernen nach wie vor ihre Muttersprache. Im Navajo Reservat gibt es zudem eine eigene Regierung. Das amerikanische Gesetz kommt nur bei besonders schweren Verbrechen zum Zug.
All dies lernten wir an diesem sehr interessanten Morgen.
Noch am selben Nachmittag fuhren wir weiter zum Monument Valley. In unserem Reiseführer steht, dass dies ein Traumziel für jeden Roadtripp ist. Dies können wir nur bestätigen! Die hohen Mesas und und roten Felsen sind einmalig und sehr eindrücklich!
Mit Baluu ging es über eine holprige, zum Teil sandige Schotterpiste zu verschiedenen Aussichtspunkten. Wir schossen unzählige Fotos und nach jeder Kurve dachten wir, das ist nun der schönste Winkel... :)
Gegen Abend suchten wir ein Übernachtungsplatz und fanden ein schönes Tippidorf wo wir parkierten.
Zu unserer grossen Freude kam dann noch eine Schweizer Familie dazu. Wir waren bereits seit einigen Tagen in Email-Kontakt, leider hatten wir beide selten Internet so dass wir einander mehrmals verpassten. So wurde es ziemlich spät an diesem Abend, aber wir genossen es mega, auszutauschen, zu lachen und zu reden. Die Familie ist ein gutes Beispiel dafür, dass man auch mit Kindern reisen kann - sie haben nämlich einen einjährigen Sohn mit auf ihrem Abenteuer dabei. :)
Am nächsten Tag trennten sich unsere Wege gegen Mittag wieder - vorübergehend. In den nächsten Bloggs werden sie nochmals auftauchen... :)
Einen Tag später waren wir bereits ein US Bundesstaat weiter, in Colorado. Dort besuchten wir Mesa Verde, was übersetzt „grüner Tisch“ bedeutet. Der gleichnamige Nationalpark wurde 1906 gegründet und beherbergt über 700 Jahre alte Steinhäuser, gebaut worden von Ancestral Pueplo Indianern. Die Häuser wurden aus Sandstein, Dreck und Wasser in die Sandsteinfelsen hinein gebaut und waren teilweise mehrere Stockwerke hoch. Treppen gab es keine, um in die Siedlungen zu gelangen, musste man gut klettern können! Die Menschen lebten, wie auch zuvor schon beschrieben, aus der Selbstversorgung. Auf den Mesas, d.h. oben auf den Tafelbergen, bauten die Indianer Mais, Bohnen und Krübisse an. Sie jagten, töpferten, nähten, woben, bastelten und pflegten Traditionen. Auch von diesen Menschen ist leider nicht viel näheres bekannt. Archäologen fanden viele verzierte Töpfe, Kleiderresten, Werkzeuge, Schmuck und auch noch gut erhaltene Maiskörner. Die Gegenstände kann man in einem kleinen Museum bestaunen.
In diesem National Park war es möglich, mit einer geführten Tour die Bauten aus nächster Nähe zu besichtigen! So kauften wir uns Ticket und wurden mit ca. 30 anderen wissensdurstigen Touristen von einer Jungen Parkrangerin zum Balcony House geführt. Um dorthin zu gelangen, musste man nach einer kurzen Gehstrecke eine etwa 10 Meter hohe Leiter erklimmen. Die Steinhäuser aus so nah zu sehen, war ein spezielles Erlebnis. Wir lernten, dass die kleinen Öffnungen in den Wänden keine Fenster waren sondern Türen. Und die davor gebauten Balkone waren die Gehwege zum jeweiligen Haus! Auch hier mussten die Menschen teilweise über die Dächer ihrer Nachbarn klettern, um zu ihren eigenen Wohnung zu kommen.
In jedem Dorf, gab es mindestens eine Kiva. Dies ist ein rundes, meist in den Boden gebautes Haus, welches als Gemeinschaftsraum und für Zeremonien gebraucht wurde. Alle Kivas in Mesa Verde haben als spezielle Eigenschaft eine schlüssellochförmige Form, heisst sie sind nicht ganz Kreisrund. Bis heute ist unklar, wieso die Kivas in Mesa Verde diese Form haben und von allen anderen gefundenen Kivas in Nordamerika, abweichen.
Die Leiter, welche ich vorhin erwähnt habe wurde von dem Nationalpark gebaut. Die ursprünglichen Bewohner mussten eine ca. 20m hohe gerade Felswand hinab- bzw. hinaufklettern und dann durch einen kleinen Tunnel kriechen um zu ihrem Dorf zu gelangen! Die Felswand war steil am abhang und es gab noch keine Absperrungen. Ich staune, dass dort jung und alt ein und aus ging! Auch die Siedlungen hier in Mesa Verde wurden Ende des 12. Jahrhunderts nach Christus, auf einen Schlag verlassen. War es die Dürre die während dieser Zeit in der Region herrschte der Grund für das weiterziehen der Leute? Wurden sie bedroht und mussten fliehen? Fragen die bis zum heutigen Tag offen stehen und vielleicht nie mehr beantwortet werden können.
Einmal mehr lernten wir viel, haben grossen Respekt mit wie wenig die Menschen auskamen und wie viel kreative Ideen sie hatte!