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Über was haben Sie sich in den letzten Tagen geärgert? Über das schlechte Wetter? Das Tram, das Ihnen vor der Nase davon gefahren ist? Den Stau an der Kasse im Supermarkt? Den kurzfristigen Auftrag des Chefs? Bei vielen Menschen vergeht kein Tag, an dem sie sich nicht ärgern. Ärger kann ein starker Motor für unser Handeln sein – ein Antrieb, damit wir Dinge auch wirklich verändern. Doch Ärger macht auch physisch krank – insbesondere dann, wenn wir uns über Sachen ärgern, die wir nicht verändern können.
Kann ich etwas ändern…
Ärgern kann sinnvoll sein. Denn es lässt mich genauer hinschauen: Wieso ärgere ich mich? Was kann ich ändern an der Situation? Was bringt es mir, wenn ich mich ändere? Wenn ich den Nutzen einer Veränderung sehe, dann tue ich es. Z.B. indem ich mich darüber aufrege, dass ich wieder eine Zigarette geraucht habe und es dann schaffe, endgültig mit dem Rauchen aufzuhören. Oder wenn ich zum wiederholten Mal „ja“ gesagt habe, obwohl ich eigentlich „nein“ sagen wollte, und ich merke, dass es mir nicht gut tut. Dann sage ich das nächste Mal höflich, aber bestimmt „nein“. So weit so gut.
…oder nicht?
Aber meistens ärgern wir uns über Dinge, die wir gar nicht verändern können: den Stau auf der Autobahn, die immer wieder herum liegenden Socken der Tochter, das zu spät Kommen des Partners oder vieles andere mehr. Bringt das Ärgern in solchen Fällen etwas? Nein, sagte schon Buddha: „An seinem Ärger festzuhalten, ist genauso, wie eine glühende Kohle in die Hand zu nehmen, um sie nach jemandem zu werfen. Du bist derjenige, der sich verbrennt.“
Tatsächlich ist „nutzloses“ Ärgern schädlich. Wenn man sich ärgert, werden die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin ausgeschüttet. Was dazu führt, dass der Blutdruck und der Puls steigen, die Atmung schneller und flacher wird. Studien zufolge ist häufiger Ärger für das Herz genauso gefährlich wie Rauchen oder erhöhter Blutdruck. Forscher der University of North Carolina haben herausgefunden, dass Männer und Frauen mittleren Alters, die sich im Alltag sehr häufig ärgerten, ein dreimal so hohes Risiko hatten, in den folgenden sechs Jahren einen Herzinfarkt zu erleiden, als diejenigen, die ärgerliche, aber ausserhalb ihres Einflussbereiches liegende Dinge gelassener nahmen.
Lohnt es sich?
Überlegen Sie sich also, wofür es sich lohnt, sich aufzuregen. Nur das, was Sie verändern können und woraus Sie einen Nutzen ziehen. Bei allem Anderen: wenn der Ärger hochkommt, zuerst einmal tief durchatmen und auf zehn zählen – und dann idealerweise über sich schmunzeln. Denn im Gegensatz zu ärgern ist lachen gesund.
Reinhold Niebuhr: „Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; gib mir den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann; und gibt mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“
© Claudia Kraaz