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SCHWEIZERISCHE
BUNDESCANZLEI
Mein lieber Freund!
Du erinnerst Dich, daß mir während der Sommersession des Nationalrathes eine Instruction wegen eines Gesuches des Standes Waadt um Unterstützung der Waldensischen Studenten gegeben worden ist, daß ich dann im Regierungsrathe berichtete, es habe die Conferenz nicht abgehalten werden können, & daß in Folge dessen die von mir zurückgegebenen Acten vorläufig ins Archiv niedergelegt worden sind.
Herr Briatte wünscht nun die Conferenz bald zu halten & ich bitte Dich daher, mir jene Acten zusenden zu wollen. | Sollte gemäß dem vom Regierungsrathe bei Anlaß meines Berichtes über die Nichtabhaltung der Conferenz gefaßten Beschlusse die einfache Übermittlung der Acten an mich nicht möglich, sondern eine Schlußnahme des Regierungsrathes nothwendig sein, so würde ich Dich ein solche zu veranlaßen bitten.
Mit Beziehung auf die Conferenz wegen der protestantischen Kirche in Luzern habe ich noch nichts erhalten. Es muß nun aber die Conferenz während dieser Session abgehalten werden & ich hoffe, die letztere werde nicht allzu lange dauern. Daher wäre es mir erwünscht, wenn mir dießfällige Acten bald zukämen.
Du wirst nun wieder beten: Be| wahre mich vor dem Bösen!
Dubs ersucht Dich, einen kurzen Bericht über die Biedermann'sche Vorlesung in den Landboten senden zu wollen. Du weißt, daß er regelmäßig kurze Berichterstattungen über die academischen Vorträge in den Landboten geschickt hat. Solltest Du nicht in der Vorlesung gewesen sein, weil – sie im Großrathssaale gehalten worden ist, so könnte dir Fries den Bericht machen. Er sollte aber am Montag, wie mir Dubs sagt, abgehen.
Noch einmal: Bewahre mich vor dem Bösen!
Ich ersuche Dich, mir eine Anzahl Exemplare unsers geprüften Gesetzesentwurfes in der Münzangelegenheit übersenden | zu wollen.
Zum letzten Male: Bewahre mich vor dem Bösen!
Du wirst finden, wir hätten in Bern auch alle Veranlaßung gehabt, dieses Gebet zu verrichten. Die Wahl Ochsenbeins wird lange, sehr lange störend auf den Gang der Dinge im Nationalrathe einwirken. Die Eisenbahn-, die Hochschulfrage werden darunter zu leiden haben. Das einträchtige Zusammenwirken aller liberalen Fractionen der Bundesversammlung ist, wie die Dinge liegen, soviel als verunmöglicht. Der Nationalrath hätte nicht auf eine verderblichere Weise debutiren können!
Lebe wohl! Herzliche Grüße an die l. Deinigen & unsere Freunde.
Ganz Dein
A Escher
Bern
6 Dez. 1851