Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03120.jsonl.gz/1808

Gedenktafel Pestalozzi und Zar Alexander I.
Seit 2012 erinnert am Siedenhof eine Gedenktafel an zwei namhafte Personen der Geschichte, die sich 1814 am Blumenrain in Basel trafen. Dort, im längst verschwundenen Segerhof, der gegenüber des Seidenhofs lag, hatte damals Zar Alexander I. von Russland (1777-1825), mit seinem Stab Quartier bezogen.
Im Winter 1813/14 zogen die Herrscher Österreichs, Preussens und Russlands im Kampf gegen den angeschlagenen Kaiser Napoleon I. (1769-1821) mit ihren Armeen durch Basel, um über die Rheinbrücke nach Frankreich vorzustossen. Mit allem Glanz seines Hofes zog Alexander am 13. Januar in den Segerhof.
Der Basler Hausherr hatte keine Wahl, als seine Zimmer für den hohen Gast zu räumen, dessen Stab sich im Erdgeschoss einrichtete. Der Zar aller Reussen bezog den ersten Stock, wo die Stube der Grossmutter des Hauses zu seinem Schlafgemach wurde. Der Glanz des Ostens kam an den Blumenrain.
Alexander zeigte sich in Basel als ein Mann von Mitgefühl; denn als er mitbekam, dass seinetwegen die Grossmutter in eine Dachstube ziehen musste, besuchte er sie zum Tee in ihrem Exil, plauderte charmant mit ihr auf dem Canapé, und verehrte ihr bei seiner Abreise eine kostbare Brosche für ihre Umstände.
Ins russischen Hauptquartier am Blumenrain begab sich im Januar 1814 Johann Heinrich Pestalozzi. (1746-1827) Er unterhielt seit dem Jahr 1800, unterstützt von seiner Frau, Anna, eine Erziehungsanstalt, die sich der Fürsorge und Erziehung von Kindern in Sinn und Geist der Aufklärung gewidmet hatte.
1804 zogen die Pestalozzis mit ihrem pädagogischen Institut von bernischen Burgdorf nach Yverdon-les-Bains im Waadtland. Doch der Einmarsch der Alliierten Armeen in die Schweiz bedrohte die Einrichtung. Sie sollte auf militärischen Befehl hin geräumt und in ein Typhuslazarett umfunktioniert werden.
Pestalozzi kam zur Rettung seines Lebenswerks nach Basel, um den Zaren, den populärsten Herrscher der Allierten, um seine Hilfe zu bitten. Zar Alexanders Herz war damals noch offen für liberale Ideale, und weit entfernt vom verbitterten Despotismus, der seine letzten Lebensjahre verdunkeln sollte.
Am 16. Januar 1814 stand Pestalozzi als Bittsteller auf der Türschwelle des Segerhofs. Er wurde, im Gegensatz zu manch' Anderem, der vergeblich auf eine Audienz gehofft hatte, ohne Umschweife zum Zaren vorgelassen. Dieser begrüsste den greisen Pädagogen herzlich, und sagte ihm Hilfe zu.
Glücklich trat Pestalozzi nach diesem Treffen auf den Blumenrain, wo heute die Gedenktafel der Suworow-Stiftung am Seidenhof an die Begegnung erinnert. Im Seidenhof hatte der fromme Zar am 23. Januar 1814 eine Aufsehen erregende Messe abhalten lassen, mit aller der russischen Kirche eigenen Pracht.
Die Gedenktafel am Seidenhof sagt:
Zum Andenken an das Treffen des Zaren Russlands Alexander I. mit dem Schweizerischen Pädagogen und Humanisten Johann Heinrich Pestalozzi während der Stationierung des Hauptquartiers der Russischen Armee in Basel in den Jahren 1813 und 1814
Die feierliche Einweihung der Gedenktafel am 26. September 2012, wurde durch den Basler Regierungpräsidenten Guy Morin und den russsischen Botschafter vorgenommen. Sie war ein Gegengeschenk, für den Basiliskenbrunnen, der einige Wochen zuvor im Zentrum von Moskau eingeweiht wurde.