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Die Londoner Man Group übernimmt für insgesamt 1,6 Mrd Dollar in bar und neuen Aktien den Konkurrenten GLG Partners. Die Übernahme ist der Versuch der Man Group, ihre eigenen Aktivitäten stärker zu diversifizieren, zu einer Zeit, da die Performance im Kerngeschäft schwächelt.
Mit dem Deal entsteht ein Hedge-Fonds-Gigant, der rund 63 Mrd Dollar managt. Die Übernahme hat strategische Bedeutung für die Man Group, die besonders unter den schwachen Ergebnissen in ihrer grössten Investmenteinheit AHL leidet und angekündigt hatte, Akquisitionen zu tätigen. Bereits vor drei Jahren hatten Man und GLG Fusionsgespräche geführt. Die Verhandlungen scheiterten damals, und GLG ging stattdessen in den USA an die Börse. Im Februar wurden die Gespräche dann erneut aufgenommen.
Nachwehen der Finanzkrise
Der Kurs der Man-Group-Aktie fiel nach Bekanntgabe der Übernahme um 8,9%. Analysten begründeten dies damit, dass der Kaufpreis zu hoch erscheint. Zudem gelten Übernahmen von Hedge-Fonds als besonders riskant, da Top-Portfoliomanager das Unternehmen samt Kundenbeziehungen und daran hängendem verwaltetem Vermögen verlassen könnten. Ausserdem würden neue Aktien die Anteile der Altaktionäre verwässern.
Beide Fusionspartner haben ihr Geschäft nach der Finanzkrise, in der die Hegde-Fonds-Branche Hunderte Mrd Dollar verloren hatte, neu aufgebaut. Die Man Group verwaltet derzeit 39,1 Mrd Dollar. Vor der Krise waren es 79,5 Mrd. Das GLG-Portfolio liegt bei 23,7 Mrd Dollar, inklusive 8,2 Mrd, die die Gruppe Anfang 2009 von der Société Générale übernommen hatte.
Analysten sagen, die Man Group verfüge mit über die besten Vertriebskanäle der Branche. Sie erreicht in Japan und Australien weite Kreise von Privatanlegern ebenso wie institutionelle Investoren in Finanzzentren der Schweiz oder Grossbritanniens. GLG ist bekannt für die Vielzahl seiner Fonds, die die Man Group nun über ihr Netz vertreiben wird. GLG konzentriert sich auf Aktienfonds. Dabei werden sowohl herkömmliche Stock-Picking-Strategien verfolgt als auch Hedge-Strategien. Im Durchschnitt erzielten die GLG-Fonds im vergangenen Jahr eine Performance von 28,1%. Der Branchenschnitt lag bei 20%.
Aber einige der GLG-Fonds haben noch nicht aufgeholt, was sie im Lauf der Finanzkrise verloren haben. Das bedeutet, dass GLG auf diese Fonds keine Performancegebühren erheben kann. Vermögenswerte von rund 1 Mrd Dollar liegen derzeit noch 30% oder mehr unterhalb der Gebührenschwelle.
Nach der Krise haben beide Gruppen verstärkt versucht, höhere Gebühren für liquidere und transparentere Fonds bei Investoren durchzusetzen. Dazu gehören sogenannte Onshore-Fonds, die nicht den zu erwartenden gesetzlichen Restriktionen durch die EU für die Vermarktung sogenannter Offshore-Fonds unterliegen werden. Nach der Fusion soll zudem der US-Markt für Wachstum sorgen. Dort wird ein Grossteil aller Hedgefondsinvestments dieser Welt getätigt, US-Investments machen in den Portfolios von Man und GLG bisher aber erst einen winzigen Anteil aus.
Reputation versus Starkult
«Das ist der wichtigste Schritt, den wir im Bereich alternative Investments bisher gesehen haben, und er wird es für einige Zeit bleiben», kommentiert Man-Group-Vorstandschef Peter Clarke die Übernahme. Die Firmenkulturen beider Unternehmen werden allerdings als sehr unterschiedlich angesehen. GLG setzt auf die Reputation und die Persönlichkeit der Fondsmanager. Bei der Man Group wird Starkultur vermieden.
GLG machte 2006 Schlagzeilen, als das Unternehmen von der britischen Finanzaufsicht mit 750000 Pfund Strafe wegen Marktmanipulationen belegt wurde. 2008 verliess mit Greg Coffey ein Top-Manager GLG. Er verzichtete beim Abgang auf 250 Mio Pfund in Form von Prämien und Aktienoptionen. Darauf zogen Investoren Mrd Dollar aus dem von Coffey gemanagten Schwellenländerfonds ab.
Mark Williamson, Analyst bei KBC-Peel Hunt: «Die Man-Verantwortlichen werden sehr hart arbeiten müssen, um das intellektuelle Kapital, das in GLG steckt, nutzbar zu machen. Wenn das nicht gelingt, gehen sie das Risiko ein, nichts weiter als einen sehr teuren Markennamen gekauft zu haben.»