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FV-52 | Rheinzölle und ihre Auswirkung auf Stadtentstehung und städtische Selbstverwaltung im späten Mittelalter
Prof. Dr. Rolf Weder, Dr. Matthias Flückiger, Dr. Markus Ludwig
Aussenwirtschaft und Europäische Integration
Forschungsfrage
Geschichtswissenschaftlicher und ökonomischer Literatur zu Folge bildeten sich in europäischen Städten bereits im Mittelalter wirtschaftliche und politische Institutionen heraus, die später einen Grundstein für ein nie dagewesenesn nachhaltigen Wirtschaftswachstum und für und Wohlstand in Europa legten. Verantwortlich für diese modernen Institutionen war das im Mittelalter entstehende Stadtbürgertum. Es war untrennbar verbunden mit der Entstehung des Städtewesens und der städtischen Selbstverwaltung und selbst eine Folge des aufkommenden Fernhandels und der Entstehung der Kaufmannsschicht. Durch ihre ökonomische Macht war es der Kaufmannsschicht möglich die Stadtbefestigung zu finanzieren und politischen Einfluss zu nehmen, um moderne Institutionen durchzusetzen (z.B. Stadtrechte und Selbstverwaltung).
Trotz der Relevanz des Themas gibt es noch keine empirische Studie, die den Effekt von Fernhandel auf die Entstehung von Städten, Stadtrechten und Stadtbürgertum im Europäischen Mittelalter untersucht.
Ziele des Projektes
Der Fokus des Projektes liegt auf dem Rhein, als eine der wichtigsten Fernhandelsstrassen im Mittelalter. Wir nutzen Daten über Stadtrechtsverleihungen und städtische Selbstverwaltung (Stadtrat und Bürgermeister) als Mass für die Qualität der städtischen Institutionen. Als Mass für Änderungen im Fernhandel benötigen wir eine historische Variable die wir zweifelsfrei dem Fernhandel zuordnen können. In unserem Fall ist dies die Anzahl von Rheinzöllen für eine gegebe Stadt auf dem Weg entlang des Rheins zur Nordsee.
Beide Datenelemente sind für das Rheingebiet des Heiligen Römischen Reichs für den Zeitraum 1200-1500 vorhanden. Im ersten Teil des Projekts müssen die Daten aufbereitet werden, um einen Paneldatensatz zu erhalten. Das heisst wir müssen dies entsprechenden Daten aus Stadtlexika und aus historischen Karten sammeln und digitalisieren.
Im zweiten Teil werden wir eine ökonometrische Analyse durchführen in der wir den Effekt von neu entstehenden Rheinzöllen auf Stadtrechte und Selbstverwaltung testen.
Realisierte Schritte
Wir haben die Daten über die Zeit und den Ort der Entstehung von Rheinzöllen sowie der Dauer ihres Betriebs vollständig digitalisiert. Diese Daten stammen aus verschiedenen geschichtswissenschaftlichen Publikationen und wurden zusammengetragen und validiert. Informationen der geographischen Lage wurde in ArcGis verarbeitet.
Des Weiteren haben wir die entsprechenden Stadtdaten digitalisiert, mit Populationsdaten verknüpft und einen Paneldatensatz erstellt. Mithilfe dieses Datensatzes konnten wir empirisch analysieren, ob die Erhebung von Rheinzöllen die wirtschaftliche Aktivität im Mittelalter gehemmt hat.
Ergebnisse
Unsere Resultate zeigen, dass die Existenz von Zöllen die Entstehung von wirtschaftsfördernden Institutionen behinderte und das Bevölkerungswachstum reduzierte. Letzteres ist ein valider Indikator für das Wohlstandswachstum im vorindustriellen Zeitalter. Je höher die kummulativen Zölle, welche man entrichten musste, um von einer (flussnahen) Stadt auf dem Wasserweg zum Meer zu gelangen, umso stärker reduzierte sich, im Durchschnitt, die wirtschaftliche Aktivität. Einen ähnlichen Effekt beobachten wir in Bezug auf städtische Institutionen. Eine höhere Anzahl von Zöllen führt zu einer niedrigeren Wahrscheinlichkeit, dass eine Siedlung entlang des Rheins das Stadtrecht erhielt. Des Weiteren sind Städte, welche stärker von Zöllen betroffen sind, mit einer niedrigeren Wahrscheinlichkeit selbstverwaltet. Unsere empirische Methode erlaubt es sicherzustellen, dass diese Effekte nicht einfach eine erhöhte Distanz zum Meer widerspiegeln, sondern effektiv auf die Variation in den erhobenen Zöllen zurückzuführen sind.
Noch zu realisierende Schritte
Vervollständigen des wissenschaftlichen Aufsatzes, mit dem Ziel diesen in einem angesehenen Journal zu veröffentlichen (z.B. Economics Letters).