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Viele Mängel bei Lippenpflegeprodukten
Das Kantonale Laboratorium Basel-Stadt hat Lippenpflegeprodukte in einer gemeinsamen Aktion mit dem Amt für Verbraucherschutz Aargau untersucht. 14 von 33 Proben mussten wegen Mängeln beanstandet werden. Die Mängel bestanden in der Anwesenheit von dünnflüssigen Mineralparaffinen sowie nicht deklarierten Duftstoffen und UV-Filter. Mineralparaffine sind insofern problematisch, weil sie über Lippenpflegeprodukte in den Körper gelangen, wir Lippenpflegeprodukte sozusagen „essen“. Die Hersteller mussten die Analysekosten übernehmen und veranlassen, die Mängel zu beheben
33 Proben Lippenpflegeprodukte (Lipbalm, Lipgloss und Lipstick) wurden bei Grossverteilern und Modegeschäften in den Kantonen Aargau und Basel-Stadt erhoben. Die Proben stammten mehrheitlich aus China, Frankreich, Deutschland, Europa und den USA.
Etwa ein Drittel der Produkte enthielt vorwiegend pflanzliche Öle sowie Bienen- und andere natürliche Wachse. In 23 Proben konnten hingegen Paraffine als Hauptkomponenten nachgewiesen werden. Bei 13 Proben handelte es sich um unerwünschte, dünnflüssige Mineralöle, wovon 10 Proben mit einem Gehalt von mehr als 10 g/100g beanstandet wurden, weil bei langfristiger Anwendung eine Gesundheitsgefährdung nicht ausgeschlossen werden kann. Zudem entsprechen diese Produkte nicht der guten Herstellungspraxis, wie sie vom europäischen Kosmetikverband empfohlen wird. Eine akute Gefährdung besteht bei der Anwendung solcher Produkte jedoch nicht. Deshalb wurde von einem Verkaufsverbot abgesehen, die Hersteller jedoch aufgefordert, Massnahmen zur Behebung der Mängel einzuleiten.
In sechs Proben konnten MOAH (mineral oil aromatic hydrocarbons) nachgewiesen werden. Da eine gesetzliche Grundlage für eine Beanstandung von Proben mit MOAH-Anteilen fehlt, wurde auf den festgestellten Mangel hingewiesen und der Hersteller aufgefordert, im Sinne der guten Herstellungspraxis in Zukunft Mineralparaffine von besserer Qualität (ohne MOAH) zu verwenden.
Bei drei Produkten lag mindestens ein allergener Duftstoff über der Deklarationslimite, ohne auf der Verpackung erwähnt zu werden, was beanstandet wurde. Der Produzent bzw. Importeur musste die Analysekosten übernehmen und veranlassen, dass die Deklaration gesetzeskonform korrigiert wird.
In einem Lippenbalsam mit UV-Schutz konnten weder die beiden deklarierten UV-Filter noch allfällige andere UV-Filter in relevanter Konzentration nachgewiesen werden. Damit verfügt das Produkt wahrscheinlich nicht über den angegebenen UV-Schutz, was beanstandet wurde. Ein Lipgloss enthielt den UV-Filter EHMC ohne auf der Verpackung deklariert zu sein, was ebenfalls beanstandet wurde.
Einmal mehr zeigte sich, dass Lippenpflegeprodukte eine hohe Beanstandungsquote aufweisen und somit weitere Kontrollen notwendig sind.
Infobox
Mineralische Paraffine (mineral oil saturated hydrocarbons, MOSH) werden bei Lippenpflegepro-dukten häufig verwendet. Sie sind günstig, stabil und verleihen den Lippen Schutz und Glanz. Pa-raffine werden aus Erdöl hergestellt und sind auch in der Umwelt und Nahrung weitverbreitet. Als Ersatz für vergleichsweise teure, hochwertige pflanzliche Öle und Wachse können Lippenpfle-gemittel bis zu 70 % Mineralparaffine enthalten. Sie müssen auf der Verpackung deklariert sein, z.B. als Paraffinum liquidum, Microcristalline Wax oder Petrolatum.
Mineralparaffine sind insofern problematisch, weil sie über die Nahrung, aber auch über Lippenpflegeprodukte in den Körper gelangen. Man muss sich vorstellen, dass wir Lippenstifte eigentlich „essen“. Schätzungsweise nehmen wir damit täglich bis zur 5-fachen Menge Paraffine verglichen mit Nahrungsmitteln auf . Von dünnflüssigen Paraffinen weiss man, dass sie im Tierversuch zellulläre Schäden verursachen können und sich in verschiedenen menschlichen Organen stark anreichern . Dickflüssige Mineralöle mit einem Molekulargewicht über 480 Dalton (Da) gelten hingegen als unbedenklich. Deshalb empfiehlt der europäische Kosmetikverband „Cosmetics Europe“ und das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR (Berlin), nur höher viskose Paraffine und Wachse (> 480 Da) für Lippenpflegeprodukte zu verwenden.
In letzter Zeit sind sogenannte MOAH (mineral oil aromatic hydrocarbons) in die Schlagzeilen geraten. Als Bestandteil von qualitativ minderwertigen Paraffinen können sie potentiell krebserre-gende Substanzen wie polyzyklische aromatische Verbindungen enthalten. Daher sollten MOAH-Anteile in Kosmetikprodukten im Rahmen des technologisch Machbaren reduziert werden