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Studienreise: 20. Volkskundliche Studienreise nach Apulien
29.09.2015 - 08.10.2015
Begünstigt durch die Lage, war Apulien schon immer ein Mittler zwischen und Morgen- und Abendland sowie dem Balkan. Die eigentliche Besiedlung beginnt um 2000 vor Chr. mit den aus dem Balkan eingewanderten Illyrern, aus denen 800 Jahre später die Stämme der Daunier, Peuketier und Messapier hervorgehen. Mit der Gründung von Taras durch eingewanderte Spartaner 706 vor Chr. beginnt sich der griechische Einfluss im Salento durchzusetzen. In einigen Gemeinde des Salento wird noch heute das Griko gesprochen, das sehr stark dem Altgriechischen ähnelt. Ab dem 3. Jh. vor Chr. weiten die Römer ihre Macht auch über Süditalien aus. Es folgen Goten, Langobarden und Byzantiner. Mit der Übernahme der Macht über Süditalien durch die Normannen im 11. Jh. endet die byzantinische Herrschaft in Apulien. Die Hafenstädte an der Adria mit ihren Kathedralen werden zu wichtigen Stationen für Kreuzfahrer und Pilger, noch mehr nach der Machtübernahme Ende des 12. Jh. durch die Staufer, speziell Friedrich II. 1265 fällt Apulien an das Königreich Neapel, regiert von den Anjou, später den Spaniern und Franzosen. Steinerne Zeugnisse dieser besonderen Geschichte wie Dolmen und Menhire, antike Stätten und Kathedralen im Stil der apulischen Romanik, Kastelle, Höhlenstädte und Trulli machen Apulien speziell auch in architektonischer Hinsicht interessant.
Das Kernland von Apulien bilden die Murge (Murgia). Geologisch handelt es sich um ein riesiges, aus Meeresablagerungen entstandenes Kalkplateau, das sich vor 65-100 Mio. Jahren emporgehoben hat. Die Flüsse wuschen die Täler aus, die sich Richtung Adria und Ionisches Meer öffnen. Heute sind die Abflüsse meist trocken, in karstreichen Gegenden versickert das Wasser schnell. Dank eines genialen Wasserversorgungssystems, das Apulien mit Wasser aus Kampanien versorgt und anfangs des 20. Jh. gebaut wurde, sieht man auf der Reise durch Apulien überall blühende Landschaften.
Apulien war und ist bis in die heutige Zeit ein agrarisch geprägtes Land. Die junge Republik brachte keine Verbesserung der Lebensumstände im Süden so dass um die Wende zum 20. Jh.Tausende nach Amerika und Australien auswanderten. Auch die Ansiedlung von grossindustriellen Betrieben in Bari und Brindisi in den 1960ern, der man riesige landwirtschaftliche Flächen opferte, brachte nicht die erhoffte Folgeansiedlung anderer Firmen. Heute ist Apulien zwar nicht so reich wie der Norden, aber auch nicht mehr so arm, Tourismus und damit auch der Dienstleistungssektor haben ab den 1980er-Jahren an Bedeutung gewonnen. Seither nutzen immer mehr Bauernhöfe das im Tourismus liegende Potential, setzen auf Agroturismo und biologischen Anbau. Wein und Olivenöl aus Apulien haben sich mittlerweile international einen Namen gemacht. Vor allem mittlere und kleine Betriebe sind für den heutigen Wohlstand der Region verantwortlich. 70% der Getreideproduktion Italiens stammen aus Apulien. Wie wichtig Getreide für Apuliens Küche mit all ihren Brot- und Pastasorten ist, werden Sie auf der Reise täglich erfahren. Apulien ist auch ein Gemüsegarten, aber auch Fleisch und Fisch kommen nicht zu kurz. Bis heute ist die Küche Apuliens eine einfache, gesunde und rustikale Küche, die auf unverfälschten Geschmack setzt. Sie können sich freuen!
Reiseprogramm
Anreise Dienstag
Bahn ab Zürich 09.32 nach Bari Centrale an 21.18
oder
Flug Zürich - Bari mit Alitalia über Rom
Hotel in Bari
Mittwoch: Bari
Vormittag: Wir lassen uns durch die lebhafte und stimmungsvolle Altstadt führen
und besuchen die zwei grossen romanischen Kirchen: die Basilica San Nicola, wo
die Gebeine des heiligen Nikolaus von Myra ruhen und die Cattedrale San
Sabino, aber auch das mächtige Normannenschloss , das im 11. Jh. als
Wehranlage errichtet wurde.
Zu Mittag essen wir in einem der besten Restaurants der Stadt, wo wir die
traditionellen Fischküche kennen lernen.
Nachmittags gehen wir in Neustadt, mit deren Bau 1813 begonnen wurde und
die seit der Industrialisierung in den 1960ern einen anhaltenden Bauboom erlebt.
Highlights: Palazzo Acquedotto Pugliese (Wasserpalast) wo sich Bauhaus- und
Jugendstil vermischen und das Stadio San Nicola von Renzo Piano (1990)
Hotel in Bari
Donnerstag: Bisceglie, Trani und Barletta
Vormittag: Mit dem Bus nach Bisceglie wo wir einen bedeutende Olivenölmühle
besuchen. Weiter nach Trani zu einem Stadtrundgang in der Altstadt mit der
Königin der Kathedralen, San Nicola Pellegrino (Trani hat seit 1097 einen eigenen
heiligen Sankt Nikolaus) und dem Castello Friedrich II, des Stauferkaisers.ost
Mittagessen in der Altstadt von Trani.
Nachmittag: Weiter nach Barletta mit seiner kolossalen Bronzestatue des
oströmischen Kaisers Valentinian I. Wir besuchen die archäologischen
Ausgrabungen von Canne della Battaglia, dem alten Cannae, wo Daunier,
Römer, Byzantiner, Normannen, Staufer und Anjou gesiedelt haben.
Hotel in Manfredonia.
Freitag: Monte S. Angelo und Manfrediona
Vormittag: kurze Busfahrt nach Monte Sant‘ Angelo mit dem berühmten
Santuario di San Michele in der Grotte. Noch bis weit über das Mittelalter hinaus
eines der wichtigsten europäischen Pilgerzentren und seit 2011 UNESCO
Weltkulturerbe.
Das Mittagessen nehmen wir in Manfredonia ein, benannt nach dem
Stadtgründer Manfred, dem Sohn Friedrich II.
Nachmittag: Besuch von historischen Gebäuden und des Castello Svevo-Angioina
direkt am Meer mit dem Museo Nationale di Manfedonia.
Hotel in Manfredonia
Samstag: Ruvo di Puglia und Castel del Monte
Vormittag: Wir fahren nach Ruvo di Puglia und besuchen in der schmucken
Altstadt den Palazzo und Museo Jatta mit seiner faszinierenden Sammlung von
griechischen Vasen und Amphoren aus dem 8. bis 3. Jh.vor Chr. Die Cattedrale
Santa Maria Assunta ist eines der schönsten Beispiele apulischer Romanik.
Mittagessen in der Stadt.
Nachmittags fahren wir zum Castel del Monte, das der Schriftsteller und
Historiker Ferdinand Gregorovius als Krone Apuliens bezeichnet hat. Es ist der
rätselhafteste Bau den Friedrich II. errichten liess, oft verglichen mit dem
Felsendom in Jerusalem. UNESCO Weltkulturerbe seit 1996.
Weiter nach Alberobello, wo wir übernachten.
Sonntag: Polignano a Mare und Alberobello
Vormittags fahren wir nach Polignano a Mare. Die weiss getünchten Häuser der
Altstadt stehen dicht gedrängt auf einem Felsen über dem türkisblauen Meer, ein
Bilderbuchort. Wir besuchen einen der Handwerksbetriebe, wo die traditionellen
Terracotta-Pfeiffen bemalt werden. Die Gegend ist auch für ausgezeichnete
Eisspezialitäten bekannt.
Mittagessen in einem typischen Fischrestaurant.
Der Nachmittag gehört dem Valle d‘Itria und Alberobello, die Hauptstadt der
Trulli, dieser merkwürdigen, weiss getünchten Häuschen mit den spitzen
Dächern. Interessante Einblicke in die Geschichte der Region, das bäuerliche
Leben und die Trulli bietet das Museo del Territorio.
Nacht in Alberobello.
Montag: Matera
Vormittag: Busfahrt zu einem weiteren Weltkulturerbe: Matera in der Region
Basilicata, die berühmteste Höhlenstadt der Welt. Eine besondere Attraktion sind
die ins kalkreiche Gestein hineingebauten Häuser und die einzigartigen
Höhlenkirchen.
Nachmittag: Nach dem Mittagessen in Matera fahren wir nach Lecce und
beziehen Quartier in einem Stadthotel.
Dienstag: Lecce und Galatina
Vormittag: Stadtrundgang durch Lecce, das reich ist an barocken Gebäuden wie
die Heiligkreuzkirche oder romanischen Bauten wie das Amphitheater mitten in
einer der Hauptstrassen. Mittagessen in der Nähe des Schlosses von Karl V.
Nachmittags machen wir einen Ausflug nach Galatina, einer der wichtigsten Orte
im Salento. Das Stadtbild wird von der romanischen Kirche Santa Caterina
d‘Alessandria dominiert, die anfangs 15. Jh. mit Fresken reich ausgemalt wurde.
Nacht in Lecce.
Mittwoch: Otranto
Vormittag: Ausflug nach Otranto, das gern als Tor zum Orient bezeichnet wird,
sind es doch nur 80 km bis Albanien. In der grössten romanischen Kirche Apuliens,
der von den Normannen erbauten Cattedrale Santa Maria Annunziata, bewundern
wir das riesige Bodenmosaik, das von einem Mönch in den Jahren
1163-65 geschaffen wurde. Besuch des Castello Aragonese, das nach dem verheerenden
Türkenüberfall von 1480 errichtet wurde.
Nachmittags freie Zeit in den pittoresken Gassen der Stadt mit den vielen kleinen
Läden und Werkstätten.
Nacht in Lecce.
Donnerstag: Abschied und Rückfahrt
Der Bus bringt uns zum Bahnhof Lecce bzw. zum Flughafen Brindisi
Bahn ab Lecce 08.13 nach Zürich 21.28, Basel 21.29
Flug ab Brindisi mit Alitalia über Rom nach Zürich
Preise und Anmeldung
Inbegriffen sind:
- Bahnfahrt 2. Klasse von Zürich nach Bari und zurück ab Lecce oder Flug Economy von Zürich nach Bari und zurück ab Lecce. Bahn 1. Klasse möglich mit einem Aufpreis von Fr. 160.- für Halbtax-Inhaber
- Unterkunft während der ganzen Reise in schönen Mittelklasse-Hotels
- Halbpension ohne Getränke
- die wissenschaftliche Führung durch lokalen, deutschsprachigen Reiseführer
- und alle lokalen Eintritte und Führungen.
Preis im Doppelzimmer Fr. 2‘750.-
Zuschlag für Einzelzimmer Fr. 300.-
Zuschlag für Bahn 1. Klasse Fr. 160.- mit Halbtaxabonnement
Preisänderungen bis zur Bestätigung sind nicht ausgeschlossen, aber wenig wahrscheinlich. Ein
allfälliger Gewinn aus den volkskundlichen Reisen kommt wie immer der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde zugute.
Programmänderungen und Ergänzungen behalten wir uns bei der Feinplanung ausdrücklich vor.
So sind einzelne Besichtigungen noch nicht abgesprochen und auch das lokale kulturelle Angebot
möchten wir noch einbeziehen. DieTeilnehmenden erhalten ca. einen Monat vor Reisebeginn
ein detailliertes Programm.
Haben Sie einen Vorschlag oder einen Wunsch für die Ausarbeitung des Detailprogramms?
Solches nehmen wir von den Teilnehmenden bis Ende Februar gern entgegen.
Anmeldetermine
1. Reise Ende Januar 2015; 2. Reise Ende März 2015
Wir berücksichtigen maximal 30 Teilnehmer pro Reisetermin in der Reihenfolge, wie die Anmeldungen
eingehen. Bei weniger als 20 Anmeldungen pro Reise werden wir das Angebot überprüfen und mit den Angemeldeten Kontakt aufnehmen.
Wissenschaftliche Leitung zum Zeitpunkt der Ausschreibung noch nicht namentlich bekannt
Administrative Leitung:
Hans-Ulrich Vollenweider
Ritterhof 3
8460 Marthalen
Tel. 052 319 22 45
Fax 052 319 37 47
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