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Was das Sponsoring betrifft, war 2021 ein ausserordentlich gutes Jahr für die königlich-britischen Ärztegesellschaften: Verglichen mit früheren Jahren erhielten sie deutlich mehr Sponsorengelder von pharmazeutischen Unternehmen und Medizinprodukteherstellern. Das erfuhr das «British Medical Journal» (BMJ) aber nicht von den Ärztegesellschaften selbst.
Bis auf eine – die royale Vereinigung der Narkoseärzte – weigerten sich nämlich alle anderen 15 vom «BMJ» angefragten königlichen Ärztevereinigungen offenzulegen, wie viel Geld sie von der Industrie, von Kampagnengruppen oder von Patientenorganisationen erhalten hatten. Zu den Angefragten zählten namhafte Vereinigungen wie die königliche Ärztevereinigung, das «Royal College of Physicians», oder das «Royal College of Surgeons of England» (Vereinigung der englischen Chirurgen).
Der Tenor ihrer Antworten lautete, dass die Geldsummen von den Firmen nur einen winzigen Teil ihres Budgets ausmachten und die Ärztegesellschaft in keiner Weise beeinflusst hätten. In den Jahresberichten der Ärztevereinigungen seien diese Beträge nicht erwähnt worden, berichtet Hristio Boytchev im «BMJ».
Wie viel Geld floss, hält die pharmazeutische Industrie in einer Datenbank fest. Es sei jedoch unmöglich, anhand dieser Datenbank «ohne viele Stunden kriminologischer Arbeit» herauszufinden, wie viel Geld an jeden Empfänger gehe, sagen zwei britische Wissenschaftler, die das BMJ bei der Recherche unterstützten. Denn in dieser Datenbank würden Zahlungen plötzlich verändert und die Ergebnisse seien teils inkonsistent.
Die Recherche des «BMJ» ergab: Die königlichen Ärztevereinigungen erhielten von 2015 bis 2022 umgerechnet rund 8,4 Millionen Franken. Grösste Spender waren bei den Pharmafirmen Pfizer (umgerechnet circa zwei Millionen Franken) gefolgt von NovoNordisk (rund 816’000 Fr.) und bei den Medizinprodukteherstellern Johnson&Johnson Medical (circa 915’000 Fr.) sowie der Diagnostikhersteller Thermo Fisher Scientific (720’000 Fr.). Diese Informationen wurden der Datenbank der europäischen Vereinigung der Medizinproduktehersteller Med Tech Europe entnommen.
Die Hauptempfänger waren die königliche Ärztevereinigung und die royale Vereinigung der Allgemeinärzte, die auch von den Medizinprodukteherstellern sehr grosszügig bedacht wurde. Mit dem Geld wurden in erster Linie Ärzteveranstaltungen, beispielsweise Fortbildungen, gesponsert, was sich aber – wie die Ärztegesellschaften gegenüber dem «BMJ» sinngemäss betonten – nicht auf die Inhalte ausgewirkt habe.
Die Leser sahen das – mindestens zum Teil – anders. So kommentierte ein Arzt aus Deutschland: «Was für ein Chaos. Wir haben den Kampf verloren.»
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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