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Kallnach
Kirche Kallnach
Mitten im Dorf, etwas erhöht, steht seit dem frühen 17. Jahrhundert die Kirche Kallnach, die vermutlich an Stelle der mittelalterlichen Margarethenkapelle errichtet wurde. An vielen Bauteilen sind die Spuren ihrer langen Geschichte zu entdecken: am Chorbogen, bei den Fenstern oder im Glockenstuhl im Kirchhof, in dem noch eine Glocke von 1487 zu finden ist. Die Kirche bildet mit dem Pfarrhaus, dem Pfarrhof, der Pfrundscheune und dem Friedhof ein Ensemble.
Die heutige Kirche ist zwischen 1607-1627 errichtet worden, sie ist jedoch nicht das erste Gotteshaus, das Kallnach besitzt. Es gibt dafür verschiedene Belege: Im Jahr 1230 vergabte Gottfried von Oltigen den Kirchensatz von Kallnach dem Bistum Lausanne und 1540 musste «dem Pfarrer zu Kallnach ein Baumgarten» hergerichtet werden. Bis heute fehlen jedoch die steinernen Zeugen aus dieser Zeit.
Die jetzige Kirche besteht aus einem einschiffigen, flach gedeckten Langhaus. Nach einer in Stein eingelassenen Tafel im Chorbogen wurde der Chor im Jahr 1607 erstellt. Der Chorbogen selbst ist auf das Jahr 1627 datiert. Vierzig Jahre später ist der Taufstein dazugekommen (heute eine Kopie von 1950) und 1673 die sehr schöne, aus verschiedenen Hölzern gefertigte Spätrenaissancekanzel. Für die Fenster im Chor wurden spezielle Glasgemälde hergestellt: Zwei Berner Wappen mit dem Reichsadler und den Jahreszahlen 1608 und 1627 und je ein Bannerträger mit dem Wappen der Stadt Büren und der Stadt Nidau. Alle vier Scheiben wurden 1889 dem Landesmuseum verkauft - zum damaligen Preis von 2000 Franken. Mit dem Erlös kaufte die Kirchgemeinde dem Staat den Chor ab und erstand die beiden jetzigen Chorfenster der Werkstatt Greiner und Giesbrecht (Der sinkende Petrus und die Rückkehr des verlorenen Sohnes). Anlässlich der Renovation von 1949/50 wurde versucht, die verkauften Glasfenster zurückzuerwerben. Aber ohne Erfolg.
Im Verlauf des 20. Jahrhunderts wurde die Kirche mehrmals renoviert, wobei man nach 1945 eine grössere Renovation in Angriff nahm. Der Berner Münsterbaumeister Peter Indermühle übernahm den Auftrag. So entstand der heutige helle Raum, belichtet durch drei neugotische Fenster. 1973 bekam der Dachreiter wieder die ursprüngliche Gestalt von 1824 zurück. Eine kleine Kostbarkeit steht neben der Kirche. Ein ebenerdiger Glockenstuhl trägt die beiden früher benützten Glocken. Die eine Glocke trägt die Jahreszahl 1487 und in gotischen Minuskeln die Aufschrift: «Ich bin ein glog vein gesamlet von einer ganzen gemein / Ave Maria gracia plena dominum tecum / Lukas 1, 28». Die zweite Glocke wurde 1691 von Abraham Gerber in Bern gegossen. Sie ist geschmückt mit prächtigen Blumengirlanden und schön herausgearbeiteten Berner Wappen. Verewigt sind darauf auch die Namen der damaligen Dorfgrössen, des Pfarrers und des Landvogts von Aarberg. Heute besitzt die Kirche drei Glocken aus der Giesserei Rüetschi. Wie es auf einer Glocke heisst: «Ich rufe dich aus der Arbeit fort; halt ein, um Gottes Wort zu Preisen.»
- Caviezel-Rüegg, Zita und Matthias Walter, Die Kunstdenkmäler des Kantons Bern, Landbd. 4 (Der ehemalige Amtsbezirk Aarberg), Bern: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, 2018, S. 180-186.
- Informationsflyer zu den Kunstfenstern liegt im Kirchenraum auf.