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Lungenkrankheiten.
Lungenkrankheiten sind im Verhältnis zu den übrigen Organerkrankungen überaus häufig,
was bei dem ungemein zarten Gewebe
[* 2] und dem großen Blutreichtum der
Lungen und bei der Leichtigkeit, mit welcher mancherlei
mechanisch und chemisch reizende Schädlichkeiten der Außenwelt vermittelst des Atmungsprozesses durch
die Luftwege in das Lungengewebe gelangen können, nicht wundernehmen kann; sie bedürfen von Anbeginn an aufmerksamster
Beobachtung und sorgsamster Pflege, da sie oft genug bei Vernachlässigung dauerndes Siechtum oder frühzeitigen
Tod zur Folge
haben. Zu den häufigsten
Lungenkrankheiten zählen die
Blutüberfüllung der
Lungen (s.
Lungenhyperämie), der
Lungen- oder
Bronchialkatarrh
(s. d.), die verschiedenen Formen der
Lungenentzündung (s. d.) und die
Lungenschwindsucht (s. d.); unter
gewissen Verhältnissen kommt es auch in den
Lungen zur
Bildung von
Abscessen (s.
Lungenabscesse) oder zum brandigen
Absterben
größerer Gewebspartien (s.
Lungenbrand).
Verlust der Elasticität des Lungengewebes und
Ausdehnung
[* 3] der
Lungenbläschen durch
Schwund der Zwischenwände findet sich häufig bei chronischen Katarrhen und stellt als
Lungenerweiterung
oder
Emphysem (s. d.) eine der häufigsten
Ursachen des
Asthma dar, wogegen krampfhafter Verschluß der feinern Luftröhrenzweige
¶
mehr
das nervöse Asthma bedingt. (S. Asthma.) Auch die Ansammlung von wässeriger Flüssigkeit in den Lungenbläschen vermag den Atmungsvorgang schwer zu bedrohen oder ganz zu vernichten; dieselbe tritt häufig in den letzten Stunden des Lebens ein und wird so zur direkten Todesursache. (S. Lungenödem.) Die Einatmung von Staub kann schwere Schädigungen der Lungen zur Folge haben. (S. Staubinhalationskrankheiten.) Krebs, [* 5] Sarkom, Syphilis und Echinokokkus können die Lungen ebenfalls befallen.
Alle
Lungenkranken sollen ein durchaus geregeltes Leben führen und die größte Sorgfalt auf den Atmungsprozeß verwenden,
insbesondere für eine möglichst reine, beständig gleichmäßig warme Luft sorgen und sich vor schroffem Wechsel zwischen
warmer und kalter Luft sowie vor den rauhen Nord- und Ostwinden schützen. Alle körperlichen und geistigen
Überanstrengungen, welche einen stärkern Blutzufluß zu den Lungen erregen, sind auf das sorgfältigste zu meiden, dagegen
die Atmungsorgane selbst durch tiefe und ruhige Einatmungen sowie durch zweckmäßige gymnastische Übungen in vorsichtiger
Weise zu kräftigen.
Während der rauhen Jahreszeit ist das Tragen wollener Unterkleider und das Warmhalten der Füße durch wollene Strümpfe sehr zu empfehlen. Die Diät sei kräftig, nahrhaft und leicht verdaulich; obenan stehen frisch gemolkene warme Milch, Eierspeisen, leichte Fleischsorten, Fleischbrühen, Mehlspeisen, Butter und leichtverdauliche Fette u. dgl. Vielfach leistet die längere Übersiedelung in ein mildes südl. Klima [* 6] oder in einen geschützten Höhenkurort vortreffliche Dienste. [* 7]