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Schon mal was von der Hirschlausfliege gehört? Ich war mit meinem Göttibueb vom Zirkusbesuch auf dem Heimweg, da rief eine Stallpensionärin an. Mein Pferd Remon würde sich besorgniserregend verhalten: stampfen, ausschlagen, unvermittelt herum galoppieren, bocken und mit dem Schweif schlagen. Etwas würde ihn ganz offensichtlich “plagen”, er zeige grosse Stresssignale mit erhöhter Atem- und Pulsfrequenz sowie schwitzen. Remon sei so “kopflos”, dass es sogar gefährlich sei um ihn herum. Mir wurde ein Remon beschrieben, der sich quasi von jetzt auf gleich von Dr. Jekyll zu Mr. Hyde verwandelt hatte. Der anvisierte Tierarzt ging von einer möglichen “Verkrampfung” aus und riet, als erste Hilfe Massnahme und um die Durchblutung zu fördern, Remon abzuspritzen. Leider blieb der Tierarzt auf dem Weg zum Stall im Stau steckten. Da sich Remons Zustand besorgniserregend zuspitzte und die anwesenden Leute im Stall schlimmeres als eine “Verkrampfung” befürchteten, entschied ich, Remon ins Tierspital bringen zu lassen.
Ich brachte meinen Göttibueb nachhause und traf die Truppe im Tierspital. Die Tierätztin äusserte nach den Beschreibungen und der Videoaufzeichnung den Verdacht, dass die Hirschlausfliege der Grund für Remons Verhalten sein könnte. Hirschlausfliege? Noch nie was von dem Viech gehört! Remon wurde sorgfältig untersucht: u.a. Hinterhandbereich abgetastet und abgesucht, Rektaluntersuchung, Ultraschall vom Magen, Schlauchtasche und Schlauch gesäubert und begutachtet, Blutuntersuchung, Urin untersucht - alles ohne Befund. Eine Nacht blieb er in der Überwachungsbox. Remon zeigte sich offenbar schon beim Eintreffen im Tierspital wesentlich ruhiger, und in der Nacht verhielt sich Remon wieder völlig normal. So durfte er bereits am nächsten Tag wieder zurück in den Stall.
Abschliessend konnte mir die Tierärztin nicht sagen, was Remon genau hatte, doch die Wahrscheinlichkeit für eine Hirschlausfliege war hoch. Gefunden wurde sie nicht. Wahrscheinlich hat sie das Abspritzen bereits entfernt. Egal, hauptsache Remon ging es wieder gut und ich wusste nach den diversen Untersuchungen, dass er zudem kerngesund ist.
Natürlich habe ich nach der Hirschlausfliege gegoogelt und staunte, was ich über sie fand. Die Symptome passten auf das mir beschrieben Verhalten von Remon. Ich habe auch selber in meinem Pferdebesitzerfreundeskreis davon berichtet. Einige hatten, so wie ich, noch nie etwas von der Hirschlausfliege gehört, andere wussten Bescheid und konnten sogar von Erfahrungen berichten.
Mit diesem persönlichen Erlebnis möchte ich euch auf die Existenz dieser Hirschlausfliege aufmerksam machen, damit ihr auch an diese Möglichkeit denkt, wenn euer Pferd aus heiterem Himmel heraus verrückt spielt.
(Verfasserin: Chantal Riem)