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© Foto by Ruedi Suter, OnlineReports
Davidoff-Gründer Ernst Schneider ist tot
Mit dem Tod des Baslers Ernst Schneider (1921 - 2009) verschwindet ein begnadeter Tabak-Unternehmer und bemerkenswert erfolgreicher Patron der alten Schule.
Basel, 15. Oktober 2009
Ernst Schneider, am 13. März 1921 in Basel geboren, ist am 13. Oktober im Alter von 88 Jahren in seiner Geburtsstadt gestorben. Dies erfuhr OnlineReports aus dem Freundeskreis des traditionsbewussten Juristen, der mit viel Geschick, Willen und Charme das Basler Unternehmen Oettinger Davidoff Group zu einem weltumspannenden Zigarren- und Luxusgüterkonzern ausbaute.
Ernst Schneider war das zweitälteste von vier Kindern. Er besuchte die Schulen in Basel und schloss sein Studium der Rechtswissenschaften mit dem Doktorat ab. Seine berufliche Karriere begann mit einem Einblick in die Schrecken des Nazionalsozialismus: Schneider organisierte 1945 als Beauftragter des Roten Kreuzes Hilfeleistungen in den Konzentrationslagern Dachau und Birkenau.
Dies sollte ihn fürs Leben prägen: "Das war die bei weitem wichtigste Erfahrung in meinem Leben. Sie lehrte mich, bescheiden und dankbar zu sein. Und sie überzeugte mich, dass solche Dinge bekämpft werden müssen", erklärte er später gegenüber Journalisten. Anschliessend arbeitete der Basler in der Rechtsabteilung des damaligen Eidgenössischen Politischen Departements in Bern.
Förderliche Heirat
1948 heiratete Schneider Annemarie Huppuch und trat als Schwiegersohn in die Georg Huppuch gehörende Max Oettinger AG ein. Die Firma galt als eine der bedeutendsten Tabakgrosshandelshäuser der Schweiz. Ernst Schneider, ein begeisterter Sportler und in der Armee Kommandant einer Maschinengewehr-Schützenkompagnie, führte das Unternehmen Schritt für Schritt zum Erfolg.
Zwischendurch machte er einen beruflichen Abstecher nach Genf, wo er sich mit dem russlandstämmigen Tabakladenbesitzer Zino Davidoff befreundete. Dessen Laden kaufte er 1970 auf, um mit dem klingenden Namen Davidoff und strategisch geschickten Zukäufen im Einzelwaren-Tabakfachhandel sowie im Tabak- und Süsswarengrosshandel sein Geschäftsimperium aufzubauen. Dabei operierten er und sein Team mit Schlüsselbegriffen wie "Exklusivität", "Genuss" und "Lebensfreude". Zino Davidoff verstarb 1994, ebenfalls im Alter von 88 Jahren.
Das Erfolgsrezept
Gegenüber OnlineReports erklärte "Dr. Ernst Schneider", wie er sich gerne nennen liess, vor ein paar Jahren sein Erfolgsrezept so: "Kontinuierlicher Ausbau der Luxusmarke Davidoff mit fairen Preisen und qualitativ kompromisslosen Bestprodukten über ein ausgesuchtes Verteilernetz aus eigenen, exakt instruierten Firmen und Agenten."
Sein Erfolg basierte neben Flexibilität und Weitsichtigkeit auch auf einem knallharten Durchsetzungsvermögen. So verlegte er, von Fidel Castro unter Druck gesetzt, 1989 demonstrativ die Produktionsstätten von Kuba in die Dominikanische Republik. Und er ging konsequent mit Prozessen gegen Produkte-Piraten vor - stets erfolgreich.
Familie, Freunde und Sport
Seine Treue verbot es ihm, den Hauptsitz von Oettinger Davidoff aus Basel abzuziehen oder an die Börse zu gehen. Ernst Schneider fühlte sich stets seinen Verwandten, seinen Freunden und seiner Heimat verpflichtet. "Im Mittelpunkt seines Lebens standen für den dreifachen Vater und siebenfachen Grossvater aber immer seine Gattin Annemarie und seine Familie, die ihm viel Freude bereitet und auch in schwierigen Zeiten starken Rückhalt gegeben haben", heisst es in einer heute Nachmittag von der Oettinger Davidoff Group verschickten Meldung.
In seiner Freizeit spielte der Cadillac-Fahrer und ehemalige RTV Basel-Handballer bis kurz vor seinem Hinschied Tennis. Schneiders Verbundenheit mit der Rheinstadt liess ihn auch zum Sponsoren der "Davidoff Swiss Indoors" werden, die Basel zum international beachteten Tennis-Turnierort machten.
"Ich geniesse, also bin ich"
Das Zepter des Generaldirektors übergab Cigarrenbaron Schneider an Reto Cina. Er selbst wirkte noch jahrelang im Hintergrund und als Aushängeschild mit. Obwohl sich die Zeiten änderten und Rauchern heute ein steifer Wind ins Gesicht schlägt, genoss Ernst Schneider bewusst und in aller Öffentlichkeit seine Cigarren: "Ich geniesse, also bin ich!"
Erst in letzter Zeit besuchte er nicht mehr so häufig sein vergleichsweise bescheidenes Büro am Basler Hauptsitz an der Nauenstrasse. Diesen Sommer war es das letzte Mal, erklärte Davidoff-Mediensprecherin Paloma Szathmary gegenüber OnlineReports.
Ihre Medienmitteilung schliesst mit einem Blick in die Zukunft: "Weitsichtig hat Dr. Ernst Schneider seine Nachfolge geregelt und das Unternehmen schon vor einigen Jahren an seine beiden älteren Töchter übertragen, welche mit dem Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung das Familienunternehmen in seinem Sinn und Geist weiterführen und entwickeln."
Weiterführende Links:
- Plötzlich war "Davidoff" ein Synonym für Luxus und Ehre