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Die Entstehungsgeschichte des Startups Strongbox ist nicht ganz einfach nachzuvollziehen. Offiziell erblickte Strongbox 2016 unter dem CEO David Cerf als Strongbox Data Solutions (SBDS) das Licht der IT-Welt. De facto war Strongbox eine abgetrennte Geschäftseinheit von Crossroads Systems mit dem Ziel, der angeschlagenen Muttergesellschaft dadurch neue Einnahmen zu verschaffen. Weitere Produkte sollten hinzukommen.
Strongbox war ursprūnglich eine Bezeichnung für eine NAS-Appliance, die File Storage und eine Tape Library miteinander verband. Cerf kam ebenfalls von Crossroads. Strongbox Data Solutions schuf dann eine Produktlinie mit zwei Produkten: Stronglink (ein neues Produkt) und Stronglink LTFS (eine Umbenennung des ursprūnglichen Strongbox-Produkts von Crossroads).
Das aktuelle Kernprodukt ist Stronglink, während Stronglink LTFS weiter im Angebot ist. Stronglink besteht aus einer Management-Plattform für Unternehmensdaten, die als Software verkauft wird, um alle unstrukturierten Daten zu verwalten – egal, in welcher Storage-Einheit sie aufbewahrt werden: als NAS, File Server, Tape oder S3 Object Storage. Laut Strongbox "kämpfen heute viele Unternehmen angesichts von mehr Datenquellen und verteilten Speichersilos damit, das Management ihrer Daten in den Griff zu bekommen". Die Software-Lösung von Stronglink verschaffe den Unternehmen deshalb "Kontrolle über ihre Daten in Umgebungen, die aus Speichergeräten von unterschiedlichen Herstellern bestehen, indem sie ihre Metadaten für das Management ūber lokale Systeme, Netzwerke, Tape und Cloud-Storage hinweg vereinfachen".
Der Hersteller hebt zwei Merkmale besonders hervor:
- "Data centric": Mehrere Arten von Metadaten werden auf der Basis von Regeln aggregiert und über verschiedene Plattformen hinweg automatisch verteilt. Besondere Elemente sind dabei "Actionable Intelligence" sowie Datenvisualisierung und Global Query.
- "Storage aware": Stronglink versteht verschiedene Speichersysteme und verbindet selbst an sich inkompatible Storage-Silos von mehreren Herstellern miteinander.
Mit diesem Ansatz ist Strongbox besonders interessant für Unternehmen, die mehrere Speicherprodukte und -protokolle im Einsatz haben. Wie der neue CEO Floyd Christofferson (früher bei SGI) bei einer virtuellen Internet-Session ausfūhrte, erhalten die Kunden ein Werkzeug an die Hand für Datenmigration, Upgrades und den Offload von Daten. Sie sehen unabhängig von der darunter liegenden Hardware nur die Files. Die Unterstūtzung aller existierenden Datenprotokolle erleichtere den IT-Administratoren deutlich die Arbeit.
Anwendungsfälle
Strongbox nimmt für sich in Anspruch, mit seiner Lösung verschiedene Märkte abzudecken. Zu diesen gehören u.a. Life Sciences, Government, Manufacturing, Archivierung, Öl & Gas, HPC (High Performance Computing)/Forschung oder Media & Entertainment. Das Startup skizziert am Beispiel HPC/Forschung sein Vorgehen:
"Problem: Riesige Datensätze erfordern ein effektives Datenmanagement, um den geschäftlichen Nutzen zu erschliessen, die Speicherkosten zu senken und das Tiering zwischen den Speichern zu beschleunigen. Die rechtzeitige Extraktion verwertbarer Informationen bedeutet schnellere und effektivere Vorgänge. Die heutigen Forschungs- und HPC-Umgebungen sind jedoch mit einzigartigen Problemen konfrontiert: manuelle Prozesse, fehlende Datenklassifizierung und die Komplexität der Verwaltung von Forschungsdaten in verschiedenen Speicherumgebungen (HPC-Cluster und -Instrumente, Dateien, Objekte, Bänder und Cloud Speicher)."
"Lösung: Stronglink Autonomous Engines mit Metadatendiensten, Data Insights und Analysen automatisiert das Metadatenmanagement. Metadaten werden in Echtzeit gesammelt, gepflegt, aggregiert und analysiert, um Workflows und Collaboration sowie die Klassifizierung von Daten zu erleichtern. Erkenntnisse über die Daten werden aus Metadaten abgeleitet, um Workflows und dynamische Datenbewegungen über alle Speicherebenen hinweg zu ermöglichen. Der globale Namespace verbindet Dateisysteme und Plattformen für einfachen Zugriff, Collaboration und Tiering/Archivierung.” (Strongbox stellt auch eine deutschsprachige Web-Seite zur Verfūgung: www.strongboxdata.com/de/anwendungsfaelle-und-anwendungen/)
Zu den Kunden von Strongbox gehören u.a.: Boeing, Bosch, Canon, ETH Zürich, Library of Congress, Nasa, Sony Pictures und University of Notre Dame. Das Deutsche Klimarechenzentrum (DKRZ) hat im Oktober 2020 einen Fūnfjahresvertrag mit Strongbox abgeschlossen, um ein neues Datenmanagement-System für die Klimaforschung zu installieren. Das Projekt soll die bestehende HPSS-Datenverwaltung (High Performance Storage System) ablösen und mit den offenen Standards LTFS und S3 ersetzen. Die Forscher erhalten damit einen einfachen Zugang zu den 150 Petabyte an traditionellen Forschungsdaten. Professor Thomas Ludwig, CEO am DKRZ, äussert sich zufrieden: "Das neue System liefert eine solide Basis, auf der die Forscher einen ständigen Zugang zu den kritischen Daten bekommen, die sie für ihre Klimamodelle und verbesserte Klimavoraussagen benötigen."
Die Strongbox- und Sphinx-Produkte von Crossroads wurden zuerst an den Fonds ETI-NET verkauft und gingen dann 2016 an David Cerf, den ersten CEO von Strongbox. Inzwischen sind der kanadische Fonds de Solidarité FTQ und Partner One Capital an dem Startup beteiligt.