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Referenz, Zitat, Kopie und Plagiat
Stellungnahme zur Thematik
In einer langjährigen Tradition vergibt die Ortsgruppe Bern des BSA Bund Schweizer Architekten jährlich einen Preis für die beste architektonische Leistung der Bachelorthesis an der Fachhochschule Burgdorf. Dabei wird insbesondere die architektonische Kohärenz der Abschlussarbeiten beurteilt und damit ein Zeichen für die Kultur der Architektur gesetzt.
Im Rahmen der Preisvergabe 2017 wurde die Arbeit von Andreas Michel mit dem BSA-Preis ausgezeichnet. Das Hallenbadprojekt in der Gemeinde Steffisburg hat die Unterzeichnenden insofern überzeugt, als dass das Projekt «… auf einer einfachen, jedoch effektiven Umsetzung einer starken Idee basiert: Statt an der kleinteiligen Körnung des städtebaulichen Kontextes, orientiert sich die vorgeschlagene Schwimmhalle an den grossen Dimensionen der Umgebung. Unter dem riesigen, flach gewölbten Kuppeldach der Halle sind Räume mit sekundären Nutzungen eingestellt. Verschiedene Wasserbecken werden untereinander verbunden, was die Idee der modulierten Topografie stärkt. Konsequent schliesslich ist auch die konstruktive Umsetzung des Projektes».
Im Nachgang zur Preisverleihung hat sich herausgestellt, dass die in der Schlussarbeit dargestellte Visualisierung des Innenraumes eine Nachbearbeitung eines publizierten Bildes der Agence Jean Nouvel (AJN) für das Projekt Louvre in Abu Dhabi darstellt. Im Rahmen der Thesisarbeit und in einem ersten Aufgabenschritt von der Schule war das Bild als «atmosphärisch aufgeladenes Collage-Schaubild im Format DIN A1/A0» verlangt worden. In der Ausarbeitung seines Entwurfes nahm Andreas Michel das Bild als Leitmotiv bis zur Schlussabgabe mit bzw. bearbeitete dieses für die Schlussabgabe mit grafischen Mitteln. Dabei unterliess er es, die Referenz zu deklarieren, d.h. den geistigen Vater des Grundbildes in der Schlussabgabe zu erwähnen. Was für den Studenten und die Schule von Anfang an klar war (Verwendung eines Bildes eines anderen Urhebers), wurde mit der Veröffentlichung der Arbeit zum Problem (going public), da die Herkunft des ursprünglichen Bildes nicht deklariert war.
Aufgrund dieser Sachlage haben die Vertreter des BSA intensiv das Thema Referenz, Zitat, Kopie und Plagiat besprochen. Grundsätzlich finden sich in der Architekturgeschichte überall Bezüge zu Vorgängerwerken, diese sind seit jeher mitverantwortlich für die evolutionäre Weiterentwicklung architektonischer Konzepte. In der Architekturlehre ist die Arbeit mit Referenzen zudem ein anerkanntes didaktisches Prinzip. Aber auch im Unterricht sind die Urheberrechte und das geistige Eigentum zu respektieren.
Umso mehr erachtet es der BSA als nicht tolerierbar und didaktisch kontraproduktiv, wenn im Unterricht Pläne, Konzepte, Konstruktionen, Materialisierungen und Details, Abbilder von Raumstimmungen oder Visualisierungen ohne Quellenangabe verwendet und in eigene Arbeiten integriert werden. Im vorliegenden Fall stellt der BSA fest, dass mit den Fragen des Urheberrechts bereits in früheren Projektphasen unsorgfältig umgegangen worden war. Auch bei einer selber angefertigten Überarbeitung eines bestehenden Werkes gilt die Deklarationspflicht der Referenz.
Wir entschuldigen uns bei der Agence Jean Nouvel, das Bild Louvre Abu Dhabi ohne Quellenangabe auf unserer Homepage veröffentlicht zu haben. Das Bild ist unverzüglich nach unserer Kenntnisnahme der Sachlage von unserer Website entfernt worden.
Wir fordern gleichzeitig alle Architekturschulen auf, Lehrkräfte und Studierende in der Sache zu sensibilisieren und zur Deklaration von übernommenen Bildern, Plänen und Daten zu verpflichten. Unser wissenschaftlicher und akademischer Ethos verpflichtet uns, erkennbare geistige Schöpfungen durch Quellenangabe kenntlich zu machen.
Bund Schweizer Architekten BSA Ortsgruppe Bern Solothurn Freiburg Oberwallis
weitere Hinweise zu Plagiate und Piraterie in der Architektur
https://www.dw.com/de/piraterie-in-der-architektur-ein-mythos/a-16757433
https://www.welt.de/kultur/article13455456/Warum-es-in-der-Architektur-kaum-Originale-gibt.html
https://www.nzz.ch/zur-formalen-innovation-in-der-architektur-1.18243481