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wie ich aus Deinen Äußerungen recht eindeutig schließe,
hattest Du tatsächlich mit jemandem zu tun, der die
Allversöhnungslehre vertritt. Da
ich in der Zeit von Sommer 1992 bis Sommer 1993, also noch relativ im Anfang
meines Glaubenslebens, bevor ich in Gemeinschaft mit den Christen kam, die
sich allein im Namen des Herrn Jesus versammeln, selbst von dieser Lehre
überzeugt war und mich damals viel mit einschlägiger Literatur befaßte, denke
ich, ein paar Gedanken dazu äußern zu können:
Zunächst ist folgendes zu Offb 22,2 zu sagen:
Zwar geht es in Offb 22,2 nicht einmal ansatzweise um die Frage der
Allversöhnung, aber tatsächlich wird der Vers gern von Allversöhnern als Beleg
dafür, daß es in der Ewigkeit noch "Nationen" gebe, die noch der "Heilung"
bedürften, angeführt. Grundsätzlich handelt es sich bei dem Abschnitt von Offb
21,9 bis 22,5 um eine ausführliche Beschreibung des himmlischen Jerusalems,
der Braut, des Weibes des Lammes, der heiligen Stadt. Dieser Abschnitt führt
uns in die Zeit des Tausendjährigen Friedenreiches zurück und beschreibt uns
die Versammlung so, wie sie dann sein wird, nicht als Leib Christi, sondern
als himmlische Stadt Gottes (vgl. zu dieser Auslegung u. a. W. J. Ouweneel,
Das Buch der Offenbarung, Bielefeld 1995, S. 501-504, wo auch die Argumente,
daß es sich bei diesen Versen um eine Beschreibung des ewigen Zustandes
handle, behandelt und m. E. schlüssig widerlegt werden). Im Tausendjährigen
Reich wird es noch viele Nationen geben, deren Kriegen und Uneineinigkeiten
der Herr Jesus (Er ist der Baum des Lebens) selbst als der Friedefürst ein
Ende bereiten wird; sie werden zwar weiterbestehen, aber keine Kriege mehr
gegeneinander führen (vgl. ebd., S. 517; vgl. zur Auslegung dieser Verse auch
Christian Briem, Ich sah den Himmel geöffnet. Offenbarung, Kapitel 19-22,
Hückeswagen 1996, S. 277 f. sowie einige Fragenbeantwortungen in den
"Handreichungen", die sich in mehreren Jahrgängen zu diesem Vers äußern und
ihn übereinstimmend dem Tausendjährigen Reich zuordnen).
Nun zur eigentlichen Lehre der Allversöhnung. In der Tat wird von
Allversöhnern behauptet, das Wort Ewigkeit ("Äon") bedeute vom Grundtext her
nur "Zeitalter". Grundsätzlich hat das Wort tatsächlich diese Bedeutung, aber
eben nicht ausschließlich. Wenn z. B. in Offb 14,11 ("Und der Rauch ihrer Qual
steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeit; und sie haben keine Ruhe Tag und Nacht,
die das Tier und sein Bild anbeten, und wenn jemand das Malzeichen seines
Namens annimmt"), Offb 19,3 ("Und zum anderen Male sprachen sie: Halleluja!
Und ihr Rauch steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeit") und Offb 20,10 ("Und der
Teufel, der sie verführte, wurde in den Feuer- und Schwefelsee geworfen, wo
sowohl das Tier ist als auch der falsche Prophet; und sie werden Tag und Nacht
gepeinigt werden von Ewigkeit zu Ewigkeit") in unserer Übersetzung die Wendung
"von Ewigkeit zu Ewigkeit" gebraucht wird, so steht im Grundtext dafür "eis
aionas aionon" bzw. "eis tous aionas ton aionon", was alte Ausgaben der
unreviderten Elberfelder Bibel richtig mit "in die Zeitalter der Zeitalter"
wiedergeben. Daraus jedoch, wie Allversöhner es gewöhnlich tun, zu folgern,
daß die Qual der Verlorenen nur einige Zeitalter lang andaure, ist völlig
unmöglich, denn der gleiche Ausdruck wird im Grundtext für die Ehre und
Herrlichkeit Gottes (Gal 1,5; 1Tim 1,17; 2Tim 4,18; Hebr 13,21), den Thron
Gottes (Hebr 1,8), die Macht und Herrlichkeit Gottes (1Petr 4,11; 5,11; Offb
1,6; 10,6; 15,7), die Lebensdauer des Herrn Jesus (Offb 1,18), die Lebensdauer
Gottes (Offb 4,9.10) und die Segnung, die Herrlichkeit, die Danksagung, die
Ehre, Macht und Stärke, die unserem Gott und dem Lamm sei (Offb 7,12), die
Herrschaftszeit Christi (Offb 11,15) und die Herrschaftszeit der Gläubigen
(Offb 22,5) gebraucht. Es widerspräche jeder gesunden Schriftauslegung und
Logik, wenn man behaupten wollte, daß die Qual des Teufels und der Verlorenen
nur einige Zeitalter lang dauern würden, alle anderen erwähnten Stellen, wo im
Grundtext der gleiche Ausdruck steht, jedoch Ewigkeit im Sinne von
Endlosigkeit meinten. Nein, jeder aufrichtige Bibelleser muß schon allein
aufgrund der Gegenüberstellung mit den obigen Schriftstellen zu dem Schluß
kommen, daß sowohl die Qual des Teufels, des Antichristen, des falschen
Propheten als auch die der Verlorenen endlos ist. Der Grieche konnte Ewigkeit
im Sinne von Endlosigkeit gar nicht stärker als mit dieser Wendung ausdrücken,
und die Tatsache, daß Gottes Wort sie sowohl für göttliche Dinge und
Eigenschaften, für den Herrn Jesus und für Gott selbst, als auch für die Qual
des Teufels, seiner Engel und der Verlorenen gebraucht, sollte an sich schon
die Allversöhnungslehre zum Schweigen bringen. Vgl. zur Frage der Ewigkeit der
Qual besonders die vorzügliche Arbeit von John Nelson Darby, Die ewige Pein,
2. Auflage, Neustadt 1988, die mir eine große Hilfe war.
Weitere Literaturempfehlungen:
Das umfassende Standardwerk schlechthin: F. W. Grant, Facts and Theories as to
a Future State. The Scripture Doctrine considered, with Reference to current
Denials of Eternal Punishment, Charlotte (NC) 1972.
Grundlegend: John Nelson Darby, Die ewige Pein, 2.
Auflage, Neustadt 1988. Außerdem weitere Arbeiten des Verfassers in seinen "Collected
Writings", die über den Indexband zu erschließen sind.
Ein hervorragendes Buch von einem ehemaligen
Allversöhner, das zwar in seiner Beurteilung dieser Lehre nicht klar genug
ausfällt, sie jedoch deutlich und biblisch fundiert widerlegt: Andreas Symank,
Werden alle Menschen gerettet? Überlegungen zur Lehre der Allversöhnung, 3.
Auflage, Riehen 1997.
André Gibert, L'Éternité des peines, Vevey 1986.
Hugo Bouter jr., De eeuwige straf. Enkele
Schriftgegevens over de aard van de eeuwige pijn, o. O. o. J., auch in: Ders.,
Strijd de goede strijd van het geloof. Een plaatsbepaling in de geestelijke
strijd, Gouda 1998, S. 90-96.
Johannes de Heer, Stromingen van deze tijd. De leer
der alverzoening getoetst aan de Heilige Schrift, Driebergen o. J., S. 1-24.
Marc Tapernoux, Le jugement éternel, Valence o. J.
A. J. Pollock, Hades and Eternal Punishment, Bedford
(PA) 1992.
Friedhelm König, Die verschwiegene Wahrheit. The
Point of No Return, Hückeswagen 1993, S. 65-77.85-92.97-101.
Hans-Jörg-Ronsdorf, Und die Toten leben doch. Die
Unsterblichkeit der Seele, Bielefeld 1992.
B. Anstey, Death, the Intermediate State, Resurrection
and Final Destiny, Vancouver 1990.
W. J. Ouweneel, Ende gut - alle (s) gut? Gibt es eine
Allversöhnung? Bielefeld 1993.
Frank B. Hole, Das Feuer, das nicht erlischt,
Hückeswagen 1987.
A. Küpfer, Zwölf Punkte, warum wir die
Allversöhnungslehre ablehnen, 3. Auflage, Zürich o. J.
Einige sehr gute Artikel in den "Handreichungen aus
dem Worte Gottes", auf deren bibliographische Auflistung ich hier verzichten
möchte, die jedoch über den Registerband problemos zu erschließen sind.
A. E. Wilder-Smith, Allversöhnung: Ausweg oder
Irrweg? 2. Auflage, Neuhausen 1985.
Heinrich Wiesemann, Lehrt die Bibel die
Allversöhnung? Ein Beitrag zum rechten Verständnis der Ewigkeit und der
Erlösung durch Jesus Christus, Witten 1961.
Nun noch kurz zu Deiner dritten Frage: Wie geht man
mit jemandem um, der selbst die Allversöhnungslehre vertritt?
Eins steht fest: Die Allversöhnungslehre, die, indem
sie lehrt, daß sowohl alle Menschen als auch der Teufel und die abgefallenen
Engel errettet würden, im Grunde nichts anderes als das Evangelium des Teufels
ist, kann man nur als eine der gravierendsten und verderblichsten Irrlehren,
die überhaupt je auf christlichem Boden entstanden ist, bezeichnen. Wir müssen
auf das Entschiedenste vor ihr warnen, tastet sie doch direkt das Werk unseres
Herrn Jesus Christus und damit letztlich auch Seine Person an. Gewiß gab es im
Laufe der Kirchengeschchte auch manche wahrhaft Gläubige, die ihr anhingen (z.
B. im württembergischen Pietismus), doch ändert dies nichts an der Tatsache,
daß diese den biblisch klar bezeugten, doppelten Ausgang der Heilgeschichte
leugnende Lehre an sich absolut verwerflich ist. Leider sind Elemente und
Gedanken der Allversöhnungslehre nachweislich auch in mehr oder minder starkem
Maße in deutsche Bibelübersetzungen (z. B. Konkordantes NT, DaBhaR-Übersetzung,
Mülheimer NT, Hoffung für Alle, Bruns) eingedrungen. Wir müssen m. E. mit
einem Allversöhner nach 2. Johannes 9-11 umgehen, d. h. wir dürfen ihm keine
Gastfreundschaft gewähren und ihn nicht grüßen:
" Jeder, der übertritt und nicht bleibt in der Lehre
des Christus, hat Gott nicht; wer in der Lehre des Christus bleibt, dieser hat
sowohl den Vater als auch den Sohn. Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre
nicht bringt, so nehmet ihn nicht ins Haus auf und grüßet ihn nicht. Denn wer
ihn grüßt, nimmt teil an seinen bösen Werken."
bpö/l