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Blockaden im Bereich des vegetativen Nervensystems
Das Nervensystem des menschlichen Körpers besteht aus dem somatischen und dem vegetativen Nervensystem.
Das somatische Nervensystem ermöglicht eine willkürliche und bewusste Reaktionsweise. Das vegetative oder autonome Nervensystems versorgt die inneren Organe, sowie Blutgefässe und Pupillen, aber auch Schweiss- , Speichel- und Verdauungsdrüsen.
Das vegetative Nervensystem besteht aus Sympathikus und Parasympathikus.
Nachdem das vegetative Nervensystem Informationen über den Körper und das externe Umfeld erhalten hat, reagiert es über den sympathischen Abschnitt mit der Stimulation oder über den parasympathischen Abschnitt mit der Hemmung von bestimmten Abläufen im Körper.
Der Sympathikus besteht aus den rechts und links neben der Wirbelsäule verlaufenden Grenzstrangganglien und dem vor der Wirbelsäule verlaufenden unpaaren prävertebralen Ganglien.
Diese Ganglien oder Nervenknoten übernehmen wichtige Steuerungsfunktionen im Körper.
Bei der interventionellen Schmerztherapie sind u.a. das Ganglion stellatum in Höhe des 6. Halswirbelkörpers und die lumbalen Sympathikusganglien in Höhe des 2. bis 4. Lendenwirbelkörpers wichtig.
Grenzstrangblockade oder Sympathikusblockade bezeichnet die Injektion eines Lokalanästhetikums z.B: Procain 1 % in die Umgebung eines sympathischen Ganglions oder Grenzstranges. Durch die interventionelle Blockade dieser sympathischen Ganglien wird die Wirkung des Sympathikus vorübergehend ausgeschaltet. Dies führt zu einer verbesserten Durchblutung und Schmerzreduktion.
Eine Stellatumblockade (blaue Pfeile oben in der Abb.) ist die gezielte lokale Leitungsanästhesie des Ganglion stellatum. Sie wird zur Lösung arteriovenöser Krämpfe (Gefäßspasmen bzw. -krämpfe) angewendet, da Blutgefässe sympathisch innerviert werden. Durch diese Blockade kommt es zu einer Vasodilatation (Gefässerweiterung) im gesamten Einzugsgebiet, zu einer verminderten Schweisssekretion (Anhidrosis) und einem Horner-Syndrom. Letzteres ist ein Zeichen für die erfolgreiche Durchführung der Blockade.
Die Blockade des Ganglion stellatum ist somit sinnvoll bei Durchblutungsstörungen und damit verbundenen Schmerzen im Bereich von Kopf (z.B. nach einem Schädel-Hirn-Trauma), Hals (u.a. schmerzhafte Bewegungseinschränkung der Halswirbelsäule), der Arme (u.a. Periarthritis des Schultergelenks bzw. Frozen Shoulder, Phantomschmerzen nach Amputation im Einzugsbereich der sympatischen Fasern) und der oberen Brustkorbwand sowie bei Erkrankungen des Ohres wie M. Meniere, Hörsturz und Tinnitus. Beim Tinnitus ist der frühzeitige Behandlungsbeginn entscheidend (vollständige Heilung bei 80 % der Patienten im Zeitraum von bis zu 6 Wochen nach Erkrankungsbeginn und Durchführung von bis zu 10 Blockaden). Bei Migräne, halbseitigem Kopfschmerz sowie Trigeminus- und akuter Zosterneuralgie findet die Stellatumbockade gleichfalls Anwendung. Eine chirurgische Ausschaltung des Ganglion stellatum ist das letzte Mittel der Wahl bei einem Morbus Raynaud (Gefässerkrankung, die eine krampfartige Engstellung der Blutgefässe und Minderdurchblutung an den Fingern, aber auch den Zehen, verursacht.
Die Injektion erfolgt ultraschallgesteuert in Rückenlage in Höhe des 6. Halswirbelkörpers. Hierbei kann es zu einem Horner-Syndrom bestehend aus einer Pupillenverengung (Miosis), dem Herabhängen des Oberlids (Ptosis) und einem gering in die Augenhöhle eingesunkenen Augapfel (Enophthalmus) kommen.
Dieses Horner-Syndrom bildet sich aber mit Abklingen der Sympathikusblockade wieder zurück.
Typische Nebenwirkungen und Komplikationen
Horner-Syndrom s.o., mögliche Mitbetäubung von N. phrenicus, N. vagus, N. laryngeus recurrens, Plexus brachialis, Gefässinjektion, ZNS-Intoxikation, präkonvulsive Zeichen (Krampfvorzeichen), Pneumothorax, Perforation (Durchstechen) von Ösophagus oder Trachea (Hustenreiz).
Die lumbale Sympathikusblockade (Kanülen unten in der Abb.) wird u.a. bei Schmerzen (Kausalgien = brennende Schmerzen bei der sympathischen Reflexdystrophie bzw. dem M. Sudeck, akuter Herpes zoster) und Durchblutungsstörungen in Beinen und Beckenorganen eingesetzt.
Die lumbale Sympathikusblockade wird in Bauchlage in Höhe der Lendenwirbelkörper 2-4 durchgeführt.
Typische Nebenwirkungen und Komplikationen wie Fehlinjektionen in Gefässe, die Zwischenwirbelscheibe, den Bauchraum oder die Psoasmuskulatur können sicher vermieden werden, wenn die Nadellage beim Einführen bis zum Erreichen der Zielregion mittels C-Bogen und Kontrastmittel stetig kontrolliert wird.