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Wie immer eher knapp mit dieser Kolumne wollte ich mich, nachdem wir die Kinder in die Schule gefahren hatten (ja fahren, sorry, hier ist Amerika) sofort ans Werk machen, als ich feststellte, dass sich mein Computer nicht mehr laden lässt. Ich wollte noch das eine oder andere recherchieren und dann eben schreiben, aber wie sollte ich das tun, der Computer liess sich nicht mehr starten. Nach einigen Wutausbrüchen fuhr mich mein Mann in den Apple-Shop (ja fahren, sorry, hier ist Amerika). Ich rannte hinein und wurde von einer Mitarbeiterin mit Tablet gebremst. Sie scrollte rauf und runter und fragte schliesslich, ob ich einen Termin hätte. Nein. Keinen Termin, eher einen Nervenzusammenbruch, versuchte ich witzig zu sein. Die Mitarbeiterin sah mich ernst an. Für «Walk-Ins», also Kund:innen, die einfach so ins Geschäft laufen, betrage die Wartezeit im Moment rund zwei Stunden. Sie empfehle für künftige Fälle vorgängig online einen Termin zu vereinbaren. Ich liess mich auf die Warteliste setzen, was mir sofort per SMS bestätigt wurde und versuchte, die Zeit effizient zu nutzen, also mit einkaufen. Das tat ich in einem Geschäft. Also nur fast. Denn meine Kreditkarte funktionierte nicht. Ich erinnerte mich an die Nachricht vom Vorabend, in der meine amerikanische Bank mich per Mail gefragt hatte, ob die Bestellungen bei Papa Johns in Jamaica, New York oder jene bei Taco Bells, ebenfalls in New York, von mir seien. Nein. Die Bank erkannte Betrug und sperrte sofort das Konto. Was sie mir ebenfalls per Mail mitteilte, allerdings zu spät.
Jetzt stand ich da, ohne Karte und ohne Computer. Ich fühlte mich digital völlig verloren, ich konnte nichts tun, alles, was mir einfiel, hatte etwas mit einem Gerät zu tun, das gerade nicht funktionierte. Wobei, ich hatte noch ein wenig Bargeld. Damit kaufte ich mir einen Kaffee. Ganz analog. Ich fühlte mich recht gut.
Ich wählte die Nummer, die mir meine Bank als Kontakt für alle Fälle angegeben hatte und gelangte an einen Computer. Ich soll in Stichworten sagen, was mein Problem sei. Jetzt ist mir schon klar, dass mein Akzent noch immer tönt wie Arnold Schwarzenegger, aber als ich zum wiederholten Mal «fraud», also «Betrug», in mein Handy schrie, so dass sehr viele Menschen sehr irritiert in meine Richtung blickten und die Maschine am anderen Ende der Leitung schliesslich festhielt, ich sei also Soldatin in einer militärischen Aktion und möchte an einer Umfrage teilnehmen, hätte ich am liebsten in eine Tüte geatmet. Ich änderte die Strategie und redete in ganzen Sätzen, was nach einigen Anläufen funktionierte, so dass ich mit einem echten Menschen sprechen konnte. Die betrügerischen Bezüge wurden rückgängig gemacht. Die neue Karte komme allerdings erst in etwa sechs Arbeitstagen, in der Zwischenzeit könne ich aber problemlos mit dem Handy bezahlen, das lasse sich ganz einfach einrichten, man schicke mir eine Nachricht. Unterdessen hatte ich den Slot im Apple-Shop, also das SMS mit der Auskunft, eine Mitarbeiterin sei jetzt für mich da, verpasst, weil ich zu dem Zeitpunkt gerade in mein Telefon brüllte. Ich machte erneut auf Walk-In und wartete einige Stunden, fand heraus, dass ich mein Handy nicht für Zahlungen verwenden kann, weil ich dazu via Computer etwas autorisieren müsste, was ja nun eben nicht ging, weil der Computer – ihr wisst, was ich meine. Ich erinnerte mich, am Ende meiner Kräfte, an mein früheres Leben und schrieb diesen Text hier mit einem Farbstift, den ich in meiner Handtasche fand, auf die Rückseite eines Prospekts über Apple-Uhren. Später fand man heraus, kostenlos, dass das Ladekabel das Problem ist. Um ein neues zu kaufen, fehlten mir ungefähr vier Dollar in bar, also in etwa der Betrag, den ich am Morgen für den Kaffee ausgegeben hatte. Zuhause gönnte ich mir den Rest des Proseccos vom letzten Wochenende. Er hatte überhaupt keine Kohlensäure mehr. Aber es war so real und echt, ich spürte tatsächlich eine Art Begeisterung.