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Moorschutz fürs Klima
Obwohl Moore nur 3 Prozent der Erdoberfläche einnehmen, speichern sie doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Erde, die 30 Prozent der Erde bedecken. Durch menschliche Eingriffe verwandeln sich Moore jedoch von Kohlenstoff-Senken in massive CO2-Emitter und verlieren an ihrer einzigartigen Biodiversität. Der WWF Schweiz setzt sich deshalb für die Umsetzung des Moorschutzes ein.
Die wenigen verbleibenden Moorflächen in der Schweiz. Um 1800 bedeckten sie noch 6 Prozent der Landesfläche, – heute nur noch 0,7 Prozent.
Wo sich nach der letzten Eiszeit vor 12’000 Jahren Gletscher zurückzogen, sorgten grosse Massen Schmelzwasser für den Anstieg des Grundwasserspiegels. In den entstandenen Senken und Tälern konnte das Wasser nicht überall abfliessen, und es bildeten sich flache Seen. In den nacheiszeitlichen Wärmephasen füllten sich diese Seen nach und nach mit organischem Material. Röhricht, Seggen oder Schwimmblattpflanzen starben ab und wurden unter den sauerstoffarmen Bedingungen nicht vollständig zersetzt und als Torf abgelagert. Diese Entwicklung dauerte sehr lange. Für die Entstehung einer Torfschicht von 1 Meter braucht es ungefähr tausend Jahre.
Flachmoore entstehen durch einen hohen Grundwasserspiegel und anhaltend nassen Boden. Aus einem Flachmoor kann mit der Zeit ein Hochmoor entstehen, wenn sich abgestorbene Pflanzenreste in Schichten ablagern. Im Kontrast zu Flachmooren haben sie keinen Kontakt zum Grundwasser, und ihre oberste Schicht wird ausschliesslich durch Regenwasser versorgt. Deshalb wachsen auf Hochmooren meist keine Bäume. Sie sind stattdessen hauptsächlich durch Torfmoose geprägt.
In den letzten 200 Jahren wurden Moore grossflächig für unsere Zwecke abgebaut oder trockengelegt. Man hat sie entweder landwirtschaftlich genutzt oder ihren Torf für andere wirtschaftliche Zwecke wie den Gemüseanbau abgebaut. Früher wurde der Torf aber auch als Brennmaterial gestochen. Auf diese Weise wurden nahezu 90 Prozent der Moorflächen in der Schweiz zerstört.
Die Bedeutung der Moore für die Artenvielfalt wurde bereits im Jahre 1987 erkannt. Mit dem Ja zur Rothenthurm-Initiative hat die Schweizer Bevölkerung den Schutz von Mooren und Moorlandschaften in der Verfassung verankert. Trotzdem nehmen ihre Fläche und Qualität stetig ab.
Moore: Ein Ökosystem mit vielen Talenten
Es gibt viele Argumente, die für das Erhalten von Moorböden und die Wiedervernässung sprechen, denn Moore vollbringen wichtige Leistungen für eine gesunde Biosphäre und das Wohlbefinden von uns Menschen.
Zum einen können Moore in ihrem natürlichen Zustand langfristig CO2 binden und so eine wichtige Rolle im Klimaschutz spielen. Durch Entwässerung und intensive Landwirtschaft wird dem Moor das wichtigste Element, das Wasser, entzogen. Es tritt Sauerstoff in die Böden, und der Torf beginnt sich zu zersetzen. So entweicht im Boden gebundener Kohlenstoff als CO2 in die Luft. Gleichzeitig wird Lachgas (N2O) freigesetzt, das etwa 300-mal klimaschädlicher als CO2 ist. In der Schweiz stammen circa 5-10% aller Treibhausgase aus Mooren, die folglich die Klimaerwärmung beschleunigen.
Zum anderen können Moore sehr effektive Wasserspeicher sein. Durch verzögerte Wasserabgabe helfen sie, Überschwemmungen zu mindern. Über Jahrtausende haben sich Tier- und Pflanzenarten speziell an die Gegebenheiten der Moore angepasst und können nur überleben, wenn die Moore intakt bleiben. In der Schweiz sind etwa ein Viertel der bedrohten Pflanzen auf Moorböden angewiesen.
Zusätzlich sind Moore ein Raum für Erholung und bieten Möglichkeiten, seltene Tiere und Pflanzen zu beobachten wie etwa die weltweit bedrohte Zwiebelorchis, den Langblättrigen Sonnentau oder die Grosse Moosjungfer. Es ist also eindeutig: Wir müssen diesem wertvollen Naturkapital Sorge tragen.
Zuhause seltener Arten
Der Moorbläuling ist ein Beispiel für die eindrücklichen Arten im Ökosystem Moor. Er legt seine Eier ausschliesslich in die Knospen des Grossen Wiesenknopfes. Nur intakte Flachmoore bieten dieser spezialisierten Art einen geeigneten Lebensraum.
Wichtiger Hochwasserschutz
Der Klimawandel verstärkt unter anderem Extremwassersituationen und führt zu Hochwasser. Moore haben die Fähigkeit, grosse Wassermassen zu speichern und die Abgabe zu verzögern. So können sie Hochwasser-Situationen entschärfen und auch in Trockenperioden ausgleichend wirken.
Klimawandel dämpfen
Obwohl sie nur noch wenig Fläche einnehmen, binden intakte Moore so viel CO2 aus der Luft wie kein anderer Landlebensraum. Werden frühere Entwässerungsmassnahmen (z.B. Drainagen) rückgängig gemacht und wird eine schonende Nutzung umgesetzt, können Moore zur Milderung der Klimaerwärmung und des Biodiversitätsverlusts beitragen.
Raum für Erholung
Moore haben Menschen schon immer fasziniert. Besuchen Sie die schönsten Moorlandschaften der Zentralschweiz und erleben Sie deren einmalige Flora und Fauna. Nebenbei können Sie auch einiges über ihre Bedeutung für die Artenvielfalt und den Klimaschutz lernen.
Möglichkeiten für die Landwirtschaft
Die intensive landwirtschaftliche Nutzung von organischen Moorböden führt zu einem Abbau des organischen Materials und dadurch zu einem verstärkten Treibhausgasausstoss. Dies führt schliesslich zur Unfruchtbarkeit des Bodens. Um dem vorzubeugen, sollte der Boden wieder vernässt und die Nutzung angepasst werden. Geeignete Möglichkeiten zur landwirtschaftlichen Nutzung der wiedervernässten Böden werden gegenwärtig erforscht (Paludikultur). Infrage kommen der Anbau von Reis und Schilf als Ressource für Biogas.
Wie wir schützen was uns schützt
Alle Lebewesen auf dieser Erde sind voneinander abhängig. So befinden sich alle Ökosysteme in einer Wechselwirkung, die auch uns mit sauberem Wasser und sauberer Luft versorgt. Moore sind ein wichtiges Element in diesem Zusammenspiel. Schützen wir sie, so schützen wir den Lebensraum einer vielfältigen Flora und Fauna und schlussendlich auch uns selber.
1. Bewusstsein schaffen
Moorschutz ist ein wirksamer und günstiger Weg zur Reduktion von Emissionen und ist notwendig, um den Erhalt von Lebensräumen und Arten zu sichern. Das Bewusstsein, dass Moore dringend effektiver geschützt oder wiederhergestellt werden müssen, fehlt aber weitgehend. Es ist eine Herausforderung, etwas zu schützen, was nicht wahrgenommen und akzeptiert wird. Daher setzt sich der WWF für die Bewusstseinsförderung und die Umsetzung des Moorschutzes ein.
2. Schutz und Wiedervernässung
Moorböden sind im Laufe von Tausenden von Jahren entstanden. Sie sind eine endliche Ressource, die unseren Schutz verdient. Regeneration durch Wiedervernässung, die fair abgegolten wird, kann eine Motivation für Landbesitzer sein, sich dem Moorschutz zu widmen. An den Wasserhaushalt angepasste Kulturen sind für die Landwirtschaft eine Möglichkeit, innerhalb der planetaren Grenzen zu wirtschaften.
Moorschutz kann bereits zu Hause beginnen
Obwohl Torfabbau in der Schweiz seit 1987 verboten ist, wird dennoch viel nährstoffreicher Torf aus Osteuropa importiert, verkauft und für den Gartenbau genutzt. So werden Moorflächen zerstört, die wieder CO2 in die Atmosphäre abgeben. Dabei ist es egal, wo dies geschieht – Treibhausgase kennen keine Grenzen und betreffen uns alle. Achten Sie deshalb auch im Privatgebrauch auf torffreie Blumenerde! Das Torfausstiegskonzept des Bundesrates, das 2012 verabschiedet wurde, soll die Reduktion von Torfimport – und Verwendung unterstützen.
Testen Sie Ihr Wissen über Moore in unserem Quiz und erfahren Sie Erstaunliches über diese äusserst wertvollen Lebensräume.
Was Sie tun können
Urtümliche Moore, alte Baumarten, seltene Wildbienen, Biber und Wölfe: Die Schweiz ist Heimat von mehreren tausend Tier- und Pflanzenarten. Helfen Sie mit, damit die Natur durch die menschliche Nutzung nicht verarmt. Unterstützen Sie zum Beispiel unsere Arbeit für die biologische Vielfalt und den Artenschutz in der Schweiz mit einer Spende, oder packen Sie in der Freiwilligenarbeit mit an.