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Aussenwacht Reutlingen
Nördlich von Oberwinterthur liegt die Aussenwacht Reutlingen. Am 5. Juli 1980 ist die Nordumfahrung dem Verkehr übergeben worden. Diese Strasse entlastet den Dorfkern vom Durchgangsverkehr ins Weinland.
Reutlingen wurde 1922 zusammen mit Oberwinterthur in die Stadt Winterthur eingemeindet. Die schmucke Aussenwacht Reutlingen zählte 1980 179 Einwohner. Durch die stetige Umwandlung vom Bauerndorf zum Wohndorf stieg diese Zahl bis 2012 auf 433 an. Bis 1986 durften wegen der fehlenden Kanalisation keine neuen Wohnbauten erstellt werden. Dies änderte sich als diese erstellt wurde und eine vernünftige Wohnbauverdichtung innerhalb des geschlossenen Weilergebietes ermöglicht wurde. Die meisten Neubauten fügen sich gut ins Dorfbild ein. Damit konnte der Bauerndorf-Charakter erhalten bleiben.
Zwar sind trotz der Einwohnerzunahme Milchhütte, Dorfladen und Post eingegangen, was für die eigene Identität wenig förderlich war, aber der natürlichen Entwicklung einer stadtnahen Siedlung Rechnung trägt. Das alteingesessene Restaurant „Zur Eintracht“ hat ebenfalls schwierige Zeiten erlebt, konnte sich aber trotzdem halten. Es war und ist der Treffpunkt in dieser Aussenwacht. Allerdings beklagt der Ortsverein auch hier das eher passive Verhalten der neuen Bewohner in dieser Ortsgemeinschaft. Immerhin konnte der Männerchor, gegründet 1852, bis 2010 überleben. Er probte regelmässig im Dorfschulhaus, in dem nach wie vor Viert- bis Sechstklässler unterrichtet werden. Die jüngeren Kindergarten- und Unterstufen-Kinder werden in Stadel unterrichtet, die Oberstufe muss in Oberwinterthur besucht werden.
Restaurant Eintracht
Seit 1896 ist das Restaurant Eintracht nachweisbar in Betrieb. Im Haus zur Eintracht wurde von 1925 bis 1932 Limonade hergestellt und per Auto in den umliegenden Orten verkauft. Nach einer Feuersbrunst im Jahre 1979 blieb das Restaurant während anderthalb Jahren geschlossen und wurde im Frühjahr 1981 völlig umgebaut wieder eröffnet.
Ab März 1991 führen Albin und Beatrice Krampl-Weidmann die Eintracht als renommiertes Speiserestaurant. Das nötige Rüstzeug hatten sich beide in verschiedenen Häusern von Fremdenorten der ganzen Schweiz erworben. Von 1974 bis 1980 arbeiteten beide im Gartenhotel in Winterthur, er als Küchenchef, sie im Service. 1980 machten sie sich selbständig und führten von 1983 bis 1989 das Hotel Taverne zum Kreuz in Winterthur. Die Eintracht war bereits damals ein Restaurant mit Ambiance und gepflegter Küche zu fairen Preisen.
Es ist auch ein Saal vorhanden, der sich eignet für Veranstaltungen aller Art. Im Sommers fehlt auch ein Gartenrestaurant nicht. Ab September 2008 stand das Restaurant Eintracht unter der Leitung von Suad und Ramiza Zalic. Ende Juli 2013 verliess die Familie Zalic die Eintracht, um sich einer neuen Herausforderung in der Halle 710 mit dem Restaurant Eulachpark in Oberwinterthur zu stellen.
Ende 2013 übernahm Mohamed Barbidou die Pacht auf dieses Lokal und eröffnete unter dem Namen "Argana" das Restaurant mit marokkanischer & orientalischer Küche wieder. Ein knappes Jahr später gab der neue Wirt auf. Sein Konzept ist nicht aufgegangen.
Der renommierte Wirt des "Strauss", Roland Häusermann, sorgte für die Neueröffung am 4. März 2015. Unter dem Motto "di nöi schwiizer wirtschaft mit original schwiizer chuchi" soll das Restaurant Eintrach zur neuen Blüte geführt werden.
Erschliessung
Sehr gut sieht es mit dem ÖV aus. Keine der anderen Winterthurer Aussenwachten ist so gut mit dem ZVV vernetzt. An der unbedienten SBB-Haltestelle Reutlingen halten versetzt alle 30 Minuten die S29 Winterthur-Etzwilen und die S12 an. Letztere verbindet Reutlingen in 10 Minuten mit dem Zentrum von Winterthur und in einer halben Stunde mit dem Zürcher HB. An den Wochenenden wird zusätzlich ein Nachtbus geführt.
Eine besondere Geschichte sind die Ereignisse mit dem Ladenlokal. Der Konsumverein Oberwinterthur betrieb den Verkaufsladen in Reutlingen. Nach der Fusion mit dem Konsumverein Winterthur wurde der von diesem weitergeführt. Entrüstet war man, als das Lokal 1927 plötzlich gekündigt wurde und der VOLG darin einzog. Die Bewohner von Reutlingen blieben aber dem Konsum treu und deckten sich nicht im VOLG-Laden mit ihrem Haushaltbedarf ein. VOLG musste die Segel streichen und der Konsumverein zog wieder in sein angestammtes Ladenlokal ein. Mangels Umsatz musste er dann aber 1968 geschlossen werden.
Geschichtliches
Ende des Mittelalters bestanden in Reutlingen kleine Anwesen und Güter. Aus einer dieser Hofgruppen entstand im Verlauf des 16. und 17. Jahrhunderts ein Dorf. Die wachsende Bevölkerungszahl hatte schon in der Zeit vor 1580 eine grosse Rodung erfordert. Ab 1646 entwickelte sich Reutlingen als eigene Gemeinde. Auf der Gygerkarte aus den 1660er Jahren erscheint Reutlingen als Strassendorf. Charakteristisch für das barocke Dorf ist, dass die Bauernhäuser giebelständig* zur Strasse stehen.
Nach der Mitte des 19. Jahrhunderts setzte ein baulicher Entwicklungsschub ein. Neubauten entstanden vor allem im südlichen Dorfteil. Die neu erstellten Bauernhöfe wurden traufseitig* zur Strasse erbaut. So ist heute im Ortsbild der ältere barocke Dorfkern von den späteren Erweiterungen deutlich zu unterscheiden. Bis in die späten 1970er Jahren erfolgten nur wenige bauliche Veränderungen. Erst in den letzten 25 Jahren sind am Rande der Kernzone neue Siedlungen erstellt worden.
(Text aus der Publikation "Schutzwürdige Bauten der Stadt Winterthur". Herausgegeben 2006 von der Denkmalpflege Stadt Winterthur)
*Giebelständig beziehungsweise traufständig bezeichnet die Orientierung eines Gebäudes, bezogen auf eine erschließende Straße oder einen Platz. Bei giebelständiger Bauweise steht der Giebel eines Gebäudes zur Straße hin. Der Dachfirst steht quer zu dieser. Der Gegenbegriff ist die traufständige Bauweise. Hier steht die Dachtraufe eines Gebäudes an oder parallel zur Straße. Der First verläuft dabei ebenfalls parallel zur Straße.