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Von Hans Speck
Damit das Vieh getränkt werden konnte, mussten die Dorfbewohner bis ins 17. Jahrhundert das Wasser aus den Flüssen und Bächen schöpfen. Die Linth und der Löntsch waren hier in Netstal hauptsächliche Wasser-lieferanten. Dort wurde auch das Vieh zur Tränke geführt. Uralte Tränkwege führten von den verschiedenen Liegenschaften zu den Bächen. Diese Tränkrechte hatten bis ins 20. Jahrhundert ihre Gültigkeit. Sie waren öfters Anlass zu verschiedenen Streitigkeiten mit den Grundbesitzern, die solche Durchgangsrechte auf ihren Liegenschaften zu erdulden hatten. Der Mühlibach, heute Dorfbach genannt, war Wasserbezugsort für die Anwohner des Kreuzbühls. Am Bühl und in der Ebene wurden Ziehbrunnen gegraben, die später durch Pumpenbrunnen ersetzt wurden. Viele Unbequemlichkeiten im Zusammenhang mit den Sodbrunnen und der weiten Entfernung von den Flüssen erweckten bei der Bevölkerung den Wunsch nach laufenden Brunnen, wenn immer möglich in der Nähe von Wohnungen. Der Weiler „Leuzingen“ erfreute sich zuerst dieses Fortschrittes, indem im Jahre 1620 von Riedern her das Wasser zu den vier Häusern geleitet wurde. Die Lieferung der 152 hölzernen "Teuchel“ wurde auf die Häuser- und Güterbesitzer auf "Leuzingen“ verteilt. Die Tröge waren anfänglich grosse, ausgehöhlte Lärchenstämme. Erst viel später wurden sie durch steinerne Tröge ersetzt.
Die ersten laufenden Brunnen im Dorf
Aus den Urkunden geht nicht hervor, wann das Dorf die ersten Brunnen bekam. Sicher ist, dass im Jahre 1672 solche vorhanden waren. Die ersten laufenden Brunnen standen im "Löntschen“ (im Raum St. Fridolin/Gässli), bei der alten Kapelle aus dem Jahre 1701, ein weiterer in der "Mettlen“ (Raum Hotel Schwert), im "Kreuzbühl“ und am "Bühl“. Anfänglich waren das ausgehöhlte Baumstämme, Tröge genannt. Im Jahre 1689 kaufte der Tagwen von den Brunnengenossen auf "Turschen“, die für ihre Wasserversorgung eine Quelle aus dem "Kohlgrüebli“ beim Staldengarten heraus geleitet hatten, das Wasser zu vier Brunnen, für die "Hinterbrunnen-Leitung" nach "Fuhr“, "Rüfi“ und "Hof“. Die Erstellung und der Unterhalt der Brunnen waren aber nicht Sache des Tagwens. Dafür hatten die verschiedenen Brunnen-Genossenschaften aufzukommen. Sobald nämlich ein Dorfteil genügend Häuser hatte, taten sich deren Besitzer zusammen, wählten einen Brunnenvogt, erstellten den Trog und den Anschluss an die Wasserleitung, die dem Tagwen gehörte. Dieser gewährte Beiträge an die Kosten, weil diese Brunnen auch dem Vieh auf den Allmeinden dienten. Es blieb bis zur zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bei dieser einfachen Einrichtung. Da aber viel Wasser bei den undichten Leitungen und den schlechten hölzernen Trögen verloren ging, begann man grosse, dauerhafte Steinbette aus Seewer-Kalk zu errichten. Das war die eigentliche Geburtsstunde unserer noch heute vielbeachteten und bewunderten Dorfbrunnen, welche zu einer eigentlichen Touristen-Attraktion wurden.
Die ersten Steinbrunnen
Was dem Besucher bei einem Dorfrundgang durch Netstal sofort auffällt, sind die vielen Steinbrunnen in- und ausserhalb des Dorfes. Es sind alles Steinbrunnen, die um die Jahre 1780 bis 1790 durch Steinmetze aus der Umgebung, die meisten davon aber von Steinmetzmeister Salomon Simmen aus Glarus gehauen und gemeisselt wurden. Simmen suchte im Buchwald und im Löntschtobel die geeigneten Blöcke aus und liess diese nach
vollendeter Arbeit mit einer eigens dafür aufgebotenen Dorfmannschaft auf unterlegten Baumstämmen ins Dorf schleifen. Die Helfer erhielten vom Tagwen dafür einen Trunk spediert. Wahrlich kein grosszügiger Lohn für solche Knochenarbeit. Zusätzlich gab es in dieser Zeit im Dorf einige Sodbrunnen. Gemäss den zur Verfügung stehenden Unterlagen aus Paul Thürers "Geschichte der Gemeinde Netstal“ bekamen die Brunnengenossen am "Bühl“ im Jahre 1784, diejenigen beim Schulhaus im Jahre 1787, diejenigen in der "Mettlen“ im Jahre 1789,
diejenigen im Löntschen im Jahre 1791 und diejenigen beim Pfarrhaus ebenfalls im Jahre 1791 steinerne Brunnen. Die aufwendigen Steinmetzarbeiten erledigte Steinmetz Salomon Simmen meistens an Ort und Stelle.
Noch heute ist ein unvollendeter Brunnen, Zeuge vergangener Zeiten, ganz in der Nähe des VITA-Parcours im Buchwald zu bestaunen. Allerdings muss man genau wissen wo, denn die Jahre haben den Brunnen mit Stauden und Moos
überwachsen lassen.
Erste Kanalisation im Kanton
Netstal führte als erste Glarner Gemeinde die Kanalisation ein. Dies war vor allem das Werk von Maurermeister Jakob Spälti-Leuzinger, der im Jahre 1825 und 1826 die ersten Hohlgraben erstellte, dies notabene grossenteils auf eigene Kosten. Spälti wurde deswegen sehr angefeindet, denn die Bürger meinten damals, ihre Häuser würden durch diese Gräben gefährdet. Die Hausbesitzer leisteten zum Teil handfesten Widerstand. Maurermeister Spälti musste sich sogar verhöhnen lassen. Zu den Kindern, die ihm während den Arbeiten jeweils zuschauten, sagte er: "Für euch Jungen mache ich das, nicht für die Alten.“ Für seine Arbeiten opferte er
fast sein ganzes Vermögen, sodass seine Witwe sich bald nach seinem Ableben an den Gemeinderat um Unterstützung und finanzielle Hilfe wenden musste. Im Jahre 1909 begann die Gemeinde Netstal mit dem Bau einer neuen Kanalisation.
Die Anfänge der Wasserversorgung
Im Jahre 1815 gab es sechs Brunnen-Genossenschaften, die unter dem Schutze des Tagwens standen, nämlich diejenigen des Durschen-Brunnens, des Löntschen-Brunnens, des Herren-Brunnens, des Mittel-Brunnens, des Mettlen-Brunnens und der Hinterbühl-Brunnen. Diese Genossenschaften verschwanden jedoch im Jahre 1851.
Das ganze Brunnenwesen wurde dem Tagwen übergeben. Die Aufsicht der Brunnen übernahm an Stelle der Brunnenvögte der Tagwenvogt. Wegen der wachsenden Bevölkerungszahl wurde die Gemeinde gezwungen, die Anzahl der laufenden Brunnen zu erhöhen.
Die Quellfassungen von Netstal
Weil die Gemeinde Netstal keine eigenen Quellen besass, kaufte sie im Jahre 1860 von der Gemeinde Glarus die Quelle am "Faulenkopf" auf dem Wege ins Klöntal. Diese lieferte eine Leistungskapazität von 880 Minutenlitern. 1892 wurden in unserem Dorfe die ersten Transport- und Hauswasser-Leitungen erstellt. Die Quellfassung "Faulenkopf" baute man im Jahre1922 um. Das Wasser dieser Quelle, die eine mittlere Schüttung von 1`200 Litern pro Minute hat, fliesst in einer Leitung entlang der Klöntalerstrasse hinunter zur Sammelstube beim Grundkopf. Der Bau der Quellfassung "Kohlgrüebli" wurde im Jahre 1915 beendet. Diese Quelle liefert eine mittlere Wassermenge von 500 Litern pro Minute. Das Wasser fliesst heute in einer Leitung über den Löntsch
Richtung Auli und von dort zur Sammelstube beim Grundkopf. Nach dem Bau der Sammelstube "Grundkopf" im Jahre 1922 liefen die beiden Leitungen von der Quelle "Faulenkopf" und "Kohlgrüebli" hier zusammen. Die durchschnittliche Wassermeng beträgt rund 1`700 Liter pro Minute. Von hier aus fliesst das Wasser in einer Leitung zum „oberen Reservoir“ in der Rütigasse. Dieses wurde im Jahre 1915 gebaut und hat einen Inhalt von 500 Kubikmetern. Von hier aus wird die obere Druckzone der Gemeinde mit Wasser versorgt. Das überschüssige Wasser fliesst via Überlaufleitung weiter zum „unteren Reservoir“ in der Rütigasse. Dieses baute man im Jahre 1965 und es hat ebenfalls eine Fassungskapazität von 500 Kubikmetern. Es versorgt die untere Druckzone der
Gemeinde mit Wasser. Bei einem Ausfall der Quellen kann von dem „unteren Reservoir“ aus mit einer Pumpanlage auch das „obere Reservoir“ mit Wasser gespeist werden, damit auch die Leute in der oberen Druckzone ihr Wasser bekommen.
Netstals Wasserversorgung heute
Da der Wasserverbrauch in der Gemeinde mit jedem Jahr stieg, baute man im Jahre 1970 das Grundwasser-pumpwerk "Rietacker". Nach dem Umbau der Anlage im Jahre 1999 kann heute eine maximale Ausschüttung von 4`100 Litern pro Minute erzielt werden. Damit ist die Wasserversorgung von Netstal bei einem Ausfall der Quellen gesichert. Die benötigten Wassermengen werden von der automatischen Steuerung über das Grundwasserpumpwerk "Rietacker" ausgeglichen. Vom diesem aus wird die untere Druckzone über das untere Reservoir in der Rütigasse mit Wasser versorgt. Eine automatische Steuerung gibt der Pumpanlage im unteren Reservoir den Impuls für die Versorgung der oberen Druckzone. Die Wasserversorgung von Netstal ist so immer noch völlig autonom.
Hohe Ansprüche an das Trinkwasser
Seit der Fusionierung der vier Gemeinden Ennenda, Netstal, Riedern und Glarus im Jahre 2010 zur Einheits-gemeinde Glarus sind die Technischen Betriebe Glarus zuständig für den Betrieb und den Unterhalt der Wasserversorgung. Sie sind verantwortlich für die Versorgung der Bevölkerung der heutigen Gemeinde Glarus mit einwandfreiem Trinkwasser. Das Wasserversorgungsnetz der Technischen Betriebe Glarus - bestehend aus den vier getrennten Versorgungsnetzen Glarus, Ennenda, Netstal und Riedern - wird durch sieben Quellfassungen sowie durch die Grundwasserpumpwerke Rietacher (Netstal), Buchholz (Glarus) und Bleiche (Ennenda) gespiesen. In sieben Reservoiren wird eine Tagesverbrauchsmenge bereitgestellt, so können Verbrauchsschwankungen ausgeglichen und die Löschwasserversorgung sichergestellt werden. Über ein 86,5 km langes Trinkwasser-Versorgungsnetz und 75 km Hausanschlussleitungen werden 3700 Objekte und 114 öffentliche Brunnen versorgt. Die heutigen Ansprüche an die Hygiene und Reinheit von Trinkwasser sind sehr hoch. Qualitätskontrolle und -sicherung gehören daher zu den wichtigsten Aufgaben der Technischen Betriebe Glarus. Netstals Wasserverbrauch konzentriert sich heutzutage hauptsächlich auf die Industrie, das Schwimmbad und die prächtigen Dorfbrunnen. Der berechnete Pro-Kopf-Verbrauch pro Tag bei 2‘900 Einwohnern beträgt rund 220 Liter. Im Verhältnis zum schweizerischen Verbrauch von 200 Litern ist das relativ hoch. Der Gesamtverbrauch liegt im Jahr bei rund 231‘500 Kubikmetern.
Quellenangabe:
Thürer, Geschichte der Gemeinde Netstal
Technische Betriebe Glarus