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Beijing, Anfang des neuen Jahrtausends: Mit grossen Erwartungen hat Guei auf der Suche nach Arbeit sein Heimatdorf verlassen. In der Metropole Peking angekommen, dauert es einige Zeit, bis er eine Anstellung als Fahrradkurier findet. Für seine Arbeit darf er sich ein silbernes Mountainbike ausleihen mit der Option, dieses zu kaufen, sobald er das nötige Geld (600 Yuan) dafür zusammengespart hat. Für jede Tour verdient Guei 10 Yuan – unabhängig von der zurückgelegten Distanz. Sein Ziel ist es, das Mountainbike zu seinem Eigentum zu machen. So führt er seinen Job gewissenhaft aus und lässt sich auch von gelegentlichen Beschwerden missgelaunter KundInnen nicht aus der Bahn werfen. Doch eines Tages, als er die 600 Yuan fast abbezahlt hat, ist sein Fahrrad verschwunden. Guei sucht halb Peking ab. Als er die Hoffnung bereits zu verlieren droht, entdeckt er durch Zufall einen jungen Mann, der mit dem Rad durch die Strassen fährt. Guei hält ihn an und erfährt von Jian – so heisst der neue Besitzer –, dass er es auf einem Flohmarkt erstanden hat. Doch Guei braucht sein Fahrrad dringend zurück. So einigen sich die beiden Männer darauf, sich das Rad zu teilen.
Wer geglaubt hat, das Schaffen der Filmemacher aus der Volksrepublik China habe wegen der Zensurmassnahmen im Land seine Brisanz verloren, sieht sich durch den in Berlin mit dem Grossen Preis der Jury verdient ausgezeichneten Film um ein Fahrrad in Peking eines Besseren belehrt: Die kraftvolle, atemlose und moderne Vision von Vittorio de Sicas neorealistischem Klassiker «Fahrraddiebe» durch Wang Xiaoshuai setzt bei den systemkritischen Filmen von Zhang Yimou an, speziell «Die Geschichte der Qui Jiu» (mit Gong Li), in dem eine Frau aus dem Volke ihr Recht sucht und fand. Was bei Zhang, der zwei Mal ironisch im Dialog zitiert wird, gut ausging, endet unter den aktuellen sozialen Bedingungen dramatisch und mit einem Fragezeichen, das das Publikum angesichts von Recht und Unrecht, Wahl der Mittel und Verhältnismässigkeit der Konflikte nach dem Film weiter beschäftigt. Über seine packende Geschichte hinaus ist der Film für chinesische Verhältnisse sehr kritisch gegenüber den sozialen Schichten, die im Lauf des Geschehens gestreift werden, wobei der Hauptakzent auf den Schülern liegt, die politisch unkorrekt handeln.
Wang Xiaoshuai gewann für «Beijing Bicycle» den Silbernen Bären als Grossen Preis der Jury, Cui Lin und Li Bin wurden als Darsteller mit dem Nachwuchspreis ausgezeichnet.