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Die Rheumatologie ist ein Zweig der Inneren Medizin, der sich mit der Erforschung und Behandlung von rheumatischen Erkrankungen befasst, die vor allem den Aufbau des Bewegungsapparates (Knochen, Gelenke, Bänder, Muskeln, Sehnen) und sämtliche Bindegewebe betreffen. Früher wurden diese Erkrankungen unter dem Oberbegriff „Rheuma“ zusammengefasst. Der Begriff ist jedoch insofern irreführend, als er nicht direkt mit einem bestimmten Körperorgan oder -apparat in Verbindung gebracht wird. Er leitet sich vom griechischen „rheúma“ ab, was so viel wie „Fliessen“ bedeutet, und diente ursprünglich dazu, einen Mechanismus zu beschreiben, von dem angenommen wurde, dass er mit einem gestörten Fluss der „Körpersäfte“ zusammenhänge, der für die Auslösung der Krankheit verantwortlich sei. Die Rheumatologie ist in der Tat ein sehr weites Feld: Es gibt mehr als 100 rheumatische Erkrankungen, die sich in ihrer Schwere und Häufigkeit unterscheiden. Rheumatische Schmerzen können durch entzündliche Prozesse (z. B. Arthritis) oder chronisch degenerative rheumatische Erkrankungen wie Arthrose entstehen.
Viele rheumatische Erkrankungen sind aufgrund ihrer weiten Verbreitung und ihrer möglichen körperlichen Beeinträchtigung von grosser medizinischer und sozialer Bedeutung (z. B. rheumatische Herzkrankheiten, rheumatoide Arthritis, schwere Arthrose oder Osteoporose).
Die primären chronischen Rheumaerkrankungen stellen das Hauptbetätigungsfeld der Rheumatologie dar. Diese Formen der Krankheit erfordern aus klinischer Sicht das Hauptaugenmerk der Fachärzte für Rheumatologie. Arthritis, Arthrose und Osteoporose sind die wichtigsten Beispiele. Zusammengenommen sind diese drei Krankheiten für mehr als 90 % der krankhaften Veränderungen des Bewegungsapparates verantwortlich. Dabei handelt es sich um entzündliche Erkrankungen, die Gelenke und umliegende Bereiche betreffen und sich chronisch und fortschreitend entwickeln. Diese Erkrankungen führen häufig zu Versteifungen und verursachen Deformationen. Primäre chronische Rheumaerkrankungen lassen sich in zwei Hauptgruppen einteilen: die „rheumatoide Gruppe“ und die „spondyloarthritische Gruppe“. Rheumatoide Erkrankungen betreffen die Gelenke der Gliedmassen, während spondyloarthritische Erkrankungen in der Regel die Wirbelsäule betreffen.
Zu den schwerwiegendsten Erkrankungen, die in das Behandlungsfeld des Rheumatologen fallen, gehören auch Autoimmunerkrankungen (das Immunsystem produziert Antikörper gegen den eigenen Körper). Diese Erkrankungen können dann alle Organe betreffen: Herz, Gehirn, Haut, Augen, weisse und rote Blutkörperchen, wie beispielsweise beim systemischen Lupus erythematodes (SLE) oder bei der rheumatoiden Arthritis.
Obwohl viele glauben, dass rheumatische Erkrankungen vor allem Menschen im mittleren und höheren Alter betreffen (was bei degenerativen rheumatischen Erkrankungen durchaus der Fall ist), treten autoimmune rheumatische Erkrankungen (entzündlicher Natur) am häufigsten bei jungen Erwachsenen und recht häufig bei Jugendlichen und sogar Kindern auf. Die systemische juvenile idiopathische Arthritis (auch bekannt als „Morbus Still“) ist eine der schwersten entzündlichen Rheumaerkrankungen, die bekannt sind. Die Krankheit kann chronisch fortschreiten und führt zu schweren körperlichen Beeinträchtigungen. In der Regel sind Kinder unter 10 Jahren betroffen. Es existiert auch die Form des systemischen Lupus erythematodes, die häufig bei Jugendlichen auftritt, oder die Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew), von der meist junge Männer betroffen sind, sowie die rheumatoide Arthritis, deren erste Symptome bei jungen Frauen häufig nach einer Entbindung oder in Stressphasen auftreten.
Die weite Verbreitung rheumatischer Erkrankungen und ihr gründliche Erforschung haben zu einem deutlichen Aufschwung der Rheumatologie geführt. Die den Rheumatologen zur Verfügung stehenden Instrumente zur Diagnose oder Erkennung anatomischer Läsionen und Funktionsstörungen haben sich erheblich weiterentwickelt und werden immer zuverlässiger. Durch aufwändige Labortests lassen sich beispielsweise die immunogenetische Struktur (d.h. die Gene, die die Immunantwort steuern) oder die spezifischen Autoantikörper bestimmen, die häufig „Marker“ (oder unterscheidende Elemente) für bestimmte Krankheiten darstellen. Die Fortschritte der Radiologie markieren dank moderner bildgebender Verfahren ebenfalls einen echten Wendepunkt in der Erforschung des Bewegungsapparates.
Durch die eindeutige Diagnose der zahlreichen rheumatischen Erkrankungen und eine frühzeitige und genaue Erkennung von Läsionen ist eine effektivere Behandlung möglich, und in vielen Fällen kann ein Fortschreiten der Erkrankung verhindert werden. Die schwersten Krankheiten der Vergangenheit, wie z.B. rheumatisches Fieber oder Gicht (die zu Nierenversagen und zum Tod führen können), sind heute durchaus heilbare Krankheiten. Auch bei anderen Krankheiten wie der rheumatoiden Arthritis, bei Lupus oder Sklerodermie konnte die Prognose deutlich verbessert werden. Diese Krankheiten haben heute eine deutlich höhere Überlebensrate, die körperlichen Beeinträchtigungen sind geringer und die Lebensqualität der Betroffenen ist gegenüber früher deutlich gestiegen.