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vor (bei Otfried, ja bei Ulfilas). Die Plockflöte und Rußpfeife (ruyspipe) waren kleinere Pfeifenarten. b) Die Querflöte, das heute allein übliche Flöteninstrument (franz. flûte traversière), hieß früher »Schweitzerpfeiffen«, bei den Franzosen flûte allemande, auch wohl flûte douce, engl. german flute. Sie unterscheidet sich von der Schnabelflöte nur dadurch, daß der tonerregende schmale Luftstrom nicht durch eine Kernspalte auf das Oberlabium geleitet wird, sondern direkt vom Mund aus gegen die scharfe Kante eines runden Loches an der Seite des Instruments. Die älteste Form dieses Instruments ist zweifellos eine auf einer Seite geschlossene Röhre, gegen deren offenes Ende man bläst; mehrere derselben vereint gaben die Pansflöte (Syrinx und ähnliche Instrumente bei den ältesten Kulturvölkern). Die eigentümliche Art des Anblasens der Querflöte hat man auf die Orgelpfeifen übertragen, indem man ein rundes Loch durch einen aufgesetzten Frosch [* 2] anblasen ließ.
2) Instrumente mit Rohrblatt und zwar a) mit doppeltem Rohrblatt. Instrumente dieser Art sind gleichfalls sehr alt; der calamus der Römer, [* 3] das französische chalumeau wie unsre deutsche Schalmei sind wohl ein und dasselbe Instrument, das in Italien [* 4] heute unter dem Namen Piffaro bekannt ist. Zur Familie der Schalmeien gehörte der Bomhart (Pommer, Bommert, franz. bombarde, woraus die andern Formen abzuleiten sind), eine Baßschalmei, die in verschiedenen Größen gebaut wurde.
Aus der Schalmei entwickelte sich im Anfang des 17. Jahrh. die Oboe, aus dem Bomhart das Fagott. Dazu kamen in neuerer Zeit Englischhorn und Kontrafagott. Auch die Schryari, Bassanelli, Krummhörner gehören zu derselben Familie. Die Krummhörner wurden mittels eines kesselförmigen Mundstücks angeblasen, in welches das Röhrchen gesteckt ward. Auch die Pfeifen des Dudelsacks (Sackpfeife, Musette, Cornamusa) haben doppeltes Rohrblatt. 1863 hat der Pariser Instrumentenbauer Gautrot Blechblasinstrumente mit doppeltem Rohrblatt und Grifflöchern konstruiert, die er nach ihrem Erfinder (Sarrus) Sarrusophon genannt hat. b) Instrumente mit einfachem Rohrblatt. Dieselben sind neuern Datums. Zu ihnen gehört vor allen die 1690 erfundene Klarinette mit ihren Unterarten (Altklarinette, Baßklarinette etc.), die erheblich jünger sind. Bereits wieder verschwunden ist das Bassetthorn; das Baßhorn und das Batyphon haben überhaupt nur eine ephemere Existenz gehabt. Von größerer Bedeutung sind die von Sax in Paris [* 5] seit 1840 gebauten Blechblasinstrumente mit einfacher Zunge (Saxophone).
3) Instrumente ohne Zungen, bei denen die Lippen des Bläsers als membranöse Zungen fungieren. Einfache gerade oder gekrümmte, von dem zum Anblasen bestimmten Ende aus sich mehr oder minder erweiternde Rohre sind bereits in den ältesten Zeiten als Blasinstrumente benutzt worden, sei es nun, daß man Stierhörner oder große Schneckengehäuse (Tritonshorn) am spitzen Ende anbohrte, oder daß man aus Holz [* 6] sich Röhren [* 7] anfertigte, oder endlich aus Metall. Die ältesten derartigen Instrumente hatten keine Tonlöcher, gaben daher nur die sogen. Naturtöne, d. h. die Töne, welche Obertönen des tiefsten Eigentons der Röhre entsprachen (vgl. Klang).
Die Erfahrung lehrt, daß bei Instrumenten von enger Mensur der tiefste Ton nicht anspricht; um nun diesen tiefsten Ton doch zu gewinnen, baut man in neuerer Zeit vielfach Blechinstrumente von weiterer Mensur, bei denen der Grundton leicht anspricht, dafür aber nach der Höhe der Umfang ein beschränkterer ist, und nennt dieselben Ganzinstrumente, während die engern Halbinstrumente heißen. Jene ältern Blasinstrumente waren wohl ausnahmslos Halbinstrumente (Salpinx, [* 8] Lituus, [* 9] Tuba, [* 10] Buccina, Schofar, Keren).
Eine eigentümliche Erscheinung sind die zu dieser Gattung gehörigen Blasinstrumente mit Tonlöchern, welche im 15.-18. Jahrh. eine große Rolle spielten und allgemein verbreitet waren, die Zinken (Zincken, Cornetti), welche in verschiedenster Gestalt und Größe gebaut wurden (gerade und krumme, die letztern als Baßinstrumente). Die Röhre der Zinken war von Holz. Ohne Tonlöcher waren dagegen die Blechinstrumente Clareta (wohl s. v. w. Clarino), Feldtrumet, Busaun (Posaune); die letztere hatte schon im 16. Jahrh. die der jetzt allmählich seltener werdenden Naturposaune eigentümliche Zugvorrichtung, durch welche die Länge des Rohrs nach Belieben verändert wird.
Die Zahl der in neuerer Zeit erfundenen hierher gehörigen Instrumente ist eine sehr große. Es seien nur noch Namen genannt: Serpent, Ophikleide (Holzblasinstrumente, die letztere in neuerer Zeit Blechinstrument), Horn, Trompete (beide ursprünglich Naturinstrumente, neuerdings mit verschiedenerlei mechanischen Vorrichtungen für die Veränderung der Tonhöhe versehen), Cornet à pistons, Bügelhorn (Clairon), Tuba, Bombardon, Saxhorn, Euphonion, Phonikon, Baroxyton, Helikon etc. Über die Konstruktion der einzelnen Instrumente sind die Spezialartikel zu vergleichen.
Hier folgen nur noch einige Bemerkungen über die Hervorbringung von Tönen verschiedener Höhe auf demselben Instrument. Auf Blasinstrumenten ohne Tonlöcher, Ventile, Cylinder etc. können Töne verschiedener Höhe nur durch eine Veränderung der Art des Anblasens hervorgebracht werden. Eine schärfere Anspannung der Lippen (deren Ränder ja als Zungen fungieren) sowie eine Verstärkung [* 11] des Luftstroms rufen bei den Instrumenten ohne Zungen die Bildung eines höhern Tons aus der Reihe der Naturtöne des Instruments hervor; bei den Instrumenten mit Zungen und bei den Flöten kommt die Lippenstellung nicht weiter in Betracht, der Übergang zu andern Tönen der Reihe hängt daher nur von der Stärke [* 12] des Blasens ab. Da nun aber die Naturskala aus einer sehr beschränkten Anzahl von Tönen besteht, welche für eine kunstmäßige Musik schlecht ausreichen, verfiel man darauf, die Schallröhre an verschiedenen Stellen durch Tonlöcher zu durchbrechen und dadurch dieselbe zu verkürzen.
Natürlich müssen die Löcher geschlossen werden, wenn eine Verkürzung nicht stattfinden soll. Diese Einrichtung ist besonders für die Holzblasinstrumente allgemein im Gebrauch. Für die Blechinstrumente wendet man das gegenteilige Auskunftsmittel an, d. h. man verlängert die Schallröhre durch Ausziehen (Posaune) oder durch Einschaltung von Bogen, [* 13] die für gewöhnlich mit dem Hauptrohr nicht kommunizieren, aber durch eine leicht zu behandelnde Vorrichtung (Ventil, [* 14] Cylinder, Tonwechselmaschine) in Kommunikation gesetzt werden, so bei Trompete und Horn und allen neuern Ventilinstrumenten.
Die Ventilinstrumente unterscheiden sich aber sehr in der Klangfarbe von den Naturinstrumenten, denen unsre Symphoniker noch den Vorzug geben, weil sie eine größere Verschiedenheit von Timbres aufzuweisen haben. Besonders sind die sogen. gestopften Töne der Hörner und Trompeten von einem eigentümlichen düstern Effekt; das »Stopfen« ist nämlich das einzige Mittel, auf den Naturinstrumenten die um einen Halbton oder Ganzton von den Naturtönen nach der Tiefe gelegenen Zwischentöne ¶
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hervorzubringen. Vor der Gefahr, eine Fülle schöner Klangkombinationen der Bequemlichkeit der Tonerzeugung zu opfern, muß daher ernstlich gewarnt werden. Über die verschiedenen Arten von Orgelpfeifenregistern vgl. Labialpfeifen und Zungenpfeifen.