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Zwei Persönlichkeiten haben die südfranzösische Stadt Arles geprägt: Julius Cäsar, der 46 v. Chr. das goldene Zeitalter einläutete und in jüngerer Zeit Vincent Van Gogh. Der berühmte Maler schuf während seinem Aufenthalt in den Jahren 1888/89 über 300 Zeichnungen und Bilder. Darunter so berühmte Werke wie das Gelbe Haus, die Sonnenblumen oder die Fischerboote am Strand von Saintes-Maries-de la Mer. Während seiner Zeit in Arles verlor das Genie nach einem Streit mit Paul Gaugin sein Ohrläppchen. Seine Anwesenheit im Ort wurde von den Einheimischen nicht goutiert, da sich der Künstler sehr exzentrisch aufführte, was schliesslich zur Einweisung in die psychiatrische Klinik des Stadtkrankenhauses führte. Erst vor 6 Jahren erkannte die Gemeinde die künstlerische Genialität und ehre Van Gogh mit einem Museum.
Arles ist mit knapp 53’000 Einwohnern die grösste Stadt in der Camargue. Arles war schon für die Römer unter ihrem Kaiser Cäsar ab dem Jahr 46 v. Chr. ein strategisch wichtiger Punkt in Südfrankreich. Und so erbauten die Römer nur zehn Jahre nach dem Kolosseum in Rom in Arles das zwölftgrösste Amphitheater der Welt. Durch sechzig grosse Eingangstore konnten rund 20‘000 Besucher das Theater betreten, wobei diese in vier verschiedenen Rängen – abhängig von ihrem sozialen Rang – sitzen durften. Nach dem Ende des Römischen Reiches bauten die Einheimischen im Theater eine Festung mit 212 Häusern und zwei Kapellen, die jedoch zwischen 1825 und 1840 wieder abgerissen wurden. Seither dient die Arena vor allem als Besuchermagnet für Touristen. Aber es werden im Amphitheater auch noch die in Südfrankreich traditionellen Stierkämpfe und andere kulturelle Veranstaltungen durchgeführt.
Nirgends ausserhalb von Rom gibt es mehr römische Monumente als in Arles. Weitere Sehenswürdigkeiten in Arles sind der 20 Meter hohe Obelisk aus dem 4. Jahrhundert und die Kathedrale St. Trophime mit ihrem römischen Portal (1180-1190). Sehenswert sind auch die unterirdischen Cryptoportiques, die ältesten Ruinen der Kolonie (40 v.Chr.). Seit 1982 steht die Innenstadt von Arles als Weltkulturerbe unter dem Schutz der Unesco.
Arles und Van Gogh sind unzertrennlich
Arles ist aber vor allem untrennbar mit dem Namen Van Gogh verbunden. Der berühmte Maler erreichte Arles am 20. Februar 1888, als er auf der Suche nach natürlichem Licht, „blauen Tönen und heiteren Farben“, aber vor allem auch nach innerer Erleuchtung war. Eigentlich war Arles für Van Gogh nur als Zwischenstation auf dem Weg nach Marseille gedacht. Der Frühling, die Farben, die Natur, die Stadt und vor allem das besondere Licht begeisterten das Genie aber derart, dass aus der Kurz-Visite 444 künstlerisch äußerst fruchtbare Tage wurden. Arles gilt als die produktivste Zeit seiner Gemälde und Zeichnungen. Hier schuf er die farbigsten Werke, so die berühmten Sonnenblumen, das Gelbe Haus (wo er während seiner Zeit in Arles lebte und wirkte), die Sternen Nacht über der Rhône, sein Selbstporträt mit verbundenem Ohr und Pfeife, aber auch Stillleben wie Vincents Stuhl und Gauguins Sessel. Während seiner 15 Monate in der Stadt produzierte er über 300 Werke, von denen viele heute als die prächtigsten und wertvollsten Gemälde der Kunstgeschichte gelten. Obwohl kein einziges Bild von Vincent Van Gogh in der Stadt vorhanden bzw. ausgestellt ist, ist doch der Schatten des Malers überall allgegenwärtig.
Vincent Van Gogh verliert sein Ohrläppchen in Arles
Mit eindrücklichen Worten erzählt Reiseleiterin Martine an einem der Wirkungsorte von Van Gogh, im Innenhof des Kulturzentrums L’Espace Van Gogh, dem früheren Stadtkrankenhaus in Arles die Geschichte vom abgeschnittenen Ohr. Und wenn man Martine zuhört, konnte man fast glauben, die unglückselige Aktion sei erst gestern geschehen. Was war am 23. Dezember 1888 passiert? Vincent van Gogh bildete zusammen mit Paul Gauguin eine Wohngemeinschaft in Arles. Beide Maler hatten sehr starke, eigensinnige Charaktere. Während Vincent van Gogh ständig nervös war und wohl auch dem Alkohol zu stark frönte, war Gaugin äusserst jähzornig. Gauguin konnte seinen Freund nicht mehr ertragen und beschloss nach 2-monatigem Aufenthalt in Arles nach Paris zurückzukehren. Weil sich Van Gogh darüber fürchterlich aufregte, verfolgte das Genie den Maler Gaugin durch die Gassen von Arles. Was in diesen dunklen, engen Gassen tatsächlich geschah, weiss niemand so ganz genau. Das Ergebnis hingegen ist bekannt. Vincent Van Gogh hatte sich sein Ohrläppchen abgeschnitten – nicht das ganze Ohr – in ein Taschentuch gelegt und seiner bevorzugten Prostituierten Rachel geschenkt. Im Stadtkrankenhaus wurde der Maler ärztlich versorgt und kehrte dann in sein gelbes Haus zurück. Aber er muss sich wohl unmöglich aufgeführt haben, so dass die Einwohner von Arles eine Unterschriftensammlung starteten, die dazu führte, dass der Maler für einige Zeit in die geschlossene Abteilung des Stadtkrankenhaus verlegt wurde. Einige Monate später verliess er Arles in Richtung Saint-Rémy-de Provence.
Einst verschmäht, heute geliebt
Schon während seinem Aufenthalt in Arles träumte Van Gogh von einem Zentrum für Künstler. Aber davon wollten die Einheimischen damals gar nichts wissen. Erst über ein Jahrhundert später (Van Gogh starb 1890 erst 37-jährig – er ist auf dem Friedhof von Auvers begraben) wurde in Arles das Genie Van Gogh gewürdigt. Die Vincent van Gogh-Stiftung betreibt seit 2013 ein Museum und Ausstellungszentrum, das Malern ein Podium bietet, die von Van Gogh inspiriert wurden.
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