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Die chinesische Seidenstrasse ist eine Legende aus Zeiten, als man Waren per Kamel transportierte. China ist heute radikal modern – und doch soll die traditionsreiche Handelsroute wiederbelebt werden.
Manche Dinge, die man in der Schule lernt, bleiben einem einfach in Erinnerung. Die Seidenstrasse wurde für mich zu einem von jenen abstrakten Konzepten, die man mit Faszination bewundert, ohne sie wirklich zu begreifen. Viele Jahre später raubte es mir die Sprache, als ich mit meinem CNN-Team vor der gigantischen Bronzeskulptur stand, die den Startpunkt der Seidenstrasse in Xi’an markiert.
Eingraviert zwischen den Kurven und Falten der Plastik befinden sich die Beschreibungen der wichtigsten Städte entlang der historischen Seidenstrasse. Ich war gefesselt von der Vorstellung, dass Globalisierung – etwas, das uns so modern erscheint – in China bereits vor 5000 Jahren bekannt war und noch immer die treibende Kraft hinter der chinesischen Wirtschaft und Politik ist.
Xi'an verbindet China mit dem Westen
Unter dem Tang Westmarkt, einer modernen Anlage, die aus Einkaufszentren und Hotels besteht, kann man in Xi’an noch immer die historischen Spuren der alten Karawanen bewundern. Hierher lieferten einst Kamele wertvolle Waren wie Baumwolle, Sandelholz und Edelsteine aus Indien und Afghanistan. Hier fanden sich vor Jahrtausenden Händler aus Europa ein, um Wolle, Leinen, Duftwässer und Glasgefässe gegen Gewürze, Schiesspulver und vor allem Seide zu tauschen.
Xi’an verbindet China im Westen mit Kasachstan, dem Iran, der Türkei und Italien und im Osten mit Afghanistan, dem Iran, dem Irak, Pakistan und Indien. Die Stadt war schon immer ein wichtiger Knotenpunkt, in dem nicht nur der Handel, sondern auch der Austausch von Ideen, Wissen, Kultur und Religion gefördert wurde. Der Islam vermischte sich hier mit dem Buddhismus und der Zoroastrismus mit dem Taoismus. Die Spuren dieses Synkretismus sind vor allem im muslimischen Viertel von Xi’an zu bewundern. Hier trafen vor Tausenden Jahren die ersten arabischen und persischen Händler ein, wurden sesshaft und brachten ihre Religion und Kultur unter das Volk.
Der arabische Einfluss bleibt sichtbar
Auch heute kann man den arabischen Einfluss noch immer sehen – und vor allem riechen. Auf den schmalen Strassen des Marktes werden in Kümmel gehüllte Kebabs und Falafel-ähnliche Sandwiches angeboten. Der Einfluss des Buddhismus, der im Jahr 652 durch den berühmten Reisenden Xuan Zhang aus Indien nach China gebracht wurde, ist vor allem im Baustil der Pagoden und Häuser in Xi’an deutlich zu erkennen.
Als der Handel entlang der Seidenstrasse seinen Höhepunkt erreichte, war Xi’an nicht nur die Hauptstadt, sondern auch das Wirtschaftszentrum des chinesischen Kaiserreichs. Vor über 2000 Jahren stellte Chinas erster Kaiser Qin Shihuangdi eine beeindruckende Armee auf, die noch heute in Form von Hunderten Terrakotta-Kriegern sein Mausoleum bewacht. Immer wachsam sehen die Steinsoldaten in alle vier Himmelsrichtungen, um Gefahr von allen Seiten abzuwehren.
Doch nicht nur die Armee sorgte für die Sicherheit und den Reichtum der Stadt – Qin vereinheitlichte auch die Währung und standardisierte die Messung von Gewichtseinheiten, was den Handel in Xi’an zusätzlich gedeihen liess.
Chinas Pläne einer neuen Seidenstrasse
Heutzutage hegt China grosse Ambitionen, den alten Geist der historischen Seidenstrasse wieder aufleben zu lassen. Wie damals startet diese erneut in Xi’an, dem geografischen Zentrum des Landes und dem Tor zu Westchina. Xi’ans Potenzial und Bedeutung zeigt sich vor allem darin, dass in der Stadt der grösste Binnenhafen Chinas errichtet wurde.
Als ich meine neunmonatige Reise entlang der modernen Seidenstrasse begann, erfuhr ich, dass Chinas ehrgeiziges Projekt, der alten Seidenstrasse neues Leben einzuhauchen, in der Bevölkerung bereits weitläufig bekannt ist: Jeder, den wir dazu befragt haben, reagierte mit Stolz auf das ambitionierte Vorhaben. Sollte China damit Erfolg haben, so hat diese neue Seidenstrasse das Potenzial, erneut zu einer konstanten Kraft für den Handel und die Kultur der Region zu werden.
CNN International Korrespondentin Sumnima Udas bereist jeden Monat ein anderes Land entlang der Seidenstrasse. In dem 30-minütigen Format wird die moderne Welt in den historischen Kontext gestellt. Weitere Informationen finden Sie auf der Microsite und unter #CNNSilkRoad. Diese Kolumne lesen Sie in der Schweiz exklusiv auf handelszeitung.ch.