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Ein Forscherteam unter Beteiligung der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) hat den Wasserhaushalt der nördlichen Hemisphäre für die vergangenen 1200 Jahre rekonstruiert. Dabei stellten sie fest, dass die Wasserverfügbarkeit im 20. Jahrhundert weniger schwankte als von Klimamodellen vorhergesagt, wie die WSL am Mittwoch mitteilte.
Die Wissenschaftler analysierten Daten aus Europa, Asien und Nordamerika über Niederschläge, Bodenfeuchte, Seewasserpegel und Abflussmengen von Flüssen. Diese Informationen gehen aus Klimaarchiven wie Baumringen, Tropfsteinen, Seesedimenten oder historischen Aufzeichnungen hervor.
Kaum Zusammenhang mit Temperatur
Beim Vergleich mit dem Temperaturverlauf, den die Wissenschaftler auf ähnliche Weise rekonstruierten, konnten sie nur in wenigen Regionen einen klaren Zusammenhang feststellen, wie sie im Fachjournal «Nature» berichten. Beispielsweise gab es sowohl im recht warmen 12. wie im eher kalten 15. Jahrhundert häufig Dürren. Kühlere Epochen scheinen also nicht unbedingt feuchter zu sein.
Obwohl das 20. Jahrhundert das wärmste des letzten Jahrtausend war, stellten die Wissenschaftler keine besonders starken Schwankungen im Wasserhaushalt fest. Die Niederschlagsextreme seien in früheren Jahrhunderten teilweise stärker gewesen und hätten grössere Flächen betroffen, liess sich Studienautor Fredrik Charpentier Ljungqvist von der Universität Stockholm in der WSL-Mitteilung zitieren.
Bisher fehlten Daten
Derzeitige Klimamodelle sagen für das 20. Jahrhundert stärkere Schwankungen voraus. Demzufolge würde die Klimaerwärmung trockene Regionen trockener und nasse nasser werden lassen. Ein Problem dieser Simulationen ist allerdings, dass die Niederschlagsmessungen nur die vergangenen zwei Jahrhunderte abdecken. Die nun rekonstruierte Zeitspanne erlaubt, die bisherigen Vorhersagen zu prüfen.
«Die gängigen Klimamodelle scheinen die Niederschlagsveränderungen in der vorindustriellen Zeit zwar gut abzubilden, die jüngsten anthropogenen Veränderungen des Klimasystems dagegen weniger», erklärte David Frank von der WSL in der Mitteilung. Möglicherweise war die Erwärmung im 20. Jahrhundert noch nicht stark genug, um die vorhergesagten Niederschlagsmuster auszulösen, vermuten die Forscher.
Erwärmung verändert Wasserkreislauf
Das Resultat der Studie bedeute keineswegs, dass die aktuellen Klimasimulationen wertlos seien, schrieb Matthew Kirby in einem begleitenden Kommentar in «Nature». Aber es weise auf Herausforderungen und weiteren Forschungsbedarf hin.
Dass die Klimaerwärmung den Wasserkreislauf der Erde verändere, stehe ausser Frage, so Kirby. Je mehr über das Verhalten dieses Kreislaufs in der Vergangenheit bekannt sei, desto besser könne man seine Zukunft voraussagen.