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Die sogenannten «Balljunkies» sind Hunde, in deren Leben Bälle eine bedeutende Rolle spielen. Die meisten von ihnen bevorzugen Hetzspiele. Hetzen ist ein Element aus der Beutefangsequenz und benötigt ein hohes Erregungslevel. Die Beutefangsequenz wird durch den Botenstoff Dopamin angetrieben. Die Ausschüttung dieses Botenstoffs fühlt sich beim Hetzen des Balls gut an und kann «süchtig» machen.
Der Balljunkie ist ein Hund, der viel gelernt hat. Er hat gelernt, dass eine bestimmte Interaktion mit einem Spielobjekt extrem belohnend ist. Er hat das Spielobjekt mit Erregung verknüpft; die Quellen dieser Erregung sind Erwartung, Frustration, Bewegung und ambivalente Erfahrungen durch aversive Ereignisse (Korrekturversuche durch den Hundehalter). Er hat gelernt, dass es bestimmte Zeitfenster und bestimmte Orte gibt, an denen die Wahrscheinlichkeit für diese Interaktion besonders hoch ist.
Der Balljunkie ist abhängig davon, dass seine Bezugsperson ihm Interaktionen mit dem Spielobjekt ermöglicht. Damit rückt die Bezugsperson in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit des Hundes. Der Balljunkie beginnt die Gelegenheiten zu erahnen. Dies resultiert in Verhalten, welches durch Ansteigen der Erregung gesteuert wird. Das Verhalten kann für die Bezugsperson lästig sein, sodass sie darauf reagiert. So wird dieses Verhalten leicht durch Aufmerksamkeit, Zuwendung und Spielen verstärkt, was zur Folge hat, dass die Zeitfenster und auch die Örtlichkeiten für das bevorzugte Verhalten immer weiter ausgedehnt werden. Verschiedene Ursachen beschleunigen diesen Prozess.
Stress als eine Ursache für exzessives Verhalten
Hintergrundstress trägt wesentlich zu exzessivem Verhalten bei! Unter stressenden Lebensumständen verlässt sich das Gehirn nicht mehr auf Belohnungsmöglichkeiten von aussen, sondern nur noch auf Selbstbelohnungen. Verhalten, das bei Ausführung sofort zu Wohlbefinden führt, wird bevorzugt. Alle exzessiven Verhaltensweisen sind selbstbelohnend! Extremes Jagdverhalten, Körperpflege und Lautäusserungen sind die Kategorien, aus denen exzessives Verhalten am häufigsten entsteht. Extremes Jagdverhalten umfasst beispielsweise auch das Fokussieren von Schatten oder Lichtreflexen und Beutefangspiele.
Bevor Sie überhaupt in Erwägung ziehen, Ihrem Hund das Ballspiel gänzlich zu entziehen, sollten Sie den Hintergrundstress analysieren. Hintergrundstress umfasst alle Stressoren, die im Alltag des Hundes auftreten: ständig, wiederholt, bewältigt und unbewältigt. Belastungen durch Stressoren und ihre Bewältigung(!) summieren sich schnell und wirken sich stark auf die Gehirnfunktionen aus. Zur üblichen Belastung eines Hundes tragen folgende Stressoren bei:
– Gesundheitszustand und Schmerzen
– Allgemeiner Umgang mit dem Hund
– Ängste, zum Beispiel Trennungsstress, Geräuschangst
– Leben in der Hundegruppe − Impulskontrolle
– Frustration
Folgende Bedingungen können jede Situation stressend machen:
– Mehrdeutige Kommunikation führt zu sozialer Unsicherheit. Erwarteter unsicherer sozialer Kontext: Dieser tritt auf, wenn der Hundehalter schon viel ausprobiert hat, um das unerwünschte Verhalten zu reduzieren.
– Mentale und körperliche Überforderung
– Neuartigkeit von Reizen und Situationen
– Dauer einer Belastung: Dies tritt beispielsweise bei Gruppenhaltung, Gruppentraining und Seminaren auf. Aber auch Bezugspersonen, die prinzipiell deutliche Stimmungsschwankungen haben, sind ein erheblicher Stressor.
– Frustration durch Hemmung aktivierten Verhaltens
– Kontrollverlust: Verhalten führt nicht zur Verbesserung der Situation. Dies tritt auf bei Trennungsangst, Gewitterangst und wenn der Hund «da durch muss».
Eine generelle Reduktion des Hintergrundstresses ist also unbedingt eine weitere Säule der Veränderung exzessiven Spielverhaltens und eine Voraussetzung für emotionales Wohlbefinden. Ich empfehle Ihnen, professionelle Hilfe für die Analyse des Hintergrundstresses zu suchen. Die Eigenwahrnehmung bewertet viele Belastungen des Hundes als normal. Die meisten Bezugspersonen von Balljunkies werden mit Stressreduktion genug zu tun haben. Bei gelungener Umsetzung verringert sich das exzessive Verhalten oder wird zumindest viel leichter bearbeitet werden können. Auf jeden Fall aber geniesst der Hund ein besseres emotionales Wohlbefinden. (…)
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