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Die Wilden von den Feuerlandinseln – ausgestellt bis zum Tod
So überschreibt Rea Brändle die Geschichte der zehn Menschen, die 1882 im Plattentheater ausgestellt wurden.
Ihre Namen kennt man nicht. Aufgefunden oder aufgegriffen wurden sie auf einer der Feuerlandinseln im südlichen Chile, nach Hamburg transportiert und dort dem Tierhändler Carl Hagenbek verkauft. Der konnte sie gut brauchen, stellte er doch damals seine «Völkerschauen» für Europatourneen zusammen. Er war es, der den Feuerländern Namen zuordnete. Je nach Einsatzgebiet hiessen sie Catherine oder Trine, Lise oder Lisel, La petite mère oder Grete.
Als die Gruppe von Paris kommend nach Zürich gelangte, waren die meisten von ihnen krank. Einer starb schon auf der Anreise, ein anderer kurze Zeit später in Zürich. Vor dem zahlenden Publikum hatten sie im Plattentheater fortan zu posieren. Mitleid mit diesen Menschen hatte niemand. Wohl aber, als wegen Krankheit und Tod Vorstellungen ausfallen mussten, mit dem Veranstalter Grüninger. «Gestern sind wieder zwei von der Gesellschaft gestorben, so dass jetzt nur noch zwei Männer, zwei Frauen und zwei Kinder zu sehen sind. Durch diese Zwischenfälle ist Herrn Grüninger ein nicht unbedeutender Schaden entstanden, was demselben wohl niemand gönnt...» (Der Landbote, 16.3. 1882)
Am 22. März 1882 wurde die «Völkerschau» im Plattentheater geschlossen, die überlebenden Feuerländer über Antwerpen zurück nach Südamerika transportiert. Über ihr weiteres Schicksal ist nichts bekannt.
Interesse an diesen Menschen zeigte dagegen die Wissenschaft. Nach deren Tod. «Die Schädel der Eheleute Capitano wurden aufgebohrt, seziert und später im Aufsatz ‹Zwei Feuerländer Gehirne› detailliert beschrieben.» (Brändle Wildfremd, Hautnah, S. 15)
Die sterblichen Überreste der fünf in Zürich gestorbenen Menschen verblieben über 100 Jahre im Anthropologischen Institut der Universität. Im Januar 2010 wurden sie nach Chile überführt und dort auf einer der Magellaninseln beigesetzt.
Martin Kreutzberg