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Wettbewerb, Februar 2012
Petit Prince
Die Architektur des neuen Sportzentrums Heuried zeigt sich nach aussen hin klar und einfach. Erst im Innern eröffnet sie sich dem Benutzer in ihrer komplexen Struktur.
An der Wasserschöpfi steht das Haus direkt auf dem Erdboden und wendet sich mit seinem Haupteingang dem Platz zu. Um den Bau unter den Voraussetzungen des abfallenden Terrains und des in der Höhe anzusetzenden Eisfeldes in dem Eingangsbereich an der Wasserschöpfi nicht auf einen Sockel zu stellen, wird das Eisfeld in dieser vorderen, tiefer gelegenen Zone als Galerie ausgebildet. Der Luftraum wird im Bereich des Eisfeldes mit dreiseitig hängenden Betonscheiben, zur Küngenmatt, zur Wasserschöpfi und zum Freibad hin ausgekleidet. Diese Massnahme schützt das Eisfeld vor zuviel Tageslicht und Sonneneinstrahlung. Sie ermöglicht im unteren Bereich aber auch einen attraktiven visuellen Bezug zwischen Innenraum und öffentlichem Raum. Dem ankommenden Besucher wird ein Blick ins Innere gewährt. Auf diese Weise entsteht der Typus eines öffentlichen Gebäudes, dessen Funktion von «unten» her, vom Eingang aus, durch Einblicke in den Hallenraum deutlich sichtbar wird.
Eine «promenade architecturale» durchs Haus beginnt an der Wasserschöpfi, vor dem Haupteingang. Die Eingangshalle liegt unter dem Eisfeld und vermittelt zwischen dem Aussenraum und dem Korridor entlang der Liegefläche des Freibades. Er führt die Besucher an den Garderoben für das Freibad vorbei zur Haupttreppe, dem Aufgang zum Foyer. Dieser Raum verfügt über einen Kiosk und liegt an der prominenten Südwestecke wiederum im Erdgeschoss. Von hier aus verteilen sich die Gäste. Die Protagonisten der Arena – Eisläufer und Hockeyspieler – gelangen über zwei Korridore, entlang der Westfassade und parallel dazu, im Bauch des Baukörpers, zu den verschiedenen Garderoben. Die Besucher des Restaurants und die Zuschauer erreichen über eine weitere Treppe das Obergeschoss. Das Restaurant mit Aussenterrasse bietet während des Sommer- und des Winterbetriebs Aussichten auf das Eisfeld in der Halle, auf das Ausseneisfeld und das Freibad.
Im durchgrünten, genossenschaftlich geprägten Wohngebiet am Fusse des Üetlibergs wird kein urban expressiv gestaltetes Sportzentrum vorgeschlagen, sondern ein grosses unprätentiöses raffiniert durchdachtes Haus, dessen Raumbildung, Tragstruktur und Haustechnik im Innern ein symbiotisches Verhältnis zueinander entwickeln.
Der architektonische Ausdruck mit der nach aussen hin weissen Sichtbetonstruktur ist eine Referenz an die noch bestehenden Betonbauten und verleiht dem Gebäude in Verbindung mit der erdgeschossigen Verglasung ein einladendes Aussehen. Ein Sportzentrum, welches sich den Besuchern in seiner Besonderheit, wie eingangs erwähnt, erst auf den zweiten Blick erschliesst.
Tragwerk
Fundation: Das neue Sportzentrum wird am östlichen Parzellenrand so angeordnet, dass die bestehende Parkgarageneinfahrt als nördlicher Fundationskörper verwendet wird, wogegen am südlichen und am östlichen Rand des 65 x 65m grossen Gebäudes ein neues Untergeschoss angeordnet wird, welches flachfundiert wird. Der Baukörper beinhaltet im östlichen Bereich die Eissporthalle, auf der westlichen Seite befinden sich dagegen die dienenden Räume.
Wandkonstruktion: Sowohl im Untergeschoss als auch im westlichen Gebäudeteil sind die Räume vergleichsweise klein und die Deckenspannweiten bescheiden. Die Wände werden in Abhängigkeit ihrer Funktion entweder gemauert oder betoniert. Wo nötig, werden die Stahlbetondecken zur Ermöglichung einer grösseren Raumflexibilität kostenneutral so vorgespannt, dass die darunterliegenden Wände verschoben werden können.
Fassaden: Der gesamte Baukörper wird mit einer über Lichtbändern angeordneten Sichtbetonfassade umgeben, welche ihm einen schwebenden Charakter verleiht. Im westlichen Gebäudeteil wird dies mit Hilfe von innenliegenden Fassadenstützen erreicht, wobei die Fassadenwände durchaus als überspannende Tragelemente eingesetzt werden. Im Bereich der Eissporthalle wird der massive Körper dagegen mit einer grosszügigen tragwerkstechnischen Geste oberhalb der unteren Glasbänder optisch vollständig zum Schweben gebracht.
Struktur: Dieses «Schweben» wird mit Hilfe eines torsionssteifen, geschosshohen brückenträgerartigen Stahlbetonringes erreicht, welcher sowohl auf der Ost- als auf der Westseite mit Hilfe von je fünf leistungsfähigen geschmiedeten Vollstahlstützen getragen wird. Zur Erhöhung der Steifigkeit und zur Verminderung der Verformungen wird der Ring kostenneutral vorgespannt. Innerhalb des Ringes wird eine Sheddach-Konstruktion mit Fachwerkträgern aus stählernen Vierkantrohren eingelegt, welche einerseits die vertikalen Dachlasten abträgt, und andererseits zur Aussteifung der gesamten Dachscheibe mithilft. Dank der Verbindung des Dachringes mit der daran hängenden umlaufenden Fassadenwand, welche ihrerseits mit den Decken des westlichen Baukörpers monolithisch verbunden ist, kann die Erdbebensicherheit problemlos gewährleistet werden.