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Hochzeit von Matthias und Emine
Am 6. Februar 2004 haben Matthias und Emine in Thun zivil geheiratet
Matthias erzählt:
Emine und ich kennen uns seit August 2002. Ich (Matthias) machte damals mein zweites Bauernlehrjahr in Uetendorf. Am Anfang waren wir nur gute Kollegen. Mit der Zeit kamen wir uns näher. Als ich Emine kennen lernte, konnte sie sehr schlecht Deutsch sprechen, lesen und schreiben. Als sie mir zum ersten Mal ein sms schrieb, konnte ich nicht verstehen, was sie meinte. Danach half ich ihr lesen, schreiben und sprechen lernen.
Meine Eltern waren am Anfang ein wenig dagegen, dass ich mit Emine zusammen war. Als ich meinen Eltern über Emines Vergangenheit erzählte, waren sie erschrocken. Emine wurde in der Türkei geboren. Sie ging dort in eine Schule, lernte aber nicht sprechen, lesen und schreiben. Die Lehrerin half ihr nicht. Emine wurde oft geschlagen und hat viel geweint. Auch in der Familie war Emine oft unglücklich. In der Türkei sind gehörlose Kinder nicht beliebt. Man denkt, gehörlose Kinder sind krank.
Emine lebt nun seit sechs Jahren in der Schweiz. Sie wollte mit Gehörlosen in die Schule, die Eltern wollten, dass sie in eine hörende Schule gehe. Sie musste ein Kopftuch tragen und wurde oft ausgelacht. So hat Emine wieder gelitten. Nach Schulabschluss erhielt Emine eine Lehrstelle als Floristin. Aber der Chef merkte bald, dass sie nicht schreiben konnte, und entliess sie fristlos. Danach ging sie mit den Eltern zur Beratungsstelle für Gehörlose in Basel. Dort schlugen sie vor: entweder nach Uetendorf oder nach Turbental gehen. Die Eltern besuchten beide Orte und entschieden sich für Uetendorf. Im Juli 2001 trat Emine in Uetendorf ein. Es gefiel ihr dort am Anfang gut.
Dann hatte sie einen ‹Freund›, der sie immer auslachte, weil sie nicht schreiben und lesen konnte. Von der Heimleitung erhielt sie wenig Hilfe. Ein Jahr lang hatte Emine Depressionen. Als ich im August 2002 in Uetendorf eintrat, machte ich viel Spass mit ihr. Später verliebten wir uns ineinander, am Anfang ohne es uns zu sagen. Irgendwann fragte sie mich wegen dem Küssen. Wir haben viel zusammen unternommen, z.B. Ausflüge. Wir nahmen am Osterlager der CGG 2003 in Passugg teil.
Matthias und Emine in Passugg 2003
Wir waren so stark ineinander verliebt, dass wir einmal zusammen geschlafen haben. Danach war Emine oft krank. Sie wollte in Uetendorf zum Arzt gehen, doch man sagte ihr, das sei nicht nötig. Zweimal erlitt sie einen Notfall. Sie wohnte oft bei meinen Eltern. Wir haben viel für Emine getan.
Zuerst waren die Eltern von Emine dagegen, dass wir befreundet waren. Nach mehreren Gesprächen gaben die Eltern von Emine ihr Einverständnis zu unserer Freundschaft. Emine hatte keine Monatsblutungen mehr. Daher meldeten wir sie zu einer Untersuchung an. Wir dachten zuerst, sie sei nicht schwanger; wenn sie doch schwanger wäre, hatten wir Angst, dass das Baby behindert sein könnte, weil Emine viele Medikamente genommen hatte. Wir dachten ans Abtreiben. Doch bevor wir zum Arzt gingen, wurde mir bewusst, dass ich Sünden begangen hatte, und ich bat Gott um Vergebung.
Dann kam die Ultraschall-Untersuchung. Das Resultat: Emine war schon im 5. Monat schwanger! Und das Baby war vollständig gesund! Da wollten wir das Kind behalten. Aber wir mussten noch den Heimleiter von Uetendorf und die Eltern von Emine informieren. Das gab grosse Probleme. Der Vater von Emine war wütend. Wir haben viel gebetet und mehrere Gespräche geführt mit beiden Eltern und mit Hilfe der Gehörlosen-Beratungsstelle.
Anfang Dezember waren die Eltern von Emine endlich einverstanden, dass wir heiraten dürfen. Es gab dann ein langes Hin und Her wegen dem vielen Papierkram, es braucht viele Papiere in Deutsch und Türkisch, bis man zivil heiraten kann.
Am 6.Februar 2004 war es endlich so weit: wir konnten auf dem Zivilstandsamt Thun zivil heiraten. Zu unserer grossen Überraschung kamen auch CGG-Leute an die Hochzeit. Auch die Familie von Emine war dabei, leider ohne den Vater.
Nachher gab es einen Apéro in der FEG Steffisburg. Andrea hatte es organisiert. Wir erhielten auch viele Geschenke. Ganz herzlichen Dank für alles !!! Danke Andrea für den tollen Apéro, Stefan Krähenbühl fürs Übersetzen, den Brautführern und allen andern. Wir danken aber besonders dem Herrn für alles, was ER getan hat.
Matthias und Emine
Noch ein Artikel über die Hochzeit
Matthias und Emine an der Ziviltrauung
Andrea schreibt:
Als ich im Gottesdienst von den Problemen von Matthias erfuhr, war ich schon erschrocken. Ich fand Matthias sehr mutig, da er uns offen erzählte. Er sagte, dass seine Freundin schwanger sei. Was das junge Paar getan hat, ist eine Sünde, wie wir wissen.
Matthias hat es sofort dem Präsidenten der CGG gemeldet und sagte, er wolle Gott um Vergebung bitten. Das hat er getan. Wir sollen ihm vergeben, weil wir auch andere Sünden begehen. Trotzdem gab es Klatsch. Das hat Matthias verletzt. Schliesslich wollte Matthias aus der CGG austreten, doch der Präsident hat ihn beruhigt. Das war traurig. Ich sah, es fehlte: die Liebe.
Ich sah, dass Matti und Emine sind schwer verletzt worden waren. Ich begann zu überlegen: was kann ich machen, damit die Liebe wieder kommt, die Nächstenliebe? Ich bin sehr für die Nächstenliebe und finde es sehr wichtig, weil die Menschen sich dann wohler fühlen und glücklich sind.
Ich kam auf eine Idee: Matti und Emine heiraten ja bald. Da könnte ich sie überraschen. Ich habe die Freunde vom Hauskreis Bern gefragt, ob wir das machen können. Ja, es wäre möglich?
Meine Idee war, dass wir von der CGG nach der Zivilhochzeit Matti und Emine mit einer Rose überraschen und zum einem Apéro einladen und feiern. Damit sie unsere Liebe und unsere Dasein spüren.
Von meiner Organisation wussten Matti und Emine nichts. Ich habe in der Bibelschule Aarau eine Kasse aufgestellt für den Apéro, für die Dekoration und für die Unterstützung der beiden. Ich bekam viele freiwillige Unterstützungen.
Da ich eine Lehre als Handbuchbinderin mache, habe ich bunte Karten verteilt, wo jeder Gratulationen für das junge Paar aufschreiben konnte. Zum Schluss durfte ich die Karten in meiner Firma selber zu einem schönen Büchlein binden.
Die Organisation lief sehr gut, ich bekam einen Raum von der FEG Steffisburg für den Apéro, Helfer, die Einteilung der Aufgaben?
Ich war voll im Stress, aber ich hatte Freude daran, und ich war auch etwas nervös. Für mich war es eine gute, grosse Erfahrung.
Für den Apéro habe ich Schinkengipfeli und Blätterteig mit Tomatenpurée selber gemacht. Das habe ich bisher noch nie allein gebacken. Zum Glück hat es den Gästen geschmeckt.
Ich hatte viel Geld in der Kasse. So habe ich Geschenke gekauft, die Matti und Emine in der Zukunft brauchen können. Es lief sehr gut.
Am Freitag, den 6. Februar 2004 ging es los. Ich und meine Helfer Markus, Heinz, Serge, Andreas (für die Dekorationen und fürs Backen) trafen uns am Mittag in der FEG Steffisburg.
Um etwa 14 Uhr gingen wir nach draussen zum Bahnhof Thun und warteten auf andere.
Gemütlich marschierten wir zum Zivilstandsamt und warteten auf das junge Paar. Mit zehn schönen Rosen überraschten wir sie und gratulierten ihnen. Sie hatten grosse Freude. Emine?s Familie ausser ihrem Vater, der arbeiten musste, kam auch.
Ich lud alle zum Apéro ein. In Steffisburg sagte ich Matti und Emine, dass sie zuerst wie Brautpaare in der Kirche den schönen Blumen im Gang folgen mussten.
Im Raum, wo sie schöne Stühle bekamen, mussten sie Schokoladeherzen sammeln, um überhaupt sitzen zu können.
Der schöne Apéro wurde super gefeiert, es gab eine gute Stimmung.
Die Nächstenliebe blühte wieder auf?
Vor dem Champagner-Anstoss wollte ich als Organisatorin eine Rede halten. Ich hielt sie, aber ich war nervös, so dass ich nur noch schnell reden konnte. Ich habe noch nie eine Rede gehalten. Dann wurde auf Matti und Emine angestossen. Das Brautpaar bekam viele Geschenke: Besteck, Tassen, Teller, Champagner-Gläser, gestrickte Babykappen, Socken, Handschuhe, einen Schal, das Büchlein, von dem vorher geschrieben habe?
Matti und Emine freuten sich riesig. Die Feier war wunderbar und lustig.
Emine und Matthias haben sich über den Überraschungsapero sehr gefreut
Als es zu Ende war und man mit Aufräumen begonnen hatte, sah ich den leeren Raum. Ich fühlte mich wie leer, es war vorbei.
Zum Schluss möchte ich allen ganz herzlich danken, die mitgeholfen, mitgemacht und mich unterstützt haben. Für mich war einfach alles grossartig.
Eure Andrea