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Käser, Jakob (1806-1878)--DB1845
Person
Lebensdaten
22.07.1806-09.03.1878
Mädchenname, Herkunftsort bzw. Heimatort
Zivilstand, Konfession, Nachkommen
Verheiratet mit Elisabeth Lanz, drei Kinder, die alle im Kindsalter starben
Soziale Herkunft, verwandtschaftliche Beziehungen
Sohn eines Landwirts
Ausbildung, berufliche Tätigkeit und Funktionen in der Öffentlichkeit
Ausbildung
Berufsausübung
Funktionen in landwirtschaftlichen Institutionen
Oekonomische Gesellschaft Bern: Mitglied 1856-; Allgemeiner landwirtschaftlicher Verein für gemeine Landwirthe: Präsident, Sekretär, Mitbegründer; Forst- und Obstbaumschule: Gründer 1840; Freiwillige Armenanstalt: Gründer 1841
Funktionen in anderen Institutionen
Kirchgemeindepräsident Melchnau; Leseverein Melchnau: Gründer 1833
Funktionen in der Politik
Grossrat 1854-1858; Gemeindepräsident Melchnau
Biographische Skizze
1832 wurde in Melchnau der Lehr- und Leseverein gegründet, aus dem 1837 der 'Allgemeinnützige landwirtschaftliche Verein für gemeine Landwirthe' und 1842 schliesslich der ’Oekonomische und gemeinnützige Verein Oberaargau’ hervorging.
Initiiert und getragen wurde dieser Verein durch Jakob Käser, Landwirt, langjähriger Gemeindepräsident und Grossrat in Melchnau, der seinerseits auch die enge Anbindung und den späteren Anschluss an die Oekonomische Gesellschaft Bern in die Wege geleitet hat.
Jakob Käser war Bauernsohn und hat ausser der Volksschule in Melchnau in „der Zeit, als nur noch ein Lehrer war, wo nun jetzt deren fünf sind“, keine weiterführende Schule besucht. Als historisch interessierter Autodidakt und aktiver Politiker hat er aber im Laufe seines Lebens einen hohen Bildungsstand erreicht, wovon ein sehr schönes Zeugnis aus seiner Feder überliefert ist, nämlich die topographische, historische und statistische Darstellung des Dorfes und Gemeindsbezirkes Melchnau, die 1855 gedruckt wurde. Jakob Käser hat sich zeitlebens für seine Gemeinde und die Verbesserung der Lebensbedingungen im Oberaargau eingesetzt. Dieses Engagement schlug sich unter anderem in der Gründung des Lehr- und Lesevereins nieder, der laut Meyer ähnliche Ziele verfolgte wie heute etwa eine Volkshochschule. Nach wenigen Jahren schlossen sich aus dem Kreis seiner Mitglieder zehn Landwirte zu einem weiteren, mehr auf die Praxis hin orientierten Verein zusammen und gründeten den Allgemeinnützigen landwirtschaftlichen Verein für gemeine Landwirthe, der 1842 seinen heutigen Namen Oekonomische und gemeinnütziger Verein Oberaargau erhielt. Die Ziele des Vereins deckten sich sehr weitgehend mit jenen der Oekonomischen Gesellschaft in Bern. In den Statuten wurden das Sammeln nützlicher Kenntnisse über Haus- und Landwirtschaft, die Verbesserung des Ackerbaus sowie die Erprobung und Verbreitung neuer Nutzpflanzen als Zweck aufgeführt. Sogar zum jährlichen Abfassen eines Aufsatzes über einen ökonomischen Gegenstand mussten sich die Vereinsmitglieder verpflichten, was stark an die Praxis der Oekonomischen Gesellschaft erinnert.
Im Laufe der Zeit kam es immer wieder zur Aufnahme von Kontakten mit der Gesellschaft in Bern. Diese war seit ihrer Wiederbelebung (1838) erneut interessiert an einem Netz von Zweiggesellschaften, beziehungsweise Sektionen auf dem Land. Sie legte in den neuen Statuten fest, dass lokale Sektionen auch Mitglieder aufnehmen konnten, die nicht gezwungenermassen zugleich Mitglied der Gesellschaft in Bern sein mussten. Auch die Möglichkeit jeweils eigener Statuten war in den neuen Gesetzen vorgesehen. Die Oekonomische Gesellschaft wollte also gewissermassen als Dachverband fungieren, was sie auch heute noch tut. Im Laufe des 19. Jahrhunderts änderte sich die Mitgliederstruktur der bernischen Gesellschaft und es wurden zunehmend Landwirte in die kantonale Gesellschaft aufgenommen. 1856 einigte sich der Verein des Oberaargaus mit der Oekonomischen Gesellschaft in dem Sinne, dass der Verein selbständig, mit eigener Kasse und eigenem Arbeitsprogramm, weiterexistieren würde, zugleich aber Einzelmitgliedschaften bei der kantonalen Gesellschaft fördern und eine enge Zusammenarbeit zu dieser unterhalten werde. Eine gleiche Vereinbarung wurde auch mit der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Bern getroffen.
Jakob Käser pflegte den Kontakt mit der Gesellschaft in Bern. Er schenkte ihr ein Exemplar seines Buchs über Melchnau. Er strebte eine enge Zusammenarbeit an, was in einem überlieferten Brief Käsers an die Oekonomische Gesellschaft aus dem Jahr 1862 sehr hübsch zum Ausdruck kommt, wenn er schreibt, die Gesellschaft suche ein Kind - „aber ein solches, das schon seit 30 Jahren seiner Mutter, der ökonomischen Gesellschaft des Kantons Bern, zwar klein und unbemerkbar, gefolget ist“. Im selben Brief listet er auch die bisherigen Verdienste des oberaargauischen Vereins auf. Insbesondere nennt er die Förderung des Primarschulwesens, der Armenpflege, der Landwirtschaft und der Forstwirtschaft. Als bleibende Erfolge erwähnt er die Lesebibliothek mit inzwischen gegen 300 Bänden, die Ortsbeschreibung von Melchnau und die 1840 gegründete Obst- und Forstbaumschule, die auf Allmendland errichtet worden ist. Lassen wir ihn kurz selber zu Wort kommen:
„Auf die Bodencultur und Fortschritte in der Landwirthschaft übte der Verein unstreitig einen indirekten Einfluss und besonders auf die ausgedehnten Allmenten und Waldungen der Gemeinde, indem erstere, auf Anregung des Vereins, durch zweckmässigere Benutzung, Eintheilung und Strassenanlagen und letztere durch besserer Bewirthschaftung, namentlich nach Anleitung eines aufgenommenen Bewirthschaftungsplanes, verbessert werden.“
Die Oekonomische Gesellschaft ihrerseits war an der Arbeit des initiativen lokalen Vereins sehr interessiert und 1866 bedauerte der damalige Präsident im Jahresbericht, dass ein wirklicher Zusammenschluss immer noch nicht stattgefunden habe.
In einer Beziehung war der Oberaargauische Verein der bernischen Gesellschaft sogar voraus: Sie trug den Begriff gemeinnützig bereits seit 1842 in ihrem Namen und nahm sich des Themas Armut auch wiederholt an. Allerdings blieb es mehr beim guten Willen als dass Taten gefolgt wären. Mehrmals wurden Leute in eine entsprechende Kommission berufen, doch diese Initiativen versandeten. In den Jahren zwischen 1847 und 1853 kamen die Aktivitäten des Vereins insgesamt weitgehend zum Erliegen. Als er 1853 einen Neuanfang wagte, lagen die Hauptschwerpunkte der Arbeit auf dem Gebiet der Landwirtschaft, des Samenmarktes und der Forstwirtschaft; insbesondere organisierte er Forstlehrkurse.
Jakob Käser selbst befasste sich in seinem Buch über Melchnau sehr intensiv mit der Armenfrage. Er war beteiligt an der Gründung der sogenannten freiwilligen Armenanstalt, die sich zum Ziel gesetzt hatte, arme Kinder bei christlichen Familien unterzubringen. Er unterstützte dieses Projekt auch mit Spenden. In seiner Beschreibung von Melchnau weist er auf den direkten Erfolg dieser Organisation hin, indem er schreibt, die Mindersteigerungen der Verdingkinder hätten in seiner Kirchgemeinde aufgehört und die Armen würden „durch die Armenväter an ausgewählte Familien verkostgeldet“ und dabei werde „besonders auf die geistige Behandlung der Kinder Rücksicht genommen.“
Das Besondere am Oekonomischen und Gemeinnützigen Verein Oberaargau ist seine lange eigenständige Entwicklung, die sich wohl am Vorbild der kantonalen Gesellschaft orientierte, jedoch an seiner grossen Autonomie festhielt. Im Gegensatz zu den Zweiggesellschaften der Oekonomischen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts, die gleichsam von oben initiiert wurden, entstand der Verein des Oberaargaus auf lokale Initiative hin und entwickelte sein eigenes Profil. Beim Vergleich mit den frühen Zweiggesellschaften der Gründungszeit der Oekonomischen Gesellschaft fällt zudem auf, dass nun nicht mehr aufgeklärte Geistliche oder Beamte, sondern die Landwirte selbst die Initiative ergriffen. In Folge des gesellschaftlichen Wandels und der politischen Emanzipation der Landbevölkerung nahmen sich nun neue soziale Schichten der alten Themen an. Da die kantonale Gesellschaft sich gleichzeitig ebenfalls neu orientierte, konnte daraus wiederum eine fruchtbare Zusammenarbeit entstehen.
Autor/in: Gerrendina Gerber-Visser, Peter Moser
Quellen und Literatur
Eigene Publikationen
Quellen
- Gerber-Visser, Gerrendina: Wie der Landwirt Jakob Käser die Gemeinnützigkeit im Oberaargau voranbrachte, in: Kartoffeln, Klee und kluge Köpfe. Die Oekonomische und Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Bern OGG (1759-2009). Herausgegeben von Martin Stuber, Peter Moser, Gerrendina Gerber-Viser und Christian Pfister, unter Mitarbeit von Dominic Bütschi, Bern-Stuttgart-Wien, 2009, S. 163-166