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Chemische Verhütungsmethoden
Chemische Verhütungsmittel greifen nicht in den Hormonhaushalt ein. Sie enthalten sog. Spermizide, das sind Substanzen, welche die Spermien abtöten, zumindest deren Fortbewegungsmöglichkeit hemmen oder den Gebärmutterhals abdichten, so dass keine Spermien in die Gebärmutter eindringen können. Ausserdem sorgen sie dafür, dass die Samenzellen schneller durch die Scheidenenzyme abgebaut werden. Sie können jedoch nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie HIV/Aids schützen. Erhältlich sind die Mittel in Form von Salben, Cremes, Gels, Tabletten, Scheidenzäpfchen, Vaginalfilm und Schaumspray. Die meisten Substanzen haben ursprünglich einen wachs- oder gelartigen Zustand, schmelzen durch die Körperwärme und wandeln sich in der Scheide in einen zähen Schleim oder Schaum um.
Manche chemische Verhütungsmittel enthalten mehrere Substanzen und wirken somit auf mehrere Arten. Die gängigen Wirkstoffe sind Nonoxinol (Nonoxynol-9) und Benzalkoniumchlorid. Heute gibt es praktisch nur noch Schaumzäpfchen (Ovula) mit diesem Wirkstoff. Für die Kombination mit einer mechanischen Barriere wie Diaphragma oder Verhütungskappe eignen sich Gels mit natürlicher Milchsäure oder Zitronensäure, die das Scheidenmilieu saurer machen und die Spermien hemmen.
Das Mittel muss mindestens 10 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr tief in die Scheide, möglichst nah an den Muttermund eingeführt werden. Dort entfaltet es seine verhütende Wirkung, die nur für einen Samenerguss bzw. eine Stunde anhält, am besten. Bei einigen Schaumzäpfchen gibt es eine starke Hitzeentwicklung, manche Cremes riechen und schmecken schlecht. Einige spermienabtötende Mittel können bei häufigem Gebrauch zu Reizungen und Entzündungen der Scheide führen. Aus diesem Grund ist eine höhere Gefahr für eine HIV-Infektion vorhanden. Es wird empfohlen zusätzlich mit latexfreien Kondomen zu verhüten.
Chemische Verhütungsmittel allein sind nicht sehr sicher (Pearl-Index zwischen 3 und 25) und sollten deshalb nur in Verbindung mit mechanischen Verhütungsmitteln wie latexfreien Kondomen, Diaphragma und Portiokappe verwendet werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass nur solche chemischen Verhütungsmittel benutzt werden, die das Gummi- oder Kunststoffmaterial nicht beschädigen. Produkte auf Öl- oder Fettbasis greifen die Gummiwand der Barrieremethoden an und machen sie für Spermien durchgängig. Zwei Stunden vorher und während der Wirkungsdauer der spermienabtötenden Mittel darf keine Seife benutzt werden, da sie die Wirkung vermindert. In dieser Zeit darf ausschliesslich mit Wasser geduscht werden.
Die Kosten liegen zwischen 10 und 15 CHF, die meisten Mittel sind rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Chemische Verhütungsmittel können auch während der Stillzeit verwendet werden.
Ein bei uns nicht sehr gebräuchlicher Spezialfall ist der Verhütungsschwamm, ein kleiner, runder Schwamm aus Kunststoff, der mit einem Spermizid imprägniert ist. Er hat eine Schlaufe, damit man ihn besser entfernen kann. Der Schwamm wird mit Wasser angefeuchtet und wie ein Tampon tief in die Vagina bis vor den Gebärmutterhals eingeführt. Dort wirkt er als zusätzliche Barriere und saugt die Spermien auf (Absorptionseffekt). Nach dem Geschlechtsverkehr muss er mindestens sechs Stunden in der Scheide bleiben, nach maximal 24 Stunden muss er wieder entfernt werden. In dieser Zeitspanne braucht beim wiederholten Geschlechtsverkehr kein weiteres Spermizid verwendet werden. Da es zu Schleimhautreizungen kommen kann, empfiehlt es sich, den Schwamm aber schon nach spätestens zwölf Stunden wieder zu entfernen. Das Spermizid Nonoxynol-9 kann die Schleimhäute reizen und zu allergischen Reaktionen (auch beim Partner) oder Infektionen führen. Nach einer Geburt, Fehlgeburt, bei Scheideninfektionen oder während der Periode darf der Verhütungsschwamm nicht verwendet werden.
Letzte Aktualisierung : 12-09-18, BH