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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Elftes Buch
33. Inwiefern es gilt, daß der Vater für Christus unterworfen hat, was Christus sich unterworfen hat.
Nach der Vernichtung der Machthaber werden also seine Feinde unterworfen. So aber geschieht ihre Unterwerfung, daß er selber (sie) sich unterwirft. So jedoch wird er unterwerfen, daß Gott ihm unterwirft. Hat etwa der Apostel die Kraft des Evangelienwortes nicht gekannt, wenn er sagt: „Niemand kommt zu mir, es sei denn, daß der Vater ihn zu mir hinführe”?1 Steht doch (auch) geschrieben: „Niemand kommt zum Vater, es sei denn durch mich.”2 Und wie er jetzt die Feinde sich unterwirft, so hat doch Gott die Unterwerfung unter ihn vollzogen, womit er bezeugt, daß dieses sein ganzes Werk eben Gottes Werk in ihm ist. Wenn man ausschließlich durch ihn zum Vater kommt, so gelangt man dennoch auch nicht zu ihm (Christus), wenn der Vater (einen) nicht hingeführt hat. Denn dadurch, daß man den Sohn Gottes erkennt, erfährt man die wahre Wirklichkeit des väterlichen Wesens, das in ihm ist. Und so auch ruft Gott-Vater, wenn man den Sohn erkannt hat; und so auch nimmt der Vater auf, wenn man an den Sohn glaubt. Denn die Bezeichnung und Erkenntnis des Vaters im Sohn findet dadurch statt, daß Gott-Vater in ihm bezeichnet wird, da er (Gott-Vater) [S. 263] durch den Glauben an ihn (den Vater) uns gläubig zu ihm (dem Sohn) hinführt. Der Vater führt also dadurch hin, daß man an ihn (den Vater) glaubt: was doch die Hauptsache ist.
Zum Vater aber kommt niemand hin, es sei denn durch den Sohn; denn sobald in uns der Glaube an den Sohn schwindet, ist der Vater unerkennbar; und zwar dadurch, daß wir nicht zum Glauben an den Vater hingelangen werden, wenn wir nicht vorher die Verehrung des Sohnes auf uns genommen haben. Nach der Erkenntnis des Sohnes führt uns so der Vater zum ewigen Leben hin und nimmt uns (dazu) auf. Beides geschieht durch Vermittlung des Sohnes, da wegen seiner Verkündigung des Vaters sowohl der Vater zu ihm (Christus) hinführt, als er (Christus) zum Vater hingeleitet.
Zur endgültigeren Erkenntnis des vorliegenden Wortes war also die Erwähnung jenes Geheimnisses notwendig, daß es nämlich durch Vermittlung des Sohnes geschehe, wenn der Vater uns hinführt und aufnimmt; und daß wir dadurch erkennen sollten, inwiefern Gott ihm dasjenige unterwirft, was er (Christus) sich unterworfen hat. Gottes Wesen hat nämlich vermöge der Geburt in ihm dauernden Bestand und tut das, was er tut, so, daß sein Handeln Gottes Handeln ist und dennoch auch Gottes Handeln sein (Christi) Handeln ist. So aber (ist das zu verstehen,) daß in seinem Handeln sein Handeln als Gottessohn erkennbar werden soll, daß aber in Gottes Handeln die Eigentümlichkeit des väterlichen Wesens als im Sohn vorhanden erfahren werden soll.
1: Joh. 6, 44.
2: Joh. 14, 6.