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In Shanghai zum Beispiel, vor einer Verkehrsampel zum Beispiel, mitten im Gedränge, flattern mir plötzlich ein paar Wortfetzen ins Ohr, und schneller noch, als sie angekommen, schießt es durch den Kopf (nein: drängt es, wenn auch lautlos, aus dem Mund): Schweizer! Und fast ebenso schnell der Gedanke (nein: der Impuls): Ruhig bleiben, dich nicht zu erkennen geben, als ob in der Fremde Landsleute zu treffen etwas Unanständiges wäre.
So geht es mir selbst in Zürich oder Basel, wenn mir unvermutet ein paar Grabser Brögge zufliegen. Ist es das "Urchige", das als ungehobelter Brocken in eine eloquentere Umgebung fällt oder einfach das Archaische, das mich zurückbindet an eine Welt, die ich früh verlassen? Hängt die Reaktion nicht auch mit der Mündlichkeit des Ausdrucks zusammen? Im Gegenzug liebe ich ja die Wörterbücher aller Art. Und jedes Jahr einmal, vor dem obligatorischen Geschwistertreffen in Grabs, nehme ich die "Grabser Brögge" hervor, blättere absichtslos ein wenig darin und bleibe am einen oder anderen, zufällig, hängen. Zum Beispiel: "er hett en Gerps abggluu". Die Übersetzungshilfe für "Gerps": "hörbares Aufstossen". Und unwillkürlich stelle ich mir einen deutschen Beamten vor, der die Übersetzung in einem Formularbogen festhält. En Gerps abluu, eine wunderbare Angelegenheit, natürlich und treffend, hat mit einer Rakete, aber auch mit einem Furz zu tun, die/den man "ablässt". Und das ungehörige "Ablassen" ist sogar "ablasstauglich". Der Gerps selbst, ein zoologisch Wesen, außer allem Erklärungsbedarf. Aber warum, bim Schtrool, entfaltet das seinen Reiz erst im Wörterbuch, als stillgestelltes Idiom, wie die chinesischen Zeichen, die ich fast liebend betrachte, ohne sie anwenden zu können? In Shangai, zum Beispiel, vor einer Verkehrsampel zum Beispiel, die auf Rot steht, was die Chinesen aber, die sich lieber an Schriftzeichen halten, nicht ernstzunehmen sich verpflichtet fühlen.