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M: «Hallo, mein Name ist Martin.»
S: «Hallo Martin. Freut mich, dich kennenzulernen. Ich bin Sandra.»
M: «Hallo Sandra, freut mich ebenfalls. Was machst Du so?»
S: «Ich arbeite als Produktentwicklerin.»
M: «Oh, spannend.»
S: «Und Du?»
M: «Ich bin Bildhauer.»
S: «Eine schöne Tätigkeit!»
Beruf oder Berufung?
Neben der aktuellen Wetterlage ist die Frage nach dem Beruf, der Arbeit, der Karriere einer der Smalltalk-Klassiker schlechthin. Die Rede vom Beruf dient jedoch nicht nur dem leichten Einstieg in ein Gespräch oder der seichten Unterhaltung, sie zeigt auch einen tieferliegenden Aspekt auf: den Stellenwert, dem wir Arbeit und Beruf in der Gesellschaft beimessen.
Die Identifikation mit einem Beruf, einer Berufsgruppe zeigt sich beispielhaft auch im oben aufgeführten, fiktiven Dialog.
Während Sandra angibt, dass sie als Produktentwicklerin arbeitet, gibt Martin an, dass er Bildhauer ist.
Sandra nimmt zwar auch Bezug zu ihrer Tätigkeit, definiert sich entsprechend auch über die Arbeit, die ein Teil von ihr ausmacht. Sie bezieht sich jedoch nur auf die Tätigkeit als Produktentwicklerin und macht dabei keinen direkten Bezug zu ihrer Person. Sie gibt lediglich an, dass sie als Produktentwicklerin arbeitet. Im Gegensatz dazu beschreibt sich Martin als Bildhauer mit den Worten «Ich bin Bildhauer». Person und Tätigkeit sind dabei ein und dasselbe.
Beruf als Berufung und eine stärkere Identifikation mit der Arbeit könnte die Schlussfolgerung in Bezug auf Martin und seiner Tätigkeit als Bildhauer sein. Die Gretchenfrage in diesem Zusammenhang lautet:
Warum arbeitest du in diesem Beruf?
Warum nicht in einem anderen Beruf? Weil du den Beruf gelernt hast? Weil du gut darin bist und Wertschätzung erfährst? Weil du arbeitest, um Geld zu verdienen? Weil es dir Freude bereitet? Weil du keine andere Wahl hast?
Es gibt viele Gründe, warum jemand einen Beruf ausübt. Solange die Tätigkeit in ausreichendem Masse Zufriedenheit und Freude bereitet oder ein angemessenes Mittel zum Zweck ist, stellt sich die Frage nach der Berufswahl und der Tätigkeit nicht mit Dringlichkeit.
Was, wenn du in deiner Tätigkeit, mit deiner Arbeit unzufrieden bist? Dich umorientieren möchtest? Allenfalls sogar zum ersten Mal im Leben entscheiden musst, was du machen willst oder kannst? Dann siehst du dich mit Fragen konfrontiert, die oft nicht einfach zu beantworten sind.
Keine unnötige Energie im Bewerbungsprozess verschwenden
Glücklich schätzen darfst du dich, wenn du in dieser Situation von dir behaupten kannst, zu wissen, was dich motiviert, wo deine Stärken und Schwächen liegen oder du aus der Erfahrung und deinen Erfolgen einschätzen kannst, in welchen Bereichen die Befriedigung durch die Ausübung einer Tätigkeit für dich am grössten ist. Damit ist ein grosser Schritt bereits getan und du kannst die Energie in den Bewerbungsprozess investieren.Hast du diesen Schritt noch nicht gemacht, kannst du viel Energie beim Bewerben verlieren, ohne die erwünschten, positiven Resultate zu erzielen.
Wenn du dich bewirbst, aber keine Argumente aufführen kannst, warum du eine Tätigkeit X bei einem Unternehmen Y ausüben möchtest, warum gerade du die passende Person bist und welchen Mehrwert du einbringen kannst, fehlen dir wichtige Argumente, die den Anstellungsentscheid massgeblich beeinflussen können.
Ein Beispiel, um die Schwierigkeit fehlender Argumente zu verdeutlichen:
Typ A: Du bist gerne manuell tätig, handwerklich sehr begabt und freust dich, wenn du nach getaner Arbeit ein vollendetes Werk betrachten, ein fertiges Produkt in den Händen halten kannst.
oder
Typ B: Du arbeitest gerne am PC, bist sprachlich sehr gewandt, kannst professionell kommunizieren und freust dich, wenn du Problemstellungen von Kunden erfolgreich lösen kannst.
- Wie würdest du als Typ A argumentieren, wenn du dich für eine Stelle als Bürofachkraft bewerben würdest?
- Wie als Typ B, wenn du dich für eine handwerkliche Stelle bewerben würdest?
Zugegeben, die Realität ist oft nicht so eindeutig wie in den Beispielen. Allenfalls decken sich private Interessen und Erfahrungen sehr gut mit den Anforderungen an eine spezifische Berufsgruppe und du kannst diese Erfahrungen als Argumente aufführen. Es stellt sich dann weiter die Frage, ob du mehr Freude an der Tätigkeit verspürst, wenn du diese als Hobby betreibst oder ob du dein Hobby, deine privaten Interessen und Erfahrungen zum Beruf machen möchtest. Das Hobby zum Beruf machen kann erfüllend sein, jedoch auch dazu führen, dass der Charakter des Hobbys durch die Professionalisierung verloren geht.
Die oben genannten Beispiele sollen grundlegende Unterschiede in Bezug auf Neigungen und Ausprägungen aufzeigen, die einen Einfluss auf den Bewerbungsprozess haben können. Typ A hat eine andere Ausgangslage als Typ B und argumentiert entsprechend unterschiedlich.
Bist du dir deiner Ausgangslage bewusst und hast du dir die Frage nach deinem persönlichen Stellenwert von Arbeit beantwortet, kannst du den Bewerbungsprozess effizienter gestalten und deine Energie gezielter einsetzen. Es wird dir auch leichter fallen, die entsprechenden Argumente zu formulieren.
Wir wünschen dir viel Glück und noch mehr Erfolg beim Bewerben 🚀.
Wie finde ich heraus, welche Neigungen ich habe und was zu mir passt?
👉 In der nächsten Folge erfährst du, welche Möglichkeiten und Verfahren es für die Berufswahl gibt.