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Das Buch »Amours« von Léonor de Récondo konnte ich fast nicht aus der Hand legen. Auch wenn mir das, was ich las, keineswegs gefiel. Vorerst einmal.
Die Geschichte beginnt mit einem Paukenschlag: Anselme Boisvaillant, verheirateter Rechtsanwalt vergewaltigt die 17-jährige Magd Céleste. Wir zählen das Jahr 1908 und Céleste sieht keine Möglichkeit, sich zu widersetzen. Also lässt sie es geschehen und träumt sich weg, bis die Tortur vorbei ist.
Wenn Anselme wie versessen in ihr ein und aus geht, denkt Céleste an etwas anderes. Das fiel ihr gezwungenermaßen irgendwann leicht. Mit Vorliebe an eine Waldlichtung. Während er sie rannimmt, geht sie in dem Wald spazieren, in dem sie als Kind mit ihren Brüdern und Schwestern gespielt hat.
Der Anwalt lebt mit seiner Frau Victoire und mehreren Angestellten auf dem Lande. Die arrangierte Ehe ist glücklos. Vor allem Victoire liebt ihren Mann nicht.
Als Céleste, die Magd, schwanger wird, ist allen sofort klar, wer der Vater ist. Von diesem Augenblick an entsteht zwischen den zwei Frauen ein Bündnis, das immer enger und tiefer wird und in eine Liebesbeziehung mündet. Gemeinsam entdecken sie ihre Körper und die wahre Liebe, die sie leidenschaftlich auskosten. – Bis dunkle Wolken aufziehen.
»Kehr zurück, verlass mich nicht«, murmelt sie, während ihre Finger über die Tasten fliegen. »Céleste, wenn du zurückkommst, dann verspreche ich dir, dass wir von hier fortgehen. Wir beide, oder wir drei mit Adrien, wie du es willst. Wir werden schon Geld finden … Ich weiß es nicht … Ich könnte arbeiten. Warum nicht?«
Sie holt tief Luft und beginnt die Sonate wieder von vorne. Der erste Satz hat ihr die Liebe offenbart, zu der sie sich unfähig glaubte, die Verzauberung, die sie nicht kannte.
Das Buch von Léonor de Récondo (sehr schön übersetzt von Isabel Kupski) handelt von Liebe in all ihren Facetten und von weltlichen und religiösen Zwängen, denen die Frauen zu dieser Zeit unterworfen waren.
Fazit: Gut geschrieben. Die Lektüre jedoch war nicht schmerzlos.
Léonor de Récondo
Amours
(Übersetzung: Isabel Kupski)
Dörlemann, 2017, Seiten: 238
Titelfoto: Olargues (F)
©Karin Aeschlimann