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In Nepal kommt jetzt ein System für den Anbau von Reis zur Anwendung, der das Land weniger abhängig von Importen und massiven Preisschwankungen machen soll. Die Methode zur Produktionssteigerung hat ein französischer Jesuit in Madagaskar lanciert. World Neighbors will mit dieser Methode Schule machen.
von Anton Ladner
Während die Regierungsverantwortlichen in Glasgow am Gipfel über die Bekämpfung des Klimawandels sprachen, wird in ländlichen Gebieten Nepals ein neues Reisanbausystem erprobt. Dies soll es ermöglichen, die biologische Vielfalt zu erhalten, die Emissionen zu verringern und die Produktion zu steigern. World Neighbors, eine 1951 gegründete gemeinnützige Organisation, hat das Projekt angeschoben. Es handelt sich um ein System, das von einem französischen Missionar in den 1980er–Jahren in Madagaskar erfunden wurde.
Der Jesuit und Agrarexperte Henri de Laulanie kam 1961 auf die Insel. Bald entwickelte er eine Methode, um die Abhängigkeit der Bevölkerung von Reisimporten zu reduzieren. Reis bildet das Grundnahrungsmittel vieler Länder in Afrika und Asien. Importe unterliegen erheblichen Preisschwankungen, was immer auf Kosten der Ärmsten geht. Die Anbauweise des Jesuiten erhöht die inländische Produktion um 30 bis 50 Prozent. Bei der konventionellen Reisbaumethode werden die Setzlinge nach mindestens 25 Tagen in kleinen Gruppen ins Wasser gesetzt und dann unter regelmässiger Überflutung gezogen. Der Jesuit de Laulanie entdeckte, dass die Sämlinge mehr produzieren, wenn sie einzeln in feuchte, aber nicht überschwemmte Erde gesetzt werden. Aus diesem Anbausystem resultiert eine höhere Ernte, während gleichzeitig weniger Wasser verbraucht und der Einsatz von Düngemitteln begrenzt wird.
Anfangs gab es in Nepal viel Widerstand gegen diese Anbaumethode. Am Pilotprojekt wollten nur sieben Bauern teilnehmen. Trotz des Misstrauens verlief die erste Ernte so gut, dass sich auch andere Bauern dafür interessierten, vor allem Frauen. Aber nicht alle Böden ermöglichen die erforderliche Kontrolle der Wasserressourcen, um nur einen feuchten Boden zu erzielen, der nicht mehr überschwemmt wird. Mit dem Klimawandel wird diese Kontrolle noch komplizierter. Die Frauen interessieren sich besonders für die neue Methode, weil sie in Nepal nur über sehr kleine Grundstücke verfügen. Sie sind auf eine Maximierung der Produktion angewiesen.
World Neighbors unterstützt diese Methode, weil es sich um eine einfach zu implementierende Technologie handelt. Einige Landwirte haben nun ergänzend vorgeschlagen, menschlichen Urin als Dünger zu verwenden, nachdem sie festgestellt haben, dass er mit Wasser verdünnt einen hervorragenden Nährstoff ergibt. Derzeit werden entsprechende Latrinen-Sammelstellen entwickelt. Wenn der Plan gelingt, sind die Landwirte auch nicht mehr auf den Markt für Düngemittel angewiesen. Denn die Lösung liegt darin, möglichst viel einheimisches Saatgut und einheimische Düngemittel zu verwenden, um den internationalen Marktschwankungen zu widerstehen.