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Bentley S1 Continental - mit unglaublicher Geschichte
Dieses Bentley S1 Continental Drophead Coupé von Park Ward verfügt über eine unglaubliche Geschichte.
Es war in jenen Jahren, als Bentley stark unter der Fuchtel von Rolls-Royce stand. Der im April 1955 eingeführte Bentley S1 war quasi eine Kopie des Rolls-Royce Silver Cloud I, nur der Kühlergrill war anders. Unter der Haube arbeitete bei beiden Fahrzeugen ein 4,9-Liter-Reihensechszylinder, der auf etwa 155 PS kam. Im Herbst 1955 brachte Bentley dann allerdings die Continental-Baureihe auf den Markt - den es nur als fahrbereites Chassis gab.
Und dann kam der Conti
Beim Leiterrahmen aus Stahl wurde lediglich der Radstand um 80 Millimeter auf 3125 Millimeter verlängert. Beim Motor wurde die Verdichtung erhöht, zuerst auf 7,5:1, dann auf 8,0:1, es gab ein neues Auspuffsystem und folglich eine Leistung von etwa 180 PS; geschaltet wurde wie beim Basismodell über eine Viergang-Automatik. Bei Rolls-Royce gab es nichts Ähnliches wie den S1 Continental.
Für die Aufbauten waren die Kunden selber zuständig. Aber wie schon beim Vorgänger, dem R-Type Continental, kamen die meisten Karosserien von H.J. Mulliner, 218 Stück von insgesamt 431 gebauten S1 Continental, hauptsächlich die so genannten Sports Saloon. Aber auch James Young, Hooper wirkten als Lieferanten, einer dieser Bentley wurde bei Hermann Graber in Wichtrach in ein viersitziges Cabriolet verwandelt.
Und dann kam Park Ward
Doch hier geht es um Park Ward. Der damalige Chefdesigner von Rolls-Royce, John Blachley, hatte für den zu Rolls-Royce (sic!) gehörenden Karosseriebauer ein hübsches, zweitüriges Coupé entworfen, von dem auf Basis des S1 Continental wohl 39 Stück entstanden. Davon abgeleitet wurde dann das Drophead Coupé (was die eigentümliche Bezeichnung der Engländer für ein Cabriolet ist), davon entstanden wahrscheinlich 86 Exemplare. Diese gehören heute zu den gesuchtesten Bentley überhaupt.
Das Fahrzeug, das wir hier sehen, trägt die Chassisnummer BC25 LDJ, war original Metallic-Silber lackiert (mit blauem Interieur) und wurde am 3. April 1958 an den Kronprinzen von Iran, Abd ul-Ilah vom Hedschas ausgeliefert. Lange hatte er nicht das Vergnügen: Am 14. Juli 1958 wurde die gesamte haschimitische Königsfamilie bei einem Militärputsch ermordet. Irgendwie kam das Fahrzeug danach in die Hände des irakischen Geschäftsmann Omar al-Janabi. Der den Bentley zuerst Weiss lackierte, weil sein Sohn heiratete. Und ihn in den 90er für Filmaufnahmen zu «King Ghazi of Iraq» zur Verfügung stellte.
Und dann kam Saddam
Das hätte er besser nicht getan, denn so wurde der irakische Diktator Saddam Hussein auf den Bentley aufmerksam. Er schickte seine Schergen zu Janabi, die höflich nachfragten, ob er das Cabriolet nicht vielleicht dem Herrscher schenken wolle. Janabi wollte nicht, doch er musste schnell merken, dass er seinen Widerstand durchaus mit dem Leben bezahlen könnte. So kam der S1 in die beachtliche Auto-Sammlung von Saddam. Und wurde wieder neu lackiert, blau/blau mit Silber.
Nachdem der Dikator gestürzt worden war, stürmte Janabi in den Palast, wo er sein Fahrzeug vermutete. Aber er kam etwas zu spät: der wütende Mob hatte den Wagen schon ziemlich heftig verwüstet, bevor er von seinem rechtmässigen Besitzer abtransportiert werden konnte. 2015 verkaufte er ihn dann an den kanadischen Sammler Steve Maman, der das Fahrzeug in den vergangenen Jahren perfekt restaurieren liess. Und ihn jetzt über RM Sotheby’s Mitte August in Monterey zur Versteigerung bringt. Einen Schätzpreis gibt es noch nicht.
Text: pru., Photos: RM Sotheby’s - wir haben noch mehr schöne Stories in unserer kleinen Serie «Made in Britain», etwa das Jensen C-V8 Convertible, den Aston Martin DB4 GT Zagato, den Aston Martin V8 Vantage Zagato, die AC Ace/Aceca und den TVR Grantura.