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Paul Fries, CEO der TH-Industrieholding in Villars-sur-Glâne
Autor: Mit PAUL FRIES sprach ARTHUR ZURKINDEN
Paul Fries, die TH-Industrieholding kontrolliert die Tochtergesellschaften ELRO und Seaking AG, welche 460 Mitarbeiter beschäftigen und einen Umsatz von 110 Millionen Franken pro Jahr erzielen. Wie wird man CEO und Mitbesitzer einer solchen Gesellschaft?
Ich habe Anfang 1994 die Leitung dieser Gruppe übernommen, zu der zu diesem Zeitpunkt auch andere Firmen gehörten, u. a. die Tiba in Bubendorf BL, welche vor Jahren das Freiburger Unternehmen Sarina AG aufgekauft hatte. Die Gruppe machte damals eine schwierige Zeit durch und stand dem Konkurs nahe. So verkauften wir verschiedene Firmen, darunter auch die Tiba als Herstellerin von Holzherden. Wir schafften in der Folge den Turnaround. Schon zu dieser Zeit erwarb ich Aktien dieser Gruppe. Im Jahre 2001 stieg der Hauptaktionär aus, was in der Folge zu einem Management-Buyout führte. Zusammen mit drei Geschäftsführern der Tochtergesellschaften kaufte ich die Aktien auf und wurde Mitbesitzer der TH-Industrieholding.
Sie haben somit den Schritt vom Manager zum Unternehmer gewagt?
Ja, ich bin kein Unternehmer, der eine Firma gegründet und diese aufgebaut hat. Dafür habe ich aber ein grosses finanzielles Risiko auf mich genommen, als ich das Aktienpaket erwarb. Mein persönliches finanzielles Engagement war sehr gross. Der Zeitpunkt der Übernahme war damals nicht günstig, denn nach dem 11. September 2001 haben die Amerikaner keine Kreuzfahrtschiffe mehr gekauft, was sich negativ auf die Seaking AG auswirkte. Es ist schon ein gewaltiger Unterschied, ob man als Manager mit dem Geld Dritter arbeitet oder als Unternehmer mit dem eigenen Geld.
Das Risiko hat sich aber gelohnt, denn der Seaking AG geht es heute sehr gut?
Ja, die Seaking AG ist als Herstellerin von Küchen für Kreuzfahrtschiffe Leaderin auf dem Weltmarkt. Unser Marktanteil beträgt mehr als 50 Prozent. Gegenwärtig erlebt der Bau von Kreuzfahrtschiffen dank der guten Konjunktur einen Boom. Auch wenn vor allem die USA solche Schiffe bestellen, gebaut werden sie nur in Europa, in Italien, Finnland, Frankreich und Deutschland. Die Seaking AG hat nur drei Kunden.
Wie kommt es, dass Kreuzfahrtschiffe nur in Europa gebaut werden?
Für den Innenausbau solcher Schiffe sind qualifizierte Handwerker gefragt, die auch an Ort selber entscheiden und miteinander reden können. Diese bestausgewiesenen Handwerker gibt es nur in Europa, jedenfalls nicht in den USA und noch nicht in Asien.
Die Produktionsstätte der Seaking AG befindet sich in Polen. Sie finden dort also gute Handwerker?
Die Seaking AG beschäftigt in Polen rund 230 Leute. Wir haben dort Ausbaupläne. Die Produktionsstätte befindet sich auf dem Lande. Die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch. In der Tat finden wir dort gute Handwerker. Sie haben vor allem rostfreien Stahl zu schweissen und polieren. In der Schweiz würden wir solche Leute nicht finden, zumal es sich nicht unbedingt um eine saubere Arbeit handelt. Aber auch aus Kostengründen macht eine Produktion in Polen Sinn. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Handwerker schlecht bezahlt sind. Ich behaupte, dass ein Schweisser der Seaking AG auf dem Lande mehr verdient als ein Gymnasiallehrer in der Stadt.Die Seaking AG mit einem jährlichen Umsatz von 70 Millionen Franken beschäftigt ebenfalls Ingenieure, die in Helsinki tätig sind, wo sich die technische Leitung befindet. Die kaufmännische Leitung ist hier in Villars-sur-Glâne. Niederlassungen haben wir natürlich bei den Werften.
Zur TH-Industrieholding gehört zudem die ELRO AG. Im welchem Bereich ist sie tätig?
Die ELRO AG ist eine traditionsreiche Schweizer Firma mit Sitz in Bremgarten AG, setzt jährlich 40 Millionen Franken um und beschäftigt rund 160 Mitarbeiter. Sie stellt Kochgeräte und Herde für Grossküchen in Spitälern, Betriebskantinen, Hotels, Restaurants usw. her. Sie ist deshalb auch ein grosser Lieferant der Seaking AG. Technologisch ist das Unternehmen auf diesem Gebiet führend. Weil wir etwas mehr bieten als die Konkurrenz, kann die ELRO in der Schweiz produzieren. Eine Produktionsverlagerung kommt nicht in Frage, da das Unternehmen sehr kundenbezogen produziert und deshalb auch nahe der Kundschaft sein muss, die sich vor allem in der Schweiz, Deutschland und Österreich befindet. Wir glauben an den Standort Schweiz, was uns aber zwingt, technologisch und qualitativ erstrangig zu sein.
Sie sind CEO einer Holding, die zwei erfolgreiche Unternehmen unter ihrem Dach weiss. Worauf führen Sie diesen Erfolg zurück?
Ich glaube, dass wir erfolgreich sind, weil es uns gelingt, dass Leute verschiedener Sprachen und Kulturen gut zusammenarbeiten. Wir sind sehr international. Die Seaking AG ist seit 1989 in Polen tätig. Andererseits haben wir ein Team von Ingenieuren in Helsinki. Die Polen und Finnen sind sehr stolze Menschen. Ihre Kulturen sind sehr auf ihr eigenes Land bezogen. Wir Schweizer und spe- ziell wir Freiburger haben eine gewisse Sensibilität für die anderen Kulturen. Ich bekunde beispielsweise ein gewisses Interesse an der Geschichte dieser Länder. Und dies hilft auch, diese Menschen besser zu führen.
Und welche Ratschläge können Sie als Unternehmer weitergeben?
Ich habe das Glück gehabt, dass ich nach dem Studium in der Industrie und zwar im Marketing und Verkauf tätig war. Dann wechselte ich in die Treuhandbranche und war dort mit Zahlen konfrontiert. Mit einer Produktidee wird man meist noch nicht ein erfolgreicher Unternehmer. Das Rechnungswesen muss man ebenfalls beherrschen. Viele Firmen erleben ein Debakel, weil die Verantwortlichen das Finanzwesen nicht im Griff haben. Wichtig sind auch die Sprachkenntnisse. Deutsch, Englisch und Französisch sind ein Muss. Bei der Seaking AG ist Englisch die Geschäftssprache. Man muss aber auch – wie in meinem Fall – gute Gelegenheiten am Schopf packen und etwas riskieren.