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Karl, so heisst der Nachbarsjunge, spricht mit ihm bekannten wie fremden Menschen in einem frechen Ton. Er macht immer wieder verbotene Dinge, zum Beispiel fährt er alleine über eine stark befahrene Strasse. Und die Kinder verhalten sich anders, wenn Karl dabei ist. Anstatt Fussball zu spielen oder auf dem Trampolin zu hüpfen, ziehen alle ihre Hosen herunter und springen halbnackt herum. Karl wirft mir dann Blicke provokative Blicke zu im Sinne von: ‹Ha ha, du kannst mich eh nicht aufhalten.› In solchen Fällen gehe ich weg, beobachte die Kinder aber von Weitem.
Ich erkenne in Karl viele Züge von den ‹Problemkindern›, mit denen ich als Kind in die Schule gegangen bin: diejenigen, die schon in der 3. Klasse schwänzten, die frech zu den Lehrpersonen waren oder in der 8. Klasse Hasch geraucht haben und betrunken in die Schule gekommen sind. Mit diesen Kindern ist es ja so, dass sie oft sehr cool sind und dass jeder mit ihnen zusammen sein will und so sein will wie sie.
Obwohl mein Sohn erst sechs Jahre alt ist, sehe ich viele negative Züge an ihm, die ich selbst hatte, als ich klein war. Er ist sehr prahlerisch auf eine Art, die andere schlechtmacht und sich selbst hervorhebt. Ich war genauso.
Ich habe nun zwei Fragen an Sie:
- Kann ich Karl auf irgendeine Weise helfen? Soll ich mit seinen Eltern reden? Oder vielleicht besser mit ihm alleine?
- Wie soll ich mich meinem Sohn gegenüber verhalten, damit er stark genug ist und sich nicht mitreissen lässt, wenn Karl etwas Illegales tut? Damit er ein gutes Selbstwertgefühl bekommt, um beurteilen zu können, was richtig und falsch ist, und um die richtigen Entscheidungen zu treffen?»