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Geschichte INCA / ILS
Die Frères und die Schweiz
Immer wieder hört man von Eltern, die mit ihren Söhnen das Institut Catholique Neuchâtel besichtigen, dass ihnen die "Frères" als Orden überhaupt nicht bekannt sind. Dabei wirkten die ersten Frères schon vor etwa 270 Jahren in der Schweiz. Bereits 1750 eröffneten sie ein erste Schule in Estavayer-le-Lac. Nach Estavayer-le-Lac folgten diverse Gründungen, bis dann 1863 die ersten Frères nach Neuchâtel kamen, um dort eine schon bestehende Primarschule zu übernehmen. Der erste Biograph von Jean-Baptiste de La Salle, Frère Bernard (Jean d'Auges), stammte aus Fribourg. Sehr wahrscheinlich begegnete er schon 1713 zum ersten Mal dem Ordensstifter de La Salle.
Quelle aller Artikel: Institut Catholique - Ouverture sur la vie 1893 - 1993
Waum ein Pensionat in Neuchâtel?
Neuenburg war im 19. Jahrhundert Universitätsstadt geworden und eine städtische Handelsschule bot den Deutschschweizern die Möglichkeit, ihre zweite Landessprache gründlich zu erlernen. Dies wusste Fr. Joseph, der Generalobre der Frères, als er 1888 die Communauté von Neuchâtel besuchte. Auch von katholischer Seite, so schlug er vor, sollte jungen Menschen die Möglichkeit geboten werden, ihre Französischkenntnisse zu verbessern und in einem Internat zu wohnen.
Der Start vor 130 Jahren
Zur Zeit wirkte schon seit 20 Jahren Frère René-Marie Ribeau von den Frères und der Bevölkerung geschätzt, als Directeur der Ecole Catholique von Neuchâtel. Der Pfarreirat und Pfarrer Berset stimmten dem Vorhaben des Generalobern zu. Deshalb entschloss man sich am 24. Juni 1890 zum Kauf (CHF 180'000) der "Propriété Nicolet" (Faubourg du Crêt 31, heute Maladier 1).
Im Vertrag zwischen dem Generalobern der Frères und Pfarrer Berset, "président de la Société libre des catholiques romains de Neuchâtel", wurden unter anderem folgende Bestimmungen festgehalten:
- das "Hôtel Fauche" soll der Primarschule sowie dem Pensionat dienen
- das "Institut des Frères" hat eine jährliche Miete nach der Anzahl Pensionnaires zu entrichten, ausserdem für entstehende Ausgaben für Mobiliar oder Einrichtungen des Pensionats aufzukommen
- sollte der geplante Kirchenbau auf diesem Gelände verwirklicht werden (im jetzigen Schulhof), so wir ein neuer Vertrag erstellt
In kurzer Zeit wurden die nötigen Umbauten vorgenommen. Vorgesehen war Platz für ca. 30 Pensionäre.
Die Eröffnung des Pensionats fand am 1. Oktober 1893 statt, aber in weit bescheidenerem Masse als erhofft. Zuerst meldeten sich nur drei interne Schüler aus Goldau (SZ) an, später folgten deren fünf. In einem Brief von 1892 meinte Pfarrer Berset noch, dass keine Zweifel bestünden bezüglich des Bedarfs für ein Internat. Er beantworte jährlich zwanzig bis dreissig solche Anfragen aus der Deutschschweiz.
Warum das Pensionat bald wieder geschlossen wurde
Wie aus dem erwähnten Brief von Pfarrer Berset zu entnehmen ist, zeigte sich offenbar Frère René-Marie in Sachen Ausgaben zu wenig grosszügig bei der Inbetriebnahme des Internats. Sein Nachfolger, Frère Robustien, war Franzose und konnte sich scheinbar zu wenig in die Mentalität der Schweizer einfühlen. Jedenfalls stagnierte auch unter seiner Leitung die Zahl der Anmeldungen für das Pensionat. Zehn Schüler meldeten sich für Oktober 1894 an, und an Ostern des folgenden Jahres schmolz diese Zahl auf drei, vier Schüler. Pfarrer Berset glaubte aber auch, einen Grund für das geringe Interesse der ersten Jahre zu kennen: Diese jungen Deutschschweizer fügten sich nur widerwillig den disziplinarischen Anforderungen. Somit wurde der Vertrag am 24. Juni 1896 gekündigt und das Pensionat geschlossen.
Übrigens... Eine Übernachtung kostete dazumal im Institut monatlich CHF 60.00...
Die Regierung Frankreichs und das Institut Catholique
1904 war ein schlimmes Jahr für die Frères von Frankreich. Kirchenfeindliche Gesetze brachten die Schliessung vieler Schulen der Frères mit sich. Die leitenden Instanzen der französischen Ordensprovinz, welcher die Frères von Neuchâtel unterstellt waren, erwogen deshalb eine Wiedereröffnung des Pensionats. Nach Rücksprache mit dem Ordensgeneralat von Rom kamen wieder Frères nach Neuchâtel mit konkreten Vorschlägen für eine Neueröffnung. Eine eigens dazu einberufene Pfarreiversammlung sprach sich einstimmig dafür aus.
Frère Directeur Raynaud, ein Elsässer, schloss für das erwähnte Hôtel Fauche einen dreijährigen Mietvertrag ab. Im 2. Stock richtete man zwei kleine Schlafsäle ein, ein kleiner Pferdestall im Hof wurde entfernt, modernere Toiletten wurden eingebaut, und somit war der Wiedereröffnung des Internats nichts mehr im Wege. Dies geschah im Oktober 1904.
Das «Typische» am INCA von 1905 bis heute
Während der Amtszeit von Frère Raynaud Albisser (bis 1917) zählte das Internat durchschnittlich 25 Schüler. Davon aber besuchte regelmässig eine gewisse Anzahl die öffentlichen Schulen, vor allem die städtische Handelsschule. Dieser Umstand bewog die Frères, selbst einen «Cours commercial» zu eröffnen. 1905 besuchten ihn 12 Schüler (6 interne und 6 externe). Folgende Fächer wurden unterrichtet: Französisch, Mathematik, Naturwissenschaften, Geschichte, Geographie, Buchhaltung, Handelskorrespondenz, Kaligraphie und Stenographie. Um diesen Kurs zu fördern, aber auch als Folge von disziplinarischen Problemen, nahmen man ab 1907 keine Pensionäre mehr auf, welche die öffentliche Handelsschule besuchen wollten.
Ein erster mutiger Schritt der Frères
Nachdem die Neuenburger Katholiken im Jahr 1897 ihre neue Kirche, «l’Eglise Rouge» erbauen liessen, spürten sie die finanzielle Last dieses Unternehmens immer mehr. Man hatte deshalb die Absicht, einen Teil des erworbenen Schulgeländes zu verkaufen. Um eine Zerstückelung des Grundstückes zu verhindern griff Frère Raynaud ein und bat seine Vorgesetzten darum, das ganze Grundstück zu erwerben.
Die erste lakonische Antwort aus Rom lautete: «Quoi faire? Et où trouver l’argent nécessaire pour faire une semblable acquisition?».
Nach langem Hin und Her war es aber dann am 15. Juni 1909 so weit: Der eigens dafür gegründet Verein «La Sauvegarde» gelangte in den Besitz des Hôtel Fauche.
Ein zweiter mutiger Schritt der Frères
Ein Nachbar hatte sich zwar auch nach dem Kaufpreis erkundigt, aber zu spät … Die Frères erwarben das ganze Grundstück, weil sie die Absicht hatten, ihren Wirkungskreis in Neuchâtel auszudehnen. Man wollte ein stattliches Gebäude für die Primarschule und das Pensionat errichten.
Frère Géraldus aus Clermont-Ferrant zeichnete die ersten Pläne. Sie wurden dann vom Architekten U. Grassi aus Neuchâtel ergänzt und den zuständigen Behörden vorgelegt, die sie behaltlos annahmen.
Das heutige INCA wächst aus dem Boden
Wo jetzt das Pensionat steht, erhob sich 1911 noch ein kleines einstöckiges Wohnhaus. Es musste abgerissen werden. Am 10. August 1911 konnte man mit den Aushubarbeiten für die Fundamente des neuen Gebäudes beginnen. Zwei Wochen darauf, am 26. August, fand die Einsegnung des Grundsteins durch Pfarrer Mouthod statt. Fünf Frères der Institutsleitung, neun Frères der damaligen Communauté und viele Freunde und Gäste waren zugegen.
Die Bauarbeiten gingen erstaunlich rasch voran: nach nur einem Jahr Bauzeit war das Pensionat bezugsbereit. Es war das zweite in Neuchâtel errichtete Eisenbetongebäude. Mit dem ersten dieser Bauart hatte man Probleme, deshalb wurde beim Bau des Pensionats weder an Eisen noch an Zement gespart! Die damals offiziell ausgeführte Belastungsprobe ergab eine Senkung von nur 0.5 mm! Nach den Sommerferien konnten drei Primarklassen in die neuen Räume des ersten Stocks einziehen. Am 25. September richteten sich 27 Pensionäre in zwei neuen Klassenräumen im 2. Stock ein. Der neue Schlafsaal im 3. Stock war ebenfalls bezugsbereit. Einige Zimmer im 4. Stock wurden Schülern zugeteilt, die ihre Ausbildung in der städtischen Handelsschule weiterführten.
Was hat sich im Gebäude verändert seit 1911?
Die Grundnutzung des Hauses blieb erhalten. Nur das ganze Erdgeschoss (jetzt Spiel- und Studiersaal) war zu Beginn eine Kapelle mit zwei Reihen von je 17 Bänken. Schon 1918 wurde diese zu grosse Kapelle unterteil. Vier Klassenräume (Hofseite) mit einem drei Meter breiten Gang bildeten den 1. Stock. Im zweiten standen zwei weitere Klassenräume, ein kleiner Mehrzweckraum, ein Bureau für die Direktion und ein Raum für Schulmaterialen zur Verfügung. Der 3. Stock bot Platz für 60 Betten. Der vierte Stock blieb bis heute unverändert, was die Aufteilung betrifft.
Erweiterung des «Hôtel Fauche» (1912)
Östlich vom Hôtel Fauche (Seite Postzentrale) stand ein kleines Gebäude, das im November 1911 niedergerissen wurde. Die Ordensobern hatten nämlich die Absicht, die Ausbildung für junge Franzosen, die das Leben als Frère kennenlernen wollten, nach Neuchâtel zu verlegen. Dazu waren wieder Neubauten notwendig. Man verlängerte deshalb das Hôtel Fauche durch einen Anbau nach Osten (heute: grosser Speisesaal und Aufbau). Auch diese Konstruktion ging sehr rasch voran. Nach nur 8 ½ Monaten Bauzeit war dieser neue Flügel fertiggestellt. Später sollte auch er dem Pensionat dienen. Mit einer kurzen Unterbrechung blieb diese Ausbildungsstätte für zukünftige Frères bis 1922 in Neuchâtel.
Mitten im Ersten Weltkrieg …
Übernahm Frère Rose Blime die Schulleitung, (6. Mai 1917). Er war aber kein Neuling, seit 1904 lebte er in Neuchâtel. Die erfreuliche Entwicklung des Pensionats nahm mit dem Krieg ein jähes Ende. Viele der Schüler waren bisher Franzosen. Politische und finanzielle Probleme bewirkten, dass in diesen Jahren nur noch wenige Pensionäre in Neuchâtel blieben. Die Schulgebäude dienten regelmässig als Unterkunft für internierte Zivilisten und Militärs. Die Kosten für die Pensionäre stiegen und die meisten Lebensmittel waren rationiert.
Französischkurse für Deutschschweizer
Pensionäre aus Frankreich kamen auch nach dem Krieg nur noch wenige, weil der Geldwechsel für sie sehr ungünstig ausfiel. Die Frères wandten sich in der Folge der Deutschschweiz zu und man passte die Lernprogramme dieser neuen Situation an. Ein besonderer Kurs wurde gegründet mit vielen Französischlektionen, und etwas Geographie, Arithmetik und Buchhaltung. Die Ferienkurse werden auch zu dieser Zeit das erste Mal erwähnt (1924).
Die Zahl der Pensionäre stieg nur langsam an. In den ersten Nachkriegsjahren zählte das Internat zwischen 20 und 30 Schüler. Ab 1925 stieg die Zahl auf etwa fünfzig an. Allerdings besuchte fast die Hälfte davon die städtische Handelsschule. Diesen Zustand hielt man für unbefriedigend. Ab 1926 nahm man deshalb nur noch wenige Schüler auf, die nicht die hauseigenen Sprachkurse besuchten. Zu erwähnen ist, dass die Anfänger damals den ersten zwei Klassen der Primarschule zugeteilt wurden. Sie erhielten aber zusätzlich noch einige Stützlektionen.
Damals noch ohne «plaquettes» und «coupons» …
Um die Fortschritte im Erlernen der französischen Sprache zu fördern, beschloss die Institutsleitung, dass die Deutschschweizer untereinander Französisch sprechen mussten. Das war 1924. Allerdings fiel diese neue Pflicht den damaligen Schülern sehr wahrscheinlich leichter als den jetzigen, denn der tägliche Kontakt mit den «Romands» war damals irgendwie natürlicher als heute. Die Disziplin wurde auch gestrafft: es gab weniger «sorties libres», auch für die Besucher der städtischen Handelsschule. Übrigens waren diese «sorties» zu jener Zeit nur als Belohnung für tadelloses Benehmen und gute schulische Leistungen gedacht.
Verschiedene Umbauten (1926 – 28)
Die Kapelle im Erdgeschoss des Pensionats war noch immer zu gross. Im Sommer des Jahres 1926 richtete man deshalb eine kleinere Kapelle im alten Gebäude ein, im 1. Stock (heute Videosaal und Klassenzimmer). Der grosse Saal im Erdgeschoss wurde als Spiel- und Theatersaal mit Bühne eingerichtet. Auch die Frères legten Hand an: Während den Osterferien 1926/27 tapezierten sie z. B. mehrere Zimmer für die Pensionäre. Im neuen Flügel des Hôtel Fauche wurde damals auch der grosse Speisesaal eingerichtet. Den früheren Speisesaal unterteilte man in ein Sprechzimmer und einen Billardsaal. (Das Sprechzimmer dient heute als kleiner Speisesaal für die Primarschule und der Billardsaal wurde zum Réfectoire der Frères). 1927 wurde dem Dactylounterricht ein eigener Raum zugeteilt. Im Jahr darauf verblieb nur noch eine einzige Klasse der Primarschule im neuen Gebäude.
Krisenjahr (1928 – 35)
Man kann den Vermutungen des Chronisten jener Jahre sicher zustimmen, wenn er als Ursache des zahlenmässigen Rückgangs der Pensionäre folgende Gründe angibt: die weltweite Wirtschaftskrise, der Geburtenrückgang und die besondere Krise im Hotelgewerbe (Hoteliersöhne waren stark vertreten). Im Jahre 1935 sind nur noch 12 interne Schüler verzeichnet. Das Institut war sogar auf die finanzielle Unterstützung des Ordensmutterhauses in Besançon angewiesen. Ein wirtschaftlicher Rückschlag anderer Art verschlimmerte die finanzielle Situation noch beträchtlich: Durch den Konkurs einer kanadischen Schifffahrtsgesellschaft verloren die Frères Aktien im Wert von CHF 35'780.00. Für das Jahr 1930 z. B. sah die Bilanz folgendermassen aus: Einnahmen: CHF 62'905.38; Ausgaben: CHF 62'975.88. Trotz der Schwierigkeiten war man immer darauf bedacht, das Haus in gutem Zustand zu erhalten. Deshalb konnte Frère Régimbert Clerget, ein Franzose, damals als Direktor in einer Chronik schreiben: «Tout a été entretenu dans la propreté et netteté qui caractérisent la Suisse».
Intensives religiöses Leben
Das religiöse Leben der Pensionäre wird in dieser Periode als vorbildlich geschildert. Es war eine marianisch geprägte Zeit. Sie fand auch ihren Ausdruck in einer Lourdes-Grotte, die ein ehemaliger Schüler im Hof errichtete, dort wo gegenwärtig die Kletterstangen stehen. Die Schule erhält vorübergehend den Namen «Pensionnat de l’Immaculée Conception». Mehrere Schüler folgten dem inneren Ruf und wurden Priester, Missionar, Frère oder traten in andere Ordensgemeinschaften ein.
Neubeginn mit Fr. Raynaud Carrard als Directeur
Schon zwischen 1921 und 31 war Frère Raynaud in Neuchâtel tätig. Seine Amtsperiode als Directeur (1935-46, Kriegszeit) sollte unvergesslich bleiben. Überall pries man seine liebevolle, grosszügige und verständnisvolle Art, mit allen ihm Nahestehenden umzugehen. Frère Raynaud – damals 48jährig – stammte aus Estavayer-le-Lac und war Sohn eines Dampfschiffkapitäns.
Die Ausgangslage war sehr prekär: 7 Pensionäre im September 1935. Fr. Raynaud schrieb dazu in die Chronik: «C’est lamentable!» Dies sollte sich aber bald ändern, dank der mutigen und vielseitigen Massnahmen, die er zur Verbesserung der Situation einleitete.
Der «clevere Manager»
Dieser moderne Ausdruck stellt nur eine Seite von Frère Raynaud dar, denn er war ein tiefgläubiger Mensch, hatte volles Vertrauen in Gott. Von seinen Vorgesetzten «erhielt» er als willkommene Lehrkräfte mehr als ein Dutzend gut ausgebildete deutsche Brüder. Sie blieben zwar meistens nur kurze Zeit in Neuchâtel, weil für sie ein Einsatz im Nahen Osten geplant war. Trotzdem halfen sie sehr effizient am Erneuerungsprozess des Internats mit. Dann wurden 1'200 neue Prospekte in die ganze Deutschschweiz versandt. Schliesslich beauftragte Fr. Raynaud noch einen Mitbruder, während den Ferien über mehrere Jahre Pfarrer und Familien zu besuchen, um das Institut bekannt zu machen und neue Schüler anzuwerben.
Der Erfolg blieb nicht aus. Schon für den Frühjahrseintritt von 1936 vervierfachte sich die Zahl der Pensionäre und drei Jahre danach sind es zum ersten Mal über hundert. Dasselbe gilt für die Ferienkurse. Die durchschnittliche Schülerzahl betrug nahezu 90.
Im Jahresbericht liest man: «Ces derniers chiffres sont encourageants, ils témoignent du savoir-faire du cher Frère Directeur, du zèle des Frères et de la compétence des professeurs». (1938)
1946 gründete man erstmals eine «Vereinigung ehemaliger Schüler des Internats» und die Zeitschrift «Entre Nous» (später «Face à la vie»). Während die Vereinigung nur einige Jahre bestehen blieb, erschien die Zeitschrift ohne Unterbruch bis 1981.
Fr. Raynaud liess 1943 eine damals hochmoderne Küche einrichten und auch der Studiensaal wurde renoviert.
Im Konzentrationslager der Nazis hatte er es gelobt…
sich ganz für die Jugend einzusetzen. Obwohl Schweizer Staatsbürger – aber damals in Besançon tätig – wurde Frère Joseph Clémence am 11. Oktober 1941 dort von der Gestapo verhaftet und kam dann auf Umwegen (Fresnes (Paris) – Regensburg – Sonnenburg Brandenburg) für 40 Monate in deutsche Gefangenschaft. Sein Gelöbnis hat Frère Joseph (Directeur von 1946-55 und 55-57) während seines segensreichen Wirkens im Institut Catholique ganz sicher realisiert. Ein sichtbares Zeichen davon waren die vielen Jugendlichen, die sich nach ihrem Institutsjahr für das Leben als Frère entschlossen hatten, nämlich über dreissig. Frère Joseph übte das Amt als Directeur und Préfet gleichzeitig aus. Die verschiedenen Räumlichkeiten der beiden Häuser wurden methodisch renoviert. 1949 wurde die Lourdes-Grotte in die Kurve der Hofeinfahrt versetzt, wo ein Brunnen steht. Die Kapelle fand 1950 ihren jetzigen Platz. Das interne Telefonnetz wurde 1953 erweitert, die Duschräume wurden saniert und vieles andere mehr. Es wurde somit möglich, weitere Schüler aufzunehmen: jährlich ca. 140.
Nicht die Marseillaise, sondern das «TE DEUM» singen wir jeweils am 14. Juli.
Dies obwohl in den ersten 50 Jahren der Geschichte des Internats hauptsächlich französische Frère in Neuchâtel tätig waren. Am 14. Juli 1954 ging nämlich die herrlich gelegene Liegenschaft von Fontaine-André in den Besitz der Frères über. Dies Dank der Vermittlung von M. Henry Brissot, damals Arithmetik Lehrer im Institut.
In Fontaine-André konnte man ohne viele Umstände direkt 50 Pensionäre logieren. Sie wurden täglich von den Transports Neuchâtelois ins Institut gefahren. Somit stieg die jährliche Schülerzahl auf rund 185 und es blieb dabei bis 1973.
Der Préfet von nahezu 3'000 Schülern
Frère Leo Egli trat im Jahre 1957 die Nachfolge von Frère Joseph Clémence als Präfekt an. Er blieb es bis 1972. Die 190 Schüler pro Jahr zu dieser Epoche wurden von 10-14 Frères unterrichtet und betreut – bis 1961 kam noch ein Laie (M. Brissot) dazu. Man lebte zwar schon ein bisschen zusammengepfercht, aber man war zufrieden, wie es scheint…
Diese vielen Schüler – man kann von einer «Glanzperiode» der INCA-Geschichte reden - kannten das «Insti» einzig und allein von der Mundpropaganda. Zwei Zahlen sollen dies erhärten. Aus der alljährlich durchgeführten Umfrage bei den Schülern am Ende des Schuljahres wissen wir, dass über 90% mit ihrem Institutsaufenthalt «sehr» oder «recht» zufrieden waren und die Schule auch weiterempfehlen wollten. Ein anderes Anzeichen erfolgreicher Mundpropaganda: Jeder siebte Schüler war damals Bruder eines Ehemaligen. Übrigens sind diese Zahlen bis zum heutigen Tag ungefähr gleichgeblieben. Nie hatte man die geringste Sorge, genügend Schüler zu haben, ganz im Gegenteil. In den sechziger Jahren musste man regelmässig jährlich um die 200 Anfragen abweisen. Die Chronik vom Jahre 1964 spricht sogar von 500 Bewerbungen, die man nicht berücksichtigen konnte.
Das INCA-Jahr, ein «Noviziat» für das christliche Leben…
So kann man in der Chronik des Jahres 1965 lesen: «Des prêtres amis prétendent que nos élèves internes font un vrai noviciat de la vie chrétienne pendant cette année à l’INCA.» Ein Ehemaliger aus dem Jahre 70-71 meint, dass ihm «die lebensnahe Auslegung von Evangelien Texten durch Frère Leo» in besonderer Erinnerung bleibt.
Die vielen positiven Eindrücke aus jener Zeit sind wohl auf ein ganzes Ensemble von Fakten zurückzuführen. Einiges sei hervorgehoben. Jeden Abend vor dem Schlafengehen erzählte Frère Leo «aus dem Leben» («les fameuses réflexions»). Viele Gemeinschaftserlebnisse prägen das Jahr: Schweigemarsch, Besinnungstage (damals hiessen sie «Exerzitien»), das Fest der Muttergottes am 8. Dezember, die Weihnachtsaktion, die «Jazzmessen», ökumenische Begegnungen (z. B. mit den Soeurs von Grandchamp), Vorträgen von Fachleuten (z. B. Fussballtrainer, Soziologen…), Kontakte mit der Dritten Welt (Bischöfe aus Kamerun, Haïti, Vietnam, Brasilien, Tansania, Indien… besuchten die Schüler), Verbindungen mit «modernem Ordensleben» (Focolari, Gen-Rosso, Loppiano), ausserdem Fussballtreffen, Skiausflüge, Winzerfest, Theaterabende, viele Exkursionen…
15 Sträflinge dürfen das Gefängnis verlassen…
«Ich war im Gefängnis, und ihr habt mich besucht.» Sehr viele Schüler durften dieses Christuswort in die Tat umsetzen. Mehrmals jedes Jahr spielte die Schülermannschaft – und sie tut es jetzt noch – gegen die Fussballer von den Gefängnissen Witzwil oder Bellechasse. Das war nicht nur Spiel, das war auch menschliche Begegnung. 1966 kam es zu einem Gegenbesuch – eine Premiere für Witzwil. Die Gefangenen verloren zwar den Match, aber einer schrieb nachher: «…Wir hatten also doch einen Sieg errungen, und durch unser korrektes Verhalten haben wir uns Freunde geschaffen…».
Ausbildung der Frères
190 Schüler, das verlangte den vollen Einsatz aller Kräfte. So geriet in den fünfziger Jahren die vollständige Ausbildung der jungen Frères ein wenig ins Hintertreffen. Die Direktoren danach holten dies auf. Das waren Frère Georges Cuenot (57-60), Frère Rollin Mougin (60-61), Frère Romaric Bedel, Frère Dominique Meyer (62-65), Frère Lucien Infanger (65-68), Frère Raymond Böhi (68-74). Fast alle jungen Frères verbrachten dann zuerst einige Jahre in den Lehrerseminaren des Ordens, wo sie in Frankreich (Besançon und Lille) das Baccalauréat als erstes Ziel erlangten. Nachher in dieser Zeitspanne von ca. 15 Jahren erarbeiteten rund 25 Frères ihre Lehrer- und Fähigkeitsdiplome in den verschiedenen Richtungen an den Universitäten Fribourg, Zürich, Neuchâtel, Besançon oder Lille. Einige von ihnen waren dabei sehr erfolgreich.
Jedes Jahr 700 Kindern eine Weihnachtsfreude.
Eine bis heute erfolgreiche Idee geht ebenfalls auf die Zeit unseres Frère Leo zurück. Er hatte 1957 die «Caisse des Pauvres» gestartet. Kinderreiche Bergbauernfamilien zu unterstützen und Gefangenen zu helfen, das waren zwei Grundgedanken dieser Initiative. Die ganze «Institutsfamilie» kommt dabei jedes Jahr zum Einsatz: Schüler durch den Einkauf, die Briefe und das Verpacken, Ehemalige durch die Spenden, Frères und Lehrer mit der Organisation. 1971 kam noch die Aktion «Ferien für Mütter» dazu. Jedes Jahr zur Weihnachtszeit können so Geschenke im Wert von zehntausenden von Franken verteilt werden.
Hoher Besuch im Institut
Zwei ehemalige Bischöfe, Mgr. F. von Streng (1968) und Mgr A. Hänggi (1971), konnte Frère Leo als Präfekt den Schülern dieser Jahrgänge vorstellen. 1970 war es unser Generalobere aus Rom, Frère Charles-Henry, der uns mit seinem Besuch ehrte.
Bauen? Kaufen? Übernehmen? Diversifikation
Fontaine-André ist nicht nur ein schönes Haus. Es ist umgeben von 20 Hektaren herrlich gelegenem Terrain. Und in den 60er Jahren «boomte» das INCA an Frères. Es fehlte weder an Schülern noch an Frères… Sollte in Fontaine-André ein neues Institut gebaut werden? Sollte das Institut «Clos Rousseau» in Cressier gekauft werden? Die deutsche Provinz bat um Frères aus Neuchâtel als Hilfe für ihr Haus in Knutwil. Der Bischof schlug die Übernahme vom Institut Stavia in Estavayer-le-Lac vor. Alle diese Möglichkeiten wurden ernsthaft erwogen und diskutiert. 1969 wurde ein Baukomitee gegründet mit einem Architekten und Psychologen. 1972 kam die Frères-Vollversammlung dann zum Entscheid, keine dieser Alternativen weiterzuverfolgen. Die Frères sollten sich eher an weiteren Orten engagieren. Dazu kam es dann schliesslich auch. Ab 1970 wirkten mehrere Frères in den katholischen Schulen in Zürich, andere halfen bei der Pfarreiarbeit mit oder widmeten sich sozialen Engagements. Auch Einsätze in der Dritten Welt wurden erwogen. In Fontaine-André wurde ab 1973 eine Auffangstation für Jugendliche in Notsituationen geführt.
Frère Raynaud, Frère Ambroise und Monsieur Brissot sind nicht mehr.
Sie alle sind in diesen sechziger Jahren verstorben. Frère Raynaud Carrard darf man wohl als denjenigen betrachten, der das Institut wieder zur vollen Blüte brachte und es in der deutschen Schweiz neu bekannt machte. Güte, Einsichtsfähigkeit, viel gesunden Menschenverstand, Pietät und grosse Menschlichkeit machten ihn beliebt bei Mitbrüdern, Zivillehrern und Schülern. Er starb in Besançon als 73jähriger.
Frère Ambroise Epple war 12 Jahre lang im Institut als Deutschlehrer und Schneider. Wie viele Soutanen hat er doch für die Frères angefertigt. 1959 verliess er Neuchâtel und verbrachte die letzten acht Jahre seines Lebens in Italien, wo er nach langer Krankheit Ende 1967 verstarb.
Welch Ehemaliger, der ihn gekannt hat, erinnert sich nicht an den jeweiligen Arithmetik-Lektionsbeginn: «Bonjour Messieurs, assoyez-vous, prenez votre cahier de brouillon.» Elf Jahre hindurch unterrichtete M. Brissot dieses Fach. Ihm verdanken wir auch, dass wir 1954 Fontaine-André kaufen konnten.
«L’habit ne fait pas le moine»
So etwa dachten die meisten Frères im April 1967, als sie nach den Reformen des Konzils und ihres Generalkapitels zum letzten Mal das Kleid trugen, das alle Schüler bis dahin mit dem Wort «Frère» in Zusammenhang brachten. Das historische Erscheinungsbild mit der schwarzen Soutane, dem Dreispitz und allen anderen Accessoires sollten aus dem Stadtbild von Neuchâtel verschwinden. Seit 1863 war es dort bekannt und verursachte manchmal Verwechslungen mit den reformierten Pastoren.
Modernisierung im Institut
Der Hauptakzent während der 60er und frühen 70er-Jahre lag sicher im Bereich, den man als «l’esprit de la maison» bezeichnen könnte. Aber die verschiedenen Direktoren dieser Periode vernachlässigten auch den materiellen Bereich keinesfalls. Im Jahre 1963 bekam die Hauskapelle (grösstenteils von den Ehemaligen finanziert) ein ganz neues Aussehen. Frère Leo engagierte damals für die künstlerische Gestaltung Bruder Xaver aus dem Kloster Engelberg. 1965/66 ersetzte man alle Pulte im Studiensaal sowie die Tische im Speisesaal. Neue Klassenpulte gab es 1971. Das Krankenzimmer wurde 1964-65 ganz renoviert. Gleichzeitig musste der Ölheizkessel erneuert werden. Der Hof bekam 1968 eine neue Asphaltschicht. Um der Küchenmannschaft die Arbeit zu erleichtern, wurde unter der Verantwortung von Frère Kurt 1971 im entsprechenden Gebäude ein Lift eingebaut. Der grosse Schlafsaal wurde 1967 zu Gruppenabteilen umgerüstet und möbliert.
Die Allianz mit der Alliance
Natürlich war das hauseigene «Diplôme de langue et de commerce» immer noch für viele Schüler der krönende Abschluss ihres Neuenburger Aufenthaltes. Ein recht grosser Anteil versuchte auch zwischen 1954 und 1968, das Schreibmaschinendiplom «Aimé Paris» zu erwerben. Die grosse Neuerung aber trat 1970 ein. Zum ersten Mal gelang es damals 33 von den 37 Kandidaten, das «Diplôme de langue française» der «Alliance Française» aus Paris zu bestehen. Die Frères François Riechsteiner und Rolf Schaad hatten zuvor das «Diplôme de professeur» in Paris gemacht und erreicht, dass eine der Hauptverantwortlichen dieser internationalen Institution – Madame M. C. Hameau – nach Neuchâtel kam, um das Terrain für diese Examen vorzubereiten. Seither besteht in unserer Schule die Möglichkeit, diese Prüfungen hier zu machen. 15 Jahre lang kam Madame Hameau ins Institut und nahm die schriftlichen und mündlichen Examen ab. Ab 1976 konnten sich auch die Mädchen vom Pensionat Montmirail den Prüfungen stellen. In den letzten Jahren waren dabei noch nahezu 10 andere Schulen beteiligt. Seit 1970 haben 877 unserer Schüler dieses allgemein anerkannte Sprachdiplom bestanden. Das ist im Schnitt etwas mehr als ein Drittel der ganzen Schülerschaft.