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Ein Land in Aufbruchsstimmung, das sich bis heute wenig verändert hat. Das ist das Fazit meiner Führung im Fotomuseum Winterthur zu historischen Ghana-Bildern.
Als der amerikanische Fotograf Paul Strand Ghana besuchte, erlebte er gleich die Auswüchse afrikanischer Demokratie. Im Januar 1964 liess sich Ghanas erster Staatschef Kwame Nkrumah an der Urne als Präsident bestätigen und führte den Einparteienstaat ein.
1957 war Ghana unabhängig geworden, als eine der ersten Kolonien in Afrika. Nkrumah war der Vater dieser Unabhängigkeit. Doch als seine Versuche, das Land zu modernisieren, nicht gleich fruchteten und es politischen Widerstand gab, beschloss er, seine Macht auf «demokratischem» Weg auszubauen. Die Abstimmung ergab 2’800’000 Stimmen für Nkrumah, 2’452 gegen ihn.
Paul Strand war von Nkrumah nach Ghana eingeladen worden. Strand wollte ein afrikanisches Land in seiner Vielfalt portraitieren. Ghana mit seiner vielfältigen Landschaft (Küste, Urwald, Sahelzone) und verhältnismässig guten Strassen war dafür ideal. Strand reiste mit seiner Frau und einem Führer im ganzen Land herum.
In seinen Bildern präsentierte Strand ein sich rasch modernisierendes Land. Der Staat investierte in Schulen, Spitäler und Strassen. Prestigeprojekte wie der Akosombo-Staudamm sollten zeigen, dass sich ein afrikanisches Land selbst verwalten konnte. Es ist ein freundliches, optimistisches Portrait, das später auch in Buchform erschien.
Vielen Motiven begegnet man 50 Jahre später in Ghana noch immer. Die Marktfrauen in bedruckten Stoffkleidern verkaufen am selben Ort Gemüse und Früchte aus geflochtenen Körben. Kleinbusse fahren mit frommen und weisen Sprüchen auf der Heckscheibe herum. Traditionelle Chiefs haben auf dem Land eine unverzichtbare Funktion inne, etwa wenn es um die Verteilung von Bodenrechten geht. In der Hauptstadt Accra wird auch heute an jeder Ecke gebaut – bloss überwachen bei Grossprojekten nun chinesische Vorarbeiter die lokalen Arbeitskräfte. Es ist frappant, wie wenig sich in 50 Jahren in Ghana verändert hat.
Kwame Nkrumah wurde 1966 vom Militär gestürzt. Der Mann mit grossen Visionen hatte sich zu sehr auf seine Ziele in der Ferne (Panafrikanismus!) konzentriert, so dass er nicht wahrnahm, was vor seinen Füssen passierte.
Heute ist Ghana wieder an einem ähnlichen Punkt. Das Land hat gerade eine Boomphase hinter sich, gleichzeitig sind die Staatsschulden explodiert. Die Erdöl-Träume haben sich zerschlagen, noch immer ist man stark von Gold- und Kakao-Exporten abhängig. Doch Ghana hat heute mehr Parteien als 1964. Die Menschen, welche wegen schlechter Stromversorgung auf die Strasse gehen, können 2016 die Partei des Präsidenten abstrafen, und die Opposition an die Macht wählen. Es hat sich also doch etwas getan in den letzten 50 Jahren.
Die Ausstellung Paul Strand – Fotografie und Film für das 20. Jahrhundert fand vom 7. März bis 17. Mai 2015 im Fotomuseum Winterthur statt. Am 12. Mai führte ich durch die Ghana-Bilder von Strand.
Die Bilder von Paul Strand aus Ghana (© 2015 Philadelphia Museum of Art) sind online. Durchblättern lohnt sich!