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In den letzten Wochen war an der Wallstreet die Hölle los: Trader auf der Onlineplattform Reddit hatten sich dazu verabredet, grosse Mengen an bestimmten Aktien zu kaufen; hauptsächlich die Aktie des Spielhändlers GameStop. Dies mit dem Ziel, den Investitionsfirmen möglichst grossen Schaden zuzufügen. Das hat auch geklappt. Die Aktion hat bei den grossen Händlern einen Schaden von mehreren Milliarden Dollar und somit einen extremen Wirbel verursacht. Dadurch erhielt der auf der Finanzkrise des Jahres 2008 basierende Film The Big Short einen erneuten, kräftigen Aufwind.
Grund für den «Angriff» der Reddit-Trader war das sogenannte «Short selling». Dabei versucht ein Aktienhändler, von einem Kursverlust eines Wertpapiers zu profitieren. Ein Händler verkauft dabei Aktien, die er sich zuvor ausgeliehen hat. Diese Aktien muss der Händler bis zu einem bestimmten Datum wieder zurückgeben. Kann der Händler die Aktie für einen tieferen Preis zurückkaufen, darf er die Preisdifferenz behalten. Wer mit Sicherheit weiss, dass eine bestimmte Geldanlage an Wert verlieren wird, kann so viel Geld gewinnen – das Risiko ist jedoch hoch, da die Aktie zwingendermassen zurückgekauft werden muss.
Wie es der Name vermuten lässt, handelt der Film The Big Short ebenfalls von «Short selling», mit dem man in der Finanzkrise im Jahre 2008 stark profitieren konnte. Im Jahre 2005 war einem Banker namens Michael Burry klar geworden, dass eine Finanzkrise unvermeidbar war. Durch schlaue Investments konnte er, so wie auch andere Banker durch «Short selling» von der globalen Finanzkrise im Jahre 2008 profitieren. Diese wahre Geschichte wurde 2010 in einem Buch veröffentlicht, welches schliesslich auch verfilmt wurde und 2015 unter dem gleichen Namen wie das Buch – The Big Short – in die Kinos kam.
The Big Short erzählt, wie man von einer Finanzkrise profitiert
In den 70er Jahren wurden dank dem Banker Lewis Ranieri sogennante Mortage-Bonds sehr beliebt. Dies ist eine Anleihe, die auf Hypotheken basiert. Investoren kaufen sich also Anteile an Hypotheken, mit denen sich die Durchschnittsamerikaner ein Haus kaufen konnten. Die Gebühren flossen zurück an die Investoren, welche sich so eine Rendite von rund 6% pro Jahr sichern konnten – und das fast ohne Risiko. Eine gute Investition also, aber nur, solange die Hypotheken auch regelmässig abbezahlt werden.
Nach der Jahreswende kam dann die Immobilienblase in den USA und die Banken und Vertreter vergaben mehr oder weniger willkürlich Hypotheken. Auch Leute ohne (festes) Einkommen konnten sich so ein eigenes Heim leisten. Diese Hypotheken flossen in die vorher erwähnten Anleihen und diese wurden immer instabiler. Jedoch ahnte so gut wie niemand etwas von dem drohenden Crash. Nur einige wenige Banker bekamen von der Instabilität der Wirtschaft Wind und versuchten, daraus Gewinn zu ziehen.
Die Geschichte der Gewinner
The Big Short erzählt die Geschichte dieser Gewinner. Der Film verfolgt vier verschiedene Haupt-Storylines von jeweils verschiedenen Investoren: Der exzentrische Michael Burry (gespielt von Christian Bale) ist Fund-Manager von Scion Capital und der Erste, der die Immobilienblase kommen sah. Steve Carell spielt Mark Baum, ein Banker, der die Wallstreet eigentlich hasst. Er wettet ebenfalls gegen die Weltwirtschaft – weil er sie scheitern sehen will.
Als ein Banker der Deutschen Bank, Jared Vennett (gespielt von Ryan Gosling) vom Vorhaben von Michael Burry erfährt, versucht auch er sein Glück. Ebenfalls mit von der Partei sind Charlie Geller und Jamie Shipley (John Magaro und Finn Wittrock), zwei junge Investoren, die von dem paranoiden Ben Rickert (gespielt von Brad Pitt) unterstützt werden. Der Film folgt diesen Protagonisten durch die Abgründe der Wallstreet und kritisiert auch stark die US-Politik und die Banken. Diese werden beschuldigt, korrupt zu sein – vermutlich zu Recht. Alle Protagonisten vereint schlussendlich ein gemeinsames Ziel: Vom Absturz der Weltwirtschaft, den sonst niemand wahrhaben will, zu profitieren.
The Big Short ist nicht nur für Börsenbegeisterte
Der Cast ist wie oben erwähnt ziemlich erstklassig – doch das ist nicht alles. Der Film ist interessant gestaltet und mit gut platzierten Flashbacks und abgesonderten Erklärungen angereichert, sodass auch Nicht-Investoren der Geschichte folgen können. Auch die vierte Wand wurde an einem Moment durchbrochen, der Zuschauer wird also direkt angesprochen. Das Ergebnis davon ist schlussendlich ein sehr interessanter Film, die Regie (geführt von Adam McKay), überzeugt sehr. Da der Film auf einer wahren Geschichte basiert, lernt man dabei auch viel über die Weltgeschichte, ein positiver Nebeneffekt also.
Fun Fact zum Schluss: Die Sache mit der Altersfreigabe
The Big Short ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie unterschiedlich die Altersfreigaben in verschiedenen Ländern sind. Während der Film in Frankreich keine Altersbeschränkung besitzt (Tous publics), wird in Deutschland ein Mindestalter von 6 Jahren empfohlen; in der Schweiz gar erst ab 12. In anderen Ländern, wie zum Beispiel den USA und Russland ist der Film erst ab 17 bzw. 18 Jahren freigegeben. Auf Amazon Prime ist daher ein Rating von 18+ angegeben. Vermutlich ist das Rating aufgrund des politischen Inhaltes so gewählt. Dies zeigt jedoch, dass es meist keinen Sinn macht, sich blind auf die Altersfreigabe zu verlassen.
Ein Rating von 18+ ist meiner Meinung nach für The Big Short stark übertrieben. Kinder ab 12 Jahren sollten meiner Meinung nach keine Probleme mit dem Film haben.