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Faessler, Paul (1916-2009)--DB983
Person
Lebensdaten
28.10.1916-15.04.2009
Mädchenname, Herkunftsort bzw. Heimatort
Appenzell (AI)
Zivilstand, Konfession, Nachkommen
Verheiratet mit Verena Ullmann, der Tochter von Ullmann, Erich (1892-1965)--DB3631, 2 Kinder
Soziale Herkunft, verwandtschaftliche Beziehungen
Sohn des Rechtsanwaltes W. Faessler, St. Gallen
Ausbildung, berufliche Tätigkeit und Funktionen in der Öffentlichkeit
Ausbildung
Dr., Ing. Agr. ETHZ 1944; ETHZ: Studium 1941-1944; Praktika 1937-1939; Landwirtschaftliche Hochschule Hohenheim Stuttgart: Studium 1935/36; Gymnasium in St. Gallen: Matura Typ B 1935; Primarschule in St. Gallen
Berufsausübung
Eidgenössische Forschungsanstalt für Agrarwirtschaft und Landtechnik, Tänikon (FAT): Erster Direktor 1969-1981 (Vorgänger von Meier, Walter--DB2321); Landwirtschaftsbetriebe der Christoph-Merian'schen Stiftung Basel: Leiter 1959-1969; Landwirtschaftsbetrieb "Neuburg" in Mammen TG: Betriebsleiter 1949-1959; Firma Gebr. Bühler, Uzwil: Leiter des mühlenchemischen Laboratoriums 1946-1949; Eidgenössisches Kriegsernährungsamt: Chef der Gruppe Saatgut in der Sektion für landwirtschaftliche Produktion 1944-1946
Funktionen in landwirtschaftlichen Institutionen
Comité International d'Organisation scientifique du travail en Agriculture (CIOSTA): Präsident 1978; Schweizerische Nationalvereinigung für Technik in der Landwirtschaft, Bewässerung und Entwässerung (CH-AGRID, später: CH-AGRAM): Präsident; Technische Kommission der Schweizerischen Silovereinigung: Präsident; Arbeitsgemeinschaft für innerbetriebliche Rationalisierung: Vorstandsmitglied, Präsident 1965-1973; Schweizerischer Verband für Landtechnik: Ehrenmitglied
Funktionen in anderen Institutionen
Artillerie-Hauptmann; Mitglied Rennverein Frauenfeld
Funktionen in der Politik
Biographische Skizze
Paul Fässler wurde am 28. Oktober 1916 als Sohn eines Rechtanwaltes in St. Gallen geboren. Nach dem Besuch der Primarschule und des Gymnasiums an der Kantonsschule St. Gallen bestand er im Herbst 1935 die Maturitätsprüfung. Anschliessend begann er mit dem Studium an der Landwirtschaftlichen Hochschule Hohenheim bei Stuttgart und legte im Herbst 1936 die erste Vordiplomprüfung ab. Bis zum Kriegsbeginn im Herbst 1939 verbrachte Paul Fässler zwei Praxisjahre auf thurgauischen und süddeutschen Betrieben und absolvierte den Militärdienst. 1941 setzte er das Landwirtschaftsstudium an der ETH Zürich fort und erwarb im März 1944 das Diplom als Ingenieur-Agronom.
Im Anschluss an sein Studium arbeitete Paul Fässler während zweieinhalb Jahren als Leiter der Gruppe Saatgut im Eidgenössischen Kriegsernährungsamt. 1946 wurde er Leiter des mühlenchemischen Laboratoriums der Firma Gebr. Bühler in Uzwil.
1946 heiratete Paul Fässler Verena Ullmann, die Tochter von Ullmann, Erich (1892-1965)--DB3631 und Schwester von Lörtscher-Ullmann, Margrit--DB2183. Drei Jahre später übernahmen die beiden den 45 Hektar grossen Landwirtschaftsbetrieb 'Neuburg' in Mammern von Erich Ullmann und bewirtschaftete ihn während zehn Jahren selbstständig. Paul Faessler reorganisierte den vielseitigen Betrieb und forcierte den Intensivobstbau. Als einer der ersten Landwirte im Thurgau installierte Fässler eine Heubelüftung.
Im Herbst 1958 wurde Fässler von der Christoph Merian Stiftung in Basel zum Leiter ihrer Landwirtschaftsbetriebe gewählt. Diese Tätigkeit umfasste vor allem Planungsarbeiten und die Erneuerung von Betriebseinrichtungen, aber auch Aufgaben der praktischen Betriebsführung. Daneben begann er mit der Arbeit an einer Dissertation, die 1966 auf Antrag von Howald, Oskar (1897-1972)--DB1663 von der ETH angenommen wurde.
Danach engagierte sich Faessler mit Erfolg an der Erarbeitung der Grundlagen für eine neue Forschungsanstalt für Betriebswirtschaft und Landtechnik. Per 1. April 1969 wurde er zum Direktor der vom Bund neu gegründeten Eidgenössischen Forschungsanstalt für Betriebswirtschaft und Landtechnik (FAT) in Tänikon ernannt. Vorübergehend behielt Faessler auch die Oberleitung über die Landwirtschaftsbetriebe der Christoph Merian Stiftung. Zu den zentralen Aufgaben in Tänikon gehörten zuerst die Restauration der alten Klosterbauten, die Erstellung der Einrichtungen für die praktische Forschungstätigkeit und die Besetzung von rund 70 Arbeitsstellen.
Fässler setzte sich vehement dafür ein, dass die zentrale Auswertung der Buchhaltungsergebnisse, die seit der Gründung des Schweizerischen Bauernverbandes im Bauernsekretariat in Brugg durchgeführt wurden, der FAT übertragen wurde. Dazu verpflichtete er 1969 auch Dettwiler, Emanuel (1924-)--DB813, den damaligen Leiter der Rentabilitätserhebungen im Bauernsekretariat. Ab 1976 erfolgte die Auswertung der Buchhaltungsabschlüsse bei der FAT in Tänikon.
Ab Mitte der 1970er Jahre publizierte die FAT ihre Ergebnisse in den FAT-Mitteilungen und im Publikationsorgan des verbandes für landtechnik 'Schweizer Landtechnik'. Zusätzlich wurden Tage der offenen Türe und Presseorientierungen organisiert. In zahlreichen Beiträgen in in- und ausländischen Medien äusserte sich Faessler zudem zu baulichen, technischen und betriebswirtschaftlichen Fragen der Betriebsführung. Er war auch Mitglied zahlreicher Fachvereinigungen im In- und Ausland und unterhielt enge Kontakte mit Schwesterinstituten im Ausland. 1981 wurde Fässler pensioniert. Danach wirkte er als Gutachter von landwirtschaftlichen Entwicklungsprojekten des Bundes in Lateinamerika sowie für Private in der Schweiz.
Autor: Peter Moser
Quellen und Literatur
Eigene Publikationen
- Technische Ueberlegungen zur Bemessung und zum Betrieb von Heubelüftungsanlagen, in: Die Grüne, 29.03.1957, S. 352-359
Quellen
- Archivbestand Faessler Paul (AfA Nr. 713)
- Schweizerische Landwirtschaftliche Monatshefte 54 (1976), S. 386
- AfA Personendossier Nr. 400
- Schweizer Radio und Fernsehen, Landwirtschaft heute, 23.01.1977: Forschungsanstalt Tänikon (vgl. https://www.histoirerurale.ch/redirect/getURL.php?id=262)