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Ärzteschaft: Medikamente
Wie Probleme erkennen und ansprechen?
Hinweise auf einen problematischen Medikamentenkonsum
Äusserlich wahrnehmbare Hinweise auf einen problematischen Medikamentenkonsum können sein (Leitfaden Medikamentenabhängigkeit, Bundesärztekammer 2007):
- Affektive Nivellierung und kritiklose Euphorie
- Dysphorisch-depressive Stimmungslage
- Konzentrationsstörungen, Amnesien, Verwirrtheit
- Ataxie, Dysarthrie, Nystagmus
- Verwahrlosungszeichen
Einstiegsfragen
Das Thema Medikamentenproblematik kann schwierig anzusprechen sein, insbesondere wenn bereits eine Abhängigkeit oder ein Missbrauch vorliegt. Mit folgenden Einstiegsfragen kann ein vermuteter schädlicher Gebrauch angesprochen werden (Bundesärztekammer 2007). Für einen detaillierteren Fragekatalog siehe weiter unten, Dokumente und Links.
- Bei welchen Beschwerden oder Störungen neigen Sie dazu, diese mit Medikamenten zu behandeln?
- Nehmen Sie hin und wieder Medikamente ein zur Verbesserung Ihrer Stimmung oder Ihres allgemeinen Befindens?
- Haben Sie schon einmal die Erfahrung gemacht, dass diese Beschwerden wieder schlimmer geworden sind, sobald Sie das Medikament weggelassen haben?
Noch deutlicher als beim Alkoholkonsum ist die Definition des Konsums über den risikoarmen Konsum hinaus mit einigen methodischen Schwierigkeiten behaftet. Eine Orientierung bieten einerseits einige Screener, wie z. B. der Lippstädter Benzo-Check, welcher einen problematischen Konsum anzeigen kann oder die Severity of Dependence Scale (SDS), bei der ein Cut-off von 7 Punkten angesetzt werden kann. Eine weitere Möglichkeit der Klassifizierung bieten die Definitionen der ICD-10, welche aber gerade bei einer Niedrigdosisabhängigkeit nur beschränkte Anwendbarkeit liefern. Wichtig ist es, gemäss Savaskan (2016) zwischen schädlichem Gebrauch und einem Abhängigkeitssyndrom zu unterscheiden. Gemäss ICD-10 wird von einem schädlichen Gebrauch gesprochen, wenn eine Schädigung der psychischen und physischen Gesundheit vorliegt und das Konsumverhalten zu negativen sozialen Folgen führt (vgl. Diagnostik).
Zu erkennen ist ein problematischer Konsum z. B. mit dem Lippstädter Benzo-Check oder mit oben aufgeführten Fragen bei einer vermuteten Medikamentenabhängigkeit. Diese Instrumente können wichtige Entscheidungshilfen dafür sein, wann eine Unterstützung durch suchtmedizinisch erfahrene Fachpersonen sinnvoll bzw. notwendig ist.
Quellen
- Bundesärztekammer (Hrsg.). Medikamente – schädlicher Gebrauch und Abhängigkeit. Leitfade für die ärztliche Praxis. Köln: Deutscher Ärzte-Verlag GmbH; 2007.
- Savaskan E. Benzodiazepin-Abhängigkeit im Alter: Wie geht man damit um? Praxis 2016; 105: 637-641.