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Robin Rehm/Silke Langenberg, «Farben des Alltags. Großsiedlungen und öffentliche Bauten», in: Alltägliches Erben, Jahrestagung des Arbeitskreis Theorie und Lehre der Denkmalpflege, 2023, im Druck.
In den 1970er Jahren finden Fassaden, gefasst in leuchtend roter, grüner, blauer und gelber Dispersionsfarbe, teils monochrom teils mit geometrischen Motiven, am Aussenbau von Trabantenstädten und Einzelhäusern genauso Verbreitung wie solche mit bunten Email-, Eternit- und Glasalplatten. Passend dazu werden die Innenräume öffentlicher Gebäude mit maschinenproduzierten, farbigen Resopal-Schichtpressstoffen, Holzwerk- oder Aluminiumleisten ausgekleidet. Die Architekturfarben dieser Zeit scheinen auf Alexander Mitscherlichs bereits 1965 diagnostizierte Unwirtlichkeit unserer Städte zu antworten: Das Soziale und Allgemeinverständliche triumphiert gegenüber der Repräsentationsarchitektur. Diesbezüglich übernimmt die Farbe dieser Dekade eine spezielle, bislang kaum untersuchte Funktion: Massgeblich trägt sie dazu bei, dass Siedlungen und öffentliche Gebäude sich zu »Orten symbolischer Formenformen« gerieren, indem letztere, wie Mitscherlichs Assistent Alfred Lorenzer in Architektur als Ideologie 1968 konstatiert, eine «Verklammerung von Selbst und Sache im Symbol» herbeiführt.