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Wie Lee so oft feststellte: „Ein guter Lehrer lässt den Schüler die Wahrheit erkennen, indem er ihm seine Verwundbarkeit deutlich macht und ihn so zwingt, sich selbst innerlich wie äusserlich zu erforschen und sich schliesslich mit seinem Sein zu vereinen. „
Entweder versteht man es, oder nicht – das ist es,“ meinte er. Als Bruce Lee ein chinesisches Kung-Fu System lehrte (das war kurz nach seiner Ankunft in Amerika), betrieb er eine Kampfschule; aber nach dieser frühen Periode gab er den Glauben an irgendein besonderes System oder einen Stil, ob chinesisch oder andersartig, auf. Lee sagte zwar, dass es wahrscheinlich nötig sei, eine Art Organisation aufzubauen, um die Massen zu erreichen; aber für seinen Teil nahm er von dieser Vorstellung für seinen eigenen Unterricht Abstand. Trotzdem mussten, um die ständig wachsende Zahl seiner Schüler erreichen zu können, eine Art vorgefasste Aktionsfolgen erarbeitet werden. Und als ein Ergebnis eines solchen Schrittes einer Kampforganisation würden viele ihrer Mitglieder wiederum in ein System gepresst; und viele der Mitglieder würden dann Gefangene systematischer Drillübungen werden. Deshalb gab Lee der gleichzeitigen Schulung nur weniger Schüler den Vorzug. Eine solche Lern-methode verlangte vom Lehrer dauernde, aufmerksame Beobachtung eines jeden Schülers, um das nötige Lehrer – Schüler Verhältnis herstellen zu können. Wie Lee so oft feststellte: „Ein guter Lehrer lässt den Schüler die Wahrheit erkennen, indem er ihm seine Verwundbarkeit deutlich macht und ihn so zwingt, sich selbst innerlich wie äusserlich zu erforschen und sich schliesslich mit seinem Sein zu vereinen. „Die Kampfkunst ist, wie das Leben selbst, im Fluss, in ständigen arhythmischen Bewegungen, in ständiger Veränderung begriffen. Mit diesen Veränderungen zu fliessen, ist sehr wichtig. Und so ist jede(r) JKD-Mann / -Frau, der / die sagt, JKD sei nur JKD, einfach nicht in Fliessen. Er/Sie hängt immer noch an seinem/ihrem eigenen, sich selbst beengenden Widerstand fest, ist immer noch in Begrenztheit gefangen.
Eine solche Person hat die einfache Tatsache noch nicht verarbeitet, dass die Wahrheit ausserhalb aller Muster und einengender Formen existiert. Bewusstsein ist niemals ausschliesslich (d.h. es kann nicht begrenzt werden). Um Lee zu zitieren: „JKD ist nur ein Name, ein Boot, das uns über den Fluss bringt. Ist man drüben, hat es seinen Zweck erfüllt und bleibt zurück und wird nicht auf dem Rücken weitergeschleppt. „Es ist wichtig, dass den Schülern sowohl Erfahrungen als auch Techniken beigebracht werden müssen. In anderen Worten: Ein(e) Kampfkünstler/in, der / die noch nie vorher geboxt hat, muss die Erfahrung eines Boxsparrings durchlaufen. Was er/sie aus dieser Erfahrung lernt, liegt bei ihm/ihr. Nach Bruce Lee ist ein Lehrer nicht der, der eine Wahrheit vermittelt; er ist lediglich der Führer zur Wahrheit, die jeder Schüler für sich selbst finden muss.
Das Gesamtbild, das Lee seinen Schülern vermitteln wollte, war vor allem, dass der Schüler seinen eigenen Weg zur Wahrheit finden muss. Er zögerte nie zu sagen: „Deine Wahrheit ist nicht meine, und meine Wahrheit ist nicht deine“. Bruce Lee hatte keinen Plan, sondern eher eine Reihe von Richtlinien, mit deren Hilfe er Schüler zur Leistungsfähigkeit führte. Durch den Gebrauch von Trainingsausrüstung gab es eine systematische Hinführung zur Entwicklung von Schnelligkeit, Distanzgefühl, Kraft, Timing, Koordination, Ausdauer und Fussarbeit. Aber JKD war für Bruce Lee kein Selbstzweck – und auch kein Nebenprodukt seiner Studien der Kampfkunst; es war ein Mittel zur Selbsterkenntnis.
JKD war ein Rezept für das persönliche Heranreifen; es war eine Entdeckung der Freiheit – der Freiheit, nicht nur im Kampf, sondern auch im Leben natürlich und wirksam aufzutreten. Im Leben nehmen wir das Nützliche an, verwerfen das Nutzlose, und erweitern unsere Erfahrungen ganz nach unserer eigenen Wahl. Lee wollte immer, dass sich seine Schüler mit Judo, Jiu Jitsu, Aikido und westlichem Boxen beschäftigten; er wollte, dass sie sensitive chinesische Systeme wie Wing Chun und die Elemente des Kali, Escrima und Arnis erfahren sollten, ebenso wie die des Pentjak Silat, Thaiboxens und des Savate. Seine Schüler sollten die Stärken und Schwächen all dieser Methoden erkennen lernen.
Keine Stilrichtung ist einer anderen überlegen oder unterlegen. Das ist das Wesen des JKD, ungebunden und frei zu sein: im Kampf soll kein Stil als Stil, kein Weg als Weg benutzt werden, und keine Beschränkung soll als die einzige existieren. JKD ist nicht, für oder gegen einen bestimmten Stil zu sein, in anderen Worten: JKD ist das „blosse Sein“.Oder um die Worte eines Zen-Prinzips zur Beschreibung von JKD zu verwenden:
„In der Frühlingslandschaft gibt es kein Besser und kein Schlechter. Die blühenden Zweige wachsen, einige lang, andere kurz“.