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Ein Leben lang kämpferisch – nicht nur am Schreibtisch
Der amerikanische Schriftsteller, Drehbuchautor und Boxfan Budd Schulberg verstarb vergangenes Jahr im hohen Alter von 95 Jahren in Westhampton Beach im Staat New York. Ein kleiner, verspäteter Nachruf auf eine Ausnahmeerscheinung im Literaturbetrieb.
«Ich hätte was werden können, zumindest ein klasse Boxer. Und was bin ich geworden? Ein gemeiner Lump» gehört zu den berühmtesten Filmzitaten aller Zeiten. Marlon Brando spielt die Hauptrolle im Film «Die Faust im Nacken» (Originaltitel: «On The Waterfront»). Mit diesem oscargekrönten Drehbuch gelang Budd Schulberg der Durchbruch. Zwar erreichten seine späteren Werke nie den Ruhm von «Die Faust im Nacken», dafür schrieb er eine ganze Reihe von Drehbüchern und Fernsehspielen. Zu den bekanntesten Werken zählt auch das Boxerdrama «Schmutziger Lorbeer» (Originaltitel: «The Harder They Fall»), in der Kinoversion mit Humphrey Bogart in seinem letzten Film. Zu Schulbergs Bewunderern zählte unter anderem auch der Erfolgsregisseur Spike Lee. Gemeinsam arbeiteten sie an einem Film über Joe Louis.
Der als Sohn eines Studiochefs in New York geborene Schulberg wuchs 1914 in Hollywood auf. Er war alles andere als ein Underdog, die er in seinen Filmen und Romanen gerne beschrieb. Im Gegenteil: Der junge Budd wuchs unter Stummfilm-Stars auf und war ein Sprössling eines neuen Hollywood-Adels.
Maul halten und wegsehen, das war seine Sache nicht. Auch dann nicht, wenn der Job, der gute Ruf, schlicht die ganze Karriere auf dem Spiel standen. Budd Schulbergs kompromisslose Haltung sorgte in Leben und Arbeit für grosses Aufsehen. Als junger Mann, in der Zeit der grossen Depression, konnte über die steigende Zahl der Obdachlosen und Hungernden auf der Strasse nicht hinweg sehen. Eine Reise nach Moskau tat schliesslich den Rest – Budd Schulberg wurde Mitglied der Kommunistischen Partei der USA und beschlossen, die aufgeblähte Scheinwelt Hollywoods zu entlarven und veröffentlichte den Roman «Was treibt Sammy an» (1941). Fortan brauchte er sich in Hollywood nicht mehr blicken zu lassen - selbst die Kommunisten schlossen ihn aus der Partei aus – sie suchten im Stoff vergeblich nach der Parteilinie.
Noch im hohen Alter verfolgte Schulberg das Geschehen am Ring. Er war Boxsport-Kolumnist und sogar Boxmanager des Schwergewichtlers Archie McBride in fünfziger und sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Mit McBride kam Schulberg Anfang der sechziger Jahre sogar nach Deutschland. Sein eher dürftiges Talent (28 Siege, 20 Niederlagen) vermochte jedoch keine Stricke zu verreissen. Er bestritt in Berlin, Frankfurt und Hamburg insgesamt acht Kämpfe, zweimal gegen Karl Mildenberger (Unentschieden 1963, Punktniederlage 1964).
«Man muss kämpferisch bleiben, ein Leben lang», lautete Budd Schulbergs Credo. Eine Einstellung, die ihn zweitweise unbequem machte, ihn aber würdevoll alt werden liess.
Michael Heisch
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