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Ab Mitte des 19. Jahrhunderts begann in der Schweiz, im Vergleich zu den Nachbarländern relativ spät, das grosse Eisenbahnzeitalter. Erstmals erreichten Eisenbahnzüge Schweizer Boden, als am 15. Juni 1844, die kurze Strecke der »Chemin de fer Strasbourg-Bâle« von Saint-Louis nach Basel eröffnet werden konnte. Die 142 Kilometer lange Eisenbahnlinie zwischen Basel und Strasbourg wurde im Jahr 1854 von der »Chemins de fer de l’Est« übernommen, die im Jahr 1872 unter die Verwaltung der »Reichsbahnen« in Elsass-Lothringen gestellt wurde. Nach dem ersten Weltkrieg, im Jahr 1918, wechselte, nachdem das Elsass und Lothringen von den Deutschen an Frankreich zurückgegeben werden musste, die Strecke ins Eigentum der »Chemins de fer d’Alasce et de Lorraire«, welche im Jahr 1938 schliesslich in der »Société Nationale des Chemins de fer Français« aufging.
Der obige Kartenausschnitt zeigt das Dreiländereck Schweiz-Deutschland-Frankreich wie es sich heute präsentiert – mit den zusammengewachsenen Städten am Rhein. Zur Zeit der Projektierung der Teilstrecke von Saint-Louis nach Basel besass die Stadt Basel eine intakte Stadtmauer und so kam es, dass im Jahr 1940 in Basel darüber debattiert wurde, ob der Endbahnhof der Eisenbahnlinie Strasbourg-Basel innerhalb oder ausserhalb der Stadtmauern gebaut werden soll. Ein Jahr später fällte der Stadtrat von Basel den Entscheid den Bahnhof innerhalb der Stadtmauern zu bauen. Die »Compagnie du chemin de fer Strasbourg à Bâle« wurde jedoch unter anderem vertraglich verpflichtet eine Brücke über den Stadtgraben mit einem verschliessbaren Tor zu bauen.
Die erste ganz auf Schweizer Boden gebaute Eisenbahnlinie war die zwanzig Kilometer lange Strecke zwischen Zürich und Baden. Geplant war eine Verbindung der beiden Städte Zürich und Basel. Bereits im April 1838 wurde mit der Vermessung der Linie begonnen. Doch es kam zu Streitigkeiten über die Linienführung und auch die finanziellen Zusicherungen für das Projekt wurden zurückgezogen. Im Mai 1843 versuchten Vertreter der Kantone Aargau, Zürich und Basel-Stadt das Vorhaben wieder in Gang zu bringen – ergebnislos.
Erst zwei Jahre später gründete der Fabrikant Martin Escher ein neues Komitee, welche sich dem Projekt wieder annahm und die erste Bahngesellschaft der Schweiz, die Schweizerische Nordbahn wurde gegründet. Als erster Abschitt wurde der Bau der Strecke von Zürich nach Baden in Angriff genommen, deren Linienführung einen 80 Meter langen Tunnel forderte. Am 14. April 1847 erfolgte der Durchstich des ersten Eisenbahntunnels Europas – dem Schlossbergtunnel. Am 7. August 1847 war es so weit: Die erste Eisenbahnlinie der Schweiz konnte eröffnet und zwei Tage später dem Betrieb übergeben werden. Die Bahn bekam den Spitznamen »Spanisch Brötli Bahn«.
Das Bild oben zeigt eine Postkarte, welche im Jahr 1947 aus Anlass »Hundert Jahre Schweizer Bahnen« erschien. Sie zeigt die »Spanisch-Brötli-Bahn« unter Volldampf.
Die Gesellschaft war nicht sehr erfolgreich. Auch infolge des Sonderbundkrieges nahm die Anzahl der zu befördernden Fahrgäste ab und der Güterverkehr blieb gänzlich aus. Auf die geplante Weiterführung der Eisenbahnlinie musste verzichtet werden. Der Weiterbau der Eisenbahnlinie wurde im Jahr 1853, nachdem sich die »Schweizerische Nordbahn« mit der unter der Leitung von Alfred Escher stehenden »Zürich-Bodenseebahn« zur »Schweizerischen Nordostbahn« zusammen geschlossen hat, wieder aufgenommen. Die »Schweizerische Nordostbahn« und die »Vereinigten Schweizerbahnen« waren eigentlich Rivalinnen, denn beide Gesellschaften hatten das Ziel die Stadt Zürich mit dem Bodenseeraum durch eine Eisenbahnlinie zu verbinden. Beide Unternehmungen wurden im Jahr 1902 im Zuge der Verstaatlichung der Eisenbahnen zu den SBB geschlagen.
Das Bild oben zeigt eines der Plakate mit denen vor der Eidgenössischen Abstimmung vom 20. Februar 1898 um Ja-Stimmen für die Verstaatlichung der damaligen fünf grossen Privatbahnen geworben wurde. Zur damaligen Zeit waren die Privatbahnen im Besitz von als bedingunslose gewinnstrebenden und monopolistisch aufgestellten Gesellschaften, die regionalpolitische Interessen verfolgten, keine Konkurrenz duldeten und so auch die von Johann Jakob Sulzer – damaliger Stadtpräsident von Winterthur – gegründete »Nationalbahn« in den Konkurs trieben.
Seit dem 1. Januar 1899 sind auch die aufgrund der Volksabstimmung vom 20. Februar 1898 am 1. Januar 1902 gegründeten »Schweizerischen Bundesbahnen« nicht mehr ein Regiebetrieb des Bundes, sondern als Aktiengesellschaft – als spezial-rechtliche Gesellschaft – organisiert und sind den Privatbahnen in vielem gleichgestellt. Im Gegensatz zu den Privatbahnen befinden sich die Aktien zu 100% im Besitz der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Die SBB vereinigen die ehemaligen Eisenbahngesellschaften: »Schweizerische Central-Bahn«, »Schweizerische Nordostbahn, »Vereinigte Schweizerbahnen«, »Jura-Simplon-Bahn«, »Gotthardbahn«, »Jura-Neuchâtelois«, »Tösstalbahn« und »Seetalbahn«.
Das Logo der »Schweizerischen Bundesbahnen« beinhaltet drei Abkürzungen – für den deutschsprachigen, den französischsprachigen und den italienischsprachigen Namen. Weniger bekannt und gebräuchlich sind der rätoromanische Name: »Viafiers federalas svizras«, abgekürzt VFS und der englischsprachige Name: »Swiss federal railways«, abgekürzt SFR.
Die SBB verfügen über ein Streckennetz von 3038 km in Normalspur und 99 km in Meterspur. Das Schienennetz der SBB ist beinahe komplett elektrifiziert. Die SBB besitzen sechs eigene Kraftwerke und sind zudem an weiteren drei Kraftwerken massgeblich beteiligt. Der einstige Elektrifizierungsentscheid fiel zugunsten des MFO-Bahnsystems aus: Einphasenwechselstrom mit einer Frequenz von 16,7 Hertz und einer Spannung von 15’000 Volt.
Bild-Quellen:
Bild A: Wikipedia
Bild B: www.akpool.de
Bild C: Wikipedia
Bild D: Wikipedia