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Mitten auf einem Platz im italienischen Turin stehen die Statuen von berühmten Helden aus der italienischen Geschichte: Garibaldi, Cazzaniga, Leopardi und da Vinci. Die vier müssen mit ansehen, was zu ihren Füssen passiert – und stellen fest, dass das Land heruntergewirtschaftet sei, die Politiker korrupt, scheinheilig und unehrlich seien und die Menschen nur nach an sich selbst denken würden.
Was nur ist mit der glorreichen Nation passiert? Ein gutes Beispiel ist die Familie von Leo, einem Sanitärinstallateur. Leo ist Vater von zwei halbwüchsigen, pubertären Kindern, die er wegen seiner Arbeit öfter allein daheim lassen muss als ihm lieb ist. Seine Frau Teresa ist bei einem Badeunfall vor fünf Jahren ums Leben gekommen. Doch sie erscheint Leo aber immer wieder als Geist, um ihm Ratschläge in der Kindererziehung zu geben.
Als ein Sex-Video von Leos Tochter Maddalena im Internet auftaucht, sieht der überforderte Vater keine andere Möglichkeit, als zum schmierigen Anwalt Malaffono zu gehen. Der verspricht ihm, die Sache zu regeln – unter einer Bedingung: Er müsse seine Unterschrift unter ein Dokument setzen, das den Kauf einer Wohnung besiegele, und diese dann gleich wieder weitergeben. Dass Leo quasi als Strohmann fungiert, ist ihm nicht klar. Um die Anwaltskosten zu sparen, lässt er sich darauf ein.
Bei eben diesem Anwalt trifft Leo auf die Künstlerin Diana, die den Eingangsbereich seiner Kanzlei mit einer Wandmalerei verschönern soll – in deren Planung sich der Anwalt immer wieder einmischt. Sie muss diese Auftragsarbeit annehmen, da sie komplett pleite ist und ihre Miete nicht zahlen kann.
Leo ist von der spröden und introvertierten jungen Frau beeindruckt und versucht, mehr über sie herauszubekommen. Leider wird er dabei unterbrochen: Sein Sohn Elia ist abgehauen, aber nicht, um seinem Vater eins auszuwischen, sondern um seinen Storch, den er heimlich aufgezogen hat, in der Schweiz abzuholen. Offenbar ist der Vogel in den Schweizer Alpen verunglückt.
Inzwischen eskaliert die Sache mit dem Wohnungskauf, Gelder werden hin- und hergeschoben, ein Detektiv ist der Wahrheit auf der Spur und die Kunden des Anwalts werden reihenweise verhaftet.
Die Kritik an Politik, Menschen und Machenschaften (Stichwort Silvio Berlusconi) lässt Regisseur Silvio Soldini geschickt von historischen Figuren aussprechen, die über alle Zweifel erhaben und ehrenhaft waren. Doch so richtig hart sind die Vorwürfe nicht. Und so kann sich der geneigte Kinozuschauer dank der malerischen historischen Kulisse und dem angenehmen Klima auch recht gut vorstellen, wie die Menschen ganz allmählich in diese Situation hineingeschlittert sind – ohne dass sie sich eigentlich der vollen Konsequenz bewusst gewesen waren. Damit ist der Film ein gelungenes Erklärstück für das Italien, wie es sich heute darstellt.
Fazit: «Il Comandante e la cicogna» (Der Kommandant und der Storch) ist ein kleiner Film, in dem es manchmal – typisch italienisch halt – recht turbulent zu- und hergeht, in dem aber auch den Zwischentönen einen grossen Platz eingeräumt wird. Vom Verleih als Komödie angepriesen, bleibt einem jedoch an einigen Stellen der Mund offen stehen, in welcher Nonchalance da gelogen, betrogen und veruntreut wird. Spass macht das frische und ungewohnte Schauspielerensemble, das die einzelnen Figuren in hervorragender Art und Wiese glaubhaft verkörpert.
Kinostart
In den Deutschschweizer Kinos ab 14. März 2013
Regie
Silvio Soldini
Drehbuch
Doriana Leondeff, Marco Pettenello, Silvio Soldini
Produzent
Lionello Cerri
Cast
Valerio Mastandrea: Leo
Alba Rohrwacher: Diana
Giuseppe Battiston: Amanzio
Claudia Gerini: Teresa
Maria Paiato: Cinzia
Luca Dirodi: Elia
Serena Pinto: Maddalena
Yang Shi: Fiorenzo
Michele Maganza: Emiliano, der Detektiv
Luca Zingaretti: Anwalt Malaffano