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Mineralischen und seine geologischen Ressourcen
Immer haben die Menschen darnach getrachtet jene Rohstoffe zu nutzen, die sie in ihrer Umwelt fanden. In der frühesten Steinzeit sammelten sie Kieselsteine, die sich auf einfache Weise bearbeiten liessen. Mit zunehmender Entwicklung und steigender technologischer Erkenntnis wurde die Liste nutzbarer Rohstoffe immer länger. Heute gehört sogar Wasser dazu; denn als nutzbares Trinkwasser muss es gesucht, geschützt und bewirtschaftet werden.
Inhaltsverzeichnis
Die Metalle
Das Wallis ist reich an armen Erzen. Als arm bezeichnet man jene Erze, deren Mineralgehalt so gering ist, dass er mit heutiger Technologie nicht wirtschaftlich gewonnen werden kann.
Die eingangs gemachte Behauptung kann nicht überraschen angesichts der so komplexen Geologie des Wallis. Wenn sich je an Erzen reiche Lagerstätten bildeten (und das war gewiss der Fall), wurden sie doch in langen geologischen Zeiten mehrfach tektonisch verändert, gefaltet, überschoben, zerbrochen, kurz, in Trümmerhaufen verwandelt. Dennoch lohnt es sich wissenschaftliche Betrachtungen darüber anzustellen.
Die Entstehung der Lagerstätten
Unter ganz bestimmten Bedingungen bilden sich natürliche Anreicherungen von Erzen in solchen Mengen, dass eine Gewinnung möglich und wirtschaftlich tragbar wird. Welches die Bedingungen und Bildungsmechanismen sind, lässt sich im Wallis an einigen Beispielen zeigen. Da die Entstehung von Erzlagerstätten mit der Gesteinsbildung verwandt ist, kann man sie gliedern in magmatische, metamorphe und sedimentäre.
Die magmatische Entstehung
Wenn Magma abkühlt ändert sich die Zusammensetzung der Schmelzen oder Lösungen und Dämpfe. Vorallem in den magmatischen Restlösungen angereicherte Metalle dringen längs Klüften oder tektonischen Spalten ins umgebende Gestein ein und kristallisieren in mehr oder weniger dicken Adern (Fig. 87). Zu diesem Lagerstättentyp gehören die an Molybdänit (MoS2) reichen Gänge im westlichen Aar-Massiv, im hinteren Baltschiedertal. Die Ausbeute blieb zwar bescheiden. Dennoch hat man mit zahlreichen Bohrungen den Umfang und Verlauf des Erzlagers aufgenommen. In der gleichen Gegend stiess man auf Uran-Vorkommen, die möglicherweise mit dem Eindringen der Granite, also einer frühen magmatischen Phase in Verbindung gebracht werden müssen. Eine Uran-Ader im südwestlichen Unterwallis hat gar das Vortreiben eines Stollens gerechtfertigt.
Auch Laven können eine Anzahl interessanter Erze führen. Kupfererz, begleitet von Zink, Silber und Gold, kennzeichnet basische Lava, während saure, rhyolitische Lava radioaktive Elemente einschliessen kann. Anreicherungen davon wurden in einem Kraftwerkstollen bei Iserables gefunden und bis in die Gegend von Bourg-Saint-Pierre verfolgt.
Die metamorphe Entstehung
Durch die schwache Metamorphose, der alpine Laven unterworfen waren, wurde wahrscheinlich eine Konzentration von Erzen ausgelöst. Mit zunehmender Metamorphose werden andere durch sie ausgelöste Merkmale verstärkt. Man findet dann wissenschaftlich interessante und prächtig kristallisierte Erze in Klüften, wie beispielsweise die Magnetit-Oktaeder des Binntales, aber kaum mehr abbauwürdige Konzentrationen. Die bedeutendsten Vorkommen sind mit Amphiboliten, also alten Laven verknüpft. So könnten die Erzvorkommen von Salanfe entstanden sein, wo Gold aus Misspickel, einem Arsen Eisen-Schwefel-Mineral, gewonnen wurde.
Die Kobalt-Nickel-Lagerstätte im Turtmanntal (Fig. 88) ist vielleicht auf ähnliche Weise entstanden, obwohl Amphibolite weit davon entfernt sind. Die an Kobalt und Nickel reiche Zone erstreckt sich bis ins Val dAnniviers, wo in den Gruben von Plantorin und Grand Praz etliche hundert Tonnen abgebaut wurden. Das waren auch die einzigen wirtschaftlich erfolgreichen Betriebe zur Zeit des zweiten Weltkrieges.
Die Temperatursteigerung, welche die Metamorphose erzeugt, begünstigt auch die Zirkulation von Lösungen und Wanderung von Elementen, die sich an geeigneten Orten konzentrieren. So bilden sich längs Klüften Erzgänge durch Ausscheidungen aus hydrothermalen Minerallösungen. Ein Vorgang also, der dem Eindringen magmatischer Schmelzflüsse längs Gesteinsspalten sehr ähnlich ist. Je nach Art der Lösungen scheiden sich entweder Erze aus (beispielsweise Pyrit FeS2, Bleiglanz PbS, Zinkblende ZnS oder Ghalkopyrit CuFeS2) oder taubes Ganggestein (Quarz, Calzit).
An Dutzenden von Orten wurde nach Erz geschürft, um vom Ausland unabhängig zu sein. Doch nur wenige Walliser Fundstellen lieferten mehr als eine Tonne Erz. Dies waren: Col des Mines oberhalb Verbier (Kupfer, Blei), Siviez im Val de Nendaz (Blei), Praz-Jean im Val d'Hérens (Blei, Zink, Silber), Moiry und Zinal (Kupfer und Wismuth), Goppenstein (Blei, Zink, Silber) und im Baltschiedertal (Molybdän). Ohne wirtschaftlichen Ertrag wurde bei Gondo aus Pyrit Gold gewonnen.
Ein seltenes Geschick erlebte die wenig unterhalb Sembrancher gelegene "Mines des Trappistes". Um es zu verstehen, ist eine ergänzende Erklärung nötig: Eine Vererzung ist oft von komplexem Aufbau, wenn mineralogisch unterschiedliche Zonen parallel zu den Klufträndern verlaufen. Das tritt ein, wenn sich eine durch Mineralsalze bereits geschlossene Kluft allmählich wieder öffnet (Fig. 89) Weil eine Anzahl Elemente ausgefallen sind, fliessen chemisch veränderte Lösungen nach und lagern andere Mineralien ab. Diese Veränderung betrifft nicht nur die nutzbaren Erze, sondern auch ihr Nebengestein, das aus tauben, also nicht nutzbaren Mineralien, wie Quarz und Calzit, besteht. Nach über einem Jahrhundert Bergbau in der "Mine des Trappistes", wo man silberhaltigen Bleiglanz förderte, bemerkte man eines Tages, dass das Ganggestein Fluorit enthielt. Wegen seiner Färbung kann dieses Fluor führende Mineral sehr leicht mit Quarz verwechselt werden. Seitdem man es entdeckt hat, ist Fluorit das wichtigste der Erze geworden, die man aus dieser Grube gewinnt. Man hat deshalb auch weitere Untersuchungen angestellt, um die Grösse des Vorkommens abzuklären.
Bisher wurde sehr wenig über Eisen gesagt, obschon diese wertvolle Erz im Wallis auch ansteht. Am Mont-Chemin wurden einige Tausend Tonnen aus einer Magnetit (Eisenoxid)-Linse abgebaut. Sie entstand im Verlauf von Metamorphosen aus eisenreichen basaltischen Gesteinen.
Die sedimentäre Entstehung
Auf Grund seiner Entstehungsgeschichte viel interessanter, als wegen seiner wirtschaftlichen Bedeutung, ist das Vorkommen von Eisenerz bei Chamoson. Die Grube ging nämlich Konkurs, noch bevor die Förderung begann. Das Erzlager entstand im Dogger, als eisenreiche Kalke auf dem Meeresboden sedimentiert wurden. Dabei bildete sich ein eisenhaltiges Chloritmineral, das an diesem Ort erstmals gefunden, beschrieben und mit dem Namen Chamosit bezeichnet wurde.
Erzvorkommen in unverfestigten Sedimenten nennt man Seifen. Solche Lagerstätten, die abbauwürdig wären, kennt man im Wallis nicht. Allerdings kann eine Erzgewinnung interessant werden, wenn man Lockergesteine, die für eine völlig andere Verwendung abgebaut werden, auf Erz prüft. Das geschah beim Bau der Staumauer Grande Dixence: Über das Förderband, das Sand und Kies aus der Moräne von Blava zur Betonfabrik tansportierte, wurde ein starker Magnet gehängt. Er entzog den losen Sedimenten einen Anteil Magnetitkörner. Das war ein wirklich sehr seltener Fall hochalpiner Eisengewinnung aus einer "Seife".
Die Prospektion der Lagerstätten
Walliser Lagerstätten werden, wie Erzvorkommen in der Schweiz überhaupt, nur in Notzeiten abgebaut, wie das während beiden Weltkriegen der Fall war. Aber man hat doch daran gedacht, dass es nützlich sein könnte, die im Boden liegenden Reserven zu kennen. Weil Abbau- und Gewinnungsmethoden sich stets weiter entwickeln, wird man vielleicht mit zukünftiger Technologie auch unsere armen Erze so aufbereiten können, dass eine wirtschaftlich nutzbringende Verwertung möglich ist.
Man darf allerdings keine sensationellen Funde mehr erwarten in einem Lande, das seit Jahrhunderten dicht besiedelt ist. In den riesigen Weiten Canadas sind selbstverständlich die Verhältnisse ganz anders. Aber hier wie dort werden die gleichen Untersuchungsmethoden angewendet, um Erzlager aufzuspüren. Im Wallis ist eine grosse Prospektionscampagne möglich geworden, dank der Finanzierung durch den Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (Programm Uromine).
Beim ersten Schritt zur Suche nach Erzlagern nimmt man die Chemie zu Hilfe. Ein Vorkommen, selbst wenn es nicht an die Oberfläche tritt, kann Elemente an den Boden, ins Wasser und an die Luft abgeben. Mit der Analyse von Proben, die man dem Bachwasser, den Anschwemmungen oder dem Boden entnommen hat, kann man geochemische Anomalien feststellen. Das sind Stellen, an denen ungewöhnliche Konzentrationen des einen oder anderen Elementes vorkommen. Hat man eine solche festgestellt, sucht man nach der Ursache.
Dafür stehen dem prospekderenden Geologen mehrere geophysikalische Methoden zur Verfügung. Eine recht häufig angewandte ist das Suchen und Messen von Störungen im Magnetfeld der Erde. Darin verursacht beispielsweise ein Magnetitvorkommen eine Anomalie, die von einem sehr empfindlichen Kompass (Magnetometer) angezeigt wird. Es gibt noch andere Messmethoden, wie die Messung der elekrrischen Leitfähigkeit des Bodens (Fig. 90). Erst wenn die geophysikalischen Messungen ausgewertet sind, geht man zum teuersten Verfahren über, zur Bohrung, zur Öffnung eines Schürfgrabens oder zum Vortrieb eines Stollens, um direkt zur Lagerstätte zu gelangen.
Im Projekt Uromine wurden 4330 Proben erhoben, in denen im Minimum je 17 Elemente bestimmt wurden, sodass schliesslich 80'000 Resultate vorlagen. Ein Glück, dass der Computer die Auswertung übernahm, um Karten chemischer Anomalien der wichtigsten Elemente zu erstellen. An Hand dieser Karten bestimmte man die Orte, an denen einfache geophysikalische Untersuchungen vorzunehmen waren.
Was brachten diese umfangreichen Arbeiten? Man weiss mehr über die Verteilung einiger Mineralien. Zudem fand man im Wallis erstmals Wolfram (Fig. 91). Eigentlich müsste die Detailuntersuchung eingeleitet werden; doch dafür scheint vorerst kein Geld verfügbar zu sein. Wie bei allen Forschungsprogrammen, kommen auch da auf ein gelöstes Problem hundert neue, aber immerhin kann man die Fragen klarer formulieren !
Die Brennstoffe
Auch sie gehören zum geologischen Reichtum des Wallis. Allerdings sind sie über weite Gebiete sehr knauserig verteilt.
Kohle kommt in den Alpen als Anthrazit vor. Das ist metamorphe Kohle, die ihre leichtflüchtigen Bestandteile verloren hat. Kohle ist ein Sediment, das in dünnen oder dicken Flözen abgelagert wurde. Im Wallis aber vorwiegend in dünnen. Wie alle Sedimente, haben auch sie unter den Auswirkungen der alpinen Gebirgsbildung gelitten: zerbrochen, gefaltet, gestreckt und zerrissen, bieten sie einen Zustand dar, der dem Bergmann beim Verfolgen eines Flözes gar keine Freude bereitet.
Die am wenigsten deformierten Kohleschichten liegen in den äusseren Massiven, die nur wenig von der alpinen Faltung erfasst wurden. Die Kohleschichten des Lötschentals, in den Gneisen des Aar-Massives eingeschlossen, sind schlechter als diejenigen im Aiguilles-Rouges-Massiv, die eine florierende Gewinnung, sogar nach dem Kriege, ermöglichten. Noch heute stehen auf halber Höhe oberhalb Dorénaz die alten Grubengebäude und zeugen in grau-schwarzer Umgebung von den einstigen Aktivitäten (Fig. 92).
Die Vorkommen, welche die Karbonzone vom Val Ferret bis in die Gegend von Siders kennzeichnen, sind wesentlich unregelmässiger, weil sie die intensive Verformung des Penninikums erlebten. Um die Kohle aus den Minen von Aproz, Chandoline und Grône stritt man sich trotzdem, im letzten Kriege. Wegen der tektonischen Bewegung waren dort Kohle und taubes Gestein so intensiv miteinander vermischt, dass sie sich kaum trennen Hessen. Beim Verbrennen dieses Anthrazites fiel stets ein hoher Aschengehalt, meist in Form von Steinen an.
Die Baustoffe
In ferner Vergangenheit mussten sich die Leute mit jenen Baustoffen begnügen, die sie an Ort und Stelle vorfanden; denn grosse Gewichte bedeuteten schwierige Transporte. Darum baute man im Wallis Holzhäuser; ausgenommen in Obergestein, wo man zum Bauen Steine aus einer lokalen Moräne gewann. Dächer wurden meistens mit Steinplatten, statt mit Schindeln gedeckt (Fig. 93). Aber nicht nur für den Hausbau, auch für Wege, Strassen, Stützmauern und Staumauern suchte man geeignete Baustoffe. Mit zunehmeder Grösse der Bauwerke stieg auch der Bedarf. Doch selbst als Beton aufkam, erwies sich der Walliser Untergrund als zuverlässiger Lieferant der richtigen Rohstoffe.
Der Gips
Gips war für den Hausbau zu jeder Zeit wichtig; so wichtig, dass er gar einer Berufsgattung den Namen gab. Der Gips wird auch einigen Zementsorten zugesetzt, weshalb er zu einem sehr gesuchten Stoff geworden ist. Im Wallis ist nur der Gipsbruch von Granges, zwischen Sitten und Siders gelegen, in Betrieb.
Gips ist ein Calziumsulfat, das zwei Moleküle Wasser enthält (CaSO4 2H2O). Durch Erwärmen treibt man die Hälfte des gebundenen Wassers aus und es entsteht ein weisses Pulver. Mischt man dieses mit Leitungswasser, bildet sich der Brei, den der Gipser für seine Arbeit braucht. Entweicht jedoch das gesamte molekulare Wasser aus dem natürlichen Gips, wandelt er sich um in Anhydrit, der ein wirtschaftlich bedeutungsloses Material ist.
Alle Gipsvorkommen, die von einer Metamorphose erfasst wurden haben ihr Kristallwasser verloren und sind deshalb Anhydrite. Umgekehrt wird aber auch Anhydrit wieder zu Gips, wenn er so an der Geländeoberfläche liegt, dass Regenwasser eindringen kann. Solche Gipsvorkommen sind meistens etwa 30 Meter mächtig, weil die Eindringtiefe von Regenwasser soviel beträgt. Die tiefer liegenden Schichten bleiben Anhydrit.
Gips und Anhydrit sind monomineralische Gesteine. Sie sind also aus einem einzigen Mineraltyp aufgebaut, ähnlich dem Quarz und dem Calzit. Weil er sehr wasserlöslich ist, entstehen aus Gipsschichten oft unterirdische Kavernen. Ein Beispiel dafür ist die Höhle mit dem See von Saint-Léonard. Stürzen diese Grotten ein, bilden sich in ihren Deckschichten Trichter, die bis an die Geländeoberfläche reichen. Einen solchen Trichter nennt der Geologe eine Doline. Dohnen verursachen ernsthafte Baugrundprobleme, wie etwa in Verbier.
Die Bedachungsmaterialien
Dächer aus Schiefertafeln und Quarzitplatten gehören beinahe der Vergangenheit an, weil sie von Wellblech und Eternit verdrängt wurden. Denen, die zu den Ersatzstoffen griffen, muss man mildernde Umstände zubilligen. Sie wählten das leichtere Material nur, weil für die schweren Gewichte der Steindächer sehr massives und deshalb teures Dachgebälk nötig war. Die einstigen grossen Schieferbrüche sind heute nur noch an den Abraumhalden erkennbar. Im Oberwallis wurden hauptsächlich die schwach tonigen, schwarz-glänzenden Kalkschiefer des Lias in Brig, Termen, Morel und Ausserbinn genutzt, um sehr glatte, feinkörnige Dachplatten zu gewinnen. Nördlich von Leytron wurden am Fuss des Ardève Kieselkalkschiefer, ebenfalls Lias, abgebaut. Sie wurden sogar bis nach Zürich geliefert und nach Italien exportiert. Mit Dachschiefern aus den tonigen Lagen des Karbons von Salvan versorgte man das Unterwallis, von Martigny an abwärts. So bleiben fast nur noch die Quarzitbrüche von Kalpetran, im Mattertal, in Betrieb. Dort gewinnt man noch schöne grünlichweisse Dachplatten aus den Quarziten der Trias. Die sandig-kieseligen "Dalles de Sembrancher" werden vorwiegend als Trittplatten im Gartenbau oder als Bodenplatten auf Terrassen verwendet. Die Brüche, aus denen sie stammen, liegen alle auf dem gleichen Horizont, der sich von Sembrancher bis ins Rhonetal, oberhalb Saxon, verfolgen lässt. Altersmässig gehören sie zum Lias der Sedimentbedeckung des Mont-Blanc-Massives.
Die Kalksteine
Es gibt im Wallis einen berühmten Kalkstein und das ist der Marmor von Saillon. Ein weisser bis graublauer, von feinen farbigen Adern durchzogener Marmor, der weitherum in Europa verwendet wurde. Daraus bestehen die Säulen der klassischen Opéra und Fassaden einiger alter Häuser in Paris. Um die Bedeutung dieser Marmor-Gewinnung zu ermessen, muss man nur die Grösse der Grube und des Untertageabbaues betrachten. Das auf ein lokales Vorkommen beschränkte Gestein ist auf die Metamorphose eines im Verkehrtschenkel der Morcles-Decke eingeschlossenen Kalkhorizontes der Kreidezeit zurückzuführen. Wesentlich bescheidener gibt sich der Steinbruch von Mont-Chemin, in welchem Marmor aus einer im Gneis des Mont-Blanc-Sockels eingeschlossenen Sedimentlinse gewonnen wird.
Abgesehen von den beiden Marmorbrüchen werden Walliser Kalksteine kaum zu Bauzwecken verwendet. Dagegen wurden sie abgebaut um gebrannten Kalk zu gewinnen, den man als Düngemittel, zur Bodenstabilisierung oder als Kalkmörtel brauchte. Zement hat den Kalk verdrängt und zur Zementfabrikation wird tonhaltiger Kalkstein benötigt. Solchen findet man in der grossen Felswand unmittelbar am Westrand von Saint-Maurice. Im dortigen Steinbruch werden Schichten aus der unteren Kreidezeit ausgebeutet. Die zur Zeit in Kalkhorizonten offenen Gruben, die von Monthey bis Siders hässliche Wunden in die Talflanken geschlagen haben, dienen nur dem Abbau von Steinen, die zu Strassenschotter und Zuschlagstoffgebrochen werden.
Verschiedene Abbaubetriebe
Vereinzelte Abbaubetriebe nutzen besondere Gesteinsformationen. So werden beispielsweise die Quarzite von Saint-Léonard gebrochen, um sie zu feinem Sand für die Glas- und Schleifmittelfabrikation zu mahlen. Aus dem magnesiumhaltigen Kalk von Beauregard, am Gorwetschgrat südöstlich von Siders, gewann die Aluminiumindustrie während des Krieges das für die Herstellung von Leichtmetall-Legierungen nötige Magnesium. Damit ist die Liste der speziellen Abbaubetriebe nicht vollständig.
Die Kiesgruben
Wenn immer möglich zieht man es vor, Lockergesteine zu sieben, um daraus Kies und Sand zu gewinnen, statt Felsgesteine zu sprengen und zu brechen. Zur Betonherstellung sind grosse Mengen bereitzustellen und dafür wurden viele Kiesgruben geöffnet. Aber auch Moränen und Schutthalden werden angefahren, immer in der Hoffnung tonfreies Material zu finden. Letzteres ist wichtig, weil Ton eine gute Bindung zwischen Zement und Kies verhindert, wodurch die Qualität des Betons verschlechtert wird. Das Bett der Rhone lieferte guten, sauberen Kies und jedes Hochwasser brachte neuen daher, sodass die vom Bagger gegrabenen Löcher stets wieder aufgefüllt wurden. Doch die grossen Staumauern halten das Hochwasser zurück, sodass dieser Kiesnachschub versiegte. Natürlich beutet man auch die Kiesalluvionen der Rhoneebene aus. Doch da füllen sich die Baggerlöcher nur mit Wasser. Es entstehen so zwar viele, recht hübsche kleine Seen, aber die ganze Rhoneebene in einen einzigen See zu verwandeln kann sicher nicht im Interesse der Allgemeinheit liegen.