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Das Hôtel de Crillon am Place de la Concorde wird gerne als das französischte Grandhotel in Paris bezeichnet. Tatsächlich steht es an einem geschichtsträchtigen Ort und spiegelt die jüngere französische Geschichte gut wieder. Als nördlicher Gebäudeabschluss eines Königsplatzes von Architekt Ange-Jacques Gabriel geplant, verlieh ihm der spätere Besitzer Herzog von Crillon seinen Namen. Als die Revolution kam, wurde der grösste Platz von Paris zur Showbühne für die berüchtigte Guillotine und der Herzog enteignet. Und als der benachbarte Elysee-Palast ab 1873 zum offiziellen Amtssitz des Präsidenten erklärt wird und sich gleich um die Ecke die US-Botschaft ansiedelt, verwandelt sich der ehemalige Adelspalast 1909 in das Hôtel de Crillon und wird seitdem als Domizil für Staatsgäste reserviert. Hier gehen Politiker ein und aus, werden internationale Konferenzen abgehalten. Aber auch Schriftsteller und Schauspieler schätzen diesen luxuriösen Palast.
Am 5. Juli 2017, 108 Jahre nach seiner Premiere, wird das Hotel de Crillon nach über vier Jahren Renovation durch den Direktor Marc Raffray mit dem Durchschneiden des roten Bandes wieder eröffnet. Der Palast befindet sich jetzt in saudi-arabischem Besitz und wird von Rosewood Hotels betrieben.
Sowohl die Pläne für den Place de la Concorde (der damals Place Louis XV hiess) wie für die Fassaden der nördlichen Gebäude an dem Platz, zu denen auch das heutige Hôtel de Crillon gehört, zeichnete Ange-Jacques Gabriel (1698-1782), der Hofarchitekt von Louis XV. Gabriel stammt aus einer bedeutenden Architektenfamilie und baute in Paris u.a. die École Militaire. Er gestaltet die Fassaden im Louis XV-Stil. Die Kolonaden haben die Louvre-Gebäude zum Vorbild. Im linken Palais befindet sich das spätere Hôtel de Crillon, im rechten das Marineministerium. Getrennt werden sie durch die Rue Royale, welche zur Madeleine führt. Ab 1758 baut der Architekt Louis François Trouard (1729-94) den Gebäudeteil des Crillon hinter der markanten Fassade. 1788 kauft der Herzog von Crillon das Stadtpalais. Während der französischen Revolution wird das Gebäude konfisziert, aber 1820 an die Herzogin von Crillon zurückgegeben.
Bis 1907 bleibt es in Familienbesitz und wird auch von dieser bewohnt. 1907 erwirbt die Société des Grands Magasins et des Hôtels du Louvre das Gebäude. Die neuen Besitzer kaufen an der Rue Boissy d'Anglas zwei angrenzende Häuser dazu und engagieren den Architekten Walter-André Destailleur (1867–1940), um in zweijähriger Arbeit den ganzen Komplex in ein luxuriöses Grandhotel umzubauen. Am 11.März 1909 öffnet das Hôtel de Crillon mit einem grossen Gala-Diner seine Pforten für Gäste. Nicht nur dank den prächtigen Sälen und Salons im ersten Stock, sondern auch dank seiner Nähe zu den Ministerien und zum Elysée-Palast profitiert das Hotel von Staatsbanketten, Konferenzen und den Gästen der Regierung. Bereits 1778 wurde in diesem Gebäude im Beisein von Benjamin Franklin ein Dokument unterzeichnet, das die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten anerkannte.
Der „Salon des Batailles“ im ersten Stock ist in grau und gold gehalten, das Parkett erinnert an Versailles und die Möblierung im Louis XV-Stil erinnert nicht zuletzt daran, dass der Place de la Concorde ehemals Place Louis XV hiess und als Königsplatz natürlich eine Reiterstatue des Königs in seiner Mitte willkommen hiess. Das Foto rechts stammt aus den 1950er Jahren. Die Gemäle hängen heute nicht mehr im „Salon des Batailles“.
Wenden wir uns nun dem nächsten König und seiner bekannten Frau zu. Der „Salon Marie-Antoinette“ ist, wie könnte es anders sein, im Stil Louis XVI möbliert und erinnert an die Gattin des Königs, die hier Musikunterricht genommen haben soll. An der Wand hängt ein Gobelin-Teppich aus dem 18.Jahrhundert, der in Savona hergestellt wurde. Der „Salon Marie-Antoinette“ darf für sich in Anspruch nehmen, auf der klassizistischen Terrasse einen wunderschönen Blick vorbei an den korinthischen Säulen auf den grandiosen Place de la Concorde zu bieten. Hier konnte die Königin nach dem Musikunterricht ihre Seele baumeln lassen. Hätte sie geahnt, dass die nahende Revolution nicht nur ihrem Gemahl, sondern auch sich selber den Kopf kosten würde, wären ihre Gedanken wohl weniger rosig gewesen. 1792 wurde der Platz in Place de la Révolution umbenannt, ein Jahr später konnte die Guillotine dem Kopf von Marie-Antoinette nicht widerstehen.
Wenden wir uns nun noch dem „Salon des Aigles“ zu: französisches Parkett mit ungarischem Muster, Böhmisches Kristall, Wedgwood-Porzellan, goldverzierte Stuckatur und militärische Trophäen schaffen den internationalen Rahmen, wo der kleinste Minister sich als grosser König fühlen kann. Gefahr vom Revolutionsplatz besteht für ihn spätestens seit der Julirevolution von 1830 nicht mehr. Seit dann heisst er Place de la Concorde und beherbergt einen ägyptischen Obelisken, der 3200 Jahre alt sein soll. Die Eröffnungssitzung des Völkerbundes fand 1919 im „Salon des Aigles“ statt.
Während der deutschen Besetzung ist das Crillon ein Opfer seiner strategischen und privilegierten Lage und wird durch den Feind okkupiert, im ersten Stock die Büros der Militärregierung eingerichtet. Am 24.August 1944 kann das Hotel durch General Leclerc (1902-1947) befreit werden, nachdem eine Bombardierung und Feuer Schäden an der Fassade angerichtet haben. Zweihundert deutsche Offiziere, die sich noch im Gebäude befinden, werden verhaftet. Bis zu seinem Tod wählt Leclerc das Hôtel de Crillon als Domizil während seinen Aufenthalten in Paris.
Als im Winter 1953/54 eine Kältewelle Frankreich heimsucht, appelliert Abbé Pierre im Radio, die Obdachlosen zu unterstützen. Dieser Appell löst neben einer landesweiten Hilfswelle auch ein staatliches Wohnungsbauprogramm aus. Zu den prominenten Spendern gehört neben Charles de Gaulle auch Charles Chaplin, der Abbé Pierre im Februar 1954 im Hôtel de Crillon trifft.
Im Jahr 1981 findet eine grosse Renovation unter der Direktion des Architekten Jean-Loup Roubert (1932), der sich intensiv für die Renovation der Opéra Garnier einsetzte, statt. Für die Innendekoration wird Sonia Rykiel engagiert. Für die Bar baut der Bildhauer César (Baldaccini) eine Mosaik-Theke (Foto rechts).
Der Wintergarten wurde in den 2010er Jahren von der Innendesignerin Sybille de Margerie vollkommen neu mit Purpur und Gold dekoriert. Sanftes Licht überflutet die einladenden tiefen Sofas und bequemen Armsessel. Sybille de Margerie renovierte bereits im Jahr 2001 die Präsidentensuiten und im Jahr 2004 in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege das Gourmet-Restaurant Les Ambassadeurs.
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