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Von 1980 bis 87 ist Ruedi Brenner in der Schweiz und im Ausland über 600 Mal in den Rennsattel gestiegen. Daraus resultierten 50 Siege, deren 27 über Hindernisse und 23 auf der Flachen. Je fünf Siege erkämpfte er sich mit den legendären Pferden Nimblemoss und Upper Dan, die den älteren Lesern hier noch bestens bekannt sein dürften. Er holte sich ennet der Grenze das Münchner-Amateur-Championat, wurde Zweiter im Europa-Championat der Fegentrireiter und zweimal Dritter im Schweizer Amateur-Championat. Doch nach einem Unfall in Frankreich (1987) ist der ehemalige Hansdampf in allen Sätteln schlagartig von der Galoppsportbühne verschwunden. Es ist also höchste Zeit, bei Ruedi Brenner nachzufragen, wie es ihm seither ergangen ist.
Halswirbelbruch und Karriereaus
Lieber Ruedi, zuerst herzlichen Dank, dass du dich bereit erklärt hast, ein bisschen aus deinem heutigen Leben zu erzählen. Aber beginnen wir mit einem kleinen Rückblick: Zu deiner Aktivzeit war es in der Schweiz noch eher unüblich, ausländische Jockeys zu engagieren, man setzte auf die eigenen Leute, die auch in den Trainings geritten sind. Du warst während Jahren einer der meistbeschäftigten Amateurrennreiter. An manchen Rennsonntagen bist du fünf- bis sechsmal in den Sattel gestiegen. Trotzdem hast du als noch junger und fitter Reiter deine Rennstiefel 1987 an den Nagel gehängt. Was waren deine Gründe dafür?
Ruedi Brenner: Danke an Dich Bärbel, dass Du mich «ausgegraben» hast. Ja, es war anders damals, aber nicht weniger kompetitiv. Gab es doch zu meinen Zeiten Amateurrennreiter wie Dölf Renk, Pepi und René Stadelmann, Markus Gräff und andere, alle mit über 100 Siegen. Trotzdem konnte ich damals dank meines leichten Gewichtes viele Rennen reiten. So hatte ich beispielsweise 1985 knapp 90 Ritte in der Schweiz und zusätzlich 80 im Ausland und dabei total 16 Rennen gewonnen. Das ist heute für einen Amateur schwer erreichbar. Nun zu deiner Frage betreffend Karriereende: Ich ritt 1987 in Paris-Auteuil in einem Fegentrirennen. Am gegenüberliegenden Open-Ditch überschlug es mich und mein Pferd. Dies mit dem Resultat, dass ich einen Halswirbel brach. Das erforderte eine lange Pause, was für mich umso härter war, als dass ich zu der Zeit die Führung im Fegentri-Wettbewerb inne hatte. Übrigens für die Insider jener Zeit: Das Pferd hiess Mirabeau II und kam später von Frankreich für eine kurze Zeit in die Schweiz zu Hubert Despont ins Training.
Soweit ich mich erinnern kann, hast du einen relativ harten Break gemacht und warst schon kurz nach deinem Rücktritt auch als Zuschauer nur noch selten auf der Rennbahn anzutreffen. Brauchte es diesen konsequenten Schnitt, um Abstand zu gewinnen, weil es dir irgendwo schwer gefallen ist, aufzuhören oder warst du so übersättigt, dass dich die Pferderennen und die Szene einfach nicht mehr interessiert haben?
Sicher war das keine einfache Zeit, auch durch die Tatsache, dass es ja ein erzwungener Stopp war. Der Suchtfaktor Vollblut und der damit verbundene Kick der Rennreiterei hat schon stark nachgewirkt. Die verordnete Ruhe hatte aber den Vorteil, Distanz gewinnen zu können aber auch Abschied zu nehmen von der Vorstellung noch grosse Taten im Rennsattel vollbringen zu wollen. Auch hat es Raum geschaffen, mich vertieft mit meiner Zukunft auseinanderzusetzen. Ich beschloss, ein Studium der Betriebswirtschaft zu machen. Weil ich im Rennsport nicht reich geworden bin, musste ich – um mein Studium zu finanzieren – zusätzlich in Teilzeit an der Kaufmännischen Berufsschule arbeiten. Das hat dann nicht mehr viel Freizeit für die Rennbahn übriggelassen.
Magst du in einigen Sätzen erzählen, wie es in den – sagen wir mal ersten fünf – Jahren nach deinem Rücktritt in deinem Leben weitergegangen ist? Du hast dich ja nicht nur deiner beruflichen Weiterbildung gewidmet, sondern hast auch ferne Länder bereist.
Nach dem Studienabschluss habe ich mir erst mal eine dreimonatige Reise nach Australien und Neuseeland gegönnt. Danach war ich bei einem US-Dienstleister tätig, erst als Assistent des CEO’s und bald danach als Bereichsleiter für Marketing und Sales. Später kam dann die Ausbildung zum Trainer und Coach für Management und Verkauf bei einer internationalen Firma dazu, für die ich zusätzlich noch die Niederlassung München aufgebaut habe.
Firmeninhaber, Coach und vielseitiger Freizeitsportler
Heute bist du Inhaber der Firma Brenner & Partner und bietest Beratung, Trainings und Coachings in den Bereichen Management und Verkauf an. Du hast also eine – für ehemalige Sportler im Allgemeinen und für Rennreiter im Speziellen – eher unübliche Karriere gemacht. Wie sieht dein Alltag heute aus? Gibt es neben dem Beruf noch Platz für sportliche Aktivitäten? Du siehst zumindest noch genau so fit aus wie vor 25 Jahren.
Du bist (zu) nett, Bärbel. Ich weiss nicht so recht… Als ich aufgehört habe, konnte ich noch 57 kg reiten. Heute bin ich 65 kg schwer. Der Zuwachs kommt natürlich nur vom Muskelaufbau. Ne, Spass beiseite. Ich bin im Winter viel am Skaten (Skilanglauf), fahre Ski und mache ab und an eine Skitour. Im Sommer bin ich ebenfalls in den Bergen. Biken, Wandern und ab und an mit den richtigen Kollegen klettern gehen, hilft mir extrem gut bei der Erholung. Zudem versuche ich jeden Sommer auch noch eine Hochtour auf über 4000 m zu machen. Weiter habe ich vor fünf Jahren einen ziemlich verfallenen Stall in den Bergen gekauft und diesen renoviert. Da war viel schaufeln, Schubkarre fahren und betonieren als Freizeitbeschäftigung angesagt. Die sportlichen Aktivitäten sind für mich zugleich die Erfolgsbasis für meinen Beruf.
Zur beruflichen Tätigkeit: Ich bin seit 20 Jahren selbständig. Das Unternehmen ist mit sieben Mitarbeitenden überschaubar, braucht mich aber in der Führung, als Akquisemotor und Produktionskraft (ich bin noch an über 100 Tagen pro Jahr beratend, coachend und trainierend tätig). Unsere teils sehr namhafte Kundschaft ist primär in der Schweiz und in Deutschland. Das bedingt sehr viele Reisen und entsprechend viele Nächte in Hotels.
Bist du dem Rennsport und den Pferden noch irgendwie verbunden?
Ja, mit Gabi und Urs Muntwyler verbindet mich eine 30-jährige Freundschaft. Ich bin zudem Götti von Ella Muntwyler und hatte meine Finger im Spiel, als es darum ging ihr ein neues bzw. das aktuelle Rennpony zu besorgen. Auch stehe ich noch in regelmässigem Austausch mit Mariann Kläy, die ja in Irland ein kleines aber höchst erfolgreiches Gestüt betreibt. Lange hat auch die Verbindung zu Christian von der Recke gehalten für den ich früher auch oft Rennen ritt.
Werden wir dich in Zukunft ab und zu auf Schweizer Rennbahnen antreffen, als Zuschauer oder vielleicht sogar als Rennpferdebesitzer?
Als Besitzer weniger. Das habe ich zweimal versucht und nicht wirklich ein glückliches Händchen bewiesen. Als Zuschauer waren die Schneerenntage jahrelang fester Bestandteil meines Kalenders. In Zukunft bin ich sicher mal wieder an einem grösseren Renntag in Zürich oder Aarau zu sehen. Natürlich auch dann, wenn Ella einen Fan benötigt, der sie im Finish brüllend unterstützt. 😉
Herzlichen Dank, Ruedi, dass du uns einen so persönlichen Einblick in dein Leben gegeben hast. Ich und die Leser von Galoppszene wünschen dir auf deinem weiteren Weg alles Gute und viel Erfolg.