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Dr. Raffaele De Rosa, Prof. Dr. Stephan Schmid
In der Deutschschweiz lebende italienische Kinder wurden bezüglich Aussprache und Rechtschreibekompetenz in ihrer Muttersprache untersucht. Das Projekt wirft eine Vielzahl von kontaktlinguistischen Fragestellungen auf, die unter phonologischen, dialektologischen, soziolinguistischen und psycholinguistischen Gesichtspunkten erörtert werden. Die behandelten Fragen reichen vom phonologischen Merkmal [±gespannt] und der Lenisierung in den Mundarten Süditaliens über die Konfiguration des soziolinguistischen Repertoires der Bilingualen bis zur phonologischen und graphematischen Kompetenz von zweisprachigen Individuen.
Aus der an einem umfangreichen Korpus vorgenommenen Untersuchung geht hervor, dass die z.T. erheblichen Schwierigkeiten mit der italienischen Rechtschreibung zu einem grossen Teil auf Interferenz durch süditalienische Regionalvarietäten zurückzuführen sind, wobei das Problem durch den unterschiedlichen phonologischen Status des Merkmals [±gespannt] bzw. der Dauerkorrelation im Schweizerdeutschen noch verschärft wird. Der Zusammenhang zwischen Aussprache- und Rechtschreibekompetenz kann jedoch nicht direkt auf einzelne Individuen übertragen werden, da insbesondere das Phänomen der Hyperkorrektur berücksichtigt werden muss. Bilinguale können aufgrund ihrer phonologischen Kompetenz nicht in klare Typen eingeteilt werden; angemessener scheinen psycholinguistische Modelle, die eher von einem Kontinuum ausgehen und auch Überlagerungen verschiedener Einflüsse zulassen.