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Nicht alle Behandelten wollen selbst entscheiden
- a -- Levinson W, Kao A, Kuby A et al. Not all patients want to participate in decision making. A national study of public preferences. J Gen Intern Med 2005 (Juni); 20: 531-5
- Zusammengefasst von: Marcel Zwahlen
- Kommentiert von: Gianfranco Domenighetti
- infomed screen Jahrgang 9 (2005)
, Nummer 9
Datum der Ausgabe: September 2005
Studienziele
Verschiedene Institutionen rufen die Ärzteschaft dazu auf, Patientinnen und Patienten bei klinischen Entscheidungen aktiv zu beteiligen. Es ist allerdings wenig untersucht worden, ob diese Beteiligung von der Bevölkerung tatsächlich gewünscht wird. Im Rahmen einer landesweiten Befragung in den USA sollten die Wünsche der Bevölkerung in Bezug auf diese Beteiligung erhoben werden.
Methoden
Im Jahr 2002 wurde eine für die amerikanische Bevölkerung repräsentative Erhebung bei 2'765 Erwachsenen durchgeführt. Dabei wurden den Teilnehmenden auch drei Fragen vorgelegt, die die Wünsche bezüglich Teilnahme an medizinischen Entscheidungen erhellen sollten. Die drei Fragen bezogen sich auf: 1) ob man sich bezüglich medizinischer Information auf die behandelnde Person verlasse oder auch selbst versuchen würde, zu solcher Information zu kommen; 2) ob man wünsche, Wahlmöglichkeiten aufgezeigt zu erhalten und um seine Meinung gefragt zu werden; 3) ob man selbst über medizinische Behandlungen entscheiden möchte. Die Befragten konnten mit starker Ablehnung bis starker Zustimmung antworten.
Ergebnisse
Fast alle Befragten (96%) wünschten, Wahlmöglichkeiten aufgezeigt zu erhalten und um ihre Meinung gefragt zu werden. Mehr als die Hälfte (52%) bevorzugte es aber, die Entscheidungen über die Behandlung den Behandelnden zu überlassen. Fast die Hälfte (44%) zog es ausserdem vor, sich für Informationen auf die behandelnde Person zu verlassen, anstatt selbst Informationen zu suchen. Frauen, besser gebildete und gesündere Befragte wünschten verstärkt eine aktive Rolle in der Entscheidungsfindung. Die nicht-weisse Bevölkerung wünschte dies eher weniger. Bis zum Alter von 45 Jahren nahm der Wunsch nach einer eigenen aktiven Rolle zu, in höherem Alter wieder ab.
Schlussfolgerungen
Diese Befragung zeigt, dass die Wünsche bezüglich Beteiligung an medizinischen Entscheidungen in der Bevölkerung stark variieren. Fast alle wünschen aber, bezüglich Wahlmöglichkeiten nach ihrer Meinung gefragt zu werden. Wie aktiv Patientinnen und Patienten ihre Rolle bei Entscheidungen wahrzunehmen wünschen, soll individuell erfragt werden.
Zusammengefasst von Marcel Zwahlen
Viele wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Patientinnen und Patienten ihren Konsum medizinischer Güter nach der Qualität und der Quantität der erhaltenen Informationen richten. Wie die hier präsentierte Studie zeigt, möchten fast alle Befragten, dass ihnen die behandelnde Person mehrere diagnostische und therapeutische Möglichkeiten unterbreitet, damit sie sich dazu äussern können. Dies ist das wahrscheinlich wichtigste Ergebnis, welches die ethische Verantwortung der Behandelnden auf den Plan ruft, Patientinnen und Patienten für jede Möglichkeit Evidenzbasierte Informationen zu liefern, die sich auf die Vorteile, die Risiken, die Unsicherheiten und eventuelle Gegenargumente wissenschaftlicher Natur stützen.
Wenn wir an den «pharmazeutischen Tsunami» denken, der kürzlich durch die Verschreibung von COX2- Hemmern hervorgerufen wurde, glaube ich, dass noch ein weiter Weg vor uns liegt.
Gianfranco Domenighetti
Standpunkte und Meinungen
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