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Bibliothek
Die Geschichte der Stiftsbibliothek reicht bis in die Anfänge des Stiftes im 10. Jahrhundert zurück. Bücher spielten hier seit jeher eine wichtige Rolle. Die grossen liturgischen Folianten, die in der Kirche täglich für Gottesdienst und Chorgebet gebraucht wurden, sicherte man im Mittelalter sogar mit Ketten gegen Diebstahl. Vor der Erfindung des Buchdrucks waren diese nämlich unersetzliche Kostbarkeiten. Eine erste, vereinzelte Nachricht über eine Liberia des Stiftes stammt erst aus dem Jahr 1391. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts ist dann öfter von der Bibliothek die Rede. Die Gründe für dieses relativ späte und nur sporadische Auftauchen einer gemeinsamen Bücherei liegen einerseits darin, dass die Stiftsherren im Gegensatz zu den Klöstern keine vita communis, kein gemeinsames Leben, pflegten, sondern eigene Haushalte führten. Zum andern erlitt das Stift im 13. und 14. Jahrhundert schwere Schädigungen durch Kriegszüge und Brandschatzungen, denen mit grosser Wahrscheinlichkeit auch Bücher zum Opfer fielen.
Seit dem 14. Jahrhundert sind allerdings einzelne gelehrte Chorherren und Kapläne bekannt, die für damalige Verhältnisse umfangreiche Privatbibliotheken besassen. Da aber für die Stiftsbibliothek lange geeignete Räumlichkeiten fehlten, verschenkten die Stiftsgeistlichen ihre Bücherschätze häufig an Klöster, an Engelberg, Einsiedeln, Gnadental und vor allem an das 1606/08 gegründete Kapuzinerkloster Sursee.