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Er wird als Sohn des Johann Mösinger, Müller auf der oberen Mühle in Hassfurt, und seiner Frau Anna Dorothea am 19. März 1697 geboren und auf den Namen Andreas getauft. Mit 16 Jahren immatrikuliert er sich an der Universität Würzburg zum Studium der Philosophie. Mit 20 Jahren, er ist inzwischen Magister der Philosophie, tritt er unter Abt Gallus Knauer ins Kloster Langheim ein und legt dort 1718 unter dem Klosternamen Stephan die Gelübde ab. 1722 feiert er Primiz. 1728, nach dem Tod des Abtes Gallus Knauer, erlebt er die militärische Besetzung des Klosters durch Truppen des Fürstbischofs Lothar Franz von Schönborn. Im gleichen Jahr wird er Subprior, anschliessend Novizenmeister und unterrichtet ab 1731 an der klosterinternen Schule Philosophie und Theologie. Wiederum unter militärischen Drohgebärden Bambergs läuft am 26. Januar 1734 seine eigene Wahl zum Abt der reichsten Abtei im Fürstbistum Bamberg ab. Hier ist seit 1729 der Neffe von Lothar Franz, Reichsvizekanzler Friedrich Carl von Schönborn (1674–1746) als Fürstbischof an der Macht. Dieser gebildete, am Kaiserhof in Wien geschulte Diplomat, gleichzeitig auch Fürstbischof von Würzburg, ist nun Gegenspieler von Abt Stephan Mösinger bei den traditionellen Auseinandersetzungen der Abtei Langheim mit dem Fürstbistum. Immer geht es um die Reichsunmittelbarkeit und die Unabhängigkeit vom Bischof. Obwohl sie de jure existiert, wird jede entsprechende Handlung der Abtei von den absolutistisch denkenden Fürstbischöfen als Angriff taxiert und entsprechend hart beantwortet. Auch Abt Stephan ist ein kluger Diplomat. Er sieht die realen Machtverhältnisse und kann schon 1734 mit dem Fürstbischof einen Vertrag abschliessen, in dem Langheim endgültig auf die Reichsunmittelbarkeit verzichtet und die bambergische Landeshoheit anerkennt. Im Gegenzug erreicht er nebst dem Ende der Auseinandersetzungen einige finanziellen Verbesserungen und das Recht auf die Hohe Jagd. Das Jagdprivileg ist adeliges Statussymbol und muss dem Abt sehr wichtig sein, denn er ist begeisterter Jäger und hat eine Sammlung von 35 unterschiedlichen Gewehren und 10 Paar Pistolen. Hier zeigt sich das barocke Selbstverständnis des Bürgerabtes, der seine Stellung gegenüber den adeligen Herrschern als gleichberechtigt verteidigt und auch demonstriert, indem er am Bamberger Hof mit sechsspännigem Gefährt vorfährt, mit drei Bedienten zu Pferd und drei Bedienten zu Fuss. Nicht nur in der Prachtentfaltung sind sich Abt und Fürstbischof ähnlich, auch ihre Vorliebe für repräsentatives Bauen zeigt gleiche Züge. Der Unterschied liegt in den Finanzierungsmöglichkeiten. Während der Abt für das Bauwesen jährlich um die 5000 fränkische Gulden aufwenden kann, gibt der Fürstbischof nur schon für die neue Residenz in Würzburg das Zehnfache aus. Abt Stephan setzt das Geld in Langheim optimal ein. Von seinem Vorgänger, Abt Martin Wolf, übernimmt er den Weimarer Landbaumeister Gottfried Heinrich Krohne, der seit 1728 am Bau der «Neuen Abtei» tätig ist und nun auch die Konventflügel neu erstellt. 1742 sind die Bauten fertig. Langheims Konventgebäude zeigen in ihrer repräsentativen und residenzähnlichen Architektur unübersehbar fürstenähnlichen Anspruch. Als Bauherr tritt Abt Stephan auch in Bamberg auf. Hier lässt er am Langheimer Stadthof einen neuen Nordflügel errichten. Weniger Interesse hat er an einem mit dem Fürstbischof vereinbarten Neubau für die Wallfahrt in Vierzehnheiligen. Er lässt sich zwar von den Baumeistern Krohne und Welsch, dann auch vom Baumeister des Fürstbischofs, Balthasar Neumann, Pläne für die Wallfahrtskirche ausarbeiten. Wichtiger sind ihm aber die Planungen für Langheim. 1741 liefert ihm Neumann Pläne für einen einmalig grossartigen Langheimer Kirchenneubau. Es bleibt beim Projekt, denn ab 1743 wird in Vierzehnheiligen gebaut. Der Neubau verschlingt jährlich um 2000 bis 4000 Gulden, sodass weitere grössere Bauvorhaben unterbleiben müssen. Mit Vierzehnheiligen geht Abt Stephan eher ungewollt als Bauherr einer der schönsten Wallfahrtskirchen des süddeutschen Barock in die Geschichte ein.
Er stirbt am 3. September 1751 im Alter von 54 Jahren in Langheim.
Sein Nachfolger kann vom stolzen und prachtliebenden Prälaten eine gut verwaltete und schuldenfreie Klosterherrschaft übernehmen.
Seine Leistungen werden von späteren Geschichtsschreibern nicht gewürdigt. So schreibt Heinrich Joachim Jäck, 1796 bis 1802 Konventuale von Langheim, in einer Denkschrift von 1840:
«1734–51 Stephan Mösinger, Erbauer eines Abtei- und Konvents=Flügels, Begründer der verbrannten Bibliothek und des Tempels zu Frankenthal, unendlich hochmüthig und verschwenderisch, 3. Sept.»
Ein weit verbreiteter Kupferstich des Jahres 1744 zeigt den damals 47-jährigen Abt Stephan stehend, das Gesicht dem Betrachter zugewandt und mit der rechten Hand das Brustkreuz fassend. Diese Geste ist bei vielen Abtporträts enthalten und kann nebst dem Zeichen der Kreuzfrömmigkeit auch als demonstrativer Hinweis auf die Unabhängigkeit vom Bischof aufgefasst werden. Tatsächlich haben die Fürstbischöfe das Tragen des Brustkreuzes in ihrer Gegenwart nicht akzeptiert. Demonstrativ hat es Abt Stephan bei seiner ersten Audienz mit Friedrich Carl von Schönborn trotzdem getragen. Der Fürstbischof empfängt ihn deshalb nicht und lässt ihm mitteilen, dass es «keinem Prälaten gebühre, in hoher Gegenwart seines Herrn Ordinarij das Creuz öffentlich zu tragen».
Sein Wappen, auf dem Stich und auch prominent am Mittelrisalit des Propsteigebäudes in Vierzehnheiligen zu finden, ist ein «sprechendes» Wappen. Heraldisch nicht korrekt, aber mit grossem Symbolgehalt, ist in Blau eine goldene Sonne über einem grünen Berg, begleitet von einer Hand und einer Taube zu finden. Nicht genug der Symbolik, trägt die Hand noch eine Stola und die Taube hält einen Fisch im Schnabel. Solche vor allem farblich nicht korrekten Wappenkombinationen sind im Barock bei bürgerlichen Prälaten keine Seltenheit, man benutzt das neue Wappen in erster Linie zu einer Aussage. Seine Präsenz an den Gebäuden ist nicht nur Hinweis auf den Bauherrn, sondern markiert auch Hoheitsrechte.
Pius Bieri 2010
Benutzte Literatur:
Ruderich, Peter: Vierzehnheiligen, eine Baumonographie. Bamberg 2000.
|Abt OCist Stephan Mösinger (1697–1751) von Langheim|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|19. März 1697||Hassfurt Unterfranken Bayern||Hochstift Würzburg|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt der Zisterzienserabtei Langheim||1734–1751|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|3. September 1751||Klosterlangheim Oberfranken Bayern D||Hochstift Bamberg|
|Kurzbiografie|

Abt Stephan Mösinger steht der reichsten und de jure sogar reichsunmittelbaren Abtei im Bistum Bamberg vor. Von den Bamberger Fürstbischöfen wird diese Unabhängigkeit aber nie anerkannt und mit allen Mitteln bekämpft. Der junge Abt sieht die machtpolitischen Verhältnisse real und kann mit dem förmlichen Verzicht auf die Reichsunmittelbarkeit einige Privilegien erreichen. Als Bauabt will er eigentlich nur in Langheim wirken, und hier nebst dem Konvent auch die Stiftskirche neu bauen. Der vorgezogene Neubau der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen wird aber ein Prestige-Objekt des Fürstbischofs, der taktisch sehr klug vorgeht und auf Kosten Langheims das Neumann-Projekt verwirklicht. Für den Kirchenneubau in Langheim fehlen in der Folge die Mittel.
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