Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03610.jsonl.gz/42

Er war die „Macht hinter dem Thron“ des Dritten Reichs, ein Mensch, der selten im Vordergrund stand, aber unentbehrlich war: Heinrich Hoffmann, der Hoffotograf von Adolf Hitler. Fast alle offiziellen Hitler-Fotos stammen von ihm. Joe J. Heydecker hat in Das Hitler-Bild Hoffmanns Erinnerungen nach dessen eigenen Aussagen aufgezeichnet.
Schon die Zufallsaufnahme Hitlers bei der Kriegsmobilmachung 1914 auf dem Odeonsplatz in München stammt von Hoffmann. Bereits in den frühen Zwanziger Jahren (also lange, bevor damit viel Geld zu verdienen war) wurde Hoffmann der „offizielle“ Fotograf der NSDAP und ihres Führers, den er in unzähligen Posen publikumswirksam in Szene setzte. Nach 1933 (er wartete im Vorzimmer, während Hindenburg Hitler zum Reichskanzler machte) wurde der Fotograf für den neuen Machthaber (den er weiterhin mit „Herr Hitler“ anreden durfte) vollends unentbehrlich. Ob Berlin, Obersalzberg oder Wolfsschanze – wo Hitler war, da war Hoffmann nicht weit. Letzterer profitierte finanziell gewaltig von seinem faktischen Monopol auf „Führerbilder“, nach denen jetzt natürlich eine enorme Nachfrage bestand. Er duzte Martin Bormann und begleitete 1939 Aussenminister Joachim von Ribbentrop nach Moskau. Auch gegen Ende des Krieges, als Hitler sich immer seltener zeigte, gelangen Hoffmann noch einige prägnante Aufnahmen; etwa die, auf der ein Soldat am 20. Juli 1944, als wäre es eine Reliquie, die beim Attentat zerfetzte Hose des Diktators betrachtet (leider ohne Hitler drin). Kurz vor Kriegsende entkam Hoffmann aus dem umkämpften Berlin; Hitler hatte ihn noch gebeten, Eva Braun (Hoffmanns ehemalige Angestellte, die der Führer in Hoffmanns Geschäft kennengelernt hatte) mitzunehmen, doch die Braun lehnte ab; ihr weiteres Schicksal ist bekannt.
Nach dem Krieg behauptete Heinrich Hoffmann, 20 Jahre lang einer der engsten Vertrauten Hitlers, Mitgestalter des Führermythos‘, Arbeitgeber Eva Brauns und Schwiegervater Baldur von Schirachs, steif und fest, nur ein „unpolitischer Beobachter“ gewesen zu sein und „nichts gewusst“ zu haben… Aber seine Einblicke in das Innenleben des Tyrannen und Massenmörders sind trotzdem interessant.