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der, zur Religionsschwärmerei neigend, sich zu der Stiftung einer neuen Sekte berufen glaubte. Sein erstes Auftreten bestand in der Zerstörung von Tempeln und Götzenbildern. Seine Lehre [* 2] war ein phantastisches Gemisch christlicher, buddhistischer und ihm selbst angehörender Religionsbegriffe. Er nannte sich Thien-wang, Himmelkönig, und den jüngern Bruder Jesu, sein Reich Thien-kuo, Himmelreich, und die Zeit seiner Herrschaft Tai-ping (großer Friede).
Die Zahl der Tai-ping wuchs so schnell an, daß sie die gegen sie ausgesandten kaiserl. Truppen zurückwarfen und schon Aug. 1851 die Stadt Jung-ngan in Kwang-si erobern konnten. Im September desselben Jahres ließ sich Hung-tsin-tsüan zum Kaiser ausrufen und umgab sich mit vier nach den Himmelsgegenden genannten Königen. Im Frühjahr 1852 unternahm er einen Eroberungszug gegen Norden [* 3] zum Jang-tse-kiang, infolgedessen ein großer Teil dieses Flusses in seine Macht kam.
Auf dem Wege waren der Nan-wang oder König des Südens und der Si-wang oder König des Westens (letzterer vor dem von Tsöng-kwo-fan behaupteten Tschang-scha) gefallen. Die Tai-ping zogen in das eroberte Nan-king ein, erschlugen die ganze tatar. Garnison mit Frauen und Kindern, über 20000 Personen, und machten die Stadt unter dem Namen Thien-ting (Residenz des Himmels) zum Hauptort ihrer Theokratie, nachdem sie alles, was an die andern Religionen und die herrschende Dynastie erinnern konnte, zerstört hatten.
Der Thien-wang lebte fortan unter den Weibern seiner neuen Hofburg, während seine Feldherren auszogen, erst die Städte im Osten zu erobern, dann aber einen Streifzug nach Norden unternahmen, um die Macht der Mandschu in Peking [* 4] selber zu vernichten. Ihre erste Niederlage erlitten die Tai-ping vor Kai-föng. Hierauf belagerten sie, nach einem Zuge durch Schan-si und Pe-tschi-li, Tien-tsin, mußten sich aber zurückziehen und wurden von dem aus der Mongolei herbeigeeilten San ko-lin-sin eingeschlossen.
Verstärkt durch ein von Süden gekommenes Hilfsheer errangen sie im April 1854 am Großen Kanal [* 5] wieder einen Sieg, wurden aber später bei Tung-tschang vollständig geschlagen und mußten sich über den Hoang-ho zurückziehen. 1856 war Nan-king der Schauplatz innerer Zwiste unter den Führern der Tai-ping. Der Tung-wang oder König des Ostens, welcher durch seine angeblichen himmlischen Eingebungen dem Thien-wang lästig geworden war, wurde durch den Pei-wang oder König des Nordens getötet, was zu einem allgemeinen Gemetzel Anlaß gab und auch zur Zerstörung des berühmten Porzellanturmes führte.
Der verhaßte Pei-wang fiel bald selber einem gewaltsamen Tode anheim, nachdem sein früherer Mitverschwörer, der I-wang Schi-ka-lai, sich den Folgen seiner Feindschaft entzogen und den Schauplatz seiner Thaten nach Sze-tschwan verlegt hatte. 1858 wurde das von den Kaiserlichen bedrängte Nan-king vom Tschung-wang oder «treuen König» zum ersten, 1860 zum zweitenmal entsetzt, nachdem derselbe durch die Belagerung von Hang-tschou einen Teil der vor Nan-king liegenden Kaiserlichen dorthin gelockt hatte. Im Mai nahmen die Tai-ping Su-tschou, Ning-po ein und begannen Anfang Jan. 1862 die Belagerung von Shang-hai.
Die Belagerung Nan-kings durch die Kaiserlichen war noch immer erfolglos geblieben. Durch die Einnahme von Ning-po und den Angriff auf Shang-hai, den Mittelpunkt des chines.-europ. Handels, wurden die Interessen der Engländer und Franzosen, mit denen die chines. Regierung Okt. 1860 nach einem mehrjährigen Kriege (s. unten) neue Verträge geschlossen hatte, unmittelbar bedroht. Beide Mächte leisteten deshalb der chines. Regierung Hilfe, und ein franz.-engl. Truppenkorps vertrieb im April und Mai 1862 die Tai-ping aus der Umgegend von Ning-po und Shang-hai.
Zugleich wurden chines. Truppenabteilungen unter engl. und franz. Offiziere gestellt, während der engl. Kapitän Osborne ein chines. Kriegsgeschwader für den Dienst auf den Flüssen organisierte. Das franz.-chines. Korps eroberte von Ning-po aus Febr. 1863 Schao-hing und Hang-tschou, die Hauptstadt der Provinz Tsche-tiang, während die kaiserl. Truppen die letzte Position der Tai-ping daselbst, Hu-tschou, einnahmen. Der Befehlshaber der engl.-chines. Legion, Major Gordon (s. d.), hatte währenddessen von Shang-hai aus in der Provinz Kiang-su nach dem Jang-tse-kiang hin operiert und Tai-tsang, und 3. Dez. Su-tschou eingenommen. Im Mai 1864 fiel Tschang-tschou in seine Gewalt, sodaß die Tai-ping jetzt auf Nan-king beschränkt waren, das sich nach tapferer Gegenwehr 19. Juli dem kaiserl. Feldherrn Tsöng-kwo-fan ergeben mußte. Am 30. Juni schon hatte sich Thien-wang mit seinen Weibern und Schätzen selbst verbrannt.
Zwar wurde sein Sohn als Thien-wang ausgerufen, und Tschung-wang suchte ihn bei der Erstürmung zu retten. Einige Tage später wurde Tschung-wang gefangen und 7. Aug. hingerichtet, welches Schicksal schon 1863 den I-wang Schi-ta-kai in Sze-tschwan betroffen hatte. Mit dem Falle von Nan-king war die Sache der Tai-ping verloren, obschon ihre Überreste, zerstreute, im Lande umherziehende Räuberbanden, sich gegen Ende 1864 wieder vereinigten und 1865 deren endliche Unterdrückung in den Provinzen Fu-kien, Tsche-kiang und Kiang-fu der Regierung noch viele Mühe kostete.
Der mit dem Aufstande der Tai-ping gleichzeitige Krieg C.s mit England und Frankreich wurde hauptsächlich durch folgende Umstände veranlaßt. Die mit beiden Staaten abgeschlossenen Verträge C.s widerstritten sowohl dem Gefühl der Bevölkerung [* 6] im allgemeinen als auch dem persönlichen des Kaisers. Anlässe zum Bruche boten die Ermordung eines kath. Missionars (Juni 1856) und die Beschlagnahme eines chines. Fahrzeugs, das früher engl. Schiffspapiere und die engl. Flagge geführt hatte und die Gefangensetzung von 12 angeblich der Piraterei verdächtigen Matrosen.
Als die geforderte Genugthuung ausblieb, besetzte der engl. Konteradmiral Seymour die Forts an der Bocca-Tigris und beschoß 28. und 29. Okt. sowie 1., 3. und 14. Nov. Kanton. [* 7] Da die vorhandenen Streitkräfte jedoch nicht ausreichten, sandte die engl. Regierung eine bedeutende Seemacht und Landarmee nach China, [* 8] die Lord Elgin als Regierungskommissar mit unbeschränkter Vollmacht befehligte. Frankreich schloß sich England an, ernannte Baron Gros zu seinem Bevollmächtigten in China und sandte unter Admiral Rigault de Genouilly eine bedeutende Schiffsmacht ab, der später ungefähr 1500 Mann Infanterie folgten. Nordamerika [* 9] und Rußland beteiligten sich durch Bevollmächtigte. Infolge des ind. Aufstandes standen die engl. Streitkräfte aber erst Okt. 1857 völlig zur Verfügung.
^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.] ¶
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Am 12. Dez. stellten die Alliierten dem Vicekönige Je das Ultimatum, das dieser verwarf. Nun besetzten sie die Insel Ho-nan gegenüber von Kanton und beschossen am 8. Dez. Kanton, das an verschiedenen Stellen in Brand geriet und tags darauf genommen wurde. Am fand die Gefangennahme des Vicekönigs statt, der als Kriegsgefangener nach Kalkutta [* 11] gesandt wurde. Als schließlich aus Peking ausweichende Antworten auf die Forderungen der Verbündeten eintrafen, erschien die engl.-franz. Flotte vor dem Pei-ho und vernichtete 20. Mai mehrere kleinere Festungswerke, später das Fort Ta-ku.
Von hier fuhr eine Flottille von Kanonenbooten den Fluß hinauf und erreichte 26. Mai Tien-tsin. Jetzt kamen die Unterhandlungen zum Abschluß. Tien-tsin wurde ebenfalls zum Freihafen erklärt. An Kriegskosten forderte England 8, Frankreich 4 Mill. Doll. In besondern und wichtigen Fällen sollten Gesandte der europ. Staaten das Recht haben, in Peking zu erscheinen und zu wohnen. Am traf die Bestätigung durch den Kaiser in Tien-tsin ein. Rußland hatte fast gleichzeitig einen Separattraktat über die Abtretung des Territoriums Amurland (s. d.) geschlossen.
Auch jetzt noch suchte die chines. Regierung die Ausführung der Verträge nicht nur in die Länge zu ziehen, sondern bereitete sich sogar auf einen neuen Krieg vor. Am wurde die engl.-franz. Flotte von den Forts am Pei-ho beschossen. Da beschlossen England und Frankreich, den Krieg bis zur völligen Demütigung fortzusetzen. Schon Mai 1860 befanden sich unter General Sir Hope Grant in und bei Kanton 13000 Mann engl. und engl.-ind. Truppen, während die Flotte neben den Transportschiffen aus fast 200 Fahrzeugen bestand.
Die franz. Streitkräfte, 9000 Mann unter General Cousin-Montauban und 39 Kriegsschiffe unter Viceadmiral Charner, versammelten sich in Shang-hai. Die Oberleitung führten wieder Lord Elgin und Baron Gros. Ein gestelltes Ultimatum verwarf die Regierung des Kaisers. Infolgedessen begab sich die engl.-franz. Flotte nach der Mündung des Pei-ho und schiffte 11. Aug. bei Pei-tang 13000 engl. und 7500 franz. Landungstruppen aus. Am 12. Aug. wurde Sin-ho, tags darauf Ta-ku genommen, 19. Aug. der Pei-ho überschritten und 21. Aug. die Forts von Ta-ku erstürmt.
Vom 8. Sept. ab rückten 6000 Mann engl. und 5000 Mann franz. Truppen nach Peking vor. Aufs neue trugen die Chinesen Friedensunterhandlungen an, die auf Verlangen der Alliierten in Tung-tschou, 8 km von Peking, 14. Sept. auch wirklich begannen. Aber 18. Sept. wurde das engl.-franz. Hauptkorps in der Stärke [* 12] von 6200 Mann Infanterie und 600 Mann Kavallerie mit 20 Geschützen von 10000 Mann chines. Infanterie und ebensoviel Kavallerie mit 100 Geschützen bei Tschang-kia-wan, 3,25 km von Tung-tschou, unerwartet angegriffen.
Die Alliierten erfochten einen vollkommenen Sieg. Von den an den Unterhandlungen zu Tung-tschon beteiligten Offizieren und Beamten fielen aber 39 in die Hände der Chinesen und wurden nach Peking geschafft. Vergebens verlangte Lord Elgin ihre Wiederauslieferung. Am 21. Sept. wurde die chines. Armee noch einmal seitens der Alliierten bei Pa-li-kiau in die Flucht geschlagen. Die Friedensanträge durch den Bruder des Kaisers, den Prinzen Kung, 22. und 23. Sept., führten zu keinem Resultat; 7. Okt. fielen die prachtvollen kaiserl. Sommerpaläste mit Kunstwerken und Kostbarkeiten aller Art den Verbündeten in die Hände und wurden von den Franzosen drei Tage lang ausgeplündert. Am 9. Okt. stand das Heer vor Peking selbst und am 13. wurde ihnen ein Stadtthor geöffnet. Da von den gefangenen Unterhändlern 20 von den Chinesen ermordet oder an Mißhandlungen umgekommen waren, verschärften Lord Elgin und Baron Gros die Friedensbedingungen.
Diese waren: die Erledigung der Verträge von Tien-tsin bis zum 23. Okt., Zahlung von je 16 Mill. Doll. an die engl. und franz. Regierung sowie Zahlung einer Entschädigung an die Angehörigen der umgekommenen Gefangenen und die Besetzung von Tien-tsin bis zur Bezahlung der Kriegsentschädigungen. Am 18. und 19. Okt. ließ Lord Elgin, zur Strafe dafür, daß der Kaiser die Mißhandlung der Gefangenen zugelassen hatte, den Palast Juën-ming-juën niederbrennen. Die Ratifikation der Verträge fand 24. und statt.
Der Kaiser bestätigte sie zu Schehol, in seinem Sommersitze bei Tscheng-te nördlich der Großen Mauer, am 2. Nov., wonach 10. Nov. die europ. Truppen Peking wieder verließen. Im März 1860 nahmen der engl. und franz. Gesandte ihren Wohnsitz in Peking und im Juli desselben Jahres folgte ihnen der nordamerikanische. Der schon früher (1858) mit Rußland abgeschlossene Vertrag wurde Ende 1861 ergänzt und außer dem linken Ufer des Amur auch das rechte Ufer des Ussuri bis zur Grenze von Korea abgetreten, wie auch eine ständige Gesandtschaft in Peking nunmehr zugelassen wurde.
Am starb der Kaiser Hien-föng zu Schehol und ihm folgte sein fünfjähriger Sohn Tsai-tschun, dessen Herrscherzeit Tung-tschi genannt wurde, zuerst unter Vormundschaft dreier Prinzen, welche den Ausländern abgeneigt waren, und fünf anderer hoher Beamter, sowie seiner Mutter und der ältesten Gemahlin seines Vaters, später nur der letztern und seines Oheims, des Prinzen Kung. Letzterer trat nach Verurteilung und Beseitigung der übrigen drei Prinzen an die Spitze der Regierung.
Einsichtsvoll und energisch, Nachtete er dem Nationalhaß der Chinesen gegen die Ausländer entgegenzuwirken. Auch mit andern europ. Mächten wurden nun Handelsverträge geschlossen und diplomat. Verbindungen angeknüpft, nämlich zu Tien-tsin durch Graf Eulenburg mit Preußen [* 13] und dem Zollverein, welcher Vertrag 1866 auf den Norddeutschen Bund und 1871 auf das Deutsche Reich [* 14] überging; 1862 mit Spanien, [* 15] Belgien, [* 16] Portugal und 1863 mit Dänemark. [* 17] Jetzt nahmen auch die Vertreter von Spanien, Deutschland, [* 18] später auch die von Österreich, [* 19] Italien, [* 20] den Niederlanden und Belgien ihre Residenz in Peking.
Aber auch nach dem Friedensschlüsse mit England und Frankreich war der chines. Regierung keine Ruhe gegönnt. Der Ausstand der Tai-ping war zwar schon 1865 unterdrückt, aber noch während seiner Dauer brach im Norden die Empörung der Nien-fei aus, die erst 1870 völlig unterdrückt wurde. Weit bedeutender war der Aufstand in der Provinz Jün-nan (s. d.). Der Kreisvorsteher der Stadt Ho-king ließ die dortigen Mohammedaner überfallen und gegen tausend erschlagen. Ähnliches geschah an andern Orten. Infolge hiervon schlossen sich unter Tu-wen-siu, einem Schriftgelehrten aus Möng-hwa, die Mohammedaner fester zusammen und rückten im April 1857 gegen Ta-li-fu, die
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