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3. GENERATION
Hansuli Louis Keller-Strittmatter
23. Juni 1930–25. Dezember 1987
Geschäftsführer der Druckerei Steckborn von 1966–1987
in der 3. Generation
Hansuli Keller wurde am 23. Juni 1930 geboren. Er war der älteste Sohn der Familie Keller-Kuhn und verbrachte mit seiner Schwester Trudi und seinem Bruder Louis eine glückliche Jugendzeit. Nach der Primar- und Sekundarschule begann er eine Lehre als Buchdrucker in Altstätten. Ein bedauerlicher Unfall an der Druckmaschine im ersten Lehrjahr bewog ihn, die begonnene Lehre abzubrechen, um im väterlichen Betrieb das Metier des Schriftsetzers zu erlernen. Nach dem Lehrabschluss zog es ihn in die Fremde, um sich weiterzubilden und weitere berufliche Erfahrungen zu sammeln. Er arbeitete in Basel und Lausanne, bevor er dann nach Steckborn zurückkehrte, um im Betrieb seines Vaters langsam in die Veranwortung hineinzuwachsen.
Im Jahre 1966 heiratete Hansuli Keller Lili Strittmatter, die als Lyrikerin weit über unsere Region hinaus bekannt geworden ist. Der Ehe entsprossen zwei Knaben: Hansuli, der ältere der beiden, absolvierte eine Laborantenlehre und Martin erlernte ebenfalls den Beruf des Schriftsetzers. Trotzdem er durch seine Arbeit fast vollständig absorbiert war, sich kaum je Ferien gönnte und nur über eine karge Freizeit verfügte, sah man ihn oft am Sonntag im Kreise seiner Familie auf einem Spaziergang, ganz sicher aber an jedem Turnfest. Seit eh und je war er dem Turnen zugetan und wurde schon in jungen Jahren eifriges Mitglied des Turnvereins.
Hansuli Keller lebte eher zurückgezogen, als Alleingänger, und er schien für die meisten Mitmenschen etwas unnahbar, vielleicht sogar verschlossen. Es war nicht leicht, mit ihm in engeren Kontakt zu kommen. Oft konnte er gar mit seinen Ansichten und Auffassungen brüskieren. Wer ihn nur von dieser Seite kannte, wird jedoch seinem wahren Wesen in keiner Weise gerecht. Die scheinbar harte Schale barg einen weichen Kern. Hansuli Keller war jederzeit dienstbereit, feinfühlig, und es war ihm im geselligen Kreis durchaus wohl. Von dieser Seite haben ihn alle jene kennen gelernt, die mit ihm nähere Beziehungen pflegten.
Mit seinen Mitarbeitern im Betrieb war er stets korrekt, weshalb er sich auf eine zuverlässige, einsatzfreudige Belegschaft abstützen konnte. Bestes Zeugnis dafür waren die wenigen Wechsel in seinem Mitarbeiterstab.
Herb war der Verlust durch den Tod von Hansuli Keller vor allem auch für Steckborn und die gesamte Region am Untersee, war doch der Verstorbene im wahrsten Sinne des Wortes die Seele des «Bote vom Untersee». Die Lokalzeitung hat in Steckborn eine lange Tradition. Bereits im Jahre 1882 wurde hier durch den Buchdrucker Jakob Hauser der «Anzeiger vom Untersee» herausgegeben. Aber schon drei Jahre später verlegte Hauser sein Geschäft nach Kreuzlingen, das eine weit stürmischere Entwicklung erlebte als Steckborn. Sein Blatt nannte sich fortan «Thurgauer Volksfreund». Hier vermisste man jedoch das Lokalblatt, weshalb sich im Jahre 1900 einige führende Steckborner mit Buchdrucker Louis Keller-Steffen, dem Grossvater von Hansuli Keller zusammentaten, um eine neue Zeitung ins Leben zu rufen. Dies war die Geburtsstunde des heute noch bestehenden «Bote vom Untersee». Als 1934 Louis Keller-Steffen starb, ging die Geschäftsleitung an Louis Keller-Kuhn über. Dieser erkrankte in den sechziger Jahren schwer, was den damals zirka 35 Jahre alten, ältesten Sohn Hansuli Keller zwang, sich langsam in die leitenden Funktionen einzuarbeiten. Nach dem Tode seines Vaters zeichnete er sich verantwortlich für den redaktionellen Bereich, korrigierte den gesamten Satz, arbeitete an der Setzmaschine, half, wenn Not am Mann war beim Handsatz, kalkulierte die Druckarbeiten und erledigte die Papierbestellungen. Mit besonderer Hingabe und Liebe betreute Hansuli Keller aber seine Zeitung und gab ihr sein Gepräge. Er wusste um die Stärke eines Lokalblattes, das inmitten seiner Leserschaft lebt.
Jedermann standen die Zeitungsspalten offen, gleichgültig, welche politische Richtung er vertrat. Mit Bedacht setzte der Verstorbene seinen Korrekturstift an, um die Eigenart der einzelnen Beiträge nicht zu verfälschen. Vermisst werden seine Berichterstattung über die Gemeindeversammlungen. Wenn er auch lange nicht mit allem einverstanden war, was in den Behörden und an Gemeinden beschlossen und verwirklicht wurde, so zeichneten sich seine ausführlichen Berichte stets durch Objektivität und Sachkenntnis aus.
Der «Bote vom Untersee» sah nicht immer nur goldene Zeiten. Kritische Jahre konnten nur dank der aufopfernden Hingabe von Hansuli Keller und dank der Mitarbeit der ganzen Familie überstanden werden. Denken wir nur an das grosse Zeitungssterben in den siebziger Jahren. Und als im Zeitungsgewerbe die grosse Umstellung auf den Fotosatz einsetzte, schien auch den letzten Lokalblättern der Schnauf auszugehen. Hansuli Keller wartete vorerst in seiner bedächtigen Art die Auswirkungen ab und wagte in den letzten Jahren mit seinem versierten Mitarbeiterstab selber und mit Erfolg die Umstellung auf den Fotosatz. Kontinuierlich bemühte er sich um den Weiterausbau seiner Zeitung, erreichte, dass sie Publikationsorgan der Gemeinde Stein am Rhein wurde und steigerte die Auflage während seiner Wirkungszeit von rund 1800 auf 3800. Dann war es sein stetes Anliegen, die Abonnementspreise derart niedrig zu halten, damit der «Bote» auch weiterhin als Heimwehblatt in aller Welt gelesen werden konnte.
Mit dem Tode von Hansuli Keller war in der Buchdruckerei Keller eine weitere Ära zu Ende gegangen. Nicht nur die Familie trauerte um einen lieben Mitmenschen. Er hatte auch im Betrieb eine empfindliche Lücke hinterlassen. Sein grosser Bekanntenkreis vermisste ihn und er fehlte auch im Stadtbild. Oft wurde er in seiner blaugrauen Berufsschürze geschäftig zwischen dem Laden, seinem kleinen Büro und der Druckerei zirkulieren gesehen. Nach schwerer, mit Geduld ertragener Krankheit wurde er in der Heiligen Nacht, für viele doch überraschend, von seinem unheilbaren Leiden erlöst. Damit war ihm wohl ein weiteres Schmerzenslager erspart geblieben. Steckborn ist um eine eigenwillige Persönlichkeit, der die Gemeinde viel zu verdanken hat, ärmer geworden.
Trudi Hollenweger-Keller
20. Juli 1931–29. August 2002
Geschäftsführerin der Druckerei Steckborn von 1987–2002
in der 3. Generation
Trudi Hollenweger-Keller wurde am 20. Juli 1931 als zweites Kind von Gertrud und Louis Keller-Kuhn geboren und erlebte in Steckborn trotz der schwierigen Kriegsjahre, welche ihre Jugend prägten, eine unbeschwerte Kindheit. Aus dieser Zeit stammt auch ihr Rufname «Trulla», welcher sich zeit ihres Lebens bei näheren Freunden und Verwandten durchsetzte. Nach Abschluss von Primar- und Sekundarschule absolvierte Trudi Hollenweger in St. Gallen die Handelsschule. Wieder zurück in Steckborn war sie im elterlichen Betrieb beschäftigt, bevor sie für eine befristete Zeit als Direktionssekretärin in der Kunstseide AG in Steckborn arbeitete. Gerne erzählte sie von dieser für sie lehrreichen und prägenden Zeit heitere Anekdoten.
Auf einer Schifffahrt nach Kreuzlingen lernte Trulla ihren zukünftigen Mann Max Hollenweger aus Dübendorf kennen. Die beiden spürten sofort die grosse Zuneigung zueinander und beschlossen schnell, gemeinsam durchs Leben zu gehen. Sie führten eine ausgesprochen harmonische Ehe, der gegenseitige Respekt voreinander liess sie während der über vierzig glücklichen Jahre zusammenwachsen. Die Ehe blieb kinderlos, dafür brachte Trudi Hollenweger ihren neun Patenkindern mütterliche Liebe entgegen. Ferien bei Gotte Trulla und Onkel Max in Dübendorf war für jedes dieser Kinder ein besonderes Erlebnis.
Durch ihre Weltoffenheit zog es das Ehepaar Hollenweger oft in ferne Länder und sie schätzten und genossen es, fremde Kulturen zu erforschen und mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen. So erstaunt es auch nicht, dass sie Freunde aus aller Welt hatten. Trudi Hollenweger pflegte diese Freundschaften ein Leben lang. Ihr Haus stand immer offen und so verkehrten nicht nur Schweizer bei Hollenwegers, sondern Menschen aus England, Frankreich, Norwegen und Indien waren gern gesehene Gäste. Trudi Hollenweger wollte immer alles ganz genau wissen, man fühlte sich bei ihr ernst genommen und wichtig. Trotz der Liebe zum Reisen ist Trudi Hollenweger ein sehr heimatverbundener Mensch geblieben. Sie war stolz eine Steckbornerin und eine Schweizerin zu sein, sie war sich ihrer Wurzeln bewusst und verteidigte ihre Heimat, wenn es nötig war.
Ihre grosse Zeit im elterlichen Geschäft begann mit dem Tod ihres Bruders und früheren Geschäftsführers Hansuli Keller-Strittmatter Ende des Jahres 1987. Obwohl ihr Mann Max bereits im Pensionsalter war, entschlossen sich die beiden, ihrem Haus in Dübendorf den Rücken zu kehren, um die Weiterführung der Druckerei und die Herausgabe des «Bote vom Untersee» sicherzustellen.
Trudi Hollenweger führte den Betrieb umsichtig weiter. Ein neuer Führungsstil hielt Einzug. Sie wusste um die Qualitäten ihrer Mitarbeiter und gab Verantwortungen ab. Trudi Hollenweger hatte unternehmerisches Flair, und soziale Verantwortung war für sie Lebensinhalt. Die Mitarbeiter waren nicht einfach Angestellte, sondern gehörten zur Familie. Bei Problemen hatte sie immer ein offenes Ohr und versuchte im Rahmen ihrer Möglichkeiten jede Hilfe anzubieten. Sie war ein Patron der alten Schule, fleissig, gewissenhaft, direkt, ehrlich, manchmal laut und energisch und sie vermochte das Selbstwertgefühl ihrer Mitarbeiter zu steigern.
Dankbarkeit konnte sie zeigen und durch ihren unermüdlichen Einsatz motivierte sie auch ihre Mitarbeiter dazu, sich kompromisslos für den Betrieb einzusetzen. Trudi Hollenweger hat den «Bote vom Untersee» nachhaltig geprägt und gab damit Steckborn und der Region ein Selbstbewusstsein. Sie hat ihre ganze Kraft in ihren geliebten Familienbetrieb gesteckt, der ihr ganzes Leben prägte. Und wer sie kannte, wusste dass sie, wie sie es nannte, wenn es nötig war durchaus auf die Hinterbeine stehen konnte und den Tarif bestimmte. Im Grunde aber war Trudi Hollenweger ein gutmütiger und grosszügiger Mensch.
Mit der Übernahme der Geschäftsführung rückte aber auch ein wichtiger Teil von Trudi Hollenwegers Leben in den Hintergrund. Sie war ein offener, froher und unterhaltsamer Mensch, interessierte sich für kleine Alltäglichkeiten genauso wie für grosses weltpolitisches Geschehen. Ihre vielen Freunde, welche sich aus den verschiedensten Regionen des Globus zusammensetzten, mussten akzeptieren, dass sie wegen der grossen Arbeitsbelastung oft nicht mehr so viel Zeit hatte. Trotzdem blieb sie eine ausgesprochen gute Gastgeberin. Mit ihrer Art vermochte sie auf Personen einzugehen. Sie war interessiert und hatte für jeden ein offenes Ohr. Gespräche waren für Trudi Hollenweger sehr wichtig. Sie hatte die Gabe, sich in jeder Gesellschaft wohl zu fühlen, in einer gemütlichen Runde zirkulierte sie, um möglichst mit allen Anwesenden persönliche Worte zu wechseln.
Wenn es ums Politisieren ging, war Trudi Hollenweger nicht faul, ihre Meinung zu vertreten. Dabei konnte es oft sehr energisch zu und her gehen, teils wurde lautstark diskutiert. Sie liess sich nur selten, und dann nur mit wirklich überzeugenden Argumenten von ihrer Meinung abbringen, doch akzeptierte sie genauso andere Ansichten. Sie fand es interessant, einen heftigen Schlagabtausch zu führen und wenn in der Diskussion die Meinungen auch noch so unterschiedlich waren, so wurde nachher wieder miteinander gelacht. Trudi Hollenweger vermischte nie Sachangelegenheiten mit Personen. Der Friede war ihr wichtig und so konnte sie auch nicht nachtragend sein.
Die ehemalige Verwaltungsratspräsidentin und Geschäftsführerin der Druckerei Steckborn, Louis Keller AG und Redaktorin des «Bote vom Untersee» war eine grosse Persönlichkeit, welche zeitlebens ihre eigenen Ansprüche zugunsten von anderen in den Hintergrund stellte.
Selbst ihre schwere Krankheit trug Trudi Hollenweger mit Grösse. Bis kurz vor ihrem Tode blieb sie positiv und beklagte sich nie. Sie liebte das Leben und strahlte Zufriedenheit und Fröhlichkeit aus. Statt sich um sich selbst zu kümmern, brachte sie bis zuletzt Kraft und Energie für andere auf. Es war ihre Berufung, für andere zu sorgen und immer ein offenes Ohr und ein gutes Wort zu haben.
Mit der Gewissheit, dass der Betrieb in der vierten Generation durch ihren Neffen Martin Keller weitergeführt wird, wurde sie von ihrer Krankheit am 29. August 2002 erlöst und ist ihrem geliebten Max um etwas mehr als einem Jahr im Tod vorausgegangen.
Trudi Hollenweger-Keller
20. Juli 1931–29. August 2002
Geschäftsführerin der Druckerei Steckborn
von 1987–2002 in der 3. Generation