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| Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)

Fünfte Unterredung, welche die des Abtes Serapion über die acht Hauptsünden ist.
18. Antwort, wie nach den acht Sünden die Zahl der acht Stämme sich ergänze.
Serapion: Daß es acht Hauptsünden seien, die den Mönch antasten, ist die feststehende Lehre Aller. Da diese nun vorbildlich unter den Völkernamen bezeichnet sind, werden sie deßhalb jetzt nicht alle genannt, weil Moses oder durch ihn der Herr im Deuteronomium ja zu denen spricht, die schon aus Ägypten ausgezogen und also von einem sehr starken Volke, nämlich den Ägyptern, schon befreit sind. Das Vorbild kann nun, wie man sieht, für uns ganz gut so stehen bleiben, da ja auch wir als Solche erkannt werden, die aus den Fesseln der Welt befreit sind und so das Laster der Gastrimargie, d. i. des Bauches oder des Gaumens nicht mehr haben. Nun haben wir aber gegen die übrigen sieben Völker in ähnlicher Weise zu kämpfen, da wir das erste, das schon besiegt ist, gar nicht mehr zählen. Dessen Land wird auch den Israeliten nicht zum Besitze [S. 434] gegeben, sondern es wird durch Gottes Gebot festgesetzt, daß sie dasselbe für ewig verlassen und davon ausziehen. Deßhalb ist auch das Fasten so zu mäßigen, daß man nicht nöthig hat wegen Übertreibung der Enthaltung, deren Schuld in der Erschöpfung des Körpers oder Krankheit sich zeigt, wieder nach Ägypten zurückzukehren, d. i. zu der frühern Begierde des Gaumens und Fleisches, die wir bei der Weltentsagung von uns warfen. Das haben dem Vorbilde gemäß Jene erfahren, die ausgezogen in die Wüste der Tugenden wieder nach den Fleischtöpfen verlangten, an denen sie in Ägypten saßen.