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Vom Saumpfad zur modernen Nationalstrasse
Wo einst Säumer ihre Esel oder Maultiere über Saumpfade im Kanton Obwalden trieben – findet man heute gut befestigte Strassen, Tunnels, Bahnschienen, Wanderwege und vor allem die Lebensader für Wirtschaft, Industrie und Tourismus: die A8. Doch bis zu diesem modernen Ausbau der Infrastruktur in Obwalden war es ein langer Weg.
Der Brünigpass hat als Transitverbindung schon sehr früh eine wichtige Rolle gespielt – wahrscheinlich sogar schon in der römischen Zeit. Daneben bildete sich ein regionales und lokales Wegnetz heraus. Es wurde bestimmt vom Handel, von der Alpwirtschaft und vom Tourismus. Im Jahr 1577 soll der erste Saumweg über den Brünig gebaut worden sein. Über solche Wege transportierten die Säumer mithilfe ihrer Saumtiere Güter über die unwegsamen und steilen Pfade. Die wirtschaftliche Bedeutung der Säumerei verlor mit dem Ausbau vieler Pässe zu Fahrstrassen, wie am Brünig und am Gotthard (1830), ihre Bedeutung.
Bis Anfang des 19. Jahrhunderts war es jedoch immer noch mühsam von Luzern nach Obwalden zu reisen. Um 1800 war es nur per Seeweg möglich nach Alpnachstad zu gelangen oder man wählte den Fussweg von Hergiswil über den Renggpass. Erst im Jahre 1820 wurde zwischen Alpnach und Sarnen eine Karrenstrasse erbaut. Und zwischen 1857 und 1860 folgte der Ausbau des Saumwegs am Brünigpass zu einer mit Pferdefuhrwerken befahrbaren Strasse. Von da an verkehrte von Brienz über Meiringen nach Alpnach eine Pferdepost über den Pass. Die Einrichtung von Zollstätten auf dem Brünig, am Südende des Sarnersees und in Alpnachstad bezeugten eine Belebung des Verkehrs. 1876 war die Brünigstrasse zwischen Luzern und Brienz das erste Mal ohne Einschränkungen befahrbar.
Mit der im Jahr 1888 in Betrieb genommenen Brünigbahn (später Zentralbahn), die Interlaken mit Alpnachstad – und damit mit dem Dampfschiffverkehr auf dem Vierwaldstättersee – verband, war eine spektakuläre Berglinie entstanden, die viele Reisende anlockte. Im darauffolgenden Jahr konnte die Bahnstrecke mit der Fertigstellung des Loppertunnels für den Zugverkehr bis nach Luzern verlängert werden.
Entscheid für den Bau der A8
Die Bundesversammlung beschloss 1960 die Strecke Thun – Brünig – Acheregg ins Nationalstrassennetz aufzunehmen. Somit war der Weg frei für den Bau der A8. In den Jahren 1959 bis 1961 wurde die Umfahrung Alpnachstad gebaut und 1971 das Teilstück Alpnachstad bis Sarnen-Süd eröffnet. In den 70er Jahren wurde die Planung der A8 ab Sarnen-Süd bis zum Brünigpass in die Hand genommen. Die Inbetriebnahme des A8 Teilstückes Alpnachstad-Hergiswil mit dem Loppertunnel im Jahr 1984 bedeutete einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte der Verkehrserschliessung des Kantons Obwalden. Im Laufe der folgenden Jahre wurde realisiert, dass die Dörfer Sachseln (1997), Giswil (2004) und Lungern (2012) untertunnelt umfahren werden konnten. Zur Erhöhung der Sicherheit im 5,2 km langen, einröhrigen Tunnel Sachseln wurde von 2008 bis 2019 ein Sicherheitsstollen gebaut, das Lüftungssystem saniert und die Betriebs- und Sicherheitsausrüstung erneuert.
Mit dem Projektstart zum Bau des A8-Strassenabschnitts Lungern Nord bis Giswil Süd wird ein weiterer Schritt hin zu einer modernen Nationalstrasse realisiert. Bis 2029 soll das Bauvorhaben mit dem Tunnel Kaiserstuhl fertiggestellt sein. Dieses Projekt ist ein weiterer grosser wirtschaftlicher Fortschritt für Lungern und ganz Obwalden und eine weitere Chance für die Weiterentwicklung des Kantons als Wohn-, Arbeits- und Wirtschaftsraum sowie als Erholungs- und Freizeitraum.