Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03120.jsonl.gz/727

Amerikanische Selbsthilfegruppen sprechen auch vom „Wrong Planet Syndrom“, weil sich die Betroffenen oft wie auf einem falschen Planeten vorkommen und sich in ihrer alltäglichen sozialen Umgebung nicht zurechtfinden: Das Asperger-Syndrom ist eine Entwicklungsstörung, die mit dem Autismus verwandt ist. Sie ist aber weniger deutlich ausgeprägt.
Asperger ist eine Entwicklungsstörung, bei der die genetische Veranlagung eine große Rolle spielt. Wissenschaftler vermuten, dass bis zu 20 Gene an ihrer Entstehung beteiligt sind. Die genauen Ursachen sind jedoch noch nicht eindeutig geklärt. Auch andere Faktoren können Einfluss auf die Entstehung des Asperger-Syndroms haben, so zum Beispiel neurologische und biochemische Auffälligkeiten.
Statistik
Autistische Störungen werden immer öfter diagnostiziert. Mittlerweile gehen Experten von einer Häufigkeit von einem Prozent aus. Insbesondere bei Frauen und Mädchen ist die Dunkelziffer derer, die nicht diagnostiziert werden, besonders hoch. Früher ging man von einem Verhältnis von einem Mädchen auf acht Jungen aus. Inzwischen schätzen Fachleute die Verteilung eher auf eins zu vier oder eins zu zwei.
Symptome: mehr als nur sonderbar
Die spezifischen Symptome sind bei Asperger-Autisten unterschiedlich stark ausgeprägt. Einige wirken auf ihre Umwelt lediglich etwas sonderbar, introvertiert oder humorlos, andere sind durch ihre Symptomatik so stark eingeschränkt, dass sie nicht eigenständig leben oder einem Beruf nachgehen können. Die ersten Symptome zeigen sich bei Asperger-Autisten oft erst im Kindergarten- oder Schulalter. Dazu gehören zum Beispiel eine verzögerte Motorik, Probleme mit der Aufmerksamkeit oder eine übersteigerte Wahrnehmung, durch die sie immer wieder abgelenkt werden.
Asperger-Autisten fällt es schwer, sich in andere Menschen oder Situationen hineinzuversetzen. Rollenspiele wie zum Beispiel das Spielen mit Puppen ergeben für sie oft keinen Sinn. Auch fällt es ihnen oft schwer, in einem Gespräch Augenkontakt zu halten. Sie wirken auf andere oft humorlos, da es ihnen schwer fällt, zwischen den Zeilen zu lesen. Ironie, Sarkasmus oder Sprichwörter erkennen sie nicht.
Asperger-Frauen fallen weniger auf
Da Frauen mit Asperger eher ruhiger und zurückhaltender sind, werden bei ihnen Auffälligkeiten oft erst im Jugend- oder Erwachsenenalter bemerkt. Sie ziehen sich in Stresssituationen zurück, während Jungen eher auffallen, zum Beispiel durch Stören des Unterrichts und eher aggressives Verhalten. Im Internet sind zahlreiche Selbsttests zu finden, die erste Hinweise auf Asperger geben können. Die endgültige Diagnose kann aber nur ein Arzt oder ein Kinder- oder Jugendpsychiater stellen.
Durch die oft späte Diagnose erhalten autistische Frauen im Gegenzug meist auch erst sehr spät eine effektive Förderung. Auch wenn Mädchen und Frauen mit Autismus oft über mehr soziale Kompetenzen verfügen als betroffene Männer, haben sie nicht weniger Schwierigkeiten. Effektive Unterstützung bietet zum Beispiel die autismusspezifische Therapie an einem Autismus-Therapiezentrum. Ebenfalls hilfreich sind Maßnahmen der Psycho- und Ergotherapie.