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Die Grundlagen der Freimaurerei
Geht nun zurück in die Welt, meine Brüder,
und bewährt Euch als Freimaurer.
Wehret dem Unrecht wo es sich zeigt,
kehrt niemals der Not und dem Elend den Rücken,
seid wachsam auf Euch selbst.
(Aus dem Ritual des Lehrlingsgrades nach Schröder)
|1. Der historische Ursprung

Über die Ursprünge der Freimaurerei gibt es viele Legenden. So viele Richtungen es auch gibt, bei allen spielt der salomonische Tempelbau eine grosse Rolle, einige Richtungen (z.B. der Orden “Memphis Misraim”) führen sich sogar auf die alten Ägypter zurück. Man denke nur an Mozarts “Zauberflöte”, in der Isis und Osiris angerufen werden. Gerne sehen wir auch die mittelalterlichen Dombauhütten als Vorstufe der Freimaurerei an.
Der Beginn der modernen Freimaurerei war etwas nüchterner. Um 1700 begannen sich zuerst im fortgeschrittenen England, dann in Frankreich und bald in ganz Europa die Ideen der Aufklärung durchzusetzen. Der Mensch sollte unabänderliche Menschenrechte haben, Gedanken- und Gewissensfreiheit, und sich im Einklang mit Natur und Gesellschaft möglichst frei entfalten können.
Diese Gedanken standen im eklatanten Gegensatz zum Mittelalter und auch der Gegenreformation der Barockzeit, als absolutistische Herrscher, unterstützt von den Kirchen, den Untertanen ihre Gedanken und Handlungen minutiös vorschrieben. Natürlich war es schon vor der Aufklärung zu grossen Gegenbewegungen gekommen: es hatte die Humanisten des Mittelalters und der Renaissance gegeben und die Reformation hatte versucht das Christentum auf seinen Ursprung zurückzuführen. Aber alle diese Ansätze wurden vom Absolutismus wieder eingeholt. Um 1700 waren grausame öffentliche Hinrichtungen wegen Ketzerei und die Folter noch immer an der Tagesordnung.
Das relativ freiheitlichste Land war ohne Zweifel England, in dem die Monarchie von einem Parlament kontrolliert wurde. Aber auch in diesem Land war es angezeigt bei der Verbreitung von gesellschaftsändernden Ideen grosse Vorsicht walten zu lassen und sich bedeckt zu halten.
Nun hatten einige Baulogen des Mittelalters in England in einer bestimmten Form überlebt, ihre Ziele und Inhalte hatten sich aber grundlegend geändert. Da ihre Sitzungen nicht öffentlich waren und der Zutritt nur durch bestimmte Erkennungszeichen erreicht werden konnte, waren sie zu Orten geworden, an denen die Ideen der Aufklärung fast unbehindert ausgetauscht werden konnten. Männer des aufstrebenden Bürgertums, selbständige Handwerker und fortschrittlich gesinnter Kleinadel trafen aufeinender und nannten sich Bruder.
Die ursprünglichen Grundlagen der “operativen” Baukunst des Mittelalters blieben in Form der freimaurischen Symbolwelt erhalten und bestimmten so weiterhin die Rituale, die aber nun der Verinnerlichung des Humanismus dienten. Die Diskretion nach aussen aber auch das Bekenntnis zur staatlichen Ordnung spielten eine bedeutende Rolle, da die Logen immer wieder durch staatliche Organe überwacht wurden.
Vor diesem Hintergrund finden sich am 24. Juni 1717 vier Londoner Logen in der Taverne “Zur Gans und zum Bratrost” zusammen um sich in der Grossloge von London zu vereinigen. Dies ist ohne Zweifel die Geburtsstunde der modernen Freimaurerei, wie wir sie kennen und heute noch praktizieren.
2. Die “Alten Pflichten”
Es galt nun dieser Grossloge eine Verfassung zu geben: nicht nur eine Vereinssatzung, sondern auch eine praktische und philosophische Basis im weiteren Sinne. Der Reverend James Anderson (1680-1738) legt 1723 die so genannten “Alten Pflichten” vor, die seither für alle Freimaurer als Grundgesetz gelten – wie weit sie sich auch in anderer Hinsicht voneinander entfernt haben mögen.
Diese “Alten Pflichten” muss man auf dem Hintergrund der Zeit verstehen; sie mögen uns heute ohne nähere Kenntnis der damaligen Bedingungen nicht gerade als revolutionär, ja sogar als leicht verstaubt erscheinen. Aber im Jahre 1723 war es eben einmalig, dass sich eine Plattform bot, auf der sich Männer aller religiösen Bekenntnisse, aus allen Gesellschaftsschichten mit verschiedener Nationalität und mit oft ganz entgegengesetzten politischen Anschauungen als Brüder treffen konnten. Und diese einzigartige Atmosphäre prägt das Leben jeder Loge noch heute.
Die Alten Pflichten (PDF-Datei, wird in neuem Tab oder Fenster geöffnet)
Es hat immer wieder Versuche gegeben, die “Alten Pflichten” den Zeitläufen anzupassen. Man kehrte aber immer wieder zu ihnen, als einer Art kleinstem gemeinsamen Nenner zurück.
Eine sehr gelungene zeitnahe Deutung der “Alten Pflichten” sind die “Neuen Pflichten”, die der Grossorient von Österreich im Jahre 1974 veröffentlicht hat.
Die Neuen Pflichten (PDF-Datei, wird in neuem Tab oder Fenster geöffnet)
Unsere Loge steht dem darin reflektierten Gedankengut nahe.
3. Die geschichtliche Entwicklung
Die Freimaurerei versteht sich als frei von Dogmen. Dies bedeutet, dass sie auch keine allgemein verbindliche Lehre anbietet, wie dies Religionen eigen ist. Als Resultat dieser Freiheit entstanden nicht selten neue Richtungen und Spielarten der Freimaurerei. Diese Vielfalt stört nicht unbedingt, ja sie ist geradezu Spiegelbild der Verschiedenartigkeit der “Bausteine” (d.h. der Menschen), die sich als Freimaurer bekennen.
Eine grundlegende Auseinandersetzung prägt allerdings die Freimaurerei leider bis heute:
Im Laufe des 19. Jahrhunderts wird die englische Freimaurerei immer mehr zu einem Eckpfeiler des British Empire, was enge Bindungen zum Königshaus und zur anglikanischen Kirche einschliesst, während die französische Freimaurerei sich weiter den republikanischen Werten der franz. Revolution d.h. “Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit” verpflichtet fühlt.
Im Jahre 1877 streicht der bedeutende “Grand Orient de France” (GodF) das Bekenntnis zu einem “Grossen Baumeister aller Welten” aus seinen Ritualen und verfolgt fortan eine laizistische, ja zum Teil atheistische Tendenz. Die “United Grand Lodge of England” (UGLE) bricht darauf hin alle Beziehungen zum GodF ab.
Wenig später werden in Frankreich Logen gegründet, die auch Frauen aufnehmen, insbesondere die gemischte Organisation “Droit Humain”. Bald folgen auch reine Frauenlogen.
Die UGLE wird daraufhin das weltweite Recht in Anspruch nehmen, nur solche Logen als “regulär” anzuerkennen, die von ihren Mitgliedern eine Bekenntnis zu einem höherem Wesen und zur Unsterblichkeit der Seele verlangen. Sie untersagt auch den offiziellen Kontakt zu gemischten und Frauenlogen, der in der liberalen “französischen” Maurerei selbstverständlich ist.
4. Die Freimaurerei heute / Schweiz und Raum Zürich
Weltweit dürften sich heute ca. 4 Mio. Menschen als Freimaurer oder als Freimaurinnen bezeichnen. Davon gehören ca. 70% zu sogenannten “regulären” d.h. von England anerkannten Logen.
In der Schweiz gibt es derzeit die folgenden wichtigen freimaurerischen Organisationen:
*) diesem Bund gehört unsere Loge Heinrich Pestalozzi an
Alles in allem bekennen sich heute ca. 4500 Menschen in der Schweiz als Freimaurer.
Im Raum Zürich-Zug-Winterthur arbeiten 9 Logen der SGLA, 2 Logen des GOS und je eine Loge der weiblichen und gemischten Freimaurerei. Bei aller Verschiedenheit kennt und respektiert man einander und es existieren heute auch Plattformen der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Richtungen.
Was alle Freimaurer eint, ist der Glaube an die Grundwerte der Toleranz und Humanität und das unbedingte Einstehen für die Menschenrechte. Und dies ist ungleich mehr als uns heute vielleicht noch trennt.