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Der Gebrauch des sogenannten Binnen-Is geht auf das Jahr 1981 zurück und soll nach Ansicht der Befürworter dazu beitragen, den deutschen Sprachgebrauch hinsichtlich des männlichen und weiblichen Geschlechts gerechter zu gestalten. Um dabei Fehler zu vermeiden, gilt es eine Reihe von Regeln zu beachten.
Anzumerken ist, dass das Binnen-I von der amtlichen Rechtschreibung nicht anerkannt ist.
Definition: Binnen-I
Unter «Binnen-I» versteht man den Großbuchstaben «I» im Inneren eines Wortes, das eine Mehrzahl von männlichen und weiblichen Personen gleichermaßen bezeichnen soll. Diese Schreibweise entstand ursprünglich aus verkürzten Paarformen, z.B.:
Der Gebrauch des Binnen-Is stellt eine Form des Genderns dar, worunter man übergreifend den Gebrauch sprachlicher Mittel versteht, die von den Benutzern als geschlechtergerecht angesehen werden. Hier gibt es die Varianten der Neutralisierung sowie die der Sichtbarmachung von Geschlechtern. Das Binnen-I zählt zu Letzterem sowie zum Thema “richtig Gendern”.
Grundlagen des Genderns mit dem Binnen-I
Im Deutschen wird häufig durch die Endsilbe «-in» (Plural «-innen») aus der Bezeichnung für eine männliche Person die Bezeichnung für eine weibliche Person gebildet. Wenn nun gleichzeitig von männlichen und weiblichen Personen die Rede ist, dann stellt man mittels des dann großgeschriebenen «Is» als Binnentrennzeichen beide Formen in einem Wort dar. Auf diese Weise lässt sich geschlechtliche Gleichberechtigung sichtbar machen, wohingegen es Grammatik und Rechtschreibung in dieser Form aktuell noch nicht vorsehen.
Einsatz des Genderns mit dem Binnen-I
Vom Gebrauch des Binnen-Is sollte abgesehen werden, wenn Vorschriften dem entgegenstehen, insbesondere falls deren Missachtung zu möglichen Nachteilen für die eigene Person führen könnten.
Das Bundesverfassungsgericht hat 1998 bestätigt, dass der Staat Regelungen über die richtige Schreibung der deutschen Sprache für den Unterricht treffen kann. In Deutschland sind dafür die Länder zuständig.¹
Maßgeblich für alle staatlichen Behörden und andere Einrichtungen ist das amtliche Regelwerk. Dieses wurde mit den aktuellen Änderungen aus dem Jahr 2017 für die deutsche Rechtschreibung vom Rat herausgegeben und verantwortet.² Darin ist das Gendern jedoch weder vorgesehen noch wird es empfohlen. Darüber hinaus ist der Staat zur Neutralität verpflichtet. Das Gendern würde deshalb einem ideologisch-politischen Hintergrund entspringen.
Auch Arbeitgeber können Vorschriften über die Geschäftskorrespondenz erlassen, beispielsweise das Gendern untersagen. Fehlverhalten würde demzufolge abgemahnt werden.
Abgesehen von den eben genannten Aspekten gilt es, das Binnen-I korrekt und regelgerecht zu verwenden.
Die Weglassprobe beim Binnen-I
Damit du mit dem Binnen-I gendern darfst, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Um diese zu prüfen, kannst du die Weglassprobe verwenden:
- das gegenderte Wort muss in seiner Gesamtheit sinnvoll und vollständig sein
- das gegenderte Wort bis zum Binnen-I muss sinnvoll und vollständig sein
- beides muss sich korrekt grammatikalisch in das Umfeld einfügen lassen
Wörter mit dem gleichen Wortstamm
Die nächsten beiden Beispiele zeigen dir, wie du die Weglassprobe bei Wörtern mit dem gleichen Wortstamm anwendest:
Wörter mit einem unterschiedlichen Wortstamm
Die Weglassprobe lässt sich auch für Wörter mit einem unterschiedlichen Wortstamm nutzen:
Artikel und Pronomen
Da «-in» eine Substantivendung darstellt, steht das große «I» zum Gendern bei Artikeln und Pronomen nicht zur Verfügung. Man muss sich daher anders behelfen.
Die Gesellschaft für deutsche Sprache «GfdS» führt zur Artikelverwendung Beispiele an und empfiehlt dies zu vermeiden³:
Ähnlich bei den Pronomen:
Zusammengesetzte Wörter
Zusammengesetzte Wörter können mit dem Binnen-I gegendert werden, wenn vom Begriff her die Personen im Vordergrund stehen und die Weglassprobe für den betreffenden Wortbestandteil erfolgreich ist.
Nicht personenbezogene Zusammensetzungen bleiben, wie sie sind, z.B.:
Binnen-I: Vor- und Nachteile
|Vorteile||Nachteile|
|Binnen-I hat sich über nun mehr als vierzig Jahre, seit seiner Erfindung, eine gewisse Bekanntheit und Akzeptanz verschafft||Gebrauch des Binnen-Is ist bis heute weder amtlich anerkannt noch entspricht er der gültigen Grammatik|
|Regeln der Verwendung sind ausgetestet und liegen fest
||Lesbarkeit und Verständlichkeit von Texten werden möglicherweise erschwert

Alternativen zum Gendern mit dem Binnen-I
Es bleibt zunächst festzuhalten, dass staatliche Einrichtungen, die in der Vergangenheit unter Gender-Gesichtspunkten das Binnen-I unterstützt haben, sich letztlich in einen rechtlichen Konflikt mit der eigentlich vorgeschriebenen amtlichen Rechtschreibung begeben. Inzwischen geht die Befürwortung dieser Schreibweise, gerade auch aus praktischen und sachlichen Erwägungen heraus, zurück.
- Universität Hannover empfiehlt Kurzformen wie das Binnen-I nicht mehr, weil sie die Gefahr grammatikalischer Fehler begünstigen und nur schwer vorgelesen werden können.4
- Leitfaden zur genderinklusiven Kommunikation der Technischen Universität Dresden zufolge ist zum jetzigen Stand u. a. das Binnen-I zu vermeiden, da man sich dadurch nicht an die größtmögliche Geschlechtervielfalt richtet und zudem nicht dem Bedürfnis der barrierearmen Sprache nachkommt.5
Weitere Gendermethoden
Mehrgeschlechtlichen Schreibweisen wird heute der Vorzug gegeben vor binären Schreibweisen wie dem Binnen-I, wie z.B.:
- Gendersternchen: Lehrer*innen
- Gender-Gap: Lehrer_innen
- Gender-Doppelpunkt: Lehrer:innen
Neutrale Formulierungen
Neutrale Formulierungen lassen sich regelgemäß in die Rechtschreibung und Grammatik einfügen. Daher stellen sie die einfachste und gerechteste Möglichkeit in der deutschen Sprache dar, Personen geschlechtsübergreifend und gleichberechtigt anzusprechen, wie z.B.:
Häufig gestellte Fragen
Die Verwendung des Großbuchstabens «I» im Wortinneren soll die sprachliche Gleichbehandlung von Männern und Frauen kennzeichnen. Das Binnen-I wird als Ausdruck geschlechtergerechter Schreibung im Deutschen angesehen, worüber jedoch erheblicher wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Streit besteht.6
Der persönliche Sprachgebrauch ist grundsätzlich frei. Wer das Binnen-I verwenden will und sich außerhalb von verpflichtenden Regelungsbereichen – etwa durch den Staat oder den Arbeitgeber – in eigener Sache so ausdrücken möchte, kann das jederzeit tun.
An Schulen und Hochschulen wird die Beachtung des amtlichen Regelwerks zur deutschen Rechtschreibung verlangt, worin das Binnen-I nicht vorgesehen ist. Sprachliche Verstöße können sanktioniert werden, etwa durch Herabsetzung der Benotung oder Nichtannahme einer eingereichten schriftlichen Arbeit.²
Streng genommen verstößt das Binnen-I nach derzeitigem Stand gegen die strikte Trennung von grammatischem und natürlichem Geschlecht sowie die gültige Pluralbildung. Demzufolge ist die maskuline Pluralform zu wählen, wenn eine Mehrzahl der Individuen als gemischtes Geschlecht bezeichnet werden soll.
Das Binnen-I führt zu zahlreichen sprachlichen Problemfällen, erschwert ggf. das Lesen und Verstehen und geht bei durchgehender Großschreibung eines betreffenden Wortes völlig unter. Im Widerspruch zur eigentlichen Intention der Geschlechtergerechtigkeit wird vielmehr die binäre Sichtweise männlich/weiblich festgelegt und alles andere bleibt außen vor.
Quellen
1 Bundesverfassungsgericht: Leitsätze zum Urteil des Ersten Senats vom 14. Juli 1998, in: Bundesverfassungsgericht.de, 1998, [online] https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/1998/07/rs19980714_1bvr164097.html (abgerufen am 26.08.2022)
2 Rat für deutsche Rechtschreibung: Geschlechtergerechte Schreibung, in: Rat für deutsche Rechtschreibung, 26.03.2021, [online] https://www.rechtschreibrat.com/geschlechtergerechte-schreibung-empfehlungen-vom-26-03-2021/ (abgerufen am 26.08.2022)
3 GfdS: Leitlinien der GfdS zu den Möglichkeiten des Genderings, in: Gesellschaft für deutsche Sprache e.V., 2020, [online] https://gfds.de/standpunkt-der-gfds-zu-einer-geschlechtergerechten-sprache/ (abgerufen am 26.08.2022)
4 Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover: Geschlechtergerechtes Formulieren von Texten, in: Leibniz Universität Hannover, o.D., [online] https://cmsv029b.t3luh.uni-hannover.de/?id=76 (abgerufen am 26.08.2022)
5 Technische Universität Dresden: Dem Geschlecht gerecht: Leitfaden zur genderinklusiven Kommunikation in Sprache und Bild, in: Technische Universität Dresden, o. D., [online] https://tu-dresden.de/tu-dresden/organisation/ressourcen/dateien/Gleichstellungsbeauftragte/Unsere-Themen/genderinklusive-kommunikation/leitfaden-genderinklusive-kommunikation-2021 (abgerufen am 26.08.2022)
6 Stöber R.: Genderstern und Binnen-I, in: Springer Nature Switzerland AG, 2021, [online] https://link.springer.com/article/10.1007/s11616-020-00625-0 (abgerufen am 26.08.2022)