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Unsere Kinderheime
Projektidee und Projektziel
Was passiert mit den Kinderheim Kindern nach deren Austritt aus dem Heim?
Projektidee: STA Schweiz finanziert den Unterhalt des Amman Kinderheimes in Kolavil, Ampara und des Sakthi Kinderheims in Asadithivu, Batticaloa. Nach dem Austritt aus dem Kinderheim sind die Jugendlichen aber auf sich alleine gestellt. Für eine junge tamilische Frau ohne Eltern ist es sehr schwer eine gute berufliche und soziale Zukunft zu haben. Gemäss dem traditionellen Brauch des Mitgiftes müssen die tamilischen Eltern einen beträchtlichen Betrag oder ein materielles Gut der Familie des Mannes beisteuern. Wenn dieses fehlt, gibt es keine Heirat oder sie wird mit einem Mann aus der untersten sozialen Schicht verheiratet. Liebeshochzeit ist zwar immer beliebter, jedoch kaum in den traditionelleren Gebieten in Ost Sri Lanka vorkommend.
Eine berufliche Zukunft ist nur dank zusätzlicher externer Unterstützung möglich. Diese kann in Form einer Berufslehre und eines Startkredites oder einer finanziellen Unterstützung für ein Studium sein. Zudem müssen Frühheiraten verhindert werden, damit eine selbständige Entscheidung betreffend berufliche Zukunft als mündige Person gefällt werden kann.
Das Projektziel: STA begleitet die Jugendlichen aus den Kinderheimen Amman und Sakthi auf ihrem beruflichen Weg während bis zu fünf Jahren nach dem Austritt aus dem Kinderheim. Die Unterstützung besteht aus dem Angebot einer Berufslehre, einem Startkredit, einer Finanzierung des Studiums oder dem rechtlichen Beistand bei Frühheiraten oder Zwangskonvertierungen. Die Angebote können bei Bedarf auch kumuliert in Anspruch genommen werden.
Das Amman Kinderheim in Kolavil, Ampara Distrikt für Mädchen
Dies ist das von Swiss Tamils Aid Sri Lanka am längsten unterstützte Projekt. Seit 2005 finanziert der Verein den Unterhalt des Kinderheims. Dies beinhaltet die Kosten für Essen, Kleider, Medikamente & ärztliche Versorgung, außerschulischer Förderunterricht & Nachhilfe im Heim, übrige Kosten für den Unterhalt des Kinderheimgebäudes (Strom, etc.) und die Löhne der Betreuerinnen.
Alle Mädchen besuchen die öffentliche Schule im Dorf. Da Waisenkinder oft schlechtere Zukunftsperspektiven haben als Kinder aus intakten Familien, erhalten die Mädchen besondere Förderung wie z.B. zusätzlicher Englischunterricht und Computerunterricht. Dies erhöht die Chancen, dass die Mädchen, wenn sie das Heim mit 18 Jahren verlassen, eine gute Anstellung finden und somit ihren schwachen sozialen Status als Waisen durch die Qualitäten ihrer Ausbildung wettmachen.
Im Amman Gebäude befindet sich auch die STA Berufsschule für Schneiderinnen und Köche. Zudem ein STA Kindergarten. STA unterstützt also nicht nur Mädchen, sondern auch hilfsbedürftige Frauen aus der Umgebung.
Das Sakthi Kinderheim in Arsadithivu, Batticaloa Distrikt
Dieses Mädchenheim wird von Swiss Tamils Aid Sri Lanka seit 2005 unterstützt. Arsadithivu liegt im Hinterland der Stadt Batticaloa und ist wegen der kriegsbedingten Isolation fast 30 Jahre von der Aussenwelt ausgeschlossen gewesen und deswegen sehr arm. Nun erholt sich das Gebiet langsam wieder, Häuser werden wiederaufgebaut. Wegen den fehlenden Ausbildungen gibt es eine grosse Jugendarbeitslosigkeit. Das Sakthi Kinderheim hat seit der Gründung sehr viele Kriegs- oder Halbwaisen beherbergt.
Die Unterstützung umfasst die Kosten für Essen, Kleider, Medikamente & ärztliche Versorgung sowie die Kosten für den Unterhalt des Gebäudes und die Löhne der Angestellten.
Im Sakthi Kinderheim ist auch die STA Berufsschule für Beautician untergebracht. Zudem bietet STA in den Räumlichkeiten des Sakthi Vorbereitungskurs für A-Level Prüfungen (Matura) an. Das Kinderheim ist also ein Zentrum der Begegnung und dient v.a. den Frauen als Ort der Sicherheit und Perspektiven.
Der Weg ins Amman oder Sakthi Kinderheim
Die Kinder werden vom Gericht zugewiesen. In der Regel fehlen bei den Kindern ein oder beide Elternteile. Alle haben ein familiäres Umfeld (Grosseltern, Onkel, Elternteil etc.), diese können die Kinder aber nicht aufnehmen. Die Gründe können folgende sein:
- Finanzielle Probleme: Die verwitwete Mutter muss nun alleine für die Familie aufkommen. Ihre oft unqualifizierte Arbeitsleistung ist schlecht bezahlt, das Geld reicht nicht für alle Kinder. Oder das Kind lebte bei den nicht erwerbstätigen Grosseltern, weil beide Eltern verstorben sind.
- Aus sozikulturellen Gründen: Der verwitwete Vater kann aus kulturellen Gründen die Kinder nicht aufnehmen. Die verwitwete Mutter arbeitet aus finanziellen Gründen im Ausland (Katar, Saudi Arabien etc.), die weiteren Familienangehörigen haben selber genug Kinder.
- Wegen physischer und psychischer Gewalt: Bei Misshandlungen schreitet das Jugendamt ein.
Wenn das Gericht den Entzug des Sorgerechts einem oder beiden Elternteilen entzieht, wird dem Kind ein Vormund zur Seite gestellt. Zusätzlich wird ein Antrag auf Aufnahme in ein Kinderheim gestellt. Das Kinderheim Komitee entscheidet über die Aufnahmemöglichkeit. Aus folgenden, möglichen Gründen kann ein Kind abgewiesen werden:
- Wenn es zu viele Kinder im Kinderheim hat.
- Wenn der Gesundheitszustand eines Kindes kritisch ist und das Kinderheim die notwendige Pflege nicht gewährleisten kann.
Die Jahre im Kinderheim
Kinder können in der Regel ab 6 Jahren in das Kinderheim eintreten und müssen das Kinderheim mit 18 – 19 Jahren verlassen. Die überlebenden Eltern oder sonstige Angehörige können die Kinder am Wochenende besuchen und in den Ferien wird geraten, dass die Kinder zu ihren Familien gehen. In der Realität sind aber die meisten Kinder fast immer im Kinderheim. Mr. Kamaladhas, Mr. Vamadevan oder Mrs. Kogila von STA kontaktieren in solchen Fällen die Familienangehörigen telefonisch, damit das Kind wenigstens auf diesen Weg den Kontakt halten kann. Leider gibt es viele Fälle, bei denen die Kinder z.B. ihre verwitwete Mutter seit vier Jahren nicht mehr gesehen haben.
Die meisten Kinder sind traumatisiert und haben grosse Verlustängste. Den Kindern geht es im Kinderheim besser. Die 46 Kinder lernen sich in einer grösseren sozialen Gruppe einzuordnen, Hierarchien zu schaffen und zu beachten, Verantwortung zu übernehmen und Konflikte zu lösen. Die jüngeren Kinder werden dabei von den Älteren eingeführt. Eine wichtige Rolle kommt den Betreuerinnen zu: Sie leiten die alltäglichen organisatorischen Abläufe des Kinderheimes. Das beinhaltet z.B. die Kinder ins Bett zu schicken, Hygienekontrolle, die Aufgaben zu verteilen usw. Sie werden dabei von den ältesten Kindern unterstützt. Zusammen mit der etwas älteren Köchin („Amma“ = „Mutter“) sind sie auch Seelsorgerinnen für alle möglichen kleineren Problemen der Kinder. Grössere Probleme regelt die Kinderheimverwalterin, Mrs. Kogila, oder Mr. Vamadevan und/oder Mr. Kamaldhas von STA.
Alle Kinder sind im Schulalter: Grad 1 – 10 und O-Level (1 Jahr), sowie A-Level (2 Jahre). STA finanziert vor allem für die älteren Kinder Zusatzunterricht um die Eintrittsprüfungen nach der zehnten Klasse für O-Level, danach für A-Level und schlussendlich für die Universität zu bestehen.
Unterhalt und Kosten von Renovationen
Die Versorgung der Kinder kosten monatlich rund 330.00 CHF pro Kinderheim. Zusätzlich müssen im Amman Mädchen Heim dringend einige Renovationen und Neuanschaffungen vorgenommen werden. U.a. ist die Aussenfassade marode, die Fenster sowie einige Türen sind defekt. Die Infrastruktur ist sehr alt und muss teilweise erneuert werden. Die Reparatur kleiner Risse in der Aussenfassade sowie einen Teil der Malerarbeiten konnten wir bereits selber vornehmen.
Bei anderen Renovationen sind wir auf Handwerker angewiesen.
So sah das Kinderheim vor den Malerarbeiten aus:
Berufsbildung und Unterstützung für Mädchen nach dem Austritt aus dem Kinderheim
Die Statistik der Amman-Austritte seit 2010
Die Austritte der Kinder aus dem Amman Kinderheim seit der 2010 ergeben folgendes Bild:
Von 52 Austritten (Altersgründe, Rückführung zu der Familie) haben die Mädchen das Kinderheim ausfolgenden Gründen verlassen:
- Rückführung zu der eigenen Familie noch während der obligatorischen Schulzeit (jünger als 16): 4
- Rückführung zu der eigenen Familie O- oder A-Level Schulzeit (jünger als 18): 8
- Besuch einer Universität: 4
- Berufsbildung wieviel 10
- Verdient heute mit dieser Ausbildung den Lohn: 12 (Schneiderinnen)
- Arbeitet nicht mehr: 4
- Ehefrau und nicht berufstätig: 9
- Unverheiratet, ohne Ausbildung, arbeitslos: 7
- Unbekannt: 3
- Ausland: 1 (Australien)
Fazit: Die meisten jungen Frauen gehen nach dem Austritt aus dem Kinderheim zu ihren Familien zurück. Oft sind sie ohne Ausbildung, unverheiratet und arbeitslos. Nur zwei studieren an einer Universität und vier haben eine Anstellung bei einer privaten Kleiderfirma in Kandy gefunden. Die übrigen bleiben bei ihren Familien und werden Mühe haben ein selbstständiges Leben führen zu können. Oft ist die Heirat die einzige Möglichkeit. Nachdem STA in der Kindheit viel für diese jungen Frauen getan hat, kann dies nicht im Sinne von STA sein. Darum sieht STA grossen Handlungsbedarf für diese Jugendlichen. Zwar haben wir bereits in der Vergangenheit einiges für diese jungen Frauen getan, jedoch nur knapp die Hälfte hat eine geregelte berufliche Anschlusslösung gefunden. Nur vier können nun tatsächlich ein finanziell unabhängiges Leben führen. Neun haben zumindest noch die Möglichkeit dazu, da sie noch in der Ausbildung sind. Trotzdem sieht STA grossen Handlungsbedarf.
STA zieht daraus Schlüsse
- STA begleitet alle Abgängerinnen während fünf Jahren nach deren Austritt.
- Bei Rückführung von unter 18 jährigen Mädchen muss besonders gut kontrolliert werden. Bei Misshandlung muss STA sofort via Child Care Departement das Mädchen ins Kinderheim zurückholen.
- Es muss eine berufliche Anschlusslösung gewährleistet werden, falls die Familie diese nicht finanzieren kann.
- Die von STA geführten Berufsschulen müssen zwingend weitergeführt werden. Dadurch können die Kinderheim Mädchen nach dem Schulaustritt, sofern sie nicht studieren gehen, eine Lehre absolvieren.
- Als weitere Massnahme soll den Anfängern einer Berufslehre eine Startschubfinanzierung gewährt werden. Dies kann in Form eines Kredites, einer Materialspende (Nähmaschine) o.ä. geleistet werden. Ab Januar 2018 können Schneiderinnen in einem von STA gebauten Nähatelier arbeiten und im Laden des gleichen Gebäudes ihre Produkte verkaufen.
- Jugendliche welche Studieren, sollen finanziell unterstützt werden (Kost und Logis, Schulgeld)
Massnahmen zur Erreichung des Projektziels
Berufslehren
Mädchen steht ebenfalls die Berufsausbildung zur Köchin offen. Die Kosten sind hierbei gleich hoch wie bei den Jungen. Zusätzlich bieten wir den Mädchen die sehr gefragten Ausbildungen zur Schneiderin und Kosmetikerin an.