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Die Internet-Datenschutzgruppe des für die Standards im World Wide Web zuständigen W3C-Gremiums (World Wide Web Consortium) wird keine grössere Kompetenz bekommen. Das berichtet 'Bloomberg' aufgrund der Abstimmungsergebnisse einer aktuellen Befragung der 25 am W3C beteiligten Organisation. Google habe als einziges Mitglied gegen den Ausbau der Kompetenzen der W3C-Datenschutzgruppe gestimmt.
Möglich sei das gewesen, weil im W3C die Entscheidungen im Konsens getroffen werden. Noch suche man zwar nach einem Kompromissvorschlag. Werde der aber nicht gefunden, so der Bericht, werde das Thema an W3C-Direktor Tim Berners-Lee, einem der Gründer des Webs, weitergeleitet.
Auslöser des Vetos von Google war die Bitte um Genehmigung einer neuen Satzung der Privacy Interest Group (PING) des W3C. Ein Absatz darin besagt, dass die PING das W3C bitten könnte, ihm die Befugnis zu erteilen, alle Projekte zu blockieren, bei denen die Gruppe der Meinung ist, dass die Privatsphäre der Benutzer beeinträchtigt wird.
Die am 4. August abgeschlossene Abstimmung der W3C-Mitglieder darüber zeigte dann den Einspruch von Google. "Wir sind in erster Linie besorgt, dass PING versucht, sich als notwendig für alle Spezifikationen zu etablieren", schrieb Google. Diese Etablierung als autoritäre Review-Gruppe ohne die formelle Festlegung von entsprechenden Leitlinien wird zu "unnötigem Chaos bei der Entwicklung des Web führen", so Google weiter. Die PING-Charta habe ein formales Modell für Datenschutzbelange zu etablieren. Dabei sei zu beachten, dass das Web ein lebendiger, wachsender Rahmen sein sollte. Darin sollten bewährte Praktiken genauso wie das Verständnis für Datenschutzbelange zum Ausdruck kommen.
Generell werden Richtlinien des W3C in Arbeitsgruppen vorgeschlagen und ausgearbeitet, um sie dann zu veröffentlichen und zu genehmigen. In diesem Frühjahr und Sommer habe PING viel Zeit investiert, um dem Thema Privatsphäre grössere Priorität zu verschaffen. Dabei wurde unter anderem Besorgnis darüber geäussert, dass andere W3C-Arbeitsgruppen – wie die im Bereich IoT arbeitende – den Datenschutz nicht ernst genug nehmen und Privacy-Empfehlungen ignorieren würden.
Laut 'Bloomberg' zeigt dieser Vorfall, wie Google seine eigene Version des digitalen Datenschutzes vorantreibt. Das geschehe unter Berücksichtigung der eigenen Interessen. Google verdiene jedes Jahr Milliarden damit, Konsum- und Konsumentendaten zu sammeln und diese gezielt für Werbung zu verwenden. Würden Änderungen an der Grundlage des Webs vorgenommen, könnte das diese Sammlung von Informationen möglicherweise einschränken, was in der Folge dieses lukrative Business bedrohen würde.
Google selbst beteuert laut dem Bericht zwar, der Datenschutz sei auch ihnen wichtig und man arbeite hart daran, die gesammelten Benutzerdaten zu schützen. Aber gleichzeitig argumentiert der Konzern, dass gezielte Werbung, die solche Informationen nutzt, notwendig sei, um das Web frei und zugänglich zu halten.
'Bloomberg' berichtet weiter, dass innerhalb des W3C in den letzten Monaten vermehrt Unterschiede bei der Prioritätensetzung aufgetreten seien. Die Vorschläge der Web-Standardisierer sind zwar nicht rechtsverbindlich, doch wer sie ignoriert, könnte riskieren, dass seine Website nicht mehr von gängigen Browsern wie Chrome, Firefox und Safari geladen werden kann. (vri)