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Die reiche Geschichte des Yoyogi-Parks
Der Yoyogi-Park befindet sich geografisch zwischen den grossen Bahnhöfen Shinjuku und Shibuya. Das macht ihn zu einem beliebten Treffpunkt. Wiesen laden zum Entspannen ein, im Frühling wird unter den Kirschbäumen gefeiert. Aus der Vogelperspektive bildet er zusammen mit der dicht bewaldeten Umgebung des Meiji-Schreins einen grünen Block. Eine sakrale trifft hier auf eine weltliche Anlage. Man könnte meinen, dass diese grüne Lunge bereits seit Ewigkeiten existiert. Tatsächlich aber ist der 70 Hektaren grosse Wald des Meiji-Schreins das Resultat eines eindrücklichen Aufforstungsprojekts, das erst vor 100 Jahren begann (Asienspiegel berichtete). Derweil ist die Geschichte des Yoyogi-Parks noch etwas komplexer.
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Als der Yoyogi-Park «Washington Heights» hiess
Bis zum Zweiten Weltkrieg war die Stelle der heutigen Parkanlage ein Exerzierplatz für die Armee. Nach der Kapitulation verwandelten ihn die US-Besatzer in ein kleines Amerika. 827 Wohnhäuser für Soldatenfamilien entstanden, die dem typischen amerikanischen Baustil der Nachkriegszeit entsprachen. Es gab eine Schule, eine Kirche, ein Kino, eine Bibliothek, ein Theater und ein Kaufhaus. «Washington Heights» wurde diese in sich geschlossene Welt genannt. Noch 1960 gab es vier solcher US-Wohnzonen mitten in Tokio. 1961 wurde beschlossen, «Washington Heights» zu einem Zentrum der Olympischen Spiele zu machen. Japan übernahm sämtliche Kosten für die Dislozierung dieses Mini-Amerikas. 300 Wohnhäuser wurden in der Folge zum Olympischen Dorf umgebaut, der Rest abgerissen, um Platz für das Yoyogi National Gymnasium (Asienspiegel berichtete) und die Zentrale des öffentlich-rechtlichen Senders NHK zu schaffen.
Nach den erfolgreichen Olympischen Spielen von 1964 ging die Geschichte von Washington Heights zu Ende. Das Olympische Dorf wurde vollständig abgerissen. Ein einziges Haus, das heute noch zu sehen ist, liess man zur Erinnerung stehen. Aus dieser Fläche entstand schliesslich der Yoyogi-Park, der 1967 eröffnet wurde und heute so selbstverständlich ein Teil des Tokioter Stadtbildes ist. Es ist die fünftgrösste öffentliche Parkanlage der 23 Tokioter Stadtbezirke. Das Baseballstadion Tokyo Dome, das in Japan standardmässig als Grössenvergleich genutzt wird, hätte hier 11 Mal Platz.
Ein neues Kapitel für den Yoyogi-Park
57 Jahre später rückt der Yoyogi-Park abermals in den olympischen Fokus. Im Yogoyi National Gymnasium werden ein weiteres Mal olympische Wettkämpfe abgehalten (Asienspiegel berichtete). Einen Teil der Grünanlage beabsichtigte man, zu einem attraktiven Public Viewing-Spot für «Tokyo 2020» umzugestalten. Die Bauarbeiten hatten Anfang Juni begonnen. Nun aber erhält diese Lokalität eine ganz andere Funktion. Tokios Gouverneurin Yuriko Koike hat beschlossen, die Stelle des Public Viewing zu einem Impfzentrum zu machen. Hierzu wird die geplante Event-Infrastruktur umgenutzt, damit ab Juli die Polizisten und Feuerwehrleute der Hauptstadt ihre Impfung erhalten können. Infolgedessen wird das olympische Public Viewing im Yoyogi-Park nicht stattfinden. Erst für die Paralympischen Spiele könnte dieser öffentliche Veranstaltungsort wie geplant zur Verfügung stehen, vorausgesetzt die Impfkampagne kommt voran.
Militärischer Exerzierplatz, amerikanische Kleinstadt, olympisches Dorf, öffentliche Parkanlage: Die Geschichte dieses Ortes ist ein Mikrokosmos der japanischen Geschichte. Und so ist es nur folgerichtig, dass der Yoyogi-Park nun eine Funktion in der Bekämpfung der Corona-Pandemie erhält.
Der Standort des Yoyogi-Parks
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