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Dienstag, 26.08.2008 / 12:08
Finanzplatz prägt Schweizer Software-Industrie
Ein Blick in die "Top-500" der ICT-Firmen in der Schweiz zeigt weiterhin eine starke Abhängigkeit vom Finanzplatz Schweiz.
Die Schweizer IT-Branche, insbesondere die Software-Industrie wird - sieht man von den Telekommunikations-Konzernen wie Swisscom und TDC (Sunrise) ab - weiterhin von den Niederlassungen der grossen US-Konzerne dominiert. Dies ist einmal mehr das Fazit aus der Durchsicht der am Freitag von 'Computerworld' veröffentlichten Liste der grössten 500 ICT-Firmen in der Schweiz.
Auf Platz 1 der reinen Software-Hersteller in der Schweiz sitzt - wie könnte es anders sein? - Microsoft mit einem Umsatz von ungefähr 890 Millionen Franken. Der Business-Software-Hersteller SAP folgt mit 449 Millionen Franken Softwareumsatz, der Datenbankspezialist und ERP-Hersteller Oracle ist mit 195 Millionen Franken Umsatz schon wesentlich kleiner. In der Region von 300 Millionen Franken sollte IBM liegen.
Betrachtet man aber jene Firmen, die Software zumindest teilweise in der Schweiz
herstellen, so dominieren Anbieter für die Finanzindustrie bei weitem. Auf Platz 1 der "Schweizer" Software-Hersteller läge die Genfer Temenos, die in den "Top 500" dieses Jahr nicht aufgeführt ist, mit einem Lizenzumsatz von 148 Mio. Franken. Danach folgen mit dem Berner RTC, Avaloq, der Tessiner B-Source und ERI Bancaire weitere Dienstleister für die Finanzindustrie.
Die ersten beiden aufgeführten Anbieter, die nicht auf Bankapplikationen spezialisiert sind, sind die Noser Gruppe und die Tessiner Fincons Group. Der erste bekannte Hersteller von betriebswirtschaftlicher Standard-Software, Sage (u.a. Simultan, Sage Sesam, Pro-Concept), liegt mit einem Gesamtumsatz von 65 Millionen Franken auf dem 93. Platz. Sage-Konkurrent Abacus belegt Platz 149 (31,5 Mio.), weit dahinter folgen bekannte Hersteller von "Standard"-Software wie Soreco (245), Informing (248) oder Info Nova (328). Die Surseer Bison (Rang 101) ist eine Ausnahme, da das massiv subventionerte Softwareunternehmen praktisch nur einen Kunden, den Fenaco-Konzern, bedient.
Nische Staat
In der Liste der Schweizer IT-Firmen bunt verstreut, finden sich die Hersteller von Individualsoftware, die ihre Kunden aber auch teilweise oder sogar grösstenteils in der Finanzindustrie finden. Grösster Schweizer Individualsoftwarehersteller ist Elca
, gefolgt von AdNovum, Netcetera, BSI Business Systems Integration, IMTF und Ergon.
Neben der Finanzindustrie ist auch der Staat ein wichtiger Software-Abnehmer. So findet sich die Ruf-Gruppe (Gemeindesoftware, IT-Dienstleistungen) auf Platz 92, das St. Galler VRSG, das Gemeindesoftware herstellt und betreibt auf Platz 121 und das DV Bern sitzt immer noch auf Rang 189.
Die beiden einzigen börsenkotierten Schweizer Softwarehersteller finden sich ebenfalls im grossen Feld der mittelgrossen ICT-Unternehmen. Die Zürcher Esmertec, die Software für Mobiltelefone entwickelt, findet man auf Platz 129, der Basler CMS-Spezialist Day Software gar nur auf Rang 164. Die auf Platz 95 platzierte Crealogix stellt nur teilweise Software her, bezeichnenderweise für die Finanzindustrie. (Christoph Hugenschmidt)