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Lebensalltag in und um Charikot
Ein Wetterwechsel beeinträchtigt die Reisernte
In Nepal fielen die Regenfälle während der Monsunsaison 2015 unterdurchschnittlich aus. Das trockenere Wetter brachte für den Wiederaufbau und das Alltagsleben Vorteile. Die vielen in den Notunterkünften lebenden Menschen wurden nicht durch eindringendes Wasser behindert und die Seuchengefahr wurde vermindert. Die Wiederaufbauarbeiten schritten schneller voran als geplant. Auf den Feldern wuchsen die Reispflanzen allerdings weniger hoch als in feuchteren Jahren. Auch die Grösse der Reiskörner blieb unter den Erwartungen. Die Maispflanzen der Sommersaat entwickelten sich ungenügend. Im Spätherbst konnten in den Maiskulturen Trockenschäden beobachtet werden.
Ein markantes Tiefdruckgebiet über dem Arabischen Meer war für diese Wetterentwicklung verantwortlich.
Feuchte Luftmassen wurden im Gegenuhrzeigersinn vom Arabischen Meer herangeführt und gegen das Himalayagebirge gepresst. Aus dem starken Tiefdruckgebiet bildete sich am 28. Oktober 2015 über dem östlichen Arabischen Meer der Tropensturm «Chapala», welcher anfangs November 2015 als einer der stärksten tropischen Wirbelstürme seit Beginn der Aufzeichnungen in Jemen auf Land traf. Die Bildung von sehr starken Tiefdruckgebieten über dem Golf von Bengalen und dem Arabischen Meer bringen Wetterforscher mit dem Wetterphänomen «El Niño» in Zusammenhang.
Der Kälteeinbruch brachte nicht nur den von den Erdbebenfolgen geplagten Menschen im Bergland der nördlichen Distrikte Probleme, auch die Reisernte wurde beeinträchtig. Mitte bis Ende Oktober werden in Nepal die Reisfelder abgeerntet. Die Bauern schneiden mit ihren Sicheln die Reishalme ab und legen diese ungeschützt für zwei bis drei Tage zum Trocknen auf die Felder. Später werden die Reisrispen gedroschen und das Stroh aufgeschichtet. Die Reisernte wird unbrauchbar, wenn es während der Trocknung regnet. Die kurzen, aber heftigen Regenfälle gegen Ende Oktober habe einen wesentlichen Teil der dringend benötigten Reiserträge vernichtet. Die Reisvorräte dienen den Menschen dazu, sich und ihre Familien bis zur Ernte der Wintersaat (Wintermais, Gerste, Hirse) zu ernähren. Die Wintersaat hat von den Regenfällen allerdings profitiert.
Dorfalltag
Die Bevölkerung im Hinterland verfügt über sehr wenig Bargeld. Das Durschnittseinkommen beträgt hier etwa 1.- SFr. (etwa ein Dollar) pro Kopf und Tag. Wer mit einer 1'000 Rupiennote ( etwa 10.- SFr. oder 10 USD) eine kleine Flasche Coca Cola, welche etwa 35 Rupien (etwa 35 Rappen) kostet, in einem Strassenladen bezahlen will, stösst auf Schwierigkeiten. Der Ladenbesitzer hat kein Wechselgeld. Dafür will er unbedingt die leere Flasche wieder zurück haben. Leere Flaschen sind geldwert.
Die meisten Menschen in den ländlichen Zonen sind Bauern. Sie sind Selbstversorger.
Viele Nepali (meistens Männer, aber auch viele Frauen) verdienen sich daher ihren Lebensunterhalt in den Golfstaaten (Migration). Gute Handwerker (welche in Nepal in der Regel recht gut bezahlt werden) sind daher in Nepal rar.
Tourismus
Der Tourismus ist der zweitwichtigste Wirtschaftssektor in Nepal. Nach Angaben der UNO tragen die Einnahmen aus dem Tourismusgeschäft gegenwärtig rund 9% zum Bruttosozialprodukt des Landes bei. Mehr als 700'000 Menschen verdienen ihren Lohn mit einer Arbeit in der Tourismusindustrie.
Ausländische Touristen findet man in und um Charikot nur wenige. Bei der einheimischen Kundschaft aus dem Kathmandutal ist der Ort wesentlich beliebter.
Ab und zu kurven verwegene ausländische Motorradfahrer auf den ausgewaschenen und holprigen Serpentinen in Richtung Charikot.
Dabei hätte Nepal auch jenen, oftmals eher älteren Reisenden sehr viel zu bieten, welche sich abseits des hektischen touristischen "Mainstreams" an kleineren Kulturstätten wie Tempeln, Klöstern, Stupas erfreuen können und die weissen Eisriesen des Himalayas auch aus einer etwas grösseren Distanz faszinierend finden.
Die Region um Charikot im Dolakha Distrikt kann dieses "andere Nepal" anbieten. Es gibt in der Gegend Klöster (manche wie Bigu wurden allerdings durch die Erdbeben schwer beschädigt oder zerstört), zahlreiche religiöse Stätten, freundliche Menschen, eine wunderschöne Landschaft und die Siebentausender fast zum Anfassen. Auf Tageswanderungen oder mehrtägigen Kurztrekkings könnten neugierige Besucher ein ganz ursprüngliches Nepal entdecken.
Dashain-Festival
Die meisten Einheimischen befinden sich Ende Oktober in Festlaune. Sie feiern das Dashain-Fest und besuchen ihre Verwandten in Nah und Fern. Während des mehrtägigen Dashain-Festivals und des anschliessenden Tihar-Festivals herrscht bei der Bevökerung so etwas wie Ferienstimmung. Die Schulen sind geschlossen und viele Arbeitsstellen bleiben während Tagen unbesetzt. Die Baustellen sind verwaist. Ein Volk auf Wanderschaft!
Hunderttausende von jungen und alten Menschen ziehen sich ihre besten Kleider an, packen die Verwandtengeschenke in ihre Taschen und quetschen sich in die überfüllten Busse. Die Arbeiterinnen und Arbeiter aus den Golfstaaten pressen sich in die engbestuhlten Flugzeuge in Doha, Abu Dhabi, Ryiad, Dubai oder Muscat. Im Laderaum der Flugzeug begleiten sie neu gekaufte Fernsehgeräte, Ventilatoren und allerlei andere Konsumgüter für die Lieben daheim. Während der Festzeit sind die Laderäume der Flugzeuge prall gefüllt, so dass schon einmal ein paar Koffern der Touristen und der Einheimischen nicht mitgenommen werden und in den Abflugdestinationen auf den Transport warten müssen.
Im Oktober 2015 ist einiges ein wenig anders. Die den Tribhuvan International Airport anfliegenden Flugzeuge und ihre Laderäume sind mehr als voll. Die Flugzeuge bekommen allerdings kein Flugbenzin für den Rückflug. Seit September 2015 erhält Nepal keine Waren (also auch kein Benzin, kein Diesel und kein Kochgas) mehr aus dem Nachbarstaat Indien. Die Minderheit der Terai-Madhes-Volksgruppe ist über die neu ausgearbeitete Verfassung erzürnt und blockiert die Grenzübergänge. Die indische Regierung neigt offenbar eine ähnliche Abneigung gegen die neue Verfassung und lässt daher die Protestierenden gewähren. Das Alltagsleben in Nepal wurde von Tag zu Tag um einen "Gang zurückgeschaltet".
Überall in den Dörfern werden aus vier massiven, zusammengebundenen Bambusstangen Schaukeln errichtet. Der "Vergnügungspark" für Kinder (und wagemutige ältere Semester)!
Die gläubigen Hindus nehmen auch an Ritualen teil, in welchen sie ihren Göttern huldigen. Dabei werden auch die lokalen Gottheiten integriert und lokal begrenze Riten durchgeführt.