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Das Verletzen von Website-Konventionen verletzt die User Experience
Das neue unkonventionelle Responsive Webdesign der Bucknell Universität hat zwar viel Aufsehen erregt. Der Test mit Studenten und Eltern hat jedoch gezeigt, dass die Usability stark darunter leidet.
by Katie Sherwin (deutsche Übersetzung) - 20.07.2014
Wenn ich Sie fragen würde, wie die Webseite einer Universität aussehen soll, würden Sie wahrscheinlich sagen dass es in etwa so sein sollte wie die Website von SUNY Cortland. Bilder von Studenten auf dem Rasen, eine Top-Navigation mit Kategorien wie Wissenschaft, Aufnahme, Studieninteressierte, Absolventen usw. Es gäbe wahrscheinlich auch eine Rubrik für News und Veranstaltungen. In der Tat folgen die Websites von Universitäten gewissen Regeln und diese haben sich im Verlauf der letzten Jahre nicht nennenswert geändert.
Wenn man gefragt wird wie die Webseite einer typischen Universität aussehen sollte, würde man sich wahrscheinlich so etwas wie die Website der SUNY Cortland (cortland.edu) vorstellen.
Auf Nummer sicher zu gehen hat Usability-Vorteile. Aber einige Designer argumentieren, dass Websites über den aktuellen Status-Quo hinauswachsen müssen, um sich von anderen abzuheben und um eine progressivere Marke zu vermitteln.
Bucknell Universitys kontroverses Redesign
Mit dem neuen Design ihrer Website hat sich die Bucknell Universität von den bewährten Designs verabschiedet. Dies erzeugte einiges an Diskussionen in der Hochschul-Web-Community. Applaus von der einen Seite und Buhrufe von der anderen. Es entstanden heisse Debatten auf Twitter und anderen Blogs. Die Teilnehmer meines Kurses für Universitäts-Websites (engl.) haben sich auch Gedanken dazu gemacht.
Das neue Webdesign der Bucknell Universität.
Bevor Sie nun aber weiterlesen, machen Sie selbst einen Mini-Nutzertest:
- In der Kopfzeile, was symbolisiert das runde Icon zwischen dem The Everything Directory und dem Suchfenster? Was erhalten Sie, wenn Sie darauf klicken?
- Auch in der Kopfzeile, was erhalten Sie, wenn Sie auf Start Exploring klicken?
- Linker Seitenrand: Was passiert wohl, wenn Sie auf ein Datum klicken?
- Welche Information ist innerhalb des grossen Bildes auf der anderen Seite des Links Bucknell is under the sea? (Haben Sie erkannt, dass es ein Link und nicht nur ein Text ist?) Würden Sie diesen Link anklicken, um herauszufinden ob Sie an dieser Universität studieren möchten?
Unter den Design-Änderungen, die am meisten Aufmerksamkeit erhalten haben, sind folgende:
- Minimalistische und versteckte Navigation. Anstelle einer traditionellen globalen Navigationsleiste mit mehreren Kategorien hat die Bucknell Site eine extrem enge und tiefe Hierarchie (engl.) mit nur zwei Menüpunkten. Start Exploring (öffnet ein Dropdownmenü mit Audience-basierter Navigation), und The Everything Directory (Die zu einem A-Z Index führt). Auch auf den Inhaltsseiten ist die gesamte Navigation in Dropdown Menüs angeordnet und deshalb nicht direkt ersichtlich.
- Tools zur Personalisierung der Homepage Ansicht des Browserverlaufs. Die Nutzer können durch an- und ausschalten bestimmter Kategorien auswählen, welche Inhalte auf der Website angezeigt werden sollen. Das Uhren-Icon öffnet eine Liste der kürzlich besuchten Seiten des Nutzers.
- Hochglanz Visual-Design-Trends. Für das Design der Seite wurde vermehrt auf die Trends des modernen Visual-Designs gesetzt: Minimale Inhalte und viel Bilder, die den Bildschirm ausfüllen. Langes Scrollen: Webseiten mit vielen Bildern sind wie Fotos und Karten die untereinander angeordnet werden. Sie zwingen den Nutzer, mit einer vertikalen Bewegung durch den Inhalt zu scrollen. Während diese Styles für diese Universität nicht einzigartig sind, leidet die User Experience deutlich mehr, als konventionelle Seiten.
Bucknell's neues Design ist responsive und einige der Änderungen (besonders Punkt 1 und 3) zeigen Methoden, die im heutigen responsiven Webdesign allgegenwärtig sind. In diesem Artikel will ich darauf eingehen, wie sich diese Trends auf die User Experience am Desktop auswirken.
Wo es Kontroversen gibt, muss es auch Daten geben
Wenn innovative Produkte oder Designs Leute begeistern oder verärgern, lieben wir es hier bei der Nielsen Normen Group, Daten zur Konversation beizutragen, egal wie brutal diese auch sein mögen (Sie können sich Beispiele dazu in unserem Archiv ansehen, wie zum Beispiel Windows 8, Flash (engl.), PDFs).
Dieser Tradition folgend, habe ich eine einfache Studie zur Usability des neuen Designs von Bucknell durchgeführt, um Antworten auf einige der Fragen zu finden, die die Designer bezüglich des kontroversen Designs hatten. Ziel der Studie war es einerseits, herauszufinden, wie das Design auf dem Desktop sich auf die Fähigkeit des Nutzers auswirkt, benötigte Informationen zu finden, und andererseits, die Usability der Site zu messen.
Wir haben eine Remote Usability-Studie (engl.) mit 5 Teilnehmern lanciert: 3 Studieninteressierte und 2 Eltern von Studieninteressierten. (Auch mit nur wenigen Teilnehmern (engl.) ist es möglich, die gröbsten Fehler in der Usability eines Designs ausfindig zu machen.) Wir haben die Teilnehmer der Studie beauftragt, herauszufinden, ob diese Universität ihre Bedürfnisse abdeckt. Danach mussten die Teilnehmer Antworten auf typische Fragen finden, die auftreten, wenn man eine Universität auswählt (wie z.B. die Höhe des Schulgeldes und Einsendeschluss der Aufnahmeformulare).
Die Resultate
Schlüsselfakten und Informationen haben die Aufmerksamkeit der Nutzer auf sich gezogen und einen positiven Eindruck der akademischen Qualität der Universität hinterlassen.
Nutzer lieben relevante Fakten. Es ist also toll, dass die Website Schlüsselfakten und Daten effizient und mit kurzgefassten, blickfangenden und informativen Inhalten anzeigt. Nach Abschluss des Tests haben wir die Teilnehmer befragt, welchen Eindruck sie über die Universität und deren akademische Qualität hatten. Der Eindruck war positiv:
- "Ich würde sagen, dass Bucknell eine exzellente Schule ist. Ich mag es, dass sie neue Denkansätze lehren. Bucknell scheint eine sehr wirkliche harte Schule zu sein."
- "Es macht den Eindruck als wäre es sehr Interessant, diese Uni zu besuchen. Sie ist sehr auf Interaktionen zwischen Studenten und Fakultäten fokussiert, und das ist immer eine gute Sache."
Herausstechend angezeigte Zahlen und Fakten fangen die Aufmerksamkeit der Leute ein und bewegen den Nutzer dazu, sich für das durchlesen der kurzen Informationen Zeit zu nehmen. Dies wirkt sich also sehr positiv auf das verstehen der Qualität der Universität aus. Es ist jedoch nicht einfach, die Seite mit diesen Informationen zu finden.
Leider waren diese nützlichen Fakten nur schwer zu finden, weil eine unzureichende und versteckte Navigation die Nutzer daran hinderte, die Seiten, die diese Informationen präsentieren, zu entdecken. Die Seite mag grossartigen Inhalt und ein ansprechendes Design haben, aber keines davon zählt wirklich, wenn die Nutzer diese Inhalte nicht finden können. Oder wie es einer unserer Nutzer gesagt hat:
"Es sieht wirklich gut aus, aber es hat über Nichts wirklich viele Informationen"
Wie wir früher schon einmal geschrieben besagt die goldene Regel für E-Commerce Websites: "Wenn ein Nutzer ein Produkt nicht findet, kann er es auch nicht kaufen." Das gleiche Gesetz gilt auch für Informations- basierte Websites: "Wenn ein User den Inhalt nicht findet, kann er ihn auch nicht wahrnehmen".
Machen Sie es nicht schwierig, die globale Navigation zu finden (engl.). Alles andere auf Ihrer Seite leidet darunter, auch Ihre Geschäftsziele.
Kontroverse #1: Minimale und versteckte Navigation.
Unsere Meinung: Eine minimale und versteckte Navigation ist eindeutig frustrierend für Nutzer und hindert diese daran, Informationen zu finden.
"Ich bin Maturaabsolvent und hatte einige Schwierigkeiten mit dieser Website. Es wäre um vieles einfacher wenn die Dinge dort wären, wo man sie vermutet. Man muss hier alles suchen."
Um ein Bild der Probleme zu vermitteln, welche die Teilnehmer beim Bearbeiten der Aufgaben erlebt haben, zeigen wir hier einige der Schwerpunkte.
- Viele der Teilnehmer konnten die Liste der Studiengänge nicht finden, die von der Schule angeboten werden. Ein Nutzer hat die Liste zwar einmal gefunden, konnte den Weg aber nicht zurückverfolgen, um die Seite erneut zu finden.
- Einige Teilnehmer konnten die Höhe des Schulgeldes nicht finden.
- Einige Teilnehmer haben nicht herausgefunden, ob der gewünschte Studiengang an der Universität verfügbar ist. (Traurigerweise bestätigt das Ergebnis eine andere Forschung mit Universitäts-Websites (engl.), welche ergeben hat, dass 48% der Nutzer nicht herausgefunden haben, dass die Universität den gewünschten Studiengang anbietet). Jeder Student, der die Seite verlässt, denkt also fälschlicherweise dass die Universität dieses Programm nicht anbietet. Dies ist eine verpasste Chance (mit schweren Folgen).
Diese Resultate können hauptsächlich 3 Aspekten der Navigation von Bucknell zugeschrieben werden:
1. Tiefe Hierarchie und unklare Kategorien. Seiten mit einer tiefen Hierarchie sind meistens schwieriger für Nutzer, als jene mit einer mehrheitlich breiten Struktur. Dies wurde bei einer HCI-Studie (engl.) herausgefunden. Eine tiefe Hierarchie benötigt meistens viele Kategorien in der Hauptnavigation. Mit der Einschränkung auf nur 2 Labels, zwingt Bucknell ihre Nutzer dazu, sich zwischen diesen 2 sehr vagen Labels zu entscheiden (Start Exploring und The Everything Directory). Diese Bezeichnungen haben aber absolut keine Informationsfährte: Nutzer können nicht vorhersehen, auf welchen Inhalt sie beim Anklicken stossen.
Die Start Exploring-Kategorie öffnet ein Dropdown Menü mit einer zielgruppenorientierten Navigation. Dies fügt der ohnehin schon tiefen Seitenhierarchie ein zusätzliches Level hinzu.
Eine Anmerkung zu zielgruppenorientierter Navigation: Bucknell’s Zielgruppen im Start Exploring-Menü sind zwar eindeutig, beinhaltet aber Probleme, die auch auf den Seiten anderer Universitäten auftreten. Die Besucher einer Website teilen sich meist selbst nicht in eine dieser Rollen ein. Vielmehr versuchen sie zu erahnen, hinter welcher Rolle sich welche Information befindet. Viele der Eltern sehen sich zum Beispiel zuerst den Abschnitt für anwerbende Studenten an, bevor sie sich den Abschnitt für Eltern anschauen. Unabhängige und themenbasierte Navigation ist daher um einiges effizienter für den Nutzer.
Wenn man Zielgruppen-orientierte Navigation anbietet, sollte man sicherstellen, dass diese sehr spezifisch und eindeutig ist, Und das die Seiten der einzelnen Zielgruppen auch wirklich alle relevanten Informationen enthalten.
Wenn man die Everything Directory (die 2. Kategorie der globalen Navigation) untersucht, stellt man schnell fest, dass die dahinter befindliche Liste von alphabetisch sortierten Themen nicht wirklich hilfreich ist. Überhaupt: Alphabetische Listen sind nur dann hilfreich, wenn ein Nutzer weiss, welche Wörter sich in der Liste befinden. Bei einer Universität allerdings wissen die Meisten Nutzer nicht, welche Wörter in der Liste vorkommen, oder wie die offizielle Bezeichnung für das Thema lautet, das sie suchen. Bei der Verwendung von Jargon ist eine alphabetische Auflistungen nicht hilfreich.
Eine Teilnehmerin nutzte Everything Directory um Informationen über das Schulgeld (Cost of Tuition) herauszufinden. Verständlicherweise suchte sie zuerst unter dem Buchstaben "C" für Costs (Deutsch: Kosten), wo sie aber keine relevanten Resultate fand. Sie suchte danach unter dem Buchstaben "T" nach Tuition (Deutsch: Schulgeld), aber nein, auch hier keine Resultate.
2. Versteckte Navigation. Leider versteckt die Bucknell Universität die Hauptnavigation ihrer Website hinter einer undeutlichen Bezeichnung; Start Exploring. Die lokale Navigation und weitere Inhalte sind ebenfalls nur durch schlecht bezeichneten Navigationselementen zu finden: In dieser Rubrik und Verwandte Rubriken. Das Verstecken der Navigation kann ein verständlicher Kompromiss bei einer mobile Website sein, für Desktopseiten ist dies aber unbrauchbar: Die Inhalte sind schwierig zu finden/entdecken und die Interaktionskosten (engl.) für die Menübedienung sind deutlich höher. Ausserdem erhöht sich auch die kognitive Belastung (engl.), da die Nutzer sich erinnern müssen, welche Inhalte in welcher Kategorie zu finden waren.
In unserem Test wurden Inhalte regelmässig nicht gefunden. Das lag entweder daran, dass die lokale Navigation übersehen wurde, oder dass beim Überfliegen der Dropdown-Menüs der Schlüssellink nicht erkannt wurde. Sobald ein Nutzer die Maus-Over Anzeige im Menü verlassen hatte, mussten sie bereits wieder darüber nachdenken, wo sie als nächstes hingelangen wollten und wie sie dort hingelangen könnten.
Die Nutzer konnten die Informationen über Schulgeld und finanzielle Unterstützung nicht finden, da diese im Dropdown Menü In dieser Sektion unter Zulassung und Unterstützung eingebettet ist. Ein Nutzer äusserte dazu: "Das ist absolut nicht die Richtung, die ich mit dieser Ausgangsfrage nehmen würde."
3. Sich für die primäre Navigation auf die Suchfunktion verlassen. Aufgrund des Trends von Minimalismus und stark aufgeräumtem Design wird manchmal angenommen, dass die Nutzer mehr als alles andere die Suchfunktion bevorzugen. Dies ist aber oftmals nicht der Fall. Der typische Nutzer nutzt die Suche nur dann, wenn er genau weiss wonach er suchen möchte, oder wenn etwas beim Browsen nicht gefunden wurde.
Ein Studieninteressent erklärte dazu:
"Ich würde viel lieber zwei oder drei Dinge anklicken anstatt immer verzweifelt danach zu suchen und dabei zu hoffen, dass die Suchresultate das anzeigen wonach ich suche."
Die Suche als primäre Navigation ist eigentlich nur dann sinnvoll, wenn es sich bei der Webseite um eine Suchmaschine handelt. Google zum Beispiel, Bing oder Job-Seiten können diese Art von Navigation verwenden. Aber im Zusammenhang mit einer Inhaltsreichen Website, wie bei einer Universität, ist das Browsen und Entdecken essentiell, um Informationen zu sammeln.
Unglücklicherweise ist die Suchmaschine auf der Website von Bucknell nicht besonders ausgereift. Einer der Eltern tippte bei der Suche für das Schulgeld "tution" anstatt "tuition" ein, und es wurden daraufhin keine Resultate angezeigt. Ein anderer Nutzer suchte nach "Kosten für Bucknell" und auch hier erschien kein Resultat, dass im Zusammenhang mit der Antwort steht.
Nachdem die Teilnehmer alle Aufgaben abgeschlossen hatten die wir ihnen gegeben haben, konnten sie uns mitteilen, welche Verbesserungen sie begrüssen würden. Jeder einzelne Teilnehmer reklamierte dabei über die Navigation; Alle äusserten den Wunsch, mehr Kategorien zu sehen. Die folgenden Kommentare sind Beispiele von den Aussagen verschiedener Nutzer:
- "Ich finde es wirklich cool und es ist sehr modern. Ich wünschte mir aber dass es wie eine normale Universitätsseite wäre, wo man oben auf Studiengänge, Finanzielles und Dinge wie diese klicken kann. Hier war die Navigation wirklich schwierig."
- "Sie sollten wirklich mehr Tabs anzeigen, anstatt alles in diesen hier [Start Exploring] zu zwängen."
- "Es scheint als hätten sie zu sehr versucht, anders zu sein, und dieses anders verwirrt mich. Die Navigation muss einfacher sein."
Empfehlungen:
a. Designen Sie eine Navigation, die permanent zu sehen ist. Die Tiefe und Breite des Inhalts sollte dem Inhalt angepasst sein. Die Navigation zeigt uns, wo wir auf der Seite überall hin können. Es ist also wichtig, dass diese von Besuchern gesehen wird. Das erhöht die Auffind- und Entdeckbarkeit und ermöglicht es den Nutzern, ihre Auswahlmöglichkeiten ohne Aufwand zu sehen, ohne erraten zu müssen, wo sie Inhalte finden.
b. Wählen Sie klar definierte Kategorien, die den Inhalt repräsentieren. Im Falle von Bucknell beschreibt The Everything Directory exakt das, was im dahinterliegenden A-Z Index zu finden ist.
c. Die Suchfunktion muss so aufgebaut sein, dass einzelne Suchbegriffe, Fragen und Synonyme erkannt werden. Rechtschreibfehler müssen auch mit einberechnet werden. Verwenden Sie ihre analytischen Daten um zu sehen wonach Ihre Nutzer auf der Website suchen und stellen Sie sicher, dass Ihre Suchmaschine darauf antwortet.
Kontroverse #2: Personalisierung
Unsere Meinung: Tools für eine Personalisierung der Homepage sowie die Anzeige eines Verlaufs werden so gut wie nicht genutzt.
In unserem Test wurden diese 2 Personalisierungstools gänzlich ignoriert.
1. Fast alle Nutzer haben die Anpassen der Homepage Funktion nicht benutzt oder erwähnt. Von den wenigen Nutzern, die dieses Feature aufgerufen haben, hat nur einer versucht dieses zu verstehen, (Ein anderer hat zwar hier auf eine der Kategorien geklickt, hat aber danach zu einem anderen Bereich gewechselt, da nichts passierte). Dies bestätigt die Ergebnisse einer unserer anderen Forschungsarbeiten, welches zeigt, dass Nutzer normalerweise keine Personalisierungstools gebrauchen; Sie lassen die Standarteinstellungen so wie sie sind. Die Nutzer wollen ihre Zeit meist nicht darin investieren, herauszufinden, wie dieser Teil der Webseite funktioniert und wie sie davon profitieren könnten. Sie interagieren so gut wie nie mit aufwendigen Widgets oder durchdachten Tools, da sie lieber nach der Information suchen, die sie haben wollen und es so schnell wie möglich tun wollen.
Auch wenn so gut wie keiner der Nutzer dieses Tool verwendete, hat der einzige Nutzer der dies tat, trotzdem einen schlechte Erfahrung mit der Website gezeigt: "Für mich ist die Navigation auf dieser Seite sehr schwerfällig und das hat auf mich keinen guten Eindruck gemacht als ich auf dieser Seite ankam."
Das Passe die Homepage an-Tool auf der Seite wurde nicht genutzt. Dieses Feature dient dazu, Kategorien ein- oder auszublenden. Die entsprechenden Inhalte werden dann beim browsen auf der Website angezeigt, oder ausgeblendet.
2. Keiner der Nutzer hat das Verlauf-Tool entdeckt oder genutzt. Dieses Tool wird durch das Uhren-Icon angezeigt, das in der globalen Navigation zu finden ist. Das Icon stört zwar weder die Funktion der Seite noch deren Navigation, hat aber auch nicht dazu beigetragen. Die Nutzer haben dieses Icon eigentlich gänzlich Ignoriert. Das lag daran, dass sie die Funktion dieses Icons nicht identifizieren konnten, da das Icon auf Webseiten nicht bekannt ist. Es sieht erstens nicht so aus als ob es etwas tun würde und es gibt auch keinen Hinweis dass es etwas tut oder was es tut.
Keiner der Teilnehmer hat von dem Uhren-Icon Notiz genommen oder damit interagiert.
Empfehlung: Bevor man in die Entwicklung von schicken Tools investiert, sollte man darüber nachdenken wie wichtig diese für die Nutzer sind und wie wahrscheinlich es ist, dass dieses Tool genutzt wird. Die Ressourcen können in die Entwicklung von anderen Tools investiert werden, die den Inhalt und die Nutzerfreundlichkeit verbessern.
Kontroverse #3: Hochglanz Visual-Design-Trends
Unsere Meinung: Hochglanz Design macht diese Seite zu einem echten Hingucker, aber sie stört die Usability.
Die Nutzer lobten die ästhetische Erscheinung der Website, aber alles in allem (gemessen mit den angetroffenen Problemen in der Bedienung), wurde dieses Plus von den vielen Problemen und den hohen Interaktionskosten gänzlich ausgestochen.
"Es ist nicht Nutzerfreundlich. Obwohl die Seite aussieht als ob sie es wäre, mit all den freundlichen Gesichtern und glücklich aussehenden Menschen."
Minimale Inhalte pro Anzeige verursacht viel früher das Verlangen nach mehr Informationen. Die niedrige Informationsdichte verschwendet die Kapazität des Mensch-Bildschirm Kommunikationskanals. Die Darstellung mit einem Hintergrundbild, einer Kopfzeile und spärlicher Navigation auf der Homepage wurde von den Nutzern als zu wenig beurteilt. Sie äusserten den Wunsch nach mehr Information pro Anzeige. Einer der Nutzer hat all diese Kommentare auf den Punkt gebracht: "Ich denke dass sie mehr Informationen auf die Seite bringen sollten, anstatt die Seite so lange zu machen."
Das Verwenden von grossen Bildern verlangsamt die Ladegeschwindigkeit einer Seite. Unsere Studie behandelte auch den 5-Sekunden Test. Dabei haben die Teilnehmer beim ersten Besuch nur 5 Sekunden lang die Möglichkeit, die Homepage zu sehen. Danach müssen sie Festhalten an was sie sich erinnern. In einem Fall war nach 5 Sekunden noch nicht einmal das Bild vollständig geladen und es gab also nicht viel zu sehen. Ein anderer Teilnehmer hat versucht gleich nach unten zu scrollen, dies aber sofort aufgegeben: "Es verlangsamt die Seite wegen all den Bildern."
Horizontales Scrollen wurde kaum gebraucht. Wir wissen, dass Nutzer nicht gerne Horizontal scrollen. Hier waren die Nutzer glücklicherweise nicht gezwungen seitwärts zu scrollen und die meisten Nutzer haben aber auch die Pfeile nicht genutzt um den Rest des Inhalts zu sehen. Einer der Eltern hat sich wie folgt dazu geäussert: "Eine Website sollte sich entweder von oben nach unten bewegen, oder von links nach rechts. Aber nicht beides. Diese Seite hat einen sehr komischen Sinn für Navigation."
Empfehlung: Wie mit jeder Seite die ein neues Design erhält, ist es wichtig, sich darüber klar zu werden welche Designtrends passen und welche nicht. Es ist sehr wichtig darüber nachzudenken wie sich jeder dieser Trends auf den Nutzer auswirkt. Hilft es dem Nutzer dabei sein Ziel zu erreichen? Usability-Tests helfen Ihnen dabei herauszufinden, was hilfreich ist und was mehr Ärger verursacht als es Nutzen bringt.
Schlussfolgerung
Die Bucknell University steht mit ihrem Wunsch, herauszustechen und einen modernen Look zu haben, nicht alleine da. Viele Websites aus diversen Branchen tun dies in der Hoffnung aus der Menge hervorzugehen, mehr Publikum zu erreichen und dieses zu beeindrucken. Speziell bei Responsive Designs ist man viel mehr dazu verleitet, die individuellen Anforderungen an einzelne Geräte zu vernachlässigen, und ein Design zu erstellen, das auf einigen dann eher armselig ist.
Leider zeigt die Realität nur zu oft, dass die meisten Ressourcen in ein grossartiges Aussehen oder innovative Widgets und Features fliessen. Die Nutzerfreundlichkeit und Bedienbarkeit wird dabei leider oft vernachlässigt (oder ganz vergessen). Im Idealfall sollten Sie während des Projekts schon Tests durchführen. Das können Tests für die Informationsarchitektur, Drahtmodelle oder auch Papierprototypen sein. Das Durchführen dieser Usability-Tests mit realen Nutzern auf allen Geräten, welche die Seite später anzeigen sollen, sollte lange genug vor der Veröffentlichung beginnen, sodass die Designs überarbeitet und erneut getestet werden können.
Jedes Budget das Platz für teure, hochglänzende Re-Designs hat, sollte auch Platz für Usability-Tests haben. Wie in diesem Artikel klar erkenntlich, kann ein einzelner Testtag ganz einfach die grössten Designprobleme identifizieren. Diese kleine Investition kann Sie davor bewahren, alles in ein trendiges Design zu investieren, dass am Ende ihr Geschäft beeinträchtigt und Ihren Geschäftszielen entgegenwirkt, so dass Sie am Ende hundertfach mehr Einnahmen einbüssen müssen, als was die Usability-Test gekostet hätten. Anstatt zu erraten, was Ihre Kunden wollen, müssen sie es herausfinden und dann ein Design entwickeln dass ihre Kunden anspricht, und nicht deren Sinn für Style.
Lernen Sie mehr über die besten Methoden für das Design von Universitäts-Websiten (engl.) in unserem ganztägigen Kurs. Lernen Sie ausserdem wie sie diese neuen Designtrends anwenden können, ohne Ihrem Geschäft zu schaden. Besuchen sie dafür unserem ganztätigen Kurs für Emerging Pattern fürs Web Design (engl.).
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