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Kurzflossen-Mako
Isurus oxyrinchus
© 2003 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Ein Vetter des Weissen Hais
Grosse Beutegreifer rufen bei uns Menschen von alters her eine Mischung aus Furcht und Faszination hervor. An Land sind es vor allem die Grosskatzen und die Bären, in der Luft die Adler und im Meer die Haie, welche unsere Phantasie beflügeln. Ihre uneingeschränkte Macht an der Spitze der Nahrungspyramide lässt uns oftmals erschaudern. Stets aber lassen wir uns auch für diese «Meisterwerke der Schöpfung» begeistern. Von einem der «Top-Beutegreifer» des Meers, dem Kurzflossen-Mako (Isurus oxyrinchus), soll auf diesen Seiten berichtet werden.
Der Kurzflossen-Mako gehört zusammen mit vier weiteren Arten zur Familie der Makrelenhaie (Lamnidae). Das bekannteste und grösste Mitglied dieser Familie ist der Weisse Hai (Carcharodon carcharias)
, der weltweit in den gemässigten Regionen, aber auch in verschiedenen subtropischen und tropischen Meeresbereichen vorkommt. Er erreicht eine Länge von bis über sieben Meter und ein Gewicht von mehr als zwei Tonnen. Die anderen vier Makrelenhaie sind zwar deutlich kleiner, jedoch ebenfalls stattliche Fische: Der Lachshai (Lamna ditropis)
ist im nördlichen Pazifik heimisch und erreicht eine maximale Grösse von etwa 3 Metern. Der Heringshai (Lamna nasus)
bewohnt auf beiden Erdhalbkugeln die Meere der gemässigten Klimazonen mit Ausnahme des Nordpazifiks. Er wird bis zu 3,7 Meter lang und 230 Kilogramm schwer. Ein wenig erforschtes Wesen ist schliesslich der «Bruder» des Kurzflossen-Makos, der Langflossen-Mako (Isurus paucus)
, der sich gewöhnlich in der Tiefsee aufhält, mindestens 4,3 Meter lang wird und erst 1966 wissenschaftlich beschrieben worden ist.
Der Kurzflossen-Mako hat eine schlanke, spindelförmige und entsprechend strömungsgünstige Gestalt. Seine Augen sind gross und schwarz. Besonders augenfällig sind seine Zähne, von denen die des Unterkiefers selbst dann sichtbar bleiben, wenn der Kurzflossen-Mako seinen Mund geschlossen hält. Sie sind nicht dreieckig-spitzig wie bei den meisten Haien, sondern lang und dünn und sehen aus «wie die Finger eines Menschen, wenn dieser sie wie Krallen krümmt». So jedenfalls drückte es Ernest Hemingway aus, der dem Kurzflossen-Mako 1952 in seiner Erzählung «Der alte Mann und das Meer» ein Denkmal gesetzt hat. In beiden Kieferhälften befinden sich bis zu acht Reihen solcher Zähne. Fällt einer der vordersten Zähne aus, so richtet sich rasch der nächste hinter ihm auf und schliesst die Lücke.
In Ausnahmefällen erreicht der Kurzflossen-Mako eine Körperlänge von bis zu 3,9 Metern und ein Gewicht von bis zu 570 Kilogramm. Im Allgemeinen sind die erwachsenen Individuen allerdings weniger als drei Meter lang und wiegen zwischen 60 und 135 Kilogramm. Wie bei den meisten Haiarten sind die Weibchen im Durchschnitt etwas grösser als die Männchen.
In der epipelagischen Zone heimisch
Der Kurzflossen-Mako ist in den subtropischen und warm-gemässigten Bereichen aller Ozeane heimisch. Er ist ein überaus aktiver Hai, der sich im Allgemeinen zwar fern der Küste, jedoch über dem Kontinentalsockel («Schelf») aufhält. Man nennt diesen Meeresbereich die «epipelagische Zone». Dort bewegt er sich zumeist in den oberen Wasserschichten umher. Kaum je taucht er tiefer als etwa 150 Meter.
Vorzugsweise bewohnt der Kurzflossen-Mako Gewässer, welche eine Temperatur zwischen 17 und 22 Grad Celsius aufweisen. Solche, die weniger als 16 Grad Celsius warm sind, meidet er nach Möglichkeit. Ebenso wenig findet man ihn in Gewässern, welche wärmer als etwa 25 Grad Celsius sind. Dass er dennoch in subtropischen Regionen anzutreffen ist, hat damit zu tun, dass die Wassertemperatur im Meer mit zunehmender Tiefe rasch sinkt. Beträgt sie an der Oberfläche beispielsweise 30 Grad Celsius, so liegt sie schon in einer Tiefe von etwa fünfzig Metern bei nur noch ungefähr 15 Grad Celsius. Der Kurzflossen-Mako kann also besonders warmen Meeresbereichen nicht nur horizontal, sondern auch vertikal ausweichen, indem er diese «unterschwimmt».
Studien, bei welchen Kurzflossen-Makos markiert wurden, haben gezeigt, dass diejenigen Populationen, die am nördlichen bzw. am südlichen Rand des Artverbreitungsgebiets leben, jahreszeitliche Wanderungen unternehmen: Im Sommerhalbjahr, wenn sich die Meere erwärmen, bewegen sie sich nach und nach in Richtung der Pole; während des Winterhalbjahrs kehren sie dann allmählich wieder in äquatornähere Breiten zurück. Es gibt ferner Hinweise darauf, dass - zumindest in gewissen Gebieten und zu gewissen Zeiten - das Vorkommen der Männchen nicht mit dem der Weibchen übereinstimmt. Entlang der Küste des australischen Bundesstaats New South Wales beispielsweise sind praktisch alle Kurzflossen-Makos, welche im Frühling und Frühsommer gefangen werden, Männchen. Im Bereich der südafrikanischen Provinz Natal hingegen ist es so, dass in relativer Küstennähe ausschliesslich Männchen, fern der Küste jedoch ausnahmslos Weibchen ins Netz oder an den Angelhaken gehen.
Der schnellste unter den Haien
Der Kurzflossen-Mako wird gelegentlich als der «König der Haie» bezeichnet, denn er ist der schnellste Schwimmer unter allen Haiarten und einer der schnellsten aller Fische. Erwiesenermassen vermag er während längerer Zeit mit einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern je Stunde dahinzuziehen. Kurzfristig soll er sogar 75 Kilometer je Stunde erreichen können. Der Kurzflossen-Mako hält im Übrigen den Rekord im «Marathonschwimmen»: Ein markiertes Individuum legte in 37 Tagen etwas mehr als 2000 Kilometer zurück, was einer durchschnittlichen Strecke von 55 Kilometern je Tag entspricht.
Seine bemerkenswerte Geschwindigkeit und seine Ausdauer machen den Kurzflossen-Mako zu einem besonders tüchtigen Hochseejäger und eröffnen ihm eine Nahrungsnische, welche von kaum einem anderen marinen Beutegreifer abgedeckt werden kann. Tatsächlich hat sich der Kurzflossen-Mako auf die Jagd nach mittelgrossen bis grossen und entsprechend schwimmstarken Hochseefischen wie Makrelen, Heringen, Thunfischen und Schwertfischen spezialisiert. Bei Gelegenheit erbeutet er allerdings auch langsamere Meerestiere, darunter andere Haie, Rochen, Tintenfische, Meeresschildkröten, Robben und kleine Waltiere. Seine Beutetiere verschluckt der elegante Hai gewöhnlich im Ganzen, denn sein Gebiss eignet sich zwar vorzüglich dazu, Beute mit glatter Körperoberfläche zu packen; zum Zerteilen taugt es hingegen weniger.
Die Zusammensetzung der Mako-Kost scheint sich stark nach dem lokalen und saisonalen Beuteangebot zu richten: Im westlichen Nordatlantik macht der Blaubarsch oder «Blaufisch» (Pomatomus saltatrix)
fast achtzig Prozent seiner Kost aus, wie die Untersuchung des Mageninhalts gefangener Individuen ergab. Bei einer anderen Studie, welche entlang der Küste Natals durchgeführt wurde, erwies sich hingegen, dass Haie und Rochen die häufigsten Beutetiere waren: Sie fanden sich in rund sechzig Prozent der untersuchten Haimägen. Hochrechnungen ergaben im Übrigen, dass erwachsene, durchschnittlich grosse Kurzflossen-Makos rund zwei Kilogramm Fleisch je Tag zu sich nehmen und somit Jahr für Jahr das Sieben- bis Achtfache ihres Körpergewichts konsumieren.
Der Kurzflossen-Mako ist nicht nur ein aussergewöhnlich schneller Jäger, sondern auch einer der stärksten Springer unter den Haien. Nicht selten macht er mehrere Meter hohe Luftsprünge. Tiere, die sich am Haken von Hochseeanglern befinden, tun dies häufig, offensichtlich im Bestreben, sich zu befreien. Warum es auch frei schwimmende Individuen mitunter tun, ist nicht ganz klar. Ein Grund könnte sein, dass sie auf diese Weise lästige Hautparasiten loszuwerden versuchen.
Eineinhalbjährige «Tragzeit»
Das Fortpflanzungsgeschehen ist beim Kurzflossen-Mako saisonal geprägt: Die Paarungen finden im Allgemeinen im Spätsommer und Frühherbst statt. Wie bei anderen Haien, jedoch im Unterschied zu den allermeisten Knochenfischen, erfolgt die Befruchtung der Eier nicht im freien Wasser, sondern innerhalb des Körpers des Weibchens. Es findet also eine echte Begattung statt, bei der das Männchen seinen Samen in die Geschlechtsöffnung des Weibchens überführt. Zu diesem Zweck sind die hinteren Teile der männlichen Bauchflossen zu einem speziellen Begattungsorgan umgebildet. Wie sich die Paarung bei den Kurzflossen-Makos im Einzelnen abspielt, wissen wir allerdings nicht, denn sie konnte noch nie beobachtet werden.
Die Entwicklung der jungen Kurzflossen-Makos nimmt wie bei mehreren anderen Haiarten einen recht ungewöhnlichen Verlauf: Nach der Befruchtung der Eier werden diese nicht abgelegt, sondern gelangen in eine gebärmutterartige Ausbuchtung der beiden Eileiter und verbleiben dort, bis sich die Keimlinge vollständig entwickelt haben. Die Jungen schlüpfen also in den mütterlichen Eileitern aus ihren Eiern. Interessanterweise werden sie auch zu diesem Zeitpunkt nicht freigesetzt, sondern verbleiben noch eine geraume Weile im Schutz des Mutterleibs und entwickeln sich dort weiter. Während sich die Keimlinge im Ei wie üblich vom Inhalt ihres Dottersacks ernähren, verzehren die geschlüpften Jungtiere in den Eileitern einerseits unbefruchtete Eier, die sie vorfinden, andererseits ihre Geschwister, die sich noch im Keimlingsstadium befinden. Nach einer gesamten Entwicklungszeit von 15 bis 19 Monaten kommen schliesslich zwischen fünf und fünfundzwanzig Junghaie zur Welt, wobei die «Wurfgrösse» bei den jüngeren Weibchen geringer ist als bei den älteren, gross gewachsenen.
Bei der Geburt sind die jungen Kurzflossen-Makos zwischen 60 und 75 Zentimeter gross und voll entwickelt. Sie vermögen vom ersten Augenblick an für sich selbst zu sorgen. Die jungen Männchen sind schon im Alter von etwa zwei Jahren - mit einer Länge von ungefähr zwei Metern - geschlechtsreif. Bei den jungen Weibchen dauert die Entwicklung etwas länger: Sie pflanzen sich unseres Wissens erst im Alter von etwa 6 Jahren, mit einer Länge von 2,7 bis 3 Metern, fort. Über die Lebensdauer der Kurzflossen-Makos liegen bislang keine Informationen vor. Man schätzt aber, dass sie mindestens 25 Jahre alt werden können.
Hochseeangler, Langleinenfischer, Thunfischfänger
Wie manch andere grosse Haiart hat der Kurzflossen-Mako als erwachsenes Tier kaum natürliche Feinde. Es sind allerdings schon mehrfach tote Individuen an Küsten angeschwemmt worden, in deren Körper die abgebrochene Schwertspitze eines Schwertfischs steckte. Ob die betreffenden Haie Schwertfische attackiert und diese gewissermassen den Spiess umgedreht hatten, oder ob die betreffenden Fische bei der Jagd auf dieselbe Beute in Konflikt miteinander geraten waren, entzieht sich unserer Kenntnis.
Zahlenmässig sind solche «Unfälle» ohne Zweifel völlig unbedeutend gegenüber dem Massaker, dem der Kurzflossen-Mako aufgrund der «Maachenschaften» des Menschen ausgesetzt ist. Seine Grösse, seine Schnelligkeit, seine Ausdauer und nicht zuletzt seine Sprungkraft machen den Kurzflossen-Mako weltweit zu einem der begehrtesten Fische der Hochseeangler. In der Karibik und entlang der Küsten der USA, wo Hochseeangeln eine beliebte Freizeitaktivität bildet, dürfte dies einen nennenswerten Einfluss auf die lokalen Bestände haben.
Weit gewichtiger sind allerdings die Auswirkungen der kommerziellen Hochseefischerei. Das Fleisch des Kurzflossen-Makos wird überall - auch in der europäischen Küche - sehr geschätzt, und nach seinen Flossen und dem aus seiner Leber gewonnenen Tran besteht vor allem auf den ostasiatischen Märkten eine grosse Nachfrage. Der schnelle Hai wird deshalb in grosser Zahl durch spezialisierte Haifischereien erlegt, wobei beköderte Langleinen wie auch verschiedene Netztypen zum Einsatz kommen. Darüber hinaus bildet der Kurzflossen-Mako einen erheblichen Teil des Beifangs beim Thunfisch- und Schwertfischfang, welcher weltweit in enormem Umfang betrieben wird. Die Fachleute gehen davon aus, dass heute global gesehen mehr Kurzflossen-Makos den Thunfisch- und Schwertfischfängern zum Opfer fallen als den spezialisierten Haifängern.
Noch gibt es kaum verlässliche Daten über den Einfluss der Befischung auf den Kurzflossen-Mako. Es gilt aber als sicher, dass seine Bestände stark rückläufig sind. Eine neuere Studie, bei welcher die quantitativen Veränderungen beim Haifang im nordwestlichen Atlantik während der vergangenen fünfzehn Jahre untersucht worden sind, hat gezeigt, dass die Bestände aller Haiarten, so auch die der Makos, drastisch abgenommen haben. Die Makos scheinen zwar etwas weniger gelitten zu haben als gewisse andere Haiarten wie der Weisse Hai, bei welchen eine Bestandsabnahme von mehr als 75 Prozent eingetreten ist. Aber auch bei den Makos ist eine erhebliche Abnahme festgestellt worden.
Wenn es nicht bald gelingt, die grossen Fischereinationen dazu zu bewegen, den Hochsee-Fischfang nachhaltig, also unter Berücksichtigung der natürlichen Nachzuchtrate der befischten Bestände, zu betreiben, wird diese fatale Entwicklung zweifellos anhalten. Bedenklich stimmt in diesem Zusammenhang vor allem der Umstand, dass die Haie als die «Tiger und Löwen der Meere» an der Spitze der marinen Nahrungspyramide stehen. Werden sie vom Menschen aus ihrer ökologisch bedeutsamen Position entfernt, so kann dies unabsehbare Folgen für die marinen Ökosysteme haben. Das Überfischen der Haie wird deshalb von manchen Experten als «ökologische Zeitbombe» eingestuft.
Legenden
Der Kurzflossen-Mako (Isurus oxyrinchus)
ist ein Mitglied der Familie der Makrelenhaie (Lamnidae), zu der auch der Weisse Hai (Carcharodon carcharias)
gehört. Er kann in Ausnahmefällen eine Körperlänge von bis zu 3,9 Metern und ein Gewicht von bis zu 570 Kilogramm erreichen. Im Allgemeinen sind die erwachsenen Individuen allerdings weniger als drei Meter lang und wiegen zwischen 60 und 135 Kilogramm.
Heimisch ist der Kurzflossen-Mako in den subtropischen und warm-gemässigten Bereichen aller Ozeane. Im Allgemeinen hält er sich zwar im Freiwasser fern der Küste, jedoch über dem Kontinentalsockel («Schelf») auf. Dort bewegt er sich vorzugsweise in den oberen Wasserschichten umher und taucht selten tiefer als etwa 150 Meter.
Der Kurzflossen-Mako ist mit Spitzengeschwindigkeiten von weit über fünfzig Kilometern je Stunde der schnellste Schwimmer unter allen Haiarten und einer der schnellsten Fische überhaupt. Er bejagt vor allem mittelgrosse bis grosse und entsprechend schwimmstarke Hochseefische wie Makrelen, Heringe und Thunfische. Mit seinem haiuntypischen Gebiss, das aus langen, dünnen, nach hinten gekrümmten und beidseitig rasiermesserscharfen Zähnen besteht, ist er zum Packen solch hochflüchtiger Beutetiere ideal ausgerüstet.
Die weiblichen Kurzflossen-Makos sind lebendgebärend. Sie bringen ihre fünf bis fünfundzwanzig Jungen nach einer «Tragzeit» von 15 bis 19 Monaten im freien Wasser zur Welt. Letztere weisen bei der Geburt eine Länge von 60 bis 75 Zentimetern auf und sorgen vom ersten Augenblick an für sich selbst. Die jungen Männchen erreichen die Geschlechtsreife im Alter von etwa zwei Jahren bei einer Länge von rund zwei Metern, die jungen Weibchen im Alter von etwa sechs Jahren bei einer Länge von 2,7 bis 3 Metern.
Die Haut des Kurzflossen-Makos weist beim lebenden Tier einen metallischen Glanz auf und ist oberseits satt kobaltblau, seitlich stahlblau und unterseits schneeweiss gefärbt, wobei ältere Individuen dunkler sind als jüngere. Nach dem Tod verblasst das glänzende Blau schnell und wird zu einem stumpfen Grau.
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