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- Familie: Libellulidae – Segellibellen
- Gattung: Leucorrhinia – Moosjungfern
- Art: Leucorrhinia dubia (Vander Linden, 1825)
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- DE: Kleine Moosjungfer
- FR: Leucorrhine douteuse
- IT: Leucorrhinia dubbia
- EN: Small Whiteface, White-faced Darter
Wissenswertes
In der Schweiz ist Leucorrhinia dubia vor allem in höheren Lagen zu beobachten, wo sie in geeignetem Habitat wie Hochmooren recht zahlreich fliegen kann. Beobachtungen dieser Art im Tiefland sind nicht ausgeschlossen, diese sollten jedoch gut dokumentiert werden. Verwechslungen kann es insbesondere mit der sehr ähnlichen und bei uns nur als Ausnahmeerscheinung auftretenden Leucorrhinia rubicunda geben.
MerkmaleGesamtlänge: 31-36 mm (sehr klein)
Die kleinste und schlankste aller Moosjungfern. Mit weissem Gesicht und schwarzen Flecken an Hinterflügelbasis (Gattungsmerkmale). Körper schwarz mit farbigen Flecken auf Thorax und Abdomen-Oberseite. Dreieckige Flecken auf Abdomen-Segmenten relativ klein, Fleck auf S7 etwa halb so lang wie Segment. Flügelvorderrand in basaler Hälfte dunkel (bei Leucorrhinia rubicunda gelb). Hinterleibsanhänge und Flügelmale schwarz (sehr selten auch rötlich). Männchen und Weibchen unterscheiden sich vorwiegend durch die Farbe der Flecken.
Männchen
Ausgereifte Exemplare mit roten Flecken an Brust und auf Abdomen-Oberseite (S2-S7). Im Alter werden die Flecken braun.
Weibchen
Körper mit gelblichen Flecken an Brust und auf Abdomen-Oberseite (S2-S7). Legescheide mit zwei dreieckigen Fortsätzen.
Jungtiere
Selbe Merkmale wie Weibchen. Die Flecken junger Männchen verfärben sich von gelb über orange zu rot.
Belegfoto
M/W: Sicht auf Abdomen-Oberseite, Flügelmale und Hinterleibsanhänge.
Verbreitung
Weit verbreitet in Nord- und Mitteleuropa sowie isolierte Vorkommen in den Pyrenäen, im französischen Zentralmassiv und Bulgarien.
Die Vorkommen in der Schweiz konzentrieren sich auf den Alpenraum und den westlichen Jura. Besonders häufig ist sie in den Alpen zwischen Genfersee und Vierwaldstättersee, etwas verstreuter im Wallis, Tessin und Graubünden. Es gibt Beobachtungen zwischen 300 und 2400 m. Die meisten Fortpflanzungsgewässer liegen zwischen 900 und 2000 m.
Biologie
Phänologie
Schlupfperiode: Mitte Juni bis Ende Juli
Flugzeit: Ende Juni bis Mitte August
Lebensraum
Leucorrhinia dubia ist eine typische Moorlibelle und besiedelt moosreiche Kolken und Schlenken sowie saure Weiher und Kleinseen mit flutenden Torfmoosen, Torfstiche und Moorgräben in nassen, nährstoffarmen Hoch- und Übergangsmooren. Die Gewässer sind meist fischfrei, stehend, gut besonnt, mit flutenden Moosen bewachsen, führen permanent Wasser, frieren im Winter nicht durch und sind sauer bis leicht basisch, eloktrolyt- und kalkarm. In höheren Lagen werden teilweise auch Gewässer ausserhalb von Mooren besiedelt.
Lebensweise Imagines
Frisch geschlüpfte Tiere fliegen vom Gewässer weg in Bäume oder in die Vegetation. Die Reifung findet nahe am Entwicklungsgewässer im feuchten Nadelwald oder in Lichtungen statt.
Reife Männchen fliegen leicht hüpfend und recht schnell über das Wasser, machen aber nur kurze Flüge. Dazwischen sitzen sie auf niedriger Vegetation oder am Boden und warten auf Weibchen. Nur bei geringer Dichte verhalten sie sich territorial. Die Paarung wird in der Luft eingeleitet, danach setzen sich die Paarungsräder auf den Boden oder auf niedrige Vegetation.
Das Weibchen legt die Eier alleine in untergetauchte oder schwimmende Moose an erwärmten Stellen ab. Zuerst vom darüber fliegenden Partner bewacht, danach alleine.
Der Schlupf findet an Halmen oder Moosen nahe an der Wasseroberfläche oder am Ufer statt.
Lebensweise Larven
Leucorrhinia dubia überwintert im Larvenstadium. Die Entwicklung dauert 2-4 Jahre (meist 3 Jahre). Die Larven halten sich meist in dichten Torfmoosbeständen auf und verhalten sich aktiv.
Gefährdung und Schutz
In der Schweiz ist Leucorrhinia dubia potenziell gefährdet (NT) und hat eine mässige nationale Priorität (4). Europaweit ist sie nicht gefährdet. Die Haupt-Gefährdungsursachen sind Beweidung, Austrocknen und Verlanden der Entwicklungsgewässer, Düngung/Entwässerung der Umgebung, Badebetrieb an empfindlichen Stellen sowie Wintertourismus (Langlaufloipen).
Wichtigste Schutz- und Fördermassnahmen sind der Schutz intakter Hoch- und Zwischenmoore sowie ihrer Gewässer, der Erhalt von Torfstichen und Gräben, die Regeneration von Hochmooren, das Fernhalten von Weidetieren in Hochmooren, das Einrichten von Schutzzonen an Badeseen sowie ein Verbot von Wintertourismus in Hochmooren.
- Rote Liste: NT - Potenziell gefährdet
- Nationale Priorität: 4 - Mässige Priorität
- NHV: -
Ähnliche Arten
Leucorrhinia dubia sieht sehr ähnlich aus wie Leucorrhinia rubicunda, die in der Schweiz jedoch nur als Ausnahmegast auftritt. Besonders Beobachtungen im Tiefland sind genau zu überprüfen, hier muss sie zudem von Leucorrhinia pectoralis abgegrenzt werden. Bei den weiteren beiden einheimischen Moosjungfern können vor allem die Weibchen verwechselt werden. Zudem können Männchen von Sympetrum danae auf den ersten Blick leicht für weibliche Leucorrhinia spp. gehalten werden.
Leucorrhinia rubicunda – Nordische Moosjungfer
Nur unwesentlich grösser und etwas breiter. In der Schweiz nicht bodenständig, kann aber als Ausnahmegast praktisch überall auftauchen. Ähnlich gefärbt und gezeichnet, aber farbige Flecken auf Abdomen etwas grösser und deutlicher, dreieckiger Fleck auf S7 etwa dreiviertel Mal so lang wie das Segment. Zudem sind die Flügelvorderkanten komplett gelb.
M: Flügelmal rot (kann ausnahmsweise auch bei Leucorrhinia dubia der Fall sein!).
W: Ohne dreieckigen Fortsätze an Legescheide.
Leucorrhinia pectoralis – Grosse Moosjungfer
In der Schweiz noch seltener, typischerweise im Tiefland unter 600 m. Die beiden Arten können trotzdem zusammen vorkommen. Grösser, massiger und intensiver gefärbt.
M: Fleck auf S7 hellgelb, fast so lang wie Segment.
W: Sehr grosse gelbe Flecken auf S2-S7, Flecken fast so lang wie Segment.
Leucorrhinia albifrons, Leucorrhinia caudalis – Östliche, Zierliche Moosjungfer
Ebenfalls eher im Tiefland zu finden. Hinterleibsanhänge immer weiss.
M: Hinterleib mit heller Bereifung.
W: Gelbe Flecken länger als halbes Segment.
Sympetrum danae – Schwarze Heidelibelle
M: Nur geringfügig kleiner, aber weniger schlank. Wie weibliche Leucorrhinia spp., mit schwarzer Grundfarbe und gelblicher Zeichnung. Gelbe Flecken aber nur diffus auf S2-S3 und S7-S8. Basis der Hinterflügel ohne schwarz, Gesicht gelblich (nicht weiss). Thoraxseiten auffälliger gelb, mit drei typischen gelben Flecken.