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Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke soll in eine Schmiergeldaffäre verwickelt sein. Sicher ist: Der ehemalige Journalist hat in seiner Fifa-Karriere bisher eine spektakuläre Achterbahnfahrt hingelegt.
Die «New York Times» rückt heute mit einem Artikel den Generalsekretär der Fifa Jérôme Valcke in den Fokus der Öffentlichkeit. 2008 soll der französisch-südafrikanische Doppelbürger in Schmiergeldzahlungen in der Höhe von zehn Millionen Franken verwickelt gewesen sein.
Bei diesem Geschäft ging es darum, dass Südafrika als afrikanischer WM-Austragungsort vor Marokko gewann. In den öffentlich zugänglichen Dokumenten ist nur die Rede von einer hochrangigen Fifa-Persönlichkeit, die bei diesem Deal die Finger im Spiel hatte – Valcke wird nicht genannt. Die Fifa bestreitet in einer Stellungnahme, dass es sich bei dieser Person um ihren amtierenden Generalsekretär handelt.
Valcke war wie Blatter Journalist
Wie Joseph «Sepp» Blatter hat der aktuelle Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke vor seiner Karriere im Sportgeschäft als Journalist seine Sporen verdient. Bis in die 1990er-Jahre arbeitete er sich bis zum stellvertretenden Sportchef des französischen TV-Senders Canal+ hoch.
Im April 2001 vertrat Valcke den Medienkonzern Vivendi, dem Canal+ gehörte, bei der Buchprüfung der konkursiten International Sport and Leisure (ISL). Der Konkurs des Sportvermarkters ISL ist einer der wichtigen Gründe für die heutigen PR-Probleme der Fifa: Es zeigte sich, dass hochrangige Funktionäre mit Millionen von Franken geschmiert wurden.
Oberster Vermarkter bei der Fifa
Valcke hatte also Einblick in die inneren Details der ISL. Im Sommer 2003 wechselte Valcke zur Fifa, zog nach Zug und übernahm den Posten als oberster Vermarkter (Direktor Marketing & TV). Heute residiert er im steuergünstigen Wollerau.
Valcke verfügte nicht nur über ISL-Wissen, sondern dank seiner langjährigen Management-Tätigkeit in den Medien über hervorragende Beziehungen in die Sportwelt. Doch bei einem Sponsoring-Deal im Jahr 2006 schützte ihn dies nicht vor einem Skandal: Am 6. April 2006 handelte die Fifa mit der Kreditkartenfirma Visa eine 195 Millionen Dollar teure Sponsorenvereinbarung aus.
Valcke: Entlassung nach Mastercard-Desaster
Der Verband tat dies hinter dem Rücken seines langjährigen Geschäftspartners Mastercard. Es folgte Ärger vor dem Gericht, am Ende musste die Fifa Mastercard mit 90 Millionen Dollar entschädigen. Während den juristischen Scharmützeln tauchte auch ein Dokument auf, das die Fifa einreichte, rückdatiert war und in dem die Unterschrift des Geschäftspartners nachgezeichnet wurde.
Wegen der mutmasslichen Urkundenfälschung eröffnete auch die Zürcher Staatsanwaltschaft eine Voruntersuchung, bekam dann aber von Mastercard keine weiteren Informationen und stellte den Fall wieder ein. Chef der Sponsoring-Verhandlungen war Jérome Valcke. Nach dem Desaster mit Mastercard wurde er entlassen, dann aber kurz darauf wieder eingestellt.
Vorwürfe nach der Katar-Bewerbung
Valckes Name tauchte auch in der umstrittenen WM-Vergabe an Katar auf. Obwohl Katars Bewerbung nach Expertenmeinung die schlechteste von allen war, schwang das Land oben aus und darf 2022 die Fussballweltmeisterschaft veranstalten. In einer veröffentlichten E-Mail vom 18. Mai 2011 sprach Valcke davon, dass Katar sich diese WM womöglich erkauft haben könnte. Ein Vorwurf, der durch eine ARD-Recherche von Anfang Mai wieder erhoben wurde.