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Verkehrspersonalmusik Winterthur, seit 2009 Blasorchester Winterthur
Im Jahre 1908 gründeten einige initiative Lokomotivführer das Locomotivpersonal Orchester in Winterthur. Das war der Beginn einer genau einhundertjährigen Geschichte des Musikvereins, des später Musikverein des Verkehrspersonals Winterthur und noch etwas später der Verkehrspersonalmusik (VPM).
Gründung
Ein Anlass der Winterthurer Sektion des Verbandes Schweizerischer Locomotiv-Heizer im Jahre 1908 gab den Anstoss zu einer Musikvereins-Gründung. Der Familienabend sollte mit Musik verschönert werden. Karl Tarnutzer, Alfred Meier und Rudolf Speerli machten aus Worten Taten. Sie erschienen mit Handorgel, Klarinette und Posaune und hatten mit ihrer Musik grossen Erfolg. Der grosse Zuspruch motivierte die Musiker die Formation weiter zu pflegen und zu erweitern. Anfangs 1910 kamen Karl Jecklin und Adolf Wernli mit einem Contrabass und einer C-Posaune dazu. Das junge Orchester probte im Restaurant Reh. Als 1912 Karl Müller sen. und Karl Kleiber noch dazu kamen, wurde schon am 9. März 1912 eine eigene Abendunterhaltung durchgeführt, an die sich auch gleich der erste Katerbummel anschloss. Um der losen Vereinigung klare Strukturen zu geben, beschloss man einen Verein zu gründen. Am 3. September 1912 wurden die Statuten genehmigt, Rudolf Speerli als ersten Präsidenten, Karl Tarnutzer als ersten Kassier und Alfred Meier zum ersten Dirigenten gewählt. Der Verein hiess "Locomotiv-Personal-Orchester Winterthur" Dass der Verein erfolgreich unterwegs war zeigt die Statistik des ersten ganzen Folgejahres 1913. Es wurden 32 Proben und 6 Anlässe durchgeführt und für unentschuldigtes Fernbleiben ein Bussensystem eingeführt. Weitere Werbung führte dazu, dass der Verein aus acht Aktiven und 82 Passivmitgliedern bestand.
Entwicklung
1916 machte man aus der Not eine Tugend. Das Jahr war in jeder Beziehung für den Verein von weit reichender Tragweite. Da der Klavierspieler Karl Jecklin zu musizieren aufhörte und das Orchester ohne Klavier nicht spielfähig war, beschloss die Generalversammlung vom 16. Juli 1916, das Orchester in eine Harmoniemusik umzuwandeln. Somit spielte das "Locomotiv-Personal-Orchester" an diesem Tag zum letzten Mal auf, und es begann ein neuer Anfang mit 14 Musikanten. Der Verein hiess nun "Musikverein des Locomotiv-Personals Winterthur".
Am 13. März 1922 erfolgte der Eintritt in den Schweizerischen Musikverband des Verkehrspersonals. An der 1. Maifeier nahm unser Musikverein erstmals als offizielle Festmusik teil. Die ausserordentliche GV beschloss die Namensänderung in "Musikverein des Verkehrspersonal Winterthur". Damit fanden die Bemühungen um die Integration der Musikfreunde aus allen Bereichen des Verkehrspersonals nun auch ihren offiziellen Ausdruck. Am 6. September wurde ein Gesuch um Erteilung einer Subvention an den Stadtrat gerichtet.
Auf ein weiteres Gesuch hin erhielt unser Musikverein 1924 eine städtische Subvention von Fr. 200.00. Die Mitwirkung an der Fahnenweihe des "Edelweiss Wülflingen" war zugleich der erste Auftritt bei einem anderen städtischen Musikverein. Am 1. Februar1924 führte der Verein die Delegiertenversammlung des Schweizerischen Musikverbandes des Verkehrspersonals durch.
Die erste Uniform
Am 3. Schweiz. Verbandsmusikfest des Verkehrspersonals vom 2./3. Mai 1925 trat der Verein erstmals mit den neu angeschafften einheitlichen Hüten auf und erreichte mit dem an intensiver Probenarbeit einstudierten Wettspiel 88 von 100 möglichen Punkten. Mit der Ouvertüre "Rübezahl" und einem 4 Wochenstück erreichten sie sogar den ersten Rang mit Lorbeerkranz. 1926 wurden erste Kontakte zu dem im Jahre 1919 gegründeten Schweizerischen Arbeitermusikverband aufgenommen; ein Eintritt jedoch wegen der Mitgliedschaft zum Verband der Musikvereine des Verkehrspersonals noch abgelehnt.
Nach erfolgreichen Sammelaktionen konnte der Musikverein am 26. August 1928 die erste Uniform und gleichzeitig die erste Vereinsfahne festlich einweihen. Als Patensektion wirkte die Stadtmusik "Eintracht" Zürich mit. Wegen Inaktivität des Verkehrspersonal-Musikverbandes beschliesst der Verein mit allen gegen 2 Stimmen aus diesem Verband auszutreten und auf den 1. Januar 1932 in den Schweizerischen Arbeitermusikverband (SAMV) einzutreten.
Am 29. Mai 1938 nimmt unser Verein am erstmals durchgeführten Städtischen Musiktag teil. Bei der Einweihung des neuen Volkshauses am 16. Juli 1938 wirkte der Musikverein kräftig mit und konnte sodann am 26. November erstmals die Abendunterhaltung im neuen grossen Saal abhalten.
|Die Präsidenten||Die Dirigenten|
|Rudolf Speerli||1912-1918||Alfred Meier||1908-1919|
|Karl Meister||1919-1921||Jakob Stahel||1920-1923|
|Alfred Meier||1922-1924||Albert Süss||1920-1923|
|Karl Geiger||1925-1933||Ernst Huber||1930-1938|
|Konrad Deutsch||1934-1938|
|Jakob Büchi||1939-1942||Otto Jäger||1939-1946|
|Oscar Jacobs||1943-1950||Hans Frey||1947-1954|
|Werner Ott||1951-1952||Moritz Meyer||1954-1960|
|Oscar Jacobs||1953-1956||Hans Suter||1960-1971|
|Emil Frei||1957-1963||R.W. Salzmann||1971-1976|
|Albert Mettler||1964-1967||Hansruedi Staub||1976-1985|
|Leo Rütimann||1968-1978||René Cherubin||1986-1987|
|Erwin Bayer||1979-1983||Willy Rodel||1988-1991|
|Leo Rütimann
||1984-1985||Heinz Schorr||1992|
|Heinz Schorr||1986-1991||Thomas Märki||1993-1994|
|Hansr. Küenzle||1992-1995||Hans Schneider||1995-1997|
|Hans Hugentobler||1996||Heinz Schorr||1997-1999|
|Peter Kuhn||1997||Beat Möckli||2000-2005|
|Ulrich Kramer||1998-2009||Roland Bach||2005|
|Zeller Martin||2010-2012|
|Sauren Paul||2013-|
Grosse Aktivitäten
Nach dem Restaurant Lamm in der Obergasse wurde 1945 das Restaurant Löwengarten an der Langgasse zum Vereins- und Probenlokal. Nach den doch eher häufigeren Wechseln in den vergangenen Jahren, ahnte damals natürlich noch niemand, dass dieses Lokal bis zur Vereinauflösung im Jahre 2008 das Stammlokal blieb.
Im Rahmen der Hilfsaktion für das kriegsgeschädigte Solbad-Hall wurden 1947 erste Kontakte mit der Salinenmusikkapelle Hall aufgenommen. Auf Einladung des Arbeiter-Sport- und Kulturkartells besuchte am 8. Mai 1948 die Salinenmusik Hall erstmals unsere Stadt. Betreut durch unseren Musikverein konnten alle Musikanten privat untergebracht werden. Bei einem grossartigen Unterhaltungsabend im Volkshaus wurden echte Freundschaften geschlossen, die bis in die Neuzeit angehalten haben.
Am 28. Juni 1949 konnte in der Festhütte Schützenwiese nach 21 Jahren eine neue Kakiuniform eingeweiht werden.
Der wohl grösste Anlass, den der Verein organisierte, war das 6. Schweizerische Arbeitermusikfest in Winterthur, das am 8./9. Juli 1950 stattfand. Strahlendes Festwetter und die prachtvoll beflaggte Altstadt halfen mit, dass dieses zu einem unvergesslichen Erlebnis wurde.
Über das Wochenende vom 30./31. August 1958 wurde im Saal und im Garten des Volkshauses das 50-jährige Vereins-Bestehen gefeiert. 12 Gastvereine und die Salinenmusik Hall gaben in Konzerten und in einem Umzug dem Jubiläum das festliche Gepräge.
Nach 17 Jahren konnte 1966 wiederum eine neue Uniform eingeweiht werden. Sie war im Blazerstil geschneidert.
Neuer Name
Die Mitwirkung am Umzug des Eidg. Jodlerfestes 1968 wurde zu einem Wasserbad ohnegleichen und die noch neue Uniforme litten schwer unter dem Regen.
1969 wurde durch zwei Ereignisse geprägt. Ein langjähriger Wunsch ging in Erfüllung, denn der Verein konnte erstmals komplett neu und auf Silberinstrumente umgestellt werden. Und anlässlich einer Statutenrevision wurde heftig über eine Namensänderung diskutiert. Das Ergebnis war, dass der etwas umständliche Vereinsname "Musikverein des Verkehrspersonals Winterthur" in "Verkehrspersonalmusik Winterthur" vereinfacht wurde. Als Kürzel für den Volksmund wählte man die Bezeichnung "VPM Winterthur".
Da die bestehende Uniform nicht voll befriedigte und die Nachlieferung und Änderungen etwelche Probleme aufgaben, beschloss der Verein, eine neue Uniform anzuschaffen. Am 6. und 7. September 1975 weihte der Verein in den Sälen des Volkshauses eine prächtige Galauniform ein.
Ein weiterer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war die Teilnahme am Festumzug des Eidgenössischen Turnfestes 1984 in unserer Stadt.
Das Mitwirken am Eidgenössischen Musikfest in Winterthur 1986 blieb allen Teilnehmern in aller bester Erinnerung. 1987 gab es zum ersten Male die VPM-Festbeiz am Albanifest.
Im Januar 2000 erhält die VPM der Zeit angepasste neue Statuten und im gleichen Jahr darf wieder eine Neuuniformierung mit einem Blasmusiktreffen der Vereine von Winterthur gefeiert werden.
Das Ende der 100-jährigen Geschichte
Im August 2005 beschliessen die VPM und der Musikverein Harmonie Oberwinterthur eine musikalische Zusammenarbeit. Das Projekt sieht vor, dass jeder Verein autonom bleibt, geprobt und gespielt wird aber gemeinsam. Der erste gemeinsamen Auftritte sind zwei Kirchenkonzerte in der Zwinglikirche und in der Kath. Kirche Oberwinterthur.
Am 24. Mai 2008 feierte die Verkehrspersonalmusik Winterthur in einem glanzvollen Anlass das 100-jährige Bestehen. Im gleichem Jahre noch wurde beschlossen, den Verein aufzulösen, beziehungsweise sich mit dem Musikverein Harmonie Oberwinterthur zum „Blasorchester Winterthur“ zu vereinen. An den Generalversammlungen der beiden Vereine am 14. März 2009 wurden die Vereine aufgelöst und der neue Verein „Blasorchester Winterthur“ gegründet. Nach 100 Jahren VPM und nach 122 Jahren Harmonie Oberwinterthur haben sich die beiden Vereine zusammengeschlossen.