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Fondsentnahmepläne sind sinnvoll für risikobewusste Rentner: Ein Teil des Geldes wird aufgebraucht, der Rest mit Köpfchen investiert.
Tausende von Schweizern stehen vor dem gleichen Problem: Sie besitzen Hunderttausende von Franken und wollen damit ihr Dasein als Rentner finanzieren. Also gehen sie zur Bank, zum Vermögensverwalter oder zum Finanzplaner, damit diese Profis auf diesem Kapital eine schöne Rendite erwirtschaften und gleichzeitig dafür sorgen, dass jährlich ein bestimmter Betrag davon für den Lebensunterhalt abgezwackt werden kann. Das Instrument dazu heisst Fondsentnahmeplan, gewissermassen das Gegenstück zu einem Fondssparplan.
Nehmen wir das Beispiel eines 65-jährigen Mannes. Er hat aus diversen Quellen - Pensionskasse, Lebensversicherung, Sparguthaben - 700000 Franken auf der hohen Kante. Im Alter von 65 Jahren wird er die AHV-Rente beziehen. Zusätzlich zur AHV-Rente braucht er 50000 Franken pro Jahr. Diese jährliche Summe sollte mit den 700000 Franken finanziert werden. Wird dieser Betrag überhaupt nicht angelegt, reicht er nur 14 Jahre, wenn jedes Jahr 50000 Franken verbraucht werden. Das heisst, im Alter von 79 Jahren müsste sich der Pensionär mit der AHV begnügen. Legt er das Geld hingegen mit einer durchschnittlichen Verzinsung von 1 Prozent aufs Sparkonto, sind die 700000 Franken im Alter von 80 Jahren ebenfalls verbraucht. Auch hier geht die Rechnung nicht auf: 65-Jährige werden im Schnitt über 85 Jahre alt.
Wer das Geld auf verschiedene Töpfe verteilt, muss Kursrückgänge weniger fürchten
Somit muss ein renditeträchtigeres Investment her als das Sparkonto. Ein Bankier würde in einem solchen Fall Anlagefonds empfehlen. Damit wird man über eine Anlagedauer von zwanzig Jahren locker eine Rendite erreichen, die den Zins der Sparkonti übertrifft.
Doch die Krux der Anlagefonds liegt darin, dass die Kurse zumindest vorübergehend fallen können. Bei einem langen Anlagehorizont sind Kursschwankungen zwar kein Problem. Doch beim Entnahmeplan werden Fondsanteile laufend verkauft. Wenn der Verkaufspreis unter dem Kaufpreis liegt, müssen mehr Anteile verkauft werden als geplant. Die unangenehme Folge: Das Vermögen würde wegen der Kursverluste und der Entnahmen überproportional abnehmen.
Es ist deshalb nicht immer einfach, den angehenden Rentnern Fondsentnahmepläne schmackhaft zu machen. Diese Erfahrung macht etwa auch Urs Sutter von AT & W in Basel: «Viele Leute können mit dem Gedanken nicht umgehen, dass die Fondsanteile zwischendurch an Wert verlieren.» Andere Finanzplaner führen Fondsentnahmepläne schon gar nicht im Sortiment. So zum Beispiel Daniel Wittwer von Financial Planning in Amriswil: «Für meine Kunden sind Fondsentnahmepläne zu unsicher.»
Das Problem der zwischenzeitlichen Kursverluste könnte man lösen, indem das gesamte Vermögen auf verschiedene Töpfe verteilt wird. Der erste Topf wird dabei mit Bargeld gefüllt. Das Kapital wird in den ersten drei Jahren verbraucht. Im zweiten Topf befinden sich defensive Anlageprodukte wie Obligationen-, Immobilien- oder Absicherungsfonds. Sie werden zwischen dem dritten und zehnten Jahr nach der Pensionierung verkauft. Im dritten Topf schliesslich liegen die Aktienfonds (siehe Tabelle). Nach zehn Jahren, wenn das Bargeld verbraucht und alle Obligationenfonds verkauft worden sind, dürften die Aktienfonds schöne Renditen erzielt haben. Damit ist die Zeit gekommen, die Aktienfonds mit Gewinn zu verkaufen. Ein Teil des Erlöses bleibt auf dem Sparkonto, um die drei kommenden Jahre zu finanzieren. Der Rest wird in defensive Anlagefonds investiert.
Dieses Vorgehen ist nur ein Beispiel. Zudem ist es statisch. In der Praxis werden Anlageprofis hingegen dynamisch vorgehen. Sie werden einen Teil der Aktienfonds früher verkaufen, falls die Aktienkurse auf einem hohen Kursniveau liegen. Die Entnahme muss zudem nicht immer genau 50 000 Franken betragen. «Es ist ein Vorteil von Fondsentnahmeplänen, dass die Entnahmen jederzeit den wechselnden Lebensumständen angepasst werden können», sagt Markus Glauser von Glauser+Partner in Bern. So kann man sich in den ersten Jahren der Pensionierung etwas mehr Einkommen gönnen. «In dieser Lebensphase ist man erfahrungsgemäss noch mobiler und unternehmungslustiger als später im hohen Alter.»
Die Banken tun sich schwer, kundenfreundliche Entnahmepläne zu konstruieren
Die Firma JML, die schon in den Neunzigerjahren das Konzept von Fondsentnahmeplänen bekannt gemacht hat, wendet schon in der Planung einen dynamischen Ansatz an. Der zu finanzierende Lebensabschnitt wird in Etappen aufgeteilt. Zum Bespiel: Die erste Etappe dauert vom sechzigsten bis zum fünfundsechzigsten Altersjahr. Die zweite Etappe dauert von 66 bis 70. Die dritte Etappe umfasst das Alter von 71 bis 75 Jahren. Und so weiter.
Wenn die nächste Etappe näher rückt, wird das Geld von rentableren in sicherere Anlagen umgeschichtet und für den Verzehr parat gemacht, wie Felix Horlacher von JML erklärt.
Der Kauf und Verkauf von Anlagefonds ist eigentlich ein typisches Bankgeschäft. Doch die Banken sind offenbar nicht in der Lage, Fondsentnahmepläne zu schneidern, die dem Kundenbedürfnis entsprechen. Die Credit Suisse etwa schlägt beim eingangs erwähnten Beispiel vor, das ganze Vermögen von 700 000 Franken in den CS Portfolio Fund Balanced CHF (Valor 672238) zu investieren, «sofern der Kunde nicht bereit ist, ein grosses Risiko zu tragen». Dieser Vorschlag ist billig: null Beratung und kein Aufwand für Umschichtungen, dafür schöne Kommissionseinnahmen. Da der CS Portfolio-Fund Balanced ein ausgewogenes Verhältnis von Aktien und Obligationen enthält, werden bei der Entnahme stets gleichzeitig Aktien und Obligationen verkauft. Und dies, obschon für Aktien aufgrund von Risiko- und Renditeüberlegungen eigentlich eine längere Anlagedauer angezeigt ist als bei den sichereren Obligationen.
Selbstverständlich muss ein Entnahmeplan nicht nur aus Fonds bestehen. Markus Glauser schlägt risikoscheuen Kunden vor, mit einem Teil des Wachstumskapitals eine Einmalprämienversicherung abzuschliessen. Der Zins und der Zinseszins sind bei diesem Finanzinstrument unter bestimmten Bedingungen steuerfrei. Laut einer dieser Bedingung muss der Vertrag vor dem sechsundsechzigsten Altersjahr abgeschlossen werden.
Eine andere Möglichkeit ist, mit einem Teil des Vermögens eine Leibrente zu kaufen. Leibrenten sind nicht besonders rentabel, dafür komfortabel. Ihr grosses Plus: Die Sparer bekommen eine garantierte Mindestrendite. Von Maklern wird ausserdem der steuerliche Vorteil von Leibrenten ins Feld geführt, denn sie sind nur zu 40 Prozent als Einkommen zu versteuern. Im Vergleich zur AHV- und Pensionskassen-Rente, die zu 100 Prozent als Einkommen zu versteuern sind, ist das in der Tat ein Vorteil. Doch im Vergleich zum Fondsentnahmeplan können sie nicht punkten: Der Verkauf von Fondsanteilen ist steuerfrei, da Kursgewinne in der Schweiz nicht versteuert werden müssen.
Erschienen im CASH am 1. Februar 2007