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Die Rote
Regie: Helmut Käutner
Darst.: Ruth Leuwerik, Rossano Brazzi, Giorgio Albertazzi, Harry Meyen, Richard Münch, Gert Fröbe, Gianni Solaro, Giovanni Rossi, Enzo Ranchetti u.a.
Die junge Franziska Lukas ist ihrer bürgerlichen Existenz im Nachkriegsdeutschland überdrüssig. Ihre Ehe mit Herbert langweilt sie, daran ändert auch eine Liebesaffäre mit ihrem Chef nichts. Auf einer Italienreise verlässt sie Hals über Kopf ihren Ehemann und nimmt ohne bestimmtes Ziel den nächsten Zug, der nach Venedig fährt. Mit wenig Geld und ohne Gepäck kommt sie dort an und findet in einem Hotel eine Anstellung als Zimmermädchen. Die attraktive Frau macht schnell neue Bekanntschaften. Sie begegnet dem Bibliothekar Fabio und dem wohlhabenden, schillernden Patrick O’Malley, den eine dunkle Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg in Venedig plötzlich einholt. Ohne es zu ahnen, wird Franziska Teil davon und gerät in Gefahr. Mit den Bildern des renommierten italienischen Kameramanns Otello Martelli («Stromboli», «La dolce vita») beschwört «Die Rote» die filmische Tradition Italiens, die Helmut Käutner bewunderte. An den Internationalen Filmfestspielen in Berlin 1962 verursachte der Film den ersten Skandal. Es kam zum Eklat zwischen Helmut Käutner und dem Autor Alfred Andersch, der Käutner vorwarf, sein Drehbuch verdorben zu haben. Auch das Publikum und die Filmkritik taten sich schwer mit der neuen Bildsprache und vor allem mit Ruth Leuwerik, eine der populärsten Schauspielerinnen Deutschlands der Fünfzigerjahre, die ganz entgegen ihrem untadeligen Image besetzt war: Hier war sie eine moderne, gebrochene Figur, eine Sekretärin, die mit zwei Männern lebte und sich in Venedig in einen dritten verliebte – das war etwas, was die Leute von ihr nicht wissen wollten. Barbara Möller schrieb anlässlich von Ruth Leuweriks Tod im Januar 2016 in Die Welt: «‹Die Rote› war Deutschlands erster Nouvelle-Vague-Film. Er war tatsächlich ein Meisterwerk, auch wenn er die damaligen Kritiker überforderte. (…) Ruth Leuwerik war ‹Die Rote›. Und wenn man von den 31 Kinofilmen, die sie gemacht hat, den bedeutendsten und schönsten nennen sollte, dann wäre es dieser. Mit den erstaunt-fatalistisch hingehauchten inneren Monologen und den überwältigenden, melancholisch grauen Bildern eines Otello Martelli.»