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- Ulrich Fiechter
Inflation, weil der Preis für Erdöl steigt?
Aktualisiert: 5. Okt. 2021
Wir können wieder häufiger Zeitungstitel lesen wie beispielsweise „Droht die nächste Inflation?“ oder „Die Rückkehr der Teuerung“. Im Text erfolgt dann der Hinweis, dass der Preis für Erdöl gestiegen ist. Der Preis für Erdöl bestimmt auch die Preise für Heizöl, Benzin, Dieseltreibstoff und für andere erdölabhängige Produkte. Teureres Erdöl verursacht jedoch nicht Inflation in dem Sinne, dass das Allgemeine Preisniveau laufend um drei, sieben oder mehr Prozent pro Jahr ansteigt. Gleichwohl stellt sich die Frage, wie sich eine Veränderung des Heizölpreises und der Preise für Treibstoffe auf die Entwicklung des Landesindexes der Konsumentenpreise (LIK) auswirken.
Die Ausgaben eines repräsentativen Haushaltes für Heizöl machen im aktuellen LIK für die Schweiz ca. 0.9 % aller Konsumausgaben aus und die Ausgaben für Benzin und Diesel machen ca. 2.1 % aus (vgl. dazu die laufenden Publikationen des Bundesamtes für Statistik). In den nachfolgenden Grafiken wird die Bedeutung dieser drei erdölabhängigen Produkte in den Konsumausgaben veranschaulicht. Dabei gehören Heizöl zur übergeordneten Ausgabengruppe „Wohnen + Energie“ und Benzin und Diesel zur Ausgabengruppe „Verkehr“.
Diese Verhältnisse lassen bereits erahnen, dass Veränderungen beim Erdölpreis nur geringe Auswirkungen auf den LIK haben. Die allgemeine Regel zur Bestimmung des Einflusses einer Preisänderung bei einem Produkt auf den LIK lautet: Der Konsumentenpreisindex wird durch die Preisänderung einer einzelnen Gütergruppe, in diesem Fall Heizöl, Benzin und Diesel, entsprechend der Indexquote (Anteil an den gesamten Konsumausgaben) dieser Gütergruppe beeinflusst.
Ein Beispiel stellt der neueste Erdölpreisanstieg von Feb. 2016 bis Jan. 2017 dar: Der Preis für Heizöl stieg um 33.5 %. Dies bewirkte einen Anstieg des LIK um ca. 0.3 % (Indexquote für Heizöl beträgt 0.9 %, vgl. dazu auch die Grafik oben). Der Preis für Benzin stieg im gleichen Zeitraum um 15.1 % und jener für Diesel um 18.1 %. Diese beiden Preisänderungen bewirkten ebenfalls einen Anstieg des LIK um ca. 0.3 %. Die Änderung der Preise für alle drei Produkte zusammen bewirkt einen Anstieg des LIK um 0.6 %.
Wenn wir den Blick auf die vorangehende Zeitspanne August 2014 bis Feb. 2016 lenken, dann ergibt sich ein umgekehrter Einfluss. Der Preis für Heizöl sank um ca. 38 %. Dies bewirkte, dass der LIK um ca. 0.3 % sank. Der Preis für Benzin sank im gleichen Zeitraum um ca. 25 % und jener für Diesel um ca. 26 % %. Diese beiden Preisänderungen senkten den LIK um ca. 0.5 %. Zusammen bewirkten die Preisänderungen dieser drei Produkte einen Rückgang des LIK um 0.8 %, wenn gleichzeitig die Preise für alle andern Produkte gleich geblieben wären.
Dies sind Schwankungen des LIK, mit denen wir laufend konfrontiert sind, auch weil sich die Preise für andere Produkte und für Dienstleistungen immer wieder ändern. Zudem handelt es sich bei den betrachteten Erdölprodukten um importierte Güter, die aufgrund der Angebots- und Nachfragesituation auf dem Weltmarkt teurer oder billiger werden.
Der Anstieg des Erdölpreises ist demzufolge kein Grund, das Gespenst einer Inflation an die Wand zu malen. Damit wird nur von den tatsächlichen Ursachen-Wirkungs-Beziehungen abgelenkt. Zentral für eine Inflation ist die Geldpolitik. Damit nun das Aufkommen einer Inflation erkannt wird, ist das Augenmerk auf andere Faktoren wie beispielsweise die Aktionen der Nationalbank, die Kapazitätsauslastungen in der Wirtschaft, die Lohnentwicklungen und die Preisentwicklungen auf den Immobilienmärkten im Inland zu richten.