Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03098.jsonl.gz/103

Die Corona-Pandemie und die Massnahmen zu ihrer Eindämmung haben im Ausland und in der Schweiz die Wirtschaftsaktivität einbrechen und die Inflation sinken lassen. Die expansive Geldpolitik der Nationalbank bleibt weiterhin nötig, um angemessene monetäre Bedingungen in der Schweiz zu gewährleisten.
Inflations- und Wachstumsprognosen
In der gegenwärtigen Situation unterliegen Inflations- und Wachstumsprognosen einer unüblich grossen Unsicherheit. Die neue bedingte Inflationsprognose verläuft tiefer als im März. Die Hauptgründe dafür sind die deutlich schwächeren Wachstumsaussichten und tiefere Erdölpreise. Für das laufende Jahr liegt die Prognose im negativen Bereich (−0,7%). 2021 dürfte die Inflationsrate steigen, aber immer noch leicht negativ ausfallen (−0,2%), 2022 sollte sie dann wieder positiv werden (0,2%). Die bedingte Inflationsprognose beruht auf der Annahme, dass der SNB-Leitzins über den gesamten Prognosezeitraum bei −0,75% bleibt.
Die Corona-Pandemie hat die Weltwirtschaft in eine scharfe Rezession gestürzt. Die Massnahmen zur Eindämmung des Virus haben die Produktions- und Konsummöglichkeiten massiv eingeschränkt, was in vielen Ländern bereits im ersten Quartal 2020 zu einem heftigen Wirtschaftseinbruch geführt hat. Der Rückgang des globalen Bruttoinlandprodukt (BIP) dürfte im zweiten Quartal noch gravierender ausfallen. Die Arbeitslosigkeit hat in vielen Ländern zugenommen, wobei in Europa Kurzarbeitsprogramme einen stärkeren Anstieg verhindert haben.
Wirtschaftsaktivität
Verschiedene Signale deuten darauf hin, dass sich die Wirtschaftsaktivität mit den Lockerungsschritten seit Mai wieder etwas belebt hat. Diese positive Entwicklung dürfte sich in den nächsten Monaten fortsetzen. Allerdings geht die Nationalbank davon aus, dass die Erholung wie im Ausland vorerst unvollständig bleiben und das BIP sein Vorkrisenniveau nicht rasch wieder erreichen wird. Insgesamt dürfte das BIP dieses Jahr um rund 6% schrumpfen. Dies wäre der stärkste Einbruch seit der Ölkrise in den 1970er-Jahren. Die Belebung der Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte dürfte in einem deutlich positiven Wachstum im Jahr 2021 zum Ausdruck kommen.
Angesichts des Einnahmeneinbruchs bei vielen Unternehmen ist die angemessene Versorgung der Wirtschaft mit Überbrückungskrediten zentral für eine rasche Erholung. Überbrückungskredite können verhindern, dass krisenbedingte Liquiditätsengpässe zu Insolvenzen führen. Damit die Banken solche Kredite schnell und günstig anbieten können, hat die SNB ihnen seit der Aktivierung der CRF rund 10 Mrd. Franken Liquidität zum SNBLeitzins von −0,75% zur Verfügung gestellt. Bund, SNB und Banken haben so die angemessene Kredit- und Liquiditätsversorgung der Unternehmen in der Schweiz sichergestellt.