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|Die "Kirche Christi mit der Elias-Botschaft" ("The Church of Christ With The Elijah Message") ist eine mormonische Gemeinschaft, wobei sie mit insgesamt 12 000 Mitgliedern eine eher kleine Vertreterin des Mormonentums darstellt. Ihre Bedeutung liegt denn auch nicht in ihrer Grösse, sondern in der Tatsache, dass sie eine der wenigen Gemeinschaften aus mormonischer Tradition ist, die über AnhängerInnen im deutschen Sprachraum verfügt (von den rund siebzig mormonischen Gemeinschaften in den USA sind im deutschen Sprachraum ansonsten nur noch tätig: die "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage", die grösste der Mormonenkirchen, und die "Reorganisierte Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage", die zweitgrösste mormonische Gemeinschaft).

Als mormonische Gemeinschaft geht die Kirche Christi mit der Elias-Botschaft letztlich zurück auf die Wirksamkeit von Joseph Smith, Herausgeber des Buches Mormon, das von angeblich um 600 v. Chr. nach Amerika ausgewanderten Israeliten, den Nephiten, und deren Erfahrungen mit Gott berichtet und allen Mormonen als Heilige Schrift gilt. Im Jahr 1830 fasste Joseph Smith seine ersten Anhänger zu einer Kirche zusammen, die er "Church of Christ" nannte, deren Namen allerdings in der Folgezeit zweimal geändert wurde. Zu Fragen der praktischen Kirchengestaltung und der weiteren Lehrentwicklung, die im Buch Mormon noch nicht behandelt waren, kamen Joseph Smith von Seiten verschiedener Engel Offenbarungen zu, die in verschiedenen Editionen gesammelt wurden und heute als "Lehre und Bündnisse" einem Teil der Mormonen-Kirchen ebenfalls als Heilige Schrift gelten. Durch diese fortlaufende Offenbarung erhielt Joseph Smith den Rang eines Propheten und die Möglichkeit, seine Ideen laufend weiterzuentwickeln, wobei der Inhalt der Offenbarungen aus der Sicht Aussenstehender zunehmend schriller wurde (Totentaufe, Polygamie, Polytheismus).
Nach dem überraschenden Tod Joseph Smiths spaltete sich die Mormonen-Bewegung auf, da Smith keinen designierten Nachfolger hinterliess. Während ein Teil der Mormonen unter der Führung von Brigham Young nach Utah zog und dort die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage bildete, blieben andere Mormonen im Mittleren Westen zurück und sammelten sich in verschiedenen Mormonen-Gemeinschaften.
So bildete sich im Jahr 1852 unter der Führung von Granville Hendrick in Illinois eine Gemeinschaft unter dem Namen "Church of Christ", die den letzten Offenbarungen Joseph Smiths vor seinem Tode skeptisch gegenüberstand und deshalb die Lehren von Polygamie und Totentaufe, wie sie die Utah-Mormonen vertraten, verwarf (akzeptiert wurden die Offenbarungen bis 1835, seit 1925 nur noch diejenigen bis 1832). Im Jahr 1863 erhielt Hendrick selbst eine Offenbarung des Inhalts, die Angehörigen seiner Gemeinschaft hätten sich nach Independence, Missouri zu begeben, wo laut einer frühen Offenbarung von Joseph Smith der endzeitliche Tempel auf einer genau bezeichneten Parzelle gebaut werden sollte. Hendricks Anhänger siedelten sich in der Nähe dieses Tempelbauplatzes an und kauften in den Folgejahren den Bauplatz auf. Nach dem Vorbild der frühen Offenbarungen Joseph Smiths wurde die Gemeinschaft von einem Kollegium von zwölf Aposteln geleitet. Zur Unterscheidung von anderen Churches of Christ wird die Gemeinschaft heute "Church of Christ (Temple Lot)" genannt und verfügte 1972 über 2 400 Mitglieder in den USA, Mexiko und den Niederlanden.
Die Kirche Christi mit der Elias-Botschaft, um die es uns geht, entstammt einer Abspaltung dieser "Church of Christ (Temple Lot)". Am 4. Februar 1927 behauptete Otto Fetting (1871-1933), einer der Apostel der Church of Christ (Temple Lot), dass ihm Johannes der Täufer als Engel erschienen sei und ihm eine Offenbarung mitgeteilt hätte. Weitere Offenbarungen folgten, und wurden von der Kirche vorerst auch akzeptiert. Als aber "Johannes der Täufer" 1929 forderte, dass Uebertretende aus anderen Mormonen-Gemeinschaften wiedergetauft werden müssten, verwarf die Mehrheit der Church of Christ (Temple Lot) Fettings Offenbarungen. Rund ein Drittel der Mitglieder der Kirche gingen mit Otto Fetting und gründeten eine eigene "Church of Christ", zur Unterscheidung mit der Klammerbemerkung "(Fetting)" versehen. Bis zu seinem Tod im Jahr 1933 erhielt Fetting weitere Botschaften, insgesamt deren 30.
Vier Jahre nach dem Tod von Otto Fetting, im Oktober 1937 behauptete ein Aeltester der "Church of Christ (Fetting)", Wilhelm August Drews oder anglisiert Draves (1912-1994), Johannes der Täufer würde nun ihm Offenbarungen zuteil werden lassen. Die Botschaften durch Draves wurden vorerst positiv aufgenommen und zu den Botschaften Fettings hinzugezählt. Im Jahr 1943, bis dahin erhielt Draves insgesamt 26 Offenbarungen, kam es jedoch zu einem Konflikt: Draves wurde verdächtigt, die Informationen, die er durch Johannes den Täufer erhalten haben wollte, auf durchaus irdischem Wege erlangt zu haben. Der Streit dehnte sich auf die Frage der Kontrolle der Kirche aus und endete vor Gericht mit einer Niederlage von Draves und seinen Anhängern. Die siegreichen Gegner Draves' lehnten seine Offenbarungen nun zur Gänze ab und beriefen sich fürderhin nur noch auf die dreissig Botschaften von Fetting. Im Jahr 1956 führte die Church of Christ (Fetting) die Feier des Sabbats anstelle des Sonntags ein. Die Gemeinschaft verfügte 1988 über 1500 Mitgliedern in den USA und über 500 Mitglieder in Nigeria.
Nach seiner Niederlage um die Kontrolle in der Church of Christ (Fetting) sammelte W. A. Draves seine Anhänger zur Kirche Christi mit der Elias-Botschaft.
Als Gründungsdatum der Kirche Christi mit der Elias-Botschaft wird das Jahr 1929 angegeben, obwohl zugestanden wird, dass die erste Offenbarung an Otto Fetting schon 1927 erfolgte. Das Jahr 1929 ist wichtig deshalb, weil die ersten Offenbarungen an Joseph Smith hundert Jahre vorher erfolgten. Die Bezeichnung als "Mormonen" lehnt die Gemeinschaft wie alle anderen Mormonen-Kirchen ab. Den Gattungsbegriff für die eigene Tradition kann sich allerdings keine Gemeinschaft aussuchen (das Wort "Protestanten" ist auch nicht besonders schön und historisch gesehen äusserst zufällig zustandegekommen).
Grundlage der Kirche Christi mit der Elias-Botschaft ist
1. die Bibel
2. das Buch Mormon, das in einer eigenen Ausgabe ediert wird, wobei der Titel "Buch Mormon" verworfen und durch "The Record of the Nephites" ersetzt wurde (die deutsche Uebersetzung des Titels ist nicht klar geregelt. Man trifft sowohl "Urkunde der Nephiten" als auch "Bericht der Nephiten" an. "Record" kann beides heissen).
3. die Botschaften ("Messages") von Fetting und Draves, mittlerweile 120 an der Zahl, im Deutschen ediert in Buchform unter dem Titel "Das Wort des Herrn". Neue Offenbarungen werden jeweils als Broschüre beigelegt.
Von den Offenbarungen Joseph Smiths werden nur die allerersten akzeptiert, wobei festgehalten wird, dass sich Joseph selbst nicht an diese gehalten hätte und deshalb von Gott verworfen worden sei. Mit Joseph hätte sich das ganze Mormonentum "verhärtet", weshalb Gott hundert Jahre später Otto Fetting berufen hätte, um das angefangene Werk der Wiederherstellung der ursprünglichen Kirche zu beenden.
Lehrmässig repräsentiert die Kirche Christi mit der Elias-Botschaft den Stand des Buches Mormon: Sie vertritt einen Modalismus (Gott-Vater und Christus sind nur verschiedene Erscheinungsweisen ("modi") ein und derselben göttlichen Person, der Heilige Geist ist unpersönliche Kraft Gottes), lehnt die Erbsünde ab (jeder Mensch büsst für seine eigenen Sünden und braucht zu diesem Zweck die Rituale der Kirche. Jesu Opfertod machte diese Abtragung eigener Sünden möglich) und hält die USA für den Ort der Wiederkunft Jesu Christi.
Ueber das Buch Mormon hinaus geht die Gemeinschaft da, wo sie die Bedeutung Johannes des Täufers als Engel der Endzeit begründet. Johannes der Täufer, welcher zu Lebzeiten in der Kraft Elias gewirkt habe, sei mit Jesus auferstanden und würde nun als Engel kurz vor der Endzeit diese mit seiner "Elias-Botschaft" ankündigen.
Die Erwartung einer baldigen Wiederkunft Jesu Christi spielt für die Gemeinschaft eine grosse Rolle. In ihrem Schrifttum wird die Bibel nach Zeichen der Zeit abgeklopft. Dass manche "Zeichen der Zeit"-Deutungen, die Eingang in die Offenbarungen von Draves gefunden haben, durch die weitere Entwicklung überholt wurden, tut offenbar nichts zur Sache.
Die Botschaften von Fetting und Draves enthalten neben Endzeit-Mahnungen konkrete Tips zur Gemeindegestaltung und Beförderungspolitik und machen so einen etwas provinziellen Eindruck. Allerdings stehen sie mit dieser Vermischung weltgeschichtlicher und lokalster Weisungen in bester Tradition der Offenbarungen von Joseph Smith.
Wie alle Mormonen-Kirchen verwirft die Kirche Christi mit der Elias-Botschaft den Tabak- und Alkohol-Konsum.
Die Leitung der Gemeinschaft liegt nach dem Vorbild der ersten Offenbarungen von Joseph Smith in den Händen eines Kollegiums von Zwölf Aposteln. Die Aemter einer Präsidentschaft und eines "Sehers, Propheten und Offenbarers", wie sie die beiden grossen Mormonenkirchen kennen, werden abgelehnt. Den Aposteln zur Seite steht ein Komitee von Bischöfen, z.Zt. deren fünf. Die Aemter sind die biblischen, ergänzt durch die aus dem Buch Mormon (oder eben der "Urkunde der Nephiten") gewonnenen Priester, die nun unbesehen den Aeltesten (griech. presbyteroi > Priester) zur Seite gestellt werden.
Die Zeitschrift der Kirche, "The Voice of Joy", erinnert in ihrem graphischen und Layout-Aufwand an eine Hochzeits- oder Schülerzeitung. Hier zeigt sich die Kleinheit der Gemeinschaft handgreiflich.
Für 1987 berichtet die Kirche Christi mit der Elias-Botschaft von 12 500 Mitgliedern weltweit, wovon 2 500 in den USA. Im deutschen Sprachraum verfügt die Kirche nur über wenige Mitglieder, aber über zwei äusserst aktive Vertreter: den Evangelisten Wolfgang Trambowsky in Hamburg und den Aeltesten Manfred Marks in Villingendorf. Daneben hat die Gemeinschaft lokale Gemeinden in Frankreich, Indien, Italien, Kenya, Nigeria und Uganda.