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Vorkriegszeit 1931-1939
Zusammenschluss der schweizerischen Radiosender und der regionalen Trägerschaften zur Schweizerischen Rundspruchgesellschaft SRG. In der deutschen Schweiz wird ein Einheitsprogramm geschaffen, das von den drei Studios in Basel, Bern und Zürich produziert wird. Die erste Phase schweizerischer „Lokalradios“ ist damit abgeschlossen. In den drei Sprachregionen werden die Landessender Beromünster, Sottens und Monte Ceneri gebaut.
Die Hörgewohnheiten ändern sich. War der Empfang anfänglich nur über Kopfhörer möglich, kommen in den 30er-Jahren Lautsprecher auf. Sie bilden die technische Voraussetzung, dass sich das Radio vom Einzelmedium zum Massenmedium entwickeln kann.
Sendeformen werden mit vergrössertem technischem Aufwand weiterentwickelt. Geräte zur Tonaufzeichnung werden in den Studios erprobt und erstmals auch für Aussenübertragungen (Reportage vom Jungfraujoch, Reportage aus der Gondel der Säntis-Schwebebahn eingesetzt.
1931
Gründung der Schweizerischen Rundspruchgesellschaft (SRG). In ihr sind die verschiedenen Radiogenossenschaften zu einer einzigen Institution zusammengeschlossen.
Die SRG erhält am 1.April vom Bundesrat die alleinige Konzession für Radiosendungen in der Schweiz. Die PTT wird mit der Erstellung und dem Unterhalt der Sender beauftragt- Bau und Einweihung der drei Landessender:
– am 23.01.1931 Sender Sottens: 25 kW Leistung
– am 11.06.1931 Sender Beromünster; 60 kW Leistung
– am 28.10.1933 Sender Monte Ceneri: 15 kW Leistung
In der deutschsprachigen Schweiz wird nur noch ein Radioprogramm verbreitet. Das Programm wird von den Studios Basel, Bern und Zürich gemeinsam zusammengestellt.
Unter dem Druck der Presse kommt ein Vertrag zwischen der SRG und der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) zustande: Das Radio darf lediglich zwei Nachrichtensendungen zu festgelegten Zeiten senden. Diese Meldungen werden am Sitz der SDA redigiert und gelesen.
Einführung des störungsfreien, niederfrequenten Telefonrundspruchs durch die PTT.
In den Studios werden erste Versuche zur Aufzeichnung von Sendungen angestellt. Die Qualität dieser Schallplatten-Mitschnitte ist aber noch ungenügend.
1932
Gross-Reportage vom Jungfraujoch durch das Studio Bern, die erstmals als Schallplatten-Eigenaufnahme festgehalten wird. Start der beliebten Kindersendungen mit Werner Hausmann aus dem neu bezogenen Studio im St.Margrethen-Park in Basel.
1933
Die Reichstagsrede des neuen Reichspräsidenten Adolf Hitler kann auf Weisung des Bundesrates nicht gesendet werden.
Das erste speziell für Radiozwecke gebaute Studio der Schweiz wird an der Brunnenhofstrasse in Zürich in Betrieb genommen. Die SRG richtet eine besondere Programm-Kontrollstelle ein. Gründung der „Pro Radio“ zur Förderung des Rundspruchs in der Schweiz (1958 umbenannt in „Pro Radio-Television“).
Über den Telefonrundspruch werden die drei Schweizer Programme und ein ergänzendes ausländisches Programm verbreitet.
1934
Ein Abkommen mit der Sportnachrichten-Agentur Wehrle ermöglicht die Durchgabe von Sportresultaten auch wochentags nach den SDA-Nachrichten.
Erstes kontradiktorisches Radiogespräch aus dem Studio Bern zur eidgenössischen Volksabstimmung „Gesetz zum Schutze der Öffentlichen Ordnung“.
Erste Kurzwellensendung für die Schweizer in Süd- und Nordamerika über den stundenweise gemieteten Völkerbundsender Prangins bei Genf. 1935.
Der Bundesrat erlässt „Richtlinien für den Radio-Nachrichtendienst“.
Die SRG schliesst mit der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) einen neuen Vertrag ab. Die SDA wird verpflichtet, Verbesserungen einzuführen und der Kritik der Hörerinnen und Hörer Rechnung zu tragen. Die SRG kann aber ihre Absicht nicht durchsetzen, sich von der SDA zu lösen.
Am 1. August wird die erste Gemeinschaftssendung der drei Landessender ausgestrahlt.
Ein Postulat im Nationalrat wünscht die Öffnung des Radios für die Behandlung von politischen Fragen in kontradiktorischen Gesprächen.
Bundesrat Pilet-Golaz schliesst in seiner Antwort solche Veranstaltungen am Radio generell aus. Radio Zürich erhält einen grossen Reportagewagen; die anderen Studios ziehen nach.
Radio-Reportagewagen um 1935
Die grossen Reportagewagen ermöglichen nicht nur technisch gute Direktübertragungen- sondern mit ihren Aufzeichnungsgeräten auch Mitschnitte auf Schellack-Platten.
1936
Wilhelm Gustloff, Chef der Ortsgruppe Schweiz der NSDAP, wird in Davos erschossen. Germäss Weisung von Bundesrat Pilet-Golaz hat das Radio für die reibungslose Übertragung der Trauerfeier für alle deutschen und österreichischen Sender besorgt zu sein.
1937
Alle Studios sind mit Stahlband-Aufnahmegeräten ausgerüstet- Sendungen können jetzt vorproduziert und zeitlich frei ausgestrahlt werden.
Das Studio Basel produziert Einschaltsendungen über den chinesisch-japanischen Krieg vom Reporter W. Bosshard.
Reporterwagen Studio Basel ca.1937
1938
Das Rätoromanische wird als vierte Landessprache anerkannt. Regelmässige Sendungen in Rätoromanisch werden von Zürich gesendet.
Studio Basel überträgt erstmals die Internationalen Musikfestwochen Luzern.