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US-Präsident Donald Trump ist des Lobes voll über die Therapien, die er gegen seine Infektion mit SARS-CoV-2 erhielt – er bezeichnete sie als «Wunder, die von Gott gesandt wurden». Das Problem dabei: Der Medikamenten-Cocktail, der dem erkrankten Präsidenten verabreicht wurde, enthielt Antikörper und Wirkstoffe, die mittels Zelllinien entwickelt wurden, die ursprünglich aus dem Gewebe von abgetriebenen Föten stammen.
Dies widerspricht der Politik der Trump-Regierung, die im Verbund mit Abtreibungsgegnern gegen solche Behandlungsmethoden vorgeht und die Forschung an Embryonalzellen wo immer möglich einschränkt. So sorgte sie im vergangenen Jahr dafür, dass die meisten neuen wissenschaftlichen Forschungsprojekte mit Gewebe von abgetriebenen Föten keine Bundesmittel mehr erhielten. Die Pro-Life-Bewegung feierte dies als grossen Erfolg.
So hätte man erwarten können, dass aus dieser Ecke Protest laut geworden wäre gegen Trumps Behandlung mit dem experimentellen Wirkstoff REGN-COV2 der Pharmafirma Regeneron, der aus monoklonalen Antikörpern besteht. Diese Antikörper wurden laut Angaben der Firma unter Verwendung menschlicher Zellen entwickelt, die von einem in den 70er-Jahren abgetriebenen Fötus stammen.
Auch das antivirale Medikament Remdesivir, mit dem Trump ebenfalls behandelt wurde, ist mithilfe dieser Zelllinien entwickelt worden. Und wie die «New York Times» berichtet, verwenden auch die beiden Pharma-Unternehmen Moderna und AstraZeneca diese Zellen bei der Suche nach einem Impfstoff gegen das neue Coronavirus. Zudem teste eine weitere Firma, Johnson & Johnsohn, ihren Impfstoff-Kandidaten an einer anderen Zelllinie, die ebenfalls ursprünglich aus fötalem Zellgewebe stamme. Alle drei Impfstoff-Hersteller sind im Rahmen der von der Trump-Regierung initiierten «Operation Warp Speed» mit Bundesmitteln subventioniert worden.
Mittlerweile ist man im Weissen Haus auf die Problematik aufmerksam geworden. Ein Mitarbeiter, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte laut der «New York Times», es sei kein Widerspruch, dass der Präsident sich diesen Behandlungen unterzogen habe. Die Politik der Trump-Regierung gegen die Erforschung von fötalem Gewebe schliesse Zelllinien ausdrücklich aus, die vor Juni 2019 hergestellt worden seien. Wissenschaftliche Produkte, die mittels Zelllinien entwickelt worden seien, die vor diesem Zeitpunkt existierten, stünden nicht im Zusammenhang mit der Politik der Regierung, sagte er.
Einige Wissenschaftler betrachten dies als Heuchelei. «Heuchelei hat den Mann nie gestört, so weit ich das beurteilen kann», sagte der Neurologe Lawrence Goldstein von der University of California laut der «New York Times» über Trump. Goldstein hat in seiner Forschungsarbeit fötales Gewebe verwendet.
(dhr)