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Die prothetische Versorgung nach Fingeramputationen
wird leider auch heute noch häufig fachlich vernachlässigt. Die kompensatorischen Erfolge herkömmlicher Prothesen aus Polyvinylchlorid (PVC), mit denen lediglich ein funktionell insuffizienter, kosmetisch unbefriedigender Ersatz geschaffen werden konnte, waren zu gering.
Dem Orthopädietechniker stand zur Befriedigung des funktionalen und ästhetischen Bedarfs kein geeignetes Material zur Verfügung. Individuelle Lösungen wurden selten umgesetzt. Jean Pillet ein Zahnarzt aus Paris setzte um 1970 erstmals Raumtemperaturvernetzende Silikone in der Finger- und Handprothetik ein. Horst Buckner ein deutschstämmiger Zahntechniker (Lifelike Lab, Dallas, USA) nutzte RTV-Silikone zu dieser Zeit erstmals in seiner Vorfussprothetik, die auf die kosmetische Wiederherstellung ausgerichtet war.
Die funktionellen Defizite dieser Prothesen zwangen zu der Einschätzung, Silikonprothesen erfüllten nur rein kosmetische Zwecke. Leider wird diese Beurteilung bis in die heutige Zeit überliefert und hat sich in vielen Köpfen festgesetzt.
Das Vorurteil, Fingerprothesen stellten ausschliesslich einen kosmetischen Ersatz zur Wiederherstellung des körperlichen Erscheinungsbildes dar, ist sehr verbreitet.
In den 1970er und 80er Jahren wurde Silikon erstmals in der Finger- und Handprothetik eingesetzt. PILLET berichtete, dass die starke Adhäsion zwischen Stumpf und Prothese zu einer deutlich besseren Nutzbarkeit führte. BUCKNER beschreibt neben einer idealen kosmetischen Gestaltung deutliche funktionale Verbesserungen, vor allem bei der Versorgung von Endgliedamputationen.
Diese Resultate sind, vor dem Hintergrund der damals deutlich reduzierten Silikon-Materialauswahl, umso respektabler.
In den 90er Jahren führten materialtechnische Weiterentwicklungen und Kombinationen zwischen Silikonen unterschiedlicher Vernetzungsstrukturen zu einer deutlich grösseren Gestaltungsvielfalt in der Herstellung. Da sich die Anforderungen an eine fingerprothetische Versorgung, selbst bei identischen Stumpfverhältnissen, von Patient zu Patient unterscheiden, wird eine variable Gestaltungstechnik benötigt. JAN DE CUBBER (Anaplastologe, Belgien) entwickelte zu Beginn der 90er Jahre die Verarbeitungstechnik für HTV-Silikone (JDC-Technik). Darauf folgend wurde die Anwendung in der Technischen Orthopädie von Jan Claas (Silicon-House) in den Niederlanden sowie Arno Schmidt (Otto Bock) und Michael Schäfer (Pohlig) in Deutschland verfeinert.
Die vielen erfolgreichen Versorgungen mit Fingerprothesen aus Silikon haben diese Technik zwischenzeitlich zu einem Versorgungsstandard erhoben. Aufgrund der körpernahen Anbindung zum Amputationsstumpf überzeugen neben den ästhetischen Eigenschaften auch die funktionalen Ergebnisse.