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In der letzten Woche habe ich beschrieben, wie man die Node.js Applikation Ghost auf einem Novatrend Webhosting installiert. Heute geht es darum, was Ghost eigentlich ist und inwiefern sich Ghost von etablierten Systemen wie WordPress unterscheidet.
Geschichte
WordPress existiert seit 2003. In diesem Jahr wurde von Matt Mullenweg auf der Basis der existierenden Blogsoftware b2 die neue WordPress Software geschrieben. Im Januar 2004 erschien die erste WordPress Version. Ein Jahr später gründete Mullenweg die Firma Auttomatic und startete den Bloghosting Dienst wordpress.com. Mullenweg gründete ebenfalls die gemeinnützige WordPress Foundation, um die Entwicklung von WordPress zu unterstützen. Beide Organisationen haben ihren Sitz in den USA. Die Foundation erhielt von Automattic den Auftrag die eingetragenen Marken wie WordPress, WordCamp und andere zu schützen. Der Artikel: The Difference: WordPress Foundation and Automattic, Inc., aus dem Jahr 2013 erläutert die Unterschiede zwischen der gewinnorientierten Firma Auttomatic und der Non Profit WordPress Foundation im Detail. An dieser Situation hat sich bis heute prinzipiell nichts geändert. Das WordPress Projekt extrem erfolgreich und hat einen Marktanteil von 63.9% bei Websites, die ein Content Management System nutzen. (https://w3techs.com/technologies/overview/content_management).
Der Gründer von Ghost, John O’Nolan arbeitete seit 2010 als Deputy Lead im WordPress User Interface Team. Er war frustriert über die Entwicklung, dass sich WordPress immer mehr zu einem „grossen“ Content Management System verwandelte und für ein einfaches Blogsystem viel zu komplex wurde. In seinem Blog schrieb er im November 2012 WordPress is so much more than just a blogging platform und stellte seine Idee eine Blogsystems namens Ghost vor. 2013 startete er eine Kickstarter Kampagne. Er wollte 25,000 GBP in einem Monat einsammeln um das Ghost Projekt zu starten. Nach 29 Tagen wurden allerdings 196,362 GBP gesammelt. Ghost hatte offensichtlich einen Nerv getroffen. Im Oktober 2013 erschien die erste Version. O’Nolan gründete die gemeinnützige Ghost Foundation in Singapur. Auch bei Ghost gibt es einen Blogging-Dienst (ghost.org). Dieser Dienst wird allerdings von der Foundation selbst betrieben und die Erlöse fliessen in das Projekt. John O’Nolan bezeichnet dieses Modell als „Sustainable Open Source“.
Auch Ghost ist sehr erfolgreich. Eigenen Angaben zu Folge existieren heute 2,000,000 Millionen Installationen. w3Tech nennt den Anteil von Ghost Sites auf etwa 0.1 %.
Nochmal zur Einordnung die Marktanteile:
- WordPress 63,9%
- Joomla 3,6 %
- Drupal 2,5 %
- Wix 2,4 %
- Typo3 0,5 %
- Gatsby 0.3 %
- Github Pages 0.2 %
- Jimdo 0.1 %
- und eben Ghost mit um die 0.1 %
Ghost ist in dieser Liste das einzige System mit einem „sustainable Open Source“ Modell.
Die Technik
WordPress basiert auf dem LAMP Stack, also dem Linux Betriebssystem, dem Apache Webserver, der MySQL/MariaDB Datenbank und PHP (oder Perl oder Python) als Programmiersprache. Diese Kombination gilt seit mehr als 25 Jahren weltweit als Schweizer Taschenmesser der Webentwicklung. Alles im LAMP Stack ist Open Source Software und dadurch kostenlos verfügbar. Die Bedeutung dieser freien Verfügbarkeit lässt sich vielleicht am ehesten mit der Bedeutung des Ford T-Modell für die Automobilbranche vergleichen. Es war nicht perfekt, aber es hat den Automobilmarkt begründet. Mit dem LAMP Stack verhält es sich ähnlich. Vor 25 Jahren gab es keine Cloud, keine Smartphones und kein Internet of Things.
Ghost basiert heute auf dem JAM Stack. Diese Abkürzung steht für JavaScript, API und MarkDown (siehe auch hier im Blog: Was ist eigentlich Markdown?). Als Ghost erschien, gab es die Bezeichnung JAM Stack noch gar nicht. Damals war Ghost einfach „anders“ und es benutzte auch noch eine MySQL/Maria Datenbank. Die Abkürzung JAM Stack hat sich allerdings in den letzten Jahren durchgesetzt und Ghost ist in diesem Bereich ein mittlerweile „ehrwürdiger“ Vertreter und Pionier.
Die beiden Ansätze der Webentwicklung stehen nicht in Konkurrenz, sie funktionieren architektonisch nur unterschiedlich. Der LAMP Stack benötigt „Server“, der JAM Stack ist „serverless“. Ein JAM Stack benötigt Services. Diese Services werden von meist von einer Cloud Infrastruktur zur Verfügung gestellt. In dieser Cloud Infrastruktur stehen dann übrigens auch wieder echte Server, denn so ganz ohne Hardware geht es ja auch nicht.
Im LAMP Stack wird eine HTML Seite an den Browser geliefert NACHDEM die Daten vom PHP Interpreter aus der Datenbank geholt wurden und dann vom PHP Interpreter schick aufbereitet worden sind.
Im JAM Stack wird eine statische HTML Seite an den Browser geliefert. Diese statische Seite wurde VORHER (vor der Anfragen des Besuchers im Browser) von einem Compiler erstellt und muss nun nur noch an den Browser ausgeliefert werden..
Diese, zugegeben vereinfachte, Darstellung der Dinge macht ein wichtiges Feature des JAM Stacks deutlich. Die Auslieferung von Webseiten an den Besucher ist, bedingt durch die Architektur, SCHNELLER als im LAMP Stack.
Es gibt nun viele weitere Unterschiede und es gibt auch viele erfolgreiche Anstrengungen, den LAMP Stack schneller zu machen. WordPress und Drupal laufen beispielsweise über ihre APIs auch „headless“ und damit innerhalb von JAM Stacks. Aber auch hier lohnt ein Blick in die Automobilgeschichte. Verbrennungsmotoren haben architekturbedingt weniger Drehmoment beim Beschleunigen und sind daher in diesem Kriterium langsamer als vergleichbare Elektroautos. Sie können das Rennen nicht gewinnen.
Um im Bild zu bleiben: Das Ghost System spielt, meines Erachtens, in dieser Entwicklung die Rolle eines Hydrid-Autos.
Ein sehr hilfreiches Video zum Thema JAM Stack stammt von Phil Hawksworth im Rahmen der JavaScript Conference: Do we really need this JAM Stack thing?
Die technischen Unterschiede erklären zum Teil auch die Unterschiede in der Verbreitung von WordPress und Ghost. Das Webhosting von LAMP Stacks ist etabliert, sicher und relativ preisgünstig. Alle Komponenten sind Open Source Software. Cloud-Infrastrukturen dagegen sind für den Betreiber kostspielig und diese Investitionen müssen sich rechnen. Cloud Services sind am Anfang oft kostenlos oder extrem günstig. Das ist hilfreich für Anfänger und Startups. Benötigt man allerdings mehr Ressourcen, so steigt der Preis sehr schnell auf ungeahnte Höhen. Aus diesem Grund fällt es auch schwer, allgemein gültige Empfehlungen zu geben. Es kommt auf den Einzelfall an.
Fazit
Der Unterschied von WordPress und Ghost liegt einerseits im Geschäftsmodell und andererseits in der verwendeten Technik. Beide Punkte sind bei Ghost auf sehr charmante Art und Weise gelöst. Ghost sieht schick aus, lässt sich gut bedienen und ist sehr schnell. Es macht Spass damit zu arbeiten.
Der weltweite Markt hat sich, Stand heute, allerdings sehr deutlich für LAMP Stack basierte Systeme wie WordPress, Joomla und Drupal entschieden (die machen auch Spass 🙂 ).
Nichtsdestotrotz halten wir es für sinnvoll die neuere Technologie anzubieten und auszuprobieren und wünschen dabei viel Erfolg.
Links
- ghost.org
- Moderne Webentwicklung mit einem JAMstack
- Ghost vs. WordPress (Vergleich auf der ghost.org Site)
tl;dr: Der Blick hinter die Kulissen von Ghost lohnt sich