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Wer sich eine Tasse Kaffee brüht, braucht dazu nicht nur die erwarteten zwei Deziliter Wasser. Der kleine Braune benötigt von der Bohne an der Staude bis zum Dampf in der Tasse 140 Liter Frischwasser. Noch prekärer ist der Verbrauch beim geliebten Steak auf dem Teller. Produktion, Verarbeitung und Vertrieb von einem Kilo Fleisch entziehen dem Kreislauf 15'000 Liter Wasser. Für ein Auto sind gar 400'000 Liter nötig.
Unser Wasser kommt aus dem Osten
Dieser Gesamtverbrauch an Wasser wird mit dem Konzept des «Wasserfussabdrucks» erfasst. Das Konzept – im Englischen «Water Footprint» – dient der Bestimmung des Wasserverbrauchs für die Produktion von Gütern und Tätigkeiten. Der Ansatz unterscheidet hierfür drei Arten von Verbrauchswasser: Regenwasser wird als «grün» bezeichnet. Über- und unterirdisch gewonnenes Wasser (Flüsse, Grundwasser) als «blau». Zu Buche schlägt aber auch das «graue» Wasser.
Analog zur «grauen Energie» bezeichnet der Begriff jene Menge an Süsswasser, die benötigt wird, um die Schadstoffe, die bei einer Produktionstätigkeit anfallen, soweit zu verdünnen, dass das Wasser wieder Standardqualität hat. Und auch diese Bilanz fällt für die Schweiz alles andere als schmeichelhaft aus.
In der Schweiz importieren wir einen namhaften Teil unserer Nahrungsmittel aus dem Ausland. Entsprechend fallen 82 Prozent des hierfür benötigten «grünen» Regenwassers nicht auf Schweizer Boden. Nicht besser sieht dies beim «blauen» Wasser aus.
Flüsse und Grundwasser werden auch hier in erster Linie im Ausland belastet. Nur gerade 6 Prozent des für konsumierte Landwirtschaftsprodukte benötigten Fluss- und Grundwassers werden in der Schweiz gezapft. 69 Prozent im Ausland. Noch krasser zeigt sich das Verhältnis beim «Grauwasser». 59 Prozent des benötigten Verdünnungs-Wassers wird ausländischen Kreisläufen entzogen. Das «Wasserschloss» Schweiz trägt gerade mal 1 Prozent dazu bei.
Die Zahlen zeigen eins: Noch kann man nicht von einem globalen Wassermangel reden, aber durchaus von einer «Wasserkrise». Laut François Münger ist diese Krise eben nicht in erster Linie das Ergebnis eines weltweiten Mangels, sondern eher einer weltweit ungünstigen Verteilung.
«Heute wird dieselbe Menge Wasserressourcen von mehr Leuten genutzt, die
mehr konsumieren», sagt der Chef der Sektion «Wasserinitiativen» bei der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza). Durch die Globalisierung der Märkte werden überdies nicht selten die Ressourcen von Ländern belastet, die im Grunde unter Wasserknappheit leiden.
So sorgt allein der Konsum in der Schweiz für einen beachtlichen Aderlass an den Reserven des Gelben Flusses in China. Gut 3,2 Millionen m3 Wasser jährlich. Aus Pakistans Indus sind es gar rund 6,6 Millionen m3. Das sind 6,6 Milliarden Liter, eine Zahl mit neun Nullen.
«Dass wir Wasser verbrauchen, lässt sich nicht vermeiden. Es ist auch logisch, dass die Landwirtschaft viel Wasser benötigt. Drastisch reduzieren müssen wir aber die Übernutzung, Verschwendung und Verschmutzung von Wasser», sagt Mürner.
Fragen im Zusammenhang mit der globalen Nutzung des Süsswassers gehören zu den Prioritäten der Deza. Angesetzt wird bei der Industrie und bei der Landwirtschaft. Die Deza unterhält entsprechende Partnerschaften beispielsweise in Kolumbien, Vietnam, Bangladesch und auf den Philippinen. Beim Reisanbau fördert die Organisation den Anbau mit abwechselnden Flutungs- und Trockenphasen. Das ermöglicht Wassereinsparungen von 30 bis 50 Prozent.
Darüber hinaus finanziert die Deza das Irrigated Rice Research Consortium (IRRC), das in Asien neue Reisanbaumethoden entwickelt und bekannt macht. «International ist nur glaubwürdig, wer konkrete Projekte im Feld mit grossem Entwicklungspotenzial durchführt, die Lösungen bringen», betont Peter Bieler, Chef des Globalprogramms Ernährungssicherheit bei der Direktion. Einer ersten Phase der Sensibilisierung soll die Entwicklung einer Strategie folgen, die im grösseren Massstab anwendbar ist.
Es muss etwas geschehen
Um die grösseren Zusammenhänge ist man auch bei der UNO bemüht. Die Aktivitäten von rund 31 Organisationen und Programmen des UNO-Systems haben einen direkten Bezug zu Wasser. «UN-Water» wurde 2003 eingerichtet mit dem Ziel, den Informationsaustausch und die Zusammenarbeit unter den verschiedenen Akteuren sowie mit den externen Partnern zu koordinieren und zu erleichtern. Seit 2008 gehört auch die Deza dazu.
Die Zeit drängt. Im letzten Jahrhundert ist der weltweite Wasserverbrauch mehr als doppelt so rasch gewachsen wie die Bevölkerung. Und rund 3 Milliarden der Menschen, die im Jahr 2050 zusätzlich die Welt bevölkern werden, werden in Regionen mit Wassermangel zur Welt kommen. Die Experten sind sich einig: Auch im «Wasserschloss» Schweiz täte man gut daran, mit dem kostbaren Nass weniger fürstlich umzugehen.