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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

123. Vortrag
1.
Dort, wo der Herr zum dritten Mal nach der Auferstehung sich seinen Jüngern offenbarte, schließt das Evangelium des seligen Apostels Johannes ab; davon haben wir bereits, wie wir es vermochten, den ersten Teil behandelt bis zu der Stelle, wo erzählt wird, es seien hundertdreiundfünfzig Fische von den Jüngern gefangen worden, denen er sich zeigte, und es seien, obwohl sie groß waren, die Netze nicht zerrissen. Nunmehr ist das Folgende zu betrachten und mit dem Beistande des Herrn so, wie es die Sache zu fordern scheint, zu behandeln. Nachdem nämlich jener Fischfang zu Ende war, „sprach Jesus zu ihnen: Kommet, esset. Und keiner von den Mitessenden wagte ihn zu fragen: Wer bist Du? weil sie wußten, es sei der Herr“. Wenn sie es also wußten, was hatten sie nötig, ihn zu fragen? Wenn es aber nicht nötig war, warum heißt es: „Sie wagten nicht“, gleich als ob es nötig wäre, sie aber aus Furcht sich nicht getrauten? Der Sinn ist also dieser: So einleuchtend war die Wahrheit, womit Jesus jenen Jüngern erschien, daß keiner von ihnen sie nicht bloß nicht zu leugnen, sondern nicht einmal daran zu zweifeln wagte; denn würde einer zweifeln, so müßte er sicher fragen. So also heißt es: „Niemand wagte ihn zu fragen: Wer bist Du?“ als ob es hieße: Niemand wagte zu zweifeln, daß er es sei.