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| Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).

Siebtes Buch
XII. Kapitel
76.
1. Er enthält sich also sowohl entsprechend dem Gesetz der bösen Taten als auch entsprechend der im Evangelium geforderten Vollkommenheit der bösen Gedanken.1
2. Ihm werden auch die Prüfungen auferlegt nicht zum Zweck der eigenen Reinigung, sondern, wie wir sagten,2 zur Förderung der Nächsten, wenn sie sehen, wie er durch Leiden und Schmerzen erprobt wird, sich aber nicht vor ihnen fürchtet, sondern sie ganz unbeachtet läßt.
[S. 80] 3. Das gleiche gilt auch von der Lust; denn es ist das Größte, sich ihrer zu enthalten, wenn man sie kennengelernt hat.3 Denn was Großes ist dabei, wenn man sich dessen enthält, was man nicht kennt?
4. Der Gnostiker aber vollführt das im Evangelium gegebene Gebot und macht zum Tag des Herrn jenen Tag, an dem er einen bösen Gedanken verscheucht und einen gnostischen Gedanken aufnimmt, indem er so die Auferstehung des Herrn in sich selbst ehrt.
5. Aber auch wenn er die Vorstellung von einem auf Wissen beruhenden Schauen erfaßt hat, glaubt er den Herrn zu sehen, indem er seine Blicke auf das Unsichtbare richtet.
6. Und wenn er das zu sehen glaubt, was er nicht sehen will, straft er sein Sehvermögen, sobald er sich dessen bewußt wird, daß er sich an dem vor seinen Augen entstehenden sinnlichen Bild freut; denn er will nur das sehen und hören, was sich für ihn geziemt.
7. Dementsprechend sieht er, wenn er die Seelen seiner Brüder betrachtet, auch die leibliche Schönheit nur mit den Augen seiner Seele, die daran gewöhnt ist, das Schöne für sich allein zu betrachten ohne die sonst damit verbundene fleischliche Lust.4
1: Vgl. Mt 5,21-48.
2: Vgl. oben 74,3.
3: Vgl. Strom. III 101,5.
4: Vgl. ebd. IV 116,1 f.