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Ein Pförtner auf der Lauer
Hier Selbst
Man würde heutzutage den Pflug vor den Ochsen und die Ideologie vor das Imaginäre spannen, meint Jean-Claude Forest im Vorwort zu dem hier vorliegenden Werk, das er mit Jacques Tardi gemeinsam 1989 verfasst hat und das nun bei Edition Moderne in einer schönen, großformatigen Hardcover-Ausgabe nochmals erschienen ist. Die "Maschinerie dieser Welt" zu erfassen und den Zufall vom Schicksal unterscheiden zu lernen, alles das, was auf den ersten Blick keine Bedeutung besitze, dem man aber eine geben könnte, das beschäftigt nicht nur Forest, sondern auch die Freundin des Protagonisten in "Hier selbst", nämlich die meist nackt abgebildete Julie Maillard, die eventuell aber auch nur ein Hirngespinst von Arthur Selbst sein könnte. Jean-Claude Forest hat übrigens 1962 auch die Figur "Barbarella" erfunden, die wenig später von Roger Vadim mit Jane Fonda verfilmt wurde.
Pförtner auf der Lauer auf der Mauer
Aber wer ist eigentlich dieser "Arthur Selbst"? Selbst hat zwar in zahlreichen Prozessen seinen Familiensitz Mornemont an seine skrupellosen Verwandten verloren, aber die Mauern und Tore zwischen den Villen gehören weiterhin ihm. So hat er sich auf diesen Mauern sein Reich eingerichtet und finanziert sich seinen Lebensunterhalt durch das Eintreiben von Geld für seine Pförtnerdienste. Das Geld braucht er, um einen Prozess gegen seine Verwandtschaft anzuzetteln, der ihn wieder als rechtmäßigen Erben einsetzen soll. Arthur Selbst wohnt sogar auf diesen Mauern in einem kleinen Pförtnerhäuschen, in dem wohl nicht einmal ein Bett Platz haben dürfte. Dennoch kocht er sich in der 1,66 x 2,48 Meter großen Einmannzelle sogar sein Spiegelei und telefoniert abends lange mit seiner Mama, der er die Vorkommnisse des Tages minutiös berichtet. Seinen Nachbarn hat er sogar ein Wochen-Abonnement angeboten, aber nein, sie wollen, dass er jeden Tag, bei Schnee und Regen seine Dienste verrichtet, bis er sich eines Tages "seine Gräten" bricht.
Vom Regen in die Traufe
Sein einziger "Freund" ist der Schiffer, der jeden Tag Lebensmittel und manchmal auch die Post bringt. "Alles hängt miteinander zusammen. Und weil alles miteinander zusammenhängt, darf man an nichts rühren... Und um an nichts zu rühren, darf man nichts sagen. Worte reißen Wunden auf.", meint dieser zu Arthur. Doch dann schneit in einer Pferdekutsche plötzlich Julie in sein Leben und ruft fröhlich "Frohe Weihnachten!" und natürlich verliebt sich Arthur sofort in sie. "Mein Blut und meine Lebenslust sickern durch die Löcher in meinen Schuhsohlen", denkt er zuvor, aber jetzt wird alles anders werden, denn die Anwälte haben ihm viel versprochen und außerdem ist er jetzt ja verliebt und bald wird es wieder Frühling und nichts ist passiert. Aber als ein mysteriöses U-Boot am Strand des Sees von Mornemont strandet und ein Gesandter des französischen Präsidenten am Schiffssteg aussteigt, wird es für Arthur Selbst plötzlich wieder brenzlig, denn sein bester Freund, der Schiffer, säuft ab und Julie entpuppt sich als promiskuitiv. Der absurde Humor von Forest/Tardi macht aus dieser lustigen Geschichte ein ganz besonderes Abenteuer, in dem der Protagonist buchstäblich vom Regen in die Traufe fällt.