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Der Hockeyklub Ambri-Piotta muss rasch ein neues Stadion bauen. Um einen Formfehler auszubügeln, beantragt der Klub eine weitere Fristverlängerung bei der National League. Die Chancen stehen eher schlecht.
An sich ist die Sache klar: Der Eishockeyklub Ambri-Piotta (HCAP) muss laut der National League bis Saisonbeginn 2018/19 ein Stadion vorweisen, welches den neuen Mindestanforderungen an Hallen von A-Mannschaften genügt. Andernfalls könnte ein Ausschluss aus der Liga drohen. Im Jahr 2010 befanden die Tessiner Behörden, dass ein Teil der sanierungsbedürftigen HCAP-Halle «Valascia» in einer lawinengefährdeten Zone stehe, und wollten keine Gelder für eine Generalüberholung sprechen. So blieb dem finanziell stark gebeutelten Klub nur die Option eines Neubaus .
Kanton könnte Gelder kürzen
Nach einer langwierigen Such- und Umzonungs-Phase steht erst seit letztem November das Terrain endgültig fest: Die künftige «Valascia» soll auf einem Teil des ehemaligen Militärflugplatzes in der Ebene zwischen den Dörfern Quinto und Piotta entstehen. Hierbei werden die Gesamtkosten auf 35 bis maximal 45 Millionen Franken geschätzt. Ende Januar hat der Tessiner Klub den Stararchitekten Mario Botta mit der Projektierung beauftragt – und just hier liegt das derzeitige Problem. Um angesichts der genannten Frist Zeit zu sparen, schrieb der HCAP das Projekt gar nicht erst aus, sondern erteilte ein Direktmandat. Dies löste einen Sturm der Entrüstung beim Tessiner Ingenieurs- und Architektenverband aus, der die Rechtsgültigkeit des Mandats unter die Lupe nehmen will. Ein Architekt reichte sogar Privatklage beim Verwaltungsgericht ein. Zudem empfiehlt die Geschäftsprüfungskommission des Tessiner Grossen Rates, den kantonalen Beitrag an den «Valascia»-Neubau um rund 1,26 Millionen Franken zu kürzen.
Nun krebst die Valascia Immobiliare SA, die Besitzerin der jetzigen HCAP-Halle, zurück und will ihren Formfehler ausbügeln. Laut einer Medienmitteilung erklärt sie sich bereit, das Bauprojekt öffentlich auszuschreiben – unter einer Bedingung: Die National League solle die Frist für das neue Stadion um ein weiteres Jahr verlängern. Ein entsprechendes Gesuch haben der Hockeyklub und der Tessiner Architektenverband gemeinsam unterschrieben und losgeschickt.
Eigentlich handelt es sich um zwei Anträge auf Erteilung der A-Lizenz. Sie soll zum einen auf die Saison 2015/16 hin erfolgen, auch wenn die Valascia Immobiliare SA bis Ende Juni 2015 noch kein Baugesuch stellen kann. Man hoffe, die öffentliche Ausschreibung des Projekts sei ein ausreichender Umstand, heisst es in der Medienmitteilung. Dieselbe Bitte bezieht sich auch auf die Saison 2018/19, selbst wenn die neue «Valascia» dann den Betrieb noch nicht aufnehmen könnte. Der Klub respektiere die Wichtigkeit einer Ausschreibung bei bedeutenden Projekten, wurde HCAP-Präsident und CVP-Ständerat Filippo Lombardi in einigen Tessiner Medien zitiert. Man habe nur wegen des grossen Zeitdrucks darauf verzichtet, wolle nun aber ein Zeichen des guten Willens setzen. Zumal es sich um eine Bitte des Architektenverbandes handle, einen letzten Versuch bei der National League zu unternehmen.
Andere Klubs entscheiden
Deren Direktor Ueli Schwarz bestätigt den Erhalt des Tessiner Bittbriefes. Das seit 2013 geltende Hallen-Reglement der National League sei klar, ebenso die Übergangsfristen, sagt Schwarz auf Anfrage. Gemäss seinen Worten müssen mit Beginn der Saison 2015/2016 die Stadien von A-Mannschaften die an aktuelle Bedürfnisse angepassten Kriterien erfüllen, wobei eine dreijährige Übergangsfrist gilt – welche dem HCAP gewährt wurde. Die neu erbetene Verlängerung bis zur Saison 2019/20 hätte eine Änderung des Reglements zur Folge: Eine solche Grundsatzentscheidung könne nur das Plenum der Klubs treffen, so Schwarz.
Undemokratischer Sonderfall
Weder die Valascia Immobiliare SA noch der Architektenverband können der Liga direkt Anträge stellen. Deshalb will der Liga-Direktor das Gesuch mit dem Aufsichtsgremium begutachten und erwägen, ob es den Klubs überhaupt vorgelegt werden soll. Das Gremium tritt in den nächsten zehn Tagen zusammen; die ordentliche Liga-Versammlung allerdings findet für den engen Projekt-Zeitplan des HCAP ziemlich spät statt, nämlich erst im Sommer. Falls das Aufsichtsgremium die erwähnte zusätzliche Fristverlängerung nicht vors Plenum bringen will, hat der Tessiner Hockeyklub die Möglichkeit, sie selber zu traktandieren.
Das Argument, man habe das Direktmandat Architekt Botta nur aufgrund des besonderen Zeitdrucks erteilt, relativiert Schwarz. Alle Klubs hätten das neue Reglement angenommen, allen sei also seit Sommer 2013 klar, dass sie die Fristen befolgen müssten. Daher definiert der Liga-Direktor einen Sonderfall HCAP als wenig demokratisch – ausser, das Klub-Plenum beschliesse eine Ausnahme, eine Art «Lex Ambri». Aber das ist in Schwarz’ Augen wenig erfolgversprechend.
NZZ Peter Jankovsky, 23.3.2015