Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03635.jsonl.gz/1724

Die Kudelski-Aktie ist in den letzten Tagen um mehr als 15% eingebrochen. Grund waren Berichte, wonach es Hackern gelungen war, beim deutschen Bezahlsender Premiere die Smartcards, mit denen Kabelnetzbetreiber und Satelliten-TV-Anbieter sicherstellen, dass nur Kunden die Programme sehen können, für die sie bezahlt haben, zu knacken. Premiere wird deshalb die Karten auswechseln.
Für Kudelski ist ein solcher Hackerangriff schwerwiegend. Kudelski hat keine individuellen Lösungen für seine grossen Kunden entwickelt, und das gemeinsame Sicherheitsdesign macht es deshalb möglich, dass das Wissen, wie solche Karten zu knacken sind, via Internetanleitung rasch in andere Länder transferiert wird. Premiere könnte deshalb laut den Analysten von Goldman Sachs versucht sein, zum Konkurrenten NDS zu wechseln, obwohl der Vertrag mit Kudelski noch bis 2015 gültig ist. News Corp., dem australischen Medienkonzern, gehört eine 15%-Beteiligung an Premiere und NDS ist ebenfalls ein Unternehmen dieses Imperiums.
Der Verlust von Kunden ist in diesem Geschäft selten und gilt als schlechtes Zeichen. In einer solchen Situation müsste Kudelski sein Budget für die Forschung im Sicherheitsbereich aufstocken, um der Verbreitung des Hackerwissens entgegenzutreten. Traditionell hat sich Kudelski aber eher auf etwas unsichere Software- als auf schwerer zu knackende Hardware-lösungen bei der Sicherheit konzentriert, und der jüngste Schwenk Richtung Hardware dürfte eine Aufstockung des Forschungs- und Entwicklungsbudgets (F&E) erforderlich machen.
Weiterer Investitionsbedarf entsteht bei den neuen Produktelinien sowie bei der Verschmelzung von traditionellen Pay-TV-Technologien, Fernsehen über das Internet (IPTV) und PC-Technologien. Anders als NDS, das ein grosses Forschungszentrum in Indien unterhält, erfolgt bei Kudelski die F&E ausschliesslich in Hochlohnländern.
Derweil verschlechtert sich auch das Marktumfeld. Grosskunde Echostar, auf den 30% des Digital-TV-Umsatzes entfallen, hat in den letzten Quartalen enttäuschende Ergebnisse gebracht. Hier überlagern sich operative und makroökonomische Probleme.
Echostar-Rivale DirecTV hat die bessere Kundenbasis, und neue Spieler im Feld wie AT&T mit dem «U-Verse»-Fernsehprodukt absorbieren viele Neukunden. Mit den weiteren US-Kunden OpenTV, Bell ExpressVu und den chinesischen Kabelnetzbetreibern kommt Kudelski auf einen Umsatzanteil von 250 Mio Fr. die in Dollar abgerechnet werden. Daraus ergibt sich eine Reduktion des Umsatzes um 25 Mio Fr. für das in Franken abrechnende Unternehmen. Schliesslich reduziert der Wechsel vom Kauf- auf das Mietmodell den Umsatz. Bei 10 Mio Kunden fällt dann in diesem Jahr nicht mehr eine einmalige Kaufgebühr von etwa 15 Fr. an, sondern Kudelski bekommt via Netzbetreiber 7 Fr pro Jahr. Auch wenn der Wechsel längerfristig Sinn macht, wird er 2008 auf den Umsatz und den Gewinn drücken.
Die Analysten von Goldman Sachs haben deshalb ihre Gewinnerwartung für dieses Jahr auf 1 Fr. pro Aktie zurückgefahren, 40% unter dem Analystenkonsens. Für 2007 dürfte Kudelski die bereits tiefer gelegten Erwartungen erfüllen, aber für 2008 sollte der Ausblick auf einen gehaltenen Umsatz und einen operativen Gewinn von 60 Mio Fr. (Konsens liegt bei 100 Mio Fr.) hinweisen.
NACHGEFRAGT
«Wir gewinnen laufend neue Kunden»
Kudelski-Gründer und CEO André Kudelski
Haben weitere Kunden Probleme mit Hackern gemeldet?
André Kudelski: Hackerangriffe gehören zum Bezahlfernsehen. Diese werden durch drei Arten von Massnahmen bekämpft: Eine erste Hürde gegen Hackerangriffe bietet dabei die Technologie der Karten. Eine zweite sind die laufenden Gegenmassnahmen, die gegen Hackerangriffe erfolgen können. Des Weiteren werden juristische Instrumente eingesetzt. Dies erlaubt es, die Karten möglichst lang in einem Markt zu halten.
Ist der Premiere-Fall ein Problem beim Gespräch mit Kunden?
Kudelski: Unsere Kunden kennen unser Geschäftsmodell und arbeiten sehr gut mit uns zusammen. Damit erzielen wir sehr lange Lebenszeiten für unsere Smartcards, was sowohl den Operatoren als auch dem Endkonsumenten zugute kommt. Wir gewinnen laufend neue Kunden in den verschiedensten Geschäftsbereichen und wachsen konstant.
Wie hoch sind die Kosten des Smartcard-Austausches bei Premiere?
Kudelski: Premiere ist unser Kunde im Mietmodell, das heisst, Premiere least die Karten. Der Vertrag läuft bis 2015 und sieht ein Mindestvolumen vor. In diesem Businessmodell werden die Karten in regelmässigen Zeitabständen von uns ausgetauscht. Die damit verbundenen Investitionen stellen keine ausserordentlichen Ausgaben dar, sie sind Teil der laufend wiederkehrenden Ausgaben im Mietmodell. Dazu tragen wir die Kosten für Softwareanpassungen und Tests.
Und die Konsequenzen?
Kudelski : Ein Swap war bei Premiere bereits seit längerem vorgesehen und ist in unserem ordentlichen Geschäftsaufwand eingeplant. Den genauen Zeitpunkt, wann ein Swap erfolgt, entscheidet jedoch der Kunde.