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DIE ST. APOLLONIA-BRÜCKE
Von einer Brücke zur anderen, von «Les Muèses» bis zum Viadukt der Glâne
Warum eine Brücke an diesem Ort?
Die Brücke ist ein Hauptelement der Verkehrsgeographie, steht sie doch an einem erzwungenen Durchgang. Mit ihrer Errichtung wurde den Bedürfnissen von Wirtschaft und Verkehr entsprochen. Der Brückenbau hängt mit der gleichzeitigen Entstehung eines Wegnetzes von ständig zunehmender Qualität zusammen.
Als Fortsetzung des Weges über ein natürliches Hindernis (die Glane, ein Nebenfluss der Saane) ist die Brücke nicht nur ein Bestandteil der Strasse, sondern ein festes Element in der gesamten Strassenlandschaft. Bald weitet sie den Blick auf die umliegende Landschaft, bald wird sie durch ihre ästhetische Erscheinung zu einem Kunstwerk und Kulturgut zugleich.
Hier, wo schon in der Antike und vermutlich bereits in der Urgeschichte ein Flussübergang bestand, allerdings in Form einer Furt etwas flussabwärts, ist die St. Apollonia-Brücke eines der wichtigsten Denkmäler der alten Strasse am linken Ufer der Saane zwischen dem Niedergreyerz und der Stadt Freiburg.
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Hauterive (Posieux), Plan von 1781, Ausschnitt: links St. Apollonia-Brücke und Kapelle, in der Mitte (graues Band) der alte Weg.
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Hauterive (Posieux), Plan von 1855, Ausschnitt: Rechts Brücke und Kapelle, in der Mitte das Landwirtschaftsgebiet von Froideville und der Wald von Monterban (braun) und links der «Grand Chemin», wo sich die Eichenallee, die sog. «Muèsesallee», befindet.
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Villars-sur-Glâne, Plan von 1938, Ausschnitt: Unten links die St. Apollonia-Brücke und rechts der Viadukt über die Glane (1854–56).
Wie alt ist diese Brücke?
Die St. Apollonia-Brücke wird schon vor 1243 erwähnt. Man nannte sie einst Glane-Brücke. An derselben Stelle mussten seit dem Mittelalter mehrere Holzbauwerke aufeinander gefolgt sein, bevor die Brücke im 16. oder 17. Jahrhundert in Tuffstein neu aufgebaut wurde. Bei der Restaurierung 1990–91 kamen zwei Lagen Pflästerung zum Vorschein und die Widerlager zeigten zwei bis drei Bauphasen vor der heutigen Brücke.
«Die heutige Brücke ist zum grossen Teil in Tuff gebaut. (…) Die ersten Widerlager sind vermutlich mittelalterlich. Sie entsprechen einer Brücke mit einer Spannweite von 17,4 m (heute 14 m) (…) und das Erscheinungsbild des Mauerwerks ist mit demjenigen der Mittleren Brücke (1720) und der St. Johann-Brücke (1746) vergleichbar». Was die Kapelle betrifft, sofern deren «erste Erwähnung auf 1147 zurückgeht (…), passt das Datum 1566 gut zu ihrem Wiederaufbau nach einem Brand». (G. Bourgarel, Archäologischer Fundbericht, in: Freiburger Archäologie, 1989–1992).
Ein gewisses Geheimnis schwebt noch immer über dem Ursprung dieses Platzes. Anstelle von ausgedehnten Ausgrabungen zog man vor, die historische Bausubstanz und das ursprüngliche Erscheinungsbild einer der schönsten Brücken der Gegend zu erhalten. Ein treffender Entscheid angesichts dieses aussergewöhnlichen Ortes!
Posieux, Eichenallee der Muèses.
Mehrere Brücken, ein einziger Verkehrsweg
Durch den Bau der Muèses-Brücke im Jahr 1756, etwas westlich stromaufwärts, und die Anlage einer neuen Kantonsstrasse von Freiburg nach Bulle mit dem 1854-56 ein wenig östlich errichteten Glane-Viadukt, verlor die St. Apollonia-Brücke ihre Bedeutung. Am Anfang des 19. Jahrhunderts wurde diese allerdings durch die Bemühungen des Klosters Hauterive in Posieux und der Gemeinde Villars-sur-Glâne im Interesse des lokalen Verkehrs wieder bekräftigt. 1971–72 schlug mit der Erbauung des Autobahnviadukts der A12 das geographische Pendel wieder nach Westen zurück. Bis 1756 diente die St. Apollonia-Brücke dem «alten Grossen Weg von Freiburg nach Bulle» (Zehntenplan von 1781), danach die Muèses-Brücke dem «neuen Grossen Weg von Freiburg nach Bulle», später der Glane-Viadukt der neuen Kantonsstrasse und der Autobahnviadukt schliesslich der A12. Anders gesagt: So liess eine einzige Strecke, Freiburg–Bulle, mehrere Linienführungen durch Zeiten und Räume entstehen.
Frage 1
Viele alte Bogenbrücken aus Stein werden «Römerbrücken» genannt. Warum?
Das Römische Reich hat ebenso viele Spuren in der Landschaft wie im kollektiven Gedächtnis hinterlassen. Dies gilt insbesondere für alte Brücken, die fälschlicherweise als römische Bauwerke betrachtet werden.
Frage 2
Wer war St. Apollonia, und wann ist ihr Namenstag?
Die Jungfrau und Märtyrerin St. Apollonia von Alexandria starb im Jahre 247. Ein sehr populärer Kult verehrte diese Heilige, die man wegen Zahnschmerzen anrief. Ihr Namenstag wird am 9. Februar gefeiert.
Frage 3
Warum blieb die St. Apollonia- Brücke bis heute in so gutem Zustand erhalten?
Durch den Bau der Muèses-Brücke etwas stromaufwärts verlor sie an Bedeutung.
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St. Apollonia, gemalt vom spanischen Maler Francisco de Zurbaran (1598-1664), Original im Louvre-Museum.
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«Die Flucht nach Ägypten», Johann Achert, 1680
Texte: Jean-Pierre Dewarrat, ITINERA, Lausanne
Alte Karten: Archives de l’Etat de Fribourg
Illustration: rmgdesign