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Letzte Aktualisierung 24. November 2022.
These
In der nächsten Gesellschaft beteiligen sich Betriebssysteme mit den gleichen Chancen an künstlicher Kommunikation wie Bewusstseinssysteme.
Erklärung
Die Gesellschaft räumt Betriebssystemen bei der Teilnahme an künstlicher Kommunikation die gleichen Chancen wie Bewusstseinssystemen ein, wenn sie zwischen den zwei Systemen eine funktionale Äquivalenz hinsichtlich Beobachtungs- und Schlussfolgerungsleistungen identifiziert und gleichzeitig eine signifikante Steigerung dieser Leistungen zwecks Reduktion von Komplexität in einer dicht vernetzten Welt als plausibel und evident akzeptiert.
Um die Frage zu klären, ob und wie weit im Horizont der nächsten Gesellschaft eine funktionale Äquivalenz zwischen Bewusstseinssystemen und Betriebssystemen sichtbar wird, müssen wir die Funktionsweisen und Leistungen der beiden Systeme analysieren. Dazu müssen wir ihre Elemente, Strukturen und Prozesse in den Blick nehmen.
Autopoiesis
Gemäss der soziologischen Systemtheorie sind Bewusstseinssysteme wie lebende Systeme und Kommunikationssysteme autopoietische Systeme (vgl. Luhmann 2015: 65ff, 2018b: 28ff). Das heisst: Jedes dieser Systeme produziert und reproduziert mit seinen Operationen die Elemente, aus denen sie bestehen, durch die Elemente, aus denen sie bestehen. Deshalb werden autopoietische Systeme auch selbstreferentielle Systeme genannt. Durch die autopoetische Reproduktion erzeugen Systeme ihre Einheit und Grenze zu ihrer Umwelt.
Bei autopoietischen Systemen gibt es weder Importe noch Exporte von Elementen in das System bzw. aus dem System. Dies bedeutet allerdings nicht, dass die Systeme aus sich heraus, ohne jeden Beitrag aus der Umwelt existieren. Die Beziehung zwischen System und Umwelt werden unter dem Begriff der strukturellen Kopplung diskutiert.
Soziale Systeme operieren mit Kommunikationen, die an Kommunikationen anschliessen. Deshalb kann nur die Kommunikation kommunizieren. Ausserhalb sozialer Systeme findet keine Kommunikation statt.
Psychische Systeme operieren mit Gedanken, die an Gedanken anschliessen. Deshalb kann nur das Denken denken. Ausserhalb von Bewusstseinssystemen gibt es keine Gedanken.
Die Produktion und Reproduktion von Elementen in einem System impliziert Zeit. Gedanken tauchen auf und verschwinden sogleich wieder. Luhmann spricht in diesem Zusammenhang von Ereignissen. Das Bewusstseinssystem ist durch die Ereignishaftigkeit von Gedanken dazu angehalten, sich selbst durch fortlaufende Reproduktion von Gedanken irreversibel zu machen. Oder, wie Luhmann in «Die Autopoiesis des Bewusstseins» schreibt: «eine Geschichte zu akkumulieren» (1985: 403).
Der Dauerzerfall von Gedanken ist konstitutiv für den Bestand eines Bewusstseinssystems. Würden Gedanken bestehen bleiben, käme das Bewusstseinssystem rasch an seine Kapazitätsgrenzen. In der Diskussion über das soziale Gedächtnis haben wir hervorgehoben, dass das Vergessen eine zentrale Funktion des Gedächtnisses ist.
Der Dauerzerfall von Gedanken stellt Bewusstseinssysteme allerdings auch vor die Herausforderung, die Reproduktion von Gedanken mittels Strukturen derart eng zu führen, dass zwischen dem ereignishaften Auftauchen und Verschwinden von Gedanken ein Sinnzusammenhang bleibt.
Geschlossenheit
Als selbstreferentielle Systeme sind Bewusstseinssysteme operativ geschlossene Systeme. Es gibt keine unmittelbaren Kontakte zwischen Bewusstseinssystemen. Kein Bewusstsein kann mit den eigenen Operationen auf die Operationen eines anderen Bewusstseins zugreifen oder direkt an ihnen anschliessen. Gegenüber anderem Bewusstsein stehen Bewusstseinssystemen nur zwei Arten von Operationen zur Verfügung, nämlich Beobachtung und Teilnahme an Kommunikation (vgl. 1985: 404).
Wie im Zusammenhang mit der Zwei-Seiten-Form diskutiert, bedeutet Beobachten immer Unterscheiden und Hinweisen. Beobachten setzt also immer ein Differenzschema voraus, beispielsweise die Ego/Alter-Differenz.
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