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Frage: 603
Was sagt die Bibel zu
inneren Stimmen? Redet evtl. auch Gott auf diese Weise zu uns? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, wie kann man hier unterscheiden?
NN Forest.
12.06.02
Liebe(r) NN Forest
Ich kenne den Zusammenhang und auch die näheren Umstände für diese Frage nicht. Ich glaube aber, diese Frage könnte man am Besten im biblischen Zusammenhang formulieren, wenn man fragt, wie man Gottes Stimme hört.
Leider ist aber auch diese Frage nicht so einfach zu beantworten. Viele Theologen und Gottesmänner haben sich schon mit diesem Thema auseinandergestzt, ohne auf eine eindeutige Antwort zu kommen. Ich will aber hier auch keine theologische Abhandlung schreiben, habe auch leider nicht die Zeit dazu, obwohl das Thema sehr interessant und m.E. auch sehr wichtig ist. Ich will mich deshalb im Wesentlichen darauf beschränken, deine Frage (darf ich "Du" sagen?) bezüglich der Inneren Stimme zu beantworten. Aber vielleicht noch einige allgemeine Punkte:
Gottes Stimme hören und Seinen Willen erfahren sind in der Bibel meist zwei Begriffe, die ziemlich austauschbar verwendet werden können. Wenn wir also ein Bibelstudium zu diesem Thema machen wollen, können wir unter beiden Begriffen nachschlagen. Ein wichtiger Punkt dabei ist genau das, was du fragst, nämlich: wie kann man hier unterscheiden? Die Bibel sagt dazu folgendes (Hebr. 5, 11-14):
"Darüber haben wir viel zu sagen, und es läßt sich schwer darlegen, weil ihr im Hören träge geworden seid. Denn während ihr der Zeit nach Lehrer sein solltet, habt ihr wieder nötig, daß man euch lehre, was die Anfangsgründe der Aussprüche Gottes sind; und ihr seid solche geworden, die Milch nötig haben und nicht feste Speise. Denn jeder, der noch Milch genießt, ist richtiger Rede unkundig, denn er ist ein Unmündiger; die feste Speise aber ist für Erwachsene, die infolge der Gewöhnung geübte Sinne haben zur Unterscheidung des Guten wie auch des Bösen."
Dadurch, dass wir die Bibel lesen und danach zu leben versuchen, werden wir immer mehr auf Gottes Wille abgestimmt, so dass wir immer besser unterscheiden können, was Gut und was Böse ist. Wir sind also das Musikinstrument, die Bibel ist die Stimmgabel. Im Hebräerbrief 4, 12-13 steht auch:
"Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, sowohl der Gelenke als auch des Markes, und ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens; und kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar, sondern alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben."
Gott redet also ganz bestimmt durch die Bibel zu unserem Geist und zu unserem Herzen, zu unserer Seele.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der innere Friede. Im Kolosserbrief 3, 12-14 schreibt Paulus, dass, wenn wir gemäss Gottes Wille leben, die Folge davon sein wird, dass Sein Friede in unserem Herzen regiert (Vers 15). Wenn wir also echte Christen sind, die den Wille Gottes tun wollen und auch danach zu leben versuchen, und wir haben Unfriede in unserem Herzen, dann ist etwas nicht gut.
Ein weiterer Punkt ist das von Gott gegebene Gewissen. In der Bibel wird immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, dass wir auf unser Gewissen hören und dieses nicht zu verletzen (Apg. 24, 15; Röm. 2, 15; 2. Kor. 1, 12; 1. Tim. 4, 2).
Der letzte Punkt, den ich noch kurz streifen möchte, ist die Frage der Inspiration. Wie haben die Propheten die Stimme Gottes gehört, wie funktioniert die Inspiration? Einige Bibelstellen geben uns hierzu ein wenig Auskunft. Im Hiob 32, 18-19 sagt Elihu:
"Denn ich bin voll von Worten, weil mich der Geist in meinem Inneren bedrängt. Siehe, mein Inneres ist wie der Most, den man nicht herausläßt und der die neuen Schläuche zerreißt."
Der Prophet Jeremia hat das ähnlich erlebt. Dort heisst es (Jer. 20, 7-9):
"HERR, du hast mich überredet, und ich habe mich überreden lassen. Du bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen; aber ich bin darüber zum Spott geworden täglich, und jedermann verlacht mich. Denn sooft ich rede, muß ich schreien; «Frevel und Gewalt!» muß ich rufen. Denn des HERRN Wort ist mir zu Hohn und Spott geworden täglich. Da dachte ich: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen predigen. Aber es ward in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer, in meinen Gebeinen verschlossen, daß ich's nicht ertragen konnte; ich wäre schier vergangen."
Wenn man die Propheten liest, dann sieht man, dass es sich bei ihrer Inspiration eher um einen inneren Prozess handeln muss. Der Geist Gottes wirkt in ihrem Innern, Er vergewaltigt die Propheten auch nicht, sondern lässt die eigene Persönlichkeit des Propheten durchleuchten, darum hat jedes Prophetenbuch wieder einen ganz eigenen Charakter. Im Römerbrief 8, 16 schreibt Paulus:
"Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, daß wir Gottes Kinder sind."
In 2. Tim. 3, 16 redet Paulus davon, dass alle Schrift von Gott eingegeben ist. Im Griechischen heisst es eigentlich, von Gott eingehaucht, was eigentlich das Wesen der Inspiration darstellt. Ähnliche Stellen finden wir in 1. Petr. 1, 10-11 und 2. Petr. 1, 19-21. Unsere Gedanken und Ideen können also von Aussen her inspiriert werden. Woher diese Inspiration kommt, darauf haben wir nur bedingt Einfluss. Welche Inspiration wir in unserem Leben umsetzen, darauf haben wir sehr wohl Einfluss. Ich glaube auch, wenn wir bereit sind, Gottes Wille zu tun und Ihn und Seinen Willen von ganzem Herzen suchen, wird Er sich auch finden lassen und zu uns reden.
Ich glaube, dass Gott vielfach einfach die Möglichkeiten verwendet, die Er bereits in uns eingebaut hat, um zu uns zu reden. Darum ist die Sache mit dem Reden Gottes nicht so spektakulär, wie manche Menschen vielleicht gerne hätten. Ich glaube auch, dass Gott eigentlich sehr viel zu uns zu reden versucht, wir aber Seine Stimme nicht hören, weil wir nicht auf Ihn und Seinen Willen eingestimmt sind. Ich werde an dieser Stelle nochmals die sechs Punkte anführen, die Georg Müller immer beachtet hat, als er Gottes Wille in einer Sache erfahren wollte. Ich finde diese Punkte sehr biblisch und sehr praktisch:
1. Ich suche am Anfang, mein Herz in einen solchen Zustand zu bringen, dass es keinen eigenen Willen in einer gegebenen Angelegenheit hat. Neunzehntel des Problems mit den Leuten liegt genau hier. Neunzehntel der Schwierigekeiten sind überwunden, wenn unsere Herzen bereit sind, den Willen des Herrn zu tun, was immer dies auch sein mag. Wenn man wirklich in dieser Verfassung ist, ist es meistens nur ein kleiner Weg zur Erkenntnis dessen, was Sein Wille ist.
2. Wenn ich dies getan habe, überlasse ich das weitere Resultat nicht den Gefühlen oder einem blossen Eindruck. Wenn ich das tue, kann ich leicht grossen Irrtümern unterliegen.
3. Ich sehe den Willen des Geistes Gottes durch, oder in Verbindung mit, dem Wort Gottes. Der Geist und das Wort müssen miteinander verbunden sein. Wenn ich auf den Geist allein schaue, ohne das Wort, öffne ich mich ebenfalls für grosse Irrtümer. Wenn uns der Heilige Geist überhaupt führt, wird Er es gemäss der Schrift tun und niemals im Gegensatz dazu.
4. Als nächstes ziehe ich die von Gott herbeigeführten Umstände in Betracht. Diese zeigen oftmals klar den Willen Gottes in Verbindung mit Seinem Wort und Geist.
5. Ich bitte Gott im Gebet darum, mir Seinen Willen richtig zu zeigen.
6. Auf diese Art, durch Gebet zu Gott, durch Studium des Wortes und durch Abwägung, komme ich zu einem wohlüberlegten Urteil, gemäss meinen besten Fähigkeiten und Erkenntnissen; und wenn mein Geist auf diese Art Frieden bewahrt, und es so nach zwei oder drei weiteren Bitten bleibt, fahre ich entsprechend weiter. In alltäglichen Angelegenheiten und bei Geschäften, die wichtigere Sachverhalte anbelangen, hat sich diese Methode immer als wirkungsvoll erwiesen.
Herzlichen Gruss
P.K.
Hallo zäme