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Das Kap Kabrit ist der nördlichste Punkt von Santa Lemusa. Es bildet den Abschluss einer spärlich bewachsenen Landzunge, die wie ein erhobener Zeigefinger weit in den Atlantik hinaus ragt. An den mächtigen Felsbrocken, die das Kap umlagern, brechen sich mit lautem Getöse die Wellen des atlantischen Ozeans. In den Nischen der hohen Steilwände wohnen zahllose Vögel, deren Schreie an windstillen Tagen die Atmosphäre am Kap dominieren – ein Paradies für Ornithologen.
Bereits Ende des 17. Jahrhunderts soll die Compagnie des Vingt am Kap einen Leuchtturm errichtet haben, um die Handelsschiffe zu schützen, die an der Nordküste vorbei auf den Hafen von Port-Louis zusteuerten. Von diesem ersten Bauwerk haben sich allerdings höchstens ein paar Steine des Fundaments erhalten. Der heutige Leuchtturm wurde im späten 19. Jahrhunderts errichtet – wenig später kam ein grosses, rotes Nebelhorn dazu, das wie eine überdimensionierte Trompete über die Klippe hinausragt. Die Nordküste von Santa Lemusa ist oft von dichten Nebelschwaden verhangen – ja an gewissen Tagen sieht man kaum seine eigenen Füsse. Solch schlechte Sichtverhältnisse erhöhen das Risiko für Schiffe, die nahe am Kap vorbeifahren – zumal es in der Gegend auch starke Strömungen und gefährliche Felsen gibt.
Der Name des Kaps geht vermutlich darauf zurück, dass in der felsigen Gegend früher oft Ziegenherden grasten (das lemusische Wort kabrit bedeutet Ziege) – heute sind es mehrheitlich Schafe, die hier weiden. Manche behaupten auch, dass einer der Felsbrocken am Kap früher wie der Kopf eines Ziegenbocks aus dem Wasser ragte – Wind, Wetter und Meer allerdings haben diese Erscheinung verschwinden lassen. Es geht die Legende, das einst ein Schiff der Compagnie des Vingt, das bei dichtem Nebel in den Gewässern vor der Nordküste unterwegs war, dank dem Blöken der Ziegen erkannte, dass es direkt auf die Felsen des Kaps zusteuerte – und gerade noch rechtzeitig seinen Kurs ändern konnte.
Östlich der Landzunge, die zum Kap Kabrit hinaus führt, liegt eine langgezogene, flache Bucht, aus der sich das Meer bei Ebbe fast gänzlich zurückzieht. Sie wird deshalb Baie Sèche genannt. Der sandige Boden der Bucht und das bis auf kleine Rinnsale verschwundene Meer formen, wenn das Wasser abfliesst, seltsam träumerisch, irreal wirkende Landschaften - oft bilden sich auch mehr oder weniger geometrische Muster, die an dekorative Malereien oder an die Struktur von Tapeten erinnern. Die seltsamen Muster in der Bucht haben auch einer Eierspeise den Namen gegeben – den «Oeufs Kabrit», den sogenannten «Ziegen-Eiern».
First Publication: 11-2007
Modifications: 14-2-2009, 30-9-2011, 12-7-2013