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I am a very complicated woman
2022 / Samantha Zaugg und Murielle Gräff
Die Künstlerinnen thematisieren in der Arbeit das feministische Dilemma mit hormoneller Verhütung. Feminist:innen haben sich lange eingesetzt für eine selbstbestimmte Sexualität. Die Pille war dazu ein Meilenstein. Gleichzeitig greift hormonelle Verhütung stark in Psyche und Körper ein.
Beide Künstlerinnen haben lange mit der Pille verhütet. Eine nimmt sie weiter, die andere verzichtet auf hormonelle Verhütung. Wer welche Entscheidung getroffen hat, bleibt offen. In der Vitrine stellen die Künstlerinnen die Blister ihrer jeweiligen Pille aus. In der Vitrine liegt auch die Liste aller hormoneller Verhütungsmittel, die in der Schweiz zugelassen sind. Die Medikamente sind rezeptpflichtig und müssen ärztlich verschrieben werden. Gleichzeitig tragen sie emotionalisierte und gegenderte Bezeichnungen. Namen wie Deniselle, Belarina, Soffi, Ladonna, oder Qlaira tönen harmlos und freundlich. Dem gegenüber stehen persönliche Erfahrungen der einen Künstlerin. Als sie die Pille absetzte, stellte sie bisweilen irritierende Veränderungen in Verhalten, Charakter und Psyche fest. Um die Entwicklungen zu registrieren
und zu kontrollieren begann sie tagebuchartige Aufzeichnungen zu führen. Die Auswahl, die Platzierung und die Übersetzung ins Englische geben diesen subjektiven Beobachtungen eine Allgemeingültigkeit. Die Buchstaben aus Plexiglas referieren auf Werbung und unternehmerische Setzungen. Durch diese formelle Gestaltung, werden die persönlichen Statements in einen universellen Kontext gehoben, Emotionalität, die oft negativ konnotiert ist, erfährt Validierung.
Was bleibt ist die Einsicht, dass Hormone starken Einfluss auf Psyche und Körper haben, und damit eine Dissonanz. Gilt es zu akzeptieren, dass Frauen stark von ihren Hormonen beeinflusst werden? Oder ist umgekehrt die Feststellung, dass Frauen mehr sind als ein soziales Konstrukt eine Ermächtigung? Wäre es nicht sogar trivialisierend Biologie aussen vor zu lassen und Frauen als passive Empfängerinnen sozialer Rollen zu definieren? Die darüber hinaus alle aus einer patriarchalen Gesellschaft stammen?
In diesem Spannungsfeld bewegt sich die Arbeit. Sie bietet Ansätze um über das eigene Verhältnis von Biologie und Feminismus zu reflektieren, darüber nachzudenken, wie sich die beiden Felder vereinbaren lassen.