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Hasselblad feierte das 40-jährige Jubiläum der Mondlandung mit einem fachspezifischen Workshop für Fotografen und Geschäftspartner sowie einem unvergesslichen VIP-Besuch des Kennedy Space Centers in Florida. Als besonderer Gast mit dabei: Edwin Buzz Aldrin, der 1969 als zweiter den Mond betreten hatte.
Es gibt gewisse Ereignisse, die einem für immer in Erinnerung bleiben. Bei denen man noch nach Jahren weiss, wann man sie wie erlebt hat. Dazu gehört – für jene die damals schon auf der Welt waren – die erste Mondlandung der Amerikaner. Gespannt sass man vor dem Fernseher – sofern man einen solchen besass – oder man liess sich bei Freunden einladen und wartete am 21. Juli 1969 gespannt bis die ersten Bilder vom Mond auf die Bildschirme flackerten. Nach heutigen Massstäben waren diese miserabel. Natürlich nur schwarzweiss, unscharf, kontrastarm und immer wieder gestört. Aber nach damaligen Kriterien waren sie eine Sensation, ein umwerfendes Zeitdokument, und mit dem ersten Schritt eines Menschen auf einem ausserirdischen Himmelskörper der Beginn eines neuen Zeitalters.
Die Mondlandung selbst war ein technisch ebenso anspruchsvolles wie kostspieliges Unterfangen. Das gesamte Apollo-Projekt soll rund 25 Milliarden Dollar gekostet haben, was nach heutiger Kaufkraft etwa 120 Milliarden entsprechen dürfte. Ein wichtiger Beweggrund dazu war zur Zeit des Kalten Krieges der Wettlauf der Amerikaner mit der Sowjetunion, die in der Raumfahrt ähnliche Ziele verfolgten, jedoch mit dem Start des ersten Sputnik im Jahre 1957, der ersten unbemannten Mondlandung 1959 sowie dem ersten bemannten Raumflug von Juri Gagarin 1961 mehr Erfolge verbuchen konnten als die Amerikaner. Vor allem dieser letzte grosse Meilenstein veranlasste Präsident John F. Kennedy am 25. Mai 1961 eine neue Zielsetzung zu formulieren und noch im selben Jahrzehnt einen bemannten Mondflug auf das Programm zu setzen. Damit waren die NASA-Missionen Gemini und Apollo auf einem neuen Kurs – auf dem Kurs zum Mond.
Acht Jahre später – nach schweren Rückschlägen, wie beispielsweise dem Brand der mit drei Mann besetzten Apollo-Kapsel von 1967 – startete am 16. Juli 1969 von Rampe LC-39A des Kennedy Space Centers eine 2‘940 Tonnen schwere Saturn V Rakete – die grösste, die je gebaut worden war – zu ihrer Reise zum Mond. Mit an Bord: Neil Armstrong als Kommandant der Apollo 11 Mission, Edwin «Buzz» Aldrin als Pilot der Mondlandefähre «Eagle» und Michael Collins, der als Pilot des Kommandomoduls «Columbia» nur den Mond umkreisen durfte – dies dafür dreissig mal. Vier Tage später, am 20. Juli 1969 um 21:17:39 europäischer Zeit landete der «Eagle» im «Mare Tranquillitatis», und nach weiteren sechs Stunden Vorbereitungszeit setzte am 21. Juli um 03:56:20 Uhr MEZ Neil Armstrong als erster Mensch seinen Fuss in den Staub unseres Erdtrabanten. «Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein grosser Sprung für die Menschheit …»
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Hasselblad flog mit zum Mond
Das alles ist vierzig Jahre her. Die Farbbilder, die wenige Tage später in allen Medien zu sehen waren, zeigten eine erstaunliche Qualität, und für uns junge Fotografen war damals natürlich die Technik dahinter von grösstem Interesse.
Die modifizierten Hasselblad ELW-Kameras, welche die Astronauten bei ihrer Mondmission benutzten, waren mit einem speziell berechneten Carl Zeiss Biogon mit 60 mm Brennweite und einem fest montierten Polarisationsfilter ausgestattet.
Der silbergraue Speziallack absorbierte die Hitzestrahlung. Damit die Kameras mit den grossen Handschuhen des Raumanzuges überhaupt bedient werden konnten, wurden Blenden- und Zeiteinstellung, sowie Filmschieber und Auslöser überdimensional gestaltet. Angesetzt war ein Grossmagazin, das je nach Filmdicke einen perforierten 70mm-Film für bis zu 200 Bilder beherbergen konnte. In direktem Kontakt mit dem Film war eine Reseauplatte – das ist eine hochpräzis montierte Glasplatte mit eingravierten Kreuzen, welche für spätere photogrammetrische Auswertungen hätten genutzt werden können.
Die Kreuze sind auf jedem Bild, das mit der Mondkamera gemacht wurde, zu sehen und sind schon fast ein Markenzeichen für Mondbilder, die mit der Hasselblad aufgenommen worden waren. Zwei Hasselblad SWC mit Biogon 38mm Objektiv befanden sich ebenfalls noch mit im Gepäck, sowie eine weitere ELW für 80mm und 250 mm Objektive, die von Michael Collins im Apollo-Mutterschiff benutzt wurde, um Übersichtsaufnahmen von der Mondlandschaft sowie die berühmten Aufnahmen des Erdaufgangs zu schiessen. Als Filmmaterial verwendeten die Astronauten speziell auf einem besonders dünnen Schichtträger gefertigte Kodak Ektachrome-Filme mit Empfindlichkeiten von 64 ASA für Aussen- bzw. 160 ASA für Innenaufnahmen, sowie Panatomic-X Film mit 80 ASA für die Schwarzweissbilder.
40 Jahre danach
Zum 40-jährigen Jubiläum der ersten Mondlandung bot Hasselblad vom 24. bis 26. September 2009 rund 220 Fotografen, Geschäftspartnern und Journalisten die Gelegenheit, das John F. Kennedy Space Center sowie das Raumfahrtszentrum der US Airforce Basis Cape Canaveral zu besuchen, ein Erlebnis, das zusätzlich noch mit einigen Rosinen bespickt war.
Aber Pflicht vor Kür. Höhepunkt einer informativen Produktepräsentation durch die Techniker von Hasselblad und des CEO Christian Poulen war die Vorstellung des neuen Kameramodells H4D, welches bei der Schärfespeicherung und Neuwahl des Bildausschnittes die Kamerabewegung mittels drei Gyrosensoren und einem Prozessor zur Scharfeinstellung mit berücksichtigt.
Weitere interessante Fakten waren zu erfahren, zum Beispiel, dass 47 Prozent der Hasselblad-Kunden Aufsteiger von einem Kleinbild-System sind, dass 30 Prozent der Kamerakäufer bereits eine Hasselblad besitzen, und dass 28 Prozent von einem anderen Mittelformatsystem zu Hasselblad wechseln. Weiter war interessant, dass 60 Prozent der Hasselblad Besitzer fotografische Vollprofis sind, während Teilzeit-Fotografen und Amateure je einen Kundenanteil von 20 Prozent ausmachen. Die Daten, so Christian Poulen, basieren auf einer eigenen Datenbank, in welcher rund 80‘000 profilierte Fotografen und 55‘000 internationale Topprofis erfasst sind. Weiter räumten die Spezialisten von Hasselblad einige Mythen aus, in dem sie mit Konkurrenzvergleichen belegten, dass Hasselblad-Kameras schneller, kompakter und einfacher in der Handhabung sind als entsprechende Mitbewerberprodukte, und dass sie vor allem den Kleinbild-Systemen durch das grössere Bildformat und die besseren Objektive qualitativ überlegen seien. Weiter wurde den Fotografen und Geschäftspartner in den zwei Tagen die Möglichkeiten geboten, sich zusammen mit den Technikern in das System zu vertiefen, verschiedene spannende Praxissituationen zu durchlaufen und wertvolle Hintergrundinformationen aus erster Hand zu gewinnen, an die man sonst kaum herankommt.
Für uns Journalisten stand eine VIP-Tour des Raumfahrtszentrum Cape Canaveral auf dem Programm, ein meilenweites Gelände mit vielen ebenso unscheinbaren wie geheimnisvollen Bauten. Hier werden die Raumfahrtexperimente der Zukunft geplant, die riesigen Raketen gebaut und die nächsten Starts vorbereitet. Und von hier aus sind alleine seit 1981 mehr als 123 Weltraumflüge realisiert worden, die meisten davon mit kommunikationstechnischen oder militärischen Missionen.
Das Gelände ist geheimnisvoll und undurchschaubar. Wir fahren in einem Bus von Startrampe zu Startrampe, und unser Tour-Guide Lydia, die hier bereits seit zwölf Jahren VIPs herumführt, erzählt kompetent und spannend von welcher Rampe aus welche Kapsel wohin geschossen wurde. Unvorstellbar, dass hier 17‘000 Menschen arbeiten, und dass der Raketenbahnhof in einem Naturschutzgebiet mit seltenen Vogelarten liegt.
Mitten drin das imposante «Vehicle Assembly Buiding», in welchem auf der 5‘715 Tonnen schweren Startplattform auch die 2‘900 Tonnen schwere Saturn V Rakete zusammengebaut wurde. Der «Crawler», ein von zwei Dieselmotoren angetriebenes Raupenfahrzeug bewegte diesen dann zur Startrampe 39A. Für die 5,5 Kilometer vom Montagegebäude bis zur Startplatz braucht der Crawler sechs Stunden, wenn die Schotterfahrbahn trocken ist. Ist sie nass, dauert dieselbe Fahrt bis zu zwölf Stunden, was in den Zeitplan eingerechnet werden muss.
Der Mann vom Mond
Von der langen Tour im Kennedy Visitors Center zurück, warten Erfrischungen und Kekse auf uns. Wir sind vertieft in Gespräche über die eindrucksvollen Erlebnisse und bemerken nicht, dass plötzlich ein weisshaariger Mann zu uns gestossen ist. Es wird andächtig still. Edwin «Buzz» Aldrin – jener Mann, der als zweiter Mensch den Mond betreten hat, ist nun mitten unter uns.
Sein ungewöhnlicher Mittelname kommt aus seiner Jugendzeit, als seine kleine Schwester das komplizierte Wort «brother» nicht aussprechen konnte und es kurzerhand bei einem «Buzzer» bewenden liess. Der Kosename ist ihm geblieben, während seiner Schulzeit, auf der Militärakademie in West Point, als Kampfpilot im Koreakrieg und schliesslich auch als er 1963 im Massachusetts Institute of Technology sein Studium der Raumfahrttechnik mit dem Doktortitel absolvierte. Von Doktorfimmel keine Spur. «Buzz» steht uns bereitwillig Red‘ und Antwort und verblüfft uns als er jede auch noch so ungeschickte Frage mit einem Stück scharfsinniger Lebensphilosophie garniert. Dieser Mann kennt das Leben. Er hat alles gesehen und gelebt – selbst den Mond.
Ob er oder Neil Amstrong die meisten Aufnahmen gemacht habe? Nein, Neil sei es gewesen, der am meisten fotografiert habe, und die Wissenschaftler in Houston hätten es gar nicht gerne gesehen, dass sie so viel mit den Kameras beschäftigt waren, während die teuren und für sie wichtigeren Experimente warten mussten. Ob sie speziell von NASA fotografisch geschult worden wären? Das habe mit zum Trainingsablauf gehört und war nicht sonderlich schwierig im Vergleich zu den vielen anderen Aufgaben, die noch mit zum Pflichtenheft gehörten. «Buzz» fesselte uns weiter mit Erzählungen von der Mondlandung, weshalb sie das ursprüngliche Ziel mit dem «Eagle» um rund 4,5 Kilometer verpasst hatten, und dass sie Bedenken hatten wieder starten zu können, weil nur noch ein Viertel der berechneten Treibstoffmenge übrig war … Um Gewicht einzusparen hatten Armstrong und Aldrin alles auf dem Mond zurück lassen müssen, was für die Auswertung ihrer Reise nicht unbedingt erforderlich war – darunter auch die Hasseblad-Kamera. Nur die Filmmagazine kamen mit an Bord und gelangten nach weiteren vier Tagen Flug mit den Astronauten wieder sicher zur Erde zurück.
Buzz Aldrin hatte nach seinem Monderlebnis eine bewegte Zeit, war er doch zusammen mit seinen Kollegen der gefragteste Interviewpartner der Welt. Er hat in nur 45 Tagen 23 Länder besucht und immer wieder die gleiche Geschichte erzählt und dieselben Fragen beantworten müssen. 1971 quittierte Aldrin seinen Dienst bei der NASA und wurde Leiter eines Astronautenausbildungszentrums. Doch sein Leben erschien ihm nach seinen Erfahrungen unbefriedigend und Buzz fiel in eine Depression, von der er sich erst sechs Jahre später wieder erholte. Heute merkt man dem 79-jährigen davon nichts mehr an. Im Gegenteil, seine Fähigkeit Erlebtes zu schildern, seine ebenso humorvolle wie tiefsinnige Philosophie begeistert und fesselt seine Zuhörer.
Dinner unter der Saturn V
Das Kennedy Space Center bietet den weltrauminteressierten Besuchern eine Fülle von Ausstellungsobjekten, interaktive Lehrspiele und Veranschaulichungszenen des Raketenalltags auf dem grössten Raumfahrtbahnhof der Welt. Dazu gehören auch Filmvorführungen, der Besuch einer Kommandozentrale, eine Szene der Mondlandung – und eine Riesenhalle mit einer Saturn V. Das 110 Meter lange, gigantische Gefährt mit 10 Metern Durchmesser macht auf uns einen umwerfenden Eindruck. Hinten die fünf riesigen Austrittsdüsen der F-1 Triebwerke, die zusammen 33‘360‘000 Newton Schub entwickelten, um das 2‘900 Tonnen schwere Raumschiff senkrecht ins All zu schiessen. Das Exponat zeigt einleuchtend die drei verschiedenen Stufen und die Kapsel, die ganz vorne am Bug geradezu winzig erscheint.
Unter dieser gigantischen Rakete sind Tische und ein fürstliches Büffet für 220 Personen aufgebaut – für die geladenen Gäste von Hasselblad, die einen Tag hinter sich haben, den sie wahrscheinlich nie vergessen werden. Neben kulinarischen Leckerbissen war der Speach von Buzz Aldrin das Sahnehäubchen des Programms. Wie schon zuvor in unserer Fragestunde waren seine Ausführungen gespickt von witzigen Pointen und scharfsinnigen Bemerkungen. Er erzählte vom Mond und aus seinem vielfältigen Leben, wie wenn alles gestern gewesen wäre.
Christian Poulsen war in seinen Ausführungen nicht weniger spannend und treffend und wies insbesondere auf die lange Verbundenheit von Hasselblad mit der NASA hin. Die einmaligen Bilder vom Mond wären nicht nur wichtige Zeitdokumente gewesen sondern auch ein Beweis der hohen Qualitätsleistung der Hasselblad-Kamera … Was der CEO von Hasselblad wohl den ganzen Abend in seiner schwarzen Sporttasche herumtrug? Die Zeit war gekommen, um auch dieses Geheimnis zu lüften: Aus Anlass des 40-jährgen Mondlande-Jubiläums überreichte Poulsen Buzz Aldrin feierlich eine brandneue Hasselblad mit Digitalback …
Im Interview hatte ich Buzz die Frage gestellt, ob er nach seiner Mondmission je wieder mit einer Hasselblad fotografiert habe. Er verneinte: Er hätte nie wieder Gelegenheit dazu gehabt. Nun ist sie für Buzz da, diese Gelegenheit – mit einer Kamera, die um 40 Jahre Fortschritt und technische Perfektion reicher geworden ist …
Text und Bilder: Urs Tillmanns

Wichtige Links zum Thema:
Die Apollo 11-Mission wird auf dieser Seite von NASA detailliert beschrieben.
Mehr Informationen über Buzz Aldrin auf seiner Homepage