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Seidelbast - Daphne mezereum
Daphne mezereum (syn. Daphne albiflora, D. lateriflora, D. liettardi, Thymelaea praecox, Thymelaea mezereum);
Seidelbast (syn. Kellerhals, Zilander).
VORKOMMEN
Die Heimat des Seidelbastes ist Kleinasien, Nordasien und Europa. Er
bevorzugt die Laub- und Mischwälder, wächst vor allem in
Hochstaudenfluren, Schluchten, krautreichen Buchen-, Eichen und
Nadelmischwäldern, auf Lichtungen, im Felsschutt, entlang von
Waldrändern und bei Flüssen und Bächen.
Der Echte Seidelbast ist anspruchsvoll, trotzdem aber auch sehr anpassungsfähig, er gedeiht am besten auf frischen bis feuchten Standorten mit ausreichender Boden- und Luftfeuchtigkeit. Der kleine Strauch hat gerne nährstoffreichen, kalkhaltigen Boden.
MERKMALE
Der Seidelbast ist ein 25–120 cm hoher sommergrüner Strauch mit rutenförmigen, behaarten, nur an der Spitze beblätterten Zweigen. Die Blätter sind lanzettlich, 2–6 cm lang und kurz gestielt. Die Blüten sind rosa bis violettrot und erscheinen vor den Blättern. Die Blüten sind wohlriechend, bis zu 4 in den Achseln vorjähriger Blätter. Die Frucht (einsamige Steinfrucht) ist kugelig, kahl, zuletzt leuchtend rot mit einem Durchmesser von 5–10 mm.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
1. Mezerei cortex - (syn. Cortex Mezerei, Cortex Thymeliaceae);
Seidelbastrinde (syn. Kellerhalsrinde, Pfefferbaumrinde), die getrocknete Rinde der Stämme und dickeren Zweige.
2. Mezerei fructus - (syn. Baccae Mezerei bzw. Semen Mezerei;
Seidelbastfrüchte (syn. Deutscher Pfeffer, Kellerhalsbeeren), die meist getrockneten Früchte.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
1. Mezerei cortex
Cumarine und Cumaringlykoside (bis 0,85 %), wie Daphnetin, Umbelliferon und Daphnin, ferner Phenolglucoside, unter anderem Daphnosid sowie Diterpenester, besonders Daphnetoxin.
2. Mezerei fructus
Cumarine, unter anderem Daphnoretin und dessen Glucosid Daphnorin sowie Diterpenester, besonders Mezerein (ca. 0,04 %, getrocknete Früchte und bis zu 1 % in den Samen).
PHARMAKOLOGIE
Für den Menschen sind das Mezerein und damit die Samen hochgiftig und führen schon nach wenigen Stunden bei oraler Aufnahme zu heftigen Krankheitssymptomen mit Brennen in Mund und Hals, Schwellungen des Gesichts und der Lippen, Durstgefühl, Erbrechen und blutigem Durchfall. Chronische Aufnahme des Mezerein schädigt die Nieren. Etwa 10–12 Samen führen zum Tod. Äusserlich wirkt das Toxin stark hautreizend mit Bildung von Schwellungen, Blasen und starkem Juckreiz.
ANWENDUNG
Früher wurde die Pflanze zur Linderung von Kopf- und Zahnschmerzen verwendet.
Der Echte Seidelbast ist sehr stark giftig durch das in den Samen enthaltene Mezerein und das in der Rinde vorkommende Daphnetoxin. Beide Substanzen gelten als Ko-Karzinogene.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Heute ist die Anwendung als Phytophamaka obsolet!
Anwendungen sind nur noch In der Alternativmedizin zu finden (z. B. Dercut, homöopathisch-spagyrische Tropfen).
STATUS
Giftpflanze!
HOMÖOPATHIE
SEIDELBAST IM GARTEN
Der Seidelbast gedeiht am besten im Halbschatten auf einem frischen bis
feuchten, nährstoffreichen Boden. Dieser sollte etwas klalkhaltig sein
und nie austrocknen. Etwas eingearbeiteter Steinschotter dient der
Belüftung des Bodens und mach ihn lockerer. Staunässe verträgt der
Seidelbast nicht, ansonsten benötigt er wenig Pflege. Lediglich in
langen Trockenperioden sollte der Seidelbast regelmässig gewässert
werden. Es lohn sich im Frühjahr und im Herbst den Boden ein wenig
aufzukalken. Seidelbast ist zwar giftig, die Blüten haben aber einen
wunderbaren Duft. Jede gute Gärtnerei wird ihnen eine Jungpflanze
anbieten.
Ist der blühende Seidelbast so gross wie auf dem Bild, wird er jeden Gartenbesucher mit seinem Duft betören.
SONSTIGES
Schon 400 v.Chr. wurden Seidelbastsamen als "knidische Körner" in den Hippokratischen Schriften erwähnt. Seine Verwendung als Heilpflanze wurde erstmals im 16. Jahrhundert schriftlich dokumentiert.
Letzte Änderung: 02.03.2017 / © W. Arnold