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Die grossen Hollywood-Stars haben ihren festen Platz auf dem berühmtesten Bürgersteig der Welt – dem Hollywood Walk of Fame. Als Weltstar hat Sophia Loren, 86, seit 1994 ihren Stein an der Adresse 7050 Hollywood Boulevard. Die italienische Leinwandgöttin ist dort mit dem 2000. Stern verewigt; nur 1,2 Kilometer von ihrer zeitweiligen Konkurrentin Gina Lollobrigida, 93, entfernt. Beide galten in den 60er-Jahren als Busenwunder und Sexsymbol. Die «Lollo» erhielt ihren Stern (der 2628.) samt Plakette erst mit 90 – das war gerade mal vor drei Jahren. Und während die Ältere letztmals 1997 vor der Kamera stand, feiert Loren dieser Tage ihr Comeback.
Für den Netflix-Hit «The Life Ahead» schlüpft Diva Sophia in die Rolle von Madame Rosa: eine jüdische Holocaust-Überlebende, die sich um die Kinder von Prostituierten kümmert und einen senegalesischen Waisenjungen bei sich aufnimmt. Der Film wird als heisser Oscar-Kandidat gehandelt. Als Vorbild für die Rolle diente der Loren ihre Mutter Romilda: «Sie war aus demselben Holz geschnitzt. Zerbrechlich und zugleich hart – eine Frau, die wusste, wie man überlebt.»
In der Tat: Sofia Villani Scicolone, so der bürgerliche Name Sophia Lorens, kommt am 20. September 1934 in Rom zur Welt, wächst in Neapel auf. Mamma Romilda arbeitet als Klavierlehrerin, Vater Ricardo, angeblich adliger Bauingenieur, ist in seinen Kreisen ein angesehener Mann. Doch statt Sophias Mutter zu heiraten, macht er sich aus dem Staub. Um ihre Kinder durchzubringen, versucht die Mamma aus Sophias Schönheit Kapital zu schlagen, lässt ihre Älteste an Miss-Wahlen teilnehmen, als Fotomodell posieren – und schickt sie als Komparsin zu Filmdrehs.
Aus Sofia wird Sophia – und die Loren zum Star
Eine Statistenrolle im US-Filmepos «Quo Vadis», das in den Cinecittà-Filmstudios bei Rom gedreht wird, sowie ihr zweiter Platz bei der Wahl zur Miss Rom eröffnen der Italienerin die weite Welt. Bei dem Schönheitswettbewerb wird der Filmproduzent Carlo Ponti (er sitzt in der Jury) auf die 16-Jährige aufmerksam. Er fördert sie, erfindet den Namen Sophia Loren – und heiratet sie 1957. Im gleichen Jahr steht sie auf sein Anraten in der Traumfabrik für den Abenteuerfilm «The Pride and the Passion» vor der Kamera. Es folgen weitere grosse Hollywood-Produktionen – und 1962 erhält Loren den Oscar als «Beste Hauptdarstellerin» im Kriegsdrama «La ciociara».
Die einstige «Miss Eleganza» und «Prinzessin des Meeres» wandelt sich zur Leinwandgöttin. Zu sehen in über 100 Filmen, wird sie mit Auszeichnungen (Golden Globe, Goldener Bär, Goldene Kamera, Bambi, César) überhäuft. Sie dreht mit Leinwandhelden wie Anthony Quinn, John Wayne, Richard Burton, Frank Sinatra, Anthony Perkins, Charlton Heston, Paul Newman, Gregory Peck und Marlon Brando. Sie und ihr Filmpartner Marcello Mastroianni gelten als das Traumpaar Italiens – vor der Kamera.
Privat ist sie mit ihrem Mann Carlo bis zu dessen Tod im Jahr 2007 zusammen. Die Ehe startet turbulent. Ponti hatte für Sophia seine erste Frau Giuliana verlassen. In Mexiko lässt er sich von ihr scheiden, da Italien zu jener Zeit keine Scheidungen erlaubt. Das Gericht akzeptiert dies nicht und annulliert die Ehe von Loren und Ponti. Nur mit einem Trick wird er 1966 doch noch ihr Ehegatte: Ponti, seine Ex-Frau und Loren werden französische Staatsbürger, er lässt sich nach französischem Recht scheiden – und heiratet Loren.
«Die Schweiz ist und bleibt mein Zuhause»
Die Diva wird zur Mamma. Carlo jr. kommt 1968 zur Welt, Edoardo fünf Jahre später. Die Familie pendelt zunächst zwischen ihrer Ranch in Kalifornien, einem Apartment im New Yorker Trump World Tower und ihrem Palazzo in Rom, lebt ab 1981 jedoch wegen des schlechten Gesundheitszustands von Sophias Gatten überwiegend in der Schweiz – inmitten der Genfer Altstadt. Am Genfersee geniesst die 86-Jährige bis heute ihr beschauliches Leben abseits des Rampenlichts. «Die Schweiz ist und bleibt mein Zuhause.» Die meiste Zeit ist sie daheim, trifft hin und wieder Freunde für kurze Spaziergänge im Park. Corona trennt auch sie von ihren beiden Söhnen und deren Familien. «Hier in Genf finde ich jetzt in kleinen Dingen Freude. Ich verbringe die Zeit mit Nachdenken, Lesen, liebe es auch zu schreiben. Ich möchte vorsichtig sein.»
Vor ihrem aktuellen Film-Comeback sorgt Sophia Loren zuletzt bei den Olympischen Winterspielen 2006 für Aufsehen, als sie die olympische Flagge ins Turiner Olympiastadion trägt. Im Jahr darauf posiert sie nackt im Pirelli-Kalender, kündigt an, nochmals öffentlich freizügig aufzutreten, wenn der SSC Neapel aufsteigt. Das Versprechen löst sie nie ein, bezeichnet die Ankündigung später im TV als Scherz. Gar keinen Spass verstehen Italiens Justizbehörden, als sie «Mamma Nazionale» 1980 wegen Steuerhinterziehung verurteilen. Die Diva sitzt 18 Tage im Frauenknast von Caserta ab. Ihrer Popularität schadet das kein bisschen. Sophia Loren bleibt die absolute Königin von Italien – und eine Göttin für den Rest der grossen Welt.