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February 2003 / Bruno Michel
Er gehört sozusagen zum Inventar der Schweizer Country Szene. Jahrelang spielte er für Jeff Turner, ist sowohl solo als auch im Duo oder Trio zu buchen und seit vielen Jahren festes Mitglied in John Brack's JB Band.
Giampiero Colombo, 49jähriger Gitarrist aus Mailand, ist ein überaus bescheidener, sympatischer Mensch, der sich und sein Können nie in den Vordergrund stellt. Und das, obwohl er zur absoluten Spitze der Gitarrenvirtuosen hier zu Lande zählt. Es wurde also Zeit, endlich einmal mehr über diesen freundlichen Zeitgenossen zu erfahren, und ich nutzte die Gelegenheit anlässlich seines Auftrittes bei John Brack's Party Night im Albisgüetli.
bm: Giampiero, fangen wir damit an, wie Du zur Musik und letztlich zur Country Musik gestossen bist. Ich weiss, dass in Deinem Heimatland eine grosse Country Bewegung existiert. Wie kam alles?
GC: Mit 16 Jahren spielte ich in so genannten Garagen-Bands, danach – ich ging immer noch zur Schule – kam ich zur Tanzmusik. Der Grund, warum ich zur amerikanischen Musik kam, war eigentlich ein Laden, in der Nähe meines Wohnortes. Die importierten Platten aus Amerika. Zu der Zeit gab's in Italien noch keine Country Szene. Ich stiess also in den frühen 70er Jahren auf die Outlaw Music von Waylon Jennings, Willie Nelson, Guy Clark und anderen. Zuvor hielt ich Country noch für eine Musik, die ich nicht mochte. Meine erste Reise in die USA im Jahr 1978 führte mich für einige Monate nach Nashville. Das war nicht geplant, aber ein Mitreisender bot mir an, bei ihm zu wohnen, falls mich mein Weg mal nach Tennessee führen sollte. Klar wusste ich, dass da einige grossartige Songwriter wohnten. Die wollte ich treffen. Ich ging ins Exit Inn, damals ein ziemlich bekannter Ort, und dort spielte George Jones. Ich war fasziniert. Das war also auch Country. Super. Zu der Zeit schrieb ich ab und zu für ein italienisches Songwriter Magazin, und so gelangte ich an die Fan Fair und konnte Backstage einige der grossen Künstler treffen. So kam das.
bm: Und was führte Dich ausgerechnet in die Schweiz und nicht, z.B. nach Holland oder England, wo die Möglichkeiten zahlreicher gewesen wären?
GC: Auch wieder Zufall. Ich hatte meine Schulen abgeschlossen, suchte einen Job, konnte keinen finden und meinte eines Tages zu meinen Eltern: „Ich hab es satt, herum zu sitzen und auf eine Gelegenheit zu warten. Ich werde nur noch Gitarre spielen." Natürlich waren meine Eltern entsetzt über meinen Entschluss. Und das erste Job-Angebot als professioneller Gitarrist kam eben aus der Schweiz. Das war 1979. Und ich blieb hier hängen.
bm: Kannst Du uns etwas aus Deinem Alltag erzählen? Was machst Du, wenn Du keine Proben hast und nicht auf der Bühne stehst?
GC: Wie jeder anständige Musiker stehe ich spät auf. So gegen 10 Uhr geht's los. Zu Hause üben, neue Songs lernen, die übliche Hausarbeit, Einkaufen. Und dann natürlich mein Hobby: Alte Schallplatten sammeln. So um die 6'000 sind mittlerweile zusammen gekommen. Ich gehe sie überall suchen, das beansprucht meine Zeit ebenfalls. Da ich weder rauche noch trinke, muss ich ja irgendwie mein Geld ausgeben (lacht).
bm: Verdienst Du Dein Geld mit zusätzlichen Jobs oder ausschliesslich als Musiker?
GC: Früher machte ich zwischendurch noch einige Aushilfsjobs. Aber seit langer Zeit verdiene ich meine Brötchen ausschliesslich mit Musik.
bm: Du hast sehr viele persönliche Fans, die Dein Gitarrenspiel und Deinen Gesang mögen. Wann kommt die erste Produktion von Giampiero Colombo di Milano?
GC: Oh, viele Leute fragen mich danach. Es gibt eigentlich keine Ausrede. Der einzige Grund dafür ist meine Bequemlichkeit. Und vielleicht sollte ich etwas mehr Vertrauen in mich selber haben. Ich schreibe gerne Songs, Jeff Turner hat welche aufgenommen und auch Renato Rocchinotti von der Band Howdy. Aber ich schreibe eher, weil ich angefragt werde, nicht eigentlich mit der Absicht, eine CD heraus zu bringen. Ich verspreche aber, dass es eines Tages soweit kommen wird.
bm: In Deiner musikalischen Karriere bist Du mit vielen Berühmtheiten auf der Bühne gestanden. Wer ist Dein persönlicher Favorit und warum?
GC: Gerade jetzt? Es gibt viele, sehr schwer, mich für einen Namen zu entscheiden. Das letzte Album von Rodney Crowell mag ich sehr, oder Delbert McClinton, Dwight Yoakam. Aber auch ältere Songs von Little Feat oder den Amazing Rhythm Aces höre ich immer wieder gerne.
bm: Gibt es jemanden, bei dem Du gerne mal in der Band ein Gastspiel geben würdest – ausser denen, die du gerade genannt hast?
GC: Es wäre toll, mal zusammen mit Brent Mason Gitarre zu spielen (Anm.: Mason wurde x-fach geehrt als Gitarrist des Jahres bei den CMA Awards). Dann könnte ich einige von seinen Licks abkupfern. Aber es gibt so viele, dass ich sonst gerade keine anderen Namen nennen kann.
bm: Wie siehst Du persönlich die Entwicklung der Country Music? Wohin geht der Weg mit der Kommerzialisierung?
GC: Ich glaube, es wird nicht ewig so weiter gehen. Der Kreis wird sich schliessen und man wird wieder zur echten Musik zurück kehren. Die Geldmaschinerie wird hoffentlich wieder der wahren Musik Platz machen. Aber auch heute gibt es hunderte, tausende Künstler, die ihre echten Fans in den kleinen Clubs und Bars finden. Das wird immer so bleiben.
bm: Wenn Du Dich mit drei Worten charakterisieren müsstest, welches wären die Begriffe, die Du benutzt?
GC: Gib immer Dein Bestes...ups, das sind vier Worte. Aber einzelne Begriffe? Ich weiss nicht, ich kann mich nicht loben... (John Brack kommt in den Raum und lacht)...
JB: ...Dann lass es. Aber wenn Du Dich nicht lobst, wirst Du nie ein Star.
GC: Ich will ja gar kein Star werden.
JB: Weiss ich. Wo zum Teufel ist mein Hut... (verschwindet wieder).
bm: Wo möchtest Du heute in zehn Jahren beruflich oder privat stehen?
GC: Hoffentlich stehe ich gesund im Leben. Ich will eigentlich nur Musik spielen, zufrieden sein und die Leute glücklich machen.
bm: Wenn Du ein Interview mit Giampiero Colombo führen würdest, welche Frage stellst Du ihm, die ich nicht gestellt habe?
GC: Oh Mann. Ich muss überlegen, hmm, vielleicht: An welchem Punkt befindest Du Dich in Deinem Leben heute. Nicht in zehn Jahren, sondern heute. Und ich würde antworten, dass ich ein privilegierter Mensch bin, weil ich von dem leben kann, was ich am liebsten mache: Gitarre spielen. Das ist für mich schon ein Erfolg.
bm: Herzlichen Dank für das offene Gespräch und weiterhin viel Glück bei all Deinen Unternehmungen.
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