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Kontrollierte Alkoholabgabe
Allgemeines
Das Hospice Le Pré-aux-Boeufs in Sonvilier im Berner Jura ist ein Wohn- und Arbeitsort für ungefähr hundert erwachsene Menschen mit psychosozialen Beeinträchtigungen und Substanzabhängigkeiten – insbesondere chronische Alkoholabhängigkeit –, die auf herkömmliche Integrationsmassnahmen oder Therapien nur noch beschränkt ansprechen.
Das Hospice bietet ein niederschwelliges, nicht-therapieorientiertes Angebot an. Es ist eine offene Institution, die keine Alkoholabstinenz verlangt und seit Jahrzehnten erfolgreich das Konzept Trinken unter Kontrolle praktiziert.
Ziel ist die Schadensminimierung und ein menschenwürdiges Leben trotz bleibender Substanzabhängigkeiten und psychischer Beeinträchtigungen.
Trinken unter Kontrolle
Der Konsum von alkoholischen Getränken ist Teil des Alltags des Hospice. Die Bewohner[1] erhalten die Möglichkeit, in der Institution zu bestimmten Zeiten kontrolliert Wein oder Bier zu konsumieren. Der kontrollierte Konsum ist als Angebot für nicht abstinenzwillige / -fähige Personen gedacht. Niemand ist verpflichtet, Alkohol zu konsumieren.
Das Hospice vereinbart mit jedem Bewohner, der ein Alkoholabhängigkeitssyndrom aufweist, Art und Menge des Alkoholkonsums. Die Menge ist abhängig vom Gesundheitszustand, den Medikamenten und dem bisherigen Trinkverhalten des Bewohners.
Grundsätzlich darf nur im täglich geöffneten Restaurant des Hospice Alkohol konsumiert werden. Ausnahmen werden individuell vereinbart. Im Restaurant haben die Bewohner die Gelegenheit, in einer gemütlichen Atmosphäre und entspannt alkoholische Getränke zu konsumieren.
Das Konzept des Trinkens unter Kontrolle führt im Verbund mit anderen agogischen, sozialen und medizinischen Massnahmen oftmals zu einer nachhaltigen, deutlichen Reduktion des Alkoholkonsums der Bewohner im Vergleich zum bisherigen Konsum und damit zu einer Verbesserung des (psycho)sozialen und des somatischen Allgemeinzustandes.
Ziele des Konzepts Trinken unter Kontrolle
Das Konzept Trinken unter Kontrolle verfolgt folgende Ziele:
- Stabilisierung des Alkoholkonsums auf einem möglichst tiefen Niveau.
- Kein Beikonsum ausserhalb der Institution.
- (Kontrollierte) Integration des Alkohols ins Leben statt Dominanz des Lebens durch den Alkohol.
- Stärkung der Lebensqualität und des Selbstwertgefühls der Bewohner.
- Verbesserung des Allgemeinzustandes / der somatischen Gesundheit und der psychosozialen Situation.
[1] Im Interesse einer leichteren Lesbarkeit werden für Personen männlichen und weiblichen Geschlechts maskuline Formen verwendet.