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Während die Wohnblocks im Stadtzentrum mit Fernwärme der Kohlekraftwerke beheizt werden, werden in den Jurtenvierteln pro Winter rund 600'000 Tonnen Rohkohle verheizt, dies mit fatalen Folgen: Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation sterben in Ulaanbaatar jeden Winter rund 3'500 Menschen an den Folgen der schlechten Luft. Dies auch, weil sie den giftigen Schadstoffen in ihrem eigenen Heim direkt ausgesetzt sind, da die Öfen undicht sind und die Kohle, sowie oft anderer Plastikmüll, ohne Filter verbrannt wird. Die schlechte Luft in den Jurtenvierteln führt auch für Baysagalant jeden Winter zu zusätzlichen Gesundheits- kosten. Fast jedes Kind hat während des langen Winters eine Lungenentzündung oder andere Atemwegsprobleme wie zum Beispiel Asthma. Deshalb sind wir im Winter besonders auf Spenden für unseren Medizinfonds angewiesen.
Die verschmutze Luft stammt von den Kohlekraftwerken, dem vielen Verkehr und zu 80 % aus den Jurtenvierteln, weil da schlicht keine anderen Möglichkeiten bestehen, als in einfachen Ofen Kohle zu verbrennen. Die Bevölkerung Ulaanbaatars hat sich seit 1989 verdreifacht; dies lässt einen grossen Teil der 1.4 Millionen Einwohner ohne Infrastruktur zurück. Hinzu kommt die geografische Lage der Stadt, welche die Situation zusätzlich verschlimmert. Ulaanbaatar liegt in einer Art Talkessel und ist umgeben von Bergen. Somit wird eine Schicht kühlere Luft unter einer Schicht warmer Luft eingeschlossen und hält die Schadstoffe in Bodennähe.
Keine wirklichen Alternativen
Seit diesem Winter ist es in Ulaanbaatar nicht mehr erlaubt Rohkohle zu verbrennen. Angeboten wird stattdessen chemisch behandelte Kohle. Aber diese sogenannte "gepresste Kohle" entpuppt sich bereits jetzt im November als gefährliche Alternative. Zwar sei der Smog, so unsere Angestellten, dieses Jahr weniger, aber die behandelte Kohle enthält Giftstoffe, die bereits mindestens sieben Menschen das Leben gekostet hat. Zudem seien Tausende mit Kohlenmonoxid-Vergiftungen im Spital gelandet. Die Angst und Verunsicherung bei den Menschen sei gross, so Zaya Okhino, die Bayasgalant Projektleiterin. Zumal nicht zu heizen in der beissenden Kälte (in der Nacht fallen die Temperaturen regelmässig bis zu minus 30 Grad) keine Option ist. Holz kein Rohstoff ist, der in der Mongolei vorhanden ist (und ergo zu teuer ist) und elektrisch betriebene Heizkörper für viele Menschen in den Jurtenvierteln, trotz gratis Strom in der Nacht (eine weitere Massnahme der Regierung) ebenfalls zu viel kostet (ca. 150 Franken pro Monat verglichen mit Kosten für Kohle von 150 Franken für das gesamte Winterhalbjahr).
Die Jurtenviertel sollen in den kommenden Jahren nach und nach an die Fernwärme angeschlossen werden. Und Projektleiterin Zaya hofft, dass das Viertel der Bayasgalant Tagesstätte bis im nächsten Jahr durch Fernwärme beheizt werden kann. Die Tagesstätte wird momentan mit einer Mischung aus Strom und Kohle beheizt. Da der Ofen sich in einem abgetrennten Raum befindet, ist dies für die Bayasgalant Kinder und Mitarbeiter nicht gefährlich. Seit längerem suchen wir dennoch nach besseren Alternativen für die Familien und für die Tagesstätte. Wir merken aber, dass uns als einzelne kleine Organisation die Hände gebunden sind und wir, solange der mongolische Staat dieses gesamtgesellschaftliche Problem nicht ernsthafter angeht und Alternativen zu den Kohlekraftwerken prüft, bloss "Pflästerlitaktik" anwenden können, um die Bayasgalant-Familien vor dem Schlimmsten – der tödlichen Kälte und dem Verbrennen von Plastik und Pneus – zu bewahren. Denn Holz ist als Rohstoff nicht vorhanden, Gas verboten und auch der Strom wird in den Kohlekraftwerken, die mitten in der Stadt stehen, produziert. Und wegen des Smogs kann im Winter auch nicht genügend Solarstrom produziert werden, um damit gegen die beissende Kälte anzukommen.
Für alle, die mehr zum Thema wissen wollen, gibt es hier eine Liste von weiterführende Artikeln und Informationen, die unter anderem auch als Quelle für die hier verwendeten Informationen dienen.