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Alexandre Gachet ist der neue Stiftungsratspräsident von Switch
Der Stiftungsrat von Switch wählte an seiner ordentlichen Sitzung im Juni 2023 Alexandre Gachet einstimmig zu seinem neuen Präsidenten. Er trat am 1. Januar 2024 die Nachfolge von Peter Kofmel an, der in den Ruhestand geht.
Mit Alexandre Gachet hat Switch einen profunden Kenner der Stiftung als neuen Präsidenten gewonnen, der sich bereits seit vielen Jahren leidenschaftlich für die Digitalisierung der Schweizer Hochschulen engagiert. Wer ist Alexandre und was motiviert ihn in seiner neuen Rolle? Wir haben ihn bei Switch zu einem Interview getroffen.
Lieber Alexandre, herzlichen Glückwunsch zu deiner Wahl zum Präsidenten des Stiftungsrats. Erzähl uns ein wenig über dich und deinen persönlichen Werdegang.
Herzlichen Dank. Mein erster Kontakt mit Switch geht auf das Jahr 1994 zurück, als die Stiftung gerade mal sieben Jahre alt war. Ich begann gerade mein Studium der Informatik, Mathematik und später der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Freiburg. Switch war dieses fast magische Gebilde, das die Universitätsgemeinschaft mit einer hervorragenden Internetverbindung ausstattete, was damals keine Selbstverständlichkeit war.
Nach meinem Universitätsabschluss im Jahr 1999 schrieb ich – ebenfalls in Freiburg – eine Doktorarbeit zum Thema «Verteilte Systeme zur Entscheidungsunterstützung.» Diese Forschung ermöglichte es mir, meine Beziehung zu Switch zu vertiefen, insbesondere indem ich verschiedene Netzwerktopologien analysierte und mich für die IT-Sicherheit in verschiedenen Entscheidungskontexten interessierte. Nach meiner Promotion im Jahr 2003 ging ich im Rahmen eines Postdoc-Forschungsprogramms in die USA. Als ich dann nach Europa zurückkehrte, verliess ich die akademische Welt und arbeitete in verschiedenen Branchen. Dazu gehörten vor allem Banken, Versicherungen und einige öffentliche Verwaltungen.
Einige Jahre später, nachdem ich Switch ein wenig aus den Augen verloren hatte, erhielt ich 2012 die Gelegenheit, als CIO an die Universität Freiburg zurückzukehren. Es war eine Freude zu sehen, wie sehr sich die Stiftung entwickelt hatte. Meine Verbindungen zu Switch wurden dann immer intensiver, insbesondere ab 2015, als ich dem Stiftungsrat beitrat, und erneut 2018, als ich in den Ausschuss des Stiftungsrats gewählt wurde.
Schliesslich wechselte ich 2021 meine Funktion an der Universität Freiburg, indem ich die Position des CIO aufgab und die Rolle des Verwaltungsdirektors übernahm. Nach über 25 Jahren in der IT-Branche ergänzte ich meine Kompetenzen auch mit einem MBA, den ich 2019 erlangte.
Was hat dich 2015 dazu bewogen, dich als neues Mitglied des Stiftungsrats noch stärker für Switch und damit für die Digitalisierung der Schweizer Hochschulen zu engagieren?
Es ist unbestritten, dass die akademische Welt – als Mikrokosmos stellvertretend für grosse Teile unserer Gesellschaft – turbulente Zeiten durchlebt. Niemand kann mit Sicherheit vorhersagen, wie die Hochschullandschaft in der Schweiz nach diesen Turbulenzen aussehen wird. Die Palette an Möglichkeiten ist sehr breit. Sie reicht von einem relativen Status quo bis hin zu tiefgreifenden Veränderungen.
Die Realität wird wohl irgendwo zwischen diesen beiden Extremen liegen. Es ist spannend, eine solche Übergangsphase mitzuerleben und zu begleiten. Zweifellos birgt diese Zeit eine Reihe von Risiken, die es zu bewältigen gilt, insbesondere was den Druck auf die finanziellen Ressourcen betrifft. Ich sehe aber auch Chancen, die es zu nutzen gilt, zum Beispiel bei der Suche nach besseren Synergien.
Ich bin jedoch fest davon überzeugt, dass die Stiftung Switch – aufgrund ihrer Geschichte, ihrer Kompetenzen und ihres Potenzials – mit der richtigen Strategie in den nächsten Jahren eine noch wichtigere Rolle zum Nutzen der Hochschulen in der Schweiz spielen kann. Es ist mir eine Ehre, mich mit Switch in diesem Prozess engagieren zu dürfen.
Von welchen Erfahrungen und Einsichten wirst du am meisten profitieren, um Switch in eine erfolgreiche Zukunft zu führen?
Es ist eine seltene Gelegenheit, dass ich etwa zehn Jahre lang die Rolle des CIO einer mittelgrossen Volluniversität an der Sprachgrenze (Freiburg) innehaben und anschliessend die administrative Leitung übernehmen konnte.
Selbst nach nur zwei Jahren in meiner neuen Funktion bin ich mir dieser privilegierten Situation voll bewusst. Sie ermöglicht es mir, beide Seiten zu sehen, nämlich erstens aus der Perspektive der Anbieterin digitaler Dienstleistungen und zweitens aus der Perspektive der Konsumierenden dieser Dienstleistungen.
In den kommenden Jahren zähle ich ebenso auf den Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen der Verwaltungsdirektion anderer Hochschulen wie mit meinen ehemaligen CIO-Kolleginnen und -Kollegen, um die strategischen Herausforderungen von Switch voranzutreiben. Zu Letzteren pflege ich weiterhin einen besonderen Kontakt.
Worauf freust du dich in deiner neuen Rolle besonders?
Ich freue mich ganz besonders darauf, mich für eine Stiftung mit einem wahrhaft nationalen Profil einsetzen zu können. Switch ist die Stiftung der Hochschulen, der Universitätskantone und des Bundes. Das ist nicht wenig. Als Mitarbeiter einer kantonalen Universität freue ich mich, dank Switch einen breiten Horizont auf gesamtschweizerischer Ebene mit Kontakten aus allen Regionen zu behalten.
Wo siehst du die grösste Herausforderung für Switch in den kommenden Jahren?
Aufgrund des zuvor erwähnten turbulenten Umfelds wird Switch in den kommenden Jahren wahrscheinlich mit einem Bündel miteinander verbundener Herausforderungen konfrontiert werden. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es schwierig, nur eine «grösste Herausforderung» auf Kosten der Anderen hervorzuheben.
Wenn ich eine besondere Sorge erwähnen muss, dann ist es die mögliche Verschlechterung der finanziellen Situation der Hochschulen. Wenn ihre Budgets in den kommenden Jahren stagnieren oder sinken, muss Switch darauf achten, nicht in eine Negativspirale zu geraten. Vielmehr kann die Stiftung ihre Kompetenzen optimal einsetzen, indem sie zuhört, kreativ ist und Überzeugungsarbeit leistet, um Dienstleistungen anzubieten, die das neue Synergiepotenzial im digitalen Bereich nutzen.
Hast du schon eine Vorstellung davon, wie du diese Herausforderung angehen willst?
Dieser Problematik werden wir bei der Ausarbeitung der nächsten Switch-Strategie «Strategie 2025+» besondere Aufmerksamkeit widmen, deren Timing mit Beginn Anfang 2024 übrigens günstig aussieht.
Wo liegt deiner Meinung nach die Einzigartigkeit von Switch?
Ich habe grossen Respekt vor den Gründern von Switch, dem Bund und den damaligen acht Universitätskantonen, die 1987 eine sehr klare Vorstellung davon hatten, was sie mit dieser Stiftung bezwecken wollten. Der Beweis dafür ist, dass der in der Stiftungsurkunde definierte Zweck, trotz des sich völlig veränderten technologischen Umfelds, auch heute noch völlig klar und aktuell ist.
Für mich verleiht die starke, langfristige und landesweite Verankerung der Stiftung Switch ihren absolut einzigartigen Charakter. Ihr Bestreben, weiterhin «die Grundlagen für den wirksamen Gebrauch moderner Methoden der Teleinformatik im Dienste der Lehre und Forschung in der Schweiz zu schaffen, zu fördern, sich an solchen zu beteiligen und sie zu erhalten», unterstreicht das. (Anmerkung der Redaktion: Auszug aus der Stiftungsurkunde)
Wie sollte Switch diese Einzigartigkeit in Zukunft noch stärker nutzen?
Bei einer internen Veranstaltung von Switch habe ich den Switchies kürzlich erzählt, dass ich vor meinem Studium meine Matura an einem im Jahr 1582 in Freiburg gegründeten Kollegium gemacht habe. Ihr Motto ist noch heute ein Zitat des lateinischen Dichters Ovid: «Laudamus veteres sed nostris utimur annis». Übersetzt heisst das: "Wir loben die gute alte Zeit, aber wir leben in der Gegenwart.»
Ich bin der Meinung, mit ein wenig poetischer Fantasie, dass dieses Motto auch für Switch gilt. Damit möchte ich sagen, dass die Stiftung noch mehr von dem Gebrauch machen kann, was sie einzigartig macht. Einerseits bedeutet «Wir loben die gute alte Zeit», dass wir uns daran erinnern, woher wir kommen, dass wir auf unsere Wurzeln stolz sind, dass wir unser Fundament respektieren, einschliesslich der Fähigkeiten, für die Switch immer bekannt war und auch heute noch ist. Dazu gehören vor allem die Bereiche Cybersicherheit, digitale Identität, Forschungsnetzwerk und Registry.
Andererseits bedeutet «aber wir leben in der Gegenwart», dass Switch ständig neue Kompetenzen entwickeln muss, die auf ihrem Fundament aufbauen, um sich an die neuen Herausforderungen anzupassen, von denen wir vorhin gesprochen haben. In diesem Sinne profiliert sich Switch nun auch in Bereichen der Cloud Services oder in Rechts- und Beschaffungsfragen.
Wenn es Switch gelingt, ihre Strategie nach diesen Grundsätzen auszurichten, bin ich überzeugt, dass die Stiftung für ihre Community und für sich selbst eine erfolgreiche Zukunft aufbauen wird.
Lieber Alexandre, vielen Dank für das Gespräch.