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Versickert via Glarnerland Geld aus dem Afghanistankrieg?
Das Kantonsgericht blockiert Gelder für eine Forderung, die in Dubai gestellt wurde. Die Supreme-Gruppe mit Briefkästen in Glarus fordert die Freigabe – und läuft auf. Denn die verzweigte Firmenstruktur könnte durchaus dazu dienen, Vermögen zu verstecken und Forderungen auszuweichen.
Der Streitwert ist mit «über 30 Millionen Franken» beträchtlich, auch wenn die Supreme-Gruppe schon mehr Geld in die Hand nehmen musste. Hat sie doch 2014 in einem Vergleich dem US-Staat 464 Millionen Dollar bezahlt und sich schuldig bekannt, US-Truppen in Afghanistan um 48 Millionen betrogen zu haben.
Im März hat das Glarner Kantonsgericht Vermögenswerte des Supreme-Firmengeflechts eingefroren, von dem mehrere Gesellschaften in Glarus domiziliert sind. Nun hat die Supreme dagegen geklagt. Doch laut einer vom Kantonsgericht mitgeteilten Verfügung ist sie damit gescheitert, ihr Geld und ihre Aktien wieder loszueisen.
Die Fäden führen von Dubai nach Glarus
Den sogenannten Arrestbefehl hat die CRM Limited erwirkt, eine Firma mit Sitz in Dubai, die Sicherheitsdienstleistungen erbringt und in amerikanischen Medien auch unter dem Namen «Compass» bekannt ist. Man kann sich beispielsweise vorstellen, dass die Compass Versorgungskonvois auf ihrem Weg zu amerikanischen Truppen in Afghanistan abgesichert und bewacht hat.
Das Vermögen wurde im Glarnerland blockiert, obwohl die Compass ihren Vertrag mit Supreme-Firmen abgeschlossen hat, die ebenfalls in Dubai sitzen. Doch wie das Glarner Gericht den Vertrag liest, wurde Compass «als Partnerin der gesamten Supreme-Gruppe und damit sämtlicher Supreme-Gesellschaften eingesetzt». Und es sieht so aus, wie wenn Compass mit Supreme einen Vergleich vor einem Schiedsgericht in Dubai geschlossen hat, aber das Geld dafür nicht erhielt. Eine Forderung, die aus den arrestierten Vermögen gedeckt werden könnte. Sofern Supreme den Vergleich anerkennt oder sofern Compass sie in einem weiteren Verfahren vor Gericht durchbringt.
In der Schweiz sitzen nur die Strohmänner
Warum das Vermögen in der Schweiz (und Luxemburg, Amsterdam, Frankfurt) eingefroren wird, lässt sich anhand der Gerichtsverfügung nur skizzieren. Trotzdem zeigt das Papier auf, warum überhaupt die Supreme-Gruppe ihre Briefkasten-Gesellschaften in Glarus hat – und dann in der Beschwerde zwecks Loseisens kühl schreibt, diese hätten nichts zu tun mit den Firmen in Dubai. Und warum der «Durchgriff» auf die Schweizer Gesellschaften entgegen dem Protest der Supreme möglich ist.
Die Brisanz liegt in der Begründung der Compass: Die Supreme-Gruppe gehöre letztlich drei Einzelpersonen, welche die «sehr komplexe Konzernstruktur», über «zahlreiche Gesellschaften in verschiedenen Ländern» kontrollierten.
Die Sitze unter anderem in Glarus dienen laut Compass dazu, «die wirtschaftlich Berechtigten hinter der Supreme-Gruppe zu verschleiern» und übergeordnete Holdinggesellschaften «vor dem Zugriff von Gläubigern abzuschirmen».
Die Hintermänner kassieren
Die Compass, welche über 30 Millionen Franken fordert, beruft sich auf Zeugenaussagen. Demnach habe die eigentliche Schuldnerin, die Supreme Risk Management, «selbst gar keine Angestellten, Kunden oder Aktivitäten». Ihr Kopf sei aber der Geschäftsführer einer andern Supreme-Gesellschaft. Und: «Im Ergebnis habe die Supreme-Gruppe ihre Konzernstrukturen benutzt, um ihre Gesellschaften in der Schweiz so abzuschirmen, dass sie nicht als Vertragspartei erscheinen und daher auch nicht belangt werden können.»
Gemäss einer Untersuchung der Treuhandorganisation Deloitte seien zudem in den Jahren 2011 bis 2013 «Hunderte Millionen von US-Dollar aus der Supreme-Gruppe abgeflossen und an die Anteilseigner respektive die wirtschaftlich Berechtigten ausbezahlt worden». Das würde auch heissen: Der von Deutschland aus aktive Stephen Orenstein samt Familie und sein Partner Michael Gans, denen das Supreme-Imperium laut Medienberichten gehört, haben in der Schweiz auch bloss ihre Strohmänner.
Letztlich versuchen die Eigentümer, so die Darstellung der Gläubigerin Compass, die Supreme-Gesellschaften, welche mit Zulieferern Verträge abschliessen, als isolierte Firmen darzustellen. Damit könnten die Eigentümer «ihr eigenes Vermögen unter Zuhilfenahme von zahlreichen Gruppengesellschaften und Strohleuten vor dem Zugriff der Gläubiger abschotten». Trotz der ganzen Verschleierung aber werde das ganze Firmengeflecht von einem einzigen Managing Board geleitet. In dem Gremium werde zwar diskutiert, immer aber habe einer das Sagen: Leading Manager Stephen Orenstein.