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Militärgeschichte der Infanteriefestung Grynau
Die Infanteriefestung Grynau mit ihrer markanten Brücke über die Linth war ein wichtiger Übergang für einen bedeutenden Handelsweg, eine umstrittene Zollstation und hatte seit jeher auch einen gewissen strategischen Wert.
So war die Grynau eines der Streitobjekte im alten Zürichkrieg (1450). Die Truppen Napoleons sperrten im Herbst 1799 bei der Grynau und verhinderten den Vormarsch der österreichischen Truppen Richtung Zentralschweiz. Im Sonderbundkrieg drohte die Grynau 1847 erneut ein Schlachtfeld zu werden.
In den Jahren 1890 und 1900 entstanden Projekte zur Befestigung der Grynau als Abwehrlinie. Im Jahre 1902 wurden dann auch einige Feldbefestigungen mit Schützengräben, Geschützstellungen und Unterständen aus Holz erstellt. Mangels Unterhalt sind diese Anlagen jedoch verfallen, überwachsen und kaum mehr erkennbar.
Im zweiten Weltkrieg war die Grynau 1939/40 ein Schlüsselgelände im Stützpunkt Buechberg. Der Stützpunkt Buechberg (Füs Bat 74) und die Sperre Tuggen (Füs Bat 73) wurden vom Oktober 1939 bis Juni 1940 stark befestigt und bildeten den linken Pfeiler der Linthstellung der 7. Division. Die Festung Grynau, welche von 1940 bis 1942 gebaut wurde, war nach ihrer Fertigstellung im Verbund mit der vorgesehenen Überflutung der Linthebene ein bemerkenswertes Hindernis.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Festung Grynau noch weiterhin militärisch genutzt und noch mit moderneren Waffen rearmiert. 1978 strich die Armee die Festung Grynau aus den Abwehrplänen, die Festung wurde einige Jahre später desarmiert.
Bedeutung und Einsatz der Infanteriefestung Grynau
Die Infanteriefestung Grynau was als vorgeschobene Stellung am Nordrand des Reduit-Dispositivs der 7. Division der linke Pfeiler. Mit Einbezug der geplanten Überflutung der Linthebene (waagrechte Schraffierung auf dem Dispo gemäss Operationsbefehl Nr. 2), welche eine grossflächige Überflutung südlich und nördlich der Grynau vorsah, hatte das Werk einen Gegner an der Überschreitung der Linth bei der Grynau zu verhindern.
Mit der 4,7-cm-Infanteriekanone (Bunker IK 19) und zwei Maschinengewehren (Bunker Mg 20 und Mg 16) wäre der Gegner westlich und nördlich der Linthbrücke bekämpft worden. Weitere drei Maschinengewehre und ein Leichtes Maschinengewehr sollten den Gegner östlich und südöstlich der Linthbrücke bekämpfen. Ein weiteres Maschinengewehr (Bunker MG 01) hatte die Aufgabe, einen Gegner westlich der Linthbrücke zu bekämpfen.
Der Artillerie-Beobachter im Artillerie-Beobachter-Panzerturm hatte die Aufgabe, das Feuer der Artillerie zu korrigieren.
Die Infrasturktur, die Vorräte, das werkseigene Wasserreservoir und der Munitionsvorrat hätten ermöglicht, die Festung während mehrerer Wochen zu halten. Nach der Fertigstellung des Werkes im Spätsommer 1942 übernahmen Truppen des Ter Bat 146 (Ausserschwyzer) das Werk und stellten die Besatzung bis Ende des Aktivdienstes.
Im Einsatz für die Reduit-Brigade 24 wechselte der Name des Ter Bat 146 zum Füs Bat 146. Das Füs Bat 146 stellte, bis zum Wechsel des Gebietes Linthebene an das Feldarmeekorps 4 im Jahre 1978, weiterhin die Werksbesatzung. In den Jahren 1968 - 1972 wurde die Bewaffnung des Werkes modernisiert. Es wurden eine 9-cm-Pak 50/57 sowie ein Mg 51 eingebaut. Die Grynau verlor 1978 ihre militärische Bedeutung, das Feldarmeekorps 4 fand keine Verwendung mehr für die Festung. Die Linthstau-Organisation war bereits 1974 aufgehoben worden. Das Werk wurde 1988 desarmiert.
Im Jahre 2000 erwarb die Stiftung Schwyzer Festungswerke die Festung Grynau. Die Werksgruppe Grynau restaurierte das Werk in zahlosen Stunden und rüstete es mit der Originalausrüstung und den Originalwaffen aus dem Jahre 1942 wieder aus. Seit November 2000 steht die Infanteriefestung Grynau der Öffentlichkeit für geführte Besichtigungen zur Verfügung.
Technische Daten der Infanteriefestung Grynau
Standort: Gemeinde Tuggen im Kanton Schwyz, am Fuss des östlichen Buechbergs am südlichen Ufer des Linthkanals.
Bedeutung: Westlicher vorgeschobener Stützpunkt der Zentralraum-Stellung der 7. Division im Linthgebiet.
Daten: Die Bauzeit dauerte von März 1940 bis September 1942. Die Modernisierung der Waffen erfolgte von 1968 bis 1972, 1988 die Ausmusterung und Desarmierung und im Jahre 2000 die Übernahme druch die Stiftung Schwyzer Festungswerke mit einer kompletten Renovierung und Rearmierung.

|Bauten:|
|Länge der Stollen||1000 m ausgebaut, 400 m ausgebrochen|
|Bewaffnung:|
|1 Infantriekanone||IK 35/41|
|Konstruktionsjahr||1935/1941|
|Gewicht||300 kg|
|Kaliber||4,7 cm|
|Schussweite||200 m - 3000 m|
|Geschossgewicht||1,5 und 2,5 cm|
|Schuss pro Minute||20|
|6 Maschinengewehre||Mg 11|
|Konstruktionsjahr||1911|
|Gewicht||48 kg|
|Kaliber||7,5 mm|
|maximale Schussweite||1500 m|
|Geschossgewicht||11,3 g|
|Schuss pro Minute||400|
|3 Leichte Maschinengewehre||Lmg 25|
|Konstruktionsjahr||1925|
|Gewicht||10,8 kg|
|Kaliber||7,5 mm|
|maximale Schussweite||500 m|
|Geschossgewicht||11,3 g|
|Schuss pro Minute||500|
|Nach der Modernisierung:|
|1 Panzerabwehrkanone||9 cm, Pak 50/57|
|6 Maschinengewehre||Mg 51|
|3 Sturmgewehre||Stgw 57 mit Schartenlafetten|
Übersichtsplan der Infanteriefestung Grynau