Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03174.jsonl.gz/2805

Lead
Lay summary
Abstract:
1.Ziele des Forschungsprojekts
Das Forschungsvorhaben hat zum Ziel, die Gründe für den Bruch der Gesellschaft mit der protestantischen Kirche zu Beginn der 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts für den Raum Basel zu untersuchen. Die Arbeit soll zudem über die spezifische Mentalität der Basler Protestanten Auskunft geben und sie umreissen. Persistenz und Wandel von Einstellungen und Praktiken im protestantischen Milieu sollen aufgezeigt und Veränderungen festgehalten werden.
2.Kontext und Bedeutung des Projekts
Hintergrund bildet die Annahme, dass Kirche und Gesellschaft in einem gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis stehen und die Tatsache, dass dieses Verhältnis in der schweizerischen zeithitorischen Forschung bislang stark vernachlässigt wurde.
Gegenwärtig erleben wir eine deutlich zunehmende Sensibilisierung für die soziale und kulturelle Bedeutung der Religion sowie für religiös geprägte kulturelle und soziale Konflikte. Die Studie bietet dafür historisches Orientierungswissen. Sie bereichert die fachwissenschaftlichen Diskussionen über Milieubildung im Protestantismus und die "Säkularisierung"
3.Wissenschaftlicher Rahmen und Methodologie
Die Vorgeschichte und die Voraussetzungen dieser vordergründigen Entkirchlichung im Zeitraum von rund fünfzig Jahren stehen im Zentrum der Studie. Die Leitfragen beziehen sich auf die Verankerung der protestantischen Kirche in der Gesellschaft und auf ihren Einfluss auf diese Gesellschaft. Untersucht wird die Mächtigkeit der Kirche in Bezug auf die soziale Wirklichkeit und der Wandel dieses Verhältnisses im Laufe der Untersuchungsperiode.
In einem ersten Teil werden Struktur und Bedeutung des protestantischen Verbandswesens in Basel aufgearbeitet. Quellen sind die Jahresberichte und Protokolle der protestantischen Vereine in Basel sowie die protestantische Presse, das heisst die kirchlichen Zeitungen und Zeitschriften. Ein zweiter Schwerpunkt stellt die Identifizierung der wichtigsten Akteurinnen und Akteure des Basel-städtischen Protestantismus dar. Mittels einer prosopographischen Untersuchung werden Namen, Aktivitäten und Ziele der Protagonisten und ihre Verbindungen untereinander offen gelegt. Der dritte Teil der Studie untersucht mit der Methode der historischen Diskursanalyse charakteristische Problemkonstellationen, die über das Verhältnis von Kirche und Gesellschaft Auskunft geben. Stellvertretend dafür stehen drei zentrale Debatten: Die Reaktion der protestantischen Kirche und ihrer Exponenten auf den Landesstreik von 1918 als Ausdruck sozialer Spannung und Spaltung, die Haltung der Exponenten der protestantischen Kirche zum Nationalsozialismus und die Reaktion der protestantischen Kirche auf die Prosperität der 50er- und 60er-Jahre.