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Nationaltrainer Glen Hanlon stellt gegen die USA Reto Berra (28) ins Tor. Blinder NHL-Glaube oder das feine Gespür eines grossen Bandengenerals? Auf jeden Fall ganz schön mutig.
Die Hockeygötter haben ihre Meinung geändert. Reto Berra bekommt 2015 in Prag nun doch eine Heldenrolle. Er spielt im Viertelfinale gegen die USA. Die riskanteste Torhüterwahl dieses Jahrhunderts.
Die Statistik sagt: Leonardo Genoni (27) muss gegen die USA spielen. Er ist nach drei Einsätzen (gegen Frankreich, Deutschland und Schweden) mit einer Fangquote von 95,52 Prozent die Nummer 1 der gesamten WM. Reto Berra hat nach vier Partien (Österreich, Lettland, Kanada, Tschechien) lediglich eine Abwehrquote von 87,60 Prozent. Er ist die Nummer 18 der WM-Statistik.
Statistik hin oder her: Gegen die USA spielt Reto Berra.
Mit Leonardo Genoni hat die Schweiz zweimal gewonnen (3:1 Frankreich, 1:0 Deutschland) und einen Punkt gegen Schweden geholt. Mit Reto Berra haben die Schweizer alle Partien verloren.
Siege hin oder her: Gegen die USA spielt Reto Berra.
Leonardo Genoni hat die beste Saison seiner Karriere gespielt und mit dem HCD die Meisterschaft gewonnen. Reto Berra hat bei Colorado in der NHL erst in den letzten fünf Saisonpartien wieder sein bestes Hockey gespielt, keinen Titel geholt und war bei Colorado nie die Nummer 1, aber manchmal nur die Nummer 3.
Beste Saison und Titel hin oder her – gegen die USA spielt Reto Berra.
Warum nominiert Nationaltrainer Glen Hanlon gegen alle vernünftigen Argumente für das alles entscheidende Spiel Reto Berra?
Es gibt also gute Gründe für die Nomination von Reto Berra gegen die USA. Trotzdem: Die klassische Lösung Leonardo Genoni hätte Nationaltrainer Glen Hanlon die Hintertüren der billigen Ausreden offen gelassen. Niemand hätte ihn kritisiert, wenn er den statistisch klar besten WM-Torhüter nominiert hätte. Und erst noch den Goalie, mit dem die Schweizer ihre einzigen zwei Siege in den Gruppenspielen erreicht hatten.
So gesehen ist die Nomination von Reto Berra die riskanteste Torhüterwahl seit Ralph Krueger bei der WM 1998 für die alles entscheidende Partie gegen Russland auf Reto Pavoni verzichtet und alles auf die Karte des 20-jährigen WM-Neulings David Aebischer gesetzt hat. Die Schweiz besiegte dank David Aebischer zum ersten Mal an einer WM die Russen (4:2) und rückte schliesslich ins Halbfinale vor. Ralph Krueger hatte das feine Gespür für die richtige Goaliewahl.
Gewinnen die Schweizer das WM-Viertelfinale gegen die USA (Donnerstag, 15.15 Uhr im Liveticker), dann ist Glen Hanlon ein Held und fortan gilt er als grosser Bandengeneral mit einem feinen Gespür für die richtige Goalie-Wahl.
Verlieren die Schweizer diese Partie mit einer durchschnittlichen Leistung von Reto Berra, dann kehrt Glen Hanlon nicht als neuer Ralph Krueger oder Sean Simpson aus Prag zurück. Sondern als Eishockeyantwort auf den braven Soldaten Schwejk. Ein ganzer Karriereabschnitt, ja manchmal eine ganze Karriere reduziert auf ein einziges Spiel. So unfair kann der Sport sein. Aber wie sagte schon der Dichterfürst Friedrich Schiller: «Wer nichts wagt, der darf nichts hoffen.»