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Von Bethan Huws sind in den letzten Jahren Dutzende von Werken entstanden, deren Grundlage die geschriebene Sprache bildet und für deren Präsentation sie das Medium des abschliessbaren Metallkastens wählte, der für Ankündigungen in Bürofluren, Kongresshotels oder Kirchengemeinden verwendet wird.
In vorgefertigte Rillen können genormte, austauschbare Plastikbuchstaben eingesetzt werden. Das Wertesystem der Kunst, das sich an Begriffen wie Freiheit und Autonomie orientiert, und das Wertesystem der Bürokratie, das der Logik und festgelegten Regeln folgt, werden hier auf irritierende und oftmals ironische Weise miteinander kontrastiert. So sperrt Bethan Huws das Wort «HOLLYWOOD» in eine ihrer Word Vitrines,reduziert es auf ein paar banale Plastiklettern und neutralisiert somit das, was mit Glamour, Geld, Spezialeffekten, Spektakel, Betörung der Sinne usw. assoziiert wird. Huws‘ Hollywood ist das Gegenteil des gewaltigen Schriftzugs über Los Angeles.
An Michael Ashers legendäre Ausstellung (1992) in der Kunsthalle Bern mit den in der Eingangshalle akkumulierten und am Originalstandort angeschlossenen Heizkörpern erinnert eine von Bethan Huws‘ Word Vitrines mit dem Pseudo-Syllogismus «All Michael Asher’s are art works, but not all art works are Michael Asher‘s». Die Arbeit ist allerdings auch unabhängig von diesem speziellen Ausstellungskontext zu verstehen, zumal die Autonomie eines ihrer expliziten Themen darstellt. Sie versteht sich als die konkrete Bestätigung dafür, dass mindestens ein Kunstwerk nicht von Michael Asher stammt. Love Letters besteht aus einer Reihe von Widersprüchen und Missverständnissen.
Zunächst ist die Vitrine als Ort für öffentliche Bekanntmachungen denkbar ungeeignet für eine so private/ intime Mitteilung wie sie ein Liebesbrief darstellt. Des Weiteren erlaubt die Mehrdeutigkeit von «letter» (Brief, Buchstabe), einerseits den Liebesbrief auf die Summe seiner Buchstaben zu reduzieren und somit Inhaltliches auszuschliessen und andererseits den Buchstaben von A bis Z quasi demokratisch die Fähigkeit zu verleihen, Gefühle (wie etwa Liebe) auszudrücken: Kein Buchstabe ist zu schade dafür. Damit beweist uns Bethan Huws schliesslich noch, dass (mit trockener Logik verbundene) Selbstreflexivität Poesie nicht ausschliesst.