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Im Jahr 2007 unterlagen die Obwaldner vor dem Bundesgericht, als der kleine Halbkanton einen degressiven Steuertarif einführen wollte. Die Richter aus Lausanne erklärten diese Steuerpraxis als verfassungswidrig. Die Innerschweizer mussten sich mit einer «Flat Rate Tax», einer proportionalen Besteuerung des Einkommens, begnügen. Seitdem gehört Obwalden – zusammen mit dem Nachbarkanton Uri, einigen US-Staaten und einem Dutzend osteuropäischen Ländern, darunter Albanien, Russland und der Slowakei – zur bunten Mischung der Staaten und Körperschaften, die das Einkommen mit einem fixen Satz besteuern.
Damit bleibt Obwalden jedoch noch weit von jener «Flat Tax» entfernt, die im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen immer wieder diskutiert wurde, und die für viele Finanzwissenschafter als ideales Steuersystem gilt. Diese «Flat Tax» zielt auf den Ersatz der Einkommenssteuer mit einer proportionalen Konsumsteuer – grosszügige Freibeträge bewirken eine indirekte Progression – und auf eine grundlegende Reform der Unternehmensbesteuerung.
Im Unterschied zur «Flat Rate Tax » bleibt die «Flat Tax» ungetestet. Kein Land auf Erde, sogar kein Innerschweizer Kanton, hat diesen radikalen Schritt bisher gewagt. Dennoch, wie in einem früheren Artikel ausführlicher beschrieben, ist die «Flat Tax» in der Schweiz ansatzweise bereits Realität geworden. Die Guthaben der beruflichen (2. Säule) und der gebundenen privaten Altersvorsorge (3. Säule) werden nämlich erst beim Bezug – das heisst, beim Konsum – besteuert. Bereits ein Fünftel der Schweizer Einkommen entgeht damit der üblichen Einkommensbesteuerung und untersteht einer «Flat Tax»-ähnlichen Konsumsteuer.
Wie steht es aber mit der weiteren umstrittenen Eigenschaft der «Flat Tax», der proportionalen Besteuerung? Auch in diesem Punkt sind die kantonalen Unterschiede gross (siehe Abbildung). Wie die Grafik zeigt, ist die Progression der Kapitalauszahlungssteuer, die beim Bezug von steuerprivilegierten Altersguthaben zur Anwendung kommt, in einigen Kantonen gering. In dieser Gruppe befinden sich – nebst den «usual suspects» Uri und Unterwalden – auch Neuchâtel und Genf; beides Kantone, die man selten im oberen Teil einer Steuerrangliste antrifft. Überraschend progressiv ist hingegen die Kapitalauszahlungssteuer in Zürich und im Niedrigsteuerkanton par excellence, Schwyz.
Mit der fortschreitender Alterung der Gesellschaft wird die Bedeutung der Altersvorsorge weiter zunehmen. Es liegt auf der Hand, dass ein wachsender Anteil der Einkommen in die eine oder andere steuerprivilegierte Sparform fliessen wird. Somit wird die Konsumbesteuerung auch ohne «Flat Tax» auf dem Vormarsch bleiben. Manchmal verbergen sich Revolutionen im Kleingedruckten.