Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03519.jsonl.gz/2387

China: Die Verstädterung eines riesigen Landes
In zehn Jahren sollen 70 Prozent aller Chinesinnen und Chinesen in Grossstädten wohnen, insgesamt 900 Millionen. Bild-Reportage.
Bis im Jahr 2025 sollen weitere 300 Millionen Chinesinnen und Chinesen in Millionenstädte ziehen. Dann werden 900 Millionen der 1,3 Milliarden Einwohner «urbanisiert» sein. Das Tempo der von der Partei geförderten Verstädterung ist u.a. deshalb möglich, weil die Bauernfamilien auf den weiten Landstrichen keine Eigentumsrechte haben. Die Stadtverwaltungen können Land einzonen und es an Generalunternehmer verkaufen oder leasen. Weil sie die Bauern nur gering entschädigen müssen, gelangen die Städte und ihre Funktionäre zu hohen Einnahmen. Das Resultat sind schreckliche Überbauungen der Stadtränder mit Wolkenkratzern voller Wohnungen und Büros, von denen viele leer stehen.
Auseinander driftende Klassen
In den Millionenstädten leben einerseits reiche Eigentümer, die nach Europa in die Ferien reisen, und andererseits Wanderarbeiter, die in Fabriken schuften und viele Hilfsarbeiten verrichten. Wanderarbeiter dürfen sich in den Städten nicht anmelden, müssen deshalb auf öffentliche Dienste verzichten und behalten ihren offiziellen Wohnsitz auf dem Land. Bei der Bevölkerungszahl der Städte wird deshalb unterschieden «mit» oder «ohne» Millionen von Wanderarbeitern.
In kleineren und mittleren Städten sollen Wanderarbeiter künftig zwar Wohnsitz nehmen können, doch in Städten mit über fünf Millionen Einwohnern wird sich an der Zweiklassen-Bevölkerung kaum etwas ändern. Sozialer Zündstoff ist vorhanden. Im Folgenden einige optische Eindrücke der rasanten Verstädterung (alle Bilder von Andreas Seibert).
Hochhäuser im Bau (durch ein Zaunloch) in der südlichen Agglomeration der Stadt Zhengzhou. Zhengzhou, Henan Province, China. 23.05.2015
Das Dorf Wang nördlich von Zhengzhou, das Hochhäusern weichen muss. Herr Wang, 82, arbeitet in einem kleinen Garten, wo früher das Haus seines Sohnes stand. Weil sein Sohn Mitglied der KP ist, wurde er gebeten sein Haus als erstes abreissen zu lassen. Henan province, China. 22.05.2015
Das «Stadt-Dorf» Lao Ya Chen Village in Zhengzhou ist bereits teilweise zerstört. «Stadt-Dörfer» liegen teilweise im Stadtkern und teilweise ausserhalb. Sie sind vor allem von Armen und Wanderarbeitern bewohnt. Häufig sind sie schmutzig, übervölkert und mit sozialen Konflikten konfrontiert. Allerdings gehören sie zu den belebtesten Quartieren und bieten Ankömmlingen Arbeit. Zhengzhou, Henan Province, China. 27.05.2015
Im Dorf Lao Ya Chen, einem bereits teilweise abgerissenen Viertel von Zhengzhou. Chang, 7, (links) und ihre Freundin Tien, 11. Zhengzhou, Henan Province, China. 27.05.2015
Eine Wandzeichnung in der Stadt Zhengzhou zeigt einen Chimonanthus und ein Gedicht über diese Winterblüte. Die chinesische Kultur schätzt diese Pflanze, weil sie auch harte Winter überlebt, ähnlich wie Bambus oder Pinien. Zhengzhou, Henan Province, China. 27.05.2015
Blick auf Zhengzhou vom 388 Meter hohen «Tower of Fortune». Zhengzhou gehört zu den zehn schmutzigsten Städten Chinas. Ein Bericht von Greenpeace aus dem Jahre 2015 zeigt, dass die Provinz Henan die höchste Luftverschmutzung aller Provinzen hat. Zhengzhou, Henan Province, China. 30.05.2015
Herr Liu, 59, arbeitet als Strassenwischer auf einem offenen Lebensmittelmarkt auf dem «Lung Hu Beer Square». Zhengzhou, Henan Province, China. 01.06.2015
Die weltgrössten Panorama-Bilder sind im dritten und vierten Stock des 184 Meter hohen Wolkenkratzers «Tower of Fortune» ausgestellt. Unter dem Titel «Splendid Central Plains» zeigt es das kulturelle Erbe der Provinz Henan, darunter die als Weltkultur anerkannten antiken Bauten von Dengfeng, die Longmen Grotten in Luoyang (Drachen-Tor-Grotten) und das Yinxu Museum in Anyang. Zhengzhou, Henan Province, China. 30.05.2015
Strassenszene am frühen Morgen im zentralen Geschäftsviertel von Zhengzhou. Zhengzhou, Henan Province, China. 18.03.2016
Neue Autobahn im Bau in der südlichen Agglomeration von
Zhengzhou. Zhengzhou, Henan Province, China. 19.03.2016
--------
Siehe auch:
Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors
Keine
Weiterführende Informationen
Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende
Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:
Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto
für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000
Einzahlungsschein anfordern: <email-pii> (Postadresse angeben!)
2 Meinungen
In den Augen der neoliberalen ist gemeinschaftlicher Besitz, Service Public, Non Profit Diebstahl weil Investitions,,Profit, Renditemöglichkeiten verhindert werden und die dafür erhobenen Steuern gleich noch als Raub betrachtet werden. Was also dort einer Partei zugeschoben werden kann wird hier dem Staat und seiner Pflicht zum Eigentummschutz übergeben. Gerade auch die einstigen Service Public Systeme die ja über Jahrzehnte von allen bezahlt wurden, hat man gezielt privaten Profitinteressen vermacht und eventuelle Anliegen von seiten der Bevölkerung entzogen. Eine debatte über was mit öffentlichem Gütern getan werden soll gab es nie. Was es aber laufend gibt ist das auslagern von profitablen Prozessen aus staatlichen Einheiten in privates Unternehmertum.
Ihre Meinung
Loggen Sie sich ein. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Meinungen schalten wir neu 9 Stunden nach Erhalt online, damit wir Zeit haben, deren Sachlichkeit zu prüfen. Wir folgen damit einer Empfehlung des Presserats. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge, welche andere Personen, Institutionen oder Unternehmen beleidigen oder unnötig herabsetzen, oder sich nicht auf den Inhalt des betreffenden Beitrags beziehen, zu kürzen, nicht zu veröffentlichen oder zu entfernen. Über Entscheide der Redaktion können wir keine Korrespondenz führen. Zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander sind nicht erlaubt.