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Autor: irmgard lehmann
Seit jeher suchten Maler, Musiker, Schriftsteller die Inspiration auf Reisen, in fremden Ländern. Der jugendliche Mozart war zwei Jahre in Europa unterwegs. Goethe liess sich im sonnigen Italien nieder. Und heute ist es nicht anders. Der Schweizer Autor Rolf Lappert etwa lebt kaum länger als sechs Monate am gleichen Ort.
1888 begab sich auch der holländische Maler Vincent Van Gogh auf die Reise. Er kam, sah und fand in der Provence das «Licht des Südens». Seine Schaffenskraft war gewaltig. Von 1888 bis 1890 produzierte er rund 400 Gemälde und Zeichnungen.
Horrende Preise
Heute werden die Bilder des Farbvirtuosen zu horrenden Preisen verkauft. Für 49 Millionen Dollar wechselte etwa seine «Iris» die Hand. Van Gogh gilt heute als der teuerste Maler der Welt. Und dabei denkt man kaum daran, wie armselig und trostlos sein Leben verlief. Verkaufte er doch zu Lebzeiten gerade mal zwei Bilder, und das für lächerliche Summen. Vieles verschenkte er.
Seine Bilder dienten u. a. als Hühnerstalltüre, waren Zielscheibe für Sonntagsschützen oder wurden für ein paar Groschen an Trödler verkauft.
Van Gogh entsprach im ausgehenden 19. Jahrhundert eben nicht dem gängigen Kunstbegriff. 1853 in Holland geboren, war er seiner Zeit weit voraus – seine Kunst blieb unverstanden.
Theo unterstützte den Bruder zeitlebens
Vincent Van Gogh lebte in Den Haag, dann in Paris bei Bruder Theo und stieg im Februar 1888 in Arles aus dem Zug. Theo, der in Paris in einer Galerie arbeitete, unterstützte ihn zeitlebens. Vincent schrieb ihm aus der Provence fast jeden Tag einen Brief.
Doch Van Gogh, der Autodidakt, der erst mit 27 Jahren mit Malen anfing, ist letztendlich an seiner Einsamkeit zerbrochen. Alkoholexzesse brachten ihn an den Rand des Abgrundes. Nachdem er sich ein Ohr abgeschnitten hatte, wurde er 1889 in die Nervenheilanstalt in Saint-Rémy eingeliefert.
Freitod mit 37 Jahren
Phasen von Depressionen und Wahnvorstellungen suchten ihn heim. Trotzdem schuf er dort über 100 Zeichnungen und rund 150 Ölbilder. Nach einem Jahr verliess er die Anstalt und liess sich in Auvers-sur-Oise in der Nähe von Paris nieder, wo er sich wenig später das Leben nahm. Van Gogh war erst 37 Jahre alt.
Die Reise auf den Spuren Van Goghs ist insofern ein faszinierendes Erlebnis, als sie einem die prägenden Jahre des grosses Meisters hautnah erfahren lässt. Sei dies in Arles, im Café Van Gogh, im Hotel Dieux, in seinem Zimmer, wo die Maluntensilien und die zerschlissenen Kleider noch daliegen, als wäre der Meister erst grad gegangen. In der Heilanstalt von Saint-Rémy wiederum scheint die Zeit stillzustehen. Nach dieser Reise weiss man aber auch, warum es die Nordländer immer wieder in die Provence zieht. Es ist dieses einzigartige Licht, das den unwiderstehlichen Zauber verströmt.
Die Reise nach Marseille wurde von Frantour und Raileurope organisiert.