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Bei der Behandlung einer Ausscheidungsstörung liegt das therapeutische Ziel in der vollständigen Kontrolle der Ausscheidungsorgane. Des Weiteren geht es insbesondere um den Abbau der oftmals hohen - durch die Symptomatik bedingte - familiäre Belastung, sowie um die Verminderung von Sorgen und Ängsten rund um das Krankheitsbild. Zur Behandlung gehört auch die Therapiemotivation und Compliance des Kindes/ Umfeldes realistisch einzuschätzen und die Therapie danach auszurichten. Es gilt Sicherheit zu vermitteln, dass das Krankheitsbild heilbar ist und gleichzeitig aber auch zu verdeutlichen, dass der Therapieerfolg von der Mitarbeit des Patienten abhängt.
Bezüglich der häufig in Kombination auftretenden Ausscheidungsstörungen gilt folgendes Vorgehen in der Behandlung:
1. Zuerst soll immer eine Stuhlinkontinenz oder Verstopfung behandelt werden. Denn die Stuhl- und Harninkontinenz beeinflussen sich gegenseitig. Eine Therapie der Stuhlinkontinenz führt oftmals bei Kindern auch zu einer Besserung der Harninkontinenz.
2. Ein Einnässen am Tag wird vor einem nächtlichen Einnässen behandelt.
3. Die Blasenfunktionsstörung wird bei Vorliegen einer nicht-monosymptomatischen Form der Enuresis durch unterschiedliche Arten des Blasentrainings vorrangig behandelt.
4. Anschliessend müssen, falls vorhanden, klinische psychische Störungen (z.B. ADHS) zusätzlich zur Inkontinenztherapie behandelt werden. Bei schwerwiegenden klinischen psychischen Störungen, wie zum Beispiel einer schweren Depression, sollte diese vor der Inkontinenztherapie behandelt werden.Bei Kombination von ADHS und Enkopresis ist zuerst die ADHS zu behandeln.
Enuresis/funktionelle Harninkontinenz:
Zu Beginn steht eine ausgiebige Psychoedukation für Kind und Eltern. Es gilt Schuldgefühle abzubauen und Motivation für die weiteren Therapieschritte zu generieren. Als Grundlage der Behandlung wird eine Urotherapie durchgeführt. Dazu dienen auch die Fragebögen und Protokolle, welche im diagnostischen Prozess ausgefüllt werden. Das Kind und die Eltern setzen sich gemeinsam intensiv mit dem Thema der Harninkontinenz auseinander.Vorwürfe und Bestrafungen sollen vermieden werden.In manchen Fällen führt dieser Schritt bereits zu einer Verbesserung.
Als Nächstes kommt es zu einem Gespräch mit dem Arzt und/oder eine(n) Urotherapeut(in). Dabei werden dem Kind allgemeine Empfehlungen näher gebracht: die Blase beim Harndrang möglichst rasch entleeren, eine entspannte Haltung auf der Toilette, regelmässiges Trinken (z.B. über den Tag verteilt sieben Becher mit je ca. 200ml) und individuelle, regelmässige Zeitpunkte für das Entleeren besprechen. Auch können Beckenbodenübungen als effektives Therapiemittel herangezogen werden.
Bei der Behandlung einer Enuresis nocturna sollte zusätzlich zur Urotherapie ein Tagebuch über die trockenen und nassen Nächte geführt werden (Sonne-Wolken-Kalender ) . Falls es bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Besserung der Enuresis gab, können zwei Behandlungsmöglichkeiten in Betracht gezogen werden:
Eine apparative Verhaltenstherapie mit einem Weckgerät ist (langfristig) erfolgversprechend. Dabei misst der Weckapparat die Feuchtigkeit der Hose. Sobald er Feuchtigkeit registriert, geht der Wecker ab und das Kind erwacht. Das Erwachen aufgrund des Weckapparats unterbricht die Harnentleerung. Diese Form der apparativen Verhaltenstherapie wird über einen Zeitraum von mindestens zwei bis drei Monaten jede Nacht angewendet.
Ist die apparative Verhaltenstherapie erfolglos, kann das Medikament Desmopressin eingesetzt werden. Dieses Medikament verringert die Harnbildung und eignet sich daher als medikamentöse Behandlung der Harninkontinenz. Die Therapie mit Desmopressin ist kurzfristig oft erfolgreicher als die Behandlung mit einem Weckapparat, ist aber im Langzeitverlauf bei abrupter Beendigung der medikamentösen Therapie ungünstiger. Wird Desmopressin abrupt abgesetzt, kommt es bei vielen Kindern zu einem Rückfall. Deswegen eignet es sich eher für den überbrückenden Einsatz bspw. bei Klassenfahrten.
Enkopresis
Bei der Enkopresis mit Obstipation muss primär die Verstopfung behandelt werden. Dies geschieht hochdosiert mittels oralen Laxanzien. Anschliessend ist es das Ziel, eine weitere Verstopfung zu vermeiden. Um die Stuhlkonsistenz dauerhaft weich zu halten erfolgt weiterhin die Gabe von oralen Laxanzien in einer geringeren Erhaltungsdosis. Der Darm ist durch die vormals bestehende starke Verstopfung nach wie vor erweitert und zeigt weiterhin eine verminderte Sensibilität. Dies prädestiniert zur erneuten Ansammlung von Stuhlmassen, weshalb über eine längere Behandlungszeit von bis zu sechs Monaten noch Stuhlaufweicher verabreicht werden sollten. Diese Zeit benötigt die Darmwand um sich zu regenerieren (=Gartenschlauch schnurrt wieder zusammen). Parallel zu oben genanntem wird gemeinsam mit dem Kind der Gang zur Toilette erlernt (Toilettentraining): mind. 10 Minuten dreimal täglich nach den Hauptmahlzeiten soll der Patient entspannt auf Toilette sitzen. Ein Absetzen von Stuhl wird dabei zunächst nicht gefordert. Dies soll für die Kinder positiv gestaltet werden (Comics, Tablet mitnehmen). Mittels eines Verstärkerplans wird im Sinne der operativen Konditionierung:
- zu Beginn das auf der Toilette sitzen,
- dann das Absetzen von Stuhl in der Toilette
- und zuletzt die saubere Unterwäsche am Abend
belohnt. Bei der nicht-retentiven Enkopresis sind es besonders psychische Belastungen und Anspannungen, welche das Einkoten verursachen. Hier geht es in der Behandlung besonders um die Reduktion der psychischen Belastungen. Auch bei der Behandlung einer nicht-retentiven Enkopresis wird der Gang zur Toilette trainiert.