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Fotografen müssten sich daran messen lassen, was in ihrer Arbeit nicht gelungen ist, betont Christian Lanz in unserem Gespräch, das wir vor einiger Zeit im ETH-Hauptgebäude geführt haben. Es ist spannender, über Dinge zu sprechen, die nicht funktionieren, als über Dinge, die funktionieren. Wenn man nur gelobt wird, bringt einen das nicht weiter. Deshalb stellen wir ihn zunächst ohne viele Worte mit einem Bild vor, das mit Stativ und Selbstauslöser vor dem Einkaufszentrum Waro Bachenbülach aufgenommen wurde und Lanz mit Erhard Weller, dem grössten Mann Europas, zeigt.
Christian Lanz: Grösster Mann Europas (2.38 Meter) mit Christian Lanz, Oktober 1979 (Com_L28-0559-0001-0005)
Christian Lanz’ Hang zum Skurrilen, Ironischen und Doppeldeutigen zeigt sich auch in der folgenden Aufnahme seines Kollegen Patrick Lüthy. Lanz ist Statist in einem Bild zum Thema Ausverkauf und trägt einen Regenschirm mit der Aufschrift Mr. X.
Patrick Lüthy: Ausverkauf in Zürich, 1980 (Christian Lanz hinten mit Regenschirm als Mr. X) (Com_L29-0397-0001-0006)
Lob für seine Arbeit duldet Lanz nicht, er will Kritik hören. Das ist kein leichtes Unterfangen, denn in der relativ kurzen Comet-Zeit von 1979 bis 1981 finden sich kaum schlechte Bilder. Im Gegenteil, einige zeugen von ausserordentlicher Sensibilität und Nähe zum Motiv.
Christian Lanz: Bern, Bärengraben, September 1979 (Com_L28-0519-0001-0010)
Der Bär sieht aus, als sässe er an einer Wand, obwohl er aus der Vogelperspektive liegend wie ein “grosses Gummibärchen” aufgenommen wurde. Weil er liegt, ist er entspannt und wirkt schwerelos.
Fotografie, Schauspielkunst und Meditation
Christian Lanz wurde am 19. Oktober 1950 in Huttwil im Kanton Bern geboren. Von 1966 bis 1969 absolvierte er eine Fotografenlehre in Langnau im Emmental. Nach einem kurzen Abstecher nach Luzern als Negativretuscheur kam er 1969 erstmals nach Zürich, wo er als Fotograf und Colorlaborant bei Foto Welti in Zürich-Altstetten tätig war.
Christian Lanz: Souffleuse, Opernhaus Zürich, 30.09.1980 (Com_M29-0184-0006)
Immer wieder fühlte sich Lanz zur Schauspielkunst hingezogen, die auch in seiner späteren Fotografie eine wichtige Rolle spielt. Er besuchte die Schauspielschule der Schauspiel-Gemeinschaft Zürich und von 1971 bis 1972 die Pantomimenschule von Jacques Lecoq in Paris.
Es folgten Tramptouren durch Südfrankreich und Marokko. Die Jahre 1973 bis 1976 verbrachte Lanz in einem Ashram in der Schweiz und lernte meditieren. Von 1977 bis 1979 arbeitete er als Fotofachlaborant bei der Pro Ciné AG in Wädenswil, bevor er 1979 zur Presseagentur Comet Photo AG wechselte. Bereits 1981 verliess er die Agentur und ging für drei Monate nach Südamerika.
Christian Lanz: Frühjahrsmüdigkeit (Selbstporträt), 20.03.1980 (Com_L29-0200-0001-0006)
Nach der Rückkehr von seinen Reisen arbeitete Lanz in verschiedenen Berufen, verkaufte Softeis in Luzern, war in Reinigungsbetrieben in Zürich und Lausanne tätig, arbeitete als Staplerfahrer in einer Holzfirma in Zürich, füllte Regale bei Coop auf und betreute Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung.
1982 erhielt Lanz eine Festanstellung als Bilddokumentalist bei der Ringier AG. Dies gab ihm die Möglichkeit, nebenbei als freischaffender Fotograf zu arbeiten und 1995 ein erstes kleines Fotostudio in Fällanden zu beziehen. Von 1999 bis 2022 machte sich Christian Lanz selbständig und bezog ein grösseres Studio in Zürich-Witikon.
2003 erschien sein Buch Strahlende Lider im Verlag Edition Patrick Frey. Hier das Porträt des Schweizer Schauspielers Ettore Cella (1913-2004).
Christian Lanz: Ettore Cella, 2001, aus Strahlende Lider, Verlag Edition Patrick Frey 2003
Lanz arbeitet regelmässig für die Schweizer-Illustrierte, Glückspost, Blick Newsroom, Schweizer Fernsehen, Tele, TV-Star, B2B-Magazin, Readers Digest Schweiz, Migros-Magazin, ROI- Magazin und viele andere.
Als sein bisher spannendstes Projekt bezeichnet Christian Lanz sein Experiment eines “blinden” Fotoshootings in der Kulturschüür Eierbrecht in Zürich Witikon:
Der ursprüngliche Charakter der Fotografie ist, einen unwiederkehrbaren Moment bildlich festzuhalten. Der Fotograf Christian Lanz ist der Meinung, dass die Fotografie wieder dorthin zurückkommen sollte. Das “unique moments” Shooting versucht den Moment zuzulassen und ihm mehr Gewicht zu geben. Der Fotograf fotografiert ohne Sichtkontakt zum Portraitierten, verdeckt hinter einer schwarzen Wand und mit Kopfhörer. Der Portraitierte weiss nicht, wann der Verschluss innerhalb von 3 Minuten ausgelöst wird und so lassen beide den einmaligen Moment zu.
Christian Lanz: unique moments, Aufnahme von seiner Tochter Joy mit ihrem Freund Mario, 2019
Der Text beruht auf einem Gespräch mit Christian Lanz am 5.3.2020
Links:
Unique Moment: https://www.kultur-eierbrecht.ch/unique-moment
Webseite von Christian Lanz: http://www.christianlanz.ch/
Bisher erschienen in der Reihe Die Cometen:
Geplant sind: Markus Hässig, Rudolf Steiner, Rolf Neeser, Thomas Zwyssig, Ralph Bensberg, Gary Kammerhuber und weitere.