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Neue Bahnen 1
Adam LaloumKlavier
Modigliani Quartett
Amaury Coeytaux (Violine), Loïc Rio (Violine), Laurent Marfaing (Viola), François Kieffer (Violoncello)
In der Musikgeschichte beobachtet man häufig das paarweise Gegenüber- und Nebeneinanderstellen von Komponisten. Eines der berühmtesten Beispiele dieser Praxis sind die Zeitgenossen Ludwig van Beethoven und Franz Schubert. Beide Komponisten lebten in Wien. Ein Berührungspunkt war dabei das berühmte Schuppanzigh-Quartett um den Geiger Ignaz Schuppanzigh, das als das beste Streichquartett überhaupt galt und grossen Einfluss auf das Schaffen von Beethoven und Schubert hatte. So inspirierte es Letzteren ab 1824 zum «Rosamunde-Quartett», zu «Der Tod und das Mädchen» sowie dem Quartett D 887. Schubert hatte in der Jugend bereits elf Streichquartette für den Hausgebrauch komponiert, bevor er während einiger Jahre sein Interesse an dieser Gattung verlor. Erst 1820 begann er erneut damit zu experimentieren – von dieser Such- und Entwicklungsphase zeugt heute der fragmentarische Quartettsatz D 703. Schubert folgt hier nur noch lose dem Schema der Sonatenhauptsatzform. Anstelle eines ausgeprägten Themas lässt er das Werk mit einer Tremolo-Figur in düsterem c-Moll beginnen, neben der er erstaunlich früh ein sangliches Thema in As-Dur einführt. Während die Durchführung nahezu konventionell eine Durchdringung der beiden Themen aufweist, folgt in der Reprise nicht wie üblich eine Rückkehr zur Exposition. Schubert vertauscht hier die Reihenfolge der Themen und schliesst den Satz mit der Tremolo-Figur der Einleitung.
Erst mit 29 Jahren wagte Beethoven sich an die Gattung des Streichquartetts, das als Hochdisziplin der Kompositionskunst gilt. Er hatte das Schuppanzigh-Quartett bereits in den 1790ern kennengelernt und nahm die Ratschläge der vier Streicher stets dankend an. Seine sechs Streichquartette op. 18 gelten als Frühwerke. Das A-Dur-Quartett gleicht in Tonart und Anlage der Sätze Mozarts Streichquartett KV 464. Auch sind stellenweise Harmonik, Rhythmik und Stilistik von Mozart kopiert. Nichtsdestotrotz weisen die Kontrastierungen, die Entwicklung von Themen aus kleinen Motiven und die ausgeprägte individuelle Tonsprache bereits den typischen beethovenschen Stil auf.
Robert Schumann widmete sich 1842 ausschliesslich der Kammermusik. Neben seinen drei Streichquartetten gilt das Quintett op. 44 nicht nur als die Krönung des Jahres, sondern zugleich als das erste Klavierquintett der Musikgeschichte. Das Werk ist eine Huldigung an den romantischen Stil und an Mendelssohn, der an der Konzeption massgeblich beteiligt war. Das Quintett zeichnet sich insbesondere durch seine klare, fassbare Struktur sowie die einprägsamen Themen aus, die Schumann mehrfach in fugenartigen Passagen kunstvoll verarbeitet hat. Die thematische Verbundenheit der Sätze verleiht dem Quintett seine geschlossene und kompakte Form. Tschaikowsky bewunderte insbesondere den zweiten Satz, den Trauermarsch, eine «Tragödie» mit einem versöhnlichen Ende auf C-Dur.
(1797–1828)
(1770–1827)
(1810–1856)