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aus dem Kunstmuseum Hamburg
Die Tabakpflanze ist in Kuba schon jahrhundertelang bekannt. Durch Abenteurer gelangte die Kunde nach Europa, dass es fern im Westen Leute gebe, welche gerollte Blätter zwischen den Lippen hielten, und über deren Häupter Rauchwolken zu sehen seien. Die Spanier haben dann nach der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus die indianische Sitte, die trockenen Tabakblätter in Rollen zu rauchen, angenommen. Von Spanien wurde der Tabak dann zuerst in Frankreich und Portugal und nach und nach in ganz Europa eingeführt.
Noch heute hat der kubanische Tabak seinen Weltruf. Die Handelsverschiedenheiten und der Ursprung des Zigarrentabaks sind unendlich zahlreich. Es gibt auch hier, wie z. B. beim Wein, bestimmte Sorten, welche nur an bestimmten Orten gezüchtet werden können. Die auserlesensten Tabake wachsen im Vuelta Abajo-Distrikt in der Provinz Pinar del Rio. Die für diese Pflanzen erzielten Preise sind dermassen hoch, dass sie nur von den allerersten Fabrikanten gezahlt werden können. Aber auch die in den übrigen Gegenden gepflanzten Tabake sind sämtlich vorzüglicher Qualität. Sie werden untereinander in fünf verschiedene Hauptklassen eingeteilt. Diese Einteilung beruht in erster Linie auf die Verschiedenheit des natürlichen Düngers.
Auch die Tabakblätter, welche auf einem Hauptstamm wachsen, sind nicht von gleicher Qualität. Man unterscheidet vier Grade: mild und leicht an der Spitze, mittelstark in der Mitte, grob und dick am Fuss und die sogenannten Sandblätter, welche dicht am Boden wachsen. Das Schneiden der Blätter beginnt, sobald sie richtig ausgewachsen und reif sind. Alsdann werden sie paarweise über lange Stangen, welche auf Böcken befestigt sind, gelegt. Man lässt sie für einige Tage in der freien Luft liegen und bringt sie dann in die Trockenscheune. Das nun folgende Dörren der Tabakblätter ist ein äusserst wichtiger Prozess. In dieser Scheune muss die reine, balsamische Luft Kubas freien Zutritt zu jedem Blatte haben. Auch dürfen die aufgehängten Reihen keinerlei Druck erleiden. Jeder kleinste Wechsel in der Atmosphäre muss genau beobachtet und die Ventilation dementsprechend reguliert werden. Die Blätter bleiben so lange auf den Stangen aufgehängt, bis sie ihre natürliche, frische Farbe mit braunen Schattierungen, gemäss ihren ursprünglichen Graden, gewechselt haben. Nunmehr werden sie in Bündeln zusammengebunden und machen einen Schwitzprozess von 40 Tagen durch. Es folgt die Sortierung nach Format, Qualität und Stärke. Die Bündel von Tabakblättern werden dann in Blätter einer einheimischen Palme in viereckige Ballen gepackt und an den Käufer oder Fabrikanten abgeführt. Der Tabak bleibt in diesen Ballen für lange Zeit, manchmal zwei Jahre, liegen, damit er in Gärung gerät und gründlich ausreift, bevor er zur Bearbeitung kommt. Während dieser Lagerung durchdringt der natürliche Saft und das aromatische Oel der Blätter jede Ader, wodurch die Blätter den feinen Wohlgeruch erhalten. Ist dieser Reifeprozess beendet, so sind die Blätter zur Verarbeitung fertig.
Bevor der Fabrikant an die Herstellung der Zigarren herangeht, muss er sich über die richtige Zusammensetzung vollständig im klaren sein. Er überlegt sich mit seinem Vertrauensmann die genaue Zusammensetzung der Spezialmarke, welche er in der neuen Saison hersteilen will. Die Zigarre besteht aus einer Einlage, im Spanischen „Tripa“ genannt. Diese wird in eine äussere und innere Einwicklung gelegt, die man im Spanischen „Capa“ nennt. Die Tripa muss von gleichmassiger Beschaffenheit sein und in der Längsrichtung so gepackt und verteilt werden, dass der Tabak gleichmässig brennt und freien Durchzug hat. Für das innere Deckblatt braucht man im allgemeinen ein Blatt von derselben Qualität der Tripa, für das äussere Deckblatt hingegen sucht man nur auserlesene Blätter der feinsten Beschaffenheit und Farbe und vollkommen fehlerfrei aus. Der Fabrikant sucht in seinem grossen Speicher in welchem die Tabaksblätter untersucht, spezialisiert und nach Marken gelagert sind, eine gewisse Anzahl von Ballen für das Deckblatt und andere für die Einlage aus. Selbstverständlich muss jede Sorte gut abgelagert sein und im besonderen der Verarbeitung entsprechen. Sobald die Einlage nun bestimmt ist, nimmt man eine Hand voll Blätter und taucht sie in einen Behälter von reinem, laufendem Wasser, schwenkt sie schnell ab und bereitet sie so für die Abstreifabteilung vor. Hier streifen am Tage nach der Anfeuchtung die Arbeiter, zumeist Frauen und Mädchen, die mittlere Rippe ab. Nachdem dieses besonders zubereitete Material ein wenig aufgetrocknet ist, packt man die Blätter in Fässer, wo sie je nach ihrer Qualität 14 Tage bis 6 Monate einem weiteren Gärungsprozess unterzogen werden.
Das Deckblatt hingegen hat einen derartigen Prozess nicht mehr durchzumachen. Die zur täglichen Fabrikation nötigen Mengen werden lediglich am Tage zuvor angefeuchtet. Havanna-Deckblatt ist sehr teuer, die feinste Qualität wird bis zu 4250 Mark pro Ballen bezahlt. Der Zigarrenmacher legt nun das Deckblatt und die Einlage jedes für sich und betimmt im genauen Verhältnis Sorte und Farbe in Übereinstimmung mit der vorgeschriebenen Qualität der Zigarren. Er nimmt nun zur Herstellung der Einlage die genügende Quantität und drückt sie in das innere Deckblatt. Dann rollt er es hin und her, um den Tabak zusammenzupressen und in eine bestimmte Form zu bringen, worauf das äussere Deckblatt rings spiralförmig herumgelegt wird. Man beginnt hierbei am dicken Ende und rollt es zur Spitze herunter, wo es meisterhaft zusammengelegt und befestigt wird. Nachdem die fertigen Zigarren nach Länge und Umfang ausgemessen und die Ecken mit einem scharfen Messer abgetrennt sind, liefert der Zigarrenmacher die täglich angefertigten Zigarren in Bündel zu 50 Stück an den Vorarbeiter ab, der sie im Packhaus lagert. Die Arbeit des Zigarrendrehers ist damit beendet.
Während in andern Ländern zum Herstellen und Füllen der Zigarren im weitgehendsten Masse Maschinen angewendet werden, geschieht dies niemals in Kuba.
In allen dortigen Zigarrenfabriken wird diese Arbeit ausschliesslich mit der Hand vorgenommen. Der Havanna-Zigarrendreher hat durch eine langjährige Übung eine derartige Handfertigkeit bekommen, dass ein einzelner Arbeiter täglich 300 Zigarren anfertigen kann. Auch eine gewisse Individualität charakterisiert eine mit der Hand hergestellte Zigarre, die eine noch so vorzüglich angewandte Maschinenarbeit niemals erreichen kann. Man bemerkt dies besonders bei den teueren Marken, deren Deckblatt gewöhnlich eine ganz dünne, feine, satingleiche Struktur hat.
Im Zigarrendrehen zeigt sich der Kubaner von seiner besten Seite, er ist unleugbar ein Künstler und steht in der Welt ohne seinesgleichen. Wenn man ihn beobachtet, wie verständnisvoll er eine Zigarre behandelt, wenn er ihr die letzte Nachhilfe gibt, dann ist man überzeugt, dass er sein ganzes Empfinden in diese Arbeit legt. In allen Havannafaktoreien, seien sie gross oder klein, besteht der Zigarrendreher auf einen durch die Zeit geheiligten Brauch.
Es erregt beim fremden Besucher einer Fabrik zuerst nicht geringe Verwunderung, wenn er einen gut erzogenen Mann sieht, der den Arbeitern laut vorliest. Diese Vorleser werden durch gemeinsame Subskription von allen Zigarrendrehern bezahlt, und in manchen Fällen verdienen sie bis zu 240 Mk. in der Woche.
Nachdem die Zigarren von dem Vorarbeiter in den Pack- und Sortierraum abgeführt sind, werden sie am nächsten Tag auf grossen Tischen ausgebreitet und in bezug auf Herstellung und Sorte genau untersucht. Die Fähigkeiten des hiermit betrauten Mannes sind von sehr grosser Bedeutung. In fast allen Fällen ist das sichere Urteil dieser Sortierer erblich, da schon ihre Väter und Grossväter in derselben Arbeit tätig gewesen sind. Für die Sortiererarbeit ist nicht nur ein sehr kritisches Auge nötig, sondern sie muss auch beim strengstem Nordlicht ausgeführt werden. In jeder Fabrik bemerkt man sehr hohe Schirme, die über die Sortiertische so aufgestellt sind, dass sie das gewünschte Licht stets erzeugen.
Der kubanische Sortierer unterscheidet seiner Gewohnheit gemäss 90 verschiedene Farbenschattierungen. Der Raucher kennt gewöhnlich nur fünf, nämlich: claro, Colorado claro, Colorado, Colorado maduro und maduro. Die gesamte Raucherwelt hat im allgemeinen die Überzeugung, dass die Farbe irgend welche Beziehungen zu der Stärke der Tabaksorten hat. Viele Raucher sind hartnäckig der Meinung, dass ein helles Deckblatt eine leichte Zigarre und ein dunkles Deckblatt eine starke Zigarre anzeigen. Diese Annahme beruht auf Einbildung. Die kubanischen Tabakpflanzer sind, da in den letzten Jahren eine Vorliebe für helles Deckblatt Mode geworden ist, gezwungen, künstliche Mittel anzuwenden, um die genügenden Mengen von derartigen Tabaksblättern erzeugen zu können. Es werden ausserordentliche Mengen von Tabakspflanzen im Schatten gepflanzt und gezogen, um die gewünschte Farbe durch Abbleichen zu gewinnen. Allerdings erzeugt diese Anbaumethode, wenn sie auch die gewünschte Farbe liefert, doch einen gewissen bitteren Geschmack. Viele von den alten Fabriken in Kuba wollen grundsätzlich solchen im Schatten gezogenen Tabak nicht verarbeiten.
Nachdem die Zigarren gepackt sind, werden sie in ihre Kisten gepresst. Einige Sorten werden mit Papierbinden versehen oder, wenn sie in Bündeln eingepackt werden, mit Bändern umwunden. Die Zigarren sind in bezug auf die Herstellung nunmehr fertig und versandbereit.
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