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Im freiburgischen Forel am Ufer des Neuenburgersees ist es laut. Ein F/A-18-Kampfjet fliegt über das Gebiet, mehrmals dreht er seine Runden. Er macht jeweils einen Bogen und fliegt das Ziel im See in einem 20-Grad-Winkel an. Nach den ersten Testkreisen schiesst er. Erst sind die Spritzer im Wasser zu sehen, kurz darauf hört man den Schuss, verzögert weil der Schall langsamer ist als die Projektile.
Die Schweizer Luftwaffe führt an rund zehn bis zwölf Tagen pro Jahr Schiessübungen durch, so auch diese Woche.
Aktuelle Schiessübung
Vom 15. Februar bis am 19. März führt die Schweizer Armee Schiessübungen in Forel auf dem Neuenburgersee durch, schreibt das eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) in einer Mitteilung.
Bei diesen Fliegerschiessen kommen Jets vom Typ F/A-18 Hornet zum Einsatz. Die Flüge können von Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr und von 13.30 bis 16 Uhr durchgeführt werden.
«Sie können plötzliche und sich wiederholende Lärmbelästigungen verursachen», so das VBS. Es weist darauf hin, dass der Schiessplatz Forel seit 1926 in Betrieb sei und einer der letzten drei Ausbildungsstandorte für solche Übungen der Luftwaffe sei.
Rund ein Dutzend Anflüge werden an einem Vormittag geflogen, überwacht vom Berufsmilitärpiloten Christoph Käppeli. Er hat den Überblick und sieht, wenn sich ein Boot oder ein anderer Flieger nähern sollte. Käppeli überprüft den Anflugwinkel und kann die Übung abbrechen, falls etwas nicht nach Plan läuft.
Sobald der Pilot schiesst, werden rund 50 Schüsse in den Neuenburgersee gefeuert. Pro Tag sind dies zwischen tausend und zweitausend Geschosse, pro Jahr 20'000. «Geschossen wird mit 20 Millimeter Kanonenübungsmunition von der Bordkanone der Kampfjets», erklärt Bruno Locher, Chef Raum und Umwelt beim Verteidigungsdepartement VBS. Das sei Übungsmunition aus Stahl, die nicht explodiert.
Früher wurde jedoch auch mit Fliegerbomben geschossen, die mit explosiven Stoffen angereichert sind. «Darum muss man noch mit gewissen Blindgängern im See rechnen.» Denn die Munition bleibt im See.
In diesem Naturschutzgebiet lebt ein Viertel der Tierarten der Schweiz.
Derzeit lieggen knapp 5000 Tonnen Munition im Neuenburgersee. «Das entspricht 2000 Kubikmetern, so viel wie ein 13-stöckiger Wohnblock», sagt Marc Vonlanthen, Präsident von Pro Natura Freiburg. Die Naturschutzorganisation stört sich daran, denn der Fliegerschiessplatz befindet sich beim Naturschutzgebiet Grande Cariçaie.
Ein Problem sei auch der Lärm, der durch die Schiessübungen entsteht. Die Vögel würden gestört, so Vonlanthen. «In diesem Naturschutzgebiet La Grande Cariçaie leben ein Drittel der Pflanzenarten und ein Viertel der Tierarten der Schweiz. Das ist ein sehr wichtiger Ort für die Natur.»
Das Hauptanliegen von Pro Natura ist jedoch, dass die Munition nicht einfach im See liegen gelassen, sondern weggeräumt wird, um das Naturschutzgebiet nachhaltig zu entwickeln.
Giftige Stoffe?
Die Stoffe im See sind nicht giftig. Das hat eine erste Messkampagne 2015 gezeigt. «Dabei wurde aber nur das Wasser analysiert», so Vonlanthen. Schwere Metalle wie Blei oder Antimon könne es dennoch in den Sedimenten im Seeboden haben.
Das VBS geht weiterhin davon aus, dass von der Munition im See keine Gefahr ausgeht. Es hat nun aber eine Arbeitsgruppe gegründet und wird Ende März erneut Messungen durchführen. Neu werden auch die Sedimente untersucht.
Munition, die versenkt wurde, bleibt dort
Bis Mitte des 20. Jahrhunderts hatte die Schweizer Armee mehrere tausend Tonnen Munition, Munitionsbestandteile und weiteres Armeematerial in den Thuner-, Brienzer- und Vierwaldstättersee versenkt. «Die Rückstände sind in sehr grosser Tiefe, wo es wenig Sauerstoff hat. Sie sind mit Sedimenten bedeckt, darum verändert sich ihr Zustand nicht gross», sagt Bruno Locher vom VBS.
Es gebe derzeit keinen Anlass, diese Munition herauszuholen. Das wäre gefährlicher, als sie dort zu lassen.
Eine solche Bergungsaktion sei noch nirgends auf der Welt versucht worden. Die Munition, die in den Seen versenkt wurde, bleibt also dort, ausser es würde künftig neue, technologische Möglichkeiten geben.
Anders sieht die Situation bei der Munition aus, die bei der Gemeinde Forel in den See geschossen wird. Dabei handelt es sich nicht wie in den anderen Seen um scharfe Munition. Zudem liegt sie weniger tief, könnte also einfacher herausgeholt werden.
Es könne durchaus Stoffe im See haben, die zwar nicht unmittelbar gefährlich, aber auch nicht unproblematisch sind, so Locher. Ob sie jedoch entfernt werden, lässt er offen: «Ich gehe davon aus, dass die Munition früher oder später aus dem See geholt wird. Die Frage ist, in welchem Zeithorizont.» Denn Munition liegt bekanntlich auch an anderen Orten, man müsse priorisieren.
Den Fliegerschiessplatz Forel stilllegen, wie dies Pro Natura fordert, will das VBS aber nicht, denn es gebe keine Alternative, um Schiessübungen durchzuführen. «Wir haben nur noch zwei wesentliche Fliegerschiessplätze: Forel und die Axalp», sagt Locher. Man nutze sie aber nur ein paar Tage, das sei mit dem Naturschutz vereinbar.