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1889 erneuerte die EKAT ihre Statuten, gab das überschüssige Genossenschaftskapital den Anteilseignern zurück und wandelte sich zu einer Bank, die sich selbst gehört. Sie erhielt den Namen «Amtsersparniskasse Thun» (AEK Thun) und wurde zur Genossenschaft ohne Kapital von aussen. 1899 erwarb die AEK Thun das Studerhaus am Plätzli und bezog dort ihre ersten eigenen Bankräumlichkeiten.
Mit den zahlreichen technischen Erfindungen und dem stürmischen Eisenbahnbau in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand der moderne Weltverkehr in Europa. Die wachsende Mobilität forderte auch
in der Schweizer Geld- und Kreditwirtschaft Anpassungen.
Um den häufigen Schwankungen von Aktivund Passivzinsen schadlos entgegentreten zu können, hatten die meisten Sparkassen eine Erneuerung ihrer Statuten nötig, auch die Ersparniskasse des Amtes Thun (EKAT). Mit ein Grund für die konkrete Änderung in den Statuten gab schliesslich das Schweizerische Bundesgesetz über das Obligationenrecht, das per 1. Januar 1883 in Kraft trat.
Genossenschaft ohne Kapital von aussen
1889 wurde die EKAT zur Genossenschaft namens Amtsersparniskasse Thun, die ihr überschüssiges Kapital den Anteilseignern zurückgab und fortan sich selbst gehörte. Die ausserordentliche Hauptversammlung der EKAT vom 28. Januar 1889 verabschiedete die neuen Statuten. Der gemeinnützige Zweck
der Genossenschaft wurde darin gemäss Dr. Martin Trepp wie folgt beschrieben:
«a) Ersparnisse und andere Gelder zur Förderung von Fleiss und Sparsamkeit auf Zins anzunehmen.»
«b) Durch Gewährung von Darlehen vorzugsweise die Bewohner des Amtsbezirks Thun, namentlich die Besitzer von Grundeigentum, zu unterstützen.»
An der Genossenschaftsspitze stand die Hauptversammlung der Mitglieder. Als Mitglied galt jeder Einleger (Passivkunde, Anmerkung der Verfasserin), der
handlungsfähig war. Minderjährige konnten durch ihre Erziehungsberechtigten vertreten werden. Gleich wie in den vorherigen Statuten blieb die Tatsache, dass der jeweilige Gemeinderatspräsident des Amtsbezirks Thun Mitglied der Hauptversammlung und damit stimmberechtigt war.
Den Genossenschaftern unterlagen die folgenden Rechte und Pflichten:
- die Wahl und Abberufung des Präsidenten, der Direktionsmitglieder und der Revisoren
- die Festsetzung der Sitzungsgelder der Direktionsmitglieder
- die Genehmigung der Jahresrechnung
- der Entscheid über die Verwendung des Jahresgewinnes
- der Erlass, die Abänderung und die Aufhebung der Statuten
- die Auflösung der Genossenschaft
- die Zweckbestimmung des Vermögens im Sinne der Gemeinnützigkeit
- die Beschlussfassung von Anleihen, die 100‘000 Franken übersteigen
Neu ging das Recht, den Zinsfuss der Einlagen und den Zinsfuss der Geldanwendungen zu bestimmen, an die Direktion über. Nur die Leitung einer Sparkasse sei imstande, durch kluge Beobachtung der wirtschaftlichen
Verhältnisse den richtigen Unterschied zwischen diesen Zinssätzen festzusetzen. Schliesslich würden die Hauptgewinne einer Bank auf genau
diesem Unterschied beruhen.
Ebenfalls neu in den Statuten von 1889 war die Festlegung regelmässiger Bürostunden: morgens von 08.00 bis 12.00 Uhr und nachmittags von 14.00 bis
18.00 Uhr. Dazu gehörte die Möglichkeit, Urlaubsgesuche an die Direktion einzureichen.
Mehr Raum für die wachsende Bank
Ihr erstes Kassabüro hatte die EKAT bereits 1879 an der Kreuzgasse (heute: Obere Hauptgasse) gemietet. Knapp zehn Jahre später im Jahr 1888 expandierte die EKAT und mietete zwei Kassabüros im Holzer-Elles-Haus im heutigen «Ristorante al Ponte» bei der Sinnebrücke. 1899 erwarb die AEK Thun schliesslich das Studerhaus am Plätzli (heute: u.a. Casa Immobilien) und bezog dort zum ersten Mal ihre eigenen Bankräumlichkeiten.
Quellen:
Hundert Jahre Amtsersparniskasse Thun, 1826 -1926, Ein Beitrag zur Heimatkunde, Dr. Martin Trepp.