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Als ich das erste Mal mit einer Rikscha in das etwa acht Kilometer entfernte Stadtzentrum von Hyderabad gelangen wollte, versicherte mir der Fahrer kopfwackelnd, er kenne den Weg. Bald merkte ich, dass er in die falsche Richtung fuhr. Als ich mich beklagte, fragte er einige Leute auf der Strasse nach dem Weg. Auf mein Nachfragen wackelte er wieder nur mit dem Kopf. Irgendwann hatte ich genug, schaffte es, ihn zum Anhalten zu bringen, gab ihm zehn Rupien und stieg aus.
Jeder, der schon in Indien war, kennt es: das Kopfwackeln. Als ich einen Arzt im Spital danach fragte, antwortete er, Inder hätten einen Halsmuskel mehr als der Rest der Erdbevölkerung – und lachte. Es scheint in der Tat, als hätte der indische Kopf mehr Bewegungsfreiheit als unserer. Ich versuchte, die Wackelbewegung nachzuahmen, aber nur mit mässigem Erfolg.
Über die Bedeutung des Kopfwackelns bin ich mir nicht ganz im Klaren. Inder, die es tun, konnten es mir auch nicht erklären, einigen war noch nicht mal bewusst, dass sie es taten. Meiner Erfahrung nach wird es häufig als «Ja» verwendet. Es kann aber auch bedeuten, dass der Kopfwackler nicht weiss, wovon man spricht, dann ist es eher ein ausweichend-verlegenes «Jaja, klar» oder auch ein «Keine Ahnung»; es kann aber durchaus auch ein «Lass mich in Ruhe» mitschwingen. Da das Kopfwackeln so schwer einzuschätzen ist, kann es zu Missverständnissen, aber auch zu witzigen Situationen führen. Zum Beispiel wenn ich in die Runde frage, wer ein Guetsli will – und kurz darauf jemand, der meiner Meinung nach eindeutig keins möchte, überrascht fragt, warum er jetzt keins bekommen habe.
Die Inder sind ein friedliches Volk. Vielleicht haben sie das Kopfwackeln eingeführt, um Konfliktsituationen zu entschärfen. Statt sich anzubrüllen oder sich Vorwürfe zu machen, wackeln beide Parteien bloss mit dem Kopf. Jeder kann dann den für ihn relevanten Gehalt der Antwort selber bestimmen, niemand wird gekränkt, und beide können in gelassener Kopfwackelseligkeit auseinandergehen.
Es könnte aber auch sein, dass das Kopfwackeln wirklich nur zur Unterwackelung eines «Ja» gebraucht wird. Das würde heissen, dass der erwähnte Rikschafahrer absichtlich einen Umweg gefahren ist und darauf gehofft hat, ich würde ihm den ganzen Tarif bezahlen.