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Die Epochenbezeichnung B. wurde von den dän. Altertumsforschern Christian Jürgensen Thomsen (1836) und Jens Jacob Asmussen Worsaae (1857) in die archäolog. Diskussion eingeführt. Die Gliederung der Frühzeit in ein nach Werkstoffen benanntes Dreiperiodensystem (Steinzeit, B., Eisenzeit) war letztlich von der antiken Überlieferung mitbeeinflusst. In der Schweiz übertrug Frédéric-Louis Troyon 1860 das dän. Schema auf das Fundmaterial der Ufersiedlungen. Heute versteht man generell in Mitteleuropa unter B. den Zeitabschnitt zwischen 2200 und 800 v.Chr.
Am Anfang der zunächst ganz unsystemat. Untersuchungen standen Gräber mit Metallbeigaben. In der Westschweiz, vereinzelt auch in der Umgebung des Thunersees, erregten Bestattungen in Steinkisten oder Steineinfassungen, die mit Schmuck und Waffen aus Bronze ausgestattet waren, schon früh das Interesse von Altertumsforschern. Dabei handelte es sich, wie man heute weiss, um frühbronzezeitl. Anlagen (so etwa in Aigle, Ollon und Thun-Renzenbühl). In den nördl. Teilen des schweiz. Mittellands konzentrierte sich das Interesse zunächst v.a. auf Grabhügel, in denen zwar Bestattungen der Eisenzeit vorherrschten, doch auch einzelne mittelbronzezeitl. Gräber zutage kamen (z.B. 1866 in Weiach). Ausserdem wurden auch Kremationsgräber der Spätbronzezeit schon relativ früh beachtet, sofern sie gewichtige Metallbeigaben enthielten, wie dies beispielsweise 1871 in Mels der Fall war.
Die Erforschung der Siedlungen setzte im 19. Jh. zunächst auf Anhöhen ein, bei denen Erdwälle erkennbar waren. Der Vorstellungswelt der Zeit entsprechend, vermutete man hier kelt. Refugien. Eine Neuorientierung erfolgte, nachdem in trockenen Wintermonaten an mehreren Seen Pfahlfelder zum Vorschein kamen, die sich bei näherer Untersuchung als Siedlungsstandorte erwiesen. V.a. das 1853-54 von Johannes Aeppli bei Obermeilen am Zürichsee entdeckte frühbronzezeitl. Pfahlfeld inspirierte den Präsidenten der Antiquarischen Gesellschaft Zürich, Ferdinand Keller, zu kulturhistorisch-vergleichenden Studien. In der Folge vollzog Keller noch einen weiteren method. Schritt und verknüpfte Seeufer- und Höhensiedlungen durch den Vergleich der Keramikfunde.
Über die Dauer der B. herrschte zunächst Ungewissheit. In seiner "Urgeschichte der Schweiz" (1901) setzte Jakob Heierli die ältesten Fundkomplexe zwischen 1400 und 1250 v.Chr. an; wie man heute weiss, unterschätzte er das Alter um mehrere Jahrhunderte. Als jüngste Gruppe sonderte er einige Ufersiedlungen mit Eisenobjekten und Bronzegefässen aus, die er mit den früheisenzeitl. Nekropolen in Norditalien verglich und zwischen 1000 und 700 v.Chr. datierte. Die Einbettung in das mitteleurop. Bezugsnetz erfolgte 1927-28 mit einem Übersichtsartikel von Georg Kraft. Er definierte eine Phasenfolge auf der Grundlage geschlossener Funde, d.h. von Grabausstattungen, die als punktförmige Ereignisse auf der Zeitachse zu gewichten sind. Diese liess sich in das von Paul Reinecke 1900-06 für Süddeutschland erarbeitete Gliederungsschema einbinden. Ordnung in das Material der Seeufersiedlungen brachte 1930 Emil Vogts Dissertation über die Chronologie der spätbronzezeitl. Keramik der Schweiz. Die nächste grosse Etappe der Bronzezeitforschung setzte 1962 mit jahrringchronolog. Untersuchungen zur Baugeschichte der Seeufersiedlung Zug-Sumpf ein. Die Bedeutung der Methode liegt nicht nur in der präzisen Ermittlung des Fällungsdatums von Bauhölzern. Vielmehr ist es seither auch möglich, Haus- und Dorfgrundrisse von Seeuferdörfern recht genau festzulegen. Die grosse Pfahldichte an manchen Standorten konnte als Folge vieler, z.T. durch längere Zäsuren unterbrochener Siedlungsetappen erkannt und in die einzelnen Aktivitätsphasen aufgelöst werden.
Autorin/Autor: Margarita Primas
Naturwiss. Datierungsmethoden vermögen eine direkte Beziehung zwischen den archäolog. Quellen und der aktuellen Zeitrechnung herzustellen (absolute Datierung). Mit Hilfe der Jahrringchronologie lassen sich heute die Schlussphase der Frühbronzezeit und die jüngeren Etappen der Spätbronzezeit mit dem Kalender verbinden. Die Zeitabschnitte vor und zwischen diesen Ufersiedlungen werden mit der C-14-Methode datiert; deren Bandbreite beträgt aber auch in günstigen Fällen mind. 100 Jahre. Daher werden mit Querverbindungen im Fundmaterial Phasen definiert, die einander zeitlich entsprechen oder zumindest sehr nahe stehen und es erlauben, Siedlungen und Gräber, aber auch versch. Regionen miteinander zu verknüpfen (relative Datierung). Dies ist für die Einbettung in den weiteren europ. Kontext von Bedeutung. Die von Reinecke eingeführte deskriptive Gliederung des Fundmaterials wird in abgewandelter Form als materialbezogenes Referenzsystem immer noch verwendet. Da in der Schweiz aber die Siedlungen den Quellenbestand im Mittelland dominieren, wurden die Hauptmerkmale einzelner Phasen hier umformuliert.
Das kulturelle Erscheinungsbild der heutigen Schweiz war während der B. ebenso wie in anderen Epochen vielgestaltig. Generell wurde die regionale Gruppenbildung in den Epochen mit langsamem Landverkehr von der Topografie vorgeprägt. Wasserwege, aber auch Alpenpässe und im Jura die Klusen wirkten kanalisierend auf die Mobilität:
- Rhonetal, Genferseegebiet: Das Wallis bildete zusammen mit dem Waadtländer Chablais während der Frühbronzezeit eine innovative Zone mit einem bedeutenden Metallhandwerk, das in den Beigaben der Gräber fassbar wird. Die Genferseeregion band ihrerseits in das mittlere Rhonebecken ein und war auch mit Savoyen eng verbunden. Dies reflektiert sich nicht nur im Quellenbestand der Frühbronzezeit, für den der Begriff Rhonekultur geprägt wurde.
- Die Region der drei Juraseen: Als positive Faktoren, die sich gegenseitig verstärkten, wirkten hier die vorteilhaften Bedingungen für Ackerbau und Viehzucht zusammen mit der Verkehrslage am Jurafuss. Die Verflechtung mit den Juratälern bis hin zur Saône (Franche-Comté) macht sich im kulturellen Inventar ebenso bemerkbar wie die Verbindungen südwärts zum Genfersee und der Aare entlang zum Rhein. Es liegt also eine Kreuzwegsituation vor, die sich günstig auswirken musste in einer Epoche, in der allein schon durch den Metallverbrauch ein stetiger Güterverkehr ausgewiesen ist.
- Nord- und Zentralschweiz: Die Nordwestecke der Schweiz bildete in der Spätbronzezeit einen integrierenden Teil des Oberrheingebiets; für die Zeit davor reicht die Qualität der Quellen für präzise Aussagen noch nicht aus. In der Bodenseeregion und im Thurtal blieb die Offenheit nach Norden und Osten, zum Hegau und zum Donautal, die wohl wichtigste Konstante. In phasenweise unterschiedl. Ausmass richtete sich zwar auch die Bevölkerung am Zürichseebecken nach Nordosten aus, doch kam hier meist eher eine Kreuzwegsituation zum Tragen. Im Fundmaterial sind Verbindungen zum Alpenrheintal und zum alpinen Gebiet feststellbar. In der Zentralschweiz, wo erst die Kt. Zug und Luzern eine genügende Quellenbasis aufweisen, zeichnet sich die Bedeutung der Verkehrslage ebenfalls ab. Verbindungen zum Zürichseebecken und zum Aargau sind ausgewiesen; während der Spätbronzezeit wird auch eine westl. Achse fassbar.
- Tessin, Graubünden und Alpenrheintal: Von der Südschweiz sind bis jetzt nur Tessin und Misox, und auch diese erst in der Spätbronzezeit, durch eine zieml. stetige Fundmenge als Siedlungsgebiete ausgewiesen. Dies reflektiert jedoch in erster Linie den Forschungsstand. Das Tessin bildete den nördl. Ast einer in der westl. Lombardei und im Piemont verankerten Kulturgruppe (Canegrate-Gruppe, eine Vorstufe der Golaseccakultur). Auch im Wallis, vereinzelt sogar im Kt. Freiburg und im Aaretal, sind südalpin beeinflusste oder von dort eingeführte Keramik- und Bronzegegenstände zutage gekommen. Es handelte sich um einen wechselseitigen Austausch, da auch nordalpines Kulturgut in den Süden gelangte. Die Situation in den östlichsten Landesteilen bildet einen Parallelfall. Das Engadin war mit Südtirol kulturell und wohl auch wirtschaftlich eng verflochten. Auch hier etablierten sich Wechselbeziehungen mit Nordbünden und dem Alpenrheintal; diese sind vorderhand im Fundbestand der Spätbronzezeit am deutlichsten zu fassen (Melauner Kultur).
Insgesamt liegt eine mosaikartige Situation vor, die sich gut in das europ. Umfeld einfügt. Eine komplementäre Erscheinung bilden die erhaltenen Relikte eines überregional verbreiteten Brauchtums, das weite Gebiete Mitteleuropas zusammenschloss.
Autorin/Autor: Margarita Primas
Im 2. Jt. v.Chr. herrschten zwar schwankende, im Allgemeinen aber recht günstige Klimabedingungen (Klima). Ein um 1450 v.Chr. einsetzender Kälteeinbruch bewirkte Gletschervorstösse in den Alpen und beeinflusste auch den Wasserstand und die Siedlungstätigkeit an den Mittellandseen (sog. Löbben-Schwankung). Ein weiterer Gletscherhochstand um 1200-1100 v.Chr. ging den spätbronzezeitl. Seeufersiedlungen voraus, während der dritte, anscheinend länger dauernde Klimarückschlag um 750 v.Chr. mit dem Beginn der Hallstattzeit zusammenfällt.
Im Lauf der B. nimmt die Funddichte so deutlich zu, dass von einem sich verdichtenden Siedlungsnetz ausgegangen werden kann. In der Schweiz wurden während der Spätbronzezeit erstmals Areale von 1-2 ha Fläche überbaut. Liegen Jahrringdaten vor, so können die gleichzeitig bestehenden Häuser der einzelnen Dörfer mit Sicherheit identifiziert werden.
Nach längerer Zäsur sind an den Mittellandseen ab 1900 v.Chr. Uferdörfer nachgewiesen. Ihre Zahl nahm zwischen 1680 und 1500 v.Chr. erheblich zu. Das grösste der bis heute untersuchten ist Arbon-Bleiche, dessen Flächenausdehnung ca. 0,5 ha betrug. Eine Siedlungsdauer von 150-200 Jahren ist dabei aber zu berücksichtigen. Sehr bedeutend ist auch der Fundplatz von Concise. Ausser den als Dörfer angesprochenen, kompakt überbauten Arealen auf den Strandplatten sind auch Aktivitätsspuren auf Anhöhen und an Flussufern bekannt. In auffallender Regelhaftigkeit findet man sie an strategisch vorteilhaften Plätzen, auf denen später oft auch ma. Burgen errichtet worden sind. Interessant ist etwa der kleine frühbronzezeitl. Fundbestand vom Unterhof am Rhein bei Diessenhofen; es könnte sich um eine Infrastruktur für den Bootsverkehr gehandelt haben.
Die Holzbauten der Seeuferdörfer zeigen regionale Unterschiede. So wurden vom Baldegger- bis zum Bodensee stabilisierende Fundamentplatten, sog. Pfahlschuhe verwendet, nicht aber in der Westschweiz. An den Juraseen und am Genfersee bilden Holzpfosten die einzigen erhaltenen Bauelemente. Einstweilen erst in Zürich-Mozartstrasse liessen sich in drei Zeilen angeordnete und vermutlich in zwei Räume unterteilte Häuser mit einem Schwellbalkenrahmen und 5,5 m hohen Firstpfosten feststellen.
Autorin/Autor: Margarita Primas
Die Fundstreuung vermittelt den Eindruck, zwischen 1500 und 1050 v.Chr. habe sich die Bevölkerung des Mittellands in einer Streusiedlungsweise über das Land verteilt. Eine grosse Zahl von Landsiedlungen kam im Bereich des schweiz. Nationalstrassennetzes zutage. Da Funde aus den Seeuferzonen durchaus vorliegen, Bauten auf der Strandplatte aber höchstens am Beginn der mittleren B. noch nachgewiesen sind, kann man davon ausgehen, die Siedlungsstandorte seien zurückversetzt worden. Konkrete Beispiele für diesen Sachverhalt kennt man etwa aus Erlenbach (ZH) und Cham. Die mittelbronzezeitl. Siedlung von Erlenbach liegt auf der ersten Terrasse, 60 m über dem heutigen Seespiegel, während sich diejenige von Cham-Oberwil 3,5 km vom See entfernt in einer Drumlinlandschaft befindet. Charakteristisch sind Steinschüttungen, die den Baugrund oder die Zirkulationszone festigen sollten. Von den aufgehenden Wänden hat sich in der Regel höchstens der verziegelte Lehmbewurf erhalten.
Bemerkenswert ist die Ausweitung der Kulturlandschaft in den Berggebieten, wo bestehende Siedlungen erweitert und neue in den verschiedensten Höhenlagen angelegt wurden (besonders hoch, aber wahrscheinlich nur temporär bewohnt: Boatta Striera, 2003 m, Gem. S-chanf). Ausgesprochen typisch ist die Wahl überschwemmungs- und lawinengeschützter, den Berghängen vorgelagerter Hügel in guter Verkehrs- und Schutzlage (z.B. Amsteg-Flüeli, Scuol-Kirchhügel). Im Jura zeichnet sich ein paralleler Sachverhalt ab. Hier setzte etwa auf dem sehr günstig gelegenen Mont Terri bei Courgenay die Besiedlung ein.
Dass in den Alpentälern andere Bautypen als im Mittelland gewählt wurden, entspricht den klimat. Voraussetzungen. Auf dem Hügel Padnal bei Savognin an der Julierroute sind in drei Zeilen angeordnete Häuser mit einem Steinsockel nachgewiesen. Entweder handelte es sich um Blockbauten oder um Ständerbauten mit Balkenfüllung. Die Innenräume enthielten grosse Herdstellen oder Öfen. Ein aus Lärchenholzbohlen errichtetes Sammelbecken für Regenwasser fand sich in einer Senke am Rand der mittleren Hauszeile.
Noch ungeklärt sind die Ursachen der positiven Bevölkerungsbilanz, die ja erst den Landausbau in den Alpentälern generieren konnte. Zur Debatte stehen u.a. eine ausgewogenere Ernährung, aber auch die Entlastung eines Teils der Frauen von schwerer Arbeit. In Gebieten mit grossen Gräberfeldern, z.B. im Donautal, konnten solche Hypothesen mit anthropolog. Analysen überprüft werden.
Autorin/Autor: Margarita Primas
Auf den Strandplatten der Mittellandseen begann um 1060 v.Chr. nochmals die Bautätigkeit. Durch die Standortwahl, in einigen Fällen recht weit draussen im heutigen See, sind tiefe Wasserstände ausgewiesen. Denn auch dort, wo ein abgehobener Boden eingezogen wurde, wie dies etwa in Greifensee-Böschen der Fall war, betrug die Höhe des Bodensockels nur 0,7-1,25 m. Der See lag damit rund einen Meter tiefer als der neuzeitl. Pegelstand vor den Gewässerkorrektionen. In der Regel waren die Uferdörfer von Zäunen umgeben, oft auf allen Seiten, manchmal nur land- oder nur seeseitig. Letztere dienten der Abwehr hoher Wellen, nicht der Verteidigung. Fallweise liegt eine wehrhafte Befestigung aus schräg eingerammten Stangen vor. Die Ausdehnung der Siedlungen und die Dichte der Innenüberbauung konnten beträchtlich variieren. Drei Grössenklassen sind nachgewiesen: 0,25¯-0,3 ha Fläche, 0,6-1 ha Fläche, ausserdem wenige grosse Dörfer, die eine Fläche von 2 ha oder mehr beanspruchten: Morges-Grande Cité, Grandson-Corcelettes, Zürich-Wollishofen und Zürich-Alpenquai. Am Neuenburgersee wurde anscheinend der Typ des kleinen bis mittelgrossen, kompakten Dorfs mit annähernd rechtwinklig angeordneten Häusern und engen Gassen bevorzugt. Dagegen weist die Ufersiedlung von Greifensee-Böschen Bauten variabler Grösse in aufgelockerter Gruppierung mit Freiräumen auf. Grösse und Bauschema der Häuser variierten selbst innerhalb der Regionen viel stärker, als zunächst angenommen wurde.
Wie schon in der Frühbronzezeit wurden in der Zentral- und Nordschweiz auch jetzt wieder mit Pfahlschuhen stabilisierte Pfosten verwendet. Dass sich trotz des scheinbar langen Siedlungsunterbruchs an den Seen nochmals ein Baukonzept ähnlich dem der Frühbronzezeit einstellte, spricht für eine Zimmermannstradition. Ob solche Fundamentplatten zwischenzeitlich auch bei Landsiedlungen eingebaut wurden, oder ob uns die Erosion das Aktivitätsspektrum an den Seeufern maskiert, ist noch nicht zu entscheiden.
Auch in der Epoche der spätbronzezeitl. Siedlungsverdichtung überzog ein Netz ländl. Siedlungen die Täler und Terrassen. Zudem konnten einzelne Befestigungsanlagen, so auf dem Schlossbuck bei Rudolfingen und auf dem Montlingerberg bei Oberriet (SG), in diese Periode datiert werden.
Autorin/Autor: Margarita Primas
Die B. setzt sich vom vorausgegangenen Spätneolithikum durch den erweiterten und funktional festgelegten Einsatz des Metalls deutlich ab. Bronze und in viel geringerem Umfang auch Gold wurden geläufige Mittel zur Darstellung und Abstufung realer Werte und dienten zugleich auch der Markierung sozialer Positionen. Während der Frühbronzezeit erfüllten v.a. die reich verzierten Dolche mit Bronzegriff und die als Kopf- oder Brustschmuck getragenen, ebenfalls verzierten Blechbänder diese zweite Funktion. Die entsprechende Produktions-Infrastruktur bildete sich in der Schweiz erst im jüngeren Abschnitt der Frühbronzezeit auf breiter Front aus. Etwa gleichzeitig begannen Arbeitsgeräte aus Bronze die Steingeräte abzulösen. Ein breites, spezialisiertes Spektrum von Metallwerkzeugen kennzeichnet dann die Spätbronzezeit. Parallel dazu vergrösserte sich das Verkehrsvolumen, da die Kupfer- und v.a. die Zinnlagerstätten in Europa sehr ungleichmässig verteilt sind. Zinn wurde dem Kupfer zur Verbesserung der Gusseigenschaften im Mischungsverhältnis von ca. 3-10% zugefügt. Die so erzeugte Metalllegierung, die Bronze, unterscheidet sich durch einen eher goldenen Farbton vom rötl. Kupfer, was für dekorative Effekte denn auch ausgenützt wurde.
Mit einer weitgehenden Selbstversorgung wird bei der Ernährung gerechnet, dies auch im alpinen Gebiet. Die offenen Landflächen nahmen im Lauf des 2. Jt. v.Chr. auf Kosten des Waldes zu. Damit wurde aber auch die Waldweide von der Siedlung separiert. Ob bereits die Heufütterung eingesetzt hat, ist noch nicht klar. Beim Ackerbau scheint man dem Auslaugen der Böden mit Fruchtwechsel, Brache und Düngung durch weidendes Vieh vorgebeugt zu haben. Gegen Trockenheit resistente Getreidearten wie Gerste und Hirse, dazu auch Hülsenfrüchte, sind v.a. in der Spätbronzezeit gut belegt. Da in der Schweiz der Ackerbau der hist. Epochen die Spuren früher Flursysteme wahrscheinlich durchgreifend vernichtete, bleibt die Frage offen, ob eine Parzellierung erfolgte, wie sie im Lauf des 2. Jt. v.Chr. in Westeuropa nachgewiesen ist.
Im alpinen Gebiet steht die Nutzung des Waldgrenzbereichs für die Sömmerung des Viehs zur Debatte. Die Evidenzen sind noch nicht eindeutig. Es trifft zwar zu, dass in Höhenlagen, die heute für die Alpwirtschaft genutzt werden, nicht wenige bronzezeitl. Geräte und Waffen zutage gekommen sind; sehr oft sind es Beile, aber auch Dolche, Messer und Lanzenspitzen. Ausserdem konnten mehrfach Feuerstellen in weit oberhalb der Talsohle liegenden Zonen in die B. datiert werden; gelegentlich fand sich dabei auch Keramik (z.B. auf Boatta Striera, Gem. S-chanf). Dies alles belegt eindeutig die Begehung und Nutzung aller Höhenstufen. Eine organisierte Alpwirtschaft mit saisonaler Transhumanz lässt sich so jedoch nicht beweisen, beim gegenwärtigen Forschungsstand aber auch nicht einfach ablehnen. Die vorgebrachten Argumente sind denn auch im Wesentlichen theoret. Natur. Die meisten Funde kamen im Übrigen unterhalb der bronzezeitl. Waldgrenze zum Vorschein, die sich (je nach Phase und lokalen Gegebenheiten schwankend) rund 100 m über der aktuellen befand. Rodungsspuren im Wald stellten sich unvermeidlich im Gefolge von Produktionszweigen ein, die mit Feuer verbunden waren. In manchen Alpentälern ist dabei an die Kupferverhüttung zu denken. Am besten konnte diese Tätigkeit bis jetzt im Oberhalbstein dokumentiert werden, so etwa in der Umgebung von Riom.
Der einzige handwerkl. Produktionszweig, bei dem eine Fülle von Argumenten gegen die Ausübung im Haushaltsrahmen spricht, ist die Metallurgie. Dies hängt mit der vergleichsweise guten Quellenlage zusammen. Ob sich das Töpferhandwerk und die Erzeugung von Textilien ausschliesslich im einzelnen Haushalt abspielten, wie dies in der Schweiz meist angenommen wird, bedarf noch vertiefter Studien. Dass Arbeitsteilung stattfand, kann v.a. mit Indikatoren aus spätbronzezeitl. Siedlungen diskutiert werden. Auch in kleineren Seeuferdörfern lässt sich jeweils eine Bronzegiesserwerkstatt nachweisen, die in der Lage war, häufig benötigte Objekte wie Ringe, Beile, Sicheln oder Messer zu produzieren. Überlegungen zu Bedarf und Absatz führen zur Vermutung, diese Bronzegiesser hätten ihr Handwerk eher als saisonale Beschäftigung betrieben. Bei selteneren Produktionszweigen wie dem Guss von Schwertern oder dem Treiben von Bronzeblechgefässen, die nicht von der ganzen Bevölkerung benötigt wurden, wird mit der Mobilität entsprechender Spezialisten gerechnet. Luxusgüter aus anderen Regionen, v.a. Bernstein, Schmuck aus Meeresmuscheln und Glas, sind in kleinen Mengen nachgewiesen. Sie bilden möglicherweise den erhaltenen Restbestand eines umfangreicheren Vertriebssystems, das auch vergängliche Güter wie Salz, feine Leinengewebe oder Vieh umfasste. Dies sind aber offene Probleme, die sich mit den verfügbaren Quellen nicht leicht lösen lassen.
Zu den Charakteristika der B. gehört in Mitteleuropa die Zirkulation von gewichtsgenormten oder formgenormten Objekten, die bereits während der Frühbronzezeit serienweise hergestellt, gelegentlich zu Paketen gebündelt und in Gefässen, Kisten oder Gruben gehortet worden sind. Ringe bildeten eine bevorzugte Form. Dabei streuen die Gewichte z.T. recht eng um einen Mittelwert, oder es liegen paarweise identische, manchmal auch abgestufte Werte vor. Dies ist beispielsweise im Hort von Arbedo-Castione der Fall. Für die mittlere und v.a. für die späte B. nimmt die Dichte von Nachweisen noch zu. Unter dem Fundmaterial des spätbronzezeitl. Seeuferdorfs von Hauterive (NE) sind zwei Bündel von kleinen, aufgefädelten Bronzeringen bemerkenswert. Das eine wog 250 g, das andere 400 g; dazu kommen hunderte von weiteren, einzeln oder in kleinen Konzentrationen verstreuten Ringen gleicher Form und Grösse. Sie weisen typischerweise Gewichte von 0,5-2 g bei Durchmessern zwischen 7-26 mm auf und bilden keineswegs eine Besonderheit der Schweiz, sondern waren in ganz Mitteleuropa im Umlauf. In Hauterive macht ihr Gewicht stattliche 12% der gesamten vorgefundenen Bronzemenge aus. Dass sie gelegentlich zu Schmuckgehängen verbunden wurden, ist durch entsprechende Funde ausgewiesen. Daneben scheint man sie aber auch wie Geld verwendet zu haben. Neben den ungemein dichten Zirkulationsnachweisen spricht das Auffädeln an Schnüren oder an einem grösseren, verschliessbaren Ring für diese These.
Autorin/Autor: Margarita Primas
Das wohl wichtigste Verkehrsmittel waren in der B. die Einbäume. Ob der Verkehr über Land in grösserem Ausmass mit Wagen erfolgte, lässt sich in der Schweiz noch nicht entscheiden, da hier, im Unterschied etwa zu Norddeutschland oder England, bis jetzt keine bronzezeitl. Bohlenwege festgestellt worden sind. Die Fundstreuung an tief eingeschnittenen Bachläufen deutet an, dass diese Geländeformationen als natürl. Hohlwege benützt wurden. Im alpinen Gebiet lässt sich aus den recht zahlreichen Funden an Passrouten der gleiche Schluss ziehen. Die Verwendung von Pferden als Saumtiere wäre im Prinzip möglich gewesen, da dieses Tier in verschiedenen bronzezeitl. Siedlungen belegt ist. Doch gibt es keine Hinweise für grössere Pferdebestände, dies im Unterschied etwa zur Häufigkeit der Rinderknochen im Siedlungsabfall. Als Indikator für die Organisation der Landtransporte kann auch das Gewicht vergrabener Bronzehorte beigezogen werden. Unabhängig von der Frage nach dem profanen oder sakralen Motiv der Hortung handelt es sich in versch. Fällen wohl um eine Packladung von Metall. Die Gewichte überstiegen in der Schweiz -- im Unterschied zum Balkan -- die von einem einzelnen Menschen auf dem Rücken transportierbare Grössenordnung nicht. So wog der frühbronzezeitl. Hort von Sennwald-Salez, wo mind. 60 Beile wohl in einer Holzkiste verpackt vorgefunden wurden, näherungsweise 13 kg. Auch der spätbronzezeitl. Rohmetallhort von Schiers lag mit 18,7 kg nicht über der Tragkapazität eines Erwachsenen.
Autorin/Autor: Margarita Primas
V.a. aus der Spätbronzezeit liegen Indizien vor, die eine kleinregionale Organisationsstruktur über dem Dorfniveau wahrscheinlich machen. Dies kann beispielhaft im unteren Zürichseebecken gezeigt werden, wo zwei Inselsiedlungen in der Umgebung des Ausflusses lagen, während in der gleichen Zeit mehrere Dörfer den Ufersaum besetzten. Die Versorgung der Inselbewohner wäre ohne Übereinkunft mit den Uferdörfern nicht möglich gewesen. Auf den Seekreideböden konnte kein Getreide angebaut werden. Somit bildete der Fischfang für die Insulaner die einzige unabhängige Option, während die Uferbewohner ein agrarfähiges Hinterland kontrollierten.
Der bronzezeitl. Quellenbestand der Schweiz enthält im Vergleich zu den nördlich und östlich angrenzenden Gebieten Mitteleuropas relativ wenige Belege für soziale Unterschiede, doch wäre es voreilig, daraus pauschal eine egalitäre Gesellschaft abzuleiten. Die Bestattungsplätze sind zwar noch massiv unterrepräsentiert, lassen aber bereits eine relativ gute Übereinstimmung mit den Nachbarländern erkennen. Von der Früh- bis zur Spätbronzezeit gliedern sich die Gräber nach Anlage und Ausstattung in drei Klassen: An der Spitze stehen Bestattungen in abgesonderter Lage oder mit markierenden Grabbauten, seien dies nun Steinpackungen oder Erdhügel. Während der Frühbronzezeit entsprechen beispielsweise drei Gräber, die sekundär in und neben der spätneolith. Megalithgrabanlage VI von Sitten eingebaut wurden, dem ersten Kriterium. Eines davon passt sich mit reichl. Schmuck und einer dreiteiligen Waffenkombination nahtlos in das mitteleurop. Oberschichtsschema ein. Bestattungen ohne Metallbeigaben sind weit zahlreicher, in der archäolog. Dokumentation aber zweifellos untervertreten. Zeitlich einzuordnen ist diese Klasse während der Früh- und Mittelbronzezeit nur, wenn im selben Friedhof und nach gleichem Modus (d.h. Lage und Orientierung in der Himmelsrichtung) ausserdem auch einige mit bronzenen Nadeln ausgestattete Individuen der mittleren Klasse beigesetzt waren.
Eine deutl. Zäsur trennt das Bestattungsritual der frühen von dem der mittleren B. Dies ist ein weiträumig verbreitetes Phänomen, das überdies von einem Innovationsschub bei der Bewaffnung begleitet war. Abgesehen von einzelnen Vorläufern wurden erst während der mittleren B. markierende Hügel aufgeschüttet, die meist mehrere Gräber von Angehörigen beiden Geschlechts und auch von Kindern überdeckten. Dieses Schema spricht für Familiengrabanlagen. Wahrscheinlich legte aber nur ein Teil der durch Siedlungen ausgewiesenen Bevölkerung solche Grabhügel an; andernfalls müssten sie viel zahlreicher sein. Charakteristischerweise erfolgte die Ausstattung mit Metallbeigaben bei den Erwachsenen aus wohlhabenden Fam. überregional nach recht einheitl. Regeln, mit klarer Differenzierung nach dem Geschlecht.
Um 1350 v.Chr. änderten die Sitten wiederum sehr weiträumig. Die vorher schon nachweisbare Kremation gelangte für Jahrhunderte zur Dominanz. Ein kleiner, wahrscheinlich aber machtmässig bedeutender Teil der Oberschicht demonstrierte durch die Mitverbrennung eines mit Bronze beschlagenen Wagens auf dem Scheiterhaufen seine überregionale Einbindung. Dieses neue, in Süddeutschland verankerte Ritual konnte in der Schweiz in drei Fällen nachgewiesen werden, in Saint-Sulpice, Bern-Kirchenfeld und Kaisten. Im Übrigen sind die spätbronzezeitl. Kremationsgräber durch eine oft recht reichhaltige Ausstattung mit Keramikgefässen gekennzeichnet, während die Metallbeigaben meist mit den Toten auf dem Scheiterhaufen lagen und entsprechend beschädigt sind.
Autorin/Autor: Margarita Primas
Zu den im weiteren Sinn sozial bestimmten Verhaltensweisen, die für die mitteleuropäische B. charakteristisch sind, gehört die Versenkung von Waffen, v.a. von Schwertern und Lanzenspitzen, im Wasser. Der Rhein lieferte beispielsweise bis hinauf nach Graubünden Belege für diesen Brauch, der sich von 1500-800 v.Chr. kontinuierlich nachweisen lässt, um dann ebenso unvermittelt zu verschwinden, wie er begann. Aber auch die Aare und die kleineren Flüsse reihen sich hier ein. Dabei dürfte es sich v.a. um ein Ritual der Oberschicht gehandelt haben; dies kann aus den wenigen mit einem Schwert ausgestatteten Gräbern abgeleitet werden. Die in einigen Fällen mit feinen geometr. Ornamenten verzierten bronzenen Schwertgriffe, wie sie etwa im Kanderschotter bei Thun und im Bereich alter Rheinläufe bei Au (SG) geborgen wurden, unterstützen dies.
Zu den Hauptmerkmalen der B. Mitteleuropas gehört im Übrigen ein ausgeprägt geometr. Stil, während Bilder von Menschen und Tieren nur sehr schwach nachgewiesen sind, dies in deutl. Kontrast etwa zu Skandinavien. In westschweiz. Seeufersiedlungen fanden sich einige Tontiere, die ebenso wie die Rasseln in Vogelgestalt vielleicht bei festl. Anlässen Verwendung fanden, wie sie wohl auch damals schon das Jahr gliederten.
Autorin/Autor: Margarita Primas
In Süddeutschland lässt sich in einzelnen Grabhügeln der Oberschicht aus der Zeit um 750 v.Chr. bereits die für die Hallstatt-C-Periode charakterist. Prunkentfaltung feststellen. Die soziale Verankerung der Veränderungen ist hier recht klar erkennbar. Im Schweizer Mittelland wird die Analyse kompliziert durch das Zusammentreffen mit einem Klimarückschlag, der die Kontinuität der Seeufersiedlungen auf jeden Fall unterbrochen hätte, selbst wenn die Bevölkerung nicht vom Dorf- zum Streusiedlungsraster übergegangen wäre. Wie weit das Letztere der Fall war, werden erst -- z.T. bereits laufende -- siedlungsarchäolog. Untersuchungen abseits der Seen zeigen.
Autorin/Autor: Margarita Primas