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Eine Schrift aus lauter Knoten: Die alten Inkas knüpften Botschaften in Schnüre aus Tierhaar, die sogenannten «Khipus». «Khipu» heisst wörtlich «Knoten», und ein «Khipu» sieht aus wie ein fächerförmiger Halsschmuck. Es besteht aus einer Hauptschnur, von der Dutzende von Nebenschnüren herabhängen, auf denen feine Knoten sitzen.
Bis heute wurden rund 800 «Khipus» gefunden, viele davon sind hervorragend erhalten. Die ältesten stammen von südamerikanischen Völkern des 7. Jh. n. Chr.; die meisten von den Inka, die vom 12. bis ins 16. Jh. ein Gebiet beherrschten, das von Equador über Peru und Bolivien bis nach Chile und Argentinien reichte.
Die Knoten waren keine Schrift für jedermann: Nur besonders ausgebildete Beamte waren in der Lage, sie zu knüpfen und zu lesen. «Khipus» waren denn auch eine Art Akten: 2016 wurde in Bolivien ein Lagerhaus aus dem 16. Jh. entdeckt, zusammen mit 29 Khipus, deren Knoten Zahlen bedeuten, die die gelagerte Menge an Erdnüssen, Chilis, Bohnen oder Mais festhielten. An einigen Stellen waren die Knoten aufgelöst, um bei Änderungen wieder neu geknüpft zu werden. Andere Khipus halten Steuern und geschuldete Arbeitsleistungen fest; ein ganz besonderes Khipu ist ein Kalender des Inkajahres 1532/33, mit 12 Mondmonaten plus einer Schnur mit 10 eingeschobenen Schalttagen.
Noch aufwändigere Khipus dienten dem Schriftverkehr: Ihre unterschiedlich gezwirnten und gefärbten Schnüre mit noch komplexeren Knoten bilden eine Silbenschrift für Briefe und Erzählungen. Diese Schrift allerdings lässt sich, im Gegensatz zu den Zahlenknoten, bis heute nicht entziffern.