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Gross war die Gefahr, dass die Ausstellung mit über 90 Porträts, die KünstlerInnen als Editionen für Parkett geschaffen hatten, zu einem Potpourri ausartet. Die Kuratorin Jacqueline Burckhardt entwickelte ein einzigartiges modellhaftes Gesamtkunstwerk als Bühne für die medial vielfältigen Werke.
Betritt man den Ausstellungsraum von Parkett, wird der Blick sogartig in die hintere Ecke gezogen, deren Wände Shirana Shahbazi mit dunkelblauen, schwarzen und pinkfarbenen Tönen besprayte. Dieses Wallpainting spielt mit einer mäandrierenden hüfthohen Tischlandschaft zusammen, worauf die Arbeiten meist auf zylinderförmigen, unterschiedlich hohen Kartonsockeln angeordnet sind. Von Jacqueline Burckhardt entwickelt, war diese Installation erstmals 2014 in der Überblicksausstellung <Cornucopia> im Parkettraum zu sehen. Nun bildet sie das Setting der von Burckhardt raffiniert choreographierten aktuellen Ausstellung. Mit Fokus auf Porträts und Selbstporträts, ausgerichtet an multifocalen Kriterien, gewährt sie einen Überblick über die in über dreissig Jahren von Kunstschaffenden für die Zeitschrift entstandenen Editionen. Beim Hängen und Einrichten orientierte sich die ehemalige Mitherausgeberin des Magazins an formalen, ästhetischen, ideellen und inhaltlichen Gesichtspunkten. In einen neuen Kontext gesetzt, entfalten sich zwischen den Arbeiten überraschende Geschichten; so Jeff Koons’ Selbstporträt mit einem Schwein auf einem Porzellanteller in Kombination mit dem auf Gummi gedruckten, gequält wirkenden Gesicht von Ed Atkins’ Avatar.
Die hier präsentierten Arbeiten reizen die seit der Antike ungebrochene Faszination für das Porträt aus. So steckt hinter der irritierenden, traditionell wirkenden Porträtstudie von Glenn Brown, <Disorder>, 2005, das Foto eines historischen Porträts, das mit Pinselstrichen im Digitaldruck überlagert ist. Während Piplilotti Rist sich mit herausgestreckter Zunge und nackten Brüsten in <I’ve Only Got Eyes for You — (Pin Down Jump Up Girl)>, 1996, als lüsternes Weib darstellt, wirken Gilbert & George in ihrer properen Selbstinszenierung von 1987 fast noch wie Schulbuben. Als Knüller kommt Maurizio Cattelans Instagram-Bild, das eine mit einem Siegelring geschmückte Faust zeigt. Ähnlich demjenigen von Papst Johannes Paul II. erscheint er auch in <La Nona Ora>, 1999, der lebensgrossen Skulptur des gefallenen, von einem Meteoriten getroffenen Papsts.
Die aktuelle Ausstellung ist auch in der logischen Fortsetzung der diversen thematischen Ausstellungen zu sehen, die im Löwenbräu seit 2013 jeweils einzelne Aspekte des kollaborativen Gesamtprojekts mit insgesamt 270 Kunstschaffenden näher vorgestellt haben: 2019 wurden mit <Photo> alle fotografischen Beiträge seit 1984 gezeigt, während <Small is Beautiful>, 2014, auf kleinformatige Editionen fokussierte.
PARKETT‐AUSSTELLUNGSRAUM ZÜRICH, All Portraits & Self-Portraits Made by Artists for Parkett since 1984, bis 30.9. www.parkettart.com