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Elektrische
[* 2]
Zentralstationen. Von neuern
Systemen zum Betrieb
elektrischer
Zentralen sind zwei eigenartige zu erwähnen,
welche vorwiegend für jene
Anlagen in Betracht kommen, wo die Erzeugerstelle der
elektrischen
Energie weit von der Verbrauchsstelle
entfernt ist, wie bei Wasserkräften, welche fern von einer Stadt liegen, oder auch in jenen
Fällen, wo
Städte die
Anlage
wegen der Betriebsbelästigungen nicht innerhalb des
Weichbildes dulden wollen. Da ist es denn natürlich von Vorteil, nicht
an
Entfernungen gebunden zu sein, um das Elektrizitätswerk an einer
Stelle errichten zu können, wo Kohlenzu- und Abfuhr am
bequemsten und wo genügend Kondensationswasser für die
Dampfmaschinen
[* 3] vorhanden ist.
Das eine System ist unter dem Namen Wechselstromgleichstromsystem bekannt. Im wesentlichen besteht es darin, in der fern liegenden Erzeugerstation Wechselstrom hoher Spannung zu erzeugen, was ja mittels Wechselstrommaschinen (im Gegensatz zu den Gleichstrommaschinen) ohne jede Schwierigkeit erreicht werden kann. Dieser hochgespannte Wechselstrom wird zu den in der Stadt errichteten Unterstationen geführt, in welchen Wechselstromgleichstrom-Transformatoren aufgestellt sind. Wie ja in den ¶
forlaufend
meisten Fällen zur Vereinfachung des Betriebs Akkumulatorenbatterien hinzugezogen werden, so kann man statt der Wechselstrommotoren, welche die Gleichstrommaschinen antreiben, gewöhnliche Wechselstrommaschinen nehmen. Diese müssen allerdings, um als Motoren zu laufen, zunächst auf die synchrone Geschwindigkeit gebracht werden, was indes, wenn Akkumulatoren in der Unterstation vorhanden sind, ein Leichtes ist: man läßt mittels der Akkumulatoren zunächst die Gleichstrommaschine als Motor laufen, diese bringt dann die Wechselstrommaschine auf synchrone Geschwindigkeit, von wo ab die letztere, in das Wechselstromnetz eingeschaltet, als Motor weiterläuft und die Gleichstrommaschine zum Stromgeben zwingt.
Eine Wechselstrom Maschine [* 5] als Motor hat vor den bis jetzt bekannten stelbstanlaufenden Wechselstrommotoren den erheblichen Vorteil voraus, daß sie hohen Nutzeffekt besitzt und mit hoher Spannung betrieben werden kann (s. Elektromotoren). Man vereinigt durch dieses System die guten Eigenschaften des Wechselstroms für hohe Spannung und Fernleitung sowie die beträchtlichen Vorzüge des Gleichstroms für Licht, [* 6] Kraftzwecke und besonders für die Möglichkeit einer Vereinfachung des Betriebs durch Zuhilfenahme von Akkumulatoren.
Eine solche Anlage wurde zuerst von Krebs [* 7] für Frankfurt [* 8] a/M. vorgeschlagen, in Kassel [* 9] von der Firma Örlikon ausgeführt und auf der Frankfurter Ausstellung von Siemens u. Halske in großem Maßstab [* 10] mit einer 500pferdigen Wechselstrommaschine und drei Wechselstromgleichstrom-Transformatoren in Größen von 200, 100 und 50 Pferdekräften im Betrieb gezeigt. Diese Anlage übernahm abwechselnd mit einer Gleichstrom-Akkumulatorenanlage, bestehend aus einer 600 pferdigen Gleichstrommaschine und einer Akkumulatorenbatterie von 540 Pferdekraftstunden Leistung, den gesamten Betrieb.
Das zweite neue System könnte man dem allgemein üblichen Gebrauch nach »Drehstromsystem« nennen, wenn nicht der Name »Drehstrom« ein völlig nichtssagender Begriff wäre und, wie auch in jüngster Zeit mehr und mehr geschieht, der Name Mehrphasenstromsystem bei weitem vorzuziehen wäre. Das Mehrphasenstromsystem ist nichts andres als ein Wechselstromsystem, nur mit dem Unterschied, daß mehrere Wechselströme auf geeignete Weise miteinander verkettet sind, wodurch man als Hauptvorteil erzielt, daß der Mehrphasenstrom fast ebensogut wie der Gleichstrom zur Leistung von motorischer Arbeit zu verwenden ist, während dies von dem gewöhnlichen Wechselstrom nicht behauptet werden kann (s. Elektromotoren). Er kann also sämtliche Arbeiten des Gleichstroms vollführen, ja sogar durch eine einfache Umsetzung Akkumulatoren laden, und hat vor dem Gleichstrom noch den Vorteil voraus, daß ein Betrieb mit sehr hohen Spannungen ohne weiteres möglich ist, wozu er durch seine eigentliche Wechselstromnatur befähigt ist.
Obwohl noch namentlich die Motoren einiger Weiterbildung bedürfen, ist ein solches System in Heilbronn [* 11] zur Ausführung gelangt. Betrieben wird die Heilbronner Anlage durch die 10 km entfernte Wasserkraft bei Lauffen a. N. In Lauffen stehen die Mehrphasenstrommaschinen; sie erzeugen aus praktischen Gründen nur 50 Volt Spannung; mittels Transformatoren wird diese Spannung an Ort und Stelle auf 5000 Volt erhöht, dann durch oberirdische, an Ölisolatoren befestigte Leitungen bis nach Heilbronn geleitet, dort auf 2000 Volt transformiert und mittels Kabel an die einzelnen Verwendungsstellen geführt, wo dann weitere Transformatoren die Spannung auf das gebrauchsmäßige Maß von 100 Volt umsetzen.