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Artikel von Miro Alessandro Giobbi, Health Sciences and Technology (ETH Zürich)
Atemnot (Dyspnoe), oft auch Kurzatmigkeit, Luftknappheit oder Lufthunger genannt, ist das subjektive unangenehme Gefühl erschwerten Atmens. Zu unterscheiden ist Dyspnoe von Atemlosigkeit aufgrund des maximal erschöpften Atemsystems, wie es bei anstrengenden körperlichen Anstrengungen vorkommt. Der Betroffene ist also bei Atemnot in der Lage, mehr Atemarbeit zu leisten, bekommt aber trotzdem nicht genügend Luft. Typischerweise ruft diese Situation Angstzustände hervor und verschlimmert die Lage zusätzlich. Darunter leidet auch die Psyche und deshalb geht regelmässig auftretende Dyspnoe mit erheblich gesenkter Lebensqualität einher. Atemnot muss aber kein chronisches Problem sein, sondern kann auch akut auftreten, zum Beispiel aufgrund von Stress. Häufiger tritt Dyspnoe jedoch als ein Hauptsymptom von Atemwegs-, Lungen- und Herzkrankheiten auf und ist nicht selten diejenige Beschwerde, welche den Betroffenen dazu bewegt, ärztlichen Rat aufzusuchen. Laut dem deutschen Ärzteblatt klagen rund ein Viertel der Patienten im ambulanten Bereich über Dyspnoe. Am häufigsten betroffen sind aber Menschen, die an der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) leiden, welche ihrerseits durch eine bleibende Atemwegsobstruktion mit eingeschränkter Lungenventilation gekennzeichnet ist.
Wirksame Linderung ist möglich
Atemnot kann symptomatisch oder präventiv behandelt werden. Beim Auftreten von Atemnot ist es in erster Linie wichtig, dass sich die betroffene Person möglichst rasch beruhigt. Dazu gibt es simple Verhaltensregeln, welche befolgt werden sollten. Eine solche ist das Anwenden von bestimmten Atemtechniken, wie zum Beispiel die Lippenbremse, bei welcher der Betroffene durch die Nase einatmet und durch den gespitzten, nur leicht geöffneten Mund kontrolliert ausatmet. Dadurch bleiben die Atemwege weit und das Atmen wird verlangsamt. Weitere Möglichkeiten sind Haltungsformen im Sitzen, Stehen oder Liegen, welche es dem Betroffenen erleichtern, Körper und Atemwege zu entspannen. Darüber hinaus hilft ein kühler Luftzug im Gesicht und in der Lunge, denn dabei werden spezifische Rezeptoren aktiviert, die für eine Linderung der Atemnot verantwortlich sind. Ein Handfächer, oder im Winter das Fenster zu öffnen, kann demzufolge schon sehr wirksam sein. Für die Betroffenen ist es ausserdem sehr wichtig zu verstehen, dass Atemnot fast nie zum Ersticken führt. Letztlich gibt es auch eine medikamentöse Behandlung, die hauptsächlich auf Opioiden basiert.
Gezieltes Atemmuskeltraining kann helfen
Zur Vorbeugung von Dyspnoe gehören Rauchverzicht und ein allgemein gesunder Lebensstil. Bei entsprechenden Krankheitsbildern sollten die vom Arzt empfohlenen Massnahmen strikt eingehalten werden. Ist man dennoch nicht frei von Atemnotattacken, werden eine Atemtherapie sowie meditative Übungen empfohlen. Dies hat oft einen positiven Einfluss auf die Atemtätigkeit und das Befinden. Eine noch junge Erkenntnis ist, dass Atemmuskeltraining erfolgreich hilft Dyspnoe zu verhindern. Dabei ist das nur logisch. Bei Rückenschmerzen gilt es auch als selbstverständlich, die Rumpfmuskulatur für eine bessere Haltung durch gezieltes Training zu stärken. Genauso verhält es sich auch mit der Atemmuskulatur bei Atembeschwerden, wobei sowohl Ausdauer- als auch Krafttraining möglich sind. Studien beweisen, dass Atemmuskeltraining bei COPD-Patienten sowie bei gesunden Menschen Atemnot verhindern kann und Erfahrungsberichte zeigen, dass Betroffene nach wenigen Monaten Atemmuskeltraining keine Beschwerden mehr verzeichneten.
Die zu Grunde liegenden Mechanismen von Dyspnoe sind noch nicht vollständig verstanden. Man ist sich aber einig, dass die Wahrnehmung von Atemnot aus einer komplexen Kette von neurophysiologischen Ereignissen besteht. Das Einatmen ist ein aktiver Vorgang, bei welchem das Zwerchfell und Zwischenrippenmuskeln kontrahieren. Damit vergrössert sich das Lungenvolumen, es entsteht im Vergleich zur Umgebungsluft ein Unterdruck und Luft strömt in die Lunge. Diese Muskelkontraktionen werden vom Atemzentrum im Gehirn gesteuert. Es sendet Motorsignale zur Atemmuskulatur, was auch Atemantrieb genannt wird. Die Muskeln besitzen zudem Rezeptoren, welche die tatsächliche Arbeit messen und eine Kopie davon zurück zum Gehirn senden. Zusammen mit Hinweisen aus weiteren Rezeptoren verteilt im gesamten Atmungssystem, bilden diese Signale das ventilatorische Feedback. In Hochgeschwindigkeit vergleicht nun das Atemzentrum für jeden Atemzug den Atemantrieb mit dem ventilatorischen Feedback. Das Gefühl von Atemnot tritt ein, sobald eine Diskrepanz zwischen den beiden Signalen erkannt wird. Regelmässiges Atemmuskeltraining bewirkt eine Effizienzsteigerung der Atemmuskulatur. Für die gleiche Atemleistung reichen dann weniger Motorsignale. Daraus folgt, dass eine Diskrepanz erst später eintritt und somit Atemnot seltener vorkommt.
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