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Benedikt Meyer
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Aperçus

Klar, 1971: Frauenstimmrecht im Frühling und Parlamentswahlen im Herbst. Zehn Frauen schafften den Sprung auf Anhieb, zwei rückten nach.
Was mir bislang hingegen auch nicht sooo klar war, ist dass eine dieser zehn Frauen Tilo Frey war. Aufgewachsen in La-Chaux-de-Fonds, (nichtimmerganzeinfach), Steno-Lehrerin, Wirtschaftslehrerin, Berufsschul-Rektorin. Daneben für die FDP in der Legislative der Stadt Neuchâtel, dann des Kantons und schliesslich im Nationalrat. Engagement für Lohngerechtigkeit und legale Abtreibung, aber auch im Familienrecht, der Sicherheitspolitik und anderem.
Oh, und was ich ganz zu sagen vergass: Als Tochter eines Schweizers und einer Kamerunerin war sie nicht nur eine der ersten Frauen, sondern zugleich die erste Nationalrätin mit afrikanischen Wurzeln. 1971. Zu Zeiten von „Überfremdungs-Initiative“ und „Nationaler Aktion“. Wer hätte das gedacht.
Nach dem Ersten Weltkrieg schickte das Rote Kreuz Hilfsgüter in alle Himmelsrichtungen - mitunter begleitet von Schweizer Soldaten. Das war beispielsweise auf dem Balkan nötig, wo die Züge infolge Kohlemangels so langsam dahintuckerten, dass sie gelegentlich von Wegelagerern attackiert wurden.
Ein solcher Rotkreuz-Zug wurde eines Tages von serbischen Militärs gestoppt. Korporal Bernet kletterte daraufhin aus seinem Waggon, gürtete sich einen Kavallerie-Säbel um, ging auf die Serben zu und hielt ihnen eine wortreiche Rede auf Schweizerdeutsch. Als er fertig war, erklärte der in Belgrad aufgewachsene Soldat Vögeli auf Serbisch: „Sie haben gehört, was unser Offizier gesagt hat: lassen Sie uns durch!“
Der Zug konnte dann weiterfahren.
(Aus dem wundervollen Buch ‚Der Balkankönig‘ von SRF-Korrespondent Peter Vögeli)
Der Wortteil "Unter" in Ortsnamen wie Unterseen, Unterbäch, Unterschächen, Unterwasser oder Unterwalden bedeutet nicht "unter", sondern "zwischen". Es sind etwas missglückte Eindeutschungen von "inter", also gewissermassen Latinizismen.
Liegt neben dem "Unter" allerdings ein "Ober", heisst "Unter" vermutlich doch "Unter".
Nimm Dir einen Himmel und mal ihn schwarz an. Dann stell einige Hügel drunter, verstreu ein paar Höfe darüber, rück sie von Hand noch weiter auseinander und lass ein gezacktes Strässchen aus dem Tal über den Horizont verschwinden. Nimm das Geräusch von Hufen, träufle es über das Bild und lass es vorüberziehen. Dann leg‘ eine Stille drauf und lass sie eine Ruhe sein. Nun setz Dich auf eine Bank, auf die Lehne, denn die Fläche ist nass, hinter Dir ein Buchenwald aus dem es etwas modrig und nach nasser Erde riecht und von dem sich ein 257farbiger Herbstblätterteppich unter Deine Bank und das neben ihr stehende Fahrrad geschoben hat. Greif nach dem Eimer mit kalter Luft und giess sie Dir tief in die Lungen; lass sie Dir übers Gesicht fliessen und bade Deine Hände darin. Dann nimm Deinen rechten Daumennagel und mach ein Loch ins Gewölk. Lass eine Sonne durchbrechen und giess ihr Licht über die Landschaft, die Höfe, die Buchen und Deine Haut. Mach das gezackte Strässchen gleissen, lass Dich ein wenig blenden und dann, ganz wichtig, sitze einen langen Moment lang einfach nur da.
Und während Du anschliessend weiterziehst, Dein Rad über Wurzeln schiebst und Dir über den sumpfigen Waldboden einen Pfad suchst, wiege Deinen Blues, diesen Moment gerade alleine erlebt zu haben, mit der Gewissheit auf, dass Du ihn nicht erlebt hättest, wärst Du stattdessen zu zweit an einem gut geheizten Brunch mit einer geraden Anzahl Gäste gesessen, wo man über Dinge gesprochen hätte, über die man sich einig gewesen wäre; dass Du Dich zu zweit nicht durch die Hügel zu jenem Bänkchen hättest treiben lassen und selbst wenn, dass dann ein anderer neben Dir gesessen hätte, mit dem Du hättest reden oder nicht-reden müssen, bei dem Du etwas näher oder ein wenig weiter weg hättest sitzen und dessen Hände Du vermutlich hättest wärmen müssen und Du hättest den Moment verpasst. Darum: Wenn Du vom Pfad auf den Schotter und vom Schotter auf den talswärts strebenden Asphalt kommst, gib Deinem Lenker Spiel, strecke Deinen Rücken durch, weite Deine Brust und lass Deine Räder ziehen.
„Heb‘s mal hoch“ sagte der Mann. Wir standen auf dem Perron, jeder mit Fahrrad, und warteten auf den Zug. Sein Gefährt war durchdesignt: schwarz, gold, glänzend, sauber. „Drüehalb Kilo, cool gäll? Fahrt fasch vonelei!“ Ich machte „mhm“ und lehnte wieder gegen meinen Stahlrahmen. „Hät mer imfall en Spezialischt gmacht, muschmal uf däm sini Websiite ga. bpod.ch – wäisch, wie i-pod!“ Ich machte nochmals „mhm“, strich über meinen Ledersattel und blickte zur Bahnhofsuhr. „Was mäinsch hätts gchoschtet?“ Ich schätzte den Wert auf zweitausend, gab etwas Höflichkeitsbonus und sagte: „Drei?“ Der Mann strahlte. „Sibä!“ „Boah“ antwortete ich „zu dem Preis hättest Du Dir eine Lambretta kaufen können. Die sieht noch besser aus und fährt wirklich von selbst.“
Sie war zu hören, bevor sie zu sehen war: Mitten im Pendlerstrom der Bahnhofsunterführung versuchte sie voranzukommen. Verspätet und gehetzt schob sie ihren Kinderwagen durchs Gedränge. Es gelang ihr überraschend gut, denn sowohl der Knopf im Buggy, wie auch die zwei Knöpfe, die sich links und rechts am Wagen festhielten, waren so irritiert, dass sie lauthals heulten und so als kleine menschliche Sirenen ihrer Mutter den Weg durchs Gedränge freiheulten. Manchmal sind so kleine Kinder halt einfach schon etwas Praktisches.
Etymologische Freude des Abends: Bei Recherchen für einen kurzen Text zur Pest stosse ich auf den Ursprung der "Quarantäne". Das war so: In Ragusa (Dubrovnik) verbannte man Reisende, die aus Pest-Gebieten kamen vorsichtshalber einen Monat lang auf eine Insel vor der Stadt. Die Idee wurde andernorts aufgegriffen und zu einer "Quarantaine de Jours" (also auf 40 Tage) aufgestockt.
Etymologische Freude des Tages: Die Bank hat in ihrer Broschüre süsse Lämmchen abgebildet und schreibt in fetten Lettern "Bringen Sie Ihre Schäfchen ins Trockene". Nun, gut. Offenbar ist heute nicht mehr bekannt, dass es "Sein Scherflein ins Trockene bringen" heisst und dass ein Scherflein ein kleines Bündel Holz ist. Auch bekannt aus "Jeder hat sein Scherflein zu tragen" und "Jeder muss sein Scherflein beitragen" (letzteres war übrigens der Slogan einer Crowdfunding-Plattform für Scheiterhaufen). Brennholz sollte übrigens tatsächlich nicht nass werden, Lämmer hingegen sind einigermassen wasserfest. Es sei denn, der Regen ist über 30° warm. Dann gehen sie ein.
Woher ich hingegen weiss, was ein Scherflein ist, ist mir selbst ein Rätsel.