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Quelle: Hans Vogt, direkter Nachfolger von Herrn Ackermann
Es war einmal ein Mann namens Josef Nussbaumer aus Oberägeri, der um 1910 im Toggenburg anfing, „Schwyzer“-Örgeli herzustellen. Später, wahrscheinlich um zu vergrössern und zentraler gelegen zu sein, verlegte er die Produktion nach Zürich und 1920 nach Bachenbülach.
Dort hat er dann auch angefangen, chromatische Modelle nach italienischem Vorbild zu bauen. Diese Akkordeons wurden damals vom Handharmonikageschäft Karl Geiser in Zürich 2 vertrieben.
Um 1929 hat der Mechaniker Franz Hoeffleur das Geschäft von Nussbaumer übernommen und später (1935) die Fabrikation der Handharmanonikas nach Zürich Seebach verlegt. In Bachenbülach wurden aber weiterhin von verschiedenen Fabrikanten "Bachenbülach"- und "Tell"-Handharmonikas hergestellt.
Der Name „Record“ tritt allerdings erst ab circa 1940 in Erscheinung, nämlich als Heinrich Ackermann, welcher damals die Produkte von Franz Hoeffleur vertrieben hatte, die Idee gehabt hatte, dies wäre ein guter Name, um Handharmonikas zu vermarkten. Fortan wurden die Handharmonikas mit Record angeschrieben. Dieser Name wurde auch in Bern im Amt für geistiges Eigentum eingetragen. Bis etwa 1943 musste aus Urheberrechtsgründen noch zusätzlich der Name Nussbaumer auf den Akkordeons angebracht werden.
Der damaligen Zeit entsprechend wurde auch die Produktion von Schwyzerörgeli durch Hoeffleur praktisch eingestellt. Dafür wurden chromatische und diatonische Handharmonikas in einer grossen Modellvielfalt hergestellt. Auch wurden die Akkordeons laufend verbessert; Zum Beispiel wurden ab etwa 1948 die Akkordeons mit automatischen Registern gebaut; das heisst, mit einem Schalterdruck wird eine komplette Registerkombination eingeschaltet. Vorher musste jeder Chor einzeln ein- oder ausgeschaltet werden. Bei den Modellen ab circa 1955 wurde dann auch die Bassmechanik mit Filz und geräuschdämpfendem Kork unterlegt.
Allerdings hatten die Modelle ab ungefähr 1950 viele Stimmbrüche, und da die Firma Ackermann alle Garantiearbeiten auf eigene Rechnung ausführte, gab es immer mehr Unstimmigkeiten zwischen dem Fabrikanten Hoeffleur und der Vertriebsfirma Ackermann. Als dann um circa 1960 Franz Hoeffleur für alle Akkordeons einen Preisaufschlag geltend machen wollte und vor allem Frau Ackermann lautstark dagegen protestierte, soll dieser (Ein sehr vermögender Fabrikant mit zahlreichen Patenten, unter anderem eines für einen Vergaserzusatz, mit dem Mercedesautos weniger Benzin brauchten) gesagt haben: Dann höre ich halt auf (Franz Hoeffleur war damals auch schon über 60).
Als Ackermann eine Woche später nach seinen bestellten Handharmonikas schauen wollte, standen im Fabrikareal lauter Mercedesautos, und die Handharmonikaproduktion war eingestellt.
Heinrich Ackermann wollte indes weiterhin Handharmonikas verkaufen, und natürlich mit dem gutgehenden Namen Record. Er brachte deshalb die beliebtesten Modelle nach Stradella (Oberitalien) in die Fabrik, von der er vorher schon Akkordeons importierte, und liess die schweizer Record möglichst originalgetreu nachbauen.
Die Stradella-Record ist denn auch heute noch jene, die mit der schweizer Record am meisten Ähnlichkeit hat. Diese werden dann auch oft verwechselt, wobei ich beides schon erlebt habe: Jemand hat eine Stradella- Record und behauptet, es wäre eine Schweizer; Andersherum hat sich schon Besitzer einer Schweizer-Record von einem „Besserwisser“ überzeugen lassen, er hätte keine solche, sondern eine aus Stradella.
Um 1970 ging dann aber auch diese Ära zu Ende.
Heinrich Ackermann liess die Record anschliessend bei der damals weltweit bekanntesten Akkordeonfabrik Paolo Soprani bauen. Diese grosse Fabrik war aber nicht bereit, und hatte es offenbar auch nicht nötig, auf die Wünsche von Ackermann einzugehen. So entstanden dann die Soprani- Record, was nichts anderes war als eine Paolo Soprani mit der Aufschrift Record. Diese Orgel war aber bei den Record- Anhängern nicht sehr beliebt, weil sie gross, schwer und etwas „klobig“ war.
Im Jahr 1974 hat dann die Firma Ackermann die Produktion der Record-Orgeln der damals aufstrebenden jungen Firma Pigini übertragen. Mit dieser Firma wurde es dann möglich, die Modelle wieder etwas den traditionellen Record anzunähern. Auch heute noch werden die Record Orgeln von dieser Firma, welche sich in der Zwischenzeit zur weltweit renommiertesten Akkordeonfabrik hochgearbeitet hat, hergestellt.
Übrigens: Obwohl nicht mehr ganz so leicht und kompakt wie damals, sind Record-Orgeln verglichen mit den entsprechenden Konkurrenzmodellen immer noch die leichtesten.
Sicher wären die Record- Orgeln auch heute noch besser vertreten, andere Importeure haben aber angefangen, den Musiklehrern Wiederverkaufsrabatte von 40 – 50% zu gewähren, was für Record-Orgeln nicht möglich war, weil diese sonst für die Akkordeonisten viel zu teuer geworden wären.
Etwas Chronik der Firma Ackermann:
1936 Heinrich Ackermann arbeitet bei der Firma Geiser, welche damals die Nussbaumer- und Stradella- Vertretung hatte.
1938 Heinrich Ackermann macht sich selbständig und betreibt eine kleine Schwyzerörgeli-Werkstatt im Zürcher Niederdorf.
1940 Hans Vogt sein Neffe tritt in die Firma ein
1942 Ackermann kauft das Haus an der Militärstrasse 22, Zürich
1974 Hans Vogt übernimmt die Firma
1976 Tod von Heinrich Ackermann
1994 Hans Keller in Rotkreuz ZG übernimmt das ganze Inventar der Firma Ackermann und zügelt das Geschäft nach Rotkreuz
14.08.2007
Wir sind bestrebt, den Namen Record weiter mit Enthusiasmus aufrecht zu erhalten. So lassen wir beispielsweise unsere Orgeln nach wie vor nur mit den teuersten Stimmen (Voci fatto a mano) bestücken. Auch die Mechanik wird laufend verbessert und immer wieder gelingt es, ein neues, speziell für die Ländlermusik entwickeltes Modell zu präsentieren. Desweiteren wird unser Lager ständig mit original Ersatzteilen für Schweizer Record ausgebaut. Ausserdem gilt für uns: Was wir nicht am Lager haben, wird angefertigt, dafür sind alle notwendigen Geräte und Maschinen vorhanden. Akkordeonkünstler, Volksmusikanten, Unterhaltungsmusiker sowie Schüler und Anfänger werden sich bei uns wohlfühlen.