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Kariem Hussein kämpft an den Weltmeisterschaften in London über 400 m Hürden um die Medaillen. Der 28-jährige Thurgauer hofft, dass er heute Abend (22.30 Uhr) einen Exploit schafft wie 2014, als er Europameister wurde.
Die bisherigen Auftritte Husseins im Olympiastadion im Queen Elizabeth Park im Nordosten Londons glichen einer Achterbahnfahrt. Nur viel Dusel verhinderte im Vorlauf das vorzeitige Aus des Europameisters von 2014. Als schwächster der 24 Athleten qualifizierte sich Hussein in für ihn mehr als bescheidenen 50,12 Sekunden für den Halbfinal – und dies auch nur, weil mehrere direkte Konkurrenten disqualifiziert worden waren.
Doch der Athlet und sein Trainer Flavio Zberg verarbeiteten die Enttäuschung schnell, schon 24 Stunden später versprühten sie wieder Optimismus, Hussein rehabilitierte sich im Halbfinal. Und wie!
Dank starken letzten 100 Metern zog er in 49,13 Sekunden als Zweiter seiner Serie direkt in den Final ein, seinen ersten an weltweiten Titelkämpfen. In den Olympiajahren 2012 und 2016 plagten Hussein gesundheitliche Probleme, an den Weltmeisterschaften in Peking vor zwei Jahren fehlten ihm ein paar Hundertstel zur Final-Qualifikation.
Von der Papierform geht Hussein als klarer Aussenseiter in den Kampf um die Medaillen. Seine sieben Gegner sind alle schon schneller gelaufen in diesem Jahr als der angehende Arzt, der seine Saisonbestzeit von 48,79 Sekunden vor gut einem Monat bei seinem Sieg an der Athletissima in Lausanne schaffte. Mit dieser Zeit ist er nur die Nummer 21 des Jahresrankings. Und auch seine persönliche Bestzeit von 48,45 Sekunden ist nur der sechstbeste Wert im Final-Feld.
Wie unberechenbar die lange Hürdenstrecke jedoch ist, bewiesen auch die Rennen in London. Der Jahresschnellste Kyron McMaster und die Amerikaner Michael Stigler und Eric Futch blieben auf dem Weg in den Final ebenso auf der Strecke wie Javier Culson, der zweifache WM-Medaillengewinner und Olympia-Dritte von 2012. Die Olympia-Finalisten Thomas Barr und Rasmus Mägi mussten aus gesundheitlichen Gründen die Segel vorzeitig streichen.
Hussein umschiffte die bisherigen Klippen, wenn auch mit etwas Glück. Und dass ihm die Rolle des Aussenseiters behagt, hatte er bei seinem Triumph 2014 im Letzigrund bewiesen, als er an der Heim-EM zu Gold stürmte. Die letzte Schweizer Medaille an Weltmeisterschaften gewann 2007 der Marathonläufer Viktor Röthlin, die bislang einzige über 400 m Hürden errang Marcel Schelbert 1999 in Sevilla. (ram/sda)