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Der Komponist Sam Trümpy
von Heinrich Baumgartner
In der ethnologischen Feldforschung hat sich gezeigt, dass selten diejenigen, die sich ans Mikrophon drängen, die spannenden Beiträge liefern. Will man mehr über eine Kultur erfahren, muss man diejenigen, die vorerst im Hintergrund zuschauen, davon überzeugen, dass ihr Beitrag wichtig ist.
Sam Trümpy gehörte zur zweiten Gruppe. Sein Text auf der LP der Glarona Bigband liest sich wie eine Rechtfertigung dafür, dass - nach jahrelanger erfolgreicher Auftrittstätigkeit und vielen Anfragen - überhaupt ein Tonträger mit dieser Band produziert worden ist. Ein Solo von Sam sucht man vergeblich darauf. Auf der CD "Minor League" der Combo Jazz Coalition finden sich ganze vier Nummern von Sam Trümpy, obwohl genügend geeignetes Material von Trümpy vorgelegen hätte.
PR für seine Person war nicht Sam's Ding. Der Grund war nicht etwa Unkenntnis – Sam war verkäuferisches Denken aus seiner beruflichen Tätigkeit wohlbekannt – sondern, dass sich der Blues für ihn weder in alterierten Melodietönen erschöpfte noch zum Religionsersatz verkommen war. Individualität, Emanzipation, Unterstützung von Entwicklungen waren für Sam keine leeren Formeln. Er lebte sie. Mit Akribie, Sorgfalt und Leidenschaft baute er Bands wie die Glarona Bigband oder die Jazz Coalition auf und entwickelte sie weiter. Es fiel ihm aber nicht ein, sie als Plattform für seine - notabene masslos unterschätzte - musikalische Persönlichkeit zu nutzen. Im Gegenteil: In diesen Bands bot er einer stattlichen Zahl von jungen und älteren Musikern die Möglichkeit, sich zu entfalten.