Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03552.jsonl.gz/407

Alles begann 1917, mit einem spektakulären Urteil des höchsten Gerichts der Vereinigten Staaten. Dem Supreme Court in Washington D.C. lag ein Gesetz von Louisville, Kentucky, vor, das den Verkauf von Liegenschaften in von Weissen bewohnten Stadtvierteln an Käufer anderer Hautfarbe verbot. Dieses Gesetz, so befanden die Richter, verletze die Vertragsfreiheit und sei daher ungültig.
Was wie ein Sieg im Kampf gegen die Rassentrennung aussah, erwies sich als Goldgrube für halbseidene Immobilienmakler. Ihr Trick nannte sich blockbusting: Weil sich nun jedermann, egal welcher Hautfarbe, überall, egal an welcher Strasse, einkaufen konnte, boten die Händler ein Haus, das in einem bisher nur von Weissen bewohnten Viertel lag, einer schwarzen Familie an, die den übervölkerten Ghettos entfliehen wollte. Darauf streuten sie das Gerücht, weitere farbige Familien seien dabei, in die Nachbarschaft zu ziehen. Wo sich Rassenvorurteile hartnäckig hielten, begannen immer mehr weisse Hausbesitzer, zu verkaufen. In gewissen Vierteln machte sich gar eine regelrechte Panik breit, und je mehr Verkäufer, desto tiefer die Verkaufspreise. Am Ende rieben sich die Makler die Hände und verkauften die leerstehenden Häuser tatsächlich an Farbige, allerdings mit einem unverschämten Aufschlag.
In seiner wörtlichen Bedeutung, «einen Häuserblock weg- oder leerfegen», bedeutete blockbuster in den 1940er-Jahren eine verheerende Fliegerbombe und, im Oxford English Dictionary, einen erfolgreichen Musikfilm. Die Herkunft aus Halsabschneiderei und Rassismus dagegen ging allmählich vergessen.
Die Blockchain (auf Deutsch «Blockkette») ist das Herzstück der Kryptowährung namens Bitcoin. Sie ist eine Datenbank, in der Transaktionen – Betrag X von Konto A auf Konto B – in codierter Form aufgelistet werden. Diese Datenbank wird laufend aktualisiert; neue Überweisungen werden in einer immer länger werdenden Kette von Datenblöcken gespeichert. Die bekannteste Blockchain, die von Bitcoin, ist damit nichts anderes als ein fortlaufendes öffentliches Kassenbuch, in das jede einzelne Zahlung jedes einzelnen Teilnehmers verzeichnet wird, so dass darin alle Transaktionen enthalten sind, die jemals ausgeführt wurden.
Heute liegen Bankdaten auf Serversystemen, die von einem ganzen Arsenal von Sicherheitsmassnahmen und Firewalls vor unbefugten Zugriffen geschützt werden. Schafft es nun ein Gauner trotz allem, diesen Datenpanzer zu knacken, kann er die Daten manipulieren. Die Blockchain-Datenbank dagegen ist nicht auf einem einzelnen Server gespeichert, sondern vielmehr lokal auf den Abertausenden von Nutzercomputern, die permanent über das Web synchronisiert werden. Die auf jedem einzelnen dieser Computer gespeicherte ‹Blockchain› ist eine exakte Kopie aller anderen. Schafft es ein Räuber, in einer dieser privaten Computer einzudringen, um die Daten zu verändern, wird dies dank der mathematischen Sicherheitsfunktionen sofort erkannt und die Manipulation sang- und klanglos überschrieben.
Öffentlichkeit, Dezentralität und ausgeklügelte Mathematik: Die elektronische Urkunde namens Blockchain gilt als enorm sicher. Die Wahrscheinlichkeit eines Versagens ist um vieles kleiner als ein Zusammenbruch von Banken oder Grundbuchämtern, auf die wir uns heute verlassen, wenn es um unser Hab und Gut geht.
Die Blüte ziert nicht nur den Blumenstrauss, sie ist auch Rotwelsch und steht in der Gaunersprache für eine gefälschte Banknote. Möglicherweise stammt sie von blede ab, einem alten Wort für «Goldstück». So hiessen im 19. Jahrhundert blank polierte Pfennige, die man Gutgläubigen unterschob. Seit jeher haben Händler deshalb ein Auge darauf, dass ihnen da nicht etwa Falschgeld untergejubelt wird. Im Mittelalter schuf ein beherzter Biss Klarheit – Falschgeld war in der Regel härter als das weiche Münzgold. Dem Fälscher drohte dann ein grausamer Tod: Er wurde, die Füsse voran, mit einer Winde langsam in siedendes Öl getaucht.
Heute sind die Strafen weniger drakonisch, und trotz Freiheitsstrafen von mindestens einem Jahr wird nach wie vor gefälscht, was das Zeug hält. Ein ergiebiger, aber anspruchsvoller Weg ist das Nachdrucken: Die Druckplatten werden, Farbe für Farbe, in mühevoller Kleinarbeit hergestellt und die Banknoten danach in Serien gedruckt. Noch bis zur Jahrtausendwende waren gedruckte Blüten beliebt, doch heute sind die meisten hausgemacht: 2013 wurden Noten im Wert von über einer halben Million Franken aus dem Verkehr gezogen, die aus einem Farbkopierer oder gar aus einem billigen Tintenstrahldrucker stammten.
Die Fälscher, das sind Banden, die Blüten industriell herstellen, das sind arme Schlucker, die in ihrer Not nicht anders können. Und dann gibt es da noch den Künstler: 1973 flog in München der später als «Blütenrembrandt» bezeichnete Grafiker Günter Hopfinger auf. Er hatte deutsche Tausendmarkscheine zu Dutzenden nachgemacht – mit dem Tuschefüller und von Hand. Für einen einzelnen Schein, so erklärte er den verdutzten Polizeibeamten, habe er nur acht Stunden gebraucht.
Lass einen Menschen für dich arbeiten, gib ihm ein ordentliches Gehalt, und für Extraleistungen biete ihm einen Extrabatzen. Du wirst sehen: Er arbeitet härter und besser. Dieser Batzen heisst «Bonus», lateinisch für «gut», und das Prinzip ist so etwas wie ein Axiom der Betriebswirtschaft. Im Jahr 2002 wollte es der amerikanische Verhaltensökonom Dan Ariely genau wissen und beschloss, die Wirkung von Prämien auf die erzielte Leistung präzise zu messen. Weil ein solches Experiment bei Boni in der Höhe von Tausenden, wenn nicht Millionen von Dollars aber unbezahlbar geworden wäre, verlegte er es kurzerhand in den tiefsten Süden Indiens.
Ariely und seine Studenten boten den Bewohnern kleiner Bauerndörfer bis zu 2400 Rupien für den Fall, dass sie sechs Gedächtnis- und Geschicklichkeitsaufgaben ganz besonders gut lösten, je besser das Ergebnis, desto höher der Bonus. 2400 Rupien! In einer Region, in der die Menschen ihren Lebensunterhalt mit monatlich 500 Rupien bestritten, war das ein wahres Vermögen. Doch nicht allen wurde derselbe Betrag in Aussicht gestellt. Die unterste «Gehaltsstufe» sah maximal 24 Rupien vor, die mittlere 240 Rupien. Die 2400 Rupien versprachen die Forscher nur den Versuchsteilnehmern der höchsten Klasse.
Das Ergebnis war ein Paukenschlag. Nicht die Dagobert Ducks mit dem höchsten Gewinn vor Augen erbrachten die höchsten Leistungen, sondern vielmehr die Donalds der untersten und mittleren Stufe. Der Riesenbonus der Dagoberts erwies sich als kontraproduktiv: Die Bauern hatten statt auf die Aufgabe ganz einfach viel zu sehr aufs Geld geachtet.
Keine Frage: David Bowie, mit bürgerlichem Namen David Robert Jones, ist einer der «Heroes» der Popgeschichte, wie einer seiner Welthits heisst. Mit «The Man Who Sold the World» schrieb Bowie 1970 einen Song, der eine ganz andere Seite vorwegnehmen sollte: die des smarten Businessman. Statt auf die wechselhaften Erträge aus den CD-Verkäufen zu hoffen, landete Bowie Anfang 1997 einen Coup: Anlässlich seines 50. Geburtstags gab er eine Anleihe heraus; das ist ein Wertpapier, das dem Käufer das Recht auf Rückzahlung und auf Zinsen einräumt. Als Sicherheit dienten David Bowie die künftigen Einnahmen seiner damals 25 Alben. Diese «Bowie Bonds» mit einer Laufzeit von 10 Jahren brachten dem Sänger auf einen Schlag 55 Millionen Dollar ein – gezeichnet wurden sie von einer Versicherung, die sich von den 7,9% Zinsen ein gutes Geschäft versprach.
Die Anleihe war ein Paukenschlag. Auf dem Londoner Finanzplatz galt die Emission als ein Riesending, und angesichts des Erfolgs liessen Nachahmer nicht lange auf sich warten: Rod Stewart, Iron Maiden oder James Brown griffen in der Folge ebenfalls zum Instrument der «Bowie Bonds».
Heute gehören solche Musiker-Bonds der Vergangenheit an. 2007 gerieten sie in den Strudel der Finanzkrise und galten bald einmal als «toxisch». Auch wenn sich der Ruf dieser Papiere heute wieder etwas erholt hat: Das CD-Geschäft als Sicherheit ist tot. David Bowie aber, dieser genialische Verwandlungskünstler, hat sein Geschäft gemacht: Die 55 Millionen nutzte er dazu, sein Management auszuzahlen und dessen Rechte an seinen Songs vollständig zurückzukaufen.