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In den mit Haaren der Mutter weich ausgepolsterten Nestern schmiegen sich die jungen Kaninchen aneinander, um sich gegenseitig zu wärmen. Erst zwischen dem zehnten und zwölften Tag nach der Geburt öffnen sie ihre Augen. Erst ist nur ein kleiner Spalt sichtbar, dann wird er grösser. Immer wieder stellen Züchter jedoch fest, dass bei Nestlingen die Augenlider verklebt sind.
Woran das liegt, ist schwierig zu sagen. Die Biologin Esther van Praag schreibt von einem Versuch, in dem die Jungen einer Zibbe – deren Würfe mehrmals durch verklebte Augen auffielen – mit dem Nachwuchs eines andern Muttertieres ausgetauscht wurden. Dieses Vorgehen zeigte jedoch bei beiden Würfen keine Veränderungen, das Verkleben ist also wohl nicht auf einen Mangel an mütterlicher Fürsorge zurückzuführen. Van Praag schliesst gestützt auf weitere Untersuchungen und ihre Erfahrung auch eine genetische Erklärung für verklebte Augen aus.
Beobachtungen zeigen, dass insbesondere Jungtiere, die im Winter und zu Beginn des Frühlings geboren werden, unter diesem Syndrom leiden. Der im Sommer oder Herbst geborene Kaninchennachwuchs liegt bei hohen Aussentemperaturen vermehrt auf der Oberfläche des Nestes. Dadurch verringert sich der Kontakt mit Staub und Urin.
Verkrustungen und Eiter
Ziehen sich die Nesthocker während kalten Nächten tiefer ins Nest zurück, besteht die Möglichkeit, dass sich dennoch Staub um ihre Augen ansetzt. Dies kann zu Reizungen führen und Absonderung von Schleim und Tränen auslösen. Verhärten sich diese Ausscheidungen im Spalt der Augenlider, bleiben diese verklebt. Es bilden sich Bakterien, die Infektionen zur Folge haben können. Äusserlich sind diese erkennbar an nach aussen weisenden Augenlidern, bedingt durch eine Entzündung oder eine Ansammlung von Eiter in der Augenhöhle. Weitere Anzeichen sind verkrustete Augen oder gelblicher Eiter zwischen den Lidern.
Das Kaninchenauge
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Wildkaninchen sind Fluchttiere, die in der freien Wildbahn auf einen weiten Blickwinkel angewiesen sind. Seitlich am Kopf positionierte Augen, die leicht aus den Augenhöhlen hervortreten, ermöglichen ihnen dies. Auch Hauskaninchen verfügen über diesen Rundumblick. Je nach Rasse (Felllänge, Ohren) kann dieser leicht eingeschränkt sein. Unmittelbar vor ihrem Gesicht sehen die Kaninchen in einem kleinen Bereich nichts. Um gleichwohl etwas wahrnehmen zu können, sind sie auf andere Sinne (Geruch, Tasten) angewiesen.
Im Unterschied zum Menschen kann das Kaninchen keine Rottöne wahrnehmen. Untersuchungen haben ergeben, dass es seine Umgebung in Grün und Blau wahrnimmt. Seine Augen sind so eingerichtet, dass es in der Dämmerung gut sehen kann. Bei völliger Dunkelheit erkennen die Kaninchen – wie die Menschen – nichts. Auch bei grellem Sonnenschein ist ihre Sehkraft eingeschränkt. Das Kaninchen sieht gut in die Ferne. Es wird hingegen angenommen, dass es auf kurze Distanz nur unscharf erkennen kann.
Das Kaninchen besitzt ein drittes Augenlid, das als Nickhaut bekannt ist. Sie befindet sich auf der Nasenseite des Auges und ist in der Regel nicht sichtbar. Die Nickhaut, die nicht über das ganze Auge reicht, hat eine ähnliche Funktion wie eine Schutzbrille, die vor Zugluft, Verschmutzungen und Staub schützt. Augenkrankheiten sind bei Kaninchen nicht selten. Sie sind meist von Tränenfluss und verkleinerter Lidspalte begleitet.
Es ist nicht möglich, alle Bakterien eines Kaninchennestes auszumerzen. Deshalb ist eine gute Hygiene wichtig. Bei der ersten Nestkontrolle nach der Geburt gilt es, allfällige Überreste der Plazenta, tote Jungtiere und blutige Einstreu – die durch möglichst staubfreie ersetzt wird – aus dem Nest zu entfernen. Esther van Praag empfiehlt diese Nestkontrollen – besonders in kälteren Jahreszeiten oder bei grossen täglichen Temperaturschwankungen zwei- bis dreimal pro Woche durchzuführen. Die Nistkasten sollten nicht allzu gross sein, damit sich die Zibbe tagsüber nicht bei ihren Jungen aufhält und dabei das Nest mit Kot und Urin verunreinigt. Um dem Nachwuchs den direkten Kontakt zu den Holzspänen (kein Sägemehl verwenden) zu verunmöglichen, kann ein Gitter unter das Nest geschoben werden.
Esther van Praag weist noch auf eine
weitere Möglichkeit hin, das Vordringen der Neugeborenen in die Tiefe des Nestes zu unterbinden. Mit einer Niedrigenergie-Heizinfrarotlampe, die auf der Seite des Nestes angebracht wird, kann Wärme an der Nestoberfläche erzeugt werden. Eine wirksame Massnahme, um bei den Jungtieren verklebte Augenlider zu verhindern. Bei der Anwendung einer Wärmelampe gilt es Vorsichtsmassnahmen zu beachten, um den Ausbruch eines Brandes zu verhindern. Jedenfalls muss das Kabel so gesichert sein, dass die Kaninchenmutter nicht daran knabbern kann.
Eine Erblindung ist möglich
Trotz der beschriebenen Vorkehrungen ist es möglich, dass Jungtiere verklebte Augen haben. Daher ist die Kontrolle zwischen Tag 10 und 12 wichtig. Ist eine Spalte oder eine Trennung der Augenlider erkennbar? Wenn nein, müssen sie vom Züchter sorgfältig getrennt werden. Dazu empfiehlt Esther van Praag die Verwendung eines Wattestäbchens, das in eine sterile Salzlösung getunkt wurde. Kokosnuss- und Johanniskrautöl, eine kolloi-dale (in der Flüssigkeit sehr fein verteilte) Silberlösung oder ein Gemisch von Kamille mit etwas Honig in Schwarztee sind weitere geeignete Flüssigkeiten. Sie alle verursachen keine Reizwirkungen.
Nach dem Befeuchten werden die Augenlider beim Augenwinkel beginnend vorsichtig getrennt. Empfehlenswert ist danach die Spülung des Auges mit einer sterilen Salzlösung. Dabei werden Schleimreste und allfällige Fremdkörper entfernt. Werden nach dieser Behandlung Unregelmässigkeiten entdeckt, muss sie wiederholt werden. Im Bedarfsfall können auch antiseptische Augentropfen verabreicht werden. Warme Kompressen auf den Augenlidern verhindern ein nochmaliges Zusammenkleben.
Das Nachhelfen beim Öffnen von verklebten Augen ist wichtig. Bleibt es aus, wird die Hornhaut undurchsichtig. Das Kaninchen erblindet auf dem betroffenen Auge. Wichtig ist auch, die Hornhaut stets feucht zu halten. Ist dies – meist durch eine Infektion bedingt – nicht der Fall, können künstliche Tränen-Tropfen (ohne Konservierungsmittel), wie sie auch Menschen verwenden, eingesetzt werden.