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„I asked for an army. All I got is you. You are not enough.“
Der letzte der vier für das im kommenden Sommer startende Superhelden-Team-Up-Spektakel „The Avengers“ erforderliche Solo-Auftritt stellte die Macher vor eine mehr oder weniger knifflige Aufgabe – zumal Captain America durch seine Bindung an ein historisches Ereignis nicht zeitlos ist, und dadurch altern würde, und zum Zeitpunkt von „The Avengers“ rund hundert Jahre alt und somit wohl kaum eine Hilfe für die Rächer wäre. Wie das Problem in Captain America: The First Avenger gelöst wird, wird an dieser Stelle nicht verraten, aber dass diese Ausgangslage, und der Fokus des Films auf den 2. Weltkrieg viele neue Möglichkeiten für die Macher bietet, ist augenscheinlich.
Eigentlich wäre Steve Rogers, ein junger Kerl aus Brooklyn im Jahre 1942, gerne G.I. in Übersee, aber seine schwache Statur und diverse Gebrechen verhindern, obwohl er sich mehrmals an verschiedenen Orten bewirbt, seine Teilnahme am Krieg. Seine Hartnäckigkeit eröffnet ihm aber neue Möglichkeiten, denn der Ex-Nazi-Doktor Abraham Erskine sucht einen schwachen, aber grundguten Soldaten, um aus ihm einen amerikanischen Supersoldaten zu machen. Und als solcher muss sich Captain America, wie sich Rogers fortan nennt, dem fiesen Nazi-Bösewichten Johann Schmidt stellen, der unter dem Namen Red Skull sein Unwesen treibt…
Wohl kein Film des „Marvel Cinematic Universe“, wie sich das Universum um die Avengers neu nennt, lief so sehr Gefahr, dem Trash zu verfallen, wie „Captain America: The First Avenger“, der durch das Element des Supersoldaten und des zugehörigen Serums, zwischenzeitlich etwas sehr an Glaubwürdigkeit und Realität verliert. In solchen Momenten kriegt Regisseur Joe Johnston aber jeweils die Kurve, indem er den „ersten Rächer“ von seiner verletzlichen Seite zeigt, und ihm Schwäche und Versagensängste zugesteht. Leider gelingt es ihm aber nicht, Rogers wirkliche Tiefe zu verleihen, der Cap ist zu sehr unantastbarer Supermann und wenn es Raum gäbe, nimmt diesen schon die ganze Entourage ein.
Doch darüber hinwegzusehen ist einfach, wenn man sich bewusst ist, worauf man sich einlässt und wenn der Film als das, was er ist, an allen anderen Stellen perfekt funktioniert. Zum Beispiel beim Humor, der mit sitzenden One-Linern und einer dicken Portion Selbstironie punktet, etwas, was die überzuckerte Patriotisten-Tour dringend benötigt. Ebenfalls Opfer des von der Leine gelassenen Humors sind wir Schweizer, die immer wieder in den Genuss des luzernischen Fondue-Running Gags kommen. Und mit Anatole Taubman tut ja auch ein Schweizer mit. Als fieser Nazi.
A propos Darsteller – die sind gut, wenn auch die eigentlichen Helden, was Schauspielleistungen betrifft, Tommy Lee Jones als raubeiniger General und Stanley Tucci als Dr. Erskine inklusive gutem Akzent sind. Punkto Akzent kann sich auch Hugo Weaving (schon zum zweiten Mal auf der Suche nach einem magischen Würfel) von ihm eine Scheibe abschneiden, seine deutsche Herkunft nimmt man ihm zu keinem Zeitpunkt ab. Ansonsten gibt er eine gute Leistung als Red Skull ab, etwas klischeehaft, aber damit ist er bekanntlich nicht der Einzige im Film.
Wer sich schon lange auf „Captain America: The First Avenger“ freut, kommt mit Garantie auf seine Kosten – für andere könnte der abgedrehte Nazi-Trip unter Umständen ein bisschen zu altbacken, trashig und agitatorisch daherkommen. Gänzlich enttäuschen wird der Streifen aber vermutlich keinen Fan guter Action-Blockbuster.