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Der Schamane Galsan Tschinag
von Basler Psi Verein
09. Dezember 2014
Galsan Tschinag ist seit seinem Auftritt bei Kurt Aeschbacher in der deutschsprachigen Schweiz bekannt. Es gelang ihm, den Moderator fast vollständig von seinem Tinnitus zu befreien.
«Es war einmal ...» so könnte die Geschichte Galsan Tschinag, eines kleinen Nomadenjungen aus dem äussersten Westen der Mongolei, beginnen. Heute stellt man ihn in eine Reihe mit dem «leuchtenden Dreigestirn des Ostens », Tschingis Aitmatow und Juri Rytcheu. Geboren 1943 in einer Jurte im Hohen Altai als jüngster Sohn einer hoch angesehenen Nomadenfamilie wird er schon als Kind von seiner berühmten Schamanentante Pürwü in die Geheimnisse des Schamanismus eingeweiht. Während seiner Schulzeit in einem Internat für Nomadenkinder entstehen erste Gedichte. Anschliessend beginnt er mongolische Literatur in der 2000 km entfernten Hauptstadt Ulaanbaatar zu studieren. 1962 erhält er ein Stipendium für ein Germanistikstudium, das ihn in die DDR nach Leipzig führt.
Ohne die Schriftzeichen, ohne ein Wort der deutschen Sprache zu kennen, ohne mit Sitten und Gebräuchen in Berührung gekommen zu sein, sind diese Jahre gespickt mit Schwierigkeiten, die es zu bewältigen gilt. Er schreibt:
«Von einem Ohr, das achtzehn Winter verhärtet haben, wollen sich die wildfremden Bezeichnungen nicht einfangen lassen. Sie sind scheuer als die Wildpferde in den Mongolensteppen. Vor allem die Substantive ähneln verteufelt den windgeilen Stuten, die an der Spitze der Herde hin und her tänzeln. Jedes hat so etwas wie ein Fohlen bei sich, den Artikel. Und ein Fohlen ist schlüpfriger als ein Fisch...» Trotz aller Wirrnisse absolviert er das Germanistikstudium in kürzester Zeit und schliesst es 1968 als Jahrgangsbester summa cum laude ab. Zurückgekehrt in die Mongolei arbeitet er als erster Diplomgermanist seines Landes als Dozent an der Staatsuniversität in Ulaanbaatar und später auch als Regierungsdolmetscher. In seiner spärlichen Freizeit beginnt er als Schriftsteller tätig zu sein, zuerst in mongolischer Schrift und als seine kritischen Äusserungen zu den bestehenden politischen Verhältnissen ihn in Schwierigkeiten bringen, in deutscher Sprache, die seine Kollegen nicht lesen können. Seine Manuskripte hält er versteckt. Trotzdem wird er aus dem Staatsdienst entlassen und verhört. Er arbeitet für das Mongolkino und die Gewerkschaftszeitung. Erst die in der Mongolei erfolgte politische Wende ermöglicht ihm – durch die Verleihung des Adelbert von Chamisso-Preises 1992 – im Westen zu publizieren. Seit dieser Zeit lebt er als freier Schriftsteller in der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar. Im Dezember 2002 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz für seine intensiven Bemühungen um eine Verständigung zwischen den Kulturen verliehen.
1995 durchquert Galsan Tschinag als Oberhaupt des Tuwa-Volkes mit einer Karawane von 139 Kamelen, 330 Pferden, 30 Hunden, 16 Hühnern, einer Katze und 140 Tuwa die Mongolei von Osten nach Westen in 62 Tagen über eine Strecke von 2000 km, um einen Teil seines verstreuten Stammes in die angestammten Weidegebiete im Hohen Altai zurückzuführen.
Galsan Tschinag wurde 1944 im Bajan-Ölgii- Aimag, im Hohen Altai in der westlichen Mongolei als jüngster Sohn einer tuwinischen Schamanin geboren.
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