Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03205.jsonl.gz/2819

Diamanten sind eine der wichtigsten natürlichen Ressourcen der Welt. Pro Jahr werden Rohdiamanten im Wert von schätzungsweise 13 Milliarden Dollar produziert – rund 65 Prozent davon kommen aus Afrika, insbesondere aus Ländern wie Sierra Leone und Botswana. Die Industrie ist gigantisch, mit weltweit rund zehn Millionen beschäftigten Menschen.
Komplexer Abbau
Es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Diamantengewinnung. Der Meeresdiamantenabbau ist eine relativ neue Entwicklung, bei der Kies vom Meeresboden gesammelt und anschliessend verarbeitet wird. Treten Diamanten in nur kleinen Mengen und verstreut auf und verunmöglichen so den industriellen Abbau, kommt der «handwerkliche» Bergbau zum Einsatz, bei dem Diamanten von Hand (und oft ohne Regulierung) gewonnen werden. Im Untertagebau werden zwei Tunnelebenen tief in die Erdkruste gegraben und durch Trichter verbunden. Wird Erz im ersten Tunnel gesprengt, fällt es in den zweiten Tunnel, von wo es an die Oberfläche geschafft wird. Der Tagebau wird für die Gewinnung von Diamanten am häufigsten genutzt. Aus erloschenen Vulkanen, in Tiefen zwischen 250 und 800 Kilometern unter der Erdoberfläche und bei enormer Hitze entstehen funkelnde Juwelen. Die darüber liegenden Erdschichten üben einen extremen Druck auf den Kohlenstoff aus, der dadurch über Millionen, manchmal auch Milliarden von Jahren zu natürlichen Rohdiamanten gepresst wird. Die kubische Kristallstruktur verleiht den Diamanten ihren einzigartigen Aufbau, durch die sie zum härtesten Material der Welt werden. Die Edelsteine werden über Lavaströme in Richtung der Erdoberfläche getragen, wo sie in riesigen, spiralförmig in die Erde wachsenden Minen abgebaut werden. Der stolze Preis des «Königs aller Edelsteine» ist vor allem mit der aufwendigen Gewinnung zu erklären. Durchschnittlich lassen sich aus 60 Tonnen Gestein nur gerade ein Karat Diamanten (0.2 Gramm) auswaschen.
Blutdiamanten führen zum Kimberley-Prozess
Konflikt- oder Blutdiamanten sind Rohdiamanten, mit denen Rebellen handeln, um beispielsweise bewaffnete Aufstände gegen Regierungen zu finanzieren. Schätzungen zufolge sind in den vergangenen Jahrzehnten rund vier Millionen Menschen in Kriegen um Diamanten ums Leben gekommen. In den 1990er-Jahren besagten Schätzungen, dass bis zu 20 Prozent aller im Handel erhältlichen Diamanten Blutdiamanten waren. Wenn man bedenkt, wie viel Geld im Diamantenhandel steckt, deutet dies auf riesige Summen zur Kriegsfinanzierung hin. Im gleichnamigen Film aus dem Jahre 2006 mit Leonardo DiCaprio wurden die Blutdiamanten ebenfalls thematisiert.
Ende der 1990er Jahre beschäftigten sich die Vereinten Nationen und einige Nichtregierungsorganisationen vermehrt mit dem Thema der Blutdiamanten. 2003 wurde der Kimberly-Prozess (KP), ein Verhandlungsforum zwischen der Industrie, den Staaten und NGOs, einberufen. Er erlaubt die Zertifizierung «legitimer» Diamanten. Jeder Diamant ist mit einem Herkunftszertifikat seines Ursprungslandes versehen, womit verhindert werden soll, dass illegal geschürfte Diamanten Kriege mitfinanzieren. Zusätzlich können Diamanten mit einem Laser markiert werden, um sie zu identifizieren. Weltweit vereint der Kimberley-Prozess 59 Mitgliedsländer, einschliesslich der EU, die als eine Nation gezählt wird.
Ungenügende Transparenz
Die Diamantenindustrie ist allerdings nicht vor anderen ethischen Bedenken gefeit. Systematische Menschenrechtsverletzungen wie Sklaverei und Kinderarbeit in den Herkunftsländern kommen noch immer häufig vor. Die Bedingungen im Bergbau sind oft äusserst misslich. Die Bezahlung ist schlecht und beträgt meist weniger als ein Dollar pro Tag. Ausserdem muss jederzeit mit Einstürzen gerechnet werden und die Verbreitung von Krankheiten wird durch den engen Kontakt mit anderen Arbeitern ebenfalls geschürt. Das sind offensichtliche Mängel des KP, der zwar die Blutdiamanten aus dem Umlauf nehmen möchte, aber anderes menschliches Leid nicht wirklich angeht. Es ist wahrscheinlich, dass die «ethische» Zertifizierung falsche Vorstellungen über die sozialen Kosten des Abbaus von Diamanten entstehen lässt.
Ökologische Bedenken
Die sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Probleme des Diamantenabbaus sind ähnlich denen des Edelmetallabbaus. Die Ausbeutung solcher Bodenschätze verursacht irreversible Schäden an der Umwelt. Mit der weiter steigenden Nachfrage werden auch viele zuvor noch unberührte Gebiete von der Entwaldung, Einschränkung der Wasserqualität und der Wasserressourcen, von Bodenerosion und Verdrängung von Tierarten betroffen. Werden zusätzlich Dämme errichtet, um die Schätze unter den Flussbetten freizulegen, verändert dies Flussläufe, was ganze Ökosysteme destabilisiert. Fruchtbares Ackerland wird durch den Tagebau zerstört oder mit emittierten Feinstaubpartikeln kontaminiert. Die durch den Abbau entstehenden unwirtlichen Gruben füllen sich ausserdem mit stehendem Wasser und bieten während der Regenzeit perfekte Nährböden für krankheitsübertragende Parasiten und Mücken.
Wandel hin zum synthetischen Diamanten
Noch immer wird mit Diamanten im grossen Stil gehandelt. Besonders in Ländern wie China und Indien wächst der Markt ungebremst. Allerdings nimmt der Handel mit synthetischen Diamanten gehörig Fahrt auf. Pro Jahr wächst der Handel mit synthetischen Diamanten um geschätzte 20 Prozent. Schmuckhersteller wie Pandora haben sich gar ganz den im Labor hergestellten Edelsteinen verpflichtet. Pandora sagt, das Ergebnis sei dasselbe wie jenes von der Natur geschaffene, aber zu einem Bruchteil des Preises. Über 70 Prozent der Millennials würden ausserdem einen synthetischen Verlobungsring einem echten vorziehen. Studien zeigen auf, dass im Labor gezüchtete Diamanten mit einem einwandfreien ethischen Leumund die Wahrnehmung der Probanden zu diesem Produkt stark veredeln. Die Einstellung des Verbrauchers ist zweifellos ein wichtiger Katalysator hin zur Verbesserung der Gesamtsituation. Wenn der Wert eines Produktes nicht nur vom Karat, sondern auch von seinen sozialen und ethischen Herstellungsbedingungen abhängt, kann ein synthetischer, vom Aussehen kaum vom Original zu unterscheidender Diamant für den Träger mindestens ebenso wertvoll sein - und dabei erst noch nur einen Bruchteil des Preises kosten.
Quellen und weitere Informationen:
Environmental Impacts of Mined Diamonds
Kimberley Process
Schulte, M. und Paris, C.M. (2020): Blood Diamonds: an analysis of the state of affair and the effectiveness of the Kimberley Process
Keech, J., Morrin, M. und Podoshen, J.S. (2020): The effects of materialism on consumer evaluation of sustainable synthetic products
Kommentare (0) anzeigenausblenden