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Das heutige Lörrach setzt sich aus – je nach Betrachtungsweise – vier oder sieben Ortsteilen zusammen, welche alle im Laufe des 20. Jh. eingemeindet wurden. So stiess Stetten schon 1908 zu Lörrach. Tüllingen und Tumringen folgten 1935. Haagen schloss sich 1974 mit Lörrach zusammen. Im Rahmen der grossen Verwaltungsreform folgten 1975 Brombach und Hauingen. Somit umfasst die politische Gemeinde jetzt eine recht grosse Fläche und mehrere Siedlungskerne. Diese sind seit geraumer Zeit alle zusammengewachsen. Das Siedlungsband wird im Wiesental erst kurz vor Steinen unterbrochen.
Die Bevölkerungsentwicklung von Lörrach ist mit der politischen und ökonomischen Entwicklung der Stadt eng verbunden. Während der Industrialisierung im 19. Jh. wuchs die Einwohnerzahl stetig. Die beiden Weltkriege sowie die Wirtschaftskrisen bewirkten eine Stagnation. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Bevölkerungszahl durch den Zuzug von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen wieder rasch an. Diese Entwicklung wurde dadurch gefördert, dass die Kriegsschäden in Lörrach relativ gering waren und Arbeitsplätze in der benachbarten Schweiz lockten.
Mit der Gemeindereform in den Jahren 1974 und 1975 vergrösserte sich die Bevölkerung durch die Eingemeindung der Vororte Haagen, Brombach und Hauingen weiter. Seit Mitte der 1970er-Jahre nahm die Bevölkerung allerdings ab, weil sich die Hauptwachstumszonen in die umliegenden Gemeinden verlagert hatten. Dieser Trend wurde seit dem Mauerfall wieder umgekehrt. Durch die bessere wirtschaftliche Situation und die damit niedrigere Arbeitslosenquote folgte die Bevölkerungsentwicklung dem bundesweiten Wachstumstrend.
Der durch die Industrie und die Umsiedelungswellen nach 1945 verursachte Bevölkerungsanstieg machte in allen Stadtteilen die Erschliessung von neuen Baugebieten erforderlich. So entstanden zwischen Lörrach und Haagen-Brombach die Nordstadt, auf dem Stettener Allmendland die Wohnsiedlung Salzert und in Brombach das Wohngebiet Bühl.
Die vorhandene Wasserkraft war ein wichtiger Standortfaktor für die Industrialisierung im Wiesental. Zum Beispiel in Brombach wurde schon früh eine Mühle bekannt, welche an einem 1593 bis 1596 gegrabenen Kanal lag. Die Nachfolge-Mühle ist heute noch in Betrieb (Reiss-Mühle). Ebenso gab es Sägereien und Gerbereien. Die Wasserkraft sowie der Beitritt Badens zum Deutschen Zollverein führten zur Entwicklung der Industrie im Wiesental, an der massgeblich Schweizer Kaufleute beteiligt waren. Das alte Lörrach, also der heutige Stadtkern, war bis zum Eintritt Badens in den Deutschen Zollverein 1835 noch weitgehend ein ländliches Marktstädtchen mit kleinen Gewerbebetrieben, Landwirten und Verwaltungsbetrieben. Von den übrigen kleinen Städten hob sich Lörrach vor der Industrialisierung durch Manufakturbetriebe der Indiennefabrikation ab.
Die übrigen Siedlungen waren Bauerndörfer mit eigener Struktur. Rebbau wurde überall betrieben. In der zweitem Hälfte 19. Jh. war der Rebbau wie in der Nordwestschweiz rückläufig. In Haagen und Brombach waren bereits vor 1835 Anfänge des Textilgewerbes zu finden. Das waren Lohnweber, die in Heimarbeit Seide und Tuch webten, sowie erste Fabriken. Um die Mitte des 19. Jh. erreichte die Textilindustrie im Wiesental auch an den Standorten Haagen und Brombach aufgrund günstiger Produktionsbedingungen und technischen Vorsprungs die erste Stelle in ganz Baden. Sie war von der Konkurrenz im übrigen Deutschland wenig berührt. Für den Aufschwung sorgten günstiges Kapital aus der Schweiz und billigste Arbeitskräfte.
Salzert ist ein recht junger Stadtteil Lörrachs. Der auf einem Berghang des Dinkelberges oberhalb von Lörrach gelegene Stadtteil ist von einem grossen Gemeindewald umgeben und nur von zwei Autostrassen aus zugänglich. Ende der 1950er-Jahre wurde das Wohnbauprojekt Salzert als Reaktion auf die grosse Wohnungsnot vorangetrieben. Anfänglich war dieses Projekt in der Lörracher Bevölkerung umstritten, da es einen schweren optischen Eingriff in das Vordere Wiesental darstellte. Der Bau der Satellitensiedlung begann 1963.
Der Glanz der Anfangszeiten verblasste im Laufe der Jahrzehnte. Die ersten Bewohner kamen in die Jahre, ebenso die Gebäude selbst. Von modernem Wohnen war schon lange nicht mehr die Rede. Hinzu kamen soziale Probleme innerhalb der Bewohnerschaft. Viele Menschen verliessen deshalb die Siedlung. Ab 2000 wurde Salzert saniert. Die Sanierung, eine zeitgemässe Architektur und soziales Management haben das Quartier spürbar verwandelt. Heute leben etwa 2700 Menschen auf dem Salzert, davon rund 1000 in 426 Mietwohnungen.
HPM