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Mehrteilige Weitwanderung durch das nördliche und südliche Vorgebirge der Pyrenäen. Zwei einwöchige Etappen führen uns auf dem Sentier Cathare vom Ufer des Mittelmeeres ins Tal der Ariège. Im dritten Teil wandern wir auf dem Chemin des Bonhommes von der Grenze südwärts bis zum Pilgekloster Queralt.
Zahllose Flüchtlinge haben sich in der Geschichte auf verschiedenen Wegen und in verschiedenen Richtungen über die Pyrenäen in Sicherheit gebracht. Heute können wir auf diesen geschichtsträchtigen Routen sorglos wandern und dabei Landschaft, Kultur und Gastronomie geniessen.
Auf den bisher 3 Etappen der mehrteiligen Weitwanderung „Pays Cathare“ erwandern wir die Schönheiten der Region im Osten der Pyrenäen, rund um den Canigou, dem heiligen Berg der Katalanen. Vom Ufer des Mittelmeeres durchqueren wir die Region Languedoc und das mediterrane und vom Weinbau geprägte Massif des Corbières mit den zahlreichen Schluchten und kargen Felsgipfeln, die wie geschaffen waren um hier, an der alten Grenze zwischen den Königreichen Frankreich und Aragon, ausgedehnte Burganlagen zu erstellen.
Durch malerische Dörfer und ausgedehnte Wälder steigen wir später in das Vorgebirge nördlich der Pyrenäen mit seiner Blumenpracht. Südlich des Grenzkammes, in Katalonien, kumuliert sich die landschaftliche Vielfalt noch mit einer grösseren Abgelegenheit der durchwanderten Region und der grösseren Anzahl Geiern, die im Himmel über dem Gebirge kreisen.
Die Katharar
Im Mittelalter bildeten sich in Europa diverse Glaubensgemeinschaften heraus, die die Glaubensregeln anders interpretierten als die, oft als degeneriert empfundene, katholische Kirche. Eine der bekanntesten und radikalsten dieser Gemeinschaften waren die sogenannten Katharer oder auch Albigenser. Ihr Hauptverbreitungsgebiet hatten die Katharer im südfranzösischen Raum, wo sie sehr angesehen waren, insbesondere an den Höfen in Okzitanien, u. a. deshalb, weil in diesem Landstrich ausser kleineren Fürsten keine übergeordnete Autorität regierte.
Diese Fürsten schätzten die katharische Kirche mit ihrer authentischen Sittlichkeit und materiellen Bescheidenheit, da sie einen positiven Einfluss ausübte. Katharer gab es aber auch in anderen Teilen Europas, so in Italien, im Rheinland, in Österreich, Spanien, England und einigen skandinavischen Ländern.
Die Kirche verbündete sich mit dem französischen König und durch den Albigenserkreuzzug und das unerbittliche Vorgehen der Inquisition wurde die katharische Glaubensbewegung vernichtet. Als Ergebnis brachte der Kreuzzug die militärische Niederlage der mit den Katharern verbündeten Fürsten und letztlich die Eingliederung Okzitaniens in das Königreich Frankreich, und nach Ausrottung der letzten Widerstandsnester in den legendären Katharerburgen bald auch das endgültige Ende der katharischen Kirchenorganisation in Frankreich.
Im Departement Aude in der Region Languedoc (dem frühreren Okzitanien) wurde der Begriff „Pays Cathare“ im Jahr 1991 geschützt. Das Programm „Pays Cathare“ möchte die kulturellen und touristischen Besonderheiten und Schätze der Region Aude schützen, insbesondere auch die zahlreichen königlichen Burgen und „châteaux cathares“, die meist spektakulär auf Felsgipfeln angelegt wurden.
Durch grenzüberschreitende Projekte, wie zum Beispiel verschiedene Weitwanderwege, strahlt der Name des „Pays Cathare“ jedoch auch ins benachbarte Departement Ariège und nach Katalonien aus, wo sich die Katharer vor der Verfolgung durch die Franzosen in Sicherheit zu bringen versuchten.