Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03501.jsonl.gz/1834

In katholischen Landen ist es von Gründonnerstag bis Karsamstag üblich, die Glocken, die gemäss der Legende nach Rom geflogen sind, durch hölzerne Klappern oder Rätschen zu ersetzen. In Rue nahm dieser Brauch eine besondere Form an: Kinder des Schulkreises ziehen bei jedem Wetter durch den Ort und machen dreimal täglich (anstatt des Angelusläutens) mit dem Tapolet, einer Art Klapper, Lärm. Dafür erhalten sie von den Einwohnern Bonbons oder etwas Kleingeld.
Aufgrund der Gemeindefusion und der dadurch bedingten Zunahme der Bevölkerung stieg auch die Zahl der Tapolets an. Man benötigte neue Klappern und baute deshalb eines der immer noch benutzten alten Instrumente aus Eiche minutiös nach; eine junge Kunsttischlerin der Region stellte etwa zehn Stücke her (M.-P. Angel).
Der lange von der Schule gepflegte Brauch steht seit 2005 unter den Auspizien des Verkehrsvereins. So weit sich die Einwohner/innen von Rue zurückerinnern können, hat er nie einen Unterbruch erfahren. Laut mündlichen Aussagen könnte er mindestens bis ins späte 19. Jahrhundert zurückreichen – manche sprechen vom Mittelalter, doch dies wird durch keine einzige schriftliche Quelle belegt –, und seine heutige Form entspricht jener der früheren Zeit, abgesehen von einem wichtigen Detail: Seit den 1960er-Jahren dürfen auch Mädchen klappern. Da sie seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil zur Messe dienen können, lässt man sie in Rue auch am Osterbrauch der Tapolets teilnehmen. Früher erhielten allerdings nur jene Kinder eine Klapper, welche die Messe besuchten.
Bemerkungen
In Romont werden ebenfalls Tapolets verwendet, um am Karfreitag und Karsamstag (um 8, 12 und 20 Uhr) die Glocken zu ersetzen. Zudem wird mit ihnen am Karfreitag um 15 Uhr die Passionsfeier und am Karsamstag um 21 Uhr die Ostervigil angekündigt.
In Grimentz im Valais besteht ein ähnlicher Brauch.
RTS, 2003, 1'39'': Le tapolet: une tradition pascale que Fribourg perpétue
Archiv RTS, 1964, 18'04'': Traditions populaires. Légendes et coutumes pascales en terres fribourgeoises
Tourismusbüro von Romont und Umgebung : Les tapolets
Florence Bays
Übersetzung: Hubertus von Gemmingen