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Die lntegrative Körperpsychotherapie IBP (IBP steht für lntegrative Body Psychotherapy) wurde von Dr. Jack Lee Rosenberg (geboren 1932) während der letzten 30 Jahre entwickelt. Er war ursprünglich Zahnarzt mit einem speziellen Interesse für psychologische Fragen. Die Anfänge von IBP liegen in den ausgehenden 60er Jahren an der Westküste der U.S.A. Am legendären Esalen-lnstitute leitete Jack Lee Rosenberg seine ersten Kurse und traf Fritz Perls, Anna Halprin, Carl Rogers und andere, von denen er sich begeistern und beeinflussen liess. Sein Interesse an Sexualität brachte ihn dazu, Wilhelm Reichs Arbeit sowie östliche Philosophien und deren Körperarbeit (Yoga, Tantra) zu studieren und 1973 sein erstes Buch «Total Orgasm» zu veröffentlichen, das zum Bestseller wurde. Damit war die Grundlage zu IBP gelegt, zum energetischen Modell, mit dem IBP arbeitet. Indem Jack Lee Rosenberg beharrlich der Frage nachforschte, wie Menschen möglichst effizient und gleichzeitig sicher zu ihrem Kern (Selbst) finden können, entwickelte er über die Jahre ein kohärentes, ganzheitliches Psychotherapiesystem, das eine Synthese darstellt aus eigenen Modellen/Techniken und besonders überzeugenden Elementen bestehender Therapieformen. Neben den erwähnten Quellen, fanden wichtige Strömungen der Psychoanalyse (Selbstpsychologie, Entwicklungspsychologie, Objektbeziehungstheorie) Eingang in IBP. Zur Zeit gibt es weltweit 13 IBP-lnstitute. Die mit IBP arbeitenden Psychotherapeutlnnen sind in der International Association of lntegrative Body Psychotherapy vereinigt. Das IBP-lnstitut in der Schweiz besteht seit 1990.
IBP Institut
Mühlestrasse 10
CH-8400 Winterthur
«Wer kann schon den Fluss, wenn er über die Ufer tritt, bändigen und in den richtigen Bahnen halten?» Nagib Mahfouz
«Kennst Du Vicky Hamilton?», fragte mich Jack Lee Rosenberg im August 1997, am Ende meines dritten Weiterbildungsjahres in IBP. «Nein» antwortete ich. «Sie ist meine langjährige Supervisorin und frühere Therapeutin» begann er zu erzählen «und hat anfangs der 70er Jahre bei Winnicott und Bowlby Seminare besucht». Jack wusste, dass ich als Student beim schottischen Psychiater und Psychoanalytiker, Ronald D. Laing (1927-1989) eine Ausbildung in Existential-Analyse und Psychotherapie gemacht hatte. Laing hat seine Psychoanalytische Ausbildung am Londoner Institut für Psychoanalyse gemacht und in der renomierten Tavistock Klinik gearbeitet. Als junger und talentierter Glasgower Arzt wurde er von Dr. John Sutherland nach London geholt. Im Gartnavel Royal Mental Hospital machte Laing seine Assistentenzeit als Neurologe und Psychiater und trat zur gleichen Zeit in die dortige Schizophrenie-Forschungsgruppe ein. Hier entstanden die ersten Entwürfe seiner Bücher 'Das Geteilte Selbst', 'Das Selbst und die Anderen'.
Von 1957- 1964 war Laing als Psychiater, Psychoanalytiker und Forscher an der Tavistock Clinic und dem Tavistock Institute for Human Relations tätig. Hier traf er auf Dr. John Bowlby (1907-1990). Seine Psychoanalyse hatte Bowlby bei Joan Riviere (1883-1961) gemacht, die erste Übersetzerin von Freuds Schriften in die Englische Sprache. Riviere war ihrerseits von Sandor Ferenczi (1873-1933) und Sigmund Freud (1853-1993) ausgebildet worden. Bowlbys Forschungen zum Thema 'Verlassenheit' ( 'Loss of attachment, mourning, separation') trugen unter anderem dazu bei, dass wir heute besser verstehen, wie Trauer sich als ein wichtiger Faktor in der psychotischen Episode auswirkt. Einer von Laings Supervisoren war D.W.Winnicott (1896-1971), berühmt geworden mit seinen Konzepten des wahren und des falschen Selbst, der good enough parents.
Jack Rosenberg braucht öfters, in ganz bestimmten Situationen während einer Therapiesitzung, einen Satz seiner Supervisorin Vicky Hamilton: «ist das nicht genau so, wie sich ein kleines Mädchen/ein kleiner Knabe in einer solchen Situation fühlen muss und sich dementsprechend verhalten muss». Mit diesem Leitsatz wird die therapeutisch ermöglichte und begleitete Regression angesprochen: «Berühre das Trauma und mache eigene Hilfsmittel zugänglich». Hier wird Rosenbergs Verbindung über Vicky Hamilton zu Winnicott und Bowlby spürbar.
Da ich Vicky Hamilton während meiner Londoner Zeit nicht kennenlernte, schaute ich in John Clay's Biographie: 'R.D. Laing - A Divided Self' (1997) im Index nach und wurde fündig: 'Ende März 1971 war Laing bereit, London zu verlassen. Begleitet von Jutta und ihren zwei Kindern flog er nach Colombo. Eine Freundin und frühere Analysandin, Vicky Hamilton, traf mit ihnen dort zusammen. «Daraufhin telefonierte ich mit Laings Witwe, Jutta Laing. Sie bestätigte mir diesen Sachverhalt und führte ihn noch weiter aus. «Oh ja, ich kenne Victoria Hamilton gut. Wir waren befreundet. Sie wohnte zwar nie in Kingsley Hall (Laings Therapeutische Lebensgemeinschaft in London), kam aber des öfteren zu Besuch. Durch James Green, ihren damaligen Freund, hat sie Ronnie (Laing) kennengelernt, und ist zu ihm in die Therapie und Analyse gegangen».
1967 graduiert Hamilton als Philosophin am University College of London.Dort besuchte sie 1967 das letzte, unvergessliche klinische Seminar von Winnicott. Später heiratete sie und zog Ende der 70er Jahre nach Los Angeles.
Vicky Hamilton hat zwei Bücher veröffentlicht. Ihr erstes Buch ist 'Narcissus and Oedipus - The Children of Psychoanalysis' (1982). Darin weist sie auf ihre psychotherapeutische Ausbildung an der Tavistock Klinik hin, wo sie in 'Attachment Theory' und 'Object-Relations-Theory' ausgebildet wurde. Sie dankt John Bowlby für seine intellektuelle Inspiration und den persönlichen Kontakt mit ihm. In ihrem zweiten Buch 'The Analyst's Preconscious' präsentiert sie ihre Umfragenforschung 65 Psychoanalytikern in Amerika und Grossbritannien zu deren Praxis- und Theorieverständnis. Ihre Forschungsergebisse zeigen, dass auch pluralistisch und eklektisch orientierte Analytiker sytematisch ans Werk gehen, sich wohl und sicher fühlen können mit ihren therapeutischen Instrumentarien ohne einer besonderen Orientierungsgruppe anzugehören. Das gilt, wie viele aus eigener Erfahrung mit Jack Lee Rosenberg wissen, auch für IBP.
Neben den gut dokumentierten kreativen Einflüssen von Fritz Perls Gestalttherapie und Wilhelm Reichs Charakter Analyse und Körperabeit, ist hier für Jack Rosenberg und IBP, via Vicky Hamilton, eine Inspirationsbrücke zum Werk von Laing, Bowlby, Balint und Winnicott, wahrnehmbar geworden. Diese für mich erfreuliche Verbindung zu meiner primären therapeutischen Tradition (Laings Integrale Therapie und Existential Analyse) weist in der psychoanalytischen Theoriegeschichte und persönlichen Analysengenealogie auf den ungarischen Arzt und Freudschüler Sandor Ferenczi hin.
Balint mit seinem Ansatz der Grundstörung (basic fault) und therapeutisch begleiteten Regression, war in Therapie bei Ferenczi, bevor er und seine Frau Enid im Januar 1939 Budapest verlassen mussten. In seiner Reisetasche hatte Balint, als Nachlassverwalter seines Lehrers und Freundes Ferenczi, das Manuskript des erst 1988 auf Deutsch erschienen klinischen Tagebuchs von 1932 'Ohne Sympathie keine Heilung'. In dieser Fundgrube von therapeutischer Offenheit und Herzensweisheit finden wir Wurzeln von Rosenbergs Fragmentierungskonzept und vom Relaxationsprinzip (Release).
In einem luziden Nachwort zeigt Pierre Sabourin auf, wie Winnicott, Mahler, Kohut, Fromm-Reichmann u.v.a.m. «...nach Materialien für ihre Konstruktionen in dem von Ferenczi erschlossenen Bergwerk gegraben haben ihnen allen gemeinsam ist, dass sie sich bei Ferenczi bedienen, ohne ihn zu zitieren, ohne seinen Namen zu nennen...beschämend für die vielgerühmte Redlichkeit der Wissenschaft'. Übrigens war Fritz Perls, nachdem er in erster Therapie bei W.Reich war («dem ersten Mann, dem ich trauen konnte») später noch bei Karen Horney in Analyse, die auch von Ferenczi ausgebildet worden war.
Im Special Collections Department of Glasgow University Library ist seit 1998 das R.D. Laing Archiv beheimatet. Dort fand ich im Sommer 1999 Teil 1+2 von Vicky Hamilton's «Account of Kingsley Hall, the Network, Herself - Oct.1971'. Darin schildert sie, wie sie Laing kennenlernte, wie sie durch Marion Milners Buch: A Life of One's Own «inspiriert und aus einer tiefen seelischen Krise begleitet wurde». Milner, Laings Supervisorin, beschreibt in diesem Buch, wie das Tagebuchschreiben als Lebensstütze eine Lebenswende ermöglichen und aufrecht erhalten kann. Liegt hier die Inspirationsquelle für den Prozess des Tagebuchschreibens (Journal Process), der für Rosenberg so fruchtbar geworden ist und als Teil der Mental Health Tools in IBP eingegangen ist.
Dieses ist ein Excerpt eines veröffentlichten Kapitels (in English) in: «Jack Lee Rosenberg -Celebrating a Master Psychotherapist»
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