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Heitz Cellar
Egal welches kalifornische Weinbuch auch aufgeschlagen wird, Joe Heitz oder die Heitz Cellars Winery ist immer dabei.
Joe Heitz wurde 1919 in Princeton, Illinois, als Sohn einer Farmersfamilie geboren. Als der 2. Weltkrieg ausbrach, wurde Joe eingezogen und leistete seinen Militärdienst in Kalifornien bei der Air Force. In der Nacht und an den sehr raren freien Tagen arbeitete er auf einem Weingut in der Nähe Fresnos. Nachdem der Krieg zu Ende war, besuchte Joe die UC Davis, wo er 1951 mit einem Master in Rebbau und Önologie abschloss. Er arbeitete danach für kurze Zeit bei den Gallo Brüdern in Modesto, bevor er noch im gleichen Jahr zu der Beaulieu Winery in Rutherford im Napa Valley wechselte. Dort wirkte er als Assistent Kellermeister von André Tschelistcheff, dem grossen Önologen seiner Zeit im Napa Valley. Daneben half Joe tatkräftig mit beim Aufbau der Fresno State University, wo er im Nebenamt während 4 Jahren als Professor Weinbau und Önologie unterrichtete.
1961 kehrten Joe und seine Frau Alice zurück ins Napa Valley, wo die Beiden am Südende von St. Helena am Highway 29 ein 4 ha grossen Rebberg mit einem Produktionsgebäude und einem kleinen Wochenendhäuschen für 5000 $ erwerben konnten. Der Rebberg, der auf den klingenden Namen „The One and Only“ lautete, war mit Grignolino bepflanz. Joe nahm sich dieser seltenen Traubensorte an und wurde in Sachen Grignolino bald zum Spezialisten und zur Referenzperson. Joe und Alice waren sehr umtriebig - ihr Weingut entwickelte sich rasant. Bereits 1964 konnten sie an der Taplin Road ein 65 ha umfassendes Landstück mit Wohnhaus und einem grossen Gebäude aus Stein, erbaut im Jahre 1898, das als Winery und Kellergebäude geradezu prädestiniert war, käuflich erwerben. Gebäude dieses Anwesens zieren als Gemälde oder als Photo die Weinetiketten des Marthas Vineyard Cabernet Sauvignons – aber nur in aussergewöhnlichen Weinjahren und nur, wenn der Wein auch sehr gut gelungen ist. So im Jahre 1974, 1985,1997 und 2007.
Das neu erworbene Anwesen diente ab 1964 als Winery und als neuer Heimathafen der Heitz Familie. Das Gebäude der alten Winery am Highway 29 wurde umgebaut und diente fortan als grosszügiger Degustationsraum.
Als Joe und Alice sich für ein Etikett entschied, wollten sie sehen, was ihre Familie sich einfallen lassen würde. David Heitz, der damals erst 10 Jahre alt war, zeichnete ein einfaches Strichmännchen, das ein Weinglas hochhält, eingerahmt von Weinfässern im Hintergrund. Joe gefiel, was er sah, und er brachte diese Rohzeichnung zu der bekannten Malerin, Grafikerin, Wandmalerin und Illustratorin Mallette Dean, die die ursprüngliche Zeichnung verfeinerte.
Joe war der erste Kellermeister, der ausschliesslich französische Eichenfässer verwendete und vor allem war Joe der erste Winzer, der einzelne Rebberge separat vinifizierte und auch als solche in die Flasche füllte. Sein Meisterwerk war und ist der Heitz “Marthas Vineyard“. Ab 1966 wurden die Weine aus diesem Vineyard separat ausgebaut und auch als solche abgefüllt und verkauft. Er erzählte uns einst, wie es sich früher verhalten habe, wenn der neue Jahrgang vom Marthas Vineyard Cabernet Sauvignon auf den Markt kam.
Der Marthas konnte damals lediglich von den Privatkunden erstanden werden. Der Tag, an dem der neue Marthas Jahrgang jeweils zum ersten Mal angeboten wurde, war bei vielen Weinenthusiasten dick in der Agenda markiert. Um den Marthas Cabernet unter keinen Umständen zu verpassen, hätten etliche Kunden in Schlafsäcken vor dem Tastingroom am Highway 29 übernachtet, um in den frühen Morgenstunden weit vorne in der Warteschlange zu stehen!
Joe hatte für den Ausbau der kalifornischen Cabernet Sauvignon Weine neue Wege beschritten. Nach der Gärung wurde dieser Jungwein zuerst für ein Jahr in grossen Eichenfässern mit 6000 Litern Inhalt gelagert. Erst danach wurden die Cabernet Sauvignon Weine in kleine normal grosse französische Eichenfässer mit 225 Liter Fassungsvermögen umgezogen. In diesen verweilte der Wein sicherlich zweieinhalb Jahre, bevor er sachte filtriert und abgefüllt wurde. Den Weinen wird Zeit gegeben und eilen tut es ja mit den Heitz Weinen überhaupt nicht. Gut Ding will Weile haben!
1984 erwarb das Weingut den Trailside Vineyard in Rutherford, nachdem zuvor bereits Trauben von dieser Lage gekauft wurden, 1989 erschien dann der Wein aus dieser Reblage als ein weiterer Heitz Einzellagewein auf dem Markt.
In den späten 1980er Jahren gab es den Verdacht einer TCA Infektion oder alternativ einer Brettanomyces-Hefen-Infektion in den Heitz-Kellern, die schliesslich aber überwunden wurde.
Anfang der 90er Jahre wurde der Bella Oaks Vineyard von der Krankheit Eutypa befallen, und eine Neubepflanzung wurde notwendig. Von dieser Cuvée wurden die Jahrgänge 1991 und 1992 nicht hergestellt. Ebenfalls konnte in den Jahren 1993 bis 1995 kein Marthas Vineyard abgefüllt werden, da der Rebberg von der Reblaus heimgesucht wurde und neu bepflanzt wurde.
Im Jahr 2002 konnte die Heitz Familie ein grosses Stück Rebland auf dem Howell Mountain erwerben und pflanzten dort, wen wundert es, Cabernet Sauvignon an. Da der Rebberg in der Nähe des Eingangs zum malerischen Linda Falls Naturparkes steht, wurde dieser Name für ihren neuen Rebberg übernommen. Der erste Linda Falls Cabernet Sauvignon war dann der Jahrgang 2013. Dieses Gebiet, das sich auf einer durchschnittlichen Höhe von 500 müM liegt, ist für seine gut entwässerten vulkanischen Böden und sein kühleres Klima bekannt, was zu einer längeren Hängezeit führt. Die Rebstöcke sind in engen Reihen gepflanzt und bewusst so positioniert, dass sie die stärksten Strahlen der Sommersonne einfangen. Wenn die Früchte reifen, führen die dichten Abstände und die reichliche Sonneneinstrahlung zu einem geringen Ertrag an kleineren Beeren mit dicken, tief gefärbten Schalen. Dieser malerische, hügelige Weinberg ist von Kiefern umgeben, wo sich scheue Rehe aufhalten und mit etwas Glück sieht man auch manchmal einen Bären; ein wirklich besonderes Stück Napa Valley.
Im April 2018 wurde Heitz Cellar an den in Nashville ansässigen Agrikultur-Mogul Gaylon Lawrence Jr. verkauft. Der Verkauf umfasste 175 ha Weinberge, die Winery am Ende der Taplin Road und den Verkostungsraum am Highway 29 südlich von St. Helena.
Sie bewirtschaften ihre Weinberge nachhaltig und sind biologisch (CCOF-zertifiziert). In den Jahren 2019 und 2020 stellten sie auf eine komplett biodynamische Bewirtschaftung um - vielleicht der grösste Weinbergsbesitzer im Napa Valley, der komplett biodynamisch wirtschaftet.
Bis zum Verkauf war Heitz immer noch ein reiner Familienbetrieb, der von den Kindern von Joe und Alice geleitet wurde: David als Weinmacher, mit fast 40 Jahren Erfahrung in der Weinherstellung und Kathleen als Präsidentin. Der jüngste Sohn, Rollie, betrieb sein eigenes Weingut, Midsummer Cellars, dass er später verkaufte und nach Italien zog.
Das Schaffen von Joe Heitz inspirierte eine ganze Generation von jungen Winzern. An Joe orientierte man sich - er war der Professor Cabernet. Er war ein Winzer, ein stetiger Schaffer und lebte für seine Cabernet Weine und für seine liebe Familie. Er war kein Mensch, der sich in das Rampenlicht drängen wollte, sowas war ihm zuwider. Es haftet ihm an, dass er menschenscheu gewesen sei, das kann ich aber versichern, das war er überhaupt nicht! Aber es stimmte schon ein wenig, so einfach mit“ Hinz und Kunz“ Weine zu degustieren und dann noch laber, laber, nein! Für so etwas hatte Joe keine Zeit und auch vor allem keine Lust!