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Nördlich von Laupen, fast mittwegs zwischen Bern und Murten, ist das hohe Felsband, dem die Saane zur Linken entlang fliesst, unterbrochen durch einen Engpass, der früh schon Bedeutung erlangte. Seit der Gründung Berns hatte jener Engpass an Wichtigkeit stetig zugenommen; denn die dortige Flussfähre vermittelte den kürzesten Verkehrs- und Handelsweg nach Murten und dessen Hinterland. Dieser Saaneübergang ist Gümmenen, eine Örtlichkeit, die urkundlich erstmals 1259 genannt wird, und die von jeher auch strategisch grosse Bedeutung hatte. Kein Wunder, dass hier im Mittelalter eine Feste, eine Burg errichtet wurde. Diese Burg erhob sich südlich des Engpasses und der Ortschaft Gümmenen auf einem Felsenkopf, der den bezeichnenden Namen "Vesti" trägt und im Volksmunde auch etwa Hexenhubel genannt wird. Es war eine typische Halbkreisanlage, eine Örtlichkeit, die vermutlich früher als Refugium, als Fliehburg benutzt worden war. Saane- und engpasswärts bot der hohe Felsen völlige Sicherheit; aber ost und südwärts wurde ein tiefer Burggraben ausgehoben, dem ein hoher Wall und ein weiterer Graben vorgelagert sind. Die Hügelkuppe ist heute waldbestanden und von Mauerwerk sozusagen völlig entblösst. Die Grundmauern sind vom Waldboden bedeckt; Nachgrabungen allein würden Grundriss und damit die Form der Burganlage erkennen lassen. Solche sind einzig bei der Nordostecke vorgenommen worden, wo einiges Mauerwerk - wohl einem Eckturm zugehörig - zu sehen ist. Es verrät, dass zum Bau geschnittene Sandsteinblöcke und als Mauerfüllung mörtelverbundene Rollsteine verwendet wurden. Auf der Südseite kommt eine kleine Felsenhöhlung zum Vorschein, im Volksmunde das "Zwingherrenloch" genannt. War es wohl ein Geheimausgang. Auf der Hügelkuppe scheint eine runde Vertiefung das einstige Sodloch anzudeuten.
Justinger behauptet, dass die Burg vom Grafen von Savoyen als Grenzfestung gegen die Habsburger gebaut worden sei. Das dortige Gebiet war Reichsland, und im genannten Jahre 1259 schenkte der damalige nominelle "Interregnumskönig" Richard den Ort und Pass Gümmenen seinem Getreuen Peter von Savoyen, jenem kriegerisch und politisch so bedeutsamen Grafen, der in der Geschichte den stolzen Beinamen "Le petit Charlemagne" führt. Damals ist von einer Burg Gümmenen zwar nicht die Rede; jedoch 1270 ist der dortige savoyische Kastellan Peter von Sottens genannt, ein sicherer Beweis, dass hier nun eine Burg stand. Es war eine Reichsburg, der aber keineswegs ein ruhiges Schicksal beschieden war. Sie erlebte die scharfen Kämpfe sowohl zwischen dem Savoyer und dem Habsburger, wie später zwischen Freiburg und Bern. Der siegreiche König Rudolf von Habsburg forderte in Frieden von 1283 Murten wie Gümmenen als Reichsgüter zurück. Zu Füssen der Burg, im Engpass, war - wohl schon vor dem Jahre 1200 - ein kleines Städtchen als kräftiger Talriegel angelegt worden. Die Festung Gümmenen verpfändete der König im nächsten Jahre dem Ritter Ulrich von Maggenberg für 60 Mark Silber. 1288 wies er dem gleichen Edlen - ohne Zweifel als Dank für seine bei der Belagerung Berns geleisteten Dienste - den einträglichen Uberfahrtszoll von Gümmenen an. Zugleich ernannte der König den Maggenberg und dessen Erben zu Reichskastellanen auf der Burg Gümmenen. Als Burgwohnung wurde angewiesen "das steinerne Haus und die Hoffstätte, die sich vom Burgtor bis zum Sode Gerite erstreckt." Dieser Maggenberg war ein bedeutender Mann, der sich der vollen Gunst Rudolfs von Habsburg erfreute und von diesem auch als Vogt über Laupen, sowie als Reichsvogt im Uechtland ernannt wurde. Ausserdem war er Schultheiss von Freiburg, und dieser Stadt nun übertrug er die für sie in den damals wieder aufflackernden Streitigkeiten gegen Bern so wichtige Festung Gümmenen. Freiburg überliess sie pfandweise um den hohen Betrag von 650 ihrem adeligen Bürger Joh. v. Wippingen, behielt sich aber vor, sie in Kriegszeiten stets benutzen zu können. 1325 wurden Verstärkungsbauten vorgenommen. Bald darauf überfiel der von Wippingen, ein erklärter Feind Berns, von der Burg aus die benachbarten freien Bauern beim Forst, Ausbürger Berns. Das gab den Anlass zum sogenannten Gümminenkrieg.
Lassen wir diese für die Burg Gümmenen folgenschwere Episode von dem Chronisten Justinger erzählen: Daz Gümynon zerbrochen wart. A° 1331 "do wurden die von Bern vast geschedigot ab Gümynon der vesti und ouch us dem stetlin Güminen, sunderlich der von Bern burger, die umb den forst sassen mit den veissen ochsen; zu den lugten si gar dicke (oft) und hulfen inen die essen. Daz werte so lange, daz die von Bern daz nit me liden wolten. Nu waz Gümynon des von Wippingen von Friburg; dem waz daz sloB ze handen komen von einem Grafen von Safoy (!), der die burg vor unlangen ziten gebuwen hat wider küng Rudolf von Habspurg. Also zugen die von Berne us und slugen sich für (vor) Güminon und hatten dahin gemant den bischof von Basel, der sante inen 60 helm, die stat von Basel 60 helm, die herren von Gransen (Grandson) 40 helm, graf Peter von Arberg mit siner hilf, die von Solotorn, die von Biel, (und) die von Thun mit iren harst. Meister Burgkart erzögte da sine kunst mit werken und bliden (Wurfmaschinen), die vigende (Feinde) ze schedigen. Und als man an daz stetli stürmde, do brach die brügge und viel(en) der von Bern vil(e) in den graben (nach harten Kämpfen) wart von grosser stürmen wegen Güminen gewunnen und burg und stat gesleiffet." "Güminon, burg und stat Mutzli gar zerbrochen hat."
Die Burg scheint sofort wieder aufgebaut worden zu sein, da sie 1334 ausdrücklich genannt ist mit "Mauern, Türmen" usw. Sie war damals noch immer im Besitz der Stadt Freiburg. Die endgültige Zerstörung dürfte, wenn nicht im Laupener Nachkrieg, sodann im Sempacherkrieg, 1386, wiederum von den Bernern erfolgt sein. Die Trümmer der Ruine fanden wohl zu allerhand Bauten im "Städtchen" und im benachbarten Dörfchen Mauss Verwendung. Der Engpass unterhalb der Ruine aber spielte auch späterhin, sowohl im Burgunders wie im Bauernkrieg, aber auch noch bei der französischen Invasion 1798, eine bedeutsame Rolle.
Bibliographie