Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03581.jsonl.gz/1408

Michèle Degen
Die Liste mit den Werken des Känerkinder Künstlers Walter Eglin zählt ein Stück mehr. Die Museumskommission und Toni Eglin haben ein ihnen bisher unbekanntes Mosaik entdeckt, das mit höchster Wahrscheinlichkeit von Eglin (1895–1966) geschaffen wurde. Das 70 mal 58 Zentimeter grosse Werk zeigt ein Eichhörnchen, umrahmt von Schmetterlingen, Blättern und einem Gesicht mit fliegenden Haaren. Es befindet sich im Eingangsbereich des Privathauses von Ernst Singeisen in Liestal, vis-à-vis vom Sportplatz Gitterli.
Entdeckt wurde es durch Zufall von Katja Hersberger. Sie ist seit rund eineinhalb Jahren Mitglied der Museumskommission des Walter-Eglin-Museums in Känerkinden. Sie ist eine Bekannte von Singeisen und dessen Frau und entdeckte bei einem Besuch in Liestal das Mosaik neben dem Hauseingang.
Die vor einigen Jahren verstorbene Mutter des heutigen Eigentümers Ernst Singeisen hatte es wenige Jahre nach der Heirat mit ihrem Mann gewonnen. Es war der 1. Preis der Tombola einer Kunstausstellung in der Gewerbeschule in Liestal. Das müsse irgenwann zwischen 1945 und 1948 gewesen sein, so Singeisen. Aus den Erzählungen der Mutter, an die er sich noch gut erinnert, schliesst er darauf, dass es ein Eglin sein muss. Die Mutter habe sich sehr über das Mosaik des Künstlers, der auch das grosse Kunstwerk an der Universität Basel erstellt hat, gefreut, weil sie sonst nie etwas gewonnen habe. Durch die explizite Erwähnung des Mosaiks an der Uni glaubt Singeisen, dass es sich um einen Eglin handeln muss. Ihm selbst gefällt das Kunstwerk ebenfalls gut. «Ich finde es toll gemacht und es passt wunderbar hierher», sagt er.
Eichhörnchen ist ungewöhnlich
Auch der Sohn des Künstlers, Toni Eglin, geht davon aus, dass das Werk aus dem Atelier seines Vaters stammt. «Die Schmetterlinge, die Blätter und der Kopf sind Motive, die auch häufig bei anderen Werken meines Vaters vorkommen», sagt er. Auch die Machart, bei der das Mosaik am Schluss in Beton gegossen wird, sei Eglintypisch. Zwei Dinge irritieren den Sohn des Künstlers jedoch: Erstens sei ein Eichhörnchen ein Tier, das er noch nie auf einem Werk seines Vaters gesehen habe. In der Tat hatte Eglin eine Vorliebe für Vögel, Katzen und Fische. Das Eichhörnchen ist bisher einmalig.
Zweitens sei die extrem geschwungene Linie, in der die Natursteine am unteren Rand des Kunststücks gesetzt wurden, ungewöhnlich. In anderen Werken Eglins findet man jedoch durchaus Steinreihen, die in einer ähnlichen Wölbung angeordnet sind. Zum Beispiel beim «Baselbieter Trachtenmädchen», das sich bei der Kantonalbank in Gelterkinden befindet, dem Mosaik «Jüngling von Tieren bedroht», welches das Schulhaus von Ziefen ziert, oder dem «Schatzgräber von der Muttenzer Hard», der sich beim Schulleitungszentrum in Muttenz befindet.
Signiert ist das Stück in Liestal ebenfalls nicht. Walter Eglin unterzeichnete seine Werke jedoch jeweils auf der Rückseite. Das Mosaik ist allerdings mit vier Haltern fest an der Fassade angebracht. Ein Blick hinter die Betonplatte zu werfen, ist also nicht möglich. Als einzigen anderen Schöpfer könnte Eglin sich Albert Weisskopf vorstellen. Der Prattler Künstler stellte ebenfalls Mosaike her.
Ernst Singeisen und Toni Eglin sind sich jedoch einig, dass sie hier einen Eglin vor sich haben. Toni Eglin schätzt den Wert des Mosaiks aus dem Stegreif auf rund 10 000 Franken.
Walter Eglin hatte nie Inventar über seine vielen Werke geführt, geschweige denn notiert, an wen er sie verkaufte. Toni Eglin ist sich deshalb sicher, dass es noch weitere Mosaike und andere Werke seines Vaters in Privatbesitz gibt, von denen er nichts weiss.