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Goldman Sachs hat sich am Dienstag bereit erklärt, 215 Millionen Dollar (rund 192 Millionen Franken) zu zahlen, um eine seit langem laufende Sammelklage zu beenden, in der der Wall-Street-Riese beschuldigt wurde, Frauen systematisch unterbezahlt zu haben.
Die in New York ansässige Bank einigte sich mit dem Anwaltsteam, das die rund 2800 Klägerinnen vertreten hat, auf einen Vergleich. Dies geht aus einer gemeinsamen Erklärung der Bank und der Anwälte der Klägerinnen hervor. Es wird erwartet, dass etwa ein Drittel der Summe für die Anwaltskosten zur Verfügung gestellt wird.
Der Prozess war eigentlich für den nächsten Monat in New York angesetzt. Er hätte ein seltenes öffentliches Forum geboten – ein Forum für Zeugenaussagen über die Ungleichheit in der Finanzbranche, in der mit einer Ausnahme alle der sechs grössten US-Banken von Männern geleitet werden.
Frauen fürchten um Karriere
Der Fall wurde in der Branche aufmerksam verfolgt. Frauen beklagen sich seit langem über ungleiche Bezahlung. Laut sind auch die Beschwerden über eine ungerechte Behandlung bei Beförderungen.
Obwohl sich der Prozess auf die Statistiken zu Bezahlung und Beförderung konzentrieren sollte und ein Richter gesagt hatte, dass die Frage einer «Boys' Club»-Atmosphäre nicht für eine Klassenbehandlung in Frage käme, war es absehbar, dass es mehr als nur eine blosse Auflistung von Zahlen sein würde. Wahrscheinlich wäre auch die Struktur des Goldman-Arbeitsplatzes unter die Lupe genommen worden, unter anderem dank der Aussagen von Führungskräften.
Der Vergleich ist grösser als die Summe, die die ehemalige US-Bank Smith Barney vor Jahrzehnten zahlte. Die Bank musste damals mehr als 100 Millionen Dollar (umgerechnet etwa 89 Millionen Franken) zahlen, um die so genannte «Boom-Boom-Room-Klage» zu beenden, in der das Unternehmen der Belästigung und Diskriminierung beschuldigt wurde.
Goldman Sachs, auch das ist Teil des Vergleichs, wird nun einen unabhängigen Experten – oder eine Expertin – damit beauftragen, eine zusätzliche Analyse der Leistungsbewertung und des Beförderungsverfahrens durchzuführen, heisst es in der Erklärung.
Taktiken und Versäumnisse
Die Goldman-Klage wurde zuerst von Cristina Chen-Oster eingereicht, einer Absolventin des Massachusetts Institute of Technology, die 1997 bei Goldman Sachs anfing und Wandelanleihen verkaufte. Sie reichte im Juli 2005 eine Diskriminierungsbeschwerde bei der US Equal Employment Opportunity Commission ein und verklagte dann ihren Arbeitgeber im Jahr 2010. Goldman kämpfte – in einigen Fällen mit Erfolg – dafür, dass einige Frauen in dem Fall vor ein Schiedsgericht geschickt wurden, ein eher geheimes System.
Doch obligatorische Schiedsvereinbarungen sind nicht die einzigen Instrumente im Arsenal der Unternehmen. Geheimhaltungsvereinbarungen und Vergleiche werden an der Wall Street und darüber hinaus seit langem eingesetzt, um Klagen über schlechtes Verhalten und ungerechte Behandlung aus dem Rampenlicht zu halten.
Jamie Fiore Higgins, eine ehemalige Goldman-Geschäftsführerin, die letztes Jahr ihre Memoiren «Bully Market» über ihre Karriere geschrieben hat, sprach am Dienstagmorgen mit ihren Zwillingstöchtern über die Einigung, als sie zur Mittelschule fuhren. «Das ist doch ein Fortschritt, oder?», fragte eine Tochter, wie sich Higgins anschliessend erinnerte. «Ja, es ist ein Fortschritt», antwortete Higgins. «Aber der Fortschritt ist zu langsam.»
Goldman ist «stolz auf seine langjährige Erfahrung bei der Förderung von Frauen und setzt sich weiterhin für einen vielfältigen und integrativen Arbeitsplatz ein», sagte Jacqueline Arthur, Leiterin der Personalabteilung, in einer Erklärung.
(bloomberg/spi)