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Die Rotdruckwappen der Rayon
Als ich vor dreissig Jahren in Luzern an der LUNABA, der 4. Nationalen Ausstellung eine Rayon-Sammlung nach Drucksteinen klassiert zeigte, steckte das Sammeln auf diesem Gebiet noch in den Kinderschuhen. Es war ja auch die erste Sammlung dieser Art, die in der Konkurrenzklasse gezeigt wurde. In den verflossenen 30 Jahren ist auf diesem Gebiet eine gründliche Wandlung eingetreten. Das Sammeln nach Drucksteinen (z.B. Auktionen) ist zum Allgemeingut geworden.
Zwei Jahre später erschien 1953 in der SBZ Nr. 10 meine Abhandlung über die Rotdruckwappen der Rayon. Auf vielseitigen Wunsch aus Rayon-Sammlerkreisen lasse ich diese vor 28 Jahren verfasste Abhandlung, mit einigen Änderungen, nochmals erscheinen. Sie hat auch heute noch ihre Gültigkeit. So sehr man bis dahin Drucksteinbestimmungen und das Herausfinden der entsprechenden Untergruppen an Hand allfälliger Feldmerkmale in Blau- und Schwarzdruck der Rayon I bzw. Rayon II ermittelte, so wenig wurde der Rotdruckplatte, d.h. der Wappen- und Kreuzform, Bedeutung geschenkt. Nach weitgehenden Untersuchungen an Hunderten von Rayons kann ich heute wohl mit Recht behaupten, dass die Druckerei Durheim für die Rotdrucke nie einen Urstein benützte, mittels welchem sie weitere Drucksteine verfertigte, wie dies bekanntlich für den übrigen Druck geschah. Diese Feststellung hat auch ihre Berechtigung für die Ortspost und Poste Locale. Schon aus drucktechnischen Gründen wäre dies ohnehin unmöglich gewesen, denn wir wissen, dass von den Rayons jeder Druckstein mindestens zwei Untergruppen, die meisten aber deren vier besassen, und die Gruppenabstände auf jedem Druckstein wieder grundverschieden voneinander waren. Der Drucker hätte also die Rotdruckplatte, falls ein Urstein bestanden hätte, in ebenso vielen Gruppen zum betreffenden übrigen Druckstein anfertigen müssen. Er hätte aber bei dieser Ausführung nicht mehr die Freiheit gehabt, die Abstände so zu wählen, wie sie sich gerade am besten ergaben, sondern er wäre an eine absolut genaue Ausrichtung zu dem bereits erstellten Druckstein der übrigen Markenzeichnung gebunden gewesen. In diesem Falle aber wäre jede Wappen- und Kreuzform in vierzig verschiedenen Typen herausgekommen. Ein Vergleich in dieser Richtung belehrt uns aber sofort, dass dem nicht so ist. Man nehme einmal zwei gleiche Rayontypen, also z.B. zwei Typen 15 und vergleiche deren Wappen- und Kreuzformen miteinander. Schon auf den ersten Blick lässt sich eine Verschiedenheit bemerken, es sei denn, man habe zufällig die gleichen Untergruppentypen des gleichen Drucksteins erwischt, was natürlich bei den 1040 verschiedenen Gruppentypen bei Rayon II (sieben Drucksteine, wovon einer zu zwei Gruppen und sechs zu vier Gruppen) bzw. 1200 bei den Rayon I hellblau (neun Drucksteine, wovon drei zu zwei Gruppen und sechs zu vier Gruppen), ein grosser Zufall wäre. Kurzum, Durheim hat für jeden Druckstein die dazugehörenden Wappen wieder neu gezeichnet. Daher können wir heute theoretisch mindestens 1040 (Rayons II) und 1200 (Rayon I hellblau) verschiedene Wappenformen feststellen. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass für ein und denselben Drückstein evtl. auch zwei Rotdruckplatten benutzt wurden für den Fall, dass durch irgendwelche Beschädigung eine solche ersetzt werden musste. Z.B. beim Druckstein A3 beim Dreifarbendruck (Rayon I dunkelblau) wurden zwei Rotdruckplatten erstellt, wobei aber für den Zweifarbendruck (Rayon I hellblau) nur noch eine, die spätere verwendet wurde.
Abb. 1: stellt die Type 6, rechte obere Gruppe des Drucksteins A 3 der Rayon II dar. A Is Feldmerkmal finden wir einen Punkt in "Rp " sowie die gleiche Kreuzform im Wappen.
Abb. 2: Stein B, T 33 rechte obere Gruppe. Das bekannte Anlagekreuz als Feldmerkmal sowie die Kreuzform im Wappen. Absichtlich habe ich bekanntere Feldmerkmale gewählt, die zudem gut sichtbar sind, in der Annahme, dass der eine oder andere Sammler ebenfalls ein solches Stück besitzt, womit er die Richtigkeit dieser Angaben selbst überprüfen kann.
Abb. 3: Stein E, T19 linke untere Gruppe. Hier haben wir es mit einer Farbretouche als Feldmerkmal zu tun, ebenfalls mit Vergleich zum Rotdruckwappen.
Abb. 4: Damit sind wir beim Zweifarbendruck Rayon I hellblau angelangt. Stein A 2, T 25, untere Gruppe, sogenannter abgenützter Stein (vorgängig Dreifarbendruck). Man achte auf die gleichen abgenutzten Stellen im Blaudruck sowie dieselbe Wappenform bei beiden Marken.
Abb. 5: SteinB3, T35, rechte untere Gruppe, als Feldmerkmal mit der beliebten Abart: blumenförmige, deformierte rechte obere Ecke. Auch hier zeigt sich uns wieder die gleiche Wappenform.
Abb. 6: Als letztes Beispiel zeige ich noch zwei Exemplare vom,,Missglückten Stein", dem weitaus seltensten Druckstein aller Rayons, in Type 36 untere Gruppe mit ausgebrochener Wappeneinfassung (nicht zu verwechseln mit gleicher Abart T 8, Stein A3). Auch hier finden wir wieder die gleichen Wappenkreuzformen. Diese Abart T 36 ist noch nicht katalogisiert, weil sie bisher nur in wenigen Exemplaren aufgetaucht ist.
Damit klärt sich aber auch das Rätsel auf, weswegen Durheim auf den Ursteinen die Kreuzeinfassungen stehen liess und diese jeweils erst auf den neuerstellten Drucksteinen in mühevoller Arbeit wieder abschaben liess, nachdem er von ihnen vorerst einige Abzüge verfertigt hatte. Er brauchte die Kreuzeinfassungen zur Erstellung der Rotdruckplatten, die er natürlich ebenfalls in zwei oder vier Gruppen erstellte, analog der Parallelsteine für die übrigen Markenzeichnungen. Hierzu waren ihm die Kreuzeinfassungen bestimmt eine sehr gute Markierung. Wie ich oben schon erwähnte, wurden vor dem definitiven Druck von jedem Druckstein einige Abzüge mit vollständigen Einfassungen erstellt. Diese Abzüge sind aber mit Sicherheit vernichtet worden, bis auf die bekannten Überreste der Steine AI und A3 bei Rayon II und Stein B2 bei Rayon I hellblau. Diese dürften nur versehentlich in den Verkehr gekommen sein, denn es ist nicht einzusehen, warum die übrigen Drucksteinabzüge, die ja an und für sich keine Makulatur waren, nicht ebenso verausgabt worden wären.
Nachdem sich und nun auf diesem Gebiet neue Wege zur Bestimmung von Drucksteinen und deren Untergruppen zeigen, will ich anhand einiger Beispiele den Richtigkeitsbeweis dieser Theorie erbringen. Es ergibt sich das einfache Resultat, dass bei bestimmten Feldmerkmalen im Blauund Schwarzdruck einer Gruppentype auch ebenso ein bestimmtes Wappen vorhanden sein muss.
An sechs Beispielen (Abb. l-6) zeige ich von Rayon II und Rayon I hellblau je ein Paar des gleichen Untergruppenfeldes des nämlichen Drucksteins mit ihren gleichen Feldmerkmalen und Rotdruckwappenformen.
Damit glaube ich den Beweis erbracht zu haben, dass Durheim für jeden Druckstein vollständig neu gezeichnete Rotdruckwappen herstellte. Theoretisch müssten also für Rayon II 1040, für Rayon I hellblau 1200 verschiedenen Wappenformen vorhanden sein. Wie ich schon erwähnt habe, ist es Sache von weiteren Forschungen abzuklären, inwieweit bei einzelnen Drucksteinen allfällig zwei Rotdruckplatten verwendet wurden und inwieweit auch die Abnützung auf die Formänderungen der Wappen und Kreuze während einer langen Druckperiode Einfluss hatten. Wir wissen jetzt aber, dass gleiche Gruppenfeldmerkmale auch gleiche Wappenformen bedingen, wenn es sich tatsächlich um dieselbe Gruppentype handeln soll. Damit ist den Fälschungen von Rayons wenigstens einmal mehr „Schach" geboten. Auch das Herausschneiden von Abbildungen aus Werken wie „MirabaudReuterskiöld", wie dies immer geschieht, ist absolut sinnlos, da die in diesen Büchern gezeigten Wappenrotdrucke reine Phantasie darstellen.
Abschliessend möchte ich noch darauf hinweisen, dass jeder Druckstein wieder seine ganz bestimmten Eigenarten in den Wappenformen zeigt, was wohl darauf schliessen lässt, dass verschiedene „Hände" an der Erstellung der Drucksteine mitwirkten. Durch die genaue Kenntnis dieser Formen lassen sich aber schon an Hand von Photos (Auktionskataloge) die verschiedenen Drucksteine erkennen, selbst dort wo die Feldmerkmale infolge Undeutlichkeit schon längst nicht mehr ausreichen würden.