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In der Alltagssprache wird zwischen Technik und Technologie kaum unterschieden und wo es doch getan wird, lese ich meistens von Technik, wenn Technik kritisiert wird, und von Technologie, wenn darüber gestaunt wird, was technisch möglich ist.
Im Englischen, besonders amerikanischer Prägung, ist das tatsächlich existierende Wort technics als Pendant zum deutschen Technik völlig ungebräuchlich. Alles, was im Deutschen korrekt Technik heisst, wird im Englischen meist technology genannt. Daher wird auch im Deutschen die Bezeichnung Technologie oft für Technik verwendet, was allerlei Missverständnisse schafft.
Als Lehre ist die Technologie kontingent, es gibt nicht DIE Technologie:
Siehe auch meinen Vortrag Technologie versus (Natur)Wissenschaft oder die Natur als Rückseite der Technik
Als Technologie bezeichne ich - tautologischerweise - eine Lehre, die sich mit der Technik befasst und mithin auch definiert, was ihr gemäss als Technik bezeichnet wird.
Die Technologie beschreibt die Entwicklung der in ihr beschriebenen technischen Verfahren und insbesondere der Artefakten, in welchen diese Verfahren aufgehoben sind.
Im konvetionellen Fall befasst sich die Technologie mit Techniken im engeren Sinne, in welchen Werkzeuge für die Produktion von materiellen Gegenständen oder ... ZUcht ... verwendet werden.
Anbau (Getreide)
Bau (kleider)
Geräte – Werkzeuge
Widerspiegelung
Zur Wortgeschichte
C. Wolff schrieb 1740 von einer „möglichen Philosophie der Handwerke, auch wenn sie bislang vernachlässigt wird. […] So ist die Technologie die Wissenschaft von den Handwerken und von den Handwerkserzeugnissen“.
Mit Handwerken und Handwerkserzeugnissen ist aus damaliger Sicht offenkundig die gesamte „Technik“ gemeint (ein Wort, das es im heute geläufigen Sinn seinerzeit nicht gegeben hat). Ausdrücklich nennt Wolff auch die Architektur als einen Teil der Technologie. Interessant ist der Umstand, dass Wolff die Technologie als einen möglichen Zweig der Philosophie betrachtet. Das lässt sich damit erklären, dass die Ablösung der Einzelwissenschaften von der Philosophie großenteils noch nicht erfolgt war, aber man kann darin auch einen Vorgriff auf die Philosophie der Arbeit oder die Technikphilosophie sehen.
Der Ausdruck Technologie wurde wohl zuerst von J. Beckmann (1777) verwendet und bezeichnet dort die Bemühung, das technische Wissen allgemein verfügbar zu machen, wobei J. Beckmann zeitgemäss vor allem handwerkliche Verfahren als Technik auffasste.
Etwa ab 1960 wurde in der DDR der Begriff mit Bezug auf J. Beckmann wieder reaktiviert, da aber der Ausdruck bereits umgangssprachlich für "moderen Technik" verwendet wurde, bezeichneten die Philosophen ihr als Ausbildungsprogramm für technische Fach- und Hochschulen gedachte Material als "allgemeine Technologie". In Westdeutschland wurde der Ausdruck dann etwas später so übernommen, etwa von G. Ropohl, der seine Systemtheorie der Technik so bezeichnete.
Von einer allgemeinen Technologie zu sprechen, impliziert spezielle Technologien, was es nicht gibt. Es gibt nur spezielle Gegenstände der Technologie, die immer "allgemein" ist.
In der Ausbildung der Ingenieure spielen in Bezug auf Maschinen die sogenannten Naturwissenschaften und die Mathematik eine wichtige Rolle. Auf der - technologischen - Stufe der Automaten hat sich das Engineering – etwa als Informatik – von den Naturwissenschaften getrennt, was aber weitgehend naturwüchsig, also jenseits einer bewussten Technologie passiert ist.
Die gemeinte Technologie konnte sich als Fach nie etablieren. Die Ingenieure befassen sich immer mit speziellen Gegenständen. Die Philosophen, die sich nicht für Technik, sondern für vermeintliche Folgen der Technik interessieren, bezeichnen ihre Bindestrich-Disziplin als Technikphilosophie, wobei der Ausdruck "Technologie" praktisch nur im umgangssprachlichen Sinn verwendet wird.
Die Technologie repräsentiert mein begriffliches Wissen schlechthin. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint die Entwicklung der Technik als eine Entwicklung des Begreifens. Jede Erklärung beschreibt die Funktionsweise eines Mechanismus.
Die Entwicklung der Technik dient der Technologie. Würde die Technik dazu entwickelt, den materiellen Wohlstand der Menschen zu verbessern, hätte die Technik bisher durchwegs versagt: Absolut und relativ verhungern oder verslummen immer mehr Menschen auf der Erde (egal, was welche Statistiken sagen, die von Nichtbetroffenen geschrieben werden). Als Technologie verstehe ich eine Auffassung, wonach sich der Mensch als toolmaking animal begreifen lässt, wie B. Franklin und nach ihm K. Marx geschrieben haben, um die Wichtigkeit der Werkzeugentwicklung in ihren Selbstverständnissen hervorzuheben.
Das Primitive des Neandertalers sind in dieser Sichtweise seine Werkzeuge. Ich kann beim Gattungswesen Mensch (toolmaking animal) keine wesentliche Entwicklung erkennen, ich erkenne aber leicht, dass die Gattung ihre Technik und mithin ihre Technologie entwickelt. Die “alten” Griechen waren wohl mindestens so intelligent und beweglich wie ich, aber sie hatten keine Computer und deshalb natürlich auch kein Wissen über Computer. Ich - und andere Menschen, die nicht im unberührten Urwald oder in sogenannten Entwicklungsländern leben - scheinen allenfalls entwickelter, weil wir eine entwickeltere Technik (zur Verfügung) haben. Insofern die Werkzeugherstellung ein Gattungskriterium ist, hatten (tauto)logischerweise bereits die ersten Menschen Werkzeuge, wenn auch sehr primitive. Die menschliche Gattung enwickelt ihre Technik, Tiere entwickeln sich - von Genmutationen abgesehen - gar nicht.
Aristoteles lebte in einer Epoche der antiken Polis, in welcher die Werkzeuge noch von Sklaven benutzt wurden. Aristoteles entwickelt deshalb sein Geschlecht nicht im Umgang mit Werkzeugen, sondern politisch im Umgang mit Sklaven. Deshalb schien ihm der Menschen ein politisches Tier. B. Franklin, dagegen war als einer der Begründer der USA ein Yankee, der Werkzeuge und Maschinen anstelle der Sklavenhaltung setzen wollte, deshalb sah er das toolmaking animal. Und unabhängig von den beiden, neigt die Geschichtsschreibung dazu, ihre Epochen anhand der Entwicklung der Technologie einzuteilen. In diesem – etwas tierischen – Sinne würde ich allenfalls sagen, der Mensch unserer Epoche ist ein systemerzeugendes Tier.
Literatur
Todesco, R.: Technische Intelligenz oder Wie Ingenieure über Computer sprechen
kybernetics - Blog zu Technik, Technologie und zugehörigen Theorien
C. Wolff: Technologie die Wissenschaft von den Handwerken und von den Handwerkserzeugnissen (1740)
"Das Prinzip [der modernen Industrie], jeden Produktionsprozeß […] in seine konstituierenden Elemente aufzulösen, schuf die ganz moderne Wissenschaft der Technologie" (K. Marx: Das Kapital. S. 510).
"Die Technologie enthüllt das aktive Verhalten des Menschen zur Natur, den unmittelbaren Produktionsprozess seines Lebens, damit auch seiner gesellschaftlichen Lebensverhältnisse und der ihnen entquellenden geistigen Vorstellungen" (S. 393, Fn. 89.)
DDR-Jargon: "Technologie ist die Wissenschaft von den naturwissenschaftlich-technischen Gesetzmässigkeiten der Produktionsprozesse"“. "Technologie: Disziplin der technischen Wissenschaften, die die materiell-technische Seite des Produktionsprozesses, den technologischen Prozess, zum Gegenstand hat." (Wikipdia)
„Betreibt man Technologie, findet man sich als Soziologe wieder. Betreibt man Soziologie, wird man zwangsläufig zum Technologen. […] Mit den Mittlern fangen nämlich immer die Ketten von Mittlern an, auch Netzwerke genannt. Man kommt nie an ein Ende mit ihnen. Soziologen und Technologen, diese verfeindeten Brüder, glauben jedoch, an ein Ende zu kommen, die einen beim Gesellschaftlichen, die anderen bei den Gegenständen. Das einzige, was sie nicht beenden können, ist ihr Bruderkrieg, ein Krieg, der uns daran hindert, die Welt zu verstehen, in der wir leben.“ (Latour, 1996:50/51)
Latour realisiert, dass seine "Sozialphilosophie", die er als Soziologie bezeichnet, in der Technologie aufgehoebn ist. Aber er kann die Vorstellung einer Gesellschaft (there is no such thing) nicht loslassen. Der Krieg, den er beobachte, ist nicht zwischen Brüdern, sondern in ihm.
Alan Kay, Erfinder des objektorientierten Programmierens, meinte: „Jede Technologie, die bereits existiert, wenn jemand geboren wird, wird im Leben dieses Individuums als ‚Kultur’ wahrgenommen, alles neu hinzukommende zunächst als ‚Technologie’“.
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