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| Hilarius von Poitiers († 367) - Über die Synoden oder über den Glauben der Orientalen.

Achtundzwanzigstes Hauptstück.
Und zwar ist, geliebteste Brüder, diese ganze Glaubenslehre, welche bekannt gemacht wurde, durch wenige Orientalen1, wie anstatt Aller, fast in den nämlichen Tagen, da ihr die vorgelegte Irrlehre zurückgewiesen habt, entstanden; und der Grund, dieselbe auseinanderzusetzen, war dieser,2 weil beschlossen wurde, von Einer Substanz zu schweigen. Aber schon in frühern und verschiedenen Zeiten mag es, weil es diese vielen Gründe erheischten, nöthig gewesen seyn, andere Glaubensbekenntnisse zu verfassen, und wie diese beschaffen seyen, kann man aus ihnen selbst einsehen. Denn wenn wir alles, was von jenen gethan wurde, kennen gelernt haben, dann werden wir leichter und vollständiger diejenigen Gegenstände, worüber unter uns die Frage ist, auf eine religiöse und der Einheit entsprechende Weise erledigen.
[S. 374] Auslegung des kirchlichen Glaubens, welche in der bei der Einweihung der vollendeten Kirche zu Antiochia gehaltenen Synode von siebenundneunzig Bischöfen,3 welche zugegen waren, da4 Einer aus den Bischöfen in den Verdacht kam, daß er eine verkehrte Gesinnung habe, vorgenommen wurde.
1: So viele nämlich, als nach dem erhaltenen Schreiben des Georgius von Laodicea mit denjenigen, welche schon zu Ancyra, um eine Kirche einzuweihen, zusammengekommen, schnell zusammengerufen werden konnten. Sieh Sozom. Buch IV, Kap. 13.
2: Man darf nicht etwa hieraus schließen, die Orientalen hätten den Ausdruck „Einer Wesenheit“ vrrworfen; sondern Hilarius will nur die Orientalen entschuldigen, daß sie eine neue Auslegung des Glaubens gaben; wozu sie durch die Ketzerei, die zu Sirmium durch Valens und Ursacius, und zu Antiochia durch Eudoxius entstand, gezwungen wurden.
3: Nach der Angabe des Sozomenus, Buch III, Kap. 5, sagten sie, sie hätten dieses Glaubensbekenntniß van Lucian selbst geschrieben gefunden, von jenem Lucian nämlich, welcher zu Nicomedia den Martertod gelitten hat. Athanasius hingegen schreibt Einiges hievon dem Akacius und Eusebius zu, als hätten sie es bei der Einweihung vorgetragen; Akacius hingegen legt mehrere Worte dem Asterius bei. Hilarius gibt nicht undeutlich zu verstehen, daß diejenigen, welche bei der Synode zugegen waren, selbst die Verfasser dieser Formel gewesen seyen.
4: Baronius meint, dieser sey Gregorius gewesen; und ihm sey der Vorwurf gemacht worden, daß er eine verkehrte Gesinnung habe, da er erst bei dieser Zusammenkunft zum Bischof von Alexandria bestimmt wurde. Eine andere Ursache der Verfassung dieser Formel gibt Athanasius im Buche von den Synoden an, diese nämlich, daß nicht Einer, sondern mehrere, und zwar die Vornehmsten in der Synode, bei Allen wegen Ketzerei in einem schlimmen Rufe standen, da sie zweideutige Bekenntnisse ablegten.