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Die Sprachentwicklung nach dem ersten Lebensjahr
Ab etwa 12 Monaten, manchmal auch etwas früher, reagiert ein Kind auf seinen Namen und wendet sich Ihnen zu, wenn Sie es rufen. Es versteht einfache Aufforderungen und sagt "Mama" und "Papa". Das Kind verständigt sich auch mit Gesten: Es winkt zum Abschied, zeigt auf Gegenstände, schüttelt den Kopf, wenn es etwas nicht will und nickt, wenn es einverstanden ist. Es versucht, Geräusche nachzuahmen und spricht einige einfache einsilbige Wörter oder vereinfacht mehrsilbige durch Auslassung von Silben und Lauten.
Nutzen Sie jede Gelegenheit, um mit Ihrem Kind zu sprechen, zu spielen und zu singen. Wir haben eine grosse Auswahl der schönsten Schweizer Versli und Fingerreime und Kinderlieder. Jede Art von Verständigung fördert das Sprachverständnis Ihres Kindes! Zeigen und benennen Sie Gegenstände, erzählen Sie, was Sie gerade tun etc. All das sollten Sie in der normalen Erwachsenensprache und ruhigen, einfachen Sätzen machen und keine Babysprache benutzen. Nur so lernt das Kind, richtig zu sprechen.
Lassen Sie sich beraten, wenn Ihr Kind keine ersten Wörter spricht.
Ab dem 21.-24. Lebensmonat versteht Ihr Kind schon ca. 200 Wörter. Auch versteht es einfache Aufforderungen und kann z.B. Körperteile, Spielsachen und Dinge seiner häuslichen Umgebung benennen. Es beginnt, erste Verben zu benutzen und Zwei-Wort-Sätze zu bilden, z.B. "Teddy schlafen", "Auto haben", "Mama da". Wiederholen Sie in einem ganzen Satz, was Ihr Kind gesagt hat: " Auto da", "Ja, da fährt ein Auto".
Dabei sollten Sie es dann belassen und nicht mit Ihrem Kind üben. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo beim Sprechenlernen. Wenn es genug Sprache in seiner Umgebung hört, wenn Sie ihm vorlesen, singen und viel mit ihm sprechen, ist es ausreichend gefördert.
Aber: Sprechen Sie mit Ihrer Kinderärztin, Ihrem Kinderarzt, wenn Ihr Kind ausser "Mama" und "Papa" noch kaum etwas spricht, wenn es unverständlich spricht oder wenn Sie meinen, Ihr Kind versteht Sie nicht.
Ab ca. zweieinhalb bis drei Jahren umfasst der Wortschatz Ihres Kindes schon etwa 450 Wörter. Es gebraucht jetzt Verben und Adjektive, auch erste Präpositionen wie "auf" und "unter" und benennt die Grundfarben. Es gebraucht seinen Vornamen und bildet kleine Sätze, versteht einfache Geschichten und stellt intensiv Verständnisfragen (warum?). Das alles noch in der sogenannten "Babysprache" – diese vereinfachte Sprache gehört zur normalen Sprachentwicklung dazu und ist unbedenklich. Dabei können die Kinder bestimmte Laute durch andere ersetzen, beispielsweise sagen sie „das Lad ist glün“ oder sie lassen bestimmte Laute einfach weg und sagen „bennen“ statt „brennen“. Nur wenn das Kind dieses Phänomen im Alter von vier Jahren noch zeigt, kann es sich um eine Sprachstörung handeln und die Eltern sollten mit ihrem Sprössling besser zum Kinderarzt oder zur Kinderärztin gehen.
Der Kinderarzt kann dann beurteilen, ob die Sprachentwicklung mit weiteren Massnahmen gefördert werden sollte. Auch Schwierigkeiten beim Satzbau können auf eine Verzögerung oder Störung der Sprachentwicklung hinweisen, etwa wenn ein Kind mit viereinhalb oder fünf Jahren sagt "Ich Ball haben will" oder wenn sich der Wortschatz offensichtlich nicht erweitert. Grundsätzlich können in der deutschen Sprache aber aufgrund der schwierigen Grammatik häufiger Probleme auftreten.
In diesem Alter kann es bei manchen Kindern ziemlich plötzlich zu unflüssigem Sprechen kommen, was aber normal ist, wenn es sich dabei um Wiederholungen ganzer Wörter handelt. Dieses Sprechverhalten ändert sich meistens innerhalb eines halben Jahres wieder. Allerdings ist es auch das typische Alter des Stotterbeginns und Sie sollten sich beraten lassen, wenn Sie häufige Wiederholungen von Lauten und Silben oder Verlängerung von Lauten sowie Blockierungen in einem Wort bemerken und dieses Verhalten andauert.
Bei manchen Kindern kommt es zu einer Störung in der Aussprache, dem Lispeln; die nicht korrekte Artikulation der S- und anderer Zischlaute ist allerdings in diesem Alter normal und Sie sollten erst den Rat einer Fachperson einholen, wenn die Störung anhält und auch über das 4. Lebensjahr hinausgeht.
Newsticker
Babytalk | 21.02.2019
Eltern, die einen für Babys angepassten Sprechstil erlernen, können damit einen direkten Einfluss auf den Wortschatz ihrer Kinder nehmen. Damit ist jedoch nicht Babysprache aus unsinnigen Wörtern gemeint, sondern eine grammatikalisch korrekte Sprache mit normalen Wörtern, die übertrieben und mit langgezogenen Vokalen gesprochen wird. Sprechen Eltern langsam und deutlich mit ihrem Baby, lernt es mehr Wörter. Eine neue Studie des Institute for Learning & Brain Sciences der Universität in Washington, USA, zeigt: Babys, deren Eltern Anleitungen für eine kindgerechte Sprache erhalten hatten, gaben im Alter von 14 Monaten zu 43 % Silbenketten, Lautfolgen und Wörter von sich, während Babys aus der Kontrollgruppe dies nur zu 30 % taten. Das Sprechenlernen kann ganz unkompliziert beim Windelwechsel, beim Einkaufen oder den Mahlzeiten gefördert werden.
Letzte Aktualisierung : 05.2016, AG