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Die 934 gegründete Benediktinerabtei Einsiedeln hat sich über die Jahrhunderte zu einem weitläufigen, vielteiligen Komplex entwickelt. Das neue Musikhaus der Stiftsschule, das an der Stelle des Vorgängerbaus aus den 1930er Jahren errichtet wurde, steht am Ende des Studentenhofs, der vom Nordflügel des Klosters, einer grossen Wiese und den Mauern zum Klosterplatz umgeben ist. Das zweigeschossige Gebäude wird durch einen verglasten Mittelteil gegliedert, der auch in seiner Binnenstruktur das Thema der Risalite des barocken Hauptbaus aufnimmt.
Die gestaffelten Fensterreihen des Mittelteils, der eine ebenerdige Gartenhalle und im Obergeschoss Übungszimmer umfasst, öffnen sich zum Hof und rückwärtig zur Klostergärtnerei. Seitlich davon, hinter Mauern aus rauem, hellem Beton, liegen gegen Süden, angrenzend an das Hauptgebäude, das Treppenhaus mit Lift, gegen Norden Depoträume und darüber der Musiksaal.
Die lichte, stützenfreie Gartenhalle fungiert als Foyer und Ort für Veranstaltungen. Sie verbindet das Musikhaus mit den Schulräumen im Nord- und Ostflügel des Klosters. Über das Treppenhaus gelangt man in einen Korridor. Zehn Glastüren führen in die Übungszimmer, deren Wände und Decken den Mittelteil statisch tragen. Am Ende des Korridors befindet sich der Musiksaal. Er durchmisst die gesamte Höhe des Obergeschosses bis unter das geneigte Dach und ist durch ein grosses, fassadenbreites Fenster nach Norden auf die Wiese und die umgebende Landschaft ausgerichtet.
2006 wurde aus konservatorischen Gründen und wegen Platzmangel beschlossen, die ursprünglichen massiven Gewölberäume des Klosterarchivs im Südflügel der barocken Klosteranlage aufzugeben. Das Archiv, das ausser Akten, Plänen und Fotografien auch Musikliteratur umfasst, bekam 2012 einen neuen Standort unter dem Statthalterei-Hof. Damit liegt es an der Schnittstelle zwischen Klausur und öffentlichem Bereich des Klosters. Das 450 m2 umfassende neue unterirdische Magazin wurde mit Rollregalen für die vorhandenen und zukünftigen Archivalien ausgestattet und zum bestehenden Werkstättenbau so angeordnet, dass aufwendige Unterfangungen entfielen. Eine mechanische Lüftung und die Temperierung der lehmverputzten Wände durch eine Bauteilheizung gewährleisten die klimatische Stabilität für das Archivgut.
Ein Lift verbindet das Magazin mit den beidseitig belichteten langen Räumen im Erdgeschoss, den ehemaligen Werkstätten, die ohne wesentliche Eingriffe in die Gebäudesubstanz umgewandelt wurden. Zusammen mit dem neuen Lesesaal bildet das Büro des Archivars einen grossen Raum, der nur durch eine raumhohe Glastür unterteilt ist.
Die Einfachheit der Gliederung der Aufenthaltsräume wird durch die Wahl traditioneller Materialien unterstrichen: Holzdielenböden, heller Kalkputz an den Wänden, Eichenprofile für die Fenster, schlichte Lampen und ein originaler Tisch aus der ehemaligen Bibliothek des Kunstmuseums in Basel. Der Eingangsbereich ist mit einem für die Klosteranlage typischen Naturstein belegt.
Der Trakt erhielt an der Südseite eine Öffnung für einen neuen Zugang, durch den Publikum und Personal das Klosterarchiv betreten. Der Eingang von Norden bleibt Mitgliedern des Konvents vorbehalten. Von aussen tritt der Umbau des Gebäudes kaum in Erscheinung.
Musikhaus
Datum: 2006—2010
Auftraggeber: Benedictine Einsiedeln Abbey
Ort: Benedictine Kloster, Einsiedeln, Schweiz
Bruttogeschossfläche (BGF): 1.380 m²
Programm: Foyer EG, Musikzimmer 1. OG, Archiv UG
Bauingenieur: Conzett, Bronzini, Gartmann
Technische Gebäudeplanung: Walhauser Haustechnik, Bogenschütz
Architekt vor Ort: Ruedi Birchler
Akustik: Martin Lienhard
Archiv und Musikbibliothek
Datum: 2008—2012
Auftraggeber: Kloster Einsiedeln
Ort: Kloster Einsiedeln, Einsiedeln, Schweiz
Bruttogeschossfläche (BGF): ca. 950 m²
Programm: Magazin, Werkstätten, Technikräume, Anlieferung, Büro Archivar, Lesesaal
Bauingenieur: Ernst Basler + Partner
Technische Gebäudeplanung: Ernst Basler + Partner
Landschaftsarchitekt: Rotzler Krebs Partner