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| Hieronymus († 420) - Leben des hl. Einsiedlers Hilarion (Vita Hilarii)

28.
In erster Linie aber waren Hilarion solche Mönche zuwider, welche aus Kleingläubigkeit für die Zukunft Vorräte aufhäuften und allzusehr besorgt waren um Aufwand, Kleidung und andere derartige Dinge, welche mit der Welt vergehen. Einen Bruder, der ungefähr fünf Meilen weiter als er wohnte, hatte er ganz aus seinen Augen entfernt. Es war ihm nämlich zu Ohren [S. 56] gekommen, daß dieser ein gar zu vorsichtiger und furchtsamer Wächter seines Gartens sei und auch etwas Geld besitze. Da er den Greis wieder für sich gewinnen wollte, kam er oft zu den Brüdern, besonders zu Hesychius, dem Hilarion sehr zugetan war. Eines Tages brachte er einen Büschel grüner Erbsen mit, so wie sie auf dem Felde stehen. Hesychius trug sie am Abend auf, aber der Greis rief, er könne ihren Geruch nicht ertragen und fragte nach ihrer Herkunft. Hesychius gab zur Antwort, daß ein Bruder seinen Mitbrüdern die Erstlinge seines Feldes geschenkt habe. „Bemerkst du nicht", hieß es, „den garstigen Gestank? Spürst du nicht, daß die Erbsen nach Geiz riechen? Wirf sie den Ochsen vor, gib sie den unvernünftigen Tieren und siehe zu, ob sie davon fressen!" Dem Befehle gemäß schüttete er die Erbsen in die Krippe, aber die Ochsen erschraken, brüllten mit ungewohnter Heftigkeit, zerrissen die Ketten und suchten nach verschiedenen Richtungen das Weite. Der Heilige besaß nämlich die Gabe, aus dem Geruch der Körper und Kleidungsstücke sowie der Gegenstände, die jemand berührt hatte, zu ergründen, welcher Dämon und welches Laster Gewalt über die Betreffenden gewonnen hatte.