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Das ist der Stand bei der US-Präsidentenwahl: Amtsinhaber Donald Trump sagt, er sei auf Siegeskurs, doch die Demokraten wollten ihm die Wiederwahl wegnehmen. Derweil betont auch Herausforderer Joe Biden, man befinde sich auf Kurs zum Wahlsieg. Es gibt also noch kein Resultat, aber beide Kandidaten zeigen sich optimistisch, die Präsidentenwahl gewonnen zu haben.
So könnte Donald Trump die Wahl gewinnen
- Donald Trump hat Florida und Texas geholt. Würde er nun Georgia und North Carolina gewinnen, würde ihm das gegenüber Biden einen Vorsprung verschaffen, er hätte die Anzahl von 270 Wahlleuten aber noch nicht erreicht.
- Wenn Biden Arizona gewinnt, und danach sieht es aus, bräuchte Trump noch 23 Wahlleute. Er müsste also zwingend Pennsylvania für sich entscheiden und noch einen weiteren Staat.
- Alternativ könnte Trump Michigan und Wisconsin gewinnen, wobei Michigan und Wisconsin aber im Moment zu Biden tendieren. Gewinnt er diese beiden Staaten, läge er über den erforderlichen 270 Wahlleuten.
Das «Chaos»-Szenario könnte eintreffen: «Es wird jetzt zu einem längeren Hickhack kommen», sagt die USA-Korrespondentin von Radio SRF, Isabelle Jacobi. Es werde wohl noch Tage dauern, bis ein provisorisches Resultat vorliege, ausserdem werde es in den entscheidenden Bundesstaaten zu Klagen und Gegenklagen kommen. «Es ist das Szenario ‹Chaos›, das hier stattfindet», so Jacobi. Und: «Präsident Trump wird einen Sieg Bidens – falls er denn eintritt – nicht akzeptieren. Das hat er in seiner Ansprache klargemacht.»
So könnte Joe Biden die Wahl gewinnen
- Arizona scheint dem Trend nach an Joe Biden zu gehen. Auch in Wisconsin zeichnet sich ein Vorsprung Bidens ab. In diesem Fall müsste er sich noch einen der zwei Staaten der sogenannten «blauen Wand» von 2016 im Rostgürtel der USA sichern: Michigan oder Pennsylvania.
- Der Wahlausgang in Georgia ist noch völlig offen. Sollte der Staat an Biden gehen, müsste er von den drei Swing States im Mittleren Westen nur noch einen gewinnen.
Darum verzögert sich das Wahlresultat: Aus wichtigen Bundesstaaten fehlen die Ergebnisse – weil sie nach den bisherigen Auszählungen und Hochrechnungen derart knapp ausfallen, dass keine verlässliche Prognose für den Wahlsieger abgegeben werden kann. Dazu gehören North Carolina, Georgia, Michigan, Wisconsin und Pennsylvania. In einigen von ihnen wird ein vorläufiges Resultat für Freitag erwartet, aber in North Carolina etwa kann die Auszählung auch noch maximal neun Tage dauern. Weil diese Bundesstaaten für die Präsidentenwahl entscheidend sind, braucht es die Resultate, damit klar wird, ob Trump oder Biden gewonnen hat.
Trumps Aussage könnte wie ein Streichholz im Ölfass wirken.
Das macht die Hängepartie mit den USA: «Für die US-Demokratie ist das eine bedenkliche Entwicklung», sagt die Korrespondentin. Irritierend sei vor allem, dass Trump wolle, dass die Stimmenauszählung in den umstrittenen Staaten beendet werde, bevor alles Stimmen ausgezählt sind. «Er verlangt das sofortige Ende der Auszählung von völlig legal abgegebenen Stimmen.» Es werde jetzt sicher zu Gerichtsprozessen um die Gültigkeit der Briefwahlstimmen kommen, sagt Jacobi. «Und ziemlich sicher zu Gewalt – Trumps Aussage könnte wie ein Streichholz im Ölfass wirken.» Die Chance für grössere Unruhen im Land sei umso grösser, je länger die Hängepartie dauere.
Biden leicht im Vorteil: Mit einem Sieg Bidens in Arizona verkleinern sich Trumps Siegeschancen. Deshalb muss er jetzt die Staaten im sogenannten Rostgürtel im Norden des Landes holen. «Dort führt er zwar, doch die brieflichen Stimmen sind noch nicht ausgezählt – und das sind mehrheitlich demokratische Stimmen», sagt Jacobi. Auch könne es in den Südstaaten North Carolina und Georgia noch zu Überraschungen kommen. «Es wird jede Stimme relevant».