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Lora wird uns vorgestellt, weil sie innert kurzer Zeit eine Schwellung des Gesichts, insbesondere um die Augen entwickelt hatte. Die Veränderung scheint stark zu jucken, und am Kopf sind Kratzspuren zu erkennen. Die Veränderung scheint typisch für ein Quincke-Oedem, eine allergische Reaktion auf eine vorerst unbekannte Substanz, welche bei Hunden recht häufig gesehen wird (siehe z.B. "Fall des Monats Nr. 33 "). Entsprechend wird routinemässig ein Antihistaminikum und Cortison injiziert.
Der Zustand von Lora verbessert sich leider nur kurzfristig. 2 Tage später wird uns der Hund erneut vorgestellt - die Schwellung hat wieder stark zugenommen, und der Hund weist nun um die Augen, an den Ohrrändern, den Lefzen und Achselhöhlen stark gerötete, nässende, verkrustete und deutlich schmerzhafte Knoten auf. Ganz offensichtlich geht es dem Hund nicht gut, das Allgemeinbefinden ist deutlich reduziert.
Der Verlauf und die Präsentation ist sehr ungewöhnlich, weshalb telefonisch und via e-Mail ein Dermatologe beigezogen wird, welcher eine Hautbiopsie empfiehlt. In einer kurzen Narkose werden die Proben entnommen und der Hund mit Cortisontabletten, Antibiotika und einem Halskragen gegen das Kratzen am Kopf nach Hause entlassen.
Schon wenige Tage später informiert uns die Besitzerin, dass es Lora viel besser gehe. Eine Woche nach der Biopsieentnahme wird der Hund erneut begutachtet - die Krusten und Schwellungen sind weitestgehend verschwunden, und das Allgemeinbefinden hat sich stark verbesert. Der pathologische Bericht ist nun ebenfalls verfügbar: Lora leidet an einer sogenannten eosinophilen Furunkulose und hochgradigen eosinophilen interstitiellen Dermatitis. Aufgrund dieser Diagnose und der Verbesserung des Zustandes wird in den kommenden Tagen und Wochen die Cortisondosis allmählich reduziert und das Medikament schliesslich ganz abgesetzt.
Die eosinophile Furunkulose des Hundes ist eine schwere Entzündung der Haarbälge, welche auf die umgebenden Hautstrukturen übergreift und durch Anwesenheit von grossen Mengen eosinophilen Granulozyten gekennzeichnet ist. Eosinophile Granulozyten sind Abwehrzellen, welche u.A. in der Haut liegen und bei allergischen Prozessen eine grosse Rolle spielen - beispielsweise ist auch die Rötung, Schwellung und Schmerzhaftigkeit der Haut nach einem Bienenstich hauptsächlich durch die Aktivität von eosinophilen Granulozyten sowie den mit ihnen verwandten Mastzellen bedingt. Man nimmt an, dass die stark überschiessende Immunreaktion der eosinophilen Furunkulose meist aufgrund eines Stichs durch Insekten oder Spinnenartigen (Zecken, Spinnen) zustande kommt. Im Fall von Lora konnte ein solcher Stich nicht bewiesen werden - glücklicherweise liess sich aber die schwere Reaktion durch Cortison sehr schnell wieder unter Kontrolle bringen.