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«Lieber Arthur. Was in Gottes Namen ist hier los?» Das schrieb Milton Friedman 1971 in einem Brief an Arthur Burns, den damaligen Präsidenten der amerikanischen Zentralbank (Fed). Friedman kritisierte die Geldpolitik und warnte vor ihren Folgen. Als die Inflation einige Jahre später tatsächlich anstieg, rechtfertigte sich Burns vor dem Kongress damit, dass Sondereffekte wie der hohe Erdölpreis und Ernteausfälle preistreibend wirkten: «Der aussergewöhnliche Anstieg des Preisniveaus in diesem Jahr spiegelt eine Vielzahl von Sondereinflüssen wider. Die hohe Inflationsrate kann weder der Geldpolitik noch der öffentlichen Politik im allgemeinen zugeschrieben werden.»
Die Geldtheorie und die Inflationsgeschichte lehren uns, dass Arthur Burns falsch lag: Sonderfaktoren können zwar dazu führen, dass Preise einzelner Güter ansteigen. Doch nur wenn die Geldpolitik zu einem übermässigen Wachstum der Geldmenge führt, kann es zu einem anhaltenden Anstieg der meisten Preise kommen. Diese Einsicht teilte auch Paul Volcker, als er 1979 das Fed-Präsidium übernahm: «Es gibt keinen anderen Weg, als im Rahmen der Geldpolitik eine Antwort auf unsere Probleme zu suchen.» Die Einsicht, dass die Geldpolitik für die Inflation verantwortlich sei, war der zentrale Grundstein für die erfolgreiche Antiinflationspolitik unter Volcker.
Umso erschreckender ist es, dass die Einschätzungen heutiger Zentralbanker den Argumenten von Burns fast aufs Wort gleichen. Christine Lagarde, Präsidentin der EZB, liess verlauten, dass «Schocks die Inflation auf Rekordhöhen getrieben haben». Wie Arthur Burns führte sie den hohen Ölpreis und Ernteausfälle ins Feld. Die Geldpolitik als Grund für die hohe Inflation erwähnte sie mit keinem Wort.
Um die Inflation erfolgreich zu bekämpfen, braucht es erneut ein Umdenken: Die Zentralbanken müssen die Verantwortung für die hohe Inflation übernehmen und ihre Politik neu auf die Kontrolle der Inflation ausrichten. Je länger sie damit zuwarten, desto schmerzhafter wird es.