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Der Samba ist eine Musikrichtung und ein Tanzstil mit afrikanischen Wurzeln – mit den Sklaven aus Afrika nach Brasilien importiert und inzwischen als national-brasilianisch par excellence betrachtet. Als eins der bedeutendsten Manifeste brasilianischer Volkskultur hat sich der Samba in ein Symbol nationaler Identität verwandelt. Innerhalb seiner originalen Charakteristika präsentiert er eine Alternative, in der der Tanz von kleinen melodischen Texten und Refrains aus anonymer Quelle begleitet wird – Grundlagen des „Samba de Roda“ geboren in Bahia und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Rio de Janeiro durch Schwarze gebracht, welche Bahia verliessen, um sich in der damaligen Hauptstadt des Imperiums zu etablieren. Der baihianische „Samba de Roda“, der im Jahr 2005 durch die UNESCO zum Erbe der Menschheit erklärt wurde, war eine der Grundlagen für den Samba Carioca (der aus Rio).
Obwohl der Samba im ganzen Land existiert – besonders aber in den Bundesstaaten Bahia, Maranhão, Minas Gerais und in São Paulo – als eine Ausdrucksform verschiedener volkstümlicher Rhythmen und Tänze der jeweiligen Region, die alle aus dem afrikanischen „Batuque“ hervorgegangen sind, ist der Samba als Musikrichtung eine urbane musikalische Ausdrucksform von Rio de Janeiro, wo er de facto geboren wurde und sich zwischen Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt hat. Es war in Rio, wo der Tanz jener emigrierten bahianischen Sklaven mit anderen musikalischen Genres in Kontakt kam, die zu jener Zeit in Rio populär waren (wie Polka, Maxixe, Lundu, Xote und andere), und so einen vollkommen einzigartigen Charakter annahm, der als Samba-Carioca oder Karnevals-Samba bekannt geworden ist.
Während der Dekade von 1910 wurden einige Kompositionen unter der Bezeichnung Samba aufgenommen, jedoch hatten diese Aufnahmen keine besondere Wirkung. Bis 1917 der Song „Pelo Telefone“ erschien, den man als den ersten Samba noch heute anerkennt. Der Song wurde von Ernesto dos Santos, dem „Donga“ als sein Werk reklamiert – zusammen mit einem Co-Autor, den man Mauro de Almeida zuschreibt, einem damals bekannten karnevalistischen Chronisten. In Wahrheit war „Pelo Telefone“ (durch’s Telefon) das kollektive Werk von Musikern, die an den Festen im Haus der Tante Ciata teilzunehmen pflegten – wurde jedoch von Donga und Almeida in der Nationalbibliothek registriert. „Pelo Telefone“ war die erste Komposition der Marke Samba, die ein Erfolg wurde und viel zur Verbreitung der Musikrichtung beigetragen hat. Ab diesem Moment begann sich der Samba im Land auszubreiten – anfangs als Assoziation zum Karneval und später mit einem eigenen Platz auf dem Musikmarkt. Viele Komponisten folgten, wie Heitor dos Prazeres, João da Baiana, Pixinguinha und Sinhô, aber die Sambas dieser Komponisten waren ein Mix mit Maxixe – und so wurden sie auch als „Sambas-Maxixe“ bekannt.
Die modernen Fassungen des Samba erschienen erstmals in der Dekade von 1920 – eingeleitet von den Innovationen einer Gruppe von Komponisten der karnevalistischen Blöcke der Stadtteile Estácio de Sá und Osvaldo Cruz, sowie der Morros da Mangueira, Salgueiro und São Carlos. Von da an erschienen grosse Namen des Samba, unter ihnen Ismael Silva, Cartola, Ari Barroso, Noel Rosa, Ataulfo Alves, Wilson Batista, Geraldo Pereira, Zé Kéti, Ciro Monteiro, Nelson Cavaquinho, Elton Medeiros, Paulinho da Viola, Martinho da Vila und eine Menge anderer.
Und je mehr sich der Samba als moderne urbane Musik durchsetzte, wurde er auch von den Radiosendern gespielt und breitete sich aus über die Morros Cariocas und Stadtteile der Südzone von Rio de Janeiro. Anfänglich noch kriminalisiert und von Vorurteilen behaftet, wegen seiner Herkunft von den schwarzen Sklaven, eroberte er schliesslich auch das Publikum der Mittelklasse.
Andere Musikformen, die vom Samba abstammen, bekamen eigene Bezeichnungen, wie unter anderen der „Samba de Gafieira“, der „Samba-Enredo“, der „Samba de Breque“, der „Samba-Canção“, der „Samba-Rock“, der „Partido Alto“, der „Pagode“. Im Jahr 2007 – also erst vor kurzem – erklärte die IPHAN (Denkmalschutz) den Samba zum Kulturerbe Brasiliens.
Neben seiner Stellung in Brasilien als populärste musikalische Form, ist der Samba auch im Ausland sehr bekannt und assoziiert – wie Fussball und Karneval – mit der Gesamtvorstellung, die sich Ausländer von Brasilien machen. Diese Geschichte begann mit dem grossen internationalen Erfolg von „Aquarela do Brasil“, von Ary Barroso – ging dann weiter mit Carmen Miranda (unterstützt von der Regierung Getulio Vargas und seiner Politik der guten Nachbarschaft mit Nordamerika), die den Samba in die USA brachte – und zog sich durch den Bossa Nova, der Brasilien definitiv ins Welt-Szenarium der Musik eingliederte. Der Erfolg des Samba in Europa und Japan bestätigt lediglich seine Kapazität zur Eroberung einer riesigen Fan-Gemeinde unabhängig ihrer Sprache. Gegenwärtig gibt es Hunderte von Samba-Schulen auf europäischem Boden (verbreitet in Ländern wie Deutschland, Belgien, Holland, Frankreich, Schweden, Schweiz). Während die Plattenverlage in Japan konzentriert in Ausgaben antiker Platten von berühmten Sambistas investieren – das hat einen Markt geschaffen, der nur auf Katalogen von japanischen Plattenverlagen beruht!
Der moderne Samba, der aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts stammt, basiert auf einem 2/4 Takt und variablen Tanzschritten – unter bewusster Nutzung der Möglichkeiten jener zu rhythmischem Händeklatschen gesungenen Kehrreime, auf die man einen oder mehrere deklamierende Verse aufsetzt. Traditionell wird der Samba von Saiteninstrumenten intoniert (Ukulele und verschiedene Arten von Gitarren), sowie von verschiedenen Perkussionsinstrumenten, wie Pandeiro (kleine Handtrommel), Surdo (grosse Takttrommel) und Tamburin. Durch den Einfluss nordamerikanischer Orchester – ab dem Zweiten Weltkrieg, und durch den kulturellen Impact der Musik aus den USA im allgemeinen – begann man mit dem Einsatz anderer Instrumente, wie Posaunen und Trompeten, Flöten und Klarinetten.
Ausser Rhythmus und Takt von der Musik definiert, brachte die Geschichte des Samba im Schlepp auch eine besondere Esskultur (spezifische Menüs für besondere Gelegenheiten), verschiedene Tänze (Miudinho, Coco, Samba de Roda, Pernada), Feste, Kleidung (Schuhe mit schmaler Spitze, Leinenhemden etc.) und auch die naive Malerei von bewunderten Künstlern, wie Nelson Sargento, Guilherme de Brito und Heitor dos Prazeres, hervor – ausser den anonymen Künstlern der Kommunen (Maler, Bildhauer, Designer und Stilisten), die Kleidung konfektionierten, Kostüme, karnevalistische Allegorien sowie die dekorierten Wagen der Samba-Schulen. Der nationale „Tag des Samba“ wird am 2. Dezember gefeiert. Das Datum wurde auf Initiative eines Volksvertreters aus Salvador geschaffen, zu Ehren von Ary Barroso, der „Na Baixa do Sapateiro“ komponierte, ohne Bahia je zuvor kennengelernt zu haben. Und so fand sein erster Besuch in Salvador am 2. Dezember statt – ein Datum, das sich zuerst nur in Salvador durchsetzte, aber später nationale Bedeutung erlangte.