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Ruf des Londoner Bankenplatzes angeschlagen
Probleme wohin man schaut auch auf dem Finanzplatz der Londoner City. (Keystone)
Die Drohung der New Yorker Finanzaufsicht (DFS), der britischen Grossbank Standard Chartered die Handelslizenz in den USA zu entziehen, ist nicht nur in Grossbritannien auf Kritik gestossen. Mit ihrem Alleingang hat die DFS auch das US-Finanzministerium und die Notenbank Fed gegen sich aufgebracht. Sie seien erstaunt über den Alleingang der DFS, berichtete die «New York Times» unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Personen in diesen Behörden. In Fällen von Geldwäsche würden normalerweise alle beteiligten staatlichen Stellen gemeinsam handeln. Laut dem Bericht herrscht selbst unter den US-Behörden Uneinigkeit darüber, in welchem Masse die Bank gegen Iran-Sanktionen verstossen habe.
Gezielte Schwächung des Bankenplatzes?
Unterstützung erhielt Standard Chartered auch aus der britischen Politik. Der Labour-Abgeordnete John Mann etwa warf den USA in der «Financial Times» vor, gezielt den Finanzplatz London schwächen zu wollen. «Washington versucht hier eine Schlacht zu gewinnen, bei der es darum geht, den Handel von London nach New York zu verlegen. Das ist ein politischer Angriff.» Ähnlich äusserte sich Londons Bürgermeister Boris Johnson.
Umstrittener Alleingang
DFS-Chef Benjamin Lawsky, war am Montag vorgeprescht und hatte der Standard Chartered vorgeworfen, in den Jahren 2001 bis 2007 bei Geldgeschäften im Umfang von 250 Milliarden US-Dollar für Iran gegen US-Gesetze verstossen zu haben. Dazu präsentierte er Auszüge aus Dokumenten, die belegen sollen, wie die Bank iranischen Instituten half, die Herkunft des Geldes zu verschleiern. Lawsky verlangte Aufklärung von der Bank und drohte mit Entzug der Geschäftslizenz in den USA.
Rückweisung der Vorwürfe
Standard Chartered war nach eigenen Angaben völlig überrumpelt und wies die Vorwürfe zurück. 99,9 Prozent der Transaktionen im Zusammenhang mit Iran hätten sich innerhalb der gesetzlichen Regeln bewegt und nichts mit Parteien zu tun, die von der US-Regierung zum damaligen Zeitpunkt als terroristisch eingestuft worden seien. Lediglich bei Geschäften im Umfang von 14 Millionen Dollar sei dies nicht der Fall. Die Bank betonte, Anfang 2010 selbst auf die Behörden zugegangen zu sein und Daten vorgelegt zu haben.
Die Aktien von Standard Chartered hatten am Montag und Dienstag zusammen fast ein Viertel an Wert verloren. Unter Analysten gilt das Institut nun bereits als Übernahmekandidat. Vor allem der US-Grossbank JPMorgan wird Interesse nachgesagt.
Dritte britische Bank in Folge
Beobachter lässt aufhorchen, dass Standard Chartered bereits die dritte britische Grossbank ist, die sich die US-Behörden binnen weniger Monate vorknöpfen. Erst musste Barclays wegen der Verwicklung in Zins-Manipulationen eine Geldstrafe über eine halbe Milliarde Dollar bezahlen. Und dann bekam die Konkurrentin HSBC wegen laxer Geldwäsche-Kontrollen vor allem bei Transaktionen mit Mexiko eine schallende Ohrfeige vom US-Senat. Auch hier droht eine Milliardenstrafe.
Ruf des Saubermanns der Branche nachhaltig geschädigt
Standard Chartered war seit Anfang 2010 im Gespräch mit den US-Behörden über die Iran-Transaktionen. Noch in der vergangenen Woche, bei der Präsentation solider Quartalsergebnisse, hatte sich Vorstandschef Peter Sands zuversichtlich gezeigt, die Vorwürfe ohne grossen Wirbel aus der Welt räumen zu können. Mit all den anderen Banken-Skandalen sei die Sache überhaupt nicht vergleichbar, hatte er betont.
Überhaupt galt die Bank jahrelang als Saubermann in der Bankenbranche. Dank starker Geschäfte in Asien und anderen Schwellenländern überstand das Geldhaus die Finanz- und Schuldenkrise ohne Blessuren. Dieser Ruf ist nun dahin, es geht um Schadensbegrenzung. (nab, reuters/dpa)
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