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Heisse Quellen und Travertin beim Monte Amiata
In den geothermalen Feldern von Larderello und am Monte Amiata in der Südtoskana befinden sich die ältesten vom Menschen genutzten heissen Quellen der Welt. Ihre Bildung steht im Zusammenhang mit seitlicher Dehnung und Bruchzonen in den Apenninen. Die Bagni San Filippo befinden sich an der Ostseite des Siena-Radicofani-Grabenbruchs nahe beim quartären Vulkankomplex des Monte Amiata. Ihr Wasser enthält hohe Konzentrationen von Kohlendioxid und Kalzium. Dies fördert die Bildung grosser Mengen von Travertin.
Das Wasser wird für Bäder genutzt und gelangt dann in den kleinen Bach Fosso Bianco. Hier bilden sich schöne Travertinterrassen. Die gröste Formation ist Balena Bianca (Weisser Wal, hier aus Norden gesehen).
Balena Bianca (20 bis 30m hoch) aus Osten. Seine Stalaktiten, Stalagmiten und Wasserbecken erinnern an diejenigen von Pamukkale (Türkei) und Mammoth Hot Springs, Yellowstone (USA).
Cyanobakterien (grüne Matten), gelblicher Schwefel und andere Mineralien färben die sonst weissen Kalksinterablagerungen, die den Travertinkomplex aufbauen.
Wo Stalaktiten, von oben nach unten wachsend, auf Stalagmiten treffen (welche aufwärts wachsen), bilden sich säulenartige Gebilde.
Das Wasser ist suflidhaltig und ist sauerstoffarm. Die Sulfidkonzentration nimmt flussabwärts rasch ab, diejenige des Sauerstoff aber schnell zu.
Die Ablagerung des Travertins führt zur Bildung vielfältiger Terrassen, Wasserfälle und Becken, wo sich die Interaktion von Mikroben und Karbonatausscheidungen beobachten lassen.
Die Wassertemperaturen liegen bei 35 bis 52 °C, und die pH-Werte im Bereich von 6.60 bis 7.50; letztere nehmen flussabwärts infolge Ausscheidung von Kohlendioxid zu.
Das Thermalwasser tritt auf 525 m.ü.M. aus. Von dort an bis weit flussabwärts wird Travertin gebildet. Hier fliesst kein Wasser mehr, und der Travertin beginnt zu verwittern. Vorne Feigenbäume (Ficus carica).
Travertin oder Quelltuff wurde früher oft als Baustein verwendet. "Collegiata", Kirche in San Quirico, 12. Jh. Beachte Abkürzung "IOHES" (für Giovanni Pisano).
"Pozzo de Grifi e de Leoni" (Brunnen der Greifvögel - etruskisches Symbol für Montepulciano - und Löwen - Symbol für Florenz) in Montepulciano, 16. Jh.
Benedeiktinerabtei San Antimo bei Montalcino, 8. bis 12. Jh. Groteske Skulpturen sollten böse Geister abschrecken oder dienten einfach als Dekoration.
Monte Amiata von Pienza aus. Der 1738m hohe Stratovulkan hat trachytische Lavaströme und Staukuppen; er war vor 300'000 bis 200'000 Jahren aktiv.
|Text: Valeria Perin; Fotos Valentina Pinto, April 2006|