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Schlafen und Wachen werden beim Menschen wesentlich durch die Innere Uhr bestimmt, welche jeden Tag aufs Neue durch den äusseren Hell-Dunkel-Wechsel beeinflusst wird. Das Sonnenlicht mit seinem hohen Blau-Anteil spielt dabei eine massgebliche Rolle als «Zeitgeber»: Je nachdem, wie schnell wir es nach dem Aufstehen wahrnehmen, desto besser werden wir wach. Umgekehrt führt Sonnenlicht kurz vor dem Zubettgehen – etwa während der Sommerzeit – dazu, dass wir nur schwer den Schlaf finden und am liebsten in den nächsten Vormittag hinein weiterschlafen würden.
Am Wochenende im Frühling, wenn von Winterzeit auf Sommerzeit umgestellt wird, werden viele Menschen ein besonders starkes Schlafmanko erleiden. Das liegt zum einen daran, dass die meisten an den Wochenenden schon grundsätzlich später zu Bett gehen, was sich dank der langen Helligkeit bis in den Abend hinein noch mehr verspäten wird. Zum anderen weil viele am Sonntagabend grosse Mühe haben werden, einzuschlafen, am Montag aber vom Wecker eine Stunde früher geweckt werden. Weil die Innere Uhr mehrere Tage benötigt um sich den äusseren Umständen anzupassen, wird sich das Schlafmanko nach der Zeitumstellung noch mehrere Nächte weiterziehen.
In einer Studie wurde ausgerechnet, dass Jugendliche in der Woche nach der Zeitumstellung ein kumuliertes Schlafdefizit von 2,75 Stunden erleiden (Medina et al. 2015). Der höhere Melatoninspiegel (auch «Schlafhormon» genannt), der dann jeweils am Morgen noch nicht abgeflaut ist, verursacht eine schlechte Stimmung oder sogar depressive Beschwerden. Als Folge des Schlafmangels in der Nacht auf Montag können grundsätzlich bei allen Menschen auch Konzentrationsmängel und Leistungseinbussen auftreten, welche das Fehler- und Unfallrisiko erhöhen. Eine Verschiebung der Inneren Uhr um 1,1 Stunden soll bereits zu einer signifikant langsameren Reaktionszeit führen (Burgess et al. 2013).
Die Rückumstellung auf die Winterzeit können die meisten Personen deutlich besser kompensieren, da zumindest das Schlafdefizit vermieden wird. Frühtypen leiden verstärkt bei der Zeitverschiebung im Herbst, Abendtypen eher bei der Umstellung jetzt im Frühjahr. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die arbeitende Bevölkerung in der Schweiz schon grundsätzlich eher zu wenig schläft und sich deswegen während der Arbeitswoche ein chronisches Schlafmanko anhäuft.
Wegen der gehäuft auftretenden Probleme nach der Zeitumstellung spricht sich die Deutsche Gesellschaft für Schlafmedizin (DGSM) klar für die konstante Beibehaltung einer Normalzeit aus. Es scheint, als ob das EU-Parlament dies nun tatsächlich ab 2021 umsetzen wird.
Mehr zum Thema Schlaf und Schlafstörungen gibt’s an unserem Gesundheitsforum vom 22. Mai 2019.