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April / Mai 2013
Kapstadt
Nach meiner Philippinen-Reise und einer Woche im regnerischen und nebligen Hong Kong begrüsste mich Kapstadt mit strahlendem Sonnenschein. Die Stadt liegt zu Füssen des Tafelberges und ist umrandet von zwei weiteren Gipfeln, dem Devil’s Peak und dem Lion’s Head. Von all diesen Gipfeln hat man eine atemberaubende Sicht auf die Stadt.
Aussicht vom Tafelberg auf Kapstadt
Sicht vom Signal Hill auf Kapstadt (mit Schiff Queen Elizabeth 2)
Sonnenuntergang auf dem Signal Hill in Kapstadt
Savoir vivre in Kapstadt
Bereits auf der Fahrt vom Flughafen zum Hotel betonte der Taxifahrer, dass Südafrika ein 1.-Welt-Land ist und nicht mit dem Rest Afrikas vergleichbar ist. Tatsächlich ist die Infrastruktur in Südafrika gut und die Hotels und Restaurants haben durchaus europäisches Niveau. Die Preise sind aber um einiges tiefer als in Europa.
Vor dieser Reise war Südafrika für mich ein gefährliches Land, in dem Überfälle und Schlimmeres an der Tagesordnung sind. Ich möchte gleich vorweg betonen, dass ich nicht überfallen wurde und dass ich Südafrika als relativ sicher einstufe, wenn man die in solchen Ländern üblichen Vorsichtsmassnahmen trifft. Unvorsichtigkeit ist aber fehl am Platz, denn es passieren tagtäglich schwere und noch mehr weniger schwere Delikte. Das ist auch eine Konsequenz aus der Tatsache, dass Südafrika eines der Länder mit der grössten Ungleichheit ist zwischen Armen, die teils unter sehr schwierigen Bedingungen in Townships (ehemalige Schwarzensiedlungen unter dem Apartheid-Regime) wohnen und den Reichen in den abgesicherten Villen in Toplagen.
Township in der Nähe von Kapstadt
Viele Schwarze haben eine ungenügende Ausbildung und verrichten Tätigkeiten mit kleiner Wertschöpfung wie Autos bewachen oder Schwingen von Warnfahnen an Baustellen. Es ist wohl auch kein Zufall, dass alle Bed & Breakfast, in denen ich wohnte, einen Weissen als Besitzer hatten, das Frühstück aber immer von einer schwarzen Angestellten zubereitet wurde. Viele schwarze Südafrikaner sind arbeitslos oder arbeiten im informellen Sektor. Andererseits sind viele Immigranten von andern Afrikanischen Ländern in Südafrika. Wie mir gesagt wurde, sind dieser Immigranten oft erfolgreicher auf dem Arbeitsmarkt, weil sie arbeitsamer sind als die schwarzen Südafrikaner. Ich konnte mich selbst davon überzeugen, dass viele Schwarze, die in guten Restaurants und Hotels arbeiteten, nicht aus Südafrika stammten.
Zum Unterschied zwischen Arm und Reich trägt auch bei, dass der Staat viele Leistungen wie Bildung, Gesundheitsversorgung oder öffentliche Sicherheit mangelhaft anbietet. Auch die Benutzung der Autobahnen ist oft nicht kostenlos. Die Leute mit wenig Geld müssen sich mit dem begnügen, was der Staat kostenlos zur Verfügung stellt, während Reiche sich eine bessere private Versorgung leisten können. Immerhin können gute schwarze Schüler aus schwierigen Verhältnissen heutzutage dank staatlicher Förderung den Sprung in die Mittelklasse oder noch höher schaffen.
Die Südafrikaner sind nicht wirklich zufrieden mit ihrer (schwarzen) Regierung. Die Steuern sind hoch, aber oft ist nicht klar, ob das Geld für staatliche Leistungen verwendet (ist das nicht eine höfliche Umschreibung für Korruption?) und effizient eingesetzt wird. Zudem stellt der Staat häufig Verwandte und Bekannte von Staatsangestellten ein, statt den besten Kandidaten zu auszuwählen.
Aber nun zu meiner Reise. Ich startete in Kapstadt, wo ich in einer Woche die wichtigsten Sehenswürdigkeiten besuchte, die nähere Umgebung entdeckte und meine weitere Reise in Südafrika organisierte. Kapstadt wurde vom Holländer Jan van Riebeeck von der Vereenigde Oost-Indische Compagnie (VOC) 1652 gegründet. Hier wurden Schiffe auf dem Weg nach Asien repariert und Vorräte aufgestockt. Das Kap ist aber keine ungefährliche Gegend. Schwere Stürme und Riffe führten zu zahlreichen Schiffsverlusten. Unzählige Schiffwrecks liegen um das Kap herum auf dem Meeresgrund.
Heute ist Kapstadt mit 3.7 Millionen Einwohnern die zweitgrösste Stadt des Landes. In der Innenstadt fühlte ich mich auch tagsüber nicht ganz sicher, denn auf Schritt und Tritt trifft man auf potentiell zwielichtige Gestalten. Passiert ist aber nie etwas. Nachts sollte man nicht mehr zu Fuss unterwegs sein, sondern auch für kurze Distanzen ein Taxi benutzen.
Die historischen Hafenanlagen, Victoria & Albert Wharf genannt, wurden überbaut und sind nun ein trendiger und sicherer Ort mit vielen Restaurants und Geschäften und der Ausgangspunkt von Schiffstouren, unter anderem zur Robben Island.
Robben Insel
Ein Besuch dieser geschichtsträchtigen Insel gehört zu jedem Kapstadt-Besuch. Dorthin wurden seit jeher unliebsame Personen abgeschoben. Schon der erste Gefangene war in der Mitte des 17. Jahrhunderts ein politischer Gefangener. Später haben die Holländer dort neben anderen Gefangenen einen muslimischen indonesischen Prinz festgehalten. Zeitweise wurden Leprakranke auf die Insel abgeschoben. Während des Apartheidregimes waren neben Kriminellen Gefangene eingekerkert, die sich gegen das damalige Regime auflehnten. Der berühmteste dieser politischen Gefangenen war Nelson Mandela. Er verbrachte 18 Jahre seiner 27-jährigen Gefangenschaft auf Robben Island.
Zelle von Nelson Mandela auf Robben Island, 2.5 m x 2.5 m
Das Weinanbaugebiet Constantia ganz in der Nähe der Stadt war das erste in Südafrika. Einige Kellereien wie Constantia Beau produzieren so ausgezeichnete Weine, dass ich ein paar Flaschen kaufte und auf meine Reise mitnahm – und abends nach dem Autofahren mir jeweils einen Schluck davon genehmigte.
Das Weingut Constantia Beau
Als erstes fuhr ich mit dem Mietauto südlich von Kapstadt dem Meer entlang. Die Orte Mouille Point, Green Point, Sea Point, Clifton, Camps Bay und Hout’s Bay sind dank Meeresblick und Sonnenuntergang begehrte Wohngegenden.
An der Küste in der Nähe von Kapstadt
Hout Bay
Von einer Chapman’s Peak Drive genannten Strasse boten sich atemberaubende Ausblicke aufs stahlblaue Meer. Weiter besuchte ich Cape Point (eine Landspitze südlich von Kapstadt), Muizenberg (farbige Badehäuschen) und Simon’s Town (grosse Zwergpinguinen-Kolonie).
Cape Point
Farbige Badehäuschen in Muizenberg
Pinguin in Simon’s Town
Stellenbosch
Die nächste Destination war das berühmteste südafrikanische Weingebiet, Stellenbosch. Das Dörfchen Stellenbosch ist sehr gepflegt und pittoresk. Auch das ist Südafrika. Am Nachmittag stattete ich den drei schönsten Kellereien mit dem Auto einen Besuch ab. Am nächsten Tag war ich mit einer ganztätigen Weintour unterwegs, damit ich ohne selbst Auto zu fahren degustieren konnte. Abends hatte ich ein Nachtessen im besten Restaurant in Stellenbosch reserviert.
Häuser in Stellenbosch
Eichenfässer in einer Kellerei
Ein toller Dessertwein
Der Salon meines Restaurants in einem historischen Landhaus
Am nächsten Tag fuhr ich stundenlang durch einsame, wüstenähnliche Landstriche nach Oudtshoorn, in dessen Umgebung sich viele Straussenzuchten befinden. So war auch klar, welches Fleisch auf meinem Teller landete.
Kango Höhlen
Am folgenden Tag besuchte ich die vier Kilometer langen Kango Höhlen. Funde zeigen, dass Menschen bereits in der Steinzeit im Eingangsbereich der Höhle lebten.
Auf einer Schotterstrasse fuhr ich anschliessend über den Swartberg Pass und zurück nach Oudtshoorn.
Der Swartberg Pass
Als nächstes besuchte ich das Städtchen Knysna, das sich an einer wunderschönen Bucht befindet. Auch hier wurde eine sogenannte Waterfront mit Läden und Restaurants gebaut. In Knysna hat Mitchell, die berühmteste Mikro-Brauerei in der Kapgegend, ihre Produktionsstätte. Natürlich stattete ich ihr einen Besuch ab. Mir gefielen das Stout und das Milk and Honey Ale am besten.
Tags darauf machte ich eine Wanderung im Naturschutzgebiet Nature’s Valley. Nicht weit davon befindet sich die Bloukrans Brücke, wo das weltweit höchste Bungee-Jumping angeboten wird (216 Metern). Da es regnete, verzichtete ich auf einen Sprung. 😉 Den Nachmittag verbrachte ich am Strand von Plettenberg, einem Touristenort mit vielen schicken Boutiquen und Restaurants mit Meeresblick.
Kap Agulhas, der südlichster Punkt Afrikas
Am nächsten Tag fuhr ich durch endlose Kornfelder und Weiden zum südlichsten Punkt Afrikas, dem Cape Agulhas. Nicht weit vom Kap vermischen sich der kalte Atlantische und der warme Pazifische Ozean. Dabei entsteht ein einmaliges Ökosystem. Die Energie des Kaps munterte mich auf und so entschied ich mich, am Meer entlang zu joggen. Das Donnern der Wellen vermischte sich mit dem Kreischen der Vögel und die kühle, frische Luft war leicht salzig.
Übernachtet habe ich im südlichsten Bed & Breakfast auf dem Afrikanischen Kontinent. Sogleich wurde ich vom holländischen Besitzer dieses Design-B&B zu einem Glas Weisswein eingeladen. Der Leuchtturm war nur circa 150 Meter entfernt. Es war ein spezielles Gefühl zu sehen, wie der starke Lichtstrahl das Zimmer in der Nacht trotz den schweren Vorhängen im Abstand von 5 Sekunden ein wenig erhellte.
Am Kap Agulhas, dem südlichsten Punkt Afrikas
Zurück in Kapstadt wohnte ich in Mouille Point. Während meines ersten Aufenthaltes in Kapstadt vor zwei Wochen merkte ich, dass dies der ideale Ort ist. Einerseits war ich direkt am Meer und hatte Meeressicht, andererseits waren es nur zehn Minuten zu Fuss zur Victoria & Albert Waterfront. Und die Gegend war sicher, so dass man auch Nachts zu Fuss unterwegs sein konnte. Mouille Point war auch ein perfekter Ausgangspunkt für’s Joggen am Strand. Rechts sah man auf das Meer hinaus und links erhob sich der Tafelberg.
Das Two Ocean Acquarium ist einen Besuch wert
Während den wenigen verbleibenden Tagen in Kapstadt bestieg ich endlich den Tafelberg, nachdem das Wetter beim ersten Aufenthalt nicht ideal war. Vorher wurde ich gewarnt, dass ich so eine Wanderung nicht unterschätzen dürfe und ausreichend ausgerüstet sein müsse. Es stellte sich heraus, dass die Wanderung keine Schwierigkeiten bereitete. Die Aussicht vom Tafelberg auf Kapstadt und Umgebung war spektakulär. Die meisten Leute kamen mit der rotierenden Seilbahn auf den Berg. Es ist die gleiche Bahn wie die Seilbahn auf den Titlis in der Zentralschweiz.
Johannesburg
Johannesburg, die grösste Stadt Südafrikas, erreichte ich mit einem bequemen Fernbus. Ich entschied mich für den Bus, um die Landschaft zwischen dem Kap und der Hochebene, auf der sich Johannesburg befindet, kennenzulernen. In Johannesburg traf ich einen Schweizer Kollegen, der auf einer Geschäftsreise war und anschliessend eine Woche Ferien anhängte. Dieser hatte einen alten Freund in Johannesburg, der uns begleitete und uns viele gute Tipps geben konnte. Dieser Freund war Architekt. Ich hatte die Gelegenheit, ihn bei seiner Arbeit zu begleiten und lernte so tolle Villen in schönen Quartieren kennen. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Grundstücke neben Mauern zusätzlich mit elektrischen Zäunen gesichert waren. Zu einem Mittagessen waren wir bei Sonnenschein auf der Terasse eines der besten Hotels Johannesburg’s mit Aussicht über die Stadt. Johannesburg hat durchaus Lebensqualität zu bieten. Während der Ferienwoche meines Kollegen besuchten wir den Kruger Nationalpark und den Blyde River Nationalpark.
Kruger Nationalpark
Der Kruger Nationalpark ist ungefähr 550 Kilometer von Johannesburg entfernt. Wir konnten einen grossen Teil davon auf Autobahnen zurücklegen, so dass wir den Krugerpark in ungefähr sieben Stunden erreichten. Auf einer Fläche von 23’400 km2 (360 km auf 65 km) leben unzählige Tiere, zum Beispiel ungefähr 11’000 Elefanten, 5’000 Giraffen, 2’000 Löwen und 2’700 Nashörner. Wir waren vier Nächte im Park, wo man mit dem Privatauto auf Teer- und Kiesstrassen auf Wildsuche geht und abends in einem der 24 Camps übernachtet. Morgens früh und spät abends soll man die Tiere am ehesten sehen können. Wir standen daher jeden Morgen um 5:30 auf, damit wir um sechs Uhr, wenn die Camps ihre Tore öffnen, losfahren konnten. Meist hat sich das frühe Aufstehen aber nicht gelohnt. Wir sahen die Tiere eher den Tag durch. Da Wildtiere sehr viel Platz benötigen, ist es nicht unüblich, fünf bis zehn Kilometer zu fahren, ohne ein grosses Tier zu sehen. Die häufigsten Tiere sind Impalas, eine Antiloppenart, von denen 1.5 Millionen Tiere im Kruger Park leben. Aber auch Elefanten, Giraffen, Zebras und Kudus sah man relativ häufig. Fast in jedem Fluss konnte man Nilpferde beobachten und ab und zu ein sonnendes Krokodil. Wir sahen auch Büffel, Hyänen und Geier. Auch ein Nashorn kreuzte unseren Weg. Bis die Kamera bereit war, war es aber schon im Busch verschwunden. Am letzten Morgen gingen wir mit zwei Rangern zu Fuss in den Busch. Sie erklärten uns, dass bei über 2’000 dieser Touren nur drei Mal auf ein Tier geschossen werden musste. Generell haben alle Tiere Angst vor dem Menschen und verschwinden, wenn wir auftauchen. Unsere Tour verlief fast zu ereignislos. Immerhin fanden unsere Ranger eine Herde Büffel, in dem sie einem Vogel folgten, der sich darauf spezialisert hat, Ungeziefer von der Büffelhaut zu picken. Die Ranger erzählten uns viel Interessantes über das Leben und Verhalten der Tiere und wie sie dieses Wissen bei ihrer Arbeit nutzen.
Ein Riesenproblem in Südafrika ist das Töten der Nashörner wegen ihrem Horn. Obwohl China das Artenschutzabkommen CITES bereits 1993 ratifiziert und das Horn des Nashorns aus dem Katalog der Zutaten für die chinesische Medizin gestrichen hat, besteht immer noch eine starke Nachfrage aus China und Vietnam. Der Schwarzmarktpreis in diesen Ländern für ein Horn, das aus Keratin besteht, der gleiche Stoff wie unsere Haare und Fingernägel, beträgt mehrere Hundertausend Dollars. 2012 wurden in Südafrika 660 Nashörner gewildert verglichen mit einem Gesamtbestand von ungefähr 20’000 Tieren. In den ersten vier Monaten des Jahres 2013 waren es bereits 273, davon 201 alleine im Kruger Park (bei einem Gesamtbestand im Kruger Park von ca. 2’700 Nashörnern). 2013 wird also voraussichtlich ein trauriger neuer Rekord erreicht. Immer wieder werden Wilderer festgenommen oder sterben in Schiessereien mit den Rangern.
Zu diesem Thema hört man viele Geschichten, deren Wahrheitsgehalt ich nicht verifizieren kann. An der Grenze zum Kruger Park in Mozambique soll ein neues Dorf mit schönen Häusern entstanden sein und die Dorfbewohner sollen mit teuren Autos herumfahren. Anscheinend seien auch Parkwächter in die Wilderei involviert, denn sie kennen die Standorte der Nashörner am besten. Und Besitzer von Privatsafari-Gebieten dulden die Wilderei ihrer Nashhörner und erhalten dafür einen Teil des Erlös.
In gewissen Gebieten hat man daher begonnen, die Nashörner zu betäuben und das Horn abzuschneiden. Wie ich gehört habe, werden sogar solche Nashörner gewildert, da ein kleiner Stummel Horn zurückbleibt und es zudem wieder nachwächst. Andere färben das Horn ein, damit es unbrauchbar wird. Ob die Wilderer nachts sehen, ob ein Horn eingefärbt ist?
Morgenstimmung
Elefanten
Zebras
Impalas
Spinne
Zwei Wasserböcke
Giraffen
Krokodil
Eine Hyäne
Blyde River National Park
Die folgenden zwei Tage wanderten und bikten wir im Blyde River National Park …
… und bewunderten den Bridal Veil Fall beim Städtchen Sabie.
Soweto
Am Schluss kamen wir nach Soweto, wo wir Nelson Mandela’s Haus besuchten.
Das Haus von Nelson Mandela
Anschliessend reiste ich auf die Seychellen.