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Wie wir gesehen haben, entwickeln wir uns in klar vorgegebenen Stufen (Weltsichten) und in vielen unterschiedlichen Bereichen (Entwicklungslinien). Der Verlauf innerhalb einer Entwicklungslinie erfolgt nach einem gleichbleibenden, sich wiederholenden Schema. Dabei werden jeweils drei Schritte durchlaufen.
Wenn eine Entwicklung zur nächsten Stufe ansteht, muss ich meine gewohnte Sicht auf die Dinge verlassen (1. Schritt: Differenzierung) und mich dann auf das Neue einlassen (2. Schritt: Transzendenz). Danach werde ich die abgelegte Sicht wieder einbinden (3. Schritt: Integration). Ich besitze so anschliessend eine umfassendere Sicht auf die Welt. Ich habe eine neue Perspektive hinzugewonnen.
Ein klassisches Beispiel, welches diesen Umstand in der kognitiven Entwicklung wunderbar aufzeigt, ist folgendes, von Piaget durchgeführtes, Experiment:
Ich sitze einem 3-jährigen Kind gegenüber und habe einen Ball in der Hand, der eine rote und eine grüne Seite hat. Ich zeige dem Kind die rote Seite und frage es, welche Farbe es sieht. Die Antwort des Kindes lautet: Rot! Darauf zeige ich ihm die grüne Seite und frage wieder, welche Farbe es sieht: es sagt mir: Grün! Frage ich das Kind nun aber, welche Farbe ich sehe, wird es mir ebenfalls sagen: Grün!. Obwohl das Kind vorher gesehen hat, dass der Ball zwei Farben hat, wird seine Antwort immer aus seiner Sichtweise kommen. Es kann meine Perspektive nicht einnehmen.
Wiederhole ich das Experiment mit dem Kind ein paar Jahre später, wird es kein Problem mehr haben zu unterscheiden, welche Farbe es selbst und welche Farbe ich sehe. Zeige ich ihm die grüne Seite, wird die Antwort auf die Frage, welche Farbe ich sehe, nun “Rot!” lauten.
Daran können wir erkennen, dass das Kind eine Entwicklung in der Kognition durchgemacht hat und nun eine höhere Perspektive besitzt. In dem Fall kann es sich in die visuelle Wahrnehmung einer anderen Person hineinversetzen.
Diese Entwicklung zu höheren, umfassenderen Perspektiven sind in allen Linien zu finden!
Nun wissen wir, dass bei der Entwicklung selten alles Ideal verläuft. Zu viele Faktoren können die Entwicklung stören, beeinflussen oder verhindern. So zum Beispiel die Bezugspersonen, allen voran die Eltern, dicht gefolgt von den Lehrpersonen, politischen Gegebenheiten, gesellschaftlichen Normen, gesundheitlichen Faktoren u.v.m.
Dabei lassen sich drei verschiedene Entwicklungsstörungen ausmachen:
Stagnation: Ich entwickle mich nicht mehr weiter, obwohl ich eigentlich das Potential dazu hätte.
Fixierung: Ich lasse die alte Perspektive beim Entwicklungsschritt nicht los.
Allergie: Ich integriere die alte Perspektive nicht wieder.
Beispiele:
Allergie: Ich habe ein sehr angepasstes Mädchen im Unterricht, dass nie stört. Diese vermeintliche Stärke (Konzentration, Ausdauer, sich zurücknehmen können) kann auch aus einer grossen Schwäche entstehen. Das Mädchen hat beim Übergang von Rot auf Bernstein ihre Wut nicht wieder integriert. Sie hat nun eine Allergie auf Wut und wird alles dafür tun, dass sie keiner Wut ausgesetzt wird oder dass sie selber Wut spüren muss.
Fixierung: Ein älterer Gymnasialschüler verhält sich stets vorbildlich. Macht immer seine Hausaufgaben, ist pünktlich, fehlt nie, ausser er ist wirklich krank etc. Dieses sehr angenehme Verhalten kann aber aus einer Fixierung in der moralischen Entwicklung resultieren. Beim Übergang von Bernstein zu Orange sind seine Werte auf Bernstein stehen geblieben.
Stagnation: Ein sehr traumatisches Erlebnis erschüttert eine Schülerin dermassen, dass sie alle Ressourcen zur Bewältigung aufwenden muss. Das Kind bleibt für eine gewisse Zeit in seiner Entwicklung stehen. Ohne professionelle Hilfe wird es eventuell sehr lange auf seiner Entwicklungsstufe stehen bleiben und seinen Klassenkammeraden nicht mehr hinterher kommen.
Politische Gegebenheiten, gesellschaftliche Normen und gesundheitliche Faktoren kann ich nur bedingt beeinflussen. Was ich aber zu 100% beeinflussen kann, ist mein Wirken auf Kinder und Jugendliche, damit sie sich zu gesunden Menschen entwickeln können.
Ich kann darum bemüht sein, dass ich keine Stagnationen, Fixationen oder Allergien habe. Dies Bedarf einer intensiven Auseinandersetzung mit sich und seinem Unbewussten. Unter professioneller Anleitung wirst du deine unbewussten Teile wieder ans Licht holen, bearbeiten und bestenfalls wieder integrieren.
So kannst du mit den Schatten aus der Vergangenheit aufräumen und wirst zu einem gesunden und freien Selbst gelangen können: der Grundvoraussetzung, um die dir anvertrauten Kinder und Jugendlichen auch auf diesem Weg begleiten zu können.
Alles Liebe,
Nicole
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