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„Jiddisch fasziniert mich mit seiner Erhabenheit und seinem rätselhaften, kultivierten musikalischen Ton. Ich habe keine Erklärung für die Tatsache, dass ich immer eine Verbindung zu dieser Sprache gefühlt habe.“
Im Gegensatz zu dem, was man erwarten könnte, ist der Sprecher dieser Sätze kein polnischer Dichter oder deutscher Philosoph. Er ist Yusuf Alakili, 50, aus Kafr Qasim, der derzeit viel Mühe in seine Studien für einen Masterabschluss in Literatur an der Bar-Ilan-Universität investiert. Nebenbei studiert Alakili Jiddisch zu seinem eigenen Vergnügen.
Wie hat diese Affäre begonnen? „In den 1980er-Jahren arbeitete ich zusammen mit einem Juden polnischer Herkunft, der in Bnei Berak lebte, und Jiddisch war dort die Hauptsprache. Ich war fasziniert von ihrem musikalischen Ton und beschloss, es ernsthaft zu studieren. Mein Traum ist, Scholem Alejchems Tewje der Milchiger [die Inspiration für Anatevka/Fiddler on the Roof] in der Originalsprache zu lesen.“
Und was stört ihn? „Ich weiss nicht, wer daran schuld ist, aber ich verstehe nicht, warum diese herrliche Sprache vernachlässigt wird, wenn solch eine umfangreiche Literatur auf Jiddisch existiert. Wussten Sie, dass [Nobelpreisträger] Agnon in Jiddisch zu schreiben begann und erst später ins Hebräische überwechselte?“, fragt er.
Alakili ist nicht allein. Über ein Viertel der 400 Studenten, die an der Bar-Ilan Jiddisch studieren, sind Araber, sagt Dov-Ber Kotlerman, akademischer Leiter des Zentrums für Jiddische Studien an der Bar-Ilan. Laut Kotlerman sind einige der israelischen Araber auf der Suche nach einem Weg, um eine Verbindung zur jüdischen Kultur zu finden, mit der sie zurechtkommen müssen, und es ist nicht leicht für sie.
„Auch Juden in der Diaspora suchen danach – einen Weg, eine Verbindung zu der lokalen Kultur herzustellen –, und es ist wunderbar, dass Jiddisch eine Art Botschafter sein kann, eine Brücke zwischen Nationen und Kulturen“, sagt er. „Nehmen Sie zum Beispiel den Fall von Tewje dem Milchiger, dessen Tochter einen Christen heiratet und er die Shiv‘a [die traditionelle jüdische Trauerwoche] für sie sitzt. Vor zwei Jahren trat eine arabische Studentin an mich heran und sagte, dass ihr Vater das Gleiche täte, wenn sie sich in einen Juden verliebte“, sagt Kotlerman.
Salam Bashara, 22, aus Tira, beendet gerade ihren Bachelorabschluss in arabischer Literatur. Sie erklärt, wie die jiddische Sprache und Kultur sie stark berühren.
„Ich verliebte mich in der High School in die hebräische Literatur. Als ich Jiddisch studierte, lernte ich Scholem Alejchem und die frühen Werke von Agnon kennen“, und sie sah auch verschiedene Filme, wie den wunderbaren Film „Der Kantor von Wilna“.
„Der Verlust des Sohnes des Kantors [an die säkulare Kultur der Umgebung] ist eine universelle Erfahrung, etwas, womit sich jeder identifizieren kann“, sagt Bashara, die hofft, eines Tages ihre Masterarbeit über die Parallelen zwischen der arabischen und jiddischen Literatur schreiben zu können.
Originalversion: Dudi Goldman Nu? Arab Students‘ New Shtick: Kibbitizing in Yiddish © Yedioth Ahronot via Al Monitor, October 15, 2012