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Botschaft betreffend Gemeindebeitrag an die Gesamterneuerung der Dauerausstellung im Museum Regiunal Surselva (MRS)

Sehr geehrter Herr Parlamentspräsident

Sehr geehrte Parlamentarierinnen, sehr geehrte Parlamentarier

Der Stiftungsrat des Museum Regiunal Surselva (MRS) und das Museumsteam haben Grosses vor. Mit dem Projekt «tipic Surselva» soll die in die Jahre gekommene Dauerausstellung im Museum grundlegend erneuert und modernisiert werden. Das Vorhaben wurde anlässlich der Gemeindeparlamentssitzung vom 18. Februar 2025 bereits ausführlich vorgestellt.

Zukünftig fokussiert die Dauerausstellung verstärkt auf die spezifischen Merkmale der Surselva und setzt darüber hinaus auf relevante Inhalte mit Alleinstellungscharakter in der Bündner Museumslandschaft. Die geplante Ausstellung enthält vermehrt handlungsaktive Elemente und soll so weit als möglich inklusiv und barrierefrei sein. Die Modernisierung der Dauerausstellung ist ein notwendiger Schritt, das Museum für die Zukunft und die veränderten Ansprüche des Publikums, insbesondere auch einer jüngeren Generation, fit zu machen.

Zurzeit befindet sich das Projekt «tipic Surselva» mit Kosten von 1.1 Mio. Franken in der Finanzierungsphase. Der Stiftungsrat und das Museumsteam rechnen mit einem Umbau in den Herbst- und Wintermonaten 2025/2026 und einer Wiedereröffnung des Museums im Sommer 2026.

Ausgangslage

Das Museum Regiunal Surselva (MRS) rüstet sich für die Zukunft

Vor vier Jahren hat der Stiftungsrat und das Team des MRS sich die Zeit für einen Strategieprozess genommen. Das Museum wurde einer integralen Analyse unterzogen, und es wurde ein «Richtplan» mit konkreten Zielen und Massnahmen für die Erneuerung des MRS in den nächsten fünf bis zehn Jahren definiert. Das Leitbild für das MRS lautet neu wie folgt:

«Das Museum Regiunal Surselva ist Dreh- und Angelpunkt des kulturellen Lebens in Ilanz und der Surselva. Als Haus für Geschichte und Kultur der Region ist es ein Debattier- und Resonanzraum im Heute für die Geschichte von morgen. Es agiert kooperativ, partizipativ und inklusiv.»

Auf dem Weg zu einem attraktiven und professionellen Museumsbetrieb hat das MRS in den vergangenen Jahren:

finanzielle und personelle Ressourcen in die wissenschaftliche Aufarbeitung, Dokumentation und Digitalisierung der Sammlung von mittlerweile 11'000 Objekten investiert;

2013 den Bau eines Kulturgüterschutzraumes für die fachgerechte Lagerung des Sammlungsgutes realisiert;

2018/2019 das Museumsgebäude Casa Carniec umfassend renoviert und einen Lift eingebaut;

2019 ein Museumscafé im Garten eingerichtet;

2021 die Museumsbar BARgia in den Gartenlauben geschaffen. Die Bar bietet Einheimischen wie Gästen einen niederschwelligen Zugang zum Museum und hilft, das Haus und sein Angebot vor Ort besser bekannt zu machen und zu verankern. Die Bar wird an kulturellen Anlässen des Museums und einmal im Monat als offener Barbetrieb genutzt;

2021 den eingangs erwähnten Strategieprozess zur Neuausrichtung des Museums umgesetzt;

2022 ein Nebenerwerbskonzept entwickelt und umgesetzt: Seither können die Räumlichkeiten des Museums und der Garten mit Apéro und Kulturimpuls gemietet werden. Dank dem Barbetrieb und der Vermietung der Museumsräume konnte die Eigenwirtschaftlichkeit des Museums stark verbessert werden;

2022/2023 das Ausführungskonzept für die neue Dauerausstellung erarbeitet;

2023 das umfangreiche Archiv digitalisiert und die IT-Infrastruktur erneuert;

2024/2025 eine neue Internetseite erarbeitet, deren Lancierung im Frühsommer 2025 erfolgt.

Dank stärkerer Partizipation schon bei der Entwicklung von Wechselausstellungen und dank Kooperationen mit anderen Veranstaltungspartnern konnten die Besucherzahlen in den letzten vier Jahren deutlich gesteigert werden.

Als letzter Baustein folgt nun die Neueinrichtung des Museumsgebäudes mit einer vollständig überarbeiteten Dauerausstellung sowie – ergänzend – mit neu konzipierten Räumen für eine multifunktionale Nutzung des Hauses.

Abbildung 1: Visualisierung der neuen Ausstellung des Museum Regiunal Surselva (MRS).

Projekt «tipic Surselva»: Erneuerung der Dauerausstellung

«tipic Surselva» heisst das Projekt für die Erneuerung der Dauerausstellung und der Name ist Programm: Die Dauerausstellung wird thematisch erweitert und fokussiert stärker auf die Spezifika der Surselva.

Zeigte das MRS in der Vergangenheit primär, wie Menschen in der Surselva in früheren Zeiten ihre Existenz bewältigt haben, positioniert sich das Museum zukünftig mit geschärftem Profil als Regionalmuseum, das die Geschichte und die Kultur der Surselva den Einheimischen wie den auswärtigen Gästen vermittelt. Neue Themen ziehen ein, darunter beispielsweise die Themen Tourismus, Migration/Mobilität, Sprache und Identität, die Musik und dabei insbesondere der für die Surselva so bedeutende Gesang, Glaube und Herrschaft oder Jagd und Fischerei. Die Themen Land- und Alpwirtschaft sowie das Handwerk geniessen weiterhin einen hohen Stellenwert in der Ausstellung. Aber auch hier soll in Zukunft stärker auf die Surselva fokussiert werden. Was sind typische Besonderheiten der Landwirtschaft in unserer Region, welches sind die spezifischen Herausforderungen als Landwirt oder Landwirtin in unserer Gegend? Wie wird sich die hiesige Alp- und Landwirtschaft in der Zukunft verändern?

Die einzelnen Themen der neuen Dauerausstellung wurden in einem nächsten Schritt Fachleuten übergeben, welche ein umfassendes Dossier zum jeweiligen Thema verfasst haben. Inhalt der Dossiers waren die Darlegung des aktuellen Wissens- und Forschungsstandes aufgrund der bestehenden Literatur sowie eine umfangreiche Quellensammlung (Foto- und Filmmaterial, Archivalien, usw.), für welche die Fachleute diverse kantonale und regionale (Kultur-)Archive durchforstet haben. Ein weiteres Ziel der Dossiers war es, zu jedem Thema herauszuschälen, welche Punkte und Geschichten in der Ausstellung unbedingt erzählt werden müssen.

2023 wurden die Dossiers in einer Vortragsreihe mit anschliessenden Podiumsgesprächen vor Publikum präsentiert und diskutiert. Die Rückmeldungen des Publikums und der Podiumsteilnehmer sind ebenfalls in die Dossiers eingeflossen, so dass die Ausstellungsmacher für die einzelnen Räume der neuen Ausstellung eine wissenschaftlich fundierte und äusserst informative Grundlagenarbeit zur Hand haben.

Auch in zeitlicher Hinsicht wird die Ausstellung erweitert. Aktualität entsteht, wenn Begebenheiten von Heute aufgrund der historischen Entwicklung erklärt und gleichzeitig Fragen an die Zukunft gestellt werden dürfen. So entsteht ein Debattier- und Resonanzraum, der die jüngere Generation anspricht. Künftig wird also nicht mehr ausschliesslich die Surselva in früheren Zeiten gezeigt, sondern stets die Brücke ins Heute geschlagen und jüngste Ereignisse und aktuelle Entwicklungen thematisiert.

Das Ausstellungskonzept wurde anlässlich der parlamentarischen Sitzung vom 19. Februar 2025 umfassend präsentiert. Es sollen daher im Folgenden nur die wesentlichen Merkmale der neuen Ausstellung aufgeführt werden:

die neue Dauerausstellung folgt einem übergeordneten Narrativ und genügt hohen Ansprüchen an Szenografie und Vermittlung;

die neue Dauerausstellung ist mit allen Sinnen erfahrbar. Sie enthält insbesondere verstärkt handlungsaktive Elemente, wie Objektscanner oder handlungsaktive Werkstätten;

eine «Familienspur» als dauerhaftes Vermittlungsangebot führt durch alle Räume und Themen der Dauerausstellung;

Medientechnik (Audio und Film) wird nie als Selbstzweck und nur behutsam dort eingesetzt, wo sie einen klaren Mehrwert bringt;

digitalisierte Inhalte werden so aufbereitet, dass sie auch im Internet veröffentlicht werden können;

die Zweisprachigkeit als zentrales Identitäts- und Wesensmerkmal der Surselva bildet sich in der neuen Ausstellung ab. Alle Inhalte werden konsequent in Sursilvan und Deutsch vermittelt. Die wichtigsten Inhalte sollen zudem ins Englische übersetzt werden;

die neue Dauerausstellung wird ergänzt durch wechselnde Saisonthemen im ersten Obergeschoss, einer Rätseltour für Kinder durch das gesamte Haus sowie spezifischen Angebote für Familien, Gruppen, Schulklassen und Menschen mit einer Behinderung.

Zurzeit partizipieren rund 4'000 Personen am Kulturangebot des MRS. Weitere 1'000 nehmen an einem Apéro in den Museumsräumlichkeiten im Rahmen von privaten Feiern oder Vereins- und/oder Firmenanlässen teil. Mit der neuen Ausstellung erwartet das MRS eine Erhöhung der Kulturbesucherinnen und -besucher von heute 4'000 auf 7'000 Personen jährlich. Mit der neuen Ausstellung verknüpft sind ferner Vermittlungsangebote wie Führungen und Workshops für Schulklassen, Gruppen und Familien. Diese werden ebenfalls grundsätzlich erneuert (Finanzierung gesichert über Kanton und Stiftungen). Hier erwartet das MRS mindestens eine Verdoppelung der bisherigen Anfragen. Die Erwartungen basieren auf Vergleichszahlen von ähnlich gelagerten Regionalmuseen nach einer Erneuerung.

		

	Abbildung 2: Kinder besuchen das MRS.	Abbildung 3: Skizze der Neuinszenierung.

Kosten und Finanzierungsplan

In einer ausserordentlichen Stiftungsratssitzung vom 21. Februar 2025 haben der Stiftungsrat und die Museumsleitung die ursprünglichen Kosten des Projektes «tipic Surselva» von CHF 1'426'848.00 auf CHF 1'100'000.00 reduziert.

Die nochmalige Schärfung des Projektinhaltes und die Reduktion der Kosten haben dem Ausstellungskonzept gutgetan. Die einzelnen Ausstellungsräume wurden intensiv diskutiert und auf Kostensenkungen hin überprüft. Die Prämisse war dabei, dass die Qualität des Projektes keine Einbusse erleiden darf. Möglichkeiten zur Kostensenkung ergaben sich bei der Anzahl an Audiostationen, bei der Internetseite und den handlungsaktiven Werkstätten (welche anderweitig finanziert werden können).

Von den CHF 1'100'000.00 sind CHF 100'000.00 durch den Kanton gesprochen worden. Zusammen mit den Eigenleistungen und den bislang gesammelten Projektgeldern beläuft sich der Finanzierungsstand auf zurzeit CHF 790'000.00. Auch die Surselva Tourismus AG unterstützt das Projekt mit einem namhaften Betrag von CHF 30'000.00. Die Präsidentenkonferenz der Region Surselva entscheidet in der Juni-Sitzung über einen Beitrag von CHF 30'000.00 an das Projekt.

Beschreibung

Aufwand

Ertrag

Total Projektkosten

	CHF	1'100'000.00

	

Beitrag Kulturförderung Kanton GR

	

	CHF	100'000.00

Beitrag Gemeinde Ilanz/Glion

	

	CHF	200'000.00

Beitrag Stiftungen/Gönner/Sponsoren

	

	CHF	700'000.00

Eigenleistungen MRS

	

	CHF	100'000.00

	

	

	CHF	1'100'000.00

	CHF	1'100'000.00

Es ist dem Stiftungsrat und der Museumsleitung ein grosses Anliegen, die Finanzen der Gemeinde Ilanz/Glion nicht zu stark zu belasten. Der Strategieprozess für die Neuausrichtung des MRS, das Ausführungskonzept zur neuen Dauerausstellung, die Vergabe der Themendossiers an Fachleute und die bisherige Öffentlichkeitsarbeit haben bisher gesamthaft CHF 147'000.00 gekostet. Hierfür hat das MRS die Gemeinde nicht angefragt. Die Finanzierung dieser Kosten erfolgte mit einem separaten Projekt über den Kanton und Stiftungen.

Auch war es dem Stiftungsrat und der Museumsleitung wichtig, zuerst einen soliden Finanzierungsstand zu erreichen, bevor die Gemeinde um einen Beitrag angefragt wird. Mit der Zusicherung von Seiten Gemeinde rückt die Realisierung des Projektes in greifbare Nähe.

Ein ortsverbundenes Haus mit vielseitigen Funktionen

Das MRS existiert seit bald 40 Jahren im Ilanzer Städtli. Zu seinen Kernaufgaben zählt das Sammeln, Bewahren, Erforschen und Vermitteln von Kulturgut aus der Surselva. Darüber hinaus ist das MRS seit vielen Jahren ein Garant für ein vielfältiges und qualitätsvolles Kulturangebot im Museum aber auch im Städtli und der Region.

Das MRS versteht sich als Dienstleisterin in verschiedener Hinsicht. Das MRS ist für Ilanz/Glion eine wichtige Institution, mit der zahlreiche Menschen eng verbunden sind.

Abbildung 4: Gäste im Garten des Museums.

Das Museum Regiunal Surselva (MRS) …

… bringt Leute nach Ilanz und ins Städtli

Rund 5'000 Leute besuchen das MRS jährlich, sei es als Publikum in der Dauer- oder der Wechselausstellung, als Besucherinnen und Besucher einer Führung oder einer Veranstaltung oder als Gäste an einem Anlass. Noch nicht mitgezählt sind hier die Gäste bei Grossveranstaltungen wie beispielsweise dem letztjährigen Bundstag, Städtlifest, Advents- und Schnapsmarkt oder der Märlistadt. An diesen Anlässen können die Besucherinnen und Besucher kostenlos in die Ausstellung und werden nicht gezählt. Ebenfalls nicht mitgezählt werden die Gäste der BARgia.

… ist Begegnungsort im Städtli und belebt die Altstadt

Mit seinen Veranstaltungen und der monatlichen BARgia hat sich das MRS zu einem lebendigen Treffpunkt in der Ilanzer Altstadt entwickelt.

… macht auch touristische Beratung

Die auswärtigen Gäste werden vom Museumspersonal in vielerlei Hinsicht gut beraten. Das Museum fungiert also auch als Gästeinformationsstelle bei Fragen wie z.B. wo man Essen und übernachten kann, wo die nächsten Geschäfte sind, was es sonst noch zu erleben gibt in der Region, usw.

… ist ein wichtiger ausserschulischer Lernort

Das MRS ist für 1'000 Kinder jährlich ein wichtiger ausserschulischer Lernort. Dabei halten sich die einheimischen und auswärtigen Schulklassen, welche ihre Ferien in den umliegenden Lagerhäusern verbringen, in etwa die Waage.

… integriert und vernetzt Menschen

Sowohl im MRS als auch im Gönnerverein des Museums mit rund 300 Mitgliedern helfen viele Menschen aktiv bei Anlässen des Museums mit. Zweitheimischen und Neuzuzügern hilft die Mitarbeit, um sich schneller zu integrieren und Einheimische kennenzulernen. Auch die Klienten der psychiatrischen Tagesklinik und der ARGO sind regelmässig im MRS zu Besuch und partizipieren am Kulturangebot.

… generiert regelmässiges Standortmarketing

Jede neue Ausstellung, jede Veranstaltung und jedes Vermittlungsangebot im MRS wird auf unterschiedlichen Kanälen, darunter Newsletter, Flyer, APG- und Kleinplakate, Tourismuskanäle, Promopost-Versand, Strassenbanner, usw. beworben. Im Jahr erscheinen ca. 40 Medienmitteilungen und 
-berichte über die Aktivitäten im MRS in Zeitungen, Radio und Fernsehen. Das MRS generiert also laufend Standortmarketing für Ilanz/Glion und die Region.

… ist Arbeitgeberin

Im MRS arbeiten 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bereichen, Leitung, Administration, Kuratorium, Vermittlung, Vermietung/Apéros, Aufsicht, Empfang, Hauswartung und Reinigung. Jedes Jahr leisten ein bis zwei junge Männer aus der Region ihren Zivildienst im MRS.

… vergibt Aufträge in Ilanz/Glion und der Region

Für die Produktion der Ausstellungen, für Reparaturen und Erneuerungen im Museumsgebäude aber auch im Bereich Administration, Marketing, Grafik oder Szenografie oder für die Apéros werden lokale und regionale Betriebe, das Gewerbe und Dienstleister berücksichtigt. Dabei gilt im MRS die Reihenfolge bei der Auftragsvergabe «lokal vor regional, regional vor überregional». Auch für die Produktion und den Bau der neuen Dauerausstellung werden zahlreiche Aufträge an lokale und regionale Betriebe vergeben. Die hohen Kosten werden also grösstenteils vor Ort reinvestiert.

… Kultur ist der neue Schnee

Heutige Tourismusgäste wollen das volle Programm. Natur, Sportmöglichkeiten, Kultur und Gastronomie gehören zusammen zu einem Gesamtpacket, welches von den heutigen Gästen erwartet und in Anspruch genommen wird. Der Kulturtourismus gewinnt dabei auch in unserer Region zunehmend an Bedeutung. Ilanz/Glion kann künftig mit dem Regionalmuseum der Surselva punkten.

Antrag

Aufgrund der vorangehenden Ausführungen stellt der Gemeindevorstand dem Gemeindeparlament folgende Anträge:

auf die Vorlage sei einzutreten;

für die Gesamterneuerung und Modernisierung der Dauerausstellung im Museum Regiunal Surselva (MRS) sei ein Gemeindebeitrag von CHF 200'000.00 zu gewähren.

	Ilanz/Glion, den 25. März 2025	Gemeindevorstand Ilanz/Glion

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