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Ich hatte für die Zeit zwischen Ende August und dem Studienbeginn Ende Oktober 2005 keine allzu grossen Pläne - abgesehen vom Vorhaben, den Tubus für meinen 6-Zoll-Spiegel zu bauen und damit das Eigenbauteleskop fertigzustellen. Der Tubusbau war nicht ganz trivial und nahm doch einige Zeit in Anspruch.
Natürlich könnte man sich die einzelnen Komponenten für das Teleskop auch kaufen, doch da ich es nun zustande gebracht hatte, einen Spiegel zu schleifen, wollte ich auch möglichst viele mechanische Teile selbst herstellen. Die Hauptspiegelzelle für einen 6-Zoll-Spiegel kann noch gut aus Holz konstruiert werden und ist deshalb nicht allzu schwer zu bauen.
Ich verwendete zwei Brettchen, beide aus Birkensperrholz und 10 mm dick. Auf dem einen sollte der Hauptspiegel aufliegen. Eine Dreipunktelagerung reicht für einen 6-Zoll-Spiegel noch gut aus. Ich klebte also drei Korkscheiben auf das Brett, wie im Buch von Martin Trittelvitz vorgeschlagen wird. Seitlich brachte ich mit Kork versehene Holzstücke an, die das Verrutschen des Spiegels verhindern, ihn jedoch nicht einklemmen. Später fügte ich noch kleine Hölzchen hinzu, die minim über den Spiegel ragen und verhindern, dass er aus der Halterung fallen kann, wenn das Teleskop auf den Kopf gestellt werden sollte.
Beim zweiten Brett brachte ich runde Aussparungen an, zum einen, um das Gewicht etwas zu reduzieren, zum andern, um Luftzufuhr von hinten zu ermöglichen, damit der Spiegel schneller auskühlen kann. Dies erforderte aber auch eine Blende, da kein direktes Licht von hinten in den Tubus gelangen sollte.
Die beiden Sperrholzbretter sind mit drei dicken Schrauben verbunden, dazwischen befinden sich drei Druckfedern. Von der Rückseite her ist so die Spiegelstellung justierbar. Drei weitere Schrauben dienen als Stoppschrauben, um die Position zu fixieren.
Die Fangspiegelhalterung machte ich komplett aus Metall. Da sich der Fangspiegel mit seiner Halterung im optischen Strahlengang befindet, sollten die Bauteile, die nicht vom Fangspiegel abgedeckt werden, möglichst klein sein, um unnötige Obstruktion und Beugungserscheinungen zu reduzieren.
Ich konstruierte aus dünnem Blech vier Streben. Die Schrauben an deren Enden ermöglichen die Zentrierung des Fangspiegels. Mit der Strebenkonstruktion ist über eine zentrale M6-Zugschraube und vier M3-Druckschrauben ein im 45°-Winkel gebogenes Alurundovalblech justierbar verbunden. Auf dieses Blech klebte ich mit drei Bausillikon-Punkten den Fangspiegel.
Da wir für Metallverarbeitung nicht sehr gut ausgerüstet sind, war die Herstellung der Fangspiegelhalterung etwas mühsam. Der Versuch, an einem Eisenstück mit einer Ahle ein Bohrloch anzuzeichnen, führte ganz schnell zu einem halb durchstochenen Daumen...
Die Metallteile schwärzte ich mit Ofenrohrlack, der ziemlich matt ist und sich gut anstreichen lässt. Auch die Kante des Fangspiegels musste geschwärzt werden.
Bereits im Frühling hatte ich ein Reststück eines PVC-Kanalrohres kostenlos von der Firma Masciadri erhalten. Mit 20 cm Aussendurchmesser hatte es gerade ideale Masse für den Tubus. Die Bearbeitung mit Bohrer und Stichsäge war unproblematisch. Innen kleidete ich das Rohr vollständig mit DC-Fix-Veloursfolie aus (eine mühselige Angelegenheit), aussen beklebte ich es mit schwarzer Folie.
Ich wollte das neue Teleskop unbedingt parallel mit meinem alten Newton-Teleskop montieren: Der 114/900-er sollte als Leitrohr dienen, während ich das neue Gerät als Aufnahmeinstrument verwenden würde.
Eine Rohrschellenkonstruktion aus Aluminiumblech geriet zwar leicht, aber ziemlich wackelig. Also baute ich aus je zwei Lagen Birkensperrholz eine Doppelrohrschelle: Die Rohrschelle ist aufklappbar und auf die Durchmesser der beiden Tuben abgestimmt. Die zwei Teile im Abstand von ca. 50 cm sind mit Rundhölzern und auf der Unterseite mit einem Brett, woran der Schwalbenschwanzanschluss für die Montierung befestigt ist, verbunden. Das kleinere Newton-Teleskop, das als Leitrohr verwendet werden kann, ist mit drei Schrauben in der vorderen Schelle justierbar.
Diese Konstruktion ist nun recht stabil, aber leider auch ziemlich schwer!
Die Tubusöffnung kann mit einem Deckel verschlossen werden, die Streulichtblende an der Rückseite modifizierte ich noch etwas. Ich kaufte mir bei Intercon Spacetec einen 8x50-Sucher und einen Okularauszug NGF-DX1 von JMI, die das Teleskop noch vervollständigten.
Mit 15 kg ist die GP-DX etwas überbelastet, beim Fokussieren ist das Zittern des Teleskops aber noch erträglich.
Am 9. Oktober 2005 fand das offizielle First Light statt. Das Teleskop zeigte bei der Einweihung vielversprechende Bilder, die auf eine gute Qualität des Spiegels deuteten. Der erste Eindruck hat sich unterdessen mehrfach bestätigt, gegenüber dem kleinen Newton ist sowohl eine Steigerung des Lichtsammelvermögens, wie auch der Auflösung festzustellen.