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Die in den 1980er-Jahren geführte rege Debatte um postmoderne Architektur hatte einen fruchtbaren Dialog zwischen Design und Architektur zur Folge. So entwarf der Schweizer Architekt Mario Botta (geb. 1943) für die italienische Firma Alias zeitgeistige Sitzmöbel und präsentierte diese erstmals bei einer Modenschau von Giorgio Armani.
Mario Botta hatte seine unverwechselbare architektonische Formensprache bereits entwickelt, als ihn die italienische Firma Alias um den Entwurf für ein Sitzmöbel bat. Ein Stuhl von einem Baumeister, der ganz auf die elementare Geometrie von Würfeln oder Zylindern setzte? Die Herausforderung reizte Botta offensichtlich, denn er sah zwischen dem Entwurf eines Stuhls und dem eines Hauses keinen prinzipiellen Unterschied. In der Tat verwendete er für seinen ersten Versuch, das Modell Prima, den Würfel als Ausgangsfigur. Geschickt zeichnete er die Kanten des platonischen Körpers mit Flachstahl und Rohren so nach, dass eine einzige kontinuierliche Linie einen Sitz aus federndem Stahlblech und, als rückseitige Verlängerung über die Sitzhöhe hinaus, eine walzenförmige Rückenlehne tragen konnte. Nun war der Damm gebrochen: Botta produzierte in den nächsten Jahren zahlreiche Entwürfe für Stühle, Tische, ein Sofa, Tisch-, Steh- und Wandleuchten, ja sogar Karaffen und Vasen. Seconda ist der besonders interessante zweite Versuch zum Thema Stuhl. Durch das Einführen von Armlehnen erreichte Botta eine grössere Komplexität der Figur als bei der elementaren Prima. Ein rechtwinkliges Dreieck ergänzt nun auf beiden Seiten den Sitzwürfel und trägt die Rückentraverse mit den zwei harten Polyurethan-Rollen. Die mit Kunststoff-Rädchen vom Boden abgehobene, formal und technisch ausgefeilte Konstruktion ist eine Sitzskulptur – makellos, konzis, ikonisch. (Arthur Rüegg)