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Natürlich ist Wald nicht gleichbedeutend mit der Welt, aber am Rande von Wald, dort, wo die Grenzen des Gemeindegebiets verlaufen, kann man sich manchmal am Rande der Welt fühlen... Kommen Sie mit auf einen vergnüglichen Grenzrundgang rund um Wald.
Die erste Etappe verläuft am südöstlichen "Zipfel" von Wald:
Südöstlicher Zipfel von Wald AR. Die Nummern verweisen auf die abgebildeten Grenzsteine.
Wir steigen ein an einem auffälligen Grenzstein am Strässchen zwischen Tanne und St.Anton. Aufällig ist vor allem sein jugendliches Alter (Stein 1):
Und noch etwas fällt auf: Es handelt sich um grosse Grenzsteine - denn wir sind hier an der Kantonsgrenze zwischen Appenzell Ausserrhoden (Wald) und Appenzell Innerrhoden (Oberegg):
Blick zurück zur Tanne, dem "Panama-Hof" (Stein 1)
Auf der Suche nach Gründen für den etwas bizzaren Grenzverlauf in diesem Gebiet (siehe Karte) werden wir in der Geschichte fündig. Im Jahr 1597 erfolgte bekanntlich die sogenannte Landteilung, also die Trennung in das katholische Innerrhoden und das reformierte Ausserrhoden. Da jede Gemeinde selber entscheiden konnte, zu welchem Glauben sie gehören wollte, ergab sich die katholische Enklave Oberegg.
Doch die Zerstückelung ging noch weiter: Innerhalb von Oberegg gab es eine Minderheit von Reformierten. Deren Höfe gehörten offiziell zu Ausserrhoden. 1637 wurde beschlossen, dass es keine weiteren Wechsel mehr geben dürfte. Kurzfristig gab es dann eine reformierte Rhod Oberegg, deren unteren Höfe zu Reute geschlagen wurden. Die oberen Höfe dagegen kamen mit dem Kirchenbau von Wald (1683) zu Wald. So können wir noch immer die damaligen Glaubensgrenzen sehen. (Stein 2)
Als diese heute sichtbaren Grenzsteine gesetzt wurden, existierte bereits die moderne Schweiz. Davor war die Eidgenossenschaft ein loser Staatenbund der Kantone, und die Grenzen zwischen den Kantone waren mindestens so bedeutsam wie heute jene zwischen Ländern. Was heute völlig offen ist, trennte damals Konfessionen und (Halb-)Kantone.
Mittlerweile haben die alten Grenzsteine Patina angesetzt:
Eine Flechte auf einem Grenzstein zeugt von guter Luft in der Gegend...
Der nächste Grenzstein liegt auf dem höchsten Punkt von Wald auf 1128 Meter über Meer, unweit des Antennenturms auf St.Anton:
Blick vom höchsten Punkt von Wald auf die Kapelle von St.Anton (Stein 3)
Blick vom höchsten Punkt von Wald Richtung Dorf (Stein 3)
Nun folgt die Grenze dem geografisch logischen Verlauf über den Grat von Eschen. Dieser Grat besteht aus Nagelfluh, und wenn man ihm direkt folgen will, wird man zu einigen kleineren Kletterabenteuern gezwungen:
Steil schwingt sich der Grat aus Nagelfluh rechts oberhalb der Strasse von St.Anton Richtung Altstätten
Nicht immer kann man dem Grat direkt folgen, weil private Ferienhäuschen den Weg versperren. Und wenn der Grat den Wald verlässt und zu offener Wiese wird, stossen wir plötzlich auf einen Grenzverlauf, der an unliebsame Zeiten von eisernen Vorhängen erinnert, auch wenn er um einiges harmloser ist:
Stacheldrahtverhau an den Kantonsgrenze zwischen AR und AI
Dort, wo der Grat jäh steil abfällt, direkt beim Punkt 1076.8, steht ein weiterer Grenzstein (Stein 4):
Weit schweift von hier der Blick noch einmal ins Rheintal und darüber hinweg:
Die Grenze - immer noch jene zwischen Wald und Oberegg und damit die Kantonsgrenze, stösst nun auf die Strasse zwischen Säge und Haggen.
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