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Die 68er erachteten die Gesellschaft als zu spiessig, zu selbstgefällig, zu hohl, zu autoritätshörig. Junge Männer und Frauen lehnten sich gegen diese Gesellschaft auf und wehrten sich gegen die strenge Autorität ihrer Eltern und Lehrmeister. Anfangs der 1970er Jahre gab es in der Schweiz eine Gruppierung, die sich «Hydra» nannte. Eine ähnliche Gruppierung, mit dem Namen «Spartakus» existierte auch in Österreich.
Spartakus und Hydra hatten eines gemeinsam: Sie setzten sich ein für die Schwachen in der Gesellschaft. So kam es, dass die Basler Hydra eine sogenannte «Gegen-Mensa» für Lehrlinge einrichtete, weil die offizielle Mensa zu teuer für die Lehrlinge war. Die Hydra griff aber auch zu unkonventionellen Mitteln: «Wir besetzten zum Beispiel das Büro eines Chefs und blieben so lange, bis er den Lehrling, den er zuvor entlassen hatte, wieder einstellte», erinnert sich Jost Hinnen, ehemaliges Mitglied der Hydra.
Eine lebende Alternative zur Ellenbogengesellschaft.
1973 gründeten Vertreter von der Hydra und Spartakus zusammen mit anderen Gleichgesinnten den Verein Longo maï. Die Gründungsversammlung fand in der Antoniuskirche in Basel statt - ohne grosses Aufsehen. Die Mitglieder hatten einen Traum. «Wir träumten von einer idealen Gesellschaft, in der Werte wie Gemeinschaft, Gleichheit, Solidarität und Selbstbestimmung gross geschrieben werden», sagt Hannes Reiser, einer der Gründer von Longo maï, gegenüber vom «Regionaljournal Basel» von Radio SRF.
In der Folge kauften 30 junge Männer und Frauen einen abgelegen Hof im Süden Frankreichs. Sie begannen, den Hof zu unterhalten, das Land zu bewirtschaften und sich so selbst zu ernähren. Die erste Longo-maï-Kooperative war geboren. Heute existieren zehn Kooperativen in fünf verschiedenen Ländern. Um die 200 Erwachsene (Stand: 2013) haben sich entschieden, ihr Leben in einer Kooperative zu verbringen.
Das bedeutet: Jeder arbeitet für die Gemeinschaft. Jeder bringt das in die Gemeinschaft ein, was er bereit ist zu leisten - in jeder Hinsicht. Die Menschen, die in einer Kooperative leben, verdienen kein Geld. Für die AHV der Schweizerinnen und Schweizer bei Longo maï sei aber gesorgt, meint Reiser.
Der Rückzug in ländliche Gegenden Europas sei aber keine Kapitulation gewesen. Vielmehr habe man die Idee gehabt, das menschenleere Land wieder zu bevölkern, Arbeit zu schaffen und den dort ansässigen Menschen, neue Perspektiven zu bieten. Gleichzeitig habe man den Kampf gegen die Ungerechtigkeit auf der Welt weitergeführt mit diversen Aktionen. Im Zentrum der Aktionen seien immer die Rechtlosen gestanden: Asylsuchende, Flüchtlinge, Papierlose. «Das war schon immer so und wird immer so bleiben», weiss Hinnen.
Die Ausstellung über Longo mai
Im Restaurant «Ackermannshof» in der St. Johanns-Vorstadt findet bis am 2. November 2013 eine Ausstellung über Longo maï statt. Die Ausstellung trägt den Namen: «Utopie der Widerspenstigen». Sie handelt von den 30 umtriebigen Jugendlichen, die anfangs der 1970er auszogen, eine andere Welt aufzubauen.