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Ausgangslage und Definition
Die Ölpalme ist Lieferant für zwei unterschiedliche Öle: Aus den Früchten der Ölpalme wird das Palmöl gewonnen, aus den Kernen der Früchte stammt das Palmkernöl. Palmöl wird insbesondere im Lebensmittelbereich (z.B. Backwaren und Margarine) verwendet, Palmkernöl kommt eher im Non-Food-Bereich zur Anwendung, beispielsweise zur Herstellung von Tensiden. Das sind waschaktive Substanzen, welche in Kosmetikprodukten wie Duschgels oder Shampoos vorkommen, ebenfalls in Wasch- und Reinigungsmitteln. Tenside sind nötig für eine gute Reinigungsfunktion, da sie zusammen mit Wasser in der Lage sind, Schmutz zu lösen und zu entfernen. Palmöl und Palmkernöl machen zusammen 38% der weltweiten Pflanzenölproduktion aus. Der Anteil von Palmkernöl an der Palmöl-Gesamtmenge beträgt 10%. Die folgenden Ausführungen zur Nachhaltigkeit gelten für Palmkernöl und Palmöl gleichermassen.
Die Hersteller der Kosmetik- und Waschmittelindustrie setzen zur Erreichung ihrer Nachhaltigkeitsziele Inhaltsstoffe wie Palmöl nur auf Basis nachwachsender Rohstoffe ein. Sofern nachhaltig angebaut, können Palmen ökologisch effiziente Öllieferanten sein. Im Vergleich zu anderen Pflanzen wie z.B. Soja-, Raps-, Sonnenblumen- oder Kokosöl ist Palmöl das flächenmässig ertragsreichste pflanzliche Öl. Ein weiterer Vorteil ist, dass es für Palmöl ein transparentes System zur Nachhaltigkeitszertifizierung gibt.
Nachhaltigkeit von Palmöl
Die Bewertung der Nachhaltigkeit von Palmöl hängt von den ökologischen, ökonomischen und sozialen Umständen ab, unter denen es gewonnen wird. Folgende Nachhaltigkeitskriterien müssen beim Anbau und der Ernte der Ölfrüchte berücksichtigt werden:
- Ökologische Kriterien: Naturschutz (z.B. Erhalt der Artenvielfalt und der Regenwälder), Klimaschutz
(z.B. Schutz von Land mit hoher Kohlenstoffbindung wie Torfmoore und Feuchtgebiete), Umweltschutz
(z.B. Erhalt der Qualität von Wasser, Luft und Fruchtbarkeit der Böden)
- Sozioökonomische Kriterien: z.B. Schutz einheimischer Bevölkerungsgruppen, Arbeitsbedingungen in den
Plantagen, Einkommen der Arbeitskräfte
Die Hersteller von Kosmetika sowie von Wasch- und Reinigungsmitteln beziehen nur Palmöl von Lieferanten, die an anerkannten Zertifizierungssystemen teilnehmen und dadurch die Nachhaltigkeit ihrer Lieferkette sicherstellen. Ein solches Zertifizierungssystem ist der Round Table on Sustainable Palmoil (RSPO). Der RSPO hat im Jahr 2007 das erste Zertifizierungssystem für den nachhaltigen Anbau und Handel mit Öl aus Ölpalmen verabschiedet. Im Jahr 2013 wurde die von interessierten Vertretern aus Verbänden, NGOs, Regierungsstellen und Unternehmen aus Industrie und Handel die Plattform «Forum Nachhaltiges Palmöl» gegründet. Diese Plattform setzt sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz neben der direkten Förderung des Einsatzes von nachhaltigem Palmöl auch für die Verbesserung der bestehenden Zertifizierungssysteme ein, und informiert umfassend über das Thema. 2020 wurde der RSPO-Lieferkettenstandard (RSPO SCC) überarbeitet. Kern des neuen Standards ist unter anderem eine regelmässige Überprüfung der Gültigkeit der Lieferkettenzertifizierung von Lieferanten oder der Lizenz für Händler durch Standorte entlang der Lieferkette. Des Weiteren müssen RSPO-Mitglieder, die ihre Ware unmittelbar von den Produzenten oder Mühlen beschaffen, eine aktuelle Liste der zertifizierten wie auch nicht zertifizierten Lieferwerke online veröffentlichen.
Handlungsaspekte für Industrie und Konsumenten
Grundsätzlich gilt: Nachwachsende Rohstoffe sind nicht immer nachhaltig. Anbau- und Produktionsbedingungen müssen differenziert betrachtet werden.
Die Kosmetik-, Wasch- und Reinigungsmittelindustrie verfolgt die Diskussion um Palmöl sehr aufmerksam und ist daran interessiert, die Nachhaltigkeit ihrer Produkte stetig zu verbessern. Die Hersteller engagieren sich daher auf vielfältige Weise für eine nachhaltige Palmölwirtschaft. Mit einer zunehmenden Nutzung von Produkten auf Basis nachwachsender Rohstoffe in der Kosmetik-, Wasch- und Reinigungsmittelindustrie wird auch die Rolle der Konsumenten immer wichtiger. Die Einbindung der Konsumenten durch eine verantwortungsvolle, transparente Kommunikation kann helfen, die existierenden Nachhaltigkeitsstandards am Markt zu etablieren und sie anschliessend weiter zu verbessern.