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Erneuerung mit Tücken: Das Kraftwerk Herrentöbeli an der Thur
Erneuerung mit Tücken: Das Kraftwerk Herrentöbeli an der Thur
Schon vor 1900 wurde im Herrentöbeli zwischen Krummenau und Neu St.Johann das Wasser der Thur für ein Kleinkraftwerk genutzt, das eine Schmiede mit Strom versorgte. Das Gefälle eines natürlichen Wasserfalls erlaubte an dieser Stelle auf vergleichsweise einfache Art die Stromerzeugung. Später ersetzte ein Neubau mit einer stärkeren Leistung die erste Anlage. Nun sorgte das Kraftwerk dafür, dass die Maschinen der Weberei Hofstetter in Krummenau liefen, welche das Werk 1944 übernahm und ausbaute. Mit dem Niedergang der im Toggenburg ebenfalls stark verbreiteten Textilindustrie – sie war einst das Paradepferd der Schweizer Wirtschaft – kam auch das Ende dieser Weberei. Das technisch mittlerweile veraltete Kraftwerk erwarb 1981 die SAK. Schon damals bestand die Absicht, das Werk gelegentlich zu erneuern und seine Leistung zu erhöhen. Ein Defekt am Führungslager der alten Turbine, der sich nur provisorisch beheben liess, zwang die SAK dann relativ bald zu sofortigem Handeln. 1985 wurde der Auftrag zur Projektierung des neuen Kraftwerks vergeben. 1987 erteilte der Regierungsrat das Wasserrecht für die Neuanlage, worauf man die Detailprojektierung an die Hand nehmen konnte. Anfang 1989 lag die Baubewilligung der Gemeinde vor.
Im Oktober 1989 begannen die Erneuerungsarbeiten, die durch zwei Bauunternehmen aus Niederurnen und Wattwil ausgeführt wurden. Mit einer Erhöhung des Stauzieles um 2 Meter konnte das Bruttogefälle auf 9,6 Meter vergrössert werden. Die erzeugte Energie wird über einen Transformator ins Mittelspannungsnetz der SAK eingespiesen. Die Steuerung der Anlage erfolgt automatisch. Weil die Baustelle nur über eine einfache Holztreppe erreichbar war, hatte die umfassende Erneuerung so ihre Tücken. Für die Transporte von Baumaschinen, Material und Werkzeugen musste ein leistungsfähiger Kran mit einer Ausladung von 45 Metern aufgestellt werden. Auch die Holzfäller waren gefragt: Innerhalb des Schwenkbereichs waren einzelne Waldpartien zu roden, welche danach wieder aufgeforstet wurden.
Kampf gegen Wasser und Rutsche
Der steile Uferhang neben dem neuen Zentralengebäude musste mit Felsankern und Stützmauern gegen Rutschungen gesichert werden. Zudem drang durch den zerklüfteten Fels immer wieder Wasser in die Baugruben, was zusätzliche und umfangreiche Injektionen erforderte. Schliesslich führte während den Bauarbeiten die Thur mehrmals Hochwasser. Sie überflutete die Baustelle und beschädigte Einrichtungen und Maschinen. Als am 21. September 1990 die Turbinen und Generatoren durch das noch offene Dach ins Maschinenhaus eingebracht werden konnten, musste wegen der grossen Ausladung und dem hohen Transportgewicht von über sieben Tonnen einer der grössten Autokrane eingesetzt werden. Die spektakuläre Aktion dauerte rund zwei Stunden. Für den späteren Zugang zur Zentrale sowie für Materialtransporte bis zu vier Tonnen wurde ein Schrägaufzug erstellt. «Da im Kraftwerkgebäude auch eine Transformatorenstation für die regionale Energieversorgung untergebracht ist, lassen sich mit dieser Transportbahn Anlageteile und insbesondere die Transformatoren rasch auswechseln. Dies ist für die Sicherheit der Stromversorgung von entscheidender Bedeutung», schrieb dazu der für den technischen Bereich zuständige Vizedirektor Herbert Meier in der SAK Hus Zitig 1/91. Für Stromunterbrüche – auch solche durch höhere Gewalt – hätten die Kundinnen und Kunden, wie die Erfahrung immer wieder zeigt, kaum Verständnis.
Die neu eingebauten modernen Kegelrad-Rohrturbinen mit 473 kW Leistung ermöglichten eine wesentlich bessere Nutzung der Thurwasser. So konnte mit der Erneuerung – es war die sechste Erneuerung einer Wasserkraftanlage der SAK – die Jahresproduktion des Kraftwerks Herrentöbeli von 0.8 auf 3,4 Mio kWh gesteigert, also mehr als vervierfacht werden. Die installierte Leistung beträgt 0,84 Megawatt. Im Frühjahr 1991 nahm das Kraftwerk seinen Betrieb wieder auf. Am Tag der offenen Tür mit 620 Besucherinnen und Besuchern – viel mehr als erwartet – wurden die Bratwurstbestände sämtlicher Metzgereien von Krummenau bis Wildhaus von der SAK leergeplündert. Insgesamt liefern im Toggenburg gut 20 Kleinkraftwerke Strom aus Wasserkraft.
Die Anlage Herrentöbeli lässt sich übrigens auf den Wanderwegen entlang des Flusses mit seinen teils spektakulären Wasserfällen schön erkunden.
Ernst Berweger
Zu einer Garage gehört eine Garagennummer
Ernst Berweger leitete mit Kurt Abächerli ab 1996 die Autowerkstatt der SAK, in der die Fahrzeugflotte gewartet wurde.
Ernst Berweger
Sie umfasste Geländewagen, Liefer- und Personenwagen, Unimogs und Lastwagen, insgesamt rund 80 Fahrzeuge. Zu tun gab es immer, auch dank besonderer ‹Künstler› unter den Betriebsmonteuren.
«In der Autowerkstatt unterhielten wir 80 Fahrzeuge und nochmals so viele Anhänger: Kleinachsanhänger, Notstromgruppen und Presslufthammer-Anhänger. Als ich im Januar 1981 zur SAK kam, bestand die Flotte aus Land Rovern des Modells 88 mit Dachträger und Seilwinde. Das waren spezielle und äusserst praktische Autos, spartanisch ausgerüstet und mit Gummimatten drin, die man einfach mit Wasser abspritzen konnte, wenn sie dreckig waren. Leider waren die Getriebe etwas schwach, bei den ersten Vorwärtsgängen war oft die Synchronisation defekt und die Rückwärtsgangwellen waren immer mal wieder ‹angefressen›. Ich hatte wohl alle drei Wochen ein kaputtes Getriebe auf meiner Werkbank.
Später hatten wir Toyota Landcruiser, richtig ‹zäche Donner›. Was nicht heisst, dass wir keine Arbeit mehr hatten. Es gab immer wieder besondere ‹Künstler› unter den Monteuren. Ein junger Betriebsmonteur, ein sympathischer Kerl, ich mochte ihn sehr, hatte immer irgendetwas ‹Chogs›. Einmal im Winter, es lag Schnee, fuhr er von der Weitenau zum Kraftwerk Kubel im St.Galler Sittertobel hinunter, eine sehr steile Strasse, auf der das Fahren für Private ohne Bewilligung verboten ist. Weil er es pressant hatte, war er etwas zügig unterwegs. Das Fahrzeug kam von der Strasse ab und kippte auf die Seite. Er war glücklicherweise nicht verletzt, am Auto aber gab es schon das eine oder andere zu tun.
Wenn Monteure ihre Fahrzeuge zum regulären Service brachten, hätten sie sie besenrein abgeben sollen. Das taten die meisten auch. Ein Betriebsmonteur aber kam jeweils zu mir, sagte ‹Ernst, gib mir noch den Schlüssel zum Waschraum› und kam nach eineinhalb Stunden mit einem abgeschwammten und abgelederten Wagen, innen und aussen blitzblank, zu mir zurück. Bei einem anderen, jüngeren Monteur drückten wir ein Auge zu, der hatte keine Zeit fürs Autowaschen – er trank lieber einen Kaffee mehr beim Znüni. So oder so legten wir Wert auf Flexibilität. Mit kleineren Defekten konnten die Freileitungsmonteure abends immer zu uns kommen, wenn zum Beispiel tagsüber ein Scheinwerfer oder ein Rücklicht eingedrückt worden war. Liessen sich Defekte in eineinhalb, zwei Stunden reparieren, erledigten wir das diskussionslos.
Besonders stolz waren wir auf die Ausstattung unseres Betriebes. Ein Motortester und eine Abgasprüfanlage gehörten schon früh dazu. Ein Highlight war die Beschaffung eines Bremsprüfstandes. Dann erhielten wir eines Tages neue Fahrzeuge geliefert und unser Chef wollte eines probefahren. Weil sie aber nicht eingelöst waren, fragte er nach einer Garagennummer, aber wir hatten keine! So kontrollierte ein Experte vom Kanton, ob unsere Werkstatt die für den Erhalt einer Garagennummer erforderlichen Kriterien erfüllt. Schliesslich kriegten wir die Nummer. Wir hatten eine Saufreude, denn zu einer Garage gehört doch eine Garagennummer!»
Ernst Berweger war von 1981 bis 2006 bei der SAK tätig, zuletzt als Automechaniker.
Zahlen und Fakten
252
2’325 km2
380’000
2’318 Mio. kWh
7 Kraftwerke
38 Unterwerke
816 Trafostationen
ca. 3’500 km Stromnetz