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Links zu den einzelnen Kapiteln:
Paul ist nicht tot, hat aber Depressionen
Aufnahmen in der Stube
geheime Aufnahmen und Streit um die Veröffentlichung
das fatale Interview
langer Weg zur Anerkennung
Versionen und die Archive Collection von 2011
Rezeption und Statistik
Der Bruch zum aktuellen Beatles-Album «Abbey Road», dessen synfonisches Medley auf der zweiten Seite als kompositorische Meisterleistung McCartneys gilt, ist ohrenfällig: Songskizzen, Folk und Instrumentals wechseln einander ab. Einzig «Maybe I’m Amazed» mit seiner chromatischen Klavierbegleitung erinnert an die komplexen Songs der späten Beatles.
Paul ist nicht tot, hat aber Depressionen
Im Herbst 1969 zerbrachen die Beatles und Paul litt nach eigenen Angaben an einer Depression, während der er die Körperpflege vernachlässigte und manchen Tagen nicht einmal das Bett verliess. 2001 erinnert sich Paul in «Wingspan»: «Ich wurde für ein paar Wochen verrückt – es war mehr als ein verlorenes Wochenende – und ich begann einen Drink zu viel zu trinken.» Paul trank schon zum Frühstück Whisky. Er begann paranoid zu werden und fühlte sich ohne Arbeit nutzlos. «Wozu am Morgen noch aufstehen?», fragt er in «Wingspan». «Aber in der Tiefe meiner Verzweiflung war Linda hier und sagte: ‹Es wird gut werden, du kommst hier raus.› (…) Ich bin nicht sicher, ob ich überlebt hätte, wenn ich alleine gewesen wäre.»
Nach den Aufnahmen zu «Abbey Road» gingen sich die Beatles im Sommer 1969 aus dem Weg. Wenn man sich sah, traf man sich zu geschäftlichen Besprechungen im Büro von Apple. Uneinigkeit herrschte in der Frage, wer den neue Manager werden sollte. John Lennon, George Harrison und Ringo Starr waren für Allen B. Klein, der auch die Rolling Stones managte, doch Paul traute ihm nicht über den Weg und weigerte sich, ihm seine geschäftlichen Belange zu überlassen. Paul vertraute auf seinen Schwager John Eastman. An einem Treffen im September 1969, an dem bis auf George Harrison alle Beatles teilnahmen, sollte die Band einen neuen Vertrag, den Klein mit Capitol Records ausgehandelt hat, unterzeichnen. «Wir sassen in dieser angespannten Atmosphäre und ich sagte: ‹Ich denke, wir sollten zurück auf die Strasse gehen, zurück zu unseren Wurzeln. Wir sollten einfach rausgehen und zusammen spielen.› Und John schaue mir in die Augen und sagte: ‹Ich glaube, du bist verrückt.›» Danach informierte er die Runde, dass er die Beatles verlasse. Als er sich nicht umstimmen liess, baten ihn Allen Klein und Paul aufgrund der Vertragsunterzeichnung nichts zu verlauten. Obwohl Paul an Johns Entschluss zweifelte, zu oft hatte er nach ein paar Tagen und Wochen das Gegenteil von seinen früheren Entscheidungen gemacht, kehrte er nach Schottland zurück. Und beschloss, fortan nicht mehr zu den Sitzungen von Apple Records zu erscheinen.
Linda fotografierte Paul während den «Get Back»-Sessions der Beatles im Januar 1969. Dieses Bild wurde im Videoclip von «Maybe I'm Amazed» verwendet.
Am 26. September erschien «Abbey Road». Neun Tage zuvor veröffentlichte die Studentenzeitschrift Drake Times-Delphic von der Drake Universtity in Iowa den Artikel «Ist Paul McCartney wirklich Tod?» worin die Gerüchte über die Paul-ist-tot-Legende aufgeführt wurden. Am 21. Oktober dementierte Derek Taylor, der Mediensprecher von der Beatles die Gerüchte. Doch Pauls Rückzug aus der Öffentlichkeit war nicht unbemerkt geblieben und befeuerte die Gerüchte. Weshalb das «Life» Magazin die Reporterin Dorothy Bacon und den Fotografen Terence Spencer aus dem Londoner Büro auf die Fährte McCartneys schickte. Spencer hatte in Kriegsgebieten fotografiert und wandte einen Trick an, um zu Pauls Farm zu gelangen. Um sie zu erreichen, musste man über eine Privatstrasse fahren, die über das Gelände zweier Nachbarfarmen führte.
Die schottischen Bauern wiesen in der Regel sämtliche Fremden ab. Doch Spencer und Bacon fuhren an einem Sonntagmorgen zur Kirchzeit über die Strasse und klopften an die Tür von Lower Ranachan. Spencer wartete mit gezückter Kamera. Wut entbrannt öffnete McCartney die Türe und warf einen Eimer Abwasser nach den beiden Reportern. Spencer erhielt sein Foto – und die Ladung Wasser. Bacon und Spencer traten erschrocken den Rückzug an. Linda brachte Paul zur Ruhe und er die Familie folgte den beiden im Land Rover. Nach zehn Minuten hatte sie Paul eingeholt. Gegen Herausgabe des Filmes vereinbarte Paul eine Homestory, die am 7. November mit dem Titel: «Paul ist immer noch unter uns» erschien. Mit dem Beitrag fiel die Paul ist tot Geschichte in sich zusammen.
Was jedoch im ganzen medialen Trubel über die Gerüchte unterging, war Pauls Aussage im Interview: «Ich mache lieber das, was ich begonnen habe, nämlich Musik. Aber die Beatles-Sache ist vorbei. Sie ist explodiert, teilweise wegen Dingen, die wir taten, teilweise wegen anderen Leuten.» Nicht einmal das Life Magazine merkte, dass sie den Primeur der Beatles-Trennung gedruckt hatten.
Die von Paul und Linda McCartney gestaltete Innenhülle von «McCartney» mit vielen Urlaubsbildern. Das Bild mit dem Hinkelstein wurde 1997 für das Cover von «Standing Stone» verwendet.
unglaubliche Restaurationsarbeit
Die Wiederveröffentlichung in der Archive-Collection überzeugt bereits durch ihr Remastering. Es gibt kein einziges Rauschen oder störendes Geräsuch mehr. Die Restauratoren in der Abbey Road haben ganze Arbeit geliefert. «McCartney» schliesst an die Qualität der Beatlesneuerscheinungen um die Jahrtausendwende, und stellt die Beatles Remasters klanglich in den Schatten.
Paul 1969 in seinem Wohnzimmer am Vierspur-Tonband von Studer. –
Foto: Linda McCartney.
Die Bonus CD enthält Demos und Liveversionen der Songs, die mit den Wings 1974 und 1979 aufgenommen wurden. Auf der DVD sind Aufnahmen des Unplugged-Konzertes von 1991 und des Unicef-Benefiz-Konzerts, das 1979 zugunsten der Boat People aus Kambodscha durchgeführt wurde. Pauls Filmleidenschaft mündete im Video-Clip von «Maybe I'm Amazed» – Pauls Lieblingssong – so dass er im Gegensatz zu John Lennon sein ganzes Schaffen mit Videoclips begleiten kann.
Rezeption und Statistik
Während sich «McCartney» in England auf Rang 2 platzierte, erreichte das Album die Chartspitze in den amerikanischen Billboard Charts und in Kanada. Weitere Top-3 Rangierungen vermeldeten Schweden (Platz 2) sowie Australien, Holland und Italien. In Frankreich und Spanien resultierte Rang 4, in Japan Platz 13 und in Westdeutschland Platz 15.
Die Wiederveröffentlichung innerhalb der «Archive Collection» von 2011 erreichte in sechs Ländern die Hitparade: In den USA wurde «McCartney» in den Top Pop Catalog Albums auf dem 7. Platz notiert, Japan vermeldete Platz 27, in Spanien resultierte ein 74. Platz, in Holland schaute Platz 85, in England Platz 88 und in Frankreich Platz 91 heraus. In der Schweiz konnte sich «McCartney» weder 1970 noch 2011 platzieren.
Paul während den Aufnahmen von McCartney in seiner Stube, gesehen von Linda McCartney. – Foto: paulmccartney.com

Original Album
The Lovely Linda
That Would Be Something
Valentine Day
Every Night
Hot As Sun / Glasses
Junk
Man We Was Lonely
Oo You
Momma Miss America
Teddy Boy
Singalong Junk
Maybe I'm Amazed
Kreen-Akrore
Bonus CD
Archive Collection 2011:
Suicide (Out-take)
Maybe I'm Amazed (From One Hand Clapping)
Every Night (Live At Glasgow, 1979)
Hot As Sun (Live At Glasgow, 1979)
Maybe 'Im Amazed (Live At Glasgow, 1979)
Don't Cry Baby (Out-take)
Women Kind (Demo)
DVD
Archive Collection 2011:
The Album Story
The Beach
Maybe I'm Amazed Video
Suicide (from One Hand Clapping)
Every Night (Live at Concert for the People of Kampuchea)
Hot As Sun (Live at Concert for the People of Kampuchea)
Junk (MTV Unplugged)
That Would Be Something (MTV Unplugged)
Presse 1969/1970
Das «Life»-Magazin vom 7. November 1969 zeigt als erstes Bilder von Pauls Farm und Familie in Schottland. Bereits in diesem Beitrag spricht Paul vom Ende der Beatles.
Der Daily Mirror vom 10. April 1970 verkündet auf der Frontseite: «Paul verlässt die Beatles». Der Untertitel (unten rechts im Bild) «Clash over the running of Apple» bezeichnet die geschäftlichen Differenzen als Ursache für die Trennung der Beatles.