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A
|Abhängigkeitssyndrom|
(Begriffe & Massstäbe)
In der aktuellen Version der ICD-10 (International Classification of Diseases, 10. Revision) wird das Abhängigkeitssyndrom in der Kategorie psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (F10.2 bis F19.2) behandelt. Das Abhängigkeitssyndrom wird folgendermassen definiert: "Eine Gruppe von Verhaltens-, kognitiven und körperlichen Phänomenen, die sich nach wiederholtem Substanzgebrauch entwickeln. Typischerweise besteht ein starker Wunsch, die Substanz einzunehmen, Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren, und anhaltender Substanzgebrauch trotz schädlicher Folgen. Dem Substanzgebrauch wird Vorrang vor anderen Aktivitäten und Verpflichtungen gegeben. Es entwickelt sich eine Toleranzerhöhung und manchmal ein körperliches Entzugssyndrom. Das Abhängigkeitssyndrom kann sich auf einen einzelnen Stoff beziehen (z.B. Tabak, Alkohol oder Diazepam), auf eine Substanzgruppe (z.B. opiatähnliche Substanzen), oder auch auf ein weites Spektrum pharmakologisch unterschiedlicher Substanzen."
|act-info|
(Erhebung)
act-info (Akronym für addiction, care and therapy information) ist ein einheitliches, gesamtschweizerisches Klientenmonitoringsystem für den Bereich der Suchthilfe. Das nationale Dokumentationssystem umfasst Angebote der ambulanten und stationären Behandlung von Problemen mit legalen und illegalen Substanzen sowie von nicht-substanzgebundener Abhängigkeit. act-info ist das Resultat einer Harmonisierung der bestehenden fünf Teilstatistiken (FOS für die stationäre Behandlung von Drogenabhängigkeit; Residalc für die stationäre Behandlung von Alkohol; SAMBAD für alle ambulanten Behandlungen; HeGeBe für die heroingestützte Behandlung; Nationale Methadonstatistik für Substitutionsbehandlungen), unter Berücksichtigung der jeweiligen Besonderheiten. Die beteiligten Forschungsinstitute (Sucht Schweiz Lausanne und ISGF Zürich) sind für die Datenerhebung und die Auswertungen in den einzelnen Behandlungssektoren verantwortlich. act-info wird durch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) finanziert und koordiniert. Jährlich werden im Rahmen dieses Monitoringsystems die Profile von mehr als 8'000 Hilfesuchenden zusammengetragen und analysiert. Auch wenn alle Zieleinrichtungen zur Teilnahme eingeladen werden, besteht keine Teilnahmepflicht (ausser für den Bereich der Heroinverschreibungsprogramme). Aufgrund der Teilnahmeschwankungen bleiben Einschätzungen hinsichtlich der absoluten Anzahl der behandelten Klientinnen und Klienten und der Entwicklung der Nachfrage über die Zeit schwierig.
|Alkohol|
(Substanz)
Die psychoaktive Komponente des Alkohols ist das Ethanolmolekül mit der chemischen Zusammensetzung CH3CH2OH. Nach oraler Aufnahme gelangen die Ethanolmoleküle innerhalb weniger Minuten ins Blut und werden in alle Organe verteilt.
Die Wirkung des Alkohols variiert je nach aufgenommener Menge und in Abhängigkeit von zahlreichen individuellen Faktoren wie etwa dem Geschlecht, Alter, Gewicht und der genetischen Disposition einer Person. In geringer Dosierung erhöht Alkohol die Herzfrequenz und den Blutdruck, hat eine gefässerweiternde Wirkung, steigert das Durstgefühl und kann Übelkeit verursachen. Alkohol verändert auch die Gehirnfunktionen so beispielsweise die Denkfähigkeit (verminderte Aufmerksamkeit, Euphorie, Enthemmung), die visuelle Kapazität (Minderung der Sehschärfe) und die Handlungsfähigkeit (Verlängerung der Reaktionszeiten, Beeinträchtigung der motorischen Fähigkeiten).
In hohen Dosen hat Ethanol eine toxische Wirkung auf den Körper und kann bei akutem Konsum zu einer Alkoholvergiftung bzw. einem Alkoholkoma führen. Langfristig kann ein dauerhaft hoher Konsum zu Verbrennungen im Verdauungssystem, Bluthochdruck, Pankreatitis, Leberverfettung und Leberzirrhose führen.
In der Epidemiologie wird der Alkoholkonsum einerseits mit der Anzahl der alkoholischen Getränke, andererseits in Gramm reinen Alkohols erfasst. Ein Standardglas, d.h. 2.5dl Bier mit 5% Alkohol; 1dl Wein mit 12%; 3cl Spirituosen mit 40% entspricht in der Schweiz 10-12 g reinem Alkohol. Für eine Definition des risikoreichen Konsums (i.e. chronisch und episodisch risikoreicher Konsum), vgl. Glossar risikoreicher Alkoholkonsum.
Der Verkauf von Alkohol ist einer von der Art des Getränks abhängigen Altersgrenze unterworfen: 16 Jahre für fermentierte Getränke (Wein, Bier) und 18 Jahre für gebrannten Alkohol (Spirituosen).
|Amphetamine, Ecstasy|
(Substanz)
Amphetamine oder Derivate mit ähnlicher Wirkung (z.B. Methamphetamin und MDMA - auch bekannt als Ecstasy) sind synthetische Substanzen mit stimulierender Wirkung, ähnlich wie bei Adrenalin oder Ephedrin. Es besteht eine gewisse Unklarheit bezüglich des Begriffs Ecstasy, welcher ebenfalls zur Beschreibung einer grossen Bandbreite von Substanzen mit ähnlicher Zusammensetzung (MMDA, MDA, MDEA und MBDM) benutzt wird, aber auch für wenig oder gar nicht verwandte Substanzen.
Amphetamine und Ecstasy existieren hauptsächlich in Tablettenform (orale Aufnahme). Als Pulver können sie auch gesnifft, inhaliert oder injiziert werden.
Amphetamine haben eine Wirkung auf das zentrale Nervensystem, wobei Noradrenalin und Dopamin freigesetzt wird, was im Allgemeinen zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit führt. Das Bedürfnis nach Schlaf sowie Empfindungen von Müdigkeit, Hunger und Durst werden unterdrückt. Diese Effekte werden durch eine gemeinsame Einnahme mit Alkohol verstärkt. Eine Einnahme kann zu Angstzuständen, Depressionen und Tetanie bei Abklingen der Wirkung der Substanz führen. Die regelmässige Einnahme kann durch Mangelernährung und Erschöpfung zu einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes beitragen. Die psychische Abhängigkeit von Amphetaminen ist verbunden mit Gedächtnisstörungen sowie Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung und Sprachstörungen.
Ecstasy führt zu einer Steigerung der Serotoninproduktion. Es hat eine psychostimulierende Wirkung, die zu einer Erhöhung des Blutdrucks und einer Beschleunigung der Herzfrequenz führt, begleitet von einem Gefühl des Wohlbefindens und der Entspannung. Darüber hinaus wird Ecstasy als sozial enthemmend und die Sinneswahrnehmung verbessernd beschrieben. Anstrengende körperliche Aktivität unter dem Einfluss von Ecstasy kann zu Erschöpfung und Dehydration führen. Eine regelmässige Einnahme kann zu psychischer Abhängigkeit von Ecstasy führen und langanhaltende Stimmungsveränderungen und schwere psychische Störungen hervorrufen.
Amphetamin im Spezifischen wird gelegentlich zur Behandlung von Narkolepsie oder einer Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) eingesetzt.
Amphetamine und deren Derivate gehören zu den durch das Betäubungsmittelgesetz (BtmG) als "psychotrop" eingestufte Substanzen und Präparate. Deswegen dürfen sie weder importiert oder hergestellt noch verkauft werden.
|An Konsumumstände und -formen gebundene Risiken|
(Indikator)
Mit dem Konsum süchtig machender Substanzen verbundene Risiken hängen weitgehend von der Häufigkeit des Gebrauchs und der eingenommenen Menge ab. Es gibt allerdings auch andere Risiken, die nur unter gewissen Umständen (z.B. unter Einfluss Auto fahren) oder infolge einer bestimmten Art der Einnahme (z.B. Gebrauch von nicht sterilem Injektionsmaterial) auftreten. Es handelt sich also um indirekte Risiken, die durch andere Massnahmen als die Reduktion des Konsums als solche vermieden werden können. So begünstigt das Konzept der Schadensminderung (harm reduction) eine Herangehensweise, die wesentlich auf die Prävention der Risiken im Zusammenhang mit den Umständen und der Art der Einnahme zielt. Indem die direkten und indirekten Risiken voneinander getrennt werden, ermöglicht dieser Ansatz ein müheloseres Einschreiten bei einem gewichtigen Teil der Konsequenzen im Zusammenhang mit dem Gebrauch psychotroper Substanzen. Im Rahmen des Suchtmonitorings erschien es wichtig, spezifische Indikatoren zu diesen indirekten Risiken zu berücksichtigen.
|Angetrunkenheit|
(Begriffe & Massstäbe)
Hinsichtlich des Fahrens unter Alkoholeinfluss sieht das Schweizerische Recht seit 2005 zwei Grenzwerte vor:
|AUDIT|
(Begriffe & Massstäbe)
Der Alcohol Use Disorder Identification Test (AUDIT) besteht aus insgesamt 10 Fragen, darunter die Häufigkeit des Alkoholkonsums, die Konsummenge an Trinktagen und die Häufigkeit starken Konsums gefolgt von Angaben zu eventuell erlebten alkoholbedingten Konsequenzen. Pro Antwortmöglichkeit werden zwischen 0 und 4 Punkten vergeben, wobei die beiden letzten Fragen (alkoholbezogene Unfälle und die Empfehlung, das Trinken zu reduzieren) nur drei Antwortmöglichkeiten (0, 2 und 4 Punkte) bieten. Die Punkte werden über alle Fragen hinweg aufsummiert, wobei 8 oder mehr Punkte einen problematischen Konsum anzeigen und die Entwickler des Tests davon ausgehen, dass 16 oder mehr Punkte auf eine Alkoholabhängigkeit hindeuten. In Bevölkerungsumfragen wird dieser zweite Wert jedoch zumeist auf 12 oder mehr Punkte herabgesetzt.
|Aufmerksamkeitssteigernde Medikamente|
(Substanz)
Seit einigen Jahrzehnten werden diverse Moleküle wegen ihrer stimulierenden Wirkung auf das Nervensystem synthetisiert. Darunter fallen auch Methylphenidat und Modafinil.
Methylphenidat (vermarktet unter dem Namen Ritalin®, Concerta®, Medikinet®) blockiert die Wiederaufnahme von Dopamin, Noradrenalin und in geringerem Umfang von Serotonin. Es wird hauptsächlich in der Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und von Narkolepsie verwandt. Seine Wirkungen sind erhöhte Wachsamkeit und Konzentration; Nebenwirkungen umfassen Angstzustände, Herzrasen oder Schmerzen in der Brust. Die häufigste Art der Einnahme ist oral. Methylphenidat dient der Symptombehandlung, d.h. es hat keine heilende Wirkung. Nach Abbruch der Behandlung kommt es somit zu einem Wiederauftreten der Symptome. Da es sich um eine Substanz handelt, die den Betäubungsmitteln gleichgestellt ist, unterliegt Methylphenidat strengen Reglementierungen und wird in der Hauptsache im Rahmen einer medizinischen Behandlung genommen.
Modafinil (vermarktet als Modiodal® und Modasomil®) wird in erster Linie in der Behandlung der Narkolepsie und der idiopathischen Hypersomnie gebraucht. Sein genauer Wirkungsmechanismus ist nicht bekannt. Es verursacht im Wesentlichen erhöhte Aufmerksamkeit und körperliche Aktivität. Zu den unerwünschten Nebenwirkungen zählen unter anderem Kopfschmerzen, Schwindel, Magen-Darm- sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen. Die orale Einnahme ist am häufigsten.
Die missbräuchliche Verwendung dieser Medikamente (ohne ärztliche Verschreibung) ist zur Zeit noch wenig dokumentiert.
B top
|Behandlungs- oder Betreuungsnachfrage|
(Indikator)
Behandlungsdaten im Abhängigkeitsbereich umfassen vornehmlich Angaben zur ambulanten und stationären Behandlung von Personen mit Problemen im Zusammenhang mit dem Gebrauch legaler und illegaler Substanzen, aber auch mit nicht-substanzgebundenen Abhängigkeiten. Diese Angaben werden in der Schweiz vornehmlich im Rahmen des Monitoringsystems act-info erfasst.
C top
|CAGE|
(Begriffe & Massstäbe)
Beim CAGE handelt es sich um ein Akronym basierend auf den vier im Test verwandten Items: Cut-down (Versuch, den Konsum zu reduzieren), Annoyed (Verärgert durch die Kritik anderer), Guilt (Schuldgefühle und Gewissensbisse aufgrund des Konsums) und Eye-Opener (Alkoholkonsum um über die Nachwirkungen des Konsums vom Vortag hinwegzukommen). Die einzelnen Fragen können dabei entweder bejaht (1 Punkt) oder verneint (0 Punkte) werden. Ab 2 Punkten gilt eine Alkoholabhängigkeit als wahrscheinlich. Bei Befragungen in der Gesamtbevölkerung wird jedoch zumeist bereits das Bejahen einer Frage als Anzeichen für einen problematischen Alkoholkonsum gesehen.
|Cannabis|
(Substanz)
Cannabis ist die weitaus am häufigsten konsumierte illegale Substanz. Der wichtigste psychoaktive Wirkstoff von Cannabis ist das THC (Tetrahydrocannabinol). Cannabis wird in Form von Marihuana (getrocknete Blütenstände, Blätter), Haschisch (Harz, gemischt mit Pflanzenteilen) und Öl (dickflüssige Substanz) verwendet und wird in der Regel mit Tabak gemischt geraucht oder inhaliert. Je nach Dosierung, Konsumart, bisherigen Cannabiserfahrungen, Persönlichkeit, momentaner psychischer Verfassung und Mischkonsum mit anderen Substanzen ist der Gebrauch von Cannabis mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Jedoch bleibt die Frage, ob diese Zusammenhänge kausaler Natur sind, Gegenstand von Diskussionen. Kurzfristig führt der Genuss in geringer Dosierung zu einer leichten Euphorie, einem Gefühl der Ruhe, zu spontanem Lachen und leichter Schläfrigkeit sowie zu leichten Beeinträchtigungen von bestimmten kognitiven oder psychomotorischen Leistungen. In höherer Dosierung kommt es zu Veränderungen in der Wahrnehmung von Zeit und Raum, zu Gedächtnisstörungen und es können Sprach- und Koordinationsstörungen auftreten. Ein langfristiger, chronischer Gebrauch sowie ein Beginn des Gebrauchs bereits in jungen Jahren beziehungsweise ein regelmässiger Gebrauch scheint mit besonderen Risiken verbunden zu sein. So kann der chronische Gebrauch zu psychischen (z.B. Psychosen) und körperlichen (z.B. negative Effekte auf die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System) Problemen führen. Ebenso birgt der längerfristige Gebrauch von Cannabis das Risiko, eine psychische Abhängigkeit zu entwickeln. Es wird zudem angenommen, dass kognitive Beeinträchtigungen, namentlich Aufmerksamkeits-, Konzentrations-, Gedächtnis- und psychomotorische Störungen, zu einer Verminderung der schulischen oder beruflichen Leistungsfähigkeit und zu einer Erhöhung des Unfallrisikos führen können.
Cannabis und ähnliche Substanzen (ohne Industriehanf: Nutzhanf mit einem geringen Anteil an THC) gehören zu den durch das Betäubungsmittelgesetz als "psychotrop" eingestuften Substanzen. Deswegen dürfen sie weder importiert oder hergestellt noch verkauft werden.
|Cannabismonitoring|
(Erhebung)
Auf Initiative des Bundesamts für Gesundheit (BAG) wurde 2003 das Schweizerische Cannabismonitoring begründet. Im Rahmen dieses Projekts wurden eine Sentinellastudie (Fokusgruppen mit Experten und Expertinnen), eine kriminologische Marktstudie sowie eine repräsentative Längsschnittuntersuchung der Schweizerischen Wohnbevölkerung im Alter von 13 bis 29 Jahren durchgeführt. Ziel dieser Längsschnittuntersuchung war die repräsentative Beschreibung von Prävalenzen, Konsummustern und Folgen des Cannabisgebrauchs bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie die Beschreibung von deren Einstellungen zur Cannabisthematik, insbesondere zur jeweils aktuellen Rechtslage. Die Bevölkerungsbefragung des Schweizerischen Cannabismonitorings erstreckt sich über mehrere Erhebungswellen (2004, 2007, 2010). Das Cannabismonitoring ist ein Gemeinschaftsprojekt von Sucht Schweiz in Lausanne, dem Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung (ISGF) in Zürich, dem Institut Universitaire de Médecine Sociale et Préventive (IUMSP) in Lausanne, dem Institut de Criminologie et de Droit pénal (ICDP) der Universität Lausanne sowie dem Institut für Begleit- und Sozialforschung (IBSF) in Zürich. Finanziert wird das Projekt durch das Bundesamt für Gesundheit (BAG).
|CoRolAR|
(Erhebung)
Der Hauptteil des Suchtmonitorings Schweiz besteht aus einer im Januar 2011 eingeführten fortlaufenden telefonischen Befragung der Bevölkerung (Continuous Rolling Survey of Addictive Behaviours and Related Risks). Ziel dieser Befragung ist es, die Datenlücke zur Entwicklung von Suchtverhalten zu schliessen. Dafür werden jedes Jahr etwa 11'000 in der Schweiz wohnhafte Personen ab 15 Jahren telefonisch (Festnetz- und Mobiltelefone) für ein Interview von etwa 25 Minuten kontaktiert. Die Teilnahme an der Befragung ist freiwillig, und die Daten werden anonym und vertraulich, in Übereinstimmung mit den Vorgaben des Datenschutzes, behandelt. Diese Befragung wird vom Institut für Begleit- und Sozialforschung (IBSF) in enger Zusammenarbeit mit Sucht Schweiz durchgeführt.
|CUDIT|
(Begriffe & Massstäbe)
Der Cannabis Use Disorders Identification Test (CUDIT; Adamson & Sellman, 2003) ist ein Screeninginstrument zur Erfassung des problematischen Cannabisgebrauchs. Er basiert auf dem im Alkoholbereich oft verwendeten AUDIT (Alcohol Use Disorders Identification Test; Saunders et al., 1993). Der CUDIT umfasst neben der Häufigkeit des Gebrauchs auch Fragen zur Dauer des Rausches, zu Schuldgefühlen, Erinnerungs- und Konzentrationsproblemen, Schwierigkeiten dem sozialen Umfeld gerecht zu werden sowie negativen oder sozialen Folgen des Cannabisgebrauchs. Basierend auf den Erhebungen des Cannabismonitorings wurde auch eine überarbeitete Version des CUDIT erstellt (Annaheim et al., 2010). Dabei wurden nach testtheoretischen Kriterien drei Fragen ersetzt, um die psychometrischen Eigenschaften der Skala zu verbessern.
Beide CUDIT-Versionen bestehen aus jeweils 10 Fragen, deren Beantwortung jeweils mit 0 bis 4 Punkten bewertet wird. Somit kann auf den Gesamtskalen ein Minimalwert von 0 und ein Maximalwert von 40 Punkten erreicht werden. Werden im Rahmen dieses Screenings acht oder mehr Punkte erreicht, wird von einem problematischen Cannabisgebrauch ausgegangen. Im Gegenzug kann aber nicht davon ausgegangen werden, dass Cannabisgebrauch unterhalb dieses Schwellenwertes per se unproblematisch ist.
Zudem sind im Rahmen telefonischer Befragungen der Gesamtbevölkerung keine Diagnosestellungen klinischer Relevanz möglich, das heisst Angaben aus solchen Erhebungen stellen nur grobe Richtwerte dar.
D top
E top
|ESPAD|
(Erhebung)
Das Projekt The European School Survey Project on Alcohol and Other Drugs (ESPAD) ist eine europaweite, alle vier Jahre stattfindende Erhebung unter 15- und 16-jährigen Schülerinnen und Schülern bezüglich des Konsums von Alkohol, Tabak und anderen Drogen sowie den Einstellungen zu diesen Substanzen. Die durch diese Befragung gewonnenen Daten und Erkenntnisse erlauben Vergleiche mit den anderen beteiligten Staaten und stellen einen Ansatzpunkt für die Entwicklung gezielter Massnahmen und Unterstützung bei der Früherkennung, Prävention und Behandlung von Alkohol- und anderen Drogenproblemen im Jugendalter dar. In der Schweiz wurden 2003 und 2007 zwei Erhebungswellen durchgeführt (nicht aber 2011). Die Auswahl der Stichprobe erfolgte durch ein statistisches Zufallsverfahren, wobei die 8., 9. und 10. Schulstufen berücksichtigt wurden. Im Jahr 2007 wurden in der Schweiz über 7'500 Schülerinnen und Schüler mittels Fragebogen im Klassenverband innerhalb einer normalen Schulstunde befragt. Freiwilligkeit und Anonymität der Teilnehmenden wurden gewährleistet.
F top
|Flüchtige Stoffe|
(Substanz)
Der Gebrauch flüchtiger Stoffe kann definiert werden als absichtliches Einatmen von flüchtigen Inhaltstoffen, wie sie in Deodorants und Deo-Sprays, Klebstoff, Lösungsmitteln oder Nachfüllpatronen für Feuerzeuge enthalten sind, mit dem Ziel, eine psychoaktive Wirkung zu erzielen. Die Gemeinsamkeiten dieser synthetischen Substanzen bestehen somit hauptsächlich in der Art der Anwendung (d.h. Einatmen von Dämpfen oder Gasen) und der Tatsache, dass es sich häufig um frei zugängliche Produkte handelt (erhältlich in Supermärkten, im Fachhandel usw.). Diese bei bestimmungsgemässem Gebrauch unschädlichen Substanzen können beim absichtlichen Einatmen hochkonzentrierter Dämpfe eine Intoxikation oder sogar den Tod verursachen. Die durch die Inhalation flüchtiger Stoffe resultierende Vergiftung führt zu ähnlichen Wirkungen auf das Verhalten wie sie durch Alkohol verursacht werden. Kurz nach dem Rausch durch die Inhalation treten Desorientierung und eine kurze Periode der Aufregung und Euphorie ein, gefolgt von Schwindelgefühlen und einer verzerrten Wahrnehmung.
G top
|Gesellschaftliche Kosten und Folgen|
(Indikator)
Bei den gesellschaftlichen bzw. sozialen Kosten handelt es sich um alle von der Gesellschaft getragenen Kosten. Sie umfassen direkte, indirekte und humane Kosten.
|GHB/GBL|
(Substanz)
GHB (Gamma-hydroxybutyrate) ist eine Substanz mit dämpfender Wirkung auf das Zentralnervensystem, das heisst, es verlangsamt die Atmung und die Herzfrequenz - was ihm in geringer Dosierung eine beruhigende und euphorisierende Wirkung verleiht (GBL=Gamma-Butyrolacton, ist eine GHB-Vorläufersubstanz, d.h. diese kann vom Körper in GHB umgewandelt werden). In höherer Dosierung besitzt es sedative und amnestische Eigenschaften und kann Schwindelgefühle und Koordinations- bzw. Sprachstörungen verursachen. Die Einnahme sehr hoher Dosen oder die gleichzeitige Einnahme zusammen mit Alkohol kann zu epileptischen Anfällen führen oder sogar ein Koma verursachen.
GHB gehört zu den durch das Betäubungsmittelgesetz (BtmG) als "psychotrop" eingestuften Substanzen und Präparate. Deswegen darf es weder importiert oder hergestellt noch verkauft werden.
|GISAH|
(Substanz)
Das Global Information System on Alcohol and Health (GISAH) bietet eine umfangreiche Datenbank mit mehr als 180 alkoholrelevanten Indikatoren. Diese wurden in sieben Kategorien zusammengefasst, um so gesundheitsrelevante Aspekte des Alkoholkonsums in den WHO Mitgliedsstaaten abbilden zu können. Diese Kategorien sind: Höhe des Alkoholkonsums, Konsummuster, Schäden und Konsequenzen, ökonomische Aspekte, politische Regularien des Alkoholkonsums (policies), Ressourcen für Prävention und Behandlung und Jugend und Alkohol.
H top
|Halluzinogene|
(Substanz)
Die Kategorie der Halluzinogene umfasst zahlreiche psychoaktive Substanzen wie LSD, Ketamin und psychotrope Pilze, die halluzinogene Verbindungen enthalten (z.B. Psilocybin und Psilocin).
LSD wird in der Regel oral eingenommen, indem eine auf Papier aufgebrachte Dosis auf die Zunge gelegt wird, wo die Droge schnell aufgenommen wird. LSD ist ein starkes Halluzinogen. Es verändert die sensorische und räumlich-zeitliche Wahrnehmung und verursacht Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Das "Herunterkommen" ist oft sehr schwierig (Verwirrtheit, Angstzustände oder Panik). Wie andere Halluzinogene hat LSD ein geringes Risikopotential für eine psychische Abhängigkeit, aber der Gebrauch kann schwerwiegende und langanhaltende psychische Folgen haben. Wie auch bei Pilzen, kann es bei hoher Dosierung zu einem "bad trip" kommen.
Ketamin ist wegen seiner halluzinogenen und dissoziativen Wirkung begehrt. Ketamin erzeugt Effekte wie den Verlust der motorischen Koordination, Muskelsteifheit und Agressivität. Die unerwünschten Nebenwirkungen sind vor allem psychischer Art (Angstzustände oder sogar paranoide Psychose). Eine akute Vergiftung kann zu einem länger andauernden Koma führen.
Es gibt mehr als 50 Arten halluzinogener Pilze. Die Wirkung auf das Verhalten hängt von der Dosis, der Reaktion und der individuellen Sensibilität bezüglich Psilocybin ab. Die Wirkung ist sehr vielfältig: leichtes Entspannungsgefühl, Schwindel, Euphorie, optische Verstärkung (hellere Farben), Sehstörungen (sich bewegende Flächen, Wellen), modifizierte Sinneswahrnehmung, räumlich-zeitliche Verzerrungen, diese führen aber nur selten zu richtigen Halluzinationen. In der Regel können keine physiologischen Effekte festgestellt werden.
Halluzinogene gehören zu den durch das Betäubungsmittelgesetz (BtmG) als "psychotrop" eingestuften Substanzen und Präparate. Deswegen dürfen sie weder importiert oder hergestellt noch verkauft werden.
|HBSC|
(Erhebung)
Die Health Behaviour in School-aged Children (HBSC) Studie, an welcher zum grössten Teil europäische Länder teilnehmen, ist eine Untersuchung von Schülerinnen und Schülern von 11 bis 15 Jahren. Sie wird unter der Schirmherrschaft der Weltgesundheitsorganisation (WHO - Regional Office for Europe) durchgeführt und findet alle vier Jahre statt. Die Schweiz nimmt seit 1986, vertreten durch Sucht Schweiz (ehemals Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme), an der Untersuchung teil. Das Projekt wird vom Bundesamt für Gesundheit (BAG), den Kantonen und Sucht Schweiz finanziert. Hauptziel dieser internationalen Studie ist es, mit einheitlicher Methodik Daten zu Lebensstilen und Lebensumständen, insbesondere zum Gesundheitsverhalten von Schülerinnen und Schülern, zu erfassen. Durch die regelmässige Wiederholung der Studie können zudem allfällige Veränderungen im Laufe der Zeit verfolgt werden. Die internationale Zusammenarbeit von Forschenden verschiedener Fachbereiche bietet zugleich optimale Voraussetzungen für den Erwerb und den Austausch von Fachwissen. Und schliesslich erweist sich die Studie als besonders bedeutend für die Entwicklung neuer Präventionsprogramme. Zahlreiche Berichte und wissenschaftliche Artikel belegen die internationale Bedeutung der HBSC Studie.
I top
|Inzidenz|
(Indikator)
Die Inzidenz ist ein epidemiologischer Begriff und bezeichnet den Anteil der Individuen einer gegebenen Population, bei denen in einem definierten Zeitraum ein bestimmtes Merkmal (Krankheit, Störung, Symptom oder potentiell schädigendes Verhalten) zum ersten Mal auftritt. Die Inzidenz unterscheidet sich von der Prävalenz, indem nur die neu aufgetretenen Fälle innerhalb der definierten Referenzzeit berücksichtigt werden. Die Entwicklung der Inzidenz informiert folglich über die Geschwindigkeit und die Intensität der Verbreitung eines betrachteten Phänomens.
K top
|Khat|
(Substanz)
Beim Kauen von Khat werden Cathinon und Cathin freigesetzt, eng mit Amphetaminen verwandte Substanzen, die das zentrale Nervensystem (ZNS) stimulieren. Die Wirkungen einer Einnahme von Khat sind vergleichbar mit denjenigen von Amphetaminen, wenngleich sie auch weniger stark sind (wie Steigerung des Blutdrucks, Zustand der Euphorie und Begeisterung, begleitet von einem Gefühl gesteigerter Klarheit und Angeregtheit). Diesem Zustand können Depressionen, Reizbarkeit, Annorexie und Schlafstörungen folgen. Die häufige Einnahme hoher Dosen kann zu psychotischen Reaktionen führen. Die Folgen im Magen-Darm-Trakt umfassen Verstopfung und Harnverhaltung.
Khat gehört zu den durch das Betäubungsmittelgesetz (BtmG) als "psychotrop" eingestuften Substanzen und Präparate. Deswegen darf es weder kultiviert noch importiert, hergestellt oder verkauft werden.
|Kokain|
(Substanz)
Kokain ist ein natürliches Produkt, das aus den Blättern des Kokastrauchs gewonnen wird. Da es in Pulverform vorkommt, wird es in der Regel durch die Nase aufgenommen (sniffen), selten auch intravenös. Gemischt mit Backpulver oder Ammoniak wird es zu Crack (auch Freebase genannt), welches dann nach Erhitzen inhaliert wird.
Kokain hat ähnlich wie Amphetamine eine physisch und psychisch anregende Wirkung. Wie Amphetamin führt es zu Euphorie, Tachykardie, Bluthochdruck sowie einer Unterdrückung des Appetits. Kokain verursacht auch ein Gefühl der intellektuellen und körperlichen Stärke sowie Gleichgültigkeit gegenüber Schmerzen und Müdigkeit. Allerdings ist die Wirkung relativ kurz und mit der Zeit kommt es zu Angstzuständen und Depressionen, die nur mit einer erneuten Dosis oder einer Einnahme von Heroin oder Medikamenten beruhigt werden können. Somit hat Kokain wegen des grossen Bedürfnisses einer wiederholten Einnahme ein grosses psychisches Abhängigkeitspotential.
Bei regelmässig Gebrauchenden können löchrige Verletzungen der Nasen-scheidewand beobachtet werden. Der Kokaingebrauch kann zu Schlaflosigkeit und Gedächtnisverlust führen und Auslöser von Schlaganfällen sein. Darüber hinaus besitzt Kokain eine hohe Neurotoxizität und kann zu Krämpfen führen.
Eine Überdosis folgt aus einer Intoxikation durch die giftige Wirkung des Kokains.
Kokain gehört zu den durch das Betäubungsmittelgesetz (BtmG) als "psychotrop" eingestuften Substanzen und Präparate. Deswegen darf es weder angebaut noch importiert, hergestellt oder verkauft werden.
M top
|Markt und Regulierungen|
(Indikator)
Marktbezogene Angaben basieren auf der Anzahl Verkäufe und möglicher Bezugsquellen einer spezifischen Substanz sowie deren Marktpreis. Ebenso umfassen diese Angaben Informationen basierend auf den Daten der Polizei und des Zolls (Verzeigungen, Beschlagnahmungen) sowie gesetzliche Regelungen im Zusammenhang mit einer spezifischen Substanz.
|Medizinische Statistik der Krankenhäuser|
(Erhebung)
Die Medizinische Statistik der Krankenhäuser (MS) erfasst jedes Jahr die anfallenden Daten aller Hospitalisierungen in den Schweizerischen Krankenhäusern. Diese Erhebung wird von jedem Krankenhaus bzw. von jeder Klinik durchgeführt. Das Bundesamt für Statistik (BFS) erhebt sowohl soziodemographische Informationen der Patientinnen und Patienten wie Alter, Geschlecht, Wohnregion als auch administrative Daten wie Versicherungsart oder Aufenthaltsort vor der Hospitalisierung und medizinische Informationen wie Diagnosen und Behandlungen.
|Morbidität und Verletzungen|
(Indikator)
Die Morbidität ist ein epidemiologischer Begriff, der es ermöglicht, die Häufigkeit eines bestimmten Merkmals (Krankheit, Störung, Symptom oder potentiell schädigendes Verhalten) in einem bestimmten Zeitraum in einer bestimmten Population zu beziffern. Dafür wird die Anzahl der Personen von 1'000 oder 10'000 mit diesem bestimmten Merkmal angegeben. Mit Hilfe der Morbidität lässt sich die Wahrscheinlichkeit der Betroffenheit eines Individuums innerhalb einer Population abschätzen.
|Mortalität|
(Indikator)
Mortalität (Sterblichkeit) ist ein epidemiologischer Begriff und wird definiert als die Anzahl der Todesfälle, die mit einem bestimmten Merkmal im Zusammenhang stehen (Krankheit, Störung, Symptom oder potentiell schädigendes Verhalten). Sie kann für die Gesamtbevölkerung, aber auch für einzelne Altersklassen (z.B. Kindersterblichkeit) oder getrennt für Männer und Frauen angegeben werden und bezieht sich in der Regel auf einen bestimmten Zeitraum und eine bestimmte Population. Die Mortalität wird durch Sterbeziffern oder Sterberaten ausgedrückt und erlaubt Rückschlüsse auf die Lebenserwartung einer Population.
|Multipler Substanzgebrauch|
(Substanz)
Die Definition des "multiplen Substanzgebrauchs" (auch Polykonsum genannt) variiert zwischen den verschiedenen Institutionen und Datenquellen, die sich mit der Suchtproblematik befassen. So definiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den multiplen Substanzgebrauch als den - gleichzeitigen oder aufeinanderfolgenden - Gebrauch von mehr als einer psychoaktiven Substanz oder einem Substanztyp durch ein Individuum, in der Regel mit der Absicht, die Effekte einer anderen Substanz zu verstärken oder zu mindern. Der Begriff wird auch weiter gefasst verwandt, indem für einen multiplen Gebrauch der Gebrauch von zwei oder mehr Substanzen durch dieselbe Person nicht notwendigerweise Voraussetzung ist. In einer engeren Definition werden durch den Code F19 des ICD-10 psychische und Verhaltensstörungen im Zusammenhang mit multiplem Substanzgebrauch als der Gebrauch von mindestens zwei psychoaktiven Substanzen bezeichnet, ohne dass es möglich wäre zu bestimmen, welche davon in erster Linie die Störung verursacht hat. Dieser Code wird auch für die Fälle verwandt, bei denen die genaue Natur mancher - oder der Gesamtheit - der verwandten psychoaktiven Substanzen nicht klar oder unbekannt ist.
Nach der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) ist es wichtig zu unterscheiden nach a) dem intensiven und wahllosen Gebrauch verschiedener Substanzen, die gleichzeitig oder nacheinander eingenommen werden, wobei in vielen Fällen eine Substanz je nach Verfügbarkeit durch eine andere ersetzt wird, b) einem systematischen Gebrauch mehrerer Substanzen zugleich, um eine kombinierte pharmakologische Wirkung zu erzeugen.
Das Hauptinteresse beim multiplen Substanzgebrauch ist die verstärkende Wirkung einer Substanz gefolgt auf eine andere. Daher sollten legale psychoaktive Substanzen wie Alkohol, Nikotin und Schlaf- oder Beruhigungsmittel gleichermassen wie illegale Substanzen berücksichtigt werden.
Zu den bekanntesten Kombinationen illegaler Substanzen gehört "Speedballing" d.h. die gleichzeitige intravenöse Einnahme von Kokain und Heroin, mit dem Ziel, die dämpfenden Effekte von Heroin durch die stimulierende Wirkung von Kokain zu vermindern. Opioide oder andere Substanzen mit dämpfender Wirkung werden, um die durch Kokain oder Amphetamine ausgelösten Angstzustände zu lindern, oft auch im Anschluss genommen. Desweiteren können als Ersatz, wenn keine Opioide verfügbar sind, Benzodiazepine genommen werden, um Entzugserscheinungen abzuschwächen.
O top
|Opioide|
(Substanz)
Opioide sind in zwei Gruppen unterteilt, und zwar in die natürlichen Derivate von Opium wie Morphin und Codein - allgemein Opiate genannt - und die synthetischen Ersatzstoffe wie Heroin und Methadon.
Heroin ist das am häufigsten illegal konsumierte Opioid. Es kann injiziert, geraucht oder gesnifft werden.
Die Einnahme von Heroin hat eine schmerzlindernde, anxiolytische und antidepressive Wirkung. Zu Beginn des Gebrauchs erzeugt es einen intensiven euphorischen Zustand, verbunden mit einem körperlichen Gefühl, das mit einem Orgasmus verglichen wird. Nach einigen Wochen wiederholten Gebrauchs schwächt sich diese Wirkung ab, gefolgt von einem Gebrauch, um die Entzugssymptome auszugleichen. Heroin hat demnach ein sehr hohes physisches und psychisches Abhängigkeitspotential. Gleichzeitig kann der Gebrauch von Heroin Übelkeit, Erbrechen, Unterdrückung des Hustenreflexes und Atemnot verursachen. Die Einnahme einer zu grossen Menge (Überdosis) kann somit durch Atemnot zu Bewusstlosigkeit und manchmal zum Tod führen.
Ferner können häufig gesundheitliche Probleme, die durch die Art des Gebrauchs (Injektionen) und das Risiko einer viralen oder bakteriellen Ansteckung entstehen, festgestellt werden.
Opioide gehören zu den durch das Betäubungsmittelgesetz (BtmG) als "psychotrop" eingestuften Substanzen und Präparate. Deswegen dürfen sie weder angebaut, importiert oder hergestellt noch verkauft werden.
Morphin und einige Derivate werden medizinisch genutzt, vor allem in der Schmerztherapie und der Substitutionsbehandlung. So ist in einigen Schweizer Kantonen die Verschreibung von Heroin oder Methadon im Rahmen einer Substitutionsbehandlung möglich.
P top
|Passivrauchen|
(Indikator)
Passivrauchen - secondhand smoke auf Englisch - ist die unfreiwillige Inhalation von ausgeatmetem Rauch einer rauchenden Person oder vom rauchenden Ende einer angezündeten Zigarette bzw. anderer Tabakwaren durch eine Person, die nicht raucht.
Passivrauchen ist gesundheitsschädlich und seit 2002 vom IARC (International Agency for Research on Cancer) als Auslöser von Krebs anerkannt. Bei Personen, die Passivrauch ausgesetzt sind, kann er Lungenkrebs, kardiovaskuläre Krankheiten und Asthma sowie Atemwegsinfektionen verursachen. Es gibt keinen Schwellenwert für die Schädlichkeit von Passivrauchen (jeglicher Kontakt ist potentiell schädlich für die Gesundheit einer ihm ausgesetzten Person).
|Prävalenz|
(Indikator)
Die Prävalenz ist ein epidemiologischer Begriff und bezeichnet den Anteil der Individuen einer gegebenen Population, die in einem bestimmten Zeitraum mindestens ein bestimmtes Merkmal aufweisen (Krankheit, Störung, Symptom oder potentiell schädigendes Verhalten). Die Prävalenz wird in der Regel in Prozent angegeben und weist auf die Referenzzeit hin, auf der sie basiert (meist Tag, Woche, Monat, Jahr oder Lebenszeit). Bei fehlender Vollerhebung wird die Prävalenz häufig mittels einer repräsentativen Erhebung in der Zielpopulation geschätzt.
R top
|Risikoreicher Alkoholkonsum|
(Begriffe & Massstäbe)
Der Alkoholkonsum stellt für die Gesundheit einen bedeutenden Risikofaktor dar (World Health Organization (WHO) 2002). Die unmittelbaren und langfristigen Auswirkungen des Alkoholkonsums betreffen hauptsächlich zwei Arten des Trinkens, die mitunter auch kombiniert vorkommen können:
Ein Standardglas = 10 bis 12 g reiner Alkohol: 1dl Wein, 3dl Bier, 4cl Spirituosen.
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|Schlaf- und Beruhigungsmittel|
(Substanz)
Schlaf- und Beruhigungsmittel (gewöhnlich "Hypnotikum" oder "Sedativum" genannt) führen zu Gefühlen der Ruhe, zu Schläfrigkeit und durch die dämpfende Wirkung auf das Zentralnervensystem (ZNS) zum Einschlafen. Der Unterschied zwischen Schlaf- und Beruhigungsmitteln besteht hauptsächlich in der Stärke der chemischen Wirkung auf den Zustand der Wachheit, der von einer beruhigenden Wirkung bis zum Tiefschlaf reichen kann.
Die gebräuchlichsten Hypnotika sind Benzodiazepine. Sie werden in der Regel als Tabletten geschluckt, können aber auch zu medizinischen oder nichtmedizinischen Zwecken injiziert werden und werden sehr selten gesnifft. Benzodiazepine bewirken Schläfrigkeit, Ataxie (schwankender Gang), Verwirrtheit, ein beeinträchtigtes Urteilsvermögen, usw. Bei einer langfristigen Einnahme besteht ein beträchtliches Risiko einer körperlichen und psychischen Abhängigkeit und die Entzugserscheinungen sind besonders schmerzhaft.
Häufig werden im Zuge einer Substanzabhängigkeit hohe Dosen an Benzodiazepinen zusammen mit anderen illegalen Substanzen eingenommen, z.B. um die euphorische Wirkung von Opioiden zu verstärken oder die unangenehmen Effekte von Psychostimulanzien zu vermindern. Die gleichzeitige Einnahme von Benzodiazepinen mit Alkohol oder Opioiden erhöht das Risiko einer tödlichen Überdosis.
Benzodiazepine werden in der Medizin weitestgehend dazu verwendet, Angstzustände und Schlaflosigkeit sowie andere pathologische Zustände wie Panikattacken und damit im Zusammenhang stehende Störungen zu lindern.
Benzodiazepine gehören zu den durch das Betäubungsmittelgesetz (BtmG) als "psychotrop" eingestuften Substanzen und Präparate.
|SGB|
(Erhebung)
Die Schweizerische Gesundheitsbefragung (SGB) liefert Informationen über den Gesundheitszustand der Bevölkerung und seine Bestimmungsfaktoren, insbesondere zum Konsum von Alkohol und Tabak sowie illegaler Substanzen. Sie untersucht auch Krankheitsfolgen, die Inanspruchnahme des Gesundheitswesens und die Versicherungsverhältnisse. Die periodische Wiederholung ermöglicht die Beobachtung von zeitlichen Veränderungen in diesen Themenbereichen und erlaubt, gesundheitspolitische Massnahmen auf ihre Auswirkungen hin zu überprüfen. Die SGB findet seit 1992 alle fünf Jahre statt und erfasst mittels computergestützten Telefoninterviews sowie ergänzenden schriftlichen Befragungen einen national repräsentativen Querschnitt des Gesundheitsverhaltens von Personen ab 15 Jahren. Der Stichprobenumfang der einzelnen Befragungen, die über das ganze Jahr hinweg durchgeführt wurden, betrug zwischen rund 13'000 und 20'000 Personen. Die SGB wird im Auftrag des Bundesamtes für Statistik von Instituten für Meinungs- und sozialwissenschaftliche Forschung durchgeführt.
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|Tabak|
(Substanz)
Der Hauptwirkstoff von Tabak ist das Nikotin, ein Molekül der Alkaloid-Familie. Der sogenannte "aktive" Konsum erfolgt hauptsächlich in Form von Zigaretten, Zigarren und losem Tabak für Pfeifen, zum Rollen oder Kauen. Der sogenannte "passive" Konsum beruht in der Regel auf dem unfreiwilligen Einatmen des Tabakrauchs anderer (Passivrauchen).
|TMS|
(Erhebung)
Das Tabakmonitoring Schweiz (TMS) wurde im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) zwischen 2001 und 2010 vom Psychologischen Institut der Universität Zürich (Departement Sozial- und Gesundheitspsychologie) und Hans Krebs (Kommunikation und Publikumsforschung, Zürich) durchgeführt. Die Daten wurden durch das LINK Institut für Markt- und Sozialforschung erhoben. Das TMS erfasste kontinuierlich und repräsentativ das Rauchverhalten und damit verbundene Verhaltensweisen bei in der Schweiz wohnhaften 14- bis 65-jährigen Personen. Etwa 2'500 Personen wurden vierteljährlich telefonisch befragt, woraus sich eine Stichprobe von fast 10'000 Personen pro Jahr ergab.
|Trunksucht (Verkehrsrecht)|
(Begriffe & Massstäbe)
Im Verkehrsrecht wird dann von Trunksucht gesprochen, wenn eine Person regelmässig so viel Alkohol konsumiert, dass ihre Fähigkeit Kraftfahrzeuge zu führen vermindert wird. Ferner muss die Annahme gemacht werden können, dass die Neigung zu übermässigem Alkoholgenuss nicht durch den eigenen Willen überwunden oder kontrolliert werden kann; so dass eine erhöhte Gefahr besteht, dass sich die Person im alkoholisierten Zustand hinters Steuer setzt und ein sicheres Führen des Fahrzeugs dadurch nicht mehr gewährleistet ist. Der Suchtbegriff des Verkehrsrechts deckt sich somit nicht mit dem medizinischen Begriff der Alkoholabhängigkeit. Das verkehrsrechtliche Verständnis der Trunksucht erlaubt es vielmehr, bereits suchtgefährdeten Personen das Führen eines Kraftfahrzeugs zu untersagen (Urteil vom 9.10.2002; Prozess-Nr. Bundesgericht 6A.48/2002).