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Die Ritterzeit wird noch heute oft vorwiegend mit rauschenden Festen, farbenfrohen Turnieren, Gauklern, Minnesängern, dauernden Fehden und Kriegen, mit monatelangen Belagerungen und schliesslich mit bösen Raubrittern in Zusammenhang gebracht. Die Archäologie und eine neue Sichtung der geschichtlichen und literarischen Quellen ergeben ein wesentlich anderes Bild. Wenn wir von den Auseinandersetzungen des Hochadels absehen, lebten die Bewohner der kleinen Ministerialenburgen — und zu ihnen dürfen wir rund 90% unserer Burgen zählen — doch meistens recht ruhig dahin. Sie kümmerten sich in erster Linie um ihre Landwirtschaft und um die Verwaltung der eigenen und der Lehensgüter.
Besonders seit dem 13. Jahrhundert waren die Adligen bestrebt, die vielen verstreuten Besitztümer und Rechte zu einem einheitlichen, zusammenhängenden Gebiet zu vereinen. Diesen Vorgang nennt man Territorialisierung. Wenn dabei einzelne Geschlechter erfolgreich waren, ging das stets auf Kosten der übrigen Familien.
Im Lauf des 14. Jahrhunderts forderten die Kriegszüge der Habsburger gegen die Eidgenossen unter den Familien unseres Gebiets einen hohen Blutzoll. Manches Geschlecht starb wegen fehlender Nachkommen aus. Andere verstanden es nicht, sich den neuen wirtschaftlichen Gegebenheiten anzupassen, oder sie hatten sich mit dem Bau neuer Burgen oder mit der Gründung von Städten zu sehr verausgabt. Sie verarmten und gingen im Bauernstand auf. Dass sich in dieser Situation auch einmal ein Burgherr mit unrechtmässigen Mitteln über Wasser zu halten versuchte, ist denkbar. Die Annahme, gegen Ende des Mittelalters hätte es in unserem Land von Raubrittern gewimmelt, ist völlig falsch und ein fast unausrottbares Klischee.