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3.1 Produktion von Biodiesel 2007 nach Ländern
Weltweit sind 2007 10 Mrd. Liter Biodiesel hergestellt worden. Die EU produzierte 60 Prozent, die USA 15 Prozent davon. In der Schweiz wurden 2007 9,7 Millionen Liter Biodiesel aus Raps- und Altspeiseöl hergestellt (2). Dies sind 4 Promille des Dieselöl-Verbrauchs in der Schweiz (ohne Flugpetrol).
3.2 Rohstoffe und Herstellung
Biodiesel ist ein ähnlicher Treibstoff wie "normaler" Dieseltreibstoff. Er wird jedoch nicht aus Rohöl gewonnen, sondern aus Pflanzenöl oder Tierfett. Das für die Herstellung von Biodiesel am meisten verwendete Pflanzenöl ist Rapsöl. Auch Palmöl, Öl von Soja, Sonnenblumen und Jatropha oder Altfett eignen sich, um daraus Biodiesel zu produzieren.
Chemisch ist Biodiesel ein Fettsäurenmethylester (FAME), kurz Methylester genannt. Zu dessen Herstellung wird Pflanzenöl rund 10 Prozent Methanol sowie Kalium- oder Natriumhydroxid als Reaktionsmittel (Katalysator) beigefügt. Erreicht die Temperatur des Pflanzenöls mit Beigaben 64 Grad Celsius, werden die Esterverbindungen der Triglyceride des Pflanzenöls getrennt und die entstehenden Fettsäuren mit dem Methanol verestert, das heisst es findet eine Umesterung statt. Das Glycerin, das dabei entsteht, wird vom Biodiesel getrennt. Durch diesen Umesterungs-Prozess ist Biodiesel weniger dickflüssig als das unbehandelte Pflanzenöl und kann mit diesen physikalischen Eigenschaften als Ersatz für normalen Diesel genommen werden. Dennoch hat Biodiesel andere chemische Eigenschaften und kann nicht einfach so für normale Dieselfahrzeuge gebraucht werden. Eine bis fünfprozentige Beimischung von Biodiesel zu normalem Diesel ist für Dieselfahrzeuge problemlos und erfordert auch nicht die technische Freigabe des Fahrzeugherstellers. Für höhere Beimischungen muss der Motor biodieselfest sein. Beimischungen werden, je nach Anteil Biodiesel, als B5, B10 oder B20 bezeichnet. B100 ist reines Biodiesel.
Auch reines Pflanzenöl, das nur gefiltert ist, eignet sich als Treibstoff. Allerdings müssen Dieselmotoren für den Betrieb mit Pflanzenöl umgerüstet werden. Bei Pflanzenöl handelt es sich zwar noch um einen Biotreibstoff, aber nicht mehr um Biodiesel.
3.3 Vorteile von Biodiesel
Grössere Nachhaltigkeit
Manche Stimmen sagen, nachwachsende Rohstoffe seien per se nachhaltig. Die Autoren der Empa-Studie kommen auf Grund der Ökobilanzierung von Biodiesel zu einem anderen Resultat. Wird aus Raps Biodiesel produziert, können die Nebenprodukte weiterverwendet werden. Der Rapsschrot-Rückstand aus der Gewinnung von Rapsöl ergibt ein wertvolles Futtermittel und das bei der Umesterung entstehende Glycerin findet in der chemischen Industrie eine weitere Verwendung.
Weniger Treibhausgasemissionen
Ausser bei Biodiesel, der in Brasilien aus Soja hergestellt wird und der rund 20 Prozent mehr Treibhausgasemissionen verursacht als konventioneller Diesel, kommt Biodiesel aufgrund der Resultate der Empa-Studie bei den Treibhausgasemissionen besser weg als normaler Diesel. Biodiesel von Raps, der in Europa angebaut wird, erzeugt etwa 15 Prozent weniger Treibhausgasemissionen; Biodiesel aus Raps, der in der Schweiz wächst, 30 Prozent weniger Treibhausgasemissionen als normaler Diesel. Bei Biodiesel aus Ölpalmen, die in Malaysia angebaut werden, liegt der Prozentanteil auch bei 30 Prozent weniger, bei Biodiesel aus in den USA angebauter Soja bei 40 Prozent weniger. Weitaus am besten schneidet Biodiesel ab, der in der Schweiz aus Altöl hergestellt wird: die Herstellung erzeugt 60 Prozent weniger Treibhausgasemissionen als normales Diesel.
Biodiesel ist weniger wassergefährdend als Diesel
Bei Lecks belastet Biodiesel die Umwelt weniger stark als normaler Diesel, da Biodiesel in Wassergefährdungsklasse 1 (schwach wassergefährdend) eingestuft ist, herkömmlicher Diesel hingegen in Wasserfgefährdungsklasse 2 (wassergefährdend). Zudem enthält Biodiesel keine giftigen Aromaten wie etwa Benzol.
Abhängigkeit von Importen weniger gross
Pflanzenöle können in weitaus mehr Ländern produziert werden als fossile Treibstoffe, weshalb die Situation der Abhängigkeit von wenigen Ländern bei Biotreibstoffen weniger dramatisch ist als bei den fossilen Treibstoffen. In der Schweiz fehlt schlicht die Fläche für den Anbau von Biotreibstoffen – die Schweiz importiert ja schon etwa 40 Prozent ihrer Nahrungsmittel.
Chance zur Bekämpfung von Armut für Entwicklungsländer
Der Anbau von Ölpflanzen wie Ölpalmen oder Jatropha als Cashcrops schafft beispielsweise in Indonesien zum ersten Mal überhaupt Arbeitsplätze und damit Einkommen für Menschen in ländlichen Gebieten.
3.4 Nachteile von Biodiesel
Grössere Gesamt-Umweltbelastung als konventionelles schwefelarmes Benzin und Diesel
n der 2007 publizierten Empa-Studie3 schneiden sämtliche Biodiesel schlechter ab als schwefelarmes konventionelles Benzin und Diesel. Insbesondere generiert Biodiesel mehr ozonfördernde Abgase als fossiler Treibstoff.
Leistungseinbussen wegen geringerer Energiedichte
Weil Diesel eine geringere Energiedichte aufweist, können sich Leistungseinbussen respektive ein um fünf Prozent erhöhter Treibstoffverbrauch ergeben.
Abholzung und Zerstörung von Naturlandschaften wie Regenwald
Anders als bei der Produktion von Bioethanol und Biogas, die beide aus Abfallprodukten hergestellt werden, werden derzeit in unterschiedlichen Kontinenten Naturlandschaften grossflächig zerstört, um Ölsaaten anzubauen, zum Beispiel in Indonesien, Russland, China und Kanada. In Papua wurde viel Urwald teilweise illegal gerodet, um Platz für Ölplantagen zu schaffen.
Auch die Konkurrenzierung der Anbauflächen für Nahrungsmittel und die daraus resultierende Verteuerung von Nahrungsmitteln sind Nachteile des Anbaus von Rohstoffen zur Gewinnung von Biodiesel.
3.5 BtL-Diesel
Die Herstellung von dieselähnlichen BtL-Treibstoffen der zweiten Generation steckt noch in den Kinderschuhen. In Deutschland wurde aus organischen Stoffen wie Holz oder organischen Abfallprodukten der Biodiesel-Treibstoff SunDiesel oder Sunfuel in einer Pilot-Anlage entwickelt. Aus gehäckselter Biomasse entsteht Gas, das anschliessend in flüssigen Treibstoff umgewandelt wird. Je nach Oktanzahl ist dieser in Benzin- oder Dieselmotoren einsetzbar.
3.6 Fairtrade-Biodiesel
Eine weiteres interessantes Biotreibstoff-Produkt hat die Schweizer Fairtrade-Organisation Gebana entwickelt: Bei der Weiterverarbeitung von Sojabohnen zweiter Qualität fällt Sojaöl als Nebenprodukt an, das Gebana zu Biodiesel aus biologischen Anbau und aus Fairtrade weiterverarbeitet. Die Gesamt-Umweltbilanz dieses Biodiesels dürfte besser sein als die von konventionellem Diesel und Benzin.
Das Öl der Jatropha-Pflanze eignet sich in Ländern des Südens sehr gut für die Produktion von Biotreibstoff. Die Organisation FairTradeFuel begleitet Jatropha-Projekte in Kamerun. (4)
Nomenklatur der Biodiesel-Treibstoffe
FAME Fettsäuremethylester nach DIN EN 14214
RME Rapsölmethylester, auch als Rapsmethylester oder Rapsdiesel bezeichnet
PME Palmölmethylester
AME Altfettmethylester
FME Tierfettmethylester