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Rhododendron ferrugineum. Es ist dies eine Kolonie von Alpenrosen mitten im Wald. Um sie zu schützen und zu erhalten, ist sie vor Jahren von der aargauischen Naturforschenden Gesellschaft angekauft und eingefriedigt worden. Die Kolonie bedeckt etwa eine Bodenfläche von 20 m2 und stellt wahrscheinlich ein Relikt aus der Glazialzeit vor.
Zum Schluss kommt noch die Flora der aargauischen Thäler zur Sprache. Die angebauten Wiesen enthalten neben den Hauptpflanzen, einer grossen Anzahl Gräser, auch noch je nach der Jahreszeit ihre Charakterpflanzen, die ihnen eine weithin erkennbare Färbung geben. Da öffnet im Frühling zuerst der Löwenzahn (Taraxacum officinale) seine Blüten, und die ganze Pflanzendecke erscheint tief dottergelb. Später ist Blauviolett oder Lila die vorherrschende Farbe, herrührend vom Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis) und noch später übernimmt die Kuckuckslichtnelke (Lychnis flos cuculi) die Färbung; die Wiesen erscheinen dann rot. Dann sieht man rot und weiss blühende Kleefelder, und so könnte man den Turnus noch weiter führen bis zum Herbst, wo die Wucherblume (Chrysanthemum Leucanthemum) mit ihren grossen weissen Strahlenblumen mit gelber Mittelscheibe die Führung hat.
Auch das Getreide hat seine Charakterpflanzen. Während des Wachstums bringt die Klatschrose (Papaver Rhoeas) mit ihren grell dunkelroten Blüten Farbe in die Felder, in geringerem Masse die violettrot blühende Kornrade (Agrostemma Githago) und die azurblaue Flockenblume (Centaurea Cyanus). Leider beteiligen sich auch minder schöne und lästigere Unkräuter an den Getreidefeldern, so die gelbe Gänsedistel (Sonchus arvensis) und die rötliche Felddistel (Cirsium arvense).
Auch einige hochwachsende Gräser wohnen im Getreide, so die Getreidetrespe (Bromus secalinus), die Sammettrespe (Bromus velutinus) und der Windhalm (Agrostis Spica venti). Nach der Ernte erscheinen in den Stoppelfeldern ganz andere Pflanzen, wie z. B. der Bauernsenf (Iberis amara), die Haftdolde (Caucalis daucoides), der Breitsame (Orlaya grandiflora) und der weidenblättrige Lattich (Lactuca saligna). Bei Boswil hat sich auch der seltene Mäuseschwanz (Myosurus minimus) eingestellt.
Neben den kultivierten Feldern gibt es aber doch noch Stellen im Gelände, wo sich eine freie Flora entwickeln kann. Dazu gehören die Ufer der kleinen Flüsse, welche die Thäler durchfliessen und diesen meistens auch den Namen geben. Da sieht man Bestände von Sträuchern, namentlich Weiden-Hornstrauch (Cornus sanguinea) u. a., sowie auch einzelne Bäume, wie Erlen, Eschen und Eichen, welche in dichtem Bestände das Ufergebüsch bilden. Darin wachsen wieder einige Charakterpflanzen.
An der Wigger z. B. blühen die Wiesenraute (Thalictrum aquilegifolium), der Pastinak (Pastinaca sativa), das Seifenkraut (Saponaria officinalis). Auch die beiden Waldnelken siedeln sich gerne am Flussborde an, die weissblühende Melandrium vespertinum und die dunkelrotblühende Melandrium diurnum. Auf den grossen Ruinen der Uferbauten haben sich der Mauerpfeffer (Sedum acre), das Hungerblümchen (Erophila verna) und oft auch der dreifingerige Steinbruch (Saxifraga tridactylites) eingefunden. Im Wiggerthal kommt die Ufernelkenwurz (Geum rivale) mit ihren schönen rötlich-gelben, nickenden Blütenköpfchen nicht vor, wohl aber im benachbarten Uerkenthal, wo sie mit der dunkelrot leuchtenden Tags-Lichtnelke (dem schon erwähnten Melandrium diurnum) weithin sichtbare rote Uferstellen bildet.
Eine Pflanze, die im Bezirk Zofingen nicht vorkommt, im östl. Kantonsteile aber stellenweise häufig ist, z. B. an Waldrändern, Eisenbahndämmen und ähnlichen Orten ist der geflügelte Ginster (Genista sagittalis); auch den deutschen Ginster (Genista germanica) findet man nur im östl. Teil des Kantons, z. B. im Bezirk Baden. Ueberall, wo sich zwischen den durch die Kultur besetzten Stellen noch unbenützte Plätze und Plätzchen finden, drängt sich die frei wachsende Flora hervor.
Solche Stellen sind z. B. ein mit der grasförmigen Sternmiere (Stellana graminea) übersponnenes Wegbord;
eine mit dem rosmarinblättrigen Weidenröschen (Epilobium rosmarinifolium) rot oder mit der Nachtkerze (Oenothera biennis) gelb geschmückte, verlassene Kiesgrube;
ein mit einem Bestande von Kandelabern der Königskerze (Verbascum nigrum, V. Thapus, V. Lychnitis) oder mit Färberwaid (Isatis tinctoria) versehenes Eisenbahnbord;
ein Schutthaufen, auf dem sich einige Stöcke der an die Kaktuspflanzen des Südens erinnernden Eselsdistel (Onopordon Acanthium), oder ein Gebüsch von grossen Kletten (Lappa officinalis), die unsere Kleider unliebsam zusammenkleben, angesiedelt haben.
Ueberall erobert sich die Natur noch ein Plätzchen, wo sie ihre Pflanzen anbringen kann, und auch der Botaniker noch einige Freude erlebt.
5. Die Fauna
des Aargau ist im Allgemeinen die gleiche, wie die des ganzen schweizerischen Mittellandes mit Inbegriff des Juras und weist nur wenige besondere Eigentümlichkeiten auf. In Bezug auf grössere Wirbeltiere ist sie arm zu nennen. Die jagdlichen Verhältnisse der Schweiz sind für die Erhaltung eines grösseren Jagdwildstandes, wenn ihn die örtlichen Verhältnisse erlauben würden, nicht günstig; sie sind im Aargau immerhin etwas günstiger, weil hier die Jagd revierweise verpachtet wird, wobei ein Wildstand noch eher aufkommen kann, als bei dem in den meisten Kantonen üblichen Vergeben von Jagdbewilligungen durch Patente, durch welches einer unerbittlichen Konkurrenz und einem Ausrottungskriege gegen das Jagdwild Vorschub geleistet wird. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts waren im Aargau nur ausnahmsweise grössere wilde Säugetiere anzutreffen; zur Seltenheit hörte man etwa einmal von einem verlaufenen Wildschwein (Sus scrofa) oder von einem ebensolchen Reh (Cervus capreolus).
Gegenwärtig hat sich der Rehstand etwas gehoben, indem es jahrelang verboten war, Rehgeissen zu erlegen. Auch konnte nach dem deutsch-französischen Kriege eine Vermehrung konstatiert werden durch Rehe, die vor dem Kriegslärm flohen und in unser Land einzogen. Im Frickthal hat sich dieses zierliche Tier namentlich angesiedelt und vermehrt, und die dortigen Reviere werfen deshalb einen höhern Ertrag ab als andere, wo diese Wildart nur in geringer Zahl vorhanden ist und Mühe hat, fortzukommen. Mit den zahlreichen Wildschweinen, die während des Krieges in die Schweiz verdrängt worden waren und von denen an verschieden Stellen des Aargaus ganze ¶