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Schon vor über 1’000 Jahren schien Grönland eine vielversprechende Region, um sich dort niederzulassen und zu siedeln. Doch die ersten Europäer, Wikinger aus Island, verschwanden nach nur knapp 400 Jahren aus dem Süden Grönlands. Die Wissenschaft suchte lange nach den Gründen für das plötzliche Verschwinden. Ein US-amerikanisches Forschungsteam hat nun Beweise für einen möglichen Hauptgrund entdeckt: Steigende Trockenheit statt sinkender Temperaturen am Siedlungsort.
Das Team unter der Leitung von Professor Raymond Bradley, Professor für Geowissenschaften an der Universität von Massachusetts Amherst, fand die Beweise bei der Analyse von Sedimentproben in einem See, der im Umkreis der bekannten Siedlung «Brattahlíð», nahe der heutigen südgrönländischen Gemeinde Qassiarsuk liegen. Dabei zeigte sich, dass die Temperaturen in der Region sich im Laufe der Besiedlungszeit kaum verändert hatten. Dasselbe galt aber nicht für Wasser, wie der Hauptautor der Studie, Boyang Zhao, erklärt. «Wir entdeckten, dass es immer trockener wurde im Verlauf der Zeit in Südgrönland.» Dadurch wurde die Grasproduktion im Sommer reduziert, bzw. die Qualität der Nahrung nahm stetig ab und das Vieh, welches schon genügend Schwierigkeiten im harschen Klima mit den sinkenden Temperaturen im Winter hatte, fand immer weniger Nahrung, besonders im Winter. Die Arbeit des Teams wurde jetzt in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht.
Schon seit langem forschte die Wissenschaft nach den Gründen des Verschwindens der ersten europäischen Siedler in Grönland. Klimawandel, Krankheiten, Piraten und Konflikte mit den Inuit wurden in die Runde der möglichen Gründe angegeben. Vor allem das Einsetzen der «Kleinen Eiszeit» schien die plausibelste Erklärung zu sein, warum die Nachfahren von Erik dem Roten nach knapp 500 Jahren wieder aus der Region verschwanden. Doch das schien den Forscherinnen und Forscher nicht zu genügen. Denn die Daten, so das Team, stammten aus Eisbohrkernen, die über 1’000 Kilometer weiter nördlich und auf über 2’000 Meter über dem Meeresspiegel entnommen worden waren. «Wir wollten aber wissen, wie sehr sich das Klima näher am Siedlungsort der Nordmänner verändert hatte», sagt Raymond Bradley.
Die Resultate des Forschungsteams stammten aus der Analyse von Sedimentproben eines Sees, der in der Nähe der ursprünglichen Wikingersiedlung Brattahlíð liegt. «Vor dieser Studie existierten keine Daten von der tatsächlichen Stelle der Wikingersiedlungen und das war ein Problem», erklärt Raymond Bradley. Aus den Sedimentproben, die rund 2’000 Jahre Klimageschichte konserviert hatten, rekonstruierten sie einerseits die lokale Temperatur durch die Analyse eines Lipids; auf der anderen Seite untersuchten sie auch die Rückstände von der Wachsschicht von Pflanzenblättern, die Aufschluss über die Wassermenge geben. Diese zeigten, dass sich im Laufe der Zeit eine immer stärker werdende Trockenheit einstellte. Dies schlug sich in der Nahrungsqualität für das Vieh nieder, welches das Gras besonders im Winter benötigte. Da die Qualität bereits bei guten Bedingungen eher am unteren Rand lag, bedeutete die durch die Trockenheit verstärkte Reduktion der Qualität das Ende der Viehwirtschaft und damit auch das Aus für die Siedlung, kommt das Forschungsteam zum Schluss.
Dr. Michael Wenger, PolarJournal