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Vor mehr als einem Jahrzehnt hat Mercy Ships den strategischen Entscheid gefällt, die Zahl der Operationen zu reduzieren und stattdessen afrikanisches Gesundheitspersonal an Bord zu holen. Indem wir uns die Zeit nehmen, es auszubilden, vervielfältigen wir unsere Wirkung, indem wir neue Kompetenzen im Kielwasser unserer Spitalschiffe zurücklassen.
Weniger Operationen durchführen, um mehr Menschen zu helfen. Dieses Konzept mag auf den ersten Blick überraschend erscheinen, aber unsere Erfahrungen vor Ort bestätigen, dass der Bedarf an chirurgischen Eingriffen in Afrika riesig ist und dass unsere Spitalschiffe letztlich nur ein (grosser) Tropfen auf den heissen Stein sind. Durch die Ausbildung, Zurüstung und Unterstützung lokaler Gesundheitsfachkräfte ermöglichen wir es ihnen, den Stab zu übernehmen und unsere Arbeit auch dann fortzusetzen, wenn unsere Spitalschiffe nicht mehr in der Nähe sind.
Eines der prominentesten Beispiele ist wohl Dr. Abram Wodomé, ein Augenchirurg aus Togo. Als jüngstes Kind einer Familie mit 16 Kindern erinnert sich Abram daran, dass einige seiner Brüder die Schule abbrechen mussten, um mitzuhelfen, die ganze Familie zu versorgen, da das Einkommen seines Vaters, der als Tischler arbeitete, und seiner Mutter, die auf dem Markt Fisch verkaufte, nicht mehr ausreichte. Als Jüngster der Geschwister hatte er wenig Hoffnung, dass sein Traum, Arzt zu werden, jemals in Erfüllung gehen würde. Dennoch gab er nicht auf, überwand viele Hindernisse und machte schliesslich sein Staatsexamen! Während er als Allgemeinmediziner in Lomé arbeitete, entwickelte er ein besonderes Interesse an der Augenheilkunde. Nach einer Grundausbildung in Guinea setzt er seine Spezialisierung in Mali, Benin und Côte d‘Ivoire fort.
2010 hielt die Africa Mercy in Togo und bot ihm die Möglichkeit, ein Mentorat an Bord zu absolvieren. Einer unserer Chirurgen brachte ihm eine revolutionäre Technik bei, dank welcher der graue Star schneller und billiger operiert werden kann. Nach acht Wochen Mentoring konnte er bis zu 100 Eingriffe pro Woche durchführen, während er zuvor nur drei bis vier pro Monat geschafft hatte.
Zwei Jahre später kehrte die Africa Mercy nach Togo zurück, und Dr. Wodomé war wieder an Bord, operierte zahlreiche Patienten und bildete seinerseits togolesische Kollegen aus. Mercy Ships war von seinen Fähigkeiten überzeugt und unterstützte ihn bei seinen Bemühungen, eine eigene Klinik zu eröffnen. Seither sind zehn Jahre vergangen und Dr. Wodomé hat in Togo nicht weniger als 15‘000 Kataraktoperationen durchgeführt, darunter auch die von Hounsigbo.
Bisher hat er 35 afrikanische Chirurgen ausgebildet und will in den nächsten drei Jahren weitere 18 ausbilden. Er hat auch seine eigene humanitäre Organisation gegründet, um den Ärmsten der Armen kostenlose Operationen anzubieten.
Er, der zu Beginn seiner Karriere ernsthaft darüber nachgedacht hatte, Togo zu verlassen und sich im Ausland niederzulassen, entschied sich schliesslich dafür, seine Fähigkeiten seinem Land zur Verfügung zu stellen. Übrigens praktizieren von den 34 Studenten seines Jahrgangs heute nur noch neun in Togo. Für uns ist Dr. Wodomé ein wahrer Held des Gesundheitswesens und ein wunderbarer Multiplikator unserer Wirkung.