Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03408.jsonl.gz/2771

Demokratie ohne Kritik
Demokratie ohne Wähler?
Die Autoren wollen in diesem Buch nach eigener Auskunft darstellen, welche Vorstellungen in der politikwissenschaftlichen Debatte darüber verbreitet sind, wie die Demokratie der Zukunft aussehen werde und welches Mischungsverhältnis zwischen "klassischen Formen" der Demokratie - also Wahlen und Parteien - und "neuen Formen", die einen stärker partizipativen Charakter haben, angestrebt wird.
Gleich zu Beginn machen die Autoren auch klar, wodurch sich Demokratie ihrer Meinung nach legitimiert: Durch die Zustimmung, die die Herrschaftsform im Allgemeinen (das heißt, die Demokratie als solche) und die Herrschaft im Speziellen (das heißt, die konkrete Politik) von den "Regierten" erfährt sowie der Regierungsfähigkeit, das heißt, dem Vermögen der Regierung, ihre Herrschaft durchzusetzen. Im Umkehrschluss heißt das, dass die Demokratie ihre Legitimation verliert, wenn sie von den Regierten nicht mehr anerkannt wird. Das hält die Autoren allerdings nicht davon ab, quasi religiös zu argumentieren, wenn sie von einer "natürlichen Überlegenheit der Demokratie" (S. 11) sprechen - wo diese plötzliche Natürlichkeit herkommt, darüber verlieren sie kein Wort.
Die Autoren, die Politikwissenschaft betreiben, nehmen zwar zur Kenntnis, dass die Demokratie an Legitimation verliert, bewerten das aber rein negativ und wollen das Bestehende beibehalten statt zu etwas Neuem aufzubrechen, weil nicht-demokratische Herrschaftsformen allesamt autoritär seien - und Herrschaft an sich von ihnen gar nicht infrage gestellt wird. Dementsprechend gebe es ein "Legitimationsproblem" (S. 12), dessen Hauptleidtragende nicht etwa die Menschen sind, die unter einer Politik zu leiden haben, die beispielsweise die Umwelt immer weiter zerstört und große Teile der Bevölkerung in die Armut treibt, nein es sind - die Parteien! So passt es auch ins Bild, dass sie vorschlagen, den Anteil direkter Demokratie zu erhöhen, um so Protest einzudämmen und die Legitimation der parlamentarischen Demokratie wieder auszuweiten.