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Portrait Delta-Club Jungfrau-Tächi
von Urs Dubach
Unser Club wurde 1976 unter dem Namen "Delta-Club Jungfrau-Tächi" von 13 Flugenthusiasten um Toni Wyss von der Kleinen Scheidegg gegründet. Heute zählt der Club rund 300 Mitglieder, und Grindelwald hat sich zu einem der bekanntesten Fluggebiete der Schweiz entwickelt. Hier machen viele Gäste bei einem Tandemflug erstmals Bekanntschaft mit der freiesten Art des Fliegens, während die Könner an den besten Sommertagen gar über den höchsten Alpengipfeln schweben oder sich zu Streckenflügen von über 100 Kilometer aufmachen.
Trotz Otto Lilienthals Versuchen um 1890 entwickelte sich unser Sport erst 90 Jahre später. Ironischerweise bedurfte es für die einfachste Form des Fliegens zuerst der Reise zum Mond. Der NASA-Forscher Ernest Rogallo entwickelte im Zusammenhang mit Fallschirmstudien für die Apollokapseln den Drachen und auch das Prinzip für den späteren Gleitschirm. Zuerst dachte man - wie einst Lilienthal - nur an einfache Gleitflüge von Hügeln. Bald aber lernten die Pioniere, den Segelfliegern gleich die Aufwinde zu nutzen und damit stundenlange und weite Flüge zu machen.
Zwar nahmen die Mitgliederzahlen stetig zu, aber der Club blieb in seinen ersten 10 Jahren doch eine Gemeinschaft von meist wagemutigen Idealisten. Dies änderte sich mit dem Aufkommen der Gleitschirme ab 1986. Alpenweit, aber vor allem auch in Grindelwald, setzte ein eigentlicher Boom ein. 1988 hatte der Verein erstmals über 100 Mitglieder. Er wandelte sich nun immer mehr zum Gleitschirmclub. Das Grindelwalder Wettkampfteam konnte Anfang der 90er Jahre einige grosse Erfolge buchen. Ulrich Bohren, der bis 2008 die lokale Flugschule leitete und unter dem Label "Paragliding Grindelwald" auch Passagierflüge anbietet, wurde Schweizer Meister und war zweimal Mannschaftsweltmeister mit dem Schweizer Team. Wir gewannen 4 Medaillen an den nationalen Vereinsmeisterschaften, darunter 1996 den Meistertitel. Der Club machte sich zudem als Veranstalter einer Schweizer Meisterschaft und von drei Gleitschirm-Weltcups einen guten Namen.
Die Geselligkeit innerhalb des Clubs und die Verbundenheit mit dem Ort konnte glücklicherweise aus den Pioniertagen der Deltafliegens ins neue Jahrtausend hinübergerettet werden. Der Verein leistet regelmässig freiwilligen Arbeitseinsatz zu Gunsten der Alpwirtschaft. Einen Höhepunkt bildet das alljährliche Clubfliegen, wo traditionellerweise ein ganzer "Bänz" (Dialekt für ein Schaf) am Spiess gebraten wird, bevor die Veranstaltung von den Wagemutigeren mit einem Nachtflug von First aus abgeschlossen wird.
Die Grindelwalder Kulisse lädt natürlich zu Alpenflügen geradezu ein. Die besten Aufwinde gibt es bei uns zwar im Frühjahr und Frühsommer, aber am höchsten hinauf geht's meist von Juli bis September. Bereits 1990 wurden ab Startplatz First (2100 m) das Wetterhorn (3692 m) und das Schreckhorn (4078 m) überflogen, mit dem Delta auch der Eiger. Im Jahr 2000 schliesslich gelang unserem Clubmitglied Alex Hofer der Überflug von Eiger, Mönch und Jungfrau in einem Zuge. Er war früher schon als erster von First aus ins Ausland geflogen, nämlich 130 km quer durch die Zentral- und Ostschweiz nach Vaduz.
Mit dem neuen Jahrtausend begannen sich die professionelle Jugendförderung und die konsequente Aufbauarbeit in der Leistungsgruppe bei Herren und Damen auszuzahlen. Weltmeister (Alex Hofer), Teamweltmeister/in (Elisabeth Rauchenberger, Christian Maurer), Europameister (Alex Hofer und Christian Maurer), Schweizermeister (Elisabeth Rauchenberger, Christian Maurer, Alex Hofer), Gesamtweltcup-Sieger (Alex Hofer, Christian Maurer) und X-Alps-Sieger (Alex Hofer, Christian Maurer) - diese Titel wurden innerhalb weniger Jahre von unseren Clubmitgliedern erflogen. Dazu gesellten sich viele Siege und vordere Plazierungen bei Weltcup-Läufen und bei anderen renommierten Wettbewerben. Nicht zu vergessen ein Europarekord im Streckenfliegen über 323 km, und ein Weltrekord mit einem FAI-Dreieck von 220 km Länge.
In enger Zusammenarbeit haben der Club und der professionelle Anbieter "Paragliding Grindelwald" die Infrastruktur aufgebaut und verbessert. Im Jahr 2000 konnte beispielsweise eine automatische Wetterstation beim Hauptstartplatz First in Betrieb genommen werden. 2003 kam eine Internet-Wetterinformation an der Talstation der Firstbahn dazu.
Viele Gastpiloten aus aller Welt geniessen unser wunderschönes und dank der Vereinsanstrengungen gebührenfreies Fluggebiet. Wir heissen sie - wie auch alle Gäste der Passagierflüge - gerne bei uns willkommen. Gut Flug!