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Analyse von SARS-CoV-2-Ausbrüchen im Gesundheitsbereich
Die Covid-19-Pandemie hat die Welt, ihre Gesundheitssysteme und die Gemeinschaft der Infektionsprävention und -kontrolle (IPC) überrascht und zu zahlreichen nosokomialen Ausbrüchen mit hoher Morbidität und Mortalität geführt. Sie brachte neue Herausforderungen für das Management von nosokomialen Atemwegsinfektionen mit sich.
Hintergrund
Zu Beginn der Pandemie herrschte die Meinung vor, dass medizinisches Fachpersonal (HCW) von nosokomialen SARS-CoV-2-Infektionen betroffen ist und dass die Quelle ihrer Infektionen die mit SARS-CoV-2 infizierten Patientinnen und Patienten sind. Man ging davon aus, dass die Übertragung von SARS-CoV-2 nur eine Richtung hat und dass sie zwischen dem Fachpersonal und vom Fachpersonal auf die Patientinnen und Patienten vernachlässigbar war. Diese Fehleinschätzung führte zu zahlreichen nosokomialen Ausbrüchen.
Ziel
Unser Ziel war es, nosokomiale Ausbrüche zu rekonstruieren, die während der ersten Pandemiewelle in drei Spitälern der Genfer Universitätskliniken (HUG) auftraten. Wir haben epidemiologische und genetische Daten kombiniert, um die Übertragungsdynamik zu verstehen und die IPC-Praktiken zu verbessern: Ermittlung der Übertragungswege, Übertragungsbäume, Übertragungsrichtung, Infektions-Risikofaktoren und Risikofaktoren für nosokomiale Infektionen.
Resultate
Wir analysierten nosokomiale Ausbrüche von Covid-19 an drei Spitalstandorten in der Abteilung für Rehabilitation und Geriatrie des HUG, an denen sowohl Patientinnen und Patienten als auch MFP beteiligt waren. Aufgrund der hohen Dichte dieser Ausbrüche gab es nur eine begrenzte genetische Variabilität in den SARS-CoV-2-Stämmen. Trotz dieser Herausforderung waren wir in der Lage, durch die Anwendung von Modellierungstechniken bestimmte Schlüsse zu ziehen. Wir haben gezeigt, dass in diesen "Covid-freien" Spitalzonen SARS-CoV-2 fast ausschliesslich durch MFP eingeschleppt wurde. Wir haben auch gezeigt, dass in einer Station gleichzeitig zirkulierende Stämme auftreten können, die mit mehreren Einschleppungsereignissen in Verbindung stehen.
Die besondere Übertragungsdynamik variierte je nach Kontext. In einer kleinen Rehabilitationsklinik ohne akute Einweisungen, haben wir gezeigt, dass ein deutlich grösserer Anteil der Infektionen auf das MFP zurückzuführen ist (71 %) als angesichts der Zahl der Fälle von MFP (47 %) zu erwarten wäre. Das medizinische Fachpersonal war somit die Hauptursache für nosokomiale SARS-CoV-2-Kreuzinfektionen bei anderen Mitarbeitenden und insbesondere bei Patientinnen und Patienten, bei denen etwa 80 % der Infektionsfälle auf das MFP zurückzuführen waren.
In einer anderen Rehabilitationsklinik konnten wir nachweisen, dass es auf einer einzigen Station zu vier Einschleppungen kam, die alle vom MFP ausgingen und anschliessend auf andere Mitarbeitende sowie auf Patientinnen und Patienten übertragen wurden. Ausserdem stellten wir fest, dass sowohl die Exposition in der Gemeinschaft als auch am Arbeitsplatz wichtige Prädiktoren für die SARS-CoV-2-Seropositivität sind.
Darüber hinaus stellten wir fest, dass Gebrechlichkeit bei Patientinnen und Patienten mit einer siebenfach höheren Wahrscheinlichkeit einer nosokomialen Infektion verbunden war. Dies kann auf biologische Phänomene, oder auf Unterschiede in den Kontaktmustern zurückzuführen sein.
Beitrag zur Bewältigung der aktuellen Pandemie
Unsere Forschung hat zu den Erkenntnissen beigetragen, dass es bei der Übertragung von SARS-CoV-2 in Gesundheitseinrichtungen ein komplexes Zusammenspiel zwischen medizinischem Personal und Patientinnen und Patienten gibt. Unsere Ergebnisse haben Einblicke in die Übertragungsdynamik bei nosokomialen Ausbrüchen geliefert und mit anderen Studien zur Anpassung lokaler, nationaler und internationaler Empfehlungen für die Prävention und Kontrolle nosokomialer Ausbrüche von SARS-CoV-2 beigetragen.
Originaltitel
Combined epidemiological and molecular investigation of 3 nosocomial outbreaks of SARS-CoV-2 cross-infection