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Bern, 15.03.13 / Die Plattform Agrotreibstoffe ist bestürzt über die Zertifizierung des Genfer Unternehmens Addax Bioenergy durch den „Runden Tisch für Nachhaltige Biotreibstoffe“ (RSB). Obwohl der Anbau von Bioethanol durch Addax auf 57‘000 ha gepachtetem Land in Sierra Leone die lokale Ernährungssicherung gefährdet, erhält das Projekt das erste „Nachhaltigkeitssiegel“ in Afrika. Dass der RSB durch mehrere Schweizer Verwaltungsstellen unterstützt wird, ist besonders stossend.
Ist es nachhaltig, in Afrika Agrotreibstoffe für den Export zu produzieren, wenn das dafür verwendete Land der lokalen Bevölkerung zum Anbau von Nahrungsmitteln fehlt?
„Ja“, sagt der „Runde Tisch für Nachhaltige Biotreibstoffe“ (RSB ) mit Sitz in Lausanne, dem 48 internationale Grossunternehmen – darunter auch Shell, Petrobras, Airbus und Boeing und das soeben zertifizierte Unternehmen Addax Bioenergy – sowie verschiedenen NGOs angehören.
„Nein“, sagt das Netzwerk für das Recht auf Nahrung in Sierra Leone (SiLNoRF), das seit 2010 die Investitionen und Aktivitäten des Bioethanol-Produzenten Addax Bioenergy in Sierra Leone überwacht. „Der RSB zertifiziert ein Projekt, dass die Ernährungssicherheit vor Ort gefährdet. Die Menschen in den Bezirken Tonkolili und Bombali stehen unter dem Risiko, ihre Ernährung nicht mehr gewährleisten zu können und ihre Landrechte sowie den Zugang zu Wasser zu verlieren“, sagt Mohamed Conteh, Direktor von SiLNoRF. SiLNoRF hat mit Unterstützung von Brot für alle eine Analyse zur RSB-Zertifizierung von Addax veröffentlicht (www.brotfueralle.ch/addaxbioenergy). Obwohl der RSB im Vorfeld über die kritische Situation informiert wurde, hat er das Netzwerk nicht konsultiert. „Wären wir gefragt worden, hätte Addax sicherlich keine Auszeichnung erhalten“, sagt ein Bewohner des Dorfes Masorie im Bezirk Bombali. „Wir haben die Verträge mit Addax unterzeichnet, weil uns das Unternehmen versprochen hat, uns von der Armut zu befreien. Doch nun ist genau das Gegenteil eingetroffen.“
„Nein“, sagt auch die Plattform Agrotreibstoffe, ein Zusammenschluss von Schweizer NGOs. Die negativen Auswirkungen des Projekts in Sierra Leone zeigen exemplarisch die Problematik von Agrotreibstoffen auf. In diesem Zusammenhang von Nachhaltigkeit zu sprechen, ist zynisch und zeugt von sträflicher Ignoranz der effektiven Situation. „Die Zertifizierung eines so offensichtlich fragwürdigen Projekts bestätigt alle Zweifel an den Nachhaltigkeitskriterien des RSB“, sagt Tina Goethe, Koordinatorin der Plattform Agrotreibstoffe und Landwirtschaftsexpertin bei Swissaid.
„Stossend ist zudem, dass das Bundesamt für Energie, das Bundesamt für Umwelt und AlcoSuisse, ein Profitcenter der Eidgenössischen Alkoholverwaltung, als Mitglieder des RSB figurieren. Damit unterlaufen sie den sonst umfassenden Anspruch der Schweiz an die Nachhaltigkeit und legitimieren Land Grabbing“, meint Miges Baumann von Brot für alle, der Schweizer Partnerorganisation von SiLNoRF.
Für weitere Informationen:
Abbas Kamara, Programmverantwortlicher von SiLNoRF: 079 485 65 16
Miges Baumann, Leiter Entwicklungspolitik Brot für alle: 079 489 38 24
Tina Goethe, Koordinatorin Plattform Agrotreibstoffe und Verantwortliche für Ernährungssouveränität bei Swissaid: 076 516 59 57
Die Plattform Agrotreibstoffe setzt sich ein gegen Agrotreibstoffe, die zu Hunger und Umweltzerstörung führen. Folgende Organisationen sind in der Plattform organisiert: Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU), Alliance Sud, Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien, Bio Suisse, Bioforum Schweiz, Brot für alle, Erklärung von Bern, Fastenopfer, Greenpeace, Grüne Partei Schweiz, Kleinbauern-Vereinigung, Pro Natura, Uniterre, SP Schweiz, Swissaid, terre des hommes schweiz, Verkehrsclub Schweiz VCS