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Von zufälliger Übereinstimmung, Zusammenhang und Ursächlichkeit
Die Verlaufskurven der Abnahme des Verkaufs von Musikkassetten und der Abnahme der Asthmatoten zwischen 2005 und 2013 sind praktisch deckungsgleich. (Quelle: https://www.heyde.ch Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität). Es wird wohl kaum jemand ernsthaft behaupten, dass es zwischen den beiden Tendenzen einen direkten Zusammenhang gibt (Korrelation), noch dass die eine Grösse tatsächlich von der anderen abhängt (Kausalität). Also ist es eine rein zufällige Übereinstimmung – eine Koinzidenz oder eine Scheinkorrelation.
Die Verlaufskurve der Scheidungsrate im US-Bundesstatt Kentucky stimmen praktisch deckungsgleich mit jener der Leute überein, die nach einem Sturz aus einem Fischerboot ertrunken sind. Interessante Beispiele finden Sie hier: http://www.tylervigen.com/spurious-correlations.
Die Statistiken korrelieren. Sie gehen wohl mit mir einig, dass die Übereinstimmung reiner Zufall also eine Koinzidenz ist.
So einfach und einleuchtend die oben genannten Beispiele sind. Es gibt auch weit kompliziertere Beispiele, bei denen man nach einer kurzen Analyse darauf kommt, dass es einen Zusammenhang geben könnte, man jedoch bei der näheren Untersuchung feststellt, dass die Übereinstimmung rein zufällig ist. Um dies beweisen zu können, braucht es vertiefte Analysen und aufwändige statistische Testverfahren. Diese sind am aussagekräftigsten, wenn man die Resultate wiederholen kann. Wenn also beispielsweise die schwarze Katze von rechts immer Unglück bringt.
Eine etwas komplexere Fragestellung ist der Zusammenhang zwischen der Notwendigkeit von Corona-Massnahmen und der Übersterblichkeit. Die nicht vorhandene Übersterblichkeit als Mass für die Begründung der Nicht-Notwendigkeit der Corona-Massnahmen heranzuziehen halte ich für höchst problematisch. Das lässt sich so nicht beweisen, da die Sterblichkeitsraten von vielen Faktoren abhängig sind. Zum Beispiel war die Zahl der Grippetoten im Vergleich zu den Vorjahren tief. Während dem Lockdown wurde kaum Auto gefahren, die Leute sind zu Hause geblieben. Also gab es kaum Verkehrs- oder Skiunfälle. Betriebsunfälle in geschlossenen Firmen gab es kaum. Zu behaupten, die nicht vorhandene Übersterblichkeit zeige, dass die Massnahmen nicht notwendig gewesen seien, wäre in etwa so, wie wenn man aufgrund der tiefen Unfallzahlen im Winter behaupten würde, dass das Salzen der Strassen unnötig sei. Wir wissen es schlicht nicht. Die Gegenprobe fehlt: Was wäre gewesen, wenn keine Massnahmen getroffen worden wären? Schnelle Schlüsse lassen sich nicht ziehen. Deutlich fundiertere statistische Analysen sind notwendig, um die Zusammenhänge zu belegen oder zu widerlegen. Ein direkter Zusammenhang liesse sich wohl nur beweisen, wenn man einen weiteren Lockdown verfügen und die Effekte vergleichen würde. Das ist dann zwar wissenschaftlich sauber, aber wohl kaum ernsthaft gewünscht. Deshalb bleibt der Zusammenhang zwischen der Übersterblichkeit und der Notwendigkeit oder dem Effekt der Massnahmen vorerst reine Spekulation.
Seit 10 Jahren darf ich Kolumnen für’s Bödeli-Info schreiben. Zeit dieses Privileg weiterzugeben. Ich bedanke mich bei Ihnen liebe Leserinnen und Leser für die zahlreichen positiven Reaktionen. Und es ist richtig: falls die Kommata in meinen Texten richtig gesetzt waren, so war das eher eine Koinzidenz als dieser Umstand kausal mit meinem Wissen über die neue deutsche Rechtschreibung zusammenhängen würde.