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Vom Strassburger Denkmal nach New York
Die Verbindung zwischen der New Yorker Freiheitsstatue und dem Strassburger Denkmal – das derzeit restauriert wird – beginnt im elsässischen Colmar, dem Geburtsort des französischen Bildhauers Frédéric Auguste Bartholdi (1834-1904).
Shirley L. Kearney, Deutsch von Martin Pütter
Jeder, der am Basler Bahnhof SBB zu tun hat, schaut irgendwann mal zur Orientierung von dort in die entgegengesetzte Richtung. Am Rand der Elisabethenanlage, vis-à-vis des Bahnhofs, ragt die Skulptur eines Engels mit drei Figuren heraus. Farbenprächtige Blumen, von der Stadt angebracht, umranden ihren Sockel. Manche Basler nutzen die Stufen für Picknicks. Ende Juni wird das Strassburger Denkmal gereinigt und restauriert. Die Arbeiten dürften bis Mitte Oktober dauern, wie die Basler Denkmalpflege mitteilt. Dank seines Schöpfers Frédéric Auguste Bartholdi hat das Denkmal Verbindung zur Freiheitsstatue in New York.
Über Bartholdi
Der im elsässischen Colmar geborene Bartholdi zog nach dem Tod seines Vaters mit seiner Mutter nach Paris. Seine Geburtsstätte, 30 rue des Marchands, beherbergt heute das Bartholdi Museum. In Paris studierte er Architektur, Malerei und Bildhauerei, wobei letzteres am Ende obenauf schwang. Er reiste viel durch Europa und den nahen Osten. Ende der 1860er Jahre entwickelte er Pläne für einen Leuchtturm für das Nordportal zum Suez-Kanal, eine neoklassische, allegorische weibliche Figur mit einer Fackel (die römische Göttin Libertas) und gab ihm den Namen: Ägypten (Fortschritt) bringt Licht nach Asien. Daraus wurde am Ende nichts, aber es war der gedankliche Grundstein für die Freiheitsstatue.
Bartholdi kämpfte im deutsch-französischen Krieg (1870/71); in dieser Zeit konkretisierte er seine Idee für die Freiheitsstatue. Inspiriert wurde er durch Edouard de Laboulaye, einem französischen Denker, bekannt als Vater der Freiheitsstatue – er war überzeugt, dass mit einer Ehrung der USA durch solch ein Denkmal die Demokratiebewegung in Frankreich an Stärke gewinne.
Reisen in die USA
1871 unternahm Bartholdi seine erste Reise in die USA und suchte einen passenden Standort für das Denkmal, welches die brüderlichen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Frankreich und den USA pflegen sollte. Seine Wahl fiel auf Bedloe Island (heute Liberty Island) in New York und traf auf Zustimmung. Das Denkmal und der Transport in seine neue Heimat waren ein Geschenk Frankreichs, die USA mussten den Sockel erstellen. Mittel waren schwer und nur langsam zu finden, es herrschte ein wirtschaftliches Chaos.
In Paris und New York
Die Konstruktion des Bauwerks aus verkupfertem Stahl ging in Frankreich vonstatten, mit der Unterstützung durch den Ingenieur Gustave Eiffel. Der erhoffte Liefertermin war die Jahrhundertfeier der Unabhängigkeitserklärung von 1776 – die Loslösung vom British Empire – doch die Lieferung erfolgte erst zehn Jahre danach.
Am 4. Juli 1884 fand schliesslich eine offizielle Übergabe in Paris statt – die fertige Statue wurde dem Botschafter der USA überreicht. Danach wurde sie auseinandergenommen, in Kisten verpackt und 1885 auf die Seereise geschickt. Am 28. Oktober 1886 fand die stolze und festliche Einweihung der Statue auf ihrem gigantischen Sockel statt: eine Ikone der Freiheit und der Freundschaft. Für eine kurze Zeit war sie das höchste Gebäude in New York, bis zur Fertigstellung des Empire State Building 1929.
Das Strassburger Denkmal im Park nahe beim Bahnhof SBB hatte Bartholdi aufgrund einer Inspiration durch Baron Hervé de Gruyer entworfen. Wer die Rückseite des Denkmals anschaut, sieht eine Gruppe von Menschen in Not: eine Mutter mit ihren drei Kindern, der Arm des Sohnes in einer Schlinge. 1895 bot Frankreich dieses Denkmal der Schweiz an, in Anerkennung der humanitären Hilfe, welche die Schweiz der Stadt Strassburg während des deutsch-französischen Kriegs leistete: das Strassburger Denkmal oder Der Beistand der Schweiz an Strassburg. Eine Bildtafel unten auf der Vorderseite des Denkmals stellt die Widmung dar, dazu die Inschrift: «à la Suisse hommage reconnaissant d’un enfant de Strasbourg, 1870» (In dankender Anerkennung an die Schweiz von einem Strassburger Kind, 1870). Auf der Rückseite ist eine Bild des Hirsebrei-Transports von Zürich nach Strassburg zu sehen mit der Inschrift: «Le culte des traditions d’amitié honore les peuples comme les hommes.» (Der Kult der freundschaftlichen Traditionen ehrt die Völker wie die Menschen.)
Der Hintergrund dieser Inschrift liegt in der organisierten Rekordreise von Zürich nach Strassburg. Es wurde dargestellt, wie schnell eine Reaktion im Notfall möglich. Das Schiff fuhr damals auf den noch völlig wild verlaufenden Flüssen Limmat, Aare und Rhein, beladen mit einem Riesenkessel Hirsebrei, der bei der Ankunft sogar noch warm war.
Der Löwe von Belfort und andere Werke
Grosse Werke Bartholdis sind über ganz Frankreich verstreut. Viele sind in Colmar, dazu eine Reiterstatue von Vercingetorix in Clermont-Ferrand; auf der Ile des Cygnes steht eine Replika der Freiheitsstatue, nach Westen blickend, in einer Linie mit ihrer Schwester in New York. Der «Löwe von Belfort», eine riesige in Sandstein gehauene Statue unter dem alten Fort, spielt auf die Abwehr einer deutschen Attacke durch die Franzosen währen des deutsch-französischen Kriegs an.