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Johanniskraut gehört zu denjenigen Heilpflanzen, die seit vielen Jahren intensiv wissenschaftlich untersucht werden. Bisher galt die antidepressive Wirkung von Johanniskraut-Extrakten in der Phytotherapie als gut belegt bei leichten bis mittelschweren Depressionen. Nun verdichten sich die Hinweise, dass auch schwere Depressionen auf eine Behandlung mit Johanniskraut-Präparaten ansprechen könnten.
Ein neuer Cochrane Review ergab jedenfalls, dass Johanniskraut-Extrakte ausgeprägte Depressionen ebenso effektiv lindern wie synthetische Antidepressiva. Privatdozent Klaus Linde vom Zentrum für naturheilkundliche Forschung der Technischen Universität München wertete mit seinem Team 29 Studien mit knapp 5500 Patienten aus. Einbezogen wurden dabei ausschliesslich Studien, bei denen nach DMS-IV- oder ICD-10-Kriterien eine «Major Depression» vorlag. Die Patienten zeigten mindestens zwei Wochen lang Symptome, die sie im Alltag beeinträchtigten. In 18 der Studien wurden Johanniskraut-Präparate (meist 900 mg Trockenextrakt pro Tag) gegen Placebo verglichen, in 17 gegen synthetische Antidepressiva. Verglichen mit Placebo waren die Ansprechraten mit Johanniskraut knapp 50 Prozent höher, wobei aber der Effekt stark von Studiengröße und -qualität abhängig war. Im Vergleich mit den synthetischen Antidepressiva zeigten sich dagegen praktisch keine Unterschiede in den Ansprechraten. Allerdings erwiesen sich die Johanniskraut-Extrakte als verträglicher. Die Abbrechraten waren nur ein Viertel so hoch wie bei Behandlungen mit trizyklischen Antidepressiva und nur etwa halb so hoch wie mit SSRI (The Cochrane Library 4, 2008).
Auffallend war, dass sämtliche Studien aus dem deutschsprachigen Raum bessere Ergebnisse für Johanniskraut zeigten als Untersuchungen aus anderen Regionen, wo Johanniskraut keine lange Tradition als pflanzliches Arzneimittel hat. Eine Beurteilung dieses Phänomens liefert die Cochrane-Studie jedoch nicht.
(Quelle: 10. 10. 2008, www.pharmazeutische-zeitung.de)
Klar festzuhalten gilt, dass schwere Depressionen fachärztliche Behandlung brauchen, nur schon wegen der damit verbundenen Suizidgefahr.
Auch gelten diese Ergebnisse für Johanniskraut-Extrakte und können nicht ohne weiteres auf Johanniskraut-Tee oder Johanniskraut-Tinkturen übertragen werden.
Es wird auch weiterhin Depressionen geben, bei denen eine Johanniskraut-Therapie nicht ausreicht.
Die Arbeit von Klaus Linde deutet aber darauf hin, dass Johanniskraut auch bei schwereren Depressionen eine therapeutische Rolle spielen könnte, wenn es in ein umfassenderes Behandlungskonzept integriert wird.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
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