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Kommunikation ist für uns alle und für das Zusammenleben einer Gruppe von Menschen unverzichtbar, denn Kommunikation stabilisiert eine Gemeinschaft, hilft Probleme darzustellen, Lösungen zu finden, Emotionen und Ideen mitzuteilen, Konflikte aufzulösen, Überzeugungen aufzubauen oder zu korrigieren.
Der Erfolg einer Kommunikation lässt sich daran messen, wie gut man sich verstanden hat, also wie ähnlich die geistigen und neurophysiologischen Prozesse bei den Kommunikationsteilnehmern verlaufen. Doch genau hier scheitern viele Ereignisse, die man dann fälschlicherweise mit Sätzen wie diesem kommentiert: «Aber das wurde doch kommuniziert!» Eine solche Einstellung basiert auf einer falschen Vorstellung davon, was Kommunikation wirklich ist. Die Hauptquelle dieser Fehlinterpretation ist in einem Erklärungsmodell zu finden, das zwar weit verbreitet, aber falsch ist.
Die Vorstellung davon, wie Kommunikation funktioniert, wird in der Öffentlichkeit noch immer stark von einem Modell geprägt, das in den 1940er-Jahren entwickelt wurde: dem Kommunikationsmodell von Claude Shannon und Warren Weaver. Dieses wurde jedoch schon kurz nach seiner Veröffentlichung missverstanden und fehlinterpretiert. Es ist nämlich kein psychologisches Modell für einen Informationsaustausch, sondern die Darstellung einer mathematisch-technischen Theorie zur Signalübertragung.
Im Alltagsverständnis sind Sinn und Bedeutung charakteristische Eigenschaften, die Objekte, Aussagen oder Wahrnehmungen einfach haben. Das heisst: Wenn man den Sinn von etwas nicht erkennt, dann war es entweder eh nicht wichtig, oder es wurde schlecht erklärt oder präsentiert, oder aber man war einfach nur zu dumm. Was bestimmte Dinge bedeuten, kann man ja lernen. So wie man in der Grundschule lernt, was die seltsamen Zeichen bedeuten, die man Buchstaben und Zahlen nennt. Und wenn man das alles gelernt hat, versteht man den Sinn und die Bedeutung von Texten oder von Rechenaufgaben auch richtig. Dies sind die allgemeinen Interpretationen der Begriffe Sinn, Bedeutung und Verstehen. Doch diese Interpretationen stimmen nicht.
Jede Kommunikation ist an optische, akustische oder andere Kommunikationsmittel gebunden, die über Sinnesrezeptoren aufgenommen werden und dann individuelle, situationsbezogene Sinnkonstruktionen auslösen können. Führt man diesen Gedanken konsequent weiter, kommt man zum Schluss, dass über Sprache und Texte also keine Gedanken und Informationen mitgeteilt werden, sondern dass durch Sprache und Texte elektrophysiologische Impulse ausgelöst werden.
Sprache und Texte erhalten ihre Bedeutung erst durch die kognitiven Leistungen der Zuhörenden und Lesenden. Diese Prozesse laufen jedoch nicht isoliert ab, sondern sind immer an die aktuelle soziokulturelle Situation des Individuums gekoppelt. Das bedeutet, dass die Generierung von Sinn und Bedeutung von etwas immer in Zusammenhang mit der eigenen Situation und der eigenen Biographie steht.
*Yvette Reinberger ist Leiterin der Lilienberg Regionalgruppe Fünfländerblick. Sie blickt zurück auf 25 Jahre Forschungsarbeit mit Fokus auf Wissenstransfer im Bildungssegment und Seminarwesen sowie auf 15 Jahre Führungserfahrung in Grossindustrie, KMU-Betrieben und im eigenen Unternehmen.