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Bild
Titel:
Einschussloch der helvetischen Truppen im Restaurant St. Anton
Thema: Politik
Datum: 03.09.1798
Masse: 11 x 2 cm (ohne Plakette)
Standort: St. Antonstrasse 60, 9413 Oberegg
Urheber/-in: Exekutionstruppen der republikanischen Armee
Beschreibung:
Ein längliches Einschussloch mit Gedenkplakette «Schuss von den Exekutionstruppen [im] Jahre 1798»
Geschichte:
Wer heute in der Bauernstube des Restaurants St. Anton einkehrt, wundert sich vielleicht über ein Einschussloch in der Decke, das mit der Jahrzahl 1798 versehen ist. Das Haus wurde nämlich erst 2008 fertiggestellt. An seiner Stelle stand vorher eines der ältesten Oberegger Häuser, das 1605 erbaute Rössli. Teile der Bauernstube wurden vor dem Abbruch aus dem Rössli ausgebaut, um im neuen Restaurant St. Anton wieder einen Platz zu finden. Dazu gehörten unter anderem die Butzenscheibenfenster und eben auch das Einschussloch mitsamt Gedenkplakette.
Im Jahre 1798 fand die Helvetische Revolution statt, die von liberalen Schweizer Kräften zusammen mit eingefallenen französischen Truppen getragen war. Die alte Eidgenossenschaft fand ihr Ende. Nur widerwillig stimmte eine ausserordentliche Landsgemeinde in Appenzell am 6. Mai einer neuen Verfassung zu, denn die direkte Demokratie wurde abgeschafft, und die kantonale Souveränität machte einem zentralistischen Einheitstaat Platz. Die Kantonsstrukturen wurden auch geografisch neu geordnet und beide Appenzell sowie der nördliche Teil des heutigen Kantons St. Gallen fanden sich in einem neugegründeten Kanton Säntis wieder. Die Halbrhoden Oberegg und Hirschberg kamen hauptsächlich zum neuen Distrikt Wald, dessen Hauptort Heiden war.
Die Situation war jedoch nach dem Umbruch keineswegs stabil. Als die neue Verfassung im Herbst 1798 feierlich beschworen werden sollte, formierte sich unter anderem im Appenzellerland Widerstand. Dieser nahm solche Ausmasse an, dass Appenzell von schweizerisch-republikanischen und französischen Truppen besetzt werden musste. In Oberegg kam es in der Nacht vom 3. auf den 4. September zum Aufstand. Regierungsstatthalter Bolt schrieb: «[...] in einem dazu gehörigen Hof von einigen Häusern, mit Namen Oberholzeren, erfrechten sich die Bauren auf die Truppen zu schiessen,trafen aber weiter nichts als ein Bajonet, dass gekrümmt wurde, da hingegen 3 Bauren blessirt und alle entwaffnet, auch in Oberegg, die dort befindlichen gewesenen 3 kleine Kanonen abgeführt wurden, der Aide-Major Mock von Herisau hat sich bey diesem Anlass mit seinen Grenadieren rühmlich ausgezeichnet.» Umgekommen ist bei diesem von Bolt beiläufig erwähnten Zusammenstoss niemand. Leider verrät die Quelle auch nicht, wie genau das Einschussloch in die Decke des Rössli gekommen war. Auf jeden Fall blieb der Aufstand der Oberegger gegen die helvetischen und französischen Truppen chancenlos.
Es folgten vier unruhige Jahre im Appenzellerland und in der Schweiz. Mit dem Abzug der französischen Truppen brach die Helvetische Republik im Jahre 1802 zusammen und machte der Mediationsverfassung Platz. Diese stellte die alten Kantonsstrukturen wieder her. Das Einschussloch erinnert an diese turbulente Episode in der Oberegger Geschichte.
David Aragai, Oberegg
Literatur:
Bolt, J. E.: Auszug eines Briefes des Regierungsstatthalters des Cantons Sentis an das Vollziehungsdirektorium der einen und untheilbaren helvetischen Republik. In: Der schweizerische Republikaner, 136. Stück, Samstag 15. September 1798, S. 548.
Eggenberger, Peter: Architektonisches Kuriosum. Vor 30 Jahren verschwand auf dem St. Anton das Drei-Giebel-Haus «Rössli». In: Appenzeller Zeitung, 7. Juni 2007.
Grosser, Hermann. Hangartner, Norbert: Appenzeller Geschichte. Band 3: Appenzell Innerrhoden (von der Landteilung 1597 bis ins 20. Jahrhundert), Appenzell und Herisau 1993, S. 267-276.
Küng, Josef: Appenzell (Innerrhoden): Helvetik und Mediation (1798-1814). In: Historisches Lexikon der Schweiz. Version 21. Juni 2014. URL: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D7475.php.
Rohner, Joseph: Geschichte der Gemeinde Reute App. A. Rh., Heiden 1954, S. 44-51.
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