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Sein Leben sei nicht lebenswert. Das hatten die chinesischen Ärzte gesagt, als die junge Zou Hongyan ihren Sohn Ding Ding geboren hatte. Infolge einer Geburtskomplikation wäre der Junge fast erstickt und leidet seither an einer Zerebralparese, einer Körperbehinderung. Die Ärzte empfahlen der Mutter während der Geburt, das Kind nicht zu retten und versicherten ihr, dass ihr Sohn zumindest mit verminderter Intelligenz leben müsse.
Doch die Mutter beschloss, nicht auf die Ärzte zu hören und stellte sich damit auch gegen den Willen des Vaters, der den Sohn sterben lassen wollte.
Zou Hongyan verliess ihren Mann und zog Ding Ding alleine gross. Dabei war sie eine strenge Mutter und bestand beispielsweise darauf, dass ihr Sohn mit Stäbchen essen lernte. Seine Behinderung sollte ihn nicht mehr als nötig einschränken.
«Ich wollte nicht, dass er sich für seine Behinderung schämt», sagte sie zu der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua. Weil er länger brauchte, um sich Dinge anzueignen, seien aber auch ihre Erwartungen an den Sohn grösser gewesen. Zou Hongyans strenger Erziehungsstil sollte sich auszahlen: Knapp 30 Jahre später wurde ihr Sohn in Harvard zum Studium zugelassen.
Ding Ding schloss an der Peking Universität ab und wurde vier Jahre später an der Harvard School of Law angenommen. «Nie habe ich gewagt, von Harvard zu träumen», erzählt Ding Ding. Seine Mutter sei es gewesen, die ihn immer wieder dazu ermutigt habe, sich zu bewerben.
Ding Ding bezeichnet seine Mutter als seinen spirituellen Mentor. Er möchte seinen Abschluss auch für sie machen. Denn die Studiengebühren, die seine Mutter für ihn bezahlt, seien trotz Stipendium eine grosse finanzielle Belastung. «Ich bin jetzt 29 Jahre alt und immer noch von meiner Mutter abhängig. Hoffentlich werde ich bald erfolgreich und selbstständig sein, damit meine Mutter ein besseres Leben führen kann», sagt Ding Ding.