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Über die Anzahl der Sans-Papiers in der Schweiz gibt es keine genauen Zahlen. Das GFS-Forschungsinstitut führte im Auftrag des Bundesamtes für Migration eine Studie durch, welche die Frage nach der Anzahl Sans-Papiers klären sollte (Longchamp 2005). Diese Studie beziffert die Zahl der in der Schweiz lebenden Sans-Papiers auf 90'000. Im Kanton Basel-Stadt würden demzufolge rund 5'000, im Kanton Zürich 20'000 Sans-Papiers leben.
Andere Schätzungen kommen auf höhere Zahlen. Aufgrund einer Befragung von 1'300 ArbeitgeberInnen schätzte das Forum für Migrationsforschung Neuchâtel 2002, dass zwischen 70'000 bis 180'000 Sans-Papiers in der Schweiz arbeiten. Nicht mitgezählt wurden dabei die nicht erwerbstätigen Personen (Kinder, PartnerInnen) sowie der wichtige Bereich der Hausangestellten (Piguet/Losa 2002).
Bessere Zahlen existieren bis heute nicht. Die Zahl der Sans-Papiers dürfte aber in den letzen Jahren und Jahrzehnten vor allem in den urbanen Regionen der Schweiz massiv gestiegen sein.
Es gibt unzählige unterschiedliche Situationen. Die Sans-Papiers können grob in folgende Kategorien unterteilt werden:
Sie stammen meist aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens und leben seit Ende der Achtziger oder Anfang der Neunziger Jahre in der Schweiz. Ursprünglich waren sie im Besitz einer Saisonnier-Bewilligung. Mitte der Neunziger Jahre wurde das „Dreikreisemodell“ für die Rekrutierung von Arbeitskräften eingeführt. Die Länder des ehemaligen Jugoslawiens waren plötzlich keine Rekrutierungsländer mehr. Es gab keine Saison-Bewilligungen mehr. Viele ArbeiterInnen schafften es nicht, eine Jahresaufenthaltsbewilligung zu erhalten und wurden in der Folge zu Sans-Papiers.
Das Ausländergesetz sieht vor, dass für „niedrig qualifizierte“ Arbeiten in der Schweiz ausschliesslich ImmigrantInnen aus dem EU-Raum zugelassen werden. Trotzdem wandern viele Menschen, mehrheitlich Frauen, aus aussereuropäischen Ländern ein und finden hier Arbeit ohne Bewilligung. Lateinamerika, Phillipinen, Osteuropa und Ex-Jugoslawien sind wichtige Herkunftsregionen.
Nur wenige Prozent der MigrantInnen, die in der Schweiz um Asyl nachsuchen, werden schliesslich als Flüchtlinge anerkannt. Viele haben zum Teil über viele Jahre nur ein provisorisches Aufenthaltsrecht (vorläufige Aufnahme = Bewilligung F), welches bei einer Besserung der Lage im Heimatland aufgehoben werden kann. Ein grosser Teil der abgelehnten Asylsuchenden „verschwindet“ vor dem definitiven Ausreisetermin („unkontrollierte Ausreise“). Seit 1. April 2004 erhalten Asylsuchende, auf deren Gesuch nicht eingetreten wurde (Nichteintretensentscheid, NEE) die Aufforderung, die Schweiz innert weniger Tage selbstständig zu verlassen, was oft gar nicht möglich ist. Befindet sich die betreffende Person nach dieser Frist noch in der Schweiz, gilt sie als illegal anwesend.
Zahlenmässig weniger ins Gewicht fallen dürften folgende weitere Kategorien von Sans-Papiers: Familienangehörige, denen der Familiennachzug zu einer legal in der Schweiz lebenden Person (Eltern, PartnerIn) wegen zu geringen Einkommens verweigert wurde; MigrantInnen, die auf Grund einer Scheidung vor 3 Jahren Ehe ihr Aufenthaltsrecht verloren haben und in der Schweiz bleiben und solche, denen bei einer Scheidung nach 3jähriger Ehe wegen mangelnder Integration die Aufenthaltsbewilligung nicht verlängert wurde; ehemalige StudentInnen, welche nach Beendigung einer Ausbildung in der Schweiz nicht ausreisen.