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Ende September sind 470 Grindwale vor der tasmanischen Küste gestrandet. Dies ist das grösste Massensterben von Meeressäugern in der australischen Geschichte. In tagelangen Rettungsaktionen konnten 60 Helfer über hundert Tiere von den Sandbänken zurück ins Meer bringen, doch leider bedeutet das nicht, dass diese Tiere auch überleben werden.
Langflossen-Grindwale (Globicephala melas) sind hochsoziale Tiere und in stabilen Familienverbänden organisiert. Die Tiere können bis zu 7 Meter gross werden und ein Gewicht von 3 Tonnen erreichen. Die Gruppe folgt alten, erfahrenen Leittieren, die sich unter anderem an den Magnetfeldern der Erde orientieren. Zwar ist es nicht unüblich, dass Gruppen von Grindwalen stranden und sterben, die hier erreichten Ausmasse sind jedoch erschreckend. Die Maquarie-Bucht ist äusserst flach, ein Ort, den die Grindwale normalerweise meiden. Sie leben auf hoher See und tauchen bis zu 1000 Meter tief, um Tintenfische und andere Kopffüsser zu erbeuten.
Rätselhafte Ursachen
Die Walexperten können nur vermuten, was das Massensterben ausgelöst hat. Es könnte natürliche Ursachen haben. Die Leittiere könnten durch Krankheiten die Orientierung verloren haben. Oder die Gruppe wurde durch einen attraktiven Fischschwarm in die Meeresbucht gelockt.
Doch auch der Mensch könnte zum Massensterben beigetragen haben: Die Fehler in der Navigation könnten daher rühren, dass die Tiere jahrelang durch Meeresmüll vergiftet wurden. Auch könnten die Grindwale, aufgeschreckt durch Unterwasserlärm wie Explosionen des Militärs oder der Rohstoffindustrie, plötzlich in Panik geraten sein. Ein Zusammenspiel mehrerer solcher Faktoren wird wohl zu dem Unglück geführt haben.
Die geretteten Tiere müssen durch die enge Meeresbucht wieder aufs offene Meer getrieben werden. Viele kehren jedoch zu ihren toten Artgenossen und Familienmitglieder zurück. Individuen ohne Zusammenhalt der Gruppe haben keine Überlebenschance. Die starke Strömung vor Ort macht es den geschwächten Tieren zusätzlich schwer, wieder auf die offene See zu gelangen.
"Es gibt wenig, was wir tun können, um solche Vorfälle in der Zukunft zu vermeiden."
Kris Carlyon, Meeresbiologe (Tasmania Parks & Wildlife Service)
Die Völker des Pazifiks, in deren Kulturen die Meeressäuger eine hohe Wertschätzung geniessen, warnen seit langem vor dem veränderten Verhalten der Tiere. Seit Generationen beobachten die Indigenen Delphine und Wale. Sie berichten nun immer öfter von geänderten Zugrouten, veränderten Gesängen und auch von merkwürdigem Verhalten, wenn sich die Tiere an der Wasseroberfläche aufhalten.
Die Umweltprobleme im Pazifik sind nicht neu. Die internationale Aufmerksamkeit gilt vor allem den nur knapp über dem Meeresspiegel liegenden Inseln, die als erstes vom ansteigenden Meeresspiegel betroffen sind. Aber der Klimawandel hat viele weitere Auswirkungen. Durch eine Hitzewelle auf offener See im Sommer 2015 und Frühjahr 2016 starben eine Million Meeresvögel. Verheerende Stürme, steigende Fluten und warme Temperaturen zerstören die einzigartigen Lebensräume der Mangrovenwälder und Korallenriffe. Die Biodiversität ist durch Überfischung und Tiefseebergbau in Gefahr. Das herumschwimmende Plastik lässt nicht nur die Schildkröten und Meeressäuger verenden, es tötet auch die Mikroorganismen, die am Anfang der Nahrungskette stehen und die den lebenswichtigen Sauerstoff für die Fische produzieren.
Wenn es tote Vögel regnet
Nicht nur im Wasser, auch in der Luft fand ein rätselhaftes Massensterben statt: In den US-Staaten New Mexico, Colorado, Arizona und Nebraska sind seit Mitte September hunderttausende Zugvögel tot vom Himmel gefallen. Dabei handelt sich ausschliesslich um Zugvögel, die sich auf ihrer Reise von Kanada und Alaska in ihre Überwinterungsgebiete in Mittel- und Südamerika befinden.
"Die Vögel scheinen in relativ gutem Zustand zu sein, außer dass sie extrem abgemagert sind. Sie haben keine Fettreserven und kaum Muskelmasse. Es ist fast so, als wären die Vögel geflogen, bis sie nicht mehr konnten.“
Allison Salas, Ornithologin (New Mexico State University)
Die Wissenschaftler vermuten die verheerenden Waldbrände in Kalifornien und eine lokale Kaltfront als mögliche Ursachen für das Massensterben. Durch das kalte Wetter mussten die Tiere frühzeitig von ihren Sommergebieten und dann ihre Flugroute aufgrund der Waldbrände ändern. Anstatt an die Küste mit ihrem reichen Nahrungsangebot flogen die Vögel ins Landesinnere und landeten in der Chihuahua-Wüste in New Mexiko. Dort gibt nur wenig Nahrung und Wasser, die geschwächten Vögel konnten sich nicht wieder stärken und erholen.
Waldbrände in den USA
In Kalifornien wüten derzeit die (bisher) schlimmsten Waldbrände in der Geschichte des Landes. Mehr als 900 Feuer sind seit den Blitzeinschlägen, die Mitte August die ersten Brände ausgelöst haben, ausgebrochen. Über 20‘200 Quadratkilometer Land sind abgebrannt (Stand: 13. 9.). Mehrere tausend Gebäude wurden zerstört und Zehntausende von Anwohnern mussten evakuiert werden. Es werden viele Todesopfer befürchtet. In mehreren Staaten im Westen der USA, darunter in Utah, Wyoming, Arizona, Colorado, Idaho und Washington, kam es in den letzten Wochen zu heftigen Waldbränden. In Oregon haben die Brände laut Angaben der Behörden Rekordausmasse angenommen und sich auf etwa das Doppelte der Fläche der Stadt New York ausgebreitet (Stand: 9. 9.). Das Feuer hat bereits fünf Ortschaften stark zerstört.
Massensterben von Zugvögeln sind äusserst selten. Daten, die bis ins Jahr 1800 zurückgehen, zeigen, dass diese Ereignisse in Nordamerika immer mit einem extremen Wetterereignis (Temperaturabfall, Schnee- oder Hagelstürme) in Zusammenhang stehen. Zum bisher schlimmsten Zugvogelsterben kam es im Frühjahr 1904 in Minnesota und Iowa: 1,5 Millionen Tiere starben.
"Wir haben so etwas noch nie zuvor gesehen. Wir verlieren Hunderttausende, wenn nicht sogar Millionen von Zugvögeln“
Martha Desmond, Vogelexpertin (New Mexico State University)
Was den Vögeln weit mehr zu schaffen macht, ist die die Klimakrise. Steigende Temperaturen verändern die Tundra, wo die Vögel im Sommer brüten und ihren Nachwuchs aufziehen. Gleichzeitig wird durch den Raubbau an den Regenwäldern in Zentral- und Südamerika auch ihr Überwinterungsgebiet immer kleiner. Seit den 1970er Jahren sind 3 Milliarden Zugvögel in den USA und Kanada verschwunden. Wird nicht sichergestellt, dass ihr Lebensraum geschützt ist, können die Populationen vieler Arten dramatisch zurückgehen. Die tragischen Massensterben werden diese Populationen zusätzlich gefährden.
Quellen und weitere Informationen:
BBC: Australias worst whale stranding
The Guardian: Birds falling out of the Sky
Geospatial Technology and Applications Center: Fire Maps USA
NZZ: Waldbrände in Kalifornien