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Energiestrategie 2050: für den Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Schweiz
Travail.Suisse sagt klar Ja zur Energiestrategie 2050, über die das Stimmvolk am 21. Mai 2017 befinden wird. Sie erlaubt der Schweiz, ihre Energieversorgung immer mehr auf erneuerbare Energieträger abzustützen, was für die Klimapolitik unabdingbar ist, aber auch einen grossen Vorteil für die Förderung der Innovation und von Arbeitsplätzen in der Schweiz darstellt. Eine Ablehnung würde ein Klima der Unsicherheit schaffen, was zu einer Senkung der Investitionen führen würde und schädlich für den Schweizer Arbeitsmarkt wäre. mehr
Nach der Atomkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 haben Bundesrat und Parlament für die Schweiz den schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Dies war die Geburtsstunde der Energiestrategie 2050. Sie zielt darauf ab, den Energieverbrauch zu senken, die Energieeffizienz zu steigern und erneuerbare Energien weiterzuentwickeln, während die Atomkraftwerke nach und nach vom Netz genommen werden. Die Energiestrategie legt klare Ziele für die Senkung des Verbrauchs (43 Prozent weniger Energieverbrauch pro Einwohner und 13 Prozent weniger Stromverbrauch bis 2035 im Vergleich zu 2000) sowie für die Entwicklung der Schweizer Stromproduktion aus grünen Energieträgern (mindestens 11 400 Gigawatt (GW) bis 2035 im Vergleich zu 3000 GW heute).
Um diese Ziele zu erreichen, wird die Unterstützung von erneuerbaren Energien gefördert über die Erhöhung der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) von 1,5 Rappen im Moment auf 2,3 Rappen pro kWh. Dies bringt 1,3 Milliarden Franken jährlich ein (heute: 850 Millionen Franken). Die Mittel für energetische Gebäudesanierungen werden von 300 auf 450 Millionen Franken pro Jahr aufgestockt. Ausserdem werden die Energieeffizienznormen verschärft (Geräte, Autos usw.).
Völlig falsche Zahlen seitens der SVP
Am 21. Mai 2017 stimmen wir über das erste Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050 ab, weil die SVP und einige andere Organisationen das Referendum dagegen ergriffen haben. Dieses Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050 ergänzt eigentlich nur die Änderung des Energiegesetzes, die vom Parlament beschlossen und bereits Anfang 2014 in Kraft getreten ist. Doch die Gegner führen Argumente ins Feld, die das zweite Massnahmenpaket der Strategie betreffen. Dieses sieht vor, das Fördersystem des ersten Massnahmenpakets später durch ein Anreizsystem auf Basis einer Energiebesteuerung abzulösen. Doch über das zweite Massnahmenpaket wird am 21. Mai gar nicht abgestimmt. Ausserdem zeigen die Signale aus der Politik, dass dieses zweite Massnahmenpaket der Energiestrategie in der heutigen Form im Parlament keine Chance hat. Daher sind die Zahlen, die von der SVP verbreitet werden und die glaubhaft machen wollen, dass die Energiestrategie die Haushalte mehrere Tausend Franken pro Jahr kostet, leere Behauptungen. Und auch wenn dieses zweite Massnahmenpaket umgesetzt würde, wären diese Zahlen völlig aus der Luft gegriffen. Denn sie lassen die positiven Auswirkungen auf die Haushalte ausser Acht, wie die Ablösung der Importe fossiler Energien und den Anreizeffekt, der die Haushalte und die Wirtschaft dazu ermutigt, ihren Energieverbrauch zu senken.
Die Umsetzung des ersten Massnahmenpakets der Energiestrategie, das im Mai zur Abstimmung gelangt, wird gemäss Bundesamt für Energie (BFE) für eine Durchschnittsfamilie pro Jahr rund 40 Franken mehr kosten. Heute beträgt der Netzzuschlag 75 Franken pro Jahr. Dieser Betrag kann auch als kostengünstige Investition angesehen werden, da wir damit die Abhängigkeit der Schweiz von Erdöl- und Gasimporten (rund 13 Milliarden Franken pro Jahr!) verringern können und weil damit Arbeitsplätze und Mehrwert in der Schweiz geschaffen werden.
Im Gegensatz zu den Behauptungen der SVP gefährdet die Energiestrategie 2050 unsere Energieversorgung nicht. Ganz im Gegenteil. Denn indem die einheimischen erneuerbaren Energien gefördert werden, befreien wir uns von der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern, die die Umwelt belasten und die ausserdem häufig aus politisch instabilen Ländern stammen. Schliesslich schlagen die Initianten des Referendums keine Alternative zur Energiestrategie 2050 vor. Abgesehen von einer unglaubwürdigen Alternative, die weiterhin auf die Atomenergie setzt, die das Volk nicht mehr will.
Völlig entzweite Wirtschaft
Die SVP hat es auch nicht geschafft, die Wirtschaftskreise hinter sich zu scharen. Das Einzige, was sie gemacht hat, ist Zwietracht in den Wirtschaftsverbänden zu säen. So befürwortet der Schweizerische Gewerbeverband SGV die Energiestrategie 2050, während economiesuisse wegen interner Uneinigkeiten auf eine Empfehlung verzichtet. Nur einige Branchenverbände wie die Maschinenindustrie sagen Nein. Das Nein der Maschinenindustrie ist übrigens überraschend, weil stromintensive Betriebe aus dieser Branche mit der Energiestrategie mit grossen Reduktionen oder gar mit Aufhebungen des KEV-Zuschlags rechnen können, sofern sie sich verpflichten, ihren Energieverbrauch zu senken. Für die anderen Unternehmen stellt der Strompreis – sie können sich auf dem freien Markt beliefern lassen – kein Wettbewerbshindernis dar.
Eine gute Strategie für die Innovation und die Beschäftigung
Aus wirtschaftlicher Sicht ist die Energiestrategie 2050 positiv, da sie die Innovation im Cleantech-Bereich stark fördert und den Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen verschiedener Qualifikationsstufen in allen Landesteilen begünstigt. Tatsächlich erfolgen die Einführung und die Instandhaltung der diversen Systeme der erneuerbaren Energien dezentralisiert, was Arbeitskräfte in der ganzen Schweiz erfordert. Bauunternehmen, Elektriker, Betreiber von Wasserkraftanlagen, aber auch Landwirte, Forstwirte, das Holzgewerbe oder Ingenieure profitieren von den neuen Möglichkeiten der Energiestrategie. 2014 hat das Programm zur energetischen Gebäudesanierung beispielsweise 700 Millionen Franken an Investitionen generiert und die Schaffung von 5000 Stellen ermöglicht.
Die Entwicklung von einheimischen erneuerbaren Energien begünstigt im Übrigen Investitionen in der Schweiz, was Arbeitsplätze in unserem Land schafft. Indem die Energiestrategie 2050 die Innovation in der Schweiz fördert, stärkt sie auch die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Unternehmen. Die Innovationen im Energiesektor und die von Schweizer Unternehmen entwickelte Energieeffizienz könnten auch ins Ausland exportiert werden, was Arbeitsplätze in der Schweiz erhält und schafft. Es ist also nicht erstaunlich, dass sehr viele Schweizer Unternehmerinnen und Unternehmer sich der Allianz «Schweizer Wirtschaft für die Energiestrategie 2050 (www.es2050.ch) angeschlossen haben.
Die Energiestrategie 2050 trägt langfristig zum Wohlstand der Schweiz sowie zur Lebensqualität ihrer Einwohnerinnen und Einwohner bei. Bei einer Ablehnung an der Urne würden künftige Investitionen in beträchtlicher Höhe in die Energieeffizienz und die Entwicklung erneuerbarer Energien sowie in das Stromnetz stark gebremst, dies wegen der Unsicherheit, die in Bezug auf die künftige Energiepolitik entstünde. Dies würde selbstverständlich die Dynamik bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze im Energiesektor beeinträchtigen und hätte negative Auswirkungen auf den Schweizer Arbeitsmarkt.
www.info-workcare.ch – die Evaluation durch die Benutzerinnen und Benutzer läuft
Fast tausend Personen besuchen jeden Monat die am 25. Oktober lancierte Website www.info-workcare.ch, die Informationen und Tipps für berufstätige betreuende Angehörige bereithält. Während einiger Wochen haben sie die Möglichkeit, ihre Meinung zum neuen kostenlosen Angebot von Travail.Suisse kundzutun. mehr
Seit dem 21. März werden die Besucher der Website www.info-workcare.ch, der ersten nationalen Website mit kostenlosen Informationen für berufstätige betreuende Angehörige, um ihre Meinung zum neuen Angebot von Travail.Suisse gebeten. In einer kurzen Onlineumfrage können sie mitteilen, ob sie auf der Website die gesuchten Informationen zur Vereinbarkeit ihrer Berufstätigkeit mit den Care-Aufgaben bei ihren Angehörigen gefunden haben.
Fachleute wissen: Berufstätige, die innerhalb ihrer Familie Care-Aufgaben übernehmen, verschweigen ihre Doppelbelastung sehr lange, was häufig zulasten ihrer eigenen Gesundheit geht. Wahrscheinlich aus Scham oder weil sie – oft zu Unrecht – glauben, alles alleine meistern zu können. Aus diesem Grund hat Travail.Suisse darauf verzichtet, ein Dutzend betroffene Personen zu rekrutieren, damit diese in persönlichen Interviews an einer Evaluation der Website teilnehmen. Das Büro INTERFACE in Luzern hat stattdessen einen Fragebogen mit rund 15 Fragen erstellt, der in 5 bis 10 Minuten ausgefüllt werden kann. Die Fragen gehen natürlich auf den Inhalt ein, aber auch auf die Gestaltung, die technische Umsetzung sowie den Zweck der Website.
Die Evaluation bleibt bis Ende April online, und die Informationen, die daraus gewonnen werden, dienen dazu, das Angebot von info-workcare.ch zu optimieren. Seit ihrer Aufschaltung vor fünf Monaten verzeichnet die Website rund 1000 Besucherinnen und Besucher pro Monat. Nach dem anfänglichen Ankündigungseffekt und der Neugier zu Beginn scheinen die Besuchszahlen ziemlich stabil zu sein.
Unterstützung vom Bund
Die Website www.info-workcare.ch ist das Ergebnis eines Projekts, das mit finanziellen Mitteln unterstützt wurde, die vom Gesetz über die Gleichstellung von Frau und Mann vorgesehen und vom Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) gewährt wurden. Das Projekt wurde von Johann Schneider-Ammann, der bei der Lancierung der Website amtierender Bundespräsident war, unterstützt. Denn www.info-workcare.ch trägt auch zu den Bemühungen des Bundes bei, den Arbeitskräftemangel zu bekämpfen. Die Website ermutigt die betreuenden Angehörigen, weiterhin am Berufsleben teilzunehmen, indem sie ihnen – unter anderem – Tipps zur Vereinbarkeit gibt, gute Praktiken bestimmter Unternehmen aufzeigt oder eine Liste von nach Regionen und Leistungen aufgeteilte Adressen bereitstellt, an die sich Betroffene wenden können. Mit Testimonial-Videos versucht www.info-workcare.ch alle berufstätigen betreuenden Angehörigen sowie die Unternehmen zu sensibilisieren: Es muss möglich sein, Care-Aufgaben, die in der Familie wahrgenommen werden, am Arbeitsplatz zu thematisieren. Denn fast jede zweite berufstätige Person wird früher oder später davon betroffen sein. Und das wird sich zwangsläufig auf die Berufstätigkeit auswirken.
Die Reform der Altersvorsorge ist eine Chance, die politische Blockade zu durchbrechen
Nach hartem Ringen hat das Parlament die Reform der Altersvorsorge verabschiedet. Nun muss die Bevölkerung von der Vorlage überzeugt werden. Bis jetzt wurde heisst diskutiert, welche Reformvariante die beste sei. Nun gilt neu: Entweder diese Reform oder keine. Eine Bewertung der Beschlüsse gegenüber dem Status Quo aus Sicht der Arbeitnehmenden. mehr
Zuletzt ging es im Parlament nur noch darum, ob als Ausgleich zur Senkung des Mindestumwandlungssatzes auch Massnahmen über die AHV getroffen werden sollen. Nachdem nun das Parlament die Vorlage zu Ende beraten hat, ist es wichtig, das grosse Ganze im Auge zu behalten. Den nun gilt: Entweder diese Reform oder keine. Hier erste Antworten auf die Frage, was die Reform den Arbeitnehmenden bringt.
Erstes Ziel erreicht: Die Rentenhöhen können gehalten werden
Travail.Suisse anerkennt, dass der gesetzliche Mindestumwandlungssatz von 6.8 Prozent versicherungstechnisch zu hoch ist und bot deshalb Hand zu einer Senkung des Umwandlungssatzes. Eine Hauptforderung von Travail.Suisse war aber immer, dass die Rentenhöhen gehalten werden müssen. Denn schon heute wird das verfassungsmässige Leistungsziel aus erster und zweiter Säule – 60 Prozent des letzten Lohnes soll als Rente zur Verfügung stehen – nur knapp erreicht. Die Altersreform 2020 gleicht die Umwandlungssatzsenkung mit geeigneten Massnahmen wieder aus. Das Versprechen, das Bundesrat Alain Berset vor der Reform abgegeben hat, wurde gehalten. Letztlich spielt es für die einzelnen Versicherten nicht die Hauptrolle, ob diese Kompensation vollständig über die 2. Säule oder über die AHV erfolgt. Mit der kombinierten Lösung über einen Zuschlag und eine leicht höhere Rente für Ehepaare in der AHV und über Mehrbeiträge sowie einen Zuschuss des Sicherheitsfonds für die Übergangsgeneration im BVG wurde ein pragmatischer Weg gewählt. Angesichts der rekordtiefen Zinsen, die den dritten Beitragszahler bei den Pensionskassen ausfallen lassen, bietet eine Lösung, die die AHV einbezieht, mehr Sicherheit. Und Sicherheit über die Rentenhöhen ist ausschlaggebend dafür, ob die Bevölkerung der Politik vertraut. Dank der solidarischen Finanzierung der AHV sind die beschlossenen Ausgleichsmassnahmen für tiefe und mittlere Einkommen zu einem guten Preis-Leistungsverhältnis zu haben.
Zweites Ziel erreicht: Finanzierung der AHV ist bis 2030 gesichert
Travail.Suisse hat seit langem auf die demografisch bedingte Zusatzbelastung der AHV hingewiesen – die Baby Boomer Generation, die in den kommenden Jahren in Pension geht. Deshalb hat Travail.Suisse ein „Baby-Boomer-Mehrwertsteuer-Prozent für die AHV“ gefordert. Nun will das Parlament die Mehrwertsteuer um 0.6 Prozentpunkte anheben, um die Finanzierung der AHV zu sichern. Das ist weniger als von Travail.Suisse gefordert und bedeutet, dass eine nächste Reform einige Jahre früher wird greifen müssen, als bei einer Zusatzfinanzierung um 1 Mehrwertsteuerprozentpunkt. Aber immerhin bringt die Zusatzfinanzierung so viel, dass das AHV Vermögen im Jahr 2030 immer noch knapp eine Jahresausgabe – gemäss den Projektionen knapp 60 Mrd. Franken – beträgt. Ein Aushungern der AHV wie das viele Vertreter von Arbeitgeber-, FDP- und SVP-Seite gerne hätten, damit sie Druck auf die Rentenhöhen und auf das Rentenalter 66/67 erhöhen können, kann damit vermieden werden. Auch hier ist das Vorgehen pragmatisch: Da 2018 0.3 Mehrwertsteuerprozente als Einnahmen von der auslaufenden Zusatzfinanzierung der Invalidenversicherung übernommen werden können, wird die Erhöhung für breite Kreise der Bevölkerung kaum spürbar sein und sollte deshalb mehrheitsfähig sein.
Verbesserungen für Teilzeitarbeitende und ältere Arbeitslose erreicht, flexibles Rentenalter eingeführt
Travail.Suisse hat auch immer dafür plädiert, dass die Reform Anpassungen an gesellschaftliche Veränderungen aufnimmt. Diesbezüglich konnten drei wichtige Fortschritte erzielt werden: So sind Teilzeitarbeitende mit der Reform besser in ihrer Pensionskasse versichert, da der Koordinationsabzug vor allem für tiefe Einkommen gesenkt wird. Das betrifft insbesondere viele Frauen. Gleichzeitig konnte das flexible Rentenalter eingeführt werden. Damit wird der unterschiedlichen Lebens-, Arbeitsmarkt- und Gesundheitssituation von Arbeitnehmenden besser Rechnung getragen. Zudem ist es neu für ältere arbeitslose Personen ab 58 möglich, sich weiterhin bei ihrer Pensionskasse zu versichern. Dies ermöglicht, dass sie bei der Pensionierung eine Rente beziehen können. Heute werden sie gezwungen, das Kapital zu beziehen und stehen später ohne Rente da.
Der Versicherungsindustrie besser auf die Finger schauen
Zudem engagiert sich Travail.Suisse seit langem gegen missbräuchlich hohe Prämien, welche von Versicherten der Sammelstiftungen der gewinnorientierten Lebensversicherer eingezogen werden. Mit der Reform erhält die Finma den Auftrag, gegen missbräuchliche Risikoprämien vorzugehen. Damit bleibt mehr Geld in der Tasche der versicherten Arbeitnehmenden. Dies auch dank den hartnäckigen Forderungen von Travail.Suisse.
Errungenschaften konnten gesichert werden
Mit der Reform ist es gelungen, den Teuerungsausgleich auf den Renten nach dem sogenannten AHV-Mischindex zu verteidigen. Damit ist insbesondere für die bisherigen Rentner/innen gewährleistet, dass ihre laufenden Renten an die Lohn- und Preisentwicklung angepasst wird. Nach der Bundesrat wollte im Falle von Finanzierungsengpässen die Renten automatisch einfrieren. Auch Rentenalter 67 ist mit der beschlossenen Reform vorläufig vom Tisch. Der vom Nationalrat vorgeschlagene Interventionsmechanismus, welcher Rentenalter 67 vorsah, wurde abgelehnt.
Konzession beim Frauenrentenalter gegen anderweitige Verbesserungen
Um die Bevölkerung für die Reform zu gewinnen, muss verhindert werden, dass verschiedene Gruppen gegeneinander ausgespielt werden. Heute wird von den Gegnern vor allem das höhere Frauenrentenalter betont. Auch für Travail.Suisse ist dies eine Konzession, welch nicht gern gemacht wurde. Travail.Suisse ist aber der Überzeugung, dass im Rahmen des Gesamtpakets mit dem AHV-Zuschlag und der verbesserten Versicherung von Teilzeitarbeit auch Verbesserungen für Frauen erreicht wurden, die mit einer Ablehnung der Vorlage aufs Spiel gesetzt würden. Dies mit schlechten Chancen, das Frauenrentenalter 64 in einer späteren Einzelabstimmung zu halten.
Auch bisherige Rentner/innen profitieren von der Reform
Es wird vielerorts befürchtet, die bisherigen Rentner/innen würden die Vorlage nicht unterstützen, der der AHV-Zuschlag nur für Neurentner/innen eingeführt wird. Wichtig hierbei wird die Erklärungsarbeit sein. Der AHV-Zuschlag ist eine Kompensation für die Senkung des Mindestumwandlungssatzes. Diese Senkung betrifft jedoch ausschliesslich Neurentner/innen. Deshalb ist es konsequent, dass auch die Kompensation in Form des AHV-Zuschlags nur an die Neurentner/innen geht. Übrigens zahlen die bestehenden Rentner/innen die 70 zusätzlichen AHV-Franken nicht mit, da sie keine Lohnbeiträge mehr leisten.
Will man die Zustimmung der Rentner/innen gewinnen, wird es notwendig sein, weitere handfeste Vorteile der Reform für bisherigen Rentner/innen hervorzustreichen: Mit der beschlossenen Zusatzfinanzierung über die Mehrwertsteuer erhalten sie Gewähr, dass ihre Renten in Zukunft erstens überhaupt weiter ausbezahlt werden können und zweitens weiterhin an die Lohn- und Preisentwicklung angepasst werden können. Denn ohne Zusatzfinanzierung wird der AHV-Mischindex weiter unter Druck kommen.
Klare Verbesserungen gegenüber Status Quo
Eine erste Bewertung der Vorlage aus Sicht der Arbeitnehmenden zeigt, dass die Reform zwar nicht ohne schmerzhafte Massnahmen auskommt, sich aber gesamthaft gesehen klare Verbesserungen gegen über dem Status Quo zeigen. Was wäre ein Szenario bei Ablehnung der Reform? Die Garantie der Rentenhöhen wäre nicht mehr gesichert. Gleichzeitig wäre die AHV unterfinanziert. 2030 wäre das Vermögen der AHV praktisch aufgebraucht (Fondsstand 12 Prozent einer Jahresausgabe!) Der Druck auf weitere Rentenaltererhöhungen und auf den Mischindex wäre absehbar. Anstatt Rentenalter 65 wäre auch bei den Frauen bald Rentenalter 66 oder 67 ein Thema. Und die Verbesserungen bei Teilzeitarbeit und bei den älteren Arbeitslosen würden zunichte gemacht. Das kann nicht im Interesse der Arbeitnehmenden sein.
Vaterschaftsurlaub: Verein will 10‘000 Unterschriften sammeln – an einem Tag
Über 85‘000 Unterschriften sind bereits gesammelt für die Vaterschaftsurlaubs-Initiative. Das ist sehr erfreulich. Damit die Initiative aber bald eingereicht werden kann, braucht es einen neuen und hoffentlich letzten Schub. Deshalb organisiert der Verein „Vaterschaftsurlaub jetzt!“ am 6. April einen Nationalen Sammeltag. Das Ziel ist ebenso klar wie ambitioniert: 10‘000 Unterschriften sollen an einem Tag gesammelt werden. mehr
Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, hat im Mai 2016 gemeinsam mit weiteren Organisationen die Initiative für einen 20 tägigen Vaterschaftsurlaub lanciert. Unter dem Dach des Vereins gruppieren sich inzwischen über 140 Organisationen, die sich für einen Vaterschaftsurlaub einsetzen.
Schweiz ist ein Entwicklungsland
Die Schweiz hat als einziges europäisches Land keinen Vaterschaftsurlaub. Das heisst, es gibt weder bezahlte Tage für die neue Familie, noch reservierte unbezahlte Tage (Quelle: OECD Family database). Gemäss Art. 329, Abs. 3 des Obligationenrechts steht heute einem jungen Vater bei der Geburt eines Kindes zwar im Rahmen der vom Arbeitgeber zu gewährenden „üblichen freien Stunden und Tage“ ein (!) freier Tag zu. Damit wird die Geburt eines Kindes gleich behandelt wie ein Wohnungswechsel. Auch mit 20 bezahlten Tagen wäre die Schweiz noch längst keine Vorreiterin sondern gerade mal im Mittelfeld. Politisch wurden rund 30 Vorstösse vom nationalen Parlament versenkt, die Vätern oder Eltern eine bessere Ausgangslage für die Familiengründung bieten wollten. Damit schiesst die Politik knallhart an den Bedürfnissen der Familien vorbei. Und das, obschon mehr als 80 Prozent der Schweizer Stimmbevölkerung klar für einen Vaterschaftsurlaub ist (Quelle: LINK-Institut, Report zum Vaterschaftsurlaub).
20 Tage Vaterschaftsurlaub für den Preis eines Kaffees
Wie der Mutterschaftsurlaub soll der Vaterschaftsurlaub über die Erwerbsersatzordnung (EO) geregelt werden und würde gemäss Berechnungen des Bundesrates rund 380 Mio. Franken jährlich kosten. Bezahlt würde der Betrag solidarisch von allen Arbeitnehmenden und Arbeitgebern in der Schweiz. Sie müssten je 0.06 Lohnprozente mehr einzahlen, was bei einem Einkommen von 6000 Franken monatlich 3.60 Franken ausmacht – in etwa so viel wie eine Tasse Kaffee.
Der 6. April ist ein Nationaler Sammeltag
Der Verein „Vaterschaftsurlaub jetzt!“ nimmt den Donnerstag, 6. April, zum Anlass, um mit einem nationalen Sammeltag den Sammelfrühling einzuläuten. In mindestens 13 verschiedenen Städten der Deutschschweiz und der Romandie werden Sammlerinnen und Sammler unterwegs sein – Überraschungsaktion inklusive. Die Allianz für den Vaterschaftsurlaub hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt, „wir wollen 10‘000 Unterschriften an einem Tag sammeln“, sagt Rosenkranz. Ob das Ziel erreicht wird, wird in einer gemeinsamen Medienmitteilung bekannt gegeben.
Anliegen wird von einer breiten Allianz gestützt
Nebst den vier Dachverbänden Travail.Suisse, männer.ch, alliance f und Pro Familia Schweiz, welche die Volksinitiative lanciert haben, trägt inzwischen eine breite zivilgesellschaftliche Allianz von Passivmitgliedern die Initiative mit. Dazu gehören verschiedene Jugendorganisationen wie der SAJV (Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände), Pro Juventute oder Jeunesse.Suisse. Ausserdem haben sich – neben ihren Mutterparteien – auch die Jungparteien der SP und der Grünen Partei dem Projekt angeschlossen. Die Liste der weiteren Unterstützenden ist bunt gemischt: Der VSPB (Verband Schweizerischer Polizeibeamter), der VSAO (Verband Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und –ärzte), der LCH (Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer Schweiz), und der VSS (Verband der Schweizer Studierendenschaften) setzen sich genauso für das Anliegen ein wie der SBK (Berufsverband der Pflegefachfrauen und –männer), der Schweizerische Hebammenverband und Insieme Schweiz (Dachorganisation der Elternvereine für Menschen mit einer geistigen Behinderung).
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„Ch’ama Wayna“: Faire Arbeit – starke Jugend!
Travail.Suisse setzt sich auch im Ausland für die Jugend ein. Ein Pilotprojekt ihres Hilfswerks Brücke · Le pont in Bolivien schafft Jugendlichen den Zugang zu menschenwürdiger Arbeit. Durch die Förderung ihrer Kompetenzen sowie der Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde, sozialen Organisationen und der Privatwirtschaft soll die Jugendarbeitslosigkeit wirksam bekämpft werden. mehr
Die Einbindung der Berufsbildung in die Privatwirtschaft ist in der Schweiz eine Selbstverständlichkeit. In anderen Ländern ist dieses Bewusstsein nicht vorhanden. Vielerorts braucht es grosse Überzeugungsarbeit, um die Unternehmen zu motivieren, Lehrstellen zu schaffen. Dabei wäre dies der naheliegende Hebel, um die oft grassierende Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen.
Informell heisst unsicher
In Bolivien arbeiten fast alle Jugendlichen zu einem Hungerslohn im informellen Bereich – sie haben weder einen Vertrag noch Sozialleistungen. Viele von ihnen haben noch nie eine Ausbildung durchlaufen. Das Hilfswerk von Travail.Suisse, Brücke · Le pont, hat deshalb in der Stadt Viacha in Zusammenarbeit mit Solidar Suisse das Pilotprojekt „Ch’ama Wayna“ initiiert.
In Viacha im bolivianischen Hochland lebt über die Hälfte der Bewohner unter der Armutsgrenze. Viele der Jugendlichen gehen weder zur Universität noch haben sie Aussicht auf eine würdige Arbeit.
Vorwärts mit der „Jungen Kraft“
Der Projektname „Ch’ama Wayna“ bedeutet in der Sprache der indigenen Volksgruppe der Aymara „Junge Kraft“. Er soll den Wert, die Haltung und die Energie der Jugend Viachas hervorheben, auf denen das Projekt aufbaut. Bis heute hatten die Jugendorganisationen der Stadt keine Chance, an Diskussionen und Entscheidungen zum Thema Arbeit teilzunehmen. Dies will das Projekt ändern.
Arbeit und Einkommen für 240 Jugendliche
Das Projekt „Ch’ama Wayna“ richtet sich an 240 junge Männer und Frauen zwischen 18 und 28 Jahren aus prekären Verhältnissen, insbesondere an junge alleinerziehende Mütter. Der Zugang zu menschenwürdigen Arbeitsplätzen für Jugendliche in der Region soll verbessert und Einkommensmöglichkeiten geschaffen werden. Das geschieht in vertraglich geregelter Zusammenarbeit mit AkteurInnen aus der Öffentlichkeit, der Privatwirtschaft und sozialen Organisationen.
Zusammenarbeit am runden Tisch
Ziel des Projekts ist es, dass die Jugendlichen aber auch die anderen beteiligten Akteure Mitverantwortung tragen und ihre Bemühungen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit koordinieren. Dafür soll ein runder Tisch gegründet werden.
Die jungen Frauen und Männer werden dabei unterstützt, ihren eigenen Betrieb aufzubauen. Oder durchlaufen Praktika bei Unternehmen, die am Runden Tisch Vereinbarungen für die Beschäftigung von Jugendlichen abgeschlossen haben.
Stellensuche über Onlineplattform
Eine Onlineplattform führt anschliessend Angebot und Nachfrage zusammen. Nebenbei sind Kommunikationsmassnahmen mit den lokalen Medien vorgesehen, welche die Öffentlichkeit auf das Thema Jugendarbeitslosigkeit sensibilisieren. Am Schluss sollen die Erfahrungen aus dem Projekt mit Hilfe von zwei nationalen Kampagnen in ganz Bolivien bekannt gemacht werden.
Solidarität – mit einem Stundenlohn pro Monat
Travail.Suisse ruft alle solidarischen ArbeiterInnen dazu auf, bei der Stundenlohnaktion 2017 mitzumachen: Unterstützen Sie unser Hilfswerk Brücke · Le pont beim Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit mit einem Stundenlohn pro Monat.
Mehr Informationen finden Sie hier oder direkt bei Andreas Jahn, Kommunikation und Entwicklungspolitik bei Brücke – Le pont