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Mit alterszittriger Hand zeichnet der 86-jährige Paul Gmünder sein Selbstporträt direkt auf eine Steinplatte. Das Gesicht erzählt mit seinen Zügen und Falten vom Leben. Viele Stunden braucht er, um die Zeichnung zu vollenden. Dabei muss die linke Hand die rechte unterstützen. Die Steinplatte wird anschliessend für den Druck verwendet, eine Lithografie entsteht. Die Thuner Kunstgesellschaft, welche regelmässig Drucke herausgibt, beauftragt Gmünder 1977 mit der Grafik. Zu diesem Zeitpunkt ist es vier Jahre her, seit Gmünder sein letztes Selbstporträt in Öl auf Leinwand malte. 1973 bildet er sich im Gemälde «Der Nachdenkliche» noch mit der typischen Pfeife im Mund ab. Die vielen Selbstporträts, die Gmünder erschaffen hat, zeigen stets auch die jeweilige Gemütslage. So gibt es aus den 1940er-Jahren ein Porträt, in dem sich Gmünder als Malersoldat in Uniform darstellt und mit Augen voller Schalk. Das Selbstbildnis von 1977 kam im gleichen Jahr als Jahresgabe der Thuner Kunstgesellschaft in die Sammlung.
Anja Seiler
Der Künstler zeichnet ein Selbst-Porträt.
Das ist ein Bild vom eigenen Gesicht.
Falten und der Blick erzählen von einem langen Leben.
Hier ist er 86 Jahre alt.
Paul Gmünder malte bereits vorher viele Selbst-Porträts.
Jedes zeigt eine andere Stimmung.
Jedes zeigt ein anderes Alter.