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Schulische Leistung
Schweizer und deutsche Mädchen schneiden in Tests wie der Pisa-Studie tatsächlich jedes Jahr etwas schlechter ab als die Jungen. Kann das Geschlecht für die Stärke oder Schwäche in Mathematik verantwortlich sein? Dagegen spricht, dass isländische, russische, taiwanesische und türkische Mädchen besser oder mindestens gleichauf mit ihren männlichen Mitschülern lagen. Wenn Mädchen also nicht grundsätzlich schlechter in Mathematik sind, wieso liegen Schweizer Mädchen dann im Pisa-Test stets hinter den Jungs?
Mögliche Gründe für die schwächere mathematische Leistung von Mädchen
Eine Berliner Forschergruppe hat festgestellt, dass Mädchen und Knaben bis ins Kindergartenalter mathematische (Vorläufer-)Fähigkeiten gleich gut beherrschen. Die Unterschiede beginnen sich erst um den Schuleintritt zu zeigen. Das ist ein starker Hinweis darauf, dass die Gründe weniger bei den Kindern selber als vielmehr in ihrem Umfeld zu suchen sind:
- Die Berliner Forschergruppe selber beobachtete, dass Jungs untereinander viel häufiger über Elemente mit Bezug zur Mathematik sprechen. Wer schiesst im Fussball mehr Tore? Wer rennt schneller? Wer ist grösser? Wer hat mehr? Dagegen vergleichen die Mädchen eher, auch wenn das pauschalisierend tönt, wie schön etwas ist oder wie gerne man etwas hat. Die vermehrte Auseinandersetzung mit mathematischen Inhalten regt das Gehirn an, mathematische Teilaufgaben zu automatisieren.
- Mädchen trauen sich weniger zu. Eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ergab, dass Mädchen bei den gleichen erreichten Leistungen deutlich weniger Vertrauen in ihre eigenen mathematischen Fähigkeiten haben als Jungen. Mädchen führen Erfolge in Mathematik eher auf Glück als auf ihr Können zurück.
- Jungen profitieren eventuell besser vom hierzulande praktizierten Unterrichtsstil. Im klassischen Mathematikunterricht werden eher die Interessen von Jungen angesprochen. Die gestellten Aufgaben bestehen oft aus Problemstellungen zu technischen Inhalten.
Studiumswahl
Männer und Frauen studieren nach wie vorher hauptsächlich nach klassischen Mustern. Bei technischen Fächern dominieren die männlichen Studienanfänger. Frauen studieren zum Grossteil Sprach- oder Kulturwissenschaften, Sozialwissenschaften oder Studiengänge des Gesundheitswesen. Obwohl Frauen in mathematisch-naturwissenschaftlichen gute Berufschancen hätten, sahen befragte Eltern für ihre Töchter in dieser Branche keine Zukunft – für Söhne mit den gleichen mathematischen Fähigkeiten jedoch schon.
Was Sie als Eltern tun können
- Fördern und fordern Sie Ihre Kinder in Mathematik. Geben Sie ihnen das Gefühl, dass gute mathematische Leistungen für alle Kinder erstrebenswert sind.
- Achten Sie beim Üben zu Hause darauf, dass die Rechenaufgaben verschiedenste Themen behandeln.
- Seien Sie Vorbild und denken Sie nicht in typischen Rollenbildern. Machen Sie Ihren Kindern bewusst, dass ihnen jeglicher Beruf offen steht. Zeigen Sie auf, dass es viele interessante Berufe gibt, die mathematische Kenntnisse voraussetzen.
- Rechtfertigen Sie schlechte Leistungen keinesfalls mit “Mädchen können halt nicht so gut Mathe”. Dies nimmt Mädchen jegliche Motivation und hält davon ab, sich nächstes Mal mehr anzustrengen oder gründlicher vorzubereiten.