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Bei der Präsidentschaftswahl in Argentinien kommt es erstmals in der Geschichte des Landes zu einer zweiten Runde.
Favorit knapp geschlagen
Im ersten Wahlgang am Sonntag kam der konservative Kandidat Mauricio Macri laut Auszählung von 72 Prozent der Wahllokale auf knapp 36 Prozent der Stimmen. Er liegt damit knapp vor dem Mitte-links-Kandidaten Daniel Scioli mit 35 Prozent. Am 22. November müssen beide nun in die Stichwahl.
Letzte Vorwahlumfragen hatten dagegen den von der scheidenden Staatschefin Cristina Kirchner unterstützten Scioli mit zehn Prozentpunkten Abstand in Führung gesehen.
Erfolg für den Kandidaten der Investoren
Nach den ersten Prognosen auf der Basis von Nachwahlbefragungen hatte Scioli noch klar in Führung gelegen. Am späten Abend bat er die Wähler um ihre Unterstützung, ohne allerdings direkt auf einen zweiten Wahlgang einzugehen. «Zusammen werden wir triumphieren», sagte Scioli. «Ich rufe die unentschiedenen und unabhängigen Wähler auf, sich unserer Sache anzuschliessen.»
Der wirtschaftsfreundliche Macri sagte vor Anhängern: «Was heute geschehen ist, wird die Politik in diesem Land ändern.» Er geniesst die Unterstützung vor allem der Mittel- und Oberschicht in den Städten. Macri ist auch der Kandidat der Investoren und hat einen raschen Abbau von Handels- und Währungskontrollen in Aussicht gestellt.
«Kirchnerismo» geht zu Ende
Scioli dagegen hat sich die Fortsetzung der Politik von Präsidentin Cristina Kirchner auf die Fahne geschrieben, die nach zwei aufeinanderfolgenden Amtszeiten nicht mehr antreten durfte. Sie legte umfangreiche Sozialprogramme auf und führte Währungs- sowie Handelskontrollen ein. Dies brachte ihr vor allem bei den Ärmsten hohe Zustimmungswerte. Nun geht eine Ära zu Ende.
Nach zwölf Jahren «Kirchnerismo» wird kein Kirchner mehr an der Spitze der drittgrössten Volkswirtschaft Lateinamerikas stehen. Zunächst war dort Nestor Kirchner Präsident, nach dessen Tod für acht Jahre seine Frau Cristina.
Schweres Erbe
Der Wahlsieger tritt ein schwieriges Erbe an: Die drittwichtigste Volkswirtschaft Lateinamerikas leidet unter einer hohen Inflationsrate, die 2014 bei fast 24 Prozent lag. Nach einer langen Phase des Wachstums (2003-11) von jährlich acht Prozent ging es 2014 bergab auf 0,5 Prozent.
Unter Cristina Kirchner führte Argentinien einen erbitterten Schuldenstreit mit US-Hedgefonds, die nach der Staatspleite 2001 billig argentinische Schuldscheine aufkauften und nun durch alle Instanzen gehen, um diese zu versilbern.