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Termingerecht beginnt die Hündin neun Wochen nach dem Decken an einem Sonntagnachmittag mit der Geburt ihrer Welpen. Drei Wochen nach dem Decktermin war zuvor ultrasonographisch eine stattgefundene Befruchtung mit mindestens fünf lebenden Föten festgestellt worden. Aufgrund der damaligen Platzverhältnisse ist aber zu erwarten, dass noch mehr als fünf Eizellen befruchtet worden sind – zur genauen Bestimmung einer grossen Anzahl von Föten ist jedoch eine Röntgenaufnahme gegen Ende der Trächtigkeit eine viel genauere Methode als der Ultraschall.
Kurz nach Einsetzen der Wehen gebiert die Hündin in kurzen Abständen fünf lebende Welpen. Obwohl sich die Wehen danach noch mehrere Stunden fortsetzen, kommen aber keine weiteren Welpen mehr zur Welt; danach ist von den Besitzern auch keine Wehentätigkeit mehr sichtbar. Am Montagmorgen stellen die Besitzer die Hündin in der Praxis vor, da noch weitere Föten im Mutterleib vermutet werden.
Die Hündin ist bei gutem Allgemeinbefinden und zeigt keinerlei Presswehen. Die Vagina erscheint normal, und alle Brustdrüsen produzieren Milch.
Eine Röntgenaufnahme zeigt, dass noch vier weitere Welpen darauf warten, geboren zu werden. Bei einem Fötus ist ersichtlich, dass der Hals um 180° nach hinten abgebogen ist.
Eine Ultraschalluntersuchung zeigt, dass alle vier Welpen noch leben – ihr Herzschlag ist deutlich erkennbar.
Es kommen für die Geburtsverschleppung zwei mögliche Ursachen in Frage: Entweder hat die Hündin (möglicherweise auch wegen ihres fortgeschrittenen Alters und wegen der grossen Welpenzahl) eine Wehenschwäche (d.h. die Gebärmutter und die Bauchmuskulatur generieren nicht mehr genügend Kraft, um die Föten auszustossen), oder aber es besteht ein Geburtshindernis in Form der unüblichen Kopfhaltung des einen Föten.
Da die Zuchthündin nach diesem Wurf zur Kastration vorgesehen war, entscheidet man sich zusammen mit den Besitzern für einen Kaiserschnitt.
Die Hündin wird mit einem speziellen Medikamentenmix narkotisiert; die Bauchhöhle wird eröffnet und die vier verbleibenden Föten durch einen Schnitt in die Gebärmutter aus dem Mutterleib entfernt und abgenabelt. Währenddem der Mutter routinemässig Eierstöcke und die Gebärmutter entfernt werden und die Bauchwunde verschlossen wird, werden die Neugeborenen intensiv betreut – unter der Wärmelampe werden sie kräftig abgerieben, verbliebenes Fruchtwasser aus den Atemwegen gesaugt und Narkose-Gegenmittel sowie Atmungsstimulanzien verabreicht. Zwei der Welpen können leider auch mit all diesen Mitteln nicht zu einer normalen Herz- und Atmungstätigkeit angeregt werden.
Kurze Zeit später erwacht die Mutter aus der Narkose und kümmert sich – noch etwas beduselt – routiniert um die durstigen fünf Rüden und zwei Hündinnen.
Der Heilungsverlauf der Mutter erfolgt problemlos, und die Welpen entwickeln sich prächtig.
Geburten, welche nicht „normal“ verlaufen, können für den Tierarzt eine grosse Herausforderung darstellen. Insbesondere der Entscheid, ob ein Kaiserschnitt notwendig ist oder ob besser (eventuell unter Einsatz gewisser Medikamente) zugewartet werden sollte, ist manchmal nicht einfach fällbar.
In der Regel gelten für den Ablauf einer normalen Hunde-Geburt folgende Richtwerte:
- Das Stadium 1 der Geburt beinhaltet die kontinuierliche Kontraktion der Gebärmuttermuskulatur. Dieses Stadium kann 6 – 24 Stunden dauern und ist von aussen z.B. durch Unruhe, Futterverweigerung, Hecheln und Nestbauverhalten der Hündin erkennbar.
- Im Stadium II der Geburt wird der Fötus durch von aussen sichtbare Presswehen durch den Beckenkanal und die Scheide an die Aussenwelt befördert. Die Dauer dieses Stadiums ist recht unterschiedlich: Normalerweise dauert es 10 – 30 Minuten; ist nach einer Stunde trotz Presswehen kein Welpe geboren worden, sollte ein Tierarzt aufgesucht werden. Normalerweise öffnet die Mutter die Fruchthüllen selbst und durchbeisst auch die Nabelschnur – unterbleibt dieser Vorgang, müssen die Besitzer die entsprechenden Hilfestellungen leisten.
- Im anschliessenden Stadium III wird die Plazenta des Welpen ausgestossen, dies geschieht meistens innert 5 – 15 Minuten.
- Anschliessend geht die Geburt wieder ins Stadium II über, und der nächste Welpe wird geboren. Pausen von bis zu mehreren Stunden zwischen den einzelnen Welpen sind nicht unüblich.
Bei „Lara“ wurden nach der ersten Serie von fünf Welpen trotz mehreren Stunden Presswehen keine weiteren Föten mehr geboren. Dies und die möglicherweise geburtsbehindernde Haltung eines Welpen bewog uns, einen Kaiserschnitt durchzuführen und nicht nur wehenfördernde und muskelstärkende Mittel (Oxytocin, Calcium) zu verabreichen. Ein Kaiserschnitt ist immer mit gewissen Risiken für die ungeborenen Welpen behaftet – im Unterschied zum Mensch kann nicht nur eine Rückenmarksbetäubung verabreicht werden, sondern es muss eine Vollnarkose durchgeführt werden. Die entsprechenden Narkotika gelangen über die Plazenta auch in die Körper der Föten und bewirken eine Atmungs- und Kreislaufdepression, welche meist Ursache für eine ungenügende Aktivität dieser Organsysteme unmittelbar nach der Geburt sind.