Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03224.jsonl.gz/371

Covid-19: China relativiert: Doch vorwiegend milde Erkrankung.
Das Chinesische CDC hat gestern Montag erstmals eine recht umfassende Analyse des neuen Coronaausbruches publiziert. Insgesamt wurden Daten zu über 70’000 Erkrankten zusammengetragen. Mit dieser Analyse werden sehr viele frühere Befürchtungen relativiert. Unsere Vermutung, wonach es sich beim neuen Coronavirus-Ausbruch (Covid-19) um eine eher mit einer schweren saisonalen Grippe vergleichbaren Erkrankung handelt, werden mit dieser Studie eher bestätigt. Natürlich lohnt es sich noch, den weiteren Verlauf abzuwarten, doch insgesamt scheinen ja auch die weiteren Erfahrungen mit den Erkrankungen ausserhalb Chinas in dieselbe Richtung zu zeigen.
- Über 72’000 erkrankte Personen in Studie erfasst, detaillierte Daten von 44’672 bestätigten Fällen in China
- Über 80% der Erkrankten haben milde Symptome
- 14% der haben ein schweres Krankheitsbild, 4.7% mit kritischer Erkrankung
- In der zuerst betroffenen Provinz Hubei war die Todesrate bei rund 2.9%, in den anderen Regionen Chinas nur 0.4%
- Todesfälle werde parktisch nur bei älteren Personen über 40 beobachtet (darunter 0.2%)
- Keine Todesfälle bei Kindern unter 10 Jahren
- Todesate steigt mit Alter:
- 0.4% bei 40+jährigen
- 1.3% bei 50+jährigen
- 3.6% bei 60+jährigen
- 8% bei 70+
- Die Todesrate ist höher bei Männern als bei Frauen (2.8 vs. 1.7%) und
- Höher bei Patienten mit Herz- oder Diabeteserkrankung und Hypertonie
(letztere Beobachtung lässt uns vermuten, dass Therapien mit ACE-Hemmer ein Risikofaktor sein könnten)
- Medizinisches Personal hat ein hohes Ansteckungsrisiko (3019 erkrankt, fünf Todesfälle [0.16%] bis 13.2.20)
- In der zuerst betroffenen Provinz Hubei war die Todesrate bei rund 2.9%, in den anderen Regionen Chinas nur 0.4% (kann auch noch ansteigen!)
- Der Verlauf der Epidemie ist seit dem Höhepunkt um den 25. Januar wieder rückläufig (bis 11.2.)
Viele Puzzle-Stücke fügen sich zusammen
Diese Beobachtung decken sich eigentlich auch mit weiteren Beobachtungen der letzten Tage bei Fällen ausserhalb Chinas. Dort zeigte sich:
- Personen mit milden Erkrankungen sind besonders häufig (Ausbruch Deutschland)
- Die Ansteckungsrate ist besonders hoch, besonders wo Menschen eng zusammen sind (Kreuzfahrtschiff)
- Nach einer durchgemachten Infektion ist man voraussichtlich immun
- Schwere Fälle finden sich vorwiegend bei älteren Menschen und bei vorbestehenden Erkrankungen
- Unsere Hypothese, wonach sich die Behandlung mit ACE-Hemmern negativ auf das Krankheitsbild auswirken könnte, stützt sich auf:
- Das Coronavirus (COVID-19) benutzt den ACE-Rezeptor um in die menschliche Zelle einzutreten
- Bei Patienten unter Blutdrcktherapie mit ACE-Hemmern wird die Anzahl von ACE-Rezeptoren auf der Zelle erhöht (hochreguliert).
- Patienten mit hohem Sterberisiko (Herz, Diabetes, Blutdruck) werden häufig mit ACE-Hemmern behandelt
Vorsorge bleibt
Die Publikatoin des Chinesischen CDC muss sicher noch kritisch überprüft werden. Auch wenn es so wäre, dass das neue Coronvavirus (Covid-19) längerfristig wie eine schwere saisonale Grippe verläuft, so dürfen wir die Epidemie nicht bagatellisieren. Im Moment ist es International immer noch angezeigt, durch Containment Massnahmen die weitere Ausbreitung zu stoppen. Denn ungebremst, wird die Infektion in recht kurzer Zeit sehr viele Menschen anstecken. Auch milde Erkrankungen können in grosser Anzahl zu Ausfällen im Alltagsleben führen. Doch die Daten lassen mindestens vermuten, dass Panik nicht am Platz ist.
Wichtig ist immer noch, dass wir nebst dem Containment auch global versuchen, wirksame, einfache Massnahmen zu propagieren. Mathematische Modelle konnten zeigen, dass einfache Hygienemassnahmen schon ausreichen, die Ausbreitung massiv zu dämpfen. Daher empfehlen wir ein systematisches Einhalten von allgemeinen Hygieneverhalten, wie dies das Bundesamt für Gesundheit auf seiner Homepage unter „Hygiene im Pandemiefall„ sehr klar beschreibt (Link auf Video).
Ergänzung 23.2.20:
Wir wurden wiederholt auf die Unterschiede zur Letalität von HCoV-19 und saisonaler Grippe angesprochen. Wir möchten die Letalität der neuen Coronavirusinfektion nicht bagatellisieren. Es ist durchaus möglich, dass diese sogar um einen Faktor 10 über derjenigen einer schweren Grippesaison liegt. Wir möchten aber darauf hinweisen, dass die jährliche, wiederekehrende saisonale Grippe eine schwere Erkrankung ist, an der jedes Jahr auch junge Menschen sterben, und dass wir diese schwere Erkrankung – im Gegensatz zur aktuellen Coronavirusinfektion – Jahr für Jahr sträflich bagatellisieren. Wenn sich in der Ostschweiz kaum 10% des Pflegepersonals gegen Grippe impfen, dann ist das ein Indiz, dass wir das Ausmass dieser saisonalen Erkrankung sträflich vernachläsigen.
Speziell an der neuen Coronavirus-Infektion ist, dass diese Krankheitswelle plötzlich auf eine nicht immune Bevölkerung trifft und daher kurzfristig eine grosse Belastung für das Gesundheitswesen darstellt. Im Gegensatz zur Saisonalen Grippe bauen wir als Population eine Immunität gegen die neuen Coronaviren auf. Dies im Gegensatz zur Grippe, gegen die wir nur teil-immun werden. PV