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Die Geschichte des Landhotel Hirschen Trüllikon

Im Jahr 1768 musste der Trülliker Pfarrherr Trachsler im Auftrag der Herren aus Zürich eine genaue Zusammenstellung der Güter der Gemeindebürger erstellen. Sie zeigt, dass der damals reichste Trülliker, Landrichter Johann Caspar Hablützel den Hirschen besass. Ihm gehörte das Haus mit zwei Stuben, er hatte vier Söhne und zwei Töchter. Er beschäftigte zwei Mägde und zwei Knechte. Sein Besitz umfasste 72 Jucharten Ackerfeld, 5 Jucharten Reben und 20 Jucharten Holz. Im Stall standen drei Pferde, fünf Ochsen aber keine Kuh. Damals wurde im Weinland nur Ackerbau und noch keine Milchwirtschaft betrieben. Als Getränk zog man Wein der Milch vor.
Nachdem 1798 / 1799 die Franzosen und Russen in unseren Dörfern übel gehaust hatten, wollte die Regierung in Zürich wiederum wissen, was ihre Untertanen nun eigentlich noch besassen. Diese Aufgabe übertrug man dem Herrn Pfarrer Bosshard. Gemäss seinen Aufstellungen gehörten 1802 die Liegenschaften des Hirschen dem Sohn des Johann Caspar, dem Gerichtsvogt Johann Conrad Hablützel. Auch dieser Hablützel, dieses Geschlecht war damals im Dorf sehr zahlreich vertreten, war immer noch sehr wohlhabend, aber inzwischen hatte ihne sein Namensvetter, der Wirt des Ochsen, von der Stelle des Dorfreichsten verdrängt. Der Müller namens Wipf lag an dritter Stelle.
Der Hirschen bestand schon zu jener Zeit aus einem Wohnhaus und einem Ökonomiegebäude, beide freistehend. Gemäss den Unterlagen der Gebäudeversicherung war das Wohnhaus für 3500 Gulden und das Ökonomiegebäude (Stall und Scheune) für 1200 Gulden versichert.
Die Grösse der Liegenschaften genügte den Ansprüchen von Vogt Hablützel anscheinend nicht mehr. 1832 war der Hirschen für 4000 Gulden versichert. Aus dem Wohnhaus wurde ein Doppelwohnhaus und 1839 wurde eine zusätzliche Scheune gebaut.
Nach dem Tod von Conrad Hablützel im Jahr 1840 ging der Besitz an seine drei Kinder, Hans-Kaspar, Johann-Jakob und Lisette über. 1844 heiratete die Tochte Jakob Ammann aus Frauenfeld und die beiden Söhne blieben unverheiratet. Als 1879 Jakob als letzter männlicher Nachkomme verstarb brachte seine Schwester den Hirschen im 1850 auf eine Gant. Im Jahr 1850 wurde in der Eidgenossenschaft einheitliches Geld eingeführt, der Franken löste den Gulden ab.
Friedrich Ruff, Wirt, Kirchpfleger und Bäcker ersteigerte den Hirschen und bezahlte folgende Summen:
Doppeltes Wohnhaus mit Trotte: Fr. 9400.00
Doppelte Scheune, Stall, Heudiele und Schopf: Fr. 8000.00
Wasch- und Holzhaus und Schweineställe: Fr. 4000.00
Friederich Ruff war der erste Wirt auf dem Hirschen. Er kannte das Metier des Weinschenken, denn er führte in der späteren Morgensonne bei der Kreuzung schon früher eine Taverne. Im kantonalen Wirtschaftsverzeichnis erscheint der Hirschen zum ersten Mal 1890, mit Patentinhaber Friedrich Ruff. Ruffs Sohn, gleicher Vorname, war Zivilgemeindepräsident und verlegte seinen Wohnsitz ins Restaurant Schiff nach Schaffhausen. Er verkaufte den Hirschen an Johann Wieland für 19000 Franken.
Seit 1894 ist der Hirschen im Besitz der Familie Wieland. Bis ins Jahr 1903 hat Johann Wieland bereits einen zweiten Stall, ein Metzgerlokal und eine Kegelbahn erstellen lassen. Die Wielands haben im Laufe von hundert Jahren drei Kegelbahnen erstellen lassen. Die erste wurde noch im vorletzten Jahrhundert hinten an die Scheune, welche im heutigen Parkplatz stand, angebaut. Die zweite entstand 1933 und wurde unter der heutigen Restaurant Terrasse platziert. Die dritte Kegelbahn wurde 1966 gebaut und besteht noch heute.
Die ersten drei Trülliker, welche ein Auto besassen waren der Spengler, der Postautohalter und der Wirt und Metzger des Hirschen. Der Sonntägliche Zeitvertrieb der jungen Männer im Dorf war das Kegelspiel im Hirschen. Die jungen Knaben verfolgten das Spiel interessiert durch die seitlichen Fenster der Kegelbahn. Diejenigen Knaben, welche zum Kegelstellen aufgeboten wurden verdienten etwas Sackgeld. (Etwa 20 Rappen die Stunde)
Johannes Wieland verstarb 1909 und sein Sohn Ernst Wieland – Peter übernahm das Lokal. Der immer bedeutender werdende Erwerbszweig der Metzgerei erforderte immer wieder bauliche Massnahmen. So wurde 1913 im Ökonomiegebäude ein Verkaufslokal eingebaut. Die Trotte im östlichen Teil des Grundstückes wurde 1915 abgetragen um Platz für ein Schlachthaus zu schaffen. 1927 verlegte Ernst Wieland den Fleisch Verkaufsladen aus dem Ökonomiegebäude in das Kellergeschoss des heutige Restaurant und liess einen Kühlraum bauen. Die Metzgerei und das Restaurant wurden so arbeitsintensiv dass Herr Wieland die Landwirtschaft verpachtete. Für den Pächter wurde 1924 im Ökonomiegebäude eine Wohnung eingebaut. 1936 verstarb Ernst Wieland – Peter und sein Sohn Ernst Wieland – Münch übernahm 1944 den Hirschen.
Während Jahrzehnten spielte sich das gesellschaftliche Dorfleben mit Abendunterhaltungen, Theateraufführungen, Tanzanlässen und Vereinsversammlungen im Hirschensaal ab. Dies änderte sich im Jahr 1950 mit dem Bau des Zentralschulhauses und der Mehrzweckhalle. Herr Wieland war froh um die zusätzliche Kapazität im Saal denn sein Restaurant war mittlerweile weit herum bekannt und wurde von vielen Gästen besucht. Er baute zusätzlich 6 Hotelzimmer im 1. Stock ein. Ernst Wieland verstarb bereits 1962 im Alter von 48 Jahren. Seine Frau Elsi Wieland Münch übernahm den Betrieb und führte Restaurant, Metzgerei und Hotel erfolgreich. In der damaligen Zeit war es aussergewöhnlich, dass eine Frau einen solchen Betrieb alleine führt und Entscheidungen fällt. Dank Ihres starken Charakters und der rationellen Denkweise hat Elsi Wieland diese Aufgabe gut gemeistert. Frau Wieland hat das Ökonomiegebäude abreissen lassen und liess Wohnungen erstellen. Im ehemaligen Holzlager hat sie 1982 für sich eine Wohnung einbauen lassen, wo Sie noch bis ins Jahr 2010 lebte.
1988 hat Elsi Wieland den Betrieb an Ihre Tochter Elsbeth Zwicky – Wieland und Schwiegersohn Hanspeter Zwicky übergeben. Durch den Neubau einer grossen, modernen Gastronomieküche und ein angepasstes Angebot erfreute sich das Restaurant immer grösserer Beliebtheit. 1993 wurden alle Hotelzimmer umgebaut und mit je einem WC, Dusche und Fernseher auf dem Zimmer ausgestattet. Die Metzgerei wurde 1998 geschlossen.
Im Jahr 2001 wurde nach den Plänen von Innenarchitekt Roland Schön der alte Saal zu einer „Weingalerie“ umgebaut, wo nun zahlreiche regionale Weine stilvoll präsentiert werden. In der zweiten Etappe im Jahr 2003 hat derselbe renommierte Innenarchitekt die Chämistube und den Eingangsbereich neu gestaltet und die gemütliche Athmospäre am Kamin geschaffen, welche heute von Gästen aus nah und fern geschätzt wird. Am 1. Januar 2017 hat Thomas Zwicky den Betrieb von seinen Eltern übernommen. Er führt nun das Landhotel Hirschen in fünfter Generation und darf sich auf ein kompetentes Team von langjährigen Mitarbeitenden und auf die Unterstützung seiner Eltern verlassen.