Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03139.jsonl.gz/1409

Vincenzo Vela – einer der wichtigsten europäischen Bildhauer des 19. Jahrhunderts und ein herausragender Vertreter des Realismus in der Skulptur – hatte seine Villa in den Jahren 1862-65 nach Entwürfen von Cipriano Ajmetti, des Architekten des savoyischen Hofes von Turin, errichten lassen, und sie sollte die dreifache Funktion einer Privatresidenz, eines Künstlerateliers und eines Museums erfüllen, in welchem die Original-Gipsmodelle all seiner Werke an einem Ort ausgestellt werden konnten.
In diesem Sinne reiht sich das Museo Vela in die Typologie der Künstlerhäuser und Wohnhaus-Museen des 19. Jahrhunderts ein; weitere illustre Beispiele dieser Art sind die Gipsfigurensammlung und der Canova-Tempel von Possagno oder das Thorwaldsen-Museum in Kopenhagen. Doch repräsentiert das Museo Vela eine zusätzliche und vielleicht sogar markantere Entwicklung, denn die persönliche Präsenz und das Engagement des Künstlers - zum Zeitpunkt des Baus noch in jungen Jahren - ist überaus stark zu spüren. Tatsächlich wurde hier die Verwirklichung eines Ideals angestrebt, das ganz und gar auf die Verherrlichung der eigenen Kunst ausgerichtet ist, welche der Öffentlichkeit sozusagen im eigenen «Privatmuseum» präsentiert wurde.
Aus diesem Grunde erscheint es absolut nicht unangemessen, die Villa Vela im gleichen Atemzug mit den bedeutendsten und eindrucksvollsten Wohnhaus-Museen des 19. Jahrhunderts zu nennen. Der Künstler, seine Frau und sein Sohn zogen in das neue Heim ein, nachdem sie Turin im Jahre 1867 verlassen hatten, und seit jenem Zeitpunkt wurde die Villa häufig besucht und beschrieben.
Der vorherrschende Ton dieser Beschreibungen war meist von Bewunderung geprägt, insbesondere, was den achteckigen Saal im Mittelpunkt der Villa anbelangte, den sogenannten «Salon für die Gipsmodelle», der die reichhaltige künstlerische Produktion Vincenzos und insbesondere die monumentalen Porträt-Standbilder der Helden der Italienischen Einheit zusammenfasste. Schon bald wurde das Oktogon (Achteck) als «Pantheon» bezeichnet, womit zwar einerseits auf die Sakralität der Kunst und des Künstlers angespielt wurde, andererseits bezog sich der Begriff jedoch auf die bildhauerische Darstellung der vielen illustren Persönlichkeiten aus Politik und Kultur, die für den italienischen Raum von Bedeutung waren.