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Die Rote Bete verbessert nicht nur die Ausdauer
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim
„Durch Rote Bete werden die Schwachen stark und die Schüchternen mutig.“
(Deutsches Sprichwort)
Die Rote Bete (Beta vulgaris) gehört zu den gesündesten Gemüsearten. Sie wird besonders von Rheumakranken, Geistesarbeitern und Sportlern geschätzt. Sie wirkt appetitanregend, abwehrsteigernd und günstig auf die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Das Neueste: Nach einer Covid-19-Erkrankung werden die Patienten u.a. durch Rote Bete wieder fit. Näheres darüber später.
Seit 2000 Jahren bekannt
Die Rote Bete, auch Rande, Ranne, Rote Rübe, Rone, Salatrübe genannt, gehört zu den Fuchsschwanzgewächsen (Amaranthaceae) und stammt von der Meerstrandrübe ab. Sie war schon vor mehr als 2000 Jahren als Gemüse- und Arzneipflanze bekannt. Im 4. Jahrhundert v. Chr. erwähnt Diplylos bereits die harntreibende Wirkung, während Celsus 25 n. Chr. die Knolle als Abführmittel einsetzte. Für Skribonius war die Rande ein Katarrhreiniger, und Dioskurides verwendete um 100 n. Chr. den Saft gegen Entzündungen der Haut und Schleimhaut. Correaeus bezeichnete die Rande als Gallenflussförderer, während sein Zeitgenosse Paracelsus die Knolle als wohlschmeckend und stärkend bezeichnete.
Sebastian Kneipp verordnete die Rande gegen Verdauungsstörungen und gegen Grippe. Schliesslich empfahl der Greifswalder Pharmakologe Hugo Schulz die Knolle bei Gicht, Gichtfolgen und bei Geschwüren. Kräuterpfarrer Johannes Künzle verordnete den Randensaft blutarmen, skrofulösen und sonst schwächlichen Kindern. Alfred Vogel erkannte den gesundheitlichen Nutzen der Rande. Er trank regelmässig einen Saft, der 60 % Rande, 30 % Karotten und 10 % Kohl enthielt.
Eine Fülle von Wirkstoffen
In der Rande befinden sich einige Fruchtfarbstoffe, wie die Betalaine und Anthocyane. Die Anthocyane gehören zu den Flavonoiden (sekundäre Pflanzenstoffe). Weitere Inhaltsstoffe sind Ballaststoffe, Vitamine (Vitamin C, Folsäure, B-Vitamine), Mineralstoffe und Spurenelemente (Kalium, Magnesium, Eisen, Zink, Jod, Mangan), Kohlenhydrate (Glucose, Fructose, Saccharose), Aminosäuren, Äpfelsäure, Zitronensäure und Oxalsäure.
Wirksamkeit
Die Betalaine wirken antioxidativ, entzündungshemmend und entgiftend. Sie unterstützen die Entgiftung der Leber. Anthocyane schützen vor freien Radikalen, bremsen schädliche Oxidationsreaktionen im Körper und wirken krebshemmend.
Folsäure und Eisen werden benötigt für die Bildung roter Blutkörperchen.
Rote Bete verbessert auch die Ausdauer bei Herzschwäche. Dies fanden amerikanische Wissenschaftler der Wake Forest University in North Carolina durch eine Studie heraus. 20 herzkranke Menschen im Alter zwischen 62 und 76 Jahren, litten unter einer Herzinsuffizienz. Ein Teil der Patienten hatte im Ruhezustand keine Beschwerden, aber nach einer alltäglichen körperlichen Belastung. Die anderen Studienteilnehmer litten schon bei geringer Belastung unter Einschränkungen und Erschöpfung, Herzrhythmusstörungen, Luftnot und Schmerzen im Brustkorb. Alle Teilnehmer tranken eine Woche lang täglich 70 ml Rote-Bete-Saft.
Ergebnis der Studie: Die Ausdauer verbesserte sich um 24 Prozent. „Auf einem Fahrradergometer hielten sie 75 Prozent ihrer maximalen Belastbarkeit am Ende 449 statt wie zu Beginn 363 Sekunden durch. Gleichzeitig sank der zuvor erhöhte Blutdruck um 5 bis 10 mm Hg“, wie netdoktor berichtet.
Bei Sportlern führt dies zu einer Stärkung das Durchhaltevermögen. Auch Nichtsportler profitieren, da auch bei ihnen eine Entspannung der Blutgfässe, eine Verbesserung der Durchblutung und Stärkung des Kreislaufs erfolgt.
Wissenschaftler kamen dem wirksamen Stoff auf die Spur. Es ist das Nitrat, das im Körper über Nitrit zu Stickoxid (NO) umgewandelt wird. Diese Verbindung erweitert die Blutgefässe.
Rande wird geschätzt
Die Rande oder Rote Beete bzw. Rote Rübe wird geschätzt von Rheumakranken, Blutarmen, Geistesarbeitern und Spitzensportlern. Sie wirkt harntreibend, harnsäureausschwemmend, abwehrsteigernd. Die weinrote Knolle verbessert die Versorgung der Zellen mit Sauerstoff, wirkt günstig auf die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit und spielt in der Krebszusatztherapie eine Rolle.
Wieder fit bei Covid-19-Erkankung
Wie wird man nach einer Covid-19 Erkrankung wieder fit? Dr. Claudia Bien und der Deutsche Verein für Gesundheitspflege e.v. empfehlen dies:
- Eine Mariendistel-Kur (ca. 1-2 Monate, regeneriert die Leber). „Die Mariendistel ist die beste Leberpflanze überhaupt, sie verspricht Gesundheit und Vitalität. Was sie vermag, kann kein synthetisches Präparat. Sie schützt die Leberzellen vor Giften“, schreibt Ursel Bühring in ihrem Buch über „Heilpflanzen-Kuren“.
- Täglich zweimal Rote-Bete-Saft (je 200 ml. Die Sauerstoffaufnahme im Blut wird deutlich sofort verbessert).
- Zuführung von Mineralstoffen und Vitaminen zur Regeneration. Empfohlen werden Zink, Eisen, Magnesium, Vitamin D, Vitamin C in Kombination mit Acerola.
Hinweis: Die Empfehlungen ersetzen nicht den Besuch beim Arzt.
Zur Beachtung: Da die Rande auch Oxalsäure enthält, sollen Menschen, die zur Bildung von Nierensteinen neigen, nur wenig der Knolle essen. Für Säuglinge kann ein hoher Nitratgehalt schädlich sein, da bei ihm die Darmflora noch nicht ausgereift ist. Das sich bildende Nitrit reagiert mit dem roten Blutfarbstoff. Es bildet sich Methämoglobin, das keinen Sauerstoff transportieren kann. Es entwickelt sich eine Blausucht (bläuliche Verfärbung der Haut und Lippen). Beim Erwachsenen hingegen entfaltet Nitrat bzw. Nitrit durchaus positive Wirkungen.
Noch eine Bemerkung: Nach dem Verzehr mit Rote Bete verfärbt sich der Urin und der Stuhl rot. Grund: Es werden nicht alle Farbstoffe abgebaut.
Sorten: Es gibt im Handel verschiedene Züchtungen, wie weisse, gelbe, rot-weiss geringelte und solche in Walzenform, die spitz zulaufen. Auf den Geschmack hat dies keinen Einfluss.
Leckere Rezepte
Während unseres Wanderurlaubs im Pfälzerwald 2016 wurde uns zum Abendessen in einem Hotel ein reichhaltiges Salatbüffet mit Randensalat (gekocht und angemacht) angeboten. Alle Wanderfreunde assen davon und waren voll des Lobes. Man musste sich jedoch sputen, um eine Portion zu bekommen, da auch die anderen Gäste diesen Salat bevorzugten.
Weitere Verwendung: Rote Suppe, Randentorte, Randengemüse, Randenchips. Die Knolle schmeckt auch roh geraspelt im Salat mit Äpfeln, Zwiebel und Schafskäse. Die Rande ist auch im Borschtsch mit Wirsing, Möhren, Sellerie, Lauch und etwas saurer Sahne (Rahm) enthalten. Einige Rezepts stellte mir Carine Buhmann zur Verfügung, die in einem gesonderten Blog publiziert werden.
Schmackhafte Rezepte mit Randen (Rote-Bete)
Autorin: Carine Buhmann, dipl. Gesundheitsberaterin für Ernährung und Kochbuchautorin, Liestal
Randen-Apfel-Salat
Zutaten
1 mittelgrosse gekochte Rande
1 mittelgrosser Apfel
2 EL fein geschnittenes Grün einer Bundzwiebel (Frühlingszwiebel)
Sauce:
1 EL kaltgepresstes Olivenöl
2 EL Apfelessig
Kräutermeersalz
Pfeffer aus der Mühle
Zubereitung
- Die Rande schälen. Den Apfel halbieren, das Kerngehäuse entfernen. Die Rande und den Apfel auf der Röstireibe grob raspeln oder beides in kleine Würfelchen schneiden.
- Das Olivenöl und den Apfelessig verrühren und gut würzen. Die geraspelten Randen und Äpfeln mit der Sauce vermengen.
- Das fein geschnittene Zwiebelgrün untermischen.
Tipp
Schnittlauch oder Zwiebelsprossen statt Zwiebelgrün verwenden.
Randen-Carpaccio mit Feta
Zutaten
2 mittelgrosse gekochte Randen
3 EL weisser Balsamico Essig
2 EL kaltgepresstes Raps- oder Baumnussöl
ca. 75 g Feta
wenig Salz
Pfeffer aus der Mühle
2 EL Zwiebelsprossen zur Dekoration
Zubereitung
- Die Randen schälen und in 2 bis 3 mm hauchdünne Scheiben hobeln.
- Die Randenscheiben auf einer grossen runden Servierplatte (oder direkt auf Tellern) kreisförmig schön anrichten.
- Mit Pfeffer und wenig Salz zuerst würzen. Anschliessend mit dem Balsamico Essig und dem Öl beträufeln. Während 10 bis 15 Minuten marinieren lassen.
- Den Feta fein zerbröseln und darüber streuen. Mit Zwiebelsprossen dekorieren.
Schnelle Randen-Kartoffelsuppe
Zutaten
300 g rohe Randen
350 g Kartoffeln
1 l Gemüsebouillon
4 EL Sauerrahm oder saurer Halbrahm
Pfeffer aus der Mühle
Kräutermeersalz
2 EL fein geschnittener Schnittlauch zur Dekoration
Zubereitung
- Die Randen unter fliessendem Wasser gut bürsten, die Strunkansätze wegschneiden, anschliessend in kleine Würfel schneiden. Die Kartoffeln schälen und ebenfalls klein würfeln. In einen Topf geben, mit Gemüsebouillon aufgiessen und zugedeckt während 15 Minuten weich kochen.
- Mit dem Mixerstab die Randen-Kartoffelwürfel pürieren. Den Sauerrahm (oder sauren Halbrahm) unterrühren und mit Pfeffer und Salz abschmecken.
- Vor dem Servieren mit Schnittlauch dekorieren.
Tipp
Für ein Schaumsüppchen den Sauerrahm durch 100 ml geschlagenen Rahm ersetzen und luftig unter die Suppe heben.
Rezepte von Carine Buhmann, dipl. Gesundheitsberaterin für Ernährung und Kochbuchautorin, www.carinebuhmann.ch
Literatur
Krieger, Verena: „Randenrezepte für Bleichgesichter“, „Natürlich“ Nr. 12/1990.
Löser, Evemarie und Frank: „Rote Bete“ (Herkunft, Anwendungen, Rezepte), Demmler Verlag, 18311 Ribnitz-Damgarten 2015.
Scholz, Heinz: „Rande bringt Sauerstoff in die Zellen“, „Natürlich“ Nr. 12/1990.
Storl, Wolf Dieter: „Bekannte und vergessene Gemüse“, at-Verlag, Aarau 2002.
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