Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03336.jsonl.gz/191

Oscar-Verleihung 2010: «The Hurt Locker» ist Sieger des Abends
- Montag, 8. März 2010, 0:43 Uhr
Die 82. Oscar-Verleihung in Los Angeles hat spannende Momente, wunderschöne Kleider, ein paar Tränen und einige gute Witze geboten. Daneben gab es vor allem einen grossen Gewinner und einen Verlierer des Abends.
Das Irakkriegs-Drama «The Hurt Locker» hat den Oscar für den besten Film des Jahres gewonnen. Der Streifen, der die Arbeit von Bombenentschärfern der US-Armee im Irak zeigt, war mit insgesamt sechs Oscars der grosse Gewinner der Preisgala in der Nacht auf Montag.
«The Hurt Locker» ist der Abräumer des Abends
Regisseurin Kathryn Bigelow wurde für «The Hurt Locker» als erste Frau überhaupt mit einem Regie-Oscar geehrt. Ihr Film war mit neun Nominierungen neben dem ebenfalls neunfach nominierten Science-Fiction-Film «Avatar» als grosser Favorit ins Rennen gegangen. «Avatar» erhielt nur drei Auszeichnungen in weniger bedeutenden Kategorien.
«Das ist der Moment meines Lebens», sagte Bigelow bei der Entgegennahme des Preises. Sie widmete die Auszeichnung «unseren Frauen und Männern im Militär, die ihr Leben jeden Tag aufs Spiel setzen. Mögen sie sicher nach Hause kommen». Bigelow war nach Lina Wertmüller, Jane Campion und Sofia Coppola überhaupt erst die vierte Frau in der Oscar-Geschichte, die für die Regie-Auszeichnung nominiert war.
Im Gegensatz dazu erhielt der grösste Konkurrent «Avatar» von «The Hurt Locker» nur drei Oscars für das beste Szenenbild, die beste Kamera und die besten Effekte.
Beste Hauptdarstellerin: Sandra Bullock
Sandra Bullock gewinnt mit ihrer Rolle in «The Blind Side» den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Einen Tag zuvor war die 45-Jährige noch mit einer Himbeere als schlechteste Schauspielerin für ihre Rolle in «All about Steve» ausgezeichnet worden.
Bullock würdigte einzeln ihre Konkurrentinnen – darunter Helen Mirren und Meryl Streep – und bedankte sich unter vielen Tränen der Rührung. Die Schauspielerin bekam den Oscar für ihre Darstellung einer Mutter aus der Oberschicht, die einen obdachlosen, schwarzen Jungen in ihrer Familie aufnimmt und ihn zum Football-Profi macht.
Bester Hauptdarsteller: Jeff Bridges
Als bester Schauspieler wurde Jeff Bridges für seine Rolle als versoffener Country-Sänger in «Crazy Heart» geehrt. Für Bridges ist das ein Höhepunkt seiner Karriere. Vier Mal wurde er schon nominiert, den Oscar bekam er aber noch nie.
Nach seiner Dankesrede erhielt Jeff Bridges tosenden Applaus. Der 60-Jährige bedankte sich überschwänglich und bei fast jedem, vor allem aber bei seiner Frau Sue, mit der er seit 33 Jahren verheiratet ist, und seinen drei erwachsenen Töchtern. «Ohne Euch wäre ich nicht hier oben», sagte er.
Beste Nebendarstellerin: Mo'Nique
Mo'Nique hat den Oscar als beste Nebendarstellerin gewonnen. Die 42-jährige Amerikanerin erhielt den weltweit wichtigsten Filmpreis in der Nacht zum Montag für ihre Rolle in dem Sozialdrama «Precious».
Die Schauspielerin hatte dafür bereits Anfang des Jahres einen Golden Globe erhalten. Der Oscar für Mo'Nique war die zweite Auszeichnung des Abends für den Film, der insgesamt für sechs Oscars nominiert war.
Bei der 82. Verleihung war «Precious» zuvor bereits mit dem Oscar für das beste adaptierte Drehbuch geehrt worden. Das Drama basiert auf dem Roman «Push» von Sapphire.
Bester Nebendarsteller: Christoph Waltz
Der österreichische Schauspieler Christoph Waltz hat für seine Rolle als SS-Offizier in «Inglourious Basterds» den Oscar als bester Nebendarsteller erhalten. Waltz hatte schon zuvor alle wichtigen internationalen Filmpreise einschliesslich des Golden Globe abgeräumt.
Der Preis für Waltz war der erste, der an diesem Abend vergeben wurde. Christoph Waltz setzte sich gegen Hollywood-Veteranen wie Matt Damon («Invictus»), Woody Harrelson («The Messenger»), Christopher Plummer («The Last Station») und Stanley Tucci («The Lovely Bones») durch, die ebenfalls in dieser Kategorie nominiert waren.
«Kramer gegen Kramer» oder David gegen Goliath
Die kleine Independent-Produktion «The Hurt Locker» wurde neben dem Regie-Oscar für Kathryn Bigelow zudem als bester Film ausgezeichnet und stach somit in beiden Königskategorien den Hollywood-Blockbuster «Avatar» von James Cameron aus. Insgesamt gewann «The Hurt Locker» («Tödliches Kommando») sechs Oscars, «Avatar» kam auf drei Trophäen - beide waren neunmal nominiert.
Das Rennen zwischen «The Hurt Locker» und «Avatar» war das zwischen David und Goliath: «Avatar» kostete 500 Millionen Dollar und spielte 2,5 Milliarden Dollar ein – er ist der erfolgreichste Film der Geschichte. «The Hurt Locker» kostete hingegen gerade einmal 15 Millionen Dollar und war an den Kinokassen kein grosser Erfolg.
Spannend: Gleichzeitig war das Duell «Avatar» gegen «The Hurt Locker» auch ein kleines Machtspiel zwischen Ex-Frau und Ex-Mann: Kathryn Bigelow und James Cameron waren von 1989 bis 1991 verheiratet.
«Das weisse Band» ging leer aus
Die Oscar-Hoffnungen für den in schwarz-weiss gedrehten Film «Das weisse Band», eine Gemeinschaftsproduktion von Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien, in der Kategorie «Bester fremdsprachiger Film» erfüllten sich leider nicht. Die Ehrung ging an den argentinischen Film «El Secreto de Sus Ojos».
«Up» wurde bester Animationsfilm
Als bester Animationsfilm wurde «Up» ausgezeichnet. Bester Filmsong war nach Ansicht der Jury «The Weary Kind» aus dem Country-Music-Film «Crazy Heart».
Bester Filmsong war nach Ansicht der Jury «The Weary Kind» aus dem Country-Music-Film «Crazy Heart». Bester kurzer Dokumentarfilm wurde «Music by Prudence». In dieser Kategorie war auch der polnisch-deutsche Film «Mauerhase» nominiert worden.