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Acht Meter hohe Netze installiert die Vogelwarte Sempach auf dem Gebirgspass Col de Bretolet (VS), um Zugvögel einzufangen und zu untersuchen. In diesem Herbst konnten so 20'000 Tiere genauer unter die Lupe genommen werden. Gemäss Vogelwarte Sempach gingen insgesamt 88 Arten ins Netz.
Bei den 20'000 untersuchten Tieren handelt es sich nur um einen sehr kleinen Teil des herbstlichen Vogelzugs, wie Vogelwarte-Sprecherin Sophie Jaquier erklärt. Gemäss einer groben Schätzung fliegen jährlich gegen zwei Milliarden Zugvögel aus Europa nach Afrika zum Überwintern. Von den Zugvögeln fliegt nur ein kleiner Teil über die Alpen. Manche wählen den Weg den Küsten entlang.
Kernbeisser stellen neuen Rekord
Zwischen Ende Juli und Anfang November am häufigsten untersucht wurden Buchfinken (6002 Exemplare), gefolgt von Rotkehlchen (3277) und Erlenzeisigen (1920). Mit 300 kontrollierten Tieren stellten die Kernbeisser einen neuen Rekord dar, heisst es in der Mitteilung der Vogelwarte. Zu den Gründen konnte die Vogelwarte nichts sagen.
Mit 1600 beringten Individuen war die Blaumeise dieses Jahr viermal so häufig wie im Durchschnitt vertreten. In manchen Jahren würden im Herbst grosse Schwärme der kleinen blau-gelb gefärbten Meise umherziehen, schreibt die Vogelwarte. Die Vögel stammten vermutlich mehrheitlich aus Nord- und Osteuropa. Ein eingefangenes Tier trug am Fuss einen Ring aus Tschechien.
Höchstens eine Stunde gefangen
Bei der jährlichen Untersuchung auf dem Pass werden die Tiere von Hand aus den Netzen befreit, vermessen und untersucht. Nach einem Aufenthalt von wenigen Minuten bis einer Stunde werden sie wieder freigelassen.
Die Vogelwarte erforscht zusammen mit Freiwilligen den Vogelzug auf dem Gebirgspass seit 1958 regelmässig. Anhand der Datenreihe kam sie zum Schluss, dass sich infolge des Klimawandels der Flugplan der Zugvögel in den letzten zwanzig Jahren veränderte.
Vögel, die im Mittelmeerraum überwintern würden, blieben länger in der Schweiz und würden später über die Alpen ziehen. Arten, die den Winter südlich der Sahara verbringen, würden hingegen einige Tage früher wegziehen. So könnten sie Dürreperioden in der Sahelzone in Afrika besser ausweichen, schreibt die Vogelwarte.