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Seit Januar 2012 ermittelt die Bundesanwaltschaft im Umfeld des Schweizer Rohstoffkonzerns Gunvor (handelszeitung.ch berichtete, siehe Mehr zum Thema). Die Beamten gehen Afrika-Geschäften im Land Kongo-Brazzaville eines Ex-Mitarbeiters des Erdölhändlers mit Domizil in Genf nach. Offiziell läuft das Verfahren gegen Unbekannt, ermittelt wird wegen Verdachts auf Geldwäscherei. Die Geldwäscherei-Ermittlungen basieren auf einer Verdachtsmeldung der Bank Clariden Leu.
Gunvor meinte gegenüber handelszeitung.ch mehrmals, man sei nicht Partei des Verfahrens und distanziere sich vom Ex-Mitarbeiter. Nun wirft ein Bericht der französischen Zeitung «Le Monde» Fragen auf. Ist Gunvor tatsächlich so unbeteiligt, wie sich die Firma gegen aussen stets gibt?
Deal über zwei Milliarden
Bei der ehemaligen Credit-Suisse-Tochter Clariden Leu wurden zwei Konti mit je knapp 15 Millionen Dollar eröffnet. Sie lauteten auf Offshore-Firmen, deren wirtschaftlich Berechtigte der Franzose Jean-Marc Henry und Maxime Gandzion waren. Gandzion (59) stammt aus Gabun und arbeitete für die Erdölfirma Elf. Er besass schon lange einen guten Draht in höchste Politkreise Afrikas, war ein Berater des verstorbenen Präsidenten Gabuns Omar Bongo und steht dem amtierenden Präsidenten der Republik Kongo-Brazzaville, Denis Sassou Nguesso, nahe.
Die inzwischen in die CS integrierte Clariden Leu wurde auf Geheiss eines ehemaligen Gunvor-Mitarbeiters angewiesen, knapp 30 Millionen Dollar an Kongolesen zu überweisen, die zum engen Unmfeld von zwei kongolesischen Beamten gehören, die für Rohölgeschäfte zuständig sind. Diese zwei Mittelsmänner wurden zwischen 2010 und 2012 entlöhnt, weil sie dem Rohstoffkonzern während dieser Zeit bewilligten, zwanzig Ladungen Rohöl im ein Wert von 2 Milliarden Dollar zu heben.
Klage und Gegenklage
Die Bundesanwaltschaft untersucht nun, ob an die Kongolesen Schmiergelder bezahlt wurden und ob Gandzion als Mittler der Republik Kongo gilt - was den Korruptionsverdacht verstärken würde. Im Juli 2012 wurde Gandzion beauftragt, in Kongo-Brazzaville für die Ölgeschäfte die nötigen Türen zu öffnen. Nur wenige Monate später deponierte Gunvor gegen einen Ex-Mitarbeiter bei der Bundesanwaltschaft eine Klage wegen Verdachts auf Betrug.
Das liess der Ex-Mitarbeiter nicht auf sich sitzen und klagte diesen März seinerseits gegen Gunvor, wegen falscher Anschuldigung. Gunvor wirft dem ehemaligen Mitarbeiter vor, Personen bezahlt zu haben, ohne dafür unterschriftsberechtigt gewesen zu sein. Damit habe er selbst mehr als sechs Millionen Dollar abgezweigt.
Seltsame Vollmachten
«Le Monde» liegen zwei Vollmachten vom 12. Dezember 2011 vor, die zeigen, dass sie von hohen Funktionsträgern Gunvors unterschrieben wurden. Darin steht, so die Zeitung, dass Gunvor International BV, Amsterdam genehmigt, und bestätigt hatte, dass der Ex-Mitarbeiter Unterschriftsberechtigung erhielt, um Kommissionsverträge zu unterzeichnen. Zuerst im Juni 2010 für Gandzions Offshore-Vehikel E & PSA, dann im November 2011 für Jean-Marc Henrys Armada Trading.
Doch dann schöpfte Ende 2011 die Bank Clariden Leu Verdacht auf Geldwäscherei und meldete den Vorfall den zuständigen Behörden, der Meldestelle für Geldwäscherei (MROS), was die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft auslöste.
Gunvor stellt sich auf den Standpunkt, dass der Ex-Mitarbeiter die Firma betrog, dass die Kommissionsverträge vom Ex-Mitarbeiter missbräuchlich unterzeichnet wurden und dass er die Unterschriften der Gunvor-Verantwortlichen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erwirkte. Seit Juni 2010 aber ermöglichte Gunvor die Zahlungen von Millionen von Dollar über die fraglichen Konten der Genfer Mittelsmänner.
Erster Versuch über Präsidenten-Sohn...
Die Geschäfte Gunvors in Kongo-Brazzaville sind äusserst delikat. Nachdem Gunvor fast einen Drittel des russischen Öls exportierte, machte sich der Konzern an die Eroberung Afrikas. Dazu sollten die Trader der Konkurrenzfirma Addax besorgt sein, die man kurz vorher abwarb.
Zuerst versuchte Gunvor an die wichtigen Politkontakte über Joesph Olenga Nkoy, den Ex-Transportminister des Nachbarlandes Kongo-Kinshasa (RDC), zu kommen. Nkoy steht Denis «Kiki» Christel nahe, der Sohn von Sassou Nguesso. Doch dieser Versuch verlief im Nirwana.
... zweiter Versuch über Armee-Chef...
Danach trat Jean-Pierre Bemba auf den Plan. Er ist Ex-Vizepräsident von Kongo-Kinshasa und muss sich seit 2008 vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag für Gräueltaten verantworten, die unter seinem Armeekommando geschehen sein sollen - damals lebte er noch in Freiheit und besuchte seine Schwester regelmässig, die sich in Genf niederliess.
Bemba versprach Gunvor, das stockende Geschäft wiederzubeleben und zum Abschluss zu bringen. Laut «Le Monde» machte die Verhaftung Bembas Gunvors Ölgeschäft kurz vor der Ziellinie zunichte.
Nach diesem Rückschlag wartete Gunvor zu, während dieser Zeit versuchte der Ex-Mitarbeiter über Jean-Marc Henry und Maxime Gandzion an die Ölquellen Kongo-Brazzavilles zu kommen. 2009 machten die Gunvor-Gründer Gennadi Timtschenko und Torbjörn Törnqvist Präsident Sassou Nguesso persönlich die Aufwartung. Timtschenko, ein Vertrauter von Russlands Präsident Wladimir Putin, hatte einen besonderen Deal für Sassou Nguesso in Petto: Er versprach ihm laut «Le Monde», die Türen nach Russlands Wirtschaft zu öffnen.
... danach das Russland-Argument
Neben wirtschaftlicher Zusammenarbeit erhielt das Land gemäss «Le Monde» für den Öl-Deal sechs Kredite im Wert von je 125 Millionen Dollar, die über die Banque Paribas in Genf abgewickelt wurden. Die Kredite waren offenbar an Investitionen gebunden, die vor allem der Hafenanlage Brazzavilles zugute kommen sollten.
Am 13. November 2012 bekam Russlands Präsident Putin hohen Besuch aus Afrika: Präsident Sassou Nguesso flog in Moskau ein. Er und Putin hatten wichtige Dinge den Energiesektor betreffend zu bereden. Mit dabei auch ein Herr aus Genf: Maxime Gandzion.