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Die Schandfarbe der Prostituierten
Neben Rot und Grün gehörte Gelb im Mittelalter zu den Schandfarben. Weil sich ehrbare Frauen nicht bunt herausputzen durften, mussten sich die Hübschlerinnen genannten Prostituierten vielerorts mit gelben Kleidungsstücken erkenntlich machen. Hamburger Prostituierte mussten um 1445 ein gelbes Kopftuch aufsetzen; in Leipzig trugen sie um 1506 einen kurzen gelben Umhang. Und in Wien hatten sie sich mit einem gelben Tüchlein zu kennzeichnen, während sich die Freudenmädchen im Zürcher Katzquartier unter anderem mit einem gelben Rock bemerkbar machen mussten.
Im zaristischen Russland mussten Prostituierte ein Dokument auf sich tragen, das „Gelber Pass“ genannt wurde. Das alte Stigma der gelben Farbe wirkt nach: Seit 2004 müssen Prostituierte beim Strassenstrich in der spanischen Stadt Els Alamus eine grellgelbe Sicherheitsweste tragen.
Obwohl im alten China Gelb die kaiserliche Farbe war, lautet der chinesische Ausdruck für Pornografie „Gelbe Farbe“. Diese Umkehrung hat mit den «gelben Büchern» der Daoisten des 6. Jahrhunderts zu tun, die Handlungsanweisungen für Sexualrituale gaben. „Wegfegen des Gelben“ ist in der Volksrepublik das Motto der gegenwärtigen Parteikampagne gegen Pornografie.