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Tag des alkoholgeschädigten Kindes: Das Baby trinkt mit
Am 9. September ist der Tag des alkoholgeschädigten Kindes. Das Datum wurde bewusst gewählt: Es soll auf die neun Monate hinweisen, die ein ungeborenes Kind beschützt und behütet im Bauch seiner Mutter heranwächst.
Lisa Schmid von der Suchtberatung ags in Zofingen unterstützt diesen Tag. «Es ist eine gute Gelegenheit, auf die Folgen von Alkoholkonsum in der Schwangerschaft hinzuweisen.» Sie ist überzeugt, dass der grösste Teil der Frauen in der Schwangerschaft auf Alkohol verzichten. Trotzdem gibt es Ausnahmen: Eine Studie des Universitätsspitals Zürich ergab Anfang Jahr, dass 40 Prozent der Schwangeren nicht auf Alkohol verzichten. 20 Prozent von ihnen trinken sogar jede Woche. Einen Grund weshalb werdende Mütter Alkohol trinken und somit ihr Kind gefährden, vermutet Schmid darin, dass sie zu wenig gut informiert sind. «Viele wissen einfach nicht, dass bereits eine einmalige Menge an Alkohol beim Kind eine Schädigung zur Folge haben kann«, sagt Schmid. Auch alkoholabhängige Frauen, die sich keine Hilfe suchen, sind gefährdet, während der Schwangerschaft Alkohol zu trinken. «Denn wer abhängig ist, hat die Fähigkeit, den Konsum zu kontrollieren, verloren», so Schmid.
Gleicher Alkoholpegel
In der Schweiz werden bei einem von hundert Kindern Auswirkungen des Alkoholkonsums der Mutter festgestellt. Ein Teil davon ist stark beeinträchtigt und leidet unter einem fetalen Alkoholsyndrom. Das Baby trinkt immer mit und hat innerhalb von Minuten den gleichen Alkoholspiegel wie die Mutter. Da aber die Organe eines ungeborenen Kindes noch nicht vollständig entwickelt sind, fällt es dem Organismus schwerer, den Alkohol wieder abzubauen. Deswegen ist der Körper des Kindes der schädigenden Substanz viel länger ausgesetzt. In Abhängigkeit von Reifestadium, Alkoholmenge und individueller Disposition schädigt der Alkoholkonsum der Schwangeren irreversibel die körperlich-organische Entwicklung sowie die späteren kognitiven und sozialen Fähigkeiten des Ungeborenen.
Neun Monate ohne Alkohol
Lisa Schmid hat in den 16 Jahren, in denen sie als Suchtberaterin arbeitet, noch keine schwangere Frau beraten, die getrunken habe. «Doch ich erinnere mich an eine Oberstufenschülerin, die bei mir in Beratung war», sagt sie. «Ihre Schule hat sie wegen Sprech- und Wahrnehmungsstörungen zu uns geschickt. Vermutlich trank ihre Mutter während der Schwangerschaft und das Mädchen war alkoholgeschädigt.» Lisa Schmid empfiehlt allen schwangeren und stillenden Frauen auf den Konsum von Alkohol komplett zu verzichten.
«Wichtig ist, dass die Suchtberatung ags Unterstützung anbietet – auch für werdende Mütter», sagt Lisa Schmid. Sie macht Frauen, die sich nicht zutrauen, neun Monate ohne Alkohol zu leben, Mut, einen Termin abzumachen. «Es gibt keinen Grund, sich zu schämen, wenn man sich beraten lässt», so die Suchtberaterin. «Unsere Beratung richtet sich nicht nur an süchtige Menschen – im Gegenteil, es lohnt sich eine Konsumveränderung anzugehen, bevor der Konsum zur festen Gewohnheit geworden ist», so die Beraterin.