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Elie Wiesel überlebte die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald und kämpfte gegen das Vergessen des Holocausts. Mit dem Tod des Friedensnobelpreisträgers erinnern seine Weggefährten an dessen unermüdliches Mahnen.
Wiesel sei im Alter von 87 Jahren in den USA gestorben, berichteten israelische Medien und die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem am Samstagabend. Wiesels Sohn Elisha bestätigte den Tod seines Vaters, wie der US-Radiosender NPR meldete. Nach Informationen der «New York Times» starb der Schriftsteller in seinem Haus in Manhattan. Über die Todesursache wurde zunächst nichts bekannt.
1986 erhielt Wiesel den Friedensnobelpreis
Sein Tod löste nicht nur in Israel und der jüdischen Weltgemeinde grosse Trauer aus. Der 1928 in Rumänien geborene Wiesel überlebte die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald. Seine Eltern und seine jüngste Schwester waren von den Nationalsozialisten getötet worden. Über Jahrzehnte hinweg hatte sich der in New York lebende Schriftsteller («Die Nacht», «Jude heute») für die Erinnerung an den Holocaust eingesetzt.
Er studierte nach 1945 in Paris und arbeitete als Journalist. 1956 wechselte er als UNO-Berichterstatter nach New York. Später bekam er eine Professur für Literatur, Philosophie und Judaismus am New Yorker City College. 1986 erhielt er den Friedensnobelpreis.
«Gewissen der Welt»
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erinnerte an die aussergewöhnliche Persönlichkeit des 87-Jährigen. «Der Staat Israel und das jüdische Volk trauern zutiefst um Elie Wiesel», sagte Netanjahu. «Der Wortkünstler Elie hat mit seiner aussergewöhnlichen Persönlichkeit und seinen faszinierenden Büchern den Sieg des menschlichen Geistes über die Grausamkeit und das Böse verkörpert.»
Israels Staatspräsident Reuven Rivlin ehrte Wiesel als Kämpfer gegen jegliche Form von Hass. «Elie Wiesel verkörperte die Entschlossenheit des menschlichen Geistes, die dunkelsten Teufel zu bezwingen und allen Widrigkeiten zum Trotz zu überleben», sagte Rivlin.
«Eine der grossen moralischen Stimmen unserer Zeit»
US-Präsident Barack Obama würdigte Wiesel als «eine der grossen moralischen Stimmen unserer Zeit» und «Gewissen der Welt». Wiesel sei nicht nur einer der prominentesten Holocaust-Überlebenden gewesen, hiess es in einer ungewöhnlich ausführlichen Erklärung des Präsidenten. «Er war ein lebendes Denkmal.»
Wiesel habe trotz des Erlittenen niemals den Glauben an die Menschlichkeit «und den Fortschritt verloren, der möglich ist, wenn wir uns gegenseitig mit Würde und Respekt behandeln». Dafür, so Obama, sagen wir «heute abend unseren Dank».
Frankreichs Präsident François Hollande würdigte Wiesel als «grossen Humanisten und unermüdlichen Verteidiger des Friedens». Der Holocaust-Überlebende habe geholfen, «die Augen der Welt für die unsagbare Verletzung der Vernichtung der Juden Europas» zu öffnen, teilte der Pariser Élyséepalast mit.
Erinnerung an Holocaust wachgehalten
In einem Kondolenzschreiben an die Witwe Wiesels sprach der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck von einem grossen Verlust. Wiesel habe es verstanden, «als Zeitzeuge die Erinnerung an die dunkelsten Jahre der deutschen Geschichte wach zu halten und vor allem junge Menschen vor den Gefahren von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit zu warnen», schrieb Gauck in dem vom Bundespräsidialamt verbreiteten Schreiben.
Das Internationale Auschwitz-Komitee bezeichnete den Auschwitz-Überlebenden als «Lehrer der Menschheit». «Elie Wiesel war kein Weg zu weit und kein Anlass zu gering, Menschen über die Schrecken und Verbrechen von Auschwitz zu informieren», sagte Christoph Heubner, der Vize-Exekutivpräsident der Überlebendenorganisation, in Oswiecim.
«Wiesel hat seine Spuren in der Menschheit hinterlassen»
Der Friedensnobelpreisträger Schimon Peres erinnerte an Wiesel als Menschen, der sich stets gegen das Vergessen eingesetzt hat. «Wiesel hat seine Spuren in der Menschheit hinterlassen durch das Erhalten und Hochhalten des Vermächtnisses des Holocausts.»
Der jüdische Weltkongress zeigte sich bestürzt über den Tod Wiesels. «Elie Wiesel war einer der grossen jüdischen Lehrer und Denker der vergangenen 100 Jahre», sagte Präsident Ronald S. Lauder in Brüssel. «Er lehrte uns über das Judentum, über Israel und darüber, nicht stumm zu sein im Angesicht von Ungerechtigkeit.»
(sda/moh)