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Nach dem klassischen italienischen Frühstück machte ich gleich einen ersten Halt beim lokalen Lebensmittelgeschäft, denn nur mit einem Cappuccino und einem Pampe-Brioche habe ich ganz bestimmt zu wenig Treibstoff um ein paar Hügel in Angriff zu nehmen. Mit Jugurt, Brot, Prisichen und Bananen bewaffnet suchte ich mir eine schattige Bank für mein zweites Frühstück.
Von Castiglione dei Pepoli ging meine Fahrt dann zuerst mal etwas bergrunter, was als Tourstart immer ganz angenehm ist. Danach folgte der erste Hügel, oder Berg, oder wie hier jeweils geschrieben steht "Passo" und zwar auf den Passo di Futa. Am höchsten Punkt befindet sich eine riesige Kriegsgrabstätte, die vom deutschen Staat aufgebaut und unterhalten wurde. Da liegen ein paar tausend Gefallene des zweiten Weltkriegs. Das vermittelt einen etwas beklemmenden Eindruck und ist als Mahnmal zu verstehen, dass solche Kriege möglichst nicht mehr stattfinden.
Die darauffolgende Abfahrt nach Firenzuola war dann sehr schön und und im Vergleich zum ligurischen Apennin ist es hier im Bereich der Toskana und der Emiglia-Romagnia stärker bevölkert und kultiviert. Man sieht an den Hügelflanken viele Agrarflächen und grosse Bauernhöfe. Die Hügel- oder bergspitzen sind aber auch hier bewaldet.
Der nächste Passo führte mich von 300m.ü.m. wieder an die 1000er Grenze und leider hatte das Gipfelrestaurant geschlossen. Das war jedoch nicht schlimm, denn ich hatte noch genügend Proviant in den Taschen, so dass ich mich dennoch ins Gartenrestaurant setzte und die schöne Aussicht genoss.
Auf der kommenden Abfahrt lichtete sich der Wald und plötzlich kamen mehrere Parkplatzwegweiser. P1 bis etwa P12 habe ich gesehen und mich echt gefragt, wozu das sein soll. Eine Kurve weiter traf ich dann auf riesige und bunt beschriftete Lastwagen. Als ich den Lastwagen von Dani Pedrosa (aktuell Führender der MotoGP-Klasse) sah, dämmerte mir langsam, worum es hier geht. Ich kam nach Mugello und der dortigen Rennstrecke. Ich weiss nicht, ob die Teams nur zum Training hier sind, oder ob am kommenden Woche hioer ein Rennen stattfindet. Von der Rennstrecke konnte ich auch nichts sehen, da diese vollständig hinter einer mindestens 5m hohen Mauer liegt. Die wollen keine Gratis-Zuschauer. Ich versuchte natürlich auf das Gelände zu kommen, doch da gab es bei den anwesenden Sicherheitskräften kein vorbeikommen. Nur für Teammitglieder mit Ausweis. Kein öffentlicher Tag. O.K., so begnügte ich mich mit einem Foto.
Es folgte eine traumhaft schöne Fahrt durch einen Taleinschnitt hoch auf den nächsten "Passo della Colla", 913m.ü.m. Noch schöner war dann die Abfahrt auf der Nordseite nach Marrati. Wer mal in der Gegend ist, sollte diese Strecke unbedingt fahren, denn sie bietet wirklich sehr schöne Ausblicke in die umliegenden Kastanienwälder, stets gefolgt von einem kleinen Fluss. Das ist malerisch hoch Zwei. Kurz vor Marrati kam ich dann an dieser kleinen Bar vorbei. Da musste ich einfach anhalten und mir ein Eis, zusammen mit dem nächsten Cappuccino gönnen. Das hat mir wirklich sehr gefallen.
Im Marrati angekommen war es ziemlich genau vier Uhr Nachmittags und obwohl ich schon wieder über 1'700 Höhenmeter in den Beinen hatte wollte ich noch etwas weiter fahren. Irgendwie faszinierte mich der Ortsname "San Benedetto in Alpe", direkt am nördlichen Anfang eines Nationalparks. Das Strassenschild sagte 21 Kilometer und obwohl ich wusste, dass nun nochmals ein Berg folgen wird entschied ich mich, da hin zu fahren. Mit zwei Pausen unterwegs war es dann gegen 18 Uhr, als ich da ankam. Das war dann leider eine Enttäuschung. San Benedetto meint, dass es ein altes Benediktinerkloster gibt. Darum herum etwa 20 Häuser, ein einziges Albergo. Als ich nach einer Unterkunft fragte, sagte der dicke, ungepflegte Mann hinter der Theke wirsch: "Albergo e chiuso". Blöd. Da gab es zwar noch einen Campingplatz, doch mein Sinn war nicht nach zelten und die Baumaschinen am Eingang haben mich dann abgehalten, da zu fragen.
Was soll ich nun tun? Über 2'300 Höhenmeter schon gefahren und meine Route würde schon wieder etwa 500 Höhenmeter hoch führen. Das Kartenstudium zeigte auch danach nicht in sinnvoller Distanz eine grössere Ortschaft. Hmm... als wiedr weg von meiner Route und bergrunter fahren. Nach zwei winzigen Weilern und etwa 10 Kilometern kam dann endlich eine etwas grössere Ortschaft, Portico di Romagnia. In der ersten Bar machte ich kurz Halt und fragte nach einem Hotel oder Albergo. Ja, gleich die nächste Strasse rechts, etwa 100 Meter. Sehr gut. Und da bin ich nun. WLAN und Internet gibt es auch, also alles in Ordnung. Der Rest des Tages ist schnell erzählt. Duschen, Kleider waschen, essen und nun noch bloggen. Das war ein sehr schöner, sehr sonniger und erlebnisreicher Tag. Das GPS sagt: 116 km., 6:55 Std., 2'430 Hm.