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Übernahme & Extradition von Archivalien
Übernahme
Die Übernahme bisher gesondert bestehender Archive war um die Jahrhundertwende im Wesentlichen abgeschlossen. Noch weit ins 20. Jahrhundert hinein zog sich dagegen die Ablieferung der Grundprotokolle durch die Notariate, vor allem aber die Ablieferung der alten Kirchen- oder Pfarrbücher (Tauf-, Ehe- und Totenbücher sowie Haushaltungsrodel und Familienregister) der Landgemeinden aus der Zeit vor Einführung des ZGB 1876. An ihrem bisherigen Standort verblieben dagegen mit wenigen Ausnahmen die älteren Bestände der Archive der Politischen Gemeinden und der Kirchgemeinden, allerdings wurden diese Lokalarchive, nachdem sie Staatsarchivar Paul Schweizer 1883 erstmals inspiziert und mit „unsäglicher Mühe“ zur Erstellung von Inventaren veranlasst hatte, unter die Oberaufsicht des Staatsarchivs gestellt, das sie seither regelmässig visitiert.
Extradition
Neben der Übernahme neuer Archivalien kam es in der Amtszeit des diesbezüglich sehr liberal eingestellten Staatsarchivars Anton Largiadèr auch zur Extradition von Archivalien, so namentlich 1931 im Fall des 1712 als Kriegsbeute nach Zürich verschleppten abt-st. gallischen Archivs (ehemals Archivabteilung X), 1932 im Fall der 1633 vor den Schweden geflüchteten Teile des bischöflich-konstanzischen Archivs (ehemals Archivabteilung W) und 1948 im Fall der 1767 von der Familie Tschudi angekauften Abschiedesammlung des Landes Glarus, die Aegidius Tschudi im 16. Jahrhundert dem Glarner Landesarchiv entfremdet hatte (ehemals B VIII 259–267). Staatsarchivar Johannes Strickler hatte seinerzeit ein entsprechendes Gesuch aus St. Gallen noch wegen „unziemlicher Motivirung“ abgelehnt, ebenso der Regierungrat 1892 in der Amtszeit von Paul Schweizer ein Gesuch des Erzbistums Freiburg im Breisgau, das sich als Rechtsnachfolger des Bistums Konstanz verstand.