Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03265.jsonl.gz/533

Am Samstag 28. Oktober feiern wir den Spatenstich zum neuen Bahnhof Bern. Bereits 1974 wurde ein neuer Bahnhof Bern eingeweiht. Der Weg dazu war lang.
Im Jahr 1914 fand in Bern die Landesausstellung statt. Einige Berner schämten sich bereits da ob ihrem alten Bahnhof, der auf den 1860 eröffneten Kopfbahnhof zurückging und seit seinem Umbau zum Durchgangsbahnhof 1891 die wesentlichen Ausbauschritte wie den Güterbahnhof Weyermannshaus lediglich an den peripheren Bahnanlagen erfahren hatte.
Nicht nur die Erscheinung, sondern auch die Kapazitäten des ersten Bahnhofs waren zum Problem geworden. Verschiedene Gutachter suchten daher nach Ausbaumöglichkeiten angesichts der engen Lage zwischen der Stadt und der Grossen Schanze. Carl Otto Gleim, ein von der Stadt Bern beauftragter Gutachter, propagierte daher in seinem Gutachten den Abbruch des Kapellentraktes des Burgerspitals, um dort einen Neubau direkt an die Geleise zu bauen.
Der Erste Weltkrieg zwang zu einer Projektpause und nach dem Krieg trieb die SBB dann Dringlicheres wie die Elektrifizierung des Eisenbahnbetriebs voran, so dass 1927 der erste Zug auf der durchgehend elektrifizierten Linie Genf – Rorschach in Bern einfuhr.
Erst danach wurde ein neuer Personenbahnhof für Bern wieder ins Auge genommen. Die Stadt Bern preschte für einmal voran und gestaltete 1930 den Bubenberg- und den Bahnhofplatz neu. Dabei wurde das vormals bis zur Front des Burgerspitals reichende Aufnahmegebäude verkürzt und mit einer provisorischen Mauer versehen, um den Bahnhofplatz Richtung Süden zu vergrössern.
Die SBB legte mit dem Neubau des Güterbahnhofs Weyermannshaus und der östlichen Zufahrtsstrecke nach: das Lorraineviadukt ersetzte die lediglich zweispurig befahrbare alte «Rote Brücke» über die Aare.
Damit wäre 1941 eigentlich alles bereit gewesen, um den neuen Bahnhof in Angriff nehmen zu können. Lediglich die Platzfrage blieb ungelöst. Es war klar, dass ein neuer Personenbahnhof mehr Gleise benötigen würde. Da half auch ein grösserer Bahnhofplatz nichts. Tatsächlich war es aber so, dass im Norden die Grosse Schanze und im Süden das bereits erwähnte Burgerspital sowie die Postgebäude schier unüberwindbare Bollwerke darstellten, da sich vorerst keine Mehrheiten für ihren Rückbau finden liess.
Während sich für die Gebäude auf der Südseite ihre Besitzer wehrten, war die Grosse Schanze als Parkanlage bei der Bevölkerung beliebt. So kam es 1956 zu einer Volksabstimmung, die einen Gleisausbau in Richtung Grosse Schanze verhindern wollte und stattdessen einen Bahnhof «Laupenstrasse» propagierte. Dessen Aufnahmegebäude wäre dort zu stehen gekommen, wo heute die Überbauung «City West» steht. Die Bevölkerung lehnte die Initiative jedoch ab und so konnte endlich mit dem Bau an alter Lage begonnen werden. Am 29. Mai 1957 fand beim Berner Obergericht der Spatenstich statt. Bei laufendem Betrieb wurde bis 1974 ein neuer Bahnhof geschaffen, dessen Architektur bis heute das Erscheinungsbild des Bahnhofs Bern prägt.
Und wie wir wissen, konnte die Grosse Schanze zumindest teilweise gerettet werden: der offen geplante Parkplatz auf der Perronanlage wurde überdacht und begrünt. Im Film von 1974 aus dem Archiv von SBB Historic wird der neue Bahnhof vorgestellt.
Quelle: Der Blogpost basiert auf Werner Hubers Buch «Bahnhof Bern 1860–2010».
Weitere spannende Einblicke in die Schweizer Eisenbahngeschichte findest du im Blog von SBB Historic.