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Das Projekt untersucht aktuelle Debatten über Geschlechtergerechtigkeit und deren Rolle im Prozess der Neuformierung der Nahda-Bewegung in Tunesien seit den politischen Umbrüchen von 2010/2011. Im Zentrum stehen Aktivistinnen der Bewegung selbst, die sich sowohl innerhalb der eigenen Partei als auch gegenüber anderen Frauenorganisationen positionieren müssen. Das Forschungsvorhaben soll einen Beitrag zur empirischen Erforschung und zur Konzeptualisierung von Öffnungs- und Pluralisierungsprozessen in zeitgenössischen religiös-politischen Bewegungen leisten. Erste Erkenntnisse legen nahe, dass aktuelle geschlechterpolitische Auseinandersetzungen innerhalb der Nahda-Bewegung ein wichtiges Analyseinstrument für Prozesse sozialen, politischen und innerorganisatorischen Wandels darstellen. Zugleich intervenieren sie selber in Wandlungsprozesse – daher die Mehrdimensionalität der hier angestrebten Untersuchungsperspektive. Es wird gefragt, welche Spielräume sich für Aktivistinnen der Nahda-Bewegung ergeben, welche Relevanz politische Rahmenbedingungen haben, welche ideologischen Interferenzen sich abzeichnen und in welcher Weise persönliche Erfahrungen und politischer Aktivismus aufeinander bezogen sind. Zudem soll das Projekt Anhaltspunkte zur Beantwortung der Frage liefern, wie geschlechterpolitische Konzepte islamischer Aktivistinnen jenseits der generalisierenden Opposition „säkular“ vs. „religiös“ gefasst werden können.