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Nachdem bereits das Jahr 2014 für einen neuen, allerdings knappen, neuen Rekord gesorgt hat, übertrifft das Jahr 2015 nun alle vorherigen Werte der globalen Jahresmitteltemperatur bei weitem. Dies wird in vielen Kommentaren mit dem gegenwärtigen starken El Niño in Verbindung gesetzt, doch ein El Niño wirkt sich zur Hauptsache auf die globale Temperatur des Folgejahres aus.
Gab es bezüglich 2014 noch Diskussionen, ob es sich wirklich um einen neuen Rekord handelt, erübrigt sich diese Frage für das eben abgeschlossene Jahr. Zwischen 0.13 und 0.18°C – je nach Messreihe (NOAA: ; NASA/GISS: https://data.giss.nasa.gov/gistemp/; CRU: ) – wurde der “alte” Rekord aus dem Vorjahr überboten. Das entspricht ungefähr dem Betrag, den die Temperatur im langjährigen Trend über 10 Jahre ansteigt.
Der hohe Wert wird in vielen Kommentaren mit dem gegenwärtigen starken El Niño in Verbindung gesetzt. El Niño spielt zwar eine gewisse Rolle, doch betrifft dies vorwiegend die bereits vor dem starken Ereignis in diesem Winter herrschenden schwachen El Niño-Bedingungen. Von verschiedenen Kommentatoren wird 2015 als “El Niño-Jahr” bezeichnet und mit dem Jahr 1998 verglichen. Dieser Vergleich ist nicht korrekt: El Niño-Ereignisse beginnen praktisch immer im Sommer und dauern bis im nächsten Sommer, mit der stärksten Ausprägung im Winter. Ihre Wirkung auf die globale Temperatur ist jedoch verzögert, mit einer Verschiebung von 2-4 Monaten an der Erdoberfläche und ca. 5 Monaten in der unteren Troposphäre (unterste Kilometer der Atmosphäre) (vgl. Tab. 1 in Foster und Rahmstorf 2011: ). Ein El Niño wirkt sich deshalb zur Hauptsache auf die globale Temperatur des Folgejahres aus. Die von El Niño-Ereignissen geprägten, global vergleichsweise warmen Jahre treten deshalb immer im Jahr nach einem El Niño-Winter auf. So dauerte der starke El Niño von Sommer 1997 bis Sommer 1998, mit einem ausserordentlich warmen Jahr 1998 als Folge. Der gegenwärtige starke El Niño von Sommer 2015 bis Sommer 2016 wird seine Wirkung auf das globale Temperaturmittel demnach vor allem 2016 entfalten (WMO: ). Erst 2016 wird also das mit dem gegenwärtigen Ereignis verbundene “El Niño-Jahr” und damit mit 1998 vergleichbar sein.
Die von Satelliten gemessenen Temperaturen der unteren Troposphäre erreichten 2015 keinen neuen Rekord, sondern nur den dritthöchsten Wert, nach 1998 und 2010. Der Grund liegt wahrscheinlich vor allem darin, dass die Troposphären-Temperaturen einerseits stärker und anderseits mit noch etwas mehr Verzögerung auf El Niño reagieren als die Erdoberflächen-Temperaturen. Hier wird sich der Effekt noch stärker auf 2016 konzentrieren.
In den letzten Jahren wurde viel über eine Verlangsamung oder sogar einen Stopp der globalen Erwärmung diskutiert, weil der Trend der globalen Temperatur nach 1998 nur noch etwa halb so gross war wie in den Jahrzehnten zuvor. Es wurden eine ganze Reihe von Ursachen identifiziert, die diese Abschwächung der Erwärmung verursacht haben könnten: Vergleichsweise häufige La Niña-Lagen (der kühle Gegenpart zu El Niño; z.B. Kosaka and Xie 2014: ), geringere Sonneneinstrahlung (z.B. IPCC WGI 2013, Kap. 9.4: ), verstärkten Wärmeaufnahme im Ozean (England et al. 2014: ), vermehrte Aerosole (z.B. Santer et al. 2014: ) oder die mangelhafte Repräsentation der Arktis und deren überproportionale Erwärmung in den globalen Temperaturwerten (Karl et al. 2015: ). Nachdem nun die globalen Temperaturen wieder im Bereich des Trends von vor 1998 liegen, wird es interessant sein, die Wirkung dieser postulierten Ursachen auch im Hinblick auf die aktuellen wieder gestiegenen globalen Temperaturwerte zu untersuchen.
*Fig.1: Zeitreihe der globalen Temperatur (NASA/GISS) und der langfristigen Trends im Zusammenhang mit El Niño und La Niña. Rote Balken und Trend bezeichenen El Niño-Jahre, blaue Balken und Trend La Niña-Jahre. Neutrale Jahre sind grau, die schwarz gestrichelte Linie entspricht dem Trend über alle Jahre seit 1950 (Quelle: NASA/GSFC/Earth Observatory)