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Evo Morales ist wiedergewählt – und dürfte sich mit fünf weiteren Jahren nicht zufrieden geben.
Evo Morales Ayma bleibt Boliviens Präsident. Er hat die Wahlen im ersten Durchgang gewonnen, mit wohl gut 60 Prozent der Stimmen – ganz genau weiss man das bis jetzt nicht, weil die Wahlbehörde gravierende Probleme mit ihrem Computersystem bekundet. Kurz nach neun Uhr abends trat der wiedergewählte Präsident gestern in La Paz auf den Balkon des Regierungspalastes und vor seine jubelnden Anhänger, die ihn mit Sprechkören erwarteten – „El pueblo ya decidió que Evo se queda ” (“Das Volk hat sich entschieden, dass Evo bleibt“) – und mit Bier auf den Erfolg ihres Vorreiters anstiessen, womit sie das eigentlich noch bis am Montag um Mitternacht geltende Alkoholverbot zur Makulatur werden liessen.
Morales widmete seine Wiederwahl dem kubanischen Revolutionär Fidel Castro und seinem verstorbenen venezolanischen Konterpart Hugo Chavez und bezeichnete sie als einen Sieg der antikolonialistischen, antikapitalistischen und antiimperialistischen Kräfte. Und dann passierte Spezielles: Morales bedankte sich bei seinen „hermanas y hermanos“ dafür, dass sie ihm das Vertrauen ausgesprochen hätten „für die nächsten neun Jahre“. Neun Jahre? Der Wiedergewählte korrigierte sich sofort: „Für die nächsten fünf Jahre, meine ich“, sagte er lachend. Ob der Versprecher Kalkül war oder nicht – wenige in Bolivien gehen davon aus, dass Morales in fünf Jahren den Weg freimachen wird. Es wird erwartet, dass die Regierung sich an eine neuerliche Modifikation der Verfassung macht, damit er 2020 wieder antreten kann. Die Zweit- und Drittplatzierten der gestrigen Wahlen – Samuel Doria Medina und Jorge Quiroga Ramirez – beeilten sich auf jeden Fall, anzukünden, dass sie gegen eine etwaige Verfassungsänderung kämpfen werden. Die Regierenden „müssten über unsere Kadaver gehen, um an der Macht zu bleiben“, sagte Ramirez.
In der heutigen Ausgabe von Página Siete ist nun auch mein erster Artikel erschienen: Eine Umfrage unter Ausländern in La Pazdie ich um ihre Meinung zu Evo Morales gebeten habe. Was sie gesagt haben, ist hier (in der unteren Hälfte) nachzulesen. Und ich hab auch erfahren, warum es mein eigentlicher erster Beitrag, jener über den Herrn Don Cipriano, der mithilfe von Cocablättern das Wahlresultat prognostiziert hatte, nicht in die Zeitung geschafft hat. Der diensthabende Redakteur war offenbar der Meinung, der Artikel verstosse gegen das Gebot des „silencio electoral“, der unter anderem besagt, dass kurz vor den Wahlen keine Informationen zugunsten oder zuungunsten eines Kandidaten publiziert werden sollen. Der Chefredaktor sah es anders, aber da war es schon zu spät. Was es festzuhalten gibt: Don Cipriano hatte mit seiner Vorhersage – Evo Morales werde mit 60 bis 70 Prozent Stimmenanteil gewinnen – absolut recht.
Zum Schluss noch im Vergleich zu gestern (links): So sieht La Paz an einem üblichen Werktagsmorgen aus (rechts):