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Eine Idylle im Tal und das Bergpanorama
10 March 2022
Kalkstein im Jura
Vor zweihundert Millionen Jahren war Mitteleuropa von einem subtropischen Meer bedeckt. Das Gebiet des Juragebirges lag ebenfalls Hunderte von Metern unter dem Meeresspiegel. In dieser Zeit wurde da Kalkstein gebildet.
Die Berge und Böden des Juragebirges, die vor etwa 135 Millionen Jahren entstanden sind, bestehen aus einer 1 000 Meter dicken Kalksteinschicht. Über viele Millionen Jahre hinweg blieb der Kalkstein unberührt.
Bis zur Ankunft der Römer im ersten Jahrhundert v. Chr. Sie führten sie Steinbrüche zur Gewinnung von Kalkstein ein. Aus diesem Kalkstein wurden in römischer Zeit (bis Anfang des fünften Jahrhunderts) die Stadt Soleure (auf lateinisch Saladorum) und römische Villen, Tempel und andere öffentliche Gebäude in dieser Region der Kantone Solothurn und Basel-Landschaft gebaut. Nach dem Abzug der Römer verschwand jedoch die Verwendung von Kalkstein.
Erst tausend Jahre später wurde Kalkstein wieder zu einem weit verbreiteten Baumaterial. Die barocken Gebäude von Solothurn sind, zum Beispiel, zum grössten Teil aus Kalkstein gebaut.
Diesen Stein gibt es in verschiedenen Arten, Farben und Qualitäten. Jeder Typ eignet sich als Baumaterial, für dekorative Zwecke oder zum Beispiel für Skulpturen. Jede Region hat ihre eigene Art von Kalkstein, zum Beispiel in Laufen, Liesberg oder Solothurn.
Das Chessiloch
In Grellingen (Kanton Basel-Landschaft) haben die Kalksteinfelsen eine ganz besondere Verwendung gefunden. Dieser Ort befindet sich an der Birs und an einer Eisenbahnbrücke. Während des Ersten Weltkriegs (1914-1918) bewachten Soldaten diese Brücke.
Die Soldaten malten die Waffen, Landschaften und Denkmäler (u.a. die Abtei St. Gallen) ihrer Kantone, die Embleme ihrer Armeeeinheiten, die Schweizer Symbolik (u.a. Fraue Helvetia und Wilhelm Tell) und sogar Porträts ihrer Generäle auf die Felswände des Chessilochs. Diese sind heute noch zu sehen und stellen ein wichtiges Denkmal und Dokument aus dieser Zeit dar.
Das Chaltbrunnental
Das Chessiloch ist auch der Beginn des Naturschutzgebietes Chaltbrunnental oder Kaltbrunnental. Wie der Name schon sagt, ist das Tal kalt und feucht und ein Ort mit vielen Quellen und Bächen. Das Tal macht seinem Namen alle Ehre. Der idyllische Ibach, das Schällbächli, der Chastelbach (im Chastelbachtal) sind nur einige der vielen wild fliessenden Bäche.
Die (manchmal riesigen) Felsbrocken in den mit Most bedeckten Bächen und die vielen umgestürzten Baumstämme, die Felsen und ihre von Erosion gezeichneten Wände mit ihren Höhlen (und Höhlenbewohnern aus prähistorischer Zeit), die Wasserfälle und Stromschnellen in einem Dekor und einer Decke aus hohen Laub- und Nadelbäumen, durch die die Sonnenstrahlen scheinen, lassen die Zeiten von Jurassic Park wieder aufleben.
Aufgrund des feuchten Milieus gedeihen hier rund 70 Moosarten und zum Teil seltene Bodenpflanzen wie das Schlucht-Sträuchlein, das Gegenblättrige Milzkraut, das Wechselblättrige Milzkraut, die Bach-Nelkenwurz, die Rote Lichtnelke und der Bärlauch.
Das Bergpanorama
Nach dem Verlassen des Tals eröffnet sich im Kanton Solothurn eine andere Welt mit Wäldern, Tälern, Bauernhöfen, Wiesen und ihren vielen Pferden sowie herrlichen Ausblicken auf den Jura und die Vogesen in Frankreich.
Selbst in dieser Umgebung sind Geschichte, Lebensphilosophie, Industrie, Religion und Wohnen nie weit entfernt. Von den Gipfeln des ersten Hombergs I (793 m) und des zweiten Hombergs (898 m) sind die Türme der Roche in Basel, das mittelalterliche Schloss Pfenningen, das Goetheanum in Dornach, die grosse Kirche von Seewen und mehrere Dörfer zu sehen.
Das Chaltbrunnental ist Teil des Karstlehrpfades (www.karstlehrpfad.ch).
Der Schweizer Alpen-Club (SAC)
Der Schweizer Alpen-Club (SAC, Sektion Basel) organisiert regelmässig Wanderungen in diesem Gebiet (und anderswo im Land).
Obwohl der Name anderes vermuten lässt, organisiert der SAC nicht nur Skitouren, Bergsteigen und andere Sportarten im Hochgebirge und in den Alpen, sondern auch (Wander-)Aktivitäten in anderen Regionen.
(Quelle und weitere Informationen: www.sac-cas.ch).
Korrektorin: Melinda Fechner