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Die aussergewöhnlich lange anhaltende Föhnlage vom 3. bis 6. November hielt eine grössere Palette an Lehrstücken bereit. Die wechselnden Luftmassen und sich ändernde Höhenströmungen sorgten dafür, dass an den verschiedenen Tagen mehrere Spezialfälle des Föhns zu beobachten waren. Wir picken uns einen heraus, der sich in der Nacht und daher fast unbeobachtet abspielte: den Dimmerföhn.
Die Bezeichnung Dimmerföhn ist vom Wort Dämmerung abgeleitet und beschreibt jenen Spezialfall des Föhns, wenn in den typischen Föhntälern der Nordalpen mit kräftigem Südwind nicht klarer, trockener Föhn auftritt, sondern diesiges, oft sogar nasses Wetter. Damit Dimmerföhn auftreten kann, sind folgende Faktoren Voraussetzung: Die Luftmasse aus Süden muss hochreichend feuchtgesättigt sein und es braucht eine starke Strömung in den höheren Luftschichten, welche diese feuchte Luft über den Alpenhauptkamm in den Norden verfrachten kann. Je nach Ausprägung dieser beiden Faktoren kann so der Regen von Süden her weit in die Föhntäler des Nordens hinaus übergreifen.
In der Nacht auf Samstag, den 5. November 2011 waren diese Voraussetzungen für ein paar Stunden gegeben. In rund 5000 m Höhe wehte der Südwind mit durchschnittlich 100 km/h, und die Regenwolken reichten bis in knapp 7 km Höhe. Kein Problem also für den Regen, die Barriere des Alpenhauptkamms zu überwinden. Der Regen reichte zeitweise bis ins untere Haslital und im Urner Reusstal bis nach Altdorf. In Wassen fielen zwischen Freitag 18:00 Uhr bis Samstag 06:00 Uhr 18 mm, in Disentis sogar 28 mm Regen. Das ist immerhin halb so viel, wie in der selben Zeit die Stationen im Nordtessin registrierten. Im Lauf des Samstags liess zunächst der Höhenwind nach, danach drehte er langsam auf Südost und zuletzt nahm der Feuchtegehalt der Luftmasse ab. Das kann in dieser Reihenfolge sehr schön anhand des Radarfilms vom Samstag nachvollzogen werden: