Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03347.jsonl.gz/2626

Jimmy und Christy. Bonnie und Clyde? Eine Liebesgeschichte der ganz anderen Art beschreibt der Schauspieler Ethan Hawke in seinem zweiten Buch, das 2016 erstmals auf Deutsch bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist.
Mit seinem 69er Chevy Nova 370, seinem Superschlitten, fährt der einfache und etwas verpeilte James Heartsock durch New York und Texas, um sich später in einem fulminanten Ende am Aschermittwoch (Titel!) in New Orleans von seiner großen Liebe zu verabschieden: seinem Auto. Natürlich liebt er Christy noch viel mehr, denn sie ist schwanger und er will endlich wenigstens etwas in seinem Leben auf die Reihe kriegen und "richtig" machen. Sein Job bei der Army war eine Möglichkeit aus einer beengten Welt auszubrechen, aber auch nicht mehr. Am Anfang hatte er dort noch Ziele, er wollte zu den Special Forces, den Fallschirmjägern oder sogar zum FBI. Aber dann kamen die Drogen. Seine Liebe zu Christy soll nun sein Durchbruch werden, zu einem besseren Leben. Immer wieder zitiert er die Lebensweisheiten seines Vaters, der ein trauriges Ende nahm. Etwa: "Lieber allein sein als sich wünschen, allein zu sein."
Ethan Hawke erzählt die Geschichte von Jimmy und Christy in wechselnder Perspektive, einmal aus der des Mannes, einmal aus der der Frau. So erkennt man, wie unterschiedlich die beiden gebaut sind und bekommt im Verlauf der Handlung immer mehr Zweifel daran, ob sie wohl jemals zusammenfinden werden und es zu einem Happy End oder zu einem Bonnie-und-Clyde-Ende kommen wird. Die Spannung ist dermaßen gut aufgebaut und von fetzigen Dialogen und Feuerwerken durchsetzt, dass sich Aschermittwoch zu einem echten Pageturner entwickelt. Der fulminante Höhepunkt am Aschermittwoch in New Orleans ist besser geschrieben als so manches Hollywood-Drehbuch, an dem Ethan Hawke als Schauspieler mitgewirkt hat. Der kindische, einfache, etwas unbedarfte Jimmy entwickelt sich am Ende des Romans zu einem wahren Helden und definiert ein eigenes Bild seiner Männlichkeit, wie es jeder Mann tun sollte.
"Der Himmel ist hier, jetzt und alle Zeit. Es gibt nichts, was du bräuchtest und nicht schon hättest. Erwartungen – die sind das eigentliche Problem." Ein sprachgewaltiges Werk voller Einsichten, Zusprechungen des Mutes und ganz viel Humor und Ironie. Denn selbstverständlich ist der Hinterwäldler Jimmy nur eine Projektionsfläche für die eigene Familiengeschichte und die Beziehungen zu den eigenen Verflossenen. Ein großer Durchbruch also, nicht nur für Jimmy und Christy. Hier schreibt sich jemand alles von seiner Seele und es ist ein wahrer Genuss, daran teilhaben zu dürfen.