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Stiefel - Service
wirtschaftlich leistungsfähig umfassend schnell
Stiefel
Einer der ersten einer der Besten - und immer an der Spitze der Innovationen
Man schrieb das
Jahr 1865. Zürich stand am Beginn einer intensiven Bauphase. Neu gegründet
wurden deshalb unter anderem auch die “ Backsteinfabriken von Zürich -
Oberstrass “, die später unter dem Namen “ Zürcher Ziegeleien “ bekannt werden
sollten. Diese ersuchten den Fuhrhalter Jakob Dübendorfer, seinen eben
geplanten Betrieb in Zürich - Wiedikon zu eröffnen. Dübendorfer - fette
Transportaufträge vor Augen - entsprach dieser Bitte gerne und erwarb ein Areal
am Manesseplatz.
1887, nach dem frühen Tod des Firmengründers, Jakob Dübendorfer wurde nur 55 Jahre alt, übernahm dessen Schwiegersohn, der Sattlermeister Alfred Stiefel den Familienbetrieb. Er diversifizierte die Güter, die transportiert wurden. Bald holte man Rand - und Pflastersteine, Kohle und Zeitungspapier von den Zürcher Bahnhöfen ab und brachte sie ihren Empfängern. Mit der Stadt schloss man Verträge ab zur Kehrichtsammlung und zum Bespritzen der damals häufig noch beschotterten und deshalb im Sommer staubigen Strassen. Im Winter wurden die Wege mit Pfadschlitten vom Schnee geräumt. Das alles geschah bei der Firma Stiefel noch ausschliesslich mit Pferdefuhrwerken.
Alfred Stiefel starb, ebenfalls Jung,
1914 im Alter von 57 Jahren. Sein erst 23 jähriger Sohn Gottfried Albert
Stiefel übernahm den Betrieb. Schon bald musste der junge Offizier jedoch in
den Aktivdienst des Ersten Weltkrieges einrücken. Während dieser Zeit führte
seine Mutter die Geschäfte. In jenen Jahren verlagerte sich das Hauptgeschäft
auf den Bau. Mit Bennenwagen wurden Tonnen um Tonnen von Aushub der vielen
grossen Baustellen in die Gruben in Wiedikon und Altstetten gebracht. Oft
bildeten sich lange Ketten von Pferdefuhrwerken, die zwischen Baustelle und
Abladeplatz hin - und herpendelten. Viele davon mit “ Stiefel “ - Täfelchen
beschlagen.
Zur Erleichterung und vor allem Effizienzsteigerung dieses harten Geschäftes beschloss Gottfried Albert Stiefel 1921, einen ersten motorisierten Lastwagen zu kaufen. Man entschied sich für einen Kipper der Marke “ Arbenz “ mit Kettenantrieb, Vollgummibereifung und einer Zahnstange zum Kippen des Aufbaues. Die Erfahrungen mit dem Eisenross waren durchwegs positiv - die Tagestonnagen konnten enorm gesteigert werden.
Kipper Berna, 1929, 43.56 PS, Leergewicht 6605 kg, Nutzlast 6395 kg
Bereits
ein Jahr später folgte deshalb der Kauf eines zweiten “ Arbenz “. Allerdings
mussten beide Fahrzeuge schon nach wenigen Jahren wieder aus dem Verkehr
gezogen werden - sie waren schlicht und einfach unreparierbar.
Trotzdem: Stiefel setzte nun endgültig auf die immer stärkere Motorisierung. Weiterhin ergänzte Jahr für Jahr ein neues Fahrzeug den stetig wachsenden Fuhrpark. Allerdings stieg man nun auf “ Saurer um - der erste hatte 1923 schon einen Differentialantrieb. 1931 und 1932 folgten dann die ersten legendären Diesel-Saurer BLD.
Mehr und mehr begann die Firma nun, sich auf den verschiedensten Gebieten der Transporte zu profilieren und neben “ Welti - Furrer “ und “ Ernst “ eines der bedeutendsten Unternehmen der Branche auf dem Platz Zürich zu werden. Während Welti - Furrer besonders stark auf dem Gebiet des Stückguttransportes und der Umzüge expandierte, tat es Stiefel in den Sektoren Schwertransporte, Bau und etwas später auch Krane. Erste Spezialtransporte wurden so bereits vor 1939 auf Vollgummirollis mit geringer Ladehöhe und bis zu 12 Tonnen Tragkraft durchgeführt.
Nach den mageren und harten Kriegsjahren trat die vierte Generation in die Firma ein. Ab 1948 wirkte erst Gottfried Alfred Stiefel mit. Etwas später holte der Vater auch seinen zweiten Sohn, Hans - Ulrich, in die Geschäftsleitung. Während Gottfried Alfred eher technisch orientiert war, den Bereich Schwertransport ausbaute und die Kranfahrzeuge einführte, widmete sich Hans - Ulrich hauptsächlich den Silozement - und allgemeinen Transportaufgaben, sowie den kaufmännischen Belangen. Nun wurden insbesondere Schwertransportanhänger aus amerikanischen Kriegsbeständen aufgekauft.
Späterkamen solche aus deutscher Herkunft dazu, mit welchen Lasten von bis zu 100Tonnen Gewicht befördert werden konnten. Damit wurden insbesondere schwereBaumaschinen zu den nun überall aus dem Bergboden schiessenden Kraftwerk -Baustellen gebracht.
Die Geschichte der Firma Stiefel in den fünfziger und sechziger Jahren war eine reine Erfolgsstory. Doch es lastete eine gefährliche Hypothek auf demBetrieb: Domiziliert war er nach wie vor mitten in der Stadt. Oder vielmehr hatte die Stadt den Manesseplatz im Laufe der Jahrzehnte mitten in ihr Herzgeschlossen. Rundum waren neue Wohnbauten entstanden. Die dort lebenden Zürcherinnen und Zürcher waren von den Verkehrsbehinderungen der an - und abfahrenden Lastwagen je länger je weniger erbaut. Bald mussten die Schwerfahrzeuge und Kranwagen die Stadt vor 06:00 Uhr verlassen und durften erst nach 21:00 Uhr wieder heimkehren.
EineLösung musste also gefunden werden. Die einzig mögliche war zu jener Zeit einUmzug ins Industriegebiet Urdorf - Birmensdorf. Gleichzeitig sollte dort mit “Züri - Port “ ein Transporthof für die Versorgung der Stadt Zürichentstehen. Mitten in diese Zeit grosser Investitionen und Umstrukturierungenplatzte dann aber der erste grosse Ölschock.
Ihm folgte die Baukrise, und mit ihr kam eine längerandauernde Rezession. Diese Mehrfachbelastung war für das einst so stolze Unternehmen zuviel: Die G. Stiefel Transport AG musste die Segel streichen. Ein Stück Zürcher Transportgeschichte ging relativ schnell und leise zu Ende.
Buch : Räderwerk 100 Jahre Transportgewerbe Zürich
Autor : F. Lübke
Grafik : H. Lenz