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Die Poesie des Konsums
Geld und Geist, meine Damen und Herren, werden konventionellerweise als Gegensatzpaar betrachtet, und unabhängig von der (zweifelhaften) Richtigkeit dieser Antithese ist ein Segment der Anbieterschaft – nämlich vor allem jenes, das man als das «gehobene» zu bezeichnen pflegt – bestrebt, diesen Ruch der Geistlosigkeit loszuwerden. Die australische Körperpflegemarke Aesop, zum Beispiel, druckt auf ihre Präsentboxen, die selbstverständlich aus total recycletem Grobkarton bestehen, ein Zitat des deutschen Idealisten und Aufklärers Immanuel Kant: «All our knowledge begins with the senses.»
Nun ist ein derartiges Kant-Zitat, sofern man sich ein bisschen mit dem Transzendentalen Idealismus befasst hat, ungefähr so treffend wie folgendes Zitat von Kim Kardashian: «Es gibt noch etwas anderes ausser Konsum.» Will sagen: Es ist zwar richtig, trifft aber nicht die Essenz der jeweiligen Lehre. Auf die Kant weiterhin beschäftigende Frage, nämlich «Wie sind synthetische Urteile a priori möglich?», wird dann allerdings seitens Aesop nicht weiter eingetreten, aber das ist mir persönlich vollkommen wurscht, denn ich liebe das Zeug von Aesop und würde es auch dann konsumieren, wenn sie es mit Zitaten von, sagen wir, Rody Duterte ausstatten würden. Allerdings wäre ich dann zugegebenermassen etwas weniger enthusiastisch. Denn man will doch jeden Tag ein bisschen Geist. Ein bisschen Frieden. Oder, mit anderen Worten: «Every day we should hear at least one little song, read one good poem, see one exquisite picture, and, if possible, speak a few sensible words.» Das ist von Goethe. Stand auf dem Bändchen im Aesop-Paket.