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Peter Lattmann *1945, Sportjournalist
Peter „Baldo“ Lattmann war und ist: Sportjournalist, ehemaliger Handballer, Ehrenpräsident, Ordensträger. Und noch einiges mehr.
Aufgewachsen ist Peter Lattmann im Seemer Sonnenbergquartier, wo er heute noch mit seiner Frau wohnt. Seine ersten Journalismus-Erfahrungen machte er gleich nach der Matur als Volontär beim „Landboten“, bevor er ein Jus-Studium an der Uni Zürich aufnahm. Dort erfolgte dann der Einstieg in den Sportjournalismus, konnte er doch bei einer Sportnachrichten-Agentur anheuern. Bald etablierte er sich als regelmässiger Berichterstatter von Autorennen. Nach Abbruch des Studiums kehrte er 1968 als Regionalredaktor zum „Landboten“ zurück – um diesem in diversen Funktionen bis 2010 treu zu bleiben, vor allem als Autojournalist und Formel-1-Experte. Jahrzehntelang reiste er zu den Grands Prix in allen Weltregionen. Seine Rennberichte erschienen – nebst im „Landboten“ in diversen weiteren Schweizer Tageszeitungen.
Als anerkannter Autosport-Chronist hatte Lattmann auch direkte Kontakte zu den eigentlichen Protagonisten des Formel 1-Zirkusses, den Piloten. Ayrton Senna, Emerson Fittipaldi, Niki Lauda – mit alle Grossen führte er im Laufe seiner langjährigen Karriere Gespräche und Interviews. So auch für die Schweizer Illustrierte, für die er einen grossen Beitrag über den legendären Schweizer Piloten Joe Siffert verfasste, der dann in mehreren Folgen erschien. Damals, in den Siebzigerjahren, sei auch einmal Niki Lauda zur Eröffnung einer Winterthurer Garage per Helikopter eingeflogen worden – was natürlich eine Reportage im hiesigen Lokalblatt zur Folge hatte. Auch nach seiner Pensionierung schrieb er weiterhin über sein Spezialgebiet. Insgesamt besuchte er als professioneller Beobachter über 600 Grands Prix. Und auch wenn er mit dem Schreiben aufgehört hat, lässt ihn seine Passion nicht los, reist er doch weiterhin als Assistent der SRF-Kommentatoren dem Formel-1-Zirkus nach.
Sport hatte für Peter Lattmann auch neben dem Beruf einen hohen Stellenwert. Noch vor nicht allzu langer Zeit liessen sich die Winterthurer in zwei Kategorien einteilen – die der Pfadfinder und jene der Handballer. Peter Lattmann gehört zur zweiten Fraktion, und zwar als einer ihrer wohl prominentester Vertreter. Zunächst als aktiver Spieler bei „Yellow“, dem neben Pfadi Winterthur erfolg- und traditionsreichsten Handballclub der Stadt, den er als Mittelschüler 1962 mitgründete und dem er 43 Jahre lang als Präsident vorstand. Dann als verantwortlicher Organisator des „Yellow-Cups“, dem alljährlichen, internationalen Handballturnier in den Eulachhallen, und das von 1973 bis 2010. Der sportliche Grossanlass gilt heute als das wichtigste Schweizer Handballturnier.
Lattmanns Engagement für den Sport beschränkte sich jedoch nicht nur auf Handball. Als der städtische Fussballclub in den Achtzigerjahren in eine sowohl finanzielle wie auch sportliche Schieflage geriet, setzte er sich 1987 als Mitglied des Vereinsvorstands mit einigen Gleichgesinnten für dessen Rettung ein. Dem FCW-Vorstand gehörte er bis 1999 an.
Auch der Radsport profitierte von seinen legendären Netzwerker- und Organisationstalenten. Zweimal, 1986 und 1990, holte er als OK-Chef die Tour-de-Suisse nach Winterthur, beide Male für die prestigeträchtige Startetappe.
Für seinen Einsatz als Sportförderer wurde er 2000 vom lokalen Panathlon Club ausgezeichnet.
Aktiv war und ist Peter Lattmann auch neben den Sportplätzen. „Baldo“ – den Ursprung seines Übernamens, unter dem er stadtbekannt ist, weiss nicht einmal er – gilt gemeinhin als Bonvivant. Als solcher und als anerkannter Kenner der Winterthurer Gastroszene schrieb er jahrelang im „Landboten“ eine vielbeachtete Kolumne „Baldos Beizenbummel“. Seine Beizenaffinität führte auch indirekt dazu, dass er in den Siebzigerjahren zusammen mit Jasspapst Göpf Egg und Fernsehmoderator Kurt Felix im Organisationskomitee der ersten Schweizer Jassmeisterschaft sass. Und schliesslich, last but not least: 2012 wurde Peter „Baldo“ Lattmann der „Eularius Lapidarius“-Orden zugesprochen. Mit dieser Auszeichnung werden WinterthurerInnen geehrt, „die sich in der Stadt besonders verdient um eine Sache gemacht haben und im Stadtleben durch ihre (Un)-Taten besonders und durchaus auch positiv aufgefallen sind“, wie es in den Satzungen der Findungskommission heisst.
Text: Jean-Pierre Gubler