Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03356.jsonl.gz/1135

Wahrscheinlich eine der extremst negativen und abwertende Haltung gegenüber Linkshändern kommt in der Schöpfungsgeschichte der nordamerikanischen Irokesenstämme vor.
… Da nahm der Mann zwei Pfeile aus seinem Köcher und legte sie kreuzweise über den Körper des Mädchens. Als das Mädchen erfachte, fand es, dass es Zwillinge das Leben schenken sollte. Diese Zwillinge stritten schon vor ihrer Geburt miteinander. Als die Zeit kam, da sie das Licht der Welt erblicken sollten, wurde der eine Zwilling, der “Der Rechtshändige” genannt wurde, ganz normal geboren. Der zweite aber, der “Der Linkshändige” genannt wurde, war so stur und verursachte seiner Mutter solche Schmerzen, dass sie bei seiner Geburt starb. Die Zwillinge begruben ihre Mutter…
… Während die Brüder aufwuchsen, konnten sie in nichts übereinstimmen. Die Zwillinge besassen schöpferische Kräfte und schufen viele Dinge auf dieser Erde. Der Rechtshändige erschuf die schönen hohen Bäume, wie Tannen und Fichten. Der Linkshändige störte das Wachstum der Bäume und machte, dass sie verkümmerten und ihre Stämme krumm und knotig wurden. Einige Schöpfungen des Rechtshändigen bedeckte er mit Dornen und giftigen Früchten.
Der Rechtshändige erschuf die Hirsche und Rehe. Der Linkshändige erschuf den Puma, der die Hirsche tötete. Der Rechtshändige erschuf noch viele andere Tiere, aber immer wieder erschuf der Linkshändige eines, dass das erste zerstörte. Der Rechtshändige erschuf wunderschöne Flüsse, Quellen, klares Wasser, hohe Berge, Beeren und Früchte. Und wie immer erschuf der Linkshändige Dinge wie reissende Strömungen, giftige Wurzeln, Pflanzen und Giftschlangen.
Endlich, als die Zwillinge mit der Erde fertig waren, erschuf der Rechtshändige den Meschen aus rotem Lehm. Er brachte den Menschen auf die Erde, dass dieser mit den anderen Kreaturen leben sollte. Die Welt, die die Zwillinge erschaffen hatten, war wohl ausgewogen.
Der Streit der Zwillinge endete auch nicht, nachdem sie schon zu Männern herangewachsen waren. Sie forderten sich gegenseitig zum Kampf auf. Dieser Kampf sollte entscheiden, wer von den beiden die Erde beherrschen würde. Sie kämpften tagelang. Am Ende siegte der rechtshändige Zwilling, der linkshändige dagegen wurde für immer von der Erde verbannt.
Diese Geschichte erklärt, weshalb jeder Mensch Gut und Böse in sich hat. Ganz gleich, wie schlecht ein Mensch werden kann, etwas Gutes ist doch immer in ihm. Und wenn ein Mensch auch noch gut ist, existiert doch etwas Böses in ihm. Der rechtshändige Zwilling herrscht immer noch über die Erde und behütet die Menschen, aber die böse Macht des Linkshändigen ist in jedem Menschen vorhanden.
Textquelle: “Linkshändig? Ein Ratgeber” Ausgabe 1991, erschienen im Humboldt-Taschenbuchveralg Jacobi KG, München; ISBN 3-581-6666-3