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Die kürzlich vom Zürcher Kantonsrat und in bisher vier Kantonen mit wuchtiger Mehrheit abgelehnte Volksinitiative für die freie Schulwahl will die Schule ausgerechnet mit der Theorie des freien Wettbewerbs verbessern, die uns derzeit die grösste, weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise eingebrockt hat. Die meisten Wirtschaftsprofessoren sind sich einig, dass die Theorie auf ihrem eigenen Gebiet, der Wirtschaft, jämmerlich versagt hat.
Wie kommt man auf die Idee, sie könnte ausgerechnet auf einem ihr fremden Gebiet wie dem Bildungswesen erfolgreich sein? In Amerika und England ist das staatliche Schulsystem nicht zuletzt wegen des sogenannten freien Wettbewerbs in einem desolaten Zustand.
Die Schweizer Volksschule hat die öffentliche Aufgabe, den für die direkte Demokratie lebenswichtigen, gesellschaftlichen Zusammenhalt zu schaffen. Wenn Eltern die Schule wählen könnten, würden alle ihre Kinder nur in die «besten» Schulen gehen wollen. Das wäre jedoch nur für eine privilegierte Minderheit möglich und würde unweigerlich zu einer Zweiklassengesellschaft führen, was letztendlich die Auflösung der direkten Demokratie zur Folge hätte.
Es ist allgemein bekannt, dass die Probleme der Volksschule durch die Reformen des Volksschulgesetzes, des Lehrplans, der Lehrerausbildung und der Abschaffung bewährter pädagogischer Strukturen hervorgerufen wurden. Eine Verbesserung der Volksschule ist nur möglich, wenn dort angesetzt wird. Man kann das Pferd nicht am Schwanz aufzäumen, indem privilegierten Eltern die freie Schulwahl in die besten Volksschulen oder Privatschulen auf Kosten der Allgemeinheit ermöglicht wird.
Peter Aebersold,
Zürich