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1964 startete Emil Steinberger mit seinem Programm «Emil und die 40 Räuber» als Solokünstler, zuletzt war er bis November 2017 mit «Emil – No Einisch!» unterwegs. Steinberger und «Emil» gehören unweigerlich zusammen, obwohl der Kabarettist zeitweise sein anderes Ich in den Hintergrund geschoben hatte.
Er habe nicht lange überlegen müssen, dass «Emil» der richtige Name sei für komische Charaktere, schreibt der Kabarettist auf seiner Homepage. Neben «Emil und die 40 Räuber» erarbeitete er mit seinem Schulfreund Armin Beeler auch die beiden Folgeprogramme «Emils Neid-Club» und «Onkel Emils Hütte».
Steinberger trat in den Anfangsjahren in Luzern im Speisesaal des Hotel des Balances auf. 1967 gründete er in Luzern mit seiner ersten Frau Maya die Kleinkunstbühne Kleintheater. Den Durchbruch hatte er dort mit «Geschichten, die das Leben schrieb» und «E wie Emil».
Einfach war der Karrierestart für Steinberger nicht, obwohl in seiner Familie viel gelacht worden war. Die Eltern fanden die Berufswahl Kabarettist nicht lustig. Es habe traurige Monate gegeben, weil seine Eltern kein Sensorium gehabt hätten dafür, dass er auf der Bühne spiele, sagte er Radio SRF4 News.
Postbeamter, Grafiker, Kabarettist
Steinberger hatte zunächst neun Jahre auf der Post gearbeitet. In jenen Jahren entdeckte er seine Liebe für die Bühne. Dann gab er seine Beamtenstelle auf, um Grafiker zu werden. Für die Eltern sei es ein Schock gewesen, dass er fünf Jahre habe die Schule besuchen wollen mit Leuten mit langen Haaren und Bärten, sagte er SRF4 News.
Unterstützung erhielt Steinberger in den Anfangsjahren vor allem von Franz Hohler. Hohler drehte 1972 mit Steinberger «Emil auf der Post». Steinbergerspielte in mehreren Filmen mit, der bekannteste ist Rolf Lyssys «Die Schweizermacher» von 1978, einer der erfolgreichsten Schweizer Filme überhaupt.
Steinbergers «Emil» war ungemein populär. «Emil» gab es auf Schallplatte, am Radio, im Fernsehen. Jugendliche spielten an Familienfeiern bekannte Sketches nach («Im Januar, im Januar, isch alles stiif und starr. Im Februar, im Februar, isch immer no alles stiif und starr»).
1977 tourte «Emil» mit dem Zirkus Knie durch die Schweiz. «Emil» trat in Deutschland auf und in der Romandie auf Französisch – aus «Die Polizeihauptwache» wurde dort der legendäre «Caporal Schnyder».
Karrierepause
1980 startete Steinberger mit «Feuerabend» sein letztes «Emil»-Programm. 1987 stoppte er seine «Emil»-Karriere: Im Theater von Mézière VD gab er – ohne dass es jemand wusste – seine «letzte» Vorstellung.
Steinberger war damals 54 Jahre alt. 1989 kam es zur Scheidung zwischen Steinberger und seiner Frau Maya. Von 1993 bis 1999 lebte er in New York. In der Anonymität wollte der Schweizer Prominente als Nobody leben. Dort heiratete er seine zweite Frau Niccel Kristuf.
1999 kehrte Steinberger mit «Drei Engel» auf die Bühne zurück, ein Bühnenprogramm, das ursprünglich nur eine Lesung sein sollte. 2013 beschenkte er zu seinem 80. Geburtstag seine Fans in Luzern mit dem «Emil»-Klassiker-Programm «Lachzig»: Der grösste Saal der Stadt mit 1700 Sitzplätzen war in 45 Minuten ausverkauft.
2015 folgte mit «Emil – No einisch!» ein «Emil»-Programm mit alten und neuen Nummern. Mit «Emil – Encore une fois!» brachte der Luzerner, wie die Tageszeitung «Le Temps» Anfang 2017 berichtete, auch die Säle der Romandie noch einmal zur Eruption.
Werbespots
Steinberger, der von New York nach Montreux und dann nach Basel zog, war auch in der «Emil»-losen Zeit präsent. Er publizierte Bücher sowie Werbespots für Marken, die genauso typisch schweizerisch waren wie er selbst.
«Emil» ist durch seine langanhaltende Popularität zu einem Stück Schweizer Geschichte geworden – und erhielt 2015 im Historischen Museum Luzern seine erste grosse Ausstellung. Im gleichen Jahr mischte der gelernte Grafiker sich in die Luzerner Politik ein und kämpfte gegen die Schliessung der Fachklasse Grafik.