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König Abdullah von Saudi-Arabien ist tot. Das teilte Riad am frühen Freitagmorgen mit. Abdullah war vor wenigen Wochen mit einer Lungeninfektion ins Spital gebracht worden. Zu seinem Nachfolger sei sein Bruder, Kronprinz Salman, ernannt worden.
Abdullah bin Abdul Asis Al-Saud gehört zu den beliebtesten Monarchen in der Geschichte des islamischen Königreichs Saudi-Arabien. Seine Popularität dürfte neben dem harten Durchgreifen der Polizei auch dazu beigetragen haben, dass es während des Arabischen Frühlings von 2011 in dem islamischen Königreich nur wenige Protestaktionen gab.
«Progressiver als die Mehrheit der Saudis»
Obwohl der König als fromm und sittenstreng galt und als junger Mann kaum westlichen Einflüssen ausgesetzt war, sagte man ihm in seinen letzten Lebensjahren nach, er sei «progressiver als die Mehrheit der Saudis». Gegen den Willen einflussreicher Islam-Gelehrter gründete er 2009 die König-Abdullah-Universität (KAUST), in der Frauen und Männer gemeinsam studieren und forschen.
2013 ernannte er erstmals Frauen zu Mitgliedern des Schura-Rates (eine Art Parlament ohne Gesetzgebungskompetenz). Der beduinischen Tradition entsprechend, pflegte König Abdullah den direkten Dialog mit seinen Untertanen. Viele Saudis, die sich von der Justiz ungerecht behandelt fühlten, wandten sich mit Petitionen an ihn. Einige von ihnen hatten damit Erfolg.
Sohn des Staatsgründers
Abdullah ist einer der Söhne des Staatsgründers König Abdul Asis (Ibn Saud). Er soll nach unterschiedlichen Angaben 1923 oder 1924 zur Welt gekommen sein. Sein genaues Geburtsdatum ist nicht bekannt. Kronprinz Abdullah war also schon über 80 Jahre alt, als er im August 2005 nach dem Tod von König Fahd den Thron bestieg.
Als Kronprinz hatte er König Fahd, der in seinen letzten zehn Lebensjahren sehr krank war, schon oft bei internationalen Konferenzen und Staatsbesuchen vertreten. Aus dieser Zeit stammt eine persönliche Feindschaft mit dem 2011 gestürzten libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi. Der König und der libysche Oberst warfen sich beim Arabischen Gipfel 2009 in aller Öffentlichkeit Schimpfwörter an den Kopf.
Kein verschwenderisches Luxusleben
Die Saudis schätzten an Abdullah, dass er - im Gegensatz zu anderen Mitgliedern des Königshauses - kein verschwenderisches Luxusleben führte. Ausserdem erntete er mit seinen verschiedenen Vermittlungsbemühungen und Initiativen viel Lob.
2002 präsentierte König Abdullah in Beirut eine Nahost-Friedensinitiative, die von allen arabischen Staaten akzeptiert wurde. Er versuchte, im Machtkampf zwischen den rivalisierenden Palästinenserfraktionen Fatah und Hamas zu vermitteln. Auch sorgte er für eine Annäherung zwischen den arabischen Golfstaaten und dem Iran.
Unter seiner Führung wurde Saudi-Arabien ab 2013 zum wichtigen Unterstützer des Aufstandes gegen das syrische Regime von Präsident Baschar al-Assad. An der Seite der USA beteiligt sich Saudi-Arabien zudem an Luftschlägen gegen Stellungen des Islamischen Staates (IS) in Syrien. Die Anti-IS-Koalition, der neben westlichen Ländern auch zehn arabische Staaten angehören, war Anfang September auf einem Gipfeltreffen im saudischen Dschidda geschmiedet worden.
Innenpolitisch bemühte er sich um eine Nachfolgeregelung, die Grabenkämpfe innerhalb der Herrscherfamilie verhindern soll. Kronprinz ist seit 2012 sein Halbbruder Salman.
Ölpreise steigen nach Abdullahs Tod
Sein Tod bringt auch Unsicherheit über die Ausrichtung der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Experten rechnen kurzfristig mit einer höheren Volatilität. Das grösste Ölförderkartell hatte im November angeführt von Saudi-Arabien entschieden, die Förderung trotz des starken Ölpreis-Verfalls nicht zu kürzen.
Nach dem Tod von König Abdullah stiegen die Preise. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im März kostete am Freitag im frühen Handel 49,44 US-Dollar und damit 92 Cent oder fast zwei Prozent mehr als am Donnerstagabend. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte um 85 Cent auf 47,16 Dollar zu. In einer ersten Reaktion auf den Tod Abdullahs waren die Ölpreise noch deutlicher geklettert, mussten jedoch einen Teil der Gewinne wieder abgegeben.
(sda/awp/gku/me)