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100 Jahre Sekundarschulhaus an der Bahnhofstrasse
ELGG – Das Jubiläum des alten Sekundarschulhauses bietet Gelegenheit, auch kurz Rückschau auf die Entstehung der Sekundarschule in Elgg zu halten.
Gründung 1833
Am 2. Januar 1833 wurde in Elgg die Gründung einer Sekundarschule beschlossen und dem Erziehungsrat mitgeteilt, dass die Gemeinde das Schützenhaus, (Obertor) unentgeltlich dafür zur Verfügung stelle. Elgg war damit die erste Sekundarschule auf der Zürcher Landschaft. Der Unterricht dürfte im Herbst 1833 aufgenommen worden sein, denn die erste Rechnung ist für den Zeitraum 1. September 1833 bis 1. November 1834 erstellt worden. Präsident der Schulpflege war Pfarrer Schweizer. Weiter gehörten der Schulpflege an: Kantonsrat Dr. Müller, Präsident Zwingli, Zinngiesser Peter, Friedensrichter Spiller, Kantonsrat Schenkel, alle Elgg. Ferner Zunftrichter Reimann, Schottikon, Heinrich Rüegg, Hofstetten, Säckelmeister Frey, Hagenbuch, Gemeindeammann Büchi, Wenzikon, Gemeindeammann Weilenmann, Dickbuch, Leutnant Peter, Gündlikon, Friedensrichter Wetzstein, Schneit, Pfarrer Hauser, Aawangen, Pfarrer Tobler, Schlatt, und Lehrer Jucker, Schlatt.
Als erster Lehrer wirkte J. Egli aus Hittnau. Im Herbst 1891, nachdem die Primarschule das neue Schulhaus am Lindenplatz bezogen hatte, siedelte die Sekundarschule ins alte Primarschulhaus (heute Kirchgemeindehaus) über.
Neubau beschlossen
Im Jahre 1908 hiessen die Stimmberechtigten einen Kredit von knapp 210 000 Franken für den Bau eines neuen Sekundarschulhauses an der Gerbestrasse gut. Die Einweihung des neuen Schulhauses mit Turnhalle erfolgte sodann am 5. Juni 1910, zu welcher ein grosses Jugendfest veranstaltet wurde. Das Jugendfest, zu dessen Durchführung schon damals Gönner gesucht und auch gefunden wurden, schloss bei einem Aufwand von 5754.33 Franken und Einnahmen von 4641.06 Franken mit einem Mehraufwand von 1113.27 Franken ab, der durch die Sekundarschulgemeinde übernommen wurde.
Die Bauabrechnung über den Schulhaus- und Turnhallenbau, über die Zeitspanne von 1908 bis 1910, weist recht interessante Zahlen auf. Für den Bauplatz wurden 10 737.70 Franken aufgewendet. Der Architektenwettbewerb kostete 1751.60. Für den Geometer und die Vermessung gab man 1227.20 aus. Die Erdarbeiten kosteten 5140.55 und für Frachten bezahlte man 1327.10 Franken. Die Maurer- und Gipserarbeiten verschlangen 54 584.55, Taglöhnerarbeiten wurden für 3938.15 ausgeführt und für Granitlieferungen bezahlte man 5118.60 Franken.
Eisenlieferungen wurden für 6547.40 ausgeführt, und der Zimmermann kostete 18 190.58 Franken. Der Dachdecker stellte eine Rechnung von 8633.10, der Spengler eine solche von 2988.60 und der Glaser eine solche von 6231.45. Die Installationen im Sanitärbereich verschlangen 34 647.65. Schreiner- und Parkettarbeiten wurden für 15 961.97 ausgeführt, und Boden- sowie Wandplatten kosteten 2450.60. Rollläden wurden für 1079.65 montiert und der Maler stellte eine Rechnung von 7266.05. Die Schlosserarbeiten beliefen sich auf 2536.00 und der Turnhallenboden wurde mit 2545.70 abgerechnet. Die Gebäudekosten betrugen somit 173 031.05 Franken. Das Mobiliar kam auf 3668.70 Franken zu stehen, die Turngeräte auf 3254.80. Die Umgebungsarbeiten verschlangen 16 563.02 Franken und die Brunnenanlage kostete 3969.20. Für die Heizung gab man 1293.95 aus. Die Bauaufsicht, das heisst das Architektenhonorar für das Büro Brindler + Völkli in Winterthur und die Baukommission belief sich auf 11 607.20. Die Bauzinsen schlugen sich mit 7221.65 in der Rechnung nieder, und zusammen mit dem Verschiedenen stand die Endabrechnung mit Gesamtkosten von 238 049.32 Franken fest. Das ergab einen Mehraufwand gegenüber dem Kostenvoranschlag von zirka 30 000 Franken.
Erste grosse Renovation
1946 erfolgte eine erste gründliche Renovation, die im April mit der Turnhalle begonnen wurde. Der bewilligte Kredit betrug 30 000 Franken. Es musste jedoch noch ein Nachtragskredit von 13 000 Franken eingeholt werden. Die Abrechnung belief sich sodann auf 46 150 Franken. Die Schulhausrenovation wurde 1947 mit 90 000 Franken veranschlagt. Sie zog sich dann aber etwas dahin. Am 7. Mai 1949 beantragte die Schulbehörde einen Nachtragskredit von 29 000 Franken. Bewilligt wurden jedoch nur 25 000 Franken. Die Kosten beliefen sich in der Folge auf insgesamt 113 000 Franken, 2000 Franken weniger als total bewilligt. Vom Kanton wurde ein Beitrag von 25 000 Franken erwartet.
Umbauten und Teilrenovationen
Im Jahre 1963 erfolgte der Umbau der Dusche und Garderoben zur Turnhalle im Untergeschoss des Schulhauses. Die bis dahin noch vorhandenen Einzelbäder wurden entfernt, dafür erhielt der Abwart ein Kellerabteil. Anstelle der Schulküche wurde ein Turnlehrerzimmer eingebaut und die Umkleidemöglichkeiten auf zwei Garderoben aufgeteilt. Nebst der Sanierung des Duschenraumes wurden auch noch drei Einzelduschen eingebaut. Auch die WC-Anlage erfuhr eine Erneuerung. 1971 erfuhr die Turnhalle eine weitere Renovation mit einem neuen Boden, wofür 147 860 Franken aufgewendet wurden.
Gruppenräume geschaffen
Da die Unterrichtsmethoden sich im Laufe der Jahre auch geändert hatten, erfolgte auf Antrag der Lehrerschaft im Jahre 1978 der Umbau der alten WC-Anlagen, was den Einbau von zwei Gruppenräumen ermöglichte. Der Kredit von 122 000 Franken wurde mit 116 750 Franken nicht voll ausgeschöpft. Zwei Jahre später erfolgte die Renovation der Schulzimmer und des Aufenthaltsaumes im Altbau. 1990/91 war die nächste Bauerei angesagt. Es ging um die Aussenrenovation des Schulhauses und die Umgestaltung der Abwartswohnung.
Anschluss an den Wärmeverbund
Der Umbau der Heizung und der Anschluss an den Wärmeverbund erfolgte 1992/93. Zehn Jahre später trat die Schulpflege wiederum mit Kreditbegehren vor den Souverän. Der Umbau der Garderoben und Duschen wurde mit 560 000 Franken veranschlagt und die Sanierung der Turnhalle mit dem Geräteraum und der Suppi benötigte Aufwendungen von 370 000 Franken.
Der nächste Schritt erfolgte dann im Jahre 2008. Für die Schulleitung und die Schulsozialarbeit wurden anstelle eines Schulzimmers im Erdgeschoss die notwendigen Büroräumlichkeiten für 74 000 Franken geschaffen. Die letzten baulichen Aufwendungen erfolgten dieses Jahr mit der Sanierung der Abwartswohnung, im Betrag von 20 000 Franken.
Umgebungsveränderungen
Natürlich hat sich im Laufe der Jahrzehnte auch die Umgebung wesentlich gewandelt. Der früher östlich der Turnhalle gelegene, gekieste Spielplatz auf dem auch noch das Klettergerüst, Reck und Stemmbalken und eine Weitsprunganlage vorhanden waren, musste später dem Pausenplatz vor dem Neubau weichen. Die Spielwiese gegen den Kindergarten fiel dem neuen Spezialtrakt zum Opfer.
Langjährige Abwartstätigkeiten
Eng mit der Schulanlage war natürlich deren Betreuung verbunden. Den im Schularchiv vorhandenen Unterlagen ist zu entnehmen, dass nach dem Bau ein J. Hörni-Bollinger als erster Abwart amtete. Am 15. Dezember 1919 trat F. Scheiter die neu zu besetzende Stelle an. Ab 1. Januar 1946 bis 1. September 1965 war dann Robert Beuggert als Abwart zuständig. Während seiner Wirkungszeit wurde die Abwartsstelle zum Vollamt. Als Nachfolger, aus fünf Bewerbungen, wählte die Schulbehörde Walter Dietrich, der das Amt bis 1990 versah. Seit nun schon wieder 20 Jahren zeichnet Jakob Reber als Abwart verantwortlich. Selbstverständlich arbeiten seit Jahren auch die Frauen immer aktiv mit.
Weitsichtiger Entscheid
Diese Aufzeichnungen, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, zeigen auf, dass das nun 100- jährige Gebäude zusammen mit der Turnhalle doch verschiedene bauliche Veränderungen und Ergänzungen erfahren hat. Wie weitsichtig beim damaligen Neubau vorgegangen wurde, beweist die Tatsache, dass das Schulhaus und die Turnhalle auch heute noch ihrem ursprünglichen Sinn dienen und sich immer noch als stattliche Gebäude in unserem Flecken präsentieren.
René Lutz, Elgger Zeitung, 31. Mai 2010