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Die Schweiz verliert das dritte Gruppenspiel gegen die Niederlande 1:4 und scheidet an der Europameisterschaft in England aus. Ein beherzter Auftritt gegen den Titelverteidiger bleibt unbelohnt.
Am Ende bleibt nur eine Ausflucht in den Konjunktiv. Was wäre passiert, hätte Coumba Sow die Schweiz in der zweiten Halbzeit in Führung geschossen? Was wäre passiert, hätte die niederländische Torhüterin Daphne van Domselaar den ersten Schuss der Schweizer Mittelfeldspielerin nicht pariert und wäre der Nachschuss Sows nicht an den Pfosten, sondern ins Tor geflogen?
Der Konjunktiv wird manchmal als die Sprache der Verlierer bezeichnet. Und das sind die Schweizer Nationalspielerinnen an diesem Sonntagabend in Sheffield, denn sie verlieren das letzte Gruppenspiel der Europameisterschaft gegen die Niederlande 1:4. Was in einem Duell mit einem Team, das seit seinem EM-Titel 2017 gegen kein europäisches Team mehr einen Ernstkampf verloren hat und sich einzig an der WM und den Olympischen Spielen den USA geschlagen geben musste, wie ein Standardresultat klingt, spiegelt das Geschehene aber überhaupt nicht.
Bachmann und Reuteler wirbeln
84 Minuten lang war es 1:1 gestanden. Als die Schweizerinnen zu Beginn der zweiten Halbzeit nach einem Eckball und einer missglückten Rettungsaktion auf der Linie von Ana-Maria Crnogorcevic in Rückstand gerieten, fanden sie wie schon gegen Schweden prompt eine Antwort. Eseosa Aigbogun, Géraldine Reuteler und Ramona Bachmann kombinierten sich auf der linken Seite durch, Bachmann, welche die niederländische Defensive mit ihrer Schnelligkeit immer wieder vor Probleme stellte, bediente Reuteler, der mit einem überlegten Flachschuss ihr achtes Tor im Nationalteam gelang. Es war der Lohn für einen neuerlich mutigen Auftritt gegen ein europäisches Schwergewicht.
Und eben. Die Schweizerinnen gaben sich damit im Wissen, dass ihnen nur ein Sieg den Verbleib im Turnier sichern würde, nicht zufrieden, kombinierten weiter, bis zu dieser sinnbildlichen Szene mit Coumba Sow, die freigespielt von Reuteler und Bachmann die goldene Gelegenheit hatte, die Partie zugunsten der SFV-Auswahl zu kippen. «Es fehlte wirklich sehr wenig», sagte Captain Lia Wälti. Und sie fügte an: «Ich hätte sehen wollen, wie die Niederländerinnen nach einem Rückstand noch einmal zurückgekommen wären.» Auch der 29-Jährigen blieb nichts als der Konjunktiv. Und die simple und oft zitierte Erkenntnis: «Sie haben die Tore gemacht, wir nicht.»
Lehrreiche Erfahrung
Auch Trainer Nils Nielsen identifizierte Sows Grosschance als den Moment, als die Partie hätte kippen können. Der Däne ist kein Fan davon, unmittelbar nach einer Partie darüber sprechen zu müssen. Doch auch mit wenig zeitlichem Abstand überwiegt beim 50-Jährigen neben der Enttäuschung vor allem der Stolz, einem Spitzenteam abermals Paroli geboten zu haben. «Am Ende mussten wir aufmachen und alles riskieren. Es ist klar, dass ein Team wie die Niederlande diese Räume dann ausnutzen kann.» Aber er sagt auch: «Wir haben in diesem Turnier fünf gute Halbzeiten gespielt und die Spielerinnen haben viel gelernt in diesen Spielen.» Gerade im Hinblick auf kommende Aufgaben in der WM-Qualifikation, in der die Schweiz wahrscheinlich wie schon vor dieser EM über die Barrage wird gehen müssen, gebe ihm das viel Zuversicht.
Somit endet für die Schweizerinnen auch ihre zweite EM nach 2017 nach der Gruppenphase. So, wie das die meisten nach der Auslosung erwartet hatten. Dass sie indes so nah dran sein würden, dass nach drei Spielen das Gefühl überwiegt, nur um Zentimeter eine Qualifikation für die K.o.-Phase verpasst zu haben und gegen europäische Topteams lange mitgehalten zu haben, hätten wohl die wenigsten gedacht. Dennoch: Statt einem Viertelfinal gegen Frankreich am kommenden Samstag in Rotherham, steht für die Schweizer Delegation am Montagnachmittag der Rückflug ab Birmingham nach Zürich auf dem Programm.