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Die Schautafeln und Vitrinen zeigen Bilder und Handschriften aus Nietzsches Kindheit und Jugend. Ferner sind Dokumente und Fotografien aus seiner Studienzeit bis zur Berufung als Professor in Basel ausgestellt. In die Basler Zeit fällt Nietzsches Begegnung mit Richard Wagner, dem er sein erstes Buch „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“ widmet. Spätestens die Publikation von Nietzsches Buch „Menschliches, Allzumenschliches“ führt zum Bruch mit Wagner.
Die Zeit seines Wirkens als Professor in Basel, während der er nebenbei mehrere Bücher schreibt, endet 1879 mit der krankheitsbedingten Pensionierung Nietzsches.
Nietzsches Existenz als freier Schriftsteller und Philosoph beginnt mit einer Reise in die Bündner Bergwelt. Trotz seiner Krankheit führt Nietzsche ein intensives Leben mit häufigen Ortswechseln und wichtigen persönlichen Begegnungen, so mit der jungen Lou von Salomé. Nietzsche schreibt und publiziert in diesem Jahrzehnt seine Hauptwerke. Vierzig Exponate werfen ein Licht auf diese bewegte Lebenszeit.
Der zweite Ausstellungsraum dokumentiert auch den Zusammenbruch Nietzsches in den ersten Januartagen 1889 und seine letzte Lebenszeit bis 1900 in geistiger Umnachtung.
Die gigantische Rezeption der Werke Nietzsches im 20. Jahrhundert wird exemplarisch mit Dokumenten und Büchern zwei der bedeutendsten Nietzsche-Forscher illustriert, dem Herausgeber der ersten englischen Nietzsche-Ausgabe Oscar Levy und dem italienischen Germanisten Mazzino Montinari, dem Herausgeber der heute verbindlichen Kritischen Nietzsche-Ausgabe.
Beide Nietzscheforscher waren dem Nietzschehaus in Sils Maria sehr verbunden. Levy über seine Familie Rosenthal-Levy, die das Haus immer wieder beschenkt hat. Montinari war regelmässig zu Gast in Sils Maria und im Nietzschehaus.
Im dritten Ausstellungsraum, in dem sich auch – öffentlich nicht zugänglich – die Bibliothek von Oscar Levy befindet, steht eine Vitrine mit originalen Handschriften und Erstdrucken Nietzsches. Die Exponate, die regelmässig ausgetauscht werden sollen, stammen aus der umfangreichen Sammlung Rosenthal, welche seine Familie dem Nietzsche-Haus gestiftet hat.
Im Jahr 1991 konnte die Stiftung das Mobiliar erwerben, das der junge Philologie-Professor für den ersten eigenen Haushalt in Basel am Spalenthorweg 48 in Naumburg bestellt hatte und das er bis zum Ende seiner Universitätstätigkeit in Basel (Mai 1879) durch mehrere Wohnungswechsel hindurch behielt. In ihrer bürgerlichen Solidität bilden diese Möbel einen starken Kontrast zur grossen Einfachheit des Nietzsche-Zimmers, das direkt gegenüber diesem Raum liegt. Der Kontrast der beiden Interieurs spiegelt Nietzsches Weg vom respektablen Universitätsprofessor zum „Einsiedler“ und „fugitivus errans“ (als den er sich selbst sah). Zu bewundern in diesem Raum ist u.a. der originale Lehnsessel, den Nietzsche für seinen Basler Haushalt anschaffte und 1879, als er die Professur niederlegte, seinem Arzt, Professor Rudolf Massini, schenkte.
Das Zimmer im ersten Stock, das Friedrich Nietzsche sieben Sommer lang (1881 und 1883-1888) im Haus Durisch mietete, ist in seinem schlichten Originalzustand erhalten. Das Mobiliar stammt aus dem ältesten Silser Hotel, „Alpenrose“, in dem der Philosoph das Mittagessen einzunehmen pflegte. Links neben dem Fenster ist an der Wand ein Stück der Tapete zu sehen, die Nietzsche im Sommer 1883 auf eigene Kosten und nach einem selbst ausgewählten Muster anfertigen und anbringen liess. Es ist kein Zufall, dass auch die Tischdecke, wie die Tapete, in grünen Tönen gehalten ist. Auch in diesem Fall bestimmte der Philosoph selbst, welche Farbe der Stoff haben sollte. Nietzsche hat den „nächsten Dingen“, die unseren Alltag ausmachen, grosse Aufmerksamkeit geschenkt, denn er wusste um ihren unmittelbaren Einfluss auf Körper und Geist. Der Philosophieprofessor Paul Deussen, der Nietzsche im September 1887 in Sils Maria besuchte, hat in seinen Erinnerungen das Zimmer seines Freundes skizziert: „Am nächsten Morgen führte er mich in seine Wohnung, oder wie er sagte, in seine Höhle. Es war eine einfache Stube in einem Bauernhause, drei Minuten von der Landstrasse: Nietzsche hatte sie während der Saison für einen Franken täglich gemietet. Die Einrichtung war die denkbar einfachste. An der einen Seite standen seine mir von früher her meist noch wohlbekannten Bücher, dann folgte ein bäurischer Tisch mit Kaffeetasse, Eierschalen, Manuskripten, Toilettengegenständen in buntem Durcheinander, welches sich weiter über Stiefelknecht mit darin einen steckendem Stiefel bis zu dem ungemachten Bette fortsetzte.“
Im Aufstieg zum ersten Stock des Hauses sieht man Nietzsches „Sils-Maria“-Gedicht im Faksimile. Eine Sammlung von Übersetzungen des Gedichts in andere Sprachen findet sich an der linken Wand des Aufgangs.
Eine Vitrine im Flur orientiert über die sieben Sommer-Aufenthalte Nietzsches in Sils Maria und seine Begegnungen mit Zeitgenossen im Engadin. Aus der beachtlichen Zahl von Kontakten und Beziehungen werden exemplarisch zwei Persönlichkeiten hervorgehoben: Mathilda von Meysenbug und Heinrich von Stein.
Am Ende des Flurs findet sich vor dem Glasfenster von Gerhard Richter eine Lese-Ecke für Besucher.
Kaum ein zweiter Philosoph hat die bildende Kunst der Moderne und Postmoderne so stark beeinflusst wie Friedrich Nietzsche. Seine aussergewöhnliche Popularität in der europäischen Kunstszene verwundert nicht, wenn man bedenkt, welchen Stellenwert dieser Philosoph der Kunst immer wieder einräumt. In einem Nachgelassenen Fragment aus dem Sommer 1885 notiert Nietzsche: „In der Hauptsache gebe ich den Künstlern mehr Recht als allen Philosophen bisher: sie verloren die große Spur nicht, auf der das Leben geht, sie liebten die Dinge „dieser Welt“ — sie liebten ihre Sinne. […]“
Seit 1978 bietet die Stiftung Nietzsche-Haus in Sils-Maria Künstlern, deren Werke einen Bezug zur Region oder zu Nietzsches Denken besitzen, die Möglichkeit, kleine Ausstellungen im Nietzsche-Haus zu realisieren, die in der Regel ein Jahr, von Sommer zu Sommer, im Haus bestehen bleiben (siehe auch „Wechselausstellungen Archiv„).
Vom 22. Juli 2021 bis zum 21. Juli 2022: „Oberengadiner Kunstlandschaften“ mit Werken von Friedrich Dürrenmatt, Paul Flora, Jacques Guidon, Hermann Hesse, Gerhard Richter, Varlin, Ursina Vinzens, Not Vital. Kurator: Prof. Dr. Peter André Bloch
Vernissage: Am Donnerstag, den 22. Juli, 17:00 Uhr in der Chesa Matossi beim Nietzsche-Haus