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(mmo) Die richtige Distanz für einen Vollblüter zu finden, ist bisweilen hohe Kunst. Generationen von Züchtern versuchten diesem Mysterium ebenso auf die Spur zu kommen, wie Heerscharen von Trainern - oft erweisen sich die aus Trainingseindrücken gezogenen Schlüsse im Rennen als nicht richtig. Manchmal tappt man auch nach den ersten Renn-Einsätzen noch im Dunkeln.
Im 2010 verkündeten irische Forscher den Durchbruch. Ein in langer Forschungsarbeit entwickelter Test (dem "Equinom Speed Gene Test") gibt gemäss den Forschern verlässliche Angaben, auf welcher Distanz ein Pferd optimale Leistungen bringt.
Die Forscher haben nun neue, verblüffende Erkenntnisse präsentiert. Sie hatten sich auf die Suche gemacht nach dem "Speed-Gen". Also demjenigen Gen, welches für Schnelligkeit, eben für "Speed", verantwortlich ist.
Dazu untersuchten sie die DNA von 600 Pferden von 22 eurasischen und nordamerikanischen Linien, extrahierten aus in Museen gelagerten Skelettknochen die DNA von 12 berühmten Deckhengsten, die zwischen 1764 und 1930 geboren wurden. Weiter von 330 aktuellen Deckhengsten von drei Kontinenten - und von 40 Eseln sowie 2 Zebras.
Daraufhin verfolgten sie alle modernen Varianten des Original-Speed-Gens bis zum legendären Nearctic (1954 - 1973), und weiter bis zu Nearctics Sohn Northern Dancer (1961 - 1990).
Die Datenanalyse brachte es an den Tag: Eine vor rund 300 Jahren eingekreuzte Britische Shetland-Ponystute ist als sehr wahrscheinlich einzige Quelle des C-Speed-Gens für die Vollblutzucht identifiziert worden.
Dazu muss man wissen, dass die besten Hengste jener Zeit (im 17. und 18. Jahrhundert) allesamt Träger einer anderen Variante dieses Gens, des T-Typs waren. Alle untersuchten Hengste von damals hatten zwei Kopien des T-Typ-Gens (waren also T:T-Träger), welches verantwortlich ist für die Ausdauer, die Stamina der Rennpferde.
Der Grund für die totale Dominanz des T-Speed-Gens bei den damaligen Cracks ist gemäss den Forschern folgender: "Damals wurden die wichtigsten Rennen nur zwischen zwei Pferden ausgetragen, über Distanzen zwischen zwei und fünf Meilen und sie wurden in mehreren Läufen hintereinander bestritten."
Dass unter diesen Rahmenbedingungen Ausdauer gegenüber purer Schnelligkeit im Vorteil war, liegt auf der Hand.
Bis zur heutigen Zeit hat sich der Rennsport deutlich verändert. Auch wenn in vielen der wichtigsten Rennen (wie der Prix de l'Arc de Triomphe) nach wie vor einiges an Stehvermögen verlangt wird, ist immer mehr ist Frühreife und Schelligkeit gefragt. Die stetige Zuchtauswahl hat die Häufigkeitsverteilung der Gen-Varianten zum Beispiel in Australien im Vergleich zur Situation von vor rund 300 Jahren in England/Irland (T:T) deutlich verändert: Down under ist der C:C-Typ weiter verbreitet. Der Typ also, der schnelle, frühreife Kurzdistanz-Pferde auszeichnet. Die Nachfrage am Markt ist für Pferde mit mindestens einer C-Gen-Kopie ganz einfach höher. Die Züchter haben dies natürlich längst gemerkt und entsprechend reagiert.
Interessanterweise haben die Forscher herausgefunden, dass es nur einen einzigen Typen des C-Speed-Gens gibt, aber 11 verschiedene Typen des T-Speed-Gens - sie schliessen daraus, dass das C-Speed-Gen nur ein einziges Mal in die Vollblut-Zucht eingeschleust wurde. Eben vor rund 300 Jahren, durch die bereits erwähnte Shetland-Pony-Stute.
Ponyrennen haben also noch mehr gemeinsam mit Pferderennen als manch einer gedacht hatte!
(notabene: Der Hinweis zu diesem interessanten Thema stammt aus unserem Leserkreis. Herzlichen Dank! Wir sind immer froh um solche Tipps...)