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“Wir sind wie Wildschweine: alle zusammen“
Indem sie das Verhalten der Wildschweine (Yawa) als Symbolik benutzen, bestätigt diese Aussage der Yawanawá ihren Zusammenhalt als Gruppe und das stabile Verhältnis zu ihrem Lebensraum, der sich gegenwärtig im Indio-Territorium (IT) “Rio Gregório“ befindet.
Yawanawá

Andere Namen: Iauanauá

Sprachfamilie: Pano
Population: Bolivien: 630 (1993), Brasilien 541 (2010), Peru 324 (1993)
Region:Bolivien, Brasilien (Bundesstaat Acre), Peru
|INHALTSVERZEICHNIS

Name
Sprache
Lebensraum
Bevölkerung
Gesellschaftliche und politische Organisation
Aktivitäten zur Selbsterhaltung
Kunsthandwerk
Schamanismus
Rituale
Gegenwärtige Aspekte des Kontakts
Die “Yawanawa” (yawa/Wildschwein; nawa/Leute) sind ein indigenes Volk, welches zur linguistischen Familie “Pano“ gehört und gegenwärtig im “IT Rio Gregório“ (Bundesstaat Acre) lebt. “Yawanawá“ erscheint in den historischen Aufzeichnungen in unterschiedlichen schriftlichen Versionen: Zum Beispiel als “Yawavo“ oder “Yauavo“, “Jawanaua, Yawanaua“ oder “Iawanawa“. Die von uns benutzte Schreibweise “Yawanawá“ stammt von den Indios selbst, so wie sie auf ihren heutigen Personalausweisen und anderen Dokumenten erscheint.
Die Yawanawá-Gesellschaft ist eigentlich ein Zusammenschluss, der auch Mitglieder anderer Völker in sich vereint, wie die “Shawãdawa (Arara), Iskunawa (gegenwärtig bekannt als “Shanênawa“, sie leben in einem Dorf in der Nähe des Ortes “Feijó), Rununawa, Sainawa (besser bekannt als “Yaminawa“, sie wohnen in der Region des Bagé), und die Katukina. Diese Konfiguration ist das Ergebnis einer eigenen soziologischen Dynamik verschiedener Pano-Gruppen – Verbindungen durch Eheschliessungen, Entführungen von Frauen während kriegerischer Konflikte, Zuwanderungen von Familien – und einer Reihe von historischen Ereignissen, insbesondere der Veränderungen, die durch das Erscheinen des Weissen Mannes ausgelöst wurden – Epidemien, demografische Degradation. Durch diese Prozesse haben sich Personen aus anderen indigenen Völkern zusammengefunden, die schon seit historischen Zeiten mit den Yawanawá Beziehungen unterhielten.
Unter den “Yaminawa“ des ITs “Cabeceira do Rio Acre“ existiert eine Untergruppe, die sich ebenfalls “Yawanawa“ nennt. Jedoch sind sie den Yawanawá vom Rio Gregório unbekannt.
Die Sprache der Yawanawá gehört zur linguistischen Familie “Pano” und wird von anderen Pano-Gruppen, wie den “Shanênawa, Yaminawá, Shawãdawa“ und “Sainawa“ gut verstanden. Heute ist die Mehrheit der Bevölkerung zweisprachig, je nach Altersgruppe sind die Kenntnisse der indigenen Sprache und des Portugiesisch mehr oder weniger vorhanden. Unter den Älteren benutzt man vorzugsweise die indigene Sprache, Portugiesisch Kenntnisse sind unter ihnen weniger oder in einigen Fällen gar nicht entwickelt. Unter den Kindern und jüngeren Mitgliedern gibt es drei unterschiedliche Situationen, die von den Familien abhängen, zu denen sie gehören: jene, die sich zweisprachig ausdrücken können – andere, die Portugiesisch beherrschen und die indigene Sprache verstehen, ohne sie zu sprechen – und wieder andere, Einsprachige, die nur Portugiesisch sprechen.
Die Yawanawá bewohnen den südlichen Teil des Indio-Territorium (IT) Rio Gregório, das sie sich mit den “Katukina“ des Dorfes “Sete Estrelas“ teilen. Ihr IT, gelegen im Munizip von Tarauacá, war das erste, das im Bundesstaat Acre demarkiert wurde, es befindet sich am Oberlauf des Rio Gregório, einem Nebenfluss des Rio Juruá.
Das Städtchen Tarauacá stellt einen Anziehungspunkt für die Yawanawá dar: In dieser Stadt befindet sich das Büro des OAEYRG (Organisation der Yawanawá-Bauern und –sammler vom Rio Gregório) – hier wohnen verschiedene Yawanawá-Familien – und sie ist der Ort, wo die Yawanawá ihre Rechte einfordern und ihren Pflichten als brasilianische Staatsbürger nachkommen. Hier erhalten sie ihre Renten und wählen ihre Politiker – die Stadt ist der nächstgelegene Ort für den Kauf von Industriegütern, und auch Anlaufstelle für medizinische Hilfeleistungen, wenn ein Gesundheitsproblem mal nicht in ihrem Dorf gelöst werden kann. Die grösseren Städte Cruzeiro do Sul und Rio Branco sind weitere Alternativen. Trotz der Schwierigkeiten, die sich für Personen ohne entsprechende finanzielle Mittel in der Stadt ergeben, können die Yawanawá sich auf eine Infrastruktur stützen, die ihnen einen kurzen Aufenthalt in Würde möglich macht.
Die Reise nach Tarauacá ist jedoch stets schwierig und langwierig: In der Trockenperiode, weil der Fluss dann zu wenig Wasser führt, um ein Motorboot zu benutzen – in der Regenperiode, weil dann die Strasse überflutet ist und sich in einen Morast verwandelt, der den Autoverkehr unmöglich macht. Vom Dorf bis zu der Stelle, an der die Strasse BR-364 den Fluss kreuzt, sind es drei bis vier Tage per Kanu, und von dort bis nach Tarauacá muss man dann noch vier Tage zu Fuss gehen. Einige ältere Yawanawá, die alle zwei Monate in die Stadt müssen, um dort ihre kleine Rente abzuholen, sehen inzwischen darin mehr Unannehmlichkeiten als Vorteile.
Nach einer Volkszählung, durchgeführt von den Yawanawá selbst, im Jahr 1997, betrug die Gesamtzahl 450 Personen, davon wohnten zirka 30 in den umliegenden Städten Tarauacá, Cruzeiro do Sul, Feijó und Rio Branco, oder in anderen indigenen Dörfern, wie zum Beispiel denen der “Shanênawa“ von Feijó, oder den “Kaxinawá“ des Dorfes “Caucho“.
Dank der Errichtung eines Sanitätspostens innerhalb des Dorfes, zu Beginn der 1990er Jahre, und der Ausbildung verschiedener indigener Sanitäter durch die FUNAI, ab 1988, konnte man die Bedrohung durch Krankheiten wie Malaria, Lungenentzündung, Masern und Mumps weitgehend mindern. Seit 1992, dem Jahr, in dem die Yawanawá definitiv in ihr neues Dorf (Nova Esperança) umzogen, starben lediglich ein paar Neugeborene und ein junger Mann von 22 Jahren durch Krankheiten – dieser letzte war Opfer einer Epidemie, die zwischen Oktober und November 1998 das Städtchen Tarauacá und verschiedene Indio-Dörfer am Acre heimsuchte – die Symptome der Krankheit glichen denen einer Cholera-Epidemie.
Die Verbesserung der gesundheitlichen Voraussetzungen ermöglichte eine bemerkenswerte Zunahme der Bevölkerung, mit einer wachsenden Geburtenrate und einem bedeutenden Rückgang der Kindersterblichkeit: Innerhalb von sechs Monaten starb lediglich ein Neugeborenes, was in krassem Gegensatz zu den Aussagen verschiedener Frauen steht, die eine hohe Zahl von toten Kindern beklagen, bevor der Sanitätsposten existierte. Gegenwärtig gibt es eine Tendenz zur Sterilisation der Frau nach der Geburt mehrerer Kinder, und des konstanten Gebrauchs der traditionellen empfängnisverhütenden Mittel aus der Natur.
Die Yawanawá-Bevölkerung ist allerdings nicht auf ein einziges Dorf beschränkt, sondern lebt verteilt auf verschiedene Örtlichkeiten – in Niederlassungen, die aus einem oder mehreren Häusern bestehen und von Grossfamilien bewohnt werden – am Ufer des Rio Gregório, darunter das bedeutendste dieser Dörfer, “Nova Esperança“, in dem ihr gegenwärtiger Führer wohnt. Nova Esperança (in Portugiesisch: Neue Hoffnung) wurde im Jahr 1992 gegründet, nachdem die Gruppe das Latex-Sammellager “Kaxinawa“ verlassen hatte, wo sie seit der Zeit des Gummi-Booms lebte, als sie noch für die “Gummibarone“ jener Zeit die Knochenarbeit erledigten.
Das verwandtschaftliche System richtet sich nach dem drawidischen Schema, indem es die Personen vom Gesichtspunkt eines Individuums unterteilt in Blutsverwandte und Verschwägerte, und Eheschliessungen mit den Kindern der Schwester des Vaters und des Bruders der Mutter befürwortet. Noch heute gibt es ein paar Beispiele von Polygamie, jedoch in der Regel befolgt man nach der Heirat das Gesetz der Uxorilokalität, die nur dann ausser Kraft gesetzt wird, wenn unter den entsprechenden Schwiegervätern ein signifikantes Missverhältnis bezüglich ihrer Macht besteht. Der Vater des Ehemannes, falls er ein bedeutender Mann ist, könnte zum Anziehungspunkt für die Ehefrauen seiner Söhne werden. Es gibt zwölf Ehen zwischen Indigenen und Weissen der Region (ehemalige Gummisammler), die ebenfalls in der Kommune wohnen.
Die Tatsache, dass sich auch Angehörige anderer Ethnien unter den Mitgliedern der Yawanawá-Kommune registriert haben, hat keinen Einfluss auf die Existenz eines Systems von Hälften, Clans oder Sektionen, wie es auch unter anderen Pano-Gruppen gebräuchlich ist, sondern reflektiert eine sukzessive Einordnung von Individuen anderer Gruppen während des letzten Jahrhunderts.
Alle Mitglieder besitzen zwei oder mehr Namen, einen portugiesischen und andere in ihrer indigenen Sprache. Jedes neugeborene Kind erhält einen Namen seitens des Vaters, den dieser unter den Onkeln und Tanten väterlicherseits aussucht, und einen anderen seitens der Mutter, der unter den Onkeln und Tanten mütterlicherseits ausgesucht wird. So erscheinen bestimmte Namen stets wieder in den neuen Generationen.
Aktivitäten zur Selbsterhaltung
Die Jagd und der Fischfang sind die beiden bedeutendsten wirtschaftlichen Aktivitäten der Yawanawá. Während der Trockenperiode organisieren sie grosse Fischzüge, an denen fast die gesamte Kommune teilnimmt – sie bilden die Basis für bedeutende gesellschaftliche Events (“Festgelage“, wie sie von den Yawanawá selbst bezeichnet werden). Sie bedienen sich verschiedener pflanzlicher Gifte (Tingui – einem milchigen Lianensaft), der ins Wasser gegossen wird und dir Fische betäubt – sie können an der Oberfläche eingesammelt werden. Während der Regenzeit, wenn die grossen Wildtiere deutliche Spuren hinterlassen, wird die Jagd zur bedeutendsten Nahrungsquelle.
Grundnahrungsmittel, die sie durch ihre Feldarbeit zur Verfügung haben, sind Maniok, Bananen und Mais – sie kultivieren jedoch auch andere Pflanzen, wie Reis, Süsskartoffeln, Papayas, Ananas und Zuckerrohr.
Die Herstellung von Kunsthandwerk – Keramik, Körperbemalung, Waffen aus Holz, Korbflechterei – liegt in den Händen von wenigen Personen, besonders der Älteren – obwohl es inzwischen Bestrebungen gibt, dieses Wissen an die neuen Generationen weiterzugeben. Auffällig ist besonders die Vielfalt der verschiedenen Körper-Designs, die zum Beispiel beim “Mariri-Fest“ (mehr darüber unter “Rituale“), sie werden mit dem roten Urucum- und/oder dem schwarzen Jenipapo-Saft angelegt, Pflanzenfarben, die manchmal noch mit einem duftenden Baumharz auf der Haut fixiert werden. Röcke aus Buriti-Palmfasern, Federkronen und Armbänder aus Palmstroh werden ebenfalls als Körperschmuck während der rituellen Feste benutzt.
Einige Personen fertigen noch Waffen an (Lanzen, Bogen, Pfeile und Keulen, die traditionell bei kriegerischen Auseinandersetzungen zum Einsatz kamen), hergestellt aus Taboca- und Palmholz, dekoriert mit Zeichnungen, Baumwollfäden und Federn vom Ara, Tukan und Papagei. Während die Herstellung von Waffen exklusiv dem Mann vorbehalten ist, gehört die Bemalung zur femininen Sphäre, auch die Herstellung von Keramik und das Flechten von Matten und Körben. Die Produktionsprozesse von Waffen und Keramik unterliegen ausserdem verschiedenen Enthaltungsvorschriften, die während ihrer Herstellung von den Kunsthandwerkern eingehalten werden müssen, damit ihre Arbeiten gelingen und ihren Zweck erfüllen.
Obwohl gegenwärtig das hervorstechendste Merkmal des Schamanismus der Yawanawa die Heilung ist, erstreckten sich seine Funktionen in vergangenen Zeiten auch auf andere Aspekte der Kultur, wie zum Beispiel die Kriegführung und die Jagd. Was die Heilung betrifft, so existieren verschiedene Techniken, die von den Yawanawá-Schamanen zur Anwendung kommen – der Heilungsgesang, das Ausblasen der Krankheit, das Aussaugen – unter ihnen ist das Gesundbeten (sie nennen es “Shuãnka“) heutzutage von besonderer Bedeutung. Während einer solchen Heilungs-Zeremonie trinkt der “Xinaya“ – so nennen sie den Heiler – Ayahuasca (ein Halluzinogen aus dem Saft einer bestimmten Liane) und betet über einem Topf voll “Caiçuma de mandioca“ (Maniokgetränk) von dem der Kranke anschliessend zur Reinigung seines Körpers trinken muss. Ein interessanter Aspekt dieser Praxis ist, dass die Krankheitsdiagnose des Schamanen auf einem Traum des Patienten beruht, den dieser träumte, bevor er krank wurde.
So wie es unterschiedliche schamanistische Techniken gibt, kennt man auch unterschiedliche Namen für die jeweiligen Behandlungsspezialisten (Yuvehu, Kushuintia, Shuintia). Die Einführung in die schamanistischen Praktiken besteht aus vier parallelen Prozessen: der Absolvierung bestimmter Prüfungen (das Herz einer Anakonda aussaugen – einen Bienenstock ausräumen) – der Befolgung strikter Entbehrungen, die eine sexuelle Enthaltung und das Meiden bestimmter Nahrungsmittel beinhalten – dem Inhalieren bestimmter halluzinogener Substanzen (Ayahuasca, Pfeffer, Schnupftabak, “Rarë“ – eine noch nicht identifizierte Pflanze, Tabaksaft) – und dem Erlernen von spezifischen Inhalten einer jeden Technik, gemeint sind die Heilungsgesänge und –gebete.
Die Macht eines Schamanen ist ambivalent – er kann seine Kapazität simultan zur Heilung und zum Krankmachen einsetzen! So geschieht es, dass Beschuldigungen der Hexerei und der Vergiftung auch unter den Yawanawá nicht selten sind – sowohl intergruppal als auch intragruppal – und sie provozieren manchmal sogar gesellschaftliche Spannungen, die zu Abspaltungen von Familien und Clans führen können. 1999 befanden sich in der Yawanawá-Kommune zwei Gesundbeter und fünf Spezialisten für therapeutische Behandlungen.
Den Festen kommt eine besondere Bedeutung in der Konstitution gesellschaftlicher Beziehungen zu, welche die Yawanawá mit anderen indigenen Gruppen unterhalten, sie sind aber auch für ihren eigenen Zusammenhalt wichtig. “Saiti“ (sai – heisst schreien) ist das Yawanawá-Wort, mit dem sie “das Fest“ bezeichnen. “Mariri“ – eigentlich kein echtes Yawanawá-Wort – gebraucht man inzwischen für den gleichen Zweck, und es wird auch von den anderen Gruppen der Region dafür benutzt. Das “Uma aki“ (Fest des Caiçuma) dauert mehrere Tage und bezieht sich auf die intergruppalen Beziehungen – an dem Fest nehmen deshalb andere Kommunen teil. Dieses Ritual besteht aus verschiedenen Sequenzen, von denen einige auch bei kleineren Festlichkeiten auftauchen: verschiedene Spiele, Einnahme und Erbrechen des Caiçuma, kriegerische Inszenierungen, Tänze und Gesänge.
Es gibt zwei besonders beliebte Spiele: Bei dem einen geht es um das gegenseitige Abjagen von Zuckerrohr-, Papaya- oder Melonenstücken (das Spiel heisst “Mehina“ – dem Andern wegnehmen) – beim andern werden Tiere imitiert (es heisst “Kanë“ – sich verändern). Im Verlauf dieses Spiels kann man auf der einen Seite die rigorosen verwandtschaftlichen Normen beobachten – ein jeder spielt mit Cousins und Schwagern des anderen Geschlechts, das heisst mit jenen, die den idealen Sexualpartner verkörpern. Wenn zu solchen Festen dann auch verschiedene Gruppen von ausserhalb anwesend sind, löst sich die Gegnerschaft zwischen den eigenen Leuten auf, und man konzentriert sich nunmehr nur noch auf eine Gegnerschaft zwischen Männern und Frauen – und daraus entstehen oft spätere eheliche Verbindungen.
Das Getränk “Caiçuma de mandioca“ – das von den Frauen gekaut und zum Gären in einen gemeinsamen Pott gespuckt wird – spielt eine bedeutende Rolle bei diesem Fest. Es wird von den Frauen zubereitet und von ihnen auch den Männern angeboten – und die müssen es nach dem Trinken über die Frauen erbrechen. Der ganze rituelle Prozess findet in “gekreuzter Form“ statt: Die Yawanawá-Frauen spielen mit den Männern anderer Gruppen, während die Yawanawá-Männer das “Caiçuma-Getränk“ der Besucherinnen trinken und erbrechen.
Das “Mariri“, es wird während der Nacht zelebriert, besteht aus einer Reihe von Tänzen und Gesängen mit einem lustigen, metaphorischen Einschlag. Während des Rituals trinken einige Personen Ayahuasca (Uni), meistens erwachsene Männer.
Es gibt noch ein Ritual der Regenperiode (Yuina yunua – zur Jagd schicken) bei dem die Frauen in unterhaltsamer Art und Weise die Früchte beschreiben, von denen sich jene Tiere ernähren, die sie gerne auf ihrem Grill sehen würden – daraufhin organisieren die Männer eine besondere Jagd und bei ihrer Rückkehr tauschen sie das erlegte Fleisch mit den Frauen gegen einen von diesen zubereiteten Maisbrei ein.
Die Yawanawá unterhalten kontinuierliche Kontakte mit der weissen Bevölkerung seit ungefähr einem Jahrhundert: Zuerst waren es flüchtige, von Gewalt geprägte Begegnungen mit peruanischen Kautschuksammlern und später ein dauerhafterer Kontakt mit den brasilianischen Gummibaronen. Während Jahrzehnten arbeiteten sie für verschiedene Unternehmer, für die sie Latex im Sammellager “Kaxinawa“ produzierten, das sie erst im Jahr 1992 verliessen, anlässlich der Implantierung neuer Projekte in Partnerschaft mit ausländischen Privatunternehmen.
Zu Beginn der 1980er Jahre veränderte sich dieses Panorama gewaltig. Junge Stammesführer, in der Stadt erzogen und sich der indigenen Rechte bewusst, erreichten die Anerkennung und die Demarkation des IT Rio Gregório durch die Landesregierung und, unterstützt von der FUNAI und durch die Kommission „Comissão Pró-Índio do Acre“, vertrieben sie die Angestellten der “Paranacre“, eines Unternehmens, das ein Gebiet innerhalb ihres Territoriums zur Ausbeutung des Baumbestands und anschliessender Viehzucht gekauft hatte. Zur gleichen Zeit warfen sie auch die Pastoren der Mission “Novas Tribos do Brasil“ hinaus, die sich seit Jahren in ihrem Dorf niedergelassen hatten, denn diese “ungebetenen Gäste“ hatten immer wieder Konflikte heraufbeschworen, nachdem sie sich davon überzeugt hatten, dass sich einige indigene Praktiken, wie der Konsum von Ayahuasca oder bestimmte rituelle Tänze, nicht mit der von ihnen vertretenen Doktrin vereinbaren liessen. Obwohl die Erinnerung an die Missionare noch nicht verblasst ist, bekennen sich nur einige wenige Dorfbewohner zu deren religiösen Überzeugungen, und noch wenigere Yawanawá unterhalten weiterhin einen Kontakt mit den Pastoren.
Nach der Demarkation des IT begann eine neue Etappe, geprägt von der Ausführung neuer Projekte, welche eine wirtschaftliche Alternative für die erhaltende Entwicklung des Dorfes zum Ziel hatte: Mit der “Aveda Corporation“ schlossen sie einen Vertrag zur Produktion von Urucum, einer Pflanze, die sie aus eigener Erfahrung (Körperbemalung) sehr gut kennen, und die in der Herstellung kosmetischer Produkte Verwendung findet.
Wichtig ist auch zu erwähnen, dass die Yawanawá in dieser neuen Etappe eine Schule und einen Sanitätsposten in ihrem Dorf gegründet haben – die Schule wird von ausgebildeten indigenen Lehrern und der Sanitätsposten von indigenen Sanitätern geführt.
Deutsche Übersetzung/Bearbeitung Klaus D. Günther