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Montag, 20.08.2018 / 11:17
Zensierte chinesische Google-Suche soll schon fast fertig sein
1400 Google-Mitarbeiter haben einen Brief unterzeichnet, in welchem sie dagegen protestierten, dass der Konzern heimlich an einer zensierten Version seiner Suchmaschine für China arbeite. Dies berichtete die 'New York Times'
letzte Woche.
Im Brief forderten die Mitarbeiter mehr Transparenz, denn das Projekt namens "Dragonfly" werfe "drängende moralische und ethische Probleme auf". Google-Chef Sundar Pichai hatte den Mitarbeitern das Projekt bestätigt, Transparenz versprochen
und die Arbeiten als "explorativ" und als "in einer frühen Phase" definiert.
Pichai argumentierte, dass es nicht helfen würde, den Chinesen den Zugang zu Google-Produkten vorzuenthalten. "Ich glaube aufrichtig, dass wir einen positiven Einfluss haben, wenn wir uns weltweit engagieren, und ich sehe keinen Grund, warum das in China anders sein sollte", sagte er laut
einem Transkript beim Mitarbeiter-Treffen, das 'Bloomberg' zur Verfügung gestellt wurde.
Die News-Site 'The Intercept'
, welche als erste über das Projekt berichtet hatte, publiziert nun zwei weitere Aspekte rund um das Projekt:
Erstens habe Google-Mitgründer Sergei Brin am selben Mitarbeiter-Meeting gesagt, er habe bis anhin keine Ahnung vom Projekt "Dragonfly" gehabt.
Zweitens, so 'The Intercept' mit Verweis auf Google-interne Dokumente, sei das Projekt "Dragonfly" überhaupt nicht in einem frühen Stadium, sondern weit fortgeschritten: Den Google-Mitarbeitern, die an Dragonfly arbeiteten, sei im Juli gesagt worden, dass sie das Projekt zum raschen Launch fertig halten sollen und man nur noch auf die Genehmigung von Peking warte.
Bereits hat eine parteiübergreifende Gruppe von sechs US-Senatoren Googles Zensurpläne für den Marktzugang in China als "zutiefst beunruhigend" bezeichnet. Und Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International, Human Rights Watch oder Reporter ohne Grenzen haben sich ebenso geäussert.
Eine Reaktion der Google-Mitarbeiter auf die neuen Enthüllungen ist noch nicht bekannt. Anfang dieses Jahres gab es bereits Google-interne Proteste gegen ein Projekt zur Entwicklung künstlicher Intelligenz für die Bild-Analyse von US-Militärdrohnen. Die Mitarbeiter-Proteste veranlassten Google dazu, das Projekt abzubrechen und eine Reihe von ethischen Prinzipien für künstliche Intelligenz herauszugeben. (mag)