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| Hieronymus († 420) - Briefe

VII. Briefe an Augustinus von Hippo
105. An Augustinus
5.
Du bemerktest noch, Du seiest bereit, meine Kritik an dem, was mir in Deinen Schriften mißfällt, und was ich verbessert wünsche, freundschaftlich entgegenzunehmen. Du würdest Dich über einen solchen Beweis meines Wohlwollens freuen, ja Du batest mich direkt darum. Soll ich offen meine Meinung sagen? Mit diesem Ansinnen forderst Du einen alten Mann heraus, zwingst einen, der schweigen möchte, zum Reden und erweckst den Anschein, mit Deinem Wissen prunken zu wollen. Für einen Mann in meinem Alter schickt es sich nicht, dem gegenüber als böswillig zu erscheinen, dem ich doch Liebe schulde. Und wenn es verkehrte Menschen gibt, welche glauben, selbst an den Evangelien und den Propheten tadeln zu müssen, wunderst Du Dich dann, wenn mir in Deinen Werken, zumal in der Erklärung der heiligen Schriften, die an sich sehr dunkel sind, das eine oder andere vom geraden Wege abzuirren scheint? Dies sage ich nicht in dem Sinne, als ob [S. 432] ich schon etwas zu Tadelndes in Deinen Büchern gefunden hätte. Denn ich habe mich mit ihnen noch nicht beschäftigt. Auch besitzen wir hier keine Abschriften, von den Soliloquien abgesehen und von einigen Psalmenkommentaren. Von diesen müßte ich, wenn ich darüber reden wollte, schon sagen, daß sie nicht etwa von meiner Auffassung, da ich ja ein Nichts bin, wohl aber von der der alten griechischen Väter abweichen. Lebe wohl, geliebtester Freund, der Du dem Alter nach mein Sohn sein könntest, der Würde nach mein Vater bist! Eines aber bitte ich zu beachten. Schreibst Du wieder einmal an mich, dann trage dafür Sorge, daß ich das für mich bestimmte Schreiben auch zuerst erhalte!