Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03129.jsonl.gz/1016

OSTEOPATHIE
1. GESCHICHTE DER OSTEOPATHIE
Die Osteopathie wurde als eigene Medizinrichtung 1874 durch Andrew Taylor Still (1828- 1917) in den USA gegründet. Unzufrieden über den Zustand der Schulmedizin der damaligen Zeit und machtlos als Arzt bei den meisten damaligen Krankheiten, ging er auf die Suche nach einem neuen Verständnis von Medizin. Schon damals sah er die Bedeutungeiner ganzheitlichen Sicht und die gegenseitige Abhängigkeitverschiedener Systeme innerhalb des Menschen. Er gründete 1892 in Kirksville, Missouri " The AmericanSchool of Osteopathy". Anfangs des 20. Jahrhunderts wurde die erste europäische Schule für Osteopathie in Grossbritannien gegründet ("British School of Osteopathy"). Später gelangte sie nach Frankreich und erst Ende der Achtzigerjahre nach Deutschland und in die Schweiz. Seit dieser Zeit hat sich die Osteopathie ständig weiterentwickelt und sich den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst.
2. GRUNDLAGEN DER OSTEOPATHIE
Der Körper funktioniert dank der Möglichkeit, Bewegungen auszuführen. Es handelt sich dabei nicht nur um die bekannten Bewegungen von Gelenken, sondern auch um feine, rhythmische und unbewusste Bewegungen von beinahe allen Körperstrukturen und Organen. Der Rhythmusder Lunge und des Herzens sind allen bekannt, aber auch die Peristaltik des Darmtraktes, die Bewegungen des Blutes, der Lymphe sowie der Hirnflüssigkeit gehören dazu. Jede dieser Strukturen und jedes Gewebe, jedes Organ hat seinen eigenen Rhythmus. Die Nieren beispielsweise legen pro Tag einen Weg von ca. 600 m zurück, bei jeder Einatmung 1,5 cm nach unten, bei jeder Ausatmung 1,5 cm nach oben. Der Osteopath spürt und erkennt diese Rhythmen. "Stillstand ist Rückschritt" sagt ein Sprichwort. Umgekehrt könnte man auch sagen: Alles was lebt, bewegt, fliesst. Fliessendes Wasserwird immer wieder aufgefrischt, stillstehendes Wasser wird trübe und damit zu einem Ansteckungsherd. Das gleiche geschieht im Körper.Selbst ein geringer Bewegungsverlust von Organen oder Gelenken kann bereits zu einer Verschlechterung der Funktion und zu eventuellen Schmerzzuständen führen. Die Ursachen von Beweglichkeitsverlust sind sehr vielfältig. Verstauchungen, Zerrungen, Entzündungen, Operationenbestimmte Narben (z. B. nach Blinddarmentfernung), aber auch bestimmte Lebensgewohnheiten und Ernährungsmuster können zu Bewegungseinschränkungen führen.
1. Der Körper ist eine funktionelle EinheitKörper, Geist und Seele bilden eine Einheit. Der menschliche Organismus entwickelt eine konstante Wechselwirkung mit seiner Umgebung.
2. Die Struktur und die Funktion sind wechselseitig abhängig. Die Funktion wird von der Strukturbestimmt, und die Struktur resultiert aus der Funktion (Frei übersetzt nach A. T. Still). So besitzen die Muskeln die Funktion der Mobilität und die Knochen haben die Aufgabe zu stützen. Eine Veränderung der Struktur hat zwangsläufig eine Veränderung der Funktion zur Folge (z. B. Arthrose).
3. Autoregulation oder Selbstheilung
Der Körper besitzt selbstregulierende Mechanismen, die imstande sind Krankheiten zu überwinden. Die osteopathische Behandlung soll dem Körper lediglich den Impuls zur Wiederherstellung dieser Autoregulation geben.
5. AUSBILDUNG ZUM OSTEOPATHEN
Voraussetzung ist eine abgeschlossene physiotherapeutische oder humanmedizinische Ausbildung. Danach folgt ein Berufsbegleitendes fünfjähriges Studium in Osteopathie mit anschliessender Diplomarbeit, die zum Titel Osteopath D. O. führt.
Standesorganisation
Die gemeinsame Kommission der Osteopathenvereine, die die ASO, die FOH, das ROCH, das RSO und die SAOM vereinigt, arbeitet seit vielen Jahren an der Gründung eines Osteopathenverbandes in der Schweiz.
Dieser Verband wurde am 2. Dezember 2005 in Bern im Rahmen der Gründungsversammlung ins Leben gerufen, unter dem Namen
"Fédération Suisse des Ostéopathes
Schweizerischer Verband der Osteopathen
Federazione Svizzera degli Osteopati (SVO-FSO)".
Er verbindet alle Osteopathen der Schweiz, die sich in einer gemeinsamen und ihren Beruf repräsentierenden Struktur gruppieren wollen. Der SVO-FSO wird sich künftig für die Korporation der Osteopathen bei den politischen und administrativen Instanzen unseres Landes einsetzen.