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Herrn Geheimrath Hansemann
Hochwohlgeboren
Berlin. 1
Zürich, den 1. November 1871
Hochgeehrter Herr Geheimrath!
Davon, daß auch Sie dafür halten, es sei die Errichtung eines neuen Vertrages an Stelle desjenigen vom 10. October d. J. unter Hinzuziehung aller neu beitretenden Mitglieder der verschiedenen Gruppen des Consortium's unnöthig, habe ich gebührende Vormerkung genommen. Für die gehörige Modifikation der Beitrittserklärungen der Schweizerischen & der Italienischen Gruppe an die Gotthardvereinigung & für die durch die letztere zu beurkundende Entlastung der Deutschen Bankinstitute & Bankhäuser, welche den Vertrag vom 10. October abhin abgeschlossen haben, für die von anderer Seite übernommenen Betheiligungsquoten werde ich besorgt sein, sobald die Betheiligung des Italienischen Capitales ab schließlich geordnet sein wird & jene beiden Acte somit in ihrem vollen Umfange vollzogen werden können.
Den Verpflichtungsschein anlangend, welcher nach Ihrem Dafürhalten die Mitglieder der Schweizerischen & der Italienischen Gruppe in | Betreff ihres Beitrittes zu dem Syndikatsvertrage dem Consortium gegenüber auszustellen haben werden, erlaube ich mir die Ansicht zu äußern, daß es vollkommen genügen dürfte, wenn dem Consortium gehörig beglaubigte Abschriften der von den Mitgliedern der Schweizerischen & der Italienischen Gruppe nach dem beiliegenden Formulare ausgestellten & der Gotthardvereinigung übergebenen Verpflichtungscheine zugestellt werden. Wollen Sie sich gefälligst rückantwortlich darüber aussprechen, ob Sie sich mit diesem Verfahren einverstanden erklären können.
Hinsichtlich der Realkaution, welche für die Unterbetheiligung Ihrer verehrlichen Gesellschaft & der Bank für Handel & Industrie bei dem Schweizerischen Dritttheile zu leisten ist, beziehe ich mich auf den Inhalt meines Eingangs erwähnten Schreibens vom 28. abhin.
Die vier Verpflichtungsscheine der Discontogesellschaft & der Bank für Handel & Industrie für die Unterbetheiligung derselben bei dem Schweizerischen Dritttheil mit einem Betrage von 5 Millionen Franken sind mir richtig zugekommen. Ich habe sie den beiden Gesellschaften der Schweiz. Nordostbahn & der Schweiz. Centralbahn & der Schweiz. Creditanstalt übermittelt, welche den Empfang derselben den Ausstellern bestätigen werden.
Herrn von Sybel anlangend ersuche ich Sie um eine bestimmte Erklärung darüber, ob die Deutsche Gruppe in der Lage sei, ihn in den Verwaltungsrath zu wählen, oder ob dieß nicht der Fall sei. Wenn Herr v Sybel bei der von der Deutschen Gruppe zutreffenden Wahl nicht berücksichtigt | werden kann, so will ich Ihnen nicht die Unannehmlichkeit bereiten, ihn an die Deutsche Gruppe zu verweisen, sondern ich will von mir aus versuchen, die Ansprüche, die er erhebt, zum Austrag zu bringen.
Am Schluße Ihres geschätzten Schreibens fragen Sie mich noch an, was nach meiner Ansicht mit dem Anrechte auf den Dritttheil der Ersparnisse an dem Baue des großen Tunnels geschehen, beziehungsweise ob & welcher Antheil an diesem Anrechte auf die Actien übertragen werden soll. Ich bin von vornherein geneigt, nach jedem Vorschlage, den Sie in dieser Beziehung zu machen sich veranlaßt sehen, & also auch dem Vorschlage der Uebertragung der Hälfte jenes Anrechtes auf die Actien anzuschließen. Ich halte nämlich dafür, daß in Sachen einfach der für das Consortium lucrativste Weg einzuschlagen werden soll. Die Entscheidung der Frage aber, welches dieser lucrativste Weg sei, hängt von dem Eindrucke ab, den das eine oder das andere Verfahren auf diejenige Börse machen wird, auf welcher die Actien der Gotthardbahn wesentlich werden gehandelt werden. Da dieß nun unzweifelhaft die Berliner Börse sein wird & da Sie den Geschmack & die Stimmung derselben aufs beste kennen, ich dagegen gar nicht, so bin ich selbstverständlich ganz auf Ihr Urtheil angewiesen.
Mit freundschaftlicher Hochachtung 2