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«Es ist ein Requiem zu Lebzeiten, und betrauert wird: die menschliche Zivilisation», WOZ Nr. 21/2017
Super recherchiert und nahezu sämtliche Facetten des Themas berührt. Nur zwei Ergänzungen möchte ich anfügen: Neben dem Ruinenkult gibt es auch eine Art Kult des Bewahrens mit Denkmalschutz und Unesco-Welterbe. Da werden Monumente als schutzwürdig ausgesondert und museal vor dem Untergang gerettet (sic). Ganz anders funktioniert die Facebook-Seite mit dem Namen «uglypedia». Sie sammelt die Monumente (ich nenne sie «ugly icons»), die es nicht auf die Unesco-Liste schaffen. Ziel ist nicht «ruin porn», sondern lokale Initiativen anzuregen, die die «ugly icons» in ihrer Gegend einer neuen sinnvollen Nutzung zuführen. Das beste Beispiel dafür ist das Londoner Museum Tate Modern.
Man stelle sich vor, die Gösgener Kühltürme würden nicht rückgebaut, sondern für Kletterwände gebraucht, zu hängenden Gärten umfunktioniert, ein Schwimmbad à la Hürlimann-Areal fände oben auf luftiger Höhe Platz, oder Sportanlagen würden in ihrem Innern installiert. Oder ausgediente Ölplattformen würden in die Südsee transportiert, um die wegen Klimawandel untergehenden Inseln zu retten. Architekten haben solche Umfunktionierungen schon ausgedacht. Es gibt also neben dekadentem Ruinenkult und niedlichem Aufpäppelungswahn eine weitere Option.
Christian P. Casparis, per E-Mail