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Wir kennen «De Bello Gallico» bereits von den Beiträgen über den Exodus der Helvetier. Das vom römischen Feldherrn Cäsar geschriebene Buch über den Gallischen Krieg enthält auch viele interessante Passagen über Menschen, Tiere und Geographie der damaligen Zeit. Unter anderem beschreibt Cäsar eine Reihe von Tieren, die in den weitläufigen Waldgebieten Mitteleuropas, dem so genannten Herkynischen Wald, gelebt haben sollen. Die entsprechenden Stellen in Deutsch (6. Buch, Kapitel 26-28) habe ich aus dieser Version kopiert.
Die Ausdehnung des oben erwähnten Hercynischen Waldes verlangt von einem rüstigen Fussgänger einen Marsch von neun Tagen. Anders kann man dort nämlich nicht messen, und sie kennen keine Längenmasse für Wegstrecken. Der Wald beginnt an der Grenze der Helvetier, Nemeten und Rauraker und läuft parallel zur Donau bis zum Land der Daker und Anarten. Dort biegt er nach linke zu Gegenden, die vom Strom abliegen, und berührt bei seiner grossen Ausdehnung das Gebiet vieler Stämme. Es gibt niemand in dem uns bekannten Germanien, der sagen könnte, er sei bis ans Ende dieses Waldes gekommen, selbst wenn er 60 Tage vordrang, oder habe auch nur gehört, wo das Ende ist. Es steht auch fest, dass in diesem Wald viele Arten von Tieren leben, die man sonst noch nirgends gesehen hat; folgende unterscheiden sich von den übrigen Tieren am meisten und sind daher wohl zu erwähnen:
Es gibt ein Rind, das wie ein Hirsch aussieht und dem mitten auf der Stirn zwischen den Ohren ein einziges Horn hochwächst, das höher und gerader ist als die uns bekannten Hörner; an der Spitze verzweigt es sich weit in Form von Händen und Zweigen. Das weibliche Tier sieht ebenso aus wie das männliche und hat dieselben grossen Hörner.
Dann gibt es die sogenannten Alce. Sie sehen aus wie Ziegen und haben auch ein buntes Fell, doch sind sie etwas grösser, haben stumpfe Hörner und Beine ohne Gelenke und Knöchel; sie legen sich auch zum Ausruhen nicht nieder und können sich, wenn sie durch ein Missgeschick umgefallen sind, nicht wieder aufrichten oder aufstehen. Bäume sind ihre Schlafstätte; an diese lehnen sie sich und finden so, ein wenig zur Seite gelehnt, Ruhe. Haben die Jäger an den Spuren ihre gewöhnlichen Schlupfwinkel herausgefunden, so untergraben sie dort alle Bäume an den Wurzeln oder sägen sie so an, dass es nur mehr so aussieht, als stünden sie fest. Lehnen sich die Alce dann, wie gewohnt, dort an, so brechen sie die geschwächten Bäume durch ihr Gewicht ab und fallen selbst mit ihnen zu Boden.
Es gibt auch eine dritte Art, die sogenannten Ure. Diese sind etwas kleiner als Elefanten und haben Aussehen, Farbe und Gestalt eines Stieres. Sie sind sehr stark und schnell und gehen auf alles los, was ihnen zu Gesicht kommt, Mensch und Tier. Man fängt sie mit grossem Eifer in Gruben und tötet sie dann. Durch die damit verbundene Anstrengung härten sich die jungen Männer ab, üben sich auch durch diese Art von Jagd, und wer von ihnen die meisten erlegt und zum Beweis die Hörner öffentlich ausstellt, erntet grosses Lob. An den Menschen gewöhnen oder zähmen kann man nicht einmal eingefangene Jungtiere. Ihre Hörner sind an Umfang, Gestalt und Aussehen ganz verschieden von denen unserer Stiere. Sie sind dort sehr gesucht; man fasst den Rand mit Silber ein und gebraucht sie bei Gastmählern, wenn es hoch hergehen soll, als Trinkgefässe.
Auf welchen Tieren basieren diese Beschreibungen? Diverse wissenschaftliche Artikel gehen dieser Frage nach, unter anderem dieser.
Mit dem ersten Tier meint Cäsar wohl das Rentier, das «einst viel weiter südlich lebte als heute und sich bei der Beseitigung der Wälder nach Norden zurückzog». Es sei damals auch in der heutigen Schweiz vorgekommen, steht im Artikel. «Es wurden mehrere Vorschläge gemacht, um zu zeigen, wie Cäsar dem Irrtum erlegen ist, dem Rentier nur ein Horn zuzuschreiben. Vielleicht hatte das beschriebene Exemplar ein Horn verloren; da beide Hörner parallel zueinander verlaufen, würden sie von der Seite gesehen wie ein einziges erscheinen.»
Die zweite Kreatur ist der Elch. «Dieses Tier, so wird uns gesagt, ähnelte in seiner Form und im gesprenkelten Aussehen seiner Haut der Ziege, aber es war viel grösser, hatte ein stumpfes Geweih und Beine ohne Gelenke. Diese Elche legten sich nie hin, um zu ruhen, und wenn sie durch einen Unfall zu Boden geworfen wurden, konnten sie sich nicht mehr erheben.» Die Unannehmlichkeiten, die Cäsar dem Elch zuschreibt, wurden diesem grossen Huftier auch später noch nachgesagt, steht weiter. Und es gäbe eine gängige Etymologie, die das Wort Elen, «Elch», mit «elend» verbindet.
Das zuletzt genannte Tier ist der Auerochse (oben im Bild). «Die Stärke und Schnelligkeit dieser Tiere war sehr gross, was auch Plinius erwähnt, und sie waren so wild, dass sie selbst in jungen Jahren nicht gezähmt werden konnten.»