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Unlängst habe ich eine Begebenheit aufgezeichnet, die mir ein Mann mittleren Alters erzählte. In seinem grenzenlosen Schmerz ob des Todes seiner geliebten Frau wollte er sich aus dem zwischen Budapest und Miskolc verkehrenden Eilzug stürzen. Doch hören wir ihn selbst:
"In meiner Verzweiflung wusste ich nicht, was ich tun sollte. Blindlings lief ich herum und fand mich im Budapester Schnellzug wieder. Es ist schwer zu erklären, wie mir zumute war, aber Sie wissen oder ahnen es vielleicht, wie es ist, wenn man geht und geht, ohne zu wissen wohin? So war es damals mit mir. Also, ich war im Zuge, und als dieser die Höchstgeschwindigkeit erreicht hatte, öffnete ich die Tür. Alles schwirrte in meinem Kopf herum: Verzweiflung, Verbitterung, Einsamkeit, und dieses erdrückende Leid, welches mein Herz zusammenschnürte und drückte, als werde es mir die letzte Lebenskraft herauspressen wollen.
Unwillkürlich trat ich auf die erste Stufe hinunter und starrte ins Nichts. Ich dachte, 'soll ich springen oder nicht?'. Dann liess ich die Haltegriffe los. Vielleicht trennten mich nur Zehntelsekunden von der Tat, als mir plötzlich jemand unter die Arme griff!
Zumindest empfand ich es so. - Einige Augenblicke später befand ich mich wieder im Waggon.
Ungehalten drehte ich mich herum, um der betreffenden Person zu sagen, sie solle sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern und mich in Ruhe lassen, doch hinter mir sah ich nur das weisse Gewand einer Gestalt, die im nächsten Augenblick verschwunden war.
Ich war völlig allein im Waggon, besser gesagt auf der Plattform, die zwei Wagen miteinander verbindet. Kein Zeichen deutete darauf hin, dass ausser mir irgend jemand in diesen Minuten hiergewesen wäre! Ich habe mich sehr darüber gewundert, aber die Überraschungen waren damit noch nicht zu Ende. Ich hatte plötzlich das Gefühl, dass noch jemand bei mir ist, aber sehen konnte ich niemanden. Dagegen packte mich ein undefinierbares Gefühl, wie ich es weder vorher noch nachher empfunden habe. Unermesslicher Friede überkam mich, ein erhabenes Gefühl. Es war, als ob eine höhere Intelligenz sich meines Bewusstseins bemächtigen würde.
Dieses Empfinden vermittelte mir auf phantastische Weise die Überzeugung, dass ich mein Vorhaben nicht ausführen dürfe. Es wollte mir bewusst machen, dass das, was ich tun wollte, ein grosser Irrtum sei, dass ein Selbstmord nur die Folge von Unwissenheit ist und eine grosse Verantwortung in sich birgt.
Diese Erleuchtung dauerte nur wenige Sekunden, aber ich hatte vollkommen verstanden, dass meine Absicht eine Dummheit gewesen wäre.
Ich glaube, mein Schutzengel war damals bei mir!"
(Quelle: Attila Arvai, "Nah-Todeserlebnisse in Ungarn", 1998)
Letzte Änderung am 11. August 2000