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Arzneimittel in der Schwangerschaft?
Medikamente in der Schwangerschaft einzunehmen, kann gefährlich sein. Die Contergan-Katastrophe ist uns immer noch ein warnendes Beispiel. Anfang der 60er Jahre haben viele Schwangere ein vermeintlich harmloses Schlafmittel genommen, was zu Tausenden von Kindern mit Fehlbildungen v.a. der Arme und Beine führte. Damals hat man auf grausame Art erkennen müssen, dass bestimmte – glücklicherweise sehr wenige - Präparate dem ungeborenen Baby schaden können.
Tabelle mit den wichtigsten, in der Schwangerschaft erlaubten Medikamenten (pdf-Datei mit frdl. Genehmigung von Dr. Michaela Schmid, Zürich).
Im Frühstadium der Schwangerschaft (vor allem zwischen dem 19. und 56. Tag nach der Befruchtung, was etwa der 5.-10. SSW entspricht) eingenommene Medikamente können unter Umständen die gesunde Organentwicklung beeinträchtigen und angeborene Fehlbildungen hervorrufen. Präparate, die in einem späteren Stadium Ihrer Schwangerschaft eingenommen werden, können das Wachstum Babys hemmen, zu niedrigem Geburtsgewicht oder einer Schädigung der fetalen Organe führen. Bestimmte Medikamente, die Sie gegen Ende Ihrer Schwangerschaft einnehmen, können sogar bei Ihrem Neugeborenen noch Symptome oder Erkrankungen auslösen.
Wir wissen heute - im Gegensatz zu vor 50 Jahren - dass die Zahl spezieller Fehlbildungen, die auf Medikamente zurückzuführen sind, äusserst gering ist. Viel höher ist nach Meinung von Experten das Risiko, das durch Rauchen und alkoholische Getränke von vielen werdenden Müttern ohne Bedenken in Kauf genommen wird. Trotzdem ist eine gewisse Vorsicht bei der Medikamenteneinnahme angebracht. Ein Grundsatz der medizinischen Behandlung in der Frühschwangerschaft ist, den Gebrauch von Arzneimitteln so niedrig wie möglich zu halten. Andere, nicht-medikamentöse Therapien sind - ausser in Notfällen - immer zuerst zu versuchen. Deshalb werden Schwangeren heute nur solche Medikamente verschrieben, bei denen aufgrund langjähriger Erfahrung ausreichend gesichert ist, dass sie keine fruchtschädigende (teratogene) Wirkung haben. Jedem Medikament liegt ein Beipackzettel ("Waschzettel") zur Patienteninformation bei, der auch auf die Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit eingeht.
Sollten dann Schwangere nicht sofort mit dem positiven Schwangerschaftstest jegliche Tabletten-Einnahme abbrechen? Nun, das kann man nicht so rigoros sagen. Genauso falsch wie eigenmächtiges Einnehmen von Medikamenten ist das eigenmächtige Absetzen ärztlich verordneter Arzneimittel. Geradezu gefährlich ist es, wenn der werdenden Mutter aus unbegründeter Angst ein für sie lebenswichtiges Medikament vorenthalten wird. Hier gilt es, Nutzen und mögliches Risiko sorgsam abzuwägen. Optimal ist es, wenn Frauen mit einer chronischen Erkrankung (z.B. Bronchial-Asthma, Bluthochdruck, Epilepsie, psychische Erkrankungen) schon vor Beginn der Schwangerschaft mit Medikamenten und Dosierungen eingestellt werden, die Ihr Baby so wenig wie möglich belasten. Und in vielen Fällen gibt es Alternativen, die in der Schwangerschaft genommen werden dürfen.
Hier finden Sie den Erlebnisbericht einer Leserin zum Thema "Schizophrenie und Schwangerschaft", in dem sie speziell ihre Erfahrungen mit der Medikamenteneinnahme bei einer psychischen Erkrankung weitergibt.
Schwangere sollten aber auf jeden Fall kritisch mit Medikamenten umgehen, so wenig wie möglich einnehmen und wenn überhaupt, dies mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin absprechen und auf altbewährte Medikamente zurückgreifen. Dies gilt auch für nicht verschreibungspflichtige Medikamente (Gruppe C oder D, auf der Packung vermerkt), die Sie in der Apotheke kaufen können. Wenn Sie ausser in gynäkologischer noch in anderer ärztlicher Behandlung sind, muss auch dort ihre Schwangerschaft bekannt sein! Also: Ohne vorherige Rücksprache mit Ihrem Frauenarzt, Ihrer Frauenärztin, Ihrem Apotheker oder Ihrer betreuenden Hebamme sollten Sie keine Medikamente einnehmen, die Ihnen vor Ihrer Schwangerschaft verschrieben worden sind.
Wenn Sie wissen wollen, was Sie bei bestimmten Beschwerden bedenkenlos einnehmen können, finden Sie die erlaubten Medikamente unter dem entsprechenden Stichwort. Einfach z.B. "Verstopfung" in die Suchfunktion oben rechts eingeben! Oder Sie schauen in unserer Liste der üblichen Schwangerschaftsbeschwerden nach.
Häufige Fragen zum Thema
Ich habe zur Verhinderung der Schwangerschaft die „Pille danach“ bekommen – sie hat aber nicht gewirkt. Nun freuen wir uns trotzdem auf unser Kind, aber ich mache mir Sorgen, ob das Medikament nicht geschadet hat.
Newsticker
Gegen Schwangerschaftsübelkeit | 15.03.2019
Schätzungsweise 80% aller Schwangeren leiden in den ersten drei Monaten unter schwangerschaftsbedingter Übelkeit und Erbrechen. Dagegen wirkt Ondansetron (Zofran®) so effektiv und ohne Nebenwirkungen, dass es in den USA inzwischen schon einem Viertel aller Schwangeren verschrieben wird. Eine neue Studie über 13 Jahre und an mehr als 1,5 Mio. werdenden Müttern hat jetzt feststellen können, dass die Einnahme von Ondansetron im ersten Trimester weder das allgemeine Fehlbildungsrisiko noch die Häufigkeit von angeborenen Herzfehlern steigert. Allerdings wurde ein geringgradig erhöhtes Risiko für Kiefer-Gaumen-Spalten gefunden. Die Empfehlung lautet daher, Ondansetron nur dann zu verschreiben, wenn die Mittel der ersten und zweiten Wahl (wie Pyridoxin und Meclozin, bzw. Metoclopramid und Chlorpromazin) keine Wirkung zeigen.
Keine Panik! | 03.08.2017
Infektionen in der Schwangerschaft sind nicht ungewöhnlich. Beim Nachweis eines bakteriellen Erregers kann eine Antibiotikatherapie notwendig werden – auch um eine Schädigung des ungeborenen Kindes oder eine Fehlgeburt durch die Infektion zu verhindern. Eine kanadische Forschergruppe hat jetzt alle Fehlgeburten in der Provinz Quebec von 1998 bis 2009 untersucht. Darunter waren 1.428 Fälle (16,4 Prozent) von Antibiotika-Einnahme. Ergebnis: Penicilline und Cephalosporine waren nicht mit einer erhöhten Rate von Fehlgeburten assoziiert. Das bestätigt die hohe Sicherheit dieser bewährten Antibiotika, die bei Infektionen in der Schwangerschaft Mittel der Wahl sind. Als bedenklich gelten dagegen Chinolone, Tetrazykline und Metronidazol, aber auch Sulfonamide und Makrolid-Antibiotika.
Schäden wegen Epilepsie-Medikament | 14.02.2017
Mit dem Titel "Schäden wegen Epilepsie-Medikament" erweckt ein Beitrag in der Sendung "10vor10" (SRF 1, 7. Februar 2017) den Eindruck, es handle sich bei Valproat um ein neues Medikament bzw. um bisher unbekannte Nebenwirkungen. Valproat bzw. Valproinsäure ist seit 1972 auf dem Schweizer Markt (Depakine Chrono, Orfiril, Convulex, Valproat Chrono Desitin retard, Valproat Sandoz retard und Valproate Chrono Zentiva). In der Schweiz wird seit den 80er Jahren davor gewarnt, dass Valproat, während der Schwangerschaft genommen, bei rund 10% der Kinder zu Fehlbildungen führt (z.B. sogenannte Spina bifida oder "offener Rücken"). Die Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG), die Schweizerische Epilepsie-Liga (SEL), die Schweizerische Gesellschaft für Neuropädiatrie (SGNP), die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für perinatale Pharmakologie (SAPP) und die Schweizerische Akademie Feto-Maternale Medizin (AFMM) nehmen dazu Stellung.
Newsticker
Paracetamol und Schwangerschaft: In so bekannten schmerzlindernden und fiebersenkenden Präparaten wie Panadol, Acetalgin, Contra Schmerz, Ben-u-ron, Tylenol, Zolben, Influbene oder Dafalgan steckt als Wirksubstanz Paracetamol, das sogar für Schmerzen in der Schwangerschaft bisher als harmlos und Mittel der ersten Wahl galt. Neuere skandinavische Untersuchungen bringen die längere vorgeburtliche Einnahme jetzt mit dem späteren Auftreten von ADHS, Hyperaktivität und motorischen Problemen beim Kind in Zusammenhang. Bewiesen ist die schädliche Wirkung damit aber noch nicht – und Grund zur Panik bestehe schon gar nicht. Die Schweizerische Zulassungsbehörde Swissmedic will aber nun überprüfen, ob der bestehende Warnhinweis dahingehend angepasst werden muss, dass Schwangere und stillende Frauen ein Paracetamol-haltiges Medikament nicht länger als eine Woche einnehmen dürfen. (swissmom Newsticker, 27.11.14)
Antibiotika in der Schwangerschaft: Medikamente in der Schwangerschaft werden nur sehr vorsichtig und mit guter Begründung eingesetzt. Der Einsatz von Makrolid-Antibiotika (z.B. Azithromycin, Erythromycin, Clarithromycin) und Penicillin im ersten Trimenon der Schwangerschaft zeigte in einer grossen Studie mit über 130.000 Schwangeren keinen Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für angeborene kindliche Fehlbildungen. 40% aller Schwangeren müssen wenigstens einmal antibiotisch behandelt werden, meist wegen eines möglicherweise gefährlichen Harnwegsinfekts. Penicilline gelten als gut untersucht und sicher. Besteht aber eine Penicillin-Allergie, kommen Makrolide zum Einsatz. Auch für diese Arzneimittel scheint nun die Furcht vor einer kindlichen Schädigungen unberechtigt zu sein. (swissmom Newsticker, 10.3.16)
Letzte Aktualisierung : 30-08-16, BH