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Wie baue ich ein System, das die Einhaltung der Richtlinien der Schweizer Börse bezüglich Ad-hoc-Publikationen durchsetzt? Gastautor Christoph Jaggi hat sich mit dem Problem auseinandergesetzt.
Die Schweizer Börse legt sehr genaue Regeln fest, wann und wie börsenkotierte Firmen Nachrichten veröffentlichen müssen und dürfen. Dies um zu verhindern, dass gewisse Marktteilnehmer gegenüber anderen benachteiligt werden. So sollen potenziell kursrelevante Tatsachen möglichst ausserhalb des Börsenhandels - also nicht zwischen 7.30 und 17.30 an Arbeitstagen - veröffentlicht werden. Ausgenommen davon sind Fälle, bei denen die verzögerte Publikation zu einer Ungleichbehandlung führen könnte. Wird eine "Ad hoc"- Mitteilung, wozu zum Beispiel auch die beliebten "Gewinnwarnungen" gehören, innerhalb der handelskritischen Zeit veröffentlicht, so muss die SIX Swiss Exchange 90 Minuten vorher informiert werden.
Für Beteiligungsgesellschaften wird das Ganze noch komplizierter, da der "Net Asset Value" (NAV) der Gesellschaft monatlich und teilweise wöchentlich offengelegt wird. Hat sich der NAV unvorhersehbar substantiell verändert, so ist er nach den Regeln einer Ad-hoc-Mitteilung zu veröffentlichen und - richtig - bei Publikation während der handelskritischen Zeit die Börse vorher zu informieren. Um es noch komplizierter zu machen, kann eine Beteiligungsgesellschaft auch noch offenlegen, was sie mit dem ihm anvertrauten Geld gemacht hat (Asset Allociation und Investment Type).
E-Mail, Website, Twitter .... und wann?
Die börsenkotierte Firma muss nicht nur sicherstellen, dass die richtigen Informationen in der richtigen Form zur richtigen Zeit veröffentlicht, sondern dass sie auch in der richtigen Form der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Früher war das einfach: Man schrieb einen Brief an die Aktionäre und eine Pressemitteilung an die Medien und brachte die Schreiben gleichzeitig auf die Post - fertig.
Heute muss sichergestellt werden, dass die Empfänger der Publikationen, die eine E-Mail möchten, gegenüber solchen, die RSS-Feeds oder Twitter bevorzugen, nicht benachteiligt sind. So muss eine börsenkotierte Firma also dafür sorgen, dass sie nicht nur E-Mails versenden kann, sondern dass sie diese massenhaft innert wenigen Minuten versenden kann, damit niemand benachteiligt wird.
Fehler können richtig teuer werden
Passiert einer börsenkotierten Firma beim Verfassen oder Publizieren von Nachrichten ein Fehler, so kann dies richtig teuer werden: Wer gegen das "Kotierungsreglement" der SIX Swiss Exchange verstösst, kann mit bis zu einer Million Franken gebüsst werden (bei Fahrlässigkeit) oder der Handel mit den Aktien der fahrlässigen Firma könnte sogar eingestellt werden.
Also lohnt es sich in den meisten Fällen, ein IT-gestütztes System zu bauen, das Fehler unterbindet.
Wie man Vorschriften mittels IT einhält, lesen Sie im Feature-Artikel Vorschriften, Richtlinien, Compliance und IT
, in dem exklusiv für unsere LeserInnen Ausgangslage, grundsätzliche Überlegungen und Herangehensweise aufgezeigt weden. Dort gibt es übrigens einen Link zu einem PDF, in dem Prozesse und Interface-Design ziemlich genau dargestellt werden – fast, aber doch nicht ganz die Requirements. (Christoph Hugenschmidt)