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Freenet benötige noch Zeit, um sich für eine Zustimmung oder Ablehnung der Transaktion zu entscheiden, sagte Freenet-Chef Christoph Vilanek in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir legen uns heute nicht fest, wie wir uns verhalten", sagte er. Mehr Klarheit darüber, wie sich der deutsche Kernaktionär und andere Investoren entscheiden, soll es im Sommer geben: "Der Meinungsbildungsprozess läuft noch zwei oder drei Monate", sagte Vilanek.
Sunrise will UPC für 6,3 Milliarden Franken übernehmen und den Kauf mit einer 4,1 Milliarden Franken schweren Kapitalerhöhung finanziere - das ist mehr, als Sunrise aktuell an der Börse wert ist. Entsprechend stossen die Pläne auf Widerstand bei bestehenden Aktionären. Der deutsche Konzern ist mit einem Anteil von 24,5 Prozent der mit Abstand grösste Eigentümer. An der Kapitalerhöhung will sich Freenet nicht beteiligen.
"Wir müssten eine Milliarde einschiessen und die haben wir nicht", sagte Vilanek. Zudem hätte Freenet mit einer Marktkapitalisierung von gut 2,5 Milliarden Euro dann über 1,8 Milliarden Franken (1,6 Milliarden Euro) in Sunrise investiert. "Das werden wir nicht tun und das könnten wir auch gar nicht", sagte der Manager. Der Anteil an Sunrise dürfte sich damit bei der derzeit geplanten Kapitalerhöhung nach den Berechnungen von Freenet auf sechs bis neun Prozent verringern.
Freenet - «Struktur des Deals ist schädlich»
Entscheidend für den Erfolg der Übernahme ist das Votum der bestehenden Aktionäre auf einer für später im Jahr geplanten ausserordentlichen Generalversammlung. Dort benötigt Sunrise voraussichtlich eine einfache Mehrheit. In einem Ausnahmefall könnte jedoch auch eine Zwei-Drittel-Mehrheit von Nöten sein - und damit hätte Freenet wohl die Möglichkeit, den Deal zu blockieren.
Vor einer Entscheidung wolle Freenet abwarten, wie sich das Geschäft bei Sunrise und UPC entwickle, ob die Wettbewerbsbehörden Auflagen machten und wo sich der Kurs von Sunrise hinbewege. "Ich glaube, dass man mit den Halbjahresergebnissen, die Anfang August veröffentlicht werden, deutlich mehr Datenpunkte hat." Bis dahin dürfte auch absehbar sein, wie sich andere Aktionäre verhalten.
Freenet kritisiert an der geplanten Transaktion neben der Grösse der Kapitalerhöhung insbesondere, dass der Verkäufer Liberty Global aus der Verantwortung entlassen wird. "Die Struktur, die heute vorliegt, ist schädlich. Natürlich ist eine Transaktion, die eher eine Merger-Struktur hat, wo der Verkäufer in irgendeiner Form an den Risiken beteiligt wird, wesentlich freundlicher für den bestehenden Aktionär", sagte Vilanek.
Zudem kritisierte der Manager den Wertverlust der Sunrise-Aktie. Sie hatte angesichts der geplanten Kapitalerhöhung in den vergangenen Wochen deutlich an Wert eingebüsst und notiert nun bei gut 70 Franken - nach 85 bis 90 Franken zu Jahresbeginn. "Am Ende ist für mich nicht entscheidend, wie die Abstimmung ausgeht. Für mich ist entscheidend, wie kehren wir zurück zu dem Wert, den wir schon einmal hatten", sagte Vilanek.
(Reuters)