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Die meisten blühenden Pflanzen besitzen sowohl weibliche als auch männliche Blüten und können sich zumindest theoretisch selbst befruchten. Nur sechs Prozent sind entweder weiblich oder männlich, wie die Universität Lausanne mitteilte.
Nun entdeckten Forschende um den Evolutionsbiologen John Pannell in einem Experiment mit dem Einjährigen Bingelkraut, dass weibliche Pflanzen relativ rasch zusätzlich die Rolle des Männchens übernehmen können. Das berichten sie im Fachmagazin «Current Biology».
Sexualität verschwamm noch mehr
Für ihren Feldversuch pflanzen das Team die Samen des in Europa weit verbreiteten Unkrauts. An manchen Stellen liessen sie beide Geschlechter nebeneinander gedeihen, an andere rupften sie die männlichen Pflanzen aus. Resultat: Auf dem «männchenfreien» Feld entstanden Zwitter, die sich daraufhin nicht nur eigenständig fortpflanzen konnten, sondern auch Pollen verbreiteten, um die Eizellen anderer weiblicher Pflanzen zu befruchten.
Zwar sei es normal, dass die Sexualität bei Pflanzen manchmal verschwommen sei, sagte Pannell. So bringe eine weibliche Pflanze gelegentlich eine männliche Blüte hervor und umgekehrt. Aber: Bereits in der vierten Generation produzierten die Weibchen 65-mal mehr männliche Blüten als diejenigen, die natürlich mit dem anderen Geschlecht aufgewachsen waren.
Kein Y-Chromosom nötig
Das Experiment barg noch eine weitere Überraschung: «Für die Produktion der männlichen Blüten und der von ihnen abgesonderten Pollen ist kein Y-Chromosom erforderlich», sagte der Lausanner Forscher. Offensichtlich reiche das X-Chromosom und die anderen üblichen Chromosomen der Pflanze aus.
Das Team möchte nun herausfinden, wo sich die Gene befinden, die die Sexualität der des Bingelkrauts verändern können.