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Vorgestellt wegen schnell fortschreitender Atemnot, verstärkten Atemgeräuschen und Schwäche. Seit längerer Zeit hatte „Medicus“ zuvor ein leichtes, raues Atemgeräusch gezeigt. Die Temperatur im Freien ist um 30 °C, die Luftfeuchtigkeit ist hoch.
Der Hund zeigt eine massiv angestrengte Atmung, ein stark verstärktes Atemgeräusch (Röcheln/Schnarchen), eine Blauverfärbung der Zunge, starkes Speicheln und Schwäche. Die Körpertemperatur beträgt über 42 °C (Normaltemperatur: 38 – 39 °C).
Der Hund ist in akuter Lebensgefahr (Ersticken). Es wird sofort Sauerstoff verabreicht, und eine leichte Sedation wird gesetzt. Dadurch atmet der Hund ruhiger; eine Sonde kann über das linke Nasenloch via die Nasenpassage und den Kehlkopf in die Luftröhre gelegt und dem Tier so kontinuierlich Sauerstoff zugeführt werden. Ein schnellwirkendes Cortison wird injiziert, und der Hund wird kalt abgeduscht und in den Luftstrom eines Ventilators gelegt. Eine intravenöse Infusion zur Schockbekämpfung wird appliziert. Eine Untersuchung der Rachenregion zeigt, dass die Kehlkopfbewegung (insbesondere die Öffnung der Stimmritze beim Einatmen) stark vermindert ist. Eine Kehlkopflähmung (Larynxparese) wird diagnostiziert.
Im Verlauf der nächsten Stunden sinkt die Körpertemperatur auf normale Werte. Nach Sauerstoffapplikation steigt die Sauerstoffsättigung des Blutes rasch wieder auf normale Werte. Währenddem der Hund langsam aufwacht, wird die Sauerstoffzufuhr versuchsweise unterbrochen. Nachdem der Hund auch ohne Sauerstoff wieder eine normale Atmung zeigt, wird die Sauerstoffsonde entfernt und der Hund mit einem Beruhigungsmittel nach Hause entlassen, wo er an einem kühlen Ort gehalten wird. Am nächsten Morgen hat sich die Situation beruhigt, der Hund atmet wieder normal und zeigt Appetit.
Bei einer Kehlkopflähmung erfolgt die Öffnung der Stimmritze während der Einatemphase nur ungenügend. Normalerweise werden durch ein Abbiegen der Arytenoid-Knorpel im Kehlkopf die Stimmbänder auseinandergezogen, wodurch die Einatemluft aus dem Rachenraum in die Luftröhre gelangen kann. Aufgrund verschiedener Erkrankungen (Unfälle, Geschwulste, gewisse Hormonerkrankungen) können involvierte Muskeln und Nerven geschädigt werden, was eine Kehlkopflähmung bewirkt. In vielen Fällen kann eine Ursache nicht eruiert werden (idiopathische Kehlkopflähmung).
Bei „Medicus“ war diese Kehlkopflähmung wahrscheinlich schon längere Zeit vorhanden gewesen. Durch die hohe Umgebungstemperatur geriet der Hund ins Hecheln; die erhöhte Geschwindigkeit der im Atemtrakt bewegten Luft verstärkte den Kehlkopfkollaps, weshalb das Hecheln erschwert und damit die Körperkühlung des Hundes ausgeschaltet wurde (Hunde können ihre Körpertemperatur nur durch Hecheln senken, da ihnen Schweissdrüsen weitgehend fehlen). Die sich erhöhende Körpertemperatur verstärkte das Bedürfnis nach Kühlung und damit Hecheln, was wiederum den Kehlkopfkollaps verstärkte und in einem Teufelskreis resultierte.
Durch Sauerstoffzufuhr, Sedation und Kühlung des Hundes konnte dieser Teufelskreis durchbrochen werden. Aufgrund der schon lange bestehenden Symptome und des fortgeschrittenen Alters des Hundes wurde auf weitere Abklärungen (mit Ausnahme einer Schilddrüsenhormon-Bestimmung, welche unauffällig ausfiel) verzichtet.