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Fragen
- Müssen sich Eltern mit T21-Kindern speziell Sorgen machen wegen Corona?
- Können Eltern von T21-Kindern etwas beachten, damit sie das Risiko für ihre Kinder nicht unnötig erhöhen (z.B. mehr an die frische Luft, gesunde Ernährung etc.)
- Was meinen Sie zu Studien, die meinen zu belegen, dass T21-Menschen eine erhöhte Sterblichkeit haben im Zusammenhang mit Corona?
Antwort pädiatrie schweiz
Experten von pädiatrie schweiz haben die wissenschaftlich verfügbaren Daten zu Ihrer Anfrage geprüft. Bislang liegt erst eine Untersuchung aus Grossbritannien vor, die über ein erhöhtes Hospitalisations- und Sterberisiko für Menschen mit Trisomie 21 im Vergleich zur Gesamtbevölkerung berichtet.
Die Studie lässt keine Aussage über Kinder zu, weil nur Erwachsene untersucht wurden. Wichtig erscheint dennoch, dass sich das erhöhte Risiko nicht allein mit Herz- und Lungenerkrankungen, Übergewicht oder bösartigen Krankheiten erklären liess, die bei Trisomie 21 gehäuft auftreten, und auch nicht mit Leben in einer Institution. Für die Autoren ergibt sich dadurch die Möglichkeit, dass Trisomie 21 an sich, also auch ohne Vorliegen von komplizierenden Miterkrankungen, auf eine erhöhte Gefährdung hinweisen kann. Das erscheint plausibel, weil Menschen mit Trisomie 21 generell ein erhöhtes Infektionsrisiko haben.
Bezüglich Ihrer konkreten Fragen, die Kinder mit Trisomie 21 betreffen, sind gegenwärtig keine robusten wissenschaftlichen Daten verfügbar, die eine erhöhte Gefährdung durch SARS-CoV-2 bestätigen oder ausschliessen. Einzelne Fällen bei Kindern und Jugendlichen mit Trisomie 21 mit schweren Verläufen wurde beschrieben, aber eine generelle Aussage für alle Betroffenen ist damit nicht möglich. In Studien, die grosse pädiatrische Patientenzahlen beschreiben, sind solche mit Trisomie 21 nicht gesondert genannt. Die COVID-19 Fallzahlen bei Kindern in der Schweiz wiederum sind zu gering, um diesbezüglich Aussagen machen zu können. Weil COVID-19 bei Kindern generell seltener schwer verläuft als bei Erwachsenen, ist es wahrscheinlich, dass sonst gesunde Kinder mit Trisomie 21 ein geringeres Risiko für einen schweren Verlauf aufweisen als Erwachsene mit Trisomie 21.
Es liegen also gegenwärtig keine Daten vor, die rechtfertigen würden, Kinder mit Trisomie 21 generell als COVID-19 Risikopersonen zu bezeichnen. Wie in der Gesamtbevölkerung ist die individuelle Infektionsneigung hingegen von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich und abhängig davon, ob z.B. ein Herzfehler oder eine Behandlung für eine Leukämie zusätzlich vorliegt.
Gegenwärtig empfehlen wir Eltern deshalb, die individuelle Absprache mit der zuständigen Kinderärztin oder dem Spezialisten (z.B. aus der Kinderkardiologie oder Kinderonkologie), um eine individuelle Risikoeinschätzung zu ermöglichen und gegebenenfalls zusätzliche Schutzmassnahmen einzuleiten. Dabei ist sehr wichtig, dass der gewohnte Alltag und die gewohnte Lernumgebung betroffener Kinder nur so wenig wie nötig eingeschränkt werden, um schädliche Kollateraleffekte von Schutzmassnahmen zu minimieren.