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Die meisten Missverständnisse zwischen Menschen entstehen dadurch, dass wir unsere Vermutungen über die Wirklichkeit nicht von der Wahrnehmung unterscheiden, die Vermutung sehr schnell in eine Bewertung ummünzen und uns zu einer (vorschnellen) Reaktion verleiten lassen. Diese Situation tritt vor allem dann ein, wenn wir uns unsicher oder angegriffen fühlen. In der Rolle des/der Moderator/in kann das leicht geschehen. Wenn der/die Moderator/in die drei Funktionsweisen Wahrnehmen – Vermuten – Reagieren zu trennen vermag, wird sie Missverständnisse zwischen ihm/ihr und der Gruppe weitgehend vermeiden können (mehr zum Thema Moderation und Konflikte).
Habe ich nicht gelernt zu unterscheiden, werde ich meine Vermutung der Gruppe gegenüber als Ist-Aussage formulieren. «Sie langweilen sich, also …» und die Gruppe hat nur die Wahl, entweder mich auszulachen oder nun ihrerseits gekränkt zu sein. Auf jeden Fall aber muss sie nun gegen mich ankämpfen. Der Konflikt hat begonnen.
Habe ich jedoch gelernt zu unterscheiden, dann formuliere ich für jede Wahrnehmung vorerst einmal drei mögliche Vermutungen.
Auf diese Weise verfüge ich über zwei zusätzliche Möglichkeiten, um die Richtigkeit meiner Vermutung zu überprüfen. Ich kleide eine meiner Vermutungen in eine Frage oder äussere sie als meine subjektive Interpretation und lasse damit den Teilnehmern/innen Raum, ihre eigene Wahrnehmung, ihre Vermutung, ihr Gefühl zu äussern.
Es ist eine gute Übung, zu jeder Wahrnehmung drei Vermutungen zu finden und sich damit über die Natur der eigenen Vermutungen klarer zu werden.
Die meisten Vermutungen ob sie zutreffen oder nicht - entstehen aus früheren Geschichten, die nichts mit dem «Hier und Jetzt» zu tun haben. Je klarer ich mir über meine früheren Geschichten bin, in die ich mich immer wieder verwickle, desto klarer kann ich davon das «Hier und Jetzt» unterscheiden und angemessen reagieren.