Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03307.jsonl.gz/672

1985 Festschrift, Die Epoche nach den Weltkriegen
Peter Pfander, Schüpfen
Die Epoche nach den Weltkriegen
Die philatelistische Neuzeit
Seit 1933 amtet Herr Albert Auberson, beruflich früher als Dienstchef bei den PTT tätig, als Vereinspräsident. Sein umfassendes Wissen über alles, was mit Postwesen und Philatelie zusammenhängt, macht ihn nur schwer ersetzbar, als er 1949 aus gesundheitlichen Gründen einen Nachfolger sucht. Er wird bei einem Ausflug des Vereins nach Laupen gefunden: Bei der Kirchenbesichtigung wird u.a. bekannt, dass eine Glocke durch eine Bierbrauerei gestiftet worden ist. Das gibt Herrn Gustav Hafner zu einer Betrachtung über Hopfen und Malz, Gott erhalt's als Sinnspruch für diese Glocke Anlass. Wer so trefflich, schlagfertig und humorvoll einzugreifen in der Lage ist, wird auch als Vereinspräsident seine Aufgabe meistern können! Herr Gustav Hafner wird zum neuen Präsidenten gewählt und der scheidende Präsident wegen seiner ausserordentlichen Verdienste um den Philatelistenverein Bern zum Ehrenpräsidenten ernannt.
Es gibt kaum einen Philatelisten, der in jenen ersten Nachkriegsjahren nicht von irgendeinem unbekannten Sammler aus der DDR zum Briefmarkentausch eingeladen worden wäre. Auch an unseren Sitzungen werden regelmässig solche Gesuche vorgelegt und Idealisten gesucht, die ihre Marken im Tausch mit minderwertiger Ware hinter den Eisernen Vorhang zu senden gewillt sind.
Wiederholt befasst sich der Verein wieder mit der Ausgabepolitik der PTT. Allgemeine Ablehnung findet z. B. der als Machwerk der PTT scharf kritisierte Juventute-Kehrdruckbogen von 1953. Als kleines Protestmanifest gegen diesen Bogen beschliesst der Verein, für unsere Vereinspost keine Kehrdruckmarken aus diesem Block zu verwenden. Auch mit den Stempelkünstlern an den Postschaltern gehen die Philatelisten ins Gericht, und im Vereinn kommen immer wieder die schlecht gestempelten und dadurch unbrauchbaren Marken zur Sprache.
Der Kampf gegen Fälschungen - in neuerer Zeit insbesondere gegen die epreuves d art der Sperati-Fälschungen - verlagert sich mehr und mehr auf gefälschte Abstempelungen. Auch nachdatierte Stempel tauchen in grosser Zahl auf. Viele dieser Marken kommen aus Deutschland, wo in der Folge zwei Fälscherwerkstätten geschlossen werden können. Der Stempelprüfer Werner Liniger weist in einem Vortrag vor unserem Verein auf die erschreckende Tatsache hin, dass sich 50% aller ihm vorgelegten Stempel leider als falsch erweisen)
Im Herbst 1951 besucht der Verein mit Kollektiv-Bahnbillet die Nationale Briefmarkenausstellung «LUNABA» in Luzern. Dieser Ausstellung ist ein grosser Erfolg beschieden. Es wird ein Reingewinn von 43000 Franken erwirtschaftet, wovon ein Teil der Förderung der Jugendphilatelie zufliessen soll.
Herr Dr.med.dent. Helmuth Portmann macht unsere Mitglieder in einem Gastreferat auf die Gründung eines neuen Motivsammler-Vereins aufmerksam. Die Stimmung unserer Mitglieder ist eher zurückhaltend. Eine Internationale Motivmarken-Ausstellung, der sich ein Vereinsmitglied als Kassier zur Verfügung stellt, schliesst mit einem Defizit von 5000 Franken ab. Der Kassier wird von übelgesinnten Leuten für den Fehlbetrag betrieben, was unseren damaligen Präsidenten, einen eher ruhigen und besonnenen Mann, nach seinen eigenen Worten auf die Palme brachte.
Nach vierjähriger Amtszeit wird Herr Gustav Hafner 1952 als Vereinspräsident durch Herrn Dr. Alfred Guggisberg abgelöst, der im folgenden Jahr an der Delegiertenversammlung von Bellinzona auch zum Redaktor der Schweizerischen Briefmarkenzeitung gewählt wird.
1960 feiert der Verein sein 75-jähriges Jubiläum. Verschiedene Veranstaltungen ehren dieses Ereignis. Eine Jubiläumsauktion unter der vorzüglichen Leitung von Herrn Walter Wegst und ein Vereinsabend im Bürgerhaus werden zu einem vollen Erfolg. Eine Jubiläumsausstellung im Gewerbemuseum wird von 5200 Personen besucht. Ein Sondercouvert und die Anwesenheit eines Automobilpostwagens liefern die nötige Publizität. Mit einem Jubiläumsbankett im Hotel Bellevue wird das 75. Geburtstagsfest unseres Vereins würdig abgeschlossen.
Im selben Jahr kommt dem Verein die Ehre zuteil, den Tag der Briefmarke durchzuführen. Ein Sonderstempel lockt viele Philatelisten ins Bürgerhaus. 10600 Sonderkarten und 11 500 Briefumschläge werden abgesetzt.
Die Mitgliederzahl unseres Vereins geht ständig aufwärts und überschreitet 1966 die Zahl von 300. Herr Freiburghaus wird an der Hauptversammlung für seine langjährige Tätigkeit als Leiter von Jugendkursen zum zweiten Ehrenmitglied unseres Vereins ernannt. Die alljährlichen Auktionen werden in gekonnter Art durch Herrn Wegst durchgeführt. In der internationalen Sammlerwelt erregen die Burrus-Auktionen grosses Aufsehen.
Die grosse Konjunktur und wieder bescheidenere Jahre
Die hervorragend gestaltete Landesausstellung «Expo 1964» fällt zusammen mit der Einführung der Postleitzahlen. Ein neues Kapitel in der Automatisation der Postbetriebe beginnt. Die Jahre der grossen Konjunktur, des unbeschränkten Zukunftsglaubens, machen sich auch auf allen Gebieten der Philatelie bemerkbar. Die Briefmarkenauktionen melden Rekordergebnisse. Die Katalogpreise steigen. Der Neuheitenmarkt und der Ersttagsstempel-Rummel übersteigen alle bisher gewohnten Grenzen. Die Ausgaben Pro Patria und Pro Juventute sind nun unbeschränkt gültig und werden bogenweise von Spekulanten aufgekauft. Mit Unbehagen verfolgen viele unserer Mitglieder diese Entwicklung.
Als Gründungsmitglied des Verbandes Schweizerischer Philatelistenvereine wird unser Verein 1965 beauftragt, den Kongress zur 75-Jahrfeier des Verbandes in Bern durchzuführen. Die Präsidentenkonferenz im Bürgerhaus und die Delegiertenversammlung im Kursaal mit Bankett und Unterhaltungsabend bilden den äusseren Rahmen. Die gleichzeitig durchgeführte «NABRA 1965 BERN» wird zu einem ungeahnten Erfolg. Verschiedene unserer Mitglieder erhalten hohe Auszeichnungen. Der Blockverkauf, zu einem grossen Teil zu Spekulationszwecken getätigt, bringt dem Verband rund 5 Millionen Franken ein. Sie fliessen zur Hauptsache in den Fonds zur Förderung der Philatelie. Jedem Berner Verein werden 13000 Franken übergeben, nebst 7600 Franken als Erlös aus dem Kartenverkauf. Die allgemeine Hausse kommt auch in unserem Rundsendeverkehr zum Ausdruck. 1966 betragen die Entnahmen 118697 Franken.
Die Sonntagvormittag-Börsen, bis 1960 in der Schmiedstube, später im Hotel Metropol durchgeführt, nach einigen Jahren zusammen mit den andern Berner Philatelistenvereinen auf die Samstage verlegt, finden im philatelistisch interessierten Publikum grossen Anklang. Die Monatsbörse, anfänglich im Bürgerhaus durchgeführt, zieht in das Hotel National um, wo uns wesentlich mehr Platz zur Verfügung steht.
Auch in der Philatelie wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Ab 1968 ist ein merklicher Preisrückgang festzustellen. Die Spekulanten sehen nach und nach ihre Felle davonschwimmen. Sorgsam gehütete Blöcke werden plötzlich unter dem Nominalpreis angeboten. Neuere Ganzsachen mit FDC, in Massen angefertigt, bleiben unverkäuflich. Die Katalogpreise sinken oder stagnieren. Hand in Hand mit diesen Erscheinungen sinkt auch das Interesse einiger Mitglieder, und die Mitgliederzahl wird wieder rückläufig. Die grosse Hausse scheint endgültig vorbei. Auch unsere Sitzungen werden im Durchschnitt weniger besucht als in der Zeit der grossen Briefmarken-Euphorie. Mit dem neuen Sammelgebiet «Weltraumbelege» versuchen gewisse Händlerkreise den Markt wieder anzukurbeln. Fast jeder Abschuss einer Weltraumrakete wird begleitet von neuen Ersttagsstempeln, Erinnerungsblöcken und Sonderserien.
In diese Epoche fällt als grosses philatelistisches Ereignis die Neuausgabe des Werkes von Winkler über Abstempelungen in der Vorphilatelie. Intern werden im Verein erstmals im Rundsendedienst «Schnellsendungen» mit besserem Material eingeführt. Sie haben sich bewährt und werden bis auf den heutigen Tag weitergeführt. Eine Neuerung tritt nach dem Rücktritt unseres sehr verdienten Rundsendeleiters Ernst Hählen ein: Das zeitaufwendige Amt wird auf zwei Personen aufgeteilt.
1971 wird in Basel wiederum eine Nationale Briefmarkenausstellung durchgeführt. Mehrere unserer Mitglieder nehmen als Aussteller teil, und mit vier Medaillenträgern sind wir recht gut vertreten. In das philatelistisch eher ruhige Jahr 1972 fällt der Tod unseres Mitgliedes und Seniorchefs der Firma Zumstein, Herrn Arthur Hertsch. Zahllose «Sondercouverts» werden angeboten, und sozusagen in jeder Sitzung wird auf einen Spezialflug oder eine Sonderbeförderung aufmerksam gemacht. Unsere Mitglieder sind bei diesem «Geschäft» eher zurückhaltend.
Die «INTERNABA», Internationale Briefmarkenausstellung 1974 in Basel, wird zu einem ganz grossen Erfolg. Die Qualität der ausgestellten Briefmarken übertrifft alles an bisherigen Ausstellungen zur Schau gestellte Material. Über hundert Goldmedaillen können vergeben werden. Unter einem eher ungünstigen Stern steht dagegen im gleichen Jahr die Regiophil von Pruntrut. U.a. soll eine Sammlung Vorphilatelie der «République de Berne» gezeigt werden. Diese unwiderlegbaren historischen Fakten passen aber den Juraseparatisten nicht ins Konzept. Sie bedrohen die Ausstellung, und auf das beanstandete Objekt muss verzichtet werden. Ferner möchte der Präsident des Organisationskomitees zum «Jahr der Frau» eine Sammlung zum Thema «Frau» vorzeigen. Auch auf diese Sammlung muss verzichtet werden, da einige allzu Hüllenlose unter den ausgestellten Damen hätten Anstoss erregen können!
Nach 22 Jahren Vorsitz tritt Herr Dr. Alfred Guggisberg von seinem Amt als Vereinspräsident zurück, und an der Hauptversammlung 1975 wird Herr Henri Kalt zum neuen Präsidenten gewählt.
Jahr für Jahr folgen sich nun grössere und kleinere philatelistische Ausstellungen: 1976 die erste Ganzsachenausstellung in Burgdorf (GABRA), 1977 die erste Weltausstellung über Jugendphilatelie in Bern und im gleichen Jahr eine kleine Werbeausstellung zum Tag der Briefmarke im Bürgerhaus. 1978 folgt die Nationale Briefmarkenausstellung «LEMANEX» in Lausanne. Vier Vereinsmitglieder nehmen mit Erfolg als Aussteller teil.
Viel zu reden geben die Automaten-Freistempel. Sind das noch sammelwürdige Briefmarken im traditionellen Sinn? Sie werden jedenfalls in den Katalogen aufgeführt.
Ein von den PTT herausgegebener Band «50 Jahre Wertzeichendruckerei PTT» mit Vignette fördert das Interesse unserer Mitglieder an der Herstellung unserer Briefmarken. Die fünf Exemplare des Bandes, die unser Verein erhält, werden unter den Mitgliedern verlost. Eine überaus lehrreiche Führung durch die Wertzeichendruckerei in Ostermundigen wird mit einem hübschen Briefmarkengeschenk gekrönt.
Erstmals nehmen drei unserer Jugendkurs-Teilnehmer an einer Ausstellung teil. Alle drei erhalten an der Exphila 1983 eine Silbermedaille, was die Aussteller und unsere Jugendkursleiter mit berechtigtem Stolz erfüllt. In Basel findet die «TEMBAL», eine internationale Motivbriefmarken-Ausstellung grosse Beachtung. Alles bisherige an Ausstellungen wird aber in den Schatten gestellt durch die «NABA ZÜRI 84», die wohl bedeutendste und grösste Briefmarkenausstellung, die jemals in der Schweiz gezeigt worden ist. Mehrere unserer Mitglieder, die Herren Brauen (Rayonsammlung), Grimm (Sachsen), Dr. Guggisberg (Guatemala), W. Frick (UPU-Jubiläumsausgabe 1900), Trüssel und Schild werden ausgezeichnet.
Was bringt uns die Zukunft?
Seit 1981 laufen die Vorbereitungen für unser 100-jähriges Jubeljahr 1985. Eine ausserordentliche Hauptversammlung vom 16. November 1981 beschliesst die Gestaltung unseres Jubiläums und wählt ein Organisationskomitee. Die erforderlichen Arbeiten sind bei Abfassung dieses Berichtes in vollem Gange. Die Delegiertenversammlung des Verbandes überträgt uns für 1985 ferner die Durchführung des Tages der Briefmarke. Als Motiv für den Tag der Briefmarke dient uns der Bernabrunnen, und unsere Jubiläumsveranstaltungen werden unter dem Signet des alten Standesläufers von Bern, verkörpert durch den Läuferbrunnen am Läuferplatz, stehen.
Unser Weg durch die ersten hundert Jahre unserer Vereinsgeschichte ist damit erzählt. Er ist eine Zusammenfassung wichtiger, unwichtiger und vieler nebensächlicher Begebenheiten, die unser Vereinsleben gestaltet und beeinflusst haben. Wie in jedem Verein ist es die Geschichte eines harten Kerns jener Mitglieder, welche die Seele des Vereins bilden. Sie halten die Mitläufer und die Sympathisanten zusammen und sind an allen Aktivitäten beteiligt. Mögen uns auch in Zukunft Idealisten in genügender Zahl geschenkt werden, die als Zugpferde auch dann eingespannt werden können, wenn es gilt, schwierige Strecken Weges zu befahren.
|Die Präsidenten||Die Sekretäre|
|1885 - 1886 Robert Deyhle||1885 - 1886 Gerhardt|
|1886 - 1895 Oskar Gruber||1886 - 1890 Rudolf Beer|
|1895 - 1906 Moritz Strässle||1890 - 1891 Montandon|
|1906 - 1909 Küpfer||1891 - 1897 Senninger|
|1909 - 1912 R. Ellenberger||1897 - 1904 August Martin|
|1912 - 1922 Dr. 0. Weber||1904- 1906 Rädecke|
|1922 - 1927 Dr. 0. Stiner||1906- 1910 B. Vuillemier|
|1927 - 1932 August Martin||1910 - 1915 A. Küpfer|
|1932 - 1933 Hans Roth||1915 - 1922 Hermann Lüthi|
|1933 - 1949 Albert Auberson||1922 - 1949 Gustav Hafner|
|1949 - 1952 Gustav Hafner||1949 - 1959 Arthur Rauher|
|1952 - 1975 Dr. Alfred Guggisberg||1959 - 1975 Anton Zimmermann|
|1975 - Henri Kalt||1975 - 1979 Gustav Hafner|
|1979 - GuidoGerber|
|Die Kassiere||Die Rundsendeleiter|
|1885 - 1897 König||1917 - 1921 M. Küpfer|
|1897 - 1904 Cade||1922 - 1933 Albert Auberson|
|1904- 1906 Holzer||1933- 1934 Jules Doebeli|
|1906 - 1910 Robert||1934 - 1946 Albert Auberson|
|1910 - 1930 Aeschbacher||1946- 1960 Anton Zimmermann|
|1930 - 1933 Paul Freiburghaus||1960 - 1969 Ernst Hählen|
|1933- 1960 Rudolf Schaub|| 1969- 1975 Anton Zimmermann

Ernst Grau
|1960 - Georges Karlen||1975 - Heinrich Weidmann

WernerKohler
Dr. Alfred Guggisberg
Anton Zimmermann
Gustav Hafner
|Mitgliederzahlen|
|1885||7||1921||157||1937||140||1953||173||1971||269|
|1886||13||1922||166||1938||146||1954||165||1972||255|
|1888||20||1925||170||1939||141||1959||156||1973||250|
|1893||49||1926||183||1940||156||1960||164||1974||246|
|1894||58||1927||193||1941||155||1961||184||1975||242|
|1896||58||1928||187||1942||161||1962||201||1976||233|
|1902||85||1929||176||1943||166||1963||217||1977||221|
|1903||95||1920||164||1944||171||1964||230||1978||214|
|1910||110||1931||160||1945||175||1965||240||1979||219|
|1912||111||1932||159||1948||176||1966||275||1980||221|
|1914||136||1933||152||1949||171||1967||301||1981||222|
|1916||134||1934||139||1950||170||1968||303||1983||222|
|1917||137||1935||139||1951||172||1969||295||1984||216|
|1920||157||1936||138||1952||170||1970||279|