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Was läuft in Nepal schief?
Die weltweite Bereitschaft zur Unterstützung Nepals nach dem Erdbeben im letzten Jahr war grossartig. Die Resultate des Wiederaufbaus ein Jahr danach sind aber ernüchternd.
Mehrere Zehntausend Hilfsorganisationen sind in Nepal aktiv und Hilfsgelder in Milliardenhöhe stehen für Aufbauprogramme zur Verfügung. Das sollten eigentlich beste Voraussetzungen für einen schnellen Wiederaufbau sein. Ich bin gerade in Nepal unterwegs und sehe eine andere Wirklichkeit. Von den vielen Hilfswerken sehe ich vorab die grossen SUV-Fahrzeuge und gut besuchte Restaurants. Die Anwesenheit dieser Organisationen hilft mit, die Preise für Alltagsgüter in die Höhe zu treiben. In der Bevölkerung ist keine Aufbruchstimmung spürbar. Es gibt wenig lokale Initiativen, um die Armut zu bekämpfen. Man hat sich daran gewöhnt, dass ausländische Organisationen Aufbauarbeit leisten und diese auch finanzieren. Und man hat sich daran gewöhnt, dass diese Hilfe immer bei den anderen anzukommen scheint. Das führt zu Neid, Unzufriedenheit und Ohnmacht. Das Vertrauen in die Politik und deren Führer fehlt. Wessen Interessen werden dort verfolgt? Jene des Volkes? Kaum. Wenn in einer Gesellschaft vernünftige gesellschaftliche Rahmenbedingungen fehlen, wird Eigeninitiative im Keime erstickt. Was bleibt, sind Resignation und eine Bettlermentalität. Das ist die Wirklichkeit in grossen Teilen Nepals.
Ich werde heute in einem Seminar für künftige Mentoren von Familienbetrieben über die Geschichte aus den Evangelien reden, wo Jesus die Jünger anleitet, 5000 Männer und ihre Frauen und Kinder mit zwei Fischen und fünf Broten zu ernähren (Markus 6,34-44). Warum brauche ich diese Geschichte in einem Geschäftsseminar? Bin ich ein realitätsfremder Träumer? Ja, ich bin ein Träumer, aber nicht realitätsfremd. Ich erlebe in praktischen Aufbau- und Entwicklungsprojekten vielfach, wie mit wenig Mitteln grosse Veränderungen entstehen können. Gott macht es auch heute noch möglich, mit zwei Fischen und fünf Broten mehrere Tausend Leute zu ernähren. Wir erleben in Asien, wie einfache Handwerker mit hundert Franken Startkapital Kleinbetriebe aufbauen, Arbeitsplätze schaffen und etliche Familien versorgen können. Sie müssen aber lernen, nicht als Bettler auf Hilfe zu warten, sondern eigene Talente und Ressourcen zu entdecken und diese geschickt einzusetzen. Wenn sie zudem entdecken, dass sie als Christen Zugang haben zu göttlichen Verheissungen, gewinnt ihr Leben an Tiefe und Hoffnung. Grosse Veränderung geschieht oft leise und in kleinen Schritten.
Mario Brühlmann ist Gründer der Swiss Consulting Group SCG AG und Präsident der Christlichen Ostmission COM.