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Allgemeine Daten der Sambaschule Paraíso do Tuiuti
Gegründet: 05. April 1954
Vereinsfarben: Gelb/Blau
Symbol: Krone
Aus dem Stadtteil: São Cristóvão
Präsident: Renato Thor
Karnevalist/In: Jack Vasconcelos
Sänger: Celsinho Mody und Grazzi Brasil
Leiter der Perkussions-Gruppe (Mestre de bateria): Mestre Ricardinho
Begleiter der Fahnenträgerin (Mestre-sala): Marlon Flores
Fahnenträgerin (Porta-bandeira): Danielle Nascimento
Königin der Perkussion (Rainha da Bateria): Lívia Andrade
Karnevalsdirektor: André Gonçalves, Rodrigo Soares, Júnior Cabeça
Chorographie: Patrick Carvalho
Samba-Enredo 2020 (Samba-Thema)
O Santo e o Rei: Encantarias de Sebastião
Der Heilige und der König: Manifestationen des Sebastião
Zahlen Karneval 2020
Mitwirkende: 3.200
Alas (Flügel): 29
Allegorische Wagen: 5
Tripet: 2
Probelokal: Barracão: Cidade do Samba (Barracão nº 03)
Proben: Montags ab 20h und donnerstags ab 21h
Clubhaus: Campo de São Cristóvão, 33
Werkstatt: Campo de São Cristóvão, 33
Telefon: –
Karnevalssieger Grupo Especial
Fehlanzeige
Impressionen Karnevalsparade 2018
Impressionen Karnevalsparade 2017
Fotoimpressionen bis 2016
Fehlanzeige
Aus der Vereinsgeschichte
Die Geschichte der Sambaschule Paraíso do Tuiuti beginnt mit den antiken Vereinen des Stadtteils, mit dem “Unidos do Tuiuti”, der seit den 1930er Jahren am Karneval teilnahm, sowie dem “Paraíso das Baianas”. Nach dem Zweiten Weltkrieg löste sich der “Unidos do Tuiuti” auf, und an seiner Stelle wurde der “Bloco dos Brotinhos” geboren. Die Kommune des Stadtteils (einer Favela) – ohne Geld, um am “besseren” Karneval teilzunehmen – zog es vor, im “Paraíso das Baianas” mitzumarschieren, was denen jedoch nicht gefiel.
Schließlich versammelte sich eine Gruppe von “Sambistas”, unter ihnen Nélson Forró und Júlio Matos, die sich dafür entschieden, ihren Block wieder aufzulösen und mit ihm auch den “Paraíso das Baianas” – am 5. April 1954 gründeten sie die Sambaschule “Paraíso do Tuiuti”. Dieser neue Verein bekam die Farben Gelb (vererbt vom Paraíso das Baianas) und Blau (vererbt vom Unidos de Tuiuti”).
Die Aktionen der “Paraíso do Tuiuti” waren anfänglich recht diskret, jedoch 1968, mit dem Thema von Júlio Matos, welches den Stadtteil São Cristóvao ehrte, errang der Verein den Ersten Platz in der Gruppe 3, womit er in die Gruppe 2 aufstieg. Im nächsten Jahr erreichte er den dritten Platz in der Gruppe 2 – mit nur einem Punkt hinter der Sambaschule “Unidos do Jacarezinho”, die Vize-Champion wurde.
Tatsache ist, dass bis zum Anfang der 1980er Jahre fast niemand mehr von dieser Schule etwas hörte, dann jedoch änderte sich die Situation: Die Paraíso do Tuiuti erlebte einen euphorischen Moment, dank der Anstrengungen der Karnevalistin Maria Augusta Rodrigues, die der Schule den Titel in der Gruppe A einbrachte, die bis dato keinen phänomenalen Direktor gehabt hatte, wie die meisten anderen großen Sambaschulen. Und die Paraíso do Tuiuti konnte auch nur auf eine geringe offizielle Subvention rechnen, um die hohen Kosten zu bestreiten, die der Karneval bis zum heutigen Tag von den Mitgestaltern verlangt.
Gegen Ende der 1990er Jahre hörte die Schule nicht mehr auf zu wachsen und ihre Präsens wurde zunehmend stärker, bis sie eingeladen wurde, im Jahr 2000 an der Gruppe A teilzunehmen. Damals präsentierte sie ein Thema über “Dom Pedro II.” Und wurde Vize-Champion, unentschieden mit der Schule “Em Cima da Hora” erlangte sie das Recht, 2001 in der Spitzengruppe “Grupo Especial” mitzumarschieren.
In der “Grupo Especial” erzählte die Sambaschule die Geschichte eines Mauren, der aus Spanien in Richtung Mekka aufbrach und in Brasilien landete, wo er die schwarzen Bewohner des “Quilombo dos Palmares” (entflohene Sklaven) in ihrer Revolte gegen die Sklavenjäger unterstützte. Die “Paraíso do Tuiuti” wurden Schlusslicht der Parade, denn sie hatte große Problem mit ihren allegorischen Wagen.
2002, zurück in der “Grupo de Acesso”, beendete die Tuiuti ihre Parade im Morgengrauen und unter starken Regengüssen – nur wenige Zuschauer saßen noch auf den Tribünen. Ihr Thema behandelte eine Ehrung des Karnevalisten Arlindo Rodrigues, berühmt durch antike Karnevalsparaden der Sambaschulen “Salgueiro” und “Imperatriz”.
2003 qualifizierte sich die Tuiuti innerhalb der “Grupo de Acesso”. Mit dem Thema zu Ehren des einhundertjährigen Geburtstags des Malers Cândido Portinari präsentierte sie eine sehr kreative Parade, entwickelt vom Karnevalisten Paulo Barros. Ihre Frontkomission erschien in Röcken und mit kreisenden Pinseln und Paletten. Der Frontwagen präsentierte eine überdimensionale Krone, das Symbol der Schule, gefertigt aus 7.500 Farbeimern, deren Deckel den Boden bedeckten – ein schöner visueller Effekt.
Auch der Wagen mit Skulpturen von schwarzen Sklaven, die Kaffeesäcke trugen – ohne lebende Figuren und mit Lichtkanonen bestückt, die gegen den Himmel gerichtet waren – verursachten ebenfalls Beifallsstürme, so wie der Wagen mit Vogelscheuchen der Maisfelder, um die diebischen Elstern und Krähen zu vertreiben. Trotz einem dritten Platz erregte diese Parade so viel Aufmerksamkeit, dass die Sambaschule “Unidos da Tijuca” den Karnevalisten Paulo Barros einlud, das Thema ihrer Parade für das Jahr 2004 in der Grupo Especial zu entwickeln – und Paulo Barros schrieb eine neue Geschichte innerhalb des Carioca-Karnevals.
2004 bestimmte das Los die Tuiuti erneut dazu, die Parade der Grupo do Acesso zu beenden. Ihr Thema war eine Ehrung des Poeten Vinícius de Moraes, entwickelt vom Karnevalisten Jaime Cezário, konnte sich jedoch nicht qualifizieren. 2005 galt die Ehrung der Tuiuti dem Journalisten Ricardo Cravo Albim, wurde jedoch ein weiterer Reinfall – sie stieg ab in die Gruppe “Acesso B”. In den folgenden Jahren versuchte sie einen erneuten Aufstieg, der ihr jedoch erst wieder im Jahr 2008 gelang: Mit dem Thema zu Ehren des Karnevalisten Cartola wurde sie Vize-Champion und infolgedessen durfte sie erneut (ab 2009) in die Gruppe “Acesso A” aufsteigen.
2009 brachte die Tuiuti Roulette-Schüsseln, Würfel und Spielkarten auf die Avenida do Samba – bunte Farben, Glanz und Luxus symbolisierten den Reichtum jener Zeit des antiken Casinos da Urca (Stadtteil von Rio). 2010 präsentierte die Schule das gleiche Thema aus dem Jahr 1990 – eine Referenz auf die Schriftstellerin Eneide de Morais. Jedoch war es keine Wiederholung im eigentlichen Sinn, sondern man hatte neue Ideen in die Parade eingebracht, wie zum Beispiel den virtuellen Karneval. Jedoch landete die Schule auf dem 12. Platz und musste daher in die Gruppe B absteigen, zusammen mit der “Unidos de Padre Miguel”. Nach diesem Abstieg musste die Schule auch noch ihr Clubhaus verlassen, weil das Strassenbauamt von Rio de Janeiro eine Straßenverbindung ausgerechnet durch ihr Terrain legen wollte.
Nach ihrer Rückkehr in die Gruppe B präsentierte die Schule aus São Cristóvao im folgenden Jahr 2011 das Thema “O Mais Doce Bárbaro” (Der süßeste Barbar) – Caetano Veloso über den Sänger Caetano Veloso, kreiert vom Karnevalisten Eduardo Goncalves. Die Parade war Favorit auf den Titel – inclusive mit Caetano Veloso in Person, der mitmarschierte. Daniel Silva war der Interpret und Gracyanne die Königin der Perkussion. Als letzte Parade, am Dienstag auf der Avenida Sapucaí, gelang ihr tatsächlich der Spitzenplatz, und damit war sie Champion der “Grupo de Acesso B”.
Für den Karneval des Jahres 2012 nahm die Tuiuti den Karnevalisten Jack Vasconcelos unter Vertrag, der war zuletzt bei der “Viradouro” – als seinen Assistenten bekam er den “Mestre Celinho” (Ex-Unidos da Tijuca), der sich seit einigen Jahren aus dem Karnevalsbetrieb zurückgezogen hatte. Unter dem Titel “A Tal Mineira” (Jene Dame aus Minas”) behandelte das Thema die bekannte Sängerin Clara Nunes. Wieder landete die Schule auf dem letzten Platz, jedoch durch eine glückliche Fügung verblieb sie in der Aufsteigergruppe. 2013 verfolgte die Tuiuti die gleiche Linie ihrer Ehrungen in ihrer Parade – diesmal nahm sie sich den in Brasilien sehr beliebten Chico Anysio vor.
Im August 2013 trat Renato Thor von seinem Amt als Präsident der Tuiuti zurück, um sich der Vizepräsidentschaft in der LIERJ (Karnevals-Aufsicht) zu widmen, seinen Platz besetzte nun sein Vater, Jorge Honorato. Dieser brachte den erfahrenen Karnevalisten Severo Luzardo mit, um mit ihm den klassischen Themen-Samba “Kizomba” neu aufzulegen – “Das Fest der Rasse”, mit diesem Thema wurde 1988 die Sambaschule “Vila Isabel” Champion der “Grupo Especial”! Wenige Monate vor der Parade erwog man in der Schule, Claudio Tuiuti als Leiter der Perkussion zu entlassen – was dann aber doch nicht geschah. Mit viel Lob über ihre Parade konnte sich die Schule auf demselben Platz fürs nächste Jahr halten.
2015 konnte die Schule erneut auf Jack Vasconcelos zählen, der mit einem indigenen Thema überraschte: “Curumim chama Cunhantã que eu vou contar . . .”, das auf einem Buch von Hans Staden basierte. Mit einer überraschend guten Parade – besonders durch eine phantastische Frontkomission – erreichte die Tuiuti den 5. Platz!
Für das Jahr 2016 konnte die Schule den erfolgreichen Jack Vasconcelos halten, obwohl dieser sich auch bei der “Uniao da Ilha” verpflichtet hatte. Der Techniker Daniel Silva übernahm wieder den Lautsprecherwagen der Schule – eigentlich sollte er diese Aufgabe zusammen mit Ciganerey bewältigen (der den Song für die Parade geschrieben hatte), aber er wurde gerufen, um das Mikrofon der “Mangueira” zu besetzen, da deren Interpret Luzito vor kurzem gestorben war. Als Ersatz bot sich Leandro Santos an, der gerade der Estacao de Sá” den Rücken gekehrt hatte.
Die Perkussions-Gruppe leitete wieder der prämierte Mestre Ricardinho, der fröhlich verkündete, dass er seiner Schule mindestens 120 Punkte einbringen will, den 2014 und 2015 brachte seine Percussion-Group es tatsächlich auf 40 Punkte, die Bestnote für die Bewertung der Percussion einer Parade. Mit dem Thema “A Farra do Boi” legte die Tuiuti eine Parade hin, welche Zuschauer und Jury gleichermaßen begeisterte – sie verlor lediglich einen Punkt von der Höchstwertung von 270 Punkten und garantierte damit ihre Rückkehr in die Spitzengruppe “Grupo Especial” nach 15 Jahre Abwesenheit!
Für den Karneval 2017 hat sich die Schule aufgerüstet mit dem erfahrenen Paar “Mestre-Sala und Porta-Bandeira” Marquinhos und Giovanna, die von der “Viradouro” kommen, sowie mit dem Interpreten (Vorsänger) Wantuir, der von der “Portela” kommt. Eigentlich sollte Wantuir mit Daniel Silva ein Duo bilden, aber Daniel hat die Tuiuti verlassen. Das Thema für 2017 ist “Carnavaleidoscópio Tropifágico”, es präsentiert Auszüge aus den 50 Jahren der brasilianischen Bewegung * “Tropicália”.
*Die Bewegung des Tropicalismo entstand in den frühen 60er Jahren als Reaktion auf den Militärputsch in Brasilien und die einhergehende repressive Politik. Eine politische Bewegung, die gekennzeichnet war von Kritik der Konsummentalität und dem Einfluss der Massenmedien sowie von der Sorge um die Beschneidung politischer Rechte, verband sich mit der Suche nach einem neuen musikalischen Ausdruck jenseits der gängigen Pop-Klischees und Bilder von Brasilien. So entstand die Bewegung des Tropicalismo.
Mit einer Explosion von Farben hat Paraíso do Tuiuti unter Nieselregen den Auftakt der Paraden im Sambodrom von Rio de Janeiro gegeben. Allerdings war ihre Darbietung zum Thema “Carnavaleidoscópio Tropifágico“ (Tropikalisches Karnevaleidoskop) von einem Unfall überschattet.
Der letzte ihrer sechs alegorischen Wagen ist im Eintrittsbereich gegen ein Absperrgitter gestoßen und hat mehrere Menschen gegen dieses gepresst. Neun mussten mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden.
Als Folge des Unfalls kam es zu Lücken in der Parade. Damit war es für Paraíso do Tuiuti gelaufen, sich in der Gruppe der Eliteschulen halten zu können, in die sie nach 15 Jahren Abstinenz erst 2016 aufgestiegen ist. Durch den Unfall kamen die Tuiuti auf den 12. und somit letzten Platz, müssen aber durch den Jury-Entscheid nicht absteigen und können 2018 weiter in der Eliteschule teilnehmen.
Paraíso do Tuiuti hat sich 2018 dem Thema des Sklaventums angenommen – Meu Deus, meu Deus, está extinta a escravidão? (Mein Gott, mein Gott, die Sklaverei ist abgeschafft?) und die Frage gestellt, ob dieses mit dem “Lei Áurea” vor 130 Jahren tatsächlich abgeschafft wurde.
Mit den fünf allegorischen Wagen wurde der Menschenmarkt dargestellt und auch der Reichtum, der von den Sklaven produziert wurde. Ein anderer repräsentierte die “tumbeiros”, die Schiffe, auf denen die Afrikaner transportiert wurden. Weil bei der Überfahrt so viele von ihnen gestorben sind, wurden sie “Gräber” (tumbas) genannt.
Mit einem weiteren Wagen tituliert als “Neo Tumbeiro” (Neo-Grabschiff) übte Paraíso do Tuiuti Gesellschaftskritik. Aus einer schäbigen Flagge Brasiliens ragte eine bettelnde Hand. Hoch oben tanzte ein Vampir mit der umgehängten Präsidentenschärpe umringt von Anzugträgern als Anspielung auf Korruption und Ausbeutung.
0.1 Punkte fehlten zum 1. Sieg der Paraíso do Tuiuti. Die Schule erreichte den stolzen Titel Vize-Champion, also ein 2. Rang.
Paraíso do Tuiuti hat den heiligen Sebastian und seinen Namensvetter Dom Sebastião, dem portugiesischen König gewidmet, der 1578 bei einer Schlacht in Marokko verschollen ist.
Das Thema dazu: O Santo e o Rei: Encantarias de Sebastião – ”Der Heilige und der König: Manifestationen des Sebastião”
Präsentiert hat Paraíso do Tuiuti auch die Kultur und das Leben im Nordosten Brasiliens. Denn nach einer Legende des brasilianischen Bundesstaates Maranhão soll der verschollene König verzaubert worden und dort wiederaufgetaucht worden sein.
Der Legende nach soll er sich ebenso in einen schwarzen Stier mit einem weißen Stern auf der Stirn verwandelt haben.
Paraíso do Tuiuti hat dazu eine Parade mit überschwänglich gestalteten Allegorien und Kostümen geboten und die Samba-Avenida in ein farbenprächtiges Meer verwandelt.
Am Schluss war es der 11. Rang, der gerade noch zum Verbleib in der Elitetruppe reichte.