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In diesem filmischen Notizbuch, dass die ersten 23 Jahre ihres Lebens überspannt, verleiht Naomi Kawase das Erscheinungsbild einer aus Fotos und aus Bildern, die sie selbst in Super 8 aufgenommen hat, bestehenden impressionistischen Suche. Darunter mischen sich poetisch zusammengestellte, sich wiederholende Ansichten von Bäumen, durch deren Laub der Wind streicht, blühenden Blumen, lebendigen Gassen und Innenräumen von Wohnungen. Unter Verzicht auf den Realismus des synchronen Klangs vertieft die Geschichte vier eindrucksvolle Momente: Den der hartnäckigen Suche nach ihren Eltern, die sie in jungen Jahren verlassen haben, dann den kurzen verspielten, von Anspielungen geprägten Augenblick der Liebesbegegnung. Darauf folgt die Darstellung eines glücklichen Lebensgefühls, eingefangen im Strom des Alltags (und mit einem Schnitt, der an Jonas Mekas erinnert). Mit besorgter Stimme lässt Naomi Kawase Zweifel laut werden, wählt dann aber die Telefonnummer ihres Vaters und ihrer Mutter. Aus den Bildern – diskrete, inspirierte Metaphern, scheue Tränen – tritt die Emotion hervor. Das Gesicht des Vaters erscheint im letzten Bild des Films für einen Moment, von der Mutter ist nur kurz die Stimme zu hören, bevor sie vermutlich für immer verschwindet.
Jean Perret (Film Visions du Réel 1996)