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China stösst an die Decke
Mit dem Abschluss des Machtwechsels in Peking ist auch die Debatte über die Zukunft Chinas wieder aufgeflammt. Wird die Wirtschaft weiterhin in diesem hohen Tempo wachsen, oder beginnt bald die Phase der Verlangsamung?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten diese Frage zu beantworten. Eine elegante Methode besteht darin, Chinas relative Wettbewerbsfähigkeit auf dem US-Markt zu beobachten. Der Vorteil dieser Herangehensweise ist, dass man sich nicht auf unscharfe Schätzungen des Bruttoinlandprodukts verlassen muss und die Manipulationen der chinesischen Behörden umgehen kann. Die US-Daten zur Entwicklung der Importe sind zuverlässig.
Das Ergebnis ist eindeutig. Die chinesischen Exporte haben nach einem stürmischen Wachstum die Decke erreicht. Besonders interessant ist der Vergleich zwischen China und Mexiko, weil die beiden Länder dieselben Produkte für den US-Markt herstellen, nämlich arbeitsintensive Industriegüter. Drei Phasen lassen sich unterscheiden, wie die folgende Grafik zeigt (Quelle: IMF, Finance and Development, March 2013).
Die erste Phase setzt 1994 mit dem Beginn des nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) zwischen Mexiko und den USA ein. Dank verbessertem Marktzutritt nehmen die mexikanischen Exporte schnell zu – von 2 auf 13 Prozent aller Importe der USA. Die chinesischen Exporte wachsen im Gleichschritt mit den mexikanischen.
Die zweite Phase beginnt 2001 mit dem Eintritt Chinas in die Welthandelsorganisation (WTO). Chinas Exporte in die USA nehmen sprunghaft zu, während Mexikos Exporte in die USA stagnieren.
Die dritte Phase umfasst die Zeit seit 2005. Seit jenem Jahr steigen Mexikos Exporte in die USA wieder zügig an, während der Anteil der chinesischen Güter an den amerikanischen Importen mit einer gewissen Verzögerung wieder gesunken ist.
Nach einem langjährigen Taucher haben die mexikanischen Exporteure offensichtlich wieder Boden gegenüber den chinesischen Konkurrenten gewonnen. Vergleicht man die realen Lohnkosten Chinas und Mexikos, sieht man einen enormen Druck zur Konvergenz. Zwischen 2003 und 2011 haben sich die chinesischen Löhne verfünffacht im Gegensatz zu den mexikanischen Löhnen, die seit zehn Jahren stagnieren.
Was lange Zeit bestritten wurde, ist nun also eingetreten: China ist genau gleich wie jedes andere Schwellenland – Grösse hin oder her. Wenn eine arme Volkswirtschaft in hohem Tempo wächst, steigen mit einer gewissen Verzögerung auch die Löhne an. Das bedeutet, dass das exportgetriebene Wachstumsmodell bereits vor einigen Jahren an seine Grenzen gestossen ist und das jährliche Wachstum dauerhaft unter zehn Prozent sinken wird.
Und nimmt man Japan als Vergleich, ist mit einem weiteren Schrumpfen des Exportanteils zu rechnen. Wie die erste Grafik oben zeigt, hatte Japan 1994 einen Anteil von mehr als 20 Prozent an allen US-Importen, seit 2009 sind es knapp zehn Prozent.
Der Westen braucht sich also vor dem wirtschaftlichen Aufstieg Chinas nicht zu fürchten. Es wiederholt sich, was wir schon mehrmals in der Wirtschaftsgeschichte beobachten konnten: Die neuen Wirtschaftsmächte unterliegen genau denselben Gravitationsgesetzen wie die alten.