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Der EV Zug musste zuletzt zwei gewichtige und ebenso bittere Ausfälle bei den Importspielern beklagen. Stürmer Carl Klingberg (31) zog sich in der Nationalmannschaftspause eine Unterkörperverletzung zu und fällt wochenlang aus. Noch schlimmer erwischte es Verteidigungsminister Niklas Hansson (27). Hansson zog sich am letzten Wochenende eine schwere Knieverletzung zu und fällt mindestens drei Monate aus.
Nun hat Kläy zumindest auf den Ausfall von Klingberg reagiert und am Montagmorgen den US-Amerikaner Justin Abdelkader (35) als temporären Ersatz präsentiert. Abdelkader ist als wichtiger Bestandteil der Zuger Meistermannschaft 2021 natürlich ein bekanntes Gesicht. Abdelkader, der von 2008 bis 2020 für die Detroit Red Wings in der NHL spielte, verstärkte im Frühjahr 2021 den EV Zug und sammelte anschliessend auf dem Weg zum Meistertitel in 22 Spielen 17 Skorerpunkte.
Nachdem er mit dem EVZ den ersten Titel seiner Profikarriere feiern konnte, bestritt er mit den USA die Weltmeisterschaft und durfte das Team als Captain anführen. Trotz starker Leistungen erhielt er beim EVZ für die neue Saison keinen Vertrag, weshalb Abdelkader längere Zeit vereinslos war. Im Januar 2022 spielte er für kurze Zeit für das AHL-Team Grand Rapids Griffins und wurde in den Olympiakader der USA berufen, bestritt aber nur ein Spiel. Für den Saisonendspurt verstärkte er den HC Lugano und erreichte mit den Bianconeri den Playoff-Viertelfinal, wo man dann aber ohne Sieg gegen den EVZ ausschied. Seither war Abdelkader erneut vereinslos.
Seine physische Spielweise ist ein Gewinn für den EVZ
Abdelkader machte vor allem mit seiner physischen Spielweise von sich reden. Der Routinier scheut keinen Zweikampf und kann sich durchsetzen. Ausserdem versteht er es, dem Gegner unter die Haut zu gehen und sie zu provozieren. Er kann ein Team mitreissen und auch ein Zeichen setzen, wenn es mal nicht läuft. Dies schafft aus dem Zuger Team in ähnlicher Art und Weise nur Jan Kovar und – mit Abstrichen – Carl Klingberg. Und gerade deshalb macht die temporäre Verpflichtung Abdelkaders Sinn. Abdelkader ist im Gegensatz zu Klingberg zwar nicht so technisch versiert, jedoch kann er die physische Präsenz und Spielweise von Klingberg eins zu eins ersetzen. Und diese braucht es, wie bereits die Vergangenheit gezeigt hat. Es braucht Spieler, welche mit diesen Mitteln ein Zeichen setzen können und so versuchen, den Gegner aus dem Konzept zu bringen oder zu provozieren.
Abdelkader kann ein Faktor in den Special Teams sein
Während seiner ersten Zeit beim EVZ war Abdelkader auch im Powerplay ein wichtiger Faktor. Er wurde vom Coaching Staff sowohl im Powerplay als auch im Boxplay eingesetzt. Da er auch im Boxplay spielen kann, verschafft seine Rückkehr zusätzliche Optionen für den Coaching Staff. Ausserdem kann er eine wichtige Funktion von Klingberg im Powerplay übernehmen – die physische Präsenz vor dem gegnerischen Tor. Klingberg ist als Screen vor dem Tor im Powerplay ein wichtiger Faktor und schafft es oftmals, dem gegnerischen Torhüter so entscheidend die Sicht zu nehmen. Ausserdem kann er sich vor dem Tor durchsetzen, wenn es einen Rebound geben sollte. Genau dies kann auch Abdelkader. Somit ist der US-Amerikaner auch in dieser Hinsicht ein passender Ersatz.
Der EVZ weiss, was Abdelkader kann und Abdelkader weiss, was ihn beim EVZ erwartet
Ein wichtiger Faktor für seine Verpflichtung dürfte gewesen sein, dass Abdelkader den Club bereits bestens kennt. Auch die Liga kennt er durch seine Engagements in Zug und Lugano bereits. Damit braucht er weniger Zeit zur Eingewöhnung als ein Spieler, der den Club und/oder die Liga nicht kennt. Gerade bei der Suche nach einem temporären Ersatz ist dies ein wichtiger Faktor. Das Gleiche gilt auch umgekehrt: Dan Tangnes und seine Assistenten wissen, welche Fähigkeiten er mitbringt und wie er der Mannschaft helfen kann. Diesen Faktor benannte auch Sportchef Kläy: «Wir kennen Justin und seinen Spielstil bereits bestens. Wir wissen also, was wir von ihm erwarten können» (Quelle: EVZ-Medienmitteilung Verpflichtung Abdelkader).
Aus den genannten Gründen könnte sich die Verpflichtung von Justin Abdelkader – welcher erneut die Trikotnummer 89 tragen wird – als Glücksfall erweisen. Gemäss dem EVZ beinhaltet sein bis Ende Jahr befristeter Vertrag eine Option auf eine Verlängerung bis Saisonende. Sollte Abdelkader erneut überzeugen, ist ein Verbleib über das Jahresende hinaus durchaus realistisch. Bei den Fans geniesst Abdelkader ein hohes Ansehen, man freut sich auf die Rückkehr des langjährigen NHL-Spielers.
Warum musste es ein zusätzlicher Importspieler sein?
Abschliessend darf man sich natürlich die Frage stellen, warum es ein zusätzlicher Importspieler sein musste? Schliesslich reden wir hier von einem temporären Ersatz, den es benötigt und es spielt in dieser Saison mit Yannick Zehnder (24) ein Spieler mehrheitlich in der vierten Linie, welcher eine grössere Rolle spielen kann. Und auch Reto Suri (33) sollte ja schon bald zurückkommen. Hinzu kommen die Eigengewächse wie Dario Allenspach (20), Luca De Nisco (21) und Tim Muggli (19), welche in die Bresche springen können und auch schon bewiesen haben, dass sie dies können.
Eine Frage, die berechtigt ist. Aufgrund der oben genannten Faktoren macht es in diesem Fall aber Sinn, einen zusätzlichen Importspieler wie Abdelkader zu holen. Zehnder ist zwar technisch und spielerisch sehr versiert, aber er kann die Rolle eines Klingberg oder Abdelkader nicht übernehmen bezüglich physischer Präsenz und Spielweise. Und Suri muss man nach seiner schweren Knieverletzung und sieben Monaten Pause genügend Zeit geben, um Spielpraxis zu sammeln und seine alte Form wiederzufinden.