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Ist Monero von Behörden unterwandert? Diese Behauptung stellt ein Kritiker des grössten Privacy Coins auf. Dabei beruft er sich auf den ehemaligen Hauptentwickler Riccardo Spagni, der über enge Kontakte zu den Strafbehörden der USA verfügen soll.
Monero von Behörden unterwandert?
“Ich bin mir nicht sicher, wie die Szene das übersehen konnte” – mit diesen Worten startet der Twitter-Nutzer James Edwards eine Reihe von Beiträgen, die harsche Kritik am grössten Privacy Coin Monero (XMR) üben.
Die Kryptowährung sei von Behörden unterwandert worden und verfüge daher vermutlich über Schwachstellen, die es Strafbehörden ermöglichen, die Nutzer der digitalen Währung zu deanonymisieren. Das jedenfalls behauptet Edwards.
Die Beweise deuten stark darauf hin, dass er ihnen geholfen hat, Monero nachzuverfolgen.
1/ Not sure how this space missed this but @fluffypony (Riccardo Spagni), the founder & lead maintainer of @monero $XMR outed himself as an informant for Interpol after he was detained by U.S. Marshals pending extradition. Evidence strongly suggests he helped them track Monero. pic.twitter.com/ev1EycEdDI
— James Edwards (@librehash) March 20, 2023
In seiner Kritik beruft er sich vor allem auf eine E-Mail des Rechtsanwalts Henry Leventis. Darin stellt der Anwalt klar: Sein Mandant Riccardo Spagni sei dazu bereit, Aussagen gegenüber den Strafbehörden zu machen.
Die Nachricht stammt aus dem Jahr 2021 und hat eine Klage zum Gegenstand, die gegen Spagni gerichtet ist. Das Unternehmen Cape Cookies ist der Kläger und gleichzeitig der frühere Arbeitgeber des südafrikanischen Programmierers.
Während seiner Anstellung soll Spagni Rechnungen gefälscht haben und so auf betrügerische Weise sechsstellige Beträge auf sein eigenes Konto geleitet haben. Bisher kam es zu keinem rechtskräftigen Urteil in diesem Fall.
Edwards behauptet jedoch, Spagni habe sich vor drastischen Strafen bewahrt, indem er mit den Strafbehörden zusammenarbeitete. So soll der Südafrikaner sensible Daten verraten haben, die eine Rückverfolgung von Transaktionen ermöglicht, die innerhalb der Monero-Blockchain dank starker Verschlüsselung üblicherweise nicht machbar ist.
Riccardo Spagni weist Vorwürfe ab
Spagni selbst reagierte rasch auf die Vorwürfe. Ihm zufolge seien die Behauptungen nicht ernstzunehmen. Den Kritiker betitelt Spagni als “bekannten Betrüger.” Dessen Thesen bedürften “keiner Reaktion” und seien “schwachsinnig.”
Einige Tatsachen deuten tatsächlich darauf hin, dass Spagni überhaupt keine Möglichkeit hat, besondere Informationen weiterzugeben. Moneros Programmcode ist quelloffen und daher öffentlich einsehbar. Etwaige Hintertüren sind so nahezu ausgeschlossen.
Darüber hinaus trat Spagni, der auch unter seinem Pseudonym Fluffypony bekannt ist, von der Rolle als Monero-Hauptentwickler bereits im Dezember 2019 zurück. Schon deshalb, so argumentiert er, sei es unmöglich, eine etwaige Manipulation durchzusetzen.
Zu keinem Zeitpunkt habe ich mich jemals mit einer Strafverfolgungsbehörde, einer Regierung, einer Einzelperson, einer Regierungsbehörde, einem Unternehmen oder JEMANDEM getroffen und/oder ihnen geholfen, Monero aufzuspüren.
To be abundantly clear, a thread 🧵
At no point have I ever met with and/or helped a law enforcement agency, or a government, or an individual, or a government agency, or a company, or ANYONE to trace Monero. /1
— Ric “el pony esponjoso” (@fluffypony) March 22, 2023
Erklärt Spagni. Diese Aussage legt Edwards jedoch als Lüge aus. Spagni, der ebenfalls Gründer der Monero-Sidechain Tari ist, unterstützt das Programm Comply First. Jenes leitet Krypto-Unternehmen an, Monero zu unterstützen. Da es hierbei oft zu Konflikten mit Behörden kommt, liefert Comply First Argumente, um einen Konsens herzustellen.
Edwards vermutet jedoch, dass Comply First daran arbeitet, Monero rückverfolgbar zu machen.
Deshalb gerät die Szene in Unruhe
In der Krypto-Szene sorgten Edwards’ Tweets für einige Unruhe. Der Grund: Moneros zentrale Stärke ist die Vertraulichkeit seiner Blockchain. Nach aktuellem Stand gelten darin niedergeschriebene Informationen als nicht rückverfolgbar.
Anders als bei transparenten Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum ist also nicht ersichtlich, wer wem welches Geld sendet. Für Dissidenten oder Kriminelle ist das Vertrauen in die Kryptowährung daher von entscheidender Bedeutung.
Wäre Monero plötzlich doch nachverfolgbar, würde das Projekt höchstwahrscheinlich in der Bedeutungslosigkeit versinken. Einige Nutzer müssten darüber hinaus strafrechtliche Konsequenzen befürchten.
Da Edwards’ Thesen nicht mit Beweisen zu belegen sind, ist es jedoch unwahrscheinlich, dass sich der Status quo ändert und Monero wider Erwarten nachverfolgbar ist.
Das Vertrauen in die Kryptowährung konnte die Diskussion nicht erschüttern. XMR liegt im Wochentrend 4,5 Prozent im Plus und wird aktuell für 160 US-Dollar gehandelt.