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Mit Schweiss und Hautschuppen mästet der Mensch die Milben in seinem Bett. Die Spinnentierchen danken es ihm durch ergiebige Ausscheidungen in Matratzen und Kissen. Wer Pech hat, kann dieses Wissen nicht verdrängen, denn er reagiert allergisch auf die Hinterlassenschaften der Tiere. Was dann?
Wir Menschen ernähren sie: Jeder Mensch verliert am Tag bis zu 1,5 Gramm Hautschuppen - von diesen 1,5 Gramm können sich 1,5 Millionen Milben einen Tag lang ernähren. Die Milben waren in grauer Vorzeit eigentlich Bewohner von Vogelnestern, denn sie hatten es schon immer gern gut temperiert und windgeschützt. "Sobald die Menschen ihr "Nest", beziehungsweise ihre Höhle bezogen hatten, haben sie sich die Milben domestiziert", so Dr. Jörg-Thomas Franz, Milbenforscher an der Universität Paderborn.
62.500 Milben ergeben ein Gramm
16 Mikrogramm Gewicht, also 16 Millionstel Gramm, bringt so eine Hausstaubmilbe auf die Waage. 62.500 lebende Milben wiegen also ein Gramm, hat Dr. Franz berechnet.
Die 35 bisher bekannten Arten der Hausstaubmilben gehören zur Ordnung der Milben, lateinisch Acari, mit insgesamt 20.000 Arten, die der Klasse der Spinnentiere zugerechnet werden. Die wichtigsten Milbenarten, die unsere Breiten bevölkern, tragen die lateinischen Namen "Dermatophagoides pteronyssinus" und "Dermatophagoides farinae". Die Hausstaubmilben traten erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Entwicklung der synthetischen Textilien vermehrt auf, vorher waren sie neben den anderen Milbenarten wie den Vorratsmilben weniger bedeutend.
Vorratsmilben kamen damals häufiger vor, denn sie ernährten sich von organischem Material. In Kellerwohnungen oder nicht unterkellerten Häusern sind oft Vorratsmilben die Allergenträger, denn sie brauchen mehr Feuchtigkeit als die Hausstaubmilben. Doch kein aktueller Allergietest erfasst diese Milbenarten. Wissenschaftler wie Dr. Franz fordern bereits seit einigen Jahren, dass die Palette der Allergietests um die Allergene der Vorratsmilben erweitert werden muss. Doch die Pharmaindustrie hat dafür noch keinen Extrakt entwickelt.
Sie trotzen dem Staubsauger
Hausstaubmilben-Weibchen legen bis zu 300 Eier in ihrem zwei bis vier Monate dauernden Milbenleben. In dieser Zeit produzieren Männchen wie Weibchen jeweils das 200-fache ihres Körpergewichts an Kot. Sie übertragen keine Krankheiten, doch nur Allergiker reagieren auf ihre Anwesenheit. Hausstaubmilben lieben eine Luftfeuchtigkeit von 65 bis 80 Prozent und Temperaturen von 25 bis 30 Grad. Mit ihren Saugfüssen halten sie sich an Textilien oder auch Teppichen so fest, dass sie auch eine Attacke mit dem Staubsauger überstehen.
- Grösse: 0,1 - 0,5 mm
- Nahrung: Menschliche Hautschuppen, Schimmelpilze
- Reviere: Matratzen, Polstermöbel, Teppichböden
- Ideale Umgebungstemperatur: 25-30 Grad
- Lebensdauer: 2 - 4 Monate
- Nachkommen pro Weibchen: circa 300
Tropfende Nase am Morgen, Husten und Niesen? Atemnot im Bett und juckende Haut? Erstickungsanfälle beim Staubsaugen oder Bettenmachen? All das deutet auf eine Hausstaubmilbenallergie hin.
Bei dieser Allergie gilt: Je höher die Konzentration an Allergenen ist, also Staub verbunden mit Eiweiss aus Milbenkot und toten Milben, desto heftiger äussern sich die Beschwerden. Das kann bis zum Asthma führen. Bei Neurodermitikern verschlechtert sich beim Hautkontakt mit dem Milbenkot das bestehende Ekzem. Mehr als vier Millionen Deutsche leiden heute unter einer Hausstaubmilbenallergie, die Tendenz ist steigend.
Innenraum-Allergen Nummer 1
Hausstaubmilben und ihre Hinterlassenschaften sind die wichtigsten, weil am häufigsten vorkommenden Innenraumallergene. Das Auftreten von Milben hat nichts mit mangelnder Hygiene oder zu seltenem Putzen zu tun, sondern mit dem Klima in der eigenen Wohnung - wir leben heute zu feucht und zu warm. Untersuchungen der Universität Paderborn in der eigenen Stadt haben ergeben, dass rund 85 Prozent der getesteten Haushalte von Milben bevölkert waren.
Um festzustellen, ob der eigene Hausstaub mit Milben-Bestandteilen belastet ist, kann man sich einen Milben-Schnelltest aus der Apotheke besorgen: Ein bestimmtes Areal im Haushalt wird mit dem Staubsauger abgesaugt und dann der Staub getestet. Eine Farbreaktion zeigt die Konzentration von Guanin, einem Eiweiss des Milbenkots.