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Nur eine einzige Frau wird am Genfer Reformationsdenkmal geehrt: Marie Dentière. Im Jahr 2002 wurde ihr Name hinzugefügt. Es dauerte fast 500 Jahre, bis man erkannte, wie wichtig und einzigartig die Schriften der Reformatorin waren.
Von der Äbtissin zur Reformatorin
Marie Dentière wird 1495 im französischen Tournai geboren. Die junge Französin entscheidet sich für ein religiöses Leben und tritt ins Kloster ein. Schnell steigt sie von der Nonne zur Äbtissin auf.
Doch als sie Martin Luthers Schriften liest, verändert sich ihr Leben radikal. Sie verlässt den Konvent, heiratet einen ehemaligen Priester und flüchtet nach Strassburg. Sie bringt fünf Kinder zur Welt, wird Witwe und zieht 1535 zusammen mit ihrem zweiten Ehemann und den Kindern nach Genf.
Gleiche Rechte für Frauen und Männer
Die reformatorischen Ideen vom Priestertum aller Gläubigen nimmt Marie Dentière ernst. Frauen sollen genauso predigen dürfen wie Männer. Diese Forderung wird zu ihrer zentralen Botschaft. Denn auch im reformierten Genf bekommen die Frauen nicht dieselben Rechte, wie die Männer.
Predigerinnen bleiben die Ausnahmen. Mehr noch: Sie sind nicht gern gesehen. Die Reformatorin Marie Dentière lässt sich nicht aufhalten. Sie nutzt insbesondere das geschriebene Wort, um ihre Positionen zu verbreiten.
Gedruckte Schriften
In Genf findet die umtriebige Frau einen Drucker, der ihre Schriften veröffentlicht. Anonym erscheint 1536 ihr historischer Text, eine Chronik der Stadt Genf. Sie beschreibt die Zeit von 1504 bis 1536 und nennt ihr Buch «Der Krieg um die Stadt Genf und ihre Befreiung...».
Es ist die erste Schrift überhaupt, die einen historischen Überblick über die Genfer Reformationszeit gibt. Marie Dentières zweites Werk erscheint 1539 unter ihrem eigenen Namen und sorgt für grosses Aufsehen.
Theologische Auseinandersetzung
Marie Dentière nennt ihre zweite Publikation «Ein sehr hilfreicher Brief...». Offiziell richtet die Reformatorin ihre Schrift nur an Frauen. Doch Dentière veröffentlicht ihren Text sehr wohl für ein breiteres Publikum.
Sie ermutigt die Frauen, sich aktiver in die Geschehnisse einzumischen, die Bibel zu lesen und aufzubegehren. Frauen seien dazu berufen, Gottes Wort in der ganzen Welt zu verbreiten, schreibt die Kämpferin. Diese theologische Abhandlung einer Frau duldet der Genfer Klerus nicht. Er lässt die Bücher verbrennen und führt neu eine Zensur für Publikationen ein.