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Es wird zusehends schwieriger, ursprüngliche, unberührte Wildnis zu finden. Und auf einer Erde, die im 21. Jahrhundert angekommen ist, solche, die nicht vom Untergang bedroht wird.
Das Leuser Ökosystem auf Sumatra, Indonesien, qualifiziert sich eindeutig für die erste Kategorie.
Leider nicht für die zweite.
Auf 650'000 Hektaren finden man dort tropische Küstenabschnitte, sumpfige Niederungen, meandrierende Flüsse, hoch aufragende Bergzüge und zwei gewaltige Vulkane.
Das Leuser-Areal ist somit das grösste verbleibende Wildnisgebiet Südostasiens. Auf der Insel Sumatra, etwas nördlich des Äquators, bietet es einer unglaublichen Vielfalt ganz unterschiedlicher Spezies ein Zuhause. Bis heute haben in der völligen Abgeschiedenheit dieser Berg- und Tiefland-Regenwälder seltene Grosstiere überlebt, die in anderen Regionen des Archipels schon längst ausgestorben sind. Da es sich von Meereshöhe bis auf die Spitze des 3455 Meter hohen Mount Leuser erstreckt, umfasst es mannigfache Lebensräume.
Aufgrund fortlaufender Aufstände zwischen 1976 und 2005 blieb dieses riesige Areal grösstenteils unverändert. Im Verlauf dieser Unruhen kämpften Rebellengruppen gegen Regierungstruppen. Insgesamt verloren 15'000 Menschen ihr Leben.
2004 bebte die Erde im Indischen Ozean und zog einen gewaltigen Tsunami nach sich. Durch diese Naturkatastrophe konnte ein Waffenstillstand erreicht werden, um humanitäre Hilfe in die betroffenen Regionen zu bringen. Daraus ergaben sich fruchtbare Verhandlungen und letztlich: Frieden. Diesem folgte der Fortschritt. Verschiedene Nationalparks wurden wieder geöffnet und das Leuser-Areal wurde wegen seiner aussergewöhnlichen Biodiversität von der UNESCO offiziell als Weltkulturerbe anerkannt.
Wobei «aussergewöhnlich» in diesem Fall sowohl die schiere Zahl der vorhandenen Spezies wie auch deren Einzigartigkeit beschreibt.
Die UNESCO schätzt die Zahl der vorhandenen Pflanzenspezies auf über 10'000, von denen viele ausschliesslich in diesem Gebiet existieren. Es gibt mehr als 200 Säugetier- und 580 Vogelspezies, die bislang bekannt sind. Und noch immer ist ein Grossteil des Areals unerforscht. Da sie sich dort frei bewegen können, ist der Leuser Park der letzte Ort der Erde, an dem Orang-Utans, Tiger, Elefanten, Rhinozerosse und Malaienbären in der Wildnis koexistieren.
In seinen üppigen Regenwäldern und den Torflandschaften speichert das Leuser Ökosystem über 1,6 Milliarden Tonnen Kohlendioxid und produziert unschätzbare Mengen Sauerstoff.
Ein grosser Teil des unberührten Waldes ist noch vorhanden. Doch das Ökosystem als Ganzes wird von neuen Strassenprojekten, illegaler Holzfällerei und Palmöl-Plantagen bedroht. Tatsächlich verlor Sumatra in den letzten 15 Jahren 50% seines Regenwaldes und im Leuser Nationalpark wurden allein in den letzten fünf Jahren 20% der Tieflandwälder abgeholzt.
Derweil setzen sich zahlreiche Nichtregierungsorganisationen mittels ununterbrochenen Prozessierens für den Schutz der Region ein.
PS: Eventuell haben sie etwas mehr Zeit, als alle dachten: Wissenschaftler haben dank neuer Algorithmen auf Satellitenbildern der Erde 10% mehr Wald entdeckt als bislang angenommen ...