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Der Autor
Friedrich Schiller, ist 1759 in Marbach am Neckar geboren und starb 1805 in Weimar. Als Dramatiker und Balladendichter und vor allem als klassischer „Dichter der Freiheit“ und als Vertreter des deutschen Idealismus hat er auch zum Geisteserbe des Liberalismus einen bedeutenden Beitrag geleistet. Die dichterisch gestaltete philosophische Botschaft von der Einheit des Wahren, Schönen und Guten ist im 20. Jahrhundert zu Unrecht als wirklichkeitsfremd und unmodern abgetan worden. Seine Freundschaft mit Goethe, in der auch das Element des Wettbewerbs nicht fehlte, hat zur Blüte der Weimarer Klassik geführt, in der Philosophie und Dichtung zu einer Einheit verbunden wurden, die zum literarischen Weltkulturgut gehört. Schillers Gesamtwerk und speziell seine philosophischen und historischen Schriften deuten Freiheit aus einer psychologisch-philosophischen Sicht und verleihen ihr damit einen Stellenwert, der den engern Rahmen des Politisch-Ökonomischen sprengt. Die Verknüpfung des Nützlichen mit dem Schönen, des Notwendigen mit dem Guten und des Tauglichen mit dem Tugendhaften eröffnet – unabhängig von der heute ungewohnt klingenden Wortwahl – auch aus ökonomischer und politischer Sicht höchst aktuelle Perspektiven. Der deutsche Idealismus kann den im politischen Denken global das Feld beherrschenden angelsächsischen Pragmatismus und Ökonomismus wohltuend und zukunftsträchtig ergänzen.
Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte
Der in den Gesammelten Werken in der Regel den „Historischen Schriften“ zugeordnete Text gehört zu den universalhistorischen Vorlesungen des Verfassers, die er an der Universität Jena hielt und die im 11. Heft der Zeitschrift Thalia 1789 erstmals publiziert worden sind.
Als historisch versierter Staatsdenker und politischer Philosoph ist Schiller nur mit kleineren Schriften an die Öffentlichkeit getreten. Sie beruhen auf einer Kombination von historisch-empirischen Beobachtungen mit der Begeisterung für das freie Wechselspiel von Vernunft und Gefühl, von „von Hunger und von Liebe“. Schiller bewährt sich in diesen Texten als Professor, d.h. als Bekenner im wahrsten und ursprünglichen Sinn, und man kann es bei der Lektüre gut nachvollziehen, warum er seine Studenten so nachhaltig begeistern konnte. Er verbindet eine kritische Analyse von historischen Befunden mit brillanten Reflexionen, die Erkenntnisse vorwegnehmen, die erst von der politischen Psychologie und der Verfassungsökonomie des 20. Jahrhunderts wieder aufgenommen worden sind.
Würdigung
Die Gegenüberstellung der Gesetzgebung des Lykurg und des Solon, d.h. der Vergleich zwischen „Sparta“ und „Athen“ als Paradigmen, ist ein Meisterwerk der vergleichenden Verfassungslehre und der Verknüpfung von objektiver Beobachtung und subjektiver Bewertung. Der nur einem kleineren Kreis von Schillerkennern bekannte Text ist auch ein aktuelles Plädoyer gegen den Totalitarismus und für die offene Gesellschaft. Es ist kein Zufall, daß Passagen aus dieser Schrift in den Flugblättern der „Weißen Rose“ 1942 im Kampf gegen die nationalsozialistische Diktatur zitiert worden sind. Der Staat ist bei Schiller im Unterschied zu Hegel nicht Kulminationspunkt der Geschichte und auch kein Selbstzweck, sondern eine „Bedingung, unter welcher der Zweck der Menschheit erfüllt werden kann“, und der Zweck der Menschheit besteht für ihn in der Ausbildung aller individuellen Kräfte des Menschen.
Zitate
„Lykurgus begriff wohl, daß es nicht damit getan sei, Gesetze für seine Mitbürger zu schaffen; er mußte auch Bürger für diese Gesetze erschaffen. In den Gemütern der Spartaner mußte er seiner Verfassung die Ewigkeit sichern, in diesen mußte er die Empfänglichkeit für fremde Eindrücke abtöten. Der wichtigste Teil seiner Gesetzgebung war daher die Erziehung, und durch diese schloß er gleichsam den Kreis, in welchem der spartanische Staat sich um sich selbst bewegen sollte. Die Erziehung war ein wichtiges Werk des Staats; und der Staat ein fortdauerndes Werk dieser Erziehung.“ (S. 93)
„Alles darf dem Besten des Staats zum Opfer gebracht werden, nur dasjenige nicht, dem der Staat selbst nur als ein Mittel dient. Der Staat selbst ist niemals Zweck, er ist nur wichtig als eine Bedingung, unter welcher der Zweck der Menschheit erfüllt werden kann, und dieser Zweck der Menschheit ist kein andrer, als Ausbildung aller Kräfte des Menschen. Hindert eine Staatsverfassung, daß alle Kräfte, die im Menschen liegen, sich entwickeln; hindert sie die Fortschreitung des Geistes, so ist sie verwerflich und schädlich, sie mag übrigens noch so durchdacht und in ihrer Art noch so vollkommen sein.“ (S. 101). Dieses Zitat erscheint im ersten Flugblatt der „Weißen Rose“ 1942 in München.
„Schön und trefflich war es von Solon, daß er Achtung hatte für die menschliche Natur und nie den Menschen dem Staat, nie den Zweck dem Mittel aufopferte, sondern den Staat dem Menschen dienen ließ.“ (S. 125)
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Robert Nef ist Leiter des Liberalen Instituts in Zürich und Mitherausgeber und Redaktor der Schweizer Monatshefte
- Schiller, Friedrich, “Die Gesetzgebung des Lykurgus und Solon”, in: Universalhistorische Schriften, hrsg. und kommentiert von Otto Dann, Insel Verlag (insel taschenbuch 2548), Frankfurt am Main / Leipzig 1999, 210 S., S. 88-131