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Trotzdem stellt sich auch die Frage nach dem passenden Gastgeschenk. Pantoffeln für das zeitlich ausgedehnte Homeoffice? Eine schmucke Gesichtsmaske zum Schutz der Liebsten? Daran haben Corona-müde Gastgeber kaum mehr Freude.
1. Ein Weingut für die Geliebte
Etwa die Geschichte des Barolo-Weines Mirafiore vom Weingut Fontanafredda für den Fremdgänger, die Romantikerin oder den Historiker. Das Weingut entstand aus einer Liebesgeschichte, die es gar nicht hätte geben dürfen.
Der König Vittorio Emanuele II. von Italien verliebte sich in Rosa Vercellana, «Bela Rosin», wie der König sie nannte. Weil es sich für den König nicht schickte, eine bürgerliche Geliebte zu haben, brachte er sie und die gemeinsamen Kinder 1858 in Serralunga d’Alba im Ortsteil Fontanafredda auf einem Landgut unter.
Nahe genug, um sie von Turin her regelmässig besuchen zu können. Zur sozialen Absicherung verlieh er ihnen den Adelstitel Grafen von Mirafiore und Fontanafredda. 1866 erstand König Vittorio Emanuele II. Rebberge im Gebiet und beauftragte seinen Landwirtschaftsminister, für deren Pflege besorgt zu sein.
In dieser Zeit fand in der Weinbereitung des Barolo ein grundlegender Wandel statt. Die für den Barolo verwendete Nebbiolotraube reift spät, weshalb die Gärung erst in den kalten Wintermonaten stattfindet. Die niedrigen Temperaturen führten dazu, dass die alkoholische Gärung stockte und der Barolo Restsüsse enthielt.
Mitte des 19. Jahrhunderts riet der französische Önologe Louis Oudart den Piemontesern, die Weinbereitung in unterirdische Weinkeller zu verlegen, wo gleichbleibende Temperaturen herrschen. So entstand der trocken ausgebaute Barolo-Wein, wie wir ihn heute kennen.
Der König stellte für die Versuche Oudarts auch das Landgut Fontanafredda zur Verfügung. Womit der Wein für sich in Anspruch nehmen kann, Teil des Ursprungs des heutigen Barolo zu sein.
2. Gesund mit Wein
Für Gastgeber, die dem Wein eine gesundheitlich positive Wirkung auf den Körper nachsagen, eignet sich der Bernkasteler Doctor. Der Legende nach lag der Erzbischof Bohemund von Trier im Jahr 1360 krank darnieder. Keine Arznei half. Weder Kräuterweiber noch Apotheker konnten das Fieber senken, alle erwarteten seinen nahen Tod.
Schliesslich brachte ein Ritter ein Fässlein Wein auf dem Rücken nach Bernkastel. Der kranke Bischof erschrak, denn er hatte genug von all den bitter schmeckenden Arzneien. Der Ritter schmunzelte, stellte das Fässlein auf den Tisch. Es möge seiner Gnaden wohl bekommen, meinte er. Ihm habe es schon manches Fieber vertrieben.
Der Bischof trank mit zunehmendem Behagen und das Fieber verschwand nach wenigen Tagen. Nach dem Lohn für die Medizin gefragt, bat der Ritter um den Doktortitel für seinen Rebberg, da dieser besser als alle Quacksalber und Pillendreher sei. Seit diesem Tag soll der Weinberg Bernkasteler Doctor heissen.
Verbürgt ist davon allerdings nichts. Die erste schriftliche Bezeichnung des Weinbergs als Doctor stammt aus dem Jahre 1736. Der Name «Doctor» geht wohl auf den zwischenzeitlichen Besitzer Doctor Heinrich Linden zurück. Gut möglich, dass die Einheimischen einfach von «Doctors Weinberg» redeten.
Berühmt wurde der Weinberg vor allem durch den bis heute teuersten Weinbergkauf in der deutschen Geschichte. Im Jahre 1900 erwarb Geheimrat Julius Wegeler für 100 Goldmark pro Stock 4300 Quadratmeter des Rebberges. Im Kaufpreis enthalten war auch der im Weinkeller liegende Wein vergangener Jahrgänge.
Und der Keller ist gross: Zwei Kellerröhren von 40 respektive 70 Metern wurden zwischen 1650 und 1850 in den Berg unterhalb des Rebberges getrieben. Sie haben eine konstante Temperatur und bieten 200 Fuderfässern mit je rund 1000 Litern Inhalt Platz.
Der Keller wie auch ungefähr ein Drittel des Bernkasteler Doctors sind noch heute im Besitz der Familie Wegeler. Der hohe Preis für den Rebberg drückt die Wertschätzung für den dort gewachsenen Wein aus, der in Adelshäusern und bei politischen Treffen schon vor über 120 Jahren kredenzt wurde.
3. Mystischer Wein
Findet die Feier bei einer Person statt, die an mystische Wesen glaubt, so bietet sich ein Dahu-Wein an. Der Wein trägt seinen Namen zu Ehren des possierlichen vierbeinigen Wesens, das in den Alpen, in den Anden und im Himalaya herumtappt.
Es ernährt sich von Gräsern, ist ungefähr ein Meter hoch und auch ungefähr so lang, von braun-grauer Farbe, wiegt zwischen 25 und 50 Kilogramm und kann bis zu 18 Jahre alt werden. Seine grösste Besonderheit sind die ungleich langen Beine.
Dabei gibt es die rechtsdrehenden Dahu und die linksdrehenden Dahu, bei denen entweder die beiden rechten oder die beiden linken Beine kürzer sind. Dies macht es dem Wesen einfacher, am steilen Berghang zu stehen. In der Schweiz besteht die grösste Chance, das Dahu zu sehen, im Wallis. Wie viele Gläser Wein dazu nötig sind, ist unbekannt.
4. Am Grund des Atlantiks
Ihr Gastgeber ist Taucher? Auch für Unterwasserfreaks gibt es Wein, der eine Geschichte erzählt. Der Weinliebhaber und Taucher Borja Saracho lagert spanischen Wein in 20 Metern Tiefe in einer baskischen Bucht.
Der Wein reift zuerst während zwei Jahren im Barriquefass aus französischer Eiche, danach während 15 Monaten in der Dunkelheit des Atlantiks und ist bei gleichbleibenden Temperaturen dem hohen Wasserdruck und den Nuancen der Gezeiten ausgesetzt.
In dieser Umgebung finde der Wein optimale Bedingungen für die Entwicklung seiner Aromen und eines hohen Lagerpotenzials, ist Borja Saracho überzeugt. Die Besonderheit fürs Auge sind Muschelkalk und Algen, welche die Flaschen überziehen.
Die Idee zu dieser Lagermethode stammt aus Berichten über Wracks, aus denen über hundertjährige Weinf laschen geborgen wurden. Der Wein war noch erstaunlich gut. Auch der älteste Champagner, eine Veuve Clicquot aus dem Jahr 1780, wurde aus einem gesunkenen Segelschiff geborgen und war noch trinkbar.
5. Für Seebuben
Wer den Kopf lieber über Wasser hält oder sich als Seebuben betrachtet, ist mit einem Wellentänzer besser bedient. Der Wein mit diesem Namen schaukelt während rund viereinhalb Monaten in einer Boje auf dem Zürichsee – bevorzugt natürlich in der kühlen Jahreszeit.
Die Idee stammt vom österreichischen Winzer Fabian Sloboda vom Neusiedlersee, der wissen wollte, wie sich Wein entwickelt, wenn er während der ersten Monate seiner Reife kontinuierlich auf der Hefe bewegt wird. Hintergrund dazu war die Erfahrung von Louis-Gaspard d’Estournel, der das Bordelaiser Weingut Cos d’Estournel gründete.
Weil die Geschäfte in Übersee schlecht liefen, musste er alle Fässer, die er bereits verschifft hatte, wieder zurückholen. Doch der vielgereiste Wein schmeckte besser als derjenige, der im eigenen Keller lagerte. Er stempelte also alle zurückgekehrten Weine mit einem «R» – «Retour des Indes», zurück aus Indien. Die Leute rissen ihm die Weine aus der Hand.
Um einen direkten Vergleich zu haben, lagerten sie dieselbe Menge des gleichen Weines im Keller des Weingutes und stellten so einen Zwillingswein her. Die beiden Zwillinge weisen gemäss dem Labor des Weinbauzentrums Wädenswil durchaus Unterschiede auf.
6. Bad Boy für schwarze Schafe
Ist der Gastgeber das schwarze Schaf der Familie, kann mit dem Wein Bad Boy diesem Umstand mit einem Augenzwinkern Rechnung getragen werden. Der Wein zeigt, dass auch schwarze Schafe grosse Qualität haben können.
Der Winzer Jean-Luc Thune-vin hat den Wein sowie das Etikett wohl mit einem Lächeln auf den Stockzähnen produziert. Der frühere DJ und Weinhändler erwarb 1989 eine kleine Parzelle in SaintÉmilion, bepflanzte sie mit Reben und produzierte zusammen mit seiner Frau die ersten Weine. Château Valandraud war geboren.
Bereits 1992 erlangte er mit seinem ersten Rotwein Aufsehen. Auch der amerikanische Weinpapst Robert Parker wurde auf Thunevin aufmerksam und bezeichnete ihn als Bad Boy des Bordeaux und führendes Garagen-Weingut. Was für einen kreativen Kopf wie Thunevin eine Steilvorlage ist. Übrigens: Für weibliche schwarze Schafe hat Thunevin mit seiner Frau zusammen auch einen Schaumwein namens Bad Girl produziert.
7. Wein mit Glamour
Wem dies alles zu wenig glamourös für ein Mitbringsel ist, kann sich an die Weingüter von Prominenten halten. Etwa einen Tropfen vom Weingut Von Othegraven an der Saar, das Günther Jauch gehört. Oder einen argentinischen Wein vom Frontmann des Pop-Duos Yello, von Dieter Meier.
Während die meisten Stars mithilfe eines professionellen Önologen bloss einen qualitativ guten Wein erzeugen, dürfen hingegen Angelina Jolie und Brad Pitt für sich in Anspruch nehmen, mit ihrem Wein einen Trend angeschoben zu haben. 2012 brachte das Hollywood-Paar den Rosé Miraval erstmals auf den Markt, 2014 heirateten sie in der Kapelle des gleichnamigen Weingutes und verliehen mit ihrem Engagement im Weinbusiness den Rosé-Geniessern neuen Schub.
War Rosé zuvor oft als laue Pfützen verschrien, wird Rosé-Wein inzwischen wieder ernst genommen und es wird ihm Charakter und Tiefgang attestiert. Und natürlich stiegen damit auch die Verkaufszahlen der Rosé-Weine – nicht nur die desjenigen von Jolie und Pitt. Böse Zungen behaupten zwar, dass der Miraval seit der Scheidung der beiden einen leicht bitteren Abgang habe.