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Es war ein verhängnisvolles Geschenk, das Zar Alexander I. anno 1815 Fürst Clemens von Metternich machte: Er überreichte ihm eine Schale mit Samen der Pflanze Heracleum mantegazzianum, die Clemens von Metternich prompt in seiner Heimat Böhmen anpflanzen liess. Er wusste nicht, dass er dadurch dem europäischen Festland einen unangenehmen Neuzuzügler bescheren würde.
Nachdem er anfangs wegen seiner prächtigen Erscheinung mit grossem Enthusiasmus angepflanzt wurde, erwies sich der Riesenbärenklau schnell als äussert ausbreitungsfreudig: Über 10'000 Samen bildet eine Pflanze, die sich über Wind, Wasser und Tiere verbreiten. Nach der Industrialisierung kamen Züge und später Autos hinzu, die die Samen meilenweit verschleppten. Irgendwann um 1900 gelangte der Riesenbärenklau schliesslich in die Schweiz – auf Kosten einheimischer Pflanzen: Weil der Riesenbärenklau eine so mächtige, schnell wachsende Pflanze ist, haben andere Pflanzen um ihn herum keine Chance.
Die Sonne macht das Gift
Eine weitere Eigenschaft des Riesenbärenklaus macht ihn jedoch vor allem für den Menschen zum Problem: Der Pflanzensaft enthält sogenannte Furocumarine. Das sind Substanzen, die an und für sich ungefährlich sind, aber im Zusammenspiel mit Sonnenlicht verheerende Wirkungen zeigen. Gelangen sie auf die Haut, führen sie dort zu einer extremen Lichtempfindlichkeit.
Am meisten Pflanzensaft enthält der dicke Stängel. Bei ausschliesslichem Hautkontakt mit den Blättern fallen die Reaktionen – schwere Verbrennungen mit starken Schmerzen und oftmals grossen Brandblasen – weniger stark aus.
Behandelt werden diese Folgen wie normale Verbrennungen, also mit kühlenden Umschlägen sowie vom Arzt verordneter Kortisonsalbe, um Entzündungen und Schmerzen zu verringern. Trotzdem heilen die Verbrennungen nur langsam ab und hinterlassen oft monatelang noch braune Verfärbungen auf der Haut.
Einer von vielen
«Phototoxische Reaktion» heisst der Fachbegriff hierfür. Der Riesenbärenklau ist nicht die einzige Pflanze, der diese Hautschäden auslösen kann. Auch das Johanniskraut, die häufig in Feldern wachsende Wiesenraute, die mit dem Riesenbärenklau verwandte Pastinake, sowie Karotten, Sellerie, Petersilie, einige Zitrusfrüchte und die gelegentlich in Parfümen vorkommende Bergamotte enthalten solche Substanzen.
Jedoch sind sie meist in so geringer Menge vorhanden, dass nur andauernder Kontakt mit grossen Mengen in starkem Sonnenlicht zu Problemen führt – so dass nur Landwirte oder Erntearbeiter Auswirkungen zu befürchten haben.
Nur Gründlichkeit bringt Erfolg
Wer selbst einen Riesenbärenklau entdeckt, sollte das der Gemeinde melden, die so die Pflanze beseitigen lassen kann (je nach Kanton und Gemeinde in Form von direkter Mithilfe oder zumindest in beratender Funktion). Wer dem Riesenbärenklau selbst auf den Leib rücken möchte, muss zwingend lange Hosen und Ärmel sowie geeignete Handschuhe und eine Schutzbrille tragen.
Am besten schneidet man zuerst die Pflanze ab. Danach muss man die Pflanze mitsamt der Wurzel aus dem Boden graben, sonst treibt der Riesenbärenklau oft noch im selben Jahr wieder aus. Häufig ist ein Jahr später eine weitere Säuberung notwendig, weil der Riesenbärenklau seine Samen bereits verstreut hat.
Wer den Saft des Riesenbärenklaus trotz aller Schutzmassnahmen fürchtet, kann sich übrigens einfach behelfen: Verrichtet man die Arbeit im Dunkeln und duscht danach, hat man nichts zu befürchten.
Wiesengräser-Dermatitis
Am häufigsten ist das klinische Bild der Wiesengräser-Dermatitis: streifige Rötungen an Armen und Beinen nach Hautkontakt mit Gräsern im Sonnenschein. In solchen Fällen ist nicht klar, welche Wiesenpflanzen die phototoxische Reaktion hervorgerufen haben.