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Krauskopfpelikan
Pelecanus crispus
© 1993 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion)
Pelikane gehören zu den grössten flugfähigen Vögeln der Welt, und der Krauskopfpelikan (Pelecanus crispus) ist der grösste Vertreter seiner Familie. Er kann eine Flügelspannweite von 3,5 Metern erreichen und wird bis zu 13 Kilogramm schwer.
Das auffälligste Körpermerkmal des Krauskopfpelikans ist gewiss sein mächtiger Schnabel mit dem zwischen den dünnen Unterkieferästen befindlichen Hautsack und dem als «Deckel» dienenden Oberschnabel. Dieser aussergewöhnliche Schnabel ist ein an die Ernährungsweise des Krauskopfpelikans bestens angepasstes Werkzeug: Mit ihm vermag er Fische, seine Hauptnahrung, aus dem Wasser zu schöpfen.
Der Krauskopfpelikan ist kein Taucher, der den Fischen unter Wasser nachjagt, sondern er fischt von der Wasseroberfläche aus. Schwimmend stösst er von Zeit zu Zeit unvermittelt mit seinem Kopf ins Wasser und fängt die Fische in seinem stark dehnbaren «Beutel». Häufig geht der Krauskopfpelikan im Verband auf Fischfang. Er bildet dann mit meistens etwa zwanzig Artgenossen richtige «Treiberketten», welche die Fische vom tieferen Wasser gegen das seichte Ufer drängen und schliesslich die in die Enge getriebenen Tiere gemeinschaftlich verzehren.
Der Krauskopfpelikan brütet gewöhnlich in kleinen Kolonien auf geschützt liegenden Inselchen in Seen, anderen Stillgewässern und Feuchtgebieten. Die Nester sind flache, mehrheitlich aus Zweigen bestehende und mit Schilf und Schlamm verstärkte Konstruktionen. In der Regel stehen mehrere Nester dicht nebeneinander und bilden zusammenhängende Plattformen. Die erwachsenen Krauskopfpelikane benutzen Jahr für Jahr ihre angestammte Brutkolonie, und die Jungvögel kehren nach Erreichen der Geschlechtsreife stets an die Stelle zurück, an der sie zur Welt kamen. Krauskopfpelikan-Brutkolonien sind daher oft jahrhundertelang in Gebrauch.
Die Brutsaison dauert beim Krauskopfpelikan von März bis Juli. Das
Weibchen legt meistens zwei, selten drei Eier, welche von beiden Altvögeln während etwa 30 Tagen bebrütet werden. Die Jungen bleiben nach dem Schlüpfen noch ungefähr einen Monat lang im Nest, dann schliessen sie sich mit den «Nachbarskindern» zu lärmenden Gruppen zusammen. Nach rund drei Monaten sind die Jungpelikane flügge. Sie lösen sich dann von ihrer «Krippe», fangen an zu fischen und sind schon bald selbständig. Krauskopfpelikane können über zwanzig Jahre alt werden.
Jeweils im Herbst verlassen die Krauskopfpelikane ihre Brutgebiete und fliegen zu einem nahegelegenen, ebenfalls traditionellerweise als Winterquartier benützten Flussdelta am Meer. Dort haben sie die Gewissheit, dass ihre Nahrungsgründe während des Winters nicht einfrieren und somit keine Engpässe bei der Futterbeschaffung eintreten.
Der Artbestand des Krauskopfpelikans wird heute auf nurmehr zwischen 600 und 1400 Brutpaare geschätzt. Etwa die Hälfte der Tiere lebt auf dem Gebiet der GUS. Die übrigen brüten auf der Balkanhalbinsel, in der Türkei, im Iran, in der Mongolei und in China. Wichtige Überwinterungsgebiete befinden sich in Griechenland, in der Türkei, am Persischen Golf und im südlichen China.
Viele frühere Brutvorkommen des Krauskopfpelikans sind im Laufe unseres Jahrhunderts erloschen. Ein Hauptgrund für diese ungefreute Entwicklung ist der Umstand, dass der silbergraue Vogel seit jeher von den Fischern als Konkurrent betrachtet wird. Sie schiessen den Pelikan ab, wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet, und zerstören seine Brutkolonien. In Griechenland durchgeführte Untersuchungen haben allerdings gezeigt, dass die Abneigung der Fischer dem Pelikan gegenüber nicht gerechtfertigt ist. Meistens erbeutet der Vogel nämlich Fischsorten, welche für den Markt wertlos sind, und konkurriert somit in keiner Weise mit den ansässigen Fischern. Daneben hat die Trockenlegung bzw. Verbauung ungezählter Feuchtgebiete und Seeufer, die dem Krauskopfpelikan als Brutgebiete dienten, wesentlich zum Rückgang der Art beigetragen.
Der Krauskopfpelikan ist heute in den meisten Ländern innerhalb seines Verbreitungsgebiets gesetzlich geschützt. Leider hapert es aber vielerorts am Gesetzesvollzug, und zudem stehen erst wenige seiner verbleibenden Brutgebiete und Winterquartiere unter Schutz, weshalb sein Bestand weiterhin rückläufig ist. Die baldige Schaffung von Naturschutzgebieten im Bereich der von ihm noch bewohnten Seen, Feuchtgebiete und Flussdeltas ist für den Fortbestand dieses eindrucksvollen Vogels von grösster Bedeutung.
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