Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03377.jsonl.gz/351

Bitte nicht lesen!
oder warum unser Gehirn Schwierigkeiten mit Wörtern wie nicht, nein und kein hat.
Ich weiss ganz genau was ich nicht will - doch ehrlich gesagt nicht immer ganz genau was ich will...
Nun ist es jedoch für unser Gehirn besonders schwierig, NICHT-Anweisungen zu verarbeiten bzw. unser Gehirn kann NICHT-Anweisungen gar NICHT verarbeiten...
Das menschliche Gehirn ist von sich aus auf das "Ja" programmiert. Negationen kann es nur über Umwege verarbeiten. So visualisiert es z. B. trotz des Wortes nicht, genau das was du nicht willst. Wenn ich jetzt schreibe, denke bitte nicht an einen blauen Elefanten, dann siehst du nämlich sofort einen blauen Elefanten vor dir. Genau das Gleiche passiert, wenn du denkst, hoffentlich überspringt mein Hund die Zone nicht. Dein Gehirn liefert dir blitzschnell ein Bild, wie dein Hund über die Zone hüpft. Um dem Gehirn nun klar zu machen, dass das das falsche Bild ist, musst du es richtiggehend mit einem Rotstift durchstreichen. Doch unter uns, wer macht das schon bzw. wer ist sich seiner Gedanken und Sprache immer 100 % bewusst? Zudem musst du deinem Gehirn auch noch ein Bild von dem liefern was du haben möchtest. In diesem Beispiel also ein Bild von deinen Hund wie er die Zone berührt.
Darum verschwindet dein Hund dann doch im Tunnel...
Wie oft denkst du zum Beispiel beim Briefing daran, was alles passieren könnte? Siehst du alle Verleitungen und denkst du dann vielleicht solche Dinge wie, hoffentlich geht mein Hund NICHT in den Tunnel? Und wie bewusst bist du dir, dass dein Fokus dann genau dorthin geht, wo er falsch ist? Du denkst an den Tunnel und die mögliche Gefahr statt daran, wie du diese Sequenz sauber lösen und deinen Hund sicher führen kannst.
Oder du sagst dir innerlich, hoffentlich löst mein Hund heute nicht wieder den Start selber aus. Oder hoffentlich hat mein Hund heute die Zonen. Oder hoffentlich wirft er nicht wieder eine Stange oder die Mauer.
Nicht nur, dass dir dein Gehirn bei diesen Gedanken sofort das entsprechende Bild liefert, auch deine Zuversicht für einen guten Lauf sinkt merklich. Da du negativ denkst, schwindet die Energie, deine Spannung im Körper verlässt dich und dein Hund fängt an, darauf zu reagieren.
Darum ist es in der Arbeit mit Hunden immer enorm wichtig, dass wir ganz genau wissen, was wir von unserem Hund und unserer Zusammenarbeit erwarten.
Hunde sind keine Maschinen, die immer gleich auf ihren Partner Mensch reagieren. Die einen werden hyperaktiv, die anderen unruhig, wieder andere "frech" am Start oder im Lauf. Jeder Hund ist individuell und das ist auch seine Reaktion auf deine Unsicherheit. Ich bin ganz klar der Meinung, dass Hunde weit weg davon sind, frech oder stur zu sein. Sie reagieren ihrem Muster entsprechend auf die Unsicherheit ihrer Zweibeiner. Dabei erstarren die einen, andere neigen zur Flucht und wieder andere zum Angriff. Doch egal wie dein Hund reagiert, seine Reaktion steht immer im Zusammenhang mit deinen Gedanken, Gefühlen und deinem Verhalten!
Wie wäre es also, wenn du anfängst, deine negativen Gedanken in kraftvolle, positive Affirmationen umzuwandeln?
Hier ein paar Beispiele, wie dies aussehen könnte:
- NICHT-Formulierung: Hoffentlich löst Peace nicht wieder den Start aus!
Gehirn-gerecht und positiv: Peace wartet am Start!
- NICHT-Formulierung: Hoffentlich kommt Amiga nicht wieder aus dem Slalom raus!
Gehirn-gerecht und positiv: Amiga arbeitet den Slalom sicher und ruhig und ich begleite sie dabei ruhig und mit gleichmässigem Tempo.
- NICHT-Formulierung: Hoffentlich geht er auf die Wand und NICHT ins Tunnel!
Gehirn-gerecht und positiv: Bei der Sequenz mit der Wand drehe ich mich leicht ein und zeige bestimmt auf die Wand bis Peace auf der Wand ist.
- NICHT-Formulierung: Hoffentlich bin ich nicht wieder so nervös am Start!
Gehirn-gerecht und positiv: Ich bin am Start ruhig, konzentriert und auf Funky und den Parcours fokussiert.
Ziel dieser gehirn-gerechten und positiven Sätze ist es, deinen Fokus auf das zu richten, das dir und deinem Hund im Parcours hilft einen fehlerfreien Lauf zu zeigen.
Das heisst, weg vom problemorientierten hin zum lösungs- und handlungsorientierten Denken.
Deine Trainerin oder dein Trainer haben dir sicher auch schon gesagt, wie du führen und worauf du dich achten solltest, damit euch ein guter Lauf gelingt. Genau diese Tipps kannst du zusätzlich in deine Startaffirmation aufnehmen und diese immer wieder aufsagen. Es hilft auch, wenn du dir deinen Satz auf mehrere Zettel schreibst und diese überall hinklebst, damit du daran erinnert wirst, wie du laufen möchtest.
Gehirn-gerecht bedeutet auch, deinem Gehirn immer wieder zu sagen, wie du es haben möchtest. Gehirn-gerecht heisst auch, dass diese Affirmationen immer in der Gegenwart gesprochen werden. Das heisst z. B.: "Ich bin ruhig" anstatt "ich werde ruhig sein". Auch "möchte" wird ersetzt durch "ich bin". Dein Gehirn kann nämlich nicht unterscheiden zwischen Wunsch und Realität und je klarer du deine Affirmation definierst, desto schneller wirst du dein Ziel erreichen.
Immer wieder begegne ich eher skeptischen Menschen welche von solchen Affirmationen nicht überzeugt sind. Oder über sich denken, dass sie sowieso nie Erfolg haben werden. Diesen Menschen gebe ich dann den Tipp, die Affirmation als Frage auszusprechen, also als sogenannte Afformation. Stellst du dir z. B. die Frage, warum dein Hund am Startet wartet, antwortet dir dein Gehirn sofort mit positiven Gedanken wie "weil wir es geübt haben", "weil er es im Training auch kann", "weil du ruhig bist und auf ihn konzentriert" usw. Das heisst, durch die positive und lösungsorientierte Fragestellung wird dein Denken in eine positive Richtung gelenkt.
Wichtig dabei ist, dass die Frage mit Warum beginnt, positiv gestellt ist und das beinhaltet, was du im Parcours erreichen willst.
Für die Beispiele oben würde das so aussehen:
- Warum wartet Peace am Start?
- Warum arbeitet Amiga den Slalom sicher und ruhig. Und warum begleite ich sie dabei ruhig und mit gleichmässigem Tempo?
- Warum drehe ich mich bei der Sequenz mit der Wand leicht ein? Und warum zeige ich bestimmt auf die Wand bis Peace auf der Wand ist?
- Warum bin ich am Start konzentriert und auf Funky und den Parcours fokussiert?
Wenn du anfängst, bewusst auf eine positive Sprache und positive Gedanken zu achten, dann wirst du bald eine positive Veränderung in deinem Leben und im Agility bemerken. Je exakter du definierst, was du im Parcours erreichen und auch, wie du dich fühlen willst, desto schneller werden sich die fehlerfreien Läufe einstellen. Die Energie folgt deinen Gedanken. Immer und überall.
Darum denk daran: Erfolg beginnt im Kopf!
Alles Liebe Conny
Kommentar absenden
0 BeiträgeDer Artikel wurde bisher noch nicht kommentiert.
Conny Sennhauser
... langjährige Agilitytrainerin und -sportlerin aus Leidenschaft und 2006 - 2008 Coach des Swiss Agility Teams.
Dipl. Bewegte Brain Trainerin, BRAINKINETIK-Trainerin und Sportmentaltrainerin
Referenzen:
«Ja, die Vorstellungen wurden voll erfüllt. Ich fand es super wie viel gelacht, diskutiert und ausgetauscht wurde ohne zu werten.» Y.B.
«Ich fand das Seminar einfach super und es hat mir viel gebracht für die bevorstehende Abschlussprüfung. Und danach wird fleissig fürs Agility visualisiert. Ich habe keine Verbesserungsvorschläge. So viele Infos und tolle Diskussionen brauchen keine Verbesserung.» P.P.