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Die regelmäßigen Wanderungen sind am genauesten bei den Zugvögeln studiert worden, die in der kalten Jahreszeit weiter nach
Süden ziehen, zu Anfang des Sommers jedoch in ihre alten Quartiere zurückkehren. Die große Sicherheit, mit welcher manche
unter ihnen, z. B. die Störche, ihre Nester wieder auffinden, obwohl sie auf ihrem Weg Meeresteile von
beträchtlicher Breite
[* 7] zu überfliegen haben, hat früher zur allgemeinen Annahme eines besondern Instinkts, des Wandertriebes,
geführt, erlaubt jedoch eine einfachere Deutung.
Man unterscheidet nämlich neben den eigentlichen Zugvögeln auch noch die Standvögel, welche ihren Aufenthaltsort das ganze
Jahr hindurch beibehalten, und die Strichvögel, welche nur wenig oder in unregelmäßiger Weise umherziehen.
Es kann nun ein und derselbe Vogel je nach dem Umfang seines Verbreitungsbezirks allen drei Kategorien angehören. (So ist z. B.
die Eiderente, ein gänzlich auf die Meeresküsten angewiesenes Tier, für Grönland, Spitzbergen und Island
[* 8] ein Wandervogel,
der südwärts zieht, sobald ihm das Eis
[* 9] nicht mehr erlaubt, seine aus allerlei Seetieren bestehende Nahrung
zu gewinnen; an der Ostsee, welche nur teilweise zufriert, wird sie Strichvogel, d. h. sie sucht die offen
bleibenden Stellen auf; an den Küsten von England und Frankreich, die vom warmen Golfstrom bespült werden, lebt sie als Standvogel
jahraus, jahrein.) Dies beweist also deutlich, daß die Gewohnheit der regelmäßigen Wanderung sich erst allmählich
ausgebildet hat und bei langsamer Verschiebung der Temperaturverhältnisse sich auch jetzt noch bei den davon betroffenen
Vogelarten ausbilden wird.
Die Zugstraßen, welche die einzelnen Vogelarten einschlagen, sind gleichfalls zum größten Teil von der Möglichkeit, auf
ihnen auch während der oft Wochen dauernden ReiseNahrung anzutreffen, bedingt, daher auch für Sumpfvögel andre als für Landvögel
etc. und gewöhnlich Umwege. Die nach Afrika
[* 11] wandernden Vögel fliegen nur zum Teil über die Meerenge von
Gibraltar
[* 12] oder von der Westspitze Siziliens nach dem so nahen KapBon, legen vielmehr je nach ihrem Ausgangspunkt und sonstigen
Umständen Routen zurück, die weder der Luftlinie entsprechen, noch auch unter Berücksichtigung aller vorhandenen Inseln
als ebenso vieler Ruhepunkte gewählt sind. Es hat sich aber
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Langsam und in einer für die einzelnen Generationen wohl kaum merkbaren Weise, wie solche geologische Änderungen zu geschehen
pflegen, senkte sich sodann das Land, und ebenso allmählich gewöhnten sich die Vögel an die Überwindung
der ihnen entgegentretenden Hindernisse. Ihr Weg blieb ihnen nach wie vor geläufig, obwohl er erst nur über Land, dann
über schmale Wasserflächen und endlich über einen breiten Meeresarm führte; indes mag auch manche Art, die nicht zu so
andauernden Flügen befähigt war, die Wanderung über das Mittelmeer haben aufgeben müssen. Es handelt sich
demnach hierbei um keinen Instinkt, sondern um eine von alters her ererbte Erfahrung, welche in jedem Jahr wieder aufgefrischt
und von den Alten den Jungen beigebracht wird. In Nordamerika
[* 17] erstrecken sich die Züge gewisser Vogelarten auf Strecken von
über 1000 engl. Meilen, treffen aber dabei auf kein Meer.
Wanderungen derVölker und Stämme haben bereits in frühster vorgeschichtlicher Zeit stattgefunden. Wie noch heute der IndianerAmerikas den ihm als Jagdbeute dienenden Bisonherden nachfolgt, so hat auch das Seltenerwerden des
Wildes in gewissen Gebieten die vorgeschichtlichen Jägerstämme zu Wanderungen veranlaßt. Ein Teil der Völker, die während
der Vergletscherungsepochen der Diluvialperiode Mitteleuropa bewohnten, ist zweifelsohne, als nach dem Abschmelzen der Gletscher
das Klima
[* 18] unsers Erdteils ein milderes wurde, dem nach Norden sich zurückziehenden Renntier nachgefolgt.