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Wenn man heute nach Überbleibseln der keltischen Kultur sucht, dann gehören wohl Münzen zu den wahrscheinlichsten Funden: Sie überdauern die Zeit, waren weit verbreitet und konnten leicht verloren gehen. Dieser Artikel von Michael Nick und Benedikt Zäch gibt einen hervorragenden Überblick über keltisches Geld in der Schweiz. Im Text steht unter anderem:
In der Anfangsphase der keltischen Münzprägung (Mitte 3. bis Mitte 2. Jh. v.Chr.) kann noch nicht von einer Geldwirtschaft ausgegangen werden. Die Goldmünzen waren zu wertvoll, um damit beim täglichen Handel bezahlen zu können. Sie übernahmen vielmehr teilweise die Funktionen des goldenen Torques. Die Münzen wurden im Rahmen von Ritualen geopfert oder dienten als Grabbeigabe. Sie wurden aber auch gehortet, um sie als Bezahlung für Krieger, als diplomatische Geschenke, als Gaben an die Gefolgschaft oder innerhalb der weit verbreiteten Heiratspolitik der Herrscher als Mitgift zu verwenden.
Zu Beginn der Spâtlatènezeit ab etwa 150 v.Chr. entstanden über weite Teile West- und Mitteleuropas – so auch in den westlichen und nördlichen Landesteilen der Schweiz – grosse, stadtartige Siedlungen. Oftmals an überregionalen Verkehrswegen gelegen, dienten sie als Anlaufpunkte und Märkte für die Händler aus der griechischen Kolonie von Massalia (das heutige Marseille) und aus dem Römischen Reich. (…) Münzgeld spielte bei diesen Geschäften zwar kaum eine Rolle, trotzdem hatte der Fernhandel einen grossen Einfluss auf die regionale Wirtschaft. Zu dieser Zeit begannen die Kelten auch Münzen aus minderen Metallen in grösserem Ausmass herzustellen. So entstand ein dreigliedriges System bestehend aus Gold-, Silber und sogenannten Potinmünzen, die aus einer Kupferlegierung gegossen wurden. Dieses System erlaubte die Bezahlung auch weniger wertvoller Dinge mit Münzgeld.
Ab dem frühen ersten Jh. v.Chr. (ab ca. 90/80 v.Chr.) änderte sich die Situation grundlegend. Der einstmals so blühende Fernhandel ging zurück und die Kelten verliessen viele ihrer bisherigen Wohnsitze, um neue, befestigte Siedlungen zu gründen. Offenbar wuchs die Angst vor Bedrohung von aussen. (…) In vielen dieser neu gegründeten Siedlungen sind nur noch wenige Potinmünzen – das Kleingeld – anzutreffen (Abb. 8d). Sie hatten in der vorangegangenen Phase (LT D1) etwa 80% der Funde ausgemacht. Stattdessen waren nun hauptsächlich Silbermünzen, sogenannte Quinare, im Umlauf, so auch in Rheinau und in Sermuz. Dieser einschneidende Währungswechsel beschränkte sich nicht nur auf die Schweiz, sondern ist auch in anderen Teilen Mittel- und Westeuropas zu beobachten. Besonders die Funde auf französischem Gebiet in Militärlagern sowie zahlreiche Horte keltischer Quinare und römischer Silbermünzen deuten darauf hin, dass mit diesem Geld vornehmlich Soldaten bezahlt wurden (Abb. 11). Über das Militär gelangten die Münzen in die zivilen Siedlungen.
Ich wusste nicht, dass 1854 auf dem Belpberg, einige Kilometer nördlich von Thun, ein ganzer Kelten-Münzschatz entdeckt wurde (siehe Bild oben). Die Geschichte dahinter ist ganz spannend. Hans-Markus von Kaenel schrieb einen interessanten Artikel über die Vorgänge.
So berichtete gemäss Text der Berner Theologieprofessor Gottlieb Studer folgendes über den Fund der Münzen:
Im Spätherbst des verflossenen Jahres pflügte Jakob Ramser auf der Hofmatt am östlichen Abhang des Belpbergs ein Grundstück, in dem sich vor nicht langer Zeit ein großer Stein befand, den die Volkssage als nicht ganz geheuer bezeichnete; es hüte dort, hieß es, ein Geist verborgene Schätze. An derselben Stelle nun, wo früher der Stein lag, glaubte der hinter dem Pfluge her hackende Knecht zwei Geldstücklein zu bemerken, und als er später an dem rasch bezeichneten Orte die Erde durchwühlte, fand er 19 Silbermünzen, die er sofort in der Stadt möglichst vorteilhaft zu verwerten suchte und die endlich nach längerer Irrfahrt durch die gütige Vermittlung eines Freundes der Wissenschaft ihren Weg glücklich in das städtische Münzkabinett gefunden haben.
Für mich hier stellt sich auch hier die Frage: War der Belpberg mehr als bloss der Geldhort eines mutmasslichen keltischen Söldners? Verbirgt sich im Boden dieses Hügels, der das Aare- vom Gürbetal trennt, mehr als bloss einige Münzen? Nicht vergessen: Gleich neben der Erhebung, im Aaretal, genauer in Münsingen, wurde ab 1904 einer der bedeutendsten Funde in der Keltenforschung gemacht.