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Die Armeen erkannten sehr den Vorteil, bei der Erkundung der feindlichen Linien die Fotografie einzusetzen. Diese Beobachtungen erfolgten sowohl durch die Artillerieeinheiten am Boden als auch aus den Fesselballonen der Ballontruppen, die allerdings während des Ersten Weltkrieges schnell durch die Fliegerei abgelöst wurden.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stellte Zeiss in ihrer holländischen Filiale Nedinsco Spezialkameras mit besonders langbrennweitigen Objektiven her. Das Topmodell, mit einer Brennweite von drei Metern, erwies sich während des Ersten Weltkriegs als strategisch besonders überlegen. Kürzere Brennweiten von 1,2 Metern und 70 cm wurden vor allem für Aufklärungsaufnahmen aus dem Fesselballon verwendet, die sich weit ausserhalb der feindlichen Artillerie-Reichweite aufhalten mussten. Solche Kameras wurden auch von der Schweizer Armee für ihre Ballontruppen angeschafft, die von 1897 bis 1937 aktiv waren. Danach wurden die Kameras zur Weiterverwendung an die Artillerie abgegeben.
Die ersten Flugeinsätze der Schweizer Armee fanden bereits 1911 statt. Erfolgreiche Missionen motivierten 1913 zu vermehrten militärischen Einsätzen von Flugzeugen aus, doch dauerte es bis zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914, bis die Schweizer Armee eine offizielle Fliegertruppe organisierte. Die damaligen ersten Aufnahmen wurden mit einer Handkamera aufgenommen, welche der Beobachtungsoffizier so senkrecht wie möglich aus dem offenen Flugzeug über die Bordwand neigte, während sich der Pilot strikte auf seine fliegerischen Aufgaben konzentrierte. Sowohl die Flugzeuge als auch die Fotosysteme der Aufklärungstruppen wurden im Laufe der Zeit immer perfekter, bis schliesslich der Fotograf für diese Aufgabe überflüssig wurde …
Illustration:
Telefotografie-Kamera, „Grand Zeiss“, Niederlanden – Deutschland, um 1920
Produziert von Nedisco, einer Filiale von Zeiss mit Niederlassung in Venlo in den Niederlanden, zu Überwachungszwecken feindlicher Linien während des ersten Weltkrieges. Diese Kamera, welche mit einem Objektiv von 3 m Brennweite und einer Blendenzahl von 1:50 ausgerüstet war, wurde vom Schweizer Militär und vom Eidgenössischen Topographischen Büro hinsichtlich einer eventuellen spätere Anschaffung zum Preis von 12'000 Fr getestet. Zugunsten der Artilleriekompanie entschied der Bundesrat 1926 die Anschaffung der letzten 9 verfügbaren Kameras zu einem Preis von 5800 Fr pro Einheit. Zeiss verfügte allerdings zu diesem Zeitpunkt als Folge der Abkommen zwischen den Ländern nach dem zweiten Weltkrieg nicht mehr über eine Herstellungserlaubnis