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Das Wasserdargebot wird sich bis ins Jahr 2100 zwar nur wenig ändern. Aber die Niederschläge werden sich anders übers Jahr verteilen und die in den Alpen gespeicherten Schnee- und Eismassen werden stark abnehmen. Dadurch verändern sich die Wassermengen in den Fliessgewässern und es kommt vermehrt zu Hoch- und Niedrigwasser. Von Gletschern geprägte Abfluss-Regimes werden fast vollständig verschwinden.
40 Prozent des in der Schweiz abfliessenden Wassers stammen heute von schmelzendem Schnee. Mit der Klimaveränderung wird dieser Anteil bis ins Jahr 2085 auf 25 Prozent sinken, weil wegen steigender Lufttemperatur die Schneefallgrenze steigt – um 150 Meter pro Grad Erwärmung. So wird weniger Niederschlag als Schnee gespeichert, was zur Folge hat, dass der Niederschlag direkter abfliesst. Die ersten Auswirkungen sind bereits messbar: Die Abflussspitzen in nival geprägten Einzugsgebieten treten früher im Frühling auf und fallen weniger hoch aus.
Vermutlich werden sich die Niederschlagsmengen, die innerhalb eines Jahres in der Schweiz fallen, nicht bedeutend verändern. Aber deren saisonale Verteilung ändert sich: Die Fachleute (CH2011, 2011) rechnen mit einer starken Abnahme der Sommerniederschläge um rund 20 Prozent bis ins Jahr 2085 und mit einer Zunahme der Niederschläge im Winterhalbjahr (September bis Februar). So führen die kombinierten Einflüsse der oben genannten Klima- und Speicheränderungen zu jahreszeitlich veränderten Abflussmengen in den Fliessgewässern. Hochwassersituationen im Winterhalbjahr und insbesondere Niedrigwasser in den Sommermonaten dürften vermehrt vorkommen, vor allem in auf Niedrigwasser empfindlich reagierenden Regionen wie dem Wallis, dem Tessin oder dem Mittelland. Für das Mittelland rechnet man gar mit einem neuen Regime, dem „pluvial de transition“ (Abbildung unten). Es zeigt hohe Abflüsse im Winter und ein ausgeprägtes Abflussminimum im Sommer, dafür fallen die hohen Abflüsse im Mai und Juni durch die Schneeschmelze weg. Da heisse und trockene Sommer häufiger vorkommen dürften, wird das neue Regime bei ausbleibendem Niederschlag besonders anfällig auf Niedrigwasser sein.
Die zunehmende Unregelmässigkeit der Abflüsse und die vermehrten Extremereignisse werden auch den Betrieben zu schaffen machen, die mit Wasser wirtschaften. Dazu gehören Stromproduzenten und die Rheinschifffahrt. Es werden aber noch sehr viel mehr Menschen in Europa diese Veränderungen zu spüren bekommen: In der Schweiz entspringen die grössten Ströme Europas (Rhein, Donau, Po und Rhone). Im Vergleich zu andern Gebieten der Welt bleibt die Schweiz jedoch von grösseren Auswirkungen der Klimaänderung relativ verschont. Zudem sind viele wissenschaftliche Erkenntnisse, politischer Wille und Geldmittel verfügbar, damit frühzeitig Massnahmen zur Anpassung getroffen werden können (BAFU 2012b).