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Ein Österreicher zeigt den Afrikanern die Fersen
30. Corrida in Bulle mit Überraschungssieger und neuem Rekord – Teilnahmerekord
Als Günther Weidlinger nach drei der acht Kilometer schon zwölf Sekunden vorauslag, traute man seinen Augen nicht. Man fragte sich, ob der Oberösterreicher die fünfköpfige Afrikanergruppe auf Distanz halten würde. Die Frage war schnell beantwortet: Eine Runde später hatte Weidlinger den Vorsprung verdoppelt.
Von GUIDO BIELMANN
Günther Weidlinger ist die 8 Kilometer im Zentrum von Bulle in 22:35,7 Minuten gelaufen. Er distanzierte den zweitklassierten Urgessa Weyessa (Äth), den Murtenlaufsieger, um 32 Sekunden. Damit unterbot Weidlinger den Streckenrekord von Eticha Tesfaye (2003) um 36 Sekunden. Im Rennen hatte er nicht realisiert, dass er auf Rekordzeit war: «Es war Anita Weyermann, die es mir in der siebten Runde zugerufen hatte.» Anita Weyermann ist niemand anders als seine Freundin. Seit wann? «Das sage ich nicht, das ist Privatsache», meinte Weidlinger. Anita Weyermann weilte als Gast am Rennen, ohne zu starten, und verteilte Sponsorenartikel.
Es war eine wahre Laufdemonstration, welche Günther Weidlinger dem begeisterten Publikum bot. «Die siebte Runde war leicht, aber die letzte hart.» Seine Leistung kommt nicht von ungefähr. Der 27-jährige Weidlinger war heuer an der WM in Helsinki über 3000 m Steeple Zwölfter geworden. Seine Bestzeit lief er aber bereits vor sechs Jahren in 8:10,83. Über 5000 m hat er 13:13 Minuten als Bestzeit, heuer in London gelaufen.
Günther Weidlinger, der eine Matura als Ausbildung vorweist, ist schon mit 19 Jahren (1997) Laufprofi geworden. Mittlerweile hat er bereits 32 Landesrekorde errungen. Auf die Frage, ob er Dietmar Millonig kenne, der in den 80er-Jahren am Murtenlauf Markus Ryffel legendäre Duelle geboten hatte: «Ja, er ist mein Sponsor.» Millonig ist Marketingchef von Nike Österreich.
Anfangs Dezember in Holland will Günther Weidlinger an die Cross-EM. Im Vorjahr war er Vierter gewesen: «Jetzt will ich eine Medaille.» Auch an der Hallen-EM war er über 3000 m Vierter gewesen.
In der Schweiz ist Günther Weidlinger erst einmal in Erscheinung getreten, und zwar vor zwei Jahren bei Athletissima in Lausanne: «Über 3000 m, aber der war ein Rennen zum Vergessen.»
Die Afrikaner waren an dieser 30. Corrida die Geschlagenen. Deren sechs reihten sich hinter Weidlinger ein. Murtenlauf-Sieger Urgessa Weyessa, im Vorjahr Dritter in Bulle, lief in der sechsten Runde der fünfköpfigen Verfolgergruppe davon und wurde Zweiter. Der vorjährige Bulle-Sieger Chengere und Tesfaye hatten als Fünfte und Sechste das Nachsehen.
Schaffner wie im Vorjahr
Erster Schweizer wurde der Jurassier Jérôme Schaffner. Er lief auf den achten Rang: «Ich bin hier die Bestzeit vor zwei Jahren gelaufen. Da war es verhältnismässig warm.» Schaffner kämpft seit einiger Zeit mit kleineren Blessuren. Gleich hinter ihm klassierte sich der Aargauer Thomas Suter, der am Murtenlauf als Achter bester Schweizer gewesen war.
3791 Läuferinnen und Läufer zählte diese 30. Corrida in Bulle. Damit wurde der Rekord vom Vorjahr (3219) um 572 überboten. Vor zwei Jahren waren es mit 3077 ebenfalls Rekord gewesen. FN
Bacha Aster trotz Verletzung
Die in Edmonton (Can) lebende Äthiopierin Bacha Aster gewann bei den Frauen klar. Sie setzte sich in der siebten von acht Runden ab.
Bacha Aster hat heuer bereits die Corrida von Martigny gewonnen. Ihre erste Aussage angesichts ihres klaren Sieges erstaunte: «Ich bin an der rechten Wade verletzt», was man ihr im Rennen jedoch überhaupt nicht anmerkte. Die 23-Jährige wird noch die Genfer Escalade laufen. Im Vorjahr war sie in Bulle Zweite hinter Zenebech Tola gewesen.
Die zwei Kenianerinnen Agnes Mutune und Jane Muia belegten
die Ehrenränge. Murtenlauf-Siegerin Worku Tsige musste sich im Spurt um den dritten Rang schlagen lassen.
Zimmer wieder nach Afrika. Monique Zimmer (TSV Düdingen) lief auf den sechsten Rang, nachdem sie in der vorletzten Runde Valérie Lehmann (TV Bösingen) und Ursula Jeitziner abgehängt hatte: «Ich habe den Rhythmus erhöht und versucht ihn zu halten.» Das gelang ihr bestens.
Monique Zimmer war schon vor zwei Jahren beste Freiburgerin gewesen. Vom 12. Dezember bis zum 3. Januar wird sie nach Südafrika ins Trainingslager gehen: «Es ist schon das neunte Mal, dass ich dorthin trainieren gehe.»
Valérie Lehmanns Respekt: Gleich hinter Zimmer als Siebte klassiert, war Valérie Lehmann (TV Bösingen) zufrieden: «Als Monique angriff, merkte ich, dass ich nicht dran bleiben konnte.» Für Lehmann war es das erste Rennen nach der Herbstpause.
Daniela Lehmann müde: Die Düdingerin vom LAT Sense konnte nicht mit den anderen Freiburgerinnen mithalten. Sie wurde Zwölfte: «Es ist mein fünftes Rennen in Folge. Ich bin mich erholen.» bi