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Vorwort:
Dieses Projekt ist das bisher aufwendigste und komplexeste, dass ich in meinen fünf Semestern an der HTW produziert habe. Ich habe mir den Input der Studienleitung, das ganze experimentell zu machen, zu Herzen genommen. Im Grunde handelt es sich eigentlich um zwei Projekte in einem; zum einen haben wir ein komplexes Animationsvideo, welches reale und virtuelle Objekte verschmilzt, zum anderen eine Serie von Tutorials, welche nicht nur den ganzen Prozess des Animierens begutachten und erklären, sondern dem Zuschauer auch den Workflow eines Animators näher bringen. Dies beginnt beim Entscheidungsprozess, welche Objekte virtuell und welche real sein sollen und reicht bis zur Lösung von Rendering-Problemen und der Ausgabe der Animationen.
Die Idee:
Die Idee ist es, in den Tutorials den Weg des Animators vom Storyboard bis zur Postproduktion zu verfolgen und dem Zuschauer somit die Möglichkeit zu geben, bevor er oder sie ein Animationsprojekt anfängt, dasselbe objektiv einzuschätzen und herauszufinden zu können, ob der geplante Aufwand dem gewünschten Resultat gerecht werden wird. Auch soll der Zuschauer sehen, wie ein reales Objekt zu einem virtuellen Objekt wird, welche Gedankengänge damit verbunden sind und wo häufige Probleme entstehen sowie Informationen über den komplexen Zusammenhang von fiktiven und realen Sets erhalten; beispielsweise was vom realen Set genommen wird um das virtuelle zu bearbeiten. Ferner sollen wichtige Postproduktionsabläufe und die Frage nach Rendering und Komposition behandelt werden.
Workflow:
Phase 1: Recherche
Die Recherche begann bereits früh im Semester. Wie auch in den Videos erwähnt, habe ich vier Bücher für diese Tutorials durchgearbeitet. Nicht um daraus zu zitieren; das Ziel war es verschiedene schwierige Vorgänge auf die einfachste Form runter zu brechen, ohne sie zu weit zu simplifizieren, so dass sie nicht mehr für alle Animationsarten gültig wären. Die Bücher selber habe ich anhand der Curricula verschiedener Animations-Studiengänge in Europa ausgewählt.
Phase 2: Storyboard und Konzept
Als erstes musste ich eine Story wählen, welche reale und virtuelle Objekt verbindet und dies in einer Art, welche dem Zuschauer nicht zu komplex erscheint. So entstand die Idee, Papier zu verwenden. Als mir die Idee von Godzilla kam, war die Story ziemlich simpel, jeder Godzilla-Film ist gleich aufgebaut: Zuerst kommt Godzilla aus dem Wasser, dann greift er die Stadt an, anschließend kommt das Militär und vertreibt oder tötet ihn. Nun konnte auch gleich ich mit dem ersten Teil der Arbeit anfangen, da ich mir hier ja auch überlegen musste, welche Teile denn real und welche virtuell sein sollten.
Phase 3: Objektgestaltung und Falten
Nachdem die Objekte aufgeteilt waren in jene, welche ich real aus Papier falten und denen, welche ich in Cinema 4D gestalten wollte, war es nun an der Zeit, den praktischen Teil zu beginnen. Zuerst nahm ich die gefalteten Objekte aus dem Storyboard, welche ich falten wollte (darunter Häuser, Panzer und Autos). Danach habe ich die 3D-Objekte in Cinema 4D gestaltet und dabei bereits die ersten Aufnahmen für das Tutorial gemacht.
Phase 4: Shooting und Animation
Nun war es an der Zeit, die beiden Welten zu verschmelzen. Ich fotografierte und filmte die Origami-Objekte vor einem Green Screen. Wichtig war hier, dass ich bei jedem Objekt die genauen Daten der Kamera, wie Fokus, Distanz, Blendenöffnung und vor allem eine Lichtmessung akribisch notierte und in meine Cinema 4D-Umgebung einfügte. Durch die richtigen Einstellungen konnte ich anschließend die 3D-Objekte animieren und rendern. Bis dahin war es ein langer Weg. Von der ersten Aufnahme bis zum tatsächlichen Rendern der 3D-Objekte verging fast ein Monat, während dem es immer wieder zu neuen Herausforderungen kam.
Phase 5: Rendern und Komposition
Als nach langem Mühsal alle Objekte endlich beisammen waren, ging es nun um die Komposition des Films. Das Ganze entwickelte sich schnell und zu meiner Zufriedenheit, jedoch stieß auch mein 6-Kern-Prozessor an seine Grenzen, denn die einzelnen Kompositionen enthielten bis zu 42 Ebenen mit jeweiligen Postproduktionseffekten. Nichts desto trotz war es eine Freude, die harte Arbeit nun in ihrer Vollendung zu sehen.
Phase 6: Video und Audiobearbeitung
Für die Geräusche von Godzilla habe ich die nicht mehr urheberrechtlich geschützten Geräusche des Godzilla-Films von 1962 benutzt. Die Musik war eine Komposition, welche auf Ableton von mir selbst kreiert wurde, was sich trotz des weiteren Aufwands lohnte, da es die Stimmung des Werks stark prägte. Das ganze Projekt dauerte zwar deutlich länger als geplant, jedoch war es eine Herausforderung, welcher ich mich gerne gestellt habe.
Phase 7: Tutorials konzipieren
Nachdem das eigentliche Video fertig war, begann das Aufteilen des Contents in verschiedene Tutorials. Dies musste ich mehrmals machen, denn erst während der Erstellung des Voice Overs wurde mir bewusst, dass mancher Inhalt für das Zielpublikum irrelevant gewesen wäre.
Phase 8:Tutorials produzieren
Zum Schluss mussten die Tutorials noch produziert werden, was bedeutete, dass ich mein gesammeltes Material mit dem aufgenommenen Audio kombinierte und zusätzlich noch ein paar spezifische Animationen und Bilder hinzufügte, welche den Inhalt weiter erläutern.
Kritik:
Das ganze Projekt war eine gewaltige Herausforderung und stellte sich als deutlich grösser als erwartet heraus. Ich hatte für dieses Semester eigentlich noch zwei weitere Projekte geplant, doch der Zeitaufwand für "Paper Godzilla" überstieg den eingeplanten Zeitanteil bei weitem. Bis zum Schluss waren circa 200 Stunden. Dies kam durch viele unerwartete Probleme, welchen ich mich einzeln annehmen musste. Der Hauptgrund für das unerwartete Ausmaß der Arbeit, den ich nicht in Betracht gezogen hatte, war jedoch, dass ich bis zu diesem Projekt entweder auf dem Set gewesen bin und mit einem Animator zusammen gearbeitet habe oder dass ich umgekehrt selbst als Animator einen Auftrag ausführte. Auf beiden Seiten gleichzeitig zu sein und nicht einen, sondern alle Aspekte der Produktion selber zu machen, war die wohl schwierigste Aufgabe, die ich mir in diesem Studium bisher selber gegeben habe.
Herausforderungen:
Zeitplanung:
Das erste was ich unterschätzt hatte, war der Aufwand zur Erstellung der Tutorials. Um diese sauber zu machen waren jedes Mal unzählige Aufnahmen sowohl im Video- wie auch im Audiobereich notwendig. Einzelne Teile der Arbeit, wie das Kreieren der Musik, hatte ich zu Beginn noch gar nicht eingeplant. Die Zeit, welche ich für das Überarbeiten der Audiodateien brauchte, war enorm.
Licht:
Es ist immer dann am mühsamsten, wenn man seine eigenen Regeln nicht beachtet. In einem der Tutorials habe ich klar und deutlich gesagt, wie wichtig die saubere Übernahme von Lichtwärme zwischen verschiedenen Szenen für die gesamte Komposition ist. Doch als ich die realen Filmaufnahmen machte, war mir während ein paar Aufnahmen nicht bewusst, dass zeitweilig eine weitere Lampe im Hintergrund brannte und die Bildwärme maßgeblich veränderte. Das bedeutete, dass ich für alle Objekte, welche während dieser Aufnahmen entstanden sind, ein Vielfaches an Nachbearbeitung brauchte, um die Werte anzugleichen.
Verständlichkeit:
Eines der großen Probleme war, dass manche Informationen in den Tutorials nicht unbedingt für jeden Zuschauer allgemein verständlich sind; teilweise sieht der Zuschauer wie etwas gestaltet wird, er benötigt jedoch einen gewissen Grad an räumlichem Vorstellungsvermögen, welchen ich einfach vorausgesetzt hatte. Als ich die Tutorials einem Testpublikum präsentierte, wurde mir schnell bewusst, dass ich verschiedene Themen anders angehen musste, was dann dazu führte, dass ich vier Tutorials umgeschrieben habe, um mehr auf den Workflow selbst einzugehen. Die so geänderte Version wurde dann vom Testpublikum deutlich besser angenommen.
Fazit:
Dieses Projekt war eine Zangengeburt. Es war (zu) knapp doch nun bin ich äußerst glücklich, dass es doch geklappt hat. Nachdem ich nun rund 200 Stunden mit dem Projekt verbracht habe, kenne ich jedes Detail auswendig. Jetzt, nachdem ich das Projekt fertig habe, sehe ich erst, dass es eigentlich durchaus Potential für eine Weiterführung hat. Das ganze Projekt war für mich sehr experimentell, doch scheitern wollte ich nicht und ich muss nun sagen dass es mir enorm viel gebracht und sich somit sehr gelohnt hat. Ich habe mir viel abverlangt aber mir dafür auch eine ganze Menge neuer Fähigkeiten angeeignet.