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Am Flusslauf der Saane unterhalb der früheren Deponie La Pila darf wieder gefischt werden. Wie die Direktion der Institutionen und der Land- und Forstwirtschaft mitteilt, sind drei Abschnitte der Saane zwischen La Pila bei Hauterive und der Perollesbrücke sowie der Perollessee wieder für die Fischerei freigegeben. Einzig am Fusse der Deponie La Pila darf am linken Saaneufer weiterhin nicht gefischt werden, weil sich dort Installationen zur Isolierung der Deponie befinden. «Das Verbot dort dient der Sicherheit der Fischer», so der Fischereiinspektor Jean-Daniel Wicky gegenüber den FN. Weiterhin gebe es ein Verbot für die Glane im Bereich der St.-Apollonia-Brücke, weil es sich dabei um ein historisches Schongebiet handle, so Wicky.
«Wir haben vom roten in den gelben Bereich geschaltet», sagt Kantonschemiker Claude Ramseier auf Anfrage der FN (siehe Interview).
Kein Verkauf möglich
Die kantonale Direktion knüpft die Wiedereröffnung für die Fischerei an einige Bedingungen und Empfehlungen. So dürfen die in diesen Sektoren gefangenen Fische nicht an Dritte weitergegeben oder verkauft werden, für Kinder und Frauen im gebärfähigen Alter gilt ein Konsumverbot, und Erwachsene sollen pro Woche nicht mehr als 250 Gramm Fisch aus diesem Bereich essen. Zudem dürfen nur Forellen von 24 bis 32 Zentimetern Grösse gefangen werden, wie Wicky sagt. Grössere Forellen hätten ein Alter und einen Fettgehalt, die es wahrscheinlicher machen, dass bei ihnen der PCB-Gehalt zu gross ist.
Die Direktion der Land- und Forstwirtschaft hat den Entscheid in Absprache mit der Gesundheitsdirektion getroffen. Er wurde am Montag dem Verband der Freiburger Fischereivereine mitgeteilt.
Das Fischereiverbot wurde 2007 beschlossen, nachdem in von der Deponie verunreinigten Wasserläufen eine Belastung der Fische mit dioxinähnlichem PCB (cPCB) festgestellt worden war. Im Oktober 2015 wurde das Fischereiverbot ebenfalls mit Einschränkungen bereits in der Ärgera, flussaufwärts vom «Pont du Port» bis zur Einmündung des Copy-Bachs aufgehoben.
Zwei Fische über Grenzwert
Nun haben erneute Probeentnahmen von Mai bis September 2016 zwischen der Deponie und dem Magerau-Stauwehr einen deutlichen Rückgang der Schadstoff-Konzentration ergeben. Dieser liegt klar unter dem vom Bund festgesetzten Grenzwert, heisst es im Communiqué.
Wie das Amt für Umwelt in einer separaten Mitteilung schreibt, wurden im Rahmen dieser Zusatzuntersuchungen 95 Fische analysiert. 63 Fische wiesen einen Wert von weniger als 6,5 Pikogramm pro Gramm Toxizitätsequivalente auf, was im unbedenklichen Bereich liegt. Bei 30 Fischen lag der Gehalt zwischen 6,5 und 25; in diesem Bereich ist der Fischfang mit Empfehlungen für den Konsum erlaubt. Einzig bei zwei Fischen in unmittelbarer Nähe der Deponie lag der Gehalt über dem Grenzwert von 25 Pikogramm. Gemäss Kantonchemiker Claude Ramseier lag bei einem dieser Fische der Wert mit 26,1 nur knapp darüber, und der andere Fisch war schon relativ alt.
Massnahmen griffen
Das Amt weist zwar darauf hin, dass die Fische immer noch eine überdurchschnittliche PCB-Belastung aufweisen, dass die Entwicklung aber erfreulich sei.
Als wahrscheinliche Erklärung für die festgestellten Verbesserungen nennt das Amt für Umwelt die Sofortmassnahmen und vorbereitenden Massnahmen bei der Deponie. Der Einfluss der Massnahmen müsse aber noch quantifiziert und bestätigt werden. Dies geschehe durch momentan laufende Zusatzuntersuchungen (siehe Kasten).
Claude Ramseier
«Wenn ein Fisch leicht darüber liegt – kein Problem»
Kantonschemiker Claude Ramseier erklärt, was PCB im Fisch für den Konsumenten bedeutet.
Man darf unterhalb der Deponie La Pila wieder fischen, es gelten aber Einschränkungen beim Konsum. Wie kommt das?
Wir stützen uns auf ein Dokument der Bundesämter für Gesundheit, für Umwelt und für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, das vorgibt, wie PCB zu beurteilen ist. Der Grenzwert für den Fisch ist international koordiniert.
Warum darf ein Fischer seinen Fang essen, eine Drittperson hingegen nicht?
Den Privatkonsum kann man nicht beeinflussen; da zählen wir auf die Selbstverantwortung. Würde man den Fisch aber verkaufen, hätte der Konsument keine Informationen, dass es gesundheitliche Bedenken gibt.
Zwei Drittel der analysierten Fische geben zu keinerlei Bedenken Anlass. Warum dann die Einschränkungen?
Wir müssen ganz einfach das Vorsorgeprinzip anwenden.
Isst jemand doch einen Fisch mit zu hohem PCB-Gehalt: Welches Risiko besteht da?
Wenn ein Fisch leicht darüber liegt, stellt das kein Problem dar. Unsere Bedenken basieren auf einer chronischen Toxizität.
Deponie La Pila
«Kein vergleichbarer Fall vorhanden»
«Weil es keinen vergleichbaren Fall gibt, stellt die Sanierung der Deponie La Pila eine technische, wissenschaftliche und finanzielle Herausforderung dar.» Dies schreibt das Amt für Umwelt in seiner gestrigen Mitteilung, in der es über den Stand der laufenden Zusatzuntersuchungen orientiert. Erste Abklärungen über die Verschmutzung der Saane durch die ehemalige Deponie liefen nach einer Intervention aus dem Freiburger Generalrat 2003 an. Erst erfolgte eine historische, dann eine technische Untersuchung (2005). Anschliessend kam es zu zwei Detailuntersuchungen, die 2007 und 2008 das Ausmass der Belastung durch den Schadstoff PCB aufzeigten.
Aufgrund dieser Berichte erfolgte 2007 ein Fischereiverbot für die Saane zwischen den Staumauern von Rossens und Schiffenen. Auch legte der Staatsrat damals die Organisation des Projekts zur Sanierung der ehemaligen Deponie fest.
Seither wurden insbesondere Sofortmassnahmen und vorbereitende Massnahmen ergriffen. Die Sofortmassnahmen beinhalteten den Bau von zwei Stützwänden, die Auskofferung der instabilen Zone sowie die Schaffung eines Zwischenlagers für das Aushubmaterial. Zu den vorbereitenden Massnahmen gehören die Fassung des Grundwassers oberhalb der Deponie, die Isolierung sowie das Abpumpen des Deponieabwassers. Diese Massnahmen haben nun beim PCB-Gehalt in den Fischen Erfolg gezeigt.
Noch hat sich der Grosse Rat aber zu keiner definitive Sanierungsvariante der Deponie äussern können. Als Grundlage dienen die laufenden Zusatzuntersuchungen, die gemäss Amt für Umwelt bis 2017 andauern werden. Um das PCB in der Saane und dessen Dynamik besser zu verstehen, wurden auch Analysen rund um das künstliche Hochwasser von 14. und 15. September (die FN berichteten) gemacht.