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Seit mehr als zehn Jahren stellt der Holländer Corné van Moorsel in seinem Eigenverlag Spiele her und vertreibt sie auch weitgehend selber. Titel wie Morisi, Titicaca, Typo oder Street Soccer machten ihn - wenn auch nicht beim breiten Publikum, so doch in der Spieleszene - rasch ziemlich bekannt. Mit Factory Fun ist er sich einmal mehr treu geblieben und hat ein in jeder Hinsicht eigenwilliges Spiel produziert.
Das Normalste an diesem Spiel ist die Spielidee: In einer leeren Fabrikhalle gilt es, verschiedene Maschinen unterzubringen, so dass sie am Ende möglichst sinnvoll angeordnet hier stehen und ihre Arbeit verrichten. Schon eigenwilliger ist die Funktion der Maschinen: Den Input einer oder mehrerer Farben verarbeiten sie zu einer einzigen neuen Farbe; einmal in kleinerer, ein anderes mal in grösserer Quantität. Wie auch immer; wenn es schon keinen Sinn macht, so macht es wenigstens Spass.
Zum Ablauf des Spiels: Die Spielerinnen und Spieler erhalten je ein Spielfeld mit einer leeren Fabrikhalle sowie vier Farbtöpfe mit den Farben rot, gelb, blau und braun. In jeder Runde werden gleich viele Maschinen-Kärtchen aufgedeckt, wie Mitspielende am Tisch sitzen. Jetzt gilt es, schnell zu entscheiden, welche dieser Maschinen man gerne haben möchte. Wer etwas passendes im Angebot sieht, nimmt es an sich; „dr Schnäuer isch der Gschwinder“. Diese Maschine legt man nun in seine Fabrikhalle und muss sie so anschliessen, dass sie funktioniert.
Nehmen wir zum Beispiel die Maschine „Maxi Mixer“. Sie braucht 2 Rot und 2 Gelb, um 1 Blau zu produzieren. Ist sie einmal angeschlossen, gibt sie ihrer Besitzerin einen Gewinn von 9 Geld. Richtig anschliessen heisst: Entweder legt man neben die Maschine die passenden Farbtöpfe, also hier den roten und den gelben, und führt den Output in einen Auffangtopf. Erst später im Spiel kann man eine Maschine auch an eine andere anhängen, die das verlangte Produkt produziert. Hat jemand zum Beispiel bereits den „Multiplier“ installiert (produziert aus 1 Gelb 2 Gelb), könnte dieser den „Maxi Mixer“ mit gelber Farbe versorgen.
Das ganze ist am Anfang sehr einfach, wird jedoch mit der Zeit immer verflixter. Denn plötzlich stehen die bereits gebauten Maschinen einem neuen Vorhaben im Weg. Oder es zeigt sich, dass die Ausgänge der Farbtöpfe allzu leichtfertig gegen eine Wand gebaut oder mit einer Leitung versperrt wurden. Natürlich können sehr lange Leitungen oder Umbauten dem Problem abhelfen, doch all das kostet und die Gewinne sind relativ bescheiden; in aller Regel bewegen sie sich im einstelligen Bereich, einige wenige Maschinen werfen auch mal 11 oder 12 Geld ab. Ein grösserer Umbau oder eine längere Leitung kann aber schnell einmal ebenso viel kosten.
Factory Fun ist eigentlich mehr eine Denksportaufgabe als ein Gesellschaftsspiel, wäre da nicht der Verteilmechanismus der Maschinen. Dank diesem ist es dann doch viel mehr als nur eine Knobelei für eine einzige Person. Bei der Verteilung der Maschinen kommt es sehr aufs gute Auge und die schnelle Reaktion an, denn wer sich voreilig eine Maschine schnappt, riskiert, dass sie nur schwer oder sogar gar nicht einzubauen ist. Und wer allzu lange zuwartet, muss halt nehmen, was übrig bleibt.
Seines technokratischen Themas zum Trotz ist Factory Fun ein absolut vergnügliches und lustiges Spiel, ohne oberflächlich zu sein – es bietet allen Tüftlern grössten Spielspass.
|vergriffen||Factory Fun von Corné van Moorsel (Z-Man Games) - SFr 64.00|