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Es wird angenommen, dass der Orientalische Tanz/Bauchtanz in seiner ursprünglichsten Form einer der ältesten Tänze der Erde ist. Schon in steinzeitlichen Fresken, die auf ein Alter von 7000 Jahren geschätzt werden, sind tanzende Frauen in Fruchtbarkeitsritualen abgebildet. Im alten Ägypten löste sich der Fruchtbarkeitstanz immer mehr von seiner ursprünglich rituell-religiösen Form und entwickelte sich zu einem Showtanz, der die vornehmen Ägypter unterhalten sollte. Auch im alten Rom war der Orientalische Tanz/Bauchtanz durchaus bekannt und beliebt, bis er jedoch, mit dem Aufkommen des Christentums, schliesslich als unmoralisch oder gar obszön betrachtet wurde und in Vergessenheit geriet. Die heute bekannte Form des Orientalischen Tanzes wurde unter anderem durch indische, türkische und europäische Elemente mehr oder weniger stark beeinflusst.
Im 19. Jahrhundert wurde der Orientalische Tanz/Bauchtanz im Westen neu entdeckt. Anfangs war das Publikum zwar skeptisch, doch schliesslich liess sich die westliche Welt begeistern und Orientalische Tänze wurden sogar in der Oper aufgeführt (als Beispiel sei nur der berühmte Schleiertanz in "Salomé" genannt). Der Erfolg war jedoch von kurzer Dauer: Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Bauchtanz wiederum als anstössig und unmoralisch empfunden. Doch heute blüht diese bezaubernde Tanzform wieder auf. Vor allem in Ägypten, im Herzen der arabischen Länder, ist der Orientalische Tanz (ob klassisch oder Folklore) sehr verbreitet.
Es gibt eine Vielzahl an unterschiedlichen Tänzen, die im Westen alle unter dem Begriff "Bauchtanz" zusammengefasst werden. Dazu zählen nebst dem klassisch orientalischen Tanz/Bauchtanz Raqs Sharqi ("Arabischer Tanz"), auch der Stocktanz (Folklore aus Oberägypten mit einem oder mehreren Stöcken getanzt), der Schleiertanz, der Tanz mit der Melaya Leff, der Baladi und verschiedene Folkloretänze (Hagalla, Fellahi, Saudi/Khaleegy, Nubischer Tanz, Tunesischer Tanz, Andalusischer Tanz, Karshilama u.v.m.).
Auch der persische Tanz zählt im Westen zu den orientailschen Tänzen. Der persische Tanz wird wiederum unterteilt in Hoftanz (meist altpersischer Hoftanz aus der Kadscharen-Dynastie, 1794-1925) und in verschiedene Folkloretänze (Reistanz, Bandari u.v.m.). Der altpersische Hoftanz wirkt im Gegensatz zum klassischen Bauchtanz viel filigraner, auffallend ist die ausgeprägte Mimik und die grazilen Hand- und Armbewegungen.
Der klassisch orientalische Tanz/Bauchtanz an sich ist ausserdem je nach Herkunftsland verschiedenen Stilen unterworfen: der türkische Stil ist etwas lebendiger, mit Elementen aus dem Zigeunertanz. Im ägyptischen Stil dagegen erkennt man die Einflüsse des Balletts, er ist zurückhaltender und legt viel Wert auf Eleganz.
Nebst diesen traditionellen Tanzformen gibt es auch viele Fantasietänze, wie der Tanz mit dem Säbel. Ursprünglich tanzte im Orient die Braut an ihrem Hochzeitstag mit dem Säbel oder Dolch ihres Mannes. Diese Waffe symbolisierte die Ehre des Mannes und die Braut versprach mit dem Tanz, die Ehre des Mannes zu achten und zu schützen. Heute hat sich der Tanz zu einem Showtanz entwickelt, in welchem der Säbel während des Tanzes unter anderem kunstvoll auf dem Kopf balanciert wird. Auch Tänze mit Fächer, Schleiern und anderen Requisiten sind heute keine Seltenheit mehr und gehören zum Fantasie-Bereich.
Der Orientalische Tanz/Bauchtanz ist im Westen auch wegen seiner positiven Auswirkung auf Gesundheit und Geist beliebt. Er aktiviert die Muskeln des ganzen Körpers von Kopf bis Fuss, ist gesund für den Rücken und Beckenboden und stärkt das Selbstbewusstsein. Er lockert den Körper und löst Verkrampfungen. Durch weiche, runde Bewegungen wird auch die natürliche Anmut, die in jeder Frau steckt, zum Vorschein gebracht. Zu guter Letzt ist der Spass und die Freude an einem Tanz, der von jeder Frau gelernt werden kann, nicht zu unterschätzen!
China ist mit einer Fläche von fast 9,6 Mio. qkm eines der grössten Länder dieser Welt. Genau so gross ist seine kulturelle Vielfalt. Das Milliardenvolk wird offiziell in 56 Völkergruppen unterteilt, welche jede ihre eigene Tanzkultur besitzt.
Einige der bekanntesten Tänze sollen hier kurz erläutert werden:
Zu den Han gehört in China die Mehrheit der Bevölkerung. Die Tänze der Han sind sehr lebhaft und die Mimik, bzw. der Ausdruck, spielt eine wichtige Rolle. Am bekanntesten ist wohl der "Yangge", von dem es zahlreiche Variationen gibt. Je nach Region birgt dieser, ursprünglich von Bauern getanzte, Volkstanz grössere Unterschiede. Diese Tanzform wurde ursprünglich am Erntedankfest getanzt und noch heute kann man sie am Frühlingsfest und am Laternenfest bewundern. Dabei wird mit Fächer und Tuch, manchmal gar auf Stelzen, getanzt. Begleitet werden die Tänzer/innen unter anderem von Trommeln. Der Klang der Trommeln wurde früher mit dem Donner in Verbindung gebracht und daher stammt der Glaube, dass Trommelschläge Regen bringen.
Grundsätzlich wird der "Yangge" von Gruppen getanzt, welche meist ein oder mehrere junge Mädchen (nü), einen Clown (chou), junge Männer (gongzi) und ein altes Weib (laokuai) beinhalten. Die Rollen sind klar definiert, was aus dem Tanz fast ein Tanztheater macht. Nicht umsonst wurden im Tanz viele Elemente der traditionellen chinesischen Oper integriert. Auch die Akrobatik findet hier ihren Platz und wird meist vom Clown gezeigt. Jedoch varieren die Charaktere je nach Region. Die oben beschriebenen Rollen stammen aus dem Yangge der Provinz Hebei und dienen als Beispiel.
Unter den bekanntesten "Yangge" findet man den Haiyang Yangge (wobei Haiyang wie die meisten Yangge-Namen einen Ort bezeichnet), welcher äusserst grazil und zart wirkt. Er ist wie alle "Yangge" ausdrucksstark und mädchenhaft. Charakteristisch ist die auffällige Auf- und Abatmung, die leicht an das Tai-Qi erinnert. Weitere "Yangge" sind der Dongbei Yangge (der ohne Fächer, dafür mit zwei Tüchern getanzt wird), der Hebei Yangge (siehe Beispiel weiter oben) und der Jiaozhou Yangge, der wiederum dem Haiyang Yangge sehr ähnelt. Zu den Volkstänzen der Han zählen auch der Anhui Huagudeng und der Yunnan Huadeng. Dieser letztere ist im Vergleich zum erstgenannten Haiyang Yangge lebhafter, schnell und sehr fröhlich.
Charakteristisch für den tibetischen Tanz sind die wippenden, fast hüpfenden Bewegungen und seine aufwendige Fussarbeit (auf chinesisch tita). Der tibetische Tanz wird meist tief in den Knien und mit nach vorne geneigtem Oberkörper getanzt. Diese Haltung dient in engen, gebirgigen Pfaden der Trittsicherheit. Es wird also der Alltag, wie für Volkstänze charakteristisch, in den Tanz eingebracht. Der tibetische Tanz enthält komplizierte Schrittfolgen und Fussbewegungen, die manchmal leicht an Stepptanz erinnern. Die Arme bewegen sich dazu in grossen, kreisenden Bewegungen, der Oberkörper wippt locker im Rhythmus mit. In Tibet sind Reigentänze sehr beliebt.
Der tibetische Tanz wird in Stiefeln getanzt, die Frauen tragen Röcke (entweder bis zum Boden oder, moderner, bis zu den Knien). Über dem Rock wird ein Mantel getragen (falls dieser nicht schon im Rock integriert ist), dessen Oberteil häufig bis zur Taille runtergelassen wird, manchmal auch nur auf einer Seite. Durch einen Knoten in beiden Ärmeln wird der Mantel um die Taille fixiert. Ausserdem sind Tibeterinnen immer reich mit Halbedelsteinen und Silber geschmückt. Vor allem Türkise und Bernsteine sind beliebt. Die Haare werden in zahlreiche kleine Zöpfe geflochten.
Das Spezielle am tibetischen Tanz sind die langen, fliessenden Ärmel (shuixiu, auf Deutsch "Wasserärmel"). Beim Schwingen der Arme kommen diese besonders zur Geltung. Der tibetische Tanz gehört ausserdem zur Grundausbildung der Volkstänze der Pekinger Tanzakademie (zusammen mit den Volkstänzen der Han, der Mongolen und der Uyguren).
Die Uyguren leben hauptsächlich in der Provinz Xinjiang, im Nordwesten Chinas. Die Provinz grenzt unter anderem an die Staaten Kasachsten und Kirgistan. Die Tänze der Uyguren ähneln dadurch den zentralasiatischen Tänzen. Hier wird grossen Wert auf filigrane Arbeit der Arme und Hände gelegt. Die Gesichtsmimik ist sehr ausgefeilt, die Kopf- und Schulterbewegungen nehmen einen wichtigen Platz ein. Die Schritte sind meist klein und teilweise sehr schnell, viele Drehungen und tiefe Rückenbeugen sind beliebt.
Die Tänzerinnen tragen meist ein Gilet oder Jäckchen über einem Kleid unter welchem sie immer Hosen anhaben (die Uyguren sind Moslems). Die Haare tragen die Tänzerinnen in sechs bis acht langen Zöpfen unter einem kleinen, viereckigen und hübsch bestickten Hut. Manchmal balanciert die Tänzerin während des Tanzes auch mehrere Tassen auf dem Kopf oder sie tanzt mit zwei kleinen Tellern in den Händen, auf denen sie den Takt mitschlägt.
Vor allem in der Han- und der Tangdynastie waren uygurische Tänze ihrer Anmut wegen am Hofe sehr beliebt. Die Tangdynastie war ausserdem eine Zeit der Öffnung Chinas, man denke nur an die Seidenstrasse. Dies ist ein weiterer Grund, weswegen die uygurischen Tänze in dieser Zeit am Hofe so beliebt waren. Noch heute empfinden viele Han-Chinesen den uygurischen Tanz als sehr exotisch.
Eine der Minderheiten Chinas sind die Usbeken, wobei der Tanzstil der in China lebenden Usbeken leicht von jenem der in Usbekistan lebenden Menschen abweichen kann.
Der Ursprung des usbekischen Tanzes liegt im höfischen Tanzstil, der vor hochrangigen Gästen oder im Harem (Itshkari) vorgeführt wurde. Diese Tänze waren meist sehr melancholisch. Je nach Region sind heute unterschiedliche Tänze und Tanzstile bekannt: Beim Buchara-Stil ist der persische Einfluss in den Rhythmen spürbar. Auffallend sind die tiefen Rückenbeugen und die komplizierte Arm- und Handführung. Der Tanz wird mit einem weiten, bestickten Samtkleid (Tschapan) getanzt. Bekannt ist auch der Choresm-Stil: Bei diesem Tanz tanzte die Tänzerin traditionellerweise auf einem grossen Teller. Dies widerspiegelt sich in den sehr kleinen Schritten dieses Tanzstiles. Charakteristisch sind auch die Zitter- und Schüttelbewegungen, welche durch Handschellen unterstrichen werden. Solche Handschellen sind übrigens auch im Buchara-Stil und in persischen Tänzen zu finden.
Der Tanzstil aus dem Ferghanatal ähnelt dem uygurischen Tanz und ist auch der Tanzstil der in China lebenden Usbeken. Diese sind, wie die Uyghuren, in der Provinz Xinjiang wohnhaft. Durch das lange und nahe Zusammenleben haben sich ihre Tanzstile noch mehr aneinander angelehnt. Charakteristisch sind die weichen, fliessenden Armbewegungen und die Handgelenkkreise. Der Tanz ist äusserst ausdrucksstark, wobei die Mimik von scheu-kokett, über melancholisch bis fröhlich wechselt und in jedem Fall sehr ausgefeilt ist.
Die Mongolen sind ein Reitervolk der Steppe. Diese Tatsache, sowie die Liebe dieses Nomadenvolkes zur Freiheit und deren Stolz, widerspiegelt sich in den innermongolischen Tänzen unverkennbar: Die Tänzer imitieren häufig das Reiten (mit den Füssen imitieren sie den Galopp, mit den Händen das Halten der Zügel). Die Armbewegungen erinnern an die Flügel eines Falken, welche bei den Mongolen gerne für die Jagd eingesetzt werden. Die Schultern werden mit einem breiten Repertoire an verschiedenen Bewegungen isoliert eingesetzt, mit grossen Schultertwists und -shimmies. Das Repertoire der Gesten reicht von schnell und fröhlich bis langsam und melancholisch. Insgesamt wirkt der Tanz sehr stolz.
Auch bei gewissen mongolischen Tänzen, wie bei uygurischen Tänzen, werden manchmal Tassen auf dem Kopf balanciert. Häufig fangen solche Tänze damit an, dass die Tassen oder Reisschalen auf den Handrücken oder Handflächen balanciert werden um anschliessend, in einer Steigerung, auf den Kopf gestellt zu werden. Männer balancieren sie auch auf den Knien. Häufig werden die Schalen mit Wasser gefüllt. Bei Festen entsteht aus dem Tanz dann ein kleiner Wettbewerb: wer am Ende am wenigsten Wasser verschüttet hat, hat gewonnen. Typisch für den mongolischen Tanz ist auch die Verwendung von Stäbchen als Tanzrequisit. Dieser Tanz wird häufig von Männern als Solo gezeigt und ist bei anderen Völkern Chinas nicht bekannt. Der Tänzer hält dabei einen Bündel Stäbchen in den Händen, beginnt erst am Ort mit grossen Arm- und Schulterbewegungen, unter anderem schnellen Shimmies. Die Stäbchen werden beim Tanz auch im Takt aufeinander oder gegen den Körper des Tänzers geschlagen. Der Tanz wird aber auch von Frauen gezeitgt.
Die Frauen tragen beim Tanz sehr weite Röcke. Wie bei den zentralasiatischen Tänzen sind die Kostüme in der Taille sehr eng und die Tänzerinnen tragen immer Hosen unter den Röcken. Es wird ausserdem immer in Stiefeln getanzt.
Die Thaiminderheit (chinesisch: dai) lebt im Südwesten Chinas. Ihr berühmtester Tanz imitiert die eleganten, stolzen Bewegungen des Pfaus, welcher das "Totemtier" dieser Minderheit darstellt. Er symbolisiert Glück, Schönheit und Ehrlichkeit. Beim Tanz wird mit den Fingern der Kopf des Pfaus imitiert: mit dem Daumen und dem Zeigefinder wird beispielsweise der Schnabel geformt. Die anderen Finger sind aufgefächert und stellen die Kopffedern dar. Andere Bewegungen (das Fliegen, das Wassertrinken und anschliessende Ausschütteln des Gefieders) wird mit den Armen und mit Schultershimmies dargestellt. Auch in den Schritten sind vogelartige Bewegungen erkennbar. Charakteristisch für den Tanz sind auch die vielen Pliés.
Im Tanz der Thaiminderheit liegt ausserdem der Ursprung der heute im orientalischen Tanz/Bauchtanz so beliebten Schleierfächer. Nebst dem Pfau lieben die Dai alles was mit Wasser zu tun hat (ihr bekanntestes Fest ist das Festival des Nassspritzens oder Wasser-Spritzen Fest). Daher trifft man in ihren Volkstänzen nebst dem Pfauentanz auch diverse Fischtänze. Der Tanz mit dem Schleierfächer zählt zu dieser Kategorie: der Schleier repräsentiert hierbei den langen Schwanz bestimmter Zierfische.
Die Tänzerinnen der Dai tragen enge Röcke, teils auch Wickeljupes, und kurze Oberteile, bei denen der Bauch frei bleibt. Für den Pfauentanz wird meist ein langes, weisses Tüll-Kleid, das fast an ein Ballettkleid erinnert, getragen. Als Kopfschmuck dienen Blumen und Federn.
Vor allem zwei der zahlreichen Folkloretänze der koreanischen Minderheit sind in China landesweit bekannt: der Fächertanz (buchaechum) und der Trommeltanz (changgochum). Im Gegensatz zu koreanischen Hoftänzen kennen Volkstänze keine so strikten Regeln und es bleibt viel Raum für Improvisation. Markant im koreanischen Tanzstil sind die häufigen Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung, der ihn für das westliche Auge schon fast als zeitgenössisch wirken lässt.
Der koreanische Fächertanz wird meist in Gruppen getanzt, da in dieser Formation mit den wunderschönen Fächern Muster erschaffen werden können. Die Fächer werden von den Tänzerinnen so gehalten, dass Blumen, Schmetterlinge, Wellen und Kreise entstehen. Der Ursprung dieses Tanzes liegt in shamanistischen Tänzen. In China ist der koreanische Fächertanz auch als Solo sehr beliebt, wobei hier eher das hohe technische Niveau des Tänzers als die Fächer zur Geltung kommen.
Beim Trommeltanz trägt die Tänzerin eine lange Trommel (changgu), welche ein wenig wie eine Sanduhr aussieht. Die Trommel wird an einem Riemen um die Schulter gehängt und die Tänzerin schlägt sie beim Tanz im Takt mit.
Koreanische Tänzerinnen tragen das Haar in einem Chignon mit Bändern geschmückt (Symbol der Weiblichkeit) oder mit einer grossen Haarnadel. Das Kostüm besteht aus einem langen, ab der Brust weit verlaufendem Kleid, welches durch ein kurzes, langärmeliges Oberteil ergänzt wird. Beliebt sind vor allem Pastellfarben, allen voran rosa und gelb. Auch weiss sieht man sehr häufig, wobei die Farbe weiss in Korea Reinheit, Unschuld, Frieden und auch Patriotismus bedeutet. Früher trug das Volk weiss, bunte Kleidung war der Oberschicht vorbehalten. Es ist wohl die meistverbreitete Farbe in Korea, was sich auch in den Tänzen der koreanischen Minderheit in China widerspiegelt.
Die Tänze anderer Minderheiten sind ausserhalb Chinas weniger bekannt. In China gehören noch die Tänze der Miao, Yao, Yi, Mandschu, Kasaken, Va und der grössten Minderheit, der Zhuang, zu den bekannteren Tänzen. Die Tänze der Miao und Yao ähneln sich, sie stammen beide aus dem Süden und weisen auch Gemeinsamkeiten mit dem Tanz der Dai auf. Die Dai stellen bei ihren Tänzen gerne den Pfau dar, die Miao dagegen die Gans. Auch hier sind im Tanz vogelartige Bewegungen zu erkennen. Der Tanz der Kasaken weist wiederum starke Ähnlichkeiten mit anderen zentralasiatischen Tänzen auf (siehe Uygurischer und Usbekischer Tanz). Andere Tänze sind hingegen sehr verschieden. Der Tanz der Va erkennt man leicht an seinem typischen Haareschwingen, welches orientalische Tänzerinnen an den Saudi Arabischen Tanz Khaleegy erinnern wird.
Die Gemeinsamkeit aller Tänze Chinas sind wohl nur die farbenprächtigen Kostüme und die Vorliebe für die mädchenhafte, fast kindliche und sehr ausgefeilte Mimik. Ansonsten gibt es sehr grosse Unterschiede zwischen den einzelnen Tänzen. Forscher scheinen sich jedoch einig zu sein, dass viele Tänze von Ritualen abstammen, d.h. religiösen Ursprungs sind, oder dazu dienen (oder dienten) die jungen Menschen auf spielerische Weise zu erziehen. Daher werden in Volkstänzen, und dies übrigens weltweit, häufig Gesten des Alltags imitiert.
Was den Antiken Chinesischen Tanz betrifft, so wird dieser heute häufig aus Bildern, Figuren und Texten, welche in archäologischen Funden entdeckt wurden, rekonstruiert. Er wird häufig mit Requisiten, wie beispielsweise langen Ärmeln (shuixiu), Fächer oder Schwertern, getanzt. Ausserdem enthält er viele Elemente des Balletts, der chinesischen Volksoper und chinesischer Kampfkunst (um die Lücken, welche aus den statischen Quellen entstanden sind, zu füllen). Da es sich dabei um einen rekonstruierten Tanz handelt, hat er keinen Anspruch auf Authentizität, was seiner Schönheit jedoch nicht im Geringsten schadet. Ein Beispiel für einen bekannten, antiken Tanz ist der "Tage". Dieser wurde unter anderem anhand von schriftlichen Quellen (Beschreibungen in Geschichtsbüchern und Annalen) rekonstruiert. In seiner ursprünglichsten Form wurde er auf Töpfereien dargestellt, die vor über 3000 Jahren bemalt worden sind. Die Kleidung, die dazu getragen wird ist aber im Stil der Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.). Auch dieser Tanz wird mit langen Ärmeln getanzt.
Ein interessanter Artikel zum klassischen chinesischen Tanz wurde in der November 2008 Ausgabe des Wellness Magazins veröffentlicht. Die Redaktion war so freundlich, mir hier eine (von mir leicht gekürzte) Reproduktion des Textes zu erlauben. An dieser Stelle möchte ich mich nochmals ganz herzlich dafür bedanken. Angaben zur Quelle, wo auch der vollständige Text zu finden ist, folgen am Ende des Artikels:
"Der klassische chinesische Tanz legt Wert auf innere Qualität.
Trotz stetigem Wandel hat der chinesische Tanz bis heute seine bedeutungsvolle Form und den klassischen Stil bewahrt. Er ist imstande, alle Arten von Charakteren und Geschichten mit seiner strikten Form, seinen Bewegungen und Techniken auszudrücken. […]
Der chinesische Tanz hat zwei wichtige Elemente: die inner Qualität und die Technik. Durch die inner Qualität bekommt der chinesische Tanz seine Bedeutung und sein einzigartiges Wesen. Jeder chinesische Tanz hat eine ihm eigene innere Qualität. Die Technik hingegen besteht aus Tanformen und Tanzbewegungen, die die geistigen Inhalte transportieren. Während das Publikum die Tanzkostüme, die Farben und die Bewegungen wahrnimmt, wirken zugleich die geistigen Inhalte. Der chinesische Volksmund sagt dazu "der Geist der Zuschauer wird tiefgründig kultiviert und genährt".
Die innere Qualität wird erreicht, wenn die vier Aspekte – Xing (Körper), Shen (Geist), Jing (Kraft) und Lü (Gesetzmässigkeit) – miteinander harmonisch verschmelzen. Die Beziehunge von Körper und Geist wird im chinesischen Tanz so erklärt: "Der Geist leitet den Körper, der Körper spiegelt den Geist; Bevor der Körper eine Bewegung ausführt, existiert sie schon im Geist; Wenn der Körper zur Ruhe kommt, bleibt die Bewegung noch im Geist". Experten führen auf diese erstaunliche Charakteristik zurück, dass in der Wahrnehmung der Zuschauer die Tanzbewegungen niemals aufzuhören scheinen.
[…] "In der Bewegung gibt es die Ruhe – in der Ruhe gibt es die Bewegung", "Will man vorstossen – hält man zunächst an", "Will man nach links – geht man zunächst nach rechts", "Will man nach vorne – rückt man zunächst nach hinten", "Will man sich öffnen – macht man sich zuerst zu", "Will man das Netz zuziehen – öffnet man es zuerst so weit wie möglich", "Will man eine Sache haben – gibt man diese Sache zuerst ab".
Diese Regeln stammen aus der Rede über chinesische Kriegskunst "Der überraschende Einsatz der Kampfkräfte" von Laotse. Sie finden auch beim klassischen chinesischen Tanz Anwendung und gehören hier zu dem Aspekt der "Gesetzmässigkeit", auch als "fan lü – gegensätzliche Gesetzmässigkeit" bezeichnet. Die Wahrnehmung der wechselvollen, rätselhaften und überraschenden Änderungen in den Bewegungen des chinesischen Tanzes entsteht aus dieser gegensätzlichen Gesetzmässigkeit.
[…] In der konfuzianischen Kultur heisst es: "Die "Menschen leben in Harmonie, bleiben aber unterschiedlich". Vergleichbar einem See, in den hundert Flüsse münden, integriert die chinesische Kultur die Essenz unterschiedlicher Dynastien in sich. Die Eigenschaft der Toleranz findet sich auch im chinesischen Tanz wieder. Er beinhaltet unterschiedliche Techniken, wie die der chinesischen Kampfkunst, des Volkstanzes sowie der Volksoper. […] Der chinesische Tanz ist deshalb sehr reich an Ausdrucksformen und im Stande, eine Reihe menschlicher Gefühle wie Freude, Ärger, Trauer und Begeisterung perfekt zum Ausdruck zu bringen.
[…] Nach Ansicht der Chinesen soll der klassische Tanz imstande sein, die Schicht des Nebels der Illusionen, der die Menschen in dieser Welt umgibt, zu durchdringen, die gutherzige Natur in den Herzen der Zuschauer zu berühren."
Quelle: www.ihr-wellness-magazin.de, Ausgabe November 2008.
In Bali, einer Insel Indonesiens, nehmen Theater und Tanz seit eh und je eine wichtige Rolle ein. Diese werden während Zeremonien und Tempelfesten aufgeführt. Viele Elemente des Tanzes stammen ursprünglich aus Java, wo sie heute wegen der Islamisierung verloren gegangen sind. Häufig werden im balinesischen Tanz die Götter dargestellt oder es wird ein Tier dargestellt, das sowohl im wunderschönen Kostüm, wie auch in den sehr feinen, detaillierten Bewegungen elegant nachgeahmt wird. Auch Geschichten können mit Hilfe des Tanzes erzählt werden oder das alltägliche Leben und die Gewohnheiten dieses Volkes werden durch den Tanz erläutert. Die Tänze stehen meist in enger Verbindung mit der Religion. Balinesische Tempel bestehen meist aus drei Höfen. Je heiliger ein Tanz ist, desto weiter im Tempelinnern wird er getanzt. Häufig ist diesen Tänzen auch eine Trance eigen.
Der Begrüssungstanz (Tari Penyembrahma oder Tari Panyembrama) ist wohl einer der berühmtesten Tänze Balis und gehört zu den nichtreligiösen Tänzen. Der Tanz wurde 1967 von I Gusti Gedé Raka choreografiert. Er wird häufig vorgetanzt, um Ehrengäste willkommen zu heissen. Dabei wird mit einem "bokor" getanzt, einer Silberschüssel, die mit Blumen gefüllt ist, welche während des Tanzes zur Begrüssung ins Publikum geworfen werden. Viele der Bewegungen dieses Tanzes stammen von heiligen Tempeltänzen. Im Gegensatz zu diesen religiösen Tänzen ist der Begrüssungstanz aber ein reiner Unterhaltungstanz.
Der Hahnentanz (Manuk Rawa) entstand 1981. In diesem Tanz erinnern die Bewegungen stark an den Vogel. Die ruckartigen Kopfbewegungen, die Flügelbewegungen und auch die Bewegungen der Füsse wurden vom Hahn inspiriert. Auch das Kostüm erinnert stark an das Tier: Der Kopfschmuck weist vorne einen Hahnenkopf auf und im hinteren Teil sind die Flügel zu erkennen. An den Armen der Tänzerin sind ausserdem zwei grosse Stofflügel befestigt und an den Fussgelenken sind goldene Krallen zu sehen.
Der Paradiesvogeltanz (Cendrawasih) entstand um 1988. Diesmal handelt es sich um ein Duett, welches zwei Paradiesvögel darstellt (ein Nationalsymbol in Indonesien), wobei das Männchen um das Weibchen wirbt. Beide Vögel werden von zwei Tänzerinnen im selben Kostüm dargestellt. Auch hier kann man in den Bewegungen klar sehen, dass es sich um einen Vogeltanz handelt. Am hinteren Teil des Kostüms ist ein grosses Stück Stoff befestigt, welches die Tänzerin während des Tanzens zu einem Rad öffnet (wie bei einem Pfau). Der Kopfschmuck wirkt majestätisch und ist mit Gold und kleinen Spiegeln geschmückt, was typisch für den Schmuck bei balinesischen Tänzerinnen ist.
Der Sino-Orientalische Tanz ist Julies Markenzeichen. Nach ihrer Ausbildung in China fing sie an Elemente aus dem chinesischen Tanz mit dem orientalischen Tanz zu vermischen. Daraus entstand eine neue Tanzform, welche es ermöglichte, ein breiteres Repertoire an verschiedenen Stimmungen und Originalität in den Bereich des orientalischen Tanzes zu bringen. Die grosse Anzahl an Requisiten (Fächer, Schleier, Schirme, Ärmel und Regenbogentücher usw.) ermöglicht die Kreation von Tänzen, welche auf die unterschiedlichsten Anlässe massgeschneidert werden. Die Sinnlichkeit, Weiblichkeit und Weichheit des orientalischen Tanzes verschmilzt mit der Fröhlichkeit, der Vielfalt und der Koketterie der asiatischen Tänze.