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Die Zeitschrift R. wurde 1950 von einem Team junger Lausanner Geisteswissenschafter lanciert und von Henri Debluë geleitet. Primär als Literaturzeitschrift konzipiert, veröffentlichte sie Texte junger Westschweizer Autoren. Nach dem Vorbild Jean-Paul Sartres weigerte sich die Redaktion aber, Literatur und Politik zu trennen. Dies trug der Zeitschrift das Etikett einer kommunist. Publikation ein, weshalb ihr die Pro Helvetia im Zeichen des Kalten Kriegs Subventionen verweigerte. Ende 1950 gründete R. eine Verlagsgenossenschaft in der Hoffnung, mittels einer Klassiker-Reihe die prekäre finanzielle Lage zu verbessern. Dies war der Anfang der Editions Rencontre. 1952 bekam die Zeitschrift mit der Mitarbeit von Georges Haldas einen deutlich politischeren Anstrich. Die neue Ausrichtung führte zu internen Zerwürfnissen, Austritten und der Trennung von der Verlagsgenossenschaft. Die achtzehnte und letzte Nummer erschien im Sept. 1953.
Die Genossenschaft der Editions Rencontre setzte sich das soziale Ziel, "Schönheit zum Selbstkostenpreis zu verbreiten". Ab 1958 funktionierte der Verlag wie ein Bücherklub mit Verkauf per Abonnement und Versand. Er erlebte in den frankophonen Ländern bis 1971 einen raschen Aufschwung und fasste auch im deutschsprachigen Markt Fuss. 1965 wurde die Genossenschaft in die Aktiengesellschaft Editions Rencontre SA umgewandelt. Ihr Katalog zählte 1968 rund 1'300 Titel. 1970 beschäftigte das Unternehmen in der Schweiz und den sieben Filialen im Ausland 1'200 Personen. Doch schwere strateg. Fehler in den Bereichen Expansion und Diversifikation mündeten in eine Krise. Ende 1970 kam das Unternehmen unter die Kontrolle des kanad. Konzerns Musexport. Nach zwei weiteren Verkäufen wurde es 1995 von der ital. Unternehmensgruppe De Agostini übernommen und ist seither v.a. im Vertrieb tätig.
Literatur
– Le livre à Lausanne, hg. von S. Corsini, 1993, 136 f.
– F. Fornerod, Lausanne, le temps des audaces, 1993, 269-274
– F. Vallotton, Les éditions R., 2004
Autorin/Autor: Alain Clavien, Boris Anelli / AHB