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Die USA wollen Vermögen in der Höhe von 1 Milliarde US-Dollar vom Umfeld des malaysischen Premierministers einziehen. Auch die Namen der Ex-Präsidenten der Schweizer Falcon Private Bank tauchen auf.
Das Justizdepartement der Vereinigten Staaten (DOJ) will Vermögenswerte in der Höhe von über 1 Milliarde US-Dollar beschlagnahmen, die im Zusammenhang mit dem korruptionsgeschüttelten malaysischen Staatsfonds 1Malaysia Development Berhad (1MDB) stehen.
1MDB wäre eigentlich dazu gedacht gewesen, die Erlöse aus den reichen Erdölvorkommen des Landes für die Bewohner Malaysias in nachhaltige Projekte zu stecken. Stattdessen landeten offenbar Gelder in der Höhe von mehreren Milliarden US-Dollar in den Taschen von Freunden und Bekannten der Machthaber um Premierminister Najib Razak.
In Las Vegas Steuergelder verzockt
Der Verdacht der Amerikaner: In den USA soll das Umfeld Razaks Gelder des Staatsfonds 1MDB für Immobilien, Kunstwerke und Luxusgüter veruntreut haben. Das DOJ etwa schreibt von mehr als 200 Millionen US-Dollar, die für Gemälde ausgegeben wurden. Auch seien Spielschulden in Kasinos in Las Vegas damit beglichen worden. Die US-Justiz kann aufgrund der «Kleptocracy Asset Recovery Initiative» Vermögenswerte einfrieren. Dies machen die Amerikaner oft lieber, als Personen einzeln anzuklagen. Wobei der Vermögenseinzug aber ein zusätzliches Strafverfahren nicht ausschliesst.
Das ist die Schatztruhe der Korruption:
Das DOJ hat die Liste der Assets publiziert, die man im Departement im Auge hat - sie ist lang und illuster (siehe auch Klageschrift unter Downloads):
- «The Wolf of Wall Street» (Filmrechte)
- L’Ermitage Hotel (Immobilie, Kalifornien)
- Hillcrest Property (Immobilie, Kalifornien)
- Park Laurel Condo (Immobilie, New York)
- Bombardier Jet (Privatflieger)
- Time Warner Penthouse / Time Warner Storage Unit (Immobilien, New York)
- Oriole Condo (Immobilie, New York)
- EMI Music Royalties (Urheberrechtsgebühren, Musikindustrie)
- Park Lane Hotel (Immobilie, Delaware/New York)
- Walker Tower Penthouse (Immobilie, New York)
- Laurel Beverly Hills Mansion (Immobilie, Kalifornien)
- Hillcrest Property (Immobilie, Kalifornien)
- Bild des holländischen Künstlers Van Gogh (Gemälde)
- Mehrere Bilder des französischen Künstlers Claude Monet (Gemälde)
- Qentas Townhouse und Parkplatz (Immobilie, Grossbritannien)
Der Hollywood-Magnat und die Schweizer Banker
Ungemütlich wird die Lage nun für mehrere Personen, die namentlich in den Gerichtsdokumenten auftauchen: Riza Aziz, der Stiefsohn von Premierminister Najib Razas. Aziz ist ein bekannter Filmproduzent Hollywoods – er finanzierte etwa den Blockbuster «The Wolf of Wall Street». Der zweite im Bunde ist Finanzier Jho Low, ein langjähriger Freund Aziz' und dessen Familie. Im 1MDB-Skandal tauchte Low bisher mehrfach auf.
Die Strafverfolger nennen aber auch Khadem Al-Qubaisi und Mohamed Badawy Al-Husseiny. Sie agierten als offizielle Vertreter Abu Dhabis, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Al-Qubaisi und Al-Husseiny sassen lange Jahre im Verwaltungsrat der Schweizer Falcon Private Bank. Beide handelten auch als Verwaltungsratspräsidenten. Sie waren letzlich die Aufpasser in Zürich der Golfaraber zwischen 2009 und 2013. Die Schweizer Bank gehört mehrheitlich den Vereinigten Arabischen Emiraten, beziehungsweise der Firma Aabar Investments, die wiederum einem Staatsonfonds gehört.
Enge Schweiz-Connection
Die aus einem Staatsfonds hervorgegangene Aabar mischt an vielen Fronten mit. So war Aabar beim Börsengang des Schweizer Rohstoffkonzerns Glencore dessen grösster Einzelaktionär. Ein Sprecher der Falcon Private Bank wollte zu den neusten Entwicklungen in den USA gegenüber handelszeitung.ch keine Stellung nehmen.
Auch die Falcon Private Bank aus Zürich spielte eine wichtige Rolle in den Geldflüssen, die Ermittler rund um den Globus – auch in der Schweiz – zu rekonstruieren versuchen. Die Banker in der nun geschlossenen Hong-Kong-Dependance betreuten verschiedene Konten für 1MDB-Firmen. So etwa 1MDB Global Investment, 1MDB Energy und 1MDB Energy (Langat).
Auch UBS auf dem Radar
Der Blog Sarawak Report, der den milliardenschweren Korruptionsskandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB enthüllte, veröffentlichte letzte Woche Dokumente, die zeigen sollen, dass gegen 2 Milliarden US-Dollar vom gleichen Staatsfonds auch über die Grossbank UBS in die Britischen Jungferninseln abflossen. Die Finanzmarktaufsicht Singapurs schaut sich die UBS-Filiale nun auch an.
Der Skandal erschütterte in den vergangenen Monaten mehrfach die Finanzszene Schweiz. Im Frühling führte dies zur faktischen Liquidierung der Tessiner Bank BSI. Inzwischen hat auch die Finma gegen Ex-Kader der BSI Verfahren eingeleitet.