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Europäische und nordamerikanische Schwingfliegen – auch Dungfliegen genannt, da sich ihre Larven im Kot von Wirbeltieren entwickeln und ihn dadurch abbauen – gehören zur gleichen Art. Sie unterscheiden sich aber im Paarungsverhalten und Geschlechtsdimorphismus. Nordamerikanische Dungfliegen-Weibchen sind grösser als die Männchen, bei Insekten der übliche Dimorphismus. Eher ungewöhnlich für Insekten liegt der Fall dagegen bei den europäischen Dungfliegen: Hier sind die Männchen deutlich grösser als die Weibchen. Die Selektion zugunsten von grossen Männchen wird in der Evolutionsbiologie damit erklärt, dass sie sich erfolgreicher fortpflanzen können als kleinere: Entweder bevorzugen Weibchen grössere Männchen, oder diese setzen sich im Wettbewerb um Sexualpartnerinnen gegenüber ihren Geschlechtsgenossen besser durch. Nun weisen Evolutionsökologen der Universität Zürich nach, dass europäische Dungfliegen-Weibchen grosse Männchen bevorzugen. Der Selektionsdruck zugunsten grosser Männchen ist bei den europäischen Fliegen viel stärker als bei den nordamerikanischen, was den unterschiedlichen Grössendimorphismus erklärt.
Unterschiedliches Paarungsverhalten
Bei den nordamerikanischen Dungfliegen umwerben die Männchen die Weibchen mit einem Balztanz. Der Leiter der Studie, Wolf Blanckenhorn, schliesst nicht aus, dass nordamerikanische Männchen bei der Brautwerbung möglicherweise auch pheromonartige Duftstoffe einsetzen. Dieses Balzverhalten zeigt sich bei den europäischen Fliegen dagegen nicht: Männchen bespringen relativ wahllos die Weibchen, klammern sich mit unterschiedlichem Erfolg an diesen fest und versuchen sie zu begatten, werden von den Weibchen aber oft vor der Kopulation wieder abgeschüttelt.
Europäische Dungfliegen kopulieren öfter
Auch in der Häufigkeit der Paarungen unterscheiden sich europäische und nordamerikanische Dungfliegen. Während ihres rund 40-tägigen Erwachsenenlebens paaren sich europäische Dungfliegen häufig, nordamerikanische dagegen nur ein- bis zweimal. «Häufige Kopulationen verlangen von den Männchen grössere Mengen an Spermien und entsprechend auch grössere Hoden», erläutert Blanckenhorn, und dieser Umstand könnte durchaus zur erhöhten Präferenz der europäischen Weibchen für grosse Männchen beitragen. Allerdings ist der Zusammenhang zwischen den kontinentalen Unterschieden im Grössendimorphismus und im Paarungsverhalten noch unklar: «Was evolutionäre Ursache und was Wirkung ist, lässt sich – wenn überhaupt – heute erst indirekt rekonstruieren», schliesst Blanckenhorn.