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Nach der Revolution gegen Gaddafi, die 2011 begonnen hat, gab es 2012 ein kurzes Zeitfenster, als eine Zukunft in Libyen denkbar war. Dieses Zeitfenster hat auch Hisham Matar genutzt, um seine Verwandten, die während Jahrzehnten in Haft waren und die er seit der Flucht der Familie aus Libyen in den 80er Jahren nicht mehr gesehen hat, zu treffen. Und um die Suche nach seinem Vater abzuschliessen. So ist die Reise mit Hisham eine Reise auf drei Ebenen – eine Reise in das Libyen, das gerade den Kampf gegen Gaddafi gewonnen hat, eine Reise nach Benghasi und Tripoli, in die politische Vergangenheit Libyens, unter der italienischen Kolonisation wie auch unter Gaddafi; dann ist es auch eine Reise in Hisham Matars Familiengeschichte, in die Geschichte seines Vaters, dessen Brüder, dessen Vater, der zahlreichen Cousins und der Neffen; und zuletzt und wahrscheinlich am zentralsten ist es eine Reise in das Innere von Hisham Matar, der im Alter von 19 Jahren seinen Vater verloren hat. Während mehr als 20 Jahren hat er seinen Vater gesucht, politischen Druck auf das libysche Regime aufgebaut, um Antworten nach dem Verbleib seines Vaters zu erhalten. Was verbindet ihn mit seinem Vater, nach so vielen Jahren? Was verbindet ihn mit seiner Heimat? Wie kann er seiner Familie, seinem Heimatland, seinen näheren und ferneren Verwandten begegnen, die er so viele Jahre nicht mehr gesehen hat und deren Schicksal er nicht geteilt hat? Es sind wichtige Fragen, berührende Fragen, und Fragen, die wohl für jede Person, die aus irgendeinem Grund von ihrer Familie, ihrer Heimat, ihren Kindheitserinnerungen getrennt wird, gelten. Unbedingt lesenswert! cnKlappentext:
Im März 2012 reist Hisham Matar zusammen mit seiner Frau Diana und seiner Mutter nach Libyen. Erst jetzt, nach dem Sturz Gaddafis, ist es ihm möglich, in das Land seiner Kindheit zurückzukehren; das Land, das er seit über dreissig Jahren nicht mehr betreten hat. Denn Hisham Matars Vater, ein ehemaliger libyscher Diplomat und Politiker und später einer der mächtigsten Widerstandskämpfer gegen Gaddafis Regime, war 1990 in seinem Kairoer Exil mitten auf der Strasse vom libyschen Geheimdienst entführt und in das berüchtigte Gefängnis Abu Salim in Tripolis gebracht worden. In den ersten sechs Jahren gelang es dem Vater, seiner Familie insgesamt drei Briefe zukommen zu lassen, danach haben sie nie mehr von ihm gehört.
Hisham Matars Leben war geprägt von der Ungewissheit über das Schicksal seines Vaters, von der Suche nach der Wahrheit, von der Hoffnung, von der Verzweiflung. Für einen Augenblick schien ihn der arabische Frühling der Antwort auf die bohrenden Fragen nach dem Schicksal seines Vaters näherbringen zu können. Doch sein Vater sollte trotz aller Anstrengungen für immer unauffindbar bleiben. In Gesprächen mit Zeitzeugen, Mitgefangenen und Verwandten kommt Hisham Matar der Wahrheit so nahe, wie es nur geht. Und in seinen Erinnerungen und Beobachtungen, den vielen Ereignissen und Erlebnissen schildert er nicht nur die Geschichte seines Landes, seiner Qualen und verheissungsvollen Möglichkeiten, sondern erzählt auch die reiche, aufwühlende Geschichte seiner Familie, der es gelang, Krieg, Diktatur, Exil und Revolution zu überstehen.Über die Autorin / über den Autor:
Hisham Matar, Sohn libyscher Eltern, wurde 1970 in New York City geboren, wuchs in Tripolis und, nach der Emigration der Familie, in Kairo auf. Seit 1986 lebt Hisham Matar in England. Er schreibt für verschiedene Zeitungen hat zwei international vielbeachtete Romane verfasst, Im Land der Männer (2006) und Geschichte eines Verschwindens (2011), die mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet wurden.
Werner Löcher-Lawrence, geboren 1956, studierte Journalismus, Literatur und Philosophie und ist der Übersetzer von u.a. Nathan Englander, Nathan Hill, Hilary Mantel, Louis Sachar und Meg Wolitzer.Preis: CHF 28.90