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André Bechler (66) wurde am 20. November 2021 zum neuen SwissSailing-Präsidenten gewählt. Nach neun Jahren im Zentralvorstand und zehn Jahren an der Spitze der technischen Kommission der Region 2 kennt der bisherige Vizepräsident das Räderwerk des Verbands. Bechler, der sich selbst als Übergangspräsident bezeichnet, ist mit der Kultur der Deutschschweiz ebenso vertraut wie mit jener der Romandie und möchte den Fokus darauf richten, die beiden Regionen enger zusammenzubringen.
Interview: Jean-Guy Python
Die Offiziellen aus der Deutschschweiz appellieren seit Monaten, wenn nicht Jahren an die Verantwortlichen aus der Romandie, sie sollen sich verstärkt im Zentralvorstand engagieren. Was hat die scheinbar festgefahrene Situation deblockiert?
Dazu muss ich etwas ausholen. Unter Präsident Martin Vogler haben sich die französischsprachigen Regionen aus dem Zentralvorstand zurückgezogen. Ich habe versucht zu vermitteln und die Romands dazu zu bewegen, sich wieder vermehrt in diesem Gremium zu engagieren, doch solange Martin Vogler Präsident war, stellten sie sich quer. Aus diesem Grund hat sich Martin auch nicht mehr für eine weitere Amtszeit zur Verfügung gestellt. Er wollte den Romands den Weg frei machen, damit sie Verantwortung übernehmen können. Trotz Martins Rücktritt ist keine Kandidatur aus der Westschweiz zustande gekommen, weshalb wir die ausserordentliche Generalversammlung im März 2021 absagen und unsere Suche fortsetzen mussten. An der Generalversammlung Ende November 2021 ist es uns gelungen, mit Anne-Sophie Thilo, Claudio Reynaud vom Cercle de la Voile de la Béroche und Joël Broye aus Neuenburg drei Vertreterinnen und Vertreter aus dem französischsprachigen Teil der Schweiz für den Zentralvorstand zu gewinnen. Für das vakante Präsidentenamt hatte sich hingegen niemand beworben. Ich habe das getan, was ich in solchen Situationen immer mache: Ich habe das Loch
gestopft. Sobald eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger gefunden ist, ziehe ich mich zurück.
Welche Ziele verfolgen Sie als Präsident?
Wie gesagt, mein oberstes Ziel besteht darin, eine Nachfolgelösung zu finden. Ausserdem
möchte ich dazu beitragen, eine Einheit zu schaffen, die dem Segelsport dient. Wir müssen am gleichen Strick ziehen, wenn wir gute Olympiaseglerinnen und -segler wollen, und wenn die Ausbildung verbessert und der Segelsport in den Regionen gefördert werden soll. Da es im Zentralvorstand viele Änderungen gegeben hat, müssen wir uns zuerst näher kennenlernen und herausfinden, wie wir am besten zusammenarbeiten, bevor wir eine Strategie definieren.
«Neugewählte machen oft Versprechungen, meine Art ist das nicht. Entscheidungen werden
vom Vorstand getroffen, der Präsident hat nur eine Stimme.»
Würden Sie eine Erhöhung der Mitgliederbeiträge begrüssen, um dem Verband zu mehr Aktionsmöglichkeiten zu verhelfen?
Eine Erhöhung der Mitgliederbeiträge kommt nicht in Frage. Swiss Sailing muss Sponsoren
finden, um das Budget aufzustocken. Ich war schon immer der Ansicht, dass es für die Erhöhung der Mitgliederbeiträge einen triftigen Grund braucht. Wir haben aber weder neue Projekte noch neue Produkte, die wir den Clubs und Regionen anbieten können. Swiss Sailing lebt mit den Clubs und Regionen. Neugewählte machen oft Versprechungen, meine Art ist das nicht. Entscheidungen werden vom Vorstand getroffen, der Präsident hat nur eine Stimme.
Wie gedenken Sie den Spitzensport zu fördern?
Natürlich würden wir gerne eine Olympiamedaille und -diplome aus Paris mit nach Hause nehmen, aber über allfällige Zielvorgaben entscheidet der Zentralvorstand. Die Dinge scheinen sich auf jeden Fall positiv zu entwickeln. Tom Reulein hat an der Spitze von Swiss Sailing Team sehr gute Arbeit geleistet und jetzt haben wir das Glück, dass wir von der Erfahrung und dem frischen Blick des neuen CEO Christian Scherrer profitieren können.
Sie haben wesentlich dazu beigetragen, dass das neue Reglement für Schweizermeisterschaften verabschiedet wurde. Was wird sich dadurch für die Klassen und Regatteure konkret ändern?
Das Reglement wurde nicht grundlegend geändert, sondern vereinfacht. Jetzt ist es klarer und an die Standards auf den übergeordneten Instanzen wie World Sailing angepasst. Ein Punkt ist noch immer offen, nämlich wie viele Boote es für eine gültige Schweizermeisterschaft braucht. Es sind alle möglichen Zahlen im Gespräch. Einige Klassen wollen die Anzahl gültiger SM-Titel erhöhen, andere mit einer höheren Mindestanzahl die Meisterschaften aufwerten. Diesbezüglich ist nichts in Stein gemeisselt. Wir müssen offen diskutieren und die Mindestgrösse der Flotten entsprechend anpassen