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Mystery-Shopping: "Das gibt es nur bei Alibaba und Wish"Uhr
Die Mystery-Shopperin Astrid T. wünscht sich für ihre Mutter einen Sturzsensor. Ein digitaler Helfer sollte im Notfall Hilfe rufen können. Vom Handel bekam Astrid dazu kaum Hilfe.
Astrid T. ist in Sorge um ihre Mutter. Die 87-Jährige wohnt allein, ihr Mann ist vor ein paar Jahren verstorben. Die alte Dame ist etwas gebrechlich, kommt zwar noch gut allein zuhause zurecht, doch sie trinkt gerne ein, zwei Gläschen Rotwein. Für Astrid wäre es die schlimmste Vorstellung, wenn ihre Mutter stürzen würde und nicht mehr alleine aufstehen könnte. Sie will aber bei ihrer Mutter nicht täglich nach dem Rechten sehen müssen. Sie wünscht sich eine smarte Lösung, einen Sturzsensor, der Alarm schlägt, sollte ihre Mutter Hilfe benötigen. Astrid wusste nicht, wo sie ein solches Gerät finden könnte. Sie suchte die Hilfe des Handels und ging in Begleitung von "CEtoday" auf Mystery-Shopping-Tour, die sie zu Interdiscount, Melectronics, Media Markt, Sunrise, Salt und Swisscom sowie zum EP-, Euronics- und Sanitätsfachhändler führte.
Interdiscount
Bei Interdiscount fand Astrid keinen freien Verkäufer in den Gängen. Sie schilderte ihr Anliegen deshalb nach kurzer Wartezeit einem Verkäufer am Kassentresen. Der konnte ihr zwar nichts verkaufen, sagte aber, dass sie mit dem iPhone den Notdienst benachrichtigen könne, indem sie dreimal die Home-Taste drücke. Er riet Astrid ausserdem, sich im Apple-Shop nach Nothilfe-Apps zu erkundigen. Astrid wollte ihrer Mutter aber kein iPhone geben. Sie verabschiedete sich daher nach etwa einer Minute Beratung.
Melectronics
Astrid ging weiter zu Melectronics, wo ein junger Verkäufer sie nach kurzer Zeit ansprach. Sie erklärte ihm ihr Anliegen, worauf der sich entschuldigte und sagte: "Ich habe gerade erst angefangen, damit kenne ich mich nicht aus. Ich frage mal einen Kollegen." Er blickte sich um, sah keinen freien Verkäufer und sagte dann: "Es ist leider niemand hier, können Sie selbst jemand anderen fragen?" Astrid stellte sich also ans Ende der kurzen Warteschlange vor dem Kassentresen, bis sie nach kurzer Zeit an der Reihe war. Doch dieser Verkäufer konnte ihr auch nicht weiterhelfen. Er sagte, Melectronics biete nur Telefone mit SOS-Knopf, mit der sie einen Notruf tätigen könne. Falls ihre Mutter das Telefon aber nicht bei sich trage, sei es wertlos. Er riet Astrid, online weiterzusuchen, was sie aber nicht tat. Astrid wollte vom stationären Handel beraten werden.
Media Markt
Sie ging zu Media Markt, wo sie in der Haushaltsabteilung auf eine Verkäuferin zuging und ihr Anliegen erklärte. Die Verkäuferin suchte Hilfe bei einem Kollegen, der sie wiederum in die Handy-Abteilung verwies. Dort eingetroffen kam eine Verkäuferin auf Astrid zu und wollte sie, angesprochen auf ihre Suche, wieder zurück in die Haushaltsabteilung schicken: "Wir führen so etwas nicht", sagte sie. Als Astrid ihr erklärte, dass sie soeben von dort komme und die Kollegen sie in die Handy-Abteilung geschickt hätten, bot die Verkäuferin eine Onlinerecherche an. An einem Stehpult mit PC suchte sie zuerst auf Google, dann auf Amazon und sagte schliesslich, dass Smartwatches von Apple, Huawei und Samsung einen Sturzsensor integriert hätten, der im Notfall automatisch Hilfe rufe. Die Smartwatches seien mit 300 Franken aber relativ teuer, deshalb empfehle sie eine günstigere Notfalluhr mit Alarm, die es über Amazon etwa von Vodafone gebe. Mit der Uhr könne Astrid auch den Standort ihrer Mutter verfolgen und falls nötig sie sogar anrufen. Amazon war aber nichts für Astrid, sie wollte für ihre Mutter eine Lösung eines Schweizer Anbieters und verabschiedete sich nach gut 5 Minuten Beratung.
Sunrise
Astrid versuchte es bei den Schweizer Telkos. Im Sunrise-Shop war sie am Kassentresen sofort an der Reihe. Sie erklärte dem Verkäufer ihre Suche, der entgegnete: "Von uns gibt es nichts, aber ich kenne etwas von meiner Urgrossmutter." Die habe ein Notrufarmband der Rega getragen. Ob das mit Sturzsensor ausgestattet sei, wisse er aber nicht. Er riet Astrid, sich dort zu erkundigen.
Salt
Auch das tat Astrid nicht. Sie ging zu Salt. Nach nur kurzer Wartezeit antwortete der Verkäufer hinter dem Kassentresen auf ihr Anliegen, dass sie keine Lösung für ihr Problem hätten. Er habe selbst etwas für seinen Grossvater gesucht und sei nur online bei Wish und Alibaba fündig geworden. Dort finde sie Spezialuhren mit SIM-Karte, die den Herzschlag messen und nach festgelegten Kriterien selbstständig den Notruf kontaktieren. Er habe ein solches Gerät aber nicht gekauft, weil der Grossvater kurz zuvor verstorben sei.
Swisscom
Astrid versuchte es aber nicht bei Alibaba, sondern ging zu Swisscom. Dort zog sie eine Nummer an einem Automaten, der auf Wunsch auch ein Foto von ihr geschossen hätte, damit der Verkäufer sie mit Bild erkennen würde. Sie entschied sich gegen ein Foto und wartete kurz, bis eine Verkäuferin auf sie zukam und ihr auf ihre Suche die Lösung Smartlife Care vorstellte. Damit könne Astrids Mutter im Notfall für 29 respektive 39 Franken im Monat Freunde oder den Notruf kontaktieren. Ob das Gerät bei einem Sturz selbstständig aktiv würde, wusste die Verkäuferin nicht. Sie erkundigte sich bei einer Kollegin und sagte dann, dass es nicht möglich sei. Dafür pries sie das Gerät an, das dank eingebauter E-SIM-Karte etwa auch während einer Wanderung funktioniere. Nach etwa 3 Minuten Beratung drückte sie Astrid eine Broschüre von Smartlife Care in die Hand und verabschiedete sich.
EP-Fachhändler
Astrid ging weiter zum Fachhandel. Beim EP-Fachhändler begrüsste sie eine Verkäuferin, die auf Astrids Frage Hilfe beim Kollegen suchte. Der sagte, sie hätten keine solchen Lösungen. Astrid solle zu Swisscom gehen. Möglich sei auch, dass Hörberatungen eine solche Lösung im Angebot hätten, weil sie sich an die entsprechende Kundschaft richteten.
Euronics-Fachhändler
Astrid ging aber nicht zur Hörberatung. Sie ging weiter zum Euronics-Fachhändler, wo sie auf einen Verkäufer traf, dem sie ihr Anliegen schilderte. Seine Antwort fiel kurz aus: "Wir sind spezialisiert auf Hi-Fi, so etwas haben wir nicht."
Sanitäts-Fachgeschäft
Astrid machte einen letzten Versuch, diesmal im Sanitäts-Fachgeschäft. Nach kurzer Wartezeit kam ein Verkäufer auf sie zu, bot seine Hilfe an und sagte dann: "Sie kommen zwei Monate zu früh." Das Fachgeschäft erwarte auf November eine Sensormatte eines Lieferanten, die Nachrichten an Kontakte verschicke, sobald sie Unregelmässigkeiten feststelle. Er schwärmte von der Lösung, von der er sich selbst schon habe überzeugen können. Das Produkt befinde sich derzeit in der Fertigstellung. Derzeit hätten sie nur Notrufuhren im Sortiment, die nicht smart seien. Wie bei Swisscom sind diese mit einem Abo für 10 oder 25 Franken im Monat verfügbar. Nach rund 5 Minuten bedankte sich Astrid für die Beratung und beendete ihre Mystery-Shopping-Tour.
Fazit
Astrid war erschöpft nach der ausgiebigen Tour. Neun Händler hatte sie besucht und keiner konnte ihr die pasende Lösung verkaufen. Manch einer hatte überhaupt kein entsprechendes Angebot im Sortiment. Dies obwohl einige Verkäufer sich selbst schon eine solche Lösung für ihre Grosseltern wünschten. Allzu realitätsfremd scheint Astrids Wunsch also nicht zu sein. Doch, wo sie eine solche Lösung kaufen könnte, war ihr immer noch nicht klar. Nach den vielen Tipps der Händler müsste sie wohl online suchen, bei Amazon, Wish oder Alibaba. Sie hätte für ihre Mutter aber lieber eine Lösung eines Schweizer Händlers. Sie würde deshalb wohl in zwei Monaten wieder zum Sanitäts-Fachgeschäft gehen.