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Die Schweiz besticht durch ihre Vielfältigkeit. Es gibt 4 offizielle Landessprachen (Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch) und drei geografische Landesteile: die Deutschschweiz, die Westschweiz (oder auch Romandie genannt) und das Tessin. Naturgemäss haben diese drei Landesteile nicht nur unterschiedliche Sprachen, auch die Mentalität und die Kultur ist verschieden.
Klare Mehrheit Deutschschweiz
Die Mehrheit der Deutschschweizer ist erdrückend. Mit 73,3 % der Schweizer machen sie den klar grössten Anteil der Bevölkerung aus. Gefolgt von den Westschweizern mit 23,4%, den Tessinern mit 6,1% und den romanisch Sprechenden mit 0,7%. Es ist also kein Zufall, dass sich die Romands gegenüber den Deutschschweizern oft benachteiligt fühlen.
Der Fluss Saane als geografischer Röstigraben
Wenn in der Schweiz über die kulturellen Unterschiede innerhalb des Landes diskutiert wird, dann wird oft vom sogenannten «Röstigraben» gesprochen. Dieser ist Ausdruck der Andersartigkeit der Deutsch- und der Westschweiz. Mit Röstigraben bezeichnet man einerseits die Differenzen, die sich durch die unterschiedlichen Mentalitäten der Deutschschweizer und der Romands ergeben, andererseits den latenten Konflikt zwischen der deutschsprachigen Bevölkerungsmehrheit der Schweiz und der frankophonen Minderheit. Die geografische Sprachgrenze zwischen den beiden Landesteilen bildet der Fluss Saane.
Woher stammt der Begriff?
Der Begriff «Graben» wird schon seit langem zur Charakterisierung der Beziehungen zwischen den Schweizer Sprachgruppen gebraucht. Wann aber wurde aus dem Graben der Röstigraben?
Der Begriff «Rösti» scheint sich aufgrund einer gross angelegten Werbekampagne für das Kartoffelgericht in den 70er Jahren national wie international durchgesetzt zu haben
In den Medienarchiven stammt der älteste Beleg aus dem Jahre 1984. Dort ist in einer Mitteilung der schweizerischen Depeschenagentur erstmals von einem «Röschti-Graben» die Rede.
Weltoffene Romands versus konservative Deutschschweizer
Die Westschweiz grenzt an Frankreich und steht unter starkem kulturellem Einfluss des frankophonen Nachbars. Quer durch die Deutschschweiz verlaufen die Alpen, was dazu führt, dass viele Regionen und Kantone eingekesselt sind. Diese geografische Gegebenheit macht sich auch in der Mentalität der Leute bemerkbar. Abgesehen von den grossen Städten wie Zürich oder Basel gelten die Deutschschweizer als stur und verschlossen. Während die Romands klar weltoffener und ausländerfreundlicher sind.
Zwei Stunden Mittagspause in der Romandie
Wer in einer Schweizer Firma mit Niederlassungen in der Romandie arbeitet, wird die kulturellen Unterschiede rasch bemerken. Gutes Beispiel dafür ist die tägliche Mittagspause im Büro. Die pflichtbewussten Deutschschweizer reduzieren ihre gesetzlich vorgeschriebene einstündige Mittagspause oft zu Gunsten der Arbeit auf eine halbe Stunde. Diese verbringen sie nicht selten Sandwich essend vor dem Computer.
Ganz anders der Romands. Wer um 13 Uhr in das Genfer Büro anruft, um einen Arbeitskollegen zu sprechen, der wird ins Leere läuten. Dem Westschweizer ist seine Mittagspause nämlich heilig, und er zelebriert sie regelrecht. Viele Sitzungen werden nämlich während dem Mittagessen abgehalten. Wobei man ausgiebig isst und Wein trinkt, und erst in den letztem 15 Minuten auf das eigentliche Arbeitsthema zu sprechen kommt. Da kann ein Essen schon einmal gute zwei Stunden und mehr dauern.
Was ist richtig? Beides. Das Verhalten ist Ausdruck unterschiedlicher kultureller Ansichten. Der Romands verbindet die Arbeit und das Vergnügen. Während der Deutschschweizer lieber zuerst eine Sitzung abhält, und anschliessend essen geht.
Unterschiedliches politisches Klima
Besonders bei landesweiten Abstimmungen macht sich der Röstigraben bemerkbar. Abstimmungsresultate fallen zwischen den beiden Landesteilen oft sehr gegensätzlich aus. Vor allem bei Urnengängen zu den Themen Europa, Ausländer und Öffnung der Schweiz sind sich die Deutsch- und die Westschweiz nicht einig. Generell ist die Westschweiz sehr viel liberaler und daher Europa freundlicher eingestellt. In der Deutschschweiz hingegen begegnet man der EU mit grosser Skepsis.
Europaniederlage für die Westschweiz vor 20 Jahren
Frappant war das Resultat bei der Abstimmung über den EWR-Beitritt vor 20 Jahren. In der Westschweiz stellten sich nicht nur die linken, sondern auch sämtliche bürgerliche Parteien (inklusive der konservativen SVP) klar hinter den Beitritt. Bei einer rekordhohen Stimmbeteiligung von 78 Prozent wurde der Beitritt zum EWR mit 50,3 zu 49,7 Prozent abgelehnt. Zusammen mit den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft war die gesamte Westschweiz überstimmt worden, sodass die Kluft zwischen den beiden Landesteilen unüberbrückbar weit zu klaffen schien.
Immer mehr Englisch
Zumindest sprachlich verschwindet der Röstigraben aber zusehends. Da in den Schulen mittlerweile mehr Gewicht auf Englisch gelegt wird, lernen die Deutschschweizer Schüler immer weniger Französisch, und umgekehrt büffeln die Westschweizer lieber Englisch als Deutsch. Daher ist es keine Seltenheit mehr, dass sich ein Genfer auf Englisch mit einem Basler unterhält.
Dann eben Schweizerdeutsch
Röstigraben hin oder her. Wenn du in der Deutschschweiz lebst, dann erwartet niemand von dir, dass du Französisch sprichst. Schweizerdeutsch hingegen wäre ein grosses Plus. Melde dich darum noch heute für unseren Online-Kurs an.