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Dezember 2021
« Wir arbeiten an einem harmonisierten
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EDFI (European Development Finance Institutions) ist eine Vereinigung von fünfzehn europäischen Entwicklungsfinanzierungsinstitutionen (DFI), darunter SIFEM, die in Schwellen- und Entwicklungsländern tätig sind. EDFI wurde 1992 in Brüssel von sechs DFI mit dem Ziel gegründet, die Zusammenarbeit zu stärken und den Wissensaustausch zwischen ihren Mitgliedern und anderen bilateralen, multilateralen und regionalen DFI zu erleichtern. Im folgenden Interview erörtert Bruno Wenn, EDFI-Vorsitzender, unter anderem das Umfeld der europäischen Entwicklungsfinanz, die Weiterentwicklung von EDFI, die Herausforderungen, die sich aus der globalen COVID-19-Krise ergeben, und die Chancen für DFI in der Zeit nach COVID-19.
Seit der Gründung von EDFI waren Sie in verschiedenen Funktionen an dieser Organisation beteiligt. Was waren einige der wichtigsten Entwicklungen und Erfolge, die Sie in dieser Zeit erlebt haben?
Erstens konnte unser Verband ein starkes Mitgliederwachstum verzeichnen. Wir starteten mit sechs, heute zählen wir fünfzehn Mitglieder. Zweitens ist das Volumen der Investitionen markant gewachsen. Das kumulierte Portfolio aller Mitglieder hat heute eine Grösse von fast 50 Milliarden US-Dollar erreicht. Drittens hat sich unsere Relevanz dank der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen deutlich erhöht. Die Frage nach der Schaffung von Beschäftigung rückt den Privatsektor in den Mittelpunkt, den wir erfolgreich fördern. Viertens ist es gelungen, unser Netzwerk zu verbreitern, mit ähnlichen Organisationen wie FinDev in Kanada oder der DFC in den USA. Gemeinsam lancierten wir beispielsweise die 2X Challenge zur Stärkung der wirtschaftlichen Teilhabe von Frauen. Auch sind wir in der Lage, Prinzipien zu definieren, die von den multilateralen Entwicklungsbanken übernommen werden, wie z.B. im Bereich Blended Finance. Wir sind ein Verband, der gemeinsame Trainings durchführt und der massgeblich zur sehr notwendigen Harmonisierung von Standards beiträgt. Ein wichtiger Meilenstein war schliesslich auch die Gründung der EDFI Management Company (EDFI MC) im Jahr 2016, die Finanzierungen der Europäischen Union zur unternehmerischen Entwicklung umsetzt.
Was waren seit Ihrem Amtsantritt bei EDFI im Jahr 2018 einige der grössten Herausforderungen, mit denen Sie in Ihrer Rolle als EDFI-Vorsitzender konfrontiert waren, abgesehen von der COVID-19-Krise?
Eine grosse Herausforderung war die Debatte über die europäische Finanzarchitektur zur Förderung der Entwicklung. Wir mussten uns überlegen, wie wir uns als Verband positionieren möchten und wie wir unsere Sichtweisen einbringen können. Die zweite Herausforderung war eine vertiefte Kollaboration mit anderen vergleichbaren Institutionen, ausserhalb von EDFI. Denn hier müssen wir erst noch ein gemeinsames Verständnis in Bezug auf die Zusammenarbeit entwickeln. Eine dritte Herausforderung gibt es im Bereich der Wirkungsmessung. Es besteht nach wie vor ein grosser Bedarf, mit einheitlichen Standards an das Thema heranzugehen. Innerhalb von EDFI verstehen wir unter Impact das Gleiche. Dieses Verständnis auch über den Kreis von EDFI hinauszutragen, ist jedoch eine Herausforderung. Viertens mussten wir im Rahmen unseres Wachstums unsere eigenen Strukturen anpassen.
Wie beurteilen Sie den heutigen Grad der Zusammenarbeit zwischen den EDFI-Mitgliedern im Vergleich zu früher? Und wie beurteilen Sie insbesondere die Art der Zusammenarbeit zwischen EDFI und SIFEM?
Die heutige Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern ist sehr stark und eng. Während früher vor allem die grossen Mitglieder vorangingen, bringen sich heute auch die kleineren ein, mit ihren eigenen Erfahrungen, Sichtweisen und Problemen. SIFEM mag vielleicht zu den Kleineren gehören, hat aber innerhalb von EDFI immer Verantwortung übernommen, beispielsweise durch aktive Teilnahme an den Task Forces, an den Networking Groups oder durch Teilnahme im Aufsichtsrat. Auch übernahm SIFEM die Federführung beim Thema verantwortungsbewusstes Steuerverhalten und Transparenz (Responsible Tax Behaviour and Transparency). Als EDFI profitieren wir von SIFEM, ihrem Wissen und ihrem Engagement.
Einige westeuropäische Länder haben immer noch kein eigenes DFI, wie z.B. Irland oder Luxemburg. Sehen Sie derzeit den Wunsch oder das Interesse, neue Institutionen zu schaffen, die sich EDFI anschliessen könnten?
Es gibt derzeit Überlegungen in einer Reihe von europäischen Ländern, Entwicklungsfinanzierungsinstitutionen aufzustellen. Wir unterstützen diese Überlegungen und mit Luxemburg stehen wir beispielsweise aktuell in Diskussion. Wir stehen mit unserem Rat und unseren Erfahrungen auch anderen Ländern zur Verfügung. Am Ende des Tages hoffen wir natürlich, weitere Mitglieder auf diesem Weg gewinnen zu können. Allerdings gibt es viele Länder in Europa, die noch gar keine Entwicklungsbanken haben, also weder national noch im Ausland tätige Entwicklungsbanken.
Die EDFI Management Company (EDFI MC) verwaltet ElectriFI und AgriFI, zwei von der EU finanzierte Instrumente zur Förderung erneuerbarer Energien und nachhaltiger Landwirtschaft in Entwicklungsländern sowie weitere Ko-Finanzierungsmechanismen (z.B. European Financing Partners (EFP), Interact Climate Change Facility (ICCF)). Wie beurteilen Sie die bisherige Leistung dieser Anlagen? Welchen Investitionsschwerpunkt könnten künftige Fazilitäten haben?
Die EDFI Management Company wurde gegründet, um Blended Finance-Fazilitäten der Europäischen Kommission umzusetzen, was uns erfolgreich gelungen ist. ElectriFI und AgriFI sind als sogenannte Marktentwicklungsfazilitäten sehr geschätzt. Daher werden wir noch mehr Mittel von der Europäischen Kommission erhalten. Fast eine halbe Milliarde Euro für ElectriFI und AgriFI. Das ist sinnvoll, denn so können Massnahmen finanziert werden, die kein anderes EDFI-Mitglied machen würde, weil die Risiken einfach zu hoch sind. Zukünftige Initiativen werden mit grosser Wahrscheinlichkeit auf Afrika zielen, z.B. im Bereich der Förderung des Eigenkapitals.
Die EU verfügt bereits über eine eigene Entwicklungsinstitution, die Europäische Investitionsbank (EIB). Die in London ansässige Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) ist eine weitere grosse internationale Finanzinstitution, die 1991 gegründet wurde. Ist der Markt für Entwicklungsfinanzierung in Europa nicht etwas gesättigt?
Das Alleinstellungsmerkmal von EDFI ist, dass unsere Mitglieder ausschliesslich mit dem Privatsektor zusammenarbeiten und unsere Mitglieder haben ein immenses Wissen in diesem Bereich. Dies konnten sie in den vergangenen Jahren auch erfolgreich beweisen. Die Mitglieder sind in sehr schwierigen Ländern tätig und können dennoch eine Rendite erzielen und entwicklungspolitische Wirkung erreichen. Das ist der Grund, weswegen wir eine Sonderrolle innerhalb Europas und der europäischen Institutionen spielen und deshalb laufen zum Beispiel 74 Prozent der Mittel,1 die die Europäische Union für den Privatsektor in Subsahara-Afrika zur Verfügung stellt, über uns.
Drei der fünfzehn EDFI-Mitglieder sind Nicht-EU-Mitglieder, einschliesslich der britischen CDC, die zu den drei grössten EDFI-Institutionen in Bezug auf die Grösse ihres Portfolios gehört. Hat dies Auswirkungen auf die Beziehung zwischen der EU und EDFI?
Nein, das hat keine Auswirkungen auf unsere Beziehungen mit der EU, weil klar ist, dass diese drei Nicht-EU-Mitglieder die Instrumente der Europäischen Union nicht nutzen können. Aber es hat auch einen grossen Vorteil, Nicht-EU-Mitglieder bei EDFI zu haben, denn unser Netzwerk wird dadurch noch stärker.
Das kombinierte Portfolio an zugesagten Investitionen der europäischen DFI beläuft sich aktuell auf fast 50 Milliarden Euro. Die jährliche Finanzierungslücke für Unternehmen in Afrika allein wird nach Angaben der IFC aber auf weit über 300 Milliarden US-Dollar geschätzt. Müsste das kombinierte Portfolio der EDFI-Mitglieder also sechsmal grösser sein, um zumindest den Finanzierungsbedarf Afrikas zu decken? Oder müssen die DFI einfach noch mehr privates Kapital mobilisieren, um den Finanzierungsbedarf der Entwicklungsländer zu decken?
Es gilt beides zu tun. Das starke Wachstum der EDFI von durchschnittlich zehn Prozent pro Jahr in den letzten zehn Jahren muss aufrechterhalten werden. Dafür benötigen unsere Mitglieder zusätzliches Kapital und Garantien von ihren Eignern. Wir müssen aber auch mehr privates Kapital mobilisieren. Auf Dauer sollten wir in der Lage sein, DFI-getätigte Anlagen als eigene Anlageklasse zu verkaufen. Das heisst, private Investoren kaufen sich mit den DFI Wissen ein, wie man Investitionen tätigt, welche risiko-gemanagt sind, gute Erträge erwirtschaften und entwicklungspolitische Erfolge verbuchen können. Dafür müssen wir aber weiterwachsen, denn grosse Investoren suchen nicht die für uns üblichen Tickets in Höhe von 5 bis 20 Millionen, sondern eher 50 bis 500 Millionen US-Dollar.
Die wachsende Bedeutung der Rolle Chinas bei der Entwicklung Afrikas ist in den letzten Jahren offensichtlich geworden. Chinesische Entwicklungsbanken und Unternehmen dominieren seit 2017 die Finanzierung und Entwicklung kritischer Infrastrukturen in Afrika. Wie bewertet EDFI die chinesische Entwicklungsagenda für den afrikanischen Kontinent: Stellt sie eine Konkurrenz für EDFI dar oder ist sie komplementär zu den langfristigen Zielen von EDFI?
EDFI hat sich mit dieser Frage noch nicht auseinandergesetzt, da chinesische Entwicklungspolitik weitestgehend im öffentlichen Sektor stattfindet. Meine persönliche Einschätzung in Bezug auf das chinesische Engagement in Afrika ist etwas ambivalent. Einerseits sehe ich, dass die öffentliche Verschuldung in Afrika aufgrund dieser Investitionen dramatisch zugenommen hat. Der volkswirtschaftliche Nutzen bei einer Investition in eine Strasse beispielsweise ergibt sich ja weniger schnell als der zu leistende Schuldendienst. Andererseits hat China durch sein deutliches Engagement gezeigt, dass Afrika ein Chancenkontinent ist, während man in Europa Afrika noch immer sehr stark als Risikokontinent wahrnimmt. Die mit chinesischer Unterstützung gebauten Strassen, Häfen und Eisenbahnen haben die Marktchancen für private Unternehmen eröffnet. Dieses Interesse an Afrika ist auch gut für uns, denn so wird es einfacher, private Investoren zu finden, die mit uns gemeinsam in Afrika tätig sein wollen.
Was tut EDFI, um mehr privates Kapital zu mobilisieren? Gibt es institutionelle Kooperationen zwischen EDFI und Akteuren des Privatsektors?
Im Schnitt mobilisieren unsere Mitglieder pro Jahr rund sechs bis sieben Milliarden US-Dollar an privatem Kapital. Einige unserer Mitglieder haben diesbezüglich auch spezifische Ziele. EDFI verfügt über eine institutionelle Kooperation mit der Climate Finance Leadership Initiative (CFLI), bei der diverse grosse Player dabei sind, so z.B. AXA, Bloomberg und Goldman Sachs. Sie sind alle auf der Suche nach nachhaltigen, impact-orientierten Investitionen in Entwicklungsländern und sind auf uns zugekommen, weil sie bei uns die notwendige Erfahrung vorfinden.
In der ganzen Welt haben die Arbeitsplatzverluste als Folge der aktuellen COVID-19-Krise verheerende Auswirkungen auf gefährdete Gruppen, insbesondere Frauen und junge Arbeitnehmende. Sie leiden häufig unter Unterbeschäftigung und stellen einen wichtigen Teil der Erwerbsbevölkerung dar. Was hat EDFI unternommen, um dieses Problem anzugehen?
Ende 2020 konnten wir erfolgreich eine Koalition für MSME in Afrika aufsetzen. Daran beteiligt sind die EDFI-Mitglieder, FinDev Canada, DFC (USA), die Afrikanische Entwicklungsbank, die Westafrikanische Entwicklungsbank sowie die Islamic Development Bank. Die Koalition fokussiert sich sehr stark auf junge Unternehmen und vor allem auf Frauen. Darüber hinaus hat sich auch die 2X Challenge als sehr erfolgreiche Plattform in dieser Krise beweisen können. Sie hat seit ihrer Gründung ihr Mobilisierungsziel um ein Mehrfaches übertroffen. Schliesslich sehen wir auch bei unseren Mitgliedern, dass der Anteil der frauenorientierten Finanzierung substanziell gewachsen ist.
Die Krise hat nicht alle Regionen und Länder der Welt gleichermassen hart getroffen. Welche regionalen Unterschiede in Bezug auf die Auswirkungen der Krise haben Sie feststellen können?
Die Effekte waren tatsächlich unterschiedlich. Im Kontext von Afrika beispielweise waren die Finanzströme plötzlich negativ. Auch konnten wir beobachten, dass in sehr vielen Ländern Afrikas die indirekten Effekte durch Lockdown-Massnahmen ohne adäquate soziale und wirtschaftliche Unterstützung zu gravierenden Problemen führten. Nach unserer Einschätzung ist Afrika stärker betroffen als Lateinamerika und Asien. Aber wir haben eine Reihe von Mitgliedern, die sehr enge Beziehungen zu Lateinamerika oder Asien pflegen und ihr Engagement im Rahmen der Krise auch dort ausgebaut haben.
Welchen Beitrag zum weltweiten Zugang zu COVID-19-Impfstoffen hat EDFI leisten können?
Die grossen Entwicklungsbanken sind stark bei der COVAX-Initiative involviert, welche den Zugang zu COVID-19-Impfstoffen gewährleisten will. Unsere Mitglieder unterstützen hingegen vor allem im Bereich der Produktion von Impfstoffen, gerade auch in Afrika. Wir helfen beim Aufbau von gewerblichen Strukturen, die Impfstoffe und andere pharmazeutische Produkte produzieren können. Auch sind unsere Mitglieder im Bau und Unterhalt von Krankenhäusern sowie im Bereich der Logistik involviert. Die Logistik ist effektiv eine grosse Herausforderung, denn in der Demokratischen Republik Kongo beispielsweise mussten grosse Volumen an über COVAX bezogene Impfstopfe vernichtet werden, da sie in diesem riesigen Land wegen mangelnder Kühlketten nicht verteilt werden konnten.
Hat die Krise zu einer neuen strategischen Ausrichtung von EDFI geführt?
COVID-19 hat den Fokus unserer Strategie nicht verändert. Im Gegenteil, sie hat unsere Ausrichtung bestärkt. Wir fokussieren uns weiterhin auf die Harmonisierung von Standards und auf die Intensivierung der Zusammenarbeit, nicht nur innerhalb von EDFI, sondern über EDFI hinaus, mit den europäischen Institutionen, die für uns noch wichtiger geworden sind.
Welche Rolle kann EDFI im Kontext der sogenannten Agenda "Building Back Better" spielen – gerade auch was das Thema Klima anbelangt?
Wir haben schon immer unsere Kunden dabei unterstützt, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das finanziell, ökologisch und sozial nachhaltig ist. EDFI hat eine Lead-Funktion in diesem Bereich. Gerade in der COVID-19-Krise haben einige unserer Mitglieder ihren Kunden geholfen, ihr Geschäftsmodell noch resilienter zu machen. Der Bereich Skills Development beispielweise spielt dabei eine wichtige Rolle. Wir ermutigen Unternehmen, in die Fort- und Weiterbildung ihrer Belegschaft zu investieren. Denn mit einer höher qualifizierten Belegschaft kann man auch die Herausforderungen der Zukunft besser steuern. Was die Reduktion der Treibhausgasemissionen anbelangt, so haben wir uns Ende 2020 auf ein ehrgeiziges Policy Statement verständigt. Wir sind weiter als vergleichbare Institutionen gegangen und haben das Ziel, dass wir bis Ende 2022 im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen sind und bis spätestens 2050 unser gesamtes Portfolio umgestaltet haben werden. Natürlich haben wir uns dafür entschieden, aus der Kohle- und Ölfinanzierung auszusteigen. Die Privatwirtschaft braucht jedoch verlässliche Energieversorgung mit 24-stündiger Verfügbarkeit. Auch gibt es Länder, deren Möglichkeiten auf erneuerbare Energien zu setzen aktuell eher beschränkt sind, weshalb Zwischenlösungen gefunden werden müssen. Und wir sehen dabei für Gas nach wie vor eine wichtige Rolle.
Die Messung von Impact und die Berichterstattung darüber trägt wesentlich dazu bei, die Glaubwürdigkeit von DFI als transformative Akteure zu untermauern. Welchen Beitrag hat EDFI zur Ermittlung und Harmonisierung von Wirkungskennzahlen geleistet, die von allen Impact-Investoren verwendet werden könnten?
Zum einen haben sich im Jahr 2019 die EDFI-Mitglieder untereinander auf eine Harmonisierung-Initiative verständigt. Sie ist sehr ehrgeizig und umfasst fünf Schlüsselbereiche der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen: Geschlechtergleichstellung, wirtschaftliches Wachstum, menschenwürdige Arbeit, soziale Ungleichverteilung und Klima. Wir haben da grosse Fortschritte in der Vereinbarung von Standards der Messung von Entwicklungseffekten erzielt. Aber es gibt immer noch sehr viele unterschiedliche Standards auf der Welt. Und es kann nicht sein, dass ein Iokaler Partner, der mit mehreren DFI zusammenarbeitet, fünf bis sieben unterschiedliche Reporting-Systeme verwenden und beherrschen muss. Aus diesem Grund haben wir ebenfalls im Jahr 2019 zusammen mit der IFC (Tochtergesellschaft der Weltbankgruppe für Privatsektorinvestitionen) und GIIN, der weltweiten Vereinigung der Impact-Investoren, ein Steering Committee mit dem Ziel der Harmonisierung von Standards gegründet. Als erstes haben wir es beispielsweise geschafft, Indikatoren in Bezug auf Jobs, Gender und Climate zu harmonisieren. Für diese Bereiche gibt es nun gemeinsame Impact-Indikatoren. Und wir arbeiten schrittweise an weiteren Themen mit dem Ziel, einen harmonisierten globalen Standard für die Messung von Impact zu erreichen, der zu einer Referenz im Reporting wird, nach dem gleichen Muster wie die Finanzberichterstattung. In diesem Bereich wollen wir weiterhin eine Führungsrolle wahrnehmen, denn wir verfügen über die Erfahrung was in der Praxis möglich ist und was nicht.
Zum Abschluss des Interviews: Wo sehen Sie EDFI im Jahr 2030? Wird die Welt zu dem Zeitpunkt noch Entwicklungsfinanzierungsinstitutionen brauchen?
Unter entwicklungspolitischer Sicht befürchte ich, dass wir noch für einige Zeit gebraucht werden und in Zukunft zweifellos noch stärker gefordert sein werden. Viele Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen werden wir nicht realisiert haben. Auch wird es in Zukunft eine noch stärkere Fokussierung auf die am wenigsten entwickelten Länder (LDC) geben. Und diese Ländergruppe ist durch fragile Systeme und Post-Konflikt-Situationen gekennzeichnet. Das heisst, die DFI werden noch mehr Risiken eingehen müssen, um aufzuzeigen, dass der Privatsektor auch unter extrem schwierigen Bedingungen zur Entwicklung dieser Länder beitragen kann. Dies ist eine grosse Herausforderung.
Bruno Wenn verfügt über fast vier Jahrzehnte Erfahrung im Bereich der Entwicklungsfinanzierung und Entwicklungszusammenarbeit. Seit 2018 ist er Vorsitzender der EDFI in Brüssel. Zuvor war er CEO der Deutschen Entwicklungs- und Investitionsgesellschaft (DEG), eine Tochtergesellschaft der KfW-Gruppe (Kreditanstalt für Wiederaufbau), eine der grössten europäischen Entwicklungsbanken. Von 1982 bis 2009 war er in verschiedenen leitenden Funktionen bei der KfW tätig.
Bruno Wenn verfügt über einen Hochschulabschluss in Wirtschaftswissenschaften sowie einen Postgraduiertenabschluss des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik in Berlin.
Fakten und Zahlen über EDFI –
European Development Finance Institutions
EDFI: gegründet im Jahr 1992, mit Haupsitz in Brüssel
SIFEM: trat EDFI im Jahr 2005 bei (noch bevor SIFEM 2011 in ihrer heutigen Form gegründet wurde)
EDFI-Sekretariat: 8 Mitarbeitende, 63% Frauen (Stand: 30. Juni 2021)
EDFI Management Company (EDFI MC): wurde 2016 durch EDFI gegründet, um Einrichtungen wie ElectriFI und AgriFI, zwei von der EU finanzierte Instrumente zur Förderung erneuerbarer Energien und nachhaltiger Landwirtschaft, sowie den Kofinanzierungsmechanismus European Financing Partners (EFP) zu verwalten.
EDFI Management Company: 37 Mitarbeitende, 47% Frauen (Stand: 31. Dezember 2020)
1 Europe in the World: The future of the European financial architecture for development (Wise Persons Group Report), Rat der Europäischen Union, S. 45, https://www.consilium.europa.eu/media/40967/efad-report_final.pdf