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Ein Visionär ist ein Mensch, so umschreibt es der Duden, der «prophetisch, seherisch, vorausschauend» denkt und handelt. Am 13. Dezember wurde ein solcher Visionär bei einem ausgelassenen Fest im Lenkerhof an der Lenk im Simmental gefeiert: Jürg Opprecht. Der Gefeierte selbst war nicht anwesend: Er starb 2021 mit erst 71 Jahren. Hingegen beschworen seine Witwe Doris «Benzli» Opprecht-Eidenbenz und viele seiner Freunde, Mitarbeiter und Gäste sein wichtigstes Werk herauf. Opprecht ist der Geist, der hinter dem Lenkerhof als «jugendlichstes Fünfsterne-Hotel der Schweiz» steckt.
Der Lenkerhof hat eine lange und bewegte Geschichte geschrieben. 1689, also vor 333 Jahren, bewilligten die Behörden der Stadt Bern den Betrieb eines «Schwäfelbrunnen an der Länk». Dieser war schon zuvor als «Hohliebibedli» bekannt gewesen. Dem strengen, obrigkeitlichen Regime war das «Bedli» jedoch suspekt. So durfte der Badebetrieb samstags nur bis 21 Uhr, am Sonntag gar nicht stattfinden aus Furcht, die Leute könnten sonst dem Gottedienst fernbleiben. Das Bad werde «von dem Landtvolck mit schwal (d.h. in Scharen) besucht und durch die Nacht ein üppiges, mutwilliges und ergerliches Unwesen verübt», heisst es in einer zeitgenössischen Schrift.
1823 wurde ein Gesuch um die Einrichtung einer Badwirtschaft neben dem Kurbad als «Eröffnung eines neuen Trunk-Gelags» empört abglehent. Und 1831 ging beim Lenker Chorgericht eine Beschwerde ein, weil, oh Graus, Männer und Frauen in denselben Trögen badeten.
Moderner Hotel- und Kurbetrieb
Nach einer wechselvollen Geschichte wurde in den Sechzigerjahren des 19. Jahrhunderts ein neuer, moderner Hotel- und Kurbetrieb eröffnet. Ab 1864 war das Hotel während mehr als 100 Jahren im Besitz der Familie Vernier, die es kontinuierlich aus- und umbaute. Doch gegen Ende des 20. Jahrhunderts blieben Kurgäste mehr und mehr aus, und 1996 ging der Betrieb pleite. 2000 wurde das Haus, das sich unter anderem «Grand Hôtel Bains de la Lenk» und «Grand Hôtel Kurhaus Lenk» genannt hatte, geschlossen.
Dass anstelle des «Schwäfelbrunnens» 333 Jahre später das 5*-superior Lenkerhof gourmet spa resort steht, Mitglied der weltweiten Vereinigung Relais&Châteaux, ist dem eingangs zitierten Jürg Opprecht zu verdanken, der den Lenkerhof 2001 kaufte. Er dachte weiter als die meisten seiner Zeitgenossen. Dies jedenfalls räumte Roland Berger an der Jubiläumsparty ein. Vom Moderator Daniel Fohrler gefragt, ob er vor zwanzig Jahren an Opporechts Vision geglaubt habe, gab der bekannte Unternehmensberater Berger seine damalige Fehleinschätzung offen zu: «Ein Fünfsterne-Hotel an der Lenk wird niemals funktionieren. Die Lenk ist keine Fünfsterne-Destination.» Inzwischen hat sich Berger eines Besseren belehren lassen: Er ist VR-Präsident des Lenkerhofs.
Heute ist das mehrfach ausgezeichnete Haus schweizweit bekannt und beherbergt neben Schweizer Gästen auch viele aus dem Ausland. Unter anderem hat die Mitgliedschaft bei Relais & Châteaux neue, internationale Kundschaft angelockt, erläutert Jan Stiller, der den Lenkerhof zusammen mit Gattin Heike Schmidt führt.
Im Haus wird kontinuierlich investiert. Stiller zeigt stolz die neue Küche, in welcher die Menüs für die Restaurants « Spettacolo» und «Oh de Vie» zubereitet werden. Am Galaabend wurde Stefan Lünse, der seit acht Jahren als Lenkerhof-Küchenchef wirkt, von zwei seiner Vorgänger unterstützt, von Andreas Haseloh und Urs Gschwend. Zusammen stellten die drei Spitzenköche und die Lenkerhof-Brigade ein Menü zusammen, das auch Urs Heller, dem Chef von Gault & Millau Schweiz, Komplimente entlockte. Gault & Millau zeichnet die Lenkerhof-Restaurants momenten mit 17 Punkten (Spettacolo) beziehungsweise 14 Punkten (Oh de Vie) aus.
Wellness hat zentrale Bedeutung
Neben dem kulinarischen Erlebnis bekommt auch die Jahrhunderte alte Bädertradition im Lenkerhof eine neue Dimension: Das «7sources beauty & spa», der 2000 Quadratmer grosse Wellnessbereich im Erd- und Untergeschoss, zeigt sich seit Beginn der Sommersaison 2022 in warmen, erdfarbenen Tönen und mit moderner Möblierung. «Die Verschönerung und Erneuerung unseres Wellnessbereichs war für die Weiterentwicklung unseres Betriebs von zentraler Bedeutung», sagt Jan Stiller.
Neu wird im Saunabereich zwischen Textil- und Nacktzone getrennt. Im klassischen Saunabereich, teils unter dem Sternenhimmel, teils mit Sicht durch Panoramafenster auf den imposanten Wildstrubel, entspannen sich die Gäste. Herzstück ist der Salz-Stollen: Bei wohligen 70 Grad verweilen die Gäste in salziger Umgebung und gönnen ihrer Haut ein Salzpeeling. Die höchsten Temperaturen gibt es in der rustikalen «Steefeli-Sauna». Für Abkühlung sorgt ein Holzzuber im Aussenbereich. Das Schwefelwasser, mit dem vor drei Jahrhunderten alles begann, können Gäste ab einem Brunnen in ihre Gläser füllen.
Der halbrunde Aussenpool mit grandioser Aussicht und das Innen-Sportbecken werden mit Lenker Quellwasser befüllt. Ein grosszügiger Ruhe- und Frischluftbereich, Behandlungsräume, Whirlpool, ein Coiffeur sowie ein Fitnessraum mit Gymnastikpavillon runden das Angebot ab. Mit dem Resultat der Investitionen im einstelligen Millionenbereich ist Direktor Stiller «mehr als zufrieden. Ich bin sicher, dass wir erneut ein Highlight für unsere Gäste schaffen konnten.»
Zu den wiederkehrenden Lenkerhof-Gästen zählt der bekannte Sänger Seven (eigentlich Jan Dettwyler) aus dem aargauischen Wohlen. Er schwärmte im Gespräch mit Moderator Fohrler von den Erlebnissen, die er und seine junge Familie im Lenkerhof sammeln durften. Zur Begeisterung des Publikums gab er während dem Diner auch ein paar seiner Stücke zum Besten.
«Internationaler Vorzeigebetrieb»
Welche Rolle der Lenkerhof national, aber auch international spielt, wurde an dem festlichen Abend durch die Anwesenheit der gesamten Führungsspitze von Relais & Châteaux unterstrichen. Der Lenkerhof ist seit zehn Jahren Mitglied dieser internationalen Vereinigung von momentan rund 580 exklusiven Hotels und Gourmetrestaurants. Lenkerhof-Direktor Stiller präsidiert die Delegation Schweiz und Lichtenstein. Am Galaabend gaben sich der Endejahr abtretende internationale Präsident Philippe Gombert, sein Nachfolger Laurent Gardinier, Anthony Torkington, Generaldirektor am Hauptsitz in Paris, und Melanie Frey, Direktorin Schweiz und Lichtenstein, die Ehre. Der Lenkerhof, sagte Laurent Gardinier, sei ein «Leuchttumerm» und ein «internationaler Vorzeigebetrieb».