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Der Unfall von Tschernobyl hat gezeigt, dass eine rasche Alarmierung zum Schutz der Bevölkerung in der Nähe eines Kernkraftwerks wichtig ist. Nach dem Unfall hielt der Bundesrat fest, dass die Schweiz über rasche Alarmierungssysteme in den Zonen bis 20 Kilometer um die Kernkraftwerke verfügt. Darüber hinaus sollten neu Jodtabletten für die Bevölkerung beschafft werden.
Zum Schutz der Bevölkerung bei einem schweren KKW-Unfall ist ein rasches Alarmierungssystem von zentraler Bedeutung. Ziel ist die Verhinderung von akuten Strahlenschäden in der Bevölkerung nach dem Austritt von radioaktiven Stoffen.
Als kurzfristige Schutzmassnahme ist in der Schweiz im Gegensatz zu anderen Ländern die sogenannte vertikale Evakuierung vorgesehen, das heisst „Fenster und Türen schliessen und Schutz suchen im Keller oder Schutzraum“.
In seinem Bericht über die Sicherheit der schweizerischen Kernkraftwerke nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl vom November 1987 stellte der Bundesrat fest: „Die Alarmsysteme in den Zonen 1 und 2 der schweizerischen Kernkraftwerke sind eingerichtet und betriebsbereit.“ Mit dem Notfallschutzkonzept von 1977 hatten die Behörden bereits eine rasche Alarmierung der Bevölkerung und ein Zonenkonzept eingeführt.
Die ferngesteuerte Auslösung der Alarmsirenen wurde nach dem Unfall auf die Zone 2, die bis 20 Kilometer um die Kernkraftwerke reicht, ausgedehnt. Zudem wurde die Bevölkerung nur noch mit dem Sirenensignal „Allgemeiner Alarm“ aufgefordert, Radio zu hören. Das bis dahin gültige Signal für Radioaktivität wurde gestrichen.
Verteilung von Jodtabletten
Radioaktives Iod wird durch die Schilddrüse aufgenommen und verursachte in der Akutphase in der Umgebung von Tschernobyl zum Teil hohe Strahlendosen. Die Belastung der Schilddrüse hätte jedoch stark vermindert werden können, wenn vor Ankunft der radioaktiven Wolke Kaliumiodidtabletten eingenommen worden wären. Diese sättigen die Schilddrüse mit stabilem Iod und verhindern so die Aufnahme von radioaktivem Iod.
Jod-131 ist ein Isotop mit einer Halbwertzeit von 8 Tagen. Dieses Isotop ist bei einem Kernkraftwerkunfall relevant, weil es in grossen Mengen freigesetzt wird. Bei einer Inkorporation lagert sich Jod-131 in der Schilddrüse und kann Krebs verursachen.
Im Jahre 1993 wurden für die ganze Schweiz Kaliumiodidtabletten beschafft. In der Zone 1 (3 bis 5 Kilometer um die Kernkraftwerke) wurden diese direkt an die Haushalte, Schulen und Betriebe verteilt. Bis 2014 wurde die Vorverteilung auf einen Umkreis von 20 Kilometern um die Anlagen ausgedehnt. Der Bundesrat entschied im Januar 2014, dass Jodtabletten der Bevölkerung im Umkreis von 50 Kilometern um die Kernkraftwerke zu verteilen sind.
Das ist der zwölfte von sechzehn Teilen zur Geschichte des Unfalls Tschernobyl.