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Das Dorf Meikirch liegt auf 650 Meter über Meer, auf einer sanft ansteigenden Hangterrasse, am Übergang zum steilen Gelände des bewaldeten Frienisbergs. Die sonnige Südhanglage mit Aussicht auf das Alpenpanorama prägen die sehr schöne Wohnlage.
Plan von Meikirch von 1789
Der Dorfplatz ist die Verbreiterung der ehemaligen Landstrasse von Bern nach Aarberg, die in einem engen Bogen um das Pfarrhaus und die Kirche nordwärts durch die heutige Kesslergasse über den Frienisberg führte.
Der Dorfplatz und seine unmittelbare Umgebung hat seinen baulichen Charakter des alten Bauern- und Kirchdorfes noch weitgehend erhalten, obschon nur noch zwei der einst fünf Bauernbetriebe im Dorfkern existieren.
Im Plan von 1789 sind die Hauptgebäude der Landwirtschaftsbetriebe bereits vorhanden. Die grossen Bauernhäuser wurden jedoch im 19. Jahrhundert mit einer typischen Ründe neu gebaut, seither mehrfach umgebaut und erweitert. Nur die Getreidespeicher wurden seit dem Bau im 18. Jahrhundert kaum verändert.
Östlicher Abschluss des Dorfplatzes,Bauernhaus Grächwilstrasse 2 (Plan Nr. 1)
Den östlichen Abschluss des Dorfplatzes bildet das mächtige Bauernhaus an der Grächwilstrasse 2 (Plan Nr. 1) mit der prägnanten säulengetragenen Laube. Die Ein-fahrt über dem 1845 erbauten Stall auf der Nordseite der Grächwilstrasse führt über die Grächwilstrasse. Zu diesem Hof gehört ein backsteinernes Taubenhaus aus dem frühen 20. Jahrhundert – eine in unserer Gegend seltene Baugattung. Im Westen bilden die platzartige Strassenverzweigung mit Brunnen und einer grossen Linde den Abschluss.
Ortsbildprägend ist vor allem das mächtige Bauernhaus am Dorfplatz 2 (Plan Nr. 2) mit dem Fachwerk und der grossen Ründe am Wohnteil, der unter dem Quergiebel steht. Der Wohnteil wurde 1871 erbaut. Dazu gehört der direkt am Dorfplatz stehende Speicher aus dem Jahr 1739.
Bauernhaus und Speicher, Dorfplatz 2 und 2a (Plan Nr. 2)
Bauernhaus mit zwei Schaufassaden, erbaut 1909, Dorfplatz 6
(Plan Nr. 3)
Den westlichen Teil des Dorfplatzes prägen das Bauernhaus am Dorfplatz 6 (Plan Nr. 3) und das Pfarrhaus (Plan Nr. 4). Das Bauernhaus wurde 1909 mit einem Quergiebel und zwei Schaufassaden neu erbaut. Nach der Aussiedlung des Landwirtschaftsbetriebes 1986 wurde das Gebäude zum reinen Wohnhaus umgebaut.
Pfarrhaus, Wahlendorfstrasse 2 (Plan Nr. 4)
Das Pfarrhaus wurde 1554 als zweigeschossiges gemauertes Gebäude errichtet. 1769 erfolgte ein grosser Umbau im Innern und 1813 wurde das Gebäude auf wiederholtes Begehren des Pfarrers um ein Stockwerk erhöht und der Dachstuhl ersetzt. Seither blieb das Äussere des markanten Hauses weitgehend unberührt. Der westliche Anbau erfolgte 1605 als Pfrundscheune, in der heute ein Sitzungszimmer und das Sekretariat der Kirchgemeinde eingerichtet sind.
In etwas erhöhter, hinter dem Pfarrhaus leicht verdeckt, steht die Kirche. Der Spitzhelm des Kirchturms überragt die Dächer des Dorfes und ist weithin sichtbar. Die erste Kirche wurde vermutlich im 8. Jahrhundert auf den Grundmauern und mit dem Baumaterial einer römischen Villa erbaut. Der Neubau im romanischen Baustil aus dem 11. Jahrhundert wurde im Spätmittelalter mit einem Turm ergänzt. Um 1500 wurde das Kirchenschiff nach Westen erweitert und im 18. Jahrhundert wurde der Chor vergrössert und das Innere zum barocken Predigtsaal umgebaut. Das heutige Aussehen der Kirche geht auf die Renovation von 1977/78 zurück, bei der die einheitliche barocke Erscheinung zugunsten von freigelegten älteren Elementen aufgegeben und das Innere modernisiert wurde. Der Kirchhof mit der kräftigen Sandsteinmauer war bis 1904 Friedhof. Seither befindet er sich ausserhalb des Dorfes an der Strasse nach Grächwil. Zur römischen Villa und zur Kirche steht eine Orientierungstafel direkt bei der Kirche.
Das gegenüber dem Pfarrhaus stehende Bauernhaus, Dorfplatz 7 (Plan Nr.5) trägt die Jahrzahl 1896. Damals wurde der Wohnteil mit sehr schöner Riegfassade und fünf Fensterachsen sowie beidseitigen Lauben auf den Grundmauern des Vorgängerbautes neu erstellt. Nach der Aussiedlung des Landwirtschaftsbetriebes an die Strasse nach Wahlendorf wurde der Wohnteil renoviert und der Ökonomieteil abgebrochen und als Wohngebäude neu erstellt. Zu diesem Hof gehörte der Speicher in der Brünnmatte, südlich des Hauptgebäudes, erbaut 1750. Dieser Getreidespeicher wurde im 19. Jahrhundert im Erdgeschoss erweitert zum Wohnen umgebaut. 1996 wurde das Gebäude grundlegend saniert und wird seither als Ausstellungs- und Kurslokal genutzt. Der Getreidespeicher wurde damit zum Kultur-Speicher.
Das grosse Käsereigebäude bildet den südöstlichen Abschluss des Dorfplatzes (Plan Nr. 6). Es wurde 1901 errichtet, nachdem bereits seit 1845 im Stöckli des damaligen Statthalters an der Moosgasse 1 (Plan Nr. 5) Käse produziert worden war. Das gattungstypische Gebäude der neuen Käserei mit gemauertem Erdgeschoss und Rieg-Obergeschoss wurde mehrfach modernisiert und umgestaltet. Die Käserei war 1910 als erste im Kanton Bern auf Dampfbetrieb umgestellt worden.
Käserei, erbaut 1901, Dorfplatz 1 (Plan Nr. 6)
Der Dorfplatz dient neben dem Durchgangsverkehr als Parkplatz und zweimal im Jahr als Viehschauplatz sowie am ersten Samstag im September als Marktplatz.
Quellen:
Caviezel-Rüegg, Zita/Walter, Matthias: Der ehemalige Amtsbezirk Aarberg. Die Kunstdenkmäler der Schweiz, hrsg. von der Gesellschaft für schweizerische Kunstgeschichte. Bern, 2018, S. 272-295
Egli, Hans-Rudolf/Wisler, Peter: Meikirch. Gebäude- und Siedlungsinventar, erstellt im Auftrag des Gemeinderates. Meikirch, 1990
Willkommen in Meikirch. Wandel in Raum und Zeit, hrsg. vom Gemeinderat Meikirch. Meikirch, 2021