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Symbolismus
Ist denn alles Zeichen? Wird dem Dichter alles zum Zeichen? Ist denn nicht eine unter den Schemel gestellte Lampe eine unter den Schemel gestellte Lampe? Müssen die Dinge für etwas anderes stehen, um erkannt zu werden oder erkennbar?
Die Strömung des Symbolismus, die im Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts entsprang, war ein Aufstand gegen den vermeintlichen Realismus, den weihelosen Naturalismus und gegen die Versachlichung und Verzweckung der bürgerlichen Wissenschaft. Ähnlich wie der Sturm und Drang oder die Romantik versuchte eine Generation von Mittdreissigern (Gide, Valéry, Maeterlink, Claudel u.a.) unter der Anleitung einer älteren Generation (Mallarmé, Huysmans, Verlaine, etc.) den Sprung in eine Kunstform, die in ihrer Zeichenhaftigkeit nur noch andeuten sollte, und nicht mehr einen direkten Zugang schaffen zum Gesagten.
Diese ‹Veruneigentlichung› ist auch heute noch ein wichtiger Teil der modernen Dichtung; sie hat vor allem, wie die vorhergehende, eigentlich konservativ-rückwärtsgewandte Bewegung der Romantik, aber auch des Sturm und Drang, zu einer Erweiterung des lyrischen Repertoires beigetragen: Anthropomorphismen, freier Vers, Betonung des Klanglichen über das Inhaltliche, Poésie pure, Synästhesien… – kurz, die Suche nach einer Welt der autonomen Schönheit, die an ihrer Autonomie und in ihrer zunehmenden Weltabgewandtheit und Hermetik ersticken musste. OF