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In der IMF-Podcast-Serie «Women in Economics» diskutierte die renommierte Harvard-Ökonomin und Pionierin im Feld «Gender Economics», Claudia Goldin, kürzlich die wichtigsten Erkenntnisse aus ihrer langjährigen Forschung zum Gender Pay Gap.
Der Gender Pay Gap bezeichnet den Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen, die Vollzeit arbeiten. Unterscheidet man nicht nach beruflicher Stellung, Dienstjahren oder Ausbildungsniveau verdient eine Frau in den USA 78 Cents für jeden Dollar, den ein Mann verdient. Gemäss dem Eidgenössischen Büro für Gleichstellung von Frau und Mann verdient eine Frau in der Schweiz 82 Rappen für jeden Franken, den ein Mann verdient.
Berücksichtigt man unterschiedliche berufliche Stellung, Dienstjahre und Ausbildungsniveau, reduziert sich diese Differenz in der Schweiz auf 7 bis 8 Rappen pro Franken. Dieser Unterschied wird oft als die unerklärte Lohndifferenz bezeichnet. Als Ursache wird häufig Lohndiskriminierung ins Feld geführt.
Eine neue Erklärung für den Gender Pay Gap
Obwohl Claudia Goldin der Überzeugung ist, dass Lohndiskriminierung durchaus eine Rolle spielt, führt sie eine zusätzliche Erklärung ins Spiel. Sie argumentiert, dass ein grosser Teil der unerklärten Lohndifferenz darauf zurückzuführen ist, dass Frauen immer noch einen erheblich grösseren Teil der unbezahlten Care-Arbeit (auch Sorgearbeit oder Pflegearbeit) übernehmen. Darunter fällt typischerweise die Kinderbetreuung, aber auch die Betreuung von älteren Personen.
Indem sie diese Aufgaben übernehmen, ist es für Frauen schwieriger, in Jobs zu arbeiten, die viele Überstunden und häufige Geschäftsreisen erfordern – und genau dies sind die Jobs, die überproportional gut bezahlt werden. Goldin prägte für solche Berufe den Begriff «greedy Jobs».
Dies ist schwierig zu ändern, zum einen weil sich die Aufteilung der Care-Arbeit innerhalb eines Paares auch mit zunehmender Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen nur schleppend geändert hat. Zum anderen auch, weil bei einem Paar mit einer Aufteilung der Care-Arbeit zu gleichen Teilen keiner der beiden einem «greedy Job» nachgehen kann – und somit Geld liegen gelassen wird.
Mögliche Lösungen
Mögliche Lösungen sieht Claudia Goldin einerseits in der Senkung der Kosten für ausserhäusliche Kinderbetreuung und der Betreuung für ältere Personen, andererseits in technologischen Neuerungen am Arbeitsplatz, durch die Arbeitsteilung und flexible Arbeitszeit für Unternehmen günstiger werden.
Zusätzlich wünscht sich Claudia Goldin, dass die übrige Care-Arbeit, die nicht ausgelagert werden kann, innerhalb eines Paares zunehmend zu gleicheren Teilen aufgeteilt wird.
Den Podcast in völler Länge finden Sie hier (auf Englisch).
Zum Buch «Career and Family» (engl.) von Claudia Goldin und einem englischsprachigen Interview mit ihr auf der Website des Wissenschaftsverlags Princeton University Press geht es hier.