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Quelle: TeleZüri
Im Rahmen einer Geschäftsreise weilte Jacqueline Badran im November 2001 für eine Konferenz in Berlin. «Wir waren todmüde und wollten nach Hause, doch im Flugzeug war es laut – eine Girl-Band war anwesend und sehr aufgedreht», erzählt Badran. Gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner setzte sie sich nach hinten, um Ruhe zu haben.
«Es war ein Flug wie immer.» Als die Durchsage die Landung ankündigte, führte sie ihr Ritual durch: Ein Spiel, bei dem sie versucht zu erraten, über welchem Dorf sie nun aktuell fliegen. «Dann schaute ich hinaus und sah keine Lichter, auch keine Lichter der Landepiste.» Damals dachte sie, dass sie vielleicht aufgrund der dichten Wolken noch nichts sah. Dann aber rumpelte es. «Ich dachte, jetzt sind wir gelandet.» Dem war aber nicht so, wenige Meter von Badrans Sitz entfernt, gab es eine Stichflamme. Es habe lichterloh gebrannt, erzählt Badran, die zu diesem Zeitpunkt 40 Jahre alt war. In diesem Moment sagte sie sich: «Ja, das ist es jetzt, mein Tod, weil ich immer der Meinung war, dass ich nicht älter als 40 Jahre alt werde.»
Brannte wenige Meter vor Badran
Dann habe es aufgehört zu schütteln, und Badran war überrascht, dass sie noch lebte. Sie habe sich abgeschnallt, obwohl ihr Geschäftspartner sie davon abhalten wollte, weil er Angst hatte, dass sie runterfalle. «Ich dachte, du musst irgendwie da raus, aber vorne brannte es lichterloh und als ich mich umdrehte, sah ich das abgebrochene Heck. Ich sehe immer noch den verschneiten Waldboden vor mir, mit den Wurzeln, die herausragen.» Ab da kann sich die heutige 60-Jährige an nichts mehr erinnern.
Als Nächstes erinnert sie sich erst wieder daran, dass sie auf dem Waldboden davon rennt. «Ich rechnete damit, dass das Flugzeug bald explodieren werde, weil das kennt man ja aus den Filmen», so die Unternehmerin. In ihrem Kopf hatte sie ein Bild eines Baumstammes, hinter den sie zusammen mit einer Stewardess hechten konnte. Die erwartete Explosion blieb aber aus.
Gemeinsam mit der Stewardess lief sie weiter, bis sie Lichter der Feuerwehr entdeckten. Auf einer grossen Wiese im Wald versammelten sich dann die wenigen Überlebenden, bis sie weiter zu einem Sammelplatz vor einem Restaurant gefahren wurden. Als ein Arzt Jacqueline Badran dort auf Verletzungen untersuchen wollte, entgegnete sie, dass er sich zuerst um die Schwerverletzten kümmern solle. Darauf antwortete ihr dieser, dass sie aus dem Weg gehen soll. «Dann ging ich mit meinem Geschäftspartner in die Beiz», erzählt Badran. Sie selbst habe aufgrund des Adrenalins keine Schmerzen verspürt. In Wirklichkeit hatte sie einen gebrochenen Arm, der rechtwinklig abstand, ein Loch im Bein, bei dem die Knochen sichtbar waren sowie einen Sehnenriss an der Schulter.
Erst als eine medizinische Praxisassistentin zu ihr trat und Hilfe anbot, überlegte sich Badran, ob sie verletzt sei. Da ihr Bein schmerzte, zog sie im Restaurant die Hosen aus und zeigte die Wunde der Pflegerin. Diese verarztete die Politikerin notdürftig mit den Nothilfekasten der Wirtin.
Was Jaqueline Badran sonst noch zu erzählen hat:
- Prägendster Moment des Absturzes
Das Bild, das die Unternehmerin heute noch prägt, ist das von ihrem Fluchtweg, der Ausgang aus dem Unglück. «Als ich den Fluchtweg sah, wechselte der Moment von der Überzeugung, ja sogar Gewissheit, dass ich jetzt sterbe zur Erkenntnis, da ist der Ausgang, ich sterbe doch nicht.»
- Glück im Unglück
Im Nachhinein hatten Jaqueline Badran und ihr Geschäftspartner Glück im Unglück. Weil sie Ruhe wollten und sich deshalb im hinteren Teil des Flugzeuges aufhielten, blieben sie verschont. Das Flugzeug fing in der Mitte Feuer, dort wo sich das Kerosin befand und das Flugzeug die Bäume streifte. «Wären wir in der Mitte gewesen, wie geplant, wären wir verbrannt.» Nur die Personen überlebten, die sich beim Absturz im hinteren Teil des Flugzeuges befanden.
- Lehren nach dem Absturz
Hass habe sie im Nachhinein keinen verspürt, aber sie habe sich nach diesem Erlebnis intensiv mit der Fliegerei beschäftigt. «Wenn man diesem Unglück etwas Sinnvolles abgewinnen will, dann dass man daraus Lehren zieht.» Dies sei laut Badran aber nicht geschehen. Im Gegensatz zur Swissair habe die Crossair weniger Wert auf die psychische Konstellation gelegt. Auch das Rapportwesen sei gegenteilig vollzogen worden. «Das ist eine Schande, das ist auch respektlos gegenüber den Opfern des Absturzes», sagt die Politikerin.
- Warum Badran immer noch darüber spricht
Flugzeugabstürze seien Phänomene, die Menschen sehr beschäftigen. «Nach dem Absturz haben wir Überlebenden im Spital vereinbart, dass jemand von uns hin stehen und berichten wird.» Und diese Rolle übernahm Jaqueline Badran.
Eine Motivation für sie waren auch die Hinterbliebenen: «Ich wollte den Hinterbliebenen sagen, dass es sehr schnell vonstattenging, dass sie nicht leiden mussten.»
- Wie sie den 20. Jahrestag verbringt
«Ich besuche am 24. November immer die Absturzstelle.» Früher, als es das Restaurant noch betrieben wurde, trafen sich dort die Überlebenden sowie die damaligen Rettungskräfte. «Dieses Jahr gehen mein damaliger Geschäftspartner und ich mit den Einsatzkräften zur Absturzstelle und gehen danach etwas essen.»
- Persönliche Nachwehen des Absturzes
«Ich fliege extrem selten und sehr ungern», sagt Badran. Bereits vor dem Absturz sei sie nicht gern geflogen. Wenn sie heute fliegt, hilft ihr vorgängiger Schlafentzug: «Dann schlafe ich zwei, drei Tage nicht, damit ich im Flugzeug so müde bin, dass ich nichts mitbekomme.»