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Als Begründer der Zirkus-Dynastie Knie gilt Friedrich Knie, der im Jahr 1784 in Erfurt geborenen wurde. Ursprünglich sollte er wie sein Vater, der unter anderem Leibarzt von Kaiserin Theresia war, Medizin studieren und Arzt werden. Doch 1803 brach Friedrich das Studium zugunsten einer jungen Artistin ab und beschloss mit ihrer Kunstreitertruppe durch die Länder „z zieh“ (dt.: zu ziehen). Der jungen Liebe war allerdings keine große Zukunft beschieden, aber dennoch hatte Friedrich am Artistenleben großen Gefallen gefunden. Schon kurz darauf, im Jahr 1806, gründete er eine eigene Artistengruppe bestehend aus Akrobaten und Pferden. Unter dem Namen „Wiener Seiltänzergruppe“ gastierten sie sowohl in den Ländern der habsburgischen Kaisermonarchie als auch in Baden, Bayern und Preußen.
Überall „dört“ (dt.: dort) wo sie auftraten, erhielten ihre Darbietungen viel Lob und Anerkennung. 1814 gastierte die Truppe erstmals auch in der Schweiz. Auch privat fand Friedrich nun sein Glück. 1807 lernte er Antonia Stauffer kennen, die er im selben Jahr heiratete. Als Friedrich im Jahr 1850 im schweizerischen Burgdorf starb, übernahm sein Sohn Karl die Leitung der Akrobatentruppe.
Circus Knie: Das vorläufige Aus und der Neuanfang
Im Jahr 1860 verstarb Karl überraschend mit nur 47 Jahren während eines Aufenthaltes in Freiburg im Breisgau. Die Geschäfte übernahm nun seine Frau Anastasia Maria. Während „dr Zit“ (dt.: der Zeit) des Deutsch-Französischen Krieges war sie jedoch gezwungen die Akrobatentruppe aufzulösen. 1872 zog sich Anastasia nach Bern zurück, wo sie 1881 auch verstarb. Ihrem Sohn Ludwig und dessen Frau Marie gelang es jedoch, durch eisernes Sparen und harter Disziplin, wieder ein Zirkusunternehmen „ufzbaue“ (dt.: aufzubauen). Auch ihre Söhne Louis, Rudolf, Friedrich, Karl und Eugen traten schon von Kindesbeinen an in der Arena auf. Später kamen die Pflegekinder Nina und Annell hinzu. Ihr ältester Sohn Louis verließ später das Unternehmen und gründete in Deutschland eine eigene Artistentruppe.
Circus Knie wird zur schweizerischen Institution
Ludwig gastierte unter anderem sehr gerne mit seiner Truppe in der Schweiz. So reifte nach einiger Zeit auch der Gedanke, deren Staatsbürgerschaft anzunehmen. Am 2. Weihnachtstag des Jahres 1900 wurde der gebürtige Wiener und seine Frau sowie ihre fünf Kinder offiziell in der Gemeinde Gerlikon-Gachnang im Kanton Thurgau eingebürgert. Damit waren die dritte und die nachwachsende vierte Generation der Artistentruppe Knie nun offizielle schweizerische Staatsbürger. Im Jahr 1909 verstarb Ludwig und wieder fiel „d Leitig“ (dt.: die Leitung) der Ehefrau zu. Seit ihrer Gründung durch Friedrich Knie, gastierte die Akrobatentruppe in einer offenen Arena.
Erst in der vierten Generation sollte sich dies ändern. Schon damals war die Investition eines Zeltes ein hoher Kostenfaktor und „ä finanziells Risiko“ (dt.: ein finanzielles Risiko). Das erste 2.500 Personen fassende Zweimasten-Zelt war nur mit Hilfe eines Kredites finanzierbar. Die Eröffnungsvorstellung fand am 14. Juni 1919 in Bern statt. Aber auch der Name über dem Eingang war eine weitere Neuerung: „Cirque Variété National Suisse Frères Knie“. Der Schweizer-National-Circus Gebrüder Knie war somit offiziell gegründet und wurde im Laufe der Zeit zur einer schweizerischen Institution. 1934 erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft.
Logistik und Tierschutz
Die logistischen Aufgaben eines Zirkusses „in dr modärne Zit“ (dt.: in der modernen Zeit) sind enorm und sie nehmen mit der Größe des Unternehmens stetig zu. Seit 1920 setzt der Zirkus Knie auf den Transport mit der Eisenbahn. Da aber nicht alle Veranstaltungsorte gleichermaßen gut mit der Bahn zu erreichen sind, werden seit 2005 auch vermehrt umfangreiche Straßentransporte durchgeführt. „Hüt“ (dt.: Heute) arbeiten bis zu 220 Personen und über 100 Tiere im laufenden Zirkusbetrieb mit. Durch tragische Umstände veranlasst (zwei über 50-jährige Elefanten mussten krankheitsbedingt eingeschläfert werden), entschied sich das Zirkusunternehmen 2015 mit einer fast 100-jährigen Tradition zu brechen und ab der Saison 2016 keine Elefantennummern mehr aufzuführen. Die verbliebenen Elefanten sind nun im Knies Kinderzoo in Rapperswil untergebracht. Hier können bis zu 300 weitere Tierarten besucht werden. Der Ort Rapperswil ist seit 1919 das ständige Winterquartier des Nationalzirkusses.
Kreative Ideen für ein neues Publikum
Zukünftig setzt das Unternehmen weiterhin auf die Darbietungen von international bekannten Akrobaten aus dem In- und „Usland“ (dt.: Ausland). Des Weiteren spielen die Dressuren mit Pferden schon traditionsgemäß eine wichtige Hauptrolle des Circus Knie. Die Elefanten wurden nun durch Ziegen ersetzt und ihr Erfolg beim Publikum gibt „dere Entscheidig“ (dt.: dieser Endscheidung) recht. Auch die jüngste Generation der Knies wird bereits in den laufenden Zirkusbetrieb eingearbeitet, so dass auch für die Zukunft der Erhalt des Zirkusses unter der Ägide der Knies weiterhin bestehen bleibt.
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Vokabular-Liste
|Schweizerdeutsch||Hochdeutsch|
|1||z zieh||zu ziehen|
|2||dört||dort|
|3||dr Zit||der Zeit|
|4||ufzbaue||aufzubauen|
|5||d Leitig||die Leitung|
|6||ä finanziells Risiko||ein finanzielles Risiko|
|7||in dr moderne Zit||in der modernen Zeit|
|8||hüt||heute|
|9||Usland||Ausland|
|10||dere Entscheidig||dieser Entscheidung|