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Der Name „Perlmutt“ ist entstanden durch die wörtliche Übersetzung des mittellateinischen „mater perlarum“ d.h. Mutter der Perlen. Der Begriff bezog sich ursprünglich auf die perlbildenden Muschelarten, wurde später auf die Muschelschale und schließlich auf das Material, aus dem das Innere der Schalen besteht, bezogen. Die erste Übersetzung im Spätmittelhochdeutschen hieß „berlinmuoter“. Hieraus entstand „Perlmutter“ und „Perlmutt“. Perlmutter ist die Grundsubstanz, die Austern und Muscheln absondern, um die Innenseite ihrer Schalen zu bilden.
Haliotis / Seeohren / Irismuschel / Meerohr / oder Meerschnecke genannt, sind große Meerschnecken aus der Familie der Haliotidae, die in fast allen warmen Meeren (außer im Westatlantik) vorkommen. Teilweise auch in gemäßigten Zonen wie im englischen Kanal. Sie gehören zu den Fasschnecken, haben die Form einer Ohrmuschel und besitzen eine perlmuttreiche irisierende Schale, die einer Muschel ähnelt. Meerschneckengehäuse bestehen zu über 90 % aus phosphorsaurem Kalk, der Rest aus Konchyolin und Wasser. Kalk und Konchyolin zusammen nennt man Perlmuttersubstanz. Konchyolin ist eine gallertartige organische Absonderung der Meerschnecke. Die Stelle, an denen das Tier an der Schale festgewachsen ist (Fachbegriff: MUTTERFLECK) zeigt besonders ausgeprägte Oberflächenstrukturen und Farben. Im Handel unterscheidet man je nach vorherrschendem Farbton vier Haliotisqualitäten. In den USA und Australien wird die Schnecke „Abalone“, in Neuseeland „Paua“ und in Japan“ Awabi“ genannt. Bei uns ist der gebräuchlichste Name „Haliotis“.
Weltweit gibt es über 100 Arten Haliotis. Die Haliotis gigantea bildet als einzige Schneckenart bizarr geformte Perlen aus, die blau, grün, grau oder bronzefarben schimmern.
Im Meeresfrüchte-Paradies Japan ist das Fleisch der Haliotis (die dort fälschlicherweise als Muscheln angesehen werden) ein beliebter Genuss. Das Fleisch, welches zu den teuersten Meeresdelikatessen der Welt gilt, wird u.a in verschiedenen Farmen kultiviert und vor allem als Sashimi (roh) verzehrt.
Aufgrund der hohen Preise die vor allem in Japan für das Fleisch bezahlt werden und das Sammeln der in der Natur vorkommenden Schnecken daher äusserst lukrativ ist, sind einige Sorten mehr oder weniger aus den Meeren verschwunden und daher teilweise geschützt. Heute werden einige Arten in riesigen Farmen kultiviert. Es dauert jedoch Jahre bis eine Haliotis „reif“ ist und das Fleisch verkauft werden kann. Die Angaben zum Alter bzw. zum Wachstum der Schnecken varieren sehr stark. Man kann jedoch von 12 bis 15 Jahren ausgehen, bis eine Haliotis die Grösse von ca. 200mm erreicht hat.
Die nur vor der Küste von Kalifornien vorkommende weiße Abalone-Seeschnecke könnte durch Überfischung ausgerottet werden! Deshalb setzte die kalifornische Regierung jetzt die wegen ihres Fleisches und der in kräftigen Farben schimmernden Perlmutterschalen sehr beliebten, bis zu 25cm großen Mollusken (Haliotis sorenseni), auf die Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Die Nationale Fischereibehörde verweigerte dabei die Angabe der Lebensräume der letzten verbliebenen etwa 3000 Abalone-Exemplare, um zu verhindern, dass diese auch noch geplündert werden. Wissenschaftler des Abalone Restauration Consortium versuchen unterdessen fieberhaft, die normalerweise in Tiefen zwischen 20 und 60 Meter lebenden Seeohren nachzuzüchten. Kürzlich gelang es ihnen sechs Abalones zur Produktion von 6 Millionen befruchteten Eiern zu bewegen. So hofft man eines Tages in der Lage zu sein, etwa 10 000 kleine Seeschnecken jährlich auszuwildern.
Die wohl am meisten vorkommende und verwendete Perlmuschelart, ist die im “Volksmund” genannte Makassar-Muschel oder auch M.O.P, (Mother of Pearl – Mutter der Perlen) genannt. Der lateinische Name aller Perlmuscheln ist „Pinctada“. Sie kommen in den tropischen Meeren bei Australien, den Phillipinen und den Südseeinseln vor. Nachfolgend die drei meistverwendeten Pinctadas.
Die grösste Muschel dieser Art, die für uns die dicksten Perlmutterschalen hervorbringt, kann einen Durchmesser von bis zu 25 cm und mehr erreichen. Ihr Name ist „Pinctada maxima“ (Silberlippenmuschel) und sie stammt aus dem nördlichen Australien. Ihre Innenseite strahlt einen zartseidenen Perlmutterglanz aus. Wenn man die Schalen nicht ganz bis zum “weißen” Perlmutt reinigt (abschleift), so zeigt sie einen gelblichen, bräunlichen bis auch teilweise grünlichen Glanz.
Die Schwarzlippenmuscheln stammen aus Tahiti (Südsee). Sie sind ungleich schwarz und weiß. Ihre einmalige Farbe ist der grauen bis tiefschwarzen Perlmuttsubstanz, die die Perlenauster absondert, zuzuschreiben.
Die Goldlippenmuschel stammt aus der Sulu See (westl. der Philippinen) und wird auch Manila-Perlmutt genannt.
Woher kommt der Farbeffekt?
Woher kommt der faszinierende, irisierende Glanz (Farbeffekt) von Perlmutter?
Glanz ist nicht gleich Glanz. Das Auge unterscheidet die feinsten Nuancen, von Schimmern bis zu Funkeln und Glitzern. Der weiche, sanfte, scheinbar dreidimensional aus der Tiefe kommende Glanz von Perlmutter fasziniert die Menschen seit jeher. Hierbei handelt es sich um optische Phänomene. Aber wie kommen sie zustande?
Bei auftretenden Lichtstrahlen wirken die Calciumcarbonatschichten wie dünne, transparente Spiegel. Sie reflektieren einen Teil des Lichtes und lassen einen Großteil passieren. Nach dem Durchdringen der ebenfalls transparenten Proteinschicht trifft der Lichtstrahl auf die Oberfläche der zweiten Calciumcarbonatschicht und der geschilderte Vorgang beginnt von neuem. So entsteht nach vielen Reflektionen der charakteristische Glanz von Perlmutter. Auffallend ist auch ein Schillern in allen Farben des Regenbogens. Würde man Perlmutter zerlegen und analysieren, würde man aber erstaunlicherweise keine Farbpigmente oder Farbstoffe finden.
Das schillernde Farbenspiel entsteht allein durch Interferenz von Lichtstrahlen. Vereinfacht ausgedrückt kann man Interferenz als eine selektive Reflexion bezeichnen. Sie tritt an einer transparenten, dünnen Schicht auf. Auf Interferenzeffekten beruht nicht nur das Schillern von Perlmutter, sondern auch das irisierende Farbenspiel von Vogelfedern und Schmetterlingsflügeln.
Gewusst?
Aufbau: Perlmutt, Perlmutter besteht im lebenden Organismus aus drei Schichten.
1. Cuticula
Die äußere (der Schale zugewandte) Schicht, die Cuticula, besteht aus Conchyolin, einer organischen Verbindung, die mit dem Dentin in Elfenbein sowie dem Keratin in Schildpatt verwandt ist. Die Cuticula, auch Periostracum genannt, ist gewöhnlich braun, grün oder schwarz.
2. Ostracum
Die mittlere Schicht, auch Prismenschicht genannt, besteht aus prismenförmigen Calciumcarbonat-Kristallen von ca. 0,001 mm Dicke, die in einen organischen “Mörtel” eingebettet sind.
3. Hypostracum
Die innere, der Molluske zugewandte Schicht, ist das “eigentliche” Perlmutt. Sie besteht zu 95 % aus rhombischen Calciumcarbonat-Kristallen von ca. 0,0006 mm Dicke und 0,01 mm Durchmesser. Diese Kristalle sind ebenfalls in ein organisches Gemisch aus Proteinen und Chitin eingebettet, was die mechanische Stabilität der Schicht gegenüber “reinen” Calciumcarbonat-Kristallen um das etwa 3000fache erhöht. Dieser organische “Mörtel” umgibt die Kristalle mit einer elastischen Hülle und verhindert die Ausbreitung von Rissen im Material. Die Proteine, von denen bislang neun bekannt sind, steuern die Bildung der Kristallplättchen, da Calciumcarbonat normalerweise nur nadelförmig kristallisiert