Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03233.jsonl.gz/1983

Die Schweizer Software-Industrie profitierte von der guten Konjunktur und zeigt eindrückliches Wachstum, wie die zweite Ausgabe des "Swiss Software Industry Index" zeigt. Doch der Weg ins Ausland ist steinig.
Der Schweizer Software-Industrie geht es gut - sehr gut. Dies zeigt die zweite Ausgabe des "Swiss Software Industry Index" (SSII), der heute veröffentlicht wurde. Im Schnitt wuchs der Umsatz der Schweizer Firmen, die Software herstellen (nicht nur importieren) im ersten Halbjahr um acht Prozent. Das ist mehr als "nicht schlecht", wuchs die Schweizer Wirtschaft gesamthaft doch wesentlich langsamer. So legte das Bruttoinlandprodukt im 2. Quartal 2010 im Vergleich zum ersten Quartal nur um 0,9 Prozent zu.
Offenbar profitieren Hersteller von Standard-Software (wie etwa Abacus, Opacc oder Avaloq) mehr vom Aufschwung als solche von Individuallösungen (wie etwa Ergon, Netcetera oder Zühlke). Erstere konnten den Umsatz im ersten HJ 2010 um 9,1 Prozent steigern, letztere legten immerhin um 6,7 Prozent zu. Ähnlich entwickelte sich auch der Gewinn auf Stufe EBIT. Standardsoftware-Hersteller profitierten mit einem Plus von 6,9 Prozent mehr vom Aufschwung also Individual-Software-Hersteller (+ 3,5 Prozent).
Es leuchtet ein, dass die Hersteller von "Produkten" rascher von einer grösseren Investitionsfreudigkeit profitieren, als solche von Individualsoftware, die eher Dienstleistern ähneln. Denn Entscheide für Standardsoftware werden wohl rascher gefällt und die Investitionen getätigt als Projekte für Individual-Software lanciert und die entsprechenden Zahlungen ausgelöst. Unsere These wird auch durch die Anzahl von "Leads" (konkrete Verkaufs-Chancen) bestätigt. Die "Pipeline" füllte sich bei den Herstellern von Standardprodukten um 9,8 Prozent, bei den Individualherstellern "nur" um sechs Prozent.
"Grosse" sind produktiver
Interessant ist die Auswertung der Angaben nach dem Umsatz pro Mitarbeiter. Offensichtlich sind produktivere Anbieter (gemessen am Umsatz pro Mitarbeiter) im Schnitt grösser als weniger produktive. Ausserdem gehören sie eher zu den Herstellern von branchenspezifischer Software.
Der Trend zu grösseren Firmen in der Software-Branche scheint anzuhalten. So wuchs die Belegschaft bei knapp der Hälfte der befragten Unternehmen und zwar im Schnitt um gut fünf Prozent. Die Befürchtung, dass es in Zukunft (wie schon heute) zu wenig hochqualifizierte Sofware-EntwicklerInnen in der Schweiz geben wird, ist wie schon bei der letzten Umfrage vor einem halben Jahr akut. Total 77 Prozent der Schweizer Softwarefirmen sagen, es gebe heute einen "Mangel" oder sogar einen "Grossen Mangel" an ProgrammiererInnen. Auch noch in zehn Jahren, so befürchtet immerhin ein Viertel der befragten Firmen, wird weiterhin ein "grosser Mangel" an guten ProgrammiererInnen herrschen. Dies dürfte einige (weitere) Hersteller dazu motivieren, ausserhalb der Schweiz zu expandieren oder vermehrt mit externen Entwicklern zusammenzuarbeiten.
Schwierige Expansion ins Ausland
Ganz im Gegensatz zu anderen Hightech-Branchen, in denen sich Schweizer Firmen äusserst erfolgreich im Weltmarkt bewegen, ist die Schweizer Software-Industrie im Ausland noch wenig präsent (inexistent, wie manche glauben, ist sie wiederum auch nicht). Immerhin 73 Prozent der Individualsoftware-Hersteller verkaufen auch im Ausland und gut die Hälfte (58 Prozent) der Standard-Hersteller. Der Umsatzanteil ist aber - im Vergleich zu anderen Hightech-Branchen - mit total 12 Prozent relativ gering.
Der Sprung ins Ausland ist offenbar ausgesprochen schwierig. Nur gut ein Drittel der Umfrageteilnehmer (37Prozent) nennt seine Internationalisierungs-Strategie schlicht "erfolgreich" (siehe Grafik).
Weniger als die Hälfte der Firmen, die ihre Internationalisierungsstrategie als erfolgreich bezeichnen, waren dies auf Anhieb. Genau gleich viele, nämlich 41 Prozent sagten, der Erfolg im Ausland sei "nach Startschwierigkeiten" eingetreten. Für 17Prozent der Befragten trat das Glück im Ausland sogar erst nach "nach mehreren erfolglosen Versuchen" ein. Der Weg ins Ausland ist offenbar ein steiniger. (Christoph Hugenschmidt)
Über den Swiss Software Industry Index
Der Swiss Software Industry Index wurde vom Berner Beratungsunternehmen sieber&partners gemeinsam mit der Redaktion von inside-it.ch / inside-channels.ch lanciert. Er beruht auf einer ausführlichen Webumfrage unter immerhin 122 Schweizer Unternehmen im Juli 2010. Da die Teilnahme an der Umfrage, die vom Branchenverband simsa und von swiss made software untestützt wird, freiwillig ist, könnten die Antworten im Schnitt etwas zu optimistisch ausgefallen sein. Grund: Firmen, denen es nicht gut geht, scheuen es eher, Geschäftsdaten anzugeben.
In der ausführlichen Auswertung der Umfrage finden sich eine Vielzahl von interessanten Aussagen, so zur Entwicklung der Offertvolumen und des Auftragsbestands, der Entwicklung des EBITs pro Mitarbeitenden oder zur Strategie bei der zukünftigen Internationalisierung der Schweizer Software-Unternehmen.
Ausserdem versuchten wir eine recht ausführliche Analyse des "Fitnessstandes", die ein Unternehmen für die Umsetzbarkeit der Internationalisierung brauchen. Teilnehmer an der Umfrage erhalten die 46-seitige Umfrage kostenlos. Alle anderen können diese für 297 Franken online beziehen.
Wer künftig an der Umfrage teilnehmen möchte, kann dies mit einem Mail (c.hugenschmidt(at)inside-it.ch) mitteilen.