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Einige Fakten über Botsuana
Warten auf den Unterrichtsbeginn (Foto: M. Morosini)
Botsuana ist ein Binnenstaat und liegt im südlichen Afrika. Das Land grenzt im Süden und Südosten an Südafrika, im Westen und Norden an Namibia sowie im Nordosten an Simbabwe. Die Kalahari-Wüste bedeckt einen Großteil der Gesamtfläche Botsuanas. Fast vierzig Jahre einer ununterbrochenen Mehrparteiendemokratie, ein stetig steigendes BIP sowie moderne sozialpolitische Maßnahmen haben Botsuana zu einem Vorbild für viele andere afrikanische Staaten gemacht.
Das Land ist besonders für seine gute Regierungsführung (Good Governance) und seine wohldurchdachte Steuerpolitik bekannt. Mit einem jährlichen Wirtschaftswachstum von zirka 7 Prozent zählt Botsuana derzeit zu den Ländern, die weltweit das größte Wirtschaftswachstum aufweisen.
Die wichtige wirtschaftliche Ressource des Landes stellen Diamanten dar; Botsuana ist eine der führenden Exportnationen von Diamanten. Dennoch hat das Land Anstrengungen unternommen, um seine wirtschaftliche Abhängigkeit von Diamanten zu reduzieren. Die Exporte sowie der Dienstleistungssektor erwirtschaften circa 30 Prozent des nationalen BIP.
Die Bewohner von Botsuana werden "Batswana" genannt; die Bevölkerung setzt sich aus circa 20 verschiedenen Ethnien zusammen. Die "Setswana" stellen die größte Bevölkerungsgruppe dar. Derzeit beträgt die Gesamtbevölkerung Botsuanas circa 2 Millionen. Die Hauptstadt Gaborone liegt im südöstlichen Teil des Landes.
Trotz Wirtschaftswachstum sind Armut und Ungleichheit nach wie vor weit verbreitet
Botsuana hat im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten eine recht breite Mittelschicht. Mit 8,9 Prozent des BIP gibt die botsuanische Regierung mehr für das Bildungssystem als die meisten anderen Länder in der Region aus. Das BIP ist in den letzten zwei Jahrzehnten stetig gewachsen. Nur wenige Jahrzehnte nach seiner Unabhängigkeit hat das Land den Aufstieg aus der Gruppe der weniger entwickelten Länder (LDCs) zu einem Land mit einem mittleren Einkommensniveau geschafft.
Trotz des beeindruckenden gesamtwirtschaftlichen Wachstums sind die Armutsquoten und die Ungleichheit bei der Einkommensverteilung immer noch hoch. 23 Prozent der Bevölkerung Botsuanas kämpfen mit weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag ums Überleben. Die Unterernährung steht ebenfalls im Widerspruch zum wirtschaftlichen Aufschwung des Landes; 26 Prozent der Bevölkerung Botsuanas kämpfen täglich darum, ihren Mindestbedarf an Kalorien zu decken. Die Versorgung mit ordentlichen sanitären Einrichtungen ist in den Städten allgemein recht gut, aber in einigen ländlichen Regionen des Landes ist sanitäre Ausstattung nach wie vor prekär.
Die HIV/AIDS-Pandemie stellt in Botsuana das Hauptproblem des Gesundheitssystems dar. Mit 24,8 Prozent hat das Land eine der weltweit höchsten HIV/AIDS-Infektionsraten. Abgesehen vom großen menschlichen Leid, das AIDS verursacht, hat die Krankheit auch beträchtliche Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes. HIV/AIDS trifft meist Erwachsene auf dem Höhepunkt ihres erwerbstätigen Lebens.
Aufgrund der steigenden Sterblichkeitsrate und chronischen Krankheiten nimmt die Erwerbsbevölkerung in Botsuana stetig ab, was wiederum ganze Haushalte und Familien in Mitleidenschaft zieht. Aufgrund von HIV ist die Lebenserwartung bei der Geburt in Botsuana sowie den meisten afrikanischen Staaten südlich der Sahara merklich zurückgegangen.
Dennoch hat das Land Fortschritte zu verzeichnen - das Präventionsprogramm gegen die Mutter-Kind-Ansteckung in Botsuana (PMCT) wird als erfolgreichstes Programm seiner Art in ganz Afrika bezeichnet. 96% aller Säuglinge, die bisher im Rahmen dieses Programms geboren wurden, sind HIV-negativ, und Botsuana ist das erste Land, das fast 80 Prozent seiner Bevölkerung mit solch einem Programm erreicht hat. Die Regierung zeigt im Kampf gegen HIV ein hohes Maß an Entschlossenheit. Die HIV-Behandlungsmethoden sind in Botsuana hochentwickelt, und antiretrovirale Medikamente sind ausreichend vorhanden.
Die Lage der Kinder in Botsuana
SOS-Familienstärkungsprogramm (Foto: M. Morosini)
Nach Schätzungen von UNICEF leben in Botsuana circa 130 000 Waisenkinder. Darunter sind 93 000, die ihre Eltern an AIDS verloren haben. Die HIV/AIDS-Pandemie ist damit der Hauptgrund dafür, dass Kinder in Botsuana ohne elterliche Fürsorge aufwachsen müssen. Wenn die Eltern krank werden, übernehmen die Kinder automatisch mehr Verantwortung innerhalb der Familie. Wenn die Eltern sterben, müssen viele von ihnen die Haushaltsführung übernehmen.
Von Kindern geführte Haushalte sind sozioökonomisch gesehen besonders gefährdet. Die Kinder müssen oft arbeiten, um Geld zu verdienen, wodurch es für viele von ihnen fast unmöglich wird, eine Schule zu besuchen - und das ist nur eine weitere spürbare Auswirkung der Krankheit. Für viele Waisenkinder, die ihre Eltern an AIDS verloren haben, ist es sehr schwer, die Schulgebühren und andere mit dem Schulbesuch verbundene Kosten aufzubringen.
Hier beginnt ein Teufelskreis - Bildung ist ein Schlüsselfaktor zur Eindämmung der grassierenden Ausbreitung von HIV. Ohne Bildung laufen junge Erwachsene eine größere Gefahr, sich mit HIV zu infizieren, da sie nicht wissen, wie sie eine Ansteckung überhaupt vermeiden können. In Botsuana sind 16 000 Kinder zwischen 0 und 14 Jahren mit HIV infiziert. Aufgrund des starken sozialen Stigmas und vorherrschender Vorurteile ist es für junge Menschen in Botsuana manchmal sehr schwierig, mit ihrem Status als HIV-Infizierte zurechtzukommen.
Dennoch gibt es auf dem Gebiet der öffentlichen Gesundheitsfürsorge große Fortschritte zu verzeichnen; sowohl die Säuglingssterblichkeitsrate als auch die Kindersterblichkeitsrate unter fünf Jahren sind in den vergangenen 12 Jahren deutlich gesunken. Die Sterblichkeitsrate der Kinder unter fünf Jahren ist im Zeitraum von 2003 bis 2011 von 89 Fällen aus 1000 Lebendgeburten um mehr als die Hälfte auf 40 Fälle zurückgegangen.
SOS-Kinderdorf in Botsuana
Aufgrund der hohen Zahl der AIDS-Waisen in Botsuana ist die Arbeit unserer Organisation von besonderer Bedeutung. Seit dem Jahr 2008 unterhält SOS-Kinderdorf ein SOS-Familienstärkungsprogramm, um Familien dabei zu helfen, ihre Kinder zu beschützen und für sie zu sorgen. Unsere erklärten Ziele sind die Stärkung familiärer Bindungen und vom Verlust der elterlichen Fürsorge bedrohten Kindern das Aufwachsen in einer liebevollen familiären Umgebung zu ermöglichen.
Zurzeit gibt es in Botsuana drei SOS-Kinderdörfer, an die Kindertagesstätten, Bildungseinrichtungen und medizinische Zentren angegliedert sind. Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder nicht länger bei ihren Familien bleiben können, finden liebevolle Aufnahme in einer familiennahen Umgebung, der SOS-Kinderdorf-Familie.
Website von SOS-Kinderdorf Botsuana
(verfügbar auf Englisch)