Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03411.jsonl.gz/2740

Katzenliebhaberin mit Mordgedanken
Bekannt ist Patricia Highsmith für ihre psychologisch raffinierten Kriminalromane wie «Der talentierte Mr. Ripley». Doch ihr schöpferisches Talent beschränkte sich nicht aufs Schreiben. Die gebürtige Texanerin, Tochter einer Modezeichnerin und eines Werbegrafikers, hatte als junge Frau mit dem Gedanken gespielt, Malerin zu werden.
Nach dem schriftstellerischen Durchbruch mit ihrem ersten Roman, «Zwei Fremde im Zug», wehrte sie sich jedoch dagegen, dass ihre Bilder in Ausstellungen oder Büchern der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Mit einer Ausnahme: 1958 erschien das Kinderbuch «Miranda the Panda is on the Veranda», zu welchem sie die Illustration beigesteuert hatte.
|Erst nach ihrem Tod durften die Zeichnungen von

Patricia Highsmith veröffentlicht werden.
Bild: zVg/Diogenes
Bilder von Schnecken und Katzen
Erst kurz vor ihrem Tod erteilte sie dem Verleger Daniel Keel die Erlaubnis, ihre Zeichnungen posthum zu veröffentlichen. Am 4. Februar 1995 ist Highsmith im Alter von 74 Jahren in Locarno gestorben, im Herbst desselben Jahres erschien «Zeichnungen» im Diogenes-Verlag. Der Band enthält Federzeichnungen und Aquarelle von Landschaften und Städten, aber auch Porträts von Freunden und Bilder von Katzen und Schnecken.
Mit Katzen vertrug sich Highsmith oft besser als mit Menschen. In der absoluten Ruhe, die sie für das Schreiben suchte, waren Katzen die einzige Gesellschaft, die sie ertrug. Und in einem Interview, das 1976 in der «Weltwoche» erschienen war, sagte sie: «Wenn ich in einer Strasse eine hungernde Katze und ein hungerndes Kind anträfe, ich würde, wäre ich unbeobachtet, die Katze füttern.» Bis zu sechs Katzen, meist Siamesen, sollen zeitweilig bei der Schriftstellerin gelebt haben.
Mörderische Tiergeschichten
Daneben widmete sie sich leidenschaftlich der Gartenarbeit und zeigte dabei eine Vorliebe für genau jene Tiere, die Gärtnern üblicherweise ein Graus sind: Schnecken. An einer Cocktailparty erzählte sie einst, in ihrer Tasche einen Salatkopf und etwa hundert Schnecken dabei zu haben. Wie es sich für eine Krimiautorin gehört, ergründete sie auch die Abgründe der Tiere: In der Erzählung «Der Schneckenforscher» wird es dem Protagonisten zum tödlichen Verhängnis, dass er sich während einiger Wochen nicht um seine Tierchen gekümmert hatte.
Eine ganze Reihe düsterer Tiergeschichten sind im Band «Kleine Mordgeschichten für Tierfreunde» versammelt. Ob Katze, Affe oder Pferd, eins ist den vierbeinigen Protagonisten gemeinsam: Sie rächen sich an den Zweibeinern, von denen sie gequält oder ausgenutzt wurden. Doch wie in den berühmten Ripley-Romanen schafft es Patricia Highsmith auch hier, die Mörder – in diesem Fall die Tiere – so einfühlsam zu beschreiben, dass sie die Sympathien der Leser auf ihrer Seite haben. Diese Mordgeschichten sind eben nicht nur für Tierfreunde, sondern auch von einer Tierfreundin geschrieben.
|Patrica Highsmith mit Katze auf dem Cover einer zum

zwanzigsten Todestag erschienenen neuen Biografie.
Bild: zVg/Diogenes