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1974
Hörsaal-Verweigerung
... durch den Rektor der Uni Bern
Die Uni-Gruppe der HAB beschloss im Dezember 1974, den Praunheim-Film an der Universität Bern zu zeigen, um damit eine breitere und nicht nur studentische Öffentlichkeit zu erreichen und die Diskussion über Homosexuelle und ihre Lage an zwei Abenden über die Kreise der Betroffenen hinausführen zu können. So stellte Pius Köppel im Namen der Uni-Gruppe am 16. Dezember 1974 ein Gesuch um Benützung eines Hörsaals in der zweiten Hälfte des Wintersemesters für zwei öffentliche Informationsveranstaltungen zum Thema "Homosexualität - Sexualität - Gesellschaft". Das Gesuch ging ordnungsgemäss an den Rektor, Dr. med. Silvio Weidmann, Prof. der Medizin, und die Antwort kam schon am nächsten Tag:
"Ich bewillige Ihnen einen Hörsaal, muss diesen Entscheid aber an gewisse Auflagen knüpfen:
- Der Ausdruck 'gemischter Anlass' muss sich so verstehen, dass zwar neben den Angehörigen der Arbeitsgruppe Universität auch Angehörige anderer homosexueller Gruppen teilnehmen dürfen, nicht aber eine weitere Öffentlichkeit.
- Es dürfen keine Reklamen in irgendwelcher Art auf diese Anlässe hinweisen.
- Die Presse ist nicht auf die Anlässe aufmerksam zu machen und aus dem Kreis der Zuhörer sind keine Pressemeldungen zu erlassen."
Die Begründung war, dass er alles daran setze, nicht
"aus der Öffentlichkeit missbilligende Äusserungen vernehmen zu müssen".
Für die Uni-Gruppe antwortete nun lic. iur. Urs-D. Büttikofer am 20. Dezember und forderte eine nochmalige Überprüfung des Entscheides mit dem Hinweis auf die unproblematisch verlaufene erfolgreiche Vortragsreihe an der Universität Zürich im Winter 1972/73 und mit der Feststellung, "dass Sie uns als Sonderfall behandeln", was weder dem Reglement über die Benützung von Hörsälen entspreche noch dem Vergleich mit anderen studentischen Gruppen bei ihren Veranstaltungen standhalte. Der Rektor lehnte in seinem Brief vom 21. Dezember eine Überprüfung des Entscheides ab. Begründung unter anderem:
"Als Mediziner bin ich mir dessen voll bewusst, dass Ihre Gruppen den vollen Anspruch auf Legitimität haben. Ebenfalls als Mediziner halte ich es indessen für nicht angezeigt, dass die Werbung für Ihre Gruppen durch Grossanlässe (Raum 31 ist immerhin das Auditorium Maximum) und unter Verwendung von Publikumsreklame geschieht. Wer immer sich in Ihre Richtung gezogen fühlt, wird den Anschluss früher oder später durch direkte menschliche Kontakte finden."
Ernst Ostertag, Oktober 2006