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Der Kirchberg bildet nordwärts die Grenze der beiden Gemeinden Brittnau und Strengelbach. Er war Weideland gewesen, bis es mit den Kühen gar zu viele Unfälle gab; seitdem hat man ihn wieder zu Wald werden lassen. Der nördliche Abhang senkt sich steil ab, er heißt Schloßrain; der westliche dagegen nur allmählich und ist auf der Höhe ganz eben. Auf dieser Ebene stand ein Schloß, von dem man hie und da noch einen Baustein finden kann; der Schloßherr war der überreiche Herr von Witenbach. Er war ein leidenschaftlicher Jäger; man nennt nach seinem Jagdreviere noch etliche Jucharten Bergwaldung „Witenbachs Stand." Hier läßt er sich in ganz grüner Kleidung sehen, ruft weidmännisch seinen Hunden und verschwindet dann hinter einer Tanne, die als Zielbaum am Schlage steht. Die Bannwarte haben ihn schon mehrfach angetroffen. Er ist Schuld, das man den Berg nicht mehr mit dem Weidevieh betreiben kann. Da wo sein Schloß gestanden, sind früherhin ungemein tiefe Gruben gewesen; man schrieb sie den zahlreichen Schatzgräbern zu, die hier ihr Glück versuchten. Besonders eines dieser Löcher reichte so tief, daß man es nicht zu Ende übersah; Steine, die man hinunterließ, brachten ein Getöse hervor, als ob sie gegen Eisentüren fielen. Hier hat sich früher ein goldner Wagen um Mittag gesonnet.
In der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts hofften ihn vier Männer gewinnen zu können, und um ja kein Geräusch zu machen, zogen sie die Schuhe aus und schlichen barfuß bergan. Der Wagen kam wirklich zum Vorschein und sogleich packten die Männer an und zogen. Allein er war von solcher Schwere, daß einer über der Anstrengung in einen Fluch ausbrach, und augenblicklich war alles verschwunden. Dies geschah am südöstlichen Abhange, welcher Batten (Beatus-)berg heißt. Hier steht ein Bauernhaus, das nach dem Glauben der Leute an seiner Scheune deswegen kein Scheunentor haben kann, weil der Herr von Witenbach in jeder Mitternacht in goldener Kutsche mit vier schneeweißen Schimmeln hindurchfährt. Am Fuße des Battenberges hat man beim Graben einer Brunnenleitung Anhäufungen von Gebeinen gefunden, auch ist dort ein Landstück von Jucharten, das den eigentümlichen Namen Chelenmätteli führt, d. h. Kirchenmatte. Dies Grundstück soll zu der Kirche gehört haben, die auf der Spitze des Berges stand und ihm seinen Namen gegeben hat.
(Emil Wälchli v. Brittnau.)
Sage aus Brittnau - Strengelbach
Band 3.1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Naturmythen, Neue Schweizer Sagen, Leipzig 1962, S. 73-74
Notiz: Zu Beginn den grössten Teil des ersten Absatzes entfernt, da dies nichts mit den Örtlichkeiten der Geschichte zu tun hat.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.