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Futtergräser
Die Pflanzenfamilie der Poaceae (früher Gramineae) gehört mit etwas über 9000 Arten zu den grössten des ganzen Pflanzenreichs. Sie ist zugleich eine der wichtigsten Familien für den Menschen, denn alle unsere Getreidearten (Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Hirse, Mais und Reis) sowie die wichtigsten Futterpflanzen gehören hierher.
Die Gräser sind über die ganze Erde verbreitet; sie wachsen in den höchsten Alpen, in den kältesten Regionen sowie in den heissesten Gegenden der Tropen. Sie bedecken oft große Flächen: Tropische Savannen, Steppen der trockenen oder kalten kontinentalen Gebiete, aber auch unsere Wiesen und Weiden werden von Gräsern beherrscht.
Futtergräser werden in der Schweiz in Klee-Gras Mischungen angebaut
Die große Mehrzahl der Gräser sind krautartige einjährige, zweijährige oder ausdauernde Pflanzen. Die ausdauernden Arten besitzen in der Regel Rhizome, die kriechend im Boden fortwachsen. Aus den Rhizomen spriessen neue Wurzeln sowie zahlreiche Halme und bilden so dichte Rasen (Rasengräser). Andere Arten haben nur kurze Rhizome und wachsen daher eher horstartig (Horstgräser).
Die Rasengräser bilden viele Kriechtriebe (oberirdisch: Stolone; unterirdisch: Rhizome). Zusammen mit Pflanzen der eigenen Art (oft auch mit fremden, ähnlich wachsenden Arten) entsteht eine dichte, stabile Pflanzendecke. Die Rasengräser sind intolerant gegenüber andersartigen Pflanzenarten und sind sehr konkurrenzfähig. Sie breiten sich vorwiegend vegetativ aus, sind „unbegrenzt langlebig, eignen sich zum Eingrasen, Silieren und Beweiden. Sie werden von Mäusen kaum geschädigt.
Beispiele: Wiesenrispe, im Frühling beweidetes Englisches Raigras oder Rotschwingel
Horstgräser bestocken sich enorm und bilden kräftige Spross- und Wurzelbüschel. Sie wehren sich gegen alle Nachbarn der eigenen und fremden Art mit ähnlicher Wuchsform. Sie sind jedoch tolerant gegenüber andersartigen Pflanzen: Sie ermöglichen Koexistenz.
Horstgräser sind auf generative Erneuerung angewiesen, denn der Horst lebt nur 2-4 Jahre. Es sind klassische Heuwiesengräser.
Beispiel: Knaulgras, Italienisches Raigras
Der Blütenstand der Gräser ist je nach Art verschieden. Die Blüte der Gräser besteht aus einem Fruchtknoten (mit Narbe), drei Staubblättern und zwei Spelzen (Deckspelze und Vorspelze). Gewöhnlich bilden ein bis mehrere Blüten ein Ährchen. Am Grunde jedes Ährchens sitzen zwei Hüllspelzen. Mehrere Ährchen bilden die Blütenstände, die je nach Form als Ähren, Rispen oder Ährenrispen (Scheinähren) bezeichnet werden.
Einige Grasarten kommen in der Natur nur diploid vor: zum Beispiel alle Raigräser und der Wiesenschwingel (2n = 2 mal 7 Chromosomen). Mit einer Behandlung der keimenden Samen mit Cholchizin (einem Mitosegift) kann der Chromosomensatz verdoppelt werden (4n = 4 mal 7 Chromosomen). Die so entstandenen tetraploiden Gräser wachsen üppiger und sind oft besser verdaulich. Tetraploide Raigräser bilden lockere Horste, haben breitere Blätter und grössere Ährchen, die Ähre ist zudem länger, und die Anzahl Ährchen pro cm ist kleiner.