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Prionen sind Glykoproteine. Dies sind Proteine, welche eine Zuckergruppe gebunden haben und in Menschen und Tieren vorkommen. Durch strukturelle Veränderungen können aus zelleigenen Prionen krankheitsauslösende Prionen entstehen, welche für sogenannte «übertragbare spongiforme Enzephalopathien» wie BSE oder die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) verantwortlich sind. Bei diesen Krankheiten wird das Gehirn so beschädigt, dass es eine schwammähnliche Form annimmt. Das Prion-Protein (PrPC) ist Bestandteil unserer Zellmembran und eines der häufigsten Prionen in unserem Körper. Durch eine Protein-Protein-Interaktion verwandelt sich das ursprüngliche PrPC in die pathogene Form PrPSc. Diese Form bildet grosse Molekülverbände, welche sich im Gehirn ablagern und Nervenzellen zerstören. PrPSc ist hochinfektiös, wohingegen die ursprüngliche Form, PrPC, keine toxische Wirkung hat. Diese wichtigen Ergebnisse publizierte Prof. Adriano Aguzzi zusammen mit Prof. em. Charles Weissmann vor vielen Jahren. «Die Anhäufung von verformten Proteinen spielt auch bei Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson eine entscheidende Rolle», erklärt Prof. Aguzzi, «unsere Forschung liefert daher auch interessante Ansätze für die Prävention, Diagnose oder Therapie dieser Krankheiten.»
Wie genau die Molekülverbände jedoch die Nervenzellen zerstören, war lange Zeit unklar. Ende 2013 publizierten Prof. Aguzzi und sein Team dann den biologischen Mechanismus: Binden am Kopf des Prions bestimmte Antikörper, wird ein Schalter betätigt, welcher den Prionen-Schwanz dazu bringt, Zellgifte auszubilden, welche dann Nervenzellen zerstören. «Dank diesem Mechanismus haben wir nun ein Werkzeug in der Hand, um Wirkstoffe gegen die Bildung grosser Molekülverbände zu testen oder in Zellkulturen den Verlauf von Prionenerkrankungen zu analysieren», meint Prof. Aguzzi.
Neben der oben beschriebenen spontanen Veränderung körpereigener Prionen wird die pathogene Form PrPSc auch über die Nahrung aufgenommen. «Wir konnten zeigen, dass die pathologischen Moleküle über den Darm und das Lymphsystem ins Gehirn gelangen», bestätigt Prof. Aguzzi. Zwischen einer Ansteckung und der tatsächlichen Krankheitsauslösung können jedoch Jahre vergehen. Oft wissen die Menschen nicht, dass sie betroffen sind, und vererben diese Eigenschaften weiter. Im Vereinigten Königreich ist heute etwa 1 von 2000 Menschen mit CJKinfiziert. «Daher sollte auch in Zukunft auf die Fütterung von Tiermehl verzichtet werden, denn dieses ist die grösste Quelle für pathogene Prionen», betont Prof. Aguzzi.
Seinen Erfolg verdankt Prof. Aguzzi zu einem grossen Teil seinem 25-köpfigen Team. Da die Hälfte seiner Forschungsgelder durch die EU finanziert wird (Horizon 2020), ist für ihn sowie für viele andere Forscher in der Schweiz eine offene Europapolitik essentiell. Mit der Aktion «Forschung in einer weltoffenen Schweiz» wurde daher eine Aktionsgruppe gegründet, um die Anliegen der Forscher in einem öffentlichen Diskurs einzubringen. «Uns ist es wichtig zu zeigen, wie international vernetzt wir sind und wie sehr wir auf einen weltweiten Austausch angewiesen sind», sagt Aguzzi.
Prof. Adriano Aguzzi wurde 1960 in Pavia, Italien, geboren. Nach seinem Studium der Medizin in Basel und Freiburg absolvierte er ein Postdoktorat am Institut für molekulare Pathologie in Wien. Im Jahr 1993 wurde er als Oberarzt und Privatdozent an die Universität Zürich berufen. Seit 1995 ist er Direktor des Schweizerischen Referenzzentrums für Prionenerkrankungen und seit 2004 Direktor des Neuropathologischen Instituts am Universitätsspital in Zürich. Im Jahr 2003 wurde Prof. Aguzzi für seine Forschungsleistung mit dem Robert-Koch-Preis, 2009 mit dem Antonio-Feltrinelli-Preis und 2013 zusammen mit Charles Weissmann mit dem Hartwig-Piepenbrock-DZNE-Preis ausgezeichnet.