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Er heisst wie ein berühmter Schweizer Fussballer und hat dieselben Wurzeln. Shpetim Xhemaili möchte in den Nationalrat stürmen. Ein Gespräch über das Dasein als Moslem in der CVP, Namensvetter Blerim und Autobahnen.
Sind Sie ein guter Fussballer?
Shpetim Xhemaili: Nein, warum fragen Sie?
Weil Sie den selben Nachnamen haben wie der berühmte Schweizer Nationalspieler Blerim Dzemaili, der sich allerdings anders schreibt.
Darauf werde ich oft angesprochen. Obwohl ich selber nicht gut Fussball spiele, interessiere ich mich dafür. Ich konnte, als Blerim noch für den FC Zürich spielte, nach einem Match gar einmal mit ihm sprechen. Unsere Familien in Albanien wohnen nicht weit voneinander entfernt. Übrigens habe ich mich früher auch mit «Dz» geschrieben, das kommt noch aus dem alten Jugoslawien.
Nervt der ständige Vergleich mit dem Star?
Nein, überhaupt nicht. Falls ich in den Nationalrat gewählt werde, ist es dann hoffentlich umgekehrt (lacht).
Sie sind Doppelbürger: Spielt die Schweiz gegen Albanien, für welche Mannschaft schlägt dann ihr Herz?
Bei einer solchen Konstellation werde ich zum neutralen Zuschauer und hoffe einfach auf ein schönes Spiel. Die Schweiz gab mir alles, hier durfte ich zur Schule, meine Ausbildungen machen. Aber ohne meine Wurzeln gäbe es mich nicht.
Was sagen Sie zur aktuellen Migrationsdebatte?
Die Schweiz muss die Integration von Ausländern fördern und nicht gegen das Fremde ankämpfen. Hetze macht schlicht keinen Sinn.
Was tun Sie konkret für die Integration von Ausländern?
Ich versuche die Doppelbürger zu motivieren, an die Wahlurnen zu gehen. Bei denjenigen, die noch keinen Schweizer Pass haben, probiere ich, ein grösseres Interesse für die Schweiz zu wecken. Durch Gespräche schaffe ich das immer wieder. Zudem stehe ich als Übersetzer zur Verfügung, helfe zum Beispiel bei der Steuererklärung.
Wie gefällt Ihnen die Art und Weise, wie aktuell der Wahlkampf in der Schweiz geführt wird? Stichwort Asylchaos?
Ich war an der Grenze zwischen Mazedonien und Serbien und habe gesehen, was Asylchaos bedeutet. Vor Ort bot sich mir ein sehr unschöner Anblick: Babys, alte Menschen – alle am Ende ihrer Kräfte. Im Gegensatz zu den Zuständen dort herrscht bei uns sicher kein Asylchaos. Die Schweiz darf aber nicht wegschauen und muss das Problem zusammen mit der EU bewältigen.
Welche Themen nebst Migration sind für Sie wichtig?
Das Verkehrsproblem, das kommt für mich noch vor der Migration. Unsere Verkehrsachsen sind täglich überlastet, dass muss sich ändern. Zum Beispiel mit dreispurigen Autobahnen auf der A1 und der A2. Auch der öffentliche Verkehr, das Schienennetz, müssen ausgebaut werden, um der ständig wachsenden Pendlerströme Herr zu werden.
Soll die Schweiz Mitglied der EU werden?
Nein, auf keinen Fall. Ich bin für den Bilateralen Weg, hier muss die Schweiz ihre Positionen stärken.
Und wie soll es mit der AHV weitergehen?
Das jetzige System ist das Richtige. Ich bin gegen eine Erhöhung des Rentenalters. Es muss auch in Zukunft möglich sein, dass die Jungen den Älteren eine Rente finanzieren.
Wie soll das gehen? Es gibt immer weniger Junge und die Älteren werden immer Älter.
Ich bin überzeugt, dass es einen Weg gibt. Den richtigen zu finden, ist eine der grossen Herausforderungen der nächsten Jahre.
Herausforderungen gibt es für die Schweiz mehrere. Welches ist denn für Sie nach dem Verkehrsnetz die momentan grösste?
Unser Schulsystem. Ich bin der Meinung, dass man in unseren Schulen an der Sekundarstufe I (7.-9. Schuljahr) ein separates und praxisnahes Fach ‹Politische Bildung› einführen sollte, um den Schülern das politische System und insbesondere die politischen Rechte näher bringen zu können.
Sie steigen als Moslem für die Junge CVP ins Rennen; der Partei, bei der das «C» für «Christlich» steht. Passt das zusammen?
Ja, das «C» steht für christliche Werte. Und wo findet man solche Werte? In der Bibel, in der jüdischen Tora und auch im Koran. Das «christlich» steht für mich ganz einfach für Menschlichkeit. Jeder darf glauben, was er will.
Warum haben Sie sich für CVP entschieden?
Weil sich die CVP für Familien einsetzt. Das möchte ich auch tun.
Weshalb sollte man Sie in den Nationalrat wählen?
Es braucht frischen Wind in unserem Parlament. Die Jugend fehlt. Dieses Loch möchte ich füllen.
Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?
Ich stehe an letzter Stelle der zweiten Liste der Jungen CVP des Kanton Solothurn. Dies, weil die Kandidaten bei der CVP in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt werden. Dennoch bin ich nicht chancenlos. Ich denke nicht, dass mein Name ein Hindernis sein wird.