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Hochgeachteter Herr!
Nachdem es letzthin den Anschein gewonnen hatte, als ob der Gotthard-Ausschuß Ihnen nicht so bald zumuthen müßte, die Reise nach Florenz anzutreten, befinde ich mich heute in der Lage, Sie zu bitten, sobald als möglich nach Italien zu gehen. Ich habe dieses Ansuchen vor einigen Stunden auf telegraphischem Wege an Sie gerichtet, beifügend, daß ein Brief von mir nachfolgen werde. Diesen Brief beehre ich mich nun vermittelst der gegenwärtigen Zeilen an Sie gelangen zu lassen.
Mein Ansuchen, daß Sie sich so bald als möglich nach Florenz begeben möchten, stützt sich auf die in Abschrift beiliegende Stelle eines Briefes, den Grattoni in den | letzten Tagen an Schultheiß Zingg gerichtet hat. Grattoni ist ein Mann, der ohne Zweifel wie wenig andere die in dem Italienischen Parlamente obwaltenden Situationen jeweilen richtig zu erfassen & gehörig zu beurtheilen vermag & darum lege ich dem Befunde Grattoni's ein ganz besonderes Gewicht bei. Es will mir also scheinen, daß, wenn Gr. mit besonderm Nachdrucke die Ansicht äußert, daß der Gotthard-Ausschuß ohne Verzug in Florenz repräsentirt sein sollte, wir eine große Verantwortlichkeit auf uns nehmen würden, wenn wir einem solchen Rathe taube Ohren entgegen setzten & ich müßte mich sehr täuschen, wenn Sie nicht in ähnlicher Weise urtheilen würden, habe ich Sie doch wiederholt mit der größten Anerkennung von Gr. sprechen hören!
Was die Generalversammlung der Berner Handelsbank anlangt, so begreife ich es ganz | gut, wenn die Herren Verwaltungsräthe großen Werth darauf setzen, daß Sie derselben beiwohnen. Hinwieder werden diese Herren aber auch einsehen, daß Sie in Florenz die wichtigsten Schweizerischen Interessen zu wahren berufen sind & daß Angesichts dessen alle andern Rücksichten in den Hintergrund treten müssen.
Indem ich hoffe, beförderlich von Ihnen die Nachricht zu erhalten, daß Sie ohne Verzug die Reise nach Italien antreten werden, versichere ich Sie inzwischen meiner vollkommenen Hochachtung.
Dr A Escher
Zürich
21 März 1871.