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ZUM TOD DES SCHWEIZER LITERATURVERLEGERS EGON AMMANN
11.08.2017 Der am 9. Oktober 1941 in Bern geborene Schweizer Literaturverleger Egon Ammann ist am 9. August 2017 in Berlin gestorben.
Bild: Das Verleger-Ehepaar Marie-Luise Flammersfeld und Egon Ammann. Im Hintergrund Plakate von Christian Lindow für die Frankfurter Buchmesse 1982. - Privatfotografie aus dem Ammann-Archiv. Copyright: Ammann Verlag, https://www.helveticarchives.ch/detail.aspx?id=578255
Großer Schweizer Verleger gestorben
Wie die S. Fischer Stiftung mitteilt, ist der Züricher Verleger Egon Ammann am 9. August im Alter von 75 Jahren in Berlin gestorben.
Am 9. Oktober 1941 in Bern geboren, studierte Ammann Altphilologie in Fribourg und Zürich, ohne sein Studium abzuschließen. Er absolvierte eine Lehre als Verlagsbuchhändler bei Francke, gründete 1966 den Kandelaber-Verlag, wo er Schriftsteller wie Felix Philipp Ingold und Adolf Muschg veröffentlichte. Nachdem der Verlag 1970 in Konkurs ging, arbeitete Ammann als Lektor im spanischen Literaturverlag Seix und seit 1975 als Lektor im Suhrkamp Verlag.
Mit seiner Frau Marie-Luise Flammersfeld gründete er 1981 den Ammann Verlag, der sich anfangs auf Schweizer Autoren konzentrierte. Vier Jahre später begann er, große Schriftsteller wie Fernando Pessoa, Ossip Mandelstam und Wole Soyinka neu übersetzen zu lassen. Da er den Verlag stets eng an seine Person gekoppelt sah, fand er ein Weiterbestehen ohne ihn als wenig sinnvoll und entschloss sich im August 2009 wegen seines fortgeschrittenen Alters, den Verlag zum 30. Juni 2010 zu schließen.
Im Laufe der Zeit verlegte Ammann ein bedeutendes literarisches Programm mit Schweizer Autoren wie Urs Allemann, Urs Jaeggi, Marcel Konrad, Helen Meier oder Arthur Steiner. Dabei gelangen ihm immer wieder seltene Entdeckungen wie die Fernando Pessoas oder des Nobelpreisträgers Wolé Soyinka. Außerdem verlegte er große Werkeditionen von Pessoa, Ossip Mandelstam und Ralph Ellison.
Ammann hat in seiner "Dienstzeit" in Zürich ein einzigartiges literarisches Programm vorgelegt. Gegründet hat er seinen Verlag (gemeinsam mit seiner Frau Marie-Luise Flammersfeld) 1981 mit "wenig Geld und großen Visionen" - für Thomas Hürlimann, dessen Die Tessinerin einfach zu gut war, um nicht gedruckt zu werden.
Die Schweizer Literaturszene verliert eine prägende Figur
Sein Enthusiasmus war immer grösser als alle Zweifel
Im klassischen Konflikt des Verlagsgeschäfts, Geist gegen Geld, hat sich Ammann immer für den Geist entschieden und gehofft, mit dem Geld würde das dann auch hinhauen. Rechnen konnte er schon - aber der Enthusiasmus war immer grösser als alle Zweifel und Bedenken. Und so glich die Verlagsgeschichte einem 28-jährigen Ritt über den Boden-, nein, den Zürichsee.
Martin Ebel
Er war unter den Büchernarren der leidenschaftlichste und verrückteste
Er stürzte sich in jedes Abenteuer, manchmal fiel er, und es kümmerte ihn nicht; manchmal aber zauberte er, und es sah ganz einfach aus.
Roman Bucheli
Ein Verlag, 1'000 Titel
1981 gründete Ammann gemeinsam mit seiner Frau Marie-Luise Flammersfeld den Ammann Verlag. Insgesamt veröffentlichten sie rund 1'000 Titel.
Die erste Publikation war der Erzählband «Die Tessinerin» des Schweizer Autors Thomas Hürlimann. Zu den bekanntesten Ammann-Autoren zählte Eric-Emmanuel Schmitt («Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran»).
dpa/dicp
Er war von der Sehnsucht getrieben
Er hat sich selbst als ein «von der Sehnsucht Getriebener» bezeichnet. Er sehnte sich nach Besserem, Unentdecktem, nach Dingen, die ihn bereicherten - nicht nach Antworten.
Unter den Verlegern deutscher Sprache war er der kühnste: Egon Ammann aus Zürich
Thomas Steinfeld
Audios:
Art-tv Literatur: 25 Jahre Ammann Verlag
WDR 5 Erlebte Geschichten | 18.10.2015 | 23:20 Min.
Videos:
Züri Littéraire | Verleger im Gespräch. Publiziert am 6. Oktober 2009
Der Ammann Verlag stellt nächstes Jahr seine Tätigkeit ein. Röbi Koller unterhielt sich am Züri Littéraire mit Egon Ammann, Anne Rüffer und Michael Krüger über das Verlagswesen und das Buch als Kulturgut.
«Reisen ohne wegzugehen» - Der Verleger Egon Ammann
In einer von Grossverlagen bestimmten Zeit fiel der Ammann Verlag auf: Es war ein kleiner Betrieb mit grosser Bedeutung für die Literatur. Egon Ammann hat den Verlag 1981 gegründet und mit Leidenschaft 30 Jahre lang geführt. Eine filmische Hommage zum Tod des grossen Schweizer Verlegers.
Mehr:
Ein großer Verlag ist am Ende: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/themen/verleger-ammann-im-gespraech-ein-grosser-verlag-ist-am-ende-1841689.html
«Ich werde Verleger bleiben bis an die Bahre»: https://glarean-magazin.ch/2010/04/20/fernando-pessoa-genie-und-wahnsinn_egon-ammann_interview_glarean-magazin/