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Kathedrale aus Bäumen droht zu verschwinden
Gefäss:
Die Waldkathedrale im Schlössliwald bei Beromünster LU verwildert zusehends. Um die Kathedrale, die kein Gebäude, sondern eigentlich eine Parklandschaft ist, zu retten, soll sie nun etappenweise saniert werden.
Quelle:
zvg
Die Waldkathedrale muss dringend saniert werden.
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Nur wenigen Menschen und nicht einmal den Einheimischen ist die Waldkathedrale in Beromünster LU ein Begriff. Dabei gehört die unter Denkmalschutz gestellte Anlage zu einem der bedeutendsten Denkmäler der Gartenkunst. Gartenkunst deshalb, weil es sich bei der Waldkathedrale nicht um ein Gebäude handelt, sondern um eine Parklandschaft, die aus eigens dafür angepflanzten Bäumen und Sträuchern gestaltet worden ist.
Angelegt wurde die dreischiffige 140 Meter lange und 16 Meter breite Kathedrale im Jahr 1792. Und zwar vom Stiftsbaumeister Josef Purtschert, der sie im Auftrag der Chorherren des Stifts Beromünster erbauen liess. Diese hatten sich nämlich für ihre Erholung einen Spaziergang in der freien Natur gewünscht.
Doch bevor dieser Wunsch erfüllt werden konnte, musste im Schlössliwald Platz für die Waldkathedrale geschaffen werden. So waren die Arbeiter zuerst einmal damit beschäftigt, Bäume zu fällen, die Erde abzutragen und grössere Steine zu sprengen. Des Weiteren wurde noch die bestehende Kuppe planiert. Zehn Wochen später war die Fläche für die Kathedrale freigelegt.
Keine historischen Pläne
«Es muss ein herrliches Gefühl gewesen sein, auf dieser Parkanlage spazieren zu gehen», schwärmt Georg Carlen, Denkmalpfleger des Kantons Luzern, wenn er sich vor Augen führt, wie die Waldkathedrale früher einmal ausgesehen haben muss. Zwar gibt es keine Pläne der ursprünglichen Anlage mehr, aber man kann dank Zeichnungen rekonstruieren, wie sie ursprünglich gestaltet war.
So ist überliefert, dass für die Waldkathedrale eine Kastanienallee gepflanzt worden war, die den Chorherren als Promenade dienen sollte. Der Spazierweg wurde so angelegt, dass sich ein Rechteck ergibt. Innerhalb dieses Rechtecks befand sich eine Wiese.
Unterbrochen wurde die Promenade durch zwei hufeisenförmige Aussichtsterrassen, die mit einem Dornenhang eingezäunt und durch Gartentore abgeschlossen waren. Die Aussichtsterrassen lagen sich – dank der rechteckigen Form des Wegverlaufs – auf der Längsseite des Rechtecks genau gegenüber.
Für die Promenade lieferte ein Gärtner aus Basel 94 Kastanienbäume und 3500 Hagebuchenpflanzen. An der Anlage arbeiteten zehn Arbeiter 27 Wochen lang.
Natürlicher sakraler Charakter
Bis in die 1830er-Jahre wurde die Waldkathedrale, die stark von der französischen Gartenkultur aus dem 18. Jahrhundert inspiriert worden war, als Allee gepflegt. Zudem wurden die Pflanzungen zurückgeschnitten. Weil aber das Geld für den Unterhalt irgendwann einmal ausging, wuchsen die Kastanienbäume mit der Zeit stark in die Höhe. Ausserdem bildete die Wiesenfläche mit den Kieswegen einen Waldboden. Die Verwilderung hatte aber auch ihre guten Seiten: So bilden die Baumkronen der Kastanienallee heute ein Dach, das sich über ein breites Mittelschiff und zwei schmale Seitenschiffe wölbt. «Es scheint so, als ob die Natur die Waldkathedrale zu einem Gebilde von grossartigem und sakralem Charakter geformt hätte», so Carlen.
Die meisten Folgen der Verwilderung sind jedoch negativ: So sind von den einst 94 Kastanienbäumen nur noch 28 übriggeblieben. Die Hagebuchen sind entweder verschwunden oder als Bäume in die Höhe gewachsen. Und die hufeisenförmigen «Aussichtsfenster» – die Terrassen –, die einst Sicht zum Stift St. Michael, Flecken, Krusenschloss und zu den Alpen boten, sind beinahe zugewachsen. In den nächsten 20 Jahren, so die Prognose, wird von der Anlage nicht mehr viel übrig sein. Damit das nicht passiert, hat der Eigentümer der Kathedrale, das Chorherrenstift Beromünster, ein langfristiges Erneuerungsprojekt eingeleitet. Dieses zielt jedoch nicht auf eine Wiederherstellung des ursprünglichen Parks ab, sondern es soll den Charakter der heutigen Waldkathedrale erhalten und stärken.
Über eine Million nötig
Geplant ist die etappenweise Pflanzung neuer Kastanienbäume, die Pflege der bestehenden Bäume, die Freilegung der Sichtachsen – die Terrassen – und das Aufstellen von Ruhebänken. Die in jüngerer Zeit in der Waldkathedrale entstandenen «wilden» Feuerstellen werden aufgehoben. Als Ersatz ist angrenzend an den Schlössliwald ein neuer Picknickplatz geplant.
Für die erste rund zehnjährige Etappe wird mit Kosten von 290 000 Franken gerechnet. Die Finanzierung ist dank der Unterstützung durch die Albert-Koechlin-Stiftung sowie dank Beiträgen von Bund und Kanton gesichert. Für die komplette Sanierung, die sich über 20 oder mehr Jahre erstrecken soll, ist laut Stiftsverwalter Stefan Künzli über eine halbe Million Franken nötig. Florencia Figueroa