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Saam und sein jüngerer Bruder Narim sind noch Kinder, als sie mit ihrem Vater aus dem Iran fliehen müssen, nachdem die Mutter im Tumult der iranischen Revolution hingerichtet worden ist. Die drei landen in Berlin Neukölln. Der Vater, der bei einem Attentat ein Bein verloren hat, fährt Taxi, seine Söhne schlagen ganz unterschiedliche Wege ein: Während Narim aufs Gymnasium geht, gerät der eigentlich sensible und fantasievolle Saam quasi schon am ersten Schultag an die falschen Leute und entwickelt sich zum brutalen Schläger, der schließlich im Gefängnis landet.
Behzad Karim Khanis biografisch inspirierter Roman erzählt ungeheuer kraftvoll und packend von «Verlorenen und Verlierern», wie es einmal heißt, ohne die Armut und Gewalt, mit der sie leben, zu verklären. Auch zeigt Karim Khani jene, die wie der Vater Jamshid, alles verloren haben, nicht nur als traurige Arme, vielmehr lässt er ihnen ihre Geheimnisse und damit ihre Würde. Sicher auch deswegen, weil ihm immer wieder ungewöhnliche Perspektiven auf das Leben in der Fremde gelingen. Etwa, wenn der Vater, ein überzeugter Marxist, mit seiner Thermoskanne voll Tee auf einer Bank im Schrebergarten sitzt und analysiert, weshalb vor dieser einfachen Hüttensiedlung, die in seiner Heimat als Slum durchgehen würde, derart teure Autos parken. Vor allem aber hat Behzad Karim Khani eine kraftvoll poetische Sprache gefunden, die einen unmittelbar reinzieht in diese Geschichte, die ihren ganz eigenen Sound hat. Dieses Buch ist mein persönlicher Liebling 2022.
Der Autor Behzad Karim Khani wurde 1977 in Teheran geboren. 1986 floh er mit seiner Familie nach Deutschland. Er lebt schon viele Jahre in Berlin Kreuzberg, wo er nicht nur schreibt, sondern auch eine Bar betreibt.
Monika Steiner