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Aussergewöhnlich heisser Juni
Die Schweiz durchschwitzte den zweitheissesten Juni seit Messbeginn 1864. Im landesweiten Mittel stieg die Monatstemperatur 3.4 Grad über die Norm 1981–2010. Die Hitzewelle vom 19. bis am 24. Juni lag hingegen nicht im Rekordbereich. Trotzdem: Als Höhepunkt der Hitzewelle registrierten einige Regionen die mildeste Nacht seit Beginn der automatischen Messungen. Zum Abschluss der Hitze löste ein Jahrhundert-Gewitterregen im Tessin Erdrutsche und Überschwemmungen aus.
Anhaltendes Sommerwetter
Das Aussergewöhnliche am Juni 2017 war die anhaltend hohe Temperatur. Bereits die ersten drei Tage lieferten bei recht sonnigen Verhältnissen eine Tagesmitteltemperatur von 3 bis 4 Grad über der Norm 1981-2010. Eine kurze Entspannung mit Tagesmittelwerten unter der Norm brachte der Durchzug mehrerer Niederschlagszonen zwischen dem 4. und 7. Juni. Mit viel Sonnenschein stieg das Tagesmittel vom 11. bis am 13. Juni 5 bis 7 Grad über die Norm. Nach zwei gewittrigen Tagen am 14. und 15. setzte sich wieder sonniges Hochdruckwetter mit zunehmender Hitze durch. Während der Hitzewelle vom 19. bis am 24. Juni bewegte sich die Tagesmitteltemperatur 7 bis 10 Grad über der Norm. Das sonnige und heisse Wetter brachten sommerliche Hochdruckgebiete, welche sich vorwiegend vom Atlantik her nach Mitteleuropa ausdehnten. Vom 18. bis am 22. Juni installierte sich ein Hoch direkt über Mitteleuropa. Entlang seiner Westflanke floss heisse Afrikaluft nach Europa.
Mehr Wärme im Juni
Die Temperaturentwicklung in Abbildung 1 macht deutlich, dass der Monat Juni auf das 21. Jahrhundert hin markant wärmer geworden ist. Der Temperatursprung beträgt mehr als 1 Grad. Die farbigen Linien markieren die durchschnittliche Junitemperatur der 30-jährigen Normperioden (1871–1900: 10.5 °C; 1901–1930: 10.5 °C; 1931–1960: 11.1 °C; 1961–1990: 10.6 °C; 1981–2010: 11.8 °C). Die graue Kurve zeigt das 20-jährige gleitende Mittel.
Keine extreme Hitzewelle
Die Hitzewelle mit Tageshöchstwerten von 30 Grad und mehr setzte auf der Alpennordseite am 19. Juni ein und endete nach fünf Tagen am 23. Juni. Einzig in Genf gab es am 24. einen zusätzlichen Hitzetag. Auf der Alpensüdseite ging die Hitzewelle am 20. los und endete ebenfalls nach fünf Tagen am 24. Juni. Das mittlere Tagesmaximum über fünf Tage stiess nicht in den Rekordbereich vor. Auf der Alpennordseite erreichten die höchsten Werte 32 bis 33 Grad. Die Rekordwerte liegen bei 35 bis 37 Grad. Auf der Alpensüdseite bewegte sich das mittlere Tagesmaximum über fünf Tage zwischen 31 und 32 Grad. Die Rekordwerte liegen hier zwischen 34.5 und 35.5 Grad.
Rekordwarme Nacht
Vom 22. auf den 23. Juni registrierten einige Regionen der Schweiz die mildeste Nacht seit Beginn der automatischen Messungen im Jahr 1981. Aussergewöhnlich mild war die Nacht in der Ostschweiz. In Güttingen am Bodensee lag das Nachtminimum bei 25.2 Grad. Da wurde die Nacht zum Sommertag! Der alte Rekord wurde geradezu pulverisiert: In der bisher mildesten Nacht sank hier das Minimum auf 20.9 Grad (21./22.06.1998).
In Tänikon bei Winterthur und auf dem Zürichberg brachte die Nacht vom 22. auf den 23. Juni ein Minimum von 24.2 Grad. Der bisherige Rekord lag in Tänikon bei 20.3 Grad (14./15.081987) und auf dem Zürichberg bei 23 Grad (31.7./01.08.1983). Einen knappen neuen Rekord schaffte Neuchâtel mit einem Nachtminimum von 24.0 Grad. Im Hitzesommer 2003 gab es hier das bisher höchste Nachtminimum von 23.7 Grad (13./14. August 2003).
Noch wärmere Nächte sind möglich! Altdorf registrierte in der Föhnnacht auf den 1. August 1983 sagenhafte 26.9 Grad als Minimum. In Vaduz zeigte das Nachtminimum 26.5 Grad. Es waren wohl die mildesten Nächte in der Schweiz seit Beginn der kontinuierlichen Aufzeichnungen. Selbst die Messreihen auf der Alpensüdseite zeigen keine derart hohen Nachtminima.
Wärmster Junitag seit Messbeginn
An 21 Messstandorten verteilt über die ganze Schweiz wurde der 23. oder 24. Juni 2017 zum wärmsten Junitag seit Messbeginn. Für die Messstandorte Neuchâtel (Tagesmittel 27.7 Grad), Bern-Zollikofen (Tagesmittel 25.8 Grad) und Zürich-Fluntern (Tagesmittel 26.8 Grad) bedeutet das seit 1864, und für Luzern (Tagesmittel 27.2 Grad) seit 1871. Bei weiteren 11 der 21 Messstandorte reichen die Messreihen knapp 60 Jahre zurück.
In Luzern war der 24. Juni 2017 mit einem Tagesmittel von 27.2 Grad der viert heisseste Tag überhaupt seit 1871. Drei heissere Tage lieferte hier nur der Hitzejuli 2015 mit Tagesmitteln zwischen 27.6 und 28.0 Grad. Güttingen mit knapp 60 Messjahren registrierte am 23. Juni mit einem Tagesmittel von 27.7 Grad den heissesten Tag in der Messreihe.
Rekordregen im Tessin
Vom 24. auf den 25. Juni zogen aus Südwesten kräftige Gewitter über die Schweiz. Besonders heftig entluden sie sich über der Alpensüdseite. Lugano erhielt innerhalb einer Stunde eine Regenmenge von 81.5 mm. Das liegt weit über dem bisherigen Höchstwert von 63.8 mm vom 12. September 1994. Ein Stundenwert von 80 mm oder mehr wird am Messstandort Lugano über einen langen Zeitraum betrachtet seltener als alle 100 Jahre erwartet.
Am Messstandort Crana-Torricella fielen innerhalb von zehn Minuten 33.5 mm. Das Ereignis egalisiert den gesamtschweizerischen 10-Minuten-Rekordwert von 33.6 mm, gefallen am 29. August 2003 in Locarno-Monti. Der Juni 2017 lieferte also einen weiteren Schweizer Wetterrekord!
Vom 26. bis am 28. Juni zogen zwei weitere Niederschlagszonen über die Schweiz. Vor allem auf der Alpensüdseite regnete es dabei kräftig. Zusammen mit den kräftigen Regenfällen zum Monatsbeginn erhielt die Alpensüdseite und das Engadin verbreitet Niederschlagssummen deutlich über der Norm 1981–2010. Am Messstandort Lugano fiel bis zum 28. Juni die neue Junirekordsumme von 469 mm. Sie liegt weit über dem bisherigen Junirekord von 413.5 mm aus dem Jahr 1963. Nördlich der Alpen blieben die Junisummen hingegen vielerorts deutlich unter der Norm 1981–2010.
Sommerlinden und Schwarzer Holunder blühten früh
Der Schwarze Holunder blühte in der ersten Junihälfte in Höhenlagen oberhalb von 600 m ü. M. und ab dem 20. Juni oberhalb von 1200 m ü. M. Im Mittel fand die Blüte des Holunders rund eine Woche früher statt als im Durchschnitt der Jahre 1981–2010. An den Stationen über 1200 m betrug der Vorsprung jedoch fast zwei Wochen. Hier konnte die Entwicklung der Pflanzen besonders von der grossen Wärme im Juni profitieren. Die Sommerlinden blühten in den tiefen Lagen des Tessins schon Ende Mai, zwei bis vier Wochen früher als im Mittel. Auf der Alpennordseite konnten blühende Sommerlinden ab Anfang Juni beobachtet werden, 2 bis 14 Tage früher als im Mittel. Die Blüte der Margeriten ist eine Phase, die vom Flachland bis in die Berge beobachtet wird. Sie eignet sich deshalb gut, um einen linearen Höhengradienten zu berechnen. Mit zunehmender Höhe verspätete sich die Blüte der Margeriten in diesem Jahr um 3.1 Tage pro 100 Höhenmeter. Ende Mai und Anfang Juni blühten sie in den Bergen in Höhenlagen zwischen 1200 und 1800 m ü. M. mit einem Vorsprung von 10 Tagen auf das Mittel. Der Juni bot viele sonnige, trockene Tage, um in den Bergen die Heuernte einzubringen. Diese fand rund 9 Tage früher statt als im Durchschnitt der Jahre 1981–2010.
Der definitive Bericht zum Juni 2017 ist ab dem 11. Juli 2017 in der Rubrik Klimaberichte verfügbar.
Klimaberichte
Weiterführende Informationen
Kommentare (8)
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Mich beunruhig die Klimaerwärmung, weil der Mensch zur Variante Extrem tendiert. Nach einer erzwungenen Reduktion der Menscheit, wird wohl schon eine Besserung eintreten. Genaues darüber findet man im Internet aber nicht ( Dauer und Ablauf ), die Variante Ende Maus, mit der Venusatmosphäre ist aber schon gruselig und traurig.
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Ja, schön war die kurze Sibirienluft, ohne Faserpelz und Norwegensocken fühlt man sich ja nicht angezogen... Habe das Wohnungsinnere auf 15° runtergelüftet, so sollte der neue Hitzeanschlag ein paar Tage zu überstehen sein (nun im Juli kann ich auch akzeptieren, dass es Sommer ist, gegen die Natur habe ich schliesslich nichts, nur gegen das hausgemachte Drama).
Danke fürs Gesprächsangebot - ich komme gern darauf zurück, falls es so übel werden sollte, dass wir eine Kältejunkie-Wintervermisser-Selbsthilfegruppe gründen müssen.
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Vielen Dank für den Bericht. So weiss ich wenigstens, dass ich nicht nur paranoid oder wehleidig bin, das Wetter war tatsächlich grob neben der Spur (bei uns im Südwesten hats allerdings wohl noch nicht viel mehr als 5mm geregnet und wir sind nicht bereit für die nächste Runde Apokalypse...). Mir macht Angst, dass es niemandem Angst zu machen scheint ausser mir - täuscht mich das oder schreitet die Erwärmung eher exponentiell voran statt linear? "Run-away climate change", ist das nur eine Aussenseitertheorie oder ein ernstzunehmendes Szenario?
Ich gebe schon zu, dass es mich etwas weniger beunruhigen würde, wenn es ebenso schnell kälter würde, schlicht aufgrund persönlicher Präferenz und körperlicher Beschwerden bei Hitze, und so muss ich wohl verstehen, dass die Thermophilen sich nicht den Spass an der Krise verderben lassen.
Die 6-Tages-Prognose macht mich fertig... Jetzt waren endlich ein paar graue, kühle, nasse Tage versprochen, und schon sind sie wieder abgesagt, schon wieder Hitze im Anmarsch, und draussen Tag für Tag für Tag diese elende Sonne! Sogar der gestrige Sturmwolkentag ging nicht ohne mehrere lange sonnige Abschnitte über die Bühne. Ich kann mich kaum erinnern, wann wir das allerschönste Wetter (neben Schnee und Frost) zuletzt hatten: eine Strecke von 14 oder wenigstens 4 vollkommen düsteren, kalten Tagen mit ununterbrochenem gemütlichem Landregen... Hach, vermaledeit!
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Das Thema Klimaänderung und deren Auswirkungen wird in der Schweiz von der Wissenschaft, den Behörden und der Politik sehr ernst genommen. Eben ist ein neuer umfassender Bericht dazu veröffentlicht worden. Darin wird klar, dass wir uns in einer Phase schneller Erwärmung befinden, und dass die Erwärmung in den nächsten Jahrzehnten vermutlich noch akzentuierter voranschreitet.
Brennpunkt Klima Schweiz - Grundlagen, Folgen und Perspektiven (2016):
Eine ganz aktuelle und umfassende Zusammenstellung zur Klimaänderung global und mit Fokus auf die Schweiz, inklusive der erwarteten Auswirkungen:
http://www.naturwissenschaften.ch/organisations/proclim/activities/brennpunkt/downloads/81637-brennpunkt-klima-schweiz
Unser Wetter ist sehr variabel. Auch wenn aktuell sonniges Wetter mit wenig Niederschlag dominiert, liegen anhaltend niederschlagsreiche Witterungsverhältnisse nicht weit zurück. Das erste Halbjahr 2016 endete auf der Alpennordseite regional mit den höchsten Niederschlagssummen seit Messbeginn im Jahr 1864. Bis zur Jahresmitte 2016 brachten mit Ausnahme des März alle Monate oft regnerische Witterung mit deutlich überdurchschnittliche Niederschlagsmengen.
http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/aktuell/meteoschweiz-blog/meteoschweiz-blog-suche.subpage.html/de/data/blogs/2016/7/rekordnaesse-im-ersten-halbjahr-2016.html
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Hallo Leidensgenosse ganz so schlimm heiss wie gehabt wird die erste Juli Woche nicht, es scheint dass bereits ab nächsten Donnerstag die Sommerwärme über der Schweiz wieder weggedrückt wird. Seit einer Stoffwechselstörung leide ich extrem bei Dauerhitze über 30 Grad und Tropennächten ohne mobiles Klimagerät ginge es gar nicht mehr. Leider hast Du Recht, die Schweiz ist wegen der Klimaerwärmung näher an die Subtropen Zone gerückt schon wenig nördlicher in Deutschland ist es noch ein wenig besser, Deutschland vermeldet "nur" den 4. heissesten Juni seit Messbeginn 1881 (nach 1917, 1930 und 2003, Quelle wetterprognose-wettervorhersage.de), bei uns in der Schweiz der 2. heisseste. Tipp: Umziehen nach Skandinavien oder ins Engadin, so bald als den Umständen nach möglich.
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@Meteo-Team, herzlichen Dank. Ja, ich habe die SCNAT-Berichte abonniert. Die Politik mag es ernstnehmen (als erste Massnahme müsste man dann all die Fortpflanzungsboni streichen...), ich glaube jedoch nicht, dass die Wirtschaft oder die breite Bevölkerung bereit sind, mehr zu tun als ein paar Windrädchen aufzustellen, die wiederum ihre eigenen Umweltprobleme mit sich bringen. Selbst wenn es innert nützlicher Frist gelänge zurückzurudern (also etwa vorgerstern), zumindest für unsere Generation - und diejenigen unter den Pflanzen und Tieren, die nicht schnell genug wandern können - ist es ohnehin zu spät. Und die Erwärmung ist nur eine von zig Umweltkatastrophen. Ich bin da sehr pessimistisch.
Aus meinem Kalender 2016: wir hatten von Jan-Juni 16 tatsächlich an 71 Tagen Niederschlag, immerhin (manchmal nur ein paar Tropfen oder Flocken an einem ansonsten sonnigen Tag). Macht satte 111 Sonnentage. Sommer, Herbst und Winter waren dann die totale Dürre, uns ist sogar der Rosmarin vertrocknet... (aber ich wohne dummerweise in einer der wärmsten Ecken der Schweiz, umständehalber).
@Baur H.P., danke, bin froh, nicht allein zu sein, auch wenn ich Ihnen natürlich wünsche, gesund zu werden! Ja, ich war auch länger krank, zwar wird es langsam wieder, aber der Sommer bringt regelmässig Rückschritte. Selbst ohne dieses Gelotter ziehe ich Herbst und Winter (wie wir sie als Kinder kannten) bei weitem vor. Man hat dann auch das ganze Draussen praktisch für sich allein, kein Gejogge, Gebike, Gerasenmähe, Gedudel, Geblüttle, Gestank, Getue, haha. Übers Auswandern denke ich in der Tat immer konkreter nach, bloss weiss man nicht, wo es sich wie entwickelt. Skandinavien ist (zu) teuer, und wenns dort wärmer wird, hätte man fast rund ums Jahr tüppigen Mückensumpf. Ausserdem wird es im Norden sicher zunehmend überbevölkert sein, sobald sogar die Thermophilen fliehen. Vielleicht sollte man sich antizyklisch verhalten, dahin gehen, wo eh alle wegwollen. Etwa ins Hochland von Afrika - da ist es zwar schon warm, aber nah am Äquator wird es evtl. nicht zu so drastischen Änderungen kommen. Im Moment sind übrigens Hütten in Alaska und Sibirien extrem günstig zu haben, weil sie Risse bekommen durch den tauenden Permafrost (jaja, ich habe mich schon erkundigt!). Lassen Sie mich wissen, wenn Sie ein gutes Plätzchen gefunden haben! Toi toi toi für Ihre Gesundheit.
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@EiszeitJetzt Danke für Ihre guten Wünsche die ich gerne zurückgebe. Ich bin selber Hobby-Meteorologe wenn Sie sich mit mir über die Klimafolgen unterhalten wollen schreiben Sie mir gerne einmal unter <email-pii>
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@Eiszeitjetzt: Ja, so 4 graue Tage am Stück, die fehlen mir auch. Seien wir dankbar für den eben vergangenen "Englisch-Wetter-Sonntag".... ich diskutiere gerne auch über das Klima, <email-pii>
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