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D10 Konferenz: Pixars Ed Catmull und Oracles Larry Ellison über Steve Jobs
Veröffentlicht am Donnerstag, 31. Mai 2012, um 15:00 Uhr von Stefan Rechsteiner
Auch bei der ersten AllThingsD-Konferenz nach Steve Jobs Tod ist der Apple-Gründer an der Technologie-Konferenz omnipräsent: Während der Konferenz-Eröffnung mit Apple CEO Tim Cook war Steve Jobs ein natürlich grosses Thema. Cook wurden diverse Fragen zu seinem Vorgänger gestellt. Auch am zweiten Tag der Konferenz lag Steve-Jobs-Spirit in der Luft: zuerst beim Gespräch mit Drehbuch-Autor Aaron Sorkin und danach auch bei Ed Catmull und Larry Ellison. Die zwei Freunde von Steve Jobs sprachen über den verstorbenen Apple-Gründer. Ellison, CEO von Oracle und Ed, Pixar-Mitbegründer und Chef sowie Präsident der Disney Animation Studios wurden nach deren Einzelgesprächen noch zusammen von Walt Mossberg über ihre Beziehungen zu Steve Jobs ausgefragt.
Beide waren seit etwa 25 Jahren mit Steve Jobs befreundet, trotzdem hatten beide auch unterschiedliche Ansichten von Jobs. Ed baute mit Steve Jobs das Animations-Studio PIXAR auf und Ellison war zuerst Jobs Nachbar und später auch Apple-Verwaltungsratsmitglied. Die beiden fanden aber auch Punkte, bei denen sie die gleiche Meinung über Steve Jobs teilten. Während er früher meist nicht so erfolgreich führen konnte, soll Jobs in den letzten Jahren aus seinen früheren Fehlern gelernt und seine schlechten Eigenschaften eingesehen haben. Er soll in den letzten Jahren immer freundlicher und einfühlsamer geworden sein. Aus Jobs wurde somit eine Person, die mehr positive als negative Qualitäten hatte. Jobs soll sehr versessen auf Details gewesen sein, so ‘zwang’ er seinen Nachbarn Ellison zum Beispiel dutzende Male den damals noch unveröffentlichten Film «Toy Story» anzuschauen — ein jedes Mal wenn die Pixar-Künstler wieder etwas am Film verbessert hatten. Ellison witzelte darüber, dass Jobs zum Beispiel voller Begeisterung zu ihm kam und sagte, er müsse umbedingt die neuste Version anschauen kommen, «die Schatten sehen nun noch echter aus». Das, was Jobs so erfolgreich machte, war laut Ellison Jobs’ regelrecht obsessives Streben nach Perfektion. Jobs konnte Stundenlang einem Problem nachgehen, bis dieses bis ins kleinste Detail perfekt war — und das nächste Detail auf Jobs uneingeschränkte Aufmerksamkeit wartete.
Aus einem anderen Blickwinkel — fast schon dem Gegenteil des Perfektionisten-Jobs — sah Catmull den Apple-Gründer. Jobs als CEO von Pixar nahm nie an einer Story-Sitzung für deren Produktionen teil. Er war überzeugt davon, dass Pixar die richtigen Leute dafür hatte und überlass diesen die Story-Entscheidungen. Laut Catmull sollen die «wilden Jahre», als Jobs Apple verliess, mit NeXT nicht auf Touren kam und bei PIXAR die Filmindustrie aufrüttelte, dazu beigetragen haben, dass aus dem launenhaften Führer dieser immens erfolgreiche Manager wurde.
Ellison erzählte an der D10-Konferenz ausserdem, wie er Jobs zum ersten Mal traf. Damals waren sie Nachbarn in Woodside, Kalifornien. Jobs Freundin schenkte ihm zum Geburtstag ein Pfau (!). Eines Morgens lief der Pfau über Ellisons Grundstück und schreckte diesen aus seinem Schlaf auf. Ellison ging daraufhin zu Jobs und beklagte sich darüber — Jobs Reaktion: «Du magst den Vogel also auch nicht?». Jobs könne den Vogel nicht ohne guten Grund loswerden, da es ja ein Geburtstagsgeschenk seiner Freundin war — nun, dank Ellison, hatte er aber ein Grund: der Einwand eines Nachbarn.
Der Oracle CEO erzählte auch eine Episode aus der Zeit, als Steve Jobs kurz nach der Jahrtausendwende dabei war, den ersten Apple Store zu entwerfen. Damals verstand Ellison nicht, warum Jobs sich auf diese Stores festgefahren habe, er argumentierte gegenüber Jobs dass «Läden aus Putz und Mörtel» tot seien — deren Zeit sei vorbei. Jobs antwortete: «wir werden kein Putz und Mörtel benutzen, wir setzen auf Glass und Stahl».