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Feministische politische Ökologie verbindet soziale und ökologische Themen und postuliert, dass diese im Grunde genommen schon immer miteinander verbunden sind. In diesem Seminar werden wir diesen Trennungsprozessen historisch auf den Grund gehen und alternative Epistemologien diskutieren.
Wir werden zunächst den Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus in Europa betrachten und die damit einhergehenden spezifischen Formen der Disziplinierung und Ausbeutung untersuchen. Silvia Federici zufolge spielt der «weibliche» wie auch der «kolonialisierte Körper» hier eine besondere Rolle. Es waren die Bäuer:innen, die geknechteten und versklavten Frauen, die Vagabunden und Hexen, die sich gegen die «Einhegung» des Gemeindelandes, die Disziplinierung der Sexualität und die Kontrolle über den Körper wehrten. Ihre Geschichten zeugen somit von der Entstehung kapitalistischer Rationalisierung der Reproduktion und kapitalistischer Verhältnisse im Allgemeinen.
Anschließend wenden wir uns der Weltgeschichte zu und untersuchen die Durchsetzung der westlichen Moderne im globalen Maßstab. Diese Periode des Kapitalismus ist gekennzeichnet durch die industrielle Revolution, die Europa einen technologischen Vorsprung verschaffte und gleichzeitig zu einer formalen Kolonisierung fast der gesamten Erdoberfläche führte. Wir blicken also auf eine Epoche zurück, die durch eine noch nie dagewesene globale Ausbeutung von Mensch und Natur unter Behauptung universalistischer Ideen gekennzeichnet ist. Im Zuge davon setzen sich global Praktiken einer kapitalistischen Logik durch, die all das abwerten und ausbeuten, was der konstruierten «Natur» vermeintlich nähersteht, was mit einer Entmenschlichung rassifizierter/ethnisierter und vergeschlechtlichter Körper einhergeht.
Vor diesem Hintergrund beschäftigen wir uns mit feministischen Perspektiven, die diese Trennung und Hierarchisierungen aufheben. Wir lesen grundlegende und zeitgenössische Texte aus dem Bereich der Feministischen politischen Ökologie sowie solche an der Schnittstelle von queeren und dekolonialen Perspektiven. Darüber hinaus betrachten wir indigene Epistemologien und antikoloniale Kämpfe, in denen diese Sphären verbunden bleiben. Dies bildet den Ausgangspunkt, um über soziale und ökologische Gerechtigkeit nachzudenken. Das übergeordnete Ziel ist es, die Fähigkeit zu schärfen, Visionen für eine fürsorgliche und ökologische Wirtschaft zu formulieren, die das Wohlergehen von Menschen und nicht-menschlichen Lebewesen und damit aller an der nachhaltigen „Erdpflege“ (Earth-Care) Beteiligten, einbezieht.
Semester:
Stufe:
MA, BA
ETCS:
3
Fächer:
Politikwissenschaft, Gender Studies
Hochschultyp:
Universitäre Hochschulen (UH)