Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03498.jsonl.gz/263

Zwischen 1973 und 2022 führten Kanada, Grönland und damit auch Dänemark einen Disput, der von einigen Medien als «Krieg am Nordpol» oder als «Whisky-Krieg» bezeichnet worden war. Im Zentrum stand die kleine Hans-Insel mitten in der Nares-Strasse. Dank eines Abkommens zwischen den Parteien wurde der Streit beigelegt und seit Dienstag vom dänischen Parlament ratifiziert. Damit erhalten alle drei Länder eine neue Grenze auf festem Boden, ein Novum für Grönland.
Am vergangenen Dienstag wurde mit dem Beschluss des dänischen Parlaments das Abkommen vom 11. Juni 2022 zwischen Kanada, Grönland und Dänemark offiziell das Ende des Streits um Tartupaluk und die Grenzziehung zwischen Grönland und Kanada beigelegt. Damit endet ein 50-jähriger Disput, der einerseits die Entsendung von Kriegsschiffen in die Region beinhaltet hatte. Auf der anderen Seite aber nahm der Streit teilweise auch Comichafte Züge zwischen zwei Nato-Partnern an. Mit dem Abkommen wird nun die Grenze, die zwischen Grönland und Kanada vom arktischen Ozean bis in die Labradorsee verlaufen wird, mehr als 3’900 Kilometer lang und damit die längste Meeresgrenze der Welt.
Als grösste der Insel der Welt besass Grönland bisher keine Festlandgrenzen mit seinen Nachbarn Kanada oder Island. Mit der Grenzziehung wird sich dies aber nun ändern, da diese die offiziell «Tartupaluk» genannte Insel (grönländisch für Niere) in zwei Teile halbiert, die nun jeweils von Kanada und Dänemark/Grönland verwaltet werden wird. Das nur 1.4 Quadratkilometer grosse Eiland dürfte in diesem Fall in Zukunft zwei Flaggen sehen, wenn Patrouillenschiffe durch die Region fahren werden.
Das Abkommen, über welches das dänische Parlament noch abstimmen musste, wurde im November 2021 in Reykjavik in seinen Grundzügen beschlossen und offiziell am 11. Juni 2022 von den beteiligten Ländern beschlossen und unterzeichnet. Dies, nachdem seit 2018 sowohl Kanada wie auch Dänemark entschieden hatten, den Streit um die Grenzziehung mittels einer gemeinsamen Kommission beilegen zu wollen. Mittlerweile hat sich aufgrund des Selbstverwaltungsabkommens auch Grönland zur Gruppierung eingebracht und wird, sollte das Land irgendwann unabhängig werden, die Grenze zu Kanada selbst verwalten müssen.
Der Disput zwischen Kanada und Dänemark entflammte 1973, als sich die beiden Länder nicht einigen konnten, wo die Seegrenze zwischen der Lincolnsee, einem Teil des arktischen Ozeans nördlich von Grönland, und der Labradorsee im Süden verlaufen sollte. Damals waren vor allem auch Fischereiüberlegungen massgebend für den Grenzverlauf. Der Streit zwischen den Parteien schwelte lange Zeit, ohne irgendein Anzeichen von Bewegung.
Ab 1984 begannen die Länder, im Rahmen von Patrouillenfahrten immer wieder ihre Flaggen auf dem kleinen, damals als Hans-Insel benannten Eiland, zu hissen. Als 2005 Kanada aber kurz hintereinander erst den kanadischen Verteidigungsminister William Graham und danach zwei Kriegsschiffe in die Region schickte, wurde für einen kurzen Moment die Situation etwas heikler. Sowohl Dänemark wie auch Grönland reagierte mit scharfen Worten und nannten die Aktionen «eine Besetzung».
Mehrheitlich waren die Aktionen aber doch eher friedlicher, teilweise respektvoller Natur, indem neben den Flaggen auch Schnaps von dänischer Seite und Whiskey von kanadischer Seite mit Willkommensgrüssen hinterlegt worden waren. Die Einigung, die alle drei Parteien erzielt haben und nun mit der Ratifizierung des dänischen Parlaments abgeschlossen ist, zeigt, dass die Arktis auch in Sachen Politik einmal mehr als Beispiel für die Welt dienen könnte.
Dr. Michael Wenger, PolarJournal