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Sammlerin mit Bodyguard: Alan (Matt Dillon, vorne links) begleitet Simin (Sheila Vand, hinten links) auf ihrer Mission. (Cineworx)
Die Traumfängerin
Es war einmal Amerika … ein Land der Träume. In (fiktiver) Zukunft werden dort von Amts wegen Träume gesammelt und ausgewertet – zum Wohl der Bevölkerung, heisst es. Diesen Stoff hat Jean-Claude Carrière, langjähriger Drehbuchautor des Filmmeister Luis Buñuel, angestossen. Shirin Neshat und Shoja Azari, beide im Iran geboren und in New York sesshaft geworden, haben mit ihm bis zu seinem Tod 2021 einige Reisen in den USA unternommen. Aus ihren Erfahrungen heraus entstand der Film «Land of Dreams», die Betrachtung eines Landes aus ausländischer Sicht.
Simin (Sheil Vand) stammt aus dem Iran, floh, als ihr Vater, ein Revolutionär, von der Regierung umgebracht wurde. Sie ist in Amerika ansässig geworden, und reist im Auftrag des United States Census Bureau durchs Land, um Träume der Bürger zu sammeln – angeblich zum Schutz der Befragten. So soll sie eine abgeschottete iranische Kolonie ehemaliger Revolutionäre, quasi infiltrieren und aushorchen. Sie dringt quasi in gesammelte Träume ein, vereinnahmt sie, schlüpft in Rollen und verarbeitet so eigene und fremde Träume – in Clips. In Farsi aufgenommen, verbreitet Simin diese in Social Media, verfolgt von wachsender Anzahl iranische Follower. Bei ihren Aktivitäten als Traumfängerin wird sie vom Alan (Matt Dillon) begleitet, Marke Easy Rider, halb Bodyguard und Bewacher, halb Freund. Und unvermutet taucht eine Jane auf, gespielt von Schauspielikone Isabella Rossellini («Blue Velvet»).
Es ist eine merkwürdige futuristische Welt im Mittleren Westen (gedreht wurde in New Mexico). Auf der einen Seite eine undurchsichtige Behörde mit Nancy (Anna Gunn) an der Spitze des Zensurbüros. Hoch technisiert, aber menschenfeindlich. Auf der anderen Seite Mark (William Moseley), ein aufrechter liberaler Amerikaner und Freigeist aus der Provinz. Dazwischen agiert Blair (Christopher McDonald), charismatischer Führer einer Evangelikanersekte, der sich als Stellvertreter und Sprachrohr Gottes wähnt und seine Anhänger in den Bann zieht.
«Land of Dreams» – dieses Amerika ist zerrissen, scheinbar nur an den Rändern und im Privaten frei. Und so versucht Aussenseiterin Simin mit ihrer Kreativität ein Stück Freiheit zu schaffen. «Simin ist eine Künstlerin, eine Fotografin, eine Performerin, deren einziger Weg, um mit der Realität fertig zu werden, ist, sich in einer Fantasiewelt und in kreativer Schöpfungskraft zu verlieren», erläutert Regisseurin Shirin Nehat. In der Heldin steckt viel von ihr selber – als Emigrantin, die sich nie vollständig in die amerikanische Kultur integriert habe, sagt sie. Ihr Film berührt viele Aspekte der amerikanischen Gesellschaft, etwa das Leben in den Vorstädten, das ungebremste Sektierertum, der Überwachungsstaat und gefährliche hochtechnisierte Machtstrukturen.
Der bildgewaltige «Psychotrip» beschreibt Orientierungslosigkeit und individuelle Suche nach geistiger Freiheit und kultureller Verwirklichung. Das alles ist in Ansätzen vorhanden, verliert sich aber auf Dauer. Das weitgestreute Problemspektrum böte Stoff für mehrere Filme. Zurückbleibt beim «Land of Dreams» ein diffuses Gefühl – wie nach einer Reise, die im Nirgendwo mündet. Das Regieteam Shirin Neshat und Shoja Azari hat zu viel gewollt und zu viel in einen Film gepackt.
USA/Deutschland 2021
114 Minuten
Regie: Shirin Neshat und Shoja Azari
Buch: Jean-Claude Carrière, Shoja Azari
Kamera: Ghasem Ebrahmian
Mitwirkende: Sheila Vand, Matt Dillon, William Moseley, Anna Gunn, Isabelle Rossellini
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