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Toni Nadal ist das wichtigste Teil im Erfolgspuzzle seines Neffen Rafael. Gegenüber der Nachrichtenagentur sda spricht der 56-Jährige über seine Philosophie.
In der Nacht des 5. Juni 2005, nachdem Rafael Nadal erstmals das French Open gewonnen hatte, setzte sich Onkel und Coach Toni in seinem Hotelzimmer hin, schnappte sich Block und Kugelschreiber und schrieb eine Liste mit all den Dingen, welche die beiden in den vorangegangenen 14 Tagen nicht gut gemacht hatten und die sie beim nächsten Turnier verbessern mussten. Toni Nadal überlegte sich sogar, Rafael die Liste noch am nächsten Morgen unter die Nase zu halten, wartete dann aber bis Wimbledon damit. "Ich fürchtete, Rafa könnte sich nun auf dem Höhepunkt fühlen und selbstgefällig werden", erklärt Toni zwölf Jahre später.
Rafael Nadal und genügsam? Im Nachhinein scheint das undenkbar. Wegen seinem Ehrgeiz, aber eben auch dank Onkel Toni. "Es ist nicht einfach, mit mir zu arbeiten", meint er lachend. Er ist immer schon unbequem gewesen mit seinem Schützling aus der eigenen Familie. "Ich kann nur so hart sein mit jemanden, der mir sehr am Herzen liegt", erklärt Toni und zählt ein weiteres Beispiel auf. Als Rafael mit elf Jahren erstmals spanischer Juniorenmeister wurde, rief Toni beim Verband an und liess sich die Liste der letzten 25 Sieger schicken ("Damals gab es ja noch kein Internet."). Er ging die Liste mit Klein-Rafa durch und fragte ihn bei jedem: "Kennst du den?" Am Ende blieben vier oder fünf Spieler, die auch bei den Profis eine anständige Karriere hatten. Toni Nadals Tenor: "Du hast noch nichts erreicht."
Das Talent, hart zu arbeiten
Er glaubt auch, dass andere Spanier wie Carlos Moya, Rafaels guter Freund und heutiger Coach, oder Juan Carlos Ferrero mehr als nur einen French-Open-Titel hätten gewinnen können. Hat Nadal einfach mehr Talent? "Was ist Talent", fragt Toni zurück und antwortet gleich selber. "Talent ist Intelligenz, Talent ist die Fähigkeit, hart zu arbeiten und auch zu gewinnen, wenn du schlecht spielst."
Seine Bedenken wegen seinem Neffen waren jedenfalls völlig unbegründet. Der verfügte über diese Talente in Hülle und Fülle. Nachdem er letztes Jahr wegen Schmerzen im Handgelenk vor der 3. Runde aufgeben musste, ist Rafael Nadal in diesem Jahr auch als bald 31-Jähriger wieder der Topfavorit auf den Sieg in Roland Garros. Es wäre sein zehnter. Für Toni Nadal allerdings nichts Spezielles. "Der Unterschied zwischen einem Titel und zwei ist viel grösser als zwischen dem neunten und dem zehnten", betont er. Mit dem zweiten Sieg steigere man seine Ausbeute um 50 Prozent, mit dem zehnten nur noch um zehn", rechnet er lachend vor. "Rafas Leben ändert sich nicht mit dem zehnten Sieg hier."
Ändern wird sich aber Toni Nadals Leben. Er gibt das Coaching von Rafa vollständig an Carlos Moya und Francisco Roig ab und übernimmt die Leitung der neuen Rafa Nadal Academy auf Mallorca. "Ich habe gesehen, dass die beiden sehr gut mit Rafa arbeiten." Tatsächlich ist dieser so gut wie seit drei Jahren nicht mehr. 2014 gewann Nadal in Paris seinen 14. und bislang letzten Grand-Slam-Titel.
SDA-ATS