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Das Mittelalter schreibt Latein. Ganz? Natürlich nicht. Aber oft lesen die HistorikerInnen vor allem lateinische Quellen und überlassen die «Volkssprachen» den entsprechenden Philologien, der Germanistik, Romanistik usw.
Die Reihe «Sprachwelten des Mittelalters» soll hier eine Brücke schlagen und Geschichtsstudierende mit den mittelalterlichen Sprachen Europas bekannt machen, vor allem aber den Welten, die sich über diese Sprachen und ihre Texte öffnen: okzitanische Liebeslieder, angelsächsische Heldengeschichten, isländische Sagas, schwedische Runensteine, dänische Spottverse, flämische Rechnungen, französische Ritterromane, katalanische Kreuzzugsberichte, galizische Pilgergesänge, andalusische Mädchenlieder ...
Wir fragen uns etwa, wie ein Ritter zum Bauern sprach (und umgekehrt), was «Diglossie» heisst, warum es keine lettischen Quellen aus dem Mittelalter gibt, wie junge Edelleute das Singen lernten und wozu sie es brauchten. Wir denken darüber nach, wie es zum Buchstaben ‹Ø› kam, warum wir nicht wissen, wie Karl der Grosse sprach, ob ein Engländer einen Wikinger oder eine Baslerin eine Lübeckerin verstand oder was ein Mensch um 1100 meinte, wenn er oder sie «amor» sagte. Und wir befragen nebenbei unsere eigenen Meinungen und Vorstellungen über Sprache und Schrift, Bildung und Lesen.
Es geht dabei nicht um systematischen Spracherwerb (den bieten die Basler Philologien), sondern darum, ein wenig das Funktionieren dieser Sprachen kennenzulernen und ihre Quellen fürs historische Forschen zu nutzen.
Seit HS 2014 haben diese Übungen stattgefunden : Altfranzösisch; Altnordisch; Sprachen der Britischen Inseln; Sprachen der Ostsee; Sprachen der Iberischen Halbinsel; Okzitanisch – einmal als Lehrprojekt «Singen über Liebe» in Zusammenarbeit mit der Schola Cantorum Basiliensis.
Die Reihe wird fortgesetzt ...
... im Herbstsemester 2020 wieder mit Altnordisch (Lektüre der Knýtlinga saga), 2021 voraussichtlich mit Flämisch/Niederländisch.