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Während den Siebzigerjahren engagierte ich mich in den Gewerkschaften der Unis (AGEpoly, VSS, FAE), kämpfte gegen die vorherrschende Regierung in meinem Kanton und gegen die Atomkraft (in der Nähe des AKW Creys-Malville geriet ich 1976 ins Visier der Compagnies Républicaines de Sécurité CRS, einer Einsatzgruppe der französischen Police nationale) und war Teil des Generalrats der Gemeinde Jouxtens-Mézery, wofür ich mich damals aber nicht zur Wahl stellen musste.
Um den konsequenten Umweltschutz voranzutreiben, habe ich dann, gemeinsam mit Anne-Catherine Menétrey, dem Schriftsteller Gaston Cherpillod und Christian van Singer, 1983 zur Gründung der Demokratischen Alternative (Alternative démocratique) beigetragen. Aus dieser Bewegung ging später die Sozialistisch-Grüne Alternative (Alternative socialiste verte) hervor, die sich den GRÜNEN Waadt anschloss. Für die GRÜNEN Waadt war schon immer klar, dass Umweltschutz und eine solidarische Gesellschaft untrennbar sind. Denn das Bewahren alleine reicht nicht aus, es geht auch darum, unser Leben ins Gleichgewicht zu bringen.
Der Aktivismus und die Institutionen
Mehr und mehr wurde mir klar, dass mein Freund Michel Glardon*, ein bemerkenswerter sozialer Verleger, Recht hatte, als er einmal sagte, dass sich ein Kampf nicht nur auf der Strasse austragen lasse, sondern dass man ihn auch im institutionellen Rahmen führen muss. So wurde ich1990 Exekutivmitglied meiner Gemeinde und nahm Einsitz im Waadtländer Kantonsrat. 1997 wurde ich einer der ersten Co-Präsidenten der GRÜNEN Waadt, 2003 National- und 2007 – zu meiner grossen Überraschung – Ständerat. 2012 wurde ich Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarats. Und heute bin ich mit Freude wieder ein ganz einfacher Bürger.
Aus meiner Karriere habe ich folgende Lehre gezogen – und sie gilt meines Erachtens sowohl für die Politik wie auch für unser alltägliches Leben: Wir bleiben immer ein Mensch unter vielen, wir streben auf, um bald wieder unterzugehen, und wir haben insbesondere die Aufgabe, den menschlichen Gemeinschaften, denen wir angehören, zu dienen. Wir haben Macht über andere Menschen – mehr Macht, als uns die puren Regeln der Demokratie eigentlich zusprechen; ein Regelverstoss, der unausweichlich, aber nur vorübergehend ist. Diese Macht müssen wir haushälterisch einsetzen, nur so zollen wir unseren Mitmenschen den Respekt, der ihnen gebührt. Wir warten also, bis wir zur Kandidatur für eine Funktion aufgerufen werden und wir räumen den Platz, sobald neue Persönlichkeiten auftauchen, die für unsere Rolle besser geeignet sind. Ich habe mich in meiner Karriere stets bemüht, diesen Regeln Folge zu leisten.
Luc Recordon
* Gründer, gemeinsam mit dem Schriftsteller Gilbert Musy, der Éditions d‘en bas im Jahr 1976.