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Die Schweiz und der Heilige Stuhl
14 September 2022
Die Schweiz und der Heilige Stuhl pflegen historische Beziehungen. Sie feierten am 8. November 2021 hundert 100 Jahre Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen, die zuvor fast ein halbes Jahrhundert lang unterbrochen waren (1873–1920).
Die Apostolische Nuntiatur in der Schweiz wurde 1586 in Luzern eröffnet und ist die älteste ständige Vertretung des Vatikans nördlich der Alpen. 1873 führte der (religiösen) Kulturkampf zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und dem Heiligen Stuhl. Sie wurden erst 1920 wieder aufgenommen.
Bern, Apostolische Nuntiatur. Foto: Nonciature – Conférence des évêques Suisses (eveques.ch)
Eine ganz besondere und gut sichtbare Verbindung ist auch die Päpstliche Schweizergarde (Pontificia Cohors Helvetica), die am 22. Januar 1506 von Papst Julius II. gegründet wurde.1505 fragte Papst Julius II. die Tagsatzung der Eidgenossenschaft an, ob diese ihm ein Kontingent von Schweizer Söldnern zum Schutze des Heiligen Stuhls zur Verfügung stellen würden.
Raphael (1483-1525), Julius II, 1511. Foto: Wikipedia
Ermöglicht wurde dies mit der finanziellen Hilfe der Augsburger Jakob und Ulrich Fugger. Am 22. Januar 1506 trafen die Ersten 150 Schweizergardisten in Rom ein. Damit gehört die Schweizer Garde zu den ältesten noch existierenden militärischen Verbänden. Die Garde ist eine Einrichtung des Heiligen Stuhls und nicht des Vatikans als souveränem Staat.
Andrea Aacchi, Jan Miel, Filippo Gagliardi, Gemälde der Mutterkirche der Jesuiten Il Gesù in Rom, Hundertjahrfeier des Jesuitenordens, 1640. Sammlung Nazionali d’Arte Antica di Roma. Ausstellung Barock. Zeitalter der Kontraste. Nationalmuseum Zürich.
Detail: Schweizer Gardisten
Zwei grossen Tragödien haben stattgefunden. Während der Plünderung Roms (Sacco di Rom) am 6. Mai 1527, starben mehr als drie Viertel der Truppe (147 der insgesammt 189 Mann).
Die zweite Tragödie fand in Paris statt. Das Löwendenkmal in Luzern wurde am 10. August 1821 eingeweiht, 29 Jahre nach dem Angriff auf die Schweizergarde im Tuilerien-Palast in Paris (am 10. August 1792). Rund 700 Gardisten starben. Die meisten an diesem Tag, die Überlebenden wurden am 3. September hingerichtet.
Pratteln, Galerie Beyeler, Ausstellung ´Schweizer Garde´, 2019. Foto: TES.
Im Lateranenvertrag vom 11. Februar 1929 mit dem Königreich Italien wurde dem Heiligem Stuhl das Recht zugestanden, sich politisch und juristisch selbst zu verwalten.
Die Schaffung des neuen Staates, der Vatikanstadt, erforderte die Einrichtung Kontrollposten an seinen Grenzen, welche die Schweizergarde sichern sollte. Schweizer Bürgern waren Militärdienste für einen fremden Staat seit 1848 verboten, doch bestätigte der Bundesrat am 15. Februar 1929: ‘Die Päpstliche Garde kann nicht als ausländische, bewaffnete Einheit betrachtet werden, daher darf jeder in ihren Dienst treten’.
Die Kommandanten der Schweizergarde seit 1506. Gardemuseum in Naters. Foto: www.gardemuseum.ch
Die Schweizergarde im Vatikan wird von 110 auf 135 Mann (und Frauen ab 2027) erweitert. Die kleine Armee ist daher auf der Suche nach Personal, das heutzutage schwer zu finden ist, da es sich um katholische, männliche, unverheiratete und Schweizerische Bürger handeln muss.
Pratteln, Galerie Beyeler, Ausstellung Schweizer Garde, 2019. Foto: TES.
Das Gardemuseum in Naters (Kanton Wallis) ist dieser Geschichte gewidmet.
Stiftung für die Renovation der Kaserne der Schweizergarde
Das Ziel der Stiftung für die Renovation der Kaserne der Päpstlichen Schweizergarde im Vatikan ist die Erneuerung der Kasernengebäude sowie der übrigen Infrastruktur-Einrichtungen der Garde.
Gala-Uniform der Schweizer Garde. Nationalmuseum Zürich
Galauniform Zwitserse Garde, c. 1820. Collectie: Rätisches Museum, Chur.
Die Schweizer Garde am 20. August in Lugano. Foto: TES.