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Fast jeder kennt sie, die schmerzenden, kleinen Verhärtungen. Sie können an allen Muskeln im Körper auftauchen, viele kennen sie aber im Nackenbereich oder am Rücken. Triggert man diese Punkte – übt man also Druck darauf aus – löst das Schmerzen aus, die in den ganzen Muskelstrang oder in andere Bereiche ausstrahlen.
Dry Needling
Als Alternative dient das Dry Needling. Dort werden dünne, fadenförmige – und namengebend – «trockene» Nadeln direkt in eine Muskelverhärtung, einen sogenannten Triggerpunkt, gestochen. Das soll letztlich Verspannungen lösen und so das schlecht durchblutete Gewebe wieder besser versorgen.
Warum bilden sich Triggerpunkte?
Warum diese Triggerpunkte entstehen ist bis jetzt nicht vollständig geklärt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Überdehnungen, Muskeltraumata, Überlastungen, starke Krafteinwirkungen oder auch Stress auf Dauer Muskelverhärtungen auslösen. Sie führen letztendlich in einen Kreislauf, bei dem der Körper Entzündungsbotenstoffe ausschüttet und so die Schmerzrezeptoren reizt. Verschiedene Untersuchungen fanden im verhärteten Gewebe der Triggerpunkte einen niedrigen pH-Wert sowie eine höhere Konzentration an Stoffen, die eine Entzündung und Schmerzen auslösen. Unterbricht man diesen Kreislauf nicht, bilden sich eben diese Triggerpunkte. Als Folge wird das Gewebe in diesem Bereich nicht mehr richtig durchblutet.
Obwohl die Triggerpunkte in bildgebenden Verfahren wie einem MRT nicht sichtbar sind, fanden Wissenschaftler andere Anzeichen, die auf Triggerpunkte hindeuten: Die Muskelpartie verhärtet sich, es bildet sich eine sogenannter «Hartspannstrang», der gut tastbar ist. Der brennende, ausstrahlende Schmerz kann nur sehr kurz auftauchen, aber auch über mehrere Tage anhalten. Reizt man einen Triggerpunkt mit Druck, kann das lokales Zucken auslösen, indem der Knoten «springt».
Diese Massnahmen helfen bei Triggerpunkten:
- Massage, manuelle Triggerpunkt-Kompression
- Lasertherapie
- Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS)
- Dry Needling
Mit Dry Needling gegen Muskelverhärtungen
Beim Dry Needling sticht der Therapeut oberflächlich 5 bis 10 Millimeter in den Muskelbauch ein. Der Stich löst beim Muskel eine schnelle, unwillkürliche Zuckung aus. Wie diese Muskelzuckung den verhärteten Punkt entspannt, ist nicht vollkommen geklärt – die meisten Studien gehen davon aus, dass durch den Reiz das chemische Milieu wiederhergestellt wird. Möglich wäre auch, dass der Triggerpunkt so hyperstimuliert wird, dass sich die sensorischen Reize wieder normalisieren.
Wie wirkt Dry Needling?
Eine Forschergruppe aus den USA hat in einer systematischen Übersicht 23 Studien zur Wirkung von Dry Needling zusammengefasst. Deren Fazit:
- Dry Needling scheint wirksam gegen Triggerpunkte und damit die Muskelverhärtung zu sein.
- Der Effekt zeigt sich unabhängig von der Körperstelle. Besonders viele Studien gibt es aber für den Bereich des Nackens.
- Dry Needling ist effektiver als Stretching und Reizstromtherapie und scheint genauso effektiv wie die manuelle Triggerpunkt-Behandlung.
Ungewünschte Nebenwirkung: Kann man sich verletzen?
Solange die Nadeln nur in den Muskelbauch gesteckt werden, birgt Dry Needling keine Risiken. Das setzt detaillierte Anatomiekenntnisse voraus. Wichtig ist, sich von einem qualifizierten Physiotherapeuten oder einem Arzt behandeln lassen – er kann sicherstellen, dass kein Nerv getroffen wird und die Behandlung Sinn macht.