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Er wird am 26. November 1670 geboren und ist einziger Sohn des Grafen Johann VIII. von Montfort (1627–1686) und seiner zweiten Ehefrau Maria Anna Katharina, Gräfin von Sulz (1630–1686).[1] Drei Jahre vor seiner Geburt lässt der Vater in Tettnang ein Schloss errichten, nahe bei der im Dreissigjährigen Krieg zerstörten Burg. Es ist das heutige «Alte Schloss», eine einfaches Herrschaftshaus, das vielleicht nicht dem Rang der Grafen von Montfort, aber dafür ihren finanziellen Möglichkeiten entspricht. Denn die Grafen von Montfort sind ein ehemals mächtiges vorarlbergisches Grafengeschlecht, dem nach einem politischen und wirtschaftlichen Niedergang seit dem 16. Jahrhundert nur noch die Herrschaft Tettnang und Argen mit ungefähr 8800 Einwohnern gehört.[2] Im Titel führen sie noch immer die Herrschaft Bregenz, ohne aber hier Rechte zu haben.
1686, im Alter von 16 Jahren, verliert Anton III. beide Eltern, tritt aber erst 1693 die Regierung an. Er heiratet in diesem Jahr Maria Anna Gräfin von Thun (1664–1733). Ihr Vater, Maximilian Graf von Thun ist kaiserlicher Geheimrat, Ritter des goldenen Vlieses und salzburgischer Oberhofmarschall. Die beiden adeligen Eheleute haben, wie alle Adeligen im Deutschen Reich, nur ein Vorbild. Es ist der französische Hof von Versailles unter Louis XIV. Kurfürst Max Emmanuel übernimmt das französische Vorbild für seinen Münchner Hof. Zu München hat der junge Montforter Graf, gefördert von seinem in kurbayrischen Diensten stehenden Onkel, schon früh direkte Beziehungen. Unbesorgt um die finanziellen Möglichkeiten der kleinen Grafschaft führt die gräfliche Familie Montfort nach den Vorbildern in München und Versailles ein aufwändiges Hofleben und betätigt sich als Bau- und Kunstmäzen.
Dass der väterliche Herrschaftssitz diesen Ansprüchen nicht genügen kann, liegt auf der Hand. 1712 verpflichtet Graf Anton III. den im Dienst des Konstanzer Fürstbischofs stehenden Johann Christoph Gessinger zum Bau einer neuen Residenz an der Stelle der Burgruine aus dem Dreissigjährigen Krieg. Er will, ähnlich den Familiensitzen der verschwägerten Waldburg zu Zeil und Wolfegg, eine vierflügelige Schlossanlage mit vier Ecktürmen und vier Ecktreppenhäusern im Innenhof bauen, obwohl Gessinger soeben in Meersburg eine zeitgemässe Residenz mit zentralem Treppenhaus errichtet hat.[3] Gessinger erstellt den Neubau 1713–1716 nach den Wünschen des Bauherrn, die Aussenerscheinung ist aber zeitgenössischem Wiener Vorbild verpflichtet. Als die Tochter des Grafen, Maria Theresia (1698–1751), 1717 Anselm Franz von Schönborn, einen Neffen des mächtigen Reichserzkanzler Lothar Franz von Schönborn heiratet, kommt der «Bauwurmb» der Schönborns auch nach Tettnang.[4] Lothar Franz hat 1711 mit dem Neubau des Schlosses Weissenstein in Pommersfelden begonnen. Zum Zeitpunkt der Hochzeit malt Johann Rudolf Byss, sein Hofmaler, das riesige Treppenhausfresko. Dieser geniale Maler kommt anschliessend nach Tettnang und erstellt hier die Fresken und liefert Tafelbilder. Auch die Stuckateure stammen aus dem Umkreis der Schönborns. Selbst der kurmainzische Hofarchitekt Maximilian von Welsch liefert Entwürfe für den Innenausbau.
Die Finanzlage der Grafschaft ist inzwischen katastrophal. Selbst eine Ausweitung der Langenargener Münzproduktion um 60 Millionen Kreuzer während sieben Jahren hilft nicht weiter. Das Ergebnis der Münzvermehrung in miserabler Qualität ist der Zusammenbruch des süddeutschen Geldverkehrs. Die Gläubiger des Hauses Montfort verlieren die Geduld. Die Schulden sind inzwischen auf 450 000 Gulden gewachsen. Mit dem Rücktritt zugunsten seines Sohnes Ernst Maximilian (1700–1758) kann sich Graf Anton III. noch einmal retten.[5] Er zieht sich 1724 auf Schloss Argen und 1728 nach Salzburg zurück. Hier stirbt er am 7. Dezember 1733, findet sein Grab aber in der Grablege der Klosterkirche Langnau.[6]
Der Wiener Hofmaler Frans van Stampart malt 1709 eindrückliches Porträt des Grafen im Alter von 39 Jahren. Das Brustbild im Oval zeigt ihn mit einer voluminösen Allongeperücke mit Mittelscheitel, deren gepuderte, goldblonde und gürtellange Locken die rechte Seite ganz bedecken und links nach hinten fallen. Damit werden die purpurfarbene und goldbestickte Weste und ein ebenfalls purpurner Umhang sichtbar. Perücke, Weste und auch der seidene Spitzenschal im Ausschnitt sind neueste französische Mode, wie sie auch in den zeitgenössischen Porträts von Kaiser Joseph I. (reg. 1705–1711) oder von dessen Gegner, dem bayrischen Kurfürsten Max Emanuel (reg. 1680–1704 und 1715–1726) identisch dargestellt ist.
Pius Bieri 2011
Benutzte Literatur:
Von Vanotti, Johann Nepomuk: Geschichte der Grafen von Montfort, Konstanz 1845.
Hosch, Hubert : Andreas Brugger (1737–1812), Sigmaringen 1987.
Burmeister, Karl Heinz: «Montfort» in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997)
Wenger, Michael: Texte in Tettnang, Neues Schloss und Stadt, Kunstführer, München und Berlin 2004.
Niederstätter, Alois: Grafen von Montfort, in: Historisches Lexikon Bayerns. 2015.
[2] Die Grafen von Montfort gründen im Mittelalter folgende Städte: Feldkirch, Bregenz, Bludenz, Sargans, Tettnang, Leutkirch, Scheer, Immenstadt und Langenargen. Die geografische Verteilung dieser Städte entspricht dem mittelalterlichen Herrschaftsgebiet des Geschlechts. Die Familie ist seit 1787 ausgestorben. Das Wappen der Montfort von Tettnang zeigt in Silber eine rote Kirchenfahne mit drei Hängeln. Das Land Vorarlberg übernimmt 1918 dieses Wappen.
[3] Die vier Ecktreppenhäuser im Innenhof sind nach dem Vorbild eines nicht ausgeführten, aber 1665 veröffentlichten Planes für den Louvre von Gian Lorenzo Bernini entstanden. Vielleicht kennt Graf Anton III. auch das Projekt von Enrico Zuccalli für Schleissheim, das vor 1700 entsteht und das gleiche Vorbild hat. Kontakte Gessingers zu Zuccalli und zum Münchner Hof sind aber nicht bekannt. Der belesene Gessinger kennt aber die Architektur Berninis nicht nur durch Veröffentlichungen, sondern auch durch die neuesten Wiener Bauten des Bernini-Schülers Johann Bernhard Fischer von Erlach.
[4] Anselm Franz von Schönborn (1681–1726) ist Bruder von Damian Hugo, später Fürstbischof zu Speyer und Konstanz und von Friedrich Carl, dem Nachfolgers von Lothar Franz als Fürstbischof von Bamberg, Würzburg und Mainz.
[5] Anton III. hat zwei Söhne, Ernst Maximilian (1700–1758), Joseph (1696–1708) und eine Tochter, Maria Theresia (1698–1751).
[6] Das Paulinerkloster Langnau, zwischen Hiltensweiler und Oberlangnau gelegen, ist seit dem Mittelalter Hauskloster der Linie Montfort zu Tettnang. Es wird 1787 durch Kaiser Joseph II. säkularisiert und 1794 abgebrochen. Das Hochaltarbild der Klosterkirche von Camillo Procaccini (1555–1629) ist heute in der Pfarrkirche von Hiltensweiler. Auch die Gebeine von elf Angehörigen des Hauses Montfort kommen 1794 in die Arnoldskapelle südlich der Pfarrkirche, darunter Graf Anton III. und seine Gemahlin Maria Anna Gräfin von Thun. Die Epitaphien werden beim Abbruch zerstört. Heute erinnert eine schlichte Tafel in der Arnoldskapelle an sie.
|Anton III. Graf von Montfort (1670–1733)|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|26. November 1670||Tettnang Baden-Württemberg D||Grafschaft Montfort|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Graf von Montfort, Herr von Bregenz, Tettnang und Argen||1693–1727|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|7. Dezember 1733||Salzburg A||Erzstift Salzburg|
|Kurzbiografie|

Anton III. Graf von Montfort ist Erbe eines grossen Namens, verheiratet mit einer Gräfin von Thun, einem ebenso berühmten Salzburger Adelsgeschlecht. Ursprünglich bis ins Graubündische reichend, besteht die Grafschaft Montfort seit dem 16. Jahrhundert nur noch aus der Herrschaft Tettnang und Argen. Schon bei Regierungsantritt hoch verschuldet, führt Anton III. trotzdem ein aufwändiges Hofleben im Umkreis des Wiener Hofes. Mit seinen Bauvorhaben, vor allem mit dem Neuen Schloss in Tettnang, vergrössert er die Schuldenlast. Seine Ausweitung der Münzproduktion in Langenargen führt zum Zusammenbruch des süddeutschen Zahlungsverkehrs, sodass er schliesslich auf Druck der Gläubiger die Regierungsgeschäfte abgeben muss.
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