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Ihre Rinder sind der ganze Stolz des im Südsudan lebenden Volkes der Mundari. Der Bündner Fotograf Gian Giovanoli machte sich im Februar 2018 auf, um ihren Alltag zu dokumentieren. Der Südsudan ist das Zuhause von einzigartigen Volksstämmen, welche ihre urtümliche Lebensart und ihre kulturellen Bräuche noch immer unverändert praktizieren. Der noch immer andauernde Bürgerkrieg verhindert den sozialen und technologischen Fortschritt und zwingt diese Völker, ihr Leben als Selbstversorger weiterzuführen. Die Zeit im Südsudan ist sozusagen stehen geblieben.
Das Hüten der Herde wird unter den Hirten aufgeteilt. Meist sind es die Jüngeren, die diese Aufgabe übernehmen, bewaffnet mit Speeren oder Maschinengewehren. Die älteren Hirten verbringen die glühend heisse Mittagszeit ruhend im Schatten.
Das Formen der Kuhhörner beginnt schon ganz früh; regelmässig werden diese geschnitten und geschliffen, um die Wachstumsrichtung zu beeinflussen. Dadurch entstehen imposante Formen, die den Wert der Kuh zusätzlich steigern können.
Mundari-Kinder reiben mithilfe von Stöcken das Fell von einer getrockneten Kuhhaut ab. Diese Haut hat eine vielseitige Nutzung, als Unterlage zum Arbeiten und Schlafen, aber auch als Tasche oder Rucksack für den Transport von Kleinkindern.
Ein «V» auf der Stirn – es bedeutet: Ich bin ein Mundari. Es ist zugleich ein Zeichen der Stammeszugehörigkeit und ein Schönheitsmerkmal. Das Einritzen mit einem Messer beginnt schon im Kindesalter; das V wird dann nach und nach erweitert. Anders als die Mundari haben zum Beispiel die Dinka, ein anderer Stamm des Südsudan, der einen sehr ähnlichen Lebensstil führt, kreisrunde Einschnitte rund um den Schädel.
Die Kuh ist das wertvollste Gut der Mundari. Abigar heisst die Rasse. Die meisten Tiere sind weiss; umso wertvoller ist deshalb eine Kuh, die braun oder schwarz ist. Nichts übertrifft jedoch den Wert einer gefleckten Kuh. Ihre Seltenheit macht sie zum wertvollsten Tier in der Herde. Bis zu 500 Dollar kann sie kosten, was im Südsudan ein Vermögen ist. Wenn der Hirte dann noch das Glück hat, einen gefleckten Bullen zu besitzen, kann ihn das zu einem reichen Mann machen.
«Woro» ist das Mundari-Wort für Kuhdung. Er wird morgens und abends von Hand zusammengetragen. Es entstehen zahlreiche rund 2 Meter breite und 1 Meter hohe Haufen, die in der Tageshitze trocknen. Pünktlich vor Sonnenuntergang werden diese angezündet und brennen die ganze Nacht hindurch. Der Rauch schützt Tier und Mensch vor der allgegenwärtigen Malariamücke und anderem Ungeziefer, zudem wärmt das Feuer ihre Körper im Schlaf.
Übrig bleibt eine feine Asche, welche sich die Mundari nach einem Bad im Nil auf den Körper reiben – dies dient der Ästhetik und der Pflege der Haut, aber am wichtigsten auch hier wieder: Schutz vor Ungeziefer. Zudem werden alle Tiere jeden Morgen mit dieser Asche eingerieben und die Hörner mit einer Mischung aus Asche, Erde und Wasser bestrichen, was diesen einen rosaroten Farbstich verleiht.
Seit Ende Juni ist Gian Giovanolis dritte Ausstellung über Hirtennomaden in seiner Galerie L’Atelier in Pontresina zu sehen: Fotografien über das Leben der Changpa, die Ziegenhirten des Kaschmir. Öffnungszeiten und weitere Informationen auf www.giangiovanoli.com. Der Eintritt ist kostenlos.