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Das Alters- und Pflegeheim Kerzers steht massiv schlechter da als die Heime Jeuss und Sugiez
Autor: Von URS HAENNI
Aufgrund des laufenden Verfahrens wollte Präsidentin Elisabeth Leu an der Delegiertenversammlung des Verbandes für die Alters- und Pflegeheime im Murtenbiet keinerlei Auskünfte über die Art der Verfehlungen oder über die Höhe des Schadens geben.
Die Entlassung des Heimleiters im Mai letzten Jahres sei wegen unterschiedlichen Auffassungen über die Führung eines Altersheimes und wegen Unregelmässigkeiten in der Rechnungsführung entstanden, heisst es im Jahresbericht.
Keine anderen Erklärungen
für die schlechten Finanzen
Mehr Aufschluss gibt der Rechnungsabschluss für das Jahr 1999. Während Jeuss und Sugiez ohne ausserordentliche Abschreibungen ein ausgeglichenes Ergebnis vorweisen, hat es in Kerzers ein Defizit von über 250000 Franken gegeben - budgetiert war eine ausgeglichene Rechnung. Bereits 1998 hatte Kerzers ein Defizit von 110000Franken ausgewiesen; Sugiez schloss ausgeglichen ab, und Jeuss machte einen Betriebsgewinn von 110000 Franken.
Im Kerzerser Fehlbetrag für das Jahr 1999 sind 136000 Franken ausserordentlicher Aufwand inbegriffen, von denen 100000 Franken zur Aufklärung und Bereinigung der Vorkommnisse um den ehemaligen Kerzerser Heimleiter verwendet wurden.Auch in der Bilanz steht Kerzers viel schlechter da als Jeuss und Sugiez. Die drei Heime haben zusammen ein Eigenkapital von fast 1,9 Millionen Franken, Kerzers aber weist ein Minuskapital von 250000 Franken aus. Verbucht ist dabei ein Betrag von fast 300000 Franken, mit dem die anderen beiden Heime als langfristige Verbindlichkeit dem Heim in Kerzers ausgeholfen haben.
Der zweite interimistische Heimleiter
Gibt es nebst den Unregelmässigkeiten durch den ehemaligen Heimleiter andere Erklärungen, etwa aus dem betrieblichen Ablauf, warum Kerzers finanziell so schlecht abschneidet? Elisabeth Leu gegenüber den FN: «Nein, andere Erklärungen gibt es nicht.»
Die Führung des Altersheims in Kerzers wurde nach der Entlassung des Heimleiters während eines Jahres interimistisch durch den Heimleiter von Sugiez, Hans Etter, übernommen. Seit dem 1. Mai 2000 ist nun Peter Brechbühler Heimleiter in Kerzers. Brechbühler hat bis zur Pensionierung ein Heim in Nidau geführt und soll nun interimistisch das Kerzerser Heim zu einem Pflegeheim hinführen (siehe Kasten).
Im Vorstand des Alters- und Pflegeheim-Verbandes hat man in diesem Jahr Anstrengungen unternommen, um den Betrieb effizienter zu gestalten. So sagt etwa die Verbandspräsidentin, dass die drei Heime Kerzers, Jeuss und Sugiez bisher wenig zusammengearbeitet haben, dass sie auch nicht ein einheitliches Rechnungssystem angewandt hätten. Zudem seien die betriebswirtschaftlichen Grössen nicht optimal. Kurz: «Es gibt ein klares Synergiepotenzial.»
Es seien Konzepte am Entstehen, sagte Elisabeth Leu. Beispielsweise habe man im ehemaligen Muntelierer Ammann Hugo Etter eine Person mit dem Cash-Management beauftragt - das heisst, der Verband nimmt die Rolle der Bank für die drei Heime wahr. Weiter soll ein Konzept für die Salärpolitik oder für PR ausgearbeitet werden.
Verband will
drei Pflegeheime
Der Verband für Alters- und Pflegeheime im Murtenbiet will seine drei Heime in Kerzers, Jeuss und Sugiez Ende Jahr auf die kantonale Pflegeheimliste setzen lassen.
Durch das im März vom Grossen Rat angenommene Gesetz über die Pflegeheime für Betagte müssen sich Heimbetreiber entscheiden, ob sie inskünftig als Altersheime oder als Pflegeheime gelten wollen. Ein «Alters- und Pflegeheim» wie bisher wird es unter Vorbehalt einer Volksabstimmung im Herbst nicht mehr geben.
Wie Hans Etter, Heimleiter in Sugiez, erklärt, können die Murtenbieter Heime als «Pensionen für Betagte» die Bedürfnisse in der Region nicht mehr wahrnehmen. Die Pflegeheime werden nämlich Anrecht auf Krankenkassenentschädigungen haben; nicht so die Pensionen für Betagte.
Der Verband wolle nun die Flucht nach vorne antreten, damit alle drei Heime vom Kanton als Pflegeheime anerkannt werden. Bisher entspricht vor allem Jeuss bereits den Kriterien eines Pflegeheims, doch wenigstens eines der Heime Kerzers oder Sugiez könnte ebenfalls relativ schnell umgewandelt werden, meint Etter.
Von der Kerzerser Gemeindepräsidentin kam der Einwand, dass in der Region auch ein Bedürfnis nach einfachen Altersheimplätzen bestehe. Etter entgegnete ihr, dass solche Personen auch in einem zukünftigen Pflegeheim Aufnahme finden würden.
Hans Etter wies darauf hin, dass durch Institutionen wie Hauspflege, Mahlzeitendienst oder Haushaltshilfe einiges geändert habe und die betagten Leute viel länger zu Hause bleiben. Für ihn ist klar: «Altersheime gehören der Vergangenheit an.»
Heim in Merlach
mit positiver Bilanz
Das Medizinische Pflegeheim in Merlach hat ein ruhiges und auch finanziell erfreuliches Jahr hinter sich. Die Rechnung weist bei einem Aufwand von nicht ganz 5 Millionen Franken einen Einnahmenüberschuss von 95000 Franken aus. Die Auslastung war während des ganzen Jahres gut, und die Bettenzahl wurde erhöht.
Im vergangenen Jahr hat das Heim eine Parkplatzbewirtschaftung eingeführt und ein neues Informatik-System installiert. Die Pensionäre konnten einen neuen Sitzbank einweihen, dazu wird neu an alle eintretenden Personen eine Broschüre abgegeben.
Die Delegiertenversammlung hat nun einem Kredit von 32000 Franken zur Anschaffung von zwei automatischen Türen beim Haupteingang zugestimmt. Die bisherigen Türen hätten verschiedene Personen nur schwer öffnen können.