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Landwirte sind vermehrt dazu angehalten, mit den Behörden elektronisch zu kommunizieren. Dies ist obligatorisch bei der Verwaltung der Direktzahlungen und der Erfassung der Tiere. Agroscope interviewte Landwirte zur wahrgenommenen administrativen Belastung.
In den letzten 20 Jahren haben viele Regierungen auf der ganzen Welt Initiativen zur elektronischen Verwaltung gestartet. Elektronische Behördendienste, abgekürzt als “E-Government”, können definiert werden als die Nutzung digitaler Informationstechnologie zur Umsetzung und Unterstützung von Informations-, Kommunikations- und Transaktionsprozessen (IKT) zwischen staatlichen Institutionen und den Bürgerinnen und Bürgern des Staates.
E-Government-Systeme für den Agrarsektor
Viele Regierungen haben auch in E-Government-Systeme für den Agrarsektor investiert. Die europäischen Regierungen entwickelten elektronische Systeme vor allem aus zwei Gründen: Erstens zur Unterstützung der Identifizierung und Rückverfolgbarkeit von Tieren von der Geburt bis zur Schlachtung aus Gründen der Tier- und öffentlichen Gesundheit und zweitens zur Verwaltung der Beantragung und Auszahlung von Direktzahlungen zwischen der Regierung und den Landwirten. Aufgrund dieser Entwicklungen wird von den Landwirten erwartet, dass sie zunehmend E-Government-Dienste nutzen.
In der Schweiz müssen alle Landwirte zweimal im Jahr den kantonalen Behörden elektronische Datensätze zur Flächennutzung und zu den Tieren vorlegen, um den Anspruch auf Subventionen im Rahmen der Direktzahlungsverordnung nachzuweisen. Eine Studie aus dem Jahr 2019 hat gezeigt, dass etwa ein Drittel der Schweizer Landwirte den Übergang von Papier zu elektronischen Formularen recht gut bewältigt hat, während 40 % der Landwirte angaben, dass sich ihr Verwaltungsaufwand durch die Nutzung von E-Government-Diensten erhöht hat.
Studie zu Einflussfaktoren des E-Governments auf die wahrgenommene administrative Belastung
In unserer Studie untersuchten wir, welche Faktoren das Ausmaß beeinflussen, in dem Landwirte die Nutzung solcher Dienste als belastend empfinden. Zudem entwickelten wir ein Konzept, um diese Faktoren für den Agrarsektor zu kategorisieren.
Wir führten eine qualitative Fallstudie in der Schweiz durch und interviewten sechs Landwirte persönlich mit Hilfe eines kontrastiven Samplings. Das bedeutet es wurden Landwirte mit gegenläufiger Einstellung zum E-Government befragt. Die Interviews wurden mit Hilfe einer thematischen Analyse untersucht. Wir fanden Einflussfaktoren aus vier verschiedenen Bereichen:
- Betriebs- und Betriebsleitereigenschaften (z.B. Betriebsstruktur, Einstellung des Landwirts gegenüber IKT, IKT-Kompetenz des Landwirts, Nutzung externer Unterstützung, Arbeitsorganisation und Infrastruktur),
- Nutzungseigenschaften von E-Government-Diensten (z.B. Menge und Häufigkeit der Dateneingabe und Nutzungsdauer),
- wahrgenommene Eigenschaften von E-Government (z.B. Netzwerk, Dokumentation, Softwaredesign, Komplexität, Betriebskompatibilität und Doppelarbeit) und
- wahrgenommene Auswirkungen auf den Betrieb (Datensicherheit).
Wir fanden heraus, dass die Nutzung von E-Government-Diensten keine organisatorischen Vorteile für landwirtschaftliche Familienbetriebe hat. Unsere Ergebnisse bieten einen konzeptionellen Rahmen, um zu verstehen, warum E-Government-Dienste für Landwirte entweder zu einer Verringerung oder zu einer Erhöhung des von ihnen wahrgenommenen Verwaltungsaufwands beitragen können. Darüber hinaus liefert die Studie politikrelevante Informationen über die Faktoren, die bei der digitalen Direktzahlungsverwaltung zur Verringerung des Verwaltungsaufwands der Landwirte eine Rolle spielen.
Fazit
- Die Schweizer Landwirte verbringen im Durchschnitt 3-5 % ihrer gesamten Arbeitszeit mit administrativen Aufgaben, die ihnen durch das Direktzahlungssystem auferlegt werden.
- Die Einstellung der Landwirte gegenüber Informations- und Kommunikationstechnologie, die IKT-Kompetenz, die Nutzung externer Unterstützung, die Arbeitsorganisation und die IKT-Infrastruktur beeinflussen die erfolgreiche Übernahme von E-Government-Diensten.
- Die Nutzung von E-Government-Diensten bringt keine organisatorischen Vorteile für Familienbetriebe.
- Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Wahrnehmung von E-Government-Diensten durch die Landwirte nicht verstanden werden kann, ohne ihre Einstellung zu IKT zu berücksichtigen.
- Die Einstellung gegenüber IKT wird von der Persönlichkeit des Landwirts und seinen früheren Erfahrungen beeinflusst.