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Auf einem Gipfeltreffen im Jahr 2015 in New York beschlossen die UN-Mitgliedsstaaten 17 Entwicklungsziele, die die Weltpolitik bis ins Jahr 2030 massgeblich prägen werden.
Der Weg bis dahin war aber ein langer und steiler. Den ersten Teil der Artikelserie über die Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDG = Sustainable Development Goals) widmen wir den politischen Meilensteinen, die zur ihrer Etablierung führten.
Unsere gemeinsame Zukunft
Den Startschuss für die nachhaltige Entwicklung, wie wir sie heute kennen, gab der Zukunftsbericht „Unsere gemeinsame Zukunft“ (Our Common Future), welcher 1987 durch die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (WCED) veröffentlicht wurde. Heute als Brundtland-Bericht bekannt, beeinflusste er die internationale Debatte über Entwicklungs- und Umweltpolitik massgeblich. Zum ersten Mal wurde hier das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung formuliert: Sie wurde als eine „Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen“ definiert. Dieses von der Kommission vorgestellte Konzept bildete dann die Grundlage einer integrativen globalen Politikstrategie. So wurden bisher als getrennt betrachtete Problembereiche wie u.a. Umweltverschmutzung in Industrieländern, globale Hochrüstung, Schuldenkrise, Bevölkerungsentwicklung und Wüstenausbreitung in der Dritten Welt in einem Wirkungsgeflecht gesehen, das durch einzelne Massnahmen nicht gelöst werden kann. Einerseits müsse die Armut in den Entwicklungsländern überwunden werden; in den Industrieländern sei dagegen der materielle Wohlstand mit der Erhaltung der Natur als Lebensgrundlage in Einklang zu bringen. Das Fazit des Brundtland-Berichtes lautete: „Wir müssen handeln, jetzt!“
Umwelt und Entwicklung gehören zusammen
Trotzdem erst viele Jahre später — im Juni 1992 — fand schliesslich die Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro statt. Mit 10’000 Delegierten aus 178 Staaten und weiteren 2400 Vertretern von nichtstaatlichen Organisationen (NGOs) war sie seit der Konferenz in Stockholm, die 20 Jahre früher gehalten wurde, die grösste internationale Konferenz, die Umweltfragen in einem globalen Rahmen diskutierte. Sie war ein wichtiger Schritt hin zu den SDGs. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ wurde in die Weltpolitik einzementiert und Entwicklung und Fortschritt als etwas angesehen, was nicht auf Kosten künftiger Generationen gehen darf.
Bis zur Rio-Konferenz und der Verabschiedung von Entwicklungszielen war es ein langer Weg, auf dem zwischen den beteiligten Regierungen teilweise heftig gerungen wurde. Am Ende der Konferenz sollten Ergebnisse stehen, die — basierend auf Empfehlungen des Brundtland-Berichts — verbindliche Handlungsvorgaben für eine nachhaltige Entwicklung vorschreiben sollten. Nicht nur umweltpolitische Probleme waren Gegenstand der Konferenz; vielmehr sollten auch die drängenden globalen Entwicklungsprobleme im umweltpolitischen Zusammenhang behandelt werden. Dabei standen insbesondere die Abhängigkeit des Menschen von seiner Umwelt und die Rückkopplung weltweiter Umweltveränderungen auf sein Verhalten (bzw. seine Handlungsmöglichkeiten) im Fokus der Diskussionen.
Am Ende kamen in Rio fünf Ergebnisse zustande, die vor dem Hintergrund der Vielzahl der Interessengegensätze immer noch als ein erfolgreicher Schritt für eine globale Umwelt- und Entwicklungspartnerschaft gesehen werden: Die Agenda 21, die Deklaration von Rio über Umwelt und Entwicklung, die Klimaschutz-Konvention, die Biodiversitätskonvention, sowie die Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung. Unter der Agenda 21 verpflichteten sich 178 Staaten, die Leitlinien zur nachhaltigen Entwicklung bis hin zum 21. Jahrhundert zu befolgen.
Entwicklungsziele für das Millennium
Konkrete Entwicklungsleitlinien wurden im Rahmen der Millenium-Erklärung im Jahr 2000 durch die UN präsentiert. Die in Zusammenarbeit mit der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds und eines Entwicklungsausschusses erstellten Millenium Development Goals (MDG) gelten als direkte Vorläufer der SDG. Die acht Ziele hätten bis zum Jahr 2015 umgesetzt werden sollen. Sie umfassten die Bekämpfung von Armut und Hunger, Schulbildung für alle, Gleichstellung der Geschlechter, Senkung der Kindersterblichkeit, Verbesserung der Gesundheitsversorgung von Müttern, Bekämpfung von ansteckenden Krankheiten, nachhaltige Ökologie sowie die Stärkung der globalen Zusammenarbeit. Tatsächlich konnte die extreme Armut weltweit gesenkt werden, doch viele weitere Ziele blieben unverwirklicht. Es wurde an den acht Entwicklungszielen kritisiert, dass die darin formulierten Aufgaben nicht alle Länder in die Zielerreichung miteinbezogen und vor allem die Industrieländer kaum in die Pflicht nahmen. Dennoch halfen die Millennium-Entwicklungsziele vielen Staatsregierungen sowie der internationalen Gemeinschaft, ihre Entwicklungsanstrengungen zu fokussieren und dafür Mittel zu mobilisieren.
Die Geburtsstunde der SDG
Auf ihrem Gipfeltreffen am 25. September 2015 in New York, an dem sich nun 193 Länder beteiligten, beschloss die UN schliesslich die Agenda 2030 mit 17 neuen Zielen für nachhaltige Entwicklung — die SDG waren geboren. Der rund 30-seitige Aktionsplan knüpft an die Millenniumsentwicklungsziele an, legt seinen Fokus jedoch nebst der Verringerung von Armut und Hunger in Entwicklungsländern stärker auf die Zusammenarbeit aller Länder in Hinsicht auf die nachhaltige Entwicklung. Dabei soll den wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Dimensionen von Nachhaltigkeit in ausgewogener Weise Rechnung getragen werden. Die SDG traten am 1. Januar 2016 in Kraft und sollen bis ins Jahr 2030 verwirklicht werden. Über die Massnahmen zur Erreichung der Ziele entscheidet jedoch jeder Staat selbstständig.