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Ländliche Entwicklung und Stärkung der Zivilgesellschaft
Landesprogramm Brasilien
HEKS ist in Brasilien in der Savannenregion Cerrado und in Mato Grosso do Sul tätig. HEKS hilft dort ländlichen Gemeinschaften bei der Verbesserung der Ernährungssicherheit und des Einkommens sowie beim Aufbau einer starken Zivilgesellschaft, unter besonderer Berücksichtigung von Jugendlichen und Frauen.
Übersicht
Brasilien ist ein Land kontinentalen Ausmasses mit einzigartigen Ökosystemen wie dem Amazonas und den Busch- und Baumsavannen des Cerrado. Die Biodiversität und kulturelle Vielfalt des Landes ist jedoch durch die Ausbreitung grossflächiger Soja-, Zuckerrohr- und Eukalyptusplantagen sowie extensive Rinderzucht immer stärker bedroht. Nebst den Umweltproblemen infolge der extensiven Abholzung haben sich auch die sozialen Probleme deutlich verschärft, insbesondere durch Landvertreibung und Landkonflikte: Familien, die seit Generationen auf ihrem Land leben, aber zum grossen Teil keine Landtitel besitzen, werden von Grossgrundbesitzenden sowie von nationalen und multinationalen Konzernen systematisch vertrieben.
Brasilien weist extreme soziale und ökonomische Ungleichheiten auf. Nach Angaben der Regierung lebt ein Drittel der 199 Millionen EinwohnerInnen unter der Armutsgrenze. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist auch mit regionalen Unterschieden und der Diskriminierung grosser Bevölkerungsgruppen verbunden. 60 Prozent der Menschen auf dem Land sind arm. AfrobrasilianerInnen und Indigene haben in der Regel schlechtere Bildungschancen, schlechtere Wohn- und Lebensbedingungen und ein geringeres Einkommen. Eine der Hauptursachen von Hunger und Armut ist die ungerechte Landverteilung. Die Landkonzentration ist in den letzten Jahren noch gestiegen: 4,8 Millionen brasilianische Familien sind ohne Land, während gut 4000 Grossgrundbesitzer über mehr als 85 Millionen Hektaren Land verfügen. In den letzten zehn Jahren mussten über eine Million landwirtschaftliche Kleinbetriebe aufgeben. Zwar wurden die Lebensbedingungen der Ärmsten dank der Sozialpolitik der brasilianischen Regierung unter Lula da Silva und Dilma Rousseff verbessert; die strukturellen Ursachen der Armut wurden jedoch kaum bekämpft. Die Umsetzung der Agrarreform ist fast zum Stillstand gekommen.
Ziele und Schwerpunkte
HEKS ist in Brasilien seit den 1980er-Jahren engagiert. Das Hilfswerk folgte nach der Aufhebung der Diktatur dem Aufruf der ökumenischen Kirchen zur Umsetzung der «Option für die Armen», die von der Befreiungstheologie geprägt wurde. Von Anfang an konzentrierte sich HEKS auf die ländliche Entwicklung, das heisst auf den Zugang zu Land und Wasser, auf die Ernährungssicherung, den Aufbau von ländlichen Basisorganisationen und auf Gewaltprävention durch informelle Bildung im Rahmen der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.
Geographisch konzentriert sich das HEKS-Landesprogramm auf die Savannenregion Cerrado in Zentralbrasilien und auf Mato Grosso do Sul. Thematische Schwerpunkte sind die Unterstützung ländlicher Gemeinschaften und der Aufbau einer starken Zivilgesellschaft.
Übergreifende Ziele des Programms sind die Verbesserung der Nahrungsmittelsituation und des Einkommens von ländlichen Gemeinschaften sowie die Stärkung von ländlichen Organisationen mit einer besonderen Berücksichtigung von Jugendlichen und Frauen.
Christian Bobst
Aktivitäten
Das Landesprogramm umfasst folgende Aktivitäten: Zugang zu Ressourcen: Unterstützung des gewaltlosen Landkampfs für eine gerechtere Landverteilung, des Engagements für Zugang zu Wasser und Produktionsmitteln sowie zur Durchsetzung der kulturellen und territorialen Rechte für traditionelle Bevölkerungsgruppen. Ökologische Landwirtschaft: Ausbildung von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in nachhaltiger Landwirtschaft (Boden- und Wasserschutzmassnahmen, Produktion von traditionellem Saatgut, Anbau von biologischem Gemüse und Getreide, Agroforstwirtschaft). Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Forschungsinstituten und Universitäten. Förderung von Wertschöpfungsketten: Produktion, Verarbeitung und Vermarktung von Nahrungsmitteln (etwa einheimische Früchte, Medizinalpflanzen, Honig) und Kunsthandwerk, Aufbau von Produktions- und Vermarktungseinheiten und Strukturen des fairen Handels. Aufbau Zivilgesellschaft: Fortbildung junger Frauen und Männer zu sozialen LeaderInnen, institutionelle Beratung und Stärkung sozialer Organisationen wie etwa der Landlosenbewegung, regionale und nationale Vernetzung. Lobbyarbeit und Advocacy: Einforderung von wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und zivilen Rechten. Politische Einflussnahme mit dem Ziel einer strukturellen Veränderung der Besitz- und Machtverhältnisse.