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Galizien
25.6.1981, Brody - 1971, London
Malerei, Grafik
Moshe Maurer wuchs in Brody (damals Ostgalizien, Kaiserreich Österreich-Ungarn; dann UdSSR heute Ukraine), einer kulturell typisch jiddisch geprägten Stadt, mit über 90% jüdischem Religionsanteil, nahe der russischen Grenze auf. Sein Vater besass eine Bürstenfabrik und war sehr wohlhabend. Seine Eltern erzogen ihn nach den strengen Regeln der Orthodoxie und des Chassidismus (hebr. die Frommen).
Moshe Maurer lebte in einer Welt, die vom Talmud geprägt war. In seiner Jugend wollte er Geiger werden, doch seine Eltern liessen dies nicht zu und zerbrachen seine Violine, die er sich von seinem Ersparten gekauft hatte.
Er sollte später den Familienbetrieb weiterführen. Aus Protest begann er heimlich, Novellen auf Jiddisch zu schreiben.
Bei Ausbruch des ersten Weltkrieges floh die Familie nach Budapest. Moshe begab sich 1914 in das neutrale Holland, wo er für seinen Vater als Handelsvertreter arbeitete. 1920 lernte er seine Frau Esther kennen. Im gleichen Jahr heirateten sie in Antwerpen und blieben dort bis 1940.
Bei Ausbruch des zweiten Weltkrieges flohen sie nach London. Hier gründete Moshe Maurer eine Werkstatt, die Malerpinsel herstellte. Nach Kriegsende musste er die Fabrik krankheitshalber schliessen.
Im Jahr 1950, bereits 60-jährig, fing er plötzlich an zu malen, um seinem Leiden einen Ausdruck geben zu können. Seine drei Söhne nahmen seine Malerei nicht ernst und dachten, ihr Vater sei geistig verwirrt. Moshe Maurer malte, angespornt von seiner Frau, unbeirrt weiter. Das Trauma der Emigration und sehnsuchtsvolle Fantasien von einer alten biblischen Vergangenheit waren seine Themen. Kunstkenner und Galeristen rieten ihm, seinem naiven Malstil treu zu bleiben.
Als seine Frau am 12.2.1962 starb, geriet Moshe Maurer in eine tiefe Melancholie. Er verbrachte Monate in Einsamkeit und konnte kaum mehr malen. Dank der Malerei keimte schliesslich neue Lebenslust auf. Erschuf eine eigene Welt, seinen eigenen Garten Eden. Moshe Maurer starb 1971 in London.
Moshe Maurers Ölbilder sind in satten Farben gehalten. Sie zeigen Ereignisse des jüdischen Alltags und religiöser Feierlichkeiten, wie z.B. das Chanukka-Fest, die Erinnerung an die Erbauung des akkabäischen Tempels 165 v. Chr. Die dargestellten Geschichten aus den jüdischen Ghettos von Galizien sind von einer unergründlichen Magie erfüllt. Die Bilder sind nie folkloristisch, aber voller Melancholie und Träume einer längst versunkenen Welt.
Die Aquarelle sind durchsichtiger und leichter, wirken so, als versuchten sie, das verlorene Paradies der alten Heimat wieder auferstehen zu lassen.