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Von Irène Maier
Schon lange vor der Gründung des Eidgenössischen Orchesterverbandes 1918 gab es in der Schweiz etliche Liebhaberorchester. Jede Stadt, jedes Städtchen hatte ein eigenes Orchester, aber diese waren auf sich selbst gestellt. Die Frage nach einem organisierten Dachverband kam erst anfangs des 20. Jahrhunderts im Raum Zürich auf, wo sich eine aktive Musikszene mit mehreren Orchestern gebildet hatte.
Einige dieser Liebhaberorchester haben sich im Laufe der Zeit zu Berufsorchestern weiterentwickelt. Andere haben ihren Status als Laienorchester behalten, einige davon mit ambitioniert hohen Zielen. Allen gemeinsam ist die Pflege der klassischen Musik auf verschiedenen Ebenen. Inzwischen kann der Orchesterverband auf sein 100-jähriges Bestehen zurückblicken.
Die Zahl der Mitgliedsorchester im Eidgenössischen Orchesterverband hat sich in den letzten Jahren bei rund 200 eingependelt. Darunter sind 40 Jugendorchester. Die Palette reicht vom kleinen Kammerensemble bis zum grossen Sinfonieorchester. Der grösste Teil aller Orchester wird von Berufsdirigenten geleitet.
Notenbibliothek und internationaler Austausch
Eines der vorrangigen Ziele bei der Verbandsgründung war die Schaffung einer gemeinsamen Notenbibliothek. Das Erwerben von Partituren war für Laienorchester nicht einfach und zudem oft kostspielig. Auch heute gehört die Notenbibliothek zu den wichtigsten Dienstleistungen des Orchesterverbandes. Hier können sich die Mitglieder die Partituren aller gängigen Werke mit sämtlichen Stimmauszügen in einer einheitlichen Ausgabe ausleihen. Ein weiterer Vorteil ist der Pauschalvertrag des Verbandes mit der SUISA, dem schweizerischen Urheberrechtsverband.
Ein Meilenstein in der Geschichte des Verbandes war, als die damalige Präsidentin Käthi Engel Pignolo in den 80er-Jahren die Integration und die Vernetzung mit anderen Musikverbänden in Europa vorantrieb. Als Mitglied der European Orchestra Federation (EOFed) wurde es den Schweizern möglich, die internationale Zusammenarbeit zu pflegen. Seit 1988 gibt es alle drei Jahre ein Orchestertreffen.
Jugendliche musikalisch bei der Stange halten
Die hohe Anzahl der Jugendorchester, die Musikschulorchester nicht eingerechnet, beweist, dass das Erlernen eines Instrumentes für Kinder und Jugendliche immer noch erstrebenswert ist. Johannes Reinhard, der Präsident des Orchesterverbandes, ist der Ansicht, dass es Jugendliche durchaus «cool» finden, mit Gleichgesinnten aktiv in einem Orchester mitzuspielen, vor allem, wenn man grosse Werke aufführen darf. Er weist aber darauf hin, dass es leider so ist, dass viele mit dem Spielen aufhören, sobald sie mit einer Lehre beginnen, weil sie die Zeit dafür nicht mehr aufbringen können oder wollen. Diejenigen, die dabeibleiben, sind meistens Studenten, die arbeitsbedingt ihre Zeit selbständig einteilen können. Das Resultat ist eine Akademisierung der Jugendorchester, was eigentlich nicht das Ziel ist. Gemäss dem Verfassungsartikel über Musikalische Bildung, dessen Einführung 2012 in einer Volksabstimmung beschlossen wurde, muss das Musizieren allen Kindern und Jugendlichen unabhängig ihrer Herkunft und Ausbildung offenstehen. Da gibt es gemäss Reinhard für den Verband noch viel Arbeit zu tun.
Gratiskonzerte Orchesterfest Aarau vom 22. September 2018
Informationen zum Eidg. Orchesterverband