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| Hilarius von Poitiers († 367) - Abhandlungen über die Psalmen.

Ps. 60
Abhandlung über den Psalm
5.
Ja sogar in welcher Hoffnung er durch den Schirm der Flügel Gottes sollte beschattet werden, zeigt er an, indem er spricht: „Du gibst denen das Erbe, welche deinen Namen fürchten. Tage legest du den Tagen des Königes zu; du verlängerst seine Jahre von Geschlecht zu Geschlecht. Er bleibt in Ewigkeit vor Gott.“ Denn dieses ist das Erbe des Heiligen, nämlich Leben und Unvergänglichkeit, und Herrschaft und ewiges Wohnen bei Gott. Nicht bloß für Israel ist dieses Erbe bestimmt, sondern für die, welche [S. 206] den Namen Gottes fürchten. Denn die Tage des Königes sind ewig; entweder weil die Heiligen, welche nicht Sclaven der Sünde seyn werden, Könige sind, nach dem Ausspruche des Apostels:1 „Ihr herrschet nun ohne uns; ja wollte Gott, daß ihr herrschen möchtet, damit auch wir mit euch herrschen;“ oder weil eben dieser Prophet auch ein König ist; oder weil der, welcher zur Rechten sitzt, in dem ewigen Reiche herrschen muß, bis er seine Feinde unter seine Füße legt, nicht aber, als wenn er dann selbst nicht mehr König wäre; sondern wann er das Reich Gott dem Vater übergeben hat, wird er selbst mit denen herrschen, welche Könige sind. Darum scheint mir hier dieser Sinn festgehalten zu seyn, daß von Geschlecht zu Geschlecht, und von Tagen zu Tagen seine Jahre zugelegt werden, er aber vor Gott bleibe in Ewigkeit; so daß jene Zeit, wo er herrschen muß, bis er seine Feinde unter seine Füße legt, in den Worten „von Geschlecht zu Geschlecht“ begriffen ist; weil auf diese Zeugung der geistigen Geburt die Geburt aus den Todten folgt, die Empfangung seiner Ewigkeit aber dadurch, daß er in Ewigkeit vor Gott ist, verkündet wird. Er ist aber der Erstgeborne von den Todten. Von dieser Wiedergeburt thut der Herr zu den Aposteln mit folgenden Worten Erwähnung:2. „Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seyd, werdet bei der Wiedergeburt, wann der Menschen-Sohn auf dem Throne seiner Herrlichkeit sitzen wird, auf zwölf Thronen sitzen, und die zwölf Stämme Israels richten.“ Er meinte also die Zeit dieser Wiedergeburt, und bis zu dieser werden Tage auf Tage die Jahre des Königes vermehrt. Er selbst aber wird vor Gott ewig bleiben, und, nachdem er bereits alle, die er erlöset, zu Königen des Himmels und Erben des ewigen Lebens aufgenommen hat, diese Gott dem Vater als Reich übergeben.
[S. 207]
1: I. Kor. IV, 8.
2: I. Kor. IV, 8.