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Ryan Regez wurde am 30. Januar 1993 in Wengen im Berner Oberland geboren, wo er gemeinsam mit seiner Schwester Naomi aufgewachsen ist. Seine Mutter, Clare Ryan, stammt aus England, sein Vater Andy ist Schweizer – deshalb besitzt Ryan Regez die schweizerisch-britische Doppelbürgerschaft. Als Sohn eines Wintersportfans und späteren Skischuldirektors kam der Junge früh mit dem Wintersport in Kontakt. Als Kind und Jugendlicher besuchte er die Skischule. Früh zeigte sich sein Sporttalent: Bereits als 13-Jähriger stand Ryan bei vielen Rennen auf dem Siegerpodest. Dennoch wollte ihn der Berner Oberländische Skiverband nicht ins Alpin-Regionalkader aufnehmen. So kam es, dass der junge Ryan auf Initiative seines Vaters die weiteren Skirennen unter dem britischen Ski-Verband absolvierte. Im Jahr 2010 kam es zur Wende. Nach einem Beinbruch hatte Ryan Regez Mühe, an seine alten Ski-Leistungen anzuknüpfen. Er verlor die Lust und hängte seine Ski-Karriere an den Nagel. Es folgte eine Lehre als Hochbauzeichner und Ryan Regez fing an, in seinem Beruf zu arbeiten. In jener Zeit meinte er, seine Jugend, die er durch seine Laufbahn im Ski Alpin verpasst hatte, nachholen zu müssen: Er stürzte sich ins Partyleben und konsumierte regelmässig so viel Alkohol, dass er am nächsten Tag «zu nichts zu gebrauchen» war. Mit 22 Jahren entdeckte Regez den Skicross. Zunächst nur als Hobby, war der Berner bald so gut darin, dass er beschloss, den Sport zu seinem Beruf zu machen. Ein steiler Aufstieg bis in die höchsten Ränge der internationalen Skicross-Szene begann.
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Vielversprechende Erfolge
Sein erstes Weltcuprennen im Skicross bestritt Ryan Regez im Februar 2014 am Hang des Watles im Südtirol. Er belegte den für ein Debüt ansehnlichen 40. Rang. Ein knappes Jahr später folgte sein erster Start im Europacup in Orcières (Frankreich). Die Saison 2015/2016 wurde zum grossen Erfolg: Ryan Regez wurde europäischer Gesamtsieger und sicherte sich damit einen Platz im obersten Kader. Ende 2015 gab das junge Talent sein Debüt im Freestyle-Weltcup im österreichischen Montafon. Auch die darauffolgende Saison lief gut für Ryan Regez, bis er Anfang 2017 im russischen Sunny Valley stürzte und sich einen Kreuzbandriss zuzog. Dennoch schaffte er es in dieser Saison auf den 30. Schlussrang. Es folgte eine lange Rehabilitationsphase. Der Berner konnte in der folgenden Saison wieder starten – und holte sich zum zweiten Mal den Gesamtsieg im Europacup. Bis zum ersten Weltcupsieg dauerte es nur ein weiteres Jahr: Im Februar 2019 schaffte es Ryan Regez auf den ersten Rang. Am selben Wochenende wurde er in der gleichen Rennserie Dritter, die Saison 2018/2019 beendete er mit dem 9. Schlussrang.
Die nächste Saison im französischen Val Thorens eröffnete er gleich mit einer Bronzemedaille. Im Dezember 2019 in Montafon und im Januar 2020 in Idre (Schweden) folgten zwei weitere Weltcupsiege. Am Schluss der Saison war Ryan Regez der beste Schweizer mit dem 2. Rang im Skicross und dem 16. Rang im Gesamtweltcup. Im März 2020 wurde er in Crans-Montana zum ersten Mal Schweizer Meister im Skicross; an der Lenk bestätigte er seinen Erfolg in der nationalen Meisterschaft auf dem zweiten Platz. Nach einem harzigen Start in die Saison 2021/2022 fuhr Regez drei Weltcupsiege in italienischen Innichen und in Idre ein. Schliesslich übernahm er im Weltcup die Führung. Seinen Erfolg krönte er Anfang 2022 in Peking mit olympischem Gold und mit dem Gesamtweltcupsieg am Ende der Saison. Es sei überwältigend, so Regez, «wenn du weisst, dass du für einen Tag der Beste auf der ganzen Welt bist». Der Schweizer Skicross-Fahrer ist in der obersten Liga des Weltsports angelangt.
Der Berner hätte gerne diese Saison an seine früheren Leistungen angeknüpft. Sein Sturz bei einem Rennen in Arosa im Dezember 2022 machte ihm aber ein Strich durch die Rechnung: Der Berner Oberländer zog sich einen Riss des vorderen Kreuzbandes, eine Zerrung des Innenbandes und leichte Meniskusverletzungen zu. Es braucht Monate, um sich von solchen Verletzungen zu erholen. Doch der 30-Jährige nimmt die Sache mit Humor. «It’s not always rainbows and butterflies» (Es läuft nicht immer alles wie man möchte), schrieb er auf Facebook unter ein Foto, das ihn mit Krücken zeigte. Ryan Regez will seine Karriere aber fortsetzen. «Solange mein Körper und mein Geist mitmachen, möchte ich bis zur Olympiade 2026 meine Sportart dominieren», heisst es auf seiner Website.
Und neben dem Sport?
Noch immer arbeitet Ryan Regez, wenn auch nur nebenberuflich, als Hochbauzeichner. Er profitiert von der zeitlichen Flexibilität, die ihm sein Arbeitgeber gewährt. Zwischendurch hilft der Berner auch als Barkeeper aus. Diese Beschäftigung und die Begegnung mit anderen Menschen bereiten ihm Freude. Obwohl an der Bar um ihn herum viel getrunken wird, ist der Alkohol für Ryan Regez seit langem kein Thema mehr. Spricht man ihn darauf an, erzählt er begeistert von seinem Leben ohne Räusche. Er fühle sich viel gesünder, seit er nicht mehr trinke, sagt er. Das Geldausgeben für Drinks lohne sich nicht und auch nicht die vertane Zeit mit einem Kater nach der Trinkerei. Geselligkeit und Beziehungen geniesst der Skicross-Star gerne nüchtern. Heute lebt Ryan Regez in Interlaken in einer Dreier-Wohngemeinschaft. Und er hat eine Freundin: die gebürtige Tschechin Barbara Skacelova hat er auf Instagram kennengelernt. Ryan Regez’ Hobbies sind zwar vielfältig, aber die meisten drehen sich um Sport und Bewegung: Gleitschirmfliegen, Beachvolleyball, Tennis, Golf, Hockey und Gymnastik. Auch Reisen mag er. So kommt es vor, dass er einen Teil seines gewonnenen Preisgelds für einen längeren Trip ausgibt, zum Beispiel durch Südamerika. Gerne lernt Regez Land und Leute kennen – was auf den Reisen zwischen Rennaustragungsorten nicht möglich ist. Gerne betätigt sich der 30-Jährige auch in Social Media. Dort wirft er sich gerne in unkonventionellen Outfits in Pose oder tut kleine verrückte Dinge, indem er beispielsweise zwei Wassermelonen mit blosser Muskelkraft zerdrückt. Wer seinen Beiträgen folgt und seine Stimme hört, merkt: Ryan Regez fühlt sich wohl in seiner Haut.
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Eine bunte Persönlichkeit
Es ist nicht einfach, Ryan Regez als Persönlichkeit einzuordnen. Er räumt diese gerne selbst ein, nicht ohne Stolz: «Es gibt genügend Leute, die in eine Schublade passen. Ich habe halt meine eigene.» Sein Charakter gilt als ausgeflippt, unbeschwert und selbstbewusst, aber nicht überheblich. Von seiner Mutter scheint er britische Manieren mitbekommen zu haben, von seinem Vater die Redegewandtheit. Tatsächlich ist Ryan Regez selten um einen guten Spruch verlegen. Schon früh zeigte er Persönlichkeit und setzte seinen Willen durch. So liess er sich als Kind zeitweise nur für die Skischule gewinnen, wenn er dabei einen farbigen Superman-Skianzug tragen durfte. Schon damals liebte es Ryan Regez, wie übrigens auch seine Schwester, bunte Kleidung zu tragen. Vielfarbige Leggings gehören bis heute zu seinen Markenzeichen. Selbst rosarot-violette mit Einhörnern sind ihm nicht zu abwegig – Hauptsache, die Kleidung «ist bequem und sieht gut aus».
Ryan Regez lebt seine Emotionen sichtlich aus. Fährt er in einem Rennen als Erster ins Ziel, schreit er seine Freude über den Sieg laut heraus. Auf dem Podest kann es vorkommen, dass ihn die Gefühle so überwältigen, dass Tränen fliessen. «Warum sollte ich etwas verbergen, was mich ausmacht?», sagt er dazu. Er steht zu dem, was er tut; etwa auch, wenn er über seine vegane Ernährung spricht. «Ich werde häufig gefragt, ob sich meine vegane Ernährung mit dem Leistungssport verträgt. Und ihr seht: Sie tut es.» Zum Veganer wurde der Berner Oberländer einst, um seine Regeneration nach seiner ersten schweren Verletzung zu unterstützen. Er ist dabei geblieben, den Tieren und der Umwelt zuliebe: «Inzwischen liegt mir das Wohl von Tieren sehr am Herzen und ich möchte meinen ökologischen Fussabdruck möglichst klein halten.» Wie es um seine politischen und religiösen Ansichten steht? Da hält sich der Sportler zurück, nicht zuletzt aus Rücksicht auf die Tatsache, dass er als öffentliche Person und für viele junge Menschen ein Vorbild ist. Politische Äusserungen seien dabei heikel. Er konzentriere sich lieber auf den Sport, «das ist meine Bühne». Ob man diese auch nutzen sollte, um Anliegen zu vertreten, «die grösser sind als der Sport», überlässt er jeder Sportlerin und jedem Sportler selbst. Ryan Regez verurteilt niemanden, der dies tut; er selbst aber möchte in erster Linie als Skicross-Spitzenfahrer wahrgenommen werden: Denn hier steckt er sein ganzes Herzblut hinein.
Quelle: Blaues Kreuz 2/2023