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Die faszinierende Nasca-Kultur hatte ihre Blütezeit zwischen ca. 200 v. Chr. bis 650 n. Chr. Damals wurde das Nasca-Becken an der Südküste Perus mit gigantischen Bodenzeichnungen, den sogenannten Geoglyphen, versehen. Die gehaltvolle Ausstellung präsentiert nun die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse.
Über die Nasca-Linien, die sich in der Atacama-Wüste von Peru ausdehnen, ist schon endlos gerätselt und fantasiert worden. Entdeckt wurden sie mit Beginn der kommerziellen Luftfahrt. Es sind teilweise riesige Scharrbilder, die sich auf einer Fläche von 500 qkm erstrecken. Sie weisen geometrische und spiralförmige Konfigurationen mit Menschendarstellungen und exotischen Tiermotiven auf, wie eine Spinne, ein Kolibri oder ein Schwertwal. Die grösste Figur jedoch ist das sogenannte Augenwesen aus der Paracas-Kultur (von 900 bis 200 v. Chr.), das gemäss dem heutigen Forschungsstand schon mehrere Jahrhunderte zuvor entstanden sein muss.
Erzeugt sind die von der Ferne deutlich sichtbaren Wüstenzeichnungen durch das Abtragen der obersten, eisenhaltigen dunklen Gesteinsschicht, die den hellen Sandboden freilegte. Gemäss Peter Fux, dem Kurator, hatten die Nasca offensichtlich die Fähigkeit, Skizzen in einem grossen Massstab ins Gelände zu übertragen. Die Geoglyphen wurden im Zuge von Ritualen, die dem Wetter-Zauber und der Fruchtbarkeit dienten, abgeschritten. Dies bezeugt, dass entlang der Prozessionswege Opfertische mit unter anderem darauf positionierten Spondilus-Muscheln standen, die mit Regen assoziiert wurden. Gleichzeitig war die Kontaktnahme mit dem Übernatürlichen fundamental, was mit der Einnahme von psychoaktiven Substanzen wie Meskalin unterstützt wurde. Begleitet wurden die Prozessionen von Musik, welche die Teilnehmer in Trance versetzte und ihnen ermöglichte, die Form der Geoglyphen in sich aufzunehmen.
Die mysteriösen Nasca bewohnten die fruchtbaren Täler des Rio Nasca, Rio Palpa und Rio Ingenio. Die Berge wurden als lebensspendend, also göttlich verehrt. Dazwischen befand sich die extrem trockene Hochebene, wo sich die Geoglyphen konzentrierten. Das bedeutendste religiöse und kulturelle Zentrum war die Pyramidenstadt Cahuachi, welche sich zu bestimmten Zeiten in ein grosses Pilgerzentrum verwandelte. Es ist zu vermuten, dass zwischen der Ebene und den Pyramiden von Cahuachi eine starke Verbindung bestand. Schliesslich besiegelte die Ausdehnung der Wüste und der Wassermangel das Schicksal des Volkes, das sich um 600 n. Chr. für den Exodus entschied.
Die sehr gut konzipierte Ausstellung mit rund 200 Exponaten, so Keramikgefässen, Goldmasken und -schmuck, farbenprächtigen Textilien und Musikinstrumenten sowie wertvollsten Grabbeigaben spricht von der reichhaltigen, farbenfrohen Bildersprache der Nasca, und vermittelt einen lebendigen Einblick in den Alltag der Menschen.
Nasca. Peru — Auf Spurensuch in der Wüste. Museum Rietberg, bis 15. April 2018.