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Als Moderator der Golden-Globe-Verleihung 2020 witzelte Ricky Gervais über Leonardo DiCaprio: «Er nahm an der Premiere von Tarantinos ‹Once Upon a Time in Hollywood› teil, und als der zwei Stunden, vierzig Minuten lange Film vorbei war, war Leos Date zu alt für seinen Geschmack.» Darüber musste ich lachen, aber sonst sind mir die Präferenzen der Reichen und Berühmten piepegal. Dennoch weckte mein Interesse, dass gemunkelt wird, DiCaprios neustes Liebesobjekt sei das angloindische Model Neelam Gill, was diese allerdings auf Instagram bestritt: «Auch wenn entsprechende Gerüchte im Umlauf sind: Ich bin nicht Leonardo DiCaprios ‹neue Flamme› … Ich bin in einer festen Beziehung mit einem guten Freund von ihm, und zwar seit vielen Monaten. Der einzige Grund, warum wir gemeinsam abgelichtet wurden, ist, dass ich dort mit meinem Partner war.»
Der Aufstieg der indischen Diaspora in Grossbritannien ist eine ähnlich grosse Erfolgsgeschichte des 21. Jahrhunderts wie der Aufstieg der Juden im Jahrhundert davor. Der reichste britische Bürger ist Gopi Hinduja mit seinen 35 Milliarden Pfund; Rishi Sunak ist der erste britische Premierminister, der reicher ist als der britische König: Er ist mit der Erbin Akshata Murty verheiratet, und ihr gemeinsames Vermögen wird auf 529 Millionen Pfund geschätzt.
Über dem Laden ihrer Eltern
Mit ihren 28 Jahren hat Gill erst ein paar Millionen verdient, aber wegen ihrer ausserordentlichen Schönheit und ihrer bemerkenswerten Charakterstärke sollte man sie im Auge behalten. Es ist typisch für sie, dass sie sich die Mühe gemacht hat zu bestreiten, dass sie die Vorzeigefreundin eines der berühmtesten Schauspieler der Welt sei – wo andere Models ein solches Gerücht gern genutzt hätten, um vorwärtszukommen und berühmter zu werden. Im Gegensatz zu so vielen heutigen Topmodels ist sie kein nepo baby: Sie wuchs in einer Wohnung über dem Laden ihrer Eltern auf und begann mit achtzehn als Model zu arbeiten, um ihre Studiengebühren zu bezahlen: «Damals war es unvorstellbar, dass eine wie ich es in diesem Gewerbe schaffen könnte, also habe ich nicht einmal im Traum daran gedacht.» Doch sie wurde zum Star von Burberry-, Dior- und L’Oréal-Werbekampagnen.
Dass jemand Model und Aktivistin zugleich sei, klingt wie ein Widerspruch in sich, doch Gill überwindet ihn spielend: Vor zwei Jahren sprach sie in einem Ted-Talk über häusliche Gewalt, und neulich erzählte sie dem Klatschblatt Hello!, ein gewalttätiger Freund, den sie verlassen habe, habe fünf Jahre später seine damalige Freundin und sich selbst umgebracht. «Ich bin in dieser Beziehung fast gestorben. Ich glaubte echt, da würde ich nicht lebend herauskommen.»
Gill erinnert sich, dass es an ihrer Schule einmal einen Tag gab, an dem man sich als Promi verkleiden sollte: «Alle meine Freundinnen hatten einen Promi, mit dem sie sich identifizieren konnten, doch es gab keinen, der aussah wie ich. Also ging ich als ich selbst.» Kann sein, dass kleine angloindische Mädchen sich für solche Anlässe mittlerweile als diese aussergewöhnliche junge Frau verkleiden.
Wer weiss, vielleicht erinnert man sich eines Tages an Leonardo DiCaprio als den Mann, von dem es hiess, er sei der Freund von Neelam Gill.
Aus dem Englischen von Thomas Bodmer
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