Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03511.jsonl.gz/876

[* 2] Nutstoßmaschine oder Vertikalhobelmaschine, eine Werkzeugmaschine, ihrer Wirkungsweise gemäß den
Hobelmaschinen (s. d.) zugehörig, mit senkrechter Bewegung des Schneidstahls (s. beistehende Abbildung). Das Schneiden findet
beim Niedergange statt, der Aufgang ist leer. Das Werkzeug ist in einem vom Ständer der Maschine
[* 4] senkrecht geführten prismatischen
Stempel, dem Stößel, befestigt, welcher durch eine Kurbel
[* 5] seine Bewegung erhält.
Das Arbeitsstück befindet sich auf dem unterhalb des Stößels angeordneten Tisch oder Support, aus mehrern übereinander
in verschiedenen Richtungen beweglichen Schiebestücken bestehend. Nach jedem Schnitt erhält das Arbeitsstück eine entsprechende
Seitenbewegung, damit ein neuer Schnitt ausgeführt werden kann; auch eine Drehung des Arbeitsstücks
nach einer Kreislinie ist möglich, falls Kreisflächen bearbeitet werden sollen. Die Bewegung dieser Teile wird durch Drehung
von Schrauben
[* 6] bewirkt und pflegt selbstthätig durch die Maschine ausgeführt zu werden. Die S., ursprünglich zum Einarbeiten
von Nuten in Radnaben bestimmt und deshalb auch Nutenstoßmaschinen genannt, finden auch zur Bearbeitung senkrechter Flächen
von geringer Höhe vielfache Benutzung.
[* 3] (hierzu die Tafel »Hobelmaschinen«) haben ihren Namen davon, daß sie die Arbeit des Hobelns verrichten,
und zerfallen in Holz- und Metallhobelmaschinen. Die erstern dienen zum Glätten von Brettern auf den breiten Flächen, zum
Abrichten derselben auf den Kanten, zur Ausarbeitung von Nuten, Falzen, Gesimswerk, zur Hervorbringung von Zapfen
[* 8] und Einschnitten
etc. Die geradlinige, wiederkehrende Bewegung eines Hobels als Grundlage für die Konstruktion der Hobelmaschinen ist
infolge der geringen Leistungsfähigkeit unzweckmäßig und wird nur bei manchen Maschinen für spezielle Zwecke, z. B. beim
Hobeln der Zündhölzer, beibehalten.
Eine große Leistungsfähigkeit läßt sich nur erzielen, wenn das Werkzeug eine mit großer Geschwindigkeit ausgeführte Drehbewegung
erhält, weshalb man ausschließlich nach diesem Prinzip die zwei Systeme von Hobelmaschinen, nämlich die sogen. Quer- oder Parallelhobelmaschinen
und die Tangential- oder Langhobelmaschinen, baut. Bei den Maschinen der ersten Art werden die Messer- oder Hobeleisen auf
der Fläche einer Scheibe oder in den Querarmen einer vertikalen, rotierenden Welle so eingesetzt, daß
sie sich bei deren Umdrehung kreisförmig in einer Ebene bewegen, die parallel ist zur angegriffenen Holzfläche.
Das Holz
[* 9] wird unter der Scheibe hingeführt und durch bogenförmige Schnitte, welche quer über die Fasern des Holzes laufen,
bearbeitet. Die Schneidscheibe bekommt einen Durchmesser von 0,8-1,6 und mehr Meter, trägt 2-4 oder 8 Messer
[* 10] (teils Hohleisen, teils Schlichteisen) und wird mit einer Umfangsgeschwindigkeit von 17-30 m pro Sekunde bewegt. Die Schneidscheibe
sitzt entweder am untersten Ende der Welle, und dann ist nur ein Tisch zum Aufspannen des Holzes vorhanden, oder sie geht noch
tiefer hinab und bearbeitet gleichzeitig zwei Holzstücke, indem auf den zwei Seiten der Welle zwei Schlitten
(nach entgegengesetzter Richtung fortschreitend), jeder
für ein besonderes Holz, angebracht sind. Diese Hobelmaschinen können nur ebene und dabei nicht sehr glatte Flächen herstellen und verrichten
deshalb gewöhnlich die Arbeit des Schrobhobels.
[* 12]
Fig. 1 (S. 585) zeigt das Prinzip einer Querhobelmaschine, womit gleichzeitig
zwei Balken gehobelt werden. Dabei ist a derStänder, b die Messerwelle mit der Antriebscheibe c, d die
Messerscheibe, die auf b gehoben und gesenkt werden kann, entsprechend der Dicke des Arbeitsstücks, e e die Arbeitstische
mit den Zahnstangen, welche durch die Getriebe
[* 13] f bewegt werden, die auf den Wellen
[* 14] g sitzen, welche durch eine auf b sitzende
Schnecke und das Rad h Antrieb erhalten.
Bei der Langhobelmaschine besteht der Schneidapparat (Schneidkopf, Messerkopf, Messerwalze) aus einer durch Riementrieb rasch
um ihre gewöhnlich horizontale Achse gedrehten eisernen Welle oder Walze von 20-70 cmLänge und 15-36 cmDurchmesser, die 2, 3 oder 4 Messer
trägt. Der Messerkopf macht 1200-2000 Touren pro Minute, und der Vorschub des Holzes, den man gewöhnlich
durch Walzenpaare hervorbringt, wird so reguliert, daß auf ein Längenmeter Arbeitsfläche 650-3000 Schnitte erfolgen. Je
glatter die Fläche werden soll, desto mehr Schnitte müssen auf die Längeneinheit geführt werden.
BeimHobeln von ebenen Flächen besitzen die Messer gerade Schneiden, und der Messerkopf wird entweder zwischen
den beiden Gestellwänden oder außerhalb derselben angebracht (Hobelmaschinen mit innerm und äußerm Messerkopf).
Mit profilierten Messern erzeugt man verschiedenartig façonniertes Leistenwerk.
[* 12]
Fig. 2 zeigt das Prinzip einer Tangentialhobelmaschine.
a sind die Gestellwände, o eine zwischen denselben befindliche stellbare Tischplatte, c der Messerkopf, d e und d' e' die
Einziehwalzen, f die Antriebswelle, welche die Bewegung durch die Räder 1, 2, 3, 4 und die Riemenscheiben 5 und
b auf den Messerkopf überträgt.
Soll das Brett auf beiden Seiten gehobelt werden, so bringt man noch einen zweiten Messerkopf unter dem Arbeitsstück an. Zum
Abhobeln desselben an den Kanten sowie zur Herstellung von Nuten und Federn dienen zwei vertikale, zur linken
und rechten Seite des Brettes angebrachte Messerköpfe, wie das
[* 12]
Fig. 3 zeigt (vierseitige Holzhobelmaschine). Eine
besondere Art Hobelmaschinen dient zum Schneiden dünner Furnierblätter und besteht aus einem festliegenden langen, scharfen, mit der
Schneide nach oben gekehrten Messer, über welches das Holz hinweggezogen wird.
Wichtige Hobelmaschinen mit horizontalem Messerkopf sind auch die Zapfenschneidmaschinen, welche am Ende eines Holzstücks einen oder
mehrere Zapfen bilden. Hobelmaschinen für spezielle Zwecke sind außer den erwähnten Zündholzhobelmaschinen noch solche zum Hobeln von
Keilen, Dachschindeln, Billardstöcken, die Farbholzhobelmaschinen zur Zerkleinerung der Farbhölzer in feine Späne sowie
in neuester Zeit zur Anfertigung von
Holzdraht und feiner, langer Späne, die als Packmaterial gebraucht
werden. Die ersten Holzhobelmaschinen, die aber noch nach Art des Handhobels wirkten, konstruierten Hatton 1776 und Bentham
1791; erst Bramah vergrößerte 1802 die Zahl der Schneidwerkzeuge und gab denselben eine rotierende Bewegung. Seine Maschine
war eine Parallelhobelmaschine, während Roguin in Paris
[* 15] 1817 eine Tangentialhobelmaschine baute.
Die Metallhobelmaschinen gehören zu den unentbehrlichsten Werkzeugmaschinen der Maschinenbauanstalten, da durch diese Maschinen
die Bearbeitung großer Guß- und Schmiedestücke erst möglich gemacht wurde. Man baut die Metallhobelmaschinen in sehr
verschiedener Größe und in zwei Hauptformen, nämlich: eigentliche (auch Planhobelmaschinen genannt)
und Feilmaschinen oder Shapingmaschinen;
erstere benutzt man für große, letztere für kleine Gegenstände.
Die Metallhobelmaschinen
arbeiten nicht mit Hobel oder Feile,
[* 16] sondern mit einem Schneidstahl (Meißel,
[* 17] Stichel, Stahl), der nach Erfordernis eine spitze,
abgerundete oder anders gestaltete Schneide erhält und in geraden Zügen mehr oder wenige starke (gewöhnlich
1-2 mm dicke) Späne abtrennt, und gewähren im Vergleich mit der Handarbeit durch Hobel und Feile den Vorteil einer außerordentlichen
Zeitersparnis und einer sehr genauen Arbeit. Mit großen Hobelmaschinen kann man z. B. Flächen bis zu 14 m Länge und 3-5 m Breite
[* 18] sehr
genau in überraschend kurzer Zeit ebnen, eine Arbeitsleistung, die sich durch Handarbeit gar nicht erreichen
läßt.
Die eigentlichen Hobelmaschinen (Planhobelmaschinen) sind in ihren Elementen durch
[* 12]
Fig. 4 u. 5 anschaulich gemacht. Sie bestehen
jederzeit aus einem festliegenden Bett
[* 19] B, einem in Führungen hin- und herlaufenden Tisch A zum Aufspannen der Arbeitsstücke
und einem Support oder Werkzeugträger S, welcher bei größern Maschinen horizontal, vertikal und nach
beliebigen Winkeln selbstthätig verstellbar ist. Der Support S muß sowohl vertikal als horizontal verschiebbar sein, um ihn
einmal der Dicke des Arbeitsstücks entsprechend einstellen und dann nach jedem Schnitt seitwärts verschieben zu können.
Er befindet sich zu dem Zweck an einem Querbalken Q, welcher an zwei langen Schrauben RR hängt, die, gemeinschaftlich
von der mittels Arbeiterhand gedrehten Welle D durch Kegelräder in Umdrehung gesetzt, den Querbalken heben und senken. Die
genaue Einstellung erfolgt dann durch eine im Support liegende Schraube. Zur seitlichen Verschiebung dient die in dem
Balken Q liegende Schraube T, welche stets von der Maschine aus selbstthätig ihre Bewegung erhält. Zur Hin- und Herbewegung
des Tisches befindet sich an letzterm eine Zahnstange C, in welche ein Getriebe a eingreift, dessen Achse von den Riemenschei-
ben 1 und 3 durch Räder bald nach links und bald nach rechts gedreht wird und zwar dadurch, daß ein Riemen abwechselnd über
die Leerscheibe 2 von 1 nach 3 und umgekehrt geschoben wird. Bei der Vorwärtsbewegung (Arbeits- oder Hauptbewegung) liegt
der Riemen auf 1, wodurch eine mit der Büchse b verbundene Welle sowie die Zahnräder n und o und durch
Eingriff von o in a die Zahnstange C und dadurch der Tisch A bewegt wird. Bei der Rückbewegung, dem Leerlauf (wo der Stahl keinen
Span nimmt), liegt der Treibriemen auf 3, und die Zahnstange C des Aufspanntisches wird durch die Räderm, i und a getrieben.
Die letztere Bewegung ist der erstern entgegengesetzt und verläuft mit doppelter Geschwindigkeit, wodurch beträchtlich an
Zeit gespart wird. Die Riemenverschiebung wird selbstthätig von der Maschine besorgt, indem zwei Ansätze r und r1 des
Tisches durch abwechselndes Anstoßen an die Knaggen e und e¹ einen zweiarmigen Hebel l
[* 21] beim Vorwärtsgang
der Maschine nach der einen, beim Rückwärtsgang nach der andern Seite schieben, welche Bewegung durch Winkelhebel ky auf
die Riemengabel f so übertragen wird, daß diese den Riemen über die Leerscheibe 2 hinweg auf 1 oder 3 schiebt.
Die schwingende Bewegung des Steuerhebels l wird durch die Zugstange k¹, den Winkelhebel z¹, die Stange
z und den Sperrkegelapparat xv1 durch Einfallen der Sperrklinke v in das Sperrrad u und, unterstützt durch das Fallgewicht
P, auf die Schraube T übertragen und damit die ruckweise Verschiebung des Supports in horizontaler Richtung um die Spandicke
veranlaßt. Stellt man die beiden Knaggenm und n sehr weit auf dem Tisch auseinander oder eng zusammen,
so kann man nach Belieben einen langen oder kurzen Schnitt führen.
Zur Tischbewegung benutzt man auch Schraubenspindeln, die abwechselnd nach links und rechts gedreht und mit dem Tisch durch
eine Schraubenmutter verbunden werden, und bei kleinen auch Kurbelmechanismen und zwar gewöhnlich in der
Modifikation, daß der Leerlauf rascher als der Vorschub erfolgt. Zur Umkehrung der Tischbewegung kann man beim Stirnräderantrieb
auch einen offenen und gekreuzten Riemen und beim Schraubenantrieb Kegelräder benutzen. Um den durch den Leerlauf entstehenden
Zeitverlust zu vermeiden, bringt man mitunter Vorrichtungen an, welche den Stahl nach beiden Bewegungsrichtungen
des Arbeitsstücks zum Schnitt bringen, indem man entweder nach jedem Schnitte den Stahl um 180° dreht (springender Stahl),
oder zwei Meißel in den Support spannt, wovon einer bei der einen, der andre bei der zweiten Bewegung schneidet (Duplex-Hobelmaschinen),
oder den Stahl mit zwei Schneiden ausstattet, welche mit den Rücken einander zugekehrt sind und dadurch
abwechselnd zur Wirkung gelangen, daß die Meißelklappe A amSupport um eine horizontale Achse um etwa 30° schwingt (schwingender
Stahl). Diese Vorrichtungen machen sämtlich den Mechanismus der Hobelmaschinen so kompliziert, daß sie nur vereinzelt zur Ausführung
gelangt sind. Die gewöhnlichen, sogen. englischen Hobelmaschinen beanspruchen
in-