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Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Westdeutschland
Wenn man von Bukarest, der Hauptstadt Rumäniens, die in der Walachei liegt, nach Siebenbürgen will, muss man einen Gebirgszug überqueren. Es ist ein Teil der Karpaten, der Transsilvanischen Alpen, mit der Bezeichnung Fagara-Gebirge.
Wir hatten uns in Bukarest einen Leihwagen gemietet. Man kann die Strecke über eine grössere Landesstrasse fahren, man kann aber auch die Drumul Transfăgărășan, so ihre Bezeichnung in rumänischer Sprache, benutzen. Sie ist eine Touristenstrasse, gebaut unter Nicolae Ceaușescu ab 1970 in nur 4 Jahren Zeit, (wobei die meisten Arbeiter abkommandierte Soldaten waren); natürlich nicht nur für Touristen, sondern auch aus militärischen Gründen, um schnelle Truppenbewegungen in einer Zeit, in der eine problematische Beziehung zum grossen kommunistischen Bruder, der Sowjetunion, bestand, zu ermöglichen.
Wir übernachteten in Curtea d’Arges, südlich unterhalb des Gebirges gelegen, und fuhren dann am Morgen los. Auf einer kurvenreichen Strecke geht die Fahrt bis zu einer Höhe von 2042 m. Es gibt viele Unebenheiten auf der Strasse und immer wieder müssen Strassenbautrupps passiert werden, die Reparaturarbeiten ausführen bzw. die Strasse von durch Steinschlag verursachtem Geröll reinigen. Die Strasse ist über 8 Monate lang im Jahr nicht passierbar, erst ab Ende Juni für die Sommermonate wieder.
Sehr beliebt ist die Strecke natürlich bei Motorradfahrern, denn Kurvenfahren hat seinen besonderen Reiz, aber auch bei Fahrern von Wohnmobilen mit niederländischen Kennzeichen, die fast nie allein, sondern in Kolonnen von 3 bis 6 Fahrzeugen gemächlich von Kurve zu Kurve fahren.
Überholen ist wegen der Gefahr des Gegenverkehrs nur selten möglich. So hoffte ich darauf, dass sie des Öfteren einmal eine Pause einlegten, sei es, um auf Nachzügler zu warten, sei es, um die prachtvolle Aussicht ins Tal hinunter von den zahlreichen kleinen Parkplätzen aus zu geniessen. Höher und höher schlängelt sich die Strasse, immer tiefer geht der Blick hinunter. Dabei ist der Strassenrand nur ab und zu ein wenig durch metallene Leitplanken gesichert.
Die Beifahrerin entdeckte tief unten ein auf dem Kopf liegendes Auto, der einzige Hinweis darauf, dass nicht alle, die diese Strasse passieren, lebend wieder unten ankommen.
Nach Durchquerung eines 887 Meter langen und 6 Strassenmeter breiten Tunnels unter dem 2398 m hohen Gipfel Paltinu erreichten wir den höchsten Punkt der Strasse. Wir hatten 2042 m erklommen und dabei eine Steigung von 1482 m in 61 km Länge überwunden, 20 km davon mit 8%.
Wir hatten Glück, die „Strasse in den Wolken“ genannte Passstrasse war ohne Nebel, nur ganz oben am Berg zeigten sich ein paar Schwaden. Reste von Schnee und kleinere Schneeflächen spiegelten sich im Balea- See, um den herum die Händler in kleinen Holzbuden ihre Souvenirs und Esswaren anbieten. Ich kann mir vorstellen, dass man von dort aus herrliche Bergtouren unternehmen könnte.
Bergab ist es noch ein wenig steiler, auf 30 km Länge erreicht der Steilheitsgrad 8,6% und durchschnittlich auf der gesamten Strecke 4,7%, wobei es 1455 m nach unten geht. Das ist vor allem an den noch häufigeren Haarnadelkurven feststellbar, die nur langsam durchfahren werden können und auf Dauer einen robusten Magen erfordern.
Unten angekommen, fuhren wir durch viele Dörfer, in denen uns auffiel, dass mindestens jedes 2. Haus heruntergelassene Rolläden aufwies und verlassen aussah. Wir hatten Transsilvanien oder Siebenbürgen erreicht und Schilder mit rumänischer und deutscher Schrift und zweisprachigen Ortsbezeichnungen wurden immer häufiger. Doch davon im 2. Teil meines Reiseberichtes!
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