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Die Überraschung war gross und ebenso die Freude bei den Mitarbeitenden der IAEA in Wien, als das Nobelkomitee im vergangenen Oktober bekannt gab, der Friedennobelpreis 2005 gehe an die Internationale Atomenergiebehörde und deren Generaldirektor Mohamed el-Baradei.
Die Wirkung des Nobelpreises dürfe allerdings nicht überschätzt werden, was die politischen Möglichkeiten der IAEA anbelange, sagte Werner Burkart an seinem Referat am Dienstag an der Universität Zürich. Schon andere Preisträger seien später im öffentlichen Ansehen gesunken oder bei den Medien in Ungnade gefallen: «Wir können nur versuchen, gute Arbeit zu leisten und effizient zu sein.»
Der Frieden ist schwierig zu halten
Arbeit gibt es für die IAEA noch genug, denn «der Frieden ist so schwierig zu halten und der Krieg so schwierig zu verhindern», wie Burkart Preisgründer Alfred Nobel zitierte. Mit dessen Erfindung des Dynamit seien die Kriege ebenso brutaler geworden wie später mit den Atomwaffen. Gleichzeitig habe das Dynamit den Bau der Alpentunnel und die Nuklearwissenschaft die Produktion von Energie ermöglicht. So liegt denn das grundsätzliche Dilemma der IAEA darin, dass die Gewinnung, Anreicherung und Wiederaufbereitung von Uran sowohl Teil der zivilen wie auch der militärischen Nutzung sein kann.
In diesem delikaten Umfeld hat die Agentur das offizielle Mandat der UNO, zu kontrollieren, dass die nukleare Waffentechnologie nicht weiterverbreitet wird. Etwas weniger bekannt, so Burkart, seien als weitere Aufgaben der Agentur die Förderung der friedlichen Anwendung nuklearer Technologie und die Gewährleistung der nuklearen Sicherheit. «Atome für den Frieden» lautete denn auch das Motto 1957 bei der Gründung der IAEA.
«Die Dämme halten noch»
«Die Dämme halten noch», sagte Burkart mit Blick auf die Verbreitung von Nuklearwaffen. Allerdings sei aufgrund technologischer Fortschritte die Schwelle für die Ausbreitung gesunken und der «Klub der Zulieferer» grösser geworden. Es sei auch ein Irrtum, zu glauben, dass die zivile Nutzung von Atomenergie einem Bau von Atomwaffen immer vorausgehe. So habe beispielsweise China 1964 erste Atomwaffentest unternommen, das erstes Kernkraftwerk aber erst 1993 in Betrieb genommen.
Der IAEA komme die «Rolle des Buchhalters» zu, der zwar bemüht sei, Inventar zu führen über das weltweit vorhandene spaltbare Material, geheime Aktionen aber nicht verhindern könne. Nach der Erfahrung mit dem Irak hätten zwar Zusatzprotokolle zum Nichtweiterverbreitungs-Vertrag den Rollenwechsel vom Buchhalter zum Detektiv ermöglicht. Dies allerdings nur in den Ländern, welche die freiwilligen Protokolle auch unterzeichneten.
Komplexe Fragen im Iran
«Sehr komplexe Fragen» ortete Burkart im Bezug auf die Entwicklung im Iran. Ohne es als offizielle Stellungnahme verstanden haben zu wollen, erklärte er auf eine Frage aus dem Publikum, das zerrüttete Vertrauen zwischen dem Iran und der IAEA könne sicherlich nicht mit einer weiteren Polarisierung wieder hergestellt werden. Interessante Vorschläge wie derjenige von Russland seien aber auf dem Tisch und auch in der UNO sei die Idee schon längere Zeit formuliert, die Wiederaufbereitung von Uran international koordiniert und überwacht stattfinden zu lassen.
Musterbeispiel Südafrika
Neben den negativen aktuellen Entwicklungen wies Burkart auch auf das ermutigende Beispiel von Südafrika hin als ein Staat, der sein Atomwaffenprogramm 1991 freiwillig aufgegeben habe. Symbolisch seien damals Bestandteile einer demontierten Atomwaffe zu einer Pflugscharen-Metallskultpur verarbeitet und der IAEA geschenkt worden.
Burkart sieht genügend sinnvolle Einsatzmöglichkeiten für die Nukleartechnologie. Sie könne dazu dienen, die menschlichen Grundbedürfnisse etwa nach Energie, Nahrung und Gesundheit zu befriedigen. So verhelfe die Bestrahlung von Pflanzensamen mit, in Pakistan Baumwollpflanzen zu erzeugen, die gegen Trockenheit resistent sind.
Involviert sei die IAEA mit ihrem Fachwissen betreffend Strahlentherapie zudem in Programme zur Krebsbekämpfung. Und was die Energieversorgung anbelange, so werde in Südfrankreich derzeit in einem 12 Milliarden Dollar-Projekt ein Kernfusionsreaktor erbaut, der hoffentlich in Zukuknft neue Lösungen ermöglichen werde. Angesichts dieser Möglichkeiten der zivilen Nutzung würde sich Burkart freuen, wenn auch russische oder amerikanische Atomwaffen eines Tages in der Form Skulpturen an den IAEA-Sitz in Wien geliefert würden.
Der in der Schweiz aufgewachsene Deutsche Dr. Werner Burkart ist gelernter Biochemiker und war 1973-1975 Präsident der Abteilung Biologie und Medizin des Schweizerischen Nationalfonds. Anschliessend war er am heutigen Paul Scherrer Institut (PSI) tätig, ab 1988 als Leiter der Abteilung Strahlenhygiene. Heute ist er Professor für Strahlenbiologie an der Ludwig Maximilians Universität in München und seit 2000 einer der stellvertretenden Generaldirektoren der IAEA und Leiter der dortigen Abteilung Nuklearwissenschaften und Anwendungen.
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