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Blauwal - Balaenoptera musculus
Finnwal - Balaenoptera physalus
Buckelwal - Megaptera novaeangliae
Südlicher Entenwal - Hyperoodon planifrons
© 2006 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Artwork (Megaptera novaeangliae) © Owen Bell
Bei den landbewohnenden Tieren gehört die Ära der Giganten längst der Vergangenheit an: Die grössten Lebewesen, die jemals auf dem Planeten Erde einherschritten, die Dinosaurier, starben vor gut sechzig Millionen Jahren aus. In den Meeren sieht die Situation anders aus: Die grössten Meerestiere, die es unseres Wissens jemals gab, existieren noch immer. Die Rede ist von den rund um den Globus herum in sämtlichen Ozeanen und Meeren heimischen Walen.
Ungefähr achtzig Mitglieder umfasst die zur Klasse der Säugetiere (Mammalia) gehörende Ordnung der Waltiere (Cetacea). Längst nicht alle von ihnen sind Riesen. Der in der Umgebung von Neuseeland heimische Hector-Delphin (Cephalorhynchus hectori)
zum Beispiel weist eine Gesamtlänge von weniger als 1,5 Metern auf. Die meisten Waltiere sind allerdings stattliche bis mächtige Tiere. Besonders artenreich ist die Waltierfauna auf der südlichen Erdhalbkugel. So bewegen sich in den Hoheitsgewässern Australiens, des Ausgabelands der vorliegenden Briefmarken, zahlreiche Waltierarten umher. Vier von ihnen sind der Blauwal (Balaenoptera musculus)
, der Finnwal (Balaenoptera physalus)
, der Buckelwal (Megaptera novaeangliae)
und der Südliche Entenwal (Hyperoodon planifrons)
. Sie sollen auf diesen Seiten vorgestellt werden.
Der Blauwal
Der Blauwal ist der grösste unter den Walen und damit das grösste Lebewesen, das auf unserem Planeten existiert. Er gehört zur Familie der Furchenwale (Balaenopteridae), einer von vier Familien in der Unterordnung der Bartenwale (Mysticeti). Wie bei den meisten Bartenwalen sind die Weibchen durchschnittlich grösser als die Männchen. Das längste uns bekannte Weibchen wurde um 1920 in antarktischen Gewässern gefangen und wies eine Länge von 33,6 Metern auf. Den Gewichtsrekord hält ein anderes Weibchen, das etwa zur selben Zeit in der Antarktis erjagt worden war. Es wog 190 Tonnen. Im Durchschnitt weisen die männlichen Blauwale, welche in den Südpolargewässern leben, eine Länge von ungefähr 25 Metern und die Weibchen eine solche von 27 Metern auf. Die Tiere der nördlichen Hemisphäre sind durchschnittlich drei Meter kürzer.
Der Blauwal ist weltweit verbreitet. Meistenorts führen seine Bestände jahreszeitlich gebundene Wanderungen durch: Sie bewegen sich - auf der nördlichen wie auf der südlichen Erdhalbkugel - jeweils im Frühling in Richtung der Pole, gehen dann während der Sommermonate in den Polarmeeren dem Nahrungserwerb nach und bewegen sich anschliessend, im Herbst, wieder äquatorwärts, um sich während des Winters in wärmeren Gewässern zu paaren und ihre anfangs kälteempfindlichen Jungen zur Welt zu bringen. Zwar hält sich der Blauwal vorzugsweise auf hoher See auf, doch durchquert er anlässlich seiner jahreszeitlichen Wanderungen auch küstennahe Gewässer.
Die Nahrung des Blauwals besteht fast ausschliesslich aus schwarmbildenden, frei im Wasser schwebenden Krebstieren aus der Familie Euphausiidae, die man kollektiv als «Krill» bezeichnet. Um diese garnelenartigen Krebschen aus dem Wasser zu seihen, verfügt der grosse Meeressäuger über eine spezielle Einrichtung: die so genannten «Barten». Entlang beider Seiten des Oberkiefers hängen 300 bis 400 dieser biegsamen, an der Innenkante ausgefransten Hornplatten wie ein dichter Lamellenvorhang in den Mundraum hinab. Beim Nahrungserwerb nimmt der Blauwal jeweils einen kräftigen, oft über tausend Liter umfassenden «Schluck» krebstierreichen Meerwassers in seinen Rachen auf, wobei sich seine Kehle dank ihrer Furchung ballonartig weitet. Dann schliesst er den Mund und presst das überflüssige Wasser mit Hilfe seiner muskulösen Zunge durch den «Bartenvorhang» und zwischen den Lippen hindurch wieder aus. Die Krebstierchen bleiben dabei an den ausgefransten Innenrändern der Barten hängen und können anschliessend verschluckt werden.
Auf seinen «Fresswanderungen» taucht der Blauwal selten tiefer als hundert Meter, denn dichte Krillwolken findet er hauptsächlich in Oberflächennähe. Die einzelnen Tauchgänge dauern meistens nur drei bis zehn Minuten. Während der rund vier Monate, da sich der Blauwal dem Nahrungserwerb widmet, verzehrt er drei bis vier Tonnen Krill je Tag. Während der restlichen acht Monate des Jahrs nimmt er keine Nahrung zu sich, sondern zehrt von den angelagerten Fettvorräten.
Zur Fortpflanzung schreiten die jungen Blauwale erstmals im Alter von ungefähr zehn Jahren. Die Weibchen bringen danach alle zwei bis drei Jahre, nach einer Tragzeit von elf bis zwölf Monaten, normalerweise ein einzelnes Junges zur Welt. Bei der Geburt ist dieses ungefähr sieben Meter lang. Die Entwöhnung von der Muttermilch erfolgt im Alter von sieben bis acht Monaten.
Blauwale kommen in drei separaten Beständen erstens im Nordatlantik, zweitens im Nordpazifik und drittens im Süden des Atlantischen, Indischen und Pazifischen Ozeans vor. Zwar besuchen sowohl die Blauwale der nördlichen als auch diejenigen der südlichen Erdhalbkugel während des jeweiligen Winters warme Gewässer in Äquatornähe. Da sie sich aber zu verschiedenen Zeiten dort aufhalten, findet wahrscheinlich keine Vermischung statt.
Bevor in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Plünderung der Blauwalbestände durch den Menschen begann, dürfte die Gesamtpopulation 150 000 bis 200 000 Individuen umfasst haben. Der masslose Walfang, der bis in die 1960er Jahre anhielt, hat die Bestände zusammenbrechen lassen. Nach Einschätzung der Experten haben auf der südlichen Erdhalbkugel nur etwa 5000 bis 7000 erwachsene Blauwale überlebt. Leider scheinen die Bestände seit 1966, als die Internationale Walfangkommission (IWC) ein vollständiges, weltweit geltendes Verbot des Fangs von Blauwalen erliess, nicht nennenswert angewachsen zu sein. Weshalb das so ist, wissen wir nicht. Möglicherweise hat der enorme Bestandsschwund zu einer Verlagerung der ökologischen Gegebenheiten in den polaren Gewässern, und zwar zu Ungunsten der Blauwale, geführt. Vielleicht auch lässt die geringe Dichte der heutigen Blauwalpopulation einen bestandserweiternden Nachzuchterfolg nicht mehr zu.
Der Finnwal
Der Finnwal, ebenfalls ein Mitglied der Furchenwalfamilie, nimmt hinsichtlich der Körperlänge unter allen Tieren - knapp hinter dem Blauwal - den zweiten Platz ein: Die Weibchen werden bis 27, die Männchen bis 25 Meter lang. Allerdings ist der Finnwal sehr schlank gebaut und ist darum mit einem Höchstgewicht von ungefähr siebzig Tonnen leichter als mehrere andere Walarten.
Wie der Blauwal ist der Finnwal sowohl auf der nördlichen als auch auf der südlichen Erdhalbkugel weit verbreitet. Und auch seine Bestände unternehmen grossenteils saisonale Wanderungen: Sie verbringen die Sommermonate in polaren Gewässern und widmen sich dort der Nahrungsaufnahme, während sie sich im Winter in warmen, äquatornahen Gewässern aufhalten und sich um die Fortpflanzung kümmern. Nur wenige Finnwalbestände, darunter derjenige im Mittelmeer, scheinen sesshaft zu sein.
Auf der südlichen Erdhalbkugel ernähren sich die Finnwale hauptsächlich von Krill. Auf der nördlichen Erdhalbkugel besteht hingegen ein erheblicher Teil ihrer Kost aus Schwarmfischen wie Heringen (Clupea spp.)
und Lodden (Mallotus villosus)
. Die Nahrungsaufnahme gestaltet sich sehr ähnlich wie bei den Blauwalen, doch tauchen die Finnwale vergleichsweise tiefer und bleiben im Durchschnitt länger unter Wasser.
Finnwale werden oft paarweise gesichtet, weshalb man annimmt, dass sie monogam leben. Sie können aber auch regelmässig in Trupps von etwa sieben Individuen angetroffen werden, und an den Nahrungsgründen sowie bei den Wanderungen bilden sich mitunter Verbände von mehreren Dutzend Individuen. Paarungen wie Geburten erfolgen im Winterquartier. Die Tragzeit und das Alter bei der Entwöhnung sind ähnlich wie beim Blauwal, und auch die Finnwale können ein hohes Alter von wahrscheinlich weit über hundert Jahren erreichen.
Die Fachleute sind der Ansicht, dass der Finnwal einst weit häufiger war als der Blauwal. Bevor der kommerzielle Walfang im grossen Stil einsetzte, dürfte die Gesamtpopulation zwischen 300 000 und 650 000 erwachsene Individuen umfasst haben. Aufgrund des übermässigen Walfangs im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden die Bestände des Finnwals wie diejenigen des Blauwals völlig übernutzt und auf einen winzigen Bruchteil ihrer ursprünglichen Grösse vermindert. Und leider zeigen auch sie so gut wie keine Erholung. Sichtungen von Finnwalen in australischen Gewässern sind heute ein höchst seltenes Ereignis.
Der Buckelwal
Mit seinen überlangen Brustflossen und den warzenartigen «Knubben» an Kopf und Flossen hat der Buckelwal, ebenfalls ein Mitglied der Furchenwalfamilie, ein unverwechselbares Aussehen. Ausgewachsene Individuen erreichen eine Länge um 15 Meter und ein Gewicht von 30 bis 40 Tonnen, wobei die Weibchen durchschnittlich etwas grösser und schwerer sind als die Männchen.
Wie der Blau- und der Finnwal kommt der Buckelwal in sämtlichen Ozeanen - von der Arktis bis zur Antarktis - vor, und wie seine beiden Vettern unternimmt er saisonale Wanderungen: Den Sommer verbringt er in den kalten, tiefgründigen Polarmeeren und widmet sich dort der «Beweidung» der reichen Krill- und Fischbestände. Jeweils im Herbst sucht er dann wärmere Gewässer in Äquatornähe auf, um sich dort während des Winters fortzupflanzen. Im Unterschied zu seinen beiden schlankeren Vettern befinden sich seine Winterquartiere stets in seichten, küstennahen Gewässern, beispielsweise im Bereich des Great-Barrier-Riffs vor der Nordostküste Australiens.
Ihrer massigen Erscheinung zum Trotz sind die Buckelwale elegante Schwimmer und gehören zu den «Akrobaten» unter den Grosswalen. Oft springen sie hoch aus dem Wasser und fallen dann mit grossem Getöse wieder auf die Meeresoberfläche zurück. Wahrscheinlich dient dieses Verhalten der innerartlichen Verständigung, denn solche «Signale» sind unter Wasser viele Kilometer weit vernehmbar.
Populär gemacht haben den Buckelwal nebst seinen «Luftsprüngen» auch die «Unterwassergesänge», welche von den jungerwachsenen Männchen während der Fortpflanzungszeit geäussert werden. Auch diese dürften nicht einfach Ausdruck der Lebensfreude sein, sondern spielen wahrscheinlich bei der Partnerfindung eine wichtige Rolle.
Wie bei den Blau- und den Finnwalen erfolgen die Geburten bei den Buckelwalen während des Winters. Gewöhnlich bringen die erwachsenen Weibchen alle zwei Jahre ein einzelnes, vier bis fünf Meter langes Junges zur Welt. Die Tragzeit dauert rund elf Monate, und das Jungtier wird ungefähr zehn Monate lang gesäugt. Zur Fortpflanzung schreiten die jungen Buckelwale erstmals im Alter von vier bis fünf Jahren. Das Höchstalter liegt nachweislich bei über siebzig Jahren.
Da er ein eher gemächlicher Schwimmer ist und sich zudem regelmässig in Küstennähe aufhält, wurde der Buckelwal früher als der Blau- und der Finnwal übermässig bejagt. Sein Gesamtbestand scheint überdies mit höchstens etwa 150 000 Individuen nie besonders gross gewesen zu sein. 1963, als der Buckelwal auf Drängen der Weltöffentlichkeit von der Internationalen Walfangkommission endlich unter Schutz gestellt wurde, stand er am Rand der Ausrottung. Erfreulicherweise scheinen sich seine Bestände seither etwas besser erholt zu haben als die seiner Vettern. Regelmässige Zählungen - unter anderem in den Küstengewässern Australiens - deuten auf eine stete Bestandszunahme hin. Auf der südlichen Erdhalbkugel dürfte der Buckelwalbestand inzwischen wieder bei deutlich über 10 000 erwachsenen Individuen liegen.
Der Südliche Entenwal
Der Südliche Entenwal ist kein Bartenwal wie die drei bereits vorgestellten Arten, sondern ein Zahnwal und somit näher mit den Delfinen und Pottwalen verwandt: Er ist ein Mitglied der Familie der Schnabelwale (Ziphiidae), einer von neun Familien innerhalb der Unterordnung der Zahnwale (Odontoceti). Insgesamt gehören die 18 Mitglieder der Schnabelwalfamilie zu den am wenigsten bekannten Waltieren, da sie sich stets küstenfern, auf hoher See aufhalten und Begegnungen mit Schiffen aktiv vermeiden, indem sie in die Tiefe abtauchen. Mehrere Arten sind bloss aufgrund einiger gestrandeter Individuen bekannt, konnten also noch nie lebend gesichtet werden.
Der Südliche Entenwal, der mit dem im Nordatlantik lebenden, einigermassen gut bekannten Nördlichen Entenwal (Hyperoodon ampullatus)
eng verwandt ist, gehört zu den grösseren Mitgliedern der Schnabelwalfamilie: Die Männchen erreichen eine Höchstlänge von rund 9 Metern, die Weibchen eine solche von etwa 7,5 Metern. Wie der Familien- und auch der Artname andeuten, bildet seine Schnauze einen deutlichen Schnabel.
Obschon die Entenwale zu den Zahnwalen gehören, ist ihr Gebiss stark zurückgebildet. Funktionstüchtige Zähne finden sich gewöhnlich nur bei jungen Männchen. Diese besitzen ein Paar grosser Zähne vorn im Unterkiefer, welche später, beim Erwachsenwerden, in der Regel ausfallen.
Über die Lebensweise des Südlichen Entenwals ist kaum etwas bekannt. Manches deutet aber darauf hin, dass sie sich nicht wesentlich von der seines nordatlantischen Bruders unterscheidet. Letzterer hält sich zeitlebens in Gewässerbereichen auf, welche mehr als tausend Meter tief sind, taucht dort regelmässig in grosse Tiefen ab und kann mühelos während mehr als einer halben Stunde unter Wasser bleiben. Seine Nahrung besteht hauptsächlich aus Tintenfischen, doch verspeist er auch verschiedene Knochenfische sowie am Meeresboden lebende Seesterne und Seegurken. Die Weibchen bringen alle zwei Jahre, nach einer Tragzeit von ungefähr einem Jahr, jeweils im Sommerhalbjahr ein einzelnes Junges zur Welt.
Hin und wieder ist in der Vergangenheit ein Südlicher Entenwal an den Küsten Australiens gestrandet, was auf das Vorhandensein der Art in der unmittelbaren Umgebung des Kontinents hindeutet. Lebende Tiere wurden in den Hoheitsgewässern Australiens allerdings noch kaum je verzeichnet. Man geht davon aus, dass die Bestandsdichte der Art weiter südlich grösser ist. Dem Südlichen Entenwal wurde zu keiner Zeit gezielt nachgestellt. Seine Gesamtpopulation wird auf möglicherweise eine halbe Million Individuen geschätzt, womit er zu den am wenigsten gefährdeten Waltieren zählt.
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