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Heute gelten Tätowierungen als Schmuck oder Style. Früher wurde das Tätowieren als Sitte oder Brauch verstanden. Denn Tätowierungen wurden schon bei Mumien und bei Ötzi gefunden. Das Volk der Polynesier wird immer wieder als Erfinder der Körperbemalung genannt. Dabei kann man gar nicht genau sagen, wer das Tätowieren erfunden hat, denn diese Form des Körperschmuckes gab es eigentlich schon zu allen Zeiten in beinahe jeder Gesellschaft. Es ist unklar, woher und wo sich das Tätowieren schwerpunktmässig entwickelt hat. Bei den Polynesiern hatte das Wort „tatau“ die Bedeutung von „Zeichen“ oder „zeichnen“. Das englische Militär benutzt seit dem 17. Jahrhundert und auch heute noch ein ähnlich klingendes Wort „tattow“, was soviel wie „Zapfenstreich“ heißt. Die Vermutung liegt also nahe, dass aus „tattow“ irgendwann „tattoo“ wurde. Zumal es ja anfangs meist Seefahrer und Soldaten waren, die sich tätowieren ließen und diese Begriffe häufig brauchten.
Warum die Seefahrer? Weil sie als vermutlich erste mit den Körperbemalungen auf Ihren Reisen in Kontakt kamen und dort den begriff des „Tatauirens“ von den Polynesiern hörten. In Polynesien war es nicht nur üblich, sondern auch notwendig, geschlechtsreife Mädchen zu kennzeichnen, also zu tätowieren. Sie galten dann als heiratsfähig und besonders attraktiv. Ein nicht tätowiertes Mädchen war somit noch zu jung zum heiraten und wurden von den Männern auch nicht angerührt. Aber auch Jungen wurden mit ca. 12 Jahren tätowiert. Bei ihnen ging es aber nicht darum, die Heiratsfähigkeit zu dokumentieren, sondern sie nun als würdige Männer oder Krieger für Ihren Stamm auszuweisen. Dabei war das Tätowieren niemals ein einmaliger Akt, sondern es wurde eigentlich zu Lebzeiten immer weiter betrieben. Zur damaligen Zeit konnte man noch die einzelnen Motive den jeweiligen Meistern / Tätowierern zuordnen. Jeder im Stamm, der tätowieren konnte (damals mit Holzkämmen und Nadeln aus Knochen), hatte sein eigenes Spezialmotiv. So brachte Kapitän Cook einen Insulaner aus Tahiti namens Omai von einer seiner Reisen mit nach Hause. Dieser war von Kopf bis Fuss tätowiert und wurde auf sämtlichen Jahrmärkten in Cooks Heimat wegen seiner Kunstwerke bestaunt und bewundert. Er wurde herumgereicht und es wurden sogar Romane und Theaterstück geschrieben, die sich mit seinen Körperbemalungen befassten. Das trug natürlich erheblich zur Verbreitung des Tattoos am Körper bei, denn immer mehr Menschen, die die Tätowierungen am Körper Omais bestaunt hatten, wollten nun auch eine solche haben und ihre Körper damit verschönern.
Doch auch aus anderen Ländern gibt es Hinweise und Belege für die Bemalungen des menschlichen Körpers mit Tattoos. Anfänglich und teilweise auch heute noch üblich ist bei afrikanischen Völkern das Einritzen von Wunden und Einschmieren der Wunde mit Russ oder Dreck und die Wundheilung zu verzögern oder Narbenbildung hervorzurufen. Dies ist auch eine Form der Tätowierung, die Narbentätowierung.