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Inbegriff einer Rocklegende: Keith Richards wird 75Schreiben Sie einen Kommentar
«Die Leute wären überrascht, wie banal und normal mein Leben zu Hause ist», verriet der Rockstar Keith Richards der Zeitschrift «GQ». «Ich bringe den Müll raus. Ich füttere die Hunde. Ich ziehe die Kinder gross».
Elton John beschrieb Keith Richards im Streit mal als «Affen mit Arthritis» – die knorrigen Finger, die schwarz umrandeten Augen, die grossen Ohren und das zerknitterte Gesicht mit den freundlichen Augen erinnern an die vielen Drogenexzesse, für die der Gitarrist der Rolling Stones früher berüchtigt war. Doch seitdem er Weihnachten 2017 schliesslich sogar den Alkohol aufgegeben hat, bleiben der Rocklegende nur Kaffee und Zigaretten, um seinen 75. Geburtstag heute Dienstag (18. Dezember) zu feiern.
Keith Richards-Fan Uli freut sich darüber, dass sein Idol ein so hohes Alter erreicht hat und hebt bei RADIO TOP das Glas auf ihn:
Rolling Stones – Start me up:
Jagger und Richards waren Schulkollegen
Geboren in Dartford östlich von London, verbrachte er als Kind Stunden in der Stadtbücherei und besuchte mit Mick Jagger dieselbe Grundschule. Seine Mutter liebte Musik, vor allem Jazz von Ella Fitzgerald, Billie Holiday und Louis Armstrong: «Sie war eine Zauberin des Radiofrequenz-Knopfes. Wenn es irgendetwas gab, was es wert wäre, zu hören, fand sie es», erinnerte er sich in dem Dokumentarfilm «Keith Richards: Under the Influence». Muddy Waters beeinflusste ihn und Jagger so stark, dass sie ihre Band nach dem Song «Rollin’ Stone» benannten. Zwar ist Frontmann Mick Jagger das Gesicht der Stones, doch für den einzigartigen Sound dahinter ist grösstenteils Richards verantwortlich. Er schuf grosse Teile von Hits wie «I Can't Get No Satisfaction». Nicht immer ging es dabei zwischen ihm und Jagger friedlich zu. Ihre Auseinandersetzungen auf und hinter der Bühne sind legendär.
«Es war eine interessante Zeit, das müssen Sie zugeben: 3000 tollwütige Frauen, die versuchen, dir die Klamotten runterzureissen», sagte er der «GQ». Da tat es auch nichts zur Sache, dass er ein Junkie war: «Man würde Heroin nicht unbedingt als Aphrodisiakum bezeichnen», erklärte Richards der «Sabotage Times». «Ein Junkie zu sein, ist langweilig. Sie wachen nicht morgens auf, schauen in den Spiegel und fangen an zu singen «Oh, What A Beautiful Morning»».
Mit der 1960er-Jahre-Muse Anita Pallenberg hatte er drei Kinder: Marlon, Angela und Tara Jo Jo Gunne, der am plötzlichen Kindstod starb. Familienleben fand damals «irgendwie auf der Flucht» statt, sagte Richards der «Daily Mail». «Marlons Aufgabe bestand darin, die Zivilfahrzeuge der Polizei vor der Tür auszuspähen». Inzwischen ist er stolz auf seine Erziehungsmethoden, zumindest bei seinen jüngeren Töchtern aus der Ehe mit Patti Hansen. Er selbst hatte ein weniger gutes Verhältnis zu seinem Vater. Nach der Scheidung der Eltern hatten sie 20 Jahre lang keinen Kontakt. Als sie sich Anfang der 1980er Jahre zum ersten Mal wieder trafen, bat er den Stones-Gitarristen Ronnie Wood mitzukommen: «So verängstigt war ich!». Es stellte sich als unnötig heraus. Vater und Sohn versöhnten sich.
Heute braucht er keine Exzesse mehr, um Musik zu machen. Er hegt nur Verachtung für die heutigen Drogen; sie seien «institutionalisiert und langweilig», sagte er dem «Telegraph». «Und überhaupt, ich habe eh alle durch».
Möglicherweise neue Stones-Platte
2015 brachte er seine dritte Soloplatte «Crosseyed Heart» nach langer Pause heraus. «Ich möchte nur eine gute Platte machen, die dort sitzt und sagt: Das ist Teil seines Werks», sagte er damals der «GQ». Am Anfang fiel es ihm schwer, sein Ego und seine Legende vor der Studiotür zu lassen, doch das Schreiben brachte ihn runter: «Als wäre ich immer noch mit Mick in einer Küche eingesperrt und Andrew Oldham (der erste Produzent und Manager der Stones) sagte: «Ihr kommt erst raus, wenn ihr einen Song habt»».
In einem Interview mit «Rolling Stone» deutete Richards an, dass in einem Jahr möglicherweise eine neue Stones-Platte herauskommt. Er habe sich mit Jagger im Herbst zu einer Studio-Session getroffen. «Wir haben zusammen mit (Produzent) Don Was ein paar Songs zusammengebastelt. Wir arbeiten sie gerade durch. Wir hatten eine tolle Zeit. Wir haben einige schöne Sachen rausbekommen».
Die Stones lassen es inzwischen langsamer angehen: Statt der üblichen Marathon-Tourneen haben sie nur noch jeweils 14 Konzerte in diesem und letztem Jahr gegeben. Ab April 2019 werden sie durch die USA mit ihrer «No Filter»-Show touren. Dafür proben selbst die Rock-Veteranen: «Es ist so, als würde man ein tolles Auto herausholen, das seit neun Monaten auf den Blöcken sitzt. Sie müssen es wieder einfahren». Die Proben machen Keith Richards Spass, weil die Band Neues ausprobieren kann, bevor sie wieder die Stadien zum Ausrasten bringen: «Gib mir 50'000 Menschen und ich fühle mich wie zu Hause», verriet der Gitarren-Gigant der Zeitschrift «Rolling Stone». «Wie Ronnie und ich oft sagen, bevor wir auftreten: «Lass uns auf die Bühne gehen und etwas Ruhe und Frieden finden»».
Richards trinkt fast nichts mehr
Nach eigener Aussage trinkt er kaum noch Alkohol. Im vergangenen Jahr habe er sich nur noch «gelegentlich ein Glas Wein und ein Bier» gegönnt, sagte der britische Rockstar in einem Interview der Musikzeitschrift «Rolling Stone». «Ich habe damit Schluss gemacht. Ich hatte genug davon. Es war Zeit, aufzuhören», sagte Richards. Bei der jüngsten Europa-Tour der Stones sei es «interessant» gewesen, «nüchtern zu spielen», so Richards. Auch Bandmitglied Ronnie Wood (71) scheint der neue Stil der einst für ihre Exzesse bekannten Gruppe zu gefallen. «Wir sind in unseren Siebzigern, aber wir rocken noch wie 40-Jährige», sagte er dem Magazin.