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Sprechen wir doch wieder Deutsch!
Sprachkommentar
Meine alte Tante pflegt von Service zu sprechen, wenn sie das Porzellangedeck an der Tafel meint. – Betonung auf i.
Mein Neffe spricht von Service, wenn er eine Dienstleistung meint. Aussprache: Sörvis, betont auf ö.
Beide kennen (noch) die richtige deutsche Bezeichnung für das, was sie mit einem Fremdwort glauben bezeichnen zu müssen.
Ich habe mir die Frage gestellt: Warum ist das so?
Beide verwenden das Wort aus Gewohnheit. Die Tante französisch beeinflusst, der Neffe dem überall zu hörenden überbordenden anglizistischen Sprachgebrauch folgend.
Im Gespräch und unter Hinweis darauf, daß das nicht nötig wäre, geben das beide zwar zu, jedoch mit einem typischen „aber“. Aber ich habe doch auch – meint die Tante – Trottoir zum Gehsteig gesagt, Dessous statt Unterwäsche, Combinage statt Unterkleid, Taille statt Bund. Einiges davon wird noch verstanden, vieles ist bereits veraltet. Eben meinte ich, weil es entbehrlich ist. Ja, aber- meint die Tante- die feine Gesellschaft seinerzeit verwendete viel Französisch.
Aber- wendet mein Neffe ein – Dienstleistung, das sagt doch keiner mehr heutzutage zum Service. Überdies hört man Service tagtäglich in den Medien, liest es in Ankündigungen.
Meine Frage, ob das so bleiben müsse, löst erste Zweifel aus. Meine Frage, ob wir nicht vieles auch auf Deutsch gut und verständlich ausdrücken könnten, weitere.
Ja, schon, aber (da ist es wieder, dieses unsichere „aber“), meint der Neffe, wenn ich auf der Uni Dienstleistung statt Service, e-Post statt e-mail und Ähnliches sage, dann falle ich auf.
Siehst du, meinte ich, genau das ist es. Hätte sich niemand Gehsteig statt Trottoir einfallen lassen – und das war eine bis dahin unbekannte Wortschöpfung – dann gingest du noch immer am Trottoir spazieren, und es gäbe das deutsche Wort nicht. Also haben sich doch einige Leute dem vorherrschenden Sprachgebrauch widersetzt und waren erfolgreich. Motto: Erst verlacht man’s und dann macht man’s.
Wie wäre es, lieber Neffe, wenn du zu den Neueren gehörtest, die eigentlich nichts anderes beabsichtigen, als wieder Deutsch zu sprechen?
0. Univ. Prof Dr. Werner Pfannhauser Obmann der Interessengemeinschaft Muttersprache in Graz
Kontakt: IG Muttersprache, PP 43, 8047 Graz-Ragnitz www.pfannhauser.at/muttersprache
Quelle: Vereinszeitung der IGM Graz, Ausgabe Herbst 2013