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Beyond Project Management
Vor einigen Tagen hat Marcus Raitner auf seinem Blog Führung erfahren! zur Blogparade zum Thema „Beyond Project Management“ aufgerufen. Ein überaus spannendes Thema. Hier der Direktlink zu den bisherigen Beiträgen. Marcus hat als Einstieg einige Fragen in den Raum gestellt.
- Was versteht ihr unter Beyond Project Management?
- Wie sieht das Projektmanagement von morgen aus?
- Welches Vor- und Umfeld brauchen erfolgreiche Projekte?
- Gibt es morgen überhaupt noch Projektmanagement?
- Falls nein: Was kommt nach dem heutigen Projektmanagement?
Lange Zeit habe ich überlegt, ob ich einen Beitrag dazu verfassen soll. Immerhin sind Verfasser darunter, welche über langjährige Erfahrung mit dem genannten Thema verfügen.
Geänderte Betrachtungsweise
Aus diesem Grunde habe ich mich entschieden, die Betrachtungsweise umzudrehen. Ich schaute dabei nicht nach Vorne, sondern richtete mein Augenmerk in die Vergangenheit des Projektmanagement und versuchte dort Antworten zu finden. Dabei stellte ich mir u.a. folgende Fragen:
- Wie wurden in früheren Zeiten Projekte abgewickelt?
- Was war vor dem heutigen Projektmanagement benutzt worden?
- Braucht es die heutige, übermethodisierte Vorgehensweise denn überhaupt?
- Wo lagen die Vor- und wo die Nachteile?
- Kann ein Rückschritt einen Fortschritt darstellen?
Mir wurde bewusst, es tauchen rasch eine Menge von Fragen auf, wenn die Vergangenheit in den Fokus gerät. Eine für mich wichtige Frage war, seit wann das Projektmanagement in der heutigen Definition existiert.
Seit wann gibt es Projektmanagement?
Wenn ich mich nicht irre, so existiert der Begriff „Projektmanagement“ seit ungefähr der Mitte des 20. Jahrhunderts. Doch bereits vorher war die Menschheit in der Lage grosse bzw. riesige Vorhaben zu realisieren. In erster Linie waren dies wohl bekannte Bauvorhaben wie zum Beispiel die Chinesische Mauer, die Bauten der Inkas oder der Bau der Pyramiden. Aber auch Kriege benötigten, zumindest im logistischen Bereich, projektartige Hilfsmittel. Bereits die Römer schufen Strassen und Brücken quer durch Europa. Im Mittelalter schossen Burgen und Schlösser aus dem Boden wie Pilze. Wie konnte dies funktionieren?
Fragen über Fragen
Wie erschaffte man ohne modernes Projektmanagement derart riesige Bauwerke? Wie koordinierte man die Übernahme halber Kontinente? Wie konnten die Seefahrer ihre Reisen durchführen?
Wichtige Faktoren
Um tausende Tonnen Stein zu bewegen oder ganze Heere zu koordinieren, benötigt es meiner Ansicht nach mindestens drei Faktoren:
- Macht
- Zeit
- Ressourcen
Warum? Die Erschaffung der Pyramiden wurde von einem kleinen Machtzirkel mit gnadenloser Härte befohlen und durchgesetzt. Man hatte Jahre oder Jahrzehnte für die Erstellung eingeplant. Zudem haben sich Zehntausende Menschen schlichtweg zu Tode gearbeitet. Das gleiche Bild zeigt sich bei der Chinesischen Mauer oder den erwähnten römischen Strassen.
Früher vs. Heute
Wie ich unlängst gelesen habe, führten die Baumeister früherer Zeiten bereits Buch über wichtige Elemente. Arbeitszeiten, Personal sowie Kosten wurden aufgeführt. Berichte über bauliche Massnahmen, der nötigen Logistik sowie Zeitplänen gab es ebenso bereits. Selbst ein Krisenmanagement gab es scheinbar. Zum Beispiel, falls ein Pharao früher starb als erwartet. Später mussten die Baumeister oft reisen, um sich die weitläufige Bauten (u.a. Strassen, Aquädukte) vor Ort anzuschauen. Der Detailreichtum an Berichten, Zeichnungen, Listen und ähnlichen Plänen wuchs ständig mit den vorhandenen Mitteln zur Aufzeichnung. Fehler bei der Planung gehörten seit jeher dazu. Einmal fehlte Geld, die Natur wollte nicht wie der Planer oder die Ressourcen waren zu knapp. Machtwechsel, Kriege und Seuchen hatten zudem einen grossen Einfluss auf das Gelingen der Projekte. Und wie ist es heute? Der Faktor Macht ist heute noch vorhanden. Diese wird aber anders angewandt. Zeit hat inzwischen keiner mehr. Über die Verfügbarkeit der Ressourcen streitet man sich gerne. Leider gibt es auch heute noch Fälle, in denen sich Projektleiter und Mitarbeitende zu Tode arbeiten. Wir leben in einer hochtechnologisierten Gesellschaft. Aus irgendeinem Grunde haben wir uns dem Detailreichtum verschrieben. Es gibt zig Bücher über Projektmanagement, passende Software wie Sand am Meer. Die richtige Vorgehensweise ist permanente Diskussionsgrundlage. Zertifizierungen kann der Gewillte inzwischen sogar wie Panini-Bilder sammeln. Kommen wir im Projektmanagement weiter? Nein, in vielen Fällen stossen wir an die Grenzen. Projekte, welche vor wenigen Jahrzehnten noch einigermassen funktioniert hätten, scheitern.
Rückweg antreten – ein möglicher Weg?
Persönlich stehe ich für die Optimierung und Vereinfachung, egal in welchem Bereich, ein. Der Dschungel an Methoden und Vorgehensweisen ist zu gross geworden, um als „normaler“ Projektmensch den Überblick zu haben. Dies kann nachweislich zu Schwachstellen und Probleme führen. Ein Rückschritt zu weniger und einfacheren Methoden bzw. Vorgehensweisen kann deshalb durchaus einen Fortschritt hervorbringen. Zumindest sollte ein Vorhaben wieder genügend Zeit erhalten. Dies erhöht die Chance einer gelungenen Umsetzung sicherlich. Ja, mir ist bewusst – der Mensch benötigt so viel Zeit, wie er zur Verfügung erhält. Irgendwo gibt es allerdings eine Grenze nach Unten, dann geht das Projekt schief. Es braucht eine klare und stabile Machtstruktur, welche nicht ständig für jeden Kauf eines neuen Kugelschreibers geändert wird. Dieses Machtgebilde muss hart, aber fair die Umsetzung begleiten und sofort persönlich einschreiten. Nicht erst, wenn das Projekt kurz vor dem Scheitern steht. Für die Umsetzung des jeweiligen Vorhabens braucht es selbstverständlich genügend Ressourcen. Den Mensch als Ressource zu betrachten klingt für manche Menschen „unmenschlich“. Solange es nicht missbraucht wird (was ja nie vorkommt – oder etwa doch?), finde ich diese Bezeichnung nicht weiter tragisch.
Umsetzung
So, nun wurden viele Gedanken in diesen Beitrag gepackt. Ausser meiner wagemutigen Empfehlung (weniger, einfacher, Rückschritt wagen) sind keine konkreten Lösungsvorschläge enthalten. Soll es auch nicht. Ja genau, der Text soll zum Nachdenken und zum Vergleichen dienen. An den drei genannten Faktoren (Macht, Zeit und Ressourcen) halte ich fest. Die optimale Umsetzung in der Praxis muss diskutiert werden, es müssen mögliche Lösungen erstellt und getestet werden. Die Unternehmungen müssen ebenfalls mitziehen und sich an neue Wege gewöhnen. Denn eines ist sicher…es geht so nicht weiter!