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Welcher Wert gilt in der Erbteilung?
Der Vater ist im 2012 und die Mutter im 2013 gestorben. Im Jahre 2009 hat mein Bruder die elterliche Liegenschaft als Erbvorbezug erhalten. Der Wert der Liegenschaft ist seither stark gestiegen. Mein Bruder will sich jedoch nur den Wert zum Zeitpunkt des Erbganges (2012/2013) anrechnen lassen. Was ist zu tun, wenn wir uns nicht einigen können?
Da zwischen dem Erbgang (Todestag) und der Erbteilung (Aufteilung des Nachlasses unter den Erben) mehrere Jahre vergehen können, können hinsichtlich der einzelnen Erbschaftssachen erhebliche Wertveränderungen auftreten. Grundsätzlich ist für das gesamte Nachlassvermögen der Wert am Teilungstag massgebend, da Wertschwankungen, die seit dem Tod eintreten, sich nicht zu Gunsten oder zu Lasten einzelner Erben auswirken dürfen. Aus diesem Grund wird zumeist ein Teilungsstichtag gewählt, welcher möglichst nahe bei der tatsächlichen Verteilung des Nachlasses liegt, per welchem die Vermögenswerte des Nachlasses bewertet wurden. Für die Bewertung gilt das Verkehrswertprinzip, d.h. es gilt der Wert, welcher bei einer Veräusserung der betreffenden Erbschaftssachen an einen unabhängigen Dritten als Erlös erzielt werden könnte. Die Erben sind aber frei darin, auch einen anderen Wert zu vereinbaren, wenn sie sich alle einig sind.
Anders verhält es sich nun, wenn die verstorbenen Eltern Vermögenswerte (z.B. eine Liegenschaft) bereits zu Lebzeiten an einen Nachkommen veräussert haben. Die durch Erbvorbezug an den Bruder übertragene Liegenschaft ist von Gesetzes wegen ausgleichungspflichtig, sofern die Eltern ihn nicht in einem Testament oder in diesem Erbvorbezugsvertrag von der Ausgleichungspflicht befreit haben. Vorliegend muss sich somit der Bruder den Verkehrswert der Liegenschaft an seinen Erbteil anrechnen lassen. Befand sich diese Liegenschaft im Todeszeitpunkt der Eltern noch im Eigentum des Bruders, so gilt für die Ausgleichung der Wert per Todestag. Wäre hingegen die Liegenschaft vor dem Tod der Eltern wieder verkauft worden, würde sich die Bewertung nach dem dafür erzielten Verkaufserlös richten.
Können sich die Erben nicht über die Erbteilung einigen, müsste die Erbteilung allenfalls gerichtlich durchgesetzt werden. Kein Erbe kann die Erbteilung verhindern, d.h. die Beibehaltung der Erbengemeinschaft erzwingen, denn jeder Erbe hat nach dem Tod der Erblasser jederzeit einen Teilungsanspruch. Weil gewöhnlich Teilungsklagen mit hohen Streitwerten – und damit mit hohen Gerichts- und Anwaltskosten - verbunden sind (insbesondere wenn eine Liegenschaft im Nachlass liegt), empfehlen wir dringend, bevor der gerichtliche Weg beschritten wird, mittels einer Mediation gemeinsam eine einvernehmliche Lösung zu suchen. Weil die Mediation freiwillig ist, müssen sämtliche Erben bereit sein, eine aussergerichtliche Teilungsvereinbarung mit einem neutralen Moderator (Mediator) gemeinsam auszudiskutieren (vgl. dazu den Blog „Was ist eigentlich eine Mediation?“). Meistens kommen Sie mittels einer Mediation schneller und viel günstiger an ein für alle Parteien besseres Ergebnis. Unser erfahrener Mediator, Magnus Küng, ist Ihnen dabei gerne behilflich.
(Quelle Bild: Shutterstock)