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Friedrich Dürrenmatt beherrschte das rhetorische Handwerk geschickt und hat immer wieder neue überraschende Formen des Publikumsbezugs gefunden. Einen grossen Teil seiner theoretischen Auseinandersetzung mit dem eigenen dramatischen Werk hat er in Preisreden (etwa für die Schillerpreise 1959 und 1985 sowie den Büchner-Preis 1986) entwickelt. Im Vortrag „Theaterprobleme" (1955) sind die Grundsätze seiner Dramaturgie ausgeführt.
Seit ca. 1968 hat Dürrenmatt in Reden auch wiederholt politisch Stellung genommen, auf internationaler Ebene etwa zu den Konflikten um Israel 1968, 1974 und 1975 oder zur Invasion der Tschechoslowakei 1968.
In der Schweiz hat er immer wieder provoziert, sei es, indem er die Dankesrede für den Berner Literaturpreis 1969 zu einer Auseinandersetzung mit der Kulturpolitik machte und den Preis an nonkonformistische Publizisten und einen Vorkämpfer für den Zivildienst weiterreichte, sei es, dass er am Ende seines Lebens eine Preisrede für den tschechoslowakischen Präsidenten Václav Havel zur Abrechnung mit der Schweiz der Fichenaffäre machte und sie mit einem selbst gewählten und selbst produzierten existentiellen Gefängnis verglich.
Da er seine Reden für die nachträgliche Drucklegung intensiv überarbeitete und oft erweiterte, verwischen sich die Grenzen zwischen Rede und Essay.