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Es folgt ein weiterer veterinärmedizinischer Reisebericht unseres Tierarztes Peter Müller:
Sumatra ist die sechstgrösste Insel der Welt und bildet das westliche Ende von Indonesien. Traurige Bekanntheit erlangte Sumatra insbesondere aufgrund des Tsunamis von 2004, welcher auf der Insel rund 100'000 Menschenleben forderte. Die 50 Millionen Einwohner sind mehrheitlich muslimisch, die nördlichste Provinz Aceh hat nach längeren bewaffneten Unruhen inzwischen eine Teilautonomie erlangt und kennt seither neben der indonesischen Rechtssprechung auch das islamische Gesetz der Scharia.
Sumatra ist ausserdem bekannt für seine durch Abholzung bedrohten Orang-Utan-Bestände und die weitgehend intakte Unterwasserwelt.
Ich mache auf der dem westlichen Zipfel von Sumatra vorgelagerten Insel Pulau Weh Station, um zu tauchen. Zwischenzeitlich quartiere ich mich an einem schönen Sandstrand an der Ostküste ein. Kaum steige ich die Treppe durch den Palmenhain der Bungalowsiedlung zum Strand hinunter, werde ich von 5 etwa 2 Monate alten Welpen überfallen und zum sofortigen Austeilen von Streicheleinheiten gezwungen. Auch die Mutter, durch Säugen und schlechte Ernährung abgemagert, möchte gerne Zuwendung und legt sich vor mir auf den Rücken.
Ich bin etwas erstaunt, sind doch Hunde in der streng muslimischen Provinz Aceh selten - sie gelten nämlich im Islam als unrein, das Halten eines Hundes ist nach Koran eigentlich verboten.
Kurz darauf lerne ich die einheimische Besitzerin der Bungalows kennen - sie ist westlich gekleidet und spricht ausgezeichnet Englisch und sogar etwas Deutsch. Es stellt sich heraus, dass sie mit einem Schweizer verheiratet war und sich vom traditionell-muslimischen Lebensstil ihrer Familie losgesagt hat. Ihre Tierliebe hat sie dazu gebracht, die trächtige Hündin aufzunehmen und so vor Misshandlung und Tod zu beschützen.
Nachdem die Besitzerin erfahren hat, dass ich Tierarzt bin, stellt sie mir natürlich die Frage, wie weitere Würfe der Hündin verhindert werden könnten.
Leider findet sich auf der Insel kein Tierarzt, dessen Instrumente oder Medikamente ich zur Narkose und Kastration der Hündin hätte benutzen können. Das örtliche Spital kontaktiere ich gar nicht erst um Narkotika oder Operationsinstrumente zu erlangen. Ich verspreche der Besitzerin aber, nach meiner Rückkehr in die Schweiz Medikamente zur Geburtenkontrolle der Hündin zu schicken. Kurz darauf erfahre ich erfreut, dass chinesische Gäste, welche in Jakarta leben, 3 der fünf Welpen mit nach Hause genommen haben.
Zur medikamentellen Empfängnisverhütung bei Hunden stehen einerseits injizierbare Medikamente und andererseits Tabletten zur Verfügung. Wird die Injektion regelmässig (alle 5 Monate) vorgenommen, kann eine Läufigkeit und dadurch eine unerwünschte Trächtigkeit in aller Regel verhindert werden. Die Applikation von Tabletten ist realistischerweise nur zur temporären Verschiebung oder Unterbrechung einer Läufigkeit (aber nicht zur längerfristigen Geburtenkontrolle) einsetzbar.
Gegenüber der chirurgischen Kastration (bei welcher die Eierstöcke und in der Regel auch die Gebärmutter entfernt wird) beinhalten medikamentelle Kontrazeptiva das Risiko der Entwicklung einer Zuckerkrankheit (Diabetes Mellitus) oder einer Gebärmuttervereiterung, weshalb auf Dauer eine Kastration den medikamentellen Verfahren überlegen ist.
In näherer Zukunft wird in der Schweiz wohl auch bei Hündinnen das schon bei Rüden zugelassene Hormonimplantat zur Kontrazeption zugelassen werden. Die oben beschriebenen Nachteile scheinen bei diesem Verfahren nicht vorhanden zu sein, allerdings muss das Implantat in regelmässigen Abständen (halbjährlich oder jährlich) erneuert werden.