Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03443.jsonl.gz/1746

Aufgabe des Wirtschaftsprüfers ist es, die Jahresrechnung daraufhin zu überprüfen, ob sie dem Gesetz, den gewählten Rechnungslegungsgrundsätzen und den Statuten des Unternehmens entspricht. Die Revision bewirkt aber mehr als diesen Konformitätsnachweis: Sie erhöht die Qualität des Jahresabschlusses und bildet dadurch die Grundlage dafür, dass der Kapitalmarkt den Angaben des geprüften Unternehmens vertrauen kann. Zudem gibt die Wirtschaftsprüfung dem Verwaltungsrat die Gewissheit, dass dieser sich auf die Richtigkeit der Abschlüsse verlassen und damit seiner gesetzlich vorgeschriebenen Rolle nachkommen kann. Diese Aussagen sind nun durch eine repräsentative Umfrage von PricewaterhouseCoopers (PwC) empirisch belegt.
Die Ergebnisse der Erhebung, die sich auf die Prüfungssaison 2006/07 beziehen, überraschen die Branche zwar nicht, dürften aber die Öffentlichkeit interessieren. Die Prüfungsarbeiten sind bei weitem umfangreicher als allgemein angenommen. Im Schnitt bearbeiten die Wirtschaftsprüfer fünf Versionen der Jahresrechnungen; die Bandbreite reicht von einer bis zu über zehn Fassungen.
Hoher Korrekturbedarf
Unabhängig von der geprüften Anzahl der Versionen des Jahresabschlusses besteht ein hoher Korrekturbedarf: Mehr als die Hälfte der erfassten Unternehmen, 54%, müssen aufgrund der Prüfung Korrekturen in der Bilanz und der Erfolgsrechnung vornehmen. Besser schneiden jene Unternehmen ab, deren Titel im Swiss Market Index (SMI), dem Blue Chip Index der Schweizer Börse, enthalten sind: Nur 29% der untersuchten Unternehmen, die diesem Segment angehören, mussten ihre Bilanz oder Erfolgsrechnung im Laufe der Revision korrigieren. Gesellschaften, die auch der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC unterstehen, legten einwandfreie Rechnungen zur Prüfung vor.
Die Gründe für die recht hohe Korrekturquote bei den Abschlüssen börsenkotierter Unternehmen liegen hauptsächlich in einer Fehlinterpretation der Rechnungslegungsgrundsätze, unangemessenen Bewertungen, unsorgfältiger Vorbereitung, nicht hinreichenden internen Kontrollen und grundlegenden Buchungsfehlern. In einigen Fällen mangelt es an rudimentären Kontrollen wie dem Vieraugenprinzip.
Die Änderungen, die aus der Revision resultieren, wirken sich hinsichtlich der Jahresergebnisse sowie des Eigenkapitals quantitativ weniger bedeutend aus. Im Gegenzug verbessern sie die Qualität der Jahresrechnung (True and Fair View), primär bezüglich Klarheit und Verständlichkeit, wesentlich. Dies ist bedeutend für die Schaffung von Transparenz und schlägt sich positiv auf das Vertrauen des Kapitalmarktes in das Unternehmen nieder. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die meisten Korrekturen zu höheren Jahresergebnissen führen, zuguns-ten der geprüften Firma also.
Ungenügende Transparenz
Der Anhang, der die einzelnen Posten der Bilanz, der Erfolgsrechnung und der Mittelflussrechnung erläutert, ist für Investoren und Finanzanalysten von hohem Aussagegehalt. Gerade hier jedoch lässt die Qualität zu wünschen übrig: Bei 98% der untersuchten Gesellschaften stellten die Wirtschaftsprüfer einen Anpassungsbedarf des Anhangs fest. Dieser resultierte teilweise aus fehlerhaften Darstellungen, teilweise aus einer unzureichenden Offenlegung. Häufig mangelte es aber auch an der Verständlichkeit; die Formulierungen waren nicht korrekt, der Wortlaut nicht adäquat gewählt.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass viele Unternehmen Schwierigkeiten haben, die Rechnungslegungsstandards richtig zu interpretieren und in die Praxis umzusetzen. Bei 61% der untersuchten Unternehmen war dies der Fall. Ein wichtiger Grund liegt zweifelsohne in der Komplexität der Rechnungslegungsnormen.
Viele Unsicherheiten beziehen sich denn auch auf Standards, die kurz vor dem betreffenden Geschäftsjahr geändert wurden, beispielsweise die Standards über die Bilanzierung von Leistungen zur Altersvorsorge (IAS 19), über die erfolgswirksame Bilanzierung aktienbasierter Vergütungsinstrumente (IFRS 2) oder über die Vorsorgeverpflichtungen (FER 16). Dies ist nicht weiter verwunderlich, zumal die offizielle Interpretation eines Standards zumeist auf sich warten lässt.
Auch das folgende Ergebnis der Erhebung demonstriert den Mehrwert der Revision: In 80% der «Management Letter», in denen der Abschlussprüfer die Unternehmensführung über Feststellungen und Hinweise aus der Prüfung informiert, finden sich Aussagen zu Kontrollschwächen. Zum Vergleich: In 50% der Fälle weist die Revisionsstelle im «Management Letter» auf Geschäftsrisiken hin, in 60% auf steuerliche Risiken. Dadurch leistet die Wirtschaftsprüfung einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung und Sicherheit von Geschäftsabläufen und internen Kontrollsystemen. Die Verbesserungsmöglichkeiten liegen auf der Hand. Es geht darum, die organisatorischen und personellen Voraussetzungen für die Vorarbeiten und die Erstellung des Jahresabschlusses zu optimieren. Und es geht darum, den frühzeitigen Austausch mit dem Abschlussprüfer zu suchen. Eine offene und kontinuierliche Kommunikation zwischen Unternehmen und Revisionsstelle beinhaltet, dass komplexe Geschäftsvorfälle oder Zweifel an der Interpretation von Rechnungslegungsvorschriften gemeinsam vor Abschluss des Geschäftsjahres diskutiert werden. Dieses Vorgehen reduziert den Aufwand sowohl für das geprüfte Unternehmen als auch für den Prüfer; es erlaubt, den Abschluss effizienter zu erstellen und erhöht zugleich die Qualität der Jahresrechnung.