Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03557.jsonl.gz/1006

30 Jahre auf Zeitreise - Teil 1 - Die Anfänge 1994 - 1999
Viele kennen mich als historischen Berater für Film, Fernsehen, Theater, aber auch Veranstaltungen. Zudem bis ich in verschiedenen Epochen, mal militärisch, mal Zivil unterwegs, aber auch als Sammler von historischen Kleidern, Uniformen und alltäglichem. Im kommenden Juni vor 30 Jahren habe mal klein angefangen. Deshalb nehme ich Sie heute mit auf eine Zeitreise in die Vergangenheit die weit weniger weit geht, als was Ihr von mir gewohnt seit - An die Anfänge meiner ersten Erfahrungen im Reenactment, als vieles noch anders war. Zurück ins Jahr 1994, als Analog-Fotografie noch das Mass aller Dinge war und es kein Internet gab.
1994 - Vor dem Zeitreisen
Im Januar wird Otto Stich erneut zum Bundespräsidenten der Schweiz gewählt, ein historischer Moment für das Land. Die Britische Rheinarmee wird feierlich aufgelöst, während Teile ihrer Streitkräfte unter dem Namen British Forces Germany weiterhin in Deutschland stationiert bleiben. Die Festnahme von Arno Funke, der zuvor als der anonyme Kaufhauserpresser "Dagobert" Schlagzeilen machte, markiert das Ende eines der längstdauernden Erpressungsfälle in Deutschland und sorgt für Erleichterung im Land. Ebenfalls im Januar wird Nelson Mandela zum ersten schwarzafrkanischen Präsidenten Südafrikas vereidigt, ein historischer Meilenstein in der Geschichte des Landes und ein Symbol des Wandels und der Versöhnung. Und schliesslich unterzeichnen Russland und die Europäische Union ein umfangreiches Partnerschafts- und Kooperationsabkommen, das die Beziehungen zwischen den beiden Regionen stärken und vertiefen wird.
Damals wohnte ich gemeinsam mit meinem Bruder in der Strassburgerallee 109 in Basel im vierten Stock. Wir teilten uns eine 3-Zimmer-Wohnung. Ich war gerade zarte 21 Jahre alt und hatte bereits im Vorjahr meine Lehre als Modellbauer abgeschlossen, sowie die Rekrutenschule in Chamblon bei den Panzerjägern erfolgreich absolviert.
Seit dem Tod meiner Tante Bertha im Jahr 1991, die mir so viel von ihren Erlebnissen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg erzählt hatte, vertiefte ich mein Wissen durch das Lesen von Büchern, vorwiegend zum Thema des Zweiten Weltkriegs. Leider hatte ich kaum die Möglichkeit, mich mit anderen Gleichgesinnten auszutauschen, da meine Freunde und Kollegen nur wenig Interesse an diesem Thema zeigten. Im Zusammenhang mit diesem Interesse hatte ich bereits vor und während meiner Lehre als Modellbauer eine beträchtliche Anzahl von Modellbausätzen zum Thema bearbeitet und Dioramas gebaut
Während der Berichterstattung zum 50. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944 sah ich an einem Abend eine Sendung über Personen aus Frankreich, die in Originaluniformen an Gedenkveranstaltungen teilnahmen und teilweise Landeunternehmen nachstellten. Man nannte diese Art von Geschichte im Beitrag Reenactment. Ein Wort, das mir so nicht geläufig war. Die Sendung drehte sich zwar nicht explizit um dieses Hobby, aber es wurde offensichtlich, dass noch tragbare, originale Uniformen und Ausrüstungen aus dieser Zeit erhalten waren und anlässlich des Jahrestags in der Normandie getragen wurden.
Am nächsten Tag sprach ich mit meinem Vater darüber, da ich von einem ehemaligen Schulkameraden von ihm wusste, der dieser einen Jeep besass, Uniformen sammelte und bei der Sanität Basel arbeitete. Zwei Tage später war der Kontakt hergestellt und wir sassen im Keller eines Einfamilienhauses in Oberwil, welcher aussah wie ein Museum mit lauter aufgestellten Puppen mit Uniformen, Waffen und Zubehör. Ein Paar Stunden später war mein erster Trip in die Normandie geplant und ich konnte kurzfristig Ferien beziehen.