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Centro de Promoción y Salud Integral, Bolivien
Politisch engagiert für Frauengesundheit
Von Martin Leschhorn Strebel / Medicus Mundi Schweiz
Auf Einladung von INTERTEAM gastierte im Mai die Leiterin des Centro de Promoción y Salud Integral (CEPROSI) in der Schweiz. Die im Gesundheitsbereich tätige, bolivianische Organisation engagiert sich unter anderem für Gewaltopfer.
Von aussen betrachtet, erscheinen die Basisgesundheitsbewegungen in Lateinamerika sehr aktiv und institutionell gut verankert. Dies mag mit einer ausgeprägten Politisierung der gesellschaftlichen Debatten rund um das Thema und mit der in letzter Zeit feststellbaren Stärke von emanzipativen Bewegungen in diesen Ländern zusammenhängen.
Die Koordinatorin des Centro de Promoción y Salud Integral (CEPROSI), die Ärztin Ana María Vargas kann auf die Entwicklungen in der Basisgesundheitsversorgung in Bolivien mit einer 22-jährigen Erfahrung zurückblicken. Das CEPROSI arbeitet seit 1989 im Distrikt Max Paredes in La Paz im Gesundheitsbereich und der Gewaltprävention. Primäre Zielgruppen sind Frauen, die mit Kursen, Weiterbildungen und Beratungen gestärkt werden sollen. Es führt 21 Frauenzentren, welche rund 600 Frauen frequentieren.
Gegen die Ignoranz
Die Prävention von Gewalt gegen Frauen ist einer der Arbeitsschwerpunkte von CEPROSI. Zentraler Ansatzpunkt bildete dabei die Sensibilisierung der Angestellten in den Gesundheitseinrichtungen. Erschien eine von häuslicher Gewalt betroffene Frau in einem Gesundheitszentrum, ignorierten die Ärzte in der Regel, dass die Verletzungen nicht von einem Sturz sondern eben von einem Gewaltdelikt herrührten.
CEPROSI stellte fest, dass die Normen der WHO, die ein Vorgehen im Umgang mit dieser Art von Verletzungen festlegten, in Spitälern und Gesundheitszentren wenig bekannt waren oder einfach ignoriert wurden. Das bolivianische Gesundheitsministerium unternahm wenig, um die WHO Normen durchzusetzen. Mit Öffentlichkeits- und Advocacyarbeit gelang es dem CEPROSI in ihrem Distrikt das Gesundheitspersonal zu sensibilisieren und die Qualität in der Behandlung von Gewaltopfern zu heben. Ana María Vargas hält es in diesem Zusammenhang für zentral, dass medizinische Daten in einer standardisierten Form erhoben werden.
Nationale Gesundheitspolitik beeinflusst
Gleichzeitig verstärkte CEPROSI die Vernetzung mit anderen Organisationen, die in diesem Bereich tätig sind. Der Erfolg des Engagements zeigt sich daran, dass die Zahl der Anzeigen von Frauen aufgrund von Gewaltvorkommnissen gesteigert werden konnten.
Die Arbeit der Regierung des Präsidenten Evo Morales im Gesundheitsbereich bewertet Ana María Vargas durchaus positiv. Die verschiedenen Gesundheitskomitees und sozialen Organisationen – darunter auch das CEPROSI – wurden bei der Ausarbeitung der neuen Gesundheitspolitik beratend beigezogen, und so seien einige der langjährigen Forderungen der Basisgesundheitsbewegungen berücksichtigt worden.
Die vor vier Jahren mit dem Namen „Salud Familiar Comunitaria Intercultural“ (SAFCI) in Kraft getretene neue Gesundheitspolitik zielt primär auf die Stärkung der Müttergesundheit. Sie integriert aber auch Elemente der traditionellen, indigenen Medizin. Dies hat in einem Land, in welchem über 50% der Bevölkerung indigener Abstammung sind, nicht nur symbolische Bedeutung.

INTERTEAM
Begegnung – Austausch – Entwicklung. Nach diesem Leitmotiv setzt sich INTERTEAM ein für bessere Lebensbedingungen in armutsbetroffenen Ländern und für mehr Solidarität der Schweiz mit den Menschen im Süden. Seit 1964. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Weitergabe von Wissen, Fertigkeiten und Erfahrung an Partnerorganisationen. Dazu vermittelt INTERTEAM qualifizierte Schweizer Berufsleute in dreijährige Einsätze nach Afrika und Lateinamerika. Die rund 70 INTERTEAM-Fachleute engagieren sich in den Bereichen Bildung, Ernährung und Gesundheit. Gemeinsam werden neue Wege beschritten und solide Grundlagen geschaffen, um die Lebenssituation der lokalen Bevölkerung nachhaltig zu verbessern. INTERTEAM-Einsätze sind gegenseitiges Lernen. Die Fachleute sensibilisieren aufgrund ihrer Erfahrungen auch die Schweizer Bevölkerung für die Anliegen der Menschen im Süden.