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Sehr geehrter Herr!
Die engen Bande der Anteilnahme und der Zuneigung, die mich seit einem halben Jahrhundert mit dem Teil der Welt verbinden, in dem Sie leben und als dessen Bürger ich mich selbst gerne betrachte, haben den Eindruck vertieft, den Ihr großartiges Werk zur Philosophischen Physiologie und die bewundernswerte History of the Conquest of Mexico [Geschichte der Eroberung Mexikos] von Herrn William Prescott, welche ich fast zeitgleich erhalten hatte, auf mich machten. Werke dieser Art, die mit sehr unterschiedlichen Mitteln die Sphäre unseres Wissens erweitern, mehren den Ruhm des eigenen Landes. Ich kann Ihnen gar nicht genug meinen tief empfundenen Dank ausdrücken.
In meinem vorgerückten Alter bin ich besonders dankbar für das Interesse, welches mir von jenseits des Atlantischen Beckens noch immer entgegengebracht wird, über das mit Hilfe der Dampfkraft ja gleichsam eine Brücke geschlagen wurde.
Die kraniologischen Schätze, die Sie in Ihrer Sammlung so glücklich zusammenstellen konnten, haben in Ihnen einen würdigen Deuter gefunden. Ihr Werk ist gleichermaßen bemerkenswert wegen der Tiefe seiner anatomischen Einsichten, der numerischen Einzelheiten in den Verhältnissen der organischen Gestalt, der Abwesenheit jener poetischen Träumereien, die gleichsam die Mythen der modernen Physiologie darstellen, sowie der zahllosen allgemeinen Schlußfolgerungen Ihres einführenden Essays.
Da ich gerade mit der Vorbereitung meines wichtigsten Werkes beschäftigt bin, das unter dem leichtsinnigen Titel Kosmos erscheinen wird, werde ich aus den zahlreichen klugen Einsichten in die Verteilung der menschlichen Rassen, die über Ihr schönes Buch verstreut sind, Gewinn zu ziehen wissen. Man kann nur immer wieder erstaunt innehalten, wenn man sieht, wie Ihnen eine Arbeit von solch künstlerischer Vollendung geglückt ist und wie es Ihnen gelungen ist, ein Werk zu schaffen, welches es mit den schönsten, die in Frankreich oder England entstanden sind, aufnehmen kann. Ich bitte Sie, den erneuten Ausdruck meiner großen Wertschätzung entgegenzunehmen, und verbleibe, verehrter Herr, Ihr gehorsamster, ergebenster Diener,
ALEXANDER HUMBOLDT
Berlin, den 17. Januar 1844
Übersetzung eines Briefes des Barons Alexander von Humboldt an Dr. S. G. Morton