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Basel (?), um 1600
Stahl, Fruchtholz, Bein resp. Horn und Knochen
L. 149 cm (Gesamtlänge)
L. 111,5 cm (Lauflänge ohne Schwanzschraube)
L. 114,8 cm (Lauflänge mit Schwanzschraube)
Kaliber 18 mm
Inv. 2003.8.
Die in die ersten beiden Jahrzehnte des 17. Jahrhunderts zu datierende Muskete dürfte sowohl im militärischen Bereich als auch im Schützenstand gebraucht worden sein. Dass die Waffe in Basel Verwendung fand, kann auf Grund der Herkunft, Schloss Wildenstein, angenommen werden. In der Waffenkammer des Schlosses, bis 1990 Eigentum der Familie Vischer, wurden auch Objekte aus altem Basler Besitz aufbewahrt. Der mit dem Basler Wappen gezeichnete Lauf ist ein wichtiger Hinweis dafür, dass die Waffe im städtischen Hoheitsbereich entstand. Die Verwendung des Basler Wappens als Beschau oder Ortshinweis war nur mit obrigkeitlicher Genehmigung möglich. Auch in den Städten Bern, Biel, Luzern und Zug entstanden in der Zeit von 1600 bis 1630 verbeinte Waffen, hauptsächlich für Schützen bestimmte Zielbüchsen.
Auf dem Lauf findet sich unterhalb des Basler Wappens zweimal eine noch nicht identifizierte Meistermarke. Sie zeigt eine Hand mit zwei Kornähren, überhöht von einem Stern. Die gleiche Marke erscheint auf drei Luzerner Münzstempeln des 16. Jahrhunderts. Es überrascht, dass ein Büchsenschmied auch Münzstempel angefertigt haben soll. Die gleiche Marke weisen eine Luntenmuskete im Musée royal de l'Armée in Brüssel und eine kombinierte Lunten-Radschlossmuskete im Musée d'art et d'histoire in Genf auf. Da die Meistermarke unbekannt ist, bleibt der Hersteller im Dunkeln.
Der Schaft aus Fruchtholz zeigt schöne und qualitätsvolle Beineinlagen. Auf der einen Seite ist ein Reiter mit Jagdfalke und reitender Dame dargestellt. Die andere Seite ziert ein Schütze, der auf eine grosse Zielscheibe schiesst. Diese Darstellung bildet gleichsam die Funktion der Waffe ab. Auf der Beineinlage bei der Schwanzschraube erscheinen ein Trommler und ein Pfeifer, die Unterseite schmückt ein Sackpfeifer. Der Vorderschaft ist mit Meerungeheuern und laufenden Hunden belegt. Der Dekor dieser Muskete zeigt Ähnlichkeiten mit dem Schaft einer Waffe in den Royal Armouries in Leeds. Dem Vernehmen nach scheint auch diese Büchse in Basel entstanden zu sein. Mit den militärischen Reismusketen oder den speziell für den Standgebrauch eingerichteten Zielbüchsen wurde auf der Basler Schützenmatte, dem Schiessplatz der Basler Feuerschützen, geschossen.
Die Frage nach dem Hersteller kann vorläufig nicht beantwortet werden. Immerhin möchten wir darauf hinweisen, dass bei der Schusswaffenherstellung im 16. und 17. Jahrhundert eine mehr oder weniger ausgeprägte Arbeitsteilung bestand. Oftmals bezogen schweizerische Büchsenmacher Eisen oder Läufe aus in- oder ausländischen Zentren. Ansässige Schäfter stellten die Schäfte her und besorgten die Beineinlagen, die vorgängig ein Graveur bearbeitet hatte. Der für die Endmontage verantwortliche Büchsenmacher überarbeitete den Lauf, steuerte das Schloss und die Garnitur bei. Seine Meistermarke wurde auf Lauf oder Schloss, zuweilen an beiden Orten eingeschlagen. Für die Verwendung von Wappen oder Zeichen, die über den Entstehungsort der Waffe und ihre Qualität Auskunft geben können, lassen sich in den Schweizer Städten im Unterschied zu den deutschen Produktionszentren wie Nürnberg und Augsburg nur sehr wenige Vorschriften und nur sporadisch Kontrollinstanzen nachweisen. Wie die Münzstempeleisen des unbekannten Basler Büchsenmachers belegen, verfertigten die Handwerker auch noch Gegenstände, die man gemeinhin nicht mit diesem Metier in Verbindung bringen würde. So stellten die Schäfter auch noch Schatullen, Schränkchen, Spielbretter und Schreibpulte her.