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Die Vierte Europäische Umfrage über die Arbeitsbedingungen liefert wichtige Erkenntnisse über die Arbeitswelt in der Schweiz und in Europa. Die erstmalige Beteiligung der Schweiz an dieser Erhebung ergab insgesamt ein erfreuliches Bild über die hiesigen Arbeitsbedingungen. Vielfach ist die Schweiz in der Spitzengruppe vertreten und bietet damit den Erwerbstätigen vergleichsweise gute Bedingungen. Die attraktiven Arbeitsplätze sind einerseits ein wichtiger Faktor im internationalen Standortwettbewerb und andererseits eine Voraussetzung, um den frühzeitigen Ausschluss älterer Erwerbstätiger vom Arbeitsmarkt zu verhindern. Aber es gibt auch Verbesserungspotenzial.
Erstmalige Beteiligung der Schweiz an europäischer Erhebung
Die Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (siehe Kasten 1 Die Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingung mit Sitz in Dublin wurde 1975 vom Europäischen Rat gegründet. Sie ist eine tripartite Agentur, die sich aus Vertretern der mitgliedstaatlichen Regierungen, der Arbeitgeberverbände und der Arbeitnehmerorganisationen zusammensetzt. Die Stiftung hat die Aufgabe, durch die Förderung und Verbreitung geeigneter Kenntnisse zur Konzipierung und Schaffung besserer Lebens- und Arbeitsbedingungen beizutragen. Bei der Erfüllung ihrer Aufgaben berücksichtigt sie die Politik der Gemeinschaft in diesen Bereichen und unterrichtet die Organe der Gemeinschaft über die in Betracht kommenden Ziele und Ausrichtungen, indem sie ihnen insbesondere wissenschaftliche Kenntnisse und technische Daten mitteilt.Im Bereich der Verbesserung der Lebensverhältnisse und der Arbeitsbedingungen befasst sich die Stiftung insbesondere mit folgenden Fragen:- Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen;- Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben;- Arbeitsbeziehungen und Partnerschaft;- sozialer Zusammenhalt.Für weitere Informationen siehe: http://eurofound.europa.eu. Bericht der Stiftung: http://eurofound.europa.eu/ewco/surveys/EWCS2005/index.htm. ) führt seit 1990 fünfjährlich Erhebungen über die Arbeitsbedingungen in Europa durch. Bei der erstmaligen Beteiligung der Schweiz 2005 wurden europaweit nahezu 30000 Erwerbstätige in 31 Ländern befragt. Die erfassten Schweizer Daten basieren auf 1040 persönlichen Face-to-Face-Interviews, die Beschreibungen der Arbeitsbedingungen aus Sicht der Befragten liefern. Dabei wurden – neben den Gesundheitsauswirkungen der Arbeit – auch Themen wie Arbeitsorganisation, -inhalte und -zeiten sowie Diskriminierung, Kommunikationsstrukturen, Weiterbildungsmöglichkeiten oder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie untersucht. Diese Themen, die mittels über 100 Fragen analysiert werden, ergeben ein umfassendes Bild über die Arbeitssituation in der Schweiz im Vergleich zu anderen europäischen Ländern. Die Personenauswahl, welche in der Schweiz durch die M.I.S. Trend AG in Lausanne getroffen wurde, erfolgte durch eine mehrstufige Zufallsstichprobe und ist repräsentativ für die gesamte erwerbstätige Bevölkerung. Die befragten Personen waren zum Zeitpunkt der Umfrage (Ende 2005) selbstständig oder abhängig erwerbstätig und mindestens 15 Jahre alt. Mit der Studie verfügen die Sozialpartner und die politischen Entscheidungsträger über eine gemeinsame Grundlage für die Entwicklung von Massnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und es können dank dem Datensatz je nach Bedarf vertiefte Auswertungen durchgeführt und damit weitere wichtige Informationen bezüglich der Schweizer Arbeitswelt gewonnen werden. Die Auswertung der Daten wird vom Institut für Personalmanagement und Organisation der Fachhochschule Nordwestschweiz in Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) koordiniert. Im Folgenden werden einige Themen der vierten europäischen Umfrage über die Arbeitsbedingungen 2005 aufgegriffen und die Schweiz mit den Nachbarländern Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien sowie einer Benchmark der jeweils drei besten Länder (Mittelwert der Prozentanteile) verglichen. Beim Ländervergleich werden die Mittelwerte über alle Befragten benutzt. Weiter werden einige Schweizer Daten nach Wirtschaftszweigen Statistische Systematik der Wirtschaftszweige in der Europäischen Gemeinschaft (Nace)., Berufshauptgruppen International Standard Classification of Occupations ISCO88., Beschäftigungsgrad, Geschlecht und Alter aufgeschlüsselt.
Arbeitszufriedenheit, Gesundheit und Arbeitsabsenzen
Die meisten Schweizer Erwerbstätigen sind mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden. So geben 91% an, mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. Im Durchschnitt aller europäischen Länder sind dies 80%. Deutschland (89%) und Österreich (90%) liegen leicht unter dem Schweizer Wert; Frankreich (82%) und insbesondere Italien (76%) liegen deutlicher dahinter. Die Schweiz liegt auf dem vierten Rang nur knapp hinter den drei Ländern Dänemark, Norwegen und Grossbritannien, wo die Arbeitszufriedenheit bezüglich Arbeitsbedingungen am höchsten ist (Mittelwert 93%). 19% der Schweizer Berufstätigen geben an, in den letzten zwölf Monaten aufgrund von Gesundheitsproblemen gefehlt zu haben, wobei noch differenziert wird, ob die Ursache der gesundheitlichen Probleme mit der beruflichen Tätigkeit in Verbindung steht (5%) oder auf einen Unfall (2%) zurückzuführen ist. Wie auch die Schweiz liegen Frankreich und Österreich leicht unter dem europäischen Mittel von 22%. Deutschland (28%) und Italien (25%) liegen darüber. Interessant ist, dass die Dauer der Abwesenheit bei den Schweizern trotzdem dem europäischen Mittel entspricht (21 Tage). Schweizer Erwerbstätige sind also im Krankheitsfall relativ lange abwesend. Die europäische Benchmark der Länder, die am wenigsten Abwesenheitstage aufweisen, setzt sich aus Deutschland, Italien und Malta zusammen und liegt bei 12 Tagen. Ebenfalls sind Erwerbstätige aus Österreich (17 Tage) nicht lang abwesend, im Gegensatz zu Erwerbstätigen in Frankreich (29 Tage). In der Schweiz belaufen sich die durchschnittlichen Absenzen wegen Gesundheitsproblemen über alle Erwerbstätige gerechnet auf rund 4 Tage. Dies ist mehr als in Italien, Deutschland oder Österreich. Da die Daten schief verteilt sind (d.h. es gibt eine kleine Anzahl von Personen mit sehr langen Absenzen), ist der Median ein sinnvoller Lageparameter. Der Schweizer Median liegt bei 7 Tagen, derjenige für Frankreich, Italien und Österreich bei 10 Tagen und der deutsche Median bei 9 Tagen.
Gefährdung und Beeinträchtigungen der Gesundheit
Insgesamt wird weniger über eine Gefährdung der Gesundheit oder Sicherheit als über eine Beeinträchtigung der Gesundheit berichtet. Eine Gefährdung der Gesundheit oder der Sicherheit wird als direkte und unmittelbare Einwirkung wahrgenommen. Deutsche Berufstätige sehen ihre Gesundheit oder ihre Sicherheit weniger durch die Arbeit gefährdet als Schweizer Berufstätige (22%). Die Benchmark liegt bei 18% (Deutschland, Norwegen, Grossbritannien) und das europäische Mittel bei 30%. Eine Beeinträchtigung der Gesundheit wirkt eher indirekt und kann langfristig die Gesundheit gefährden. 31% der Berufstätigen in der Schweiz geben an, dass ihre Gesundheit durch ihre Arbeit beeinträchtigt wird. Die am häufigsten genannten Gesundheitsbeschwerden sind Rückenschmerzen (18%), Stress (17%) und Muskelschmerzen in den Schultern oder im Nacken (13%) (siehe Grafik 1). Diese Anteile entsprechen etwa den Werten von Deutschland und sind tiefer als die Werte der anderen Länder. Die Schweiz ist häufig zusammen mit Grossbritannien und etwas weniger mit Deutschland unter den drei besten Ländern vertreten.
Gesundheitsrisiken nach Wirtschaftszweigen
In der Land- und Forstwirtschaft sowie im Industrie- und Bausektor berichten überdurchschnittlich viele Erwerbstätige über Gesundheitsbeeinträchtigungen. Der private Dienstleistungssektor entspricht dem Schweizer Mittel; das Erziehungs- und Sozialwesen liegt leicht darunter (siehe Tabelle 1 ). In der Land- und Forstwirtschaft sind Rücken- und Muskelschmerzen sowie allgemeine Erschöpfungen und Verletzungen am häufigsten. In der Industrie und auf dem Bau wird deutlich häufiger als in den anderen Wirtschaftszweigen über Hautprobleme, Atembeschwerden, Allergien und Hörprobleme berichtet. Eine Häufung von psychosomatischen Gesundheitsrisiken ist in der öffentlichen Verwaltung festzustellen, wo überdurchschnittlich viel über allgemeine Erschöpfung, Reizbarkeit, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Magenschmerzen, Herzkrankheiten und Angstzustände berichtet wird. Diese Beschwerden hängen – nach den Erkenntnissen der medizinischen Forschung – von arbeitsorganisatorischen und psychosozialen Faktoren ab. Sehprobleme treten in der Verwaltung ebenfalls überdurchschnittlich häufig auf. Dieser bedenklich hohe Anteil Betroffener ist ein Indiz für die Notwendigkeit vertiefter Analysen und Verbesserungsmassnahmen.
Physische Gesundheitsrisiken
Die ausführlichen Fragen zu physischen Gesundheitsrisiken erlauben uns, die Ursachen von Gesundheitsproblemen zu beleuchten. Es bestehen zahlreiche physische Belastungen. Diese sind sowohl im Dienst leistungssektor, wo heute rund 75% aller Erwerbstätigen arbeiten, als auch in den anderen Sektoren zu finden. Unter physischen Risiken werden in der Studie nicht nur eigentliche physische (Lärm, Vibrationen etc.), sondern auch die «ergonomischen» Risiken für das muskuloskelettale System verstanden. Rund 20% aller Befragten in der Schweiz geben an, dass ihre Arbeit während eines Viertels der Zeit oder länger eines oder mehrere der folgenden physischen Risiken beinhaltet: Vibration von Werkzeugen, Maschinen etc., hohe oder niedrige Temperaturen, starker Lärm, das Einatmen von Rauch, Dämpfen (z.B. durch Schweissen oder Abgase), Pulver oder Staub (wie Holzoder Mineralstaub). Der Anteil der Betroffenen in der Schweiz liegt unter den europäischen Mittelwerten, aber fast durchwegs über den Werten der Benchmarkländer. Eine Ausnahme ist der Umgang mit ansteckenden Stoffen (z.B. Abfall, Körperflüssigkeiten, Labormaterialien), wo der Anteil der Betroffenen über dem europäischen Mittel liegt (siehe Grafik 2). Weshalb diese Risiken das Gesundheitsbefinden in der Schweiz nicht entsprechend beeinträchtigen, ist noch unklar. Ein möglicher Grund könnte der hohe Selbstbestimmungsgrad bei der Ausführung der Arbeit sein. Dieser Aspekt wird weiter analysiert. Siehe den Artikel von U. Pekruhl, S. 9-12, in diesem Heft. Bei der Frage nach Tabakrauchexposition (Passivrauchen) liegt die Schweiz mit 14% deutlich über Italien (9%), aber tiefer als die anderen Nachbarländer wie Frankreich (20%), Österreich (23%) und Deutschland (26%). Die Benchmark der drei besten Länder Irland, Schweden, Norwegen liegt bei 7%. Die Belastung der Schweizer Erwerbstätigen betreffend die «ergonomischen» Gesundheitsrisiken liegt insgesamt unter dem Niveau der Nachbarländer, wobei die Anzahl der Betroffenen immer noch bedenklich ist. Stets gleiche Handoder Armbewegungen (42%), schmerzhafte oder ermüdende Körperhaltungen (35%) und das Tragen oder Bewegen von schweren Lasten (27%) sind die häufigsten physischen Gesundheitsrisiken in der Arbeitswelt. Es ist erfreulich, dass die Schweizer Werte häufig unter denjenigen der Benchmarkländer liegen. Da von erheblichen Unterschieden zwischen den einzelnen Branchen auszugehen ist, muss bei der Interpretation vorsichtig vorgegangen werden.
Physische Gesundheitsrisiken nach Wirtschaftszweigen
Die Gliederung der physischen Gesundheitsrisiken nach Wirtschaftszweigen ist oft aufschlussreich, da die Arbeitsabläufe durch typische Tätigkeiten eines Wirtschaftsbereiches vorgegeben sind und dementsprechend die Gesundheit der Erwerbstätigen nach einem gewissen Muster belasten. Die in der Tabelle 2 zusammengefassten Prozentzahlen entsprechen dem Anteil der Erwerbstätigen, deren Arbeit während eines Viertels der Zeit oder länger eines der Risiken einschliesst. Die am häufigsten genannten Belastungen in der Land- und Forstwirtschaft sind niedrige Temperaturen, Tragen oder Bewegen schwerer Lasten und schmerzhafte oder ermüdende Körperhaltung. Das sind bekannte Risikofaktoren für muskuloskelettale Beschwerden. Erwerbstätige in der Industrie und im Baugewerbe benennen stets gleiche Handoder Armbewegungen, starken Lärm, Vibrationen sowie das Einatmen von Rauch, Dämpfen (z.B. durch Schweissen oder Abgase), Pulver oder Staub (wie Holzoder Mineralstaub) als häufigste Gesundheitsrisiken. Zudem sind diese Erwerbstätigen vermehrt Dämpfen von Lösungsoder Verdünnungsmitteln und Tabakrauch ausgesetzt. Hier ist die Verbindung mit Haut- und Atemwegbeschwerden klar ersichtlich. Im privaten Dienstleistungssektor sind die Risiken – mit Ausnahme von stets gleichen Handoder Armbewegungen – relativ niedrig. Erwerbstätige in der öffentlichen Verwaltung bezeichnen stets gleiche Handoder Armbewegungen und hohe bzw. niedrige Temperaturen überdurchschnittlich oft als problematisch. Die physischen Gesundheitsrisiken prägen das Erziehungs-, Gesundheits- und Sozialwesen stark. Die Gesundheit dieser Personen wird vor allem durch schmerzhafte oder ermüdende Körperhaltungen, stets gleiche Handoder Armbewegungen, das Tragen oder Bewegen von schweren Lasten und Personen sowie den Kontakt mit ansteckenden Stoffen beeinträchtigt.
Benachteiligung aufgrund des Alters
Benachteiligungen aufgrund des Alters kommen in der Schweiz mit 4% häufiger vor als in anderen untersuchten Ländern, wie z.B. Deutschland (3%), Italien (3%) oder Frankreich (2%). Die Schweiz liegt auch über dem europäischen Mittel von 3% und befindet sich damit im hinteren Drittel. Eine vertiefte Analyse zeigt, dass sich in der Schweiz Frauen und jüngere Personen am häufigsten aufgrund ihres Alters während ihrer Arbeit benachteiligt fühlen. Weibliche Erwerbstätige (5%) geben im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen (3%) häufiger an, bei der Arbeit aufgrund ihres Alters benachteiligt zu werden. 10% der Erwerbstätigen, die 24 Jahre und jünger sind, sehen sich aufgrund ihres jungen Alters benachteiligt. Bei den 25- bis 39-Jährigen und den 40- bis 54-Jährigen sind dies nur rund 3%, was nur leicht über den 4% der älteren Erwerbstätigen (55+) liegt. Im Gegensatz zu älteren Stellensuchenden, deren Arbeitssuche häufig aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters erschwert ist, stellen ältere Personen, die im Arbeitsmarkt integriert sind, nur selten Benachteiligungen wegen ihres Alters fest.
Weiterbildung
In einem dynamischen Arbeitsmarkt mit raschen wirtschaftlichen und technologischen Veränderungen ist die Weiterbildung zur Förderung der Arbeitsmarktfähigkeit insbesondere für wenig Qualifizierte sowie für ältere Erwerbstätige besonders wichtig. 45% der Schweizer Erwerbstätigen haben in den zwölf der Befragung vorangegangenen Monaten an einer vom Unternehmen finanziell unterstützten Weiterbildung teilgenommen. Nur Finnland und Schweden liegen höher. Dagegen ist der europäische Durchschnitt sehr viel niedriger (25%) und auch die europäischen Nachbarn Italien (17%), Frankreich (24%), Deutschland (25%) und Österreich (38%) reichen bei weitem nicht an die Schweizer Werte heran. Die Aufschlüsselung der Schweizer Daten nach Berufshauptgruppen und Alter zeigt folgendes Bild: Über 60% der Führungskräfte, Wissenschaftler und technischen Fachkräfte besuchen eine bezahlte Weiterbildungsmassnahme; bei den Arbeitnehmenden in Dienstleistungsberufen, in der Maschinenindustrie und in Handwerksberufen sind es dagegen nur rund 40%. Kaufmännische Angestellte (26%), Fachkräfte in der Landwirtschaft (15%) und Hilfskräfte (7%) bilden sich am seltensten auf Geschäftskosten weiter. Die Unterschiede bezüglich Alterskategorien sind weniger deutlich. Am wenigsten werden die unter 24-jährigen (38%) und über 55-jährigen Erwerbstätigen (41%) weitergebildet. Am häufigsten kommen 25- bis 39-jährige (47%) und 40- bis 54-jährige Erwerbstätige (49%) in den Genuss einer bezahlten Weiterbildungsmassnahme. Zudem sind bezahlte Weiterbildungsmassnahmen häufiger bei Vollzeitbeschäftigten (49%) und in grossen Unterneh-men (51%) als bei Teilzeitarbeitenden oder (38%) in kleinen Betrieben (40%). Trotz der hohen Weiterbildungsquote erachten rund 20% der Schweizer Erwerbstätigen weitere Schulungs- und Ausbildungsmassnahmen zur guten Bewältigung ihrer Aufgaben als notwendig.
Work-Life-Balance
In der Schweiz geben 88% der Befragten an, dass sich die Arbeitszeiten gut bis sehr gut mit familiären oder sozialen Verpflichtungen ausserhalb des Berufs vereinbaren lassen. Die Schweiz liegt hier auf gleicher Höhe wie die Benchmark der Top Drei (Norwegen, Österreich, Dänemark). Die Nachbarländer Italien (73%), Frankreich (81%) und Deutschland (85%) haben tiefere Werte als die Schweiz. Auch das europäische Mittel (78%) liegt vergleichsweise tief. Die Aufschlüsselung nach Vollzeit- und Teilzeitstellen zeigt, dass vor allem Teilzeitarbeitende (91%) Arbeit und familiäre oder soziale Verpflichtungen gut bis sehr gut unter einen Hut bringen. Bei den Vollzeitbeschäftigten sind dies aber auch noch 86%. 25- bis 39-Jährige (85%) können am wenigsten gut Privates und Berufliches miteinander vereinbaren, gefolgt von den unter 24-Jährigen (87%), den 40- bis 54-Jährigen (90%) und den über 55-Jährigen (92%). Bezüglich Geschlechtern ergeben sich keine wesentlichen Unterschiede. So beurteilen 87% der Männer und 89% der Frauen, dass ihre Work-Life-Balance stimmt.
Fazit
Insgesamt finden Erwerbstätige in der Schweiz gute Arbeitsbedingungen vor. Die Schweiz muss diesen Trumpf auch angesichts der demografischen Entwicklung, welche zu einer Alterung der Arbeitskräfte führt, weiter ausspielen und wo nötig zusätzlich optimieren. Gezielte Verbesserungen können die Arbeitsfähigkeit und Motivation der Arbeitnehmenden erhalten und die Attraktivität der Schweiz als Arbeitsplatz fördern. Bei der Interpretation der Ergebnisse muss berücksichtigt werden, dass die Verteilung der Beschäftigten nach Wirtschaftszweigen sowie die rechtlichen Voraussetzungen je nach Land unterschiedlich sind und dementsprechend Einfluss auf die Antworten haben. Ebenfalls können soziokulturelle Faktoren das Verständnis der Fragen und die Antworthaltung beeinflussen.
Grafik 1 «Gesundheitsbeschwerden der Erwerbstätigen»
Grafik 2 «Physische Gesundheitsrisiken»
Tabelle 1 «Häufigste Gesundheitsbeschwerden nach Wirtschaftszweigen Anteil der Erwerbstätigen in %»
Tabelle 2 «Wirtschaftszweige nach Nace»
Kasten 1: Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingung Die Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingung mit Sitz in Dublin wurde 1975 vom Europäischen Rat gegründet. Sie ist eine tripartite Agentur, die sich aus Vertretern der mitgliedstaatlichen Regierungen, der Arbeitgeberverbände und der Arbeitnehmerorganisationen zusammensetzt. Die Stiftung hat die Aufgabe, durch die Förderung und Verbreitung geeigneter Kenntnisse zur Konzipierung und Schaffung besserer Lebens- und Arbeitsbedingungen beizutragen. Bei der Erfüllung ihrer Aufgaben berücksichtigt sie die Politik der Gemeinschaft in diesen Bereichen und unterrichtet die Organe der Gemeinschaft über die in Betracht kommenden Ziele und Ausrichtungen, indem sie ihnen insbesondere wissenschaftliche Kenntnisse und technische Daten mitteilt.Im Bereich der Verbesserung der Lebensverhältnisse und der Arbeitsbedingungen befasst sich die Stiftung insbesondere mit folgenden Fragen:- Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen;- Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben;- Arbeitsbeziehungen und Partnerschaft;- sozialer Zusammenhalt.Für weitere Informationen siehe: http://eurofound.europa.eu.Bericht der Stiftung: http://eurofound.europa.eu/ewco/surveys/EWCS2005/index.htm.
Kasten 2: Benachteiligung aufgrund des Geschlechts Frauen sind in der Schweiz vergleichsweise wenig in Führungspositionen vertreten. Nur 20% der Erwerbstätigen geben an, dass die unmittelbare Vorgesetzte eine Frau ist. Das europäische Mittel (24%) sowie Österreich (23%) und Frankreich (25%) haben höhere Werte als die Schweiz. Die Benchmark von Finnland, Estland und Litauen liegt bei 37%.
Kasten 3: Weitere Detailanalysen Die Fachhochschule Nordwestschweiz hat in Zusammenarbeit mit dem SECO ein Konsortium wissenschaftlicher Institutionen geschaffen, um weitere Auswertungen zu koordinieren. Auf Basis der Vierten Europäischen Umfrage zu den Arbeitsbedingungen 2005 werden nun weitere Detailanalysen – wie z.B. zu älteren Erwerbstätigen – vorgenommen und damit vertiefte Erkenntnisse zu den Arbeitsbedingungen in der Schweiz bzw. in Europa gewonnen. Um Entwicklungen und Trends aufzeigen zu können, wird es wichtig sein, dass die Schweiz auch an den kommenden europäischen Erhebungen teilnimmt. Mit einer Folgestudie könnten Veränderungen aufgezeigt und allenfalls Problembereiche, wo weitere Massnahmen angegangen werden müssen, identifiziert werden. Die Wirkung der eingeleiteten Massnahmen könnte ebenfalls erfasst werden.