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von Brian Cardini
Wer kennt das nicht: Bei der Arbeit scheint partout nichts vorwärts zu gehen, es wird gelangweilt Däumchen gedreht, und bereits bald darauf beginnen die Gedanken in die wunderlichsten Szenarien abzudriften. Vielleicht denkt man über die längst überfällige Gehaltserhöhung nach. Oder man sinniert über das nächste grosse Ferienziel. Oder aber man stellt sich vor, wie der eigene Körper denn aussehen möge, wenn diese lästigen zehn Kilos erst einmal wegtrainiert sind.
Wussten Sie aber, dass diese kleinen, oft unschuldigen, aber durchaus schönen Tagträume auch unschöne Folgen mit sich bringen können? Es mag zwar stimmen, dass man sich nach dem Tagträumen für eine Weile wohl fühlt. Langfristig gesehen kann dies aber auch negative Konsequenzen haben. Beispielsweise konnte gezeigt werden, dass sich positive Fantasien über die Zukunft negativ auf das Anstrengungs- und Erfolgsbestreben in verschiedenen Lebensbereichen auswirken können. Dies resultiert in weniger Erfolgserlebnissen, was wiederum zu mehr Selbstzweifel und einem verminderten Selbstwertgefühl führen kann.
Die Forschenden Gabriele Oettingen, Doris Mayer und Sam Portnow gingen einen Schritt weiter und wollten herausfinden, ob positive zukunftsbezogene Fantasien sogar mit späteren depressiven Symptomen zusammenhängen können. Dazu haben sie vier Studien mit Erwachsenen und Kindern durchgeführt. Positive Zukunftsfantasien haben die Autoren mit einem semiprojektiven Verfahren gemessen: Die Teilnehmenden wurden gebeten, sich selber als Protagonisten von 12 Szenarien mit jeweils ungewissem Ausgang vorzustellen. Die Szenarien sollten von den Probanden zu Ende gedacht und anschliessend niedergeschrieben werden. Dabei wurden die Szenarien absichtlich mehrdeutig formuliert, sodass alle Situationen entweder positiv oder negativ interpretiert werden konnten. Die positiven Zukunftsfantasien und depressiven Symptome der Teilnehmenden wurden in allen vier Studien an jeweils zwei Messzeitpunkten erhoben.
Es stellte sich heraus, dass je positiver die Teilnehmenden am ersten Messzeitpunkt über die Zukunft fantasierten, desto weniger depressive Symptome berichteten sie zur gegenwärtigen Zeit, aber desto mehr depressive Symptome zeigten sie dafür einen Monat später, am zweiten Messzeitpunkt (Studie 1). Diese Zusammenhänge konnten auch in Kindern und mit einem längeren Messzeitpunktabstand von 7 Monaten gefunden werden (Studie 2). Des Weiteren konnte gezeigt werden, dass positive Fantasien im Alltag ähnliche Korrelationen mit depressiven Symptomen zu den beiden Messzeitpunkten hervorriefen wie in den semiprojektiven Verfahren (Studie 3). Schliesslich fanden die Autoren, dass der akademische Erfolg von jungen Erwachsenen diesen längsschnittlichen Zusammenhang teilweise vermittelt: Mehr positive Fantasien führten zu einem geringeren akademischen Erfolg, was wiederum zu mehr depressiven Symptomen zwei Monate später führte (Studie 4).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Schwelgen in schönen Fantasien zu einer kurzzeitigen Stimmungsverbesserung führen, längerfristig aber durchaus negative Konsequenzen haben kann. Die Autoren erklären sich diese Befunde insbesondere damit, dass Menschen, die öfters in schönen Tagträumen schwelgen, in der Folge weniger produktiv sind, sich weniger anstrengen, und längerfristig gesehen mehr depressive Symptome entwickeln können. Weitere Studien sind allerdings vonnöten um zu zeigen, ob das Tagträumen wirklich die Ursache von diesen negativen Konsequenzen ist oder umgekehrt weniger produktive und depressive Menschen im Allgemeinen mehr zum Tagträumen tendieren.
Literaturangaben:
Oettingen, G., Mayer, D., & Portnow, S. (2016). Pleasure now, pain later: Positive fantasies about the future predict symptoms of depression. Psychological Science, 27(3), 345-353.
Bitte beachten Sie, dass diese Studie nicht in unserem Labor durchgeführt wurde. Wenn Sie an einer Studie in unserem Labor teilnehmen möchten, finden Sie dazu hier weitere Informationen.
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