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24.2.2018
Auf der Suche nach Erklärungen zur Herkunft der Adligen, die ab 1600 in immer grösserer Zahl im Bergüner Eheregister oder Estim auftauchen, habe ich einen Tag lang im Staatsarchiv Graubünden Stammbäume gewälzt und genealogische Forschungsnotizen durchforstet. Ein Fazit ist, dass die Bergüner Jecklin, Jochberg, Beeli und Buol alle aus Nebenlinien ihrer jeweiligen Geschlechter stammen müssen, denn in den vorhandenen Aufzeichnungen werden sie kaum erwähnt.
Verloren gegangen
Das zweite Fazit ist weder neu noch überraschend, aber trotzdem skandalös: in sehr vielen dieser Stammbäume kommen keine Frauen vor. Wo, wie und wann die Mütter, Töchter, Schwestern und Ehefrauen "verloren gingen", lässt sich nicht immer sagen, da die Quellen, auf die sich die Stammbaummacher stützten, in der Regel nicht bekannt sind. Zweifellos wurden in vielen Familien Briefe und andere Aufzeichnungen von Frauen nicht aufgehoben, so dass die Stammbaummacher keine Schuld trifft.
Aber ebenso zweifellos war es oft anders: in einer Familienbibel sind die Geburten und Heiraten der Töchter ebenso verzeichnet wie die der Söhne; Eheverträge nennen (natürlich!) den Namen der Ehefrau, Testamente die Namen von weiblichen Erben; Kaufverträge nennen beide Ehepartner als Vertragsparteien; Schwestern werden in Briefen erwähnt und gegrüsst – etc. Die Information wäre also (zweifellos) oft greifbar gewesen, wurde aber vom Stammbaummacher nicht verwendet, weil... ja, weil.
Verzicht ist geboten!
Als exemplarischer Fall sei hier ein Genealoge aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zitiert: "Wohl wären noch verschiedene Frauen aus der Familie X zu erwähnen, die größtenteils in Y, aber auch auswärts sich verheirateten, aber es wird gebotener sein, darauf zu verzichten."
Noch gebotener fände ich es, auf die Benutzung der Werke solcher Herren zu verzichten: denn sie machen sich nicht nur des Sexismus schuldig, sondern auch der Verbreitung der Irrlehre der männlichen Parthenogenese bei der Spezies homo sapiens. Noch nicht einmal der heiratspolitische "Nutzen" von Töchtern, die man im Bauernstand wie im Adel zur Land- und Vermögensvermehrung oder zur Festigung von Allianzen strategisch an den Mann brachte, wird von solchen Genealogen gewürdigt! Und auch die Tatsache, dass auch vor 400 Jahren weibliche Familienmitglieder von ihren Angehörgen (Männern wie Frauen) oft sehr geliebt und respektiert wurden, scheint ihnen entgangen zu sein.
Dafür...
Im "Bergünerstein" soll den Frauen, die vor 400 Jahren in Bergün und den Bünden gelebt haben, eine Art kompensatorische Gerechtigkeit widerfahren: sie nehmen viel Raum ein, sie treiben die Handlung voran, sie sind selbstbewusst und setzen sich auf individuelle Weise mit ihrem Schicksal auseinander. Diejenigen, die wirklich gelebt haben, werden so gründlich wie möglich recherchiert und nach bestem Wissen und Gewissen realitätstreu dargestellt. Die Spuren, die sie hinterlassen haben, sollen auf www.bergünerstein.ch besonders hervorgehoben werden: demnächst, hier.