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Der Kirchenhistoriker Cesare Baronio (1538–1607) nannte die Zeit von 882 bis 1046 «Saeculum obscurum»: Dunkles Jahrhundert. Einerseits bleibt vieles aus dieser Zeit im Dunkeln, weil es an Quellenmaterial mangelt. Vor allem aber war es eine rabenschwarze Zeit der Kirchengeschichte, weil das Papsttum in eine tiefe Krise gestürzt wurde.
45 Päpste gab es in dieser Zeit, die durchschnittliche Amtszeit betrug also nicht einmal vier Jahre. Ein Drittel der Päpste wurden ihres Amtes enthoben. Ein Drittel wurde ins Gefängnis geworfen, ins Exil verbannt oder umgebracht. Das Papsttum war zum Spielball römischer Adelsfamilien geworden.
Die Skandale waren zahllos: 891 wurde Papst Johannes VIII. ermordet. 897 liess Stephan VI. die Leiche seines Vorgängers exhumieren und machte ihm an der sogenannten Kadaversynode nachträglich den Schauprozess. In diesem Stil ging es weiter und so erlitt das Papsttum durch Intrigen und Sittenlosigkeit immer grösseren Vertrauensverlust. Kirchliche Ämter wurden gegen Geld verschachert. Rom zerfiel und verlor seinen Einfluss als «Zentrale» des Christentums fast vollständig. Bereits um 960 sprach ein Geschichtsschreiber von «Pornokratie».
Das «Saeculum obscurum» endete auf der Synode von Sutri und Rom mit der Absetzung von drei konkurrierenden Päpsten. Suitger, Bischof von Bamberg, wird als Klemens II. neuer, alleiniger Papst.
Und Cesare Baronio, der als Historiker Licht in dieses Dunkel bringen wollte? Er wurde im März 1605 selbst zum Papst gewählt … und weigerte sich, das Amt anzunehmen.