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Es herrscht viel Verwirrung um die Begriffe Burnout und Depression. Obwohl Burnout ein Erschöpfungszustand ist und Depression eine psychische Erkrankung, gleichen sich die Beschwerdebilder stark. Wo verläuft die Trennlinie und woran lässt sich erkennen, dass man burnout- oder depressionsgefährdet ist?
Catherina Bernaschina
Der grösste Unterschied vorweg: Während die Depression eine psychische Erkrankung ist, spricht man beim Burnout von einem Syndrom, das infolge körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung auftritt. Das erste Mal fand der Begriff Burnout in der Sportwelt der 1930er Jahre Erwähnung. Danach tauchte er in den 1970er Jahren im Zusammenhang mit sogenannten «Helping Professions» auf. Insbesondere Menschen in der sozialen Arbeit schienen ein erhöhtes Risiko zu haben, wegen ihrer starken Arbeitsbelastung wortwörtlich «auszubrennen».
Jeder Vierte betroffen
Heute ist Burnout ein weitverbreitetes Phänomen. Gemäss Job-Stress-Index 2016 fühlt sich jeder vierte Erwerbstätige in der Schweiz (25,4%) erschöpft und hat Stress am Arbeitsplatz.* Burnout kann aber auch Nichterwerbstätige treffen. Vor allem pflichtbewusste, perfektionistische Menschen, die zur Selbstaufgabe neigen, sind besonders gefährdet. Das Syndrom tritt für gewöhnlich nicht von heute auf morgen auf, sondern entsteht über einen längeren Zeitraum aus einer Überarbeitung oder Überforderung heraus.
Anzeichen für Burnout
Zum Burnout-Syndrom gehören in der Regel eine verminderte Leistungsfähigkeit, emotionale und körperliche Erschöpfung, eine gleichgültige, negative Auffassung der Arbeit und der Mitmenschen sowie das Gefühl beruflichen Versagens. Erste Warnzeichen für ein Burnout sind:
- reduziertes Engagement
- Unfähigkeit abzuschalten
- Chronische Müdigkeit
- Häufiges Kranksein
- Schlafstörungen
- Appetitlosigkeit/veränderte Essgewohnheiten
- Konzentrationsprobleme
- Erhöhte Gereiztheit
- Gleichgültigkeit
- Selbstzweifel & Versagensängste
- Pessimismus
- Hilflosigkeit
- Sozialer Rückzug
Entwicklungsphasen
Eine von Burnout betroffene Person durchgeht oft mehrere aufeinander folgende Phasen: Auf eine erste Phase der Überanstrengung folgt eine Phase der Ohnmacht. Diese stellt sich oftmals ein, wenn die Arbeit über einen längeren Zeitraum nicht anerkannt bzw. belohnt wird. Das anfängliche Engagement schlägt dann in Frust und Resignation um. Manche Betroffene werden zynisch und emotionslos gegenüber ihrem Umfeld. Andere fühlen sich innerlich leer und richten ihre negativen Gefühle gegen sich selbst. Auf die Gleichgültigkeit und Antriebslosigkeit folgt im letzten Burnout-Stadium die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Wer das finale Stadium des Burnouts erreicht, befindet sich meist schon in einer Depression.
Folgenschwere Krankheit
Aufgrund praktisch identischer Anzeichen und Symptome wie beim Burnout wird die Depression oft nicht oder zu spät erkannt, was fatale Folgen haben kann. Die Depression ist eine schwere Erkrankung, die eine hohe Mortalität durch Suizid aufweist. Gemäss der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehören Depressionen zu den volkswirtschaftlich teuersten und folgenschwersten Erkrankungen überhaupt. Je nach Anzahl der Symptome teilen Fachleute die Depression in verschiedene Schweregrade ein. Kernsymptome sind Niedergeschlagenheit, Verlust von Freude und Interesse sowie mangelnder Antrieb. Diese Krankheitszeichen sind auch bei einem fortgeschrittenen Burnout zu beobachten. Von schweren depressiven Episoden spricht man in der Fachwelt, wenn über mindestens zwei Wochen drei Kernsymptome plus mindestens vier Zusatzsymptome auftreten.
Diagnostische Unterschiede
Wie lassen sich Burnout und Depression voneinander abgrenzen, wenn die Erscheinungsbilder doch so ähnlich sind? Bei der Depression sind die Symptome anders als beim Burnout wissenschaftlich genau festgelegt und international einheitlich. Die Diagnose einer Depression erfolgt (wie bei anderen Krankheiten) anhand messbarer Symptome. Beim Burnout stehen hingegen die Ursachen im Mittelpunkt. Da Burnout ein Syndrom, aber kein eigenständiges Krankheitsbild ist, gilt es lediglich als Zusatzdiagnose, die in Verbindung mit einer Erkrankung gestellt wird. Eine von Burnout betroffene Person kann sich zwar aufgrund dieser Zusatzdiagnose arbeitsunfähig schreiben lassen, krank gilt sie deshalb nicht. Dies bedeutet aber keineswegs, dass Burnout-Betroffene nicht weniger leiden.
Fazit
Burnout ist weder ein verharmlosender Begriff für Depression noch Einbildung. Das Syndrom ist ein ernstzunehmendes Phänomen unserer arbeits- und leistungsgesteuerten Gesellschaft, das schleichend entsteht und unerkannt in eine Depression übergehen kann. Gerade weil die Depression eine schwere psychische Erkrankung ist, die sowohl den Einzelnen als auch die Gesellschaft belastet, ist es wichtig, die Warnsignale von Burnout frühzeitig zu erkennen. Hier haben auch die Arbeitgeber die Pflicht, Frühanzeichen von Burnout richtig zu deuten sowie präventiv für eine gute Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter zu sorgen.