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In jeder Stadt gibt es Orte, die ihre Bestimmung nicht von selbst finden, sondern immer wieder zum Gegenstand von Kontroversen werden. Eine solche Schlüsselstelle ist die Papierwerdinsel in Zürich. In den letzten Wochen sind die Debatten um ihre Zukunft erneut aufgeflammt. Soll das Globusprovisorium von Karl Egender einem öffentlichen Platz weichen? Oder hat es, renoviert und aufgewertet, weiterhin seinen Platz im Zentrum der Stadt? Wäre vielleicht doch ein Neubau die richtige Lösung?
Mit der Erschliessung der an der Mündung eines Seitenarms der Sihl in die Limmat gelegenen Papierwerdinsel setzt Ende des 13. Jahrhunderts ein langdauernder Umformungs- und Befestigungsprozess ein. Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts geht die Insel in den Besitz der Stadt über. Im Gefolge der Seeabflussregulierung und der Neukonzeption der Infrastrukturen um den Hauptbahnhof entsteht die fast gänzlich künstliche Plattform, die wir heute kennen. Nach Plänen von Karl Egender wird 1960 auf einem permanent konzipierten Unterbau das spielerisch leichte und zugleich sperrige Globus-Provisorium realisiert – ein Bauwerk, dessen Name heute untrennbar mit den Ereignissen von 1968 verbunden ist.
Als Besitzerin des Areals hat die Stadt Zürich die Aufgabe, an diesem Ort im öffentlichen Interesse zu handeln. Seit vier Jahrzehnten sind verschiedene Anläufe, auf dem Areal ein konsensfähiges Nachnutzungskonzept umzusetzen, ergebnislos geblieben. Im Januar 2014 hat der Gemeinderat in einer Motion den Stadtrat aufgefordert, eine Weisung vorzulegen, die eine Neugestaltung des Areals als «Platz mit flexiblen, temporären Nutzungsmöglichkeiten und einem aufzuwertenden Zugang zur Limmat» ermöglicht.
Im Februar 2018 hat der Stadtrat nun einen entsprechenden Projektierungskredit vorgelegt. Zugleich weist er in der Weisung darauf hin, dass die Denkmalpflegekommission der Stadt Zürich die Schutzwürdigkeit des Globusprovisoriums bejaht hat. Die vorgeschlagene Neugestaltung kann somit nur dann umgesetzt werden, wenn der Stadtrat das Interesse am Abbruch des Globusprovisoriums und an der Umgestaltung in einen öffentlichen Platz höher gewichten würde als dessen Erhalt.
In einem offenen Brief an die Stadträte Leutenegger und Odermatt hat die Ortsgruppe Zürich des BSA im Februar 2018 eine offenere Formulierung der Fragestellung gefordert. Insbesondere soll auch der Erhalt des Globus-Provisoriums in geeigneter Form in Betracht gezogen werden. Die kommende Monatsveranstaltung soll daher unter Teilnahme einer breiten Öffentlichkeit stattfinden. Wir möchten das Verständnis dieses zentralen Ortes in Zürich vertiefen und die Debatte um seine zukünftigen Potenziale fortsetzen. Unterschiedliche Positionen sollen zu Wort kommen und ihre Argumente gegenübergestellt werden.
Programm:
17:30–18.00
Apéro im zukünftigen Zürcher Architekturzentrum ZAZ (Haus Bellerive, Höschgasse 3, 8008 Zürich)
18:00–19:00
Zur Geschichte der Papierwerdinsel (Urs Primas)
Das Globusprovisorium im Werk von Karl Egender (Dorothee Huber)
Zur gesellschaftlichen Bedeutung des Ortes (Christian Schmid)
Kontroverse Positionen (André Bideau und Daniel Bosshard)
19:00–20:00
Debatte
ab ca. 20:30
Abendessen im Restaurant Tüfi, Dufourstrasse 154, 8008 Zürich
Das Haus Bellerive ist erreichbar mit den Trams Nr. 2 oder 4 (Haltestelle Höschgasse)