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Ideenwettbewerb für eine Lichtinszenierung der Luzerner Wahrzeichen Kapellbrücke und Wasserturm
Das Ensemble aus Wasserturm und Kapellbrücke gehört zu den auch international bekanntesten Sehenswürdigkeiten und Wahrzeichen von Luzern sowie der gesamten Schweiz. Beide Gebäude stehen seit Beginn des 20. Jahrhunderts unter dem Schutz der Denkmalpflege. Ideen für etwaige Veränderungen stossen immer wieder leidenschaftliche Diskussionen für und wider in der Bevölkerung an.
So sind auch die beiden letzten Vorschläge umstritten. Auf der einen Seite geht es derzeit um die Aufhängung von Kopien verbrannter Bilder auf der Brücke, auf der anderen Seite um eine Lichtinszenierung der beiden Kulturdenkmäler.
Der Wasserturm ist ein Bestandteil der historischen Luzerner Stadtbefestigung. Die genaue Bauzeit ist nicht gesichert, doch ein erstes schriftliches Zeugnis erwähnt den achteckigen Turm im Jahr 1367, der noch existierende Dachstuhl wird auf das Jahr 1339 datiert. Mit seinen 35 Metern Höhe ragt er weit über das Stadtbild und das Ufer der Reuss hinaus.
Die Kapellbrücke, 1365 als Wehrgang errichtet, gehörte ebenfalls zu den Befestigungsanlagen Sie ist die zweitlängste Holzbrücke Europas mit Überdachung und überspannt die Reuss mehr als 200 Meter zwischen Altstadt und Neustadt. Ursprünglich war sie noch um einiges länger, 1835 allerdings liess die Stadt rund 75 Meter im Zuge einer Uferauffüllung abbrechen. Der Giebel unter dem Brückendach erhielt im 17. Jahrhundert einen Bilderzyklus mit insgesamt 158 dreieckigen Holztafeln aus der Zeit der Gegenreformation mit Darstellungen aus der Stadtgeschichte Luzerns und der eidgenössischen Historie.
Bei dem verheerenden Brand im Jahr 1993 wurde nicht nur fast die gesamte Brücke, sondern auch ein Grossteil der Bilder zerstört. In der Folge wurden auf die private Initiative eines Luzerner Anwalts hin die 146 verbrannten Exponate für zwei Millionen Franken kopiert. 2008 fand eine umfangreiche öffentliche Ausstellung der Bilder statt.
Die Stadtregierung von Luzern hat sich bisher gegen eine Aufhängung entschieden, nicht zuletzt wegen eines Gutachtens der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege im Jahr 2009. Bemängelt wird vor allem die künstlerische, aber auch die technische Qualität der Werke. Nach Ansicht der Stadtregierung und den Behörden der Denkmalpflege seien die Bilder viel zu farbig ausgeführt, ein ehemaliger Baudirektor sprach gar von „Theaterkulissenmalerei“.
Die Befürworter des Projekts – darunter die städtischen Parteien SVP, FDP sowie die Jungfreisinnigen – argumentieren damit, dass Besucher der Stadt und Touristen wieder den gesamten Zyklus zu sehen bekommen sollten. Sie haben eine Unterschriftenaktion für eine Volksinitiative namens „Die Bilder gehören auf die Kapellbrücke“ ins Leben gerufen.
Zuerst soll die Gemeindeordnung dahingehend geändert werden, dass nicht mehr die Stadtregierung, sondern das Luzerner Parlament für die Hängung der Bilder zuständig ist. Dann könne im Zuge einer weiteren Initiative das Volk darüber abstimmen, ob die Kopien an der Brücke angebracht werden sollen. Ganz verweigern will sich die Stadtregierung nicht, jedoch müssten in Frage kommende Kopien bestimmte handwerkliche und künstlerische Anforderungen erfüllen, was derzeit nicht gegeben sei. Eine eigene Beauftragung der Regierung ist definitiv nicht geplant.
Eine weitere Initiative betrifft die Beleuchtung des Ensembles. Die IG Inszenierung Kapellbrücke/Wasserturm unter der Leitung des ehemaligen Stadtrats Ruedi Meier setzt sich für eine attraktiv in Szene gesetzte Illuminierung der Gebäude ein. Denn bisher versinkt vor allem die Brücke abends in der Dunkelheit und ist kaum noch sichtbar. Die Vorstellungen der Initianten kollidieren allerdings mit denen anderer Akteure aus Politik, Gesellschaft, Denkmalpflege und sogar Naturschutz. Denn im Wasserturm leben Wasserfledermäuse sowie eine Kolonie von Alpenseglern.
Erklärtes Ziel der IG ist es, mit Hilfe von Licht und weiteren Medien die Wahrzeichen Luzerns attraktiver zu machen. Vorgesehen sind in erster Linie die Abendstunden, besondere Ereignisse und ausgesuchte Zeitfenster. Das Projekt soll nach Möglichkeit die Ansprüche der Öffentlichkeit, Interessen des Tourismus und des Denkmalschutzes in hoher Qualität erfüllen. Dafür hat die IG einen Ideenwettbewerb ausgeschrieben, dessen Präqualifikationsverfahren bis etwa Ende November 2013 läuft. Er wird den Standardkriterien des Berufsverbandes visarte, einem Zusammenschluss visuell schaffender Künstlerinnen und Künstler durchgeführt.
Teams, die den notwendigen Anforderungen entsprechen, können sich dann für den eigentlichen Wettbewerb anmelden, der im ersten Halbjahr 2014 laufen soll. Aufgefordert sind vor allem professionelle Planungsbüros aus der Schweiz und dem Ausland. Über die Zulassung entscheidet dann eine Jury aus Vertretern und Vertreterinnen aus Architektur, Kultur und Tourismus. Zur – anonymen – Teilnahme sollen schliesslich mindestens sieben bis maximal zehn Teams ausgewählt werden.
Oberstes Bild: Kapellbrücke und Wasserturm, Luzern – © Sputniktilt / Wiki / Lizenz: CC