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1. Kenia: Sichere Lebensgrundlage durch Wasser für Vieh
Rund 80% der Bevölkerung im Norden Kenias lebt von der Viehzucht. Die Gegend ist von Trockenheit oder Halbtrockenheit geprägt und durchlebt immer wieder verheerende Dürren. Während der Dürre und Hungersnot von 2011 verendeten viele Tiere, weil die Distanzen zu den Wasserstellen zu gross waren. Das Dadaab Flüchtlingslager mit seinen rund 400'000 Bewohnerinnen und Bewohnern nahe der Grenze zu Somalia belastet die bereits fragile Umwelt und die knappen Wasserressourcen zusätzlich.
In Zusammenarbeit mit der hiesigen Bevölkerung werden mit diesem Projekt Strategien erarbeitet, um mit wiederkehrenden Krisen umzugehen und nachhaltige Lösungen für die Wasserknappheit zu finden. Ein weiteres Ziel ist es, den Merti-Grundwasserleiter im Nordosten Kenias – die Hauptuntergrundwasserquelle der Region – wieder anzureichern, um die rund 35'000 Menschen in den Bezirken Garissa und Isiolo besser gegen Dürren zu wappnen und ihre Lebensgrundlage zu sichern.
Am Horn von Afrika unterstützt die DEZA zudem Vétérinaires Sans Frontières (VSF) bei Projekten, mit welchen die Widerstandsfähigkeit («Resilienz») der Bevölkerung ländlicher Gebiete gegenüber Dürren, Klimawandel und schwankenden Nahrungsmittelpreisen gestärkt wird. Im Nordosten von Kenia verteilt VSF Kamele und Ziegen an Bauern, die während Dürren Vieh verloren haben. Damit soll ihnen ein Neustart ermöglicht werden. Kamele und Ziegen sind besser an das Leben in wasserarmen Gebieten angepasst als andere Nutztiere. Die Bauern besuchen zudem einen VSF-Ausbildungskurs, um die Haltung von Kamelen zu lernen.
2. Mongolei: Gesunde Tiere, gesunde Menschen
Kamel, Yak, Schaf oder Rind: Rund ein Viertel der Bevölkerung der Mongolei ist für ihre Nahrung und für ihr Einkommen auf Tiere angewiesen. Die Tierzucht ist ein wichtiger Bestandteil der mongolischen Kultur und generiert etwa 80% des Gesamteinkommens im Landwirtschaftssektor. Die Gesundheit der Tiere hat deshalb einen hohen Stellenwert.
Das von der Schweiz unterstützte «Animal Health Project» (Tiergesundheitsprojekt, AHP) setzt auf Massnahmen, welche das nationale System zur Erhaltung der Gesundheit von Tieren stärken und effizienter machen:
- Nationales Veterinärsystem mit internationalen Standards: Das AHP leistet Unterstützung in der Ausarbeitung von Tiergesundheitsgesetzen, um sie internationalen Standards anzugleichen. Weiterbildungskurse und Partnerschaften mit Schweizer Kompetenzzentren sind weitere Massnahmen des AHP.
- Kontrollprogramme für die Infektionskrankheit Brucellose und die Maul-und-Klauenseuche: Die Mongolei hat eine der weltweit höchsten Brucelloseraten. Beide Krankheiten haben gravierende Auswirkungen auf Mensch und Tier sowie auf die Nahrungssicherheit und Wirtschaft. Mit neuen Gesetzen sollen verbesserte Kontrollmechanismen und –strategien eingeführt werden.
- Aktualisierte Lehrpläne an der School of Veterinary Medicine and Biotechnology: Dank dem AHP wurde eine externe Überprüfung der Lehrpläne durchgeführt; die Verbesserungsvorschläge wurden mittlerweile umgesetzt. Zudem organisiert AHP Weiterbildungskurse und Partnerschaften mit Schweizer Hochschulen.
3. Armenien: Mit hochwertigem Fleisch der Armut entkommen
Mehr als die Hälfte der erwerbstätigen Bevölkerung in der Region Syunik ist in der Landwirtschaft tätig, vor allem in der Milch- und Fleischwirtschaft. Die Landwirtschaft könnte für die Bauern von Syunik bedeutende Einkommen generieren, stattdessen leben viele von ihnen am Existenzminimum, u.a. wegen eingeschränktem Zugang zu Tierärzten und Märkten.
Mit der Produktion und Vermarktung von hochwertigem Rindfleisch und erstklassigen Milchprodukten, die in Armenien sehr gefragt sind, soll den Bauern der Weg aus der Armut ermöglicht werden.
Das von der DEZA finanzierte Projekt hilft 7000 Haushalten (rund 30’000 Personen) in 40 Gemeinden, die Milch- und Fleischproduktion und damit ihr Einkommen zu erhöhen. Zu diesem Zweck wird die Tiergesundheit verbessert: Lokale Tierärzte werden unterstützt, der Zugang zu Milch- und Fleischmärkten erleichtert und der Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen den Bauern gefördert.
4. Niger: Friedliches Nebeneinander von Viehhaltern und Ackerbauern
Die Republik Niger ist das Land mit dem grössten Viehbestand in der Sahelzone. In den ländlichen Gegenden leben rund 87% der Bevölkerung von der Viehwirtschaft. Lange Zeit konnte dank der Mischwirtschaft von Ackerbau und Viehzucht das Gleichgewicht zwischen Umwelt, Mensch und Tier sowie den unterschiedlichen Bedürfnissen und Interessen gewahrt werden.
Vier grosse Dürreperioden zwischen 1969 und 2004 und die zunehmend intensivere Nutzung der Böden und der Weideflächen zeigten jedoch, wie verletzlich das System der Mischwirtschaft ist. Ressourcenknappheit und Verteilkampf führten zu Konflikten zwischen Ackerbauern und Viehhaltern, Sesshaften und Nomaden.
Das DEZA-Projekt «Programme d’appui au secteur de l’élevage » (Programm zur Unterstützung des Viehzuchtsektors, PASEL) hat zwei Ziele: einerseits die Ernährungssicherheit zu erhöhen und der ländlichen Bevölkerung ein regelmässiges Einkommen zu ermöglichen durch bessere Anbaumethoden im Ackerbau und einer Verbesserung der Viehhaltung. Andererseits sollen Konflikte zwischen nomadisierenden Viehhaltern und sesshaften Ackerbauern vermieden, die Interessen beider Seiten gewahrt und der Zugang zu den knappen Ressourcen für alle ermöglicht werden.
5. Bangladesch: Schutz für Mensch und Tier im Katastrophenfall
Bangladesch wird regelmässig von tropischen Stürmen heimgesucht: Gemäss Weltbank ist es das für klimatische Ereignisse anfälligste Land der Welt. Die verursachten Schäden sind enorm, die Auswirkungen auf Mensch und Tier katastrophal. Im Jahr 2007 kamen 4000 Menschen durch den Zyklon Sidr ums Leben. Mehr als sechs Millionen Menschen wurden in Mitleidenschaft gezogen: Viele mussten ihr Hab und Gut, darunter auch zahlreiche Nutztiere, auf der Flucht zurücklassen. Neun Millionen Menschen leben in ständiger Gefahr, ihr Leben und Einkommen durch Hochwasser und Zyklone zu verlieren.
Dank eines von der DEZA unterstützten Projekts konnten 21'000 Haushalte besser auf zukünftige Naturereignisse vorbereitet werden. Ein wichtiger Teil des Projekts war der Bau von zwölf Zyklon-Schutzbauten.
Die Schutzbauten sind Multifunktionsgebäude, die auch ausserhalb von Krisen genutzt werden können. Der 1. Stock dieser Schutzbauten ist im Katastrophenfall für Nutztiere reserviert. Für die Bevölkerung sind die Tiere eine Sicherung ihrer Lebensgrundlage und eine Chance, nach einer Katastrophe schneller wieder in einen produktiven Alltag zurückzufinden.