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13,8 Milliarden, 10-28, 10500 – es sind Zahlen sehr weit jenseits dessen, was ein Mensch sich normalerweise vorstellen kann. Alan Guth hantiert hingegen ganz selbstverständlich mit ihnen. Der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Kosmologe vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) bei Boston, USA, hat unser Verständnis des Universums auf eine neue Basis gestellt. Seine Inflationstheorie erklärt, warum dieses nach dem Urknall nicht gleich wieder in sich zusammenstürzte, sondern 13,8 Milliarden Jahre alt und gigantisch gross werden konnte.
Am Anfang von Guths Arbeit steht die konventionelle Urknall-Theorie: Das Universum dehnte sich demnach von einem schier unendlich kleinen, extrem dichten Punkt zu seiner heutigen Grösse aus. «Tatsächlich sagt diese Theorie aber nichts darüber, was da genau knallte, wieso es knallte und was passierte, bevor es knallte», erklärt der 68-Jährige augenzwinkernd dem Publikum an den aktuellen Einstein Lectures. Eigentlich müsse man von einer «bang-less theory» sprechen, einer Knall-losen Theorie also.
Das Modell des inflationären Universums, das Alan Guth 1979 aufstellte, reicht weiter zurück als alle anderen Erklärungsansätze über den Beginn des Universums; nämlich in die erste Sekunde nach dem Urknall: Gemäss der inzwischen breit anerkannten Inflationstheorie hat das Universum seine Grösse unmittelbar nach dem Urknall im Bruchteil einer Sekunde 100 Mal verdoppelt. Es wuchs von einem rund 10-28 Zentimeter kleinen Punkt – das sind 0.00000000000000000000000000001 Zentimeter – auf die Grösse einer Murmel an. Eine Murmel tönt im ersten Augenblick wenig beeindruckend, tatsächlich befand sich in diesem kleinen Raum aber schon das gesamte heute beobachtbare Universum, wie Guth sagt.
Ein perfekt ausbalancierter Bleistift
Doch was trieb diese unvorstellbar rasche Inflation voran? Laut Guth muss dafür eine Art dunkle Energie oder Vakuumenergie verantwortlich gewesen sein – eine Energie, die abstossend und damit der Graviation entgegen wirkte. Diese hypothetische dunkle Energie zerfiel rasch, wodurch die Inflation des Universums zur heute beobachtbaren, vergleichsweise langsamen Expansion abgebremst wurde. Aus dem Zerfall entstand schliesslich die uns bekannte Materie.
Dabei hatten wir grosses Glück: Hätte die Inflation langsamer oder schneller stattgefunden, wäre das Universum entweder wieder in sich kollabiert oder aber es wäre so rasch expandiert, dass sich niemals Galaxien, Sterne und Planeten hätten bilden können, wie Guth sagt – das Leben hätte nie existiert. Der Kosmologe zieht zur Verdeutlichung eine Analogie heran: «Unser Universum ist wie ein Bleistift, der nahezu perfekt ausbalanciert auf seiner Spitze steht.»
Existieren noch andere Universen?
Zu den faszinierendsten und bizarrsten Aspekten der Inflationstheorie gehört, dass sie die Möglichkeit eines sogenannten Multiversums in Betracht zieht. Unser Universum wäre demnach bloss eines von vielen – extrem vielen: Laut Alan Guth könnten bis zu 10500 verschiedene Universen existieren! Und ständig entstehen neue, denn während der Inflation wird nicht sämtliche Dunkle Energie vernichtet. Ein kleiner Teil bleibt übrig, der ein «Taschenuniversum» zur Inflation bringen könnte, in welchem wiederum etwas Dunkle Energie übrig bleibt, welche ein neues Universum erzeugt und so weiter. Allerdings wäre nur ein kleiner Teil dieser Universen stabil genug, um Galaxien hervorzubringen, welche Leben beherbergen könnten.