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Warum kann mentales Training einen Sportler zu mehr Erfolg führen?
Mentales Training ist eigentlich nichts anderes als Probehandeln im Kopf. D. h. einen Bewegungsablauf im Kopf immer und immer wieder durchgehen bis dieser perfektioniert ist. Oder sich Handlungspläne für Schlüsselsituationen in einem Wettkampf zu Recht legen um in diesem Moment schnell die richtige Entscheidung zu treffen. Auch kann der Erfolg in all seinen Facetten visualisiert und als Motivationsspritze gebraucht werden. Zudem kann man sich verbale Formeln einimpfen, die einem in den entscheidenden Momenten das Selbstvertrauen und die Entschlossenheit für den Sieg geben.
Aber warum funktioniert Mentales Training?
Ausschlaggebend dafür ist die Lernfähigkeit des Menschen. So lernt der Mensch nicht nur durch Ausprobieren und Scheitern und erneutem Ausprobieren, sondern auch durch reines Beobachten seiner Mitmenschen. Die Neuropsychologie (Rizzolati & Craighero, 2004) konnte nachweisen, dass Beobachten alleine die gleichen Neuronen im Kopf aktiviert, wie wenn man die Tätigkeit selber ausführen würde.
Das in der Psychologie als Carpenter-Effekt bekannte Phänomen zeigt, dass beim reinen Sich-Vorstellen – ohne Beobachtung – die gleichen Neuronen aktiviert werden, wie wenn man die Bewegung ausführen würde. D. h. jeder kann einen Bewegungsablauf oder eine Spielsituation im Kopf 10, 15, ja 100 Mal durchtrainieren ohne körperlich zu ermüden. Eine Doktorarbeit von Yue (1990) zeigte, dass mentales Krafttraining, d. h. nur im Kopf durchgeführt, bei untrainierten Personen zu einem Kraftzuwachs von 22% führte. Das praktische beim mentalen Training ist: Man kann es zuhause durchführen, muss dafür keinen Weg zum Trainingsgelände in Kauf nehmen und kann sogar Wettkampfbedingungen simulieren, indem man sich diese einfach vorstellt.
Mentales Training kann also Trainingseinheiten anreichern.
Mentales Training ersetzt die physischen Trainingseinheiten jedoch nicht! Kein Sportler kann erwarten, dass er nur durch mentales Training erfolgreich wird. Wie bei der Gestaltung eines Spitzentrainingsplanes mit einem erfahrenen Trainer, braucht es in der Erarbeitung und speziell beim Einüben des mentalen Trainings einen geschulten Sportpsychologen, der einem hilft und unterstützt. Nur so stellt man sicher, dass die mentale Trainingsform auch auf die individuellen Bedürfnisse passt und dadurch den größtmöglichen Effekt erzielt.
Mentales Training muss man üben und dies regelmäßig.
Ähnlich wie beim Krafttraining kann man nicht erwarten, dass nach 2 bis 3 Krafttrainingeinheiten die volle Leistungsfähigkeit erreicht wird, sondern es braucht gezieltes und regelmäßiges Training. Der Kopf ist wie ein Muskel. Wenn man ihn regelmäßig trainiert – und hier kann man auch Wettkampfbedingungen simulieren – dann ist er schlussendlich so stark, dass er einem in den entscheidenden Situationen zum Erfolg verhilft.
Darum warte nicht, sondern starte heute und trainiere Deinen Kopf!
Yue, G. (1990). The effect of imaginary maximal muscle contraction training on the voluntary neural drive to muscle. Diss., University of Iowa