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Jakob Amrhein wird am 28. Februar 1673 in Beromünster (Luzern) geboren. Nach dem wahrscheinlichen Besuch der dortige Stiftsschule und einer Lehre als Schreiner tritt er am 28. September 1694 in den Jesuitenorden ein. Über seine Tätigkeit nach Beendigung des zweijährigen Noviziates in Landsberg sind wir nicht orientiert. Er dürfte in dieser Zeit hauptsächlich Innenausstattungen geplant und verwirklicht haben, denn 1712 wird er als Erbauer der Altäre in der Jesuitenkirche Hall im Tirol genannt. 1713 kommt er als Nachfolger des verstorbenen Br. Christian Hueber nach Dillingen, um den Kollegneubau weiterzuführen.[1] 1717 bis 1719 ist er wieder in Hall, nun für die Erbauung des Seminar-Konviktes, dem «Borgias-Haus». 1719 geht er für den Neubau von Jesuitenkolleg, Kirche und Gymnasium nach Ellwangen. Eine Stiftung von 90 000 Gulden ermöglicht die gewaltigen Neubauten.[2] Amrhein baut das Kolleg und Gymnasium 1720–1723. Zwischenzeitlich hält er sich 1721 auch in Dillingen zur Planung des Gymnasiums auf.[3] Die Jesuitenkirche in Ellwangen wird nach seinen Plänen im Juni 1724 begonnen, doch schon am 28. Oktober 1724 stirbt Br. Jakob Amrhein im Alter von 51 Jahren. Sein Nachfolger wird der Solothurner Jesuitenpater Joseph Guldimann,[4] der bis 1726 die Kirche vollendet.
Dem frühverstorbenen Jesuitenbruder und Baumeister Jakob Amrhein wird ein Leichenbegräbnis zuteil, das für Ellwangen zum grossen Ereignis wird. Die höchsten Verwaltungsbeamten und die Kapitulare des gefürsteten Stiftes nehmen nebst den Mitbrüdern und der Bevölkerung daran teil. Es zeigt, in welchem Ausmass sich Amrhein «durch seine Tüchtigkeit und seine Tugenden» die Achtung aller erworben hat.
Pius Bieri 2014
Literatur:
Braun, Joseph SJ: Die Kirchenbauten der deutschen Jesuiten. Freiburg im Breisgau 1910.
Anmerkungen:
[1] Es dürfte sich nicht nur um den Ostflügel des Innenhofes handeln, dafür ist die Aufenthaltsdauer von vier Jahren in Dillingen zu lang. Wahrscheinlich wird auch der Südflügel viergeschossig neu gebaut, die Notiz einer 1732 erfolgten neuen Fassadengestaltung wird sich auf reine Renovation der Fassade beziehen.
[2] Der grosse Komplex von Kolleg und Gymnasium beherbergt heute die Strafkammern des Landgerichts und die Staatsanwaltschaft Ellwangen. Zur Ansicht des Kollegiums im Baubestand nach 1729 von Gabriel Bodenehr.
[3] Erste Pläne 1721 von Br. Jakob Amrhein. Überarbeitung der Pläne durch Johann Georg Fischer aus Füssen. Dieser wird für den Riss mit 75 Gulden entschädigt, aber der Bau wird von 1724 nach neuem Plan einem ungenannten Jesuitenbruder übertragen. Bauvollendung 1725. Der Bau wird im «Dehio» vollständig Br. Jakob Amrhein zugesprochen.
|Br. Jakob Amrhein (1673–1724)|
|Biografische Daten|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land|
|28. Februar 1673||Beromünster||Luzern CH|
|Land 18.Jh.||Bistum 18.Jh.|
|Eidgenössischer Stand Luzern||Konstanz|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land|
|28. Oktober 1724||Ellwangen||Baden-Württemberg D|
|Land 18. Jh.||Bistum 18. Jh.|
|Fürstpropstei Ellwangen||Augsburg|
|Kurzbiografie|

Br. Jakob Amrhein ist einer der vielen Kunsthandwerker, die sich nach ihrem Eintritt in den Jesuitenorden in Baukunst weiterbilden. Seine Stationen sind Hall im Tirol, Dillingen und Ellwangen. In jeder dieser Jesuitenniederlassungen ist er bei mehreren wichtigen Bauwerken immer für die Bauausführung und meist auch für die Planung verantwortlich. Sein Hauptwerk während seiner nur zehn Jahre dauernden Tätigkeit als Baumeister ist die grosse Kolleg-Anlage der Jesuiten in Ellwangen, deren Kirchenvollendung er nicht mehr erleben kann.