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1950 in der ersten Formel-1-WM wurde Louis Chiron Dritter. An den 1979 verstorbenen Monegassen erinnert noch heute eine Büste nahe der Schwimmbad-Kurve. Als Beretta 1994 im Fürstentum in einem Larrousse-Auto Achter wurde, war der am 16. Oktober 1997 geborene Charles Leclerc noch nicht einmal auf der Welt.
"Als vierjähriger Bub schaute ich mir hier das erste Rennen an und sagte mir: 'Da will ich auch einmal hin'!" 2018 ist er dort angekommen. Und wie.
Der Rookie hat in seinen bisherigen fünf Rennen mit neun WM-Punkten schon fast so viele Zähler gewonnen wie sein Teamkollege Marcus Ericsson (11 in 81 Rennen). Viele Experten sehen in Leclerc einen zukünftigen Weltmeister.
Alfa Romeo Sauber ist nicht nur für ihn ein gutes Einstiegsteam. Auch Kimi Räikkönen und Felipe Massa begannen ihre Karriere in der Königsklasse im Hinwiler Rennstall.
Beide feierten später mit Ferrari grosse Erfolge: Räikkönen holte 2007 den letzten Titel für die Roten, ein Jahr später wurde Massa beim Saisonfinale in Brasilien schon als Champion gefeiert.
Doch der Sieger jubelte nur ein paar Sekunden, weil kurz darauf Lewis Hamilton das entscheidende Überholmanöver gegen Timo Glock gelang und dem Briten der 5. Platz zu seinem ersten von vier Titelgewinnen reichte.
Auch Leclerc wird in Zukunft in einem Ferrari-Cockpit sitzen. Die Frage ist nur wann und sie hängt davon ab, wann Kimi Räikkönen zurücktreten wird.
Ferrari-Junior Leclerc hat praktisch jede Serie dominiert, in der er angetreten ist. Seit dem 8. Lebensjahr fuhr er Go-Kart-Rennen, mischte dort sofort die Szene auf und musste sich 2013 in der WM nur dem heutigen Red-Bull-Fahrer Max Verstappen geschlagen geben.
2014 wechselte er in die Formel-Szene, wurde 2015 Vierter der Formel 3-EM und gewann danach jeweils auf Anhieb 2016 die GP3 und 2017 die Formel 2.
Leclerc hat trotz seiner Erfolge schwierige Zeiten hinter sich. Die letzten drei Jahre waren auch von Tod, Trauer und Tränen geprägt.
Mit Jules Bianchi, der im Juli 2015 den neun Monate zuvor im Grand Prix von Japan zugezogenen Kopfverletzungen erlag, verlor er einen seiner besten Freunde, im Juni 2017 verstarb sein Vater Hervé im Alter von erst 54 Jahren.
Zu Ehren der beiden hat sich Leclerc für sein Heimrennen auch etwas Besonderes ausgedacht: Er tritt in den Helm-Farben seines Vaters an, der 1988 selbst als Formel-3-Fahrer durch die Strassenschluchten von Monte Carlo jagte.
"Das spezielle Helm-Design habe ich mit einem Tribut an Jules Bianchi ergänzt. Ich bin überzeugt, dass Jules und Papa mir von oben zuschauen."
Vielleicht reicht es am Sonntag ja zum dritten Mal nach Baku (6.) und Barcelona (10.) zu WM-Punkten. Am ersten Trainingstag am Donnerstag war Leclerc jedenfalls deutlich schneller als sein schwedischer Teamkollege Ericsson.
Übrigens plant Leclerc nicht, seinen Wohnsitz in die Schweiz zu verlegen. Er besitzt ein Appartement ganz in der Nähe der Startlinie. "Wenn es sein muss, bin ich ja schnell in Hinwil."