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Historisches Archiv der Region Biel, Seeland und Berner Jura
Adhémar SchwitzguébelBerner Jura - Stadt Biel - übrige Orte - Arbeiterbewegung - Auslandpolitik - Ideologien - Lokalpolitik - Persönlichkeiten - Politische Aktivitäten - Räte
Adhémar Schwitzguébel wurde 1844 in Sonvilier geboren. Sein Vater war Graveur, besass eine kleine Werkstatt und bekannte sich zu den Ideen des Liberalismus und des Radikalismus. Adhémar absolvierte eine Graveur-Lehre im väterlichen Betrieb.
Im Jahr 1866 gehörte Schwitzguébel zu den Gründungsmitgliedern der Sektion Sonvilier der Internationalen Arbeiter-Assoziation (IAA), drei Jahre später schloss er sich zusätzlich der "Internationalen Allianz für die sozialistische Demokratie" an, einer von Michail Bakunin gegründeten Organisation. Er bekannte sich zu kollektivistischen und föderalistischen Ideen und engagierte sich mit grossem Erfolg für die Organisation der Graveure und Guillocheure des St- Immertals, deren Vereinigung sich der IAA anschloss.
Am Vierten Kongress der IAA in Basel (1869) stimmte Schwitzguébel für Abschaffung des Privateigentums am Boden und für die Abschaffung des Erbrechts. Nicht zuletzt infolge seines Erfolgs bei der Organisation der Graveure und Guillocheure errang die kollektivistisch und föderalistisch gesinnte Strömung innerhalb der Romanischen Föderation der IAA die Mehrheit - ein Spaltung zeichnete sich ab.
Nach Ausbruch des deutsch-französischen Krieges 1870 nahm Schwitzguébel als Leutnant der Infanterie an der Grenzbesetzung teil. Die Proklamation der "Pariser Kommune" beeindruckte ihn sehr. Umso betroffener reagierte er auf die Niederlage der Kommunarden und die blutige Rache der Sieger. Im Juli 1871 riskierte Schwitzguébel sein Leben, als er sich nach Paris begab, um einigen Verfolgten die Flucht in die Schweiz zu ermöglichen. Dank von ihm überbrachten Dokumenten gelang es der Schriftstellerin André Léo, in die Schweiz zu entkommen.
Nach den zentralistischen Beschlüssen der IAA-Konferenz in London protestierte Schwitzguébel energisch gegen die Nicht-Einladung jurassischer Delegierter. Am 12. November 1871 gehörte er zu den Gründern der "Juraföderation".
Mit Michail Bakunin und James Guillaume nahm Schwitzguébel als Delegierter der Juraföderation am Kongress der IAA in Den Haag teil, der vom 2. bis 7. September 1872 stattfand.. Er erlebte mit, wie Bakunin und Guillaume aus der Internationalen ausgeschlossen wurden, und verlangte vergeblich, ebenfalls ausgeschlossen zu werden.
Kurz nach dem Haager Kongress, am 15. September 1872, beteiligte sich Schwitzguébel an der Gründung der Antiautoritären Internationale. In den folgenden Jahren spielte bei der Entwicklung der nenen Internationale eine wichtige Rolle, zum Beispiel an den Kongressen in Genf (1873), in Brüssel (1874), in Vevey (1875) und in Bern (1876) .
Im Alter von 29 Jahren (1873) verheiratete sich Schwitzguébel mit Catherine Marguerite Miellet, einer Arbeiterin aus dem französischen Jura. Die erste Tochter, Louise, wurde kurz vor der Heirat geboren.
Im gleichen Jahr begann die Grosse Depression, welche die in der Uhrenbranche häufigen Krisen erheblich verstärkte. Wie andere Aktivisten der Juraföderation litt auch Schwitzguébel an der politischen Ausgrenzung, die auch seine Existenz zu gefährden begann. Schon nach dem Tod des Vaters (1879) musste er das Graveuratelier aufgeben. Im Jahr 1889 begab sich Schwitzguébel mit seiner zahlreichen Familie nach Biel, wo er im Graveur-Atelier einer Freundes eine Stelle fand. In den nächsten Jahren ging er zunehmend auf Distanz zu den Ideen des libertären Sozialismus und näherte sich reformistischen Ideen an.
Nach der Gründung des Schweizerischen Arbeitersekretariats (1891) wurde Schwitzguébel als Leiter der Bieler Niederlassung dieser Institution gewählt. In der Folge bemühte er sich intensiv um die gewerkschaftliche Organisation der Uhrenarbeiter. 1892 gelang es ihm, verschiedene Fachvereine in der "Uhrenarbeiter-Föderation" zusammenzuschliessen.
Ab dem 15. Januar 1893 war Schwitzguébel einer von zehn Vertretern des Grütlivereins im Bieler Stadtrat - es handelte sich um stille Wahlen. Im Bieler Parlament wirkte er unter anderem als Übersetzer, allerdings konnte er das Mandat infolge einer schweren Erkrankung ab November 1894 nicht mehr ausüben.
Am 23. Juli 1895 starb Schwitzguébel an Magenkrebs. Der Arbeiterführer hinterliess seine Ehefrau mit acht Kindern.
Quellen:
Rossel E. und Brenzikofer O. (2001). La tombe de Bakounine. In: Intervalles, Numéro 59, 21
Lörtscher C. (2002). Vereinigt euch! Biel: Eigenverlag
Roth R. (1959). Das Volkshaus Biel und das Werden der Arbeiterbewegung: Biel, Volkshausgenossenschaft
Autor: Christoph Lörtscher / Quelle: 2012