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Strafrecht
cognitio 2021/2
Raphael Steuerwald
Erzwungene Gehilfenschaft an einem Kriegsverbrechen
Eine Untersuchung juristischer Problematiken der Nachkriegszeit anhand eines fiktiven Kriegsverbrechens
In einem fiktiven Fall im Roman «Der Fall Collini» von Ferdinand von Schirach wird ein Dolmetscher unter Druck gesetzt, woraufhin er Befehle zu einem Kriegsverbrechen übersetzt. Ein fiktives Gericht verurteilt ihn nach Kriegsende zum Tod. Die Hilfeleistung des Dolmetschers ist zwar tatbestandsmässig, eine Verurteilung aufgrund von Art. 18 StGB jedoch nicht denkbar. Zudem befand sich der Dolmetscher in einer Zwangslage zwischen seiner Gehorsamkeitsplicht und der Pflicht, sich rechtmässig zu verhalten. Der Täter wird indes nicht angeklagt, was ein Hinweis auf die juristische Problematik der Nachkriegszeit ist: Die deutsche Justiz ahndete Kriegsverbrechen lange Zeit nur halbherzig. Von Schirach zieht mit seinem Roman Parallelen zur Rechtsgeschichte des 20. Jahrhunderts, zumal vergleichbare Problematiken zur Entwicklung des Völkerstrafrechts führten.
Elvira Kolb
Die EU-Richtlinie über Verfahrensgarantien in Strafverfahren gegen Kinder und Jugendliche
Bewährt sich die schweizerische JStPO im Vergleich?
Das Europäische Parlament und der Rat haben in der Richtlinie 2016/8001 weitreichende Verfahrensgarantien in Strafverfahren gegen Kinder und Jugendliche festgelegt. Damit konkretisieren sie die bereits bestehenden internationalen Standards. Wie steht es daher um das schweizerische Jugendstrafprozessrecht und die Jugendstrafprozessordnung (JStPO)? In Aspekten wie der audiovisuellen Aufzeichnung von Befragungen und der Schulung des Personals entspricht das schweizerische Jugendstrafverfahren nicht dem neusten EU-Standard.
cognitio 2021/1
Salwa Shkukani
Universal Criminal Jurisdiction
A Journey through the Institute of International Law
«The peoples of the earth have thus entered in varying degrees into a universal community, and it has developed to the point where a violation of rights in one part of the world is felt everywhere.» This paper seeks to comprehensively study the concept of universal jurisdiction (UJ) within the sphere of the Institute of International Law. The paper examines UJ in the twenty-first century and reverts to the nineteenth century. In doing so, the author conveys a consistent critical perspective of UJ; questioning its presumed universal nature.
Lisa Reggiani
Kurze Verjährungsfristen bei jugendlichen Straftätern
Eine kritische Würdigung der Debatte um
Art. 36 JStG
Trotz scharfer Kritik seitens der Lehre steht Art. 36 JStG erneut vor einem Umbruch. So soll die von der Praxis langersehnte Rechtsprechung des Bundesgerichtes Einzug in die Bestimmung finden. Der vorliegende Beitrag zeigt auf, was die Hintergründe kurzer Verjährungsfristen im Jugendstrafrecht sind und weshalb die Kodifizierung des bundesgerichtlichen Urteils kritisch betrachtet werden muss.
Mete Erdogan
Massnahmenanordnung bei Kleptomanie?
Der zwanghafte Trieb zum Stehlen als
Grund sanktionsrechtlicher Massnahmen
Die Kleptomanie ist eine Störung der Impulskontrolle, welche von diversen Klassifikationssystemen anerkannt
wird. Der Autor untersucht in der vorliegenden Arbeit,
ob Kleptomanie die Tatbestandsmerkmale des Diebstahls gemäss Art. 139 StGB erfüllt und – sofern keine
Rechtfertigungsgründe gegeben sind – Grund für die
Anordnung einer Massnahme sein kann. Fehlende
konkrete Therapiemöglichkeiten und die mangelnde Verhältnismässigkeit der Massnahmenanordnung stellen allerdings den Sinn der Anordnung einer Massnahme
beim Vorliegen dieses Krankheitsbildes in Frage.
cognitio 2019/1
Levin S. Güver
From Is to Ought, How Scientific Research in the Field of Moral Cognition Can Impact the Criminal Law
Rapid technological advances in the field of neuroscience and cognitive psychology are claiming to have solved the millennia-old puzzle of moral cognition. If true, our societal structures – and with that the criminal law – would be gravely impacted. This paper concerns itself with four distinct theories stemming from the disciplines above, taking an in-depth look at the Dual Process Theory by Joshua Greene and juxtaposing the findings to the consequentialist and retributivist theories of punishment present in the American Criminal Law Doctrine.