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Die Geschichte der Plakatsammlung in der Graphischen Sammlung der Schweizerischen Landesbibliothek liest sich, zumindest in den Anfängen, wie die Geschichte der wichtigsten politischen Ereignisse unseres Landes; 1901 wird als erstes das in diesem Jahr von Carl Burckhardt gestaltete Plakat zur Basler Bundesfeier aufgenommen. 1914 folgen Plakate zur Landesausstellung und zum Weltkrieg, 1919 zum Frauenstimmrecht, ein Jahr später zur Abstimmung über den Völkerbund.
1924 wird erstmals ein Grundstock von 3 000 Plakaten aus einer Privatsammlung erworben; zehn Jahre später findet eine Schenkung von 2 500 ausländischen Kriegsplakaten Eingang. 1943 kommt der Tausch von 200 Plakaten mit dem damaligen Gewerbemuseum Basel zustande, und im gleichen Jahr erhält die Sammlung 300 Plakate vom Musée d'art et d'histoire Genf, so dass die Plakatsammlung 1945 auf 9 000 Stück angewachsen ist. Heute besteht die Sammlung aus ungefähr 45 000 Plakaten; sie wächst stetig an und gehört damit - nach den Plakatsammlungen des Museums für Gestaltung Zürich, der Schule für Gestaltung in Basel und zusammen mit derjenigen der Bibliothèque publique et universitaire in Genf - zu den grössten Plakatsammlungen der Schweiz.
Die Schweizer Kleinmeister können im weitesten Sinn als Vorläufer der Gestalter von Tourismusplakaten gelten: Beide sind an der Kommerzialisierung der Schweizer Landschaft und der touristischen Werbung für sie beteiligt.
Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist das Plakat das hauptsächliche Medium, um die Kunde zu verbreiten, dass sich anderswo - in der Schweiz - eine unversehrte Natur finde, welche die innigsten Sehnsüchte des Touristen befriedige. In seinen Anfänge nimmt das Plakat häufig die Themen und die Bildersprache der Kleinmeister auf. Dann entwickelt es aber eine eigene Sprache und eigene Stereotypen, um seine Botschaft wirksamer zu gestalten.
Die Publikation schildert zunächst die Anfänge des Tourismus und des Plakats als Mittel touristischer Werbung und betrachtet dann die Plakate, die sich auf Örtlichkeiten längs des Rheins zwischen Basel und seinen Quellen beziehen. Die 22 Aquarelle verschiedener Schweizer Kleinmeister sind um 1820 entstanden. Sie sind Anlass und zugleich Grundlage für eine Studie darüber, wie sich die Präsentation einer Tourismusregion im Plakat verändert hat.
Diese Reise ins Land des Rhein-Plakats erlaubt es, eine Typologie der Landschaften und Örtlichkeiten zu entwerfen, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als malerisch wahrgenommen wurden, und neue ikonografische Typen herauszuschälen. Unsere Studie beschränkt sich auf die Periode von den Anfängen des modernen Plakats im letzten Drittel des 19. bis in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts. In dieser Zeit haben zahlreiche hervorragende Schweizer Künstler und Grafiker Tourismusplakate gestaltet und zur Entstehung einer Bildsprache beigetragen, die diesem Medium eigentümlich ist. Durch die zeitliche Eingrenzung tritt eine besonders reiche Phase in der Geschichte des schweizerischen Tourismusplakats deutlich hervor.
Das Wesen des Plakats resultiert aus der Begegnung von mindestens zwei Partnern: dem Auftraggeber, der beim Konsumenten für ein bestimmtes Produkt werben will, und dem Künstler, der das Plakat schafft und die Verkaufsinformationen und -argumente entwickelt. Das moderne Plakat ist eindeutig Kind des Handels- und Industriezeitalters.
Das Tourismusplakat entsteht in Verbindung mit der Erscheinung, die man «Tourismus» nennt.
Im 19. Jahrhundert vervielfachen sich die Reisen. Beteiligt sind breiteste soziale Schichten: die neureichen Angehörigen der Industrie- und Handelsgesellschaft, das Bürgertum, die Rentner. In dieser sozial bedingten Ausdehnung der Reisetätigkeit hat der Tourismus, wie wir ihn heute verstehen, seine Wurzeln.
In diesem Umfeld entsteht und entwickelt sich das Tourismusplakat. Es verfolgt verschiedene Ziele: den Traum von unbekannten Horizonten, den Wunsch nach Reisen und Entdeckungen zu wecken und gleichzeitig zu informieren über Orte, Dienstleistungen und Aktivitäten für Touristen.
Die Rhein-Plakate
Eine erste Feststellung drängt sich beim Betrachten des Korpus der Plakate auf, die für die Rheingegenden werben: Als zentrales Sujet dieser Plakate ist der Rhein so gut wie nicht vorhanden. Tatsächlich führen nur die Stadt Basel und die Region des Rheinfalls den Fluss als wichtigeres Charakteristikum ihrer Landschaft vor.
Eine grosse Zahl davon weist eine ähnliche Bildkomposition auf. Es handelt sich dabei um Ansichten des Rheinknies und der Rheinbrücken aus der Vogelschau. Im Vordergrund erheben sich die gezackten Turmspitzen des Basler Münsters.
Das Plakat Rheinschifffahrt Rotterdam-Basel verdient Betrachtung, weil es dieselbe Landschaft wiedergibt wie viele andere Tourismusplakate - das heisst den Rhein und seine Ufer sowie das aus der Ferne gesehene Basler Münster -, nur wird das Sujet ganz anders behandelt. Hier ist nichts Malerisches, kein blauer Himmel, kein grünes Laub oder altes romantisches Mauerwerk, sondern eine Industrielandschaft unter einem grauen, bedeckten Himmel, Schleppkähne und Fabriken, die bräunliche Rauchschwaden ausstossen. Das Plakat konfrontiert uns mit dem düsteren Gesicht der Stadt.
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Bibliographische Angaben
|Reihe||Titel der Reihe - «Als regne es hier nie ...»|
|Seitenanzahl||112 arabisch|
|Abbildungen||24 s/w, 28 farbig|
|Format:||18 x 23 cm|
|Bindung||Buch, Broschiert|
|ISBN||978-3-7965-2034-1|
|Erscheinungsdatum:||01.09.2003|