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Folge 8 über Mystizismus
Dr. Martin Erdmann, 15. Juli 2016
In der esoterischen Tradition gibt es eine Fülle an mythischen und symbolischen Erzählungen, die von der Heimkehr des Geistes aus der Ferne berichten. Die Gnostiker meinten, dass das unerlöste pneuma (Geist) kein Selbstbewusstsein besitze; es sei vom Gift der Welt betäubt. Nur im wachen Zustand könne die Unwissenheit überwunden werden. Die volkstümliche Überlieferung alchemistischen Gedankenguts kennt ähnliche Geschichten. Die Finsternis der physischen Natur müsse in der Wiedergeburt des geistlichen Lichts überwunden werden. Selbsterkenntnis sei die Erlösung des geistlichen – aber dennoch materiellen – Körpers von der Korruption des Fleisches. Selbst die tantrische und taoistische Spekulation beschreibt die im Körper zirkulierenden Bahnen des Lichts, sodass ein Geist-Körper von dem „wahren Samen“ geboren werden könne. Feuer bringe den Embryo dieses höheren Wesens zum Leben.[1]
Folge 7 über Mystizismus
Dr. Martin Erdmann, 14. Juli 2016
Die ersten Anzeichen einer kurz vor dem Aufblühen stehenden europäischen Alchemie können im 13. Jahrhundert deutlich wahrgenommen werden. Eine Reihe bedeutender Alchemisten treten mit ihren Publikationen an die Öffentlichkeit. Unter ihnen befinden sich solch bekannte Namen wie Roger Bacon (1214-1294), Arnold von Villanova (1235-1312) und Ramon Lull (1235-1316). Villanova gilt als Verfasser des Rosarium philosophorum. Lull tut sich als Autor der ars magna Lulli hervor, die darauf abzielt, das Erinnerungsvermögen zu optimieren. Unter seinem Namen sind auch viele alchemistische Abhandlungen in Umlauf gebracht worden, von denen wahrscheinlich einige tatsächlich seiner Feder entstammten. Genannt werden muss auch Nicholas Flamel (1330-1417), dessen später ins Englische übersetzte Book of the Hieroglyphic Figures[1] noch heute einen gewissen Bekanntheitsgrad besitzt.
Folge 6 über Mystizismus
Dr. Martin Erdmann, 12. Juli 2016
In vielen ihrer Dialoge unterschieden Platon und Aristoteles den einen Gott von den vielen Göttern; doch wir wissen letztlich nicht genau, was sie damit meinten. Vermutlich ist diese Differenzierung eine zu jener Zeit auftretende Erscheinung im Hellenismus; doch mit der Hermetik hält eine neu akzentuierte Anschauung Einzug, die wir thematisch zum Beispiel in St. Basils Abhandlung über das den Menschen gegebene Gebot der Götter wiederfinden. St. Basil nimmt konkret Bezug auf die im Johannesevangelium (10,34) formulierte Aussage des Messias: „Steht nicht geschrieben: Ihr seid alle Götter?“ und deutet sie hermetisch um.