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In einem Interview für Imfluss.ch erzählt Kutti MC, dass sein Name eine göttliche Eingebung sei, welche ihm nach einem Sonnenstich aus dem Himmel zugetragen wurde. Ich weiss nicht, ob ein ähnliches Ereignis ihn davon abhielt, bei meinem Interviewtermin zu erscheinen. Auf jeden Fall liess er mich sitzen. Also versuchte ich mein Glück nach dem Konzert nochmals. Auch wenn Kutti MC nun für mein Interview bereit war, wurde unser Gespräch durch die Scharen von jungen weiblichen Fans verzögert, die alle etwas Cooles von Kutti MC auf ihre T-Shirts geschrieben haben wollten. Nachdem Kutti MC etliche Male wörtlich “etwas Cooles” auf diverse Textilien geschrieben hatte, trat endlich etwas Ruhe im Backstage-Bereich des Flosses ein.
In deinem Pressetext schreibst du von deinem Post-Hip-Pop-Album. Du bezeichnest deine Musik also als etwas, das nach Hip-Hop und Pop kommt?
Dieser Begriff ist eigentlich mehr ein Versuch zu beschreiben, dass meine Musik etwas Eigenes ist. Ich wollte ein neues Genre kreieren, da die meisten Zuhörer alles einordnen wollen. Viele Menschen hören nur einen bestimmten Stil und sind überfordert, wenn sie etwas Neues nicht einordnen können. Ich persönlich finde Musik entweder gut oder schlecht – das Genre spielt dabei keine Rolle. Ich höre selbst viele verschiedene Sachen mit verschiedenen Einflüssen und dadurch wird meine Musik auch so vielfältig.
Aber du meinst mit dem Begriff Post-Hip-Pop nicht, dass Pop und Hip-Hop vorbei sind?
Pop kann nicht vorbei sein, da der Begriff so weit gefasst ist. Aber eine gewisse Art von Hip-Hop ist es schon. Ich finde es eher lächerlich, wenn man als 30-jähriger Künstler vor einem 14-jährigen Publikum auftritt und von “Bitches” und “Guns” redet. Das bedeutet doch, dass die Gleichaltrigen das gar nicht mehr ernst nehmen. “Post” bedeutet aber in meinem Fall eher so etwas wie “zu den Wurzeln zurück gehen”. Am Anfang stand Hip-Hop für Individualismus und für einen freien Ausdruck und hat sich erst später zu dem Hip-Hop uniformiert, den wir im letzten Jahrzehnt hören konnten. Gangster-Rap ist etwas Uniformiertes und ziemlich langweilig. Es gibt vereinzelte Sachen die ich gut finde, denn politisch korrekter Rap ist noch viel langweiliger. Aber wenn man nur von “Bitches” und “Guns” reden kann, dann ist das sehr eintönig.
Was unterscheidet dich denn von den Rappern, die nur über “Bitches” und “Guns” sprechen?
Das muss und kann ich gar nicht erklären. Die Antwort liegt in meiner Kunst. Auf jeden Fall bin ich nicht ängstlich und habe nicht das Gefühl, ich müsste irgendwelchen Mustern entsprechen. Ich bin ein mutiger Künstler und mache, was ich will, nicht, was von mir verlangt wird.
In deinem Pressetext erwähnst du, dass Sophie Hunger, Stefan Eicher und Züri West zu deinen Fans gehören. Ist dir also doch wichtig, wer deine Musik mag?
Der Pressetext ist ja nicht von mir sondern vom Label. Aber natürlich freue ich mich, wenn ich von Personen Anerkennung bekommen, die ich selbst bewundere. Ich mache die Musik nicht für mich, sondern für die Menschen. Ich mache, was mir gefällt und hoffe, dass andere Menschen auch Gefallen daran finden.
Du schreibst Gedichte und vertonst diese auch. Die Gedichte schreibst Du auf Hochdeutsch. Eine Regisseurin hat mir jedoch mal erzählt, dass sie in der Schweiz Theaterstücke auf Schweizerdeutsch bevorzugt, da Hochdeutsch für viele Schweizer eine Art Fremdsprache ist.
Da bin ich komplett anderer Meinung. Für mich ist das eine Feigheit. Gemessen an Englisch oder Chinesisch wird Deutsch von einer Minderheit gesprochen. Wenn man sich dann noch weiter einschränkt und sich nur auf die Schweiz, aufs Schweizerdeutsch, reduziert, dann ist das für mich ein Rückzug. Alle Zeitungen sind auf Hochdeutsch geschrieben, wir lernen in der Schule Hochdeutsch, E-Mails, SMS und Briefe schreibe ich alle auf Hochdeutsch – Hochdeutsch ist somit eigentlich meine schriftliche Sprache. Wenn ich nicht auf Hochdeutsch schreiben würde, wäre ich nicht auf der halben Welt aufgetreten und es hätte keine Übersetzungen meiner Gedichte gegeben. Ich möchte in die Welt hinaus und nicht nur in der Schweiz bleiben – das würde mich langweilen. Ich suche ständig neue Herausforderungen!
Im September kommt mein erstes hochdeutsches Album heraus. Ich habe eine neue Band und das Album läuft nicht mehr unter dem Namen Kutti MC sondern nennt sich “Schule der Unruhe”. Das Album heisst “La Bombe” und erscheint auf “Traumton Records”. Und wenn ich dort Hochdeutsch spreche, dann spreche ich nicht Bühnenhochdeutsch, denn das interessiert mich nicht. Ich rede so Hochdeutsch, wie man als Schweizer Hochdeutsch spricht, ohne dass ich mit dem dämlichen Emileffekt spiele und extra schlecht Hochdeutsch spreche.
Ich habe gesehen, dass du auch für andere Künstler Texte schreibst. Sprichst du auch Texte von anderen Schriftstellern?
Nein. Aber ich schliesse es nicht aus. Ich kann mir durchaus vorstellen, ein Lied zu covern oder an einer Lesung fremde Texte zu lesen. Ein Stiller-Has-Cover würde mich zum Beispiel mal reizen. Aber ich muss ja nicht alles auf einmal machen.
Als ich zum Schluss Kutti MC nach einem Freestyle für das Interview frage, meint er dazu: “Nein, das macht keinen Sinn, ein Freestyle aufzuschreiben. Ein Freestyle entsteht immer direkt aus dem Moment heraus und verliert schriftlich seine Magie”.
Kutti MCs Musiktip:
Big Boi feat. George Clinton, Sam Chris & Too $hort – “Fo Yo Sorrows”
(aus dem Album “Sir Lucious Left Foot: The Son Of Chico Dusty”, 2010)
Kutti MC tritt am Samstag 28. August 2010 um 22.30 Uhr am Jazzfestival Willisau auf.