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Der Pariser Arzt Maurice Raynaud (1834 – 1881) hat als erster Anfälle von Blutarmut in Fingern beschrieben. Aufgrund verminderter Blut- und Sauerstoffzufuhr verfärben sich die Finger – seltener die Zehen oder die Ohrläppchen – weiss und sind kalt. Beim Raynaud-Phänomen werden eine primäre und sekundäre Formen unterschieden (s. unten). Seltener verwendet werden die Bezeichnungen Raynaud-Krankheit, Raynaud- oder vasospastisches Syndrom.
Die Ursachen sind nach wie vor nicht vollständig geklärt. Beim primären Raynaud-Phänomen kommt es zu einer krampfartigen Gefässverengung. An anderen Raynaud-Phänomenen sind mehrere zusätzliche Faktoren beteiligt.
Es handelt sich um die häufigste Form (ca. 70%), bedingt durch krampfartiges Zusammenziehen der Wand von Blutgefässen. Dadurch entsteht eine Mangeldurchblutung der Finger oder Zehen, die bei entsprechender Veranlagung, bei Kälteeinwirkung oder Stress auftritt. Frauen sind bedeutend öfter betroffen als Männer (Verhältnis 5 bis 10: 1). Die Anfälle sind im Winter häufiger, können indessen auch durch den Griff in einen Kühlschrank, eine Tiefkühltruhe oder sogar durch das Anfassen eines kalten Gegenstands ausgelöst werden. Typischerweise beginnen die Symptome vor dem 30. Lebensjahr.
Gleichartige Durchblutungsstörungen kommen vor als Folge von organischen Gefässwandschäden oder Gefässverschlüssen oder ausgelöst durch Medikamente. Die Symptome beginnen in der Regel nach dem 30. Lebensjahr. Grund- oder Begleitkrankheiten sind:
Oft haben betroffene Personen konstitutionell feuchte und kühle Hände. Der lästige Raynaud-Anfall dauert einige Minuten und läuft in Phasen ab:
Nicht immer werden alle Phasen durchgemacht und die Veränderungen der Hautfarbe können eine andere Sequenz aufweisen (z.B. blau – weiss – blau – rot oder auch weiss – blau – rot). Manche Betroffene verspüren keine Beschwerden. Die vorübergehende Minderdurchblutung verursacht an den Fingern keinen Dauerschaden und mit zunehmendem Alter klingt die Krankheit zumeist ab.
Diese Erkrankung ist schwerwiegender. Eine auslösende Grundkrankheit oder äussere Einwirkung (s. oben) führt zu wiederholten, teils langdauernden Raynaud-Attacken, die das umliegende Gewebe einschliesslich der Haut zunehmend schädigen. Schliesslich thrombosieren (Thrombose) die kleinen Arterien und es kommt zu bleibenden Gefässverschlüssen.
Im Gegensatz zum primären Raynaud-Phänomen sind nicht beide Hände gleich stark betroffen. An Haut und Gewebe von Finger- und Zehenspitzen können rattenbissähnliche Defekte entstehen und die Nägel ausfallen. Im Extremfall kommt es zum Finger- oder Zehenverlust.
Wegen der unterschiedlichen in Frage kommenden Ursachen sollte ein Arzt Abklärungen durchführen. Für den Behandlungsplan ist insbesondere das Unterscheiden von primärem und sekundärem Raynaud-Phänomen nötig. Die Diagnose des primären Raynaud-Phänomens wird erst gestellt nach Ausschluss einer eventuell auslösenden Grundkrankheit.
Apparative Spezialuntersuchungen sind die farbkodierte Duplex-Sonographie (eine Ultraschallmethode), Untersuchungen der Hautkapillaren unter dem Mikroskop, Kältetests, Angiographie (Röntgen der Blutgefässe), Blutuntersuchungen zum Nachweis oder Ausschluss einer zu Grunde liegenden rheumatischen Erkrankung und weitere Tests.
Es gibt verschiedene Behandlungsmethoden, wobei die Wirksamkeit jedoch grossenteils beschränkt ist. Es geht um Aufklärung und um oben genannte Verfahren (s. bei „Was man selbst tun kann“). Gegen das primäre Raynaud-Phänomen werden nur bei starker Beeinträchtigung und häufigen Anfällen Medikamente versucht. Dabei zu berücksichtigen ist allerdings, dass in Frage kommende Medikamente auch Nebenwirkungen haben.
Beim sekundären Raynaud-Phänomen ist der Einsatz von Medikamenten vor allem bei schweren Verläufen (Defekte an Fingern und/oder Zehen) angezeigt. Die Behandlung der Grundkrankheit ist entscheidend.