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Das mitelalterliche Gebet - ein Ersatz für die Erotik?
Informationen
Im Mittelalter auch unter Laien verbreitete asketische Praktiken weisen darauf hin, dass die Kommunikation mit dem Heiligen offenbar den Ausschluss der Sexualität bedingt: Wo Gott werden soll, muss ES verschwinden. Wird die Sexualität dabei möglicherweise von der Religion für ihre Zwecke eingespannt und in sublimierter Form «ausgelebt»? Dieser Frage geht der Vortrag anhand einer Gebetsanleitung aus dem 13. Jahrhundert nach. Dabei zeigt sich, dass die Ausgangslage komplexer ist, als man vielleicht denken würde. So gibt es zum modernen Begriff der Sexualität, der diese als eine Art grundlegender Lebensenergie betrachtet, in den mittelalterlichen Anschauungen sexueller Praktiken keine Entsprechung. Texte sind ferner keine Patienten und bieten keinen direkten Zugang zu unbewusstem Material. Sie enthalten allerdings einen expliziten Wunsch, den nach der Überwindung des Todes. Abgesehen davon bewegt sich die Interpretation im riskanten Feld der Ähnlichkeiten und Analogien.
Helmut Dworschak, Dr. phil. (*1964) hat an der Universität Zürich über das Thema Sexualität und Busse im Mittelalter doktoriert und ist als Kulturredaktor der Winterthurer Tageszeitung «Der Landbote» zuständig für Literatur und Pop-Musik.
Aus dem Vortrag: "Milch und Fliegen"