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Der Rhein vom Zweiten Weltkrieg bis zum Kalten Krieg
Beim Alpenrhein kamen zur Zeit des Zweiten Weltkrieges für die Wehrmacht einige zusätzliche erschwerende Faktoren hinzu. Wegen der Rheinregulierung war der
Rhein auf beiden Rheinseiten mit einem Damm versehen und verbreitert worden. Es gab im Gegensatz zum Hochrhein zwischen Bodensee und Basel am Alpenrhein keine
Stellen, die für ein einfaches Übersetzen geeignet waren. Konnten die Brücken nicht unbeschädigt in Besitz gebracht werden, musste aufwändig ein Übergang über
den Rhein gebaut werden.
Am Alpenrhein gab es zu jener Zeit nur sehr wenige Brücken, die in der Lage gewesen wären, die Last eines Panzers zu tragen. Im Bereitstellungsraum für einen
Angriff auf die Festung Sargans gab es zahlreiche Rheinübergänge von Oberriet bis Trübbach. Jedoch handelte es sich mit der Ausnahme der beiden Brücken bei Buchs
allesamt um Holzbrücken mit einer Tragkraft bis 6 Tonnen. Das bedeutete, dass selbst die leichtesten Panzer (Panzerkampfwagen II, 8.9 t) und Schützenpanzer
(Schützenpanzerwagen Sd.Kfz. 251, 7.4 t) nicht in der Lage gewesen wären, über die Brücken zu fahren, ohne diese durch ihr Gewicht zu beschädigen. Solange es der
Armee also gelang, die Rheinbrücken zu sprengen und die Brückenbaustellen unter Feuer zu nehmen, war ein Übersetzen der Wehrmacht praktisch unmöglich.
Diesem Umstand trug auch die deutsche Angriffsplanung von 12. August 1940 Rechnung. Unter Punkt 8c und 8d ist zu lesen "Zum Angriff über den Rhein ist möglichst
wenig anzusetzen. Er ist schwierig und verlangt viel Brückenkolonnen". Weiter heisst es, dass ein "Angriff von Osten wegen des schwierigen Geländes, der starken
feindlichen Befestigung und der ungünstigen Aufmarschmöglichkeiten zu unterlassen" seien.
Während die Rheinbrücken im Norden der Schweiz bereits ab 1935 mit ersten Permanenzen gesichert wurden, waren die Brücken im Rheintal praktisch bis 1938 ungesichert.
Erst mit dem Einmarsch der Wehrmacht in Österreich, wurden ab März 1938 auch die Brücken über den Alpenrhein mit Sprengobjekten und Tankbarrikaden gesichert. Als
Brückenwache errichtete man pro Brücke einen Schindler Leichtstand Typ I. Dieser im Volksmund auch "Zuckerstock" genannte Bunker war mit 2 Lmg armiert und bot 7 Mann
Platz. Aus diesen Bunkern konnten auch die Not-Brückensprengungen ausgelöst werden.
Die Holzbrücken über den Rhein waren bis Anfang der 1960er Jahre die einzigen Rheinübergänge. Erst mit dem Bau der Autoschnellstrasse durch das Rheintal und der
zunehmenden Motorisierung wurden allmählich neue Spannbetonbrücken über den Rhein gebaut. Diese neuen Brücken hätten es der Roten Armee nun ermöglicht - bei erfolgreicher
Inbesitznahme - mit den Panzern über den Rhein zu setzen. Darum hat man dann gleich von Anfang an die neuen Brücken mit einem Sprengobjekt versehen und für die Objektmannschaften
in der Umgebung Unterstände errichtet. Wo sinnvoll wurden die alten "Zuckerstöcke" weiterhin als Brückenwachen eingesetzt. Im Hinterland entstanden dann Festungsminenwerfer,
welche die Brücken unter Feuer hätten nehmen können. Seit Ende des Kalten Krieges sind die Sprengobjekte in den Alpenrheinbrücken inzwischen überall entladen.
Sperrstelle Buchs (1302)
Mit seinem Grenzbahnhof und den beiden panzertragfähigen Brücken über den Rhein hat Buchs gleich mehrere Objekte von strategischer Bedeutung.

[ Brücke Buchs - Schaan Anfang der 1930er Jahre ]

Bei einem Hochwasser waren am 25. September 1927 die beiden alten Rheinbrücken bei Buchs zerstört worden. Diese ersetze man im Anschluss durch eine neue, leistungsfähige
Strassenbrücke (1929) und eine massive Eisenbahnbrücke (1935). Durch diesen Neubau aus Stahl waren die beiden Brücken die tragfähigsten Brücken im Raum Sargans und erhielten
eine strategische Bedeutung für den Festungsraum Sargans. Dies erkannte auch bereits der Ingenieurkurs II von 1934, welcher Studien zur Sicherung der Rheintalbrücken
durchführte. Dabei wurde vorgeschlagen, diese Übergänge mittels Tankbarrikaden und einem Blockhaus zu sichern.

Wie bereits im Überblick zur Festung Sargans
erläutert, wäre der Raum Bludenz - Feldkirch Aufmarschgebiet für potentielle
Angreifer aus dem Osten gewesen. Dieser Angreifer hätte dabei seine Versorgung auf die leistungsfähige Arlbergbahn abgestützt. Im Grenzbahnhof Buchs wird die Arlbergbahn mit dem
Netz der SBB verbunden. Daher ist eine Besetzung des Bahnhofs und der beiden Brücken von entscheidender Bedeutung für eine erfolgreiche Operation gegen die Festung Sargans. In der
Angriffsstudie der Heeresgruppe C vom 6. September 1940 ist festgehalten, dass die handstreichartige Inbesitznahme der Rheinbrücken von Buchs und St. Margrethen vorzubereiten sei
und dass der Einsatz von Panzerzügen bei der Durchführung dieser Aufgabe erwünscht wäre.
Das Festungskommando Sargans reagierte bei Kriegsausbruch sofort und befahl, am Grenzbahnhof einen Stützpunkt einzurichten. Dazu errichtete die Truppe ab Oktober 1939 drei leichtere
MG Stände und einen Pak-Stand (mob) im Raum Bahnhof, sowie zwei Vorposten-Stände (MG und Lmg) am Werdenberger Binnenkanal. Zwischen Rheinbrücke und Bahnhof wurde eine Entgleisungsanlage
installiert. Die Zustimmung für die Entgleisung lag beim Kommandanten des Armeekorps. Im Notfall war aber der Kommandant des Stützpunktes dazu ermächtigt, die Entgleisung selbstständig
zu befehlen. An Truppen waren im Zweiten Weltkrieg rund 200 Mann des Gz Füs Bat 284 in Buchs stationiert.
1950 wurde das Geb Füs Bat 77 als selbstständiges Bataillon dem 3. Armeekorps unterstellt. Im Kriegsfall war aber vorgesehen, die Einheit der Festungsbrigade 13 zu unterstellen. Als
selbstständiges Bataillon war es innerhalb der Brigade als "Hammerbataillion" bekannt. Daher wundert es nicht, dass diese Einheit - welche seit 1874 seine Truppen primär aus Sargans
und Werdenberg rekrutiert - im Kalten Krieg den Auftrag hatte, primär die Grenzpunkte Buchs und Sevelen zu besetzen. Übrigens wurde das Geb Füs Bat 77 als einzige ehemalige Formation
der Fest Br 13 in die Armee XXI überführt.
Im Kalten Krieg entstanden nur wenige neue Permanenzen im Raum Buchs. Die Brücken über den Tobelbach wurden mit Sprengobjekten versehen und der Bach so zu einem GPH ausgebaut. 1970
stürzte die Strassenbrücke über den Rhein ein, nachdem wegen Sohlensenkung ein Pfeiler unterspült wurde. Die neue Brücke konnte erst 1977 wieder in Betrieb genommen werden.
Mit Ende des Kalten Krieges sind mit Ausnahme der beiden "Zuckerstöcke" am Rhein fast alle Bunker abgebrochen worden. Einzig der IK Stand A6012 blieb erhalten und wurde Teil eines
Kinderspielplatzes.
Sperrstelle Sevelen (1303)
Auch in Sevelen stand eine Brücke über den Rhein. Die 1871 erbaute und 1930 renovierte Holzbrücke besass eine Tragkraft von 6 Tonnen. Auch dieser Übergang war 1938 mit Sprengobjekt,
Tankbarrikade und "Zuckerstock" gesichert worden.
Bei Kriegsausbruch verlief kurzfristig die Abschnittsgrenze zwischen Gz Br 8 und Festung Sargans mitten durch Sevelen. Im Oktober waren die Abschnittgrenzen bereinigt worden und in
Sevelen und Buchs übernahmen die Truppen des Gz Füs Bat 248 die Grenzschutzmassnahmen. Dazu errichteten sie hier 1939 vier neue MG Stände. In Sevelen ging es primär darum, dem Gegner
das Überschreiten des Rheins zu verwehren und das Vordringen zu verzögern. Eine Verteidigung von Magletsch
war weder 1939
vorgesehen (da das Werk noch nicht gebaut war) noch später Teil des Auftrags der hier eingesetzten Truppen. Die erste Verteidigungslinie der Festung Sargans verlief beim
Weiler Plattis und der dortigen Sperrstelle
.
Im Kalten Krieg erfolgte keine nennenswerte Verstärkung der Sperrstelle. Buchs, Sevelen und die Umgebung blieben Verzögerungsraum ohne vorbereitete permanente Verteidigungsstellungen.
Auch in Sevelen entstand bis September 1973 ein neuer Rhein-Übergang in Form einer Spannbetonbrücke. Die Brücke stand aber noch bis 1975 als eine Art "Ingenieur-Denkmal" unbenutzt im
Rhein, weil die Zufahrten noch nicht erstellt waren. Erst mit dem Bau einer provisorischen Zufahrt auf den Rheindamm konnte die Brücke am 13. Oktober 1975 (mit 2 Jahren Verspätung!) dem
Verkehr übergeben werden. Soviel zum Thema "Früher war alles besser".
Die alte Holzbrücke wurde 2010 umfassend saniert und instand gesetzt. Es erstaunt dabei zu erfahren, dass das Sprengobjekt erst 2009 vor Start der Bauarbeiten geleert wurde.