Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03344.jsonl.gz/94

1. Teil
Die Ursprünge des Wappens von Menziken liegen nicht so offen zu Tage wie bei anderen Gemeindewappen. Anders als bei anderen Gemeinden wie z.B. der Nachbargemeinde Reinach, deren Wappen von einem Adelsgeschlecht abgeleitet werden kann und vielfach belegt ist, kann das Gemeindewappen von Menziken nicht ohne weiteres zugeordnet werden. Das Menziker Wappen wurde auch nicht völlig neu geschaffen, wie dies bei einer Vielzahl der Gemeinden in der Schweiz u.a. im Hinblick auf die Landesausstellung 1939 geschehen ist.
Nachfolgend soll dem Weg des Menziker Wappens durch die Zeiten und seinen Wandlungen nachgegangen werden. Woher kommt die Wappenfigur? Weshalb ist die sog. Tingierung, die Farbgebung des Wappens, so, wie sie ist? Warum ist die Wappenfigur als Ritter gepanzert?
Wie aufzuzeigen sein wird, reichen die Wurzeln des Menziker Wappens weiter zurück, als gemeinhin angenommen wird.
Als Ausgangspunkt der Betrachtung soll der heutige Menziker Wappenschild dienen.
Das Wappen heute
|Die Blasonierung, d.h. Umschreibung des Wappens lautet heute wie folgt: In Rot auf grünem Dreiberg Krieger in weisser Rüstung, den Kopf nach links gedreht, in der Rechten weisser Speer mit gelbem Schaft, in der Linken fünfstrahligen gelben Stern haltend.

Populär ist die Bezeichnung des dargestellten Kriegers als "Ritter Menzo". Der Gemeindenamen Menziken stammt vom alemannischen "Manzinchouen" (erste urkundliche Erwähnung 1045) ab, was "bei den Höfen des Manzo oder Menzo" bedeutet. Es liegt daher nahe, den geharnischten Krieger im Wappen als Menzo zu bezeichnen. Diese schöne Erklärung war bei der Entstehung des Gemeindewappens sicher ohne jede Bedeutung und ist ohne Zweifel erst im Nachhinein zustande gekommen. Als das Menziker Wappen entstand, waren die etymologischen Hintergründe des Ortsnamens und die frühe Siedlungsgeschichte gänzlich unbekannt.

Der Ursprung – das "Spritzenmannli" von 1780
Nachdem das Türchen aus Reinach zweifelsohne das Reinacher Wappen mit entsprechendem Schriftzug trägt, liegt der Schluss nahe, dass das Menziker Pendant unter dem Schriftzug ebenfalls das damalige Gemeindewappen darstellt und es sich beim Spritzenmannli somit um die älteste Darstellung des Gemeindewappens handelt. Diese Betrachtungsweise erscheint umso plausibler, wenn man das Menziker Wappenbild abstrahiert und sich ohne Zierrat und Beifügungen denkt: dargestellt ist ein Mann mit Stab und Stern.
Merkwürdig ist, dass auf das "Spritzenmannli" als älteste Wappendarstellung bei den bisherigen Abhandlungen über das Menziker Wappen nicht Bezug genommen wurde.
Das Wappen im 19. Jahrhundert
Das Siegel der Gemeinde Menziken, welches nach der Gründung des Kantons angefertigt wurde, zeigt einen Mann mit Federhut, heraldisch nach rechts gerichtet, der in den erhobenen Händen je einen Stern hält. Der Stab oder Speer ist weggefallen. Aufgrund der waagrechten Schraffur des Wappenfeldes kann davon ausgegangen werden, dass die Farbe blau war. Im Siegel von 1872 ist der Stern in der rechten Hand wieder ersetzt durch einen Speer, womit eine Annäherung an die Vorlage des Spritzenmannli erfolgte. Ob eine bewusste Rückkehr zur älteren Darstellung beabsichtigt war, muss offenbleiben. Die Ähnlichkeit der beiden Darstellungen ist jedenfalls so frappant, dass man nicht an einen Zufall glauben mag. Der Wappenschild scheint auch hier blau gewesen zu sein. Das Wappen, das als Glasmalerei in der Kirche Menziken angebracht ist, zeigt erstmals einen Ritter im Harnisch mit Lanze und Stern. Der Lanzenträger trägt noch kein Schwert, dafür einen Bart. Der linke Arm ist herrisch in die Hüfte gestützt und kann den Stern daher nicht halten. Einzigartig ist die Farbgebung des Wappens mit einem goldenen Hintergrund. Im 19. Jahrhundert kommt das Wappen somit uneinheitlich daher, und zwar, was Wappeninhalt und Farben angeht.
Prägestempel um 1820 / Siegel um 1872 / Wappen in der Kirche ca. 1895