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Hey. Wo soll ich anfangen? Nun, mein Name ist Millie. Verständlich, wenn du mich nicht leiden kannst. Das hier soll keine Rechtfertigung werden… Ich will nur etwas klären. Also, bitte hör mir zu. Hör mir zu und bilde dir dann dein Urteil über mich.
Zuerst einmal möchte ich klarstellen, dass ich ehrlich traurig darüber bin, wenn ich mit Silberfluss verglichen werde; wenn jemand sagt, Graustreif hätte sie verraten. Liebe kann man nicht leiten, Liebe ist einfach da. Silberfluss ist eine weise Kätzin. Sie möchte, dass Graustreif glücklich ist. Ich bin kein Ersatz für sie. Graustreif hat aus freien Stücken gewählt, niemand hat ihn gezwungen. Ich glaube, dass es Silberfluss manchmal wehtut. Aber die meiste Zeit freut sie sich für ihn. Ob sie mich mag, weiß ich nicht. Ich glaube, wenn sie mich mag, dann nur mein altes Ich. Nicht einmal ich selbst mag mich im Moment. Ich glaube, das tut niemand. Warum? Vielleicht sollte ich von vorne anfangen:
Ich lernte in einem Zweibeinerort Graustreif kennen. Damals war ich noch ein Hauskätzchen. Graustreif erzählte mir von den Clans und vom Kriegerdasein. Er brachte mir das Jagen und das Kämpfen bei. Ich war mit viel Freude bei der Sache… Dann entschloss er sich, auf eigene Pfote zurück zu den Clans zu wandern. Er fragte mich, ob ich mitkommen wollte. Ich verneinte, denn ich wollte meine Zweibeiner nicht verlassen. Ich liebte meine Zweibeiner. Graustreif war enttäuscht und zog alleine los. Schon kurz danach packten mich Schuldgefühle und ich suchte ihn. Irgendwann fand ich ihn in einer Röhre liegend. Er hatte Fieber und war hungrig. Ich kümmerte mich um ihn, bis er wieder gesund war. Im Fiebertraum murmelte er immer wieder Silberfluss‘ Namen. Ich fragte, wer das sei. Er erzählte mir von seiner Gefährtin im SternenClan.
Als er wieder gesund war, brachen wir gemeinsam auf und machten uns auf die Suche nach den Clans. Als wir nach vielen Strapazen im alten Territorium ankamen, war dieses komplett verwüstet. Graustreif übernachte trauernd im Heilerbau des alten DonnerClan-Lagers. Ich versuchte, ihm neue Hoffnung zu geben. Er führte mich zu einer Scheune, in der die beiden Kater Rabenpfote und Mikusch wohnten, zwei alte Freunde von ihm. Sie erzählten uns, dass die Clans fortgewandert waren. So brachen auch wir erneut auf und wanderten zum See. Es war nicht leicht. Die Reise aber hatte uns fest zusammengeschweißt, wir hatten uns gegenseitig gerettet, anderen Katzen geholfen und ich hatte Graustreif und einer Katzenfamilie die Hundesprache beigebracht.
Als wir auf einem Hügel ankamen und Graustreif den See sah, war er sich sicher, dass dort das neue Territorium lag. Der Moment war perfekt, als er mich fragte, ob ich seine Gefährtin sein wollte. Ich stimmte natürlich zu. Wir liefen zur Großen Versammlung auf die Insel und ich trat dem DonnerClan bei.
Schöne Geschichte, nicht wahr? Wenn ich ehrlich bin: Ich hasse meine Geschichte. Es war ein Fehler, meine Zweibeiner zu verlassen, und es war ein Fehler, dem Clan beizutreten, doch der größte Fehler waren die Jungen. Wurzellicht… Wie konnte ich nur eine Katze in die Welt setzen, deren Leben so ruiniert werden würde? Es ist meine Schuld. Diese Schuld lastet noch immer schwer auf meinen Schultern. Blind vor Trauer kümmerte ich mich nur noch um meine gelähmte Tochter. Ich vernachlässigte Hummelstreif und Blumenfall. Doch das bemerkte ich erst viel zu spät. Sie hassen mich. Zwei meiner Jungen hassen mich, weil ich nie für sie da war. Ich traue mich nicht, Hummelstreif und Blumenfall unter die Augen zu treten, ich traue mich nicht, Wurzellicht loszulassen. Ich traue mich nicht, irgendwem irgendetwas zu erzählen. Ich bin so feige. Meine Zweibeiner habe ich traurig gemacht, Graustreif habe ich enttäuscht, den Clan habe ich verachtet, als ich keinen Kriegernamen wollte, meinen Jungen bin ich eine schlechte Mutter…
Mein Name ist das Einzige, was mich an mein altes Ich erinnert. Das schmerzt. Einst wollte ich ihn gerade deshalb behalten, doch nun will ich ihn ablegen, weil es wehtut. Aber ich habe Angst vor den Reaktionen, wenn ich auf einmal doch einen Clannamen annehme.
Jetzt kannst du von mir halten, was du willst. Ich hasse mich jedenfalls für all diese Fehler. Aus Fehlern lernt man? Ich scheinbar nicht. Ich bin zu feige.
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Kaum jemand mag Millie, ich finde sie aber unfassbar interessant, seit ich mich mal in sie hineinversetzt habe. Hat Spaß gemacht, es zu schreiben.
Lasst mir gern Feedback da; sagt mir, wie ihr es fandet. Das würde mich sehr freuen.