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Über Umwege ins Musikbusiness
Im Jahr 1968 erblickte Stefan Hantel in Frankfurt am Main das Licht der Welt. Sein erster Berufwunsch war, Grosstierarzt in einem Tierkrankenhaus in Afrika zu werden, um Zebras mit Magengeschwüren heilen zu können. Während eines Praktikums bei einem Landtierarzt musste er dann allerdings feststellen, dass ihm jedes Mal, wenn er Blut sah, übel wurde. So begrub er seinen ersten Berufswunsch. Seine Eltern waren beide Musiker, Hantel trat aber nicht sofort in ihre Fussstapfen, sondern studierte Kunstgeschichte, visuelle Kommunikation, Fotografie und Graphikdesign unter anderem auch in Paris. Neben dem Studium organisierte er Parties, auf denen er auch selbst auflegte, weil ihm die Songs der anderen DJs oft nicht gefielen.
Im Jahr 2000 reist Stefan Hantel nach Czernowitz, die Heimatstadt seiner Grosseltern. Die in der heutigen Ukraine liegende Stadt ist die Hauptstadt der Bucovina, dies erklärt auch der Name seiner Homepage (www.bucovina.de) Zu Zeiten seiner Grosseltern lebten dort die verschiedenen Kulturen friedlich miteinander: Synagogen standen neben Moscheen und Kirchen. Nach dem Krieg, der Besetzung durch die Deutschen und dem Stalinismus wurde dieses friedliche Zusammenleben zerstört und heute prallen dort verschiedene Kulturen und Religionen aufeinander. Diese Reiseerfahrung beeinflusste Shantel stark: zurück in Deutschland begann er Balkanmusik mit Elektro zu kreuzen, es entstanden Songs, die fähig sind, die Massen zu rocken.
Disko Partizani und Planet Paprika
Im August 2007 erschien sein erster Hit: „Disko Partizani“, veröffentlicht auf seinem eigenen Label Essay Recordings. Die Single erreichte in Polen und der Türkei sogar die Top ten der internationalen Hitparade. Dann im letzten Sommer sein vorerst letzter Streich: „Planet Paprika“. Paprika steht unter anderem für seine Grossmutter, denn immer, wenn ihr irgendetwas gefehlt hatte, habe sie gesagt: „Da fehlt Paprika!“ Mit seinem Orchester (unter anderem mit Akkeordeon und Pauke) oder allein bestreitet er Auftritte in der Schweiz, Deutschland, Österreich und auch im Balkan.
Als erster deutscher Musiker wurde er mit dem internationalen World Music Award der BBC gewürdigt. Doch von Starappeal keine Spur, das Kugl betritt er durch den normalen Eingang, vor und während seines DJ Sets mischt er sich unter die Tanzenden, verteilt Autogramme und lädt Fans auf die Bühne ein, um ein Foto mit ihm machen zu können.
Planet Paprika im Kugl
Bei der Garderobe höre ich Russisch und Türkisch, auch von 18 bis 50 Jahr ist alles vertreten. Am Anfang will Shantel wissen, was man sagen muss, wenn man beim Grenzübergang in die Schweiz gefragt wird: “ Where are you from?“ Und schon singt er seine Antwort mit russischem Akzent gleich selbst: „Some say that I come from Russia, some think that I come from Africa, but I am so exotic, I am so erotic, -˜cause I come from Planet Paprika.“ Mit seinem eigenen Song über den virtuellen Ort Paprika, ein Ort ohne Grenzen, wo es nicht schwarz, weiss oder gelb gibt, eröffnet er die Tanznacht.
Die balkanischen Rhythmen sind zuerst ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber nach kurzer Zeit tanzt der Körper schon fast wie von selbst. Als Shantel seinen Hit „Disko Boy“ bringt, singt die zuckende, bouncende, hüpfende Maske lautstark mit.
Nach drei Stunden sind wir am Ende unserer Tanzkräfte und verlassen das Kugl. Draussen empfängt uns heftiges Schneetreiben, ein krasser Gegensatz zu der Balkan-Sommerstimmung drinnen. Der Samstag. 27. März ist bei uns schon verplant, dann nämlich ist Shantel zum zweiten Mal im Kugl zu Gast und lädt auf seinen Planeten Paprika mit den Worten: „Some say that I come from Russia, some think that I come from Africa, but I am so exotic, I am so erotic, -˜cause I come from Planet Paprika.“