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Neil Barofsky jagte einst als Staatsanwalt kolumbianische Drogendealer. Später überwachte er das Rettungsprogramm für amerikanische Banken, die während der Finanzkrise ins Straucheln geraten waren, und plädierte für Härte.
US-Beamte, welche die Banken an der langen Leine lassen wollten, fragte er, unter welchem Stein sie in den letzten Jahren gelegen hätten, um nicht zu merken, dass diese Banker «ihre Seele verkaufen würden», um den Gewinn zu steigern. «Er gilt als knallhart, er gilt als sehr kritisch gegenüber Wall Street, und er hat aus seiner Haltung nie einen Hehl gemacht», sagt Alfred Mettler, Finanzprofessor an der Georgia State University in Atlanta, im Interview mit «10vor10».
79 Millionen Franken in drei Monaten
Nun ist dieser Neil Barofsky der Monitor der Credit Suisse. Der Aufpasser, den die New Yorker Finanzbehörde der Grossbank im Rahmen der Einigung im US-Steuerstreit verordnet hat. Der Mann, der überwachen soll, dass die CS genügend tut, um ähnliche Verfehlungen künftig zu vermeiden. Im Rahmen des Steuerdeals mit den USA hatte die Credit Suisse vor gut zwei Jahren rund 2,6 Milliarden Dollar Busse bezahlt.
Seit Herbst 2014 arbeitet Barofsky mit seinem Team in der Bank. Er habe umfassende Kompetenzen, sagt Alfred Mettler. «Er kann beliebig Dokumente einfordern, er kann Mitarbeiter der Bank befragen, und er kann Prozeduren überwachen.»
Die Kosten für diese Arbeit trägt die Credit Suisse. Der aktuelle Quartalsbericht zeigt: Im vierten Quartal 2015 musste sie 79 Millionen Franken bezahlen, um den Bedingungen des Steuerdeals mit den US-Behörden nachzukommen. Im zweiten Quartal waren es 66 Millionen, im dritten Quartal 68 Millionen – für Neil Barofsky und sein Team, das auf eine Grösse von 50 bis 100 Anwälte geschätzt wird, sowie für neue Systeme, die dem Aufpasser alle gewünschten Daten liefern.
Thiam trifft Aufpasser regelmässig
Angesprochen auf den Aufpasser und die riesigen Kosten, erklärt CS-Konzernchef Tidjane Thiam gegenüber «10vor10»: «Das ist zwar teuer, aber Neil Barofsky arbeitet an wichtigen Fragen. Und wir müssen unser System im Private Banking verbessern. Darum treffe ich ihn regelmässig.»
Aus amerikanischer Sicht sei es durchaus konsequent, dass die CS ihren Aufpasser selbst bezahlen muss, sagt Alfred Mettler. Von Beginn weg hätten die USA im Steuerstreit die Beweislast umgekehrt, die Banken gezwungen, alle nötigen Dokumente zu beschaffen, faktisch die Untersuchung selbst zu führen. Und die Kosten dafür zu übernehmen, die teils fast so hoch waren wie die Busse am Ende. «Beim Monitor wendet man nun genau die gleiche Logik an», so Mettler.
Wenn der Monitor etwas entdeckt, kann es teuer werden
Sollten Neil Barofsky die Anstrengungen der Credit Suisse zu wenig weit gehen, kann er Massnahmen gegen Einzelpersonen empfehlen – bis hinauf in die Bankenspitze. Oder es könnte eine weitere Busse absetzen, wie im Fall von Standard Chartered.
Die britische Bank musste 2014 zusätzliche 300 Millionen Franken zahlen, nachdem sie durch die Prüfung eines Monitors gefallen war. Bei der Credit Suisse geht man nicht davon aus, dass sich dies wiederholt, wie Tidjane Thiam sagt: «Wir haben eine gute Beziehung mit dem Monitor. Ich glaube, er ist zufrieden, mit dem was geschieht».
Bislang bekam aus Schweizer Sicht nur die Credit Suisse einen US-Aufpasser aufgebrummt. Dabei muss es in den Augen von Finanzprofessor Mettler nicht bleiben: «Ich glaube nicht, dass die CS die einzige Bank bleiben wird, die einen solchen Monitor erhält.» Noch haben sich aus der Kategorie 1 im Steuerstreit nicht alle Banken mit dem amerikanischen Justiz-Ministerium geeinigt. Eine Einigung steht etwa bei der Basler und bei der Zürcher Kantonalbank noch aus.