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«Eine präsente und aktive Vaterschaft ist das Ideal», sagt Markus Theunert vom Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen. «Ob das Ideal auch gelebt wird, ist eine andere Frage.» Nur etwa ein Viertel der Männer lebt nach seinen Angaben die partnerschaftliche Aufteilung von Haus- und Erziehungsarbeit in der Schweiz.
Väter können nicht Mutter sein
Es liegt einerseits in der Tradition, sicher aber auch in der Gabenorientierung, dass Männer eher die technischen Angelegenheiten im Haushalt betreuen, Frauen häufiger die Kinder betreuen und die übrigen Haushaltarbeiten besorgen. Zudem bleibt es dabei, dass die Frauen die Kinder kriegen und sie stillen und somit ein unmittelbareres Verhältnis zum Kind haben als der Vater.
Es hat aber auch andere Gründe, dass es zu einer «Retraditionalisierung der Geschlechterrollen nach der Geburt» kommt, wie der Lausanner Soziologe René Lévy feststellt.
Triviale Gründe
Das hängt nicht allein mit teuren oder fehlenden Krippen zusammen, sondern meistens mit ganz trivialen Umständen wie derjenigen, dass der Vater besser verdient und es schwerer hat, sein Pensum zu reduzieren als die Mutter. Weil an den Mann höhere Anforderungen bezüglich Verfügbarkeit am Arbeitsplatz gestellt werden, wie der Bonner Soziologe Michael Meuser feststellt. Oder weil das Steuergesetz die traditionelle Rollenverteilung stützt, wie Theunert bemerkt.
Wo bleiben die «neuen Mütter»?
Es hängt aber auch mit den Wünschen und Prioritäten der Frauen zusammen, wie Meuser in Studien beobachtet. Er spricht von einem «überwiegenden Anspruch der Mütter als primäre Sorgeperson». Diese neigten dazu, die «Definitionshoheit über die Kinderbetreuung» zu beanspruchen. Die Fachwelt spricht hier vom «Maternal Gate». Aber auch bei der Hausarbeit fühlten sich die Frauen oft kompetenter als der Mann. Die Mütter schätzten zwar das Engagement der Väter, verteidigten aber dennoch die «häusliche Sphäre als weibliche Domäne». Väterliches Engagement sei oft nur unter mütterlicher Anleitung möglich.
Meuser spricht von einem «hohen Beharrungsvermögen der Vorstellung einer grösseren Kompetenz der Frau in Betreuung und Erziehung». Und er weist darauf hin, dass es neben dem Label «neue Väter» noch kein entsprechendes Label «neue Mütter» gibt! Und Prof. Johanna Possinger, Professorin für Frauen und Geschlechterfragen in der Sozialen Arbeit an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg, stellt fest, Väter und Ehemänner kämen sich im Haushalt oft wie Praktikanten vor.
Die individuelle Lösung
Hängt es damit zusammen, dass der grosszügige Vaterschaftsurlaub in Deutschland aktuell nur von einem Drittel der Männer bezogen wird, wie Markus Theuert feststellt? Er wüscht sich reflektierte Geschlechterrollen und ein geschlechtsreflektiertes Handeln.
Fazit: Eine absolute Gleichschaltung von Frauen und Männern in Familie und Arbeitswelt ist eher ideologisch als schöpfungsmässig orientiert. Der vom Parlament beschlossene 14-tägige Vaterschaftsurlaub bietet eine Chance für jedes Paar, seine individuelle Lösung zu finden. Dass in Zukunft die Väter in der Familie tendenziell präsenter sein werden, ist aber gerade auch für christliche Väter eine positive Herausforderung. Und ein Glücksmoment für die neuen Mütter.
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