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Ab 1352 eidg. Ort (unter Vorbehalt der habsburg. Rechte), ab 1415 reichsunmittelbar und voll berechtigter Ort der alten Eidgenossenschaft, 1798-1801 Distrikt des helvet. Kantons Waldstätten, 1801-03 helvet. Kanton. Seit 1803 Kanton der Eidgenossenschaft. Bezeichnung bis 1798: Stadt und Amt Z. Amtl. Bezeichnung: Kt. Z. Amtssprache ist Deutsch. Franz. Zoug, ital. Zugo, rätorom. Z. Hauptort ist Z.
Mit dem habsburg. Amt Z. wird um 1300 ein erster Kern des späteren Kt. Z. fassbar, zu dem in vogteil. Hinsicht neben der Stadt das Ägerital, das Berggebiet (Menzingen inklusive Neuheim) und Baar gehört haben dürften. Der Stadt und den drei Gem. dieses Äusseren Amts gelang es v.a. im 15. Jh., die meisten auswärtigen Rechte an sich zu bringen. Die Stadt allein erwarb zwischen 1379 und 1498 ein eigenes Untertanengebiet um den Zugersee. Stadt und Amt erreichten um 1500 in etwa die Ausdehnung des heutigen Kantons. Die Twingherrschaft Oberrüti lag westlich der Reuss, und im luzern. Meierskappel besass die Stadt Z. das Patronatsrecht. Umgekehrt bestanden auch in der frühen Neuzeit noch fremde Gerichte auf zuger. Territorium: so bis 1798 die kleine Herrschaft Buonas, die Hochgerichtsbarkeit der Stadt Zürich im Raum Steinhausen sowie bis 1679 das Gotteshausgericht des Klosters Einsiedeln in Teilen des Berggebiets und des Ägeritals. Eine Gebietserweiterung zumindest um die oberen Freien Ämter scheiterte 1798.
Der Kt. Z. liegt am Übergang vom hügeligen Mittelland zur voralpinen Zone. Das Gebiet zwischen der Reuss, der westl. Kantonsgrenze, und dem West- sowie Nordufer des Zugersees gehört zur Mittellandzone. Vom Ostufer des Zugersees steigt die Bergzone bis auf eine Höhe von 1580 m (Wildspitz) und umfasst das Hochplateau der Gem. am Berg, das Hochtal rund um den Ägerisee und den Zugerberg. Am Übergang der beiden Zonen liegen Baar und die Stadt Z. Die etwa 27 km lange Lorze quert die Zonen, indem sie vom Ägerisee durch das Lorzentobel in den Zugersee fliesst, diesen bei Cham verlässt und bei Maschwanden in die Reuss mündet.
|Fläche (2006)||238,8 km²|
|Wald / bestockte Fläche||66,1 km²||27,7%|
|Landwirtschaftliche Nutzfläche||107,0 km²||44,8%|
|Siedlungsfläche||29,2 km²||12,2%|
|Unproduktive Fläche||36,5 km²||15,3%|
|Jahr||1850||1880a||1900||1950||1970||2000|
|Einwohner||17 461||22 829||25 093||42 239||67 996||100 052|
|Anteil an Gesamtbevölkerung der Schweiz||0,7%||0,8%||0,8%||0,9%||1,1%||1,4%|
|Sprache|
|Deutsch||22 592||24 042||39 931||58 931||85 142|
|Italienisch||219||819||1 516||5 556||2 525|
|Französisch||120||157||453||663||1 138|
|Rätoromanisch||30||17||140||267||156|
|Andere||33||58||199||2 579||11 091|
|Religion, Konfession|
|Katholischb||17 336||21 734||23 362||35 461||54 840||61 873|
|Protestantisch||125||1 218||1 701||6 544||11 820||17 590|
|Christkatholisch||63||54||64|
|Andere||42||30||171||1 282||20 525|
|davon jüdischen Glaubens||27||19||24||78||148|
|davon islamischen Glaubens||364||4 248|
|davon ohne Zugehörigkeitc||538||8 159|
|Nationalität|
|Schweizer||17 355||21 896||23 089||39 715||57 276||79 819|
|Ausländer||106||933||2 004||2 524||10 720||20 233|
|Jahr||1905||1939||1965||1995||2005|
|Beschäftigte im Kanton||1. Sektor||5 199||5 666||2 602||2 316d||2 155|
|2. Sektor||5 728||7 516||15 922||18 426||19 135|
|3. Sektor||2 285||3 621||9 273||37 873||50 412|
|Jahr||1965||1975||1985||1995||2005|
|Anteil am schweiz. Volkseinkommen||1,2%||1,6%||1,9%||2,2%||2,5%|
Autorin/Autor: Peter Hoppe
Das Gebiet des Kt. Z. war nach einem Gletschermaximum um 20'000 v.Chr. etwa ab 17'000 v.Chr. eisfrei. Die ältesten jungpaläolith. Fundstellen datieren um 14'000 v.Chr., so im Grindel (Cham). Weitere Siedlungsplätze im Gebiet von Cham, Steinhausen und Z. stammen aus dem Spätpaläolithikum (12'400-9250 v.Chr.) und dem Mesolithikum (9250-5500 v.Chr.).
Aus dem Neolithikum (5500-2200 v.Chr.) und der Bronzezeit (2200-850 v.Chr.) sind über 50 Ufersiedlungen (sog. Pfahlbauten) an 33 Standorten am Zugersee bekannt, u.a. in Risch (Aabach, Buonas, Zweieren und Schwarzbach), in Hünenberg (Strandbad und Wildenbach), in Cham (Eslen, St. Andreas und Bachgraben), in Steinhausen-Sennweid sowie in der Stadt Z. (Schutzengel, Schützenmatt, Vorstadt, Sumpf, Riedmatt und Oterswil). Die Kulturabfolge beginnt mit der Egolzwiler Kultur (um 4300 v.Chr.) und der frühen zentralschweiz. Cortaillodkultur (um 4000 v.Chr.). Die Prunkaxt von Cham-Eslen verweist auf kulturelle Bezüge bis ans Schwarze Meer. Auch für die Pfyner Kultur (3800-3500 v.Chr.) sind Ufersiedlungen belegt. Ein Pollenprofil vom Egelsee (Menzingen) und Einzelfunde lassen auf eine Nutzung der Voralpen (permanente Besiedlung ab ca. 2200 v.Chr.) schliessen. In die Horgener Kultur (3500-2750 v.Chr.) datieren zeitgleich Siedlungen am Ufer und im Hinterland. Funde der Schnurkeramik- (2750-2450 v.Chr.) und der Glockenbecherkultur (2450-2200 v.Chr.) sowie aus der Frühbronzezeit (2200-1550 v.Chr.) sind seltener. Ab der Mittelbronzezeit (1550-1350 v.Chr.) sind vermehrt Landsiedlungen bekannt; grössere Siedlungsareale lassen auf eine allg. Bevölkerungszunahme schliessen. Bekanntheit erlangten grosse, bezüglich ihres Verwendungszwecks rätselhafte Holzrahmen und knapp 2'400 Bauhölzer (Schwemmgut) aus Steinhausen-Chollerpark (um 1440 v.Chr.) sowie die spätbronzezeitl. Siedlungen von Z.-Sumpf (1056-ca. 870 v.Chr.).
Siedlungsfunde der älteren Eisenzeit (Hallstattzeit, 800-450 v.Chr.) legen die Vermutung einer flächendeckenden Besiedlung des mittelländ. Kantonsteils nahe. Griech. Keramik und etrusk. Metallgefässe machen auf der Baarburg einen kelt. Fürstensitz um 500 v.Chr. wahrscheinlich. Die Besiedlung während der jüngeren Eisenzeit (Latènezeit, 450-15 v.Chr.) ist durch zahlreiche Einzelfunde belegt. Gräber wurden in Cham, Oberwil bei Z. und in Steinhausen entdeckt. Das Zugerland dürfte zum Herrschaftsgebiet der Helvetier, der späteren Civitas Helvetiorum, gehört haben. Einige Zuger Siedlungs- und Gewässernamen sind kelt. Ursprungs, so Baar, Cham, Lorze, Sihl und evtl. Reuss.
Autorin/Autor: Stefan Hochuli
Ab Mitte des 1. Jh. v.Chr. kam das schweiz. Mittelland unter den polit. Einfluss des Röm. Reichs, zu dem es nach dem Alpenfeldzug 16-15 v.Chr. gehörte. Ausgedehnte Gutshöfe (villae) prägten die Landschaft um den Zugersee, wobei von maximal zehn Anlagen ausgegangen wird. Archäologisch belegt sind Risch-Holzhäusern, Hünenberg-Huobweid, Cham-Heiligkreuz und Baar-Zentrum, während eine Anlage in Z.-St. Michael aufgrund versch. Streufunde sehr wahrscheinlich ist. In Cham-Hagendorn fanden sich Überreste eines Mühlenbetriebs und eines Heiligtums mit u.a. 23 Terrakottastatuetten. Auch die Baarburg wurde wiederholt besiedelt. Im direkten Zusammenhang mit Siedlungen sind die Grabfunde von Risch-Holzhäusern, Z.-Loreto und Hünenberg-Huobweid zu sehen. Diverse Münzschätze in Baar, Risch, Cham und Hünenberg dürften indirekt auf röm. Heiligtümer hinweisen.
Nach der Aufgabe der Rheingrenze 401/402 endete die Zugehörigkeit zum Röm. Reich. Im ehem. Gutshof Baar sind frühma. Bestattungen aus dem 5./6. Jh. belegt (Friedhof Zugerstrasse). Über einem Kindergrab wurde ein hölzerner Grabbau errichtet. Am gleichen Ort erfolgte im 7./8. Jh. die Errichtung der späteren Pfarrkirche St. Martin. Weitere frühma. Kirchengründungen sind archäologisch nachgewiesen, so St. Verena in Risch, oder aufgrund von Schriftquellen bzw. Patrozinien wahrscheinlich, z.B. St. Jakob der Ältere in Cham, St. Mauritius in Cham-Niederwil, St. Maria in Neuheim, St. Peter und Paul in Oberägeri und St. Michael in Z. 536/537 wurde der zentralschweiz. Raum ins Frankenreich eingegliedert. Alemannen wanderten in die dünn besiedelten Gebiete ein. Ortsnamen mit den Endungen -dorf, -ikon, -ingen sowie -heim und Gräber des späten 6. Jh. in Hünenberg-Marlachen zeugen von dieser Landnahme. Alemann. Friedhöfe des 7. Jh. sind aus Baar-Früebergstrasse sowie Z.-Löberen bekannt und Siedlungen des 6.-8. Jh. in Cham-Eichmatt sowie im Zentrum von Baar nachgewiesen. Mit der Teilung des Frankenreichs 843 fiel der zentralschweiz. Raum an das Ostfrankenreich. Siedlungsbelege des 9. und 10. Jh. existieren bei der Burg Z. und in Cham-Klostermatt. Eine Fischfanganlage in Steinhausen-Sumpfstrasse stammt aus dem Zeitraum vom 7. bis ins 9. Jh. Erste Burgen und Sitze adliger Geschlechter in Cham-St. Andreas, Z. und Hünenberg datieren ins 11. und 12. Jh. Mit der Gründung der Stadt Z. und des Zisterzienserinnenklosters Frauenthal in der 1. Hälfte des 13. Jh. nehmen die archäolog. Quellen sowie die erhaltene Bausubstanz (Block- und Ständerbauten ab dem mittleren 14. Jh.) zu.
Autorin/Autor: Stefan Hochuli
Das früheste schriftl. Zeugnis für das Gebiet des späteren Kt. Z., eine 858 von Kg. Ludwig dem Deutschen für das Fraumünster in Zürich ausgestellte Schenkungsurkunde, nennt einen grundherrl. Hof in Cham. Die bei solchen Schenkungen übliche formelhafte Umschreibung lässt keine Rückschlüsse auf Ausdehnung und Ausstattung dieses Fronhofs zu. Sicher ist, dass er sich auf dem Kirchbühl und nicht auf der Halbinsel St. Andreas befand, die spätere Pfarrkirche St. Jakob umfasste und bis ins 15. Jh. im Besitz des Fraumünsters blieb. Im Bereich der weiteren im FrühMA gegr. Kirchen in Baar, Risch, Z., Oberägeri, Neuheim und Niederwil (Gem. Cham) sind ebenfalls grundherrl. Strukturen zu vermuten. Als Eigenkirchen von Angehörigen der weltl. Oberschicht für deren eigenes Seelenheil gegründet, gehörten sie zur Ausstattung der grundherrl. Höfe und wurden im Verlauf des HochMA zu Kristallisationspunkten, um die sich die territorial definierten Pfarreien entwickelten.
Ab dem späten 12. Jh. lassen sich vermehrt wohl auf Grundherrschaften zurückzuführende Besitzungen und Herrschaftsrechte in den schriftl. Quellen nachweisen. Auffallend oft gehörten diese nun zur Ausstattung auswärtiger Klöster: So waren Schänis und Kappel in Baar, Muri in Gangolfswil (Gem. Risch), Einsiedeln in Ägeri (Gem. Ober- und Unterägeri), Menzingen sowie Neuheim und St. Blasien in Steinhausen sowie Neuheim begütert. Das um 1240-44 auf Initiative der Frh. von Eschenbach-Schnabelburg errichtete Zisterzienserinnenkloster Frauenthal, die einzige ma. Klostergründung auf Zuger Gebiet, wurde mit Gütern und Rechten aus der Umgebung ausgestattet. In adligem Besitz blieben die mutmasslich grundherrl. Höfe in Buonas (vielleicht Herren von Buonas, ab etwa 1260 Herren von Hertenstein), in Hünenberg (Herren von Rüssegg), in St. Andreas bei Cham (Herren von Wolhusen) und in Z. (unbekannt, ab etwa 1200 vielleicht Gf. von Kyburg). An diesen Orten kam es im 11. und 12. Jh. durch den Bau von Burgen zu ersten Herrschaftsverdichtungen. Auch die um 1200 errichtete Wildenburg mit dem wohl gleichzeitig initiierten Rodungsunternehmen im Bereich Grüt (Allenwinden) gehört in diesen Kontext.
Vor Ort waren die gerichts-, grund- und leibherrl. Rechte noch bis ins 13. Jh. selten in ein und derselben Hand vereinigt. In Steinhausen verfügten z.B. die Klöster Fraumünster, St. Blasien und Kappel in Gemengelage über grund- und leibherrl. Rechte, während die gerichtsherrl. Rechte in weltl. Händen lagen. Insgesamt ist von einer auf engem Raum sehr heterogenen Herrschaftslandschaft auszugehen.
Im HochMA bildete das Gebiet des Kt. Z. noch keine territoriale Einheit, sondern war Teil der unscharf konturierten hist. Landschaft Zürichgau mit übergeordneten Grafschaftsrechten. Diese wurden im späten 10. Jh. von den Gf. von Nellenburg und nach dem Investiturstreit bis zu ihrem Aussterben 1173 von den Gf. von Lenzburg wahrgenommen. Die gräfl. Hoheitsrechte überlagerten die zersplitterten Herrschafts- und Besitzkomplexe und hielten diese lediglich lose zusammen. Deshalb lassen sich aus den Grafschaftsrechten keine Rückschlüsse auf die tatsächl. Herrschafts- und Besitzverhältnisse vor Ort ziehen, wie das in der älteren Literatur immer wieder versucht wurde. Lenzburger Eigenbesitz auf Zuger Gebiet ist nicht nachweisbar, und lenzburg. Herrschaftsrechte sind nur indirekt in Form von Vogteien über das Zürcher Fraumünster und das Frauenstift Schänis bezeugt. Die Frage, was nach 1173 mit dem umfangreichen lenzburg. Erbe geschah, ist nicht restlos geklärt, darf in ihrer Bedeutung für Z. aber auch nicht überschätzt werden. Bekannt ist, dass die Reichsvogtei über das Fraumünster an die Hzg. von Zähringen und nach deren Aussterben 1218 an die Frh. von Eschenbach-Schnabelburg ging, und dass die Kastvogtei über Schänis zunächst an die Staufer, später an die Gf. von Kyburg gelangte. In Bezug auf die herrschaftl. Verhältnisse in Z. ist einzig sicher, dass die Gf. von Kyburg spätestens nach 1240 im Raum Baar und in der vielleicht von ihnen gegr. Stadt Z. versuchten, Herrschaftsansprüche u.a. gegen die Gf. von Habsburg-Laufenburg sowie die Frh. von Eschenbach-Schnabelburg durchzusetzen. Dass sich die Kyburger dabei auf lenzburg. Erbe berufen und damit gleichsam dynastisch gehandelt hätten, erscheint wenig plausibel. Viel eher ist ihr Vorgehen im Kontext landesherrl. Verdrängungspolitik zu verstehen. Das Engagement der Kyburger beschränkte sich nicht auf den für sie peripher gelegenen Raum Z.-Baar, sondern richtete sich auf das gesamte Gebiet zwischen Reuss und Albis und damit direkt gegen die Frh. von Eschenbach-Schnabelburg. Zweck ihres Handelns dürfte die Schliessung der kyburg. Herrschaftslücke zwischen Zürichsee und Luzerner Seetal gewesen sein. Die herrschaftl. Durchdringung des Raums Z.-Baar gelang den Gf. von Kyburg allerdings nicht. Im Konkurrenzkampf um die landesherrl. Macht scheiterten sie auch hier an den Gf. von Habsburg und Habsburg-Laufenburg.
Autorin/Autor: Thomas Glauser
Nach dem Aussterben der Gf. von Kyburg 1263 bzw. 1264 übernahm Gf. Rudolf IV. von Habsburg einen grossen Teil des mutmassl. Erbes. 1273 soll er nebst zahlreichen kyburg. Städten auch Z. erworben haben, das güter- und herrschaftsrechtlich nicht näher umschrieben wird. Die Einkünfte aus Eigengütern und Vogteirechten im Raum Z.-Ägeri-Menzingen-Baar waren von unterschiedl. Herkunft und Qualität, zudem z.T. verpfändet oder als Lehen weitergegeben. In der Folge wurden sie zum Amt Z. zusammengefügt, einer Verwaltungseinheit der habsburg. Vorlande, die im Habsburg. Urbar 1303-07 als Ganzes fassbar wird. Anhand der auch in Z. erhobenen landesherrl. Steuer lassen sich die innere Beschaffenheit und die territoriale Abgrenzung des Amts Z. ansatzweise rekonstruieren. Die drei Steuerbezirke Z., Ägeri und Baar entsprachen den gleichnamigen, damals erheblich grösseren Pfarreien. Bei der Grosspfarrei Baar wurde zusätzlich zwischen den in Baar ansässigen Kirchgenossen und jenen des Bergs unterschieden. Auf der Grundlage dieser grossen, zweigeteilten Kirchgenossenschaft entstanden die beiden spätestens um 1400 fassbaren Gem. Baar und Berg (heute Menzingen und Neuheim). Am Berg überlagerte die Gem. zwei grosse, aus klösterl. Grundherrschaften hervorgegangene Niedergerichtsbezirke: St. Blasien und Einsiedeln hatten ihre Dinghöfe in Neuheim zu eigentl. Klosterherrschaften mit je einem Gotteshausammann an der Spitze ausgebaut. In Z. und Ägeri beanspruchten die Habsburger die Besitzrechte an zwei ehemaligen grundherrl. Höfen. In Z. führte dies zu einer einheitl., Vogtei und Niedergericht umfassenden Gerichtsherrschaft, die zudem deckungsgleich mit der Pfarrei war. In Ägeri waren zwar Pfarrei und Vogtei kongruent, nicht aber das habsburg. Niedergericht, das sich den Raum mit dem vom Berg her ins Ägerital ausgreifenden Einsiedler Gotteshausgericht teilen musste. Insgesamt spielten aber auch in diesem Teil des Amts Z. die Kirchgenossen als übergeordneter Personenverband die entscheidende Rolle beim Prozess der Gemeindebildung. Dieser konnte nur gelingen, weil die Habsburger den landesherrl. Schutz gewährleisteten und ein für das ganze Amt zuständiges Gericht stellten. In Ermangelung anderer Gremien dürfte der Rat der Stadt Z. unter dem Vorsitz des habsburg. Ammanns mit diesen hochgerichtl. Kompetenzen ausgestattet gewesen sein. Ammann und Rat waren auch für die Herrschaftsleute in den habsburg. Niedergerichten in Z., Ägeri und Baar zuständig. Der Ende des 14. Jh. nachweisbare Beizug von Vertretern aus den Gem. des Äusseren Amts bei nichtstädt. Gerichtsfällen reichte wohl in habsburg. Zeit zurück.
Die ausserhalb des Amts Z. gelegenen Teile des späteren Kantonsgebiets unterstanden, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht der habsburg. Landesherrschaft. Diese herrschaftliche Lücke füllten ab Ende des 13. Jh. hauptsächlich die Herren von Hünenberg, das wichtigste Ministerialengeschlecht der Region. Ihnen gelang durch das Zusammenführen von vogteil. Rechten die Errichtung einer nahezu geschlossenen Gerichtsherrschaft, die um 1350 Steinhausen, Cham, Hünenberg und Risch sowie im Reusstal Gisikon, Oberrüti und Merenschwand umfasste. Die Burgen in Hünenberg und St. Andreas in Cham, zeitweise auch jene in Z., dienten den Hünenbergern als herrschaftl. Verwaltungssitze, ebenso die im Amt Z. gelegene Wildenburg, die sich mit der angrenzenden Gerichtsherrschaft Grüt spätestens ab 1309 in ihrem Besitz befand. Hinter der eigenartig späten, 1360 von Gottfried von Hünenberg initiierten Stadtgründung in St. Andreas standen möglicherweise zürcher. Ambitionen im Raum Cham-Steinhausen. Das Städtchen selbst hatte nicht lange Bestand; es wurde 1385 im Vorfeld des Sempacherkriegs von Luzerner und Zuger Truppen erobert und danach aufgelassen. In Buonas verfügte mit den luzern. Herren von Hertenstein ein weiteres Ministerialengeschlecht über eine burgbewehrte Gerichtsherrschaft.
Durch die Verlagerung der habsburg. Interessen auf ihre östl. Stammlande und durch die polit. Entwicklung in der Region kam Mitte des 14. Jh. Bewegung in die bis zu diesem Zeitpunkt relativ stabilen Herrschaftsverhältnisse im Raum Z. Die krieger. Auseinandersetzung zwischen der Stadt Zürich und den österr. Herzögen führte 1352 unter Führung Zürichs zur Belagerung der Stadt Z. und zum erzwungenen Bündnis (Bundesbriefe), an dem sich neben Zürich und Z. (Stadt und Amt) auch die Innerschweizer Orte beteiligten. Auf die habsburg. Rechte vor Ort hatten die Ereignisse von 1352 keine unmittelbare Auswirkung. Da die Herzöge den landesherrl. Schutz aber nicht mehr gewährleisten konnten, entstand ein Herrschaftsvakuum, das ab den 1360er Jahren der Länderort Schwyz ausfüllte. Schwyz stellte zwischen 1370 und 1404, zunächst mit dem Einverständnis der Herzöge (Thorberger Friede), den Ammann in Z. Das Amt Z. wurde de facto zu einem schwyzer. Protektorat. Gleichwohl siegelte Z. als eidg. Ort 1370 den Pfaffenbrief. Nach dem Siegel- und Bannerhandel 1404 stellten Zürich, Luzern und die Waldstätte in einer bestimmten Kehrordnung den Zuger Ammann. Auf Druck des Äusseren Amts erhielt aber 1410 anstelle des zu erwartenden Unterwaldners ein Zuger das Ammannamt, und dabei blieb es. Ein eidg. Schiedsspruch von 1414 zur Wiedereinführung der Kehrordnung blieb unbeachtet. 1415 erhielt Z. von Kg. Sigismund als Gegenleistung für die Beteiligung am Reichskrieg gegen Hzg. Friedrich IV. die Reichsfreiheit. Damit wurden alle habsburg.-österr. Herrschaftsrechte in Z. aufgehoben.
Mit der Reichsunmittelbarkeit war die Selbstständigkeit von Stadt und Amt Z. gegen aussen geklärt. Im Innern aber tat man sich schwer mit der Übernahme des herrschaftl. Erbes. Sowohl die Stadt als auch die Gem. des Äusseren Amts hatten je für sich schon im ausgehenden 14. Jh. mit dem Erwerb der vielfältigen und grösstenteils verpfändeten Herrschaftsrechte begonnen. So erlangte die Stadt Z. 1387, 1397 und 1406 diverse Zehntrechte, während Ägeri und die Gem. am Berg 1409-10 und 1412 die landesherrl. Steuer kauften. Das Äussere Amt verhinderte dadurch nicht nur, städt. Untertanengebiet zu werden, sondern legitimierte die eigenen Ansprüche auf die landesherrl. Nachfolge. Dies führte einerseits zur Herausbildung neuer, gemeinsamer Gremien (Stadt-und-Amt-Rat, Wochen-, Gross- und Malefizgericht), löste jedoch andererseits ab dem 15. Jh. auch zahlreiche Konflikte aus, die oft nur durch eidg. Vermittlung beigelegt werden konnten.
Um 1500 umfasste der eidg. Ort Z. nicht mehr bloss die Stadt und das Äussere Amt. Nach dem Ausscheiden der habsburg. Landesherrschaft gaben die Herren von Hünenberg ihren Besitz im 14. und frühen 15. Jh. auf. Sukzessive kaufte die Stadt Z. deren Gerichtsherrschaften in Cham, Risch, Steinhausen und Oberrüti. Dazu kamen die bereits 1379 erworbene Vogtei Walchwil und das verburgrechtete, eine Sonderstellung geniessende Hünenberg. Das städt. Territorium inklusive Untertanengebiet machte Ende des 15. Jh. knapp die Hälfte des Standes Z. aus. Dessen Ausdehnung entsprach nun in etwa dem heutigen Kantonsgebiet. Innerhalb der zuger. Territorialherrschaft blieben als fremde Gerichte das Gotteshausgericht Einsiedeln bis 1679 sowie die Gerichtsherrschaft Buonas und das bis ins Dorf Steinhausen reichende zürcher. Hochgericht gar bis 1798 bestehen.
Autorin/Autor: Thomas Glauser
Den verbindlichsten Zusammenhalt erreichten Stadt und Amt Z. auf dem Gebiet der Rechtssetzung. Das geltende Recht wurde 1432 im sog. Stadt-und-Amt-Buch erstmals kodifiziert und 1566 neu gefasst. Die Hochgerichtsbarkeit wurde 1400 von Kg. Wenzel zwar nur der Stadt Z. verliehen; sie scheint aber das Äussere Amt aus freien Stücken einbezogen zu haben. Auch am Wochen- und Grossgericht war das Amt beteiligt, zunächst allerdings nur die ehemals habsburg. Herrschaftsleute.
Hervorgegangen aus der Schwurversammlung des herrschaftl. Vogts, besass die Landsgemeinde anfänglich auch legislative Kompetenz. In der Folge sank sie zu einer reinen Schwur- und Wahlversammlung herab, die im Normalfall einmal jährlich bei und später in der Stadt Z. zusammenkam. Sie wählte den Ammann, den Landschreiber, den Bannerherrn, den Landesfähnrich und die eidg. Landvögte. Alle anderen wichtigen Geschäfte bis hin zum Entscheid über Krieg und Frieden oblagen in einer Art Referendumsdemokratie mit dem in der Eidgenossenschaft einzigartigen Instrument der "zusammengetragenen Gemeindestimmen" den jeweils gleichzeitig stattfindenden Bürgerversammlungen in Z., Ägeri, Menzingen (Berg) und Baar, wobei die Stadt zwei Stimmen, die drei anderen Gem. je eine hatten. Die laufenden Standesgeschäfte besorgte der Stadt-und-Amt-Rat, anfänglich gebildet aus dem städt. Rat und gemeindl. Ad-hoc-Abordnungen. In seiner definitiven Ausformung im 16. Jh. zählte er insgesamt 40 von den einzelnen Gemeindeversammlungen gewählte Mitglieder, 13 aus der Stadt und je neun aus den drei Gemeinden. Die Gemeindevertreter übernahmen sukzessive auch die Rolle eines Gemeinderats. Bis zum Ende des Ancien Régime blieb jedoch sowohl in den Landgemeinden wie auch in der Stadt die Versammlung der vollberechtigten Bürger die oberste Gewalt. Sie kontrollierte den Rat durch ihre Wahlbefugnis, durch weitgehende Antragsrechte und durch die Möglichkeit, die Einberufung einer Gemeindeversammlung zu erzwingen.
Standeshaupt mit Vorsitz in allen gemeinsamen Gremien war der ehemals habsburg. Ammann. Auch diese wichtigste Position mit weitreichendem Einfluss wurde vom Machtkampf zwischen Stadt und Amt tangiert, indem man die freie Auswahl aus allen Wählbaren im 16. Jh. durch eine starre Kehrordnung mit definierter Reihenfolge der vier Gem. ersetzte. Alle Gremien von Stadt und Amt tagten in der Stadt Z., in der auch der Ammann wohnen musste und der Landschreiber seine Kanzlei hatte. Letzterer kam 1605-1848 stets aus dem Äusseren Amt. Da die Stadt für den Markt, für Sust und Zoll, für die Reichsstrassen, die militär. Führung und die eigenen Vogteien allein zuständig war und da Institutionen wie Spital, Sondersiechenhaus, Zeughaus, Kaufhaus, Ankenwaage und Sust nur in der Stadt vorkamen, verfügte sie über eine viel grössere Verwaltung als die Gem. des Äusseren Amts. Im Untertanengebiet stützte sich der nichtresidierende städt. Obervogt auf den einheim. Untervogt und einheim. Richter. Auffällig ist die deutl. Zunahme von amtl. Schriftgut ab dem 17. Jh.
Ein Charakteristikum der Zuger Geschichte bilden die zahlreichen innerört. Konflikte vom 15. bis 18. Jh. In den frühen Händeln wie dem Siegel- und Bannerhandel 1404 kämpfte das Äussere Amt um Gleichberechtigung, z.B. um den Standort von Siegel, Kanzlei und Archiv, um den Tagungsort der Landsgemeinde, um die Bestellung der höheren Ämter und auch darum, wer den Bannerherrn, den Landesfähnrich und den Schreiber stellte. Die Phase der angestrebten Bereinigung von Institutionen und Kompetenzen kulminierte im sog. Libellhandel von 1603-04, in dem beide Seiten sogar die Trennung von Stadt und Amt forderten. Der Schiedsspruch der 15 Magistraten aus sieben eidg. Orten, enthalten im grossformatigen Pergamentheft "Libellus Tugiensis", befasste sich ausführlich mit allen strittigen Punkten: Banner, Landesfahne, Landessiegel, Geschütze und Zeughaus, städt. Schützenhaus, Münzprägung, Abschluss und Besiegelung von Bündnissen, Wahl des Ammanns, des Statthalters und der eidg. Landvögte, Besetzung der Räte und Gerichte, Gesandtschaften zu fremden Mächten und auf die eidg. Tagsatzungen, Gerichtsbarkeit in den zuger. Vogteien sowie marktpolizeil. Sondergerichtsbarkeit der Stadt Z. Die Parteien bezogen sich in der Folge immer wieder auf das Libell als eine Art Grundlagendokument, und der Begriff "libellmässig" wurde im 18. Jh. zu einem festen Bestandteil der zuger. Rechtssprache. Trotz der Betonung der Einheit, indem ganz Z. als "ein corpus und ein loblich ortt der Eydtgnosschafft" bezeichnet wurde, stiess das Libell aber nicht bis zum Kern des Konflikts vor. Schon 1605 flammte der Streit wieder auf, weil die Stadt sich der Wahl eines Angehörigen des Äusseren Amts zum Landschreiber widersetzte. Ein 1608-10 ausgearbeiteter Zusatz zum Libell hielt fest, dass der Ammann, auch wenn er nicht Stadtbürger war, im städt. Rat sitzen durfte. Die häufigen Reibereien und die period. Eruptionen der grossen Konflikte, z.B. des Vogthandels 1700-02 sowie insbesondere des Harten- und Lindenhandels 1728-36 und 1764-68, brachen nicht ab. Soweit sie das Verhältnis zwischen Stadt und Amt berührten, spiegelten sie die Angst, der jeweilige Gegenpart könnte den eigenen Herrschaftsanteil beschneiden, und offenbarten so die Schwachstelle in der Konstruktion des Standes Z.: die dezentral aufgebaute Herrschaft mit dem instabilen, weil ständig umstrittenen Schwerpunkt. Die Macht war nicht in der Landsgemeinde zentriert, sondern auf vier Zentren - die Gemeindeversammlungen in Z., Ägeri, Menzingen und Baar - verteilt. Dazu kamen starke, im Einzelinteresse stehende Sonderrechte wie die rein städt. Herrschaft in den Vogteien oder die ausschliessl. Verfügungsgewalt der Stadt über den Zoll und alles, was mit dem Markt zusammenhing. Diese labile Situation, in der die Glieder wichtiger waren als das Ganze, liess die Frage der Spaltung des Standes Z. gelegentlich wieder aufkommen. 1702, auf dem Höhepunkt des Vogthandels, separierte sich das Äussere Amt von der Stadt und vollzog, wenn auch nur für wenige Monate, die Regimentsteilung. Während des 2. Villmergerkriegs 1712 scheiterte auch der Versuch der Landsgemeinde, in einer Art Staatsstreich sich selbst zum neuen Machtzentrum zu machen.
Die dezentrale Verteilung der Macht zeigte sich auch in den öffentl. Finanzen. Der eidg. Ort Z. hatte keinen eigenen Finanzhaushalt. Defizite wie Überschüsse wurden nach einem festen Schlüssel (ein Drittel Stadt Z., zwei Drittel Äusseres Amt) unter den vier Gem. verteilt, Reserven ausschliesslich auf Gemeindeebene gebildet. Es gab keinen Standesschatz. Dementsprechend flossen die für die Öffentlichkeit bestimmten ausländ. Pensionen nicht in die Standes-, sondern in die Gemeindekassen. Für die öffentl. Haushalte scheinen diese Pensionen unabdingbar gewesen zu sein. Direkte Steuern wurden in Z. keine erhoben. Der Streit um den Anteil der privaten Haushalte an den Pensionen - zusammen mit den Solddiensten und den Salzlieferungen dienten diese der Erhaltung und Steuerung der einheim. patronalen Klientelsysteme - wurde erst 1768 nach dem 2. Harten- und Lindenhandel definitiv gelöst. Fortan galt das Prinzip der gleichmässigen Verteilung.
Eine eigenständige Bündnis- und Aussenpolitik kam für den Stand Z. wegen seiner Kleinheit nicht in Frage. Seine Aufkündigung des Bündnisses mit Frankreich 1733 und die Annäherung an den Kaiser blieben seltene Ausnahmen und wurden auch bald wieder rückgängig gemacht. Innerhalb der Eidgenossenschaft war Z. spätestens ab 1415 ein vollberechtigtes Mitglied, allerdings nie in einer Führungsrolle. Enge Beziehungen bestanden zu den Nachbarorten Zürich als wirtschaftl. Zentrum, Schwyz, das sich noch im 18. Jh. immer wieder in die inneren Angelegenheiten Z.s einzumischen versuchte, und Luzern als kath. Vorort und Sitz der Nuntiatur in nachreformator. Zeit. Die Reformation brachte Z. militärisch in eine schwierige neue Lage. Als Teil der kath. fünf inneren Orte avancierte es gegenüber dem benachbarten Zürich zum konfessionellen Grenzgebiet, das in allen vier innereidg. Religionskriegen als Truppenaufmarschplatz diente. Im 2. Kappelerkrieg von 1531 kam es am Gubel zu Kampfhandlungen. Die Niederlage im 2. Villmergerkrieg 1712 offenbarte die Rückständigkeit des zuger. Wehrwesens. Erst 1757 wurde eine neue, erstmals alle wichtigen Bereiche wie Truppenordnung, Bewaffnung, Uniformierung, Ausbildung und Disziplin reglementierende Militärorganisation geschaffen.
Autorin/Autor: Peter Hoppe
Vor 1700 lebten auf dem Gebiet des Kt. Z. weniger als 10'000 Menschen. Einigermassen verlässl. Zahlen lassen sich aber erst ab Mitte des 18. Jh. ermitteln. Die kirchl. Kommunikantenzählung von 1743 nennt 10'618 Einwohner, 1798 waren es 12'749. Die einzige Erhebung des 17. Jh. aus dem Ägerital bestätigt den Trend eines langsamen Bevölkerungswachstums. 1660 lebten hier etwa 1'350 Personen, 1743 wurden 1'519 gezählt. Einbrüche wie beim letzten grossen Pestzug von 1629, der bis zu einem Drittel der Einwohner dahinraffte, wurden rasch aufgeholt. Bemerkenswert ist die räuml. Verteilung der Bevölkerung: 1798 entfielen rund 20% auf die Stadt Z., 30% auf das städt. Untertanengebiet und 50% auf die drei gleichberechtigten Landgemeinden Ägeri, Menzingen und Baar. Die Stadt mit ihren Vogteien zählte also etwa gleich viele Einwohner wie das Äussere Amt.
Quantitative Aussagen zur Zu- und Abwanderung sind mangels Quellen nicht möglich. Das Familiennamengut zeigt, dass die Reformation den vielleicht letzten grossen Mobilitätsschub vor 1800 auslöste. Ab dem 16. Jh. schlossen sich die vollberechtigten Bürger in Z., im Ägerital, auf dem Menzinger Berg und in Baar mehr und mehr ab, am rigorosesten in Ägeri, wo zwischen 1544 und 1853 kein einziges neues Geschlecht aufgenommen wurde. Offener scheint die Situation in den Vogteien gewesen zu sein.
Die Erstbelege der Ortsnamenforschung zeigen, dass der lange Prozess der Landnahme, Rodung, Besiedlung sowie Urbarisierung im HochMA seine grösste Intensität erreichte und um 1350 ausklang. Die Gründung der Stadt Z. um 1200 markierte siedlungsgeschichtlich eine neue Entwicklungslinie, die 1385 durch die Ausschaltung der kurzlebigen Konkurrenzgründung St. Andreas bei Cham gefestigt wurde. Innerhalb des fertig ausgelegten Siedlungsrasters ereigneten sich in der Folge nur noch wenige Veränderungen. Die Gem. am Berg gab sich mit der Pfarreigründung und dem Kirchenbau 1479-80 erstmals ein Zentrum in Menzingen. Unterägeri, das schon im SpätMA eine eigene Nutzungsgenossenschaft gebildet hatte, trieb die Ablösung von Oberägeri 1714 mit der Gründung einer eigenen Pfarrei voran und erreichte 1798 die polit. Unabhängigkeit. Eigentümlich verlief die Entwicklung von Neuheim, das zur frühesten alemann. Siedlungsschicht des 6. und 7. Jh. gehörte und später eine winzige Pfarrei bildete. Politisch ging es in der Gem. am Berg (später Menzingen) auf und konnte sich erst 1848 wieder verselbstständigen.
Augenfälliges Merkmal der Siedlungsstruktur war ihre Kleinteiligkeit. 1468 umfasste die Gem. am Berg 18 Hof- und Weilersiedlungen ohne eigentl. Mittelpunkt. Cham bestand noch im 18. Jh. aus neun räumlich getrennten und als Gem. bezeichneten Nachbarschaften. Die Stadt Z. bildete demgegenüber nicht nur die bei Weitem grösste Siedlung, sie stach auch durch ihre Befestigung, die geschlossene Bauweise und die vielen Steinhäuser hervor.
1591-92 und in den 1630er Jahren wurde das Lorzenbett bei Cham in einem für den nördl. Alpenraum pionierhaften Unterfangen künstlich tiefer gelegt. Dadurch wurde der mittlere Wasserstand des Zugersees massiv abgesenkt.
Autorin/Autor: Peter Hoppe
Die geogr. Lage zwischen den beiden Städten Zürich und Luzern prägte Z. Die enge wirtschaftl. Beziehung zu Zürich, die sich in ähnl. Massen und Gewichten und im Postwesen spiegelte, wurde durch die konfessionelle Spaltung wenig beeinträchtigt. Die Landstrassen von Horgen am Zürichsee über den Hirzel und die Sihlbrücke an den Zugersee sowie von Zürich über Knonau und Hünenberg nach Luzern reichen ins MA zurück. Stellte Luzern für den Zugang vom Mittelland her das Hauptportal zur Innerschweiz dar, bildete Z. mit seiner guten Verkehrsanbindung und dem Wasserweg über den Zugersee die zweite Pforte. Der 1640 gegen luzern. Widerstand durchgesetzte Bau der Reussbrücke bei Sins (AG), der einen älteren Fährbetrieb ablöste, verknüpfte die Freien Ämter noch stärker mit dem Wirtschaftsraum Z. Die Stadt Z. entwickelte sich zu einem regionalen Marktzentrum mit Ausstrahlung nach Schwyz, in die zürcher. Nachbarschaft und über die Reuss hinweg in die gemeinen Herrschaften des Aargaus. Pfeiler dieser Entwicklung waren der Wochenmarkt, mehrere Jahrmärkte und die Messe im Spätherbst, aber auch städt. Einrichtungen wie das Kaufhaus für den Handel mit Feldfrüchten, das Ankenhaus für den Butter- und Käsehandel sowie die Sust am See, dem wichtigen Güterumschlagplatz für den Transithandel. In ihrem Einflussbereich versuchte die Stadt, den Warenhandel strikt zu zentralisieren. Sie verbot das Hausieren und die Untertanen waren eidlich verpflichtet, ihre Überschüsse in Z. auf dem öffentl. Markt zu verkaufen. Die Einwohner des Äusseren Amts dürften das Marktangebot der Stadt ebenfalls genutzt haben. Wie weit sie selbst als Anbieter auftraten, ist kaum erforscht. Allgemein scheint das Äussere Amt wirtschafts- und versorgungspolitisch den Dingen eher ihren Lauf gelassen zu haben als die dirigistisch auftretende Stadt. Hausierer z.B. waren im Äusseren Amt geduldet.
Der Markt trug dazu bei, dass in der Stadt Z. ein breites Spektrum spezialisierter Handwerks- und Gewerbebetriebe entstand. Die ältesten Zünfte reichten in die Zeit um 1400 zurück. Auffällig viele Kunsthandwerker erlangten überregionale Bedeutung, so Goldschmiede, Maler, Glasmaler, Uhrmacher und Buchdrucker. Die Orgelbauerfamilie Bossard, die Aufträge bis in den süddt. Raum und ins ref. Bern ausführte, hatte ihr Domizil jedoch in Baar - ein Hinweis darauf, dass das Handwerk sich zwar in der Stadt konzentrierte, aber auch in den Landgemeinden und im städt. Untertanengebiet ausgeübt wurde. Typisch für dieses verteilte Angebot war auch der immer wieder geschützte Grundsatz, dass die Stadtbürger auswärtigen Handwerkern Aufträge erteilen durften - städt. Zünfte hin oder her.
Die v.a. für die Stadt Z. wichtige Fischerei wie auch die Nutzung der Wälder dienten primär dem einheim. Bedarf. Holz wurde auch aus Schwyz importiert. Neben den über das ganze Land verteilten Mühlen, Reiben, Walken, Stampfen und Sägereien kam es v.a. entlang der Lorze zu einer gewissen Konzentration von gewerbl. Nutzungen, so in Baar am Mühlebach, einem vermutlich im 13. Jh. künstlich von der Lorze abgezweigten Kanal, sowie in Z. und Cham. Papiermühlen siedelten sich in Baar und Cham, Ziegelhütten in Z. und Baar an. Eine erste Hammerschmiede in Cham, ausgestattet mit einem Monopol für die Sensenfabrikation, ging 1635 von ref. St. Galler Kaufleuten aus, scheiterte aber nach kurzer Zeit. 1690 wurde wiederum in Cham ein Kupferhammerwerk gegründet. Die im Berggebiet und in Baar verbreitete Heimarbeit - im 17. Jh. die Wollverarbeitung, im 18. Jh. die Baumwoll- und Seidenspinnerei - erfolgte im Auftrag von ref. Zürcher Textilunternehmern. Erst 1756 wurde in Z. mit der Seidenhandelsfirma Kolin ein einheim. Unternehmen gegründet. Der lukrative Salzhandel hingegen war wegen der vollständigen Abhängigkeit vom Ausland polit. Einflüssen ausgesetzt.
In Bezug auf die landwirtschaftl. Nutzungsformen verlief die Agrarzonengrenze quer durch das zuger. Territorium: Im Berggebiet dominierten die ab dem 15. Jh. zunehmend exportorientierte Viehzucht und die Herstellung von Milchprodukten, während im Talgebiet sowie im Ennetsee vorwiegend Acker- und Obstbau sowie etwas Rebbau betrieben wurden. Z. partizipierte z.T. privilegiert am Welschlandhandel, dem herbstl. Viehtrieb über den Gotthard auf die Tessiner und oberital. Märkte. Die im 18. Jh. vermehrt aufkommenden Sennereien unterstrichen den Stellenwert der Butter- und Käseproduktion. Der Obstbau rund um den Zugersee und v.a. in der Baarer Ebene wurde von Reisenden des 18. Jh. als bedeutend beschrieben. Trotz des obrigkeitl. Kampfs gegen die Branntweinherstellung gab es um 1800 in Cham und Hünenberg auf 260 Haushalte neben 160 Mosttrotten rund 300 Brennhäfen. Der Ackerbau stagnierte, war wenig produktiv und wurde durch starres Festhalten an den Abgaben- und Zehntrechten eingeengt. In den Talgemeinden scheint die Dreizelgenwirtschaft die übliche Produktionsform gewesen zu sein. Die restriktive, auf die Sicherung der Kornversorgung ausgerichtete Politik der Stadt Z. behinderte in ihrem Untertanengebiet eine umfassendere Umstellung auf Gras- und Milchwirtschaft. Erste Allmendaufteilungen zu Privatbesitz erfolgten in der 2. Hälfte des 18. Jh. In die gleiche Zeit fällt die stärkere Ausbreitung des Kartoffelanbaus.
Über die ökonom. Bedeutung der fremden Solddienste für Z. fehlen vertiefte Studien. Kontrolliert wurden das kapitalintensive, organisatorisch anspruchsvolle Soldunternehmertum und die Besetzung der Offiziersstellen von der polit. Führungsschicht, v.a. von Fam. aus der Stadt Z. sowie einzelnen Geschlechtern aus dem Äusseren Amt. Auch Untersuchungen zum einheim. Geld- und Kapitalmarkt und zum generellen Grad der Verschuldung stehen noch aus. Als Kreditgeber traten wie andernorts Private, die öffentl. Haushalte und geistl. Institutionen auf. Auffällig ist die Tendenz zur Verengung des Finanzplatzes: 1719 durften Neuhypotheken nur noch auf dem kleinen Heimmarkt aufgenommen werden. Sein Münzregal nutzte der Stand Z. nur sporadisch. Die intensivste Zeit zuger. Münzprägungen dauerte 1564-1624. Kaspar Weissenbach, Münzmeister spätestens ab 1609, brachte es dabei zu grossem Reichtum.
Autorin/Autor: Peter Hoppe
Die hochma. Gesellschaft lässt sich aufgrund der Quellenlage nur an ihren obersten Rändern und auch da nur schemenhaft skizzieren. Zur dünnen ortsansässigen Oberschicht zählten im 12. und 13. Jh. einerseits einige wenige hochfreie und ritteradlige Geschlechter, so die Frh. von Notikon und die Herren von Buonas, von Hünenberg sowie von Hertenstein, und andererseits die hohen Amtsträger der klösterl. und adligen Grundherrschaften. Weder den Gf. von Kyburg noch den Gf. von Habsburg und späteren Hzg. von Österreich gelang der Aufbau einer lokal ansässigen landesherrl. Gefolgschaft. So stammten die habsburg. Ammänner des 13. und 14. Jh. von ganz unterschiedl. Orten. Auch die Herren von Hünenberg verdankten ihre überragende Stellung in der Region nicht dem landesherrl. Dienst, sondern dem geschickten Aufbau eigener landesherrl. Strukturen.
Um 1300 war der kaum nennenswerte Hochadel verschwunden, um 1400 auch der Ministerialadel. Deren Vertreter gingen in der lokalen bäuerl. Oberschicht auf oder wanderten in Städte der näheren und weiteren Umgebung ab. Die häufig verpfändeten Herrschaftsrechte wurden von den Gemeinwesen oder von Exponenten der städt. wie auch der ländl. Führungsgruppen erworben. Diese Gruppen zeichneten sich nicht nur durch wirtschaftl. Potenz, sondern vielfach auch durch Herrschaftsnähe aus. Herrschaftswandel und Gemeindebildung führten in Z. dazu, dass die Talleute von Ägeri, die Bergleute von Menzingen und Neuheim sowie die Dorfleute von Baar den Stadtbürgern von Z. rechtlich gleichgestellt waren. Alle Männer dieser Personenverbände waren regimentsfähig. Vom Gemeindebürgerrecht zu unterscheiden war das Recht zur Allmendnutzung. Je nach Siedlungsstruktur gab es - wie etwa in Menzingen - überhaupt keine, nur eine oder aber mehrere dörfl. Nutzungsgenossenschaften, die sich häufig aus den älteren, herrschaftlich definierten Hofgenossenschaften herausgebildet hatten: in der Vogtei Cham z.B. waren es acht, in Baar fünf, in Ägeri zwei. Sie spielten im Gemeindebildungsprozess neben den Kirchgenossenschaften eine wichtige Rolle.
Die Untertanen in den städt. Vogteien hatten auf Regimentsebene nichts zu sagen, waren aber in ihren Gemeinden heimatberechtigt. Ähnliches galt für die städt. Bei- oder Hintersassen. 1688 zählte diese Gruppe, die z.B. in pfarreil. Angelegenheiten stimmberechtigt war, 74 männl. Personen, umfasste also rund zehnmal weniger Personen als die Bürgerschaft. Die Beisassen im Äusseren Amt besassen deutlich weniger Rechte. In Baar mussten sie sich 1689 ausdrücklich bereit erklären, die Gem. auf Befehl sofort zu verlassen. Im Ägerital wurden sie im 18. Jh. mehrmals weggewiesen. In Bezug auf den Aufenthalt völlig rechtlos waren die eingeheirateten oder als Arbeitskräfte geduldeten Fremden. Sie konnten wie die Fahrenden und die Bettler jederzeit vertrieben werden. Die verheirateten Frauen folgten innerhalb dieser Hierarchien dem jeweiligen Recht ihres Ehemanns.
Der Verlust des Heimatrechts und damit das Absinken in die Heimatlosigkeit waren existenzbedrohend. Auf allen Stufen schloss sich der Neuzugang zur Heimatberechtigung wie zur Allmendnutzung immer mehr, am rigorosesten schon im 16. Jh. in der Stadt Z. und in den Gem. des Äusseren Amts. Die Angst vor Armut schränkte auch die Heiratskreise ein. Auswärtige Frauen mussten ein nachgewiesenes Mindestvermögen in die Ehe einbringen; 1726 betrug dieses z.B. in der Stadt Z. 400 Gulden, und zwar selbst dann, wenn die Frau aus einer Gem. des Äusseren Amts stammte.
Quantitative Angaben zur Verteilung von Armut und Reichtum sowie zur entsprechenden Schichtung der örtl., zahlenmässig kleinen Gesellschaften fehlen. Gerade mit Blick auf diese Kleinheit klaffte die Schere zwischen den Bettelarmen und den reichen Spitzen der Führungsschicht mit Vermögen von mehreren Zehntausend Gulden weit auseinander. Die allg. Tendenz zur Aristokratisierung prägte auch in Z. den Lebensstil der führenden Fam., liess aber kein abgehobenes Patriziat entstehen.
Zeitgenöss. Erhebungen zur Vorratshaltung in den städt. Untertanengebieten zeigen, dass in der Hungerkrise von 1770-71 etwa die Hälfte der Bevölkerung der armen Unterschicht zuzurechnen ist. In diesen Armutszusammenhang gehört der immer wieder verlesene sog. Obstbrief, der jegl. Mundraub von Obstbäumen, Weinreben und aus Krautgärten verbot und die allfällige Selbstjustiz des Besitzers von vornherein der Strafverfolgung entzog. Die Armen, soweit sie nicht dem Bettel nachgingen, bedurften der Unterstützung durch Almosen (z.B. an Jahrzeiten, grossen Kirchenfesten), durch obrigkeitl. Zuteilung von Lebensmitteln und kleinen Geldbeträgen und v.a. durch die Spendeneinrichtungen: Die wiederum obrigkeitlich zugelassenen Bezugsberechtigten mussten ihre wöchentl. Brotrationen persönlich in der Kirche abholen. Armengenössige waren wie Konkursite und Spitalpfründner von der polit. Mitwirkung und von den Nutzungsrechten ausgeschlossen.
Den gesellschaftl. Zusammenhalt stärkten vereinsähnl. Organisationen wie die berufsständ. Zünfte, die kirchl. Bruderschaften, die Nachbarschaften auf subkommunaler Ebene und nicht zuletzt die Schützengesellschaften, deren Rollenmix von Wettkampf, Wehrertüchtigung und Geselligkeit sich in eigenen Schützenhäusern manifestierte. In der Krankenversorgung bestand zwischen Stadt und Land ein erhebl. Gefälle. Beide verfügten über Scherer, Hebammen und ein breites volksmedizin. Wissen, aber nur die Stadt hatte ein akadem. Stadtärztekollegium, ein Siechenhaus für die Aussätzigen und ein Spital. Letzteres diente allerdings auch fürsorger. Zwecken und beherbergte als Versorgungsanstalt Verpfründete, die sich eingekauft hatten. Im 18. Jh. schickte die Stadt Z. ihre Hebammen zur Ausbildung nach Zürich.
Autorin/Autor: Thomas Glauser, Peter Hoppe
Kirchlich unterstand Z. bis 1815 dem Bistum Konstanz und in diesem dem Archidiakonat Aargau (später schweiz. Quart). Das Dekanat, zu dem die Zuger Pfarreien mit Ausnahme von Risch gehörten, reichte ursprünglich auf der aarg. Seite bis Bremgarten und im Zürcher Gebiet bis zum Uetliberg. Das nachreformator. Dekanat Cham-Bremgarten wurde 1721-22 aufgeteilt, so dass die Zuger Pfarreien nun ein eigenes Landkapitel bildeten. Die vier grossen Pfarrsprengel Z., Ägeri, Baar und Cham reichten in die erste Entstehungszeit der Pfarreien um 1200 zurück, ebenso Risch sowie die Kleinpfarreien Neuheim und Niederwil. Von Baar wurden 1479 Menzingen und 1611 Steinhausen abgetrennt, von Ägeri 1714 Unterägeri. Das nach Z. pfarrgenössige Walchwil erhielt 1497 das Tauf- und Begräbnisrecht und wurde erst 1804 auch de iure zur selbstständigen Pfarrei. Bereits 1514 erfolgte die Inkorporation von Niederwil in die Pfarrei Cham. Nach dem im 13. Jh. gegr. Zisterzienserinnenkloster Frauenthal bei Cham entstanden im 14. Jh. diverse Beginen- und Begardenhäuser, darunter die Gemeinschaft bei St. Michael in Z. Die dortigen Begarden verschwanden im 15. Jh. wieder, während die Beginen Ende des 15. Jh. zu Franziskaner-Terziarinnen wurden.
Unter den frühen Welt- und Ordensgeistlichen ragt der Zuger Stadtpfarrer und Magister Johannes Eberhard heraus. Um 1520 neigte innerhalb der zuger. Geistlichkeit eine kleine Gruppe von Humanisten der neuen Glaubenslehre zu und stand mit Huldrych Zwingli in Kontakt. 1526 beschlossen die Stadt und die drei Gem. des Äusseren Amts, beim alten Glauben zu bleiben und sich nicht von der kath. Innerschweiz abzusondern. Nach dem 2. Kappelerkrieg 1531 war Z. definitiv kath. Grenzland. Die fünf inneren Orte stimmten den Reformbeschlüssen des Konzils von Trient 1563 ausdrücklich zu. Hand in Hand mit der kath. Erneuerung von Klerus, Klöstern, Glaubensverkündigung, Liturgie und Sakramentenspendung ging die Straffung der Zügel im Kirchenregiment und in der kirchl. Administration. Konflikte mit staatskirchl. Sonderrechten, wie sie sich Z. in der Pfründenbesetzung, Kirchengutverwaltung und in der Gerichtsbarkeit über Geistliche angeeignet hatte, waren unausweichlich. Nach Luzern (1605) erhielt auch Z. Anfang der 1670er Jahre einen bischöfl. Kommissar, der einen Teil der geistl. Gerichtsfälle statt im fernen Konstanz direkt in Z. erledigte. Der Reformorden der Kapuziner kam 1595 nach Z. Die Franziskaner-Terziarinnen bei St. Michael in Z. wurden um 1600 mit kirchl. und weltl. Druck dem Einfluss der Luzerner Franziskaner entzogen und 1611-12 zu Kapuziner-Terziarinnen reformiert. Das Zisterzienserinnenkloster Frauenthal, 1528 geschlossen und 1552 auf Initiative des Zuger Stadtrats wieder eröffnet, gelangte im 17. Jh. zu neuer Blüte, nachdem 1602 im Vertrag von Jonen der Einfluss der Stadt Zug zurückgedrängt worden war. Eine der augenfälligsten Veränderungen im Auftritt der Weltgeistlichen war die Durchsetzung des Zölibats, die im Bereich der Stadt Z. rascher erfolgte als im Äusseren Amt. Im Vergleich zu Luzern hinkte Z. aber deutlich hinterher. Priester, die offen im Konkubinat lebten und eigene Kinder hatten, waren um 1580 noch gang und gäbe.
Kath. Frömmigkeitsformen prägten den öffentl. Raum mit dominierenden Kirchengebäuden, Kapellen, Bildstöcken und Wegkreuzen. Öffentl. und privater Stifterwille machte die Kirchen zu Schatzhäusern. In Wallfahrten, Prozessionen und Bittgängen wurde der Glaube ins Land hinausgetragen. Die jährl. Landeswallfahrt zum Kloster Einsiedeln wird schon 1426 erwähnt. In der Stadt Z. fuhr die prunkvolle, von Kanonenschüssen begleitete Fronleichnamsprozession mit Monstranz und Heiligenbildern sogar auf den See hinaus. Das grösste Fest in Z. war der Tag des Stadtpatrons, des hl. Oswald (5. August), der mit Salutschüssen, Prozession, vier Gottesdiensten, Festpredigt, Gratis-Hirsebrei und Almosenverteilung an Arme sowie fremde Bettler so glanzvoll gefeiert wurde, dass auch viele Auswärtige nach Z. kamen. Die Reliquienverehrung erlebte besonders entlang der Konfessionsgrenze zu Zürich mit der feierl. Übertragung von hl. Märtyrerleibern aus den röm. Katakomben eine neue Blüte. Länger als in den übrigen Orten der Innerschweiz hielten in Z. die Hexenverfolgungen an. Der letzte Prozess, der acht Frauen das Leben kostete, fand 1737-38 statt.
Das Schulwesen wurde primär von Geistlichen betreut. Im 18. Jh. existierten überall, auch in kleinen Ortsteilen, Elementarschulen von allerdings ganz unterschiedl. Qualität. Neben diversen Lateinschulen entstanden im 17. Jh. in der Stadt Z. und im 18. Jh. in Baar durch Pfrundstiftungen kleine Gymnasien. Weitere Ausbildungswege führten an das Luzerner Jesuitenkollegium, nach Mailand, wo am Collegium Helveticum im Zuge der kath. Reform Freiplätze für Innerschweizer geschaffen worden waren, an andere ausländ. Schulen und Universitäten oder über Offizierslaufbahnen in fremden Diensten. Eine gewisse Weltläufigkeit brachten auch die wandernden Handwerksgesellen nach Hause.
Oberstleutnant Franz Fidel Landtwing schuf in der 2. Hälfte des 18. Jh. hervorragende Karten von grossen Teilen des Kt. Z. Die 1758 vom Stadtpfarrer initiierte Stiftung einer öffentl. Stadtbibliothek scheiterte am mangelnden Interesse. Die Bibliothek der Fam. Zurlauben wurde ans Kloster St. Blasien verkauft, 1799 aber von der helvet. Regierung beschlagnahmt und später nach Aarau gebracht. Musik und Theater waren fest in kirchl. Hand, auch wenn der bedeutendste barocke Lyriker und Dramatiker der kath. Schweiz, der Zuger Johann Caspar Weissenbach, kein Geistlicher war. Die Aufklärer Karl Kaspar Kolin und Beat Fidel Zurlauben, je die Letzten ihres Geschlechts, gehörten der Helvet. Gesellschaft an. Zurlauben war Historiker und Kolin gab 1786 ein erstes Neujahrsblatt heraus, worin er der zuger. Jugend die Taten der Vorväter näher bringen wollte.
Autorin/Autor: Peter Hoppe
Der Franzoseneinfall und die Helvet. Revolution setzten dem Ancien Régime ein Ende. Die Stadt Z. gab am 11.2.1798 notgedrungen ihre Vogteien frei. Am 17. April gliederte eine tumultuöse Landsgemeinde die oberen Freien Ämter auf deren Wunsch dem Kanton an, lehnte aber die neue helvet. Verfassung ab, die auch noch die unteren Freien Ämter sowie die Grafschaft Baden dazugeschlagen hätte. Der Widerstand gegen die Franzosen brach nach dem Gefecht bei Hägglingen am 26. April zusammen. Die Stadt Z. kapitulierte drei Tage später kampflos. In der Folge wurde der ganze Kanton besetzt und von den franz. Truppen geplündert. Am 2. Mai wurde Z. mit der Urschweiz zum neu geschaffenen Kt. Waldstätten zusammengefasst. Darin bildete Z. einen Distrikt. Nach dem sog. Hirthemmliaufstand vom April 1799, der neben den Distrikten Uri und Schwyz auch das Zuger Berggebiet erfasst hatte, wurde die loyal gebliebene Stadt Z. neuer Kantonshauptort. Die 1801 nach der Auflösung des Kt. Waldstätten erarbeitete Kantonsverfassung trat wie jene von 1802 nie in Kraft. Im Herbst 1802 schloss sich Z. erneut dem antihelvet. Aufstand an.
Die knappe, durch die Kantonsorganisation vom 11.4.1803 präzisierte Mediationsverfassung stellte die vorrevolutionären Behörden zu einem Grossteil wieder her. Neu erhielt die Landsgemeinde legislative Rechte. Wegen der nun gleichberechtigten Gem. Cham, Hünenberg, Steinhausen, Risch und Walchwil zählte der wiederum als Regierung, Gericht und Gesetzgeber wirkende Stadt-und-Amt-Rat (ab 1814 Kantonsrat) jetzt 54 Mitglieder. Nach der Aufhebung der Mediationsverfassung 1813 schloss sich Z. zwar dem restaurativen Lager an, doch wurde die Gleichberechtigung der ehem. Vogteien nicht mehr in Frage gestellt. Die Kantonsverfassung von 1814 orientierte sich an den Zuständen der Mediationszeit. Neu bestand als Parlament der sog. dreifache Landrat, wobei jedem Kantonsrat zwei weitere, ebenfalls von den Gemeindebürgern gewählte Mitglieder beigesetzt wurden. Damit war in Z. etwa jeder 25. Stimmbürger Landrat.
Zu den polit. Hauptthemen in der 1. Hälfte des 19. Jh. zählten die Stellung des Kantons gegenüber der starken Gemeindeautonomie sowie das Zusammenwachsen von Stadt, Äusserem Amt und ehem. Vogteien. Diesen Problemen widmeten sich das Niederlassungsgesetz von 1805 und das Bürgerrechtsgesetz von 1813. Mit der 1804 geschaffenen Kantonspolizei und der 1813 ins Leben gerufenen Gebäudeversicherung entstanden zwei den ganzen Kanton erfassende Institutionen. Umgekehrt traten im sog. Geldhandel 1821-23, d.h. bei der Verteilung der Entschädigung, die der Wiener Kongress für entgangene Gebietsansprüche festgelegt hatte, die Spannungen zwischen alten und neuen Gem. deutlich hervor. Für kurze Zeit trat Menzingen gar aus dem Kantonsverband aus. Der Kurs einer zögerl. Modernisierung wurde auch nach dem Anschluss Z.s an die Gruppe der konservativen Kantone in den 1830er Jahren beibehalten. Obwohl die Liberalen in der Stadt Z. und in Unterägeri, der ersten industrialisierten Gem. in Z., eine starke Position errungen hatten, blieben sie gegenüber den in den bäuerlich geprägten Gem. dominanten Konservativen in der Minderheit. 1845 trat Z. dem Sonderbund bei, vertrat darin aber eine defensive Haltung. Im Sonderbundskrieg kapitulierte Z. am 22.11.1847 kampflos, worauf am 5. Dezember eine liberale Volksversammlung die konservative Regierung stürzte. Die neue Verfassung vom 16.1.1848 setzte viele liberale Postulate um. Die Landsgemeinde wurde ohne grosse Diskussionen abgeschafft, ebenso die Einteilung des Kantons in ein Inneres und ein Äusseres Amt. Ferner trennte sich Neuheim von Menzingen und wurde eine selbstständige Gemeinde. Der 67-köpfige Grossrat (seit 1873 Kantonsrat) wählte aus seinen Reihen elf Regierungsräte. Die in Z., Oberägeri, Unterägeri, Hünenberg und Walchwil noch mit den politischen Gem. verbundenen Korporationen wurden verselbstständigt.
Nach ihrem Wahlsieg 1848 starteten die Liberalen ein Reformprogramm: Sie modernisierten die Staatsgewalten und das Finanzwesen und schufen 1849 das erste kant. Schulgesetz. Doch bereits 1850 gelangten die vom Sonderbundsführer Franz Joseph Hegglin dominierten Konservativen wieder an die Macht. Sie revidierten die liberalen Gesetze und setzten 1851 ein Gemeinderecht durch, das an der starken Gemeindeautonomie festhielt und die Rechte der Niedergelassenen missachtete. Das Verhältnis zum Bund war belastet, was sich auch 1852 bei der 500-Jahr-Feier zum Bundesbeitritt von Z. zeigte. Zur Entkrampfung trugen das eidg. Offiziersfest von 1868 und das eidg. Schützenfest von 1869 in Z. bei.
Erst der Niedergang des sog. Hegglianismus, der Aufstieg einer jüngeren Generation gemässigter Konservativer und das Wiedererstarken der Liberalen Ende der 1850er Jahre schufen die Voraussetzungen für eine Annäherung der beiden Parteien und ermöglichten 1861 die Umsetzung grosser Vorhaben wie die Gründung der Kantonsschule und die Modernisierung des Privatrechts.
Die Phase der Zusammenarbeit der Gemässigten endete 1869 nach dem Verbot einer Jesuitenmission in Baar. 1870 errangen die Konservativen die Mehrheit in Regierung und Parlament, die sie während über 100 Jahren verteidigen sollten. Vor dem Hintergrund des Kulturkampfs, der Revisionen der Bundesverfassung und heftiger Parteikonflikte zogen sich die v.a. wegen der Frage der Niedergelassenen und der Erweiterung der Volksrechte nötigen Anpassungen der Kantonsverfassung über Jahre dahin. Die Revisionen von 1873, 1876 und 1881 brachten die Einführung von Initiative und Referendum, die Volkswahl der auf sieben Mitglieder verkleinerten Regierung und eine neue Gemeindeorganisation. Letztere trennte 1874 die bisherige politische Gem. in eine Einwohnergemeinde, in der nun auch die Niedergelassenen aus anderen Kantonen stimmberechtigt waren, in eine v.a. im Sozialwesen tätige Bürgergemeinde und in eine kath. Kirchgemeinde. Für die wachsende ref. Bevölkerung war schon 1863 eine den ganzen Kanton umfassende Prot. Kirchgemeinde geschaffen worden. Da der ultramontane Flügel der Konservativen an Einfluss verlor, kam 1894 eine kaum umstrittene Verfassungsrevision zustande, welche die Proporzwahl für den Kantonsrat, die Exekutiven und die Gerichte einführte. Den Vorschlag hatte die konservative Seite eingebracht, die auch mit diesem Wahlsystem ihre Dominanz wahrte. Lange umstritten war die ab den frühen 1990er Jahren v.a. von den Mitteparteien angestrebte Rückkehr zum Majorz. 2001 wurde für die Gerichte, 2013 auch für die Exekutiven wieder die Majorzwahl eingeführt. Die Verfassung vom 31.1.1894 ist mit einigen weiteren Änderungen (u.a. 1976 Einführung des Verwaltungsgerichts, 1990 vollständige Trennung der Gewalten) nach wie vor in Kraft.
Die Kämpfe der 1870er Jahre verliehen den polit. Lagern deutlichere Konturen. In mehreren Gem. entstanden konservative Parteivereine. 1885 wurde eine kant. Conservative Partei gegründet, die sich ab 1910 Conservative Volks- und Arbeiterpartei nannte und ab 1923 eine christlichsoziale Gruppe umfasste. Eine frühe liberale Organisation war die 1837 in der Stadt Z. gegr. Mittwochgesellschaft. 1870 wurde ein kant. liberaler Verein ins Leben gerufen und 1873 bildeten sich in mehreren Gem. Sektionen des im gleichen Jahr geschaffenen Schweiz. Volksvereins. Die Zuger Liberalen schlossen sich 1894 der Freisinnig-Demokrat. Partei (FDP) der Schweiz an, der neu aufgebauten Dachorganisation der Kantonalparteien. Die Sozialdemokrat. Partei (SP) hatte ihre Anfänge in den ab 1858 fassbaren Grütlivereinen. Deren 1889 gegr. Kantonalverband trat ab 1894 als Arbeiterpartei auf und integrierte sich 1902 als kant. Sektion in die SP Schweiz.
Dank der 1894 eingeführten Proporzwahl beruhigten sich die Parteienkonflikte. Trotz besserer Wahlchancen der FDP und SP, die ihre Basis in den Industriegemeinden hatten, war bis in die 1970er Jahre die Dominanz der Konservativen kaum je gefährdet. Ab 1886 stellten sie fünf, ab 1900 vier der sieben Regierungsräte, zudem bis 1970 beide Ständeräte. Die FDP besetzte ab 1886 zwei und ab 1900 drei Regierungsratssitze. 1918 verlor sie einen ihrer Sitze an die SP, die sich lange mit der weniger wichtigen Direktion für Fischerei und Forst begnügen musste. Das aus einer beherrschenden, einer mittelgrossen und einer kleinen Partei bestehende Gefüge blieb bis Mitte des 20. Jh. stabil. Die Frontistenbewegung kam 1934 nicht über Ansätze hinaus und bildete eine kurze Episode. 1951 gewann der Landesring der Unabhängigen einen ersten Sitz im Kantonsrat. Erst 1982 verloren die Konservativen, deren Partei mittlerweile Christlichdemokrat. Volkspartei (CVP) hiess, die absolute Mehrheit in Regierung und Parlament. In mehreren Gem. formierten sich in den 1980er Jahren links-grüne Gruppen, die 1999 die SP als stärkste linke Kraft ablösten. In den 1990er Jahren begann der Aufstieg der Schweiz. Volkspartei (SVP): 1999 errang sie einen ersten, 2010 einen zweiten Sitz im Regierungsrat. Als Folge davon existierten zu Beginn des 21. Jh. mit der SVP, den beiden alten bürgerl. Mitteparteien CVP und FDP sowie der Linken (SP und Alternative) vier etwa gleich starke Blöcke. Nachdem das Bundesgericht 2010 auf Klage von linker Seite das bisherige Wahlverfahren als verfassungswidrig befunden hatte, wurde 2013 das doppeltproportionale Zuteilungsverfahren ("doppelter Pukelsheim") eingeführt, das die Wahlchancen der kleinen Parteien vergrössert.
Unter den ehem. Sonderbundsständen war Z. der am meisten industrialisierte Kanton mit der grössten nicht-kath. Minderheit. Dennoch blieb es bis über die Mitte des 20. Jh. hinaus Teil der kath.-konservativen Stammlande. Die engen institutionellen Beziehungen zur Zentralschweiz, z.B. durch die Zentralschweizer Regierungskonferenz, wurden auch danach beibehalten, doch traten die Bindungen zum wirtschaftlich mächtigen Nachbarn Zürich immer mehr in den Vordergrund. Davon zeugt z.B. der Beitritt des Kantons und aller Gem. zum Verein Metropolitanraum Zürich 2009. Bundespolitisch rückte der Kanton in der 2. Hälfte des 20. Jh. von einer pointiert konservativen Haltung in die Mitte. Seine Abstimmungsresultate decken sich häufig mit dem Gesamtergebnis. Im 20. Jh. stellte Z. mit Philipp Etter (kath.-konservativ) und Hans Hürlimann (CVP) zwei Bundesräte.
|1919||1939||1959||1967||1971||1979||1983||1991||1995||1999||2003||2007||2011||2015|
|Ständerat|
|CVP||2||2||2||2||1||1||1||1||1||1||1||1||1||1|
|FDP||1||1||1||1||1||1||1||1||1||1|
|Nationalrat|
|CVP||1||1||1||1||1||1||1||1||1||1||1||1||1|
|FDP||1||1||1||1||1||1||1||1||1||1||1||1|
|SP||1|
|SGA/Grüne||1||1|
|SVP||1||1||1||1||1|
|Total3 Sitze||1||2||2||2||2||2||2||2||3||3||3||3||3||3|
|1919||1927||1939||1959||1979||1983||1987||1991||1995||1999||2003||2007||2011||2015|
|CVP||4||4||4||4||4||3||3||3||3||2||2||2||2||2|
|FDP||2||2||2||2||2||3||3||2||2||2||2||2||2||2|
|SP||1||1||1||1||1||1||1||1||1||1||1|
|SGA/Grüne||1||1||1||1||2||1||1|
|SVP||1||1||1||2||2|
|Total7 Sitze||7||7||7||7||7||7||7||7||7||7||7||7||7||7|
|1918||1938||1950||1974||1978||1982||1986||1990||1994||1998||2002||2006||2010||2014|
|CVP||43||44||44||44||43||40||38||36||33||27||25||23||23||22|
|FDP||22||25||22||24||23||29||29||25||28||27||20||20||20||18|
|SP||7||9||11||7||10||10||10||12||9||9||9||8||8||7|
|LdU||1||3||1|
|SGA/Grüne||2||4||3||3||5||12||7||9|
|SVP||3||9||18||17||19||19|
|GLP||2||4|
|Andere||2||3||1||1||3||4||5||3||1||1|
|Total Sitze||72||78||78||80||80||80||80||80||80||80||80||80||80||80|
Autorin/Autor: Renato Morosoli
Die kaum umgesetzten Reformprojekte der Helvetik wirkten über deren Ende hinaus weiter. Zwar entsprach die Staatsverwaltung nach 1803 mit Landschreiber, Grossweibel und einigen Bediensteten in etwa derjenigen des Ancien Régime, doch das Staatsverständnis hatte sich gewandelt. Die Tagesgeschäfte besorgte die Administrationskommission, eine Vorform des späteren Regierungsrats. Der Erziehungsrat bemühte sich um den Aufbau der Volksschule, während der Sanitätsrat mit der Organisation einer Gesundheitspolizei (1803 Medizinalpolizeireglement) begann und der Kriegsrat das Militärwesen nach dem Debakel von 1798 reorganisierte (1808 Militärorganisation). Allerdings hemmte der Geldmangel des Kantons den Ausbau der Staatstätigkeit. Der Kanton bezog seine Einkünfte v.a. aus dem Salzverkauf und den Zöllen. Zusätzl. Finanzbedarf deckten die Gem. von Fall zu Fall. Am Protest der Bürger scheiterte der Versuch, die Einnahmen durch ein Abgabengesetz zu verstetigen (1819-20 Jägerhandel). Erst die Gründung des Bundesstaats und die Kantonsverfassung von 1848 beschleunigten die Modernisierung. Für die Wahrnehmung als Staat wichtig war der 1873 vollendete Bau des repräsentativen Regierungsgebäudes in Z., denn zuvor waren die kant. Behörden stets Mitnutzer von städt. Liegenschaften gewesen. Das Bauvorhaben war nur gegen grossen Widerstand aus den Landgemeinden zustande gekommen.
Im Regierungsrat galt bis 1887 das Kommissional-, danach das Departementalsystem. Die Debatte über die Notwendigkeit der Professionalisierung des auch wegen wirtschaftl. Verflechtungen heiklen regierungsrätl. Nebenamts begann in den 1960er Jahren. Sie führte 1991 zum sog. Hauptamt und 2009 zum Vollamt. 1850 bestand die kant. Verwaltung aus vier Beamten in der Kantonskanzlei, dem Standesweibel, den Kantonsläufern und sieben Landjägern. Zahlreiche Aufgaben wie die Steuertaxation erledigten Kommissionen nebenamtlich. 1900 zählte die Verwaltung samt den 13 Polizisten etwa 25 Personen, 1950 inklusive 25 Polizisten etwa 120 Personen (ohne Schulen). Aufgrund des Bevölkerungswachstums, der Ausweitung der Staatstätigkeit und der Professionalisierung bisheriger Nebenämter wuchs der Personalbestand der Verwaltung bis 2000 auf über 900 Stellen. Der Beamtenstatus wurde 1994 abgeschafft. Ein Schock war das Attentat vom 27.9.2001, als ein Mann aus Rache für vermeintl. Behördenwillkür in den Parlamentssaal eindrang und elf Kantonsrätinnen und Kantonsräte sowie drei Mitglieder des Regierungsrats erschoss und dann Suizid beging.
Bis zum 1. Weltkrieg konzentrierte sich die Staatstätigkeit auf die Bereiche Schule, Verkehr und Recht. So stellte der Kanton nach einem ersten, in der Helvetik begonnenen und 1814 stecken gebliebenen Anlauf die Schulen 1848 endgültig unter seine Aufsicht. Ab den 1850er Jahren bemühte er sich um den Eisenbahnanschluss, der erst 1864 realisiert wurde, nachdem Kanton und Gem. beim Zusammenbruch der Ost-West-Bahn 1861 grosse finanzielle Verluste erlitten hatten. Im Strassenbau folgte auf den Ausbau in den Talgemeinden, der Ende der 1820er Jahre eingesetzt hatte, die regionalpolitisch wichtige Erschliessung des Berggebiets. Das privatrechtl. Gesetzbuch (1861-75) und das Strafgesetzbuch (1876) ersetzten z.T. noch frühneuzeitl. Satzungen und Usanzen. 1891 wurde die als Aktiengesellschaft konzipierte Zuger Kantonalbank gegründet.
Mit Ausnahme des 1864 gescheiterten Vorstosses für ein Fabrikgesetz wurden bis 1914 keine grundsätzl. Probleme der Sozialpolitik angepackt. Im 1. Weltkrieg beschränkte man sich auf Notstandsaktionen. 1918 regelte der Kanton das Armenwesen. Eine kant. Alters- und Hinterbliebenenversicherung scheiterte jedoch vor dem Volk. Die Arbeitslosenversicherung von 1927 und die Bauernhilfskasse von 1933 erwiesen sich in der Weltwirtschaftskrise als unzureichend. Der Kanton intervenierte v.a. mit Notstandsarbeiten, von denen das Baugewerbe profitierte, während die Industriearbeiterschaft wenig Unterstützung erhielt. Auf der Basis der sozialpolit. Massnahmen im 2. Weltkrieg wurde der Sozialstaat in der Folge erheblich ausgebaut, wobei private Institutionen bis heute ihre grosse Bedeutung behielten. Erst 1965 trat der Kanton dem Konkordat über die wohnörtl. Unterstützung bei. Das Vormundschaftswesen wurde 2013 kantonalisiert.
Beginnend mit dem Gesundheitsgesetz von 1926, subventionierte der Kanton die von Bürgergemeinden oder Privatinstitutionen getragenen Spitäler. Bis zur Übernahme des Zuger Bürgerspitals 1981 blieb sein Engagement aber subsidiär. Die vom Kostendruck bestimmte Spitaldebatte führte in den 1990er Jahren zur Reduktion von vier (Kantonsspital und Liebfrauenhof in Z., Spitäler in Baar und Cham) auf zwei Spitäler (Andreasklinik in Cham und der 2008 eröffnete Neubau des Kantonsspitals in Baar). In der Orts- und Raumplanung wurde der Kanton erst Mitte des 20. Jh. aktiv. Das erste Baugesetz von 1897 hatte nur für die Stadt Z. gegolten. Der Kanton schützte 1946 die durch Überbauungen gefährdeten Ufer des Zuger- und Ägerisees, scheiterte aber 1952 mit einer Baugesetzvorlage. Erst mit der neuen Vorlage von 1967 erhielten Kanton und Gem. ein Instrument zur Steuerung der Siedlungsentwicklung. Der erste kant. Richtplan datiert von 1987. Grosse Infrastrukturaufgaben wurden vermehrt an Zweckverbände delegiert. Nachdem die Seen besonders in den 1950er und 60er Jahren stark verschmutzt worden waren, baute der 1970 gegr. regionale Gewässerschutzverband (GVRZ) ein Ringleitungssystem rund um den Zugersee mit zentraler Kläranlage zur Reinigung aller Abwässer in der Region Zugersee-Küssnachtersee-Ägerisee. Um die Siedlungsabfälle der Zuger Gem. kümmert sich seit 1995 der Abfallverband (Zeba).
1848 erhielt der Kanton erstmals das Recht zur Erhebung von Einkommens- und Vermögenssteuern. Der wachsende Finanzbedarf nach dem 1. Weltkrieg löste die Steuergesetzrevisionen von 1921 und 1930 aus, welche Holdings, Domizilgesellschaften und sog. Gemischte Gesellschaften begünstigten. Sowohl diese beiden Revisionen als auch die Modernisierung des Steuersystems von 1946 waren stark von Zürcher Finanzinteressen beeinflusst. Die Steuerprivilegien waren wohl der wichtigste Faktor für die in den späten 1950er Jahren unvermittelt einsetzende und seither anhaltende enorme Zunahme der im Kanton niedergelassenen Firmen. Dank der sprudelnden Einnahmen von jurist. Personen folgten weitere Steuersenkungen, was die Attraktivität des Kantons nochmals steigerte. Auf diese Weise stieg Z. von einer Mittelposition zum reichsten Kanton der Schweiz auf, was ihm das Etikett eines "Steuerparadieses" eintrug. Die linke Opposition, Firmenskandale, nationale wie internat. Medienberichte über Steuerflüchtlinge sowie polit. Druck aus dem Ausland stellten die Steuerpolitik ab den 1970er Jahren immer wieder in Frage. Diese wurde aber in mehreren Volksabstimmungen bestätigt. 2004 verwarf Z. als Geberkanton und grösster Pro-Kopf-Nettozahler der Schweiz den nationalen Finanzausgleich mit 84% Nein-Stimmen.
Autorin/Autor: Renato Morosoli
1817 wohnte kaum ein Viertel der knapp 14'000 Kantonseinwohner in den vier grössten Siedlungen: Die Stadt Z. zählte innerhalb ihrer Stadtmauern ca. 1'300 Personen, das Dorf Baar rund 900 und Menzingen sowie Unterägeri im Zuger Berggebiet je gut 500. Bis zur Mitte des 19. Jh. lag das Bevölkerungswachstum unter dem schweiz. Durchschnitt, danach meist darüber. Ab den 1830er Jahren beschleunigte es sich im Zug der Industrialisierung, sodass sich die Bevölkerung im Verlauf des 19. Jh. verdoppelte. Um 1800 lebten knapp die Hälfte, um 1900 zwei Drittel aller Einwohner in den drei Talgemeinden Z., Baar und Cham. Das demograf. Wachstum beruhte auf den ab den 1860er Jahren markant ansteigenden Geburtenüberschüssen, auf der ab den 80er Jahren stark sinkenden Sterblichkeit, v.a. im Säuglingsalter, sowie auf der Zuwanderung aus anderen Kantonen und dem Ausland, die mit der Industrialisierung vermehrt einsetzte. Die z.T. von den Gem. geförderten Auswanderungswellen der 1850er und 80er Jahre erfassten v.a. das Berggebiet, am stärksten das Ägerital. Mit 202 registrierten Auswanderungen, hauptsächlich in die USA, stellt das Jahr 1884 diesbezüglich den Höhepunkt dar.
|Jahr||Einwohner||Ausländer-anteil||Anteil Katholiken||Anteil Protestanten||Alters-struktur (Anteil >59)||Zeitraum||Gesamt-zunahmea||Geburten-überschussa||Wanderungs-saldoa|
|1850||17 461||0,6%||99,3%||0,7%||1850-1860||10,9‰||9,5‰||1,4‰|
|1860||19 608||2,6%||96,8%||3,1%||6,4%||1860-1870||6,5‰||3,9‰||2,6‰|
|1870||20 925||2,2%||95,7%||4,2%||7,2%||1870-1880||9,1‰||5,6‰||3,5‰|
|1880||22 829||4,1%||94,5%||5,3%||7,4%||1880-1888||1,1‰||5,9‰||-4,8‰|
|1888||23 029||3,7%||93,9%||6,0%||8,2%||1888-1900||7,2‰||8,0‰||-0,8‰|
|1900||25 093||8,0%||93,1%||6,8%||8,8%||1900-1910||11,6‰||9,6‰||2,0‰|
|1910||28 156||10,8%||90,7%||9,1%||8,2%||1910-1920||11,5‰||6,4‰||5,1‰|
|1920||31 569||7,9%||87,4%||12,2%||8,0%||1920-1930||8,6‰||8,1‰||0,5‰|
|1930||34 395||7,8%||84,6%||14,6%||9,0%||1930-1941||5,8‰||7,8‰||-2,0‰|
|1941||36 643||4,6%||84,7%||14,8%||11,2%||1941-1950||15,9‰||10,3‰||5,6‰|
|1950||42 239||6,0%||84,0%||15,5%||10,9%||1950-1960||22,0‰||11,6‰||10,4‰|
|1960||52 489||10,9%||83,2%||16,2%||11,8%||1960-1970||26,2‰||14,4‰||11,8‰|
|1970||67 996||15,8%||80,7%||17,4%||12,7%||1970-1980||11,0‰||7,8‰||3,2‰|
|1980||75 930||13,7%||75,3%||18,9%||13,7%||1980-1990||11,9‰||6,3‰||5,6‰|
|1990||85 546||17,0%||70,8%||19,1%||15,1%||1990-2000||15,9‰||5,7‰||10,2‰|
|2000||100 052||20,2%||61,8%||17,6%||17,1%|
Im 20. Jh. wuchs die Bevölkerung bis über die Jahrhundertmitte hinaus dank Geburtenüberschüssen, danach v.a. wegen der Zuwanderung noch schneller. Zwischen 1900 und 1960 verdoppelte sich die Einwohnerzahl des Kantons auf 52'500 Personen, bis 2000 nochmals auf über 100'000. Damit gehörte Z. zu den wachstumsstärksten Kantonen. Die Zunahme betraf zunächst die drei Industriegemeinden Z., Baar und Cham. In der Stadt Z. als Zentrum einer entstehenden Agglomeration wohnten 1960 fast 40% der Bevölkerung. Später wirkte sich das Wachstum auch auf die Landgemeinden Steinhausen, Risch und Hünenberg im westl. Kantonsteil aus, deren Einwohnerzahl zwischen 1960 (ca. 5'000 Personen) und 2010 (ca. 27'000) auf mehr als das Fünffache stieg. Weniger heftig fiel die Entwicklung in den Berggemeinden aus. Gleichwohl zählte 2010 selbst die kleinste Gem. Neuheim fast 2'000 Einwohner.
Das moderne Hauptstrassennetz entstand zwischen 1827 und 1870 und wurde ab den 1920er Jahren für den Autoverkehr ausgebaut. 1827 wurde die Stadt Z. ans Postkutschennetz angeschlossen, 1853 ans Telegrafennetz. 1852 fuhr das erste Dampfschiff auf dem Zugersee. Mit der Linie der Schweiz. Nordostbahn von Zürich über das Knonauer Amt nach Luzern begann 1864 das Eisenbahnzeitalter, in dem die oft umstrittene Platzierung der Bahnhöfe die Siedlungsentwicklung wie z.B. in Rotkreuz prägte. 1897 folgte die Einweihung der Sihltal- und Gotthardlinie von Zürich über Z. nach Goldau. Das grösste kant. Verkehrsprojekt vor dem 1. Weltkrieg betraf die Erschliessung des Berggebiets, die 1910 mit der Eröffnung der Lorzentobelbrücke und 1913 mit der elektr. Strassenbahn zu einem vorläufigen Abschluss gelangte. Der Autobahnbau in den 1960er und 70er Jahren verursachte grosse Landschaftsveränderungen, u.a. die Verlegung der Lorze. Breiter Widerstand verhinderte eine Linienführung entlang des Nord- und Nordwestufers des Zugersees. 2009 wurde die lange umstrittene Autobahnverbindung A4 mit Zürich und dem Flughafen durch das Knonauer Amt eröffnet. Der öffentl. Regionalverkehr (1904-13 Bus, 1913-50er Jahre elektr. Strassenbahn, 1907-59 Zuger Berg- und Strassenbahn) bediente zunächst nur den östl. Kantonsteil mit Z., Baar und dem Berggebiet. Mit der Umstellung auf den Bus (Zugerland Verkehrsbetriebe, seit 1953) kamen die übrigen Gem. hinzu. Ab den 1980er Jahren erfuhr der öffentl. Verkehr einen grosszügigen Ausbau, u.a. 2004 durch die Stadtbahn Z., ein S-Bahn-System auf dem Gebiet des Kt. Z. und angrenzender Regionen. 1878 begann mit der Gründung der Wasserversorgung Zug AG (ab 1892 Wasserwerke Z.) der Aufbau der Versorgungsnetze für Wasser (ab 1878), Gas (ab 1878) und Elektrizität (ab 1891).
Autorin/Autor: Renato Morosoli
Bis in die Mitte des 19. Jh. blieb Z. ein von der Landwirtschaft geprägter, armer Kanton. Im Berggebiet dominierten die auf Export ausgerichtete Viehzucht und Milchwirtschaft, im Tal Ackerbau sowie Obstbau, der Exportprodukte wie Dörrobst oder Kirsch lieferte. Die Stadt Z. war ein regionales Marktzentrum. Mit dem Rückzug der Soldtruppen aus Frankreich 1830 schloss sich der grösste Markt für die Fremden Dienste. Eine wichtige Rolle spielte die v.a. von Zürchern ab dem 17. Jh. betriebene Verlagsindustrie. Die fast im ganzen Kanton verbreitete Baumwollspinnerei verschwand mit der Mechanisierung Anfang des 19. Jh., ebenso die Seidenspinnerei, die zeitweise auch von Zuger Verlegern organisiert worden war. Ende der 1820er Jahre führten Zürcher Unternehmer v.a. im Berggebiet die Seidenweberei ein, die 1850 über einen Achtel der Berufstätigen beschäftigte. Anfang der 1880er Jahre waren es noch ca. 2'000 Personen (über 90% Frauen), etwa so viele wie in den Fabriken (43% Frauen). 1905, kurz vor dem Untergang der Seidenweberei, fanden noch 6% der 13'200 im Kanton tätigen Arbeitskräfte in der Heimindustrie einen Verdienst.
Die späte Industrialisierung galt in der ersten Phase v.a. der Textilproduktion und entwickelte sich wegen der Wasserkraft entlang der Lorze. Wiederum finanzierten diese v.a. Zürcher Unternehmer, z.T. mit Zuger Partnern wie dem Fabrikpionier Wolfgang Henggeler. 1834 wurde als erste Fabrik im Kanton die Spinnerei Unterägeri gegründet. Ihr folgten 1846 die Spinnerei Neuägeri, 1850 eine kleine Baumwollweberei in der Kollermühle in Z., 1854 die grosse Spinnerei in Baar sowie 1863 eine Baumwollspinnerei und -weberei in Hagendorn bei Cham. In Cham siedelte sich 1866 mit der Anglo-Swiss Condensed Milk Co. ein Grossbetrieb der Lebensmittelindustrie an. Ferner war die flussabwärts liegende, 1657 gegr. Papiermühle schon um 1840 zur mechanisierten Produktion übergegangen.
Die zweite, auf den Metall- und Apparatebau ausgerichtete Industrialisierungsphase konzentrierte sich auf die Stadt Z., nachdem die Errichtung einer Druckwasser- und Elektrizitätsversorgung den Standortnachteil der mangelnden Wasserkraft beseitigt hatte. 1880 entstand die Email- und Metallwarenfabrik Z. (Metallwaren Zug), 1896 das Elektrotechn. Institut Theiler & Co., der spätere Elektrokonzern Landis & Gyr. Entlang der neuen Bahnlinie nach Zürich nahmen Industriemühlen den Betrieb auf, nämlich 1898 die Untermühle Z. und 1905 die Neumühle Baar. Die 1913 erfolgte Gründung der Verzinkerei Zug AG (seit 1981 V-Zug AG) schloss diese zweite Phase ab.
Im späten 19. Jh. entwickelte sich im Berggebiet der Kurtourismus, der bis zum 1. Weltkrieg auch in der Stadt Z. nicht unbedeutend war. Im Ägerital, das nach den Spinnereigründungen von 1834 und 1846 industriell stagnierte, öffneten ab 1881 viele Kinderheime und Kurhäuser.
Die Wirtschaftsentwicklung führte zu einer Zweiteilung des Kantons. Während in den vier Gem. Z., Baar, Cham und Unterägeri 1905 über die Hälfte der Beschäftigten im industriell-gewerbl. Sektor arbeitete, fanden in den sieben anderen Gem. weit über 50% ihr Auskommen in der Landwirtschaft. Diese hatte sich im 19. Jh. durch Allmendaufteilungen, stärkere Marktorientierung und den Niedergang des Viehexports grundlegend verändert. Der Ackerbau verlor gegenüber der Vieh- und Milchwirtschaft an Bedeutung. Zu diesem weit über den Kanton hinaus feststellbaren Strukturwandel trug die Kondensmilchfabrik in Cham bei. Sie verarbeitete 1907 täglich Milch von 1'000 Lieferanten aus 44 Orten. Ihre Marktstellung veranlasste die Bauern zur Gründung von Milchgenossenschaften. Damit verstärkte sich die ab Mitte des 19. Jh. erkennbare Tendenz zur Bildung von landwirtschaftl. Organisationen (1851 Landwirtschaftl. Verein, 1859 erste Viehausstellung). Der Dienstleistungssektor hingegen blieb schwach. 1905 umfasste er selbst in der Stadt Z. bloss knapp einen Viertel der Beschäftigten (v.a. Gastgewerbe und Verkauf).
Unter der Weltwirtschaftskrise zu Beginn der 1930er Jahre litt die wichtigste Branche, der exportabhängige Metall- und Apparatebau, am meisten, so dass es 1932 zu Massenentlassungen kam. Die Betriebsaufgabe der Chamer Milchfabrik 1933 setzte die Landwirtschaft noch stärker unter Druck. Auch ohne grössere Neugründungen verbreiterte sich bis Mitte des 20. Jh. die industrielle Basis in den drei Industriegemeinden Z., Baar und Cham. 1955 zählten hier mind. zwei Drittel der Arbeitsplätze zum 2. Sektor. Zum Wachstum trug v.a. die Landis & Gyr bei, die in der Stadt Z. mehr als die Hälfte der Arbeitskräfte des 2. Sektors beschäftigte. In den folgenden Jahrzehnten bewirkten die Hochkonjunktur und Standortvorteile wie tiefe Steuern und die Nähe zu Zürich einen nachhaltigen Wandel der Wirtschaftsstruktur. Als Folge davon wuchs das kant. Volkseinkommen im nationalen Vergleich weit überdurchschnittlich: 1995 war es fast elfmal grösser als 1965. Die Liberalisierung des internat. Waren- und Geldverkehrs, die 1957 gegr. Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und das "dt. Wirtschaftswunder" beschleunigten die Ansiedlung neuer Firmen im Kanton. Zwischen 1955 und 1970 nahm ihre Zahl auf das Vierfache zu (5'554 Firmen). Zwei Drittel davon waren Aktiengesellschaften, deren Bestand von 251 auf 3'768 anschwoll. Dieser Trend hielt leicht verlangsamt an: 2010 waren es 29'641 Firmen, davon 58% Aktiengesellschaften. Neben sog. Briefkastenfirmen ohne Personal handelte es sich um Industriebetriebe und v.a. Dienstleistungsunternehmen, darunter Hauptsitze internat. Unternehmen wie Amgen (Biotechnik), Transocean (Ölförderung) oder Infront (internat. Sportmarketing). Die Anzahl Beschäftigter im Kanton stieg von ca. 20'000 Personen 1955 auf ca. 83'000 2008, also auf mehr als das Vierfache. Der Tertiärsektor wuchs sogar auf das Zwölffache. Umfasste er 1955 einen Viertel der Arbeitnehmer, waren es nun fast drei Viertel. Insbesondere der Grosshandel, v.a. der Rohstoffhandel mit Öl und Metallen, entwickelte sich überproportional. Durch Unternehmen wie Marc Rich, Glencore oder Xstrata avancierte Z. zu einem der wichtigsten globalen Handelsplätze, geriet aber dadurch oft in den Fokus internat. Aufmerksamkeit.
Der Beschäftigtenanteil der Landwirtschaft sank von 17% 1955 auf 2% 2008. Da die Industrie den Umstieg auf High-Tech-Branchen schaffte, wahrte sie ihre starke Stellung. Zwar schloss in Baar 1993 die letzte Spinnerei im Kanton ihre Tore und 2013 stellte die Papierfabrik Cham als letzte Vertreterin der ersten industriellen Gründungsphase die Rohpapierproduktion ein, doch die wichtigsten Firmen der zweiten Phase, die Landis & Gyr und die Metallwarenfabrik Zug, zählten 2010 als Siemens Building Technologies Group bzw. V-ZUG nach wie vor zu den grössten Betrieben im Kanton. Neu kamen ab den 1970er Jahren bedeutende Unternehmen der Pharmazie- (z.B. Johnson & Johnson), Medizinaltechnik- (z.B. Roche Diagnostics) und Elektronikbranche (z.B. Esec) hinzu.
Der erneute Strukturwandel ab Mitte des 20. Jh. unterstrich die zentrale Stellung der Stadt Z. und band den Kanton noch enger an den Wirtschaftsraum Zürich. Der Wandel hatte seinen Schwerpunkt im Talgebiet, erfasste aber den ganzen Kanton und ebnete die alten Gegensätze zwischen ländlich und industriell geprägten Gem. ein. Auch liess er die Pendlerströme anschwellen. Noch 1950 arbeiteten fünf von sechs Erwerbstätigen am Wohnort, 2000 hingegen nur mehr gut zwei von sechs. Einzig gegenüber dem Kt. Zürich blieb die Pendlerbilanz negativ. Gegenüber den anderen Nachbarkantonen gab es weit mehr Zu- als Wegpendler.
|Jahr||1. Sektor||2. Sektor||3. Sektorb||Total|
|1860||4 833||38,0%||4 693||36,9%||3 190||25,1%||12 716|
|1870c||4 277||40,9%||5 133||49,0%||1 056||10,1%||10 466|
|1880c||4 074||36,9%||5 380||48,8%||1 583||14,3%||11 037|
|1888||3 603||32,9%||5 092||46,5%||2 260||20,6%||10 955|
|1900||3 603||29,7%||5 917||48,7%||2 627||21,6%||12 147|
|1910||3 539||27,2%||6 059||46,5%||3 421||26,3%||13 019|
|1920||3 682||24,2%||7 351||48,4%||4 171||27,4%||15 204|
|1930||3 408||20,8%||8 053||49,1%||4 925||30,1%||16 386|
|1941||3 341||20,1%||7 631||45,8%||5 674||34,1%||16 646|
|1950||3 235||16,9%||9 326||48,7%||6 576||34,4%||19 137|
|1960||2 543||10,5%||13 593||56,2%||8 046||33,3%||24 182|
|1970||2 007||6,5%||15 772||50,9%||13 182||42,6%||30 961|
|1980||1 688||4,6%||15 563||42,4%||19 482||53,0%||36 733|
|1990||1 714||3,7%||14 145||30,1%||31 103||66,2%||46 962|
|2000d||1 211||2,1%||13 227||23,5%||41 855||74,4%||56 293|
Autorin/Autor: Renato Morosoli
Bis Mitte des 19. Jh. war die weitgehend geschlossene Zuger Gesellschaft arm, bäuerlich-kleingewerblich, konservativ, fast ausschliesslich katholisch und auf die Heimatgemeinde bezogen, in der 1817 fast 90% der Einwohner lebten. Nur gut 3% der Zuger Bevölkerung waren Bürger anderer Kantone. In den Gem. mit Korporationsgut schied die Allmendnutzung die Bürger in vollberechtigte Genossen und minderberechtigte Beisassen. Nachdem die Helvetik diese Strukturen aufgebrochen hatte, kam es zu heftigen Konflikten. Unter den Genossen besonders umstritten war die Frage, in welchem Ausmass die Allmenden als Weideland oder als Pflanzland genutzt werden sollten. Nur zögernd wurden die vom 16. Jh. an nahezu abgeschotteten Gemeindebürgerrechte für Einbürgerungswillige geöffnet, v.a. aus Angst vor der Armenunterstützungspflicht. Erst 1965 wurden die Bürgergemeinden mit dem Wechsel vom Heimat- zum Wohnortsprinzip davon entlastet. Zwischen 1814 und 1850 erhielten weniger als 50 Personen das Bürgerrecht, fast alle in der auf die Taxen angewiesenen Gem. Menzingen. 1853 wurden auf Anordnung des Bunds 168 Heimatlose gegen den Willen der Gem. zwangsweise eingebürgert. Mit der Industrialisierung nahm die Zuwanderung zu. Schon 1850 betrug der Bevölkerungsanteil der schweiz. Nicht-Kantonsbürger einen Achtel, 1910 befanden sie sich in der Mehrheit. Auch die Ausländerquote kletterte v.a. wegen der ital. Arbeiter in den Industriegemeinden ab Ende des 19. Jh. in die Höhe und erreichte 1910 11%. Dieser Höchstwert wurde nach langem Rückgang erst 1960 wieder übertroffen, wobei fast 60% der Ausländer aus Italien stammten. Für diese Gruppe, die v.a. im Baugewerbe und in Fabriken arbeitete, wurden mit Wohnheimen, der Italienerseelsorge und Italienervereinen eigene Strukturen geschaffen. Allerdings fächerte sich die Herkunft der Ausländer rasch auf: 1960 stammten sie aus 50 versch. Nationen, 2010 aus 124, wobei der Anteil der Italiener auf unter 10% fiel. Ab den 1990er Jahren kamen vermehrt mobile, gut ausgebildete Führungs- und Fachkräfte u.a. aus Deutschland und den USA nach Z. Sie nutzten besondere Strukturen wie internat. Privatschulen und Clubs. Gesellschaftlich integrierten sie sich aber kaum, da sie oft nur für wenige Jahre in Z. blieben. 2006 übertraf die Abwanderung in andere Kantone (v.a. grenznahe Gebiete) als Folge der hohen Wohnkosten erstmals die Zuwanderung aus dem Inland.
Zur Eindämmung der Armut entstanden zwischen 1812 und 1877 zuerst in der Stadt, dann in sechs der zehn Landgemeinden Armenhäuser. Diese wurden ab der 2. Hälfte des 19. Jh. meist von Menzinger und Chamer Heiligkreuz-Schwestern betreut. 1857 erstellte die Stadt das erste moderne Spital, zu dem eine Pfrundanstalt und ein Absonderungshaus gehörten. Im Nov. 1816, als sich eine Hungerkrise abzuzeichnen begann, wurde die Armen- und Hilfsgesellschaft Z. geschaffen (1820 aufgelöst). Sie begründete die Tradition privater Sozialfürsorge, in der bis heute die 1884 gegr. Gemeinnützige Gesellschaft des Kt. Z. steht. Bis 1946 besassen unterstützte Arme kein kant. Stimmrecht.
Zwar stellten die Eliten der vier alten freien Gem. nach 1798 die Gleichberechtigung der ehem. Vogteileute nie mehr in Frage. Dennoch bestimmten sie bis über die Mitte des 19. Jh. hinaus den Kurs des Kantons, während die sog. Neugefreiten kaum eine Rolle spielten. An die Stelle der bis in die 1820er Jahre massgebenden, in der Welt des Ancien Régime verwurzelten Generation traten mit den Ärzten, Juristen und Fabrikanten neue soziale Gruppen. Sie machten unter den in den 1850er Jahren amtierenden Grossräten rund einen Sechstel aus, die Bauern allerdings die Hälfte. Versch. Berufsgruppen begannen sich in kant. Vereinen zu organisieren, z.B. 1843 die Ärzte, 1851 die Landwirte, 1894 die Juristen, 1895 die Kaufleute und 1899 die Gewerbler. Erste Gewerkschaften wurden im späten 19. Jh. gegründet. Vom rasanten Wandel ab Mitte des 20. Jh. profitierten v.a. die Ärzte, deren Zahl zwischen 1950 und 2010 von 40 auf über 300 stieg, sowie die Anwälte. Praktizierten 1961 24 Anwälte, waren es 2011 233.
Bis in die Mitte des 20. Jh. prägte ein konservativer Katholizismus das gesellschaftl. Leben in Z. Er war in den kirchl. Institutionen, in der dominierenden kath.-konservativen Partei und den vielen ab dem späten 19. Jh. gegründeten kath. Vereinen verankert, in der Volksschule durch die zahlreichen Lehrschwestern vertreten und auch im öffentl. Raum präsent, z.B. durch die traditionelle Landeswallfahrt nach Einsiedeln, grosse Prozessionen oder Anlässe wie die von etwa 20'000 Jugendlichen besuchte Zuger Jungmannschaftstagung 1933. Die Zentenarfeier von 1952 (600 Jahre eidgenössisch) beschwor als "Fest der Heimat" noch einmal die Zusammengehörigkeit, die alten Werte und die Verankerung Z.s in der christl. Kultur. Dieses kath. Milieu löste sich jedoch ab den 1960er Jahren im Gefolge der rasanten Modernisierung und Pluralisierung rasch auf. Kirchennahe Vereine verschwanden oder öffneten sich auch anderen Kreisen.
Obwohl das eidg. Zivilgesetzbuch von 1912 die 1861 im kant. Privatrecht fixierte Vormundschaft des Ehemanns über die Ehefrau aufhob, erschwerte die konservative Mentalität über die Jahrhundertmitte hinaus die Emanzipation der Frauen. Diese stellten 1905 fast zwei Fünftel der Erwerbstätigen. Ausserhalb der Landwirtschaft arbeiteten sie v.a. in der Textilindustrie, im Gastgewerbe sowie als Schwestern im Sozial-, Gesundheits- und Schulbereich. 1912 erhielten die Mädchen Zugang zur Kantonsschule. Die erste Ärztin praktizierte 1931, die erste Anwältin 1939. Dennoch verwehrten 76% der Stimmenden den Frauen 1959 das Stimmrecht. 1971, nur zwölf Jahre später, stimmten 59% dafür. Leicht tiefer lag 1981 die Zustimmung zum Gleichberechtigungsartikel in der Bundesverfassung. Der Frauenanteil in der Politik blieb klein. Zwischen 1971 und 2011 stellten Frauen nur vier der in dieser Zeit amtierenden 34 Regierungsräte und 88 der 439 Kantonsräte. Das 1992 eingerichtete kant. Gleichstellungsbüro wurde schon 1995 wieder aufgelöst.
Autorin/Autor: Renato Morosoli
Bis 1848 war die kath. Konfession Staatsreligion. Der Schutz der Kirche bildete eine Hauptaufgabe des Kantons, auch wenn dieser stets seine hoheitl. Rechte gegenüber der Kirche betonte, so im Fall der Neuordnung der Bistümer im frühen 19. Jh. 1828 schloss sich Z. aus staatskirchl. und finanziellen Erwägungen dem reorganisierten Bistum Basel an. Mehrere Frauenklostergründungen wurden zu wichtigen Stützpunkten des Katholizismus, so 1844 das Lehrschwesterninstitut in Menzingen und 1862 dasjenige in Lindencham (Gem. Cham), beide mit Lehrerinnenseminarien, sowie 1851 das Kapuzinerinnenkloster auf dem Gubel (Gem. Menzingen). Auch das 1802 gegr. Töchterinstitut Maria Opferung sowie das 1872 geschaffene Kollegium und das 1880 eröffnete Lehrerseminar St. Michael (alle Stadt Z.) festigten den kath. Einfluss. Die enge Beziehung zwischen Staat und Kirche blieb dank der konservativen Mehrheit auch nach der Ausscheidung besonderer kath. Kirchgemeinden aus den polit. Gemeinden 1874 bestehen. Zur Betreuung der anteilsmässig abnehmenden, zahlenmässig aber wachsenden kath. Bevölkerung entstanden bis in die 1970er Jahre neue Pfarreien in Rotkreuz, der Stadt Z., Oberwil, Allenwinden und Hünenberg. 1863 wurden die Reformierten öffentlich-rechtlich anerkannt. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung stieg von 1% 1850 auf 19% 1990. Ihre erste Kirche wurde 1867 in Baar bei der Spinnerei gebaut; weitere folgten im 20. Jh., zuerst in den Industriegemeinden Z. (1906) und Cham (1915). Ende des 20. Jh. erweiterte sich das religiöse Spektrum. Die Anteile der beiden Landeskirchen nahmen rasch ab. 1950 machten die Katholiken noch 84% der Bevölkerung aus und wurden von über 40 Pfarreigeistlichen betreut. 2010 war nur noch gut die Hälfte der über 15 Jahre alten Personen katholisch, für die sieben Pfarreigeistliche sorgten. Sprunghaft angestiegen war die Gruppe der Konfessionslosen, zu denen 2010 17% der über 15-Jährigen zählten.
Im frühen 19. Jh. schufen reformorientierte Vertreter der weltl. und geistl. Führungsschicht, angestossen durch die Helvetik, wichtige Grundlagen für eine vom Kanton geregelte, aber von den Gem. getragene Volksschule. Ein Erziehungsrat überwachte die Einhaltung der Schulpflicht, prüfte die Lehrer, modernisierte den Unterricht und inspizierte die Gemeindeschulen. Grosse Widerstände stoppten 1814 den weiteren Ausbau und überliessen die Schule wieder dem Belieben der Gemeinden. Die erneute Durchsetzung der kant. Schulhoheit war daher 1848 ein Hauptanliegen der kurzzeitig regierenden Liberalen. Ihr Schulgesetz von 1849 legte bis in die Gegenwart gültige Grundzüge der Schulorganisation fest: eine Elementarbildung in der Primarschule, eine prakt. Fortbildung in der Sekundarschule und eine höhere Bildung in der Kantonsschule. Die Kantonsschule entstand aus der Verbindung der 1861 gegr. kantonalen Industrieschule mit dem erst 1920 durch den Kanton übernommenen städt. Gymnasium. Wichtig für die Volksschule waren die Lehrschwesterninstitute in Menzingen und Cham. Sie stellten den Gemeindeschulen gut ausgebildete, billige Lehrerinnen zur Verfügung. Noch 1950 bestand knapp die Hälfte der Lehrkräfte in den Primarschulen aus Schwestern. Danach sank deren Zahl rasch, während umgekehrt diejenige der Lehrkräfte insgesamt wegen des Ausbaus und der Auffächerung des Schulsystems markant anstieg. Die 1830 von der Stadt Z. gegr. Zeichnungsschule für Handwerker stand am Anfang der öffentl. Berufsbildung, die mit dem Schulgesetz von 1898 und dem Lehrlingsgesetz 1904 kantonalisiert und 1940 in der kant. Gewerbeschule zentralisiert wurde. Ein weiterer Ausbau, v.a. auf der tertiären Bildungsstufe, begann in den 1990er Jahren mit der Etablierung der Fachhochschulen. 2003 ersetzte die Pädagog. Hochschule Zentralschweiz Z. (ab 2013 Pädagog. Hochschule Z.) die Lehrerseminarien Menzingen, Heiligkreuz in Cham und St. Michael in der Stadt Z. Die internat. Zuwanderung führte zu einem neuen Aufschwung der Privatschulen.
1814 erschien die erste Zuger Zeitung, das "Wochenblatt der vier löblichen Kantone Ury, Schwytz, Unterwalden und Z.". Das Blatt enthielt kaum lokale Nachrichten. Unter dem programmat. Namen "Der freie Schweizer" entwickelte es sich in den 1830er Jahren zum liberalen Meinungsorgan. Darauf reagierte die konservative Mehrheit 1846 mit der Gründung der "Neuen Zuger Zeitung". Ende des 19. Jh. verfestigte sich die zeitweise vielfältige Presselandschaft im liberalen "Zuger Volksblatt" (ab 1861) und in den kath.-konservativen "Zuger Nachrichten" (ab 1886). Die beiden Parteizeitungen waren 1930 in drei von vier Haushalten abonniert. In den 1960er Jahren lösten sie sich von den Parteibindungen, blieben aber parteinah, bis sie nach einer Folge überraschender Fusionen 1996 als Kopfblatt in der "Neuen Luzerner Zeitung" aufgingen.
Eine neue Vereinskultur überlagerte im Verlauf des 19. Jh. die ältere Schicht der Schützengesellschaften und religiösen Bruderschaften. 1808 wurde in Z. die Theater- und Musikgesellschaft ins Leben gerufen, die mit dem 1843 eröffneten Stadttheater und später mit dem 1907-09 erbauten Theater-Casino (1980-81 Erweiterungsbau) das Zuger Kulturleben prägte. Auch weitere, in den Landgemeinden vorwiegend nach 1850 gegr. Theater- und Musikvereine sorgten für neue Formen der Unterhaltung und Geselligkeit. Turnvereine bildeten sich wiederum zuerst in der Stadt Z. (1862 Stadtturnverein Z.), und zwar zunächst nur für Männer. Im späten 19. Jh. kamen Vereine zur Pflege moderner Sportarten wie Fussball oder Radfahren hinzu. Ab Mitte des 20. Jh. weitete sich das Vereinsspektrum und Kulturangebot im Kanton zu einer kaum überschaubaren Vielfalt aus. Das öffentl. Engagement für Kultur und Sport intensivierte sich erst ab den 1960er Jahren, während sich die Vereinsbindungen in jüngerer Zeit lockerten.
1806 formierte sich in Z. eine nur kurze Zeit aktive Lesegesellschaft, deren Buchbestand in die 1838 eröffnete Stadtbibliothek (seit 1941 auch Kantonsbibliothek) gelangte. Der Kt. Z. wies 1868 zwölf Bibliotheken aus, 1911 schon 39. Nach langer Stagnation begann in den 1970er Jahren eine neue Wachstumsphase mit der Gründung von Volksbibliotheken in sieben der elf Gemeinden.
Die auf Privatinitiativen zurückgehenden Museen blieben lange auf die Stadt Z. beschränkt. 1879 richtete die im Bundesfeierjahr 1852 gegr. Zuger Sektion des Hist. Vereins der Fünf Orte im städt. Rathaus ein hist. Museum ein, aus dem 1982 das Museum in der Burg Z. hervorging. Das seit 1930 bestehende kant. Museum für Urgeschichte fusst auf der Sammlung Michael Specks, während das 1977 eröffnete Zuger Kunsthaus seine Existenz der 1957 gegr. Zuger Kunstgesellschaft verdankt. Das 2013 in Cham eröffnete Ziegeleimuseum ist das erste bedeutende Museum ausserhalb der Stadt Z.
Autorin/Autor: Renato Morosoli
Autorin/Autor: Peter Hoppe