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Frau Bauer, Sie haben berechnet, dass Jane, 50 Jahre alt, Medianlohn, 14 Prozent ihres Nettoeinkommens sparen muss, um ihren Lebensstandard im Alter zu halten. Das klingt machbar.
Jackie Bauer: Aber wir haben mit Jane auch eine Person kreiert, die gut im Rahmen ihrer Möglichkeiten bleibt. Keine grossen Auslandreisen, eine Wohnung eher im Zürcher Umland als in der Stadt. Sie lebt ein komfortables, aber sicher kein luxuriöses Leben. Vielen Menschen fällt das gar nicht so leicht, das Verhältnis ihrer Einnahmen und Ausgaben realistisch zu betrachten. Und dann kann es auch schwer werden, eine Sparquote von 14 Prozent zu erreichen.
Können sich die heute Dreissigjährigen auch noch Zeit lassen bis zum fünfzigsten Geburtstag, bis sie mit dem Sparen fürs Alter beginnen?
Um das zu berechnen, müsste ich sehr viele Annahmen treffen, die weit in die Zukunft reichen. Wahrscheinlich ist aber, dass künftige Generationen viel mehr beziehungsweise viel früher zu sparen beginnen müssen. Auch weil wir sehen, dass die Rentenreform seit Jahren stockt.
Welche Reform würden Sie für sinnvoll halten?
Es lohnt sich für die Schweiz, innerhalb Europas Beispiele zu suchen. Dort ist die demografische Entwicklung vergleichbar und auch die Erwartungen, die an das Vorsorgesystem gestellt werden. Die Niederlande, Dänemark oder Schweden etwa bieten eine gute Lösung.
Die Expertin
Jackie Bauer ist Leiterin des Vorsorge Research der UBS.
Warum?
Die Niederlande haben es geschafft, eine Erhöhung des Rentenalters durchzusetzen. Ein breites Spektrum an politischen Parteien hat sich auf einen Kompromiss geeinigt, weil man gesehen hat, wie wichtig es ist, das Vorsorgesystem so zu gestalten, dass es langfristig Sicherheit bietet. Das Rentenalter wurde angehoben und wird gekoppelt an die Lebenserwartung weiter steigen. Auch Dänemark handhabt das so. Das Konzept leuchtet ein. Wir leben länger und brauchen darum auch mehr Kapital, um dieses Leben zu finanzieren.
Auch die zweite Säule hat aber ein Problem. Wäre es aus Sicht der heute Zwanzig- bis Fünfzigjährigen nicht sogar attraktiver, ihr Geld stärker privat zu investieren, in Säule-3a-Fonds oder auch ETF und Aktien?
In Grossbritannien ist dies möglich, dort kann man sich aus der zweiten Säule auskaufen. Man muss dafür nachweisen, dass man eine vergleichbare private Lösung hat. Hier hat das Individuum mehr Freiheit, für den eigenen Vorteil zu agieren. Gleichzeitig ist der Solidaritätsgedanke komplett ausgenommen. Das wirft andere Diskussionen auf. Was macht man mit denen, die ihre Vorsorge selbst in die Hand genommen haben, die aber gescheitert sind und damit auf Ergänzungsleistungen angewiesen? Sind die dann einfach selbst schuld, Pech gehabt? Ich würde bezweifeln, dass die Mehrheit der Menschen die Disziplin und das Kapital aufbringt, konsequent und ausreichend privat vorzusorgen. Darum denke ich, dass das Ersparte in der zweiten Säule besser aufgehoben ist.
Was Sie jetzt sparen müssen, um Ihren Lebensstil im Alter zu halten
Ohne AHV-Reform müssen die Schweizer mehr Eigenleistung erbringen, um sich im Alter abzusichern. Berechnungen zeigen, wie viel sie zur Seite legen müssten. Zur Analyse (Abo).
Sie schlagen eine Erhöhung des Rentenalters vor, aber gibt es überhaupt genug Nachfrage nach älteren Arbeitnehmenden?
Ein Henne-oder-Ei-Problem. Erhöhen wir zuerst das Rentenalter oder muss die Wirtschaft erst zeigen, dass sie genügend ältere Arbeitnehmende integrieren kann, bevor wir das Rentenalter nach oben anpassen? Ich denke, wir brauchen zuerst einen Befreiungsschlag beim Rentenalter. Es ist ein negativer Fixpunkt. Von klein auf lernen wir, dass wir ins Arbeitsleben eintreten, Karriere machen und dann bis zum Alter von rund 65 Jahren arbeiten. Es gibt Studien, die spezifisch für die Schweiz zeigen, dass die Anpassungen für Frauen in den 2000er Jahren und ebenso die Erhöhung des Rentenalters im Baugewerbe dazu geführt haben, dass Arbeitgeber stärker in ältere Arbeitnehmende investiert haben. Das spricht dafür, dass es zuerst die Erhöhung des Rentenalters braucht, dann würde die Wirtschaft auch folgen.