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| Cyrillus von Alexandrien († 444) - Gegen diejenigen, welche nicht zugeben wollen, dass die heilige Jungfrau
Gottesgebärerin ist (Adversus nolentes confiteri sanctam virginem esse Deiparam)

28.
Daß er aber in der Absicht, das Geziemende zu wahren, alles der Menschwerdung entsprechend tat und dem Fleische gestattete, sich in seiner Eigenart zu zeigen, das mag er dir hinwiederum selbst beweisen. Denn als der selige Täufer zu ihm sprach: „Ich habe nötig, von dir getauft zu werden", antwortete er ihm: „Laß das jetzt, denn so geziemt es sich, alle Gerechtigkeit zu erfüllen."1Siehst du, wie er auch die Taufe und alles Geziemende der Menschwerdung entsprechend auf sich nahm? Wenn du also „Knabe" und „Kindlein" hörst und was immer, wie vorhin gesagt, Menschliches von ihm geschrieben ist, so wähne nicht, daß er jemals von der Gottheit losgelöst gewesen sei! Denn auch da, wo er Mensch genannt wird, wird er zugleich als Gott dargestellt, wie oft bewiesen worden. Außer dem schon Gesagten bezeugt dies auch der selige Täufer, indem er von ihm sagt: „Denn nach mir kommt ein Mann, der vor mir aufgetreten ist, weil er früher war als ich, und ich kannte ihn nicht.“2Wie nun kann er ihn einen Mann nennen, der früher war als er? Ist doch der Zeit der Menschwerdung nach vielmehr der selige Täufer der früher Geborene. Denn als Gabriel der Gottesgebärerin Maria die unbefleckte Empfängnis ankündigte, sagte er, es sei bereits der sechste Monat, daß Elisabeth den Täufer empfangen habe.3Wie also kann er ihn einen Mann nennen, der früher war als er, wenn nicht deshalb, weil er wohl wußte, daß er menschgewordener Gott war? „Nach mir", sagt er, „kommt ein Mann, der vor mir auf getreten ist, weil er früher war als ich." Wie aber konnte er, wenn er früher war als er, später vor ihm auftreten? In der Offenbarung und der Erkenntnis bei dem Volke. Denn bevor er zum Predigen kam, war er der Menge nicht sehr bekannt; der Täufer aber predigte und taufte schon vor ihm. Als dann jedoch auch der Herr anfing zu predigen und die Wunder zu wirken, hat er vor dem Täufer, d. h. über den Täufer hinaus, den Vorrang erlangt. Daß dies der Sinn des Wörtchens „vor" ist, kannst du von den Jüngern des Johannes hören, die zu ihm sprachen: „Meister, der, der bei dir am Jordan war, dem du Zeugnis gegeben hast, siehe, der tauft, und alle kommen zu ihm."4Siehst du, wie er ihn als Mann und als Frühern verkündet hat?
1: Matth. 3, 14 f.
2: Joh. 1, 30 f.
3: Luk. 1, 36.
4: Joh. 3, 20.