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Slowakische Kulturszene protestiert gegen Kulturministerin
Quelle: RTVS - 23. 05. 2019 13:54
Foto: Hana Fábry
Vor dem slowakischen Kulturministerium in Bratislava haben sich am Mittwochabend bei strömendem Regen mehrere hundert Menschen versammelt, um den Rücktritt von Kulturministerin Ľubica Laššáková zu fordern. Organisiert wurde der Protest von der Initiative „Stojime pri Kulture"- auf Deutsch „Wir stehen zur Kultur" - hinter der Studenten slowakischer Kunstunis und Vertreter aus der Kunst und Kulturszene stehen. Anlass für den Protest waren die jüngsten Entscheidungen der Kulturministerin, keine Kulturprojekte von LGBTI-Organisationen zu fördern oder das Budget einiger progressiver Kulturinstitutionen zu kürzen. Durch diese Handlungen habe Laššáková definitiv das Vertrauen der Kulturschaffenden verloren, hieß es in einer Stellungnahme der Organisatoren. Unterstützt wurde der Protest von zahlreichen etablierten Vertretern der Kulturszene, unter ihnen etwa auch der Schauspieler und Theaterregisseur Martin Huba. Laut ihm werde die Kultur in der Slowakei bereits langfristig gezielt vernachlässigt: "Die Folgen der Vernachlässigung der Kultur sind paradoxerweise besonders dort zu erkennen, wo am meisten über sie entschieden wird. Die Politik ist ein deutlicher Indikator einer Unkultur."
Eine kultivierte Gesellschaft sei sich der Bedeutung von Kultur aber sehr wohl bewusst, so Huba weiter. Und genauso wisse auch ein Mensch, der in einem sicheren, anständigen und kultivierten Land leben wolle, in dem nicht betrogen, gestohlen oder gemordet wird, dass vor allem in Bildung und Kultur investiert werden müsse: "Wenn die wirtschaftlichen Ergebnisse eines Landes so gut sind, dass es sich den Ankauf von teurer Militärtechnik leisten kann, verfügt ein Land auch über die Mittel, um in die Gesellschaft zu investieren und analytisches und kritisches Denken zu fördern."
So der renommierte Regisseur Martin Huba unter dem Applaus hunderter Protestierender in Bratislava, die immer wieder den Appell „odstúpiť!" (zurücktreten!) an Kulturministerin Laššáková richteten. Laut Vertretern der Protestinitiative „Stojime pri Kulture" liege es nun an Laššáková selbst, die Konsequenzen zu ziehen, wobei dies gleichzeitig auch eine letzte Gelegenheit für sie sein könnte, endlich Haltung zu zeigen.
Jürgen Rendl