Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03337.jsonl.gz/2153

Johann Wolfgang von Goethe schrieb diesen bekannten Satz Ende des 18. Jahrhunderts, viele Jahre bevor die revolutionäre Arbeit von Thomas Edison Licht ins Dunkle brachte. Zu viel? Wie viele Wahrzeichen und Strassen sind jede Nacht beleuchtet, welche es gar nicht nötig hätten? Licht ist nicht nur gut, denn es macht keinen Halt vor der Stadtgrenze und wirft somit einen düsteren Schatten auf die angrenzende Natur.
Lichtverschmutzung – was ist das?
Licht ist unendlich, strahlt in alle Richtungen und somit auch in den Himmel. Die Lichtverschmutzung, auch Light Pollution genannt, ist heute ein weltweites Problem für Mensch, Tier und Umwelt. Meist durch künstliche Lichtquellen wird der Nachthimmel aufgehellt und einzelne Lichtpartikel gelangen in die Luftschichten und in die Erdatmosphäre. Dies hat störende Einflüsse auf Flora, Fauna und die astronomischen Beobachtungen des Nachthimmels.
Viele Grossstädte wie z.B. Kowloon City (nähe Hong Kong) und Paris sind flächendeckend 24h am Tag beleuchtet. Auf den Satellitenbildern (Stand 2016) sieht man Färbungen von grün = keine Lichtverschmutzung bis hin zu rot = sehr starke Lichtverschmutzung.
«Mittlerweile sind weltweit 80% der Menschheit von diesem Problem betroffen und in den USA und in Europa bereits 99%.»
Die Ursachen:
Durch falsch oder gar nicht abgeschirmte Lichtquellen wird der Nachthimmel über den Städten großräumig erhellt. Dadurch ist die Belastung der Städte und deren umliegenden Dörfern am grössten. Darüber hinaus sind Quellen von künstlichem Licht, welche ineffizient beleuchten besonders belastend, wie zum Beispiel die von öffentlichen Strassen, Bahnhöfen und Flughäfen, Freizeitanlagen, Gebäuden und Denkmälern. Je nachdem in welche Richtung und mit welcher Intensität das Licht abgestrahlt wird, kann es zu einer überregionalen Ausbreitung kommen. Wir wollten uns auf unser unmittelbares Umfeld konzentrieren und untersuchten nun, was wir in unseren Wohnorten feststellen können. Wir wollten herausfinden, ob die Satellitenbilder mit dem, was man nachts von blossem Auge sieht, übereinstimmen. Was dabei herauskam, stimmte mit unseren Erwartungen überein:
Welche Auswirkungen bringt die Lichtverschmutzung mit sich?
Einfluss auf die Fauna
Es gibt drei verschiedene Arten der Lichtverschmutzung: Lokale-, regionale- und überregionale Ausbreitung.
- Bei der lokalen Ausbreitung werden Pflanzen in der direkten Umgebung der Lichtquelle beeinflusst, sowie Insekten angezogen, welche zum Beispiel aus Ermüdung im Innern einer Strassenlampe verenden.
- Dagegen ist bei der regionalen Ausbreitung oftmals bei Nebel und/oder Regen eine sogenannte Lichtglocke zusehen, welche Zugvögel anziehen kann und deren Orientierung vermindert.
- Die überregionale Ausbreitung entsteht dadurch, dass das Licht ohne Abschirmung abgestrahlt oder durch Reflektion in den Nachthimmel gelangt.
Die nach oben ausgerichteten Lichtemissionen sind seit den 90er Jahren um rund 70% gestiegen, wodurch natürliche dunkle Gebiete immer seltener werden. Die Aufhellung des natürlichen Lebensraums bekommen viele Tiere merklich zu spüren. Ein besonderes Augenmerk ist hier auf die fliegenden Tierarten zu werfen. Als erstes auch in der Schweiz ansässige Zugvögel, welche sich zwar auch am Erdmagnetfeld orientieren können, jedoch die Orientierung mithilfe der Sterne bevorzugen. Durch die erhellte Atmosphäre werden sie sozusagen von Städten angezogen und brauchen so zusätzliche Energie, die ihnen allenfalls auf der weiteren Reise fehlt.
Fledermäuse werden durch die einwirkenden Lichtreflexe daran gehindert, frei und ungestört zu jagen. Aufgrund dessen wird die Nahrungssuche, sowie die Fortpflanzung durch den eingeschränkten Bewegungsraum erschwert. Falter und ähnliche Insekten, welche zur Nahrung der bereits genannten Flieger gehören, werden durch die künstlichen Lichtquellen angezogen und so sterben jede Nacht bis zu 150 Insekten pro Strassenlaterne.
Einfluss Auf die Flora
Durch die fast 24 Stunden vorhandene Beleuchtung in Städten werden vor allem Pflanzen und kleinere Bäume in stadtnähe in ihrem Biorhythmus gestört. Die Folgen davon können verschiedene Ausmasse annehmen. Erstens können im Herbst Bäume, welche in unmittelbarer nähe von Beleuchtungen stehen, die Blätter zu spät verlieren, wodurch es zu Frostschäden kommen kann. Ebenfalls kann es sein, dass die betroffenen Pflanzen im Frühling zu früh mit der Blüte beginnen. Durch ein vorzeitiges Blühen kann es vorkommen, dass diese nicht rechtzeitig bestäubt werden und die Pflanzenbestände rückläufig werden.
Auswirkungen auf den Menschen
Bereits wenig intensives Licht kann beim Menschen Belästigungen bewirken und bis hin zu Schlafstörungen vieles auslösen. Genügend Licht ist für die Stimmung, wie auch die Gesundheit des Menschen unbedingt notwendig. Zu viel Licht, vor allem von Künstlichen Quellen, hat einen negativen Einfluss auf das Wohlbefinden des Menschen. In der Literatur wird von einer psychologischen Blendung gesprochen, wenn jemand in der Nacht von Licht im Gesichtsfeld gestört wird. In diesem Fall werden nach einer Hypothese die Netzhaut und die Augenmuskulatur durch die hellen und dunklen Stellen überstrapaziert und somit geraten sie in Konflikt mit der Pupille. Bei Aufhellung des Wohnbereiches oder der Nachbarschaft spricht man von einer Raumaufhellung. Bei einer zu starken Raumaufhellung können unterschiedliche Auswirkungen auftreten, jedoch ist die am häufigsten auftretende negative Auswirkung eine Störung des Schlafrhythmus. Besonders störend ist gelbes oder weisses Licht, oder auch Lichter in den Farben grün, rot und blau. Aus diesem Grund haben bereits kleine LED-Bildschirme (z.B. Smartphones) einen schlechten Einfluss. Blinkende Lichter mit geringer oder hoher Frequenz können nicht nur bei Nacht einen negativen Einfluss haben. Tagsüber können auch Reflektionen des Sonnenlichts den Schlaf-Wach-Rhythmus bereits am Morgen beeinträchtigen.
Was kann man dagegen tun?
Trotz der überspitzten Art, wie wir unser Titelbild dargestellt haben, bräuchte es nicht viel, um unseren Nachthimmel wieder wie in den «guten alten Zeiten» bestaunen zu können. Um die Lichtverschmutzung einzugrenzen gibt es verschiedene Ansätze. Als erstes kann die Belichtung so installiert werden, dass nur noch der benötigte Bereich und nicht mehr die ganze Umgebung beleuchtet wird. Dies kann durch neuartige LED-Strassenleuchten erreicht werden, welche aufgrund der eingebauten lichtemittierenden Dioden einen bestimmten Abstrahlwinkel besitzen und stufenlos dimmbar sind. Durch eine dimmbare Installation kann nicht nur die Beleuchtungsdauer auf das nötigste reduziert werden, sondern darüber hinaus wird auch der Stromverbrauch verringert.
Laupersdorf machte einen vorbildlichen Schritt in die richtige Richtung: Da die 290 Quecksilberdampfleuchten im Gemeindegebiet in die Jahre gekommen und der Unterhalt immer höher wurde, entschied die Gemeinde, diese ineffizienten, alten Leuchten komplett durch moderne LED-Leuchten zu ersetzen. Die Gemeinde plant bis Herbst dieses Jahres sämtliche alten Leuchten ersetzt zu haben. Diese LED-Leuchten bringen viele Vorteile, wie zum Beispiel eine Stromeinsparung von 65% und eine Reduktion der Gesamtleistung der Strassenbeleuchtung von heute 28 KW auf neu 7 KW. Dadurch werden pro Jahr Einsparungen in Betrieb und Unterhalt von ca. 25’000.- generiert.
Die LED-Leuchten werden wie folgt abgesenkt respektive wieder erhöht:
- Absenkung um 22.30 Uhr auf 70%
- Absenkung um 00.30 Uhr auf 40%
- Erhöhung um 05.00 Uhr auf 70%
- Erhöhung um 06.00 Uhr auf 100%
Konkret hiesse das zum Beispiel, dass Denkmäler und Wahrzeichen nur bis Mitternacht voll beleuchtet werden, um in den Nachtstunden eine kleinere Erhellung des Nachthimmels zu erzeugen. Strassenleuchten an schwach frequentierten Strassen könnten ohne Probleme zu später Stunde zur Hälfte aus dem Betrieb genommen werden. Jeder einzelne kann dazu beitragen, dass die Beleuchtungen auf das Nötigste minimiert werden. Bewegungsmelder sind so einzustellen, dass sie nicht bei der kleinsten Bewegung einschalten und nur den benötigten Bereich beleuchten.
Fazit
Es ist nicht viel von Nöten, um die Lichtverschmutzung zu minimieren. Jeder einzelne kann etwas dazu beitragen, um den Anblick des Nachthimmels wieder geniessen zu können. Einfache Ansätze im Haushalt und dem eigenen Garten können im Ganzen bereits einen grossen Beitrag zum Allgemeinen geben. Bewusstsein zum Thema kann durch Sensibilisierung der Gesellschaft ein Schritt in die richtige Richtung sein, denn es benötigt nicht zwingend Investitionen in neue Lichtinstallationen.
Wer sein Wissen testen möchte, kann sich hier selbst testen.
Autoren:
- Cécile Marthaler
- Eric Schneider
- Léonie Plüss
Textverzeichnis:
Bildverzeichnis:
- Alle Satellitenbilder von lightpollutionmap.info.
- Alle Nachtaufnahmen sind selbst aufgenommen worden.
- Das Titelbild ist eine Photoshop-Komposition.