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Cy Twombly, Malerei & Skulptur
bis 13.03.2016
Museum für Gegenwartskunst Basel
Von Bernhard Mendes Bürgi
Kurator der Ausstellung
Bis zum 13. März 2016 werden im Museum für Gegenwartskunst Werke des amerikanischen Künstlers Cy Twombly gezeigt. Im Fokus der Ausstellung stehen Gemälde der 1950er- bis 1970er-Jahre aus der Sammlung des Kunstmuseums Basel, ergänzt um Leihgaben der Emanuel Hoffmann-Stiftung und der Daros Collection. Zum ersten Mal präsentiert wird das hochformatige Gemälde Untitled aus dem Jahr 1969, welches 2013 als Schenkung von Katharina und Wilfrid Steib in die Sammlung des Kunstmuseums Basel eingegangen ist.
Der amerikanische Künstler Cy Twombly zählt neben Robert Rauschenberg und Jasper Johns, mit denen er eng befreundet war, zu den wichtigsten Vertretern einer Künstlergeneration, die sich in den 1950er-Jahren vom Abstrakten Expressionismus löste und ganz eigene, einflussreiche Bildsprachen entwickelte.
Twombly wurde 1928 in Lexington, Virginia, geboren und starb 2011 in Rom. In einer Zeit, als sich das Kunstzentrum von Paris nach New York verlagerte, zog Twombly 1957 in die umgekehrte Richtung, nämlich nach Rom. Hier fand er mediterranes Licht, aber auch die Geschichte, die Mythen und die Dichtung der Antike, die assoziativ in sein Werk einflossen. Meist weisse Bildfelder werden in einem ges-tisch kritzelnden Impetus, der dem Schreiben ähnlich ist, mit Strichen, Zeichen oder Wortfragmenten aktiviert. Es sind Spuren der persönlichen Erinnerung und des kollektiven Gedächtnisses in Verbindung von Schrift und Bild.
Im Fokus der Ausstellung stehen Gemälde der 1950er- bis 1970er-Jahre aus der Sammlung des Kunstmuseums Basel, ergänzt um Leihgaben der Emanuel Hoffmann-Stiftung und der Daros Collection, die über eine sehr bedeutende Werkgruppe Twomblys verfügt. Sie zeigen auf exemplarische Weise die künstlerische Entwicklungslinie im frühen Schaffen des Künstlers. Den Auftakt bildet ein Gemälde eher intimen Formats, das 1954 noch in New York entstanden ist und in seiner kompakten Farbmaterie und Pinselgestik Twomblys Herkunft vom Abstrakten Expressionismus evident macht. Die ab 1957 mehrheitlich in Rom entstandenen Gemälde schliessen bruchlos an, aber der dunkle Malgrund weicht lichten Bildfeldern in Gross- und Querformaten, freizügig rhythmisiert von Lineaturen aus Bleistift, Kreide oder Öl. Die Bilder, so scheint es, sind Zeugnisse eines während des Herstellungsprozesses durchlebten Zustandes, wobei korrigierende Eingriffe wie Durchstreichungen und Übermalungen auch verworfene Formen präsent belassen. So stellt sich eine Ambivalenz ein zwischen Offenlegen und Verbergen.
Zum ersten Mal wird das hochformatige Gemälde Untitled, 1969, präsentiert, das am Lago di Bolsena nördlich von Rom entstanden ist und eine feine, fensterartige Öffnung aus Bleistiftschraffuren inmitten eines weissen Farbfeldes zeigt. Dieses 2013 erfolgte Geschenk von Katharina und Wilfrid Steib an das Kunstmuseum Basel bildet den unmittelbaren Anlass für diese Ausstellung.
Dass sich heute eine stattliche Werkgruppe von Cy Twombly in Basel befindet, ist nicht ganz selbstverständlich, lag doch bei den Ankäufen von Werken aus Twomblys Generation der Schwerpunkt bei Jasper Johns und Frank Stella. Protokolle der Kunstkommission machen deutlich, dass der Weg hin zu Twombly eher steinig war. Am Anfang stand ein Ankauf der Emanuel Hoffmann-Stiftung, die 1970 das Werk Untitled erwarb, das im Jahr zuvor in Bolsena entstanden war. Dies geschah, lange bevor ein erstes Werk in die Öffentliche Kunstsammlung kam. Erst 1979 wurde, nach mehrfach vertagtem Entscheid, der Ankauf von Study for Presence of a Myth, 1959, beschlossen, nicht einstimmig und mit mehreren Enthaltungen. 1982 wurde unter Franz Meyers Nachfolger Christian Geelhaar der Ankauf des 1954 geschaffenen Gemäldes beschlossen; ein Jahr später wurde bereits über ein weiteres Werk verhandelt; man sah jedoch, dass die Bilder immer gefragter und teurer wurden. Schlussendlich genügten die angebotenen Werke nicht den Ansprüchen, und so kam das nächste Bild, Nini’s Painting, 1971, erst 1995 in die Sammlung. Es ist Katharina Schmidt und dem Arnold Rüdlinger-Fonds der Freiwilligen Akademischen Gesellschaft zu verdanken, dass 2001 über dieses grandiose Gemälde hinaus noch zwei Skulpturen erworben werden konnten, die der Künstler 1985 beziehungsweise 1990/1999 hauptsächlich aus weiss bemaltem Holz geschaffen hat.
Und nun rundet die Schenkung von Katharina und Wilfrid Steib auf das Glücklichste die Präsenz von Cy Twombly in Basel ab, die für die Dauer dieser Ausstellung im Museum für Gegenwartskunst, ergänzt durch drei hervorragende Gemälde aus der Daros Collection, die ideale Form findet.