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Keller Conrad, 1836-1892, Banker
Die Kellers mischten in der Stadt Winterthur mit, wo‘s nur ging: Vater Conrad als Banker, Sohn Gustav als Politiker.
Nach einem Aufsatz von ADRIAN KNOEPFLI
Conrad Keller, Direktor der Bank in Winterthur, bekam das Winterthurer Bürgerrecht geschenkt und hatte, als er 1892 starb, alle Stürme der 30 Jahre davor unbeschadet überstanden. Das war nicht selbstverständlich, hatte doch das Nationalbahn- (1878) und das Lloyd-Debakel (1883) sowie der Zusammenbruch der Kreditbank (1891) Opfer gefordert und Karrieren geknickt. «Einer der bedeutendsten Männer der Stadt geht zu Grabe», schrieb der «Landbote» nach Kellers Tod. Keller kam von Schaffhausen nach Winterthur, wo er 1862 zum Direktor der neu gegründeten Bank in Winterthur gewählt wurde. Durch die Heirat mit einer Tochter des Textilindustriellen Johann Ulrich Egg-Greuter sicherte er sich den Eintritt in die Winterthurer Oberschicht.
Er wurde Schwager des Spinnereibesitzers Eduard Bühler-Egg, zu seiner Verwandtschaft zählten weiter die Ziegler, Waefler und Zellweger. Keller war nicht nur massgeblich am Aufbau der Bank in Winterthur beteiligt, aus der 1912 die Schweizerische Bankgesellschaft und später die UBS hervorging. Er entwickelte sich zu einer Schlüsselfigur der damaligen Winterthurer Wirtschaft. 1871 spielte er eine wichtige Rolle bei der Gründung der Loki (SLM). Keller habe die Konzeptionen von Charles Brown durchgearbeitet, den Finanzplan für das Unternehmen entworfen und mit den Banken «dessen Finanzierung durchgeführt», heisst es in einer Festschrift.
1875 gehörte Keller dem Gründungskomitee der «Winterthur Unfall» an. Er war Verwaltungsrat der Hypothekarbank, und bei der Transportversicherung Lloyd sass er im Leitungsgremium. Deren Zusammenbruch konnte seine Position ebenso wenig gefährden wie die Sanierung «seiner » Bank, die 1887 notwendig wurde. Auch ausserhalb von Winterthur war Keller aktiv. In Basel beteiligte er sich an der Chemieirma der beiden Winterthurer Robert Bindschedler und Albert Busch, der Vorläuferin der Ciba.
In Schaffhausen wurde er Verwaltungsrat der Bank in Schaffhausen (heute ebenfalls UBS) und der Schweizerischen Industrie- Gesellschaft (SIG), und 1873 war er bei der Gründung der Schaffhauser Handelsbank dabei, die eine ziemlich riskante Politik verfolgte und 1884 scheiterte. Privat hatte Keller harte Schicksalsschläge zu verarbeiten. Seine Frau starb mit 26 Jahren. Keller verheiratete sich danach – damals eher unüblich – nicht mehr. 1889 verlor er seinen älteren Sohn, den 22-jährigen Theologiestudenten Conrad Gottfried.