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Johannes Wirz
Die Goethesche Theorie des Lebendigen postuliert u.a., dass Vererbung nicht Ursache, sondern Folge von Lebensprozessen ist. Ergebnisse der molekularen Genetik belegen dieses Postulat eindrücklich. Wir möchten mit diesem Projekt diese Vererbungsart genauer untersuchen. In einem ersten Schritt werden Pflanzen des Gemeinen Greiskrautes unter Stressbedingungen kultiviert, die eindeutige Unterschiede im Phänotyp hervorrufen: Licht und Schatten, Feuchte und Trockenheit, Salzstress. Aus Samen der verschiedenen "Umwelttypen" werden unter den beschriebenen Versuchsbedingungen über drei Generationen Pflanzen nachgebaut und in der vierten Generation unter neutralen, d.h. identischen Umgebungsbedingungen bez. Entwicklungsdynamik, Pflanzengestalt und Blattmetamorphose verglichen. Wir erwarten, dass Eigenschaften, die die Pflanzen im Laufe der drei Generationen erworben haben, weitergeben werden, d.h. Gestaltmerkmale ihrer Vorfahren erhalten bleiben. Bei positiven Ergebnissen wird der Versuch mit Arabidopsis thaliana, der Ackerschmalwand - dem "Arbeitspferd" der molekularen Pflanzengenetik - erweitert. Auch hier werden zunächst entwicklungsdynamische und morphologische Veränderungen dokumentiert und im neutralen Nachbau getestet. Wenn Versuche erfolgreich verlaufen, beabsichtigen wir, neben den phänotypischen auch epigenetische Veränderungen zu untersuchen - in Zusammenarbeit mit einem dafür eingerichteten Labor. Wir haben den Versuch im Frühjahr 2009 gestartet und im Herbst 2009 nach drei Generationen, 2010 nach vier und 2011 nach fünf und sechs Generationen Testvergleiche durchgeführt.
Ein Vorversuch, in dem Pflanzen mit den Aschen von verschiedenen Baumarten gedüngt wurden, hat gezeigt, dass Senecio hervorragend geeignet ist für solche Fragestellungen. Die Plastizität in Entwicklung, Pflanzengestalt und Blattform ist sehr ausgeprägt. Ebenso dramatisch reagieren die Pflanzen auf die jetzt eingerichteten Stressbedingungen.
Mitarbeiter:
Renatus Derbidge, Raj Modh, João Felipe Toni, Johannes Wirz