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Zürich 11. Juni 1870.
Hochgeachteter Herr!
Indem ich Ihnen die gef. Mittheilung des Entwurfes zu dem Beitrittsvertrage von Norddeutschland bestens verdanke, halte ich auch dafür, daß sich am Ende nicht viel anderes machen lassen wird, als was die bundesräthliche Commission dem Bundesrathe vorzuschlagen gedenkt. 1 Dabei darf man sich indessen nicht verhehlen, daß die Wendung, welche die Beschaffung der deutschen Subvention genommen hat & nach dem Entwurfe nehmen soll, in Italien nachtheilig wirken dürfte. Deutschland verlangt Zeit bis Ende dieses Jahres, um seine Subvention beizubringen.2 Wie nahe liegt da nicht die ohnehin in Italien auf die Bahn gebrachte Idee, die Rati| fication des Gotthardvertrages auf den Wiederzusammentritt des Parlamentes im November zu verschieben! Ferner: Italien hat die Leistung einer Subvention von 45 Millionen in dem Vertrage3 versprochen & die Repräsentanten der deutschen Staaten an der internationalen Conferenz eine Subvention von 20 Millionen in Aussicht gestellt. Nun soll Italien seine 45 Millionen definitiv zusichern & dem Norddeutschen Bunde helfen, die an der deutschen Subvention fehlenden 7 Millionen in Deutschland zu sammeln! Eine harte Zumuthung, wenn ich die Stimmung in's Auge fasse, wie sie mir in Italien gegenüber dem Norddeutschen Bunde obzuwalten scheint. Delbrück4, der die Hauptschuld an dieser verzwickten Situation trägt, hat gewiß alle Veranlassung, um nichts unversucht zu lassen, was dazu geeignet ist, ihr eine | bessere Wendung zu geben. Ich denke also, man werde sehr gut daran thun, bei Unterzeichnung des in Unterhandlung begriffenen Vertrages die Erklärung des Norddeutschen Bundes entgegenzunehmen, daß er die Hauptaction für Beschaffung des fehlenden Theiles der deutschen Subvention übernehme.
Sie wünschen, daß Gonzenbach5 wieder nach Florenz gehe6, & es hat sich derselbe in einem mir heute zugekommenen Briefe7 hiezu bereit erklärt. Hr. Zingg, der eben bei mir war, und ich halten auch dafür, daß es keinen Sinn hätte, wenn G., der in den letzten Monaten die Gotthardvereinigung in Italien repräsentirte, gerade in dem gegenwärtigen Augenblicke nicht dort wäre. Überdieß glauben wir, daß es nicht gut sein würde, nur durch die eine & dazu noch sehr eigenthümlich gefärbte Brille Stamm's zu sehen. Ich werde daher mit dersel| ben Post, durch welche Ihnen dieser Brief zukommt, Gonzenbach einladen, sich wieder auf seinen Posten zu begeben.
Sie werden das heuchlerische Machwerk Sulzer's, die Gotthardpetition, nicht unbeachtet gelassen haben. Ich höre, daß von dieser Seite her eine Versammlung nach Aarau einberufen werde, um eine Action im Sinne der Petition zu organisiren.8 Ich würde glauben, es wäre nun an der Zeit, eine Demonstration gegen dieses Gebahren, & zwar gerade vom Ctn. Aargau aus, zu machen!
Ich höre, die Basler wollen neuerdings die Sitzfrage9 urgiren. Man würde glauben, Basel wäre von einer chinesischen Mauer umgeben & blind für alles, was gegenwärtig in Gotthardsachen in der Welt vorgeht.
Ganz Ihr
Dr A Escher