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Die einzige aktive und erfolgreiche Stuckaturschule in der Schweiz war in Schaffhausen, gegründet in den 1660er Jahren vom Schaffhauser Samuel Höscheller. Davor wurden Stuckaturarbeiten in der Schweiz von Wanderarbeitern aus wichtigen Zentren in umliegenden Gegenden ausgeführt. Dazu gehören unter anderem die Lombardei, Wessobrunn (Oberbayern) vom 17. bis 18. Jahrundert, sowie der Bregenzerwald im 18. Jahrhundert. Samuel Höscheller konnte sich erfolgreich in der Deutschschweiz etablieren und sich gegen seine Konkurrenz behaupten, unter anderem auch deshalb, weil Schaffhausen reformiert war und somit einen sehr geringen Bedarf an prunkvollen Stuckdekorationen in Sakralbauten hatte. Höscheller war deshalb auf die Dekoration im Profanbau spezialisiert, ganz im Gegensatz zu den Stuckateuren aus den umliegenden Gebieten. Das heisst nicht, dass Höscheller und seine Nachfolger nie an Kirchen arbeiteten, oder dass seine Schule ausländische Arbeiter völlig verdrängte – jedoch geniesst die Schaffhauser Stuckaturschule eine Sonderstellung, da sie während etwas mehr als einem Jahrhunderte das einzige einheimische Stuckaturzentrum war.
Samuel Höscheller (1630–1713)
Über das frühe Leben Höschellers ist wenig bekannt, doch es wird angenommen, dass er wie sein Vater Goldschmied war. Auf seinen Reisen, von denen wir ebenfalls nicht genau wissen, wohin sie ihn führten, wird er wohl das Stuckhandwerk erlernt und zurück nach Schaffhausen gebracht haben. Die Werkstatt, bzw. Schule, die Höscheller hier begründete, gilt als bedeutend, weil er sich (als Erster) beim Schaffhauser Rat mit Erfolg für die Rechte und Zuständigkeitsbereiche der einheimischen «Gipser und Kalchschneider» einsetzte. Zudem konnte Höscheller auch auf künstlerischer Ebene mit anderen grossen Handwerkern und Zentren mithalten, welche vor allem aus der Lombardei und Wessobrunn stammten. Die älteste von Höscheller stammende Stuckdecke ist im Haus Zur Hagar und stammt aus dem Jahr 1663 (Bild 1). Sein Stil kann als direkte Entwicklung aus den Holzdecken der Renaissance gesehen werden und wird in der Literatur als massig, schwer, drängend und dicht beschrieben. Dies wird besonders offensichtlich, wenn man seine Werke mit denen seiner Nachfolger vergleicht, doch auch ohne Vergleichsmaterial fällt besonders auf dem zweiten Bild auf, dass die Ornamentik in der Tat sehr dicht ist und die Grundfläche bis an die Ränder fast vollständig bedeckt ist.
Johann Jacob Schärer (1667–1736)
1681, im Alter von 14 Jahren, wurde Johann Jacob Schärer bei Samuel Höscheller in die Lehre aufgenommen, wo er sich mit Eifer betätigte und grosse Begabung für die Kunst der Stuckatur zeigte. Danach ging Schärer einige Jahre auf Wanderschaft, unter anderem auch nach Deutschland/München. Ein frühes Beispiel seiner Kunst ist im Schaffhauser Rosengarten zu sehen, welches er 1687 im Alter von 20 Jahren fertigte. Sein Stil ist dem seines Lehrers noch sehr ähnlich, wohingegen man in späteren Werken beobachten kann, wie seine Ranken schmaler und filigraner werden und sie die einzelnen Flächen weniger dicht ausfüllen.
Johann Ulrich Schnetzler (1704–1763)
Auch Johann Ulrich Schnetzler zeigte schon früh künstlerische Begabung, und während etwa 5 Jahren lernte er das Stuckerhandwerk bei Schärer. Nach seiner Ausbildung zog er nach Wien und danach höchstwahrscheinlich weiter nach Paris, bis er wieder in die Schweiz zurückkehrte und neben Schaffhausen auch in Bern und Aarau tätig war. Schnetzlers Hauptwerk als Stuckateur fällt in die Régence-Periode und den Beginn des Rokoko. Auch bei ihm kann man beobachten, wie er den Stil seines Lehrmeisters weiterentwickelt: die leeren Flächen werden grösser, die Ornamentik und die Rahmen werden noch filigraner und nehmen zudem abstraktere geometrische Formen an. Zudem war Schnetzler auch als Kunstmaler tätig, was er zum Teil mit seinen Stuckaturarbeiten kombinierte.
Melchior Sorg (1745–1789)
Melchior Sorg war zwar nicht nachweislich ein Schüler von Schnetzler, doch als einer der letzten namentlich bekannten einheimischen Stuckmeister Schaffhausens hat er hier dennoch eine Erwähnung verdient. Er arbeitete zwischen 1780 und 1784 an den Decken im Zunfthaus der Kaufleute. Leider sind viele dieser Arbeiten im Laufe der Zeit verloren gegangen und heute nur noch bruchstückhaft vorhanden. Gleichzeitig arbeitete Melchior Sorg auch an den Decken im zweiten Obergeschoss des Zunfthauses Zum Rüden, welche heute auch noch erhalten sind. Sein Schaffenswerk fällt in die Zeit des Rokoko und wie schon die anderen Schaffhauser Meister vor ihm war er der internationalen Konkurrenz ebenbürtig. Im Rokoko steht die Idealisierung der Natur im Vordergrund, und so finden wir auch bei Melchior Sorg Ornamente, die aus stilisierter Flora und Fauna bestehen.