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28.02.2014 bis 10.04.2014
Da wir nicht selbst nach Mexiko-Stadt hinein fahren wollten, liessen wir unsere Motorräder auf der Ranch in Zitacuaro stehen und fuhren mit dem Bus.
Wir stürzten uns sogleich nach dem beziehen des Hotelzimmers ins Strassenleben und waren wie erwartet ziemlich beeindruckt vom Gewusel in den Strassen. Mexiko-Stadt hat (je nach Quelle) 20 – 24 Millionen Einwohner, also rund dreimal soviel wie in der ganzen Schweiz wohnen. Am Donnerstag Abend schien es, als wäre die ganze Stadt im Zentrum versammelt, um in der Fussgängerzone zu bummeln.
Bald fiel uns auf, dass viele der wunderschönen Gebäude aus der Kolonialzeit ziemlich schief in der Landschaft standen. Wie wir später erfuhren, sinkt die Stadt jährlich um circa einen Meter. Die heutige Metropole wurde auf einem zugeschütteten See gebaut, und der Untergrund sinkt seit Jahrhunderten unter der Last der immensen Kirchen, Kathedralen und Gebäude. Einige Häuser haben den Haupteingang heutzutage im ersten Untergeschoss, was ursprünglich mal das Erdgeschoss gewesen war.
Aus der grossen Anzahl an interessanten Museen schauten wir uns das sehr informative anthropologische Museum an. Dieses Museum beschreibt die Besiedelung von Mexiko von den ersten Siedlern bis zur Kolonialisierung, informiert über die Geschichte der verschiedenen indigenen Stämme wie Azteken, Mayas, und Olmeken und beleuchtet die Situation der indigenen Bevölkerung im Mexiko von heute.
Um etwas mehr über das historische Zentrum zu erfahren, nahmen wir an einer unterhaltsamen geführten Walking-Tour durchs historische Zentrum teil. Vor allem das Mauergemälde im Palacio Nacional, gemalt von Diego Riviera, beeindruckte uns sehr. Unser Guide wies uns auf relevante Details und versteckte Hinweise im Gemälde hin, die die Geschichte von Mexiko beschreiben. Ohne Informationen hätten wir das Bild wohl einfach angeschaut, aber nicht wirklich verstanden.
Weiter machten einen Ausflug nach Xochimilco, wo noch die letzten Überreste der vorkolonialistischen Mexiko-Stadt vorhanden sind. Die Ureinwohner bildeten ein Wasserkanalsystem mit schwimmenden Gärten, wo sie Gemüse und Früchte kultivierten. Auf diesen Kanälen werden heute auf sogenannten Trajineras Gondelfahrten angeboten, welche bei den Bewohnern vor allem als Wochenendausflug sehr beliebt sind.
Einen weiteren Ausflug machten wir in den Stadtteil Coyoacán, wo Frieda Kahlo’s Geburtshaus in ein interessantes Museum umgestaltet wurde. Frieda Kahlo ist Mexiko’s berühmteste Malerin, die vor allem durch ihre eigenwilligen Selbstportraits bekannt wurde.
Aus den ursprünglich vier geplanten Tagen wurden sechs. Mexiko-Stadt hat uns sehr gut gefallen, und wir waren sehr froh, dass die Neugierde unsere ursprüngliche Abneigung gegenüber dieser Stadt besiegt hat.
Mit dem Bus fuhren wir wieder zurück auf die Ranch, wo wir unsere Motorräder bepackten und nach Teotihuacán fuhren. Teotihuacán war eine der grössten und wichtigsten Städte des vorkolonialistischen Mesoamerikas. Die Stätte ist bekannt für ihre geometrische Stadtplanung sowie für die eindrücklichen Pyramiden (Pirámide del Sol, Sonnenpyramide, und Pirámide de la Luna, Mondpyramide). Die Pyramiden sind nach den Cheopspyramiden in Ägypten und den Pyramiden in Cholula (Mexiko) die dritthöchsten der Welt. Zu unserem Glück war es an diesem Tag bewölkt und nicht besonders heiss, so dass wir ohne Sonnenbrand und Hitzeschlag durchkamen. Wir schwitzten aber dennoch ziemlich, als wir die Pyramiden erklommen. Um die Sonnenpyramide zu besteigen, muss man 248 steile Stufen erklimmen um in den Genuss der imposanten Aussicht zu kommen.
Unser nächstes Ziel waren die beiden Vulkane Itzaccíhuatl und Popocatépetl, kurz Itza und Popo genannt. Da Popo zur Zeit aktiv ist, ist das Gebiet rund um diesen gesperrt. Wir konnten aber auf der schönen Passstrasse zwischen den beiden Feuerbergen hindurchfahren und dabei die wolkenfreie Sicht auf die beiden Gipfel geniessen. Mit 3’600 Meter über Meer war der Paso de Cortés der bis anhin höchste Punkt, den wir auf unserer Reise mit den Motorrädern befuhren.
In Santa María del Tule nahe der Stadt Oaxaca liessen wir uns wieder für ein paar Tage nieder. Auf dem Campingplatz trafen wir Myriam und Guido sowie Michelle und Brian wieder, die wir auf der Baja California kennen gelernt hatten. Wir besichtigten die farbenfrohe, von kolonialistischen Gebäuden geprägte Stadt Oaxaca. Auf dem schönen Markt entdeckten wir viele lokale Spezialitäten, denn die Küche des gleichnahmigen Bundesstaates gilt als die vielfältigste und beste von ganz Mexiko. Besonders berühmt ist die Region für die verschiedenen Sorten von Mole, einer Sauce auf Basis von Chilli und Gewürzen, die zu Fleisch, Geflügel und Fisch serviert wird. Zudem entdeckten wir eine weitere Spezialität, Chapulines. Chapulines, Grillen, werden frittiert oder geröstet, gewürzt in der lokalen Küche verwendet. Nach längerem Zögern entschlossen wir uns, doch mal einen Chapulin zu probieren, und waren überrascht, wie lecker dieser schmeckte. Und prompt kauften wir uns ein kleines Säckchen der Grillen, die wir am Abend mit Eiern, Guacamole und Gemüse in Tortillas gewickelt assen. Brian und Michelle machten tapfer mit, und es wurde ein amüsantes Nachtessen.
Zu unserer Freude hielt das kleine Dorf Santa María del Tule noch eine grosse Überraschung für uns bereit: hier nämlich steht der dickste, lebende Baum der Welt. Wir hatten von diesem Baum gelesen, als wir im Sequoia National Park (USA, siehe Bericht USA Teil 2) den voluminösesten Baum der Welt, den General Sherman Tree besichtigten. Die Sumpfzypresse steht mittem im Dorfzentrum und lädt mit dem schattenspendenden, weit ausladenden Blattwerk zum Verweilen ein.
Unser weiterer Weg führte uns von Santa María del Tule über eine wunderschöne, kurvenreiche Strecke an die Pazifikküste. In La Ventanilla bei Mazunte besuchten wir eine Süsswasserlagune, wo Krokodile heimisch sind. Auf der rund eineinhalbstündigen Bootstour in die mangrovenbewachsene Lagune konnten wir unzählige grüne Leguane, diverse Wasservögel und natürlich Krokodile sehen.
Nach einem kurzen Aufenthalt in San Cristóbal de las Casas, wo wir Myriam und Guido sowie Brian und Michelle per Zufall wieder trafen, fuhren wir nach Palenque, einer weiteren Ruinenstadt der Mayas.
Die Ruinen sind im Dschungel eingebettet, und das Entdecken der alten Gemäuer liess uns ein bisschen wie ‚Indiana Jones‘ fühlen. Nachts und frühmorgens wurden wir vom Konzert der Brüllaffen unterhalten, was den Dschungel noch etwas näher ans Bewusstsein rücken liess. Auch hier trafen wir wieder Brian und Michelle, und sogar Myriam und Guido kamen ungeplant vorbei. Nachdem wir uns während mehr als einem Monat nicht getroffen hatten, war dies das dritte mal innert weniger Tage. Von Palenque aus machten wir einen Bus-Ausflug zu den Wasserfällen Misol-Ha und Agua Azúl. Obwohl diese Naturschauspiele schön anzuschauen sind, hatten wir uns davon mehr erhofft. Vielleicht lag es aber auch daran, dass dies touristische Hotspots sind und aus unserer Sicht einfach zu überlaufen waren.
Von Palenque aus machten wir uns dann auf zur Halbinsel Yucatan, wo wir unseren Mexiko-Aufenthalt ausklingen lassen wollten. Die Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit trieben uns zuerst nach Bacalar am gleichnamigen See. Wir mieteten ein Kanu und unternahmen eine kleine Ausfahrt, genossen das herrliche Wetter und das Bad im See, obwohl dieses mit etwa 26° Celsius kaum eine Abkühlung bot.
Um die Fauna der karibischen Küste etwas zu erkunden fuhren wir nach Punta Allen, einem kleinem Fischerdorf auf der Halbinsel vor Tulum gelegen. Auf der dreistündigen Bootstour sahen wir in Mangroven brütende Vögel (unter anderem Fregattvögel und Pelikane), Delfine und sogar eine grosse Meeresschildkröte. Obwohl sie lediglich zweimal kurz auftauchte um zu Atmen war dies ein absolutes Highlight für uns. Nach einem kurzen Schnorchelbad und Baden in einer ruhigen Bucht führte uns unser Bootsführer zurück zu unserem Hotel, wo wir direkt unter Palmen am Strand unser Zelt aufgeschlagen hatten.
Auch die Fauna zu Land wollten wir noch etwas mehr erkunden, so fuhren wir von Punta Allen nach Calakmul zurück. Wir zelteten auf einem kleinen, aber sehr hübschen Zeltplatz direkt im tropischen Trockenwald, Selva genannt. Über uns schliefen die Brüllaffen, um dann mitten in der Nacht für ihre lautstarke Showeinlage bereit zu sein. Am nächsten Morgen ging es früh los, um sieben Uhr wurden wir und unser Guide abgeholt. Wir fuhren die rund 40 Kilometer durch den dichten Wald, wurden von balzenden wilden Pfauen angegriffen (ja, ein Auto könnte ein potentieller Nebenbuhler sein…) und kamen nach eineinhalb Stunden bei den Ruinen an. Die Ruinen wurden erst vor ungefähr sechzig Jahren entdeckt und die Ausgrabungen sind noch in vollem Gange. Bei ausländischen Touristen ist sie wenig bekannt, und der lange Anfahrtsweg hindert den Massentourismus zusätzlich. Ohne unseren Guide hätten wir uns in wenigen Minuten auf den zahlreichen schön gestalteten Wegen verirrt. So aber kamen wir in den Genuss aller Highlights, konnten Pyramiden besteigen und einen ersten Blick auf das lediglich einige Dutzend Kilometer entfernt gelegene Guatemala erheischen (ob es nun wirklich schon Guatemala war, sei dahingestellt, wir sahen einfach Wald, soweit das Auge reicht).
Nebst den Ruinen sahen wir auch den ersten Tukan in freier Wildbahn sowie weitere einheimische Vögel wie Fasane und erneut Pfauen.
Von Calakmul aus fuhren wir nach Chetumal, das direkt an der Grenze zu Belize liegt. Hier trafen wir wieder auf Simone und Michi und lernten Viviane und Holger kennen, die mit ihrem MAN-Truck nach Argentinien unterwegs sind. Wir verbrachten eine Woche auf dem schönen Zeltplatz, erledigten noch so dies und das und machten uns am 10. Mai auf nach Belize.
Wie es uns im einzigen englischsprachigen Land von Zentralamerika ergangen ist, werdet Ihr im nächsten Bericht erfahren.
Mexiko – Teil 3: unsere Eindrücke in Kurzform
- 3’497 gefahrene Kilometer in 41 Tagen
- Mexiko Stadt – es hat sich gelohnt
- Im Land der Mayas und Azteken
- Vom Dschungel in die Karibik