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Motivation
Wie alle guten Ideen entwickelte sich auch jene für dieses Projekt aus Ereignissen, die in meinem persönlichen Umfeld passierten. Relativ erfolglos versuchte ich einer Freundin über ihre Trennung hinwegzuhelfen. «Sag mal, kann es sein, dass es einfach an mir liegt? Oder warum passieren solche Dinge immer nur mir?», fragte sie mich. Während ich sie beschwichtigte, dass sie mit dieser Aussage komplett falsch liegen würde, konnte ich nicht anders, als mich selbst zu fragen: Betrifft Liebeskummer uns alle? Was haben andere Menschen in der Liebe erlebt und welch gute und schlechte Dinge sind ihnen widerfahren? Aus diesen und weiteren Fragen entwickelte sich das Interesse, einfach einmal diese anderen Menschen nach einer Antwort zu fragen.
Projektablauf
Mit einer vagen Vorstellung im Kopf, in welche Richtung sich mein Projekt möglicherweise entwickeln würde, stellte ich mir die folgenden zwei Fragen:
- Wen würde ich überhaupt befragen?
- Welches Medium wähle ich, um nicht nur die Antworten festhalten zu können, sondern um auch den Inhalt für andere zugänglich machen zu können?
Ich entschied mich dazu, die Suche nach potentiellen Interviewpartnern auf Frauen zu beschränken. Bewusst wollte ich mich darauf konzentrieren, Frauen zu finden, die sich einerseits in unterschiedlichen Umfeldern bewegen und anderseits verschieden alt sind. Ebenfalls war es für mich wichtig, dass ich einige meiner Interviewpartnerinnen gut kenne, während andere mir eher fremd sind. Eine Antwort auf die zweite Frage war schnell gefunden – ein Magazin soll die Geschichten festhalten. Dies, da ich selbst ein grosser Fan von Magazinen bin und aber auch weil ich schon seit längerem ein Interesse für grafische Arbeiten hege. Nachdem neun Frauen gefunden waren und die Gespräche mit ihnen stattgefunden hatten, formulierte ich das Gesagte in Geschichten um. Noch bevor ich mit dem eigentlichen Gestaltungsprozess gestartet bin, machte ich mir Gedanken, mit welcher Art von Bildern ich das Magazin illustrieren will. Es war mir ein dringliches Anliegen, dass sowohl über den Text wie auch über die Bilder die Anonymität meiner «Protagonistinnen» gewährleistet wird – aus diesem Grund entschied ich, Objekte zu fotografieren, welche den Inhalt des jeweiligen Textes versinnbildlichen. Nachdem die Fotos geschossen waren, begann der eigentliche Prozess des Layoutens. Beim Layout war es für mich wesentlich, dass dieses einerseits die Thematik widerspiegelt und anderseits von der Titelseite bis zum Schluss einem roten Faden folgt.
Herausforderungen
Auf dem Weg zum finalen Produkt traf ich folgende Hürden an:
Nicht nur die Suche nach Interviewpartnerinnen, sondern auch die anschliessenden Gespräche entpuppten sich schwieriger als gedacht. Auf Seiten der Frauen brauchte es sowohl Vertrauen, viel Zeit und nicht zuletzt auch Mut, über ein Thema zu sprechen, welches man oftmals überhaupt nicht oder nur mit engsten Freunden thematisiert. Aus diesem Grund habe ich mir im Vorfeld der Gespräche genau überlegt, wie weit ich gehen möchte und auch darf. Wie persönlich darf ich werden? Wo überschreite ich Grenzen? Was geht mich nichts an? Und was muss ich wissen, um eine Geschichte daraus formulieren zu können? Und vor allem: Wie kann ich ihnen das Gefühl geben, dass sie mir «Vertrauen» können? Es war durchaus eine Herausforderung, ein «Interview» zu führen, welches sich vielmehr wie ein Gespräch unter vier Augen anfühlen sollte und nichtsdestotrotz informativen Output liefert.
Nach den neun Gesprächen hatte ich neun Sprachaufnahmen, die teilweise eine gefühlte Ewigkeit lang waren. Die grosse Schwierigkeit bestand darin, gewisse Aspekte in der Geschichte zu streichen, ohne Einbussen hinsichtlich Verständlichkeit oder Aussagekraft in Kauf nehmen zu müssen. Eine weitere Schwierigkeit bestand darin, ein Gespräch, welches aus einem Wirrwarr von zeitlich nicht chronologischen Aussagen bestand, in eine verständliche und sinnvolle Reihenfolge zu bringen.
Auch der Schreibprozess an sich war nicht ganz ohne: Ich habe bereits meinen eigenen Schreibstil entwickelt und bis anhin fast ausschliesslich über Themen geschrieben, die mich entweder selbst betroffen haben oder die ich ausführlich recherchiert habe. Um jedem dieser Texte eine persönliche Note zu verleihen, konzentrierte ich mich aber explizit darauf, die Ausdrucksweise und Persönlichkeit der jeweiligen Protagonistin über die Wortwahl und Ausdrucksweise einzubinden und meinen Schreibstil in den Hintergrund zu stellen. Aus diesem Grund habe ich bewusst gewisse Sätze eins zu eins aus den Gesprächen übernommen – obwohl sie weder grammatikalisch korrekt noch meiner Meinung nach besonders schön ausformuliert waren. Ich denke, dass es mir aber nur dank dieser Entscheidung gelungen ist, die Emotionen der jeweiligen Person zu transportieren. Natürlich muss an dieser Stelle auch angemerkt werden, dass es sich bei jedem Text um eine Geschichte handelt und ich mir die künstlerische Freiheit genommen habe, gewisse Dinge auf Basis der Fakten zu ändern.
Als es darum ging, das passende Motiv für meine Bilder zu finden, kamen zwei weitere kleinere Problematiken auf: Einerseits wurde mir an diesem Punkt klar, dass das Projekt nicht ganz gratis bleiben wird und anderseits habe ich selbst noch nie fotografiert. Während ich das erste Problem wohl einfach schlucken musste, löste ich das zweite Problem, indem ich mir Unterstützung holte. Dank dieses Projektes kann ich nun in Zukunft selbst fotografieren. Bei der Bearbeitung der Bilder legte ich grossen Wert darauf, sie nur minimal zu bearbeiten und möglichst so zu belassen, wie sie geschossen wurden.
Die zeitintensivste und zugleich lehrreichste Herausforderung war das Gestalten des Magazins. Nebst den InDesign-Grundkenntnissen, die man uns im Modul Mediengestaltung beigebracht hat, hatte ich selbst wenig bis keine Erfahrung mit InDesign. Aus diesem Grund musste ich mich erstmals in die «Theorie» einlesen: Was sollte beachtet werden bei der Gestaltung eines Magazins? Was sind absolute No-Go’s? Wie gross sollte die Schrift sein? Was ist ein Durchschuss? Wie erstellt man ein Grid? Was ist ein Satzspiegel? Nachdem dies alles klar war, ging es an das Gestaltungskonzept meines Magazins. Da es für mich wichtig war, dass jeder Artikel dem roten Faden folgt und zugleich in sich einzigartig ist, hat das Layouten extrem viel Zeit beansprucht. Insgesamt habe ich sechs Versionen meines Magazins gestaltet, bevor eine siebte meiner vollsten Zufriedenheit entsprach. Die grösste Challenge in diesem Schritt des Gesamtprozesses war, den richtigen Mittelweg zwischen «Ein Magazin ist Kunst» und «Ein Magazin sollte lesbar und informativ sein» zu finden. Nach mehrmaligem Ausprobieren habe ich mich dazu entschieden, den «künstlerischen Aspekt» durch das Zusammenspiel einer serifenlosen Titelschrift und einer eher klassischen Serifenschrift für den Fliesstext, sowie einer tendenziell grossen Typografie, grösseren Bildern und viel Weissraum abzudecken. Über längere Zeit spielte ich mit dem Gedanken, Farbe ins Layout zu bringen. Am Ende habe ich mich aber dagegen entschieden, um den Kontrast zwischen Text und Bild noch mehr betonen zu können. Während ich am Anfang davon ausgegangen bin, dass jede Geschichte nur aus einem Fliesstext besteht, musste ich während des Gestaltens merken, dass ein Titel dem Layout mehr «Schwung» verleihen würde. Ebenfalls entschied ich mich dazu, zu jeder Geschichte einen kleineren «Infotext» zu schreiben, welcher die Person über die Fragen «Was arbeitest / studierst du?», «Wie alt bist du?», «Was habt ihr an eurem ersten Date unternommen und wie war es?», «Wie lange seid ihr zusammen gewesen und welches Stichwort kommt dir dabei in den Sinn?» und «Wie sieht dein momentaner Beziehungsstatus aus?» charakterisiert. So kann sich der Leser ein besseres Bild über die Person machen und mein Grundprinzip der Anonymität wird trotzdem nicht gebrochen. Nicht zuletzt war es auch nicht immer leicht, das Layout auf die Länge der Texte anzupassen. Gestalte ich noch einmal ein Magazin, dann würde ich auf jeden Fall zuerst das Layout definieren und dann die Texte auf die Zeichenlänge des Layouts anpassen.
Zuletzt musste ich mich mit dem Dilemma auseinandersetzten, wo und in welcher Art ich mein Magazin veröffentlichen will. Da ich selbst ein «Papier-Leser» bin, wollte ich, dass dies auch mit meinem Magazin möglich ist. Zeitgleich musste ich aber auch die momentanen Standards berücksichtigen – und diese schreien eindeutig nach digital. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschieden, dass wer das Magazin in Papierform lesen will, die Möglichkeit hat, dieses als PDF zu drucken. Wer es in digitaler Form bevorzugt, kann es in Form einer «Bildergalerie» lesen.
Schlussfazit
Eine Standardaussage ist, dass alles viel mehr Zeit kostet, als man ursprünglich dafür einplant - jene hat sich aber auch in meinem Projekt wieder einmal bewahrheitet. Glücklicherweise habe ich frühzeitig begonnen und stetig am Projekt gearbeitet. Dies hatte für mich aber auch «negative» Folgen: Ich habe mich in den Details verloren und habe – als hätte ich alle Zeit der Welt – jeden Textblock hunderttausend Mal von einer auf die andere Seite verschoben. Dadurch wiederum habe ich jetzt am Ende auch ein Layout, welches genau meinen Vorstellungen entspricht. Nebst dem Fakt, dass ich viel über Schriften und Gestaltungsmöglichkeiten lernen durfte, hat mich dieses Projekt angespornt, die behandelte Thematik weiterzuziehen und vielleicht auch mit einem nächsten Projekt auf eine andere Art und Weise einmal die Männer zu Wort kommen lassen. Zudem hat das Projekt für mich einige spannende Fragen aufgeworfen, die ich leider mit meinem Magazin noch nicht beantworten konnte: Wie liest man in Zukunft überhaupt ein Magazin? Lohnt es sich überhaupt noch ein Magazin zu drucken oder sollte man es nur noch in digitaler Form anbieten? Oder aber gibt es die Möglichkeit, das Rad neu zu erfinden und ein Format zu entwickeln, dass die beiden älteren verbindet?