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Studenten im dritten Jahr, Bachelor, an der Fakultät für Biologie und Medizin der Universität Lausanne
Einleitung
Fussballeuropameisterschaft 2008: Die WHO ruft Personen, die in die Schweiz reisen möchten, zur Kontrolle ihres Masern-Impfstatus auf [1].
Während die Durchimpfungsrate gegen bestimmte Krankheiten, etwa gegen Tetanus, in der Schweiz gut ist, scheinen hierzulande grössere Probleme beim Schutz gegen Masern zu bestehen. Zwischen 2014 und 2016 betrug die Durchimpfungsrate landesweit durchschnittlich 87% (Kinder unter zwei Jahren mit den zwei empfohlenen Dosen) [2], der Schwellenwert für die Herdenimmunität liegt für diese Krankheit jedoch bei etwa 95% [3]. Mithilfe dieser Studie sollte darum herausgefunden werden, warum in diesem hoch entwickelten Land noch immer kein vollständiger Schutz gegen Masern erreicht werden konnte. Unsere Arbeit bestand darin, die Faktoren zu bestimmen, welche die Eltern bei der Entscheidung, ihr Kind impfen zu lassen, beeinflussen können, insbesondere durch die Befragung von Gesundheitsfachpersonen zweier Kantone (Waadt und Tessin). So wollten wir versuchen, den Unterschied zwischen den beiden Regionen bei der Durchimpfung gegen Masern zu erklären: Im Alter von acht Jahren haben im Kanton Waadt 97% der Kinder zwei Impfdosen erhalten, im Tessin dagegen nur 92% [2].
Methode
Die Studie beruht auf der qualitativen Analyse von 14 Interviews, die wir führten, und von vorhandenen Statistiken.
Zu den befragten Akteuren zählten zwei Kinderärzte (einer pro Kanton), drei Schul-Pflegefachfrauen aus dem Kanton Waadt, zwei Schulärzte aus dem Kanton Tessin, ein auf Impfungen spezialisierter Pädiater, ein Epidemiologe, ein impfkritischer Allgemeinmediziner, zwei Sozialanthropologen, ein Politiker und ein Jurist aus dem Medizinbereich. Im Rahmen unserer Arbeit durften wir keine Patienten oder Eltern befragen.
Ergebnisse
Zwei Kategorien von Eltern nicht geimpfter Kinder konnten identifiziert werden:
– Personen, die sich strikt gegen Impfungen aussprechen und häufig religiöse oder kulturelle Überzeugungen als Grund angeben. Sie sind eine Minderheit und schwer zu überzeugen.
– Eltern von nicht oder teilweise (mit nur einer Dosis) geimpften Kindern, die Impfungen nicht grundsätzlich ablehnen, ihre Kinder jedoch aus Vergesslich- oder Nachlässigkeit nicht impfen lassen.
Im Hinblick auf die möglichen Faktoren für Vorbehalte gegen das Impfen (Abb. 1) weist die Studie darauf hin, dass ein Teil der Schweizer Bevölkerung sich weniger vor Masern fürchtet als in der Vergangenheit und dem Gesundheitssystem weniger vertraut. Ebenfalls eine Rolle spielt die Menge der im Internet verfügbaren Informationen, vertrauenswürdig oder nicht, die für die breite Bevölkerung bisweilen wenig verständlich sind. Darüber hinaus sind auch manche Gesundheitsfachpersonen Impfungen gegenüber kritisch eingestellt, was die Entscheidung der Eltern ebenfalls beeinflussen kann.
Der Unterschied zwischen den Durchimpfungsraten in den beiden Kantonen ist unserer Studie zufolge dadurch erklärbar, dass die Impfung von Schulkindern anders organsiert ist:
– Waadt: Die Schulen organisieren Impfungen und Informationsveranstaltungen für die Schülerinnen und Schüler, die von den Schulärztinnen und -ärzten und Pflegefachpersonen beaufsichtigt werden.
– Tessin: In den Schulen gibt es keine Pflegefachpersonen und keine Impfungen. Den Schulärztinnen und -ärzten obliegt lediglich eine informierende Funktion.
Diskussion
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die fundierte Information der Bevölkerung – durch die Behörden und die Gesundheitsfachpersonen (etwa die Hausärztinnen und -ärzte) – ein entscheidender Faktor zu sein scheint, um die Inzidenz von Masern zu senken. Die Nationale Strategie zur Masernelimination 2011–2015 war wirksam und hat zu einer Steigerung der Durchimpfungsrate geführt [4]. Weitere langfristige Lösungen könnten die Verwendung moderner Kommunikationsmittel (soziale Netzwerke) und der erleichterte Zugang zur Impfung sein (etwa in der Apotheke).
Der Vergleich zwischen den beiden Kantonen zeigt zudem, dass die Impfung an den Schulen eine wichtige Rolle spielen kann, da eine Überwachung des Impfstatus der Schulkinder dadurch möglich ist.
Die Studie weist schliesslich darauf hin, dass die Einführung eines Systems zur verpflichtenden Impfung in der Schweiz nach Ansicht der befragten Personen nicht unbedingt wünschenswert und sinnvoll wäre.
Danksagung
Wir danken unserer Tutorin, Dr. A. Fauvel, Dr. med. P.-A. Crisinel und allen unseren Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern.
Korrespondenzadresse
Dr. med. Jacques Gaume
Centre Hospitalier Universitaire Vaudois (CHUV)
Avenue de Beaumont 21 bis
Bâtiment P2
CH-1011 Lausanne
Jacques.Gaume[at]chuv.ch
Literatur
1 Kiefer B. Une Suisse seule et rougeoleuse, RMS, 2008.
2 BAG [online]. Bern; Durchimpfungskarte von Kindern und Jungendlichen: Vergleich 2014–2016 und 2005–2007, 2017 [abgerufen am 26. Juni 2018].
3 Altpeter E, et al. Marked increase in measles vaccination coverage among young adults in Switzerland: a campaign or cohort effect? Int J Public Health. 2018;63:589–99.
4 BAG [online]. Bern; Bilan de la Stratégie d’élimination de la rougeole; 2017 [cité le 26 Juin 2018]. Disponible: https://www.bag.admin.ch/bag/fr/home/aktuell/news/news-22-2-2017.html.
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