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Der folgende Text wurde von Esther Häni nach Angaben von Margarete Day verfasst und
erschien in den Mitteilungen | 98, 2013 (Rüttihubelbad)
Margarete Day
Eine Künstlerin im Rüttihubelbad
Seit eineinhalb Jahren wohnt die Künstlerin Margarete Day im Alterswohn- und Pflegeheim Rüttihubelbad. Vom 5. Oktober bis 10. November 2013 stellte sie in der Galerie der Stiftung ihre Bilder aus.
Margarete Day wurde am 10. Oktober 1923 in Binningen geboren und wuchs mit zwei älteren Schwestern in Dornach auf. Nachdem der Vater die Familie verlassen hatte, eröffnete ihre Mutter ein Coiffeurgeschäft. Sie sorgte allein und unter grossem Einsatz für ihre Töchter. Als für Margarete die Berufsfrage aufkam, war es klar, dass sie Coiffeuse erlernen sollte, um dann ins Geschäft der Mutter einzutreten.
Der Wunsch Malerin zu werden, war zu jener Zeit nicht realisierbar, aber in den freien Stunden nutzte sie jede Möglichkeit, mit Pinsel und Farbe die Umgebung malerisch zu erfassen. Ein grosses Erlebnis war die Begegnung mit der holländischen Malerin Louise van BIommestein. Durch sie wurde Margarete mit der Aquarellmalerei vertraut.
Es war ein ganz besonderes Glück für sie, später den Musiker Gabriel Day kennen zu lernen, die beiden heirateten am 10. November 1947 und zogen anschliessend nach Bern, wo Gabriel Day eine Anstellung im Symphonieorchester erhielt.
Neben dem Familienleben mit drei Kindern fand Margarete nicht mehr viel Zeit für ihre Kunst. Nach nur zehn Jahren Ehe erkrankte ihr Ehemann schwer. Es folgten Jahre der Hoffnung und Pflege, wobei die Malerin von ihren Kindern unterstützt wurde. Das Malen war während dieser Zeit eine Möglichkeit, das Leben neu zu gestalten, und eine Art der Verarbeitung.
Später begann Margarete Day wieder mehr zu malen und mit ihren Bildern an Gesamtausstellungen der «Vereinigung Künstler und Kunstfreunde Bern» teilzunehmen, erstmals an der Kollektivausstellung «Salon de Mai» 1971. Sie erhielt den «Stiftungspreis Architekt Schwaar» für das Bild «Kinder in der Grossstadt» und wurde darauf aufgefordert, alleine Ausstellungen durchzuführen. Ihre erste eigene Ausstellung in der Baumesse Bern fand 1972 mit Erfolg statt. Von da an stellte sie ihre Bilder beinahe jährlich aus, unter anderem in der «Trotte Arlesheim» (1987), im Timotheus-Zentrum Dornach (1988), im Atrium Reinach (1990), im Bärtschihus Gümligen (1996), in der Kirche Worb (2001) in der «Galerie S» der Schneider Farbwaren GmbH in Bern (2006) und im Scala Basel (2009).
Nach den ersten eigenen Ausstellungen folgte ein wichtiger Abschnitt im Leben von Margarete Day, in dem sie sich die Frage stellte, was sie mit dem Malen erreichen möchte. So informierte sie sich über die anthroposophische Maltherapie nach Margarethe Hauschka, absolvierte ein Praktikum für therapeutisches Malen bei Christel Suchantke in der Ita Wegmann Klinik in ArIesheim und besuchte regelmässig die Margarethe Hauschka - Schule in Bad Boll, Deutschland.
Ab 1971 unterrichtete sie körperlich und psychisch beeinträchtigte Menschen bei sich zu Hause und in einer Eingliederungsstätte für Behinderte im Malen. In einem Interview im «Bund» 1972 äusserte Margarete Day den Wunsch, mit Strafgefangenen zu arbeiten, da diese das Malen möglicherweise auch als eine Art Befreiung empfinden könnten. Kurz darauf wurde sie als erste Maltherapeutin in der Geschichte der Strafanstalt Thorberg angestellt. Margarete Day arbeitete auch in der Strafvollzuganstalt Witzwil und im Bezirksgefängnis Bern als Maltherapeutin. Dabei standen nicht nur Malen und Gestalten, sondern auch die Beantwortung von Fragen zum Leben im Vordergrund.
Diese Anstellungen führten zu drei ganz besonderen Erlebnissen. 1976 organisierte sie eine Ausstellung mit Werken der Gefangenen in der Schulwarte Bern «Kreatives Arbeiten in Thorberg - Strafgefangene stellen aus». Das Schweizer Fernsehen wurde darauf aufmerksam und gestaltete einen Beitrag zu Margarete Day. 1980 fand eine weitere Ausstellung mit Werken von Strafgefangenen aus dem Bezirksgefängis Bern, der Strafanstalt Thorberg und dem Eschenhof Witzwil in Bern statt.
Aufgrund des Fernsehbeitrags erhielt die Künstlerin später die Einladung des Kunstmuseums Bern, mit einer Gruppe von Drogenabhängigen aus der Strafvollzuganstalt Witzwil im Jahr 1981 ein Objekt zu entwickeln. Während zwei Wochen gestalteten drei Strafgefangene je 8 Bilder aus ihrem Leben, wobei sie von Margarete Day unterstützt wurden. Es entstand ein wandhohes Werk mit Dispersionsfarben, eingeteilt in verschiedene, individuell gestaltete Flächen.
«Die Reise ihres Lebens» führte Margarete Day 1983 nach Amerika. Sie gab für die «Anthropological Society in Hawaii » einen Malkurs in Honolulu, malte während einer «nice demonstration» in Florida ein Bild vor Live-Publikum und präsentierte eine eintägige Vorführung in einem Seminar mit Prof. Glass in Detroit. Insgesamt verbrachte sie 10 Wochen in den USA. Weitere Reisen führten sie nach Rumänien und Bulgarien, wo sie mit Fresken ausgemalte orthodoxe Klöster besuchte, und nach Spanien, wo sie drei Monate lang lebte. Für kurze Zeit richtete Margarete Day 1991 bei sich zu Hause in Bern eine Galerie ein, die an jedem ersten Sonntag im Monat für Besucherinnen geöffnet war. Dabei erzählte sie auch Märchen, zu denen sie ihre Märchenbilder auf Dias projizierte. Auch an speziellen Anlässen ausserhalb ihrer Galerie, unter anderem im Spiegel, in Aarberg, Liebefeld und Bern, präsentierte die Malerin ihre Märchenbilder.
Zwei Videokünstler, Max Quirin Scholl und Michael Scherling, gestalteten später DVDs, auf denen Margarete Day zu den gemalten Bildern und Musik die Märchen erzählt. Im Januar 2014 erscheint das Kinderbilderbuch «Die kleine Spinne Mia», das vom österreichischen Novum-Verlag publiziert wird. Im Rüttihubelbad fanden schon vier Ausstellungen mit Bildern von Margarete Day statt, die letzte im Jahr 2008 zu ihrem 85.Geburtstag. An der diesjährigen Ausstellung vom 5. Oktober bis 10. November2013 zeigte Margarete Day auch Bilder, welche sie seit Juli 2012 im Alterswohn- und Pflegeheim Rüttihubelbad gemalt hatte.

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