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Alfred «Fredi» Lengacher 1931-2024
Wer sich in Stein am Rhein für Politik interessiert, kannte Fredi Lengacher als langjähriges treues engagiertes SP Mitglied. Als Leserbriefschreiber signierte er sein Werk häufig mit “der rote Fredi”. Schon sein Vater war Sozialdemokrat. Fredi machte eine Lehre in der Schuhfabrik. Er wurde Zuschneider und arbeitete einige Jahre bei der Schuhfabrik Henke. Er wurde aktives Mitglied der Gewerkschaft VBLA (Verband der Bekleidungs- und Lederarbeiter). Mit 22 Jahren erfolgte der Beitritt zur Schweizerischen Arbeitspartei SAP, wie sie damals noch hiess. Damals begann für Fredi die Tradition am 1. Mai-Umzug dabei zu sein, das war ihm bis ins hohe Alter wichtig. Letztes Jahr, lieber Fredi, wird es das letzte Mal gewesen sein, dass Du mit uns auf dem Fronwagplatz die Internationale gesungen hast. Wie er einmal sagte, habe er den 1.Mai-Umzug nur einmal verpasst, weil er in den Ferien war. Fredi hat seine politische Einstellung nie versteckt, obwohl er damit immer wieder auch aneckte. So war die Arbeitgeberin seiner künftigen Frau Nelly Jufer nicht glücklich, dass diese mit einem “Sozi” zusammen war.
1954 heiratete er seine Nelly. Im gleichen Jahr wurde er erstmals in den Einwohnerrat gewählt. Berufliche Gründe veranlassten ihn den Rat nach vier Jahren wieder zu verlassen; als Kantonspolizist in Schaffhausen musste er am Arbeitsplatz Wohnsitz nehmen. Später wurde er nach Schleitheim versetzt, kam dann wieder nach Schaffhausen zurück. In dieser Zeit wurden die beiden Kinder geboren. Nach dem Tod der Eltern bestand die Möglichkeit das Haus im Riet zu übernehmen, aber solange er nicht im Polizeiposten Stein am Rhein Dienst tun konnte, war das unmöglich. Fredi entschied sich deshalb noch einmal den Beruf zu wechseln. Er wurde Kanzlist und Aktuar beim Verhöramt Schaffhausen. So pendelte er jeweils mit dem Zug nach Schaffhausen.
Zurück in Stein am Rhein wurde er auch wieder im Einwohnerrat aktiv und gehörte diesem von 1976 bis 1992 an. Er wurde immer mit sehr guten Resultaten gewählt. Fredi hält den Rekord, den am längsten unerledigten parlamentarischen Vorstoss eingereicht zu haben. Seine 1982 überwiesene Motion für einen Radweg Jugendherberge–Undertor konnte erst 2014 als erledigt abgeschrieben werden. Im Kantonsrat war Fredi von 1980 bis 1992 aktiv. Als Halb-Ramsemer mütterlicherseits fand er, diese Funktion passe ihm gut.
Fredi hat nie mit seiner Meinung hinter dem Berg gehalten und immer klar gesagt, was er gedacht hat. Er hatte auch keine Angst vor Menschen, die sich selber wichtig nehmen. Für die SP-Sektion war er immer eine Inspiration, die SP für ihn eine zweite Familie. Fredi kam bis zuletzt immer an unsere Veranstaltungen und brachte sich aktiv ein. Eine der wichtigen Fragen in den letzten Jahren für den Vorstand lautete daher: “Wer holt Fredi ab?”
Neben der Politik interessierte sich Fredi für vieles. Ganz besonders liebte er die Musik und wenn immer möglich schwang er das Tanzbein.
Fredi, du wirst uns fehlen! Fredi, danke für alles, was du für uns getan hast.
SP-Präsidium Stein am Rhein, 25. März 2024
Steiner Anzeiger: 2024-03-26 Alfred «Fredi» Lengacher 1931-2024
Links: Fredy Lengacher mit Tamara Pompeo an einer Parteiversammlung der SP
im September 2019
Unten Mitte: Fredy Lengacher am 1. Mai-Umzug
Ganz Unten: Fredy mit Bundesrat Alain Berset, 1. August 2022
Zum 90. Geburtstag von Fredy Lengacher
Am 25. März durfte Alfred Lengacher seinen 90. Geburtstag feiern. Vielen mag er auch noch als «roter Fredy vom Riet» bekannt sein, ist er doch schon seit 68 Jahren Mitglied der SP, eingetreten am 14. März 1953 als 21-jähriger Mann. In Stein am Rhein in die SP und nicht in eine bürgerliche Partei einzutreten habe Mut gekostet. Doch bereuen tut er es bis heute nicht. Eineinhalb Jahre nach seinem Parteieintritt schaffte er zum ersten Mal die Wahl in den Steiner Einwohnerrat. Am 24. Oktober 1954 wurde er mit 182 Stimmen (bei einem absoluten Mehr von 157) gewählt. Zu dieser Zeit arbeitete er in der Schuhfabrik Henke. 1958 wechselte Fredy Lengacher zur Kantonspolizei, arbeitete in Schleitheim und später in der Stadt Schaffhausen. Dazumal konnte man als Polizist nicht in Schaffhausen arbeiten und in Stein am Rhein leben, so war der Jobwechsel auch mit einem Umzug und dem Unterbruch seiner politischen Karriere in Stein am Rhein verbunden.
Zum Verhöramt gewechselt
Als er dann aber mit seiner Frau Nelly das Elternhaus kaufte, kehrte er 1972 in seine Heimat zurück und wechselte zum Verhöramt der Kantonspolizei, wo er bis zu seiner Pension arbeitete. Bei den nächsten Wahlen im Jahr 1976 wurde er glanzvoll wieder in den Einwohnerrat gewählt (615 Stimmen bei einem absoluten Mehr von 382), in den Jahren 1980, 1984 und 1988 gelang ihm auch jedes Mal deutlich die Wiederwahl, bevor er sich 1992 dazu entschied, nicht mehr anzutreten. Auch wenn Fredy Lengacher politisch nicht mehr aktiv ist, so bleibt er engagiert. Fleissig schreibt er Leserbriefe, ist bei jeder Standaktion der Partei auf dem Rathausplatz anzutreffen und verpasst keine Parteiversammlung. Die SP Stein am Rhein schätzt sich sehr glücklich, ein so langjähriges und loyales Mitglied in ihrer Mitte zu haben. Fredy, wir gratulieren Dir nochmals herzlich zu Deinem Geburtstag und freuen uns darauf, wenn wir alle gemeinsam – so wie eigentlich angedacht – mit Dir feiern und auf Dich anstossen können.
07. April 2021, Vorstand SP Stein am Rhein
Steiner Anzeiger: 2021-04-07 Zum 90. Geburtstag von Fredy Lengacher