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Der Energiegigant Total schreitet zur Tat: Nach dem Gasunfall auf einer Plattform in der Nordsee bereitet der Betreiberkonzern Total zwei Entlastungsbohrungen vor. Parallel dazu solle das undichte Bohrloch gestopft werden.
Um das Leck in den Griff zu bekommen, würden «gleichzeitig zwei Hauptaktionen» vorangetrieben, sagte der für Grossbritannien zuständige Direktor Philippe Guys am Freitag vor den Medien in Aberdeen. Die erste Massnahme sei ein Bohrloch-Kill von einer schwimmenden Unterlage aus. Dabei wird versucht, mit Hochdruck Schlamm in das bestehende Bohrloch zu pressen. Die undichte Stelle wurde in 4'000 Metern Tiefe entdeckt. «Das zweite ist das Bohren von zwei Entlastungsbohrungen«, sagte Guys. Mit Entlastungsbohrungen kann der Druck aus dem Gasvorkommen unter der Nordsee verringert werden.
Fackel muss gelöscht werden
Das britische Energieministerium erklärte, auch das Löschen der noch brennenden Fackel auf der Plattform zähle zu den Prioritäten bei der Eindämmung des Unglücks. Total erwäge dazu drei Möglichkeiten: Zum einen könnte ein Helikopter Wasser oder «anderes Material» abwerfen, um die Flamme zu ersticken. Zum anderen könnten die bereits vor Ort bereitstehenden Löschschiffe eingesetzt werfen; drittens könnte die Fackel mit Stickstoff gelöscht werden. Jüngste Luftaufnahmen hätten aber gezeigt, dass die Fackel an der Spitze eines Turms der Anlage bereits kleiner geworden sei, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Total hofft, dass sie bald von alleine erlischt.
Während Experten vor einer drohenden Explosion warnen, wenn das durch das Leck austretende Gas mit der Flamme in Kontakt kommt, hält Total die Explosionsgefahr für gering, da der Wind derzeit das Gas von der Fackel fortwehe. Das Problem an der Plattform begann laut Guys bereits Ende Februar. Am 25. Februar sei in dem Bohrloch ein ungewöhnlicher Druck festgestellt worden, sagte der Total-Direktor. Die Ursache für die Problematik sei unklar.
Problem schon lange bekannt
Es sei versucht worden, dem zu begegnen, indem Schlamm hineingepresst wurde. Während dieser Arbeiten sei am 25. März ein plötzlicher Druckanstieg aufgetreten, Schlamm und Gas seien ausgetreten. «Bislang gibt es keinen Hinweis auf menschliches Versagen», sagte Guys. Guys bekräftigte, dass das Leck zwar unter der Meeresoberfläche entstanden sei, das Gas aber oberhalb der Meeresoberfläche ausströme. Täglich strömen aus dem Leck der Förderplattform in der Nordsee nach Schätzungen des Betreibers Total 200'000 Kubikmeter Erdgas.
Das Gasleck belastet das Meerwasser weniger als bisher angenommen. Der Teppich aus sogenanntem Gaskondensat, der in einer Ausbreitung von 22 Kilometern Länge und 4,5 Kilometern Breite auf dem Wasser schwimmt, habe insgesamt ein Gewicht von etwa 3,8 Tonnen, teilte das britische Ministerium für Energie- und Klimaschutz mit. Ursprünglich war angenommen worden, dass mehr Gaskondensat ins Meer gelangt sei.
(muv/sda/awp)