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Geschichte
Die Geschichte des Vereins Fussball-Stadion Wankdorf - abgekürzt VFSW - und damit auch des Wankdorfstadions ist eng verknüpft mit der Geschichte des BSC Young Boys.
1898 - 1924: Sportplatzmisere
1898 bis 1902
Das Fussballspiel fasst in der Bundesstadt in den 90-er Jahren des 19. Jahrhundert richtig Fuss. So beschliessen an einem schulfreien Nachmittag im März 1898 die drei Gymnasiasten Max Schwab, Herman Bauer und Franz Kehrli zusammen mit dem "Prögeler" Oskar Schwab einen eigenen Fussballverein zu gründen: den FC Young Boys!
In den ersten Vereinsjahren bildet vor allem die Beschaffung eines geeigneten Spielplatzes mit Umkleide- und Materialräumen grosse Sorgen. Da kommt kurz nach der Vereinsgründung ein Angebot des FC Bern gerade recht. Der Stadtklub lässt die jungen Sportler als sein Schülerteam auftreten und stellt ihnen als Gegenleistung einen Sportplatz, Bälle und anderes zur Verfügung - alles unter Wahrung der Selbständigkeit mit eigenem Vorstand und eigenen Statuten.
Mit Beginn der Wettspielsaison setzt der FC Bern dann jedoch immer öfter YB-Spieler in seiner ersten Mannschaft ein, was zu einer Missstimmung bei den Aktiven des FC Bern und bereits Ende 1899 zum Abbruch des Experimentes führt. Die dornenvolle Suche nach einem geeigneten Spielplatz beginnt von vorne und endet erst ein knappes Vierteljahrhundert.
1902 bis 1920
Im Jahre 1902 siedelt sich YB auf dem Sportplatz Spitalacker an. Mit Vertrag vom 14. Oktober 1901 kann der Club von der Stadt Bern den "Spitteler" für vorläufig 3 Jahre pachten. Das ganze Areal umfasst 10'975 m2, als Pachtzins sind CHF 257.00 zu bezahlen! Damit sind die Voraussetzungen für einen regelmässigen Spielbetrieb endlich erfüllt. Hier beginnt auch der grosse, sportliche Aufstieg, der 1908/09, 1909/10 und 1910/11 mit der Erringung der ersten dreijährigen Meisterschaft seinen Höhepunkt erlebt.
Im Frühjahr 1902 wird das Spielfeld während den Spielen erstmals mit Sacktuch umspannt und die Besucher müssen ein - wenn auch bescheidenes - Eintrittsgeld entrichten. Dank diesen Einnahmen können den Spielern nicht nur die Reisespesen zu den Auswärts-Spielen zur Hälfte vergütet werden, sondern man ist auch in der Lage, einen nebenamtlichen Platzwart anzustellen.
1918 wird dem Club der Sportplatz Spitalacker durch behördliche Verfügung entzogen: der Sportplatz Spitalacker fällt der damaligen Anbauschlacht zur Sicherung der Landesversorgung zum Opfer und wird umgepflügt! Für die Saison 1918/19 stellt der FC Bern seinen Platz im Kirchenfeld zum jährlichen Mietzins von CHF 1'400.00 zur Verfügung. In der Spielzeit 1919/20 kann der Club dann seine Spiele auf der Kasernenmatte - Seite Papiermühlestrasse - austragen, bevor Ende 1920 der Sportplatz Spitalacker wieder verfügbar ist.
1921 bis 1924
Um der Sportplatzmisere ein für alle mal Abhilfe zu schaffen, gründen ehemalige Aktive sowie weitere treue Mitglieder und Anhänger der Young Boys Anfang 1921 den Verein Sportplatz Spitalacker, abgekürzt VSS, aus welchem 25 Jahre später der VFSW hervorgeht. Der Bau, die Bereitstellung und Verwaltung der Spielanlagen des BSC Young Boys liegt seither in der Hand dieses Fördervereins.
Die erste Aufgabe des neuen Vereins besteht darin, den alten "Spitteler" wiederum als Fussballplatz herzurichten. Kostenpunkt der Arbeiten: CHF 42'000.00, darin inbegriffen ist eine schmucke Holztribüne für 1'000 Zuschauer, welche 1929 wieder abgerissen wird.
Im Jahre 1924 nehmen die Verantwortlichen des VSS Verhandlungen mit der Domänenverwaltung der Burgergemeinde Bern auf. Ziel dieser Bestrebungen ist es, im Wankdorffeld ein Terrain als Ersatz für den Spitalacker zu pachten, weil der "Spitteler" für den prosperierenden Klub bereits langsam zu klein wird. Ausserdem glaubt die Stadt Bern zu diesem Zeitpunkt, das Terrain nur mehr für kurze Zeit zur Verfügung stellen zu können. Bereits am 15. Oktober 1924 kann mit den "Burgern" ein erster Pachtvertrag für vorläufig 8 Jahre abgeschlossen werden; für die 31'400 m2 muss ein jährlicher Pachtzins 10 Rp. pro m2 entrichtet werden.
1925 - 1950: Das erste Wankdorf-Stadion
1925
Am 18. Oktober 1925 kann das neue, schmucke Stadion Wankdorf - ein gelungenes Werk der Architekten Scherler & Berger - mit einem Eröffnungsturnier feierlich eingeweiht werden. Es nehmen die Old Boys aus Basel, der Servette FC aus Genf und die Young Boys teil. Die neue Sportanlage umfasst eine Haupttribüne mit 1'200 gedeckten Sitzplätzen, ein Restaurant, Umkleideräume, eine Trainingshalle und einen Trainingsplatz. Total fasst das neue Stadion 22'000 Zuschauer, darunter 5'000 gedeckte Stehplätze.
1926 bis 1950
Am 10. Februar 1930 wird für den Ausbau des Stadions ein zusätzlicher Landstreifen von der Burgergemeinde gepachtet, so dass das gesamte Areal des Wankdorfstadions nun 35'585 m2 umfasst.
1933/34 1. Ausbauetappe: Nochmalige Erweiterung des Areals auf nun 59'538 m2; Erstellung eines zweiten Trainingsfeldes
1935/36 2. Ausbauetappe: neben kleineren Ergänzungsbauten Erstellung der beiden Ecktürme Ost und West. Auf dem ursprünglichen Bauprogramm steht auch die Errichtung einer Spielfeld-Beleuchtungsanlage. Da der FC Bern auf dem Neufeld gleiche Pläne schmiedet, einigt man sich aus wirtschaftlichen Überlegungen 1935 in einem Vertrag darauf, die Beleuchtung auf dem Neufeld zu erstellen und das Wankdorf zu einer Grossanlage für Länderspiele und andere Anlässe auszubauen.
1937/39 3. Ausbauetappe: Erstellung der grossen Stehrampe gegenüber der Tribüne. Das Fassungsvermögen des Stadions erhöht sich nach diesen Erweiterungsbauten auf 42'000 Zuschauer. Die Kapitalaufwendungen für das neue Stadion und die Erweiterungsbauten belaufen sich per Ende 1937 auf CHF 301'500.
1940 Finanzielle Probleme: Die Weltwirtschaftskrise in den 30-er Jahren, der wirtschaftlich nicht vertretbare Exkurs des Schweizer Fussballs hin zum Berufsspielertum, rückläufige Zuschauerzahlen, der Club kann seinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen und schlussendlich der Ausbruch des 2. Weltkrieges hinterlassen auch im Finanzhaushalt der Stadionbesitzer tiefe Spuren. In der Folge erwägt der Verein Sportplatz Spitalacker, die Stadionanlage der Stadt abzutreten. Diese will darauf aber nicht eintreten, da sie sonst auch das Neufeldstadion übernehmen müsste!
1943 Es geht wieder aufwärts! Mittels einem Schulden-Nachlass und der Hilfe der Stadt Bern können die Finanzen des Vereins Sportplatz Spitalacker saniert werden.
1946 Der Verein Sportplatz Spitalacker gibt sich neue Statuten und ändert seinen Namen in Verein Fussball-Stadion Wankdorf.
1951 - 2000: Das WM-Stadion von 1954
1951 bis 1959
1951/53 Die bestehenden Stadionanlagen werden im Hinblick auf die 1954 in der Schweiz stattfindende Fussball-WM abgebrochen. Der Neubau unter den Architekten W. Haemmig und V. Muzzulini hat ein Fassungsvermögen von 56'000 Steh- und 8'000 Sitzplätzen.
1954 Am Pfingstmontag wird das neue Wankdorfstadion (Investitionsvolumen total CHF 3,9 Mio.) vor 30'000 Zuschauern mit einem Spiel des BSC Young Boys gegen die Nationalmannschaft Ungarns - dem damals weltbesten, seit 4 Jahren ungeschlagenen Wunderteam - feierlich eingeweiht. Im Frühsommer finden die 5. Fussballweltmeisterschaften der FIFA in der Schweiz statt. Nach drei Achtelfinalspielen und einem unvergesslichen Viertelfinal Brasilien - Ungarn sehen im Wankdorf am 4. Juli 64'000 Zuschauer das denkwürdige Endspiel zwischen Deutschland und Ungarn. Der 3:2-Sieg der Deutschen macht das Wankdorfstadion weltweit bekannt. Noch heute spricht man in Deutschland vom "Wunder von Bern"!
Im Vorfeld der Weltmeisterschaften schliesst der VFSW mit der Burgergemeinde Bern einen neuen Pachtvertrag für die Zeit von 1954 bis 1984 ab.
1958 Die sportlichen Höhenflüge des BSC Young Boys verlangen imperativ nach einer Flutlichtanlage. Für das Spiel gegen Manchester United im Herbst wird auf der Nordrampe eine provisorische Beleuchtungsanlage installiert.
1959 15. April: Absoluter sportlicher Höhepunkt in der Geschichte des BSC Young Boys mit dem erreichen des Halbfinals im Cup der europäischen Meisterklubs! YB schlägt vor 60'000 begeisterten Zuschauern Stade de Reims mit 1:0! Die erste, permanente Flutlichtanlage, welche rund CHF 330'000 kostet, kann im Herbst in Betrieb genommen und mit dem Europa-Cup-Spiel gegen Eintracht Frankfurt gleich feierlich eingeweiht werden!
1960 bis 1990
1964 Bau der Vortribüne mit 2'000 ungedeckten Sitzplätzen und als zusätzliche Sicherheitsmassnahme des Laufgrabens um das Spielfeld. Kosten CHF 425'000.
1967 Im Wankdorf findet nicht nur Fussball statt: das Stadion ist Austragungsort für verschiedene Wettkämpfe des Eidg. Turnfestes.
1971 Der VFSW will das Stadion modernisieren. Ein erstes Ausbauprojekt von Architekt Virgilio Muzzulini - Abtragung der Nordrampe und Erstellung einer Tribüne mit sportfremder Nutzung sowie Aufstockung der Westrampe - scheitert an der fehlenden Akzeptanz sowohl bei den Behörden wie in der Öffentlichkeit.
1974 Der Um- und Ausbau der Westrampe bringt für den Zuschauer wesentlich mehr Komfort. Dem VFSW stehen im gleichen Zug im Unterbau zusätzliche Räumlichkeiten zur gewerblichen Nutzung zur Verfügung, welche sportfremden Ertrag generieren; total werden CHF 1,8 Mio. investiert.
1975 Um schwere Ausschreitungen wie nach dem Cupfinal 1974 Neuchâtel Xamax FC - FC Sion zu verunmöglichen, wird auch im Wankdorf das Spielfeld umzäunt. 1977 Die Flutlichtanlage, welche den Anforderungen des Fernsehens längst nicht mehr genügt, muss komplett erneuert werden; Kosten CHF 700'000.
1980 Die Westrampe wird mit einem Kostenaufwand von total CHF 700'000 überdacht. Auf eine Aufstockung analog zur Osttribüne muss aus finanziellen Überlegungen verzichtet werden: der Baugrund ist unstabil.
1982 Sanierung und Ausbau von Ost- und Westturm mit einem Kostenaufwand von CHF 550'000.
1984 Der Baurechtsvertrag von 1954 wird mit der Burgergemeinde um weitere 50 Jahre bis 2034 verlängert.
1986 Erneuter Modernisierungsversuch. Der Souverän von Stadt und Kanton Bern lehnt im März die Realisierung eines Zentrums für Lehrlingsturnen und Sport (ZLS) ab. Zu diesem Projekt gehörte die Abtragung der Nordrampe und die Erstellung einer polysportiven Anlage mit 6 Turnhallen, Schwimmhalle, Restaurant und einer Tribüne für das Fussball-Stadion (Fassungsvermögen 16'000 gedeckte Sitzplätze), einer Tribüne für das Leichtathletikstadion, Büros u.a.m. Das durch die öffentliche Hand finanzierte Investitionsvolumen wurde mit rund CHF 65 Mio. veranschlagt.
1991 bis 2000
1994 Ein weiteres Neubauprojekt mit 36'000 gedeckten Sitzplätzen, privat finanziert mittels sportfremder Nutzung (Büro- und Dienstleistungs-Zentrum mit 35'000 m2 BGF) - Planer: Helfer Architekten AG, Emch+Berger Bern AG und Marazzi Generalunternehmung AG - kann trotz vorliegender genereller Baubewilligung mangels Investoren nicht realisiert werden.
Start der Planung für ein abgeändertes Neubauprojekt mit der Marazzi Generalunternehmung AG, Muri als Partner und Totalunternehmer. Vorgesehen sind ein Stadion mit 35'000 gedeckten Sitzplätzen und 50'000 m2 BGF zur sportfremden Nutzung als Einkaufszentrum, Büros, Schulen, Dienstleistungen und Restaurants. Für die vorgesehene Nutzung als Verkaufsfläche wird eine Zonenplanäderung nötig und die Stadt macht die Durchführung eines Architektur-Wettbewerbes zur Bedingung für ihre Unterstützung des Projekts.
1997 Der städtische Souverän stimmt der Zone mit Planungspflicht mit 72% Ja-Stimmen überaus deutlich zu!
1998 Im Frühsommer lädt die Marazzi Generalunternehmung AG 14 Architekturbüros zur Teilnahme an einem Projektwettbewerb ein. Mit der Empfehlung zur Überarbeitung in den Bereichen architektonisch-baukünstlerische Bewältigung und Identität der Gesamtanlage wird Ende Oktober das Projekt "Wankdorf Mitte" des Architekturbüros F. Rebmann, Zürich, mit dem 1. Rang ausgezeichnet. Nachdem die Überarbeitung nicht in allen Punkten zu befriedigen vermochte, wird als erweitertes Verfahren des ersten Wettbewerbes zu einem Studienauftrag in Konkurrenz eingeladen.
1999 Im Juni entscheidet das Preisgericht schliesslich, der Bauherrschaft das Projekt "W-dream 2" der Luscher Architects SA, Lausanne / Architekten Schwaar und Partner AG, Bern zur Ausführung zu empfehlen.
2001 - 2005: Vom Wankdorf-Stadion zum Stade de Suisse
2001 bis 2005
2001 Ende März wird das überarbeitete Baugesuch bei den zuständigen Behörden eingereicht und bereits am 21. Mai liegt die Baubewilligung vor.
Der VSFW überträgt das Baurecht auf die Investoren, die Miteigentümergemeinschaft (MEG) Wankdorf, bestehend aus der Coop Genossenschaft, Basel, der Suva, Schweizerische Unfallversicherungsanstalt, Luzern und der Winterthur Leben, Winterthur. Zusammen mit der MEG arbeitet der VFSW aktiv und engagiert an der Realisierung des neuen Stadions mit.
Unmittelbar nach dem letzten Spiel Anfang Juli gegen den FC Lugano geht alles Schlag auf Schlag: Räumung und Abbruch des Stadions, die Baumaschinen fahren auf, Baubeginn!
2005 Übertrag der Stockwerkeigentumsparzelle "Stadion" auf die Stade de Suisse Nationalstadion AG, Einweihung und Inbetriebnahme der neuen Anlage.