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Obwohl die Weinbaukultur im Alentejo mit seinem regenarmen, heissen Klima bis in die Römerzeit zurückreicht, hatte der Weinbau in der grössten Region Portugals bis in die jüngste Zeit einen schweren Stand. Auf dem ausgedehnten, von weiten Ebenen und sanften Hügelzügen geprägten Gebiet, das von Lissabon aus gesehen auf der anderen Seite des Flusses Tejo liegt und sich vom Atlantik bis hin zur spanischen Grenze erstreckt, gaben die hier dominierenden Grossgrundbesitzer dem Anbau von Getreide, Olivenbäumen und Korkeichen sowie der Viehwirtschaft den Vorzug. Mit dem Einfall der Reblaus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und der Auflage der damaligen Regierung, den Getreideanbau zu forcieren, verkümmerte die Weinbaukultur. Wein wurde lediglich noch für den lokalen Konsum erzeugt.
Mit der Gründung der ersten Winzergenossenschaften in den 1950er-Jahren begann sich das Blatt zu wenden. Doch erst seit dem Ende der Salazar-Diktatur erlebt der Weinbau im Alentejo einen bislang einzigartigen Aufschwung. Zurzeit werden wieder auf etwa 22000 ha Reben kultiviert.
Nicht nur alles zum Guten
Der Alentejo gilt unter Portugals Weinbaugebieten als jenes mit den innovativsten Tendenzen und wird deshalb gelegentlich das «portugiesische Kalifornien» genannt. Tatsächlich manifestiert sich dies - wie die Verkostung einer Vielzahl von Weinen verschiedener Produzenten gezeigt hat - in der Stilistik vieler Weine, vor allem der roten Kreszenzen der hochpreisigen Prestigelinien. Auch wenn sie vorab mit autochthonen portugiesischen Sorten erzeugt werden, so präsentieren sie sich als austauschbare önologische Designprodukte mit den obligaten marmeladig-kompottigen Aromen überreifer Trauben und der durch den exzessiven Einsatz von neuen Barriques (und vereinzelt auch von Holzchips) herrührenden Eichenholzwürze. Blind verkostet würde der Grossteil dieser Erzeugnisse der Neuen Welt zugeordnet.
Wenig mit solchen vordergründigen Muskelweinen anfangen kann Miguel Louro, der sich seit 1989 auf seiner ausserhalb des pittoresken Provinzstädtchens Estremoz gelegenen Quinta do Mouro dem Weinbau widmet. Der grossgewachsene, in Evora praktizierende Zahnarzt mit dem verwegenen Charaktergesicht hat es sich von Anfang zum Ziel gemacht, hochkarätige klassische Weine zu keltern. «Mir gefallen Weine, die die Charakteristiken unserer Region widerspiegeln. Dabei achte ich darauf, dass sie stoffig, aber nicht plump werden und dass sie solide, gut eingebundene Tannine sowie eine lebendige, frische Säure haben», erklärt er.
Ausschliesslich Rotweine
Auf 22 ha kultiviert er ausschliesslich rote Sorten, vorab die vier roten portugiesischen Varietäten Touriga nacional, Trincadeira, Aragonês, Alicante Bouschet sowie einen kleinen Anteil Cabernet Sauvignon. Die einzelnen Sorten werden separat vinifiziert und danach zu den drei Hauptweinen des Guts assembliert, dem fruchtig-saftigen Vinha do Mouro, dem gehaltvoll-eleganten Casa dos Zagalos und dem langlebig-komplexen Paradewein Quinta do Mouro. Zudem wird eine kleinere Charge Touriga nacional reinsortig abgefüllt.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Weingütern im Alentejo verzichtet man auf der Quinta do Mouro darauf, die auf Schieferböden stehenden Reben zu bewässern.
Die Trauben werden von Hand gelesen, nur teilweise entrappt, sodann in offenen Edelstahlbecken (lagares) mit den Füssen gestampft und zwei Tage lang kalt mazeriert. Nach der Gärung in temperaturkontrollierten Edelstahltanks werden die meisten Weine mindestens ein Jahr in 300 l fassenden Eichenfässern ausgebaut. Nach der Assemblierung und Abfüllung bekommen Weine zwischen 6 und 18 Monate Flaschenruhe verordnet, bevor sie in den Verkauf gelangen.
Apfel fällt nicht weit vom Stamm
Auch Miguel Louros Sohn Luis ist Weinaficionado. Nach seinem Önologiestudium in Lissabon und Arbeitsaufenthalten im Bordelais und in Kalifornien trat er in das Gut seines Vaters ein und gründete zudem mit 25 ha gepachtetem Rebland seinen eigenen Weinbaubetrieb, die Adega do Monte Branco. Die erstmals 2004 erzeugten zwei Weine, Alento und Alento Reserva, sind aus den gleichen vier portugiesischen Sorten assembliert wie jene der Quinta do Mouro. «Doch sind sie in ihrer Stilistik weniger klassisch als die Gewächse meines Vaters», kommentiert Luis Louro. «Ihr fruchtbetonter und zugänglicher Charakter spricht vor allem ein jüngeres Publikum an.» Die Weinpalette der beiden Güter deckt somit ein breites Spektrum ab, vom ansprechenden, unkomplizierten Alltagswein bis hin zum beeindruckend komplexen Festtagsgewächs.