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Sich für die Vermarktung seiner Produkte eine berühmte Persönlichkeit ins Boot zu holen, kann eine attraktive Marketingstrategie sein. Auf dieses Prinzip setzt das Start-up Nutresia
Nutresia ging eine Verbindung mit einem Star der französischen Gastronomie ein, um sein Konzept für Fertiggerichte auf den Markt zu bringen. Das Unternehmen aus Belmont-sur-Lausanne (VD) nutzt das Know-how und die Bekanntheit der mit drei Michelin-Sternen ausgezeichneten Köchin Anne-Sophie Pic, um sein Kochgerät namens ChefCuisine und seine "Kapseln" für Fertiggerichte zu vermarkten. Mitgründer Jonathan Pennella erklärt, wie eine solche Partnerschaft abläuft.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Ihr Konzept für Fertiggerichte zu lancieren?
Jonathan Pennella: Nach mehreren Jahren in der Lebensmittelindustrie wollte ich eine eigene Firma gründen. Bei Nestlé war ich an der Lancierung mehrerer innovativer Produkte wie Dolce Gusto oder Special T beteiligt. Dabei handelt es sich um geschlossene Systeme, also Maschinen, die mit Kapseln laufen. Ich habe mich dann bald auf das Thema Fertiggerichte konzentriert. Mir wurde klar, dass es dort einen riesigen Markt mit wenigen Innovationen gibt, der sehr auf den Preis ausgerichtet ist, aber kaum auf Qualität. Ich sagte mir, dass die Kombination aus kulinarischem Know-how, Qualität und Technologie, insbesondere der Technik der geschlossenen Systeme, viel Potenzial haben müsste.
Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Anne-Sophie Pic?
Pennella: Ich habe mich mit ihr getroffen und ihr meine Idee vorgestellt. Sie war sofort einverstanden, aber nur unter der Bedingung, dass wir mit den Besten zusammenarbeiten. Wir haben uns also mit Bruno Goussault zusammengeschlossen, der das Vakuum-Garen ("sous-vide") erfunden hat, eine Technik, bei der sämtliche Inhaltsstoffe der Lebensmittel erhalten bleiben. Unsere wichtigste Innovation besteht darin, dieses Verfahren für jede Zutat zu automatisieren, was eine Weltpremiere bedeutet,
Wie wirkte sich Ihre Verbindung mit einer Berühmtheit wie Anne-Sophie Pic bei der Lancierung Ihres Produktes aus?
Pennella: Das hat unsere Entwicklung unglaublich beschleunigt. Wir mussten nicht als unbekanntes Start-up anfangen, sondern konnten von Anfang an von einer hohen Glaubwürdigkeit profitieren. Ein solches Projekt hätte ich nicht allein durchführen können. Ich brauchte ihr kulinarisches Know-how. Ich habe jemand gesucht, der sich wirklich in unsere Firma einbringen kann. Sie ist weit mehr als eine Botschafterin. Für viele unserer Kunden sind ChefCuisine und Anne-Sophie Pic heute untrennbar miteinander verbunden. Sie hat das Geschäft erheblich geprägt. Sie hat alle Zulieferer ausgewählt und alle unsere Produkte probiert. Auch für sie steht viel auf dem Spiel. Es geht um ihr Image und ihren guten Ruf. Das einzige Problem ist, dass wir indirekt über ihr Image vor allem unsere besonders auf die Gastronomie ausgerichtete Anwendung beworben haben, dabei lassen sich unsere Produkte auch ganz einfach im Alltag zubereiten. So machen es übrigens auch die meisten unserer Kunden.
Was hat Anne-Sophie Pic von der Zusammenarbeit mit Ihnen überzeugt?
Pennella: Das Sous-vide-Garen ist eine Technik, die von den meisten Sterneköchen verwendet wird. Als ich ihr mein Projekt präsentierte, hat sie sofort die Gelegenheit ergriffen und verstanden, dass wir das Qualitätsniveau im Bereich der Fertiggerichte drastisch anheben können. Ausserdem hat sie einen ausgeprägten Unternehmergeist. Sie leitet mehrere Restaurants und ist schon Kooperationen mit anderen Unternehmen eingegangen.
Welche Zielgruppe haben Sie im Visier?
Pennella: Menschen, die gerne essen und bei der Qualität keine Abstriche machen wollen und sich für diese Option entscheiden könnten, weil sie keine Zeit oder keine Lust haben, selbst zu kochen. Es geht keinesfalls darum, das Erlebnis im Restaurant oder das Kochen zu Hause zu ersetzen. Wir bemühen uns, dass die Preise unter denjenigen für ein Tagesgericht bleiben, also im Durchschnitt bei CHF 7 bis CHF 20 pro Portion liegen. Das Gerät selbst kostet CHF 140.
Woher kommen Ihre Produkte?
Pennella: Unsere Fabrik befindet sich in Frankreich (Sarthe). Aus ökologischen Gründen bevorzugen wir Zulieferer aus der Region. Insgesamt arbeiten wir mit 150 Produzenten zusammen und haben Kooperationen mit rund 40 Unternehmen geschlossen. Unsere Firma, Nutresia, die 20 Mitarbeiter beschäftigt, hat ihren Sitz in Belmont-sur-Lausanne.
Wie hoch sind Ihre Investitionen?
Pennella: Insgesamt haben wir bisher Kapital in Höhe von CHF 34 Millionen erhalten. Wir haben mittlerweile rund 30 Aktionäre. Wir bieten unsere Maschine seit Ende letzten Jahres auf dem Markt an und haben bis heute mehrere tausend Exemplare verkauft. Zunächst konzentrieren wir uns vor allem auf Frankreich und die Schweiz. Unsere Vision ist langfristig angelegt. Es dauert lange, bis man Menschen davon überzeugen kann, ihr Verhalten zu ändern. Ich denke, dass das Konzept noch mehrere Jahre lang ein Nischendasein führen wird, bevor es sich als Mainstream etabliert. Optimal wäre es, in 10 bis 20 Jahren Umsätze in Höhe von mehreren Hundert Millionen Franken zu erreichen. Davon sind wir noch sehr weit entfernt, aber es handelt sich um ein ehrgeiziges Vorhaben.
Was war Ihre grösste Schwierigkeit als Unternehmer?
Pennella: Eine Finanzierung zu finden. Das ist ein Full-Time-Job, der viel Zeit in Anspruch nimmt. Oft hat man es da mit verfluchten Kredithaien zu tun...
Was würden Sie jemandem raten, der ein eigenes Unternehmen gründen will?
Pennella: Sich nicht entmutigen zu lassen und rechtzeitig im Voraus anzufangen, vor allem im Hinblick auf die Finanzierung. Man sollte keine Scheu haben, alles zu nehmen, was man bekommen kann. Manchmal neigt man als Unternehmer dazu, mit weniger Kapital zu starten, um das Risiko klein zu halten. Allerdings braucht man am Ende immer mehr als ursprünglich geplant.