Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03610.jsonl.gz/201

Doch auch wenn die Schwertträger gemäss Albert Giesecke Genien und nicht Germania verkörpern (vgl. Eine Reihe Genien beiderseits), ist der Tempel der Erde für ihn ein deutscher Tempel. Was ihm erlaubt, einerseits das Tempelprojekt als nach wie vor aktuell oder sogar zukunftgerichtet zu verstehen, andererseits zu begründen, warum es nicht ausgeführt wurde.
Vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs führt er aus:
Wenn ich eine Äußerung von Fidus recht Verstanden habe, so würde er bei der Ausführung des Tempels alles etwas anders gestalten, einfacher und weniger riesenhaft und orientalisch alles, und zumal während des Krieges. Aber er hat sich überhaupt seit fast 15 Jahren weiterer Phantasien enthalten, und will erst wieder bereit sein, wenn die Zeit erfüllt ist und deutschfromme Gemeinden Tempel brauchen. Dann aber würden Zweck und Lage bei der Ausgestaltung mitzusprechen haben. Wie ist es nur möglich, so frage ich mich immer wieder, daß ein nicht nur künstlerisch, sondern auch sittlich so erhabner Gedanke wie der dieses Tempels noch nicht den begeisterten und tatbereiten Widerhall in der deutschen Menschheit gefunden hat, den er verdient! Wahrlich, die heutigen Deutschen sind doch ein kleines Geschlecht, dass sie sich dieser geistigen Welt so unwürdig fühlen!
Und er fügt an, indem er auf den Grappenhof anspielt, ohne ihn zu nennen (wie vielleicht schon bei der Bemerkung, dass dann "Zweck und Lage bei der Ausgestaltung mitzusprechen haben":
Andererseits hatte Fidus "Kulturgewissen" genug, um nicht etwa mit Hilfe amerikanischer Milliardäre vorlaute Sensationen zu verwirklichen.
- Albert Giesecke, "Fidus' Tempelkunst", in: Die Schönheit, 16. Jahrg., "Fidus-Heft", 1919/20, S. 46. Online
- Ebda., S. 46-48.
Letzte Änderung: 10. November 2020.