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Bleib dran!
Die Ordnungen Gottes
Nach dem Willen Gottes sollte das Volk Israel unter Seiner direkten Königsherrschaft im verheissenen Land wohnen; es sollte kein Israelit als König eingesetzt werden, wie es in den übrigen Völkern die Regel war, denn das hätte die Verwerfung Gottes als König bedeutet. Doch in einer Zeit, in der das Volk in Bedrängnis war, verwarf es den Willen Gottes und begehrte dennoch einen König (1. Sam 8, 4–7).
So ist es heute auch in der Christenheit: Von den unzähligen Absplitterungen der Versammlung Gottes mit ihren unterschiedlichen Benennungen (Denominationen), gibt es kaum eine, in der nicht ein «König» herrschen würde – nennt man ihn nun Papst, Pfarrer oder Pastor. Die Autorität Gottes in der Versammlung wird kaum mehr beachtet, stattdessen übt ein Einzelner die «Herrschaft» in den Zusammenkünften aus. In den Augen Gottes ist dies eine üble Sache, wie schon der Wunsch Israels, einen König über sich einzusetzen. Glücklich die Versammlungen, in denen dem Geist Gottes die alleinige Autorität gewährt wird!
Was nun das Abkommen Israels vom rechten Weg anbelangt, so wusste der Herr schon zuvor, dass es dazu kommen würde, genauso wie Er auch das Abkommen der Christen vom rechten Weg vorhergesehen und vorhergesagt hat. Interessanterweise gab der Herr Seinem Volk deshalb Anweisungen für den König, falls sie doch eines Tages einen solchen über sich einsetzen wollten:
16 Nur soll er sich nicht viele Pferde anschaffen und soll das Volk nicht nach Ägypten zurückführen, um sich viele Pferde anzuschaffen; denn der Herr hat euch gesagt: Ihr sollt fortan nicht wieder auf diesem Weg zurückkehren. 17 Und er soll nicht viele Frauen haben, dass sein Herz sich nicht abwende; und Silber und Gold soll er sich nicht übermässig anschaffen. 5. Mose 17, 16. 17
In Seiner weisen und gütigen Voraussicht hielt der Herr also Ordnungen fest, mit denen die Gefahren in Verbindung mit der Einsetzung eines Königs möglichst gering gehalten werden konnten: Der König sollte sich weder viele Pferde anschaffen, um damit seine Macht zu sichern, noch viele Frauen haben, damit sein Herz sich nicht vom rechten Weg abwende, noch viel Silber und Gold sich anschaffen, damit ihn der Reichtum nicht verblende. Auch wenn es ein Übel in den Augen Gottes war, einen König einzusetzen, überliess Er damit das Volk im Falle der Zuwiderhandlung nicht gleichsam sich selbst. Vielmehr sah Er für diesen, gelinde ausgedrückt: zweitbesten, Fall in gnädiger Voraussicht Ordnungen vor.
Besonderer Beachtung wert ist nun der Nachdruck, den der Herr auf diese Anweisungen legt:
18 Und es soll geschehen, wenn er auf dem Thron seines Königreichs sitzt, so soll er sich eine Abschrift dieses Gesetzes in ein Buch schreiben, aus dem, was vor den Priestern, den Leviten, liegt. 19 Und es soll bei ihm sein, und er soll alle Tage seines Lebens darin lesen, damit er den Herrn, seinen Gott, fürchten lerne, um zu beachten alle Worte dieses Gesetzes und diese Satzungen, sie zu tun; 20 damit sein Herz sich nicht über seine Brüder erhebe und damit er von dem Gebot weder zur Rechten noch zur Linken abweiche, damit er die Tage in seinem Königtum verlängere, er und seine Söhne, in der Mitte Israels. 5. Mose 17, 18–20
Welch weises Gebot! Der König sollte sich vom Buch des Gesetzes, das vor den Priestern liegt, eine persönliche Abschrift machen und alle Tage seines Lebens darin lesen. Es wäre nicht genug gewesen, von Zeit zu Zeit im Buch der Priester zu lesen, und es wäre auch nicht genug gewesen, den Priestern beim Vorlesen zuzuhören. Nein, der König musste sein eigenes Exemplar haben und täglich darin lesen!
Spricht das nicht zu unseren Herzen? Wer zum Glauben an den Herrn Jesus Christus gekommen ist, gehört einer
königlichen Priesterschaft 1. Petr 2, 9; vgl. auch Offb 1, 6 an. Wie ein König in Israel befindet sich jeder wahre Gläubige in einer Stellung besonderer Verantwortung. Wer sich selbst kennt, wer weiss, wie wir Menschen sind, der weiss auch, wie gefährlich es sein kann, wenn einem Menschen eine solche Vorrechtsstellung verliehen wird. Wie nahe liegt es doch, dass man sich überhebt, dass man den eigenen Vorteil sucht, dass man vom rechten Weg abkommt, sein Herz an andere Dinge hängt und sich der Sünde hingibt!
Es gibt Christen, die sind in den geistlichen Dingen faul, denn sie sagen sich, was zu ihrem Heil notwendig sei, sei in ihrem Leben bereits erfüllt; zur Errettung würden sie nichts weiter benötigen. Es gibt Christen, die sich über ihre Geschwister überheben und sich etwas darauf einbilden, wenn sie mehr Erkenntnis haben (oder zu haben meinen) oder von Fehlern in den Leben ihrer Geschwister wissen. Es gibt Christen, die sich eine Vorrangstellung in einer Versammlung aneignen. Und wie viele andere üble Dinge sind in der Christenheit noch bekannt! Die heutigen Zustände in der Christenheit können einen nurmehr mit Trauer und Herzeleid erfüllen; wir stehen vor den Trümmern dessen, was einst einen so schönen Anfang genommen hat.
Würden es sich alle Christen zu Herzen nehmen, sich eine eigene Abschrift der Ordnungen Gottes zu erstellen und alle Tage ihres Lebens darin zu lesen, damit sich ihr Herz nicht erhebe, wie viel besser würde es um die Christenheit stehen! Es ist beschämend, wie viele Christen die Bibel nicht einmal ein einziges Mal durchgelesen haben, und wie viele Christen die Worte der Bibel kaum kennen! Dabei sind es genau diese Ordnungen, die einen wesentlichen Beitrag dazu leisten würden, dass wir nicht vom Weg abkommen. Möchten wir doch das Wort Gottes mehr erforschen!
Ich will es nochmals in aller Deutlichkeit betonen: Der Herr hat uns sehr gute Ordnungen, einen Schatz der Weisheit und eine Leuchte für unseren Weg, gegeben. In der Bibel finden wir Leitlinien und Stützen, die es uns ermöglichen, den Weg des Herrn zu gehen, einen Wandel zu führen, der den Herrn ehrt. Täglich in der Bibel zu lesen ist für einen Christen deshalb keine Option. Es sollte aber auch keine Pflicht sein, sondern der aufrichtige Wunsch des Herzens. Wir dürfen gewiss sein: Wenn wir den Geist durch das Lesen des Wortes Gottes nähren, stärken wir ihn, und damit schwächen wir gleichzeitig das Fleisch. Wir werden dadurch mehr und mehr befähigt, den Weg des Herrn wirklich zu gehen. Beherzigen wir dies!
Weisheit
Wir wollen nun das Beispiel eines der berühmtesten Könige in Israel näher betrachten, das von Salomo. Die Geschichte Salomos zeigt uns sehr schön auf, dass nebst den Ordnungen Gottes noch eine weitere Zutat von Bedeutung ist, damit wir einen Gott wohlgefälligen Wandel an den Tag legen können:
5 In Gibeon erschien der Herr Salomo in einem Traum der Nacht; und Gott sprach: Bitte, was ich dir geben soll. 6 Und Salomo sprach: Du hast ja an deinem Knecht David, meinem Vater, grosse Güte erwiesen, so wie er vor dir gewandelt ist in Wahrheit und in Gerechtigkeit und in Geradheit des Herzens gegen dich; und du hast ihm diese grosse Güte bewahrt und ihm einen Sohn gegeben, der auf seinem Thron sitzt, wie es an diesem Tag ist. 7 Und nun, Herr, mein Gott, du hast deinen Knecht zum König gemacht an meines Vaters David statt, und ich bin ein kleiner Knabe, ich weiss nicht aus- und einzugehen; 8 und dein Knecht ist in der Mitte deines Volkes, das du erwählt hast, eines grossen Volkes, das nicht gezählt noch berechnet werden kann vor Menge. 9 So gib denn deinem Knecht ein verständiges Herz, um dein Volk zu richten, zu unterscheiden zwischen Gutem und Bösem; denn wer könnte dieses dein zahlreiches Volk richten? 1. Kön 3, 5–9
Wie hat sich der Herr darüber gefreut, dass sich Salomo nicht Reichtum oder Ehre oder dergleichen, sondern vielmehr Weisheit erbeten hat! Salomo kannte zwar die Ordnungen Gottes, doch bilden diese «lediglich» einen gewissen Rahmen, innerhalb dessen man sich bewegen soll. In Einzelfällen und bestimmten Fragen genügt es aber nicht, sich einfach innerhalb des Rahmens zu bewegen; man benötigt vielmehr Weisheit Gottes, um die richtige Entscheidung innerhalb des Rahmens zu fällen (denn auch innerhalb des Rahmens können sehr wohl falsche Entscheidungen getroffen werden). Salomo hätte die Ordnungen Gottes halten und dennoch ein schlechter König sein können. Die Weisheit des Herrn befähigte ihn aber, die Ordnungen zu halten und ein guter König zu sein, wie seinesgleichen vor ihm und nach ihm keiner gewesen ist.
So ist es auch mit uns Christen: Wir können uns nach den Weisungen der Bibel richten und dennoch einen falschen Weg gehen, weil es uns an Weisheit mangelt. Wir benötigen den Geist Gottes, um einerseits die Bibel richtig zu verstehen (vgl. 1. Kor 2, 14–16), andererseits aber auch, um innerhalb des von der Bibel vorgegebenen Rahmens die richtigen Entscheidungen zu treffen. Um ein Beispiel zu nennen: Wer den Geist Gottes hat und die Bibel kennt, weiss, dass er sich keine Frau aus den Nationen zur Ehefrau nehmen soll, sondern nur eine, die ebenfalls gläubig ist. Nun gibt es aber viele gläubige Frauen, und von diesen mag die eine oder andere besser zu diesem Bruder passen als andere. Wenn er sich nun irgendeine gläubige Frau zur Ehefrau nimmt, hat er sich nach dem Rahmen gerichtet, den die Bibel vorgibt – doch hat er die optimale Wahl getroffen? Es ist besser, wenn er den Herrn danach fragt, welche Frau er denn zur Ehefrau nehmen soll, und sich auf die Leitung des Geistes Gottes verlässt. Dann wird er unter all den gläubigen Frauen jene auswählen, mit der er den Weg Gottes am Besten gehen kann.
Ohne Geist Gottes ist die Bibel toter Buchstabe; wir können sie nicht auf unser Leben anwenden. Ohne Geist Gottes können wir uns aber auch bestenfalls lediglich so verhalten, dass wir die Ordnungen Gottes halten; den rechten Weg sind wir deswegen aber noch lange nicht gegangen. Deshalb benötigen wir den Geist Gottes, die Weisheit von oben. Zusammen mit den Ordnungen Gottes, die wir in der Bibel geschrieben finden, ermöglicht uns der Geist, den Weg des Herrn so zu gehen, wie Er es für uns vorgesehen hat.
Ausdauer
Um wieder auf das Beispiel Salomos zurückzukommen: Salomo hatte alles, was er für einen Wandel nach dem Willen des Herrn benötigte, nämlich die Ordnungen Gottes und (unerreichte, göttliche) Weisheit. So begann er auch seinen Lauf auf wunderbare Weise, wie uns die Geschichte lehrt. Doch wir lesen plötzlich auch erschreckende Dinge aus dem Leben Salomos:
26 Und Salomo brachte Wagen und Reiter zusammen, und er hatte 1 400 Wagen und 12 000 Reiter; und er verlegte sie in die Wagenstädte und zum König nach Jerusalem. 27 Und der König machte das Silber in Jerusalem den Steinen gleich, und die Zedern machte er an Menge den Maulbeerfeigenbäumen gleich, die in der Niederung sind. 28 Und die Ausfuhr der Pferde für Salomo geschah aus Ägypten; und ein Zug Kaufleute des Königs holte einen Zug für Geld. 29 Und ein Wagen kam herauf und wurde ausgeführt aus Ägypten für 600 Sekel Silber, und ein Pferd für 150. Und so führte man für alle Könige der Hethiter und für die Könige von Syrien durch ihre Hand aus. 1 Und der König Salomo liebte viele fremde Frauen, und zwar neben der Tochter des Pharao: moabitische, ammonitische, edomitische, sidonische, hethitische, 2 von den Nationen, von denen der Herr zu den Kinder Israel gesagt hatte: Ihr sollt nicht unter sie kommen, und sie sollen nicht unter euch kommen; gewiss, sie würden euer Herz neigen ihren Göttern nach! An diesen hing Salomo mit Liebe. 3 Und er hatte an Frauen 700 Fürstinnen und 300 Nebenfrauen; und seine Frauen neigten sein Herz. 4 Und es geschah zur Zeit, als Salomo alt war, da neigten seine Frauen sein Herz anderen Göttern nach; und sein Herz war nicht ungeteilt mit dem Herrn, seinem Gott, wie das Herz seines Vaters David. 1. Kön 10, 26–11, 4
Wie traurig! All das, wovor sich der König Israels hätte hüten sollen, tat Salomo: Er schaffte sich eine Menge von Pferden an, dazu noch aus Ägypten, er häufte Gold und Silber in Menge an und nahm sich Frauen aus allen möglichen Nationen, die ihn letzten Endes gar zum Götzendienst verführten. Wie ist doch dieser herrliche König, der seinen Lauf so gut begonnen hatte, gefallen!
Auch wir haben unseren Lauf auf gute Weise begonnen, jedenfalls die meisten: Wir haben uns mit dem Studium der Bibel und mit Gebet dem Herrn genähert, haben Seine Ordnungen erforscht und nach Seinem Willen gefragt und uns von Ihm leiten lassen, vielleicht sogar viele Jahre lang. Doch plötzlich wenden wir uns im einen oder anderen Punkt vom Herrn ab; wir hören nicht mehr auf Seinen Geist oder beschäftigen uns nicht mehr mit Seinem Wort. Das Abweichen mag in kleinen Punkten beginnen und von anderen lange unbemerkt bleiben. Aber irgendwann befinden wir uns völlig auf dem falschen Weg, tun, was schon vom Wort Gottes her völlig verkehrt ist.
Nun ist es im Reich Gottes nicht so, dass man sich nach Jahren rechten Wandels eine «Auszeit» verdienen könnte:
13 Wenn ich dem Gerechten sage, dass er gewiss leben soll, und er verlässt sich auf seine Gerechtigkeit und tut unrecht, so wird aller seiner gerechten Taten nicht mehr gedacht werden, und wegen seines Unrechts, das er getan hat, deswegen wird er sterben Hes 33, 13. Es gibt keinen «Stand» oder «Level», den wir uns erarbeiten oder den wir sonstwie erreichen könnten, auf dem wir unabhängig sein können. Es ist nicht so, dass wir nach einer gewissen Zeit des Studiums der Bibel und der Führung des Geistes in der Lage sind, auf eines von diesem zu verzichten. Denn dies ist gewiss: Sobald wir uns nicht mehr mit der Bibel beschäftigen und/oder nicht mehr der Führung des Geistes anvertrauen, werden wir fallen.
Der Fall kann so tief sein wie beispielsweise bei Eli, dessen Augen starr wurden und der nicht mehr sehen konnte (1. Samuel 4, 15), oder wie bei Bileam, der sehenden Auges und trotz mehrerer klarer Warnungen Gottes direkt ins Unheil lief: Wenn wir die Ordnungen Gottes gering achten oder uns nicht mehr der Führung des Geistes anvertrauen, werden wir Einsicht und Erkenntnis verlieren. Je länger wir uns vom Herrn fernhalten, desto weiter führt uns unser Weg in die Finsternis, bis wir Dinge nicht mehr verstehen, die an sich völlig klar sind. Daher gibt es nur Eines: Bleib dran! Studiere die Bibel, lies täglich darin, nimm dir die Worte zu Herzen und vertraue dich der Führung des Heiligen Geistes an – und zwar alle Tage deines Lebens! Ermatte nicht, sondern geh mutig voran!