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Karoline Arn – Elisabeth de Meuron
Eigentlich hätte diese Lesung gar nicht stattfinden dürfen, denn das Domicil war «geschlossen wegen Corona». Aber wir wussten das nicht. Karoline, Ursula Daeppen und ich kamen früh, um vorzubereiten. Das Domicil zeigte sich sehr flexibel und generös und machte uns den Raum frei für die Lesung – Eingang für die Besucher:innen durch den Garten.
Eigentlich wollte Elisabeth von Tscharner Künstlerin werden, die Eltern verweigerten ihr trotz ihrer Begabung den Besuch der Kunstgewerbeschule… und eigentlich wollte sie überhaupt nicht Ihren homosexuellen Cousin, Frédéric-Alphonse De Meuron heiraten, sondern ihren Geliebten in Zürich, aber auch die Ehe mit de Meuron bestimmten die Eltern.
Eigentlich war sie auch nicht diese komische, von Anekdoten umgebene Frau, sondern eine intelligente, attraktive Berner Dame mit Witz und Charme. Doch unzählige Schicksalsschläge trafen sie hart.
Und eigentlich war sie nicht «reich» im Sinne von «viel Geld», sie besass aus der Erbschaft mütterlicher- und väterlicherseits zwei Schlösser, Amsoldingen und Rümligen und diverse Liegenschaften in der Stadt Bern sowie die Alp Rämisgummen ob Eggiwil.
Die Wohnungen vermietete sie an Studenten, zu kleinen, bezahlbaren Preisen. Sie hatte ein Flair für Künstler und Musiker, gewährte Ihnen gerne Raum und Platz. So vermietete sie z. B. ihr Landhaus Vermont an Jürg Wyttenbach, den Berner Komponisten (S. 183), in dem er Tag und Nacht ungestört komponieren konnte. Mani Matter besuchte ihn oft dort, die beiden Freunde verbrachte kostbare Zeit im Gärtnerhäuschen des Landgutes an der Buchserstrasse.
Auch Walter Grimmer, dem Cellisten des früheren Berner Streichquartetts, vermietete Mme. de Meuron eine Wohnung. Vielleicht war sie ein wenig verliebt in den jungen, schönen Musiker, bewunderte seinen Lockenschopf und seine Hände beim Spiel.
Sie förderte begabte Menschen, schrieb ihnen unzählige Briefe. Auch ich war mit 16 und nach dem Tode meines Vaters 1962 Empfängerin solch tief philosophischer und liebenswerter Post. Sie kümmerte sich rührend um mich, schenkte mir Fotos meines Vaters, den sie ebenfalls äusserst schätzte (S. 395).
Ich habe diese begabte, eigenwillige und dennoch sehr sensible und humorvolle Frau in ganz anderer Erinnerung als viele der Anekdoten berichten, die sie charakterisieren.
Es lohnt sich, das Buch von Karoline Arn zu lesen, um sich ein wirkliches Bild dieser geschichtenumwobenen Bernerin zu machen.
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