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09.06.2018 Tours
Das Wetter ist bedeckt, es droht Regen. Mit dem Scooter fahre ich zur Place Jean Jaures, wo ich ihn abstelle. Dann gehe ich zu Fuss weiter. Ich gelange zum monumentalen Gebäude der Oper und ein wenig weiter zur gotischen Kathedrale. Die Fassade ist mit vielen kleinen Statuten geschmückt. Bekannteste Kunstwerke sind der Tabernakel von Chambord und das Grab der Kinder von Charles VIII. Leider ist der Kreuzgang noch nicht offen, so dass ich rasch zur Touristeninformation laufe und mir einen Stadtplan hole. Der Kreuzgang La Psalette ist den Eintritt kaum wert. Es sind noch drei Arkadenreihen vorhanden, die jeweils einen anderen Stil der Gotik aufweisen. Der Treppenturm wurde jenem von Schloss Blois nachempfunden. Im oberen Stock gibt es zwei leere Säle, der Schreibsaal und die Bibliothek. Ich besuche nun das Musée des Beaux-Arts im ehemaligen Bischofspalast. Viele Gemälde sind leider weniger gute Werke von unbekannten Künstlern. Herausragend sind ein paar Statuen aus römischer Zeit, so z.B. Aesculap and Telephor (1.-2. Jhdt), ein Bild angeblich von Pieter Huys, Le Christ aux Limbes (1581-84), könnte aber auch ein Hieronymus Bosch sein, Peter Paul Rubens, Vierge et Enfant avec donateurs Alexandre Goubau et Anna Anthony, Pierre-Antoine Demachy, Vue panoramique de Tours (1787), Jean-Baptiste Camille Corot, L'Etoile du Berger (1863-1864), Claude Monet, Un bras de Seine pres de Vétheuil (1878), zwei Bilder (eines von Louis Boulanger, 1836) und eine Statue von Honoré de Balzac (von Auguste Rodin, 1898), die Karikaturen von Jules Baric, Nos Paysans (1906), die Keramik von Charles-Jean Avisseau, Grand Bassin Rustique (1922), mit Eidechsen und Schlangen, und die klar strukturierten Bilder von Edouard Debat-Ponsan (ca. 1906). Bei den modernen Bildern ist mit von Jacques Monory, Technicolor No 1 Monet est mort (1977) aufgefallen. In einem äthiopischen Restaurant esse ich zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder einmal Injera. Vom Schloss ist nicht mehr viel übrig, nur noch zwei Türme und ein nicht sehr altes Verbindungsgebäude dazwischen. Ich laufe zur Eglise Saint-Julien, doch das Musée de Compagnonnage ist noch geschlossen. So laufe ich zur Place Anatole France, wo es einen grossen Springbrunnen hat. Im Begräbnisinstitut auf der anderen Seite der Strasse formiert sich gerade eine riesige Trauergesellschaft, alle aus Afrika. Der Pont Napoleon wird von der kurz herausgekommenen Sonne beleuchtet. Ich spienzle durch das Torgitter zum Hotel Gouin (15. Jhdt) und laufe die Rue du Commerce hinunter zum Vieux Tours, derAltstadt, und gelange zur Place Plumereau. Als ich abbiege, finde ich den Jardin Henri de Segogne und in einer Vertiefung, die von ehemaligen Kellerräumen stammt, den Jardin Saint-Pierre-Le-Puellier. Mein nächstes Ziel sind die Markthallen „Les Halles“. Der Marktplatz wird soeben abgeräumt, der heutige Markt ist beendet. Ich gelange zum Uhrenturm (eigenartigerweise ohne Uhr) und zum Tour Charlemagne (Turm Karl der Grosse). Gegenüber liegt das historische Site Ockeghem, ein ehemaliges herrschaftliches Haus. Ich besuche nun die Basilique Saint-Martin, so genannt weil hier angeblich die Ueberreste von St. Martin ruhen. In der Krypta hat es ein grosses Grab, in dem noch eine Schädeldecke zu sehen ist. An der Wand prangen Votivtafeln. Hier treffe ich das Schweizer Ehepaar wieder, das ich seit Blois schon ein paarmal getroffen habe. Wir plaudern lange. Nun sollte das Musée de Compagnonnage offen sein. Ich besuche dieses Zunftmuseum, doch ist es das Eintrittsgeld kaum wert, es werden eigentlich nur historische Lehrabschlussarbeiten von Zimmerleuten, Schuhmachern, Spenglern, Schlossern etc. gezeigt, sowie das Zunftwesen erklärt. Offenbar waren hier die Zünfte völlig anders als in der Schweiz, schon fast Freimaurervereine. Mich besonders interessiert hat ein nicht sehr naturgetreu gebautes Modell eines Hispano-Suiza (1926) oder eine sehr naturgetreue Geige aus Zucker. Ich laufe nun die Avenue de Grammont hinauf und gelange zurück zur Place Jean Jaures. In der Mairie heiratet gerade ein Feuerwehrmann, weshalb seine Kollegen mit einem Feuerwehrauto aus den 50er Jahren auf ihn warten. Ich fahre noch zur sehr kleinen Synagoge, doch weil Schabbes ist möchte ich nicht stören. Dem massiven Bahnhof aus der Jahrhundertwende statte ich auch noch einen Besuch ab. Dann fahre ich zurück ins Hotel Formule 1, das ich auch ohne Navi problemlos finde.