Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03171.jsonl.gz/1896

Inhaltsbereich
Ein für die Jahreszeit aussergewöhnlich starkes Tief zog heute Mittwoch an der Nordseeküste entlang ostwärts. Es brachte besonders an der holländischen und norddeutschen Küste Sturmböen von über 100 km/h.
Wetter
Ein für die Jahreszeit aussergewöhnlich starkes Tief zog heute Mittwoch an der Nordseeküste entlang ostwärts. Es brachte besonders an der holländischen und norddeutschen Küste Sturmböen von über 100 km/h.
Bereits im Meteoblog von gestern berichteten wir über die bevorstehende Entwicklung einer Sturmzyklone über Nordwesteuropa. Das POLY genannte Tief entstand gestern Dienstag im Bereich des Ärmelkanals und zog nordostwärts Richtung Nordsee. Ausgangs des Ärmelkanals setzte vergangene Nacht eine kräftige Entwicklung ein. Der Luftdruck im Kern des Tiefs fiel rapide um 15 hPa auf 990 hPa, so dass sich das Tief verstärkte und damit auch die Winde. Am Mittwochvormittag befand sich das Tief POLY mit seinem Sturmwindfeld unmittelbar vor der holländischen Nordseeküste.
In Ijmuiden an der Küste wurden Böenspitzen von 148 km/h gemessen, am Flughafen Amsterdam-Schiphol 119 km/h. Der holländische Wetterdienst KNMI hatte eine Sturmwarnung am Laufen.
Am Nachmittag erreichte das Sturmtief POLY bereits die Deutsche Bucht und verursachte Böen von 90 bis 100 km/h. Nun zieht POLY bis heute Abend weiter nach Dänemark, wo es sich aber allmählich auffüllt und abschwächt.
Die Sturmwinde bauten auf der Nordsee vor der holländischen Küste Wellen von 3 bis 4 Metern auf. Aufgrund der relativ kurzen Dauer der Sturmwinde sowie kurzen Anlaufstrecke über See konnten die Wellen nicht höher anwachsen.
Auffallend ist die relative Lage des Sturmfeldes hinter der Kaltfront unmittelbar südlich des Tiefzentrums. Dies ist typisch für schnellentwickelnde Sturmtiefs wie POLY und erinnert an einen sog. Sting-Jet. Ein Sting-Jet entsteht, vereinfacht gesagt, wenn kalte und trockene Luft aus den höheren und mittleren Schichten herabsinkt. Bei POLY gibt es mindestens Anzeichen für einen Sting-Jet, wobei wahrscheinlich die Höhenluft nicht bis ganz zur Erdoberfläche hinunterkam. Gemäss Rückwärtstrajektorienrechnungen (hier nicht gezeigt) hatte die Luft, welche auf die holländische Küste traf, eine Ausgangshöhe von rund 2000 Metern. Zusätzliche Analysen wären also noch nötig.
Die Schweiz wurde heute Mittwoch nur am Rand vom Sturmtief POLY erfasst. Die Winde waren dementsprechend deutlich schwächer und erreichten in Böen 40 bis 60 km/h, an exponierten Lagen auf dem Jura oder den Voralpen 70 bis 90 km/h. Die höchsten Werte wurden vorwiegend am Vormittag mit dem Durchgang der Kaltfront registriert. Im Vorfeld der Kaltfront zog am frühen Morgen eine Linie mit Schauern und auch einzelnen Gewittern über die Schweiz hinweg. Eine weitere Schauerzone, welche in Verbindung mit der Kaltfront stand, folgte am Vormittag.