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20 Postmoderne (1968 bis 1990)
Dem Automobil unterworfen
Der kubische Aufbau des Stadthauses war das zweite Hochhaus nach dem «Stadthof», einem Wohn und Einkaufskomplex aus den späten 1950er Jahren. Der «Stadthof» entstand 1958 auf der grünen Wiese, bestehend aus einem Wohnhochhaus und flachen aneinandergereihten Kaufgeschäften, alle versehen mit grossen Schaufenstern, die zum Flanieren einluden. In jener Zeit hatte sich der Autoverkehr vervielfacht gegenüber der Zwischenkriegszeit. Autowerkstätten entstanden, die ehemaligen Dorfstrassen wurden autogerecht ausgebaut und asphaltiert. Das bedeutete auch den Verlust einiger bedeutender historischer Bauten, die dem Strassenbau geopfert wurden. Das betraf 1963 das ehemalige Hotel Sternen, ein uraltes Wirtshaus und Hotel. Dieses war lange Zeit Post und Kutschstation und symbolisierte das Zentrum des alten Uster. Auch das Wohnhaus Zangger, das bis 1969 an der Zürichstrasse 1 stand – der Familiensitz der Zangger-Dynastie und kurzfristig Sitz der Glattalbahngesellschaft – musste trotz Protesten weichen. Die Zürichstrasse wurde zu einer mehrspurigen Schnellstrasse quer durch Uster ausgebaut mit riesigen Ampelanlagen an den Kreuzungspunkten.
Einkaufszentren und Stadtwerdung
1970 und 1971 kamen zwei weitere Einkaufsmöglichkeiten hinzu, diesmal Shoppingmalls nach amerikanischem Vorbild. Zunächst das Illuster, ein Jahr später das Uschter77. Für letzteres wurde 1969 der Fabrikkanal zwischen Aabach und heutigem Stadtparkweiher zugeschüttet und die 100 Jahre zuvor errichtete dritte Spinnerei Zanggers abgerissen – ein Industrieensemble verschwand. Der ehemalige Rückhalteweiher der Baumwollspinnerei BUAG wurde zum Kernelement des um 1972 angelegten Stadtparks. Jedes der beiden Einkaufszentren erhielt einen Kubus mit Hotel (Illuster) bzw. Büro und Wohnungen (Uschter77) aufgesetzt, die beide mit dem Hochhaus des Stadthauses und des Stadthofes korrespondieren. Uster erhielt hiermit ein neues Einkaufszentrum in einer für den Autoverkehr optimierten Stadt.
Tatsächlich war Uster offiziell aber immer noch ein verstädtertes Dorf. Erst 1970 wurde beschlossen, Uster zur Stadt zu erklären und die bisherigen Gemeinderäte neu als Stadträte zu benennen.