Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03235.jsonl.gz/1177

Himalaya-Chronik 1978
T. H. Braham, Lausanne *
HINDUKUSCH Tirich Mir ( 7708 m ) Drei Expeditionen führten während der Saison an diesem Berg folgende Besteigungen durch: i.Eine 17 Mann starke polnisch-jugoslawische Gruppe unter der Leitung von S. Rudzinski errichtete ihr Basislager auf 3800 m auf dem Ba-rum-Nordgletscher. Sie beging eine neue Route über den Ostpass und den Ostgrat zum.
Ostgipfel ( 7962 m ) ( Schwierigkeitsgrad III-IV auf Fels und Eis ). Vom Lager IV auf 7100 m eroberten folgende Teilnehmer den Gipfel:
am 10. August J. Kukuczka, T. Piotrowski und M. Wroczynski; am 1 i.August M. Stebe und M. Veselko; am 13. August V. Bercic, J. Sustersic undJ.O- zog.
Am 1 i.August bestiegen J. Kukuczka und T. Piotrowski in vier Stunden vom Basislager aus auch den Bhindu Ghulzom West ( 6340 m ) vom Ostpass her über den Westgrat.
2. Eine polnische Gruppe mit 8 Mann unter der Leitung von H. Bednarek. Ihr Basislager befand sich auf 3500 m auf dem Barum-Nordglet-scher. Ihre Route führte über den Südostgrat und das Lager II auf 5200 m.
Am 20.Oktober erreichten M. Kalmus, J.Po-reba und W. Burzynski den Ostgipfel ( 7692 m ) über den Südostgrat.
3. Eine japanische Expedition mit 10 Teilnehmern soll unter der Leitung von K. Ikebe den Hauptgipfel bestiegen haben. Leider fehlen aber genauere Angaben.
« Kleiner » Tirich Mir ( 6361 m ) Eine kanadische Gruppe mit vier Mann versuchte unter der Leitung von Dr. A.R.C. Butson diesen südlich des Tirich-Mir-Hauptgipfels gelegenen Berg zu besteigen.
Bilder 44 bis50 NOSHAQ, ( 7492 m ) Eine amerikanische Expedition mit 7 Teilnehmern errichtete auf der Standard-Route vier Lager. Mary Omberg und Sarn Roberts bezwangen * Der Autor dankt den nachfolgend aufgeführten Mitarbeitern, ohne die eine Zusammenstellung der Chronik unmöglich gewesen wäre, von Herzen; J. Cheney und J.O.M. Roberts ( Nepal ); S. Mehta ( Indien ), dem pakistanischen Alpen-Club, N. L. Norris ( PakistanJ. Wala und P. Mlotecki ( Polen ); H. Warth ( Deutschland ); S. Bonington ( Eng-landJ. Whittaker ( USA ).
den Gipfel. Bei einem zweiten Versuch am 31. Juli kamen S. Moomaw und K. Teter ums Leben.
Zwei weitere Teilnehmer, B. Ehmann und J. Lewis, bestiegen den westlich des Noshaq gelegenen Khorposht-E-Yakhti ( 5698 m ) auf einer neuen Route durch die Nordwand.
Istoro Nal ( 7403 m ) Eine japanische 7-Mann-Gruppe unter der Leitung von K. Nishi suchte dieses Massiv auf und bestieg einen der Gipfel. Es ist jedoch unklar, ob es sich um den Haupt- oder den Nordgipfel ( 7343 m ) gehandelt hat.
Koh-E-Shakhaur ( 7116 m ) Eine tschechoslowakische Expedition mit to Teilnehmern unter der Leitung von S. Talla beging eine Reihe von technisch sehr anspruchsvollen Routen durch die 2500 m hohe Nordwest-und die 3000 m hohe Nordostwand ( wahrscheinlich Varianten der neuen Routen, welche die Polen 1977 eröffnet hatten ).
Nordwestwand: P. Bednarik durchstieg sie im Alleingang vom Basislager aus, welches er nach 37 Stunden wieder erreichte.
Mordostwand: P. Bednarik und J. Benes bewältigten die direkte Route ( Grad V ) in zwei Tagen. Danach traversierten sie zum Gipfel des UdrenZom ( 7108 m ) und stiegen über den « Französischen Pfeiler » zwischen Nordost- und Nordwestwand ab.
Nordwestwand: S. Talla, J. Krch und J. Tallova bezwangen sie in vier Tagen in der Fallirne ( Grad IV ).
« Französischer Pfeiler »: J. Ruzicka und V. Schwab erkletterten ihn in drei Tagen ( 4. Besteigung ), T. Skricka und K. Cidl in vier Tagen ( 5. Besteigung ).
UdrenZom ( 7108 m ) Eine englisch-irisch-holländische Gruppe mit vier Mann unter der Leitung von E. Milward suchte dieses Massiv auf. Über allfällige Besteigungen ist nichts bekannt.
Saraghrar ( 7345 m ) Eine japanische Bildungs- und Wissenschafts-Expedition mit 12 Mann unter der Leitung von I. Harasawa war im Massiv des Saraghrar tätig. Es sind jedoch keine Besteigungen gemeldet worden.
HINDU-RAJ-GEBIET Thui II ( 6523 m ) Den drei Engländern N. Tritton, G. Griffiths und C. Lloyd gelang am 4. August die Erstbesteigung dieses Gipfels. Sie hatten mit einem einzigen, sechs Tage dauernden Vorstoss über den Südostgrat Erfolg. Ausgangspunkt war ein Lager auf dem Galandar-Gum-Gletscher in 5600 m Höhe.
BUNI-ZOM-GEBIET Eine polnische Vierer-Gruppe mit M. Kozicki, K. Gnat und K. Sopicki drang von Peshawar aus teilweise per Jeep, teilweise zu Fuss über Dir nach Chitral vor und überquerte den Shandur- und den Phargam-Pass.
Buni Zom Nord ( 6337 m ) und Panorama Peak ( 5690 m ) wurden am 23. Oktober von K. Gnat und K. Sopicki bezwungen.
« The Tower » ( « Der Turm » ) ( 5100 m ) wurde am 21. Oktober von Osten her über den Khorabohrt-Gletscher von M. Kozicki bestiegen.
KAGHAN-TAI.
Zwei Teilnehmer der 8 Mann umfassenden polnischen Barumgletscher-Expedition ( s.oben ) bestiegen einen 4800 m hohen Berg südlich von Burawai, der zu einer Gruppe von höchstens 4930 m hohen Gipfeln gehört. Eine zweite Berggruppe, deren höchster Gipfel 4911 m erreicht, liegt nördlich von Burawai; einen 4865 m hohen Berg dieser Gruppe haben T. H. Braham und J. Austin im Jahr 1965 bestiegen. In diesem Gebiet gibt es noch mehrere unbezwungene Gipfel mit Höhen zwischen 4800 und 5050 m.
TIBET Gewisse Anzeichen sprechen dafür, dass China möglicherweise schon bald Touristen - und vielleicht auch Bergsteigern die Einreise nach Tibet erlauben wird. In diesem Falle werden sich bestimmt viele Expeditionen um die Bewilligung bemühen, den Everest von Norden her über die englische Route der zwanziger und dreissiger Jahre besteigen zu dürfen.
Eine New Yorker Firma hat kürzlich von China die Zusage erhalten, in Lhasa, der bisher « verbotenen » tibetanischen Hauptstadt, ein Hotel mit 200 Betten bauen zu dürfen.
s i K K i m Pandim ( 6691 m ) Eine Expedition aus Durgapur hat laut Berichten während der Nachmonsunzeit diesen bisher unbezwungenen Berg bestiegen.ßp GARHWAL Die folgende Geschichte hört sich an, als ob sie aus einem Agenten-Thriller stammen würde; sie ist aber Wort für Wort wahr. Die indische Regierung hat vor kurzer Zeit ein 13 Jahre altes Geheimnis um Indiens höchsten Berg, den Nanda Devi ( 7816 m ), gelüftet. 1965 unternahm eine Expedition mit 14 amerikanischen und indischen Bergsteigern einen Versuch, den Nanda Devi zu besteigen. In der Mannschaft befanden sich ein paar als Bergsteiger getarnte Agenten des CIA; sie führten ein mit Plutonium geladenes, atombe-triebencs Gerät mit sich, das auf dem Gipfel aufgestellt werden sollte. Schlechtes Wetter zwang die Expedition aber zur Aufgabe ihres Vorhabens, und das Gerät, ein ungefähr 30 cm hoher Aluminiumzylinder, wurde im Schnee auf einer Höhe von über 7000 m zurückgelassen. Eine Suchmannschaft, die das Gerät im folgenden Jahr bergen sollte, konnte nur noch feststellen, dass die Depotstelle von einer Lawine verschüttet worden war. 1967 wurde ein zweites Gerät auf einem be- nachbarten Gipfel, wahrscheinlich auf dem Trisul oder auf dem Nanda Kot, aufgestellt. Anscheinend teilten die Inder in der Mitte der sechziger Jahre die Besorgnis der Amerikaner um Chinas atomare Entwicklungen in der nahen Provinz Sinkiang und arbeiteten bereitwillig an diesem Unternehmen mit. Dabei vergassen sie jedoch offenbar, dass auch die besten Pläne einmal scheitern können, und wer weiss, ob das irgendwo unter den Schneemassen des Nanda Devi begrabene Plutonium nicht eines Tages die Wasser des heiligen Flusses Ganges verseuchen wird.
Nanda Devi ( 7816 m ) In diesem Gebiet waren mindestens vier Expeditionen aktiv, aber nur einer amerikanischen Gruppe unter der Leitung von Michael Clarke gelang im Mai und Juni die Besteigung, und zwar von Süden her, auf der Route, die auch bei der Erstbesteigung begangen worden war.
Eine tschechische Gruppe unter der Leitung von V. Star-cala unternahm einen Besteigungsversuch über den Nordgrat und erreichte am 7. Juni eine Höhe von 6895 m. Der einbrechende Monsun verhinderte aber, dass sie den Gipfel erobern konnte.
Xanda Devi Ost ( 7434 nil Eine walisische Expedition unter der Leitung von David Hopkins versuchte eine neue Route über den Südwestgrat zu begehen. Nach dem tödlichen Absturz von William Beattie wurde der Versuch aber abgebrochen.
Auch eine japanische Gruppe unter der Leitung von M. Nishimoto versuchte diesen Berg zu bezwingen.
Hardeol ( 7150 m ) Einer indischen Expedition, die von der paramilitärischen indischen Grenzpolizei organisiert worden war, gelang am 31. Mai unter der Leitung von S. P. Mulasi die Erstbesteigung dieses Berges. Sieben Bergsteiger erreichten den Gipfel.
Trisul ( 7120 m ) Eine Expedition der British Army Royal Engineers beging die jugoslawische Route über die Westrippe. Am 22.Juni gelangten zuerst P. Gun-son und A. Quinn, später auch Henry Day und W. Atherton auf den Gipfel.
In der Nachmonsunzeit unternahm eine italienische Expedition einen Besteigungsversuch.
Trisul II ( 6690 m ) Versuch einer japanischen Expedition in der Nachmonsunzeit.
DUNAGIRI ( 7066 m ) Zur 16 Mann starken Expedition des Australian National University Mountaineering Club unter der Leitung von Peter Cocker gehörten auch Wissenschafter, welche Material zur Bestimmung des Alters von Bäumen, Moosen und andern Pflanzen in dieser Region sammeln wollten. Auf einer neuen Route über den Südwestgrat erreichten T. Macartney und L. Hall den Gipfel am 30. Mai, nachdem sie die Nacht in einem Hochbiwak verbracht hatten. Hall erlitt Erfrierungen und wurde mit einem Helikopter der Indian Air Force ausgeflogen.
Eine amerikanische Expedition unter der Leitung von K. Kerton unternahm in der Nachmonsunzeit einen Besteigungsversuch. Kerton und Bradshaver, die den Gipfel am i 8. Oktober erobert hatten, starben auf dem Abstieg.
Die Erstbesteigung hatte 1976 durch die Engländer Tasker/Renshaw stattgefunden.
Changabang ( 6864 m ) Erstbesteigung des Südpfeilers in der Nachmonsunzeit durch die zwei Engländer Alex. Mac-intyre/John Porter sowie die beiden Polen Voytek Kurtyka/Kazistov Zureck. Die äusserst steile Wand erforderte 8 Tage ( Schwierigkeit V, VI, A3 und Eis bis 80° ).
Kalanka ( 6930 m ) Die englische Zweierseilschaft mit Alan Fyffe In den Monaten Mai/Juni von einer Gruppe und Dick Barton eröffnete eine schöne neue aus Bombay bezwungen.
Route durch die Südostwand und eroberte den Gipfel am 11. Oktober.
Devistan ( 6678 m ) Eine amerikanische Expedition unter der Leitung von Prof. T. A. Mutch war erfolgreich.
Mehrere indische Expeditionen waren in der Gangotri-Region aktiv; es folgt ein kurzer Bericht über ihre Leistungen:
Matri ( 6720 m ) Dieser ungefähr 15 km nördlich des Gangotri-Gletschers gelegene Berg wurde im Mai von einer Gruppe der Burnpur Sports Association bestiegen.
Kedarnath Dome ( 6830 m ) Eine Expedition der Indian Air Force unter der Leitung von S. Ldr. P. Singh erreichte den Gipfel am 7. Mai und fuhr auf Ski zu einem Lager m ab.
Bhartekunta ( 6577 m ) Er wurde am 5. Mai bestiegen.
Chaturangi ( 6395 m ) Er wurde in den Monaten April/Mai von einer Gruppe der Assam Mountaineering Association bezwungen.
Srikanta ( 6132 m ) Bestiegen von einer Gruppe der Asansol Mountain Lovers Association.
JoGiN III ( 6115 m ) GRENZGEBIET INDIEN/TIBET KlNNAUR KaILASH Die Kinnaur-Gruppe liegt östlich von Spiti, ungefähr 240 km oberhalb von Simla. Der höchste Berg dieser Gruppe ist der Jorkanden ( 6474 m ). Eine Expedition der Indischen Armee versuchte ihn 1973 erstmals zu besteigen. Jetzt wurde er von einer Gruppe des Indian Parachute Regiment ( Indisches Fallschirmjäger-Regiment ) unter der Leitung von Capt. V. Kumar bezwungen.
KULU-LAHUL Diese Region eignet sich sehr gut für bescheidene Expeditionen. Kleine und mittelgrosse in Indien organisierte Gruppen bestiegen eine Reihe von bekannten Gipfeln, unter anderem White Sail ( 6445 m ), The Lion ( 6126 m ) und Ali Ratni Tibba ( 5490 m ).
Shigrila ( 6246 m ) und Tarapar ( 5930 m ), zwei Gipfel im Gebiet des Tos-Gletschers, waren Ziele einer englischen 5-Mann-Gruppe aus Manchester unter der Leitung von B. Ingrams.
Menthosa ( 6443 m ) Er wurde von 44 englischen Jungen bestiegen; für die Organisation war David Challis von der King's School Ely verantwortlich. Die Schüler eroberten auch fünf andere Gipfel zwischen 5000 und 6000 m.
M-6 ( 6182 m ) und Minar ( 6172 m ) wurden von einer Expedition der British Services unter der Leitung von Sq.Ldr. M. Thomas bestie- Mulkii.a ( 6517 m ) Versuch einer amerikanischen Expedition.
KR 4 ( 6339 m ) Versuch einer schweizerischen Expedition.
KASHMIR-PIR PANJAL Brammah ( 6416 m ) Von einer englischen Gruppe gemeistert. Zwei Bergsteiger stürzten knapp unterhalb des Gipfels tödlich ab.
Nun ( 7135 mAm 25.Juni von einer Gruppe der Indian Border Police bezwungen. Sie wiederholte Sylvain Saudans Skiabfahrt aus dem Jahr 1977 ( 7. Besteigung ).
- Am 22. August von einer japanischen Expedition erobert.
Besteigungsversuche einer weiteren japanischen und einer deutschen Expedition.
Kun ( 7086 mAm 3.Juli von einer Gruppe der Indischen Armee bestiegen.
- Versuch einer tschechischen Expedition.
Haramukh ( 5142 m ) Teilnehmerinnen einer Frauenexpedition aus Bombay erreichten am 2. und 4. Juni vermutlich den höchsten der drei Gipfel. Dieser Berg ist von historischem Interesse: Von einer Beobachtungsstation aus, welche T. G. Montgomerie, der herausragende Pionier der Surwey of India, im Jahr 1858 auf einem der niedrigeren Gipfel errichtet hatte, entdeckte Montgomerie nämlich den K 2. Der höchste Gipfel wurde 1899 erstmals bestiegen, und zwar von Dr. E. F. Neve der Kashmir Medical Mission; er wählte die Route über den Westgrat.
karakorum Karakorum-«Haute-Route » Diese neue, 800 km lange, 8 m breite und durchgehend asphaltierte Strasse wurde im Juni 1978 offiziell eingeweiht - eine bedeutende Verbindung zwischen Pakistan und China, bekannt unter dem Namen Peking—Karachi-Highway. Sie folgt der alten « Seidenroute » über den 4900 m hohen Khunjerab-Pass und führt durch Gilgit, Hunza und Nagar. Mit dem Bau dieser Strasse wurde im Jahr 1970 begonnen; Ingenieure der chinesischen Armee legten den obern Teil der Strecke an, die pakistanische Armee errichtete den unteren Teil durch die schwierige In-dus-Schlucht mit drei grossen Brückenkonstruk-tionen. Die ganze Strecke ist stark erdrutschge-fährdet und muss dauernd unterhalten werden; die üblichen Autobahnhilfen, vor allem auch Tankstellen, gibt es praktisch nicht. Leider ist die Route für Touristen und Expeditionen noch nicht geöffnet.
Die Bergsteigertätigkeit hat infolge einer libe-raleren Politik der pakistanischen Behörden stark zugenommen. Besucher sind allgemein der Ansicht, dass die mühseligen und frustrierenden Formalitäten vergangener Zeiten allmählich gelockert werden und class Organisation an Ort und Leistung der Träger besser geworden sind. Solange die Expeditionen mitsamt ihrem Gepäck aber noch auf dem Luftweg in die Gebiete von Gilgit und Skardu transportiert werden müssen, ist die Anreise von Rawalpindi her nach wie vor mit grossem Zeitaufwand verbunden. Wenn die jetzt existierende Landverbindung dereinst freigegeben wird, sollten auch diese letzten Schwierigkeiten entfallen.
Insgesamt besuchten 39 Expeditionen mit 285 Teilnehmern das Gebiet des Karakorum. Die Japaner stehen mit 19 Expeditionen und 150 Bergsteigern an der Spitze dieser Liste. Als nächste folgen die Engländer mit 8 Expeditionen und 37 Teilnehmern. Zwanzig der Expeditionen erreichten ihr Ziel. Elf Bergsteiger - 5 Japaner, 3 Engländer und 3 Pakistani - fanden den Tod.
K ( 8610 m ) Eine acht NI Mann starke englische Expedition mit Chris Bonington ( Leiter, P. Boa rd man, P. Braithwaite, N. Estcourt.
ü.Scott, J. Tasker, J. Duf ( Arzt ), A. Riley ( Kameramann ) und dem pakistanischen Verbindungsoffizier Capt. Shaffiq.
Die Expedition suchte eine neue Route über den Westgrat. Sie verliess Skardu am 16. Mai und errichtete das Basislager am 2.Juni in 5400 m Höhe auf dem Savoia-Gletscher am Fusse des Westgrates. Zehn Balti-Träger transportierten die Lasten zum Lager I weiter.
Die Engländer wählten die Südseite des Westgrates, und am 4.Juni kamen sie bis zum Lager I auf 6000 m. unterhalb des Kammes am untern Ende des Grates. Am 7.Juni stellten sie das Lager I I in 6500 m auf, unterhalb eines birnenförmigen Pfeilervorsprungs, welchen sie über ein rund 180 m breites Schneefeld mit einem Gefälle von 30° überwanden. Nach einer dreitägigen Schlechtwetterphasc konnten sie endlich weitere Vorräte zum Lager II hinauftragen und die Route weiter vorantreiben. Am 12.Juni machten sich drei Teilnehmer mit Lasten auf den Weg über den Schneehang zum Lager II. Scott hatte als erster der Dreiergruppe schon beinahe das Ende des Hanges erreicht, über den er ein fixes Seil angelegt hatte, als der ganze Hang sich in einer schneebrettartigen Lawine in Bewegung setzte. Estcourt, der sich hinter Scott im Hang befand, wurde von der Lawine erfasst und 800 m weit über Eis und Felsvorsprünge auf den Gletscher hinuntergerissen. Scott wurde von dem um seine Hüften befestigten Seil mitgezerrt, aber wahrscheinlich durch das Gewicht seiner Last gerettet, welche sich tief in den Schnee einbohrte, ihn so festhielt und das Verbindungsseil zum Reissen brachte. Est-courts Leiche wurde unter der Lawine begraben und konnte nicht mehr gefunden werden. Nach diesem Unglück schien es ratsam, den Versuch abzubrechen, dies um so mehr, als ein Expeditionsteilnehmer an Pleuritis erkrankte und so nur noch vier Bergsteiger übrig waren, die mit den gewaltigen Schwierigkeiten auf der erreichten Höhe von etwa 6700 m fertigwerden konnten.
Eine amerikanische Expedition mit ^Teil-nehmern und vier Hochträgern bestieg unter der Leitung von James Whittaker zum drittenmal den K 2, zum erstenmal über eine neue Route, über den Nordostgrat ( erster Versuch durch Polen im Jahr 1976 ). Die Amerikaner setzten ihre Expedition auf einen späteren Zeitpunkt als die Engländer an und errichteten ihr Basislager am 5. Juli. Während der nächsten 8 Wochen wechselten vier bis sieben Tage dauernde Sturm- mit dreitägigen Schönwetterperioden ab. Auf der polnischen Route aus dem Jahr 1976 erreichten die Amerikaner das Ende des Nordostgrates am 18. August, konnten ihr Lager V auf ungefähr 7950 m aber infolge schlechten Wetters erst am 2g. August einrichten. Am 6. September versuchten Ridgeway und Roskelley den Gipfel direkt über die Nordostwand anzugehen, was den Polen seinerzeit beinahe gelungen war. Auf ungefähr 8000 m kehrten sie um, überzeugt, dass die Wand bei diesen Bedingungen eine sehr grosse Lawinengefahr barg. Am 5. September traversierten Bech, Wickwire und Reichhardt durch sehr tiefen Schnee die Ostwand und erstellten auf einer Höhe von 7860 m, oberhalb des « Abruzzi»-Grates ( Route der Erstbesteigung ), Lager VI. Von dort aus bestiegen Reichhardt und Wickwire am 7. September in dreizehn Stunden den Gipfel. Auf dem Abstieg verbrachte Wickwire eine Nacht im Freien in einem Schlafsack. Am B. September erreichten Ridgeway und Roskelley trotz stürmischer Winde ebenfalls den Gipfel nach 12 Stunden. Bei äusserst schlechtem Wetter benötigten sie vier Tage für den Abstieg.
Von den vier Amerikanern eroberten Roskelley und Reichhardt den Gipfel ohne Sauerstoff. Wickwire brauchte eine Flasche oberhalb von Lager VI und Ridgeway eine Flasche im Lager III auf dem Abstieg, um eine Lungenkongestion zu behandeln.
BAI.TORO-REGION Broad Peak ( 8047 m ) Französische Expedition mit vier Bergsteigern. Leitung: Yannick Seigneur. Ihr gelang die dritte Besteigung von einem im Juli errichteten Basislager aus. Dies war eine verhältnismässig leichte Expedition, bei welcher 30 Träger nur bis zum Basislager mitgenommen wurden. Die Route entspricht ungefähr derjenigen der Österreicher von'957- Gasherbrum III ( 7952 m ) Österreichische Expedition im alpinen Stil mit vier Mann. Leiter: G. Brosing ( 2.Besteigung ).
Gasherbrum IV ( 7925 m ) Versuch einer englischen Expedition mit vier Mann. Leiter: Martin Bovsen.
Gasherbrum V ( 7321 m ) Erstbesteigung durch eine 12 Mann starke japanische Gruppe. 5 Kletterer erreichten den Gipfel ( i./2.Aug. ) Der Expcditionslciter R.Babagu-chi stürzte in einer Spalte in Gipfelnähe zu Tode.
Paiju 16754 m/'Versuch einer 4 Mann starken schottischen Expedition. Leiter: H. McNicholl.
Trinity Peak ( 6700 m ) Dieser Berg liegt südlich des Baltoro-Glet-schers, ungefähr östlich des Masherbrum und westlich des Chogolisa. Seine Erstbesteigung gelang im Juli einer sechs Mann umfassenden japanischen Expedition unter der Leitung des 67jähri-gen S. Takahashi, des Präsidenten des Japanischen Alpenklubs. Sie erstellten über dem Basislager auf dem Gondokoro-Glctscher vier weitere Lager.
Bhoktoi ( 6166 m ) Vier Engländer unter der Leitung von D. Potts versuchten diesen bisher unbezwungenen, schwieligen Gipiel zu besteigen.
BIAFO-REGION Baintha Brakk ( 7284 m ) Japanische Expedition mit 7 Mann, darunter drei Teilnehmer, die schon beim Versuch im Jahr 1976 dabei waren. Leiter: Y. Katsumi. Diese Expedition beging erfolgreich ihre alte Route durch einen steilen Eiskorridor in der Südwand zwischen dem Baintha Brakk und dem Peak 6996. Von dort aus benutzten sie die englische Route aus dem Jahr 1972 zu einem Pass unterhalb des Gipfels, wo sie Ende Juli Lager V aufbauten. Schwere Stürme führten zu Erfrierungserscheinungen und zwangen die Gruppe zum Rückzug. Nach einer Wetterbesserung kehrten drei Japaner ins Hochlager zurück und bezwangen von dort aus den Gipfel ( 2.Besteigung ).
Latok I ( 7144 m ) Eine Expedition mit leichter Ausrüstung in alpinem Stil mit den amerikanischen Bergsteigern Dr. George Lowe ( Leiter ), Jim Donini, Mike Kennedy und Jeff Lowe unternahm einen beinahe erfolgreichen Angriff auf diesen schwierigen Gipfel, den höchsten in der Gruppe über dem Bia-fo-Gletscher. Die Gruppe kam am to.Juni in Islamabad an. Mit 30 Trägern stieg sie von Skardu aus über Dasso zum Basislager auf dem Choktoi-Gletscher hinauf. Danach trugen die Bergsteiger selbst insgesamt 170 kg Esswaren und Ausrüstung weiter. Sie wählten die Route über den Nordgrat. Der Aufstieg begann am ß.Juli. Nach I Tagen steiler und schwieriger Kletterei durch Fels und Eis ( Grad V—VI ) kam die Gruppe nach mehreren Schlechtwetterperioden bis zur halben Höhe des Grates ( fünf Lager ). Bis am 20. Juli wurden drei weitere Lager bezogen. Von einer Schneehöhle auf 6900 m Höhe unternahm die ganze Gruppe einen Vorstoss auf den Gipfel, brach ihn aber vernünftigerweise auf 6950 m Höhe wegen schlechten Wetters und Erkrankung eines Bergsteigers wieder ab. Der Abstieg dauerte unter extrem schwierigen Bedingungen vier Tage. An 13 der 26 Tage tobten Stürme.
Im Jahr 1976 hatte eine japanische, im Jahr 1977 eine italienische Expedition versucht, den Latok I zu bezwingen.
Latok II ( 7107 m ) Eine englische Expedition mit vorerst 6 Mann. Leiter: Paul Nunn. Pat Fearnehough kam während des Anmarsches bei einem Erdrutsch in der Braldu-Sehlucht ums Leben, und Pat Green kehrte daraufhin nach Hause zurück. Nunn, Sheard, Thexton und Wilkinson errichteten am 22.Juli das Basislager an der Stelle, wo Latok- und Uzzun-Blakk-Glet- scher zusammenkommen. Aufihrer Route von Westen her bezogen sie vier Lager, das höchste auf ungefähr 6550 m. Stürmisches Wetter, abnehmende Vorräte und Zeitnot zwangen die Gruppe, das Unternehmen auf einer Höhe von 6700 m abzubrechen. 1975 hatte eine japanische, 1977 eine englische Expedition diesen Berg zu bezwingen versucht, ebenfalls von Westen her.
Latok III ( 6949 m ) Japanische Expedition mit 7 Mann. Leiter: M. Hara. Sie unternahm einen Besteigungsversuch über den Südpfeiler der Baintha-Lukpar-Wand. Der späte Aufbruch ( August ) und sehr stürmisches Wetter verurteilten dieses Unternehmen zum Scheitern.
BATURA-REGION Batura I ( 7785 m ) Versuch einer italienischen Expedition mit rund 20 Teilnehmern und über too Trägern. Leitung: S.de Infanti.
Batura II ( 7730 m ) Eine japanische Expedition mit 10 Teilnehmern. Leiter: M. Nishikori ( Erstbesteigung ).
Pasu-Gruppe Der höchste Gipfel dieser im Batura Mustagh gelegenen Gruppe ist der Shispare ( 7619 m ) ( Erstbesteigung 1974 durch eine polnisch-deut-sche Expedition ).
Peak 7284 m Erstbesteigung durch eine gemischte japa-nisch-pakistanische Armee-Expedition mit 6ja-panischen, 6 pakistanischen Bergsteigern und einem pakistanischen Arzt. Leiter: Capt.Andoh. 1974 hatten Japaner eine Höhe von ungefähr 7050 m erreicht. Die Japaner sorgten für Nahrung und Ausrüstung in grosser Höhe, die Pakistani übernahmen die Transportkosten und die Kosten für die an Ort eingekauften Nahrungsmittel. Die Gruppe kam in Gilgit am 31. Mai mit dem Flugzeug an und reiste per Jeep zum Dorf Pasu weiter, wo 80 Träger für den Transport zum Basislager auf 4000 m auf dem Pasu-Gletscherzuge- zogen wurden. Auf der Nordseite wurden vier LaDie zwei polnischen Expeditionen kamen schliesslich nicht ger eingerichtet, das höchste auf ungefähr zustande> und die 6 Mann starke deutsche Gruppe unter der 6500 m.
CHOMOLUNGMA-REGION Haramosh ( 7406 m ) Von einer 9 Mann starken japanischen Expedition bestiegen. Leiter: K. Shimakata. Neue Führe über den Westgrat. Zweitbesteigung.
Ghenish Chish ( 7027 m ) Auch unter den Namen Yengutz Har und Spantik bekannt.
Erfolgreiche Besteigung durch zwei verschiedene japanische Expeditionen, die beide anfangs Juni von Rawalpindi aufgebrochen waren. Die eine Gruppe unter der Leitung von K. Nakamura bestand aus 7, die andere unter der Leitung von Y. Murata aus 6 Teilnehmern.
Ganchen ( 6460 m ) Von einer japanischen 8-Mann-Expedition erobert. Leiter: T. Shibasaki. Vermutlich Erstbesteigung. Der Gipfel liegt südöstlich von Arandu.
Ghent II ( 7343 m ) Von einer 10 Mann umfassenden japanischen Expedition bezwungen. Leiter: H. Kobayashi. Dieser Gipfel liegt südlich des Ghent I ( 7400 m ). Vermutlich die 2. BesteigungErstbesteigung durch eine österreichische Expedition im Jahr 1977 ). Route: Nordostgrat. 6 Lager. 8Japaner erreichten den Gipfel.
Nanga Parbat ( 8125 m ) Im Jahr 1978 erhielten 2 polnische sowie je eine tschechische, österreichische, deutsche und italienische Expedition die Genehmigung für diesen Berg. Sie brachen alle zwischen dem 1. Mai und dem 15. August auf.
Leitung von A. Krauss hatte keinen Erfolg ( Route nicht bekannt ).
Österreicher: Nur die 6 Mann starke Gruppe unter der Leitung von Rudolf Wurzer meisterte den Gipfel.
Tschechen: 11 Bergsteiger unternahmen unter der Leitung von Marian Sajnoha den Versuch, die 3000 m hohe Westwand zu bezwingen. Von einem vorgeschobenen Lager auf 7450 m erreichten M. Zatko, J. Zatko, J. Just und A. Belica am 4.Juli den North Peak ( 7816 mwegen starker Lawinengefahr stiessen sie jedoch nicht auf den Hauptgipfel vor.
Italiener: Eine Zweiermannschaft. Ausgehend vom Basislager unterhalb der Diamir-Wand, beging Reinhold Messner eine neue Route und eroberte den Gipfel im Alleingang nach dreieinhalb Tagen, ohne Sauerstoffund Nachschub von unten. Vom Gipfel kehrte er in ein Hochlager auf 7450 m zurück, wo er zwei Tage lang auf eine Wetterbesserung warten musste. Da seine Aufstiegsroute von einer Lawine verschüttet worden war, stieg er links über eine neue Route ab und kehrte nach 12 Tagen unversehrt - abgesehen von Erfrierungserscheinungen an den Fingern -ins Basislager zurück. Messner sagte nachher, mit dieser Besteigung habe er sein grösstes Ziel erreicht.
NEPAL 1978 war mit 42 bergsteigerischen Expeditionen nach Nepal zweifellos ein Rekordjahr. Für die Vormonsunzeit hatten 21 Expeditionen eine Genehmigung erhalten. Von den 18 wirklich durchgeführten Unternehmungen erreichten 9 ihr Ziel. Für die Nachmonsunzeit erteilten die Behörden 26 Genehmigungen; 24 Expeditionen wurden durchgeführt, von denen 14 erfolgreich waren.
Die Regierung von Nepal hat in diesem Jahr eine « Tourismus-Verordnung » in Kraft gesetzt, welche die Bedingungen für die Erteilung von Expeditionsgenehmigungen und die Massnahmen bei Übertretungen der geltenden Vorschriften festlegt. Im allgemeinen sind die Bestimmungen und Strafen strenger geworden; so können einzelnen Bergsteigern Kletterverbote in Nepal bis zu io Jahren und Bussen bis zu 45000 Rupien ( etwa Fr. 6500. ) auferlegt werden. Das Besteigen von Bergen, die nicht « freigegeben » sind, oder das Begehen von Routen, für die zuvor keine Genehmigung eingeholt worden sind, werden von den Behörden als grössere Vergehen gegen die Bestimmungen angesehen. Für jeden Sirdar, Führer und Träger sowie für jede Institution, welche den Expeditionen ihre Dienste anbieten oder von ihnen angestellt werden, ist die Mitgliedschaft bei der Nepal Mountaineering Association ( Alpenklub von Nepal ) obligatorisch erklärt worden.
Mittlerweile hat das nepalesische Ministerium für Tourismus der Liste der Berge, die zur Besteigung « freigegeben » sind, 47 weitere Gipfel hinzugefügt. Sie sind in vier Gruppen eingeteilt. Gruppe I ist nepalesischen Expeditionen vorbehalten, Gruppe II ausländischen Expeditionen mit nepalesischen Mitgliedern. Gruppe III ist für alle Expeditionen offen, und Gruppe IV umfasst Grup-pen-Trekking und -Expeditionen. Nähere Auskunft erteilt das Ministerium für Tourismus in Kathmandu.
Seit Herbst 1977 können Touristen in beschränktem Masse gewisse Gebiete von Sikkim und Bhutan besuchen. Organisierte Gruppen erhalten üblicherweise eine auf höchstens 10 Tage beschränkte Besuchsgenehmigung.
Im vergangenen Sommer legte der 43Jährige Amerikaner Jay K. Longacre, in Shorts gekleidet, die 200 Meilen ( etwa 321 km ) lange Strecke von Kathmandu auf den Kala Pattar, einen 5500 m hohen Berg über dem Everest-Basislager, in 4 Tagen und 14 Stunden zurück. Die vorherige Rekordzeit eines Sherpa-Läufers betrug 6 Tage. Longacre gab der Hoffnung Ausdruck, sein Lauf würde zur Durchführung internationaler Wettkämpfe Anlass geben.
Die Verlockungen des Everest sind unausweichlich den viel grösseren Verlockungen des Tourismus gewichen. Anscheinend sucht die nepalesische Regierung wirtschaftliche Unterstützung zur Durchführung einer Studie unter den Auspizien der Weltbank, welche die Möglichkeiten untersuchen soll, die unterhalb des Everest gelegene Region von Khumbu in ein voll entwickeltes Touristengebiet umzugestalten. Welche Folgen dieser Plan auf die herrlichen Waldgebiete und die wirtschaftliche und kulturelle Lage haben wird, kann man sich leicht vorstellen. Ob die zu erwartenden Vorteile die unvermeidlichen Nachteile wohl überwiegen würden? Der jährliche Besucherstrom - 1972 waren es noch 200, heute schon über 6000 - belastet die Region von Khumbu mit ihren ungefähr 2000 Einwohnern ohnedies schon über Gebühr. Viele Leute, unter ihnen auch Tenzing Norgay, haben den Eindruck, der Tourismus habe die Region von Khumbu bereits ihres ursprünglichen Charakters beraubt, zu einer teilweisen Entvölkerung des Tales geführt und die Einwohner von ihrem traditionellen Leben entfremdet.
Mount Everest Jetzt, nachdem der Everest genau 25 Jahre nach seiner Erstbesteigung und 57 Jahre nach dem ersten Versuch erstmals ohne Sauerstoff bezwungen worden ist, scheint der Zeitpunkt gekommen, all die verschiedenen Leistungen an diesem höchsten Berg der Welt zusammenfassend zu würdigen. Abgesehen von drei früheren chinesischen Besteigungsversuchen von Norden her, von denen keine Einzelheiten bekannt sind, ist der Everest seit 1953 das Ziel von 26 grossen Expeditionen gewesen. Wenn man die einzelnen Seilschaften zählt, welche den Gipfel erreicht haben, ist der Berg bisher 3omal bestiegen worden. Die Erstbesteigung ohne Sauerstoff sowie der erste Alleingang vom höchsten Lager zum Gipfel und zurück sind beide im Jahr 1978 gelungen. Erfolg hatten bisher drei englische, zwei amerikanische und zwei japanische Expeditionen sowie je eine schweizerische, eine chinesische, eine indi- sehe, eine italienische, eine südkoreanische, eine österreichische und eine französisch-deutsche Expedition. Unter den verschiedenen Gipfelmannschaften befanden sich 16 Sherpa, von denen Nawang Gombu sogar zweimal oben war. Die Sherpa könnten ohne weiteres ihre eigene Expedition starten, wenn sie nur wollten! Von den erfolgreichen Expeditionen nahm eine die Route über den Nordsattel und den Nordgrat ( die chinesische 1975 ), eine andere durch die Nordwestwand ( die englische 1975 ) und eine dritte über den Westgrat ( die amerikanische 1963 ). Alle andern folgten der Route der Erstbesteiger über den Südsattel und den Südostgrat. Selbstverständlich gibt es für ehrgeizige Bergsteiger noch eine ganze Reihe von andern Varianten.
Der Everest forderte bisher durch Unfälle, Lawinen oder Krankheit 46 Menschenleben, darunter 8 Engländer und 27 Sherpa. Wer einen erneuten Versuch wagen will, muss in einer langen Reihe anstehen, denn das nepalesische Ministerium für Tourismus hat den Berg schon bis im Herbst 1985 « ausgebucht ».
V O R M O N SU N Z E IT Obwohl in der Zeit zwischen Januar und April im Himalaya ausserordentlich schwere Schneefälle niedergingen, trafen die meisten Expeditionen im grossen und ganzen bemerkenswert gute Wetterbedingungen in der Vormonsunzeit. Trotzdem mussten fünf Expeditionen, die anscheinend zu früh aufgebrochen waren, ihr Unternehmen Mitte April oder anfangs Mai aus dem einen oder andern Grund abbrechen.
Everest ( 8848 m ) Expedition des Österreichischen Alpenvereins. Leiter: Wolfgang Nairz. t t Teilnehmer, ein englisches Fernsehteam mit 2 Mann und 22 Sherpa. Route: über den Südsattel und den Südostgrat. Das Basislager wurde am 29. März erstellt. Lager IV auf dem Südsattel, Lager V auf 8500 m.
3-Mai: Der Leiter, H. Bergman, R. Schauer und der Sherpa Sirdar Angphu erreichten den Gipfel. S. Mai: Reinhold Messner und Peter Habeler meisterten den Gipfel vom Südsattel aus. Erstbesteigung ohne Sauerstoff. ( Zeit vom Südsattel zum Gipfel und zurück gemäss Berichten: to Stunden. ) I I ii.Mai: O. Oelz und R. Karl eroberten den Gipfel. 14. Mai: F. Oppurg bezwangen den Gipfel im Alleingang vom Lager V aus.
Kangchenjunga Central ( 8496 m ), South ( 8490 m ) Mit diesen beiden Erstbesteigungen sind nun alle fünf Gipfel des Kangchenjunga « gefallen ». Der West ( 8433 ), auch Yalungkang benannt, wurde am 14. Mai 1973 von Japanern, der North-West ( 7902 m ) oder Kangbachen ( 7902 m ) am 25. Mai 1974 von Polen bestiegen.
Beide Erstbesteigungen gelangen einer 21 Mann starken polnischen Expedition unter der Leitung von P. Mlotecki. Die Bergsteiger kamen in Yamphodin ( Ost-Nepal ) am 27. März an und errichteten ihr Basislager am to. April auf der Mittelmoräne des Yalung-Gletschers auf 5200 m. Von dort aus folgten sie der englischen Route aus dem Jahr 1955 und bauten am 20. April in 6200 m das Lager I auf Lager II entstand am 24. April auf halber Höhe des grossen Eisbruches auf 6600 m, Lager III auf 7150 m, unterhalb des Great Shelf ( Grosser Sims ) in der Nähe des englischen Lagers IV. Ihr eigenes Lager IV richteten sie am 7. Mai auf 7600 m unterhalb der Wand des Kangchenjunga South ein. Am 19. Mai erreichten E. Chrobak und W. Wroz auf einer Route durch die Südhänge, deren untern Teil sie mit fixen Seilen vorbereitet hatten, den Südgipfel, von wo sie in einem heftigen Schneesturm zum Lager IV zurückkehrten. Die technischen Schwierigkeiten stuften sie zwischen III und IV ein. Am 23. Mai brachen W. Branski, Z. Heinrich und K. Olech von einem zweiten Lager IV aus auf, das sie am Fuss eines markanten Couloirs unterhalb des Grates zwischen Haupt- und Zentralgip- 44 K 2 ( 8610 m ). West- und Südgrat ( Abruzzengrat ) 45 Makalu, Camp III der internationalen westdeutschen Expedition auf 7410 m auf der Makalu- Schulter. Ansicht des nordwestlichen Schlussabschnittes 46 Makalu ( 8481 m ). Ansicht von Südwesten. Links der Nordostgrat, rechts der Westpfeiler Photos H. Warth fei erstellt hatten, und bestiegen den Zentralgipfel.
Am 25. Mai unternahmen M. Janas und M. Malatynski einen zweiten Vorstoss auf den Zentralgipfel. Sie folgten der gleichen Route mit einem Schwierigkeitsgrad zwischen II und III, mussten aber in tiefem Neuschnee auf ungefähr 8400 m umkehren.
Eine spanische Expedition mit 13 Teilnehmern unter der Leitung von Josef Pierà hatte die Genehmigung erhalten, den Yalungkang ( 8433 m ) zu besteigen; sie folgte bis zum Great Shelf unterhalb von Lager III der gleichen Route wie die Polen. Oberhalb des Simses beschlossen aber die Spanier im Einverständnis mit dem Leiter der polnischen Expedition, ihr ursprüngliches Vorhaben aufzugeben und es mit dem näheren Zentralgipfel zu versuchen. Am 18. Mai unternahmen N. Serret und der Sherpa Phuri einen Vorstoss von einem Lager aus, welches sie auf ungefähr 7550 m am Fusse des Couloirs errichtet hatten. Um vier Uhr nachmittags erreichten sie einen Punkt etwa eine gute Stunde unterhalb des Gipfels. Ihre Route war etwas anders als diejenige der Polen am 23. Mai, und offenbar hatten sie vergessen, Steigeisen mitzunehmen. Sie kehrten noch in der gleichen Nacht ins Lager III zurück.
Über beide Expeditionen wurden vom nepalesischen Ministerium für Tourismus Strafen verhängt: 5Jahre Kletterverbot in Nepal, weil sie Gipfel bestiegen hätten, ohne zuvor eine Genehmigung eingeholt zu haben. Für die Polen mit einer Genehmigung für den Kangchenjunga war dies eine sehr strenge Strafe. Die Spanier scheinen den Zorn der Behörden herausgefordert zu haben, weil sie ihre in letzter Minute vorgenommenen Änderungen ihrer Pläne erst lange nach ihrer Rückkehr dem Ministerium mitgeteilt hatten.
Dhaulagiri ( 8167 m ) Japanische Expedition aus Tokio. ^Teilneh-mer. Leiter: Takashi Amamiya. Erstbesteigung über den linken Pfeiler der Südwand.
T. Amamiya war schon 1975 Leiter einer Dhaulagiri-Expedition gewesen, die allerdings abgebrochen worden war, nachdem 6 Japaner und 1 Träger im Lager I durch eine Lawine ihr Leben verloren hatten. Fünf Mitglieder aus der damaligen Gruppe nahmen auch an dieser Expedition teil. Sie wählten eine Route über den äussersten linken Pfeiler der 4250 m hohen Südwand. In einem sechsstündigen Vorstoss vom höchsten Lager aus ( 7500 m ) meisterten T. Kobayashi und T. Shigeno am 10. Mai den Gipfel. Dies gelang am 11. Mai einer zweiten Gruppe mit S. Shimizu, 47 Kangchenjunga. Die Südwestwand, vom Yalung-Gletscher aus gesehen, mit den Polen-Führen von 1978. Die vier Gipfel, von links nach rechts: Westgipfel ( 8433 m, TalungkangHauptgipfel ( 8ßg8 mZentralgipfel ( 8496 m ) und Südgipfel ( 8490 m ) Photo P. Mlomki 48 Changabang ( 6864 m ). Route am Südausläufer von einer englisch-polnischen Expedition ( 1978 ) Photo A. FviTr Y. Kato, H. Yoshino und dem Sherpa Ang Kami, der den Gipfel sogar ohne Sauerstoff bezwang.
Dieser Erfolg kam auf einer interessanten neuen Route zustande. Es war die vierte Besteigung dieses Berges, und alle drei vorherigen waren über den Nordostsattel und den Nordostsporn erfolgt.
Makalu ( 8481 m ) Westdeutsche internationale Expedition. Leiter: Dr. Herman Warth.
Es war die 7. Expedition, die den Gipfel erreichte, und die zweite, welche der 1955 von den Franzosen eröffneten Route am Nordwesten folgte. Sieben der acht Expeditionsteilnehmer erreichten den Gipfel. Das achte Mitglied war Frau Warth, die das Basislager betreute.
Die Teilnehmer verliessen Kathmandu am 11. März und errichteten am 31. März ihr Basislager und am 3.April ein vorgeschobenes. Am 8. April bezogen sie Lager I auf dem oberen Cha-go-Gletscher, am 13. April Lager II auf 7000 m Höhe. Am 24. April wurde Lager III auf dem Makalu-Sattel ( 7410 m ) aufgebaut. Ein weiteres Lager ( IV ) entstand auf 7450 m.
Die Besteigungen gelangen an folgenden Tagen: 1. Mai: Dr. Warth mit Ang Chepal ( der keinen Sauerstoff verwendete ). 8 Stunden 45 Minuten vom Lager III. 10. Mai: Vom Lager IV aus Hans von Känel ( ein Schweizer aus Bern ), Dr. Karl Landvogt und Nga Temba ( von Känel und Landvogt erlitten Erfrierungen ). 21.Mai: Kurt Diemberger und Nawang Tenzing in 7 Stunden vom Lager IV.
Kurt Diemberger war damals mit 46Jahren der älteste Bezwinger eines Achttausenders, übrigens seines dritten nach dem Broad Peak und dem Dhaulagiri. Die drei Sherpa waren Expeditionsteilnehmer. Oberhalb des Basislagers wurden keine andern Sherpa oder Hochträger eingestellt.
Sauerstoff wurde nur oberhalb von Lager IV ( 7950 m ) gebraucht.44
48 49 Dhaulagiri ( 8167 m ). Die Südwand, von der Ghora-pani-Schulter aus. Die Führe der Japaner im Jahr igy8 folgt dem Sporn links, dessen Konturen sich am Himmel abzeichnen. Der Nordostsporn rechts.
PhotoJ. OM. Roberts 50 Kalanka ( 6g$o m ). Die Route Fyffe/Barton durch die Südostwand.Photo A. FyfleAufstieg Abstieg Die Expedition erhielt praktisch ihre ganzen Lebensmittelvorräte in Nepal und konnte die Gesamtkosten auf DM 56000. halten. Dies ist ausserordentlich wenig für eine mittelgrosse Expedition auf einen Achttausender.
Manaslu ( 8156 m ) Expedition aus Colorado, USA. Leiter: Glenn Prozak. Neun Bergsteiger und 2 Leiter des Basislagers.
Bei einem Autounglück zwischen Kathmandu und Trisuli Bazar überschlug sich ein Lastwagen; dabei kamen 4 Träger ums Leben, und viele wurden verletzt. Die Expedition wollte die 1956 von den Japanern eröffnete Route von Osten aus einschlagen. Mit Hilfe von 4 Trägern wurden vier Lager erstellt. Aber vermutlich auf Grund eines zu frühen Aufbruchs war das Klettern nur an 18 von 51 Tagen möglich, und der Versuch musste am 29. April abgebrochen werden, nachdem eine Höhe von ungefähr 7300 m erreicht worden war.
Dhaulagiri II ( 7715 m ) Japanische Expedition des Nagoya Club. Leiter: Y. Ogawa. Neun Teilnehmer und fünf Sherpa. Route: Ostgrat von Süden her. Y.Oga-wa und T. Kioke eroberten den Gipfel am 8. Mai vom Lager V aus nach einer Biwaknacht.
Jannu ( 7710 m ) Amerikanische Expedition. Leiter: John Roskelley. Nur zwei der fünf Teilnehmer waren Bergsteiger; bis zum Basislager wurden zwei Sherpa angestellt. Ziel: Route durch die Nordwand ( Erstbesteigung durch Japaner am 14. Mai 1976 ). Als sie eine Höhe von ungefähr 5000 m erreicht hatten, erkrankte einer der Bergsteiger, und die Expedition musste anfangs April abgebrochen werden.
Annapurna IV ( 7525 m ) Expedition des Koreanischen Alpenklubs. Leiter: Chun Byung Koo. 6 Teilnehmer, einschliesslich Sirdar und 4 Sherpa oberhalb des Basislagers. Dong Ok Yu, Sirdar Pasang Norbu und Pemba Sherpa meisterten den Gipfel am 23. April vom Lager IV ( 6600 m ) aus. DongOk Yu erlitt Erfrie-53 rungen.
51 Le Passo Signal, vu de la « Voie des Français » 52 La face est du Mont Rose, vue de la Cima di Jazzi, avec la « Voie des Français » 53 Grenzgipfel et Nordend ( Mont Rose ). Au premier plan: la « Nervure de droite ». Vue prise à 05.30 h., à environ 4000 mètres, de la « Voie des Français » Photos B. van Ommeslaghe, Bruxelles Churen Himal ( 7371 m ) Japanische Expedition. Leiter: Dr. Y. Abe. 13 Teilnehmer, Sirdar und 2 Sherpa. Besteigungsversuch über den Südgrat.
Nach Errichten des Lagers III auf 5300 m und Erreichen einer Höhe von ungefähr 5900 m musste der Versuch infolge schwerer Schneefälle am 25. April abgebrochen werden. Ein einheimischer Träger starb an einer Krankheit auf dem Rückweg ins Basislager. Ein Bergsteiger erlitt im Lager III eine Augenverletzung, und der Leiter erkrankte schon zu Beginn der Expedition.
HiMALCHULi Hauptgipfel ( 7893 m ), Westgipfel ( 7540 m ) Japanische Expedition. Leiter: Yoshio Ogato. Zur Expedition gehörten auch ein Sherpa Sirdar und zwei Sherpa-Hochträger, von denen der eine im Basislager erkrankte und auf der Rückreise nach Pokhara starb.
Vom Lager V ( 7300 m ) aus erreichten K. Fuji-kura, H. Miyazaki und S. Tamura den Hauptgipfel am 6. Mai. Am 7. Mai eroberten Y. Ogato und K. Sugeno den Westgipfel.
Pumori ( 7145 m ) Japanische Expedition. Leiter: T. Nagato. 6 Teilnehmer und 7 Sherpa. Sie wählten die Route über den Südwestgrat, und am 8. Mai bezwangen S. Tamura und Pemba Lama Sherpa den Gipfel vom Lager IV aus ( 6800 m ).
Annapurna South ( 7219 m ) Japanische Expedition. Leiter: K. Yamada. 9 Teilnehmer, Sherpa Sirdar und 2 Sherpa Hochträger. Beabsichtigte Route: Ostwand zum Nordgrat. Die Gruppe brach am 17. Februar von Kathmandu auf und kam am i.Mai bis zu einer Höhe von 5910 m. Die Expedition musste am 3. Mai infolge technischer Schwierigkeiten, aber auch wegen tiefen Neuschnees aufgeben.
Nampa Japanische Expedition. Leiter: K. Yamado. 5 Teilnehmer. Keine Sherpa Hochträger. Obwohl die Expedition eine Genehmigung für den Nampa besass, wandte sie sich dem südlich davon gelegenen Gipfel namens Jethibarani ( 6940 m ) zu. Diesen Gipfel meisterten K. Mitsui, H. Yoshida und N. Morata am 27. April über den Ostgrat.
Folgende Gipfel wurden zu besteigen versucht:
Annapurna I ( 8051 m ) Österreichische Expedition. Leiter: E. Gritzner. Teilnehmer. Ursprüngliche Route von Norden her. Aufgabe am B. Mai, nachdem ein Teilnehmer durch eine Lawine zwischen den Lagern II und III verletzt worden war.
Anxapurxa II ( 7937 m ) Österreichische Expedition. Leiter: J. Scharnagle. 4 Teilnehmer. Route: über die Südwand zum Westgrat. Sie erreichte den Sattel aufdem Westgrat ( 7100 m ), musste aber am 3. Mai aufgeben.
PUTHA HlUNCHULI ( 7247 m ) Westdeutsche Expedition. Leiter: D. Steigleiter. 6 Teilnehmer. Neue Route durch die Südwand. Aufgegeben, nachdem schwere Schneefälle am 18. April das Lager III aufôooo m unter sich begraben hatten.
Tuckuche ( 6920 m ) Italienische Expedition. Leiter: F. Nembrini. Vorgesehene Route: Ostwand zum Nordgrat. Wahrscheinlich die kürzeste Expedition, über die je berichtet worden ist. Sie brach am 27. März von Kathmandu auf, konnte aber den Dhampus-Pass nicht überqueren und kehrte am to. April zurück.
NACHMONSUNZEIT Die Monsunzeit ging sehr früh, ungefähr in der zweiten Septemberhälfte, zu Ende, und auch die Störungen der Nachmonsunzeit waren im grössten Teil des Gebietes verhältnismässig geringfü-gig- Everest ( 8848 m ) Eine deutsche und eine französische Expedition schlössen sich zu einer einzigen grossen zusammen. Sie umfasste 19 Deutsche, 1 Polin, IIS 1 Schweizer und to Sherpa-Hochträger unter der Leitung von Dr. Karl Herligkoffer, des weiteren t7 Franzosen, t Österreicher und 20 Sherpa unter der Leitung von Pierre Mazeaud.
Die französische Expedition war mit sehr viel Öffentlichkeitsarbeit vorbereitet worden; sie umfasste 8 Bergsteiger, 4 Journalisten, ein vierköpfiges Fernsehteam und zwei Leute von Radio France. Die Expedition sollte einen gominütigen Fernsehfilm drehen. Über 600 Träger transportierten insgesamt io t Material ins Basislager.
Die Franzosen hatten ebenfalls die Genehmigung, den Lhotse zu besteigen, machten davon aber keinen Gebrauch.
Die deutsche Mannschaft verliess Kathmandu zwischen dem 15. und 17. August, die französische am 3. August.
Die beiden Mannschaften unterhielten gute Beziehungen zueinander, und abgesehen von einer Schlechtwetterperiode anfangs Oktober, herrschte während der entscheidenden Zeit für den letzten Aufstieg ausserordentlich schönes Wetter. Beide Teams folgten der Standardroute über den Südsattel, wo die Deutschen ihr Lager IV, die Franzosen ihr Lager V errichteten.
Ein noch nie dagewesener Gipfelsturm lief wie folgt ab:
14. Okiober, in 7 Stunden vom Lager IV: H. HillmaierDeutscher H. EngiDeutscher ( ohne Sauerstoff ) J. MackDeutscher 15. Oktober, in g Stunden vom Lager V:
P. MazeaudFranzose ( 49Jährig ) N. JaegerFranzose J. AfanassiefFranzose K. DiembcrgcrÖsterreicher ( 46jährig ) 16.Oktober, vom Lager IV:
W. KlimekDeutscher N. HupfauerDeutscher R. AllenbachSchweizer W. RutkiewiezPolin Mingma TsheringNepalese ( ohne Sauerstoff ) Ang DorjeeNepalese ( ohne Sauerstoff ) Kami SherpaNepalese ( ohne Sauerstoff ) 17. Oktober:
G. RitterDeutscher B. KullmannDeutscher Makalu ( 8481 m ) Polnische Expedition ( Warschau ). Leiter: Janusz Kurczab. 20 Teil neh mer, davon ^Bergsteiger; oberhalb des Basislagers keine Sherpa. Ursprüngliche Route der Franzosen aus dem Jahr 1955. Ein Bergsteiger kam bei einer Lawine im Basislager am 6. Oktober ums Leben. Nach Errichten eines vierten Lagers auf ungefähr 7400 m wurde der Versuch am 27. Oktober aufgegeben.
Dhaulagiri ( 8167 m ) Japanische Expedition. Leiter: Seiko Tanaka. 18 Teilnehmer. to Bergsteiger-Sherpa unter Sirdar Lakpa Tenzing. Route: Südwand zum Südostgrat ( 1969 und 1973 Versuche von amerikanischen Expeditionen ). Die Gruppe brach am 8. August von Kathmandu auf. Drei Expeditionsteilnehmer kamen am 23. September in einer Lawine zwischen den Lagern IV und V ums Leben, ein weiterer Teilnehmer starb am 20. Oktober nach einem Sturz oberhalb von Lager IV. T. Miyazaki, A. Übe und H. Tani bezwangen den Gipfel am 19.Oktober ( 5.Besteigung ). N. Yamada, S. Suzuki und Nawang Yonden Sherpa folgten am 20. Oktober.
AnnapurnaI ( 8051 m ) Amerikanische Frauen-Expedition. Leiterin: Arlene Blum, io Bergsteigerinnen, 2 Kameraleute, i Basislager-Leiterin und 6 Bergsteiger-Sherpa unter Sirdar Lopsang Tshering. Die Expedition brach am 14. August von Kathmandu auf. Sie folgte der alten Route aus dem Jahr 1950 von Norden mit den kleinen Abweichungen der holländischen Expedition im Jahr 1977. Nach einigen Schlechtwettertagen, die sie im Lager V auf 6872 m verbrachten, eroberten Irene Miller, Vera Komarkova und die beiden Sherpa Mingma Tshering und Chawang Rinzee den Gipfel am 15.Oktober ( 5.Besteigung ). Bei einem zweiten Gipfelvorstoss am 17. Oktober stürzten die beiden Engländerinnen Vera Watson und Alison Chadwick-Onyskiewiez in einem steilen Eishang zwischen dem Lager V und dem Gipfel tödlich ab.
Peak 29 ( 7835 m ) Dieser auch unter dem Namen MAvASLC II bekannte Berg liegt zwischen dem Manaslu I und dem Himalchuli. Er wurde 1970 über eine schwierige Route von Osten aus bestiegen. Der Japaner H. Watanabi und der Sherpa Lhakpa Tensing, die den Gipfel erreicht hatten, stürzten beim Abstieg tödlich ab.
Die jetzige Expedition mit 10Japanern ( Leiter: F.Ta-naka ) und 7 Sherpa unter Sirdar Penuri machte einen Versuch durch die Südwestwand. Er wurde aufgegeben, nachdem am 14. September drei Japaner in einer Lawine im Lager II ums Leben gekommen waren.
Jannu ( 7710 m ) Ein englisches Team mit Roger Baxton-Jones, Rob Carrington, Brian Hall und Alan Rouse erklomm den Gipfel am 21.Oktober ( 2.Bestei-gung ). Sie schafften es in einem viereinhalbtägi-gen Vorstoss alpinen Stils vom Basislager auf dem Yamatari-Gletscher aus. Sie begingen die Route über den Südgrat ( praktisch identisch mit der Route der Franzosen im Jahr 1962 ), nachdem sie den ursprünglichen Plan durch die Ostwand aufgegeben hatten. Ein herrliches Beispiel für den neuen Expeditionsstil auf die hohen Gipfel des Himalaya.
Makalu II ( 7640 m ) ( Kangchungtse ) Französische Rhonalp-Expedition. Eine privat organisierte Gruppe von sechs Bergsteigern mit 4 Sherpa unter Sirdar Mingma. Sie folgten der Route über die Südwestwand zum Makalu-Sattel und dann über den Südgrat. J. Manificat meisterte den Gipfel am 22.Oktober ( Erstbesteigung durch eine französische Expedition im Jahr Annapurna South ( 7273 m ) Japanische Expedition der Meiji-Universität. Leiter: T. Kohno. 6 Teilnehmer mit 3 Sherpa unter Dawa Tshering Sirdar. Wie die japanische Expedition im Jahr 1974 folgten sie der Route über den Südwestgrat zur Südwand. Vier Bergsteiger erreichten den Gipfel am 16. und 17. Oktober.
PUTHA HlUNCHULI ( 7246 m ) Eine vom Deutschen Alpenverein München organisierte Kletter- und Trekking-Expedition mit 14 Teilnehmern unter der Leitung von Gunter Sturm und eine weitere Gruppe mit 13 Bergsteigern unter der Leitung von Fritz Zintl. Folgende Gruppen bezwangen den Gipfel über den Südgrat:
8. Oktober: 7 Deutsche und 2 Sherpa; 10. Oktober: 4 Deutsche und 1 Sherpa; 19. Oktober: 6 Deutsche und 1 Sherpa.
Langtang Lirung ( 7246 m ) Eine gemischte Expedition mit 9 Japanern und 2 Nepalesen. Leitung: Akira Ban. 6 Sherpa-Hochträger unter Sirdar Sonam Gyalzen. Von einem Basislager auf dem Lirung-Gletscher wurden vier Lager auf dem Ostgrat errichtet. Ausgehend vom höchsten Lager auf 6650 m, erreichten Seishi Wada und Sherpa Pemba Tshering am 24. Oktober den Gipfel. Dabei handelt es sich offenbar um eine Erstbesteigung.
Pumori ( 7145 m ) Schweizer ( Tessiner ) Expedition. Leiter: Romolo Nottaris. I I Schweizer, I Italiener, I Amerikaner und Sherpa-Hochträger. Das Basislager befand sich auf 5300 m, Lager II auf 6500 m in der Südwestwand. 9 Personen eroberten den Gipfel:
18.Oktober: F. Tettamanti, C. Zimmerman, L. Sganzini ( in 9 Stunden vom Lager II aus19. Oktober: R. Nottaris, T. Zeund, Pasang Norbu Sherpa.
22.Oktober: R. Korell, G. Eumann und F. Ponzio.
Die Expedition kehrte am I. November nach Kathmandu zurück. Ihr Arzt, Dr. N. Chiesa, war am 25. Oktober an einem Lungenödem in einem Spital in der Hauptstadt Nepals gestorben.
TiLiCHO ( 7132 m ) Französische Expedition, organisiert von der Gendarmerie de Haute Montagne du Chamonix.
Leiter: Roger Emin. Sie unternahm einen halbalpinen Versuch mit 2 Sherpa oberhalb des Basislagers, welches sich auf 4900 m befand. Sie erstellte nur ein weiteres Lager auf ungefähr 6100 m auf dem Ostgrat. E. Schutz erreichte den Gipfel am 10.Oktober ( Erstbesteigung ).
Api ( 7132 m ) Italienische Expedition. Leiter: Renato Moro. 14 Teilnehmer mit 4 Bergsteiger-Sherpa. Auf der Route durch die Südwand zum Ostgrat wurden vier Lager errichtet. Ausgehend vom höchsten auf 6300 m, meisterten Rocca, Cesar-Bianchi, Maggi und Tamagni am 16. Oktober den Gipfel.
Pabil ( Ganesh IV ) ( 7102 m ) Eine gemischte nepalesisch-japanische Expedition. Leiter: Y. Thapa und S. Toyoda. 7 Teilnehmer der Nepal Police Mountaineering Federation und 16 Teilnehmer der Japanese Workers Alpine Federation. Zum nepalesischen Polizeiteam gehörten die Sherpa Mingma Tenzing und Sonam Walchung.
Die Expedition verliess Kathmandu am 23. August. Zwischen dem 16. und 22. Oktober erklommen 11 Japaner und 5 Nepalesen den Gipfel.
NiLGiRi-SouTH ( 6839 m ) Japanische Expedition. Leiter: K. Mitsui. 6 Teilnehmer mit einem Sherpa, Ang Temba. Alle sechs Japaner erreichten am 11. Oktober den Gipfel über den Ostgrat ( Erstbesteigung ).
Chulu ( Annapurna-Gruppe ) ( 6583 m ) Dieser erst kürzlich für Expeditionen « freigegebene » Berg wurde im Dezember von den beiden Schweizern Jacques Bovier ( Sitten ) und Paul Reymond ( Croy, VD ) bestiegen. Sie bezwangen den Ost- und den Westgipfel von einem Hochbiwak auf 5830 m aus. Ihr Basislager befand sich auf 5100 m. Oberhalb des Basislagers wurden sie von einem Nepalesen begleitet. Jacques Bovier, von Beruf Ingenieur, arbeitet seit mehreren Jahren in Nepal.
Im weitern sind folgende Besteigungsversuche zu verzeichnen:
Lhotse ( 8511 m ) Eine Schweizer Gruppe unter der Leitung des Bergführers Joseph Fauchère aus Forclaz/Evolène mit 3 Wallisern, 6 Genfern und einem belgischen Arzt verliess Genf Ende Oktober mit dem Ziel, den Lhotse ohne Sauerstoff zu besteigen. Die Expedition richtete auf 5300 m ein Basislager ein, musste ihr verhältnismässig « leichtes » Unternehmen ( 5 Sherpa, 60 Träger ) aber infolge heftiger Winde ( 100 km/h ) am 24. November aufgeben, nachdem sie bis zu einer Höhe von ungefähr 6500 m vorgestossen waren.
Dhaulagiri ( 8167 m ) Eine Gruppe von 10 französischen Berufsbergsteigern der Chamonix Ecole Nationale de Ski et d' Alpinisme. Leiter: Yves Pottet-Villard. Begleitet von 2 Ärzten und dem bekannten Schweizer Photographen Denis Bertholet aus Verbier. Einige der Bergsteiger waren 1972 schon gemeinsam auf dem Pumori und 1975 auf dem Nanda Devi. Ihr Ziel war die Besteigung des Südpfeilers ( wahrscheinlich eine Variante der zwei Routen, die von japanischen Expeditionen im Mai und Oktober 1978 erfolgreich begangen worden waren ). Überdies hofften sie, zu Fuss und mit Ski über die normale Route absteigen zu können und so den Berg erstmals zu traversieren.
Ausgehend von einem Basislager auf 4500 m und einem vorgeschobenen Basislager auf 5500 m in der Nähe des Südsal-tels, schoben sie das Lager IV auf ungefähr 7000 m vor. Sie hatten eine Höhe von ungefähr 7300 m erreicht, als sie ihren Versuch am 5. November infolge starker Winde und extremer Kälte abbrechen mussten. An diesem Unternehmen waren sieben Sherpa unter Sirdar Nawang Dorjee beteiligt.
Manaslu ( 8156 m ) Die beiden Japaner S. Shimizu und Y. Kato unternahmen in Begleitung von Dr. S. Tanaka den kühnen Versuch, die Nordostwand dieses Berges zu bezwingen. Vom Lager V aus erreichten sie schätzungsweise eine Höhe von 8000 m, bevor tiefer Schnee sie zum Umkehren zwang. Sechs Sherpa-Hoch-träger unter Sirdar Pemba Norbu begleiteten die Japaner.
Annapurna II ( 7937 m ) Die zwei Engländer Richard Isherwood und Robert Colli-ster wurden durch Tiefschnee gezwungen, ihren Vorstoss durch die Nordwand zum Westgrat aufzugeben. Sie kehrten am 30. September auf einer Höhe von 7000 m um. Oberhalb des Basislagers wurden keine Sherpa eingesetzt.
HlMALCHULI ( 7893 m ) Eine englische Expedition mit acht Mann unter der Leitung von John Cleare versuchte den Aufstieg über den Nordostgrat, errichtete drei Lager und gelangte bis zu einer Höhe von ungefähr 6400 m. Nach Aufgabe ihres Hauptzieles erreichten John Cleare und Ian Howell am 4. Oktober vom Lager III aus den Nordostgipfel ( etwa 6497 m ).
Nuptse ( 7879 m ) Die beiden Engländer Doug Scott und Joe Tasker und der Amerikaner Mike Covington versuchten in alpinem Stil ohne Sherpa den Nordsporn von der Westschlucht aus zu bezwingen. Tiefer Schnee auf der geplanten Route verhinderte jedoch ein erfolgversprechendes Vorwärtskommen, und der Versuch wurde am 12. Oktober aufgegeben.
Dhaulagiri II ( 7751 m ) Eine japanische Expedition ( Kyoto ). Leiter: Y. Onishi. Die 5 Teilnehmer kamen mit den 2 Bergsteiger-Sherpa bis zu einer Höhe von ungefähr 7500 m auf einer neuen Route über den Ostgrat, den sie von Süden her angingen. Der Vorstoss auf den Gipfel musste am 15. Oktober abgebrochen werden.
Aus dem Englischen übertragen von Dieter W. Portmann