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Isaac Morehouse
Als ich das erste Mal überhaupt über „geistiges Eigentum“ (Urheberrechte und Patente) nachdachte, war ich schon seit vielen Jahren ein überzeugter Libertärer. Jemand erwähnte den Schutz des Eigentums, einschließlich des geistigen Eigentums, als die Wurzel von Wohlstand und Freiheit. Ich stimmte ohne zu zögern zu.
Es schien einfach plausibel. Hin und wieder las oder hörte ich, wie jemand diesen Standpunkt wiederholte und es schien mir immer richtig zu sein. Ich hatte viel Zeit damit verbracht, die Argumente für Privateigentum – sowohl philosophische als auch wirtschaftliche – durchzuarbeiten und ich dachte nicht, dass sich geistiges Eigentum von anderen Formen des Eigentums unterscheidet.
Dann fiel mir ein Zitat von Thomas Jefferson ins Auge:
Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Es schwirrte mir im Kopf herum und je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr schien es, dass geistiges Eigentum nicht mit jeder anderen Form von Eigentum gleichzusetzen ist. Tatsächlich wurde mir klar, dass die Rechte des geistigen Eigentums eine neue Reihe neuer Argumente erforderten. Die Argumente für materielle Eigentumsrechte reichten zur Verteidigung des geistigen Eigentums nicht aus. Also begann ich zu recherchieren.
Alles neu überdenken
Gedanklich fühlte ich mich stark zum Konzept des geistigen Eigentums hingezogen, so dass ich zunächst nach Argumenten suchte, die meine Vorurteile untermauern würden. Schließlich waren die Leute, die das geistige Eigentum kritisierten, meiner Erfahrung nach dieselben Leute, die Märkte und Unternehmen und alles individuelle Eigentum hassten, oder Leute, die einfach nur Filme und Musik haben wollten, ohne dafür zu bezahlen, weil sie nicht arbeiteten und kein Geld hatten. Sie schienen Meckerer und Plünderer zu sein, keine Denker, Produzenten und Leistungsträger. Sie mussten sich irren.
Als ich anfing, nach theoretischen Argumenten für geistiges Eigentum zu suchen, stellte ich fest, dass viele Menschen, die nicht zu den marktfeindlichen Hippies, Marxisten oder Sozialhilfeempfängern zählten, keine plausiblen Argumente für geistiges Eigentum hatten. Das war eine beunruhigende Entdeckung. Je mehr ich recherchierte und nachdachte, desto problematischer wurde die Idee des geistigen Eigentums. Es handelte sich um ein philosophisches Problem.
Die erste Frage lautet: Wie sollte geistiges Eigentum definiert werden? Jeder Versuch, den ich unternahm, es genau zu definieren, stellte mich vor unüberwindbare Probleme. Wenn jemand eine bestimmte Kombination von Wörtern in einer bestimmten Reihenfolge auf eine Seite schreibt, gehört sie dann ihm? Was ist, wenn er sie nie einem anderen zeigt? Was ist, wenn jemand anderes, der die erste Person nicht kennt, dieselbe Kombination von Wörtern im Kopf oder auf dem Papier hat? Was ist mit der gleichzeitigen Entdeckung, die in der Geschichte der großen Ideen nicht selten ist?
Diese und viele andere Rätsel zwangen mich, die seltsamen Eigenschaften des geistigen Eigentums anzuerkennen, die eine einheitliche Definition oder Durchsetzung unmöglich machen. Ideen sind nicht knapp. Sie können kaum als Eigentum definiert werden. Welches Gesetz macht jemanden zum Kriminellen, der eine Chemikalie zu einer anderen Chemikalie hinzufügt und sie verkauft, selbst wenn er keine Ahnung hatte, dass jemand anderes das Gleiche getan und eine staatliche Genehmigung erhalten hatte? Geistiges Eigentum wirkte zunehmend eher wie eine Verletzung der Eigentumsrechte, anstatt sie zu schützen. Warum sollte ich die Nutzung meines Eigentums auf Dinge beschränken, die andere Menschen noch nie zuvor
getan haben?
Der langsame Wandel
Im Laufe eines Jahres las ich viele weitere Artikel und führte viele nächtliche Diskussionen über die Theorie des geistigen Eigentums. Ich kam zu dem unglücklichen Schluss, dass Ideen kein Eigentum sind, dass geistiges Eigentum nicht definiert werden kann und dass die Durchsetzung von Rechten an geistigem Eigentum ein Spiel der Bevorzugung ist, das mit all den Problemen der Gewinnsucht behaftet ist, die jede rechtliche Hürde mit sich bringt. Ich mochte geistiges Eigentum nicht, weil es kein kohärentes Konzept war. Aber ich glaubte trotzdem, dass es notwendig sei.
Ich hielt eine Zeit lang an meinem philosophischen Unglauben an geistiges Eigentum fest und vertrat eine Position pro geistiges Eigentum. Obwohl mir das Konzept nicht schlüssig erschien, konnte ich mir nicht vorstellen, wie es ohne Patente zu Innovationen kommen sollte. Ich hielt nicht viel von Urheberrechten und ich dachte, dass Markenfragen durch Betrugsschutz, Marktdruck und vertraglich geregelt werden könnten, ohne auf spezielle Gesetze zum geistigen Eigentum zurückgreifen zu müssen.
Aber Patente schienen ein absolutes Muss zu sein. Es war die Produktion von verschreibungspflichtigen Medikamenten, die mir zu schaffen machte. Ich sah keine Möglichkeit, wie fortschrittliche Arzneimittel in einer Welt ohne geistiges Eigentum hergestellt werden könnten. Obwohl ich kein reiner Konsequentialist war, genügte mir diese Sorge, um einer strikten Ablehnung von geistigem Eigentum zu widerstehen, auch wenn ich sie philosophisch nicht begründen konnte.
Die Frage des geistigen Eigentums war nie (und ist es auch heute nicht) das interessanteste Thema für mich, also ließ ich es bleiben. Es kam nur gelegentlich zur Sprache und ich begnügte mich damit, es auf der theoretischen Ebene etwas unbeholfen zu entkräften, in der Praxis aber zu unterstützen. Meine Suche nach einer konsistenten Begründung von geistigem Eigentum wurde unterbrochen, als meine intellektuelle Reise mich woanders hinführte.
Je mehr ich über Wirtschaft und politische Philosophie lernte, desto lächerlicher und weit hergeholter wurde der Staat – selbst ein Minimalstaat – und meine Ideen wurden radikaler. Als mir die Argumente für die Existenz des Staates ausgingen – sowohl die moralischen als auch die praktischen –, begegnete mir das geistige Eigentum erneut. Jemand fragte mich, ob ich glaube, dass irgendeine Form von geistigem Eigentum ohne staatliche Gewaltanwendung überleben könne. Ich konnte mir nicht vorstellen,
wie das möglich sein sollte.
Wie soll das in der Praxis funktionieren?
Dies brachte mich in eine seltsame Situation. Man hatte mich, obwohl ich mich wieder einmal mit Händen und Füßen dagegen wehrte, dazu gebracht, nicht an den Staat als ethische oder praktische Form der sozialen Organisation zu glauben und doch hatte ich immer geglaubt, dass es ohne staatlich geschaffene Patente keine großen Innovationen mehr geben würde. Dann stieß ich auf „Against Intellectual Monopoly“ von Boldrin und Levine. Ich las es und mir wurden die Augen geöffnet. Ich fragte mich, wie ich so stumpfsinnig sein konnte und wie es mir nur so sehr an Vorstellungskraft und Geschichtskenntnissen mangeln konnte!
Sie begründeten nicht auf der philosophischen Ebene, sondern von einem praktischen und historischen Standpunkt aus, dass geistiges Eigentum weit davon entfernt ist, Innovationen zu fördern und vielmehr einer der größten Bremser des Fortschritts ist. Tatsächlich bestand der Zweck der Gesetze zum Schutz des geistigen Eigentums von Anfang an darin, Innovation und Experimentierfreudigkeit einzuschränken und sicherzustellen, dass die Vorteile guter Ideen auf privilegierte Gruppen konzentriert werden, und zwar nicht danach, wie sehr sie den Konsumenten helfen, sondern danach, wie gut sie sich in der Bürokratie zurechtfinden.
Es war alles so einfach und offensichtlich, dass ich mich fragte, wie ich es nur übersehen konnte. Ich wunderte mich, wie ich so lange mit einer Weltanschauung zurechtkam, die so voll von Ungereimtheiten und Unerklärlichem war. Wie konnte ich so klar erkennen, dass die Berufslizenzierung nicht die Verbraucher schützt, sondern die Großindustrie, die sich dafür einsetzt, während ich das Gleiche beim geistigen Eigentum nicht erkennen konnte?
Wenn ich darüber nachdenke, scheint es, dass mein Glaube an geistiges Eigentum deshalb so stark war, weil er in einen intellektuellen Boden gepflanzt wurde, der seit meiner Kindheit kultiviert wurde, um die Welt als am Rande des Chaos und der Katastrophe stehend zu sehen, die nur durch die Kraft des Gesetzes zusammengehalten wird. Das Leben auf diesem Planeten war ein hobbesscher Dschungel, und in jeder Hinsicht – von den grundlegenden Überlebensbedingungen über eine brauchbare Sprache und ein Tauschmittel bis hin zu Innovation und allgemeinem Anstand – brauchten wir den starken Arm des Leviathans, um uns auf Kurs zu halten.
Als ich zu erkennen begann, wie utopisch diese Wahrnehmung von einem Staat war und wie komplex die reale Welt mit all ihren sich überschneidenden Normen und Institutionen ist, wurde es endlich möglich zu sehen, was eigentlich auf der Hand liegen sollte: dass Ideen nicht als Geiseln gehalten werden müssen, um genutzt zu werden und dass der Anreiz, innovativ zu sein, nicht von einem Staat ausgehen muss.
So schloss sich für mich der Kreis in der Frage des geistigen Eigentums. Ich will und erwarte nicht, dass du dieses liest und überzeugt bist, dass ich Recht habe. Ich habe nicht einmal echte Argumente vorgebracht. Ich hoffe jedoch, dich dazu inspiriert zu haben, dem Thema gegenüber offen und neugierig zu bleiben und weiter zu stöbern.
Wenn das tust, dann lies das Buch von Boldrin und Levine über die praktischen Argumente gegen geistiges Eigentum und das Buch „How Intellectual Property Hampers the Free Market“ von Stephan Kinsella über die theoretischen Argumente. Denke über deine instinktive Position zu diesem Thema nach und frage dich, welche Weltanschauung dahinterstecken könnte.
Gehe nicht davon aus, dass jeder, der geistiges Eigentum nicht befürwortet, ein eigentumsfeindlicher Sozialist ist. Und das Wichtigste: Genieße den Prozess!
(Dieser Artikel stammt aus dem Buch «Voluntarismus».)
Siehe auch: