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Die Nazis hatten das Werk «View of Murnau with Church» der Berliner Sammlerin Johanna Margarethe Stern-Lippmann geraubt.
Ein seit 2016 währendes Tauziehen um das Gemälde «View of Murnau with Church» von Wassily Kandinsky in den Niederlanden endet nun mit einer Entscheidung für Erben der Berliner Sammlerin Johanna Margarethe Stern-Lippmann. NS-Behörden hatten ihr das Bild geraubt und im Jahr 1951 hatte das Van Abbemuseum in Eindhoven das Werk von einem Händler erworben, der nachweislich mit «NS-Raubkunst» Geschäfte gemacht hat. Damit hebt die offizielle Kommission für derartige Fälle eine 2018 getroffene Entscheidung auf (Link).
Die Niederlande haben Anstrengungen zur Rückerstattung von Kunst- und anderen Gegenständen aus dem Besitz jüdischer Bürger durch die deutschen Besatzer bereits kurz nach dem Krieg aufgenommen. Seit der Jahrtausendwende ist dafür die offizielle «Restitutiecommissie» zuständig (Link). Diese «Restitutions-Kommission» geriet 2020 in die Kritik. Damals eine vom Kulturministerium beauftrage Experten-Kommission unter Vorsitz des Anwalts Jacob Kohnstamm einen Report publiziert, der dem Gremium bei strittigen Rückgabe-Forderungen Einseitigkeit zugunsten niederländischer Museen vorwirft. Der Report führte umgehend zum Rücktritt des Kommissions-Vorsitzenden Alfred Hammerstein und eines weiteren Mitgliedes des siebenköpfigen Gremiums.
Kohnstamm erklärte der «New York Times» seinerzeit, die Kommission habe Überlebenden und deren Erben gegenüber häufig kleinlich und formalistisch agiert. Bei strittigen Fragen sollten die Anliegen von Museen keine Rolle spielen. Der Anwalt nahm damit auf 2012 in Kraft getretene Regeln der Kommission Bezug, wonach bei Restitutions-Disputen gegenüber Museen «eine Interessen-Balance» zu beachten sei.
Die Nachkommen von Stern-Lippmann hatten bereits 2019 einen neuen Antrag bei der «Restitutiecommissie» eingereicht. Diese kam nun aufgrund «neuer Beweise» zu dem Befund, «View of Murnau with Church» sei den Erben zurückzuerstatten. Bereits im August 2021 hatte die Kommission die Rückgabe des Kandinsky-Gemäldes «Painting with Houses» an die Erben jüdischer Eigner empfohlen, die das Werk 1940 vor ihrer Flucht aus den Niederlanden unter Druck verkauft hatten. Das Bild war anschliessend in das Amsterdamer Stedelijk Museum gelangt. Die Kommission war 2018 zu dem Befund gekommen, die jüdischen Vorbesitzer hätten «keine enge Beziehung zu dem Bild» gehabt. Zudem sei unklar, ob sie 1940 tatsächlich in Geldnot waren und letztlich nehme «das Werk einen bedeutenden Platz in der Sammlung des Stedelijk Museum ein». Der Restitutions-Antrag war deshalb abgelehnt worden (Link).