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Bergnotfälle Schweiz 2008 Erneute Zunahme der Notfälle, jedoch weniger Bergtote
In den Schweizer Alpen und im Jura gerieten im Kalenderjahr 2008 insgesamt 2277 Personen in Bergnot 1, knapp 6% mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig reduzierte sich die Anzahl Todesfälle um 15% auf 104. Ein Vergleich zeigt, dass beim Bergsport nicht übermässig viele Unfälle geschehen, Fehlverhalten oder Pech aber gravierende Folgen haben können.
Ein wichtiger Faktor, der das Risiko beim Bergsteigen beeinflusst, ist das Wetter. Ein Blick zurück zeigt, dass das Jahr mit sehr milder Witterung und einer langen Schönwetterphase im Februar begann. Der Frühling hingegen war sehr wechselhaft, und ein starker Wintereinbruch brachte über die Ostertage Ende März die kältesten Tage des Jahres. Auf einen nasskalten April folgte ein sommerlicher Mai mit Temperaturen über 30 Grad im Flachland. Im Juni bis August brachten Kaltlufteinbrüche mehrmals Neuschnee bis unter 2000 Meter, und am Alpensüdhang entstanden im Juli kritische Hochwassersituationen. Im September und Oktober blieb es eher wechselhaft, doch es ergaben sich dazwischen immer wieder mehrere Tage mit stabilem Bergwetter. Wie bereits im Vorjahr brachte Ende Oktober ein erster markanter Kaltlufteinbruch bereits Schnee bis ins Mittelland, und die Alpen erhielten oberhalb der Waldgrenze eine zusammenhängende Schneedecke. Weitere Schneefälle ermöglichten einen sehr frühen Beginn der Skitourensaison.
Betrachtet man alle Bergsportarten zusammen, so kommt man auf 2277 Bergnotfälle. Das bedeutet eine Zunahme um 6% gegenüber dem Vorjahr. Ein Drittel der betroffenen Personen konnte aber unverletzt gerettet werden. Die häufigste Ursache der Notfälle waren wiederum Stürze, die 990 Personen zum Verhängnis wurden. Aussergewöhnlich viele stürzten in Gletscherspalten: 50 Personen mussten aus ihnen gerettet werden, das entspricht einer Zunahme um mehr als das Doppelte im Vergleich zu 2007. Die meisten Rettungseinsätze waren – kaum überraschend – in den Hochsom-mer- und Ferienmonaten Juli und August notwendig. Im August mussten im Schnitt rund 15 Personen pro Tag geborgen werden, im November hingegen nur knapp zwei. Zu den meisten Unfällen kam es wie letztes Jahr beim Bergwandern. 930 Verunfallte verzeichneten die Rettungsstationen, was einen Rückgang von 4% bedeutet. Zunahmen verzeichneten Skitouren- oder Variantenabfahrten (siehe auch Grafiken 1–3).
Bei 96 Unfällen verloren 104 Personen bei der Ausübung einer klassischen Bergsportart 2 ihr Leben. Dies entspricht im Jahresvergleich einem Rückgang von 15%. Weniger Opfer forderten insbesondere das Bergwandern, die Hochtouren und der Tourenskilauf. Insgesamt 59 Personen waren Schweizer Bürger, zwölf Fälle betrafen SAC-Mitglieder. Mit knapp 40% war der Anteil von tödlich Verunfallten, die alleine unterwegs waren, wiederum hoch.
Häufig Schnee mitten im Sommer Sowohl im Juli wie auch im August 2008 sorgten Kaltlufteinbrüche wie im Sommer 2007 mehrmals für winterliche Verhältnisse. Der wiederholte Schneefall hatte nicht nur Nachteile: Die sonst in heissen Sommern heikle Aus aperung der Firnzonen blieb weitgehend aus. So traf man während der Schönwetterlagen vor allem auf Firn- und Gletschertouren häufig auf sehr gute Bedingungen.
«We are in the Jungfrau»
2008 gerieten insgesamt 317 Hochtourengänger in eine Notlage. Dies entspricht im Jahresvergleich einem Rückgang von gut 4%. Die Bergrettung konnte wiederum zahlreiche Alpinisten, die aufgrund einer nicht dem Wetter und den Verhältnissen angepassten Tourenplanung blockiert 3 waren oder sich verirrt hatten, unverletzt aus ihrer misslichen Lage befreien. Die häufigste Unfallursache mit 104 Fällen war jedoch ein Sturz oder Absturz. Wie bereits im Vorjahr kam es auch im Sommer 2008 wieder mehrmals zu Lawinenunfällen. Mit viel Glück endete für die zehn Betroffenen keiner davon tödlich. Auch bei den ausserordentlich vielen Spalteneinbrüchen konnten die meisten Personen mit leichteren Verletzungen gerettet werden. Ungewöhnlich war dabei ein Anruf an die Einsatzzentrale der Rega: «Help, we need a helicop-ter, we are in the Jungfrau!» Die beiden Alpinisten, die den Notruf gesendet hatten, befanden sich in der Nähe des Rottalsattels im Abstieg vom Gipfel, als beide in eine Gletscherspalte stürzten. Sie hatten viel Glück, denn in den meisten Gletschergebieten der Alpen kann keinesfalls mit einer derart guten Mobil-telefonversorgung wie bei der Jungfrau gerechnet werden.
Obwohl es zu einem markanten Rückgang der Todesfälle kam, starben 2008 immer noch insgesamt 27 Hochtourengeher in den Bergen. Es kam dabei vor allem zu weniger Unfällen mit drei und mehr Todesopfern. Die Ursachen der schweren Unfälle in diesem Bereich sind seit Jahren aber in etwa die gleichen: unterwegs bei schwierigen Verhältnissen oder der Situation unangepasste Sicherungsvorkehrungen. So überlebte von zwölf Personen, die in fünf Mitreissunfälle involviert waren, nur eine. Doch es stürzten auch fünf Alpinisten ab, die trotz Begleitung auf den Seilgebrauch verzichtet hatten, wie auch vier Alleingänger. Tödliche Folgen hatten für zwei Personen auch Spalteneinbrüche, und zwei Alpinisten erfroren in einem Sturm im Monte-Rosa-Gebiet. Ungeklärt ist bis heute das Schicksal eines jungen Alpinistenpaares, das vor dem Eintreffen einer Schlechtwetterfront versuchte, die Bernina über den Biancograt zur Marco-e-Rosa-Hütte zu überschreiten. Der ergiebige Schneefall im Gebiet überdeckte alle Spuren, und die Suchaktionen mussten erfolglos eingestellt werden.
Am häufigsten in Mehrseillängenrouten
123 Kletterer mussten 2008 die Hilfe der Bergrettung in Anspruch nehmen, was einer Zunahme von knapp 8% im Vergleich zum Vorjahr entspricht. 59 Personen bekamen Probleme in Mehrseillängenrouten mit vorhandener Absicherung, 45 im alpinen Gelände und 19 in Klettergärten.
Erneut häufig Blockierungen und Probleme beim Abseilen
Blockierungen beim Klettern entstehen meistens durch Überforderung oder ein zu knappes Zeitbudget. In solche Situationen gerieten 42 Kletterer (Vorjahr 51). Probleme beim Abseilen ergeben sich praktisch immer durch verklemmte Seile oder dadurch, dass Abseilstände nicht gefunden oder verfehlt werden. 21 Personen, vier mehr als letztes Jahr, konnten sich nicht mehr aus eigener Kraft befreien. Ein Sturz wurde 49 Kletterern zum Verhängnis. Dabei zogen sich 39 Betroffene mittlere bis schwere Verletzungen zu, sechs Personen kamen ums Leben.
Wiederum unterschiedliche Ursachen bei tödlichen Unfällen
Alle sechs Todesfälle beim Klettern waren damit die Folge eines Sturzes, wobei das Unglück nicht immer in der Route selbst erfolgte.
So stieg eine Gruppe vom Alplistock (Grimselgebiet) im alpinen Gelände in Zweierseilschaften am verkürzten Seil ab. Als ein Teilnehmer sich an einem Felsblock festhielt, löste sich dieser und trennte das gespannte Seil vollständig durch, worauf der Alpinist stürzte. Ebenfalls beim Abstieg war ein Kletterer am Südgrat des Salbitschjien ( Göscheneralp ), als er unangeseilt den Halt verlor und stürzte. Am Fitzer (Berner Oberland) wiederum kletterte eine Dreiergruppe unangeseilt über eine technisch einfache, aber brüchige Route hinauf, als der erfahrene Einheimische hinunterfiel.
Aufgrund von Orientierungsproblemen verfehlte eine Zweierseilschaft den Zustieg zum Südostgrat am Petit Clocher du Portalet. Als sie versuchte, zur Route hinüberzuqueren, stürzte der Vorsteigende 30 Meter in die Tiefe. Der Seilzweite vermochte ihn zwar zu halten, der Verunfallte erlag aber trotz der raschen Rettung seinen Verletzungen.
Eine Fehlmanipulation führte in einem Klettergarten im Oberwallis zum Tod eines Kletterers, der sich selbst gesichert hatte. Bereits bei der Vorbereitung eines Abseilmanövers verlor eine Person im Klettergebiet Sanetsch die Kontrolle und stürzte aus dem Abseilstand ungesichert ab.
Viel Zeit für Skitouren
Bereits im Frühwinter hatte es in den Alpen fast überall reichlich Schnee. Eine lange Schönwetterphase mit sehr milder Witterung Anfang Jahr dezimierte die Schneedecke vor allem an Südhängen, es lag aber meistens noch genügend Schnee für Skitouren. Erst über die Ostertage setzten verbreitet starke Schneefälle ein. Auch im April war das Wetter häufig tiefdruckbestimmt und verursachte in den Alpen immer wieder Schneefall. Sehr früh meldete sich der Winter 2008/09, sodass bereits im November wieder sehr viele Tourengänger unterwegs waren. Insgesamt konnte man im Kalenderjahr 2008 während gut sechs Monaten Ski- oder Snowboardtouren unternehmen. Kaum überraschend stieg auch die Zahl der Notfälle an. Mit insgesamt 348 betroffenen Personen oder einer Zunahme von 43% im Jahresvergleich fiel sie jedoch sehr hoch aus und weist darauf hin, dass die spezifischen Gefahren des winterlichen Gebirges nicht immer gebührend berücksichtigt worden sind.
Sturzunfälle, Blockierungen und Lawinenverschüttungen
Doch auch 2008 waren Sturzunfälle mit 114 Betroffenen (Vorjahr 110) die haufigste Notfallursache. In den meisten Fällen handelte es sich wiederum um klassische Skifahrerverletzungen ohne unmittelbare Lebensgefahr. Sehr viel grösser war mit 81 hingegen die Zahl der Skitourengeher (Vorjahr 24), die aus einer Blockierungssituation gerettet werden mussten. So brach zum Beispiel über Ostern im Berninagebiet eine fünfköpfige Tourengruppe trotz sehr schlechter Wetterprognose von der Diavolezza aus auf, um zur Marco-e-Rosa-Hütte zu gelangen. Unterhalb der Bellavista stürzte eine Teilnehmerin unangeseilt in eine Gletscherspalte. Den anderen Gruppenmitgliedern gelang es, ihre Kollegin aus der Spalte zu befreien, als sie mit voller Wucht eine Schlechtwetterfront traf. Die alarmierte Bergrettung konnte erst am Folgetag um 18 Uhr am Fortezzagrat zu Fuss die Gruppe erreichen. Um 22 Uhr gelang während einer kurzen Wetterberuhigung die Rettung von zwei Personen mit dem Helikopter, die anderen drei führten die terrestrischen Retter über den Grat ins Tal.
Wenige Todesfälle
Trotz der langen Saison kamen beim Skitourenfahren «nur» acht Menschen ums Leben. Verschiedene Stürze, zwei während der Abfahrt, einer beim Abstieg zu Fuss und einer bei einem Wechtenabbruch, wurden vier Tourengängern zum Verhängnis. Vier weitere starben infolge einer Lawinenauslösung. Auffällig dabei: Alle Unfälle ereigneten sich bei Gefahrenstufe «mässig». Ungewöhnlich war der Vorfall am Piz Bleis Marcha (Mittelbünden): Eine elfköpfige Skitourengruppe befand sich nach dem Skidepot im Fussaufstieg zum Gipfel, als sich unter den Füssen des Vorausgehenden ein Schneebrett löste und diesen ca. 200 Meter eine Felswand hinunterriss und tötete. Weitere acht Personen, die sich zum Zeitpunkt des Lawinenabgangs weiter hinten in der Fussspur befanden, konnten sich festhalten. Wäre das Schneebrett nur 20 Zentimeter weiter oben abgebrochen, hätte es mit grösster Wahrscheinlichkeit alle Personen mitgerissen.
Mehr Notfälle, aber stabile Opferzahl
Aufgrund der Schneelage waren auch beim «Freeriden» oder Variantenfahren die Möglichkeiten weitaus weniger eingeschränkt als im Vorjahr. Entsprechend kam es auch in diesem Bereich zu mehr Notfällen, insgesamt 216 (Vorjahr 174). Daran beteiligt waren 173 Skifahrer und 43 Snowboarder. Wiederum am zahlreichsten waren Unfälle durch Sturz oder Absturz, gefolgt von Blockierungen, Lawinenverschüttungen und Gletscherspaltenstürzen.
Meistens Männer als Opfer
Bei Variantenabfahrten verunfallten insgesamt 14 Personen tödlich, acht Skifahrer und sechs Snowboarder. Wie bereits in früheren Jahren verunglückten vorwiegend Männer. So starb 2008 nur eine Variantenfahrerin. Lawinen forderten wie letztes Jahr am meisten Opfer: vier Skifahrer und zwei Snowboarder. Im Gegensatz zum Skitourenbereich ereigneten sich diese Unfälle überwiegend bei erhöhter Lawinengefahr: Fünf der Betrof- fenen waren bei der Gefahrenstufe «erheblich» unterwegs. Absturz oder Gletscherspaltensturz führten zum Tod von weiteren vier Skifahrern und vier Snowboardern.
Trend gebrochen: weniger Notfälle
Erstmals seit mehreren Jahren hat sich der stetige Anstieg der Notfallzahlen beim Bergwandern nicht fortgesetzt. Die 932 Notfälle bedeuten einen leichten Rückgang um 4% gegenüber 2007. Die meisten Personen (409) verunfallten durch Sturz oder Stolpern. Insgesamt 225 von ihnen mussten mit mittleren, aber nicht lebensbedrohlichen Verletzungen hospitalisiert werden; 38 Personen erlitten hingegen schwere bis sehr gravierende Körperschädigungen. Erkrankungen führten bei 149 Bergwanderern zum Rettungseinsatz. Von diesen starben später 16, meist an den Folgen eines Herz-Kreislauf-Problems. Zahlreich waren wiederum Notfälle durch Blockiertwerden oder Sichverirren. Die Wanderer hatten sich bei Nacht oder Nebel verirrt oder waren zu erschöpft.
Wiederum häufig Alleingänger und ältere Personen
Alle 39 tödlichen Unfälle beim Bergwandern ereigneten sich durch Stürze, in 21 Fällen auf markierten Bergwegen, wobei die Sturzursache häufig nicht bekannt ist. An exponierten Stellen genügt oft schon eine kurze Unaufmerksamkeit. Im Vorwinter oder Frühling stellen häufig vereiste Stellen oder deren Absicherung (Geländerseile, Leitern) ein Problem dar. Steigeisen hätten wahrscheinlich auch 2008 einige tödliche Abstürze verhindert.
21 der tödlich Verunfallten waren allein unterwegs; davon waren zudem 15 mehr als 50 Jahre alt. Auffällig ist auch, dass beim Bergwandern wie in früheren Jahren der Anteil der Schweizer mit 85% höher ist als bei anderen Bergsportarten.
Weitere Zunahme bei einigen «Boomsportarten»
Betrachtet man noch weitere Freizeitaktivitäten, bei denen die Akteure mit Muskelkraft in den Bergen unterwegs sind, fällt auf, dass sich die meisten Unfälle wie bereits in den Vorjahren beim Mountainbiken ereignen. Die 81 Fälle bedeuten eine massive Zunahme um knapp 27%. 74 Biker verunfallten dabei wegen eines Sturzes; 61 Personen von ihnen mussten hospitalisiert werden, 15 mit schweren Verletzungen. Ein Biker stürzte tödlich in eine 100 Meter tiefe Schlucht.
Die «Boomphase» beim Schneeschuhlaufen – gemäss dem Fachhandel wurden allein 2007 in der Schweiz rund 75 000 Paar Schneeschuhe verkauft – spiegelt sich auch in der Rettungsstatistik. Mit 52 Verunfallten stieg ihre Zahl um gut 21%. 24 von ihnen verirrten sich oder waren blockiert. 16 Betroffene verunfallten wegen eines Sturzes, und sechs Personen gerieten in eine Lawine. Drei der Verschütteten starben. Eine weitere Person erlitt durch einen Sturz tödliche Verletzungen, und eine andere starb durch einen Gletscherspalteneinbruch.
Die Zahlen der gravierenden Unfälle blieben auch dank dem Einsatz der Rettungskräfte relativ tief. So hatten sich zwei junge Männer vom Pizolsattel her ins abgeschiedene, im Winter kaum passierbare Tersol begeben und versuchten, über mehrere vereiste Steilstufen, in eine Schlucht und weiter nach Vättis abzusteigen. Beim Einnachten gelang es einem der beiden, einen Punkt zu erreichen, von dem aus er mit seinem Mobiltelefon die Bergrettung alarmieren konnte. Trotz dem starken Föhnsturm konnte einer mit einer Hubschrauberwinden- Aktion geborgen werden. Den anderen völlig erschöpften Schneeschuhläufer befreite die Alpine Rettung mithilfe eines mehrere Hundert Meter langen Gelän-derseils aus seiner ungemütlichen Situation. Zwei Wochen später stürzte fast an der gleichen Stelle ein Tourenskifahrer tödlich ab.
Insgesamt fällt die Abnahme der tödlichen Unfälle positiv auf, vor allem wenn man sich die Zunahme der Freizeitaktivitäten in den Bergen vor Augen führt. Neben dem häufig beherzten Eingreifen der Bergrettung hat möglicherweise auch eine verbesserte Tourenplanung zur erfreulichen Entwicklung beigetragen. Bei den Skitouren scheinen sich zudem die Ausbildungs anstrengungen der Alpinverbände und die besseren Lawi-nenverschüttetensuchgeräte positiv auszuwirken. Dafür spricht, dass vermehrt Personen lebendig aus Lawinen gerettet werden konnten.
Die schweren oder sogar tödlichen Unfälle erregen aber die Aufmerksamkeit der Medien und führen dazu, dass Bergsportarten in der breiten Öffentlichkeit als besonders gefährlich erachtet werden – eine Ansicht, die Berggänger kaum teilen. Ein Blick in die Bergnotfallstatistik des SAC und andere Erhebungen mag vielleicht die Einordnung etwas erleichtern, auch wenn sich die Daten nicht immer direkt vergleichen lassen. So verunfallten gemäss den Erhebungen der bfu-Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Schweiz zwischen 2002 und 2006 im Jahresdurchschnitt mehr als 300 000 Personen beim Freizeitsport. 5 8500 Fälle ereigneten sich dabei bei Bergsportaktivitäten ohne Schneesport. Da gemäss Umfragen zudem fast die Hälfte der Schweizer Wohnbevölkerung angibt, eine oder mehrere bergsportliche Aktivitäten auszuüben, kann das Bergsteigen in Bezug auf die reine Unfall-menge sicher nicht als besonders gefährlich eingestuft werden.
Ein anderes Bild ergeben die Zahlen für die tödlich verunfallten Personen, die häufig allein über die Wahrnehmung als risikoreiche Sportart entscheiden. Über alle Sportarten gemessen enden fünf von 10 000 Unfällen tödlich. Beim Bergsport beträgt dieser Wert jedoch 49 Tote auf 10 000 Verunfallte. Das Risiko, dass ein Unfall beim Bergsport tödlich endet, liegt damit sogar über demjenigen beim Strassenverkehr. Dort kamen bei geschätzten 94 000 Nichtberufsunfällen im Jahr 2006 370 Personen ums Leben. Das entspricht 36 Toten auf 10 000 Unfälle. Die Zahlen zeigen insgesamt, dass viele Berggänger sicher unterwegs sind. Die besondere Situation in den Bergen führt aber auch dazu, dass Fehlentscheide oder Pech häufig fatalere Konsequenzen haben als in anderen Sportarten.