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Die Young Boys treffen im letzten Auswärtsspiel der Europa-League-Gruppenphase auf Slovan Bratislava. Die Berner brauchen beim Tabellenletzten ebenso einen Sieg wie der FC Zürich gegen Limassol.
0:5, 0:2, 0:3, 0:4 lauten die bisherigen Ergebnisse von Slovan Bratislava in der Europa League. Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Mit null Punkten und 0:14 Toren ist der slowakische Meister die bislang schwächste der zur Gruppenphase angetretenen Mannschaften. Nur der ukrainische Vertreter Metalist Charkow ist nach zwei Dritteln des Pensums ebenfalls noch ohne einen Punktgewinn. Mit 14 Gegentreffern hat Slovan in der diesjährigen Kampagne die meisten Tore aller Teilnehmer kassiert, und als einziges der 48 Teams warten die Slowaken noch immer auf einen Torerfolg. Dass der slowakische Titelträger als abgeschlagener Letzter der Gruppe I vorzeitig ausgeschieden ist, kommt aufgrund der desolaten Bilanz wenig überraschend.
Das Weiterkommen in der Gruppe I machen die Young Boys, Sparta Prag und Napoli unter sich aus. Die Berner stehen unter Zugzwang. Sie brauchen heute in Bratislava einen Sieg, damit sie zum Abschluss am 11. Dezember im Heimspiel gegen Sparta Prag einen "Final" bestreiten und sich aus eigener Kraft für die 1/16-Finals qualifizieren können. Der erste Auswärtserfolg ist Pflicht, nachdem der Super-League-Vertreter sowohl in Prag (1:3) wie in Neapel (0:3) verloren hat.
Die Young Boys tun gut daran, den heutigen Gegner trotz dessen schwacher Bilanz nicht zu unterschätzen. Dass bei den Bernern positiv wie negativ (fast) alles möglich ist, haben sie in den vergangenen Jahren immer wieder unter Beweis gestellt. Jüngstes Beispiel von YB's fehlender Konstanz ist das Ausscheiden im Cup gegen den interregionalen Zweitligisten Buochs, kurz nach dem 5:0-Sieg im Hinspiel gegen Slovan. Einen Monat später schlugen die Berner Napoli, immerhin der Meisterschafts-Dritte der Serie A der letzten Saison und amtierender Cupsieger, zuhause verdient 2:0.
Im Wissen um die Ereignisse der jüngeren Vergangenheit warnte YB-Trainer Uli Forte mit Nachdruck vor einem Unterschätzen des Gegners. "Wenn wir das Gefühl haben, es wird ein Spaziergang, dann sind wir auf der falschen Fährte", sagte der 40-jährige Zürcher, der Anfang November, nach fünf Niederlagen in sechs Partien, bereits angezählt worden war. Dank den Siegen gegen Sion (2:1) und Thun (1:0) kämpften sich Forte und sein Team aber zuletzt aus der Krise. Gerade deshalb käme ein neuerlicher Rückschlag nicht nur für den Trainer, sondern auch für den ganzen Verein zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die letzten zwei Wochen vor der Winterpause mit fünf Spielen innerhalb von 15 Tagen sind für die Young Boys wegweisend. Neben der Qualifikation für die K.o.-Phase in der Europa League bietet sich ihnen die Chance, in der Meisterschaft auf Platz 3 zu überwintern und den Rückstand auf die Spitzenteams Basel und Zürich bei Halbzeit in erträglichem Rahmen zu halten.
FCZ hofft auf rauschenden Abschluss
Der FC Zürich braucht im vorletzten Gruppenspiel gegen Apollon Limassol einen Heimsieg, um das Weiterkommen nicht aus den Augen zu verlieren. Bei einem Remis ist der FCZ auf die Hilfe von Villarreal (gegen Gladbach) angewiesen. Bei Zürich hoffen sie auf einen rauschenden Jahresabschluss in zwei Wochen in Mönchengladbach, auf einen Final um einen Platz in der K.o.-Phase der Europa League gegen den Bundesligisten und gegen den Schweizer Trainer Lucien Favre mit seiner FCZ-Vergangenheit. "Das wäre für uns ein Weihnachtsgeschenk", sagte der Zürcher Coach Urs Meier. Doch zuerst muss der FCZ sein Heimspiel gegen Apollon Limassol gewinnen. Bei einem Unentschieden bleibt ihm die Hoffnung auf einen Heimsieg von Villarreal im anderen Gruppenspiel gegen Gladbach, damit es am 11. Dezember zu einem Final gegen die Deutschen kommt. Verliert hingegen der FCZ gegen Limassol, ist er ausgeschieden.
Ausgeschieden! Das war der FC Zürich in der Gruppe A im Prinzip schon nach drei Spielen. Mit nur einem Punkt und der Hypothek einer Niederlage gegen Aussenseiter Apollon Limassol stand er da. Doch der unerwartete Erfolg vor drei Wochen im Letzigrund gegen Villarreal hat die Zürcher ins Rennen um die ersten beiden Plätze zurückgebracht. Das Comeback des FCZ in der Europa League spiegelt den bisherigen Saisonverlauf der Zürcher wider. Stets waren sie mit argwöhnischen Blicken begleitet worden. Immer wieder war ihnen nach einem Rückschlag der Einbruch prophezeit worden. Und ebenso oft haben sie die kritischen Stimmen widerlegt.
Der FC Zürich hat immer wieder in die Spur gefunden. Er verlor im August in Basel 1:4 und schaffte gegen den Tabellenletzten Luzern nur ein 1:1. Dem liess er fünf Pflichtspiele ohne Niederlage folgen. Er unterlag im September auf Zypern dem heutigen Gegner Apollon Limassol 2:3, kam zu Hause gegen Aarau nur zu einem 0:0 und verlor in Bern trotz Überzahl 1:2. Dem liess er einen Punktgewinn gegen Borussia Mönchengladbach in der Europa League, den Sprung an die Tabellenspitze in der Super League und den Derby-Sieg gegen GC folgen. Dann wurde der FCZ in Villarreal 1:4 deklassiert und holte aus den Heimspielen gegen St. Gallen und Luzern nur einen Punkt. Dem liess er den Exploit gegen Villarreal sowie zwei Auswärtssiege in Aarau und Sitten folgen.
Und deshalb befindet sich der FC Zürich fünf Pflichtspiele vor der Winterpause in einer bemerkenswerten Position. Er kann sich in der Europa League für die 1/16-Finals qualifizieren, er kann am Sonntag in der Super League im Spitzenspiel gegen Basel wieder Leader werden, und er kann nächste Woche gegen den Erstligisten Cham die Viertelfinals im Cup erreichen. "Wir mussten manchmal zaubern, um so weit zu kommen. Aber jetzt können wir die Erträge einfahren", so Meier.
Kommt hinzu, dass sich die Zürcher mit Personalsorgen herumplagen. Nach Avi Rikan, dem "Krieger", und Gilles Yapi, dem "Strategen", dürfte auch Burim Kukeli fehlen. "Er kam angeschlagen von den Länderspielen mit Albanien gegen Frankreich und Italien zurück. Es sieht nicht gut aus", so Meier. Somit könnte im Prinzip das gesamte defensive Gewissen des Zürcher Mittelfeldes ausfallen. Welche Folgen das zeitigen kann, offenbarte Anfang Monat das Heimspiel gegen Luzern: drei Gegentore und eine Niederlage gegen den zuvor sieglosen Tabellenletzten. Deshalb hob Meier schon einmal den Mahnfinger: "Gegen Apollon wird es sicher nicht einfacher als gegen Villarreal."