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|Erziehung im Neuen Zeitalter|

«Es ist vorgeschlagen worden, eine neue, von den jetzigen drei Fakultäten der Philologie, der Sozialwissenschaften und der Naturwissenschaften unabhängige und von den innerhalb der bestehenden Fakultäten verschiedene Abteilung an der Universität von Pittsburgh einzuführen. Diese neue Abteilung soll «Abteilung für vereinheitlichte Studien» genannt werden. Es soll ihre Aufgabe sein, die inneren Zusammenhänge zwischen den an der Universität bereits bestehenden verschiedenartigen Fachgebieten aufzuzeigen und zu untersuchen. Ihr Hauptziel soll sein, die reflektive Synthese zu kultivieren und eine Körperschaft der Weisheit für die menschliche Evolution und die persönliche Selbst-Entwicklung zu finden oder zu gründen.»
«Da eine einheitliche Interpretation und die Lehre des rechten Verständnisses nicht eine unabhängige und alleinstehende Wissenschaft ist, sondern eine synoptische Zusammenfassung bereits vorhandener Gruppierungen von Begriffen und Prinzipien darstellt, soll diese Abteilung keine Promotionen in ihrem eigenen Gebiet oder Wirkungsfelde vornehmen. Die Abteilung Vereinheitlichter Studien ist in erster Linie eine Hilfs-Abteilung für die Studenten und die Lehrkräfte, deren hauptsächliches (aber nicht wichtigeres) Interesse einem anderen, mehr spezialisierten Fachgebiet gehört.»
«Bis heute war an unseren Hochschulen wenig Bedürfnis für eine solche Nebenabteilung vorhanden. Doch mit der steten Erweiterung unserer spezialisierten Wissenszweige bis zum Punkt, wo wir uns unter einem Berg von Kenntnissen und Einzelheiten begraben ist es jetzt an der Zeit herauszufinden, was all dieses Wissen bedeutet, und dieses Problem ernsthaft anzupacken. Falls die Universität keine Synthese allgemein gültiger Schlussfolgerungen aus dem modernen Lehrbetrieb zu finden vermag, dann wird sie ihrer historischen Rolle entsagen müssen, Universalprinzipien für aufgeklärte, die Wohltaten des rechten Lebens suchende Menschen aufzustellen. Dieses dringliche Bedürfnis muss ausdrücklich festgestellt und anerkannt werden, wenn wir eine Lösung bewusst herbeiführen wollen.»
«Der hauptsächliche Zweck des «Fortschritts des Lernens» (um Francis Bacons Worte zu gebrauchen) besteht darin, vier grundlegende Fragen menschlichen Daseins zu beleuchten:
1. Was ist der Mensch?
2. In was für einem physischen Universum (Kosmos) lebt der Mensch?
3. Durch welchen Evolutionsprozess stieg das Menschengeschlecht aus dem Schosse der Natur empor, so dass der Mensch ein schöpferisches und eigenbewusstes Individuum, wie er es heute ist, werden konnte?
4. Das heutige Wissen vom Kosmos und von der Natur des Menschen vorausgesetzt: Welche ist die beste Gesellschaftsstruktur für die progressive Selbstentwicklung des Menschen?»
«Wenn die Instruktoren der Abteilung Vereinheitlichter Studien nach Antworten auf diese Fragen suchen und den Studenten Anregungen geben und die notwendigen Unterlagen beschaffen, damit diese die Antworten auf diese Fragen selber finden können, dann müssen die Instruktoren es vermeiden, sich als Sachverständige einer solchen Vereinheitlichung hinzustellen. Die Lehrkräfte sollen vielmehr in Zusammenarbeit mit den interessierten Studenten Sucher nach einer Synthese sein. Zur Erläuterung der geplanten Kurse mögen die folgenden Vorschläge dienen:
1. die Soziologie des Wissens;
2. die Zusammenhänge zwischen Religion, Philosophie, Wissenschaft und Kunst;
3. Informationstheorie, Kybernetik (Untersuchung der «Steuerungsmechanismen» in Organismen und Maschinen) und Semantik (Wortbedeutungslehre);
4. Geschichte und Philosophie der Wissenschaft;
5. Geschichte und Voraussetzungen der demokratischen Regierungstheorie (Ideologie);
6. die Beiträge der Biologie, Soziologie und Psychiatrie zur Wohlfahrt und zum Fortschritt des Menschen;
7. die Einheit des Wissens;
8. die Evolution der Bewertungssysteme von der Primitivkultur bis zur modernen industriellen Zivilisation.»
«Die Vorbedingung bei diesen Kursen ist, dass sie nicht weniger als drei der sogenannten Studien-Abteilungen miteinander verbinden und verknüpfen sollen. Auf diese Weise sollen die Studenten und Lehrkräfte dazu angespornt werden, nach einer einheitlichen Weltanschauung zu streben, die es ihnen ermöglicht, das Leben beständig als eine Ganzheit zu sehen.»
Die «Saat-Prinzipien» des Tibeters werden einen wohlvorbereiteten und aufnahmefähigen Boden in solchen Experimentalgebieten finden.
Olivier L. Reiser.
Philosophische Fakultät
der Universität Pittsburgh,
Pittsburgh, Pennsylvania,
U. S. A.
ERSTES KAPITEL
Die Ziele der neuen Erziehung
Einführende Feststellungen
Man könnte sagen, dass dieses Buch drei verschiedene Gesichtspunkte oder Aspekte eines Hauptthemas darlegt und von kommenden Erziehungsmethoden und Ideen handelt. Der Zweck dieses Buches ist, die Kulturentfaltung des Menschengeschlechtes zu beleuchten und die nächsten Schritte zu erwägen, die zur weiteren mentalen Entwicklung der Menschheit führen. Wahre Lehren müssen mit der Vergangenheit übereinstimmen und zugleich dem Streben der Gegenwart Raum geben; auch müssen sie Licht auf den Weg jener Sucher werfen, denen es gelungen ist oder gelingt, die angedeuteten Ziele zu erreichen. Die Richtung der zukünftigen Geistesentwicklung muss aufgezeigt werden. Das ist das Erfordernis der Gegenwart.
Das Wort «geistig» bezieht sich hier nicht auf sogenannte «religiöse» Dinge. Alle Tätigkeiten, die den Menschen zu irgendeiner Entfaltung bringen, mag diese nun physischer, gefühlsmässiger, verstandesmässiger, intuitiver oder sozialer Art sein, sind, falls sie seinem jetzigen Zustand einen Schritt voraus sind, ihrem Wesen nach geistig und deuten auf das Dasein des inneren göttlichen Lebens hin. Der Geist des Menschen ist unsterblich; er ist ewig lebendig, er schreitet auf dem Pfad der Entwicklung von Stufe zu Stufe, von Zustand zu Zustand aufwärts und entfaltet dabei ständig und folgerichtig die göttlichen Eigenschaften und Aspekte.
Die drei [2] Punkte unseres Hauptthemas sind:
1. die Erziehungsmethode der Zukunft;
2. die Wissenschaft der Antahkarana. Diese behandelt den Modus der Überbrückung der im Bewusstsein des Menschen bestehenden Kluft zwischen der Welt der gewöhnlichen menschlichen Erfahrung der dreifachen Welt der physischen, gefühlsmässigen und gedanklichen Funktionen und den höheren Ebenen der sogenannten geistigen Entfaltung, d.h. der Welt der Ideen, der intuitiven Erfassung, der geistigen Einsicht und des inneren Begreifens;
3. die Methoden zum Aufbau der Antahkarana. Diese führen zur Überwindung der physischen und psychologischen Beschränkungen, die den Menschen am freien Ausdruck seiner innewohnenden Göttlichkeit hindern. Hier können wir nur das Fundament für diesen dritten Punkt legen, da dieser Gegenstand eine vorgeschrittene Erfahrung und Übung in der Meditation voraussetzt, die erst allmählich erlangt werden müssen. Ich habe die Meditation in meinen anderen Büchern behandelt.
Es könnte jemand hier fragen, ob es denn überhaupt einen Sinn hat, kostbare Zeit mit der Betrachtung von Dingen zu verschwenden, die noch in der Zukunft liegen. Ich möchte diese Frage beantworten, indem ich euch an den Spruch erinnere: «Wie der Mensch denkt, so ist er.» Dies ist eine den Studenten des Okkultismus wohlbekannte Binsenwahrheit. Was aber für den einzelnen gilt, das gilt auch für die Gruppe, und wie eine Gruppe denkt, so handelt sie schliesslich auch. Wenn die Gruppen-Gedankenwellen in die menschliche Gedankenwelt eindringen, so beeinflussen sie die Menschen, und dadurch wird es leichter möglich, neuartige Lebenswege und Entwicklungsrichtungen einzuführen. Hier versuche ich nur, euch einige knappe und allgemeine Ideen zu geben, die dazu dienen sollen, euch meine Gedankengänge und Absichten klarzumachen. Um dies zu erreichen, dürfte es für mich vielleicht am leichtesten sein, wenn ich gewisse grundsätzliche Feststellungen formuliere, die von Interesse sind und zur Aufklärung dienen können.
I. Bis in die Gegenwart beschäftigte sich die Erziehung mit der Kunst, aus der Geschichte der Vergangenheit, aus den bisherigen [3] Errungenschaften auf allen Gebieten menschlichen Denkens und aus dem bisher erworbenen menschlichen Wissen eine Synthese zu schaffen. Eine solche Erziehung befasste sich mit der Prägung oder der Art von Wissenschaft, wie sie sich in der Vergangenheit entwickelt hatte. Dieses Wissen ist hauptsächlich rückblickend, nicht vorausschauend. Ich möchte aber gleich bemerken, dass ich hier verallgemeinere und dass es im einzelnen viele und bemerkenswerte Ausnahmen von dieser Einstellung gibt.
II. Die Erziehung hat sich hauptsächlich mit der Ausbildung des niederen Denkvermögens (des Verstandes) befasst. Die Begabung des Kindes wurde zumeist daran gemessen, wie es gegenüber dem angehäuften Schulwissen, den in regelmässiger Folge vermittelten und wohlverdauten, kollationierten und gesammelten Einzelheiten reagierte, alles mit dem Endzweck, das Kind mit Kenntnissen so auszustatten, dass es mit dem Wissen anderer Leute erfolgreich konkurrieren kann.
III. Bis heute ist Erziehung hauptsächlich Gedächtnisschulung gewesen; dennoch dämmert jetzt allmählich die Erkenntnis herauf, dass diese Einstellung geändert werden müsse. Natürlich muss sich das Kind die von der Menschheit für wahr gehaltenen, in der Vergangenheit geprüften und als angemessen befundenen Tatsachen zu eigen machen. Jedes Zeitalter hat aber einen verschiedenen Massstab der Angemessenheit. Das Fische-Zeitalter unterstrich die Einzelbemühungen, die der Erreichung des empfundenen Ideals dienten. Als Resultat haben wir eine Weltgeschichte der Methoden, nach denen Stämme durch Angriff, Krieg und Eroberung zu Völkern wurden. Das war das Kriterium des rassischen Erfolges.
Die Erdkunde war auf einer ähnlichen Idee der Expansion begründet: Dem Kind wurde gelehrt, wie die Menschen, getrieben durch wirtschaftliche und andere Notwendigkeiten, Land eroberten und sich Länder zu eigen machten. Auch dies wurde - und zu Recht - als rassischer Erfolg angesehen. Die verschiedenen Zweige der Wissenschaft werden auch als Eroberungen neuer Gebiete angesehen, und hier spricht man wieder von rassischem Erfolg. Die Eroberungen der Wissenschaften, die Eroberungen der Völker und die Eroberungen von neuen Gebieten sind alle bezeichnend für die Methoden des Fische-Zeitalters mit seinem Idealismus, seinem Militarismus und mit seinem Trennungsgeist in allen Bereichen des Lebens: in der Religion, in der Politik, in der Wirtschaft. Nun aber treten wir in das
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|Last updated Saturday, February 14, 1998 © 1998 Netnews Association. All rights reserved.|