Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03317.jsonl.gz/3355

Ich bin im Tessin aufgewachsen, genauer gesagt oberhalb von Minusio, wo ich praktisch mein ganzes Leben verbracht habe. In diesem Jahr habe ich die Fachmaturität Gesundheit erfolgreich abgeschlossen, die aus drei Jahren Vollzeitschule und einem sechsmonatigen Praktikum im letzten Schuljahr besteht. Rettung und Hilfe für meine Mitmenschen waren schon immer ein Teil von mir.
Mein Praktikum habe ich in der Abteilung für Innere Medizin an der Carità in Locarno absolviert. Als Praktikant hilft man, wo man kann. Es war eine sehr interessante und bewegende Zeit, weil ich hinter die Kulissen der Covid-Abteilung blicken konnte und es bei der Arbeit mit kranken Menschen schwierige Situationen geben kann. Ich habe versucht, den Menschen in Isolation bestmöglich zu helfen. Vor allem älteren Menschen, die nicht über all diese Möglichkeiten verfügen, mit ihren Familien zu kommunizieren. Ich habe versucht, diese für sie sehr schwierige Zeit erträglicher zu machen und ihnen zu helfen, wieder gesund zu werden. Alles in allem hat mir diese Erfahrung extrem gefallen.
Bis zu diesem Jahr habe ich seit meinem dreizehnten Lebensjahr im Sommer am Lago Maggiore gearbeitet. Dieser erste Job ermöglichte es mir, meine heutige grosse Leidenschaft, das Wakesurfen, zu entdecken, und als ich achtzehn wurde, machte ich sogar meinen Bootsführerschein. Während des Praktikums habe ich zudem mit Fitnesstraining begonnen.
Bevor ich zur Rekrutierung ging, lud ich die SwissRookie-App herunter und schaute, was mich interessieren könnte. Ich habe mich ausgehend von meinen Prioritäten für drei Funktionen entschieden: Bootsschütze, aufgrund meiner Leidenschaft für das Wasser und den See; Einheitssanitäter, weil es mit dem zu tun hat, was ich in der Zukunft machen möchte; und Rettungssoldat, weil es mich interessierte.
Meine Rekrutierung war in Monte Ceneri. Ich sagte dem Oberstleutnant, dass ich Einheitssanitäter werden wollte. Der Oberstleutnant kam uns sehr entgegen. Es ist nicht so, wie einige sagen, dass sie einen sowieso dort einteilen, wo sie wollen. Im Gegenteil, er hat uns viel erklärt und uns Möglichkeiten aufgezeigt. Sein Ziel war es, uns dort einzuteilen, wo wir unser Potenzial am besten entfalten konnten. Am Ende hat er mich bei den Rettungssoldaten eingeteilt, und das war eine super Entscheidung. In Wangen herrscht ein gutes Klima und hier sind auch viele Tessiner. ☺
Der Wechsel vom zivilen zum militärischen Leben: Als ich hier ankam, war eine riesige Menschenmenge vor Ort und ich fragte mich, wie all diese Menschen in diesem Gebäude Platz haben, geschweige denn zusammenleben sollen. So ist man ein wenig verblüfft. Die Kader warten auf einen und zu diesem Zeitpunkt weiss man noch nicht, dass sie die Menschen sein werden, mit denen man täglich zu tun haben wird. Man sieht aber schon mit wem man im selben Zug sein wird und beginnt mit jemandem zu reden. Es dauert nicht lange, bis man ins Gespräch kommt und Freundschaft schliesst. Dann betritt man dieses Zimmer mit sechzehn Betten.
Mein erster Eindruck von den Kadern war, dass sie sehr fleissig und diszipliniert waren. Meine Kader haben mich stets mit Respekt behandelt, was sehr wichtig ist. Und wenn möglich sind sie uns immer entgegengekommen. Letztlich müssen sie aber ihre Arbeit machen. Es gibt Momente, in denen etwas Drill benötigt wird. Aber sie sind dabei sehr ausgeglichen. Um ehrlich zu sein, habe ich Schlimmeres erwartet: Ein bisschen wie in den Filmen, in welchen sie streng sind und bei jeder Kleinigkeit schimpfen.
Die Funktion des Rettungssoldaten ist sehr vielfältig: Es gibt den Rettungsteil und den gesamten technischen Teil. Zum Schneiden von Beton zum Beispiel braucht man viele Werkzeuge und kein Eisen.
Sehr cool, oder zumindest für diejenigen, die sich für diese Dinge interessieren. Am Anfang hatte ich kein Interesse, aber dann habe ich es angepackt und musste sagen: Mann, macht das Spass! Man erwartet es nicht, aber es gefällt vielen.
Man lernt viele Dinge, wie zum Beispiel die Brandbekämpfung, bei der man eine Feuerwehruniform anzieht und verschiedene Brände löscht. Das macht grossen Spass. Glücklicherweise haben wir in Wangen ein grosses Übungsdorf und können hier alles üben. Als Durchdiener hat man ausserdem die Möglichkeit, zu einem echten Einsatz aufgeboten zu werden. Ereignet sich in der Schweiz eine Naturkatastrophe, ein Erdrutsch, dann wird, wenn die zivilen Mittel nicht ausreichen, die Armee hinzugezogen, ergo wir.
Am Wochenende versuche ich meistens etwas zu unternehmen, denn es ist wichtig, sich auch um das Privatleben zu kümmern. Ich versuche also, meine Freunde zu treffen und interessante Dinge, die Spass machen, zu unternehmen.
Neulich waren wir mit einigen Kameraden Go-Kart fahren, das war sehr schön. Und natürlich schläft man auch, um den Schlafmangel zu decken. Es ist aber wichtig, ein Gleichgewicht zu finden.
Mein nächstes Ziel während meiner Zeit in der Armee ist es, Wachtmeister zu werden und je nachdem, wie es läuft, vielleicht sogar Leutnant. Auch wenn es kein Spaziergang wird, bin ich zufrieden. Denn ich habe das Gefühl, dass ich noch mehr tun kann, mein Potenzial noch mehr ausschöpfen kann und vor allem möchte ich mich selbst herausfordern, um meine Grenzen auszuloten. Beim Militär hat man die Möglichkeit dazu.
Als Wachtmeister ist das sicher etwas utopisch, aber eine Sache, die mir sehr am Herzen liegt, ist es, für jede und jeden eine Aufgabe zu finden, die ihr oder ihm gefällt. Die Rolle des Wachtmeisters besteht meiner Meinung nach darin, in erster Linie auszubilden und seinen Job zu machen, aber auch seinen Rekruten und Soldaten zu helfen, eine gute Zeit in der Rekrutenschule zu verbringen. Die Zeit in der Armee muss nicht schlecht sein, sie kann sogar schön sein, es braucht nur ein bisschen Engagement und Motivation.
Beim Militär werden einem viele Werte und Lehren mit auf den Weg gegeben. Ein grundlegender Punkt, der für mich sehr wichtig ist, ist die Kameradschaft. Man kommt mit Menschen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund in Kontakt: Landwirten, Bankern, Studenten, kurz gesagt, einer bunten Mischung von Menschen. Obwohl es nicht immer einfach ist, weil es ohnehin Konflikte gibt, baut man schnell eine freundschaftliche Beziehung auf. Am Ende des Tages weiss man, dass alle im selben Boot sitzen und das gleiche Ziel haben. So entsteht ein Teamgeist, ich würde fast sagen, eine Art Brüderlichkeit. Und das ist das Beste am Militär.
Nach dem Militär habe ich vor, Rettungssanitäter zu werden, und meine jetzige Funktion ist dem Beruf sehr ähnlich. Als Rettungssoldat lerne ich bereits viele Dinge, die ich im Berufsalltag einbringen kann. Ich habe es damit aber nicht eilig und habe mir überlegt, eine Zeit lang bei einer Schweizer Fluggesellschaft als Flight Attendant zu arbeiten.