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Um 11.00 Uhr will das norwegische Nobelkomitee in Oslo bekanntgeben, wer mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wird. Angesichts einer weiterhin angespannten Weltlage mit Ukraine-Krieg, Klimakrise und weiteren Konflikten gibt es Kandidaten genug: 259 Persönlichkeiten und 92 Organisationen sind in diesem Jahr im Rennen. Die Gesamtzahl von 351 Nominierten ist damit die zweithöchste jemals. Wer unter den Nominierten ist, wird von den Nobel-Institutionen traditionell 50 Jahre lang geheim gehalten.
Der Friedensnobelpreis gilt als wichtigster politischer Preis der Erde. Häufig wird eine einzelne Person oder Organisation mit ihm ausgezeichnet, das Nobelkomitee kann ihn aber auch wie im Vorjahr an bis zu drei Preisträger zugleich vergeben.
Im vergangenen Jahr war der Preis an den inhaftierten belarussischen Menschenrechtsanwalt Ales Bjaljazki sowie die Menschenrechtsorganisationen Memorial aus Russland und Center for Civil Liberties aus der Ukraine gegangen. Sie waren damit unter anderem für ihren Einsatz für die Zivilgesellschaften in ihren Heimatländern, das Recht auf Machtkritik und den Schutz der Grundrechte der Bürger geehrt worden.
Wer den Nobelpreis bekommt, ist vorab stets ein grosses Geheimnis. Das führt alljährlich zu grossen Spekulationen. Unter Wettanbietern wurde zuletzt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj als Favorit betrachtet - Friedensforscher halten dies jedoch für eher unwahrscheinlich, weil sich Selenskyj mit der Ukraine weiterhin im Verteidigungskrieg gegen Russland befindet.
Auf der jährlichen Favoritenliste des Direktors des Osloer Friedensforschungsinstituts Prio, Henrik Urdal, stehen unter anderen die Menschenrechtlerinnen Narges Mohammadi aus dem Iran und Mahbuba Seradsch aus Afghanistan. Der Direktor des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri, Dan Smith, hält - angesichts der zahlreichen Extremwetterereignisse in diesem Sommer - einen Friedensnobelpreis für den Klimaschutz für eine gute Idee.
Eine solche Preisvergabe würde den Fokus auf den Klimawandel und seine Verbindungen zu Unsicherheit und Konflikten richten, sagte Smith vor der diesjährigen Bekanntgabe der Deutschen Presse-Agentur. Sein Vorschlag: Die eine Hälfte des Nobelpreises könnte an die von der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg initiierte Klimabewegung Fridays for Future gehen, mit der anderen Hälfte könnte der wichtige Beitrag indigener Völker zu dem Thema geehrt werden, etwa in Person des brasilianischen Häuptlings Raoni Metuktire.
Der Friedensnobelpreis ist der einzige der Nobelpreise, der nicht in der schwedischen Hauptstadt Stockholm, sondern in der norwegischen Hauptstadt Oslo vergeben wird. In Stockholm waren von Montag bis Donnerstag bereits die Preisträgerinnen und Preisträger in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie und Literatur verkündet worden. Zum Abschluss der diesjährigen Preisbekanntgaben folgt am Montag der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.
Alle Auszeichnungen sind in diesem Jahr mit elf Millionen schwedischen Kronen (rund 950.000) und damit mit einer Million Kronen mehr als in den Vorjahren dotiert. Feierlich überreicht werden sie dann traditionell am 10. Dezember, dem Todestag des schwedischen Dynamit-Erfinders und Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896).