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Die blosse Materialität der Bücher
Alle vier Projekte beruhen auf analytischen Studien, mit deren Hilfe die materielle
Beschaffenheit der Bücher von Andersen, Carroll, Beskow und Jansson untersucht werden soll. Die Observation gilt
den Textrahmen (Cover, Klappentexte, Titelblätter, Vor- und Nachwörter, Widmungen, Motti, etc,), mit denen die
Autoren operieren, gleichermassen wie Format, Typographie (Schriftart, Schriftgrösse, Buchstabenabstand),
Seitenlayout (Satz, Segmentierung des Satzes, Marginalien, Fussnoten), Illustrationen (Position, Eibindung in den
Satz), verwendeten Materialien (Buchbindung, Papier, Tintenfarben) und Drucktechniken. Schon in dieser
eingehenden bibliographischen Analyse liegt unseres Erachtens ein entscheidendes Unterscheidungsmerkmal und ein
Mehrwert zu anderen Studien begründet, die sich mit diesem Material auseinandergesetzt haben.
Die formalen Auffälligkeiten in der Buchgestaltung sollen durch Vergleiche zu unterschiedlichen Varianten und Fassungen der Texte wie zu ihrer Transmission in gedruckten Übersetzungen bzw. Verfilmungen unterstrichen werden.
Produktionsästhetische Aspekte
Die Untersuchung zur Buchgestaltung schliesst im besten Fall stichprobenartige Untersuchungen zur Genese der Texte ein. Dabei geht es nicht nur um die besonderen Schreibverfahren, mit denen die Autoren auf den technischen Stand der Buchproduktion reagieren, sondern auch um ihre Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Verlagen, die gegebenenfalls über Archivstudien recherchiert werden müsste. Schliesslich gilt es, Verfahren der fortlaufenden Umarbeitung zu dokumentieren, welche die Texte im Verlauf ihrer Transmission erleben. Alle der genannten Aspekte sind bei den behandelten Autorschaften erst in Ansätzen untersucht worden.
Formalästhetische Aspekte
In jüngeren Untersuchungen ist die Frage aufgeworfen worden, ob und inwiefern sich klassische literaturwissenschaftliche Paradigmen wie etwa die Untersuchung der topologischen Struktur von Texten oder die Analyse von Erzählstimmen in Relation zum Layout der Texte modifizieren lassen. Entsprechend wird im Projekt etwa die Frage verfolgt, ob eine Beziehung zwischen den in den Texten verhandelten Topologien und ihrer konkreten Schrifträumlichkeit besteht. Weiterhin wäre zu untersuchen, ob und inwiefern Erzählmodus oder Erzählstimmen durch Paratexte und typographische Auffälligkeiten reguliert werden. Insgesamt geht es also um Fragen, ob und wie sich die buchhistorisch geschulte Aufmerksamkeit für die spezifische Materialität des Buches interpretativ nutzen lässt.
Materialitäts- und medientheoretische Aspekte
Die Analysen der materiellen Konstitution der Texte bilden den Auftakt für eine ganze Reihe weiterer Fragen. Zunächst gilt es zu untersuchen, ob und wie die Texte selbst auf ihre Materialität Bezug nehmen. Entsprechende Reflexionen können von Lese- und Schreibszenen in den Texten über das Motiv Buch, sprechende Buchstaben oder Geschichten über Papier reichen. In dem die Bücher dabei stets auch auf ihre eigene Konstitution verweisen, stellt sich über eine Art Metalepse ein Präsenzeffekt ein, der den Leser direkt auf das Buch verweist, das er beim Lesen als materiellen Gegenstand in den Händen hält. Genau diese Präsenzerfahrung wird in den Texten aber auch wieder problematisiert, wodurch sich zum Teil komplexere Reflexionen entfalten (letzteres gilt insbesondere für Hans Christian Andersen).
Rezeptionsästhetische Aspekte
Auch wenn sich nicht alle der hier zu untersuchenden Texte auf solche philosophische Überlegungen einlassen, laden sie doch alle zu einer Reflexion und Modifikation von grundlegenden Lektürepraktiken ein.