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Friedli-Studer-Ulrich: started
Gabriela Friedli (p)
Daniel Studer (b)
Dieter Ulrich
recorded, mixed and mastered at Hardstudios, Winterthur, 2010
sound engineer: Ron Kurz
label: Intakt Records 214, 2013
music:
come lately, Gabriela Friedli, 11:38
started, Daniel Studer, 4:25
out of nothing, Gabriela Freidli, 4:24
order: <email-pii>, Intakt Records
liner notes:
The CD Started of Gabriela Friedli, Daniel Studer and Dieter Ulrich is a persuasive opening statement regardless of what metric is used to assess the album, be it the album's contribution to Swiss jazz's evolving narrative, its articulation of a wide range of compositional and improvisational strategies that will shape jazz in the immediate future, or its riposte to the increasingly soporific state of the jazz piano trio. The album's more immediate virtue, however, is that it is thoroughly engaging from beginning to end.
At first glance, Friedli's approach to her trio seems straightforward; she and Studer compose materials and the trio improvises on them. However, both composers emphasize the connotative powers of the fragment, which plays to Friedli, Studer and Ulrich's respective skills at blurring the lines between scored and extemporaneous materials. They can effortlessly slip between the two; as the album unfolds, it becomes apparent that the trio has many routes across this frontier.
Bill Shoemaker
cd reviews:Klaus Hübner, Interview mit Gabriela Friedli, Jazzpodium, 2013:
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Aus der Zukunft des Jazz
Intensiv geht es hier zu. Gemütlich wird es nicht. Zunächst glaubt man, eine sperrige Exposition zu hören, die in gemächlichere, sprich swingende Gefilde führt. Aber so ist es nicht. Es bleibt bei den Zumutungen der ersten Takte. Nicht die Musik lenkt ein. Der Zuhörer muss es tun. Aber er lässt sich gewinnen. Verwundert bricht er auf. Etwas passiert mit ihm. Noch kann er nicht genau sagen, was es ist. Aber er lässt sich mitnehmen. Und er bereut es nicht. Takt für Takt erschliesst sich ihm ein neues Land. Unvermittelt befindet er sich in einer Wunderwelt von unerhörten Klängen.
Klavier, Bass und Schlagzeug ertönen mit- und gegeneinander, sprechen, streiten, zögern, finden zusammen. Dem Hörer geht es wie einem Schwimmer im kühlen Bergsee: Erst will er nicht hinein, dann ist er selig und will gar nicht mehr heraus.…
Leicht und eingängig ist diese Musik nicht. Sie fordert den Ausübenden wie den Zuhörenden einiges ab. Aber durch welche intellektuelle und emotionale Präsenz werden wir belohnt! Gabriela Friedli am Klavier, Daniel Studer am Bass und Dieter Ulrich am Schlagzeug spielen einen Trio-Jazz, der beweist, dass in der Tradition eines Bill Evans und Keith Jarrett noch längst nicht alles gesagt wurde.
Fünf der acht Kompositionen stammen von der Pianistin, drei vom Bassisten. Sie sind komplex und wurden entsprechend akribisch notiert. Hier geht es nicht um Themen, die locker angespielt und dann ad libitum variiert werden. Die Textur ist ungemein dicht, die Konzentration lässt keinen Augenblick nach. Das ist das Irritierende, aber auch das Beglückende an diesen Aufnahmen.
Sie haben eine recht lange Geschichte. Bereits 2010 wurden sie eingespielt, an lediglich zwei Tagen, in den Hard-Studios Winterthur. Doch dann begann die komplizierte Nachbearbeitung unter der Ägide des Tonmeisters Ron Kurz. Es dauerte, bis der Klang austariert war. Doch das Warten hat sich gelohnt. «Started» ist auch klangtechnisch ein Erlebnis. Vor allem aber ist die Musik intensiv und innovativ – und gleichzeitig von befreiendem Humor. Dass es bei aller Ekstase und Konzentration nicht gar zu feierlich zugeht, zeigen schon die Titel der Stücke.…
Manfred Papst, NZZ am Sonntag, 2013
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Jazzkritiker atmen auf, ein scharfes Lüftchen durchweht ihre Gedanken: Endlich wieder mal ein Piano-Trio, bei dem einem nicht das Gesicht einschläft. Dem bleibt von unserer Seite nichts beizufügen. Vielleicht ist es einfach die befreiende und waghalsige Ästhetik, die einen hier wacher hält als bei den gefälligeren Wohlklang-Bands, die sich oft in dekorierenden Langatmigkeiten erschöpfen. "Started" ist ein anderes Kaliber, dieses Album startet einfach. Es startet nicht durch, aber es hat die ganze Piste vor sich und weiss, dass der Punkt jederzeit kommen kann. Man spürt hier förmlich den Moment, der mehr will, als bloss ein Ziel zu erfüllen. Die Musikerin und die beiden Musiker sind in Kontakt. Auch wenn sie sich auf weite Strecken innerhalb von komplex ausnotierten Kompositionen bewegen: Sie sind bereit für jede Regung, die dazutut und wegnimmt. Es liegt eine Spannung im Gebälk, aber ebenso intensiv landen wir plötzlich in ruhigen Zonen, wo die Klänge sparsam werden, sich verflüchtigen oder ein kleines melodisches Motiv in die Sperrzonen gepflanzt wird. Studer und Ulrich gewittern, manchmal lassen sie es fast unhörbar beben, dann wieder setzt Ulrich seine klaren Statements und Studer verwandelt die Basskurven in elastischer Hellhörigkeit. Gabriela Friedli spielt ein zeitgenössisches Piano, das befreit ist von allf√§lligen Klassik-Kunst-Zwängen, aber auch nicht den Roots-Duktus der klassischen Jazz-sprache variiert. Sie bleibt auf eine erstaunliche Art nicht fassbar, auch wenn sie letztlich mehr Zugängliches als Verstiegenes spielt. Die Musik dieses Trios sucht die emotionalen Breschen, ohne sie auszukosten. Aber es hält sich in Neugier und blufft nicht mit abstrakten Extravaganzen.
Pirmin Bossart, Jazz'n'more, 2013
Statuarie, nervose movenze delle quattro corde basse, scintille percussive, tasti e corde del piano in agio e libertà sono la "persuasiva affermazione d'apertura, senza riguardi a quale metro si possa impiegare per valutare l'album; l'articolazione di un ampio spettro di strategie compositive e improvvisative; la sua risposta al sempre più soporifero stato del jazz-piano trio" secondo le note di copertina piuttosto assertive ed immodeste, ma certo è che l'attenzione, positivamente sollecitata dalle morfologie del gruppo, spettacolarmente valorizzate dalla netta ripresa acustica, è certamente premiata seguendo l'evoluzione di Started, quarto album Intakt (dopo Intervista, Fragile, This Side Up) della pianista Gabriela Friedli, piuttosto attenta - come s'ascolterà - a conferire dimensioni ulteriori alle geometrie di questa formula.
Non che della filiazione evansiana e del sistema solare jarrettiano ci tocchi all'ascolto e alla fruizione una sequenza di pallide derive ed amorfi asteroidi - la formula-trio è viva, operosa e vitale: forse perché "assopite" sono le aspettative nei rispetti del modulo, che le soluzioni e i vividi estri del trio Friedli-Studer-Ulrich s'adopra non a porre a soqquadro (eppur palese è la tentazione!), ma vivificandone i segni della già oceanica letteratura.
Il contrabbasso sornione e dalle movenze insettiformi di Daniel Studer, le pirotecnie asciutte, alquanto allucinate delle batteria di Dieter Ulrich, d'intesa con il moderato protagonismo della prestazione pianistica agglutinante, fitta di accordi-clusters ribattuti e di palese materia metallica di Gabriele Friedli, nella partecipata costruzione di Started non lasciano scorgere asperità d'ascolto ma palesi sintonie fluenti, pur nella provocatoria libertà stilistica.
La ritmica e l'armonizzazione "regolari" mascherano l'intelligente inganno, sottendono fraseologia liberamente interattiva tra i tre talenti all'opera, deprivando l'ascolto dalle figurazioni abituali lo compensano con l'invenzione costante, e quando riguadagniamo una palese dimensione melodica (Mbruef, Started) lvi si giunge dopo aver attraversato alcune stanze di trio free tali la delicatezza elusiva di I wrap my dreams in troubles, d'eloquenza erratica ed estraniante, le tinte pallide di humour spoglio (Come Lately), le vacuità scabrose di Drei in eins, Avra e la conclusiva Out of nothing, di focale ed avventurosa solidità.
Si ritiene di poter aprire l'interessante sezione Swiss Jazz, dedicata al jazz elvetico, segnalando questa alquanto felice proposta, meritevole di adeguata diffusione, che sospinge con esito corposo e brillante i primi passi delle uscite jazz del 2013.
Romualdo Del Noce, Jazzconvention, 2013
Retour en Suisse avec Gabriela Friedli, pianiste exploratrice dotée à la fois d’une solide culture du jazz et familière des langages contemporains, un peu comme l’est Marilyn Crispell, par exemple. Le trio réuni ici s’est formé avec le concours de Daniel Struder (contrebasse) et Dieter Ulrich (batterie), improvisateurs aguerris. Poussés les uns et les autres dans leurs derniers retranchements, ils voyagent pourtant en toute confiance avec élasticité, finesse et liberté, ce qui n’empêche pas une grande attention réciproque. Une musique non confortable et contrastée.
Jean Buzelin, Culturjazz, France, March 2013
Die Komponistin und Pianistin Gabriela Friedli hat sich konsequent ihre Freiheiten erkämpft. So ist es nur ein logischer Schritt, sich mit den beiden, gut geerdeten, Freigeistern Studer und Ulrich zusammen zu tun, um gemeinsam auf Erkundungsreise zu gehen. Die notierten Stellen fließen dabei elegant und harmonisch ins Improvisatorische; Struktur und Freiheit ergänzen sich. Alles notiert, alles improvisiert? Das ist nicht zu lösende Frage. So lange die Musik einen gebannt zuhören lässt, die Eigendynamiken eines freien Klaviertrios für Unterhaltung sorgt. Die musikalischen Richtungswechsel scheinen manchmal recht abrupt, sorgen aber dadurch für die notwendigen Widerhaken, geben den Musikern die Möglichkeit, wieder neuen Anlauf zu nehmen und das nächste Hindernis (gemeinsam) zu überspringen. Organische Verdichtungen, Musik mit Ecken und Kanten, liebevoll gespielt. Eingezäunte Anarchie.
ernst, Freistil 48, 2013, Österreich
Swiss pianist Gabriela Friedli also adapts the Bley-Evans concept, albeit with a harder touch on Started (Intakt CD 214 www.intaktrec.ch). But her mixture of notated and improvising designs is part of a subtle avant-gardism that hides underneath lyrical narratives. Aided by Daniel Studer's measured bass plucks and drummer Dieter Ulrich's smooth pacing, she specializes in contrafacts of other tunes, telegraphing the transformation in song titles. Come Lately relates to Duke Ellington's Johnny Come Lately; Out of Nothing to Johnny Green's Out of Nowhere; and no prizes for figuring out the chord origin of I Wrap My Dreams in Troubles. Atop Studer's chiming beat the last melody is stretched out by Friedli with expansive dynamics. The middle piece becomes a double-time exercise in fleeting cadenzas and string plucks from the pianist, contrasted with sul tasto rubs from the bassist, plus bull's eye rim shots and cymbal pops from the drummer. As for Come Lately, Studer's funky bass slaps and Ulrich's backbeat underline the piece's basic rhythm and blues feeling. Not content with that, the pianist makes the narrative tougher and more staccato with low frequency cadenzas and note clusters, eventually climaxing as she spins out emphasized glissandi while the drummer's contrapuntal thumps emphasize wood and metal.
Ken Waxman, The Whole Note, Canada, Friday, 29 March 2013
This Swiss trio is concerned with negotiating a kind of signposted freedom - or a liberated structure, if you prefer- with Pianist Friedli's composed fragments acting as signais that direct the mood and shapeof themusic. So, on „lnterludio", an anxious beginning of lurching chords and grumbling bass and drums is smoothed out by a calming melodic figure that calls for pause, resets the energies and allows the trio to work its way back up through another period of intensely realised interplay. "I Wrap My Dreams In Troubles" is a tottering free ballad, like late-night noir jazz with its skeleton removed, until it's interrupted by a swirling moment of confusion. And on "Mbruef“, a scattered minor chord tugs on the reins of a cocksure, walking blues, introducing a note of introspective uncertainty. It all requires phenomenally dose listening and lightning reactions.
Daniel Spicer, THE WIRE, London, April 2013
Die Zürcher Pianistin Gabriela Friedli kennt man schon aus ihrer Mitwirkung an Omri Ziegeles Billiger Bauer oder an Objets Trouves. Mit Daniel Studer (b) und Dieter Ulrich (dr) sondiert sie auf packende Weise und nicht ohne Witz, was sich im Grenzbereich notierte/improvisierte Musik so findet, wenn drei Vollblutmusikerinnen sich auf die Suche begeben. Erstaunlich, welche Wendungen da oft aus dem Nichts erscheinen: die Drei haben gerade erst mit vollen Händen in ihre Instrumente gegriffen, und es taucht ein lyrisches Thema auf, das direkt aus „Tristan und Isolde" stammen könnte. Wie Bill Shoemaker in seinen Liner Notes schreibt: „Das Album ... ist ein Konter auf den zunehmend einschläfernden Zustand des Pianotrios im Jazz.“
Schu, Concerto, 2013
Nach den Tänzchen mit Oliver Lake, bei In Transit auch schon mit dem Bassisten DANIEL
STUDER und in Omri Ziegele Billiger Bauer und Objets Trouvés bereits vereint mit der
Leaderin des GABRIELA FRIEDLI TRIOs, prägt der Drummer DIETER ULRICH mit seinen
pelzpfotigen Sprints und seinen Gemssprüngen nun auch dessen Started (Intakt CD 214).
Um dem Pianotrio neue Reize abzugewinnen, gehört schon Einiges dazu. Das behaupte
ich einfach mal, als jemand, der sehr wenig gegen TV-freie Sonntage, autofreie Werktage
oder eine 10-jährige Jazzpianoklimperabstinenz einzuwenden hätte. Da ich andererseits
neue Reize für weit überschätzt halte, kann ich mich durchaus mit Schweizer Qualitätsarbeit
anfreunden, deren intelligente Manier, Träume und Troubles unter einen Hut zu
bringen, ich mir als Menschenpflicht den Menschenrechten gleichgestellt wünsche.
Troubles sind das, in was man steckt, wenn man den Atem eines Raubtiers im Nacken
spürt - 'Interludio' deklariert es als Ausgangslage. Hetzerei mit Atempausen, die einen in
falscher Sicherheit wiegen. Bis gehetzte Basstriche den Puls wieder hoch treiben. Und
elegische Töne keinen guten Ausgang verheißen, aber nicht nachlassen, ihn sich zu wünschen,
und mit fragenden und beherzten Fingern nach Auswegen zu suchen. Meist bleibt
aber nichts anderes, als Blumen aufs Grab zu legen. 'I Wrap My Dreams In Troubles' wird
zum elegisch unterfütterten Lebensmotto, wobei Friedlis rechte Hand nicht glauben will,
dass sich nichts Besseres finden lässt, gefolgt von energischer Wühlarbeit, bis sich die
schwankende Gefühlslage auf ein melancholisches Mittel einpendelt. Studers kobolzendes
'Drei in eins', bei dem er selber heftig umeinander holzt, mündet in ausgeklügeltem
Unisono. Dem quick auf Amerikanisch swingenden 'Mbruef' wird zuletzt doch wieder lyrisch
zumute, worauf 'Avram' mäuseeifrig stöbert, zwischendurch einige Illusionen schürt
und dann Tempowechsel und Stimmungsschwankungen zum Normalfall erklärt. Für 'Started'
legt Studer alle Sehnsucht in Friedlis Hände. 'Come Lately' geht ihr umso leichter von
der Hand, und Ulrich bekommt Gelegenheit, jeden cm² seines Drumsets abzuklopfen. Das
Finale ist dann zirpend und klackernd, mit Griffen ins Innenklavier und weiteren hingeworfenen
Tupfern, die sich zu einem launigen Tänzchen formieren.
Rigobert Dittman, Bad Alchemy, 76, 2013