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Kernstadt-Platz, Fassaden
Wenn weder die Volumensetzung, noch der Aussenraum der Europaallee massgebend kritisiert werden können, was ist es dann, dass auf gerechtfertigte Ablehnung stösst.
(…vorher) Nach den beiden vorangegangenen Texten wäre man beinahe versucht gewesen der Europaallee das Prädikat «besonders Gut» zu verleihen. Das Urteil über die Bebauung wird aber durch einen entscheidenden Faktor getrübt: Die Fassaden!
Die Kritik an den Fassaden bewegt sich auf zwei Ebenen. Zum einen erscheinen die meisten Gebäudeoberflächen sehr monoton gerastert, zum anderen bestehen grosse gestalterische Brüche zwischen den Baufeldern. Der ersten Ebene widmen wir, zu einem späteren Zeitpunkt, noch eine ganze Textreihe. Daher konzentrieren wir uns hier auf die zweite Thematik.
Zunächst gilt es festzustellen, dass jeder, an der Europaallee beauftragte Architekt, eine gänzlich andere Architektursprache gesucht hat. Von Neoklassizismus bis zum Edelmodernismus, von der fragmentierten Glasfassade bis zum vertikalen Teleskop-Schiebeladen und vom gestockten Naturstein bis zum glänzenden Chromstahlblech, alles ist vorhanden. Hier passt wirklich gar nichts zusammen: Nicht die Proportionen, nicht die Materialität und auch nicht der konstruktive Aufbau. Anders wie bei der städtebaulichen Volumensetzung, scheint es hier keinerlei Vorgaben und Konsenswillen gegeben zu haben.
Das vorliegende Resultat ist nicht weiter erstaunlich, wenn man den Prozess betrachtet, aus dem diese Diversität hervor gegangen ist. Das ganze Baugebiet wurde in einzelne Baufelder aufgeteilt, um dann für jedes dieser Felder einen separaten Wettbewerb abzuhalten. Die Wettbewerbe haben dabei, so scheint es im Rückblick, keine Rücksicht aufeinander genommen. Weder durch einschränkende Festlegungen im Voraus, noch durch die Bezugnahme mittels einer Staffelung der Verfahren.
Und es kommt noch schlimmer: Die gestalterische Diversität wird durch die gross geschnittenen Baufelder verstärkt. Wären die heutigen Baufelder nur ein Drittel so gross, hätte es zwar noch eine grössere Diversität gegeben, allerdings hätte sich dann mindestens die Chance geboten, dass diese Unterschiedlichkeit zu einem gestalterischen Gemenge hätten zusammenwachsen können. Hier aber steht jedes Baufeld mit einer solchen Kraft für sich alleine, dass eine Einheit verunmöglicht wird. Immer dann, wenn man glaubt das städtische Flair erfasst zu haben, wird man nach der nächsten Gasse erneut vor den Kopf gestossen.
Als Gegenbeispiel lässt sich auch hier die Bahnhofstrasse beiziehen. Dort gibt es da und dort ein paar gestalterische Ausreisser, im Grossen und Ganzen herrschen die Sandsteinfassaden des 19. Jahrhunderts vor und entwickeln zusammen eine solche Kraft, dass Ausnahmen nicht weiter ins Gewicht fallen. Es ist aus heutiger Perspektive erstaunlich, wie konsistent in früheren Jahrhunderten gestaltet worden ist.
Dabei verhalten wir uns doch recht nachvollziehbar: Zur Abwicklung und Vermarktung grosser Bauvorhaben teilen wir diese in Baufelder auf. Um lästige Schnittstellen zu vermeiden, beauftragen wir für ein Baufeld nur einen Planer. Es ist aber sträflich, dass keine gestalterischen Vorgaben gemacht werden, dass die Wettbewerbsverfahren nicht aufeinander aufbauen, dass die Planer auch später weder links noch recht schauen und es ist unbegreiflich, dass es den Architekten nicht möglich erscheint, auf einem Baufeld leicht unterschiedliche Fassaden zu entwickeln. (Weiter bei…)