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Nonverbale Erinnerungen, Sandspiel für Erwachsene
Winnicott schreibt: „Kreativität ist wichtig bei der Suche nach sich selbst. Nur im Spiel sind der/die Erwachsene oder das Kind kreativ und setzen ihre ganze Persönlichkeit ein. Nur wenn das Individuum kreativ ist, kann das Selbst entdeckt werden“.
Sandspieltherapie als Therapieform wurde von Dora Kalff entwickelt. Die Schweizerin war eine Schülerin von C.G. Jung. Ursprünglich wurde die Methode für kranke Kinder einwickelt. Heute wird sie weltweit in Therapien für alle Altersgruppen zur Heilung verschiedener psychischer Beeinträchtigungen eingesetzt.
Sandspieltherapie für Erwachsene eignet sich besonders, wenn Erinnerungen oder Probleme erreicht und geweckt werden wollen, die ausserhalb die Reichweite der verbalen Therapien liegen. Diese Art Erinnerungen können entstehen, wenn schwierige Erlebnisse sich in einem Alter zugetragen haben, als noch kein Wortschatz für das Erlebte vorhanden war. Diese Erinnerungen wurden deswegen als körperliche Erfahrungen gespeichert, ohne Verbindung zu Worten oder Begriffen.
Diese nicht verbalen Erinnerungen können zum Beispiel als Verspannungen oder Schmerzen auftreten und überraschend durch Laute, Gerüche, Berührungen oder das Wiedererleben ähnlicher Situationen geweckt werden. Die Erinnerungen können starke und überraschende automatische oder autonome Reaktionen auslösen, die in der aktuellen Situation von aussen und rational gesehen nicht angebracht gewesen wären.
Diese Erinnerungen könnten zum Beispiel bei schwierigen Geburtsprozessen, frühen Krankheiten oder Unfällen entstanden sein. Traumatische Erlebnisse im späteren Leben (Unfälle, Kriegserfahrungen, Verluste, Gewalt etc.) sind oft genauso schwierig in Worte zu fassen. Das Erlebte war zu schlimm, um darüber nochmals zu reden, weil reden re-traumatisierend erlebt werden kann. In diesen Fällen ist sprachlos zu sein kein Hindernis. Das Sandspiel gelingt ohne zu Sprechen, ohne gemeinsame Sprache.
Das Material besteht aus zwei Sandkästen. Ein Sandkasten beinhaltet trockenen Sand, der andere nassen Sand. Dazu gibt es viele verschieden Figuren, zum Beispiel Menschen aus aller Welt und jeden Alters, verschiedene Berufsgattungen, Tiere, Fabelwesen, Häuser, Hausaltartikel, Autos, Nutzfahrzeuge, Pflanzen und Objekte aus der Natur. Es ist einfach, einen gelungenes Sandbild zu kreieren. Das macht Freude, weil immer etwas entsteht. Das Bild zeigt, was im Moment gezeigt werden muss, egal ob mit oder ohne Figuren, ob es voll ist oder nur wenige Objekte im Sand stehen oder liegen.
Der stille Prozess, während dessen Sie im Sand arbeiten, bietet Raum, in sich hinein zu horchen, in Körper und Seele. Dadurch ist es möglich herauszufinden, was Sie brauchen in dem Moment. Das beginnt mit der Frage, ob der Sand trocken oder nass sein soll. Und dann, welche Figuren wähle ich? Wann bin ich mit meinem Bild fertig? Die Stille erlaubt den Zugang zu Erinnerungen, die noch nie bewusst erlebt wurden. Einmal geweckt, können diese bearbeitet und transformiert werden. Ich bin als Therapeutin Zeugin und allenfalls Wegweiserin. Eine verbale Deutung kann später folgen, braucht es aber nicht in jedem Fall.