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Karte 1: Das Grosse Moos

Eine Strafanstalt betätigt sich im ökologischen Ausgleich
Im Schweizer Mittelland zwischen Neuenburgersee, Murten- und Bielersee befindet sich das "Grosse Moos" (s. Karte 1). Diese einst von Flussdynamik geprägte Moorlandschaft (LÜDI 1935) wurde innert einem Jahrhundert mittels grossräumiger Ingenieurtechnik (s. Tab. 1) zum fruchtbarsten Gemüsegarten der Schweiz melioriert. Die weiten Ebenen sind heute praktisch ausschliesslich durch die landwirtschaftliche Produktion in Anspruch genommen. Gleichzeitig ist das "Grosse Moos" geprägt von isolierten Naturreservaten wie z.B. dem "Fanel", welches unter anderem in die internationale Konvention zum Schutze der Zugvögel (vgl. KELLER 1996) eingebunden ist.Tab. 1: Datum, Merkmale und Kosten der Juragewässerkorrektionen (vgl. VON WALDKIRCH 1985).
Direkt am Neuenburgersee befindet sich Witzwil, eine Strafanstalt, der zugleich der grösste staatliche Landwirtschaftsbetrieb der Schweiz (ca. 700 ha) angegliedert ist. Durch seine Grösse, Lage und als Betrieb der öffentlichen Hand eignet er sich für eine Pionierrolle in der Bewirtschaftung und insbesondere im ökologischen Ausgleich. Im Zuge der neuen schweizerischen Landwirtschaftsgesetzgebung (LWG Art. 31a, b) erhalten Landwirte Direktzahlungen, wenn sie ihre Betriebe nach den Normen für Integrierte Produktion (IP) oder Biolandbau führen. Bei beiden Betriebsformen ist die Bewirtschaftung von mindestens 5% der Fläche im Rahmen des ökologischen Ausgleichs obligatorisch. Eine Fallstudie des Lehrgangs Umweltnaturwissenschaften der ETH (SCHOLZ ET AL. 1995) hat in Witzwil das Bedürfnis geweckt, die Planung ökologischer Ausgleichsmassnahmen wissenschaftlich zu begleiten.
Zum oben erwähnten Gesetz wird jährlich eine Wegleitung erstellt, welche mögliche Landschaftselemente des ökologischen Ausgleichs und ihre Mindestausmasse angibt (BUNDESAMT FÜR LANDWIRTSCHAFT ET AL. 1997). Es werden in dieser Liste jedoch keinerlei Aussagen über die landschaftliche Einbettung und Vernetzung der Elemente gemacht. Dies hat in der Praxis zur Folge, dass trotz ökologischer Ausgleichsmassnahmen wertvolle Naturräume weiterhin isoliert vorkommen können. Diese Aussage wird teilweise durch Bestimmungen im Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz (NHG Art. 18) relativiert. Der Vollzug dieses Gesetzes obliegt in der Schweiz den Kantonen – den Ländern auf Deutschland bezogen –, was grundsätzlich eine regionale Ausrichtung des ökologischen Ausgleichs ermöglicht. Auch im Natur- und Heimatschutzgesetz sind aber keine landschaftsspezifischen Qualitätsanforderungen angeführt. So ist beispielsweise in Witzwil die ökologische Beurteilung einer Magerwiese auf nährstoffreichem Moorboden mit Schwierigkeiten behaftet.
Bezüglich der ökologischen Qualität unterscheiden sich gesetzeskonforme Ausgleichsflächen in erheblichem Mass. Abb. 1 zeigt drei verschiedene Interpretationsmöglichkeiten des Landwirtschaftsgesetzes für den Gutsbetrieb von Witzwil. Für die landschaftsökologisch sinnvolle Ausscheidung von Ausgleichsflächen gibt es somit keine verbindlichen Leitlinien. Angesichts dieser "Orientierungslosigkeit" (vgl. SCHWEIZERISCHER VERBAND DER ÖKOLOGINNEN UND ÖKOLOGEN 1995) wird der Ruf nach landschaftsplanerischen Konzepten laut, die den ökologischen Ausgleich auf Einzelbetrieben in umfassende regionale Ökologisierungsbestrebungen integrieren. Mit der Klärung dieser Problematik haben das Bundesamt für Landwirtschaft und das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft Ende 1996 das "Nationale Forum für den ökologischen Ausgleich" eingesetzt. Aber auch Personen aus der Wissenschaft haben sich um diese Lücke zwischen Landnutzung, ökologischem Ausgleich und Naturschutz gekümmert und haben die ökologische Bedeutung der einzelnen Landschaftselemente und -strukturen aufgearbeitet (BAUR ET AL. 1997).