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Wie hat die Photographie das Jahrhundert wiedergegeben? Mit welchen Werkzeugen, welchen Tricks? Das letzte der zwölf vom Musée de l'Elysée in Lausanne ausgewählten Bilder: "Guitty sur la plage de Biarritz" (1905) von Jacques Henri Lartigue.
Familienausflug. Damen aus dem Bois de Boulogne. Gesellschaftliche oder sportliche Anlässe. Die ersten Versuche der Fliegerei. Oder einfach "Guitty", eine elegante Dame, die einem Strand im Südwesten entlang läuft ... Viele starke und lebendige Zeugnisse von Anfang des Jahrhunderts haben wir einem Kind zu verdanken: dem kleinen Jacques Lartigue, 1894 in Courbevoie geboren.
Mit dem Photoapparat seines Vaters hat er den Beginn des 20. Jahrhunderts in Frankreich festgehalten. Die Resultate seiner Ausbeute klebte er in grosse Photoalben. Lartigue war ein Amateur, der auf den Auslöser drückte wie Sie und ich. Aber er war ein Genie: "Er hatte keine photographische Ausbildung. Er hatte Talent: ein Feeling, einen ausserordentlichen Sinn für das Photographische. Dank dieser Freiheit, diesem Fehlen eines konzeptuellen 'Gepäcks' konnte Lartigue spontan erfinden", begeistert sich William Ewing, Direktor des Musée de l'Elysée.
Als Erwachsener wandte sich Jacques Lartigue aber der Malerei zu, und sein ganzes Leben lang war dies sein Hauptberuf. Das hinderte ihn jedoch nicht daran, von Zeit zu Zeit zum Photoapparat zu greifen, vor allem bei Dreharbeiten bekannter Filmemacher (Jacques Feyder, Abel Gance, Robert Bresson, François Truffaut, Federico Fellini).
Während der 60er-Jahre findet er erstmals Anerkennung, anlässlich einer Ausstellung im Museum of Modern Art in New York und durch die Veröffentlichung eines Portfolio in "Life". Dabei entschliesst er sich, auch noch den Vornamen seines Vaters anzunehmen und nennt sich fortan Jacques Henri Lartigue.
Es war Richard Avedon, der berühmte Modephotograph, der Lartigues Talent unter anderen zum Durchbruch verhalf. So entstand zum Beispiel dank ihm das Werk "Instants de ma vie" ... "In der Arbeit von Avedon finden Sie den gleichen Geist: laufende, springende und lachende Menschen", stellt William Ewing fest. "Aber bei Avedon ist alles Fiktion: es sind Inszenierungen für Modeaufnahmen. Und ich denke, als Avedon entdeckte, dass ein junger Mann all das sehr glaubwürdig wiedergegeben hatte, fand er etwas, das er selbst nie getan hatte, und er musste feststellen, dass seine Welt irgendwie ganz falsch war."
Bernard Léchot