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SAINT-PAUL-DE-VENCE UND DIE FONDATION MAEGHT
Aktualisiert: Feb 24
Saint-Paul-de-Vence ist ein kleines, mittelalterliches Städtchen in den Hügeln hinter Nizza. Es liegt von einer Befestigungsanlage umgeben auf einem Felssporn und hat etwas mehr als dreitausend Einwohner. Eine Hauptstrasse führt vom Südtor zum Nordtor durch das Städtchen, am höchsten Punkt befindet sich der Brunnen. In den Läden entlang der Hauptstrasse finden sich viele Galerien, die neben gefälligen Landschaftsbildern, schrägen Skulpturen und abstrakten Gemälden hauptsächlich Kitsch ausstellen. In den kleinen Läden werden Seifen oder Parfüm (Grasse ist nicht weit)verkauft, es gibt einige Restaurants, Gelaterien und Crêperien.
Die Fondation Maeght
Vor Saint-Paul-de-Vence gibt es einen riesigen Busparkplatz, von wo Touristengruppen in das Städtchen einfallen, sich durch die engen Gassen wälzen, die Pseudokunst bestaunen, Lavendelsäckchen kaufen und Crêpes essen. Danach steigen sie wieder in die Busse und fahren weiter. Keiner nimmt sich die Zeit, fünfzehn Minuten durch den Pinienwald oder über die Strasse zu spazieren, um zur Fondation Maeght zu gelangen. Das lohnt sich aber!
Ende der 50er Jahre besichtigten Aimé und Marguerite Maeght in Palma de Mallorca die Werkstatt von Joan Mirò, die Josep Lluis Sert gebaut hatte. Sie trugen sich schon länger mit der Idee, einen Begegnungsort, ein Arkadien für Künstler zu schaffen und die Art, wie der spanische Architekt in seinem Bau das mediterrane Licht zu bändigen vermochte, begeisterte sie. 1958 kam Sert zum ersten Mal nach Saint-Paul-de-Vence, am 26. Juli 1964 wurde die Fondation Maeght im Beisein des damaligen französischen Kultusministers, André Malraux, eröffnet. Schon in seiner Galerie in Paris hatte André Maeght Künstler wie Matisse, Braque, Chagall, Léger und Derain vertreten, sie kamen nun nach Saint-Paul-de-Vence. Und liessen ihre Werke hier.
Im Skulpturengarten vor dem Haupteingang stehen unter alten Schirmpinien Objekte und Installationen von Arp, Calder, Bury und Hepworth. Die kleine Kapelle St. Bernard erinnert an den früh verstorbenen Sohn der Maeght. Die Glasfenster entwarfen Braque und Raoul Ubac. Das Wasserbecken vor dem Hauptbau ziert ein Fischmosaik von Braque. Die Türgriffe wurden von Diego Giacometti entworfen. Durch die Eingangshalle gelangt man direkt in den “Court Giacometti“.
Als Baslerin bin ich sofort an die Fondation Beyeler erinnert, nur schaut die Giacometti-Figur hier nicht durch ein Fenster in die grandiose Natur hinaus. Vom “Court Giacometti“ gelangen wir durch eine kleine Pforte ins “Miro-Labyrinth“.
Auf Wegen aus weissem Kies kommen wir vorbei an Brunnen mit bunten, wasserspeienden Figuren und perfekt in die Umgebung eingefügten Skulpturen. Über gemauerte Treppen und Terrassen erreichen wir so das Obergeschoss des Museums. Die Bilderausstellung vereint gekonnt Bilder aus fast einem Jahrhundert (die letzte Ergänzung ist ein Werk von 2017).
Bericht Andrea Hagen