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FRAGE | Mein Bruder hatte mehrere Schicksalsschläge zu verkraften. Zuerst kostete ihn seine Scheidung viel Geld, dann wurde er von seinem Geschäftspartner arg über den Tisch gezogen. Weil es mir finanziell viel besser geht, habe ich mit meinen Eltern einen Erbverzichtsvertrag abgeschlossen. Darin habe ich erklärt, beim Tod sowohl des Vaters wie auch der Mutter zugunsten meines Bruders auf mein Erbrecht zu verzichten, und auch warum ich das tue. Nun ist der Bruder unerwartet gestorben. Die Eltern leben noch. Wenn sie sterben, bekommt dann seine Ex-Frau den Teil, auf den ich verzichtet habe?
ANTWORT | Nein. Mit der Scheidung ist das gesetzliche Erbrecht der Ex-Ehefrau definitiv erloschen.Sie haben ausdrücklich zugunsten Ihres Bruders auf Ihr gesetzliches Erbrecht verzichtet. Für einen so bedingt erklärten Verzicht gilt: Das Gesetz vermutet, dass Sie nicht auf Ihr Erbrecht verzichtet hätten, wenn Sie gewusst hätten, dass er vor den Eltern stirbt. Daher fällt der Verzicht mit dem Tod des Bruders dahin (Vorversterben). Sie erben dereinst von Ihren Eltern so, als hätten Sie gar nie in einer öffentlichen Urkunde auf Ihr Erbrecht verzichtet. Dieses Zurückfallen nennt das Gesetz «lediger Anfall».
Rechtsfragen können gestellt werden an:
Dr. Lorenz Strebel, Rechtsanwalt und Notar, Bahnhofstrasse 86,
5001 Aarau, E-Mail: <email-pii>