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Liebe Freunde
In den letzten Tagen habe ich einige Spitäler näher kennengelernt. Nachdem ich selbst in einem Spital in Nairobi behandelt wurde, da ich eine Infektion an der Hand hatte, ging ich letzte Woche auf Krankenbesuch im grössten öffentlichen Krankenhaus Kenias, um ein junges Mädchen mit Namen Rahel zu überraschen. Sie ist die Tocher eines GOA-Mitarbeiters, welcher in der nördlichen Halbwüste Kenias lebt. Rahel ist 12 Jahre alt und vor einem Jahr begann ihre Kopfhaut sich zu lösen. Wunden klafften auf ihrem Kopf und keiner der lokalen Ärzte wusste mehr weiter. So wurde das Mädchen nach Nairobi ins Kenyatta Hospital gebracht, wo sie sich nun bereits seit neun Monaten befindet. Natürlich hoffen wir, dass sie bald wieder gesund sein und zu ihren Eltern zurückkehren kann, doch bisher ist noch keine Besserung in Sicht. Die bestehenden Wunden gehen zu, neue entstehen, und niemand weiss, woher das Problem kommt. Unterdessen kennt Rahel alle Krankenpfleger, das Putzpersonal, die Ärzte und alle anderen Patienten im selben Stock. Oft spaziert sie den ganzen Tag umher und versucht die Zeit mit anderen Kindern auf derselben Station totzuschlagen.
Als ich im siebten Stock des Krankenhauses ankam, wo sich die Hautpatienten befinden, stürmte mir Rahel mit einigen anderen Kindern im Gang entgegen. Sie freute sich riesig über den Besuch und zeigte uns das ganze Spital. Besonders natürlich den kleinen Lebensmittelladen, wo wir ein Brot, Fruchtsaft und Toilettenpapier für Rahel einkauften; und natürlich einige Kleinigkeiten für die anderen Kinder. Nachdem ich mich mit Rahel einige Zeit unterhalten hatte, nahm sie mich mit in die anderen Zimmer der Station und ich hatte die Möglichkeit, einige Patienten zu ermutigen und für sie zu beten.
Zwei der Jungs (Foto rechts aussen), welche Rahel auf Schritt und Tritt begleiteten, bestanden darauf, dass ich auch ihr Zimmer besuche. Beide hatten entzündete Gesichter, konnten die Augen kaum mehr öffnen, und es sah aus, als ob Verbrennungen die Ursache der entstellten Gesichter war. Als wir jedoch das Zimmer der Brüder betraten, traffen wir die Grossmutter der beiden und zwei weitere Geschwister, deren Gesichter bereits nicht mehr als Gesichter erkennbar waren. Nase, Mund und Augen waren wie weggefressen, alles war voll Eiter und Geschwüre und sie wimmerten nur vor sich hin. Die freundliche Grossmutter erklärte, dass es eine Krankheit sei, die vier von sechs Geschwister aus der Familie getroffen habe. Eines der Kinder sei bereits im Endstadium der Krankheit, die anderen seien noch einige Wochen davon entfernt, aber bisher wurde nichts entdeckt, um die Krankheit zu stoppen. Ich verbrachte fast eine halbe Stunde in jenem Zimmer, hörte der Grossmutter zu, die ihr Leid klagte und versuchte mich der Kinder anzunehmen. Als die beiden noch etwas gesünderen Jungen mich dann gemeinsam mit Rahel zur Tür begleiteten, flehten sie mich beide mit weinerlicher Stimme und grossen Augen an, ob sie nicht mit mir mitkommen könnten. Sie möchten nicht hier im Spital sein, wo sie mitansehen müssen, wie es ihren Geschwistern immer schlechter geht und sie das selbe Schicksal erwartet. Diese Worte und die Gesichter der vier Geschwister gehen mir nicht mehr aus dem Kopf und ich werde nächste Woche nochmals ins Spital zurückkehren um mich zu erkundigen, ob es wirklich keine Möglichkeit gibt, diesen Kindern zu helfen. Bitte betet mit für eine Lösung, auch für Rahel!
Herzlich grüsse ich aus dem momentan regnerischen Afrika,
Rebekka