Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03539.jsonl.gz/1801

Analyse des Ortes
Das Areal liegt etwas abseits vom Dorfzentrum Bürglen am Thurkanal. Der Ort ist Teil des grossmassstäblichen Landschafts- und Kulturraums Thurtal, der durch grosse Industrieareale, die Eisenbahn, Hügelzüge und zusammenhängende Waldflächen, sowie die namensgebende Thur geprägt ist. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich Fragmente einer Randbebauung entlang der Kanalstrasse sowie ein altes Industrieareal am Thurkanal mit Kraftwerk.
Von besonderer Qualität sind die grosszügigen Aussenräume mit dem Blick nach Südwesten zum Wald und ins Grüne, sowie dem Blick nach Nordosten auf den Thurkanal und den nahe gelegenen Hügelzug mit Kirche.
Ortsbau
Die Bauten besetzen die Ränder des Areals und schaffen so in der Mitte des neuen Quartiers einen gemeinschaftlichen Hof bzw. einen Ort, welcher der Orientierung und Identifikation dient. Länge und Breite der Baukörper orientieren sich an der grossmassstäblichen Umgebung. Die kraftvolle Konzentration der Baumassen an den Rändern verstehen wir als Gegenreaktion zum mächtigen Wald südlich und zum langen Hügelzug nördlich.
Der Hof öffnet partiell sich mit breiten Zugängen zur Kanalstrasse, zum Flurweg, zum ehemaligen Restaurant Blume sowie zur östlichen Nachbarbebauung. Vier Meter breite Fugen zwischen den Bauten, sowie Durchgänge im Erdgeschoss entlang der Kanalstrasse schaffen Transparenz.
Die südwest- und nordostorientierten Gebäude sind perfekt ausgerichtet, so dass alle Wohneinheiten über den ganzen Tag gut besonnt sind. Durch die Randlage der Bauten und das durchgehende Wohn-Esszimmer verfügt jede Wohneinheit jeweils über einen Blick in den Hof sowie in die freie, unverbaubare Landschaft.
In der Wohnzone W3, entlang der Kanalstrasse, sind die Bauten dreigeschossig, in der Wohnzone W2, entlang dem Flurweg zweigeschossig. Alle Baukörper verfügen zusätzlich über Attikaaufbauten, welche jeweils nord- und ostseitig in die Fassadenflucht gesetzt sind. Die Dichte mit einer GZ von 0.96 erscheint, dank der kompakten und konzentrierten Bauweise, verträglich an diesem Ort.
Die Erschliessung des Quartiers in die Tiefgarage erfolgt zweimal direkt ab der Kanalstrasse. Das innere Areal ist verkehrsfrei und nur für Feuerwehr oder Umzugstermine befahrbar.
Architektur und Konstruktion
Die Wohnbauten sind modular aufgebaut und verfügen über einen tragenden Treppenkern sowie fix vorgegebene Steigzonen für den Anschluss der Sanitärzellen und Küchen. Ansonsten sind die zweiseitig orientierten Grundrisse dank der skelettbauweise frei unterteilbar und kommen ohne tragende Wände aus. Das strenge, aber flexible System, generiert vielfältige Wohn- und Lebensformen am selben Ort. Das mögliche Angebot umfasst Geschosswohnungen mit und ohne Garten, Attikawohnungen mit Terrassen, Kleinwohnungen, Lofts und Reihenhäuser.
Eine drei Meter tiefe Verandaschicht auf der Südseite filtert und verzahnt sich mit der Landschaft. Die vorfabrizierte Betonschicht gliedert die Gartenfassade feinmassstäblich. Jede Veranda verfügt zudem über einen zweigeschossigen oder nach oben offenen Bereich, welcher eine Art „Attikafeeling“ erzeugt und den Aussenraum vertikal aufbricht.
Die Fassaden wiederspiegeln den statischen Aufbau. Betonbänder im Bereich der Decken und dazwischen nicht tragende, leicht wirkende Ausfachungen aus Glas und Holz prägen das Bild. Perforierte Schiebeelemente, als Sonnen- und Sichtschutz, erzeugen je nach Stellung ein wechselndes und reichhaltiges Äusseres. Mit der Verwendung von Holz wird der Bogen zur ländlich geprägten Umgebung geschlagen.
Die grosse Qualität dieses Vorschlags zeigt sich in der Flexibilität des möglichen Angebots. Ob Eigentum oder Miete kann noch offen und dem Markt überlassen werden. Die Eigentumswohnungen könnten mit einem höheren Ausbaustandard gegenüber den Mietwohnungen oder evtl. im Edelrohbau, ohne Innenausbau, verkauft werden.
Umgebung
Die Aussenräume sind klar zugewiesen. Jede Wohneinheit im Erdgeschoss verfügt über einen grossen, südlichen und hofseitig über einen kleineren Privatgarten, welcher sich durch eine Pergolaschicht mit integriertem Gartenhäuschen vom Hof oder dem Landschaftsraum abgrenzt. Die Erdgeschosswohnungen liegen zusammen mit den Privatgärten leicht erhöht (85cm) und sind so in Kombination mit Brüstungselementen von Einblicken gut geschützt.
Die Gestaltung des Hofs orientiert sich am Bild der Ruderalflächen entlang der Thur. Modulierte, teilweise bewachsene Schotterflächen, durchsetzt mit einzelnen Bäumen, prägen das Bild. Ein internes Wegsystem aus Netstaler Schotter vernetzt das neue Quartier mit der Umgebung.
Eine Pergola mit Feuerstelle und Sitzgelegenheiten verengt und verdichtet den Hof im Zentrum. Die Gliederung in zwei Kammern lässt beim durchschreiten des Hofes eine spannende Raumabfolge aus Enge und Weite entstehen. Zudem wird der Bogen des Thurkanals durch die Abdrehung des nordöstlichen Baukörpers im Hofinnern lesbar.
Die östliche Hofhälfte kann zusammen mit der Pergola für gemeinschaftliche Aktivitäten genutzt werden, z.B. Boule, verschiedene Ballspiele, Grillfeste etc.. Die westliche Hofhälfte bietet sich als Spielplatz für Kleinkinder an. Der Spielplatz für die grösseren Kinder liegt ausserhalb des Hofs beim südwestlichen Quartierzugang.
Das vorhandene Waschhäuschen beherbergt einen kleinen Gemeinschaftsraum mit davorliegendem Platz.
Eine filigrane, begrünte Pergola grenzt die Privatgärten der bestehenden Häuser an der Kanalstrasse vom Hof ab. Diese dient als Unterstand für ca. 180 Velos. Die restlichen Veloabstellplätze liegen im Untergeschoss.
Funktionalität
Im Gegensatz zu früher werden mit dem neuen Planungs- und Baugesetz TG auch die Kellerräume zur Ausnutzung bzw. zur Geschossflächenziffer gerechnet. Dies hat zur Folge, dass es nun durchaus Sinn macht, einen Teil der Kellerräume als Reduit in den Wohnungen zu realisieren.
In unseren Grundrissen sind deshalb grössere Reduits in den Wohnungen als Puffer vorgesehen, durch welche die bewohnbare Fläche entweder vergrössert oder verkleinert werden kann.
Alle Wohnungen sind IV-gerecht und erfüllen die Norm SIA 500.
Wirtschaftlichkeit
Die Konzentration der Baumasse in kompakten und wenigen Baukörpern generiert wenig Fassadenfläche und spart so Kosten. Die Baukörper sind in ihrer Geometrie bewusst einfach und klar gehalten, ohne komplizierte Vor- und Rücksprünge, was die Fassadenabwicklung noch zusätzlich verkürzt.
Mit der hohen Flexibilität der Grundrisse kann auf die Marktbedürfnisse reagiert werden. Ob Eigentum oder Miete kann noch offen bleiben.
Das neue Quartier kann flexibel in 1-4 Etappen realisiert werden, je nach Nachfrage, was das wirtschaftliche Risiko mindert.
Die kompakte Bauweise geht sparsam mit dem Landverbrauch um und schafft grosszügige Freiflächen mit wertvoller Lebensqualität und Mehrwert für die Bewohner.
2016, 1. Preis
Gehrig AG, Rütihof AG
2016-2022