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Mit einem Dekret hat Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro den Anbau von Zuckerrohr in der Amazonas-Region und im Pantanal freigegeben. Umweltschützer, Wissenschaftler und Opposition schreien auf. Sie befürchten, dass damit die Zerstörung der beiden sensiblen Biome gefördert wird.
Der Streit um den Zuckerrohranbau zur Produktion von Ethanol ist nicht neu. 2009 hatte Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva ein Dekret zur Zonierung des Zuckerrohranbaus erlassen. Mit dem sollte unter anderem der Ausschluss Amazoniens und des Pantanals für diese Aktivität und damit eine nachhaltige Produktion der Biotreibstoffe sichergestellt werden.
Geschehen ist dies auch mit Blick auf den Ethanol-Export in die Europäische Union. Die importiert aus dem südamerikanischen Wirtschaftsverband Mercosul 850 Millionen Liter.
Die Auflösung der Zonierung wird von der brasilianischen Regierung mit einer “Entbürokratisierunt“ und “Vereinfachung“ des Zuckerrohranbaus begründet. In einer Publikation der Universität São Paulo (USP) stuft der Direktor des Institutes für Biowissenschaften (IB) Marcos Buckeridge die Maßnahme indes als “unnötig und gefährlich“ ein.
Auch die Koalition Brasilien Klima, Wald und Landwirtschaft, die sowohl Umwelschutzorganisationen als auch Produzenten vereint, kritisiert die Freigabe. Sie befürchtet einen zusätzlichen Rodungsdruck, da durch den Anbau von Zuckerrohr auf degradierten Flächen oder Weiden das Vieh auf neue Flächen verdrängt werden könnte, was zu einer weiteren Waldzerstörung führe.
In dem Zonierungsdekret Lulas war für den Zuckerrohranbau eine Gesamtfläche von 64 Millionen Hektar als geeignet ausgewiesen worden. Angebaut wird der Ethanol-Grundstoff derzeit auf etwa zehn Millionen Hektar. Eine Ausweitung der Aktivität wäre deshalb auch ohne eine Veränderung der Zonierung möglich.