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1975
Wie alles begann
Beat Richner wurde am 13. März 1947 in Zürich geboren. Nach Abschluss des Medizinstudiums 1973 spezialisierte er sich auf Pädiatrie am Kinderspital Zürich. 1974/1975 schickte ihn das Schweizerische Rote Kreuz SRK an das Kantha Bopha Kinderspital nach Kambodscha. Doch als die Roten Khmer die Macht ergriffen, musste Dr. Richner seine Mission abrupt abbrechen. Er kehrte in die Schweiz zurück und nahm seine frühere Arbeit am Kinderspital Zürich wieder auf. 1978 eröffnete er zusammen mit einem Arztkollegen seine eigene Praxis in Zürich.
Beatocello
Während Beat Richner seiner Tätigkeit als Arzt nachging, entwickelte er daneben die Figur des Musikclowns Beatocello. Damit trat er in der Deutschschweiz und im Ausland auf. Zur Illustration seines Programms und seiner musikalisch- poetischen Geschichten publizierte Beat Richner vor allem Kinderbücher mit einfachen Strichmännchen.
1991
Kantha Bopha I,
das erste Spital
Im Dezember 1991 baten König Norodom Sihanouk und die kambodschanische Regierung Dr. Beat Richner, das Kantha Bopha Kinderspital wiederaufzubauen und zu verwalten. Denn das Spital wurde während des Krieges zerstört. Und wieder nahm Dr. Richners Leben eine überraschende Wendung. Er nahm die Herausforderung an. Im März 1992 rief er in Zürich eine Stiftung ins Leben, reiste nach Phnom Penh und begann sofort mit den Aufbauarbeiten. Am 2. November 1992 war das Kantha Bopha Kinderspital wieder in Betrieb. Die darauffolgenden Jahre wurde das Spital so auf- und ausgebaut, dass es den dringendsten Bedürfnissen seiner Patienten gerecht wurde. Kantha Bopha ist der Name der von König Sihanouk über alles geliebten Tochter. Sie ist 1952 im Alter von nur 3 Jahren an Leukämie gestorben.
1996
Kantha Bopha II,
das zweite Spital
1995 war das Spital Kantha Bopha I mit über 1‘000 ambulanten und über 350 hospitalisierten Patienten überbelegt. König Norodom Sihanouk bot Dr. Beat Richner Land in seinem Königspalast in Phnom Penh an, um darauf ein weiteres Spital zu errichten. Am 12. Oktober 1996 wurde das zweite Kinderspital eingeweiht. Mit dabei waren König Norodom Sihanouk und der Schweizer Bundesratspräsident Jean-Paul Delamuraz.
1998
Allein gegen das System und gegen die Diskriminierung der Ärmsten
«Die Gesundheitspolitik und Strategien, welche die WHO und viele ihrer Unterorganisationen in armen Ländern betreibt, wie in diesem Fall in Kambodscha, führt zum Tode von Tausenden von Menschen. Tausende werden invalid und Tausende hirngeschädigt. Diese Politik, die wir als eine Politik der armen Medizin für arme Leute in armen Ländern betrachten, ist nicht nur nicht wirksam, sondern gefährdet aktiv, beschädigt und zerstört Tausende von Menschenleben. Diese Politik kommt passivem Völkermord gleich. Diese Organisationen und deren Befürworter sind aufgerufen, Verantwortung zu übernehmen und ihre Politik und Strategien zu ändern.
Es macht wenig Sinn, sich nach 30 Jahren über die heutige Tragödie und die vor 20 Jahren zu beklagen, welche die falsche Politik der WHO angerichtet hat. Wir fordern die internationale Gemeinschaft heraus, den Mut aufzubringen, die Grausamkeit und Abscheulichkeit der Lage zu anerkennen und entsprechend zu handeln.»
(Dr. Beat Richner, 15. September 1998)
1999
Jayavarman VII,
das dritte Spital
Am 9. März 1998 schenkte der Premierminister des Königreichs Kambodscha, Hun Sen, Dr. Beat Richner Land auf Initiative des Handelsministers H. E. Cham Prasidh. Darauf soll das dritte Kinderspital in Siem Reap, in der Nähe des Angkor Tempels entstehen. Dr. Beat Richners drittes Spital wurde am 31. März 1999 in Betrieb genommen. Jayavarman VII ist ein Nebengebäude des Kantha Bopha I und II.
Wie in den anderen beiden Spitälern sind auch in diesem Spital die Behandlungen für die Kinder kostenlos. Das dritte Spital besteht aus einem grossen Zentrum für Prävention und gesundheitliche Aufklärung, einer grossen Station für ambulante Patienten und einer grossen Anlage für stationäre Patienten. So können schwer kranke Kinder, die in Lebensgefahr sind, angemessen behandelt werden. Die Konstruktion des Spitals war das Resultat von sieben Jahren Erfahrung als Leiter des Kantha Bopha Kinderspitals in Phnom Penh. Es dient weltweit als Beispiel, wenn es darum geht, ein Spital mit ähnlichen Bedingungen zu bauen und zu verwalten.
2001
Entbindungsstation für Mütter mit HIV
An der Einweihung des Kinderspitals Jayayarman VII in Siem Reap kündige der Premierminister des Königreichs Kambodscha, Samdech Hun Sen, in Gegenwart des Königs Norodom Sihanouk an, dass die Regierung Dr. Beat Richner noch mehr Land für das Spital schenken will. Dank der persönlichen Spende einer Familie konnte Beat Richner die Entbindungsstation für Mütter mit HIV auf- und ausbauen. Es grenzt an das Spital Jayavarman VII in Siem Reap Angkor an. Damit sich die Babys bei der Geburt nicht durch ihre Mütter anstecken, wurde ein spezielles Programm entwickelt. Die Einweihung fand am 9. März 2001 statt. Im März 2005 wurde noch ein Gebäude eröffnet, das an das Jayayarman VII angebaut ist und Platz für 350 weitere Betten bietet.
2003
Schweizer des Jahres
Am 5. Januar 2003 wurde Dr. Beat Richner mit dem allerersten «Swiss Award» ausgezeichnet. 23 % der Schweizer haben für ihn gestimmt. Seither haben Grössen wie Roger Federer, Peter Sauber, Köbi Kuhn, Didier Cuche und Polo Hofer den Preis gewonnen. Die Namen der Preisgewinner sind in eine Tafel auf der Älggi-Alp in Obwalden, dem geografischen Zentrum der Schweiz, eingraviert.
2004
Kantha Bopha IV,
das vierte Spital
2004 wurde das Kantha Bopha Spital in Phnom Penh zu eng. Zudem waren zwei der drei Gebäude in sehr schlechtem und gefährlichem Zustand. Das Kantha Bopha brauchte dringend ein neues Gebäude, um den Betrieb zu gewährleisten. Am 3. August 2004 wurde mit dem Bau eines neuen Spitals begonnen. Und zwar auf dem erworbenen Land, das an den Stupa Wat Phnom angrenzt. Das neue Kantha Bopha Kinderspital IV wurde am 29. Dezember 2005 von König Sihamoi und Premier Hun Sen eingeweiht.
Nur eines der drei Kantha Bopha Gebäude wurde genutzt. Die anderen mussten evakuiert und später saniert werden. Kantha Bopha IV ist an das alte Kantha Bopha I angeschlossen.
Das Spital hat 555 Betten, vier Operationssäle, zwei Intensivstationen, ein voll ausgerüstetes Labor mit einer Blutbank, eine Abteilung für bildgebende Diagnostik (eine Röntgenabteilung, vier Ultraschallgeräte und einen CT-Scanner), eine grosse Apotheke, eine ambulante Tagesstation und ein Präventions-Zentrum. Der Bau dieses Spitals kostete 15 Millionen US-Dollar. Beat Richner sammelte bei seinen Schweizer Landsleuten mit der «Aktion Zwänzger Nötli» Geld für die Stiftung. Damit kam genug Geld zusammen, um den Bau fertigzustellen. Unterstützt wurde die Aktion von Schulkindern und Menschen aus der ganzen Schweiz.
2007
Kantha Bopha V,
das bisher letzte Spital in Phnom Penh
Kurz nach der Einweihung des Kantha Bopha IV war das Spital bereits überfüllt. 2006 stieg die Zahl der hospitalisierten Patienten in Phnom Penh auf 50 %. Man beschloss, das Kantha Bopha V zu bauen, das am 28. Dezember 2007 eröffnet wurde. Anwesend waren Seine Majestät König Norodom Sihamoni, Samdech Hun Sen und hochrangige Mitglieder der königlichen Regierung Kambodschas. Kantha Bopha V hat eine Präventions-Station, eine Röntgenabteilung, eine Abteilung für Fluoroskopie und Ultraschall, Labore und 9 Einheiten mit je 34 Betten (insgesamt 300 Betten). Dazu kommt noch ein Konferenzraum und eine medizinische Bibliothek. Die Kosten betrugen 9 Mio. US-Dollar.
2012
Der Spendensammler
mit dem Cello
Um die Leute über die Lage seiner Spitäler zu informieren, gab Dr. Beat Richner jeden Samstag Konzerte im Spital Jayayvaman VII in Siem Reap. Er reiste zudem dreimal im Jahr in die Schweiz. Auch dort gab er Konzerte, um mit seinem Cello Geld für seine Stiftung zu sammeln.
Eine seiner berühmtesten Benefiz-Galas war die traditionelle Knie-Gala, die über 26 Mal stattgefunden hat. Freunde der Stiftung kamen in den Genuss eines unterhaltsamen Programms und unterstützten die Stiftung Kantha Bopha Kinderspital mit Spenden. 2012 beehrte der kambodschanische König Sihamoni die Gala mit seiner Anwesenheit.
Kantha Bopha ist zum Vorbild für ganz Südostasien geworden. Es zeigt, wie wirksam es ist, medizinische und humanitäre Hilfe direkt zu leisten. Vor allem, wenn richtiges Behandeln nicht durch Korruption erschwert wird und man sich in der kurativen Medizin, der Präventionsmedizin sowie in der Forschung zielgerichtet längerfristig weiterbilden kann.
2018
Das Ende einer Ära
Am 9. September 2018 erlag Beat Richner einer schweren Krankheit. Er hat ein ausserge-wöhnliches, unvergleichbares, erfolgreiches und nachhaltiges Lebenswerk hinterlassen, das unsere grösste Anerkennung verdient.
In 25 Jahren, in denen er in seinen Spitälern arbeitete, behandelte er 15,4 Millionen ernsthaft erkrankte Kinder ambulant und 1,7 Millionen schwer kranke Kinder stationär.