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Der richtige Preis und die „Assoziationen“
Die Preise, die beim Verkauf von Waren und Leistungen erzielt werden, haben den größten Einfluss auf die Einkommen der Menschen. Sie bilden sich am Markt und lassen sich nicht durch die Preiskalkulation des verkaufenden Unternehmens einseitig bestimmen. Man kann sie aber, wenn sie sich gebildet haben, beurteilen, wenn man einen Wertmaßstab hat. Beeinflussen kann man nur das, was hinter der Preisbildung steht, insbesondere den Umfang der Produktion und damit die Größe des Angebots. Die Preise selbst müssen nicht direkt festgelegt, sondern beobachtet werden. Gegenstand dieser Beobachtung ist die „wirtschaftliche Urzelle“. Rudolf Steiner beschrieb den im Sinne dieser Urzelle „richtigen Preis“ folgendermaßen:
Diese Formulierung zeigt, dass die Zeit, die wir benötigen, um eine Leistung hervorzubringen, eine Hauptrolle spielt. Man denkt mit Recht an die Arbeitszeit, die ein Teil der Lebenszeit des Menschen ist. Neben der Arbeit sind aber auch die Natur und das Kapital an der Hervorbringung von Leistungen beteiligt. Wenn aber der Boden und das Kapital zu teuer sind oder wenn das Kapital und die intelligenten Erfindungen fehlen, bleiben die Waren teuer, zu teuer. Die Preise müssen es möglich machen, dass das Geistesleben (insbesondere die Ausbildung,. Forschung und Entwicklung) ausreichend gefördert wird. Auch die Natur muss durch Pflege, schonende Nutzung und Rückführung der Abfälle zu ihrem Recht kommen.
Die Aufgabe der Preisüberwachung gilt heute als staatliche Aufgabe. In Wirklichkeit ist sie eine besonders wichtige Aufgabe der Wirtschaft, die zwar der einzelne Betrieb nicht allein erfüllen kann, jedoch sehr wohl, wenn er in einer Organisation der zwischenbetrieblichen Zusammenarbeit mit Unternehmen verschiedener Wirtschaftsbranchen vernetzt ist.
Preise sind ja immer Preisverhältnisse. Wenn Autos im Verhältnis zu Brot und Milch zu teuer sind, kann man in der Autobranche viel Geld verdienen, während die Bauern, Bäcker und Einzelhändler kaum existieren können. Die Menschen, die in einem Wirtschaftszweig arbeiten, sind Abnehmer und Verbraucher für die Produkte der anderen. Deshalb legte Rudolf Steiner, als er nach dem ersten Weltkrieg eine sachgemäße Dreigliederung der gesellschaftlichen Ordnung propagierte, Wert darauf, dass sich die Unternehmen der verschiedenen Branchen in überbetrieblichen Organisationen begegnen. Er nannte diese Organisationen „Assoziationen“. Durch sie entsteht ein Kontakt zwischen den Interessen der Produktion, des Handels und des Konsums.
Die Interessen der einzelnen Verbraucher können, wenn es um die Preisüberwachung und die sich daraus ergebenden Maßnahmen geht, am wirksamsten von den Unternehmensvertretern wahrgenommen werden.
Wenn Assoziationen zwischen Industrie und Landwirtschaft gebildet werden, wird der Industrieunternehmer daran interessiert sein, dass die landwirtschaftlichen Produkte für seine Mitarbeiter nicht zu teuer sind. Er ist aber gleichzeitig auch daran interessiert, dass die Landwirtschaft in der Lage ist, seine Industrieprodukte zu kaufen.
Die Assoziationen haben nicht die Aufgabe, Preise festzulegen. Es geht überhaupt nicht um Preisabsprachen, sondern um alle Faktoren, die Preise beeinflussen. Zunächst sind die Assoziationen in Bezug auf die Preise Wahrnehmungsorgane, die es den Mitgliedern ermöglicht, aus Einsicht in die Zusammenhänge ihre Entscheidungen zu treffen. Wenn z.B. in einem Bereich Überproduktion herrscht und auf die Preise drückt, können Produktionsumstellungen mit dem notwendigen Kapital unterstützt werden. Innovationen können gefördert werden. Die Arbeitsvermittlung sollte zu den Aufgaben der Assoziationen gehören.
In der marktwirtschaftlichen Theorie sagt man, die Preise seien in der Lage, das Angebot und die Nachfrage zu beeinflussen und die Produktion durch Konkurrenz zu regeln. In der Realität geht diese Art von Regelung mit großen wirtschaftlichen und sozialen Schäden, Konkursen, Betriebsschließungen und Arbeitslosigkeit ganzer Regionen einher. Große produktive Kräfte gehen dadurch verloren.
Für die Anpassung der Produktion an den Bedarf ist der Markt keine zuverlässige oberste Instanz, der wir uns blind anvertrauen können. Oberste regulative Instanz der Wirtschaft können nur die zusammen wirtschaftenden Menschen sein.
Für die Beurteilung der Preise reicht die Vernunft des Einzelnen nicht aus, weil es nie um einen isolierten Preis geht, sondern immer um das ganze Gefüge von Preisverhältnissen.
In der Wirtschaft sind Einzelinteressen etwas Notwendiges. Diese auszugleichen ist Aufgabe der Assoziationen. Der Egoismus muss in der Wirtschaft nicht ausgeschlossen, sondern ausgeglichen werden. Was ein Mensch braucht, kann nur er wissen, aber die anderen müssen es verstehen wollen.
Assoziationen machen keine Planwirtschaft von oben, sondern vertragliche Regelungen zwischen Gleichberechtigten. Eine Familienausgleichskasse mit Kindergeld beispielsweise könnte ohne weiteres auch eine Einrichtung der zwischenbetrieblichen Zusammenarbeit sein. Ein weiterer Aufgabenbereich dieser Zusammenarbeit ist der Ausgleich von Vor- und Nachteilen des Standorts. Dieser spielt in vielen Wirtschaftszweigen eine große Rolle, ganz deutlich auch in der Landwirtschaft. Assoziationen können für Leistungen, die alle benötigen, Unternehmen ins Leben rufen, z.B. für Einrichtungen des Verkehrs. Im Verkehr für Personen und Güter gibt es Kostenunterschiede zwischen zentralen und abgelegenen Gebieten. Auch hier ist ein vertraglich geregelter Ausgleich durch die Assoziationen notwendig. Zu den Aufgaben der „Assoziationen“ gehört es auch, darüber zu wachen, dass die Institutionen der Bildung, Forschung, Kunst und der sozialen Fürsorge genügend Geldmittel bekommen. Obwohl der Staat heute auf diesen Gebieten tätig ist, gibt es viele Bereiche, wo zu wenig getan wird oder aus denen der Staat sich aus Geldmangel mehr und mehr zurückzieht. Hier könnte ein Unternehmensverbund sofort mit einer segensreichen Arbeit einsetzen.