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August 2017: Malik Fathi
Es ist der 16. August 2006, gut einen Monat nach dem hervorragenden dritten Platz an der Weltmeisterschaft im eigenen Land, als der damals 22-jährige Malik Fathi in der Veltins-Arena zu seinem Länderdebüt kommt. Auf sein Debüt folgte lediglich noch ein Länderspieleinsatz für die deutsche Nationalmannschaft. Nichtsdestotrotz erfüllte sich an diesem Sommerabend im August ein Traum von Malik Fathi – er wurde unter Jogi Löw zum Nationalspieler von einer der grössten Fussballnationen der Welt.
Gross geworden bei der Hertha BSC wechselte Fathi 2008 für zwei Jahre nach Russland zu Spartak Moskau, bevor er nach Mainz ausgeliehen wurde. Nach dieser Leihe wurde er von Mainz definitiv übernommen, wo er dann bis 2014 unter Vertrag stand. Seit Januar 2015 ist Malik Fathi nun für den spanischen Drittligisten Atlético Baleares aus Mallorca aktiv. Im Frühjahr 2015 kehrte Fathi zudem noch an den Ort zurück, an dem am 16. August 2006 ein Traum in Erfüllung ging – diesmal verzückte er jedoch die Fans nicht mit seinem fussballerischen Können, sondern drückte die Schulbank, um dann im Juni 2015 erfolgreich das Studium zum zertifizierten Sportmanager abzuschliessen.
Frage 1: Malik Fathi, können Sie sich noch an den 16. August 2006 auf Schalke erinnern?
Ich erinnere mich sehr gut an den 16. August 2006. Ich durfte an diesem Tag mein Länderspieldebut geben. Ein einzigartiges Erlebnis, das jeden Sportler mit grossem Stolz erfüllt.
Frage 2: Seit 2015 binden Sie nun für einen spanischen Drittligisten die Schuhe. Können Sie uns mehr über das Projekt „Atlético Baleares“ erzählen?
Atlético Baleares ist ein bis dato kleiner Verein auf Mallorca, der von einem Berliner namens Ingo Volkmann vor knapp drei Jahren übernommen wurde. Ziel war und ist der Aufstieg in die zweithöchste spanische Liga. Herr Volkmann hat mir angeboten, ein Teil dieses ambitionierten Projektes zu werden und ich entschied mich auf die Insel zu ziehen. Letztes Jahr sind wir knapp in den Playoffs gescheitert. Dieses Jahr wollen wir den Aufstieg realisieren.
Frage 3: Durch Ihre Karriere konnten Sie bereits viele Erfahrungen im schnelllebigen Fussballgeschäft machen. Gibt es eine Erfahrung, die besonders prägend war für Sie?
Schnelllebig ist genau das richtige Wort! Ein Geschäft voller Emotionen, Geld, Prestige. Erfolg und Misserfolg entscheiden wie kaum woanders über Freude und Trauer. Was heute noch gefeiert wird, ist morgen vergessen. Ein spannendes Wechselspiel …
Frage 4: Gibt es einen Transfer Ihrerseits, den Sie rückblickend bereuen?
Grundlegend bereue ich nichts, denn ich habe so entschieden und alle positiven sowie negativen Erfahrungen haben mich geprägt und aus mir die Person gemacht, die ich heute bin. Dafür bin ich dankbar.
Frage 5: Sie durften unter einigen sehr bekannten Trainern spielen; in der Nationalmannschaft unter Jogi Löw, bei Mainz unter Thomas Tuchel und bei Atlético Baleares bis zuletzt unter Christian Ziege. Können Sie uns diese Trainertypen ein wenig näher bringen?
Jogi Löw habe ich leider nur kurz erlebt. Er ist meiner Meinung nach sehr analytisch, ruhig und sachlich und kann sein Fussballfachwissen gut auf die Mannschaft übertragen. Thomas Tuchel ist meiner Meinung nach ein Perfektionist, der sowohl analytisch aber auch sehr emotional arbeitet. Orientierung am Optimum lautet seine Devise. Christian Ziege ist als Trainer der „Spielertyp“. Aufgrund seiner Karriere bei grossen Clubs, vertritt er ganz klar die Philosophie spielerisch zu agieren.
Frage 6: Im Rahmen des Sportmanagement-Lehrgangs haben Sie im Modul „Führung von Hochleistungsteams“ gelernt, was ein erfolgreicher Trainer bzw. eine erfolgreiche Führungskraft auszeichnet. Welcher Ihrer Trainer hat dies am besten vorgelebt?
Thomas Tuchel hat von Anfang das Team in die Verantwortung gezogen und auch in den Vordergrund gestellt. Heisst, schon bei Saisonstart haben die Mannschaft samt Trainerteam einen Plan für die Saison entwickelt, der in Form von Schlagwörtern aufgeschrieben wurde und den jeder unterschrieben hat. Von einem gewünschten Punkteschnitt bis hin zu wichtigen Werten waren zielorientierte Dinge festgelegt.
Frage 7: Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus? Bleiben Sie nach Ihrer aktiven Karriere dem Fussball erhalten?
Gute Frage. Ich werde in meinem Leben wahrscheinlich immer dem Sport – vor allem dem Fussball – erhalten bleiben. Da kenne ich mich aus, da fühle ich mich wohl. Ob als Trainer, Sportmanager oder im Mentalcoachingbereich wird sich herausstellen. Ich will mich aber schon während meiner aktiven Karriere optimal auf die Zeit nach dem Profileben vorbereiten. Deshalb war der Sportmanagement-Lehrgang eine sehr gute Plattform für mich.
Frage 8: Sie haben vor Kurzem zusammen mit einem Kumpel eine Shisha-Bar in Palma eröffnet. Wie kam es dazu?
In Berlin und vielen anderen Städten gibt es kaum noch Orte ohne eine Vielzahl von Shisha-Bars. In Palma gibt es so noch nichts Vergleichbares wie unsere Bar (Shisha Brothers). Da haben wir eine Marktlücke gesehen. Die Hauptmotive sind also ein gut funktionierendes Geschäft und vor allem der Genuss. Ich verfolge aber noch andere Projekte und Ziele für meine Karriere nach der Karriere.
Frage 9: Was sind die anderen Projekte, die Sie ansprachen?
Wie gesagt: Der Sport wird immer eine grosse Wichtigkeit haben. Mich interessiert neben der Physis vor allem die mentale Komponente. Ich glaube heutzutage sind alle Mannschaften äusserst fit. Deshalb macht die Rolle der Psyche mehr denn je den Unterschied. Ich bin der Meinung, dass selbst anscheinend Glück erzwungen werden kann. Stichwort ist die Überzeugung!
Auch im Sportmanagementstudium habe ich gelernt, wie wichtig gerade in der Führung der richtige Umgang ist und wie entscheidend sich Details auf Erfolg und Misserfolg wirken. Ich als Trainer? Sportmanager? Oder Mentalcoach? Bis jetzt ist alles möglich…
Frage 10: Inwiefern helfen Ihnen die im Sportmanagement-Lehrgang erlernten Kompetenzen Ihre Projekte voranzutreiben?
Neben der Tatsache, dass wir ausserordentlich gute Referenten hatten, die die Informationsflut mit Witz verständlich machen konnten, war ich überrascht, wie der Sportmanager im optimalen Fall heute gesehen wird. Ich habe mir da grundlegend immer jemanden vorgestellt, der abgezockt sein muss und gut mit Zahlen und Fakten umgehen kann.
Im Studium habe ich eine wesentlich komplexere Version kennengelernt, die über den klassischen Sportdirektor hinausgeht. Der Sportmanager muss vor allem eine hohe soziale Kompetenz und Intelligenz mitbringen und wissen, wie man mit verschiedenen Charakteren umzugehen hat. Einfach nur Kommandos zu geben und den Erfolg nach eigener Vorstellung durchdrücken zu wollen, stösst schnell an seine Grenzen und die richtige Art und Weise wurde uns sehr gut vermittelt.
Vielen Dank für das interessante Gespräch, Herr Fathi!