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Dass Individualrechte im Strafverfahren nicht grundsätzlich hinter das Interesse an einer möglichst umfassenden Sachverhaltsaufklärung zurücktreten müssen, wird heute allgemein anerkannt. Das gilt insbesondere für die Menschenwürde, das Verbot von Folter und von anderer unmenschlicher Behandlung, aber auch für das Recht auf eine schützenswerte Privatsphäre. Während in westlichen Ländern eine längere Tradition der Anerkennung von unveräusserlichen und gegenüber dem Gemeinwohl allenfalls vorrangigen Rechten besteht, hat sich ein solches Rechtsbewusstsein in asiatischen Ländern vor allem in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt. Da die genannten Rechte einer möglichst umfassenden Sachverhaltsaufklärung entgegenstehen können, besteht bei der Durchführung von Strafverfahren immer die Gefahr von Rechtsverletzungen.
Einen vielversprechenden Ansatz für den Schutz von Individualrechten versprechen Beweisverwertungsverbote: Wenn Informationen, die durch verbotene Vernehmungsmethoden erlangt wurden aus dem strafprozessualen Wahrheitsfindungsprozess ausgeschlossen werden, fehlt der Anreiz eine Sachverhaltsermittlung mit unzulässigen Methoden überhaupt zu versuchen. Ob diese Annahme stimmt, lässt sich jedoch nur überprüfen, wenn man weiss, wie Beweisverwertungsverbote in den unterschiedlichen Strafverfahrensordnungen Wirken. Untersucht werden deshalb Beweisverwertungsverbote in drei europäischen Rechtsordnungen (Schweiz, Deutschland, England) sowie in drei asiatischen Rechtsordnungen (China, Taiwan und Singapur). Geklärt werden soll, welche Schutzmechanismen in den einzelnen Verfahrensordnungen individuelle Rechte sichern, ohne das Ziel von Strafverfahren – ein Urteil auf einer möglichst umfassend geklärten Sachverhaltsgrundlage – zu unterlaufen. Dabei geht es vor allem darum, die relevanten Faktoren im Strafprozess zu identifizieren, welche geeignet sind, weitgehend unabhängig von einzelnen Rechtstraditionen einen respektvollen Umgang mit den Rechten einzelner Betroffener zu unterstützen.