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Analysten-Budgets stehen derzeit vor einer Kürzung aufgrund der neuen Regulierung MiFID II, mit der Interessenkonflikte vermieden werden sollen. Peter Sidoti hofft darauf, dass die Offenlegung solcher Konflikte über von den Unternehmen selbst finanzierte Analysen seiner auf kleine Aktien fokussierten Boutique Sidoti & Co. zu Aufwind verhelfen kann.
Drei Unternehmen - ein Strip-Club-Betreiber, ein Haustierprodukte-Unternehmen und ein Chiphersteller - zahlen Sidoti 40.000 Dollar pro Jahr für eine Bewertung durch die 25 Analysten der Firma. Letztlich erwartet Sidoti, dass ein Drittel der Unternehmen, die von seiner Firma derzeit abgedeckt werden, zahlende Kunden sein werden. Aktuell versehen seine Analysten rund 300 Titel mit Bewertungen.
Besonders geeignet für eine selbst bezahlte Analyse sind Gesellschaften mit einer Marktkapitalisierung von unter 300 Millionen Dollar und solche, um die sich nur ein oder gar kein Analyst kümmert, sagt Sidoti, Gründer und CEO der Firma, in einem Interview mit Bloomberg in New York.
Deutlicher Rückgang der Analysen?
"Wir denken, dass Aktien-Analysen in dieselbe Richtung gehen werden wie Anleihe-Bewertungen", sagt Sidoti. Er zieht dabei einen Vergleich mit Ratingagenturen wie Moody’s Investors Service und S&P Global Ratings, die von Emittenten für Bewertungen bezahlt werden.
Die MiFID-II-Regeln der Europäischen Union, die am 3. Januar in Kraft treten sollen, werden voraussichtlich weltweite Auswirkungen auf die Branche haben und zu einem dramatischen Rückgang der Analysen führen. Dabei dürfte es vor allem die Bewertung von kleineren Aktien besonders hart treffen.
Vor diesem Hintergrund sind neue Analysemodelle aus dem Boden gestampft worden, etwa Abos oder Unternehmens-finanzierte Ansätze. Dennoch glaubt Benjamin Quinlan von Quinlan & Associates, dass "die Beseitigung einer Tendenz - und damit wahre Unabhängigkeit - extrem schwierig zu erreichen ist". Er erwartet, dass weniger als drei bis vier Prozent der so genannten unabhängigen Anbieter solche Modelle übernehmen werden, wie aus einer Studie aus dem Juni hervorgeht.
Unabhängige Analysen schwer zu bekommen
Laut RCI Hospitality Holdings Inc., einem Unternehmen für "Unterhaltung für Erwachsene" und Sport-Bars, ist es für kleinere Firmen schwierig, unabhängige Analysten-Bewertungen mit Qualität zu bekommen.
"Wir glauben, dass Sidoti zu unseren Gesamtbemühungen beigetragen hat, das Verständnis für unser Geschäfts- und Finanzmodell zu verbessern", sagt Eric Langan, Chief Executive Officer von RCI. Der Aktienkurs des Unternehmens ist seit dem Start der Abdeckung durch Sidoti um 92 Prozent gestiegen.
Das Haustierprodukte-Unternehmen OurPet’s Co. und der Chiphersteller Ixys Corp., die auch zahlende Kunden von Sidoti sind, reagierten nicht auf Anfragen von Bloomberg. Firmen-gesponserte Analysen sind kostenlos auf Sidotis Webseite erhältlich und als solche gekennzeichnet. Die Boutique bietet keine Einstufungen für diese Unternehmen an, nennt aber Kursziele.
Kleine Unternehmen profitieren
Zwar gehöre es noch nicht zum Alltag, doch die Anzahl der Unternehmen, die Analysen über sich selbst in Auftrag geben, steigt, erklärt Analystin Sarah Jane Mahmud von Bloomberg Intelligence.
Es gibt auch einige Präzedenzfälle in Europa - mit der britischen Edison Investment Research und der französischen Natixis SA. Beide stellen Unternehmen für einige Analyse-Dienste gewisse Gebühren in Rechnung. Bloomberg LP, die Mutter von Bloomberg News, hatte mit Edison bei einem White-Paper über MiFID II zusammengearbeitet.
"Als Small-Cap-Aktiengesellschaft ist es fast unmöglich, Sell-Side-Analysen auf die klassische Art und Weise zu bekommen", meint Jason Paltrowitz von OTC Markets in New York. Die Firma betreibt eine Plattform, auf der Investoren überwiegend winzige Aktien handeln können. Sie ist eine Kooperation mit Sidoti eingegangen. OTC bewirbt dabei die Boutique als Anbieter von Analysen auf der eigenen Webseite. Im Gegenzug verlangt Sidoti kein Geld für Analysen über OTC Markets.
Nach dem Start der Bewertungen des Unternehmens durch Sidoti und Edison hat OTC eine Zunahme des Interesses von Seiten der Investoren verzeichnet, sagt Paltrowitz. "Wir hätten nichts, wenn uns die Sidotis und die Edisons dieser Welt nicht abdecken würden."
(Bloomberg)