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Die britische Aussenministerin, die als chancenreichste Kandidatin für die Nachfolge von Boris Johnson in der Downing Street gilt, hat ihre Forderungen nach einer Überprüfung des Mandats der Zentralbank und möglicherweise der Einführung eines Geldmengenziels intensiviert. Obwohl ihre Äusserungen vage waren, machen sich Analysten und Anleger Gedanken über ein Risiko, das der Markt noch nicht eingepreist hat.
Die Befürchtung: Ein Amtsantritt von Truss im September könnte drei Jahrzehnte der Konzentration auf ein Inflationsziel beenden und Instrumente wieder in den Fokus rücken, die wegen des unklaren Zusammenhangs zwischen Inflation und Geldmenge seit den 1980er Jahren zunehmend aussortiert wurden. Sterling leidet bereits unter Skepsis gegenüber der britischen Wirtschaft und den Finanzen der öffentlichen Hand.
Bei einer Änderung des Mandats würde es "zu einem Ausverkauf von Gilts und einem Ausverkauf des Pfund Sterling" kommen, erwartet Gordon Shannon, Portfoliomanager bei TwentyFour Asset Management. "Wir nehmen die Sache nicht sehr ernst, aber die Märkte können bei solchen Dingen nachlässig sein."
Truss und ihre Verbündeten im Kampf um die Führung der regierenden konservativen Partei geben BoE-Chef Andrew Bailey und seinen Kollegen eine Mitschuld daran, dass die Inflation in Grossbritannien auf ein 40-Jahres-Hoch gestiegen ist. Die krisenbedingten Konjunkturmassnahmen seien zu langsam zurückgenommen und die Geldpolitik seitdem zu langsam gestrafft worden, lautet ihre Kritik.
Truss will Mandat der Bank of England überprüfen lassen
Die BoE geht davon aus, dass die Inflation in Grossbritannien in diesem Jahr auf über 13 Prozent klettern wird. Das angestrebte Teuerungsniveau beträgt 2 Prozent. Truss argumentiert angesichts dessen, das Land befinde sich in einer "beispiellosen wirtschaftlichen Situation", in der die gängigen witschaftspolitischen Rezepte nicht funktionierten.
Truss will das Mandat der Bank of England überprüfen lassen. Sie hat nicht gesagt, dass sie das Inflationsziel abschaffen würde, aber sie hat die Möglichkeit erwähnt, das Ziel um ein Mass für die Geldmenge oder das nominale Bruttoinlandsprodukt zu ergänzen.
"Was die Gilt-Anleger möglicherweise mehr beunruhigt, sind die Diskussionen über die Änderung des BoE-Mandats und die Vorschläge, die Covid-19-Schulden 'auf eine längerfristige Basis' zu stellen", sagte Daniela Russell, Leiterin der britischen Bondstrategie bei der HSBC. "Wenn dies die Anleger dazu veranlasst, an der Glaubwürdigkeit der BOE zu zweifeln, könnte dies den Appetit auf Staatsanleihen auf die Probe stellen."
(Bloomberg)