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Die «Neue» Tonhalle am See
Die Anfänge der Zürcher Tonhalle und Ihres Orchesters reichen bis 1867 zurück. Damals wurde das Zürcher Kornhaus auf dem heutigen Secheläutenplatz zur Konzerthalle umgebaut. Das Gebäude genügte den aufstrebenden, grosstädtischen Vorstellungen des gehobenen Bürgertums aber bald nicht mehr. Und so wurde der Standort an den neuen, noblen General-Guisan-Quai verlegt. Das neue Musikhaus am See wurde nach den Entwürfen der Wiener Architekten Fellner und Helmer erbaut, welche 1891 bereits das Zürcher Stadttheater (heutige Opernhaus) realisiert hatten. Das pompöse, etwas verspielte Gebäude mit zwei Türmen entsprach ganz dem damaligen Baustil der Gründerzeit, dem Historismus, und erinnerte an das damalige Palais du Trocadéro in Paris, Zwei Konzertsäle und ein kleinerer mit einer kuppelbedeckter Musikpavillion für leichtere musikalische Unterhaltung machten die damalige Tonhalle zum Treffpunkt des Zürcher Bürgertums. Die Innenausstattung war reich verziert mit vielen Ornamenten und viel glänzendem Blattgold.
Der Umbau in den 30er Jahren verlieh dem Gebäude ein neues Gesicht
Im Verlaufe Zeit zeigte nagte der Zahn der Zeit am Gebäude und die architektonischen Vorstellungen der Stadtoberen und die Ansprüche der Stadt an das Gebäude änderten sich. Im Hinblick auf die Landesausstellung von 1939 entschied man sich, einen Teil der Tonhalle durch ein modernes Kongresshaus zu ersetzen. 1937 wurde dieses eingeweiht. Diesem Umbau fielen nicht nur weite Teile des Geäubdes zum Opfer, sondern auch die beiden markanten Türme. Zusätzlich erhielten die verbleibenden Gebäudeteile der Tonhalle eine starke Umgestaltung im Innern. Die ursprünglich reichen Verzierungen und glänzenden Malereien wichen einem eher puritanisch anmutenden gedämpften Farbkonzept. Der Eingangsbereich wurde ganz im Stil der 30er Jahre erneuert: Davon zeugen die grafisch gestalteten schwarz-weissen Bodenbeläge und die Deckenbeleuchtung. Die marmorenen rosa Säulen stammen noch aus der ursprünglichen Bauphase von 1895. Ein bemerkenswertes Detail dazu: Im Erdgeschoss sind diese Säulen aus Marmor. In den oberen Geschossen lediglich aus bemaltem Holz.
Grosser Konzertsaal
Der grosse Saal der Zürcher Tonhalle wurde anlässlich der letzten Renovation von 2017 – 2021umfassend restauriert. Der Saal umfasst über 1’500 Plätze. Die kostbaren Gemälde und Gipsverzierungen erhielten nach sorgfältiger Reinigung einen neuen Anstrich; nicht ganz im ursprünglichen Glanz von 1895, aber doch gleich in der Farbgebung, mit einem Hauch natürlich scheinender Alterung. Den grossen Konzertsaal schmücken fünf markante Deckmalereien mit verschiedenen szenischen Musikdarstellungen. Im Zentrum steht eine Darstellung des «Komponistenhimmels mit den Bildnissen der damals berühmtesten Kompnisten: Bach, Händel, Gluck, Haydn, Mozart, Beethoven, Wagner und Brahms.
Der Saal erhielt eine neue Orgel, welche von der gleichen Firma gebaut wurde wie die ursprüngliche, von der Firma Kuhn AG in Männedorf. Bemerkenswert ist, dass der Orgeltisch zum Spielen des Insgtruments nicht wie üblich vis-à-vis der Orgel platziert ist, sondern etwas weiter entfernt im 90 Grad-Winkel versetzt. So kann der Orgelspieler die Anweisungen des Dirigenten und die übrigen Musiker unmittelbar sehen und kehrt ihnen nicht den Rücken zu. Die Konzertbühne wurde gegenüber vorher um einige Zentimeter gesenkt, so dass (aus Sicherheitsgründen) keine Abschrankung mehr nötig ist. Dies verbessert für die Zuschauer die Sicht auf das Orchester. Der Parkettboden wurde neu verlegt und nun wieder durchgehend angeordnet, auch unter der Konzertbühne. Was für den Betrachter kaum sichtbar ist, verbessert für den Zuhörer aber merklich die Akustik und die Schwingung des Klangs im Saal. Das Gestühl erscheint nun neu in dunklem Braun statt wie früher im noblen satten Samtrot. Für die Musiker hat dies den Vorteil, dass für sie nicht so klar ersichtlich ist, wie stark der Saal besetzt ist. Hinter und unter der Bühne findet sich nun neu ein Abstellraum für die Instrumente, der klimatisch immer ähnliche Luftfeuchtigkeit und Temperatur aufweist. Dies ist für die Klangqualität der Instrumente von Bedeutung.
Kleiner Konzertsaal
Der Kleine Konzertsaal wurde gegen Ende des 20. Jahrhunderts restauriert. Dieser ist für Kammerorchester oder kleinere Formationen gedacht. Er ist weit weniger opulent dekoriert als der grosse Saal, erscheint aber ebenfalls in vornehmen Glanz. Er umfasst rund 600 Plätze. Hier waren keine Eingriffe nötig. Technisch ging man bei der neuesten Renovation Kompromisse ein. So kann der Flügel des kleinen Saals wie auch der Flügel des grossen Saals nur gezügelt werden, indem man diese demontiert und am neuen Ort wieder neu zusammenbaut. Eine Lösung mit Lift wäre technisch zwar sehr wünschenswert gewesen, deren Umsetzung aber zu kostspielig. Auch die Überwachung durch die Techniker im Hintergrund muss nach wie vor durch die Beobachtung des Geschehens hinter der Türe in der Bühnenwand erfolgen und kann nicht über Bildschirme verfolgt werden.
Die Teilnehmenden der Führung gingen an diesem Freitagnachmittag mit vielen neuen Eindrücken und Erkenntnissen auf den Heimweg. Bestimmt werden sie beim nächsten Besuch der Tonhalle das Gebäude mit ganz anderem Blick wahrnehmen.