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Herr Gärtner, im Februar 1990, drei Monate nach dem Mauerfall, haben Sie die Mauer aus der Luft gefilmt. Wie kam es dazu?
Peter Gärtner: Vor der Wende war ich Angestellter der staatlichen Fernsehgesellschaft Deutsche Film AG, kurz DEFA. Die gesamte Filmproduktion war staatlich gelenkt, private Produzenten gab es keine. Mit der Wende änderte sich auch die Arbeitssituation für uns Filmemacher: Ich wollte mich selbstständig machen, der Mauerflug war mein zweites Projekt.
Was war die Idee dahinter?
Ich wollte verfolgen, wie nach dem Umbruch die beiden zuvor getrennten Kulturregionen Berlin und Potsdam zusammenwachsen. Doch um dies zu dokumentieren, musste ich zuerst das starke trennende Element, die Mauer, zeigen.
Ein einfaches Unterfangen?
Technisch war die Ausgangslage klar: Ich brauchte einen Hubschrauber und eine Kamera. Doch organisatorisch gab es einige Hürden. In der ehemaligen DDR war es strikte verboten, im Flug zu filmen. Anfang 1990 gab es nur eine einzige mögliche Stelle, um einen Hubschrauber für Filmaufnahmen zu organisieren: Die «Interflug» – die staatliche Fluggesellschaft der DDR.
Kurz nach der Wende kommunizierten die involvierten Nationen noch nicht miteinander, deshalb musste ich für den geplanten Flug einen Antrag beim Alliiertenkontrollrat stellen. Plötzlich ging alles sehr schnell und es hiess: Entweder fliegen Sie am kommenden Mittwoch und nur bis zu einer Flughöhe von 50 Metern, oder es wird nichts draus. Diese Gelegenheit packte ich.
Wie wurden die Bilder vom Publikum aufgenommen?
Erst gar nicht. In der Presse und in der Bevölkerung hiess es: Die Mauer muss weg, physisch und in den Köpfen. Während Jahren interessierte sich keine Fernsehanstalt für das Filmmaterial. Ich aber war der Meinung, dieses Zeitzeugnis müsse vor dem Abriss unbedingt dokumentiert werden.
Es dauerte 15 Jahre, bis sich jemand für diese Flugbilder interessierte. Ich ging lange davon aus, das liege daran, dass es viele andere vergleichbare Aufnahmen gebe. Später erfuhr ich von einem Spezialisten des Dokumentationszentrums «Berliner Mauer», dass meine Aufnahmen die einzigen sind, die je von der Ostseite der Mauer gemacht wurden. Da realisierte ich, wie speziell diese Bilder sind.
Weshalb finden sie erst heute Anklang?
Solche Dinge brauchen Zeit. Im Fernsehen wurden stets die Jubelbilder nach der Grenzöffnung gezeigt – die sind emotional. Im Gegensatz dazu ist der Mauerflug unspektakulär, aber er zeigt die gewaltige Ausmasse dieser Grenzanlage. In den Jahren nach der Wende waren die Menschen einfach noch nicht bereit für diese Bilder – ich als Dokumentarist jedoch fühlte mich verpflichtet, diesen Moment festzuhalten.