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linuxcrack.ch
Entstehung des Linux-Kernels
Linus Torvalds 2002
1991 begann Linus Torvalds in Helsinki mit der Entwicklung des Kernels, der später Linux genannt wurde. Anfänglich war es eine Terminalemulation, die Torvalds zum Zugriff auf die großen Unix-Server der Universität benutzte. Er schrieb das Programm hardwarenah und unabhängig von einem Betriebssystem, weil er die Funktionen seines neuen PCs mit einem Prozessor des Typs 80386, dessen x86-Befehlssatz auch heute noch zum Standard zählt, optimal nutzen wollte. Als Grundlage dienten dabei das Minix-System und der GNU-C-Compiler.
Irgendwann, so Torvalds in seinem Buch Just for Fun,[1] merkte er, dass er eigentlich ein Betriebssystem geschrieben hatte. Am 25. August 1991 kündigte er in einem Usenet-Posting an die Gruppe comp.os.minix dieses System an. Dieses Usenet-Posting wird an vielen Stellen immer wieder zitiert und dürfte zu den bekanntesten Postings im Usenet zählen:
“Hello everybody out there using minix –
I’m doing a (free) operating system (just a hobby, won’t be big and professional like gnu) for 386(486) AT clones. This has been brewing since april, and is starting to get ready. I’d like any feedback on things people like/dislike in minix, as my OS resembles it somewhat (same physical layout of the file-system (due to practical reasons) among other things).
I’ve currently ported bash(1.08) and gcc(1.40), and things seem to work. This implies that I’ll get something practical within a few months, and I’d like to know what features most people would want. Any suggestions are welcome, but I won’t promise I’ll implement them 🙂
Linus (<email-pii>)
PS. Yes – it’s free of any minix code, and it has a multi-threaded fs. It is NOT portable (uses 386 task switching etc), and it probably never will support anything other than AT-harddisks, as that’s all I have :-(.”
„Hallo alle da draußen, die Minix einsetzen –
Ich arbeite an einem (freien) Betriebssystem (nur ein Hobby, wird nicht groß und professionell sein wie GNU) für 386(486)AT-kompatible Rechner. Das Projekt entwickelt sich seit April und beginnt fertig zu werden. Ich hätte gern Rückmeldungen über Eigenschaften, die die Leute an Minix mögen/nicht mögen, da mein Betriebssystem diesem in einigen Merkmalen ähnelt (gleiches physikalisches Layout des Dateisystems (aus Praktikabilitätsgründen) und einige andere Dinge).
Ich habe im Moment bereits die bash (1.08) und gcc (1.40) portiert, und es scheint zu funktionieren. Das bedeutet, dass ich in einigen Monaten etwas haben werde, womit man arbeiten kann, und mich interessiert, welche Eigenschaften die meisten Leute gerne sehen würden. Alle Vorschläge sind willkommen, aber ich kann nicht versprechen, dass ich sie auch einbaue 🙂
Linus (<email-pii>)
PS. Ja, es enthält keinerlei Minix-Code und das Dateisystem ist multi-threaded. Es ist NICHT portierbar (es benutzt das 386er-Taskswitching etc.) und wird vermutlich nie etwas anderes unterstützen als AT-Festplatten, da ich nur solche besitze :-(.“
Am 17. September 1991 wurde Linux in der Version 0.01 das erste Mal öffentlich auf einem FTP-Server zur Verfügung gestellt.
Der Name Linux
Eigentlich sollte Linux nach dem Willen von Linus Torvalds Freax heißen, eine Wortschöpfung aus Freak (Verrückter, aber auch jemand, der sich für etwas begeistert), Free für Freie Software und dem oftmals üblichen x in Anspielung auf die Ähnlichkeit zu Unix. Aus diesem Grund hatte Torvalds zu Beginn seiner Arbeit an dem System etwa ein halbes Jahr lang die Dateien unter Freax abgelegt. Auch den Namen Linux hatte sich Torvalds bereits überlegt, er erschien ihm aber zu egozentrisch. Um anderen Leuten die Möglichkeit zu geben, am System mitzuarbeiten oder Verbesserungsvorschläge zu machen, sollten die Dateien im September 1991 auf dem FTP-Server (ftp.funet.fi) der Helsinki University of Technology (HUT) abgelegt werden. Der damalige Verantwortliche für den Server, Ari Lemmke (Mitarbeiter am HUT), war mit dem Namen Freax nicht einverstanden, er bevorzugte den Arbeitsnamen Linux. Ohne mit Torvalds darüber zu diskutieren, nannte er den Bereich am Server einfach Linux, was Torvalds schließlich akzeptierte, um große Diskussionen zu vermeiden und auch, wie Torvalds zugibt, weil Linux einfach der bessere Name war. Im Quellcode der Version 0.01 von Linux kam noch der Name Freax vor („Makefile for the FREAX-kernel“), später wurde nur noch der Name Linux verwendet. So setzte sich der eigentlich gar nicht geplante Name Linux weltweit durch.
Linux unter der GNU GPL
Ein deutsches Anwenderhandbuch und eine 5,25-Zoll-HD-Bootdiskette von 1993
Torvalds gab Linux zuerst unter einer eigenen, proprietären Lizenz heraus, entschied sich aber später dafür, die GNU GPL den übrigen Urhebern vorzuschlagen. Im Änderungsprotokoll zur Version 0.12 im Januar 1992 kündigte er die Lizenzänderung an.[3] Die Mitte Dezember 1992 veröffentlichte Version 0.99 ist die erste Version unter der GNU GPL.[4]
Dieser Schritt erst machte es möglich, Linux als freies Betriebssystem zu vertreiben. Dieses Ereignis zog weltweit viele Programmierer an, die sich an der Entwicklung von Linux und GNU beteiligten. Später sagte Linus Torvalds in einem Interview, dass die Entscheidung, Linux unter die GNU GPL zu stellen, die beste gewesen sei, die er je getroffen habe: „Making Linux GPL’d was definitely the best thing I ever did.“[5]
Auch begannen einige Leute aus Neugier oder aus praktischen Gründen, sich mit Linux zu beschäftigen. Im Vergleich zu den kostspieligen, exklusiv-verfügbaren Unix-Workstations wie beispielsweise einer DECstation in Universitäts-Laboren oder Firmen hatte man nun die Möglichkeit, auch auf wesentlich günstigerer PC-Hardware ein *nix-artiges Test- und Programmiersystem einzurichten. Dabei holte man sich zumeist über ans Internet angeschlossene Universitätsrechner via binärem FTP die Installationsdateien und beispielsweise in LaTeX gesetzte, frei verfügbare Handbücher (aus anderen Quellen, aber auch unter GNU GPL-Lizenz). Die Dateien wurden dann auf ganze Diskettenstapel (Installationssatz mit bis zu 30 gepackten 5,25-Zoll-HD-Disketten mit je 1,2 MB) übertragen. Die PostScript-Umwandlung der Dokumentation konnte auf einem Postscript-fähigen Drucker ausgedruckt werden. Man sieht hieran die damalige Vorgehensweise, das System zu beschaffen, vorzubereiten und zu installieren. Da es aufwendiger als heute war, traf man noch eine recht unbedeutende Anzahl von Linux-Anwendern und diese eher in entsprechenden Hochschul-Fachbereichen bzw. im beruflichen Umfeld an. Doch der GPL-Schritt war eine bedeutende Initialzündung zur weiteren Verbreitung.
GNU/Linux[Bearbeiten
→ Hauptartikel: GNU/Linux-Namensstreit
Die Bezeichnung Linux wurde von Torvalds anfänglich nur für den von ihm initiierten Kernel genutzt. Der Kernel wurde aber häufig zusammen mit anderer Software https://phonelookupbase.com , vor allem der des GNU-Projekts, ausgeliefert. Diese GNU-Variante wurde schnell zur meist genutzten Variante von GNU. Als im Laufe der Zeit der Name Linux auch häufig für diese Softwaresammlungen genutzt wurde, versuchte der Gründer des GNU-Projekts, Richard Stallman, bald, den Namen GNU/Linux durchzusetzen, um der Rolle von GNU eine in seinen Augen angemessene Geltung zu verschaffen.[6] Im Juni 1994 wurde im GNU’s Bulletin mit den Worten „freier UNIX-Klon“ auf Linux verwiesen und im selben Jahr gab das Debian-Projekt seiner GNU/Linux-Distribution den Namen GNU/Linux. In der Januar-Ausgabe 1995 des GNU’s Bulletin änderten sich die Verweise auf Linux zu GNU/Linux. Im Mai 1996 gab Richard Stallman den Editor Emacs 19.31 heraus, in dem der Systemtyp von Linux nach Lignux umbenannt wurde. Er meinte, es wäre angemessen, die Begriffe Linux-based GNU system, GNU/Linux system oder Lignux zu benutzen, um auf die Kombination von Linux-Kernel und GNU-Software hinzuweisen. Er gab jedoch bald den Ausdruck Lignux auf und benutzte nur noch GNU/Linux.
Insgesamt stieß die Forderung auf unterschiedliche Reaktionen. Während das GNU-Projekt und das Debian-Projekt den Namen annahmen, lehnten die meisten Entwickler und andere Linux-Distributoren dies ab oder widersetzten sich deutlich. Begründet wurde dies einerseits mit Bequemlichkeit, weil der Name Linux als einfacher angesehen wurde, und andererseits mit dem Hinweis, dass mittlerweile eine beachtliche Menge der mit Linux ausgelieferten Software nicht aus dem GNU-Projekt stamme.
Ein Grund für das Ausbleiben des Begriffs „GNU/Linux“ ist sicherlich, dass „Linux“ der deutlich einfachere, griffigere Begriff ist. Ein weiterer Grund für die weit verbreitete Nutzung des Begriffs „Linux“ für das System ist wohl, dass Linus Torvalds es seit der Veröffentlichung 1992 schon immer Linux genannt hatte. Stallman hingegen meldete seine Forderung nach Namensänderung erst an, nachdem das System bereits populär geworden war.
Das Maskottchen[Bearbeiten
→ Hauptartikel: Tux (Maskottchen)
Im Jahre 1996 kündigte Torvalds ein Maskottchen für Linux an, es sollte ein Pinguin werden. Die Bedingungen, die an das Maskottchen gestellt wurden, finden sich unter anderem in Torvalds Biografie Just For Fun:
„Aber Linus wollte keinen x-beliebigen Pinguin. Sein Pinguin sollte glücklich aussehen, so als hätte er grade eine Maß Bier genossen und den besten Sex seines Lebens gehabt.“
– Torvalds, S. 151
Larry Ewing erstellte daraufhin den ursprünglichen Entwurf des heute bekannten Maskottchens. Den Namen Tux schlug James Hughes als Ableitung von Torvalds UniX vor. Ein weiterer Grund für diese Konstruktion ist vermutlich auch, dass die Farben der Pinguine den Eindruck vermitteln, als würden sie einen Smoking tragen, der im Englischen tuxedo heißt.