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Der Rennweg ist eine der Längsachsen des malerischen Sevogelquartiers, das offiziell zu St. Alban gehört. Sein Name verweist wohl auf seine frühere Funktion als Fernverkehrsweg über St. Jakob ins Mittelland. Während an der heutigen St. Alban-Anlage, entlang dem Verlauf der ehemaligen Stadtmauer und an der Hangkante an der Gellertstrasse oberhalb des St. Albanteichs ein repräsentatives Villenviertel entstand, dominieren im Sevogelquartier kleinere, in Reihen angeordnete Einfamilienhäuser das Bild. Ursprünglich gehörten kleine Vorgärten obligatorisch dazu, um den Strassenstaub aufzunehmen; viele davon sind noch erhalten, wie glücklicherweise der Grossteil der ab 1890 zahlreich gebauten Einfamilienhäuser. Diese weisen eine grosse Vielfalt auf. Sie wurden manchmal als Einzelbauten, aber öfters als Ensembles geschaffen. Bedeutende Architekten wie Emanuel La Roche (1863-1922), der den «Centralbahnhof» (heute Bahnhof SBB) gestaltete, Wilhelm Bernoulli (1869-1909), von dem in Zusammenarbeit mit seinem Compagnon Alfred Romang (1860-1919) beispielsweise das Warenhaus Globus am Marktplatz stammt, und die Brüder Leonhard (1852-1918) und Rudolf Friedrich (1853-1927), dessen Bauhof sich noch immer an der Hardstrasse 92 befindet (heute Straumann-Hipp), trugen das Ihre zur ansprechenden Atmosphäre der schmalen Strassen bei. Speziell die relativ schlichten, klassizistischen Dreifensterhäuser von Rudolf Friedrich prägen beispielsweise die Grellinger- und die Angensteinerstrasse. Einen Höhepunkt der damaligen Modernität findet sich am Hirzbodenweg 84-102, wo der genialische Architekt Adolf Visscher van Gaasbeek (1859-1911) mit dem Bauunternehmer Rudolf Linder (1849-1928) nach englischer Inspiration eine «Villenkolonie» mit viel Platz für Vorgärten und abwechslungsreicher Form- und Materialgestaltung auf relativ schmalen Grundstücken schuf – ein städtebauliches Gesamtkunstwerk.
Einen Solitär bildet das reizvolle Sevogelschulhaus von 1883/84 des Architekturbüros von Eduard Vischer (1843-1929) und Eduard Fueter (1845-1901). Das Schulhaus verweist mit seinen recht ausladenden Dimensionen auf die schnell anwachsende Bevölkerungszahl des Viertels und ist dabei ein Schmuckstück der historistischen Bauweise. Die Architekten nutzten die Materialvielfalt von Haustein und Backstein sowie in den Dachpartien Holz zur Erzeugung eines abwechslungsreichen Farbeindrucks. Sie schufen auch das spirituelle Zentrum des Quartiers an der Engelgasse 61, die 1882 eingeweihte neugotische Kapelle, die allerdings 1970 einem Wohnblock weichen musste. Dass sie ganz unterschiedliche Register zu ziehen vermochten, erweist das grosszügige Ensemble am Sevogelplatz 1-2 in neubarockem Stil von 1896/97. Hier drückt sich der städtebaulich neue Gedanke aus, den gut gestellten Einwohnern der Stadt luxuriöse Mietwohnungen von acht bis zehn Zimmern mit allem Komfort wie grosse Badezimmer und Lift anzubieten, damit sie auf den Bau platzbeanspruchender eigener Wohnsitze verzichteten.
Durch diesen Rundgang verdeutlichte sich nicht nur der idyllische Charakter der Strassenzüge des Sevogelquartiers, sondern es eröffneten sich ebenfalls spannende Einblicke in wesentliche städtebauliche Aspekte der rasanten Entwicklung Basels um 1900. Und wie immer wurde durch das aufmerksame Begehen die Selbstverständlichkeit des Bekannten durchbrochen und durch manche neuen Blickwinkel bereichert.
Rose Marie Schulz-Rehberg ist Kunsthistorikerin und Stadtführerin. Sie hat folgende Trilogie zu den in Basel wirkenden, namentlich bekannten Architekten verfasst, deren Bände 2012-2018 im Christoph Merian Verlag erschienen sind:
- Architekten von der Gotik bis zum Barock. Bauen in Basel 1280-1780
- Architekten des Klassizismus und Historismus. Bauen in Basel 1780-1880
- Architekten des Fin de Siècle. Bauen in Basel um 1900.
Das 2016 von der Verfasserin für den Schweizer Heimatschutz in der Reihe Baukultur entdecken gestaltete Faltblatt: Basel - Sevogel - das äussere St. Albanquartier sowie Bauten des Fin de Siècle finden Sie hier: Basler Heimatschutz.
Link: Homepage Frau Dr. Rose Marie Schulz-Rehberg