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Wie die Zeit vergeht. Da sass vor 34 Jahren ein schüchterner junger Regisseur auf der Rückbank eines roten Valiants und drehte fürs Fernsehen einen Film über einen verrosteten Peterbilt Truck, der einem nichtsahnenden Handelsreisenden, so quasi ein all-american-Vorortsmensch, an den Leib will und ihm das Leben auf dem fast verlassenen Highway scheinbar grundlos schwer macht. 1971 war das Jahr, in dem für Spielberg alles anders werden sollte, denn Duel sollte ihm den Weg zu seinem ersten Kinofilm, Sugarland Express, ebnen, dem 1975 Jawsfolgte. Der Rest ist Geschichte. Duel ist etwas vom allerfeinsten was je fürs Fernsehen produziert wurde, der Film spielt geschickt mit den Ängsten des Protagonisten und müsste so manchem Jungregisseur noch heute als Beispiel dienen, wie man mit vergleichsweise wenig Geld viel Film macht. Nach dem Erfolg im TV wurde Duel fürs europäische Kino aufgemotzt, mit einigen neuen Toneffekten versehen und um rund 15 Minuten verlängert, u.a. die Szenen mit dem Bahnübergang und dem Telefongespräch mit Dennis Weavers Frau.
Mit Billy Goldenberg arbeitete Spielberg vor Sugarland Express (John Williams) einige Male zusammen, so bei der tollen Columbo-Folge, beim TV Movie Night of the Game und einer Night Gallery Episode. Duel bildete dabei den Höhepunkt. Noch vor Jahren stand nicht zur Debatte, dass die Musik je auf CD veröffentlicht werden würde. Ein weiterer, wenn auch „kleinerer“ holy grail, darf also von der Liste gestrichen werden, Intrada sei Dank!
Duel beginnt mit dem kurzen „Universal Emblem“ Track ehe die Streicher und das Waterphone von Perkussionist und Sammler Emil Richards eine atonale „Weise“ in „Passing the Truck“ hinlegen. Harfe, Perkussion, Streicher und Klavier sind es, die mit dem pfundigen „Truck and Car Encounter“ eine erste Marke in Sachen Action setzen. Im Film einer der Höhepunkte ist die Szene im Strassendiner, in dem Mann (Weaver) den Fahrer des Trucks vermutet: „Studying Drivers“, „Mann’s Thoughts“ und „Lone Driver Eating“ teilen sich diese eindringliche Szene, die aus Manns Sicht mit voice-over geschildert wird. Als der Truck unvorhergesehen vom Parkplatz fährt, eilt Mann diesem zu Fuss nach, untermalt von „Truck Leaving“.
„Truck Stops“ gibt den Horror wieder, den Mann erfährt als er den Truck, von dem er sich eigentlich erlöst sah, plötzlich in einer Kurve wartend erblickt. Die Streicher bestimmen „Hide and Seek“, während in „Truck Waiting 1“ Waterphone, elektronische und perkussive Effekte sowie Gitarre und in „Truck Waiting 5“ ein Hauch Psycho die Musik umgibt. Zu Spielbergs Anfrage sagte Goldenberg: „Ja, aber das ist Psycho! Ein mehrere Tonnen schweres Messer!“
Die längsten Stücke stehen noch an: „Truck Racing Car“ mit viel Perkussion, allerdings nicht donnernder als vielmehr an den Nerven zehrender Perkussion, die Manns leidenden Valiant an einem Passaufstieg begleitet und „Final Duel“ mit nicht weniger Nerven aufreibenden Streichern, Richards Perkussion, rhythmischen Klavier- und Synthesizerostinati in der letzten Auseinandersetzung zwischen Mann und dem Truck. Abgeschlossen wird Duel mit „The Duel“, die letzten Momente des „Ungeheurs“ begleitend.
Als Bonus gibt es vier Stücke, die aus dem Radio in Manns Auto erklingen und einen alternativen Schlusstitel.
Goldenbergs Musik ist ein harter, manchmal bizarrer aber spannender Brocken abseits vom Film. Seine Musik ist experimentell ausgefallen, geschrieben für ein kleines Streicherensemble, Harfe, Gitarren (die zumeist nur in den Source music Stücken zu hören ist) , Perkussion und Synthesizer. So verwendet Goldenberg sein Instrumentarium eher als Klangeffekt denn als Melodiebringer, was bei einem Film wie Duel auch nicht von Nöten gewesen wäre. Der Score ist vielleicht ein früher Vertreter eines geschickt gemachten sound designs, das im Film hervorragend funktioniert und äusserst viel zur unheimlichen Stimmung beiträgt.
Phil, 6.4.2015
DUEL Billy Goldenberg Intrada Special Collection Volume 305 47:39 / 19 Tracks