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Industrie 5.0 25.10.2021, 06:19 Uhr
Mensch und Roboter im Zusammenspiel
Bei Industrie 4.0 standen Methoden zum Vernetzen neuer Technologien zur Effizienz- und Produktivitätssteigerung im Mittelpunkt. Nun steht mit Industrie 5.0 die nächste Phase der Industrialisierung mit interaktiver Zusammenarbeit von Menschen und Robotern ins Haus.
Bei Ypsomed werden Angestellte in der Qualitätssicherung durch Augmented-Reality-Brillen unterstützt
(Quelle: Ypsomed)
Der Begriff «Industrie» beschreibt einen Wirtschaftszweig, der alle mit der Massenherstellung von Konsum- und Produktionsgütern beschäftigten Fabrikationsbetriebe eines Gebiets umfasst – etwa die Auto-, die Lebensmittel- oder auch die Unterhaltungselektronik-Industrie. Als etwa um das Jahr 2015 erstmals der Begriff «Industrie 4.0» auftauchte, wurden der Industrie-Entwicklung im Nachhinein drei Phasen zugeordnet. Und weil schon zu Zeiten von Karl Marx und Friedrich Engels von der «Industriellen Revolution» gesprochen wurde, steht «Industrie 4.0» für die vierte industrielle Revolution.
Damit wird die cybertechnische Transformation der industriellen Produktion assoziiert, die zur digitalen Konvergenz zwischen Industrie, Unternehmen und anderen Prozessen führte. Mit Industrie 4.0 wurde ein neues Zeitalter der produzierenden Industrie eingeläutet, das noch andauert und sich noch nicht in allen Industrieländern gleichermassen etabliert hat. Ziel der vierten industriellen Revolution ist ein höchstmöglicher Automatisierungsgrad mit maximierter Effizienz. Der Mensch bleibt dabei aber oft auf der Strecke – entweder weil das Produktionstempo unerbittlich zunimmt oder weil Maschinen menschliche Arbeitsplätze ersetzen.
Industrielle Revolutionen 1 bis 3
Diese Entwicklung begann im Grunde genommen bereits bei der ersten industriellen Revolution gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Sie wurde erst durch die Mechanisierung von Arbeitsprozessen und dem Einsatz von Wasserkraft und Dampfmaschinen möglich.
Die zweite industrielle Revolution startete zur Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert und wurde mithilfe der neu entdeckten und zunehmend verbreiteten Elektrizität möglich. Sie führte zur Massenproduktion mit ganzen Produktionsstrassen, monotoner Fliessbandarbeit und Arbeitsteilung mit hochgradiger Spezialisierung. Vorreiter in der Automobilproduktion war der US-Amerikaner Henry Ford, der in Nordamerika die Massenmotorisierung einläutete. Ford gelang es, das T-Modell am Fliessband herzustellen. So konnten zwischen 1908 und 1927 rund 15 Millionen Exemplare produziert werden. Innert weniger Jahre verschwanden Pferde und Kutschen fast vollständig aus dem Strassenbild. In Europa verfolgte André Citroën ab 1919 ähnliche Konzepte, wurde aber durch den Ersten Weltkrieg und dessen Folgen ausgebremst.
Die dritte industrielle Revolution begann erst etwa Anfang der 1970er-Jahre und war von der Automatisierung von Produktionsprozessen sowie vom zunehmenden Einsatz von Computern gekennzeichnet. Diese Phase ist bis heute von Bedeutung, weil die bisherige Handarbeit durch immer intelligentere Maschinen genauer, zuverlässiger und günstiger verrichtet wird, etwa beim Löten von Bauelementen auf Platinen oder der vollautomatisierten Herstellung von Elektronikkomponenten und Sensoren.
In den 1990er-Jahren folgte das Just-in-time-Konzept, bei dem Halbfertigkomponenten direkt ans Band geliefert werden. Der ehemalige, ursprünglich aus der IT stammende Porsche-Manager Wendelin Wiedeking war der Pionier. Er liess nicht mehr bloss simple Autoradios, sondern gleich ganze Komponenten wie komplett bestückte Armaturenbretter ans Band liefern und senkte so nebst den Lager- auch die Produktionskosten, da die Autos wesentlich schneller als bisher zusammengebaut waren. Solche Denk- und Handelsweisen begründeten die zwei Säulen des Begriffs «Industrie 4.0»: grösstmögliche Effizienz dank Automation und Digitalisierung.