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Cavergno: Fondazione Valle Bavona – Das wilde Tal
Eine smaragdgrüne Eidechse huscht über eine uralte Trockensteinmauer. In einem flachen Tümpel schlägt eine faustgrosse Kröte lautlose Wellen. Nur das Donnern der Wasser-fälle, die links und rechts von vertikalen, kahlen Felswänden in Wildbach-Bette stürzen, durchbricht die morgendliche Stille im Valle Bavona. Das wilde Tessiner Tal ist an einem Samstag im April menschenleer und unwirtlich. Doch genau in dieser rauen Ursprünglichkeit liegt seine Schönheit.
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Senkrechte, kahle Felswände und steil abfallende Wildbäche rahmen das u-förmige, von Gletschern ausgehöhlte Bavona-Tal, das sich am Ende des Maggia-Tals von Cavergno bis ins Basodino-Massiv erstreckt. Hausgrosse Felsbrocken liegen, wie Murmeln verstreut, entlang der 12km langen und 500m breiten Talsohle, wo sich bescheidene Steinbauten in zwölf kleinen Weilern (‘terre’ genannt) eng aneinander schmiegen.
Im steilsten und felsigsten Tal des Alpenbogens ist der Mensch der Natur heute noch genauso untergeordnet wie vor Hunderten von Jahren. Nur in mühevoller Arbeit schafften es die Bavonesi, diesem Land eine Existenzgrundlage abzuringen. So wurden schwindelerregende Wege in den Fels geschlagen, um auf den Talflanken abgelegene Alpen für den Ackerbau und die Viehzucht zu erschliessen. Unter Felsbrocken gestaltete man natürliche Hohlräume zu ‘Splüis’ und verwendete diese als Backofen, Lager, Vieh-unterstand oder Behausung.
In den Weilern selbst errichtete man auf den sperrigsten Gesteinen Mauern, die mit Erde befüllt als kleine Anbauflächen dienten. Rund um die Weiler pflanzte man schliesslich Kastanienbäume.
Trotz dieser Massnahmen war ein Leben im Bavona-Tal nur in den Sommermonaten möglich. Doch auch dann wurde das Tal oft von Überschwemmungen, Steinschlägen oder Erdrutschen heimgesucht.
Generationen später hat das Valle Bavona seinen urtümlichen Charakter bewahrt und ist im Bundesinventar der Landschaften von nationaler Bedeutung verankert. Wie in alten Zeiten läutet jeweils am ersten Sonntag im Mai die Prozession von Gannariente die Sommersaison ein. Auch wenn die Gäste heutzutage vorwiegend zur Erholung ins Tal kommen, kann göttlicher Segen nie schaden!
Wanderung entlang der zwölf Weiler
Mondada Des mühevollen Lebens überdrüssig wanderten im 19. Jahrhundert viele Bavonesi ins Ausland aus. Am Eingang des ersten Weilers von Mondada zeugt davon die Australier-Kappelle.
Der Lebensbaum Oberhalb der rund zwanzig Gebäude des Weilers Mondada findet sich im Schatten eines Kastanienhaines ein Backofen-‘Splüi’ sowie ein Kastaniendörrhaus.
Hängewiese In einem Tragkorb wurde die Erde auf diesen Felsblock hochgebracht und von Hand verteilt, um dem kargen Land im Tal eine kleine Ernte abzuringen – etwas Getreide, Kartoffeln und Heu.
Sabbione Die winzig anmutenden Steinbauten des Weilers sind um riesige Felsblöcke gruppiert oder daran angebaut. In der Umgebung befinden sich zahlreiche ‘Splüis’. Heute ist Sabbione ein Treffpunkt für Künstler sowie Ort des Frühlings-Nomadenlagers.
Feuchtzone Zwischen Sabbione und Ritorto erstreckt sich eine Feuchtzone von grosser biologischer Bedeutung mit einem kleinen Weiher für Fische und Amphibien.
Foroglio Hinter dem beliebten Grotto sind die Steinbauten mit ihren typischen Loggias um die Kirche gruppiert. Foroglio steht am Fusse einer Moräne und ist, dank des eindrücklichen Wasserfalls und des sich darüber öffnenden Valle Calneggia, ein beliebtes Ausflugsziel.
Gannariente Kurz vor der Kirche von Gannariente, in der zu Beginn der Sommersaison eine Messe stattfindet, steht entlang der Strasse eine kleine Kapelle mit Malereien, die das Leben und Ereignisse im Bavona-Tal darstellen.
San Carlo Eine Luftseilbahn führt vom einzigen Weiler, der über elektrischen Strom verfügt, über vier Kilometer nach Robiei auf 1’900 Metern über dem Meer. Robiei ist ein beliebter Ausgangspunkt für Bergtouren.
Spot Tipp:
Die Region erzeugt grosse Mengen elektrischer Energie. Jedoch gibt es im Tal selbst nur in San Carlo, dem letzten Weiler des Tales, elektrischen Strom. Überall sonst behilft man sich mit Solarzellen, Gas und Kerzen.
Insider:
Nachhaltiger Tourismus:
Eine kurze Busfahrt von Bignasco entfernt befindet sich im Dorf Coglio das preisgekrönte Öko-Hotel und Ristorante Cristallina der Familie Kälin-Medici, welches nachhaltigen Tourismus fördert und nach ökologischen Prinzipien geführt wird.
Fondazione Valle Bavona:
Die 1990 ins Leben gerufene Fondazione Valle Bavona hat den Auftrag, das Bavona-Tal in seiner Einzigartigkeit zu bewahren und in allen Aspekten zu pflegen. Tätigkeiten umfassen den Unterhalt des Gebietes, die Instandhaltung von Wanderwegen, sowie die Renovierung und Pflege historischer Bauten. Im Moment benötigt die Fondazione Unterstützung für vier spezielle Projekte: Landschaftspflege, Aufwertung des Territoriums, Verbindungswege und aussergewöhnliche Eingriffe.
Praktisches:
Anreise mit dem Postauto von April bis Oktober vier Mal täglich ab Locarno über Bignasco nach San Carlo; Tageswanderung zurück (kurze Variante ab Foroglio etwa 2-3 Stunden); Wasserbrunnen in allen Weilern. Die Weiler sind von Mai bis Oktober bewohnt. Elektrofahrzeuge (eBikes und elektrische Autos) können beim Infopoint Vallemaggia in Bignasco gemietet werden.
Selbst erleben:
Fondazione Valle Bavona
Casella postale 30
6690 Cavergno
+41(0) 91 754 25 50