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Die Klosterkirche von Müstair ist eine Weihnachtskirche! Das Apsisbild zeigte ursprünglich die Ankunft des ewigen Gottessohnes, des Christus Emanuel und Fürst der Engel, zur Menschwerdung. Das Bild, das Ende des 8. Jahrhunderts in Müstair gemalt wurde, muss auf einen Entwurf aus dem griechisch geprägten Teil Italiens zurückgehen.
Es ist eine Illustration zu Epiphanias, also zum älteren Festdatum, das nicht die Geburt des Kindes feierte, sondern das Geheimnis der Inkarnation des Logos. Eine Fotographie im Archiv des Restaurators beweist, dass zur Zeit der Freilegung der Fresken ein bartloser jugendlicher Christus mit Botenstab und offenem Buch aus der doppelten Mandorla hervorschritt.
Er war von einer friedlichen Engelsschar begleitet und von den vier Evangelistensymbolen, die für seine vierfache Aufgabe auf Erden stehen. Leider hat seinerzeit der Restaurator dem Wunsch der Klosterfrauen nachgegeben und hat dem Heiland einen Bart gemalt.
Ich habe mir erlaubt, in der hier gezeigten Aufnahme das bärtig strenge Haupt durch den Kopf Jesu aus dem Godescalcevangelistar zu ersetzen, einer ins Jahr 783 zu datierenden karolingischen Hofschulhandschrift. – Und schon ist der Charakter des Freskos total verändert!
Jetzt wird deutlich, dass die Darstellung der Mittelapsis die Überschrift des ganzen ikonographischen Bildprogrammes sein sollte, das die Erlösung mit dem göttlichen Ratschluss der Menschwerdung beginnen lässt: Gott der Herr erwählte nach dem Versagen Sauls den David als König für sein Volk und bestimmte ihn zum leiblichen Ahnherrn des künftigen Salvators.
Dies ist ein Nachtrag zu dem schon früher Gesagten (siehe im Archiv zu meinem Blog) und eine Einstimmung zum Weihnachtsfest, das wir übermorgen, am 25. Dezember 2008, feiern werden.