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Die heutigen, für den Faltenjura so typischen Landschaftsformen sind das Resultat von Verwitterung und Abtragung einerseits sowie von Schichtlage und Gesteinshärte andererseits.
Betrachtungen entlang eines Profils von Norden nach Süden: Im Norden finden sich zuerst bei Roderisweid flachliegende Malmkalke und Reste tertiärer Ablagerungen in ursprünglicher Reihenfolge; in der Vorfaltenzone des Tafeljuras liegt im Eichlenberg/Balmchopf die Steinegg-Antiklinale (=Gebirgsfalte) mit Korallenkalk des Malms. Der Chastelbach durchbricht diese Falte in Form einer Klus bei Bleimatt.
Im Bereich der Flur Engi ist die klassische Abfolge der Gesteine bis hinauf zum Tertiär zu beobachten. Daran schliesst die komplizierte Überschiebungszone mit dem Nunninger Fenster an. Der Mühleberg ist Rest einer überschobenen Falte aus Dogger und Hauptrogenstein. Bei der Flur «See» befindet sich ein tektonisches Fenster, das heisst durch Erosion sind die oberen, älteren Schichten der Falte wegerodiert worden und die jüngeren Gesteine der Unterlage wurden sichtbar.
Anschliessend folgt der Kern und der Südschenkel der Vorburg-Antiklinale (Hauptrogensteinrippe des Riedbergs), die sich von Les Rangiers bis nach Bretzwil hin zieht. Weiter folgt die Nunningerberg-Synklinale (= muldenförmige Schichtumbiegung) und schliesslich das Ulmetgewölbe. Sowohl Vorburg- wie auch Ulmetantiklinale zeigen eine Reliefumkehr: Der Gewölbekern tritt nicht als Kuppe, als höchster Scheitelpunkt auf, sondern bildet als Resultat der Erosion der weichen Schichten (Keuper-Mergel und Opalinus-Ton) eine ausgetiefte, langgestreckte Geländemulde oder einen Sattel.
Um Kulturland zu gewinnen, wurden die ursprünglich vorhandenen Wälder im Verlaufe der Jahrhunderte nach und nach gerodet. Das Land wurde extensiv und kleinparzellig genutzt, so dass eine vielfältige Landschaft entstand. Noch Mitte des 20. Jh. waren viele Hecken vorhanden, die Bachläufe mit Büschen und Bäumen bestockt, die Talböden sumpfig (Flurname See). Wegen der ungünstigen Geländestruktur wurde die Landwirtschaft nicht so intensiv betrieben wie andernorts. Deshalb sind einige Reste einer vielfältigen alten Kulturlandschaft übrig geblieben. Das Gebiet Nunningerberg hinter dem Riedberg ist beispielsweise so abgelegen, dass es für die Landwirtschaft wenig geeignet ist. Deshalb sind Reste von artenreichen Magerwiesen dort erhalten geblieben. Die drei Rüttenen Äschollen, Nunningerberg und Hintere (obere) Weid sind heute teilweise wieder von Wald überwachsen.
Einzigartig ist dieser Lebensraum im Schwarzbubenland und überhaupt im Jura: Am Fusse des Riedbergs im Gebiet Schlat oder Schlad besitzt die Gemeinde Nunningen eine Stück Land, auf dem Hangschilf wächst. Dieser Rest einer ehemaligen Riedwiese wächst auf einer Mergelschicht im Hangwasser. Das Schilf wurde in vergangener Zeit offenbar nicht genutzt. Es muss aber in Abständen von 3 bis 5 Jahren im Winter gemäht werden. Der Natur und Vogelschutzverein hat deshalb die Betreuung dieses Stückes Natur übernommen.
Die Gemeinde zieht sich über eine Höhendifferenz von 500 Meter von der Ämmenegg auf 1025 m ü. M. hinunter bis zum tiefsten Punkt im Kaltbrunnental auf 490 m ü. M. Die Siedlung besteht aus dem Dorf und den zwei Weilern Engi und Roderis sowie einem Teil des Weilers Oberkirch. Dort befindet sich die gemeinsame Kirche von Nunningen und Zullwil, wobei die Kirche auf Zullwiler-, das Pfarrhaus auf Nunninger-Boden steht.
Die Gemeinde galt lange Zeit als arm. Im 19. Jh. gab es neben der Landwirtschaft auf zahlreichen, zum Teil zerstreuten Höfen auch Uhrmacherei, Strohflechterei und Seidenverarbeitung. Bekannt war der Nebenverdienst der Einwohner durch Stricken. Im 20. Jh. baute man für kurze Zeit Gips ab, stellte Blech- und Eisen- sowie Plastikwaren her und betrieb eine Bürsten- und Kamm- sowie eine Kleiderfabrik.
HPM
Quellen: Nunningen 1996, Bundesamt für Statistik 1850–2000 eidg. Volkszählung, Statistisches Amt Kanton Solothurn ab 2001 Fortschreibung