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LONDON (awp international) - Die Bank of England scheint trotz eines wenig erfolgreichen Beginns ihrer neuen Geldschwemme gelassen zu bleiben. Nachdem es der Notenbank am Dienstag nicht gelungen war, die angestrebte Menge an langlaufenden Staatsanleihen zu kaufen, teilte sie am Mittwoch mit, dass der Fehlbetrag in der zweiten Hälfte des sechsmonatigen Kaufprogramms berücksichtigt werde.
Zur Abfederung der wirtschaftlichen Brexit-Folgen will die Notenbank innerhalb eines halben Jahres Staatsanleihen im Wert von 60 Milliarden Pfund erwerben. Damit sollen das Zinsniveau gedrückt und die Konjunktur angeschoben werden. Das neue Programm wurde neben anderen geldpolitischen Lockerungen am vergangenen Donnerstag verkündet.
Am Dienstag hatte es die Bank of England nicht geschafft, das von ihr angepeilte Volumen an Wertpapieren am freien Markt zu erwerben. Anstatt der angestrebten 1,17 Milliarden Pfund konnte die Zentralbank nur Anleihen über 1,12 Milliarden Pfund kaufen. Die entstandene Lücke von rund 50 Millionen Pfund ist zwar nicht gross, aber eine Seltenheit. In aller Regel haben Notenbanken keine Probleme, in derartigen Transaktionen ausreichende Angebote zu erhalten. Zumal die Bank of England am Dienstag bereit war, höhere Preise als die am Markt gehandelten Kurse zu zahlen.
Beobachter zeigten sich im Nachgang verwundert über den schwachen Start des neuen Kaufprogramms. Dirk Gojny von der Essener Nationalbank stellte die Schwierigkeiten heraus, die in der Umsetzung quantitativer Lockerungen (Quantitative Easing, QE) mittlerweile auftreten können. Ähnlich kommentierten Volkswirte vom Bankhaus Metzler.
Ein grundsätzliches Problem ist, dass die britische Notenbank bereits einen erheblichen Teil der verfügbaren Staatsanleihen in ihren Büchern hält. In einer ersten Welle hatte die Bank of England nach der Finanzkrise von 2009 bis 2012 Staatspapiere im Wert von 375 Milliarden Pfund erworben. Dies entspricht etwa einem Drittel des Marktvolumens an britischen Staatsanleihen.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Notenbank in einer Phase mit bereits niedrigen Renditen wieder aktiv wird. Wertpapierinhaber, die im Besitz älterer und höherverzinster Staatsanleihen sind, werden es sich angesichts des niedrigen Zinsniveaus gut überlegen, ob sie sich von ihren höherverzinsten Papieren trennen wollen.
Experten verweisen zudem darauf, dass langlaufende Staatsanleihen zu denjenigen Wertpapierarten gehören, die im aktuellen Niedrigzinsumfeld noch einigermassen akzeptable Renditen abwerfen. Auf diese Papiere haben es aber nicht nur Anleger, sondern auch Notenbanken wie die Bank of England abgesehen. Denn im Rahmen von QE wollen sie vor allem die Renditen langlaufender Papiere drücken, die sie mit ihrer herkömmlichen Geldpolitik weniger stark unter Kontrolle haben./bgf/jkr/stb
(AWP)