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Am 10./11. August 2019 fand das 6. Revival des Bergrennens Küssnacht-Seebodenalp statt. Die nationalen Motorrad-Bergrennen „Küssnacht-Seebodenalp“ galten in den 1920er- und 1930er-Jahren zu den bedeutendsten Veranstaltungen im nationalen Motorsport.
Das erste Rennen wurde am 7. Juli 1929 unter dem Patronat des Zentralschweizer Motorfahrer-Verbandes als „1. Bergprüfungsfahrt“ durchgeführt. Das Rennen vermochte schon damals über 2000 Schaulustige anzulocken. In den Folgejahren 1930 und 1931 nannte sich der Anlass „Bergrennen für Motorräder und Seitenwagen“. 1932 und 1933 waren die Rennen bereits offiziell als „Nationale Bergrennen“ anerkannt und galten zugleich als Meisterschaftsrennen für Amateurfahrer. Danach wurde es ruhig um das Küssnachter Bergrennen. Erst im Jahr 2005 küssten einige Motorrad-Fans das Bergrennen aus dem Dornröschen-Schlaf. Knapp drei Jahre später, am 1./2. September 2007, fand das erste Rennen der Neuzeit statt. Im Jahr 2011 wurde die dritte, 2014 die vierte und 2017 die fünfte Auflage der mittlerweile zur Tradition wiederauferstandenen Bergprüfung durchgeführt.
(Text und Bild: Bergrennen-Seebodenalp.ch)
2019 nahmen knapp 300 Fahrerinnen und Fahrer (davon 52 des Vereins „FHRM – Freunde Historischer Renn-Motorräder“) aus der Schweiz, Deutschland, Österreich, Italien, Liechtenstein und Grossbritannien teil und fuhren die Originalstrecke des historischen Rennens aus den 1920- und 1930-Jahren. 195 Helferinnen und Helfer sowie das rund 20-köpfige Organisationskomitee sorgten für einen reibungslosen Ablauf. Damit war die sechste Austragung der Neuzeit ein absoluter Rekord.
Das Bergrennen wird als „Gleichmässigkeits-Prüfung“ mit einer Sollzeit von maximal 49.9 km/h ausgetragen. Dabei gilt es, zwei zu fahrende Rennläufe in möglichst der gleichen Zeit zu absolvieren. Es spielt also keine Rolle, ob man mit 50ccm oder 1000ccm den Berg hochjagt. Sieger ist derjenige Fahrer, der aus beiden Läufen die geringste Zeitdifferenz erreicht. 2019 gelang dies Thomas Kuhn aus Dietlikon am besten. Auf seiner 500er Moto Guzzi 2V Corsa von 1926 bewältigte er die zwei Rennläufe auf der über 5 Kilometer langen Strecke mit einer Zeitdifferenz von nur 1.5 Sekunden – herzliche Gratulation.
Wir haben den Anlass nach 2014 und 2017 bereits zum dritten Mal besucht und sind begeistert von den mit viel Enthusiasmus unterhaltenen historischen Gefährten auf zwei und drei Rädern und der tollen Renn-Ambiance auf dieser geschichtsträchtigen Strecke.
Das Renn-Weekend begann am Samstagmorgen mit den Trainingsläufen 1 + 2. Leider spielte das Wetter noch nicht mit und man entschloss sich seitens Rennleitung vernünftigerweise, den 1. Trainingslauf auf der nassen Strecke etwas später zu starten und fakultativ durchzuführen. Dies machte Sinn, so konnte bereits der zweite Trainingslauf auf mehrheitlich trockener Strecke absolviert werden.
Als Vor- und Begleitfahrzeuge waren auch einige automobile Preziosen aus den 30er bis 70er-Jahre auf der Strecke. Für Aufsehen und viel Spektakel sorgte eine Truppe Supermoto-Fahrer, welche auf modernen Husqvarnas, Yamahas und KTM’s die Zuschauer mit akrobatischen Manövern und viel Fahrzeugbeherrschung begeisterten.
Ausser Konkurrenz starteten auch einige Elektro-Bikes. Zwar überzeugten die wohl nicht mehr aufzuhaltenden leisen Roller mit einer anständigen Performance, so richtig begeistern vermögen sie mich aber trotzdem nicht.
Am Abend herrschte dann im Fahrerlager die gewohnt familiäre Camping-Stimmung. Wer Lust und nichts mehr zum Schrauben hatte, liess den Samstag im Festzelt auf der Seebodenalp ausklingen. Die Live-Band FRANTIC FOUR, eine Status Quo-Coverband, gab nochmals richtig Gas, bevor dann irgendwann Ruhe am Fuss der Rigi einkehrte.
Der Sonntag begann dann bei bestem Rennwetter und die Regenkombis konnten weggepackt werden. Erwartungsgemäss strömten nun auch die Zuschauer auf die Seebodenalp und zu den diversen Zuschauerräumen, an welchen man ebenfalls bestens bewirtet wurde. Als man zum ersten Wertungslauf starten wollte, war über Funk zu hören, dass noch viele Besucher keine Möglichkeit fanden, mit den zahlreichen Shuttle-Bussen zu den Zuschauerräumen oder mit der Luftseilbahn auf die Seebodenalp zu kommen. Wiederum entschloss man sich kurzfristig, den ersten Start etwas zu verschieben, damit der Zuschaueransturm bewältigt werden konnte. Auch hier bewiesen die Organisatoren Voraussicht, Flexibilität und Fingerspitzengefühl – die in Küssnacht unten wartenden Zuschauer werden es ihnen gedankt haben.
Anschliessend erfolgte der Start zum ersten Rennlauf. Vergessen waren die diversen Zündaussetzer vom nassen Samstagmorgen und schon im ersten Wertungslauf wurde mächtig Gas gegeben.
Gestartet wurde in zwei Rennfeldern. Das Rennen von Feld zwei mit rund 50 Teilnehmern zählte (als letztes Bergrennen der Saison 2019) als offizieller Lauf zur Vintage Schweizermeisterschaft 2019. Veranstaltet wird diese Meisterschaft von den Freunden Historischer Rennmotorräder, WWW.FHRM.CH, sie wird in den Kategorien „Veteran“, „Classic“, „Post Classic“ und „Seitenwagen“ ausgetragen.
Natürlich geht so ein Anlass nie ohne den ein- oder anderen Ausflug in die Botanik über die Bühne (dem Vernehmen nach kann auch ein Speaker ein Liedchen davon singen, er war aber rechtzeitig zum Rennbeginn wieder auf seinem Kommentatoren-Posten“. 🙂 Wer sich ausserhalb der Lautsprecheranlagen befand, konnte sich seine Ansagen und kompetenten Kommentare übrigens über die Radiofrequenz 97.2 MHz direkt auf’s Handy “streamen”.
Glücklicherweise konnte aber auch das 6. Bergrennen Seebodenalp ohne grössere Material- oder gar Personenschäden durchgeführt werden und der Regenschauer während der Siegerehrung am Sonntagabend vermochte die gute Stimmung auch nicht mehr zu trüben. Es bleibt uns, Edgar „Gary“ Gwerder, seinem OK und den vielen Helfern ein Kränzchen zu winden und Danke zu sagen für einen tollen Motorsport-Event – wir kommen sehr gerne wieder!
Für den einzigen Wermutstropfen sorgte ein wohl unzufriedener Anwohner, welcher die Strecke nach Rennschluss mit einem Traktor versperrte, sodass die Strasse von der Seebodenalp nach Küssnacht vorübergehend blockiert war. Eine ziemlich dumme Aktion, da auch ein 144er-Rettungsfahrzeug noch auf der Seebodenalp feststeckte und am Nachmittag auch die Rigi-Bahn mit einem Defekt ausfiel. Weiter möchten wir diese unnötige Aktion nicht kommentieren, zu schön war das ganze Wochenende!
Viele weitere Infos sowie ein Wettkampf-Klassement gibt’s auf der Veranstalter-Seite unter: bergrennen-seebodenalp.ch
Nachfolgend einige Bildimpressionen: (die Galerie wird in den kommenden Tagen noch mit weiteren Bildern ergänzt)