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vom 6.-7. februar 2014 führt die abteilung für vergleichende germanische sprachwissenschaft der universität zürich einen nachwuchs-workshop mit dem titel “junge altgermanistik” durch. es läuft eine ausschreibung.
in der sprachgeschichte gibt es die konvention, dass wörter durch das voranstellen eines sterns als rekonstrukte markiert werden. so wird beispielsweise das urgermanische wort für ‘erde’ als *erþō notiert, das urindogermanische wort für ‘schaf’ als *h₃euis. bis auf wenige ausnahmen wird diese konvention in der fachliteratur allgemein befolgt. daneben gibt es eine weniger verbreitete konvention, formen mit einem stern hinten zu versehen. dies soll anzeigen, dass es sich um ein wort handelt, das in der entsprechenden sprache zwar bezeugt ist, aber nicht in der zitierten form. dies ist besonders bei kleinkorpussprachen wie dem gotischen nützlich. da die gesamte überlieferung des gotischen im wesentlichen aus nur einem grösseren text, nämlich der bibelübersetzung, besteht, sind von vielen wörtern nur einzelne flexionsformen bezeugt. als beispiel sei das wort für ‘zahn’ genannt, das im dativ (tunþau) und akkusativ singular (tunþu) sowie im genetiv (tunþiwē) und akkusativ plural (tunþuns) bezeugt ist. der nominativ singular ist dagegen nicht bezeugt. aufgrund des vergleichs mit anderen u-stämmen können wir aber mit relativ hoher sicherheit sagen, dass die form auf -us ausgelautet haben muss. die notation als tunþus* erlaubt nun, explizit zu machen, dass dieses wort im gotischen zwar belegt ist, dass aber der nominativ als solcher ergänzt wurde. in fachpublikationen, in denen diese konvention nicht befolgt wird, wird der leser meist im unklaren gelassen, ob eine entsprechende form überhaupt bezeugt ist oder vom autor lediglich ergänzt wurde. so erscheint zum beispiel tunþus in vielen publikationen ohne stern, ohne dass der leser darüber informiert würde, dass diese form so gar nicht bezeugt ist.
die konvention mit dem stern hinten erscheint mir sinnvoll und ich habe sie deshalb für das gotische auch in meiner dissertation befolgt — leider aber nicht von anfang an, so dass ich gegen schluss der arbeit noch einmal einen langwierigen durchgang durch die arbeit machen musste und eine vielzahl an formen zu überprüfen hatte. dabei ist mir aufgefallen, dass diese an und für sich einfache konvention kniffliger handzuhaben ist als ich es zunächst gedacht hatte. es zeigte sich, dass nicht alle fälle, in denen man einen stern hinten setzen kann, gleich sind, und diese in der fachliteratur zum teil auch unterschiedlich behandelt werden. so setzt casaretto 2004 zum beispiel den stern hinten bei sämtlichen formen, die nicht als solche belegt sind. in der gotischen grammatik von braune/heidermanns wird dagegen etwas anders verfahren. wenn man sich die nominalparadigmen anschaut, sieht man, dass der stern hinten nur dort gesetzt wird, wo eine paradigmenform bei keinem wort des entsprechenden paradigmas belegt ist. als beispiel sei der akkusativ singular der kurzsilbigen ja-stämme genannt, wo die form in der grammatik als hari* angegeben wird. ein solcher akkusativ auf -i ist bei keinem der substantive, die nach diesem paradigma gehen, bezeugt. erschlossen wird er aufgrund des (nahe verwandten) paradigmas der langsilbigen ja-stämme: dort ist der akkusativ auf -i bezeugt. bei gasts ‘gast’ werden dagegen im paradigma keine formen mit stern markiert, obwohl einige davon nicht belegt sind. über die tatsächliche belegsituation wird man erst im begleittext informiert, der den paradigmen beigefügt ist. im text der grammatik kommt dann im gegensatz zu den paradigmen die gleiche notation wie in der oben genannten publikation von casaretto zur anwendung. etwas überrascht habe ich dabei festgestellt, dass die in der fachliteratur überaus häufig zitierte form gastē (gen. pl.) so gar nicht bezeugt ist… besser wäre es also, diese form als gastē* zu notieren.
wie aus dem gesagten hervorgeht, gibt es also einen unterschied zwischen gastē* und tunþus* auf der einen und hari* auf der anderen seite. erstere sind als etwas sicherer zu bewerten, da sie bei anderen substantiven des gleichen paradigmas bezeugt sind. wenn man es ganz genau nehmen würde, müsste man eigentlich erwägen, diesen unterschied ebenfalls in der notationsweise zu berücksichtigen.
ein weiterer zweifelsfall liegt dort vor, wo zwei formen im paradigma gleich lauten, aber nur die eine belegt ist. so gibt es zum beispiel den fall, dass nominativ und akkusativ in einem paradigma gleich lauten, aber nur der akkusativ belegt ist. dies ist etwa beim ō-stamm got. spilda ‘tafel’ der fall. darf man nun den nominativ als spilda ohne stern notieren? zwar ist die form ja belegt, aber nicht in der funktion als nominativ, und es bleibt eine (wenn auch sehr geringe) unsicherheit, ob der nominativ wirklich so gelautet hat.
insgesamt scheint mir die notation wie bei casaretto 2004 und im text der gotischen grammatik am sinnvollsten zu sein. man kann sich dann nämlich an die faustregel halten, dass sämtliche wortformen, die nicht in dieser form bezeugt sind, mit einem stern markiert werden: die rekonstruierten vorne, die ergänzten hinten. dies schliesst auch den zuletzt genannten fall ein: wenn der akkusativ gleich lautet wie der nominativ, darf auch der nominativ ohne stern wiedergegeben werden, da die form als solche bezeugt ist, wenn auch nicht im exakt gleichen syntaktischen zusammenhang.
literatur
- casaretto, antje (2004): nominale wortbildung der gotischen sprache. die derivation der substantive. heidelberg.
- braune, wilhelm / heidermanns, frank (2004): gotische grammatik. 20. auflage. tübingen.
forschung beginnt meist mit einer einfachen frage. warum ist etwas so und nicht anders? auf diese frage auch eine einfache antwort zu finden, gelingt jedoch kaum je. sobald man anfängt, sich genauer mit einer problemstellung auseinanderzusetzen, wird es kompliziert: die sache zieht fäden.
in der sprachhistorischen forschung ist die ausgangslage häufig die, dass man sich mit daten aus unterschiedlichen zeiten und/oder sprachen konfrontiert sieht, die nicht unmittelbar zusammenpassen. in der folge stellt man hypothesen über die entwicklungen auf, die erklären sollen, wie die vorliegenden daten auf einen nenner zu bringen sind. da man diese hypothesen meist nicht direkt beweisen oder widerlegen kann, versucht man sie durch vergleichsfälle aus anderen sprachen oder zeiten, wo die entwicklungen ähnlich verlaufen sind, zu stützen. nur selten gelingt es allerdings, einen idealen vergleichsfall zu finden. die vergleichsfälle entpuppen sich als ihrerseits erklärungsbedürftig und machen zusätzliche ausführungen nötig, werfen vielleicht sogar ganz neue fragen auf, die, genau genommen, vorgängig noch geklärt werden müssten.
wo man anfänglich vielleicht nur einen einzelnen grund für ein bestimmtes phänomen vermutet hat, stösst man auf eine vielzahl an faktoren, die mitberücksichtigt werden müssen. je tiefer man sich in die forschungsliteratur einliest, desto mehr neue spuren ergeben sich, die zu verfolgen notwendig erscheint. es kommen laufend neue gesichtspunkte dazu. man sieht sich gezwungen, den skopus der untersuchung auszuweiten, das manuskript wird immer länger, fussnote reiht sich an fussnote, die bibliographie schwillt an usw. so kommt man vom hundertsten ins tausendste, und wer nicht aufpasst, landet bei adam und eva – oder, um im bild zu bleiben, verheddert sich im käsig-klebrigen durcheinander. ein held, wer dann sein brötchen noch auf der gabel hat!
zur zeit macht eine meldung die runde, wonach das englische angeblich nicht wie bisher gedacht eine westgermanische, sondern eine skandinavische (nordgermanische) sprache sein soll. die quelle, soweit ich sie zurückverfolgen konnte, ist dieser beitrag im research magazine der uni oslo. dahinter stehen der norwegische professor faarlund und sein kollege emmonds, die es zu meinem erstaunen mit dieser gewagten these sogar bis in die nzz am sonntag (ausgabe vom 2. dez., s. 69) geschafft haben.
die these lautet in einer kürzestzusammenfassung folgendermassen: das heutige englische ist nicht ein fortsetzer des altenglischen, das angeblich ausgestorben sein soll, sondern es ist die sprache der damals in teilen englands ansässigen skandinavier, umgeformt durch vielfältige einflüsse der einheimischen, englischsprachigen bevölkerung.
manch einer wird sich nun fragen, ob da etwas dran ist. wird man an universitäten weltweit bald alle englischen institute den skandinavistischen abteilungen angliedern müssen? zur beruhigung nicht nur der universitären administrationen darf ich entwarnung geben: nein, an der these ist nichts dran.
zunächst ist einmal zu sagen, dass das englische weltweit zu den am besten erforschten sprachen gehört. schon generationen von forschern haben sich mit der entwicklung des englischen beschäftigt, und die menge an forschungsliteratur füllt ganze bibliotheken. dass sich alle diese forscher in einem so grundsätzlichen punkt geirrt haben könnten, ist zwar nicht prinzipiell auszuschliessen, aber höchst unwahrscheinlich. wer also etwas anderes behauptet, braucht sehr gute, zwingende argumente. was faarlund und emmonds für ihre these ins feld führen, ist nun allerdings alles andere als zwingend (ich beziehe mich dabei auf den artikel im research magazine, da eine wissenschaftliche publikation so weit ich weiss bisher nicht erfolgt ist). aus dem magazin-artikel geht hervor, dass sich die argumentation auf zwei punkte abstützt, den wortschatz und die syntax. wieso beides nicht überzeugend ist, möchte ich im folgenden kurz ausführen.
unbestritten ist, dass die englische sprache in der zeit des danelaw durch die in england ansässigen skandinavier beeinflusst worden ist. davon zeugen in erster linie die recht zahlreichen skandinavischen lehnwörter im englischen. bekanntlich gehören auch wörter des grundwortschatzes wie das verb to take oder substantive wie skirt oder skin dazu. zudem gibt es vereinzelte einflüsse auf die grammatik, so stammt zum beispiel das pronomen they aus dem nordgermanischen. das ein pronomen entlehnt wird, ist tatsächlich eher ungewöhnlich und zeugt von einem vertieften kontakt.
nun ist es allerdings so, dass man in der sprachhistorischen forschung für fragen der genetischen verwandtschaft von sprachen den wortschatz ausser acht zu lassen pflegt. der grund dafür ist einfach: entlehnungen von wörtern sind äusserst häufig und können den wortschatz einer sprache in relativer kurzer zeit so stark transformieren, dass die genetische herkunft unter umständen nicht mehr deutlich zu erkennen ist. der wortschatz kann daher kulturkontakt aufzeigen, taugt aber nicht zur beurteilung der genetischen verwandtschaft. das beste beispiel dafür liefert ironischerweise das englische: ein grossteil des englischen wortschatzes ist lateinischer oder romanischer herkunft – das macht das englische aber noch lange nicht zu einer romanischen sprache.
aus diesem grund werden in der forschung für die frage nach der einordnung einer sprache in ihren stammbaum mit gutem grund die grammatischen komponenten höher gewichtet. am grammatischen system ist denn auch heute noch leicht zu erkennen, dass das englische in die germanische sprachfamilie gehört: formenbildung und satzbau beweisen zweifellos die zugehörigkeit zum germanischen. daher tun faarlund und emmonds sicher gut daran, die syntax zu beachten. dies ist nur schon deswegen verdienstvoll, weil die syntax in der traditionellen sprachgeschichtsforschung oft vernachlässigt worden ist. die angeführten beispiele sind allerdings kaum geeignet, um die skandinavische herkunft des englischen aufzuzeigen.
sicherlich gibt es übereinstimmungen. man vergleiche zum beispiel den satztyp mit einer präposition in satzschliessender position:
Engl. This we have talked about.
No. Dette har vi snakka om.
dies ist in der tat ein unterschied zu den anderen westgermanischen sprachen: im deutschen zum beispiel ist dieser satzbau nicht möglich. es ist aber keineswegs so, dass diese situation nur eine interpretation zulassen würde. so scheint es mir durchaus möglich, dass es sich um einen lehneinfluss handeln könnte. denkbar wäre auch, dass es sich bei den syntaktischen übereinstimmungen in einzelnen fällen um gemeinsames erbe handelt. dies würde insofern nicht erstaunen, als es auch in der formenbildung einige übereinstimmungen zwischen dem englischen und dem skandinavischen gibt (vgl. dazu zum beispiel die arbeit von h.f. nielsen 1985). dies bedeutet also nichts neues und würde lediglich die bereits bekannte tatsache bestätigen, dass das englische von den westgermanischen sprachen diejenige ist, die am meisten gemeinsamkeiten mit dem nordgermanischen aufweist. der schluss, dass das englische deshalb insgesamt als skandinavische sprache zu gelten habe, ergibt sich daraus ganz sicher nicht.
ausgeblendet wird ferner die möglichkeit, dass die syntaktischen strukturen unabhängig voneinander entstanden sind. im deutschen ist zum beispiel die sehr ähnliche konstruktion er schliesst die türe auf möglich. nun ist auf hier auf das verb bezogen (aufschliessen), aber historisch gesehen handelt es sich natürlich um das gleiche wort wie in der präpositionalphrase auf dem tisch. der oben genannte satztyp mit satzschliessender präposition könnte sich leicht aus diesem typ entwickelt haben. solange also zwingende beweise fehlen, taugen diese übereinstimmungen nicht zum beweis der skandinavischen herkunft des englischen.
völlig unberücksichtigt geblieben sind im rahmen der hier diskutierten these ferner die lautlehre und die formenbildung – jedenfalls ist davon im artikel nichts zu finden. das ist ein schwachpunkt der these, denn sowohl die lautlehre wie auch die formenlehre des modernen englischen sind ohne weiteres als direkte fortsetzer des altenglischen verständlich und unterstützen die these vom ausgestorbenen altenglischen und der skandinavischen herkunft des modernen englischen in keiner weise. auch der grösste teil des wortschatzes, wenn man ihn denn berücksichtigen will, setzt natürlich einheimisches wortgut fort; nur ein bruchteil stammt aus dem skandinavischen. an diesem gesamtbild ändert auch ein vereinzelter lehneinfluss wie die aufnahme des nordgermanischen personalpronomens they nichts. zum vergleich: alle anderen personalpronomen des englischen (I, you, he, she [1], it, we) stellen direkte fortsetzer der entsprechenden altenglischen pronomina dar; von anderen typisch skandinavischen personalpronomen wie norwegisch han ‘er’, hun ‘sie’ fehlt im englischen jede spur.
literatur
nielsen, hans frede (1985). old english and the continental germanic languages. innsbruck. 2. auflage.
anmerkungen
[1] der fall von engl. she ist etwas kompliziert, aber jedenfalls ist es sicher nicht skandinavischer herkunft.
ich möchte auf diesen artikel bei taz hinweisen, wo die dubiosen geschäftsmethoden des VDM verlags thematisiert werden. zur verlagsgruppe rund um VDM gehören auch alphascript und betascript publishing, vor denen ich schon in einem früheren beitrag gewarnt habe, sowie eine unmenge weiterer, wohl hauptsächlich zur kundenverwirrung kreierter “subverlage”.
auch viele auf den ersten blick seriös aussehende verlagsangebote gehören zu dieser VDM-gruppe, etwa der südwestdeutsche verlag für hochschulschriften. diese locken junge wissenschaftler mit einem kostenfreien druck ihrer dissertation und einem print-on-demand angebot. wie ein betroffener in den kommentaren zum taz artikel schreibt, zwingen sie den autoren aber unvorteilhafte verträge auf, an denen praktisch nur der verlag verdient (der genannte autor gibt an, ihm würden ca. 1.5% des verkaufspreises zufliessen) und aus denen man sich offenbar, wenn man einmal unterschrieben hat, nicht mehr lösen kann.
besonders dreist finde ich, dass sie anscheinend gezielt studierende und doktoranden anschreiben, um deren seminar-, magister- usw. -arbeiten drucken zu können. es wird wahrscheinlich darauf spekuliert, dass sich kunden dann alleine aufgrund des titels zum kauf solcher bücher entschliessen, ohne zu wissen, was sie eigentlich bestellen.
aus den informationen des taz-artikels habe ich folgende blacklist mit verlagen/reihen zusammengestellt, von denen ich unter keinen umständen bestellen würde:
Verlag Dr. Müller, Alphascript und Betascript, Lambert Academic Publishing GmbH & Co. KG, Südwestdeutscher Verlag für Hochschulschriften GmbH & Co. KG, Verlag Classic Edition, Saarbrückerverlag für Rechtswissenschaften, EUE Editions Universitaires Européennes, EAE Editorial Académica Española, PUA Publicaciones Universitarias Argentinas, Fromm Verlag, Dictus Publishing, Just Fiction Edition, Doyen Verlag.
vermutlich gehören noch mehr dazu.
wenn man mehrmals hintereinander auf die gleiche publikation verweist, benutzt man die abkürzungen ebd. (= ebenda) oder a.a.O. (= am angegebenen Ort). bisher hatte ich immer gedacht, dass beide austauschbar wären, ebenso wie zum beispiel zwischen etc. und usw. kein inhaltlicher unterschied besteht.
nun habe ich allerdings gelesen, das dies nicht zutreffen soll – offenbar gibt es tatsächlich einen unterschied zwischen ebd. und a.a.O.: ebd. verweist auf die zuletzt genannte stelle (d.h. die genannte publikation an der genannten stelle), wohingegen a.a.O. nur auf die letztgenannte publikation verweist, ohne über die genaue stelle eine auskunft zu geben. dies bedeutet, dass man ebd. nie, a.a.O. dagegen stets mit einer seitenangabe kombinieren muss. beispiele:
hühner legen eier (müller 1890: 12). ausserdem gackern sie (ebd.).
vs.
hühner legen eier (müller 1890: 12). ausserdem gackern sie (a.a.O., s. 13).
nun, ich kann nicht aus meiner eigenen erfahrung bestätigen, dass dies tatsächlich die “korrekte” verwendungsweise ist, aber es leuchtet mir jedenfalls ein und ich werde ab jetzt die augen offen halten, ob diese regel in der fachliteratur wirklich so angewendet wird. mit sicherheit ist es jedenfalls nicht die alleinig gültige regel und man findet leicht auch noch weitere ansichten, wie diese zwei abkürzungen zu verwenden seien.
übrigens: wer sich fragt, wieso man überhaupt eine dieser zwei abkürzungen benutzen soll und nicht einfach die blosse seitenzahl schreibt (der leser könnte sich ja denken, dass jeweils die zuletzt genannte publikation gemeint ist)… das problem dabei ist, dass eine einfache seitenangabe häufig auch zum verweis innerhalb des eigenen textes gebraucht wird. wenn man also nur “vgl. s. 12” ohne weitere angabe schreibt, muss der leser erraten, ob s. 12 des vorliegenden textes oder aber der zuletzt genannten publikation gemeint ist. um diese zwei fälle auseinanderzuhalten, setzt man eben entweder ebd./a.a.O. oder (im anderen fall) so etwas wie “oben s. 12”/“unten s. 12”.
bei büchern, die in mehreren auflagen erschienen sind, ist gemäss den üblichen akademischen richtlinien stets die neueste auflage zu zitieren. etwas unklarer ist die situation bei nachdrucken. hier habe ich schon alles gesehen: es wird das jahr der ursprünglichen publikation zitiert, es wird das jahr des nachdrucks zitiert, oder es werden beide jahreszahlen angegeben.
meistens wird empfohlen, von diesen das jahr der ursprünglichen publikation vorzuziehen, da der leser daraus sofort schliessen kann, auf welchem forschungsstand sich das werk befindet. zudem ist es etwas irritierend, einen literaturverweis wie “braune 2011″ zu sehen, wenn man weiss dass w. braune bereits 1926 verstorben ist, und es sich bei “2011″ nur um das jahr des nachdruckes handelt. das jahr des nachdrucks interessiert meistens auch nicht wirklich – in der regel gibt es keinen grund, warum jemand speziell am nachdruck interessiert sein sollte, und das aufstöbern des titels gelingt bei nachdrucken in der regel auch dann, wenn man nur die angaben der ursprünglichen publikation zur hand hat.
so weit die theorie. in der praxis sieht es allerdings nochmals anders aus…
eine schwierigkeit ist, dass man in manchen fällen nur schwer zwischen nachdruck und neuauflage unterscheiden kann. die nachdrucke sind in der regel “unveränderte nachdrucke”, aber eben nicht immer: zum teil gibt es auch solche nachdrucke, bei denen einige dinge korrigiert wurden. in diesem fall handelt es sich ja beim neudruck um eine “bessere” version, und man kann durchaus argumentieren, dass diese nun die massgebliche, zu zitierende fassung sei. man will ja nicht noch die fehler der letzten gültigen auflage zitieren, wenn bereits ein korrigierter druck erschienen ist, richtig?
ob es sich bei einem nachdruck um einen “unveränderten” handelt, ist in gewissen fällen nur schwer herauszubekommen. häufig findet man nur jahreszahlen beim copyright-vermerk, ohne dass ganz klar wäre, ob sich zwischen den drucken etwas geändert hat (“(c) 1976, 1985, 2001”).
umgekehrt trifft man immer wieder neuauflagen, wo man im impressum/vorwort erfährt, dass es sich in tat und wahrheit lediglich um einen nachdruck handelt. wieso ein solcher titel dann überhaupt als neuauflage deklariert wird, kann man sich zu recht fragen.
eine besondere knacknuss, mit der ich es vor kurzem zu tun hatte, ist das schwedische etymologische wörterbuch von elof hellquist. versionen davon sind mindestens in folgenden jahren erschienen: 1922, 1939, 1948, 1966, 1980. im druck von 1948 erfährt man im vorwort folgendes:
TREDJE UPPLAGAN
utgör ett oförändrat omtryck av andra upplagan. Vid denna omtryckning ha tryckfel rättats och smärre ändringar gjorts.
Lund i oktober 1948. C. W. K. Gleerups förlag
die dritte auflage ist also offenbar nichts anderes als ein “unveränderter neudruck” der zweiten auflage. gleichzeitig erfährt man aber, dass druckfehler verbessert und kleinere änderungen vorgenommen wurden – also doch kein “unveränderter neudruck”!
noch seltsamer wird es, wenn man den eintrag im vorwort des drucks von 1980 (meines wissens der neueste) vergleicht:
TREDJE UPPLAGAN
I denna fjärde tryckning har ett antal smärre tryckfel rättats.
Lund i januari 1980. LiberLäromedel Lund
(eigenartig ist übrigens, dass zwar die vorworte zur ersten und zweiten auflage mitabgedruckt sind, die notiz von 1948 aber entfernt wurde).
im jahr 1980 wurden also ebenfalls nur kleinere druckfehler verbessert, doch diesmal hat man entschieden, das ganze nicht als 4. auflage sondern “nur” als neudruck der 3. auflage zu deklarieren. damit verwischen natürlich die grenzen zwischen beidem vollends…
wenn man sich nun fragt, welche dieser versionen man zu zitieren hat, ergibt sich folgendes dilemma:
gemäss üblicher richtlinie hat man stets die neueste auflage zu zitieren, und das wäre in diesem fall die 3. auflage von 1948; will man die “korrekteste” fassung zitieren, dann muss man sich an die von 1980 halten (3. auflage, 4. druck von 1980, mit verbesserung von druckfehlern); sieht man sich jedoch dem prinzip verpflichtet, die jahreszahl anzugeben, die den forschungsstand anzeigt, müsste man noch die 2. auflage von 1939 zitieren, da sich die 3. auflage als “nachdruck” der 2. auflage ohne inhaltliche änderungen entpuppt hat…
(die folgenden tipps beziehen sich auf den standort zürich.)
mit der IDS-suche findet man titel in bibliotheken der universität zürich, der ZB sowie der ETH (die ETH hat mehr geisteswissenschaftliche bücher als man meinen würde).
ACHTUNG: diese suche ist nicht flächendeckend:
- nicht erfasst sind titel in der ZB, die älter sind als 1989. auf diese muss man über den digitalen zettelkatalog zugreifen. die benutzung desselben ist nicht ganz intuitiv – man muss ihn auch online so benutzen, wie wenn man vor dem offline-katalog stehen würde, d.h. man muss sich überlegen, welches im papierkatalog das ordnungswort wäre und nach diesem suchen.
- nicht erfasst sind sämtliche bücher des indogermanischen seminars. diese muss man vor ort am institut einsehen.
fernleihe
wenn man in der lokalen ausleihe nicht fündig wird, weitet man das suchfeld aus. zunächst benutzt man wiederum die IDS-gesamtsuche, wo auch die kataloge der unis bern/basel, luzern und st. gallen eingebunden sind. wenn man dort fündig wird, kann man sich die titel für eine kleine gebühr per kurier in die ZB liefern lassen (und nachher dort wieder zurückgeben).
wenn das noch nicht reicht, kann man es mit einer gesamtschweizerischen bibliothekssuche versuchen. dafür gibt es seit einer weile swissbib.ch, wo man titel auch etwa in bibliotheken aus der romanischsprachigen schweiz findet. bestellen kann man diese titel über die ZB, wobei eine etwas höhere gebühr anfällt als beim IDS kurier. zum bestellen loggt man sich auf zb.uzh.ch in sein ZB-benutzerkonto ein. dort sieht man dann eine option “Fernleihe-ZBZ – neue Bestellung”.
findet man auch bei swissbib.ch nichts, kann man bei der ZB eine unspezifische fernleihe aufgeben, und zwar über das gerade erwähnte formular “Fernleihe-ZBZ”. die ZB sucht dann selber nach einer bibliothek, die den titel hat. bei einer bestellung aus dem ausland fallen zusätzliche gebühren an.
herunterladen
mittlerweile gibt es eine reihe von webseiten im internet, die bücher zum download bereitstellen. es handelt sich allerdings ganz überwiegend um titel, die so alt sind, dass ihr urheberrecht abgelaufen ist. dies betrifft grob gesagt titel die vor ca. 1920 erschienen sind (faustregel: todesjahr des autors plus 70 jahre). die besten adressen dafür sind archive.org und google books. letzten endes gehen die allermeisten bei archive.org erhältlichen titel auf google books zurück. erstaunlicherweise ist aber die abdeckung bei archive.org viel besser, da google books zu einem bestimmten zeitpunkt viele bücher, die eigentlich schon gemeinfrei sind und als solche zum download angeboten wurden, wieder vom netz genommen hat. diese sind in der regel bei archive.org noch zu finden. für den download als PDF muss man bei archive.org jeweils auf der trefferseite links “All Files: HTTP” anklicken, und dort die PDF datei bzw. – falls es mehrere gibt – diejenige mit _bw.PDF (= black and white scan). der direkte link zum download funktioniert meistens nicht. zudem gibt es bei archive.org einen recht netten webbasierten buchleser.
eine weitere gute adresse ist die openlibrary.org, wo immer mehr titel online abrufbar sind. die meisten verfügbaren titel stammen dort meines wissens von archive.org.
natürlich lohnt sich auch immer eine simple websuche, aber darauf muss ich wohl nicht extra hinweisen.
kaufen
falls all dies noch nicht zum gewünschten resultat geführt hat, bleibt noch die option “kaufen”. die besten chancen hat man bei antiquariatsverbünden, von denen ich mit zvab und abebooks die besten erfahrungen gemacht habe. für skandinavistische bedürfnisse empfehle ich antikvariat.net – dort findet man mit etwas glück auch altgermanistische raritäten. auch über die amazon-buchsuche (marketplace) findet man gelegentlich interessante angebote.
fachrelevante bücher sind überwiegend vergriffen. falls es sich um etwas ganz neues, etwas ganz altes oder einen “bestseller” handelt, gibt es aber doch eine chance, dass der titel über den normalen buchhandel erhältlich ist.
vorsicht geboten ist bei neudrucken von ganz alter forschungsliteratur. in jüngster zeit haben sich eine ganze reihe von print-on-demand verlagen etabliert, die alte titel mit abgelaufenem urheberrecht neu auflegen. aber caveat emptor!: es handelt sich häufig um veraltete editionen, deren “echtes” publikationsdatum/auflage bei der bestellung nicht ersichtlich ist. sie sind ausserdem meist sehr billig gemacht, mit fehlern auf der titelseite, mieser druckqualität (so dass der text teilweise fast nicht lesbar ist), schiefen seiten usw.. berüchtigte verlage dieser art sind nabu press, kissinger pub co, koch media, bibliobazaar, … löbliche ausnahme sind die reprints der cambridge university press, die z.b. den grundriss von brugmann in einer recht nett gemachten fassung neu aufgelegt haben.
ein spezialfall sind amerikanische dissertationen. diese sind in der regel im buchhandel nicht erhältlich, da sie nicht bei verlagen gedruckt werden. man kann sie aber hier zu nicht ganz billigen preisen bestellen.
eine gesonderte erwähnung verdienen die titel des verlags von peter lang. dort erscheinen immer wieder sprachwissenschaftliche titel, die ich aus irgendeinem grund im normalen buchhandel nicht finde. bestellungen sind aber direkt über die verlagshomepage möglich.
notfälle
in notfällen kann man sich immer in den zug nach konstanz setzen. die ub konstanz ist von zürich aus in 1h30min erreichbar und hat durchgehend offen (24/7).
falls jemand weitere heisse tipps hat, bin ich froh um entsprechende hinweise.
bundesrat schneider-ammann möchte, genau wie schon seine vorgängerin als wirtschaftsministerin, bundesrätin leuthard, die bildung dem volkswirtschaftsdepartement einverleiben. “die bildung gehört ganz nahe zur wirtschaft”, sagt er.
dem möchte ich widersprechen.
es ist unbestritten, dass die bildung eine wichtige funktion zur speisung der wirtschaft mit kompetenten fachkräften hat. aber die bildung zum ‘teilbereich’ der wirtschaft zu erklären, was die umstrukturierung faktisch zur folge hätte, verkennt, dass bildung viel mehr ist als eine vorbereitung auf bestimmte tätigkeiten in der wirtschaft. bildung, studium und wissenschaft sind für sich alleine genommen hohe güter, die nicht den wirtschaftlichen interessen untergeordnet werden dürfen.
es kann für die schweizerischen universitäten nicht von vorteil sein, wenn die bildung zu stark durch die “ökonomen-brille” gesehen wird. besonders für kleine fächer, die schon jetzt häufig mit abschaffungs- und sparbestrebungen konfrontiert sind, verhiesse das nichts gutes – denn aus sicht der ökonomen “rendieren” natürlich fächer mit wenigen studienanfängern wie indologie, osteuropastudien, prähistorische archäologie, indogermanistik usw. nicht. dass deren abschaffung ein grosser verlust wäre – wenn auch nicht einer, der in budget-berechnungen sichtbar würde – brauche ich wohl nicht zu betonen.
ich untestütze deshalb nachdrücklich die linie von schneider-ammanns parteikollegen burkhalter, der sich – soweit öffentlich bekannt – mit händen und füssen dagegen wehrt, dass die bildung dem wirtschaftsdepartement angeschlossen wird. burkhalter beurteilt die situation m.e. genau richtig, wenn er “befürchte[t], dass die universitätsbildung sonst nur noch nach ökonomischen kriterien beurteilt würde, was für die forschung und lehre verheerend wäre” (nzz am sonntag vom 6. februar 2011, s. 15).
have you ever wondered how academic publishers operate? phdcomics has an enlightening drawing:
source: phdcomics
(click on image for original comic. )
so why can they get away with that? the truth is that it works simply because the scholars depend on them. for the scientists it’s “publish or perish”, and they need to publish in well-known journals in order to be noticed and make their name known to the scientific community.
this means that the scientific communities depend on the publishers in two ways: on the one hand, they depend on the publishers’ benevolence in order to get their research published, while on the other hand, they need access to the resulting journals, which means they (or rather: their libraries) have to shell out a lot of cash for the subscriptions. at the same time, the general public, who paid for both the salaries of the scientists who did the research and for the subscriptions bought by the libraries don’t even get free access to the results.
now, of course i don’t want to suggest that the publishers don’t do any valuable work. they certainly do, as is also mentioned in the second part of the phdcomic:
source: phdcomics
(click on image for original comic. )
still, the scientific communities should in my opinion think closely about whether or not the current situation is beneficial for them, and the tax payers should give it some thought, too. open access could play an important role in this, even if it’s just to create some competition for the established publishers. in addition, i have noticed with satisfaction that even in the old-fashioned humanities, some scholars have started to voluntarily make (some of) their work freely available on the internet. of course i strive to make my own publications available online, too, whenever legally possible.