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Als ich 15 Jahre alt war, wollte ich Säuglingsschwester werden. Für die Aufnahmeprüfungen musste ich mit dem Zug von Grenchen nach Basel reisen und von dort mit dem Tram weiter. Ob mit der Reise alles gut gehen würde, beschäftigte mich fast so sehr wie das Bestehen der Prüfungen. An besagtem Tag bot mir mein Vater spontan an, mich zum Bahnhof zu fahren, wo er zu meiner grossen Verblüffung ein Billet nach Basel aus der Tasche zückte. Ich konnte es kaum glauben, dass er seine Schicht extra für mich abgetauscht hatte! Auf der Fahrt nach Basel platzierte ich meine Sorgen und Ängste, mein Vater stellte mir gezielte Fragen, hörte mir zu. In Basel begleitete er mich zum Prüfungsgebäude, ging während meiner Prüfungen spazieren und erwartete mich dann wieder vor dem Gebäude. Später, als ich selbst Mutter wurde, wurden dieses intuitive Verständnis, dieser Rückhalt und die Sicherheit, die ich von meinem Vater erfahren durfte, zu den zentralen Grundwerten in der Erziehung meiner drei Kinder. Bis heute erinnere ich mich gerührt zurück an dieses Erlebnis, als mein Vater meine Nervosität wahrnahm und linderte, ohne dass ich darum gebeten hätte.
- Vater: Koch, 1941
- Tochter: Fachfrau Betreuung, 1963
- Jahr der Szene: 1978