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Zügelpinguin
Pygoscelis antarcticus
© 2009 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)
Der Zügelpinguin (Pygoscelis antarcticus) ist ein mittelgrosses Mitglied der 17 Arten umfassenden Familie der Pinguine (Spheniscidae). Er weist als erwachsener Vogel eine Standhöhe von etwa 70 Zentimetern und ein Gewicht zwischen 3,5 und 5 Kilogramm auf. Ein charakteristischer schwarzer Streifen am Hals lässt ihn so aussehen, als trage er einen Helm. Deshalb heisst er im englischen Sprachraum «Chinstrap Penguin», also «Sturmriemenpinguin», und die Russen nennen ihn im Volksmund schlicht «Polizist».
Wie alle 17 Pinguinarten ist der Zügelpinguin auf der südlichen Erdhalbkugel heimisch, und wie die meisten von ihnen ist er weit im Süden derselben wohnhaft: Der Grossteil seiner Population brütet - kolonieweise - auf und im Umfeld der Antarktischen Halbinsel, jenem Ausläufer des antarktischen Festlands, der sich in Richtung der Südspitze Südamerikas erstreckt. Weitere Kolonien finden sich auf verschiedenen antarktischen und subantarktischen Inseln, darunter den Südsandwichinseln, den Südorkneyinseln und den Südshetlandinseln sowie Südgeorgien, Balleny und Bouvet.
Die Kost der Zügelpinguine besteht fast ausschliesslich aus Antarktischem Krill (Euphausia superba), einem garnelenähnlichen, frei schwimmenden Kleinkrebs, der in den antarktischen und subantarktischen Gewässern in enormen Schwärmen vorkommt. Meistens gehen die wendigen Meeresvögel in zehn bis zwanzig Metern Tiefe auf Beutefang. Ihre Tauchgänge dauern durchschnittlich etwa anderthalb Minuten.
Ausserhalb der Brutsaison - im südlichen Winter, von April und Mai an - leben die Zügelpinguine über weite Meeresgebiete verstreut und wandern teils bis zu tausend Kilometer von ihren Brutkolonien weg nach Norden. Sie bringen dann mehrere Monate hintereinander im Wasser zu und kehren erst ab Anfang November wieder zu ihren Brutplätzen zurück, um sich dort während des südlichen Sommers der Nachzucht zu widmen.
Das napfförmige Nest weist einen Durchmesser von etwa 40 Zentimetern und eine Höhe von ungefähr 15 Zentimetern auf. Das Gelege besteht gewöhnlich aus zwei Eiern und wird von beiden Partnern abwechslungsweise bebrütet. Der jeweils nicht im Einsatz stehende Altvogel verbringt die meiste Zeit im Meer.
Nach ungefähr sieben Wochen schlüpfen die beiden Jungvögel aus den Eiern. Sie tragen zunächst ein dünnes Daunenkleid und müssen ständig sorgfältig vom einen oder anderen Elternteil gehudert werden, damit sie nicht erfrieren. Nach ungefähr zwei Wochen verfügen sie über ein neues, weit dichteres, beinahe wolliges Daunenkleid und vermögen von da an, ihre Körpertemperatur selbst zu regeln. Erst nachdem ihnen im Alter von sieben bis acht Wochen ein wasserfestes Jugendgefieder gewachsen ist, sind sie jedoch nicht mehr auf die Fütterung durch ihre Eltern angewiesen: Sie können dann ins Meer eintauchen und eigenständig nach Nahrung suchen. In diesem Moment endet die Bindung zwischen den Eltern und ihren Jungen.
Die Zügelpinguine haben nur wenige Fressfeinde. Im Bereich der Brutkolonien können räuberische Vögel wie die Antarktis-Raubmöwe (Catharacta antarctica) zwar Eier und Nestlinge überfallen, jedoch den gesunden Erwachsenen nichts anhaben. Im Meer gilt der Seeleopard (Hydrurga leptonyx) als ihr Hauptfressfeind. Insgesamt haben die durch natürliche Fressfeinde verursachten Ausfälle allerdings keinen merklichen Einfluss auf die Zügelpinguinbestände; sie werden durch die natürliche Nachzuchtrate wettgemacht.
In der Tat ist der Zügelpinguin mit einer geschätzten Gesamtpopulation von rund 7,5 Millionen Brutpaaren eine sehr häufige Vogelart. Diese enorme Populationsgrösse ist allerdings ein neueres Phänomen: Die Zügelpinguinbestände wuchsen gegen Ende des 20. Jahrhunderts massiv an, und zwar als Folge der gnadenlosen Abschlachtung der Bartenwale in den antarktischen Gewässern zwischen dem Zweiten Weltkrieg und den 1980er-Jahren: In dem Mass, wie die Bestände dieser mehrheitlich Krill verspeisenden Kolosse schwanden, nahmen die Krillbestände zu. Sie boten in der Folge eine überaus reiche Nahrungsquelle für viele kleinere Krilljäger, darunter die Zügelpinguine, sodass deren Bestände ebenfalls stark anwachsen konnten.
Inzwischen hat sich die Situation allerdings wieder gewandelt: Seit geraumer Zeit zeigen gewisse Zügelpinguinbestände einen kontinuierlichen Schwund. Die Ursachen dafür sind unklar: Der Rückgang könnte mit der Bestandserholung des zu den Bartenwalen gehörenden Südlichen Zwergwals (Balaenoptera bonaerensis) zu tun haben, welche seit dem 1986 in Kraft getretenen Walfangmoratorium zu beobachten ist. Er könnte aber durchaus auch mit Veränderungen bei den Krillbeständen als Folge des globalen Klimawandels zusammenhängen.
Noch besteht hinsichtlich der Zukunft der Zügelpinguine kein Grund zur Besorgnis. Es gilt aber, ihre Bestandsentwicklung mit wachsamen Augen zu verfolgen.
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