Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03598.jsonl.gz/1948

Abseits der akademischen Umwelt (Universitäten) gelang es ihm, in relativ kurzer Zeit das damalige Grundverständnis der Physik zu erschüttern und neue, weitreichende Perspektiven zu eröffnen. Dies gelang ihm trotz einer Belastung von 48 Dienststunden an 6 Tagen im Amt, eine wahrhaft unglaubliche Leistung. Dabei ist anzufügen, dass Einstein in dieser Zeitspanne mit seiner Familie noch eine Auslandreise nach Zagreb und Novi Sad unternahm um die Familie von Mileva zu besuchen.
In der ersten der Arbeiten, über energetische Eigenschaften des Lichts, wies er überzeugend nach, dass bezüglich der Ausbreitung des Lichts einerseits und dessen Wechselwirkung mit Materie andererseits, grundlegende Unterschiede in deren Beschreibung bestehen müssen. Dabei stiess er auf die prinzipielle Diskrepanz zwischen der Ausbreitung des Lichts als elektromagnetische Welle und die bei der Beschreibung von Emission und Absorption des Lichts sich aufdrängenden gequantelten Energieüberträge zwischen Strahlung und Materie. Er erkannte natürlich das sich dabei ergebende fundamentale Problem das ihn noch während vieler Jahre immer wieder beschäftigte. Aufgrund dieser Arbeit erhielt er, allerdings erst 16 Jahre später, den Nobelpreis für Physik.
In der zweiten Arbeit beschrieb er eine auf der Betrachtung von innerer Reibung und Diffusionsphänomenen in verdünnten Lösungen beruhende Bestimmung der wahren Grösse von Molekülen, respektive Atomen. Diese Abhandlung mit dem direkten Nachweis des molekularen Aufbaus von Stoffen ist gleichzeitig seine Dissertationsschrift, die er seinem Freund und Studienkollegen Marcel Grossmann widmete und an der Universität Zürich einreichte.
Mit der dritten Arbeit gelang Einstein eine Erklärung der seit langem bekannten aber bisher unerklärten Brownschen Bewegung, d.h., der thermisch induzierten Bewegung von suspendierten Teilchen in ruhenden Flüssigkeiten. Aus seinen Ausführungen folgte, dass es prinzipiell gelingt, aufgrund von wärmetheoretischen Zusammenhängen mit einem optischen Mikroskop die Avogadrosche Zahl, d.h., die Anzahl Atome pro Stoffmenge, zu bestimmen. Ein wirklich unerwartetes Ergebnis.
Kurzfristig am meisten Aufsehen erregte die vierte Arbeit zur Elektrodynamik bewegter Körper, die später als Spezielle Relativitätstheorie Furore machte. Die Einsicht, dass der Zustand der absoluten Ruhe experimentell nicht nachgewiesen werden kann erhob Einstein zum sogenannten Relativitätsprinzip und postulierte dieses als allgemein gültig. Mit der zusätzlichen Annahme der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit im Vakuum, d.h., die Lichtgeschwindigkeit ist nicht abhängig von der sich mit konstanter Geschwindigkeit v (inklusive v = 0) bewegenden Lichtquelle, gelang es ihm, mit kinematischen Betrachtungen neue Zusammenhänge zwischen Raum- und Zeitkoordinaten aufzuzeigen, die intuitiv nicht ohne weiteres einzusehen sind.
In der fünften und letzten Arbeit in dieser erwähnt kurzen Zeitspanne beschrieb Einstein eine Folgerung aus seiner Relativitätstheorie und zeigte, dass Energie und Masse gleichwertig sind, was in der allseits bekannten Formel E = mc2 formal zum Ausdruck kommt. Hier ist allerdings zu präzisieren, dass E als “Ruheenergie E0” zu verstehen ist. Insbesondere ist, wie oft angenommen, die Masse nicht abhängig von der Geschwindigkeit.
Kurz vor Ende des Jahres reichte Einstein noch eine Ergänzung zur obenerwähnten dritten Arbeit über die Brownsche Bewegung zur Veröffentlichung bei den Annalen ein. Darin zeigte er, wie die Brownsche Bewegung mit den Grundlagen der molekularen Theorie der Wärme zusammenhängt.