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Feuilleton campanaire
23/09/2016
Wohlen b. Bern (BE), ref. Kirche
Im Sommer 2015 wurde die Glockenanlage der ref. Kirche Wohlen b. Bern durch die Firma muribaer ag unter Kirchgemeindepräsident Walter Zundel und der Begleitung der Denkmalpflege des Kantons Bern saniert. Das dreistimmige Geläut (darunter die grösste erhaltene Glocke des Berner Giessers Abraham Gerber von 1735 sowie zwei Rüetschi-Glocken von 1880) hatte bereits vor wenigen Jahren neue Klöppel erhalten, die mit grossen Ballen und recht massiven Vorschwüngen ausgelegt sind. Ein Ersatz kam nach so kurzer Zeit nicht infrage, doch wurde an den beiden kleinen Glocken versucht, durch eine Einkürzung der Vorschwünge die gute Balance zwischen Schonung und gutem Klang zu verbessern. Das Ergebnis war überraschend: Beide Glocken erhielten sogleich einen wärmeren, runderen Klang, was auch von der Bevölkerung umgehend bestätigt wurde. Interessanterweise war es zugleich gar nicht notwendig, den Läutewinkel zu erhöhen, sondern er konnte auf demselben (noch immer recht tiefen) Niveau gehalten werden. Einerseits war er vermutlich zuvor nicht ganz am unteren Limit eingestellt, andererseits bestätigt sich aber auch erneut, dass das Flugverhalten des Klöppels bei kurzem Vorschwung besser wird, weil ein Klöppel nach dem Aufprall bei zunehmender Vorschwunglänge offensichtlich auch stärkere Biegebewegungen ausführt, die das Flugverhalten hemmen. Ähnliche Massnahmen wurden mittlerweile auch an den reformierten Kirchen in Eggiwil BE und Meggen LU durchgeführt und führten zum gleichen, positiven Ergebnis.
Matthias Walter, beratender Glockenexperte