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| Franz Anton von Bernard, Einleitung. In: Des Afrikaner's Arnobius sieben Bücher wider die Heiden. Aus dem Lateinischen übersetzt und erläutert von Franz Anton von Bernard, Landshut 1842.

Einleitung
Vorwort
4.
Klar ging diese Christenverfolgung aus Diokletian's Verfassung als nothwendige Folge hervor: denn so gewiß derselbe erkannte, daß mit seinem Verfassungsplane Rom's Ansprüche unvereinbar wären; eben so gewiß und noch gewisser sah er, daß an dem noch fortwährend im römischen Staate sich ausbreitenden Christentume, falls es zu bestehen fortführe, seiner Lieblingsideen [S. 5] Ausführung scheitern müßte. Entweder mußte er seine Ansprüche auf göttliche Verehrung und in Folge dessen auf die stolzen Titel Jovius wie Deus verzichten, oder zu des Christenthums Vernichtung seine ganze Gewalt in Bewegung setzen. Die so lange Verschiebung der Verfolgung beweist Diokletian's schlaue Umsicht: denn bedenklich war die Sache und bot vielfache Schwierigkeiten dar. Wie wenig von der Anwendung der bloßen Staatsgewalt des Christenthums Vernichtung gehofft werden dürfe, davon hatten die Verfolgungen von Septimius Severus an lehrreiche Erfahrungen gegeben. Wenigstens so lange die Provinzen nicht beruhigt, die Feinde von des Reiches Grenzen abgewiesen waren, eigneten sich die Umstände keinesweges für einen Zerstörungskrieg gegen das Christenthum. So ließe sich in den erwähnten Thatsachen der Jahre 302 und 303 wohl eine künstliche Vorrichtung zu einer Christenverfolgung nach Diokletian's Verwaltungssystem unschwer auffinden (Katerkamp I. 413 flg.). Da die Umstände für eine Christenverfolgung noch nicht geeignet waren, so bereitete Diokletian bei den Christen die Meinung von seiner persönlichen Huld und Gnade gegen sie vor. Aber in eben dieser Meinung sollte auch schon von fern her das öffentliche Urtheil, wo moglich das eigene Gefühl der Strafwürdigkeit bei den Christen selbst vorbereitet werden, falls sie den Absichten des gegen sie so gnädigen Kaisers sich widersetzen würden. Diokletian's Plane waren ihrer Reife nahe, als Galerius im Jahre 297 einen entscheidenden Sieg über den mächtigen Feind des römischen Staates, den König in Persien erfochten hatte ( (Stollberg IX. 313). Von diesem Zeitpunkt an wurden die fünf folgenden Jahre zur Sicherung der übrigen Gränzen, zur Einführung einer festen Ordnung in den Provinzen verwendet. Dieses Werk war im Jahre 303 vollendet, als Diokletian in einem feierlichen Triumphe, dem letzten zu Rom gehaltenen, der ganzen römischen Welt seine Siege über des Staates Feinde bekannt machte. Nun konnte der Vierherrschaftt Gesammtkraft auf die Schöpfung der absoluten und auf die Meinung der den Kaisern eigenthümlichen göttlichen Natur gegründeten Herrschaft gerichtet werden. Daß die Christenverfolgung in diesem Plane mit berechnet war, zeigt sich auch faktisch in dem Umstand, daß Diokletian in demselben Jahre, wo die allgemeine Christenverfolgung geboten wurde, zuerst mit einer feierlichen Darstellung seiner despotischen Machtvollkommenheit und mit der Anforderung göttlicher Verehrung seiner heiligen Person öffentlich hervortrat. Das Diadem um die Stirne gewunden, in Purpur gekleidet, starrend von Diamanten verschloß er sich von nun an in seinem Palaste und erschwerte den Unterthanen durch die Menge der Hofbedienten, welche von Nah und von Fern die Zugänge zu ihm bewachten, den Zutritt zu seiner Person. Die Wenigen aber, denen das Glück zu des Kaisers Antlitz vorgelassen zu werden zu Theil wurde, mußten sich dann niederwerfen, um nach orientalischem Gebrauche des Kaisers Gottheit zu adoriren. Mit Einführung dieser Gebräuche, welche die Heiden sich wohl gefallen ließen, fällt die Christenverfolgung gerade zusammen, und zeigt in dieser Verbindung ihre [S. 6] planmäßige Berechnung, weil doch am Ende des orientalischen Kostüms Einführung ein vergeblicher Versuch seyn mußte, so lange die Hälfte, ja wahrscheinlich mehr als die Hälfte der Unterthanen Grundsätzen, welche diesen Gebrauch als Greuel verwarfen, huldigten, und die ohnehin eine wie entschiedene Tendenz zu ihrer allgemeinen Verbreitung bekundeten. In dieser Ansicht einer Diokletian angehörenden planmäßigen Berechnung der Christenverfolgung für die im Staate durchzuführen vorhabenden Zwecke, fällt jene Opferhandlung sammt der damit verbundenen Zeichendeutung als eine zum Behufe der Verfolgung künstlich angelegte Vorrichtung auf, in welcher der Erfolg darum, weil er verfehlt werden sollte, auch verfehlt ward. Die Christen sollten hier zum ersten Mal als gegen des Kaisers geheiligte Person schuldig, folglich als strafwürdig dargestellt werden. Die Strafe wurde auch verfügt, jedoch noch mit behutsamer Umsicht vollstreckt. Als dann Galerius in Diokletian drang, ihn zur Verfolgung zu bewegen; gewiß versäumte man da nicht, den Gegenstand ihrer Unterredung in's Gerücht zu setzen und dabei bekannt zu machen, wie noch immer der gnädige Augustus für die Christen zu sprechen fortfahre; auch selbst durch seine Freunde nicht zu harten Maaßregeln wider sie bewogen werden könne. Am Ende würde wohl der Gott von Milet den Ausschlag geben müssen. Solcher Weise wurden die Christen in banger Erwartung auf furchtbare Egreignisse gespannt gehalten, wobei jedoch immer, auch beim schlimmsten Erfolg, ihnen zu Diokletian's bekannter Huld die Zuflucht verblieb, worauf sie sollten rechnen können, versteht sich unter dem Bedinge, daß er dem Rechte des Gottes von Milet nichts zu vergeben brauche. In der Art und Weise, wie die Verfolgung zu vier verschiedenen Malen promulgirt wurde, gibt sich dieselbe Planmäßigkeit kund.