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Lieber Herr Zachmann,
01 Für Ihren Brief vom 1. Juli, den mir die Post erst gestern zustellte, danke ich Ihnen sehr. Ich glaube, dass Sie unbesorgt sein können: Schon aus Ihrem, in meinem Aufsatz zitierten, römischen Brief wurde mir Ihre Meinung hinlänglich klar. Wenn ich im übrigen von der deutschen Schweiz als einer „besonderen sprachlich-kulturellen Einheit“ sprach, lag der Akzent natürlich auf dem Adjektiv: „besonderen“; Einheit war da lediglich im Sinn von „Sache“, „Entität“ gemeint, also amplifizierend. Ich hätte auch schreiben könen: „und zu einer sprachlich-kulturellen Besonderheit machen will.“ Ihnen, lieber Herr Zachmann, // Sympathien für eine schweizerdeutsche Schriftsprache zu unterstellen, wäre mir nie in den Sinn gekommen. Wenn ich am Ende meiner Ausführungen eine solche Schriftsprache vorschlage, so nur, weil ich den von Ihnen eingeschlagenen Weg für ungangbar, die bewusste und schroffe Trennung von gesprochener und geschriebener Sprache für absurd und auf Dauer unpraktikabel halte.
02 Wir sind uns aber keineswegs einig. Das lässt sich, scheint mir, ertragen, da wir ja immerhin für unseren, schriftlichen!, Umgang noch die deutsche Hochsprache als Kommunikationsmittel, von uns beiden akzeptiert, zur Verfügung haben – mag der eine sie auch als Fremd-, der andere sie als seine Muttersprache betrachten.
03 Jedenfalls bleibe ich Ihnen für Ihren wertvollen Anreiz zum Widersprch immer verpflichtet und grüsse Sie herzlich
Ihr Kuno Raeber