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Feynman-Methode: Neues Wissen tiefer verankern
Veröffentlicht am 16.08.2021
Nicht nur Schüler und Studenten tun sich schwer, sich in kurzer Zeit möglichst viel Wissen für Klausuren und mündliche Prüfungen anzueignen. Das gilt auch für alle anderen, die eine Weiterbildung oder ein Fernstudium absolvieren oder sich aus anderem Grund neues Wissen aneignen müssen. Tatsächlich gibt es eine Methode, mit der Sie effektiver und schneller lernen. Die Rede ist von der Feynman-Methode. Was das ist, und wie sie funktioniert - lesen Sie mehr!
Was ist die Feynman-Methode?
Die Feynman-Methode ist nach ihrem Erfinder, dem Physiker Richard Feynman, benannt. Der Nobelpreisträger war vor allem eines - Lehrer aus Leidenschaft. Einer der Gründe war, dass er selbst davon profitierte, wenn er anderen Menschen Dinge erklärte. Aus dieser Erkenntnis heraus ist die Feynman-Methode entstanden. Ziel dieser Methode ist, das Lernen effektiver und leichter zu gestalten. Das gelingt jedoch nicht durch Auswendiglernen, sondern durch Verstehen.
Simples Auswendiglernen hat den Vorteil, dass es immer klappt, selbst ohne Vorwissen oder Lerninteresse. Der entscheidende Nachteil ist jedoch, dass es sich um inhaltlich bedeutungsloses Lernen handelt. Das heisst, dass Sie die Bedeutung des erlernten Stoffes nicht erfassen. Insoweit wird es schwierig, das auswendig Gelernte mit vorhandenem Wissen zu verknüpfen und im Gedächtnis zu verankern. Wenn Sie nicht verstehen, was Sie gelernt haben, werden Sie es sehr schnell wieder vergessen. Und das ist der Punkt, an dem Richard Feynman mit seiner Methode ansetzt.
Wie funktioniert die Feynman-Methode?
Erzählungen nach gründete Feynman mit einigen Kollegen eine Lerngruppe. Aufgabe war, dass jeder Teilnehmer sich ein Thema suchen sollte, das er den anderen Teilnehmern so einfach wie möglich erklären sollte. Dabei war es untersagt, Fach- und Fremdwörter zu verwenden. Probieren Sie es selbst aus, indem Sie einem realen oder fiktiven Gegenüber ein Thema Ihrer Wahl erklären. Was einfach klingt, entpuppt sich als schwierige Aufgabe. Sie werden nämlich schnell merken, dass Sie nur dann in der Lage sind, ein Thema einfach zu erklären, wenn Sie es bis ins kleinste Detail verstanden haben. Aus dieser Erkenntnis entwickelte Feynman eine neue Lernmethode, die Feynman-Methode.
Das Besondere an der Feynman-Methode ist, dass sie sich aus mehreren Schritten zusammensetzt, die zirkelartig wiederholt werden - so lange, bis das neu erlernte Wissen im Gedächtnis verankert ist. Und das funktioniert so:
1. In einem ersten Schritt legen Sie das Thema fest, mit dem Sie sich intensiver beschäftigen möchten, und verschaffen sich einen ersten Überblick. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein naturwissenschaftliches Thema handelt, um mathematische Formeln, einen Vortrag, ein Thema für eine Klausur oder um ein Thema für eine mündliche Prüfung. Fertigen Sie zunächst eine grobe Gliederung an, um einen Überblick über das Thema als Ganzes zu gewinnen.
2. In einem zweiten Schritt erklären Sie die Inhalte einem realen oder fiktiven Partner, dem jegliches Wissen zu diesem Thema fehlt. Achten Sie darauf, dass Sie den Sachverhalt so einfach wie möglich wiedergeben, ohne Fremdwörter oder Fachbegriffe zu verwenden. Versuchen Sie, bei Ihrem Vortrag in die Tiefe zu gehen. Sie werden immer mal wieder ins Stocken geraten. Das passiert meistens dann, wenn sich Wissenslücken auftun, die Sie sorgfältig notieren.
3. Im dritten Schritt geht es darum, diese Wissenslücken zu schliessen. Sammeln Sie die notwendigen Informationen, die bislang gefehlt haben. Schreiben Sie die fehlenden Informationen stichpunktartig auf.
4. An dieser Stelle schliesst sich der Kreis. Sie suchen sich wieder ein reales oder fiktives Gegenüber und beginnen noch einmal, das Thema zu erklären. Sie können am Ende Ihres Berichtes Ihrem Gegenüber auch die Gelegenheit geben, Ihnen Fragen zum Thema zu stellen. Im Idealfall macht Sie Ihr Partner auch darauf aufmerksam, dass die eine oder andere Stelle zu kompliziert war und einer Nachbearbeitung bedarf.
Diesen Zirkel wiederholen Sie so lange, bis das Thema sitzt. Das Besondere an dieser Methode ist, dass Sie nur dann in der Lage sind, komplizierte Sachverhalte einfach wiederzugeben, wenn Sie das Thema verstanden haben. Durch die Auseinandersetzung mit dem Lernstoff und durch mehrere Wiederholungen verinnerlichen Sie die Thematik, sodass sie im Langzeitgedächtnis gespeichert wird. Gleichzeitig verknüpfen Sie neues Wissen mit bereits bekanntem Wissen, was die Gedächtnisleistung intensiviert. Beim Lernen geht es also nicht darum, sich an Schwieriges zu erinnern, sondern die Dinge leichter zu machen und sie dadurch zu verstehen.