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Wasserversorgung
Inhaltsverzeichnis
- 1 Hydrantennetz für den Brandschutz
- 2 Trinkwasserversorgung
- 3 Steigender Wasserbedarf
- 4 Zu wenig Druck / Zonenaufteilung
- 5 Wasserreserve für den Brandfall
- 6 Bodenseewasser
- 7 Wasseraufbereitung
- 8 Umbau der Wasseraufbereitung 2017
- 9 Laufender Investitionsbedarf
- 10 Video: "Von der Quelle zum Verbraucher"
Hydrantennetz für den Brandschutz
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Im Jahre 1884 beschloss die Gemeinde Speicher, ein Hydrantennetz im engeren Dorfgebiet zu erstellen, welches in einem Brandfall für Löschzwecke dienen sollte. Dazu fasste man im Gebiet westlich des Horstes diverse Quellen und führte diese zum neu erstellten Reservoir im Horst. An die neue Leitung aus Graugussrohren wurden 7 Hydranten angeschlossen. Sie führte ums Dorf herum, von der Linde - Anker - Kohlhalden - Stoss - Adler und zurück zur Linde.
Trinkwasserversorgung
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Die Wasserqualität der anfangs gefassten Quellen war nicht besonders gut und für Trinkzwecke völlig ungeeignet. Die Versorgung der Bevölkerung wurde zu jener Zeit noch gänzlich durch private Brunnen oder Brunnenkorporationen gewährleistet. Die Leitungen von der Quelle zu den Brunnen waren meist mit Teucheln erstellt. Diese waren aus bis zu 20 cm dicken Baumstämmen aus Weiss- oder Rottanne gefertigt und bis zu 5 m lang. Mittels Teuchelbohrer bohrte man den Kern des Stammes aus und verband sie mit einem Blechrohrstück, welches mit einem speziellen Werkzeug in die Rohrenden geschlagen wurde. Diese Leitungen hielten in lehmhaltigen Böden bis zu hundert Jahre. In Speicher sind vereinzelt immer noch solche Teuchelleitungen in Betrieb.
1899 stellte die Sonnengesellschaft das Gesuch, in Speicher eine Hauswasserversorgung einzuführen und somit auch das Hydrantennetz zu erweitern. Bei der Umsetzung wurde das alte Löschwassernetz in das neue erweiterte Trinkwasserversorgungsnetz integriert.
Im Gebiet Harzig wurden im Jahre 1900 etwa 40 Quellen gefasst und mit Leitungen über Sonnhalde - Almenweg - Steinegg zur Ebni geleitet, wo ein neues Reservoir für Verbrauchszwecke erstellt worden war. Diese Leitung diente unterwegs gleichzeitig als Verteilerleitung, so dass im Reservoir lediglich das überschüssige Wasser ankam.
Im Unterbach wurden weitere 15 Quellen gefasst und über Sägli - Lender-Kreuzgasse nach Bruggmoos geleitet, wo es direkt in das neue Trinkwasserversorgungsnetz eingespeist wurde. Am den tiefst gelegenen Stellen des Versorgungsnetzes war jeweils ein Stetslauf angebracht, so dass eine Kontrolle des Wassertransportes möglich und allfällige Leitungsbrüche sofort erkennbar waren.
1914 beschloss die Gemeinde den Ankauf eines Quellgebietes in der Kellersegg unterhalb des Gäbris. Die Zuleitung nach Speicher wurde in den Jahren 1919 und 1920 gebaut, wobei damals alles von Hand gegraben werden musste.
Steigender Wasserbedarf
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Mit dem zusätzlichen Wasser von der Kellersegg glaubte man, in Speicher für immer genügend Wasser zur Verfügung zu haben. So konnte man den auch während Jahren ohne Probleme Wasser an die Gemeinden Trogen und Teufen verkaufen. Da das Versorgungsnetz in Speicher durch eine rege Bautätigkeit immer weitere Gebiete und Gebäude erschliessen musste, erkannte man bald, dass weitere Wassermengen zu beschaffen waren. Zusätzliche Wasserverbraucher in modernisierten Gebäuden wie WC- Spülungen, Badewannen/Duschen und Waschmaschinen trugen ebenso zu erhöhtem Wasserverbrauch bei.
Die Schwendi erhielt im Jahre 1953 eine eigene Wasserversorgung mit Quellfassung, Reservoir und heute 36 Hydranten. Damit ist der untere Dorfteil etwas unabhängiger vom Speicherer Wasserversorgungsnetz.
Zu wenig Druck / Zonenaufteilung
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Früher klagten die Bewohner in den höher gelegenen Gemeindegebieten wie Vögelinsegg oder Höhenweg über zu wenig Druck auf den Leitungen. Als sich dann auch noch ein zunehmender Wasserbedarf abzeichnete, beschloss die Gemeinde 1947, das Netz in zwei Zonen zu trennen. So bedienen heute die Reservoirs Horst und Birt die Hochzone (55 Hydranten), während die Reservoirs Ebni und Vögelinsegg Wasser für die Niederzone (96 Hydranten im Dorf Speicher liefern. Alle Reservoirs sind miteinander verbunden und können mittels Eigendruck oder Pumpen Wasser miteinander austauschen.
Wasserreserve für den Brandfall
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Im 19. Jh. ereigneten sich überaus viele Brandkatastrophen. Sie trafen Dörfer quer durch die ganze Schweiz. So auch Herisau 1812 und Heiden 1838. Dies mag wohl auch ein Grund gewesen sein, dass sich die Gemeindebehörden Gedanken über eine effektive Feuerbekämpfung machten und unser Dorf vor einer Feuersbrunst zu bewahren.
Früher existierten in der Gemeinde 35 Feuerweiher, von welchen man mittels Pumpen Wasser zu allfälligen Brandherden transportieren konnte. Diese meist kleinen offenen Weiher verschlammten aber rasch und verursachten laufend Reinigungsarbeiten.
Damit im Brandfall aber immer genügend Nachschub auf dem Leitungsnetz vorhanden ist, erstellte man in den Reservoirs Kammern mit Löschwasserreserven, welche immer gefüllt sind und im Brandfall durch die Feuerwehr selbst aktiviert werden können. An diversen strategisch wichtigen Standorten ist die Feuerwehr für den Unterhalt der Feuerweiher verantwortlich, damit im Notfall weiterhin auf diese Wasserreserven zugegriffen werden kann.
Bodenseewasser
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Weil alle verfügbaren Quellen gefasst waren und weiteres Wasser benötigt wurde, verhandelte man mit St. Gallen über die Lieferung von Bodenseewasser. Im Jahre 1956 konnte nach zähen Verhandlungen ein Wasserliefervertrag mit der Stadt St. Gallen abgeschlossen werden. In Speicher stimmte das Volk einem Neubau des Reservoirs Birt und dem Bau der Transportleitung von St. Gallen nach Speicher zu.
Am 17.Dezember 1961 wurde erstmals Seewasser nach Speicher hinauf gepumpt. Seither ist Speicher mit Wasser gut versorgt und kann Bezugsschwankungen und Wetterkapriolen gut meistern.
Heute wird das Seewasser im hochmodernen Seewasserwerk Frasnacht aufbereitet und gelangt über eine Transportleitung zum Reservoir Meldegg in Engelburg. Von dort wird das Wasser über die Pumpstation Speicherstasse in St. Gallen ins 600m über dem Bodensee gelegene Reservoir Birt gepumpt.
Wasseraufbereitung
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Während starken Regenfällen oder in der Schneeschmelze musste die Zuleitung aus den Quellen im Harzig meist abgestellt werden, weil die Wasserqualität sehr schlecht war. Aber auch von den Quellen im Unterbach oder von der Kellersegg wurden immer wieder Trübungen festgestellt. Zum Teil lag dies an defekten Verbindungsleitungen, welche ausgetauscht werden mussten.
Trotz dieser Massnahmen zeigten Untersuchungen vom Kantonalen Labor in St. Gallen, dass die Trinkwasserqualität aus den gemeindeeigenen Quellen hygienisch nicht einwandfrei war und nicht mehr dem Lebensmittelgesetz entsprach. Zur schlechten Qualität trug auch bei, dass sich einige Quellen in landwirtschaftlich genutztem Gebiet befinden, welche immer intensiver bewirtschaftet wurden. Daher schuf man um die gemeindeeigenen Quellen Schutzzonen, wo kein Dünger ausgebracht werden darf. Nebst der Schaffung von Schutzzonen legte man das Hauptaugenmerk auf eine Aufbereitungsanlage mit Filtration und Entkeimung.
Ab 1994 Sanierung der Quellen:
Da bisher nicht alle Quellleitungen direkt in ein Reservoir führten, sondern teilweise unterwegs für Hauseinspeisungen angezapft wurden, war es nicht möglich festzustellen, wie viel Wasser in Speicher wirklich verbraucht wurde. Dieser Umstand konnte nur mit einer sauberen Trennung von Quellzuleitungen und Verteilnetz zu den Wasserbezügern verbessert werden. Dazu wurde auch laufend das alte aus Gussleitungen bestehende Verteilnetz ersetzt und auf den neuesten Stand gebracht.
1977 konnte die gemeinsame Wasseraufbereitungsanlage Speicher/Trogen in Trogen in Betrieb genommen werden, welche seither immer wieder auf den neuesten Stand gebracht wurde. Sand-, Aktivkohlefilter sorgten bisher dafür, dass das ins Netz abgegebene Wasser eine vorzügliche Qualität hatte. Sämtliche Quellzuflüsse passieren zuerst die Reinigungsstufen der Wasseraufbereitungsanlage, bevor sie in die Reservoirs gepumpt werden. Allfällige Verschmutzungen werden durch Trübungsüberwacher sofort festgestellt. Per Fernwartung kann der Brunnenmeister die Quellleitung sofort absperren.
Umbau der Wasseraufbereitung 2017
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2017 wurde die Wasseraufbereitung auf den neuesten Stand gebracht.
Das Gebäude wurde im Innenbereich ästhetisch vollständig renoviert.
Sämtliche Verrohrungen wurden neu mit rostfreiem Chromstahl ausgeführt. Auf Grund des Zustandes der Oberflächen des Rohwasserbehälters wurden die Wände und der Boden mit PE-Platten ausgekleidet.
Im gleichen Zusammenhang war es notwendig, dass nebst der Anlagensteuerung und deren Einbindung, auch weitere Komponenten ersetzt, ergänzt und erneuert werden mussten. So ist die gesamte Betriebssteuerung von Trogen und Speicher wieder auf dem neuesten Stand.
Der mittlere Wasserbezug der beiden an der Wasseraufbereitung angeschlossenen Gemeinden liegt 2017 bei ca. 700 m3 pro Tag für Speicher und 400 m3 pro Tag für Trogen (Total ca. 1‘100 m3 pro Tag), wobei ca. 100 m3/Tag von der Regionalen Wasserversorgung SG (RWSG) geliefert werden. Die Aufbereitungsanalage musste somit mit einer Leistung von 1‘000 m3/Tag dimensioniert werden.
Um aus dem Rohwasser der verschiedenen Quellgebiete stetig einwandfreies Trinkwasser zu produzieren, mussten folgende Probleme gelöst werden:
- Einwandfreie Mikrobiologie des Trinkwassers garantieren (Desinfektion)
- Partikel (Trübung) sicher entfernen
- Gehalt an natürlicher organischer Substanz senken
- Gehalt der biologisch verfügbaren organischen Substanz im Reinwasser so tief wie möglich halten
- Eine Wiederverkeimung des Wassers verhindern ohne den Einsatz von Chlor als Netzschutz
Angesichts der bestehenden Infrastruktur und den Wasserqualitätsdaten wurde eine Verfahrenskombination mit Ultrafiltration und einem vorgeschalteten Aktivkohlefilter gewählt (siehe Abbildung). Die stark schwankende Qualität des Quellwassers benötigt den Einbau eines vorgeschalteten Aktivkohlefilters sowie ein optimiertes Rohwassermonitoring um bei Rohwasserqualitätsschwankungen entsprechend reagieren zu können, wie z.B. Durchflussmenge der UF hinunterfahren oder die temporäre Ausserbetriebnahme, usw.
Um die Aufbereitungsanlage zu schützen und die Qualität des Trinkwassers online zu garantieren, wurde je Quellgebiet eine Messung des SAK-Wertes und der Trübung des Rohwassers eingebaut.
Falls diese Werte zu hoch sind, können entsprechende Massnahmen getroffen werden: Durchfluss herunterfahren, Ausserbetriebnahme der Anlage.
Während solchen kurzen Perioden kann Trinkwasser bei Bedarf von der Regionalen Wasserversorgung, RWSG, bezogen werden.
Die Wasserqualität der privaten Brunnen wird leider nicht überprüft. Gerade Wiesenquellen werden durch das Ausbringen von Gülle immer wieder stark belastet und weisen oft Verschmutzungen durch Kolibakterien auf. Es bleibt dem durstigen Wanderer selbst überlassen, ob er Wasser von Quellen direkt gespiesener Brunnen trinken will.
Laufender Investitionsbedarf
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In die Optimierung der Wasserversorgung Speichers wird heute laufend investiert:
- 1994 Start der etappenweisen Sanierung der Quellfassungen
- 2001 Bau Reservoir Vögelinsegg
- 2009 Transportleitung St. Gallen – Schwendi als Redundanz fürs Seewasser
- 2016 Neubau Reservoir Schwendi
- 2017 Umbau Aufbereitungsanlage Trogen
Noch ein paar Zahlen:
- Total sind 17 km Quellleitungen und rund 40 km Netzleitungen verlegt, die überwacht und im Schadenfall repariert werden müssen.
- Der mittlere Abfluss der Quellen liegt bei ungefähr 700-800 l/min, minimal fliessen ca. 300-350 l/min.
- Die 5 Reservoirs fassen total 1800 m³ Trinkwasser und 700 m³ Löschwasser.
- In der Gemeinde sind 186 Hydranten für den Feuerschutz verteilt.
- Der mittlere Wasserbedarf wird zu 80 % durch eigene Quellen abgedeckt.
- Der durchschnittliche Tagesverbrauch von Speicher liegt bei 737 m³.
- Der Verbrauch pro Kopf ist seit den 1980er Jahren von 253 lt auf rund 185 lt pro Einwohner und Tag zurückgegangen.
- Die Landwirtschaft trägt viel zum Wasserverbrauch bei, denn eine Hochleistungskuh benötigt heute 130-150 lt Wasser pro Tag.
- Die Wasserqualität wird monatlich im Kantonalen Labor sichergestellt.
- Die mittlere Wasserhärte beträgt 21º f H.
Video: "Von der Quelle zum Verbraucher"
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Auf einem interessanten Rundgang erklärt der langjährige Wasserwart Hansruedi Jules Schittli den Verlauf des Wassers von der Quelle bis zum Verbraucher.
Informationen und Fotos:
Wasserversorgung Speicher; Ingenieurbüro Bau Haas AG, Abtwil
Text und Video:
Paul Hollenstein 2017