Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03512.jsonl.gz/1678

Die Affäre Losembe und die schweizerisch-zairischen Beziehungen 1972–1974
David Rentsch
Von 1972 bis 1974 bestimmte die Affäre Losembe die diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und der Republik Zaire unter Präsident Mobutu. Zaire forderte die Auslieferung des in die Schweiz geflohenen ehemaligen Spitzenpolitikers Batwanyele Losembe, der in seiner Heimat der Hinterziehung öffentlicher Gelder und des Hochverrats beschuldigt wurde. Im von Bundesrat Graber geführten Eidgenössischen Politischen Departement (EPD) prägte die Wahrung aussenwirtschaftlicher Interessen die Aussenpolitik, wogegen menschenrechtliche Bedenken kaum eine Rolle spielten. Der Haltung von EPD und Bundesrat stand zumindest anfänglich die Position des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD) gegenüber, während ein Grossteil der Schweizer Presse heftig protestierte und die Auslieferung schliesslich durch einen Bundesgerichtsentscheid gestoppt wurde. Die Affäre Losembe beleuchtet die Vielschichtigkeit im aussenpolitischen Gestaltungsprozess und wirft gleichzeitig ein Schlaglicht auf das konfliktreiche Verhaätnis von Aussenpolitik, Aussenwirtschaft und Menschenrechten in der Schweiz des Kalten Krieges.

Permalink: dodis.ch/saggi/1-5