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In über 80 verschiedenen Ländern wird Baumwolle angepflanzt. Ein Grossteil unserer Kleidung entsteht daraus. Die Textilien sind beliebt, denn die Baumwollfasern haben einige vorteilhafte Eigenschaften: Sie sind saugfähig, strapazierbar, hitzebeständig und langlebig.
Die Baumwollpflanze
Die Baumwolle gehört zu der Familie der Malvengewächse. 4000 Jahre vergingen, bis aus den Wildarten mit kurzen Fasern die heutigen Nutzarten mit ihren langen Fasern gezüchtet wurden. Die Blüten der Pflanze sind weiss, gelb oder blassrosa bis purpurfarben. Weltweit gibt es 300 verschiedene Baumwollarten. Nicht aus allen 300 Arten wird Baumwolle geerntet, nur vier verschiedene werden heute landwirtschaftlich angebaut. Eine Baumwollpflanze braucht etwa 3 Monate bis zur Blüte. Etwa 50 Tage nach der Blüte sind die Kapseln ausgereift und platzen auf, zu sehen sind nun die Baumwollfasern.
Der Anbau
Die meiste Baumwolle wird auf der nördlichen Halbkugel angebaut. Obwohl die Nachfrage extrem gestiegen ist, hat sich die Fläche der Baumwollplantagen seit den 70er Jahren kaum vergrössert. Das liegt daran, dass Anbau und Ernte intensiviert wurden.
In den bedeutendsten Anbaustaaten - den USA, Usbekistan und Australien - wird die Baumwolle grossflächig angebaut. Die Baumwollpflanze benötigt extrem viel Wasser, für ein einfaches T-Shirt braucht es ungefähr 2000 Liter der kostbaren Ressource. Der intensive Anbau bringt also Probleme mit sich. In Usbekistan sank der Wasserspiegel des Aralsees um 20 Meter, da riesige Plantagen damit bewässert wurden.
Exzessiver Einsatz von Pestiziden soll die Plantagen vor Schädlingen schützen. Dies bringt aber weitere Probleme für die Umwelt mit sich. Die giftigen Stoffe werden verweht, gelangen in umliegende Gewässer und setzen sich im Boden ab. Sie sind nicht nur für die umliegende Flora und Fauna, sondern auch für die Gesundheit der Menschen schädlich.
Die Ernte
Auf grossen Baumwollplantagen wird mit riesigen Erntemaschinen gearbeitet. Pro Hektar werden so bis zu unglaubliche 3000 Kilo Baumwolle geerntet. Nur wenige, kleine Betriebe setzen auf eine Bewirtschaftung von Hand. Besonders in Afrika und Asien wird noch von Hand geerntet. Erstaunlich dabei ist, dass Baumwolle aus durchtechnisierten Betrieben trotzdem teurer ist als die von Hand gepflückte.
Den Arbeitern und Arbeiterinnen wird hier wie dort viel zu wenig Lohn bezahlt. Stattdessen zahlen sie einen hohen Preis. Viele leiden unter gesundheitlichen Problemen, auf Grund der schweren Arbeit und der Pestizide. Meistens werden diese von Hand auf die Pflanzen gesprüht, Schutzanzüge sind selten vorhanden. Die giftigen Stoffe werden von den Leuten eingeatmet, was zum Tod führen kann. Ein weiteres Problem ist die illegale Kinderarbeit, die immer noch verbreitet ist. Oft können die Arbeiterinnen sich selbst nicht einmal ein Baumwollhemd leisten, obwohl sie täglich für die Gewinnung des Rohstoffs schuften.
Ökologischer Anbau
Der Anteil an fair angebauter Baumwolle ist klein. Allerdings wollen immer mehr Verbraucher Bio-Baumwolle. Somit steigt der Druck auf die Kleiderhersteller. Auf einer Bio-Plantage werden keine schädlichen Pestizide verwendet, die Böden können sich erholen und werden nicht ausgelaugt, da in Mischkultur angebaut wird. Auf solchen Plantagen werden die Pflanzen auf einer dickeren Humusschicht gepflanzt, was dazu führt, dass sie weniger Wasser verbrauchen. Ausserdem können die Samen der Bio-Baumwolle wiederverwendet werden. Das ist mit den konventionell angebauten nicht möglich. Sie sind auf Grund der Pestizide zerstört und nicht mehr fruchtbar. Auch die Bedingungen für die Arbeiter sind besser, sie sind keinen giftigen Stoffen ausgesetzt und erhalten mehr Lohn.