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Hochgeachteter Herr Schultheiß!
Erlauben Sie mir, Ihre Aufmerksamkeit auf die in den Cantonalen Conzessionen & in den Bundesgenehmigungsbeschlüssen betr. die Gotthardbahn enthaltenen Fristen zu lenken.
Die Fristen der Cantonalen Conzessionen sind abgesehen von der Tessinerconzession durchweg so lang gegriffen, daß eine Einhaltung derselben, wie man hoffen darf, in sichere Aussicht zu nehmen ist. Was nun die Tessinerconzession anlangt, so haben wir also eine Fristerstreckung nachgesucht & ich erlaube mir in dieser Beziehung lediglich die Frage an Sie zu richten, ob Sie im Besitze eines gehörigen Beschlusses des Großen Rathes von Tessin sind, welcher diese Fristerstreckung gewährt. Wäre dieß nicht der Fall, so sollten nach meiner Ansicht unverzüglich Schritte geschehen, um diese Lücke zu ergänzen. Der betreffende Großrathsbeschluß wird dann als eine Abänderung der| Conzession der Genehmigung der Bundesversammlung, welche natürlich keinen Anstand finden wird, zu unterstellen sein.
Was sodann die Bundesgenehmigungsbeschlüsse betrifft, so enthalten sie die Vorschrift, daß binnen 24 Monaten nach Inkrafttreten der Bundesgenehmigung die Inangriffnahme der Erdararbeiten, bez.weise. die Leistung des Finanzausweises zu erfolgen habe. Diese von dem Bunde anberaumte Frist läuft somit im nächsten October ab. Der Nationalrath hat heute beschlossen, erst am 6 Novbr. für die Behandlung der Bundesrevisionsfrage wieder zusammenzutreten, & es ist wahrscheinlich, daß der Ständerath beipflichten wird. Es muß also ein Fristerstreckungsgesuch so beförderlich dem Bundesrathe eingereicht werden, daß die Bundesversammlung noch in ihrer gegenwärtigen Session, die kaum über 14 Tage andauern wird, das Gesuch erledigen kann. Ich denke, es wird die Erstreckung der von dem Bunde anberaumten Fristen um 1 Jahr verlangt werden müssen. Ich komme nun, Sie zu ersuchen, mit gef. Beförderung præsidialiter eine Eingabe in obigem Sinne an den Bundesrath zu richten.
In freundschaftlicher Hochachtung
Ihr
Dr A Escher
Bern
4 Juli 1871.