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Amerikanische Ärzt:innen schließen sich mit YouTube zusammen, um Fehlinformationen entgegenzuwirken. Der Einfluss dieser Social-Media-Plattform ist explodiert. Im Jahr 2020 untersuchten Forscher:innen die beliebtesten COVID-19-Videos und analysierten die Qualität der vermittelten Informationen. Das American College of Physicians hat bekannt gegeben, dass es mit YouTube zusammenarbeitet, um Aufklärungsinhalte zu erstellen, die Fehlinformationen über COVID-19-Behandlungen und Impfstoffe bekämpfen.
Erstellt in Zusammenarbeit mit unseren Partnern von esanum.fr
Im Jahr 2020 stellten US-amerikanische Forscher:innen fest, dass weit mehr als nur eins der beliebtesten COVID-19-Videos auf YouTube irreführende oder ungenaue Informationen enthielt. Sie kommentierten: "YouTube ist ein mächtiges und ungenutztes Aufklärungsinstrument, das von Gesundheitsexpert:innen besser genutzt werden sollte."
Die Verbreitung falscher Informationen bezüglich der Pandemie behindert die Arbeit von vielen Ärzt:innen, die verzweifelt versuchen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Das American College of Physicians (ACP) ist über das Ausmaß, in dem dies geschieht, besorgt und kündigte nun am 13. Oktober 2021 eine Partnerschaft mit YouTube an, um entsprechende Bildungsinhalte zu erstellen. Ziel ist es, Ärzt:innen eine Reihe von Videos in englischer und spanischer Sprache zur Verfügung zu stellen, die ihnen helfen sollen, medizinische Fehlinformationen zu beurteilen und ihnen entgegenzuwirken.
Darüber hinaus wird die ACP Videoinhalte für die Öffentlichkeit entwickeln, die die Fragen rund um die Impfstoffe beantworten sollen. Diese Videos sollen die Mechanismen von Fehlinformationen aufzeigen und angeben, an welcher Stelle man glaubwürdige medizinische Informationen finden kann.
Im Jahr 2020 analysierten die Forscher:innen den Inhalt der meistgesehenen COVID-19-Videos an nur einem einzigen Tag - der 21. März. Sie stellten fest, dass Fehlinformationen über COVID-19 viel mehr Menschen erreichten als bei früheren Pandemien, was ein erhebliches Schadenspotenzial birgt.
Schweinegrippe-Pandemie, Ebola- und Zika-Epidemien - frühere Studien haben bereits das Ausmaß der Fehlinformationen auf YouTube gezeigt. 23 bis 26 Prozent der eingestellten Videos waren irreführend, wurden aber weit weniger angesehen. Der explosionsartige Anstieg der Nutzung von sozialen Medien hat dieses Phänomen noch verstärkt. Im Jahr 2014 erreichten die 118 Ebola-Videos "nur" 9 Millionen Aufrufe. Am 21. März 2020 hatte die von den Forscher:innen ausgewählte Stichprobe von Videos bereits 257 Millionen Aufrufe.
Einige hochwertige Informationen werden von Regierungsbehörden und Expert:innen auf YouTube veröffentlicht. Sie sind jedoch oft schwer verständlich und sprechen die breite Öffentlichkeit nicht an. Ihre Reichweite ist daher begrenzt.
Am 21. März 2020 durchsuchten die Forscher:innen die digitale Plattform nach den meistgesehenen englischsprachigen Videos mit den Stichworten "Coronavirus" und "COVID-19".
Die Zuverlässigkeit und inhaltliche Qualität jedes ausgewählten Videos wurde anhand validierter Bewertungssysteme bewertet: mDISCERN (modifizierter DISCERN-Score) und mJAMA (Richtwert des Journal of the American Medical Association).
Die Nützlichkeit des Inhalts für den Betrachtenden wurde anhand einer spezifischen Punktzahl bewertet, die sich an ähnlichen Systemen orientiert, die für andere Notfälle im Bereich der öffentlichen Gesundheit entwickelt wurden. Ein "CSS"-Punkt (COVID-19 Specific Score) wurde vergeben, wenn das Video ausschließlich sachliche Informationen zu jedem der folgenden Punkte enthielt: Verbreitung des Virus, typische Symptome, Prävention, Behandlungsmöglichkeiten und Epidemiologie. Für jedes Video konnten also fünf Punkte vergeben werden.
50 von 69 Videos (72,5 Prozent) enthielten ausschließlich sachliche Informationen. Mehr als jedes vierte Video (19) enthielt jedoch irreführende oder ungenaue Informationen, was insgesamt mehr als 62 Millionen Aufrufe (24 Prozent der Gesamtzahl) ergibt. Videos von Gesundheitsexpert:innen und staatlichen Stellen schnitten in Bezug auf die Genauigkeit deutlich besser ab als andere Quellen, werden aber nur selten angesehen.
Die Forscher:innen kamen zu dem Schluss, dass die Organisationen des öffentlichen Gesundheitswesens "statische" Marketingstrategien (Veröffentlichung von Leitlinien, Berichten, Statistiken und Infografiken) verwenden, die für die breite Öffentlichkeit nicht attraktiv oder zugänglich sind. Diese Organisationen sollten daher mit Unterhaltungsmedien und Influencer:innen zusammenarbeiten, um ihre digitalen Inhalte zu verbessern und so ein viel breiteres Publikum zu erreichen. "Der fehlende Zugang zu professionellen und staatlichen Quellen für Personen, die YouTube als Quelle für Gesundheitsinformationen nutzen, ist eine verpasste Gelegenheit für die Bereitstellung hochwertiger Inhalte", so die Forschenden.
Quellen:
1. Pressemitteilung des American College of Physicians: Partnering with YouTube on educational content to counter misinformation around COVID-19 treatment and vaccines. 13th of October, 2021.
2. Li HO, Bailey A, Huynh D, et al.: YouTube as a source of information on COVID-19: a pandemic of misinformation. BMJ Global Health, 2020.