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Schwimmblase,
eine nur bei manchen Fischen sich findende, häutige, mit Luft erfüllte Blase, welche zwischen Wirbelsäule und Darm [* 2] gelegen ist und in den meisten Fällen mit letzterm durch einen besondern Kanal, [* 3] den Luftgang, in Verbindung steht (Knorpelfische, Schmelzfische, Physostomen). Auch da, wo dieser Luftgang dem erwachsenen Fisch fehlt, die S. also rings geschlossen ist (Physoklisten), besteht die Kommunikation wenigstens während der Entwickelung, so daß in allen Fällen die S. eine Ausstülpung des Darms vorstellt.
Die S. tritt indessen so wenig konstant auf, daß sie innerhalb derselben Gattung bei der einen Art vorkommen, bei einer andern fehlen kann. Die S. bildet einen einfachen Sack oder zerfällt in zwei hintereinander gelegene Abteilungen, von denen die hintere den Luftgang entsendet (karpfenähnliche Fische); [* 4] auch gibt es solche mit seitlichen Zipfeln oder auch paarige. In einzelnen Fällen besteht durch eine Reihe Knöchelchen eine Verbindung mit dem Vorhof des Ohrs. Bei den sogen. Lurchfischen (Dipnoern) dient sie, indem sich in ihrer Wandung Gefäße mit venösem Blut verzweigen, geradezu als Lunge; [* 5] bei manchen andern Fischen sind in der Wandung sogen. Wundernetze, d. h. Anhäufungen feinster Haargefäße, vorhanden.
Die Bedeutung der S. für die mit ihr versehenen Fische ist bis in die neueste Zeit irrtümlich dahin aufgefaßt worden, als wenn durch willkürliche Komprimierung der in ihr vorhandenen Luft der Fisch sich spezifisch schwerer machen, also im Wasser sinken lassen könne und umgekehrt durch Nachlaß des Muskeldruckes auf die S. sich erleichtere, mithin aufsteige. Indessen hat sich durch Experimente nachweisen lassen, daß die vertikale Bewegung im Wasser lediglich durch das Spiel der Flossen, vorzüglich der Schwanzflosse, geschieht, die Luft in der S. hingegen je nach der Tiefe des Wassers rein passiv gedehnt, resp. komprimiert wird.
Die ganze Einrichtung gewährt daher ihrem Besitzer nur den Vorteil, daß er stets dasselbe spezifische Gewicht wie das Wasser behält, also in jeder Tiefe ausruhen kann, während die Fische ohne S., da sie immer schwerer sind als das Wasser, sich nur durch Muskelanstrengung erheben können und zum Ausruhen auf den Grund angewiesen sind. Wenn übrigens ein an der Oberfläche lebender Fisch allzu rasch sich in die Tiefe bewegt, so ereignet es sich wohl, daß durch den Wasserdruck die Luft in der S., mithin auch er selbst, zu sehr komprimiert wird; indessen vermag er alsdann durch Abscheidung von Luft in die S. hinein sie wieder so weit anzufüllen, daß er sich frei bewegen kann.
Umgekehrt treibt ihn bei zu rapidem Aufsteigen die sich stark ausdehnende Luft mitunter wie einen Ballon [* 6] an die Oberfläche, falls er nicht etwa durch den Luftgang die überschüssige Luft entweichen lassen kann. Indessen auch bei geschlossener S. findet in solchem Fall eine Resorption der Luft durch die Wandungen hindurch statt, so daß selbst dann allmählich das Gleichgewicht [* 7] wiederhergestellt wird. Die Luft in der S. ist ein Gemisch von Kohlensäure (bis 10 Proz.), Stickstoff (5-90 Proz.) und Sauerstoff (90-0 Proz.). Abgeschieden wird vom Fisch in die S. hinein stets reiner Sauerstoff; umgekehrt dient die Luft der S. bei mangelndem Wasser mitunter zur Atmung und erhält so das Leben noch einige Zeit.
Die S. ist häufig mit besondern Muskeln [* 8] in ihrer Wandung versehen. Wie es scheint, dienen sie im allgemeinen zu einer Verlegung des Schwerpunktes des Fisches mittels teilweiser Komprimierung der Blase (wenn z. B. die Luft aus dem vordern Teil der S. vertrieben wird, sinkt der Kopf, so daß das Absteigen erleichtert wird etc.); bei den Knurrhähnen (Trigla) jedoch, wo sie besonders stark entwickelt sind, spannen sie die S. allseitig an und gestalten sie so zu einem Resonator für die Töne, welche diese Fische durch Schwingungen einer zwerchfellähnlichen Haut [* 9] in der S. selbst hervorbringen sollen.
Vgl. Moreau, Sur les fonctions de la vessie natatoire (Par. 1876).