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Stan Wawrinka steht zum ersten Mal im US-Open-Final. Mit einem hart erkämpften Viersatz-Sieg gegen Kei Nishikori qualifiziert sich der Waadtländer für das Endspiel am Freitag gegen Novak Djokovic.
Nachdem er 2013 und vor einem Jahr noch im Halbfinal verloren hatte, setzte sich Wawrinka diesmal in gut drei Stunden 4:6, 7:5, 6:4, 6:2 gegen die Weltnummer 7 aus Japan durch. Der 31-jährige Schweizer hatte zu Beginn Mühe und wurde von Nishikori in den Grundlinien-Duellen dominiert. Erst, als er bereits 4:6 und 0:2 im Hintertreffen lag, fand er langsam eine Lösung gegen den pfeilschnellen und beweglichen Asiaten. Der Romand agierte aggressiver, stand etwas näher an der Grundlinie und konnte Nishikori so stärker unter Druck setzen.
"Ich fühlte mich nicht wohl, weil ich zu sehr in der Defensive war", bekannte Wawrinka. Erst nach einem 4:6, 0:2-Rückstand gelang es dem Schweizer langsam, das Blatt zu wenden. Er spielte die Bälle aggressiver und näher an der Grundlinie oder sogar innerhalb des Feldes. "Ich versuchte, ihn laufen zu lassen", lautete die Devise. "Dann wird er müde, ist nicht mehr so schnell und kann nicht mehr so aggressiv spielen."
Wawrinka gelang zum 2:2 sein erstes Break der Partie und nach eineinhalb Stunden mit einem weiteren Aufschlagdurchbruch zum 7:5 der Satzausgleich. Eine Vorentscheidung gelang ihm gegen Ende des dritten Satzes. Er hatte eben einen Break-Vorsprung wieder preisgegeben, als beim Stand von 4:3 das Dach des Arthur Ashe Stadiums wegen leichten Regens geschlossen wurde. Dies schien zunächst Nishikori besser zu behagen. Er glich aus und kam zu einer Breakchance. Wawrinka wehrte sie ab und schlug wenig später zum 6:4 selber zu.
Überhaupt nutzte er seine Chancen wesentlich besser als Nishikori. Der Japaner verwertete nur 4 seiner 15 Breakbälle, der Schweizer immerhin 7 von 13. Im vierten Satz gewann Wawrinka die ersten zehn Punkte und geriet nicht mehr in Bedrängnis, zumal Nishikori physisch abbaute.
Wawrinka in den letzten zehn Finals erfolgreich
Im Final trifft er am Sonntagabend (ca. 22.15 Uhr Schweizer Zeit) wie bei seinem Sieg am French Open 2015 auf Novak Djokovic. Die Nummer 1 der Welt gewann einen bizarren ersten Halbfinal gegen Gaël Monfils 6:3, 6:2, 3:6, 6:2 und steht zum siebten Mal im US-Open-Final. "Stan ist ein Mann für die grossen Matches", sagte der Serbe nach seinem Sieg.
Die Statistik bestätigt diese Einschätzung. Seit Juni 2013 und einer Niederlage in 's-Hertogenbosch gegen Nicolas Mahut hat Wawrinka alle zehn Finals gewonnen, die er bestritt. Dazu gehören auch seine ersten beiden Grand-Slam-Siege am Australian Open 2014 gegen Rafael Nadal und insbesondere in Paris gegen Djokovic. "Es ist verrückt, wieder in einem Grand-Slam-Final zu sein", freute sich der Lausanner.
Wawrinka doppelt so lange im Einsatz wie Djokovic
So einfach wie in diesem Jahr in New York schaffte es Djokovic noch nie in einen Grand-Slam-Final. Für die sechs Siege stand er gerade mal 8 Stunden und 58 Minuten auf dem Platz, Wawrinka praktisch exakt doppelt so lange. Dreimal profitierte die Weltnummer 1 von Verletzungen seiner Gegner, im Halbfinal davon, dass Gaël Monfils in seinem erst zweiten Grand-Slam-Halbfinal überfordert war. Und doch musste der Serbe im Halbfinal gegen Monfils leiden.
Die ersten zwei Sätze waren eine überraschend klare Sache für Djokovic. Als er auch im dritten Durchgang sogleich 2:0 in Führung ging, schien er zu einem weiteren lockeren Sieg zu spazieren. Monfils, der den Halbfinal ohne Satzverlust erreicht hatte, leistete aber doch noch ein wenig Widerstand. Der Franzose gewann praktisch aus heiterem Himmel fünf Games in Folge und später den Satz.
In einem der bizarrsten Halbfinals der jüngeren Geschichte schienen beide Spieler zu leiden. Djokovic liess sich an der linken Schulter behandeln, im vierten dann auch noch an der rechten. Und Monfils hinkte zwischen den Ballwechseln und fasste sich immer wieder ans Knie. So konnte keiner konstant gut spielen und sich entscheidend absetzen.
Am Ende hatte Djokovic den grösseren Siegeswillen und rettete sich nach einem Break zum 4:2 im vierten Satz über die Ziellinie. Er steht im Final, über seinen Form- und Fitnessstand herrscht jedoch absolute Ungewissheit. Nicht zum ersten Mal zeigte er sich verwundbar bei grosser Hitze und Luftfeuchtigkeit. Von Verletzungen wollte er nachher allerdings nichts wissen. "Ich war froh um die zusätzlichen Erholungstage", sagte er. "Jetzt habe ich keine Bedenken mehr." Vor allem im dritten und vierten Satz hätten sie wegen der Hitze und der langen Ballwechsel aber beide etwas Mühe gehabt.
sda-ats