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Ratschläge für schlechte Politiker
Wechseln Sie häufig Ihre Meinung. Reden Sie für billigere Medikamente und stimmen gegen Parallelimporte. Engagieren Sie sich mal für den Umweltschutz und dann für die Parkplätze. Finden Sie Atomstrom erst gut und dann nicht so gut und dann wieder nötig und dann nur wenn nötig. Sollten Sie einmal überführt werden, weil Sie eine Slalomkurve zuviel genommen haben, schauen Sie nachdenklich drein und zitieren Wolf Biermann: «Nur wer sich ändert, bleibt sich treu.» Das wirkt kultiviert und passt immer.
Meinen Sie zu allem etwas. Was Sie von Herrn Kachelmann und seinen Frauen halten; wie Sie die Wasserknappheit in Anatolien als Problem einschätzen; ob Politiker Ihrer Ansicht nach Tätowierungen tragen dürfen und wo; wie Sie dem Papst seine Schuhe finden; was Sie sich von der Prügelstafe im Schulunterricht erhoffen; ob Ottmar Hitzfeld die Schweiz eigentlich ernst nimmt und ob Micheline Calmy-Rey ausgeschafft werden sollte.
Sagen Sie nie, worum es Ihnen wirklich geht. Wenn Sie zum Beispiel im Auftrag einer Krankenkasse lobbyieren, reden Sie von der Sorge um die Gesundheit der Bürger. Wollen Sie etwas bei der Bildung verhindern, dann sorgen Sie sich um den Schweizer Föderalismus. Passt Ihnen eine Verordnung nicht, bemühen Sie die Freiheit des Individuums. Verlieren Sie eine Abstimmung, beklagen Sie die destruktive Politik. Gewinnen Sie die Abstimmung, loben Sie das Volk.
Antworten Sie in einer Debatte nie auf die Fragen, sondern sagen, was Sie auch noch sagen wollen. Sagen Sie es ausführlich.
Lassen Sie kein Klischee aus. Wenn Sie von der EU reden, erinnern Sie das Publikum daran, dass die Schweiz im Herzen Europas liegt (und zwar auch dann, wenn von den zwanzig Rednern vor ihnen 19 denselben Satz auch gebracht haben). Passt Ihnen das Argument Ihres Gegenübers nicht, mahnen Sie ihn an, er solle Äpfeln nicht mit Birnen vergleichen (und ignorieren Sie den Umstand, dass die sich sehr gut vergleichen lassen, es sind zum Beispiel beides Früchte). Wollen Sie ein schärferes Gesetz verhindern, sagen Sie, man solle das Fuder nicht überladen.
Antworten Sie in einer Debatte nie auf die Fragen, sondern sagen, was Sie auch noch sagen wollen. Sagen Sie es ausführlich. Setzen Sie dabei Pleonasmen ein («Ich bin der festen Überzeugung») und Superlative («das ist der allergrösste Skandal») und durchsetzen Sie beide mit Verwaltungsvokabeln («ohne flankierende Massnahmen bleiben die Ausschüttungen der Einspeisevergütung ineffizient und verursachen eine höhere Kostenintensität»).
Werden Sie nach Ihren Schwächen gefragt, antworten Sie: «Ich bin manchmal zu ungeduldig.» Wenn Sie etwas falsch gemacht haben, sagen Sie: «Ich habe nicht richtig kommuniziert.» Wenn man Sie kritisiert, lächeln Sie: «Ich verstehe die Verwirrung.»
Zeigen Sie sich auf Ihrer Homepage beim Wandern. Schalten Sie ein Bild Ihrer Gattin auf und Ihres Hundes. Bieten Sie Themen an wie «was ich will», «das braucht die Schweiz», «das bringt mich zum Schmunzeln» oder «diese Bücher liegen auf meinem Nachttisch.» Als Lieblingsmenü nennen Sie «Riz casimir».
Sagen Sie den Wählerinnen und den Wählern, es gehe Ihnen nicht um sich.
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