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NZZ am Sonntag: Sie untersuchen seit Jahren die Wut und den Hass, die unsere Welt prägen. Weshalb fasziniert Sie das Thema?
Pankaj Mishra: 2014 wurde Narendra Modi zum Premierminister von Indien gewählt, der grössten Demokratie der Welt. Ein Hindu-Nationalist, der mitverantwortlich ist für schreckliche Massaker gegen Muslime, ein Mann, der ins Gefängnis gehört. Viele seiner Wähler wussten von den Verbrechen und wählten ihn dennoch. Ich wollte ergründen, weshalb so viele Menschen so einen furchtbaren politischen Entscheid fällen können.
Und dabei stiessen Sie auf die Wut.
Modi siegte, weil er die Wut und den Frust von Menschen für sich kapitalisierte. Die Wut von Menschen, die auf der Strecke geblieben sind und die sich von den herrschenden Klassen betrogen fühlten. Ihnen waren von der politischen Elite Prosperität, Gleichheit, ein modernes Leben versprochen worden, zwei Autos, ein Haus mit Überwachungskameras und Wachpersonal. Das stand für Reichtum, Macht und Privilegien. Doch diese Versprechen wurden für die grosse Mehrheit der Bevölkerung nicht erfüllt.
Zur Person
Der indisch-britische Schriftsteller Pankaj Mishra, 48, stammt aus Uttar Pradesh im Norden Indiens. Er studierte Ökonomie und englische Literatur. Mishra schreibt regelmässig für die «New York Review of Books», den «New Yorker» und den «Guardian» über Indien, Afghanistan und China. Für sein Buch «Aus den Ruinen des Empires» erhielt er 2014 den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Er lebt abwechselnd in London und in Mashobra, einem Dorf an den Ausläufern des Himalaja. Sein neues Buch ist auf Deutsch ab dem 22. Juni im Handel erhältlich: «Das Zeitalter des Zorns» (S.-Fischer-Verlag).