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Seit dem Abschleudern der Sommerernte, zirka Mitte August, wurde mit immer dickflüssigerem Zuckerwasser aufgefüttert. Der Umfang des Brutnests hat sich bis Ende Oktober auf zwei bis drei Waben reduziert, oder haben im besten Fall das Brutgeschäft schon komplett eingestellt.
Durch die stete Fütterung sind die Waben in der Zarge über dem Absperrgitter in der Zwischenzeit mit Futter gefüllt und verdeckelt. Auch in der Zarge des Brutraums befindet sich zum grossen Teil verdeckeltes Futter.
Jede Zarge bekommt zwei Kammern
Nun erfolgt der letzte grosse Eingriff im Jahr. Hierfür werden pro Zarge drei Thermoschiede bennötigt . Ziel ist es, in jeder Zarge eine Futterkammer mit vier Waben und eine Brutkammer mit drei Waben anzulegen. Die Brutkammer dient dem Wintersitz der Bienen. Das Absperrgitter wird bei diesem Schritt nun entfernt.
Die Brutkammer
Das noch vorhandene Brutnest muss sich in der Brutkammer der unteren Zarge befinden. Ist keines mehr vorhanden, muss die untere Brutkammer mit Brutwaben ohne Futter befüllt werden. Hier werden sich die Bienen in der Traube bis in die leeren Zellen zurück ziehen können. Auch in der oberen Zargen wird die Brutkammer mit Brutwaben erstellt, die möglichst wenig Futtereintrag haben.
Wichtig ist, dass sich die Königin beim Erstellen der Kammern in der unteren Brutkammer befindet. Ist bereits kein Brutnest mehr vorhanden, muss die Umstellung um so sanfter und vorsichtiger von Statten gehen, da die Möglichkeit besteht, dass sich die Königin in die Futterkammer flüchtet.
Einzelne Völker werden sich den Wintersitz in der Futterkammer einrichten. Auf Futterwaben statt auf leeren Brutwaben zu überwintern ist nicht optimal, wird aber nicht korrigiert. Von der Witterung her bleibt den Bienen auch noch genug Zeit, das Futter bei Bedarf nach ihren Wünschen nochmals um zutragen.
Die Futterkammer
Die Futterkammer wird in beiden Zargen mit den dicksten Futterwaben erstellt, die möglichst vollständig verdeckelt sind. Die Futterkammer enthält in beiden Zargen jeweils vier Waben.
Die restlichen Futterwaben werden gesammelt und eingelagert (Tiefkühler). Sie werden im Frühling wieder benötigt.
Thermoisolation mit Kissen und Schieden
Pro Zarge kommen drei Thermoschiede zum Einsatz. Die Brut- und Futterkammer wird mit einem Thermoschied getrennt und die Waben einer Zarge werden seitlich mit je einem Thermoschied abgeschlossen.
Im Boden wird, wenn nicht schon vorhanden, ein Thermokissen eingelgt, das den Boden bis auf einen seitlichen und hinteren Rand von zirka 5 mm verschliesst.
Ein weiteres Thermokissen befindet sich direkt auf den Rähmchen der oberen Zarge. Er sorgt für eine stehende Luftsäule in den Wabengassen. Die warme Luft kann weniger gut in der Beute zirkulieren und die Wärme bleibt vor Ort. Durch die geringere Warmluftzirkulation bildet sich wahrscheinlich auch etwas weniger Kondenswasser, da sich die Warmluft weniger an den kalten Beutenwänden abkühlt.
Ein Thermokissen befindet sich auf dem Innendeckel. Es wird erst Mitte Januar zwingend benötigt um den Futterteig zu isolieren.
Auch wenn die Warmluftzirkulation möglichst eingedämmt wird, kann die Luft zwischen der Beutenwand und den seitlichen Thermoschieden problemlos zirkulieren. Pro Zarge hätte trotz der Schiede eine weitere (Futter-)Wabe Platz. Auf sie wird aber verzichtet, damit zwischen Schied und Beutenwand ein grössere Lücke entsteht, die die Luft zirkulieren lässt und den Kondensationspunkt möglicht aus den Waben raus verschiebt.
Letzte Fütterung mit Sirup
Je nach Verlauf des Herbstwetters verbrauchen die Bienen bereits wieder recht viel des seit Mitte August gereichten Futters. Sollten die Futterwaben noch (grössere) Lücken aufweisen, kann jetzt nochmals vorsichtig nachgefüttert werden. Hierbei sollte zu dieser Jahreszeit Futtersirup verwendet, den die Bienen direkt einlagern können. Produkte wie Api Fortune HF 1575 / ISO SWEET 831 (Schweizer Bezugsquelle) oder auch APIINVERT sind dafür geeignet.
Die Fütterung sollte in kleineren Mengen von 2 bis 3 Litern erfolgen und dazwischen ein paar Tage Pause aufweisen. Wichtig ist, dass die untere Brutkammer nicht mit Futter gefüllt wird. Lagern die Bienen in der oberen Brutkammer noch Futter ein, ist dies nicht weiter schlimm.
Das Einfüttern benötigt etwas Fingerspitzengefühl. Wichtig ist, dass die Futtervorräte bis Mitte November möglichst gefüllt sind, der Bienensitz in der unteren Brutkammer aber möglichst futterfrei bleibt, damit sich die Traube optimal zusammenziehen kann.
Rabiater Eingriff und Gefahr des Futterabrisses?
Ein solch drastischer Eingriff so spät im Jahr mag manche Imkerin und manchen Imker abschrecken. Auch wir hatten grosse Bedenken und wagten es uns schlussendlich doch. Ausschlaggebend war die Tatsache, dass es auch in der Dadant-Imkerei Betriebsweisen gibt, wo zu dieser Zeit links und recht des Brutnestes ein Thermoschied gesetzt wird.
Wir kontrollierten beim ersten Mal (im Herbst 2020) auch einige Völker wenige Tage später. Die Bienenvölker hatten sich alle ohne Probleme mit der neuen Situation arrangiert. Im Verlauf des Winters stellte sich heraus, dass die zwei Kammern den Bienen sehr entgegen kommen und sie selbst an kalten Tagen die Wintertraube auflösen können. Beobachten konnten wir dies bei der Winterbehandlung bei -3º C und bei ersten, kurzen Kontrollen im Frühjahr.
Die Gefahr eines Futterabrisses ist nach unseren Beobachtung viel weniger gegeben, da die Bienen viel vitaler und agiler bleiben. Es ist für sie einfacher, sich in der engen Brutkammer auf «Betriebstemperatur» zu bringen, um an die Futtervorräte zu gelangen.
Im Frühling sahen wir, dass sich alle Völker, die auch in der vorgesehenen unteren Brutkammer überwinterten, ihr Futter diagonal aus der oberen Futterkammer geholt hatten. Die Futtervorräte in der unteren Futterkammer und über Kopf in der oberen Brutkammer blieben unangetastet. Dies ist doch ein deutliches Zeichen, dass die Bienen nie Probleme hatten an ihr Futter zu gelangen.
Der Futterverbrauch war beachtlich niedriger als in den Jahren ohne Thermoisolierung. Bis Mitte Februar benötigten die Völker knapp zwei Futterwaben (Gewicht 1 – max. 1.5 kg / Futterwabe). Auch wenn die Futtervorräte mit 12 bis 15 kg viel geringer als die landläufigen Empfehlungen sind, reicht der Vorrat sicher bis Mitte Februar zur Zargenreduktion. Um jedes Risiko auszuschliessen, erhalten die Völker bereits Mitte Januar einen ersten Futterteig aufgelgt.