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Nach der Höhenluft folgt die Tiefenentspannung. Wir kurvten die Ostseite der Anden bis auf 1646 Meter über Meer runter und landeten in Samaipata. Hier verbrachten wir ein paar Tage auf unserem Balkon bei angenehmen Temperaturen und köstlichem Essen. Das Dorf hat nur etwa 4000 Einwohner aber erstaunlich viele Auswanderer sind hier gestrandet. Im Zentrum findet man einige schön hergerichtete Häuser aber mit jeder weiteren Strasse nach aussen, nimmt der Wohlstand beträchtlich ab.
Auf einer kleinen Wanderung kann man El Fuerte erreichen. Dies ist ein/-e Tempel/Festung aus der Inkazeit. Das Spezielle an dieser Ruine ist, dass sie aus einem riesigen Felsen gehauen wurde. Der Felsen diente vermutlich erst als Zeremonialstätte und später auch als Festung. In der Nähe sind viele Grundmauern und Siedlungsreste der Inkas aber auch Spanier zu entdecken. In Samaipata selbst gibt es ein kleines Museum, welches die Keramikfunde ausstellt. Zur Zeit der Inkas war es üblich, den Kindern der Elite in jungen Jahren den Schädel platt zu drücken. So erhielten sie einen hohen schmalen Kopf.
Sucre heisst nicht so weil es hier speziell viel Zucker gibt oder weil im Stadtkern so ziemlich jedes Gebäude weiss ist. Die Stadt wurde schlicht nach dem Revolutionsführer Antonio José de Sucre benannt. Wir hatten mit der Stadt jedoch eher eine bittere Erfahrung gemacht. Der Bus um neun Uhr von Samaipata nach Sucre, ging nicht wie erwartet am Morgen, sondern am Abend. Soviel zum Thema "a la mañana" - "am Morgen" und "mañana" - "morgen". Als wir den grossen Sonntagsmarkt in Tarabuco besuchen wollten, erwischten wir genau den autofreien Sonntag Sucres. Jeden Monat gibt es einen Sonntag, da fährt nichts Motorbetriebenes in der Stadt. Am Montag fuhren wir eine Stunde durch die Stadt, um im Kalkabbaugebiet die besterhaltenen Dinosaurierspuren der Welt anzuschauen. Vor Ort erfuhren wir, dass die neu am Montag geschlossen haben.
Von Sucre fuhren wir für einen kurzen Zwischenstop nach Potosi. Einst mit beinahe 200'000 Einwohnern eine der grössten Städte der Welt, stillte sie den Silberdurst Spaniens. Da Silber über die Zeit jedoch an Wert verlor, wurden viele arbeitslos und die Bevölkerung sackte auf unter 10'000 Personen zusammen. Mittlerweile leben wieder etwa 170'000 Personen in Potosi und viele davon arbeiten unter prekären Bedingungen in den Minen des Cerro Ricos. Neben Silber, das seit 500 Jahren abgebaut wird, ist es heute vermehrt Zink. Man findet über 20 unterschiedliche Minerale in diesem Berg! Die Geschichte Potosis Minen ist ziemlich düster und lang. Die Stadt selbst hat jedoch einen schönen Kern und bietet einige Gässchen zum Schlendern an.
Vom 4000 Meter hohen Potosi fuhren wir wieder runter auf das auf etwa 3000 Meter liegende Tupiza ganz im Süden von Bolivien. Hier leben nur knapp 30'000 Menschen in einem herrlichen Klima, umgeben von tiefroten Bergen. Wir erklommen den Cerro Elefante bei bestem Wetter und liessen uns von der Kaktusvielfalt berauschen. Vom Gipfel hatten wir einen wunderschönen Blick über die bunten Berge rund um Tupiza.
Tupiza war für uns das Sprungbrett für den extraterrestrischen Southwest Circuit oder besser bekannt als Uyuni-Tour. Die Tour dauerte vier Tage und startete mit dem nicht zu unrecht benannten Valle del Luna (Mondtal) und der Ruinenstadt Pueblo Fantasma. In den Ruinen der ehemaligen Minenstadt (Jawohl, in Bolivien gibt es tausende von Minen und so ziemlich jedes Mineral oder Metall, dass einem in den Sinn kommt, findet man hier.) sahen wir viele Viscachas (Hasenmäuse).
Wir fuhren nach Westen Richtung "Reserva Nacional de Fauna Andina Eduardo Avaroa" und es wurde immer kälter und die Nächte überstanden wir nur mit mehreren Wolldecken, Schlafsack und Mütze. Das Essen war sehr köstlich und vielfältig. Wir waren überrascht, was man so alles auf einem kleinen einfachen Herd zubereiten kann. Die Hostels waren sonst eher einfach und so gab es die ersten beiden Tage keine Möglichkeit zu Duschen. Die duschfreie Zeit konnten wir jedoch mit einem Bad in einer heissen Quelle überbrücken. Unsere letzte Nacht verbrachten wir in einem sehr speziellen Hotel, dass beinahe komplett aus Salz besteht. In dieser Region wird ausschliesslich Quinoa angebaut, weil auf dieser Höhe und diesem Klima nichts anderes gedeiht. Wusstet ihr, dass es Quinoa in so viele Farben gibt?
Auf unserer Rundreise durch den Nationalpark kamen wir mit vielen verschiedenen Tieren in Kontakt. Anfangs vor allem mit grossen Lama- und Alpakaherden und im Verlauf der Reise mit Vikunjas, Füchsen und unterschiedlichen Vögeln, wie Nandus, Andengänse und Flamingos. Habt ihr gewusst, dass Fuchs auf spanisch Zorro heisst? Unser Fahrer meinte, sie nennen sie hier auch ab und zu Antonio Banderas. :)
Wir trafen auf viele unwirkliche Lagunen. Von beinahe schwarzen Gewässern über die Laguna Blanca und Laguna Verde bis zur rot orangen Laguna Colorado. Einige stanken unheimlich, andere schäumten, einige waren hochgiftig und andere quollen beinahe über vor lauter Flamingos oder dienten als Abbauorte für weitere Minerale. Jawohl. Nicht nur in Minen, auch in Lagunen werden hier Rohstoffe abgebaut. Und da die Abbauorte oft in eher abgelegenen Orten sind, braucht es auch mal eine Eisenbahn mitten durch die Wüste.
Neben Tieren und Gewässer, gab es auch unendlich viele spannende Felsformationen. Weil diese Region vulkanisch sehr aktiv war, hat sich das Gestein in allen erdenklichen und unerdenklichen Formen gebildet. Auf den bisherigen und folgenden Bildern wird auch sehr schnell klar, wie extrem sich das Wetter hier in kurzer Zeit auf kurze Distanzen ändern kann.
Am vierten Tag dann das Highlight. Der Grund der ganzen Strapazen. Denn was kann schon beeindruckender als zehn Milliarden Tonnen Salz sein? Auf einer unglaublichen Fläche von 10'000 Quadratkilometern und einer Tiefe von bis zu 120 Metern hat sich hier das Salz des Ursees Tauca angesammelt. Jedes Jahr in der Regenzeit bildet sich eine mehrere Dutzend Zentimeter hohe Wasserschicht und verwandelt die Salzwüste in einen riesigen Spiegel. In der Trockenzeit wird die Kruste so fest, das selbst Lastwagen darauf fahren können. Wir standen extra um 4:50 Uhr auf, damit wir von der Insel Incahuasi in der Mitte der Salzwüste aus den Sonnenaufgang bewundern können. Punkt 5:30 Uhr etwa einen Kilometer vom Rand entfernt blieben wir mit unserem Auto stecken. Unser Fahrer hat in der Dunkelheit einige Löcher umfahren und dafür eine weiche Stelle gefunden. Die Hinterräder hatten sich tief in den Boden gegraben und wie sich herausstellte, fuhren wir schon die ganze Zeit mit einem nicht funktionierenden 4x4 Antrieb. Wir versuchten mit Steinen, Metalltellern und einem Wagenheber das Auto hochzuheben, auszugraben und auf festen Untergrund zu bringen. Immer wieder kriegten wir es raus und es versank gleich wieder. Unser Fahrer rief einen Kollegen an und während wir auf Hilfe warteten, assen wir neben dem Auto Frühstück und genossen den Sonnenaufgang. Mit Hilfe der anderen Tourgruppe versuchten wir es erneut. Mit dem anderen Auto wurden Holzplanken, Metallbleche und Schaufeln organisiert. Trotz allen Bemühungen kriegten wir den Wagen nicht aus dem Schlamm und einige der anderen Gruppe wurden launisch, weil die Zeit von ihrer Tour abging. So verliessen sie uns und unser Fahrer bemühte sich um weitere Hilfe. Scheinbar gibt es hier jedoch nicht viele Freundschaftsdienste und alles läuft nur über Bares. Mit der wohl unwahrscheinlichsten Rettungsklapperkiste erschienen zwei Männer mit ihren beiden Hunden und Brettern in allen grössen. Mit der Gasflasche und einer langen Holzstange hebelten wir das Auto hoch und unterlegten die Räder mit Brettern. Nach nur zwei Versuchen hatten wir um 13:15 Uhr das Auto auf festem Grund und konnten los.
Wir erreichten die Insel Incahuasi acht Stunden später als erwartet und assen da unser wohlverdientes Mittagessen. Die Insel beheimatet bis zu 1200 Jahre alte Kakteen die Höhen von über zehn Metern erreichen. Diese baumgrossen Kakteen werden von den Einheimischen als Holzquelle benutzt.
Auf keinen Fall dürfen natürlich die obligatorischen Fotospielereien fehlen.
Durch unsere Verspätung kamen wir pünktlich zum Sonnenuntergang zum Friedhof der Züge. In Uyuni entstand der erste Bahnhof und somit siedelten sich hier viele Reparaturfirmen an, die auf Züge spezialisiert sind. Alle Züge die nicht mehr repariert werden konnten, wurden hier einfach auf einem Platz deponiert und sind sich selbst überlassen worden.
Zum Abschluss hier noch mal die gesamte Tour mit ihrer Vielfalt in einem Panoramaüberblick:
Anstatt Abends kamen wir erst mitten in der Nacht in Tupiza an. So fielen wir total erschöpft ohne Abendessen ins Bett. Deshalb gönnten wir uns noch einen Ruhetag, bevor es am Tag darauf zur Grenze nach Argentinien ging. Rita & Thomas: Dieses Mal, mussten wir nicht zehn Stunden an der Grenze anstehen. Nach nur 15 Minuten waren wir durch :D