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Modernisierung und Rekonstruktion der ursprünglichen Typologie
Das denkmalgeschützte Vogtshaus von Villmergen ist ein stattlicher Bau, der 1793 erbaut wurde. Das viergeschossige Gebäude besteht aus einem gemauerten Stock und einer dreischiffigen Bohlenkonstruktion. Im Laufe der Zeit wurde das geräumige Wohnobjekt mehrmals umgebaut und immer mehr aufgeteilt, bis es schliesslich ab Ende des 19. Jahrhunderts in vier Wohnungen unterteilt wurde. Während die historische Einteilung des Obergeschosses erhalten blieb, litt die ursprüngliche Räumlichkeit des Erdgeschosses stärker unter den baulichen Veränderungen der letzten Jahrhunderte.
Das Ziel des Projektes war eine Modernisierung unter Erhaltung und teilweiser Rekonstruktion der ursprünglichen Typologie. Zusätzlich sollte die historische Bausubstanz wieder lesbar gemacht und mehr Licht ins Obergeschoss eingebracht werden. Basierend auf der historischen Raumeinteilung wurde der Umbau konzipiert. Das Projekt nahm auf die Ergebnisse der vorgängig ausgeführten archäologischen Bauuntersuchungen Rücksicht und beinhaltete eine teilweise Rekonstruktion der ursprünglichen Gebäudestruktur im historischen Wohnhaus. Somit wurde die dreischiffige Unterteilung im Erdgeschoss wiederhergestellt und die Raumeinteilung in sechs Kammern im Obergeschoss beibehalten. Im mittleren Schiff des Erdgeschosses ist erneut die Küche vorzufinden. Basierend auf den historischen Gegebenheiten wurde sie unterhalb der ehemaligen Rauchhurd platziert. Auf die Rekonstruktion der Hurd wurde jedoch verzichtet, damit die Galerie im ersten Obergeschoss mehr Tageslicht erhält. Wie früher dient die Küche ebenfalls als Erschliessung zu den ehemaligen Stuben – heute als Bibliothek, Wohn- und Esszimmer eingerichtet. Hinter der Küche liegen die Treppe und der Lift zum Obergeschoss. Diese erschliessen die Galerie, die den Zugang zu den jeweils drei östlich und westlich angeordneten Schlafkammern ermöglicht. Hier ist die ursprüngliche Raumeinteilung erhalten geblieben. Die vier Eckzimmer wurden als Schlafzimmer beziehungsweise Büro vorgesehen, die mittleren Kammern wurden in Badezimmer und einen begehbaren Kleiderschrank umgenutzt.
Alle Einbauten aus jüngeren Zeiten wurden entfernt, um die historische Struktur freizulegen. Dadurch konnten neue Erkenntnisse über die ursprüngliche Raumstruktur und die Geschichte des Objektes gewonnen werden. Dabei wurden ebenfalls wertvolle Relikte gefunden, unter anderem alte Schiebladenfragmente, die als Vorlage für ihre Wiederherstellung dienten. Für den Fortbestand des Baus war es essenziell, das schwach ausgelegte Tragwerk zu stärken. Marode Fassadenbohlen wurden durch passendes Altholz ersetzt und die Bohlenwände innenseitig verstärkt und ausgedämmt. Der Einbau von massangefertigten Dreischichtplatten im Boden des Obergeschosses sowie Verstärkungen im Dachgeschossboden halfen, die ganze Tragstruktur zu versteifen. Es wurde viel Zeit in die Fassadenöffnungen investiert. Einerseits musste das Erscheinungsbild der Fassaden harmonisiert werden, andererseits wünschte sich die Bauherrschaft mehr Licht im Inneren. So wurden beispielsweise alte Öffnungen reaktiviert und jede zweite Fassadenbohle der dunkelsten Zimmer entfernt, um einen besseren Lichteinfall zu erhalten. Dies immer mit der Zustimmung der Denkmalpflege. Basierend auf einem Fotobefund von 1932 wurden alle Fenster durch neue Holzfenster mit barocker Sprosseneinteilung ersetzt. Im Innenbereich sollten Alterungsspuren sichtbar bleiben und möglichst vieles wiederverwendet werden. So wurden zum Beispiel rauchgeschwärzte Bretter nur leicht gebürstet, ausgebaute Kacheln als Platten im WC eingesetzt oder alte Kommoden als Bademöbel umgenutzt. Während der Räumungs- und Demontagephase kamen einige Überraschungen zum Vorschein. Entdeckt wurden die tragenden Balken der ehemaligen Rauchhurd über dem Herd, mehrere Fragmente von Schiebläden, zwei ursprüngliche Kachelofenfüsse oder alte Kacheln und Fundamentsteine.