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Différance ist ein wesentliches Konzept im Dekonstruktivismus von J. Derrida. Das französische Wortschreibspiel (-ance statt -ence) wird im Deutschen "Differänz" widerspiegelt, das gesprochen auch für zwei verschiedene Schreibweisen (e oder ä) steht .
Différance steht für eine (Sprach)Auffassung, in welcher "Begriffe" nicht definiert werden (oder in welcher es keine Begriffe, sondern eben "Differenzen" gibt. Dekonstruktivismus (also die Anwendung der Differance) steht für eine spezifische "Dekonstruktion" von Begriffen. Das Dekonstruktionsverfahren besteht darin, die leitende Unterscheidung einer Begriffsbildung zu beobachten, also dem (vermeintlichen) Begriff eine Art Anti- oder Un-Begriff, von welchem er unterschieden wird, zuzuordnen. Die Differenz steht dann für die Grenze zwischen den beiden Seiten der Unterscheidung und in einem zweiten Beobachtungsschritt für die Einheit der Unterscheidung.
Anschaulich: Wenn ich ein Blatt Papier anschaue, sehe ich Vorderseite und impliziere eine Rückseite. Die Grenze sehe ich, wenn ich das Blatt so vor mich halte, dass ich weder Vorder- noch die Rückseite sehe. Ich sehe dann eine Grenzlinie. Und wenn ich das Blatt aus meinem Gesichtsfeld nehme, sehe ich, was ich wegen dem Blatt nicht gesehen habe, und mithin, dass ich ein Blatt als Einheit der Unterscheidung Vorder/Rückseite gesehen habe.
Die Différance ist eine radikale Form der Differentialitätsthese von F. de Saussure, nach welcher sprachliche Zeichen (Signifikanten) ihre spezifische Bedeutung nicht aus der festen Verknüpfung mit einem jeweiligen Gemeinten (Signifikat), also einem Gegenstand, einer Idee etc., gewinnen, sondern aus der "Differänz" zu anderen Zeichen. J. Derrida geht davon aus, dass sprachliche Zeichen immer nur in der Differenz zueinander Bedeutung erzeugen, nie durch den Bezug auf ein abwesendes Gemeintes. Das Gemeinte ist immer nur als Spur anwesend und sein Bezeichner kann immer nur durch andere Worte bezeichnet werden.
Vulgär gegen vulgär gesprochen: ein Kind lernt nicht Wörter für Gegenstände (also nicht das Wort "Tisch" für Tische"), sondern es lernt so sprechen (parole), dass es von den andern verstanden wird (langage) (es lernt also in bestimten Situationen "Tisch" zu sagen, unabhängig davon, ob gerade ein Tisch da ist oder nicht).
Hinweise:
Die Différance erscheint verändert in der Systemtheorie von N. Luhmann und dann in verschiedenen Formen von Differenztheorien, die sich an G. Spencer-Brown anlehnen.
Anmerkung von rt:
J. Derrida (und in seiner Folge die Bielerfelder Systemtheorie) betreibt die Sache radikal, indem er auf jede Pragmatik, die Wörtern Gegenstände zuordnet (semiotisches Dreieck) verzichtet und damit alle Gegenstände verschwinden lässt, um sie als Texte wieder zu erfinden.
In diesem Lexikon wird eine Altrnative zugrunde gelegt, die sich an K. Holzkamps Gegenstandsbedeutung orientiert. Dabei haben nicht die Zeichen, sondern die Referenzobjekte der Zeichen Bedeutung. Sprache (langue) wird hier als Handlungszusammenhang gedeutet, so dass das, was man reden kann (langage), ebenfalls ohne Pragmatik im Sinne eines Hypertextes eingeführt wird, der nur einer Syntax und einer Semantik unterliegt. (vgl Todesco: Die Definition als Textstruktur im Hyper-Sachbuch).
Literatur
Derrida, Jacques: Die différance, in: Randgänge der Philosophie. Wien: Passagen, 29-52 (frz. "La différance", in: Marges de la philosophie. Paris: Minuit 1972) - Erste Verwendung des Begriffs
Derrida, Jacques: Die différance. Ausgewählte Texte. Hrsg. u. kommentiert v. Peter Engelmann. Reclam, Ditzingen 2004. ISBN 3150183383
Kritik am Konzept der Differance aus der Wikipedia:
- W. V. Quine, David Armstrong, Ruth Barcan Marcus und René Thom. In ihrer Petition schreiben sie, Derridas Texte würden nicht ein gefordertes Maß an Klarheit und Strenge erreichen, sie seien aus Tricks und Taschenspielereien komponiert und stünden darin eher Dadaistischen Experimenten nahe.[22]
- Noam Chomsky hat Derrida eine prätentiöse Rhetorik zugeschrieben, die bewusst der Verunklarung seiner Ideen diene.[23]
- Philosophen wie John Searle[24] und W. V. Quine haben Derrida als Pseudophilosophen und Sophisten bezeichnet.
- In der New York Times und im Economist erschienen im Oktober 2004 kritische Nachrufe, die Derrida u.a. als abstrusen Theoretiker bezeichnen.[25]