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Wissenschaftliche Kenntnisse bilden die Grundlage für neue Ideen, neue Lösungen und damit auch für eine starke und nachhaltige Wirtschaft. Die Schweizer Wirtschaft, die ihren Wohlstand in erster Linie ihrem Wissen zu verdanken hat, bildet keine Ausnahme. Es erstaunt daher nicht, dass die meisten Länder in wissenschaftliche Forschung investieren, um mit den übrigen Ländern wirtschaftlich mithalten zu können.
Die Leistungsfähigkeit der Schweiz in Bezug auf die Wissensproduktion kann auf verschiedene Arten gemessen werden: anhand der Qualität der Bildungs- und Forschungsinstitutionen, der Patente, der Start-ups oder der wissenschaftlichen Publikationen. Im Folgenden soll der letzte Aspekt untersucht werden.
Mehrere Studien haben gezeigt, dass die Schweiz bei den wissenschaftlichen Publikationen sehr gut abschneidet: Sie gehört sowohl in quantitativer Hinsicht (Anzahl Publikationen im Verhältnis zur Anzahl Forschender) als auch in Bezug auf den Impact der Publikationen (Anzahl Zitierungen)[1] zu den führenden Ländern.
Dabei stellt sich natürlich die Frage, ob es sinnvoll ist, die Länder lediglich anhand der Gesamtzahl ihrer Publikationen miteinander zu vergleichen. Bekanntlich haben nicht alle Publikationen einen gleich grossen Einfluss auf die Entwicklung von Wissen: Während einige von mehreren Forschergenerationen verwendet und entsprechend häufig zitiert werden, finden andere gar keine Beachtung. Von «Qualität» zu sprechen, wäre vermutlich übertrieben, aber es ist unbestritten, dass die Resonanz eine zahlenmässige und objektive Angabe zur Bedeutung einer Publikation in der Wissenschaftsgemeinschaft liefert.
Um ein genaueres Bild der Leistung der Schweiz zu erhalten, müssten für einen Vergleich mit anderen Ländern folglich nur die wichtigsten Publikationen betrachtet werden: nämlich diejenigen, welche im jeweiligen Fachgebiet als Referenz gelten. Nur: Wo zieht man die Grenze? Manche Studien betrachten das oberste Prozent aller Publikationen als Massstab, andere legen die Schwelle bei 5 oder 10 Prozent fest. Aus Gründen der besseren Vergleichbarkeit haben wir uns zur Untersuchung der Leistung der Schweiz für den Schwellenwert von 10 Prozent der weltweit meistzitierten Publikationen («Top 10%») entschieden. Zu diesem Zweck wurden zwei Indikatoren untersucht:
- Volumen: Anteil der Schweizer Publikationen an den weltweiten Top 10%-Publikationen;
- Effizienz (oder Erfolg): Anteil der Top 10% an der Gesamtproduktion in der Schweiz.
Grosser Anteil bei den Top 10%-Publikationen
Die Schweiz hat einen Anteil von 1,2 Prozent an der weltweiten Gesamtproduktion (siehe Abbildung 1) und belegt damit im internationalen Vergleich den 18. Rang. Bei den Top 10% liegt das Land mit einem Anteil von 1,6 Prozent sogar auf Platz 12 (siehe Abbildung 2). Dieses Resultat zeugt von einem grossen internationalen Ansehen.
Führend bei den Top 10% sind weiterhin die USA – trotz eines deutlichen Rückgangs von 46,9 Prozent im Zeitraum 1997 bis 1999 auf 39,4 Prozent im Zeitraum 2007−2009. Stark an Bedeutung gewonnen hat China, das seinen Anteil an den Top 10%-Publikationen innerhalb von zehn Jahren von 0,8 Prozent auf 4,4 steigerte.
Abb. 1: Gesamtaufkommen: Die 20 führenden Länder bei den wissenschaftlichen Publikationen (1997–1999 und 2007–2009, in Prozent)
Anmerkung: Die Rangliste basiert auf der Erhebung von 2007 bis 2009.
Quelle: Thomson Reuters (SCI/SSCI/A&HCI), SBFI / Die Volkswirtschaft
Abb. 2.: Top 10%-Publikationen: Die 20 führenden Länder bei den wissenschaftlichen Publikationen 1997–1999 und 2007–2009 (in Prozent)
Anmerkung: Die Rangliste basiert auf der Erhebung von 2007 bis 2009.
Quelle: Thomson Reuters (SCI/SSCI/A&HCI), SBFI / Die Volkswirtschaft
Eine beeindruckende Effizienz
Der Anteil eines Landes an den weltweiten Top 10% widerspiegelt nicht zwingend die Effizienz im Inland. Dies gilt insbesondere für kleine Länder: Mit einer Anzahl Forschender, die im Vergleich mit der Forscherzahl von Ländern wie den USA oder China unbedeutend ist, sind Kleinstaaten nicht in der Lage, ihren Anteil an der weltweiten Produktion zu erhöhen und sich mit den «Schwergewichten» zu messen.
Um die Leistungen unterschiedlich grosser Länder miteinander zu vergleichen, gilt es deshalb ein Kriterium zu verwenden, das nicht von der Grösse einer Nation abhängig ist. Ein solcher Indikator ist beispielsweise der Anteil der weltweit am meisten zitierten Publikationen an der Gesamtproduktion eines Landes. Damit kann aufgezeigt werden, welchen Anteil (der nationalen Produktion) Forschende anderer Länder anerkennen.
Auch hier schneidet die Schweiz hervorragend ab: 16,4 Prozent der inländischen Publikationen gehören zu den weltweiten Top 10% (siehe Abbildung 3). Damit belegt die Schweiz den zweiten Rang, direkt hinter den USA, die nur einen minimen Vorsprung aufweisen. Die Schweiz beweist somit: Ein kleines Land kann mit den grossen mithalten, wenn es qualitativ hochstehende Forschung betreibt. Im Gegensatz zur Schweiz erscheint China, wo sich lediglich 8 Prozent der landesweiten Publikationen in den Top 10% befinden, nicht mehr auf dieser Liste.
Abb. 3: Anteil der Top 10%-Publikationen an der Gesamtproduktion eines Landes (2007−2009)
Quelle: Thomson Reuters (SCI/SSCI/A&HCI), SBFI / Die Volkswirtschaft
Anhand der Analyse nach Forschungszweigen können die Stärken und Schwächen der Schweiz aufgezeigt werden (siehe Abbildung 4): Die Erfolgsrate der Schweiz liegt mit der Ausnahme von «Geisteswissenschaften und Kunst» in allen Forschungsbereichen über dem Schwellenwert von 10 Prozent. Der Bereich «Physik, Chemie und Erdwissenschaften» schneidet dabei mit nahezu einer von fünf Publikationen unter den weltweit meistzitierten besonders gut ab. Zwar haben auch «Geisteswissenschaften und Kunst» in den vergangenen zehn Jahren zugelegt, aufgrund der sehr kleinen Gesamtzahl an Publikationen sind diese Zahlen jedoch wenig aussagekräftig und mit Vorsicht zu interpretieren.
Abb. 4: Anteil der Top 10%-Publikationen an der Gesamtproduktion der Schweiz nach Forschungsbereich (1997−2009)
Quelle: Thomson Reuters (SCI/SSCI/A&HCI), SBFI / Die Volkswirtschaft
- SBFI (2014). Bibliometrische Untersuchung zur Forschung in der Schweiz 1981−2011.