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|Abt Georg von Wildenstein (1360-1379)

Abt Georg von Wildenstein
Georg von Wildenstein, 1360-1379. Georg von Wildenstein stammte aus dem Fürstenbergischen. In St. Gallen erscheint er erstmals im Jahre 1347 als Propst von Ebringen, dann 1351 als Kämmerer und seit 1357 als Werkdekan. Obwohl sich die päpstliche Kurie 1333 die Besetzung der Abtei reserviert hatte, nahmen die Konventualen nach dem Ableben Abt Hermanns unverzüglich die Wahl vor und bestimmten Georg von Wildenstein zum Abt. Erst am 16.10. 1360 wurde er auf ein Empfehlungsschreiben Kaiser Karls IV. hin von Innozenz VI. bestätigt. Da er die Gebühren nicht recht-zeitig nach Avignon bezahlte und auch seiner Besuchspflicht am päpstlichen Hof nicht nachkam, zog er sich kirchliche Strafen zu, von denen er sich erst am 23.9.1363 und 23.8.1365 befreien konnte. Kaiser Karl IV. belehnte ihn am 6.2.1361 mit den Temporalien und bestätigte ihm 1370 alle Privilegien des Klosters. Von König Wenzel erhielt er die Bestätigung am 25.7.1376. Während der Regierungszeit Georgs von Wildenstein traten die Freiheits- und Unabhängigkeitsbestrebungen sowohl seiner Städte St.Gallen, Wil und Wangen wie auch der Genossenschaften Appenzell und Hundwil immer mehr hervor. Gleich zu Beginn verweigerte ihm die Stadt St. Gallen die Huldigung, obwohl er ihnen die Handfeste bestätigte. Die Bürger wollten weitere Rechte betreffend das Bürgermeisteramt, die freie Ratswahl und die Bürgeraufnahme verbrieft erhalten. Die Stadt verbündete sich am 23.2.1362 mit Konstanz, Zürich, Lindau, Ravensburg, Überlingen, Wangen und Buchhorn und 1373 mit den Grafen von Werdenberg-Heiligenberg, während der Abt mit Graf Rudolf III. von Montfort-Feldkirch einen Bund schloß. Erst nach der Niederlage des schwäbischen Städtebundes gegen den Grafen Eberhard den Grainer von Württemberg kam zwischen Stadt und Abt am 21.5.1373 ein Vergleich zustande, in dem sich dessen Standpunkt durchsetzte. Auch mit der Stadt Wangen erhoben sich wegen der Eidesleistung Anstände, die aber durch die Bemühungen der Städte Konstanz, Überlingen, Lindau und St.Gallen am 10.5.1362 bereinigt werden konnten. Der Stadt Wil bestätigte Abt Georg am 27.11.1360 die Verfügungen Abt Hermanns über die Steuern. Auseinandersetzungen mit Hundwil und Appenzell wurden im Vergleich vom 10.10.1367 völlig zugunsten des Abtes beigelegt, denn die beiden Ämter versprachen, ohne Zustimmung des Abtes keine Bündnisse zu schließen. 1377 gestattete er dann den Appenzellern, dem schwäbischen Städtebund beizutreten, ließ sich aber seinerseits 1378 in das Bürgerrecht von Lindau aufnehmen. Abt Georg gelang es, den Haushalt des Klosters einigermaßen in Ordnung zu bringen. Nur einer Verpfändung stehen über ein Dutzend Auslösungen versetzter Güter gegenüber, zudem erwarb er neu die Reichsvogtei über Gossau und die Vogtei über Romanshorn. Alters- und krankheitshalber bestellte Abt Georg 1375 im Einverständnis mit seinen Konventualen Kuno von Stoffeln zum Pfleger des Gotteshauses. Am 31.3.1379 ist er gestorben.
(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)