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Juristen sind sich – gewissermassen von Berufs wegen – niemals einig. Rudolf von Jhering hat schon im 19. Jahrhundert in Scherz und Ernst in der Jurisprudenz seine Ansichten über manche Kollegen kundgetan.
In seiner Satire spottet Jhering zum Beispiel über die Korrealobligation (Fragen Sie mich jetzt bitte nicht, was genau das sein soll!): „Man kann die Juristen der heutigen Zeit in zwei Klassen einteilen: diejenigen, die über Korrealobligation geschrieben, und die nicht darüber geschrieben haben. Den Theologen kann der Begriff der Dreieinigkeit nicht mehr Kopfzerbrechen verursacht haben als unsern Juristen der dieser civilistischen Zwei- oder Mehreinigkeit. (…) Zwischen ihnen und den sog. solidarischen Obligationen soll ein ganz gewaltiger Unterschied bestehen, etwa wie zwischen einem Tier auf zwei und auf vier Beinen. Aber fragen Sie unsere civilistischen Zoologen, worin sich denn dieses Verschiedenheit praktisch äussert…“ Auch das Rechtsstudium, besonders das Examen, wird behandelt: „Wofür hat nun ein armer Student seinem Kopfe Gewalt angetan, um alle die vielen Dinge aufzunehmen, die er im spätern Leben gar nicht gebrauchen kann, wenn er sie nicht wenigstens einmal im Leben, im Examen soll auskramen dürfen?“ Vor Allem beklagt Jhering die Differenz zwischen Theorie und Praxis und erzählt auch die Geschichte, wie er selber als junger Rechtsgelehrter in einem konkreten Fall mit seinem theoretischen Wissen Schiffbruch erlitt.
Und wenn ein Jurist stirbt, kommt er vielleicht in den juristischen Begriffshimmel – aber natürlich nur, wenn er das entsprechende Examen (Haarspalterei, Wälzen unnötiger Probleme, gefällige Interpretation etc.) besteht! Dort ist alles nur Theorie und Abstraktion – kein Hauch der praktischen Welt darf dorthin vordringen.