Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03620.jsonl.gz/315

4. April 2009: Als Jungspund ist Roger Federer als Hitzkopf bekannt. Doch mit den Jahren und mit dem Erfolg legt sich dies – bis der brodelnde Vulkan wieder einmal ausbricht. Der Wutausbruch ist derart ungewohnt, dass die Schlagzeilen gross sind.
Das Jahr 2009 beginnt für Roger Federer, ohne dass er einen Titel gewinnen kann. Er verliert den Final der Australian Open in einem epischen Fünf-Satz-Kampf gegen seinen ewigen Rivalen Rafael Nadal. In Indian Wells scheitert er im Halbfinal an Andy Murray, nun will er in Miami endlich sein erstes Turnier der Saison gewinnen.
Im Halbfinal gegen Novak Djokovic, die Nummer 3 der Welt, zeigt Federer eine Leistung, welche die Agentur «Sportinformation» als «himmeltraurig» bezeichnet. Zwar gewinnt der Basler einen Satz. Doch als er im dritten Durchgang eine Vorhand ins Netz ballert, muss sein Racket dran glauben:
Die Welt ist geschockt! Seit seinen Jugendjahren hat man den «Maestro» während eines Matches nicht mehr so die Kontrolle über sich selbst verlieren sehen. Das Zertrümmern seines Schlägers ändert jedoch nichts am Ausgang des Spiels: Federer, zu dem Zeitpunkt 0:2 und 0:30 im Rückstand, verliert den Halbfinal gegen Djokovic mit 6:3, 2:6, 3:6.
«Darf sich ein Vorbild für die Jugend so benehmen?», fragt der «Blick» und gibt die Antwort gleich selber: «Natürlich!» Federer sei auch nur ein Mensch. «Er kann wieder der Beste sein. Wenn dafür ab und zu mal ein Racket in die Brüche geht, ist das auch ein Beweis, wie sehr das Feuer in ihm noch brennt.»
Federer spielt den Vorfall herunter. Er habe schon schlechter gespielt in den letzten Jahren, sagt er den Reportern, und er habe auch schon Rackets zertrümmert. Den letzten Materialschaden liegt indes schon fünf Jahre zurück. «Ich hasse es einfach, zu verlieren», begründet Federer seinen Wutausbruch.
Roger Federer lässt sich vom für seine Verhältnisse schwachen Saisonstart nicht beirren. Er gewinnt einen Monat später das Turnier in Madrid und triumphiert anschliessend erstmals bei den French Open. Der Karriere-Grand-Slam ist perfekt – und das zertrümmerte Racket längst vergessen.