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Musiker, Sanitäter, Arbeiter
Während der angespannten Situation des 2. Weltkrieges hatte die Schweizer Militärmusik verschiedenste Aufgaben zu bewältigen. Nicht nur Proben und Konzerte waren an der Tagesordnung. Die Musiker mussten als Sanitäts- und Arbeitertruppe mit anpacken.
Dario Seiler — Die Militärmusiker der Schweizer Armee wurden während des 2. Weltkrieges in einer Doppelfunktion zu Sanitätern ausgebildet. Es war üblich, dass mindestens ein halber Tag pro Woche für den Sanitätsdienst aufgewendet wurde. Die Trompeter waren sogenannte «Hilfsblessiertenträger» und unterstützten die Sanitätsmannschaften. Hauptmann Hans Richard, damals oberster Schweizer Militärmusiker, regte bereits 1936 an, dass diese assistierende Rolle seiner Musiker ausgebaut und die Ausbildung verbessert werden sollte, so dass die Spiele im Kriegsfalle eine wirkliche Hilfe darstellen würden. Richard wollte aber natürlich auch, dass sich die Bataillonsspiele musikalisch betätigen und Fortschritte erzielen. Während des 1. Weltkrieges waren die Fachkenntnisse aufgrund fehlender Übungsmöglichkeiten und fehlender Unterstützung der Unteroffiziere gesunken. Richard ordnete deshalb 1940 an, die Formationen durch seine Spielinstruktoren zu inspizieren. Allfällige Mängel und Qualitätsverluste sollten so behoben und die Spiele weiterführend ausgebildet werden. Denn für die möglichen musikalischen Einsätze wie Ehrenwachen, Feiern, Empfänge oder Defilees hatten die Spiele vorbereitet zu sein.
Doch während des 2. Weltkrieges kam es immer wieder vor, dass Bataillonsspiele nicht Tag für Tag der Musik nachgehen konnten. War der zuständige Truppenkommandant nicht der beste Freund der Militärmusiker, wurden diese tage- oder wochenlang als Arbeitsmannschaft eingesetzt. Die militärische Situation war angespannt und es wurde sich auf allfällige Angriffe vorbereitet. Deshalb mussten auch die Trompeter mit anpacken. Es war klar, «dass das Schanzen, Pickeln, Wagenwaschen und Wachestehen zum Gebot der Stunde gehöre.» Beispielsweise berichtete Trompeter Kammerer an Hptm. Richard, dass sie mit ihrem Bataillonsspiel keineswegs immer musizieren könnten und er in der übrigen Zeit «Bureauchef und Mädchen für alles» sei. Wenn die Musik aber gänzlich vernachlässigt wurde, war das nicht im Sinn der Armeeführung und schon gar nicht von Hptm. Richard. Schliesslich sollten die Spiele durch ihre Vorträge die Soldaten bei Laune halten und eine Ablenkung zum strengen Alltag bieten. Besonders wichtig war dies auf langen Märschen. Während diesen ununterbrochen Marschmusik zu spielen, war eine grosse Anstrengung für die Trompeter.
Gleichwohl versuchte Hptm. Richard mit seinen Musikern die Soldaten sowie die Zivilbevölkerung zu unterhalten und auf den Strassen präsent zu sein. Zum Ende des Jahres 1940 reiste dazu ein 300 Mann starkes Divisionsspiel quer durch die Schweiz, um Saal- und Platzkonzerte zum Besten zu geben. Mitte Dezember konnte Richard General Guisan einen durchwegs positiven Zwischenbericht zusenden. Die Festkonzerte in Zürich, Basel, Bern und St. Gallen seien sehr gut verlaufen und im Tessin wurde das Divisionsspiel geradezu «triumphal» empfangen. Weitere Stationen waren Luzern und Aarau, in der Westschweiz Lausanne und Genf sowie nochmals Bern, wo auf dem Bundesplatz ein Platzkonzert für die «Berner Schuljugend» veranstaltet wurde. Waren jeweils neben der Bevölkerung und Politikern auch hohe Militärs im Publikum, wohnte dem Konzert in Lausanne gar der General bei. Die Begeisterung im Lande, auch bei Konzerten von Divisionsspielen in späteren Jahren, war gross.
Die Schweizer Militärmusik verkörperte während des 2. Weltkrieges ein gutes musikalisches Niveau, ein sicheres und diszipliniertes Auftreten sowie die Verbundenheit zu Truppe und Volk. Obwohl es etliche Probleme und Mängel gab, an denen gearbeitet werden musste, verlangte Hptm. Richard nach aussen hin immer Professionalität und gute Leistungen der Musiker. Zu musikalisch einwandfreien Darbietungen gehörte auch das militärisch korrekte Auftreten. Die Formationen hatten schön gerichtet zu sein und die Soldaten stramm zu stehen. Bei Militärkonzerten zu dieser Zeit mussten die Trompeter in der Regel stehend und auswendig musizieren. Sitzende Spiele mit Notenständern, wie heute üblich, waren von den Militärs nicht gern gesehen.Obwohl die grossen Fortschritte und Reformen während der Kriegsjahre ausblieben, schaffte es Hans Richard, dass die Militärmusiker, neben verschiedensten Arbeitseinsätzen im Felde, ihre musikalische Tätigkeit bei Märschen, Defilees, Zeremonien, Feiern und öffentlichen Konzerten ausüben konnten. Dafür setzte er eines voraus: Eigenverantwortung und Loyalität eines jeden Soldaten gegenüber seiner Aufgabe für das Volk und Vaterland.