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Zwangsisolation, Standortüberwachung und ein persönlicher Aufpasser: So sieht das Leben in Südkorea zurzeit aus. Dieser Bericht eines US-Amerikanern zeigt, wie sehr die Regierung auf Überwachung setzt, um den Coronavirus in Zaun zu halten.
Der Amerikaner Michael Kim reiste zusammen mit seiner Familie nach Südkorea. Was ihn dort erwartete, war ein Kulturschock. Die Massnahmen, die die Südkoreaner im Kampf gegen das Coronavirus getroffen haben, sind nicht nur für Amerikaner unglaublich. In einem Twitter-Thread beschreibt er die Lage. Wir haben seine Geschichte für euch übersetzt.
Für mich als Amerikaner in Südkorea ist es interessant, wie stark sich die beiden Länder in Bezug auf ihren Umgang mit dem Coronavirus unterscheiden.
Nach der Ankunft am Flughafen messen sie deine Temparatur und fragen dich, ob du Symptome hast. Du wirst dazu aufgefordert, zwei mal täglich deine Symptome in eine App abzufüllen. Wenn du keine Symptome hast, ist auch das anzugeben. Das Ganze dauert dann 14 Tage.
Während diesen zwei Wochen ist es dir nicht erlaubt, deine Quarantänestation oder dein Zuhause zu verlassen. Du darfst keine öffentlichen Verkehrsmittel oder das Taxi benutzen, und du kannst dich nicht in einem Hotel oder einem Airbnb niederlassen. Wenn du kein Zuhause hast, musst du in ein Wohnheim.
Wenn du diese Regeln brichst, musst du ein Bussgeld von 10'000 US-Dollar bezahlen und gehst ins Gefängnis. Ausserdem überprüfen sie deinen Standort regelmässig. Der Standort meiner Frau wurde 37 Mal innerhalb von drei Tagen geprüft. Und sie erwischten Menschen, welche ihr Telefon Zuhause liessen, um unbemerkt nach Draussen zu gehen.
Während dieser Zeit kannst du mit niemandem Kontakt haben. Sie geben dir spezielle Abfallsäcke und Menschen in Schutzanzügen kommen vorbei, um deinen Abfall zu entsorgen.
Dir wird ein Aufpasser zugewiesen, welcher dafür verantwortlich ist, zu überprüfen, ob du auch alle Regeln entsprechend befolgst. Diese werden dich regelmässig anrufen und dir schreiben, ob alles in Ordnung ist. Auch werden sie dir Pflegepakete mit Essen, Handschuhen und Masken, Hygieneartikel für Frauen, usw. zusenden.
Wenn ein neuer Coronavirus-Fall in deinem Areal (gleiche Stadt oder Distrikt) registriert wird, bekommst du einen Alarm auf dein Handy, in der die Person beschrieben wird (Alter, Mann/Frau, Stadt). Darauf folgen regelmässige Updates, sobald mehr bekannt ist.
Wenn du an einem Ort warst, an dem gleichzeitig jemand mit Coronavirus war, wird dich jemand kontaktieren und du wirst getestet und für weitere 14 Tage in Selbstisolation gesteckt.
Drei Tage nach unserer Ankunft mussten wir einen COVID-19 Test durchführen. Das war die einzige Aktivität, in der es uns erlaubt war, das Haus zu verlassen. Das wiederum musst du in Absprache mit deinem zugewiesenen Aufpasser machen. Wir als 4-köpfige Familie wurden innerhalb von 10 Minuten getestet. Die Resultate kamen innerhalb von 7 Stunden.
Nach verschiedenen Alarmen auf dem Handy haben meine Familie und ich unsere Pläne geändert, um gefährdete Areale vermeiden zu können. Orte mit viel Menschenverkehr wie das südkoreanische Äquivalent zum amerikanischen Walmart haben Temperaturmonitore installiert, wo man jedermanns Temperatur sehen kann.
Hier gab es absolut keine Proteste oder Demonstrationen gegen die Anti-Freiheits-Massnahmen oder die Einschränkungen der Privatsphäre. Ich bin kein Experte in koreanischer Politik, aber es wirkt so, als akzeptiere jeder diese Massnahmen als Notwendigkeit im Kampf gegen die Pandemie.
Südkorea hat mit 10'909 Fällen moderate Zahlen im internationalen Vergleich. Der Grund sind die harten Massnahmen und Regelungen. 256 Menschen sind im Zusammenhang mit COVID-19 ums Leben gekommen. Über das Wochenende meldete Südkoreas Zentrum für Seuchenkontrolle (KZSK) einen Anstieg von täglich bis zu 34 neuen Fällen – und das nach einer Woche mit 0 inländischen Neuansteckungen. Grund dafür war die Partynacht eines Südkoreaners.
(cki)