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Alberto Moravia
Die Liebe und ihr Scheitern
Zehn Jahre vor Camus' «Etranger» brachte Italien den ersten existenzialistischen Roman hervor. «Gli indifferenti»/«Die Gleichgültigen» schildert das Leben von Michele und Carla, Sohn und Tochter einer römischen Familie, die ganz in die Gewalt des (fatal an Mussolini erinnernden!) Aufsteigers Merumeci geraten ist. Erst der Geliebte der Mutter, heiratet er am Ende Carla, während er Michele mit einer ehemaligen Geliebten verkuppelt. Dennoch aber erregt er bei den so Gedemütigten weder Zorn, noch Widerstand, sondern nur Langeweile, Ekel und Gleichgültigkeit.
Verfasser war der am 28. November 1907 in Rom geborene, aus jüdisch-katholischer Familie stammende Alberto Pincherle alias Alberto Moravia. War der Erstling in einem Lungensanatorium entstanden, so profitierten Moravias spätere Werke von der Arbeit als Journalist, die ihn in die ganze Welt führte, immer aber die römische Kunst- und Literaturszene zum Zentrum hatte. Mit «La mascherata» machte er 1941 den Faschismus lächerlich, «La Romana» (1947), die freizüge Geschichte der Dirne Adriana, kam als obszön auf den Index der verbotenen Bücher, die «Römischen Erzählungen» von 1954/59 sind ein modernes Decameron der trivialen römischen Alltagswelt, «La Ciociara» (1957) erzählt das Drama von Cesira und ihrer Tochter Rosetta, die unter den Faschisten nicht mehr zu leiden haben als später unter den alliierten «Befreiern». Etwas wie politisches Engagement verrät auch der erst 2007 aus dem Nachlass publizierte Roman «I due amici», der in den Fünfzigerjahren entstand und von einem Journalisten erzählt, der seinen Freund partout zum Kommunismus bekehren will. Wieder stärker an die coole Nonchalance des Erstlings erinnern «La noia» (1960) – die Evokation des ewig gelangweilten Dandy Dino und des lustvoll-sinnlichen Models Cecilia – und «L'uomo che guarda» von 1985, eine hintergründige erotische Paraphrase auf Alain Robbe-Grillets «Le voyeur» von 1955.
Obwohl die Liebe in Moravias Werk fast immer scheitert, war sie sein Lebens- und Schreibelixier: mit den Autorinnen Elsa Morante und Dacia Maraini oder mit der 47 Jahre jüngeren Carmen Llera, die er 1986, vier Jahre vor seinem Tod am 26. September 1990, noch ganz offiziell heiratete.
Bild: Alberto Moravia und Elsa Morante 1940