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(lat. Balnĕator), ehedem der
Besitzer und Vorsteher einer Badestube (Bademeister, Stübner), jetzt in mehreren
Staaten ein Mann, der zur Ausübung der niedern
Chirurgie und zum
Rasieren berechtigt ist, also s. v. w.
Barbier.
Schon die Griechen hatten ihre
Aleipten, Badediener, welche das Reiben und
Salben im
Bad
[* 2] besorgten, nebenher auch schröpften
und zur
Ader ließen. An den öffentlichen Bädern der
Römer
[* 3] gehörten solche
Personen zur
Klasse der Staatssklaven, und auch
als Aufwärter der
Ärzte bei Zubereitung von Bädern kommen Bader vor.
Beide
Klassen standen in
Deutschland
[* 6] lange Zeit unter dem stärksten
Druck, da sie, größtenteils Leibeigne und wendischer
Abkunft, von einer jeden
Innung und
Zunft ausgeschlossen blieben.
KeinHandwerker nahm einen jungen
Menschen in die
Lehre,
[* 7] der
einem
Barbier oder Bader verwandt war. Erst 1406 gab der
KaiserWenzel den Badern aus Dankbarkeit,
weil er von der
Tochter eines Baders aus dem
Schloß Wiltberg im Österreichischen gerettet worden war, ein
Privilegium, worin sie für ehrlich
erklärt und ihnen ein
Wappen
[* 8] erteilt wurde. Da dies jedoch nicht rechtskräftig war, so gelangten sie erst zum vollen
Genuß desselben, als sie 1548 durch einen Beschluß des
AugsburgerReichstags für zünftig erklärt und abermals rein gesprochen
wurden.
Von jetzt an und namentlich nach der geschehenen Vereinigung der und
Barbiere wurden beide und die Wundärzte als nicht voneinander
unterschiedene
Handwerker betrachtet. Seitdem wurde die Ausübung der niedernChirurgie nur denjenigen
zugestanden, welche zunftmäßig sieben Jahre das
Rasieren getrieben und im
Besitz einer Barbierstube oder sogen. chirurgischen
Gerechtigkeit (Badestubengerechtigkeit) waren.
Alle die Einrichtungen, welche aus der Vereinigung der niedern
Chirurgie mit
dem Bader- und Barbierertum hervorgehen mußten, sind neuerdings fast überall beseitigt worden, und die
Chirurgie in ihrem
ganzen
Umfang wurde die ausschließliche
Domäne der vom
Staat approbierten und zur Ausübung der gesamten
Heilkunde berechtigten
Ärzte. Das Gewerbegesetz vom gab in
Deutschland die ganze ärztliche
Praxis vollständig frei
(vgl.
Arzt).
Nach seiner Pensionierung (1849) fungierte er noch als
Leiter des musikalischen
Gottesdienstes in der katholischen
St. Hedwigskirche, wo er vorzugsweise die Werke alter italienischer
Meister zur Ausführung brachte. Er starb in
Berlin.
[* 15]
Baders Wirksamkeit an der
BerlinerOper gehört zu den ruhmreichsten
Erinnerungen derselben,
denn er bildete mit den Sängerinnen
Milder und
Schultze und dem Bassisten
Blume das den ältern
Berliner Musikfreunden unvergeßlich gebliebene
Gesangsquartett der Spontinischen Zeit.
Friedrich Wilhelm, Holzschneider, geb. zu Brackenheim bei Heilbronn,
erhielt seinen ersten künstlerischen Unterricht auf dem Polytechnikum in Stuttgart, widmete sich von 1842 an dem Graveurfach
und ging 1846 in das dortige xylographische Atelier von C. Deis über. Nachdem er dann auf Reisen 1848 und 1849 die besten
Institute für Holzschneidekunst, namentlich das von Braun und Schneider in München, besucht hatte, wurde
er 1850 in das Atelier Gabers nach Dresden berufen und arbeitete hier nach den Zeichnungen Ludw.
Richters, für den er z. B. die Bilder in «Erbauliches
und Beschauliches» schnitt, ebenso Illustrationen zu Bechsteins «Märchenbuch»,
zur «Spinnstube» etc. 1851 ließ er sich in
Wien nieder, wo er anfangs notgedrungen wieder das Graveurfach ergriff, bis er 1855 mit Waldheim eine Kunstanstalt gründete,
aus der eine Reihe von Holzschnitten als Einzelblätter und als Illustrationen hervorgingen.
Nach vielfachen Anstrengungen gründete er 1869 dort sein eignes bedeutendes Institut für Holzschneidekunst, das unter anderm
die Trachtenbilder nach
Zeichnungen Dürers in der Albertina zu Wien, die große Ansicht von Wien aus
dem Jahr 1873, das Gedenkblatt für das Kaiserjubiläum Franz Josephs und neuerdings auch die Holzschnitte für Thausings
«Leben Albrecht Dürers» lieferte. Seine Arbeiten haben das Verdienst,
in Österreich den ersten Holzschnitt frei von der Nachahmung des Kupferstichs eingeführt zu haben und
mit gründlichem Studium der Meister des 16. Jahrh. den jedesmaligen Charakter des Künstlers
wiederzugeben.
ursprünglich die Inhaber von Badestuben. Das warme Baden
[* 16] war im Mittelalter eine in Deutschland ganz allgemein
verbreitete Sitte und ward als unentbehrliches Lebensbedürfnis betrachtet;
¶
mehr
man benutzte, wie jetzt noch im Orient, den Besuch einer Badestube, um mancherlei körperliche Säuberungen, Abnehmen oder
Stutzen des Bartes, Verschneiden der Haare
[* 18] und der Nägel
[* 19] u. dgl. vornehmen zu lassen. Die Badeknechte reinigten den Körper
der Gäste in jeder Beziehung. Sie griffen auch in das ärztliche Gebiet ein, indem sie schröpften, Hautkrankheiten
[* 20] und offene Schäden behandelten. Sodann zogen diese Badeknechte mit ins Feld, wo sie sich mit Bartscheren (daher Feldscherer)
und der Pflege der Verwundeten abgaben, und diese beiden Beschäftigungen pflegten sie auch nach der Rückkehr in die friedlichen
Verhältnisse zu betreiben.
Von ihnen zweigte sich die besondere Zunft der Barbiere (von barbaris, Bartscherer) ab, die mit den eigentlichen
in Bezug auf die Pflege des Bartes in Konkurrenz trat und sich das Vorrecht errang, auch außer der Barbierstube barbieren zu
dürfen, während die Bader auf ihre Badestube beschränkt blieben. Beide Gewerbe galten lange als anrüchig, weil man die
Dienste,
[* 21] die sie für Geld am Körper anderer verrichteten, für unehrenhaft und sklavisch ansah und die wachsende Zügellosigkeit
in den Badestuben Besitzer von solchen in üblen Ruf brachte.
Schon König Wenzel suchte sie 1406 durch ein Privileg ehrlich zu machen, indessen ohne viel Erfolg, desgleichen die
Reichspolizeiordnungen von 1548 und 1577; ja noch 1731 wurden Reichstagsverordnungen gegen diese Anrüchigkeit
erlassen, die sich verlor, seit die Barbiere mehr und mehr zugleich als Chirurgen auftraten und, neben Schröpfen und Aderlassen,
auch Wunden und äußere Schäden behandelten, woneben immer noch das Barbieren eine einträgliche Seite ihres Gewerbes blieb.
In einzelnen Gegenden, namentlich in Süddeutschland, nehmen die Bader auf dem Lande noch fast ganz die alte
Stellung ein, sind angesehen und werden vom Volke «Doktor» tituliert. Über die neuern Verhältnisse des Barbiergewerbes s.
Barbier.
Vgl. Benecke, Von unehrlichen Leuten (2. Aufl., Berl. 1889).