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Im Sommer 1868 verliess der 35-jährige Rudolf Heer (1833-1882) mit seiner Familie die Stadt Glarus und wanderte nach Amerika aus. Er suchte sein Glück in der Neuen Welt, nachdem er es in der alten aus den Händen gegeben hatte ... Im Gegensatz zu vielen anderen Zeitgenossen hatte sich Rudolf Heer in Glarus eine sichere Existenz aufgebaut. Seine mechanische Werkstätte, welche er zeitweise mit einem Geschäftspartner und später mit seinem jüngeren Bruder betrieb, sicherte ihm und seiner Familie einen bescheidenen Wohlstand und ein gewisses Ansehen. Doch der grosse Brand von Glarus, der im Mai 1861 rund zwei Drittel des Ortes zerstörte, änderte dies. Nicht etwa, weil Heers Werkstatt ein Raub der Flammen wurde, sondern weil der Glarner nicht mit der Situation nach der Katastrophe klarkam.
Dabei wäre er in einer ausserordentlich glücklichen Lage gewesen. Im Gegensatz zu den meisten Glarnerinnen und Glarnern war Rudolf Heers Haus, der «Stampf», weitgehend von Brandschäden verschont geblieben. Einerseits, weil das Gebäude über ein festes Dach mit Schieferplatten verfügte. Andererseits hatte der Mechaniker noch in der Brandnacht die hölzernen Fensterläden entfernt und so verhindert, dass die Flammen sich am Haus festsetzen konnten.
Aber es kam noch besser. Der Wiederaufbau von Glarus wurde von Johann Caspar Wolff und Bernhard Simon geleitet. Letzterer hatte während Jahren in Sankt Petersburg gelebt und dort für zahlreiche russische Adlige Häuser entworfen. Die beiden Architekten planten eine moderne und schachbrettartige Stadt mit breiten Strassen und repräsentativen Häusern und Plätzen. Dafür musste nicht nur der Brandschutt beseitigt, sondern auch der «Tschudirain», ein 23 Meter hoher Hügel eines prähistorischen Bergsturzes, abgetragen werden. Ein Teil dieses Schutts wurde auf dem Grundstück von Rudolf Heer deponiert. Dafür wurde er mit rund 10'000 Franken entschädigt. Eine Menge Geld, bedenkt man, dass ein Arbeiter zu dieser Zeit rund 800 Franken im Jahr verdiente.
Der plötzlich reich gewordene Rudolf Heer kam mit seinem neuen Leben nicht klar. Er trank zu viel, spielte zu viel und prozessierte zu viel. Der Mechaniker war mit der Entschädigung der Gemeinde nicht zufrieden und versuchte, in kostspieligen Prozessen noch mehr Geld zu erhalten. Mit gegenteiligem Effekt. 1868 war Heer pleite und der «Stampf» wurde öffentlich zur Versteigerung ausgeschrieben. Nachdem sein jüngerer Bruder Melchior Gebäude und Geschäft übernommen hatte, blieb Rudolf nur noch eine Möglichkeit: Weg, so schnell wie möglich.
Am 22. Juli 1868 stieg Rudolf Heer gemeinsam mit Ehefrau Rosina und den beiden Töchtern Barbara und Maria in Glarus in den Zug. Der lange Weg nach Amerika begann. Er führte die Familie mit den Vereinigten Schweizerbahnen über Rapperswil und Uster nach Zürich. Dort mussten die Heers umsteigen. Die Nordostbahn brachte sie via Baden und Brugg nach Aarau. Nach einem weiteren Zugwechsel fuhr die Familie mit der Centralbahn über Olten nach Liestal.
«Am Tage der Abreise kamen wir abends nach Liestal zur Schwester Barbara, welche uns freundlich aufnahm und wir bei ihnen verweilten bis den anderen Tag Abends 5 Uhr wo dann Schwager Spinnler noch uns begleitete bis nach Basel. Bis hieher ging die Reise ordentlich. Von Basel fuhren wir Tag und Nacht Paris zu, welches mit den Kindern sehr beschwerlich ist. Von Basel weg wollten die Kinder immer heim wo wir viel Mühe hatten sie zu besänftigen. Morgens 4 Uhr kamen wir in Paris an. Abend 12 Uhr fuhren wir in Paris ab gegen Havre. Ankunft morgens 7 Uhr, wo wir sehr froh waren, denn das war wieder eine mühsame Nacht. Die Wagen waren so gepfropft voll, dass ich Gewalt brauchen musste um in den gleichen Wagen zu kommen mit Frau und Kindern.»
In seinem ersten Brief aus der Neuen Welt schilderte Rudolf Heer seiner Mutter die ersten Tage der Reise. Sie klingen anstrengend und es wurde nicht besser. Auf dem Schiff, das die Familie von Le Havre nach New York bringen sollte, war das Klima noch rauer als in den überfüllten Zugabteilen.
Am 28. Juli 1868, nach einem dreitägigen Aufenthalt an der Atlantikküste, besteigen die Glarner den Segeldampfer «Atalanta». Sie gehörten zu den 427 Passagieren, welche die Überfahrt nach New York antraten. Wie die meisten Reisenden hatten sie Plätze im Zwischendeck. Dort, gedrängt zwischen Gepäckstücken und Menschen, verbrachten sie die meiste Zeit in engen Holzpferchen.
«Den 29ten griff es meine Frau an mit der Seekrankheit. Den 31ten hatten wir starken Wind und allgemeine Seekrankheit ausser sehr wenigen Personen in unserem Zwischendeck in Mitte des Schiffes.»
Dazu kamen stürmische Wetterverhältnisse, welche den Menschen im Zwischendeck arg zusetzten:
«Nachts ziemlich Sturm, so dass es alles hin und her warf die Comando ertönten alle Segel mussten sogleich eingezogen werden, die Kessel und Kisten alles schlug zusammen, man musste sich festhalten, dass man nicht aus dem Bett geschleudert wurde. Da gab es ein schreien und beten – heilige Maria bitt' für uns. Ich suchte Trost in meinem Fläschchen welches noch ganz blieb, und so ging es bis morgens, wo der Sturm ein wenig nachliess.»
Nach einer kleineren Meuterei wegen des schlechten Essens und ständigen Streitigkeiten zwischen den Passagieren im Zwischendeck – es reisten dort Menschen aus England, Schottland, Irland, Deutschland, Frankreich, Italien, Russland und aus der Schweiz nach Amerika – kam am 18. Tag auf hoher See der ersehnte Ruf. «Land in Sicht!» Rudolf Heer freute sich. Er und seine Familie waren nun seit 25 Tagen unterwegs und sahen zum ersten Mal ihre neue Heimat.
«Den 14ten (August) Morgens 8 Uhr sehen wir Land ausgezeichnet schöne Gegend.»
Forscher in Guadeloupe haben das grösste bisher bekannte Bakterium entdeckt. Das Thiomargarita magnifica ist mit einer Grösse von bis zu zwei Zentimetern 5000 Mal grösser als durchschnittliche Bakterien und hat eine komplexere Struktur, wie es in einer am Donnerstag in der Fachzeitschrift «Science» veröffentlichten Studie heisst.