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Helden der Leinwand
Ein Hund kann mit seinen Augen mehr sagen, als ein Mensch es durch Dutzende, von einem brillanten Autor geschriebene Worte könnte.» So beschrieb Rudd Weatherwax die Wirkung von Filmhunden. Und er sprach aus Erfahrung: Sein Langhaarcollie war der erste Darsteller von Lassie, der Protagonistin der gleichnamigen Fernsehserie, die von 1954 bis 1973 und auch in Filmen zahlreiche Erfolge feierte.
Was den Zuschauern verborgen blieb, ist, dass Filmhündin Lassie meist von Rüden gespielt wurde. Der Grund dafür ist ein optischer: Langhaarcollie-Weibchen sind während des Fellwechsels im Sommer, der Zeit der Hauptdreharbeiten, sehr dünn und nicht so prächtig, wie man sich eine vierbeinige Heldin vorstellt.
«Lassie» (1994)
Lassie war bei Weitem nicht die einzige Hündin im Film- und TV-Geschäft. Wendy Mitchell hat in ihrem Buch «Lassie, Benji & Co. Wie der Film auf den Hund kam» insgesamt 60 Hunde zusammengetragen, die in den letzten hundert Jahren in Filmen oder Serien mitspielten. Neben bekannten Tierhelden in den Hauptrollen wie Lassie stellt die Autorin auch jene Filmhunde vor, die in Nebenrollen auffielen. Und erzählt dabei Anekdoten aus dem Leben der Hunde vor, während und nach den Dreharbeiten.
So sei Mischling Mut, der 1918 den Hund Scraps im Stummfilm «Ein Hundeleben» spielte, ein wahrer Wunschhund von Charlie Chaplin in der Hauptrolle gewesen. Weder Dackel und Spitz noch Pudel, Boston Terrier und Englische Bulldogge konnten Chaplin überzeugen. «Diese Haushunde sind alle zu verwöhnt», soll er gesagt haben. Was Chaplin wollte, war ein Mischling. Der war zu Beginn der Dreharbeiten noch ein Welpe, wuchs aber so schnell, dass das Team später mit übergrossen Requisiten tricksen musste. Nach den Dreharbeiten ging Chaplin auf Tour. Mut war darüber so traurig, dass er nicht mehr fressen wollte und drei Wochen später starb.
«Ein Hundeleben» (1918 – ganzer Film)
Tierische Tricks und Talente
In den 1930er-Jahren eroberte auch der Deutsche Schäferhund Rin Tin Tin die Kinoleinwände. Für seine erste Hauptrolle im Drama «Der Hund von Karibu» von 1923 verdiente Rin Tin Tin mehr als menschliche Schauspieler und erhielt bis zu 50 000 Fanbriefe pro Monat. Der Deutsche Schäferhund war in Hollywood so beliebt, dass er für seine Rolle in «The Clash of the Wolves» von 1929 bei den Oscars die meisten Stimmen für die beste männliche Hauptrolle bekommen haben soll. Die Academy bestand jedoch darauf, den Oscar einem Menschen zu verleihen. Die Stunts von Rin Tin Tin funktionierten allerdings nicht ganz ohne Tricks. So waren die Fensterscheiben, durch die der Deutsche Schäferhund sprang, aus Zuckerglas.
«Where the North begins» mit Rin Tin Tin (1923 – ganzer Film)
Auch für die Komödie «Scott & Huutsch – Eine Dogge zum Knutschen» von 1989 mussten sich die Macher etwas einfallen lassen. Bei der Unmenge an Sabber, die die Bordeauxdogge im Film kunstvoll abschüttelt, handelt es sich in Wirklichkeit um Eischnee.
«Scott und Huursch» (1989)
Huutsch gilt als Vorläufer aller liebenswerten, aber ungezogenen Hunde in Filmen. Zu denen zählte auch der Bernhardiner aus der 1992 erschienenen Komödie «Ein Hund namens Beethoven». Der Rüde brachte ganze 84 Kilogramm auf die Waage. Wohl auch deshalb musste für die Szene, in der Beethoven ein Mädchen aus dem Pool rettet, ein Stuntman in ein Hundekostüm schlüpfen. Beachtliche Zahlen gab es auch am Filmset von «101 Dalmatiner – Diesmal sind die Hunde echt» aus dem Jahr 1996. Insgesamt 230 Dalmatinerwelpen im Alter von acht Wochen wirkten am Set mit, betreut von 13 Tiertrainern.
«101 Dalmatiner» (1994)
Wenig Training brauchte Buddy aus dem Film «Air Bud – Champion auf vier Pfoten» von 1997. Der Golden Retriever konnte nämlich tatsächlich Basketball spielen. Das hatte Buddy bereits vor seiner Schauspielkarriere mit einem Korbleger während eines Auftritts in der David-Letterman-Show unter Beweis gestellt.
Echt soll auch die Freundschaft gewesen sein zwischen den vielen Schweinchen, die die Protagonistin in «Ein Schweinchen namens Babe» von 1995 spielten, und Border Collie Fly. Dies, weil sie sich bereits Wochen vor Drehbeginn beschnuppern und miteinander spielen konnten.
Literaturtipp
Wendy Mitchell: «Lassie, Benji & Co. Wie der Film auf den Hund kam», Hardcover, 128 Seiten, Laurence King Verlag, ISBN 978-3-96244-133-3, ca. Fr. 19.–