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mit dem Holzschnitt - er war ebenfalls für Kaiser Maximilian thätig - ließ zeitweilig die italienischen Einflüsse zurücktreten, die in den letzten Lebensjahren jedoch wieder sich geltend machten. Als sein bestes Werk ist das Bild «Esther vor Ahasver» (1528) zu betrachten, welches durch Schönheit in Zeichnung und Farbe, wie durch meisterliche Sicherheit in der Formbehandlung sich auszeichnet (Fig. 572).
Hans Holbein der Jüngere. Dem durch die Vorgenannten bereits im neuen Geiste bearbeiteten Boden der schwäbischen Schule entwuchs nun ein Meister, der nach Albrecht Dürer der bedeutendste und größte der deutschen Malkunst jener Zeit wurde. Es ist dies Hans Holbein der Jüngere, Sohn und Schüler des Aelteren (1497-1543). Nach der Lehrzeit in der Werkstatt des Vaters scheint er frühzeitig auf die Wanderschaft gegangen zu sein (dabei vielleicht auch Italien besucht zu haben), und trat 1515 in Basel als Gehilfe in eine Malerwerkstatt ein, nachdem er bereits durch einige Bilder (Madonna 1514, Kreuztragung 1515) seine malerische Befähigung erwiesen hatte.
Schon mit dem Bildnisse des Bürgermeisters Meyer (1516) zeigte er dann, daß er den Baseler Malern überlegen sei und als selbständiger Meister auftreten könne. Im Jahre 1517 ging er nach Luzern und führte hier die Wandmalereien des Hartensteinschen Hauses aus, welche ihm einen gewissen Ruf verschafften; so daß er, als er 1519 sich in Basel als Meister niederließ und das Bürgerrecht erwarb, mehrfache Aufträge für Wandmalereien an Bürgerhäusern und im Ratssaale erhielt.
Diese Gemälde sind allerdings verschwunden, die noch erhaltenen Skizzen zeigen jedoch eine, manchmal noch etwas derbe, aber wirkungsvolle Kraft der Zeichnung. In den nächsten Jahren trat er auch mit einigen kirchlichen Gemälden (Christus im Grabe, Geburt Christi und Anbetung der heiligen drei Könige, Madonna u. a.), sowie mit einigen Ebenbildnissen hervor, in welchen sich bereits seine künftige Meisterschaft ankündigt. Dazu gehört das ausdrucksvolle, die geistige Bedeutung der Persönlichkeit trefflich kennzeichnende Bildnis des gelehrten Humanisten Erasmus von Rotterdam, während in jenem der Dorothea Offenburg er auch seine Begabung für Schilderung sinnlicher Anmut und für reizvolle Behandlung des Fleisches zeigt.
Seine künstlerische Eigenart entwickelte sich nun rasch zur Vollendung; und schon im Jahre 1525 entstand das Werk, mit welchem er alle deutschen Meister seiner Zeit,
^[Abb.: Fig. 577. Cranach: Judith.
Wien. Kaiserl. Gemäldegalerie.]
^[Abb.: Fig. 578. Cranach: Christus und die Ehebrecherin.
München. Pinakothek. ¶
nur Dürer ausgenommen, überflügelte: Die «Madonna des Bürgermeisters Meyer» (in Darmstadt, eine Nachbildung in Dresden). Es ist mehr ein Bildniswerk, als ein kirchliches, da der Stifter natürlich das Hauptgewicht auf die Darstellung seiner Familie legte; immerhin haben wir aber in demselben das schönste Madonnenbild, welches die deutsche Kunst geschaffen hat. Wir begegnen hier derselben Auffassung, wie bei den italienischen Renaissancemeistern, denn auch Holbein giebt die Mutter des Heilands als ein zum urbildlich Schönen verklärtes Weib, und zwar wie es der deutschen Vorstellung von edelster weiblicher Würde entspricht.
Milde und sinnig, unendlicher Liebe voll und frei von allen irdischen Regungen blickt Maria auf die Familie, die sie in ihren Schutz genommen hat; das Christuskind auf ihren Armen ist von höchstem Liebreiz in seiner natürlich unbefangenen Bewegung. Die Bildnisse der Familie sind mit einer Lebenswahrheit ausgeführt, welche kaum übertroffen werden kann. Der Bürgermeister selbst in frommer Haltung, mit dem Ausdruck gläubigen Vertrauens und doch auch selbstbewußter Thatkraft in den markigen Zügen, sieht zur Madonna auf, während die eine der Frauen auch in diesem feierlichen Augenblicke ihrer mütterlichen Pflicht nicht vergißt und auf die frohgestimmten Kinder achtet, von welchen das Kleinste ein Gegenstück zu dem Christuskinde bildet; auch die Tochter an der Seite der Mutter wird durch den Anblick dieser Gruppe von den frommen Gedanken abgezogen, obwohl sie die dem Ernste der Handlung entsprechende würdige Haltung bewahrt.
Die vollste Naturwahrheit herrscht im ganzen, wie in den einzelnen Zügen, es ist nichts Gesuchtes und Gezwungenes in der Darstellung des Vorganges, Ernst und Schalkhaftigkeit paaren sich in ihm, und dennoch liegt in derselben eine über das Gewöhnliche erhobene Stimmung, welche das Gefühl inniger Andacht erweckt. Die ebenmäßig schöne Anordnung ist in diesem Bilde ebenso bemerkenswert, wie der sanfte Glanz der Farben. - Den ganzen Unterschied zwischen dem italienischen und deutschen Wesen und Kunstgeiste läßt ein Vergleich der Holbeinschen Madonna mit Tizians Madonna des Hauses Pesaro erkennen.
Bald nach Vollendung dieses Bildes (1526) begab sich Holbein nach England, da bei den Wirrnissen, welche die Reformationsbewegung hervorrief, an eine halbwegs lohnende Thätigkeit nicht zu denken war. Sein treuer Erasmus v. Rotterdam hatte ihn dem englischen Schatzmeister Thomas Morus warm empfohlen und Holbein durfte hoffen, in England zahlreiche Aufträge zu erhalten. In der That täuschte er sich darin nicht, und er konnte während des zweijährigen Aufenthaltes in London eine ziemliche Anzahl von Bildnissen ausführen, die ihm hohes Ansehen verschafften.
Dennoch kehrte Holbein 1528 wieder nach Basel zurück, wo sich die Verhältnisse inzwischen aber nur verschlimmert hatten und eine geradezu bilderfeindliche Richtung aufgekommen war. Der Stadtrat betraute ihn wohl mit der Ausführung eines Wandgemäldes im Ratssaale, aber sonst fehlte es an Aufträgen. Holbein wandte sich daher abermals nach England, wo er jedoch seine früheren Gönner gestürzt und vom Hofe verbannt fand. Fehlten ihm nun auch zunächst die Be-
^[Abb.: Fig. 579. Grünewald: Der hl. Mauritius und der hl. Erasmus.
München. Pinakothek.] ¶