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Wird die Eishockey-WM 2021 gespielt, kann sich durch eine ganz besondere Ausgangslage für die Schweiz eine grosse Chance auf den WM-Titel eröffnen.
Zum ersten Mal seit Einführung der Playoffs (1986) macht die Liga eine Nationalmannschaftspause ohne Nationalmannschaft. Wegen der Virus-Krise verzichtet die Schweiz auf die Teilnahme am Deutschland Cup und ein Trainingslager als Ersatz ist nicht möglich. Voraussichtlich wird auch das Heimturnier in Visp (14. bis 18. Dezember) nicht möglich sein. Trotzdem sind die Perspektiven vielversprechend.
Zuerst einmal geht es um die Frage, ob die WM 2021 überhaupt wie geplant vom 21. Mai bis zum 6. Juni 2021 in Weissrussland (Minsk) und Lettland (Riga) durchgeführt werden kann. Die politische Lage in Weissrussland ist kritisch. IIHF-Präsident René Fasel sagt lediglich: «Wir unternehmen alles, damit die WM wie geplant stattfinden kann.»
Allerdings gibt es Planspiele für alternative Austragungsorte. Verhindert die politische Situation eine WM in Minsk, ist denkbar, dass alle Partien in Lettland gespielt werden. Was aber mit erheblichen Mehrkosten verbunden wäre. Oder die Russen springen ein. Sofern es im laufenden Prozess wegen der Doping-Vergehen nicht zu einer Sperre für Titelkämpfe in Russland kommt. René Fasel bestätigt: «Ja, es gibt ein entsprechendes Angebot aus Russland.» Eine Verlegung der WM in die Schweiz ist für 2021 hingegen ausgeschlossen.
Gemäss René Fasel bleibt das WM-Datum in jedem Fall unverändert. «Wir können wegen der Fussball-Euro das Datum nicht weiter in den Sommer hinein verschieben». Daraus ergibt sich eine interessante Ausgangslage für die Schweiz. Es ist möglich, dass in einzelnen Ländern die Meisterschaft wegen der aktuellen Einschränkungen durch die Virus-Krise länger dauern wird als ursprünglich vorgesehen.
Werden erst im Frühjahr wieder Zuschauer mehr oder weniger uneingeschränkt zugelassen, ist es möglich, dass die Playoffs in wichtigen Eishockey-Ligen – um Zuschauereinnahmen zu erzielen – erst im Mai gespielt werden. Wenn die WM schon begonnen hat. René Fasel sieht es so: «Wir hätten dann mit einzelnen europäischen Ligen eine ähnliche Situation wie mit der NHL und die WM-Teams würden mit Spielern antreten, die aus den Playoffs ausgeschieden sind.» Der IIHF-Obmann sagt, man würde diese Situation wohl akzeptieren. «Die Entscheidung, wie eine nationale Meisterschaft gespielt wird, liegt bei den einzelnen Verbänden und Ligen.»
Die NHL wird mit dem Spielbetrieb nicht vor dem 1. Januar 2021 beginnen und womöglich noch später. Am Format mit 82 Qualifikations-Runden soll – Stand heute – trotzdem festgehalten werden. Das kann zu einer Konstellation führen, wie zuletzt 1995 bei der WM in Schweden (Weltmeister Finnland): keine NHL-Profis bei der WM. Damals begann die NHL-Saison nach einem 103-tägien Lockout erst Ende Januar. Die Regular Season wurde zwar auf 48 Spiele verkürzt, ging aber erst am 6. Mai 1995 zu Ende. Weil die WM vom 23. April bis zum 7. Mai ausgetragen wurde, waren keine NHL-Stars dabei. Die Kanadier und Amerikaner stellten ihre WM-Teams aus in Europa engagierten Profis und Spielern aus den Universitäts- und Farmteam-Ligen zusammen.
Wenn sich die Regular Season der NHL bis in den Mai 2021 hinziehen sollte, könnte es zur nächsten WM ohne NHL-Spieler kommen. Das würde zwar auch die Schweiz betreffen. Die WM-Finalhelden von 2018 (u.a. Roman Josi, Kevin Fiala, Nino Niederreiter, Gaëtan Haas, Dean Kukan oder Timo Meier) wären dann nicht dabei. Aber auch unsere Gegner müssten auf ihre NHL-Titanen verzichten und auf der Schlüsselposition Torhüter wären wir mit Leonardo Genoni und Reto Berra gleich gut besetzt wie bei der Silber-WM 2018.
Bei einer WM ohne hätte die Schweiz wahrscheinlich eher bessere Medaillen- und Titelchancen als bei einer WM mit NHL-Stars. Und wenn die Meisterschaften in wichtigen Hockey-Nationen (Schweden, Finnland, Tschechien) in den Mai hinein verlängert werden sollten, dann würden diese Chancen noch grösser. Gegen diese optimistische Einschätzung mag sprechen, dass die Schweizer beim letzten Titelturnier ohne NHL-Beteiligung – bei den Olympischen Spielen 2018 in Südkorea – kläglich schon im Achtelfinale gescheitert sind. Aber zu diesem Zeitpunkt hatte Nationaltrainer Patrick Fischer noch nicht das Charisma eines WM-Finalcoaches und seit der Silber-WM 2018 sind die Schweizer viel selbstsicherer geworden.
Bis heute müssten eigentlich 57 Partien in der National League gespielt sein. Aber 19 davon sind bereits verschoben worden. Trotzdem rechnet Spielplan-General Willi Vögtlin damit, dass die 312 Qualifikationsspiele wie geplant bis zum 22. März und die Playoffs bis zum 11. Mai 2021 ausgetragen werden können. Weil es genug Verschiebungs-Daten gibt. Dann wäre Nationaltrainer Patrick Fischer dazu in der Lage, mit den besten Spielern aus unserer höchsten Liga bei der WM anzutreten – mit sehr guten Chancen auf eine Medaille.
Ob und wo die WM 2021 stattfinden kann, dürfte gemäss René Fasel bis März entschieden werden. Definitiv ist erst ein Titelturnier: die U 20-WM vom 25. Dezember 2020 bis zum 6. Januar 2021 in Edmonton. Sie wird, wie die letzten NHL-Playoffs, in einer «Bubble» unter Ausschluss des Publikums gespielt. Wegen der besonderen Umstände reisen die Teams bereits am 13. Dezember mit zwei Charterflügen von Frankfurt und von Zürich aus direkt nach Edmonton. Das bedeutet, dass die U20-Nationalspieler den Klubs in der National League und der Swiss League wegen der WM-Vorbereitung bereits ab dem 6. Dezember nicht mehr zur Verfügung stehen. Gecoacht wird das WM-Team von U20-Nationaltrainer Marco Bayer und von Nationaltrainer Patrick Fischer. Bisher war er bei der wichtigsten Nachwuchs WM «nur» Beobachter auf der Tribüne. Nun wird er erstmals als Assistent an der Bande stehen.