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| Hilarius von Poitiers († 367) - Abhandlungen über die Psalmen.

Vorrede zu dem Buche der Psalmen
4.
Sollte aber vielleicht Jemand darum dieser Ansicht den Glauben versagen, weil in denjenigen Psalmen, welche auf den Psalm, in welchem Moses als Verfasser vorangesetzt ist, folgen, geschrieben stehe, nämlich im achtundneunzigsten:1 „Moses und Aaron waren unter seinen Priestern, und Samuel war unter denen, welche seinen Namen anriefen,“ als könnte man nicht annehmen, daß dieser von Moses geweissagt worden wäre; weil Samuels Name, der doch um so viel später, als Moses geboren ward, im Psalme stehe; so möge er bedenken, daß es Niemanden auffallend oder kaum möglich scheinen dürfe, daß ein so großer Prophet den Namen eines so großen Propheten, obgleich er erst nachher kommen sollte, ausgesprochen habe; da in den Büchern der Könige der Name des Königes Josia, ehe dieser geboren ward, geweissagt wurde, indem der Prophet spricht:2 „Altar! Altar! so spricht der Herr: Siehe! ein Sohn wird geboren dem David, Josias ist sein Name;“ und darum darf es nicht unglaublich zu seyn scheinen, daß Samuel von Moses vorhergesagt wurde, zumal da er nach dem Ausspruche des Jeremias:3 Nicht einmal wenn Moses und Samuel da wäre, mit dem Moses genannt und diesem nach dem Verdienste der Heiligkeit gleichgestellt wird. Sollte man nun diese Ueberlieferung, welche, wie man glaubt, von Esdras, der nach der Gefangenschaft die Psalmen in Ein Buch sammelte, ausgegangen ist, für unrichtig und verwerflich halten, so müssen von denjenigen, welche widersprechen, die Verfasser dieser Psalmen nachgewiesen werden. Denn es ist eine entschiedene Sache, daß die in demselben enthaltenen Weissagungen nur von weissagenden Propheten verkündet werden konnten.
[S. 322]
1: Vers 6.
2: III. Buch der Könige XIII, 2.
3: Jerem. XV, 1.