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von Hansjörg Brem und Felicitas Meile
Die Neuburg – die grösste Burgruine im Thurgau – liegt über dem Untersee zwischen Mammern und Steckborn. Nach mehreren gescheiterten Anläufen zog das Amt für Archäologie des Kantons Thurgau in drei Etappen zwischen 2001 – 2003 eine Sanierung durch. Der Zustand von Bergfried und den noch bestehenden Mauerpartien war infolge von Verwitterung, aber auch Vandalismus schlecht; die letzten Sicherungsarbeiten waren zu Beginn der 1930er Jahre durchgeführt worden.
Das schliesslich durch einen Leserbrief ausgelöste Sanierungsprojekt bedingte einen erheblichen logistischen Aufwand, das dank der Partnerschaft mit dem Thurgauischen Baumeisterverband sowie einer Reihe von privaten und öffentlichen Stellen durchgeführt werden konnte. Deren Unterstützung bestand sowohl in einer direkten Beteiligung an der Sanierung wie auch an der Sicherstellung der Finanzierung.
Die Neuburg wurde vermutlich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts von der Familie von Klingen erbaut, ein erster Nachweis in den Quellen geht auf das Jahr 1290 zurück. Die Burg und die dazu gehörige kleine und meist mit Mammern verbundene Grundherrschaft wechselten häufig ihre Besitzer und gelangten schliesslich 1690 ans Kloster Rheinau. In den 1740er Jahren wurden Teile der Anlage abgebrochen, der eigentliche Verfall setzte im frühen 19. Jahrhundert ein.
Der Umfang der ursprünglichen, mittelalterlichen Anlage steht heute nur im Bereich der Kernburg fest. Diese dürfte im wesentlichen Bergfried und Palas umfasst haben, mehr konnte, da auf Grabungen verzichtet wurden, nicht sicher festgestellt werden. Baubefunde, aber auch Fundmaterial, darunter viel Ofenkeramik, bezeugen für die ganze Anlage im 16. und 17. Jahrhundert bedeutende Umbauten. Nicht nur wurden wehrtechnische Veränderungen veranlasst, so durch Bau einer Südbastion und durch Anpassungen an der Wehrplattform des Bergfriedes, sondern der Palas erhielt auch eine repräsentative Fassade gegen Norden hin. Zwar ist zur jüngeren Geschichte von Burg und Herrschaft Neuburg schriftliches Quellenmaterial vorhanden, dieses ist aber bis jetzt noch nicht ausgewertet worden.
Parallel zur Sanierung wurde durch das Amt für Archäologie eine Dokumentation aller Baubefunde erstellt, bis auf baubedingte kleinere Sondierungen unterblieben aber weitere Eingriffe. Bei den Restaurierungsarbeiten wurden die Anliegen des Naturschutzes und der Forstwirtschaft optimal berücksichtigt. Im Jahr 2001 führte der Thurgauische Baumeisterverband auf der Anlage seine «Landwochen» für Lehrlinge durch, der grösste Teil der folgenden Sanierungsarbeiten wurden durch die Firma Schenkel geleistet. Das Projekt wurde durch das Amt für Archäologie sowie eine ständige Arbeitsgruppe aller interessierten Personen und Behörden geleitet.
Die in Privatbesitz stehende Burganlage steht heute unter Schutz von Bund, Kanton und Gemeinde. Für die Pflege und den Unterhalt der Anlage ist von jetzt an die politische Gemeinde Mammern verantwortlich. Angrenzend ans Areal der Ruine besteht auch ein Projekt mit Pro Natura für eine Aufwertung von Pflanzenstandorten. Auf der Ruine selbst weisen heute zwei Informationstafeln auf die Geschichte der Anlage hin. Mehrere Feuerstellen laden am beliebten Ausflugsort, der am ausgeschilderten Wanderweg von Mammern nach Steckborn liegt, zum Verweilen ein.
Bedeutungsvoll ist die Anlage auch wegen ihrer archäologisch ungestörten Situation, denn seit dem 18. Jahrhundert fanden dort keine grösseren Eingriffe mehr statt. Im Unterschied zu den meisten Burgen am Untersee, die entweder früh aufgelassen oder später in Schlossanlagen umgewandelt wurden, hat die Neuburg schliesslich trotz diverser Umbauten mittelalterliche Bausubstanz behalten..
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: Die Sanierung der Neuburg bei Mammern, 2001 - 2003 , Felicitas
Mittelalter – Moyen Age – Medioevo – Temp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 9. Jahrgang 2004, Heft 1, .