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Das geht so: Man beginnt mit einem Franken Einsatz.
Gewinnt man, ist man einen Franken reicher geworden, verliert man,
setzt man bei der nächsten Runde zwei Franken. Hilft der Zufall
zum Gewinn, ist man wieder einen Franken reicher, nämlich vier
Franken Gewinn minus drei Franken bisheriger Einsatz. Verliert man,
setzt man vier Franken. Beim Gewinn ist man wieder einen Franken
reicher, sonst muss der Einsatz ein weiteres Mal verdoppelt werden.
Wenn also immer verdoppelt wird, kann gar nichts schief gehen. Einmal
gewinnt man und ist dann auf jeden Fall einen Franken reicher.
Diese Strategie hat den Nachteil, dass man schon sehr flüssig
ins Casino kommen muss. Das mit dem Verdoppeln hat ja so seinen
Haken, wie man vom Reiskorn auf dem Schachbrett weiss. Wenn man
auf dem ersten Feld mit einem Reiskorn beginnt und dann jeweils
verdoppelt wird (1, 2, 4, 8, 16 …), benötigt man für
64 Felder etwa 184 Milliarden Tonnen Reis. So viel wird auf der
ganzen Welt in 100 Jahren nicht geerntet.
Etwas schneller geht es beim Lotto, allerdings nur, wenn man
gewinnt. Die Wahrscheinlichkeit ist für einen Sechser gleich
1 zu 13 986 816. Die Chance, das Januarloch zu stopfen, damit klein.
Sollen wir nun eher an den Zufall oder doch lieber an die mathematische
Wahrscheinlichkeit glauben? Wenn noch der Glaube ins Spiel kommt,
wird es selten einfacher. «Glauben Sie an fliegende Untertassen?»
«Natürlich!» «Haben Sie schon welche gesehen?»
«Seit meiner Scheidung nicht mehr!» Also, lassen wir
den Glauben aus dem Spiel und kommen zurück zu den echten Zufällen.
Diese wurden kürzlich augenfällig im Zusammenhang mit
John F. Kennedys 40. Todestag. Das bekannte Kennedy-Lincoln-Mysterium
zur Erinnerung:
Abraham Lincoln wurde 1846 in den Kongress gewählt. John F.
Kennedy wurde 1946 in den Kongress gewählt.
Abraham Lincoln wurde 1860 zum Präsident gewählt. John
F. Kennedy wurde 1960 zum Präsident gewählt.
Die Namen Lincoln und Kennedy bestehen beide aus 7 Buchstaben.
Beide Präsidenten wurden an einem Freitag erschossen.
Lincolns Sekretärin hiess Kennedy. Kennedys Sekretärin
hiess Lincoln.
Beider Nachfolger waren aus dem Süden und hiessen Johnson.
Andrew Johnson, Lincolns Nachfolger, wurde 1808 geboren. Lyndon
Johnson, Kennedys Nachfolger, wurde 1908 geboren.
John Wilkes Booth, Lincolns Mörder, wurde 1839 geboren. Lee
Harvey Oswald, Kennedys Mörder, wurde 1939 geboren.
Lincoln wurde im «Kennedy»-Theater erschossen. Kennedy
wurde in einem Auto, das «Lincoln» hiess, erschossen.
Booth flüchtete aus einem Theater und wurde in einem Lagerhaus
gefangen. Oswald flüchtete aus einem Lagerhaus und wurde in
einem Theater gefangen.
Booth und Oswald wurden vor ihren Prozessen ermordet.
Alles nur Zufall? Da wir zum neuen Jahr nur den einen Vorsatz gefasst
haben, keine Vorsätze zu fassen, sollten wir die Frische des
Jahresbeginns anders nutzen und dem Rätsel des Zufalls auf
den Grund gehen. «Gepriesen sei mir der Zufall», sagt
Ferdinand in Schillers Kabale und Liebe. Genau. Es ist ja gewiss
kein Zufall, wenn für das Churer Magazin nun das sechste Jahr
beginnt. Und das ausgerechnet mit einer Denkaufgabe. Aber das Leben
ist zu kostbar, um es dem Zufall zu überlassen.
Stefan
Bühler
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