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Herr Dorand, Sie sind ein Historiker, der sich passioniert mit dem politischen Leben im Kanton Freiburg beschäftigt. Woher kommt diese Leidenschaft für die historische Recherche?
Begonnen hatte es bereits in der Primarschule mit einem passionierten Geschichtslehrer (Herr Descloux). Mein Vater kaufte Geschichtsbücher und liess uns historische Dokumentationen am Fernsehen sehen.
Wie entstehen Ihre Bücher? Welches sind die ersten wichtigen Schritte?
In aller Regel konsultiere ich zahlreiche historische Quellen, die mir von der Familie (Paul Torche) oder von der Verwaltung (Pierre Dreyer) zur Verfügung gestellt werden. Manchmal tauchen Fragen auf, auf die ich in den Quellen keine Antwort finde und die einer Klärung bedürfen (Freiburg und seine Beziehungen zum Vatikan).
Was ist Ihnen im Zusammenhang mit der Biographie von Michel Pittet am stärksten in Erinnerung geblieben?
Der Einsatz von Michel Pittet für das Wohl der Freiburgerinnen und Freiburger, für Arbeitsplätze, Bildung oder die Versorgung mit sauberer Energie.
Eines Ihrer vorherigen Bücher trägt den Titel «Die Freiburger Politik im 20. Jahrhundert». Können Sie uns in wenigen Worten darlegen, welchen Eindruck, welche Vision Sie als ehemaliger Politiker haben von der Politik zu Beginn des 21. Jahrhunderts?
Das politische Leben ist interessanter geworden. Es gibt keine dominierende Partei mehr, sondern eine Vierparteienpolitik (Mitte, FDP, SP und SVP), parallel dazu ein Erstarken der Grünen, das zu einer Fünfparteienpolitik führen könnte. Dabei entstehen auf der Suche nach einem Konsens verschiedene Koalitionen. Die Rolle der Frauen wird wichtiger werden. An der Universität sind sie bereits in der Mehrzahl.
Welches war im Rahmen Ihrer beruflichen Tätigkeit die grösste Herausforderung?
Für meine Dissertation (Die Transportpolitik des Kantons Freiburg, 1997) musste ich einen Bericht zu den Strassen und Brücken finden, der Ende des 19. Jahrhunderts vom Kantonsingenieur Amédée Gremaud verfasst worden war. Ich suchte überall, mit Unterstützung des Personals aus dem Bauamt. Wir fanden den Bericht schliesslich im Autobahnbüro. Ein ehemaliger Mitarbeiter des Bauamts hatte den Bericht dorthin mitgenommen. Er hatte vergessen, ihn dem Zentralarchiv des Amts zurückzugeben, das ziemlich vollständig war. Wir konnten den Bericht an die richtige Stelle überführen.
Welches Buch hat Sie am stärksten berührt oder geprägt, und weshalb?
Paul Kennedy: «Aufstieg und Fall der grossen Mächte». Im Buch werden die internationalen Machtverhältnisse über vier Jahrhunderte gut erklärt. Es zeichnet die Schwächung der UdSSR und der Vereinigten Staaten nach, ohne die Zukunft vorherzusagen – denn das ist nicht die Aufgabe der Historiker.
Ihr Alltag als Historiker in wenigen Worten?
Viel Lektüre (Zeitungen, Zeitschriften), Neugier für noch wenig erforschte Themen, Recherche in Archiven, Abfassen von Büchern und Artikeln.
Welches ist in Ihren Augen die spannendste Zeit in der Schweizer Geschichte und weshalb?
Alle geschichtlichen Perioden sind interessant, denn sie haben einen Einfluss auf unsere Zeit. Das Neolithikum beispielsweise für die Gründung von Siedlungen, die Römerzeit für die Strassen und die Latinisierung eines Teils der heutigen Schweiz, das Mittelalter für die Zünfte und das 19. Jahrhundert für die Gründung unseres Bundesstaats. Für mich ist die Zeit ab 1750 bis heute hoch spannend. Das ist auch die Zeit, mit der ich mich am meisten auseinandergesetzt und zu der ich Bücher publiziert habe.
Inwiefern kann uns die Vergangenheit etwas über die Gegenwart lehrnen oder sogar zu einer Analyse der gegenwärtigen und künftigen Probleme beitragen? Welche Schlüsse ziehen Sie heute aus Ihren Recherchen und diversen Büchern?
Man kann sagen, dass sich die Vergangenheit nicht wiederholt. Es sind die Verhaltensweisen der Menschen, im Positiven wie im Negativen, die sich wiederholen. Man kann folglich die Vergangenheit analysieren und daraus eine Vorstellung gewinnen. Ich denke hier etwa an Niklaus von Flüe, der im 15. Jahrhundert beim Fasten meditiert und seinen Landsleuten empfiehlt, sich neutral zu verhalten und das Schweizer Territorium nicht allzu stark auszudehnen. Karl Marx schrieb: «Wer die Vergangenheit nicht kennt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.» Deshalb versuche ich, sie in meinen Büchern zu erklären.