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Kreuzfahrt-Gegner jubeln: Die italienischen Behörden haben beschlossen, dass per 1. August nun definitiv Kreuzfahrtriesen aus Venedig verbannt werden. Zuvor hatte Unesco damit gedroht, die Lagunenstadt auf die Liste der gefährdeten Orte zu setzten, wenn unser südlicher Nachbar nicht dauerhaft das Anlegen von Kreuzfahrtschiffen in der Weltkulturerbestätte verbietet. Das veranlasste die Regierung nun zu schnellem Handeln. Konkret dürfen keine Schiffe mehr anlegen, welche mehr als 25'000 Tonnen wiegen. Das bedeutet, dass nur noch kleine Passagierfähren und Frachtschiffe den Giudecca-Kanal nutzen können, um in Venedigs historisches Zentrum zu gelangen.
Reedereien, welche mit grossen Hochsee-Schiffen operieren, werden wohl nicht darum herumkommen, das Ferienziel aus ihren Programmen zu streichen, bis der Industriehafen Maghera westlich der Lagunenstadt für Passagiere genutzt werden kann. Die Regierung hat einen Beauftragten ernannt, um die Arbeit zu beschleunigen, die normalerweise etwa sechs Monate dauern würde. Ende Juni wurde bereits eine Ausschreibung für den Bau eines Terminals veröffentlicht, das Schiffe mit einem Gewicht von mehr als 40'000 Tonnen aufnehmen kann.
Es gibt aber nicht nur negative Stimmen gegen die Kreuzfahrten. Diese Aktivisten protestierten zwar, als sie Anfang Juni von einem Kreuzfahrtschiff überrascht wurden, obwohl die Regierung im April ein Verbot für diese Schiffe ausgesprochen hatte. Zeitgleich machten sich aber auch die Gegenstimmen von «Si Grandi Navi» stark, einer Bewegung, die Tausende von Menschen unterstützt, deren Lebensunterhalt von der Kreuzfahrtindustrie abhängt und die seit dem Ausbruch der Pandemie im Frühjahr letzten Jahres arbeitslos sind.
Was bedeutet das Verbot für die Kreuzfahrt-Industrie?
Die Cruise Lines International Association sieht die Entwicklung positiv, wie die englische Zeitung «The Guardian» berichtet: «Die Kreuzfahrtindustrie hat sich seit vielen Jahren für einen neuen Ansatz eingesetzt, daher ist dies ein grosser Schritt nach vorne. Auch die Entscheidung der Regierung, einen Sonderbeauftragten zu ernennen, um den Prozess zu beschleunigen, ist eine willkommene Entwicklung. Wir freuen uns nun auf Fortschritte bei der Bereitstellung von alternativen Anlegemöglichkeiten rechtzeitig für die Saison 2022.»
Cornelia Gemperle, Geschäftsführerin von Kuoni Cruises kann den Entscheid nachvollziehen, wie sie auf Anfrage von Travelnews sagt: «Venedig ist Unesco Weltkulturerbe, ein Bijou einer einzigartigen Stadt. Dass die Schiffe mit den erzeugten Wellen den Bausubstanzen schaden ist ein Fakt. Der Entscheid dass die Kreuzfahrtschiffe nicht mehr durch den Canale Giudecca fahren sollen, ist dadurch nachvollziehbar und schon seit vielen Jahren ein Thema. Dass es nun so rasch umgesetzt werden soll, überrascht jedoch.» Schliesslich habe die Stadt seit mehreren Jahren verschlafen, einen geeigneten Hafen ausserhalb der Stadt zu finden.
Für Schweizer Gäste sei und war Venedig ein wichtiger und beliebter Kreuzfahrthafen. «Aus der Sicht von unseren Schweizer Gästen ist er natürlich praktisch, da der Hafen einfach mit Zug oder Flug erreichbar ist, oder per Bus und Auto in kurzer Zeit», führt Gemperle aus. Dennoch wurde nur selten eine Verlängerung der Reise in Venedig geplant. Auf die Frage, was für Alternativen es den gäbe, sagt die Kreuzfahrt-Spezialistin: «Venedig als Stadt ist einzigartig, und die Durchfahrt mit dem Kreuzfahrtschiff auf dem Canale Giudecca schlichtweg ein imposantes Erlebnis», und führt aus, «Alternativen für künftige Ein-/Ausschiffungen sind einerseits Triest und Ravenna, welche in kurzer Distanz zu Venedig liegen und teils jetzt schon von diversen Reedereien genutzt werden.» Schliesslich sei den Reedereien schon lange bewusst gewesen, dass das Verbot für die Durchfahrt im Kanal Giudecca folgt.
Die Auswirkungen dieser neuen Regelung auf die Reedereien sind noch unklar. «MSC Cruises arbeitet derzeit mit Hochdruck daran, Lösungen zu suchen und wird zur gegebener Zeit darüber informieren», sagt Unternehmenssprecher Dominik Gebhard auf Anfrage von Travelnews. Es stünden verschiedene Szenarien im Raum.