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Hallo wunderbare Lesewesen
Es ist Zeit. Zeit um Fragen zu beantworten, die ihr mir gestellt habt.
Welche 3 Fragen kann ich einer Person stellen, um ein Gefühl für ihren wahren Charakter zu bekommen?
Aha! Da hat jemand mein Buch Finsternis gelesen. Vielen lieben Dank dafür, du verleihst meinem Buch Flügel.
Für alle, die “Finsternis“ noch nicht gelesen haben (warum eigentlich nicht?) gebe ich eine kleine Zusammenfassung der Szene ohne Spoiler.
Fin (Protagonistin) stellt Koray ihrem charmanten, aber nicht unbedingt vertrauenswürdigen Begleiter, drei Fragen, um ein besseres Gefühl für seinen wahren Charakter zu bekommen.
Ende des Exkurses zurück zur Antwort:
Es gibt keine drei Fragen, die du jemandem stellen kannst und dann kennst du die geheimen Veranlagungen dieser Person. Wenn es die gäbe, würde unsere Welt ganz anders aussehen. Verhöre, Bewerbungsgespräche, etc. würden sich dramatisch von dem unterscheiden, was wir kennen.
Warum nicht?
Es gibt keine Fragen, mit denen du anderen ihre Geheimnisse entlocken kann. Wenn wir etwas gefragt werden, dann geben wir die Antwort, die uns unserer Meinung nach am Besten dastehen lässt.
Wenn dich dein zukünftiger Chef im Bewerbungsgespräch fragt:
„Ein Hochhaus brennt. Du kannst nur entweder deine Schwester retten oder 100 Fremde, wie entscheidest du dich?“
Dann weisst du, dass du getestet wirst.
Du wirst nicht sagen: „Die können alle im Feuer verrecken, ich gehe nicht zurück ins brennende Hochhaus. “ D.h. du kannst schon, aber den Job bekommst du nicht.
Wenn du den Job willst rettest du die 100 Fremden, um den Chef wissen zu lassen, dass du ein Teamplayer bist.
Wenn dich deine Schwester fragt, rettest du die Schwester. Andernfalls mach dich am nächsten Familienfest auf eine frostige Atmosphäre gefasst.
Genau deswegen sind solch „clevere“ Fragen witzlos. Die Antwort wird der Situation und dem Fragesteller angepasst.
Und im Buch?
Faire Frage. Da funktioniert es so einigermassen, weil die Ausgangslage eine andere ist.
Fin und Koray sind zu dem Zeitpunkt keine Fremden mehr. Sie haben mehrere Wochen miteinander verbracht und sie kennt ihn. Deswegen sind ihr Ungereimtheiten zwischen dem, was er sagt, und dem, was er tut, aufgefallen.
Mit ihren drei Fragen zielt sie direkt auf diese Ungereimtheiten ab. Damit nimmt sie ihm den grössten Teil seines Spielraumes weg, da sie ihm die Ausreden abschneidet. Ausserdem beobachtet sie seine Reaktionen und kann an seiner Körpersprache ablesen, wie ehrlich seine Antworten sind.
Ja, je besser du eine Person kennst, umso besser werden deine Fragen sein und umso eher kann es funktionieren, wenn du auch die Reaktionen der Person in deine Analyse miteinbeziehst.
Aber im Buch wie im echten Leben ist das keine narrensichere Methode.
Anwendungsfälle, wo es funktioniert?
Persönlichkeitsstörungen können mit Fragen und Antworten eruiert werden. Mit Psychotests. Aber da werden mehr als drei Fragen gestellt und es gehört auch die Beobachtungen der Reaktionen, des Tonfalls und der allgemeinen Erscheinung dazu.
Ohne Kontext geht nichts.
Oh, und ausserdem sollte das nur jemand machen, der dafür ausgebildet worden ist.
Und wie bekommt man ein Gefühl für den wahren Charakter einer Person?
In 4 Schritten, die Ermittler und Verhörspezialisten weltweit einsetzen. Sie klingen einfach, erfordern aber viel Übung. Und obwohl es offensichtlich sein sollte, will ich das hier doch festhalten, es ist eine Form der Manipulation und unmoralisch.
1. Maskiere deine Fragen
Wenn du eine Frage stellst wird sich die Person eine Antwort überlegen, die sie gut dastehen lässt und du hast keinen wertvollen Einblick gewonnen.
Erzähle erst etwas von dir: Wie dein Tag war oder etwas Lustiges, das die kürzlich passiert ist. Irgendetwas das dazu passt, was du erfahren willst.
(Ein Ermittler erzählt hier natürlich etwas anderes, verwendet aber die gleiche Technik.)
Je banaler die Geschichte, umso besser. Und dann stellst du eine Frage dazu, die keine „Ja“ oder „Nein“ Antworten zulassen.
Beispiele:
- Wie siehst du das?
- Was ist deine Meinung dazu?
- Wie war dein Tag so?
Denk daran, dass deine Fragen ein Ziel verfolgen. Fang klein an und lass deine Fragen langsam persönlicher werden.
2. Lass dein Gegenüber reden
Jetzt, da die andere Person etwas erzählt, darfst du sie nicht unterbrechen.
Die meisten Menschen wollen dir von sich erzählen und der Welt zeigen, wer sie sind. Das erklärt auch den Erfolg von Social Media.
Klappe halten und zuhören!
Lass sie reden, bis sie sich ausgeredet hat und dann warte zwei, drei Sekunden, ob sie vor Verlegenheit etwas hinzufügt.
Schweigen ist ein effektives Werkzeug, weil wir den Drang haben das Schweigen auszufüllen und es oft mir unüberlegten, dafür ehrlichen Worten tun.
Nicht umsonst sagen die Anwälte in Filmen: „Erzähl ihnen nichts.“
Wenn die andere Person das Schweigen nicht ausfüllen will, gehst du weiter zu Schritt 3.
3. Stelle Folgefragen
Dein Gegenüber hat sich ausgeredet, nun musst du beweisen, dass du gut zugehört hast.
Gebe einen positiven, bestärkenden oder fürsorglichen Kommentar ab zu dem was die andere Person gesagt hat.
Und dann stellst du eine Folgefrage, die sich wieder nicht mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten lässt.
Beispiel:
- Ich finde es toll, dass du … gemacht hast. Ich habe das noch nie versucht. Wie bist du dazu gekommen?
Mit diesen Folgefragen tastest du dich langsam zu den Informationen vor, die du haben willst.
Und so wiederholt es sich, bis du alle Informationen hast, die du brauchst.
4. Beobachte genau
Das als Schritt 4 zu bezeichnen ist ungenau. Von der Begrüssung, bis zum Abschiedsgruss ist es zwingend erforderlich die Person genau zu beobachten.
- Was sind die typischen Gesten?
- Welche Marotten hat sie beim Sprechen?
- Sprechgeschwindigkeit?
Merk dir das und vergleiche es mit den Marotten und Gesten, die diese Person an den Tag legt, wenn sie mit dir spricht. Ganz besonders wichtig ist, dir mental zu notieren, wenn sich etwas ändert.
- Spricht sie plötzlich schneller oder langsamer? -> Hinweis, dass die Person sich unwohl fühlt.
- Nehmen die Marotten zu oder verschwinden sie? -> Hinweis, dass die Person sich unwohl fühlt.
- Verändern sich die Gesten? ->Hinweis, dass die Person sich unwohl fühlt.
Wenn ein einzelner Hinweis auftaucht, muss das nichts heissen. Häufen sie sich innert der ersten 3 Sekunden nach deiner Frage, dann weisst du, dass du hier nachhaken musst. Denn hier stimmt etwas nicht.
Ausnahmen:
Denk daran, das erfordert viel Übung und Konzentration, also solltest du es lieber nicht während eines Dates machen oder wenn du nervös bist.
Wenn du jemanden sehr magst oder überhaupt nicht leiden kannst, wird es dir auch nicht viel helfen, da deine Gefühle für diese Person, dich und dein Urteil beeinflussen.
Und zu guter Letzt: bei Menschen mit gewissen Persönlichkeitsstörungen, nützt es dir nichts. Sie sind von Geburt an „trainiert“, die korrekten Gefühle im korrekten Moment zu simulieren. Um das zu durschauen, musst du schon verdammt gut sein.
Aber das ist nur meine Meinung dazu, wie seht ihr das?
Gibt es Zauberfragen, mit denen ihr euren Mitmenschen die Geheimnisse entlocken könnt?
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Vielen Dank.
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