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Ein erneuter Grossschneefall im Süden und auch beachtliche Schneemengen im Norden führten zuerst zu einer kritischen Lawinensituation. In hohen Lagen und im Hochgebirge waren die Verhältnisse winterlich. Die Nullgradgrenze lag am Sonntag, 28.04. um 1000 m (Abbildung 4). Die Gefahr von Nassschneelawinen trat mit der deutlichen Abkühlung in den Hintergrund. Zum Ende der Berichtsperiode nahm die Lawinengefahr ab. Am Mittwoch, 01.05. herrschte Kaiserwetter und eine mehrheitlich günstige Lawinensituation.
Wetter:
Die seit dem Montag, 22.04. anhaltende und intensive Föhnperiode ging in der Nacht zum Freitag zu Ende, und der Wind drehte unter deutlicher Abschwächung auf westliche Richtungen. Die Niederschlagsperiode, welche in der Nacht zum Dienstag, 23.04. im Süden eingesetzt hatte, setzte sich am Freitag mit einem letzten, ergiebigen Schub fort. In den Hauptniederschlagsgebieten, d.h. im Bedretto und den Maggiatälern sowie im Berninagebiet fielen nochmals bis zu rund 100 mm Regen (Abbildung 1) oder oberhalb von rund 2500 m 1 Meter Schnee in 24 Stunden. Mit dem langsamen Durchzug einer Kaltfront griffen die Niederschläge auch weit nach Norden über. Damit erhielt vor allem auch der zentrale und östliche Alpennordhang 30 bis 60 mm Niederschlag. Die Schneefallgrenze lag zuerst bei rund 2300 m. Mit dem Durchzug der Kaltfront sank sie am Morgen im Norden, am Nachmittag dann auch im Süden auf rund 1200 m.
In der gesamten Niederschlagsperiode zwischen der Nacht auf Dienstag, 23.04. und Freitagabend, 26.04. fielen folgende Schneemengen (Abbildung 2):
Im Süden seit Dienstag, oberhalb von rund 2500 m:
Im Norden am Freitag, oberhalb von rund 2000 m:
Schneedecke und Lawinensituation:
Mit dem erneuten Grossschneefall wurde nochmals eine ausgeprägte Lawinenperiode am Alpensüdhang erwartet, besonders in der Nacht zum Freitag. Auf der Nordseite des Alpenhauptkammes wurde die, an den Vortagen bis rund 2300 m durchnässte Schneedecke zum Teil recht mächtig mit Neuschnee überlagert. Gegen Osten hin regnete es noch bis in den Nachmittag hinein. Am Alpensüdhang und sehr ausgeprägt auch entlang der Nordseite des Alpenhauptkammes (vgl. Bildstrecke) herrschte eine rege Lawinenaktivität – Unterhalb von rund 2300 m waren die Lawinen nass, darüber trocken (Abbildung 3). Die Lawinen erreichten oft grosse und vor allem die nassen Lawinen an Nordhängen teilweise sehr grosse Ausmasse.
Wetter:
Von Samstag bis Dienstag dominierten im Norden zeitweise starker Wind und Wolken das Wetter. In Schauern fielen zum Teil bedeutende Schneemengen. Es war kühl (Abbildung 4). Im Süden war es mit Nordföhn meistens sonnig.
In dieser Periode lag die Schneefallgrenze zeitweise unter 1000 m. In hohen Lagen fielen folgende Schneemengen (Abbildung 5): Im Unterwallis, am Alpennordhang, im Gotthardgebiet und in Graubünden verbreitet 10 bis 30 cm, vom östlichen Berner Oberland bis in die Urner Alpen lokal bis 50 cm oder mehr. Aufgrund des Schauercharakters der Niederschläge waren die Neuschneemengen gebietsweise sehr unterschiedlich.
Schneedecke und Lawinensituation
Die am Freitag nach Norden übergreifenden und die darauf nachfolgenden Schneefälle ergaben bis Dienstag beachtliche Summen Neuschnee (Abbildungen 2 und 5) und zusammen mit dem zeitweise starken Wind aus nördlichen Richtungen eine heikle Lawinensituation besonders am Nördlichen Alpenkamm (Abbildung 6).
Lawinen konnten bei winterlichen Verhältnissen leicht ausgelöst werden oder spontan abgehen. Mit zunehmender Höhenlage nahmen Anzahl und Grösse der Gefahrenstellen zu. Neu- und Triebschnee lagen an steilen, windgeschützten Nordhängen oberhalb von rund 2600 m auf einer teils lockeren, sonst meist auf einer harten oder unregelmässigen Altschneeoberfläche. Damit war die Verbindung zum Altschnee recht günstig. Brüche waren vor allem innerhalb der verschiedenen Neu- und Triebschneeschichten möglich. Die grossen Neuschneemengen am Alpensüdhang stabilisierten sich rasch, so dass auch dort die trockenen Lawinen vor allem im oberflächennahen Triebschnee ausgelöst werden konnte.
Dank der deutlichen Abkühlung nahm die Gefahr von Nass- und Gleitschneelawinen ab. Zu beachten waren noch feuchte Rutsche und Lawinen aus dem Neuschnee bei Sonneneinstrahlung und einzelne Gleitschneelawinen.
Der Mittwoch war ein prächtiger Outdoor-Tag mit viel Sonne, nur schwachem Wind und wieder milderen Temperaturen (Abbildung 7). Sie lagen am Mittag auf 2000 m zwischen +4 °C im Norden und +6 °C im Süden.
Am Morgen war die Lawinensituation mehrheitlich günstig. Auslösungen waren noch in eher oberflächennahen Schneeschichten möglich, im Hochgebirge gebietsweise in frischeren Triebschneeschichten. Zudem konnte nicht ausgeschlossen werden, dass an Nordhängen zwischen 2200 und 2500 m, welche in der vergangenen Woche erstmals angefeuchtet und empfindlich geschwächt wurden, einzelne Lawinen aus dem Altschnee möglich waren. Dies besonders im Wallis und in Graubünden. Mit den steigenden Temperaturen und der Sonneneinstrahlung war wieder ein pointierterer Anstieg der Gefahr von Nassschneelawinen zu erwarten.
Die Nacht war meist klar und am Morgen zogen aus Westen Wolken auf. Im Tagesverlauf setzten von Westen schwache Schauer ein. Die Schneefallgrenze sank von 2000 m auf rund 1700 m. Der Südwestwind wehte schwach bis mässig
Oberhalb von 2000 m lag in allen Gebieten noch mehr Schnee als sonst um diese Jahreszeit üblich. Vom Oberwalliser bis zum Engadiner Alpenhauptkamm lag 1.5 bis 3 Mal so viel, sonst verbreitet 1.4 bis 1.7 Mal so viel Schnee. Am westlichen Alpennordhang, im Unterwallis, am östlichen Alpennordhang und in Nordbünden war dies mit 1.1 bis 1.4 Mal so viel Schnee weniger ausgeprägt. Auf 2000 m lagen die in Abbildung 8 dargestellten Schneehöhen. Dabei ist zu beachten, dass sich diese Werte auf eher windgeschützte Flachfelder beziehen.
Am Freitagvormittag, 26.04. ereignete sich auf der Westseite der Grünhornlücke (3278 m, VS) der bisher folgenschwerste Lawinenunfall dieses Winters. In der Abfahrt von der Grünhornlücke wurde eine vierköpfige, deutsche Skitourengruppe auf rund 3100 m von einer vermutlich spontanen Lawine verschüttet. Aufgrund der schlechten Witterung konnten die Verschütteten erst am Samstagnachmittag mit Lawinenverschüttetensuchgeräten geortet und nur noch tot geborgen werden.
Ebenfalls am Freitag, 26.04. wurde eine fünfköpfige Skitourengruppe auf der Westseite unterhalb der Lötschenlücke auf rund 3050 m von einer spontanen Lawine überrascht, wobei eine Person teilweise verschüttet wurde. Glücklicherweise blieb sie unverletzt und die Gruppe konnte die Abfahrt fortsetzen.
Am Dienstag, 30.04. löste eine Skitourengruppe am Alplistock (2894 m, Guttannen, BE) an einem steilen Südosthang eine dünne, aber grossflächige Schneebrettlawine aus (Abbildung 6). Der Aufstieg erfolgte mit Entlastungsabständen. Sechs Personen wurden teilverschüttet. Es wurde niemand verletzt.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.