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RTC: Kurse, Stundenplan und Unterricht.Allgemein
Huch… Schon drei Wochen sind vergangen, seit ich am Royal Thimphu College (RTC) angefangen habe zu studieren. In diesem Beitrag geht es über meine Auswahl der Kurse, über den Stundenplan und über den Unterricht.
Kursauswahl
In der Schweiz studiere ich berufsbegleitend. Mein Studium dauert ein Jahr länger, als ein Vollzeitstudium. Dafür muss ich für jedes Semester weniger Credits sammeln. (Das standardisierte Hochschul-System rechnet in Credits. Für ein Bachelor-Studium sammelt der Student 180 Credits. Für einen Kurs erhält man etwa 3 Credits.) Konkret bedeutet das für mich, dass ich lediglich vier Kurse besuchen muss. Einen Kurs kompensiere ich mit meinem Blog. Wobei ich an dieser Stelle gerne erwähne, dass nicht die Credits die Motivation für meinen Blog sind. Ich möchte den Schweizern vom Alltag in Bhutan berichten. Dass ich dafür Credits erhalte, ist ein angenehmer Pluspunkt.
Ausgewählt habe ich folgende Kurse:
Growth and Spread of Buddhism in Asia. Aus historischer Perspektive lerne ich in diesem Kurs, wie der Buddhismus entstanden ist und wie er sich verbreitet hat. Es geht also nicht um spirituelle Praktiken.
Environmental Economics. Es gibt öffentliche Ressourcen auf dieser Welt. Produktion und Konsum schadet der Umwelt. Die Nutzung der öffentlichen Ressourcen und der Schaden an der Umwelt werden in den wenigsten Unternehmen kalkuliert. Der Nutzer zahlt dafür auch nicht. Einfach gesagt, lerne ich in diesem Kurs: Unternehmen und Konsumenten sollen für den entstandenen Schaden an der Umwelt bezahlen. Öffentliche Ressourcen sollten reguliert werden. Noch konkreter: Die Hose vom H&M sollte nicht nur 30.00 CHF kosten, sondern vielleicht 200.00 CHF. Dann bezahlt der Käufer für die Kinder, die an der Hose gearbeitet haben. Oder auch für die Chemikalien, die in den Fluss geschüttet werden.
Natural Resources Management. In diesem Kurs geht es um den Umgang der Menschen mit der Natur. Da habe ich beispielsweise gelernt, dass Stromgewinnung aus Wasser zwar keine Abgase verursacht, sie jedoch dennoch einen Einfluss auf die Natur hat. Beispielsweise können die Fische nicht mehr im Fluss schwimmen. Die Biodiversität ist gefährdet.
Desweiteren habe ich folgende Kurse ausprobiert:
- Advanced Microeconomics
- Entrepreneurship
- Financial Markets
- Strategic Management
Ich kam zum Schluss: Die Schweiz ist ein weitaus besserer Ort, um Business zu lernen. Bhutan ist sehr stark in Themen der Umwelt. Von dieser Stärke möchte ich profitieren. Ausserdem bin ich dabei, Buddhist zu werden. Deshalb habe ich meine Kurse so ausgewählt.
Stundenplanung – Viel Freizeit für Ozzie
Die Stundenplanung finde ich für unsere Verhältnisse ungewöhnlich. Die Kurse verteilen sich über verschiedene Tage. An jedem Tag besucht man einen Kurs für gerade Mal 50 Minuten. Dann hat man 10 Minuten Pause, respektive Zeit, zum nächsten Kurs zu gehen. Hat man sich in ein Thema eingearbeitet und vertieft, muss man bereits zum nächsten Kurs.
Eine Klasse wechselt für gewöhnlich nie das Klassenzimmer. Die Klassen bestehen im Durchschnitt aus etwa 30 Studierenden. Diese wiederum sitzen immer am gleichen Platz. Aus der Uni Zürich oder aus der HWZ wäre mir dies nicht bekannt…
In der HWZ habe ich vier Sitzungen pro Woche. Diese dauern jeweils fast vier Stunden. Jede Sitzung ist nur einem Kurs gewidmet. Hätte ich Environmental Economics beispielsweise in der HWZ, würde ich an einem Montag-Abend von 17:45 Uhr bis 21:30 Uhr in der Fachhochschule sein.
Mein Plan lässt mir viel Freizeit. Am RTC bin ich während vier Tagen. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag. So sind die Stunden verteilt:
Dienstag:
10:00 – 11:00 Growth and Spread of Buddhism in Asia
14:00 – 15:00 Environmental Economics
Mittwoch:
12:00 – 13:00 Environmental Economics
14:00 – 15:00 Growth and Spread of Buddhism in Asia
Donnerstag:
11:00 – 12:00 Environmental Economics
14:00 – 15:00 Growth and Spread of Buddhism in Asia
18:00 – 20:00 Natural Resources Management
Freitag:
10:00 – 11:00 Growth and Spread of Buddhism in Asia
18:00 – 20:00 Natural Resources Management
Das ist es, was ich am meisten in Bhutan geniesse. In der Schweiz war ich unter konstantem Druck. Bei der Arbeit galt es, tadellos zu liefern. In der HWZ galt es, die Kurse zu bestehen. Rückblickend merke ich, dass der Stress mich krank machte. Hier geniesse ich das Leben, die Zeit… und vor allem die „Laidback-Mentality“ der Bhutanesen. Verspäten, vergessen oder liegenlassen ist hier normal. Entweder, man regt sich darüber auf, oder man nimmt es gelassen. Ich mache das Letztere.
Continuous Education. Das berufsbegleitende Studium am RTC.
Jeden Abend finden von 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr Kurse statt. Die Bhutaensen haben die Möglichkeit, berufsbegleitend zu studieren. Dies wird „Continuos Education“ genannt. Das Pensum erfordert viel: Die Studierenden sind älter als ich. Sie sind 100% berufstätig. Sie kommen von Montag bis Samstag jeden Abend ins RTC(!).
Der Unterrichtungs-stil. Langsam und an der engen Leine.
Nicht nur die Verteilung der Stunden ist ungewöhnlich, auch das Tempo und die Art, wie die Lehrer mit den Studenten umgehen. Die Studenten werden an der engen Leine geführt. Darunter verstehe ich, dass genaue Angaben gemacht werden, was gelesen werden soll. Oder wie der Kalender geführt werden soll.
Wie entsteht die Note in der HWZ? Die einfache Variante: Es gibt zwei Prüfungen. Die andere Variante: Die Prüfung zählt zusammen mit einer schriftlichen Gruppen-Arbeit oder einer Präsentation.
Wie entsteht die Note am RTC? Es gibt verschiedene Aktivitäten, die zur Note zählen. Da gibt es zum Beispiel das Quiz. Ein Test, der überprüft, ob man aufmerksam war und die Hausaufgaben gemacht hat. Dann gibt es die Class Participation. Das kann ein Aufsatz sein. Oder: Die Lehrperson überprüft, ob der Kalender geführt wird. Assignments sind schriftliche Arbeiten, die abgegeben werden. Präsentation gibt es ebenfalls. In der Mitte des Semesters findet eine Prüfung statt. Am Ende des Semesters findet dann die grosse Prüfung statt.
So sieht die Noteverteilung für einen Kurs beispielsweise aus:
- 15% Quizzes (3 x 5%)
- 15% Class Participation and Exercises
- 15% Midterm Exam
- 5% Assignment
- 5% Presentation
- 40% End of Semester Exam
Im nächsten Beitrag geht es um:
Die Lehrer. Verschiedene Stile. Hierarchisch. Sympathisch. Verwirrt.
Die Studierenden. Verschiedene Charaktere. Alkohol. Kannabis. Buddhismus. Herzlichlichkeit.
Bis dahin: Tashi Delek und meine herzlichsten Grüsse aus Bhutan.