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Im 6. Jahrhundert erstreckte sich das Burgund bis hin zur Aare und der Gurten diente im steten Zwist mit den Alemannen als burgundisch-fränkischer Wachposten. Sieben Jahrhunderte später waren die Späher vom Gurten verschwunden und die Familie Aegerten errichtete in der südlichen Region des erhabenen Hügels als Stammsitz eine stattliche Burg, an die heute nur noch Teile des Fundaments erinnern. Man erzählt sich, dass im Laufe der Jahrhunderte Stein um Stein der hoch aufragenden Mauern abgetragen und für den Bau der Häuser des Gurtendorfs wieder aufeinandergesetzt wurden. Zu Zähringerzeiten war es Brauch, den Familiennamen von der Herkunft abzuleiten. So kommt es, dass auch heute noch in verschiedenen Teilen des Bernbiets die Nachfahren der Bewohner dieses Dorfs den Namen Gurtner tragen.
Die schnell wachsende Stadt Bern geriet 1393 in Versorgungsnöte. Als die stadteigenen Wasserquellen zu versiegen drohten, bohrte man auf dem Gurten die Quelle in der Bächtelen an und führte ihr Wasser den Stadtbrunnen zu, die damals die Zentren des städtischen Lebens darstellten. Damit nicht nur Wasser, sondern auch Wein fliessen konnte, wurden in dieser Zeit auf dem Gurten auch reich mit Trauben behangene Reben gezogen.
Der heutige Aussichtsturm auf dem Gurten erinnert an eine Zeit, in der sich Bern gegen Eindringlinge zur Wehr setzen musste. An diesem Platz stand im 15. Jahrhundert eine Hochwacht mit einem Chutz – einem riesigen Feuerstock, der entzündet wurde, sobald man auf dem Gurten die herannahende Gefahr erkennen konnte. Das Höhenfeuer warnte die Stadtbewohner:innen und beim Berner Münster wurde mit den Kirchenglocken Alarm geschlagen. Der Chutz auf dem Gurten brannte im Jahr 1847 zum letzten Mal.
Rund 50 Jahre später ging die Gurtenanhöhe mit rund 15 Hektaren Land in den Besitz des Winterthurer Unternehmers Fritz Marti über, der 1898 die Wirtschaft «Chutzengut» eröffnete und Gäste bewirtete. Immer mehr Menschen pilgerten zum Vergnügen auf den Berg, sodass der Unternehmer neben der Wirtschaft eine grosse Trink- und Festhalle für rund 400 Gäste bauen liess und die Elektrische Gurtenbahn AG gründete, welche kurz darauf die modernste Standseilbahn ihrer Zeit in Betrieb nahm. Auf dem Berg wurde der damals grösste Kinderspielplatz von Bern eröffnet, um auch der nächsten Generation Vergnügen zu bereiten.
Marti beauftragte den Berner Architekten Albert Gerster mit dem Bau des Kurhotels Gurten Kulm mit 30 Zimmern, das im Jahr 1901 feierlich eröffnet wurde. Zahlreiche Bauten Gersters wie das Hotel Bristol, das Warenhaus Loeb sowie Wohnhäuser und Villen in Aussenquartieren prägen heute noch das Erscheinungsbild der Stadt Bern. Wohlhabende Engländer:innen, Clubs und Vereine gehörten zu den ersten Gästen, die sich im Kurhotel Gurten Kulm «Grüezi» und «Good Morning» sagten. Viele dieser Besuchenden machten Halt auf dem Gurten, um erste Höhenluft zu schnuppern, bevor Sie ins Wallis oder ins Engadin weiterzogen. Die Hotelbroschüre von damals warb mit den Errungenschaften der Zeit wie elektrischem Licht und Zentralheizung, kalten und warmen Bädern, Duschen, Schwitzbädern und mit vorzüglichem Quellwasser und feinsten Gerichten. Weil die Gurtenbahn bereits zu jener Zeit elektrisch betrieben wurde, avancierte der Gurten zum Symbol der touristischen Moderne.
1902 wurde auf dem Gurten das erste Skirennen der Schweiz mit internationaler Beteiligung durchgeführt. Es galt, die sportliche Ehre in den vier Disziplinen Gurtenrennen, Sprunglauf, Schülerrennen und Dauerlauf zu verteidigen. Der Gurten wurde zum Förderer der Schweizer Wintersportler:innen auf zwei Brettern und gründete im Jahr 1908 sogar seinen eigenen Skiclub. Die Gurtenabfahrt vom Ostsignal bis zur Talstation lockte zahlreiche Wintersportbegeisterte auf den Berg. Viele Jahre drängten sich die Winterbesuchenden,Nasen- an Skispitzen,in die Gurtenbahn. Denn der erste Skilift wurde erst viele Jahre später im 1951 erbaut.
Als der Neffe von Fritz Marti 1913 beschloss, die gesamte Anlage zu verkaufen, bekundete die Stadt Bern ihr Interesse als Käuferin. Während zwölf langer Jahre konnte jedoch keine Einigung erzielt werden. 1925 stimmte schliesslich die Mehrheit der Berner Bürger dem Kauf der Gurtenwiese zu, die den Stadtbewohner:innen als Ausflugsort erhalten bleiben sollte. Ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt für eine Übernahme, denn inzwischen hatte der erste Weltkrieg den Besucherzahlen und dem Verlangen nach Freizeitvergnügen arg zugesetzt. Der Umgangston wurde wieder rauer in der sonst so heilen Welt abseits der Stadt. Wo früher das Chutzenfeuer aufflammte, wurde im zweiten Weltkrieg ein Fliegerbeobachtungsposten eingerichtet und internierte amerikanische Flieger, die auf Schweizer Boden notlanden mussten, wurden im Hotel Gurten Kulm untergebracht.
Nach Kriegsende hielten friedlichere Zeiten und Aufschwung Einzug auf dem Gurten und mit ihnen der Golfclub, der zwischen 1937 und 1958 die gesamte Gurtenmatte und das Clubhaus einzig seinen Mitgliedern und Gästen zur Verfügung stellte. Ein herber Verlust für all jene, die schon für die Fahrt mit der Gurtenbahn ein paar Rappen ansparen mussten.
1949 weihte die Gurtenbahn ihre neue Bergstation ein. Dank der Modernisierung konnte die Fahrzeit auf fünf Minuten reduziert werden. Und neu fanden statt 60 Personen nun 100 Passagiere im Bähnli einen Platz. Zur Einweihung trat Ferdinand Bärtschi erstmals mit einem Unterhaltungsprogramm für Kinder auf. Während vierzig Jahren wiederholte er seinen Auftritt mit der Handorgel jährlich und bat die jüngsten Gurtenbesuchenden auf eine kleine Bühne, auf der heute noch jedes Jahr Kinder vor Publikum auf der Bühne ihren Lieblingsschlager singen, Witze erzählen oder Gedichte vortragen.
Nachdem die Gurtenmatte 1959 wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden war, wurde der Gurten mit dem eingeführten Autofahrverbot endgültig zum Erholungsgebiet für die Bevölkerung erklärt. Es fehlte aber an Geld, um notwendige Investitionen vorzunehmen und die passionierten Automobilist:innen empörten sich ob des Verbots. Also ging es mit kleinen bedachten Schritten weiter und 1960 konnte der neue Spielplatz samt Miniatureisenbahn eingeweiht werden.
Im Sommer 1977 fand das 1. Gurtenfestival auf der Gurtenmatte statt. Damals noch eine überschaubare Festlichkeit, bei der Musiker:innen und Publikum gemeinsam barfuss über die Wiese schlenderten und auf Kollegschaft tranken.
Die in den 1930er Jahren erbaute Sprungschanze wurde bis 1979 genutzt. Aufgrund der schneearmen Winter wurde für den Sommerbetrieb eine Trockenschanze errichtet, die man im Sommer 1987 mit einem internationalen Eröffnungsspringen einweihte. Von da an wurden jedes Jahr drei Wettkämpfe um den «Gurten-Cup» veranstaltet und die Ausbildung junger Springer:innen mit Eifer vorangetrieben. Doch das Interesse am Skispringen schmolz mit den Jahren wie die langen Winter dahin und so wurde im Juli 2012 der letzte Gurten-Cup ausgetragen. Um den Schanzen ein trauriges ungenutztes Dasein und den unermüdlich nagenden Zahn der Zeit zu ersparen, rissen sie starke Hände im Jahr 2013 nieder und beendeten die Schanzensprung-Ära auf dem Gurten.
1983 schloss die Stadt Bern die Türen des sanierungsbedürftigen Hotels und lediglich ein provisorisches Selbstbedienungsrestaurant blieb den Besuchenden aus Nah und Fern erhalten. Der schleichende Niedergang des Betriebs erreichte seinen Tiefpunkt Ende der 1980er Jahre mit dem Befestigen von Schildern mit der Aufschrift «Betreten verboten. Einsturzgefahr!».
Die Migros, die sich schon in den 1970er Jahren um die Übernahme des Gurtens bemüht hatte, scheiterte an den Interessen der Stadtregierung, die allerdings im Alleingang keine Verbesserung für den schönen Fleck Erde erreichen konnte. 1992 wandten sich die Behörden der Stadt Bern an die Migros, mit der Bitte, auf dem Gurten einen «Park im Grünen» zu realisieren. Der Gurten sollte für alle offen sein, einen einladenden Gastronomiebetrieb führen und ein attraktives Freizeit-, Sport- und Kulturprogramm bieten. Auch die Migros stellte ihre Bedingungen. Der Betrieb müsse von einer Stiftung geführt werden, bei der die Migros die Mehrheit innehabe. Die zinslose Abtretung des Stadtlandes im Baurecht an die Stiftung war ebenso Bedingung, wie die Sanierung der Gurtenbahn und der Ausbau des Parkhauses bei der Talstation der Gurtenbahn. Die Mehrheit im Stadtparlament und die 89,9% Ja-Stimmen der Volksabstimmung von 1995 legten den Gurten in die verantwortungsvollen Hände der neuen Stiftung. Die Stiftung Gurten – Park im Grünen bestehend aus der Stadt Bern, der Gemeinde Köniz und der Migros, bezweckt bis heute die Erhaltung und Erweiterung des allgemein zugänglichen Naherholungsgebietes und die Förderung kultureller Anlässe auf dem Gurten. 1997 begannen die Arbeiten auf dem Berner Hausberg, welche von der Migros mit über 30 Millionen Franken vollumfänglich finanziert wurden. Dem Charme des ursprünglichen Kurhauses verhalfen tüchtige Gesell:innen in vielen Arbeitsstunden wieder zu neuem Glanz. Zwei Restaurants und Seminarräume bekamen einen Platz im ehrwürdigen Gemäuer und die Umgebung erhielt ein strahlendes Gesicht. Die Einweihung des «Park im Grünen» wurde am 31. Dezember 1999 mit einer grossen Silvesterfeier samt Auftritt von Polo Hofer und seiner SchmetterBand und der Verbrennung von Bernhard Luginbühls Holzplastik «Silvester» begangen.
Zum 100-jährigen Jubiläum des Zimmermeisterverbands Bern und Umgebung errichteten im Jahr 2000 fähige Holzfachleute den Aussichtsturm – ein Spitzenprodukt der Holztechnologie. Eine Wendeltreppe führt alle Mutigen in die Höhe, wo die auf zwölf Lamellen gestützte Aussichtsplattform mit einem atemberaubenden Rundumblick auf sie wartet.
2014 wurde der Gurten mit einem Juwel bereichert. Wo früher die Trink- und Festhalle stand und später ein gut sichtbares weisses Festzelt, entstand der stilvolle gläserne Pavillon, der heute mit seinem einzigartigen Ambiente für grossartige Events, gepflegte Brunchs und gehobene Feiern zur Verfügung steht.
Die zwei verbliebenen Hotelzimmer aus dem ehemaligen Kurhotel wurden 2015 grosszügig renoviert und wiedereröffnet. Sie tragen die Namen «ieu» (Berndeutsch für «Ja») und «äuä» (Berndeutsches Homonym, das je nach Betonung und Mimik Bewunderung bis Misstrauen ausdrückt) und lassen Gäste in ursprünglicher Kurhausatmosphäre schwelgen für eine Nacht, in der dieser eine Berg nur ihnen gehört. Im selben Jahr weihte das Migros-Kulturprozent die neue Kugelbahn auf dem Gurten ein – eine der grössten Attraktionen auf dem Spielplatz, die auch grosse Gäste begeistert.
2017 erlebte das À-la-carte-Restaurant Bel Etage einen grosszügigen Umbau und wurde als Restaurant Gurtners wiedereröffnet. Das Gurtners nahm die geschichtlichen Fäden aus alter Zeit wieder auf, spann sie weiter und erweckte die Familie Gurtner und deren legendäre Gastfreundschaft zu neuem Leben. Bei Gurtners werden altbewährte Gerichte und traditionelle Rezepte aus Grossmutter Gurtners währschafter Küche unter dem Motto «Gutes mit Liebe gemacht» neu interpretiert und mit Herz serviert.
Am Samstag, 18. Mai 2019 wurde an einem 400 Meter langen Tisch, quer über die Gurten-Wiese, ein Racletteplausch veranstaltet. Nach dem kulinarischen Highlight fand der Abend mit dem Konzert des Swiss Jazz Orchestra & Friends «Buebetröim» seinen zweiten Höhepunkt. Der Jubiläumssonntag stand ganz im Zeichen der Familie und den Kindern wurde ein abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm geboten.
Das Coronavirus und die besonderen Massnahmen im Jahr 2020 werden vielen Gurten-Besuchenden noch lange in Erinnerung bleiben. Am 16. März wurde der schweizweite Lockdown ausgerufen. Nach 48 Stunden Aufräumarbeit wurden die Lichter bis zum 5. Juni gelöscht. Am 6. Juni konnten die Restaurants wiedereröffnet werden und es folgte ein mit vielen Ausflugsgästen gut frequentierter Sommer. Am 22. Dezember folgte nach einem Anstieg der Infektionszahlen der zweite schweizweite Lockdown. So musste der gesamte Betrieb wiederum geschlossen werden, ehe Lockerungen bekanntgegeben wurden und am 31. Mai 2021 der reguläre Gastronomie- und Freizeitbetrieb auf dem Gurten wieder aufgenommen werden konnte.
Heute verfügt der Gurten – Park im Grünen über zwei Restaurants, einen Take-away-Stand, acht Seminarräume, zwei Banketträume, einen rustikalen Gewölbe- und Weinkeller, den Pavillon, die Kulturschür UPtown und rund 100 000 Quadratmeter Parkfläche mit Spielplatz, Discgolf-Parcours und Rodelbahn. Platz genug für Grossanlässe mit bis zu 3500 Personen, Hochzeiten, Feiern jeglicher Art, Workshops und Seminare.