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wendung von Pfeiler, Säulen und Bogenverbindungen erhält. Neu ist dabei die Verbindung von ganzen Pfeilern mit Halbpfeilern. So steigen im Untergeschoß, längs den die Bogen tragenden Pfeilern, flache Wandpfeiler als Stützen des Gesimses auf; ähnliche flache Pfeiler treten zu den Hauptstützen des oberen Stockwerkes. Die Säulen zwischen den Pfeilern des Obergeschosses verstoßen zwar gegen die strenge Kunstregel, nach der über einer Bogenmitte keine Stütze stehen soll, doch wird durch dieselbe eine zu weite, unschön wirkende Spannung zwischen den Dachträgern vermieden und zugleich eine Abwechslung in die Stützenordnung gebracht.
In der Marmorumkleidung des heiligen Hauses in Loreto - nach der Sage das Haus, in dem Jesus geboren wurde und das von Engeln nach Loreto gebracht wurde - gab Bramante nun auch ein Musterbild für den schmuckhaften Baustil.
Das Lebenswerk Bramantes sollte durch zwei Bauten gekrönt werden, die wohl das herrlichste geworden wären, was die Baukunst je hervorgebracht hat: den Palast des Vatikan und die Peterskirche. Beide wurden nicht nach seinem Plane beendet, so daß wir nur an Einzelheiten seine Absichten erkennen können. Von der Peterskirche rede ich später, da sie zwar nach Bramantes Plänen begonnen wurde, doch die Gedanken so vieler Künstler vereinigt, daß sie als Ergebnis der ganzen römischen Baukunst von Bramantes Richtung anzusehen ist und deshalb über sie am Schlusse dieses Abschnittes gesprochen werden soll.
Die Nachfolger Bramantes. Aus den vollendeten Werken läßt sich Bramantes Bedeutung für die Baukunst nicht vollständig erkennen; um zu einer vollen Würdigung seiner Persönlichkeit zu gelangen, muß man auch betrachten, was er gewollt hat, und dies kommt in seinen Entwürfen wie auch in den Werken seiner Schüler zum Ausdruck.
^[Abb.: Fig. 435. Ghiberti: Erschaffung der Menschen und Sündenfall.
Florenz. Flachbild von der Hauptthüre des Baptisteriums.
(Vordergrund links: Erschaffung Adams; rückwärts: die Verführung; Mittelgrund: Erschaffung der Eva; Vordergrund rechts: Vertreibung aus dem Paradiese.)] ¶
Der Einfluß Bramantes war ein bedeutender und erstreckte sich auf alle jüngeren Künstler, berührte aber auch die älteren, wie Giuliano da Sangallo. In seinem Kreise finden wir Namen wie Peruzzi, Antonio da Sangallo, Giulio Romano, Sansovino und Sanmicheli. Von den beiden größten Künstlern der Renaissance, Rafael und Michelangelo, ist der erstere, soweit seine Thätigkeit als Baukünstler in Frage kommt, ein unmittelbarer Schüler Bramantes und der andere wandelte ebenfalls in dessen Bahnen, um schließlich die Formensprache des Meisters in das Uebergewaltige zu steigern.
Von weniger bekannten Meistern ist Cola di Mattuccio zu nennen, der in seiner Kirche Madonna della Consolazione in Todi - vielleicht nach Bramantes Plänen - die Formensprache des Meisters am reinsten wiederholt.
Raphael Santi. Raphael war von Bramante selbst als sein «Erbe» bezeichnet worden, und in der That hat er mit bewundernswertem Feingefühl die Kunstweise des Meisters erfaßt und sie in selbständigem Geiste durchaus eigenartig weitergebildet. Als selbständiger Baumeister trat Rafael zuerst mit der Kirche S. Eligio degli Orefici hervor, bei welcher er einen Gedanken Bramantes aus dessen Plänen zur Peterskirche ausführt. Einen vollständig eigenen Entwurf legte er dem Bau der Kapelle Chigi in S. Maria del Popolo zu Grunde, deren bildnerische und malerische Ausschmückung ebenfalls er übernehmen sollte, was jedoch nur in sehr beschränktem Maße geschah.
Die römischen Palastbauten, zu welchen Rafael Entwürfe schuf, sind fast sämtlich zerstört oder durch Umbauten entstellt, so die Palazzi Branconio del Aquila, Palazzo Vidoni (Caffarelli) und die Villa Madama. Für Florenz lieferte Rafael die Entwürfe zum Palazzo Pandolfini, die Ausführung übernahm jedoch Giovanni Francesco da Sangallo. Für den zerstörten Palazzo Branconio del Aquila bietet eine Wiederholung desselben der Palazzo Spada, den ich wegen einer Eigenart hier erwähne, einigen Ersatz. An dem Aeußeren dieses Palastes ist der Versuch gemacht worden, die sonst vorkommende Bemalung durch bildnerischen Schmuck zu ersetzen. Nicht nur die Nischen enthalten Standbilder, sondern auch die Flächen zwischen den Fenstern und die Friese sind mit flachbildnerischen Darstellungen geschmückt. Vom Jahre 1514 an bis zu seinem Tode war Rafael auch der Leiter des Baues der Peterskirche. - Ein berühmtes römisches Bauwerk, die Villa Farnesina, ist nicht ganz sicher als Werk Rafaels anzusehen; für diese kommt vielleicht Baldassare Peruzzi als Hauptmitarbeiter in Betracht, jedenfalls ist sie aber im Geiste Rafaels erdacht. Von schlichter Einfachheit in allen Einzelheiten erscheint sie als Ganzes in so vornehmer und abgeklärter Schönheit, daß sie geradezu vorbildlich genannt werden muß (Fig. 421).
^[Abb.: Fig. 436. Donatello: Johannes Evangelist.
Florenz. Dom.] ¶