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Damenhandschuh
Damenhandschuhe, ellbogenlang, Ende 18. Jh., I-Taranto. D-Rostock, Zoologische Sammlung der Universität (MS-Inventar 3)
Detail aus Damenhandschuh; hier ist das zweifarbige Garn gut erkennbar: Muschelseide goldbraun, Seide? grünblau
Damenhandschuh, einzeln, ellenbogenlang, Ende 18. Jahrhundert, ITaranto. D-Rostock, Zoologische Sammlung der Universität, Inventar Nr. VII Ba. 54 (MS-Inventar 3)
Muschelseide und gezwirnter hellblauer Faden (Seide?), Daumen und Zeigefinger offen, Fingernagel gedeckt, glatt rechts gestrickt, 10 M/cm, L 37 cm, B Handgelenk 6,5 cm, B Abschluss 9,5 cm, kleine Löcher, Handkanten beschädigt
Originaletikette: … ein Geschenk der Frau Reichsgräfin zu Stolberg … Sophia, 21. Nov. 1799
Friedrich Leopold Graf zu Stolberg (1750-1819), Jurist und Schriftsteller in Berlin, heiratete 1790 in zweiter Ehe Sophie Charlotte Eleonore von Redern (1765-1842). Auf einer Italienreise war er vom 7.-12. Mai 1792 Gast beim Erzbischof Giuseppe Capecelatro in Taranto, worüber Graf zu Stolberg in seinem Tagebuch ausführlich berichtet. Erwähnt werden auch die Handschuhe aus Muschelseide, die ihm der Erzbischof schenkte.
Man macht hier eine Arbeit, welche von Müttern auf Töchter, vielleicht noch von der Griechen Zeit her, sich erhalten hat. Eine Art Muscheln, welche Pinna heisset, deren kleinsten einige Zoll, die grössten wohl eine Elle lang sind, hat einen Büschel feiner Haare oder Fasern von glänzender grüner Farbe.
Der Erzbischof hatte die Güte, einige Weiber rufen zu lassen, damit sie in unsrer Gegenwart arbeiten möchten. Die Art zu verfahren ist einfach. Die Büschel werden von der Muschel abgenommen, erst zweimal in Seifenwasser, dann in lauterm Wasser dreimal gewaschen, gleich nachher gehechelt, und auf der Kunkel gesponnen. Man nimmt dreifache Faden, dreht sie, und strickt daraus Handschuh, Strümpfe, auch ganze Kleider. Sie haben den Glanz des drap de Vigogne, tragen sich angenehm, und sehen schön aus.
Man strickt auch mit zween solchen zusammen gelegten Faden, und fügt einen dritten von Seide hinzu. Die Arbeit wird alsdann dauerhafter, aber minder schön.
Diese Zeuge verlieren ihren Glanz und ihre grüne Farbe, wenn sie bei wolligen Zeugen liegen. Noch schädlicher sind ihnen alle Gerüche. In Leinenzeug verwahrt man sie am besten. Den durch Gebrauch verlornen Glanz stellt Citronensaft itt Wasser wieder her.
Eine Frau, welche uns diese Arbeit zeigte, schenkte mir kleine Proben von noch rohen Faden, von gewaschnen, gehechelten, gesponnenen und gestrickten. (Stolberg 1794)
A margine, simpatico e significativo è l’episodio ricordato da Stolberg: la donna invitata dal Capecelatro per spiegargli tutti i passaggi della lavorazione, si inorgoglisce e si commuove per l’interesse e gli apprezzamenti manifestati dallo straniero. Il giorno dopo Stolberg con sorpresa, riceve in dono dalla donna un paio di guanti, segno tangibile della sua riconoscenza. Sebbene di umili origini e forse analfabeta, la sconosciuta tarantina ha dato prova di grande dignità e garbo tanto da colpire la sensibilità di Stolberg il quale ha avvertito la necessità di tramandarci l’episodio. (Girelli Renzulli 2000)
Graf zu Stolberg korrespondierte auch mit Elisa van der Recke, die 1815 ebenfalls Gast bei Erzbischof Capecelatro war (Hempel 1997). 1800 konvertierte das Ehepaar von Stolberg zum Katholizismus und zog nach Münster, wo sie im Kreis der Gräfin Amalie von Gallitzin aufgenommen wurden.
Reichsgräfin Sophia zu Stolberg schenkte diese Handschuhe 1799 dem Gründer der Zoologischen Sammlung in Rostock, Prof. Dr. Oluf Gerhard Tychsen (1734-1815).