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«Diese arrogante Elite verwechselt immer noch Sprachfertigkeit mit Intelligenz», wetterte er, nachdem eine Anfrage bei 180 WissenschaftlerInnen ins Leere gelaufen war: Gerade einmal vier hatten geantwortet. Dabei war es dem Entwicklungsingenieur nicht allein um die 4000 Arbeitsplätze gegangen. Das ganze Unternehmen stand auf dem Spiel, ja eigentlich die ganze Welt! Aber gut, dann lösten er und seine KollegInnen das Problem halt selber. Der irische Schlosser war 1934 in der Grafschaft Galway zur Welt gekommen. Nach seiner Lehre studierte er in Bremen Maschinenbau und Luftfahrttechnik und absolvierte dann ein Praktikum bei der Zürcher Maschinenfabrik Oerlikon. 1957 dann Promotion und Anstellung als Konstrukteur beim Flugzeugbauer De Havilland in London. Noch ahnte niemand, dass der Staatspräsident ihn einmal «den moralisch engagiertesten Technologen» nennen würde, «den Irland je ins Ausland geschickt hat».
1962 begann er als Entwicklungsingenieur bei Lucas Aerospace, einem Luftfahrt- und Rüstungsunternehmen, das florierte – bis es durch Ölkrise und Konkurrenzdruck auf seinem Expansionskurs ausgebremst wurde und in eine Krise geriet. Wie gut, dass er da schon längst in der Gewerkschaft organisiert war. Denn natürlich standen sofort Arbeitsplätze auf dem Spiel. Die Belegschaft wehrte sich zunächst erfolgreich. Als erneut vom Abbau von 4000 Stellen die Rede war, entwickelte er mit seinen ArbeitskollegInnen eine gigantische Gegenstrategie. 150 Alternativen zur militärischen Produktion entwarfen sie, allesamt im eigenen Werk umsetzbar: Wärmepumpen etwa, tragbare Dialysegeräte, radargestützte Sichthilfen für Blinde (es gehe ja nicht an, sagte er, dass Raketen zielgenau gesteuert werden könnten, während «Blinde noch wie im Mittelalter durch die Gegend stolpern müssen»).
Der Plan machte Furore, doch die Unternehmensleitung winkte ab. Erst versuchte sie, den «Heisssporn, der die Mächtigen herausforderte» (so ein Zeitgenosse), durch Beförderung zu ködern. Als er ablehnte, entliess sie ihn, trotz internationaler Proteste. Im selben Jahr noch erhielt er als Initiator der visionären Konversionsstrategie den alternativen Nobelpreis.
Wie heisst der 2020 verstorbene, weltweit gefragte Gastprofessor, der «Produkte für das Leben statt Waffen für den Tod» produzieren wollte und nach seinem Rauswurf in London die Arbeitslosigkeit zu reduzieren half?
Wir fragten nach dem irischen Ingenieur und Gewerkschafter Mike Cooley (1934–2020). Die Vorschläge zur Produktionsumstellung wurden unter dem Namen «Lucas-Plan» berühmt und (nicht nur) in Gewerkschaftskreisen heiss diskutiert. Den alternativen Nobelpreis erhielt Cooley für «den Entwurf und die Förderung der Theorie und Praxis einer menschenzentrierten, gesellschaftlich nützlichen Produktion». Die Rüstungsindustrie war ebenso wenig wie die von ihm kritisierte Autoindustrie zu einer Konversion bereit. Viele der im Plan vorgeschlagenen Produkte wurden später von anderen Firmen erfolgreich vermarktet. Nach seiner Entlassung arbeitete er für das Greater London Enterprise Board, wo er unter anderem Produktionsgenossenschaften und Kleinunternehmen unterstützte. 1982 erschien Cooleys Buch «Produkte für das Leben statt Waffen für den Tod. Arbeitnehmerstrategien für eine andere Produktion». Weitere Veröffentlichungen über das Spannungsfeld Mensch und Computertechnologie folgten, zuletzt 2020 der Mike-Cooley-Reader «The Search for Alternatives. Liberating Human Imagination». Weitere Informationen: «Der Lucas-Plan: Sie planten die bessere Zukunft», WOZ Nr. 7/07.