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Warme Herbstsonne, klare Fernsicht, feine Spinnfäden an Sträuchern, Bäumen und Gräsern – das sind typische Merkmale des Altweibersommers. Doch woher kommt der Name und was hat es mit dem Phänomen auf sich?
Im Oktober, wenn die Temperaturen kühler werden, stellen wir uns auf den Herbst ein. Doch oft ist das genau die Zeit, in der sich die Sonne noch einmal wie ein warmer Mantel über die Landschaft legt, sodass der Sommer ein letztes Mal aufzubegehren scheint: Die Blätter der Laubbäume verfärben sich von Grün zu leuchtendem Gelb oder Orangerot. Glasklare Luft und windstille Tage bescheren uns eine tolle Fernsicht. Zwischen den Zweigen der Sträucher und Bäume sind feine Spinnfäden zu entdecken, deren Enden durch die Luft schwirren. Dieses Phänomen ist gemeinhin als Altweibersommer bekannt.
Herkunft des Namens
Die Fäden sind es wahrscheinlich auch, die dem Altweibersommer seinem Namen gegeben haben: "Weiben" ist altdeutscher Ausdruck für das Knüpfen von Spinnweben, es wurde aber auch als Synonym für "wabern" oder "flattern" verwendet und ist heute weitgehend aus dem Sprachgebrauch verschwunden. Die Bezeichnung Altweibersommer ist hingegen schon seit etwa 1800 verbreitet. Der Wortteil "alt" ist hier mit dem Wort "spät" zu vergleichen.
Mythen und Legenden rund um den Altweibersommer
Viele Mythen ranken sich um die Spinnfäden des Altweibersommers und ihre Bedeutung: Da die Fäden im Sonnenlicht wie lange, silberne Haare glänzen, hieß es im Volksmund, dass alte Weiber – damals noch kein Schimpfwort – diese "Haare" beim Kämmen verloren hätten. In frühchristlicher Zeit glaubte man zudem, dass es sich bei den Fäden um Garn aus Marias Mantel handle, den sie bei ihrer Himmelfahrt getragen habe. Daher werden die charakteristischen Spinnweben zwischen Gräsern, Zweigen, an Dachrinnen und Fensterläden auch "Marienfäden", "Marienseide" oder "Marienhaar" genannt. Der Altweibersommer wird aus diesem Grund auch als "Mariensommer" und "Fadensommer" bezeichnet. Eine andere Erklärung geht allein von der Namensgebung aus: Vor 1800 teilte man die Jahreszeiten nur in Sommer und Winter ein. Frühling und Herbst nannte man "Weibersommer". Später bekam der Frühling den Zusatz "Junger Weibersommer" und folglich wurde der Herbst "Alter Weibersommer" genannt.
Spinnfäden als Glücksbringer
In jedem Fall verheißen die Spinnweben in der Mythologie immer etwas Gutes: Wenn sich fliegende Spinnfäden im Haar eines jungen Mädchens verfingen, deutete das auf eine baldige Hochzeit hin. Alte Menschen, die sich die Fäden einfingen, wurden zuweilen als Glückbringer angesehen. Auch viele Bauernregeln beschäftigen sich mit dem Wetterphänomen. So lautet eine Regel: "Wenn viele Spinnen kriechen, sie schon den Winter riechen."
Verlässliches Sommerfinale
Ob man an die mythologische Herleitung der Wetterperiode glaubt oder sich eher an meteorologische Gegebenheiten hält – mit seiner klaren Luft und dem warmen Sonnenschein zaubert der Altweibersommer ein letztes Farbkostüm in unsere Gärten. Als großes Finale der Natur, das es zu genießen gilt, sagt man augenzwinkernd über ihn: Er ist der einzige Sommer, auf den Verlass ist.