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Ich habe mich noch nie auf die sogenannten Verschwörungstheorien gestützt beim Versuch, die seltsamen Preisschwankungen der monetären Metalle zu erklären. Aber ich habe auch nie behauptet, die Fiatgeld-Hydra würde freiwillig Herkules jeden ihrer Köpfe zum Abschlagen hinhalten!
Die Märkte der monetären Metalle unter dem Fiatgeld-Standard
Betrachten wir die wesentlichen Fakten:
(1) Die US-Regierung weigerte sich am 15. August 1971, ihrer Verpflichtung nachzukommen, ihre kurzfristigen Dollarschulden bei ausländischen Regierungen und Zentralbanken zu einem festen Preis in Gold zu begleichen, was durch internationale Verträge und durch feierliche Versprechen von mehreren amtierenden Präsidenten garantiert worden war. Anschliessend wurde im Bemühen, diesen betrügerischen Bankrott zu vertuschen (betrügerisch, weil die USA das Gold besassen und ihren internationalen Verpflichtungen hätten nachkommen können), von einen Chor unterwürfiger akademischer Claqueure und Speichelleckern von allen Dächern gepfiffen, der Goldstandard sei ein barbarisches Relikt und man solle froh sein, ihn endlich losgeworden zu sein.
(2) Dadurch beschlagnahmten die USA faktisch einige Goldbestände ausländischer Institutionen, aber bei weitem nicht alle. Die Fakultäten für Wirtschaftswissenschaften und die Forschungseinrichtungen der Universitäten versäumten es danach, zu untersuchen, was mit dem Gold auf lange Sicht geschehen würde. Sie nahmen an, bis in alle Ewigkeit ohne Gold wirtschaften zu können, aber damit waren sie auf dem Holzweg. Bald begann der spekulative Handel mit Goldfutures, zuerst in Kanada, dann 1975 auch in den USA. Keine der Universitäten und Ideenfabriken interessierte sich für den Handel mit Goldfutures und dessen langfristige Folgen. Gold wurde auf den Status von gefrorenen Schweinebäuchen reduziert. Wir wissen alle, wie der Handel mit gefrorenen Schweinebäuchen funktioniert, nicht wahr? Durch das Spiel von Angebot und Nachfrage…und wenn es darauf ankommt, ist es natürlich viel einfacher, das Angebot von Papiergold zu erhöhen als das von gefrorenen Schweinebäuchen (Mit den gebührenden Entschuldigungen an den verstorbenen Fritz Machlup der Princeton University für diese Deutung seiner Theorie des Handels mit Goldfutures). Lassen wir jedoch die Frage beiseite, ob unsere Institutionen die Probleme des Futures-Handels der monetären Metalle willentlich ignorierten, oder ob sie unter Zwang handelten. Wie sich nach Jahren herausstellte, hat das Versäumnis, die Folgen der sogenannten Demonetisierung von Gold (ein Euphemismus für Wegelagerei) zu untersuchen, eine beispiellose Katastrophe verursacht: den Zerfall der weltweiten Zahlungssystems, der sich nun sichtbar vor unseren Augen vollzieht.
(3) Eine wissenschaftliche Untersuchung, die in den 1970er Jahren durchgeführt wurde zeigte, dass die Goldbasis (definiert als der Unterschied (Spread) zwischen dem Preis für den zeitlich nahesten Futures-Kontrakt für Gold und dem Preis für die sofortige Lieferung von physischem Gold) gross sein würde, in der Tat, sie war die grösstmögliche, d.h. gleich hoch wie die Lagerkosten oder Opportunitätskosten für das Halten von Gold. Bald darauf begann jedoch die Schrumpfung dieses Spreads bis hin zu Null und sogar darunter. Eine negative Goldbasis, d.h., ein Zustand, der als Backwardation von Gold bekannt ist, würde im internationalen Finanzwesen eine höchst instabile Situation erzeugen, weil er bedeutet, dass die Halter von Gold risikolose Gewinne machen könnten. Sachkundige Marktteilnehmer wissen, dass eine fortschreitende Schrumpfung der Basis eine zunehmende Angebotsverknappung bedeutet, welche im Fall von Gold nicht einfach durch eine erhöhte Produktion aus Goldminen gedeckt werden kann. Diese Produktion kann auch nicht die Goldhortung in grossem Masse ausgleichen, welche angesichts einer bleibenden Backwardation von Gold erst allmählich und zum Schluss mit zunehmender Geschwindigkeit zunimmt. An einem gewissen Punkt wird dann alles lieferbare physische Gold sofort gehortet und der Markt trocknet total aus. Bei den monetären Metallen wird, im Gegensatz zu allen anderen Rohstoffen, bei hohen und steigenden Preisen das Angebot nicht grösser; es schrumpft vielmehr, denn monetäre Metalle gehorchen nicht dem bekannten Gesetz von Angebot und Nachfrage.
Bei einer bleibenden Backwardation wird kein Gold mehr zu irgendeinem Preis zum Verkauf angeboten und der Begriff Goldpreis würde inhaltslos. Gold, Silber, und bald auch alle anderen marktfähigen Güter würden dann nur durch Tausch den Besitzer wechseln. Mit anderen Worten, das Papiergeld, wie wir es kennen, würde einfach nicht mehr akzeptiert. Wie soll unsere heutige komplexe Weltwirtschaft unter solchen Umständen noch funktionieren? Niemand weiss es. Es ist jedoch sicher, dass sie in einer Weise schrumpfen würde, welche die Depression der 1930er Jahre wie ein Pixel auf einem Bildschirm aussehen lassen würde.
(4) Alle Blasen, Währungs- und Finanzkrisen der letzten 40 Jahre sind die direkte oder indirekte Folge der erodierenden Goldbasis – ob wir es nun eingestehen oder nicht. Vor einigen Jahren lud mich Professor Robert Mundell von der Columbia University ein, sein jährliches Seminar in Santa Colomba zu besuchen, das auch die meisten der führenden Geldwissenschaftler versammelt. Ich liess dort ein Memo zirkulieren und warnte vor der Gefahr einer bleibenden Backwardation beim Gold und dass sie sich negativ auf die Weltwirtschaft auswirken würde.
Ich legte dar, dass eine bleibende Backwardation von Gold eine Zeitenwende bedeuten würde. Solange die Goldfutures-Märkte offen sind, können US-Staatsanleihen noch immer in Gold konvertiert werden, wenn auch zu einem volatilen, verschwindend kleinen Preis. Sobald jedoch der Goldfutures-Handel nach der bleibenden Backwardation von Gold ausgesetzt wird, kann Gold nicht mehr gegen US-Staatsanleihen getauscht werden. Die gesamten ausstehenden Schulden der USA würden dann keine Unze Gold mehr wert sein; nicht einmal ein Gramm. Es ist unvernünftig zu behaupten, dass dies für den Welthandel keinen Unterschied mache, wie es von der offiziellen Doktrin behauptet wird, denn dieses Ereignis würde den Niedergang der Geldwirtschaft und die Rückkehr zur Naturaltauschwirtschaft bedeuten.
Mein Memo rief keine einzige Reaktion hervor; es wurde einfach ignoriert. Trotzdem habe ich Grund zur Annahme, dass die Verantwortlichen im US-Finanzministerium und der Federal Reserve aufhorchten und einen Intensivkurs über das Problem der erodierenden Goldbasis und der Bedrohung durch die bleibende Backwardation von Gold besuchten.
(5) Fazit: 1971, als die Welt aus dem Goldstandard gedrängt wurde, schuf die US-Regierung eine vielköpfige Hydra. Das Problem wurde jedoch vertuscht und verstärkt durch die Nachrichtensperre, welche jeglicher Untersuchung der Goldbasis einen Knebel anlegte.
Gold ist nicht dasselbe wie gefrorene Schweinebäuche…
Nachdem die Goldfutures-Märkte schon während einem Jahr mit der Backwardation geflirtet hatten, wurde die Bürokratie durch die zu spät gekommene Erkenntnis des Problems zum Handeln gezwungen. Sie tat es auf ihre typische Weise – planlos. Vor einigen Tagen, am 12. und 14. April 2013, wurde der Papiergoldmarkt von einer furiosen Attacke auf den Goldpreis in Panik versetzt. Dies ist an und für sich schon der Beweis dafür, dass Bernanke die bleibende Backwardation in Gold fürchtet und weiss, dass sie eine chaotische Situation schaffen wird und dass er sie unter allen Umständen verhindern will.
Nun ja… Gold ist doch nicht dasselbe wie gefrorene Schweinebäuche! Die Hydra jedoch wird nicht kampflos aufgeben und man legte schlussendlich die Samthandschuhe beiseite.
Bernanke will die bleibende Backwardation von Gold durch den Verkauf einer unbegrenzten Anzahl von Goldfutures-Kontrakten via seine Handlanger, die Bullionbanken, abwenden. Er nimmt jedoch dabei in Kauf, dass seine Verbündeten enorme Verluste einfahren, die sie irgendwann realisieren müssen, denn es ist klar, dass die Papiergoldverkäufer das physische Gold nicht besitzen, welches sie verkaufen. Es ist deshalb sehr wahrscheinlich, dass früher oder später die physische Lieferung von Gold unter der Begründung von höherer Gewalt ausgesetzt werden wird. Die Positionen der Leerverkäufer werden dank der immensen Papiergeldschöpfung der Fed beglichen, aber dadurch wird auch der Handel mit Goldfutures bald der Vergangenheit angehören.
Bernanke und der Kolumnist Paul Krugman, sein unterwürfiger Kumpel in Princeton, verstehen nicht, dass das Problem nicht der Goldpreis ist, sondern die Backwardation oder der Contango. Beim Versuch, den Goldpreis zum Fallen zu bringen, macht die Fed den letzten Contango in Washington bald zur vollendeten Tatsache.
Vom Regen in die Traufe
Angeblich würde ein niedrigerer Goldpreis Bernakes Problem lösen. Die demoralisierten Goldanhänger würden gezwungen, ihre Goldbestände durch Nachschuss-Aufforderungen zu veräussern. Enttäuschte Investoren würden ihre Goldbestände abstossen und dies würde dem klammen Goldfutures-Markt das physische Gold zur Verfügung stellen, das ihn retten soll.
Tatsächlich macht jedoch ein tieferer Goldpreis das Problem noch komplizierter. Die Fed kommt dadurch vom Regen in die Traufe und dies ist auch der Punkt, der von fast allen Beobachtern und Analysten übersehen wird. Sie ignorieren die unterschwellige, ungebrochene Flucht in physisches Gold trotz oder aufgrund der Panik im Papiergoldmarkt. Die Unterstützung der Fed der Leerverkäufer wird sich aus dem folgenden einfachen Grund als Bumerang erweisen: Die Strategie der Fed ist selbst ein Widerspruch. Ein niedrigerer Preis für Papiergold macht es einfacher, nicht schwieriger, die Auslieferung der fälligen Futures-Kontrakte zu verlangen.
Je mehr Papiergold Bernanke verkauft, desto geringer sind die Kosten für den Erwerb von physischem Gold im Tausch gegen Papiergold. Der Preis des zeitlich nahesten Futures-Kontrakts wird, bezogen auf den Spotpreis, in ungeahnte Abgründe stürzen, so dass sich die Backwardation verschlimmert und nicht verbessert; schlussendlich wird sie irreversibel. Willkommen in der Welt der bleibenden Backwardation von Gold…
Wo befindet sich das deflationäre schwarze Loch?
Die Wissenschaftler und die Finanzpresse haben die Bedeutung der Backwardation von Gold auch hinsichtlich der Deflation nicht erkannt. Sie fürchten eine Hyperinflation als Folge des ungezügelten Gelddruckens (Euphemismus für die Monetarisierung von Staatsschulden). Doch die eigentliche Gefahr ist nicht die Inflation, sondern die Deflation – dies realisiert sogar Krugman – während er vollkommen ratlos ist, woher diese Deflation kommt – konservatives Wunschdenken hilft hier nicht.
Nun, ich kann Krugmann helfen, denn ich kenne die Position dieses schwarzen Lochs genau. Das deflationäre schwarze Loch befindet sich an der Constitution Avenue in Washington, DC, im Gebäude der Federal Reserve Board.
Wenn Bernanke glaubt, dass seine Angriffe auf den Goldpreis die Deflation eindämmen werden, irrt er sich gewaltig. Seine Bemühungen sind, gelinde gesagt, kontraproduktiv. Sie werden die Flucht ins physische Gold beschleunigen. Es ist die bleibende Backwardation von Gold und die damit einhergehende Renaissance des Tauschhandels, welche in die ultimative Deflation münden.
Es gibt keinen Grund zu befürchten, dass die Fed die Welt in die Hyperinflation treibt, denn durch ihren Kampf gegen den Goldpreis treibt sie uns unwissentlich in die Hyperdeflation, indem sie den Dollar, das internationale Währungssystem und den Zahlungsverkehr zerstört.
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