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Robin Haug ist Winzer in Weiningen. Auf die Frage nach dem Klimawandel sagte er in der Limmattaler Zeitung: „Der Klimawandel verändert den Wein. Die paar Grade mehr merkt man. Die Weine werden immer gehaltvoller. Die Hauptsorte Pinot noir hat mehr Tiefgang und ist oftmals würziger“.
Der junge Winzer fällt damit total aus dem Rahmen: Alle sprechen von den schlimmen Folgen des Klimawandels, und er freut sich darüber. Und wahrscheinlich auch seine Kunden.
In Klimaberichten und -studien tönt es anderes. Beliebt ist die Bezeichnung Klimakatastrophe. Deswegen schwänzen Kinder mit Unterstützung ihrer Eltern und Lehrer weltweit die Schule.
Der Widerspruch zwischen lokalem Wohlergehen und globaler Panik motiviert zu ein paar Fragen: (1) Wird es wirklich wärmer? (2) Ist der Klimawandel menschengemacht? (3) Was sind die Folgen? (4) Gibt es noch etwas Schlimmeres als die Klimaerwärmung?
Die erste Frage ist: Wird es tatsächlich wärmer? Und die Antwort ist Ja. Kaum jemand bestreitet die Tatsache der Erderwärmung in den letzten Jahren, obschon wir im Moment den Hintern abfrieren.
Die zweite Frage lautet: Ist der Klimawandel mehrheitlich menschengemacht? Die offizielle Meinung ist Ja. Wer das anders sieht, ist ein Klimaleugner. Davor schützt auch ein Nobelpreis in Physik nicht.
Ivar Giaever, Physiker und Nobelpreisträger (1973), glaubt nicht an den menschengemachten Klimawandel. Immerhin geht es Giaever besser als Galileo Galilei, der 1633 vom Inquisitionsgericht wegen seiner Meinung zum kopernikanischen Weltbild zu lebenslanger Kerkerhaft verurteilt wurde.
Der Widerruf seiner Thesen bewahrte ihn immerhin vor dem Scheiterhaufen. 359 Jahre später hob die Katholische Kirche das Urteil auf.
Ob heute die Klimaleugner auf den Scheiterhaufen gehören, scheint umstritten. Dass es bei der zweiten Frage aber mehr um eine Glaubenssache als um einen wissenschaftlichen Diskurs geht, ist offensichtlich.
Der Anspruch des IPCC-Klimarates im wissenschaftlichen Bericht von 2007 liest sich wie ein theologischer Lehrsatz: „Einfach ausgedrückt, wird diese jüngste Bewertung des IPCC wieder die wissenschaftliche Referenz für alle sein, die sich mit dem Klimawandel und seinen Folgen befassen“.
Man erzählt uns auch, dass die Mehrheit der Wissenschaftler – die Rede ist von 97 Prozent – an den menschengemachten Klimawandel glauben. Falls die IPCC-These zuträfe, wäre das beste Rezept gegen den Klimawandel „weniger Menschen, oder nur ganz arme“. Das wäre aber politisch unkorrekt. Welcher Klimatologe will das schon?
Für Finanzleute pikant ist die Begründung der IPCC-Gemeinschaft für den menschengemachten Klimawandel: Die Ergebnisse basierten unter anderem auf erweiterten Datensätzen, neuen Analysen und anspruchsvolleren Möglichkeiten der Klimamodellierung.
Mit Modellen kann man aber gar nichts beweisen und voraussagen. Modelle sind – im Gegensatz zum Klima – zu 100 Prozent menschengemacht. Sie liefern genau die Resultate, welche die Wissenschaftler durch die Modellierung und die eingegebenen Daten vorgegeben haben.
Anschauungsunterricht zur Modellgläubigkeit lieferte in der Finanzkrise von 2007/8 die Bankbranche. Sie hatte während Jahren die besten Physiker und Mathematiker angestellt und mit hohem analytischem Fachwissen mathematische Modelle ihres Geschäftes entwickelt.
Die FINMA stellte 2009 ernüchtert fest: „Generell ist festzuhalten, dass die Finanzbranche und auch die Aufsichtsbehörden sich in viel zu hohem Masse auf finanzmathematische Modelle verlassen haben“. Die Modelle haben nicht nur nichts genützt, sie haben zur Entstehung der Krise entscheidend beigetragen.
Eine bessere Grundlage für eine empirische Auseinandersetzung als mathematische Modelle liefert der Philosoph und Wissenschaftstheoretiker Karl Popper: Für ihn sind wissenschaftliche Theorien lediglich unsichere Spekulationen, welche die empirische Wissenschaft durch die Suche nach widersprechenden Beobachtungen umzustossen versucht.
Es geht in der empirischen Wissenschaft nicht um das Beweisen, sondern um den Versuch der Falsifikation. Statt die Kritiker auf den Scheiterhaufen zu verdammen, sollten die Klimawissenschaftler die Auseinandersetzung mit den Häretikern suchen.
Die dritte Frage heisst: Nützt oder schadet die Klimaerwärmung? Die Antwort lautet: „Es kommt halt drauf an“. Dem Weininger Winzer nützt sie. Den Eisbären im hohen Norden schadet sie. Den Robben Babys im hohen Norden nützt sie, denn es gibt weniger Eisbären, von denen sie gefressen werden.
Für die Schweiz sieht das so aus: Die Durchschnittstemperatur betrug in Zürich in der Klimaperiode 1981 bis 2010 9,4 Grad Celsius. Würde diese extrem um 3 Grad steigen, hätte Zürich genau das Klima, das in den letzten dreissig Jahren in Lugano herrschte.
Das wäre keine Katastrophe, es gäbe etwas mehr Touristen und etwas weniger Banker. Und die 22’000 Einwohner der westsibirischen Stadt Dudinka könnten mit einer Durchschnittstemperatur von minus 7 statt minus 10 Grad auch ganz gut leben.
Selbst die gut 9 Millionen Einwohner von Kairo würden bei durchschnittlich 25 Grad statt 22 nicht aussterben.
Zur Frage 4: Gibt es noch Schlimmeres als die Klimaerwärmung? Ja, sicher. Klimaexperten lieben es, das Wort „Umwelt“ als Synonym für „Klima“ zu verwenden. Das ist falsch. „Klima“ ist ein Unterbegriff, „Umwelt“ ist der Oberbegriff.
Der Klimawandel ist bei weitem nicht das gravierendste Umweltproblem. Zur Umwelt gehören neben Klima auch Wasser, Meere, Luft, verseuchte und gesunde Böden, Bodenschätze, Tiere und Pflanzen, dann auch Infrastrukturen, Verkehr, Wasser, Energie, Abfälle, Erholungsräume.
Der Mensch definiert Umwelt als das, was ihn umgibt, worin er lebt und was er zum Leben braucht. Der Referenzbezug auf den Menschen unterscheidet den Begriff „Umwelt“ inhaltlich von ähnlichen Begriffen wie Ökosystem.
Im Gegensatz zum Klima, das vom Menschen kurz- bis mittelfristig kaum beeinflusst werden kann, können wir unsere Umwelt sofort, nachhaltig und wirkungsvoll verändern. Das ist sowohl wichtig wie auch dringend.
Wir können die PET-Flasche und die Bierbüchse ordnungsgemäss entsorgen, statt sie zum Autofenster hinaus zu schmeissen. Der Bauer und seine weidenden Kühe werden dankbar sein.
Ein ganz ganz grosses Umweltthema ist das Wasser. Über zwei Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Über 800 Millionen Menschen haben noch nicht einmal eine Grundversorgung mit Wasser, vor allem in ärmeren, ländlichen Gebieten. In weiten Teilen Indiens geht das Grundwasser schnell zur Neige.
In grossen Städten dagegen, vor allem Peking und Delhi, ist die Feinstaubbelastung ein schlimmes Übel. Sie tötet gemäss neuesten Schätzungen vier Millionen Menschen pro Jahr. Die Aufzählung liesse sich beliebig erweitern.
Alle diese Umweltprobleme scheinen lösbar. Allen ist jedoch eines gemeinsam: Je mehr Menschen es auf der Erde und in den einzelnen Ländern gibt und je besser es diesen Menschen wirtschaftlich geht, desto höher ist die Belastung der Umwelt.
Gemäss dem ersten Buch Mose, Kapitel 1, Vers 28, sprach Gott zu den neu geschaffenen Menschen: „Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht“.
Wir Menschen haben diesen Auftrag wohl etwas zu wörtlich genommen.