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Tauchanzug
Modifizierter Originaltext/Bilder von Wilke Reints
Durch den Einsatz von neuen Mischgasen ergeben sich schnell längere Dekompressionszeiten, die es "abzusitzen" gilt. Gerade bei der Dekompression bewegt sich der Taucher jedoch mit Vorteil nur wenig. Werden solche Tauchgänge in kälteren Gewässern durchgeführt, muss sich der Taucher entsprechend gegen Unterkühlung (Hypothermie) schützen.
Durch die höhere Wärmeleitfähigkeit (Konvektion) des Wassers, kühlt ein ungeschützter Taucher etwa 25mal schneller aus. Neben diesem Effekt begünstigen aber auch heliumangereicherte Atemgemische die Auskühlung des Tauchers. Durch die höhere Konvektion kühlt der Körper hier ebenfalls schneller aus. Besonders gefährlich ist diese Art der Auskühlung, weil sie durch den Organismus nicht registriert wird (allerdings ist die Auskühlung über die Atmung erst ab Tiefen >150m relevant). Wird nicht mit entsprechenden Massnahmen einer Unterkühlung entgegen gewirkt, kühlt der Körper nach und nach aus, was im Extremfall zu einer Bewusstlosigkeit (ab ca. 34° bis 31° Körperkerntemperatur) führen kann.
Der Tauchanzug sollte immer der Wassertemperatur in der Tiefe und der Tauchzeit angepasst sein. Beim technischen Tauchen werden überwiegend Trockentauchanzüge eingesetzt, die im Vergleich zu Nass- bzw. Halbtrockenanzügen über wesentlich bessere Isolationseigenschaften verfügen. In Kombination mit einem jeweils der Wassertemperatur angepassten Unterzieher wird die gewünschte Isolationsstärke gewählt.
Gleichzeitig dient ein Trockentauchanzug auch als Redundanz zu dem mitgeführten Auftriebsmittel, dem Wing. Sollte das Wing ausfallen besteht immer noch die Möglichkeit einer Tarierung über den Anzug. Daher sollten tiefe Tauchgänge grundsätzlich, unabhängig von der Wassertemperatur mit einem Trockentauchanzug durchgeführt werden.
Grundsätzlich ist bei dem allgemeinen Thema Isolation zwischen den folgenden Gruppen zu unterscheiden:
- Wasserdurchlässige Tauchanzüge
- Wasserundurchlässige Tauchanzüge
Wasserdurchlässige Tauchanzüge sind klassische Nasstauchanzüge und Halbtrockenanzüge. Diese Anzüge eignen sich vornehmlich für den Sporttauchbereich. Durch den direkten Körperkontakt mit dem Wasser erfolgt die Hypothermie immer schneller als bei Anzügen die einen direkten Wasserkontakt verhindern. Somit kühlt der Körper schneller aus, was letztlich die Tauchzeit und damit das Einsatzgebiet dieser Anzüge limitiert. Ausserdem wird bei zunehmender Tiefe das Neopren komprimiert und verliert dadurch seine Isolationseigenschaften und das Auftriebsverhalten. In heimischen Gewässern sind aus diesem Grund bereits einfache technische bzw. tiefere Tauchgänge mit dieser Art Anzug kaum durchzuführen. Mindestens ein 6mm Nassanzug mit Haube ab 24º Wassertemperatur und Gedanken zur Auftriebsredundanz (Doppelblasen-Wing) sind Pflicht, wird ein solcher Anzug eingesetzt.
Wasserundurchlässige Tauchanzüge sind alle Trockentauchanzüge. Diese Anzüge verhindern durch Latex- oder Neoprenmanschetten dass Wasser zwischen den Taucher und dem Anzug fliesst. Um sich jedoch vor der Kälte zu schützen sind sogenannte Unterzieher erforderlich. In der Regel passt der Taucher die dicke der Unterzieher an die zu erwartenden Wassertemperaturen und der zu erwartenden Tauchzeit an. In der Kategorie Trockentauchanzüge wird zwischen zwei Trockentauchanzugstypen unterschieden.
- Der eine Typ besteht vollständig aus Trilaminat (800er Denier Nylon oder Cordura) und ist extrem reissfest, bei minimalem Gewicht und komfortabler Bewegungsfreiheit.
- Der zweite Typ wird aus Neopren hergestellt, welches je nach Hersteller komprimiert wird um den Auftrieb an der Oberfläche zu reduzieren.
Ein Trockentauchanzug sollte folgende Merkmale aufweisen:
- Egal welcher Typ (Trilaminat / Neopren) verwendet wird es muss immer sicher gestellt sein, dass der Taucher über eine ausreichende Bewegungsfreiheit auch mit Unterzieher erreicht (Vorsicht mit Verstärkungen/Schützen). Diese kann am besten getestet werden, indem man mit dem angezogenen Anzug in die Hocke geht, hierbei sollte nichts zwicken oder spannen. Um später im Wasser auch in der Lage zu sein die Ventile zu erreichen muss es möglich sein mit beiden Händen hinter den Kopf zu greifen. Bei dieser Prozedur darf der Anzug weder spannen noch den Bewegungsablauf einschränken. Gleiches gilt für den Unterzieher.
- Der Anzug verhält sich idealer Weise neutral. Damit ist gemeint, dass der Auftrieb eines Anzuges unabhängig von der getauchten Tiefe sein sollte. Damit fällt die Wahl des Anzuges immer auf einen Trilaminatanzug. Neoprenanzüge haben den entscheidenden Nachteil, dass sie bei einer hohen Wassertiefe zunehmend komprimiert werden, wass die Isolationseigenschaften verschlechtert und zusätzlich den Taucher überbleit.
- Der Reissverschluss sollte diagonal über den Oberkörper führen, um in der Lage zu sein diesen selber öffnen und schliessen zu können. Des weiteren wird bei dieser Reissverschlussführung die kleinstmögliche Belastung durch Flaschen, Wing und Harness ausgeübt.
- Latexmanschetten sollten Neoprenmanschetten vorgezogen werden. Sie werden nur mit Talkum gepflegt. Latexmanschetten ermöglichen ein separates Abdichten der Trockentauchhandschuhe. Dies ist unbedingt erforderlich, da hierdurch im Falle einer Undichtigkeit im Handschuh nicht der ganze Anzug mit Wasser volläuft. Der Taucher kann dann Notfalls Neopren-Ersatzhandschuhe aus den Beintaschen holen, und so den Tauchgang unter Einhaltung aller Vorgaben gefahrlos beenden.
- An den Beinen sollten zwei Beintaschen für wichtige Ausrüstungsgegenstände angebracht sein. Als Füsslinge sollten Turbo Soles oder alternativ Rock Boots verwendet werden. Turbo Soles verleihen dem Taucher ein besseres Gefühl für die Flossen, sind allerdings im groben Gelände kaum einsetzbar. Rock Boots vermitteln ein ausreichendes Gefühl für die Flossen und sind speziell für unwegsames Gelände entworfen worden.
Das wichtigste ist die Bewegungsfreiheit des Anzuges, ist diese nicht gegeben, können die Ventile nicht erreicht werden. Ferner muss der Anzug im Wadenbereich sehr eng geschnitten sein, nur so kann verhindert werden, dass sich ungewollt Luft ansammelt und den Trimm gefährdet. Fussblei wird nicht eingsetzt.
Es ist immer darauf zu achten, dass die Schlaufe des Reissverschlusses nicht "rumbaumelt". Theoretisch kann sich diese in Wrackteilen verfangen und den Anzug ungewollt öffnen. Der Reissverschluss des Trockentauchanzuges ist mit Parafin (in Teelichtern enthalten) zu pflegen. Im Fachhandel werden aber auch dafür spezielle Produkte angeboten. Letztlich funktioniert es aber auch mit Teelichtern.
Weltweit führender, namhafter Hersteller ist wohl immer noch DUI. Allerdings haben die Firmen SANTI, SCUBAFORCE und URSIUT (Cave Variante) mittlerweile bessere Anzüge im Angebot.