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Mit der Gründung des nationalen Ausschusses für Transportlogistik (NATRAL) haben die drei Verbände GS1 Schweiz, Spedlogswiss und Swiss Shippers’ Council zusammen mit dem Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung den Grundstein gelegt, um die Wirtschaft bei Versorgungsengpässen in Krisen zu unterstützen.
(jh)Business Continuity Management (BCM) bezeichnet die Entwicklung von Strategien, Plänen und Handlungen, um Tätigkeiten oder Prozesse, deren Unterbrechung der Organisation ernsthafte Schäden oder Verluste zufügen würden, zu schützen bzw. alternative Abläufe zu ermöglichen. Ziel ist die Sicherstellung des Fortbestands des Unternehmens im Sinne ökonomischer Nachhaltigkeit.
Widerstandsfähigkeit erhöhen
Mit dieser Managementmethode wird versucht, anhand eines Lebenszyklus- Modells die Fortführung der Geschäftstätigkeit unter Krisenbedingungen oder unvorhersehbar erschwerten Bedingungen abzusichern. Die wirtschaftliche Landesversorgung (WL) steht der Wirtschaft mit diesem Konzept zur Seite, wenn diese nicht mehr in der Lage ist, die Versorgung sicherzustellen. Die Ansätze des BCM sind entscheidend, um die Widerstandsfähigkeit der Unternehmen gegenüber Schadenereignissen zu erhöhen. In unserer hoch technisierten und arbeitsteiligen Gesellschaft erfolgt die Versorgung der Bevölkerung mit notwendigen Gütern und Dienstleistungen über ein hoch entwickeltes, eng geflochtenes Netzwerk. Dazu zählen Transport und Verkehr, Informationstechnik und Kommunikation, Energieversorgung und das Gesundheitswesen. Aufgrund der Komplexität und der Abhängigkeiten sind die einzelnen Bereiche hochgradig verletzbar. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Beeinträchtigung oder der Ausfall einzelner Bereiche weitreichende Folgen haben kann.
In diesem Netzwerk spielt der Güterverkehr eine wichtige Rolle. Er versorgt Unternehmen mit Rohstoffen, die Bevölkerung mit Konsumgütern und ermöglicht den globalen Handel mit Waren. 2012 wurden in der Schweiz auf Strasse und Schiene Transportleistungen von insgesamt 26,9 Tonnenkilometern erbracht. Neben der Strasse und der Schiene spielen im Importund Exportverkehr auch die Rheinschifffahrt, die Ölleitungen sowie die Luftfracht eine wichtige Rolle.
Was aber, wenn aufgrund von Unfällen, Streiks, Naturkatastrophen oder technischen Pannen ein Verkehrsträger nicht mehr funktioniert? Im Jahr 2010 haben Streiks in Frankreich die Kerosinlieferungen über die Pipeline von Marseille verhindert, und dem Flughafen Genf drohte das kurzzeitige Aus. Die wirtschaftliche Landesversorgung konnte die drohende Krise mit Kerosin aus Pflichtlagern erfolgreich überbrücken. 2011 blockierte die gekenterte TMS «Waldhof» wochenlang die Rheinschifffahrt. Dank der schnellen Reaktion und der hohen Flexibilität der Transportbranche hielten sich die Schäden für die Wirtschaft in Grenzen.
Risiken rechtzeitig erkennen
Um drohende Versorgungsengpässe für die Schweiz zu verhindern, identifiziert und analysiert die wirtschaftliche Landesversorgung periodisch zusammen mit Organisationen aus Wirtschaft und Transportlogistik mögliche Risiken und kritische Entwicklungen. Gemeinsam mit der Wirtschaft entwickelt die WL Strategien und Instrumente, um auf Versorgungsengpässe in Krisen vorbereitet zu sein.
Der Grundstein für den Aufbau eines Kontinuitäts- und Krisenmanagements in der Transportlogistik wurde mit der Gründung des nationalen Ausschusses für Transportlogistik (NATRAL) gelegt. Die Präsidenten der drei Verbände GS1 Schweiz, Spedlogswiss und Swiss Shippers’ Council haben dem Projekt ihre Unterstützung zugesagt. «NATRAL wird eine Schlüsselrolle für die Gewährleistung einer effizienten und koordinierten Transportlogistik bei Krisen einnehmen», so Robert Vogel, Präsident von GS1 Schweiz. Als Vermittler zwischen Staat und Wirtschaft wird NATRAL die Prozesse entlang der Transportlogistikkette überprüfen und Empfehlungen ausarbeiten.
NATRAL verfolgt langfristig das Ziel, die Transportlogistikprozesse stabiler und widerstandsfähiger zu machen. In Krisenzeiten wird der Ausschuss aufgrund seiner Vernetzung mit Industrie und Handel vor allem Koordinationsaufgaben wahrnehmen und so dazu beitragen, dass der Warenfluss auch unter erschwerten Bedingungen aufrechterhalten werden kann.
Joachim Heldt