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Das Chablais? Ehrlich gesagt, wissen die wenigsten, wo das ist. Manche sagen, ah ja, das Chablis. Dabei hat das gar nichts mit dem Chablais zu tun, ausser Wein. Das Chablais also: Grenzregion im Süden des Genfersees zwischen Frankreich und der Schweiz, die mal zum einen, mal zum anderen Land gehörte, auch mal Niemandsland war, von den Bernern, Wallisern und Savoyern umkämpft. Der grösste Teil wurde zuletzt Frankreich zugeschlagen, die Schweiz musste sich mit dem Rhônetal zwischen Monthey und Genfersee zufriedengeben. Durch diesen Teil führt der historische Fernwanderweg Via Francigena, der London mit Rom verbindet. Von den Römern stammt auch der Name der Region, Chablais leitet sich von lateinisch «caput lacus», Kopf des Sees, ab.
Schon die Römer wussten, dass das Land für den Weinbau wie geschaffen ist. Die Weinregion Chablais AOC gehört zu den acht Waadtländer Weinbaugebieten mit geschützter Herkunftsbezeichnung. Geografisch ist sie die östliche Fortsetzung des Lavaux. Bestes Chasselas-Terroir, das sich zwischen Villeneuve am Seeende und den Salinen von Bex in den Bezirken Aigle (VD) und Monthey (VS) ausdehnt. Wahrzeichen der Region ist das pittoreske Château d’Aigle, das ein Wein-und Etikettenmuseum beherbergt.
Die fünf Appellationen des Chablais AOC sind benannt nach den Gemeinden, zu denen die Parzellen gehören – Aigle, Bex, Ollon, Villeneuve und Yvorne. Drei davon, Aigle, Ollon und Yvorne, werden für die genossenschaftlich geführte Weinkellerei Celliers du Chablais SA auf einer Rebfläche von 75 Hektaren kultiviert. Michel Gostelli, Weinbauer aus Aigle und Präsident der Winzergenossenschaft, erklärt in den von Mauern geschützten Reben des Clos du Paradis die Vorzüge der Region.
Bise und Föhn vertreiben Nebel und Feuchtigkeit an den sonnenverwöhnten Hängen des rechten Rhôneufers. «Der Föhn lässt die Trauben zur rechten Zeit vor der Lese im Herbst perfekt reifen», sagt Gostelli. Wie alle Winzer der Cooperative liefert er die Trauben nach exakten Vorgaben an die Celliers du Chablais in Aigle. Er zeigt, was der warme Fallwind bewirkt: «Die Trauben haben unter Frost im Frühjahr, Hagel und Nässe im Sommer gelitten, sich aber trotzdem gut entwickelt, da der Föhn die Rebstöcke trocknet. Er ist das beste Heilmittel gegen Pilzkrankheiten wie den Falschen Mehltau.»
Dunkle vertrocknete Beeren zwischen goldgelben reifen Trauben müssen von Hand entfernt werden, «die Guten sind dafür besonders süss und aromatisch». Gostelli ist überzeugt, «nach der Selektion werden wir dieses Jahr eine sehr gute Traubenqualität haben».
Starke Mineralität des Terroirs
In der Kellerei ist Önologe Luis Nunes seit elf Jahren für die Vinifizierung der Trauben zuständig. Er kennt die diversen Lagen der Parzellen in-und auswendig und weiss um deren Besonderheiten. Er besucht regelmässig alle Weinberge, erteilt Noten, macht sich Notizen, die er im Cave für die Assemblagen und Duftnoten, Feuersteinaromen und fruchtigen Abgang auszeichnen.
Bezeichnend für das Terroir des Chablais AOC sind die unterschiedlichen Böden. Nunes führt aus, wie sich die hohe Diversität auf verhältnismässig kleinem Terrain erklärt und warum sich die Appellationen stark voneinander abheben. Die Lagen reichen von Böden mit mediterranen Eigenschaften im Tal über schwarze marmorhaltige Böden in Saint-Triphon (Feuersteinaroma!) bis zu 230 Millionen Jahre altem einzigartigem Kalkgestein, das von Salz-und Gipsbändern durchzogen ist. Der poröse gipshaltige Boden von Ollon beispielsweise ist wasserdurchlässig und locker, weshalb die Wurzeln alter Rebstöcke gut belüftet sind und keine nassen Füsse bekommen. Die von Gletschermoränen abgeschliffenen Ton-Kalk-Böden von Aigle dagegen Cuvées braucht.
Im Zusammenspiel der Jus aus verschiedenen Lagen sieht er Potenzial für charaktervolle, ausdrucksstarke Weine, die sich durch Mineralität, Rasse, intensive sind viel jünger und lassen markant weniger Wasser durch, trocknen aber dank dem speziellen Mikroklima gut ab. Die Mineralität drücke sich hier anders aus, so der Önologe, denn die Wurzeln haben mehr Platz, um Minerale aufzunehmen. «Ausserdem haben sich die Böden in Aigle und Yvorne durch verheerende Bergstürze und Erdbeben im sechzehnten Jahrhundert vermischt. Die beiden Dörfer lagen früher viel höher, heute befinden sich die Weinberge dort, wo die Dörfer waren.»
Die Weinkellerei Celliers du Chablais SA offeriert dem Gewinner des Wettbewerbs eine Übernachtung in einem gehobenen Hotel, die Besichtigung der Rebberge, des Weinguts und des Château d’Aigle sowie ein Galadiner mit Weinbegleitung! Oder gewinnen Sie ein Set aus drei Flaschen der Celliers du Chablais, bestehend aus Trois Tours Blanc, Rubis Noir und einer Spezialität aus der Elégance-Linie!
Einsendeschluss: 25. 11. 2021.Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Grosse Tropfen kleiner Winzer
Die Rebsorte Chasselas (Gutedel) dominiert mit etwa 70 Prozent der Rebflächen im Chablais AOC und liefert süffige, hochwertige Weine, wie sie die Schweiz liebt. Die Zahlen der Celliers du Chablais widerspiegeln dieses Verhältnis: Etwa 70 Prozent der Reben entfallen auf Weiss-, 30 Prozent auf Rotwein. Insgesamt werden circa 30 verschiedene Weine in den Celliers du Chablais vinifiziert, die man in der deutschen Schweiz bisher kaum kennt. Das will man ändern.
Das bekannteste Gewächs der Region stammt von der Konkurrenz: der Chasselas Aigle Les Murailles von Henri Badoux. Das berühmte Etikett mit dem «Eidechsli» wurde 1919 vom Maler Frédéric Rouge aus Aigle kreiert und nie durch ein anderes Sujet ausgetauscht. Der «Eidechsli-Wy» wurde zum ersten Markenwein des Landes. Da die Weine der kleinen Genossenschaftswinzer denen des Grossproduzenten in nichts nachstehen, aber bisher hauptsächlich nur in der Romandie abgesetzt werden, wollen die Celliers du Chablais ihren Bekanntheitsgrad in der Deutschschweiz erhöhen.
Die Wein-Cooperativen von Aigle und Ollon, heute Teil der Celliers du Chablais, bestehen seit 1904 und blicken wie Badoux auf eine lange Tradition zurück. Mittlerweile sind es 230 Winzer, die gemeinsam Wissen, Werkzeug, Maschinen, Presse und Tanks nutzen, um auf 75 Hektaren elf Rebsorten für die Kellerei in Aigle anzubauen, wo sie gepresst, gekeltert, gelagert, abgefüllt und vermarktet werden. Hier kann man sie entdecken, ausgezeichnete Trouvaillen aus dem Chablais AOC.
Die vielen Auszeichnungen für die Kreationen der Celliers du Chablais widerlegen das Vorurteil, dass genossenschaftlich geführte Kellereien nur Trauben zusammenkaufen und Durchschnittswein daraus machen. Der Franco-Portugiese Nunes, der zuvor in der Champagne und beim Weinbaron Bovard in der Waadt gearbeitet hat, ist stolz auf Weine wie den Blanc fumé, «eine ausgesprochen komplexe Assemblage aus Sauvignon blanc, Pinot gris und Chardonnay», die auf der Mondial de Brüssel und beim Grand Prix du Vins Suisse überzeugte, oder auf den Rubis noir, der an der diesjährigen Expovina zum besten Rotwein unter 1700 Mitbewerbern nominiert wurde. «Überhaupt werden unsere Weine regelmässig prämiert, und Spezialitäten wie der Merlot, Syrah oder Merveille des Roches räumen konstant erste Preise ab.»
Besonders freut den Kellermeister, dass sein jüngster Coup, die Réserve Guisan Bio Grand Cru als erster Bio-Chasselas der Kellerei beim ersten Marktauftritt Gold an der diesjährigen Expovina gewonnen hat.
Der Maler Frédéric Rouge hat übrigens auch für die Genossenschaftswinzer in den Zwanzigerjahren ein Etikett beigesteuert. Der abgebildete Kellermeister, «Le Caviste», reichte aber ans «Eidechsli» in puncto Prägnanz nicht heran. Wie es um den Inhalt der Flaschen steht, lohnt sich auszuprobieren.
Die Weine der Celliers du Chablais sind u. a. bei Coop, Mondovino, Manor und im Online-Direktvertrieb erhältlich.In der Vinothek Maison Du Caviste in Ollon und im Restaurant Le Cloître in Aigle kann man die Weine verkosten.