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"Ziel erreicht": EWG-Mitglieder haben sich gegenseitig aufgekauft.
Die lockere Distributoren-Allianz 'European Wholesale Group' (EWG), zu der der Schweizer Also-Konzern gehört, wird aufgelöst. Sie habe mit der Erweiterung der Präsenz von fünf auf 16 Länder ihre Ziele erreicht und werde darum aufgelöst, heisst es in einer Mitteilung von heute morgen. Tatsächlich stieg der Umsatz aller EWG-Mitglieder von 2,5 Milliarden Euro bei der Gründung 2002 auf 6,1 Milliarden Euro.
Die 'EWG' hatte bei der Gründung aber noch andere Ziele, die zwar nicht genannt werden, aber auch erreicht wurden: Keine Verträge zu verlieren. Vor ein paar Jahren glaubten Hersteller wie HP und Cisco noch an paneuropäische Verträge mit Gross-Distributoren und träumten von zentralen Hubs, aus denen alle Reseller in Europa beliefert würden, so dass die Lastwagen zum Lager würden. So experimentierten Cisco und HP mit einem System von Hauptdistributoren und Unterdistributoren. Heute schliessen die Hersteller eher wieder Distributionsverträge auch mit lokalen Grosshändlern, so dass ein paneuropäischer "Footprint", den eh auch Ingram Micro und Tech Data nicht erreichen, nicht mehr überlebenswichtig ist.
Actebis-Wirren und gegenseitige Übernahmen
Die 'EWG' erlebte gleich nach der Gründung eine unruhige Zeit. Joe Hemani vom EWG-Mitglied Westcoast versuchte nämlich, den EWG-Konkurrenten Actebis zu kaufen, was aber misslang. Actebis wurde bekanntlich erst vor gut einem Jahr an einen Finanzinvestor verkauft.
Westcoast musste nach dem Actebis-Abenteuer aus der 'EWG' aussteigen. Dafür begrüsste man 2004 neue Mitglieder, nämlich die spanische Memory Set und die finnisch-baltische GNT. GNT übernahm dann einen Distributoren in Norwegen / Schweden (aus der CHS-Konkursmasse - aber das ist eine andere Story...) womit die EWG auch in Skandinavien fest etabliert war. Auch 2005 kaufte die extrem erfolgreiche italienische Esprinet das spanische EWG-Mitglied MemorySet. Die Schweizer Also, die ebenfalls nach Spanien expandieren wollte, kam nicht zum Zug.
In der ganzen Zeit seit der Gründung gewann die 'EWG' nur drei Hersteller als "strategische Partner", nämlich HP, Fujitsu Siemens und Canon.
Dafür konnte Also dann vor zwei Jahren GNT übernehmen, handelte sich damit aber auch grössere Probleme ein.
Auch das holländische EWG-Mitglied Copaco betätigte sich als Konsolidierer und übernahm einen UE-Disti in Belgien und Esprinet kaufte zusätzlich in Spanien und Italien (die Actebis-Reste...).
Alex Sozonoff, noch Chairman der EWG, fast die ganze Story so zusammen: "Unsere Strategie, Wachstum entlang den vier Dimensionen 'strategische Partnerschaften',
'neue Kundensegmente', 'neue Produktkategorien' und 'Geographie' zu realisieren, war sehr
erfolgreich." Damit habe die EWG ihre Ziele erreicht und löse die Allianz auf. (Christoph Hugenschmidt)