Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03630.jsonl.gz/2429

Frage eines meiner Patienten:
Ich, 50jährig leide seit Monaten an Albträumen, in denen ich verfolgt und bedroht werde. Das wäre an sich noch nicht so schlimm, jedoch spreche und schreie ich dabei im Schlaf. Ich schlage auch um mich, was meine Partnerin sehr beunruhigt.
Weshalb ist mein Schlaf derart verändert?
Kann ich meine Schlafpartnerin verletzen?
Muss ich mich auch Sorgen um eine eventuelle aggressive Persönlichkeitsveränderungen machen?
Gibt es eine Behandlung?
Meine Antwort:
Sie beschrieben die bizarre, sogenannte „REM-Schlaf-Verhaltensstörung“. Diese kommt bei Gesunden leider sehr selten vor. Sie ist oft ein frühes Warnzeichen für eine beginnende Parkinsonerkrankung!
Der REM-Schlaf ist jenes Schlafstadium, in dem man intensiv träumt. Dabei ist normalerweise die Muskulatur von der motorischen Steuerung abgekoppelt, damit man seine Träume nicht ausagiert. Die Muskeln sind im REM-Schlaf entspannt, und auch wenn man sich im Traum bewegt, bleibt der reale Körper regungslos. Bei der REM-Schlaf-Verhaltensstörung ist diese Entkopplung aufgehoben. Die Muskeln sind angespannt. Manche Betroffene rudern im Schlaf mit Armen und Beinen, schlagen um sich, sprechen, singen oder schreien. Meist wird wie bei Ihnen von Albträumen berichtet.
Dass man dabei die Bettgefährtin angreift oder verletzt ist selten. Häufiger geschieht es, dass die Patienten sich selbst verletzen. Zum Beispile fallen sie mit Schwung über die Bettkante.
Sorgen um eventuelle aggressive Persönlichkeitsveränderungen müssen Sie sich nicht machen. Die Störung ist auf den Traumschlaf beschränkt. Im Wachen zeigen die Patienten keinerlei Veränderungen.
80 bis 90 Prozent der Parkinsonkranken leiden an einer REM-Schlaf-Störung. Sie ist dabei oft ein Vorbote eines Parkinsonsyndroms, das sich meist fünf bis zehn Jahre später (mit den klassischen Symptomen wie Bewegungsstörungen und Zittern) manifestiert. Es gibt die Hypothese, dass die Erkrankung im Gehirn von unten nach oben fortschreitet: Sie beginnt unterhalb des Hirnstammes, im Vaguskern, was sich in Störungen der Körperregulation und des Riechsinns niederschlägt. Als nächstes erfasst die Krankheit jene Zentren im Hirnstamm, von denen aus der Schlaf reguliert wird. Danach greift sie die motorischen Zentren an. Und am Ende, bei der Parkinsondemenz, sind auch die kognitiven Zentren betroffen.
Die Forschung verfolgt dabei das Ziel, diese Vorwarnzeit für vorbeugende, „neuroprotektive“ Massnahmen zu nutzen. Zur Zeit werden einige Substanzen zu diesem Zweck erprobt. Suchen Sie dazu einen Spezialarzt der Neurologie auf!
Gegen die Schlafstörungen selbst kann man dabei sehr gut mit dem alten Medikament Clomazepam vorgehen.