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Der 6. April ist seit 2013 dem Sport gewidmet. Die UN-Generalversammlung wählte dieses Datum in Anlehnung an die Eröffnung der ersten Olympischen Sommerspiele der Neuzeit in Athen 1896. Offiziell lautet der Titel des Welttages allerdings «Internationaler Tag des Sports für Entwicklung und Frieden». Damit wird nicht nur dem Sport als reine Bewegungsaktivität Bedeutung verliehen, sondern vor allem seiner Rolle zur Friedensförderung und Völkerverständigung.
Der Olympische Frieden
Die Verbindung von Frieden und Sport geht auf die olympische Waffenruhe während der Olympischen Spiele in der griechischen Antike zurück. Um weder Spieler noch Zuschauer zu gefährden, durften während der Zeit der Wettkämpfe keine Kriegshandlungen ausgeführt werden.
Als Pierre de Coubertin 1896 die Olympischen Spiele der Neuzeit ins Leben rief, waren seine Leitgedanken, die «Überwindung nationaler Egoismen» und das «Eintreten internationaler Verständigung» durch sportliche Wettkämpfe. Die «Jugend der Welt», so Coubertin, «solle sich besser bei sportlichen Wettkämpfen messen, anstatt sich auf dem Schlachtfeld zu bekriegen.» Die Olympische Fackel, die seither vor den Olympischen Spielen von Land zu Land getragen wird, steht auch heute noch für das Verständnis und die Verbundenheit der Völker.
Diese Olympische Idee wurde auch in der Charta des IOC (International Olympic Committee) festgehalten. Der Sport sei in den Dienst der harmonischen Entwicklung der Menschen zu stellen und soll eine friedliche Gesellschaft fördern. Die universellen Werte des Sportes wie Toleranz, Fairness und gegenseitigen Respekt seien in allen Teilen der Gesellschaft zu verankern, um ein friedliches Zusammenleben zu fördern.
Äusserer Frieden durch modellhaftes Training
Welchen Effekt hat nun die sportliche Aktivität auf die Gesellschaft, wenn, wie Coubertin fordert, die Jugend ihre Kräfte besser auf dem Sportplatz statt auf dem Kriegsfeld misst?
Der Sporthistoriker Claus Tiedemann beschreibt in seinem Artikel über «Sport und Frieden», wie sportliche Wettkämpfe oder Kampfsport zum äusseren Frieden beitragen können. Im sportlichen Wettkampf, so Tiedemann, würden künstliche Konflikte erzeugt, mit dem Ziel, diese unter bestimmten Regeln auszutragen. Diese inszenierten Kämpfe führen, im Gegensatz zu den wirklichen Konflikten in einem unfriedlichen Land, nicht zu Gewalt, Leid und Krieg. Denn Aggressionen und hochaufgeladene Emotionen in einem sportlichen Wettkampf werden von Schieds- und Kampfrichtern in Schach gehalten. Wer die Grenze zur Gewalt überschreitet, wird sanktioniert. Und am Ende jedes Wettkampfes soll unter den Konkurrenten Beruhigung und Versöhnung stattfinden.
Dass dieses modellhafte Training und die im Sport erlernte Konfliktlösung auf Alltagssituationen übertragen werden kann, zeigt sich auch in der Jugendlichen Gewaltprävention, wo Sport als Therapie zum dosierten Umgang mit der Aggressivität erfolgreich eingesetzt wird.
Innerer Frieden und Wohlbefinden
Tiedemann beleuchtet auch den inneren Frieden, der durch die eigentliche sportliche Betätigung hervorgerufen wird. Wer nach einem anstrengenden Alltag Ausgeglichenheit und Gelassenheit und somit inneren Frieden sucht, der findet diesen, in dem er oder sie sich aktiv bewegt, den Körper wieder spürt und die Natur geniesst. Die sportliche Bewegung ermöglicht es, Emotionen zu kanalisieren, Konfliktspannungen zu reduzieren und das Selbstwertgefühl zu steigern. Das körperliche Wohlbefinden, das sich nach einer sportlichen Aktivität einstellt, kann durchaus als ein Gefühl des inneren Friedens bezeichnet werden. Zudem, so Tiedemann, kann Sport auch als eine Form der Lebensbewältigung verstanden werden und dazu beitragen, dass zum Beispiel aggressive oder gewalttätige Handlungen nicht aktiviert werden.
Peace Building
Die Friedensförderung durch organisierte sportliche Aktivitäten ist heute aktueller denn je. Zurzeit ist eine von zehn NGOs (Non Governmental Organisations) im Bereich Sport und Entwicklungszusammenarbeit tätig. Weltweit sind das etwa 166 Organisationen, die mit Hilfe von Sport und sportlichen Aktivitäten das friedliche Zusammenleben in Kriegs- und Konfliktgebieten unterstützen oder traumatisierten Menschen den Lebensalltag wieder erträglicher machen.
Auf dem Balkan zum Beispiel spielen heute die Kinder von Eltern, die gegeneinander Krieg führten, zusammen Fussball auf ehemals feindlichem Gebiet. Die Organisation «Fussball für den Frieden» ist auch in Israel tätig und veranstaltet dort regelmässig Spiele zwischen Palästinensern und Israelis. Im vom Bürgerkrieg gezeichneten Sri Lanka wurde mit der «Cricket-Intervention» versucht, die Angehörigen der zerstrittenen Parteien bei Sport und Spass einander wieder näher zu bringen.
Im Zusammenhang mit dem Krieg kann der Sport auch eine tröstende und heilende Funktion übernehmen. So zum Beispiel in England, wo im Rahmen der Stiftung «Supporting Wounded Veterans» kriegsversehrte Veteranen aus Afghanistan durch intensive Sportprogramme geführt werden. Durch das Erlernen einer neuen Sportart wie Skifahren, Kajak oder Segeln, sollen die zum Teil schwer traumatisierten und körperlich versehrten jungen Menschen wieder zu neuem Selbstbewusstsein und Lebensmut finden.
Aktuell erleben wir in vielen Städten Europas den täglichen Zustrom ukrainischer Flüchtlingskinder, die bei uns auf unbestimmte Zeit Zuflucht suchen. Gerade beim Sport, wie Fussball oder Tanzen, wo über die Körpersprache kommuniziert wird, ist es möglich, fremdsprachige Kinder rasch zu integrieren.
#WhiteCard-Kampagne von Peace & Sport
Die unabhängige, internationale Organisation «Peace&Sport» widmet sich seit 2007 ausschliesslich der Friedensförderung durch Sportinitiativen. Sie wurde vom Olympiasieger im Modernen Fünfkampf, Joël Bouzou, gegründet und steht unter der Schirmherrschaft von Fürst Albert II. von Monaco. Mit der digitalen #WhiteCard-Kampagne, welche jeweils am 6. April lanciert wird, will «Peace&Sports» die positiven und konstruktiven Werte des Sports sichtbar machen. Jedes Jahr erreicht die Kampagne Millionen von Menschen, die dazu aufgerufen werden, sich der «Peace-through-Sport» Bewegung anzuschliessen und ihre persönlichen Geschichten zum Thema auf den sozialen Medien zu teilen. Unter dem Motto «Hinter jeder #WhiteCard steht eine Geschichte“ stellt die Organisation Menschen vor, die persönlich oder gemeinsam, ein Sportprojekt für die Friedensförderung organisiert oder erlebt haben. Das Hochhalten der #WhiteCard, ähnlich wie ein Schiedsrichter, ist ein Symbol des Friedens und verweist auf die positive Kraft des Sports. Im Gegensatz zur roten Karte, die ein schweres Vergehen sanktioniert, steht die #WhiteCard für Inklusion, Gleichheit und Frieden.
Ob und wie Sport tatsächlich zur Friedensförderung in der Gesellschaft beitragen kann, hängt letztendlich von uns selbst ab, und davon, was wir daraus machen. Aber das Potential des Sports, Menschen über ethnische, religiöse oder soziale Unterschiede hinweg zu vereinen und gleichzeitig Ausgleich und Harmonie zu schaffen, darf auf keinen Fall unterschätzt werden.
“Sport has a unique and irreplaceable capacity to unite people, going far beyond ethnic, religious or social differences. I am convinced that sport can be at the long-term service of peace”
Prinz Albert II von Monaco
Quellen:
Frieden und Sport Claus Tiedemann (Beitrag zum „Handbuch Frieden“, hrsg. v. Hans J. Gießmann & Bernhard Rinke, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2011. S. 564 – 573)
https://www.peace-sport.org/news/the-champions-for-peace-launch-the-2021-whitecard-digital-campaign/ (abgerufen 4. April 2022)
http://www.kleiner-kalender.de/event/tag-des-sports-im-dienste-von-entwicklung-und-frieden/100071.html (abgerufen 2. April 2022)
https://www.un.org/en/observances/sport-day (abgerufen 1. April 2022)