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Ertrinken,
eine der häufigsten gewaltsamen Todesarten, die dadurch herbeigeführt wird, daß durch Eindringen einer tropfbaren Flüssigkeit in die Luftwege der Zutritt der atmosphärischen Luft zu den Lungen gehindert und die dadurch vor sich gehende Bluterneuerung unterbrochen wird. Der scheinbare oder wirkliche Tod Ertrunkener beruht in der Regel auf Erstickung, seltener auf Apoplexie, welch letztere dann eintritt, wenn der Körper erhitzt in die kältere Flüssigkeit kommt und so das Blut plötzlich von der Oberfläche nach dem Innern, namentlich nach dem Gehirn, [* 2] gedrängt wird und hier zur Zerreißung größerer Blutgefäße führt.
Gewöhnlich findet man in den Leichen das rechte Herz und die Lungen mit dunklem Blut überfüllt, in der Luftröhre und den Bronchien eine schäumende Flüssigkeit und die ganze Blutmasse oft nicht geronnen, sondern flüssig. Ist der Tod aber nicht durch Erstickung, sondern durch Schlagfluß erfolgt, so fehlen mehr oder weniger jene Zeichen der Erstickung, und man findet dagegen Überfüllung des Gehirns und seiner Häute mit dunklem Blut, blutiges Extravasat in der Schädelhöhle etc. Diejenigen, welche vom Schlagfluß getroffen sind, werden selten wieder ins Leben zurückgerufen, während im andern Fall eine Wiederbelebung leichter möglich ist.
Ist der Ertrunkene aus dem Wasser geholt worden, und darf man erwarten, daß man einen Scheintoten vor sich habe, so gibt man dem Körper zuerst auf einige Sekunden eine mit dem Kopf und Unterleib nach unten geneigte Lage, um das in der Luftröhre angesammelte Wasser durch Mund und Nase [* 3] ausfließen zu lassen; ihn auf den Kopf zu stellen oder über ein Faß [* 4] zu rollen, ist unnütz und sogar schädlich. Ist der Ertrunkene zugleich erfroren, so muß er zuerst als Erfrorner behandelt werden (s. Erfrierung).
Läßt sich dann aus dem aufgedunsenen, roten Gesicht, [* 5] der vollblütigen Beschaffenheit, dem apoplektischen Habitus des Menschen abnehmen, daß ein Schlagfluß eingetreten ist, so wird zuerst ein Aderlaß notwendig. In der Regel kommt es nur darauf an, die Respiration wieder in Gang [* 6] zu bringen und durch Anwendung von Reizmitteln die Thätigkeit der übrigen Organe des Körpers anzuregen. Nase, Mund und Rachenhöhle müssen zu dem Ende sorgfältig von Schlamm u. dgl. gereinigt werden.
Ist ein tiefes, in der Luftröhre sitzendes Hindernis des Atemholens vorhanden, so kann der Kehlkopf- oder Luftröhrenschnitt erforderlich werden. Dann schreitet man zur künstlichen Respiration (s. Erstickung). Der Scheintote ist zu erwärmen, entweder indem er mit von der Sonne [* 7] durchwärmtem Sand bis an den Hals belegt wird, oder indem man ihn in durchwärmte Decken hüllt oder in ein warmes Bad [* 8] bringt. Alsdann sind nacheinander anzuwenden: reizende Klystiere, Kitzeln des Schlundes, Riech- und Niesemittel, Tropf- und Spritzbäder, Bürsten der Fußsohlen, Elektrizität, [* 9] auch das Peitschen mit Brennesseln, Einwickeln der Füße in Senfteig etc.
Vgl. Casper-Liman, Lehrbuch der gerichtlichen Medizin (7. Aufl., Berl. 1881);
Roth, Der
Tod durch
Ertrinken (das.
1865);
Müller, Behandlung Verunglückter bis zur Ankunft des Arztes (das. 1877);
Esmarch, Die erste Hilfe bei plötzlichen Unglücksfällen (Leipz. 1882).