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Die nächsten Verwandten des Menschen
Autor: CArole Schneuwly
Die aktuelle Liste der Weltnaturschutzunion erwähnt 297 Arten von Primaten. Die Ausstellung «Le propre du singe», ursprünglich konzipiert vom Naturhistorischen Museum Grenoble, sei eine «Initiationsreise in die Welt der Primaten», schreibt das Naturhistorische Museum Neuenburg. Zugleich lade sie die Besucherinnen und Besucher – Primaten auch sie – ein zu einer Suche nach der eigenen Identität.
Nach einer Einführung über die Entwicklung der Primaten, illustriert mit Bildern des Tierfotografen Cyril Ruoso, werden einige Arten näher vorgestellt, darunter Affen aus der Alten und der Neuen Welt, aber auch Loris, Pottos oder Galagos.
Die Besucher lernen, wie sich die Unterordnungen der Halbaffen und der Affen voneinander unterscheiden, nämlich hauptsächlich durch ihre Nase: Die Halbaffen (Lemuren und Loris) haben eine verlängerte Schnauze und ein sogenanntes Rhinarium, eine unbehaarte Hautzone um die Nasenlöcher. Dagegen haben die «echten» Affen keine verlängerte Schnauze und kein Rhinarium. Eine Ausnahme bilden die Koboldmakis: Sie haben eine kleine Schnauze, aber kein Rhinarium und zählen zur Gruppe der «echten» Affen. Anstatt von Halbaffen und Affen spricht man heute auch von Feuchtnasen- und Trockennasenaffen.
Altwelt- und Neuweltaffen
Bei den «echten» Affen unterscheidet man zwischen Altweltaffen und Neuweltaffen. Auch diese Gruppen sind anhand ihrer Nasen zu erkennen. Die Affen der Alten Welt haben eine schmale Nasenscheidewand mit kommaförmigen Nasenlöchern. Demgegenüber sind die Nasenlöcher der amerikanischen Neuweltaffen rund und durch eine breite Scheidewand getrennt. Zudem haben die Neuweltaffen im Gegensatz zu den Altweltaffen einen langen Greifschwanz.
Obwohl sich die Neuwelt- und die Altweltaffen sehr ähnlich sehen, weisen ihre Schädelmerkmale auf eine getrennte Entwicklung hin. Die ältesten bekannten Fossilien in Südamerika sind 31 Millionen Jahre alt, die ältesten Überreste aus Afrika 29 Millionen Jahre.
Einfühlsam und sozial
Zur Gruppe der Altweltaffen gehören alle Menschenaffen: Gibbons, Orang-Utans, Gorillas, Schimpansen und Bonobos. Die beiden Letzteren haben mehr als 98 Prozent der Gene mit den Menschen gemeinsam. Dass die Ähnlichkeit noch weiter geht, haben in den letzten Jahren verschiedene Feldstudien gezeigt.
Vieles, was man früher für rein menschlich hielt, hat man inzwischen auch bei Affen beobachtet. Menschenaffen haben etwa ein starkes Ich-Bewusstsein und können sich im Spiegel erkennen. Sie verfügen über ein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen, das sich zum Beispiel zeigt, wenn sie eine Schimpansenmutter in der Trauer um ein totes Kind begleiten. Sie haben Spass am Spiel, sie lachen, sie benutzen Werkzeuge. Und sie sind nicht nur fähig, vielschichtige soziale Beziehungen einzugehen, sondern entwickeln sogar Formen von Kultur und Politik.
Stark gefährdet
Alle Menschenaffen zählen zu den am stärksten gefährdeten Arten. Von den 297 bekannten Primatenarten gelten 114 schon heute als bedroht; 46 weitere könnten in den nächsten Jahren dazukommen.
Die grösste Bedrohung ist nebst der Jagd die Zerstörung der Tropenwälder. Mit der Ausbeutung dieser Wälder gefährden die Menschen ihre nächsten Verwandten. Gerade die Menschenaffen sind perfekt an ein Leben auf den Bäumen der grossen Urwälder angepasst, die ihnen Nahrung und Unterkunft bieten. In einer beschädigten Umwelt können sie nicht überleben.
Naturhistorisches Museum Neuenburg, Rue des Terreaux 14. Bis zum 26. Oktober. Di. bis So. 10 bis 18 Uhr. Weitere Informationen: www.museum-neuchatel.ch.