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Donnerstag, Dezember 27, 2007
ET - Environmental threat
Zum zweitletzten Mal im 2007 bin ich heute über Turkmenistan aus der Schlafkoje gekrochen. Kleine Druckstellen an den Fusssohlen und am Haaransatz zeugen davon, dass dieses Ruhebett mit einer Länge von 195 cm unwesentlich von meiner Körpergrösse von 196 cm abweicht.
Zum zweitletzten Mal im 2007 füllte ich meinen überdimensionalen Becher mit Nespresso (what else?) und schaue auf die wunderschöne Landschaft hinaus.
Unter uns das iranisch-turkmenische Grenzgebiet, wo riesige Erdgasvorräte schlummern.
Ab und zu züngeln riesige Flammen aus einem Kamin und einmal mehr stellt sich mir die Frage, ob man das Erdgas nicht auch sinnvoller hätte gebrauchen können.
Umweltdiskussionen machen auf zehn Kilometern Höhe wenig Sinn und so träume ich stumm vor mich hin. Der Kollege links von mir - drei Zentimeter kleiner, sechs Monate jünger und 19 Kilogramm leichter, holt mich mit einer provokativen und indiskreten Frage aus meinen Tagträumen heraus. «Wie schwer bist Du eigentlich?»
Ich antworte wahrheitsgemäss, schliesslich hat man in meinem Alter keine Geheimnisse mehr. Noch während ich versuche unter einer dicken Dunstglocke die Stadt Delhi zu erspähen, kommt sein vernichtendes Urteil wie aus einer Kanone geschossen: «You‘re an ET - an environmental threat!»
Jetzt bin ich wirklich wach. Stirnrunzelnd betrachte ich meinen momentanen Chef und frage ihn berechtigterweise, warum ich zum Henker eine Gefahr für die Umwelt darstellen soll.
Schliesslich habe ich ein paar Stunden zuvor intensiv geduscht und ein Fürzchen ist mir, wie meine Nase sofort bestätigt, auch nicht entwichen.
Er zückt ein Blatt Papier und rechnet vor, wieviel Kerosin es mehr pro Jahr kostet, mich statt eines durchschnittlichen Crewmembers zu transportieren.
Jetzt muss man wissen, dass jedes Mitglied der Besatzung inklusive Gepäck mit 90 Kilogramm zu Buche schlägt. Ich bringe es nach dem Toilettengang zusammen mit dem Koffer, den Schuhen Grösse 48, der Jacke, dem iPod, dem Ersatzhemd, der Freitagtasche, dem Computer, dem Fotoapparat, den Flugunterlagen, der Zahnbürste, dem Duschmittel, dem Einwegrasierer, dem Schaum und dem Lesebuch auf sicherlich 150 kg. Sage und schreibe 60 kg Übergewicht!
Gleichzeitig erschreckend und interessant ist die Tatsache, dass auf einem Langstreckenflug der Transport eines zusätzlichen Kilogramm Masse rund 250 - 300g Kerosin kostet. Wegen mir - und nur wegen mir, sind also heute 20 Kilogramm oder 25 Liter Kerosin mehr verbraucht worden.
Bei etwa 100 geflogenen Teilstrecken pro Jahr, ergibt sich die beängstigende Summe von 2500 Litern. Das sind 50‘000 Km mit dem Toyota Prius oder 8‘900 km mit einem Hausfraueneinkaufswagen, genannt SUV.
Ich bin wirklich ein ET!
Trotz dieser Last, die ich noch jetzt trage, habe ich das Schiff sanft (und wie sanft!) in Hongkong gelandet. Kalt lässt mich diese Erkenntnis nicht, darum schlage ich folgende Massnahmen vor:
Kurzfristig müssen auf Flügen, auf denen ich als Copilot «on duty» bin, junge & knackige Kolleginnen geplant werden, die dank ihres Federgewichtes meine Wenigkeit etwas kompensieren.
Mittelfristig sollen Copiloten in meiner Gewichtsklasse deutlich weniger arbeiten und langfristig muss ich wohl oder übel 60 Kilogramm abnehmen. Wenn das kein Vorsatz für das Jahr 2008 ist!