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«WIR KÖNNEN UNS FÜR DAS VORRECHT DES FRIEDENS UND DES GEORDNETEN LEBENS, DAS UNS OHNE UNSER VERDIENST NOCH IMMER GESCHENKT IST, DADURCH DANKBAR ERWEISEN, DASS WIR ES MIT DEM BRUDER TEILEN, DER UNVERSCHULDET ALLES VERLOREN HAT.»
Leben
Gertrud Kurz wurde am 15. März 1890 in Lutzenberg, Appenzell Ausserrhoden, geboren. 1938 organisierte sie eine Weihnachtsfeier, zu der sie auch Flüchtlinge aus Bern, darunter vor allem deutsche Intellektuelle und Juden, einlud. Gertrud Kurz setzte sich fortan bis zu ihrem Tod am 26. Juni 1972 für die Flüchtlings- und Friedensarbeit ein.
Einsatz für Menschenrechte
Während des zweiten Weltkrieges suchten Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern Asyl in der Schweiz. Entgegen der verschärften Flüchtlingspolitik der Schweiz gründete Gertrud Kurz die Kreuzritter-Flüchtlingshilfe, ein eigenes Hilfswerk, das zunächst ausschliesslich auf privater Basis betrieben wurde. Kurz empfing ratsuchende Flüchtlinge zu Hause. Von dort erteilte sie auch telefonische Auskünfte. Sie unterstützte die Flüchtlinge materiell, intervenierte bei Behörden um Ausweisungen zu verhindern, und setzte sich in der Öffentlichkeit für die Rechte der Flüchtlinge ein. Gertrud Kurz hatte das Ziel, für die Flüchtlinge in der Schweiz einen Ort der Geborgenheit zu schaffen. Von Flüchtlingen und Behördenmitgliedern wurde sie liebevoll „Mutter Kurz“ oder „Mutter der Flüchtlinge“ genannt. Kurz versuchte stets, Entscheidungsträger auf einer menschlich- emotionalen Ebene anzusprechen. Sie kritisierte Behördenmitglieder denn auch nicht, sondern versuchte, sie für das Schicksal der Flüchtlinge zu sensibilisieren. Nachdem sich immer mehr Freiwillige meldeten und zur Betreuung von Flüchtlingen zur Verfügung standen, entstanden weitere Hilfswerke in Basel, St.Gallen, Zürich, Genf und Lausanne. 1941 wurde die Kreuzritter-Flüchtlingshilfe an die Schweizerische Zentralstelle für Flüchtlingshilfe angeschlossen, blieb aber ein privates Hilfswerk. 1942 setzte sich Kurz beim damaligen Bundesrat und Vorsteher des eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements gegen die massive Rückweisungspraxis ein. Mit ihrer Tätigkeit sorgte Kurz ähnlich wie etwa Paul Grüninger, der ab Frühjahr 1938 die illegale Einreise von (vor allem jüdischen) Flüchtlingen aus Österreich organisierte, für einen Kontrapunkt zur restriktiven schweizerischen Flüchtlingspolitik während des Zweiten Weltkriegs. Anfangs der 1960er-Jahre wurde sie zweimal für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.
Unabhängige Expertenkommission Schweiz – Zweiter Weltkrieg Schlussbericht der Unabhängigen Expertenkommission Schweiz – Zweiter Weltkrieg, Zürich 2002 („Bergier Bericht“)
Historisches Lexikon der Schweiz Geschichte der Schweiz im Zweiten Weltkrieg. Eingegangen wird insbesondere auf die militärische Lage, die Aussen- und Innenpolitik, die Wirtschaft, soziale Aspekte, die Flüchtlingspolitik und kulturelle Aspekte.
Schweizer Geschichte Geschichte der Schweiz im Zweiten Weltkrieg inklusive kritischer Fragen und Informationen zur Schweizer Flüchtlingspolitik
Stiftung Gertrud Kurz Auf der Homepage finden sich Informationen über das Leben und Werk von Gertrud Kurz. Die Stiftung Gertrud Kurz unterstützt heute Projekte, welche die Teilhabe und Anerkennung von Personen fördern, die aufgrund ihrer Herkunft benachteiligt sind.
Paul Grüninger Stiftung Informationen über Paul Grüninger sowie das Förderungsprogramm der Paul Grüninger Stiftung.
Israelwerke Schweiz – Die vergessenen Helden der Schweiz Kurze Porträts von Carl Lutz, Paul Grüninger, Louis Häfliger, Gertrud Kurz und Paul Vogt.