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Johann Daniel Kamm, Strassburg, 1748
Silber, gegossen
Dm. 3,8 cm
Inv. 1905.5192.
«Auf Basel ist von Straßburg ein lebendiger Renoceros oder Nashorn angekomen, welcher 14 Tag lang in 3 königen, welcher nach Proportion der Persohn vor 2, 3, 4– 6 Batzen, auch auf Descretion zu sechen gewesen», heisst es in der Chronik des Baslers Johann Heinrich Bieler unter dem Datum vom 19. Januar 1748. Aus Basler Quellen erfahren wir nicht viel über diesen Besuch, doch gehört eben dieses Nashorn zu den grossen Berühmtheiten des 18. Jahrhunderts.
Der niederländische Kapitän Douwemout van der Meer (1705–nach 1758) hatte ein junges indisches Nashornweibchen, das unter Menschen aufgewachsen war, im Jahr 1741 in Calcutta gekauft und es auf dem langen Seeweg nach Rotterdam gebracht. In den Jahren 1741 bis 1758 bereiste er mit dem Tier, das Clara genannt wurde, grosse Teile Europas: Paris, Marseille, Rom, Neapel, Venedig, Wien, Breslau und Berlin waren die äussersten Punkte der langen Route. Kaum ein anderes unter den zahllosen Tieren, die für Geld in Europa gezeigt wurden, hat so viel Wirkung gehabt wie Clara, das einzige in Europa zu sehende Rhinozeros seiner Zeit. Vielfach wurde sie von Künstlern gezeichnet; der Meissener Modelleur Johann Joachim Kaendler (1706–1775) schuf nach ihrem Vorbild eine Figur aus Porzellan, und der französische Tiermaler Jean-Baptiste Oudry (1686–1755) porträtierte sie ebenso wie der venezianische Maler Pietro Longhi (1702–1785).
Die in Strassburg geprägte Medaille ist kein freier künstlerischer Reflex, sondern eine Auftragsarbeit aus dem direkten Umfeld dieser Tierschau, wohl des «Nashorn-Unternehmers» van der Meer selbst. Denn Darstellungen des Tieres in verschiedenen Techniken und Preislagen (Holzschnitte, Kupferstiche, Medaillen) wurden zum Verkauf angeboten und vergrösserten so die Einnahmen. Die zwölfzeilige Inschrift auf der Rückseite der Medaille lautet: «DIESER RENOCEROS IST 1741 DVRCH DEN CAPPITEIN DAVITMOVT VON DER MEER AVS BENGALEN IN EŸROBA GEBRACH VND IST IM JAHR 1747 ALS ES 8½ JAHR ALT WAR 12 SCHV LANG GEWESZ V. 12 SCHV DICK V. 5 SCHV 7 ZOLL HOCH ES FRISZ TÆGLICH 60 pf(und) HEŸ VND 20 pf(und) BROD VND SAUFFT 14 EŸMER WASER.» Die Informationen sind von jener Art, wie man sie bei der Besichtigung des Tieres erhielt; insbesondere die Angaben zur Nahrungsmenge gehören zur üblichen Vorstellung exotischer Tiere. Die präzisen Angaben zum Besitzer und der Verzicht auf die Nennung eines Ortes machen es wahrscheinlich, dass er der Auftraggeber dieser Medaille war, die er an allen Stationen seiner Tournee des Jahres 1748 verkaufen konnte.
Gezeigt wurde das Tier an solchen Stellen, an denen man es für längere Zeit unterbringen und wo man den Zugang kontrollieren konnte; das war möglich in den Stallungen grosser Gasthöfe, die auf Reisende mit Kutschen und Pferden eingerichtet waren; in Basel fiel die Wahl auf das bekannte Gasthaus «Zu den drei Königen». Nach dem Aufenthalt in Basel reiste Clara nach Schaffhausen weiter – per Schiff auf dem Rhein, von Pferdegespannen gezogen.