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Pascal Claudes Glück ist, dass Schallplatten nicht so viel Platz brauchen. Er hat sie in seinem kleinen Büro gelagert. «Ein Regal reicht für meine Sammlung», sagt Claude. Er habe früher sehr viel Krims-Krams gesammelt, das mehr Platz benötigt habe: Alte Tip-Kick-Ausgaben, Trikots, Schals. Das sei ausgeufert, daher habe er sich auf die Vinyl-Sammlung konzentriert. «Die Sammlung hat für mich einen musikalischen, grafischen sowie historischen Wert», erzählt Claude.
Erste Platten vom Sackgeld bezahlt
Mit über tausend Platten hat er eine riesige Sammlung. Ob es die grösste ist, weiss er nicht mit Sicherheit. «Es gibt kein Verzeichnis von Sammlern. Aber ich nehme an, es könnte Menschen geben, die eine noch grössere Sammlung haben als ich», sagt Claude. Er hat aber eine Sammlung von Fussballsongs, die sehr breit ist, da sie viele Länder und Kontinente beinhaltet.
Die Fankultur, Politik, Repression und Fanarbeit waren jahrelang Themen, die Claude beschäftigt haben. Darüber hat er ausführlich geschrieben. Unter anderem wurden seine Kolumnen «Knapp daneben» von 2006 bis 2008 in der «WOZ» veröffentlicht. Irgendwann begann er, Fussballsongs auf Vinyl zu sammeln.
Schon als Kind war er ein grosser Fan von Singles auf Vinyl. «Die konnte ich mir von meinem Sackgeld auch leisten. Eine LP war damals zu teuer», sagt Claude. Später kam er in die Hardcore-Punkszene, in der das Vinyl-Singleformat sehr wichtig war und immer noch ist.
«Mein damaliger Mitbewohner hat mir schliesslich eine Platte vom Flohmarkt mitgebracht. Es war eine Single vom FC Zürich. Er meinte zu mir, dies sei die Symbiose meiner beiden Leidenschaften: Fussball und Vinyl-Singles», sagt Claude.
«Verbrechen auf Schallplatten»
Ab diesem Zeitpunkt hielt er stets die Augen nach solchen Platten offen. Freunde aus England hätten ihn ausserdem regelmässig mit neuen Platten versorgt. In seiner Sammlung tummeln sich einige Raritäten.
An diese kommt er unter anderem heran, weil seine Bekannten und Freunde ebenfalls stets nach diesen Ausschau halten. Auch in Brockenhäusern und auf Online-Plattformen sucht Claude nach neuen Stücken für seine Sammlung.
«Bis ich eine gewisse Anzahl dieser Fussballsongs in meiner Sammlung hatte, haben mich diese Songs gar nicht so sehr fasziniert. Musikalisch erbaulich ist der Grossteil dieser Lieder nicht gerade», meint Claude. Viele der Song seien Märsche oder Schlager, meist schnell und billig produziert.
«Wir haben oft gelacht, weil die Musik eigentlich sehr schlecht ist. Es sind Verbrechen auf Schallplatten», sagt Claude. Er sagt aber, es gebe auch gute Platten, gerade jene aus Südamerika seien musikalisch super. «Es gibt auch Punkbands, die ihre Mannschaft besingen. Da habe ich gemerkt, dass es musikalisch spannende Stücke gibt», so Claude.
Ein Fan ohne Verein
Dass der FC Sion und der FC St.Gallen keine Fussballsongs auf Vinyl haben, ist für ihn ein grosses Mysterium. «Dass die zwei grossen und traditionsreichen Schweizer Vereine nie auf einer Schallplatte besungen wurden, wundert mich», sagt Claude.
Gewisse Fussballsongs seien auch heute noch sehr aktuell, gerade die zwei Songs der Young Boys würden auch heute noch gespielt. «Die eine Single, der YB-Boogie, bei der Polo Hofer mitgewirkt hat, wird bei jedem Goal gespielt. Die andere ist im Berner Kulturgut fest verankert», sagt Claude.
Claude sagt, man merke auch, in welchen Ländern der Fussball und die Fussballsongs besonders wichtig seien. «Man merkt dies in der Leidenschaft, die in den Songs steckt, aber vor allem auch an der Anzahl Produktionen», sagt Claude. Zu Napoli beispielsweise gebe es um die 90 Singles, in der Schweiz seien es um die 40.
Einer, der eine solch grosse Sammlung hat, muss wohl ein absoluter Fan sein. Claude ist zwar ein Fussballfan, doch er möchte sich da nicht festlegen. «Eigentlich bin ich ein Fan ohne Verein», sagt Claude. Er habe zum ersten Mal eine Saisonkarte des FC Winterthur, dort gefalle es ihm.
Vinyl niemals wegwerfen
Alles, was mit Fussball zu tun hat, macht er in seiner Freizeit. Beruflich macht er etwas ganz Anderes. Er ist Sekundarlehrer und arbeitet seit zwölf Jahren in einem Kinder- und Jugendheim in der Krisenintervention.
Seine gesamte Sammlung hat er auf seiner Website aufgelistet. Das Digitalisieren ist natürlich aufwendig, das hat Claude aber sowieso laufend gemacht. «Für das Digitalisieren einer Platte benötige ich aber schon eine halbe Stunde», sagt er.
Für ihn haben die Plattencover einen ebenso ästhetischen Wert wie die Musik selbst. Wer im Keller oder Estrich auf solche Platten stösst und diese nicht behalten möchte, kann sich an Claude wenden. «Auch für andere Platten findet man bestimmt Interessierte und Sammler. Wegwerfen sollte man Vinylplatten jedenfalls nie», so Claude.
Das Interview mit Pascal Claude führte FM1-Moderator Beni Hofstetter.