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„Du hast die Macht über deinen Geist – nicht über äussere Ereignisse. Erkenne dies, und du wirst Stärke finden“, sagte Marcus Aurelius, einer der berühmtesten Stoiker der Geschichte. Der Stoizismus ist eine Denkschule, deren Lehren von Tugend, Toleranz und Selbstbeherrschung Generationen von Denker/innen, Führungspersönlichkeiten und Investoren wie Benjamin Graham, Warren Buffet, George Washington, Theodore Roosevelt, Nelson Mandela und viele andere inspiriert haben. Heute geben wir einen kurzen Überblick über die Schule des Stoizismus und zeigen, wie er dabei helfen kann, ein/e bessere/r Investor/in zu werden.
Was ist Stoizismus?
Der Stoizismus ist eine Denkschule, die ihre Blütezeit in der griechischen und römischen Antike hatte. Doch sie ist auch heute noch relevant. The Daily Stoicbeschreibt den Stoizismus als „eine Philosophie, die darauf abzielt, uns widerstandsfähiger, glücklicher, tugendhafter und weiser zu machen – und infolgedessen bessere Menschen, bessere Eltern und bessere Geschäftsleute zu werden.“ Klingt gut, oder?
Eines der wichtigsten Prinzipien des Stoizismus ist die Idee, zwischen dem, was man kontrollieren kann, und dem, was man nicht kontrollieren kann, zu unterscheiden. Dies wird als Dichotomie der Kontrolle bezeichnet.
Doch während Stoiker/innen die Tatsache akzeptieren, dass sie ihre Umgebung nicht kontrollieren können, so sind sie dennoch überzeugt, dass sie die Kontrolle darüber haben, wie sie die Dinge bewerten und wie sie auf bestimmte Situationen reagieren. Diese Dichotomie der Kontrolle vermindert ihre emotionale Reaktivität, was eine große Hilfe sein kann – auch beim Investieren. Der berühmte Stoiker Epiktet sagte dazu: „Wo soll ich denn nach Gut und Böse suchen? Nicht bei unkontrollierbaren Äusserlichkeiten, sondern in mir selbst, bei den Entscheidungen, die ich selbst treffe…“
Heute benutzen wir das Wort „stoisch“ auch, um jemanden zu beschreiben, der gleichgültig erscheint gegenüber Emotionen wie Schmerz, Freude, Trauer, Zorn oder Glück. Aber das trifft es nicht. Stoiker/innen empfinden natürlich Schmerz, Vergnügen, Trauer, Wut oder Freude. Der Unterschied zu anderen Menschen ist ihre Reaktion darauf.
Ursprünge des Stoizismus
Der Stoizismus wurde von Zeno von Citium begründet, einem einst wohlhabenden Kaufmann, der um 304 v. Chr. als Schiffbrüchiger in Athen strandete, fast 1.000 Kilometer von zu Hause entfernt, ohne Geld und Besitz. Die meisten Menschen wären am Boden zerstört gewesen und hätten ihr schreckliches Schicksal und Unglück verflucht. Aber nicht Zeno.
Da er nichts anderes zu tun hatte, begann er, über den grossen griechischen Philosophen Sokrates zu lesen. Fasziniert begann er, sich mit anderen bekannten Philosophen der Stadt auszutauschen. Öffentliche Reden folgten. Zenos Lehren fanden in einer bunt bemalten offenen Säulenhalle statt, der „Stoa Poikile“. Hier legte Zeno den Grundstein für die heute als Stoizismus bezeichnete Denkschule.
Über seinen Schiffbruch soll Zeno später gescherzt haben, welch grosses Glück er doch gewesen sei – wiederum ein Ausdruck seiner stoischen Denkweise. Berühmte Stoiker, die Zeno folgten, waren zum Beispiel Seneca, Epiktet und der römische Kaiser Marcus Aurelius.
Die vier Tugenden des Stoizismus
Während Stoiker/innen die Welt so akzeptieren, wie sie ist, versuchen sie zugleich immer, ihr bestes Selbst zu sein und sich bestmöglich auf die Zukunft vorzubereiten. Dazu folgen sie den vier Kardinaltugenden des Stoizismus. Diese sind:
1) Weisheit, also die Fähigkeit, komplexe Situationen logische, ruhig und überlegt zu bewältigen,
2) Mässigung, also die Ausübung von Selbstbeherrschung und Zügelung in allen Aspekten des Lebens,
3) Gerechtigkeit, also andere fair zu behandeln, auch wenn sie nicht im Recht sind, und
4) Mut. Und zwar nicht nur in besonderen Situationen, sondern auch bei täglichen Herausforderungen.
Obwohl diese stoischen Grundwerte vor fast 2000 Jahren definiert wurden, sind sie heute aktueller denn je.