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Im Jahr 1986 bewerteten die Herausgeber der Zeitschrift Consumer Reports mehr als 100.000 Produkte und Dienstleistungen, die in den vorangegangenen 50 Jahren auf den Markt gebracht worden waren. Ziel war es, die Produkte zu ermitteln, die in den letzten Jahren den größten Einfluss auf das tägliche Leben hatten. Neben Produkten wie Klimaanlagen und Laufschuhen, wählten die Herausgeber den Tampon als eines der „50 kleinen Wunder und großen Erfindungen, die das Leben der Konsumenten revolutioniert haben“.
Die Erfindung des Tampons datiert weit zurück in der Menschengeschichte. Die alten Ägypter stellten Wegwerftampons aus aufgeweichtem Papyrus her. Der griechische Arzt Hippokrates beschrieb im fünften Jahrhundert v. Chr. eine Art ersten Tampon, der aus einem Stück leichtem Holz bestand, umwickelt von Stoff. Anderswo improvisierten Frauen mit Materialien, die sie gerade zur Hand hatten: In Rom war es Wolle; in Japan Papier; in Indonesien Pflanzenfasern; in Äquatorialafrika Grasrollen.
Unterdessen nahm der Gebrauch von windelartigen, äußeren Binden aus Stoff ebenfalls zu. Diese Binden wurden in der Regel zur Wiederverwendung gewaschen, eine Unannehmlichkeit, die zur Einführung von Einwegbinden führte, die bereits vier Jahrzehnte vor den ersten Tampons erhältlich waren.
Währenddessen wurden die Erfindung Tampon in vielen Bereichen weiterhin verwendet. Zum Beispiel nutzten Ärzte improvisierte Baumwollpfropfen, um Sekrete, die bei Operationen entstanden, aufzusaugen, oder um Antiseptika in der Vagina anzuwenden und Blutungen zu stillen. Es war auch ein Arzt, der mit dem Gedanken spielte, den Tampon endlich von seinem Improvisationsstatus zu befreien: Zu Beginn des Jahres 1929 unternahm Dr. Earle Cleveland Haas den Versuch, ein Produkt zu erfinden, das speziell für die Absorption von Menstruationsblut hergestellt werden konnte. Haas war ein innovativer Unternehmer und gilt als Tampon-Erfinder. So war er Vorsitzender eines Unternehmens, das Antiseptika herstellte, und entwickelte einen flexiblen Ring zur Verhütung, der ihm 50.000$ einbrachte, als er das Patent verkaufte.
Aber Haas verbrachte auch einen Großteil seiner Freizeit mit der Entwicklung des Tampons. Ihm war klar, dass seine Frau und seine Patientinnen, die sperrige äußere Binden trugen, mit großen Unannehmlichkeiten zu kämpfen hatten. Ein Besuch in Kalifornien gab den Anstoß zur Erfindung. Eine Freundin erzählte ihm dort, dass sie ein Stück Schwamm verwendete, um den Menstruationsfluss im Inneren zu absorbieren. Ihm kam sofort ein Material in den Sinn, das dies auf ähnliche Weise tun konnte – gepresste Baumwolle. Zurück in Denver arbeitete Haas in seinem Keller die Details schrittweise aus. Er begann mit einem länglichen Baumwollfaserstreifen, der ca. 5 cm dick und 13 bis 15 cm lang war. Er nähte der Länge nach eine Schnur ein, um die Fasern zusammenzubinden und ließ ein extra Stückchen Schnur herausstehen, damit der Tampon nach dem Gebrauch entfernt werden konnte. Um die Baumwollfasern zu einem kleinen, hoch saugfähigen Zylinder zu pressen, erfand er eine handbetriebene, zangenartige Vorrichtung, die die Fasern mit ihren beweglichen Zangen formen und zusammenpressen konnte. Das Bändchen ermöglichte, den Tampon sauber zu entfernen. Ebenso sollten Frauen Tampons auch sauber einführen können. Deswegen erfand der Tampon-Erfinder Haas den Applikator. Die Idee des Applikators kam ihm, als er zwei Papierröhrchen, die zufällig bei ihm auf dem Regal lagen, wie ein Teleskop zusammensteckte. Ein Röhrchen öffnete er etwas weiter als das andere, damit dieses den Tampon umschließen konnte. Wenn man auf das kleinere Röhrchen drückte, wurde der Tampon in die richtige Position geschoben. Diese Vorrichtung hatte den zusätzlichen Vorteil, dass man sie leicht entsorgen konnte; nach dem Gebrauch konnte man sie einfach in der Toilette hinunterspülen.