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Vor der letzten Runde klar zu führen ist selbst für einen Spieler, der schon drei Turniere auf Grand-Slam-Stufe gewonnen hat, nicht unbedingt angenehm. Auch Brooks Koepka konnte mit dieser Ausgangslage nur verlieren. Das schlagende Beispiel eines Kollapses des klaren Leaders geht auf den April 1996 zurück. Der "Weisse Hai" Greg Norman führte am US Masters in Augusta vor den letzten 18 Löchern mit sechs Schlägen Vorsprung. Auf der Schlussrunde erlebte der berühmte Australier ein einzigartiges Desaster. Der Engländer Nick Faldo holte auf, zog vorbei und siegte fünf Schläge vor Norman.
Koepka hätte auf dem Platz "Bethpage Black" also einen unrühmlichen Rekord aufgestellt, wenn er die sieben Schläge Vorsprung aus der Hand gegeben hätte. Jetzt aber kann er vom zweiten Majorturnier des Jahres zwei rühmliche Rekorde mitnehmen. Mit 128 Schlägen spielte er das beste je an einem Major registrierte Ergebnis über die ersten zwei Runden. Und er ist jetzt der Golfer, der von seinem ersten bis zu seinem vierten Majortitel die kürzeste Zeit verstreichen liess. Am US Open im Juni 2017 errang er seinen ersten grossen Triumph, acht Majors später ist er vierfacher Sieger.
Nach drei Runden lagen vier Spieler schlaggleich im 2. Rang. Der nominell stärkste von ihnen wurde in der Folge Koepkas einziger ernsthafter Konkurrent: Der Amerikaner Dustin Johnson, Nummer 1 der Weltrangliste und Sieger des US Open 2016, kam zeitweise bis auf zwei Schläge an Koepka heran.
Um die sieben Schläge Rückstand wettzumachen, hätte Johnson hervorragend spielen und zugleich auf eine schwache Runde von Koepka zählen müssen. Tatsächlich zeigte Koepka mit 74 Schlägen (4 über Par) eine mässige bis schwache Runde. Aber Johnson blieb den erforderlichen Exploit schuldig und musste sich mit einer 69 begnügen. Koepka konnte sich für seine letzten drei Löcher - Dustin Johnson hatte seine Runde bereits abgeschlossen -auf den beruhigenden Vorsprung von drei Schlägen abstützen. Sein zweiter Triumph in Folge an der US PGA Championship geriet nicht mehr in Gefahr.
Brooks Koepka ist erst seit sieben Jahren Profi, seine Karriere ist jedoch schon jetzt im mancher Hinsicht einzigartig. Den Einstieg versuchte er in der Saison 2012 - für einen Amerikaner ungewöhnlich - über die Challenge Tour, den Circuit der zweiten Kategorie in Europa. So startete er damals als nahezu unbekannter Rookie an der Swiss Challenge in Hildisrieden, wo er mit einem Platz im vorderen Mittelfeld unauffällig blieb. Später stieg er in rascher Folge in die Europa-PGA-Tour und in die US PGA Tour auf. Koepka war auch längst noch nicht in aller Munde, als er 2013 und 2014 am Omega European Masters in Crans-Montana startete. 2014 wurde er dort Dritter mit nur einem Schlag Rückstand auf seinen siegreichen Landsmann David Lipsky, der heute im Weltgolf eine untergeordnete Rolle spielt.
Das Palmarès der Koepkaschen Siege ist äusserst ungewöhnlich. Er gewann bis heute "nur" zwei normale Turniere auf dem amerikanischen Circuit, jedoch vier Turniere der höchsten Kategorie. Von den noch auf den grossen Tours aktiven Spielern ist er nach Tiger Woods (15 grosse Siege) und Phil Mickelson (5) der erfolgreichste - auf gleicher Höhe wie Rory McIlroy und Ernie Els.
(sda)