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Bei einer Schilddrüsenvergrösserung wächst die Schilddrüse über ihr natürliches Mass hinaus. Das Wachstum vollzieht sich entweder gleichmässig – medizinisch als ‹diffus› bezeichnet – oder führt zu einem oder mehreren Knoten. In den meisten Fällen wächst eine Struma am Hals, allerdings kann sie sich auch hinter dem Brustbein, hinter der Luftröhre oder unter der Zunge bilden.
Ursachen der Schilddrüsenvergrösserung
Hinter einer Struma steckt in etwa 90 Prozent der Fälle eine Unterversorgung mit Jod. Dieses Element wird für die Produktion von Schilddrüsenhormonen benötigt. Einen Mangel versucht die Drüse auszugleichen, indem sie mehr hormonproduzierendes Gewebe bildet.
In selteneren Fällen wird die Schilddrüsenvergrösserung von einer Störung der Hormonsynthese oder Zusätzen von Medikamenten wie Nitrat oder Lithium ausgelöst. Auch eine Entzündung oder Tumorerkrankung der Schilddrüse kann zu einem Kropf führen.
Veränderte Aktivität der Schilddrüse
Die Schilddrüsenvergrösserung kann zusammen mit einer Schilddrüsenunterfunktion oder einer Schilddrüsenüberfunktion auftreten. Diese Fehlfunktionen beeinflussen die Hormonproduktion der Schilddrüse.
Auch die Struma selbst kann die Aktivität der Drüse verändern: Sogenannte «heisse» Knoten erhöhen die Hormonproduktion, während «kalte» Knoten sie drosseln. Dadurch treten dieselben Beschwerden auf wie bei einer Unter- bzw. Überfunktion der Schilddrüse.
Symptome der Schilddrüsenvergrösserung
Anfänglich führt die Struma zu keinen Beschwerden. Erst ab einer gewissen Grösse machen sich lokale Symptome bemerkbar. Dazu gehören Heiserkeit, Schluckbeschwerden und ein Engegefühl im Hals. Eine starke Vergrösserung kann ausserdem die Atmung und die Blutzirkulation behindern.
Die verschiedenen Stufen der Schilddrüsenvergrösserung
Die WHO teilt das krankhafte Wachstum der Schilddrüse in diese Grade ein:
Grad 0: die Vergrösserung ist nur im Ultraschall zu sehen.
Grad 1: Die Vergrösserung lässt sich ertasten.
Grad 1a: Die Vergrösserung lässt sich erstasten, wird aber nicht sichtbar, wenn der Kopf nach hinten gestreckt wird.
Grad 1b: Die Vergrösserung lässt sich erstasten und wird sichtbar, wenn der Kopf nach hinten gestreckt wird.
Grad 2: Die Vergrösserung lässt sich ertasten und ist bei normaler Kopfhaltung sichtbar.
Grad 3: Die tast- und sichtbare Vergrösserung führt zu Beschwerden.
Diagnose und Behandlung
Ab einer gewissen Grösse kann die Veränderung durch Abtasten festgestellt werden. Eine Blutuntersuchung gibt Aufschluss über die Hormonproduktion der Drüse. Bildgebende Verfahren wie etwa der Ultraschall zeigen das Ausmass der Vergrösserung. Eventuell kann es ratsam sein, eine Gewebeprobe zu entnehmen, um den Kropf näher zu untersuchen.
Die Behandlung der Schilddrüsenvergrösserung richtet sich nach deren Grösse und anderen individuellen Faktoren. Es bieten sich verschiedene Therapien an:
- Medikamente: Hierbei werden Präparate mit Hormonen und Jod eingesetzt.
- Radiojodtherapie: Die Schilddrüse wird örtlich mit radioaktiven Jodmolekülen bestrahlt.
- Operation: Die Schilddrüse wird teilweise oder vollständig entfernt. Im Anschluss kann eine medikamentöse Behandlung notwendig sein, um die Funktion der Schilddrüse zu ersetzen.
Vorsorge
Da die Hauptursache einer Schilddrüsenvergrösserung Jodmangel ist, solltest du auf eine ausreichende Einnahme dieses Mineralstoffs achten, beispielsweise über jodiertes Speisesalz. Die Versorgung mit Jod muss in Phasen stärkeren Verbrauchs, etwa während Wachstumsschüben, in der Schwangerschaft und Stillzeit, angepasst werden. Besonders viel Jod enthalten Meeresfische und -algen. In niedrigeren Mengen findet sich Jod in Champignons, Brokkoli, Spinat und Kürbiskernen.
Jod: lebenswichtiger Mineralstoff
Jod ist Bestandteil der Schilddrüsenhormone, die den Stoffwechsel regulieren und das Wachstum sowie die Gehirnaktivität beeinflussen. Die empfohlene Tagesdosis liegt für Kinder ab 12 Jahren und Erwachsene bei 150 Mikrogramm, für Schwangere bei 250 Mikrogramm.
Der Körper kann Jod nicht herstellen, deshalb muss es über die Nahrung aufgenommen werden. Das Problem: Der Jodgehalt von pflanzlicher und tierischer Kost variiert stark entsprechend der jeweiligen Boden- und Wasserqualität. In der Schweiz sind die Böden sehr jodarm, deshalb werden hierzulande die Lebensmittel seit 1922 jodiert. Inzwischen nimmt jeder Schweizer die Hälfte seines Tagesbedarfs an Jod über jodiertes Speisesalz zu sich. Anders wäre ein Mangel kaum zu vermeiden: Man müsste ein Kilo Spinat oder zwei Kilo Roggenbrot pro Tag essen, um den Tagesbedarf an Jod zu decken.
Eine Überdosierung ist durch eine normale Ernährung nicht zu erreichen. Allerdings kann Jod eine bestehende Schilddrüsenüberfunktion verschlimmern. Einige Menschen sind ausserdem auf Jod allergisch.