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1985
Aids-Test
... ein Infoblatt der AHS
Noch vor den Sommerferien erschien eine Vor-Ausgabe des Info-Faltblattes der AHS (Aids-Hilfe Schweiz) zum Aids-Test. So konnte sie rechtzeitig auf die Reisezeit in Bars, Saunas und anderen Treffpunkten aufgelegt werden.
Im September kam die endgültige Fassung heraus. Sie war revidiert, von Fachleuten durchgesehen und präsentierte sich als sechsseitiges Leporello mit dem Titel "HTLV-III Antikörper-Test". Die AHS informierte kurz über sich selbst und meldete dann zum Test:
"Seit Anfang Juli besteht in der Schweiz die Möglichkeit, den [...]-Test durchführen zu lassen. Zur Frage 'Antikörpertest Ja oder Nein' liefern wir Fakten und Meinungen. Diese sollen Dir als Entscheidungsgrundlage dienen."
Es folgten Aussagen über den Test, was er ist, was er aussagt, welches Interesse wissenschaftliche und staatliche Stellen am Test haben, warum ein ANONYMER Test erfolgen müsse. Ein letzter Abschnitt, "Gedanken und Überlegungen zum Test", machte auf verschiedene Aspekte aufmerksam, die vor dem Entschluss zum Test zu berücksichtigen seien. Beispiele:
"Wie sieht für mich die Zukunft aus?
- Wie kann ich mit einem positiven oder negativen Ergebnis leben?
- Kann ich das überhaupt?
- Welche Auswirkungen hat der Test auf meine Beziehungen zu Personen, die möglicherweise mit einem anderen Testresultat leben müssen oder den Test nicht gemacht haben?
Wenn ich testnegativ bin:
- Führt das zu einer gewissen Beruhigung oder werde ich dadurch gezwungen, periodisch den Test durchführen zu lassen?
- Werde ich eingeengt und unfähig, weitere Beziehungen einzugehen, aus Angst, doch noch angesteckt zu werden? Und wenn mein Freund testpositiv ist?
Sollte ich testpositiv sein:
- Achte ich vermehrt auf Aids-Frühsymptome oder gerate ich in Panik?
- Werde ich, falls ich es weitererzähle, gemieden?
- Erzählen es andere von mir weiter?
- Werde ich dadurch misstrauisch und verliere Freunde?
- Habe ich Angst davor, an Aids zu sterben, und wie äussert sich diese Angst?
Gerade weil die Aspekte, die es zu beachten gilt, so mannigfaltig sind, gibt die Aids-Hilfe Schweiz keine Empfehlung heraus."
Auf den letzten der Faltblattseiten wurde vom Blutspenden gewarnt, weil in der Schweiz alles Spenderblut getestet werde,
"ein positives Ergebnis wird Dir 'zu Handen des Hausarztes' mitgeteilt. Dein Name und Deine Anschrift bleibt als AK-positiv registriert."
Dann waren die Stellen angegeben, wo der Test anonym durchgeführt werde: Nur zwei in Bern (Inselspital) und je eine in Basel und Zürich (Universitätsspitäler). Abschliessend hiess es:
"Wir haben in allen Regionen Vertrauensärzte, die uns eine anonyme Testdurchführung garantieren. Die Adressen erhältst du auf Anfrage bei uns oder an den regionalen Beratungsstellen."
Diese waren angegeben. Es gab neu auch eine in Luzern.
Ernst Ostertag, März 2008 und September 2011