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Ein Erwachsener mit 70 Kilogramm Körpergewicht hat ungefähr fünf Liter Blut im Körper. Dieses fliesst mit durchschnittlich 4 km/h durch den Organismus, wieder und wieder und wieder. Pausenlos. Blut voll mit Sauerstoff und Nährstoffen zirkuliert über die Arterien vom Herzen über das Kapillarsystem (siehe Kasten) ins Gewebe und die Organe. Über die Venen gelangt das nähr- und sauerstoffarme Blut zurück zum Herzen. Das ist der sogenannte grosse Blutkreislauf. Im kleinen Kreislauf, auch Lungenkreislauf genannt, wird das Blut vom Herzen aus in die Lunge gepumpt, wo es sich wieder mit Sauerstoff anreichert und im Gegenzug Kohlendioxid abgibt. Anschliessend kommt es über die Lungenvene zurück ins Herz, von wo aus es durch die Aorta wieder in den grossen Kreislauf und somit in den Körper gelangt. Wieder und wieder und wieder. Pausenlos. Die gesamte Blutmenge fliesst täglich etwa 2000 Mal durch den Körper.
Was im Blut drin steckt
Gut die Hälfte des Blutes macht das flüssige Blutplasma aus; die restlichen 45 Prozent sind feste Bestandteile, die roten und weissen Blutkörperchen sowie die Blutplättchen.
Das Blutplasma ist eine klare, gelbliche Flüssigkeit. Seine Aufgabe besteht darin, Stoffwechselprodukte wie Hormone, Fette oder Glukose zu transportieren. Im Plasma sind auch Proteine enthalten. Zum Beispiel Immunglobuline, die als Antikörper fungieren. Darüber hinaus enthält es Gerinnungsstoffe, die Blutungen stoppen.
Die roten Blutkörperchen werden auch Erythrozyten (griech. «erythros» = rot und «zytos» = Zelle) genannt. Sie transportieren mittels des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin den Sauerstoff durch den Körper. Erythrozyten sind die zahlreichsten Zellen im Blut und werden im Knochenmark gebildet.
Die weissen Blutkörperchen heissen auch Leukozyten (griech. «leukos» = weiss). Es gibt drei Hauptgruppen mit verschiedenen Aufgaben:
1. Die Granulozyten machen 65 Prozent der Leukozyten aus. Sie werden aktiv, wenn Krankheitserreger in den Körper eindringen.
2. Die Monozyten sind die grössten Leukozyten. Sie fressen Krankheitserreger und tote Zellen auf und verdauen sie. Sie können dann die «verdauten» Teile der Krankheitserreger auf ihrer Oberfläche präsentieren, damit sie andere Immunzellen erkennen können.
3. Die Lymphozyten erfüllen drei Aufgaben: Als Killerzellen vernichten sie infizierte Zellen; als Plasmazellen bilden sie Antikörper, und sie bilden Gedächtniszellen aus, die jahrzehntelang überleben können.
Blutplättchen werden auch Thrombozyten genannt. Sie werden im Knochenmark gebildet und sind für die Blutstillung verantwortlich. Sie dichten bei einer Verletzung die Wände der Blutgefässe ab, indem sie Plättchenpfropfen bilden, die zur Blutstillung führen.
Venen, Arterien, Kapillaren
Das Herz pumpt Schlag für Schlag Blut in den Gefässen durch den Körper. Jene Blutgefässe, die vom Herzen wegführen, heissen in der Regel Arterien. Zurück zum Herzen führt der Weg über die Venen. Das Netz der Gefässe sieht aus wie ein Baum, dessen Stamm die Hauptschlagader (Aorta) ist. Davon zweigen die dicken Hauptgefässe ab, die sich in kleinere Gefässe (Arteriolen) verzweigen. Ganz am Ende sind die kleinsten Gefässe, die Kapillaren oder Haargefässe. Dort wird der Sauerstoff in die Zellen und ins Gewebe abgegeben. Danach verlaufen die Kapillaren wieder hin zu den grösseren Gefässen (Venolen), die wiederum in die noch grösseren Venen münden, die das Blut über die obere oder untere Hohlvene (Vena cava) zum Herzen zurückführen. Fast alle Arterien enthalten sauerstoffreiches, die meisten Venen sauerstoffarmes Blut. Blut mit Sauerstoff ist hellrot, sauerstoffarmes dunkelrot.
Die Aufgaben des Blutes
Das Blut wird oft auch als «flüssiges Organ» bezeichnet. Es hat verschiedene wichtige Aufgaben im Körper.
Transportunternehmen: Das Blut befördert lebensnotwendigen Sauerstoff und Nährstoffe zu den Körperzellen sowie Kohlendioxid und Stoffwechselabfallprodukte zu Organen wie Leber und Nieren, wo sie verarbeitet und ausgeschieden werden. Auch Hormone oder Abwehrstoffe wie Antikörper werden durch das Blut im Körper verteilt, genauso wie die Körperwärme.
Armee: Dringen Krankheitserreger (Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten) in den Körper ein, wird die körpereigene Abwehr mobilisiert. Wichtige Akteure dabei sind die weissen Blutkörperchen: Sobald sie einen Eindringling entdecken, schlagen sie Alarm. Die erste Abwehrlinie bilden die Granulozyten. Bei einer Infektion vermehren sie sich schnell und bekämpfen die Verletzung an Ort und Stelle. Zum einen nehmen sie die Krankheitserreger auf und zerstören sie (sie sind sogenannt phagozytisch), zum anderen setzen sie Botenstoffe frei. So werden andere Zellen der Immunabwehr aktiviert. Ist die Infektion bedeutend, werden die Granulozyten selbst geschädigt, sterben ab und bilden Eiter. Auch die Makrophagen (ins Gewebe eingewanderte Monozyten) sind phagozytisch wirksam und bilden mit den Granulozyten die Basis der zellulären allgemeinen Abwehrreaktion. Die Lymphozyten wiederum erkennen die Eindringlinge an der Struktur der Oberfläche und produzieren gezielte Waffen gegen sie. Diese Antikörper passen wie Schloss und Schlüssel auf die Oberflächenstruktur der Eindringlinge, verbinden sich mit ihnen und führen sie den Makrophagen zu.
Wundheiler: Über einer Verletzung bildet sich schnell eine Kruste aus geronnenem Blut, die die Blutung stoppt und die Wunde vor dem Eindringen von Schmutz und Krankheitserregern schützt. Unter der Kruste bildet sich neue Haut.
Blutgruppen
Die menschliche Blutgruppe basiert auf der individuellen Zusammensetzung der Oberfläche der roten Blutkörperchen. Sie ist mit einer Vielzahl charakteristischer Strukturen bestückt. Diese Oberflächenstrukturen, zum Beispiel verschiedene Proteineinheiten, wirken als Antigene: Sie werden vom Immunsystem erkannt und lösen eine Abwehrreaktion aus, wenn sie nicht aus dem eigenen Körper stammen Das wichtigste Blutgruppensystem ist das AB0-System, das 1901 vom Wiener Karl Landsteiner veröffentlicht wurde. Es umfasst die vier Hauptgruppen A, B, AB und 0 (null). Bei Menschen mit der Blutgruppe A befindet sich das Antigen A auf der Oberfläche ihrer roten Blutkörperchen, bei Menschen mit der Blutgruppe B entsprechend das Antigen B. Menschen mit der Blutgruppe AB haben beide Eiweisse, während jene mit der Blutgruppe 0 keines davon haben. Die Blutgruppe spielt bei Bluttransfusionen eine wichtige Rolle, da nicht kompatible Blutgruppen zu schweren Zwischenfällen und sogar zum Tod des Empfängers führen können. Menschen mit Blutgruppe 0 sind ideale Blutspender, ihr Blut kann allen anderen übertragen werden. Menschen mit Blutgruppe AB sind dagegen ideale Empfänger. Jede Blutgruppe hat ausserdem einen positiven oder negativen Rhesusfaktor. Auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen von Rhesus-positiven Menschen befindet sich ein D-Antigen, während dies bei Rhesus-negativen Menschen fehlt. Das AB0-System ist übrigens nicht das einzige Blutgruppensystem. Insgesamt 29 sind bei der Internationalen Gesellschaft für Bluttransfusion (ISBT) anerkannt und beschrieben.
Wie Blut gebildet wird
Da die Blutkörperchen nur eine kurze Lebensdauer haben, müssen ständig neue gebildet werden. Und zwar mehrere Milliarden pro Tag. Das passiert vorwiegend im Knochenmark. Bei Gesunden ist die Blutbildung so gesteuert, dass nur die Anzahl von Zellen neu gebildet wird, die ersetzt werden muss. Bei besonderen Anforderungen wie einer Infektion kann der Körper gezielt reagieren und die Zahl der benötigten Zellen erhöhen, in diesem Fall beispielsweise die Zellen zur Immunabwehr
- Quellen
Drogistenstern
Renate Huch, Klaus D. Jürgens (Hrsg.): «Mensch, Körper, Krankheit», Urban & Fischer, 2019
Dr. Jürgen Brater: «Blut tut gut! Alles über unser flüssiges Superorgan», F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung, 2016
International Society of Blood Transfusion ISBT