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Der Arzt Rudolf Fritz Weiss (1895 – 1991) musste zwangsläufig alle Möglichkeiten der Phytotherapie ausnützen, als in den Kriegs- und Nachkriegsjahren des zweiten Weltkriegs Medikamente Mangelware waren.
Sein Lehrbuch der Phytotherapie sollte auch kommenden Generationen das Wissen vermitteln, wie man eine unmittelbare Pflanzenheilkunde betreiben kann, die hochwirksam, zuverlässig und oftmals lebensrettend ist. Die siebte Auflage seines Standardwerkes war die letzte, die Dr. Weiss noch selbst erarbeitete.
Was nachher in der europäischen Pflanzenheilkunde geschah, können wir als Paradigmenwechsel bezeichnen, die sich auch im Lehrbuch wiederspiegelt:
- Im Lehrbuch der Phytotherapie, seitdem von Dr. Volker Fintelmann zuerst in der 8. Auflage als Mitautor und dann (mittlerweile in der 12. Auflage) als Autor bearbeitet, treten Fertigarzneimittel in den Vordergrund
- Die „moderne rationale Phytotherapie“ distanziert sich von allen Heilpflanzenanwendungen, die nicht auf einem identifizierbaren (und relativ primitiven, linearen) Wirkstoff-Mechanismus beruhen
- Wenn es mehrere ähnlich wirkende Heilpflanzen für eine Indikation gibt, werden zu Gunsten der „besten“ alle anderen (oft fast) gleichwertigen Heilpflanzen als „obsolet“ (= überholt) disqualifiziert
- Pflanzen, die mögliche problematische Substanzen enthalten, werden für die (zeitlich i.a. beschränkte!) heilkundliche Verwendung verboten (auch wenn etliche regelmässig konsumierte Lebensmittel wesentlich höhere Anteile der gleichen oder ähnlich problematischer Substanzen enthalten)
- Stark wirksame Pflanzen werden für die phytotherapeutische Anwendung verboten
- Schwach wirksame Pflanzen werden für die phytotherapeutische Anwendung verboten, wenn es z.B. „bessere“ synthetische Medikamente gibt
- Pflanzen, die nicht den direkten organotropen Wirkmechansimus gemäss schulmedizinischem Dogma aufweisen, werden verboten
- etc.
So ist die Phytotherapie, wie sie heute gelehrt und ausgeübt wird, nur noch ein blasser Schatten und ein kümmerliches Relikt. Es bleibt eine Phytotherapie als nun (dank radikaler behördlicher Einschränkungen) garantiert harmloses Luxushobby für Nostalgiker und Liebhaber. Wellness-Phytotherapie, dank welcher sich Kliniken und Pflegeheime dann Bezeichnungen wie „ganzheitlich“ und „integrativ“ gönnen. Phythotherapie mit dem Prädikat „nützt’s nüt, so schadt’s nüt“ auf einem Niveau, das nur minim über einer Placebo-Wirkung liegen darf. (Weil: wenn es wirksamer ist, ist es „gefährlich“, den Ärzten vorbehalten, und für die Pharma-Industrie einerseits interessant und andererseits bedrohlich.)
So kommen wir ins Jahr 2012, in der ein neuer Paradigmenwechsel ansteht:
Ähnlich wie es Dr. Rudolf Fritz Weiss in den Jahren um den zweiten Weltkrieg erlebt hat, werden Medikamente wieder Mangelware. In Griechenland seit Monaten, jetzt in Spanien, und in absehbarer Zukunft vermutlich in vielen weiteren Ländern.
- Was macht eine Griechin mit schwerem Asthma, die kein Geld mehr hat, um in die Hauptstadt zu reisen, ihr lebenswichtiges Medikament zu beziehen (sofern es überhaupt noch erhältlich ist) und zu bezahlen?
- Was machen die vielen Krebspatienten, wenn sie ihre Medikamente und Schmerzmittel nicht mehr bekommen?
- Was macht jemand, der ein Magengeschwür oder eine Blinddarmentzündung bekommt, wenn ihm keine ärztlichen Dienstleistungen und Medikamente mehr zugänglich sind?
- Was machen die unzähligen Herz-Kreislauf-Patienten, wenn ihre medikamentöse Versorgung zusammengebrochen ist?
- Was machen all die vielen Menschen, die mittlerweile von Psycho-Drogen abhängig sind, wenn ein unfreiwilliger harter Entzug ansteht? (Achtung: das wird auch für unbeteiligte Dritte … spannend!)
Es gibt sie, die lebensrettenden Heilpflanzen für wenigstens einige solcher Fälle. Das Wissen darüber suchen Sie jedoch vergeblich in der wissenschaftlichen, zeitgenössischen, rationalen, „kastrierten“ Phytotherapie. Kommerzielle Heilmittel aus diesen Pflanzen bekommen Sie auch nicht in der Drogerie oder Apotheke. Die Anwendung ist auch nicht so harmlos, dass Mutter (bzw. Supernanny) Staat sie einfachen Leuten wie Ihnen zugesteht. Den Heilpraktikern und Therapeuten ist diese Art der Phytotherapie untersagt. Das Know-How ist nach dem Aufschwung nach dem zweiten Weltkrieg vernachlässigt worden, auch wenn es R. F. Weiss noch bis zur siebten Auflage seines Lehrbuchs der Phytotherapie über die Runden gerettet hat. (Einzelne andere Autoren haben ebenfalls umfassend und systematisch Wissen darüber zusammengetragen, die zur präzisen Nutzung stark wirksamer Pflanzen unter Berücksichtigung von Risiken und Nebenwirkungen notwendig sind. Diese Informationen können erfolgsentscheidend und lebenswichtig sein, gerade weil die praktische Erfahrung im Umgang mit diesen Mitteln „ausgestorben“ ist.)
Es sieht ganz so aus, als ob das Wissen über lebensrettende Heilpflanzen zu einem Geheimwissen geworden ist. Wer über dieses Wissen verfügt, wird es besser für sich behalten und nur im engsten Kreis anwenden. Erwarten Sie nicht, dass jemand Ihnen sagt, wie Sie Ihr Astma z.B. mit einer Pflanze behandeln, die als verbotene Droge gebrandmarkt ist, oder als giftiges Zigeunerkraut, oder die Spuren lebertoxischer Substanzen enthält und weswegen Sie besser am Asthmaanfall ersticken sollen. Hoffen Sie nicht, dass jemand Ihnen ein „Heilmittel“ empfiehlt, das nicht zur medizinischen Anwendung zugelassen ist, weil es angeblich zu stark oder angeblich zu wenig stark wirkt, oder weil es ein profitables ausländisches Kraut gibt welches angeblich besser wirke. Glauben Sie nicht, dass ein Pflanzenkenner Ihnen Hilfe leistet, wenn darauf Gefängnis wegen unerlaubter Ausübung der Heilkunde steht. Kommen Sie Ihrem Arzt nicht mit dem Wunsch, er soll Ihnen auf eine Art helfen, die erstens nicht als GMP anerkannt ist und andererseits bei der Krankenkasse nicht auf der Liste zu bezahlender Leistungen steht.
Am besten vergessen Sie einfach, dass es angeblich etliche stark wirksame, auch ganz in der Nähe wildwachsende Heilpflanzen gibt, die bei Asthmaanfällen krampflösend, entspannend, ja lebensrettend wirken. Vergessen Sie, dass Sie aus problemlos zu ziehenden Pflanzen Ihre eigenen Heil- und Schmerzmittel machen können. Vergessen Sie, dass einige einfache Tricks in der Anwendung harmloser pflanzlicher Mittel den entscheidendenden Unterschied machen, damit Sie gewisse akute innere Entzündungen ohne Möglichkeit einer Operation überleben. Vergessen Sie überhaupt das ganze Thema „lebensrettende Heilpflanzen“. Ich wollte Ihnen einzig und allein den Tipp geben: Lesen Sie das „Lehrbuch der Phytotherapie“ von R. F. Weiss. In der siebten Auflage. Falls Sie an diesem Thema ein lebendiges Interesse haben.