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Zwei Premieren gab es während unserer Herbstversammlung. Zum ersten Mal in der bald 150 jährigen Vereinsgeschichte wurde zu dieser Veranstaltung mit allen Glocken vom Turm geläutet. Und erstmalig war auch die Gestaltung des Referats als szenischer Vortrag. Im Spiel traten auf Dorothe Scheuber-von Flue als Mutter Konrads (Regina Durrer), der kleine Konradli (Seraphin Durrer), Bruder Konrad Scheuber (Werner Blättler), Margarethe Scheuber-Roth, Ehefrau Konrads (Brigitte Odermatt) Christina Christen-Scheuber, Tocher Konrads (Lydia Christen), Melchior Christen-Scheuber, Schwiegersohn Konrads (Heinz Christen), Dorothe Z'Rotz-Scheuber, Tochter Konrads (Ruth Scheuber), Andreas Z'Rotz-Scheuber, Schwie-gersohn Konrads (Richard Scheuber) und Ritter Melchior Lussi (Carljörg Kaiser).
Ida Knobel-Gabriel verfasste nicht bloss die Spieltexte in guter Nidwaldner Mundart, sie führte auch in die einzelnen Szenen ein, selbstverständlich ebenfalls in Mundart und in gekonnten Reimen. Dabei wurden folgende Episoden aus dem Leben des Eremiten szenisch aufgeführt: Der kleine Konradli bricht mit seiner Mutter auf zu einem Besuch bei Bruder Klaus, seinem Grossvater. Bruder Konrad versucht vergebens seine Wahl zum Landammann abzuwehren. Der Abschied Bruder Scheubers von seiner Familie, um ein Eremitenleben zu führen. Bruder Konrad wird als Einsiedler auch von Politikern um Rat und Segen angegangen.
Hansjakob Achermann stellte in seinem Vortrag zwischen den vier Szenen zuerst die Frage nach den Quellen, die über Bruder Scheuber berichten. Dabei führte er aus, dass schon der erste Biograph Scheubers zu den handschriftlichen Aufzeichnungen auch die mündliche Tradition beigezogen habe, die das Leben mit legendenhaften Zügen ausgestattet hatte. Er werde sich in seinen Ausführungen auf das konzentrieren, was die schriftlichen Quellen zum Eremiten aussagen, um daraus ein Lebensbild von Scheuber zu zeichnen.
Der Referent berichtete im Folgenden über die Verwandschaft Konrads und über die Vermögensverhältnisse der Scheuber. Dann kam er auf die politische Laufbahn Konrad Scheubers zu sprechen, und erklärte, warum er ohne vorher ein einfluss-reiches Landersamt inne gehabt zu habe, trotzdem zum Landammann gewählt wurde. Und hier konnte er ihn als Mann zeigen, der sich für das Recht und den Ausgleich einsetzte, der aber vor allem denSchwachen half, die sich nicht wehren konnten.
Die Eremitentätigkeit Scheubers ist bedeuten schlechter dokumentiert, als das Leben vorher. Die überlieferten Visionen, die ihm zugeschrieben wurden, bleiben zwar problematisch, aber sie zeigen einen Scheuber, dem das Sold- und Pen-sionenwesen ein Greuel war, und er darum davon abriet. Dass er drei Mal verleum-det wurde, als Protestantenhasser, als Geldverschleuderer und als Ketzter zeigt ihn in seiner Verletzlichkeit. Alle üblen Nachreden hatten weder Hand noch Fuss. In seinem Einsatz als frommen Beter, besonders aber Advokat für den Frieden und Ausgleich sowie für die sozial Schwachen könne der «Ehren.Werte Nidwaldner» uns heute noch Vorbild sein.
Spielerinnen und Spieler, Ida Knobel und Hansjakob Achermann erhielten am Schluss als Dank langen Applaus. Allgemein hatte der «einmalige» szenische Vortrag grossen Gefallen und Anerkennung gefunden. Marita Haller-Dirr würdigte als Vizepräsidentin die Leistungen aller gebührend.
Anschliessend konnte das Grabmahl von Bruder Konrad in der Kirche sowie einige Gegenstände, die aus seinem Besitz stammen, besichtigt werden. Auch seine Klause neben der Kirche mit dem Bilderzyklus stand zum Besuch offen.