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(Photo de Michael Nivelnkötter www.nivifoto.de)
Hoch über dem Wangental, das die Dörfer des Unteren Klettgaus über deutsches Gebiet dem dem Rheinau verbindet, steht die Ruine Radegg. Als Bauplatz wählte man auf dem südlichen Ausläufer des Rossbergs jenen äussersten Punkt, der steil ins Haupttal und zum Heusteig abfällt und einen weiten Rundblick gewährt. Die Überreste stehen auf einem rund zehn Meter hohen Kalksteinsockel, der weitgehend künstlich geschaffen wurde. Der zerklüftete Fels machte auf der Ostseite Stützmauern nötig. Im Burggraben, der den Felskopf auf drei Seiten umgibt, sind deutliche Spuren der Materialgewinnung sichtbar.
Die Burg selbst bildete einen kompakten, dreiteiligen Bau Er umfasste einen Bergfried mit rechteckigem Grundriss, einen kleinen, hofartigen Zwischenraum und auf der Westseite einen beinahe quadratischen Wohnbau. Der Aussenmantel bestand einst aus teilweise unbehauenen Kalksteinblöcken, während die Eckverbände aus Buckelquadern gefügt waren. Die grösste Höhe weist heute noch der östlich gelegene Bergfried auf. Seine dicken Mauern lassen im Innern nur einen schmalen Raum von etwa zwei Metern Breite frei. An den Turm schliesst ein Zwischenbau an, den der Ausgrabungsbericht von 1938 als Zisterne bezeichnet. Der Innenraum war hier bis zu einer Höhe von einem halben Meter mit dünnen Kalksteinplatten und mit einer starken Lehmschicht ausgekleidet. Beim Fehlen von Wasser in der weiteren Umgebung liegt der Gedanke an einen Wasserbehälter nahe. Der östlich gelegene Turm und der westliche Wohnbau spendeten Schatten und lieferten Regenwasser. Die übrigen, von Schatzgräbern durchwühlten Reste geben keine Hinweise auf die weitere Nutzung des Mittelteils. Als palasartiger Wohnbau diente der westliche Baukörper. Da die Grabungen in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts mit ungeschulten Kräften und zu einer Zeit durchgeführt wurden, in der die wissenschaftliche Grabungstechnik noch wenig entwickelt war, sind wir bei den Überresten dieser Burg weitgehend auf Vermutungen angewiesen. Das gilt auch für den heutigen Zugang zur Burg. Er wurde aufgrund von taktischen Überlegungen im Westen angelegt und stützt sich nicht auf Spuren im Gelände. Im Zusammenhang mit Radegg ist ohnehin noch manches ungenügend erforscht. Dazu gehört vor allem das grosse östliche Vorgelände, das auf der Nordseite, besonders aber gegen die Hochebene hin, mit Aussenwall und Graben abgegrenzt ist. Sondierungen ergaben, dass ursprünglich auch ein Innenwall bestanden hatte, der später in den Graben abgestossen wurde. Es ist nicht ausgeschlossen, dass hier eine alte Fluchtburg lag.
(Photo de Michael Nivelnkötter www.nivifoto.de)
Eine offene Frage bleibt auch, wann die Burg erbaut wurde. Mit Sicherheit ist eine Datierung ins 11. Jahrhundert falsch. Die Funde zeigen an, dass der Burgplatz im 12. und beginnenden 13. Jahrhundert bewohnt war. Da die erhaltenen Mauerreste frühstens in der Zeit um 1200, eher aber später entstanden, könnten bei einem Neubau ältere, einfache Holz- oder Steinbauten aufgegeben worden sein.
(Photo de Michael Nivelnkötter www.nivifoto.de)
Neben der Burg Radegg im Wangental trägt eine Burgstelle am nordwestlichen Abhang des Irchels den gleichen Namen. Welche von beiden die Stammburg der hochfreien Schad von Radegg ist, kann auch unter Berücksichtigung der Besitzverhältnisse nicht mit Sicherheit entschieden werden. Grundbesitz der Freiherren lässt sich nämlich rechts und links des Rheins nachweisen. Ein Heinrich Schad wird 1188 urkundlich fassbar. Die Verhältnisse werden dadurch kompliziert, dass im 13. Jahrhundert neben dem freiherrlichen Geschlecht ein gleichnamiges Ministerialengeschlecht auftrat, das sich später in der Stadt Schaffhausen niederliess. Während verschiedene forscher in den beiden Familien Zweige des gleichen Geschlechts sehen, erwägt Roger Sablonier, ob es sich nicht allenfalls um Lehensträger der Freiherren handeln könnte, die sich nach ihrem Lehensherrn nannten. Die freiherrliche Linie lässt sich bis um 1300 verfolgen. Ihre Vertreter sind zuletzt in Rheinau fassbar. Es scheint, dass sie gute Beziehungen zum Kloster unterhielten. Das könnte auch der Grund für die Zerstörung der Burg Radegg im Wangental sein, die spätestens in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erfolgt sein muss. Die Freiherren von Radegg hätten dann das Kloster gegen Ansprüche seiner Vögte, der Freiherren von Krenkingen, geschützt. Auf eine gewaltsame Eroberung der Burg lassen die geröteten Innenwände beim Wohnbau und die vorgefundenen Pfeilspitzen und Armbrustbolzen schliessen, die zum Teil Aufprallspuren zeigen. Im Lauf des 14. Jahrhunderts verschwindet auch die bürgerlich-ministeriale Linie der Herren von Radegg, nachdem sie den grössten Teil des Besitzes an das Schaffhauser Spital verkauft hatte.
Bibliographie