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In der Nacht auf den 23. Juli 1995, im Südwesten der USA, starren zwei Hobby-Astronomen gebannt in den nächtlichen Sternenhimmel.
Kurz nach Mitternacht wird Alan Hale vor seinem Haus in New Mexico fündig. Im Sternbild Schütze leuchtet ein Himmelskörper auf, der auf keiner Sternkarte verzeichnet ist. Sofort schickt er eine E-Mail an die internationale Behörde, die für solche Entdeckungen zuständig ist.
Derweil entdeckt in der Wüste von Arizona auch Thomas Bopp den Kometen durch das selbstgebastelte Teleskop eines Freundes.
Grösser als jeder andere Komet
Am folgenden Morgen wird die Entdeckung von Hale-Bopp offiziell bestätigt und der Komet als C/1995 O1 im Rundschreiben der Internationalen Union für Astronomie publiziert.
Hale-Bopp ist ein besonderer Komet: Sein Kern hat einen Durchmesser von über 50 Kilometern und enthält in gefrorener Form mehr Wasser als die Ostsee. Der Komet ist dreimal so gross und zehnmal so hell wie der Halleysche Komet und grösser als jede andere bekannte Schweifstern.
Faszination und Furcht
Am 23. März 1997 passiert Hale-Bopp den erdnächsten Punkt seiner Bahn. Obwohl über 200 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, ist der Komet von der nördlichen Erdhalbkugel aus von blossem Auge gut zu sehen und fasziniert Menschen und Medien.
Doch wie schon beim Durchzug des Halleyschen Kometen 1910 gibt es auch nun Zeitgenossen, die überzeugt sind, dass das Erscheinen des Himmelskörpers nichts Gutes verheisst.
Es beginnt mit einem Bild des texanischen Amateurastronomen Chuck Shramek vom November 1996. In der Nähe von Hale-Bopp war ein unscharfes, längliches Objekt zu erkennen. Astronomen identifizierten es später als einen Fixstern, den Shramek übersehen hatte.
Doch die Aufnahme überzeugte Ufologen und Endzeit-Prediger von der Theorie, dass ein Raumschiff dem Kometen folge.
«Vorbote des Unglücks»
So erklärte etwa die selbst ernannte Geistheilerin Uriella in der Fernsehsendung Schweiz aktuell: «Hale-Bopp ist der Vorbote des Unglücksterns. Dieser ist bereits unterwegs zur Erde und bringt enorme Veränderungen und Katastrophen.»
Der Heiland persönlich habe ihr aber gesagt, dass die wahren Gläubigen gerettet würden, so Uriella. Gott würde sie in Raumschiff-Kapseln holen.
Zum Verhängnis wurden solche Vorstellungen im März 1997 den 39 Anhängerinnen und Anhängern der Ufo-Sekte Heaven's Gate in den USA.
Ihr Prediger Marshall Applewhite hatte sie erfolgreich davon überzeugt, dass die Selbsttötung der Weg sei, um ihre Seelen zu dem Raumschiff zu schicken, das Hale-Bopp verfolgte. Damit würden sie anschliessend in eine höhere Entwicklungsstufe überführt und würden der Apokalypse entkommen.
2000 Jahre bis zum Wiedersehen
Bald, vermutlich noch in diesem Jahr, vermuten Astronomen, wird Hale-Bopp von der Erde aus nicht mehr zu erkennen sein. Unterwegs auf seiner langgestreckten, elliptischen Bahn um die Sonne, wird er erst im Jahr 4377 wiederkehren.