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Petersen machte bei einem Besuch in der vorletzten Woche in Berlin deutlich, dass bi- oder multilaterale Handelsabkommen auf regionaler Ebene aus seiner Sicht nicht im Widerspruch zu einem WTO-Erfolg stehen müssten. Er hoffe, so der Sondergesandte, dass ein erfolgreicher Abschluss sowohl der Transpazifischen Partnerschaft (TPP) als auch der Transatlantischen Freihandels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) zwischen der EU und den USA der WTO neue Impulse geben und dazu beitragen werde, die Verhandlungen zu Ende zu bringen.
Vereinbarungen wie TTIP oder das Wirtschafts- und Handelsabkommen (CETA) der EU mit Kanada, die Erleichterungen im Agrarhandel mit sich brächten, seien ein Schritt in die richtige Richtung, um einen umfassenden WTO-Abschluss zu erreichen. Keinen Zweifel ließ der Neuseeländer daran, dass die WTO unverzichtbar sei und weiterhin eine sehr wichtige Rolle spielen müsse. Dafür spreche allein die Möglichkeit zur Streitschlichtung.
Gleichbehandlung gewährleisten
Trotz gegenwärtiger Probleme beurteilt Petersen die Perspektiven für den Agrarhandel zwischen der Europäischen Union und Neuseeland zuversichtlich. Die neuseeländischen Ausfuhren nach Europa seien zuletzt aufgrund zusätzlicher Kosten durch höhere Zölle rückläufig gewesen seien. Voraussetzung für eine Trendumkehr sei allerdings, dass Neuseeland nicht schlechter gestellt werde als andere Länder, denen die EU einen bevorzugten Marktzugang einräume, mahnte der Sondergesandte. Seinen Angaben zufolge sind die europäischen Agrarausfuhren nach Neuseeland in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Sie hätten mit einem Umfang von annähernd 4 Mio Euro zuletzt den höchsten Wert seit 15 Jahren erreicht. Umgekehrt seien die neuseeländischen Lieferungen in die EU stetig auf 2,4 Mrd Euro im Jahr 2013 zurückgegangen.
Asien in Fokus
Petersen machte deutlich, dass die aufstrebenden Märkte in Nord- und Südostasien weiter im Fokus der neuseeländischen Agrarwirtschaft stünden. Für sein Land sei es jedoch von vitalem Interesse, mit seiner breiten Palette von Produkten auf unterschiedlichen Märkten präsent zu bleiben und einseitige Abhängigkeiten zu vermeiden. Dies gelte für Milcherzeugnisse ebenso wie für Schaf- und Rindfleisch, Wildbret, Fischereierzeugnisse, Obst und Gemüse sowie Wein. Der Landwirt betonte den Stellenwert von Tierwohl und Umweltschutz für die neuseeländische Agrarwirtschaft.
Eine Vielzahl von Initiativen ziele auf eine Verbesserung der Wasserqualität, die Vermeidung von Nährstoffeinträgen oder die Erhaltung der Biodiversität. Strenge Anforderungen gewährleisteten zudem ein hohes Tierschutzniveau, so Petersen. Die neuseeländische Agrarwirtschaft reagiere damit auf maßgebliche Verbrauchertrends, wie sie insbesondere in Europa zu beobachten seien. Die größten Herausforderungen für den internationalen Agrarhandel sieht der Sondergesandte im Bereich der Lebensmittelsicherheit, in Handelsbarrieren durch Zölle und Quoten sowie in nichttarifären Handelshemmnissen.
Russland-Embargo mit weltweiten Folgen
Kritisch äußerte sich Petersen zum russischen Handelsembargo für Nahrungserzeugnisse aus westlichen Ländern. Festzustellen sei, dass Neuseeland nicht von dem Einfuhrstopp profitiere. Vielmehr leide das Land unter den negativen Folgen, die das Embargo auf den internationalen Märkten habe. Die Umleitung bislang für den russischen Markt vorgesehener Erzeugnisse in andere Weltregionen habe erhebliche Auswirkungen auf die Weltmarktpreise, insbesondere bei den für Neuseeland wichtigen Milcherzeugnissen.
Zwar gelte dies weniger für Käse, der für Neuseeland keine große Rolle spiele. Allerdings seien auch die Preise für Milchpulver infolge des russischen Embargos weltweit unter Druck geraten. Dies wiederum treffe Neuseeland als weltweit größter Exporteur von Milchpulver besonders.