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Unter Bezugnahme auf mein gestriges Telegramm2 beehre ich mich, Ihnen beiliegend ein Communiqué der Liechtensteinischen Gesandtschaft zu übermitteln, welches über die schwebenden Unterhandlungen betr. die Zoll-, Post-, Eisenbahn- und Gerichts-Verhältnisse zwischen Liechtenstein und Österreich Aufschluss gibt.
Obschon ich keine direkten Anhaltspunkte dafür besitze, habe ich doch den Eindruck, dass man sich in Wien gegenwärtig dem Fürsten von Liechtenstein gegenüber entgegenkommend zeigen will, um ihn, des schlechten Beispiels für Vorarlberg wegen, von einer zu engen Annäherung an die Schweiz abzuhalten. Es würde mich gar nicht wundern, und der Ihnen gestern vertraulich mitgeteilte Vorfall3 bestärkt mich in dieser Ansicht, wenn man dem Fürsten und seiner Familie wenn nicht Garantien für die Aufrechterhaltung der Monarchie in ihrem Ländchen, so doch beruhigende Zusicherungen in bezug auf republikanische und sozialistische Propaganda geben würde und sie, unter Hinweis auf das Beispiel von Neuenburg, auf die Gefahr näherer Beziehungen zur Schweiz aufmerksam machen sollte. Wegen der Lage des Fürstentums und der grossen finanziellen Mittel, über die der Fürst verfügt, wäre es daher angeraten, wenn unsere Presse bei der jetzigen Konjunktur nicht mit den, wie ich höre, wenig zahlreichen Republikanern des Ländchens liebäugeln würde.
Dem Fürsten und seiner Familie ist an dem Souveränentum aus guten Gründen sehr viel gelegen; selbstverständlich nicht wegen der demselben innewohnenden Macht, sondern weil die grossen Güter, die der Fürst namentlich in Böhmen besitzt, ihm, wenn er ein fremder Monarch ist, voraussichtlich belassen werden, während sie, wenn er ein aristokratischer und zudem ein österreichischer Grossgrundbesitzer wie ein anderer wäre, Gefahr liefen, enteignet und verteilt zu werden. Ich füge bei, dass obige Bemerkungen mir keineswegs vom liechtensteinischen Gesandten nahegelegt worden sind; er hat den Gegenstand in unsern Konversationen niemals auch nur berührt.