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Wer zu den Lebenden gehört, hat Hoffnung; denn ein lebender Hund hat es besser als ein toter Löwe. (Kohelet 9,4)
Löwe, Tiger, Adler; diese Tiere werden häufig genannt, wenn man Menschen fragt, was für ein Tier sie gerne wären. Majestätisch, kraftvoll, siegreich, so möchten viele sein. Die olympischen Spiele und vorher die Fussball-EM, sie laden zu solchen Fantasien ein. Was zählt ist der Sieg, einen vierten Platz kann man vergessen.
Kohelet, der Philosoph unter den biblischen Autoren, ist da anderer Meinung: Besser ein lebender Hund als ein toter Löwe. Besser voll Hoffnung und voll Leben und dabei Durchschnitt, als abgestumpft, perspektivenlos und ohne Lebensfreude, dafür mit Prestige.
«Alles ist flüchtig.» So lautet einer der Wahlsprüche Kohelets. Alles ist flüchtig: Die Stärke des Löwen, der Erfolg der Olympiasiegerin, das Leben überhaupt. Sich freuen an dem, was ist und dabei Gott nicht aus den Augen lassen, das ist ein Leben zu dem Kohelet rät. Er nennt dies Weisheit.
Gott,
gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
(Reinhold Niebuhr 1892-1972)
Michael Rahn, Pfarrer