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8. Mai 1996: Paris Saint-Germain wird seit ein paar Jahren als DER grosse Klub Frankreichs wahrgenommen. Doch die Wahrheit ist: PSG war vor dem Einstieg katarischer Geldgeber nur zwei Mal Landesmeister und seine Erfolge waren dünn gesät.
Mitte der 90er-Jahre erlebt Paris Saint-Germain eine der besten Phasen der Klubgeschichte. Mit Spielern wie George Weah, Youri Djorkaeff, David Ginola oder dem Brasilianer Rai holen die Hauptstädter in vier Jahren vier Titel. Sie werden Meister (1994), Cupsieger (1993 und 1995) und sie gewinnen 1996 den Europacup der Cupsieger. Abgesehen vom sportlich unbedeutenden Sieg im UI-Cup 2001 ist dieser Erfolg der einzige Europacup-Triumph von PSG.
Der erste Gegner auf dem Weg in den Cupsieger-Final ist Molde; die Norweger werden mit dem Gesamtskore von 6:3 geschlagen. Mit Celtic Glasgow wartet ein anderes Kaliber auf PSG, doch auch die Schotten sind chancenlos, verlieren 0:1 und 0:3.
Gegen den AC Parma verlieren die Pariser im Viertelfinal dann erstmals ein Spiel. Doch im Rückspiel biegen sie das 0:1 noch um und kommen mit dem Gesamtskore von 3:2 weiter. Nach zwei 1:0-Erfolgen gegen Deportivo La Coruña stehen die Pariser im Final.
Am Abend des 8. Mai 1996 wird PSG von einem Gegner gefordert, der die Fussballwelt überrascht hat: Rapid Wien. Die Österreicher haben unter anderem Sporting Lissabon, Dynamo Moskau und Feyenoord Rotterdam eliminiert – alles Gegner mit einem höheren Renommee.
Aber Rapid hat zu jener Zeit ein herausragendes Team. Michael Konsel steht im Tor, der viel zu früh verstorbene Trifon Ivanov verteidigt gemeinsam mit Peter Schöttel. Didi Kühbauer und Peter Stöger ziehen im Mittelfeld die Fäden und vorne trifft: Der spätere Bayern-Stürmer Carsten Jancker.
Sechs Tore erzielt der bullige Angreifer aus der ehemaligen DDR im Cupsieger-Cup. Im Viertelfinal-Rückspiel gegen Dynamo Moskau erleidet der 21-jährige Jancker eine Platzwunde am Kopf und macht danach als Turbanträger noch zwei Tore. Es ist die Geburtsstunde eines grün-weissen Helden. «Geh, Carsten, renn bitte gegen die Wand, weil dann reiss' ma was!», hätten sie danach jeweils gescherzt, erzählt Mitspieler Kühbauer im Rückblick.
Im Final in Brüssel gelingt Jancker aber kein Tor. Dabei wäre gegen PSG viel drin gelegen, ist sich der Vize-Weltmeister von 2002 sicher: «Wir hätten damals die Chance gehabt, wenn wir so gespielt hätten wie in den Runden davor.»
Den einzigen Treffer des Abends erzielt nach einer knappen halben Stunde Bruno N'Gotty, ein Verteidiger, den sie «den schwarzen Koeman» nennen. Aus gut und gerne 40 Metern schiesst N'Gotty einen Freistoss
auf neben Konsels Kasten, den Schöttel mit dem Schienbein unglücklich ins Tor ablenkt.
Beim 1:0 bleibt es bis zum Abpfiff. Goalie Bernard Lama darf als Captain die Trophäe in Empfang nehmen und als erster mit ihr feiern.
Auf europäischer Ebene ist der Abend bis heute für beide Klubs unerreicht. Während PSG in der Folgesaison nochmals in den Final vorstösst (den es gegen Barcelona 0:1 verliert), schafft es Rapid Wien erst nach zwei Jahrzehnten erstmals wieder über eine Europacup-Gruppenphase hinaus. Es wird ebenfalls ein Auftritt für die Geschichtsbücher: Die Hütteldorfer scheitern gegen Valencia mit dem brutalen Gesamtskore von 0:10.