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die Kunst, durchscheinende Farben undUmrisse auf chemischem Weg, vorzüglich
durch Einschmelzung, auf Glas
[* 4] zu übertragen oder ganze Bilder aus Stücken farbigen Glases zusammenzusetzen. Entweder wird die
Malerei auf Einer Tafel ausgeführt, oder es werden mehrere Glasplatten von verschiedener Größe durch Bleieinfassungen miteinander
verbunden. Bereits die Alten verstanden glasige Körper mittels des Feuers auf andre glasige oder metallische Körper zu schmelzen.
Doch bestand ihr mehrfarbiges Haus- und Schmuckgerät noch aus mehreren neben- oder übereinander geschmolzenen, bereits in
den Fritten gefärbten Glasstücken, wie unter anderm zahlreich vorhandene römische Gefäße, sogen. Thränenfläschchen etc.,
darthun; nirgends aber fand man antikes, namentlich durchsichtiges, Glas, das nur auf der Oberfläche und zwar entweder eintönig
oder mit mehreren Tönen neben- oder übereinander gefärbt, und wobei die Farbe eingebrannt wäre.
willkürlich aus verschiedenfarbigen Stückchen zusammengesetzt, später jedoch die einzelnen Glastafeln nach Art und Vorbild
der Mosaik in symmetrischer Ordnung zusammengefügt zu haben, und endlich benutzte man jene bunte Glasmosaik dazu, aus den durch
und durch gefärbten (Hütten-) Gläsern der Komposition und dem Kolorit von Gemälden entsprechende Stücke auszuschneiden und
zu Bildern zusammenzufügen. Dann erst gab man diesen Bildwerken Umrisse und mehr oder weniger Schattierung
mit einer verglasbaren Metallfarbe, welche, um der Zeit und dem Wetter
[* 18] zu widerstehen, in die Fläche eingeschmolzen wurde.
Damit begann die eigentliche Glasmalerei. Über das technische Verfahren der ältesten Glasmaler gibt uns die dem 11. Jahrh. angehörige
Schrift des Theophilus Presbyter (»Diversarum artium schedulae«, lib. II) interessante Aufschlüsse.
Ihr zufolge war der Glasmaler zugleich sein eigner Glasmacher, Glasfarbenbereiter, Kartonzeichner und Glaser. Er begann, nachdem
er die farbigen Hüttengläser erzeugt hatte, seine Arbeit damit, daß er sich eine hölzerne Tafel von dem Umfang des beabsichtigten
Fensters machte; über deren ganze Fläche hin schabte er Kreide,
[* 19] feuchtete diese mit Wasser an und strich
sie mit einem Lappen nach allen Richtungen hin aus.
Die Schatten
[* 22] gab er durch sorgfältige Schraffierung;
[* 23] wo er Licht
[* 24] haben wollte, ließ er das Glas durchsichtig.
Nach Gutdünken brachte er auf Gewändern und Gründen damastartige Verzierungen an, indem er das Glas leicht grundierte und
mit dem Radierhölzchen so viel von dem Grund wieder hinwegnahm, daß die dadurch erscheinenden Lichtpartien allerlei Muster
darstellten. Behufs des Einschmelzens der Farben bediente er sich eines eigentümlich konstruierten Ofens,
in welchem die Glasplatten so lange lagen, bis sie zu glühen anfingen.
Dieses geschah, wie noch jetzt, in der Weise, daß zuerst weißes Glas auf eine Pfeife genommen, dieses in den Tiegel mit dem
Purpurglas getaucht, hier mit einer Schicht des letztern überzogen, dann wie gewöhnlich zu einem kleinen Cylinder geblasen
und letzterer bei möglichst gelinder Wärme
[* 26] auf dem Streckherd zu einer Tafel gestreckt ward. Eine solche
besteht mithin aus zwei Glasschichten, der weißen und der roten, und die Nüance der
Farbe beim durchfallenden Licht hängt
von der Dicke der roten Schicht ab, welche, sie mag so dünn sein, wie sie will, durch ihre Verbindung mit
dem weißen Glas die frühere Zerbrechlichkeit verliert. In dieselbe Zeit fällt die erste Anwendung weiterer Glasmalerfarben
außer dem Schwarzlot; auch sie bestanden in Metalloxyden, welche aber nicht der Fritte zugesetzt, sondern auf der Oberfläche
des schon fertigen und zur Arbeit zugeschnittenen Glases befestigt wurden und zwar mit Hilfe eines Flußmittels,
einer glasigen Zusammensetzung, welche bei der Temperatur des Schmelzens sich mit den Oxyden und diese milder Grundlage verband.
Die Farben wurden in der Art aufgetragen, daß, wenn die Umrisse und Schraffierungen auf einer Seite ausgeführt waren, die
andre Seite bloß farbig illuminiert wurde. Übrigens erwies sich der technische Charakter der Glasmalerei dieser
Periode in allen Ländern, in welchen die neue Kunst auftrat, den Grundzügen nach als derselbe. So finden wir auf den gesamten
Leistungen der Glasmalerei des 11. und 12. Jahrh. den Stempel des romanischen Stils, jenes strenge typische Gesetz der Zeichnung, jenes
Streben, die Formen der Gestalten überall in scharfer und bestimmter Weise darzustellen und soviel wie
möglich in symmetrischer Anordnung vorzuführen. So wie der bildenden Kunst dieser Zeit überhaupt im wesentlichen ein architektonisches
Prinzip zu Grunde lag, so war dies um so mehr und länger in der Glasmalerei der Fall, als hier schon die Ungefügigkeit des Materials
einem freiern Schwung im Wege stand.
Noch gegen das Ende des 13. Jahrh. begnügte sich die Glasmalerei häufig damit,
die Fenster mit Blumen- und Pflanzengewinden sowie mit den sogen. Grisaillen, mattfarbigen, grau, grünlich oder violett gehaltenen
und mit Schwarz umränderten Ornamenten, welche die weißen Gläser der Fenster durchkreuzten, zu überspinnen. Selbst
im 14. Jahrh. entsagte sie noch nicht dem Ornament gänzlich, vielmehr bediente sie sich desselben zur Verherrlichung und
Ergänzung der in ihrer Hauptaufgabe waltenden Symbolik.
Aus reicher Umrankung von Blüten- und Fruchtgewinden blicken nunmehr die Heiligenbilder mild und ernst hernieder, von reichen
gotischen Baldachinen sind die Gruppen aus der heiligen Geschichte überwölbt; oft steigt eine prächtige
gemalte Architektur die ganze Höhe des Fensters hinan und trägt in ihren mannigfachen Verschränkungen nicht selten einen
ganzen typischen Cyklus göttlicher Offenbarungen. Die Gesamtwirkung bleibt eine vorwiegend teppichartige; die tiefen, satten
Töne herrschen vor.
Die allgemeine Aufnahme der Glasmalerei steht mit der Herrschaft des gotischen Baustils im Zusammenhang, da letzterer schon wegen seiner
hohen Fenster eines solchen Mittels zur Dämpfung des im Übermaß einströmenden Lichts bedurfte. Es gelang,
Glasmalerfarben von mannigfachen Tönen und Abstufungen hervorzubringen und so eine mehr malerische Behandlung der Glasmalerei zu erzielen.
Auch bei diesen waren Metalloxyde die färbenden Substanzen. Hinsichtlich ihres künstlerischen Charakters ist zu bemerken,
daß die Glasmalerei dem Bildungsgang der Malerei im allgemeinen folgte; das dekorative Element war nicht mehr das
überwiegende; die Gestalten wurden größer, an die Stelle der einzelnen, statuarisch nebeneinander gestellten Figuren traten
ganze Gruppen, Nachbildungen wirklicher Gemälde.
Dabei ist freilich nicht zu übersehen, daß die Eigentümlichkeit der technischen Mittel manche Abweichung von dem herrschenden
Charakter der Malerei überhaupt, manches Zurückbleiben hinter ihrem mächtigen Aufschwung veranlassen
mußte. Viele Glasmaler verließen ebendarum die um sich der Ölmalerei zuzuwenden, welche dem freien Aufschwung ihres Geistes
in der besondern Schwierigkeit des Materials kein lähmendes Gegengewicht setzte. So kam es, daß die Glasmalerei oft nur in den Händen
von Anfängern oder Stümpern blieb, die lediglich fremde Kartons kopierten.
Dieser handwerksmäßige Betrieb hatte übrigens auch seine Vorteile. In der Glasmalerei nämlich macht nur der Umfang und die Wichtigkeit
der technischen Erfahrungen den Meister; der Kopist aber, dessen ganzes Thun in fortgesetzter Ausübung der mechanischen Hälfte
bestand, brauchte keine Zeit an die Erfindung von Entwürfen zu verlieren. War er glücklich in der Wahl
der Kartons, so kam durch diese Vereinigung technischer und künstlerischer Elemente gewiß etwas Trefflicheres zu stande,
als wenn der Einzelne alles aus sich selbst schöpfte.