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Der
Rohstoff-Superzyklus ist zu Ende, das mit Krediten finanzierte Wachstum lässt sich
nicht mehr weiter aufrecht erhalten. Greifen die Zentralbanken bald zur
nächsten Wunderwaffe, dem Helicopter-Money?
Ben Bernanke, der ehemalige Präsident der US-Notenbank, hatte einen Übernamen: «Helicopter Ben». Und das kam so: Bernanke ist ein überzeugter Anhänger von Milton Friedman, dem Begründer des Monetarismus. Dieser hatte einst empfohlen, die Zentralbanken sollten doch in einer Krise notfalls ganz einfach Geld unter den Menschen verteilen, um so zu verhindern, dass die Nachfrage einbricht und die Wirtschaft kollabiert.
Friedman pflegte diese Nothilfe scherzhaft «Helicopter money» zu nennen, denn die Geldspritze an alle lässt sich damit vergleichen, dass Helikopter über eine Stadt fliegen und Banknoten abwerfen. «Helicopter money» heisst im Fachjargon «direct monetary funding», und die Möglichkeit, dass die Zentralbanken tatsächlich die Helikopter steigen lassen könnten, besteht tatsächlich.
James Grant, einer der bedeutendsten US-Finanzspezialisten erklärte jüngst in einem Interview mit der «Finanz und Wirtschaft»:
Hintergrund dieser Prognose ist der Zustand der Weltwirtschaft. Der keineswegs grandiose Aufschwung nach der Krise war einerseits getrieben von den Rohstoffpreisen. Schwellenländer wie Brasilien und Argentinien, aber auch Erdölproduzenten profitieren vom so genannten «Superzyklus» und der scheinbar unbegrenzten chinesischen Nachfrage nach Kupfer, Öl und Landwirtschaftsprodukten. Dies wiederum führte dazu, dass eine wachsende Mittelschicht Konsumgüter wie Smartphones aus den entwickelten Staaten importierte und Unternehmen Maschinen und Software.
Damit ist Schluss. Der Superzyklus ist zu Ende, die Rohstoffe sind massiv eingebrochen. Brasilien beispielweise, noch vor kurzem das Boomland schlechthin, befindet sich in einer schweren Rezession. Im laufenden Jahr wird das Bruttoinlandprodukt wahrscheinlich um 2,8 Prozent einbrechen, nächstens Jahr voraussichtlich um 1 Prozent. Der Internationale Währungsfond korrigiert derweil seine Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft laufend nach unten.
Auch die zweite Wachstumsmaschine der Weltwirtschaft, die Gewährung von Krediten, ist ins Stottern geraten. Obwohl das Geld so billig ist wie kaum jemals, greifen weder Konsumenten noch Unternehmen zu. Nach wie vor ist «Deleveraging» angesagt, das Abtragen eines riesigen Schuldenberges, sei es bei Privaten oder bei der öffentlichen Hand. Spielraum für neue Kredite besteht nicht mehr. Die Beratungsfirma McKinsey hat kürzlich in einer Studie vorgerechnet, dass sich seit 2008 weltweit der Schuldenberg nochmals um 57 Billionen Dollar erhöht hat. Zum Vergleich: Das entspricht fast hundert Mal dem Schweizer Bruttoinlandprodukt.
Bisher haben die Zentralbanken die Wirtschaft mit dem so genannten Quantitativen Easing (QE) über Wasser gehalten, dem Aufkauf von staatlichen und privaten Vermögenswerten, mit den Ziel, die Zinsen zu drücken. Diese Politik des billigen Geldes stösst nun an ihre Grenzen. Die Fed tut sich äusserst schwer, die Leitzinsen wieder zu erhöhen, und sei es nur ein Viertelprozent.
Sozialpolitisch gesehen ist QE eine äusserst fragwürdige Angelegenheit. Paul Marshall, Vorsitzender des gleichnamigen Hedge Funds, erklärte jüngst in der «Financial Times» unverblümt: «Quantitative Easing hat Bonus-verwöhnten Banker aus der Patsche geholfen und die Reichen noch reicher gemacht.»
Tatsächlich hat die Finanzwirtschaft ein viel grösseres Stück vom QE-Kuchen bekommen als Otto Normalverbraucher. Nochmals Paul Marshall: «Vermögensverwalter und Hedge Funds haben ebenfalls profitiert. Immobilieneigentümer haben abgezockt wie Banditen. Kurz: Jedermann mit Vermögenswerten ist viel reicher geworden. Alle von uns, die auf den Finanzmärkten tätig sind, sind dem QE etwas schuldig.»
Die ungleiche Behandlung war nur deshalb möglich, weil Geldpolitik für Normalsterbliche ein Schloss mit sieben Siegeln ist. Auch das beginnt sich zu ändern. Inzwischen weiss selbst meine Katze, was Fiat-Money ist, und der Widerstand gegen das Gelddrucken wächst in allen politischen Lagern.
Aus all diesen Gründen ist «Helicopter Money» tatsächlich zu einer Option geworden. Schecks unter die Menschen zu verteilen ist dabei nicht die einzige, und auch nicht die optimale Option. Die öffentliche Hand könnte jedoch das mittels QE kreierte Geld nicht ins Bankensystem stecken, sondern damit dringend benötigte Infrastrukturen finanzieren. Dann hätte alle etwas davon.