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Demografischer Trend in den USA: Entscheidende mittlere Altersgruppe wächst
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Jeffrey Schulze, Investment Strategist
Die Wirtschaftswelt kennt ein einfaches Sprichwort, das besagt: „Demografie ist Schicksal“.
Demografische Trends mögen sich zwar nur äusserst langsam entwickeln, aber sie sind ein Aspekt des langfristigen Wachstumspotenzials und der Kapitalmarktentwicklung eines Landes, der leider oft übersehen wird. Insbesondere die Alterszusammensetzung der Bevölkerung wirkt sich tendenziell regulierend auf die wirtschaftlichen Wachstumsraten aus. Die demografischen Profile der Industrieländer haben sich seit Anfang des 21. Jahrhunderts deutlich verschlechtert. Nur wenige sind der Meinung, dass sich diese Entwicklung verlangsamen, geschweige denn umkehren lässt. Das mag in vielen Regionen der Fall sein, das demografische Umfeld in den Vereinigten Staaten könnte sich jedoch als robuster erweisen als ursprünglich prognostiziert.
Die Millennial-Generation ist um 6,9 Millionen Menschen grösser als die Generation X. Das bedeutet, dass die entscheidende mittlere Alterskohorte in den nächsten Jahren weiter wachsen wird.
Nach allgemeiner Auffassung wird die demografische Entwicklung die US-Wirtschaft und damit auch die Finanzmärkte in den kommenden Jahren belasten. Im Einzelnen bedeutet das, dass sich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) mit dem zunehmenden Austritt der Babyboomer aus dem Arbeitsleben verlangsamen dürfte. Eine genauere Auswertung demografischer Daten lässt aber vermuten, dass sich noch mehr dahinter verbirgt. Zwar stellte die Alterung Amerikas in den letzten 15 Jahren eine Konjunkturbremse für das Land dar, doch dürfte die Wirtschaft in den nächsten zwei Jahrzehnten durch die demografischen Veränderungen eher positiv beeinflusst werden, wenn die Generation der Millennials in die Hochphase ihrer wirtschaftlichen Aktivität eintritt.
Wenn wir die heutige Situation und die Auswirkungen der demografischen Entwicklung auf das kommende Jahrzehnt betrachten, bietet sich ein völlig anderes Bild als das nach der globalen Finanzkrise. Während die Babyboomer weiterhin einen negativen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum haben werden, dürfte die Belastung weniger stark ausfallen. Denn über 40 % der Babyboomer hatten 2019 bereits das Rentenalter erreicht (und heute dürften es 45 % sein). Noch wichtiger ist, dass die Millennials genau jetzt in die Jahre ihrer grössten wirtschaftlichen Produktivität kommen. Dieser Prozess wird sich über das nächste Jahrzehnt erstrecken. Die Millennial-Generation ist um 6,9 Millionen Menschen grösser als die Generation X. Das bedeutet, dass die entscheidende mittlere Altersgruppe über viele Jahre hin weiter wachsen wird.
Das derzeitige demografische Umfeld unterscheidet sich nicht allzu sehr von dem Mitte der 1990er Jahre. Damals befand sich die Generation der Babyboomer in einer ähnlichen Situation wie die Millennials heute: Sie kamen in die Jahre ihrer grössten wirtschaftlichen Produktivität. Als die Babyboomer der kleineren „Stillen Generation“ nachrückten, hielt sich das BIP-Wachstum in den nächsten zehn Jahren auf einem durchschnittlichen Niveau von 3,4 %, selbst nach dem Platzen der Tech-Blase und nach dem 11. September (diese Jahre der Rezession nicht einkalkuliert, lag das BIP-Wachstum bei 3,9 %). Da die Dynamik heute ähnlich ist – die grössere Millennials-Generation übernimmt die mittlere Altersgruppe von der kleineren Generation X – sollte das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahrzehnt und darüber hinaus einen Aufschwung erleben. Allerdings könnte es aufgrund des grösseren Anteils der Rentner heute etwas weniger stark ausfallen als in den 1990er-Jahren.