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Bereits fünf Jahre nach der Aufnahme des Fabrikbetriebs errichtet die Viscose 1911 ein erstes Heim für ihre Arbeiterinnen. 1923 erfolgt der Bau des heute noch bestehenden ehemaligen Mädchenheims. Die Pläne stammen, wie vielfach im Sonnenhof, vom Luzerner Architekten A. Berger, der unter anderem auch das Schwimmbad Lido in Luzern entworfen hat. Das Mädchenheim halb Schloss mit Allee, halb Kloster mit Glockentürmchen thront als mächtiger, querrechteckiger Bau über der Fabriksiedlung. Zwei betonte Eingangspartien, Eckquaderung und hohe, schmale Fenster verleihen der Hauptfront eine zurückhaltende Würde. Im Innern beherbergt das Fabrikinternat in den ersten Jahrzehnten ein Heim für jüngere, ledige Arbeiterinnen. Diese stehen unter der Obhut von Ordensschwestern aus Menzingen, die hier ihr «mütterlich-strenges» Regiment aus-üben. Ein grosser Betsaal bietet im Mittelbau des Dachgeschosses Platz für 204 Personen. Von den beiden Speisesälen fasst der grössere 156 Personen; in den Schlafsälen sind bis zu 40 junge Frauen untergebracht. Einen privaten Bereich gibt es kaum. Der klosterartige Betrieb erleichtert es manchen Eltern, ihre Töchter «in die Fabrik zu geben» oder in die Fremde. Um 20 Uhr haben die jungen Frauen im Haus zu sein selbst im Sommer. Wer beim gemeinsamen Nachtgebet fehlt, büsst mit der Entlassung aus dem Betrieb. Die Disziplinierung ist ganz im Sinne der Fabrikleitung, die auf zuverlässige, angepasste Arbeiterinnen zählen kann.
Baujahr: 1923
Architektur: Anton Berger, Luzern