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Die Schwyzer Musikerin Graziella Contratto liess sich an den Konservatorien Luzern, Winterthur, Zürich und Basel zur Konzertpianistin, Kammermusikerin und Musiktheorielehrerin ausbilden. 1996 erlangte sie zusätzlich in Basel das Kapellmeisterdiplom, wobei Horst Stein, Ralf Weikert, Manfred Honeck, Detlev Müller-Siemens, Rudolf Kelterborn und Tsung Yeh zu ihren wichtigsten Lehrern zählten.
1998 wurde sie von Claudio Abbado als musikalische Assistentin an die Berliner Philharmonie und an die Salzburger Osterfestspiele geholt. Im Jahre 2000 wählte sie das Orchestre National de Lyon unter David Robertson zum chef résident. Zwischen 2003 und 2009 war Graziella Contratto Chefdirigentin des Orchestre des Pays de Savoie und damit die erste Frau, die einem französischen Staatsorchester vorstand. Zwischen 2007 und 2013 war Graziella Contratto Intendantin des Davos Festival - young artists in concert; unter ihrer künstlerischen Leitung wurden u.a. die international young composers‘ Workshops, junges Tanztheater und historisch informierte Aufführungspraxis mit Erfolg in die Programmkonzeption aufgenommen.
Seit 2004 leitet sie im In- und Ausland erfolgreiche Dirigierworkshops für Manager und Kaderpersonen. Sie tritt regelmässig in Radio- und TV- Sendungen auf und übernahm 2015 in der Nachfolge von Heinz Holliger und Andràs Schiff für eine Ausgabe die Leitung der Ittinger Pfingstkonzerte.
Seit 2010 ist Graziella Contratto Leiterin des Fachbereichs Musik der Hochschule der Künste Bern. Im September 2015 erhielt sie den Innerschweizer Kulturpreis.
→ www.graziellacontratto.com
Welche Musik magst du besonders?
Die verklungene, erinnerte
Welche Musik magst du überhaupt nicht?
Death Metal Music
Was ist deine frühste musikalische Erinnerung?
Meine Mutter, die das „Weihnachtsglöcklein“ auf dem Klavier übt
Welches Kompliment von einem Konzertbesucher oder einer Konzertbesucherin wirst du nie wieder vergessen?
Mit vierzehn Jahren spielte ich mit Orchester Richard Claydermans Ballade „Pour Adeline“ und anschliessend hat mir ein fussballspielender Kollegianer gesagt, das sei schön gewesen. Gut, ich trug damals ein Indianerstirnband.
Was war dein schlimmster musikalischer Albtraum?
Ich werde auf die Bühne gerufen und soll Salome singen, obwohl ich die Partie nicht kenne und nicht singen kann. Im wahren Leben: Mein erstes Klavierrezital, bei dem ich mitten in Schumanns C-Dur-Fantasie ein Blackout hatte und die Noten in der drei Etagen tiefer gelegenen Garderobe holen musste. Ab da begann ich beim Üben mit der gestaltenden Visualisierung des Notentextes, was mir bis heute auch beim Dirigieren einen starken mentalen Rückhalt gibt.
Was möchtest du am heutigen Konzertbetrieb ändern?
Nicht am Konzertbetrieb, sondern am schulischen Lehrplan: bitte, bitte die Musik nicht zur Quantité négligeable verkommen lassen. Der Umgang mit Sound, Rhythmus, Dramaturgie und das Komponieren von eigenen Klangbildern ist für mich ein Menschenrecht.
Was machst du fünf Minuten bevor das Konzert losgeht?
Ich lerne noch rasch die Salome-Partie auswendig.
Ist dir mitten in einem Konzert schon etwas sehr Peinliches passiert?
Mir spickte mal eine Kontaktlinse aus dem Auge; um sie nicht zu verlieren, nahm ich den Dirigierstab in die Linke und grapschte auf der Partitur nach dem glitschigen Etwas herum, gleichzeitig lief das Finale von Brahms Vierter weiter. Ich denke mal, die gestalterische Stringenz war ein bisschen begrenzt.
Was schwebt dir vor, wenn du an die Zukunft der Musik denkst?
Ich wünsche mir, dass die Klassik, der Jazz, experimentelles, performatives oder installatives Schaffen im Leben der Menschen eine tragende Rolle spielen, dass Kunst und Leben, Spielende und Zuhörende, schöpferische und teilhabende Menschen in eine Schaukelbewegung kommen.
Was für einen Beruf hättest du gewählt, wenn du nicht Musikerin geworden wärst?
Dokumentarfilmerin? Femme fatale? Opernregisseurin?
«Agata Raatz ist eine der vielversprechendsten Geigerinnen ihrer Generation»
(Bartlomiej Nizioł)
Von Kritikern und Publikum für ihre musikalische Reife und ihre aussergewöhnlichen technischen Fähigkeiten gerühmt, ist Agata Raatz «ohne Zweifel eine erstklassige Geigerin, die sehr klare und edle musikalische Ziele vertritt.» (Benjamin Schmid). Seit ihrem Konzertdebüt im Alter von 11 Jahren, mit dem Koszalin Symphony Orchestra, trat sie in Begleitung von diversen Orchestern auf. Sie ist Gewinnerin von zahlreichen internationalen Musikwettbewerben. Besonderes geehrt wurde Agata durch einen Preis vom polnischen Kulturminister für ihr besonders musikalisches Schaffen im Jahr 2006. In Meisterkursen mit renommierten Musikern wie Zakhar Bron, Bruno Canino, Benjamin Schmid, Maurizio Sciaretta, Bartlomiej Nizioł, Wanda Wilkomirska und Konstanty Andrzej Kulka erhielt sie wichtige Impulse und neue Inspiration für ihr eigenes Musizieren. Agata Raatz spielt auf einer Violine von Jean-Baptiste Vuillaume aus dem Jahr 1848.
→ www.agataraatz.com
Welche Musik magst du besonders?
Das ist eine schwierige Frage. Es hängt von vielen Faktoren ab. Aber wenn ich nur eine bestimme Musik wählen könnte, dann die von Johann Sebastian Bach.
Welche Musik magst du überhaupt nicht?
Negative und destruktive Musik
Was ist deine frühste musikalische Erinnerung?
Ich habe viele schöne musikalische Erinnerungen, die mit meinem Vater verbunden sind. Als er zu Hause geübt hat, habe ich immer sehr gerne zugehört. Ich erinnere mich ganz genau, als er die Suiten von Bach gespielt hat.
Welches Kompliment von einem Konzertbesucher oder einer Konzertbesucherin wirst du nie wieder vergessen?
Was gesagt wird, ist nicht immer das Wichtigste. Wenn jemand nach dem Konzert meine Hand drückt und kein Wort sagen kann, bedeutet das manchmal mehr als tausend Komplimente.
Was war dein schlimmster musikalischer Albtraum?
Oh! Davon hatte ich viele! Ich habe geträumt, dass ich ein Konzert spielen soll. Das Orchester, der Dirigent und das Publikum warteten auf mich und ich realisierte, dass ich das Stück, das ich gerade spielen sollte, zu lernen vergessen hatte. Glücklicherweise war es nur ein Traum! :-)
Was möchtest du am heutigen Konzertbetrieb ändern?
Viele wunderbare sogar geniale MusikerInnen haben keinen Zugang zu wichtigen Konzertbühnen und Festivals. Ich würde Auditionen für SolistInnen durchführen, die unabhängig von Beziehungen sind, so dass sich jede Musikerin/jeder Musiker präsentieren kann.
Was machst du fünf Minuten bevor das Konzert losgeht?
Ich spiele Geige. So bleiben meine Finger warm.
Ist dir mitten in einem Konzert schon etwas sehr Peinliches passiert?
Ich habe die erste Geige in einem Quartett gespielt. Wir spielten ein Konzert, das live im Fernsehen übertragen wurde. Plötzlich kam ganz starkes Licht direkt in meine Augen. Es hat mich total geblendet und ich konnte die Noten nicht mehr sehen. So musste ich das ganze Stück auswendig spielen.
Was schwebt dir vor, wenn du an die Zukunft der Musik denkst?
Ich denke, dass die klassische Musik immer mehr von Popmusik abgelöst wird. Es scheint mir aber auch, dass immer mehr Freiheit in die klassische Musik kommt. Das finde ich sehr positiv.
Was für einen Beruf hättest du gewählt, wenn du nicht Musikerin geworden wärst?
Es interessieren mich so viele Dinge, dass ich fast nicht antworten kann. Es müsste ein kreativer Beruf sein, in dem ich etwas gestalten und ausdrücken kann.
Zora Slokar schloss zunächst ihr Violinstudium bei Monika Urbaniak Lisik in Bern ab, bevor sie sich auf das Hornspiel konzentrierte. Sie war Schülerin von Markus Oesch und Thomas Müller und studierte danach bei Erich Penzel in Maastricht und Radovan Vlatkovic in Zürich, wo sie 2008 mit dem Solistendiplom abschloss. Sie bekam zahlreiche Preise, u.a. den 1. Preis am „Anemos" Wettbewerb in Rom und am „Ceccarossi“ Wettbewerb in Orsogna, war Finalistin beim „Paxman“ Wettbewerb in London, gewann Stipendien der „Migros/Kulturprozent“ und war Kiwanis-Preisträgerin in Zürich. Zora Slokar ist eine passionierte Kammermusikerin und spielt regelmässig an verschiedenen Festivals. Gidon Kremer lud sie regelmässig an sein renommiertes Lockenhaus-Festival ein. Als Solistin trat sie in ganz Europa, Brasilien und Japan auf. Seit 2004 ist sie Solohornistin im „Orchestra della Svizzera Italiana“ in Lugano und wechselte 2018 in gleicher Position zum Deutschen Sinfonie Orchester Berlin.
Welche Musik magst du besonders?
Als Zuhörerin gefallen mir unterschiedliche Musikstile, da darf es gerne auch mal etwas Poppiges sein. Als Hornistin ist es ein besonders grosses Vergnügen, Musik von Mahler und Strauss zu spielen.
Welche Musik magst du überhaupt nicht?
Ich habe Mühe mit zeitgenössischer Musik, wenn ich keine Idee, keine Linie und keine Aussage darin erkennen kann.
Was ist deine frühste musikalische Erinnerung?
Bei uns zu Hause wurde schon immer viel musiziert, seit ich denken kann. Meine Mutter, eine Amateur-Geigerin, ist leidenschaftliche Musikliebhaberin. Mein Vater (Posaunist) hat immer gespielt. Seine Studenten und natürlich sein Quartett waren oft bei uns zu Hause. Es wurde draussen und drinnen, manchmal die halbe Nacht musiziert.
Welches Kompliment von einem Konzertbesucher oder einer Konzertbesucherin wirst du nie wieder vergessen?
Besonders zu Herzen gehen mir die Komplimente, bei denen ich spüre, dass ich die Menschen mit meiner Musik berührt habe. Ein schönes Kompliment war für mich auch, als jemand nach einem Doppelkonzert mit meinem Vater gesagt hat: „Sie spielen ja noch schöner als Ihr Vater.“
Was war dein schlimmster musikalischer Albtraum?
Als ich gerade ganz frisch im „Orchestra della Svizzera italiana“ angefangen habe, hatten wir ein wichtiges Konzert in der Tonhalle Zürich. Ich war in meinem Probejahr. Bei der Anspielprobe kurz vor dem Konzert fehlten die Noten vom 1. Horn. Es war Leihmaterial von einem Stück von Benjamin Britten, das man nicht einfach im Internet finden konnte. Die Noten waren unauffindbar. Aber der Orchesterwart erinnerte sich, dass er sie in meine Mappe eingepackt hatte. Ich spielte das ganze Stück quasi auswendig, machte mir nur aus der Partitur Notizen in einer Kopie der 2. Hornstimme. Durch das viele Üben konnte ich das Ganze auch ohne Noten gut spielen. Später fand man die Notenstimme zerknüllt in einer Ecke. Es wollte mir also tatsächlich jemand sehr schaden. Die Aktion ist aber eher nach hinten losgegangen, der Orchestermanager hat sich im Namen des ganzen Orchesters bei mir bedankt. Trotzdem hat mich diese unfaire Aktion natürlich noch einige Zeit lang beschäftigt. Vor allem auch, weil man den Täter nicht finden konnte.
Was möchtest du am heutigen Konzertbetrieb ändern?
Es wäre sehr schön und auch wichtig, mehr junge Menschen im Publikum zu finden. Die Orchester und die MusikerInnen sollten schon von sehr früh an den Kontakt mit Kindern und SchülerInnen pflegen und ihnen so den Zugang gerade auch zur klassischen Musik ermöglichen.
Was machst du fünf Minuten bevor das Konzert losgeht?
Ich husche wahrscheinlich noch schnell auf die Toilette...
Ist dir mitten in einem Konzert schon etwas sehr Peinliches passiert?
Zum Glück war ich davon bis jetzt verschont.
Was schwebt dir vor, wenn du an die Zukunft der Musik denkst?
Siehe obige Antwort zur Frage, was ich am heutigen Konzertbetrieb ändern möchte.
Was für einen Beruf hättest du gewählt, wenn du nicht Musikerin geworden wärst?
Als kleines Kind hatte ich 3 Traumberufe: Geigerin, Balletttänzerin und Malerin. Da Ballerina natürlich nicht wirklich infrage kam, hätte ich vielleicht gezeichnet. Auf jeden Fall etwas mit Kunst! Oder vielleicht Friseurin! Mein Vater schimpfte immer, wenn ich seiner Meinung nach zu wenig geübt hatte, ich könne das so vergessen und solle doch Friseurin werden :-) Da habe ich aber dann doch lieber mehr geübt ;-)
Gabrielle Brunner ist im In- und Ausland sowohl als Interpretin als auch als Komponistin tätig. Sie wuchs in einer Schweizer Musikerfamilie in München auf und wurde früh durch ihren Vater, den Klarinettisten Eduard Brunner besonders mit der zeitgenössischen klassischen Musik vertraut. Bis zum Abitur war sie Schülerin der Geigerin Ana Chumachenko. Nach dem Solistendiplom bei Eva Zurbrügg in Bern besuchte sie die Meisterklasse von Prof. Igor Ozim. Studien bei György Kurtag und unzählige Ur- und Erstaufführungen bildeten den Grundstein für den späteren kompositorischen Weg, der mit dem Studium für Komposition bei Daniel Glaus 2007 in Zürich seinen Anfang nahm. Auftragskompositionen für Ensemble Proton Bern, Lucerne Festival, Berner Kammerorchester, Kirche Pilgerweg Bielersee, Musikfestival Bern u.a.
→ www.gabriellebrunner.com
Das Berner Kammerorchester pflegt seit seiner Gründung 1938 das klassische Repertoire und setzt parallel dazu einen Schwerpunkt in der Aufführung und Vermittlung neuer Schweizer Musik. Bemerkenswert sind die spannenden Kombinationen mit anderen Bereichen wie Tanz, Lichtdesign, Volksmusik und Jazz. Seit der Saison 2012/13 ist Philippe Bach Chefdirigent des BKO.
Es kamen zahlreiche Uraufführungen namhafter Komponisten zustande wie zum Beispiel von Sandor Veress, Albert Moeschinger, Willy Burkhardt, Arthur Furer und Alfred Zimmerlin. Neben Konzerten mit renommierten SolistInnen wie Patricia Kopatchinskaja, Thomas und Patrick Demenga, Mirijam Contzen oder Julia Schröder ist die Zusammenarbeit mit jungen Talenten dem BKO ein wichtiges Anliegen. Mit der Hochschule der Künste Bern als Partnerin werden gezielt junge KünstlerInnen gefördert. Das Berner Kammerorchester ist ein gern gesehener Gast bei verschiedenen Festivals und ist mit Gastspielen in der ganzen Schweiz präsent.
Das Berner Kammerorchester wird von der Stadt Bern, von der Burgergemeinde Bern, vom Kanton Bern und von der Regionalkonferenz Bern Mittelland unterstützt und erhält Förderbeiträge von verschiedenen Stiftungen und Partnern.
Ethel Smyth
Konzert für Violine und Horn in A-Dur
Gabrielle Brunner
Sechs Bilder für Orchester (Uraufführung)
Louise Farrenc
Sinfonie Nr. 3 in g-Moll, op. 36
Konzerteinführung mit Moritz Achermann um 18.45 Uhr
Die Musikgeschichte ist voller komponierender Frauen, die sich in der Männerdomäne der kompositorischen Schöpfung zu behaupten wussten. Dennoch tauchen die Werke dieser Komponistinnen bis heute viel zu selten in den Konzertprogrammen auf. Zur Saison-Eröffnung bringt das BKO unter der Leitung von Graziella Contratto mit den sinfonischen Tondichtungen von Ethel Smyth und Louise Farrenc zwei der bedeutendsten Komponistinnen der Romantik zu Gehör. Zur Musik dieser Vorreiterinnen gesellt sich eine Uraufführung der Berner Geigerin und Komponistin Gabrielle Brunner.
„Reproductives Genie kann dem schönen Geschlecht zugesprochen werden, wie productives ihm unbedingt abzuerkennen ist. Eine Componistin wird es niemals geben, nur etwa eine verdruckte Copistin. Ich glaube nicht an das Femininum des Begriffes «Schöpfer».“ Was der deutsche Pianist und Dirigent Hans von Bülow in diesem scheusslichen Diktum zum Ausdruck brachte, war im Wesentlichen die gängige Auffassung über die Verteilung der Geschlechterrollen in der Kunstproduktion im Deutschland des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Komponieren war nun mal Männersache, um hier gleich noch Richard Strauss zu paraphrasieren. Im frauenverachtenden gesellschaftlichen Klima der romantisch-bürgerlichen Musikkultur mussten Frauen ihre schöpferische Tätigkeit im Raum des Privaten ausüben – so etwa Felix Mendelssohns Schwester Fanny Hensel – oder bestenfalls wurde ihr Komponieren als Nebenprodukt einer pianistischen Karriere geduldet wie im Falle Clara Schumanns. Dennoch setzten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts vermehrt Künstlerinnen in die Männerdomäne des Komponierens ein; allen voran die Komponistin Ethel Smyth (1858-1944). Die rebellische junge Britin begab sich gegen den Willen ihrer Eltern nach Deutschland, um am Leipziger Konservatorium Komposition zu studieren. Zurück in England brachte sie 1893 ihre grossangelegte Messe in D mit Erfolg in der Royal Albert Hall zur Aufführung. Neben ihrer regen kompositorischen Tätigkeit war sie in der britischen Frauenrechtsbewegung aktiv und wurde 1911 nach einer Demonstration zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.
1923 schuf sie das Konzert für Violine, Horn und Orchester in A-Dur. In seinem dreisätzigen Aufbau steht das Werk, wie Smyths gesamtes Schaffen, noch stark in der Tradition der musikalischen Spätromantik. Das Doppelkonzert besticht durch seine melodische Fülle und eine äusserst bunte Instrumentierung – vom sprudelnd-kantablen Kopfsatz über die schwermütige Elegie bis hin zum Finale, das dem heroischen Orchestertutti verspielte Duette der Soloinstrumente gegenüberstellt. Neuartig an dem Werk sind die vielfältigen und anspruchsvollen Aufgaben die dem solistischen Horn zukommen. Smyth lotet die gesanglichen Möglichkeiten des Instruments aus, wie etwa im einsamen Thema am Beginn des langsamen Satzes. Ferner werden die traditionellen Horn-Jagdrufe zitiert und das Instrument wird in extreme Lagen geführt - in der Solo-Kadenz wird gar das Erzeugen von Mehrklängen verlangt. Noch bevor Ethel Smyth der Musikwelt bewies, dass auch Frauen überzeugende Tongebilde schaffen können, errang die Französin Louise Farrenc (1804-1875) die Bewunderung ihrer Zeitgenossen. Die begnadete Komponistin erhielt 1842 die Berufung an das Pariser Conservatoire, wo sie fast bis an ihr Lebensende als Klavierprofessorin tätig war. Schon in den 1830er Jahren konnte sie mit der Aufführung von Orchesterwerken erste Erfolge im Pariser Konzertleben feiern. Ihre 3. Sinfonie in g-Moll atmet den Geist der Werke der Wiener Klassik. Die Rahmensätze sind geprägt von einem düster-stürmischen Gestus. Die vorwärtsdrängenden Unisono-Themen stehen im Wechsel mit delikaten Bläsersätzen, die wie Lichtblicke in dieses orchestrale Brausen eindringen. Wie kunstvoll sich Farrenc auf das Handwerk der Instrumentierung verstand, zeigt der Beginn des verträumten Adagio cantabile, wo eine Klarinette zum elegischen Gesang über eine Begleitung von Hörnern, Fagotten und Pauken anhebt.
Komponistinnen wie Louise Farrenc oder Ethel Smyth ebneten mit ihrem Wirken den Weg für die Komponistinnen der folgenden Generationen. So bemerkte die Autorin Virginia Wolf in einer Rede über Ethel Smyth: „Sie ist vom Stamme der Pionierinnen und Brückenbauerinnen.“ Dank dieser Brücken sind komponierende Frauen heute keine Seltenheit mehr – wenngleich der Musikbetrieb immer noch an einer Männerdominanz krankt. Für dieses Konzert hat die Berner Komponistin und Geigerin Gabrielle Brunner einen Zyklus von 6 Bildern für Orchester geschaffen, der zwischen den Werken von Smyth und Farrenc erklingt. Sie schreibt zur Komposition: „Aus den ursprünglich angedachten 5 Stücken für Orchester wurden während des Kompositionsprozesses sechs Bilder. Da sich sowohl das dritte wie auch das vierte Bild kompositorisch mit dem Thema der Linie beschäftigen, ist die Fünfteiligkeit dennoch erhalten geblieben. Ausgangsüberlegungen für die Komposition waren einerseits Überlappungen, ihre Entstehung, ihre Verdichtungen und das Wiederauflösen der Texturen, anderseits das Ausloten der tonalen, metrischen und formgebenden Möglichkeiten, welche die Fibonacci-Zahlen-Folge anbietet. Auf diesen rein strukturell gedachten Grundlagen entstand ein Zyklus von fünf, beziehungsweise sechs Bildern, die im starken Kontrast zueinander stehen.“ Aus Gabrielle Brunners ausdrucksstarker Musiksprache spricht der Erfahrungshorizont einer bedeutenden Interpretin zeitgenössischer Musik und einer klangsinnlichen Komponistin.