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<h2>SubmittedText<h2><p>Seit mehreren Monaten beobachten zahlreiche Ärztinnen und Ärzte - sowohl in der ambulanten Behandlung der Allgemeinmedizin als auch im Spital -, dass sich die Bedingungen der medizinischen Ausbildung in der Schweiz spürbar verschlechtern. Es stellt sich daher die Frage nach der Qualität der Medizin und dem Risiko, dass sich in unserem Land eine "Zwei-Klassen-Ausbildung" entwickelt: auf der einen Seite eine Ausbildung der Spitzenmedizin in den Universitätsspitälern, auf der anderen Seite eine zweitklassige Ausbildung unter schwierigen Bedingungen in den Regionalspitälern.</p><p>Es gibt Anlass zu grosser Sorge, dass es mittel- und langfristig zu einem erheblichen Ärztemangel kommt. In diesem Zusammenhang stelle ich dem Bundesrat folgende Fragen:</p><p>1. Ist der Bundesrat über diese Situation und die Befürchtungen, die sie in der Ärzteschaft auslöst, informiert?</p><p>2. Wie beurteilt er die Entwicklung der medizinischen Ausbildung, insbesondere im Spitalbereich, und das Risiko einer "Zwei-Klassen-Ausbildung" hauptsächlich ausserhalb der Universitätsspitäler?</p><p>3. Ist er nicht der Ansicht, dass die Anreize verstärkt werden müssen, damit in ambulanten Praxen mehr Praktikumsplätze zur Verfügung gestellt werden? Wenn ja, wie müssen solche Anreize beschaffen sein?</p><p>4. Wie ist diesbezüglich das Verhältnis zwischen Bund und Kantonen? Welche Schritte werden unternommen oder in Betracht gezogen, um die von Praktikerinnen und Praktikern festgestellten Missstände anzugehen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Qualität der Aus- und Weiterbildung der Ärzteschaft ist seit rund zehn Jahren ein wichtiges Anliegen. Gestützt auf die Botschaft vom 3. Dezember 2004 zum Bundesgesetz über die universitären Medizinalberufe, die Zusammenarbeit mit den Fakultäten, namentlich innerhalb der Schweizerischen Medizinischen Interfakultätskommission, das eingeleitete Akkreditierungsverfahren für die Weiterbildungen sowie den Dialog mit den Kantonen im Bereich der Gesundheitspolitik kann der Bundesrat die Fragen des Interpellanten wie folgt beantworten:</p><p>1. Der Bundesrat ist sich der Probleme bewusst, die in der Interpellation angesprochen werden. Die demografische Entwicklung der Ärzteschaft ist zweifellos nicht optimal. Tatsächlich besteht die Gefahr, dass bei den Hausärztinnen und -ärzten und in den Spitälern ein Mangel entsteht. Insgesamt weist die Schweiz jedoch eine der höchsten Ärztedichten der Welt auf, obschon die Verteilung zwischen den Agglomerationen und den ländlichen Gebieten nicht gleichmässig ist. Es ist auch eine zunehmende Tendenz zur Feminisierung und zur Anpassung des Berufslebens an eine weniger einschränkende Lebensweise zu beobachten (Teilzeitarbeit; Nähe zu einem Tertiärspital).</p><p>Die Situation und die möglichen Auswirkungen sind somit sehr wohl bekannt. Im Übrigen hat der Vorsteher des EDI diese Fragen anlässlich einer Besprechung mit der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte vom 7. September 2004 erörtert. Das Thema bildet auch ein regelmässiges Traktandum bei den Aussprachen der Bundesbehörden mit der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen</p><p>und -direktoren.</p><p>2. Die heterogene Zusammensetzung des Patientengutes in den Spitälern, in denen die jungen Ärztinnen und Ärzte grossteils ihre Weiterbildung absolvieren, kann in Bezug auf das Lernen und die Ausbildung tatsächlich zu Unterschieden führen. Diese Segmentierung ergibt sich jedoch aus dem Spektrum der behandelten Fälle (Case Mix) und der kantonalen Spitalplanung. Aus der Sicht des Gesundheitswesens ist diese Differenzierung durchaus willkommen oder gar notwendig. Würden sich alle jungen Ärztinnen und Ärzte den hochspezialisierten Bereichen zuwenden, wäre die Schweiz nicht mehr in der Lage, genügend Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner auszubilden, zumal es ja bereits heute eine ungleiche Verteilung zulasten dieser Ärztinnen und Ärzte im Bereich der Weiterbildung gibt. Das ist mithin eine der Sorgen, die der Bundesrat mit dem Interpellanten teilt. Denn der Aufbau des Studiums und die klinische Umgebung der Universitätsspitäler können einen Anreiz zur individuellen Spezialisierung bilden. Auch wenn diese Situation zu einer ungünstigen Verteilung und zu sehr unterschiedlichen Betreuungsformen zwischen den verschiedenen Spitaltypen führen kann, muss sie nicht unbedingt eine Verschlechterung der Weiterbildungsqualität in den Regionalspitälern zur Folge haben. Die Qualität der Weiterbildung hängt einerseits von einem strukturierten Programm und weiteren organisatorischen Massnahmen und andererseits von der Verfügbarkeit und dem Engagement der Chefärztinnen und -ärzte ab. Im Rahmen der Akkreditierung der Weiterbildungen wird dieses Umfeld im Übrigen zurzeit untersucht.</p><p>Eine vertiefte Analyse dieser unterschiedlichen Ursachen erfolgt auch im Rahmen des Mandates, das der Vorsteher des EDI zur Stärkung der universitären Medizin durch ein Hochschulrahmengesetz und das Bundesgesetz über die universitären Medizinalberufe erteilt hat. Diese Vorlage wird vom Parlament im Jahre 2005 behandelt werden. Sie ist auf eine qualitative Verbesserung der Ausbildungsprozesse und der Berufspraxis ausgerichtet und berücksichtigt die fruchtbaren Diskussionen der letzten zehn Jahre. Allmählich entsteht somit ein viel kohärenteres Umfeld, das auf der Hausarztmedizin beruht und von allen Partnern (Bund, Kantone, Universitäten, medizinische Fakultäten, Weiterbildungsorganisationen usw.) unterstützt wird.</p><p>3. Was die Anreize für Praktika in Arztpraxen anbelangt, kann auf die Erfahrungen vor allem von Basel und Bern verwiesen werden. Beide Universitäten bieten im Rahmen ihrer Fakultäten eine besondere Unterstützung für die Medizinerinnen und Mediziner in der Grundversorgung an. Die Universität Basel ist daran, ein Institut für Familienmedizin zu gründen. Die Situation ist ähnlich im Bereich der Weiterbildung, bei der das Kollegium für Hausarztmedizin die Koordination der Praktika und der Finanzierung sicherstellt. Allerdings ist festzustellen, dass vor allem in der Westschweiz die Zahl der interessierten jungen Ärztinnen und Ärzte kleiner ist als die Zahl der verfügbaren Praktikumsplätze. Die Bedeutung der praktischen Ausbildung (silent faculty) und des in den Arztpraxen weitergegebenen Wissens darf nämlich nicht unterschätzt werden. Um die Triagefunktion im Hinblick auf eine bessere Kostenkontrolle zu verstärken, müssen die künftigen Allgemeinpraktikerinnen und -praktiker nicht nur mit den kurativen Aspekten, sondern auch mit den Fragen vertraut gemacht werden, die sich auf die Prävention und das sozioökonomische Umfeld der Patientinnen und Patienten beziehen. Die berufliche Situation vieler frei praktizierender Ärztinnen und Ärzte fördert die Übernahme von Ausbildungsaufgaben jedoch kaum. Dieses Problem stellt aber eine Herausforderung für die Ärzteschaft dar: Sie ist aufgerufen, neue Modelle (Netzwerk, Praxisverbund usw.) zu entwickeln, um ihren Beruf ausüben und zugleich die anderen Verpflichtungen und Interessen des beruflichen wie privaten Lebens (Weiterbildung; Erfahrungsaustausch; Privatleben) besser vereinbaren zu können. Eine strukturelle Verbesserung in diesem Bereich würde ein verstärktes Engagement für die Ausbildung ermöglichen.</p><p>4. Zwischen Bund und Kantonen findet ein regelmässiger Austausch über die anstehenden Fragen im Gesundheitsbereich statt (s. auch Interpellation Rossini 04.3139, Ist das Projekt "Nationale Gesundheitspolitik" gescheitert?). Verschiedene Aspekte der demografischen Entwicklung der Ärzteschaft wurden mehrmals diskutiert, und es ist vorgesehen, sie im Rahmen des institutionalisierten Dialogs zwischen Bund und Kantonen zu vertiefen. Die Kantone beobachten mit einer gewissen Unruhe die Entwicklung im Bereich der Hausarztpraxen. Die von den Regionalspitälern gemachten Feststellungen in Bezug auf den Mangel an Assistenzärztinnen und -ärzten dürfen jedoch nicht verallgemeinert werden, denn die neue Arbeitszeitregelung ist nur eine Erklärung für die festgestellten Schwierigkeiten. Diese Probleme stellen für die Institutionen eine Herausforderung dar. Sie werden gezwungen, ihre internen Abläufe zu überprüfen. Der Bundesrat hält das Potenzial für gezielte Verbesserungen eindeutig für gegeben. Bevor neue Stellen geschaffen werden, müsste die Effizienz dieser Institutionen verbessert werden.</p>  Antwort des Bundesrates.