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ABB – Schmutzige Geschäfte mit sauberer Energie
Marokkos Pläne für erneuerbare Energie sind ambitioniert und lobenswert. Bis 2030 soll die Hälfte des Stroms im Land aus erneuerbarer Energie kommen. Allerdings werden Windräder und Solaranlagen nicht nur auf marokkanischem Staatsgebiet, sondern auch in der besetzten Westsahara aufgestellt. ABB ist dort an mindestens einem Windprojekt beteiligt.
In der Westsahara entstehen mit Unterstützung internationaler Firmen zahlreiche erneuerbare Energie-Projekte. Was auf den ersten Blick unterstützenswert ist, stellt sich auf den zweiten als problematisch heraus. Die Projekte werden gegen den Willen des betroffenen Volkes der Sahrauis durchgeführt. Die deutsche Siemens, die neben der italienischen Enel und der englischen Firma Windhoist massgeblich an Windprojekten in der Westsahara beteiligt ist, wird dafür seit Jahren an ihrer Hauptversammlung kritisiert.
Auch der Schweizer Energietechnik-Produzent ABB ist in mindestens ein Projekt involviert, und zwar mit einem Umspannwerk für den Windpark Aftissat. Der Konzern schloss nicht aus, sich an weiteren Projekten in der Westsahara zu beteiligen. Die von terre des hommes schweiz gezogene Schlussfolgerung, dass es für ABB kein Problem darstellt, im besetzten Gebiet tätig zu sein, korrigierte der Konzern auf Anfrage nicht. ABB hat den betroffenen Sektor inzwischen an die japanische Hitachi verkauft, 19.9 Prozent des ABB Hitachi Power Grids Joint Venture gehören jedoch noch immer dem Schweizer Konzern.
Dabei tragen Infrastrukturprojekte dazu bei, dass die Besetzung weiter aufrechterhalten bleibt. Die UNO versucht seit 1991 das von Marokko und der Sahraui-Vertretung Frente Polisario vereinbarte Selbstbestimmungsreferendum umzusetzen. Es bleibt aber blockiert. Zu gross sind die geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen vor allem von europäischen Ländern. Erschwerend kommt hinzu, dass bei den Windenergieprojekten eine Firma des marokkanischen Könighauses, Nareva, beteiligt ist. Solange dieses von der Zusammenarbeit mit ausländischen Firmen im besetzten Gebiet profitiert, ist ein ernstes Interesse an der Durchführung des vereinbarten Referendums unwahrscheinlich.
Darum trägt ABB mit ihrem Engagement im besetzten Gebiet dazu bei, dass sich der Konflikt in der Westsahara fortsetzt.
Auch andere Schweizer Firmen machen Geschäfte in der Westsahara. Zum Beispiel betreibt LafargeHolcim eine Zementfabrik, Volg verkauft Tomaten aus dem besetzten Gebiet und immer wieder sind Schweizer Firmen in den Transport von Fisch oder Phosphat aus der Westsahara involviert.