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1998
Die EDK erlässt ein Gesamtsprachenkonzept. Die Empfehlungen werden Thesen genannt. Damit unterstreicht die EDK deren programmatischen und empirisch nicht abgestützten Charakter.
2001
Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen (GER 2001) bildet den Eckpfeiler für die Neukonzipierung des Fremdsprachenunterrichts (was später zur Einführung der Mehrsprachendidkatik führen wird. Stichwort: Passepartout).
2002
1. PISA-Test 2000. Obwohl die Fremdsprachen gar nicht Teil des Pisa-Tests sind, werden auch sie durch den inszenierten «Pisa-Schock» im Jahr 2000 erfasst. Erschüttert vom angeblichen Beleg für das Ungenügen des hiesigen Schulsystems, sieht man über die Grenzen hinaus und stellt fest, dass in Nachbarländern die Schulkinder viel früher mit Fremdsprachen beginnen. EDK-Erklärung verlangt einen früheren Fremdsprachenunterricht.
2002
Um die berechtigten Einwände betreffend der fehlenden wissenschaftlichen Legitimation zu «entkräften», bestellt die Zürcher Erziehungsdirektion 2002 ein Gutachten an der Pädagogischen Hochschule Zürich. Unglaublich, aber wahr: Der Urheber der Expertise ist an Frühfremdsprachenprojekten und der Entwicklung der entsprechenden Lehrmittel persönlich massgeblich beteiligt. Von einem unabhängigen Gutachten kann nicht die Rede sein.
2003
Der Kanton Zürich zieht Englisch vor und verhindert damit eine Harmonisierung des Fremdsprachenunterrichts.
2004
Überhastet erfolgt die Verabschiedung des neuen EDK-Sprachenkonzepts, demgemäss die erste Fremdsprache im dritten und die zweite im fünften Schuljahr einzusetzen habe sowie eine davon eine Landessprache sein müsse. Diese Lösung ist ein rein politischer Kompromiss zwischen den Kantonen, die sich nicht einigen konnten, ob zuerst Französisch oder Englisch gelehrt werden sollte. Um die Romandie zu besänftigen, versüsst man das in Zürich und anderswo favorisierte Primat des Englischen mit der Pille der Festlegung der zweiten Fremdsprache auf der Primarstufe.
2004
Erste Hinweise, dass das frühe schulische Vermitteln einer Fremdsprache keine Wunder wirkt, liefert die spanische Studie. Carmen Muñoz von der Universität Barcelona verglich zwei Gruppen von Schülern: Die eine wurde bereits ab dem 8. Lebensjahr, die andere erst ab dem 11. Lebensjahr in Englisch unterrichtet. Im Alter von 15 testet sie die beiden Gruppen auf ihre Sprachkompetenz. Das Ergebnis ist ernüchternd: Gegenüber denen, die erst später begonnen haben, haben die Frühlerner kaum Vorteile. Lediglich bei der Aussprache schneiden sie etwas besser ab.
2005
Zwei zeitgleiche Artikel in SPIEGEL und ZEIT bezeichnen die Einführung von Frühenglisch in Deutschland als «Murks» und «Blödsinn».
2006
Der Bildungsartikel wird mit grosser Mehrheit angenommen und verlangt eine weitgehende Harmonisierung der Bildungslandschaft Schweiz.
2006
Sechs Kantone starten das Projekt Passepartout.
2007
Urs Kalberer vergleicht in seiner Master-Arbeit Schüler, die nach dem neuen Lehrplan bereits in der Primarschule in Frühenglisch unterrichtet wurden, mit solchen, die erst in der Sekundarstufe die Fremdsprache aufnahmen. Fazit: Die frühen Lerner erbringen trotz viel mehr Unterricht keine besseren Leistungen.
2009
15 Kantone nehmen das HarmoS-Konkordat an, 7 lehnen es ab.
Ab 2009
Tausende von Unterstufenlehrerinnen und -lehrer werden mit Kursen zu Französisch- bzw. Englischlehrkräften «gemacht».
2011/12
Passepartout wird ohne vorherige Erprobungsphase flächendeckend eingeführt. Es gilt als das teuerste Lehrmittel ever und ist eine Einwegmappe aus Plastik für jedes Schuljahr.
2011
An einer Orientierung über Frühfranzösisch fragt eine Schulleiterin den damaligen Erziehungsdirektor Pulver, was denn das Ziel von Frühfranzösisch sei: «Sollen die Schüler am Ende der obligatorischen Schulzeit besser Französisch können oder gleich gut oder will man einfach Frühfranzösisch einführen?» Herr Pulver fragt darauf seinen Zentralsekretär: «Ja, haben wir da eine Zieldefinition?»
An 2011
Beginn der berüchtigten Passepartout-Kurse in den 6 Passepartout-Kantonen.
2012
Die Berner Zeitung titelt: Frühfranzösisch kommt den Kanton teuer zu stehen. Sie spricht von 40 Mio Franken!
2012
Ohrfeige für Frühfremdsprachler, titelt die Luzerner Zeitung und berichtet von einer Evaluation der Englischkenntnisse von 6. KlässlerInnen. Im Bereich Hören schaffen 53,9 Prozent die Lehrplanziele nicht. Im Lesen sind es gar 65,3 Prozent, die unter den gesetzten Zielen liegen, im Sprechen bleiben 3,2 Prozent unter den Lehrplanzielen und im Schreiben 25,3 Prozent. Dabei handelt es sich wohlverstanden um Minimalanforderungen, die grundsätzlich von allen Schülern erreicht werden sollten.
2014
An einem Podium vor der Delegiertenversammlung des lvb in Muttenz werden die Passepartout-Vertreter regelrecht vorgeführt. «Das Podium geriet zum Tribunal», titelt die BAZ.
2015
Die Evalutation Französischunterricht in der Zentralschweiz zeigt erschreckende Resultate. Ein Grossteil der Schüler erreicht die Ziele nicht.
2016
«Unmut der Eltern» titelt die BAZ und berichtet von einer öffentlichen Veranstaltung, in der Regierungsrat Eymann seitens der Eltern heftige Kritik abwehren muss.
2016
Der Basellandschaftliche Lehrerverein spricht von insgesamt 100 Mio Fr. für die sechs Passepartout-Kantone, die das Frühfranzösisch und Frühenglisch kosten sollen.
2016
Simone Pfenninger und David Singleton legen ihre erste Studie zu Frühenglisch vor. Sie resümieren: Frühenglisch bringt nichts. Regierungsrat Eymann bezeichnet die preisgekrönte Arbeit als «unwissenschaftlich» und erntet heftige Kritik.
2017
Die Passepartout-Lehrmittel «Milles Feuilles» sollen überarbeitet werden. Das beschliessen die Bildungsdirektoren der sechs Passepartout-Kantone.
2017
Mit 62 gegen 60 Stimmen hat das Thurgauer Kantonsparlament am Mittwochmorgen in zweiter Lesung die Verschiebung des Französischunterrichts von der Primar- in die Sekundarschule abgelehnt.
2017
Luzern lehnt die Initiative ab, welche nur noch eine obligatorische Fremdsprache an der Primarschule fordert.
2017
Susanne Zbinden weist in einer empirischen Studie der Uni Freiburg über das Verstehen von französischen Texten nach, dass die Passepartout-Lernenden gegenüber den Bonne-Chance-Lernenden massiv im Rückstand seien.
2017
Die Fremdspracheninitiative im Kanton Zürich, welche nur eine Fremdsprache auf der Primarstufe fordert, wird mit 60% der Stimmen abgelehnt.
2017
Der Kanton Solothurn verzichtet auf Passepartout für die gymnasiale Vorstufe.
2018
Die Berner Gymnasien streichen die französische Grammatik aus den Aufnahmeprüfungen für das Gymnasium und führen nur noch mündliche Prüfungen durch.
2018
Baselland beschliesst den Austritt aus dem Passepartout-Konkordat.
2018
Graubünden lehnt eine umstrittene Initiative ab, welche nur noch eine obligatorische Fremdsprache an der Primarschule fordert. Die Initiative wird vorgängig von den Gegnern bis vors Bundesgericht gezogen, dort aber in allen Punkten als rechtmässig beurteilt.
2018
Das Hearing der Baselbieter Bildungsdirektion zum Französischlehrmittel «Mille Feuilles» ergibt ein vernichtendes Urteil.
2019
Die Ergebnisse der EDK-Tests (ÜGK) zeigen miserable Ergebnisse für die Französischkenntnisse der Passepartout-Kantone (Ausnahme Fribourg).
2019
Die lange angekündigte Evaluation der Passepartout-Lehrmittel durch das Freiburger Institut für Mehrsprachigkeit liegt vor: Sie stellt dem Lehrmittel ein miserables Zeugnis aus. Die Studie sollte geheim gehalten werden («Die geheime Studie», titelt die Berner Zeitung).
2019
Die Passepartout-Verantwortlichen verzichten auf eine Evaluation des Oberstufen-Lehrmittels Clin d’Oeil, obwohl diese zugesichert war.
2019
Mit überwältigendem Mehr stimmt der Kanton Baselland für die Lehrmittelfreiheit, was einem Aus für Passepartout gleichkommt.
2017
Die Sprachforscherin Frau Dr. Simone Pfenninger und ihr Kollege David Singleton legen ihre Langzeitstudie «Beyon Age Effects in Instructional Learning» vor. Sie zeigt, dass Frühstarter gegenüber Spätstartern keinerlei Vorteile haben und endet mit folgender Feststellung:
“Schließlich, und vielleicht am wichtigsten, stellt sich die Frage des möglichen Gesichtsverlusts; Bildungspolitiker sind nicht bereit, eine Intensivierung des Fremdsprachenunterrichts über kürzere Zeiträume später im schulischen Lehrplan (d.h. in der Sekundarschule) in Betracht zu ziehen, da dies mit ziemlicher Sicherheit als ‘Rückzieher’ und als Eingeständnis des Scheiterns der neuen Bildungsgesetze betrachtet würde”.
2020
Bern zeigt sich offene für alternative Französischlehrmittel.
Auch Basel-Stadt führt die Lehrmittelfreiheit ein, d.h. die Passepartout-Lehrmittel für Englisch und Französisch werden auf elegante Art und Weise entsorgt.