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Von: Achim Breiling @
Schwarz, sehr viel Schwarz und etwas Weiss gibt es auf dem Cover von "Kulu/Manoeuvres" zu sehen. Düster, geheimnisvoll, eosterisch und exotisch wirkt das Bildwerk, erinnert aber auch an Kunstwerke vom schwarzen Kontinent. Die meisten der beteiligten Musiker kommen allerdings aus der Schweiz. Gilles "Dizzi" Rieder und Fizzè heissen die beiden Köpfe hinter dieser Musik. Fizzè, meist an verschiedenen Tasten tätig, war einst Tourbegleiter des schweizer RIO-Avantgarde-Urgesteins Débile Menthol, bei denen Rieder das Schlagzeug bediente, spielte aber auch auf der ersten LP von Nimal und zusammen mit Albert Marcœur und Lars Hollmer (Samla Mammas Manna).
Seine erste LP veröffentlichte Fizzè 1986 auf dem eigenen Label Mensch Records. Schon auf "Kulu Hatha Mamnua" war Gilles V. Rieder als Perkussionist beteiligt, und auf der zweiten Mensch-LP - "Manoeuvres D'Automne" - ist er der Hauptkomponist. 1996 erschienen beide LPs auf einer CD. "Kulu/Manoeuvres" ist aber nicht einfach nur einer der üblichen Twofers. Die Stücke der ursprünglichen LPs wurden teilweise neu abgemischt, neu miteinander kombiniert und durch einige neue Nummern ergänzt, so dass ein eigenes, neues Produkt entstanden ist.
Recht eigenartig ist die hier zu hörende Musik. Eine Art von Ethno-RIO oder World-Elektronik schallt hier aus den Boxen, avantgardistische Klangräume, experimentelle Soundgemälde, gemalt von einer Vielzahl von elektronischen und akustischen Instrumenten, und unterlegt mit exotischer Perkussion, unzähligen Geräusch-Samples und Effekten.
Mit "Kulu Hatha Mamnua" fängt die Scheibe noch recht harmlos an. Nahöstliche Perkussion, ein von ebendort stammendes Zupfinstrument und verschiedene exotische Klangschnipsel sorgen für Ethno-Flair. Dazu erklingen Posaune und Klarinette, ein kleiner Chor und voluminöse Keyboardflächen, und erzeugen etwas, das man vereinfachend als elektrifizierte, farbige Worldmusic bezeichnen könnte. Allerdings geht das Ganze nicht so leicht ins Ohr, wie die meisten Produktionen aus dieser Ecke des Musikschaffens. Sehr dicht verwoben sind die verschiedenen Klangfragmente und Melodielinien, und eher sperrig wälzen sich die Töne in den Gehörgängen voran. Zu beginn von "C'est loin" bekommt die Musik erstmals eine düstere Färbung, ehe das Stück in ein sehr rhythmisches, tranceartiges Perkussionskonglomerat übergeht. Mit "Animist" wird es dann richtig schräg. Hier wabern und dröhnen verschiedene Klänge durcheinander, unterlegt mit einer industriell wirkenden Schlagzeugbegleitung. Ähnlich düstere Soundwelten gibt es auch in "Mer Morte" oder "Mutation" zu hören. Dazwischen gibt es, quasi zur Erholung, ruhigere und auch heiterere Stücke, in denen mitunter ein Akkordeon für "französische" Stimmung sorgt, getragene Kirmes-/Kaffeehausmelodien vorbeiziehen, Wasser aus den Boxen plätschert, Flöten erklingen, volles Klangschweben für hypnotische Atmosphäre sorgt oder ein Saxophon ein jazziges Element einbringt. Mit "Vision of Hope" hat sich sogar eine Art jazzig-funkiger Reggae auf die Scheibe verirrt.
Mit "La Mort guette" gibt es zudem noch ein Stück mit Gesang. Recht schräg, fast punkig ist diese Nummer, mit rumpelndem Bass, sägenden Gitarren- und Keyboardklängen und einer sehr abgefahrenen Schlagzeugarbeit. Das Stück endet in einem industriellen Freak-Out. Klasse!
"Kulu/Manoeuvres" bietet ein extrem abwechslungsreiches Durcheinander an komplexem Klang, welches bisweilen an die Musik von The Future Sound Of London, Art Zoyd, Samla/Zamla oder This Heat erinnert, meistens aber ziemlich unvergleichlich aus den Boxen quillt. Wer die Werke der eben genannten Gruppen schätzt, dürfte auch gegen "Kulu/Manoeuvres" keine Aversionen entwickeln. Bestellen kann man die CD übrigens direkt bei Mensch Music.
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FIZZE
/ DIZZI Kulu /Manoeuvres
(80-87/96) 32.00