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Relativ
Ein Text ist immer relativ.
Bezogen auf diejenige, die ihn schreibt.
Bezogen auf denjenigen, der ihn liest.
Bezogen auf den Ort, an dem er geschrieben wird.
Bezogen auf die Person, die ihn übersetzt.
Bezogen auf die Zeit, in der er entsteht.
Bezogen auf die Situation, in der er gelesen wird.
Ein Text ist immer relativ.
Als Beispiel eine Zeile aus dem Markusevangelium.
„Und die Zeiten waren nicht gut, um zu essen.“
Bezogen auf einen hektischen Alltag,
bezogen auf eine stressige Arbeitswelt,
wird der Satz oft übersetzt mit:
„Sie fanden nicht einmal Zeit zum essen.“
Beschäftigte Menschen,
die kaum Zeit haben,
um in Ruhe zu essen.
„Und die Zeiten waren nicht gut, um zu essen.“
Bezogen auf den Alltag in der Ursprungszeit,
bezogen auf die Unterernährung weiter Teile der Bevölkerung
dürfte der Satz gemeint haben:
„Und die Zeiten waren nicht gut, um sich ernähren zu können.“
Notleidende Menschen,
die nicht genug zu essen haben,
um den Hunger zu stillen.
Und, worum geht es nun?
Um Aufatmen im Alltagsstress?
Um Nahrung in Hungersnot?
Auf jeden Fall geht es um ein gutes Zusammenleben aller.
Im einen Kontext heisst das,
genug zu essen zu bekommen,
eine gerechte Verteilung der Güter.
Im andern Kontext heisst das,
Zeit zum aufatmen haben,
faire Arbeitsbedingungen.
(16. Sonntag im Jahreskreis B, Mk 6)