Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03267.jsonl.gz/3012

| Athenagoras (2. Jhd.) - Über die Auferstehung der Toten (De Resurrectione)

Da es vieles gibt, was für unser Thema weit brauchbarer ist, so will ich jetzt nicht reden von denen, die sich auf die Werke der Menschen und auf deren menschliche Bildner berufen, die ihre zerschlagenen oder mit der Zeit alt gewordenen oder sonstwie zerstörten Werke nicht wieder neu machen können, und mit Hilfe dieses Töpfer- und Zimmermannvergleiches zu beweisen suchen, auch Gott habe weder den Willen noch, wenn er den Willen hätte, die Macht, einen entseelten oder auch schon verwesten Leib wieder aufzuwecken. Diese Leute übersehen ganz, daß sie hiemit in schlimmster Weise Gott lästern, da sie die Kräfte zweier in völligem Gegensatz stehenden Naturen oder vielmehr die Naturen selbst, die sich dieser Kräfte bedienen, auf gleiche Stufe stellen und zwischen Kunsterzeugnissen und Werken der Natur nicht unterscheiden. Hierüber ernstlich zu disputieren würde Tadel verdienen; denn es wäre wahrlich töricht, mit der Oberflächlichkeit und Hohlheit sich abzugeben. Da ist es doch viel annehmbarer und zugleich das Allerrichtigste, den Satz aufzustellen: "Was bei den Menschen unmöglich ist, ist möglich bei Gott“ 1. Gelingt es nun der Vernunft, mit Hilfe jenes annehmbaren Satzes und im Anschluß an das kurz vorher gewonnene Resultat, die Möglichkeit (der Auferstehung) darzulegen, so besteht offenbar keine Unmöglichkeit; die Auferstehung entspricht aber auch dem Willen Gottes.
1: Vgl. Luk. 18, 27; Matth. 19, 26