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Biografisches
Claire Guanella (1949, Bern CH) verbrachte ihre frühe Kindheit in Brienz (BE), bevor sie mit ihrer Familie nach Sierre (VS) zog, um ab 1959 endgültig in Genf zu leben. Es gab kein Schlüsselereignis in ihrer Jugend, das die Künstlerlaufbahn vorhersagte. „Ich wurde als Künstlerin geboren“, erklärt Guanella. Die dem Künstler eigene, ganz spezielle Wahrnehmung der Umgebung und seine spezifische Denkweise waren ihr in die Wiege gelegt. Dies erschwerte ihre Schullaufbahn. Trotz ihres Wunsches, die Kunstgewerbeschule zu besuchen, musste sie- dem Wunsch der Eltern folgend - zuerst eine Berufsausbildung absolvieren. Die Lehre und die ersten Berufsjahre als Medizinische Laborantin erlebte die angehende Künstlerin als kreativ - es war ihr erstes „Kreativlabor“. Neben ihrer Ausbildung und Berufstätigkeit bildete sich Guanella in Keramik und Textilhandwerk weiter. Es folgten ausgedehnte Reisen nach Israel, Südamerika und in die USA. Das Sehen und die Kontemplation begleiteten sie von den Kindsbeinen an. 1971 heiratete sie einen Arzt. Ihm folgte sie nach London, Männedorf (ZH) und schliesslich nach Genf, wo sie bis heute lebt und arbeitet. Neben der Arbeit in der Arztpraxis absolvierte sie weitere Kurse in Keramik, Töpferei, Textilarbeit, Zeichnen, Malen und Papierherstellen, wofür sie eigens nach Boston (USA) reiste. Die ersten Erfolge als Künstlerin stellten sich ein. Sie bekam zahlreiche Stipendien und Preise. Seit 1993 besitzt sie ein eigenes Atelier. Guanella stellt im In- und Ausland aus. Sie ist Mutter zweier Söhne und lebt mit ihrem Ehemann in Genf, wo sich auch ihr Atelier befindet.
Material und Technik
Guanellas Aussage, „Mein Atelier ist ein künstlerisches Labor. Hier experimentiere und erfinde ich. Dabei fühle ich mich als Forscherin.“, erschliesst die Vielfalt ihrer Materialien und Techniken. Ihr frühes Werk zeichnet sich durch Keramik- und Textilarbeiten aus. Die Papierarbeiten sowie auch die Gemälde sind Collagen. Das Papier schöpft sie in einem aufwändigen Verfahren selber. Baumwolle, Hanf und Sisal dienen ihr als Grundstoffe. Die grobe Struktur ihres Bildträgers kommt der Collagetechnik entgegen. Mit verschiedenen Kreide- und Pigmentfarben sowie Tinte trägt sie ihr Motiv auf. Erdfarben sind ihre bevorzugten Farbtöne. Dazu gesellt sich immer wieder ein starkes oder abgeschwächtes Rot. Die Gemälde sind auf sehr massive Spannrahmen mit einer Tiefe von 7.5 cm aufgespannt. Diese Tiefe liegt der Künstlerin des objekthaften wegen besonders am Herzen. Das Hervortreten von der Wand ist zentral für ihre Bilder. Guanella verwendet grundierte Leinwände. Auch hier arbeitet sie mit einer Collagetechnik, die sie immer wieder aufs Neue variiert und verändert. Neben Stoffmaterialien wie Leinen sind Fotomontagen von städtischen Architekturen und Menschen in den Bildern zu sehen. Die Fotos fertigt und entwickelt sie meistens selber. „Der Fotoapparat ist mein drittes Auge“, erläutert Guanella. Auch hier sind Erdfarben dominierend. Sie verwendet Acrylfarbe und experimentiert auch mit anderen Farbpigmenten. Die Formate ihrer Bilder und Papierwerke reichen von sehr klein bis 160 x160 cm. Ihre Arbeitsweise passt sich den verschiedenen Materialien an und besticht in ihrer Präzision. Die Künstlerin arbeitet mit Vorliebe in Serien.
Bildsprache und künstlerische Aussage
Guanellas Bilder fallen durch das Wechselspiel zwischen Abstraktion und figurativer Malerei auf. Dabei geht die Künstlerin wie eine Archäologin vor und schält die Charakteristiken der Wesensart und der Seinsform des Menschen heraus. Freude, Glück, Tod, Trauer, Bedrängnis und Erfüllung halten sich in ihren Bildern die Waage. Darin liegt die Besonderheit ihres Werkes. Der Mensch und die Stadt sind für Guanella der Ausgang ihres künstlerischen Schaffens. Das Zusammenleben der vielen Menschen, die Kultur, die Gewalt, die Möglichkeiten und Abgründe faszinieren sie. „Dabei treibt mich die Suche nach unterschiedlichen Atmosphären an.“, erklärt Guanella. Die Collagetechnik ihrer Bilder verdeutlicht diese Vielschichtigkeit, die die Künstlerin fasziniert. Die Gegensätzlichkeit der verwendeten Materialien und Formen deuten auf ein komplexes Verständnis des Menschen. „Ich liebe den Menschen in seinem Widerspruch“, ist die Aussage der Künstlerin. Die Schrift- und Textstellen, die einige ihrer Bilder durchdringen, sind Zeichen dafür, dass den Menschen die Sprache und damit die Möglichkeit von hochstehender Kultur auszeichnen. Man könnte die einzelnen oft spiegelverkehrten Zeilen aber auch als ein Geheimnis und als ein Aufschrei des Einzelnen in der Masse deuten. Der Mensch an sich und als Betrachter liegt im Zentrum von Guanellas Werk. „Das künstlerische Werk ist erst durch den Bertachter vollendet“ , bemerkt die Künstlerin.