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- Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko hat angeordnet, einen Ryanair-Flug von Griechenland nach Litauen in der Hauptstadt Minsk zur Landung zu zwingen.
- Nach der Landung ist ein oppositioneller Blogger, der im Flugzeug gesessen hat, verhaftet worden.
- Der Blogger und Journalist Roman Protassewitsch stand auf einer Fahndungsliste.
Oppositionelle sprachen von einem beispiellosen Eingriff in den internationalen Luftraum. Das Menschenrechtszentrum Wesna bestätigte die Verhaftung des Journalisten Roman Protassewitsch.
Auch der oppositionelle Nachrichtenkanal Nexta bestätigte die Festnahme seines Mitbegründers und früheren Redaktors Protassewitsch. Lukaschenko habe unter Verstoss gegen alle Gesetze ein Flugzeug «gekapert», kritisierte der Kanal.
Die Behörden haben den Kanal Nexta als extremistisch eingestuft. Der Nachrichtenkanal auf dem Messaging-Dienst Telegram gehört zu den wichtigsten Informationsquellen der Opposition in Belarus. Der Blogger Protassewitsch gehört zu den vielen international zur Fahndung ausgeschriebenen Oppositionellen, denen Lukaschenko selbst den Kampf angesagt hat.
Angebliche Bombe an Bord
Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Belta hatte Präsident Lukaschenko nach einem Alarm wegen einem Sprengsatz an Bord der Maschine persönlich das Kommando gegeben, das Flugzeug in Minsk zur Landung zu zwingen. Dazu sei auch ein Kampfjet vom Typ MiG-29 aufgestiegen, wie der Flughafen Minsk bestätigte.
Flughafensprecher teilten in Staatsmedien mit, dass die Piloten an Bord der Passagiermaschine um eine Landeerlaubnis gebeten hätten. Später habe sich die Information über die mutmassliche Bombe als Fehlalarm herausgestellt.
Anweisung an Ryanair
Die 123 Passagiere des Ryanair-Flugs nach Vilnius mussten nach der erzwungenen Landung im Transitbereich warten. Mit mehr als acht Stunden Verspätung konnte das Flugzeug schliesslich weiter nach Litauen fliegen. Die Fluggesellschaft Ryanair hat bestätigt, dass der betroffene Flug FR4978 um 20.25 Uhr MESZ sicher in Vilnius gelandet sei.
Die Besatzung des Fluges sei von belarussischer Seite über eine mögliche Sicherheitsbedrohung an Bord in Kenntnis gesetzt und dann angewiesen worden, zum nächstgelegenen Flughafen in Minsk zu fliegen, bestätigte Ryanair. Nach der Landung in Minsk hätten die Behörden Sicherheitsüberprüfungen durchgeführt, dabei sei nichts Ungewöhnliches gefunden worden.
Litauen protestiert
Der litauische Staatspräsident Gitanas Nauseda protestierte gegen
die erzwungene Zwischenlandung des regulären Linienfluges nach Vilnius in Litauen und die Festnahme von Protassewitsch. Nauseda forderte die EU und die Nato zu einer umgehenden Reaktion auf.
Die litauische Beraterin des Präsidenten, Asta Skaisgiryte sagte, die Operation zur erzwungenen Landung des Flugzeugs mit rund 170 Passagieren aus 12 Staaten sei geplant gewesen. Die weissrussischen Geheimdienste hätten über eine Passagierliste verfügt. Protassewitsch lebe seit November in Vilnius.
Die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja erklärte, Belarus habe für die Festnahme die Sicherheit der Passagiere und der Zivilluftfahrt aufs Spiel gesetzt. Sie verlangte eine Untersuchung durch die internationale Luftverkehrs-Vereinigung (IATA), dem Dachverband der Fluggesellschaften.