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Articulus 1
Iª q. 54 a. 1 arg. 1
Ad primum sic proceditur. Videtur quod intelligere Angeli sit eius substantia. Angelus enim est sublimior et simplicior quam intellectus agens animae. Sed substantia intellectus agentis est sua actio; ut patet in III de anima per Aristotelem, et eius Commentatorem. Ergo, multo fortius, substantia Angeli est sua actio, quae est intelligere.
Iª q. 54 a. 1 arg. 2
Praeterea, philosophus dicit, in XII Metaphys., quod actio intellectus est vita. Sed cum vivere sit esse viventibus, ut dicitur in II de anima, videtur quod vita sit essentia. Ergo actio intellectus est essentia intelligentis Angeli.
Iª q. 54 a. 1 arg. 3
Praeterea, si extrema sunt unum, medium non differt ab eis, quia extremum magis distat ab extremo, quam medium. Sed in Angelo idem est intellectus et intellectum, ad minus inquantum intelligit essentiam suam. Ergo intelligere, quod cadit medium inter intellectum et rem intellectam, est idem cum substantia Angeli intelligentis.
Iª q. 54 a. 1 s. c.
Sed contra, plus differt actio rei a substantia eius, quam ipsum esse eius. Sed nullius creati suum esse est sua substantia, hoc enim solius Dei proprium est, ut ex superioribus patet. Ergo neque Angeli, neque alterius creaturae, sua actio est eius substantia.
Iª q. 54 a. 1 co.
Respondeo dicendum quod impossibile est quod actio Angeli, vel cuiuscumque alterius creaturae, sit eius substantia. Actio enim est proprie actualitas virtutis; sicut esse est actualitas substantiae vel essentiae. Impossibile est autem quod aliquid quod non est purus actus, sed aliquid habet de potentia admixtum, sit sua actualitas, quia actualitas potentialitati repugnat. Solus autem Deus est actus purus. Unde in solo Deo sua substantia est suum esse et suum agere. Praeterea, si intelligere Angeli esset sua substantia, oporteret quod intelligere Angeli esset subsistens. Intelligere autem subsistens non potest esse nisi unum; sicut nec aliquod abstractum subsistens. Unde unius Angeli substantia non distingueretur neque a substantia Dei, quae est ipsum intelligere subsistens; neque a substantia alterius Angeli. Si etiam Angelus ipse esset suum intelligere, non possent esse gradus in intelligendo perfectius et minus perfecte, cum hoc contingat propter diversam participationem ipsius intelligere.
Iª q. 54 a. 1 ad 1
Ad primum ergo dicendum quod, cum dicitur quod intellectus agens est sua actio, est praedicatio non per essentiam, sed per concomitantiam, quia cum sit in actu eius substantia, statim quantum est in se, concomitatur ipsam actio. Quod non est de intellectu possibili, qui non habet actiones nisi postquam fuerit factus in actu.
Iª q. 54 a. 1 ad 2
Ad secundum dicendum quod vita non hoc modo se habet ad vivere, sicut essentia ad esse; sed sicut cursus ad currere, quorum unum significat actum in abstracto, aliud in concreto. Unde non sequitur si vivere sit esse, quod vita sit essentia. Quamvis etiam quandoque vita pro essentia ponatur; secundum quod Augustinus dicit, in libro de Trin., quod memoria et intelligentia et voluntas sunt una essentia, una vita. Sed sic non accipitur a philosopho cum dicit quod actio intellectus est vita.
Iª q. 54 a. 1 ad 3
Ad tertium dicendum quod actio quae transit in aliquid extrinsecum, est realiter media inter agens et subiectum recipiens actionem. Sed actio quae manet in agente, non est realiter medium inter agens et obiectum, sed secundum modum significandi tantum, realiter vero consequitur unionem obiecti cum agente. Ex hoc enim quod intellectum fit unum cum intelligente, consequitur intelligere, quasi quidam effectus differens ab utroque.

Erster Artikel.
Das Erkennen des Engels ist nicht seine Substanz.
a) Das Gegenteil scheint wahr zu sein. Denn:
I. Der Engel steht höher im Sein und ist einfacher wie die „einwirkende Vernunftkraft“ der Seele, die von den Dingen die Einzelheiten loslöst und so es ermöglicht, daß diese das vorliegende Allgemeine erkenne. Diese wirkende Vernunftkraft aber ist ihrer Substanz nach ihre Thätigkeit,wie aus III. de anima hervorgeht. Also ist die Substanz des Engels seineThätigkeit.
II. „Thätigsein der Vernunft ist Leben“ (12 Metaph.), sagt Aristoteles. Leben aber ist für alles Lebendige das Sein (2. de anima). Also ist dasErkennen des Engels sein Sein oder sein Wesen.
III. Wenn die äußersten Grenzpunkte eins sind, so kann auch das in der Mitte Liegende nicht von ihnen verschieden sein. Denn der eine von solchen Grenzpunkten ist vom anderen mehr entfernt, wie das Dazwischenliegende. Im Engel aber ist ein und dasselbe die Erkenntniskraft und der vestandene Gegenstand. Also ist auch das thatsächliche Erkennen, was doch zwischen diesen beiden Angelpunkten liegt, ein und dasselbe mit der Substanz der Erkenntniskraft.
Auf der anderen Seite ist das Thätigsein eines Dinges mehr verschieden von der Substanz desselben Dinges, wie das Dasein, die Existenz desselben. Denn erst kraft des Daseins besteht ein Thätigsein. In keinem geschaffenen Wesen aber ist dasselbe: Dasein und Substanz; das ist nur Gott eigen. Also ist auch die Thätigkeit des Engels ebensowenig wie die einer anderen Kreatur ein und dasselbe wie seine Substanz.
b) Ich antworte, daß unmöglich die Thätigkeit des Engels mit seiner Substanz ein und dasselbe sein kann. Denn Thätigkeit ist im eigentlichen Sinne das Thätigsein, die Thatsächlichkeit nämlich einer bestehenden Kraft oder eines Vermögens, wie das einfache Dasein die Thatsächlichkeit der Substanz ist. Unmöglich aber ist es, daß etwas, wo irgend welches Vermögen besteht, was also nicht reine Thatsächlichkeit ist, seine eigene Thatsächlichkeit, also sein eigenes Thätigsein sei; — denn in seiner Substanz besteht ein Vermögen für das Sein; und „seine eigene Thatsächlichkeit sein“ heißt in seinem Sein nur Thatsächlichkeit, also kein reines Vermögen haben; gleichwie „Menschsein“ heißt nichts als Menschliches haben. Nun ist Gott allein reine Thatsächlichkeit. Also in Ihm allein ist Substanz ein und dasselbe wie wirkliches Dasein und wie Thätigsein.
Wäre zudem das Erkennen des Engels seine Substanz; so müßte es in sich subsistieren, für sich bestehen. Ein solches Für-sich-bestehen aber könnte nur eines sein, gleichwie wenn das „Menschsein“ für sich bestände, es nur einen wirklichen Menschen geben könnte. Die anderen Menschen wären es nur als Abbilder dieses einen Menschen kraft einer gewissen Teilnahme an selbem und ihre Substanz wäre nur eine. Somit wäre aber auch die Substanz [S. 106] des einen Engels nicht unterschieden von der des anderen und ebenso nicht von der Gottes.
Ebenso könnte kein Engel in höherem Grade erkennen wie der andere; da dieß nur statthat, weil jeder von denselben vermittelst seiner Substanz in verschiedener Weise Vermögen hat, am Erkennen Anteil zu nehmen.
c) I. Daß die „einwirkende“ Vernunft ihre Thätigkeit genannt wird, das ist keine Aussage, welche von der Substanz der menschlichen Vernunft gilt; sondern hat nur als Ausdruck dessen Geltung, was in der Begleitung der „einwirkenden“ Vernunft immer sich findet. Denn wenn ihre Substanz Wirklichkeit hat, so ist sie damit auch bereits thätig, soweit es von ihr abhängt. Dies kann aber nicht gesagt werden von der Vernunft, die erkennend werden kann, die deshalb die „mögliche“ Vernunft heißt, weil sie wohl manchmal thätig ist, also thatsächlich erkennt, manchmal aber bloß im Zustande der Möglichkeit zu erkennen steht. Diese letztere muß zu einer thatsächlich erkennenden erst durch den Anstoß von anderswoher gemacht werden.
II. Das Leben verhält sich nicht in der gleichen Weise zum thatsächlichen Leben wie das Wesen zum wirklichen Dasein, nämlich wie ein bloßes Vermögen zur Thätigkeit, sondern wie „Laufen“ zum „Lauf“; wovon der eine Ausdruck in abstrakter Form bezeichnen will, der andere in konkreter. Also folgt daraus daß das Leben Sein ist nicht, daß das Wesen oder die Substanz Sein sei. Sagt Augustin (10. de Trin. 11.): „Gedächtnis, Erkenntniskraft, Wille sei in Gott ein Wesen, ein Leben,“ so nimmt er „Leben“ anstatt „Wesen“; das aber meint Aristoteles nicht, wenn er sagt, die Thätigkeit der Vernunft sei Leben.
III. Die Thätigkeit, welche ihren Gegenstand außen hat, wie sägen, wärmen, steht allerdings in der Mitte zwischen dem Wirkenden und dem Subjekt, das die Thätigkeit in sich aufnimmt. Die Thätigkeit aber, welche im Wirkenden bleibt und die im Wirkenden selber ihren Gegenstand hat, steht nicht in der Mitte zwischen beiden; außer nur etwa nach der Ausdrucksweise. Vielmehr folgt sie der Einheit zwischen dem Thätigseienden und dem Gegenstande.