Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03468.jsonl.gz/2768

Sora kara koboreta Monogatari
- Vom Himmel her verschüttete Geschichten -
Autor:
Oishi Masaru
Verlag: Shounen Gahousha
Bände: 1
Jahr: 1999
Zeitschrift: Young King
Stichworte: Kurzgeschichten, Poesie, Love
Der vorliegende
Manga ist eine Sammlung von Kurzgeschichten des Zeichners Oishi Masaru.
Die Kurzgeschichten handeln von wunderlichen Ereignissen, die einen bleibenden Eindruck bei den in den Geschichten auftauchenden Personen hinterlassen und einen Einblick in den Alltag der Personen ermöglichen.
Gleich zu Beginn wird die Geschichte eines Trampers erzählt, der an einem Strand einer kleinen Küstenstadt sein Zelt aufschlägt. Ein junges Mädchen ist sehr am Tramper interessiert und zeigt ihm einen Park mit lauter Kirschbäumen. Bevor sich eine tiefere Beziehung zwischen den beiden entwickelt, findet das Mädchen am nächsten Morgen den Strand wieder verlassen vor.

Eine andere Geschichte
handelt von einem auf dem Land alten lebenden Postmann, der von einer jungen
Frau den Auftrag erhält, ihrer Grossmutter einer Brief zu überreichen.
Als der Alte die Grossmutter trifft, stellt er überrascht fest, dass
sie seine einstige grosse Liebe war.
Einige der Kurzgeschichten handeln von kleinen Abenteuern junger Mädchen. So reist zum Beispiel die junge Kyôko vom Mond extra auf die Erde, um ihren kleinen Aquariumfisch wieder in die Freiheit zu lassen. In einer anderen Geschichte versucht ein Mädchen verzweifelt kleine Kätzchen zu retten, die in einem Pappkarton einen Fluss runtertreiben. Aber nicht nur Kinder sind die Hauptprotagonisten der Kurzgeschichten. In "Manta-Kikan" (Manta- die Rückkehr) erzählt ein bei einem grossen Radar arbeitenden Wissenschaftler seiner Tochter die Geschichte eines Mantas, mit welchem er als Kind befreundet war. Der Manta wurde allerdings dann als Versuchstier mittels einer Rakete zu einem fremden Planeten befördert. Gerade als der Forscher seiner Tochter diese Geschichte erzählt, registriert das Radar ein fremdes Signal.

Der pensionierte Astronaut und das Mädchen machen Bekanntschaft
Eine weitere interessante Kurzgeschichte ist "Outer Pilot - Ashita e no tobira" (das Tor in die Zukunft). Ein ehemaliger Astronaut im mittleren Alter macht auf dem Mond bei einer langen Zugfahrt in einem Abteil Bekanntschaft mit einem Mädchen, das soeben von zu Hause abgehauen ist. Beide unterhalten sich kurz, das Mädchen über ihre strengen Eltern und die vielen Hausaufgaben, der ausgemusterte Astronaut über seine frühere Arbeit. Beim nächsten Halt trennen sich die beiden. Der Astronaut ruft nach Hause und erfährt von seiner Frau, dass seine eigene Tochter heiraten wird. Bald wird er Grossvater.
Sora kara koboreta Monogatari ist das erste Taschenbuch von Oishi Masaru, ein auf Kurzgeschichten spezialisierter Zeichner, der seine Handlungen gerne auf dem Land situiert. Seine Helden sind meistens ganz übliche Personen, in deren Leben wir einen kleinen Einblick erhalten. Obwohl die Kurzgeschichten voneinander unabhängig sind, sind sie hier durch ein gemeinsames Setting verbunden: Sie spielen in einer Parallelwelt, in welcher das Leben auf dem Mond bereits Realität geworden ist, wie es einige Geschichten andeuten. Andererseits hat sich die alltägliche Technologie der Menschen auf der Erde nicht geändert. Oishi Masaru legt in einem kurzen Intermezzo wert darauf, dass die einzelnen Geschichten nicht in der Zukunft abspielen. Oishi spricht deshalb an einer Stelle auch von "Analog Hightech".

Fanservice darf nicht fehlen ;)
Aus
den einzelnen Geschichten und den Zeichnungen erkennt man, dass Oishi Masaru
seinen Lesern die Beschaulichkeit und die Gemütlichkeit des Lebens
auf dem japanischen Land näher bringen will. Keine seiner Geschichten
spielt sich in einer Grosstadt ab. Die Personen der Kurzgeschichten aus
Sorakara koboreta Monogatari oder auch diejenigen aus seinem zweibändigen
Mizuiro (hellblau) lernen bei Ausflügen, meistens
an einem Fluss zum Fischen, die Schönheit des japanischen Lands kennen.
Sie schwimmen in Flüssen, fischen und geniessen abends beim Sternenhimmel
ein Bierchen. Oishi Masaru ist ein begeisterter Hobbyfischer, was man seinen
Geschichten ansieht.
Anders als Ashinano Hitoshi, dem Zeichner von Yokohama Kaidashi Kikou, sind die Geschichten bei Oishi Masaru weit actionreicher und enthalten auch stellenweise Fanservice, was auch nicht weiter verwunderlich ist, da Oishi Masaru für die Zeitschrift "Young King" zeichnet, eine der bekannten Zeitschriften für eine männliche Leserschaft um die Zwanzig. Allerdings hält sich der Fanservice in Grenzen und lenkt nicht von den eigentlichen Geschichten ab, die für sich alleine gesehen stellenweise sehr berührend sein können.
Vom Zeichenstil her gesehen hat Oishi Masaru einen runden cartoonhaften Stil, der durch die Einbindung von runden Lautwörtern in seinen Zeichnungen und knufigen Personen bei kurzen Intermezzi noch weiter unterstrichen wird. Anders als bei Zeichnern mit einem ähnlichen Stil sind die Personen und Gegenstände bei Oishi Masaru ungleich detailreicher gezeichnet und das Layout der Seiten dynamischer. Zudem verwendet Oishi Masaru wie viele Mangazeichner bei Schattierungen und Lichteffekten sehr gezielt Rasterfolien, wohingegen andere wie Iwahara Yûji generell eher mit Flächen und Schwarz experimentieren (wahrscheinlich fertigt Iwahara seine Zeichnungen alleine an).
Als persönliches Fazit kann ich Sora koboreta Monogatari sowie die anderen Manga* von Oishi Masaru denjenigen Leser empfehlen, die auf der Suche nach einem Manga mit warmherzigen Kurzgeschichten im dynamischen und niedlichen Stil für eine unbeschwerte Lektüre zwischendurch sind. Sora kara Monogatari ist keine anspruchsvolle Lektüre. Bedenkt allerdings, dass die Kanji hier nicht mit Furigana umschrieben werden.
pictures©Oishi
Masaru/Shounen Gahousha
Text: Yaniv Tempelman, Februar 2003
* Reviews zu seinen weiteren Mangas folgen noch.