Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03250.jsonl.gz/1512

Gemäss Bundesamt für Statistik gab es Ende 2018 in der Schweiz rund 3.8 Mio Privathaushalte. In gut einem Drittel dieser Haushalte lebte nur eine Person, das entsprach 16% der ständigen Wohnbevölkerung, die in einem Einpersonenhaushalt lebten. In knapp einem Drittel der Haushalte lebten zwei Personen, das waren 29% der ständigen Wohnbevölkerung. Die durchschnittliche Haushaltsgrösse betrug 2.23 Personen.
Vor längerer Zeit durfte ich Sylvia Locher, geschäftsführende Präsidentin von „Pro Single Schweiz“, kennen lernen. Was ist Pro Single Schweiz? Wenn man die Statuten anschaut, findet sich der Zweck des Vereins folgendermassen formuliert:
„Der Verein setzt sich für die Interessen aller Alleinstehenden in der Schweiz ein. Er fördert die rechtliche, soziale und gesellschaftliche Anerkennung ihres Status und engagiert sich gegen ihre Diskriminierung, insbesondere im Bereich der Sozialversicherungen, der Steuern und des Erbrechts.“
Als ich im Herbst 2019 Sylvia Locher wieder über den Weg lief, überlegte ich mir, wie es wohl ist, als Single pensioniert zu werden und aus dem Arbeitsprozess auszuscheiden. Ich stelle Frau Locher deshalb nun folgende Fragen, die sie mir gerne beantwortete:
Frau Locher, was ist Ihrer Meinung nach der grosse Unterschied, wenn Singles in Pension gehen oder jemand in einer Paarbeziehung?
Der Unterschied liegt primär darin, dass Singles zu Hause weiterhin frei schalten und walten können, während es bei Paaren oft zu Spannungen kommen kann, wenn der Ehemann plötzlich zu Hause sitzt und der Ehefrau auf die Finger schaut (das sage ich natürlich mit einem Zwinkern, aber man hört das schon öfter). Der Unterschied wird wohl sein, dass Singles weiterhin nach aussen orientiert sein werden und Leute in einer Paarbeziehung mehr Zeit mit ihrem Partner/ihrer Partnerin verbringen werden.
Wirkt sich eine Pensionierung finanziell für Singles aus?
Ja, es wirkt sich finanziell aus.
Wenn ja, wie?
Vor allem Frauen, die nie verheiratet waren und in typischen Frauenberufen mit tiefen Löhnen tätig waren, haben eine kleine Rente, die nicht mit einem zweiten Einkommen oder einer zweiten Rente ergänzt werden kann.
Was ist Ihre Einschätzung: arbeiten mehr Singles ins Pensionsalter hinein als jemand in einer Paarbeziehung? Wohl weil sie alleine sind?
Das ist wirklich schwierig zu sagen. Das kommt auf den Typ drauf an. Ich persönlich werde ins Pensionsalter hineinarbeiten, weil mir der Job Freude macht. Ich kenne einige Singles, die weiterarbeiten, teils aus Freude, teils aus finanziellen Gründen. Aber wenn jemand genug hat, dann möchte er oder sie aufhören, egal, ob eine Partnerin/ein Partner da ist. Als Single kann man einfach selbständiger entscheiden, ob man weiter arbeiten will, sofern der Arbeitgeber das will. Paare müssen das untereinander absprechen. Und das könnte problematisch werden, wenn die beiden nicht die gleichen Bedürfnisse haben. Dass Singles länger arbeiten wollen, weil sie allein wohnen (ist nicht das gleiche wie allein sein), glaube ich nicht. Singles sind sich gewohnt, ein soziales Netzwerk zu pflegen. Meine bereits pensionierten Single-Freundinnen sind jedenfalls ständig unterwegs oder geniessen ihre freie Zeit.
Kennen Sie die Plattform Seniors@Work?
Nein ich kannte die Plattform Seniors@Work bis jetzt nicht, finde sie aber sehr spannend.
Können Sie sich vorstellen, Seniors@Work bei Ihren Mitgliedern bekannt zu machen?
Ja, ich könnte mir vorstellen, diese Plattform bei unseren Mitgliedern bekannt zu machen.
Danke, liebe Frau Locher, für die Beantwortung meiner neugierigen Fragen. Ich wünsche Ihnen und Pro Single Schweiz viel Erfolg!