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B. geben an, wie das Kulturland eines landwirtschaftl. Betriebs oder einer ganzen Siedlung genutzt wird, wie die Nutzung räumlich organisiert ist und in welcher zeitl. Folge die Nutzungsarten wechseln. Als Hauptarten unterscheidet die agrarhist. Literatur Dauersysteme, in denen das Land permanent für den Ackerbau ausgeschieden ist (mit oder ohne Brache), und Wechselsysteme, in denen Ackerbau mit einer anderen Nutzungsart (Weide, Wiese, Wald) oder mit Nichtnutzung (Ödland) wechselt. Die Ausprägung und Entwicklung der B. war abhängig von verschiedenen Faktoren: von der Höhenlage, der topograf. Beschaffenheit des Lebensraums, dem Klima, der Intensität der herrschaftl. Erfassung und der Entwicklung von Besiedlung, Bevölkerung und Wirtschaft.
Im Folgenden liegt der Schwerpunkt auf den B. des MA und der frühen Neuzeit, weil in diesen Epochen die Bodennutzung eng mit dem Herrschaftssystem und der lokalen Gesellschaft verflochten war und deshalb weit über die Agrargeschichte hinaus von Bedeutung ist. Über die ur- und frühgeschichtl. B. informieren hauptsächlich die Artikel Landwirtschaft, Neolithikum, Bronzezeit und Römischer Gutshof.
Für die frühma. Schweiz können die B. nur sehr lückenhaft erfasst werden. Die Einzelnachrichten zeigen ein noch wenig differenziertes Bild, das geprägt ist von Mischwirtschaft. Geregelte B. sind erstmals im Schriftgut der klösterl. Grundherrschaften erkennbar.
In den alemann. Gebieten des Mittellandes scheint bis ins 8. Jh. die Viehhaltung vorherrschend gewesen zu sein, allerdings in enger Wechselbeziehung zum Ackerbau, der in Feldgraswirtschaft oder -- auf frisch gerodeten Flächen -- in Feldwaldwirtschaft (Brandwechselwirtschaft) betrieben wurde. Für das 8.-10. Jh. liefert der frühe Urkundenbestand des Klosters St. Gallen detaillierte Informationen zur klösterl. Wirtschafts- und Herrschaftsform. Die Quellen zeigen eine grundherrschaftlich organisierte Landwirtschaft mit Salland und Hufen (Fronhof). Die Ackerflächen des Sallandes wurden -- erstmals 763 erw. -- in der Dreifelderwirtschaft betrieben. Ausserhalb der Grundherrschaften dürfte aber nach wie vor die wilde Feldgraswirtschaft vorgeherrscht haben, in welcher der Wechsel von Acker- zur Grasnutzung nicht regelmässig erfolgte. Dasselbe gilt für die grundherrlich schwächer erfassten Gebiete der Alpen und Voralpen. Hinweise auf frühe Wirtschaftsformen geben spätma. Innerschweizer Quellen. In ihnen erscheint eine Gruppe von "Bergleuten", die in autonomen, von den Leuten im Tal unabhängigen Bergzonen lebten. Ihre Wirtschaftsform dürfte zunächst in der silvopastoralen Wanderwirtschaft bestanden haben und entwickelte sich bis zum 13. Jh. zu einer Feldgraswirtschaft. Dabei traten beide B. regional unterschiedlich auch nebeneinander auf. Für das FrühMA muss in der Innerschweiz also generell mit einer fluktuierenden und wenig strukturierten Nutzung der höheren Lagen gerechnet werden. Im Gegensatz zur Innerschweiz war Graubünden im FrühMA stärker durch herrschaftl. Rodungssiedlungen geprägt. Diese waren -- wie das sog. Tello-Testament von 765 berichtet -- ähnlich aufgebaut wie die Herrenhöfe des Mittellandes. Auch sie betrieben Mischwirtschaft, allerdings ist zunächst nicht ersichtlich, ob in Wechselwirtschaft oder Dauerfeldbau. Im Tello-Testament zeugen kleine Ackerparzellen immerhin von einer intensiven Nutzung des Ackerbodens. Hoch gelegene Rodungsfluren belegen die Hochweidewirtschaft. In Südbünden und im Tessin ist für das 13. Jh. Mischwirtschaft mit ununterbrochenem Dauerfeldbau oder mit Zweifelderbrachwirtschaft bezeugt, ein System, das wohl ins FrühMA zurückreicht. Im Jura gründeten Klöster Rodungshöfe (Grangien) in den über weite Teile noch unbesiedelten Hochtälern. Die B. innerhalb dieser Grangien unterschieden sich wohl kaum von denjenigen des Mittellandes.
Autorin/Autor: Dominik Sauerländer
Unter dem Druck einer stark wachsenden Bevölkerung wurde der Ackerbau im 11.-14. Jh. intensiviert. In dieser Periode entstanden in den Kornanbaugebieten des Mittellandes genossenschaftlich organisierte Rotationssysteme. Am meisten verbreitete sich die Dreizelgenbrachwirtschaft (Zelgensysteme). Die Herausbildung dieses Nutzungssystems hängt mit der gleichzeitig stattfindenden Siedlungsverdichtung und Dorfbildung (Dorf) zusammen. Der prägende Faktor für die Organisation der B. war nicht mehr die grundherrl. Villikation, sondern die bäuerl. Dorfgenossenschaft. Hof- und Weilersiedlungen mit ihren eigenen B.n (z.T. bereits in Mehrfelderwirtschaft, z.T. noch in Feldgraswirtschaft) wurden zu einer dörfl. Flurgenossenschaft zusammengefasst und ihre Ackerflur in Zelgen organisiert, grossen Nutzungseinheiten, die einheitl. bewirtschaftet wurden (sog. Verzelgung). Dabei blieben die alten Parzellen und Gewanne (Feldstücke aus parallel verlaufenden, streifenförmigen Parzellen) meist bestehen, wurden aber durch das dörfl. Dreizelgensystem überlagert. Das Ergebnis dieses Prozesses war eine klare räuml. Trennung zwischen Ackerland (ager, Innenfeld, Zelgen) einerseits, Weiden und Waldweiden (saltus, Aussenfeld, Allmend) anderseits. Die Siedlungen mit den Gärten (Zone des hortus) verdichteten sich und blieben gegen ager und saltus abgegrenzt. Die Rolle der Grundherren reduzierte sich durch die Aufgabe der Eigenwirtschaft mit Frondienst zunehmend auf die Rentenwirtschaft. Ihr Einfluss auf die Agrarverfassung ging damit stark zurück. Neben der Dreizelgenwirtschaft konnten sich aber auch in den Kornanbaugebieten in beschränktem Umfang andere B. halten. Für den Kt. Freiburg sind -- abgesehen von der auch hier vorherrschenden Dreizelgenwirtschaft -- der temporäre Ackerbau, der brachlose Dauerfeldbau und besonders im Süden des Kantons die Zweifelderwirtschaft festgestellt worden.
In den Hügelgebieten und Voralpenzonen fand diese Verdorfung und Verzelgung nicht oder nur in Ansätzen statt. Es blieb dort bei der lockeren Besiedlung mit hofeigenen B.n. Erst im HochMA lassen sich solche Weiler- und Einzelhofzonen von Dorfsiedlungsgebieten mit verzelgten Fluren unterscheiden. Die Einzelhofsiedlungen oder Hofgruppen in den Hügel- und Voralpengebieten entwickelten dabei ebenfalls geregelte B. in Mehrfelderwirtschaft, die aber kaum bis zu einer Verzelgung fortschritten. Die Viehhaltung mit Weidewirtschaft blieb in diesen Gebieten aber wichtig, so dass weiterhin ein Gemenge von Äckern und Grünflächen die Kulturlandschaft prägte.
In den Innerschweizer Alpengebieten verfestigte sich in den Tälern und am Berg eine flexible Feldgraswirtschaft. Das Innenfeld, d.h. der intensiv genutzte, siedlungsnahe Teil der Flur, umfasste dabei nicht nur Ackerland, sondern auch Wiesen und private Weiden. Im Ackerbau war Zwei-, seltener Dreifelderwirtschaft die Regel. Verzelgte Systeme mit gemeinsamer Brachweide existierten ab dem 11. Jh. in den Ackerbaugebieten der breiten Täler. Das siedlungsfernere Aussenfeld bestand vorwiegend aus Wald- oder Hochweide und war demnach eine Zone extensiver Nutzung. Generell zeigte sich in den alpinen Gebieten im HochMA die Verschiedenheit der B. deutlicher. In Nordbünden herrschte -- ähnlich wie in der Innerschweiz und den anderen nordalpinen Gebieten -- die Feldgraswirtschaft vor; die südbündner. Täler, das Wallis und das Tessin hingegen wiesen ein Übergewicht der Felderwirtschaft auf. Für das untere Wallis ist der Ackerbau im Zweifelderanbau mit Brache, seltener auch im Dauerfeldbau, nachgewiesen. In allen alpinen und voralpinen Gebieten spielte aber die Viehhaltung (v.a. in transhumanten Formen der Weidewirtschaft) eine wesentl. Rolle in der bäuerl. Mischwirtschaft.
Die Jurahochtäler wurden erst im HochMA zunehmend erschlossen. In den weiten Waldgebieten entstanden planmässig angelegte Rodungssiedlungen weltl. und geistl. Herrschaften. Auch hier herrschte die Feldgraswirtschaft vor. Dem individuell genutzten Innenfeld, das in breiten Streifen an die Einzelhofreihen anschloss, standen -- am äusseren Ende der Streifenflur gegen die Talränder -- gemeinsam genutzte Weiden und Waldweiden als Aussenfeld gegenüber. Eine Verzelgung der Ackerfluren ist teilweise nachweisbar, nicht aber der Zeitpunkt ihrer Entstehung.
Autorin/Autor: Dominik Sauerländer
Pestzüge und Klimaverschlechterung hatten im SpätMA einen markanten Rückgang der Bevölkerung zur Folge, v.a. in den Getreidebaugebieten des Mittellandes (Krise des Spätmittelalters). Zahlreiche im HochMA stark erweiterte Fluren wurden wieder aufgegeben oder extensiver genutzt. Am Rande der Ackerflur entstanden so Flächen, die wechselnden Nutzungen im Übergang zur Allmend unterlagen. Im Kt. Luzern forderte der Rat die Untertanen ab 1438 mehrmals auf, die Zelgen weiterhin anzubauen und sie nicht zu Weiden und Wiesen einzuschlagen (Einschlagsbewegung). Insgesamt führte der Bevölkerungsrückgang im Mitteland zu einer Vergrösserung der durchschnittl. Ackerfläche pro Hof. Ohne dass sich grundsätzlich etwas am System der zelgengebundenen Mehrfelderwirtschaft geändert hätte, verlegten sich die Bauern auf eine extensivere Bewirtschaftung wenig ergiebiger Ackerflächen. Sowohl im verzelgten Mittelland wie auch -- aber hier weit stärker -- im nicht verzelgten Hügelland und voralpinen Gebiet ist deshalb eine Zunahme der Viehhaltung und Weidewirtschaft zu konstatieren. Wesentlich zu dieser Umstellung trug die Nachfrage der grösseren und kleineren Städte nach Vieh bei. Im Greyerzer Voralpengebiet sind bereits im 14. Jh. Einschläge von Heuwiesen innerhalb des Ackergebiets festzustellen. Der Wein entwickelte sich als weiteres Ergebnis der Getreidebaukrise zu einem wichtigen Ergänzungs- und Marktprodukt (Weinbau), dessen Produktion v.a. aufgrund grundherrl. Initiative an geeigneten Orten stark forciert wurde.
In der Innerschweiz und den nördl. Alpentälern Graubündens breitete sich unter diesen Voraussetzungen die Weide- und Alpwirtschaft auf Kosten der Feldgraswirtschaft aus. Dabei wurden die vielfach fluktuierenden Nutzungsformen der Feldgras- oder Weidewirtschaft in der Bergzone durch eine oft genossenschaftlich organisierte Alpwirtschaft, ausgehend von den Talgemeinden, abgelöst. Berg und Tal wurden miteinander verbunden. In der Bergzone lagen nun die vom Tal aus bestossenen Alpweiden, im Tal herrschte nach der Abnahme grundherrl. Erfassung und dem Erstarken neuer bäuerl. Führungsgruppen zwar noch immer die Feldgraswirtschaft vor, allerdings mit immer grösserem Schwergewicht auf der Heugewinnung. Eine gänzl. Aufgabe des Ackerbaus fand allerdings auch hier -- mit Ausnahme etwa von Schwyz -- nicht statt.
Zwar gab es auch in den inneren Alpen eine Zunahme der Viehwirtschaft, ohne dass aber dadurch die Mischwirtschaft mit Dauerfeldbau beeinträchtigt worden wäre. Die Täler des Nordtessins hingegen folgten im SpätMA stärker der Innerschweizer Entwicklung mit überwiegender Viehwirtschaft. In den Getreidebaugebieten des Südtessins fehlten im Gegensatz zum nordalpinen Mittelland Verzelgung und genossenschaftlich organisierte B. Ebenso fehlte die Brache; die Felder wurden in intensivem Dauerfeldbau bewirtschaftet. Als Organisationsform vorherrschend war das System der mezzadria, der im Teilbau vergebenen Bauernhöfe. In den Tessiner Hügelgebieten spielte, ebenso wie in den bevorzugten Lagen im Wallis, der Rebbau eine grosse Rolle. In den Rodungsgebieten des Jura war ebenfalls eine Zunahme der Viehwirtschaft zu verzeichnen, jedoch ohne das herkömml. System der geregelten Feldgraswirtschaft (d.h. einer solchen mit regelmässiger Fruchtfolge) zu beseitigen.
In den jurass. Hochtälern fand in einer zweiten, bäuerlich geprägten Landnahme im 14.-17. Jh. eine Ausbreitung der gereihten Breitstreifenfluren statt.
Autorin/Autor: Dominik Sauerländer
Neue B. bildeten sich im 16.-17. Jh. kaum heraus, dennoch gab es wesentl. Änderungen. Das starke Bevölkerungswachstum führte nicht nur zur Ausdehnung der Fluren durch Rodungen (besonders im 16. Jh.), sondern vielerorts auch zur Verbesserung des bestehenden Kulturlandes durch Meliorationsarbeiten. Die Erschliessung neuer Ackerflächen konnte dann problematisch werden, wenn sie nicht von einer entsprechenden Vergrösserung des Grünlandes begleitet war, weil der daraus resultierende Düngermangel (Düngung) zum Rückgang der Getreideerträge führte. Dies war in einigen Gegenden des Mittellandes in der klimat. Ungunstphase im letzten Drittel des 16. Jh. der Fall, während am südl. Rand des Mittellandes -- wo die geringere Güterzerstückelung mehr Flexibilität erlaubte -- eine wirksame Gegenstrategie gefunden wurde: Teile der dörfl. Zelgen wurden zu Wechselwiesen eingeschlagen, auf denen sich Acker- und Grasnutzung abwechselten. Mit dieser getreideintensiven Art der Feldgraswirtschaft liessen sich Getreidebau und Viehwirtschaft gleichzeitig anheben. Zur Steigerung der Heugewinnung wurden die Wiesen, die vielerorts ähnlich wie die Zelgen dem allg. Weidgang unterworfen waren, dauernd eingeschlagen, so dass das Dorfvieh nicht mehr aufgetrieben werden konnte. Dadurch konnte das Grünland nicht nur einmal, sondern zweimal (Heu und Emd) geschnitten werden. 1591 forderte der Berner Rat die Untertanen der Waadt auf, ihre Wiesen einzuschlagen, scheint aber damit nur mässigen Erfolg gehabt zu haben, denn 1717 wurde die Aufforderung wiederholt. In der Umgebung von Chur sind um 1600 Teile der Allmend individualisiert und kollektive Weiderechte auf Zelgäckern aufgehoben worden. In vielen Dörfern hat sich der Gartenbau stark ausgedehnt -- v.a. auf dem Allmendland, z.T. aber auch auf Kosten der Zelgäcker: Krautgärten (für das Gemüse), Bünten (vorwiegend zur Flachs- und Hanfgewinnung) und Baumgärten (für Obst und Gras) entwickelten sich zu einer "Nischenlandwirtschaft", deren treibende Kraft die unterbäuerl. Schicht war. Neue Gemüsesorten wie Tomaten, Topinambur, Stangen- und Buschbohnen wurden eingeführt und die Baumpflege verbessert.
Infolge des Bevölkerungsdrucks breitete sich der schon für das SpätMA nachgewiesene temporäre Ackerbau auf der Allmend aus. In vielen Gemeinden hatte jeder Dorfgenosse das Recht, ein Stück Allmendland zu reuten und es drei oder mehr Jahre lang zu bewirtschaften. Danach musste die so für den Weidgang gesäuberte Parzelle lange Zeit liegen gelassen werden, während anderes Allmendland aufgebrochen wurde. Diese in den Quellen "Rütenen" oder "Neubrüche" genannten Sondernutzungsflächen wurden nicht mit dem Pflug, sondern mit Hacken und Spaten bearbeitet und weil sie nicht mit Tiermist gedüngt wurden, warfen sie bescheidene Erträge ab. Bisweilen versuchte man sie durch Schälen und Brennen des Rasens (Motten) zu verbessern. Dort, wo dieser nicht stationäre Ackerbau grosse Flächen einnahm, konnte die Allmend zum extensiv genutzten Aussenfeld eines eigentl. Innenfeld-Aussenfeld-Systems werden, dessen Innenfeld die intensiv genutzte dorfnahe Flur aus Zelgäckern und Wiesen war.
Die räuml. Verteilung der versch. B. wird mit dem Modell der Agrarzonen beschrieben. Diese durch die Dominanz einer Bodennutzungsform und/oder einer Produktionsrichtung definierten Landschaften bildeten sich vom HochMA an heraus. In der frühen Neuzeit gab es wesentl. Veränderungen in der Übergangszone zwischen "Kornland" und Feldgraswirtschaftsgebiet. Die Einzelhöfe koppelten sich immer mehr von der genossenschaftlich organisierten Dorflandwirtschaft ab, indem sie ihre Wiesen und Äcker einhegten und auch die Talallmenden aufteilten (gut fassbar im Emmental und Entlebuch). Es entstand die typ. Einzelhofwirtschaft, eine Feldgraswirtschaft mit unterschiedl. intensivem Getreidebau auf arrondiertem Besitz, für welche sich der Begriff der "Egartenwirtschaft" eingebürgert hat. Ganz allgemein gilt, dass das Modell der Agrarzonen nicht davon entbinden darf, die lokalen Bodennutzungsverhältnisse jeweils genau zu untersuchen. Das örtl. B. konnte bisweilen erheblich vom landschaftstyp. Normalfall abweichen. Besonders in der älteren deutschschweiz. Literatur bestand die Tendenz, aufgrund weniger Indizien vorschnell auf die Existenz des klass. Dreizelgenbrachsystems zu schliessen, statt andere Formen der Zelgenwirtschaft in Betracht zu ziehen. Nicht zu vergessen sind auch Grenzregionen besonders in der lat. Schweiz, die in keine der grossen Agrarlandschaften passen. Die Umgebung von Genf gehörte bis zum 18. Jh. zur bocage-Landschaft mit den charakteristischen, von Hecken umsäumten Blockfluren (mit blockförmigen Parzellen im Unterschied zu den streifenförmigen der Dreizelgendörfer). Vorherrschendes Feldsystem war eine Zweifelderwirtschaft mit Weizen, die auf die städt. Nachfrage nach Weissbrot ausgerichtet war. Weinbau wurde nicht nur in Rebbergen, sondern auch in Mischkulturen (hutins) betrieben, in welchen sich die Reben von Baum zu Baum zogen und so das Getreidefeld überschichteten. Im Südtessin erfolgte in der 2. Hälfte des 17. Jh. die Einführung des Mais, der für die Ernährung der bäuerl. Bevölkerung schon bald eine wichtige Rolle spielte.
Autorin/Autor: Albert Schnyder
Tief greifende Veränderungen in der Bodennutzung bewirkte der agrar. Modernisierungsprozess, der nach der Mitte des 18. Jh. einsetzte (Agrarrevolution). Im "Kornland" wandelte sich die Dreizelgenbrachwirtschaft zur verbesserten Dreizelgenwirtschaft, bei der die Brache zugunsten einer Bepflanzung mit den Stickstoff abgebenden Futtergräsern Klee, Esparsette, Luzerne oder Wicken vollständig aufgehoben wurde ( Futtermittel). Diese wurden dem Rindvieh, das man nicht mehr auf Brachweide und Allmend trieb, sondern das ganze Jahr im Stall hielt, grün verfüttert. Die jahrhundertelang hoch geschätzten Wässerwiesen (Bewässerung) verloren ihre Vorrangstellung innerhalb des Grünlandes, weil sich ihr Gras nur zur Heugewinnung, nicht aber zur Grünfütterung eignete. Neue Acker- und Wiesenflächen entstanden auf den Allmenden, die -- meist unter beträchtl. Konflikten zwischen den dörfl. Sozialgruppen -- aufgeteilt wurden. Von grosser Bedeutung war die Einführung der Kartoffel, welche wohl von den voralpinen Gebieten ausging (im Entlebuch bereits 1709 erw.), im Mittelland aber erst ab der Mitte des 18. Jh. erfolgte. Diese Knollenfrucht lieferte mehr als das Doppelte an Nährstoffen pro Fläche als das Getreide, weshalb sie besonders zum Nahrungsmittel der landarmen Bevölkerung wurde. Mit der Einführung neuer Kulturpflanzen entstanden neue Fruchtfolgen. Die Dreifelder-Fruchtfolge mit Winter-, Sommergetreide und Brache wich versch. Formen der Fruchtwechselwirtschaft: Auf den Getreideparzellen gab es den Fruchtwechsel Getreide -- Kartoffel/Hackfrüchte -- Klee oder Getreide 1 -- Getreide 2 -- Hackfrüchte/Klee. Auf den Futterbauparzellen folgten sich Klee -- Hackfrüchte -- Ölpflanzen -- Getreide oder Klee 1 -- Klee 2 -- Hackfrüchte -- Getreide. Voraussetzung für den endgültigen Übergang vom ausschliessl. Getreidebau zur Fruchtwechselwirtschaft war die Aufhebung der Feudallasten und die Zurückdrängung kollektiver Nutzungen durch die Aufhebung der Allmendweide bzw. des allg. Weidgangs. Dies bedeutete den Wechsel von einer vorwiegend kollektiv organisierten und für die Ackerflur eines ganzern Dorfes geltenden Fruchtfolge zu individuell betriebenen Fruchtfolgen auf den Grundstücken eines Betriebs mit weitgehend freier Wahl von Anbauprodukten und Anbaurhythmus. Überall in der kultivierten Flur wurden Getreide, Hackfrüchte und Futtergräser angepflanzt, vorausgesetzt, die mikroklimat. Bedingungen und die Bodenverhältnisse liessen es zu. Der Wechsel vom einen zum anderen, sei es auf einer Parzelle oder innerhalb eines Gewanns, vollzog sich individuell, je nach Anbauplan des Bewirtschafters, Erträgen, Bodenqualität usw. Die im jährl. Wechsel einheitlich angebauten Zelgschläge verschwanden aus dem Bild der ländl. Kulturlandschaft. War also vor der Agrarmodernisierung im eigentl. Dreizelgengebiet klar, wo Wiesen und wo Äcker waren, so hatte sich dies nun grundsätzlich geändert. Wiesen waren in der ganzen Flur anzutreffen, genauso Äcker. Das grossflächigere Nutzungs- und Farbmuster aus der Zeit der Dreizelgenwirtschaft wich einem kleinflächigeren, mehr oder weniger rasch wechselnden Nutzungs- und Farbmuster.
In der 2. Hälfte des 19. Jh. kam es infolge der verbesserten Importmöglichkeiten zu einer starken Verlagerung vom Getreidebau auf Vieh- und Milchwirtschaft. Dementsprechend breiteten sich Fruchtfolgen mit hohem Futtermittelanteil aus. In den 1920er Jahren wurde die verbesserte Dreizelgenwirtschaft (mit nur einem Kleegrasjahr in der sechsjährigen Rotation) nur noch in einem kleinen Gebiet im Nordosten des Mittellandes betrieben, während im übrigen Mittelland die Kleegraswirtschaft (mit drei Kleegrasjahren im sechsjährigen Umlauf) und in den regenreichen vor- und nordalpinen Gebieten die Graswirtschaft vorherrschten. Ab Beginn des 20. Jh. und v.a. nach 1950 trug die Agrarpolitik des Bundes wesentlich zur Fixierung der grundlegenden Muster der Bodennutzung bei. Die Hauptfruchtwechsel des 20. Jh. waren daher stark futterbaulich orientiert. Futtermittel wie Mais, Gerste, Kunstgräser, Hackfrüchte und Raps dominierten die Fruchtwechsel, in die zusätzl. Getreide (v.a. Weizen und Roggen) und Kartoffeln einbezogen wurden. Um die Biodiversität zu fördern, wurden an der Wende zum 21. Jh. in den intensiv genutzten Ackerbaugebieten Brachen als ökolog. Ausgleichsflächen eingeführt (Buntbrachen, Rotationsbrachen).
Autorin/Autor: Albert Schnyder