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Lange Zeit scheute ich mich Hochlandtiere zu pflegen, zu welchen die Art Phelsuma borbonica bis auf die Unterart Phelsuma borbonica agalegae gehört. Seit ich umgezogen bin, habe ich grosszügige Kellerräume zur Verfügung und wagte mich deshalb auch an Hochlandarten heran.
Gemäss Austin et al (2003) handelt es sich bei Phelsuma borbonica borbonica und bei Phelsuma borbonica mater um ein und dieselbe Art, was bedeutet, dass die genetische Differenz vernachlässigbar ist. Dennoch unterscheiden sich die Tiere von verschiedenen Lokalitäten farblich signifikant. An dieser Stelle möchte ich Markus erwähnen, der sich sehr damit befasst.
Im Norden weisen die Tiere grundsätzlich eher weisse und im Süden gelbe Köpfe auf. Es wäre schade, diese Farbformen durch kreuzen der Fundorte zu verlieren.
Bilder meiner Tiere sind in der Galerie zu finden.
Ich halte ein Pärchen in einem Terrarium von 40x40x80, wobei immer ein Ausweichsterrarium derselben Grösse vorhanden ist.
Das Terrarium ist bestückt mit Herkulesstaude und schlicht bepflanzt mit madagassischen Hochlandpflanzen. Pflanzen, welche aus dem Hochland von La Réunion kommen habe ich leider keine gefunden und die madagassische Flora kommt der von Réunion doch sehr nahe.
Als Beleuchtung verwende ich zwei T-5 Röhren mit Tageslichtspektrum und Wärmespots, unter denen ich regen Betrieb ausmachen konnte, die Tiere sonnen sich meist fünf bis fünfzehn Minuten darunter und suchen dann wieder kühlere Stellen im Terrarium auf.
Ich füttere die Tiere mit Heimchen, Wachsmottenlarven, Stubenfliegen, verschiedenen kleinen Schabenarten, Bohnenkäfern, Getreidekäfern und Wiesenplankton. Ich versuche so viel Abwechslung wie möglich zu bieten. Die Futtertiere bestäube ich bei jeder Fütterung (ich füttere jeweils zwei Mal die Woche) mit einem entsprechenden Vitaminpräparat.
Zudem steht immer ein Schälchen bereit, welches mit einem Gemisch aus zwei Drittel zu Pulver verarbeiteten Blütenpollen und zu einem Drittel aus Vitaminpulver besteht. Während der Eiablage wird dies gerne angenommen und ist wichtig, da die Weibchen sehr legefreudig sein können und sonst schnell rachitisch und hinfällig werden.
Zusätzlich Wasser biete ich nur im Winter, wo lediglich jeden zweiten Tag gesprüht wird. Es ist wichtig, dass das Wassergefäss regelmässig gereinigt wird, da ansonsten Bakterien überhand nehmen. Den Wasserbedarf decken die Tiere in der Regel via Sprühwasser.
Diese Form scheint eine feuchtere und kühlere Haltung zu bevorzugen. Ich sprühe jeweils am Abend. Die Luftfeuchtigkeit steigt dann auf ca. 80-90% und ist vor dem Sprühen selten unter 50%.
Im Herbst und Winter halte ich die Feuchtigkeit etwas niedriger, sprich bei ca. 50-60% nach dem Sprühen. In dieser Zeit sprühe ich auch nicht mehr täglich, dafür im Frühling zusätzlich am Morgen.
Im Sommer halte ich die Art tagsüber bei 25 Grad und in der Nacht fällt die Temperatur auf ca. 15 Grad. Im Winter erreicht die Temperatur lediglich 23 Grad am Tag und fällt in der Nacht teilweise auf unter zehn Grad ab. Dies erreiche ich durch eine Haltung im Keller und bei Bedarf durch das öffnen des Fensters zum Lichtschacht. Die Temperatur kriege ich mittels Zuschalten von Wärmespots hin.
Die Beleuchtungsdauer halte ich wie bei allen Arten bei 14 Stunden im Sommer und bei 8 Stunden im Winter.
Es ist wichtig, dass die Tiere am Tag wieder auf ihre Vorzugstemperatur kommen. Ich habe am Anfang den Fehler gemacht und sie auch tagsüber zu kühl gehalten. Das Ergebnis war, dass die Tiere regelmässig nekrotische Schwänze hatten.
Diese Art ist scheint unter genannten Bedingungen relativ leicht zur Fortpflanzung zu bewegen zu sein, wobei unbedingt darauf geachtet werden muss, dass die Weibchen mit genügend Kalzium und Vitaminen versorgt werden. Sie sollte auch schon ein entsprechendes Alter, mindestens 18 Monate, haben, wenn sie verpaart werden.
Wichtig ist, dass man die Tiere gut beobachtet und gegebenen Falles den Mann sofort rausfängt (Man beachte den Grössenunterschied).
Ich habe zwei mal den Versuch einer 1.2 Haltung unternommen. Die Weibchen stellten einander in beiden Fällen intensiv nach, wobei ich Leute kenne, wo dies funktioniert.
Die Legeperiode beginnt bei mir im Januar und zieht sich bis in den Juli hin.
Die Aufzucht der Jungtiere selbst bereitet bei mir wenig Probleme, bisher hatte ich noch keine Ausfälle bei dieser Art. Aufgrund des Aggressionspotentials ziehe ich sie allerdings alle einzeln auf.
Ich erlebe Phelsuma borbonica untereinander eher als aggressiv, ansonsten aber als angenehmer, ruhiger Terrarienpflegling, der auch leicht an eine Fütterung ab Pinzette gewöhnt werden kann.
Paarhaltung kann gut gehen, die Tiere müssen aber immer kontrolliert werden, da das Männchen sein Weibchen innert Kürze töten kann (man betrachte den Grössenunterschied). Muss eine Phelsuma borbonica aus irgendwelchen Gründen rausgefangen werden, ist Vorsicht geboten. Die sonst ruhigen Tiere legen in dem Falle ein genauso hektisches Fluchtverhalten wie zum Beispiel Phelsuma inexpectata oder Phelsuma cepediana an den Tag.