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GESCHICHTE DER GNATHOLOGIE.
Der Begriff “Gnathologie”, zu Beginn der 20er Jahren von Dr. Harvey Stallard aus San Diego (USA) geprägt, bezeichnet “das Studium der Unterkiefer”. Im Jahr 1926 hat die “Gnathological Society” die Gnathologie als jene Wissenschaft bezeichnet, die sich mit den biologischen Aspekten des mechanischen Kauens beschäftigt, daher mit der Morphologie, Anatomie, Histologie, Physiologie, Pathologie und der Therapien des Mundes, speziell des Kiefers, der Zähne und des Verhältnisses zwischen dem Kauorgan und den anderen Teilen des Körpers”.
Das sogenannte “gnathologische Prinzip” ist dann etwa in der Hälfte der 20er Jahre dank Persönlichkeiten wie BB McCollum, Harvey Stallard, Charles Stuart und Peter K. Thomas entstanden. In jener Zeit waren sie Innovatoren und Vorreiter; heute werden sie zu Recht als unumstrittenen Meister angesehen. Sie versuchten die Bewegung zwischen Unterkiefer und Oberkiefer wahrend der funktionellen und parafunktionellen Bewegungen mittels eines mechanischen Gerätes (der Artikulator) zu studieren und zu replizieren. Die ersten Artikulatoren wurden mit der Vorstellung hergestellt, die beiden temporo-mandibulare Kiefergelenke könnten miteinander wie eine Scharnierachse arbeiten: dies erlaubte jedoch nicht ein umfassendes Verständnis aller Bewegungen und Bissverhältnisse.
Zur Zeit gibt es in der Gnathologie zwei “gegnerische” Behandlungsphilosophien.
Die erste Philosophie basiert auf der Ansicht, das temporo-mandibulare Scharnier sei über eine Drehachse in der Gelenkgrube des Schädels verbolzt. Die gesamte Okklusion wird von der Drehachse des Unterkiefers in eine fein abgestimmte Ordnung geführt und vereint. Der Schwerpunkt liegt auf der Okklusion und der gemeinsamen UK-Referenzposition, auch “Zentrische Relation” genannt.
Die neueste, neuromuskulärer Philosophie basiert auf dem Prinzip, nach dem die beiden temporo-mandibulare Kiefergelenke sich in einer physiologischen Ruhestellung befinden. Diese Ruhestellung wird vom Muskel geführt und durch die Okklusion der oberen mit den unteren Zähnen stabilisiert. Der Schwerpunkt liegt bei einer physiologischen Position des Unterkiefers in Relation zum Schädel (neuromuskuläre Ruhestellung). Die Physiologie der Muskeln im Ruhezustand unterstützt eine physiologische Okklusion und ermöglicht die Stabilität aller drei Einheiten der so genannten “gnathologischen Triade”: temporo-mandibulare Kiefergelenke, Muskeln und Zähne.
Beide Philosophien sind stark unter jenen Klinikern umstritten, die sich mit der Behandlung gnathologischer Krankheiten befassen. Mit all ihren Herausforderungen (einschließlich der Behandlung und Pflege des Kiefers, der Kaumuskulatur, der Stützstrukturen der Hart- und Weichgewebe der Kiefergelenke, der körperlichen und emotionalen Faktoren der Patienten) wurde das temporo-mandibulare Kiefergelenk zum Thema großen Streites zwischen den verschiedenen Denkschulen. Oft mit starken persönlichen Meinungen die, auf Grund von eigenen klinischen Erfahrungen und denen der eigenen Lehrer, den eigenen Standpunkt stützen sollten.
BEHANDLUNG DER GNATOLOSGISCHEN KRANKENHEITEN
Zu den kraniozervikalen Dysfunktionen gehören auch temporomandibuläre Dysfunktionen (TMD). Wenn eine TMD nicht rechtzeitig von einem Fachmann diagnostiziert und behandelt wird, kann sie manchmal zu einer chronischen Erkrankungen führen.
Eine TMD ist ein Zustand in dem ein oder beide Gelenke nicht mehr funktionsfähig sind. Die Gelenke laufen dann nach einem physiologischen Standard, der eine korrekte Position des Discus articularis zwischen den beiden Gelenken vorsieht, das heißt, zwischen dem mandibularen Kondylus und der Gelenkgrube, die im Schläfenbein auf den beiden Seiten des Schädels positioniert ist.
Jede Gelenkgrube empfängt und ermöglicht das Gelenk von einem der beiden mandibularen Kondylen. Jede TMD führt zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Reihe von Symptomen. Diese Symptome stehen im Zusammenhang mit dem Ausmaß der ergebenen Verletzungen, sowie mit der Zeit, die seit der Verletzung vergangen ist.
Das Discus articularis zwischen den beiden Gelenkköpfen, das heißt, zwischen der Gelenkgrube des Schläfenbeins und dem Kondylus, ist ein aus Faserknorpeln (hartelastischer) bestehender Gelenkkörper. Er dient dazu, eine korrekte Artikulation und eine ordnungsgemäße und reibungslose Funktion zu ermöglichen.
Eine muskuläre craniomandibuläre Dysfunktion (CDM) ist eine klinische Erscheinung mit schmerzhaften Symptomen (Kopfschmerzen, Gesichtsschmerzen, Verspannungen), die die craniomandibulären Muskeln während einer Dysfunktion entwickeln. Schädel und Kiefer sind in der Tat in einer Masse von Muskeln eingebettet, die das anatomisch und funktionell beeinträchtigte Verhältnis der pathologischen temporo-mandibularen Kiefergelenke spüren.
Die häufigsten Symptome einer Kiefergelenk-Dysfunktion sind lokal: Eingeschränkte Kieferöffnung, Schmerzen und Nebengeräusche der Kiefergelenke (Click – Clack – Pop – Snap – Scrunck).
Es können aber auch Symptome in einem größeren anatomischen Bereich erscheinen: Kopfschmerzen, Nackenverspannung, Hörminderung, Ohrenschmerzen, Wangenknochenschmerzen, Gesichtsverspannungen, Ohrgeräusche (Tinnitus), Schwindel, Nackensteifigkeit, Parästhesie im Rücken, in den oberen Gliedmaßen und in den Händen, Schluckbeschwerden oder Schluckstörungen.
Die extremsten Symptome können sich durch akute oder chronische Blockaden der Gelenke (Eingeschränkte Kieferöffnung, bis der Mund nicht richtig aufgeht), durch unerträgliche Schmerzen oder durch Schmerzsyndrome des Nervus trigeminus (stechende Schmerzen oder Stromstöße im Bereich des Gesichtsschädels) äussern.
Die häufigsten Ursachen von CDM oder einer muskulären Dysfunktion sind:
– Malokklusion (die Ober- und Unterkieferzähne greifen nicht harmonisch ineinander und/oder sie sind schlecht ausgerichtet);
– asymmetrisches Gesichtsschädelwachstum;
– Mundatmung;
– direkte oder indirekte mandibulär-kraniozervikale Traumata;
– schlechte Körperhaltung;
– orthopädische und/oder physiatrische Pathologien mit einer Fehlhaltung des Kopfes;
– Angst und Stress;
– Parafunktionen (Bruxismus, Kaugummi, Nägel und / oder Objekte kauen);
– Bandlaxität (eine häufiger bei Frauen vorkommende Überdehnbarkeit der Gelenke).
Die oben aufgezählten sind die häufigsten Ursachen einer mandibulär-kraniozervikalen Dysfunktion (Muskeln, Knochen, Gelenke).
Die Therapie ist daher ein direktes Ergebnis der Diagnose: im Falle einer Muskelerkrankung wird das Ziel sein, die Entspannung und die Muskelaufbereitung durch die Verwendung von Aufbissschienen und (falls notwendig) von Muskelrelaxantien zu ermöglichen. Im Falle einer intraartikulären Pathologie geht es dagegen darum, je nach Komplexität des anatomischen Schadens, das Unterkiefer neu zu positionieren. Dadurch soll eine korrekte Position des Discus articularis oder eine Dekompression der Gelenke erreicht werden, falls das Discus articularis mit Aufbissschienen nicht wiederherstellbar sein sollte.
Eine stabile Okklusion in der therapeutischen Position trägt sicher zur Erhaltung der Remission bei, die nach der gnathologischen Therapie erreicht wurde. Diese Stabilität kann so erreicht werden: durch kleine Änderungen (okklusales Einschleifen) der Anatomie der Zahnoberflächen im Falle kleiner Abweichungen; durch Ausführung eines partiellen (Inlays) oder kompletten (Kronen) Zahnersatzes im Falle mittelgroßer Diskrepanzen; durch kieferorthopädische Repositionierung der Zähne bei erheblichen Abweichungen.