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Ein Networker wandert aus
An einer Network Soirée im Februar weihte Markus Rogenmoser die Networker in seine Pläne ein, nach Kambodscha auszuwandern.
Markus, du wanderst in Kürze nach Kambodscha aus. Was hat dich dazu bewogen?
Die Liebe zum Land. Ich bin in den letzten fünf Jahren immer wieder nach Kambodscha gereist. Der Wunsch nach einem Wechsel, nach etwas Neuem in meinem Leben, wurde immer stärker.
Ich bin völlig unabhängig. Ich habe weder Kinder noch einen Partner, daher ist es für mich einfacher, einen solchen Schritt zu wagen. Ich war lange in der Informatik und der Telekom tätig und habe mich kaputt gearbeitet. Das war ein weiterer Grund, der mich zu einem Neustart bewogen hat.
Wie kann man sich Kambodscha vorstellen?
Kambodscha hat während dem Regime der Roten Khmer in den Siebzigerjahren extrem gelitten und gehört heute zu den ärmsten Ländern Südostasiens. Es ist faszinierend, dass die Menschen dort trotzdem glücklich sind und einen anlachen, obwohl sie sehr einfach leben und das monatliche Durchschnittseinkommen bei umgerechnet 100 Schweizer Franken liegt.
In Kambodscha befinden sich wunderschöne Tempelanlagen, darunter Angkor Wat, das weltweit grösste religiöse Bauwerk. Auch landschaftlich hat das Land viel zu bieten: Unberührte Dschungellandschaften, Mangrovenwälder, Flüsse, Meer und Strand. Auch Tonle Sap, Südostasiens grösster Binnensee, ist in Kambodscha zuhause.
«Die Hauptstadt Phnom Penh ist sehr faszinierend, für meinen Geschmack aber zu hektisch.»
Was hast du in Kambodscha vor?
Ich möchte ein Guesthouse eröffnen. Ich weiss noch nicht genau wo, aber mein Ziel ist es, Kambodscha den westlichen Gästen näher zu bringen. Dabei möchte ich auch mit Einheimischen zusammenarbeiten und ihnen zu einem Einkommen verhelfen.
Welche Orte kommen in Frage?
Die Hauptstadt Phnom Penh ist sehr faszinierend, für meinen Geschmack aber zu hektisch. Vielleicht Siem Reap, der Touristenort bei Angkor Wat. Dort könnte ich mich gut auf ein Kundensegment spezialisieren und zum Beispiel ein gayfriendly Guesthouse eröffnen. Oder vielleicht Koh Kong, die Provinz in der Nähe der thailändischen Grenze. Hier wurde erst kürzlich eine Durchfahrtsstrasse nach Siem Reap eröffnet, was mehr Touristen in die Region bringen wird. Die Mangrovenwälder, der Dschungel, die Fauna und die Wasserfälle sind sehr reizvoll – dort könnte ich mich auf Ökotourismus konzentrieren.
Sprichst du Kambodschanisch?
Ein paar Worte. Ich konnte soeben die Sprachkurs-CD aus dem Container retten, der gleich Richtung Rotterdam und dann nach Sihanoukville verschifft wird. Vor Ort werde ich einen Privatlehrer engagieren, um die Sprache intensiv zu lernen. Dafür muss man sich Zeit nehmen.
Wie sieht das erste Vorgehen vor Ort aus?
In Kambodscha treffe ich meinen Geschäftspartner, einen einheimischen jungen Mann, den ich schon seit fünf Jahren kenne. Gemeinsam werden wir herumreisen und einen geeigneten Ort für das Guesthouse suchen. Wir verstehen uns gut und er unterstützt mich sehr bei meinem Vorhaben. Aber da läuft nichts zwischen uns. Er hat eine Freundin und erwartet sein erstes Kind (lacht). Jetzt beginnt in Kambodscha erst einmal die Regenzeit und viele verkaufen oder vermieten ihr Geschäft, wenn es in der Hauptsaison nicht so gut gelaufen ist. Eine ideale Zeit also, um etwas Geeignetes zu finden. Bis zum Start der nächsten Hauptsaison im September haben wir genügend Zeit, etwas zu finden, zu renovieren und dann zu eröffnen.
«In Kambodscha befinden sich wunderschöne Tempelanlagen.»
Wie steht es um der Akzeptanz von Homosexualität in Kambodscha?
Gut, wenn auch anders, als wir es uns hier zulande gewohnt sind. Wie Thailand ist Kambodscha ein buddhistisches Land und die Homosexualität wird nicht öffentlich gelebt. Man sieht aber auch keine heterosexuellen Paare, die in der Öffentlichkeit Zärtlichkeiten austauschen. Das gehört sich einfach nicht. Was sich in den Schlafzimmern abspielt, ist Privatsache und wird auch akzeptiert. Kambodscha ist ganz klar kein Land für schrille Pride-Veranstaltungen.
Wie waren die Reaktionen der Networker, als du an der Network Soirée von deinem Vorhaben berichtet hast?
Für mich ist es immer wieder eine Bestätigung, wenn ich die Reaktionen der Leute sehe. Ich höre kaum Sätze wie «Du bist ein Spinner, das geht sowieso in die Hose.» Man spricht mir Mut zu und lobt mein Vorhaben, etwas Neues zu wagen, auch wenn sie es nicht selber machen würden. Wenn jeder Zweite, der mir bereits gesagt hat, dass er mich besuchen kommt, auch tatsächlich kommt, habe ich die Hütte voll (lacht)!
Bleibst du Network als Mitglied erhalten?
Selbstverständlich! Sobald ich in Kambodscha etwas gefunden habe, kehre ich für kurze Zeit in die Schweiz zurück. Wenn es für die GV in Basel reicht, bin ich sicherlich dabei, sonst gerne an einem anderen Event. Ich freue mich schon jetzt, an einem Network-Anlass ausgiebig von meinen Erfahrungen zu berichten.
Interview: Greg Zwygart
Bilder: Markus Rogenmoser