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Collegium 1704 Václav Luks
Serenade für Bläser –
W. A. Mozart, A. Dvorák
Was eine Serenade ist, lässt sich mit Rückgriffen auf «serenare» (it: aufheitern), «sereno» (it. «heiter»), oder «sera» (it. «Abend») erklären. Die nicht eindeutige Wortherkunft hat Konsequenzen für die Bezeichnung musikalischer Gattungen. «Serenata» im 18. Jahrhundert meinte eine Huldigungsmusik für mehrere Sänger und Instrumente, «Serenade» eine «heitere Abendmusik» im allgemeineren Sinn für Instrumentalbesetzungen, oft unter freiem Himmel, im Deutschen «Ständchen». Verwandt mit der Serenade sind das Diver-timento, das Notturno und die Kassation.
Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) lebte in Salzburg und in Wien in einem Milieu, in dem Serenaden, Divertimenti, Notturni und Kassationen zu den unterschiedlichsten Ge-legenheiten und für verschiedenste Beset-zungen entstanden. Eine Sinfonie unterschied sich in den 1770er und 1780er Jahren oft nur durch die Anzahl der Sätze von einer Serenade. Gelegentlich entstanden aus fünf- bis achtsätzigen Serenaden durch einfache Kürzung viersätzige Sinfonien. Als Kaiser Joseph II. im Jahre 1782 am Hof eine «Har-monie» in Oktettbesetzung einrichtete, setz-te er damit einen wegweisenden Trend.
In diesen Zusammenhang gehören Mozarts drei grosse Bläserserenaden, von denen die Gran Partita KV 361 nicht nur mit je zwei Oboen, Klarinetten, Bassethör-nern und Fagotten sowie vier Hörnern und Kontrabass eine überaus starke Besetzung vorschreibt, sondern hinsichtlich ihres Umfangs und Anspruchs gewohnte Dimensionen sprengt. Dieses Werk repräsentiert einen kurzen Moment der europäischen Musikgeschichte, in dem gehobene Unterhaltung und geistiger Anspruch von ein und demselben Werk realisiert werden konnten.
Als eine Reminiszenz an dieses Werk gilt die Serenade d-moll op. 44 von Antonín Dvořák (1841–1904) für je zwei Oboen, Kla-rinetten und Fagotte, drei Hörner, Violoncello und Kontrabass sowie Kontrafagott ad libitum. Fasziniert von Mozarts Gran Partita komponierte Dvořák innerhalb weniger Wochen seine eigene Serenade. Die Uraufführung fand am 17. November 1878 in Prag statt, bei einem Konzert mit ausschliesslich eigenen Werken.
Das «Prager Barockorchester Collegium 1704» und das Vokalensemble «Collegium Vocale 1704» wurden im Jahr 2005 von dem Cembalisten und Dirigenten Václav Luks anlässlich des Projektes BACH-PRAHA-2005 gegründet und waren Impuls für eine regelmässige Zusammenarbeit mit dem Inter-nationalen Musikfestival «Prager Frühling».
Seit 2007 ist es regelmässig zu Gast bei Festivals in ganz Europa, sowie als «artist in residence» bei «Alte Musik Utrecht» und beim «Bachfest Leipzig». 2008 initiierte es die Konzertreihe «Musikbrücke Prag – Dresden», die an die reichen kulturellen Traditi-onen beider Städte anknüpft. Die Zusammenarbeit mit renommierten Solisten führte im Jahr 2012 zu einem zweiten Konzertzyklus mit dem Titel «Collegium 1704 im Rudolfinum» (anfangs: «Opernstars des Barock»), der in der Konzerthalle des Prager Rudolfinums veranstaltet wird. Im Herbst 2015 wurden diese beiden Reihen zu einem Konzertzyklus zusammengeführt, der parallel in Prag und Dresden erklingt.
Für die erfolgreichen Opernaufführungen in Prag, Caen, Dijon, Luxemburg und Wien wurde das Collegium für die Interna-tional Opera Awards 2014 nominiert.
Im Jahr 2014 produzierte es zusammen mit Bejun Mehta eine DVD von C. W. Glucks Oper «Orfeo ed Euridice» und arbeitete im Rah-men der BBC-Produktion «Mozart in Prag» mit Ronaldo Villazon zusammen. Aufnahmen für die Labels Accent, Zig-Zag Territoires und Supraphon erhalten regelmässig internationale Anerkennung. 2013 veröffentlichte das Collegium 1704 die lang erwartete Auf-nahme von J. S. Bachs Messe in h-Moll. Die jüngsten CD-Veröffentlichungen beinhal-ten die Ersteinspielung der «Missa Divi Xa-verii» von J. D. Zelenka, «Sonatas a 2 oboi (violino) e 2 bassi obligati» sowie die Violinkonzerte D-Dur, E-Dur und A-Dur von Josef Mysliveček.