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Aus Sicht der Arbeitspsychologie wächst Kompetenz aus dem Berufshandeln
Möchten Sie beurteilen, wie qualifiziert jemand wirklich arbeitet, so befragen Sie ihn dazu, was er kann und worin sich dies zeigt. Begleiten Sie die Person bei ihren Tätigkeiten und beurteilen Sie die Resultate.
Mehr zu den Definitionen für die Berufspraxis lesen Sie in den folgenden Abschnitten.
Calchera und Weber (1990) definierten Kompetenz, aus dem Lateinischen «cum» und «petere» als «mit» und «streben nach», was «schritthalten (können), ausreichen, zusammentreffen» bedeutet. Bei Lernprozessen entspricht dies den Formulierungen wie, «er kommt mit» und «sie kann folgen». Eine Kompetenz ist die Fähigkeit, in dem jeweiligen Gebiet «mitzukommen» und «zu folgen». Dies setzt einen direkten Vergleich mit einer konkreten Situation voraus. Eine Kompetenz kann, wenn sie erkannt und richtig eingestuft wurde, auch als Qualifikation bestätigt werden.
Die andere Bedeutung des Wortes Kompetenz als Zuständigkeit, stammt aus einer Zeit, in der noch beide Eigenschaften zusammenhingen: Wer in einem bestimmten Gebiet schritthalten konnte, war auch dafür «zuständig». Die Autoren betonen, dass die Überprüfung von Kompetenzen immer auch die «Umweltbedingungen» in der Geschichte eines Individuums mitbetrachtet. Kompetenzen können somit nicht wie Fertigkeiten trainiert werden, sondern entstehen «selbstschöpferisch», immer wenn sich die notwendigen «Umweltbedingungen» einstellen. Auch Fertigkeiten und Techniken (Skills) kommen in der Praxis also nicht mechanisch, sondern eben «kompetent», das heisst aus der Situation heraus angemessen und passend zum Ausdruck.
Le Boterf (2000, PDF 481 KB) unterscheidet Ressourcen von Kompetenzen: d.h. Kenntnisse, Fertigkeiten, Fähigkeiten und Umfeldbedingungen. Ressourcen stellen das Potential einer Person mit ihrem Vorwissen und ihrer Erfahrung dar. Kompetenzen hingegen entstehen nach Le Boterf erst, wenn Ressourcen an Ort mobilisiert werden und sich im Verhältnis zu erwarteten Leistungen zeigen. Aus- und Weiterbildung kann deshalb hauptsächlich Ressourcen berücksichtigen, entwickeln, transparent machen und zur Verfügung stellen. Bildung schafft nur Voraussetzungen, ohne die angestrebte Wirkung gleich mitzuproduzieren. So gilt:
Kompetenzen werden nur im Arbeitsprozess sichtbar und können nur dort evaluiert werden.
Die ausgewiesene und sichtbar gewordene Kompetenz nennt Le Boterf in Anlehnung an Chomsky «Performanz». Darin lässt sich keine künstliche Aufteilung in Selbst-, Sozial-, und Fachkompetenz mehr erkennen. Sondern erst diese Performanz wird «qualifizierbar» und von einer externen Autorität anerkennbar.
Aus Performanz kann also auf Kompetenz geschlossen werden.
Das Ausbleiben von Performanz heisst aber nicht, dass Kompetenz nicht vorhanden ist. Transfer von Wissen oder Kompetenzen ist immer kontextabhängig und steht wahrscheinlich auch im engen Zusammenhang mit dem jeweilig fachspezifischen Wissen.
Wissen wird also nicht importiert und verarbeitet wie ein industrieller Rohstoff, sondern als Transferwissen in problemhaltigen, komplexen und sozialen Lernkontexten aufgebaut und – wenn schon – dann im Praxisalltag verallgemeinert.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass mit Kompetenzen Verbindungen von Wissen, Können, Erfahrung und Haltungen gemeint sind, mit denen komplexe Situationen eigenständig in der Praxis handelnd bewältigt werden können. Daneben beinhalten Kompetenzen nicht zuletzt auch motivationale Elemente wie zum Beispiel den Willen, ein Problem lösen zu wollen, die Ausdauer, Rückschläge zu ertragen oder die Ambiguitätstoleranz (d.h. die Fähigkeit, mehrdeutige Situationen und widersprüchliche Handlungsweisen auszuhalten).
Solche Überlegungen führten unter anderem zum CoRe (Kompetenzen-Ressourcen)-Projekt in der Schweizer Berufsbildung (PDF 420 KB), welches ein Modell der Curriculumsentwicklung präsentiert. Es basiert auf den Säulen «subjektive Dimension», «soziale Dimension» und «Theoretische Bezüge» (Ghisla et al. 2008) und soll Lernenden ermöglichen, Kenntnisse , Fähigkeiten und Haltungen (so genannte Ressourcen) zu erwerben für eine kompetente Bewältigung von komplexen Praxissituationen.
Lesenswert: Problem-based Learning greift Kompetenz auf
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