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von Gaëtan Cassina und Alain Besse
In der Burg des Domkapitels auf dem Valeria-Hügel von Sitten, wurde zu Beginn des 14. Jh in einem Gebäude, das ein Jahrhundert zuvor erbaut wurde, ein Saal neu ausgestattet. Ein gemalter Dekor, der die Wände, die Decke und einen Kamin bedeckt, wurde im Verlauf von bauarchäologischen und historischen Forschungen genauer untersucht; unterstützt wurden die Ergebnisse durch dendrochronologische Datierungen und einer genauen Prüfung der Objekte während der Restaurierung 1997/1998.
Dieser vielschichtige Forschungsansatz führt zu neuen Erkenntnis über die Caminata, den Festsaal in der Valeria. Zunächst musste die bisherige Datierung des Gebäudes (um 1225/30), welche um 1900 mittels historischer Forschung vorgeschlagen wurde, aufgrund der dendrochronologischen Fakten revidiert werden. Sowohl die Befunde am Bau wie die Daten der Dendrochronologie und die stilistischen Merkmale führen zu einer neuen Interpretation der heraldischen Elemente: In Verbindung mit einer Turnierszene auf dem Kamin erinnern sie stark einem veritablen (politischen) Kampf. Der historische Kontext bestätigt eine Datierung des Saales auf das Ende des ersten Drittels des 14. Jh., die gut mit der Darstellung von politischen Zwischenfällen und regionaler Auseinandersetzungen dieser Epoche zusammenpasst.
Aymo von Turn, Bischof von Sitten und bedeutender Grundherr im Wallis, nahm die Einsetzung als Lehensträger der Grafen von Savoyen nicht an, da er deren Expansionsbestrebungen im Wallis fürchtete. Aus der mächtigsten Familie des Wallis im 13. und 14. Jh stammend, residierte er auf der Gestelnburg bei Raron. Ursprünglich kam die Familie aus der Dauphiné (südliche Savoyeralpen), weshalb er 1327 mit dem Dauphin von Viennois ein Schutz- und Angriffsbündnis schloss; der Dauphin war nämlich ein erklärter Gegner der Savoyer, die er mit der Unterstützung weiterer regionaler Familien wie z.B. der Grafen von Genf und den Herren von Charolon-Arlay bekämpfte. Die Wappen auf den Wechselbalken beim Kamin, oberhalb der Turnierszene, in der sich die Dauphiné und Savoyen gegenüberstehen, erinnern an diese Koalition, zeigen gleichzeitig aber auch Savoyen mit seinen wappenmässigen Eltern, den Königen von Frankreich und England. Der Bischof von Sitten, dessen Wappen Teil eines Schilden-Fries an der Wand des Saales ist, wollte damit zum einen an einen Sieg erinnern, den seine künftigen Verbündeten 1325 über Sayoyen erlangten, und damit die Erfolge seiner Politik darstellten, zum anderen aber auch an den Frieden von 1329, der das politische Gleichgewicht für kurze Zeit sicherte.
Solange das Domkapitel die Herrschaft über den Hügel und damit auch über die Burg hatte, war dem Bischof nur mit kleinem Gefolge erlaubt, sich hier aufzuhalten; er besass erst ab der Mitte des 14. Jh. ein eigenes Gebäude, und dieses ist vermutlich dasjenige, in dem sich der Festsaal, Caminata genannt, befand - ganz am unteren Rand der Burg, gleich neben dem Wachtlokal.
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: Dauphiné Savoie : joute ou combat au château de Valère, à Sion ? - Décor héraldique et affrontement de chevaliers dans la Caminata (vers 1330)
, Alain
Mittelalter – Moyen Age – Medioevo – Temp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 19. Jahrgang 2014, Heft 1, 15 - 25.