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Elemente
Ernte
[* 1] (plattd.
Aust, oberd. Fechsung, Fächsung, selten Ohst), das
Geschäft des Einbringens der angebauten
Gewächse,
besonders der reifen
Feldfrüchte. Die Getreide
ernte ist bei den verschiedenen Getreidearten im wesentlichen gleich. Hauptsache
bei der
Ernte ist schnelle Geschäftsförderung, um dem Körnerverlust vorzubeugen und die oft
schnell vorübergehende günstige
Witterung zu benutzen. Der rechte Zeitpunkt zur der Getreidearten ist gekommen, wenn die
Körner »gelbreif« geworden.
Als Zeichen der Gelbreife gilt, daß sich das
Korn über den Fingernagel brechen läßt, ferner bei
Weizen das Sichbräunen
der obersten Halmknoten. Am längsten Zeit kann man dem
Hafer
[* 2] lassen, da er schwerer als die übrigen
Cerealien ausfällt.
Hirse,
[* 3]
Hanf,
Mais,
Kümmel,
Mohn u. a. reifen sehr ungleich, und der Zeitpunkt der
Ernte ist so zu wählen,
daß weniges überreif und weniges unreif geschnitten wird, wenn man nicht, wie dies in kleinen
Wirtschaften üblich, je
nach fortschreitender
Reife auch die
Ernte fortschreiten lassen kann.
Getreide, [* 4] welches rasch verbraucht wird, kann minder reif sein als das, welches länger aufbewahrt werden soll; solches, welches sofort auf dem Feld gedroschen wird (mit Maschinen), und solches, welches in den abgeschnittenen Halmen nachreifen kann, schneidet man vor vollendeter Ausreifung aller Körner, ebenso alle Arten, deren Ähren bei zu großer Hitze und Ausreifung leicht brechen (z. B. Gerste), [* 5] oder Schotenfrüchte, deren Samen [* 6] durch Platzen der Schoten leicht ausfallen (Rapsarten, Hülsenfrüchte).
Gegen die Reifezeit hin wandern die wichtigern
Nährstoffe von den
Wurzeln und
Stengeln mehr und mehr in die
Blätter und
Ähren,
zuletzt in die
Körner. Je länger die
Früchte auf dem
Halm stehen, um so gehaltloser wird das
Stroh. Die
der
Kartoffeln kann begonnen werden, wenn nach dem
Absterben des
Krauts die
Schale der
Kartoffel sich mit dem
Finger nicht mehr
abdrücken läßt. Die
Rübe, zumal die
Zuckerrübe, soll ge
erntet werden, wenn die
Blätter beginnen, matt
zu werden. Die größte Achtsamkeit erfordert der
Hopfen
[* 7] bei Bestimmung der rechten
Erntezeit; die
Zapfen
[* 8] des
Hopfens zeigen
beim Zusammendrücken Klebrigkeit und dehnen sich langsam wieder aus, gerieben riecht er stark aromatisch, seine
Farbe ist
je nach Art gelblichgrün oder bräunlichgelb.
Zum Ab
ernten
(Mähen, Hauen, Einschneiten) bedient man sich vorzugsweise der
Sense, häufig auch der
Mähmaschine,
der
Sichel nur bei
Pflanzen, welche besondere
Vorsicht erheischen, um dem Körnerausfall vorzubeugen
(Kümmel etc.), und welche
besondern
Widerstand leisten, wie der starkstengelige Grünmais etc. Zum Ausgraben der
Kartoffel verwendet man meist die Handhacke,
läßt auch den
Haken vorarbeiten. Die Kartoffelausgrabemaschinen, welche besonders in letzter Zeit auf
den
Markt gebracht wurden, besitzen noch nicht die nötige Vollkommenheit, um sich allgemeiner einzubürgern.
Die Rüben gräbt man entweder mit der Grabegabel aus, oder bedient sich des Rübenrodepflugs. Während die Hackfrüchte sofort vom Feld an ihren Aufbewahrungsort gebracht werden, hat das Getreide meist noch im Feld nachzureifen und abzutrocknen; zu diesem Zweck werden die Garben je 6-60 in verschiedener Weise in kleine oder größere Haufen zusammengestellt. Die kleinste Art, die Puppe [* 1] (Fig. 1), wird gebildet, indem man eine Garbe senkrecht stellt, 5-8 im Kreis [* 9] daran anlehnt und die Spitze mit einem Seil aus Stroh etc. fest zusammenbindet, um sie gegen Umwerfen durch Wind zu schützen.
Will man einen Schutz auch gegen Regen geben, so bindet man um die Spitze herum eine Garbe (Haube) mit den Ähren nach unten. Diese Deckgarbe muß stärker gemacht und recht fest, möglichst nahe am Sturzende, gebunden werden. Das in solche Puppen gesetzte Getreide hält sich bei sorgfältiger Ausführung der Arbeit auch bei anhaltend nasser Witterung sehr gut, reift vollkommen nach, hält sich auch nach dem Einbringen in die Scheune gut, läßt sich leicht ausdreschen u. gibt auch gutes Stroh. Bei Sommergetreide möchte das Puppen aber nur dann zu empfehlen sein, wenn dasselbe die gehörige Länge hat; doch ist es auch bei der Gerste und dem Hafer mit Nutzen anzuwenden. Bei günstiger Witterung genügt das Zusammenlegen in Prismen, wie [* 1] Fig. 2 zeigt. Unter den übrigen Aufstellungsweisen des geschnittenen Getreides sind besonders noch die Kreuzmandeln (Getreidekreuze, [* 1] Fig. 3) zu erwähnen als geeignet für den später geschnittenen Roggen und bei günstiger Witterung. Es werden hierbei zuerst 4 Garben horizontal und kreuzweise so auf die Erde gelegt, daß die Ährenenden in der Mitte aufeinander zu liegen kommen, und zwar werden sie auf diese Weise dreifach aufeinander gelegt, so daß ein aus 12 Garben bestehendes Kreuz [* 10] entsteht; auf einen Flügel desselben legt man darauf 2 Garben und auf diese wieder eine Garbe in der Weise, daß die Sturzenden nach Morgen gerichtet, die Ähren aber abwärts nach der Wetterseite zu gerichtet sind und ein schräges Dach [* 11]
^[Abb.: Fig. 1. Getreidepuppe.]
[* 1] ^[Abb.: Fig. 2. Getreideprisma.]
[* 1] ^[Abb.: Fig. 3. Getreidekreuz.] ¶
forlaufend
bilden. Pyramiden bildet man, indem man 2 Garben gegeneinander so anlehnt, daß die Ähren in die Höhe stehen, dazwischen wieder 2 Garben ebenso aufstellt und die Zwischenräume mit 4 Garben ausfüllt. Garbenkasten [* 12] (Fig. 4) entstehen, wenn man eine Garbe in die Mitte und 4 Garben um dieselbe herumstellt, in die Zwischenräume weitere 4 Garben bringt und auf sämtliche Garben eine Garbe als Hut [* 13] aufstülpt; Dachhaufen, wenn man 2 Garben übereinander auf die Erde legt und zwar in der Weise, daß das Sturzende der einen nach Süden, das der andern nach Norden [* 14] gerichtet ist, und auf diese erst 6, dann 4 und 3 Garben so legt, daß sie einen Haufen mit einem nach Westen schräg ablaufenden platten Dach bilden. Gewöhnlich wird das Sommergetreide in solche Dachhaufen gesetzt, wiewohl es rätlicher ist, dasselbe einige Tage nach dem Mähen in kleinen Spitzhaufen aufzustellen und diese erst beim Einfahren zu binden. Solche Spitzhaufen bildet man, indem man beim Aufharken der Schwaden starke Wickel bildet, diese in eine Spitze zusammengedrückt aufstellt und die Sturzenden kreisförmig ausbreitet. Zur Bildung von Stiegen (Zeilen, [* 12] Fig. 5) werden die Garben von kurzhalmigem Getreide in zwei dachförmig gegeneinander geneigten Reihen aufgestellt und die beiden Garben an den Enden der Reihen mit einem Band [* 15] umschlungen. Um dem Auswachsen des geschnittenen Getreides (s. Auswachsen des Getreides) vorzubeugen, wozu besonders regnerische, windstille Witterung mit abwechselndem Sonnenschein Veranlassung gibt, muß man die noch in Schwaden auf dem Feld liegende Frucht mit dem Harkenstiel oder mit der Hand [* 16] wenden und die schon gebundene und aufgeschichtete wieder in Garben zerlegen und ausbreiten.
Nach dem Aufbinden und Aufschichten wird das Feld behufs des Sammelns der liegen gebliebenen Ähren nachgeharkt, was entweder mit dem gewöhnlichen Rechen, oder der Hungerharke, einem großen von Menschen oder Tieren gezogenen Rechen, geschieht, oder auch mit Hilfe der Kornharke, die aus einem auf zwei eisernen Rädern ruhenden Gestell besteht, an dessen vorderm Balken eiserne, bewegliche, dicht aneinander stehende, gekrümmte Zähne [* 17] befestigt sind. Eine weitere Hauptregel ist endlich, daß alle Halmfrüchte nur in trocknem Zustand eingefahren werden, weil sie, naß in die Scheune gebracht, hier mehr dem Verderben ausgesetzt sind als beim ungünstigsten Wetter [* 18] auf dem Felde.
Daher muß man heitere, sonnige Tage zum Einfahren wählen. Das Einbansen des Getreides erfolgt in Scheunen so, daß demselben
möglichst starker Luftzug nicht abgeht, besonders in dem Fall, wenn es nicht vollkommen trocken eingebracht werden kann,
oder auch in Feimen (Mieten, Triesten, Diemen) mit und ohne Feimgestelle. Letzteres
Verfahren findet immer
mehr Anklang, da man bedeutend an Arbeit während der
Ernte spart und im Winter Zeit genug zum Einfahren der Feimen hat; gut gesetzt
und gut bedeckt (mit Stroh, Schilf etc.) hält sich Futter und Getreide in denselben mindestens so gut wie in Scheunen, welche
außerdem auch ein beträchtliches Kapital repräsentieren und kostspielige Unterhaltung erfordern. -
Die der Ölgewächse, mit Ausnahme der des Mohns, wird fast auf gleiche Weise und mit denselben Instrumenten wie die Getreide
ernte
vollführt.
Hierbei ist es aber von besonderer Wichtigkeit, den richtigen Zeitpunkt der
Ernte zu beachten, und nötig, die Gewächse, die
bei hohem, starkem Halm jederzeit am vorteilhaftesten mit der Sichel abgenommen werden sogleich nach dem Abschneiden in Bunde
zu binden und diese in Haufen gestellt abtrocknen zu lassen sowie beim Heimfahren derselben die
Erntewagen mit großen Leinwandplanen
zu bedecken und mit grobem Segeltuch auszuschlagen oder gleich auf dem Feld auszudreschen.
Die Aufbewahrung der Hackfrüchte geschieht meist in Mieten (Kupsen etc.), d. h. sie werden aus der Erde, im Feld, Hof
[* 19] etc., in
lange, prismatische Haufen geschichtet, zunächst mit Stroh und dann mit 30-100 cm Erde bedeckt. Die einzelnen Mieten werden gewöhnlich
so groß angelegt, als man mit vorhandenen Kräften an einem Tag einfahren kann. Der rechte Zeitpunkt zur
Futter
ernte (Werbung) ist die beginnende oder volle Blüte;
[* 20] in dieser Zeit geben die Futterpflanzen bei größter Quantität
auch die beste Qualität; sie enthalten jetzt die meiste Menge an Nährstoffen, die Stengel
[* 21] sind noch unverholzt, und die Blätter
(Klee, Gras etc.) sind noch nicht abgefallen (s. Heu).
Bei der Obst
ernte entnimmt man die Früchte den Bäumen entweder durch Schütteln, oder durch Abschlagen, oder durch sorgfältiges
Abpflücken derselben mittels der Hand. Ersteres findet nur bei geringern und besonders harten Obstsorten, namentlich dann
statt, wenn dieselben für den sofortigen Verbrauch, nicht aber zu längerer Aufbewahrung bestimmt sind;
das zweite kommt nur bei Abnahme der verschiedenen Arten Nüsse vor; das dritte Verfahren aber macht sich bei allen feinern,
bessern Obstsorten, z. B. bei Kirschen, Aprikosen, Pfirsichen und edlern Äpfel- und Birnenarten, nötig, um so mehr, wenn
diese längere Zeit aufbewahrt werden sollen.
In neuerer Zeit hat man sich vielfach bemüht, die Abhängigkeit der
Ernte von der Witterung zu vermindern
und zu diesem Zweck die Arbeit durch Anwendung der Mähmaschine etc. zu beschleunigen; auch wurde die Anwendung des elektrischen
Lichts empfohlen, und Neilson u. a. haben ein Verfahren angegeben,
[* 12] ^[Abb.: Fig. 4. Garbenkasten.]
[* 12] ^[Abb.: Fig. 5. Stiege.] ¶
forlaufend
in Mieten aufgesetztes Gras oder Getreide zu trocknen. Man bildet beim Bau der Miete in der Achse derselben einen cylindrischen Hohlraum, der oben abgeschlossen wird, fügt an den Fuß desselben einen horizontal verlaufenden Kanal [* 23] und an der äußern Mündung des letzteren einen durch Dampf [* 24] oder Göpel [* 25] zu treibenden Ventilator. Sobald in der Miete eine Temperaturerhöhung wahrgenommen wird, setzt man den Ventilator in Thätigkeit. Dieser saugt den Wasserdampf aus dem Innern der Miete ab, während frische Luft in die Miete eindringt, sie abkühlt und das Heu oder Getreide trocknet. Nach den bisherigen Erfahrungen scheinen diese Methoden ihren Zweck noch nicht hinreichend zu erfüllen.
[Erntegebräuche.]
Von alters her war die
Ernte, von deren Ausfall das materielle Wohl der meisten Menschen abhängig ist, mit religiösen
Gebräuchen und Volksbelustigungen verknüpft. So begingen die alten Griechen zur
Erntezeit Feste zu Ehren der Demeter
[* 26] (Ceres),
auf die man die Einführung des Getreidebaues zurückführte. Auch die alten Germanen pflegten vor dem
ersten Schnitte die Hilfe der Götter anzurufen und ihnen wohl auch die ersten Garben zu weihen. Hieran erinnert noch das in
manchen Gegenden Deutschlands
[* 27] übliche Stehenlassen eines Büschels Ähren, welches man in Mecklenburg
[* 28] der »Fru Gaue« stehen läßt,
in der Altmark noch selbst »Vergodendêls Struß«, d. h.
Frau Godenteilstrauß, nennt, sei es, daß es auf eine weibliche Gottheit oder auf Wodan (Gwodan) geht, wo Ver dann für Frô
(»Herr«) stände und es also den »Anteil des Herrn Wodan« bezeichnete. Im Saterland nennt man den Busch mit christianisierter Vorstellung
Peterbült (Petrus als Wetterherr gedacht). Wenn man dann in andern Gegenden eine Puppe aus dem letzten
Roggen macht und dieselbe feierlich einholt und den »Alten« nennt,
so geht dies vielleicht auf Donar, der oft als »der Alte« (Atli) bezeichnet wurde (vgl. Ackerkulte). - Die christliche Kirche
setzte an die Stelle der altheidnischen Dankopfer ein Erntedankfest, welches noch jetzt und zwar in Norddeutschland
meist am Sonntag nach Michaelis (29. Sept.) begangen wird. Unter den Vergnügungen, welche nach vollbrachter Einfuhr des Getreides
den Arbeitern vom Gutsherrn bereitet werden, ist die gebräuchlichste das Erntebier, eine Tanzbelustigung, bei welcher den
Arbeitern Bier verabreicht und von diesen dem Festgeber eine Erntekrone oder Erntekranz überreicht zu
werden pflegt. Über die alten halbheidnischen Gebräuche vgl. Mannhardt, Wald- und Feldkulte (Berl. 1877); Pfannenschmidt, Germanische
Erntefeste im heidnischen und christlichen Kultus (Hannov. 1878).
Volkswirtschaftliches.
Die Ernten bilden eins der wichtigsten Glieder [* 29] im Kreislauf des [* 30] ganzen Güterlebens. In steter regelmäßiger Folge entsprechend dem Wechsel der Jahreszeiten [* 31] verbinden wir mit dem Boden und mit den übrigen an der Produktion beteiligten natürlichen Kräften (Luft, Wasser, Feuchtigkeit, Wärme, [* 32] Licht [* 33] etc.) die erforderlichen Arbeits- und Kapitalskräfte, um jene wertvollen Gütermassen zu erzeugen, welche als Nahrungs- und Genußmittel, Roh- und Hilfsstoffe der verschiedenen Industrien etc. in kurzen Zeiträumen, meist innerhalb der Erntejahre selbst, wieder konsumiert werden, dadurch wieder in den Kreislauf gelangen und die Mittel zu neuer Produktion bieten.
Welchen Umfang dieser sich jährlich wiederholende Prozeß gegenwärtig nimmt, kann man aus einigen Schätzungen beurteilen. Nach statistischen Berechnungen beträgt der Wert einer mittlern Getreideernte an Körnerfrucht allein (also ohne Stroh) beiläufig 27 Milliarden Mk. Die Weinernte in Frankreich, die nahezu ein Viertel der Weinproduktion Europas ausmacht, wird auf mehr als 1 Milliarde Mk. und nach diesem Maßstab [* 34] jene von ganz Europa [* 35] auf 4 Milliarden Mk. bewertet; die Tabaksernte der Vereinigten Staaten, [* 36] welche ungefähr derjenigen aller europäischen Staaten gleichkommt, wird mit 160-180 Mill. Mk., die Baumwollernte mit 1100-1200 Mill. Mk. veranschlagt; die jährliche Kaffee-Ernte hat auf den europäischen Märkten einen Geldwert von beiläufig 1100 Mill. Mk. Aus diesen wenigen Anhaltspunkten läßt sich ermessen, wie viele Milliarden alle Jahre durch die Ernten in den wirtschaftlichen Umsatz kommen.
Wenn auch der Tauschwert der Ernte erst mit steigender Kultur zu dieser numerischen Höhe gelangt ist, so war deren Bedeutung doch in gewissem Sinn in alter Zeit für die Naturalvölker, die vom Ackerbau und Bodenertrag ganz und gar in ihrer Existenz abhängig waren, von noch größerer Tragweite als für die Gegenwart. Deshalb begegnet man schon in der ältesten orientalischen Kulturepoche und im klassischen Altertum dem Bestreben, den Ausfall der Ernten möglichst rasch wenigstens im allgemeinen kennen zu lernen.
Selbstverständlich mußte man sich zuerst mit vagen Nachrichten genügen lassen; auch das ganze Mittelalter und noch der Polizeistaat im vorigen und in den ersten Dezennien unsers Jahrhunderts brachten es nicht über generelle Qualifikationen der Ernteerträge ohne ziffermäßige Angabe der Ertragsmengen. Nur ausnahmsweise begegnen wir einer förmlichen Organisierung der Ernteberichte, wie sie am weitesten zurückreichend in Schweden [* 37] (seit 1741) und in Sachsen [* 38] (1755) eingeleitet wurden.
Die mustergültigen erntestatistischen Arbeiten, welche seit 1837 in Frankreich und 1846 in Belgien [* 39] organisiert wurden, zeigten nicht bloß die Methode, nach welcher man allein auf ein stabileres und verläßlicheres Resultat der Erhebungen hoffen kann, sondern sie bewiesen überhaupt die Möglichkeit, statt der allgemeinen Bezeichnung eine in Zahlen ausgedrückte Angabe der Jahresernten zu liefern. Nun folgte bald die Einrichtung einer genauen Agrarstatistik in Preußen [* 40] (1846, Erntetabelle), in Bayern [* 41] (1854 durch Herman), in Württemberg [* 42] (1851-54 und 1857 ff.), in den Niederlanden, in Großbritannien [* 43] und Irland (1855 ff.), in Österreich [* 44] (1868) und in mehreren andern Staaten.
Die Merkmale, durch welche sich die rationellen Nachweise, welche seither in der Mehrzahl der Kulturstaaten eingeführt wurden, von den fiskalischen und polizeilichen Grundsätzen der vorhergehenden Ernteberichte unterscheiden, liegen einerseits in dem Streben nach ziffermäßigem Ausdruck für die verschiedenen Produktionsgrößen, anderseits in der Methode, durch welche man zur Kenntnis dieser letztern gelangt. Man sucht Zahlenangaben über die jährlichen Einzelerträge pro Flächeneinheit und über die daraus zu berechnenden Totalerträge, über die Qualität des Produktes (ausgedrückt im Gewicht), über die Quantität und den Marktpreis.
Aus solchen durch längere Zeit fortgesetzten Beobachtungen und ihrer Aufzeichnung sucht man heute in der Mehrzahl der Staaten die Beschaffenheit einer Durchschnitts- oder Mittelernte ziffermäßig festzustellen und bezeichnet deren Größe durch die Zahl 100; die einzelne Jahresernte wird dann in ihrer Qualität und Quantität nicht bloß absolut angegeben, sondern soll zugleich durch jene Relativzahlen, welche ihr Verhältnis zur Mittelernte ausdrücken, charakterisiert werden. Man hat also in diesen ¶