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Was verbindet die Begriffe Bindegewebe, Faszien und Rolfing?
In diesem Artikel wird erklärt, was man unter den Begriffen Bindegewebe, Faszien und Rolfing versteht und wie diese Begriffe zusammenhängen. Wenn Sie sich unter dem Begriff Bindegewebe nicht viel vorstellen können, dann wird Ihnen der Artikel sicherlich weiterhelfen.
Einleitung
Stellen wir uns einmal das Bild eines Affen vor, der sich von Baum zu Baum schwingt. Beim Affen ist dann alles in Bewegung. Was geschieht jedoch, wenn wir Menschen uns an einen Baum hängen? Wir bleiben steif. Die Frage nach dem Warum kann jedoch nicht so einfach beantwortet werden, denn auch in unserem Organismus gibt es etwas, das die Qualität unserer Körperhaltung beeinflusst, das zusätzliche Power gibt, ohne dass unsere Muskeln hilflos, unkoordiniert und völlig überfordert wären, und das sie vor Beschwerden wie Rückenschmerzen oder Muskelkater bewahren kann und Flüssigkeit speichert. All das leistet das Bindegewebe.
Begriffserklärung
Unter den Begriff „Bindegewebe“ versteht man je nach Art der Definition verschiedene Gewebetypen. Gemeinsam ist, dass es aus Bindegewebszellen und Intrazellulärsubstanz besteht. Unter dem Begriff zusammengefasst werden Gewebe, die alles im Körper „verbinden“. Es handelt sich also um ein Gewebe, das die Organe des Körpers miteinander verbindet und umhüllt. Oft wird für den Begriff Bindegewebe auch der Begriff Faszie synonym verwendet. Vielfach wird in der Medizin jedoch zwischen Bindegewebe und Faszie differenziert. Dabei zählen dann zum Bindegewebe auch die Knochen und Knorpel oder das Blut. Bindegewebe sieht ein wenig aus, wie die milchige Haut, die sich über eine Hühnerbrust spannt, oder teils auch wie dünne weissliche Schleimfäden.
Wo kommt Bindegewebe vor?
Wenn wir mit einem Zauberstab aus einem menschlichen Körper alles entfernen und nur das Bindegewebe zurücklassen, würden wir einen exakten, räumlich geordneten Körper mit seinen Organ- und Muskelformen vorfinden. Denn die Faszien, was eine weisse Haut darstellt schlingen sich z.B. um Knochen und Muskeln oder in Bändern und Sehnen. Sie umfasst auch die Muskeln und deren Faserbündel bis hin zu deren Muskelfasern. Auch der sogenannte Sixpack wird nicht durch die Muskeln allein gebildet, sondern durch die Faszie geformt.
Traditionelle Anantomie und Forschung
Bisher wurde den „weissen Häuten“ in der Schulmedizin wenig Bedeutung beigemessen. Es gibt jedoch immer mehr Therapien, die sich auf die Faszien fokussieren und auch die Forschung auf diesem Gebiet hat zugenommen. In der Geschichte der traditionellen Anatomie war es gerade das allgegenwärtige Bindegewebe, das die Anfertigung exakter Zeichnungen von Muskeln, Knochen und Organen verhinderte. Um zu den noch heute gebräuchlichen anatomischen Bildern zu kommen, fiel es demzufolge dem Skalpell zum Opfer. Denn es wurde abgetragen, damit es einfacher war, eine Abbildung zu zeichnen.
Unterteilung in Schichten
Die Faszien können grob unterteilt werden in eine oberflächliche und eine tiefe Schicht. Die oberflächliche Schicht liegt unmittelbar unter der Haut und hat Verbindung zu Unterhautfettgewebe, Nerven, Arterien, Venen und Lymphgefässen. Die tiefe fasziale Schicht ist etwas komplexer. So umschliesst sie z.B. Muskeln und hält diese zusammen, sorgt aber gleichzeitig für eine optimale Beweglichkeit zwischen verschiedene Muskelgruppen. Sie umhüllt auch Nerven, Blut- und Lymphgefässe, Knochen, Organe, etc.
Das Bindegewebe wird aufgrund seiner Merkmale oft differenziert in lockeres, straffes, retikuläres, gallertartiges und spinozelluläres Bindegewebe.
Rolfing
Rolfing ist eine Behandlungsmethode, die den Körper aufrichtet und seine Struktur mit einer speziellen Art der manuellen Technik ausgleicht. Gegründet und benannt wurde die Methode nach Dr. Ida Rolf (* 1896 in New York; † 1979). Sie studierte Biochemie an der Columbian University und schloss als eine der ersten Frauen mit einem Doktortitel ab. Sie studierte als Wissenschaftlerin vor allem die Eigenschaften des menschlichen Bindegewebes. Daneben beschäftigte sie sich mit Yoga, Osteopathie und Homöopathie, was ihre Entwicklung bei dem Behandlungskonzept Rolfing massgeblich beeinflusste. Sie war ihrer Zeit pionierhaft voraus, als sie den massgeblichen Zusammenhang zwischen der Schwerkraft und einem harmonisch arbeitenden Bewegungsapparat des Menschen neu formulierte und das Bindegewebe in den Mittelpunkt ihres Therapieansatzes stellte. Sie nannte das Bindegewebe das Organ der Form.
Rolfing geht davon aus, dass Belastungen im Alltag oder nach Unfällen die Stütze, welches unser Bindegewebe leistet, beeinträchtigen und das dreidimensionale Netz der Faszien dauerhaft verformen. Dadurch kommt es zu strukturellen Problemen des Körpers und es entstehen Fehlhaltungen. Ziel der Behandlung ist es, dass die verschiedenen Körpersegmente wieder ein besseres Gleichgewicht finden, oder dass präventiv das Gleichgewicht aufrechterhalten werden kann. Beim Rolfing erkennt man die Bedeutung der faszialen Kette, die gewisse Körperabschnitte nahtlos miteinander verbindet. Dies kann dazu führen, dass eine Verletzung im Fuss bis zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen in der Schulter führen kann. Bei einer Rolfing-Sitzung wird mit gezieltem manuellen Druck das Bindegewebe zur Umformung angeregt. Durch den sogenannten „Rolfing Touch“ was eine einfühlsame und „schmelzende“ jedoch auch zielgerichtete Berührung ist, lässt sich die Elastizität und Gleitfähigkeit wiederherstellen und in solche Bahnen lenken, die von der Schwerkraft unterstützt werden. Dies lässt sich am Beispiel eines verstauchten Knöchels veranschaulichen: Mechanisch betrachtet wird der Körper an den überdehnten Stellen neues Bindegewebe zur Stabilisierung aufbauen – meistens übertreibt er jedoch dabei, und die Beweglichkeit des Fussgelenkes bleibt eingeschränkt. Dr. Ida Rolf setzte den Körper bereits damals in seiner Form und seinen Bewegungen in Beziehung zu seiner Umgebung – der Schwerkraft. Dies bewahrheitet sich heute, denn je nach Druck oder Zugkraft „entscheidet“ sich z.B. eine Zelle für die Zellteilung oder das Zellsterben.
Wirkung der Faszien
Neue Erkenntnisse aus der Forschung haben gezeigt, dass es nicht nur den Muskeln, sondern auch den Faszien möglich ist zu kontrahieren. Man kann sich dies vorstellen, wie eine gezogene Bogensehne. Diese Spannkraft entlädt sich dann z.B. beim Tennisaufschlag oder beim Speerwurf schlagartig. So kann festgehalten werden, dass die Faszie für Power und Schwung sorgt.
Durch die Dauerspannung im Gewebe kommt es ständig zu kleinen, gewollten Nanorupturen. Diese sorgen dafür, dass sich das Gewebe erneuert und so nicht verklebt oder verfilzt. Etwas stärkere Risse, so sagen Forscher, lösen den bekannten Muskelkater aus.
Die vielen Rezeptoren auf den Faszien leiten Informationen über Bewegungen, Körperhaltung, Gleichgewicht oder auch Muskelspannung an unser Gehirn weiter. So ist es uns möglich, mit geschlossenen Augen auf die Nase zu tippen, weil wir über die Rezeptoren erfahren, wo sich unsere Hand im Raum befindet.
Die Faszie kann in Bezug auf die Haltung wie ein sichtbarer Fingerabdruck sein, denn in ihr speichern sich alle Bewegungserfahrungen des Lebens. So können wir z.B. am Gang erkennen, um welchen unserer Kollegen es sich handelt. Wenn eine Person lange genug eine Tasche immer auf der einen Seite trägt, kann es dazu führen, dass sie immer ein wenig schräg sitzt.
Der Vorteil ist, dass sich das Bindegewebe trainieren lässt. Dabei kann das Faszientraining fast in jedes sportliche Training einfach integriert werden. Wer z.B. 45 Minuten immer im gleichen Tempo joggt, dem wird die Flüssigkeit wie aus einem Schwamm herausgepresst und die Faszien leiern aus. Durch Tempowechsel oder Gehpausen von wenigem Minuten kann sich das Gewebe wieder prall mit Wasser füllen.
Verwendete Quellen:
Artikel "Faszien sind Sinnesorgane, Muskeln sind Fleisch" vom Institut für Fasziale Osteopathie >>
Artikel "Faszination Faszien" von der Rolfing-Website von Michael Steinbach >>
Definitionsunterschied Faszie und Bindegewebe aus Wikipedia >>
Website Rolfing Verband Schweiz >>
Weiterführende Literatur
Paoletti, S. (1998). Faszien: Anatomie, Strukturen, Techniken, spezielle Osteopathie. München: Urban und Fischer Verlag.
Rolf. I. (1997). Rolfing: Strukturelle Integration. Wandel und Gleichgewicht der Körperstruktur. München: Suedwestverlag.