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Der zweite Beitrag erklärt, wie verschiedene Antidepressiva ihre Wirkung erzeugen
Was sind Neurotransmitter?
Antidepressvia wirken auf die Synapsen im Gehirn, sie verändern also die Schaltstellen zwischen zwei Nervenendigungen. Zwischen diesen beiden Nervenendigungen liegt ein Spalt. Um zu kommunizieren, schüttet die erste Endigung einen Stoff aus, den die zweite Endigung erkennt. Dieser Stoff wird Botenstoff oder Neurotransmitter genannt.
Bei Depressionen, so nimmt man an, ist diese Übertragung vermindert. Es fehlt sozusagen an der ausreichenden Menge an Neurotransmittern. Hier wirkt nun das Antidepressivum. Es sorgt dafür, dass mehr Neurotransmitter im Spalt vorhanden ist, indem es einen der folgenden körpereigenen Mechanismen beeinflusst: die Wiederaufnahme des Neurotransmitters, dessen Abbau oder das Neurotransmitter-Kontrollsystem.
Indem es für mehr Neurotransmitter sorgt, verbessert das Antidepressivum die Kommunikation zwischen den Nervenendigungen und lindert so die depressiven Beschwerden. Die Mechanismen, in welche es dazu eingreift, werden im Folgenden erklärt.
Antidepressiva: Wiederaufnahme-Hemmer
Neurotransmitter werden nicht nur in den synaptischen Spalt ausgeschüttet, sie müssen auch wieder aus diesem entfernt werden. Verantwortlich dafür sind Transporter an der Oberfläche der ersten Nervenendigung, an der sogenannten Präsynapse. Die Transporter nehmen den Neurotransmitter aus dem Spalt wieder in die Präsynapse auf. Dort wird der Neurotransmitter in Bläschen verpackt und wartet auf das nächste eintreffende Signal, das zur erneuten Ausschüttung führt. Der Neurotransmitter wird also wiederverwendet.
Typische Neurotransmitter sind Serotonin, Noradrenalin und Dopamin. Sie sind die Botenstoffe, welche die Kommunikation zwischen den beiden Nervenendigungen, der Prä- und Postsynapse, ermöglichen. Medikamente können nun ganz spezifisch die erwähnten Transporter an der Oberfläche der Präsynapse hemmen. Dadurch kann der Neurotransmitter nicht wieder aufgenommen werden und bleibt im Spalt. Die Medikamente, welche die Wiederaufnahme verhindern, werden als selektive Wiederaufnahme-Hemmer bezeichnet. Sie sind heute die am häufigsten verschriebenen Antidepressiva.
Selektiv bedeutet, dass die Blockade der Wiederaufnahme nur an Transportern der Präsynapse stattfindet. Bei älteren Medikamenten, den sogenannten Trizyklischen Antidepressiva, ist dies anders. Auch sie blockieren die Wiederaufnahme, hemmen aber gleichzeitig ein breites Spektrum an Strukturen im Rest des Körpers. Dadurch entstehen, nebst den gewünschten, auch vermehrt unerwünschte Wirkungen. Die Medikamente werden deshalb weniger oft verschrieben.
Antidepressiva: MAO-Hemmer
Wenn die Neurotransmitter durch die Transporter in die Präsynapse zurückkehren, können sie nicht nur wiederverwendet, sondern auch abgebaut werden. Für diesen Abbau ist ein Enzym verantwortlich, das MAO genannt wird. Wird dieses Enzym in seiner Arbeit gehemmt, wird weniger Neurotransmitter abgebaut. So steht beim Eintreffen des nächsten Signals mehr Neurotransmitter für die Ausschüttung zur Verfügung. Dies führt letztlich zu mehr Neurotransmitter im synaptischen Spalt. Die Medikamente, welche das abbauende Enzym hemmen, werden als MAO-Hemmer bezeichnet.
Antidepressiva: Adrenorezeptor-Antagonisten
Damit nicht ständig unkontrolliert Neurotransmitter in den synaptischen Spalt ausgeschüttet werden, verfügt der Körper über ein Kontrollsystem, die sogenannten Alpha2-Adrenorezeptoren. Sie sitzen ebenfalls auf der Präsynapse und registrieren, wie ein Thermometer, die Menge an Neurotransmitter im synaptischen Spalt. Ist genügend vorhanden, verhindert der Rezeptor die Ausschüttung weiterer Bläschen in den synaptischen Spalt. Wird dieser Kontrollmechanismus durch das Antidepressivum blockiert, kann laufend mehr Neurotransmitter ausgeschüttet werden, auch wenn im Spalt bereits viel vorhanden ist. Durch die erhöhte Konzentration wird die Übertragung zwischen den Nerven verstärkt.
Die Erhöhung der Neurotransmitter im synaptischen Spalt ist das Ziel aller vorgestellten Antidepressiva. Dadurch wird die Kommunikation der bestehenden Synapsen verbessert. Dies lindert die depressiven Beschwerden. Zudem unterstützen die Medikamente über nachgeschaltete Signale die Fähigkeit des Gehirns, zusätzlich auch neue Synapsen zu bilden und das Gehirn langfristig zu verändern.
Wie die Behandlung mit den vorgestellten Antidepressiva abläuft, wird im nächsten Beitrag erklärt.