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Von Stoke Mandeville bis nach Peking
Die Paralympics haben ihren Ursprung im englischen Ort Stoke Mandeville. Sie werden vom deutschstämmigen Neurologen Sir Ludwig Guttman ins Leben gerufen und werden am selben Tag wie die Olympischen Sommerspiele in London eröffnet. Mit dem gewählten Datum versucht Guttman, die Paralympics mit den Spielen der Nichtbehinderten zu verbinden – ein Traum, der aber noch lange Jahre auf sich warten lassen sollte.
Erst 1960 finden in Rom die ersten „Weltspiele der Gelähmten“ statt. Wenige Wochen nach den Olympischen Sommerspielen gehen in der italienischen Hauptstadt 400 Athletinnen und Athleten aus 23 Ländern an den Start.
Grösster Sportanlass für Behinderten-Sportler
Als Spiele «parallel» zu Olympia – daher der Ausdruck Paralympics - haben sich die Spiele seither zum grössten Sportanlass für Athletinnen und Athleten mit einer Körper- oder Sinnesbehinderung entwickelt. Waren die Spiele 1960 ausschliesslich Gelähmten vorbehalten, werden 1976 in Toronto erstmals auch Amputierte und Sehgeschädigte und Blinde zugelassen. Ihnen folgen 1980 im holländischen Arnheim die Cerebral-Bewegungsgestörten. In vier Demonstrations-Wettbewerben sind 1996 in Atlanta erstmals auch Mental-Behinderte mit von der Partie. Eine Premiere feiern 1976 in Örnsköldsvik/Schweden auch die ersten Winterspiele.
Eigentlich sollten die Paralympischen Spiele immer im selben Jahr und am selben Ort stattfinden, wie die Olympischen Sommer- und Winterspiele. Politische und finanzielle Interessen standen dieser Absicht aber viele Jahre lang entgegen.
Seoul und Barcelona als Meilensteine
Als Meilenstein der paralympischen Bewegung erweisen sich die Spiele von Seoul '88 und Barcelona '92. Dort können die Behinderten ihre Wettkämpfe in denselben Arenen wie die Nichtbehinderten austragen und auch deren Unterkünfte nutzen. Zu einem Freudenfest werden die Paralympics 2000 in Sydney: Bei den Millennium-Spielen herrschen die gleichen Bedingungen für behinderte und nichtbehinderte Athleten. Alle Sportlerinnen nutzen das olympische Dorf und dieselben Sporteinrichtungen wie die nichtbehinderten Sportler an den Olympischen Spielen zuvor. Eine einheitliche medizinische Versorgung, das Ticketsystem sowie das Transportsystem runden das Angebot ab. 122 Länder sind in „Down under“ vertreten und werden von der lokalen Bevölkerung herzlich empfangen. Mit rund 1,2 Millionen Tickets finden die Karten für paralympische Sportarten mehr als doppelt so viel Absatz wie 1996 in Atlanta.
Athen: 141 Medaillen für China
Vier Jahre später in Athen sind fast 4000 Athletinnen und Athleten aus 136 Ländern am Start. Neue Sportarten wie Judo und Sitz-Volleyball werden ins Programm aufgenommen und als Vorgeschmack auf die Paralympics 2008 in Peking setzt sich China mit 141 Medaillen an die Spitze der Nationenwertung. 850'000 Zuschauerinnen und Zuschauer wohnen den Bewerben bei und demonstrieren das steigende Interesse der Öffentlichkeit an den grossartigen Leistungen im Behindertensport. Und auch die Medien sind in Griechenland stärker als je zuvor an den Paralympics vertreten: 3100 Medienschaffende und 50 TV-Sender berichten von den Spielen.
Enger Kontakt zwischen IPC und IOC
Seit 1989 trägt das International Paralympic Committee IPC die Verantwortung für die Entwicklung und Durchführung der Behindertenspiele. Das IPC ist ein Zusammenschluss von internationalen Behindertensport-Verbänden und nationalen Organisationen. Es wurde am 22. September 1989 in Düsseldorf gegründet und hat heute seinen offiziellen Sitz in Bonn. Zurzeit sind 162 Nationale Paralympische Komitees sowie vier internationale Behindertensport-Verbände Mitglied im IPC. Zwischen dem IPC und dem International Olympic Committee (IOC) besteht ein enger Kontakt. Dieser führt 2001 auch zum Abschluss einer Vereinbarung, die festlegt, dass die Paralympics immer 10 Tage nach Abschluss der Olympischen Spiele am selben Veranstaltungsort stattfinden müssen.
Schweizer Bilanz
Die Schweizer Delegation an den Paralympics 2008 ist mit 27 Sportlerinnen und Sportlern die kleinste in den letzten 20 Jahren. Dies hat mit der zunehmenden Leistungsdichte und entsprechend höheren Selektionsrichtlinien, Quotenplätzen aber auch Finanzierungsfragen zu tun, wie der Schweizer Chef de Mission, Ruedi Spitzli, im Interview mit MyHandicap.ch erläutert. Vor vier Jahren in Athen waren 42 Sportlerinnen und Sportler aus der Schweiz am Start, 2000 reiste eine Rekorddelegation mit 54 Athletinnen und Athleten zu den Spielen in Sydney. Am erfolgreichsten wurden die Spiele 1988 in Seoul gestaltet, als die Schweizer Delegation mit 39 Sportlern 12 Gold-, 12 Silber- und 11 Bronzemedaillen errang. Aus Athen kehrte das Team mit 2 Gold-, 6 Silber- und 8 Bronzemedaillen in die Heimat zurück. (MyH/pg)