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Geschichtsstunde: Hans Nawiasky – Freiheitsdenker und Wegbereiter Aufgrund seiner jüdischen Abstammung flüchtete Hans Nawiasky von München in die Schweiz und lebte ab 1939 in St.Gallen. 1944 wurde er an der HSG Ordentlicher Professor am neu geschaffenen Lehrstuhl für Öffentliches Recht. 13. September 2019. Hans Nawiasky wurde 1880 in Graz (Österreich) geboren. Nach dem Abitur in Frankfurt am Main studierte Hans Nawiasky in Wien und München Rechtswissenschaften und Nationalökonomie, promovierte 1903 in Wien und habilitierte dort 1910, wo er fortan als Privatdozent für Staats- und Verwaltungsrecht wirkte. Spezialist für staatsrechtliche Fragen 1914 wurde er durch Zuerkennung einer Titularprofessur an der Ludwig-Maximilians-Universität München umhabilitiert. Dort erhielt er 1919 die Stelle eines ausserplanmässigen und 1928 eines Ordentlichen Professors für Staatsrecht. Nawiasky wurde in dieser Zeit zum wichtigsten Berater der Bayerischen Staatsregierung in staatsrechtlichen Fragen. Flucht vor den Nationalsozialisten Nawiasky war jüdischer Abstammung, doch er hatte als getaufter Katholik keinerlei Verbindungen zum Judentum. Als Freiheitsdenker bekämpfte er den Nationalsozialismus von Anfang an. Nach der Machtergreifung drang die Sturmabteilung (SA) in seine Münchner Wohnung ein. Ein ehemaliger Student, der bei der SA war, warnte ihn, und er floh in die Schweiz. Er wohnte zunächst in Kreuzlingen und ab 1939 in St.Gallen. Gründung des heutigen «Instituts für Rechtswissenschaft und Rechtspraxis» Ab dem Wintersemester 1933/34 bekam er von der Handels-Hochschule regelmässig Lehraufträge zum Öffentlichen Recht, zuerst im Rahmen der Öffentlichen Abendvorlesungen. 1944 wurde er Ordentlicher Professor am neu geschaffenen Lehrstuhl für Öffentliches Recht. 1936 gründete er hier die erfolgreiche Weiterbildungsreihe «Schweizerische Verwaltungskurse», die 1938 zur Gründung eines der ersten Institute der Hochschule, des «Schweizerischen Instituts für Verwaltungskurse» (heute «Institut für Rechtswissenschaft und Rechtspraxis»), führten. Er leitete das Institut bis zu seinem Tod 1961. Das erste Hochschulgesetz Zusammen mit Prof. Dr. Walter Hug erarbeitete er das Hochschulgesetz von 1938, das der Handels-Hochschule das Promotionsrecht und den Status einer selbstständigen öffentlich-rechtlichen Anstalt brachte. 1942 wurde unter seiner Leitung der verwaltungswissenschaftliche Lehrgang eingerichtet. Berater für die junge Bundesrepublik Deutschland Kurz nach dem Ende des Nationalsozialismus wurde Nawiasky zur Mitarbeit an der Verfassung des Freistaates Bayern (1946) berufen, und er erhielt wieder seinen Lehrstuhl für Öffentliches Recht an der Universität München. Da er seinen Lehrstuhl und Wohnsitz in St.Gallen behielt, pendelte er nun zwischen den beiden Orten. 1948 wirkte er an der Vorbereitung des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland mit. Spätere Anerkennungen Ende des Wintersemesters 1954/55 wurde Hans Nawiasky an der Handels-Hochschule emeritiert und gleichzeitig zum Honorarprofessor ernannt. Seit 1954 Ehrenphilister der AV Bodania, schätzen ihn die Studierenden als anspruchsvollen und strengen, gleichzeitig aber wohlwollenden und humorigen Dozenten. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen: so u.a. 1953 das Grosse Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und 1959 den Bayerischen Verdienstorden. 1961 verlieh ihm die Universität München den Ehrendoktortitel für Öffentliches Recht. 1968 benannte die Stadt München eine Strasse im Stadtteil Perlach nach ihm.