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Johann Jakob Seiler wird am 22. Juli 1620 in Wil als Sohn des fürstsanktgallischen Beamten Joachim Seiler und der Anna Kienberger geboren. Er tritt 1637 in das Kloster Fischingen ein und nimmt den Vornamen seines Vaters an. Nach der Ausbildung in der Klosterschule studiert er in St. Gallen und Rorschach. 1645 kehrt er als Priester und Lehrer ins Kloster zurück. 1655 wird er Prior, er ist der einzige Konventuale, der das Kloster im ersten Villmergerkrieg nicht verlässt. Mit bereits 53 Jahren wird er 1672 zum Abt gewählt. Er kann ein gefestigtes Kloster übernehmen, in dem die Reformdekrete der Benediktinerkongregation durchgeführt sind. Er steht 18 Patres und 6 Brüdern vor. Der allzu baufreudige Vorgänger hat allerdings auch eine Schuldenlast von 30 000 Gulden hinterlassen. Abt Joachim Seiler hält sich deshalb mit Bauausgaben zurück. Unter ihm beginnt in Fischingen ein blühendes barockes Geistesleben. An der Klosterschule werden Musik, Theologie und Geschichtsschreibung gepflegt. Der Abt ist ein beliebter Prediger und Verfasser mehrere gedruckter Schriften. Mit 14 Neueintritten während seiner Regierungszeit erstarkt das Kloster auch personell. Dem guten Stand seines Klosters entspricht auch seine Stellung in der 1602 gegründeten Schweizerischen Benediktinerkongregation. Er visitiert andere Klöster und ist an der Sanierung der Problemabtei Pfäfers beteiligt, muss dann aber auch 10 000 Gulden an den Erwerb der Herrschaft Sonnenberg[1] durch Einsiedeln beisteuern. Bauabt wird Joachim Seiler erst gegen Ende seiner Regierungszeit. Zwar ersucht er noch 1683 Rom gesundheitshalber um die Resignation. Sie wird ihm verwehrt. Trotz seiner gesundheitlichen Beschwerden wagt er deshalb 1685 den durchaus nötigen Neubau der Klosterkirche, weil der thurgauische Landschreiber Wolf Rudolf Reding von Biberegg mit zwei Brüdern die Hauptkosten des Kirchenbaues übernimmt. Berater für den Kirchenneubau ist der Einsiedler Klosterbruder Caspar Moosbrugger, der sich 1685 in Fischingen aufhält, «wohin er von selbigem Herrn Praelaten zu bevorstehendem seinem Kirchengebeuw begehrt worden». Ende 1686 kann der Abt die erste Messe in der noch ungeweihten Kirche lesen. Sie wird vom Konstanzer Bischof im August 1687 eingeweiht. Am 24. Februar 1688 stirbt Abt Joachim Seiler im Alter von 68 Jahren nach vierjährigem Leiden.
Sein Porträt ist als Kopie[2] im Iddasaal, dem ehemaligen Refektorium, zu sehen. Es zeigt den auf einem Lehnstuhl sitzenden Abt um 1680, mit Mozetta, Biret und Gemmenpektorale. Mit der linken Hand hält er ein Buch mit Psalmentext. Oben rechts das geviertete Wappen Fischingen und Seiler. Sein Wappen zeigt einen aus einem Dreiberg wachsenden gekrönten Jüngling, in der Rechten einen sechsstrahligen Stern und in der Linken eine mit zwei Blumen geschmückte Seilertrülle.
Pius Bieri 2009
Benutzte Literatur:
Meyer, Bruno: Fischingen, in: Helvetia Sacra, Abteilung II, Band 1, Erster Teil, Bern 1986.
Schildknecht, P. Benno: Der Fischinger Konvent zur Barockzeit, in: Barockes Fischingen, Ausstellungskatalog, Fischingen 1991.
[2] Kopie von Br. Andreas Kaeppeli OSB, Einsiedeln 1946. Original im Kloster Wonnenstein?
|Abt OSB Joachim Seiler (1620−1688) von Fischingen|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|22. Juli 1620||Wil St. Gallen CH||Fürststift St. Gallen|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt OSB der Benediktinerabtei Fischingen||1672–1688|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|24. Februar 1688||Fischingen Thurgau CH||Herrschaft Fischingen|
|Kurzbiografie|

Unter Abt Joachim Seiler herrscht in Fischingen ein blühendes barockes Geistesleben. Sein Vorgänger, Abt Placidus, der erste Fischinger Abt der Barockzeit, hat dazu den Grundstock gelegt, aber auch Bauschulden hinterlassen. So ist es verständlich, dass Abt Joachim erst gegen das Ende seiner Regierungszeit zum Bauabt wird. Ein Legat der im Thurgau herrschenden Schwyzer Familie Reding von Biberegg lässt ihn aber 1685 mit dem Neubau der Klosterkirche beginnen. Im Gegensatz zu den Bauten seines Vorgängers und dank Mithilfe des Einsiedler Klosterbaumeisters Br. Caspar Moosbrugger hält nun der Barock in Fischingen auch architektonisch Einzug.
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