Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03437.jsonl.gz/1291

- Das Wasserschloss Schweiz verfügt über ausreichend Wasserressourcen
- Verbraucht werden lediglich 3% des jährlichen Niederschlagsvolumens
- Genutzt wird Wasser mehrmals, ein Liter Flusswasser 14-mal
- Dennoch verschärft der Klimawandel regionale und saisonale Wasserknappheit
Die Schweiz verfügt über reichliche Wasservorkommen, die durch Niederschläge ständig erneuert werden. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge in der Schweiz beträgt rund 60 Milliarden Kubikmeter. Es werden zwei Arten von Verwertung des Wassers unterschieden: Nutzung und Verbrauch. Bei der Wassernutzung wird entnommenes Wasser sauber und ohne Verzögerung dem Kreislauf zurückgegeben (z.B. Stromproduktion). Beim Verbrauch wird Wasser dem Kreislauf kurzfristig entnommen und später allenfalls in anderer Form zurückgegeben (z.B. Trinkwasser, Kühlung von Atomkraftwerken, Bewässerung). Die Schweiz verbraucht 3.7% (2 Milliarden Kubikmeter) ihrer Ressourcen für Trinkwasser, Gewerbe, in der Landwirtschaft und in der Industrie. Genutzt werden alleine für die Stromproduktion 550 Milliarden Kubikmeter. Die Schweiz verbraucht also wenig Wasser, nutzt aber viel. Quantitativ ist unser Umgang mit inländischen Wasserressourcen gesamthaft sehr nachhaltig.
Zukünftig kann es trotzdem zu regionaler, saisonaler Wasserknappheit kommen. Mit dem Klimawandel schmelzen die Gletscher der Schweiz bis ins Jahr 2100 auf unter 10% ihrer Masse, einige verschwinden ganz. Zusätzlich kommt es zu extremeren Phasen der Trockenheit. Davon werden vor allem Regionen, die abhängig von Grundwasser sind, beeinträchtigt.
Bedingungen der Wasserversorgung
Wasserversorger sind ortsgebundene Lebensmittelbetriebe. Sie hängen von lokalen Rohwasservorkommen sowie der Kundschaft der Region ab. Mitgestalten können sie vor allem örtliche Rahmenbedingungen mit dem Ziel, Trinkwasser möglichst naturnah bereitzustellen. Die wichtigsten davon sind die Schaffung von günstigen Voraussetzungen beim Gewässerschutz und bei der Raumplanung, die Erhöhung der Fachkompetenz der MitarbeiterInnen sowie die Schaffung günstiger Gebühren durch Optimierungen bei Bau, Betrieb und der Organisationsform.
Wasser ist eine empfindliche und lokale Ressource. Treten lokale Knappheiten oder Verschmutzungen auf, können diese nicht einfach ersetzt werden. Umso wichtiger sind präventive Massnahmen, um Quantität und Qualität langfristig hoch zu halten.
Leitungswasser ist wesentlich umweltfreundlicher als Flaschenwasser. Im Vergleich zu Schweizer Flaschenwasser schneidet es bis zu 500-mal, im Vergleich zu importiertem Flaschenwasser aus der EU bis zu 700-mal besser ab. Umgerechnet spart so jeder Liter Leitungswasser anstelle von Flaschenwasser die Umweltbelastung einer 2-3km langen Autofahrt ein.
Der Grund dafür liegt in der Systematik: Anders als Flaschenwasser muss Leitungswasser nicht abgefüllt werden, benötigt keine Transporte und produziert keinen Abfall. Ausserdem zielen Wasserversorger auf eine maximal naturnahe Aufbereitung. Das bedeutet, dass die Infrastruktur und die Ressourcennutzung auf minimalen Energieaufwand ausgerichtet sind. Beispielsweise können knapp 60% des Schweizer Trinkwassers ohne oder mit einstufiger Aufbereitung an KonsumentInnen abgegeben werden.
Das bedeutet aber auch, dass diese Effizienz nur bei gutem Gewässerschutz gewährleistet werden kann. Dementsprechend sind saubere Gewässer ein Garant für die Umweltfreundlichkeit und die Qualität von Leitungswasser.
Ein-Weg-Prinzip statt Einwegrecycling
Recycling-Systeme sparen gegenüber der Kehrrichtverbrennung bis zu 50% des Energieaufwands ein. Oft werden sie sogar umweltfreundlicher eingestuft als Mehrweggefässe, die eine Wiederverwendungsrate von 25-50-mal aufweisen. Für Flaschen und Karaffen, die einmal produziert und transportiert werden, um dann über Jahre verwendet zu werden, treffen derartige Vergleiche nicht zu. Dieses Ein-Weg-Prinzip ist wesentlich umweltfreundlicher als jedes Einwegrecycling, da wiederkehrende Aufwände, Transporte und Abfälle entfallen. Ausserdem ist der Gebrauch von konventionellen Einwegflaschen nur bei einer sehr hohen Recyclingrate einigermassen energieeffizient. In der Schweiz liegt die Recycling-Quote der PET-Flaschen bei rund 80%. Dies ist ein internationaler Spitzenwert, bedeutet aber auch, dass jährlich 300 Mio. Flaschen nicht recycelt werden.
Globale Trends
Dennoch wird weltweit in Regionen mit vergleichsweise guter Leitungswasserinfrastruktur viel abgefülltes Wasser getrunken. Tendenziell trinken aber auch viele Menschen in Regionen mit mangelhafter Leitungswasserversorgung immer mehr Markenwasser, teilweise gezwungenermassen, teilweise aus steigendem Wohlstand. Problematisch ist, dass in Regionen mit mangelhafter Leitungswasserversorgung Kehrrichtverbrennungs- oder Recycling-Anlagen häufig ebenfalls dem Bedarf nicht angemessen sind. Bestärken sich diese Trends, ist - bei einer steigenden Bevölkerungszahl - vor allem in Sub-Sahara Afrika und Teilen Asiens mit einer massiven Mehrbelastung durch Plastikabfälle zu rechnen.
- Die Herstellung einer Plastikflasche braucht 3 Deziliter Erdöl und 4 Liter Wasser
- Plastikflaschen gehören zu den meistvorkommenden Plastikarten in den Weltmeeren
- Transporte per Schiff und Lastwagen stossen grosse Mengen an CO2 und anderen umweltschädlichen Stoffen aus
Die Wasserversorger der Schweiz unterstehen dem Prinzip der Eigenwirtschaftlichkeit. Das bedeutet, dass sie ihre Aufgaben finanziell selbstständig erfüllen müssen. Die Kosten werden verursachergerecht über Gebühren und Beiträge erhoben. Für Gebühren gelten Prinzipien, welche die Wirtschaftlichkeit regulieren, das heisst im gemeinnützigen Sinn beschränken und im wirtschaftlichen Sinn genug Spielraum lassen. Die Einnahmen dürfen die Ausgaben in dem entsprechenden Verwaltungszweig nicht übersteigen (Kostendeckungsprinzip). Die Höhe der Gebühren muss in einem angemessenen Verhältnis zum Wert des Service stehen (Äquivalenzprinzip). Alle Menschen haben dieselben Rechte auf Wasserversorgung (Rechtsgleichheitsprinzip).
- Schweizer Wasserversorger beschäftigen 3'100 Vollzeitstellen
- Die Betriebskosten für 1'000 Liter Wasser liegen bei 2.-
- Der durchschnittliche Wasserpreis liegt ebenfalls bei 2.- pro 1'000 Liter
Lohnt sich Wassersparen?
Der bewusste Umgang mit wertvollen Ressourcen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Auch Trinkwasser sollte bewusster konsumiert werden. Solange genügend physische Wasserressourcen zur Verfügung stehen, hängt die Effizienz davon ab, wie dies umgesetzt wird.
Beim direkten Gebrauch von Wasser lohnt sich nur das Sparen von Warmwasser, da es 150-mal mehr Energie als Kaltwasser beansprucht. Kaltwasser hat eine derart gute Umweltbilanz, dass sich ein reduzierter Gebrauch ökologisch kaum lohnt. Finanziell könnte sich Wassersparen sogar nachteilig auswirken. Der Preis pro Kubikmeter Wasser hängt von den Betriebskosten der Wasserversorger ab. Davon sind über 80% Fixkosten, die in jedem Fall getragen werden müssen. Niedrigerer Konsum könnte die Wasserversorger zwingen, ihre Kosten auf weniger Kubikmeter Wasser zu verteilen: der Preis würde entsprechend steigen. Ausserdem drohen die Wasserleitungen bei niedrigem Gebrauch zu verschmutzen oder zu verstopfen.
Verschwenderisch sollte man trotzdem nicht mit Wasser umgehen. Abwasserreinigungen funktionieren effizienter, umso konzentrierter das Schmutzwasser ist. Ein zu hoher Verbrauch von Wasser verdünnt das Schmutzwasser zu sehr und der Aufwand für die Filteranlagen wird grösser.
Wassersparen lohnt sich in der Schweiz nur bedingt. Wer die Umweltbilanz verbessern möchte, kann dies mit reduziertem Gebrauch von Warmwasser tun. Das Sparen von Kaltwasser bringt gar eher Nach- als Vorteile.
Die Prinzipien, unter denen die Leitungswasserversorgung funktioniert, gewährleisten hohe Trinkwasserqualität bei tiefen Wasserpreisen. Dies ist wichtig, da ein sicherer Zugang zu Wasser nicht einfach vorhandene, funktionierende Infrastruktur bedeutet; Zugang ist erst dann gewährleistet, wenn alle sich diese Dienstleistung auch leisten können. Durch ihre Prinzipien ist die Versorgung mit Leitungswasser sozial inklusiv und schafft die Grundlage für Chancengleichheit.
Ein Beispiel für die Preiseffizienz der Wasserversorgung: Der durchschnittliche Wasserpreis liegt aktuell bei 2.- pro Kubikmeter (1'000 Liter). In der Schweiz verbraucht eine Person im Schnitt 140 Liter Wasser pro Tag im Haushalt, also etwas mehr als 50'000 Liter pro Jahr. Dieser Service kostet 102.- Ausgehend von einem Jahreslohn von 40'000.- macht dies weniger als 0.3% des Arbeitseinkommens pro Jahr.
Sicherer Zugang zu Trinkwasser muss für alle bezahlbar sein. Ansonsten verschärfen sich soziale Ungleichheiten. Eine systematische Versorgung mit Leitungswasser ist grundsätzlich am preiseffizientesten und dadurch sozial inklusiv.