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Liebe Joëlle In meiner Jugend war Hugh Hefner, der jetzt gestorben ist, eine grosse Nummer – weil er ein Magazin erfand, aus dem man eine nackte Frau vierseitig herausklappen konnte: den «Playboy». Ich war zu feige, einen am Kiosk zu kaufen. Aber mutigere Kollegen gewährten mir Einblick. Kannst du nachvollziehen, welchen Aufruhr das Erscheinen des «Playboy» vor 64 Jahren verursachte? Weil Prüderie für euch Jungen ein Begriff zum Nachschlagen im Fremdwörterbuch geworden ist?
Lieber Herr Ramspeck
Als ich noch zu jung war, um solche Bilder zu sehen, gab es die nackte Seite in der «Bravo». Natürlich durfte ich mir das Heft nicht kaufen, auch als ich älter war. Auf der einen Seite war ein nacktes Mädchen, auf der anderen ein nackter Junge abgelichtet. Und beide beantworteten Fragen zu Liebe und Sex. Mein Babysitter – damals 16 Jahre alt – hatte die «Bravo» zu Hause und wir waren mit der Familie befreundet. Wenn wir zum Essen eingeladen waren, rannten meine Schwester und ich ins Teenager-Zimmer und wagten einen verbotenen Blick. Ich bin wohl einer der letzten Jahrgänge, der nicht mit Internet-Erotik aufgewachsen ist. Wir fanden es schon verboten, uns nach Mitternacht die 0900-Werbungen anzuschauen. Ich finde es richtig, dass wir eine relativ hohe Schamgrenze hatten, genauso wie ich es bedaure, dass es heute keine mehr zu geben scheint. Ich bin nun wirklich nicht prüde, die ständige Gegenwart von Sex und Nacktheit muss doch aber eine negative Auswirkung auf Jugendliche haben. Genau so, wie Sexualität etwas ist, das man erkunden muss, so soll auch der mediale Sex etwas sein, das nicht auf Anhieb gefunden werden kann. Ich bin froh, bin ich etwas prüde aufgewachsen.