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Mein lieber Freund!
Ich habe absichtlich ein Paar Tage mit Beantwortung Deines letzten werthen Schreibens1 zugewartet, weil ich annahm, ich werde Dir etwas später mehr schreiben können als unmittelbar nach Empfang Deines Briefes.
Stämpfli hat mir seine Brochüre2 selbst zugeschickt. Ich habe ihn rückantwortlich um Aufschluß über den Widerspruch zwischen seinen Äußerungen vor einigen Wochen & dem nunmehrigen Erscheinen der Brochüre ersucht. Ich bin gespannt auf seine Antwort.
Du schreibst mir, Knüsel3 habe Dir gesagt, er habe die Brochüre schon früher | gelesen. Vor einigen Wochen sagtest Du mir, wenn ich mich recht erinnere, Knüsel habe Dir erklärt, er wisse nichts von einer in Aussicht stehenden Brochüre Stämpfli's. Wenn ich mich in letzterer Beziehung nicht irre – & ich glaube nicht, daß es der Fall ist – so hat Dir Knüsel auch über einen Widerspruch Aufschluß zu geben!
Die Brochüre Stämpfli's ist nun viel schwächer als ich sie erwartet habe. Die ganze finanzielle Grundlage derselben ist bodenlos. Ich hätte nicht geglaubt, daß er sich solche Blößen geben würde! Überdieß ist der Gedanke, daß das Schweizerische Volk den Actionären der schlechten Bahnen, (zum größten Theile Réunion financière (Rothschild), Crédit mobilier (Pereira) & andere Französische Finanznotabilitäten) für ihre werthlosen Actien | Fr. 250 en geben soll4, geradezu abentheuerlich. Wenn wir einen solchen Vorschlag gemacht hätten!!
Stoll5 wird mit seiner kundigen & gewandten Feder etwa von Mitwoch an in der N.Z.Z. die finanzielle & eisenbahntechnische Seite der Frage beleuchten.6 Rüttimann hat mir versprochen, daran anschließend die Brochüre vom politischen Standpuncte aus in der N.Z.Z. zu kritisiren. Die beiden Arbeiten könnten dann zusammen als besondere Brochüre gedruckt werden. 7
Wir gehen nun aber von der Ansicht aus, daß es nicht den Anschein gewinnen darf, wie wenn der Stämpflische Plan einzig von Zürich aus bekämpft würde, daß vielmehr in den Blättern möglichst vieler Cantone die gegnerische Ansicht laut werden sollte. Man möchte offenbar die Meinung des Vol| kes, dem man weniger traut als den Räthen, gefangen nehmen, in der Meinung, wenn dieß gelungen wäre, mit den Räthen leichtes Spiel zu haben. Diesem Bestreben muß entgegengewirkt werden. Ich würde gerne hierüber eine mündliche Besprechung mit Dir halten. Könnten wir uns nicht etwa ein Rendez vous in Olten oder anderswo geben?8 Ich gewärtige hierüber Deine gef. beförderliche Antwort.
Die Nationalrathswahl in unserm Cantone9 anlangend werde ich den morgen beginnenden Großen Rath10 dazu benutzen, eine Einigung anzubahnen. Es wird von Staatsanwalt Honegger11, der dem Bez. Hinweil angehört, gesprochen. Es scheint mir, er wäre ein sehr geeigneter Candidat. Ich werde Dir bald bestimmteres in Sachen mittheilen können.
Mit freundschaftlichen Grüßen
Dein
A Escher