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Kanton Luzern will Sergej-Rachmaninov-Villa in Hertenstein kaufen
Der Luzerner Regierungsrat will die denkmalgeschützte Villa Senar des russischen Komponisten, Pianisten und Dirigenten Sergej Rachmaninow in Hertenstein für 8 Millionen Franken kaufen. Dies, obwohl der Kanton als Erbe vorgesehen ist. Mit dem Kauf soll allfälligen Erbstreitigkeiten vorgegriffen werden.
Quelle: Konstantin Andrejewitsch Somow, Gemeinfrei
Porträt von Sergej Rachmaninov von Konstantin Andrejewitsch Somow.
Nachdem Sergej Rachmaninov (1873-1939) im Zuge der Februarrevolution Russland 1917 für immer verlassen hatte, war er im Exil ein gefeierter Pianist, während ihn die Inspiration zum Komponieren zunächst verliess. Er sollte sie erst in seiner Villa in Hertenstein bei Weggis wiederfinden, die ihm von 1932 bis 1939 als Sommerhaus diente.
Allerdings hat die Villa Senar nicht nur musikgeschichtlichen sondern auch architektonischen Wert: Rachmaninow hatte sie direkt am Vierwaldstättersee von den Luzerner Architekten Alfred Möri und Karl Friedrich Krebs im Stil des Neuen Bauens errichten lassen. Die Villa sei die konsequenteste Umsetzung der funktionalistischen Prinzipien der Moderne im Werk der beiden Architekten, schreibt die Luzerner Denkmalpflege auf ihrer Website über das Anwesen.
Für den Park einen Felsen gesprengt
Nebst der Architektur ist auch die Ausstattung aus der Zeit Rachmaninovs weitgehend erhalten geblieben. Das gilt unter anderem für das Arbeitszimmer mit dem übergrossen Flügel, das aussieht, als ob es der Meister eben erst verlassen hätte. Überdies hat Rachmaninov das Gebäude mit damals modernster Technik ausrüsten lassen, unter mit beheizbaren Badewannen.
Zum Anwesen gehört nebst einem Geräte- und einem Gärtnerhaus auch ein rund 20'000 Quadratmeter grosser Park, für den Rachmaninov ebenfalls keinen Aufwand scheute Rachmaninow. Damit er diesen nach seinen Wünschen realisieren konnte, liess er unter einen Fels, dem die Bevölkerung den Spitznamen „Gibraltar“ verliehen hatte, sprengen.
Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs sollte Rachmaninow, der mittlerweile in den USA lebte, nicht mehr nach Hertenstein kommen. Er starb 1943 in Beverly Hills.
Stiftung und Luzern als Erben
Damit die Villa erhalten werden kann, gründete Rachmaninovs Neffe Alexandre eine Stiftung, die das Anwesen auch erben soll. Die vier gesetzlichen Erben wurden auf den Pflichtteil gesetzt; sie erhalten zusammen 11/16 der Erbschaft. Für den Fall dass die Stiftung die gesetzlichen Erben nicht auszahlen kann, sah der Neffe in seinem Testament auch den Kanton Luzern als Erben vor. Wie der Luzerner Bildungs- und Kulturdirektor Marcel Schwerzmann heute vor den Medien erklärte, ist dieser Fall nun eingetreten.
Das Problem an der Sache: Das Testament ist unklar abgefasst. Egal ob der Kanton die Erbschaft annimmt oder ausschlägt, gibt es rechtliche Unsicherheiten. Lehnt er die Erbschaft ab, könnte die Villa zudem zum Spekulationsobjekt werden. Der Regierungsrat entschied deswegen, dass der Kanton die Villa aus der Erbschaft erwirbt und die gesetzlichen Erben auszahlt. Damit kann er nicht nur mögliche juristische Auseinandersetzungen verhindern, sondern auch, ohne an testamentarische Vorgaben gebunden zu sein, im Sinne des Erblassers handeln und die Villa als kulturelles Erbe und als Kulturzentrum erhalten. „Wir tun dies freiwillig“, sagte Schwerzmann.
Mit den gesetzlichen Erben hat sich der Kanton in einer Vorverhandlung auf einen Kaufbetrag von 8 Millionen Franken geeinigt. Inklusive Kaufgebühren, Sanierung sowie Unterhaltskosten während zehn Jahren beantragt der Regierungsrat dem Kantonsrat einen Kredit von 15,45 Millionen Franken. Entscheiden soll das Parlament schon am 6. Dezember, denn das Teilungsamt Weggis erwartet einen baldigen Entscheid in dieser Sache. - Mit dem Kauf verliert Luzern jedoch auch den Anteil an den Tantiemen, der ihm als Erbe zustehen würde. Doch diese laufen in der Regel nach 70 Jahren eh aus.
Kultureller Begnungsort für das das Musikcluster Luzern
Das Kulturzentrum in der Villa soll von der heutigen Stiftung geführt werden, zudem ist vorgesehen, dass das Programm selbsttragend ist. Wie Stiftungsratspräsident Urs Ziswiler erklärte, ist ein öffentlich zugängliches Kulturdenkmal und ein Begegnungsort geplant. Die Villa werde ein neues Element für das Musikcluster Luzern. - Weil auf der anderen Seeseite, auf Tribschen bei Luzern, von 1866 bis 1872 Richard Wagner zuhause war, geht Ziswiler auch von einem Nutzen vor allem für Individualtouristen aus.
An der Villa war nach dem Tod von Rachmaninows Enkel auch der russische Staat interessiert gewesen. 2013 wurde der Luzerner Regierungsrat bei einem Besuch in Moskau über entsprechende Pläne informiert. (mai/sda)