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Tasmanien gilt als Wiege des Woodchopping. Dort sollen Forstarbeiter um 1870 Wettkämpfe ausgetragen haben. Der Motorsägenhersteller Stihl hat Timbersports ab 1985 in den USA professionalisiert und zu einem internationalen Sport gemacht.
Was bewegt Menschen dazu, sich in einem Wettbewerb mit Axt, Säge oder Motorsäge zu messen? Dieser Frage bin ich nachgegangen und besuchte Yolanda Hagmann und Oliver Reinhard in der Übungshalle und dem Treffpunkt des Vereins Axemen Club Nordostschweiz. Die beiden sind in ihrer Kategorie sehr erfolgreich.
Die Axt hat eine rasierscharfe Klinge
Oliver Reinhard hält die rund drei Kilo schwere Axt in der Hand. Er überprüft die Klinge mit dem Daumen auf ihre Schärfe. Die Klinge ist so scharf, dass man sich damit rasieren könnte. Der junge Mann steht in der Remise vor einem senkrecht verankerten Holzblock mit einem Durchmesser von etwa 30 Zentimetern. Er hält den etwa 80 Zentimeter langen Holzstiel der Axt in der Hand und positioniert sich wie ein Golfer, der mit dem Eisen zum Schwung ausholen will. Dann schlägt er das Werkzeug von unten her mit voller Wucht und Präzision in den Holzblock. Holzteile fliegen durch die Luft. Immer wieder schwingt er die Axt und treibt die Klinge ins Holz, bis der Holzblock durchtrennt ist.
Standing Block Chop nennt sich diese Disziplin der Stihl Timbersports Series. Die Athleten simulieren damit das Fällen eines Baumes. Europäische Top-Zeiten liegen zwischen 15 bis 20 Sekunden. Somit liegt der 20 jährige Oliver Reinhard aus Waltalingen genau in dieser Zeit. Er gehört zum vielversprechenden Schweizer Nachwuchs. Er ist ein Rookie, ein «Frischling». Am Swiss Rookie Cup, der im Juni 2019 in Lenggenwil ausgetragen wurde, belegte er den 1. Platz. In nur 19, 77 Sekunden machte er aus dem Stamm Kleinholz. Am Internationalen Rookie Cup, der im Rahmen der Schweizer Meisterschaft im Sportholzfällen im August 2019 an der Forstmesse in Luzern durchgeführt wurde, belegte er den zweiten Platz nach einem Österreicher – mit nur einem Punkt Rückstand.
Erfolgreiche Frauenpower
Yolanda Hagmann aus Ramsen gewann im August in Luzern den Schweizer Meistertitel der Damen. Sie ist in der Schweizer Datenbank bei Stihl Timbersports als einzige Frau unter «die besten Schweizer Sportler» aufgeführt. Yolanda ist zierlich, man würde ihr den brachialen Sport gar nicht zutrauen. «Als Frau bin ich sicher im Nachteil, was die Kraft angeht. Aber mit Technik lässt sich viel herausholen», sagt sie. Und darum geht es im Holzfäller-Sport: Präzision, Timing und Koordination.
«Als Frau bin ich sicher im Nachteil, was die Kraft angeht. Aber mit Technik lässt sich viel herausholen.»
Hot Saw: Mit getunten, extrem leistungsstarken Motorsägen müssen von einem waagerecht verankerten Holzblock (Ø 46 cm) innerhalb eines Bereichs von 15 Zentimetern drei vollständige Cookies gesägt werden.
Springboard: Bei dieser Disziplin werden zwei Trittbretter (Springboards) in einen senkrecht verankerten Holzstamm (Log) platziert. Ziel ist es, einen auf der Spitze montierten Holzblock (Durchmesser 27 cm) zu durchschlagen.
Single Buck: Mit einer etwa Zwei-Meter-Handsäge wird eine Holzscheibe von einem horizontal befestigten Block abgesägt (Durchmesser 46 cm).
Underhand Chop: Simuliert wird das Zerteilen eines bereits gefällten Baumes. Auf einem horizontal verankerten Block stehend, versuchen die Athleten durch Axtschläge den im Durchmesser 32 Zentimeter dicken Stamm zu durchschlagen.
Stihl Stock Saw: Bei dieser Disziplin arbeiten alle Teilnehmer mit der MS 660, einer handelsüblichen Motorsäge der Firma Stihl. Von dem waagerecht befestigten Holzstamm werden mit einem Abwärts- und einem Aufwärtsschnitt zwei Cookies (Holzscheiben) abgesägt.
Standing Block Chop: Diese Disziplin simuliert das Fällen eines Baumes. Ein senkrecht verankerter Holzblock (Durchmesser 30 cm) muss so schnell wie möglich von der Seite durchschlagen werden.