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Petra Kaster
Kurt besuchte die dritte Klasse der Sekundarschule Arbon, wohnte aber in der Nachbargemeinde Roggwil. Er war in der Pubertät, also in einem Zeitabschnitt, in dem verschiedene körperliche Veränderungen und Störungen vorkommen. Probleme mit der Verdauung plagten ihn. Blähungen führten dazu, dass er häufig furzen musste. Folglich erhielt er den Übernamen «Düftli». Eines Tages sagte der Lehrer zu Beginn einer Deutschstunde: «Heute sprechen wir über die Übernamen; jeder muss seinen nennen. Als Kurt an der Reihe war, zögerte er. «Düftli nennen wir ihn», rief ein Schulkamerad. Der Lehrer meinte: «In Roggwil muss es wohl einen Coiffeur geben, der seine Kunden grosszügig mit Parfum bedient.» Darauf brach ein Teil der Klasse in ein schallendes Gelächter aus und der bedauernswerte Kurt bekam einen roten Kopf.
Hans Brüschweiler
Neulich gehört
Letztens gab jemand seine Einkaufserlebnisse in Deutschland zum Besten. Sie traue dem deutschen Gemüse nicht, sagte die Bekannte. Die Kartoffeln, die sie kaufe, bekämen immer Keime. So etwas passiere ihr in der Schweiz aber nie. Und was die roten Paprika anbelange, die würden ihr immer schimmelig werden. Für sie sei es einfach unverständlich, dass es auf den Parkplätzen jenseits der Grenze so viele Autos mit Schweizer Kennzeichen gäbe. Man nickte zustimmend. Einer gab zu bedenken, dass die besten Kartoffeln sowieso aus Ägypten kämen, und ein anderer murmelte etwas von «Geiz ist geil». «Und was meinst du, woran liegt das mit dem deutschen Gemüse?» Sie lächelte den Frager dankbar an. «Das sind alles Keime und Pilze, die entstehen, weil das Gemüse drüben im Deutschen nicht richtig gelagert wird!» Ich fühlte mich plötzlich krank, ich verliess die Beiz. Gleich am Montagmorgen würde ich zum Arzt gehen und mich gründlich untersuchen lassen, habe ich doch fünfundzwanzig Jahre in Deutschland gewohnt und dieses Horrorgemüse konsumiert.
Kai Arzinger
Ein Missverständnis
Roland Lebrecht sitzt am Tisch und legt die Zeitung beiseite. «Wie heisst diese neue Virusmutation?», fragt er. «Omikron», sage ich. Er wiederholt den Namen ganz langsam und gedehnt. «Omi … kron …» – «Nein», sagt er dann, «das hat meine Grossmutter nicht verdient.»
Gerd Karpe