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Drahtwürmer sind ein schwer vorhersagbares Risiko für den Kartoffelbau. Ihre unterirdische Lebensweise macht sie praktisch unsichtbar und ihre Entwicklung kann mehrere Jahre dauern. Sie verstecken sich oft monatelang in tiefen Bodenschichten, ohne zu fressen, und tauchen unerwartet und mit grossem Appetit wieder auf. Dann sind sie nicht wählerisch und ernähren sich von Wurzeln von Gras, Getreide oder Gemüsekulturen genauso wie von Rüben, Zwiebeln oder eben von Kartoffeln. So plötzlich, wie sie gekommen sind, vergraben sich die Drahtwürmer nach wenigen Wochen wieder, und überdauern schlechte Witterungsbedingungen genauso wie kurzfristige, oberflächliche Kontrollmassnahmen.
Vorbeugung ist die halbe Miete
Es ist daher nicht weiter erstaunlich, dass es seit dem Wegfall von persistenten Bodeninsektiziden keine simple und zugleich wirksame direkte Bekämpfungsmethode gegen Drahtwürmer mehr gibt. Vorbeugende Massnahmen zur Reduktion des Drahtwurmrisikos haben daher an Bedeutung gewonnen. Die wichtigsten zwei sind die Wahl einer geeigneten Fruchtfolge und der gezielte Einsatz von Bodenbearbeitungsmassnahmen. Da die Schnellkäfer, die «Eltern» der Drahtwürmer, ihre Eier bevorzugt in Grasbeständen ablegen, sollte der Anbau von Kartoffeln erst drei bis vier Jahre nach einem Wiesenumbruch oder einer Kunstwiese erfolgen. Im Spätsommer, etwa nach der Getreideernte, kann mit einer flachen Bodenbearbeitung eine gute Wirksamkeit gegen Drahtwürmer erzielt werden. Zu diesem Zeitpunkt ist die Chance gross, dass durch den Bearbeitungsschritt die Eier oder junge, empfindliche Drahtwurmstadien an die Bodenoberfläche befördert werden und vertrocknen.
Entomopathogene Pilze
In den letzten Jahren haben sich verschiedene Forschungsgruppen mit der Verwendung entomopathogener Pilze zur Drahtwurmbekämpfung beschäftigt. Diese Pilze kommen natürlich im Boden vor und sind in extensiv genutzten Flächen wie Wiesen und Weiden die wichtigsten natürlichen Gegenspieler von Drahtwürmern. In einem gemeinsamen Projekt (siehe Kasten) der HAFL Zollikofen und Agroscope liegt ein Forschungssonderthema beim Einsatz von entomopathogenen Pilzen. Agroscope setzte auf die Wirksamkeit eines in der Schweiz isolierten Stammes des Pilzes Metarhizium brunneum. Der Pilz kann auf Gerstenkörnern kultiviert werden und, ähnlich wie bei der biologischen Bekämpfung von Engerlingen, als «Pilzgerste» mit der Sämaschine ausgebracht werden. Die Applikation der Pilzgerste in den Acker, direkt vor dem Kartoffellegen, erwies sich jedoch bisher als nicht erfolgreich. Es wird vermutet, dass die intensive Kultivierung der Kartoffeläcker die Pilzentwicklung hemmt und deshalb die Wirksamkeit gegen Drahtwürmer nicht ausreichend war. Dahingegen erwies sich die Applikation der Pilzgerste in eine wenig bearbeitete Vorkultur, im Spätsommer und Herbst vor der Kartoffelsaison, in einem Halbfreilandversuch als erfolgreich. Bereits wenige Wochen nach der Applikation waren etwa 60% der Drahtwürmer dem Pilz zum Opfer gefallen. Agroscope verstärkt deshalb seine Forschungstätigkeit in den kommenden drei Jahren mit einer Reihe von Feldversuchen, um die Wirksamkeit der Pilzgerste-Behandlung unter Praxisbedingungen weiter zu steigern. Mit finanzieller Unterstützung der Schweizerischen Kommission für Technologie und Innovation (KTI) und dem Engagement der Eric Schweizer AG als Umsetzungspartner soll diese Methode der biologischen Drahtwurmbekämpfung ab 2020 auf den Markt gebracht werden.
Drahtwürmer überlisten
Die HAFL arbeitet in einem Teilprojekt in Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen und der Firma Biocare in Deutschland an der Weiterentwicklung der «attract & kill»- Methode. Bei dieser Bekämpfungsmethode werden die Drahtwürmer durch CO2 ausströmende Kapseln angelockt und durch den Pilz Metarhizium brunneum infiziert, der ebenfalls in den Kapseln enthalten ist. Nachdem die Kapseln im Boden Feuchtigkeit aufnehmen, beginnt die CO2-Freisetzung (über fünf Wochen) und das Wachstum der Pilzsporen aus den Kapseln heraus. Die Kapseln können mit den handelsüblichen Granulatstreuern bei der Pflanzung unter den Kartoffeln abgelegt werden. In den Versuchen im Rahmen des Projektes konnten Wirkungsgrade von 40 – 50% erreicht werden. Diese Werte liegen auf einem ähnlichen Niveau, wie bei den aktuell in Europa bewilligten chemischen Präparaten. Das Produkt mit dem Handelsnamen Attracap® ist ab Frühjahr 2017 in Deutschland und Österreich provisorisch bewilligt. In der Schweiz wurde ein Bewilligungsantrag für Attracap® eingereicht. Ähnlich funktioniert ein weiteres Produkt, das die HAFL im Rahmen des Projektes testet. Hier wird der Pilz Beauveria bassiana bei der Pflanzung flüssig auf den Boden appliziert. Gleichzeitig werden Kapseln, welche die Drahtwürmer anlocken, im Band zu den Kartoffeln abgelegt. Die in den Versuchen erzielten Wirkungsgrade sind vergleichbar mit denjenigen von Attracap®. Das Produkt der Firma BASF mit dem Handelsnamen Velifer® hat für 2017 eine provisorische Bewilligung in Deutschland.
Nachhaltige Bekämpfung
Die Jahre andauernde, unterirdische Entwicklung der Drahtwürmer macht ihre Bekämpfung sehr schwierig. Diese lange Zeitspanne bietet aber auch die Möglichkeit, eine Drahtwurmpopulation mehrmals und zu verschiedenen Zeitpunkten im Rahmen eines mehrjährigen Fruchtfolgeregimes zu reduzieren. Die neuen Produkte auf Basis entomopathogener Pilze sind wichtige Werkzeuge für eine solche langjährige und nachhaltige Strategie zur Bekämpfung der Drahtwürmer.
Forschungsprojekt
In einem gemeinsamen Forschungsprojekt (2015 – 2017) arbeiten die Hochschule für Agrar-, Forst- und Le-bensmittelwissenschaften (HAFL) und Agroscope an wirksamen und umweltschonenden Bekämpfungsmöglichkeiten gegen Drahtwürmer im Kartoffelbau. Sonderthemen liegen bei der Prüfung verschiedener insek tizider Wirkstoffe mit einer Anwendung als Saatbeizmittel in Zwischenkulturen vor Kartoffeln und dem Einsatz von entomopathogenen Pilzen. Finanziert wird das Projekt durch die Swisspatat, die Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten (VSKP), das BLW und die Firma Stähler.