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„Aus einem 'Schlagerfabrikanten' mit guten Einfällen wurde ein grosser Komponist - ein sehr seltener Fall“, heisst es in einem vergleichsweise unbedeutenden Musik-Lexikon. Und weiter: „Es erscheint bezeichnend, dass zwei führende Leitfäden zu 'neuer Musik' oder 'Musik der Gegenwart' Gershwin nicht einmal erwähnen und dass zwei der meistkonsultierten Konzertführer ihn nur am Rande mit knappen Worten abtun, die mehrheitlich negativ lauten. Trotzdem ist Gershwin der einzige nordamerikanische Komponist, der auf der ganzen Welt gespielt wird, der von ... höchstrangigen Künstlern interpretiert wurde und wird, dessen Oper 'Porgy and Bess' echte Begeisterung hervorruft und dessen 'Rhapsody In Blue' einen Markstein in der Musikgeschichte darstellt.“
Wie Bedeutendes doch in ihm geschrieben steht und wie recht es damit doch hat, das unbedeutende Lexikönchen. Man leihe sein Ohr nur den ersten Takten von George Gershwins F-Dur Klavierkonzert, und man hat es für rund zweieinhalb Stunden an diese Doppel-Disk bzw. an Gershwin und sein gesamtes Werk für Orchester sowie Klavier und Orchester verloren.
Natürlich fehlen die Meilensteine nicht: die „Rhapsody In Blue“, zu der der 26jährige fast genötigt wurde und mit der ihm der Ausbruch aus der Schlager- und der Durchbruch in der Welt der "Ernsten Musik" gelungen ist; das wunderbare „Concerto in F“; der später verfilmte „Amerikaner in Paris“ - allesamt Pionierleistungen in der typisch Gershwinschen Verschmelzung von Klassik und Jazz und Blues und Charleston. Und Rumba, wie in der wirbelnden „Kubanischen Ouvertüre“. Und dann ist da noch dieses sanft gestrichene Wiegenlied, dieser locker-schlendernd geblasene Spaziergang, diese melancholisch-furiose Porgy and Bess-Suite, und und und. Virtuos und leidenschaftlich interpretiert vom Orchester aus Saint Louis und einem damals blutjungen Magier namens Jeffrey Siegel am Klavier.