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Diese Woche jährte sich der Militärputsch in Chile zum fünfzigsten Mal. Nachdem wir letzte Woche das Schicksal eines der ersten Märtyrer des Umsturzes, Victor Jara, betrachtet haben, werfen wir in dieser Ausgabe einen Blick auf die direkten Auswirkungen des Putsches auf die Musiker*innen in Chile. Wir stellen dir vier Alben aus der Zeit zwischen 1973 und 1975 vor, die jeweils auf ihre eigene Art auf die Geschehnisse eingehen.
Das selbstbetitelte Album von Los Jaivas aus dem Jahr 1975 handelt beispielsweise (zumindest an der Oberfläche) wenig von den kollektiven Wunden der Militärdiktatur. Los Jaivas, die das Album im Exil in Argentinien aufgenommen haben, streben einen fröhlichen, tänzerischen Klang an, der irgendwo zwischen der Folkmusik der Anden und dem damaligen Progressive Rock angesiedelt ist. Nur im Lied "La Conquistada" (dt. die Eroberten) wird der Putsch thematisiert.
In meiner Erinnerung nachdenklich
an diesen Ort
Am Horizont meines Geistes
hat sich die Sonne versteckt
als eine Erinnerung, die zu mir kommt
aus deinem Herzen
sie existiert nicht mehr
Verstummt
Los Blops waren in den frühen 1970er Jahren eine der bedeutendsten Bands in der chilenischen Rockszene. Die gemeinschaftlich lebenden Musiker*innen waren für ihren sanften Folk-Rock bekannt. Als Anhänger der Nueva Canción-Bewegung gehörten sie zu einer Gruppe von Musikschaffenden, die in ihren Texten einen starken Bezug zur sozialen Ungleichheit in Chile herstellten und schließlich auch die Kampagnen des sozialistischen Präsidenten Salvador Allende unterstützten.
Ein Höhepunkt in ihrer Karriere war zweifellos "El Derecho de Vivir en Paz", das legendäre Album von Victor Jara, das 1971 veröffentlicht wurde. Jara, der zu dieser Zeit auf der Suche nach einem dichteren und kraftvolleren Klang war, arbeitete mit Los Blops an der musikalischen Gestaltung der Songs zusammen. Mit dem Militärputsch im Jahr 1973 verstummte nicht nur die Stimme eines freien und sozialistischen Chiles mit dem Tod von Jara, sondern auch die Musik von Los Blops.
Im Exil in Buenos Aires nahmen sie während einer einzigen Session und ohne jeglichen Gesang ihr drittes und letztes Album "Locomotora" auf. Los Blops entfernten sich zunehmend von ihrem ruhigen, harmonischen Folkrock-Stil, und stattdessen entwickelten sie einen wilden und ungezähmten Prog-Rock-Sound. "Locomotora" ist geprägt von einem Aufbruch und einer Dringlichkeit, wie sie nur selten zu hören ist.
¡Viva Chile!
Am 11. September 1973 befand sich Inti-Illimani gerade auf ihrer ersten Europa-Tournee in Italien. Als große Verfechter des sozialistischen Gedankenguts war die Rückreise in die Heimat für Inti-Illimani nie ein Thema gewesen. Hymnen wie "El Pueblo Unido Jamás Será Vencido" (das vereinte Volk kann nie besiegt werden) gehören heute zu den bedeutendsten Songs der chilenischen Musikgeschichte und sind aus keinem politischen Protest der Linken wegzudenken. Das erste Album, das Inti-Illimani im Exil herausbrachte, entstand nur wenige Wochen nach dem Putsch. "Viva Chile!" enthält viele bereits bekannte Songs der Band und richtet sich vor allem an westliche Hörerinnen und Hörer, die die Band zum ersten Mal hören. Dennoch setzte das Album ein berührendes Statement für den gestürzten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende. "Venceremos" war die Hymne seines linken Parteienbündnisses "Unidad Popular" und wurde nach dem Putsch zum Zeichen für Frieden, Widerstand und Demokratie.
Playlist:
Los Blops - Allegro Ma Non Troppo - Remasterizado 2021
Los Blops - Tartaleta De Frutillas - Remasterizado 2021
Los Blops - Locomotora - Remasterizado 2021
Los Jaivas - Pregon Para Iluminarse
Los Jaivas - Guajira Cosmica
Los Jaivas - La Conquistada
Los Jaivas - En Tus Horas
Congreso - ¿Dónde Estarás?
Congreso - Romance
Congreso - Los Maldadosos
Congreso - Tus Ojitos
Congreso - Juego
Congreso - Vuelta Y Vuelta
Los Jaivas - Mambo De Machaguay
Inti-Illimani - Fiesta de san Benito
Inti-Illimani - Canción del poder popular
Inti-Illimani - Alturas
Inti-Illimani - Venceremos
Inti-Illimani - Tatati
Inti-Illimani - Simon Bolivar