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Zwischen poetischer Erfahrung (verstanden in einem weiten Sinn) und politischer Praxis bestehen Verbindungen, die sich am Beispiel des antiken Griechenland gut darstellen lassen. Dabei lässt sich der Autor von den Analysen von Nicole Loraux inspirieren. Untersucht wird das Beziehungsfeld, dass ich in der Gesellschaft Athens um 400 v. Chr. Zwischen den Fällen der politischen Amnestie und der Tradition der mündlichen Poesie rekonstruieren lässt. Die Poesie wirkt sowohl erinnernd als auch vergessend. Während die alten Griechinnen und Griechen den Erzählungen und Liedern zuhörten – was sie sich er auch mit Freudetaten – erfuhren sie mehr oder weniger bewusst eine bestimmte Art des Erinnerns und Vergessens, die sie sich gleichzeitig auch zu eigen machten. Um die Grenzen und Möglichkeiten eines Amnestieentscheides in der klassischen Republik zu verstehen, ist alles zu untersuchen, was den Erinnerungsprozesses im alten Griechenland prägen und beeinflussen konnte. Dabei forscht der Autor dem komplexen Befund nach, warum sich der Amnestieentscheid bei der Wiedererrichtung der Demokratie (403 v. Chr.) in der poetischen Formulierung «ich erinnere nicht an die Untaten gegen einen einzigen Bürger» niederschlagen konnte und nicht die Form eines «Vergessensei» angenommen hat.
(Übersetzung: Thomas Hildbrand)