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Kapellen
Kapelle St. Verena, Aettenschwil bei Sins
Zankapfel zwischen zwei Klöstern
Auffallend ist die Verbindung zwischen Spuren einer römischen Siedlung und dem Patrozinium der Kapelle. Der Überlieferung zufolge soll die Heilige Verena, liiert mit Viktor, einem Soldaten der berühmten thebäischen Legion, im 4. Jahrhundert ins Mittelland gekommen sein. Dort, so die Legende, wurde Viktor zusammen mit einem anderen christlichen Soldaten auf der Flucht gestellt und hingerichtet. Die beiden waren geflohen, als sie gezwungen wurden, heidnischen Göttern zu opfern. Von der Heiligen Verena heisst es, sie hätte in Solothurn die Gräber der Märtyrer verehrt und ein Leben in Askese geführt. In der noch heute nach ihr benannten Verena-Schlucht soll sie Blinde und Besessene geheilt haben. Die Verehrung der Heiligen Verena blieb insbesondere an Orten verankert, die von Alters her römische Siedlungsspuren aufweisen und in unmittelbarer Beziehung zur römisch-helvetischen Geschichte gewachsen sind. So dürfte sich die Verehrung der Heiligen Verena auch in der Region Sins gehalten haben, wo in Aettenschwil bereits im Mittelalter eine Kapelle erbaut wurde.
Muri setzt seinen Anspruch durch
Ein Blick in die Urkunden zeigt, dass sich das Kloster Muri und die dem Kloster Engelberg zugehörige Pfarrei Sins lange um die Kapelle stritten. In einer Bulle aus dem Jahre 1179 bestätigte der damalige Papst Alexander II. dem Kloster Muri den Besitz der «ecclesia Agetiswilare». Bereits zehn Jahre später folgte ein neuerlicher Schirmbrief. Im Jahre 1370 wurde die Aettenschwiler Kapelle in einem bischöflichen Zinsbuch als ein Teil der Pfarrei Sins bestätigt, um die sich der Seelsorger von Beinwil kümmerte. Im Jahre 1381 legte Muri nach und liess sich das Kirchlein vom Konstanzer Bischof als Besitz ausweisen. Fortlaufende Verbriefungen für beide Seiten deuten darauf hin, dass die Besitzverhältnisse alles andere als eindeutig waren. Letztlich mochte sich Muri durchsetzen, wobei sich die Inkorporation lediglich auf die Kapelle und die umliegenden Höfe bezog.
Verbundenheit offensichtlich
Noch heute erblickt, wer die Kapelle betritt, über dem Spitzbogenportal das Wappen von Abt Hieronymus Frey von Muri. Jener hatte die Kapelle im 16. Jahrhundert erneuert. Im Inneren bezeugen die den Altar flankierenden Statuen der Heiligen Maria und Benedikt die Verbundenheit mit dem freiämter Kloster. Der Kapellenbau, wie er sich in seiner heutigen Form präsentiert, geht auf einen Neubau im Jahre 1686 zurück. Das Hauptblatt des dunkel gebeizten, teils vergoldeten Altars zeigt die Heilige Verena von Engeln umgeben auf einer Wolke. Darüber das Wappen von Abt Gerold Meyer, der den Neubau der Kapelle gegen Ende des 17. Jahrhunderts realisierte. Mit der Aufhebung des Klosters Muri ging die Kapelle an den Kanton Aargau über, der sie im Jahre 1906 an die Dorfschaft Aettenschwil abtrat. (acm)