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Zusätzlich zu dem grossen Leid und der Verzweiflung, welche die Coronavirus-Pandemie (COVID-19) den Menschen auf der ganzen Welt zugefügt hat, ziehen deren Folgen ein wirtschaftliches Erdbeben nach sich, dessen Erschütterung sich durch Quarantänemassnahmen, Reisebeschränkungen, Betriebsschliessungen usw. zuspitzt. All diese Faktoren führen zu einem starken Rückgang der Aktivitäten, die laut OECD im Dienstleistungssektor noch stärker ausgeprägt sind. Bis heute besteht noch eine grosse Unsicherheit über die Entwicklung der Pandemie, ihre Dauer und eine mögliche wirtschaftliche Erholung in den kommenden Monaten bzw. im Laufe dieses Jahres. Die Weltwirtschaft befindet sich in ihrer kritischsten Lage seit der globalen Finanzkrise im Jahr 2008. Bereits Anfang März 2020 stellte die OECD fest, dass «es immer mehr Anzeichen für einen starken Rückgang des Tourismus, Störungen in den Lieferketten, eine schwache Nachfrage nach Rohstoffen und eine Erosion des Verbrauchervertrauens gibt».
Gemäss der KOF-Wirtschaftsprognose vom 17. März 2020 steht die Schweiz am Rande einer «Corona- Rezession». Angesichts der Unsicherheit der Wirtschaftsprognose stellte die KOF drei mögliche Szenarien vor:
- Basisszenario: Die Schweizer Wirtschaft wird in der ersten Hälfte des Jahres 2020 eine Rezession erleben, sich dann aber langsam erholen. Dies könnte zu einem BIP-Wachstum von 0.3 % im Jahr 2020 und 1.4 % im Jahr 2021 führen.
- Mildes Szenario: Dabei wird der wirtschaftliche Schaden schneller als erwartet verblassen. Dies würde zu einem BIP-Wachstum von 1.2 % im Jahr 2020 und 0.9 % im Jahr 2021 führen (einschliesslich Sportveranstaltungen).
- Negatives Szenario: Das BIP wird sich in der zweiten Jahreshälfte nicht erholen, der wirtschaftliche Schaden wird viel grösser sein als erwartet. Dies würde zu einem negativen BIP-Wachstum von - 2.3 % im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr führen. Im Jahr 2021 würde das BIP-Wachstum auf 1.3 % steigen.
Ende März 2020 fiel das KOF-Wirtschaftsbarometer stark auf 92.9 Punkte herab und liegt damit deutlich unter seinem langfristigen Durchschnitt. Als Folge davon dürfte die Schweizer Wirtschaft in naher Zukunft einen starken Rückgang der Wachstumsraten erfahren.
Am 7. April 2020 berechnete eine neue KOF-Studie auf der Grundlage verschiedener Szenarien die kurzfristigen wirtschaftlichen Folgen der Pandemie. Im optimistischsten Szenario wird erwartet, dass die Schweiz zwischen März und Juni 22 Milliarden Franken an Wertschöpfung verliert. Im pessimistischsten Szenario beläuft sich dieser Verlust auf 35 Milliarden Franken. Gemäss Autoren der Analyse werden die Sektoren Handel, Transport und Hotelgewerbe stärker unter den Folgen der Pandemie leiden (Wertschöpfungsverluste zwischen 15 und 25 % für diese Sektoren).
Periode erhöhter epidemischer Aktivität weltweit
Das WEF kam in Zusammenarbeit mit dem Harvard Global Health Institute 2019 in einem Bericht zu dem Schluss, dass die Anzahl und Vielfalt der Epidemien von Infektionskrankheiten progressiv und unaufhaltsam zunimmt, ebenso wie ihre Fähigkeit, unsere globalisierten Wirtschaftssysteme negativ zu beeinflussen. Laut Autoren dieser Studie nehmen wir durch Reisen, Handel und Kommunikation an einer zunehmend globalisierten und vernetzten Wirtschaft teil. Dadurch sind immer mehr Unternehmen den negativen Folgen einer Epidemie ausgesetzt, die Tausende von Kilometern entfernt auftreten kann. Die globalen Trends der letzten 20 Jahre bestätigen, dass die Menschheit in eine wachsende Phase epidemischer Aktivitäten eintritt. Laut WEF sind die wichtigsten wirtschaftlichen Auswirkungen einer Infektionskrankheitsepidemie wie folgt:
- Auswirkungen auf die Mitarbeiter: Die intuitivste Auswirkung des Ausbruchs von Infektionskrankheiten auf die Geschäftstätigkeit ist der Schaden, den sie den Beschäftigten zufügen kann.
- Auswirkungen auf die Lieferketten: Ausbrüche von Infektionskrankheiten können internationale Lieferketten, die zunehmend auf einem «Just-in-Time» Management basieren, erheblich stören.
- Auswirkungen auf die Kunden: Es ist wichtig, dass Unternehmen verstehen, wie sich Ausbrüche von Infektionskrankheiten auf ihre Kunden möglicherweise auswirken. Diese Ereignisse können zum Beispiel dazu führen, dass die Verbraucher ihre Kaufgewohnheiten ändern und ihre Ausgaben im E-Commerce im Vergleich zum traditionellen Einzelhandel erhöhen. Die Entwicklung der Online-Verkäufe in der Schweiz in den letzten Wochen illustriert diesen Fall. Le Temps berichtet, dass «Online-Verkaufsseiten, von LeShop.ch bis Digitec Galaxus, einen beispiellosen Anstieg der Anzahl von Bestellungen verzeichnen, was zu Verzögerungen ohnegleichen führt».
Wann wird sich die Wirtschaft nach der Krise erholen?
Eine Analyse vergangener Epidemien ermöglicht es, die Dauer und die wirtschaftlichen Auswirkungen der aktuellen Coronavirus-Krise (COVID-19) abzuschätzen. Die Reise- und Tourismusindustrie ist ein Bereich, in dem die Auswirkungen von Infektionskrankheitsepidemien auf die Geschäftstätigkeit am deutlichsten zu spüren sind. Die Zahl der Touristenankünfte bricht während und unmittelbar nach einer regionalen Epidemie ein, wodurch Fluggesellschaften, Hotels und andere Akteure der touristischen Dienstleistungskette stark betroffen sind.
In einem Forschungsbericht aus dem Jahr 2019 analysierten World Travel & Tourism Council (WTTC) und Global rescue die Auswirkungen von 90 Krisen, die zwischen 2001 und 2018 aufgetreten sind, indem sie die Zeit untersucht haben, die benötigt wird, um die Verluste bei den Ankünften und Ausgaben der Touristen auszugleichen. So schätzen die Autoren beispielsweise, dass ein Ausbruch wie H1N1 globale wirtschaftliche Auswirkungen in Höhe von 45 bis 55 Milliarden Dollar hatte. Im Durchschnitt beträgt die Zeit, die für eine wirtschaftliche Erholung nach einer Krise benötigt wird, 19.4 Monate, wobei die Spanne von 10 bis 34.9 Monaten reicht.
Auswirkungen einer Epidemie auf internationale Touristenankünfte: 4 Fälle (WTTC, 2019)
Die 1985 gegründete Unternehmen STR bietet einen weltweiten Vergleich von Daten, Analysen und Informationen zur Hotelindustrie. Die Datenbank verfügt über Informationen von 63’000 Hotels in 180 Ländern. In einer kürzlich veröffentlichten Pressemitteilung sagt STR während 8 Monaten negative Auswirkungen für den gesamten Sektor voraus. Die akutesten Auswirkungen werden in den ersten 4 Monaten (März-Juni) auftreten, gefolgt von einem kontinuierlichen Rückgang, der sich jedoch in den nachfolgenden 4 Monaten (Juli-Oktober) verlangsamt. Auf der Grundlage einer Analyse der Entwicklung der Leistung des Hotelsektors nach der Finanzkrise von 2008 kommt STR zu dem Schluss: «Angesichts der Schwere des erwarteten Rückgangs der Reisetätigkeit sowie der Dauer des Rückgangs verzögert sich die Erholung nun länger als in früheren Studien angenommen wurde. Wir erwarten, dass die weltweiten Ankünfte erst 2023 wieder auf das Niveau von 2019 zurückkehren werden». Dieses Szenario wird auch durch das Beratungsunternehmen McKinsey & Company für die gesamte Wirtschaft prognostiziert. Laut WEF müssen die Volkswirtschaften der USA und der Eurozone möglicherweise bis 2023 warten, um sich von den Auswirkungen der COVID-19 Krise erholen zu können.
Schlussfolgerungen
Die oben vom WTTC analysierten Krisen waren «nur» regionale Epidemien und sind nicht mit der aktuellen COVID-19 Pandemie vergleichbar, die mit Sicherheit viel tiefere und längere Auswirkungen (2-3 Jahre) auf die Weltwirtschaft und insbesondere auf das Reiseverhalten der Menschen und damit auf den Tourismussektor haben wird. Laut Chris Miller, Direktor des Foreign Policy Research Institute, ist eines der Hauptrisiken im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie die Anzahl der Unternehmen, die während des „Shutdown“ zur Schliessung gezwungen wurden. Je mehr Unternehmen schliessen und entlassen müssen, desto höher werden die Kosten der Krise sein. Bei einer starken Rezession ist es zudem weniger wahrscheinlich, dass der Konsum unmittelbar nach der Eindämmung wieder aufgenommen wird. Das andere grosse Risiko für die Wirtschaft besteht darin, dass die Gesundheitskrise von einer Finanzkrise begleitet wird, die sich voraussichtlich viel stärker auf das BIP auswirkt als die Subprime-Krise von 2008.
Man kann sich Szenarien vorstellen, in denen auf die COVID-19 Quarantänen eine rasche wirtschaftliche Erholung folgt. Die Wirtschaft ist vor dem Virus stetig gewachsen. Aber je länger der „Shutdown“ dauert, desto unwahrscheinlicher wird es eine baldige Erholung geben.