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Der Verkauf der insgesamt 1,05 Millionen Aktien erfolgte zu einem Preis von 60,50 CHF je Titel. Rund 107'000 Aktien gingen dabei an Ruflin und Dorigo. Diese halten damit neu 8,05% respektive 2,45% der Leonteq-Aktien, wie der Mitteilung weiter zu entnehmen ist. Bedeutendster Aktionär bleibt die Raiffeisen-Gruppe mit einem Anteil von über 29%. Zwischen Raiffeisen, Ruflin und Dorigo besteht zudem eine Aktionärsvereinbarung, zu der bisher auch Schoch gehörte.
Der Verkauf von Schochs Aktien erfolgte am Donnerstagabend nach Börsenschluss. Zu diesem Zeitpunkt notierten die Leonteq-Aktien an der Börse bei 64,10 CHF. Nach der Transaktion notieren die Leonteq-Papiere am Freitagmorgen mit herben Kursverlusten: Um 11.15 Uhr kosten sie an der Börse 61,10 CHF und liegen damit 4,7% unter dem Kurs des Vorabends. Im Laufe des Morgens sackte der Aktienpreis sogar kurz auf 60,55 CHF ab und erreichte damit fast den Preis, zu welchem Schoch sein Aktienpaket verkaufen konnte.
RUFLIN UND DORIGO SICHRTEN SCHOCH MINDESTPREIS ZU
Gemäss Angaben von Leonteq hatte Schoch am Donnerstag mit Ruflin und Dorigo ein so genanntes Backstop Agreement abgeschlossen. Dieses erlaubte Schoch, innert 27 Tagen rund 785'000 seiner insgesamt 1,05 Millionen Aktien zu einem garantierten Preis von je 56,00 CHF an Ruflin respektive Dorigo zu verkaufen. Die Vereinbarung ermöglichte es Schoch also, während der ganzen Vertragsdauer mit der Sicherheit eines Mindestpreises nach anderen Abnehmern für seine Leonteq-Aktien zu suchen, die einen höheren Preis zahlen. Für den Fall einer erfolgreichen Platzierung erhielten Ruflin und Dorigo das Recht, bis zu 10% von Schochs Anteile zum gleichen Preis zu übernehmen.
Der Ausstieg Schochs aus dem Aktionariat erfolgt, nachdem der Mitgründer bereits Anfang Oktober den CEO-Posten abgegeben und aus der Geschäftsleitung von Leonteq ausgeschieden ist. Interimistischer CEO ist seither Finanzchef Marco Amato. Schoch wurde derweil auf die neu geschaffene Funktion eines "Senior Advisor Strategic Growth Initiatives" gehievt. Ob er diese Amt behält, dazu machte Leonteq am Freitag auf Anfrage von AWP keine Angaben.
ENDE EINER ÄRA
Analysten bezeichnen das Ausscheiden Schochs aus dem Aktionariat als "Ende einer Ära", sehen darin aber eine Chance für Leonteq. Für die Zukunft von Leonteq sei es wohl "nicht negativ, dass der Ex-CEO keinen Einfluss mehr via Aktienpaket ausüben kann", heisst es etwa bei der Zürcher Kantonalbank, deren Analysten darin auch eine Reduktion der Gefahr eines Machtkampfes sehen.
Schoch hat Leonteq stark geprägt: Zusammen mit Ruflin, Dorigo und Michael Hartweg hatte er das Unternehmen 2007 als Tochter der Privatbank EFG gegründet. Von Beginn weg war Schoch dessen CEO, auch als es 2012 an die Börse gebracht wurde. 2016 rutsche Leonteq allerdings in eine Krise: So wurde Ende 2015 überraschend eine für das Unternehmen wichtige Kooperation aufgekündigt, was darauf zu einem Gewinneinbruch führte. Darüber hinaus zog die Finanzmarktaufsicht (Finma) im Zusammenhang mit dem Vorwurf von Marktmanipulation Gewinne von Leonteq ein. Im zweiten Halbjahr 2016 rutschte der auf strukturierte Produkte spezialisierte Finanzdienstleister zudem in die roten Zahlen, worauf das Unternehmen ein Kostensenkungsprogramm lancierte.
Die Krise zeigte sich auch im Aktienkurs von Leonteq: Von seinem Hoch im Sommer 2015 von über 230 CHF sank dieser auf unter 26 CHF im März 2017. Die geschäftlichen Schwierigkeiten führten oder führen zudem zu diversen Wechseln im Verwaltungsrat und in der Geschäftsleitung. Momentan ist noch der ehemalige Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz Verwaltungsratspräsident des Unternehmens. An einer ausserordentlichen Generalversammlung im November soll indes Christopher Chambers in dieses Amt gewählt werden. Chambers wird als Vertrauter von Investor Rainer-Marc Frey angesehen, der während der Krise als Grossaktionär bei Leonteq eingestiegen ist.
jr/uh
(AWP)