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Nach der Schulteroperation ist der rechte Arm durch die Lokalanästhesie bis zu den Fingerspitzen taub. Die Finger der linken Hand greifen stets daneben, wenn sie die tauben Finger berühren wollen: Meine Vorstellung von deren Lage korrespondiert nicht mit der Wirklichkeit. Der Arm ist nicht nur für Berührungen aller Art unerreichbar geworden, sondern auch für die vom Hirn kommenden Impulse, er ist vom Bewusstsein losgekoppelt, mir vollkommen fremd und äusserlich geworden.
Zimmergenosse Heiri, 91, der sich militärisch mit Nachname und Vorname meldet, fällt nach dem ersten Aufstehversuch, zu dem die Physiotherapeutin ihn ermuntert hat, in eine kurze Ohnmacht. Obwohl diese nur Sekunden dauert, reicht sie aus, ihm die Kontrolle über seinen Schliessmuskel zu nehmen, und er pinkelt in die Hose. Darüber ist er so schockiert und schämt er sich so sehr, dass er den Vorfall allen, die mit ihm zu tun haben, erzählt, dem Arzt, dem Pflegepersonal, seiner Frau, seinen Freunden am Telefon und mehrmals auch mir. Er versucht seine Schuld durch wiederholtes Beichten wegzuwaschen.
„Hast du den Blutdruck schon gemessen?“ – „Beim An-der-Tür noch nicht.“ Der-an-der-Tür, das bin ich. Der andere heisst „Der-am-Fenster“.