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Raw Lam zu Parschat Pekudei 5764
Die Aufgabe der Juden!
Alles, was wert ist, gesagt zu werden, ist auch wert, wiederholt zu werden! (Michael Lam)
Immer wieder stellt sich die Frage: „Wieso verwendet die Torah so viel Tinte darauf, die Einzelheiten des Baus des Stiftzelts in der Wildnis zu wiederholen?“
Der Alte von Chelm schreibt, dass es zwei Faktoren gibt, die einer Sache Wert verschaffen:
1) Ihre Seltenheit; 2) ihre Unabdingbarkeit. Ein Diamant oder ein anderer Edelstein ist umso wertvoller, je seltener er ist. Eine seltene Briefmarke oder sogar eine Fussballerkarte werden nur deshalb ein Sammelobjekt und teuer, weil es nur eine oder zwei davon gibt. Wenn Tausende davon auf den Markt geworfen würden, erführe deren Preis einen dramatischen Absturz.
Es gibt andere Dinge, die Wert besitzen, weil wir sie zum Leben brauchen. Luft, Wasser und Speise besitzen Wert. Sie sind nicht mit einer teuren Preisetikette versehen; aber dies ist nur deshalb so, weil sie, G’tt sei Dank, in genügender Menge zur Verfügung stehen. Versuchen Sie mal für zwei Minuten den Atem anzuhalten; anschliessend reden wir dann über den Wert der Luft. Am Ende eines Fasttages, können wir alle Lobeshymnen auf die grossartige Speise anstimmen. Der Alte von Chelm fährt mit folgender Feststellung fort: Die Welt wurde solcherart geschaffen, dass, je dringender wir eine Sache benötigen, diese Sache um uns herum im Übermass vorhanden ist. Luft ist überall und wir brauchen sie dringend. Wasser ist weniger überlebensnotwendig als Luft, aber wichtiger als Speise; deshalb sind zwei Drittel der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt. Nahrung wird weniger gebraucht und deshalb ist sie in noch geringerem Ausmass, aber immer noch in ausreichender Menge, vorhanden. Das Grundprinzip lautet: Je mehr von einer Lebensnotwendigkeit vorhanden ist, desto wichtiger und notwendiger ist sie.
Deshalb sind Dinge, die in der Torah oft erwähnt werden, von besonderer Wichtigkeit. Der Auszug aus Ägypten beansprucht ausserordentlich viel Raum und wird mit vielen Mizvot, die täglich, wöchentlich oder jährlich ausgeführt werden, in Zusammenhang gebracht. Nicht nur am Sederabend von Pessach gilt der Befehl, in aller Gründlichkeit über den Auszug aus Ägypten zu reden, sondern wir haben auch tagtäglich die Pflicht, uns daran zu erinnern. Die Torah benützt den Ausdruck „Auszug aus Ägypten“ 50 Mal in der einen oder anderen Form. Man weist uns klar darauf hin, dass wir wissen müssen, dass die Erinnerung an das, was in Ägypten vor sich ging, für das jüdische Überleben so wichtig sind, wie die Luft, die wir atmen.
Diesen Gedanken kann man vielleicht gleichermassen auf das Stiftzelt anwenden! An einem weltweiten Anlass geistiger Führer verschiedener Religionen, stellten sie Ueberlegungen darüber an, auf welche Weise sie ihr Geistesgut zu einem guten Zweck verbinden könnten. Ein Vorschlag bestand darin, eine kurze Besinnung einzuschalten, die Welt in Gedanken zu verlassen und sich über den täglichen Schmutz und die dauernden Verlockungen des körperlichen Verlangens zu erheben. Zum Schluss machte einer der Geistlichen einen neuen, überraschenden Vorschlag: „Anstatt, dass wir versuchen, uns über das Weltliche zu erheben – warum bringen wir nicht das Körperliche auf eine höhere Stufe und schaffen hier auf dieser Welt einen Raum für das G’ttliche?!“ Der Leiter dieser Übung verwarf diesen Gedanken jedoch umgehend: „Nein!“ meinte er. „Das ist die Aufgabe der Juden!“
Wenn wir uns alle Einzelheiten und den Aufwand, den die Gemeinschaft zum Aufbau des Stiftzeltes leistete vor Augen führen, kommen wir zum Schluss: Auf dieser Welt besteht unsere einzigartige Aufgabe darin, unseren eigenen kleinen Bereich in der Schöpfung zu verbessern. Nach all diesen Jahren bleibt dies „die Aufgabe der Juden!“
Quellen und Persönlichkeiten:
Alter von Chelm (1824 – 1898) [Rav Simcha Zissel Ze’ev]: Gründer und Rosch Jeschiwa der Talmud Torah in Chelm, Polen.
Rav Frand, Copyright © 2007 by Rav Frand und Project Genesis, Inc und Verein Lema'an Achai / Jüfo-Zentrum.
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