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Ein Halbfinal in der Champions League ist immer eine offene Angelegenheit, sollte man meinen. Beide Teams sind ja dorthin gekommen. Trotzdem ist der Halbfinal Lyon gegen Bayern von heute Abend (21 Uhr, SRF2) ein David-gegen-Goliath-Spiel.
Seit 2013, seit dem 2:1-Sieg im Wembley gegen Borussia Dortmund, stand der FC Bayern München nie mehr in einem Final der Champions League. Die sechs Gewinner in der Königsklasse seither kamen fünfmal aus Spanien und einmal aus England (Liverpool vor einem Jahr). Die sechs unterlegenen Finalisten kamen je zu einem Drittel aus Spanien, Italien und England.
Gleichgültig also, wie das zweite Halbfinal-Duell zwischen einer deutschen und einer französischen Mannschaft am Mittwoch ausgeht, wird mindestens eine der übrigen grossen europäischen Ligen, Deutschland und Frankreich, im Final vertreten sein.
Die Durststrecke der Ligue-1-Klubs in den Champions-League-Finals hält nicht erst seit sieben Jahren (wie die der Deutschen) an, sondern schon volle 16 Jahre. Und das im Final 2004 dem FC Porto unterlegene Monaco hat nicht einmal den französischen Pass. So muss man ins Jahr 1993 zurückschauen, in die allererste Saison der Champions League, die den Europacup der Meister ablöste. Olympique Marseille siegte damals im Final 1:0 gegen Milan.
Die Unwiderstehlichkeit, mit der die Bayern unter Trainer Hansi Flick in diesem Kalenderjahr vor allem in der Meisterschaft aufgetreten sind, und ganz besonders die Galavorstellung beim 8:2-Sieg im Viertelfinal gegen den allerdings erschreckend schwachen FC Barcelona erheben die Bayern für den Halbfinal zum haushohen Favoriten.
Was sollte Lyon, das in der französischen Meisterschaft beim Abbruch nach 28 Runden nur den 7. Platz belegte, dieser vermeintlichen Übermacht entgegensetzen können? Zum Beispiel eine Defensive, die sich nicht derart haarsträubende, stümperhafte Fehler am laufenden Band leistet wie Barça.
In den 180 Minuten des Achtelfinals gegen Italiens Serienmeister und Champions-League-Titelaspiranten Juventus Turin liess sich Lyons portugiesischer Goalie Anthony Lopes nur zweimal (einmal auf Penalty) bezwingen. Und in den 90 Minuten des Viertelfinals gegen das nicht minder ambitionierte Manchester City nur einmal.
Gelingt es der Mannschaft von Trainer Rudi Garcia, die zu erwartenden Angriffswellen der Münchner verebben zu lassen, ist Lyon der erstmalige Vorstoss in einen Final der Königsklasse zuzutrauen. Für eigene Tore ist Lyon in diesem Sommer immer gut – nicht nur dank dem Niederländer Memphis Depay und dem Franzosen Moussa Dembélé, von dem man derzeit viel mehr sieht als vom viel teureren und oft verletzten Namensvetter Ousmane Dembélé.
Für die Bayern gilt es, eine Art Trauma zu überwinden. Zwischen 2014 und 2018 sind sie viermal im Halbfinal hängengeblieben – jedes Mal an einer spanischen Mannschaft. «Ich glaube, dass wir Wettbewerbstypen alle hungrig sind und auch mental so fit, dass wir einfach präsent sind, auch vom Kopf her», sagte Goalie Manuel Neuer. (pre/sda)
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