Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03454.jsonl.gz/548

Revolutioniert 'Opera Unite' das Web?
Der norwegische Browserhersteller Opera, der bisher vor allem mit Browsern für kleine, mobile Geräte Furore machte, hat heute nichts weniger als die "Wiedererfindung des Webs" angekündigt. Mit 'Opera Unite' soll jeder PC zum Webserver werden. Mehr noch: Jeder, der einen PC mit Internet-Anschluss und der kostenlosen Software von Opera besitzt, kann beliebige Inhalte (Fotos, Texte, Töne, Filme, Webseiten ...) veröffentlichen und entweder "allen" oder einem eingeschränkten Kreis zur Verfügung stellen. Das raffinierte daran: Die Veröffentlichung von Medieninhalten aller Art braucht keinerlei Vorkenntnisse.
Dazu kommen eine Reihe von "Services": Man kann Chat-Räume betreiben oder sich gegenseitig Notizen auf den "Kühlschrank" im PC kleben. Weitere, von Opera vorgefertigte Services sind etwa ein Medienabspielgerät für Ton und Filme, ein Dienst, um Bilder zu zeigen, ein Filesharing-Dienst und eben ein Webserver.
Die Norweger haben heute eine "Alpha-Version" von 'Unite' veröffentlicht. Nach nur wenigen Schritten kann man seinen PC in einen Web-Server verwandeln: Man muss die Vorversion von Opera 10 herunterladen und sich beim Anbieter anmelden. Danach erhält man eine URL (Computername.Benützername.operaunite.com) und kann loslegen. Da aller Verkehr vom und zum selbst gebastelten "Webserver" über Proxyserver von Opera läuft (siehe Grafik oben), muss keine Firwall konfigurieren werden und man muss sich nicht darum kümmern, ob seine Adresse den Maschinen, die den Verkehr im Web steuern, bekannt ist.
"Services" selbst programmieren
Opera will laufend weitere Dienste zur Verfügung stellen. Wichtiger aber dürften die von programmierfreudigen Massen programmierten Zusatzdienste werden. Auch dafür braucht es gemäss Opera nur mässige Kenntnisse in HTML, CSS (Cascading Stile Sheets) und JavaScript. Ein für 'Opera Unite' programmierter Dienst kann dann bei der norwegischen Firma veröffentlicht werden.
Sicherheitsbedenken
'Opera Unite' scheint es tatsächlich kinderleicht zu machen, jeden PC zu einem Webserver zu machen und beliebige Inhalte einer Festplatte mit ein paar Mausklicks zu veröffentlichen. Das wiederum dürfte Unvorsichtige dazu verleiten, Dinge zu veröffentlichen, für die sie kein Recht zur Weiterverbreitung haben (Fotos, Musik, Filme). Oder dann werden private Daten publiziert, die man später lieber nicht in der Öffentlichkeit sehen würde.
Zudem ist der Datenverkehr zwischen dem eigenen "Weberver" und den Proxy-Servern von Opera nicht verschlüsselt und Inhalte, die man nur einem bestimmten Kreis zugänglich machen will, sind nur mit einem Passwort geschützt. Noch unbekannt ist, ob 'Opera Unite' Angreifern nicht auf die eine oder andere Art Zugang zu anderen Daten auf einem PC öffnet. Und selbstverständlich wird es eine Art "Opera-Unite-Phishing" geben. Angreifer werden versuchen, ihre Opfer dazu zu verlocken, gefährliche Dateien auf ihren Computer zu laden.
Die Gedanken sind frei
Gespannt sind wir, wie 'Opera Unite' von der breiten Masse der Internet-Benutzer angenommen wird. Sicher ist, dass die Verbreitung und Publikation von Inhalten aller Art, mit 'Opera Unite' noch ein Stück weiter demokratisiert wird. (Christoph Hugenschmidt)