Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03144.jsonl.gz/1976

Als Junge wollte Allan Buzibye Astronaut werden. In der Schule brillierte er in Mathematik und Physik und ersetzte seinen Bubentraum mit dem Berufswunsch Ingenieur. Doch dafür verfehlte der ehrgeizige junge Mann aus der Stadt Jinja am Ausfluss des Nils aus dem Viktoriasee beim High School Abschluss ganz knapp die erforderliche Note. So wählte er das Studium als bio-medizinischer Labortechniker. Dank seiner gewissenhaften, sorgfältigen Arbeitsweise bei der Erforschung von Heilpflanzen in seinem Heimatland Uganda war er bald für das John Hopkins Kernlabor, darauf für das Infectious Diseases Institute (IDI) in der Hauptstadt Kampala tätig. Diese beiden wissenschaftlichen Institutionen zur Bekämpfung der HIV-AIDS-Pandemie in Uganda sind mit der Makerere Universität liiert, die ihrerseits seit über zehn Jahren mit der Universität Zürich durch ein Zusammenarbeitsabkommen verbunden ist.
Und so war es nur folgerichtig, dass Allan Buzibye nach einer Weiterbildung in den Niederlanden ans IDI zurückkehrte und dort bald an der vom IDI und der UZH gemeinsam durchgeführten SOUTH-Studie mitzuarbeiten begann. Diese Forschungsstudie untersuchte den Zusammenhang zwischen unterschiedlichen Konzentrationen von Anti-Tuberkulose-Medikamenten und den Ergebnissen der Tuberkulose-Behandlung bei ugandischen Erwachsenen, die mit beiden Erregern, Tuberkulose (TB) und HIV, infiziert sind. Als Labortechniker war Allan Buzibye für die wichtigsten Labor-Messungen zuständig.
Nebenwirkung: Gehör- und Nierenschädigung
Die Untersuchungen sind inzwischen ausgeweitet worden. In Uganda wie in der Schweiz werden an TB erkrankte AIDS-Patientinnen und Patienten im Normalfall mit vier Medikamenten behandelt. «Diese sogenannten First Line Drugs sind sehr wirkungsvoll, relativ günstig und verhältnismässig gut verträglich», sagt Allan Buzibye. «Wenn die AIDS-Patienten jedoch mit TB-Bakterien infiziert sind, die gegen eines oder mehrere Medikamente resistent sind, müssen andere Antibiotika verabreicht werden. In Uganda handelt es sich dabei vor allem um sogenannte Aminoglykoside. Zu hohe Konzentrationen dieser Antibiotika können schwerwiegende Folgen für die Gesundheit der Patienten haben. Es kann schnell gehen, dass ihr Gehör irreparabel geschädigt oder gar zerstört wird. Ebenso können die Nieren in Mitleidenschaft gezogen werden.» Schnell, regelmässig und zuverlässig die Medikamentenkonzentration im Blut der Patienten ermitteln zu können, ist daher für eine erfolgreiche, sichere Therapie unerlässlich.
Für die SOUTH-Studie wurde eine Technik verwendet, die Konzentrationsmessungen u.a. von Basis-Medikamenten gegen TB und HIV erlaubt, die sogenannte Hochleistungs-Flüssig-Chromatographie mit ultravioletter Detektion (HPLC-UV). Für die Messung der Konzentration von Aminoglykosiden im Blut ist jedoch ein weiter entwickeltes Gerät erforderlich, eine höchstgenaue Waage sozusagen, was durch die Kopplung der Hochleistungs-Flüssig-Chromatographie an ein Massenspektrometer (LC-MS) erreicht wird. Um diese komplexere und diffizilere Apparatur, von den Eingeweihten kurz «Mass spec» genannt, zuerst für die Forschung am IDI und dann für die klinische Patientenbetreuung in Kampala anwenden zu können, musste sich Allan Buzibye zuerst die nötigen Fähigkeiten aneignen, was ganz dem Sinn der Forschungspartnerschaft entspricht.
Hierfür steht Allan Daniel Müller, wissenschaftlicher Abteilungsleiter des Instituts für klinische Chemie am Universitätsspital Zürich (USZ), zur Seite. Beim LC-MS handelt es sich um ein Spitzenprodukt mit einer relativ teuren Technik, die der Benutzer selber abstimmen und justieren können muss. Dieses Gerät wurde von Zürich dem IDI zur Verfügung gestellt. «Ohne seine ausgezeichnete vorgängige Ausbildung und Erfahrung wäre Allan jedoch nicht in der Lage gewesen, neben seiner Arbeit in der relativ kurzen Zeit eines Jahres soweit zu kommen», meint Daniel Müller. Zur Ausbildung gehörte eine mehrwöchige Präsenz an der Seite von Daniel Müller im Labor des USZ, wo eine ganze Reihe LC-MS-Apparate täglich im Einsatz stehen. Auch hat Daniel Müller seinerseits Allan Buzibye im IDI besucht.
Die «freundliche Maschine»
«Das Einrichten des LC-MS war eine Herausforderung», gesteht Allan Buzibye ein, «aber jetzt ist die Maschine schon ganz freundlich». Seine tägliche Arbeit daran lässt die zahlreichen Schwierigkeiten und Hindernisse in den Hintergrund treten, die zu bewältigen und zu überwinden waren. Daniel Müller gibt ein paar Müsterchen preis, wenn er vom Problem der zuverlässigen Lieferung von hochreinem Stickstoff in Ostafrika spricht, den der Apparat benötigt. Oder vom Umstand, dass der nächste Servicetechniker des Geräts 2'800 Kilometer Luftlinie entfernt in Südafrika sitzt, weshalb sich Allan Buzibye mit der Technik des Geräts so gut vertraut machen musste, dass er den Service selbst erledigen kann. Oder dass das Gerät im IDI-Labor vor dem in der ugandischen Hauptstadt allgegenwärtigen roten Staub der Lateriterde geschützt werden musste, weil er das empfindliche Gerät funktionsunfähig gemacht hätte.
Noch ist das LC-MS am IDI nur für die Forschung im Einsatz. Doch möglichst bald sollen, dem Prinzip der Forschungspartnerschaft entsprechend, Patientinnen und Patienten im klinischen Alltag davon profitieren. Über die zahlreichen Jahre ihrer Zusammenarbeit sind Daniel Müller und Allan Buzibye enge Forschungspartner geworden. Mehr noch, präzisiert Daniel Müller, sie seien auch Freunde geworden und er freue sich auf den baldigen Besuch Allans. Dieser wird an den Dialogue Days 2019 der Forschungspartnerschaft in Zürich teilnehmen. An dem dreitägigen Symposium vom 9. bis 11. September diskutieren human- und veterinärmedizinische Forschende und Fachleute, Interessierte aus einem weiten Kreis von Institutionen und Organisationen, sowie Vertreter der Politik über die anstehenden Herausforderungen der globalen Gesundheit.
Dialogue Days 2019
9. bis 11. September 2019
Die Konferenz thematisiert Herausforderungen für die globale Gesundheit, darunter fallen: nicht übertragbare Krankheiten, übertragbare Krankheiten bei Tieren und Menschen, Klimawandel und Migration. Der Dienstag ist für die Öffentlichkeit zugänglich und bietet eine spezielle Diskussion über Migration.
Anmeldungen sind bis am 2.9. möglich
Kommentar schreiben
Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Unberücksichtigt bleiben insbesondere anonyme, ehrverletzende, rassistische, sexistische, unsachliche oder themenfremde Kommentare sowie Beiträge mit Werbeinhalten.