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Schweizer Illustrierte: Herr Ogi, hatten Sie am vergangenen Donnerstag so etwas wie ein Déjà-vu?
Adolf Ogi: Und ob, ich fühlte mich in den Juni 1999 zurückversetzt, als die Olympischen Spiele 2006 an Turin und nicht an Sion vergeben wurden. Wir wurden abgestraft, weil der legendäre Marc Hodler, der Berner IOC-Vizepräsident, die Korruption im IOC angeprangert hatte. Auch wenn es unheimlich wehtat: Wir waren gute und faire Verlierer.
Ist den Engländern jetzt das Gleiche wie Sion 2006 passiert?
Ja, das denke ich. England hat für die Berichterstattung der eigenen Medien über die Korruption bei der Fifa gebüsst. Die Wahl Russlands kann ich nachvollziehen. Aber England hatte das beste Dossier und die beste Präsentation und erhielt 2 von 22 Stimmen – da kann doch etwas nicht stimmen!
Wofür führt die Fifa eigentlich millionenteure Evaluationsverfahren durch?
Für nichts, wie es scheint. Denn offensichtlich haben sie keine Relevanz.
Die Wahl von Katar …
… ist erstaunlich. Das Land hat sicher die nötigen Mittel, um diese WM durchzuführen. Aber was bringt das dem Fussball? Und ob die Fans dort ein richtiges Fussball-Fest feiern können?
Ist es am Ende naiv, zu glauben, dass eine WM für die Fans gemacht wird?
Wahrscheinlich schon, leider. Bei der Vergabe an Katar hat man jedenfalls kaum an sie gedacht.
All diese Begebenheiten müssen Ihnen als Sportsmann ganz besonders wehtun.
Das tun sie. Ich halte den Sport immer noch für die beste Lebensschule. Aber ich befürchte, dass sich die Fans irgendwann abwenden, wenn Olympische Spiele und Weltmeisterschaften nur noch reine Geldmaschinen sind.
Sie erfuhren 2001 am eigenen Leib, wie unberechenbar die Gremien der grossen Sportverbände sind, als Sie IOC-Mitglied werden wollten und nicht gewählt wurden.
Richtig. Aber wenn ich sehe, wie die Dinge heute laufen, war es wahrscheinlich besser so.