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Eine Schwäche für traurige Helden
- Montag, 28. März 2016, 15:06 Uhr
Einer der Grossen der Literaturszene feiert seinen 80. Geburtstag: Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa aus Peru. In seinen Büchern erkundet der Dichter den schmalen Grat zwischen Heldentum und Peinlichkeit. Zweimal im Leben wandelte er selbst auf diesem Grat.
Der Mann hat ein Faible für Machos mit ihren Machtallüren, für traurige Helden: Mario Vargas Llosa. Der Romancier aus Peru wird heute achtzig, die tristen Helden haben ihn und seine Bücher einst berühmt gemacht.
In der Jugend ist Vargas Llosa in Lima Kadett; im ersten Roman, «Die Stadt und die Hunde» (1962), beschreibt er den Sadismus einer Kadettenanstalt. «Das grüne Haus» (1965) berichtet von einem Bordell in der Wüstenstadt Piura, aber auch von der Grausamkeit der Missionare und Kautschuksammler gegenüber den Indios am Amazonas.
«Der Krieg am Ende der Welt» (1981) beruht auf Fakten: Fanatiker gründen im Brasilien des 19. Jahrhunderts ein Gottesreich, arme Menschen, «deren Überzeugungen stärker sind als die Angst vor dem Tod»; der Staat zerstört das Reich und lässt die Gläubigen massakrieren. «Maytas Geschichte» (1984) erzählt von einem linken Idealisten, der zum Rebellen, zum Terroristen, zum Renegaten wird. Im Rückblicke sieht Mayta «nichts als kaputte Illusionen, Enttäuschungen, Irrtümer, Feindschaften».
Tod eines Tyrannen
Nach eher blassen Büchern und ein paar erotischen Romanen kehrt Vargas Llosa immer wieder zu seinem Thema zurück: zu den tristen Heroen, den Machtmenschen und Getriebenen.
«Das Fest des Ziegenbocks» (2000) spielt 1961 in Santo Domingo unter Diktator Trujillo. Der Tyrann, Herr über Leben und Tod, stirbt in einem Hinterhalt, die Attentäter sterben kurz darauf. In «Der Traum des Kelten» (2010) porträtiert der Dichter einen irischen Nationalisten, der 1916 in London am Strick endet. Ebenfalls 2010 erhält Vargas Llosa den Nobelpreis für Literatur – «für seine Kartographie der Machtstrukturen» sowie für scharfkantige Bilder «des Aufruhrs und der Niederlage».
Gang auf dem schmalen Grat
Es ist ein schmaler Grat zwischen Draufgängertum und Peinlichkeit. Mario Vargas Llosa hat ihn erkundet, zweimal im Leben wandelt er selbst auf dem Grat. 1990 will er Präsident von Peru werden – ein ehemaliger Linker im Kampf gegen den «totalitären Kommunismus». Der Autor ist Favorit, doch die Stichwahl gewinnt Alberto Fujimori, ein Agraringenieur japanischer Abstammung. Wenig später wird Fujimori zum Diktator.
2015 trennt sich der Dichter nach fünfzig Jahren von Ehefrau Patricia, er tut sich mit Isabel Preysler zusammen – Ex-Model, Ex-Frau von Julio Iglesias, Mutter von Popstar Enrique. Und plötzlich sind die hispanischen Gazetten voll von Vargas Llosa, einem Nobelpreisträger in peinlicher Pose. Wenn schon: Die Bilder des Boulevards vergehen, die Texte des Meisters aber bleiben.
Ein moderner Klassiker
Vor fünfzehn Jahren fragte man ihn in einem Interview: Wenn Sie etwas über sich selbst notieren müssten, für ein Lexikon, das erst nach Ihrem Tod erscheint – was würden Sie schreiben? Er erwiderte «Von mir soll man sagen, was man von den Schriftstellern sagt, die ich am meisten bewundere, von Faulkner, Flaubert, Conrad, Malraux: Er hat die Literatur seiner Zeit bereichert.» Dieses Ziel hat er längst erreicht – Mario Vargas Llosa, ein moderner Klassiker.
Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 29.3.2016, 07.20 Uhr.
Buchhinweis
Ein schönes Geschenk für Mario Vargas Llosa und seine Leser: Der Suhrkamp-Verlag publiziert einen Frühtext des Peruaners, prachtvoll, in der Insel-Bücherei. «Sonntag», 1959: Miguel und Rubén, zwei Halbstarke aus Lima, begehren die zarte Flora. Ein Duell soll entscheiden, ein Wettschwimmen im eisigen Pazifik. Kann Miguel den Macho Rubén bezwingen?
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