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Jäggli-Furrer Hans Jakob , Industrieller, 1817-1895
Hans Jakob Jäggli war ein rastloser und unermüdlicher Schaffer. Für ihn gab es kein Ausruhen. Ihm ist jeder Erfolg nur Stufe gewesen, auf der er den nächsten vorbereitet und aufgebaut hat. In Jahren schwerer Mühsal hat er steinigen Boden beackert und stets nach Verbesserungen gesucht.
Jakob Jäggli wuchs in Seen als Sohn eines angesehenen Bauerngeschlechtes auf. Seit Beginn des 17 Jhdt. hat die Familie vier Zehntammänner gestellt. Sein Vater Hans Kaspar Jäggli, 1784-1843, hatte wie zuvor sein Bruder, das Amt eines Friedensrichters inne. Nach seinem Tode ging der Hof mit allem Umschwung an Hansjakob dem einzigen Erben. Dieser wollte aber nicht Bauer sein.
1842 heiratete er Elisabeth Furrer, die Tochter des Gemeindeammanns von Oberwinterthur. Den ererbten Hof verkaufte er, behielt aber die ausgedehnten Ländereien. Ihn lockten Handel und Wirtschaft. Früh hatte er auch Interesse an der Politik. Bereits als 25-jähriger stand er der Gemeinde Seen als Präsident vor. Wenig später wurde er Kantonsrat und von 1850 bis 1869 war er auch Bezirksrat. Frustriert durch die demokratische Woge wandte er sich von der Politik ab und widmete sich nur noch seinem Geschäft.
Jäggli hatte Johannes Stahel kennen gelernt. Dieser, aus dem Tösstal hergezogen, betrieb seit 1844 in Seen die Zwirnerei „Johannes Stahel, Baumwollstrickgarn-Fabrikation“. Um das Unternehmen auf bessere Füsse zu stellen, schlossen die beiden am 21. September 1846 einen Sozietätsvertrag (gemeinsame Berufsausübung) ab. Jäggli liess es aber nicht mit einer finanziellen Beteiligung bewenden. Für seine vielseitigen Begabungen hatte er sich nun ein Tätigkeitsfeld erschlossen, das er nutzen wollte. Das Geschäft „Stahel & Jäggli“ lief gut. Bereits 1850 lieferte das Unternehmen bis ins Bernbiet, nach Solothurn und ins Tessin. Inzwischen hatten sie die Fabrikation von Stickzwirn, Baumwollfaden und Nähseide aufgenommen. Der Maschinenpark umfasste eine Zwirnmaschine mit vierzig Spindeln, eine Krungelwindmaschine mit acht Flügeln, eine Spulmaschine für sechs Spulen und neun Spulräder und andere ältere Produktionseinheiten mehr. Neuer Platzbedarf war von Nöten.
Jäggli hatte 1848 ein grösseres Wohnhaus in Oberwinterthur aus einem Konkurs übernommen. Per 1. September 1849 verlegte man den Geschäftssitz dorthin und nannte sich neu „Stahel und Jäggli, Zwirnerei“. Nebst der Steigerung der Produktion wurde auch die Geschäftstätigkeit ausgeweitet. Nebst einer neuen Zwirnerei entstanden eine Färberei, eine Bleicherei, eine Tröcknerei, ein Gewölbe zum Garnabsieden, sowie Räume für Ofen, Dampfkessel und Dampfmaschine. Die hohen Investitionen und der Einbruch des Absatzes verbunden mit einem Preiszerfall, hervorgerufen durch den amerikanischen Bürgerkrieg (1861), machten Sorgen und der Personalbestand sank 1863 von zwanzig auf 10 Arbeiter und Arbeiterinnen. Die Erfindung der Nähmaschine begünstigte dann den Geschäftsgang wieder. Je zahlreicher die Nähmaschinen, desto grösser der Fadenverbrauch!
Also machte man sich selbst an die Produktion von Nähmaschinen. 1868 erhielt die Firma an der dritten kantonalen Industrie- und Gewerbeausstellung in Zürich den ersten Preis für Nähmaschinen und gezwirnte Garne. Neben her liefen Unstimmigkeiten zwischen den Geschäftspartnern Stahel und Jäggli. Am 1. Mai 1871 kam es nach langwierigen Streitereien zur Trennung und Neugründung der „Jakob Jaeggli, Seidenzwirnerei Färberei und Mechanische Werkstätte“. Neu schrieb man sich mit „ae“. Jaeggli wirkte nun wie befreit und sogleich machte er sich an den Ausbau des Betriebes.
Nach guten wirtschaftlichen Jahren kamen leider zu schnell auch wieder schwierigere Zeiten. Mit den Geschäftsverbindungen ins Ausland war das Unternehmen stärkeren Reaktionen ausgesetzt. Nach der Abschaffung der Schutzzollpolitik einiger Länder wurde diese ab den Jahren nach 1876 wieder eingeführt. Baumwoll- und Nähseidenzwirnereien waren die Hauptleidtragenden. Je länger je mehr kam das Standbein der mechanischen Werkstätte zum Tragen. 1873 wurde mit einem Fabrikanbau dafür weiterer Raum geschaffen. Ausser Nähmaschinen -1876 wurden hundertneunzig Stück verkauft- machte eine Futterschneidmaschine den Namen weit herum bekannt. Ferner gehörten Strickmaschinen, Schusternähmaschinen, Räbenschneidmaschinen und Weinpressen zum Produktionsprogramm. Aber auch „Hämmerli“ und „Klüpperli“ für Strickmaschinen wurden zu Hunderttausenden für Saurer in Arbon und weiteren Abnehmern gefertigt.
Nach der Weitergabe der Gesamtverantwortung des Werkes an seinen Sohn Robert durfte der Gründer den weiteren Erfolg des Unternehmens in „Teilzeitarbeit“ in ungebrochener geistiger Frische weiter verfolgen. Am zweiten Weihnachtstag des Jahres 1895 verstarb Jakob Jäggli-Furrer. Sein Sohn und ein Trüppchen von Enkel und Enkelinnen betrauerte das Familienhaupt, das mit seinen bedeutenden Gaben Grosses in die Wege geleitete hatte.
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