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Mitt Romney: Porträt des Herausforderers
Geboren 1947 in Detroit. Abschluss in Rechtswissenschaften an der Harvard University. MBA. Ab 1975 Unternehmensberater in Boston. Ab 1984 Gründungspartner der Private Equity Gesellschaft Bain Capital.
Ab 1999 Geschäftsführer des Organisationskomitees der Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City. 2003 - 2007 Gouverneur von Massachusetts. 2008 erfolglose Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur.
Seit 1969 verheiratet. Fünf erwachsene Kinder, 16 Enkel. Mormone in fünfter Generation. Hat zwei Jahre als Missionar in Frankreich verbracht.
Mitt Romney ist auf einem Parteitag in Tampa (Florida) zum offiziellen Kandidaten der Republikaner gekürt worden. Um sich vom wesentlich jüngeren Amtsinhaber Barack Obama abzusetzen, pocht er gern auf seine Wirtschaftskompetenz.
Tatsächlich hat er Obama in diesem Bereich einige wichtige Erfahrungen voraus: Romney hat fast 30 Jahre erfolgreich als Unternehmensberater und Private Equity-Manager gearbeitet, die meiste Zeit davon in der eigenen Firma. Dabei schuf er sich ein beachtliches Vermögen.
Der Staat soll sich zurückhalten
Romney positioniert sich gern als strikter Verfechter einer Marktwirtschaft, in die der Staat nur wenig eingreifen sollte. Vielen Amerikanern gilt er damit durchaus als Alternative zu Obama, der in den vergangenen Jahren mit Staatsausgaben in astronomischen Höhen versucht hatte, die kriselnde US-Wirtschaft wieder auf Trab zu bringen.
Unumstritten sind Romneys Erfolge in der freien Wirtschaft freilich nicht - auch nicht in den eigenen Reihen. Während er selbst behauptet, vor seinem Einstieg in die Politik rund 100'000 Jobs geschaffen zu haben, bezeichnen seine Kritiker ihn auch schon mal als «Job-Killer». Ihr Vorwurf: Als so genannter «Firmenjäger» habe Romney Unternehmen aufgekauft, zerschlagen und anschliessend die gesunden Teile mit sattem Gewinn wieder verkauft - auf Kosten von Arbeitern und Angestellten.
Der «Flip Flopper»
Dass Romney auch in anderen Fragen in den vergangenen Monaten seine Meinung oft ins Gegenteil geändert hat, gilt als eine seiner grossen Schwachstellen und hat ihm bereits den Beinamen «Flip Flopper» eingebracht - Wendehals. Ein in der «Washington Post» veröffentlichtes Cartoon brachte diesen Vorwurf auf den Punkt. In einer Sprechblase ist darin zu lesen: «Welche Meinung ihr auch immer habt... Ich bin dafür.»
Einen Flip Flop vollzog Romney zum Beispiel auch in Sachen Umweltschutz. Hatte er noch als Gouverneur Pläne zur Reduzierung der Treibhausgase und einen regionalen Emissionsrechtehandel, bekämpft er solche Programme heute. Und auch beim heiklen, für viele Amerikaner wichtigen Thema Abtreibung hat sich Romney zuletzt flexibel gezeigt. Bevor er Gouverneur wurde, unterstützte er das Recht auf Abtreibung. Später lehnte er es ab.
Aussenpolitisch tritt Romney für ein starkes Amerika ein - was das aber genau heisst, lässt er weitgehend offen. So ist er zwar dafür, die US-Truppen so schnell wie möglich aus Afghanistan abzuziehen. Doch er fügt hinzu: Nur wenn die Generäle dies in Ordnung finden.
Zweifacher Flip Flop bei Gesundheitsreform
Gar einen zweifachen Flip Flop machte Romney bei Obamas umstrittener Gesundheitsreform, die Millionen Menschen erstmals in der Geschichte der USA eine Krankenversicherung bringen soll. Seit Beginn seiner Wahlkampagne wiederholte Romney immer wieder, er werde die «Obamacare» am ersten Tag im Amt rückgängig machen. Und dies, obwohl Obama die Reform nach Einschätzung von Experten in grossen Teilen aus einem Gesetz übernommen hat, das ausgerechnet Romney als Gouverneur von Massachusetts eingeführt hatte.
Die strikte Ablehnung galt aber offenbar nur solange er die eigene Parteibasis für sich gewinnen musste. Nun da er aber auch gemässigte Wählende braucht, um Präsident zu werden, die überraschende Kehrtwende: Er finde gar nicht alles schlecht an der Gesundheitsreform von Präsident Obama. Zwei populäre Kernpunkte in der ansonsten in der Bevölkerung eher unbeliebten Krankenversicherungsreform will Romney offenbar beibehalten. So versucht der Herausforderer bei Wechselwählern zu punkten, bestätigt damit aber seinen Ruf als politische Wetterfahne.
Der Mormone
Romney, der seit mehr als 40 Jahren mit seiner Frau Ann verheiratet ist, hat fünf erwachsene Söhne und lebt heute in der Nähe von Boston. Romney ist Mormone - eine Tatsache, die ihm nach Einschätzung von Experten im Rennen um die US-Präsidentschaft eher zum Nachteil gereichen könnte. Viele Amerikaner, darunter die Evangelikalen, stehen der «Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage» skeptisch gegenüber. (ank/daua;bru, dpa/reuters)
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