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«Die Katastrophe ist nicht so schlimm, wie wir es ursprünglich befürchtet haben», schreibt Richard Shine, Experte für invasive Arten, im aktuellen «Quarterly Review of Biology». Erst vor knapp einem Jahr konnten Forscher die invasive Krötenart erstmals auch im westlichsten Bundesstaat Australiens ausmachen. Damals berichteten Medien, dass der Krieg gegen die Kröten endgültig verloren sei.
Doch das Ökosystem scheint die Riesenkröten, die einst als Insektenvernichter von Südamerika eingeführt wurden, absorbiert zu haben. «Offensichtlich haben die Kröten unter der australischen Vogel- und Eidechsenpopulation weniger Schäden angerichtet als befürchtet», erklärt Shine.
Massive Fressmaschinen
Die Aga-Kröten (Bufo marinus) können bis zu 26 Zentimeter lang und bis zu 2,5 Kilogramm schwer werden. Aus den einst rund tausend eingeführten Kröten sind mittlerweile geschätzte 100 Millionen Tiere geworden. Ein Aga-Kröten-Weibchen produziert jährlich 20'000 Eier. Alle Versuche, die Ausbreitung der Kröten einzudämmen, sind bisher gescheitert. In einigen Regionen haben die Behörden sogar zum bewaffneten Kampf gegen die Invasoren aufgerufen. Um die Kröten von anderen Amphibien zu unterscheiden, wurde sogar eine eigene Homepage eingerichtet: www.frogsnotcanetoads.com.au
Trotz des Siegeszuges der Kröten konnten die Wissenschaftler auch keinen signifikanten Rückgang von Insekten feststellen. In manchen Regionen, in denen die Kröten auftauchten, sei es jedoch zu einem Rückgang von Süsswasserkrokodilen, verschiedenen Schlangenarten und Beutelmardern gekommen. 2008 berichteten Forscher davon, dass am Victoria-River im Northern Territory zahlreiche Krokodile nach dem Verschlingen der Kröten verendet seien. Doch schon im darauf folgenden Jahr sank die Zahl der durch Krötengift verendeten Krokodile deutlich. Die Zahl der Krokodile dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach konstant geblieben sein. Shine geht davon aus, dass die Tiere sehr schnell begreifen, dass die Kröten nicht zu ihrem Beuteschema gehören.
Teure Invasoren
Bioinvasoren gefährden nicht nur die Ökologie, sondern verursachen besonders in der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft hohe Schäden. Eine Studie hatte diese bereits vor zehn Jahren allein in den USA mit jährlich 138 Milliarden Dollar beziffert.
Experten wie der Hydrobiologe Christian Wiesner von der Wiener Universität für Bodenkultur warnen seit Jahren vor den Folgen eingeschleppter Arten. «Jedes Einbringen fremder Arten ist höchst bedenklich, denn wenn Neobiota einmal heimisch geworden sind, gibt es kaum Möglichkeiten sie zu entfernen», erklärt der Biologe. (pte)