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Eine französische Oper im Kilt!
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LA DAME BLANCHE
(Die weisse Dame)
François-Adrien Boieldieu (1775 - 1834) wurde in Rouen geboren und erhielt als Sohn eines erzbischöflichen Sekretärs schon früh musikalischen Unterricht bei einem Organisten. Seine erste Oper schrieb er mit 18 Jahren, und zwar auf ein Libretto seines Vaters. Es folgten weitere recht erfolgreiche Bühnenwerke, darunter «Le calife de Bagdad» (1800). Nach einer gescheiterten Ehe ging er für zehn Jahre nach Petersburg, kehrte aber 1810 nach Paris zurück, wo er wie ein verlorener Sohn aufgenommen wurde und viele Jahre als Lehrer für Klavier und Komposition am Conservatoire wirkte.
Obwohl seine Bühnenwerke kaum mehr aufgeführt werden, gilt er als Hauptvertreter der Opéra comique und war, zumindest in Frankreich, einer der meistgespielten Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts. Seine über 40 Opern und Vaudevilles zeichnen sich durch reiche flüssige Melodik und rhythmische Lebendigkeit aus. Neben einem Klavierkonzert und diverser Kammermusik ist vor allem sein Harfenkonzert bekannt, das seine Entstehung der Bekanntschaft mit Sébastien Érard verdankt, dem bekannten Instrumentenbauer, der sich nicht nur für die Entwicklung des Flügels, sondern auch der Harfe einsetzte.
«La dame blanche», 1825 an der Pariser Opéra-Comique uraufgeführt, figuriert praktisch in allen Opernführern als Schlüsselwerk ihres Genres und ist eine der populärsten Opern der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts überhaupt. Ironischerweise findet man sie jedoch kaum auf den Spielplänen. Das Libretto von Eugène Scribe basiert auf Romanen von Sir Walter Scott, vorab dessen «Guy Mannering». Scotts Romane bilden bekanntlich die Grundlage für viele Opernstoffe – so etwa «Lucia di Lammermoor» (Donizetti), «La donna del lago» (Rossini), «La muette de Portici» (Auber) – und unterstreichen die Vorliebe der viktorianischen Zeit für tragische Liebesgeschichten, düstere Schlösser, mysteriöse Erscheinungen und eine domestizierte couleur locale.
In der «Weissen Dame» ist das Schlossgespenst allerdings harmloserer Art, Schloss Avenel ist nicht Ravenswood, und die Liebesgeschichte findet einen glücklichen Ausgang.
Boieldieus Klangsprache schmiegt sich diesem Biedermeier französischen Zuschnitts in idealer Weise an: schwerelose Eleganz, eingängige Melodik, subtile Instrumentation und aparte, nicht allzu elaborierte Harmonien prägen seinen Stil. Ihn als französischen Mozart zu bezeichnen oder diese Oper an die Seite des «Figaro» zu stellen, wie dies Carl Maria von Weber tat, mag übertrieben scheinen, dennoch wird sich auch ein heutiges Publikum ihrem durch und durch französischen Esprit und Charme nicht entziehen können. Jedenfalls scheint «La dame blanche» wie geschaffen für den intimen Rahmen und den unmittelbaren Zugriff, der die Produktionen der Free Opera Company immer wieder auszeichnet.
Bruno Rauch