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Wissenschaftlicher Partner: Stefano Losa, Daniela Kappler, SUPSI-DFA
In diesem Forschungsprojekt werden retrospektiv die Herausforderungen analysiert, welche die Schweizer Mehrsprachigkeit in der Gesundheitskrise COVID-19 mit sich bringt. Eine solche Ausnahmesituation erfordert eine permanente Kommunikation mit der Wohnbevölkerung. Kommunikation ist ein entscheidendes Instrument des Krisenmanagements, sei es, um über den Stand der Situation zu informieren, über die einzuhaltenden Hygieneregeln, aber auch über die Rechte und Pflichten bei der Arbeit, über den Zugang zu Sozialleistungen oder aber zum Bildungsbereich. Diese Kommunikationsarbeit muss in der Schweiz zwangsläufig die Mehrsprachigkeit mitberücksichtigen:
- Für die Bevölkerung, welche eine der Amtssprachen (national, kantonal oder kommunal) beherrscht, erfordert die Kommunikation Übersetzungen in die Amtssprachen (Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch), aber auch lokale Adaptations-, Interpretations- und Transpositionsprozesse der Botschaften, da sich die Lage in den verschiedenen Regionen des Landes unterschiedlich entwickelt.
- Für die Bevölkerung, welche in der Schweiz wohnt, aber nicht unbedingt eine Landessprache oder Englisch beherrscht und von den gewohnten Kommunikationskanälen nicht erfasst wird, sind viele Initiativen ergriffen worden, um den Informationszugang sicherzustellen. Sowohl Behörden als auch private Organisationen und Vereinigungen haben Übersetzungen, Dolmetscherdienste und Adaptationen der Botschaften in barrierefreie Inhalte (z.B. Leichte Sprache) und in Migrationssprachen vorgenommen.
Übersetzungen gelten als Schlüsselfaktor für die Sicherstellung des Zugangs zu existenziellen Informationen und für die Gefahrenreduktion während einer Gesundheitskrise. Wir wissen jedoch wenig darüber, welche Rahmenbedingungen, Diskussionen und Vorstellungen diese Adaptions- und Übersetzungsprozesse mitprägen. Wir verfügen auch nicht über klare Daten dazu, wie die Bevölkerung diese Ressourcen und Dienste rezipiert und nutzt.
Das Forschungsprojekt will zu einem besseren Verständnis der sprachlichen Herausforderungen beitragen, die durch die aktuelle Gesundheitskrise hervorgerufen werden. Im Zentrum steht die Erforschung der Konzeption, Produktion, Zirkulation und Rezeption der mehrsprachigen Ressourcen und Dienste. Darüber hinaus will das Projekt retrospektiv zu verstehen versuchen, welche Lehren staatliche, institutionelle und privat organisierte Akteure aus dieser Krise in Zusammenhang mit der Mehrsprachigkeit in der Schweiz gezogen haben. So können beispielhafte Praktiken und Strategien ermittelt werden, welche spezifischen sprachlichen, sozialen und lokalen Bedürfnissen Rechnung tragen. Ein besonderes Augenmerk auf die Westschweiz, das Tessin und Graubünden trägt zu besseren Kenntnissen hinsichtlich der unterschiedlichen Herausforderungen in den verschiedenen Sprachregionen bei. Die Resultate sollen dazu beitragen, dass in Zukunft die als Ideal geltenden sozial inklusiven und sprachsensitiven Bemühungen zwecks Eindämmung einer Krise in optimierter Art und Weise Anwendung finden.