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Miss Amelias Café ist die einzige Vergnügungsstätte weit und breit. Dort verkauft die unabhängige und starke Frau ihren selbstgebrannten Schnaps, und dort lebt sie mit Vetter Lymon, einem kleinen buckligen Mann, der gar nicht ihr Vetter ist. Dann jedoch kehrt ihr ehemaliger Mann in die Stadt zurück. Eine tragische Dreiecksgeschichte aus den amerikanischen Südstaaten über die im Leben ewig zu kurz Kommenden, über Sehnsucht, Verrat, bittere Enttäuschung und kurzes Glück.
Autorentext
Carson McCullers, geboren 1917 in Columbus (Georgia), gestorben 1967 in Nyack (New York), dort begraben. McCullers wollte eigentlich Pianistin werden. Mit 500 Dollar fuhr sie 18-jährig alleine nach New York, um an der renommierten Juilliard-Musikschule zu studieren. Das Geld verschwand auf mysteriöse Weise, doch sie blieb in New York, arbeitete als Sekretärin, Kellnerin, Barpianistin und beschloss, Schriftstellerin zu werden. Der Erfolg ihres Erstlings, 'Das Herz ist ein einsamer Jäger', machte die 23-Jährige zum literarischen 'Wunderkind'. Mit 23 erlitt sie den ersten von drei Schlaganfällen, ihr Leben wurde bestimmt durch die Krankheit, der sie ihr Werk abrang, und durch Einsamkeit, besonders nach dem Selbstmord ihres Mannes 1953.
Leseprobe
Die Stadt selbst ist trostlos; da ist nicht viel außer der Baumwollspinnerei, den zweiräumigen Hütten für die Arbeiter, ein paar Pfirsichbäumen, einer Kirche mit zwei bunten Glasfenstern und einer schäbigen Hauptstraße von knapp hundert Metern Länge. Samstags stellen sich die Pächter der umliegenden Farmen ein, um Neuigkeiten auszutauschen und Geschäfte zu machen. Sonst aber liegt die Stadt verlassen da, traurig und abseits und abgewandt von allen andern Ortschaften der Welt. Die nächste Bahnstation ist Society City, und die Autobuslinien Greyhound und White Bus benutzen die Forks Falls Road, bis zu der es über drei Meilen sind. Die Winter sind hier kurz und streng, die Sommer blendend grell und von einer Gluthitze.
Wenn man an einem Augustnachmittag die Hauptstraße entlangspaziert, kann man wirklich rein gar nichts unternehmen. Das größte Haus, genau in der Mitte der Stadt, ist ringsum mit Brettern vernagelt und neigt sich so weit nach rechts, daß es jede Minute einzustürzen droht. Es ist ein sehr altes Haus, und irgendwie sieht es seltsam und wunderlich aus und berührt einen ganz eigenartig, bis man plötzlich bemerkt, daß früher einmal, vor sehr langer Zeit, die rechte Seite der Vorderveranda und ein Teil der Wände einen Anstrich erhalten haben, doch war die Arbeit nicht beendet worden, so daß die eine Hälfte des Hauses dunkler und schmutziger aussieht als die andere.