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Im Verlauf des Ersten Weltkriegs drohte der Schweiz eine Hungersnot, weil die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln in Schieflage geriet. Der Unternehmer Hans Sulzer reiste im Auftrag der Landesregierung in die USA, um eine grössere Menge Getreide importieren zu können. Im folgenden Bericht wird zudem über die Möglichkeiten und Grenzen der damaligen Landwirtschaft berichtet sowie über die Zeit des Ersten Weltkriegs, wie sie der Vater des Verfassers erlebt hat.
Landwirtschaft damals: Das Heuen um 1920 erfolgte in mühsamer Handarbeit, wobei die ganze Familie mithalf. Der Heuwagen wurde mit zwei Pferden bespannt und konnte rund eine Tonne Heu transportieren. Die Bauernfamilie bewirtschaftete ein mittelgrosses Bauerngut. Kleinere Betriebe verwendeten als Zugtiere Kühe oder Ochsen. Öfters wurde auch bei einem Nachbarn mit ähnlich grossem Betrieb ein Pferd entlehnt. Daraus entstand der Begriff «zämespanne».
Beim Pflügen wurden als Zugtiere vielfach Kühe verwendet. Im Gegensatz zu Pferden, die «automatisch» geradeaus liefen, mussten die Kühe geführt werden. Bei grossem Einsatz gaben die Kühe wesentlich weniger Milch. Milch war jedoch die sicherste Einnahmequelle vieler Bauern.
Militärpferde im Einsatz in der Landwirtschaft
Artilleriepferde eigneten sich sehr gut für das Pflügen. War in einem Dorf das Militär mit Pferden stationiert, konnten Landwirte Pferde anfordern. In der Regel bekam eine Bauernfamilie zwei Pferde und einen Soldaten zugeteilt. Die Wehrmänner waren oft selber Bauernsöhne und verstanden das Metier. Zudem eigneten sich Trainpferde gut für die Waldwirtschaft.
Ackerbau und Viehbestand
Im Durchschnitt bauten Bauernfamilien rund 140 Aren Getreide und 28 Aren Hackfrüchte an. Der Rest des Landes bestand aus etwa sechs Hektaren Wiesen mit unterschiedlichem Nutzungswert. Viele Wiesenflächen waren weit vom Dorf entfernt. Der Nutztierbestand einer Bauernfamilie bestand in der Regel aus einem Arbeitspferd, drei Milchkühen und einigen Kälbern und Rindern zur Aufzucht. Es gab viele kleine, nicht rechteckige Grundstücke, die sich schlecht für Ackerbau eigneten. Hier war das Pflügen mühsam, weil dabei das Grundstück des Nachbarn mitbeansprucht werden musste.
Amelioration und Güterzusammenlegung
Viele Bauern bewirtschafteten einzelne, weit auseinanderliegende Grundstücke mit einer Gesamtfläche von rund zehn Hektaren. Mit Güterzusammenlegungen konnten die Bauern die Feldarbeit wesentlich vereinfachen. Es gab weniger, dafür grössere Grundstücke. Durch die Melioration (Entwässerung) wurden auch die Erträge gesteigert. Güterzusammenlegungen dauerten oft Jahrzehnte. Vor der Melioration waren viele Landflecken Magerwiesen, nach der Melioration wurden die grösseren Grundstücke zu Ackerland.
Das Getreide-Abkommen von 1917 mit den USA
Ende Juli 1917 reiste Botschafter Hans Sulzer samt Familie und den Mitgliedern der Swiss Mission nach Barcelona und erreichte von dort nach einer zweiwöchigen Fahrt am 15. August 1917 New York. Eine Woche später überreichte Hans Sulzer als neuer Gesandter der Schweiz in Washington das Beglaubigungsschreiben an Präsident Wilson.
Die offiziellen Verhandlungen über die Getreidelieferungen an die Schweiz begannen Ende August 1917. Das Handelsabkommen zwischen der Schweiz und Amerika konnte im Dezember 1917 abgeschlossen werden, und die USA sagten die Lieferung von mindestens 240’000 Tonnen Getreide zu. Der Transport des Getreides von Amerika bis Portugal fand mit amerikanischen Handelsschiffen, eskortiert von U-Booten, statt. Von Portugal bis Genf wurde das Getreide per Bahn befördert. Das Abkommen trug massgeblich zur Versorgungssicherheit der Schweiz in jener schwierigen Zeit bei.