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Drei Faktoren prägen die Entwicklung der Hochschulen und der Universitäten im besonderen: die Internationalisierung, die Spezialisierungen und das Abheben der Forschung von der unmittelbaren Gesellschaftsverantwortung.
Die Internationalisierung ist zunächst ein Plus. Sie bringt Offenheit mit sich. Sie hilft Fortschreibungen zu vermeiden. Sie wirkt sich jedoch dort nachteilig aus, wo die Förderung der hauseigenen Absolventen vernachlässigt wird, vor allem auf der Doktorandenstufe.
Die aktuelle Überdehnung durch weitere Fachgebiete, Institute und Professoren ist die markante Folge der ungebremsten Spezialisierung, teilweise allerdings auch des parallelen Fortschreibens tradierter Lehr- und Forschungsinhalte. Die Spezialisierung wirkt sich zugunsten der Forschung aus, und die Lehre bleibt präsent, doch das Schwergewicht bei Professorenwahlen und Mittelzuteilungen liegt faktisch bei der Forschung, verbunden mit einer unbewussten oder bewussten Zurückstufung der Lehre.
Die forcierte Autonomie ist zu mehr geworden als zu einem Organisationsstatus mit dem Zweck des Dienstes an Lehre und Forschung; sie ist ein vom Wachstumsdenken infiziertes Programm hin zu höheren Rankingstufen. Die Autonomie hat den Wettbewerbsinstinkt geweckt, verbunden mit der Neigung, die spezifische Geltung vor der Wissenschaftsöffentlichkeit und der Wirtschaft zu steigern und gesellschaftliche Funktionen zu vernachlässigen.
Die These, die Lehre werde vernachlässigt, muss sich zwei Einwände gefallen lassen: die Gliederung nach Bachelor und Master trage zur Verwesentlichung der Lehrinhalte bei; präzisierter Unterricht begünstige neue Formen der Lehrstoffvermittlung und definiere den Prüfungsstoff genauer. So weit so gut. Die Neuorganisation der Lehre führt offenbar nicht automatisch zu einer Qualitätseinbusse. Zu fragen ist dennoch, ob die innere Denklebendigkeit nicht zu schnell vor den Programmierungen kapituliere und ob die einst beispielhafte Professoren-Gegenwärtigkeit nicht leichtfertig der Assistentenbegleitung geopfert werde.
Die Diskussion der Hochschulprobleme aufgrund von Bedarfsabschätzungen, internationalen Vergleichen oder der Anforderungen des organisierten Europa ist nicht unzulässig. Sie führt jedoch nicht über das äusserlich Handhabbare hinaus. Um des Gehaltes willen muss jedoch in erster Linie die Elementarfrage nach Sinn und Zweck der Hochschule bedacht werden, der Universitätsstufe im besonderen, aktuell und über Kurzfristiges hinaus. Diese Frage tönt trivial, und doch muss sie von Zeit zu Zeit wieder gestellt werden.
Die Antwort liegt nicht auf der Hand. Der Rückgriff auf die breite und philosophisch wie auch pädagogisch unterlegte Literatur zur Universität vermag daran nichts zu ändern, so sehr er das Fragen bereichert. Ungewissheiten dürfen aufkommen, Sicherheiten können verfälschen, offene Fragen sind anregender als eilige Antworten. Die faktischen Trends waren und sind im Hochschulleben (wie überall?) jedenfalls stärker als die theoretischen Gerüste, als programmatische Erklärungen, als lautere Absichten. Hochschulen nehmen unter deren Diktat ihren eigenwilligen Lauf, sie können gewinnen, sie können in die Irre laufen. Auf der Elementarfrage muss deshalb, unter den veränderten Bedingungen realer Vorgänge, immer wieder insistiert werden, so grundsätzlich wie möglich, so unvoreingenommen durch Theorie wie vertretbar, ohne Rücksicht auf Opportunitäten.
Nahe an die Elementarfrage heran kommt man, wenn man sich die Lehr- und Forschungsstätten aus der heutigen und morgigen Gesellschaft wegdenkt, indem auf sie verzichtet oder indem sie auf die Wirtschaft übertragen und in deren Verantwortung gelegt würden. Nur eins setzen wir voraus, nämlich eine souveräne, kulturbewusste Gesellschaft, die um Bildung weiss und Verantwortung wahrzunehmen bereit ist. Und da wird, auf das Minimale blickend, bewusst: die Universitäten versehen in ihrer gesellschaftlichen Präsenz Grundfunktionen der Gesellschaft, sie stellen durch Ausbildung den Generationenwechsel auf hohem Niveau sicher, sie vermitteln und fragen – ohne Scheuklappen – nach bedachtem Wissen, Können sowie auszumachenden Defiziten inmitten der Begegnung mit dem gesellschaftlichen Wandel, sie entfachen Erkenntnisdrang und Gestaltungswillen zum Wohl der Menschen und damit des sozialen, wirtschaftlichen und politischen wie auch des natürlichen Lebens, sie nehmen Menschen mit auf den Weg in die Zukunft.
Sicherlich, die Prioritäten müssen von Zeit zu Zeit neu gesetzt werden. Institutionelles darf nicht zum Hemmschuh, Mittelzuteilungen dürfen nicht zum Ruhekissen werden.…