Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03299.jsonl.gz/1478

1877 wurde das Patentjagdsystem eingeführt, auf dem bis heute alle kantonalen Jagdgesetzesrevisionen beruhen. In dieser Zeit gab es noch keine Organisation in der Jägerschaft (ein Hochjagdpatent kostete damals CHF 12.–).
1910 erschien ein Bericht einer Expertenkommission, die im Auftrage des Kleinen Rates (Regierung) die Jagdfrage in Graubünden überpüft hatte und zum Schluss kam; nur eine Patenterhöhung oder gar eine Jagdverpachtung gestatte es dem Kanton, seinen Reichtum an Wild zu Gunsten des Fiskus voll auszunützen.
Dies war der Grund die Jägerschaft wachzurütteln. Das Patent-Jagdsystem war zu verteidigen, aber wie?
Der zündende Funke kam von Jakob Nauer, Zugführer, und seinem Mitstreiter Paul Tschuor, Chur. In zwei Tageszeitungen wurden die Jäger mittels eines Aufrufes eingeladen, am 16. März 1913 nach Landquart ins Hotel Falknis zu kommen, um den kantonalen Jägerverein zu gründen. Die Gründung des BKPJV (Bündner Kantonaler Patent Jäger Verband, dazumal noch Verein) war vollzogen.
Der Kampf gegen eine Patenterhöhung oder gegen einen Systemwechsel wurde organisiert aufgenommen. Es wurde beschlossen, mit Zirkularen die Jägerschaft erneut zu mobilisieren und zu einer ersten ordentlichen Generalversammlung einzuladen. Dieser Einladung nach Reichenau am 27. April 1913 folgten rund 100 Jäger aus allen Talschaften Graubündens. Unter anderem wurde dort beschlossen ein Verbandsorgan die „Bündnerische Jägerzeitung“ zu schaffen.
Einzelne Rhäzünser Jäger waren inzwischen der Sektion Hubertus Bonaduz, andere dem Verband als Einzelmitglieder beigetreten. Doch so richtig organisiert und glücklich waren sie nicht.
Am 18. Juni 1945 fand in Rhäzüns hinter dem Schulhaussaal eine Sitzung der Fraktion Rhäzüns der Sektion Hubertus Bonaduz statt. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand der Antrag einigier Kameraden, eine selbständige Sektion des BKPJV zu bilden. Nach eingehender Diskussion, an der Vor- und Nachteile einer Trennung der Sektion Hubertus und Gründung einer eigenen neuen Sektion in sachlicher Weise erörtert wurde, sind folgende Beschlüsse gefasst worden:
- Trennung von der Sektion Hubertus und Bildung einer eigenen neuen Sektion.
- Es wird davon abgesehen, ausserkommunale Jäger einzuladen oder aufzufordern, der Sektion beizutreten.
- Die Beiträge des Jahres 1945 sind voll an die Sektion Hubertus zu entrichten. Irgendwelche Ansprüche auf das Sektionsvermögen der Sektion Hubertus werden nicht erhoben.
Die neue Sektion soll unter dem Namen Miribi geführt werden. Miribi ist die Bezeichnung eines markanten Felskopfes oberhalb unseres Dorfes, von welchem das schöne Domleschg, sowie die Rhäzünser Ebene bis hin ins Churer Rheintal überblickt werden kann. In den Sektionsvorstand wurden gewählt:
- Andrea C. Vieli, Präsident
- Johann Caminada jun., Aktuar
- Felix Murk sen., Kassier
Aber bereits 1948 und 1949 musste die Vereinsversammlung wegen ungenügender Beteiligung abgesagt werden.
Obwohl kein Auflösungsprotokoll besteht, kann dieser Anlauf zu einer richtigen Sektionsform als aufgelöst betrachtet werden. Trotzdem wurde unter dem Patronat der kleinen, aber aktiven Sektion Miribi – so steht es in der Mai Ausgabe 1956 der Bündner Jägerzeitung geschrieben – und unter der Führung von Andrea C. Vieli, 1956 die erste Veteranen-Landsgemeinde in Rhäzüns durchgeführt.
Inzwischen war die Jägerzahl in Rhäzüns stark angewachsen und junge Jäger wollten sich organisieren und mitbestimmen. Auf dem Tarmuz wurden interne Jagdschiessen organisiert und die alten Jäger ermuntert mitzumachen. So wuchs das Interesse einen neuen Anlauf zur Wiederaufnahme der Sektion Miribi anzugehen.
Am 12. August 1969 war es soweit. Lorenz Tschalèr als gewählter Tagespräsident begrüsste im Restaurant Alpenblick 25 interessierte Jäger. Der grosse Aufmarsch zeigte das Interesse und motivierte zugleich. Die Wiederaufnahme der Sektion Miribi war beschlossene Sache.
Der 7-köpfige Vorstand mit:
- Präsident Silvester Camenisch
- Aktuar Roman Tschalèr
- Kassier Bruno Spadin und die
- Beisitzer Theo Muoth sen., Gieri Caminada, Ernst Trüssel sen. und Gian Murk
wurde beauftragt, dem BKPJV ein schriftliches Aufnahmegesuch zu stellen.
Nach den genehmigten Statuten konnten die Jäger der Gemeinde Rhäzüns und solche, die jagdlich mit Rhäzüns verbunden waren, als Sektionsmitglieder aufgenommen werden. An der Delegiertenversammlung in Trun im Jahre 1970 wurden wir in den BKPJV als Sektion Miribi Rhäzüns aufgenommen. Dies, obwohl damals eher die Meinung bestand, grosse Sektionen hätten mehr Wirkung, und die Bildung kleiner Sektionen sei zu vermeiden.
Vorgeschlagen und beschlossen wurde einen gemeinsamen Jagdtag zu organisieren. Der Ertrag, der an diesem Tag erzielten Beute sei der Sektionskasse zuzufliessen. Der Jagdtag fand am 26. September 1969 statt. Der Schlachtplan wurde am Bettag durch Toni Spadin, Toni Camenisch und Toni Simoness ausgeheckt. Der Erfolg war, dass Bruno Spadin in Fantanuglias, aus einem Trieb der Val Ferreia einen achter Stier schoss. Am Mittag war Treffpunkt in Malé, wo uns die Sektion eine feine, von Agatha Caminada zubereitete, Gerstensuppe offerierte. Der gemeinsame Jagdtag 1971 verlief nicht so erfolgreich. Auch 1972 fand ein solcher Jagdtag statt, jedoch zum letzten Mal. Dieser gemeinsame Jagdtag ist wohl der Grundstein für die noch heute stattfindende, ja fast zelebrierten „Schulreise“, bei der die Rhäzünserjäger sich an einem vorausbestimmten Ort und Jagdtag zu einem Mittagessen und einem gemütlichen Zusammensein treffen. Über Jahre war das Hotel Plattas in Präz Treffpunkt. Aber auch die Jagdgruppe Alp Sura, Alp Sut und Tamberg gewährte Gastrecht. Was sich da auf der Rückreise ins Revier alles ereignete, ist nicht nur Jägerlatein.
Kantonal ging man an die Ausarbeitung eines Hegereglementes, welches am 13. Mai 1974 in Kraft trat. Während den Jahren 1969 und 1970 wurden, 22 Kraftfuttertröge, 5 Futterraufen und 2 Heuställe erstellt. Der Heustall in Runcaglia wurde später abgebrochen und auf dem Tarmuz Ault neu aufgebaut. Die Kraftfutterwürfel wurden in grosse Kunststoff-Fässer nahe der Futterstellen deponiert. Während des Winters waren jeden Samstag oder Sonntag zwei Gruppen auf dem Weg, die Futterraufen und die Futtertröge zu füllen. Eine Tour führte von Runcaglia nach Prau Triepel Sura und die andere von Runcaglia Richtung Malé nach Runcars. Jedes Mitglied war zu Hegeleistung verpflichtet. Später wurden die über 60-jährigen davon dispensiert. Kraftfutter und Saftfutter (Trester) wurden beim BKPJV bezogen. So berichtet Hegeobmann Ernst Trüssel sen. 1975 den Ankauf von, 30 Säcke Trester, 20 Säcke Kurzfutter, 30 kg Vogelfutter und 25 Salzlecksteine. Die Heuernte erfolgte durch Sektionsmitglieder. Gemäht wurden Wiesen in Taleumas und Bürgerlöser auf dem Tarmuz. Silvester Camenisch stellte für die Heuernte seinen „Grunder“ Einachstraktor zur Verfügung. Einige Jahre wurde die Winterfütterung sehr ernst genommen, bis kantonal neue Erkenntnisse durchdrangen. Im Bereich der Grossfutterstellen mit grossen Wildkonzentrationen, wie in Malé, stelle man starke Verbiss-Schäden fest. Wildbiologen waren der Meinung, es mache keinen Sinn das Wild im Winter durchzufüttern, die Wildfütterung sei nur bei sehr schwierigen Verhältnissen notwendig. Schwerpunkt der heutigen Hege ist nicht mehr das Füttern im Winter, sondern die Erhaltung des Lebensraumes und die Pflege der Äsungsplätze für das Wild.
Wie bereits erwähnt wurden bereits vor der Gründung der Sektion interne Jagdschiessen organisiert. Seit der Gründung finden diese regelmässig statt.
Der Schützenmeister wird in folgenden Disziplinen ausgewählt:
- Hochjagdmeisterschaft, Hochjagdstich
- Niederjagdmeisterschaft, Niederjagdstich
- Wurftaubenmatch und Wurftaubenstich
Als besondere Attraktion die Sieger des „Sie und Er Stiches“. Kranzresultate wurden ausgezeichnet. Die vollständige Kranzsammlung des „Internen“ wird im Medalienschrank im Restaurant Post aufbewahrt. Aus Kostengründen musste leider ab 2003 auf diese Auszeichnungen verzichtet werden.
Der heute zur Tradition gewordene Familienabend fand erstmals am 5. November 1970 bei Toni Simoness im Hotel Seilbahn statt. Seit 1975 im Stammlokal Restaurant Post. Zu diesem gemütlichen Anlass erscheinen die Jäger selbstverständlich in Begleitung der Partnerin. Der Familienabend wird umrahmt von, Ehrungen, der Rangverkündigung des internen Jagdschiessens und der Trophäenschau mit Bewertung. Zu diesem Anlass werden auch Nichtjäger mit besonderen Verdiensten für die Sektion eingeladen. So fand der Familienabend nach Grossereignissen jeweils im Gemeindesaal statt.