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Die stets mit Hut und Handtasche bewaffnete alte Dame dürfte eine der berühmtesten Frauen der Welt sein. Seit 62 Jahren sitzt Grossbritanniens Dauer-Königin Elizabeth II. auf dem Thron – und allem Anschein nach wird sich daran so bald nichts ändern. Die Geschichte ihrer Familie kann in Königliche Familie von Pierre Berton nachgelesen werden.
Entstanden ist das heutige britische Königshaus eigentlich 1817 aus der Vereinigung zweier Gegensätze. Prince Edward, Duke of Kent, der vierte Sohn von König George III., heiratete Prinzessin Viktoria von Sachsen-Coburg. Beide waren typische Vertreter ihrer jeweiligen Familie: Er pompös, verschwenderisch, leichtlebig, brutal und mit schlechten Manieren. Sie still, genügsam, zurückhaltend, hoch moralisch, aber auch sehr ehrgeizig. Ihre gemeinsame Tochter, Königin Victoria, vereinigte beide Erbschaften in sich. Und mit ihrem Ehemann, Prinz Albert, kam ein weiteres Prachtexemplar von einem Coburger in die Familie. Nachdem die Könige und Prinzen aus dem Haus Hannover mit ihren Extravaganzen dem Ansehen der britischen Monarchie sehr geschadet hatten, wollten Victoria und Albert ihre Familie nun zur idealen, perfekten Vorzeigefamilie (nach Coburger Massstäben) machen – auf Biegen oder Brechen! Ihr ältester Sohn, der spätere König Edward VII., rebellierte gegen die strenge Erziehung, indem er ein ausgesprochener Genussmensch wurde, weltgewandt und kosmopolitisch. Sein Sohn George V. wiederum erwies sich als kleinkarierter Spiesser und Grobian, der (in Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg) partout britischer werden wollte als sämtliche Briten zusammen und, wie einst seine Grossmutter, die Familie zum dauernden „Idealzustand“ verurteilte. Und diesem Idealzustand entsprach niemand weniger als der ruhelose, unkonventionelle, grosszügige, den Frauen zugeneigte und notorisch unpünktliche Edward VIII., der spätere Duke of Windsor. Der stotternde und gehemmte König George VI. war wie sein Vater überaus pünktlich und exakt, was ihn öfters in Konflikt mit seiner Gattin Elizabeth (der späteren Queen Mum) brachte.
Bei dieser Familiengeschichte – wen wundert’s, dass die heutigen Windsors sich zuweilen auch ein wenig exzentrisch verhalten?