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Am 7. Oktober jährt sich der Todestag von Edgar Allan Poe zum 174. Mal. Er begründete quasi im Alleingang die moderne Schauerliteratur. Zudem ist er Pionier des Krimis, wie wir ihn heute kennen.
Der Filmemacher Mike Flanagan ist ebenfalls ein Vorreiter: Als einer der Ersten unterschrieb er 2018 einen langfristigen Vertrag mit Netflix, dem Streaming-Pionier schlechthin – für die Produktion von fünf Serien. So entstanden «Spuk in Hill House» nach Shirley Jackson, «Spuk in Bly Manor» nach Henry James, «Midnight Mass» nach eigener Idee und «Gänsehaut um Mitternacht» nach Christopher Pike.
In seinem letzten Netflix-Projekt widmet sich Flanagan nun Poe. Schon deshalb passend, da Flanagan wie Poe aus Massachusetts stammt. Und die achtteilige Serie «Der Untergang des Hauses Usher» behandelt neben der titelgebenden Erzählung in jeder Folge eine andere kultige Vorlage: «Die Maske des roten Todes», «Die Morde in der Rue Morgue», «Der schwarze Kater», «Das verräterische Herz», «Der Goldkäfer», «Grube und Pendel» sowie «Der Rabe».
Ein «Mashup», wie Flanagan es schon in «Spuk in Bly Manor» mit den Storys von Henry James gemacht hat. Doch funktioniert das auch bei Edgar Allan Poe?
Roderick Usher (Bruce Greenwood), Patriarch des Pharmakonzerns Fortunato, lädt den Ermittler Auguste Dupin (Carl Lumbly) auf sein Anwesen ein. Seit Jahrzehnten versucht Dupin erfolglos, Ushers Imperium zu Fall zu bringen.
Doch Usher hat in den letzten zwei Wochen sechs seiner sieben erwachsenen Kinder durch rätselhafte Todesfälle verloren, seine Blutlinie steht vor dem Aus. Also schildert er Dupin, wie es so weit kommen konnte. Eine Schlüsselrolle spielt der Silvesterabend 1979, als Roderick und seine Schwester Madeline (Mary McDonnell) mit der geheimnisvollen Verna (Carla Cugino) anbändelten.
An Poes Schaffen haben sich schon manche die Zähne ausgebissen. Seit 1908 gab es über 450 Adaptionen als Kurz- bzw. Spielfilm oder als Serie – und wirklich gelungene Beispiele sind eher rar.
Auch wenn sich Flanagan beim Integrieren der verschiedenen Vorlagen in die Usher’sche Grundgeschichte manchmal verzettelt, ist sein Achtteiler sehenswert: Düster und mit viel morbidem Humor entfaltet sich eine skurrile Familienchronik, die ein halbes Jahrhundert abdeckt und sich trotz klassischem Vibe am Puls der Zeit bewegt.
Dass Fortunato hauptschuldig an der Opioid-Krise in den USA ist, gibt der Story einen so realen wie aktuellen Bezug. Wer Poes Werke kennt, ortet in «Der Untergang des Hauses Usher» unzählige Zitate und Reverenzen.
Aber auch Unerfahrene, die sich einfach wieder einmal unheimlich unterhalten lassen wollen, kommen auf ihre Kosten. Und verspüren danach vielleicht gar den Drang, etwas von Edgar Allan Poe zu lesen. Oder dann schauen sie sich andere Edgar-Allan-Poe-Verfilmungen an.
Netflix | Horrorserie | 1. Staffel
Mit Carla Cugino, Bruce Greenwood
USA 2023, ab 12. Oktober 2023