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Max Bill war mit bedeutenden Künstlern der älteren Generation, die nach Amerika exilierten, schon von seiner Studienzeit her verbunden und hat auch mit der jüngeren amerikanischen Künstlergeneration (darunter besonders Don Judd und Richard Serra) einen regen Austausch gepflegt.
Bill studierte am Bauhaus Dessau, das Walter Gropius, erbaut und geleitet hatte, bevor Gropius in die USA auswanderte und in Harvard lehrte. Am Bauhaus in Dessau hatte Max Bill Kontakt zu Lyonel Feininger, und zu dessen Sohn T. Lux Feininger, mit dem er gemeinsam auf der Bauhaus-Bühne auftrat. Bill studierte beim Bauhaus-Meister Laszlo Moholy-Nagy, der seinerseits nach Amerika emigrierte und das New Bauhaus in Chicago aufbaute.
Ferner war Max Bill eng mit den einstigen Bauhäuslern Anni und Josef Albers verbunden, die in den Vereinigten Staaten am berühmten Black Mountain College lehrten. Josef Albers und Max Bill stellten nach dem 2. Weltkrieg zusammen in Stuttgart und Berlin aus; und Bill überzeugte Josef Albers während eines gemeinsamen Aufenthaltes in Peru, als Gastdozent an die vom ihm erbaute und geleitete Hochschule für Gestaltung (hfg) in Ulm zu kommen, um dort zu lehren. Die hfg war als Wiederaufbauprojekt von den USA finanziert worden war, um die von den Nazis zunichte gemachten Grundlagen der Bauhaus-Lehre wiederaufleben zu lassen, bzw. die Prinzipien zu aktualisieren und in der Nachkriegszeit weiterzuentwickeln. Der Schweizer Max Bill hatte von den amerikanischen Besatzungsbehörden in Deutschland (John Mc Cloy) den Auftrag erhalten, die Situation der Hochschulen nach den kriegerischen Zerstörungen abzuklären. Max Bill kam zum Schluss: „Nun wollen wir in Ulm versuchen, diese Schule so zu machen, wie wenn das Bauhaus sich weiterentwickelt hätte während dieser ganzen Nazizeit.“
Es war Walter Gropius, der die hfg in Ulm 1955 eröffnet hatte, und als Dozenten gewann Bill ferner den nach Amerika emigrierten deutschen Architekten Konrad Wachsmann wie auch die heute weltberühmten amerikanischen Designer Charles und Ray Eames, mit denen Bill befreundet war.
Auch zu Piet Mondrian und Max Ernst, die in die USA flüchteten, hatte Max Bill zuvor enge Beziehungen knüpfen können. Die erste Begegnung mit Piet Mondrian in Paris hatten ihm Jean Arp und Sophie Taeuber Arp ermöglicht.
Dazu kam die lebenslange Freundschaft mit Georges Vantongerloo, der in Paris eine zeitlang bei Piet Mondrian gewohnt hatte. Die beiden gehörten der wichtigen Künstlergruppe „abstraction création“ in Paris an, der Max Bill im Dezember 1933 im Alter von 25 Jahren beitrat. Wie eng diese Kontakte waren, verdeutlicht der Umstand, dass sich das gesamte Archiv von „abstraction création“ (via Georges Vantongerloo) heute im Nachlass von Max Bill befindet.
In den USA richtete Max Bill 1980 eine Retrospektive des Oeuvres seines (1965 verstorbenen) Künstlerfreundes Vantongerloo in der Corcoran Gallery in Washington ein, danach in Los Angeles mit Angela Thomas* im County Museum of Art.
Es gab auch mehrere namhafte Künstler, die Max Bill während der Nazizeit in der vom Krieg verschonten Schweiz bei sich zuhause versteckt hatte. Einer von ihnen war Max Ernst, dem es später gelang, in die USA zu flüchten und dort mit der Sammlerin und Galeristin Peggy Guggenheim verheiratet war. Andere Künstler, die Bill bei sich aufnahm, waren der aus Deutschland geflüchtete Künstler Friedel Vordemberge-Gildewart (De Stijl) und seine jüdische Frau Leda sowie Jean Arp und Sophie Taeuber Arp, die am 13. Januar 1942 im Haus von Max Bill starb.
Max Bill (1908-1994) hatte schon kurz nach seiner Bauhaus-Zeit erste Kunstwerke geschaffen, die man von heute aus als legitime Impulsgeber der amerikanischen Minimal Art bezeichnen könnte. Sowohl Josef Albers mit seinen homage to the square wie auch Max Bill, mit seinem „well-relief“ (1931-32) übten zweifellos einen Einfluss auf die in den USA aufkommende Minimal Art aus.
Mit der jüngeren amerikanischen Künstlergeneration gab es einen steten Gedankenaustausch, so mit Donald „Don“ Judd, der anlässlich von Max Bills erster Einzelausstellung in den USA (1963, New York) eine Kunstkritik publizierte. An der Eröffnung waren auch Anni und Josef Albers und Marcel Duchamp. Don Judd, der vorübergehend in der Schweiz wohnte, lud Max Bill und Angela Thomas zu sich nach Küssnacht am Rigi ein.
Mit dem amerikanischen Bildhauer Richard Serra setzte sich Max Bill in dessen Einzelausstellung im Kunsthaus Zürich auseiander. Max Bill wurde 1993 mit dem „Praemium Imperiale“ in Tokyo ausgezeichnet wie später auch Richard Serra.
Richard Serra widmete „site specific“ eine zweiteilige Stahl-Skultur (je 104 x 91 x 78 cm gross) dem Wohn- und Atelierhaus von Max Bill in Zumikon. Richard Serra: „axiom (elevation bill)“ 1998/99, two blocks of solid steel, haus bill garden norther fassade, next to the former studio of max bill.
Andere amerikanische Künstler mit denen sich Max Bill persönlich auseinandersetzte, waren Dan Flavin, Dan Graham, Richard Tuttle und Robert „Bob“ Wilson. So erwarb Bill auch eine grossformatige Zeichnung von Bob Wilson aus der Serie „Golden Windows“ für seine eigene Kunstsammlung.
Weshalb könnte Max Bill in den USA aktuell wieder auf Interesse stossen, ohne nostalgisch und historisierend an ihn und sein Umfeld zu erinnern?
Ganz allgemein formuliert, geht es in einem abstrakten Sinn um die Reduktion, die seit den gesellschaftlichen Veränderungen weltweit zu einem der Hauptthemen geworden ist. Die weltweite Produktion befindet sich im Sinne einer Reduktion des Verbrauchs auf allen Gebieten in einem dramatischen Umbruch, den es hier nicht weiter zu erklären gilt, da er allumfassend zur Kenntnis genommen wird. Es gibt inzwischen in der Weltgemeinschaft wichtige und allseits akzeptierte Antworten auf die Fragen des Umbruchs in der Produktion und im Verbrauch von Gütern (Energie, Verkehr, Technik etc.), wenn es auch noch an der Umsetzung hapert.
In diesem gesellschaftlichen Zusammenhang ist das künstlerische und gestalterische Werk von Max Bill spannend und aufschlussreich. Denn er hatte im Bereich der Kunst und der Ästhetik in der Gestaltung gültige und in diesem Sinne klassische Antworten auf die Problemstellung der Reduktion gesucht und gefunden. Dieser Frage widmete er sich auf allen Gebieten seines künstlerischen und gestalterischen Schaffens. Er ist einer der wenigen weltbekannten Künstler, der in seinem ganzen Schaffen, in Kunst und Gestaltung, ästhetische Antworten auf gesellschaftliche Fragen gesucht hatte.
Natürlich war Max Bill damit nicht allein, sondern hatte sein Umfeld. Aber in diesem Umfeld war er in seiner Generation wohl eine der wichtigsten Figuren. Wenn man heute ganz allgemein die Gestaltung der Umwelt betrachtet, ist der Einfluss der konkreten und konstruktiven Kunst, die Max Bill und sein Umfeld vertraten, unübersehbar. So hatte Max Bills Werk auch immer einen Einfluss auf die alltägliche angewendete Gestaltung. Seine Kunst hatte eine Auswirkung auf das Leben im Alltag.
Es war das Bestreben des Künstlers Max Bill, ganz bestimmte auf die Reduktion zugeschnittene ästhetische Ansprüche an die Gesellschaft zu stellen, die ihn auch dazu bewog, als eidgenössischer Parlamentarier (Gemeinderat, Nationalrat) in der Schweizer Politik mitzuwirken und sich darüber hinaus in den internationalen Gremien der Unesco zu engagieren.
Die letzte grosse Max Bill-Retrospektive 1974-1975 in den Museen Albright Knox Art Gallery, Buffalo; County Museum of Art, Los Angeles und San Francisco Museum of Art liegt viele Jahre zurück. Sie eröffneten einen Blick auf die zeitlos erfrischend und subversiv wirkende Schönheit der Reduktion in Bills Werken.
Angela Thomas und Erich Schmid
Mehr Informationen:
max bill georges vantongerloo stiftung
* Dr. phil. Angela Thomas ist Kunsthistorikerin und war mit Max Bill verheiratet.