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Da die gemässigte Kleinschreibung keine Aussicht auf Verwirklichung hatte, haben die Rechtschreibreformer einen andern Weg eingeschlagen, um die Schwierigkeiten in der Gross- und Kleinschreibung zu verringern: die vermehrte Grossschreibung. […] Es stellt sich die Frage, wieweit das Ziel der Erleichterung des Schreibens erreicht wurde und zu welchem Preis. […] Die Grenze zwischen sinnvoller Abstufung und blosser Spitzfindigkeit ist gewiss nicht immer leicht zu ziehen, über manches lässt sich streiten. Hingegen bringt die Reform auch Neuerungen, die indiskutabel sind, etwa die Grossschreibung bei «es tut mir Leid». Hier wurde das alte Adjektiv leid mit dem gleichlautenden Substantiv verwechselt.
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Kellenberger, Hanspeter
Solche sprachliche Missgeburten kann man antreffen in Zeitungen, bei denen die Rechtschreibreform in Kraft gesetzt worden ist […]. […] bei der Getrennt- und Zusammenschreibung hat die Reform wohl am stärksten ins Regelgefüge eingegriffen.
Nein, das regelgefüge ist bei der worttrennung am zeilenende und der s-schreibung stärker tangiert. Hier geht es um einen eher graduellen unterschied: In welchem ausmass will man die rechtschreibung als bedeutungsträger ge- bzw. missbrauchen. Muss man das homonym sein differenzieren? Im letzten jahrhundert bejahte man diese frage (seyn = hilfsverb, sein = pronomen); heute geht es ohne. Ebenso geht es ohne differenzierung bei das schwarze Schaf und bei frisch gebacken. Die neuregelung folgt also einem begrüssenswerten trend. Er ergibt sich einfach daraus, dass eine übertriebene differenzschreibung in der praxis nicht funktioniert und damit den zweck nicht erfüllt.
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