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Feigwarzen
Bei Feigwarzen, auch Genitalwarzen oder Condylomata acuminata (Kondylome) genannt, handelt es sich um eine Infektionskrankheit mit dem Humanen Papillomavirus (HPV). Von diesem Virus sind bislang über 150 verschiedene HPV-Typen bekannt, wobei ca. 40 Typen vor allem die Genitalregion befallen. Bei diesem Virus werden Niedrigrisiko- und Hochrisikotypen unterschieden. Niedrigrisikotypen sind Viren, die für gutartige Veränderungen verantwortlich sind (wie z.B. Warzen). Im Gegensatz dazu können Hochrisikotypen Zellveränderungen bedingen bis hin zum Krebs. Der Gebärmutterhalskrebs oder auch der Analkrebs sind Beispiele von Krebsarten, die durch humane Papillomaviren verursacht werden.
Die Infektion mit dem HPV in der Genitalregion (Anus, Penis, Gebärmutterhals, Scheide, Schamlippen) gehört zu der häufigsten sexuell übertragbaren Krankheit. Etwa 1% bis 2% der sexuell aktiven Bevölkerung haben sichtbare Feigwarzen. Darüber hinaus weisen ca. 5 bis 10% der Bevölkerung HPV-assoziierte Läsionen im Genitalbereich auf, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind und in der Regel nicht diagnostiziert werden. Bei ca. 60% der Bevölkerung lassen sich Antikörper gegen HPV im Blut finden, die eine frühere Infektion nachweisen. Das Risiko, im Laufe des Lebens eine HPV-Infektion durchzumachen, wird folglich zwischen 75% und 80% beziffert.
Ca. 80% der sexuell-aktiven erwachsenen Bevölkerung infizieren sich mindestens einmal im Leben mit genitalen HPV-Typen.
Die Krankheitserreger werden am häufigsten durch Kontaktinfektion (Genitalregion zu Genitalregion) beziehungsweise Schmierinfektion (von der Hand zur Genitalregion) beim Geschlechtsverkehr oder Intimkontakt sowie beim Oralverkehr übertragen.
Feigwarzen sind kein Beweis für Untreue!
Humane Papillomviren können über Jahre hinweg unbemerkt im Körper verbleiben, bevor sie Symptome verursachen. Die Frage, wann oder bei wem man sich angesteckt hat, ist daherkaum zu beantworten. Eine HPV-Infektion ist vor allem nicht gleichzusetzen mit Untreue des Partners. Theoretisch kann man sich bereits beim ersten Geschlechtsverkehr mit einer infizierten Person anstecken. Weist eine Frau eine genitale HPV-Infektion auf, so ist mit grosser Wahrscheinlichkeit auch ihr Partner infiziert, auch wenn er keine Symptome hat. Wer zuerst mit den Viren in Kontakt kam, bleibt meistens offen. Zudem ist der HPV ein sehr stabiler Virus, der auf Oberflächen von Gegenständen überleben kann. Theoretisch ist auch ein nicht-sexueller Übertragungsweg denkbar.
Die Bedeutung dieser ansteckenden Erkrankung liegt darin, dass diese Viren vor allem bei Patienten mit einer Schwäche des Immunsystems (z. B. HIV-Erkrankte oder Patienten unter Immunsuppression) zu einer analen Veränderung der Haut und der Schleimhaut führen können bis hin zum Krebs (Analkrebs). Der Zusammenhang zwischen HPV und Krebs ist beispielweise auch für den Gebärmutterhalskrebs bewiesen. In der Regel dauert es aber viele Jahre und Jahrzehnte, bis sich nach einem Befall mit HPV ein Krebs ausbilden kann.
Homosexuelle Patienten haben in bis zu 10% bereits Krebsvorstufen im Analkanal – Homosexuelle Patienten mit einer HIV-Erkrankung in 50%. Der Analkrebs an sich hat sich in den letzten Jahrzehnten verdoppelt. Homosexuelle Patienten und Patienten mit HIV sind davon besonders betroffen: Bis zu 200 Fälle pro 100'000 Patienten sind beispielsweise in den USA beschrieben.
Homosexuelle Patienten und Patienten mit HIV sollten sich einer regelmässigen Kontrolle unterziehen – vergleichbar mit der gynäkologischen Jahreskontrolle der Frau – zur Vorbeugung des Analkrebses!
Feigwarzen machen in der Regel keine Symptome. Gelegentlich kann jedoch Juckreiz auftreten. Feigwarzen an der Haut um den After werden von den Patienten meistens selber bemerkt; Feigwarzen im Analkanal (im Darm) können nur durch eine klinische Untersuchung beim Arzt diagnostiziert werden.
Zellveränderung im Sinn einer Krebsvorstufe können nur durch den Spezialisten erkannt werden. Durch eine Entnahme von Zellen (Bürstenzytologie), eine klinische Untersuchung unter Vergrösserung und Haut- oder Schleimhautbiopsien können solche Veränderungen ausgeschlossen oder bestätigt werden.
Feigwarzen sind sehr ansteckend und sollten deswegen behandelt werden! Auch Krebsvorstufen sollten unbedingt therapiert werden, um einem Analkrebs vorzubeugen! Bei der Behandlung stehen nicht-chirurgische (konservative) und chirurgische Therapien zur Verfügung.
Chirurgische Therapie
Kleine und nur vereinzelt vorliegende Feigwarzen im Genitalbereich können meist einfach behandelt werden. An der Haut können Feigwarzen mit flüssigem Stickstoff zerstört werden (sog. Kryotherapie) oder chirurgisch abgetragen werden. Beide Therapieoptionen können meist ohne Anästhesie in unserer Sprechstunde geschehen. Bei einem ausgedehnteren Befall können die Warzen mit dem Laser abgetragen werden. Der Vorteil der Laser-Abtragung besteht darin, dass der Laser nur wenig in die Haut eindringt (etwa 0.2mm) und so in der Regel nach der Abtragung keine Narben entstehen. Die Laserabtragung stellt in unserer Klinik die Methode der Wahl dar bei ausgedehntem Feigwarzen-Befall. Die Laserbehandlung wird in einer kurzen Narkose im Operationssaal durchgeführt.
Nicht-chirurgische Therapie
Für die nicht-chirurgische Therapie wird die Salbentherapie mit Aldara (Imiquimod) am häufigsten verwendet. Diese Substanz wird lokal als Crème oder als Zäpfchen angewendet und führt zu einem indirekten Abtöten der Viren. Aldara (Imiquimod) bewirkt am Ort der Anwendung bei vielen Patienten eine starke Entzündung im Rahmen derer die Viren abgetötet werden. Die alleinige Anwendung von Aldara führt in weniger als einem Drittel der Patienten zum Verschwinden der Feigwarzen.Deshalb wenden wir Aldara fast ausschliesslich im Anschluss an eine chirurgische Therapie an. Die Therapiedauer beträgt 3-4 Monate, wobei die Salbe 3x/Woche über Nacht aufgetragen werden muss. Als Nebenwirkungen können grippale Symptome, lokaler Juckreiz und Brennen auftreten.
Sollte sich der Partner auch einer Behandlung unterziehen (Partnerbehandlung)?
Für diese Frage gibt es keine klare Antwort. Wenn beim Partner bereits Feigwarzen sichtbar sind, dann ist eine Behandlung sicherlich sinnvoll. Sind keine Anzeichen von Feigwarzen vorhanden, so glauben wir, ist eine Behandlung nicht angezeigt. Hintergrund dafür ist, dass die Viren bei 99% der Patienten vom Körper zerstört werden, bevor sie körpereigene Zellen infizieren können. Neuere Daten aber zeigen, dass in 10-40% der Patienten ‚stumme’ Viren in der Genitalregion nach einem sexuellen Kontakt mit VirusträgerInnen nachweisbar sind. Die Bedeutung dieser stummen Infektion ist aber noch unklar und rechtfertigt eine aggressive Partnerbehandlung in unseren Augen nicht.
Wie hoch ist das Risiko, dass aus Feigwarzen Krebs entsteht?
Das Risiko einer HPV-bedingten Krebserkrankung ist im Allgemeinen sehr klein! Dies gilt vor allem bei Patienten mit normalem Immunsystem und bei Fehlen von HPV-Risikotypen (z.B. HPV Typ 16 und 18). Bei Risikopatienten (Patienten mit HIV und einem Befall mit HPV-Risikotypen) ist das Risiko einer Entartung allerdings stark erhöht. Etwa 50% der Risikopatienten zeigen nach Jahren eine Krebsvorstufe im Genitalbereich, die in ca. 5% in einen Krebs übergehen kann. Bei Risikopatienten ist also eine regelmässige Kontrolle der Genitalregion angezeigt.
Wie hoch ist das Risiko, sich beim sexuellen Kontakt anzustecken, wenn der Partner Feigwarzen hat?
Man nimmt an, dass es lediglich in 1 von 100 Patienten nach einem Sexualkontakt mit einem HPV-Infizierten zu einer klinisch sichtbaren Infektion kommt (Ausbildung von Feigwarzen). Häufiger scheint es zu Infektionen zu kommen, die klinisch nicht sichtbar sind, d.h. der Virus ist zwar nachweisbar, klinisch aber nicht sichtbar. Die Bedeutung einer solchen ‚Ansteckung’ ist noch nicht geklärt. Auch ist nicht klar, ob solche Patienten mit einer klinisch nicht sichtbaren Infektion den Virus auf andere Partner übertragen können.
Ist eine regelmässige Kontrolle nach einer Behandlung sinnvoll?
Nach einer erfolgreichen Behandlung der Feigwarzen sollten engmaschige Kontrollen erfolgen. Bei Risikopatienten (HIV-Patienten und/oder Befall mit einem HPV-Risikotyp) kann eine 3- bis 6-monatliche Kontrolle sinnvoll. Wenn eine Krebsvorstufe behandelt wurde, sind ebenfalls 3- bis 6-monatliche Kontrollen ratsam.
Vorbereitung: keine
Anästhesie: Vollnarkose
Operationsdauer: 30-45 Minuten
Spitalaufenthalt: ambulant
Arbeitsunfähigkeit: 2-3 Woche
Nachbehandlung: Salbentherapie für 3-4 Monate