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Afrika ist ein reicher Kontinent
Afrika besitzt mehr als ein Viertel allen landwirtschaftlich nutzbaren Bodens der Erde. Dennoch führen 34 afrikanische Staaten mehr Nahrungsmittel ein, als sie exportieren, während sich Investoren aus Europa, Amerika, China und den Golfstaaten um deren fruchtbare Gebiete raufen.
Wo liegt hier der Haken? Unter dem Schnarchtitel «Der innerafrikanische Handel: Die Dynamik des Privatsektors befreien» hat das UNO-Organ für Handel und Entwicklung (Unctad) einen Bericht veröffentlicht, der Wege aus der Wirtschaftsmisere des Schwarzen Kontinents aufzeigen will. Wie es sich für eine von Interessenkonflikten geschüttelte Weltorganisation geziemt, werden darin weder korrupte Regierungen noch die multinationalen Konzerne kritisiert, die die Reichtümer Afrikas ausbeuten. Einige Statistiken erklären aber mehr als tausend Worte.
Ungleiche Verteilung und geringer Binnenhandel
Zunächst wird das verbreitete Vorurteil widerlegt, wonach Afrika von der Natur benachteiligt sei. Mit 27 Prozent aller Agrarböden der Welt sollte der Kontinent reichlich in der Lage sein, seine Bevölkerung zu ernähren. Aber das fruchtbare Land ist ungleich verteilt, der innerafrikanische Handel mit Nahrungsmitteln und lebenden Tieren gering. Bloss 17 Prozent der Agrarexporte der afrikanischen Staaten gehen in die Region. 83 Prozent der Ein- und Ausfuhren werden mit anderen Kontinenten abgewickelt.
Beim gesamten Aussenhandel Afrikas betrug der regionale Anteil von 2007 bis 2011 im Schnitt elf Prozent. Im Vergleich dazu: Die asiatischen Staaten setzen die Hälfte ihrer Exporte in der eigenen Region ab, die Europäer sogar 70 Prozent.
Einer der Gründe für die schwachen Handelsströme innerhalb Afrikas ist die niedrige Kaufkraft der Bevölkerung, ein anderer der teure Transport. Nach den Zahlen der Unctad kostet zum Beispiel die Beförderung einer Tonne Ware von der Hafenstadt Douala in Kamerun nach N’Djamena im Nachbarland Tschad 11 US-Cents pro Kilometer. Das ist doppelt soviel wie in Westeuropa und das Fünffache der Transportkosten auf dem indischen Subkontinent.
Es macht auch wenig Sinn, Bananen oder Erdnüsse von einem afrikanischen Land in ein anderes zu verschiffen. Die Landwirtschaft ist von Monokulturen geprägt. In Dollars gerechnet stieg das Volumen des innerafrikanischen Handels zwar zwischen 2000 und 2011 von 32 auf 130 Milliarden. Dieser scheinbare Zuwachs geht aber hauptsächlich auf die an ausländischen Börsen erzielten höheren Rohstoffpreise und die Entwertung des Dollars zurück. In realen Werten ist der innerafrikanische Handel nach den Experten der Unctad bloss auf 54 Milliarden Dollar jährlich angewachsen – und das auch nur dank der Erdöl- und Gasexporte von Ländern wie Algerien, Angola oder Nigeria.
Rohstoffabhängigkeit
Das grosse Problem Afrikas bleibt seine Abhängigkeit von einigen wenigen Rohstoffen, deren Erträge nur einem kleinen Personenkreis zugute kommen. Für den Ausbau der Infrastrukturen und Investitionen in den rudimentären Industriesektor sind keine Mittel verfügbar. Der ganze Kontinent mit mehr als einer Milliarde Einwohnern produziert nur ein Prozent aller industriell hergestellten Güter der Welt. Das macht zehn Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) Afrikas aus, während die Industriewaren in Ostasien 35 Prozent und in Lateinamerika 16 Prozent des BIP hervorbringen. Die Unctad sieht daher in der Förderung von Handwerk und Industrie den Schlüssel zu einem besseren Leben der afrikanischen Massen.
Was sollen aber die Afrikaner produzieren, das es noch nicht gibt? Die Unctad hat da auch keine Patentrezepte. Vage schlägt ihr Bericht die «Wertekette Baumwolle-Textilien-Bekleidung» und die «Wertekette Vieh-Fleisch-Konserven» vor. Können afrikanische Erzeugnisse aber die Billigwaren aus Asien ausstechen? In Afrika südlich der Sahara beherrschen unrationelle Kleinbetriebe das Wirtschaftsleben. Dem Unctad-Bericht zufolge zählt dort eine Fabrik im Durchschnitt 47 Arbeiter, gegen 171 in Malaysia, 195 in Vietnam, 393 in Thailand und 977 in China.
Korruption und Stammesdenken
Der frühere UNO-Generalsekretär Kofi Annan setzte sich in die Nesseln, als er in einem Rapport über die Lage in Schwarzafrika die Bestechlichkeit der politischen Eliten und die ethnische Ausrichtung der Parteien und der Gewerkschaften für die Misere mitverantwortlich machte. Dabei kann sich das Wirtschaftswachstum des Kontinents von 7,5 Prozent im Jahr durchaus sehen lassen. Es entspricht derzeit jenem Chinas. Der Unterschied liegt allerdings im Bevölkerungszuwachs. In Afrika bringt weiterhin jede Frau im Schnitt 5,2 Kinder zur Welt. Das bedeutet, dass jeder zusätzlich erwirtschaftete Dollar mit mehr hungrigen Schnäbeln geteilt werden muss.
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