Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03300.jsonl.gz/1842

Main
Mikulince - Milben
Seite 11.605.
Überblick der Artikel
4 Artikel Textanfang / Anzahl Wörter
Milan # s. Weihen. / 3
Milan _2 # I. (Obrenowitsch), König von Serbien, geb. 18. Sept. 1854, Sohn des Fürsten Milosch Obrenowitsch / 260
Milan _3 I. (Obrenowitsch), früherer König von Serbien, kehrte 1890 von Paris nach Serbien zurück, / 374
Milan _4 I. (Obrenowitsch), ehemaliger König von Serbien. Das serbische Ministerium erfüllte 1891 sein / 329
Im
Meyers Konversations-Lexikon, 1888
s.
Weihen.
Paris
* 3
Paris. I.
( Obrenowitsch), König von
Serbien,
[ * 2] geb. Sohn des
18. Sept. 1854, Fürsten
Milosch Obrenowitsch (gest. 1860) und
der
Maria Catargi, der spätern Geliebten des
Fürsten
Alexander
Cusa von
Rumänien, in
Paris
[ * 3] erzogen, wurde nach der
Ermordung des
2. Juli 1868, Fürsten
Michael, als Milan
Obrenowitsch IV. zum
Fürsten proklamiert, für großjährig
erklärt und vermählte sich 22. Aug. 1872 mit
17. Okt. 1875 Natalie Keschko, Tochter eines russischen Obersten, die ihm den
14. Aug. 1876 Prinzen
Alexander gebar.
Von Rußland angestachelt und unterstützt, begann er im Juli 1876 gleichzeitig mit
Montenegro
[ * 4] ohne allen
Grund
Krieg gegen
die Türkei,
[ * 5] der jedoch die prahlerisch vorher verkündeten Erfolge, glänzende
Siege und
Eroberung von
Bosnien, keineswegs hatte. Milan, der die
Führung des
Heers dem
Russen
Tschernajew überließ, mußte die ihm von den
Truppen angetragene
Königskrone ablehnen und, nachdem Ende
Oktober bei
Alexinatz sein
Heer vernichtet und er von Rußland im
Stiche
gelassen worden war, die Vermittelung
Englands für einen
Frieden anrufen, der ihm Anfang März 1877 auch von der Türkei unter
den
Bedingungen wie vor dem
Krieg bewilligt wurde.
Berlin-Dresdener Eisen
* 6
Berliner.
Gleichwohl begann er Ende
Dezember 1877 von neuem den
Krieg und erlangte auf dem
Berliner Kongreß
[ * 6] nicht bloß eine beträchtliche
Gebietsvergrößerung, sondern auch die Souveränität und den
Titel
Hoheit. Mit Zustimmung der Mächte
nahm er den Königstitel 6. März 1882 an.
Klug, gewandt und ein vortrefflicher Redner, wußte sich Milan über dem Parteigetriebe
eine herrschende
Stellung zu verschaffen und in der auswärtigen
Politik durch Anlehnung an
Österreich
[ * 7] Erfolge zu erringen.
Nur Kriegslorbeer blieb ihm versagt, indem auch der
Krieg mit
Bulgarien 1886 mit
Niederlagen endete.
Im
Meyers Konversations-Lexikon, 1888
I. (
Obrenowitsch), früherer König von Serbien, kehrte 1890 von Paris nach Serbien zurück, angeblich nur, um die
Erziehung seines Sohnes, des Königs Alexander, zu leiten, jedoch wohl auch in der Absicht, die Pläne der Königin Natalie zu durchkreuzen
und seine finanziellen Interessen zu
wahren. Die Königin Natalie betrieb nämlich mit allem Eifer die Aufhebung
der Ehescheidung vom und wandte sich endlich 24. Okt. 1888 an die 23. Juni 1890 Synode der Bischöfe mit der Bitte, dieselbe möge
ihre Entscheidung über das Urteil des Metropoliten Theodosius abgeben, d. h. dasselbe aufheben.
Der
Metropolit Michael war geneigt, sich auf eine erneute Verhandlung der Ehescheidungssache einzulassen
und hatte schon eine dahin lautende Antwort an die Königin aufgesetzt. Doch hatte die Regentschaft Milan bei der Wiedereinsetzung
Michaels in sein Amt versprochen, daß an dem Urteilsspruch von dessen Vorgänger Theodosius in der Ehesache nicht gerüttelt
werden solle, und rechtzeitig von dem Vorhaben des Metropoliten durch den König Milan unterrichtet, begaben
sich die Regenten zu Michael und erklärten ihm, »sie könnten es nicht dulden, daß die .
Synode auf das bekannte Gesuch der
Königin-Mutter einen andern Bescheid erteile als denjenigen, dessen Wortlaut sie . Sr Eminenz hiermit bekannt zu geben sich beehrten«
Demgemäß entschied die
Synode 17. Juni, daß sie sich in Erwägung, daß der Ehestreit bereits endgültig entschieden worden
sei, neuerdings in Erörterung einer durchaus vollendeten Thatsache nicht einlassen könne. Hatte Milan in dieser Frage gesiegt,
so vermehrte das doch keineswegs seine Beliebtheit, im Gegenteil regte sich überall das Gefühl des Mitleids
für die Königin-Mutter, deren völlige Unschuld an politischen Ränken sogar behauptet wurde, während der Ehescheidungsprozeß
des Generals Protitsch gegen seine Gattin Artemisia Milan arg bloßzustellen drohte.
Presse (technisch)
* 8
Presse.
Auch mußte es
Milan erleben, daß die Radikalen eine der seinigen ganz entgegengesetzte Politik namentlich in den auswärtigen
Angelegenheiten befolgten, daß die Minister, die Milan in seiner Gereiztheit mit Vorwürfen überhäufte,
dieselben mit Berufung auf ihre verfassungsmäßigen Pflichten und Rechte zurückwiesen, und daß die Presse
[ * 8] ihn in der schonungslosesten
Weise angriff. Milan verließ Belgrad
[ * 9] im Oktober, nachdem ihm die Regenten die Wahrung seiner Rechte zugesichert und seinen Jahrgehalt
erhöht hatten, und begab sich nach England. Die Königin Natalie versuchte noch die Skuptschina durch eine
im November eingereichte Denkschrift für ihre Sache zu gewinnen; dieselbe erklärte sich aber für nicht zuständig. Weiteres
s. Serbien.
Im
Meyers Konversations-Lexikon, 1888
I. (
Obrenowitsch), ehemaliger König von Serbien. Das serbische Ministerium erfüllte 1891 sein
Milan gegebenes Versprechen, dessen Rechte zu wahren, indem es in der Skuptschina ein neues Preßgesetz durchbrachte, welches ihn
als unverletzbar unter besondern Schutz stellte.
Bei seiner Abreise von Belgrad im Oktober 1890 hatte Milan gegen die Zahlung eines
Vorschusses von 1 Million auf die ihm zustehende Hälfte der königlichen Zivilliste versprochen, bis zur
Großjährigkeit seines Sohnes, des Königs Alexander, sich nicht in Serbien aufzuhalten, wenn die Skuptschina in einer Resolution
den Wunsch äußere, daß die Königin Natalie ebenfalls bis zur Großjährigkeit ihres Sohnes ihren Wohnsitz außerhalb Serbiens
nehmen möge.
Auch dies that die
Skuptschina und auf 13. April 1891; Grund dieses Beschlusses forderte die Regierung die Königin
auf, im Interesse des innern Friedens Serbiens das Land zu verlassen. Indes die Königin, »das störrische , wie sie Weib« Milan nannte,
erklärte, nur der Gewalt weichen zu wollen. Nachdem verschiedene Versuche der Regentschaft, die Königin
zur Nachgiebigkeit zu bewegen, gescheitert waren (auch ein Besuch des jungen Königs war vergeblich gewesen), wurde 19. Mai die
herausgeforderte Gewalt angewendet.
Schiff II
* 10
Schiffe.
Bei der
Fahrt nach dem Schiffe,
[ * 10] auf welchem die Königin Serbien verlassen sollte, wurde der Wagen durch eine von Garaschanin und
der Fortschrittspartei aufgereizte Volksmasse angehalten und zur Rückkehr nach der Wohnung gezwungen.
Erst nach Aufbietung einer größern bewaffneten Macht wurde die Abreise der Königin erzwungen. Milan dankte der Regierung dis
pünktliche Erfüllung ihrer Versprechungen schlecht. Da er die im Oktober 1890 empfangene Million Vorschuß rasch vergeudet
hatte, verpfändete er 1891 bei einer russischen Bank seine Domänen in Serbien gegen mehrere Millionen.
Da dieses Geschäft in Serbien angefochten wurde, Milan aber des Geldes dringend bedurfte, entsagte er 1892 kurzweg allen königlichen
Rechten, ja sogar seiner serbischen Staatsangehörigkeit, wogegen die Regentschaft seine finanziellen Wünsche erfüllte; die
Skuptschina genehmigte das Abkommen im März 1892 (s. Serbien, Geschichte), um Milan los zu sein. Milan nahm den
Namen eines Grafen Takowa an, machte sich aber bald durch seine Spielwut in Paris, wo er sich niedergelassen, unmöglich.