Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03618.jsonl.gz/297

Mein Leben begann wie auf einer Achterbahn. Meine Mutter brachte mich in einem Spital in Halifax, Neuschottland, zur Welt – 1242 km von ihrem Zuhause in Montreal entfernt. Sie war verheiratet, doch ihr Ehemann war nicht mein Vater. Gleich nach der Geburt hat sie mich im Spital zurückgelassen, und ich wurde zum Mündel des Staates, der mich in einer Pflegefamilie platzierte, wo ich mit sechs «Brüdern und Schwestern» aufwuchs. Als Dreijährige wurde ich wortwörtlich aus dieser liebevollen Familie herausgerissen, um von einem Schweizer Ehepaar adoptiert zu werden, das mich jahrelang sowohl physisch als auch psychisch missbrauchte.
Als Erwachsene startete ich in der Geschäftswelt der Kommunikation, des Marketings und der Entwicklung. Kurz vor der Geburt meines ersten Sohnes, im Jahr 1997, beschloss ich tief in meinem Herzen, dass mir die Familie weit wichtiger war als eine Karriere (nebst der Tatsache, dass ich nicht gerade dort war, wo ich das Gefühl hatte, dafür vorgesehen zu sein). Zuerst verringerte ich meine Arbeitszeit auf 60, dann auf 50 Prozent. Während dieser Zeit erlitt ich viermal nacheinander eine Sepsis (schlimme Blutvergiftung); viele Leute sterben nach nur einer solchen Infektion. Gerade als ich mich davon erholte und zurück an meinem Arbeitsplatz war, kam ich eines Nachmittags nach Hause und fand meine 8 Monate alte Tochter mit einem gebrochenen Oberschenkelknochen vor. Wie das geschehen konnte, bleibt bis heute ein Rätsel. Entweder muss das Baby von einer Höhe von 1,8 Meter oder höher heruntergefallen sein oder jemand hatte dies mit Absicht getan. Das Au-Pair-Mädchen, das sich um die Kinder kümmerte, gab zu diesem Vorfall unterschiedliche Erklärungen ab.
Während meine Kinder heranwuchsen, brauchte ich eine Stelle, die mir erlaubte, so viel Zeit wie möglich mit ihnen zu verbringen. Ihre Lernschwäche machte die Schule zu einem schwierigen Ort für sie. In der Zwischenzeit hatte mich meine Vergangenheit wieder eingeholt, und ich konnte die extrem manipulative Art meines Mannes nicht länger ertragen. Ich fühlte, wie mich die Depression langsam vereinnahmte und schrie in klaren Worten bei meinen Freunden und meinem Mann um Hilfe, doch ich blieb allein zurück; denn sie antworteten nur: «Mach dir keine Sorgen, du bist stark!» Natürlich war ich das in den Augen der Welt; ich war früher eine Spitzensportlerin gewesen und hatte einige gute Ergebnisse erzielt. Nach meinem Kampf gegen die Depression, übergab ich mein Leben Jesus.
Auch als Christin erlitt ich in eine neue, schwere Depression. Ich habe versucht, mir mein Leben zu nehmen, aber Gott hatte einen anderen Plan für mich; an diesem Tag schickte er Engel, um mich zu retten.
Gott folgend versuchten wir, ihm gehorsam zu sein, und siedelten im Jahr 2007 nach Quebec über. Meine Ehe endete mit einer Scheidung, und ich drückte erneut die Schulbank, um ein Diplom im Einkaufsmanagement zu erhalten. Entgegen aller Schwierigkeiten, eine Stelle zu finden, hatte ich den starken Eindruck, dass Gott mich in die Geschäftswelt berufen und in die Schweiz zurückholen wollte. Er bestätigte mir dies am 3. Dezember 2010, lediglich einige Tage nachdem ich die 13-monatige Vollzeitschule zur Einkaufsmanagerin beendet hatte. Ich packte die Koffer. Am 30. Dezember waren meine zwei Kinder und ich zurück in der Schweizer Heimat.
Im Oktober 2012 ging ich zu einer ICCC-Konferenz nach Freiburg. Eigentlich richtete sich die Einladung an die Männer meiner Kirche, aber ich fühlte regelrecht, dass sie auch für mich galt. So meldete ich mich in letzter Minute an und traf dort zum ersten Mal Michel Koegler. Etwas in seinem Verhalten liess mich denken: «Nein, bitte, nicht wieder so ein Typ!» Doch im Grunde genommen war ich das Problem: Männer in Führungspositionen schüchterten mich ein, da solche Männer mich schon oft unterdrückt hatten. Das nächste Jahr verbrachte ich sehr nahe bei Jesus. Ich war ein ganzes Jahr lang arbeitslos und verbrachte täglich mehrere Stunden mit Gott. Ich war durstig und hungrig. Der Heilige Geist führte mich im Gebet und befreite mich von zahlreichen Festungen in meinem Leben. Ich traf mich regelmässig mit Michel an den Sitzungen von ICCC-FR, und es zeigte sich, dass er kein «grosser böser Wolf» war. Im Gegenteil, er gab mir viel Raum, um mich so zu zeigen, wie ich bin. Ich sehe ihn heute als meinen Mentor. Er forderte mich sowohl als Tochter in Christus als auch als Geschäftsfrau heraus. Als er für mich betete, riss er dabei in Jesu Namen weitere Festungen herunter. Heute weiss ich, dass meine Berufung bei meinem Arbeitsplatz und bei der ICCC liegt.
CM
Bulle, Schweiz