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Es ist ein kluger Schachzug, den sich AktivistInnen im Umfeld der Londoner Occupy-Bewegung ausgedacht und vergangene Woche umgesetzt haben: Am Freitagmorgen übernahmen mehrere Dutzend BesetzerInnen einen Gebäudekomplex am Rande der City of London, der Quadratmeile des Geldes. Die vier Häuser – sie stehen seit 2009 leer – gehören Sun Street Properties Ltd., einer Tochtergesellschaft der UBS, die ihre Londoner Zentrale auf der anderen Strassenseite hat.
Die BesetzerInnen feierten am Wochenende ihren Einzug mit einer Grossversammlung der britisch-irischen Occupy-Bewegung, an der auch Kabarettisten auftraten und ein Finanzmakler referierte. Aus dem Komplex wollen die AktivistInnen eine «Bank of Ideas» machen, eine Art Ideensammelstelle. Ausserdem sollen die Räume auch Kindergärten, Gemeinschaftszentren und Jugendklubs zur Verfügung gestellt werden, die derzeit dem Sparkurs der britischen Regierung zum Opfer fallen (siehe WOZ Nr. 46/11).
Die UBS habe man sich ausgesucht, «weil sie jene Sorte von Banken repräsentiert, die nicht im öffentlichen Interesse agieren», sagte ein Sprecher, der darauf hinwies, dass auch die Schweizer Grossbank von den SteuerzahlerInnen gerettet werden musste. Die Besetzung, die ausdrücklich nicht zu Wohnzwecken erfolgte, sei eine «gesellschaftliche Wiederaneignung». Schliesslich würden sich Banken wie die UBS den Wohnraum von verarmten Familien aneignen, die ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen können.
Mit dem Gebäudekomplex an der Sun Street hat sich die Londoner Occupy-Bewegung ein drittes Zentrum verschafft. Bisher hatten sie zwei Zeltlager aufgebaut; eins vor der St.-Paul’s-Kathedrale (das die Stadtverwaltung der City of London räumen lassen will) und eins auf dem Finsbury Square (das nicht bedroht ist, weil dem Bezirk Islington das Geld für eine Räumungsklage fehlt). Die UBS reagierte mittlerweile mit einer Klageschrift, die aber offenbar recht schludrig verfasst worden war. «Die UBS setzt auf ihre finanzielle Schlagkraft, um uns zur Aufgabe eines lebhaften Gemeinschaftszentrums zu bewegen», sagte die Aktivistin Helen Poplar am Dienstag. «Aber auch eine globale Investmentbank braucht nicht zu glauben, dass sie einfach das rechtliche Prozedere umgehen darf.»
Pit Wuhrer