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Jean Zimmermann wurde am 8. Oktober 1919 als zweites von drei Kindern in der damals noch selbständigen Gemeinde Le Petit-Saconnex (heute Genf) geboren. Er wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf, sein Vater war Feinmechaniker, auch seine Mutter arbeitete, um zum Einkommen der Familie beizutragen. In Genf durchlief er die schulische Laufbahn bis zum „Bachelier de Théologie“ 1945. Dem Thema seiner Lizentiatsarbeit „La notion du Monde dans le Nouveau-Testament" blieb er ein Leben lang verpflichtet: Wie kann man das Evangelium einem entchristlichten Volk näherbringen?
Noch vor dem Abschluss machte er ein Praktikum und Vikariat an der Stadtmission in Lausanne. Am 4. Nov. 1945 wurde er in Genf, in der Kirche St. Gervais, ordiniert. Im selben Jahr wanderte er in das kriegsversehrte belgische Borinage aus und arbeitete dort als Pfarrer für eine wallonische Diasporagemeinde. Im diesem für den Kohleanbau bekannten Gebiet setzte er sich für die ferienweise Unterbringung kriegsversehrter und atemgeschädigter Kinder in der Schweiz ein. 1946 heiratete er die Thurgauerin Stella Akeret. Acht Jahre lang war das Ehepaar im Dienst der Eglise Chrétienne Missionaire Belge tätig. In Belgien kamen auch die drei Kinder des Ehepaars zur Welt. 1953 kehrte Zimmermann in die Schweiz zurück und übernahm die reformierte Kirchgemeinde in Tavannes im Berner Jura. Dort wirkte er auch als Krankenseelsorger in der bernischen Heil- und Pflegeanstalt Bellelay. 1956 wurde er in den Zentralvorstand der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) gewählt, den er später auch präsidierte. Er betätigte sich dort rund dreissig Jahre lang als Brückenbauer zwischen den Landeskirchen und den Freikirchen.
1962 wurde er an die Eglise Française in Schaffhausen berufen und waltete ab 1964 halbamtlich als Pfarrer mit besonderem Auftrag am Münster. Die Zweisprachigkeit des Pfarrers machte sich 1964 der Regierungsrat zunutze: Jean Zimmermann erhielt den Auftrag, die Reden der Regierung für den Schaffhausertag an der EXPO 64 ins Französische zu übersetzen. 1968 wurde er zum Pfarrer der Kirche St. Johann in Schaffhausen gewählt. Dort setzte er sich unter anderem für den Bau des Pfarrzentrums St. Niklaus ein. Bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1984 blieb er der Gemeinde treu.
Ganz in den Ruhestand ging Jean Zimmermann aber nicht: Bis 1989 noch engagierte er sich als Seelsorger in verschiedenen Altersheimen der Stadt Schaffhausen (während seiner Zeit als Pfarrer war er Präsident des evangelischen Altersheims Schönbühls gewesen). Zusätzlich war er von 1990 bis 1992 als Verweser in Zell (Tösstal) engagiert.
Ein grosses Hobby von Jean Zimmermann rückte nach seiner Pensionierung in den Vordergrund: Das Reisen. Schon während seiner Jahre als Pfarrer machte er Ausflüge mit seiner Gemeinde nach Israel und Ägypten und organisierte Seniorenferienwochen in Pontresina. Oft besuchte er Kongresse der Evangelischen Allianz, des Weltkirchenrates und der African Enterprise unter anderem in Singapur, Australien und Mali. Er hielt Predigten in Mendoza, Argentinien und Bagdad und unterhielt regen Austausch unter anderem in die USA mit Mormonen, in Frankreich mit Hugenotten und anderen Religionen und Gemeinschaften auf der ganzen Welt.
Im April 2000 starb Jean Zimmermann nach kurzer schwerer Krankheit.
Literatur/Quellen:
Familienarchiv Zimmermann, im Besitz der Familie
Schaffhauser Nachrichten 6.10,1979 Zum 60 Geburtstag Pfarrer Zimmermanns
Schaffhauser Nachrichten 10.11.1984: Aus dem Missen soll kein Vermissen werden (zur Pensionierung Jean Zimmermanns)
Idea Magazin Schweiz, Nr. 24/2000: Jean Zimmermann- ein Brückenbauer (Nachruf)
Schaffhauser Nachrichten 13.6.2000: Ein engagierter Seelsorger (Nachruf)
Anne-Chantal Zimmermann