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- Waffe nach Typ
- Waffen nach Land
- Highlights der Sammlung
Verschraubtes Messinggefäss, aus gegossenen und ziselierten Teilen zusammengesetzt, vergoldet. Grosser, scheibenförmiger Knauf, gewulstete, konische Basis, im Zentrum des Knaufs beidseitig eine kreisförmige Kartusche, deren Fläche von einem Kreuz mit gerundeten Armen eingenommen wird. Grosser, zweistufiger Vernietknauf mit knospenartigem Abschluss, der Vernietknauf dient als Schraube. Der offene Griffbügel, zeigt im Mittelteil eine Darstellung des hl.Georg im Kampfe mit dem Drachen, er mündet in die horizontal S-förmig geschweifte Parierstange, deren Enden von kleinen, stilisierten Delphinen bedeckt werden. Auch die Enden der beiden grossen, gerollten Ziergriffhaken schmücken Delphine. Im Mittelteil der Ziergriffhaken erscheinen geharnischte Krieger. Die Griffbasis zeigt beidseitig bärtige Maskarons zwischen Voluten. Das Stichblatt besteht aus einer stark bombierten, ortwärts gebogenen und einer etwas kleineren, knaufwärts gebogenen Hälfte. Die Enden des Stichblattes schmücken parallel zur Parierstange von Muscheln überhöhte Maskarons. Der ziselierte symmetrisch angelegte ornamentale Dekor auf der Aussenseite des Stichblattes besteht zur Hauptsache aus Kartuschen in der Art des Knaufdekors. Der gravierte und punzierte Dekor auf der Stichblattinnenseite entspricht weitgehend demjenigen der Aussenseite. Massiver walzenartiger Griff, Dekor: Terzseite - über einem Maskaron eine grosse Trophäe bestehend aus antiken Waffen. Das Zentrum der Trophäe wird von einem behelmten, bärtigen Männerkopf im Profil eingenommen. Quartseite - ähnlich, an die Stelle des Männerkopfs tritt jedoch das von einer Sturmhaube bedeckte Wappenschild, als Schilddekor erscheint die gespiegelte Initiale «A» ( Adalbert) von einer Krone überhöht.
Zweischneidige Klinge (Länge 97,1 cm, Breite 1,4 cm), Fehlschärfe vergoldet, dann sechskantiger Querschnitt. Geschwärzte Lederscheide, Messinggarnitur vergoldet, Mundblech und Stiefel weisen beidseitig einen gravierten Dekor auf. Den grossen Tragknopf schmückt das von einer Krone überhöhte Allianz-Wappen, Wittelsbach/Bayern- Bourbon/Spanien.
Gesamtlänge: 119 cm Gewicht (ohne Scheide): 1300 g
Provenienz: Galerie Fischer, Luzern, 22.6.1961, Nr.121.
Das Prunkrapier stimmt in wesentlichen Konstruktions- und Dekorelementen mit dem Degen B 360 überein und bildet mit diesem eine Garnitur. Der Degen wurde 1959, das Rapier 1961 auktionsweise angeboten. Beide Male führte man die beiden Garniturteile unter der Rubrik, « Waffen aus dem ehemaligen Besitz eines kgl.bayerischen Prinzen» auf. Somit stammt auch diese Waffe aus dem Nachlass des Prinzen Adalbert von Bayern. Das Gefäss ist in goldschmiedemässiger Qualität äusserst fein verarbeitet. Obschon auch hier eine Signatur fehlt darf der Schwertfeger Johann Baptist Stroblberger, München, als Lieferant bezeichnet werden, der wie das vorliegende und andere Griffwaffengefässe belegen offensichtlich mit versierten Goldschmieden zusammenarbeitete, deren Namen leider nicht bekannt sind.
Weil das Gefäss dieses Prunkrapiers u.a. mit dem hl.Georg geschmückt wurde, dürfte es sich um eine Waffe handeln, die von Prinz Adalbert zur Ordenstracht des bayerischen Haus-Ritterordens vom heiligen Georg getragen wurde. Den «Orden des heiligen Georg, Verteidiger der unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria», der vom Papst genehmigt wurde, stiftete der bayerische Kurfürst Karl Albert, der nachmalige Kaiser Karl VII. 1729. Seit 1778 nimmt er unter den bayerischen Orden den zweiten Platz ein. Vornehmster bayerischer Orden war der St.Hubertusorden oder Orden vom hl.Hubert. Am 25.Februar 1827 erhielt der St.Georgs Orden von König Ludwig I. neue Statuten. Als Grossmeister amtierte der König, als erster Grossprior der Kronprinz. Die Stelle eines zweiten Grosspriors war einem königlichen Prinzen vorbehalten. Der nachgeborene Prinz Adalbert bekleidete daher das Amt eines Grosspriors. Die Ordensfeste fielen auf den St.Georgstag vom 24.April und den Tag der unbefleckten Empfängnis am 8.Dezember.
Literatur: A.M.Perrot, Historische Sammlung aller noch bestehenden Ritterorden der verschiedenen Nationen, Leipzig 1821, Reprint Dortmund 1980, S.38-39. Maximilian Gritzner, Handbuch der Ritter- und Verdienstorden, Leipzig 1893, Reprint Graz 1962, S.17-21.