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Wie würde man jemanden bezeichnen, der im Monat 5’000 Franken Einkommen hat, aber 8’000 Franken ausgibt? Verantwortungslos? Verschwenderisch? Verrückt?
Nun, ist ja nur eine rein theoretische Frage, denn dauerhaft macht niemand so etwas. Oder? Ah ja, die Vereinigten Staaten von Amerika. Unter Donald Trump.
Diesen Mittwoch wurde das neueste „Monthly Treasury Statement“ veröffentlicht, auf dem die monatlichen Einnahmen und Ausgaben des amerikanischen Staatshaushaltes ersichtlich sind.
Das Bild, das sich zeigt, gleicht einer Schuldenorgie. Im Oktober und November, den ersten beiden Monaten des neuen Fiskaljahres 2020, beliefen sich die Einnahmen auf 471 Milliarden Dollar.
Und die Ausgaben? Die summierten sich auf 814 Milliarden Dollar.
Trumps Regierung hatte also in gerade mal zwei Monaten 343 Milliarden Dollar mehr Ausgaben als Einnahmen. Diese Differenz muss durch Schulden finanziert werden. Dies entspricht einem Defizit (für diese beiden Monate) von 42%.
Die ersten Monate von Amerikas Fiskalrechnung waren zwar in den letzten Jahren durch saisonale Effekte immer mit grösserem Defizit behaftet. Aber auch wenn man den Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum macht, so wurden nun 40 Milliarden respektive 13% mehr Schulden gemacht.
Die Tendenz der letzten Jahre muss einem die Schweissperlen auf die Stirn treiben. Was denkt sich Trump? Was ist in Amerika los?
Steuern werden gesenkt, Ausgaben bleiben gleich oder werden erhöht. Das Defizit sprengt alle Dimensionen.
Das kann nicht gutgehen.
Im „Fiscal Year 2009“ (das im Oktober 2008 begann, kurz nach der Lehman-Pleite) wurden 1.4 Billionen neue Schulden aufgenommen. Fair enough. Das war die „Great Financial Crisis“. Die Welt musste gerettet werden.
Aber wieso in Gottes Namen müssen heute, im Jahr 2019, so viele Schulden gemacht werden? Die neuen Berge in den zwei Monaten Oktober und November 2019 übersteigen die nominellen Jahresschulden aller Jahre bis 2007 mit Ausnahme von 2003 und 2004 (orange Linie).
Extrapoliert man die beiden Monate auf das Jahr linear, so käme ein Betrag von über 2 Billionen Dollar zusammen.
Durch saisonale Effekte werden die Gesamtschulden wohl etwas geringer ausfallen, aber ein neuer Allzeit-Rekord ist am Horizont.
Was am meisten Sorge machen sollte ist, dass in guten Zeiten (sprich bei wachsender Wirtschaft) eigentlich Haushaltsüberschüsse erzielt werden sollten, damit in schlechten Zeiten der Staat über Ausgaben und Defizite „stimulieren“ kann.
So die Theorie. Nun befindet sich Amerika aber in der längsten Wirtschaftsexpansion, die es je gegeben hat, nimmt aber gleichzeitig völlig surreale Schuldenberge auf.
Wie sieht die Lage dann erst aus, wenn die nächste Rezession kommt, die Steuereinnahmen sinken und noch Firmen „gerettet“ werden müssen? Defizite von 3 Billionen Dollar pro Jahr? 4 Billionen?
Schulden machen für den amerikanischen Staat heisst nichts Anderes, als dass mehr US-Treasuries auf dem Markt kommen. Also Papiere des Staats, die versprechen, das geliehene Geld samt Zinsen zurückzuzahlen.
Die Treasuries müssen Abnehmer finden. Falls die Nachfrage nach diesen Schuldscheinen fallen sollte, gehen mittel- und langfristig die Zinsen hoch.
Dies können sich die USA aber nicht leisten. Wie aus obiger erster Grafik ersichtlich, betrugen die Zinsen im US-Bundeshaushalt in den ersten zwei Monaten 65 Milliarden Dollar.
Auf’s Jahr hochgerechnet macht das fast 400 Milliarden Dollar. (Im Fiskaljahr 2019 waren es „erst“ 376 Milliarden Dollar).
Nur Zinszahlungen, wohlgemerkt.
Die USA haben 23 Billionen Dollar Schulden. Eine 23 mit 12 Nullen, also 23’000’000’000’000. Die 400 Milliarden – in Ziffern: 400’000’000’000 – voraussichtlicher Zinszahlungen entsprächen einem Zinssatz von 1.73% im Jahr.
Schon ein mittelfristiger Anstieg auf nur 2.5% wäre fatal. Etwas zeitverzögert wären 175 Milliarden Dollar – 175’000’000’000 – mehr Zinszahlungen pro Jahr fällig. Wo soll dieses Geld herkommen? Durch noch mehr Schulden? Markanter Steueranstieg?
Die Staatsschulden sind so stark angestiegen, dass es keinen Ausweg mehr gibt, als sie „weginflationieren“.
Kein Wunder, ist die Federal Reserve in Panik und hat dieses Jahr bereits drei Mal die Zinsen gesenkt. Verzweifelt wird versucht, den Schuldendienst des amerikanischen Staates niedrig zu halten.
Vorgestern fand Fed-Chair Jerome Powell deutliche Worte: Die Zinsen werden nicht mehr erhöht, bevor nicht eine „dauerhafte und signifikante Inflation“ sichtbar würde.
Wörtlich sagte Powell: „In order to move rates up, I would want to see inflation that’s persistent and that’s significant.“ (CNBC).
Das Inflations-Ziel ist derzeit 2%. Was wäre dann signifikant? 3%? 4%? Oder noch höher? Und das dauerhaft?
Die Message könnte klarer nicht sein: Wir brauchen Inflation, und die Schulden werden weginflationiert.
Der US-Dollar wird entwertet. Momentan liegt die US-Inflation bereits bei 2.1% (CPI, Bureau of Labour Statistics), deutlich über der Fed Funds-Rate. Die USA haben also bereinigt um Inflation Negativzinsen.
Das reicht Powell noch nicht. Die Preise sollen dauerhaft um mehr steigen. Wer es jetzt noch nicht gemerkt hat, ist selber schuld.
Und brauchte man doch noch eine Bestätigung, dass die Federal Reserve wirklich am Anschlag ist, so muss man nur die neueste Medienmitteilung zum Thema Repurchase Operations lesen, die ebenfalls diesen Mittwoch veröffentlicht wurde.
Von nun an kommen mindestens einen Monat lang tägliche Overnight Repo-Markteingriffe von 120 Milliarden Dollar. Über den Jahreswechsel sind es 150 Milliarden.
Hinzu kommt am kommenden Montag, den 16. Dezember, eine Facility über 50 Milliarden, die erst nach 32 Tagen zurückbezahlt werden muss.
Und zusätzlich obendrauf noch zwei zweiwöchige „Term Repos“ jede Woche von je 35 Milliarden Dollar. Gesamthaft sind bei der Fed jeden Tag Repo-Operations in der Grössenordnung von 250 bis 300 Millarden Dollar ausstehend.
Die blanke Panik. Es könnte sein, dass das US Dollar-System und damit das weltweite Finanzsystem unmittelbar vor dem Kollaps steht.