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Die brasilianische Bildsatire hat schon eine längere Tradition. Die Geschichtsforschung geht davon aus, dass die Karikatur sich in den Dreissiger Jahren des 19. Jahrhunderts in Brasilien ausgebreitet hat. Seither bemühen sich brasilianische Karikaturisten, den Betrachter zum Lachen zu bringen, soziale Konventionen und geschichtliche Ereignisses in ihnen zu erfassen und Korruption und Willkür in der Politik anzuprangern.
Aktuelles
Zur bevorstehenden Fussball-WM in Südafrika wird von der Banco do Brasil in São Paulo vom 02. Juni bis 18. Juli eine Ausstellung mit dem Titel: „Craques do cartum na Copa“ (Cartoon-Sportskanonen bei der WM) gezeigt.
Im Centro Cultural Banco do Brasil an der Rua Álvares Penteado, 112 – Zentrum) präsentieren 11 Künstler ihre Fussball-Cartoons über die „Seleção Brasileira“. Es sind dies die Karikaturisten Cárcamo, Chico Caruso, Dalcio, Fernandes, Gustavo Duarte, Henfil, Mauricio de Sousa, Miécio Caffé, Otavio, Paulo Caruso und Ziraldo.
Aus der Geschichte
In der Tageszeitung „Jornal do Brasil“ am 14. Dezember 1837 folgende Nachricht: „Die in Europa so hochgeschätzte Errungenschaft der Karikatur tritt heute in unserem Land erstmalig in Erscheinung und wird von der Öffentlichkeit gewiss jene Wertschätzung erfahren, die sie gewöhnlich den nützlichen, nötigen und angenehmen Dingen zu zollen bereit ist“. Dabei sei angemerkt, dass sich zu diesem Zeitpunkt neben dem „Jornal do Brasil“ auch andere Presseorgane bahnbrechend für die Karikatur einsetzten.
Durch die Möglichkeit des lithographischen Druckverfahrens und deren Vervielfältigung erlangte die Karikatur eine enorme Verbreitung. In kurzer Zeit erschienen Karikaturen in allen Ländern und überschwemmten das neunzehnte Jahrhundert mit einer wahren Flut satirischer Bilder. Die Erklärung der Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal lag noch nicht lange zurück, als die Karikatur Eingang in die Zeitungen und Zeitschriften des jungen Landes fand.
Durch die Verbreitung freiheitlichen Gedankenguts übernahm die neue Kunstgattung eine wichtige Rolle im Kampf für den sozialen Wandel. Einer der wichtigsten Vorreiter der Bildsatire war der aus Italien stammende Angelo Agostini. Er lebte 46 Jahre lang in Brasilien und wurde nicht müde, Regierung und Kirche zu attackieren und Vertreter der Monarchie und des Klerus in seinen Zeichnungen lächerlich zu machen. Mit seinen Karikaturen, die in Zeitschriften wie „Vida Fluminense“ und der von ihm selbst gegründeten „Revista Ilustrada“ erschienen, versuchte er, seinen Lesern die Werte von Demokratie und Freiheit nahezubringen. Die erste Tageszeitung, die seit 1890 regelmässig auf der Titelseite Karikaturen zur Schlagzeile des Tages veröffentlichte, war die von José do Patrocínio – die Tageszeitung „Cidade do Rio“. In Rio de Janeiro gehörten die Karikaturisten in der Regel der Bohémien-Szene an. Sie trafen sich in der Konditorei „Colombo“, im „Café Papagaio“ und an anderen von Künstlern der Zeit frequentierten Orten. An der Wende zum zwanzigsten Jahrhundert wurde die illustrierte Zeitschrift zum Nährboden, auf dem die brasilianischen Intellektuellen ihre Talente entwickeln konnten.
Aber auch in São Paulo sind Leben und Alltag von Karikaturisten kommentiert worden. Der erste illustre Vertreter der Sparte war Voltolino. Ihm folgte Belmonte, der eigentlich Benedito Bastos Barreto hiess, durch seine Figur „Juca Pato“ berühmt wurde und vielleicht in dieser Sparte die führende Künstlerpersönlichkeit in São Paulo war. In seiner Serie „Menschentypen auf den Strassen São Paulos“ charakterisierte Belmonte mit grossem Einfühlungsvermögen Vertreter verschiedener Ethnien und Einwanderergruppen, die sich in São Paulo niedergelassen hatten.
In den fünfziger Jahren schuf der Karikaturist Péricles den berühmten „Amigo da Onça“ (Freund des Jaguars). Dieser „Freund“ besass die Fähigkeit, jeden, dem er begegnete, in grösste Verlegenheit zu versetzen und dabei selbst immer zynisch und cool zu bleiben. Dieser Anti-Held wurde in Brasilien in den fünfziger Jahren ausserordentlich populär. Mit ihm hielt der schwarze Humor Einzug in die brasilianische Karikatur. In den sechziger Jahren veröffentlichte das Blatt „O Pasquim“ Arbeiten von Künstlern wie Millôr Fernandes und Jaguar. Häufig wurde jedoch die gesamte Auflage der Zeitung von der Zensur der Militärregierung aus dem Verkehr gezogen. Eine wichtige Rolle spielte zu dieser Zeit auch der Cartoonist Henfil, der eigentlich Henrique de Souza Filho hiess. Mit beissendem Humor schuf er die Gestalten „Fradinho“ und „Graúna“ mit denen er das Elend in den Dürregebieten des brasilianischen Nordostens anprangerte.
Heute sind vor allem vier Künstler zu nennen, die repräsentativ für die moderne Bildsatire stehen: Es sind die Brüder Chico und Paulo Caruso, deren Stärke die politische Karikatur ist, sowie die Cartoonisten Angeli und Laerte, die sich sowohl durch ihre Karikaturen als auch durch Comics einen Namen geschaffen haben. Alle vier haben in den siebziger Jahren zunächst für Gewerkschaftszeitungen gearbeitet und sind seit Mitte der achtziger Jahre, mit Ende der Militärdiktatur, an die Spitze der brasilianischen Karikatur gerückt.
Diese Künstler arbeiten nicht nur für die Tagespresse, in der sie ihre gesammelten Zeichnungen veröffentlichen, sondern versuchen auch, ihre Botschaften über die neuen Medien, wie Internet oder Digitales Kino, zu publizieren. Und diese Neuerungen lösen wiederum akademische Debatten über den Unterschied zwischen Karikatur, Animation und interaktivem Humor aus.
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