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In Trient, jener Stadt des Hl. Röm. Reichs, die am nächsten bei Italien lag, fand 1545-63 das 19. ökumen. Konzil statt, das auch Tridentinum genannt wird. Auf Druck von Ks. Karl V., der sich davon die religiöse Wiedervereinigung Deutschlands erhoffte, wurde das Konzil von Papst Paul III. einberufen. Päpstl. Legate leiteten die aus Bischöfen, Äbten grosser Klöster, Generaloberen religiöser Orden und Theologen bestehende Versammlung, der auch Vertreter der kath. Staaten beiwohnten. An der zweiten und dritten Sitzungsperiode nahmen prot. Gesandte teil, blieben aber nur kurze Zeit. Auf dem Konzil sollten die kath. Positionen gegenüber dem Protestantismus festgelegt, die notwendigen Kirchenreformen durchgeführt und, wenn möglich, der Widerstand gegen die Türkeninvasion organisiert werden.
Gegenstand der ersten Sitzungsperiode, die am 13.12.1545 begann, waren die Dekrete über die Hl. Schrift, die Überlieferung, die Erbsünde, die Sakramente und besonders jenes über die Rechtfertigung. Um dem starken Druck des Kaisers zu entkommen, wurde das Konzil am 11.3.1547 nach Bologna verlegt, aber am 14.9.1549 suspendiert. Zur zweiten Sitzungsperiode trat das Konzil unter dem Pontifikat von Julius III. am 1.5.1551 wieder in T. zusammen, um die Dekrete über die Eucharistie, die Busse und die Krankensalbung zu verfassen. Wegen des Kriegs Karls V. gegen Heinrich II. 1552-56 wurde die Versammlung am 28.4.1552 aufgelöst. Die dritte Sitzungsperiode, die am 18.1.1562 unter Pius IV. begann, galt dem Erlass der Dekrete über die Kommunion, das Messopfer, die Priesterweihe und die Heiligenverehrung; sie ging am 4.12.1563 zu Ende. Am 26.1.1564 bestätigte der Papst die Konzilsbeschlüsse.
Die Beteiligung der Schweiz war bescheiden: Der Bf. von Chur, Thomas Planta, und der Bf. von Konstanz, Christoph Metzler, nahmen an der zweiten Sitzungsperiode teil. 1560 bat Melchior Lussi, der Gesandte der sieben kath. Orte, Papst Pius IV., das Konzil erneut einzuberufen. Der Nuntius Giovanni Antonio Volpe verhandelte mit den sieben Orten über die Entsendung einer Delegation nach T. zur Wiedereröffnung an Ostern 1561. Uri, Schwyz, Unterwalden, Luzern und Zug stimmten diesem Vorschlag erst im Dez. 1561 zu, Freiburg und Solothurn noch später. Sie schickten Melchior Lussi als weltl. Vertreter und den Abt von Einsiedeln, Joachim Eichhorn, als kirchl. Gesandten der sieben Orte an die dritte Session, nachdem sich Thomas Planta entschuldigt hatte. Der Bf. von Konstanz, Kardinal Mark Sittich von Hohenems, der die Versammlung leiten sollte, war nicht auf der Höhe seiner Aufgabe und reiste ab. Der Bf. von Sitten liess sich vom Abt von Saint-Maurice, Johannes Miles, vertreten und der Bf. von Basel von seinem Koadjutor Georg Hohenwarter. Im März 1564 nahmen Lussi und Eichhorn im Namen ihrer Mandanten die Dekrete des Konzils an, aber die Obrigkeiten der kath. Orte zeigten sich bei deren Umsetzung zurückhaltend. Entscheidende Impulse erhielt die Katholische Reform in der Schweiz durch die Schaffung der Nuntiatur in Luzern 1579, die Massnahmen des Ebf. von Mailand und Protector Helvetiae, Karl Borromäus, das Engagement von Petrus Canisius, der die Dekrete in den deutschsprachigen Ländern verbreitete, sowie den Einsatz der Jesuiten und der Kapuziner. Die Reform brauchte Zeit - die Priesterseminare wurden erst im 18. Jh. geschaffen -, aber sie prägte die kath. Kirche bis zum 2. Vatikan. Konzil.
Literatur
– J.G. Mayer, Das Konzil von T. und die Gegenreformation in der Schweiz, 2 Bde., 1901-03
– R. Feller, Ritter Melchior Lussy von Unterwalden, seine Beziehungen zu Italien und sein Anteil an der Gegenreformation, 2 Bde., 1906-09
– H. Jedin, Gesch. des Konzils von T., 4 Bde., 1949-75
– Ökumen. Kirchengesch. der Schweiz, hg. von L. Vischer et al., 1994, 144 f., 150 f. (21998)
Autorin/Autor: Jean-Blaise Fellay / AHB