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Deception Island
Die Antarktis ist ein Kontinent, der dem Menschen keinen natürlichen Lebensraum bietet, weist bei der Benennung all seiner Küstenstriche, Inseln. Wasserstrassen, Gletscher etc. neben den Namen einer Vielzahl von gekrönten und ungekrönten Herrschern auch die wohl aller Forscher und Seefahrer auf die sich um die Erforschung dieses Kontinentes verdient gemacht haben. Selbst die Namen mancher ihrer Schiffe sind unvergessen.
Deception : Diese Insel gehört geografisch zu den Süd-Shetlands und liegt nahe der Livingstone-Insel in der Bransfield-Strasse. Man nimmt an dass der Holländer Gherritz bereits 1599 die Süd-Shetlands gesichtet hat, zugeschrieben wird die Entdeckung dieser Inselgruppe jedoch dem engl.Kapitän Smith mit seinem Schiff „Williams“ im Jahre 1819.
Aus der Form der Insel erkennen wir sehr deutlich dass es sich um das Randgebirge eines mächtigen Vulkans handelt. Der Innenkrater, nach Kapt.Foster benannt, hat einen Durchmesser von etwa 5 Meilen. Ob zur damaligen Zeit die Restaktivität dieses Vulkans erkennbar war, bzw. ob Foster diese erkannte, ist nicht bekannt. Wohl hat ein Segelschiffkapitän um 1842 berichtet, er habe im Süden der Insel Vulkanausbrüche an 13 Stellen beobachtet, niemand hat ihm das aber geglaubt. Erst heute weiss man, insbesondere durch die Eruptionen von 1970, dass es im Jahre 1842 tatsächlich sehr grosse vulkanische Ausbrüche gegeben hat. Man glaubt heute mit modernen wissenschaftlichen Methoden die vulkanische Tätigkeit bis zum Jahr 1400 zurückverfolgen zu können. Wie dem auch sei, eine nichterkennbare vulkanische Tätigkeit und die ideale Lage machten Port Foster zu einem sicheren Schutzhafen. Der über die Bransfield-Strasse erreichbare Binnensee konnte, wie schon gesagt, nur über eine schmale Durchfahrt erreicht werden. Allgemein nennt man diese Neptuns bellows – Neptuns Bauch. In anderen Seekarten findet man auch die Bezeichnung Hells Gates – Höllentor oder Dragons Mouth – Drachenmund.
Nach der Jahrhundertwende wurden die Süd-Shetlands zu einem Mittelpunkt des Walfanges und auch die Aktivitäten auf Deception Island nahmen zu. Die Argentinier unter Saborido unternahmen dort 1905, und im nahegelegenen Gerlach-Kanal, umfangreiche Forschungen und die Briten errichteten eine Walfangstation auf Deception. Im Jahre 1910 wurde ein britischer Statthalter eingesetzt. Dieser hatte während der antarktischen Sommermonate, also in der Walfangsaison von Oktober bis April, die Walfanggesetze zu überwachen. Dieser Beamte übernahm auch den Postdienst – ein Poststempel wurde von 1913-1931 eingesetzt.1912 errichtete eine norwegische Walfanggesellschaft, mit brit. Lizenz, auf Deception eine Küstenstation ein. Diese beststand bis zum Jahre 1931. Es wird in der Literatur berichtet, dass um 1920 bis zu 8 Walverarbeitungsschiffe in Port Foster lagen.
Selbst der 2.Weltkrieg hinterliess auf Deception Island seine Spuren. So zerstörte die britische Marine im Jahre 1941 ihre Tankanlagen auf der Insel durch den Kreuzer „Queen of Bermuda“ um einen Missbrauch durch feindliche Schiffe zu verhindern. Auf Hoheitsansprüche die von verschiedenen Ländern an Gebieten der Antarktis gestellt werden soll hier nur insoweit eingegangen werden als diese Deception Island betreffen. Hier überschneiden sich die Gebietsforderungen dreier Länder. Sowohl Grossbritannien als auch Argentinien und Chile rechnen diese Insel als zu ihrem Territorium gehörig. Diese Forderungen wurden nicht nur durch formelle Erlasse und Dekrete, sondern auch durch eine möglichst sichtbare Präsens erhoben. An einigen Beispielen sei dies verdeutlicht. So annektierte die argentinische Expedition “Primo de Mayo“ unter Kapt.Oddero 1942 alle Gebiete südl.6O°S bis zum Pol und zwischen den Meridianen 25°W und 68°34’W und kennzeichnete diese Besitzergreifung durch das Aufstellen von Broncetafeln mt entsprechendem Hinweis.. So auch auf Deception Island. Durch ein brit. Marinekommando (Kreuzer „Carnarvon Castle“ unter Kapt. Kitson) wurden die Tafeln wieder entfernt und dafür die britische Flagge gehisst. Einige der Tafeln wurden später durch die brit. Botschaft in Buenos Aires der argentinischen Regierung wieder zurückgegeben. Im gleichen Jahr noch wurden die brit.Flaggen durch eine argent.Expedition unter Kapt.Harriague, Schiff „Primo de Mayo“, wieder entfernt und durch die Flaggen Argentiniens ersetzt. Eine neue Epoche beginnt mt der Errichtung wissenschaftlich tätiger Stationen durch Grossbritannien (1944), Argentinien (1948) u.Cbile (1955) auf Deception Island.
Die britische „Operation Tabarin“ unter Lt.-Com.J.W.S.Marr mit den Schiffen „William Scoresby“ und „Fitzroy“ errichtete, nicht ohne vorher die argentinischen Hoheitszeichen wieder einmal entfernt zu haben, in der Zeit vom 3.-6.2.1944 eine metereologische Station. Sie erhielt den Namen Base B Deception Island
Lage: Port Foster, Whalers Bay 62° 59′ S, 60° 34′ W
Am 8.9.1946 wurde diese Station durch Feuer vernichtet. Ein Wiederaufbau erfolgte im Jahre 1947 durch die „Trepassey“.
Ein argentinischer Schiffsverband errichtete im Jan.1948 eine aus 5 Gebäuden bestehende Station. Als Tag der Eröffnung wird nach argent. Angaben der 25.1.48 angegeben. Diese, dem Marineministerium unterstehende Station erhielt den Namen Destacamento Naval Decepcion
Lage: Port Foster, Fumarole Bay
Es war nach „Orcadas de Sud“ (1904) und „Dest.Naval Melchior“ (1947) die dritte Station die Argentinien in der Antarktis als ständige Basis unterhielt.
Die chilenischen Aktivitäten waren bisher nicht so in den Vordergrund getreten. Wohl hatten auch sie, z.B. unter Guezalaga im Jahre 1947 umfangreiche Forschungen auf Deception vorgenommen und 1952/53 auch bereits eine Schutzhütte errichtet, zum Bau einer festen Basis kam es jedoch erst im Jahre 1955. Unter Com.J.G.Boffil mit den Schiffen „Maipo“, „Leucoton“, „Lientur“ u.“Iquique“ wurde die vierte reguläre’Station Chiles in der Antarktis unter dem Namen Presidente Pedro Aguirre Cerda
Lage: Port Foster, Pendulum Cove am 18.2.1955 eröffnet. 1957/58 wurde die Station durch einen Flugplatz für Marineflugzeuge und eine Radiostation erweitert. Soweit kurz zur Lage und Inbetriebnahme der drei Stationen. Über die Bedeutung von Deception für den Flugverkehr zu den verschiedenen Basen und als Verbindung nach Feuerland soll nicht näher eingegangen werden.
Bevor wir uns den weiteren Geschehnissen zuwenden, nochmals ein Blick auf diese hufeisenförmige Insel. Sie hat eine Ausdehnung von 14 km in Nord-8üd-Richtung und eine solche von 13 .km in Ost-West-Richtung. Sie besteht aus schwarzem und rötlichem Felsgestein vulkanischen Ursprungs und ist teilweise mit einer permanenten Eisschicht bedeckt. Der höchste Punkt der Insel ist der Mt.Pond mit einer Höhe von 1890 Fuss = 576 m. (Von der amerik. National Geographie Society wird die Höhe mit 1778 Fuss = 542 m angegeben): Die Durchschnittstemperaturen liegen bei -2,8°C. Eine geringe Vegetation ist in den Gebieten zu verzeichnen in denen die drei Basen errichtet sind, vorwiegend im Bereich der Whalers- und der Fumarole Bay.
Nach 1-monatiger beobachteter zunehmender seismischer Aktivitäten, kam es am 4.12.67, 18,45 h Ortszeit, zu Vulkanausbrüchen. Der Schwerpunkt lag in der Telefon Bay. Das Personal der chilenischen Station rettete sich zur britischen Station in der Whalers Bay. Insgesamt 42 Personen warteten dort auf Hilfe und Evakuierung. Als erstes Schiff war der chilenische Eisbrecher „Piloto Pardo“ zur Stelle, der argentinische Frachter „Bahia Aguirre“ kam kurz danach. Das Personal der brit.u.chil.Station wurde von den Hubschraubern der „Piloto Pardo“ bis zum 5.12.67 zu diesem evakuiert, das brit. Personal dann am gleichen Nachmittag noch von der brit.“Shackleton“ übernommen. Die heftigen Ausbrüche dauerten bis zum 7.12.67. Zwischen dem 15. u. 17.12.67 besuchten Mitglieder der British Antarctic Survey von der RRS „John Biscoe“ die Insel zu einer ersten Bestandsaufnahme. Sie entdeckten, dass sich in der Telefon Bay eine neue Insel von fast 1 km Länge gebildet hatte mit 3 Hauptkratern mit einem Durchmesser bis zu 220 m. Ausserdem hatte sich auf der Landseite in Richtung Pendulum Cove ein neuer Krater mit einem Durchmesser von ca. 180 m gebildet.
Die chilenische Station war vollständig zerstört, ebenso die der chil. Luftwaffe zugeordnete Hütte „Gutierrez Vargas“ auf 62°57’S-60°36’W. Die anderen Stationen waren geringfügig beschädigt und teils mit einer Ascheschicht bedeckt.
Eine Wiederbesetzung der argentinischen und britischen Station erfolgte in der Saison 1968/69. Von den Angehörigen beider Stationen wurden bereits im November 1968 abermals ‚leichte Erderschütterungen festgestellt. Diese verstärkten sich insbesondere in der Zeit vom 15.-21.2.69 und am 21.2.1969, 9,50h, kam es zu einem weiteren schweren Ausbruch. Das Zentrum lag diesmal in unmittelbarer Nähe des Pendulum Cove, also nahe der bereits zerstörten chil.Station. Hagel, Schneefall und schwere Gewitter begleiteten diesen Ausbruch. Die 5 Mitglieder der brit.Station wurden, wie bereits 1967, von chil.Hubschraubern der „Piloto Pardo“ evakuiert. Der US-Eisbrecher „Edisto“ und die brit.“Shackleton“ lagen während des Ausbruchs nahe der Insel und übernahmen den Warndienst und photografierten die Eruptionen. Im März 1969 wurde durch Wissenschaftler dann festgestellt dass neben der chil.Station auch die brit.Basis schwer beschädigt war. Eines der beiden Hauptgebäude war vollständig vernichtet, das zweite Gebäude, ein neuartiger Glasfiber-Bau, blieb, wenn auch leicht beschädigt, erhalten. Die argent.Station war mit einer Ascheschicht bedeckt. Es ist kaum zu glauben, aber die nach dem Ausbruch 1969 noch weitgehendst intakte Glasfiber-Hütte wurde in den Jahren 1984 oder 1985 gestohlen! Im August 1970 kam es zu einem weiteren Ausbruch. Der Schwerpunkt lag wieder in der Telefon Bay. Zur Zeit dieses Ausbruches waren keine Wissenschaftler oder sonst. Personal auf der Insel.
Es existieren heute auf Deception Island keine ganzjährig besetzten Stationen mehr. Chile hat, von einigen kleineren Field-Party’s abgesehen, seine Tätigkeit auf der Insel ganz eingestellt. Die Argentinier hatten nach 1967 noch einige Jahre Personal auf ihrer Station, und zwar in der antarkt.Sommerzeit in den Jahren 1968/69-1974/75 und 1979/80-81. Die Station dient heute als Schutzhütte (refugio) für 30 Personen und ist mit Lebensmittrel und Brennstoffvorräten ausgerüstet. Nach offiz.argent.Angaben erfolgte die letzte Inspektion 1983. Die Briten beabsichtigen nicht ihre Station wieder aufzubauen und zu besetzen da man auch in Zukunft mit Ausbrüchen rechnet. Wenn eben möglich, wird man jedoch auch in Zukunft während der Sommerzeit wissenschaftliche Untersuchungen durchführen.