Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03114.jsonl.gz/2761

Zu Beginn des Jahres 1908 wartete der junge
Igor Strawinski, Absolvent des Petersburger
Musikkonservatoriums, noch auf seinen Durchbruch.
Seine Sinfonie Nr. 1 war weitgehend
freundlich aufgenommen worden, ansonsten
hatte er v.a. Klavierstücke und Lieder geschrieben.
Nun stand die Hochzeit zweier Freunde
bevor: Maximilian Steinbergs, eines Studienkollegen,
und Nadeschdas, der Tochter von
Strawinskys Lehrer Rimsky-Korsakow. Für sie
komponierte er ein kurzes Orchesterstück:
«Feu d’artifice».
Dem privaten Anlass entsprechend steht das
Werk noch deutlich in der Tradition Rimsky-
Korsakows: strahlend, farbenreich, brillant
instrumentiert. Die wirbelnden Drehfiguren,
auf- und abschiessenden Skalen der beiden Rahmenteile ergeben ein musikalisches Feuerwerk,
das wie sein reales Vorbild in atemberaubender
Schnelligkeit vorüberzieht. Eine
Atempause bietet allein der zentrale Lento-
Abschnitt mit seinen flirrenden, schillernden
Klangflächen. Keine vier Minuten dauert dieses
orchestrale Glanzstück.
Rimsky-Korsakow, der nur wenige Tage nach
der Hochzeit starb, konnte «Feu d’artifice» nicht
mehr hören. Wohl aber Sergej Dhiagilew, der
Leiter der Ballets Russes in Paris. Vom Talent
des jungen Mannes überzeugt, beauftragte er
Strawinski 1909 mit der Komposition einer
abendfüllenden Ballettmusik, die nicht zufällig
ebenfalls den Begriff des Feuers im Titel trägt.
Mit dem «Feuervogel» gelang Strawinsky nicht
nur der Schritt zur künstlerischen Meisterschaft,
sondern auch derjenige ins Herz der europäischen
Musikavantgarde,
nach Paris.