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Christine Appenzeller
Für kurze Zeit weilt Frau Appenzeller wieder einmal in ihrer alten Heimat, in Uitikon, besucht ihre Mutter, Verwandte, Freunde und Bekannte. Sie gehört zu jenen Personen, bei denen ich den Schalter auf «on» umlegen kann, und schon sprudelt es mit einer Intensität los, dass ich kaum zum Notieren komme.
Christine Appenzeller ist in Uitikon aufgewachsen und zur Schule gegangen. Im Anschluss hat sie die «Töchti» in Wiedikon besucht und eine Ausbildung zur Primarlehrerin abgeschlossen.
Bevor sie eine Stelle in der Schweiz antreten wollte, suchte sie eine Aufgabe im Bereich von sozialer Arbeit in einem Drittweltland. 1987 reiste Frau Appenzeller nach Peru und arbeitete während 1½ Jahren in einem Kinderhort von Terre des Hommes in einem Armenviertel von Lima. Bei dieser Arbeit lernte sie auch die andere Kultur und Lebensweise kennen. Vor ihrer Rückreise in die Schweiz luden sie peruanische Freunde nach Cusco ein. "Damit du nicht nur die Armut und die Slums von Lima, sondern auch die Schönheit und die Kultur unseres Landes kennen lernst." Dort lernte sie eine engagierte Frauengruppe kennen, die sie bat, ihnen zu helfen, in ihrem Armenquartier einen Kinderhort aufzubauen.
Da wurde Frau Appenzeller bewusst, dass ihre Bestimmung nicht im schweizerischen Schuldienst liegt und sie reiste nur zurück in die Schweiz, um die Mittel zu beschaffen, um den Traum der Frauen von Cusco, der inzwischen auch zu ihrem eigenen geworden war, zu verwirklichen. Bereits nach 4 Monaten begann sie, zusammen mit ihren Eltern und Freunden, Geld für ein Schul-Projekt in Peru zu sammeln. 23-jährig, mit dem ersten Geld aus diesen Sammlungen in der Tasche, gründete Frau Appenzeller in Cusco ihren ersten Kindergarten.
Natürlich blieb es nicht beim Kindergarten, die Eltern wünschten für ihre Kinder, nach einem guten Kindergarten, auch eine ebenso gute, weiterführende Schule. Aus anfänglich 5 Personen und sehr bescheidenen Räumlichkeiten wuchs im Laufe der vergangenen 30 Jahre die allseits anerkannte Schule Pukllasunchis heran. Heute unterrichten ca. 50 Lehrerinnen und Lehrer 760 Schülerinnen und Schüler im Alter von 4 bis 16 Jahren. Von Beginn weg konnte dieses Schulprojekt in Peru auf die Unterstützung der Üdiker Bevölkerung zählen.
Während die Schule zu Beginn von der Regierung eher ignoriert oder mit Argwohn wahrgenommen wurde, fliessen heute die Erfahrungen aus diesem Projekt auch ins staatliche Schulsystem ein, vor allem in Bezug auf Organisation, Lehrerausbildung sowie die pädagogisch, didaktischen Hilfsmittel. Daneben erhält die Schule regelmässig Sendezeit auf diversen Lokalradios und erreicht damit via Transistorradios die entlegensten Winkel des Landes.
Im Rahmen eines Anlasses des Instituto de Democracia y Derechos Humanos der Universidad Católica del Perú ist Pukllasunchis am 9. September 2013 für seinen langjährigen Einsatz zugunsten einer interkulturellen, integrativen und ökologischen Bildung ausgezeichnet worden
Detaillierte Informationen unter: www.puklla.ch
Wer sich selbst ein Bild vor Ort über das Projekt Punkllasunchis machten möchte, ist selbstverständlich gerne zu einem Besuch willkommen – allerdings gegen Voranmeldung - damit sich Frau Appenzeller auch genügend Zeit nehmen kann.
Zusammen mit Frau Appenzeller freuen wir uns auf das grosse Fest im Üdikerhuus vom 19. September 2015 anlässlich des 35-jährigen Jubiläums der Schule Punkllasunchis.
Die Kernaufgaben von Frau Appenzeller sind heute einerseits die Leitung der Schule und andererseits das Betreiben von Fundraising. Zu 40% deckt die Schule ihren Finanzbedarf durch Eigeneinnahmen, der Rest wird immer noch über Spenden, hauptsächlich aus der Schweiz und dem übrigen Europa aufgebracht.
Trotz grossem Einsatz für das Projekt Pukllasunchis nimmt sich Frau Appenzeller auch Zeit für ihre eigenen Bedürfnisse. So hält sie sich ihren Gemüsegarten, denn trotz 3400 m.ü.M. herrscht hier ein sehr «wächsiges» Klima. Daneben sind die Berge der Cordillera Blanca ein lohnendes Trekking- und Wandergebiet, welches Frau Appenzeller oft mit Besuchern aus Europa durchstreift. Aber auch der Schamanismus und die meditativen Traditionen der indigenen Bevölkerung sind ein sehr interessantes Gebiet, zu welchem Frau Appenzeller im Laufe der Jahre immer mehr Zugang gefunden hat. Ganz allgemein entwickelte Frau Appenzeller über all die Jahre eine grosse Hochachtung für die Lebensart, die Lebensweisheiten und die bedeutenden Kulturschätze dieses phantastischen Landes.