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Mohammed Nasheed ist eine eindrückliche Person. Ich erinnere mich gut, wie er im Dezember 2009 am Klimagipfel in Kopenhagen wie eine Bienenkönigin die Journalisten, Kameraleute und Fotografen um sich scharte, wo immer er auftauchte. Der kleingewachsene, zierliche Mann ist eine eher unscheinbare Erscheinung. Doch er strahlt Charisma aus – und als Präsident der vom Klimawandel bedrohten Malediven war er damals ein gefragter Staatsmann.
Und Nasheed, der wegen seiner jahrelangen demokratischen Opposition auch “Mandela der Malediven” genannt wird, weiss, wie er auf seine Anliegen aufmerksam machen kann. Er führte zum Beispiel höchst medienwirksam eine Kabinettsitzung unter Wasser durch und wies so auf die Gefahr hin, die den Malediven durch den Anstieg des Meeresspiegels droht. Inzwischen ist Nasheed nicht mehr Präsident. Anfang Jahr trat der erste demokratisch gewählte Präsident der Malediven nach einem Putsch zurück. Zurzeit befindet sich Nasheed auf einer Werbetour für einen Dokumentarfilm, der über ihn gedreht wurde: The Island President.
Nasheed machte in den USA kürzlich Halt in “The Daily Show”. In der Satire-Sendung von Jon Stewart gab er ein bemerkenswertes Interview, nicht nur über seinen Status als weggeputschter Präsident, sondern auch über die Klimapolitik – was nicht unbedingt ein Thema ist, über das in Late-Night-Shows seriös und dennoch witzig gesprochen wird.
Nasheed erzählte, dass die Bevölkerung von 16 Inseln des maledivischen Archipels ihren Lebensort bald verlassen müssten. Die Inseln versänken im Meer. Doch nicht nur die Malediven seien von diesem Problem betroffen. Mehr als ein Viertel der Weltbevölkerung lebe in Küstenregionen, inklusive die Bewohner Manhattans, wo die “Daily Show” aufgezeichnet wird.
Trotz den besorgniserregenden Entwicklungen in den Malediven präsentierte sich Nasheed mit gewinnendem Charme als ein klimapolitischer Optimist. Den Klimagipfel in Kopenhagen, den viele als gescheitert betrachten, bezeichnet er als einen Sieg, da sich die grossen Emittenten (USA, China, Indien, Brasilien) zum ersten Mal dazu durchgerungen hätten, ihre Treibhausgasemissionen zu begrenzen.
Und zu den Entwicklungsländern meinte er: Nur weil die USA und andere Industriestaaten die Atmosphäre während der vergangenen 300 Jahre vergiftet hätten, bedeute dies nicht, dass der Rest der Welt dies ebenfalls tun müsse. Es seien genügend grüne Technologien vorhanden, um industrielle Fortschritte zu machen, ohne die Umwelt zu stark zu belasten. Er hoffe, dass die Welt beginnen würde, dies zu begreifen: “Man soll doch einfach keinen Unsinn reden”, fügte Mohammed Nasheed hinzu.