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Wir stehen vor der vierten industriellen Revolution. Der technologische Wandel scheint beängstigend: Selbstfahrende Autos, intelligente Maschinen und überall Roboter. Manche Leute glauben, dass dies das Ende der globalen Inflation bedeuten könnte. Die neuen Technologien steigern die Effizienz enorm und senken die Kosten signifikant.
Diese Vorstellung ist falsch. Sie verwechselt den Preis eines einzelnen Guts mit den Preisen eines ganzen Warenkorbs. Ändert sich der Preis eines Guts, signalisiert dies Veränderungen am Markt für genau dieses Gut – etwa, weil dieses Gut technologiebedingt günstiger hergestellt werden kann. Preisschwankungen bei einem einzelnen Gut sollten den Notenbanken aber keine Sorgen bereiten.
Ändern sich hingegen die Preise mehrerer Güter, so deutet das auf Veränderungen in der gesamten Wirtschaft hin – also auf eine Inflation oder Deflation. Solche Entwicklungen spielen für Notenbanken durchaus eine Rolle.
Entscheidend ist die Reaktion der Konsumenten
Folgt auf den technologischen Wandel zwingend Deflation? Drei Gründe sprechen dagegen.
Der erste Grund ist in der Vergangenheit zu finden. Der technologische Fortschritt früherer industrieller Revolutionen war von hoher Inflation und teils Hyperinflation begleitet. Die erste industrielle Revolution (Ende 1700 und Anfang 1800), die von Grossbritannien ausging, war geprägt von hoher Inflation. Frankreich litt unter einer Hyperinflation. Während der zweiten industriellen Revolution (Ende 1800 und Anfang 1900) wütete die Hyperinflation in Nordamerika, Frankreich (erneut) und anderen Ländern Europas. Die dritte industrielle Revolution (1970er Jahre) war geprägt von Hyperinflation in Südamerika und nahezu Hyperinflation in Grossbritannien sowie Japan. Die Vergangenheit bestätigt also, dass der technologische Fortschritt nicht unbedingt zu Deflation führt.
Der Unterschied zwischen relativen und allgemeinen Preisveränderungen ist der zweite Grund. Technologien können die relativen Preise einiger Güter und Dienstleistungen senken. Dies sagt jedoch nichts darüber aus, was mit dem Preis von anderen Gütern und Dienstleistungen geschieht. Angesichts der alternden Bevölkerung in vielen Ländern Asiens und Europas stellt sich die Frage, wo die Prioritäten bei den zukünftigen Konsumausgaben liegen: Beim neusten Smartphone oder bei der Gesundheitsversorgung? Sinkende Preise für Smartphones sagen nichts aus über die Preisentwicklung im Gesundheitswesen. Das Gehalt einer Pflegefachperson ist für die zukünftige Inflation wohl relevanter als der Preis für das neuste Smartphone, auch wenn dessen Gehäuse noch so mattschwarz ist.
Dass sich die Nachfragemuster ändern, was sich wiederum auf den Preis auswirkt, bildet schliesslich den dritten Grund. Wenn Technologien manche Güter und Dienstleistungen verbilligen, lautet die relevante ökonomische Frage: Was geschieht mit dem nun höheren real verfügbaren Einkommen? Geben die Konsumenten weniger für ein Smartphone aus, haben sie mehr Geld für andere Dinge in der Tasche. Steigt die Nachfrage nach anderen Gütern, wie entwickelt sich dann deren Preis?
Sinkende Preise haben immer einen Gegeneffekt
Dazu ein Beispiel, das einen unerwarteten Effekt verdeutlicht: die weltwirtschaftliche Rolle von China. Dessen steigender Beitrag zur Weltwirtschaft bewirkte nämlich unter dem Strich einen Inflationsanstieg. Zwar kamen in den letzten Jahren viele günstige Produkte aus China, worauf deren Preis weltweit sank (analog zum Mechanismus beim technologischen Fortschritt). Gleichzeitig stieg aber die Nachfrage nach Rohstoffen und damit auch deren globaler Preis. Im Endeffekt führte die chinesische Aktivität so zu einer höheren globalen Inflation.
Wenn technischer Fortschritt zu Effizienzgewinnen in der Produktion mancher Güter führt, senkt dies den relativen Preis dieser Güter gegenüber weniger technologieintensiven Gütern. Über das allgemeine Preisniveau in der Wirtschaft sagt dies alleine noch nichts aus. Eine industrielle Revolution wie wir sie zurzeit durchlaufen kann somit zu steigender oder zu fallender Inflation führen – auch eine Hyperinflation ist möglich. Das iPhone 7 alleine taugt also nicht als Pulsmesser für die künftige Inflationsentwicklung.