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2011 Syed Sahab Memorial School
Als die Zeit kam, dass unser Sohn in die Schule gehen sollte, kam ich in eine grosse Not. In welche Schule sollten wir ihn senden? Bei meinen täglichen Gängen in unseren Gemüsegarten sah und hörte ich, wie die Kinder in den Regierungsschulen geschlagen wurden. Auch in der kleinen Privatschule, die etwas ausserhalb des Dorfes lag, schien es nicht viel anders zu sein. Zudem sagte man, dass die Kinder in diesen Schulen nicht viel lernten. Das schienen die Begegnungen mit den Kindern zu bestätigen, denen zwar alle Fächer auf Englisch unterrichtet werden, die aber dennoch keinen eigenen Satz bilden, geschweige denn ein Gespräch auf Englisch führen konnten. Auch wollte ich mein damals 4jähriges Kind gut aufgehoben wissen, mit jemandem, der es auch auf die Toilette begleitet oder dafür sorgt, dass es seinen Lunch bekommt und genug Wasser trinkt. Gut ausgebildete Kashmiri aus der Stadt legten mir nahe, aus unserem Dorf wegzuziehen, wenn ich die Schullaufbahn und Zukunft unseres Kindes nicht gefährden wolle. Gut meinende Freunde meinten sogar, ich solle wegen der Zukunft unseres Kindes zurück in die Schweiz gehen. Diese Ideen waren zwar verlockend, doch was sollte mit den andern Kindern der Grossfamilie, den gleichaltrigen Cousins, die auch ihre Chance im Leben wollten, geschehen?Wir hatten nicht das Geld, alle auf teure Privatschulen zu schicken. Für das Geld, das wir für unseren Sohn ausgeben könnten, so überlegten wir, könnten auch noch andere Kinder des Dorfes profitieren, wenn wir dafür qualifizierte und engagierte LehrerInnen anstellen würden. Wir prüften Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit bestehenden Schulen. Nach verschiedenen Versuchen und Anläufen entschieden wir uns schliesslich, bei der Regierung ein Gesuch um Anerkennung eines eigenen Schulprojektes zu stellen. Diese Anerkennung haben wir im Oktober 2012 für Vorkindergarten, Kindergarten und bis zur 4. Klasse für ein Jahr erhalten. Im Oktober 2013 wurde uns die Bewilligung verlängert und auf die ganze Primarstufe (bis zur 5. Klasse) erweitert. Damit haben wir uns und vielen andern Eltern, die in einem ähnlichen Dilemma stehen wie wir, einen Traum erfüllt: Eine kleine, familiäre, aber dennoch qualitativ gute Schule direkt vor der Haustüre in einem abgelegenen Dorf, in dem die meisten Eltern Analphabeten sind. Eine Schule, in der nicht nur schulisches Wissen vermittelt wird, sondern auch ethische Werte, Selbstverantwortung und eigenständiges Denken und Handeln gelebt und erfahren werden sollen. Eines unserer grössten Anliegen ist es, den Kindern so viel Englisch zu vermitteln, dass sie den Schulstoff in ihren englischen Schulbüchern verstehen können und nicht einfach alles auswendig lernen müssen, ohne es zu verstehen oder in eigenen Worten wieder geben zu können. Das heisst für uns, dass wir auch die LehrerInnen entsprechend weiterbilden und mit Hilfe von Fachkräften aus Kashmir und der Schweiz auf moderne Lehrmethoden aufmerksam machen.
Unser eigenes Schulprojekt starteten wir 2012 mit nur 5 Kindern. Im Laufe des Schuljahrs 2012/13 haben wir 28 Kinder aufgenommen. Für das neue Schuljahr, das im November beginnt, erwarten wir wiederum einige Neuaufnahmen, nicht nur für Vorkindergarten und Kindergarten. Es hat sich herum gesprochen, dass die LehrerInnen in unserer Schule nicht schlagen, sondern im Gegenteil sehr freundlich und herzlich zu den Kindern sind. Disziplin wird über Lob und Anerkennung und manchmal einem forschen Wort erreicht. Die liebevolle Atmosphäre, in der auch Kinder gedeihen, die in schwierigen Umständen leben und schlechte Schulerfahrung haben, trägt Früchte. Ein Kind wurde zu uns gebracht, das in der Schule als disziplinarische Strafe an den Füssen aufgehängt und geschlagen wurde. Solche und andere Erfahrungen haben verschiedene Kinder dazugebracht, sich bei ihren Eltern vehement dafür einzusetzen, in unsere Schule versetzt zu werden.
Verhaltensauffälligkeiten oder Lernschwierigkeiten sind bei den Kindern hier als Folge der jahrelangen Gewaltsituation, die kaum ein Kashmiri nicht nur psychisch, sondern auch psychisch unberührt lässt, an der Tagesordnung. Nicht nur die psychische Situation der Eltern und Verwandten, auch die ökonomische Situation führt immer wieder zu Konflikten in den Familien, deren Leidtragende meist Frauen und Kinder sind.
Die familiäre Struktur unserer Schule, die kleinen Klassen, eine gute Anzahl gut qualifizierter LehrerInnen, individuelle Aufmerksamkeit und eine grosse Flexibilität gegenüber den Bedürfnissen und Nöten der Kinder, bieten diesen ein Umfeld, in dem sie sich gut aufgehoben fühlen und entfalten können. Nebst dem normalen Schulunterricht bieten wir in den zwei bis drei Monaten dauernden Winterferien für alle Schulkinder des Dorfes und der Umgebung ein Winterprogramm an, in dem Schulstoff vertieft wird, Winterhausaufgaben mit Unterstützung gelöst werden und die kalte Zeit mit pädagogisch wertvollen Spielen verbracht werden können.
Gemäss den Anforderungen der Regierung haben wir in der Zwischenzeit eine Person für die Reinigung, eine Hilfslehrerin, fünf Lehrerinnen und einen Lehrer sowie einen Schulbusfahrer für die Kinder der umliegenden Weiler und die Lehrerinnen aus der Stadt (das Dorf ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln von der Stadt her am Morgen nicht rechtzeitig und nur mit einem grossen Umweg zu erreichen) angestellt. Die monatlichen Lohnkosten belaufen sich z.Zt. auf etwa SFr. 700.- pro Monat. Mit diesen Anstellungen leisten wir betreffend die besonders auch unter qualifizierten jungen Menschen weit verbreitete Arbeitslosigkeit lokal einen wichtigen Beitrag.
In einem Dorf, wo die meisten Familienväter als Taglöhner im Kunsthandwerkbereich oder in der Landwirtschaft arbeiten und die Mütter für die vielfältigen Aufgaben in Haus und Hof, im Garten und auf dem Feld zuständig sind, ist es wichtig, die Familie nicht mit unrealistischen Ausgaben für eine gute Schulbildung zu belasten. Nebst unserem eigenen, privaten Sponsoring – sowohl von unserer Familie in Kashmir unentgeltlich zur Verfügung gestelltes Land und viele Stunden Fronarbeit als auch einen Teil meiner Einkünfte aus zwischenzeitlicher Erwerbstätigkeit in der Schweiz, Verkauf von kashmirischem Kunsthandwerk, dem Erlös aus meinem Buch über mein Leben in Kashmir etc. gehen zu Gunsten unserer Schule – sind wir dankbar um die Unterstützung von Freunden für Kashmir, die mit ihren regelmässigen oder einmaligen Beiträgen mithelfen, dass dieses Projekt in Zukunft noch mehr Kindern das Tor zu einer neuen Welt öffnet: Unserem Slogan „Port of happyness“ gemäss, der Welt des Glücklichseins.
In diesem Sinne danken wir Allen für ihre wertvolle Unterstützung, materieller als auch immaterieller Art.
Christine Zamrooda Hüttinger Khuroo
Dagpora
2007 Health Center
Seit 2007 unterstützt der Verein ein zweites grosses Projekt. In Dagpora wird an einem Health-Center gebaut. Das Ziel ist hier, in einem ersten Schritt die Gesundheitsfürsorge und die einfache ärztliche Versorgung für die Bevölkerung zu verbessern. Seit einiger Zeit bestehen Kontakte zu Institutionen des lokalen Gesundheitswesens und eine positive Zusammenarbeit zum Nutzen der Landbevölkerung rund um Dagpora entwickelt sich.
2004 Gebetsraum für Frauen
In den Jahren 2004 – 2007 konnte mit finanzieller Unterstützung des Vereins Freunde für Kashmir die bestehende Moschee in Dagpora um eine Etage aufgestockt werden. So wurde Platz geschaffen für einen Frauenraum sowie ein kleineres Unterrichtszimmer. Die feierliche Einweihung fand im Mai 2007 in Anwesenheit von zwei Frauen aus dem Verein statt.