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Nachruf auf Erwin Caflisch
Erwin wuchs in Chur mit drei jüngeren Geschwistern auf. Seine Jugend wurde früh durch den Tod des Vaters geprägt. Nach der Lehrzeit als Elektromonteur absolvierte er die Meisterschule. So konnte er mit seinem Bruder René das Geschäft des Vaters weiterführen. Diesen Beruf übte er mit sehr viel Eifer aus.
Schon früh lernte er seine Frau Margrit kennen. In jugendlichen Jahren besuchte er sie fleissig in Genf als Sie ein Jahr dort arbeitete. Gemeinsam folgte ein kurzer Aufenthalt in Arosa wo beide Arbeit fanden. Sie heiraten in der Kirche in Ems, wo sie später eine Familie mit 2 Kindern gründeten.
In der Jugend war Erwin ein begeisterter Langläufer. Dort lernte er Margrit kennen. Durch den Langlauf kam er zum OL Sport. Am Anfang waren es OL für Alle, regionale und später nationale Läufe und Meisterschaften. Es stand nicht immer das Resultat im Vordergrund. Auch Humor und Spass waren ihm wichtig. An eine Mannschafts-meistschaft erinnere ich mich. Wir waren die ersten am Start, kamen spät ins Ziel. Unterwegs fand Erwin eine grosse Kartoffel. Er nahm diese mit. Auf dem Heimweg, in einem Selbstbedienungsrestaurant, hat er die Kartoffel dem Personal übergeben, er wünsche daraus Pommes Frites. Wir wurden letzte, aber so einen humorvollen Lauf hatten die wenigsten. Wir hätten dafür sicher den ersten Platz gewonnen. Wir haben auch Kindern gezeigt, wo der Posten ist. Speziell gerne lief er den Karrimor mit seinem Bruder und später mit seiner Frau. An einen mag ich mich speziell erinnern. Er hat sich ein leichtes billiges Zelt gekauft. Leider begann es kaum standen die Zelte zu regnen. Seine 100er Note war undicht. Das war ein Gelächter! Er und Margrit bekamen aber Unterschlupf in fremden Zelten bis das Gewitter vorbei war.
Die langen Strecken reizten ihn. Mit 45 Jahren suchte er eine spezielle Herausforderung, etwas, dass nicht jeder gemacht habe. So entschloss er sich am New York Marathon teilzunehmen. Später folgten viele Lauftrainings mit Kollegen und Kolleginnen und Marathons in Hamburg, Berlin, Stockholm, Köln, Paris, Winterthur, Lausanne, Wien und andere. Dabei war auch der 100 km Lauf in Biel. Alle absolvierte er mit Erfolg und viel Freude. An einem Marathon in Wien hat er eine Begleitung eingeführt in den Halbmarathon und lief ihn auch mit. Am Schluss lief er den Marathon fertig. Das Besondere war, für die Anreise nach Wien hat er ein „Visum“ für seine Begleitung eingeholt beim Regierungsrat Mario Cavigelli. Dieser bestätigte, dass sie den Kanton Graubünden verlassen durfte. Seine Vorbereitung in Wien war selbstverständlich der Prater: je verrückter die Bahn desto besser.
An einen Jungfrau Marathon erinnere ich mich besonders. Er wollte Spaghetti zum Morgenessen vor dem Marathon probieren, das Hotel kochte aber keine. So packte er kurzerhand den Kocher aus und kochte am Morgen früh vor dem Haus selber. Manchen Marathon lief er mit andern mit als Betreuer. Nicht immer lief er um die Zeit und den Rang. So lief er bei einem Rothorn Marathon Teilstrecken einfach mit, zur Unterhaltung von verschiedenen Läufern. So wurden die Strecken sehr kurzweilig für viele.
Mit der Familie und alleine machte er viele Wanderungen oder Trekkings wie man heute sagt. Der Familie wird sicher die Querung der Hardangervidda in guter Erinnerung bleiben. Das ist ein Gebiet so gross wie der Kanton Graubünden mit sehr viel Natur, die er zu geniessen wusste. Seine Planung war sehr genau mit Höhenmetern und Länge und die Esswaren waren genau abgezählt. Er hat aber auch viele andere Gebiete im Norden durchwandert. Auch in den Schweizer oder Oesterreicher Bergen hat er viele Touren gemacht.
Für die OLG hat er viel organisiert und mitgeholfen. Als Beispiel denke ich an die EOM Arosa 1995 oder den nationalen 2 Tage Lauf 1997 in Lenzerheide. Bei diversen OL’s hat er die Laufleitung oder den Ressortchef sehr gekonnt und mit viel Freude umgesetzt. Ihm war dabei aber immer auch das Gesellige wichtig. So gehörte ein Helferessen und Abschlussabend dazu. Bei etlichen OL hat er immer wieder mitgeholfen, sei dies ein OL für Alle oder bei kleinen und grossen Läufen. Eine Liste dafür würde sehr lang werden.
Bei den OLG Jubiläumfeiern hat er immer tatkräftig an vorderster Front mitgeholfen. Einige Erinnerungen bleiben. Am 20 Jahr-Jubiläum gab es mit ein paar Kollegen einen lustigen Abend beim Lose drehen. Am 25 jährigen Jubiläum zum Beispiel hat er Puppen gebastelt, Empfang durch Margrit und Irma, das Anmeldungs-Team der OL für alle. In Erinnerung bleibt sicher allen Teilnehmern das 40 Jahr Jubiläums-Fest der OLG in Domat/Ems, das er mit Corina Lütscher organsiert hat. Für Unterhaltung und Essen war gesorgt, es gab viel zu lachen! Allgemein waren Feste bei Erwin sehr beliebt. Viele Geburts- oder Hochzeitstage wurden von ihm mit Begeisterung organisiert, für Überraschungen und Streiche war er jederzeit zu haben, gemütlich und lustig war es immer.
Eine besondere Episode bleibt mir auch in Erinnerung. Er war im Auto nicht angegurtet und bekam eine Busse. Die bezahlte er bar und wollte der Polizei ein Trinkgeld für die Kaffeekasse geben. Die Polizisten nahmen dies nicht an. So ging er auf die Post und bezahlte das Trinkgeld für eine ausländische Hilfsorganisation ein. Sein Einsatz galt immer für andere Personen, die Hilfe brauchten.
Die Pensionierung hat er lange im Voraus penibel geplant. Vor einem Jahr hat er mit Margrit eine Weltreise auf einem Kreuzfahrtschiff unternommen. Er wollte nichts anbrennen lassen. Nach dieser Reise wurde seine schwere Krankheit diagnostiziert. Er wäre gerne an den 5 Tage OL in Schweden gereist mit der OLG. Dies war leider nicht mehr möglich. Auch die vielen geplanten längeren Reisen mit seinem umgebauten Wohnmobil konnte er nicht mehr unternehmen. Er hat seine Krankheit sehr tapfer ertragen mit seiner positiven und humorvollen Art. Bis kurz vor seinem Tod wurde Erwin von Margrit und seiner Tochter Tatjana aufopfernd und liebevoll daheim gepflegt.
Wir werden Erwin mit seiner Lebensfreude und Zufriedenheit, seinen super guten Ideen, seinen Streichen, seinen Umgang mit schwächeren Mitmenschen, vermissen und in bester Erinnerung behalten.
Allen Angehörigen wünschen wir viel Zuversicht und Kraft in den schweren Stunden des Abschiedes.
Was uns allen bleibt, sind viele schöne und lustige Erinnerungen an einen einmaligen Freund, man könnte damit ein Buch füllen!
von Ulrich und Heidi Camathias