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Nicht ganz ein Jahr nach dem Gewinn von Bronze an den Olympischen Spielen in China und acht Monate, nachdem Jan Scherrer zum ersten Mal Vater geworden ist, könnte der Weltcup am Crap Sogn Gion als Standortbestimmung für die X-Games in einer Woche in Aspen und für die WM Anfang März in Georgien dienen. Für Scherrer ist das Laax Open aber mehr: "Es ist mein Saison-Highlight", sagt der 28-jährige Halfpipe-Spezialist, der sich am Donnerstag mit einem soliden zweiten Run als Siebter für den Final der besten zwölf qualifiziert hat.
Gegenüber der Qualifikation wird sich Scherrer in der Entscheidung am Samstagabend steigern müssen, will er der starken japanischen Armada um die Hirano-Brüder und der Elite aus Australien und Nordamerika abermals die Stirn bieten und wie im Vorjahr auf das Podest steigen. Dass der Olympiadritte mit seinem Trick-Unikat, dem "Jan Tonic", dazu imstande ist, hat er vor einem Monat gezeigt. Im bislang einzigen Wettkampf des Winters sprang er im Dezember in Copper Mountain mit exzellenten 96,25 Punkten auf den 2. Platz.
Dabei sagt der Toggenburger, dass sich seine Prioritäten mit der Geburt von Tochter Sienna verschoben haben. Nächte mit wenig Schlaf wurden zur Gewohnheit, grosse Teile des Sommertrainings absolvierte er individuell im Homeoffice. Er habe im Sommer an seinem Formstand gezweifelt, räumt Scherrer ein. Es waren jedoch Bedenken, die sich mit dem starken Resultat in den USA verflüchtigten. Zumal das innere Feuer für weitere sportliche Höhenflüge nicht erloschen ist und effizientes Training zu seinen grossen Stärken gehört.
"Das Familienglück kann ablenken, es kann dich aber auch ausgleichen wie im Fall von Jan Scherrer", sagte Nationalcoach Pepe Regazzi unlängst. Scherrer, in Abwesenheit von Pat Burgener und David Hablützel der einsame Leader im Schweizer Halfpipe-Team, könne sehr gut abschalten und wieder einschalten. "Er ist schön ausbalanciert. Ist er auf dem Schnee, ist er voll fokussiert", so Regazzi. Scherrer selbst sagt, er wolle noch mindestens zwei Jahre, vielleicht auch länger, auf höchstem Level weitermachen.
Zum ersten Mal sind am diesjährigen Laax Open die Snowboarder und Ski Freestyler vereint. Die Entscheidungen der Snowboarder fallen am Samstag - jene im Slopestyle mit dem qualifizierten Nicolas Huber am Nachmittag, jene in der sieben Meter hohen Halfpipe am Abend. Für die Skifahrer gibt es einen Slopestyle-Wettbewerb, was den Schweizern in die Karten spielt. Andri Ragettli, nach schwerer Knieverletzung Vierter an den Olympischen Spielen vor einem Jahr, gehört in dieser Disziplin zur absoluten Elite. Fabian Bösch, der zweite der drei für den Final qualifizierten Schweizer neben Ragettli und Valentin Morel, startet am Sonntag mit Podest-Chancen.
Für den Bündner Ragettli ist das zweite Heimspiel der Saison nach dem Big Air Chur im Oktober noch spezieller, nicht nur, weil er in seiner Spezialdisziplin antritt. Laax sei für ihn "wirklich ein Heim-Heimweltcup. Ich schlafe zuhause, es ist der Berg, an dem ich meine ersten Versuche im Park gemacht habe", sagte der 24-jährige Flimser, der im Herbst ein Buch über sein Leben veröffentlicht hat, in einem SRF-Interview.
(sda)