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Gleichzeitig sorgt der anhaltende Boom bei den erneuerbaren Energien für eine steigende Nachfrage nach seltenen Erden, die unter anderem bei der Herstellung von Elektrofahrzeugen und Windenergieanlagen Verwendung finden. Die Preise für "leichte" Seltene Erden wie Neodym und Praseodym sind in den vergangenen Monaten förmlich explodiert, da Händler und Verbraucher damit begonnen haben, das knapper werdende Material zu horten. Diese Stoffe werden unter anderem für die Herstellung von Magneten für Motoren und Turbinen benötigt.
"Die Preise für ’leichte’ Seltene Erden haben auf längere Sicht nach wie vor Aufwärtspotenzial", sagte Alice Mu, Analystin bei Argus Metals in einer Wechat-Nachricht. "Es gibt auf der Angebotsseite Engpässe, da die chinesische Regierung illegale Minen schliesst, für die staatlichen Reserven zukauft und eine strengere Umweltpolitik umsetzt."
China, das mehr als 80 Prozent der weltweiten Seltenen Erden fördert, will im Rahmen einer Kampagne zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung und zur besseren Kontrolle des gigantischen industriellen Komplexes des Landes die Aktivitäten der Minenbetreiber beschneiden. Ähnliche Massnahmen zur Senkung der Produktion haben bereits zu steigenden Preisen bei Aluminium und Stahl geführt, und die Seltenen Erden werden just in jenem Augenblick von den Restriktionen getroffen, da sich die Nachfrage beschleunigt.
Der Preis für Praseodym-Neodym-Oxid, ein Ausgangsstoff für das Metall, hat sich in diesem Jahr laut der Shanghai Steelhome E-Commerce Ltd. fast verdoppelt. Neodym verteuerte sich alleine im August um fast ein Drittel und hat in diesem Jahr bereits um 81 Prozent zugelegt. Die Nachfrage bei einigen Seltenen Erden könne in den zweiten sechs Monaten 2017 das Angebot übersteigen, nachdem die Behörden gegen die illegalen Minen vorgegangen seien, sagte Ma Rongzhang, Generalsekretär der China Rare Earth Industry Association, laut einem Bericht der Shanghai Securities News in der vergangenen Woche.
Elektrische Revolution
Unter dem Begriff der Seltenen Erden vereinigen sich ehemalige Nischenmetalle, darunter Lithium und Kobalt, und profitieren nunmehr vom rasanten Wachstum der Industrie für Elektromobilität und erneuerbare Energien.
Der weltweite Absatz von Elektrofahrzeugen ist im vergangenen Jahr um 55 Prozent auf 695.000 Einheiten gestiegen, wobei diese Zunahme laut Bloomberg New Energy Finance vor allem von der Entwicklung in China getrieben wurde. Dabei handelt es sich zwar nur um einen winzigen Teil des derzeitigen gesamten globalen Fahrzeugabsatzes, allerdings prognostiziert BNEF, dass der Absatzanteil bis 2040 auf über die Hälfte steigen wird, wenn rund ein Drittel aller Fahrzeuge elektrisch betrieben sein werden.
Die Nutzung von magnetischen Seltenen Erden in solchen Fahrzeugen wird voraussichtlich von etwa 2000 Tonnen im vergangenen Jahr auf 7000 Tonnen bis 2020 und 12.000 Tonnen bis 2024 wachsen, wie es in einer Präsentation von Lynas Corp. aus dem vergangenen Monat heisst, dem grössten Förderer Seltener Erden ausserhalb von China. Die Aktien des Unternehmens sind 2017 bereits um 160 Prozent gestiegen.
Preise letztmals 2010 und 2011 stark angestiegen
Das Wachstum der Nachfrage bei Windenergieanlagen wird die Verwendung der Metalle auf 4000 Tonnen bis 2024 verdoppeln, so Lynas. BNEF prognostiziert, dass die Onshore-Windenergie in den kommenden 23 Jahren ein Viertel aller neuen Stromerzeugungskapazitäten weltweit ausmachen wird.
Zuletzt hatten die Preise für Seltene Erden in den Jahren 2010 und 2011 stark angezogen, als China durch die Beschränkung der Exporte die Furcht vor einer weltweiten Knappheit angeheizt hatte. Nachdem sich die Hersteller Alternativen gesucht hatten, gingen die Preise allerdings wieder zurück. Die Welthandelsorganisation entschied nachträglich zugunsten einer Beschwerde der USA, dass China damit gegen Handelsregeln verstossen habe.
Ähnlich wie bei den grossen chinesischen Stahlkochern, die von einem Vorgehen gegen kleinere Wettbewerber profitiert hatten, erfreuen sich die grossen staatlichen Produzenten Seltener Erden eines guten Jahres: die Aktien von China Northern Rare Earth Group High-Tech Co., dem grössten Anbieter, sind 2017 bislang um 53 Prozent gestiegen, für die Papiere von China Minmetals Rare Earths Co. ging es um 27 Prozent nach oben.
(Bloomberg)