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John Adams als Komponist
In der Saison 2021/22 ist John Adams zu Gast beim Tonhalle-Orchester Zürich – als Komponist, kreativer Denker und Dirigent. Im Januar, wenn Robert Trevino Adams' «City Noir» dirigiert, starten wir mit dem «Kosmos John Adams». Was den Komponisten ausmacht, erfahren Sie im Text von Franziska Gallusser.
Plötzlich ist er da, der musikalische Einfall. Der Komponist lässt alles stehen und liegen, schnappt sich einen Stapel Papier und kehrt erst aus seinem Zimmer zurück, wenn er sein neues Werk fertiggestellt hat, richtig? Weit gefehlt.
John Adams betont immer wieder, wie er seiner extrem arbeitsintensiven Tätigkeit als Komponist nachgeht: Er hält einen strengen Tagesplan ein. Er besitzt ein Studio in seinem Haus in Berkeley sowie ein Komponierhäuschen (à la Gustav Mahler) im Redwood Forest in Nordkalifornien, wo er so viel Zeit wie möglich verbringt. Um möglichst produktiv arbeiten zu können, hat er sich sogar beide Musikstudios identisch eingerichtet.
Eigener Weg
Angefangen hatte seine Musikerkarriere schon sehr früh: Als Sohn eines Jazz-Klarinettisten und einer Amateursängerin entdeckte Adams als Kind seine Begeisterung für Musik. Er lernte das Klarinettenspiel von seinem Vater, spielte in Bands und begann bereits im Alter von elf Jahren mit dem Komponieren. Neben seinem Kompositionsstudium in Harvard spielte er als Klarinettist beim Boston Symphony Orchestra. Als junger Komponist zeigte er so viel Talent, dass er einen Lehrauftrag am San Francisco Conservatory erhielt (1972 bis 1982) und das dortige New Music Ensemble leitete. Diese Zeit war sehr prägend für seine Musik und führte dazu, dass er sich klanglich neu definierte: Statt der akademisch geprägten Kompositionsweise, die ihn in eine Schreibblockade und Sinnkrise geführt hatte, entdeckte er die sogenannte Minimal Music für sich. Werke wie «Short Ride in a Fast Machine», die ihn schnell zum Publikumsliebling machten, stehen für diese Phase.
Auch wenn sich John Adams immer wieder von bestimmten Richtungen beeinflussen liess, lässt sich seine Musik nicht auf einen Stil reduzieren. So ist er weder Minimalist noch Postminimalist oder Neoromantiker. Einzelne seiner Werke können natürlich durchaus einer dieser Bewegungen zugerechnet werden. Er selbst würde sich jedoch niemals als Anhänger einer bestimmten Strömung bezeichnen. Adams setzt sich in seinen Werken auch immer wieder kritisch mit dem musikalischen Erbe auseinander (z.B. in seiner nach der Schönberg-Schrift benannten Parodie «Harmonielehre», in der er Minimal Music mit Spätromantik und Impressionismus zusammenführt) und lässt sich durch Pop, Rock (z.B. «I Was Looking at the Ceiling and Then I Saw the Sky») und Jazz (z. B. «City Noir») beeinflussen.
Politischer Komponist?
«Es ist mir in den Sinn gekommen», schreibt Adams in seiner Autobiografie im Abschnitt über kreative Zusammenarbeit, dass diese «neben einem Doppelmord das Schmerzhafteste sein könnte, was zwei Menschen gemeinsam tun können». Dennoch arbeitete er mit dem US-amerikanischen Theaterregisseur und Librettisten Peter Sellars. Ein Glücksfall. Ende der 1980er-Jahre gelang ihm mit der dreiaktigen Historien-Oper «Nixon in China» (eine Oper über das Treffen von Richard Nixon und Mao Zedong) der grosse Durchbruch. Auch die kurz darauffolgende Polit-Oper «The Death of Klinghoffer» (über die Ermordung eines querschnittsgelähmten Juden durch palästinensische Terroristen) wurde ein Erfolg.
Seitdem gilt John Adams als «der» politische zeitgenössische US-Komponist. Eine Bezeichnung, die er nicht gerne teilt. Er schreibe keine politischen Werke, sondern vielmehr Musik über Themen aus dem alltäglichen Leben: «Ich bin beim Schreiben dadurch motiviert, wie ich die Welt erlebe», meint er. Infolgedessen nimmt Adams in seinen Werken auch wichtige Zeitgeschehnisse des 20. und 21. Jahrhunderts auf. Beispiele hierfür sind die Erfindung der Atombombe («Doctor Atomic») oder die Unterdrückung der Frauenrechte («Scheherazade.2»). Seine kritische Reflexion historischer sowie aktueller Ereignisse bringen ihm immer wieder Kompositionsaufträge. So auch für das in Gedenken an die Opfer von 9/11 entstandene Oratorium «On the Transmigration of Souls», in dem Adams nicht den Terror und dessen politische Konsequenzen, sondern den Verlust der geliebten Menschen in den Mittelpunkt rückt. Denn am Ende ist es das Menschliche, das seine Musik ausmacht: «Wenn mir Menschen sagen, dass etwas, das ich geschrieben habe, sie berührt hat, habe ich das Gefühl, dass sich mein Dasein auf der Erde gelohnt hat.»
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