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Ernährung
Unverträglichkeit von Lebensmittel, Lebensmittelallergie oder Reizdarmsyndrom?
Sara Salazar-Winter
Geschäftsführerin Deutscher Verein für Gesundheitspflege e.V. (DVG), M.Sc. Ernährungsmedizin
Ostfildern, D
«Glutenfrei» und «Laktosefrei»
sind Beispiele von Lebensmittelangaben, die man heutzutage an vielen Produkten im Supermarkt erkennen kann. Ich frage mich, ob der Verbraucher wirklich weiß, was diese Kennzeichnungen bedeuten. Viele sehen die Angaben «frei von» als eine Aussage, dass es sich um ein gesünderes Lebensmittel handelt. Aber es handelt sich nicht unbedingt um gesündere Lebensmittel, sondern um Erzeugnisse, die besonders für Personen entwickelt wurden, die an einer Lebensmittelunverträglichkeit oder Lebensmittelallergie leiden. In der Schweiz leiden ca. 2-8 % der Bevölkerung an einer Lebensmittelallergie und bis zu 20 % an Lebensmittelunverträglichkeiten.1
Allergie und Unverträglichkeit
werden oft verwechselt und als gleichbedeutend verstanden, medizinisch gesehen sind es aber sehr unterschiedliche Phänomene. Bei einer Allergie gibt es eine überzogene Reaktion des Immunsystems auf Substanzen, die bei gesunden Menschen keine Beschwerden verursachen. Das Immunsystem nimmt diese Substanzen als schädlich wahr. Bei einer Allergie können die Beschwerden auch mit sehr geringen Mengen auftreten und lebensbedrohlich sein. Bei einer Lebensmittelunverträglichkeit, auch als Lebensmittelintoleranz bekannt, tauchen die Beschwerden eher bei größeren Verzehrmengen auf. Hier handelt es sich um eine eingeschränkte Verdauung einer bestimmten Substanz. Die Intoleranz ist im Gegensatz zu einer Allergie nicht lebensbedrohlich. Obwohl es zwei verschiedene Erscheinungen sind, gibt es einige Symptome, die sich überschneiden können, und diese Überschneidung gibt es auch mit Reizdarmsyndrom (siehe Symptome Übersichtstabelle auf Seite 14).
Das Reizdarmsyndrom
ist eine funktionelle Darmerkrankung, bei der die Hauptsymptome Durchfall und/oder Verstopfung sind. Stress, Ernährung und Bewegungsmangel spielen eine Rolle als Auslöser. Beispielsweise leiden in Deutschland ca. 5 % der Bevölkerung an einem Reizdarmsyndrom.2
Ich glaube, ich bin betroffen. Was kann ich tun?
Die Diagnose soll ein Facharzt stellen. Bei unspezifischen Beschwerden wie zum Beispiel Übelkeit, Bauchschmerzen und Blähungen ist eine Diagnose nicht so einfach, weshalb Untersuchungen wie Allergietest, Atemtest, Endoskopie (z. B. Magenspiegelung) und Darmspiegelung sehr wichtig sind. Es wird abgeraten, Lebensmittelunverträglichkeiten, Lebensmittelallergien oder Reizdarmsyndrome selbst zu diagnostizieren, da die Magen-Darm-Beschwerden andere Gründe haben können wie zum Beispiel Krebs. Die Behandlung und die individuelle diätetische Therapie sollten auch unter professioneller Anleitung erfolgen.