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1853 erwarb der deutsche Kaufmann und Kunstförderer Otto Wesendonck ein grosses Gelände von der Gemeinde Enge (die später in das Stadtgebiet von Zürich integriert wurde). Auf diesem Gelände liess er eine Villa und ein Herrenhaus errichten und eine weitläufige, wunderschöne Parkanlage anlegen, aber erst 1857 bezog er mit seiner Frau das Anwesen. Otto Wesendonck war 1850 aus Düsseldorf nach Zürich gezogen und lebte zunächst im Grand Hotel „Baur au Lac“, 1872 zog er zurück nach Deutschland (in die Stadt Dresden), um zunächst 1882 in der Berliner „Tiergartenstrasse“ zu landen. In Berlin verstarb er 1892, noch heute steht in der grossen Berliner Parkanlage „Tiergarten“, nicht allzu weit weg vom Brandenburger Tor, das „Wesendonck’sche Palais“, der letzte Wohnsitz des Ehepaares. Eine gewisse Pikanterie erhält der Aufenthalt Wesendoncks in Zürich durch die Tatsache, dass er den deutschen Komponisten Richard Wagner, der nach der Märzrevolution 1848 / 49 von Deutschland in die Schweiz geflohen war, förderte. Wesendonck lernte Wagner 1852 bei einem Konzert kennen, welches Wagner dirigierte, im Anschluss unterstützte Wesendonck Richard Wagner nicht nur finanziell, sondern stellte ihm sogar das Gartenhaus seiner Villa als Unterkunft zur Verfügung. Der olle Wagner muss die Gunst seines Mäzens wohl gediegen genutzt haben, bis 1885, als er Zürich wieder verliess, hatte er eine Affäre mit der Frau Wesendoncks, dennoch verband die beiden nachweislich noch über Jahre hinweg eine tiefe Freundschaft. An dieser Stelle zitiere ich gerne meine eigene Mutter: „So etwas kommt in den besten Familien vor…“. Und nein, weder meine Eltern, noch ich selbst waren jemals grosse „Fans“ von Richard Wagners Musik!
Man kann die Parkanlage durch verschiedene Zugänge betreten, der Haupteingang befindet sich an der Seestrasse zwischen den Tram-Haltestellen „Museum Rietberg“ und „Brunaustrasse“. Von dem breiten Hauptweg, der grosszügig gestaltet zu der Villa auf der Spitze des Hügels mit Namen „Gabler“ führt, zweigen viele kleinere Wege ab, die zu weiteren Parkbereichen führen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten zum Verweilen, teilweise mit wunderschönen Aussichten auf den Zürich-See oder den Hausberg von Zürich, den Albis, aber besonders schön sind die grossen, teilweise sehr alten Bäume in dieser Parkanlage, die im Stil der damaligen Zeit gestaltet wurde. Die Anlage ist erst seit 1945 der Öffentlichkeit zugänglich, nachdem die Stadt Zürich sie mit dem Segen des Volkes kaufte. Zuvor war sie in Besitz des Winterthurer Industriellen-Familie Rieter, die der Anlage letztlich ihren Namen gab. Auch diese Familie hatte wohl eine gewisse Deutsch-Affinität: Kein geringerer als Kaiser Wilhelm der 2., der letzte Kaiser Deutschlands, weilte hier auf Einladung der Familie Rieter einige Tage zu Besuch. Die Anlage ist oft gut besucht, viele Familien verbringen hier bei schönem Wetter die Zeit mit ihren Kindern, das nahe gelegene Quartiertreff Enge, welches an den später dazu erworbenen Parkteil grenzt und in welchem sich auch eine Büste von Richard Wagner befindet (beides aus verschiedenen Gründen hier nicht im Bild dokumentiert), ist ebenfalls sehr bei jungen Familien beliebt, entsprechend kann es manchmal hier zugehen, aber unter der Woche früh am Morgen kann man hier durchaus den einen oder anderen schönen Moment erleben.Zürich