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«In tiefster Trauer muss die Königin mitteilen, dass ihr geliebter Ehemann, seine königliche Hoheit, Prinz Philip, Herzog von Edinburgh, gestorben ist. Seine königliche Hoheit ist heute früh friedlich im Schloss Windsor eingeschlafen», heisst es auf der offiziellen Website der britischen Royals.
Die königliche Familie trauere – mit der ganzen Welt.
Er blieb bis zuletzt aktiv, auch wenn er immer mehr Aufgaben abgab oder sich von liebgewonnenen Hobbys verabschiedete. Wie dem Autofahren: Mitte Januar 2019 verursachte der damals 97-Jährige einen Autounfall - er prallte an einer Kreuzung mit einem ihm entgegenkommenden Fahrzeug zusammen. Dabei überschlug sich das Auto des Prinzen. Während er unverletzt blieb, erlitt seine Sekretärin auf dem Beifahrersitz Schnittverletzungen, die beiden Frauen im anderen Wagen wurden leicht verletzt im Spital behandelt. Kurz darauf verkündete der Hof, dass sich Philip dazu entschieden hatte, seinen Fahrausweis abzugeben.
Gesundheitlich schien Philip hart im Nehmen gewesen zu sein. Eine Hüftoperation im Frühjahr 2018 verlief erfolgreich, so dass er das Spital nur wenige Tage später verlassen konnte. Eine Infektion im Jahr zuvor führte ebenfalls nur zu einem kürzeren Spitalaufenthalt. Dennoch wurde auch klar, dass Philip nicht mehr im gleichen Pensum seinen royalen Aufgaben nachgehen kann wie früher - allein 2016 hatte er noch über 100 öffentliche Termine wahrgenommen. Im Mai 2017 verkündete daher der britische Hof, dass sich Philip von sämtlichen Pflichten zurückziehen werde und ab August desselben Jahres als Prinz in den Ruhestund treten werde.
Eine Rolle aber nahm er noch bis zum Schluss wahr - jene des männlichen Familienoberhaupts, des Gross- und Urgrossvaters. So liess er sich beispielsweise 2018 die beiden Hochzeiten seiner Enkelkinder Harry und Eugenie nicht entgehen.
Der Sprücheklopfer
Der 1921 auf Korfu geborne Philip bleibt uns in Erinninerung als ein Mensch, den die Etikette nicht immer kümmerte. Der sagte, was ihm durch den Kopf schwirrte. Der manch einem auf den Schlips trat. Seine Sprüche sind legendär:
- So sagte er einmal britischen Studenten in China: «Wenn Sie hier zu lange bleiben, bekommen Sie Schlitzaugen.»
- An einer Filmpremiere lernte er den Chef des britischen TV-Senders Channel 4 kennen und meinte: «Sie sind also verantwortlich für den ganzen Mist.»
- Als ihn ein Parkwächter der Cambridge University nicht erkannte und Philips Ausweis sehen wollte, entgegnete dieser: «Sie Volltrottel.»
- Zu Schülern in roten Uniformen sagte er: «Ihr seht alle aus wie Draculas Töchter.»
- An einer Commenwealth-Veranstaltung fragte er einen dunkelhäutigen Teilnehmer: «Und? Aus welchem exotischen Teil dieser Erde kommen Sie denn?» - «Ich bin aus Birmingham.»
- Den ehemaligen deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl begrüsste Prinz Philip einmal mit «Willkommen, Herr Reichskanzler».
- Einem Jungen, der unbedingt Astronaut werden wollte, sagte er: «Du wirst niemals fliegen können. Du bist zu dick, um Astronaut zu werden.»
- «Wenn ein Mann einer Frau die Autotür öffnet, dann kann das zwei Dinge bedeuten: Entweder ist es eine neue Frau oder ein neues Auto.»
- Zu seiner Frau, Queen Elizabeeth, sagte er einmal, als diese sich von ihren Gastgebern in Belize verabschiedete: «Hör auf zu quatschen und komm' endlich.»
- Die australischen Ureinwohner, die Aborigenes, fragte er bei einem Besuch: «Werfen Sie noch Speere aufeinander?»
- «Wenn an der Nordküste von Norfolk - auf der Hauptroute der Zugvögel nach Skandinavien - riesige Windkraftwerke gebaut werden, fliegen die Enten dann in Scheiben zu uns zurück?», fragte Philip an einer Veranstaltung zum Klimawandel.
- Mit dem Spruch «Chinesen essen alles, was vier Beine hat - ausser Stühle» löste Philip einst eine diplomatische Krise aus. Seine Frau fands jedoch lustig, sie liebte seinen Humor.
Der verspielte Vater
Er mag sich nie für eine dumme Bemerkung zu schade gewesen zu sein. Doch eine 2016 ausgestrahlte TV-Dokumentation warf ein ganz anderes Licht auf den Royal. Bislang unveröffentlichtes Filmmaterial zeigte Philip als liebevollen und verspielten Papa, der für jeden Schabernack zu haben war. Zum Beispiel wie er einmal in Badehose die royale Jacht Britannia in eine Rutschbahn umfunktionierte.
Dennoch soll es sein ältester Sohn nicht immer leicht mit seinem Vater gehabt haben. Gemäss dem königlichen Biografen Gyles Brandreth soll Philip sich einmal als Pragmatiker und Charles als Romantiker bezeichnet haben, was ihr schwieriges Verhältnis erklärte. Philip zeigte, so heisst es, auch keinerlei Verständnis für Charles Scheidung von Lady Diana, †36. Er fürchtete sich um den Ruf des Königshauses.
Der geliebte Ehemann
Philips eigene Ehe hielt bis zum Schluss. Seine Cousine dritten Grades und künftige Ehefrau lernte er bereits in jungen Jahren kennen - auf der Hochzeit des Herzogs von Kent im Jahr 1934. Elizabeth war damals acht Jahre alt. In Griechenland als Prinz von Griechenland und Dänemark geboren wuchs Philip zeitweise bei seinen in Deutschland lebenden Schwestern auf und besuchte die Schule Schloss Salem am Bodensee. Zur Zeit des Nationalsozialismus wechselte er auf Internate in Frankreich und England - seine Mutter, die von ihrem Mann getrennt lebte und zu jener Zeit in Kreuzlingen wegen Schizophrenie behandelt wurde, sah er nur selten. Zu seinem Vater, der mit seiner Geliebten in Monaco lebte, pflegte Philip nur schriftlichen Kontakt.
Er diente in der britischen Armee und wurde 1947 schliesslich britischer Staatsbürger. Dies war Voraussetzung dafür, dass er noch im selben Jahr - am 20. November - der britischen Thronfolgerin Elizabeth das Ja-Wort geben konnte. 2000 Gäste waren bei der Trauung in der Westminster Abbey dabei. Lady Pamela Hicks, Prinz Philips Cousine, sagte einmal: «Die Prinzessin [Elizabeth; Anm.d.Red.] war geblendet von Philip, als sie ein kleines Mädchen war. Und als sie älter wurde, fand sie ihn immer noch sehr attraktiv, sehr lustig - sein Charisma zog Leute in seinen Bann. Er nahm sie ernst, als er realisierte, dass seine kleine Cousine eine junge Frau geworden ist - eine hübsche junge Frau.»
Und die Queen meinte einst über ihren Ehemann: «Er ist, ganz einfach, seit all den Jahren meine Stärke und mein Halt.» Er dankt es ihr auf seine Art - und nennt sie liebevoll «sausage» («Würstchen») oder «cabbage» («Kohlkopf»).
Ihre über 70 Jahre dauernde Ehe war zwar nicht nur von eitel Sonnenschein geprägt - Medien berichteten von Affären des Prinzen -, doch ihre Probleme haben sie nie nach Aussen getragen. Haderte er noch zu Beginn mit seiner Rolle als Prinzgemahl, akzeptierte er diese zusehends und stand seiner Frau zur Seite, wo immer er konnte. Er schien der einzige gewesen zu sein, der der Königin widersprechen durfte. «Er hat ihr die Meinung gesagt und ist auch mal wütend aus dem Zimmer gerannt», sagte Adelsxperte Rolf Seelmann-Eggebert zum 70. Hochzeitstag in der FAZ. Auf den Punkt brachte es auch einmal Biograf Brandreth: «Die Queen trägt die Krone, aber ihr Ehemann hat die Hosen an.» Diese langwährende Stütze hat die Königin nun verloren.