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Nach jüngsten Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) könnte die Pandemie der Coronavirus-Krankheit (COVID-19) bis zu 25 Millionen Arbeitsplätze kosten. Da die Regierungen überall Konjunkturpakete auflegen, werden wirksame und koordinierte wirtschaftspolitische Reaktionen erforderlich sein, um die Auswirkungen der Krise auf die weltweite Arbeitslosigkeit abzufangen. "Wir müssen sicherstellen, dass die Auswirkungen dieser beispiellosen Episode nicht von Dauer sind", sagt Jean-Pierre Danthine, Professor an der Hochschule für Technologiemanagement der EPFL und ehemaliger Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank. Danthine warnt davor, dass, wenn zu viele Unternehmen - darunter auch Kleinbetriebe - Pleite gehen, die zukünftigen Produktionskapazitäten stark reduziert werden. "Wir brauchen entschlossene politische Reaktionen, um zu verhindern, dass diese Krise langfristige negative Auswirkungen hat. Die Wirtschaft allein wird uns nicht helfen, das zu überstehen."
Eine atypische Rezession
Danthine ist unbeeindruckt von der weit verbreiteten Rede von einer bevorstehenden Rezession. "Die Produktion wird unweigerlich schrumpfen, weil die meisten Arbeitnehmer ihre Arbeit nicht mehr tun können", sagt er. "Wir sollten uns nicht nur auf Zahlen konzentrieren. Es ist klar, dass das Wachstum ins Negative umschlagen wird. Wir sollten das Gesamtbild betrachten. Dies ist keine typische Rezession, die auf endogenen makroökonomischen Faktoren beruht. Es ist eine durch einen externen Schock verursachte Verlangsamung der Aktivität. Aus wirtschaftlicher Sicht sollte unsere wirkliche Priorität darin bestehen, die langfristigen Folgen zu minimieren".
Die Schweiz kann den Sturm überstehen
Der Bundesrat hat bisher ein Konjunkturpaket in Höhe von 42 Milliarden Franken angekündigt, das Massnahmen zum Schutz der Arbeitsplätze, zur Lohngarantie und zur Unterstützung der Selbständigen umfasst. Danthine begrüsst die Reaktion der Schweizer Behörden. "Die Schweizer Kurzarbeitsentschädigung ist genau auf solche Umstände ausgerichtet", erklärt er. "Das Land hat auch den finanziellen Spielraum, um den Sturm zu überstehen, denn die Schuldenbremse hat die Staatsverschuldung in den letzten Jahren deutlich reduziert. Jetzt ist es an der Zeit, diese Reserven anzugehen. Damit hat die Schweizer Wirtschaft eine solide Grundlage, um sich nach dem Ende der COVID-19-Krise zu erholen", erklärt er.
Ein düstereres Bild für die EU
Die Krise trifft Europa derzeit härter als jede andere Region, und auch über die Vereinigten Staaten gibt es ernsthafte Bedenken. "Bekannte Schwächen im US-Gesundheitssystem könnten die Situation dort noch verschlimmern", sagt Danthine. "Außerdem ist die Antwort der Trump-Regierung - Steuersenkungen, um den Menschen mehr Geld in die Tasche zu stecken - genau die Art von Massnahme, die wir vermeiden sollten".
Die Aussichten für Europa sind eher gemischt: Während Deutschland die Reserven hat, um die Krise zu überstehen, stehen Länder wie Italien und Frankreich auf viel wackeligerem Boden. Könnten wir uns ein EU-Rettungspaket wie während der Finanzkrise von 2008-2009 vorstellen? Danthine ist nicht überzeugt. "Die EU hat den Handlungsspielraum, aber ich bin mir nicht sicher, ob der politische Wille schon vorhanden ist.
Laut Danthine haben asiatische Länder wie China, Singapur und Südkorea die Krise bewundernswert gemeistert und sind in einer guten Position, um wieder in Schwung zu kommen.
Beunruhigende Anzeichen für Entwicklungsländer
Die Epidemie könnte katastrophale gesundheitliche und wirtschaftliche Folgen haben, wenn sie die ärmsten Länder der Welt erfasst. "Die Entwicklungsländer haben nicht den gleichen Handlungsspielraum wie Länder wie die Schweiz", sagt Danthine. "Wir können nur hoffen, dass sich die Ausbreitung der Krankheit verlangsamt und die entwickelten Länder genügend Zeit haben, ihren ärmeren Kollegen zu helfen, wenn sie den Kampf zu Hause gewonnen haben. Aber wir haben allen Grund, besorgt zu sein".