Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03265.jsonl.gz/1132

Walter Hess (1937 - 2015) war während über 40 Jahren als Allein-, Lokal-, Wissenschafts- und Chefredaktor tätig. Er wohnte in Biberstein AG am Jurasüdfuss in der Schweiz, war verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder. Er war parteipolitisch und konfessionell ungebunden.
Nach Chemie-, Sprach- und Publizistikstudien in der Schweiz und Deutschland wurde ihm am 2. März 1961 die Alleinredaktion des Wynentaler Blatts in Menziken AG übertragen. Dort war er bis Ende Oktober 1963 tätig und verhalf dem Lokalblatt zur Stärkung der Position. Dann wurde er in die Redaktion des damaligen Aargauer Tagblattes berufen, wo ihm die Leitung der Lokalredaktion Aarau (des Erscheinungsortes), anschliessend der Aargau-Redaktion und schliesslich des Ressorts Wissenschaft und Technik (inkl. Energie, Ökologie und Gesundheitsfragen) übertragen wurde. Während 15 Jahren (1969–1984) war er im Nebenamt Aargau-Korrespondent der Schweizerischen Depeschenagentur (Reuters). Zwischen 1969 und 1976 gehörte Hess dem Vorstand des Nordwestschweizer Pressevereins an. Auf den 1. Januar 1984 übernahm er die Chefredaktion der Zeitschrift Natürlich, eine Funktion, die er bis zu seiner Pensionierung Mitte 2002 wahrnahm. Während seiner Leitung verachtzehnfachte sich die Auflage (von knapp 5'000 auf über 90'000 Exemplare).
1988 erschien von Hess das inzwischen vergriffene Buch „Natürlich leben“ (AT Verlag, Aarau), 2005 das Werk „Kontrapunkte zur Einheitswelt. Wie man sich vor der Globalisierung retten kann“ (Eigenverlag), ein visionäres Buch, das von der Wirklichkeit zunehmend bestätigt wurde. Zahlreiche weitere Bücher folgten; in diesem Zusammenhang sei auf das Werkverzeichnis hingewiesen. 2004 gründete er den Verlag Textatelier.com GmbH, in dem 4 Werke erschienen sind (Bucherscheinungen Verlag Textatelier.com). Der Verlag wurde im Interesse einer Konzentration auf das Schreiben Ende 2012 wieder aufgelöst.
Die Sprachen und das Geschriebene – das Lesen und das Schreiben – gehörten ebenso zu Hess' Steckenpferden wie auch alle Aspekte einer verantwortungs- und genussvollen Lebensgestaltung. Das Verlangen nach Erkenntnisgewinn und Horizonterweiterung stillte er auf zahlreichen Studienreisen. Sie führten ihn in Wüsten, Urwälder, in maritime Gebiete, auch nach Brasilien (inkl. Amazonien), Burma (Myanmar), China, Deutschland (u. a Nordsee), Frankreich, Griechenland, Grossbritannien, Hongkong, Indonesien, Irland, Island, Italien, Kanada, Kenya, Kuba sowie andere karibische Länder, Malaysia (Borneo), Marokko, Namibia, Osteuropa, auf die Philippinen, Russland mit Sibirien, Skandinavien, Spanien, Thailand, Tunesien, USA, Zimbabwe, (Nord-)Zypern und andere. Die Sicht auf die westliche Denk- und Lebensweise von aussen, aus der Perspektive fremder Kulturen und ihrer andersartigen Weltanschauungen, erzogen ihn zu Toleranz und zum kritischen Hinterfragen des eigenen Verhaltens sowie all dessen, was im Rahmen von Zivilisation und Globalisierung abläuft, gedankenlos wie ein Naturereignis hingenommen wird und die Lebensbedingungen oft unvorteilhaft verändert.
Nach seiner Pensionierung war Hess als freier Publizist tätig. Das von ihm im Jahr 2002 gegründete Textatelier.com ermöglichte ihm, zusammen mit einer wachsenden Zahl von erlesenen, hervorragend qualifizierten Partnern, seine Aktivitäten fortzusetzen und seine Kenntnisse, Einsichten und Erfahrungen weiterzugeben, insbesondere im Internet. Zu seinem Programm gehörte es, täglich mehrere Stunden zu schreiben und zu lesen.
*
All seine Hobbies pflegte Walter Hess sehr intensiv. Einige verschwanden wieder, andere blieben ein Leben lang. Das Archivieren von interessanten Berichten und Beiträgen sowie die Gartengestaltung mit selbstgebauten Steinmauern und wunderschön gepflästerten Wegen rund um sein im Jahre 1971/72 gebautes Einfamilienhaus in Biberstein blieben. Das Sammeln von Gewichtsteinen, das Degustieren von Weinen (er war Gründungsmitglied der Aarauer Weinbruderschaft), das Kochen, z.B. selbstgemachter Nudeln „Alfredo“ – mit Goldlöffeln serviert –, lösten sich ab und verschwanden wieder. Jedes Hobby brachte ihm aber wieder neue Impulse und Ideen zum Schreiben.
Das Schreiben war seine grösste Leidenschaft und seine Berufung. Sein Schreibstil war offen und von erfrischender Ehrlichkeit, und seine Leser schätzten seine akribisch recherchierten Beiträge und seine Meinung und Wahrnehmung. Er beschönigte nichts, liess sich nicht vom ‚Mainstream’ treiben, sondern schwamm dagegen. Das war ihm sehr wichtig und auch nie zu mühsam. Er war ein ‚Chrampfer’ und Schaffer, der von morgens früh bis abends spät arbeitete und sich weiterbildete. Die Umwelt war sein grösstes Anliegen. Die Sondermülldeponie Kölliken war jahrelang sein Thema, und es war auch sein letzter Blog-Beitrag auf seiner Homepage.
Bis zum Schluss schrieb er abwechselnd mit seinen Blogger-Kollegen jeden Tag mindestens einen Blog und twitterte auch intensiv. Es würde ihn freuen zu sehen, dass auch heute noch seine Homepage (www.textatelier.com), die er am Tag nach seiner Pensionierung gegründet und aufgeschaltet hat, reichlich mit neuen Blogs gefüllt wird.
Walter Hess verstarb am 4. Juli 2015 nach kurzer Krankheit. Er hinterlässt eine grosse Lücke. Nicht nur bei seiner Familie. Auch all seine Leser und Freunde, die seine Persönlichkeit, sein fröhliches und positives Wesen und seine Arbeit sehr geschätzt haben, vermissen ihn. Und er hätte sicher noch soviel zu sagen und zu schreiben gehabt!
*
* *