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Der Gesundheitszustand der Walliser Bevölkerung - Die Tendenz ist positiv, einige Aspekte müssen im Auge behalten werden
Das Walliser Gesundheitsobservatorium (WGO) veröffentlicht den Bericht «Der Gesundheitszustand der Walliser Bevölkerung 2020», in dem der Gesundheitszustand der Walliser Bevölkerung und dessen Entwicklung im Laufe der Zeit beschrieben wird. Trotz der durch das Covid-19-Virus hervorgerufenen Pandemie dürfen wir die anderen Gesundheitsprobleme der Bevölkerung nicht vergessen. Das im Bericht präsentierte Gesamtbild vom Gesundheitszustand der Walliserinnen und Walliser ist ermutigend. Die Bevölkerung beurteilt ihre Gesundheit selbst mehrheitlich als gut, die Lebenserwartung steigt weiter und die auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebserkrankungen oder Gewalteinwirkung zurückzuführende Sterblichkeit ist gesunken. Bestimmte Indikatoren geben jedoch Grund zur Sorge: Tabak- und übermässiger Alkoholkonsum sind nach wie vor Hauptprobleme des Gesundheitswesens und die Zahl der Personen mit Adipositas oder Diabetes hat in den letzten 20 Jahren zugenommen. Aufgrund der Alterung der Bevölkerung leiden immer mehr Menschen unter chronischen Krankheiten und Demenzerkrankungen. Der Bericht betont auch die Rolle sozioökonomischer Unterschiede für die Gesundheit.
Sowohl im Wallis als auch in der Schweiz ist die Lebenserwartung bei der Geburt seit den 1950er-Jahren regelmässig um zwei bis drei Monate pro Jahr angestiegen. 2018 lag die Lebenserwartung der Frauen im Wallis bei 85.6 Jahren (CH: 85.4) und jene der Männer bei 81.1 Jahren (CH: 81.7). Dieser Anstieg zieht eine Alterung der Bevölkerung nach sich. Der Anteil der Seniorinnen und Senioren, d.h. der 65-Jährigen und Älteren, lag 2018 bei 20 Prozent und dürfte bis 2025 auf 25 Prozent steigen. Diese Alterung zeichnet sich durch ein vermehrtes Auftreten chronischer Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes, Krebs, Atemwegs- und Demenzerkrankungen aus.
Die grosse Mehrheit der Walliser Bevölkerung beurteilt ihre Gesundheit selbst als gut oder sehr gut (89 Prozent der Männer, 83 Prozent der Frauen). Mit zunehmendem Alter nimmt der Anteil der Personen, die ihre Gesundheit selbst als gut bezeichnen, ab. Die grosse Mehrheit der 11- bis 15-jährigen Schülerinnen und Schüler beurteilt ihre Gesundheit selbst als gut oder sehr gut (89 Prozent der Mädchen, 92 Prozent der Jungen).
Sowohl im Wallis als auch in der Schweiz lassen sich beim Gesundheitszustand je nach sozioökonomischem Status ausgeprägte Unterschiede feststellen. Tabakkonsum und Adipositas beispielsweise kommen bei Personen mit Abschluss der obligatorischen Schulzeit häufiger vor als bei Personen mit einer höheren Ausbildung. Erstere haben auch eine tiefere Lebenserwartung.
Rauchen ist eine der Hauptursachen für Sterblichkeit und Erkrankungen. 24 Prozent der Frauen und 30 Prozent der Männer im Wallis rauchen (CH: 23 Prozent bzw. 31 Prozent). Diese Anteile haben sich in den letzten 20 Jahren kaum verändert. Fast 15 Prozent der Todesfälle in der Schweiz sind auf Rauchen zurückzuführen, was auf das Wallis übertragen 400-450 Todesfällen pro Jahr entspricht. Alkoholkonsum ist eine der hauptsächlichen vermeidbaren Todesursachen und Ursachen für Unfälle und Erkrankungen. 2017 gaben im Wallis 7 Prozent der Männer (CH: 5 Prozent) und 7 Prozent der Frauen (CH: 4 Prozent) an, einen chronischen Alkoholkonsum aufzuweisen, der als risikoreich eingestuft wird. In der Schweiz sind rund 5 Prozent der Todesfälle auf Alkoholkonsum zurückzuführen. Auf das Wallis übertragen entspräche das 100-150 Todesfällen pro Jahr.
Der Anteil adipöser Personen im Wallis ist von 6 Prozent im Jahr 1992 (CH: 5 Prozent) auf 12 Prozent im Jahr 2017 (CH: 11 Prozent) angestiegen. 2017 hatten im Wallis 5 Prozent der Bevölkerung einen diagnostizierten Diabetes, gegenüber 2 Prozent im Jahr 1997.
Die geistige oder psychische Gesundheit ist eine wesentliche Komponente der Gesundheit, die aber nur schwer zu messen ist. Depressionen und Angststörungen kommen in der Bevölkerung häufig vor. 2017 gaben im Wallis fast jeder zwanzigste Mann und jede zehnte Frau an, gemässigte oder schwere depressive Symptome zu haben.
Das Jahr 2020 ist von der COVID-19-Pandemie geprägt. Die Krankheit kann schwer und tödlich verlaufen, besonders bei älteren und besonders gefährdeten Menschen. Zusätzlich zu den Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit beeinflussen die Pandemie und die zum Schutz der Bevölkerung getroffenen Massnahmen auch die psychische Gesundheit in einem noch unbekannten Ausmass. Diese Pandemie hat das Risiko neu auftretender Infektionskrankheiten für die Bevölkerung deutlich gemacht und gezeigt, welche Bemühungen unternommen werden müssen, damit das Gesundheitssystem dies bewältigen kann.
Fünf Herausforderungen für das Gesundheitswesen
Im Bericht werden fünf wesentliche Herausforderungen des Gesundheitswesens für die kommenden Jahre herausgestellt. Eine davon ist die Förderung der Gesundheit im Alter. Mit der steigenden Lebenserwartung bei guter Gesundheit ist zunehmend eine Generation von Seniorinnen und Senioren zu beobachten, die stark von den Präventionsmassnahmen (Vorsorgeuntersuchungen) und von den Massnahmen der Gesundheitsförderung (Ernährung, körperliche Aktivität, Tabakkonsum) profitieren. Vorsorgeuntersuchungen für Brust- und Darmkrebs sowie die Massnahmen der Gesundheitsförderung Wallis sind für diese Bevölkerungsgruppe von grossem Vorteil.
Auch zwei weitere Herausforderungen - Förderung der Gesundheit in den ersten Lebensjahren und in der Kindheit und die Reduzierung sozialer Ungleichheiten - müssen unbedingt bewältigt werden, um den Gesundheitszustand der Bevölkerung zu verbessern. Bildung und schulische Gesundheitsprogramme spielen eine bedeutende Rolle für die Gesundheit der Jugendlichen und ihr Verhalten im Erwachsenenalter. Solche Massnahmen können sich ebenfalls auf die Gewohnheiten im familiären Rahmen auswirken und soziale Ungleichheiten verhindern.
Auch das Verfolgen eines multisektoriellen Ansatzes der Gesundheitsförderung, der in den physischen, digitalen, sozioökonomischen und politischen Lebenswelten der Menschen Wirkung zeigt, ist eines der wichtigen Ziele des Walliser Gesundheitswesens.
Schliesslich ist auch der Ausbau des Gesundheitsmonitorings mehr denn je eine Herausforderung für das Gesundheitswesen. Es ermöglicht unter anderem eine Beurteilung der Bedürfnisse, eine Anpassung des Gesundheitssystems und eine Verbesserung der Qualität der medizinischen Betreuung und der Patientensicherheit. Die COVID-19-Pandemie hat uns ausserdem daran erinnert, wie wichtig ein leistungsfähiges Gesundheitsinformationssystem angesichts des Risikos neu auftretender Krankheiten ist.
Der Bericht des WGO ist auf www.ovs.ch auf Deutsch und Französisch verfügbar.Tweet