Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03291.jsonl.gz/1752

Erste Absichten, dereinst wieder als Organisator unter den fünf Ringen aufzutreten, hatten sie bei Swiss Olympic im Frühjahr publik gemacht. Sechs Monate später, nach intensiven Abklärungen und Befragungen verschiedener Expertinnen und Experten und Persönlichkeiten aus vielen Bereichen der Gesellschaft, herrscht gemäss der von Swiss Olympic, den olympischen Wintersportverbänden und Swiss Paralympic erarbeiteten Machbarkeitsstudie Einigkeit: Die Schweiz hat das Potenzial, Olympische und Paralympische Winterspiele durchzuführen.
Der Fokus liegt auf der Durchführung der beiden Grossanlässe im Jahr 2030. Die Spiele 2034, für die allerdings Salt Lake City, Utah, als erster Anwärter für den Zuschlag gilt, blieben als Alternative eine Option. Für die Austragung 2030 haben auch Frankreich und Schweden ihr Interesse angemeldet.
Die Schweiz als Gastgeberin von Winterspielen würde für ein Novum sorgen. Erstmals wären nicht mehr einzelne Städte und Regionen, sondern wäre ein ganzes Land in die Veranstaltung involviert. Möglich macht dies das Internationale Olympische Komitee mit dem neu geschaffenen Passus, im Sinne der Nachhaltigkeit auch Bewerbungen mit nationalem Ansatz zuzulassen.
Der Dezentralisierung liegt die Vorgabe zugrunde, für die Wettkämpfe auf bestehende Anlagen zurückzugreifen. Genutzt werden könnte an den einzelnen Standorten auch ein immenser Erfahrungsschatz. In den nächsten vier Jahren finden in mindestens neun olympischen Sportarten Weltmeisterschaften in der Schweiz statt.
Zwölf Austragungsorte
Vorgesehen sind zwölf Austragungsorte in allen vier Sprachregionen. Die angefragten Standortgemeinden haben ihr Interesse bereits bekundet. Die Eröffnungsfeier wäre in Lausanne vorgesehen, die Schlussfeier in Bern. Noch zu klären sind die Bedingungen im Kanton Tessin und in den Sportarten Curling und Eisschnelllauf. Für den Eisschnelllauf wird eine Lösung im nahen Ausland angestrebt. Die angedachten Standorte entsprechen auch denen für die Paralympischen Spiele.
Die Nachhaltigkeit ist selbstredend ein zentrales Thema - umso mehr nach dem Gigantismus im Zuge der Spiele in Sotschi, Pyeongchang und Peking, der dem Image des IOC tiefe Kratzer versetzt und, verschärft durch verschiedene Korruptionsskandale, die Glaubwürdigkeit infrage gestellt hat.
Der Ansatz, für die Wettkämpfe auf bestehende Anlagen zurückzugreifen, setzt im Vergleich zu den exorbitanten Summen, die die Spiele in Russland, Südkorea und China verschlungen haben, einen angenehmen Kontra-Punkt. Die «Schweizer Lösung» könnte am Ursprung des Umdenkens stehen, das im IOC schon längst hätte stattfinden sollen.
Eine Finanzierungsanalyse fördert zutage, dass das Budget für Olympische und Paralympische Spiele in der Schweiz mit privaten Mitteln gestemmt werden kann. Die Veranstaltungen generieren gemäss den Berechnungen Einnahmen in der Höhe von 1,5 Milliarden Franken. Fast die Hälfte davon, 710 Millionen, steuert das IOC bei. Der Rest stammt vorwiegend aus Sponsoring und Ticket-Verkauf. In dieser Budgetrechnung ist auch eine blockierte Reserve von 200 Millionen Franken enthalten. Für die Organisation der Paralympischen Spiele sollen Bund und Kantone für Beiträge von je 50 Millionen Franken angefragt werden.
67 Prozent Zustimmung
Das veranschlagte gemässigte Budget soll der Akzeptanz von Winterspielen in der Schweiz förderlich sein. Swiss Olympic hat stets darauf hingewiesen, dass die Unterstützung der Bevölkerung für ein neuerliches Projekt gegeben sein muss. Ein zentraler Punkt der Machbarkeitsstudie ist deshalb die repräsentative Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut gfs.bern mit 1020 teilnehmenden Personen durchgeführt hat. 67 Prozent der Kontaktierten haben sich im Grundsatz für Olympische und Paralympische Spiele in unserem Land ausgesprochen.
Bei Swiss Olympic betrachten sie die hohe Prozentzahl von Befürwortern als starkes Zeichen und als Bestätigung, mit der ins Auge gefassten Bewerbung den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. In die Überzeugung mischt sich auch Erleichterung, zumal frühere Kandidaturen in Bern, Graubünden und im Wallis bereits am Nein des Stimmvolks gescheitert sind. Das Risiko solcher Szenarien betrachten die Verantwortlichen als überschaubar. Allein der im Mass gehaltene finanzielle Aufwand soll grossflächigen Widerstand verhindern. Allfälligen kantonalen Referenden wollen sie mit Alternativen in Form von Verlegungen von Wettkämpfen in andere Landesteile begegnen.
Für den nächsten Schritt auf dem Weg zu möglichen dritten Spielen in der Schweiz nach jenen in den Wintern 1928 und 1948 in St. Moritz kann das Sportparlament sorgen. Stimmt das oberste Organ des Dachverbandes dem Antrag an seiner jährlichen Sitzung Ende November zu, kann der Dialog mit dem IOC intensiviert werden. Den Entscheid über die Organisatoren der Spiele 2030 und 2034 hat das IOC im kommenden Sommer an seiner Session in Paris vorgesehen.