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SI online: Bligg, wie gut sprechen Sie eigentlich französisch?
Bligg: Pas si bon. Ich finde es toll, dass wir in der Schweiz Französisch lernen. Doch ich habe das Sprachstudium in Englisch gemacht. Für die Musik war Englisch naheliegender. Übrigens bin ich seit 15 Jahren mit Rapper Stress befreundet und wir reden meistens Englisch miteinander.
Spüren Sie als Musiker den Röstigraben?
Als Mundart-Musiker habe ich in der Westschweiz nicht die gleiche Ausgangslage. Bei uns lernt man Französisch in der Schule, sie jedoch nicht Mundart.
Existieren französische Wörter überhaupt in Ihrem Wortschatz? Merci zählt nicht.
Glacé! (lacht)
Sie sind gerade an der Côte d’Azur. Wie passt die Gegend zu Ihnen?
Ich kenne sie gut. Als ich in den Zwanzigern war, hatte die Familie eines Freundes ein Haus hier, und wir sind pro Jahr ein-, zweimal hier hingefahren. Das war für mich eine der wenigen Möglichkeiten, ausserhalb der Schweiz Ferien zu machen. Damals war ich finanziell ziemlich schwach auf der Brust.
Haben Sie sich in ein französisches Girl verliebt?
Verliebt nicht. (lacht)
Momentan läuft das grösste Filmfestival. Wie wirkt Hollywood auf Sie?
Es gibt einige Filme, die prägende Werke sind. Aber ich mag lieber europäische Filme und bin ein grosser Fan von Luc Besson oder Vincent Cassel.
Haben Sie auch schon Filmrollen angeboten bekommen?
Ja, aber die Drehbücher haben mir nicht gefallen. Ich könnte mir die Schauspielerei vorstellen, weiss jedoch nicht, ob ich das kann. Meine Rolle wäre wohl ein übler Gangster.
Welche Filmmusik hätten Sie gerne selbst geschrieben?
Die von «Der Pate». (beginnt zu summen)
Gangster, «Der Pate». Was ist die Faszination an der Mafia-Welt?
Es ist nicht das Gangstertum. Aber oft kommt die klassische «Rocky»-Story hervor. Jemand findet von ganz unten den Weg nach oben. Da sehe ich Parallelen zu meinem echten Leben.
Sie sind IWC-Botschafter, weshalb?
Georges Kern kam persönlich auf mich zu. Ich bin generell ein grosser Uhren-Fan. Alles in allem besitze ich 10 bis 15 Uhren, davon etwa 7 IWC.
Wieso sammeln Sie Uhren?
Es ist ein Schmuck, den ein Mann tragen kann. Andererseits ist es das Gerät, das das Wertvollste misst, was ein Mensch hat. Zeit. Ich habe meinem Bruder und meinem besten Freund zu ihrem Geburtstag die gleiche Piloten-Uhr von IWC geschenkt, die ich mir selbst fürs «0816»-Album geleistet habe. Als Zeichen unserer Freundschaft und die Zeit, die wir bisher miteinander verbringen durften.
Was war bisher Ihre härteste oder prägendste Zeit?
Analog zu jedem Mann in meinem Alter lernte ich mich zwischen 20 und 30 kennen. Vielleicht weiss man mit 35 immer noch nicht, was man will, aber was man nicht will.
Wofür fehlt Ihnen die Zeit?
Für Privates. In den letzten vier Jahren gab es Zeiten, in denen ich meine Mutter ein, zwei Monate nicht gesehen habe. Und es ist nicht so, dass sie irgendwo in Paraguay lebt. Aber im Moment ist eine entspannte Phase. Die Tour liegt hinter uns, zwei Festivals wie «Das Festival» in Schaffhausen oder das Argovia-Fäscht kommen noch. Es gibt momentan keine fixen Deadlines. Wenn Zeit bleibt, dann investiere ich sie in private Dinge. Ich verändere Dinge in der Wohnung, gehe mit meinen zwei Patentöchtern - sie sind 12- und 3-jährig - in den Europapark oder einkaufen und mache dann einen auf Styleberater. Die zwei hören wenigstens noch zu.
Wie siehts mit Sport aus?
Momentan trainiere ich viel und mache seit zehn Wochen eine Low-Carb-Diät. Minus sechs Kilo hats bisher gebracht. So bereite ich mich auf die Festivals vor, denn da muss ich fit sein. Ich bin ja auch nicht mehr 24.
Schmieden Sie Zukunftspläne?
Davon bin ich weggekommen. Man weiss sowieso nicht, was morgen ist. Und im Musikbusiness kann man auch nicht zehn Jahre im Voraus planen, plötzlich kommt überraschend der Erfolg. Jetzt bin ich 36 und denke nicht daran, was als Nächstes kommt. Wer das macht, lebt wohl sehr verkrampft. Ich lasse mich lieber überraschen. Und ich erwarte ohnehin nicht viel vom Leben. Ich bin gewohnt, mit einfachen Mitteln durchzukommen.
Hat der Tod Ihrer Schwester Anfang Jahr vieles für Sie relativiert?
Ja sicher. Was mit meiner Schwester passiert ist, hat alles unbedeutend werden lassen. Ich lernte jede Sekunde des Lebens zu schätzen. Dafür hätte es diesen Vorfall nicht gebraucht, ich wusste es schon vorher. Aber mir wurde bewusst, dass wir eigentlich nichts sind. Ein Staubkorn in einem Orbit. Es macht zack, und du bist weg. Deswegen ist mir auch das ganze Startum oder vor tausenden Leuten aufzutreten nicht das Wichtigste. Natürlich ist es schön zu wissen, dass den Menschen meine Musik gefällt, sie meine Songs spüren.
Haben Sie viele Feedbacks?
Ja, natürlich. Ich erhalte auch Briefe aus dem Gefängnis oder von Leuten, die Familienangehörige verloren haben und mit einem Song von mir besser durch die Zeit kommen. Das ist eigentlich das Schöne. Ich stehe nicht auf der Bühne, um auf die Leute herunterzuschauen und zu denken, ich bin etwas Besseres.
Heute Abend erscheinen viele Stars.
Wollen Sie meine Lieblingsschauspieler wissen? Ich hätte diesbezüglich meine «Ufzgi» gemacht. Also ich finde Moritz Bleibtreu super, Vincent Cassel, James Gandolfini, Robert De Niro, Al Pacino. Sie sind Charakterschauspieler. Ich nehme ihnen ab, was sie spielen.
Sie haben keine Frau aufgezählt.
Charlize Theron finde ich sehr gut. Sie sieht wahnsinnig gut aus, aber ist auch wirklich eine sehr gute Schauspielerin. Das Gleiche denke ich von Monica Bellucci. Aber wenn ich sie als Beispiel nehme, denken alle: ja, klar...
«La Boum», war das in ihrer Jugendzeit aktuell?
Natürlich, an den «Fez» wurden Flaschen gedreht und der Soundtrack lief.