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Zürich, 20. Juni 1876.
Hochgeachteter Herr Präsident!
Herr Ingenieur Coutin1 aus Paris war Sonntags & Montags hier um Namens des Comptoir d'Escompte mit der Direction der NOB. zu verhandeln. Ich konnte es daher nicht passend finden, auf gestern schon bei letzterer nach dem Stand der Sache zu erkundigen. Dagegen kam heute Herr Dr. Escher2 zu mir, um darüber zu berichten. Wie es scheint, so ist es mit der Hoffnung, daß das Pariser Syndikat das Gelingen der neuen Aktien-Emission garantiren werde, nichts. In Folge dessen hat sich den Herren endlich die Ueberzeugung aufgedrungen, daß nun ohne längern Verzug in andrer Weise vorgegangen werden müsse. Es werden| demnach für die Emission von neuen Aktien (Prioritätsaktien)3 sofort alle Vorbereitungen getroffen werden.
Man wünscht bei dieser Emission auch die Mitwirkung der Kreditanstalt in Anspruch zu nehmen.4 Herr Dr. Escher hat dießfalls folgende Anregungen gemacht:
1) daß die Kreditanstalt, für sich allein oder in Verbindung mit andern Banken, die Verpflichtung eingehen solle, denjenigen Aktionären, welche bei der Subscription auf die neuen Aktien fr 100 eingezahlt haben, den Rest von fr 400 bis Ende 1877 vorzuschießen.
Zur Erläuterung dieses Begehrens füge ich bei, daß mit Rücksicht auf die Obligationen-Emission in Frankreich | es nothwendig sei, daß die neuen Aktien bis Ende September l. J. vollständig einbezahlt werden & daß man daher, indem man von den Aktionären auf diesen Termin die Volleinzahlung fordere, ihnen zugleich den Weg zeigen müßte, wo sie sich dazu die erforderlichen Fonds holen können.
2) daß die Kreditanstalt mit andern Instituten das Gelingen der Emission garantire, oder wenigstens
3) sich anheischig mache, eine gewisse Summe des allfällig nicht gezeichneten Aktienbetrages zum Voraus fest zu übernehmen.
Ich habe Herrn Escher erwiedert, daß ich die Sache bei mir selbst| näher prüfen & alsdann mit Ihnen besprechen werde, um sie darauf künftigen Donnerstag in der Ausschußsitzung5 zu vertraulicher Verhandlung zu bringen.
Ich wollte nicht verfehlen, Sie hievon vorläufig zu benachrichtigen, in der Hoffnung, die Frage mit Ihnen noch vor der Ausschußsitzung erörtern zu können.
Die Nachrichten unserer Pariser Delegirten6, die nunmehr wieder hier sind, lauten nicht sehr tröstlich. Es scheint, daß die Stadt Paris die Clause domaniale fallen lassen, hinwieder aber eine Revindikationsklage anholen will.7
Mit aufrichtiger Verehrung
Ihr
Stoll.