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Wenngleich die Erholung durch die Einschränkung der Aktivitäten äußert zögerlich vorangeht, leisten sowohl die Zentralbanken als auch die Regierungen beispiellose Unterstützung, wie auch von Christine Lagarde während der geldpolitischen Sitzung der EZB letzte Woche unterstrichen wurde. Ein Impfstoff könnte in den kommenden Monaten zugelassen werden und den Weg für höhere Inflationserwartungen und positive wirtschaftliche Überraschungen ebnen. Die jüngst in westlichen Ländern verschärften Ausgangsbeschränkungen haben keinen erheblichen Einfluss auf unser Basisznenario, demzufolge im 2. Halbjahr 2021 ein Impfstoff hergestellt und verfügbar gemacht werden sollte.
Um in diesem Umfeld niedrigerer Renditen und längerer Laufzeiten Kurs zu halten, folgen wir bei festverzinslichen Anlagen einer „Barbell-Strategie“, bei der eine auf einem hohen Überzeugungsgrund basierende Kernallokation mit ausgewählten Unternehmensanleihen, nachrangigen europäischen Finanzanleihen und Staatsanleihen (europäische Nicht-Kernländer und Schwellenländer) kombiniert wird, während diesen Exposures höhere Barmittel und Barmitteläquivalente, eine lange Duration mit Kernstaatsanleihen ähnlichen Renditen und eine aktive Verwaltung aus Absicherungen und Barmitteln entgegengesetzt werden.
USA
Es wird erwartet, dass die Federal Reserve die Erholung unterstützen und eine unangemessene Verschärfung der finanziellen Lage verhindern wird. Eine leichte Long-Ausrichtung der Positionen in der US-Duration hilft Portfolios mit festverzinslichen Anlagen im Falle eines pessimistischen Umfelds, das zum Beispiel aufgrund des Virus/Impfstoffs aufkommen könnte oder auf dem Wachstum oder einem knappen Wahlausgang basieren könnte, selbst wenn ein Erfolg der Demokraten klar eingepreist zu sein scheint. Doch sowohl die Umfragewerte als auch die Wettanbieter lagen falsch, und Streitigkeiten rund um die Ergebnisse bleiben möglich.
EUROZONE
In der Eurozone zeigen die Bewertungen nur ein begrenztes Abwärtspotenzial bei Anleihen auf. Neue Zinssenkungen wären nötig, was auf kurze Sicht unwahrscheinlich scheint. Mit ihrem moderaten Einschreiten in der letzten Woche bestätigte Lagarde, dass die EZB im Dezember tätig werden dürfte, wahrscheinlich mit einer Verlängerung des Pandemic Emergency Purchase Programme und/oder weiteren längerfristigen TLTROs. Dies dürfte Carry-Strategien und einen potenziellen Rückgang der Renditeunterschiede zwischen Staatsanleihen der Nicht-Kernländer und Unternehmensanleihen begünstigen.
G10-Staaten
Unter den G10-Staaten scheint besonders Australien in Bezug auf Anleihen attraktiv. Weitere Lockerungsmaßnahmen wären möglich, auch wenn die Reserve Bank of Australia die Zinsen gesenkt und jüngst ein QE-Programm in Höhe von 100 Mrd. AUD angekündigt hat. Die Fiskalpolitik sollte künftig expansiver werden, sodass die australische Notenbank angehalten ist, ihre unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen zu verstärken, um dem erwartungsgemäß höheren Anleihenangebot Herr zu werden und die Währung abzuwerten.
Schwellenländer
Wir halten derzeit an unserer vorsichtigen Haltung in Bezug auf Schwellenländer fest, da die Exporte und Kapitalflüsse zurückgehen. Nichtsdestotrotz behält unser Team die Situation in makroökonomischer Hinsicht genau im Auge, da der schwächere US-Dollar den Schwellenländern ein positiveres Umfeld bescheren könnte. Selbst wenn die Anlageklasse der Schwellenländeranleihen insgesamt kein besonders attraktives Risiko-Rendite-Profil bietet, bestehen in manchen Ländern Chancen, höhere Erträge als in China zu erzielen, da eine langsame Erholung des Arbeitsmarkts und die hohe Bedeutung des Dienstleistungssektors darauf hindeuten, dass die PBoC für längere Zeit gemäßigt vorgehen dürfte. Was die Bewertungen angeht, befindet sich der Unterschied zwischen den Renditen fünfjähriger chinesischer Anleihen und denen der entwickelten Länder mit rund +3% nahezu auf einem Höchststand (Quelle: Bloomberg, Index W2G1).