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Manon Blanck-Goncalves
Roses are red, violets are blue.
Im Leben der meisten Menschen ist Farbe ein unvermeidlicher Bestandteil ihrer Erfahrungen als Menschen. Viele Umfragen, die bis in die 1800er Jahre zurückreichen, haben gezeigt, dass, wenn man jemanden fragt, was seine Lieblingsfarbe ist, diese Person am ehesten mit Blau antwortet. Blau ist seit Generationen die Lieblingsfarbe der Welt, obwohl es in einigen alten Kulturen noch nicht einmal ein Wort dafür gab, was offensichtlich wird, wenn man Homers Beschreibung eines «weindunklen» Meeres liest. Wie also hat die Welt ihre Lieblingsfarbe gewählt?
In einer Reihe von Laborstudien wurde den Teilnehmern eine Vielfalt von Farben gezeigt und dann gefragt, welche Erinnerungen, Objekte oder Erfahrungen sie damit verbinden und ob diese Assoziationen positiv oder negativ sind. Es zeigte sich, dass etwa 80 % der Veränderung der durchschnittlichen Farbpräferenzen einer Gruppe zur anderen darauf beruhte, inwieweit die Menschen positive/negative Erfahrungen mit diesen Farben assoziierten. Und diese Assoziationen können für eine ganze Kultur ähnlich sein, nicht nur für Einzelpersonen. In den meisten westlichen Ländern wird Schwarz zu Beerdigungen getragen, weil es für Tod und Traurigkeit steht. In Kambodscha hingegen ist Weiß die traditionelle Farbe, die man zu einer Beerdigung trägt. Daraus lässt sich ableiten, dass die Bedeutungen, die wir mit Farben verbinden, nicht einfach angeboren sind, sondern durch unsere eigenen, persönlichen oder kulturbedingten Erfahrungen mit dieser spezifischen Farbe geformt werden, was wiederum unsere Lieblingsfarbe beeinflusst.
Diese Theorie lässt auch individuelle Unterschiede zu, was ihr mehr Glaubwürdigkeit verleiht, denn während der Mehrheit der Menschen Blau bevorzugt, favorisieren eine große Menge Grün und Rot. Eine Veränderung der Vorlieben durch absichtliche Änderung der Assoziationen, die eine bestimmte Person mit einer Farbe hat, ist ebenfalls möglich. Dies wurde 2013 demonstriert, indem man bestimmten Gruppen von Teilnehmern entweder positiv oder negativ konnotierte grüne und rote Objekte der westlichen Kultur präsentierte, wie z.B Erdbeeren vs. blutige Verletzungen. Der Test war erfolgreich, aber er funktionierte nur für eine kurze Zeit. Es braucht eigentlich nicht mal andere Menschen, um Farbpräferenzen zu verändern. Der Wechsel der Jahreszeiten oder sogar politische Ereignisse können denselben Effekt haben. Im Herbst klettern Braun-, Goldgelb- und Dunkelrot-Töne, die in Umfragen in der Regel am unbeliebtesten sind, in der Beliebtheitsskala nach oben, und amerikanische Republikaner zeigen bei laufenden Wahlen eine größere Vorliebe für Rot. Es gibt zwar einige vorhersehbare Aspekte der Farbpräferenz, aber Lieblingsfarben sind keine stabile Eigenschaft von Menschen. Geschmack kann schnell durch dynamische Erlebnisse im Leben eines Menschen und sogar einfach das, was jemandem gerade durch den Kopf geht, verändert werden.
Blau ist die Lieblingsfarbe der Welt, weil sie mit Frieden und Ruhe assoziiert wird. Es repräsentiert die weit ausgedehnten Ozeane und den klaren blauen Himmel, die so viele mit glücklichen Erinnerungen verbinden. Es ist ein Hintergrund für Vögel, deren Flug die Menschheit mit Freiheit verbindet. Der Himmel und das Meer sind auch weite, offene Räume, was diese Assoziation noch verstärkt. So assoziieren wir die Farbe dieser Naturphänomene unweigerlich mit angenehmen, vertrauten und positiven Empfindungen, die uns ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen vermitteln. Sowohl der Himmel als auch das Wasser sind universelle Erfahrungen, die die Beliebtheit von Blau im Vergleich zu anderen Farben, die im Leben der Menschen nicht so präsent sind, steigern. Ausserdem ist festzustellen, dass es im Leben eines durchschnittlichen Menschen nicht viele negativ konnotierte, wiederkehrende Objekte gibt, die blau sind.
Jetzt frage ich Sie: Was ist Ihre Lieblingsfarbe? Und warum?