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Jugendliche in Spanien. Warten auf Arbeit. Warten auf Godot.
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Die Fakten: Zürich und Winterthur haben mit deutlichen Mehrheiten einen Mindestlohn angenommen. Basel-Stadt tat zwei Jahre zuvor den gleichen Schritt. Warum das wichtig ist: Das Resultat gehört ins Kapitel «ökonomischer Analphabetismus». Mindestlöhne zerstören Arbeitsplätze und machen die Jungen arbeitslos. Im Jahr 1873 meldete sich in einem kleinen Kaff in Upstate New York, im ländlichen, hinterwäldlerischen Gebiet des Staates, ein Bursche bei einem Ladenbesitzer und bewarb sich um eine Stelle:
- Er konnte nichts. Aufgewachsen auf einer Farm, wusste er nur, wie sich harte Arbeit anfühlte, wenn er am frühen Morgen die Kühe melken musste. Manchmal war es so kalt, dass er und sein Bruder sich zuerst an die Kühe kuschelten, um warm zu bekommen
- Das wollte er nicht mehr. Deshalb war ihm alles recht. Jede Stelle
Der Ladenbesitzer schaute sich den Burschen an: ein schmaler Wurf, mit hungrigen Augen und schmutzigen Kleidern, der von Verkauf und Kunden keine Ahnung hatte, von einer Schulbildung war wenig zu erkennen: Warum sollte er ihn einstellen? Zumal Dutzende von älteren, erfahrenen Berufsleuten sich ebenfalls um den Job bemüht hatten. Hinterher wusste der Ladenbesitzer wohl auch nicht mehr, warum er dem Burschen ein Angebot machte, jedenfalls war der hell begeistert – und fragte schüchtern:
«Was verdiene ich?»
Der Ladenbesitzer antwortete gereizt: «Nichts! Was fällt Dir eigentlich ein? Du müsstest mich bezahlen, dass ich Dir zeige, wie das Geschäft läuft!»
Der Bursche hiess Frank Winfield Woolworth. Schon in wenigen Jahren sollte er F.W. Woolworth ins Leben rufen, ein Unternehmen, das zum grössten Warenhauskonzern der Welt aufsteigen sollte. Irgendwann nahm der einstige Lehrling seinen Lehrmeister, den vermeintlich hartherzigen Ladenbesitzer, als Partner auf. Woolworth starb 1919 als Millionär.
An diese Geschichte, die der amerikanische Ökonom Thomas Sowell in einem seiner vielen Bücher erzählt, musste ich denken, als die Zürcher und die Winterthurer am Sonntag mit grossen Mehrheiten einen Mindestlohn einführten (23.90 Franken bzw. 23 Franken). Das linke Basel-Stadt war 2021 als erster Kanton vorangegangen, jetzt ahmten die beiden linken Zürcher Städte den Unsinn nach. Unsinn? Hätte der Ladenbesitzer 1873 einen Mindestlohn einhalten müssen, er hätte dem jungen Woolworth nie eine Chance gegeben. Dieser Bauernbub hatte ja nichts zu bieten, kannte nichts, vor allem war er viel weniger produktiv als alle anderen Bewerber zusammen. Tatsächlich musste er in den ersten drei Monaten nur den Boden schruppen und die Gestelle abstauben, einem Kundenwar er nicht zuzumuten, er hätte ihn in Angst und Schrecken versetzt, war zu befürchten. Worauf es im Verkauf ankam, lernte er erst allmählich, dann allerdings so gut, dass er bald einen richtigen Lohn verdiente – im wahrsten Sinne des Wortes.
- Wie alle Preise richten sich auch die Löhne nach Angebot und Nachfrage, sofern allein der Markt spielt
- Wird der Preis der Arbeit (die Höhe des Lohnes) staatlich angehoben, dann geschieht nach ökonomischen Gesetzmässigkeiten Folgendes: Das Angebot übertrifft bald die Nachfrage, will heissen: es melden sich sehr viel mehr Arbeitnehmer auf eine offene Stelle (Angebot), während der Arbeitgeber weniger Stellen ausschreibt – weil sie ihm zu teuer kommen (Nachfrage)
- So ergibt sich ein Überschuss von Arbeitskräften, weil kein Arbeitgeber gezwungen werden kann, mehr für einen Arbeitnehmer zu bezahlen, als dessen Produktivität nahelegt. Möglicherweise entlässt der Unternehmer auch Arbeitnehmer oder ersetzt sie nicht mehr, wenn sie pensioniert werden
Mit anderen Worten, Mindestlöhne führen so gut wie immer zu mehr Arbeitslosigkeit. Gewiss, wer eine Stelle hat, dem geht es zunächst besser, solange er sich über eine Lohnerhöhung freuen kann und seine Stelle nicht aus Kostengründen eingespart wird.
- Wer aber – wie Woolworth – am Anfang seiner beruflichen Laufbahn steht und daher wenig Expertise aufweist
- Wer über eine mässige Ausbildung verfügt oder die Sprache der Einheimischen noch nicht beherrscht, weil erst vor wenigen Monaten eingewandert ist:
- Der ist arm dran – und wird noch ärmer, zumal es ihm kaum gelingen dürfte, sich je auf dem Arbeitsmarkt durchzusetzen
Was die Gewerkschaften und die Linke als «soziale» Massnahme anpreisen – und wozu sie die Zürcher und die Winterthurer offensichtlich verleiten konnten, ist in Tat und Wahrheit unsozial. Zutiefst unsozial. Denn am meisten trifft dieser ökonomische Unsinn die Jungen, die kaum Ausgebildeten und die Einwanderer – die Schwächsten unserer Gesellschaft werden noch schwächer, weil die starken Gewerkschaften sich um sie gekümmert haben.
Die Folgen lassen sich im Ausland studieren. So gut wie alle westlichen Länder kennen seit langem einen gesetzlichen Mindestlohn, und fast überall hat dies (unter anderem) die Jugendarbeitslosigkeit in schwindelerregende Höhen getrieben. Hier das Ranking des Elends:
- Spanien: 28,4 Prozent
- Griechenland: 27,4 Prozent
- Schweden: 21 Prozent
Und zum Vergleich das fast einzige Land, das sich auf keinen nationalen Mindestlohn eingelassen hat:
- Schweiz: 1,8 Prozent (gemäss SECO) oder um fair zu bleiben: 7,2 Prozent (gemäss Definition der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, der auch die oben genannten Zahlen entsprechen)
Gutgemeint – haben es die Zürcher und Winterthurer ohne Zweifel. Aber gutgemeint ist selten gut. Oder wie es Karl Kraus, der österreichische Autor, ausgedrückt hat: «Das Übel gedeiht nie besser, als wenn ein Ideal davorsteht.» Ich wünsche Ihnen einen herrlichen Tag Markus Somm