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Buch des Monats Januar
Die Bibliothek Mellingen empfiehlt: "Neujahr" von Juli Zeh
Henning und Theresa machen mit ihren Kindern Weihnachtsferien auf Lanzarote. Die Eltern sind erschöpft vom Alltag, in dem sie versuchen Arbeit und Familie gleichberechtigt zu verteilen und alles unter einen Hut zu bringen. Vor allem Henning merkt schon bald, dass Ferien mit zwei kleinen Kindern nicht erholsamer sind als das Leben zu Hause. Den Kindern ist langweilig. Für Weihnachten findet sich kein Tannenbaum, an der Silvesterfeier tanzt Theresa mit einem andern. Henning leidet wie schon zu Hause unter nächtlichen Panikattacken in denen er von Gefühlen aus der Kindheit überrollt wird. Er kann diese Gefühle nicht wirklich fassen und bezeichnet sie einfach als „Es“.
Am Neujahrsmorgen hat Henning genug. Er fährt mit seinem gemieteten Fahrrad los in die Berge von Lanzarote. Henning kämpft sich mithilfe seiner Wut, übermüdet und durstig die Kurven hoch. Je länger er strampelt, desto mehr verschiebt sich seine Wahrnehmung. Die Realität, die vorher noch bedrückend erschien, wird brüchig.
Henning erreicht völlig erschöpft und dehydriert das Haus oben auf dem Gipfel und wird da von Lisa, einer deutschen Auswanderin mit Wasser und Essen versorgt. Im Haus drinnen merkt er, dass er da schon einmal gewesen sein muss. Lisa erzählt ihm, dass sich in diesem Haus eine Tragödie mit zwei kleinen Kindern abgespielt habe, die halbtot aufgefunden worden seien, mehr wisse sie aber auch nicht. Es wird dem Leser, der Leserin des Buches schnell klar, eines der beiden Kinder war Henning.
Klappentext
Lanzarote, am Neujahrsmorgen: Henning sitzt auf dem Fahrrad und will den Steilaufstieg nach Femés bezwingen. Seine Ausrüstung ist miserabel, das Rad zu schwer, Proviant nicht vorhanden. Während er gegen Wind und Steigung kämpft, lässt er seine Lebenssituation Revue passieren. Eigentlich ist alles in bester Ordnung. Er hat zwei gesunde Kinder und einen passablen Job. Mit seiner Frau Theresa praktiziert er ein modernes, aufgeklärtes Familienmodell, bei dem sich die Eheleute in gleichem Masse um die Familie kümmern. Aber Henning geht es schlecht. Er lebt in einem Zustand permanenter Überforderung. Familienernährer, Ehemann, Vater – in keiner Rolle findet er sich wieder. Seit Geburt seiner Tochter leidet er unter Angstzuständen und Panikattacken, die ihn regelmässig heimsuchen wie ein Dämon. Als Henning schliesslich völlig erschöpft den Pass erreicht, trifft ihn die Erkenntnis wie ein Schlag: Er war als Kind schon einmal hier in Femés. Damals hatte sich etwas Schreckliches zugetragen - etwas so Schreckliches, dass er es bis heute verdrängt hat, weggesperrt irgendwo in den Tiefen seines Wesens. Jetzt aber stürzen die Erinnerungen auf ihn ein, und er begreift: Was seinerzeit geschah, verfolgt ihn bis heute.
Juli Zeh, Neujahr, Roman, Luchterhand-Literaturverlag, 2018