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Kapellen
Josefskapelle, Oberhof
Eigenmächtiger Kapellenbau
1803 trennte sich Oberhof von Wölflinswil, mit dem es unter habsburgischer Herrschaft eine Vogtei gebildet hatte. Schon bald regte sich in der jungen Gemeinde der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus – ein Schulhaus, Ausdruck der Selbständigkeit, besass man bereits. Die Aargauer Regierung erkannte jedoch keine Notwendigkeit für die Errichtung einer Kapelle. Trotz fehlender Bewilligung bauten die Oberhöfler 1818 neben dem Schulhaus ein Kirchlein. Ein Gesuch des Gemeinderates um einen Beitrag von 300 bis 400 Franken zugunsten der neuen Kapelle lehnte die verärgerte Regierung im Januar 1819 ab. Immerhin übergab das Chorherrenstift Rheinfelden als Patronats- und Zehntherr der Pfarrei Wölflinswil-Oberhof für das neue Kirchlein ein Kelch und ein Messgewand. Die Kapelle gehörte der Ortsbürgergemeinde, die sie Mitte der 1950er Jahre dem neu gegründeten Kapellenverein abtrat.
Rätselhafte Herkunft des Altars
Zusammen mit dem ehemaligen Schul- und heutigen Gemeindehaus und dem Vorplatz bildet die Josefskapelle im Dorfkern ein öffentliches Zentrum. Einst trug die Kapelle einen Dachreiter mit Haube, der bei der Renovation 1975 durch das heutige Käsbissentürmchen ersetzt wurde. Es beherbergt drei Glocken aus den Jahren 1818, 1880 und 1975.
In der Kapelle steht ein hübscher Altar aus dem 18. Jh. Die Kreuzigungsgruppe datiert allerdings ins erste Drittel des 17. Jh. und wird der Werkstatt von Heinrich und Melchior Fischer in Laufenburg zugeschrieben – hervorragende Künstler, die auch die eindrucksvolle Kreuzigungsgruppe in der Friedhofskapelle in Frick geschaffen haben. Zwei Rokokotafeln zeigen die hl. Katharina von Alexandria und die hl. Barbara. Beide zählen zu den Vierzehn Nothelfern. Als Patronin der Bergarbeiter kam Barbara in dieser Gegend eine besondere Verehrung zu, da bei Wölflinswil während Jahrhunderten Eisenerz abgebaut wurde. Der Altar ist älter als die Kapelle und stand ursprünglich in einem anderen Sakralraum. In welchem, ist ein (noch) ungelöstes Rätsel.
Moderne Glasmalerei
Die Fenster schmücken moderne Glasbilder von 1975 des polnischen Künstlers Jan Janczak (*1938). Sie thematisieren Mariä Empfängnis, die Huldigung durch die drei Könige, die Flucht nach Ägypten, den Kreuzweg, die Kreuzigung sowie die Auferstehung. Beachtenswert ist die behäbige Empore mit dem gedrechselten Balustergeländer. An ihrer Unterseite sind die beiden Löcher der einstigen Glockenseile noch sichtbar. Heute wird das Geläut elektrisch betrieben. (lh)