Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03305.jsonl.gz/1564

Die Bauarbeiten zur zweiten Röhre am Gotthard umfassen den Haupttunnel, die Zugangsstollen, Aussenanlagen und Installationsplätze in Airolo und Göschenen sowie die Autobahnüberdeckung und Umgestaltung des Autobahnanschlusses in Airolo.
Der Hauptunnel
Der Haupttunnel verläuft in ca. 70 Meter Distanz parallel zur ersten Röhre und wird ebenfalls 16,9 Kilometer lang sein. Die zweite Röhre wird an das bestehende Tunnelsystem angeschlossen. Der Tunnelquerschnitt ist rund und hat einen Durchmesser von ca. 12,3 Meter. Die Fahrbahn im Tunnel inklusive Pannenstreifen wird rund 8 Meter breit. Auf der gesamten Tunnellänge sind im Abstand von jeweils 250 Metern insgesamt 68 Verbindungsstollen geplant. Der Raum über der Fahrbahn steht für die Lüftungsanlagen zur Verfügung und er wird mit den bestehenden Lüftungsschächten verbunden.
Im Hohlraum unter der Fahrbahn sind zwei Werkleitungskanäle vorgesehen. In einem Kanal werden alle Leitungen für Strom, Kommunikation und Löschwasser installiert, die für den Unterhalt des Tunnels notwendig sind. Der zweite Kanal bietet Platz für Infrastrukturen von Dritten. Beispielsweise für die Stromnetzbetreiberin Swissgrid: Sie ersetzt ihre bestehende Hochspannungsleitung über den Gotthardpass durch eine neue Leitung im Strassentunnel. Die Verknüpfung einer solchen Leitung mit einem Strassentunnel ist europaweit ein Pionierprojekt. Nach der Inbetriebnahme wird die alte Leitung über den Gotthardpass zurückgebaut.
Der bereits bestehende Service- und Infrastrukturstollen (SISto) verläuft zwischen den beiden Hauptröhren. Seine Eingänge befinden sich heute dort, wo später die Ein- und Ausfahrten für die zweite Röhre sein werden. Deshalb müssen die Eingänge für den SISto umgelegt werden. Insgesamt 68 begehbare Querverbindungen erschliessen den Haupttunnel mit dem Stollen. Der SISto hat ein eigenes Lüftungssystem, ein Überdruck im oder gegenüber dem Haupttunnel stellt sicher, dass kein Rauch oder Gas in den Stollen eindringen kann. Mit dem Bau der zweiten Röhre fallen auch Arbeiten am SISto an. So erstellt das ASTRA beispielsweise fünf neue unterirdische Lüftungszentralen, die mit dem Stollen verbunden werden müssen.
Im Norden und Süden führt jeweils ein Zugangsstollen zu den sogenannten Störzonen. Die Tunnelbohrmaschine (TBM) kann diese Zonen nicht durchdringen, deshalb kommt hier der klassische Vortrieb per Sprengung zum Einsatz. Für den Bau der Zugangsstollen zu den Störzonen kommen drei Verfahren zum Einsatz: Maschinenunterstützter Vortrieb im Lockergestein (MUL), Sprengvortrieb im Felsen (SPV) und mit Tunnelbohrmaschine. Der nördliche Zugangsstollen wird rund 4 Kilometer lang. Im Süden liegt die Störzone weiter vom Tunneleingang entfernt und der Stollen erstreckt sich deshalb über eine Länge von 5 Kilometern.
Insgesamt sind fünf unterirdische Lüftungszentralen für die zweite Röhre geplant. Die Lüftungszentralen sind jeweils durch einen Lüftungsschacht oder einen Lüftungsstollen mit der Oberfläche verbunden. Die Lage der Lüftungszentralen geben die bestehenden Zentralen und Schächte der ersten Röhre sowie die Lage und Linienführung des bestehenden SISto vor:
Die Lüftungszentralen Bäzberg und Monte Prosa sorgen für die Überdrucklüftung des SISto und des Werkleitungskanals. Die Zentralen Hospental, Guspisbach und Motto di Dentro dienen der Fahrraumlüftung.
Die Lüftungszentralen verfügen über eine Ausstellbucht für Pannenfahrzeuge sowie für den Betrieb und Unterhalt des Tunnels. Weitere Elemente der Zentralen sind Technikkavernen, Lüftungsschacht und -stollen sowie befahrbare Querverbindungen.
Die zweite Röhre wird gleichzeitig von Norden und Süden her gebaut. Die Hauptbaustellen und Installationsplätze befinden sich in Göschenen im Norden und Airolo im Süden. Die Büros der Bauleitung und die Unterkünfte der Bauarbeitenden sind ebenfalls in den beiden Dörfern untergebracht. In Airolo befinden sich die Büros der Bauleitung beim Werkhof sowie in einem Gebäude der SBB beim Bahnhof.
Auf der folgenden Übersichtskarte finden Sie verschiedenen Schauplätze.
Als erstes entstehen in Göschenen und Airolo die notwendigen Anlagen und Installationsplätze. Danach beginnen die Arbeiten an den Zugangsstollen und am Service- und Infrastrukturstollen. Der erste Arbeitsschritt ist der sogenannte Voreinschnitt. Mit Unterstützung von Baumaschinen tragen Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter das Lockergestein ab und bereiten die erste Sprengung vor. Danach sprengen sie die Startröhre für die Tunnelbohrmaschine frei. Nach dem Sprengvortrieb kann dann die Tunnelbohrmaschine montiert werden. Dies dauert rund vier Monate. Die Tunnelbohrmaschine arbeitet sich dann bis zur Störzone durch. Nach der Sprengung der Störzone gräbt die TBM bis zum Durchschlagspunkt weiter.
Der eigentliche Durchschlag erfolgt dann aber wieder per Sprengung. Nach der Demontage und dem Abtransport der TBM wird das Tunnelgewölbe verkleidet, beschichtet und gestrichen. Zum Schluss folgt die Innenausrüstung des Tunnels: Die Fahrbahn wird erstellt, die Technik eingebaut und dann wird alles auf Herz und Nieren getestet.