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Wer ist James Murdoch?
James Murdoch ist 47 Jahre alt. Er hatte zentrale Aufgaben im Medienimperium seines Vaters, Rupert Murdoch: Bis 2013 war er CEO für Europa und Asien bei News Corporation, zu der auch das britische Boulevardblatt «News of the World» gehörte, bei dem es damals einen grossen Abhörskandal gab.
Er war auch CEO beim Medienkonzern 21st Century Fox, bis dieser Anfang 2019 verkauft wurde. Aus diesem Verkauf bekamen die Murdoch-Kinder Milliarden. James Murdoch gründete mit dem Geld seine eigene Investmentgesellschaft Lupa Systems.
Was macht Lupa Systems?
Lupa Systems hat unter anderem Anteile von Vice Media gekauft, die das Vice Magazine herausgeben, und von The Void, einem Event-Unternehmen, das Virtual-Reality-Rundgänge konzipiert. Ausserdem hat er das Tribeca Film Festival finanziell unterstützt, das von Robert De Niro gegründet worden ist.
Wie positioniert sich James Murdoch politisch?
Insgesamt liberaler als sein Vater. Anfang des Jahres hat er Berichterstattung von News Corporation und Fox zum Klimawandel kritisiert. Er hat der Präsidentschaftskampagne des US-Demokraten Pete Buttigieg gespendet, sitzt im Verwaltungsrat von Tesla und investiert in Start-ups, die versuchen, gegen Fake News vorzugehen.
MCH Group in der Krise
Die MCH Group sei in der Corona-Krise zum Sanierungsfall geworden und brauche dringend Geld, sagte Verwaltungsratspräsident Ulrich Vischer am Freitag vor den Medien. Letzten Herbst wurde die Suche nach einem Investor lanciert. Nun ist klar: James Murdoch und seine in der Event-, Technologie- und Medienbranche aktive Lupa Systems LLC dürfte den Zuschlag erhalten. Voraussetzung dafür ist, dass die Aktionäre an einer ausserordentlichen Generalversammlung dem Plan auch noch zustimmen.
Bereits vor der Corona-Pandemie kriselte es. Bei der traditionsreichen Uhrenmesse Baselworld sprangen die wichtigsten Aussteller ab und nun wird nach einem neuen Format gesucht und die Standortfrage gestellt.
Das Engagement von Murdoch sei auch als Bekenntnis zum Standort Basel zu sehen, erklärte Vischer. Dafür bürge eine auf mindestens 15 Jahre ausgelegte Vereinbarung mit einer Aktien-Haltefrist von 5 Jahren. Die Kunstmesse Art Basel soll Teil der MCH bleiben.
(sda)
Wie kunstaffin ist James Murdoch?
Er sass zwei Jahre lang im Verwaltungsrat von Sotheby’s und sitzt auch im Kuratorium einer US-amerikanischen Kunststiftung. Seit etwas über zehn Jahren sammelt er Kunst. Das erzählen Kunstmarkt-Insider, die anonym bleiben wollen*.
Vor allem klassische Nachkriegskunst interessiert ihn – also westliche Kunst aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Darunter sind wohl hochkarätige Namen. Dass er wirklich ein leidenschaftlicher Sammler ist, hat ein Gesprächspartner allerdings stark bezweifelt: James Murdoch sei keiner, mit dem man sich zwei Stunden lang über eine Picasso-Radierung unterhalten könnte.
Was will James Murdoch mit der Art Basel?
Insider haben zwei Thesen: Es könnte eine philanthropische Geste sein. Die Rettung der Art Basel ist ein sehr prestigeträchtiges Engagement. Darüber lässt sich in New York oder London gut auf Cocktailpartys plaudern. Für diese These spricht eines: Murdoch investiert knapp 75 Millionen Euro. Für ihn sind das Peanuts. «Ein besserer Picasso», meinte einer der Gesprächspartner.
Es gibt aber auch noch eine andere Theorie: Er wird versuchen, aus der Art Basel viel Geld zu machen.
Wie will James Murdoch mit der Art Basel Geld verdienen?
Indem er sie mehr und mehr in ein Medien- und Eventunternehmen umbaut. Indem er beispielsweise eine digitale Plattform unter dem Label «Art Basel» aufzieht. Eine Art Community à la Facebook – nur für eine sehr kaufkräftige Klientel.
Dazu muss man wissen: Seit ein paar Jahren laden bei der Art Basel nicht mehr die Galerien selbst ihre potenziellen Käufer ein, sondern das wird zentral von der Messe gemacht. Zumindest wird das von einem Gesprächspartner behauptet. Dadurch hätte die Messe Daten von einer sehr begehrenswerten Klientel: von zum Teil steinreichen Leuten. Und diese Daten wären für den gesamten Luxussektor, für PR und Marketing extrem wertvoll.
Was bedeutet dieses Investment nun für die Messe Basel?
Das kann man nicht abschliessend beantworten. Einer der Gesprächspartner war allerdings sehr pessimistisch: Er meinte, die MCH Group hätte den «Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben». Weil mit dem Einstieg von James Murdoch die Art Basel nie mehr so sein werde, wie sie mal war. Sondern ein Unternehmen mit US-amerikanischem Führungsstil. Und ein Unternehmen, das politisch nicht mehr neutral sei – weil die Familie Murdoch mit an Bord ist. Aber das ist nur eine Meinung von vielen.
* Name der Red. bekannt