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Ein geschichtlicher Abriss von Alfred Schneller / Chronist Gemeinde Felsberg
Villa Fagonio war die lateinische Bezeichnung in frühester Zeit und dürfte auf den Buchenwald (fagus = Buche), der einst den Kirchenhügel umgab, zurückzuführen sein.
Die regelmässigen urkundlichen Namen waren später Veltsperch (1291), Veltsperg und Feldsperg.
Der heutige Dorfname Felsberg wird oft mit der Burgstelle hinter dem alten Schulhaus, auf dem bis ins Jahr 1866 noch Reste der gleichnamigen Burg standen, in Zusammenhang gebracht.
Gemachte Ausgrabungen in der näheren Umgebung, wie z.B. im Felix-Wingert, deuten darauf hin, dass das Gebiet schon einigen tausend Jahren v.Chr., besiedelt war.
Felsberg hatte über Jahrhunderte immer wieder gegen Naturkatastrophen zu kämpfen. Die Hochwasser des Rheins und Feuersbrünste richteten oft grosse Schäden an, so dass die jetzige Brücke die fünfte seit Ende des 18. Jahrhunderts ist, die unser Dorf mit den Nachbargemeinden Chur und Domat/Ems verbindet. Damals entbrannten um den Standort der jeweils neu zu erstellenden Brücken gemeindeinterne - oft harte Auseinandersetzungen.
Die Felsstürze des Calanda, namentlich derjenige vom 3. September 1843, waren für die Gründung des Neudorfs ausschlaggebend. Unter grauenvollem Donnern und Krachen stürzten in jener Nacht hausgrosse Felsblöcke in die Tiefe und bedrohten das Dorf, ohne jedoch nennenswerten Schaden anzurichten.
Die Bewohner entschlossen sich bald danach, ihre Heimat zu verlassen und hofften, sich in Chur oder Domat/Ems ansiedeln zu können. Da sich diese Hoffnungen nicht erfüllten und obwohl die Gefahr vom Calanda noch nicht gebannt war, entschlossen sich viele Einwohner, wieder in ihre alten Häuser zurückzukehren. Mit Hilfe der Regierung und Geldern aus Sammelaktionen wurde mit dem Bau Neu-Felsbergs begonnen.
Der Calanda brachte den Felsbergern jedoch nicht nur Unheil. Anfangs des 19. Jahrhunderts wurde an Felsbrocken, die gegenüber von Domat/Ems vom Calanda gestürzt waren, etwas Gold entdeckt. Die erfolgreiche Suche an der Abbruchstelle nach dem edlen Metall führte 1809 zum Bau der Minen der "Goldenen Sonne". Mit dem gefundenen Gold wurden 1813 70 bis 100 Bündner Dublonen à 16 alte Schweizerfranken geprägt. Von den heute eine numismatische Rarität darstellenden Goldstücken sind im Rätischen und im Natur-Museum in Chur noch einige zu sehen.
Auf historisch festem Boden steht Felsberg seit anfangs des 14. Jahrhunderts. Heinrich von Frauenberg hat um diese Zeit die Rechte von Felsberg an das Kloster Churwalden abgetreten, und ab 1368 herrschten hier die Herren von Rhäzüns.
Im Jahre 1497 gelangte Felsberg mit anderen Gemeinden zusammen durch einen Tausch an die Österreicher.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts musste die Herrschaft Rhäzüns - und mit ihr auch Felsberg - an Napoleon I. abgetreten werden, fiel jedoch 1814 wieder an Österreich zurück.
Schliesslich wurde auf dem Wiener Kongress 1815 der Besitz Rhäzüns dem Kanton Graubünden zugesprochen. Unruhige Zeiten für die Felsberger brachte u.a. die Reformation, der sie sich bereits 1535 angeschlossen hatten.
In einem Geschehen, welches in ganz Europa Aufsehen erregte, spielte Felsberg eine kurze, aber nicht unwichtige Rolle. Als Racheakt politischer und wirtschaftlicher Missetaten des Grosshandelskaufmanns Thomas Massner aus Chur, entführten die Franzosen im Jahre 1710 kurzerhand seinen Sohn in Genf. Massner sah sich zur Freilassung seines Sohnes nach einem geeigneten Pfand um. Bald bot sich eine Gelegenheit. Der Herzog Philipp von Vendome, Grossprior von Frankreich und Vetter Ludwig XIV, kam aus Italien und wollte über Chur reiten. Kurzentschlossen legte ihm Massner mit einer Anzahl junger Leute aus Felsberg einen Hinterhalt und nahm ihn nach Felsberg als Gefangenen.
Während ein Teil der Felsberger ihren Lebensunterhalt in der Landwirtschaft verdienten, waren andere mit Flössen beschäftigt. Dabei gingen wöchentlich Holzflösse in der Grösse von ca. 20 Fuss im Quadrat von Felsberg ab, wurden bis nach Rheineck auf dem Rhein transportiert und dort verkauft. Nicht selten wurden bei dem gefährlichen Gewerbe des nachts verbotenerweise auch Kaufmannsgüter geladen. Das Flössen oder mundartlich "Flötzen" wurde von wenigen Einwohnern bis anfangs Neunzigerjahre bei Hochwasser zur Gewinnung von Brennholz betrieben. Seit die Stauseen im Einzugsgebiet des Rheins fertigerstellt sind, führte der Rhein kaum noch Hochwasser.
Weitere Verdienstmöglichkeiten brachte das Bergwerk "zur Goldenen Sonne" sowie die 1796 von Konrad Greuter gegründete Baumwollfabrik, deren Pforten jedoch 21 Jahre später wieder geschlossen wurden. Als Menschenfreund suchte Greuter sein Glück im Glück seiner Mitbürger. Er brachte nicht nur Verdienst, sondern sorgte auch für geistige Nahrung. So ist es begreiflich, dass er auch auf politischem Gebiet der Führer der "niedrigen Volksklasse" wurde.
Von den Ideen der französischen Revolution und vom Hunger getrieben, lehnte sich nunmehr diese Gruppe der Armen gegen die wohlhabenden Bauern auf. Der Anspruch der Besitzlosen auf Bewirtschaftung von Gemeindeboden zum Anbau von Kartoffeln liess die reichen Gutsbesitzer bald um ihr Eigentum bangen.
Zwischen den beiden Klassen entspann sich ein Machtkampf, der die Fundamente des Zusammenlebens in der Dorfgemeinschaft tief erschütterte. Der Regierung war eine schwere Aufgabe auferlegt worden, diesem Gemeindestreit zu einem gütlichen Ende zu verhelfen.
In der von Franz Theus im Jahre 1817 in Betrieb genommenen Glockengiesserei wurden bis 1901 226 Glocken hergestellt. Das Prunkstück dieser Giesserei war das Geläute der Martinskirche in Chur.
Weit über die Landesgrenze hinaus bekannt ist die um die Jahrhundertwende gegründete Orgelbaufirma, die heute noch existiert.
Obwohl seit jüngerer Zeit durch einige Kleinbetriebe Arbeitsplätze geschaffen wurden, findet der grösste Teil der heutigen Bevölkerung ihr Einkommen vor allem in Chur und Domat/Ems.
Das kulturelle Leben, getragen von einer breiten Bevölkerungsschicht, wird durch das aktive Wirken vieler Vereine immer neu belebt.
Ehe die Schule ihre Mission, die "Volksaufklärung", auch in Felsberg durchführen konnte, musste sie sich über ihre Aufgabe im Klaren sein. Ihr grösstes Problem im 18. Jahrhundert war wohl die Heranbildung tüchtiger Lehrer. "Um Allerheiligen melde sich, wer sich tauglich glaube zu unterrichten". Bedingung: "Nicht allzugrobe Handschrift und eine starke sonore Stimme". - Und es kamen viele. Weiter heisst es: "Es waren jedoch nicht alle ohne jegliche Befähigung für diesen Beruf:" Das Wirken "schwächerer" Lehrer wird wie folgt umschrieben: "So setzt er sich auf den Stuhl und lässt das ABC aufsagen, während er seine Pfeife verascht. Kommando: Leset! Das Gesumse geht los. Mit einem Schnarz gebietet er Stille."
Im Jahre 1823 wurde erstmals ein Schulrat gewählt. Und mit dem Bau des Schulhauses 1866 wurde auch der Kampf gegen das Schullokalproblem ausgenommen.