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Autor: Carole Schneuwly
Werden an alten Gebäuden Umbau- oder Renovationsarbeiten vorgenommen, wird oft die Gelegenheit für archäologische und historische Untersuchungen genutzt. Seit dem Jahr 2001 macht das kantonale Amt für Kulturgüter die Resultate solcher Arbeiten in Form von ausführlichen Merkblättern der Öffentlichkeit zugänglich. So könne man Informations- und Dokumentationslücken schliessen, erklärte Aloys Lauper, stellvertretender Vorsteher des Amtes, am Mittwoch bei der Präsentation der sechsten Serie der Blätter.
Ziel sei, ein möglichst breites Publikum anzusprechen. «Wir wollen die Bevölkerung sensibilisieren, Türen öffnen und unbekannte Orte vorstellen.»
Staumauer-Geschichten
Zwei der acht neuen Blätter befassen sich mit Themen rund um den Perolles-See: einerseits die Staumauer und das Elektrizitätswerk Magerau, andererseits das Elektrizitätswerk Ölberg. Die Staumauer und das Werk Magerau entstanden auf Initiative des Freiburger Ingenieurs und Visionärs Guillaume Ritter. Er wollte die Saane stauen, um die Stadt mit Trinkwasser zu versorgen und um Energie für die Sägereien auf der Perolles-Ebene zu erzeugen. 1873 wurde die Staumauer in Betrieb genommen, 1874 das teledynamische Kabel für die Energieübermittlung. Die Wasserversorgung funktionierte erst Ende 1874, wurde aber wegen Qualitätsproblemen 1876 wieder eingestellt. Die Anlage befindet sich heute im Besitz der Groupe E. Im Gebäude des früheren Kraftwerks ist seit der Sanierung der Staumauer in den Jahren 2001 bis 2005 ein Fischlift untergebracht.
Im Jahr 1909 wurde die Staumauer um zweieinhalb Meter erhöht und das neue Elektrizitätswerk Ölberg gebaut, das durch einen Tunnel mit dem Perolles-See verbunden wurde. Dem Werk Ölberg hat das Kulturgüteramt ein eigenes Merkblatt gewidmet. Typisch für dieses Werk sei, so Aloys Lauper, der auffallende Gegensatz zwischen dem eleganten Äusseren und dem nüchternen Inneren. «Das war eine Art Tarnung aus Gründen des Natur- und Landschaftsschutzes.» Man habe ein Gebäude entworfen, das von aussen eher aussehe wie ein Schulhaus als wie eine Fabrik. Im Inneren aber befindet sich bis heute eine grosse Halle mit Turbinen und sonstigen technischen Einrichtungen.
Vorbildliche Restauration
Zwei weitere Blätter sind Gebäuden aus dem Mittelalter gewidmet und in Zusammenarbeit mit dem kantonalen Amt für Archäologie entstanden. Sie betreffen das Mooses-Haus an der Balmgasse 2 und das schmale Haus an der Reichengasse 12B. Das Mooses-Haus gegenüber dem Restaurant Engel sei regelmässig Gegenstand von Anfragen beim Kulturgüteramt, sagte Lauper. Als die Gemeinde das Haus 1900 gekauft habe, habe sie es eigentlich abreissen wollen. Schliesslich wurde es 1923 restauriert: Während im Inneren neue Wohnungen entstanden, blieb die Fassade erhalten. Dafür gabs Subventionen vom Bund, und die ausgeführten Arbeiten erhielten Vorbildfunktion für die Schweiz.
Das Gebäude an der Reichengasse 12B, das aus der Gründungszeit der Stadt Freiburg stammt, fällt durch seine ungewöhnlichen Dimensionen auf: Acht Stockwerke hoch und 30 Meter lang, ist es nur gerade vier Meter breit. Dennoch gelang es Generationen von Bauherren und Architekten, in den beengten Verhältnissen angenehmen Wohnraum zu schaffen – bis heute. «Wenn man von nachhaltiger Entwicklung sprechen will, dann ist dies ein wirklich gutes Beispiel dafür», so Lauper.
Denkmal, Friedhof, Fabrik
Die restlichen vier Blätter der Serie befassen sich mit dem Denkmal von Pater Girard auf dem Ulmenplatz, mit dem Friedhof St. Leonhard, mit der Synagoge an der Joseph-Piller-Gasse, in der sich früher öffentliche Bäder befanden, sowie mit dem Gebäude der heutigen Kunsthalle Fri-Art, einer ehemaligen Kartonfabrik.
Die Architekturblätter existieren vorerst nur in französischer Sprache. Alle Teile sind erhältlich beim kantonalen Amt für Kulturgüter: 026 305 12 87 oder www.fr.ch/sbc.