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Der Emissionshandel gilt als Kernstück der europäischen Klimaschutzpolitik; er soll den Ausstoss von Treibhausgasen reduzieren. Dafür wurden Obergrenzen für bestimmte Emissionen (z.B. Kohlendioxid, Schwefeldioxid, Stickoxid) innerhalb eines konkreten Gebiets und eines definierten Zeitraums politisch festgelegt. Darauf basierend werden, entsprechend dieser Obergrenzen, sogenannte Umwelt- oder Emissionshandelszertifikate ausgegeben, die zur Emission einer bestimmten Menge berechtigen. In der Regel gibt es pro Tonne CO2 ein Zertifikat. Die Obergrenze kann in den folgenden Jahren schrittweise gesenkt werden. Da diese Zertifikate frei handelbar sind, wird der Preis durch die Nachfrage bestimmt.
Seit 2013 wird versteigert
Zunächst wurden die Emissionszertifikate Betreibern von Industrieanlagen entsprechend ihres CO2-Austosses kostenlos zugeteilt. Ab 2013 wurde ein wachsender Anteil an Emissionsrechten nicht mehr frei vergeben, sondern im Rahmen einer Auktion kostenpflichtig versteigert. Benötigt ein Unternehmen mehr als die ihm zugeteilten Rechte, muss es diese am Markt erwerben. Benötigt ein Unternehmen weniger Rechte, als ihm zustehen, kann es diese am Markt verkaufen. Erfahrungen zeigen, dass sich Teilnehmer, die nicht ausreichend mit kostenlosen Zertifikaten ausgestattet sind, deutlich mehr für Klimaschutz einsetzen als diejenigen, die ausreichend kostenlose Zertifikate besitzen. Am Beispiel ausgewählter Unternehmen wurde gezeigt, dass gerade energieintensive Betriebe in der Vergangenheit so üppige Emissionsrechte erhielten, dass sie durch deren Verkauf satte Zusatzgewinne erzielten. Somit hat sich der Handel mit Emissionszertifikaten als Goldesel für die Unternehmen erwiesen.
Preise auf sehr tiefem Niveau
Die EU hat zu viele Zertifikate herausgegeben. Dadurch sind die Preise für eine Tonne CO2 zusammengebrochen, ein Zertifikat hat noch einen Wert von 5 Euro. Dadurch fehlt der Anreiz, den CO2-Ausstoss zu verringern; in den Klimaschutz zu investieren, lohnt sich nicht. So hat dies auch Auswirkungen auf das Interesse nach erneuerbaren, CO2-armen Energien. Eine Reduktion der Emissionen will man auch erreichen, indem der Staat im Laufe der Zeit die verfügbare Menge an Zertifikaten reduziert. Die Unternehmen werden dadurch gezwungen, entweder Zertifikate zusätzlich zu kaufen oder in emissionsärmere Technologien zu investieren. Insgesamt hat der Emissionshandel nach Meinung von Forschern bisher kaum zu einer Reduktion der klimaschädlichen Emissionen geführt; die im Rahmen des Kyoto-Protokolls vereinbarten Ziele werden auf diesem Weg nicht erreicht.
Emmissionszertifikate aus dem Ausland
Seit ein paar Jahren wird Staaten erlaubt, Emissionen aus Treibhausgasen in anderen Ländern kostengünstiger als im eigenen Land zu reduzieren. Doch die Gefahr besteht, dass Industrieländer diese Hilfsprojekte benutzen, um schnell und kostengünstig Emissionsguthaben in den Entwicklungsländern zu sammeln und auf diesem Wege im eigenen Land Klimaschutzmassnahmen zu umgehen. So werden beispielsweise viele Projekte realisiert, die auch ohne diese Finanzierung aus Industrieländern zustande gekommen wären, und somit wird durch die Gelder kein CO2 eingespart. Gelangen dann die auf diese Weise erworbenen Zertifikate in den Emissionshandel, führt dies global betrachtet zu einem Anstieg der Emissionen.
Nur die Energiewende ist tragbar
Das Instrument der CO2-Kompensation wird oft als Ablasshandel und als erkauftes Recht zur Verschmutzung bezeichnet. Tatsächlich kann es auf Dauer nicht die Lösung sein. Nur die Energiewende - die Abkehr von fossilen und nuklearen Energien, die Hinwendung zu erneuerbaren Energien, Effizienzsteigerung und Energiesparmassnahmen - ist für die Zukunft tragbar.