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«Bevor ihr Ingenieure seid, lernt Menschen zu sein». Francesco De Sanctis, Dozent an der ETH Zürich.
Vor genau 200 Jahren ist er in Morra in der Region Kampanien (im hügeligen Hinterland von Neapel) geboren: Francesco De Sanctis. In Neapel hat er studiert, wurde Lehrer und eröffnete schon mit 21 Jahren eine eigene Schule. Mit freiheitlich denkenden Freunden nahm er an den Revolutionen im Mai 1848 teil. Die Folgen davon waren mehrere Monate Gefängnis im berühmten Castel dell’Ovo in Neapel (wo er unter anderem Goethes «Faust» ins Italienische übersetzte) und ein Unterrichtsverbot. 1853 schliesslich wurde er nach Amerika verbannt. Mit einer Flucht nach Turin konnte er sich diesem Schicksal entziehen. Das Piemont war ja in diesen Jahren Zufluchtsort für viele politisch Verfolgte. Hier hat ihn die ETH Zürich entdeckt und ihm für die Zeit von 1856 bis 1860 eine Professur angeboten. Für den Schriftsteller, und Literaturkritiker De Sanctis waren es in Zürich wohl die fruchtbarsten Jahre. Er knüpfte hier neben seiner Lehrtätigkeit zahlreiche wichtige Kontakte und schuf sich die Voraussetzungen für eine spätere erfolgreiche Tätigkeit als Dozent, Politiker und Bildungsminister im geeinten Italien.
Nach der Einigung Italiens war er einer der ersten, der wieder nach Kampanien zurückkehrte. De Sanctis ist es dort gelungen, Politik und Literatur auf originelle Art zu verbinden. Anlässlich seiner politischen Wiederwahl im Jahr 1875 bereiste er während seines Wahlkampfes die Dörfer und Städte seiner Heimat Irpinien (einer Landschaft, die vergangenen Jahrhundert durch tragische Erdbeben bekannt geworden ist). Die Früchte der Wahlkampf-Tour waren nicht nur eine erfolgreiche Wiederwahl, sondern ein literarisches Werk mit dem Titel «Un viaggio elettorale», noch heute ein einmaliges Zeugnis über Land und Leute dieser italienischen Gegend in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. De Sanctis hat sich dankbar darüber gezeigt, dass die Schweiz ihm in schwierigen Jahren Gastrecht und Arbeitsmöglichkeit gewährt hat und er danach in seiner Heimat wieder politisch und literarisch aktiv werden konnte.