Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03111.jsonl.gz/162

von Oliver Kaftan
Wenn es um die Wahl des geeigneten Partners geht, zeigt sich in vielen Studien, dass der Eisprung eine nachhaltige Auswirkung auf die weibliche Präferenz hat: Grundlegend fühlen sich Frauen von Männern angezogen, die Eigenschaften für eine langfristige Beziehung aufweisen – z.B. Warmherzigkeit, Treue und Hilfsbereitschaft. Sobald sie sich jedoch in der fruchtbaren Phase des Zyklus befinden, bevorzugen sie vermehrt Männer, die dominant wirken, also z.B. kräftig, herrisch und befehlsgewohnt. Aus evolutionärer Sicht scheint die kurzweilige Präferenz für dominante Partner sinnvoll: Frauen setzen ein dominantes Verhalten mit einer erhöhten reproduktiven Fitness, d.h. „guten Genen“, gleich. Entsprechend fühlen sie sich dann zu einem dominanten Mann angezogen, wenn die Wahrscheinlichkeit am grössten ist, schwanger zu werden.
Natürlich ist diese Beschreibung aber eine starke Vereinfachung bzw. wäre es wenig fruchtbar anzunehmen, dass alle Frauen gleich ticken. Gilda Giebel und ihre Kollegen von der Universität Konstanz wollten deshalb ein etwas differenzierteres Bild zeichnen. Ausgehend von der Erkenntnis, dass die Dominanz bei der Partnerwahl sehr wohl eine gewisse Rolle spielt, gingen sie der Frage nach, welche Persönlichkeitseigenschaften mit einer allgemeinen Vorliebe für dominantere Partner in Verbindung stehen.
In ihrer Online-Untersuchung bei 104 Frauen hatten die Forscher zwei Vermutungen. Erstens nahmen sie an, dass sogenannte „Sensation Seeker“ eine Vorliebe für dominantere Partner haben sollten. Sensation Seeker sind Personen, die eine tiefe Abneigung gegenüber Langeweile haben und ständig neue stimulierende Reize und Abwechslung in ihrem Leben suchen. Langeweile bzw. geringes Sensation Seeking verbinden Frauen eher mit wenig dominanten Männern. Je mehr sich Frauen also als Sensation Seeker sehen, umso mehr sollten sie sich von dominanten Männern angezogen fühlen.
Zweitens vermuteten die Forscher, dass Frauen mit einem ängstlicheren Charakter ebenfalls dominanteren Partnern zugeneigt sein sollten. Ängstlichere Frauen fühlen sich beispielsweise schneller unsicher und fürchten sich mehr davor, Opfer von Verbrechen zu werden. Da dominantere Männer als physisch stärker wahrgenommen werden, können sie die Rolle des Beschützers einnehmen und sollten entsprechend bevorzugt werden.
Die Vorliebe für dominante Partner erfassten Giebel und Kollegen anhand des Ausmasses der Zustimmung zu Aussagen wie „Manchmal stelle ich mir vor, dass mich ein starker, dominanter Mann verführt.“ und „Ich fühle mich zu durchsetzungsstarken Männern hingezogen.“
Der vermutete Zusammenhang zwischen Sensation Seeking und der Präferenz für einen dominanteren Partner wurde weitgehend bestätigt. Konkreter zeigte sich, dass zwei Aspekte von Sensation Seeking mit einer Vorliebe für dominante Partner einhergingen, nämlich die Abneigung gegenüber Langeweile (sich umgeben mit verschiedenen aufregenden Personen zwecks Abwechslung) und Disinhibition (das Besuchen von ausschweifenden Parties, Promiskuität).
Der vermutete Zusammenhang zwischen Ängstlichkeit und Präferenz für dominante Partner zeigte sich jedoch lediglich bei einem Teil der Teilnehmerinnen. Der andere Teil der ängstlichen Frauen suchte nicht nach einer starken Schulter. Vielmehr versuchen diese Frauen ihre Ängstlichkeit durch einen abwechslungsreichen Lebensstil zu kompensieren (ebenfalls ein Aspekt von Sensation Seeking). Sie reisen zum Beispiel viel, lesen gerne und widmen sich allgemein der Kunst und Kultur. Ein dominanter Mann würde diese Frauen lediglich in ihrer Wahlfreiheit einschränken. Sie geben deshalb einem nichtdominanten Partner den Vorzug, der zu dieser Art von Lebensstil passt.
Damit bestätigt die Studie zunächst einmal das Offensichtliche, nämlich dass es zu stark vereinfachend wäre, alle Frauen in einen Topf zu werfen. Zweitens ist bemerkenswert, dass genau dasselbe Merkmal – hier Ängstlichkeit – in Abhängigkeit anderer Merkmale – hier der Ausprägung auf gewissen Merkmalen von Sensation Seeking – sich vollkommen anders auf die Lebensgestaltung von Frauen auswirken kann.
Literaturangaben:
Giebel, G., Moran, J., Schawohl, A., & Weierstall, R. (2015). The thrill of loving a dominant partner: Relationships between preference for a dominant mate, sensation seeking, and trait anxiety. Personal Relationships, 22, 275–284.
Bitte beachten Sie, dass diese Studie nicht in unserem Labor durchgeführt wurde. Wenn Sie an einer Studie in unserem Labor teilnehmen möchten, finden Sie dazu hier weitere Informationen.
Verwendung und Vervielfältigung in jeder Form, auch auszugsweise, nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Autors.