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Hintergrund:
Kaffee enthält Koffein, ein Aufputschmittel, und wurde deshalb bisher nicht als gesundheitsfördernd betrachtet. In bisherigen Untersuchungen wurde eine Assoziation mit Herzkrankheiten vermutet. Die Ergebnisse diverser Studien waren jedoch widersprüchlich, in einigen Arbeiten zeigte sich sogar ein Trend zu Gunsten einer niedrigeren Mortalität durch Kaffeekonsum. Meistens war eine zu niedrige Fallzahl in den Untersuchungen der Grund für die niedrige Aussagekraft der Studien.
Einschlusskriterien:
- Teilnahme an der National Institute of Health (NIH-AARP) Diet and Health Study
- Komplettierung eines Fragebogens in den Jahren 1995 und 1996
- Alter 51 bis 71 Jahre
Ausschlusskriterien:
- Fragebogen durch Angehörige ausgefüllt
- Bekanntes Karzinom
- Bekannte Herzkrankheit
- Zerebrovaskulärer Insult in der persönlichen Anamnese
- Keine Informationen über Kaffee-Konsum
- Keine Informationen über Raucherstatus
- Extreme Ernährungsformen (sehr hohe bzw. sehr tiefe Kalorieneinnahme)
Studiendesign und Methode:
Prospektive Kohortenstudie
Studienort:
Vereinigte Staaten von Amerika
Outcome:
Primärer Outcome
- Tod
- Ende des Follow Up am 31. Dezember 2008
Resultat:
- Einschluss von 229'119 Männern und 173'141 Frauen, medianes Alter je nach Gruppe 60.3 bis 63.5 Jahre, medianes follow-up 13.6 Jahre, total 5'148'760 Personen-Jahre.
- 33'731 (15%) registrierte Todesfälle bei Männern, 18'784 (11%) registrierte Todesfälle bei Frauen
- Menschen mit erhöhtem Kaffeekonsum waren häufiger Zigarettenraucher, konsumierten öfter mehr als drei alkoholische Getränke pro Tag und assen mehr rotes Fleisch. Tendenziell waren diese Personen weniger gut gebildet, trieben weniger Sport und konsumierten weniger Früchte, Gemüse und weisses Fleisch.
- Etwa zwei Drittel aller Kaffee-Trinker gab an vor allem koffeinhaltigen Kaffee zu trinken.
- In einer alters-angepassten Analyse war Kaffee-Konsum assoziiert mit erhöhter Mortalität unter Männern und Frauen.
- Nach Korrektur für weitere beeinflussende Faktoren, insbesondere Rauchen, konnte eine mässig starke inverse Assoziation zwischen Kaffee-Konsum und totaler Mortalität bei beiden Geschlechtern beobachtet werden.
- Der Effekt auf die Mortalität nahm mit zunehmendem Kaffee-Konsum zu und war bei Nichtrauchern oder ehemaligen Rauchern am stärksten ausgeprägt.
- Der Effekt auf spezifische Todesursachen durch Herzkrankheiten, Lungenkrankheiten, zerebrovaskuläre Insulte, Verletzungen und Unfälle, Diabetes und Infektionen wurde separat untersucht. Auch hier konnte bei beiden Geschlechtern eine inverse Beziehung zwischen Kaffee-Konsum und der jeweiligen Todesursache nachgewiesen werden. Im Gegensatz dazu gab es bei karzinom-assoziierten Todesfällen bei Frauen keinen Überlebensvorteil und bei Männern nur einen positiven Trend durch Kaffee-Konsum.
- Vor allem Frauen mit einem höheren Kaffee-Konsum erkrankten seltener an Diabetes
- Der positive Effekt auf die Mortalität war bei Konsumenten von koffeinhaltigem und nicht-koffeinhaltigem Kaffee ähnlich.
Kommentar:
- Die vorliegende Studie zeigt eine statistisch signifikante inverse Assoziation zwischen Kaffeekonsum und Gesamtmortalität sowie der Mortalität durch Herzkrankheiten, Lungenkrankheiten, zerebrovaskuläre Insulte, Verletzungen, Unfälle, Diabetes und Infektionen. Die Assoziation wurde durch Rauchen abgeschwächt.
- Ein protektiver Effekt in Bezug auf Todesfälle durch Krebs konnte nicht nachgewiesen werden
- Konsumenten von koffeinhaltigem und nicht-koffeinhaltigem Kaffee profitierten gleichermassen.
- Ein negativer Effekt von erhöhtem Kaffee-Konsum konnte nicht nachgewiesen werden.
- Über Ursachen dieses protektiven Effektes kann nur spekuliert werden. Da Kaffee über 1000, teilweise antioxidativ wirkende Substanzen enthält, können die positiven Effekte möglicherweise darauf zurückgeführt werden.
Literatur:
Freedman ND et al.: Association of Coffee Drinking with Total and Cause-Specific Mortality; N Engl J Med 2012 May 17; 366(20):1891-904