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VORLESUNGEN
Der Begriff Vorlesung stammt aus den Anfängen der Universitäten, in der das Vervielfältigen von Texten beispielsweise in Form von Büchern nicht möglich bzw. sehr teuer war. Traditionell lasen Lehrpersonen aus eigens erstellten Skripten den Studierenden vor. Diese eindimensional gerichtete Lehrform begründete sich auch in dem Bild von Lehrenden als wissende und den Lernenden als unwissende Personen; sozusagen würde Wissen von einer Seite durch die Vorlesung auf die andere Seite übermittelt. Die Studierenden- und Emanzipationsbewegungen der späten 1960er-Jahre, spätestens aber die Einflüsse feministischer und postkolonialer Theorien stellten das Menschenbild von Wissenden und Unwissenden und somit die Eindimensionalität von Vorlesung in Frage. Im Zuge dessen entstanden neue Lehrformen wie Seminare, Tutorien und Workshops. Dennoch – und möglicherweise auch berechtigt – gehören Vorlesungen bis heute zur wesentlichen akademischen Lehr- und Lernform. Jedoch wurden Vorlesungen auch weiterentwickelt, so dass der Begriff seine traditionelle Bedeutung verloren hat. Beispielsweise setzen Formate wie Inverted und Flipped Classroom auf Interaktion zwischen Lehrenden und Lernenden und damit der Eindimensionalität des Lehr- und Lernprozesses etwas entgegen. Gleichzeitig bieten Kurse der Hochschuldidaktik auch vermehrt Kurse zu «Guter Frontalunterricht» an – eine akademische Form, die aufgrund steigender Studierendenzahlen weiterhin Legitimität beanspruchen wird.