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Im Rahmen meiner Masterarbeit in Dramaturgie möchte ich mich mit Macht, Machtstrukturen und Machtmissbrauch an deutschsprachigen Theaterinstitutionen auseinandersetzen. Gemäss einer aktuellen Studie von Thomas Schmidt1 haben 55% von knapp 2000 befragten Theatermitarbeiter*innen Machtmissbrauch erfahren. Wie aus der Studie hervor geht, ging dieser Machtmissbrauch meistens von männlichen Intendanten oder Regisseuren aus, oder von Personen, die diese beiden Rollen in einer Doppelfunktion ausüben. Es kommt natürlich aber auch immer wieder zu Übergriffen von weiblichen Akteuren, doch rein quantitativ sind sie in Leitungspositionen in der Minderzahl, weshalb der Missbrauch meist von Männern ausgeht.
Ich möchte in dieser Arbeit herausfinden, wie die Machtstrukturen sowie die hierarchische und patriarchale Führungskultur, welche an den meisten Theaterinstitutionen herrscht, für den Missbrauch mitverantwortlich sind. Die Studie von Schmidt, aber auch in den letzten Jahren immer wieder veröffentlichte Berichte über machtbasierte Übergriffe verschiedener Art an Theaterinstitutionen2, lassen darauf schliessen, dass die Grundstruktur des Theatersystems den Missbrauch von Macht begünstigt, und dass sich trotz der Debatte um #MeToo und andere Missbrauchsfälle in den letzten Jahren an den Theatern kaum etwas geändert hat. Das System des Theaters beinhaltet Mechanismen, welche meist einem*r Intendant*in oder Regisseur*in sehr viel Macht zusprechen, welche von diesen Führungspersonen immer wieder missbraucht werden kann. Diese Führungskultur, bei welcher eine Person alle Macht auf sich konzentriert, sollte daher überdacht werden, und die Fragen nach Macht und Machtmissbrauch müssen dringend offen diskutiert und entsprechende Reformen eingeleitet werden. Die herrschende Doppelmoral, bei welcher sich die Institutionen und mit ihnen die Theaterleiter*innen oft als progressive Kräfte in der Gesellschaft verorten wollen sowie als gesellschaftliche Avantgarde auftreten, aber gleichzeitig einen neufeudalistischen, patriarchalen und hierarchischen Betrieb innerhalb der Institution betreiben, muss ebenso kritisiert werden, wie das Festhalten an veralteten Strukturen, die diese Art der Leitung unterstützen.