Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03245.jsonl.gz/2053

Im Rahmen meines Projektes „Muotathaler Volksmusik“ habe ich mich in den letzten Tagen mit der Geschichte beschäftigt. Dazu wurde mir von Peter Betschart (Verein Giigäbank, Muotathal) einiges an Lesematerial ausgehändigt. Zudem hat er mir auf die im Blogbeitrag vom 4. Oktober erwähnten Fragen interessante und aufschlussreiche Antworten liefern können.
Der Beginn des Textes für das Schwyzer Heft startet denn auch mit der Geschichte, dem Kapitel 1.
Über die Geschichte der Muotathaler Volksmusik ist laut Betschart konkret wenig bekannt. Fotos oder andere Belege sind leider eine Rarität. Wie er mir berichtete, weiss man mehr ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts.
Hier öffne ich eine Klammer für die Ursprünge der Volksmusik in unserer Gegend im Allgemeinen. Rico Peter schreibt in seinem Buch „Ländler Musik“: „Die ersten Musikanten, die wir aus der Innerschweiz kennen, waren Trommler und Pfeifer, Schalmei- und Hackbrettspieler.“ Weiter erwähnt Peter in seinem Buch den Chronisten Diebold Schilling, welcher in seiner Chronik ein Farbbild eines Fasnachtstanzes vom Jahre 1509 abbildet. Darauf erkennt man auf einer Bühne zwei Musikanten: Einen Pfeifer und einen Hackbrettspieler. Zu der Musik der beiden wird im Paartanz das Tanzbein geschwungen.
In einer Zirk-Ausgabe (Der «Muotathaler Zirk» ist das Publikationsorgan des Vereins Zukunft Muotathal und erscheint vierteljährlich) schreibt Peter Betschart: „Im Muotatal wird um 1608 von einer öffentlichen Tanzdiele gesprochen und immer wieder ist das Thema auch Gegenstand von Ratsprotokollen. (…) Im November 1791 wurde ein gewisser Anton Gwerder von Muotathal vor den Rat in Schwyz zitiert, weil er zu verbotener Zeit getanzt und auch andere dazu aufgemuntert hatte und im Januar 1797 wurde das Tanzen, vor allem das Walzern, nach dem Betglockenläuten bei zwei Dublonen Busse verboten (nach Dettling).“
Im Kapitel „Der Name – Wieso Ländlermusik?“ schreibt Peter: „In der schweizerischen Folklore nimmt die Ländlermusik eine führende Stellung ein. Ihr Ursprung liegt, wie der Name es aussagt, in den ‚Ländern‘ oder Urkantonen. (…) Im engen Sinne ist der Ländler ein Tanz im 3/4-Takt, und die Bezeichnung ‚Ländler‘ stammt wohl aus dem österreichischen Gebiet, aus dem Landl, der Gegend südlich von Linz ob der Enns. Der von dort auch in die Schweiz eingewanderte Tanz ist bei uns nach schweizerischer Art verändert worden.“
In einem anderen Buch, „Volksmusik der Schweiz“, steht zu Beginn: „Volksmusik und Geschichte stehen in enger Beziehung zueinander.“ Weiter ist zu entnehmen, dass nach Diebold Schilling ein anderer Luzerner Chronist, Renward Cysat, Zeugnis über die Anfänge der Volksmusik ablegt. Er berichtet 1565 vom Betruf der Sennen. Zudem weiss das Buch zu berichten: “ (…) zur Volksmusik, die im Wesentlichen eine Musik mündlicher Überlieferung ist, gehört die Wandlungsfähigkeit.“
Autor Dieter Ringli schreibt in seinem Buch „Schweizer Volksmusik – Von den Anfängen um 1800 bis zur Gegenwart“ vom Mythos, der Idee der Schweizer Volksmusik. Auch wenn sich laut Ringli dieser Mythos als falsch erweist, so schwinge eben immer noch die romantische Auffassung des unverdorbenen Älplers in der Schweizer Volksmusik mit. Dabei sind die Bergbauern heutzutage nur noch eine verschwindend kleine Minderheit der Bevölkerung. Weiter liest man im Buch: „Die Idealisierung des Alten, Ursprünglichen steht – und stand stets – im Widerspruch zur Ästhetik der Zeit.“
Diese Idealisierung des Alten und Ursprünglichen, und auch die hartnäckige Erhaltung gehört auch zur Eigenart der Muotathaler Volksmusik. Dazu gibt es dann mehr bei den alten Formationen und Musikanten sowie deren Charakteristik.
Laut dem oben erwähnten Buch „Volksmusik der Schweiz“ werden die historischen Zeugnisse schweizerischer Volksmusik im 18. und 19. Jahrhundert zahlreicher. Als Initialzündung für die Schweizer Volksmusik der Neuzeit gilt das Unspunnenfest 1808. Nebst den sportlichen Wettkämpfen des Volkes und der Älpler wollte man auch die Alpenmusik wieder erwecken.
Ab 1850 gab es auch Wettkämpfe auf dem Stoos. Weiter ist bekannt, dass dort ab 1860 auch das Juuzen und das Büchel-/Alphornblasen Einzug hielt.
Die Klammer über die Historie der Volksmusik wird hier geschlossen. Ab hier konzentriere ich mich auf die Anfänge der Volksmusik im Muotathal.
Wie mir Betschart auf Anfrage bestätigte, mache ich bei denen von mir vorgeschlagenen Personen (siehe Blogbeitrag vom 4. Oktober) Kurzinterviews, um mehr über die Anfänge der Volksmusik in unserem Tal zu erfahren.
Einen Musikanten habe ich bei meiner Auflistung leider vergessen: Kari Suter. „Ds Länzä Kari“, wie er im Muotathal genannt wird, ist ein bekannter Volksmusikant und vermutlich von der Blasmusik zur Ländlermusik gekommen. Dazu möchte ich ihn eingehend befragen. Weiter aber auch zu den Blasmusiken im Allgemeinen, welche die musikalisch begabten Bergler förderten. Wann die Gründung der Feldmusik Muotathal erfolgte, welche Suter viele Jahre dirigierte, wird auch eine Frage sein.
Verschiedene Instrumente gehören zur Geschichte der Muotathaler Volksmusik. Weiter darf man das Juuzen, Bücheln und Alphornblasen ebenso wenig vergessen wie das „Geisslä chlepfen“ und das „Chlefelen“. Dazu gehören auch das „Trümpi“ und die „Maulorgel“. Zu dem Instrumenten-Thema beabsichtige ich ebenfalls Interviews zu führen.
Weiter erklärte mir Peter Betschart, dass es anfangs des 20. Jahrhunderts auch ein halbes Dutzend Geigenspieler im Muotathal gab. Bekannt seien ihm vor allem „ds Predigers Josep“, „ds Bertholdä Seffi“ und „ds Bächelers Toni“. Zu diesem Instrument und seinen Spielern werde ich ebenfalls Befragungen anstellen.
Bekannt ist, dass um 1900 die ersten Schwyzer Orgeln ins Tal kamen. Die ersten Spieler waren der „Eggbasch“ und der „Lisäbethler“. Wie mir Betschart berichtete machte Letzterer sogar Plattenaufnahmen mit seiner Stöpselbassorgel.
Das Kapitel 1, „die Geschichte der Muotathaler Volksmusik“, habe ich nun angedacht. Einige Recherchearbeit, wie das Führen der erwähnten Interviews, wartet zu diesem Thema noch auf mich.
Mit dem ersten ist aber auch das zweite Kapitel, „Alte und aktuelle Formationen sowie Musikanten“, eng verbunden. Ich freue mich auf die weitere Arbeit, und werde euch, liebe Leser, auf dem Laufenden halten.
feldwaldwiesenblogger