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Checkliste für Kleinkinder und Kinder
Babys und Kleinkinder entwickeln sich in ihrem eigenen Tempo und auf unterschiedliche Weise. An welchem Punkt solltest du dich also fragen, ob die Entwicklung deines Kindes auf dem richtigen Weg ist?
Entwicklungsmeilensteine
Von dem Moment an, in dem sie geboren werden, begeben sich Kinder auf eine Reise zur Erforschung von Verhaltensweisen und Fähigkeiten, die als Entwicklungsmeilensteine bezeichnet werden. Diese Meilensteine sind für jede Altersgruppe unterschiedlich. Bei Babys kann das erste Lächeln ein Meilenstein sein, während für Kleinkinder das Sprechen oder Gehen ein Meilenstein ist. Jeder Entwicklungsmeilenstein hat seine eigene durchschnittliche Reichweite. Durchschnittlich bedeutet, dass die übliche Entwicklung einen gewissen Zeitbereich vorgibt, in welchem ein Kind normalerweise gewisse Entwicklungen durchmacht.
Wenn diese Meilensteine jedoch nicht in einem bestimmten Zeitrahmen erreicht werden, wird die normale Entwicklung unterbrochen. Dann muss der Grund abgeklärt werden. Einer dieser Gründe kann sein, dass das Kind im Autismus-Spektrum liegt.
Muster und Merkmale
Die für Autismus bekannten Verhaltensmuster oder Merkmale können unterschiedlich sein. Sie können auch unterschiedlich stark ausgeprägt sein. In der Regel geht man davon aus, dass ein Kind im Alter von 18 und 22 Monaten eine Diagnose bekommen wird, wenn es solche Verhaltensweisen zeigt. Bei manchen jedoch treten Anzeichen von Autismus möglicherweise erst im Schulalter oder sogar später im Leben auf. Es kann auch sein, dass Verhaltensweisen bereits früh vorhanden sind, aber dennoch nicht erkannt werden, weil zb. in den Schulen keine kompetenten Personen vorhanden sind, welche sich mit dem Thema auskennen.
Erfahrungswerte weisen auf einige Anzeichen und Merkmale hin, auf welcher Eltern in den ersten Lebensjahren eines Kindes achten können. Obwohl diese Anzeichen oder Merkmale schlussendlich doch keine Autismus-Diagnose bedeuten, kann es dennoch ratsam sein, mit dem Kind eine Abklärung vorzunehmen. Sicher ist sicher.
Wenn du bedenken hinsichtlich der Entwicklung deines Babys oder Kleinkindes hast, rede so bald als möglich mit deinem Kinderarzt. Je früher du einen Unterschied oder eine Verzögerung in der Entwicklung deines Kindes erkennst, desto eher kannst du Hilfe erhalten, um auf geeignete Dienste und Unterstützung zuzugreifen, die bei der zukünftigen Entwicklung helfen können.
Checkliste für Kleinkinder
Beachte, dass die folgenden Informationen nur eine Aufzählung einiger häufiger Anzeichen und Merkmale von Autismus sind. Es ist aber unwahrscheinlich, dass ein Kind alle aufgeführten Eigenschaften aufweist. Diese Liste ersetzt aber keine fachspezifische Abklärung. Nur ein Spezialist für Autismus kann eine korrekte Diagnose stellen!
Frühe Anzeichen von Autismus bei Babys (6 Monate bis 1 Jahr):
- In sozialen Situationen selten lächeln,
- Unerwartete Reaktionen auf neue Gesichter,
- Wenig oder kein Blickkontakt,
- Reagiert nicht auf seinen Namen,
- Dreht nicht den Kopf, um Geräusche zu lokalisieren oder auf laute Geräusche zu reagieren,
- Überreagiert auf Geräusche,
- Zeigt einen Mangel an sozialer Erwartung. Zum Beispiel streckt das Baby seine Arme nicht aus, um hochgehoben zu werden,
- Verwendet im Kontext keine Gesten wie Zeigen oder Winken,
- Mag es nicht, gekuschelt oder berührt zu werden,
- Zeigt wiederholende und ungewöhnliche Körperbewegungen an.
Frühe Anzeichen von Autismus bei Kleinkindern bis zu 24 Monaten können sein:
- Spricht nicht,
- Läuft nur auf Zehenspitzen,
- Einfache mündliche Anweisungen können nicht befolgt werden,
- Ahmt keine Handlungen nach,
- Hat ein intensives Interesse an bestimmten Objekten, z. B. ständiges Betätigen eines Lichtschalters,
- Kann sehr an ungewöhnlichen Objekten wie Metallobjekten interessiert sein,
- Beschäftigt sich mit sich wiederholenden Aktivitäten , wie z. B. dem Ausrichten von Objekten.
Frühe Anzeichen von Autismus bei kleinen Kindern bis zu 36 Monaten können sein:
- Hat begrenzte Sprachfähigkeiten,
- Hat Schwierigkeiten, einfache mündliche Anweisungen zu verstehen,
- Hat wenig Interesse an Rollenspiel oder phantasievollem Spiel,
- Zeigt wenig Interesse an anderen Kindern,
- Folgt gerne der Routine und wird leicht durch Veränderungen verärgert,
- Ist extrem empfindlich gegenüber sensorischen Erfahrungen wie Sehen, Hören, Riechen und Schmecken,
- Ist unterempfindlich gegenüber sensorischen Erfahrungen wie Hitze und Kälte, Berührung und Schmerz.
Warum soll man eine Abklärung anstreben?
Es ist normal, dass Sie sich Sorgen machen, wenn Ihr Baby oder Kind Entwicklungsverzögerungen zeigt oder einige der möglichen Anzeichen oder Merkmale von Autismus hat. Es ist ratsam, eher früher als später Antworten zu erhalten, damit du auf Unterstützung und Dienste für dein Kind und dich selbst zugreifen kannst. Auf persönlicher Ebene kann eine Abklärung es dir und deiner Familie ermöglichen, Autismus und die Auswirkungen auf dein Kind besser zu verstehen. Je früher dein Kind eine Diagnose bekommt, je früher kann es entsprechend gefördert werden, was einen positiven Einfluss auf die spätere Entwicklung bis hin zum Erwachsenenleben haben kann.
Suche nach einer Einschätzung
Wenn du dir Sorgen um dein Baby oder Kleinkind machst und du es auf Autismus untersuchen lassen möchtest, hast du mehrere Möglichkeiten
- Wende dich direkt an deine kantonale Stelle. In der Regel ist das der psychiatrische Dienst,
- Vereinbare einen Termin mit deinem Hausarzt oder Kinderarzt, um mit ihn die Situation zu besprechen. Er kann dich an einen qualifizierten Spezialisten oder an den psychiatrischen Dienst deines Wohnkantons für eine Beurteilung und Diagnose von Autismus überweisen,
- Du kannst dich auch bei einem privaten Autismus-Fachspezialisten melden, welcher sich auf Kinder spezialisiert hat.
Wer wird in die Bewertung einbezogen?
Es hängt davon ab, bei welcher Stelle man sich meldet, um eine Abklärung zu bekommen.
Wenn du dich an einen privaten Fachmann wendest, wird die Bewertung im Allgemeinen von einem Logopäden oder Psychologen durchgeführt. Es kann auch sein, dass du mehrere Fachleuten aufsuchen musst, um eine Autismus-Abklärung durchführen zu können, bevor eine Autismus-Diagnose gestellt werden kann. Ich empfehle jedoch immer zuerst den Gang zum Kinderarzt. Dieser kennt die notwendigen Fachstellen, welche eine Abklärung vornehmen können. Idealerweise nutzt man dann die kantonalen Fachstelle (Psychiatrischer Dienst), da diese in der Regel über verschiedene Fachspezialisten verfügen und die Wege kurz sind. Zudem sind kantonale Stellen deutlich günstiger.
Eine erste Einschätzung können folgende Fachpersonen vornehmen (Einschätzung, aber keine Diagnose):
- Praktizierender Arzt
- Krankenschwester
- Ergotherapeutin
- Psychologe
- Sozialarbeiter
- Logopädin
- Kinderarzt
- Kinderpsychiater
- Neurologe
Wichtig: Nur Fachleute, die eine zusätzliche Ausbildung zur Autismus-Beurteilung erhalten, können eine korrekte Autismus-Diagnose stellen.