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Microsoft will seine Xbox One zum Rundum-Unterhaltungsgerät machen und entwickelt erste eigene TV-Formate, mit Stars wie Steven Spielberg und Ridley Scott. Yahoo wiederum produziert eigene Konzerte.
Microsoft und Yahoo steigen ins gleiche Geschäft ein wie vor ihnen die Emporkömmlinge Netflix und Amazon: Mit Eigenproduktionen wollen die einstigen Digitalkonzerne im TV-Geschäft mitmischen. Beide haben jetzt erste eigene Serien und Konzertreihen angekündigt.
Die ersten Eigenproduktionen für die Xbox hat bei Microsoft soeben die eigens eingekaufte TV-Managerin Nancy Tellem vorgestellt – sie arbeitete früher als Programmchefin für CBS. Microsoft hat für seine Unterhaltungsoffensive einige sehr bekannte Namen ins Boot geholt: Steven Spielberg und Ridley Scott werden da etwa im Zusammenhang mit zwei unterschiedlichen TV-Formaten genannt, die auf der Welt der «Halo»-Spieleserie basieren sollen. Spielberg soll als Exekutivproduzent auftreten – womit allerdings offen bleibt, inwieweit er sich am eigentlichen Produktionsprozess tatsächlich beteiligen wird. Dasselbe gilt für Scott, der mit einem «Halo»-Film in Kinolänge in Verbindung gebracht wird. Der Film soll möglicherweise im November veröffentlichungsreif sein.
Für ein Remake der schwedischen TV-Serie «Real Humans» hat Microsoft namhafte britische TV-Talente angeheuert, deren bisherige Produktionen zumindest Seriennerds etwas sagen dürften: Jane Featherstone («Life on Mars», «Broadchurch»), Derek Wax («The Hour», «Sex Traffic») und die Drehbuchautoren Sam Vincent und Jonathan Brackley («Spooks», «Spooks: The Greater Good»). Die Serie soll schlicht «Humans» heissen und handelt von einer Welt mit höchst menschenähnlichen Roboter-Bediensteten. Die Produktion soll im Mai anlaufen.
Der Dokumentarfilm «Atari: Game Over» über die kürzlich in Nevada ausgebuddelten Spiele-Cartridges zu einem «E.T.»-Spiel soll als Teil einer Reihe Xbox-exklusiver Dokumentationen über den digitalen Wandel laufen.
Microsofts neue Xbox One soll den Windows-Konzern so auch unabhängiger vom alten Kerngeschäft mit Bürosoftware machen. Diese Strategie wurde schon bei der Präsentation der Spielkonsole deutlich, die Spielefans zum Teil bitter enttäuschte – weil darin viel über interaktive TV-Unterhaltung und wenig über Videospiele gesprochen wurde. Schon im Mai 2013 hatte Microsoft erklärt, man werde eigene TV-Inhalte für die Konsole produzieren, die auch die Stereokamera Kinect und andere Hardwaremerkmale der Konsole für Interaktives nutzen würden.
Auf die Frage nach den Marktforschungsmöglichkeiten der neuen Konsole antwortete Microsoft-Manager Phil Spencer damals: «Worauf reagieren die Zuschauer? Wen mögen sie? Welche Handlungsstränge sollte man ausbauen?» Die Antworten könne die Konsole mit ihrer Kamera geben. Das sei «der Schlüssel zu unserer Vorstellung der Evolution des Fernsehens: Die Grenzen zwischen dem Zuschauer und dem Schöpfer werden niedergerissen.»
Weitere bereits angelaufene Produktionen sind eine Dokumentationsreihe über Strassenfussballer namens «Every Street United» und eine Serie von Livekonzerten. In der Entwicklung ist Microsoft zufolge eine ganze Reihe weiterer Serien, die speziell für den Gamer-Geschmack konzipiert sind, darunter eine Umsetzung eines Pen-and-Paper-Rollenspiels namens «Deadlands», eine Detektivserie namens «Gun Machine», basierend auf einem Roman von Warren Ellis, eine Fantasy-Serie namens «Winterworld», basierend auf einer Comic-Reihe, eine Doku-Serie über einen Rettungstaucher und nicht zuletzt ein Stop-Motion-Format von den gefeierten Schöpfern der irrwitzigen Serie «Robot Chicken», Seth Green und Matt Senreich.
Vieles bleibt allerdings unklar – etwa, ob die Exklusivproduktionen Xbox-Live-Abonnenten kostenlos zur Verfügung stehen oder zusätzliche Gebühren anfallen werden.
Parallel zu Microsoft hat auch Yahoo den eigenen Einstieg ins TV-Geschäft angekündigt. Ab Juli wird ein Online-Kanal im Yahoo-Netzwerk täglich ein Live-Konzert in Zusammenarbeit mit dem Konzertveranstalter Live-Nation zeigen. Finanziert werden soll das Angebot durch Sponsoring. Ausserdem wird Yahoo zwei eigene Comedy-Serien produzieren lassen.
Beide werden von ehemaligen Mitarbeitern der US-Version von «The Office» mitverantwortet. Es handelt sich um eine Science-Fiction-Sitcom namens «The other Space» und eine Sendung über die Vorgänge hinter den Kulissen eines Profi-Basketballteam namens «Sin City Saints».
(cis)