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Geschichte der Sustlihütte
Dieser Bericht über den ersten Bau, über Umbauten und Renovationen bis hin zum heutigen Ist-Zustand ist Teil einer Vertiefungsarbeit im Rahmen der Lehrabschlussprüfung von Thomas Stadler.
Inhalt:
Die erste Sustlihütte 1914 - 1915
Umbau und Erweiterung 1949
Aus- und Umbauten von 1970 - 1985
Planung der neuen Sustlihütte 1990 - 1993
Wasserversorgung
Umbau 1992 - 1993
Bautätigkeiten ab 1993
Sustlihütte heute
Die erste Sustlihütte 1914 - 1915
Am 9. Juli 1911 bestiegen vier Clubkameraden den Wichelplanggstock und hielten auf dem heutigen Hüttenplatz ihre Mittagsrast. Dieser Platz, inmitten einer grossartigen Hochgebirgslandschaft, war so einladend, dass sie spontan beschlossen, hier eine Clubhütte zu bauen. Es war schon lange ein Wunsch der jungen Sektion Rossberg, eine eigene Hütte zu besitzen. So war es vom Gedanken bis zur Tat nicht weit. Bereits Mitte 1912 begann der Vorstand der Sektion Rossberg mit den Vorarbeiten und beauftragte den Architekturstudenten Walter Hause mit der Planung. Die Bauarbeiten wurden durch den Beginn des Ersten Weltkrieges verzögert, sodass die Sustlihütte erst im Jahre 1915 eingeweiht werden konnte. Es entstand ein einfacher Fachwerkbau mit einem Unterbau aus Granitblöcken. Die Erstellungskosten betrugen damals ganze Fr. 13'000.-, an welchen sich der SAC mit Fr. 6200.- beteiligte.
Es war eine kleine, aber gemütliche Hütte. Als Lager dienten 24 Seegrasmatten. Dass die neue Hütte einem Bedürfnis entsprach, zeigten die Besucherzahlen. In den Anfangsjahren waren es jährlich etwa 250 Personen, die Zahl steigerte sich bis 1945 auf rund 400 Übernachtungen pro Jahr. Dabei darf man nicht vergessen, dass der Hüttenaufstieg nicht wie heute beim Sustenbrüggli begann, sondern bereits bei der Bahnstation in Wassen.
Umbau und Erweiterung 1949
Der Bau der Sustenstrasse im Jahre 1946 liess die Besucherzahl sprunghaft ansteigen und eine Erweiterung der Sustlihütte drängte sich auf. In weiser Voraussicht hatte die Sektion schon im Jahr zuvor eine Kommission mit dem Um- oder Neubau beauftragt. Eine Besprechung mit den Vertretern des Zentralkomitees ergab jedoch keine Einigkeit, sodass das Projekt wieder in weite Ferne rückte.
Wie schon beim ersten Bau, ergab auch dieses Mal eine Bergtour die positive Wende. Auf einer Sektionstour trafen 15 Rossbergler eine Gruppe des Schweizerischen Frauenalpenclubs SFAC (Sprich äss-äff-a-ze) zufällig auf der Sustli an. Den engen Platzverhältnissen und den Kontakt zwischen dem männlichen und dem weiblichen Element entsprang, wie es in der Weltgeschichte so vorkommen soll, der schöpferische Funke. In der Folge entstanden Kontakte zum Vorstand des SFAC, die zum Beschluss führten, den Neubau gemeinsam durchzuführen und je Fr. 55'000.- and die Umbaukosten beizusteuern. Im Herbst 1949 konnte der Umbau mit einem Kapitalaufwand von Fr. 116’800.- abgeschlossen werden. Sowohl der Neubau als auch der alte bestehende Teil wurden jetzt mit einem Bruchstein-Mauerwerk verkleidet. Die Hütte verfügte nun über 65 Schlafplätze in vier Räumen. Bis ins Jahr 1970 blieb für die Frauen des SFAC ein separater Aufenthaltsraum reserviert.
Aus- und Umbauten von 1970 – 1985
Wieder waren es die steigenden Übernachtungszahlen, welche die Hüttenverantwortlichen im Jahre 1970 dazu bewogen hat, die Küche und den Aufenthaltsraum zu gestalten. Der für den SFAC reservierte Raum wurde zur Küche umfunktioniert. Dadurch konnten für den Hüttenwart mehr Platz geschaffen und der Aufenthaltsraum vergrössert werden, die Platznot blieb aber weiterhin bestehen. An den Wochenenden waren 100 und mehr Besucher keine Seltenheit. Als Notlösung und Provisorium wurde 1973 etwas abseits der Hütte eine Baracke mit 48 Schlafplätzen erstellt. Nur ein Jahr später konnte endlich das lang ersehnte Hüttentelefon installiert werden. Was jetzt zu einem guten Betrieb noch fehlte, war eine zeitgemässe Toilettenanlage. Die alte Einrichtung mit der Spülung aus dem Brunnentrog konnte nicht mehr genügen. In den Jahren 1979-1980 wurden grösstenteils in Fronarbeit zwei getrennte Wasch- und WC-Räume erstellt.
Planung der neuen Sustlihütte 1990 - 1993
Gegen Ende der Achtzigerjahre zeigten sich immer deutlicher verschiedene Mängel, sodass der Vorstand mit der Hüttenkommission des Zentralkomitees Kontakt aufnahm, um einen Um- und Erweiterungsbau zu besprechen. Schon im Herbst 1990 gründete der Vorstand eine Baukommission, welche folgende Ziele ausarbeiten sollte:
-Die Schlafplätze der inzwischen baufälligen Notbaracke in die Hütte integrieren
-Das Verhältnis von Anzahl Schlaf- und Sitzplätzen ausgleichen
-Raum für Schuh- und Kleiderablage schaffen
-Die privaten Hüttenwartsräume dem heute üblichen Standart in SAC- Hütten anpassen
-Eine rationelle Küche samt den nötigen Lagermöglichkeiten schaffen
-Die völlig ungenügende Trinkwasserversorgung durch eine neue Fassung im Bereich Sustlibach/Stöss mit einer zirka 1km langen Zuleitung ersetzen.
-Die Abwasserentsorgung nach dem heutigen Stand der Erkenntnisse konzipieren und sanieren
-Die Wintertauglichkeit der Hütte bezüglich Isolation gewährleisten.
Anfang September 1990 wurde ein erstes Vorprojekt der Hüttenkommission zur Begutachtung vorgelegt. Die Grösse des Bauvorhabens und die Kosten entsprachen aber nicht ganz ihren Vorstellungen. Das zweite, reduzierte Vorprojekt (Reduktion von 100 auf 80 Schlafplätze) bestand dann seine Feuerprobe sowohl an der Generalversammlung der Sektion wie auch beim Zentralkomitee des SAC.
Der Kostenvoranschlag des Architekten lautete inklusiv Wasserversorgung: Fr. 1'350'000.-, 40% davon Subventionen des Zentralkomitees. Der Rest ist Anteil der Sektion.
Wasserversorgung
Im Frühsommer 1991 begann eine Baufirma aus Wassen mit dem Aushub für den Leitungsgraben, dem Reservoir und dem Widder-Schacht. Unter der fachlichen Leitung eines Urner Ingenieurbüros wurde die 940 Meter lange Wasserleitung verlegt. In über 1500 Frondienststunden wurde der Graben durch die Sektionsmitglieder wiederum fachmännisch zugedeckt. Ein Widder (Hydraulische Wasserpumpe, welche ohne Fremdenergie auskommt) liefert nun über eine Höhendifferenz von 140 Meter eine Wassermenge von 6.5 Liter/min. Am 6. Oktober 1991 fand bei Nebel und Schneefall die Einweihung der Wasserversorgung statt.
Umbau 1992 - 1993
Bereits an Pfingsten wurde die Hütte leer geräumt und mit dem Einrichten der Baustelle begonnen. Während drei Wochen wurde nun die Hütte aus dem Jahre 1949 fast vollständig abgebaut. Den alten Hüttenteil aus dem Jahre 1915 liess man bestehen. Er diente während den Bauarbeiten als Unterkunft. Wiederum wurden die Baufachleute durch die Frondienstler der Sektion unterstützt. Über 140 Tonnen Material wurde auf die Seilbahn verladen und zur Hütte transportiert. Mitte Oktober konnte die Gebäudehülle nahezu fertig gestellt und mit dem Innenausbau begonnen werden.
Die Bauarbeiten auf der Sustlihütte konnten planmässig auf Mitte August 1993 abgeschlossen werden. Sämtliche Ziele der Baukommission konnten erreicht werden. Die Hütte verfügt zusätzlich über eine moderne 24V-Solaranlage, sowie eine Warmwasseraufbereitungsanlage.
Bautätigkeiten ab 1993
1996 musste das ganze Eternitdach ersetzt werden, da festgestellt wurde, dass die Eternitplättchen undicht waren.
Der Vorplatz wurde neu gestaltet und mit einer Umfassungsmauer versehen, welche den Besuchern als willkommene Sitzgelegenheit dient.
2004 wurde die Trennwand zum Hüttenwartraum entfernt und somit weiterer Platz für die Küche geschaffen.
Die Geschichte ist da natürlich noch lange nicht zu Ende. Auch in Zukunft werden Änderungen und Erweiterungen an und um die Hütte vorgenommen. In Planung ist momentan eine elektrisch betriebene Abwaschmaschine, welche den Hüttenwarten viel Arbeit abnehmen könnte.
Sustlihütte heute
Die Sustlihütte liegt auf 2257 m.ü.M. und verfügt heute über 69 Schlafplätze und 85 Sitzplätze.
Es bestehen 5 grosse Zimmer mit 8-15 Schlafplätzen. Für die Hüttenwarte steht im Keller eine Toilette mit Dusche zur Verfügung, wobei die Dusche nur warmes Wasser führt, wenn die Sonnenkollektoren auf dem Dach genügend Sonnenstrahlen erwischen.
Neben der Küche ist das Hüttenwartsschlafzimmer, welches intern mit einer Treppe zur Toilette im Keller verbunden ist. Im Hüttenwartskeller befinden sich Vorräte, welche trocken gelagert werden müssen. Für Gemüse, Früchte und weitere Vorräte besteht ein kleiner Keller unterhalb des Hüttenteils von 1915. Auch ein grosser Schuhraum befindet sich im Untergeschoss.
Im Essraum kann es im Winter und Spätherbst zu ungemütlich tiefen Temperaturen kommen. Damit die Gäste und die Hüttenwarte nicht frieren, ist ein Holzofen mitten im Raum vorhanden.
In der Küche wird auf einem grossen Gaskochherd gekocht, daneben befindet sich noch ein Holzkochherd, welcher nicht nur als Wassererwärmer gebraucht wird, sondern auch noch als Küchenöfeli seinen Dienst erweist.
Die Toiletten befinden sich 15 Meter neben der Hütte in einem separaten Gebäude.
Auf der grossen Sonnenterrasse stehen 5 Holztische, woran rund 50 Personen die Bergwelt geniessen können.
Eine Transportseilbahn ist die grösste Arbeitserleichterung auf einer Hütte. Auf die Sustlihütte führt eine solche Seilbahn, welche alles Essen, Trinken, Kleider fürs Hüttenteam und Brennholz transportiert, sehr nützlich!
An der Nordhauswand wurden vor ein paar Jahren Klettergriffe angebracht, die den Besuchern (vor allem Kindern) sehr viel Spass bereiten.
Thomas Stadler