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|Auszüge aus dem Buch

Anthroposophische Gesellschaft
Die Anthroposophische Gesellschaft wurde 1913 von Schülern von Rudolf Steiner ins Leben gerufen. Rudolf Steiner (1861 1925) wurde als Sohn einer österreichischen Bahnbeamtenfamilie in Kraljevec (Österreich, heute Kroatien) geboren und studierte von 1879 bis 1883 Naturwissenschaften an der Technischen Hochschule in Wien. Später war er aktiver Mitarbeiter am Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar, wo er die naturwissenschaftlichen Schriften von Goethe herausgab. Goethes Gedanken der Metamorphose (Wandlung, Umwandlung) und Farbenlehre sollten später in der Lehre der Anthroposophie eine besondere Rolle spielen. 1897 erfolgte eine zusammenfassende Darstellung seiner bisherigen Goethe-Studien in seinem Buch Goethes Weltanschauung. Entscheidend für sein weiteres Leben war die Begegnung mit der Theosophie (griech. theos = Gott und sophia = Weisheit) und seine Berufung zum Generalsekretär der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft im Jahre 1902, für welche er über zehn Jahre tätig war. Hier konnte er die Ergebnisse seiner geisteswissenschaftlichen Forschung, die er Anthroposophie (griech. anthropos = Mensch und sophos = weise, übersetzt «Weisheit vom Menschen») nannte, einem von Jahr zu Jahr wachsenden Kreis vermitteln. Seine Stellung zum abendländischen Geistesleben und zum Christentum führten jedoch zur Loslösung von der von östlichen Strömungen beeinflussten Theosophie und 1913 zur Gründung der Anthroposophischen Gesellschaft in Berlin. Ausschlag für die Trennung gab die Verkündigung der Theosophischen Gesellschaft, der 1895 geborene Hinduknabe Krishnamurti sei eine Reinkarnation Christi. Unter Rudolf Steiners Leitung und der Mitarbeit zahlreicher Künstler aus verschiedenen Ländern wurde zwischen 1913 und 1919 in Dornach, Schweiz, das von ihm entworfene Goetheanum, ein plastisch-organisch in Holz gestalteter Doppelkuppelbau, erbaut. Im Umkreis des Goetheanums entstand nach und nach ein Ensemble von Wohn- und Zweckbauten nach Entwürfen Rudolf Steiners, später folgten ein Atelierhaus und weitere Wohnhäuser. Der Dornacher Hügel wurde zur Künstlerkolonie; unter anderen siedelten sich hier auch zahlreiche russische Künstler an. In dieser Zeit wurden von Rudolf Steiner viele Vorträge über Kunst, Architektur, Zeitgeschichte und Geisteswissenschaft gehalten. 1919 erfolgte im Pfauentheater in Zürich die erste öffentliche Eurythmieaufführung (Eurythmie = eine von Rudolf Steiner und seiner Frau Marie Steiner-von Sivers entwickelte Ausdruckskunst, die Sprache, Gesang und Bewegung vereinigt, von Rudolf Steiner «sichtbare Sprache» und «sichtbarer Gesang» genannt) unter der Leitung von Rudolf Steiners Frau (von der Rudolf Steiner sagte, dass ohne ihre Hilfe die Anthroposophische Gesellschaft nicht hätte ins Leben gerufen werden können). Im selben Jahr hielt Steiner in Zürich eine Vortragsreihe über «die soziale Frage», welche wenig später als Buch überarbeitet unter dem Titel Die Kernpunkte der sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft erschien. 1923 wurde in Dornach die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft als eine Weltgesellschaft ins Leben gerufen. Rudolf Steiner hat ein umfangreiches Schrifttum hinterlassen. Seine Werke und gesammelten Aufsätze liegen veröffentlicht in über 30 Bänden vor, ebenso der grösste Teil seiner über 5000 Vorträge, die rund 300 Bände umfassen.
Die Anthroposophische Gesellschaft sieht sich als eine Vereinigung von Menschen, die das seelische Leben im einzelnen Menschen und in der menschlichen Gesellschaft auf der Grundlage einer wahren Erkenntnis der geistigen Welt pflegen wollen. Durch die Anthroposophie soll Einsicht in die höheren, übersinnlichen Welten vermittelt werden. Rudolf Steiner charakterisierte das Ziel der Anthroposophie mit den Worten: «Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltall führen möchte.» Die Anthroposophie möchte einen inneren Schulungsweg zu solcher Erkenntnis zeigen. Sie geht dabei von den inneren Erfahrungen des modernen kritischen Bewusstseins und der technisch-naturwissenschaftlich orientierten Zivilisation aus. Studium und Schulung führen zu einer konkreten Erfahrung der geistigen Dimension von Mensch und Welt. Nach Steiner, der seine Erkenntnisse über die Welt-, Erd- und Menschheitsentwicklung in der so genannten «Akasha-Chronik», eine Art Weltgedächtnis, erschaut habe, ist der Weg des Menschen vom Geistigen ins Grobstoffliche verlaufen. Durch Christus wurde diese Abwärtsentwicklung aufgehalten und umgewandelt. Durch ihn kann die Menschheit nun wieder in die höheren Sphären streben. Im Unterschied zur Theosophie, in der das Konzept der «Aufgestiegenen Meister» einen sehr wichtigen Stellenwert hat, wurde in der Anthroposophie diese Lehre weggelassen (in der Theosophie werden mit den Aufgestiegenen Meistern Menschen bezeichnet, die auf der Erde gelebt und durch die Vollendung ihres Zieles die Auferstehung und Auffahrt, den «Aufstieg», also die Unsterblichkeit und ewige Freiheit, erreicht haben. Von der geistigen Welt aus würden diese Aufgestiegenen Meister nun den Menschen weiter helfen). In der Lehre der Anthroposophie wird auch von höheren Geistmächten wie Göttern, Erzengeln, Engeln und zu grösserer Vollkommenheit gelangten Menschengeistern gesprochen. Die Anthroposophie vertritt den Gedanken der Reinkarnation. Über verschiedene Stufen könne der Mensch (in anderen geistigen Welten) die hohe Stufe des «Geistmenschen» erreichen.
Die Erkenntnisse von Rudolf Steiner wurden für die verschiedensten Lebensgebiete fruchtbar gemacht: Kunst, Religion (Christengemeinschaft) und Wissenschaft, Pädagogik, Medizin, Pharmazie, Landwirtschaft, Sozialarbeit, Wirtschaft und vieles andere. Im Laufe der Jahre sind so weltweit gegen 10000 Einrichtungen entstanden, die sich bemühen, anthroposophische Erkenntnisse praktisch anzuwenden: Schulen (Rudolf Steiner-, Waldorf- oder Freie Schulen genannt), heilpädagogische und sozialtherapeutische Heime, Werkstätten und Schulen, Kliniken, Arztpraxen, pharmazeutische Betriebe (Weleda- und Wala-Produkte), biologisch-dynamische Bauernhöfe (Demeter-Produkte), Banken, Kunstschulen, Bühnen, Gewerbe und anderes. Die Verbindung dieser Einrichtungen zum Goetheanum beruht auf der gemeinsamen Grundlage der Anthroposophie.
Die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft hat ihren Sitz in Dornach in der Schweiz. Sie wird aus den einzelnen Landesgesellschaften (nach Ländern) gebildet, diese wiederum aus den autonomen (meist regionalen) Ortsgesellschaften, welche Zweige genannt werden. Weltweit bestehen Landesgesellschaften in 45 Ländern. In der Schweiz gibt es rund 40 Zweige der Anthroposophischen Gesellschaft, zu der sich ca. 3000 bis 4000 Personen zählen. In der Stadt Zürich werden vom Michael-Zweig regelmässig Vorträge und andere Anlässe veranstaltet. Ausserdem gibt es Arbeitsgruppen und Kurse zu verschiedenen Themen. Die jeweiligen Zweige finanzieren sich durch Mitgliederbeiträge und freiwillige Spenden.
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