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(Pigmente, lat.), gemeinschaftliche Bezeichnung sehr verschiedenartiger
Substanzen, von deren Eigenschaften man besonders die Farbe berücksichtigen will. Viele chemische Verbindungen zeichnen sich
durch eine charakteristische Färbung aus, und dieselbe gehört so sehr zu dem Wesen der fraglichen Substanz, daß diese in
gleichem Zustand niemals existieren kann, ohne jene Farbe zu zeigen. Man bereitet z. B. das Ultramarin nur
aus Stoffen, von denen keiner eine blaue Farbe besitzt; auch läßt sich aus dem Ultramarin nichts abscheiden, was man als den
Farbstoff
dieses Körpers betrachten kannte.
Sie sind meist schwache Säuren, nur wenige sind indifferent, und einzelne, wie das Berberin, zeigen basische Eigenschaften.
Man kennt unter ihnen Glykoside, und mehrere stehen zu den Gerbsäuren und deren Abkömmlingen in naher Beziehung. Die von der
Natur fertig gebildeten, ungemein verbreiteten und reich nüancierten Farbstoffe sind wenig
untersucht. Sie finden sich gelöst oder in körnigen Ablagerungen, meist in den dem Licht
[* 8] ausgesetzten oberflächlichen Pflanzenzellen;
andre kommen auch in den Verdickungen der Zellhaut vor; technische Bedeutung haben sie selten.
Dagegen finden sich in den innern, vor dem Licht geschützten Zellschichten die Chromogene, welche an sich keine Farbstoffe sind,
aber zu solchen in naher Beziehung stehen. Alle Farbstoffe scheinen aus Chromogenen hervorzugehen, viele können künstlich daraus
hergestellt und zum Teil wieder in solche zurückverwandelt werden. Sehr häufig entstehen Farbstoffe aus Chromogenen unter dem Einfluß
des Sauerstoffs, oft nur bei Gegenwart einer starken Base und bisweilen unter Mitwirkung von Ammoniak.
Die Rückbildung ist dagegen gewöhnlich ein Reduktionsprozeß. Die Chromogene sind in ihrem Vorkommen an die speziellsten
Organisationsverhältnisse sind deshalb an einzelne Gattungen oder gar Arten von Pflanzen gebunden. Für die Technik liefern
sie die wichtigsten Farbmaterialien. Durch Licht, Luft, Ozon und die meisten oxydierend wirkenden Stoffe, namentlich auch durch
Chlor, werden die meisten Pflanzenfarbstoffe zerstört, während die schweflige Säure besonders bei mäßiger Einwirkung oft
nur farblose Verbindungen mit den Farbstoffen einzugehen scheint, aus welchen durch Schwefelsäure,
[* 9] Schwefelwasserstoff etc.
der Farbstoff regenerirt werden kann.
Viele Farbstoffe lösen sich in Wasser einige nur in Alkohol und Äther; andre sind in den gewöhnlichen Lösungsmitteln
unlöslich. Aus ihren Lösungen werden manche durch Salze gefällt, die meisten durch Kohle absorbiert, so daß man gefärbte
Flüssigkeit gewöhnlich mit Kohle entfärben kann. Unter den tierischen Farbstoffen ist der Farbstoff des Bluts allen Wirbeltieren
gemeinsam, und die übrigen in letztern auftretenden Farbstoffe sind wahrscheinlich immer nur
Modifikationen, häufig unmittelbare Umsetzungsprodukte des Blutrots.
Sie sind vielleicht alle eisenhaltig, immer stickstoffhaltig, zeigen sehr verschiedene Löslichkeit in Wasser; die meisten
lösen sich in Alkalien, einige auch in Alkohol, Äther und Chloroform. Manche können kristallisiert erhalten werden, die meisten
sind vollständig indifferent und werden durch Chlor zerstört; manche, wie die Gallenfarbstoffe, sind
sehr veränderlich und können eine Reihe von Farbenwandlungen erleiden, andre sind ungewöhnlich beständig, und das Melanin
gleicht in dieser Beziehung der reinen Kohle.
Gewisse niedere Organismen erzeugen durch ihren Lebensprozeß aus eiweißartigen Körpern sehr lebhafte blaue und rote Farbstoffe, welche
in allen Eigenschaften mit den künstlichen Anilinfarbstoffen übereinstimmen (blutendes Brot, Blau- und
Rotwerden der Speisen). Anilinrot und Anilinviolett finden sich auch in der Molluskenspezies Aplysia depilansL. (Seehase).
Praktische Bedeutung besitzt von den tierischen Farbstoffen fast nur das Kochenillerot (Karmin).
In Bezug auf die Dauerhaftigkeit spricht man von echten und unechten Farbstoffen. Letztere erliegen den gewöhnlichen Einflüssen
sehr schnell, während erstere durch Luft, Licht, Wasser und Seife nur sehr wenig oder nicht verändert werden. Die Unterschiede
sind indes nur gradweise, u. manche Farben sind gegen gewisse Einflüsse sehr widerstandsfähig, gegen
andre nicht. Auch ist die Haltbarkeit der Farben verschieden je nach dem Bindemittel, welches bei Maler- und Anstrichfarben benutzt
wird, so daß ein und derselbe Farbstoff in Öl sehr dauerhaft, als Wasserfarbe aber viel vergänglicher sein kann. Auch ob
die Farbe auf Holz,
[* 24] Metall oder Kalk angewandt wird, macht erhebliche Differenzen, ebenso die Natur der Faser,
auf welcher sich die in der Färberei benutzten Farbstoffe befinden. Auf Wolle und Seide
[* 25] sind die in der Regel echter als auf Baumwolle
[* 26] und Leinen, auch bedingt die Natur der Beize einige Unterschiede.
Zur allgemeinen Orientierung über die Echtheit von Farben auf Gespinsten und Geweben kann man folgende
Proben anstellen: Um rote Farben zu prüfen, kocht man eine kleine Probe des Stoffes mit Seifenwasser, eine andre mit Kalkwasser,
welche beide sich höchstens schwach färben dürfen;
auch darf die Farbe des Stoffes weder gebleicht, noch gelblich oder
braun geworden sein.
Man erkennt durch diese Probe die An- oder Abwesenheit von Rotholz, Orseille, Safflor, Sandel oder Teerfarben,
welche sämtlich sehr veränderlich sind. Von den gelben Farben ist Krappgelb am echtesten, Orlean und Kurkuma am vergänglichsten,
etwas besser vielleicht Fisettholzgelb. Die Lichtechtheit der übrigen Farbstoffe ist ziemlich gleich. Waschecht
sind nur die Farben der ersten Gruppe. Zur Prüfung kocht man die Proben nacheinander mit Wasser, dann mit Alkohol und zuletzt
mit Kalkwasser.