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Diese strenge Regel wurde ursprünglich aus technischen Gründen eingeführt. Ein Tweet sollte in eine SMS mit damals 160 Zeichen passen.
Die Beschränkung ist unterdessen zum Markenzeichen von Twitter geworden. Es prägte den Charakter des Dienstes: Statt vieler Worte wird ein Link oder ein Bild gepostet. Ausserdem entstand das Phänomen des Tweetsturms – wenn Nutzer dicht aufeinander Tweets zu einem Thema veröffentlichen, weil sie mehr als 140 Zeichen zu einem dazu zu sagen haben.
Dies sieht auch Mitgründer Dorsey: Die Grenze animiere zu Kürze und Kreativität, schrieb er am Dienstag in einem Tweet. Nutzer wollten aber auch längere Texte veröffentlichen. Als Ausweichlösung würden sie Screenshots hochladen, schrieb er in seiner Erklärung, die er selbst als Screenshot in einem Tweet veröffentlichte.
Wenn man den Nutzern erlauben würde, die Passagen direkt als Text zu posten, könnte man sie zum Beispiel durchsuchbar machen, gab Dorsey zu bedenken. “Was, wenn ein Text wirklich ein Text wäre? Text, in dem man suchen kann. Text, den man unterstreichen kann. Das wäre mehr Nutzwert und Stärke”, schrieb er.
Und: “Wenn es mit dem vereinbar ist, was die Nutzer wollen, dann werden wir es prüfen.” Ob die Nutzer tatsächlich längere Tweets wollen, ist unklar: Schon als vor einigen Wochen Gerüchte über eine mögliche Abschaffung der Obergrenze auftauchten, bildeten sich zwei grosse Lager von Befürwortern und Skeptikern.
Das “Wall Street Journal” schrieb unter Berufung auf Quellen bei Twitter, die Obergrenze solle auf 10’000 Zeichen hochgesetzt werden. Seit Juli gilt dieses Limit bereits für direkte Twitter-Nachrichten von Nutzer zu Nutzer. Dabei würden in einem Nachrichtenstrom wie bisher nur 140 Zeichen angezeigt. Um den Rest zu sehen, müssten Nutzer den Tweet anklicken. Ähnlich funktionieren bereits Dienste wie TwitLonger, die Nutzern helfen, längere Texte zu veröffentlichen.
Dorsey will Twitter für Einsteiger attraktiver machen, um das schwächelnde Wachstum der Nutzerzahlen anzukurbeln. Zuletzt war die Zahl der User, die sich mindestens einmal im Monat bei Twitter einloggen, binnen drei Monaten nur um vier Millionen auf rund 320 Millionen gestiegen. Andere soziale Netzwerke legen viel stärker zu; Facebook etwa hat mehr als eine Milliarde Nutzer.
Im Dezember startete Twitter daher den Test eines Modells, bei dem auch Menschen, die Twitter zwar nutzen, aber nicht eingeloggt sind, gesponserte Tweets lesen können. Das würde Twitter interessanter für zahlende Kunden machen. Denn der Kurzbotschaftendienst ist zwar für viele Künstler, Sportler oder Politiker sehr wichtig, für Unternehmen dagegen nicht. Seit seiner Gründung im Jahr 2006 machte Twitter noch keinen Gewinn.
(SDA)