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Was verbindet den britischen Alpenpionier Douglas William Freshfield mit dem italienischen Skirennfahrer Giuliano Razzoli? Die Lösung findet sich untenstehender Rezension unseres Scouts, der bei seiner Ski-Expedition in den Appenin auf interessante alpinliterarische Spuren gestossen ist.
„At Oira, rocks approach the stream on either side, and the road traverses a narrow pass, the entrance to the Val Antigorio. A little farther we came to the baths of Crodo, a summer haunt of the Domo d’Ossolans, scarcely high enough in the mountains and too hot to suit English tastes.”
Heisst es im Kapitel „Saas to Isella and Formazza“ im ersten Buch eines sehr berühmten Mannes: „Across country from Thonon to Trent“ von Douglas William Freshfield (1845–1934). DWF, 1893–1895 Präsident des Alpine Club und 1914–1917 Präsident der Royal Geographic Society, kannte sich aus in den Bergen der Welt, von den ganzen Alpen über die Pyrenäen und die Berge Afrikas bis in den Himalaja und nach Kanada. Seiner Mutter Jane verdankte er das alpinistisch-touristische Unterwegssein und das Schreiben darüber. 1861 machte er als 16-jähriger seine erste Erstbesteigung, den Sasso Nero (2917 m) oberhalb des Lago Palù auf der Südseite des Bernina-Massivs. Im Sommer 1864 dann das hochalpine Trekking von Thonon-les-Bains am Lac Léman bis nach Trento, Hauptstadt der heutigen Region Trentino-Südtirol, zusammen mit Richard Melvill Beachcroft und James Douglas Walker, wie Freshfield Jus-Studenten in Oxford, sowie dem Bergführer François Devouassoud aus Chamonix. Am 14. Juli waren die jugendlichen Gipfel- und Passstürmer gestartet, hatten die Haute Route nach Zermatt zurückgelegt, dort die Dufourspitze mitgenommen, bevor es in die Lepontinischen Alpen ging. Am Samstag, 31. Juli, von Iselle durch das Val Divedro gegen Domodossola hinab und dann durch das Valle Antigorio und das anschliessende Val Formazza hinauf bis nach Riale oberhalb der Tosafälle. Dort oben genossen sie ein erfrischendes Bad im Toce, am andern Tag erreichten sie über die Bocchetta di Val Maggia das Tessin.
Wer sich nun für Freshfield interessiert, aber noch mehr für die hier erwähnten Täler am Südrand der Schweiz, darf und muss zu einer neuen Publikation greifen, die ich heute vor einer Woche in der Edicola von Villa Minozzo fand. Aus diesem Dorf im Appennino Reggiano, einem Abschnitt des toskanisch-emilianischen Apennins, stammt der italienische Skirennfahrer Giuliano Razzoli, Slalomsieger an der Olympiade von Vancouver 2010 und zweiter im Lauberhorn-Slalom in diesem Jahr; am letzten Samstag erlitt er beim Slalom von Kitzbühel einen Kreuzbandriss. Die Januar-Ausgabe der Zweimonatszeitschrift Meridiani Montagne widmet sich den drei Tälern Formazza, Antigorio und Divedro. Wie immer in einer gekonnten und überraschenden Mischung von Reportagen und Empfehlungen; Alpinismus, Tourismus und Kultur; schön fotografiert und arrangiert; mit vielen Tipps und einer doppelseitig bedruckten Karte, meistens in den Massstäben 1:50000 und 1:25000. Am Schluss des 136-seitigen Heftes jeweils noch ein paar Seiten mit alpinen Aktualitäten.
78 Ausgaben umfasst Meridiani Montagne nun, darunter einige mit viel bis ausschliesslich Svizzera, wie Cervino, Monte Rosa und Engadina (je zwei Hefte), Pizzi Badile und Bernina, Eiger, Weisshorn und Grand Combin. Wann immer ich in Italien bin, schaue ich nach der aktuellen Ausgabe, und nach alten auch. In Villa Minozzo kaufte ich noch „Ortles – Cevedale“. Das Titelbild der jüngsten zeigt den grünblauen Morasco-Stausee oberhalb Riale, umgeben von halb verschneiten, steil aufragenden Zinnen. Die höchste ist der Corno di Ban (3028 m), erstmals bestiegen von – nein, nicht von DWF, sondern von W.A.B. Coolidge und Christian Almer junior, am 30. August 1893. Rechts von ihm der Monte Immel (2807 m), offenbar eine nicht ganz korrekte Übersetzung von Monte del Cielo.
Douglas William Freshfield: Across country from Thonon to Trent: Rambles and Scrambles in Switzerland and the Tyrol. Spottiswoode & Co., London 1865; Faksimile-Nachdruck by The In Pinn, Glasgow 2010. Auf books.google.ch ebenfalls zu finden – und zu lesen.
Meridiani Montagne: Formazza, Antigorio, Divedro. N° 78, 1/2016, € 7.50. Editoriale Domus, Milano.