Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03375.jsonl.gz/155

Unbreakable – Unzerbrechlich
Wikipedia sagt zu Ying und Yang: „Sie stehen für polar einander entgegengesetzte und dennoch aufeinander bezogene Kräfte oder Prinzipien.“ Genau so verhält es sich auch in M. Night Shyamalans UNBREAKABLE – UNZERBRELCHLICH mit dem Guten und dem Bösen: Das Gute existiert nicht ohne das Böse, das Böse nicht ohne das Gute. Gleichzeitig hat der Gute seine Fehler, während der Böse eigentlich echt sympathisch ist.
Normalerweise besteht ein Supheldenfilm aus drei Akten. Im ersten Akt entdeckt der Held seine Superkräfte. Im zweiten Akt kämpft er gegen einige Fieslinge und im dritten Akt stellt er sich dem ultimativen Bösewicht. In UNBREAKABLE hingegen besteht der ganze Film quasi nur aus einem langen ersten Akt. Das mag jetzt für die einen etwas abschreckend klingen, aber für mich ist das einer der Gründe, wieso ich den Film so sehr liebe.
David Dunn (Bruce Willis) ist der einzige überlebende eines verheerenden Zugunfalls, der 131 Menschenleben forderte. Nicht erst seit dieser Katastrophe besteht Davids Leben aus Traurigkeit und innerer Leere. Von seiner Ehefrau Audrey (Robin Wright) und seinem Sohn Joseph (Spencer Treat Clark) hat er sich längst entfremdet und eigentlich will David, der als Security im örtlichen Football-Stadion arbeitet, in New York neu anfangen.
Doch der Unfall verändert alles. Der exzentrische Comic-Galerie-Besitzer Elijah Price (Samuel L. Jackson) besucht ihn und stellt ihm Fragen, die er nicht beantworten kann. Ist es vielleicht gar kein Zufall, dass Dunn als einziger den Zugunfall überlebt hat? Wieso war er noch nie in seinem Leben krank? Weshalb plagt ihn seit seiner Kindheit die riesige Angst vor Wasser? Elijah, dessen Leben von der selben Traurigkeit und Leere bestimmt ist, scheint die Antworten auf diese geheimnisvollen Fragen zu kennen. Zudem scheint das Schicksal der beiden ungleichen Männer auf eine mysteriöse Weise miteinander verbunden zu sein und es kommt schliesslich zum unausweichlichen Ende.
UNZERBRECHLICH – UNBREAKABLE wirft, wie es Quentin Tarantino himself perfekt ausgedrückt hat, die Frage auf: „Was wäre, wenn Superman hier auf der Erde wäre, aber nicht wüsste, dass er Superman ist?“. Und so erzählt der Film eine Geschichte von wirklichen Menschen, mit wirklichen Familien und wirklichen Gefühlen. Man braucht es gar nicht immer alles zu überzeichnen (wortwörtlich). Denn sowohl das „Böse“ als auch das „Heldenhafte“ existiert auch in normalen Menschen.
Nebst einer grossartigen Darstellerleistung von Bruce Willis, die ähnlich wie auch schon in THE SIXTH SENSE von einer unendlichen Traurigkeit bestimmt wird, ist es der unerreichte Samuel L. Jackson, der allen Szenen in denen er vorkommt seinen Stempel aufdrückt. Seine „schräge“ Frisur, die man dem schwarzen Bürgerrechtler und Autoren Frederick Douglass entliehen hat, setzt dem ganzen die Krone auf.
Ebenfalls einen bleibenden Eindruck hinterlässt der grossartige Score von James Newton Howard, der eine Persönlichkeit hat, die so besonders ist wie dieser Film selbst. Er unterstreicht die behutsame (böse Zungen würden es langsam oder gar langweilig nennen) Erzählweise M. Night Shyamalans, der mit UNBREAKABLE – UNZERBRECHLICH ein wahres Meisterwerk geschaffen hat, der es ganz leicht in meine persönliche Liste der besten Filme aller Zeiten geschafft hat und gleichzeitig auch – nebst der DARK KNIGHT Trilogie – mein all-time-favorite Superhelden-Film ist.