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hier, nachdem sie den
Brautkranz mit der Brauthaube vertauscht hatte, dem Bräutigam übergeben; denn das Ehebett mußte öffentlich
beschritten werden, sollte die
Ehe gültig sein. Manchmal gab dem im
Bett
[* 2] liegenden Paare der Geistliche den Brautsegen. Nach
einer
Weile kehrten dann
Brautführer und Gäste zurück und brachten dem jungen Paare einen
Trunk, oder
wenn es am nächsten Morgen geschah, ein Frühstück, Brauthuhn, und legten der Braut neue Kleider vor das
Bett.
Damit hatte dann die Braut das eheliche Leben begonnen. In betreff des Brautstandes haben sich eine Menge Gebräuche
und
Sitten erhalten, die bei verschiedenen Völkern abweichen. So findet sich in Gebirgsgegenden, z. B.
in den
Alpen,
[* 3] vornehmlich aber in Altrußland noch die Brautschau. Hier wird jede zum 15. oder 16. Jahre herangereifte
Jungfrau
bis zur ersten Woche der großen Fastenzeit vor
Ostern in ihrer Wohnung zurückgehalten, dann aber am
Sonntag bräutlich geschmückt
zur
Kirche gebracht und den heiratslustigen
Jünglingen durch Vermittelung einer Freiwerberin (Swacha)
förmlich zur Brautschau ausgestellt. Findet sie keinen Werber, so wiederholt sich dieses nach Jahresfrist, wenn sie sich
nicht zur Braut Christi,
d. i. zur Nonne erklärt.
sind diejenigen
Kinder, welche von rechtmäßig Verlobten erzeugt sind und geboren werden, bevor die
Ehe
geschlossen ist. Vor dem Tridentinischen
Konzil wurde die
Auffassung vertreten, das Verlöbnis werde durch
hinzutretenden Beischlaf zur
Ehe. Nach der
Reformation wurde von prot. Juristen gelehrt, das öffentliche Verlöbnis habe die
Wirkung der
Ehe, auch das heimliche Verlöbnis werde durch geschlechtliche
Verbindung zur
Ehe, die geschwängerte
Braut könne
aber auch die
Trauung erzwingen.
ist das älteste german. Wort für
Hochzeit. Es findet sich bei allen german.
Stämmen;
während
es aber in
Deutschland
[* 11] seit dem 16. Jahrh. ziemlich ausgestorben ist, hat es sich bei den
Niederländern (bruiloft),
Dänen (bryllop),
Schweden (bröllop) in der alten Bedeutung erhalten.
Ohne Zweifel ist der
Ausdruck einer uralten
Sitte der
Brauterwerbung entsprossen, und zwar in einer Zeit, wo man sich die
Braut, wie noch bei verschiedenen
wilden Völkern heutzutage, durch Raub holte. In manchen Gegenden
Deutschlands
[* 12] lebt diese Erwerbung noch heute in symbolischer
Handlung fort, indem am Hochzeitstage die
Braut, nachdem sie vom Bräutigam einen
Vorsprung erhalten hat, vor letzterm flieht
und bis zu einem festgesetzten Punkte eingeholt werden muß. Geschieht dies nicht, so wird der Bräutigam
gehöhnt und verspottet.
Dorf im Landkreis Köln
[* 13] des preuß. Reg.-Bez.
Köln, zur
Bürgermeisterei Freimersdorf gehörig, 13 km westlich von Köln, hat (1890) 1888 E., Post,
Telegraph
[* 14] und in der ehemaligen Benediktinerabtei eine Provinzialarbeitsanstalt (1073
Insassen). - Brauweiler verdankt seine Entstehung
um 970 einem gewissen
Bruno, der dem heil. Medardus hier eine Kapelle erbaute, die nach seinem
Namen Brunwiler genannt wurde.
Im 12. Jahrh. zerstörte eine Feuersbrunst alle
Gebäude mit Ausnahme des Kapitelsaals. Später wieder
aufgebaut, wurde das
Kloster 1804 aufgehoben, 1810 in ein Armenhaus und unter der preuß. Regierung in eine
Arbeitsanstalt verwandelt.
(ital., Mehrzahl von
Bravo, d. h. Tapferer,
Kühner), s.
Bandit. Im türk.
Heere bezeichnete man als Bravi diejenigen
Fanatiker, die sich vor dem Kampfe mit
Opium berauschten und dann tollkühn dem Feinde entgegenstürzten.
(spr. -íljo),Juan, span. Staatsmann, geb. im Juni 1803 zu Frejenal de la
Sierra in
¶
mehr
der ProvinzBadajoz, studierte zu Sevilla
[* 17] und SalamancaTheologie, dann Rechtswissenschaft und ließ sich 1825 in Sevilla als
Advokat nieder. Nach Ferdinands VII. Tode erhielt er die Stelle des Fiskals zu Caceres. Als 1835 die Progressisten ans Staatsruder
gelangten, gab er das Amt auf, trat wieder in den Advokatenstand zurück und gründete mit Pacheco zu
Madrid
[* 18] die Zeitschrift «Boletin de jurisprudencia». Im folgenden Jahre
wurde er zum Sekretär
[* 19] im Justizdepartement im Ministerium Isturiz befördert. Schon nach einigen Monaten führte ihn die Revolution
von La-Granja zur Advokatur zurück. Er stiftete jetzt mit Gleichgesinnten die Zeitschrift «El Porvenir», worin
er der'Progressistenpartei Opposition machte, und ward 1837 in der Provinz Sevilla in die Cortes gewählt.
Nach der bald erfolgenden Cortesauflösung mußte Bravo-Murillo seine polit. Wirksamkeit auf die Opposition in dem
von ihm mitbegründeten «Piloto» beschränken. Erst 1839 gelangte er aufs
neue in die Cortes und war nun ein Hauptredner der Moderados (s. d.).
Nach der Flucht der Maria Christina im Okt. 1840 mußte er in die BaskischenProvinzen und von da nach Frankreich flüchten.
Hier blieb er bis zum Sturze Esparteros im Juli 1843. Anfang 1847 übernahm er das Portefeuille der Justiz in dem Übergangskabinett
des Herzogs von Sotomayor, gab es aber, als Pacheco an die Spitze der Regierung trat, zurück.
Doch noch in demselben Jahre kam Narvaez wieder ans Ruder, und Bravo-Murillo übernahm in dessen Ministerium nacheinander die Departements
des Handels, des öffentlichen Unterrichts und der Finanzen. Als gegen Ende 1850 aufs neue der Zwiespalt unter den Moderados
ausbrach, trat er 1851 an Narvaez' Stelle an die Spitze eines neuen Kabinetts. Er wollte die Konstitution
von 1845 im absolutistischen Sinne revidieren, mußte aber 1852 dem General Lersundi weichen und nach der Revolution von 1854 Spanien
[* 20] verlassen. 1856 zurückgekehrt, übernahm er mehrmals wichtige diplomat. Missionen, lebte nach dem Sturze Isabellas gänzlich
von Geschäften zurückgezogen in Madrid und starb daselbst