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Rund um die 1990er-Jahre entstanden in London Bauten, die uns das Miteinander von Technik, Tradition und Kontext lehren. Ein Buch hebt diesen verborgenen Schatz.
Alle starren auf Big Ben und den Westminster-Palast. Niemand macht ein Selfie vor dem Gebäude gleich nebenan, dabei ist es doch viel interessanter. Keine Ahnung, wann es gebaut wurde. Siebzigerjahre? Achtziger? Es ist gross, füllt einen ganzen Block mit sechs Geschossen und einem mächtigen Dach. Überhaupt: das Dach! 14 Schornsteine wachsen aus dem steilen Satteldach aus stumpfem Blech, verankern es in der Silhouette Londons, zwischen viktorianischen Backsteinkaminen und den gotischen und neogotischen Fialen von Palast, Kathedrale und Turm – Schornsteine wie im 19. Jahrhundert! Wieso beachtet keiner der Heerscharen von Touristen oder Angestellten im Anzug dieses Haus? Seine eigenartigen Fassadenpfeiler aus rosa Sandstein, die sich nach oben verjüngen? Die Schraubenköpfe an den Füssen der Pfeiler, so gross wie Teedosen?
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Erst im Jahr 2000 wurde das Portcullis House fertiggestellt. Die Architekten Michael und Patty Hopkins hatten 1989 begonnen, es zu entwerfen. Es ist ein Bürohaus für den Grossteil der britischen Parlamentarier und ihrer Angestellten. Bevor diese durch einen Tunnel unter der Strasse zum Palast hinübereilen, um im House of Commons über den Brexit zu streiten, plaudern sie bei Wassergeplätscher unter den Bäumen im glasüberdeckten Innenhof. Unter den Politikern sei dies der beliebteste Ort, erfährt man beim Open House Festival im Herbst, an dem sich jährlich einmal die Türen öffnen und man sich ein Bild machen kann – vom Thatcher Room oder der Cafeteria im besagten Innenhof. Dieser ist, nach dem Äusseren des Bauwerks, eine architektonisch andere Welt. Michael Hopkins, Jahrgang 1935 und von 1968 bis 1976 Partner von Norman Foster, zeigt sich da als der Hightech-Architekt, als der er gehandelt wird: Zwar besteht die Konstruktion des Glasdachs aus Holzträgern, mal wuchtig-kantig, mal konisch-schlank. Doch war hier kein Holzbauer, sondern ein...