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Die Beziehungen zwischen der Schweiz und Grossbritannien sind eng. Doch die Aussicht auf den Brexit wirft einen dunklen Schatten auf die in Grossbritannien lebenden Schweizerinnen und Schweizer. Sie sind verunsichert, was die Zukunft bringen könnte.
swissinfo.ch sprach mit drei in Grossbritannien lebenden Delegierten der Auslandschweizer-Organisation (ASO), um herauszufinden, wie sich deren Leben verändern könnte, wenn das Land nicht mehr Mitglied der Europäischen Union (EU) sein wird.
Nathalie Chuard arbeitet als Brand Managerin bei Mondelez in Uxbridge, Nord-London. Sie ist schon seit sieben Jahren beim multinationalen Süsswaren-, Lebensmittel- und Getränkekonzern tätig, zuerst in der Schweiz, dann in London. Sie befürchtet, dass der Brexit die Leistungsfähigkeit von Unternehmen wie Mondelez gefährden könnte.
Vincent Croset, auch er ein ASO-Delegierter, arbeitet als Neurowissenschaftler an der Universität Oxford. Gegenüber swissinfo.ch erzählt er, warum er glaubt, dass Akademiker generell gegen den Brexit sind.
Franz Muheim ist Professor am Institut für Teilchen- und Kernphysik der Universität Edinburgh in Schottland. Er lebt seit 19 Jahren in Grossbritannien. Muheim befürchtet, dass Schweizerinnen und Schweizer ohne britische Staatsbürgerschaft, die als Pflegekräfte arbeiten oder Rentner und Jugendliche sind, nach dem Brexit aufgefordert werden könnten, das Land zu verlassen.
Er war so besorgt, dass er einen Brief an den Schweizer Botschafter in Grossbritannien schrieb, in dem er einige seiner Befürchtungen hervorhob: "Die britische Regierung hat keine wirklichen Aufzeichnungen darüber, wer legal im Vereinigten Königreich lebt. Also wird es einen Prozess geben müssen, um uns eine zertifizierte Aufenthaltsgenehmigung oder etwas in dieser Art zu ermöglichen."
Gegenüber swissinfo.ch äussert er zudem die Befürchtung, für Schweizerinnen und Schweizer, die in Grossbritannien leben, könnte eine Mindesteinkommens-Pflicht eingeführt werden. Eine solche gilt gegenwärtig bereits für Bürger aus Ländern ausserhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR), die sich ihren Ehe- oder Lebenspartnern im Vereinigten Königreich anschliessen möchten. Diese müssen mindestens 18'600 Pfund (24'700 Franken) pro Jahr vor Steuern verdienen. Die Schweiz ist nicht Mitglied des EWR.
Gesicherter Status
Tilman Renz, stellvertretender Informationschef des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), sagte gegenüber swissinfo.ch, mit den Behörden des Vereinigten Königreichs (UK) fänden informelle Gespräche statt, um den 44'000 Schweizer Bürgerinnen und Bürgern, die im UK lebten, Garantien geben zu können. Diese Gespräche sind Teil der "Mind the Gap Strategie", die sich auf verschiedene Aspekte der künftigen bilateralen Beziehungen zwischen der Schweiz und dem UK konzentrieren.
"Das Ziel ist, den Schweizer Bürgerinnen und Bürgern, die dort leben, ihre Rechte zu garantieren, auch nachdem das UK die EU verlassen hat. Natürlich würde ein solches Abkommen umgekehrt auch für UK-Bürgerinnen und -Bürger gelten, die in der Schweiz wohnen. Die Schweiz und das UK werden ein mögliches Abkommen zwischen den beiden Ländern als Folgeabkommen für die Personenfreizügigkeit diskutieren.
Doch das wird einige Zeit dauern, weil das UK vor seinem EU-Austritt keine Abkommen mit Drittstaaten abschliessen kann, die sich innerhalb der Kompetenz der EU befinden. Deshalb hängt der Beginn von formellen Verhandlungen über ein Post-Brexit-Abkommen zwischen der Schweiz und dem UK von dessen Fahrplan für den EU-Austritt ab.
Wichtiger Handelspartner
6% der Schweizer Exporte gehen ins UK. Laut dem EDA war das UK 2015 der fünftwichtigste Exportmarkt der Schweiz (11,7 Mrd. Fr.) und das achtgrösste Herkunftsland der Schweizer Importe (rund 6,5 Mrd. Fr.).
Die Schweizer haben etwas Weiteres mit den Briten gemeinsam: Viele Schweizer misstrauen dem, was sie als Brüsseler Herrschaft empfinden.Infobox Ende
(Übertragung aus dem Englischen: Christian Raaflaub)