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21.12.2003 – Nestor Werlen, Kipa (Katholische Internationale Presseagentur)
Luzern/Rom, 21.12.03 (Kipa)
Der Schweizer Kapuzinerpater Paul Hinder ist am Samstag von Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof des Apostolischen Vikariates Arabien mit Sitz in Abu Dhabi, Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), ernannt worden. Paul Hinder war bisher Mitglied des Generalrates (Generaldefinitorium) des Kapuzinerordens in Rom.
Die Katholiken bilden in den sechs arabischen Ländern Bahrain, Katar, Saudi Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Oman und Jemen ein einziges Bist um (Apostolisches Vikariat). Kuwait ist seit 1954 eine eigene Diözese. Das Apostolische Vikariat Arabien wurde 1889 errichtet und hatte seinen Sitz zuerst in der englischen Kolonie Aden. 1972 wurden im damaligen Süd-Jemen alle christlichen Aktivitäten verboten. Im folgenden Jahr wurde der Apostolische Vikar aus Aden ausgewiesen und übersiedelte nach Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Doktorat bei Eugenio Corecco
Paul Hinder wurde 1942 in Lanterswil-Stehrenberg im Kanton Thurgau als Bürger von Wilen (TG) geboren. Nach der Beendigung der Gymnasialstudien in Appenzell trat er 1962 in den Kapuzinerorden ein. 1967 wurde er zum Priester geweiht und führte seine am theologischen Studium der Kapuziner in Solothurn begonnenen Studien an der Universität Freiburg weiter. Hier doktorierte er mit einer kirchenrechtlichen Dissertation über das Thema „Grundrechte in der Kirche“; sein Doktorvater war der spätere Bischof von Lugano Eugenio Corecco. Nach mehrjähriger Arbeit in der Seelsorge und in der theologischen Ausbildung wurde Paul Hinder erst zum Regionaloberen der Deutschschweizer Kapuziner gewählt, um dann 1989 zum Nachfolger des bei einem Flugzeugabsturz in Niger getöteten Pater Gervais Aeby zum Provinzial der Schweizer Kapuziner gewählt zu werden. Dieses Amt übte er bis zu seiner Wahl in die Generalleitung (Generaldefinitorium) des Kapuzinerordens l994 aus. Im Generaldefinitorium ist er – inzwischen ein zweites Mal gewählt – zuständig für die deutsch- und französischsprachigen Provinzen sowie für die Kapuziner im Nahen Osten. Er kennt deshalb die Situation der katholischen Kirche in den Ländern der Arabischen Halbinsel von mehreren Besuchen.
Den Kapuzinern anvertraut
Das Apostolische Vikariat ist seit Beginn den Kapuzinern anvertraut. Zwei berühmte Missionare des 19. Jahrhunderts waren am Rande mit dem Schicksal dieses Gebietes verbunden: Bischof Guglielmo Massaja, der von Süd-Abessinien und vom nördlichen Teil des heutigen Somalia aus Kontakt hatte mit dem Jemen, und Bischof Anastasius Hartmann, dem man das Gebiet kurze Zeit anvertraut hatte, vermutlich weil Aden eine wichtige Etappe auf dem Seeweg nach Englisch-Indien war, der aber das Gebiet nach kurzer Zeit weitergab.
Für die kirchenpolitische Entwicklung, die in diesen Ländern in den letzten Jahrzehnten vor sich gegangen ist, kann darauf hingewiesen werden, dass einige islamische Länder der arabischen Halbinsel in den letzten Jahren diplomatische Beziehungen mit dem Vatikan aufgenommen haben. Nachdem 1996 als erstes Land dieser Region Kuwait vorangegangen war, folgten 2001 Bahrain und Jemen sowie 2002 Katar. Die übrigen Länder unterstehen dem Nuntius in Kuwait als Apostolischem Delegaten.
Islam ist Staatsreligion
Der Islam ist in allen Ländern Staatsreligion. Christliche Mission unter den Arabern ist verboten. Die Situation ist freilich in den einzelnen Ländern sehr verschieden. Unter den ungefähr 43 Millionen Einwohnern des Apostolischen Vikariates gibt es circa 1,3 Millionen Katholiken (3,1 Prozent). Die Katholiken auf der Arabischen Halbinsel sind zu 100 Prozent Ausländer, das heisst Gastarbeiter und Ausländer, die in der Ölindustrie, in den Banken und der Verwaltung tätig sind.
Sie stammen aus Europa, Amerika und Asien, die katholischen Gastarbeiter vorwiegend aus Indien, Korea und den Philippinen. Zu den Katholiken kommen noch andere christliche
Denominationen wie Anglikaner, Südindische Kirche, Mar Thomas-Kirche, Syro Malabaren, Melkiten, Maroniten, Orthodoxe und verschiedene protestantische Kirchen.
Alle neutralen Beobachter der Situation der Arabischen Halbinsel sind sich einig, dass das Zahlen- Verhältnis der einheimischen Bevölkerung zu den Ausländern und den Gastarbeitern ungesund ist. In den Vereinigten Arabischen Emiraten sind zum Beispiel 75 Prozent der Einwohner Ausländer, in Bahrain 34 Prozent, in Saudi Arabien 27,3 Prozent. Von diesen Gastarbeitern stammen sehr viele aus anderen islamischen Staaten wie Pakistan.
Die Katholiken werden im Apostolischen Vikariat Arabien von 40 Priestern (mehrheitlich Ordenspriestern) und drei ständigen Diakonen in 21 Pfarreien seelsorgerlich betreut. Diese
Seelsorger stammen aus Europa – immer weniger -, den USA, Indien und den Philippinen, sind also ein kleines Abbild der Weltkirche. 31 Schwestern (Comboni-Schwestern, Schwestern von Mutter Teresa und andere) leiten Schulen und sind in Krankenhäusern und caritativen Werken tätig. 1998 wurden drei Schwestern von Mutter Teresa – zwei aus Indien und eine von den Philippinen -, die in einem Krankenhaus im jemenitischen Hodeida tätig waren, hinterrücks erschossen