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- Zwei Brücken führen auf die Klosterhalbinsel Wettingen, die ab 2022 Teil von «Museum Aargau» wird.
- Beide Brücken haben eine bewegte Geschichte und werden aktuell umfassend renoviert.
- Die teilweise kniffligen Sanierungsarbeiten brachten undichte Stellen, faule Balken und alte Handwerkskunst zum Vorschein.
Die Klosterhalbinsel Wettingen wird durch eine Schleife der Limmat geformt. Steigt man von den Gebäuden des ehemaligen Klosters hinab zur alten Spinnerei, so gelangt man an den Fluss, über den an dieser Stelle auch die sogenannte Gwagglibrugg führt. Folgt man von dort aus flussaufwärts dem geschotterten Zollhausweg, taucht wenig später eine zweite Brücke auf.
Die alte Holzbrücke verbindet, ebenso wie die Gwagglibrugg, die Klosterhalbinsel mit der Gemeinde Neuenhof auf der anderen Flussseite. Sind die Schleusen des oberhalb der Holzbrücke liegenden Stauwehrs nach einem regenreichen Tag geöffnet, fliesst das Wasser mit hoher Geschwindigkeit sprudelnd und glucksend unter der Holzbrücke durch.
«Gwagglibrugg» statt Fähre
Sowohl die alte Holzbrücke als auch die Gwagglibrugg befinden sich in einem sanierungsbedürftigen Zustand. Während die Renovierungsarbeiten an der Holzbrücke im Moment schon in vollem Gange sind, befinden sich die Arbeiten an der Gwagglibrugg noch in der Planungsphase.
Die Gwagglibrugg ist eine der ältesten Drahtseilhängebrücken der Schweiz und wurde im Jahre 1863 erbaut. Zuvor existierte dort schon eine Fährverbindung. Johann Wild, Mitbegründer der alten Spinnerei, initiierte den Bau der Brücke, um seinen Arbeitern den Weg zum auf der anderen Seite gelegenen Kosthaus und den Wohnungen zu erleichtern.
Ehemaliger Neuenhofer Gemeindeamman «rettete» die Brücke
Berühmte Baumeisterfamilie
Die historische Holzbrücke hingegen, die seit 1971 unter Denkmalschutz steht, wurde im Jahre 1764 vom Abt des Klosters in Auftrag gegeben und vom Teufener Baumeister Hans Ulrich Grubenmann konstruiert. Grubenmann, der mit seinen Brüdern zusammenarbeitete und mit seinem Bruder Jakob Grubenmann auch Kirchen baute, wurde durch seine weitgespannten Holzbrückenbauten in ganz Europa bekannt.
Bei der Holzbrücke in Wettingen handelt es sich um eine Bogenbrücke. Sie gilt als ein Höhepunkt von Grubenmanns Schaffen.
Fachwerk und Bogen erfunden
Besonders am frühen Holzbrückenbau ist, dass Zimmerleute und Baumeister bis im 19. Jahrhundert ihre Holztragewerke ohne detaillierte statische Kenntnisse planten und ihre Bauten auf der Grundlage von Erfahrungen konstruierten. Auch Hans Ulrich Grubenmann arbeitete auf diese Art und aus dem Wirken der Brüder Grubenmann gingen sogar neue Tragwerke, das Fachwerk und der Bogen, hervor.
Die Wettinger Holzbrücke wurde jedoch 1799 von napoleonischen Truppen zerstört und im Jahre 1818 von Blasius Balteschwiler neu erbaut. Bis zum Bau der Hochbrücke etwas weiter flussaufwärts diente diese auch dem motorisierten Verkehr.
Knifflige Abläufe
Die Renovierungsarbeiten an der historischen Holzbrücke begannen im Frühling letzten Jahres. Vorher war sie aufgrund ungeklärter Eigentumsverhältnisse immer nur provisorisch geflickt worden und war mittlerweile so marode, dass sie unbedingt renoviert werden musste. Nun hat der Kanton die Brücke den Gemeinden Wettingen und Neuenhof übergeben, die sich die Kosten der Sanierung teilen werden.
Man fing an, die Holzbrücke zu renovieren, musste dann aber zunächst die davorgelegene Eisenbrücke entfernen, deren einzelne Teile in einer Halle von einem Stahlbauer geflickt und imprägniert werden. Ist die Eisenbrücke wieder an die Holzbrücke montiert, so kann an dieser die Renovierungsarbeit wieder aufgenommen werden.
Aus Schweizer Holz
Da die Brücke nur von zwei schrägen Pfeilern getragen wird, musste sie auseinandergedrückt werden, um die Teile in der Mitte ersetzen zu können. Eine weitere Schwierigkeit war das Anheben der Balken, für das nur leichte Anhängerkräne eingesetzt werden konnten, weil die Brücke nicht viel Gewicht tragen kann.
Wie eine Zeitreise
Für die Sanierung ist zudem eine Vielzahl verschiedener Fachkräfte wie Maurer, Maler, Spengler, Zimmermänner oder Elektriker vonnöten. Zur Herausforderung wurden die Auflagen des Denkmalschutzes, aufgrund derer beispielsweise Schindeln, Fenster und Dachschmuck exakt wie vorher aussehen mussten. Auch das gleiche Holz, welches weder verleimt noch imprägniert werden darf, musste verwendet werden.
Für Christian Früh war es besonders spannend, die alte Brücke auseinander zu bauen. Nahm er beispielsweise Holzverbindungen auseinander, so sah er, dass darin noch Zapfen waren, die beim Bau vor rund 200 Jahren eingesetzt worden waren. So konnte der Zimmermann im Verlauf der Sanierungsarbeiten erleben, wie in früheren Zeiten gebaut worden war.