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Der Mensch domestizierte einst den wilden Wolf und machte sich Auerochsen, Ziegen und Schafe nutzbar. Doch unter all den Tieren, die uns heute umgeben, ist eines, das nie vom Menschen domestiziert wurde, sondern aus freien Stücken zu uns kam.
Text: Stefan Siegmann
Vor 12 000 Jahren hatte sich das ewige Eis bis auf die Polkappen zurückgezogen. Wildkatzen der Gattung Felis silvestris hatten sich zu jener Zeit lange in Eurasien und Afrika ausgebreitet.
Weite Grünflächen breiteten sich aus und die Menschen wurden sesshaft. Aus den umherziehenden Gruppen, die alles jagten und sammelten, was sie zum Leben brauchten, waren Siedler geworden.
Vor 11 500 Jahren begann im Gebiet des fruchtbaren Halbmondes die neolithische Revolution (griechisch neos «neu», lithos «Stein» – Jungsteinzeit), der Ursprung des modernen Menschen. Die Menschen kultivierten wilde Gräser als Grundlage für Nahrung und Tierfutter. Wilde Herdentiere wurden nicht mehr nur gefangen und getötet, sondern auch gezähmt, um Milch als Nahrung und Wolle für Kleidung zu gewinnen. In guten Jahren hatten die Menschen mehr erwirtschaftet, als sie verbrauchten, also legten sie Vorräte an. Die notwendigen Kornspeicher, einfache Lehmbauten, waren leicht zugänglich und der Inhalt somit ein gefundenes Fressen für Nagetiere. Diese vermehrten sich rapide und wurden bald zu einer existenziellen Bedrohung. Sie frassen Teile der Ernte auf und verunreinigten den Rest mit ihren Exkrementen. Die Vorräte wurden ungeniessbar. Krankheiten und nicht selten der Tod waren die Folge.
Die Rettung kam auf leisen Pfoten
Die Falbkatze (Felis silvestris lybica) lebt in den warmen und trockenen Gebieten der Savanne Afrikas. Sie hat ein schmales Gesicht, grosse Ohren und einen langen Schwanz. Sie ähnelt unseren kurzhaarigen Hauskatzen. Ihr Fell ist meist sandfarben und ocker, teilweise mit dunklen braunen Flecken. Von Natur aus ist die Falbkatze sehr scheu und nähert sich dem Menschen nicht. Aus gutem Grund: Sie hat Angst. Diese Angst kommt von der hohen Konzentration von Stresshormonen in ihrem Blut. An und für sich ist das ein Überlebensvorteil, denn die Begegnung mit Menschen endete nicht selten tödlich. Doch nicht alle wilden Katzen hatten die gleiche Hormonkonzentration. Aufgrund natürlicher Schwankungen gab es Tiere, die sich näher an die Siedlungen heranwagten als andere.
Unsere heutigen Hauskatzen stammen von jenen Individuen ab, die sich damals ein wenig an den Menschen anpassten. Die vollen Lager lockten Kleintiere an, die dann vergleichsweise mühelos erbeutet werden konnten. Die Menschen sorgten für Schutz vor Fressfeinden wie Bären und Wölfen. Diese Katzen hatten immer genügend zu essen und bekamen regelmässig Nachwuchs, der unter besseren Bedingungen aufwuchs.
Auch für die Menschen war das ein guter Handel. Die Katzen sorgten dafür, dass Schädlinge hinsichtlich der Ernte und der Verbreitung von Krankheiten kein Problem mehr darstellten. Zudem entdeckten die Menschen, dass einige dieser an sich sehr scheuen Tiere zutraulich und herzig waren. Für die Katzen wurde diese Niedlichkeit zu einem zusätzlichen Überlebensfaktor, der sich in ihren Genen niederschlug. Je zutraulicher und niedlicher eine Katze war, desto eher wurde sie von den Menschen bevorzugt und desto grösser waren ihre Chancen darauf, ihre Gene weiterzugeben.
Lesen Sie den ganzen Artikel von Stefan Siegmann im Katzen Magazin 2/2015.