Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03136.jsonl.gz/2528

Ergänzend möchte ich noch vorausschicken das inzwischen die Motoren umgebaut wurden in "liegende Lage" und das eine Bordglühung eingebaut wurde. Das "ersäufen" der Motoren, beim Sprit ansaugen vor dem Anlassen, wurde dadurch minimiert und das hantieren mit dem Kerzenkabel zum Anlassen ist nicht mehr nötig (Unfallrisiko beim Abziehen des Kerzensteckers wenn die Motoren laufen). Gleichzeitig stieg dadurch die Sicherheit gegen das Abstellen eines Motor in der Luft, was bisher nur einmal passiert ist (bis Ende 2004).
Ein erfolgreiches Experiment
Ein Wunsch entsteht. Während einer Südamerikareise, bei der ich unter anderem auch zweimal in einer Dash 8 flog, flammte der Wunsch auf, eine Dash 8 als Modell zu bauen. Bereits vorher hatte ich schon mit diesem Flugzeugtypen geliebäugelt? Um ein Gefühl für die Probleme zu bekommen, die dieses ungewöhnliche Flugzeug als Modell aufwerfen wird, wollte ich zuerst ein einfacheres Modell bauen, das die wesentlichen Merkmale einer Dash 8 aufweist: den Millenium.
Der Entwurf
Markant war von Anfang an
der Flügel, der auch einem F3A- Modell nicht schlecht zu Gesicht stünde. Mit
dem Programm Tmodell 2.1 optimierte ich dann die Flügelform, das Leitwerk und
die Länge des Leitwerkhebelarms. Anschließend legte ich das Abfluggewicht fest
für die Komponenten Flügel, Rumpf, Höhen- und Seitenleitwerk, Motorgondeln
mit Hauben, Antrieb, Fahrwerk und Fernsteuerung. Bei den „technischen"
Elementen kommt man so rasch zu einem recht genauen Resultat, wobei sich als
hilfreich erwies, dass ich seit mehreren Jahren die Verteilung der
Einzelgewichte meiner selbst gebauten Modell protokolliere.
Aufbau des Modells
Der Flügel ist in klassischer Rippenbauweise erstellt, oben und unten bis zum Hauptholm verkästet, mit weiterführenden breiten Aufleimern nach hinten für die Beplankung. Als Profil kam das mir bestens vertraute halbsymmetrische NACA 2415 zur Anwendung. Die Flügel sind mit einem Alurohr, Durchmesser 30mm verbunden, das lang genug ist, um auf jeder Seite über die Motorgondeln zu ragen. Die Verdrehsicherung übernimmt ein in Messingrohren gelagerter 5 mm Stahldraht. Den Hauptholm bilden zwei 5.5mm CFK-Rohre, auf denen die Flügelrippen aufgefädelt wurden. Der Raum dazwischen und bis zur oberen und unteren Beplankung wird von mit Epoxidharz vergossenem Balsaholz aufgefüllt. Vor den Abschlussleisten der Klappen ist ebenfalls noch ein 5,5mm CFK-Rohr eingebaut.
Die Querruderklappen
wurden mit Selbstklebefolie angeschlagen, die großen Landeklappen dagegen mit
Scharnieren montiert, die einen außen liegenden Drehpunkt haben. Das hat den
Vorteil, dass bei gesetzten Klappen oberhalb der Klappe ein breiter Spalt
entsteht, der bewirkt, dass das Flugzeug weniger schnell zum Strömungsabriss
neigt. Das Höhenruder ist in gedämpfter Ausführung erstellt, in
vollbeplankter Rippenbauweise mit einem NACA 0009 Profil. Die Ruderklappen sind
mit Rippen hohl ausgeführt wie auch die Quer- und Landeklappen.
Die Einbauten
Als Erstes wurde der
Flügel fertig gebaut. Im ganzen Modell kommen Hitec- Servos zum Einsatz, als
Empfänger der Zwölfkanal von Multiplex. Quer- und Landeklappenservos schraubte
ich in Montagerahmen und lenkte die Klappen mit Kugelköpfen an. Die Gasservos
sind normal mit zwei Leisten und den Gummitüllen in den Motorgondeln
verschraubt. Die Motoren wurden mit Kunststoffmotorträger mit je vier
Gummielementen am Spant verschraubt. Ein 300ml Tank versorgt über ein Ventil
den Motor mit Kraftstoff. Die Serienschalldämpfer verlängerte Fachhändler
Sigrist Modelltechnik (CH) nach hinten mit einem sehr gut wirkenden
zusätzlichen Dämpferteil.
Die Anlenkung des Bugrad
erfolgt mit einem kopfüber eingebauten Standardservo, das ohne Dämpfung an das
Fahrwerk angeschlossen ist. Meine Erfahrungen zeigen, dass bei einem Bugfahrwerk
die Schläge und Stöße beim Landen längst nicht so hoch sind, wie man glaubt.
Unterhalb des Flügels befindet sich nur noch der Empfänger mit dem Servo für
das Regelventil der Radbremsen.
Im Betrieb ist es jetzt so, dass bei gelöster Bremse Luft getankt werden kann. Bei angezogener Bremse strömt die Luft in die Radbremse, beim Lösen zeigt sich ein weicher Druckabfall in der Bremse, auch wird das Modell beim Bremsen nicht schlagartig gestoppt. Der Grund für dieses angenehme Verhalten liegt in der Wirkungsweise der Bremse: Sie ist eigentlich nur ein sehr flacher Pneumatikzylinder, der auf die Felge des Rades drückt, wenn Druck gegeben wird. Eine Drahtsicherung verhindert, dass die nicht ganz billige Bremse bei einem Radverlust nicht von der Achse rutscht und verloren geht. Wie sich zeigte, reicht die Bremskraft aus, um das Modell bis Halbgas am Boden zu halten, wenn es mehr wird, fängt es an zu rollen. Nach dem Aufsetzen auf der Landebahn steht das Flugzeug nach etwa 5 m!
Mehr Strom
Bei einem so komplexen
Modell verlangt die Stromversorgung der Empfangsanlage besondere Beachtung.
Insgesamt sind elf Servos eingebaut, die bis auf das Bremsservo alle im Flug
bewegt werden (das Bugradservo ist permanent mit dem Seitenruder
gemischt).
Letzte Arbeiten, erster Test
Als die „Millenium" endlich fertig war, ergab der Gang zur Waage 6.300 g - deutlich mehr als ursprünglich geschätzt. Eine Überprüfung ergab, dass ich bei den reinen Gewichten von Flügel, Rumpf, Leitwerken, Anlage und Antrieb gar nicht schlecht lag, jedoch die sechs Servo- Einbaurahmen, zusätzliche Verstärkungen und Montagevorrichtungen für die Einbauten usw. nicht berücksichtigt hatte. Das alles erklärt das Übergewicht von rund 500 g. Das Modell weist folgende Gewichtsverteilung auf:
Flügel, bespannt (ohne Einbauten, mit Motorgondeln): 1703 g
Quer- und Landeklappen, bespannt: 175 g
Motorhauben: 88 g
Höhenleitwerk mit Klappen, bespannt: 175 g
Rumpf mit Cockpit, Seitenruder, bespannt: 1105 g
Seitenleitwerks- Klappe: 61 g
Antriebs- Komponenten: 1192 g
Fahrwerk komplett mit Bremse und Drucksystem: 551 g
Fernsteuerungs- Komponenten: 795 g
Kleinteile, Umlenkhebel: 95 g
Kabel: 220 g
Diverses: 140 g
Summe:
6300 g
Davon entfallen 260 g auf die Bespannung und 2554g auf den reinen Holz-Rohbau. Damit ergibt sich eine Flächenbelastung mit leeren Tanks von 96,92 g/ dm2.
Der Jungfernflug
Die „Millenium"
wurde aufgebaut und die Motoren (LA 46 von Graupner) gestartet. Sie liefen nicht
ganz sauber und machten anfänglich Startschwierigkeiten, was sich aber durch
sorgfältiges Einstellen des Leerlaufs und den Einsatz von "Viertakt-F-Kerzen"
von OS bleibend beheben ließ. Mit diesen heißen Kerzen ist das Anlassen der
hängend eingebauten Motoren kein Problem mehr. Alle Ruder zeigten ein
ausgewogenes Ansprechverhalten. Es waren nur minimale Trimmkorrekturen nötig,
um sauberes Fliegen zu gewährleisten. Die Landeklappen zeigten eine gute
Wirkung, im Flug wurde die Tiefenruderbeimischung noch etwas korrigiert. Im
Langsamflug traten kaum Tendenzen zum Abkippen über eine Fläche auf, erst kurz
vor dem Stillstand des Modells mit extremem Anstellwinkel kippt es seitlich ab,
lässt sich aber fast augenblicklich wieder unter Kontrolle bringen, da schon
eine kleine Fahrtzunahme reicht, um die Strömung wieder anliegen zu lassen.
Landungen sind kein Problem, die „Millenium" lässt sich mit gesetzten
Klappen und etwas Schleppgas mit einem Anstellwinkel wie die großen Airliner
sauber landen. Beim Kunstflug kommen die Rollen exakt und schnell, im
Rückenflug ist kaum Tiefenruder nötig. Überraschenderweise ist auch
Messerflug möglich. Dabei kann es aber passieren, dass das Heck plötzlich das
Modell überholen will. Vermutlich liegt das am langen Rumpfstück vor dem
Flügel, das ab einem gewissen Winkel wie ein Höhenruder zu wirken beginnt. Die
„Millenium" sinkt dann meterweise durch, was in dieser Lage auch nicht
weiter verwunderlich ist (senkrecht im Messer, wobei der Rumpf in einem Winkel
von 45° zur Horizontalen liegt), bis sie sich wieder stabilisiert)
Das Ziel rückt näher
Als Ergebnis kann man festhalten, dass es gelang, ein ansprechendes Zweckmodell zu bauen, das viele neue Erkenntnisse und Erfahrungen einbrachte und zeigte, dass es doch möglich sein sollte, das angestrebte Ziel einer Dash 8 mit Einziehfahrwerk und Radbremsen zu verwirklichen
8 Technische Daten
Spannweite: 2000 mm
Rumpflänge: 1850 mm
Flügel- Profil: NACA 2415
Leitwerks- Profil: NACA 0009
Leergewicht: 6300 g
Tankinhalt: 2 x 300 ml
Motoren: 2 x OS 46 LA (die blauen 7.5er)
Propeller: APC 11 x 7”
Funktionen: Quer, Höhe, Seite, Landeklappen, lenkbares Bugfahrwerk, gebremstes Hauptfahrwerk (zusammen 11 Servos)
|Letzte Aktualisierung: 25. Juni 2006|
|Copyright ©, Christian Forrer, alle Rechte vorbehalten|