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Sobald im Sommer einige Tage sommerliches Wetter herrscht, fängt das grosse Gejammer an- kaum gibts Ende November oder Anfang Dezember die ersten Frosttage, befürchtet bereits halb Mitteleuropa einen harten Winter. Obwohl die Menschen ihre Lebenszeit hauptsächlich im Innern von Gebäuden verbringen, finden die Prognosen zum (Aussen-)Wetter” tendentiell mehr Aufmerksamkeit als der Sport. Limmat-Feigen und Seefrörni – das Spannungsfeld des weltweiten Klimawandels am Beispiel von Zürich.
2010 werde global betrachtet das wärmste Jahr der neueren Geschichte sein, so war in den Medien zu lesen. Gleichzeitig gibt es diverse WettervorhersagerInnen, die einen kalten, einzelne sogar, die einen bitterkalten Winter voraussagen.
Meteoschweiz meint dazu: In der Nord- und Ostschweiz zeichnet sich für den Winter 2010/2011 eine Tendenz zu normalen bis kalten Temperaturen ab. Ein ausgesprochen milder Winter erscheint eher unwahrscheinlich. Meteoschweiz führt auch noch Kleingedrucktes an: Saisonale Vorhersagen sind mit einer hohen Unsicherheit behaftet (Winterprognose Zuverlässigkeit etwa 55%).
Durch einfaches Raten würde man jeweils 50% erzielen. Wir raten deshalb davon ab, diese Vorhersagen als Entscheidungsgrundlage (beispielsweise bei der Ferienplanung) zu verwenden.
Wetter ist bekanntlich mehr als Temperatur. Als ein Beispiel: obwohl die Temperaturen in Zürich während des Winters 2009/2010 auf einen sehr milden bis normalen Winter hinweisen, ergab eine kleine Befragung im privaten Kreis im Frühling 2010, dass dieser Winter als “hart” bezeichnet wurde. Nun, auch wenn Ende November 2010 die Kältesumme bereits höher ist als im November 2009: eine Prognose, ob es zur Seegfrörni des Zürichsees komme oder nicht, ist nicht zu riskieren. Denn: es müsste in Zürich Tiefenbrunnen noch 4 1/2 Monate (d.h. bis Ende April) ununterbrochen so kalt sein wie am Dienstag, 30. November (Tagesmittel -2.5 °C), damit es zur Seegfrörni kommen würde (Ergänzung 17.12.2010 für den Winter 2010/11: Gefriert jetzt dann der Zürichsee?).
Nun, somit wäre der Seegfrörni-Teil im Titel erklärt. Was hat es nun mit den Limmat-Feigen auf sich?
Ja, es gibt die Limmat-Feigen – der im Mittelmeerraum beheimatete Feigenbaum gedeiht auch in Zürich (sicher auch andernorts nördlich der Alpen) immer besser – und bringt sogar reife und herrlich mundende Früchte hervor. Der überwiegende Teil der ZürcherInnen dürfte reife Limmat-Feigen als positiven Aspekt einschätzen – auch wenn dies ein klarer Hinweis auf den Klimawandel (da die Temperaturveränderung nicht das einzige Element der Klimaveränderung darstellt, verwende ich systematisch den Begriff “Klimawandel” resp. “Mensch gemachter Klimawandel” und verzichte auf den Begriff “globale Erwärmung”). Auch der Titel “Turiner Temperaturen im Schweizer Mittelland” eines Sommerkomfort-Merkblattes hat sicher für SchweizerInnen einen positiven Beiklang.
Allerdings: die Klimawandel-Diskussion hat einen grotesken Aspekt: jede Abweichung von dem, was mensch als normal empfindet, wird gleich als Argument für oder gegen den Klimawandel verwendet … Klar ist: das Klima wandelt sich. Die zentrale Frage: wie stark beeinflusst der Mensch durch den Verbrauch von fossilen Brenn- und Treibstoffen das globale Klima – und daraus abgeleitet: kann die Menschheit mit der durch den Menschen beeinflussten Veränderungsgeschwindigkeit des Klimas umgehen? Ebenso klar ist: die als unkritisch eingestufte Veränderung von maximal plus 2 Grad Celsius ist bereits unerreichbar! Die Menschheit muss sich auf einen Klimawandel einstellen, der gravierende Auswirkungen auf die Gesellschaft haben wird!
Und noch eins dazu: Die Begrenzung des Mensch gemachten Klimawandels ist nur eine der globalen Herausforderungen – das absehbare Ende der Vorräte (Peak Oil), die Begrenztheit weiterer Ressourcen (Peak everything) und die bereits feststellbaren aber auch erst befürchteten geopolitischen Instabilitäten in diesem Umfeld machen engagiertes Handeln täglich dringlicher!