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VKB-Ersatz durch mittleres Drittel der Patellarsehne
In den vergangenen Jahren wurde der operative Ersatz des gerissenen oder insuffizienten vorderen Kreuzbandes immer häufiger. Als Ersatzmaterial verwendet man meistens das mittlere Drittel der patienteneigenen Patellarsehne mitsamt kleiner Knochenzapfen an beiden Enden der Sehne
(
Abb. Das fertig implantierte Transplantat ).
In "high tech" Ländern, wie der Schweiz oder den USA, wird eine solche Operation etwa 0.8 mal pro 1000 Einwohnern im Jahr durchgeführt. In der Schweiz sind dies etwa 4000 Operationen und in den USA etwa 200.000 pro Jahr.
Interferenzschraube
Die direkte Fixation des Transplantates in Femur und Tibia mittels Interferenzschrauben ist technisch relativ einfach und erzeugt eine stabile Primär-Verankerung. Dieses Verfahren hat sich deshalb weltweit durchgesetzt (Kurosaka).
Die Technik einer solchen Operation ist im Teil Beschreibung der Operationstechnik in Einzelschritten erklärt. Die Interferenzschrauben komprimieren die Knochenzapfen in den Verankerungslöchern von Tibia und Femur und fördern so das rasche Einwachsen. Dies erlaubt eine frühe funktionelle Nachbehandlung, welche ihrerseits Schmerzen und Schwellungen vermindert und somit eine schnelle Rehabilitation ermöglicht (Shelbourne).
Vorteile bioresorbierbarer Schrauben
Bisher werden zur Verankerung des Transplantates meist Metallschrauben verwendet. Jedoch werden permanent implantierten Metallschrauben langfristig gewisse negative Folgeerscheinungen nachgesagt
(Black).
Um mögliche Metall-Überempfindlichkeiten und Stresskonzentrationen am Knochen zu verhindern, damit radiologische Nachuntersuchungen ohne Metall-Artefakte durchgeführt werden können und um eventuell notwendige Metallentfernungen zu vermeiden, wurde in der letzten Zeit an der Entwicklung von bioresorbierbaren Interferenzschrauben gearbeitet.
Diese Implantate müssen eine gleich gute Primärverankerung wie Metallschrauben gewährleisten, sich jedoch langsam von selber auflösen und durch eigenes Knochengewebe ersetzt werden. Klinische und biomechanische Studien haben gezeigt, dass die Metallschrauben bei Operationen zum Ersatz des vorderen Kreuzbandes gut durch bioresorbierbare Schrauben ersetzt werden können. Die gute Biokompabilität, das je nach Typ der verwendeten Schraube vollständige Auflösen und deren Ersatz durch Knochenmaterial konnte in den letzten Jahren nachgewiesen werden (Johnson, Stahelin).
Funktionsoptimierte bioresorbierbare Interferenzschraube
Bisher erhältliche bioresorbierbare Schrauben weisen jedoch schwerwiegende mechanische Nachteile
(Barber,
Stahelin,
Toljan).
Es wurde daher eine spezielle Interferenzschraube aus geeignetem bioresorbierbarem Material entwickelt
(Stahelin).
Design und Produktion der SYSORB-Schraube
sind auf die besonderen Eigenschaften des bioresorbierbaren Materials zugeschnitten. Diese neue Schraube ist sehr leicht (0.7 g) und sie wird innerhalb von 12 bis 24 Monaten vollständig abgebaut und durch neuen Knochen ersetzt.
Funktionsorientiertes Gewindeprofil
Die SYSORB-Schraube besitzt kein Standard-Profil, sondern ihr Gewindeprofil berücksichtigt die Materialeigenschaften des spongiösen Knochens und der bioresorbierbaren Schraube. Da die Schraube an der Tunnelwand und am Knochenzapfen diametral entgegengesetzten Kräften ausgesetzt ist, wurde das Gewindeprofil symmetrisch angelegt.
Funktionsoptimierter Schraubendreher
Die sechs Rippen des SYNOS -Schraubendrehers sind so geformt, dass die Kraftübertragung entlang der ganzen Schraubenlänge stattfindet und keinerlei Zentrifugal- oder Torsions-Kräfte auftreten, welche zum Bruch der Schraube führen könnten.
Selbsteindrehend und knochenkomprimierend
Die ausgezeichnete Kraftübertragung erlaubt es, die Schraube ohne vorgängiges Gewindeschneiden einzudrehen. Dadurch wird eine optimale Kompression des benachbarten Knochens erreicht.
Gute Biokompatibilität
Durch die günstige Kraftübertragung des Schraubendrehers auf die Schraube kann diese Schraube aus einem mechanisch weniger robusten, amorphen Polymer Poly (D,L-lactide) hergestellt werden. Dieses Polymer wird im menschlichen Körper besser resorbiert, als das hochkristalline Poly (L-lactide).
Biodegradation
Im Körper erfolgt der Abbau des Polymers Poly (D,L-lactide) durch Hydrolyse und Phagozytose in mehreren Einzelschritten.
Copyright © 1996 Andreas C. Staehelin
Most recent update February 12, 1996