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06.06.2018 Dijon-Auxerre
Einmal mehr sollte ich am Morgen geschäftliche Telefonate erledigen. Als ich die Person nicht erreichen kann, fahre ich los. Der Himmel ist dunkel bedeckt, es ist kühl. Mit der Navigation, die kurzzeitig wieder funktioniert, fahre ich Richtung Abbaye de Fontenay. In Saint-Seine l'Abbaye halte ich. Glücklicherweise treffe ich gerade die Betreuerin der Kirche und so werde ich in die gewaltige Kirche hineingelassen. Die Fresken sind leider durch Feuchtigkeit stark beschädigt worden, auch die Gewölbe sind dort, wo das Dach leckt, am Abbröckeln. Eine Turmuhr, die über 100 Jahre in einer Kiste auf dem Dachboden vergessen gegangen war, wurde restauriert und ausgestellt. Ich fahre weiter bis zu den Quellen der Seine (Sources de la Seine). Diese gehören der Stadt Paris, welche hier einen schönen Park eingerichtet hat. Abgesperrt ist ein Römisches Quellheiligtum für die Quellnymphe Sequana. Die erste Brücke über die Seine ist die Pont Paul Lamarche, benannt nach einem langjährigen Abwart der Quelle. In der Quellgrotte steht eine Statue der Sequana. Ich fahre weiter und merke nicht, dass ich eine Abbiegung verpasst habe. So muss ich einen Umweg bis zur Abbaye de Fontenay machen. Unterdessen ist die Sonne herausgekommen und die Abtei steht im Sonnenlicht. Die grosse Kirche ist völlig schmucklos. Nicht einmal die Wände wurden verputzt. Daneben ist im ersten Obergeschoss ein riesiger Schlafsaal für die Mönche, mit einem Dachgewölbe in Schiffsarchitektur. Auch der Kreuzgang ist bestens erhalten, sowie der Kapitelsaal mit seinen schönen Gewölben. Der Mönchssaal ist von der Bauweise her fast identisch. Daneben ist die Wärmehalle mit zwei grossen Oefen und einer Treppe in den Schlafsaal. Ein riesiges Gebäude beherbergte die Schmiede, deren Hammer von einem unterschlächtigen Wasserrad angetrieben wird. Schliesslich besuche ich noch die Bäckerei, in der jetzt ein kleines Museum untergebracht ist. Mein nächstes Ziel sind die Forges de Buffon. Ich komme durch das Städtchen Buffon, das einen mittelalterlichen Wehrturm mit einem grossen Wappen darauf hat. Doch bei der Grande Forge de Buffon habe ich Pech. Ich bin zu spät, sie schliesst gerade für eine lange Mittagspause. So fahre ich weiter nach Noyers-sur-Serein. Das mittelalterliche Städtchen ist wie aus dem Bilderbuch mit Fachwerkhäusern und Teilen der Stadtmauer. Ich erklimme das Vieux Château, von dem aber praktisch nichts übriggeblieben ist – es wurde von den Königen von Frankreich geschleift. Einzig in der Cour des Artistes zeigen moderne Künstler ihre Steinmetzarbeiten. Ich laufe wieder ins Städtchen hinunter, sehe mir das Ancien College et Musee und die Stadtkirche Notre Dame de Noyers (1515) an. Dann laufe ich noch die Stadtmauer mit ihren runden Wehrtürmen ab. Nun schmerzt das Fussgelenk so höllisch, dass ein Weiterlaufen nicht mehr realistisch ist. Ich fahre weiter nach Chablis, wo ich erst die Synagoge suche. In der Judengasse werde ich fündig, leider ist sie geschlossen. Sie ist schon sehr lange profanisiert. Nur im Mittelalter wurde sie benutzt. Bei den Ets. Camu Fils darf ich den hiesigen Weisswein probieren. Er schmeckt ganz ausgezeichnet, und die Preise sind sehr anständig. Beim Weingut l’Orangerie halte ich, um ein paar Fotos zu machen. In Beine, etwas ausserhalb von Chablis, halte ich nochmals beim Weingut Christophe Patrice und mache ein paar Fotos von den Weinbergen. Es fängt nun heftig zu regnen an. Ich forciere meine Weiterfahrt nach Auxerre. Tatsächlich schaffe ich es, aus dem Regen wieder herauszukommen. In Auxerre fahre ich über die Brücke über den Yonne zum Maison des Randonneurs, wo ich heute Nacht unterkomme. Ich gehe gleich wieder in die Stadt, besuche die Eglise Saint-Pierre. Aussen wirkt die gotische Kirche prächtig, innen merkwürdig kahl, weil die Durchstösse, die sonst jeweils zwischen den Fensterfronten sind, fehlen. Der nächste Besuch gilt der mächtigen Cathédrale Saint-Etienne. Eine merkwürdige Chapelle de la Reconciliation mit historischen Polstermöbeln ist in einer Seitenkapelle untergebracht. Interessant ist die romanische Krypta, ursprünglich das Parterre der ersten Kirche, mit den typisch ungelenken Fresken aus dem 11. Jahrhundert. Eine moderne Orgel mit waagrechten Pfeifen, die Orgue Oberthür, thront über den Sitzen. Ich besuche nun die Abbaye Saint-Germain, gerade noch rechtzeitig, bevor der bereits eingesetzte Gewitterregen noch schlimmer wird. Der Eintritt ist gratis! Es gibt ein Gallo-Römisches Museum, ein prähistorisches Museum, ein Museum der mittelalterlichen Funde, und in einem Saal ein Münzenmuseum. Die gotische Kirche, auf fast quadratischem Grundriss, ist wunderbar leicht und emporziehend gestaltet. In einer archäologischen Krypta werden Fundamente, Sarkophage und sogar ein Brunnen aus der Zeit vorher gezeigt. In einer Seitenkapelle steht mehr zufällig hingestellt die wunderbare Holzschnitzerei La Passion du Christ (15. Jhdt.). Nun ist es sechs Uhr, sie schliessen. DerRegen hat nun fast aufgehört. In einer der Araberbeizen kaufe ich mir ein gefülltes Fladenbrot und kriege eine Riesenportion. Dann kehre ich in meine Unterkunft zurück.