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Da könnte man denken: «Was kann der arme Feigenbaum dafür, dass er noch keine Frucht tragen konnte, wenn doch noch keine Zeit dafür war?» Wird er für etwas gerichtet, woran er keine Schuld trägt?
Es heisst, dass es von der Pflanzung eines Feigenbaums bis zu seinen ersten Früchten drei Jahre dauert. Im April kommen die ersten, trockenen Vorfeigen hervor, die aus den Blütenanlagen des Vorjahres entstehen. Es sind kleine, essbare Knospen. Im Juni reifen die Frühfeigen und im August können die Hauptfeigen der neuen Triebe geerntet werden.
Jesus kam im dritten Jahr nach Jerusalem und ihn hungerte nach Frucht in seinem Volk, aber es war keine vorhanden. Zwar gab es viele Blätter, viel Zurschaustellung nach aussen, aber keine Früchte. Einfach nichts, was Gott zufriedenstellte.
Es war noch nicht die Zeit der Feigen. Das ist kein Widerspruch, kein Paradox, vielmehr eine heilsgeschichtliche Darstellung der geistlichen Wirklichkeit Israels. Ich glaube, dass es sich dabei um eine Erklärung des Ratschlusses Gottes handelt.
Einerseits kam Jesus zu seinem Volk, verkündete ihnen Busse und die Nähe des Himmelreichs. Andererseits wusste Gott, dass Israel ihn ablehnen würde und sich das Blatt zugunsten der Nationen wenden sollte. Die Zeit für das messianische Reich war noch nicht gekommen, obwohl der Herr es aufzurichten suchte. Das war aber keine Entschuldigung für das Verhalten des Volkes. Doch wurde dieses Verhalten in Gottes Ratschluss mit eingebunden. Die Juden verstockten sich, wollten nicht kommen und verwarfen den Messias. Das hatte das Gericht zur Folge. Darum spricht Jesus das Gerichtswort über den Feigenbaum Israel:
«Und er hob an und sprach zu ihm: Nie mehr esse jemand Frucht von dir in Ewigkeit! Und seine Jünger hörten es» (Mk 11,14).
Tatsächlich kam die damalige Generation unter das Gericht und ging verloren. Denn etwa 40 Jahre später ging Israel im Krieg gegen die Römer unter. Doch immer ist ein Wurzelstock übriggeblieben, der am Ende wieder ausschlug, was das letzte Gleichnis Jesu über den Feigenbaum deutlich macht (Lk 21,29-32).
Lasst uns weiter für Israel beten, dafür, dass sich die noch ausstehenden Verheissungen bald erfüllen. – Aber lasst uns dabei nicht vergessen, dass Jesus auch in unserem Leben Frucht sucht.