Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03448.jsonl.gz/3006

Wie wird eine Autoimmunerkrankung behandelt?
Für gewöhnlich werden zur Unterdrückung des Immunsystems langfristig orale Immunsuppressiva wie Azathioprin, Chlorambucil, Cyclophosphamid, Ciclosporin, Mycophenolat oder Methotrexat verabreicht. Allerdings unterdrücken diese Arzneimittel nicht nur die Autoimmunreaktion, sondern auch die Fähigkeit des Körpers, sich gegen fremde Substanzen zu verteidigen, z. B. gegen Infektionen verursachende Mikroorganismen und Krebszellen. Infolgedessen steigt das Risiko für bestimmte Infektionen und Krebsarten.
Häufig werden orale Kortikosteroide, wie etwa Prednison, angewendet. Diese Arzneimittel wirken entzündungshemmend und unterdrücken zudem das Immunsystem. Eine Langzeitbehandlung mit Kortikosteroiden hat viele Nebenwirkungen. Wenn möglich sollten Kortikosteroide nur kurzfristig verabreicht werden, zumeist wenn die Erkrankung beginnt oder sich die Symptome verschlechtern. In einigen wenigen Fällen jedoch müssen Kortikosteroide unbegrenzt angewandt werden.
Bestimmte Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose und Erkrankungen der Schilddrüse werden auch mit anderen Arzneimitteln anstelle von Immunsuppressiva und Kortikosteroiden behandelt. Darüber hinaus kann auch eine Behandlung zur Linderung der Symptome erforderlich sein.
Etanercept, Infliximab und Adalimumab hemmen die Aktivität des Tumornekrosefaktors (TNF), einer körpereigenen, entzündungsfördernden Substanz. Diese Arzneimittel sind bei der Behandlung von rheumatoider Arthritis und manchen Autoimmunerkrankungen äusserst wirksam, können aber bei anderen Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose Schäden verursachen. Zudem können diese Arzneimittel das Risiko für Infektionen und bestimmte Hautkrebsarten erhöhen.
Bestimmte neuere Arzneimittel sind speziell gegen weisse Blutkörperchen gerichtet. Weisse Blutkörperchen verteidigen den Körper gegen Infektionen, können aber auch an Autoimmunreaktionen beteiligt sein.
Dazu gehören:
- Abatacept
Hemmt die Aktivierung einer bestimmten weissen Blutkörperchenart (T-Zellen) und wird zur Behandlung von rheumatoider Arthritis eingesetzt.
- Rituximab
Das zuerst zur Behandlung von bestimmten Krebsarten weisser Blutkörperchen verwendete Rituximab wirkt, indem es dem Körper eine bestimmte weisse Blutkörperchenart (B-Zellen) entzieht. Es ist bei manchen Autoimmunerkrankungen wirksam, z. B. bei rheumatoider Arthritis und bestimmten Erkrankungen wie der Granulomatose mit Polyangiitis (Wegener-Granulomatose), die eine Entzündung der Blutgefässe (Vaskulitis) bewirken. Rituximab wird derzeit für andere Autoimmunerkrankungen untersucht.
Zudem werden weitere, gegen weisse Blutkörperchen gerichtete Arzneimittel entwickelt.
Manche Autoimmunerkrankungen werden auch mittels Plasmaaustauschs behandelt. Hierfür wird Blut entnommen und zur Entfernung veränderter Proteine, wie z. B. Antikörper, gefiltert. Das gefilterte Blut wird anschliessend in den Blutkreislauf der Person zurückgegeben.
Bei einigen Autoimmunerkrankungen wird zur Behandlung intravenöses Immunglobulin (eine gereinigte Lösung von Antikörpern, die von freiwilligen Spendern gewonnen wurden) verwendet. Die Wirkungsweise ist nicht geklärt.