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Die Umweltschützerin Marina Silva tritt für die brasilianischen Sozialisten bei der Präsidentschaftswahl im Oktober an. Silva, für den tödlich verunglückten Kandidaten Eduardo Campos nachgerückt, könnte zur ernsten Gefahr für Staatschefin Dilma Rousseff werden.
Lag Campos in Umfragen auf Platz drei, hat Silva einer aktuellen Befragung zufolge reelle Chancen auf das Präsidentenamt. «Wir hatten das riesige Glück, sie als Ersatz zu haben», sagte der Chef der sozialistischen PSB, Roberto Amaral, nach der Nominierung Silvas.
Die Parteiführung hatte sich am Mittwoch einstimmig für die 56-jährige Ex-Umweltministerin ausgesprochen, die sich zuvor an der Seite von Campos um das Amt der Vizepräsidentin beworben hatte. Campos war vergangene Woche mit einem Privatjet, den er für den Wahlkampf nutzte, in der Küstenstadt Santos abgestürzt.
Mit ihrer beeindruckenden Biografie und starker Ausstrahlung ist Silva eine Kandidatin, mit der nun die Karten im Wahlkampf komplett neu gemischt werden. Sie hat das Zeug, es in eine Stichwahl gegen Rousseff zu schaffen – dort hätte sie dann nach der aktuellen Umfrage gute Chancen gegen die Amtsinhaberin.
Rousseff, als frühere Guerillakämpferin und erste Frau an der Spitze Brasiliens selbst eine beeindruckende Figur, hat an Popularität eingebüsst, wie unter anderem die Sozialproteste rund um die Fussball-WM gezeigt haben. Der Präsidentin macht vor allem das Abflauen des brasilianischen Wirtschaftsbooms zu schaffen.
Silva wurde in eine ärmliche Familie von Kautschuksammlern im Amazonasgebiet geboren und lernte erst mit 16 Jahren Lesen und Schreiben. Danach folgte ihr kometenhafter Aufstieg zu einer Führungsfigur der brasilianischen Umweltbewegung. Unter anderem war sie eine Mitstreiterin des international berühmten Regenwaldschützers Chico Mendes, der 1988 ermordet wurde.
Unter Brasiliens Ex-Präsident Luiz Inacio Lula da Silva fungierte Silva als Umweltministerin. Doch trat sie schliesslich von diesem Posten zurück und brach mit Lulas Arbeiterpartei (PT), weil sie sich nicht mit ihren Plänen zum Schutz des Regenwalds durchsetzen konnte. Bei der Präsidentschaftswahl 2010 konnte sie dann als Kandidatin der Grünen einen überraschenden dritten Platz holen.
Auch in diesem Jahr wollte Silva wieder mit ihrer kleinen Partei Red Sustentabilidade antreten, doch es gelang ihr nicht, rechtzeitig genügend Unterschriften für die Registrierung der Grünen-Partei zu sammeln. Daraufhin schloss sie sich Campos' Sozialisten an.
Silva ist nicht nur eine langjährige Umweltschützerin – als evangelikale Christin ist sie auch für konservative Gläubige eine attraktive Kandidatin. So lehnt Silva etwa die Straffreiheit für die Abtreibung ab, ebenso wie die Homo-Ehe. In der PSB ist Silva wegen ihrer religiösen Inbrunst allerdings nicht unumstritten. (aeg/sda/afp)
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