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Nahe Mailand, in Bresso, führte Renzo Rivolta (geb. 1908, gest. 1966) nur unwillig die Familientradition fort. Die Rivoltas produzierten Kühlanlagen. Das Geschäft lief gut. Renzo langweilte sich dabei aber (fast) zu Tode.
Also begann er mit der Entwicklung und Produktion von Motorrollern, der Isomoto 125 und dem Isoscooter 125. Als ihm auch das zu anspruchslos wurde, entwickelte er die legendäre zweisitzige Isetta mit Fronteinstieg. Renzo konstruierte die Isetta zunächst als Dreirad. Das war ein fataler Irrtum, denn das kleine Fahrzeug kippte regelmäßig um. Schwere Verletzungen gab es nicht, aber es gab zu reden. Das Geschäft lief nicht mehr. Der Ruf begann zu leiden. Also machte Renzo aus der Isetta einen Vierräder. Das Geschäft lief wieder.
Ab 1954 wurde die Isetta in Lizenz in verschiedenen Ländern produziert. Am erfolgreichsten war die BMW-Isetta. Sie verkaufte sich bis 1962 über 130.000 mal.
Es fügte sich nicht schlecht, dass Renzo Rivolta Größeres vor hatte und sich Giotto Bizzarrini, ein begnadeter Konstrukteur mit seinem alten Arbeitgeber, Enzo Ferrari, überwarf. Also spannten Renzo und Giotto zusammen um Ferrari Konkurrenz zu bieten. Hinzu kam Giorgio Giugiaro, ein aus einer alten italienischen Künstlerfamilie entstammender Designer.
Das Trio schuf mit dem Iso Rivolta 300 im wahrsten Sinn des Wortes ein elegantes Grand Turismo („grosse Reise“) Fahrzeug und stellte es 1962 einer staunenden Öffentlichkeit vor. Hier einige technische Informationen. Die Konzeption der Iso Fahrzeuge war an die erfolgreichen Jaguar-Modelle der damaligen Zeit angelehnt. Dieses Prinzip hielt man auch in den folgenden Jahren bei. Der 5,4-l-V8-Motor war von Chevrolet. Ebenso das Getriebe.
Der Preis für einen Iso Rivolta 300: Damals CHF 45.000.00. Heute: ca. CHF 200 000.00, so man überhaupt noch einen auf dem Markt findet.
Ab 1964 entstand mit vergleichbarer Technik der Sportwagen Iso Grifo. Der Prototyp des Grifo wurde Ende 1963 auf dem Turiner Autosalon unter dem Namen A3/L (Lusso) gezeigt. Die L-Version war das Straßenmodell. Außerdem war eine leichtere und stärkere Rennsportvariante geplant, der Grifo A3/C (Competizione). Dieses Modell startete 1964 beim 24 Stunden Rennen von Le Mans. Der Belgier Pierre Noblet und der Schweizer Edgar Berney fuhren den Wagen an die 14. Stelle der Gesamtwertung und zum Sieg in der Klasse für Prototypen über 5-Liter-Hubraum. Das Rennsport-Konzept wurde allerdings von Iso Rivolta nicht weiter verfolgt.
Im Jahr 1963 wurde das erste Teilstück der Nationalstrasse A1, eine zweispurige Autobahn, zwischen Genf und Lausanne eröffnet. Zwei Jahre später donnerte ein damals noch unbekannter, später weltbekannter Journalist namens Paul Frère mit einem Iso Grifo A3/C Stradale über die holprige Betondecke und erreichte dabei eine damals unvorstellbare Geschwindigkeit von fast 270 km/h.
Renzo Rivolta verstarb 1966 völlig überraschend. Für seinen Sohn Piero waren seine Schuhe etwas zu groß. Hinzu kam die weltweite Ölkrise. Das Unternehmen geriet in Schieflage. Anfangs versuchte man es mit neuen Modellen. Einige kamen über den Status des Prototypen nicht hinaus.
Später (1973) übernahm ein Investmenthai mit Wohnsitz in New York namens Ivo Pera das Ruder. Viel wurde angekündigt, nichts gehalten. Bereits im Sommer 1974 wurde Iso zahlungsunfähig und liquidiert.
Was bleibt von Renzo Rivolta und seinen Mitstreitern? Ein Sportwagen namens Iso Grifo. Ein Traum von einem Sportwagen!