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Geschichte
Unsere Gegend wurde vermutlich im sechsten oder siebten Jahrhundert durch die Alemannen in Besitz genommen und besiedelt.
Hier die ältesten urkundlichen Erwähnungen:
- 04. Juni 817 Ifwil wird das erste mal in einer Urkunde erwähnt. (In einer Schenkungsurkunde Kaiser Ludwig des Frommen an das Kloster St. Gallen wird das Dorf Ifinwilare erwähnt.)
- 25. März 885 Balterswil wird das erste mal erwähnt. (In einer Urkunde des Abts von St. Gallen betreffend einem Gütertausch in Baldherreswilare).
- 10. Januar 894 In einer Schenkungsurkunde erhält das Kloster St. Gallen in Bichelsee (Pichelense) Dienstleute, Häuser, Zugtiere, Wiesen etc. geschenkt.
- 06. November 912 Erste Urkunde, in der Itaslen erwähnt wird. Das Dorf hiess damals noch Ittenasana
Nach diesen Beurkundungen liegt über unsere Gegend bis 1209 keine weitere Urkunde vor.
Die Herren von Bichelsee sind im Jahre 1209 das erste mal urkundlich erwähnt. Es wird vermutet, dass der Ursprung der beiden Brüder Walter der I. und Eberhard der I. mit dem Ursprung der Herren von Elgg zusammenhängt. Diese edlen Herren waren Dienstleute des Klosters St. Gallen und gehörten zum niederen Adel. Das Gebiet, das die Herren von Bichelsee beherrschten, war um einiges grösser als die Ausdehnung der heutigen Politischen Gemeinde.
Im Jahre 1250 wurde durch Eberhard I. von Bichelsee das Kloster Tänikon gegründet. In diesen Jahren wurde auch die Burg Neu-Bichelsee gebaut, die aber bereits im Jahre 1273 durch Rudolf von Habsburg geplündert wurde. Die Burg Neu-Bichelsee wurde nie wieder aufgebaut.
Das Geschlecht der Herren von Bichelsee und Landsberg lässt sich bis ins Jahr 1209 zurückverfolgen. Im Jahre 1315 fielen 3 Ritter der Familie der Herren von Bichelsee und Landsberg in der Schlacht von Morgarten (auf der Seite der Habsburger). Infolge Finanz- sorgen war Walter der IV. gezwungen, zuerst Ländereien und Leibeigene, im Jahre 1358 dann auch die Burg Bichelsee an Hermann den IV. von Landenberg-Greifensee zu verkaufen.
Im Jahre 1407 wurde die Burg Alt-Bichelsee durch die Appenzeller angezündet, aber kurz darauf wieder aufgebaut. 1421 wurde die Burg dann, ebenfalls aus Geldproblemen, an das Kloster Fischingen verkauft. Die Burg wurde dann bewohnt durch Hans Mettler, Arzt und Lehensmann von Fischingen.
Nach und nach verfiel dann aber die Burg, und ein Chronist schreibt im Jahre 1548 von einem „alt zerfallen Schloss“. Die Burg diente dann als Steinbruch. Als im Jahre 1864 die Kirche neu gebaut und 1877 der Turm erhöht wurde, benutzte man die letzten Reste der Ruine als Baumaterial.
Die Burg Landsberg wurde von Walter dem I. von Bichelsee (1209-1267) um das Jahr 1250 erbaut. Heute liegt diese Burgstelle ca. 100 m nördlich der Gemeindegrenze, auf dem Gemeindegebiet von Wängi. Die Burg wurde bereits im Jahre 1292, als Walter der II. von Landsberg (1260-1300) Besitzer der Burg war, durch Albrecht von Habsburg, einem Sohn von König Rudolf von Habsburg, zerstört und nicht etwa, wie oft erzählt wird, in den Appenzellerzügen 1407. Unter zerstören müssen wir uns heute vorstellen, dass alles brauchbare gestohlen wurde, anschliessend wurde die Burg angezündet.
Die Burgruine blieb noch bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts bestehen. Dann wurde sie als Steinbruch zum Bau des Schulhauses Tuttwil und des Restaurants Löwen in Eschlikon gebraucht.
Beim Hof Landsberg befindet sich eine Höhle, die in früheren Jahrhunderten als einer der „Ofensteinbrüche“ in Ifwil erwähnt wird. Damals wurden Sandsteinplatten zum Bau von Kachelöfen gebrochen. In Sagen wird behauptet, es hätte einmal ein Gang bis zur Burg existiert, doch bei der kurzen Benützungszeit der Burg, und auch aus diversen anderen Gründen, ist das lediglich Phantasie. Dass die Höhle früher höher war und sogar ein Reiter hineinreiten konnte, ist schon eher anzunehmen, wenn man den Eingang in den letzten Jahrzehnten „zuwachsen“ sah.
- Bärlischwand: Der Name dieses Weilers stammt nicht von „Bär“, denn schon 1419 wurde die Siedlung „Beringerschwanz“ erwähnt.
- Brenngrüti: Hier wurde der Wald durch den Brennboden (Brennreuten) urbar
gemacht.
- Burstel: (Höchste Stelle des Haselberges) Diese Bezeichnung deutet auf Burgstelle hin, wobei in diesem Falle allerdings auch die Möglichkeit besteht, dass es sich, ähnlich wie auf dem Schauenberg, um die Ruinen eines römischen Wachtturmes handeln könnte.
- Cholplatz: (Nördlich der Brenngrüti) Hinweis auf den Standort von Kohlemeilern
für die Herstellung von Holzkohle. (Kohlemeiler gab es auch am
Waldrand von Balterswil am Weg zum Hackenberg)
- Espiriet: (Bei der Kreuzung Itaslen-Bichelsee-Balterswil) Ein Riet, das von Espen umstanden war.
- Furt: (Nördlich von Bichelsee) Diese Bezeichnung deutet auf eine flache, gut begehbare Stelle durch einen Bach oder Sumpf hin. Früher gab es kaum Brücken. Sümpfe wurden durch legen von Prügelmatten passierbar gemacht.
- Klösterli: 1685 wurde in diesem Haus am südlichen Dorfrand von Bichelsee von 3 Jungfrauen eine klosterähnliche Gemeinschaft gegründet.
- Lützelweid: Lützel = Klein; Kleine Weide
- Lützelmurg: Kleine Murg
- Wingeten: (Nordöstlich von Ifwil) An diesem Südhang befand sich anscheinend
früher ein Rebberg (Weingarten).
- Zanersweid: Waldwiese am Nordhang des Hackenberges; weist auf den Besitz der Familie Zahner hin.
Die Existenz einer ersten Kirche zu Bichelsee ist seit dem Jahre 1275 bezeugt. 1275 wird die Pfarrei erstmals erwähnt und 1276 und 1288 erscheint der Pfarrer in den Urkunden. Das kleine romanische Kirchlein könnte heute mit Degenau, Gerlikon, Landschlacht oder Triboltingen verglichen werden.
Mathias Trachsler (Traxler) amtet 1663-1680 als vermutlich erster Schulmeister in Balterswil.1682 wird die erste (reformierte) Schule von Bichelsee in der Steig gegründet.
Das erste Pfarrhaus wurde 1681 in Bichelsee erstellt. Nach einer vielfältigen Geschichte diente es bis vor kurzem als Dorfkäserei (heute Liegenschaft alte Käserei). Das heutige Pfarrhaus in Bichelsee wurde in den Jahren 1768 und 1769 erbaut. Vor einigen Jahren restauriert, gilt es als eines der wertvollsten Häuser der Gemeinde.
Im Jahre 1824 wurde Balterswil von einer grossen Feuersbrunst heimgesucht.
Bei der ersten Volkszählung im Jahre 1850 zählte die Ortsgemeinde Bichelsee 682 und die Ortsgemeinde Balterswil 389 Einwohner.
Die Grundsteinlegung für die heutige katholische Kirche in Bichelsee erfolgte am 26. Mai 1864. Am 15. September 1865 wurde die Kirche eingeweiht.
Der Brand von Balterswil vom 29. Juni 1884 zerstörte „trotz Anwesenheit von 25 Feuerwehrleuten“ 30 Häuser, welches einen Grossteil des Dorfes bedeutete. 23 Familien mit total 125 Personen wurden damals obdachlos. Der Brand war so heftig, dass durch brennende Schindeln, die vom Wind davongetragen wurden, auch in Bichelsee einige Häuser Feuer fingen. Sogar in Neubrunn fingen auf einer Wiese „Heuschöchli“ durch herumfliegende Gluten Feuer. Der Brand wurde von einem unzufriedenen Müllerlehrling, an einem Sonntagmorgen, in der Mühle, dort wo jetzt die Sägerei Brühwiler steht, mit Absicht gelegt. Weil die Häuser mit Schindeln gedeckt waren, konnte sich das Feuer sehr schnell ausbreiten. Ein Jahr später waren bereits wieder 20 Häuser aufgebaut.
Die Brände von Balterswil sind die Ursache dafür, dass es hier nur wenig wirklich alte Häuser gibt.
Von 1885 bis 1926 war Johann Evangelist Traber als katholischer Pfarrer in Bichelsee tätig. Am 1. Januar 1900 wurde unter seiner Leitung die erste Darlehenskasse (Raiffeisenbank) gegründet. Bichelsee gilt daher als Rütli der Schweizerischen Raiffeisenbewegung.
Die katholische Kirche in Bichelsee wird in den Jahren 1963 / 1964 erweitert und total renoviert. Vorgängig wurde das Simultanverhältnis zwischen den evangelischen und katholischen Kirchbürgern aufgelöst.
Im Jahre 1959 bauen die evangelischen Kirchbürger ihr eigenes Gotteshaus in Bichelsee.
Im Jahre 1972 wurde das gemeinsame Schulzentrum Bichelsee-Balterswil für die Real- und Sekundarschule gebaut.
Bis weit ins 19. Jahrhundert lebten die Bewohner unserer Dörfer weitgehend von der Landwirtschaft und etwas Kleingewerbe. Die Eröffnung der Eisenbahnlinie
Winterthur – St. Gallen brachte für Balterswil und Bichelsee einstweilen keine grossen Änderungen. Es war dann der Ortsvorsteher, ein gewisser Matthäus Baumberger (1828-1887), der in Balterswil die Handmaschinenstickerei einführte. Nicolaus Zweifel hat sodann einen Betrieb mit 16 Maschinen von Eugen Büsser übernommen. Später folgten Betriebe im Loh und auch in Bichelsee. Nach einem Jahrzehnt der Stickereieinführung gab es 1880 in unserer Gemeinde bereits
109 Handmaschinen mit 125 Fädlerinnen und 15 Nachstickerinnen. Neben vielen anderen entwickelte sich später die Fa. Wilhelm Zürcher in Balterswil zum Hauptbetrieb. Aber auch die Stickerei selber entwickelte sich weiter. Es folgten die Schifflistickmaschinen, für die grösseren Maschinen wurden grössere Gebäude notwendig. Noch heute kann man unschwer die vielen Stickereigebäude in der Gemeinde als solche erkennen. Damit die Produktion weiter erhöht werden konnte, kamen um die Jahrhundertwende die ersten Automaten in Betrieb. 1910 erreichte die Stickereiindustrie ihren Höhepunkt. Schlimm war dann der Zusammenbruch dieser Industrie in den Zwanziger- und Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts. Erst nach 1950 konnte für die wenigen verbliebenen Einzelsticker und Unternehmer ein gewisser Aufwärtstrend festgestellt werden.
Nach dem 2. Weltkrieg wandelten sich unsere Dörfer, teils mit recht erfolgreichen Neuansiedlungen von Unternehmen zu der Struktur, wie wir sie heute haben.
Einige hundert Meter östlich von Ifwil steht, etwas oberhalb der Staatsstrasse eine schwarz/weisse Blechkuh, die einmal einen sehr hohen Bekanntheitsgrad erreicht hatte. Eine neue Vorschrift bezüglich Reklame-Tafeln an Strassen verlangte, dass diese altehrwürdige Kuh zu beseitigen sei. Der Amtsschimmel hat aber nicht mit der aufgebrachten Reaktion der „Tierfreunde“ gerechnet. Die Gemeindeversammlung hat nach reger Diskussion beschlossen, dass die Reklamekuh, die ein Teil der Ifwiler Identität darstellt, weiter bleiben dürfe. Der Regierungsrat hat dann in salomonischer Weise die Überschrift „Chocolat“ entfernen lassen, womit der Reklamecharakter - wohl der Hauptgrund für das Dasein - verschwindet, die Voranzeige für die nahe Station Eschlikon bleibt dem Passagier aber erhalten.