Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/3793

<h2>SubmittedText<h2><p>Die Briefträgerinnen und Briefträger haben von der PTT-Kreisdirektion ein fünfseitiges Papier erhalten, das die Arbeitszeit zur Festlegung von Leistungsstandards in Sekunden und Sekundenbruchteile aufteilt!</p><p>Hier ein Beispiel aus diesem fünfseitigen Normenpapier:</p><p>Punkt 4 Aushändigungszeit</p><p>62001 Uneingeschriebene Briefpost</p><p>Gewöhnliche Briefpost</p><p>1,71 Sekunden sind vorgesehen für "das Prüfen der Adresse, das Einlegen in den Briefkasten oder ins Ablagefach, das Ausfüllen des Klebezettels 'Wohnt hier im Hause', das Einwerfen des Formulars 268.26 (ausgebliebene Zeitung) in den Briefkasten sowie das Einwerfen des Merkzettels für die Briefkastenanschrift (Formular 222.19) in den Briefkasten".</p><p>Kann mir der Bundesrat erklären, wie man zu solchen absurden verwaltungstechnischen Massnahmen gekommen ist? Welches Ziel verfolgen diese "Leistungsstandards", und mit welchen Kosten sind deren Ausarbeitung und Einführung verbunden? Sollte man nicht besser mehr Energie darauf verwenden, die von den PTT der Bevölkerung angebotenen Dienste aufrechtzuerhalten und zu verbessern? Und wäre es zu diesem Zweck nicht besser, den PTT-Angestellten und namentlich dem Zustellpersonal mehr Vertrauen zu schenken, indem man diesem und dessen Organisationen grössere Mitbestimmungsrechte bei Entscheidungen einräumt?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Auf den 1.1.1994 hat das Departement Post der Generaldirektion PTT im Zustelldienst ein neues System zur Berechnung der Arbeitszeit eingeführt. Die Einführung erfolgte nach vorhergehenden Beratungen und Verhandlungen im Einvernehmen mit den Personalverbänden.</p><p></p><p></p><p></p><p>Seit über 60 Jahren war die vorherige Arbeitszeitermittlung grundsätzlich unverändert geblieben. Inspektoren der Kreispostdirektionen haben die Boten alle 5 bis 10 Jahre einen Tag lang begleitet und daraufhin die Arbeitszeit festgelegt. Die in den letzten 30 Jahren eingetretenen Veränderungen (Motorisierung, starke Zunahme der Anzahl Haushaltungen, Briefkastenaktion, mechanische Sortierung von Briefen direkt auf Botenbezirke, Arbeitszeitverkürzungen usw.) riefen nach einer effizienteren Ermittlung der täglichen Botenarbeitszeit.</p><p></p><p>Neu erfolgt die Berechnung der Zustellarbeitszeit mit Computer. Gestüzt auf die bei einer Poststelle zu verarbeitende Sendungsmenge wird die dafür notwendige Zeit mit Leistungsstandards ermittelt. Nur noch die zurückzulegende Wegstrecke muss einmalig gemessen werden. Die von der Kreispostdirektion Genf erstellte Informationsbroschüre hat zum Ziel, dem Zustellpersonal die neue Berechnungsart näher zu erläutern. Darin ist u.a. auch aufgezeigt, welche Arbeiten in den einzelnen Normwerten enthalten sind. Die Normwerte sind auf Sekundenbruchteile genau, weil z. B. bei der uneingeschriebenen Briefpost bereits eine Hundertstelsekunde Differenz im Jahr gesamtschweizerisch rund 10'000 Arbeitsstunden ausmacht. Weder das Zustellpersonal, noch die Poststellenleitung werden von diesen Leistungsstandards und Sekunden bei ihrer täglichen Arbeit berührt. Diese sind einzig dazu da, um zu Beginn eines Jahres das Arbeitsvolumen festzulegen. Damit gelingt es, die Arbeitszeit laufend den aktuellen Verhältnissen (Sendungsmenge, allenfalls veränderte Arbeitsabläufe) anzupassen. Leistungsnormen sind keine Erfindung der Schweizer Post, sie werden auch in ausländischen Postdiensten und in der Industrie angewendet. Jeder grössere Betrieb verfügt zur Festlegung seiner Produktionskosten über Leistungsstandards oder Normwerte einzelner Arbeitsvorgänge.</p><p></p><p>Die neue Berechnungsart bewirkt keine Verschlechterung des Kundendienstes. Der Bote erhält weiterhin genügend Zeit eingeräumt, um seine Kunden wie bisher gut zu bedienen.</p>  Antwort des Bundesrates.