Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03570.jsonl.gz/1433

Die Basis jeder Tonart (welche wir uns alle in den nächsten Wochen anschauen werden) bestehen immer aus einer Haupttonleiter.
Die Dur Tonart besteht dementsprechend aus der Dur Tonleiter.
Viele können diese Tonleiter wahrscheinlich sogar singen. Denkt dabei einfach an „Alli mini Entli“ und führt die Tonleiter weiter.
Auf der Gitarre spielt man diese Tonleiter wie folgt:
Auf dem Klavier dementsprechend nur die weissen Tasten (beginnend auf dem tiefen C bis hin zum hohen C):
Und klingen wird es in etwa so:
Akkorde bilden
Nun wissen wir, welche Noten „erlaubt“ sind. Bilden wir nun mithilfe dieser Noten unsere Akkorde, kommen immer wieder die gleichen Akkorde heraus.
Das ganze haben wir uns schon mehrere male angeschaut. Etwa hier, hier oder hier.
Um also einen Akkord zu bilden, brauche ich jeweils den Grundton, eine Terz und eine Quinte. So kompliziert das auch klingen mag, bedeutet es nur, dass wir lediglich den ersten, dritten und fünften Ton der Tonleiter brauchen, um einen Akkord zu generieren.
Nun geht das gleiche auch startend vom zweiten Ton aus. Auch wenn der zweite Ton in der Tonleiter als zweite Note zählt, sehen wir uns diese zweite Note als unseren neuen Grundton an.
Das wäre dann einen „D Moll“ Akkord.
Weshalb aber einen „Dur“ Akkord wenn ich von dem ersten Ton starte und startend von der zweiten Note einen „Moll“ Akkord?
Der Grund ist, starten wir von dem Ton „C“, sind die Intervalle folgende:
1,3,5 (Grundton, Terz und Quinte).
Die Noten welche erklingen sind: C, E, G.
Der Abstand von C zu E ist eine grosse Terz, der Abstand von C zu G ist eine Quinte.
Starte ich aber von der zweiten Note aus und mache das gleiche und überspringe jeweils eine Note, damit ich einen Akkord generieren kann, spiele ich diese Noten:
D, F, A.
Der Unterschied jetzt ist, dass das Intervall zwischen D und F dieses mal eine kleine Terz, also eine „Moll Terz“ ist. Von D zu A bleibt das Intervall eine Quinte.
Der Grund dafür sind die Halbtöne.
Beispielsweise ist der Abstand zwischen C und D immer einen Ganzton. Auch zwischen D und E. Zwischen E und F jedoch immer einen Halbton.
Dementsprechend ändert sich die Tonleiter und auch der dazugehörige Akkord, wenn ich von einem anderen Ton beginne.
|Stufe||Dreiklang||Intervalle||Vierklang||Intervalle||Tonleiter||Intervalle||Schritte|
|I Maj7||C Dur||1 – 3 – 5||C Maj7||1 – 3 – 5 – 7||Ionisch||1-2-3-4-5-6-7||G-G-H-G-G-G-H|
|II m7||D Moll||1 – b3 – 5||D Moll7||1 – b3 – 5 – b7||Dorisch||1-2-b3-4-5-6-b7||G-H-G-G-G-H-G|
|III m7||E Moll||1 – b3 – 5||E Moll7||1 – b3 – 5 – b7||Phrygisch||1-b2-b3-4-5-b6-7||H-G-G-G-H-G-G|
|IV Maj7||F Dur||1 – 3 – 5||F Maj7||1 – 3 – 5 – 7||Lydisch||1-2-3-#4-5-6-7||G-G-G-H-G-G-H|
|V 7||G Dur||1 – 3 – 5||G 7||1 – 3 – 5 – b7||Mixolydisch||1-2-3-4-5-6-b7||G-G-H-G-G-H-G|
|VI m7||A Moll||1 – b3 – 5||A Moll7||1 – b3 – 5 – b7||Aeolisch||1-2-b3-4-5-b6-b7||G-H-G-G-H-G-G|
|VII m7b5||H Vermindert||1 – b3 – b5||H Moll7b5||1 – b3 – b5 – b7||Lokrisch||1-b2-b3-4-b5-b6-b7||H-G-G-H-G-G-G|
Diese Ganzton und Halbton Schritte kannst du in der oberen Tabelle bei „Schritte“ nachschauen.
Praktisches Beispiel
Ich spiele jetzt die erste Tonleiter „Ionisch“ über den ersten Akkord „C Dur“.
Jetzt starte ich von der zweiten Note aus, spiele aber die genau gleichen Noten wie bei C Ionisch.
Da die Abstände zwischen den einzelnen Noten und dementsprechend die Intervalle sich ändern, bekommen wir eine neue Tonleiter.
Auch bekommen wir einen neuen Akkord wenn wir die erste, die dritte und die fünfte Note dieser neuen Tonleiter zusammen spielen.
Genau dasselbe auch mit der nächsten Tonleiter, startend von dem dritten Ton. Ergibt E Phrygisch und den Akkord E Moll.
Wieder im Dur sind wir, wenn wir von der vierten Note aus starten.
Mit dem fünften Ton startend sind wir noch immer auf Dur.
Startend von dem sechsten Ton sind wir auf der Paralleltonart (relative Key). Die Tonleiter hierfür wäre Aeolisch. Bekannt ist hier aber auch die Moll Pentatonik.
Die letzte Tonleiter ist Lokrisch über den verminderten Akkord.
Ihr könnt euch nun selber Noten von C – C aufschreiben (am besten ein paar Oktaven) und selber auf dem Klavier oder Gitarre spielen und herausfinden, wie das mit den Abständen, Intervallen und Akkorden so funktioniert und weshalb es genau diese Tonleitern sind, welche dann schlussendlich dabei rauskommen.
Eine Auflistung der Tonleitern findet ihr hier:
Unsere Haupttonleiter ist immer C Ionisch. Das kommt daher, weil wir in der Tonart von C Dur sind. Also gehen wir immer von der C Dur Tonleiter (C Ionisch) aus.
|Startend von Note||Tonleiter||Akkord|
|1||Ionisch||Dur|
|2||Dorisch||Moll|
|3||Phrygisch||Moll|
|4||Lydisch||Dur|
|5||Mixolydisch||Dur|
|6||Aeolisch||Moll|
|7||Lokrisch||Vermindert|
Falsche Herangehensweise
Ich habe schon von Schülern gehört, die immer auf die Tonart herunter rechnen. Also zB. gefragt ist die F Lydisch Tonleiter.
Der beste weg jetzt wäre die Abstände und/oder die Intervalle der Lydischen Tonleiter zu kennen.
Weniger Sinn macht es, die Tonart auszurechnen (F Lydisch ist die IV. Stufe von C Dur) und von dieser Tonleiter aus, ab dem vierten Ton starten.
Dieser Weg ist zwar clever und spart viel Tonleitern einüben, jedoch erschwert es das praktische Spiel enorm. Ihr seid einfach schlichtweg zu langsam, wenn ihr so jedesmal ausrechnen müsst.
Falsche Tonleiter über Akkord
Was passiert nun, wenn ich die „falsche“ Tonleiter über einen Akkord spiele?
Nehmen wir an, wir sind in einer C Dur Tonart. Es klingt ein F Dur Akkord und ihr spielt C Ionisch darüber.
Fakt ist, es funktioniert!
Washalb?
Der Grund ist, wie oben schon angeschaut, es sind die genau gleichen Noten. Ihr startet jedoch von einer anderen Note aus.
Es empfiehlt sich auf jeden Fall immer von der „richtigen“ Note aus zu starten. Spielt ihr also eine C Ionisch über einen F Dur Akkord denkt ihr in C Ionisch.
Besser wäre es, ihr spielt F Lydisch und denkt auch in diesem Akkord.
Arpeggios zu kennen lohnt sich hierbei sehr, da ihr immer einen „Fluchtweg“ habt.
Damit ihr also irgendeine Tonleiter aus der Tonart über einen anderen Akkord spielen könnt, müsst ihr zuerst euer Gehör trainieren.
Ein Lehrer hat mir mal gesagt, ein Anfänger spielt immer nur C Ionisch.
Ein semi Profi spielt immer die richtige Tonleiter über den richtigen Akkord (zB. C Ionisch über C Dur, F Lydisch über F Dur usw.).
Der Profi wiederum spielt nur die C Ionisch Tonleiter.
Aber weshalb ist das so?
Sobald euer Gehör gut genug ist, könnt ihr irgend eine Tonleiter spielen. Theoretisch sogar eine falsche Tonleiter die nichts mit dem Akkord oder der Tonart zu tun hat. Ihr müsst einfach nur euren Ausweg kennen und wieder beim Grundton landen.
Cheatsheet
Ein Cheatsheet mit den Noten, Akkorden und Diagrammen könnt ihr hier herunterladen.