Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03615.jsonl.gz/261

Dienstag, 29. Mai 2012
Die Land- und Ernährungswirtschaft bildet einen Grundpfeiler der Grünen Ökonomie. Vor dem Hintergrund der neuen globalen Herausforderungen, namentlich des weltweiten Bevölkerungs-wachstums und der Verknappung der natürlichen Ressourcen, werden die Systeme der Land- und Ernährungswirtschaft gezwungen sein, mit weniger mehr zu produzieren. Sie müssen zudem resilienter (robuster) werden, um den Klimaschwankungen und der Preisvolatilität an den Märkten begegnen zu können. Es wird ihre Aufgabe sein, zur Entwicklung der ländlichen Regionen und Bergebiete beizutragen; hierzu gilt es, die Grundlage der Wirtschaftstätigkeit in diesen Regionen sicherzustellen.
Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat für das Dokument, das an der UNO-Nachhaltigkeits-konferenz Rio+20 verabschiedet wird, konkrete Vorschläge erarbeitet und sich dabei in erster Linie auf die Schweizer Agrarpolitik und ihre strategische Ausrichtung 2025 gestützt, aber auch auf die internationalen Verpflichtungen der Schweiz, insbesondere bei der FAO, Bezug genommen. Die zentralen Standpunkte der Schweiz sind folgende:
1. Eine gemeinsame internationale agrarpolitische Vision erarbeiten und ihre Konvergenz über das Komitee für globale Ernährungssicherheit (CFS) stärken.
Obwohl Unterschiede bestehen zwischen der Lage in den Industrieländern und jener in den Schwellenländern, sollten alle agrarpolitischen Visionen ein und dasselbe Ziel anstreben: die Entwicklung effizienter land- und ernährungswirtschaftlicher Systeme, die aufgrund ihrer Nachhaltigkeit und Resilienz eine sichere Versorgung aller Menschen mit Nahrungsmitteln garantieren, die Verfügbarkeit und Qualität der natürlichen Ressourcen bewahren und annehmbare Lebensbedingungen für die Landwirtinnen und Landwirte sowie für die ländliche Bevölkerung bieten. Das CFS als internationale und zwischenstaatliche Plattform, die sich mit Themen der Versorgungssicherheit und Ernährung auseinandersetzt, verfügt über geeignete Strukturen, um die politische Konvergenz zu fördern und die Umsetzung der Beschlüsse, die an der Konferenz Rio+20 gefasst werden, zu gewährleisten.
2. Die nachhaltige Landwirtschaft als wesentliches Element der Grünen Ökonomie für nachhaltige Entwicklung, Armutsbekämpfung und Ernährungssicherheit neu positionieren.
Die Landwirtschaft, zu der im weiteren Sinne die gesamte Ernährungswirtschaft gehört, stellt hinsichtlich der Arbeitsplätze, der Raumnutzung und der natürlichen Ressourcen weltweit den wichtigsten Wirtschaftssektor dar. Sie ist und bleibt die treibende Kraft für die Entwicklung zahlreicher Länder. Die nachhaltige Landwirtschaft und die Ernährungswirtschaft üben grossen Einfluss aus auf die drei Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung und sind folglich ein zentraler Wirtschaftssektor der Grünen Ökonomie.
3. Die Resilienz der land- und ernährungswirtschaftlichen Systeme verbessern und nach-haltige Praktiken fördern.
Um die wirtschaftliche, soziale und ökologische Resilienz der land- und ernährungswirtschaftlichen Produktionssysteme zu erhöhen, müssen die Markttransparenz gesteigert, die Biodiversität sowie die Qualität und Verfügbarkeit von Wasser erhalten und der Umfang und die Fruchtbarkeit von Landwirtschaftsland bewahrt werden. Um dies zu erreichen, müssen insbesondere Systeme zur Entschädigung ökologischer Leistungen von Landwirtinnen und Landwirten eingeführt werden. Der Zugang zu Produktionsressourcen – allen voran Boden und Wasser – und Finanzmitteln für Frauen und kleine landwirtschaftliche Gewerbe ist zentral, wenn die Resilienz der Produktionssysteme gesteigert werden soll. Nachhaltige Praktiken müssen zu einer effizienteren Ressourcennutzung sowie einer Reduzierung der Nachernteverluste und der Lebensmittelverschwendung führen.
Kontakt/Rückfragen: François Pythoud, Leiter Fachbereich Internationale nachhaltige Landwirtschaft, Tel. 031 323 44 45