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Die Geschichte des Verlorenen Sohnes ist zu finden im Lukas-Evangelium Kp. 15, 11-32
„Zum Vertrauen muss Dankbarkeit kommen, das Gegenteil von Klagen. Sich beklagen und dankbar sein kann es zusammen nicht geben, da das vorwurfsvolle Klagen die Wahrnehmung und Erfahrung des Lebens als Geschenk blockiert,“ schreibt Henri Nouwen in seinem Buch. Dankbarkeit ist eine eigenübte Haltung. Oder anders gesagt eine Tugend, die gelebt werden kann. Tugenden sind hervorragende Eigenschaften und vorbildliche Haltungen, die eine Person auszeichnen. Gemäss Platon sind die vier Haupttugenden: Besonnenheit, Tapferkeit, Weisheit und Gerechtigkeit. Sie werden als „Türangel“ oder „Angelpunkt“ bezeichnet, lateinisch „cardo“. In ihnen sind alle anderen Tugenden verankert. Eine Tugend muss trainiert werden. Ich muss mich beispielsweise entscheiden, dankbar zu sein, selbst wenn meine Empfindungen und Gefühle von verletztem und verbittertem Klagen durchtränkt sind. Es gibt unglaublich viele Gelegenheiten, bei denen ich mich zu Dankbarkeit statt unzufriedener Klage entscheiden kann. „Immer gibt es die Möglichkeit, zwischen Verbitterung und Dankbarkeit zu wählen,“ schreibt Henri Nouwen weiter. Die Entscheidung zur Dankbarkeit ist eine regelrechte Anstrengung. Vertrauen und Dankbarkeit verlangen Mut zum Risiko. Ich muss den Sprung des Glaubens machen und dem Vertrauen und der Dankbarkeit eine Chance geben. „An irgendeinem Punkt muss ich einen freundlichen Brief an einen schreiben, der mir nicht vergeben will, einen anrufen, der mich abgelehnt hat, ein heilendes Wort zu einem sagen, der dies nicht tun kann,“ resümiert Henri Nouwen. Der mutige Sprung des Glaubens heisst immer zu lieben, ohne Gegenliebe zu erwarten; geben, ohne erhalten zu wollen; einladen, ohne auf Einladung zu hoffen; halten, ohne nach Halt zu verlangen.
- In welchen Lebensbereichen hat sich bei mir ein chronisches Klagen eingeschlichen?
- Gibt es einen Weg aus diesem Klagen heraus?
- Welche Dinge gibt es in meinem Leben, die mich mit Dankbarkeit und Vertrauen erfüllen?
- Für welche Menschen in meinem Familien- und Freundeskreis bin ich dankbar? Wie kann ich ihnen meine Dankbarkeit zeigen?
Markus Zogg, Sozialdiakon
Impulse für den Glauben - XIX