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Beschreibung
Während das akademische und mediale Interesse an der Jugend der MENA-Region auf das frühe 20. Jahrhundert und die Kämpfe um nationale Unabhängigkeit zurückgeht, hat das Thema erst im Kontext nationaler "Krisen" (insbesondere die Beschäftigungs-, Heirats- und islamistische Krise) (Bennani-Chraibi & Farag 2007) an der Wende zum 21. Jahrhundert erneut Aufmerksamkeit erfahren, und dann in jüngerer Zeit in einem globalisierten Kontext mit Fokus auf Formen des Dissens (Bayat & Herrera 2010, Herrera 2014, Herrera & Mansour 2015 ). Sieben Jahre nach dem Ausbruch der Welle von Revolten und Revolutionen, die durch die Region fegten, glauben wir, dass eine erneute Erforschung der Jugendwelten mehr denn je ein sehr fruchtbares heuristisches Instrument liefert zur Analyse tiefgreifender und radikaler sozialer Transformationen hervorgebracht durch das revolutionäre Moment.
Unser Ansatz betont die Notwendigkeit, diese Jugendwelten sowohl historisch als auch geografisch zu kontextualisieren. Der Ausdruck "(Post-) Revolutionär" erlaubt es, neben der Berücksichtigung seiner Genealogien auch die Koexistenz der multiplen und überlappenden Temporalitäten (revolutionär / konterrevolutionär / postrevolutionär) zu beleuchten, in denen sich diese Welten befinden ( Oualdi & Grangaud 2014). In ähnlicher Weise hinterfragen unsere Forschungen auch die geografischen Grenzen der MENA-Region, indem wir besonders auf die lokalen / globalen und transnationalen Netzwerke eingehen, in die sich diese Jugendwelten einschreiben.
Konkret verorten sich unsere Projekte in einer transdisziplinären Perspektive an der Schnittstelle von Anthropologie, Soziologie, Psychologie und Pädagogik. Auf der Grundlage kritischer Jugendstudien experimentieren und fördern sie auch partizipative und dekolonisierende Forschungsmethoden. Schließlich wollen unsere Forschungen einen Beitrag zu den aktuellen Debatten über die erkenntnistheoretischen, ethischen und methodologischen Herausforderungen bei der Feldforschung in prekären konterrevolutionären und kriegerischen Kontexten sowie zu den Überlegungen zur Jugendvertretung (Best 2007) leisten sowie zur umfassenderen Frage des Schreibens des Nahen Ostens und Nordafrikas (Clifford & Marcus 1986, Pontille 2003, Fraenkel 2007). Ein Teil dieser Bemühungen ist unsere Teilnahme an der Initiative THor (Taking the Humanities on the Road) am Walter Benjamin Kolleg der Universität Bern.