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Ebbell, Harald (1909-1998)--DB6000
Person
Lebensdaten
01.10.1909-1998
Mädchenname, Herkunftsort bzw. Heimatort
Zivilstand, Konfession, Nachkommen
Verheiratet, zwei Söhne
Soziale Herkunft, verwandtschaftliche Beziehungen
Sohn des Bauingenieurs Ole-Falk Ebbell-Staehelin (1879–1969), der am Neubau des Goetheanums mitwirkte
Ausbildung, berufliche Tätigkeit und Funktionen in der Öffentlichkeit
Ausbildung
Berufsausübung
Funktionen in landwirtschaftlichen Institutionen
Schweizerische Geflügelzeitung: Redaktor 1969-1975 (als Nachfolger von Bodmer, Hans (1894-1980)--DB407 und Vorgänger von Thomann, Werner (1917-2007)--DB3569); Interessengemeinschaft der Schweizerischen Eier- und Geflügelproduktion (IG-Geflügel): Präsident 1964- (als Nachfolger von Buess, Peter (1923-)--DB555); Verband Schweizerischer Geflügelhalter (VSGH): Präsident 1955-1964 (als Nachfolger von Leutenegger, Alfred--DB5999 und Vorgänger von Bachmann, Hans (1907-)--DB6001)
Funktionen in anderen Institutionen
Funktionen in der Politik
Biographische Skizze
Harald Ebbell gehörte zu den renommiertesten Geflügelzüchtern. Er genoss sowohl als Manager der Ovomaltine-Geflügelfarm in Neuenegg bei Bern wie auch als Versuchsleiter und Publizist internationale Anerkennung. Ebbell, der in der Stadt Basel aufwuchs, verbrachte in seiner Kindheit einen Teil seiner Ferien bei seinem Onkel Paul Stähelin, der in Aarau eine Geflügelfarm betrieb. Ende der 1920er Jahre nach Deutschland, um dort eine Lehre als Geflügelzüchter zu machen. Danach arbeitete er u.a. auf der berühmten Geflügelzuchtstation Halle-Cröllwirtz. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz übernahm Ebbell zuerst die Betriebsleitung der Geflügelfarm seines Onkels in Aarau, 1934 dann die Leitung der Ovomaltine-Geflügelfarm der Firma Wander in Neuenegg bei Bern. Neben der Produktion von Frischeiern für die betriebseigene Ovomaltineherstellung begann Ebbell im Einverständnis mit der Firmenleitung, die Geflügelhaltung der Firma Wander zu einer eigentlichen Versuchsstation auszubauen. Er führte Brut-, Aufzuchts-, Belichtungs- und Fütterungsexperimente durch. International berühmt geworden sind vor allem seine Experimente mit der Käfighaltung von Legehennen. Ebbell importierte schon 1938 sogenannte Legebatterien aus England, um herauszufinden, ob sich dieses in den USA und Grossbritannien schon längere Zeit praktizierte Aufstallungssystem auch in der Schweiz bewähren würde. Auch Versuche mit Antibiotikazusätzen und Wachstumshormonen im Futter führte Ebbell in Neuenegg durch. Die Daten der Versuche dokumentierte er minutiös und die Resultate publizierte er in Zeitungen, Broschüren und Fachzeitschriften. Gleichzeitig engagierte sich Harald Ebbell auch auf der internationalen Ebene. So gehörte er in Deutschland ab 1953 dem Vorstand des 'Archivs für Geflügelkunde' an. Schon in der Zwischenkriegszeit war er Mitglied der World's Poultry Science Association (WPSA) geworden. Ab 1934 besuchte er zudem sämtliche der alle vier Jahre durchgeführten WPSA-Kongresse. 1948 wurde Ebbell in den Vorstand der WPSA gewählt und 1951 gründete er zusammen mit Hans Engler, dem Leiter der Geflügelzuchtschule in Zollikofen, eine Schweizer Sektion, deren Sekretariat Ebbell bis kurz vor seinem Tod führte. An der zweiten europäischen Geflügelkonferenz 1964 in Bologna wurde Ebbell zum Präsidenten der europäischen Vereinigung der WPSA gewählt. Über seine Reisen und Kongressbesuche berichtete er in Vorträgen und Publikationen ebenso ausgiebig wie über seine Versuchstätigkeit. Viele seiner Artikel veröffentlichte Ebbell im Geflügelhof, der wichtigsten Zeitschrift der Nutzgeflügelhalter in der Schweiz, für die er zeitweise auch als Redaktor arbeitete.
Gleichzeitig war Ebbell auch verbandspolitisch aktiv. 1956 wurde er zum Präsidenten des Verbandes Schweizerischer Geflügelhalter (VSGH) gewählt. Von diesem Amt trat er in Folge eines Konfliktes zwischen dem VSGH und Bundesrat hans Schaffner, dem Vorsteher des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements (EVD) 1964 zurück. Hintergrund der Auseinandersetzungen war das seit Ende der 1950er Jahre auf dem Eiermarkt herrschende Ungleichgewicht zwischen der Nachfrage und dem Angebot aus der inländischen Produktion und den Importen. Anfang 1964 forderte der VSGH das EVD in mehreren Schreiben auf, zoll- und agrarpolitische Massnahmen zur Stabilisierung der sinkenden Eierpreise in die Wege zu leiten, um den Konkurs zahlreicher Geflügelfarmer zu verhindern. Das Volkswirtschaftsdepartement reagierte zurückhaltend. Man war im EVD der Ansicht, dass primär die Steigerung der inländichen Produktion durch die gewerblich-industriellen Geflügelfarmen für den Zerfall der Preise verantwortlich sei und dass handelspolitische Restriktionen nicht im Interesse der Allgemeinheit seien. Zudem war man im EVD überzeugt, dass gewerblich-industrielle Geflügelfarmen, die primär auf Basis von importierten Futtermitteln Eier produzierten, keinen Anspruch auf die im Landwirtschaftsgesetz von 1951 und in der Eierordnung von 1954 für eine bäuerliche Produktion im Interesse der Ernährungssicherung vorgesehenen preis- und absatzsichernden Massnahmen hatten. Als die Behörden sich zudem weigerten, zur Erläuterung der bundesrätlichen Eierpolitik einen Vertreter der Handelsabteilung an die Jahresversammlung des VSGH zu delegieren, verabschiedeten die an der Versammlung anwesenden VSGH-Mitglieder zwei Protestresolutionen, in denen die Untätigkeit der Behörden verurteilt wurden. In einem empörten Antwortschreiben an den VSGH wehrte sich Bundesrat Schaffner gegen die in den Resolutionen formulierten Vorwürfe. Gleichzeitig schickte der Bundesrat eine Kopie des Schreibens auch an Harald Ebbells Arbeitgeber, die Firma Wander. Um seine Stellung als Leiter der Ovomaltine-Geflügelfarm der Wander AG nicht zu gefährden, trat Ebbell in der Folge als Präsident des VSGH zurück.
Autoren: Peter Moser und Elias Quaderer
Quellen und Literatur
Eigene Publikationen
- Tiermaschinen? Tierschutz und moderne Geflügelhaltung, in: Neue landwirtschaftliche Rundschau, 30.11.1967, S. 15-43
Quellen
- AfA Persoendossier Nr. 1603