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SNF-Projekt: Das Zusammenspiel der prospektiven und retrospektiven Komponente bei prospektiven Gedächtnistests
SNF Forschungsprojekt Nr. 100013-109734
Gesuchsteller
- PD Dr. B. Meier
Mitarbeiterin
- Lic. phil. Sibylle Matter
Informationen zum Projekt
Prospektives Gedächtnis bezeichnet die Fähigkeit, sich an eine zuvor gefasste Absicht zu erinnern, wenn ein angemessener Abrufhinweis vorhanden ist, welcher eine Zeit, eine Person, ein Ort oder ein anderer zuvor definierter Stimulus sein kann. Beim Auftauchen dieses Stimulus wird keine explizite Abrufinstruktion gegeben, das heisst, die Erinnerung muss selbst initiiert werden. Prospektives Gedächtnis hat eine hohe Alltagsrelevanz, wären wir doch ohne die Fähigkeit, Absichten wie geplant auszuführen, kaum in der Lage, autonom zu leben. Prospektives Gedächtnis kann unterschieden werden von retrospektivem Gedächtnis, welches sich auf in der Vergangenheit gemachte Erfahrungen bezieht. Prospektives Gedächtnis besteht aber immer sowohl aus einer prospektiven Komponente – das erinnern, dass etwas getan werden muss – als auch aus einer retrospektiven Komponente – das Erinnern, was getan werden muss. Im Alltag weisen prospektive Hinweisreize vielfach eine Überlappung oder Assoziation mit dem Inhalt der zu erinnernden Absicht auf. So erinnert uns beispielsweise der gelbe Briefkasten, dass wir einen Brief einwerfen müssen.
Um eine möglichst reine Messung der prospektiven Komponente zu erzielen, wurde in der experimentellen prospektiven Gedächtnisforschung die retrospektive Komponente möglichst einfach gehalten – in der Regel musste eine bestimmte Taste gedrückt werden oder der Versuchsleiter musste informiert werden, dass ein angemessener Abrufhinweis vorgekommen war – um sicherzustellen, dass die prospektive Gedächtnisleistung nicht durch Vergessen der retrospektiven Komponente konfundiert ist. Dieses Vorgehen könnte implizieren, dass die prospektive und die retrospektive Komponente voneinander unabhängig sind. Neuere Befunde zeigen jedoch, dass das Zusammenspiel von prospektiver Komponente (Eigenschaften des Abrufhinweises) und retrospektiver Komponente (Inhalt der Absicht) einen Einfluss auf die prospektive Gedächtnisleistung haben.
In diesem Projekt untersuchen wir diese Hypothese systematisch, indem sowohl die Eigenschaften der prospektiven als auch diejenigen der retrospektiven Komponente separat manipuliert werden. Wenn die beiden Komponenten unabhängig voneinander sind, so sollte die separate Manipulation einer dieser Komponenten keinen Einfluss auf die andere Komponente haben. In einer laufenden Aufgabe, bei der eine Entscheidung getroffen werden muss, ob zwei am Bildschirm präsentierte Objekte identisch sind, ist eine prospektive Gedächtnisaufgabe eingebettet. Zu Beginn des Experimentes werden die Versuchspersonen instruiert, immer wenn ein Bildpaar einer bestimmten Kategorie (Kleidungsstück, Möbel, Pflanze oder Tier) erscheint, eine bestimmte Taste zu drücken. Eine Überlappung zwischen Hinweisreiz und Inhalt wird dadurch erzeugt, dass in einer Bedingung die zu drückende Taste dem Anfangsbuchstaben der genannten Kategorien (also K, M, P oder T) entspricht. In der Kontrollbedingung entspricht die Taste einer Zahl von 1 bis 4 und somit gibt es keine Überlappung zwischen Hinweisreiz und Inhalt.
Erste Ergebnisse zeigen eine bessere prospektive Gedächtnisleistung in der Überlappungsbedingung. Separate Analysen für die prospektive und retrospektive Komponente ergaben, dass dieses Ergebnis nicht einfach aufgrund einer höheren Leistung bei der retrospektiven Komponente zustande kommt, sondern auf Unterschieden bei der prospektiven Komponente, dem Erinnern, dass überhaupt etwas getan werden muss, beruht. Dies deutet daraufhin, dass die Leistung bei der prospektiven und retrospektiven Komponente nicht unabhängig sind. In weiterführenden Experimenten sollen diese Resultate repliziert werden. Ausserdem untersuchen wir, inwiefern spontane und strategische Erinnerungsprozesse den Leistungen zugrunde liegen.