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Im Jahr 1974 wütete eine Hungersnot in Bangladesch. Um den betroffenen Kindern zu helfen, begab sich ein Team von Terre des hommes vor Ort und begann die Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden und Gemeinschaften. Eine Arbeitsweise, die damals innovativ war und heute nicht mehr wegzudenken ist.
Am 12. November 1974 titelte die New York Times: "Bangladesch fürchtet Tausende von Toten, während sich die Hungersnot ausbreitet" . Drei Jahre nach dem Ende des Unabhängigkeitskrieges und der offiziellen Staatsgründung wütete eine Nahrungsmittelkrise in dem ohnehin schon wirtschaftlich instabilen Land. Als der Gründer von Tdh, Edmond Kaiser, im März 1975 in der nördlichen Region Kurigram eintraf, wurde er Zeuge der dramatischen Bedingungen, unter denen benachteiligte Kinder in Bangladesch lebten.
Eine lokale Verankerung
Terre des hommes nahm daraufhin Gespräche mit den lokalen Behörden auf, um die Chinnamukul, Aufnahmezentren für mangelernährte, kranke und verwaiste Kinder in Chilmari und Kurigram wiederaufzubauen. In diesen Zentren boten die Tdh-Teams den Kindern Betreuung, Pflege, Nahrung und Ausbildung an. Sie arbeiteten mit lokalen Gemeinschaften zusammen, um die Familien der Kinder zu finden und deren Lebensbedingungen zu verbessern, damit die Kinder nach Hause zurückkehren konnten. Gleichzeitig reiste ein Team durch die Region, um Kinder in abgelegenen ländlichen Gebieten ausfindig zu machen, die Hilfe benötigen.
Zusätzlich wurde ein medizinisches Programm für Kinder geschaffen, die nicht in das Zentrum aufgenommen werden konnten. Im Regierungskrankenhaus in Kurigram arbeitete das medizinische Personal von Tdh aus dem In- und Ausland zusammen mit Ärzten an der Einrichtung einer Kinderstation und eines Tageszentrums für die Verpflegung von Kindern und Müttern in Strassensituationen.
Die Zukunft junger Menschen im Fokus
Im Chinnamukul wurden Berufsausbildungskurse für junge Menschen eingerichtet. Sie wurden in den Bereichen Bäckerei, Nähen, Seidenzucht (Anbau und Weben von Seide), Schreinerei, Mechanik oder im Verkauf ausgebildet, indem sie den Laden des Zentrums leiteten. Die Entwicklung ihrer Fähigkeiten sicherte ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit und erleichterte ihre Wiedereingliederung in die Gemeinschaft.
Auch heute steht die Entwicklung von Fähigkeiten im Mittelpunkt unserer Arbeit mit jungen Menschen.
Eine nachhaltige Wirkung
Die Zusammenarbeit mit lokalen Behörden, Gemeinschaften und Familien war damals ein innovativer Ansatz. Sie sorgte für eine nachhaltige positive Wirkung auf das Leben von Kindern und Familien. Diese Arbeitsweise wurde mit der Zeit zu einem integralen Bestandteil unseres Einsatzes. Heute engagieren sich die Teams von Terre des hommes in fast 40 Ländern und arbeiten eng mit den politischen EntscheidungsträgerInnen, den Gemeinschaften der Kinder und den Kindern und Jugendlichen selbst zusammen, um ihre Lebensbedingungen nachhaltig zu verbessern.
Ein Rückblick: Dies ist der fünfte Artikel in einer Serie von 10 Artikeln, die anlässlich unseres 60-jährigen Jubiläums veröffentlicht wurden.
Bildquelle: Originale im Kantonsarchiv des Kantons Waadt, Fonds ACV PP 1053, Stiftung Terre des hommes.