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«Er war Superstar, er war populär. Er war so exaltiert, because er hatte Flair. Er war ein Virtuose, war ein Rockidol …» Die Zeilen aus dem Hit «Rock Me Amadeus» des österreichischen Popstars Falco sind ursprünglich als Hommage an Wolfgang Amadeus Mozart gedacht, geboren 1756 in Salzburg, Österreich. Die Zeilen passen genauso gut auf ein anderes Musikgenie – Michael Jackson, geboren 1958 in Gary, USA.
Obwohl 200 Jahre Altersunterschied und völlig unterschiedliche Musikstile, Mozart und Jackson verbindet eine seltsam berührende Seelenverwandtschaft.
Der eine gilt als erfolgreichster Klassikkomponist aller Zeiten.
Der andere ist der erfolgreichste Popmusiker aller Zeiten.
Mozart – der King of Classic!
Jackson – der King of Pop!
Wolfgang Amadeus ist gerade sechs, als er mit der Familie auf eine erste Konzertreise geht. Papa Leopold fördert das junge Talent, doch mit zunehmendem Alter wird das Verhältnis zwischen Vater und Sohn schwieriger.
Bildergalerie: Michael Jackson der Mozart des Pop
«Er singt mit Engelsstimme!», schwärmt zum Beispiel Sir Bob Geldof über Jackson, der vier Oktaven beherrscht.Polaris
Papa Jackson ist Kranführer, die Mutter Verkäuferin
Michael steht als Fünfjähriger zum ersten Mal mit seinen älteren Brüdern auf der Bühne, Vater Joe treibt seine Kinder mit buchstäblich harter Hand zu Höchstleistungen an. Kein Wunder, dass auch Jacksons Verhältnis zu seinem Vater zeitlebens gespalten bleibt.
Michael Joseph Jackson, so sein bürgerlicher Name, kommt am 29. August 1958 im Schwarzen-Ghetto von Gary, einer 80 000-Einwohner-Stadt im amerikanischen Indiana, zur Welt. Der Ort ist geprägt von der Stahlindustrie, Michaels Vater Joseph «Joe» Jackson arbeitet als Kranführer in einem Stahlwerk, Mutter Katherine ist Verkäuferin. Das Ehepaar hat zehn Kinder, eines stirbt allerdings nur wenige Stunden nach seiner Geburt. Und so wächst Michael als achtes Kind mit fünf Brüdern und drei Schwestern auf. Zur Schule müssen sie nicht, Unterricht gibts daheim privat.
Jackson Five wird bei einem Wohltätigkeitskonzert entdeckt
Als singender Kinderstar tingelt Michael mit den Jackson Five durchs Land, tritt in Philadelphia und im New Yorker Stadtteil Harlem auf. Als das Quintett bei einem Wohltätigkeitskonzert von Soul-Legende Diana Ross singt, werden die Bosse des legendären Plattenlabels Motown Records auf die fünf Brüder aufmerksam. 1970, Michael ist gerade zwölf Jahre alt, landet die Truppe ihren ersten Hit – «I Want You Back». Mit dem kurz darauf folgenden «ABC» holen sie gar ihren ersten Grammy. Das singende Familienunternehmen floriert, Papa Joes Augen leuchten bei den Millionenumsätzen durch Plattenverkäufe.
Seine Solokarriere startet Michael mit 13. «You Can Cry on My Shoulder» wird sein erster Nummer-1-Hit. Der Junge mit der Afrokrause trifft die Queen, singt plötzlich mit Soul-Diva Diana Ross – und lernt Erfolgsproduzent Quincy Jones kennen. Eine Begegnung, die Michaels Karriere in ungeahnte Dimensionen katapultiert. Sein Album «Off the Wall» wird mit zwei Nummer-1- sowie zwei weiteren Top-Ten-Hits zum phänomenalen Erfolg, verkauft sich mehr als 20 Millionen Mal. Mit «Thriller» knackt der Wunderjunge einen weiteren Rekord – mit bis zu 110 Millionen (!) Exemplaren (genaue Zahlen gibts nicht) zählt es bis heute zum weltweit meistverkauften Album in der Musikgeschichte. Monatelang führt Michael Jackson die Charts an – rund um den Globus.
Was aus Jackos Mund kommt, wird zu Gold
Aus dem Kinderstar ist ein Weltstar geworden. US-Präsident Ronald Reagan empfängt ihn offiziell im Weissen Haus, auf dem berühmten Walk of Fame in Hollywood wird er mit einem Stern geehrt – und mit dem Moonwalk, einem Tanz, der auf den Pantomimen der beiden Franzosen Jean-Louis Barrault und Marcel Marceau um die Jahrhundertwende basiert und später von Breakdancern wiederentdeckt wird, macht er sich zur Kultfigur. Jacksons Markenzeichen kennt jeder: ein weisser Glitzerhandschuh, sein Griff in den Schritt, weisse Socken, schwarzer Hut.
Was aus Jackos Mund kommt, wird zu Gold. Mit Sony schliesst der «Entertainer des Jahrzehnts» (als solcher wird er von US-Präsident George Bush 1990 ausgezeichnet) den höchstdotierten Plattenvertrag aller Zeiten ab, erhält 890 Millionen Dollar für sechs Alben, Filme und Auftritte. Michael verdient mit seiner Stimme Unsummen und gibt das Geld mit vollen Händen wieder aus: 17 Millionen Dollar für ein elf Quadratkilometer grosses Areal, auf dem er sein Märchenreich, die Neverland Ranch, errichtet. Das Anwesen mit 50 Bediensteten und einem über 200 Tiere umfassenden Privatzoo wird auf Wunsch Jacksons dem Reich des Peter Pan, des kleinen Jungen, der nicht erwachsen werden will, nachempfunden.
Jackson lässt kaum Menschen an sich heran
Für die Rechte an allen Songs der Beatles blättert er mal eben so 47,5 Millionen Dollar hin. Der Deal führt zum jähen Ende der Freundschaft zwischen Michael Jackson und Ex-Beatle Paul McCartney. Wobei, mit Freunden ist es bei Jackson so eine Sache. Er, der so gut wie keine Kindheit hat und damit auch keine Freundschaften schliessen und aufbauen kann, lässt auch später in seinem Leben nur ganz wenige Menschen an sich heran.
Hollywood-Legende Liz Taylor wird für den streng erzogenen Michael eine mütterliche Freundin, die ihn 1989 bei den Soul Train Music Awards als den wahren «King of Pop, Rock and Soul» bezeichnet. Sie nimmt ihren Schützling auch in schweren Zeiten in Schutz. Etwa als Anfang der 1990er-Jahre erstmals Anschuldigungen gegen ihn wegen sexueller Belästigung eines Minderjährigen laut werden.
Bildergalerie: Michael Jacksons Trauerfeier
Trauriger Abschied am 3. September 2009 in Los Angeles: Im goldenen Sarg wird der King of Pop im Staples Center aufgebahrt.Los Angeles Times / Pool Photos / Retna Ltd.
Jackson liebt Kinder, er betont immer wieder, ihnen nie etwas antun zu können. Trotzdem muss er sich Anfang 2005 vor Gericht verantworten. Ex-Kinderstar Macaulay Culkin («Kevin – Allein zu Haus») wird dabei unter anderem als Zeuge angehört. Nach sechs Monaten mit zum Teil bizarren Auftritten Jacksons (an einem Verhandlungstag erscheint er in Pyjamahosen) wird er in allen zehn Anklagepunkten für «nicht schuldig!» befunden. «Herr Jackson, Sie sind vollständig rehabilitiert. Sie sind ein freier Mann.» Mit diesen Worten verabschiedet sich Richter Rodney Melville von Jackson. Trotz Freispruch hat sein Ruf gelitten, das Image ist ramponiert.
Zwei Hochzeiten für Michael Jackson
Eine eigene Familie, die ihm Halt gibt, sucht das Musikgenie zeitlebens vergebens. Zweimal ist Michael Jackson verheiratet. Lisa Marie Presley, der Tochter des legendären King of Rock ’n’ Roll, gibt er 1994 das Jawort. Die Ehe hält nur 20 Monate, bleibt kinderlos. Ein zweites Mal wagt Jackson den Gang aufs Standesamt 1996 im australischen Sydney – mit der Krankenschwester Deborah «Debbie» Rowe. Mit ihr hat der King of Pop zwei Kinder:
Sohn Prince Michael, heute 22, und Tochter Paris Michael Katherine, 21. Als sich Rowe und Jackson 1999 scheiden lassen, gibt sie das Sorgerecht für beide Kinder ab, erhält dafür knapp sieben Millionen Dollar Abfindung und ein Haus im noblen Beverly Hills. Die Mutter von Jacksons drittem Kind, Prince Michael II., heute 17, ist gänzlich unbekannt.
Noch ein Mal will er der Welt beweisen, dass er der Grösste ist, kündigt im März 2009 zehn Auftritte an. Am Ende sind 50 Shows geplant. Doch noch vor seinem Comeback stirbt er, der wie Peter Pan ewig jung bleiben will, am 25. Juni 2009 im Alter von 50 Jahren an Herzversagen. Vergiftet durch das Narkosemittel Propofol. Jacksons Leibarzt wird 2011 deswegen wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.
Auch zehn Jahre nach seinem Tod fasziniert Jackson als Musiker und provoziert als Mensch. Im Docutainment-Format «Leaving Neverland» werden Anfang 2019 erneut Missbrauchsvorwürfe gegen den Verstorbenen laut. Zur Wehr setzen kann sich das einstige Wunderkind nicht mehr. «Er war Superstar, er war populär. Er war so exaltiert. Genau das war sein Flair. Er war ein Virtuose, war das Rockidol …» Michael Jackson bleibt als Mozart des Pop ewig in Erinnerung.