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Die Vermessung der Welt (Kehlmann)
"Die Vermessung der Welt" gehört zu den bekanntesten Gegenwartsromanen. Der Roman ist eine fiktive Doppelbiographie der beiden Forscher Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß.
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Entstehungsgeschichte
Einer der berühmtesten Romane der Gegenwart ist der 2005 erschienene Roman „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann. Er hielt sich wochenlang auf den Bestsellerlisten, wurde bis heute über 2 Millionen Mal verkauft und in über 40 Sprachen übersetzt. Spannend und humorvoll erzählt Kehlmann in seinem Abenteuerroman vom Naturforscher Alexander von Humboldt und dem Mathematiker Carl Friedrich Gauß. Kehlmann hat sich während der Entstehung seines Romans sehr von den realen Vorbildern inspirieren lassen, indem er deren Veröffentlichungen und Briefe gelesen hat. Dennoch ist der Roman kein Sachbuch, denn Kehlmann verändert die Figuren nach seinen Wünschen, damit er an ihnen bestimmte Themen behandeln kann. So lässt Kehlmann eine fiktive Biografie entstehen, die bis heute fester Bestandteil im Deutschunterricht ist.
Inhaltsangabe
Im Zentrum der Handlung stehen die zwei Forscher Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß. Ihre Leben könnten nicht unterschiedlicher sein: Humboldt wächst in einer reichen Familie auf und erhält eine exzellente Bildung. Geprägt ist sein Leben von der Konkurrenz zu seinem Bruder Wilhelm von Humboldt. Während sich dieser vorrangig den Sprachen widmet, interessiert sich Alexander für die Naturwissenschaft. Begleitet vom Franzosen Aimé Bonpland reist er nach Südamerika, wo er zahlreiche neue Erkenntnisse sammelt. So fertigt er beispielsweise genaue Karten Lateinamerikas an und entdeckt zahlreiche unbekannte Tiere und Pflanzen. Von seinen Entdeckungen schreibt er seinem Bruder, der die Berichte veröffentlicht, wodurch Alexander weltberühmt wird.
Gauß wächst hingegen in ärmlichen Verhältnissen auf. Dennoch erhält er aufgrund seiner Begabung für Mathematik Privatunterricht, geht aufs Gymnasium und erhält ein Stipendium für ein Studium. Dieses schließt er als Bester ab und kann durch seine Erkenntnisse große Berühmtheit erlangen. Beide Forscher schätzen die Erfolge des anderen, obwohl sie gänzlich unterschiedlich forschen.
1828 treffen sie bei einer Tagung für Naturforscher aufeinander. Im Anschluss halten beide den Kontakt zueinander und forschen weiter. Dabei müssen sie erkennen, dass ihnen das Alter zunehmend zu schaffen macht und auch ihre Forschungsmethoden nach und nach veralten.
Personenkonstellation
Die beiden Hauptfiguren Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß sind zwar charakterlich grundverschieden, haben jedoch eine große Gemeinsamkeit: Beide sind Forscher, die neue Erkenntnisse über die Welt erlangen wollen. Sie entsprechen unterschiedlichen Wissenschaftlertypen: Humboldt kann als Universalgelehrter beschrieben werden, der in allen Bereichen Wissen erworben hat. Gauß verkörpert den Typus des modernen Wissenschaftlers, der sich auf einen Bereich spezialisiert hat. Beide glauben, dass man durch Vernunft zu Erkenntnissen gelangen kann, setzen jedoch konträre Methoden ein: Während Humboldt Reisen unternimmt und durch empirische Versuche Wissen und Erkenntnisse sammelt, arbeitet Gauß ausschließlich theoretisch und verlässt Deutschland nie. Auch privat unterscheiden sich beide stark voneinander: Während Alexander kaum soziale Kontakte eingeht und sich seine Homosexualität nicht eingesteht, gründet Gauß eine Familie und heiratet.
Außerdem gibt es im Roman noch einige Nebenfiguren. Gauß hat eine sehr enge Beziehung zu seiner Mutter, weshalb ihr Tod ihn sehr bewegt. Zu seinem Sohn Eugen hat er ein gestörtes Verhältnis, da er ihn für unfähig hält. Humboldt ist geprägt von seinem Konkurrenzdenken gegenüber seinem Bruder, den er stets zu übertreffen versucht. Bonpland, sein Assistent, hat ein ambivalentes Verhältnis zu Alexander: Er stand immer in Humboldts Schatten und musste sich viel gefallen lassen, und das, obwohl Humboldt mehr Zuneigung für ihn empfand, als er es je zugab.
Interpretationsansatz
Im Roman wird besonders die Rolle der Wissenschaft thematisiert. Beide Forscher erlangen neue Erkenntnisse, durch die sie ihre Umwelt genauer erfassen und verstehen können. Zugleich thematisiert Kehlmann auch den Aberglaube und das Unerklärliche, welche den Gegenpol zur Wissenschaft bilden. Des Weiteren spielt auch das Alter und das Altern eine bedeutende Rolle im Roman, wodurch den Wissenschaftlern ihre Grenzen aufgezeigt werden. Am Ende ihres Lebens werden beide Wissenschaftler damit konfrontiert, dass die eigenen Forschungsergebnisse von neuen, fortschrittlicheren Erkenntnissen überholt werden. Schließlich zeichnet sich der Roman auch durch einen satirischen Ton aus, da die Charaktere immer wieder auf humorvolle Art stilisiert und kritisiert werden.