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große Pflastersteinbrüche, etwas
Bergbau
[* 2] und (1885) 1381 Einw. Wildemann ist die kleinste,
aber wahrscheinlich die älteste der sieben Bergstädte und wurde 1529 von fränkischen
Bergleuten gegründet.
»Der Astronom« (das. 1887) etc.
Am bedeutendsten aber tritt Wildenbruch als
Dramatiker hervor mit einerReihe von
Dichtungen, die der
Mehrzahl nach
mit großem Erfolg zur Aufführung gelangten und ihm 1884 den von
KaiserWilhelm I. gestifteten Schillerpreis eintrugen. Es
sind die
Tragödien: »Die
Karolinger« (4. Aufl., Berl. 1887),
Victor van, Musikschriftsteller, geb. zu
Wetteren bei
Gent,
[* 22] studierte daselbst die
Rechte, wandte sich aber später, nach vorangegangenen
Studien am
Konservatorium, der
Musik zu, war mehrere Jahre als Musikkritiker
thätig und siedelte Ende der 50er Jahre nach
Paris
[* 23] über, wo er sich durch seine Übersetzungen, bez. Textbearbeitungen
deutscher Vokalwerke, namentlich Schumannscher
Lieder und
Kantaten, der
Opern: »L'oca del
Cairo« vonMozart
und »Der häusliche
Krieg« von
Schubert, einen
Namen erwarb. Neuerdings hat er sich vorwiegend schriftstellerisch beschäftigt
und sowohl mit seinen musikalischen
Kritiken im
»Évènement«, später im
»Gil-Blas« als auch mit seinen meist für die Musikzeitung
»Ménestrel« geschriebenen größern biographischen
Arbeiten Beifall gefunden. Von diesen sind auch in Buchform erschienen:
»Mozart, l'homme et l'artiste« (2. Aufl. 1881) und
»Beethoven, sa vie et son œuvre« (1883).
Man nannte sie auch die Behaarten (Pilosi), weil sie am ganzen Leibe behaart abgebildet und so als Wappenhalter in der
Kunst und
Heraldik Verwendung fanden. Auch ihre
NamenSchrat (altd. scrat, slaw. scret), Waldschrat oder Schrätlein
scheinen das rauhe, zottige Aussehen bezeichnen zu sollen. Auf
Silvanus
[* 24] paßt der tiroler
Name Salvanel. Da sie auch in
Baumrinde
und grünes
Moos gekleidet und mit grünen Moosbärten versehen abgebildet wurden (heute in sogen.
Riesengebirgswaren nachgeahmt), so nannte man sie auch Moosmännchen und
Moosweibchen (franz. dame verte).
¶
Ottilie, Schriftstellerin, geb. zu Rottenburg am Neckar als Tochter des Kriminalrats Ronschütz,
vermählte sich 1843 mit dem durch seine Schulbücher bekannten Gymnasialprofessor Wildermuth in Tübingen
[* 26] und starb daselbst Von
ihren zahlreichen und vielgelesenen Schriften, die vor allem durch echt weibliche Haltung, gemütvolle Auffassung
des Lebens und gesunden, liebenswürdigen Humor gefallen, nennen wir: »Bilder und Geschichten aus Schwaben« (Stuttg. 1852-54, 2 Bde.; 6. Aufl.
1883);
ferner die beliebten Jugend- und Kinderschriften (gesammelt, das. 1871-77, 16 Bdchn.): »Aus
dem Kinderleben«, »Kindergruß«, »Von
Berg und Thal«,
[* 28] »Aus Schloß und Hütte«, »Jugendgabe«, »Für
Freistunden«, »Von Nord und Süd« u. a. Nach ihrem Tod erschien noch: »Mein Liederbuch«, Gedichte (Stuttg. 1877).
Vgl. »O. Wildermuths
Leben, nach ihren eignen Aufzeichnungen« (Stuttg. 1888, hrsg.
von ihren Töchtern Agnes Willms und Adelh. Wildermuth, die ebenfalls Erzählungen etc. veröffentlicht haben).
(Recht des herkommenden Mannes, Jus Wildfangiatus. Jus Kolbekerlii), im Mittelalter das Recht
mancher Grundherren, sogen. Wildfänge (Kolbekerle), d. h. alle unehelichen
Kinder, welche in dem betreffenden Land geboren wurden, alle sich daselbst freiwillig niederlassenden und ein Jahr lang
dort verweilenden, von einem frühern Leibherrn nicht reklamierten Personen sowie die Hagestolzen rücksichtlich ihres in freien
Erbgütern bestehenden Nachlasses für Leibeigne zu erklären und als solche zu behandeln (s. Leibeigenschaft).
(Wildparke, Tiergärten), Waldteile, die durch eine Mauer, einen Zaun oder ein genügend starkes Gatter abgeschlossen
sind, und in welchen unter Hintansetzung der forstwirtschaftlichen Bodenbenutzung Wild verschiedener Art gezogen und unterhalten
wird. Auf einer Fläche von ca. 250 Hektar kann man in einem Wildgarten ca. 60 StückRotwild oder 90 Stück
Damwild oder 120 Stück Rehwild, daneben noch 100 Hasen unterhalten, wenn in demselben der Boden frisch ist und durch seine
Grasproduktion dem Wild genügende Äsung darbietet, auch für ausreichende Winterfütterung gesorgt wird und es nicht an
Wasser fehlt. In Wildgärten von der angegebenen Größe kann man jährlich auf einen Abschuß rechnen von 15 StückRotwild oder 30 Stück Damwild oder 50 Stück Rehwild, daneben 150 Hasen.
Saugärten können bei weitem kleiner, müssen aber mit Mauern oder Plankenzäunen umgeben sein, damit sich die Sauen nicht
unter der Umwehrung durchbrechen, es genügen allenfalls schon 10-15 Hektar, um 60-80 StückSchwarzwild
zu unterhalten und jährlich 30-40 Stück abzuschießen. Am besten hält sich Damwild und Schwarzwild; Rot- und Rehwild wird
gering und geht zurück, wenn der Tiergarten nicht von erheblicher Größe ist und viel Abwechselung in Bezug auf die Äsung
bietet.
Überhaupt wird alles Wild in kleinen Wildgärten bald zahm, ist folglich leicht zu erlegen und gewährt deshalb
die Jagd darauf wenig Vergnügen. Die Bewirtschaftung der Wildgärten ist durch den Zweck, welchen man bei Unterhaltung derselben verfolgt,
bedingt. Man legt auf geeigneten Stellen jährlich Ackerflächen an, die mit Lupinen, Hafer,
[* 33] Roggen, Kartoffeln bestellt werden,
füttert das Wild im Winter mit Hafer, Heu, Eicheln, Kartoffeln, legt Wildwiesen, Salzlecken und Suhlen (s. d.)
an, erzieht geschlossene Dickungen, namentlich von Nadelhölzern, bewirtschaftet die ältern Bestände plenterwaldartig, indem
man nur einzelne, meist die abständigen Stämme herausnimmt und die Lücken später wieder auspflanzt, bevorzugt endlich diejenigen
Holzarten, welche dem Wild besonders angenehm sind (Eichen, Kastanien, Buchen wegen der Mast, Wildobstbäume,
Aspen, Eschen etc.). Da das Wild die Kulturen nicht aufkommen lassen würde, so müssen dieselben bis etwa zum 15. Lebensjahr
eingegattert werden. Um hierdurch dem Wild nicht zu viel Äsungsfläche zu entziehen, können die Anlagen immer nur auf kleinern
Flächen ausgeführt werden. Bei der Auspflanzung kleinerer Lücken verwendet man starke (3-4 m hohe) Heister,
welche man mit Pfählen und Dornreisig umgibt, um sie gegen Beschädigungen zu schützen.
eins der Berghäupter im westlichen Flügel der Berner Alpen (3266 m), durch Rawyl- und Gemmipaß abgesondert,
erhebt sich als firnbelastete Masse im Hintergrund des obern Simmenthals, in dessen Tiefe der Badeort An der Lenk liegt. Nach
diesem Thal zu wendet sich der Räzligletscher, während der Lämmerengletscher zum Dubensee (s. d.) niedersteigt. Ein kräftiger
Ausläufer endet am Thuner See mit dem Niesen (2366 m), der eine großartig-liebliche Aussicht bietet. Wie
ein Seitenstück zum Wildstrubel, aber zwischen Rawyl- und Sanetschpaß aufgebaut, verhält sich das Wildhorn (3268 m). Westlicher folgen
die Diablerets (s. d.) und als Schlußpfeiler, hoch über dem Rhône aufragend, die Dent de Morcles (2938 m).
sein »Neujahrsgeschenk für Forst- und
Jagdliebhaber« (Marb. 1794-99) und sein »Taschenbuch
für Forst- und Jagdfreunde« (das. 1800-1812) gehören zu den besten Blüten der schalkhaften deutschen
Dichtung. 1815-19 und 1821 gab ein Taschenbuch: »Weidmanns Feierabend«, heraus (Marb.). »Gesammelte Schriften« Wildungens gab
Sametzki (Kassel 1878-79, 3 Bde.) heraus.
Diese Stellen fanden im Volk und bei dem neugewählten überwiegend liberalen Abgeordnetenhaus den meisten Beifall, da die
kirchliche Reaktion und die russische PolitikFriedrich Wilhelms IV. am meisten verstimmt hatten, und wurden
fast allein beachtet; viel zu wenig dagegen die Worte des Prinzen, in denen er von der notwendigen Heeresreform und den dazu
erforderlichen Geldmitteln sprach, da PreußensHeer mächtig und angesehen sein müsse, wenn Preußen seine Aufgabe erfüllen
solle.
Dies sah der Prinz in der That als seine Hauptaufgabe an, und der Verlauf der Ereignisse von 1859, wo
die Mobilmachung auf große Schwierigkeiten stieß und viele Mängel im Heerwesen aufdeckte, konnte ihn nur darin bestärken.
Leider konnte sich die Majorität des Abgeordnetenhauses nicht entschließen, die Mehrkosten der durchgreifenden Heeresreorganisation,
welche 1860 vorgelegt wurde, im Vertrauen auf des Prinzen konstitutionelle und deutsch-nationale
Gesinnung
und Politik definitiv zu bewilligen. Voll Ungeduld wollte man erst thatsächliche Beweise einer energischen, erfolgreichen
deutschen Politik sehen. Am machte der StudentOskarBecker in Baden-Baden
[* 70] sogar ein Attentat auf Wilhelm, der nach Friedrich
Wilhelms Tod wirklich König geworden war, verwundete ihn aber nur leicht.
Die Krönung welche Wilhelm veranstaltete, um die von dem Parlament unabhängige Macht des Königtums zu betonen, verstärkte
das Mißtrauen gegen die konstitutionellen Ansichten des Königs; die Neuwahlen fielen fortschrittlich aus, und mit
dem Rücktritt des Ministeriums der NeuenÄra das der König fallen ließ, weil es die gesetzliche
Genehmigung der thatsächlich bereits durchgeführten Heeresreorganisation nicht erreichen konnte, begann der Verfassungskonflikt,
in dem der König sein eigenstes Werk, die Reorganisation, mit Standhaftigkeit festhielt und für das MinisteriumBismarck so
verhaßt es war, in seinen Konflikten mit dem Abgeordnetenhaus mit seiner ganzen königlichen Autorität,
obwohl erfolglos, eintrat; ja, der König verlor selbst rasch seine frühere Popularität, wie sich besonders bei den 50jährigen
Erinnerungsfesten an die Befreiungskriege und an die Vereinigung verschiedener Provinzen mit Preußen 1863-65 zeigte.
Obwohl Wilhelm schwer darunter litt, daß ihm die Herzen des Volkes entfremdet wurden, blieb er doch in der
Verteidigung der Rechte derKrone standhaft. Während unter diesen Umständen die Reformen im Innern völlig stockten, ja vielfach
ein schroffes Polizeiregiment zur Herrschaft kam, verfolgte der König unter Bismarcks ebenso kühnem wie staatsklugem Beirat
eine entschiedene Politik in der deutschen Frage. Da aber die damalige öffentliche Meinung den König und
Bismarck völlig verkannte, so hielt man das Verhalten des Königs gegen den Fürstenkongreß 1863 und in der schleswig-holsteinischen
Sache 1864 für bloße Spiegelfechterei und ließ sich nicht versöhnen. Um nun den Konflikt zu beenden, ohne die mit vieler
Mühe vortrefflich durchgeführte Heeresreorganisation preisgeben zu müssen, brachte der König seine Legitimitätsansichten
zum Opfer und ging, wiewohl widerstrebend, auf Bismarcks geniale Politik ein, welche 1866 zum Entscheidungskampf mit Österreich
führte. In diesem übernahm der König selbst den Oberbefehl über das Heer und errang den glänzenden Sieg bei Königgrätz.
[* 71]
Bei den Friedensverhandlungen verzichtete er nur ungern auf die AnnexionSachsens, um Bismarcks deutsche
Einigungspläne nicht zu durchkreuzen, und bot dem Landtag durch das Indemnitätsgesetz die erste Hand zum Frieden. Dieselbe
wurde freudig ergriffen und der Einklang zwischen Monarch und Volk wiederhergestellt. Die militärische Fürsorge des Königs
hatte sich herrlich bewährt. Durch die Verfassung des Norddeutschen Bundes vom ward Wilhelm Präsident
desselben. Im Innern lenkte er mehr und mehr wieder in die liberale Bahn ein.
Rastlos widmete er sich wieder den Regierungsgeschäften, sowohl der Vollendung der militärischen Organisation des DeutschenReichs als der innern Reform des preußischen Staatswesens. Wie immer pflichtgetreu und streng gesetzlich,
hielt er in dem sogen. Kulturkampf gegenüber allen ultramontanen Schmeicheleien und Drohungen entschlossen zu seinen Ministern
und wies die Anmaßung des Papstes in seinem berühmten Schreiben vom ebenso entschieden wie würdig zurück.
Durch die Erfolge dieser unermüdlichen, aufopfernden Thätigkeit für das Gemeinwohl erlangte Wilhelm eine
außerordentliche Beliebtheit, die sich bei seinem 70jährigen Militärjubiläum und an seinem 80. Geburtstag
in großartigen Huldigungen aller Stände des deutschen Volkes bewährte. Selten war es einem Fürsten zu teil geworden, wie
ihm, noch in hohem Alter, am Spätabend seines Lebens, seinem Haus und Staat solche Ehren zu erringen und
nicht bloß der älteste, sondern auch der angesehenste und mächtigste Monarch Europas zu sein.
Der Thäter, KarlNobiling, wurde, durch einen Selbstmordversuch schwer verletzt, ergriffen. Obwohl der Kaiser so krank wurde,
daß er 4. Juni den Kronprinzen zum Stellvertreter ernennen mußte, so bewahrte er dennoch unerschütterliche
Seelenruhe und Gleichmut. Unter sorgfältigster Pflege der Ärzte erholte er sich allmählich von der schweren Verwundung und
kehrte nach längerm Aufenthalt in Baden und Wiesbaden5. Dez. nach Berlin zurück, wo er die Regierung wieder übernahm.
Wilhelm war von großer, imposanter Gestalt und regelmäßigen, angenehmen und freundlichen Gesichtszügen. Geregelte
Thätigkeit und einfache, mäßige Lebensweise bewahrten ihm bis in sein hohes Alter eine seltene körperliche
Rüstigkeit und geistige Frische. Allgemein bewundert wurden seine Liebenswürdigkeit im persönlichen Verkehr und seine unermüdliche
Ausdauer in der Erfüllung seiner Pflichten als Monarch sowohl in Staatsgeschäften wie bei den offiziellen Festen.
»Einfach, bieder und verständig«, so hatte seine Mutter ihn 1810 bezeichnet, und so entwickelte er sich
harmonisch. Hervorragende, glänzende Geistesgaben zeichneten ihn nicht aus; hauptsächlich nur für militärische und politische
Dinge zeigte er Vorliebe, eingehendes Verständnis und selbständiges Urteil, weniger für Künste und Wissenschaften. Bedeutender
waren seine Charaktereigenschaften: seine Wahrheitsliebe, Treue, Dankbarkeit, sein sittlicher Mut, seine Standhaftigkeit in
gefährlichen, seine Mäßigung in glücklichen Lagen.