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Diskussionen um die Hochschul- bzw. Universitätsreform flammen immer wieder neu auf. Nicht zuletzt deshalb erscheint es interessant, sich zu vergegenwärtigen, wie Jaspers die Universität als Bildungsinstitution verstanden hat. Wie sehr ihm Reflexionen auf die gesellschaftliche Stellung und die geistigen Ziele der Universität als notwendig erschienen, zeigt der Umstand, dass er sich mit diesem Thema in verschiedenen Perioden seines Lebens intensiv beschäftigt und Gedanken darüber wiederholt publiziert hat. Die erste Schrift dazu veröffentlichte er unter dem Titel Die Idee der Universität im Jahr 1923, sie erschien in späteren Jahren auch noch in zwei stark überarbeiteten Fassungen (1946 und 1961) und ist wohl die ausführlichste Darstellung seiner Vorstellungen auf diesem Gebiet.
Wie ein Thesenmanuskript aus dem Nachlass dokumentiert – dieses Manuskript ist unter dem Titel „Thesen zur Hochschulreform. Juli 1933“ im Jg.2 (1989) des „Jahrbuchs der Österreichischen Karl-Jaspers-Gesellschaft“ abgedruckt – hat Jaspers sich bald nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland ebenfalls mit diesem Thema auseinandergesetzt. Er verfasste diese Thesen für eine Gruppe von Heidelberger Dozenten, die sich damals für eine Hochschulreform engagierten. Aus diesem Manuskript wird u.a. deutlich, wie verschieden seine Intentionen von den Absichten waren, die sein Fachkollege und NS-Sympathisant Martin Heidegger damals als Rektor der Universität Freiburg in Bezug auf die Erneuerung der deutschen Universitäten in öffentlichen Reden äusserte.
Nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Systems in Deutschland wandte sich Jaspers erneut diesem Thema zu als es nach Kriegsende um den Wiederaufbau der Universität Heidelberg ging. Zum ersten Senator der neu gegründeten Universität gewählt, beteiligte er sich an der Ausarbeitung der neuen Universitätsverfassung und hielt bei der feierlichen Wiedereröffnung der Heidelberger Universität (zunächst der Medizinischen Fakultät) am 14.8.1945 neben dem neu gewählten Rektor (dem Mediziner Karl Heinrich Bauer) eine der Festansprachen. Sie wurde später unter dem Titel „Erneuerung der Universität“ in der von Jaspers und Dolf Sternberger gegründeten Zeitschrift „Die Wandlung“ gedruckt. Im Jänner 1946 referierte er im Rahmen einer Abendvortragsreihe bekannter Heidelberger Professoren über „Vom lebendigen Geist der Universität“ und im September desselben Jahres hielt er einen Radiovortrag zum Thema „Volk und Universität“. In allen diesen Vorträgen appellierte er an eine grundsätzliche „Idee der Universität“, die neben dem Grundpfeiler der Wissenschaftlichkeit auch vom Grundpfeiler der Humanität, d.h. der Ehrfurcht vor dem Menschsein, getragen sein muss. Die moralisch-erzieherische Dimension seiner Universitätsidee kommt auch deutlich in seiner Hauptschrift zu diesem Thema zum Ausdruck, der letzten überarbeiteten Ausgabe von 1961, die er zusammen mit seinem späteren Nachfolger in Basel, Kurt Rossmann, herausgegeben hat.
Die kommentierte und kritisch geprüfte Version dieses Werks ist im Band I/21 der Karl Jaspers Gesamtausgabe (KJG) im Jahr 2015 erschienen.