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Die Explosion ereignete sich in einem Verbrennungsofen in der südfranzösischen Atomanlage Marcoule in der Nähe von Avignon. Sofort wurde eine Sicherheitszone um die Anlage eingerichtet. Die Behörden gaben später bekannt, es sei keine Radioaktivität ausgetreten. Zudem betonen sie, dass es ein Industrieunfall gewesen sei und kein Atomunfall. Im explodierten Ofen würden nur schwach radioaktive Abfälle verbrannt, wie zum Beispiel Pumpen, Arbeitsanzüge, Rohre und Handschuhe.
Das zeigt noch einmal, dass Frankreich die Lektion aus Fukushima nicht gelernt hat.
Doch Monique Labarthe, eine Atomkraftgegnerin aus Aix-en-Provence, glaubt der Berichterstattung nicht. «Wann immer Gifte in die Rhone gelangt sind, bekam es der ganze Süden Frankreichs zu spüren», sagt sie gegenüber dem «Spiegel». Meistens seien die Bewohner erst Wochen später von den Behörden informiert worden. Sie vermutet, dass es auch dieses Mal so sein wird.
Tatsächlich gibt es schon erste Anzeichen dafür. Viele Leute haben erst durch das Radio von dem Unfall in der Atomanlage gehört und sind nun sehr verunsichert. «Das zeigt noch einmal, dass Frankreich die Lektion aus Fukushima nicht gelernt hat», erklärte Yannick Rousselet von Greenpeace.
Der Krisenstab den die Atomaufsichtsbehörde gebildet hat, wurde bereits am Nachmittag wieder aufgelöst. Das Gebäude, in dem sich der Ofen befand, sei nicht zerstört worden. Gemäss der Betreiberfirma Socodei, einer Tochterfirma von EDF, untersuche die Gendarmerie den Vorfall. Man wolle Klarheit schaffen, wie es zum Unfall gekommen sei.
Marcoule ist ein zentraler Standort zur Behandlung von radioaktiven Abfällen. Auf dem Areal stehen bis zu 30 000 Fässer, in denen sich bitumisierte Abfälle aus früher betriebenen Atomanlagen befinden. In dieser Atomanlage wurde über Jahrzehnte Material für Atombomben hergestellt. Noch heute werden Mischoxid-Elemente aus Plutonium und Uran fabriziert.
Während der aktuelle Vorfall offiziell offensichtlich heruntergespielt wird und noch keine Einstufung in die siebenteilige Skala möglich ist, hat es im Frühling 2009 bereits einen Unfall der Stufe zwei gegeben.
Die Skepsis der Bevölkerung gegenüber den Aussagen der Behörden scheint somit durchaus begründet zu sein.