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Die «Ballets Suédois» waren ähnlich wie Diaghilews berühmte «Ballets Russes» ein hauptsächlich in Paris aktives Ensemble, das durch innovative Tanzproduktionen von sich reden machte. In den fünf Jahren seines Bestehens arbeitete das Team um den Schweden Jean Börlin mit Künstlern wie Ravel, Honegger, Satie und Cocteau zusammen. 1923 entstand das Ballett «La création du monde» mit Musik von Darius Milhaud. Bei der Uraufführung erregte es grosses Aufsehen: nicht nur wegen seines Inhalts, der sich afrikanischer Schöpfungsmythen bedient, sondern auch wegen der spektakulären Kostüme von Fernand Léger. Und, natürlich, wegen der Musik: Sie ist ganz unverkennbar vom Jazz inspiriert, den Milhaud 1920 in London und 1922 in New York hatte studieren können und von dem er begeistert war.
Bluesharmonien prägen bereits das meditative Vorspiel, bevor Milhaud im zweiten Satz, der das Chaos vor dem Schöpfungsakt malt, eine Fuge im Jazzstil präsentiert. Klanglich höchst effektvoll, wandert das Fugenthema vom Kontrabass zu Posaune, Saxophon und Trompete, um anschliessend das gesamte Orchester in seinen Bann zu ziehen. Im dritten Satz, bei der Erschaffung der Lebewesen, kehrt dieses Material verwandelt wieder. Danach hat das erste Menschenpaar zu den flotten Rhythmen eines Cakewalks seinen Auftritt, bevor im fünften Abschnitt seine Vereinigung zelebriert wird (Soli von Klarinette und Saxophon). Das kurze Finale schliesslich kombiniert Motive der vorhergehenden Sätze und deutet so die zyklische Struktur irdischen Lebens an.