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Viele hatten nicht daran geglaubt, dass die NFL, die wertvollste Sportliga der Welt, angesichts weiterhin hoher Corona-Zahlen in den USA tatsächlich ihren Betrieb aufnehmen würde. Traditionell eröffnet der Super-Bowl-Champion die Saison, die Kansas City Chiefs treffen auf die Houston Texans - vor 16'000 Fans. Keystone-SDA beantwortet die wichtigsten Fragen zur neuen Saison:
Gibt es Zuschauer in den Stadien?
Kansas City ist eines von nur sechs Teams, die bereits ab dem ersten Spiel Zuschauer zulassen. Rund 20 Prozent der üblichen Kapazität, nach Sektoren getrennt und natürlich mit Gesichtsmasken. Die übrigen 26 Teams starten ohne Zuschauer und beurteilen die Situation nach einem Monat neu oder haben, wie die neu in Las Vegas spielenden Raiders, bereits beschlossen, die gesamte Saison im leeren Stadion zu spielen.
Was passiert bei Coronavirus-Fällen?
Obwohl sich die Footballer nicht in einer Blase bewegen, kam es in der Vorbereitung zu keinen grossen Infektionsherden. Zwischen dem 25. August und 5. September wurden 44'510 Tests gemacht, lediglich acht fielen positiv aus. Die Spieler und die engsten Betreuer werden während der Saison täglich ausser am Spieltag getestet. So sollen grossflächige Ansteckungen verhindert und infizierte Personen schnell isoliert werden. Dennoch ist die Angst vor einem Corona-Ausbruch da. Ähnlich wie in der Schweiz die Kantone sind in den USA die Bundesstaaten für die Massnahmen zuständig - und die können von Ort zu Ort stark variieren.
Wird es Proteste gegen die Rassendiskriminierung geben?
Die wird es mit Sicherheit geben – und diesmal werden sie auch von der NFL unterstützt. Liga-Boss Roger Goodell entschuldigte sich beim ehemaligen Quarterback Colin Kaepernick, der vor vier Jahren begonnen hatte, sich beim Abspielen der Nationalhymne niederzuknien um gegen die Diskriminierung von und Polizeibrutalität gegen Schwarze zu protestieren. Er ist seit dem Auslaufen seines Vertrags mit den San Francisco 49ers ohne Job. «Ich wünschte, wir hätten früher zugehört», sagt Goodell heute. Das Problem der NFL: Die meisten Fans, Sponsoren und Klubbesitzer sind weiss, alt und konservativ, die Mehrheit der Spieler jung, schwarz und wütend. Mit dem Tod von George Floyd, der unter dem Knie eines Polizisten erstickte, erhielt die Diskussion in diesem Sommer neuen Auftrieb. Die Spieler dürfen nun auf ihren Helmen Aufkleber mit Namen von Opfern tragen, in den Endzonen werden die Schriftzüge «End Racism» (Beendet Rassismus) und «It Takes All of Us» (Es braucht jeden von uns) zu lesen sein.
Erhält Kaepernick nun wieder einen Job?
Vorerst nur im Videospiel Madden NFL 21 von EA Sports, wo Spieler ihn als Quarterback mit sehr guten Werten auswählen können.
Was kann Tom Brady mit 43 Jahren noch leisten?
Der Transfer dieses Sommers war der Wechsel von Superstar Tom Brady von den New England Patriots zu den Tampa Bay Buccaneers. Nun kann der sechsfache Super-Bowl-Champion nach 20 Jahren in Boston zeigen, dass er auch ohne seinen Mentor und Coach Bill Belichick erfolgreich sein kann. Tampa Bay erreichte seit zwölf Jahren nie mehr die Playoffs, doch die Aussichten für Brady stehen nicht schlecht. Das Team aus Florida investierte grosszügig und stellt dem Veteranen hervorragende offensive Mitspieler zur Seite.
Wer ist der Favorit?
Diese Frage ist am einfachsten zu beantworten. Die Kansas City Chiefs mit dem erst 24-jährigen Quarterback Patrick Mahomes scheinen noch stärker geworden zu sein. Zwar hat seit New England (2004 und 2005) kein Team mehr seinen Titel verteidigen können, doch Kansas City könnte diesen Fluch brechen. Der ehemalige Baseball-Spieler Mahomes unterschrieb im Sommer einen neuen Zehnjahres-Vertrag über 477 Millionen Dollar und ist damit der bestbezahlte Sportler der Welt.
Wann endet die Saison?
Wenn alles gut geht, findet die Super Bowl am 7. Februar 2021 in Tampa, in Tom Bradys neuem Heimstadion, statt.