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| Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)

Buch V.
13.
Wir wollen nun zuerst sehen, wie sie, die diese Lehre von den Astrologen übernommen haben, Christus schmähen und denen Verderben bringen, die ihnen in [S. 114] diesem Irrtum folgen. Die Astrologen nämlich sagen, die Welt sei eine, und teilen sie in die zwölf unbeweglichen Teile des Tierkreises und nennen die Welt der unbeweglichen Tierbilder die eine unbewegliche Welt. Eine andere, die bis zum Mond reicht, sei die der Planeten; sie sei nach Kraft, Stellung und Zahl eine Welt. Nun erhalte Welt von Welt eine gewisse Kraft und Gemeinschaft, und das Untergeordnete habe am Übergeordneten Teil. Damit nun das Gesagte deutlich werde, will ich eben jene Ausdrücke der Astrologen einzeln gebrauchen, um die Leser an das früher bei Gelegenheit Gesagte1 zu erinnern, da wir die ganze Wissenschaft der Astrologen darlegten. Was sie also annehmen, ist folgendes:
Durch den Umlauf der Gestirne werden die darunter liegenden Dinge hervorgebracht. Allzu vorwitzig blickten die Chaldäer zum Himmel auf und lehrten, daß das Siebengestirn den Grund der Wirkursachen zu allem, was unter uns zufällig geschieht, enthalte, daß aber die Teile des Tierkreises mitwirkten. Den Tierkreis nun teilen sie in zwölf Teile, jedes Zeichen aber in dreißig Teile, jeden Teil in sechzig Minuten. Denn so nennen sie die kleinsten unteilbaren Teile. Von den Zeichen nennen sie die einen männlich, die anderen weiblich, die einen zweileibig, die anderen nicht, die einen wandelbar, die anderen fix. Männlich oder weiblich sind sie, je nachdem sie zur Erzeugung von Männlichem oder Weiblichem mitwirken. Der Widder ist ein männliches Zeichen, der Stier ein weibliches, und die anderen sind analog teils männlich, teils weiblich. Von ihnen gingen nach meiner Meinung die Pythagoreer aus, die die Einheit männlich nennen, die Zweizahl weiblich, die Dreizahl wieder männlich, und in dieser Art die übrigen geraden und ungeraden Zahlen. Einige aber teilen auch jedes Zeichen in zwölf Teile und gehen fast ebenso vor, z. B. nennen sie beim Widder sein erstes Zwölftel Widder und männlich, das zweite Stier und weiblich, das dritte Zwillinge und männlich, und so geht es weiter bei den anderen Teilen. [S. 115] Zweileibige Zeichen nennen sie die Zwillinge und deren Gegenüber, den Schützen, Jungfrau und Fisch; Nichtzweileibige aber die anderen. Und ebenso nennen sie tropisch diejenigen, in die die Sonne tritt, wenn sie sich wendet und eine Wendung am Horizont beschreibt, z. B. das Sternbild Widder und sein diametrales Gegenbild, die Wage, den Steinbock und den Krebs. Im Widder geschieht nämlich die Frühlingswende, im Steinbock die des Winters, im Krebs die des Sommers, in der Wage die des Herbstes. Den Bericht darüber haben wir ausführlich im vorausgehenden Buche dargelegt, woraus der Wissenschaftsbeflissene ersehen kann, wie die Urheber der peratischen Sekte, Euphrates der Peratiker und Kelbes aus Karystos, ihre Entlehnungen nur den Bezeichnungen nach verändert haben, der Bedeutung nach aber dasselbe annehmen (wie die Astrologen) und dieser Kunst sich bis zum Überdruß widmen. Denn auch die Astrologen reden von Sterngebieten, innerhalb deren sie den Hauptsternen größere Macht zuschreiben. Z. B.: In einigen richten sie Schaden an, in anderen aber stiften sie Nutzen. Einige Sterne nennen sie daher schädliche, andere nützliche. Angeblich schauen die Sternbilder aufeinander und stimmen zueinander, z. B. die, die im Dreieck oder Viereck sichtbar sind. Im Dreieck treten die Sterne, die aufeinander schauen, zusammen, wenn sie einen Zwischenraum von drei Tierkreiszeichen haben, im Viereck aber mit einem solchen von zwei Tierkreiszeichen. Wie aber beim Menschen mit dem Kopfe die unteren Glieder leiden, der Kopf aber auch mit den unteren Gliedern leidet, so leidet auch das Irdische mit dem, was über dem Mond ist. Doch gibt es bei ihnen einen Unterschied und ein Nichtmitleiden, wenn sie nicht ein und dieselbe Einigung haben. Diesen Zusammentritt und diesen Unterschied der Sterne, wie das chaldäisch ist, haben die Vorgenannten für sich verwendet und lügen auf den Namen der Wahrheit; sie verkünden den Zustand der Welt als Christi Wort und benennen den Abfall der guten Kräfte zum Bösen und die Übereinstimmungen des Guten mit dem Bösen, indem sie ihnen die Namen Toparchen und Proastier geben; sie bilden eine Menge anderer Namen, die nicht für sie [S. 116] da sind, ja sie machen die ganze Vorstellung der Astrologen von den Sternen systemlos zu einem System und schaffen so die Grundlage zu einem großen Irrtum. Sie sollen von uns mit Fleiß widerlegt werden. Ich will nämlich dem vorgenannten chaldäischen System der Astrologen einige Lehren der Peratiker gegenüberstellen, auf Grund deren man durch Vergleich sehen kann, wie die Aufstellungen der Peratiker mit denen der Astrologen übereinstimmen, nicht mit denen Christi.
1: Siehe IV, 1 ff.