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(Fuessly, 1775)
- DE: Zwitscherschrecke | Zwitscherheupferd
- EN: Upland Green Bush-cricket
- FR: La Sauterelle cymbalière
- IT: Locusta canterina
- Syn.: Tettigonia gaverniensis Serville, 1838
Morphologie
Tettigonia cantans ist die kleinste der drei mitteleuropäischen Tettigonia-Arten. Die Grundfarbe ist hellgrün, seltener gelblich. Auf der Rückenseite verläuft über Kopf, Halsschild und Flügel ein mehr oder weniger breites, gelbes bis rotbraunes Band. Die breiten Flügel überragen das Hinterleibsende und die Hinterknie nur wenig. Bei voll mit Eiern beladenen Weibchen kann der Hinterleib sogar länger sein als die Flügel. Die Cerci der Männchen sind vor der Mitte mit einem kleinen Innenzahn versehen. Die Legeröhre der Weibchen ist gerade bis leicht nach oben gebogen und ungefähr so lang wie die Hinterschiene.
Gesang
Der Spontangesang von Tettigonia cantans ist laut und etwa 100 m weit hörbar. Bei hohen Temperaturen werden schwirrende Verse von 1,0-3,5 s Dauer erzeugt, die durch etwa gleichlange Pausen getrennt sind. Die maximale Lautstärke wird etwa in der Versmitte erreicht. Gegen Abend, wenn die Temperaturen sinken, werden die Verse und Pausen kontinuierlich länger. Bei normalen Nachttemperaturen singen die Tiere dann ununterbrochen, man kann die einzelnen Silben knapp erkennen. Die Verse erreichen dann die maximale Lautstärke schon nach wenigen Silben. Wenn die Temperaturen noch stärker sinken (gegen 10 °C), werden die Verse wieder alle 10–20 s unterbrochen. Das Frequenzspektrum zeigt ein Maximum bei 6-8 kHz.
Spontangesang von Tettigonia cantans bei hohen Temperaturen - CH, BE, Wasen, 27 °C, sonnig.
Spontangesang von Tettigonia cantans bei mittleren Temperaturen - AT, Niederösterreich, Mannersdorf im Leithagebirge, 18 °C, abends.
Spontangesang von Tettigonia cantans bei tiefen Temperaturen - CH, BE, Wasen, 11 °C, nachts mit Nebel.
Zwei Verse aus dem Spontangesang von Tettigonia cantans - CH, BE, Wasen, 27 °C, sonnig.
Ausschnitt aus einem lang anhaltenden Vers vom Spontangesang von Tettigonia cantans bei tiefen Temperaturen - CH, BE, Wasen, 11 °C, nachts mit Nebel.
Verbreitung
Tettigonia cantans kommt von den Pyrenäen über Frankreich und Mitteleuropa bis weit in den asiatischen Raum vor. In weiten Teilen von Westfrankreich ist die Art allerdings abwesend. Im Süden ist die Verbreitung auf die Gebirge und den nördlichen Balkan beschränkt. Im Norden reicht das Areal bis Dänemark und über Polen und das Baltikum bis in den Süden Finnlands. In Nord- und Mitteldeutschland ist die Art in den höheren Lagen weit verbreitet und in den bayrischen Alpen kommt sie flächendeckend vor. Die Vorkommen von Tettigonia cantans sind klimatisch bedingt, sie kommt in vielen Regionen nur punktuell in feuchteren Gebieten vor und es existieren in Mitteleuropa grosse Verbreitungslücken. In der Schweiz ist Tettigonia cantans im Jura, weiten Teilen des Mittellands und im Alpenvorland verbreitet.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere von Tettigonia cantans leben von Ende Juni bis Ende Oktober.
Die Eier werden in den Boden abgelegt. Dort überwintern sie mindestens zweimal bis sie schlüpfen. Die Eier besitzen eine geringe Trockenheitsresistenz, weshalb Tettigonia cantans auf feuchte, niederschlagsreiche Gebiete angewiesen ist. Die Larven durchlaufen 6 Stadien. Die Männchen singen bevorzugt auf erhöhten Warten.
Lebensraum
Tettigonia cantans bevorzugt feuchtere und kühlere Habitate als Tettigonia viridissima, mit der sie aber auch gemeinsam vorkommt. Im Leithagebirge im Neusiedlerseegebiet (AT) kommen stellenweise alle drei mitteleuropäischen Tettigonia-Arten zusammen vor. Tettigonia cantans besiedelt Flachmoore, Feuchtwiesen, Hochstaudenfluren, langgrasige Wiesen und Weiden, Waldränder und Waldlichtungen. Immer wieder findet man die Art auch in Getreidefeldern, Fettwiesen und Gärten. Im Schweizer Mittelland werden gerne Brombeerhecken besiedelt, die sie mit Pholidoptera griseoaptera und Gomphocerippus rufus teilt. In trockenen Gebieten besiedelt Tettigonia cantans höher gelegene Lebensräume und profitiert dort von der grösseren Niederschlagsmenge.
Gefährdung & Schutz
Tettigonia cantans ist nicht gefährdet.
- CH: LC (Nicht gefährdet)
- DE: * (Nicht gefährdet)
- AT: LC (Nicht gefährdet)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Tettigonia cantans gleicht den beiden anderen Tettigonia-Arten. Diese haben aber im Vergleich zu Tettigonia cantans längere Flügel, die das Hinterleibsende deutlich überragen und die Legeröhre der Weibchen ist eher nach unten gebogen. Tettigonia caudata hat zudem auf der Hinterschenkel-Unterseite grosse, schwarze Dornen. Die Tagesgesänge von Tettigonia cantans und Pholidoptera littoralis insubrica sind sich sehr ähnlich. Tettigonia cantans singt oft auf Büschen und Bäumen, Pholidoptera littoralis insubrica meist am Boden in der Vegetation. Pholidoptera littoralis insubrica klingt etwas metallischer und scheppernder als Tettigonia cantans und die Verse erreichen schon nach wenigen Silben die maximale Lautstärke. Bei Tettigonia cantans ist dies erst nach der Vershälfte der Fall. Das helle, metallische Sirren von Pteronemobius heydenii kann mit den Tagesgesängen von Tettigonia cantans, Tettigonia caudata und Pholidoptera littoralis insubrica verwechselt werden, wenn diese in grosser Entfernung singen.