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Objekt jahrzehntelangen Streites unter den Wissenschaftlern
Am 13. Oktober 1988 wurde das Ergebnis der Radiocarbondatierung der Öffentlichkeit präsentiert. Nachdem es schon wochenlang Gerüchte gab, war diese Präsentation jedoch keine wirkliche Neuigkeit mehr: Die Entstehung des Grabtuches wurde in die Zeit zwischen 1260 und 1390 datiert! Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Ergebnis richtig sei, wurde mit 95 % angegeben. Daraus musste also der Schluss gezogen werden, dass das Tuch im Mittelalter angefertigt worden war.
Der Fall war aus der Sicht der modernen Welt erledigt. Nun entstand aber in den Kreisen der Wissenschaftler, die zuvor unzählige Forschungen an dem Grabtuch durchgeführt hatten, ein Proteststurm. Wie könnte diese Zeitangabe mit all ihren Untersuchungen und Recherchen übereinstimmen? Wie wäre der Abdruck auf dem Grabtuch denn tatsächlich entstanden? Welcher geniale Fälscher käme dafür in Frage? Wie hätte er über das Wissen verfügen können, das notwendig gewesen wäre für eine solche Fälschung?
Es gab keine Antworten auf diese Fragen, aber die Medien vermittelten eine klare Botschaft: Wer jetzt noch an die Echtheit des Grabtuchs glaubt, kann nur verrückt sein!
Der Eindruck wurde erweckt, man müsse alle anderen Erkenntnisse ignorieren und einzig und allein die Radiocarbonuntersuchung wäre unfehlbar und der Weisheit letzter Schluss, schließlich handelte es sich dabei um ein hochpräzises technisches Verfahren. Im Gegenzug entstanden zahllose Verschwörungstheorien über die Art und Weise der Probenentnahme und der Untersuchung. Und doch tauchten in den folgenden Jahren und Jahrzehnten durchaus ernstzunehmende Einwände gegen dieses Testergebnis auf und ein heftiger und leidenschaftlicher Streit zwischen Grabtuchbefürworter und Grabtuchgegner entflammte.