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Der aus Polen stammende Publizist und Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki ist tot. Er starb im Alter von 93 Jahren. Das meldet der FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher via Twitter.
Reich-Ranicki starb nach Angaben aus seinem Umfeld am frühen Nachmittag nach langer, schwerer Krankheit in einem Wohnstift in Frankfurt, wo er die letzten Wochen gelebt hatte.
Reich-Ranicki galt als der einflussreichste deutschsprachige Literaturkritiker der Gegenwart. Einer breiten Öffentlichkeit wurde er durch die Büchersendung «Das Literarische Quartett» bekannt, die zwischen 1988 und 2001 mit grossem Erfolg im ZDF lief.
1999 erschien seine Autobiografie «Mein Leben», in der er auch über seine Zeit im Warschauer Getto berichtete. Dort hatte er 1942 seine Frau Teofila geheiratet. Ein Jahr später gelang ihnen die Flucht aus dem Getto, kurz vor der Ermordung aller Insassen.
An Krebs erkrankt
Marcel Reich-Ranicki war viele Jahrzehnte zentrale Instanz der deutschen Literaturszene. Der scharfzüngige Kritiker war mit seiner direkten Art geachtet, aber auch gefürchtet und bei manchem Schriftsteller verhasst.
2008 sorgte er für einen Eklat bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises, als er die Ehrung ablehnte – wegen des «Blödsinns, den wir heute Abend zu sehen bekommen haben».
Wenig später liess er sich dann aber auf eine Diskussion mit Moderator Thomas Gottschalk über die Qualität des deutschen Fernsehens ein.
2011 starb seine geliebte Frau, mit der er sieben Jahrzehnte zusammen war. Auch Reich-Ranicki selbst war in den letzten Jahren nicht mehr sehr gesund. Am 4. März 2013 gab er bekannt, an Krebs erkrankt zu sein. Dennoch schrieb er weiter für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung», deren Literaturredaktion er zwischen 1973 und 1988 geleitet hatte.