Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03625.jsonl.gz/2549

Nebenwirkungen von Lokalanästhetika
Lokalanästhetika kommen in der Zahnmedizin sehr häufig zum Einsatz. Lidocain, das seit über 50 Jahren als Anästhetikum verwendet wird, ist über die letzten Jahre durch eine Vielzahl weiterer Wirkstoffe auf dem Markt ergänzt worden. Ziel dieser Studie war es, die möglichen unerwünschten Nebenwirkungen bei der Anwendung von Lokalanästhetika (LA) zu analysieren und die Sicherheitsvorschriften für deren klinischen Einsatz zu beschreiben.Nach einer elektronischen Suche wurde eine Vielzahl von Studien (randomisierte kontrollierte Studien [RCTs], Nicht-RCTs, kontrollierte Fallstudien, Fallberichte und Querschnittsstudien) mit Berichten zu Ne- benwirkungen beim Einsatz von LA eingeschlossen. Zwei Untersucher bewerteten 101 relevante Studien (81 Fallberichte, 20 klinische Studien) mit insgesamt 1.645 Berichten über Fälle mit Nebenwirkungen. Die meisten Berichte betrafen die Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen (23,28 %), und Lidocain (43,17 %) sowie Bupivacain (16,32 %) waren die dabei am häufigsten verwendeten LA. Systemische Nebenwirkungen der LA traten am häufigsten in Form kardiovaskulärer Reaktionen (27,83 %) auf. Bei sieben tödlichen Vorfällen (3,54 %) starben zwei Patienten infolge einer intravaskulären Injektion.
Gemäß dieser Metaanalyse ist das Risiko beim Ein- satz eines LA höher, wenn dieses zusammen mit Epinephrin eingesetzt wird. Die gepoolte Häufigkeit von Nebenwirkungen betrug bei LA mit Epinephrin 0,02 (95%-Konfidenzintervall [KI] 0,02-0,03) und bei LA alleine 0,01 (95%-KI 0,01-0,01). Indirekte Vergleiche zeigten, dass Nebenwirkungen bei LA mit Epinephrin2,16-mal häufiger vorkommen als bei LA alleine (RR 2,16, 95%-KI 1,50 bis 3,11).
Schlussfolgerungen: Die vorliegende Studie zeigt, dass Nebenwirkungen beim Einsatz von LA nicht un- terschätzt werden dürfen, vor allem bei oralen und ophthalmologischen Anwendungen. Einige Nebenwir- kungen könnten durch eine sorgfältige Bewertung der Situation des Patienten und eine korrekte Anwendung der LA vermieden werden.
Anmerkung: Diese Metaanalyse ist interessant, da sie einen langen Zeitraum (1967 bis 2010) umfasst. Wie bei den meisten systematischen Übersichtsarbeiten war die Qualität der einzelnen Studien unterschiedlich, und man kann davon ausgehen, dass viele der gerin- geren Nebenwirkungen von den Probanden nicht angegeben oder von den Autoren nicht berücksichtigt wurden. In der neueren Literatur finden sich mehr Berichte, was positiv zu werten ist. Lidocain und Bupivacain waren bei den meisten Nebenwirkungen involviert, sind aber auch am längsten im Einsatz. Die Diskussion zeigt jedoch ebenso, dass durch eine gute medizinische Anamnese und klinische Bewertung des Patienten eine große Zahl von unerwünschten Nebenwirkungen hätte vermieden werden können. Die Übersicht schloss Oberflächen- und Infiltrationsanästhesien sowie periphere Nervenblocks ein, wobei nur etwas über 1 % der Nebenwirkungen als Folge von Oberflächenanästhesien auftrat und diese eigentlich separat bewertet werden sollten.
Liu W, Yang X, Li C, Mo A. Adverse drug reactions to local anesthetics: a systematic review. Oral Surg Oral Med Oral Pathol Oral Radiol 2012 Sep 5 [Epub ahead of print].
Ist Komposit (Nano)-Staub gefährlich?
Zahnmedizinisches Personal kommt oft in Kontakt mit Kompositstaub, wenn der Werkstoff poliert oder be- schliffen wird. Moderne Kompositmaterialien enthalten große Anteile an (Silika-)Nanofüllern. Ob der Schleifstaub dieser Materialien gesundheitsschädlich sein könnte, wurde bis heute noch nie überprüft. In der vorliegenden Studie sollte der Kompositstaub in vitro beschrieben und die mögliche klinische Belastung un- tersucht werden. Polymerisierte Blöcke von sieben aktuell auf dem Markt erhältlichen Kompositen (ein Hybrid, ein Mikro- hybrid, ein Nanokomposit und vier Nano-Hybrid- komposite) wurden mit einem Diamantschleifer entsprechend einem klinisch relevanten Protokoll (mit Wasserkühlung) beschliffen, und der dabei entstehende Aerosolstaub wurde in einem Filter mit einer Porengröße von 1 ?m gesammelt und gewichtet. Zusätzlich erfolgte eine Untersuchung des gesammelten Staubs unter einem Elektronenmikroskop. Der einatembare Staub wurde mit einem Partikelmessgerät in einem Praxisumfeld quantifiziert.
Alle Komposite setzten in vitro einatembaren Staub frei (< 5 ?m). Diese Beobachtungen wurden durch die klinischen Messungen bestätigt, aber es konnten nur sehr kurze Phasen mit hohen Konzentrationen an ein- atembarem Staub während des trockenen Polierensvon Kompositen beobachtet werden. Die Analyse unter dem Elektronenmikroskop zeigte, dass die Größe der Staubpartikel stark variierte: Es fanden sich Partikel über 10 ?m, jedoch auch Teilchen im submikroskopischen und sogar im Nanobereich. Die Staubpartikel setzten sich meistens aus multiplen Füllerpartikeln des Kompositmaterials, aber auch aus einzelnen Nano- Füllerpartikeln zusammen.
Schlussfolgerungen: Die vorliegende Studie zeigt, dass die Inhalation von Kompositstaub besser vermieden werden sollte. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, bei der Entfernung und Bearbeitung von Kompo- siten immer mit einer ausreichenden Wasserkühlung und einer guten Absauganlage zu arbeiten. Zusätzlich sollte das Behandlungszimmer öfter gelüftet werden und das zahnmedizinische Personal Schutzmasken tragen, die in der Lage sind, auch kleine Partikel aufzufangen.
Van Landuyt KL,Yoshihara K, Geebelen B et al. Should we be concerned about composite (nano-)dust? Dent Mater 2012;28:1162-1170.