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Hinter uns liegen einige anstrengende Wochen der Vorbereitung. Eigentlich haben wir geplant, für 3-4 Monate nach Island zu fahren, um dort die Ruhe und die wilde Natur zu geniessen.
Dann kam plötzlich der Meinungsumschwung.
Bei den Informationstagen vor 3 Wochen in Bad Dürrheim wurde unter vielen anderen interes-santen Reisen auch die „Pamir" vorgestellt - neu unter dem Titel „Mittelasien"
Während ich am Reparieren und dem Erweitern des Ausbaus am WoMo beschäftigt war (Schnee, Eis und Salz haben dem WoMo arg zugesetzt), liess mich der Gedanke an den Pamir nicht mehr los.
Und plötzlich war mir klar: Jetzt oder vielleicht nie mehr!
Angesichts der politischen und kriegerischen Wirren, und der Tatsache, dass Russland für lange Zeit nicht mehr bereist werden kann, muss ich es jetzt packen.
Der Pamir ist ein Hochgebirge in Zentralasien, das zum innerkontinentalen Gebirgssystem Hochasien gehört und zum Teil als Dach der Welt bezeichnet wird.
Der äusserste Norden des Faltengebirges jenseits des Transalaigebirges gehört zu Kirgisistan (Gebiet Osch), der Osten jenseits der Sarikolkette zu China (autonomes Gebiet Xinjiang), der Süden zu Afghanistan (Provinz Badachschan), der Rest zu Tadschikistan. Innerhalb Tadschikistans gehört der Pamir hauptsächlich zur autonomen Provinz Berg-Badachschan. Daneben haben nördlich der Darwaskette die der Republik unterstellten Bezirke Anteil am Gebirge, ferner in den westlichsten Ausläufern die Provinz Chatlon.
Der Pamir verbindet einige der grossen Gebirgs-züge Asiens: Zum Tianshan und dem Alaigebirge im Norden ist er durch das Alai-Tal mit den Flussläufen von Kysylsuu und Surchob abgegrenzt, zum Kunlun Shan im Südosten durch die Flusstäler von Taxkorgan und Yarkant. Im Süden und Südwesten bilden die Flüsse Wachandarja und Pandsch die Abgrenzung zum Hindukusch und indirekt auch zum Karakorum. Im Osten des Pamir schliesst das Tarimbecken an, das im Süden durch das Hochland von Tibet begrenzt wird.
Die mittlere Höhe des Pamirs liegt bei etwa 3600 bis 4400 m, was meist über der hier bei 3700 m liegenden Baumgrenze liegt. Der grösste See im Pamir ist der Karakul in Tadschikistan. Der längste Gletscher ist der 70 km lange Fedtschenko-Gletscher. Durch eines der im Pamir häufigen Erdbeben entstand 1911 der Saressee.
Orografisch gehört der grösste Teil des Pamir zum Einzugsgebiet des Amudarja und wird somit zum Aralsee entwässert. Tatsächlich umfassen die Amudarja-Quellflüsse Kysylsuu, Surchob, Wachsch und Pandsch den Pamir im Norden, Süden und Westen. Entsprechend münden auch weitere grosse Flüsse des Pamir in diese, darunter der namensgleiche Pamir, der Gunt und der Bartang in den Pandsch, der Obichingou in den Wachsch und der Muksu in den Surchob. Im Osten wird der Pamir zum Tarimbecken entwässert, wobei neben dem Taxkorgan auch der Gez zu erwähnen ist. Im Nordosten wiederum bildet der ebenfalls Kysylsuu genannte Quellfluss des Kaxgar, der wie sein westlicher Namensvetter ebenfalls im Alai-Tal verläuft und von diesem durch den 3536 m hohen Taunmurun-Pass getrennt ist, eine weitere Einfassung des Gebirges.
Das Klima ist rau und trocken. Die Bewohner sind meist Viehzüchter und halten Yaks und Fettschwanzschafe. Das Gebirge ist durch den Pamir Highway erschlossen.
Der Pamir-Highway ist voraussichtlich der Höhe-punkt dieser Reise, nicht nur wegen den befah-renen Höhen von bis zu 4'500 Meter. Aber auch alle die Länder, durch welche wir voraus-sichtlich fahren werden und uns bestimmt eindrückliche Erlebnisse bescheren.
„Voraussichtlich" ?
Ja! Durchfahrtsrechte in diesen Ländern können ganz schnell zurückgezogen oder auch erst im letzten Moment, vor der Grenze stehend, erteilt werden.
Die Länder:
- Griechenland
- Georgien
- Azerbaijan
- Kazakhstan
- Uzbekistan
- Kyrgyzstan
- Tajikistan
- Turkmenistan
- Iran
- Türkei
15. Mai 2022
Wir haben kaum geschlafen. So vieles geht uns noch durch den Kopf. Haben wir auch alles Wichtige eingepackt?
Endlich ist es 6 Uhr. Wir stehen auf, frühstücken und bringen den Haushalt noch für 6 Monate auf Vordermann.
Das WoMo ist seit gestern beladen.
Um 9 Uhr brechen wir auf.
Kilometerstand: 59'727
17. Mai 2022
Ein kurzer Rückblick:
Wir sind am Sonntag wie geplant losgefahren und via Lukmanierpass in den Tessin gefahren.
In der Nähe von Acquarossa haben wir einen schönen Platz am Fluss entdeckt.
Seinen Name hat Acquarossa (rotes Wasser) nach den örtlichen salz-, eisen-, arsen- und lithium-carbonathaltigen Quellen.
Davon haben wir kaum etwas bemerkt, als wir im Fluss die Füsse ins Wasser hielten.
Dafür ist mir in den Sinn gekommen, dass die Original-Nummernschilder noch am Skoda sind, obwohl ich sie eigentlich mitnehmen wollte.
Am WoMo habe ich Fake-Kopien, falls diese unter-wegs einem Souvenirdieb gefallen würden.
Was nun? Wir beschliessen, nochmals zurück zu fahren. Es wäre ein zu grosses Risiko, falls das an einer Grenze den Beamten auffallen würde.
Zurück über den San Bernadino, bei starkem Gewitterregen, beschliessen wir in Sufers zu über-nachten.
Gegen Mittag des nächsten Tages kommen wir zuhause an.
Sylke stellt noch einen Blumentopf vor die Türe von Lili, unserer Nachbarin und ich montiere die Nummernschilder am Skoda ab.
Dann gehts gleich wieder los, via San Bernadino ins Tessin.
Wir übernachten auf einem kleinen und ruhigen Parkplatz direkt am Luganersee in Riva San Vitale.
Am nächsten Morgen fahren wir nach Mendrisio um nochmals in der Schweiz einzukaufen.
18. Mai 2022 Siville
Unterwegs machen wir Mittagshalt in Porto Recanati. Vor uns liegt ein Sandstrand wie man ihn sich nur wünschen kann - menschenleer!
Einen schönen Platz zum Übernachten zu finden, ist gar nicht so einfach. Fast die ganze Adriaküste ist durch Hotels, Ferienanlagen und Campingplätze belegt - und auf Campingplätze wollen wir nicht.
An der verlassenen Promenade von Siville finden wir einen Platz mit direktem Zugang zum Strand.
Vor uns liegt ein Wellenbrecher, der etwa 200 Meter ins Meer hinaus geht. Grosse Quader schützen in vor der Brandung, deren Stärke bei Sturm wir kaum abschätzen können.
Die Nacht ist ruhig. Wir haben den Wecker auf 05.30 gestellt, um den Sonnenaufgang über der Adria zu bewundern.
Gleichzeitig mit dem Wecker beginnt der Bagger, welcher schon gestern da stand, auf den Wellen-brecher hinauszufahren und schon kommen auch 3 LKWs an, vollbeladen mit grossen Quadersteinen.
Mit Schlafen wäre also auch ohne Wecker nichts mehr gewesen.
Wir beschliessen gleich loszufahren , um an einem ruhigeren Ort zu Frühstücken.
Nach fast einer Stunde haben wir unsere Ansprüche soweit heruntergeschraubt, dass wir auch mit einem Parkplatz an der Strasse zufrieden sind, aber immerhin mit Meerblick.
19. Mai 2022 Lesina
Inzwischen sind wir kurz vor Bari, am sandigen Strand von Lido Sant' Anna angekommen. Im Moment werden die Vorbereitungen für die kommende Saison getroffen: Der Sand wird gerecht und vom Unrat befreit, Sonnenschirme und Liegestühle werden zu Hunderten aufgestellt und die Restaurant unter den weissen Zelten werden eingerichtet.
Wie es während der Saison aussieht, zeigt das Bild aus Google Maps.
Wir nutzen die Zeit für Spaziergänge der Küste entlang und lassen die Füsse immer wieder von den Wellen erfassen.
Die eine der andere schöne Muschel heben wir auf, lassen sie dann aber ein paar Schritte weiter wieder fallen - wir können nicht alles sammeln und mitnehmen.
Etwa um halb 9 geht die Sonne unter und sogleich wird es kühl.
Das Wasser ist noch zu kalt zum Baden, zudem ist die Brandung auch stark - also nur spazieren.
Am Samstag, 19.30 geht unsere Fähre von Bari nach Igumenitsa in Griechenland.
Bis dahin haben wir noch viel Zeit, um die Ruhe in den Abruzzen zu geniessen.
20. Mai 2022 Giovinazzo
Die Fahrt führt uns heute über Nebenstrasse und durch viele Dörfer, entlang der Küste. Es ist anstrengend und wir erleben live die Art, wie hier Motorrad und Auto gefahren wird.
Selbst in engen Ortsdurchfahrten stehen Autos in zweiter Reihe geparkt und so müssen wir immer wieder ausweichen und dem drängelnden Gegen-verkehr Platz lassen.
Dazu kommt noch, dass plötzlich Autos oder Mopeds aus Nebenstrassen schiessen.
Langsames Fahren ist angesagt.
Selbst einen Platz für die Mittagspause, entlang der Küstenstrasse zu finden, ist Glückssache. Aber mit etwas Geduld und solange der Hunger nicht überhand nimmt, haben wir noch immer etwas gefunden.
Unsere Übernachtungsplätze suchen wir uns meistens in "park4night" aus. Es ist eine App auf dem Handy, in welche jedermann Orte zum Übernachten eintragen und beschreiben kann. Es sind nebst den kommerziellen Camping- und Stellplätzen auch oft nur abgelegene Parkplätze an Flüssen und Seen.
Jeder kann hier auch seinen Kommentar über die Zufahrt, die Sauberkeit oder was ihm besonders gefällt, hinzufügen,.
Meistens sind diese Empfehlungen auch brauch-bar.
Aber gerade heute wieder einmal erweist sich unsere Wahl als ungeeignet: schwierige Zufahrt und zudem auch noch lärmig.
Also fahren wir weiter.
Während Sylke fährt, suche ich in der App, aber auch in Google Maps nach einem anderen Platz.
Gegen 19 Uhr stranden wir endlich, an der Küste und neben einem Hotel.
Aber die Energie für ein schönes Abendessen haben wir noch.
Dann nehmen wir noch den Sonnenuntergang mit und damit ist Schluss für heute.
21. Mai 2022 Bari
Wir sind nur noch eine halbe Stunde von Bari entfernt.
Heute müssen wir zuerst die Boarding Karten im Hafen bei SuperFastFerries abholen.
Die Befürchtung, dass es in dieser Stadt in der Nähe des Hafens einen sicheren Parkplatz zu finden, hat sich nicht bestätigt. Nur ein paar Schritte vom Office entfernt treffen wir auf einen genügend grossen Parkplatz.
Mit Hilfe des Navis auf dem iPhone suchen wir das Büro, werden aber wegen den schlechten Ortungsbedingungen in der engen Altstadt zuerst dort hinein geführt.
Vom City-Office werden wir zum etwa einen Kilo-meter entfernten Hafen verwiesen. Wir beschlie-ssen nicht zu fahren, sondern das WoMo stehen zu lassen und in der Mittagshitze dorthin zu gehen.
Die Halle ist leer und wir glaubten, vergebens hier hin gelaufen zu sein.
Aber dann entdecke ich einen besetzten Schalter und wenig später haben wir die Boarding Karten in Händen.
Als Nächstes beschliessen wir wieder direkt in Bari Vecchia zu gehen und später dann ein schönes Restaurant mit guter Küche zu suchen.
Es ist Samstag und viele Menschen, aber auch Touristen sind unterwegs, wahrscheinlich immer noch weniger als vor Coronazeiten.
Pilger (?), oder auch nur gewöhnliche Touristen stehen vor der Basilica Cattedrale Metropolitana di San Sabino.
Davor hat ein Pope eine Schar Menschen um sich versammelt und lehrt sie mit stechendem Blick und ausladenden Gesten.
In den engen Gassen ist es angenehm kühl.
Verschiedene Gerüche wirken auf uns ein, aber überwiegend riecht es nach frisch gewaschener Wäsche.
Ältere Menschen sitzen auf Stühlen vor ihren Wohnungen, wechseln dann und wann ein paar unverständliche Worte und schauen den Passanten nach. Wahrscheinlich äussern sie sich über das gerade Gesehene.
Nebst den Souvenirständen werden an Ständen im Freien auch Obst und Gemüse ange-boten.
In schattigen Durchgängen sehen wir oft kleine Tische mit Orecchiette, die zum Trocknen ausgelegt sind.
Orecchiette (Öhrchen) ist eine für die Regionen Apulien und Basilikata typische Pasta-Art.
Sie werden nur aus semola di grano duro (Hartweizenmehl), Wasser und Salz hergestellt.
Ein typisches Rezept aus Apulien und der Basilikata sind Orecchiette con le cime di rapa (Orecchiette mit Stängelkohl).
Eine apulische Variante sieht die Zugabe von Sardellen vor, während in der Basilikata, vor allem in den Gebieten Vulture und Materano, das Gericht häufig mit zerbröckeltem oder pulverisiertem peperone crusco gewürzt wird. Sehr beliebt sind natürlich auch die Orecchiette al pomodoro.
Inzwischen ist es 2 Uhr und wir sind hungrig.
Am anderen Ende der Altstadt befindet sich das "La Tana del Polpo".
Die Kritik im Internet ist vielversprechend und machen uns auf den Weg dorthin.
Das Restaurant befindet sich in einer kleinen Nebengasse. Wir werden an der einzigen Zweiertische hinten links gewiesen und schon werden wir nach "Naturale" oder "Con Gaz" gefragt.
Dann kommt auch schon die Speisekarte.
Eigentlich hätte ich nach der italienischen Karte fragen sollen.
Der Kellner zeigt uns eine wunderbare Platte mit frischen Fischen und erklärt anhand von Bildern auf seinen Handy, wie das angerichtet werden würde und gibt uns ein paar Minuten Zeit zum Überdenken.
Aber wir bleiben bei unserer vorherigen Wahl.
Wir bestellen je einmal Insallate di Polpo, Fritto Misto und Insalata Mista, mit dem Gedanken, dieses zu teilen. Dazu eine Flasche Wasser.
Kurz nacheinander kommt der Tintenfischsalat und der gemischte Salat, beides reichliche Portionen.
Dann folgt die ebenso grosse Platte mit dem Fritto Misto.
Spätestens jetzt vermute ich, dass der sehr geschäftige Cameriere von jedem zwei Portionen als Bestellung aufgenommen hat.
Wir essen alles auf und sind satt und zufrieden.
Zu Abschluss bestellen wir noch Espressi und Tiramisu.
Zu meiner Überraschung und Freude waren das wirklich nur einfache Portionen. Das Doppelte hätten wir nicht geschafft.
Danach setzen wir uns in der Corso Vittorio Emanuele II auf eine Bank im Schatten, um zu verdauen. Später gehen wir noch für ein schönes Cono Gelato in eine Gelateria.
Dann gehen wir zum WoMo zurück und warten bis es Zeit ist, auf die Fähre zu fahren.
Nach einer Stunde ist es soweit, wir fahren in die Fähre, wo wir "Camping on Board" gebucht haben, was heisst, dass wir während der 10-stündigen Überfahrt im WoMo essen und schlafen können.
Punkt 19 Uhr 30 legt sie ab und wir verfolgen während der Hafenausfahrt die untergehende Sonne.