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Die Region am Horn von Afrika, die zu den meistbefahrenen Seegebieten der Welt zählt, erlebt in diesem Jahr eine enorme Zunahme von Piratenüberfällen. Einer der spektakulärsten ist die Kaperung des saudi-arabischen Öltankers «Sirius Star» vor der Küste Kenias. Diese Entführung könnte die «Kriegsrisiko»-Zone erweitern, die bereits die Versicherungskosten für Hunderte von Schiffen, die den Golf von Aden passieren, in die Höhe getrieben hat. Laut Reedern und Versicherungen nehmen viele Schiffe bereits eine längere Route um die südliche Spitze Afrikas in Kauf, um den gefährlichen Golf zu meiden. Doch die Kaperung des saudischen Tankers könnte diese Strategie untergraben.
Kaperungen verändern vieles
Die Dreistigkeit des Angriffs könnte Assekuranzen dazu bringen, einen erweiterten Versicherungsschutz zu fordern, um Fahrten durch ein weit grösseres Gebiet zu versichern. Möglich wäre, dass Spediteure mehr Sicherheitsleute an Bord holen, was bisher viele vermieden haben aus Angst, ein bewaffneter Konflikt mit Piraten könnte eskalieren. «Die Kaperung könnte alles verändern», sagt Peter Hinchliffe von der International Chamber of Shipping (ICS).
Frachtversicherungen sind ein streng gehütetes Geheimnis und werden für jede Fahrt separat ausgehandelt. Frachtfirmen sagen, sie bezahlten für jede Fahrt zwischen 2000 und 50000 Dollar pro Tag – für Unfälle und Ölverschmutzung bis hin zu Piratenangriffen und Toten an Bord. Die Kosten für einen Öltanker – einschliesslich Fracht – belaufen sich auf eine Summe zwischen 10000 und 50000 Dollar pro Tag.
Versicherer wollen mehr Geld
Wenn die Angriffe anhalten sollten, würden die Versicherungen die Raten für Schiffe anheben, die den Golf von Aden und den Suez-Kanal passieren, bis die Regierungen unter Beweis gestellt hätten, dass sie den Piraten Herr werden, meint Simon Beale von der Versicherung Amlin. Laut ICS befinden sich stets um die 300 Frachter im Golf von Aden. Und etwa eines von zehn Schiffen wird von Piraten angegriffen. Die meisten Angriffe scheitern. 2007 nahmen etwa 6500 Tanker mit 7% des weltweiten Öls diese Route. Im Mai erklärten Versicherungen den Golf von Aden als «Kriegsrisiko»-Zone. Frachtunternehmen mussten daraufhin Zehntausende Dollar zusätzlicher Prämien zahlen. Diese könnten nun weiter steigen. «Gut möglich, dass die Kap-Route auch zur Kriegsrisiko-Zone erklärt wird», sagt Brendan Flood vom Versicherer Hiscox. Hiscox bietet seit Kurzem zusätzliche Entführungs- und Lösegeldversicherungen für 12000 bis 19000 Dollar pro Tag für eine Fahrt durch den Golf von Aden an.
Laut International Maritime Bureau haben somalische Piraten dieses Jahr bisher 30 Mio Dollar an Lösegeldern kassiert. Der Angriff auf die «Sirius» könnte auch die Gehälter für Seeleute in die Höhe treiben. Einige Frachtfirmen zahlen bereits für jeden im Golf von Aden verbrachten Tag 100% mehr.