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Besondere Feiertage
In Belarus gibt es zahlreiche staatliche und religiöse Feiertage. Zu den wichtigsten staatlichen Feiertagen gehören der Verfassungstag (15. März), der Tag der Einheit von Belarus und Russland (2. April), der Tag des Sieges (9. Mai, russisch: Den Pobedi), der Tag der Unabhängigkeit (3. Juli) und der Tag des Nationalwappens und der Nationalflagge (jeweils am zweiten Sonntag im Mai).
Der 9. Mai ist einer der bedeutendsten staatlichen Feiertage und wird in ganz Belarus feierlich begangen. Der Tag markiert den Sieg der Sowjetarmee über Nazideutschland im Großen Vaterländischen Krieg, wie der Zweite Weltkrieg in der ehemaligen Sowjetunion genannt wird. In Minsk wird zu diesem Anlass jedes Jahr eine große Militärparade abgehalten, die der Präsident persönlich abnimmt. Dieser Feiertag hat im Bewusstsein der Nation immer noch großen Stellenwert, verlor doch jeder dritte Einwohner während des zweiten Weltkrieges sein Leben. Eine weitere große Parade findet am 3. Juli statt. An diesem Tag im Jahr 1944 war die belarussische Hauptstadt von deutschen Besatzungstruppen befreit worden: dieser Tag gilt heute als Unabhängigkeitstag des Landes. Die sowjetische Vergangenheit findet auch am 1. Mai (Tag der Arbeit) und am 7. November (Tag der Oktoberrevolution) bis heute ihren Widerhall.
Weihnachten feiert man in Belarus gleich zweimal. Einmal das katholische Weihnachten am 25. Dezember, und danach das orthodoxe Weihnachten am 7. Januar. Dazwischen begeht man Silvester, jedoch festlicher als in Westeuropa und den USA. Ded Moroz (russisch: Väterchen Frost) bringt in der Neujahrsnacht als Pendant zu unserem Nikolaus den belarussischen Kindern Geschenke. Statt eines Knechts Ruprecht hat Ded Moroz traditionell seine Enkelin und Helferin Snegurotschka mit dabei. Alle Familienmitglieder setzen sich um Mitternacht an den Festtisch, stoßen an, hören dem Glockenspiel zu, bedenken sich mit Wünschen und gratulieren einander. In diese Zeit fällt „Kaljady“. So nennt man die zwölf Weihnachtstage zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar. Ursprünglich ein heidnischer Brauch, legte die Kirche dieses Fest mit den Eigenen zusammen. Umzüge von Haus zu Haus mit Gesang und Vorführungen sind am Heiligen Abend ein verbreiteter Brauch. Böse Geister und Ungeheuer sollen durch fröhliche Lieder, den so genannten Kaljadki, vertrieben werden.
Ostern ist für katholische Belarussen ebenfalls ein wichtiges Fest. Am Tag vor dem Fest bäckt man traditionell einen Osterkuchen (belarussisch: Kulitsch). Als Symbol des Festtags gelten rote Eier, die traditionell mit Zwiebelschalen gefärbt werden. Die Eier werden in der Kirche geweiht und zu Hause in Wasser eingelegt. Mit diesem Wasser wäscht man sich das Gesicht, um gesund und schön zu werden bzw. es zu bleiben. Ein beliebtes Spiel zu Ostern ist wie bei uns das Eierpecken. Dieses Spiel heißt „Bitki” (vom Verb „bit“ – schlagen).
Neun Tage nach dem Osterfest feiert die russisch-orthodoxe Kirche das Raduniza-Fest, das dem Totengedenken gewidmet ist. Nach einem Gedenkgottesdienst finden sich die Familien traditionell auf dem Friedhof ein. Nach alter Sitte bedeckt man die Gräber der Verstorbenen mit Tüchern und stellt eine ungerade Anzahl verschiedener Gerichte darauf. So werden die verstorbenen Verwandten „zu Tisch geladen“. Im Herbst findet ebenfalls ein Totengedenktag statt, er heißt Dziady (belarussisch für Vorväter).
In Belarus haben sich viele Volksfeste erhalten. Das bekannteste ist das Fest der Sommersonnenwende (belarussisch: Kupalje, russisch: Iwan-Kupala), das in der Nacht zum 8. Juli gefeiert wird. Wie viele heidnische Bräuche ist Kupalje mit Feuer, Wasser und sich entfaltenden magischen Kräften verbunden. Durch das Verbrennen alter Gegenstände sollen sich die Menschen reinigen und sich von ihren Sorgen frei machen, Feuer sollen böse Geister abschrecken. Zur inneren Reinigung dient die Tradition über das Feuer zu springen. Außerdem tanzt man traditionell um das Feuer und singt besondere Kupalje-Lieder. Es ist üblich, dass junge Frauen Blumen und Grashalme zu Kränzen flechten und diese in Flüssen ziehen lassen. Wenn ein Junge einen Kranz herausfischt, soll er bestimmt sein dieses Mädchen zu heiraten.
Paparz-Kwetka (belarussisch: die Farnblume) spielt eine besondere Rolle an diesem Tag. Einem alten Glauben nach blühen in der Kupalje-Nacht die Farne. Aus diesem Grund suchten die Menschen in den Wäldern in dieser Nacht nach den magischen Farnen. Nach heidnischem Glauben sollen sich dem Finder alle in der Erde versteckten Schätze offenbaren. Außerdem wurde ein langes und glückliches Leben verheißen.
Am Ende des Winters wird in Belarus „Masleniza“ gefeiert. Die Feierlichkeiten dauern eine Woche und enden mit dem Beginn der orthodoxen Fastenzeit. Der Name kommt vom Wort Maslo (russisch: Butter) und verweist darauf, dass in dieser Woche den Gläubigen zwar der Verzehr von Fleisch verwehrt ist, Milchprodukte, Eier und Fisch jedoch erlaubt sind. Pfannkuchen (russisch: Blini) werden während Masleniza besonders gerne gegessen. Sie werden traditionell mit verschiedenen Füllungen wie Quark oder Früchten verspeist. Blini sind ein Symbol für die Sonne, die nach der Festwoche am Ende des Winter wieder vermehrt scheinen soll. Abgeleitet vom Wort Blini wird das Fest in einigen Regionen daher auch „Bliniza“ genannt.
Der Sonntag ist der letzte Tag der Butterwoche. An diesem Tag verabschiedet man sich endgültig vom Winter und läutet den Frühling ein. Der Höhepunkt des Festes ist die Verbrennung der Masleniza-Puppe, die üblicherweise aus Stroh gemacht wird. Die Puppe symbolisiert alles Dunkle und Negative, das im Winter durchlebt wurde. Dieser letzte Sonntag vor der Fastenzeit läuft noch einmal sehr lebhaft ab, mit Volksliedern, -tänzen und reichlich Speisen und Getränken.
Weitere bedeutende Volksfeste entspringen bäuerlichen Traditionen, allen voran „Zazhinki“, das Fest des Ernteanfangs, und „Dazhinki“, das Fest des Ernteendes. Ursprünglich wurden diese Feste in jedem Dorf begannen.
Die traditionellen bäuerlichen Volksfeste verlieren jedoch im immer urbaner werdenden Belarus zunehmend an Bedeutung.