Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03218.jsonl.gz/109

Hauptmenü:
Lötscher Ferdinand
Ferdinand Lötscher wurde am 29. Mai 1842 als Sohn einer Bauernfamilie in Schüpfheim geboren und starb am 1. August 1904 in Flühli.
Er gründete 1867 in Lungern, wo er als Mechaniker, Schreiner und Drechsler arbeitete eine Harmoniemusik mit zehn Mitgliedern. 1869 wurde er in Luzern Trompeteninstruktor der 4. Division. 1894 liess er sich «auf Halbsold setzen».
Am 1. August 1904 ist er nach der Vorbereitung eines Höhenfeuers an der Tellenfluh
im Gebiet der "Schratten" zu Tode gestürzt.
Zur gleichen Zeit als Ferdinand Lötscher in Flühli tödlich verunglückte, spielte die damalige Feldmusikgesellschaft Flühli an der Bundesfeier einen Marsch von ihm.
Zu seinen Lebzeiten war Lötscher als besonders begabter Trompeter und Musikinstruktor mit verblüffendem Musikgehör bekannt. Seltsamerweise hat er damals als Komponist nicht die verdiente Beachtung gefunden.
Es ist erwiesen, dass Ferdinand Lötscher öfters von frisch gegründeten Musikvereinen als Ausbildner
angefragt wurde, und er auch hier wertvolle Aufbauarbeit leistete.
Ferdinand Lötscher komponierte verschiedene Werke, hauptsächlich Märsche, Potpourris, Polkas und Volkslied-Variationen. Einige wenige Kompositionen befinden sich in den Sammlungen von A. L. Gassmann.
Erhalten blieben aber seine «50 ländlichen Tänze für eine sechsstimmige Harmoniemusik».
Die Töchter Lötschers wollten die Tänze veröffentlichen, fanden aber keinen Verleger.
Zum Glück gelangten die Kompositionen in die Hände der mit Ferdinand Lötscher befreundeten Familie Imfeld.
Als Nachfolger von Ferdinand Lötscher amtete Karl Imfeld, Organist und Gemeindeschreiber
(Grossvater von Martin Imfeld). Karl Imfeld beherrschte allerdings kein Blechinstrument.
Als angehender Lehrer erhielt er sein Musikausbildung zuerst im Kloster Engeberg und später im Lehrerseminar Zug.
Die Feldmusik Lungern spielte ab und zu einige dieser Tänze. Schon bald wurden sie mit der Begründung,
dass sie voller Fehler wären weggelegt. In Tat und Wahrheit waren die damaligen Mitglieder mit der
anspruchsvollen Literatur überfordert. Lötschers Werke galten als extrem schwierig zu spielen,
alle Instrumente hatten auch Solopassagen zu spielen.
Ich habe eine einzige Schellackplattenaufnahme mit einer Komposition von Ferdinand Lötscher gefunden,
nämlich den Marsch "Ins Gelände" gespielt von der Emmentaler Bauernkapelle Biglen-Walkringen.
Florian Walser (Klarinettist im Tonhalle Orchester Zürich) und Peter Gisler (Inhaber Mülirad-Verlag)
haben sich diesen ländlichen Tänzen von Ferdinand Lötscher angenommen und diese neu aufgeschrieben.
Lieber Florian, lieber Peter, herzliche Gratulation für diese tolle Arbeit.
Ich durfte am Internationalen Musikfestival Alpentöne in Altdorf bei der Uraufführung einiger dieser
von der Formation eifachs.ch wunderschön gespielten Tänze dabei sein. Es war ein beeindruckendes
Konzerterlebnis Janek Rosset (Flöte), Florian Walser (Klarinette), Heinz Saurer (Cornet),
Herbert Kistler (Flügelhorn), Christoph Hertig (Althorn), Thomas Rüedi (Tenorhorn) und
Marc Unternährer (Tuba) zu zu hören.
Die 1812 Meter hohe Tällenfluh, mit ihrem weiten Blick ins obere und untere Mariental, ist einer der
prächtigsten Plätze für ein Höhenfeuer. Und das mit einzelnen Tannen durchsetzte Schrattengebiet
unterhalb ihres Gipfels ist eine traumhaft schöne Landschaft. Aber sehr unwegsam. In der nahegelegenen
Bärseli-Alphütte hatte sich in den letzten Julitagen 1904 der angesehene Trompeter-Instruktor Ferdinand
Lötscher mit seinem Neffen und einem Freund häuslich niedergelassen und führte «in der Sommerfrische»
da oben, ganz seinem originellen Wesen entsprechend,«eigene Menage». Als einer der bedeutendsten
Entlebucher Musikschöpfer, der seine Inspirationen in der Nacht öfters mit Kreide an die Wand schrieb,
hatte er bis dahin, neben zahlreichen Bläser-Arrangements, unzählige Kompositionen geschaffen
– hauptsächlich Märsche, Polkas und Volkslied-Variationen– und stand mit seinen 62 Jahren noch immer
im Zenit seiner überreichen Schaffenskraft. Als dann am Abend des 1. August das Höhenfeuer des
Komponisten auf der Tällenfluh aufleuchtete, spielte zur Bundesfeier unten im Tal die Feldmusik Flühli auf der
Kurhausterrasse seinen bekannten Marsch Aus den Bergen. Auf dem Gipfel oben konnte man aber nichts
davon hören,denn in der sternenlosen Nacht fuhr ein starker Südwest in das prasselnde Feuer.
Später, beim Abstieg, löschte eine Windböe die Azetylenlampe aus und es wurde lebensgefährlich.
Schon nach wenigen tastenden Schritten stürzte der leicht gehbehinderte Musikschöpfer in der völligen
Dunkelheit über eine hohe Felswand in den Tod. Über sein Leben ist nicht viel bekannt. Ferdinand Lötscher
wurde am 29. Mai 1842 in Schüpfheim geboren und verbrachte hier seine Jugendzeit. Als 25- Jähriger zog er
nach Lungernund wirkte dort zwei Jahre lang als Mechaniker, Schreiner und Drechsler. Er muss ein
hochintelligenter Kopf gewesen sein und war immer an technischen Neuerungen interessiert
(selbstgemachte Schneeschuhezum Skilaufen und sogar Experimente mit Farbfotografie!). Gründete aber
auch eine Harmoniemusik mit zehn Mitgliedern.1869 wurde er in Luzern dann zum Trompeter-Instruktor der
Militärmusik ernannt und blieb bis an ein tragisches Lebensende seiner IV. Division treu. Als Musiklehrer der
angehenden Trompeter wurde er immer beliebter, denn er verfügte nicht nur über ein verblüffendes
Musikgehörund ein ureigenes methodisches Geschick,sondern auch über ungewöhnlich viel Humor und einen
feinen Teamgeist.Nicht selten stand er für seine Soldaten ein, wenn es darum ging, sie vorübermässigen
Forderungenanderer Vorgesetzterzu schützen– und er gab in solchen Fällen dann auch höchst ungern nach.
«Instruktor Lötscher»,wusste der«Oberaargauer» zu berichten, «war in allenGauen des Schweizerlandes eine
populäre Persönlichkeit. Die Originalitätdes Verstorbenen trug zweifelsohne viel hierzu bei; weiss dochwohl
jederTrompeter, der je unter ihm gelernt hat,einige lustige Anekdotenzu erzählen. »Mit seinen Kompositionen
hat er viele befreundete Vereineversorgt. Auch die Feldmusik Flühli. Sie zahlte ihm «für3 Märsche + 1 Walzer
Fr. 22.50,für die Ofethüre (!) Fr. 17.40 und fürdie Probe Fr. 10.–» sowie für Speis und Trank des Instruktors,
«dessen Frau und Anton LötscherFr. 9.85», wie uns eine Rechnung von 1878 verrät. Er war also verheiratet!
Wahrscheinlichliesse sich noch manchesOpus dieses«Johann Strauss der Schweiz» in den Archiven von
Musikvereinen aufstöbern. Weil seine Werke damals als extrem schwierig galten und zu ungewöhnlich und
originell waren (Solo-Passagen für alle Instrumente!), wurde er von den Zeitgenossen weitgehend verkannt.
Einschliesslich der Verleger! Neben vereinzelten Titeln in Volksliedsammlungen (z.B. Am Waldrand von
A. L.Gassmann) sind derzeit nur die zufällig vom Klarinettisten Martin Imfeld auf dem grossväterlichen
Estrich wiederentdeckten 50 ländlichen Tänze für eine sechsstimmige Harmoniemusik verfügbar.
Und die werden hochgeschätzt.
Ferdinand Lötscher mit seiner Frau
Das Grabrelief von Ferdinand Lötscher befindet sich im Entlebucher Musikarchiv
Notenbüchlein von Ferdinand Lötscher mit von ihm selber hergestellten Truhe
Quelle: Peter Gisler, Mülirad-Verlag Altdorf (Peter, herzlichen Dank)
S Entlibuch, mys Heimetland Mazurka (Posaunensolo: Pia Bucher, früher Wiggen)
LP durch mich digitalisiert
Weiter gibt es eine CD mit Aufnahmen von Ferdinand Lötscher gespielt von Lucerne Chamber Brass
Videoaufnahmen
Walzer "S' Liseli" von Ferdinand Lötscher
Galopp "Das Dürsteg'jäg" von Ferdinand Lötscher
Mazurka "Er het nüüme mit mer" von Ferdinand Lötscher
Marsch "D' Musikante chömid" von Ferdinand Lötscher
Gait ume gäng hingere-nangere noch!
Serge Schmid