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Addition statt Reihe
Nach der Absage an die städtische Einheit, griff die Auflösung der Bebauung auf die Beziehung zwischen Haus und Umgebung über. Das Mehrfamilienhaus war keine neue Erfindung, doch in der Kombination mit der durchgrünten Bauweise entfaltete es seine eigene Logik.
(… vorher) War das Haus in den Anfängen des durchgrünten Städtebaus oft Teil einer Reihenbebauung, so wurde es nach 1940 immer häufiger zu einem freistehenden Gegenstand. Dies lässt sich anhand des Aussenraumbezuges aufzeigen: In der Zeile eingebunden, bildet das Haus und der Garten eine Einheit. Der Garten ist direkt von einer einzelnen Wohnzelle her erschlossen und von den benachbarten Flächen durch Hecken abgetrennt. In den Überbauungen nach dem zweiten Weltkrieg anonymisiert sich der Aussenraum zu einer gemeinschaftlichen Niemandsfläche. Die Vorstellung einer Parklandschaft ist nun Leitgedanke der Gartengestaltung. Bewohner sowie Besucher können diese Fläche durchschreiten, in welche die Bauten hinein gesetzt sind. Folglich lassen sich die Häuser auch gänzlich umrunden und von allen Seiten betrachten, sofern das Wegnetz dies zulässt, oder man sich nicht scheut den Rasen zu betreten.
In dem die Bewegungsfreiheiten des Betrachters vergrössert wird, ist das Haus nun plötzlich direkt als Gegenstand erfahrbar. Im Vergleich dazu ist die Wahrnehmung des Reihenhauses sehr viel kanalisierter. Durch die Einfriedung der Gartenflächen ist ein Herantreten an das Haus nur von der Eingangsseite her möglich. Durch seine klare Aufteilung in Eingangs- und Gartenfassade ist das Reihenhaus in seiner Lesart noch der Fassade als Fläche verpflichtet. Diese klare Aufteilung bricht zwar beim Mehrfamilienhaus nicht auf, aber sie wird durch das Wegfallen der Gärten geschwächt.
Eine Absage an die für die Blockrandbebauung typische Zweiseitigkeit, leisten auch die Gebäude selbst. Durch ihre Abmessungen erscheinen sie nicht mehr als eine gerichtete Struktur, sondern als addierte Gegenstände. Obschon auch die Mehrfamilienhäuser meist zu Längsformationen aneinander gestellt sind, vermögen sie keine Reihen mehr zu bilden. Entweder sind die Häuser hierfür als Grundelement zu gross oder die Reihen sind zu kurz. Mehrheitlich sind lediglich zwei, höchstens aber drei solcher Mehrfamilienhäuser zusammengebaut. In dem sich das Haus nicht in der kleinteiligen Staffelung verliert, sondern in der Addition erkennbar ist, bleibt es eigenständiger als es die Reiheneinfamilienhäuser sind. (Weiter bei …)