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Entscheidungshilfe
Diese drei Dinge sind für eine erfolgreiche Firmengründung unerlässlich:
- eine realistische Selbsteinschätzung;
- eine realistische Einschätzung des wirtschaftlichen Umfelds;
- die Bereitschaft, einige Jahre viel zu arbeiten und dabei unter Umständen wenig(er) zu verdienen.
Diese Fragen sollte man sich stellen
Nur etwa drei von vier Firmen überleben das zweite Jahr nach der Gründung. Vor dem Schritt in die Selbstständigkeit lohnt es sich daher, folgende Fragen zu stellen:
- Warum will ich selbstständig werden? Welche persönlichen und materiellen Ziele will ich damit erreichen?
- Welche besonderen Fähigkeiten geben mir die Sicherheit, dass ich aus eigener Kraft ein Geschäft aufbauen und im Markt etablieren kann?
- Verfüge ich über genügend Organisationstalent und Selbstdisziplin?
- Bin ich bereit dazu, auch administrative Aufgaben zu erledigen?
- Wie nützlich ist mein Beziehungsnetz für meine geschäftlichen Pläne?
- Gehe ich gern auf Menschen zu? Kann ich Kundinnen und Kunden für meine Idee begeistern?
- Trete ich selbstsicher auf? Kann ich künftige Mitarbeitende führen und delegieren?
- Wie hoch ist meine finanzielle Belastbarkeit? Habe ich genügend Reserven?
- Wie denken wichtige Bezugspersonen (Partner, Familie, Freunde) über meine Pläne? Sind sie bereit, mich zu unterstützen, wenns mal nicht so rund läuft?
- Habe ich einen Businessplan, der einer Prüfung durch Experten (Banken, Steuerberater usw.) standhält?
- Bin ich körperlich und mental in guter Verfassung?
- Welche Alternativen habe ich, wenn meine Pläne fehlschlagen? Bin ich flexibel genug, um mit einem Misserfolg umgehen zu können?
Nicht jeder kann oder will es sich leisten, gleich am Anfang der selbstständigen Erwerbstätigkeit auf volles Risiko zu gehen. Aus diesem Grund wird häufig eine Kombination aus Teilzeitjob und Selbstständigkeit gewählt. Der Teilzeitjob garantiert ein gewisses Grundeinkommen und einen minimalen Versicherungsschutz. Daneben kann die Selbstständigkeit als Experiment mit offenem Ausgang realisiert und sukzessive erweitert werden.
Wege zur eigenen Firma
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um sich mit einer eigenen Firma selbstständig zu machen: Eine Franchise kaufen, eine bestehende Firma übernehmen oder ein eigenes Unternehmen gründen.
Eigenes Unternehmen gründen
Wer seine eigene Idee auf den Markt bringen und dafür eine eigene Firma gründen möchte, ist mit erheblichem Arbeitsaufwand konfrontiert: Gründer/innen starten bei Null und müssen ein komplettes Firmenkonzept selbstständig erstellen. Jede Firmengründung ist zudem mit administrativen Abklärungen und Behördengängen verbunden. Auf ch.ch sind die wichtigsten Themen zusammengestellt: Handelsregister, Sozialversicherungen, Steuern und Mehrwertsteuer. Bei jedem Thema sind Links zu den entsprechenden Behörden aufgeführt. Bei der Suche nach günstigen Lokalitäten, Kapital und Geschäftspartnern können regionale Partner wie Gründerzentren nützliche Dienste leisten. Für Arbeitslose, die ein eigenes Unternehmen gründen wollen, existieren besondere Unterstützungsmassnahmen der Arbeitslosenversicherung. Die wichtigsten Portale zum Thema Unternehmensgründung sind:
KMU-Portal des Bundes
Das KMU-Portal des Bundes informiert über Themen, die im Zusammenhang mit der Gründung und Führung eines Unternehmens wichtig sind und die von der Gesetzgebung des Bundes geregelt werden. Auf diesem Portal finden sich auch Adressen und Links zu weiteren öffentlichen Institutionen. Diese können vor, währende und nach der Gründungsphase interessant sein. Bei der administrativ-rechtlichen Gründung hilft die Plattform startBIZ.ch auf der gleichen Website weiter.
www.kmu.admin.ch
gruenden.ch
Die Gründungsplattform des Kantons Zürich bietet Informationen, Hilfsmittel (Muster und Vorlagen), Literaturtipps, Ansprechpartner und ein breit abgestütztes Netzwerk. Ein grosser Teil des Angebots richtet sich auch an Personen ausserhalb des Kantons Zürich.
www.gruenden.ch
venturelab.ch
Venturelab, eine Initiative der Förderagentur für Innovation KTI, führt in enger Zusammenarbeit mit ETH, Universitäten und Fachhochschulen massgeschneiderte Ausbildungsmodule zur Förderung von innovativen Jungunternehmen und zur Sensibilisierung von Studierenden für das Thema Entrepreneurship durch.
www.venturelab.ch
ifj.ch
Die Online-Plattform des Instituts für Jungunternehmen (IFJ) vermittelt Informationen und Know-how rund ums Thema Unternehmensführung. Angeboten werden Kurse, Beratungen, Leitfäden und weiteres. Das Institut hat Büros in St. Gallen, Schlieren und Lausanne.
www.ifj.ch
Netzwerk für Frauen (nefu.ch)
Nefu ist ein Netzwerk für Frauen, die sich selbstständig machen wollen oder schon gemacht haben.
www.nefu.ch
easygov.swiss
Die Plattform EasyGov dient als Online-Schalter für Unternehmen. Behördengänge, die mit der Gründung einer Firma einhergehen, können hier virtuell abgewickelt werden. Unterstützung gibt es bei der Anmeldung beim Handelsregister, bei der AHV-Ausgleichskasse, der Mehrwertsteuer und der Unfallversicherung.
www.easygov.swiss
arbeit.swiss
Webseite des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO rund um das Thema Arbeitslosigkeit. Hier gibt es Informationen zur «Förderung der selbstständigen Erwerbstätigkeit (FsE)», eine von der Arbeitslosenversicherung getragene Massnahme, die Arbeitslose bei der Firmengründung unterstützt.
www.arbeit.swiss
Eine Franchise kaufen
Mit dem Erwerb einer Franchise erhalten Käufer/innen das Recht, ein bereits existierendes Produkt oder eine Dienstleistung zu vermarkten. Das ist beispielsweise der Fall, wenn jemand eine Filiale einer bestehenden Ladenkette eröffnet. Üblich ist dieses Modell etwa bei Fast-Food-Restaurants, Coiffeursalons oder im Autohandel. Geschäftsführende müssen dem franchisegebenden Unternehmen einen Teil der Einnahmen abgeben und dessen Leitlinien beachten. Dafür erhalten sie in Bereichen wie Marketing oder Ausbildung Unterstützung vom Unternehmen und können rasch Profit verzeichnen. Mehr Infos gibt es auf der Webseite des Schweizer Franchise Verbands.
Ein existierendes Unternehmen übernehmen
Der Kauf einer bestehenden Firma ist ein einfacher und häufig gewählter Weg in die Selbstständigkeit: Unternehmensstruktur und Kundschaft sind vorhanden. Dafür ist jedoch ein grosses finanzielles Polster notwendig. Streben Käufer/innen einen Strategiewechsel an, besteht das Risiko, dass bestehende Kundschaft abwandert oder Mitarbeitende kündigen. Die Übernahme einer bestehenden Firma kann auf verschiedene Weise geschehen, etwa durch den Kauf eines Teils des Unternehmens oder den Kauf von Aktiven und Passiven.
Finanzierungsmöglichkeiten
Wer ein eigenes Unternehmen gründet, muss sich als einen der ersten Schritte mit der Finanzierung auseinandersetzen. Viele Gründer/innen greifen dabei auf Ersparnisse zurück. Manche bitten auch Familie und Freunde um finanzielle Unterstützung. Doch Vorsicht: Scheitert das Unternehmen und das Geld ist verloren, kann die persönliche Beziehung stark belastet werden. Es gibt weitere Möglichkeiten, das Startkapital zu finanzieren:
Banken
Banken sind bei der Kreditvergabe an Unternehmer/innen oft zurückhaltend und beteiligen sich eher nach der Startphase. Es lohnt sich, vorgängig verschiedene Finanzinstitute und deren Bedingungen zu vergleichen.
Risikokapitalgesellschaften (Venture Capital)
Dabei handelt es sich um Finanzpartner, die dank Kapitalinvestitionen in der Lage sind, Unternehmen in der Startphase zu unterstützen. Gleichzeitig sind sie an Gewinn und Verlust beteiligt. Es ist auch hier wichtig, die eigene Rentabilität belegen und überzeugend kommunizieren zu können.
Business Angels
Business Angels sind meist Personen, die sich aus dem aktiven Geschäftsleben zurückgezogen haben, aber weiterhin eine wirtschaftliche Rolle übernehmen möchten, indem sie Projekte mit Kapital, Zeit und Know-how unterstützen. Sie sind ebenfalls am Erfolg des Unternehmens beteiligt.
Bürgschaftsgenossenschaften
Organisationen wie Banken oder Mikrokreditgesellschaften, die Geld leihen, verlangen eine Kaution oder Garantie, um das mit der Investition verbundene Risiko zu decken. Bürgschaftsgenossenschaften können dabei helfen, einen Kredit zu erhalten, ohne das Privatvermögen als Garantie aufs Spiel zu setzen. In der Schweiz gibt es vier anerkannte Bürgschaftsgenossenschaften: BG Mitte, Bürgschaftsgenossenschaft für KMU, BG Ost, Bürgschaftsgenossenschaft für KMU, Coopérative romande de cautionnement – PME, Bürgschaftsgenossenschaft SAFFA für weibliche Unternehmende.
Crowdfunding
Beim Crowdfunding können Gründer/innen Geld über eine Online-Plattform sammeln, ähnlich wie Spenden. Mehr Informationen liefert die Swiss Crowdfunding Association.
Weitere Lösungen
Es kann vorkommen, dass Kundinnen und Kunden in der Startphase eines neuen Unternehmens bereit sind, Zahlungen im Voraus zu leisten. Weitere Möglichkeiten sind Stipendien, Subventionen, Preise, Wettbewerbe, Unterstützung von Gründerzentren, Forschungsgelder von Hochschulen, Fonds gemeinnütziger Stiftungen oder Steuererleichterungen. Informationen liefern regionale Wirtschaftsförderverbände: ansiedlung-schweiz.ch
Rechtsformen
Die Wahl der Rechtsform hängt von verschiedenen Kriterien ab, zum Beispiel: Umgang der Haftung, Startkapital, Unabhängigkeit, Steuerbelastung und Sozialversicherungen.
Einzelfirma
Wer ein Unternehmen gründen will, muss sich für eine Rechtsform entscheiden. Knapp die Hälfte der Firmen in der Schweiz sind Einzelfirmen (Vorteile: keine Kapitalhinterlegung nötig, Eintrag ins Handelsregister erst ab 100'000 Franken Umsatz zwingend). Inhaber/innen einer Einzelfirma haften allerdings gegenüber Kunden und Lieferanten nicht nur mit ihrem gesamten Vermögen, sondern sie müssen auch die Altersvorsorge und zusätzliche Versicherungsprämien (Unfall- und Taggeld-Versicherung) allein finanzieren. Dazu kommt, dass sich Inhaber/innen einer Einzelfirma nicht gegen Arbeitslosigkeit versichern können. Bevor die AHV-Kasse einer Person den Status "Selbstständig Erwerbende/r" gewährt, prüft sie, ob die Voraussetzungen für eine selbstständige Geschäftstätigkeit gegeben sind. Wer weder einen Handelsregisterauszug vorlegen noch ein gewisses Auftragsvolumen dokumentieren kann, wird nicht als "Selbstständig Erwerbende/r" anerkannt.
Kapitalgesellschaft
Wer finanziell weniger Unternehmerrisiko eingehen will, beschränkt dies durch die Gründung einer Kapitalgesellschaft auf einen bestimmten Betrag, etwa mittels einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) oder einer Aktiengesellschaft (AG). Allerdings sind mit diesen Rechtsformen Gründungs- und Verwaltungskosten verbunden.
Das SECO hat die Vor- und Nachteile der wichtigsten Rechtsformen in einer Tabelle übersichtlich dargestellt. Eine ausführliche Beschreibung der verschiedenen Rechtsformen enthält das KMU-Portal des SECO.