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Wahrscheinlich haben wir alle schon einmal vor dem Fernseher gesessen und eine dieser Nachrichtensendungen staunend geschaut, bei denen jemand, der Gebärdensprache beherrscht, die Nachrichten parallel für Gehörlose dolmetscht. In diesem Zusammenhang bekommt der Ausdruck „Wir haben Nachrichten GESCHAUT“ eine ganz andere Dimension. Denn die meisten von uns waren wohl so fasziniert, dass sie wirklich nur geschaut haben, ohne wirklich zuzuhören, was der Nachrichtensprecher erzählt. Von der Gebärdensprache geht also eine gewisse Faszination aus. Wir empfinden nicht nur Mitgefühl für diejenigen, die gehörlos sind, sondern auch Bewunderung für die Art der Kommunikation, die Gehörlose nutzen. Und auch wir, die das Privileg besitzen, hören zu können, sind uns dessen bewusst, dass wir durchaus Gebärdensprache lernen könnten, um uns gegenüber Gehörlosen verständlich zu machen. Dabei scheint die Gebärdensprache eine unglaublich komplexe Art der Kommunikation zu sein und jemandem, der sich näher mit dem Thema beschäftigt, schießen sofort diverse Fragen in den Kopf: Wie lange dauert es, Gebärdensprache zu erlernen? Kann überhaupt jeder Gebärdensprache lernen? Wie lernen Gehörlose die Gebärdensprache, wenn sie nicht hören können, was ihr Lehrer ihnen mitteilt? Gibt es zwischen unterschiedlichen Sprachen und Kulturen auch Unterschiede in der jeweiligen Gebärdensprache?
Im Volksmund sprechen wir davon, jemand sei „taubstumm“. Die offizielle Bezeichnung dafür ist mittlerweile jedoch Taubheit oder Gehörlosigkeit. Dies hat zweierlei Gründe, die beide damit zusammenhängen, dass der Begriff „taubstumm“ als denunzierend wahrgenommen wird. Zum Einen sind Gehörlose sehr wohl in der Lage, sich durch gezieltes Sprechtraining die Fähigkeit zum Sprechen anzueignen. Taubheit ist also nicht zwingend mit akustischer Stummheit verbunden. Zum Anderen sind Gehörlose durchaus eloquent und in der Lage, sich mitzuteilen. Als „stumm“ werden sie nur von denjenigen wahrgenommen, die die Gebärdensprache nicht beherrschen, weshalb das Defizit auch auf der anderen Seite gesehen werden kann. Man könnte zum Beispiel behaupten, die Mehrheit der Menschen sei „gebärdensprachbehindert“ oder „gebärdenblind“.
Daher lohnt es sich sicherlich auch für Nicht-Gehörlose, einmal darüber nachzudenken, die Gebärdensprache zu erlernen oder ihr zumindest einmal ein bisschen Aufmerksamkeit zu schenken. Es erweitert den Horizont bezüglich der Frage, wie Sprache, sowohl verbale als auch non-verbale, eigentlich überhaupt funktioniert. Zudem zeugt es von Respekt den Gehörlosen gegenüber, sich einmal mit ihrer Art der Kommunikation auseinanderzusetzen. Und irgendwie ist es doch spannend, alles auch ohne Worte sagen zu können, oder? Etwas ohne Worte zu sagen ist kein Paradoxon dank Gebärdensprache. Wir können also alles, was wir sagen wollen, auch durch Gestik und Mimik mitteilen und werden dadurch sensibilisiert für so viele unterschiedliche Dinge: auch im Allgemeinen der Mimik und Gestik von Menschen sowie unserer eigenen mehr Aufmerksamkeit zu schenken, bewusster darauf zu achten, was wir eigentlich sagen, und vielleicht auch, andere Kulturen kennenzulernen und zu respektieren. Sowohl unsere Toleranz als auch unsere Empathie wird geschult und so lernen wir nicht nur die Gebärdensprache als solche, sondern erwerben auch bestimmte Schlüsselqualifikationen, die uns nur voranbringen können. Gebärdensprache lässt sich mittlerweile in allen größeren Städten lernen und oft lernen wir dabei sogar Gehörlose kennen. Es kann also nur von Vorteil sein, sich einfach einmal mit einer ganz anderen Art der Kommunikation gezielt auseinanderzusetzen!