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Stulpen
Wohlige Wärme an kühlen Tagen? Das müssen Sie über Stulpen wissen!
Wenn die Tage kürzer und die Witterung kühler werden, sieht man sie wieder an vielen Händen und Füßen: wärmende Stulpen. Die praktischen Teile, die die Unterarme und Unterschenkel schützen sollen, haben sich längst zu modischen Accessoires gemausert, die bei der Zusammenstellung eines Herbst- oder Winteroutfits bewusst als Stilelement eingesetzt werden. Wir verraten Ihnen, woher die Warmmacher kommen, welche Varianten es gibt und wie Sie sie am geschicktesten kombinieren.
Stulpen – Woher kommen die wärmenden Wollteile?
Das Wort Stulpe leitet sich von 'stülpen' (auch 'überstülpen') ab, was soviel heißt wie 'etwas umkrempeln', 'etwas umschlagen', 'etwas bedecken'. Wenn sich zum Beispiel jemand eine Mütze überstülpt, dann zieht er sie sich über den Kopf, sodass dieser bedeckt – und damit auch geschützt – ist.
Armstulpen sind bereits seit der Renaissance bekannt und waren zu verschiedenen Epochen Teil der Kleidermode. So wurden beispielsweise die meist kurzärmligen Kleider des Empirestils um 1800 herum gern mit feinen, etwa ellbogenlangen Stulpen getragen. Diese erfüllten damit denselben Zweck wie Handschuhe, ohne jedoch die Trägerin in demselben Maße einzuschränken, zum Beispiel bei Handarbeiten. Auch während des Biedermeier waren die Armstulpen sehr beliebt.
Die Beinstulpen stammen vermutlich von den Stulpenstiefeln der Herren ab, die zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges aufkamen. Um den Stiefelträger beim Reiten durch unwegsames Gelände zu schützen, verfügten die Stiefel über einen extralangen Schaft, dessen oberer Teil nach unten umgeklappt oder aber zum Schutz der Knie und Oberschenkel nach oben getragen werden konnte.
In der Neuzeit haben sich die Beinstulpen dann vor allem dank der Nutzung durch die Tänzer durchgesetzt: Beim klassischen Ballett, aber auch bei anderen Varianten des Tanzens, tragen die Trainierenden in der Aufwärmphase über den dünnen Leggins gern wärmende Stulpen. Hierdurch wird verhindert, dass die Muskulatur überdehnt oder gezerrt wird. Je nach Umgebungstemperatur können diese langen Stulpen bis zu den Oberschenkeln hochgezogen oder auch bis zum Knöchel hinabgeschoben werden – eine Eigenschaft, die auch die als Modeaccessoires verwendeten Beinstulpen oftmals haben.
Wer trug die Stulpen zuerst?
Schon aus der höfischen Damenmode der Gotik und Renaissance sind feine Handstulpen bekannt, die passend zum Kleid getragen wurden. Besonders beliebt waren Stulpen, die auf dem Handrücken in Dreiecksform ausliefen, weil dies der Hand ein elegantes, feminines Aussehen verlieh. Aber auch die Herren trugen bereits zu dieser Zeit schützende Stulpen über den Armen: Als Verlängerung der Handschuhe beim Fechten schützten sie die Unterarme vor dem Degen des Gegenübers.
Darüber hinaus kam ab dem Ende des Dreißigjährigen Krieges beim Militär der sogenannte Ärmelaufschlag in Mode – eine farbige Manschette, die über dem Jackenärmel getragen wurde und durch ihre Farbe und zum Teil auch eingestickte Wappen die Zugehörigkeit des Soldaten zu einem bestimmten Heer verdeutlichte. Zu dieser Zeit begannen die Herren – vor allem Reiter und Soldaten – auch Stiefel mit Stulpen zu tragen.
Gestrickt, gesteppt oder glatt – Wie unterscheiden sich verschiedene Stulpen voneinander?
Heute werden Stulpen vor allem als modisches Accessoire getragen, was auch dazu geführt hat, dass es sie in sehr verschiedenen Ausführungen gibt. Dabei spielt natürlich auch der jeweilige Verwendungszweck eine Rolle.
Stulpen, die vor allem dafür gedacht sind, im Winter richtig gut zu wärmen, werden meist aus dicker Wolle und in dichten Maschen gestrickt. Sie sind dann sehr warm, lassen sich jedoch weniger gut zusammenschieben und auseinanderziehen. Außerdem kommt es bei Stulpen aus reiner Wolle darauf an, dass sie möglichst passgenau angefertigt werden, weil sich das Material nicht dehnt. Im industriellen Bereich sind sie aus diesem Grund selten zu finden.
Stattdessen werden häufig Mischgewebe verwendet, die zum Beispiel Baumwolle, Polyamid und Elasthan enthalten. Diese sind dann nicht nur wesentlich dehnbarer, sondern lassen sich auch in der Maschine waschen. Bei Beinstulpen, die in verschiedenen Varianten getragen werden sollen, wenden die Hersteller gern ein längs geripptes Muster an. Dieses unterstützt das Auseinanderziehen und Zusammenschieben der Stulpen.
Bei den Handstulpen gibt es eine deutlich größere Vielfalt, weil diese weniger dehnbar sein müssen und außerdem in ihrer kompletten Länge getragen werden. Neben der sehr dicken, wärmenden Wolle gibt es diese Form von Stulpen deswegen auch aus Filz, aus Cord, aus Baumwolle und sogar aus Seide. Dabei unterscheiden sich die einzelnen Modelle sowohl in der Länge als auch in der Gestaltung des oberen Endes: Vom einfachen offenen Trompetenende über ein eingefügtes Daumenloch bis hin zu einem angesetzten halben Daumen ist alles möglich. Auch Verzierungen wie aufgenähte Blüten oder Abschlüsse mit Mustern sind eher bei den Stulpen für die Arme üblich.
Wozu trägt man Stulpen?
Stulpen sind sehr vielseitig einsetzbar und können daher zu verschiedenen Outfits kombiniert werden.
Viele Frauen tragen in der kühleren Jahreszeit ihre Beinstulpen zu kurzen (maximal knielangen) Röcken und blickdichten Strumpfhosen oder Leggins. Sie können aber ebenso gut über Jeans oder Stoffhosen getragen werden, sofern diese im unteren Beinbereich eng geschnitten sind. In der Kombination mit Stiefeln haben Sie die Wahl, ob Sie Ihre Stulpen im Stiefel oder darüber tragen möchten. Beides ist möglich und sieht gut aus. Wenn Sie die Stiefel über die Stulpen ziehen, sollten Letztere oben herausschauen – das macht den Look perfekt. Vermeiden sollten Sie Stulpen hingegen bei langen Röcken und weiten Hosenbeinen.
Handstulpen passen besonders gut zu Pullis mit Dreiviertelarm. Sie lassen sich jedoch in der kürzeren Variante auch zu T-Shirts sehr schön kombinieren. Wer an einem wirklich kalten Tag im Büro sitzt und beim Schreiben kalte Hände hat, kann auch zu einem langärmligen Pullover Stulpen tragen und diese dann am besten unter den Ärmeln hervorschauen lassen. Diesen Trick wenden übrigens auch Musiker gern an, wenn sie in kalten Kirchen oder auf Bühnen unter freiem Himmel spielen: Schwarze Handstulpen ergänzen die winterliche Konzertkleidung unauffällig, aber sehr effektiv.
Zu welchen Styles passen schicke Stulpen am besten?
Schicke Beinstulpen – das heißt Stulpen, die aus eher zartem Faden hergestellt und mit Mustern verziert sind – lassen sich am besten mit einem feminin-eleganten Stil vereinbaren. Denkbar wären zum Beispiel ein knielanges winterliches Strickkleid, eine dezente blickdichte Strumpfhose und zarte Beinstulpen, möglichst im selben Farbton wie das Kleid. Dazu würden knöchelhohe Schuhe mit Keilabsätzen gut passen.
Bei den Armstulpen haben Sie auch bei den schickeren Modellen mehr Auswahl. So werden zu ärmellosen oder kurzärmligen Ball- und Brautkleidern auch heute noch gern ellbogenlange Seidenstulpen getragen. Diese laufen wie damals in der Renaissance oftmals spitz zu und werden mit einer Schlaufe über den Mittelfinger gehängt. Schicke Handstulpen aus Wolle oder Mischgeweben können Sie zu edlen Pullovern oder Blusen gut tragen.