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Ortsbezeichnung: Ärdbrich (In der Ärdbrich)
Ein Rundbogenfenster als Indiz
Zen Ärdbriche (mit betontem ,ch’ ausgesprochen) stehen heute zwei Wirtschaftsgebäude (eines mit Anbaute), einst waren es vier. Wie die Stadel sind hier auch die Getreideäcker verschwunden. Geblieben sind die Mähwiesen und die Weiden, in der Stallscheune finden sich bis heute Heu und im Stall werden Schafe gehalten. Hier arbeitete Klaus Julen in den 1970er Jahren mit seiner Mutter und seiner Tante. Gemeinsam brachten sie das Heu ein. Dabei erzählten die Frauen, schon ihr Vater habe ihnen jeweils gesagt, man habe sich noch früher erzählt, hier sei einmal ein Haus gestanden. Tatsächlich ist in der Südwand der jetzigen Stallscheune ein Rundbogenfenster zu sehen, wie sie in der Region die Wohnhäuser des 15. Jahrhunderts charakterisieren. Von einem zweiten Fenster in dieser Wand blieb die obere Nut erhalten, das einstige Fensterformat ging in einer ausgesägten Scheunentür auf.
Auf der Innenseite ist nicht nur das (verschlossene) Rundbogenfenster mit den seitlichen Pfosten gut sichtbar (rechts) sondern auch die seitliche Nut eines zweiten Fensters (links, heute zur Tür vergrössert). Zudem zeigt die Wand mit dem Beil eingehackte römische Zahlen: Beim Versetzen des Gebäudes nummerierten die Zimmerleute die Wandhölzer in ihrer Reihenfolge.
Unbekannt bleibt, wann und wo das alte Wohnhaus abgerissen und mit dem Holz hier eine Stallscheune gebaut wurde. Vielleicht ist es sogar das Haus, das hier am Ort stand und zu dem Hans-Robert Ammann eine einschlägige Urkunde zitiert: 1540 gaben sich in Zermatt die schon 1538 durch Loskauf frei gewordenen Leute der ehemaligen Herrschaft des Johann Werra von Leuk eigene Satzungen (Staatsarchiv Wallis, Signatur AV 70bis, Zermatt 1540). Mit diesen Satzungen organisierten sie selbständig das Gerichtswesen. Neben einer Anzahl Häuser von Aroleyt (s. Beitrag unten) erwähnt dieses Dokument weitere Häuser, die vormals zur Werra-Herrschaft gehörten, auch einige innerhalb des Triftbaches. Dabei ist „item domus heredum condam Jannini Binders zen Erdbrichun“ aufgeführt – das Haus der Erben des verstorbenen Jannin Binder zen Erdbrichun.
Der heute noch bekannte Flurname Ärdbrich existiert auch in einer Lehensanerkennung vom 2. Januar 1449. Darin ist von einem Stück Land „am nydren Hubel“ die Rede, das nach unten an die Fluh „zen Ertbruchen“ grenzt, im Lateinischen Original „supra saxum zen Ertbruchen“ (Pfarrarchiv Zermatt, Signatur F2). Ob das Wohnhaus der Familie Binder in der Hofstatt (GIS 6156) neben der heutigen Stallscheune stand?
Zur Dendroanalyse wurden 13 Proben entnommen, deren fünf kein Resultat ergaben. Im Erdgeschoss enden zwei Proben mit 11 und 13 Splintholzjahren (äusserste Jahrringe) 1740 und 1741. Demnach dürfte der Stall aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammen. Im Obergeschoss hingegen liessen sich drei Proben (mit Waldkanten) präzise auf 1480/1481 datieren; zwei weitere weisen ebenfalls auf das 15. Jahrhundert. Damit haben wir das spätmittelalterliche Haus gefasst – und finden im Oberwallis ein ,Geschwister’, das ebenfalls in diesen Zeitraum dendrodatiert ist: Ein quasi gleich aussehendes Rundbogenfenster existiert in Ferden (Lötschental) an einem Wohnhaus, das aus dem Jahr 1414 stammt, ein weiteres findet sich in der Oberen Warbfluh bei Mund.
Labornummern Dendrosuisse 2022: 621 481-488 und 621 801-805 vom 03. November 2022. Koordinate 2 622 924 / 1 095 443
Parzellennummer GIS 6155, Gebäudenummer 2563 bzw. Nr. 17