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Im 20. Jahrhundert prägten vor allem zwei Faktoren die Entwicklung des Waffenplatzes: Die beiden Weltkriege und der technische Fortschritt. Die Ausbildungs- und Rüstungsanstrengungen vor und während der Weltkriege brachten einen Ausbau der Rüstungsbetriebe und eine erhöhte Belegung der Kasernen und Übungsplätze mit sich. In diesen Zusammenhang gehört die Eröffnung der Dufourkaserne 1940. Der steigende Materialbedarf der Armee führte im gleichen Jahr zum Bau des Nachschubzeughauses Gwatt.22 Die technischen Innovationen im Gefolge der Weltkriege betrafen Thun in besonderer Weise: Während des Ersten Weltkriegs wurde hier die neu gebildete Flugwaffe stationiert und die Epoche des Flugzeugbaus nahm ihren Anfang.
Die Mechanisierung der Armee führte zur Schaffung des Armeemotorfahrzeugparks (AMP), der sich aus bescheidenen Anfängen mit einer ersten Fahrzeughalle im Jahr 1920 schnell zu einem Grossbetrieb mit mehreren 100 Fahrzeugen entwickelte. Ab 1925 fanden spezielle Rekruten-, Unteroffiziers- und Offiziersschulen für Motorfahrer statt, sodass die Belegung des Waffenplatzes noch stärker anstieg. Das stürmische Wachstum der Truppenbestände zog eine entsprechende Bautätigkeit nach sich; schon 1922 wurde eine zweite Fahrzeughalle gebaut, 1931 folgte die dritte und 1939 die vierte. Dazu kamen weitere Gebäude wie Werkstätten und Ersatzteillager sowie immer wieder grössere Umbauten. Für den Unterhalt der Fahrzeuge war eine wachsende Zahl von Mechanikern zuständig, deren Rekrutenschulen seit 1948 ebenfalls in Thun angesiedelt sind.24
Eine Ansichtskarte aus den Anfängen des Motorwagendienstes in den 1920er-Jahren zeigt die erste Halle auf dem Gelände des Armeemotorfahrzeugparks.
Eine logische Folge der fortschreitenden Mechanisierung der Armee war die Aufhebung der Pferderegieanstalt im Jahr 1950. Der AMP konnte den dadurch frei werdenden Platz übernehmen. Da dieser jetzt auf beiden Seiten der Aare lag, fasste dessen Leitung den Bau einer Brücke ins Auge. Allerdings wurde diese erst 1969 realisiert.25 Nach dem Ende des Militärflugplatzes Thun belegte der AMP 1955 auch dessen Liegenschaften. Da Thun bereits Ausbildungsplatz für die mechanisierten Truppen war, lag es nahe, nach der Aufhebung des Militärflugplatzes hier die Panzertruppen auszubilden. Zwar schaffte die Armee schon 1939 24 Panzer an, aber die eigentliche Aufrüstung mit gepanzerten Fahrzeugen setzte erst nach dem Zweiten Weltkrieg ein.
Die Schweizer Armeeführung zog aus der Erfahrung des Kriegs die Folgerung, dass die Schweiz nur mit einer starken Armee unabhängig bleiben könne. Deshalb wurde nach 1945 auch nicht ab-, sondern vielmehr weiter aufgerüstet.26 Dabei kamen sich Flieger- und Panzertruppen in die Quere. Um mit Düsenflugzeugen starten und landen zu können, wären ein Ausbau des Flugplatzes und der Bau einer Hartbelagspiste quer über die Allmend nötig gewesen. Da eine solche die Panzer zu stark eingeschränkt hätte, erwog der Bund, einen anderen Übungsplatz für diese zu suchen. Allerdings hielt es das Militärdepartement schon 1951 für unrealistisch, einen solchen zu finden. Niemand wäre bereit gewesen, so viel Land zur Verfügung zu stellen. Deshalb verzichtete man zugunsten der Panzerausbildung auf den Flugplatz.27 Seit 1953 finden auf dem Waffenplatz regelmässig entsprechende Schulen statt. In der Konsequenz wurde zwischen 1958 und 1970 in mehreren Etappen eine Panzerpiste gebaut.28
Der tschechische Panzer Praga auf einer Testfahrt, vermutlich in der Gegend von Thun.
Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Armee, im Ausland neuere Modelle zu kaufen. Fotografie, 1939–1945.
Die Angst vor einem sowjetischen Angriff hielt das Gefühl der Bedrohung wach. In der Folge entwickelte die Armee in den 1960er-Jahren in Thun die Panzermodelle 61 und 68. Daher wuchsen nicht nur die Rüstungsbetriebe: Schon bald erwiesen sich die vorhandenen Anlagen als zu klein für die Panzertruppen, sodass in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre neue Ausbildungsanlagen auf dem Polygon-Areal entstanden. Mit dem Waffenplatz wuchs auch das Zeughaus, das 1969 die Halle 10 und 1975 die Halle 11 einweihen konnte. Das Ende der Artillerieschulen 1945 brachte für den Waffenplatz in Thun eine gewisse Entlastung.29 Geschossen wurde allerdings weiterhin: Die Artillerie-Versuchsstation führte ihre Versuche immer noch auf dem Waffenplatz durch, bis sie 1952 in der Witaumatte (am Glütschbach, unterhalb von Amsoldingen) einen eigenen Schiessplatz erhielt. Es kamen weitere Anlagen hinzu, welche der Bund jedoch 1988, 1992 und 1993 durch unterirdische ersetzte.30
Im Rückblick lässt sich feststellen, dass die Belegung des Waffenplatzes im Lauf des 20. Jahrhunderts stark zunahm: Wurden 1901 in Thun noch 139726 Diensttage geleistet, so waren es 1999 bereits rund 500000; im Jahr 2016 ging die Belegung wieder auf rund 400000 Diensttage zurück.31 Dazu kamen die Belastung durch Fahrzeuge aller Art sowie hohe Anforderungen an die Infrastruktur.
Die lange Entwicklung und die Bedeutung des Waffenplatzes zeigen sich inzwischen auch in der Existenz von Institutionen, die sich der Geschichte der Armee widmen. Schon seit Jahrzehnten gibt es auf dem Gelände der Dufour-Kaserne das Panzermuseum. Die Stiftung Historisches Material der Schweizer Armee baut seit 2008 eine systematische Sammlung von Armeematerial auf und kann sich dabei auf die Vorarbeit des 1978 gegründeten Vereins Schweizer Armeemuseum stützen. So gibt es nun eine vom Bund unterstützte Sammlung, die man auf Anfrage besichtigen kann.32