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Keinen Besuch einer Seevogelkolonie und sogar den Kontakt einer grösseren Ansammlung von Vögeln in und um die Einstiegsorte für Abfahrten in die Antarktis und eine genaue Überwachung von Tieren an Anlandestellen vor Anlandungen bei Kolonien sind die neuesten Massnahmen, die das USAP auf seiner Webseite veröffentlicht hat. Damit soll verhindert werden, dass Forschende oder Stationspersonal auf ihrem Weg in die Antarktis aus Versehen das HPAI-H5N1-Virus in Kolonien von Pinguinen oder Robben einschleppen. «Es besteht ein sehr hohes Risiko, dass das hochansteckende Vogelgrippevirus HPAI-H5N1 im Südlichen Ozean während der 2023/24 Südsommersaison ankommen wird», schreibt die USAP in ihrer Pressemitteilung.
Die Massnahmen, die auf der Webseite der USAP stehen, gelten für alle Personen, die sich in dieser Saison an den Stationen Amundsen-Scott, McMurdo oder Palmer aufhalten werden, egal wie lange und wofür. Besonders letztere sehen die Behörden als besonders gefährdet an, da diese von Punta Arenas aus mit den Eisbrechern versorgt wird. Weil in Chile aber das Virus mittlerweile weitverbreitet ist und für den Tod von rund 900 Magellanpinguinen und etwa 3’300 Seelöwen verantwortlich gemacht wird, warnt man vor einem Besuch einer Pinguinkolonie oder anderen Regionen, in denen Seevögel oder Robben häufig sind.
Diese beiden Massnahmen sind aber nur zwei aus einem ganzen Katalog, der bereits im letzten Jahr eingeführt worden war und sowohl vom Managerrat der nationalen Antarktisprogramme COMNAP und dem Verband der antarktischen Tourbetreiber IAATO unterstützt wurde. Dazu zählen eine gründliche Desinfektion aller Dinge, die mit dem Boden in Kontakt waren (Stiefel, Stöcke, Stangen, etc.), kein Sitzen, Knien oder Liegen, wenn Tiere in der Nähe sind, ein absolutes Berührverbot von toten Tieren und das Rapportieren von ungewöhnlichem Verhalten von Vögeln und Robben.
Das Virus verbreite sich zwar vor allem durch die Wanderbewegung von Zug- und Seevögeln und Robben. Doch das lässt sich kaum verhindern, während das Risiko für durch Menschen verursachte Einschleppung bei einem gewissenhaften Anwenden der Massnahmen gesenkt werden kann. Im vergangenen Jahr waren keine Fälle eines HPAI-H5N1-Ausbruches bekannt geworden. Doch damals war das Virus auch noch nicht so nahe. Ausserdem wusste man damals nicht, wie stark auch Meeressäuger wie Robben davon betroffen werden. «HPAI resultiert in einer sehr raschen und sehr hohen Sterblichkeit (bis zu 100 Prozent) in infizierten Tiergruppen», sagen Expertinnen und Experten.
Nicht nur Antarktika und die subantarktischen Inseln sind besorgt über das immer weiter nach Süden vordringende Virus. Auch die Falklandinseln sind davon betroffen. Denn hier werden zahlreiche Seevögel diesen Sommer hinfliegen und ihren Nachwuchs zur Welt bringen wollen, nachdem sie in rund um Südamerikas Küsten sich den Bauch vollgeschlagen haben. Sie bilden das grösste Risiko eines Einschleppens des HPAI-H5N1-Virus. Um zu verhindern, dass Besucher das Risiko vergrössern, sind auch hier mittlerweile Schutzmassnahmen in Kraft.
Obwohl die Massnahmen erst von der USAP kommuniziert worden sind, dürften die anderen nationalen Forschungsprogramme ähnliche Verschärfungen in Erwägung ziehen. Ob auch die IAATO seinen Mitgliedern den Besuch von Vogel- oder Robbenkolonien ausserhalb der Antarktis untersagt oder zumindest davon abrät, wird sich ebenfalls bald zeigen.
Dr. Michael Wenger, PolarJournal
Link zur Website des USAP