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Faktoren der Blutspende und Blutstammzellenspende
Beweggründe und Barrieren für die Spendebereitschaft
Auf einen Blick
Beschreibung
Die Deckung des Bedarfs an Blut und Blutstammzellen für das schweizerische Gesundheitsystem stellt eine Herausforderung dar. Trotzdem gibt es in der Schweiz nur wenige empirische Arbeiten, die das Spendeverhalten untersuchen. Fundiertes Wissen über die Beweggründe und Barrieren der Spendebereitschaft bildet eine wichtige Grundlage, um den bestehenden Pool an Spendenden von Blut und Blutstammzellen aufrecht zu erhalten und neue Spendende zu gewinnen.
Die Studie fokussierte auf jüngere Personen im Alter zwischen 18 und 45 Jahren, denn diese stellen für die Blutspendedienste die zentrale Zielgruppe für Neurekrutierungen dar. Konkret sollte die Studie über nachfolgende Fragen Aufschluss geben:
- . Welches Wissen über die Blutspende und die Blutstammzellspende ist in der Bevölkerung vorhanden und welche Einstellungen dazu lassen sich ausmachen?
- Wie lässt sich die aktuelle Struktur von Spendern und Nichtspendern in der Schweiz beschreiben? Welche Gruppen lassen sich differenzieren? Und: Wie gross ist ihr geschätzter Anteil an der Gesamtbevölkerung der 18-45jährigen Schweizerinnen und Schweizer?
- Was sind die spezifischen Beweggründe von jungen Erwachsenen und Erwachsenen in der Schweiz, Blut zu spenden oder sich als Blutstammzellspender zu registrieren? Welche Hindernisse und Motivatoren lassen sich identifizieren und was ist deren relative Bedeutung für die Spendeabsicht?
- Welche spezifischen soziodemographischen Merkmale, wie Alter, Geschlecht, Bildung oder Sprachregion, beeinflussen das Blutspenden und welche die Absicht, sich als Blutstammzellspender zu registrieren?
Die Bearbeitung der Fragestellungen erfolgte unter Anwendung einer Kombination von qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden. In einem ersten Schritt wurde die Literatur des Forschungsfeldes aufgearbeitet. Darauf aufbauend wurden in einer qualitativen Untersuchung anhand von Leitfadeninterviews mit 88 Personen die Motivatoren und Hindernisse herausgearbeitet, die das Spenden von Blut und Blutstammzellen beeinflussen. Die Erkenntnisse daraus stellten die Grundlage für den quantitativen Teil dar und flossen in die Konstruktion des Erhebungsinstruments ein. Mittels standardisierter, telefonischer Befragung wurden zwischen dem 23. September und dem 10. Oktober 2010 insgesamt 904 Personen im Alter zwischen 18 und 45 Jahren befragt. Die erhobenen Daten sind repräsentativ für die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz im Alter zwischen 18 und 45 Jahren.
Die zentralen Ergebnisse der Studie lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Die Prävalenz von 18-45jährigen Personen, die zumindest einmal in ihrem Leben Blut gespendet haben, ist mit 44.6% vergleichsweise hoch. Die höchste Spenderrate weisen mit 67.9% Männer in der Alterskohorte 33-45 Jahre auf. Die geringste Spenderrate zeigt sich bei den Frauen im Alter zwischen 18 und 32 Jahren (25.5%).
- Im Tessin liegt die Lebenszeitprävalenz von Blutspenden deutlich tiefer als in der Deutschen und Französischen Schweiz.
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- Die Spenderrate ist bei Personen mit höherem Bildungsabschluss höher als bei bildungsfernen Schichten.
- Männer spenden auch häufiger Blut als Frauen, bildungsferne weniger als bildungsnahe Schichten.
- In ländlichen Gemeinden ist die Rate der Vielspender mit mehr als 6 Blutspenden (Lebenszeitprävalenz) fast doppelt so hoch, wie in städtischen Gemeinden.
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- Ehemalige Blutspender stellen mit 667‘774 Personen oder 22.7% der Zielbevölkerung ein erhebliches Rekrutierungspotential dar. Im Vergleich zu Nichtspendern weisen sie ein deutlich geringeres Mass an internen Barrieren auf; sie nehmen weniger Risiken wahr, haben etwas positivere Einstellungen gegenüber der Blutspende und haben mehr Vertrauen in ihre Fähigkeit, Blut spenden zu können.
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- Mehr als 60% der subjektiv oder objektiv spendetauglichen Personen schliessen eine Blutspende in den nächsten sechs Monaten nicht (kategorisch) aus. Entsprechend gross ist die Rekrutierungsbasis. Sie umfasst geschätzte 1.5 Millionen Personen in der Zielpopulation.
- Die Intensität wahrgenommener interner Barrieren, etwa diffuse Ängste vor Nadeln, Schmerzen und Ohnmacht oder Angst um die eigene Gesundheit, ist ein zentraler Faktor, welcher das Spenden von Blut verhindert. Frauen haben signifikant grössere innere Widerstände zu überwinden als Männer. Gleichzeitig schätzen Frauen auch das Risiko, Blut zu spenden, höher ein als Männer.