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Eine Maske wie keine andere
Seit 1927 stellt die Firma Künzli aus Windisch Schuhe her. Nun wurde man… Weiterlesen
08. Oktober 2020
07:47
Das Projekt «Sanierung und Ausbau der Vorstadt Brugg» umfasst – im Bereich von der Einmündung Ländistrasse bis zur Einmündung Remigersteig – das Trottoir und den Velostreifen im Bereich des sogenannten Baslerstichs, die neue Bushaltstellen Brücke, den zusätzlichen Fussgängerstreifen bei der Lichtsignalanlage sowie Querungshilfen bei der Ländistrasse und Herrenmatt. Die Ergänzungen der Strassenanlage erfordern neue Stützbauwerke und die Sanierung des Strassenbelags. Geplant sind weiter gestalterische Massnahmen wie Brunnen und Pflästerungen. Nach der öffentlichen Auflage des Projekts Anfang Jahr gingen 29 Einwendungen ein. Der Baubeginn ist für Sommer 2021 geplant.
Die Gründung der Stadt Brugg ist verbunden mit der engsten Stelle der Aare unterhalb des Thunersees. Hier führte bereits zur Römerzeit eine Brücke über den Fluss. Im 12. Jahrhundert liessen die Habsburger zum Schutz des wichtigen Flussübergangs am rechten Ufer den Schwarzen Turm erbauen, der damals allerdings nur halb so hoch war wie heute. Im 13. Jahrhundert entwickelte sich die Siedlung an der Aare unter starker Förderung der Habsburger zu einer kleinen Stadt. Die Brücke war dabei sehr wichtig, weil sie eine ertragreiche Zollstelle war. Um sie zu schützen, gab es spätestens seit 1300 auf der nördlichen Seite einen Holzturm. Auf dem Platz davor, dem Zollplätzli, wurden die Gerichtsverhandlungen des Amts Schenkenberg und Bözberg abgehalten. 1470 erstritt sich Brugg das Recht, die hohe und niedere Gerichtsbarkeit auch nördlich der Brücke auszuüben, wodurch sich der Rat die untere Vorstadt als Stadtteil sicherte. Damals war der Platz innerhalb der Ringmauer knapp, und es entstanden sowohl vor dem oberen als auch vor dem unteren Tor Häusergruppen, sogenannte «Vorstädte», ausserhalb der befestigten Stadt. Von 1522 bis 1525 wurde die Vorstadt unter dem Bauvorsteher Hans Füchsli mit einer Ringmauer befestigt und mit zwei Hohltürmen bewehrt, von denen heute noch der Farbturm im Nordosten steht. Neben dem Basler- und Zurzachertor gab es im Norden noch das «Steigtörli», das während des Dreissigjährigen Kriegs zugemauert wurde.
Brugger Wahrzeichen
Die Baumassnahmen in der Vorstadt dienten dem Schutz des wichtigen Flussübergangs. Mindestens drei Holzbrücken und eine Steinbrücke waren Vorgänger der heutigen Aarebrücke von 1925. Die erste Holzbrücke war sehr schlicht gehalten und wurde 1455 durch eine stärkere Holzbrücke mit getäferten Seitenwänden und einem geschindelten Dach ersetzt. 1480 kam ein grosses Hochwasser, das über die Brücke lief und Teile der Vorstadt unter Wasser setzte. Damals lag der Übergang allerdings rund zwei Meter tiefer als heute. Nach mehreren Hochwassern liess der Rat 1532 eine neue gedeckte Holzbrücke bauen, die sie höher legen liessen. Dadurch mussten auch die Torbogen und die Zollstube erneuert werden. Durch die Ummauerung der Vorstadt und die Höherlegung der Brücke büsste der Schwarze Turm seine Wächterfunktion ein. Deshalb wurde 1535 der Schwarze Turm mit Birmenstorfer Tuffstein erhöht und misst seither mit Walmdach 25,5 Meter. Ein Jahr später erhielt er auf der Nordseite einen schlanken Erker, von wo aus man nicht nur die Brücke, sondern auch die ganze Vorstadt überblicken konnte.
1576 beschloss der Rat den Bau einer Steinbrücke, die bis 1924 Bestand hatte. Eine besondere Zierde war das Masswerkgeländer aus Muschelkalk. Anlässlich der Brücken- und Strassenkorrektur von 1837/38 wurde es durch ein nach damaligen Gesichtspunkten «moderneres» Eisengeländer ersetzt. Teile des alten Geländers sind in einem Privatgarten erhalten geblieben. Wohl im Zusammenhang mit dem Bau der Steinbrücke wurde auch der Zollturm durch einen gemauerten Rechteckturm mit Walmdach ersetzt. Ihm angegliedert war ein zweistöckiges Torhaus. Daneben lag das Waschhaus der Vorstädter und die Wohnung des städtischen Sanitätsinspektors. Heute erinnert noch die Jahreszahl 1578 in der Zollplätzlimauer daran.
Zollplätzli als Opfer des Verkehrs
Im 19. Jahrhundert fand ein grosser Wandel statt. Seit 1825 wurden die Stadttore nicht mehr geschlossen, und damit waren auch die übrigen Teile der Stadtbefestigung unnütz geworden. 1828 wollte der Stadtrat die beiden Tore in der Vorstadt abbrechen, was jedoch von der Gemeindeversammlung abgelehnt wurde. Nachdem sich Fuhrleute wiederholt über die Tore beklagt hatten, liess der Stadtrat von sich aus 1829 beziehungsweise 1832 das Zurzacher- und das Baslertor abbrechen. 1835 waren der Zollturm und das untere Tor neben dem Schwarzen Turm an der Reihe. Knapp hundert Jahre später kam es zu einem weiteren grösseren Eingriff: Der Verkehr über den Bözberg hatte stark zugenommen, und täglich passierten Lastwagen die enge Stelle beim Zollplätzli. Der Kanton wollte die Situation verbessern, und es wurden verschiedene Projekte geprüft, wobei man sich schliesslich für eine Verbreiterung der alten Brücke entschied. Auf beiden Seiten musste eine Liegenschaft abgebrochen werden. 1925 konnte die neue Brücke eingeweiht werden. Der Architekt Albert Froelich entwarf dabei das neue Steingeländer.
Besonders in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts nahm der Verkehr weiter zu. Der Bau der Autobahn zwischen Basel und Zürich kam zum Stillstand, und täglich zwängten sich Mitte der 1970er-Jahre zu Spitzenzeiten mehr als 1500 Autos und Lastwagen pro Stunde über die Aarebrücke. Besonders das Zollplätzli war dabei ein Hindernis, weil die linksufrige Häuserzeile bis fast in die Mitte der heutigen Strasse hineinragte und ein sechseckiger Brunnen von 1632 den Verkehr beim Abbiegen hinderte. 1975 gab der Einwohnerrat grünes Licht zum Abbruch der Liegenschaften. Weder konnte die Variante mit einer kompletten Neuüberbauung der Vorstadt überzeugen noch jene, die einen freien Platz vorsah. Stattdessen wurde eine neue Überbauung am linken Aareufer realisiert. Im Sommer 1977 schlug für den alten Brunnen das letzte Stündlein: Mithilfe eines grossen Krans wurde er abtransportiert. Zuvor hatte die Stadt ihn von allen Seiten fotografieren und vermessen lassen, um ihn vielleicht später wieder aufzustellen. Dazu kam es jedoch nicht: 1990 verkaufte die Stadt die alten Steinplatten.
Neuer runder Brunnen
1980 konnte die Mittlere Umfahrung (heute Casinobrücke) eröffnet und die Altstadt vom Durchgangsverkehr befreit werden. 1996 nahm der Bözbergtunnel seinen Betrieb auf, was zu einer spürbaren Entlastung in der Vorstadt führte. 2018 genehmigte der Einwohnerrat die Vorlage zur Sanierung der Vorstadt (siehe Infobox). Dabei ist ein neuer, runder Brunnen vorgesehen. Warum nicht wieder sechseckig? An den fünf Seiten könnten das Brugger Wappen sowie die Wappen der ehemaligen Dörfer Altenburg, Lauffohr, Umiken und Schinznach Bad eingelassen werden und dem Platz eine neue Bedeutung geben.
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