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Barackensiedlung Grenchen
|Barackensiedlung|
|Kastelsstrasse, 2540 Grenchen|
Die Barackensiedlung in der Ecke Kastelsstrasse – Kapellstrasse ist verschwunden. Entstanden ist ein weiteres Parkfeld. Aus diesem Grund blicken wir in der Zeit zurück, als die Bauten erstellt wurden.
Inhaltsverzeichnis
Als es noch zuviel Arbeit gab
Das Bild ist fast idyllisch. Ein paar Holzbaracken verstecken sich hinter gepflegten Blumenbeeten. Die Bauten sind sehr diskret, so dass die meisten Grenchnerinnen und Grenchner achtlos daran vorbeigingen. Die Baracken standen in der Ecke Kapellstrasse – Kastelsstrasse und sind weder städtebaulich noch architektonisch besonders wertvoll. Allerdings ist ihre Geschichte weit interessanter als es den ersten Augenschein erahnen lässt.
Fremdarbeiterinnen-Heim
Die Barackensiedlung in der Ecke Kastelsstrasse – Kapellstrasse entstand in drei Etappen[1]. Der erste und grösste Teil zog sich parallel der Kastelsstrasse entlang. Aus diesem Bau streckten sich drei Arme, die zur Strasse hin kleine Höfe bilden. Das Baugesuch reichte die ETA AG Ebauchesfabrik am 13. Dezember 1961 ein. Die Einsprachefrist lief über die Weihnachtstage. Die Baukommission genehmigte das Gesuch am 15. Januar 1962. Auf Grund der prekären Wohnungsnot dürfte mit dem Bau sofort begonnen worden sein. Im Baugesuch wird das Gebäude als Fremdarbeiterinnen-Heim bezeichnet. Die Gebäude sind unterkellert und besitzen nach Baugesuch aus dem Jahr 1961 eine zentrale Heizung mit Öltank. Dazu bestand damals auch die Möglichkeit im Keller zu waschen. Die Baracken stehen auf einem Betonfundament während die Umfassungswände des Kellers aus Borelsteinen ist. Der Keller besitzt eine Fertigbalkendecke. Die Baracke selbst ist eine zerlegbare Holzkonstruktion. Die Dachabdeckung ist grauer Welleternit. Die Eingänge trugen die Überschriften „Casa A“, „Casa B“ und „Casa C“. Alleine diese Anschrift lässt Rückschlüsse auf das Herkunftsland der Bewohnerinnen zu.
Der Anbau
In einer zweiten Etappe[2] entstand das Nachtwächterhaus. Das Baugesuch wurde am 14. Mai 1963 eingereicht. Die Baukommission genehmigte es am 17. Juni 1963. Die Vierzimmer-Wohnung wurde am untersten Arm der ersten Bauetappe angebaut. In der Konstruktion entspricht es ganz dem bestehenden Bau. Bei beiden Baubewilligungen hält die Baukommission fest, dass es sich um ein Provisorium für die Dauer von zehn Jahren handelt. Weiter ist nachzulesen, dass das kantonale Büro für baulichen Luftschutz keinen Schutzraum verlangt. Weiter scheinen die Bauten über einen Gas-, Wasser- und Elektrizitätsanschluss zu verfügen. Für die beiden Etappen zeichnete P. Schertenleib aus Biel die Pläne. Im beigelegten Plan ist noch das Haus an der Kastelsstrasse 5 (Parzelle 2971) eingezeichnet. Musste das Haus für den Bau des Nachtwächterhauses abgerissen werden oder war es schon abgebrochen?
Ein Haus zieht um
Die dritte Etappe[3] weist eine Besonderheit auf. Das unterste Gebäude direkt an der Kapellstrasse stand früher in der Ecke Schild-Rust-Strasse/Centralstrasse. Mit dem Neubau des ETA-Fabrikgebäudes musste der Bau weichen. Da er aber aus Fertigteilen Bestand wurde er zerlegt und an die Kapellstrasse gezügelt. Der Umzug fand, so lässt sich aus dem Baugesuch aus dem Jahr 1970 schliessen, um 1971 statt. Das Gesuch wurde bereits am 9. Februar 1970 eingereicht, aber erst am 16. November 1970 vom Stadtbauamt bewilligt. Scheinbar ist der Bewilligung ein längerer Briefwechsel vorangegangen. Auch dieses Gebäude ist unterkellert. Am ersten Standort muss die Baracke zwischen 1947 und 1950 aufgestellt worden sein. Das Provisorium für alle drei Etappen wurde auf den 26. März 1982 verlängert. Für die Verschiebung zeichnete das „Architekturbureau Straumann + Blaser“ die Pläne.
Unterkunft für Arbeiterinnen
Die Barackensiedlung diente dazu den Arbeiterinnen aus der Fremde ein Dach über dem Kopf zu bieten. In den ersten Baracken, die damals noch an der Centralstrasse stand, wohnten vor allem Arbeiterinnen aus dem Tessin. Die Wohnungsnot verlangte ein Engagement der Firmen zu Gunsten ihrer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. In der Barackensiedlung an der Kastelsstrasse wurden bereits Arbeiterinnen aus dem Ausland untergebracht. Der schweizerische Arbeitsmarkt war ausgetrocknet und die Arbeiterinnen reisten aus Italien an, um ihr Auskommen in den hiesigen Firmen zu finden. Die ETA-Chalets, wie die Gebäude auch genannt werden, dienen heute als Planungsbüro und bis 2004 sowohl als Kindergarten als auch als Lokal der Mädchenpfadi "Lutschka" der Pfadfinderabteilung Johanniter. Allerdings ist der bauliche Zustand nicht mehr der Beste, so dass eine weitere Nutzung nur noch bedingt möglich war. Im Jahre 2005 schliesslich werden die Gebäude abgebrochen mit Ausnahme der 1970/71 von der Centralstrasse/Schild-Rust-Strasse an den Standort Kapellstrasse/Kastelsstrasse verlegten Baracke. Die Gebäude sind nur von geringem architektonischem Wert. Städtebaulich sollte der Raum am Rand der Kernzone und an einer stark befahrenen Kreuzung noch einen Abschlussakzent zum Kastelsquartier setzen. Dem angekündigten Parkplatz ist aus stadtplanerischer Sicht die Barackensiedlung vorzuziehen, so die Meinung der meisten Grenchnerinnen und Grenchner.
Galerie
Einzelnachweise
- Plan Etappe 1, 1961/62: Barackensiedlung Kastelsstrasse
- Plan Etappe 2, 1963: Anbau Nachtwächterhaus
- Plan Etappe 3, 1970/71: Verlegegung der Baracke von der Centalstrasse/Schild-Rust-Strasse an den neuen Standort Kapellstrasse/Kastelsstrasse
Quellen
- Text von Lukas Walter
(Dieser Artikel ist Eigentum des Autors / der Autorin und kann deshalb nicht editiert werden.)