Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03561.jsonl.gz/1404

Der Wahlsonntag zum zweiten Wahlgang bot ein Hitchcock-Finale. Stimmen und Reaktionen nach der Abwahl von Oskar Freysinger.
Roberto Schmidt ist der strahlende Sieger des zweiten Wahlgangs. Noch nie erreichte ein Staatsratskandidat eine derart hohe Stimmenzahl wie der Leuker Gemeindepräsident und Nationalrat. «Mich und natürlich die gesamte CVP freut dieses Resultat. Zumal wir die Stimmbürger auch für den zweiten Wahlgang mobilisieren konnten.»
Zur Abwahl von Freysinger äussert er sich knapp: «Das Volk hatte die Wahl und es hat sich gegen Freysinger und für Favre entschieden.» Mit Blick auf die Departementsverteilung der neu zusammengesetzten Regierung macht Schmidt keinen Hehl daraus, dass seine Interessen im Energie- und Volkswirtschaftbereich liegen.
Waeber-Kalbermatten verteilt Rosen
«Ich danke allen, die mich in diesem langen und intensiven Wahlkampf so grossartig unterstützt haben», verteilt die wiedergewählte Esther Waeber-Kalbermatten von der SP rote Rosen an die Walliser Stimmbürger. «Dass meine Zielsetzungen für die nächsten vier Jahre von der Wählerschaft honoriert wurden, freut mich sehr.»
Die Abwahl von Amtskollege Freysinger von der SVP mochte Waeber-Kalbermatten nicht kommentieren, wiederholt aber ihre im Wahlkampf geäusserte Absicht, das Departement Gesundheit weiterzuführen. «Die drei neugewählten Staatsräte werden sicher eine befriedigende Lösung bei den frei werden Departementen finden.»
Christian Levrat, Präsident der SP Schweiz, zeigt sich zufrieden über die Wiederwahl von Esther Waeber-Kalbermatten und ist enttäuscht, dass Rossini nicht gewählt wurde. Stéphane Rossini seinerseits bezeichnete seine politische Karriere als beendet.
Melly: «Ich bin ein Oberwalliser»
Melly ist überrascht von der grossen Unterstützung im Oberwallis. «Eigentlich müsste ich sagen, ich bin ein Oberwalliser», freut sich der Walliser Baudirektor. «Offensichtlich schätzt man meine Arbeit der letzten acht Jahre im Rahmen des Autobahnbaus und der Rhonekorrektion.» Nach der Abwahl von Freysinger und der Rückkehr der FDP werde die Regierungsarbeit in den kommenden vier Jahren erleichtert. Melly will sein Departement behalten.
Auch C-Mann Christophe Darbellay ist glücklich über das Resultat, obwohl er im zweiten Wahlgang nicht mehr an sein Glanzresultat vom ersten Durchgang anknüpfen konnte. «Es war für mich persönlich natürlich schwierig, da bekannt war, dass ich aufgrund der Walliser Verfassung praktisch gewählt war.» Als einziger Kandidat aus dem Unterwallis reichte ihm bereits eine Stimme. «Die Mobilisierung war dadurch schwieriger für mich.»
Darbellay: «Als Mensch tut er mir leid»
Er sei aber nicht nur Einzelkämpfer. Noch am Morgen habe er zu seiner Frau gesagt, dass er mit einem dritten Rang zufrieden wäre. «Jetzt haben wir eine starke und ausgewogene Regierung», ist er überzeugt. Die C-Familie habe sich stark mobilisiert. «Wir hatten volle Räume bei jeder Veranstaltung. Man hat den Rückhalt deutlich gespürt.»
Zur Abwahl von Freysinger findet Darbellay deutliche Worte. «Das ist das Resultat der letzten vier Jahre», ist er überzeugt. Nicht nur die Affären um Cleusix und San Giorgio, sondern auch die Begegnungen mit Rechtsextremisten in Europa hätten dem SVPler geschadet. Darbellay spricht zugleich die Taktik des ersten Wahlgangs an, mit der Freysinger die CVP spalten wollte. «Als Mensch tut er mir leid. Das ist nun sicher eine schwierige Situation.»
FDP zurück in der Regierung
Nach vier Jahren ist die FDP mit Polit-Neuling Frédéric Favre zurück in der Regierung. Parteipräsident René Constantin im Interview: «Ich habe immer an Frédéric Favre geglaubt. Die C-Parteien haben uns sicher geholfen. Die Wähler entschieden sich mit Favre aber auch für eine neue Generation.»
Zum Ergebnis meint er: «Das Oberwallis wollte Esther Waeber-Kalbermatten schützen, klar, Favre hat davon profitiert. Rossini hat einen monumentalen Fehler gemacht: Eine amtierende Staatsrätin, die ihre Arbeit macht, greift man nicht an.»
Favre selbst ist laut Aussage durchaus bewusst, dass viele ihn gewählt hätten, weil sie Oskar Freysinger nicht mehr in der Regierung haben wollten und ebenso wenig zwei SP-Staatsräte. Seit zehn Jahren arbeite er im Bereich Detailhandel, in beiden Kantonsteilen. «Ich kenne die Kultur der Oberwalliser», so der Neugewählte. «Zudem ist es auch für das Oberwallis besser, wenn man eine Regierung hat, die zusammenarbeitet.» Neuen Schwung erhofft er sich dadurch auch für die FDP im oberen Kantonsteil.
Was die Departementsverteilung angeht, gibt sich Favre bedeckt: «Ich bin sicher, dass wir zu diesem Thema eine gute Diskussion führen werden.»
Ruppen als Mediensprecher für Freysinger
Oskar Freysinger ist nach seiner Abwahl untergetaucht. «Es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Er verdaut die Niederlage im Kreis seiner Familie und ist für die Medien nicht zu sprechen», sagt Franz Ruppen, Präsident der SVPO, auf Anfrage. «Die Ursache der Niederlage ist wohl in den Affären Cleusix, San Giorgio und seinen Auftritten bei Anlässen rechtspopulistischer Auftritte im Ausland zu suchen.»
Gleichzeitig habe die CVP vorab im Unterwallis eine Koalition mit Favre von der FDP geschlossen. «Gegen diese Machtdemonstration war auch Freysinger nicht gewachsen.» Laut Ruppen ist die politische Zukunft von Freysinger in naher Zukunft völlig offen.
Franz Ruppen meinte bereits am Nachmittag, als sich die Niederlage Freysingers abzeichnete: «Wenn ich in vier Jahren gebraucht werde, um den zweiten Oberwalliser Sitz zu retten und der SVP zu einem Regierungssitz zu verhelfen, werde ich mir das überlegen.»zen / map / pmo