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Turbane der Welt
Dieser Artikel erschien zuerst
in Tanz Oriental, Juni
2003
Zum immer beliebter werdenden Tribal Style Dance gehört der Turban
genauso dazu wie der Bommelgürtel. Aber nur wenige Tänzerinnen
wissen wohl, was es damit auf sich hat, wenn sie sich bunte Tücher
um den Kopf wickeln.
Das Wort Turban stammt aus dem Farsi (Persisch) "dulband",
das über das türkische "tulbend" ins französische "turbant", "toliband" oder "tulipant" übernommen
wurde. Daraus wurde dann schliesslich "Turban". Der Ausdruck
ist, wie man aus diesen Varianten deutlich sieht, verwandt mit
dem Wort "Tulpe" - und die Blume sieht ja tatsächlich
auch ein wenig aus wie die grossen Turbane der türkischen Sultane.
Oft wird der Turban als mehrheitlich männliches Attribut angesehen.
Wir kennen ihn von nordafrikanischen Nomaden, Indern und religiösen
Moslems. In der letzten Zeit ist der Turban teilweise in Verruf
geraten, da er mit islamistischen Fanatikern und Terroristen in
Verbindung gebracht wird. Tatsächlich aber sind Turbane eine Kopfbedeckung
mit jahrtausendealter Geschichte, die es in verschiedenen Gegenden
der Welt und unzähligen Ausführungen gibt. Sie werden aus religiösen
Gründen, zum Schutz vor Sonne und Wind, vor Verletzungen und bösen
Geistern oder als dekoratives Element getragen. In Afrika und im
Fernen Osten sind Turbane in gewissen Gegenden sogar vor allem
Frauensache.
Geschichtliche, religiöse und regionale Hintergründe
Wohl eine der ältesten schriftlichen Quellen für Turbane ist -
wie auch für anderes - die Bibel. In den Büchern Mose finden sich
zahlreiche Hinweise darauf, wie sich ein Priester zu kleiden habe.
Unter anderem gehört dazu ein Turban (in manchen Übersetzungen
auch "Kopfbund" genannt), an dem vorne mit einer purpurnen
Schnur eine goldene Plakette befestigt wird, auf der "Dem
Herrn geweiht" steht. Hier ein paar Bibelstellen zur Auswahl:
2 Mose 28:4: Die Priesterkleidung besteht aus folgenden Teilen:
der Brusttasche, dem Priesterschurz, dem Obergewand, dem gewebten
Untergewand, dem Turban und dem Gürtel. Diese heiligen Kleidungsstücke
sollen für deinen Bruder Aaron und seine Nachfolger angefertigt
werden. Dann kann er mir als Priester dienen.
3 Mose 8:13: Als nächstes ließ Mose die Söhne Aarons herantreten,
er bekleidete sie mit dem leinenen Gewand und band ihnen den Gürtel
um. Jedem setzte er einen Turban auf, so wie der Herr es angeordnet
hatte.
Jesaja 61:10: Ich freue mich über den Herrn und juble laut über
meinen Gott! Denn er hat mir seine Rettung und Hilfe geschenkt.
Er hat mich damit bekleidet wie mit einem schützenden Mantel. Nun
stehe ich da wie ein Bräutigam mit festlichem Turban, wie eine
Braut im Hochzeitsschmuck.
Hiob 29:14: Ich bekleidete mich mit Gerechtigkeit, hüllte mich
ins Recht wie in einen Mantel, trug es wie einen Turban.
Schon in biblischer Zeit war der Turban ein Symbol von Prophetentum,
Heiligkeit, Macht, Selbstrespekt und Autorität. Ein Fleck auf dem
Turban war wie ein Charakterfehler. So ist es auch heute noch unter
Sikhs und Arabern. Eine Beschimpfung des Turbans war gleichzeitig
eine unerhörte Beleidigung des Trägers. Jemandem den Turban wegzunehmen,
hiess ihn zu unterwerfen und blosszustellen.

Man kann aber noch viel weiter in der Geschichte zurückgehen:
Das altägyptische Wort für Turban ist "pjr" - direkt
verwandt mit dem heutigen "pagri" in Nordindien und
Pakistan.
In Indien wurde ein 5000 Jahre altes Terrakottafigürchen einer Frau der Harappa-Kultur
entdeckt, die einen Turban trägt.
3000 Jahre alte assyrische Reliefe zeigen Könige mit Turbanen.
In Kreta wurden Turbane um 1700 v.u.Z. getragen.
Weitere Zeugen sind Skulputen in Sanchi (Indien) aus der Zeit um 200 v.u.Z.
Eine andere alte Kultur mit Turbanen waren die Maya in Mexico, wie man auf Wandreliefen
sehen kann.
Aber auch in Peru sind sehr alte Textilien, darunter Turbane, gefunden worden.

Mittlerer Osten
In arabisch-islamischen Gegenden wird der Turban vielfach um oder über
ein Käppi gewickelt. In Öberägypten kann man dies oft sehen. In
Kairo hingegen werden Turbane kaum getragen, wohl weil sie als "hinterwäldlerisch" gelten.
Im Islam werden Engel und Propheten (falls sie überhaupt bildlich
dargestellt werden) immer mit Turbanen gezeigt. Der Prophet Mohammed
selbst sprach sich sehr für den Turban aus, wie man in verschiedenen
Hadithen (nicht jedoch im Koran selbst) nachlesen kann. "Der
Turban ist die Grenze zwischen Glauben und Unlauben." - "Meine
Gemeinschaft wird nicht auseinanderfallen, solange sie einen Turban
tragen." - "Am Tag des Urteils soll ein Mensch eine Erleuchtung
bekommen für jede Windung des Turbans um seinen Kopf."
Die klassischen Turbanfarben des Islam sind weiss und schwarz.
Grüne Turbane sind den direkten Nachfahren Mohammeds vorbehalten
und Leuten, die gerade eine Pilgerreise nach Mekka unternommen
haben.

||In der ganzen islamischen Welt wird der Turban
anstelle einer Krone getragen. Auf älteren Gemälten von türkischen
Sultanen kann man sehen, dass diese oft enorm grosse, geschmückte
Turbane als Zeichen ihrer Macht trugen. Heute trifft man in
der Türkei kaum mehr Männer mit Turbanen an, da Kemal Atatürk
diese 1925 verboten hatte. Atatürk wollte sein Land modernisieren,
und Turban und Fez waren für ihn ein Zeichen der kulturellen
Rückständigkeit. Fortan mussten sich die Türken mit Hüten oder
Kappen zufrieden geben.

Hingegen gibt es noch verschiedene Gegenden Anatoliens, wo
Turbane oder ähnliche Kopfbedeckungen zur traditionellen Tracht
der Frauen gehören und teilweise heute noch getragen werden.
Oft dienen sie zum Ausdruck des Alters und Zivilstandes der
Trägerin. Meist ist der Hals mit einem herabhängenden Tuch
bedeckt, vor allem bei verheirateten Frauen. Das Einbinden
des Kopfes ist eine Zeremonie, die auch heute noch in vielen
Dörfern am ersten Tag nach der Hochzeit einer jungen Ehefrau
durchgeführt wird. In bestimmten Gegenden schenkt die Familie
des Gatten der Braut einen Kopfschmuck aus Goldmünzen.
Am Turban werden silberne Ornamente als Talismane gegen
das Böse und Unglück angebracht und dienen dazu, die Gesundheit
und Kraft der Trägerin zu bewahren. Auf dem Bild das Beispiel
eines Kopfputzes einer Verheirateten, wie er in verschiedenen
Regionen gefunden werden kann. Auf der Stirn liegen 3 Reihen
von Goldmünzen, auch seitlich des Gesichts hängen Münzen.
Andere Kopfbedeckungen haben als Basis Fez-artige kleine
Hüte oder Kappen, die mit Tüchern und Bändern umwickelt sind.
Oft werden zur Dekoration bunde Pailletten, wollene Pompons
oder Blumen verwendet. Meist hängen die Enden der Tücher
des Turbans oder Kopfputzes hinten herunter und bedecken
den Rücken der Trägerin.

Indien
In Indien werden Turbane (Pagri) je nach Region verschieden getragen,
aber nur von Männern. An den Pagri kann man die Klasse, Kaste,
Beruf oder religiöse Überzeugung des Trägers erkennen - und manchmal
sogar je nach Farbe die Jahreszeit.

Zu einer der bekanntesten religiösen Gruppe mit Turbanen
gehören die Sikhs, die aus dem Punjab (Nordindien) stammen.
Aus Respekt vor der Schöpfung Gottes schneiden sie sich die
Haare und Bärte nicht, sondern tragen sie unter dem charakteristischen
Turban. Grundsätzlich gilt das Turban-Gebot auch für die
Frauen der Sikh-Religion, dies ist in über die Jahre jedoch
etwas in Vergessenheit geraten. Die Turbane sollen ein Signal
sein, an denen man Sikhs schon von weitem erkennt.
Diese Turbane können alle möglichen Farben habe, für religiöse
Anlässe jedoch weiss und saffran, für Frauen meist weiss.

Früher gab es sogenannte Pagribands, Spezialisten, die von den königlichen Höfen
angestellt wurden, um dort komplizierte Turbane zu binden. Auch heute noch gibt
es in Pagri-Läden spezielles Personal, um für die Kunden perfekte Turbane zu
kreieren. Vor allem in der Hochzeits-Saison läuft das Geschäft der professionellen
Turbanbinder gut, denn auch indische Männer, die sonst barhäuptig gehen, tragen
zu festlichen Anlässen, vor allem für die Hochzeit, oft reich verzierte Turbane
(Safa). Mittlerweile gibt es aber auch fixfertige Modelle, die wie Hüte aufgesetzt
werden können.

Bekannt sind vor allem die vielfältigen, farbenfrohen Turbane
der Männer aus Rajasthan. Man sagt, dass alle 15 Kilometer
der Stil der Turbane ändert, es sind viele hundert verschiedene
Stile und Typen bekannt. Allein im Fort Museum von Jodhpur
sind über 100 Turbane aus verschiedenen Gegenden Rajasthans
ausgestellt. An grossen Festen sind dort Wettbewerbe im Turban
binden eine beliebte Attraktion.
Die Turbane werden zum Teil aus extrem langen Stoffbändern
gewunden. Neben ihrer Funktion als Sonnenschutz können sie
aber auch als Kissen oder Leintuch dienen. Vom Kopf abgewickelt
kann man mit dem Tuch Brunnenwasser hochziehen und dann filtern.

Die Turbane der Marwaris (Kaufleute) bestehen aus einem ca. 25
m langen und 30 cm breiten Stoff, der wie eine Kordel gedreht und
um den Kopf gewickelt wird. Die Pagri der Rajputen und Bramahnen
hingegen sind nur 9 m lang, dafür aber 1 m breit. Der Safa der
Kaufleuten hat bestickte Enden, die hängengelassen werden, im Unterschied
zum Pagri, wo die Enden im Turban versteckt werden. Ein einfacher
Bauer trägt einen kleineren Potia aus rauhem Material.
An Hochzeiten ist es Sitte, dass die Brauteltern die nahen Verwandten
des Bräutigams mit Turbanen beschenken. Wenn hingegen das Familienoberhaupt
stirbt, ist die wichtigste Hinterlassenschaft sein Turban. Am 12.
Tag nach seinem Tod wird er in einer Zeremonie an seinen ältesten
Sohn übergeben, der damit das Familienoberhaupt wird.
Einen Turban zu treten oder darauf zustehen , kann als extreme
Beleidigung aufgefasst werden, die bis zur Blutsfehde führen kann.
Andererseits kann man seine Unterwerfung ausdrücken, indem man
jemandem seinen Turban zu Füssen legt. Eine andere alte, verbreitete
Sitte ist es, die Turbane auszutauschen, um eine starke brüderliche
Verbindung zu erreichen.
Für abergläubische Rajasthanis ist es ein schlechtes Omen, einem
Mann ohne Turban zu begegnen. Und wenn in alten Zeiten eine Frau
einen Mann auf sich zukommen sah, der einen Turban in der Hand
hielt, obwohl er auch einen auf dem Kopf trug, war dies ein Zeichen,
dass ihr Ehemann auf dem Schlachtfeld gefallen war.
Einige der Muster und Farben sind auch abhängig von der Jahreszeit.
Im familiären Kreis wird das getupfte Chunri Muster in leuchtenden
Farben an Hochzeiten und bei der Feier zur Geburt eines Kindes
getragen. Bei der Beerdigung eines Familienmitgliedes kommt ein
weisser Turban zum Zug, für einen Kondolenzbesuch empfehlen sich
dunkelblau, braun oder khaki. Es wird als Sakrileg betrachtet,
einen unpassenden Turban zu tragen. Während Okker die Farbe des
Verzichts ist, ist Saffran für Hochzeiten sehr beliebt. Diese Farbe
wurde früher auch von Rajputen-Kriegern getragen als Zeichen ihres
Edelmuts.
Der Panchrangi ("Fünf Farben") mit Kombinationen von Saffran, Weiss,
Rosa, Rot und Gelb stammt aus Jodhpur und wird bisweilen als Krönung aller Turbane
angesehen.
Afrika
Nordafrikanische und arabische Nomaden benutzen Turbane schon
seit langen Zeiten, um den Sand aus ihrem Gesicht fernzuhalten.
Es gibt auch andere Nutzungen: In Marokko versteckten Männer ihr
Geld in den Falten des Turbans. Und die Legende sagt, dass in alten
Zeiten das Turbantuch dazu verwendet wurde, gefangene Feinde zu
fesseln.

Bei den Tuareg wird ein Teil des ca. 5 Meter langen Turbans
(Tagelmust) um das Gesicht gewickelt. Dies dient dazu, den
Kopf vor der Sonne zu schützen und den Sand aus Augen, Nase
und Mund zu halten. Ausserdem trocknet so der Mund weniger
aus und man fühlt sich weniger durstig. Ein Tuareg enthüllt
sein Gesicht nur im engsten Familienkreis. Auch zum Essen
hebt er den Gesichtsschleier von unten an.
Der Turban ist ein Symbol dafür, dass der Träger das Erwachsenenalter
erreicht hat. Meist bekommt ein junger Mann ihn im Alter
von 15 bis 20 Jahren als Zeichen, dass er jetzt eine Frau
nehmen und einen Kamelkaravane führen kann.

Die Turbane sind je nach Stamm weiss oder dunkelblau. Die blauen werden vor allem
von den adeligen Tuareg getragen und sind mit Indigo gefärbt. Da Wasser sehr
kostbar ist, wird die Farbe jedoch nicht eingewaschen sondern in das Tuch
geklopft, wodurch ein leicht metallischer Schimmer entsteht. Das Indigo färbt
sich auf die Haut des Trägers ab, weshalb die Tuareg auch die "blauen
Leute der Sahara" genannt werden. Man wäscht die Turbane nicht und trägt
sie, bis sie auseinanderfallen.
Südlich der Sahara tragen Männer vor allem Turbane,
wenn sie Moslems sind. Hingegen wickeln sich schwarzafrikanische
Frauen aller Herkunft Stoffe um den Kopf. Einer der Ursprünge
davon ist es, für das Tragen von Gegenständen auf
dem Kopf - eine verbreitete Transportart in Afrika - Tücher
als Unterlage zu verwenden. Man sieht aber auch kunstvolle
Gebilde, oft aus dem selben gemusterten Stoff wie das Kleid.
In Westafrika heissen diese Turbane unter anderem "Gele".
Es gibt unzählige Arten, den Gele attraktiv zu wickeln,
einige davon sind sehr auslandend und sehen eher unpraktisch
und auch nicht sehr stabil aus. Sie halten aber recht gut,
da der Stoff nach dem Waschen jeweils mit Stärke behandelt
wird.

Die Wickeltechniken entwickeln sich laufend weiter und sind
auch gewissen Moden unterworfen. Der Turban hat in diesem
Falle eine dekorative Funktion, kann aber auch der Sittlichkeit
und als Sonnenschutz dienen. Auf jeden Fall aber vervollständigt
er die Kleidung und drückt die Personalität und
manchmal sogar die momentane Stimmung der Trägerin aus.
In Nigeria tragen vor allem die verheirateten Frauen diese
Turbane, die dort Ukyofo heissen. Je besonderer die Gelegenheit,
desto pompöser soll der Ukyofo wirken. Er wird z.B.
aus handgewobenen Baumwollstoffen (Asoke) gewickelt, welche
recht schwer sein können. Sie sind an einer Seite zur
Hälfte gefranst, und diese Fransen sollen dann am Abschluss
des Turbans schön herausschauen und herunterhängen.
Auch andere Tücher haben teilweise Stickereien oder
Rüschen, die beim Zurechtzupfen des Turbans möglichst
effektvoll platziert werden.
In Ostafrika umwickeln sich die Frauen den Kopf mit einem
Leso oder Khanga genannten, rechteckigen Baumwollstoff mit
buntem Wachsdruck (Kittange) in starken Farben und grossen
Mustern. Dieses Stück Stoff, das ca. 2 m lang ist, wird
ausserdem auch als Kleidungsstück, Bettuch und vieles
andere verwendet. Auf dem Bild ein Beispiel einer Kenyanerin.

Eine weitere beliebte Wickelform sind die "Türme",
die wie ein verlängerter Hinterkopf nach hinten hoch gewickelt
werden, vor allem wenn die Trägerin Dreadlocks hat. Manche
der Turbane sind oben offen und lassen die Haare herausschauen.
All diese Turbane werden natürlich auch dort getragen, wo
es eine afrikanisch-stämmige Bevölkerung gibt, z.B. in
Nord-Amerika und in der Karibik. Teilweise wird das Tragen von
Turbanen - gerade in den USA - von Bewegungen gefördert, die
Afro-AmerikanerinnerInnen zurück zu ihren Wurzeln führen
wollen. Turbane werden aber auch von bekannten Sängerinnen
wieder populär gemacht, wie z. B. Erykah Badu, die neben ihrer
Musik auch für ihre extrem hohen Turbane bekannt ist.
Asien
Frauen und/oder Männer der meisten ethnischen Minderheiten in
Südwest-China und in den angrenzenden Regionen Thailands, Vietnams
und Burmas tragen irgendeine Form von Turbanen. Wobei die der Frauen
meist um einiges spektakulärer ausfallen als die der Männer, die
nur eine einfache Kopfbedeckung sind.
|Oft unterscheiden sich die Stile schon von einem Dorf zum
andern, und es gibt eine Alltags- und eine Festtags-Version.
Wie in anderen Gegenden gibt es auch hier meist verschiedene
Farben für Alte und Junge oder andere Formen für Ledige und
Verheiratete. Bei den Frauen können - vor allem zu festlichen
Gelegenheiten - die mit Silberschmuck, Blumen, Perlen und Stickereien
geschmückten Turbane auch eine Zurschaustellung von Wohlstand
sein. Manche bestehen nur aus einem über der Stirn gekreuzten
Stofflappen, andere sind sehr hoch oder breit.

Eine berühmte Episode aus der chinesischen
Geschichte ist der "Aufstand der gelben Turbane" während
der östlichen Han-Dynastie (25 - 220). Dies war eine Blütezeit
Chinas, die Zeit in der das Papier erfunden wurde und der
Handel florierte, aber auch zahlreiche militärische Aktionen,
z.B. zur Sicherung der Seidenstrasse, die Wirtschaft schwächten.
Also Folge stieg die Steuerlast immer mehr an. 184 rotteten
sich verarmte Bauern zu einem Geheimbund zusammen, dessen
Erkennungszeichen gelbe Turbane waren, um dagegen zu revoltieren
- sie wurden aber niedergeschlagen.
Im Norden Thailands leben verschiedene Völker, die zum Teil
auch in China vertreten sind. Diese werden im allgemeinen
unter dem Oberbegriff "Hill Tribes" (Hügelstämme)
zusammengefasst. Oft tragen die Frauen dieser Stämme grosse
Turbane, die mit Stickereien oder Fransen verziert sind.
Diese Stickereien (auch an den Kleidern) sind der ganze Stolz
der Frauen, und die Mädchen werden schon sehr früh in die
Kunst des Nadelwerks eingeführt.
Die roten Turbane der Dzao Frauen in Vietnam können enorm
breit und auf der Rückseite mit Silber geschmückt sein. Sie
bestehen aus bis zu 10 Metern Stoff und wiegen dann um die
5 Kilo. Dazu rasieren sich die Frauen übrigens die Augenbrauen
ab, weil dies als schöner gilt.

Einige Stämme in Nordthailand und Burma, zum Beispiel
die Pa'O tragen locker gewickelte Turbane aus kariertem Stoff,
vor allem in Rottönen und Grün, manchmal aber auch einfach
aus einem bunten Frottée-Handtuch, wie wir es im Badezimmer
verwenden!
Diese Frau der Mien trägt einen schwarzen Turban, der mit
weissen Bändern umwickelt wird. Dazu um den Hals die charakteristische "Boa" aus
roter Wolle.
|Bei den Hmong in Thailand werden die Haare streng nach hinten
gebunden und dann umwickelt. Hier zeigt das Band über der Stirn
an, dass dieses Mädchen zu den Blauen Hmong gehört. (Die Stämme
werden oft nach Kleiderfarben unterteilt.)

Turbane in Europa
Auch in Europa wurden seit dem Frühmittelalter Turbane von Männern
und Frauen getragen. Hier waren sie vor allem eine modische Erscheinung,
die je nach den aktuellen Kontakten zum Orient auftauchte und wieder
verschwand. In der Renaissance waren Turbane z.B. in Italien, England,
Irland und Frankreich verbreitet. Wie so oft damals, wurden diese
exotisch inspirierten Kopfbedeckungen erst vom Adel und den reichen
Leuten getragen und dann vom Volk übernommen.

Es gibt verschiedene Bilder alter Meister, die Portraits
von Personen in Turbanen zeigen. Ein bekanntes davon ist
das "Mädchen mit Turban", gemalt 1665 vom Niederländer
Jan Vermeer.
Auch verschiedene Bilder von Albrecht Dürer um 1520 zeigen
Leute mit Turbanen, die im deutschen Sprachraum zu der Zeit
noch "Kopfbund" hiessen.
Im 18. Jahrhundert kam in Europa eine richtige "Maurophilie" auf,
in deren Zug alles Mögliche aus dem Orient als schick galt. Vor
allem als Napoleon 1798 nach Ägypten und Syrien vorstiess, trug
die modische Europäerin zur Empire-Mode einen Turban, der gerne
mit Juwelen und Federn geschmückt wurde.
Die letzte grosse Turbanwelle kam mit dem Art Déco der 1920er
Jahre. Turbane waren unter anderem ein Mittel, die Befreiung von
viktorianischen Zwängen auszudrücken. Jetzt wurden die Turbane
aber fertig genäht verkauft und wie Hüte aufgesetzt. Immer wieder
tauchen Turbane auch in der Haute Couture auf; Yves Saint Laurent
z.B. brachte sie über Jahrzehnte auf den Laufsteg. Heutzutage wird
der Turban bei uns unter anderem von Frauen getragen, die wegen
einer Chemotherapie ihre Haare verlieren, aber keine Lust haben,
eine Perücke zu tragen.
Turbane für Tribal Style Tänzerinnen
Im Tribal Style war der Turban nicht von Anfang an dabei, sondern
hat sich aus ein paar einfachen Tüchern um den Kopf über die Jahre
zu manchmal sehr kunstvollen, aufwändigen Gebilden entwickelt.
Die Mitglieder von FatChanceBellyDance tragen übrigens besonders
grosse Turbane, um genug Platz für all ihren Schmuck zu haben...
Der Turban hilft auch, bei der Improvisation die Kommandos, die
mit dem Kopf gegeben werden, besser sichtbar zu machen.

Manche Tänzerinnen sind anfangs nicht begeistert von der
Idee, beim Tanzen einen Turban zu tragen. Die einen fürchten
um ihre Frisur, andere meinen, ein Turban würde ihnen nicht
stehen. Es gibt auch Tribal Style-Gruppen, die sich nur ein
Haarband umbinden oder den Kopfschmuck ganz weglassen.
Um ein einheitliches Bild der Tanzgruppe zu erreichen, sind
Turbane jedoch sehr gut geeignet. Egal ob eine Tänzerin blond
oder dunkel, lang- oder kurzhaarig ist - mit dem Turban sehen "alle
gleich aus", selbst wenn jede Tänzerin ihn anders bindet.
Der Stil kann angepasst werden an die Kopfform, sodass es
für jede Frau einen Turban gibt, der ihr steht. Gerade lange
Haare lassen sich übrigens unter einem Turban recht gut so
einbinden, dass man an einer Tanzshow danach durchaus noch
mit offenen Haaren auftreten kann.

Das Binden des Turbans muss genauso geübt
werden wie die Tanzschritte, und es empfiehlt sich, erst mal in
aller Ruhe verschiedene Wickelmethoden auszuprobieren. Wichtig
ist, mit einem nichtrutschenden Tuch aus Baumwolle zu beginnen,
um eine gute Basis zu bilden. Erst dann kommen die bunten und glitzernden
Stoffe zum Einsatz. Je nachdem, wie aufwändig man den Turban gestaltet
und wieviel Schmuck man daran befestigt, kann das Wickeln des Turbans
zwischen 10 und 45 Minuten dauern. Auch hier ist übrigens die Sicherheitsnadel
die beste Freundin der Tänzerin! Ausserdem sollte im Training zwischendurch
mit Turban getanzt werden, um sich an das Gefühl zu gewöhnen.
Wie man also sieht, sind Turbane keineswegs nur Männersache und
als Krönung für eine stolze "Stammesfrau" sehr angemessen.
Zusammen mit dem Kostüm, Schmuck und Make-up kann man sich so in
eine ganz neue Person verwandeln.
(Zeichnungen: MEISSOUN)