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Die Folgen für die Arbeitnehmer
Für viele Arbeitnehmer bedeuteten die Kriegsjahre eine finanzielle Katastrophe. Die Verbraucherpreise stiegen von 1914 bis 1920 um 124%, die Löhne um 114%, damit fielen die Reallöhne um 5%. Da die Teuerung jedoch immer im Nachhinein angepasst wurde, war die Einbusse für die Arbeitnehmer deutlich höher.
Erschwerend für Basel, das traditionell einen hohen Ausländerbestand hatte, war der Umstand, dass viele der ausländischen Werktätigen dem Rufe ihrer Fahne folgten. Dies führte vorerst zu Betriebsschliessungen und Arbeitslosigkeit. Das Baugewerbe klagte während des ganzen Krieges über eine schlechte Beschäftigungslage. Dafür «boomte» schon bald die chemische Industrie in nie gekanntem Ausmass und auch der metallverarbeitenden Industrie ging es bald wieder sehr gut. Trotz der gesamthaft erfreulichen Wirtschaftsentwicklung wurde die Lage für die Familien der Wehrdienstleistenden, der kleinen Lohnbezüger und Rentner zunehmend schwieriger. Als im November 1916 die Kartoffelversorgung, das einzige noch einigermassen günstige Grundnahrungsmittel, zusammenbrach, musste die Kantonale Verkaufsstelle auf dem Marktplatz vor der aufgebrachten Menge polizeilich geschützt werden. Ab März 1917 gab die Stadt an Personen, die monatlich über weniger als Fr. 40. verfügten, Gutscheine für den verbilligten Bezug von Grundnahrungsmitteln ab. Die Zahl dieser Notstandsberechtigten nahm bis 1918 auf 30000 zu, also auf etwas mehr als ein Fünftel der Wohnbevölkerung. Für viele Menschen wurde der Verzehr von Eiern, Schweinefleisch, Butter oder auch das Heizen zu einem unerschwinglichen Luxus. Zahlte man z.B. 1913 für ein Ei noch 11 Rappen, so waren es 1919 63 Rappen. Es kann deshalb nicht verwundern, dass es in Basel bereits am 20. Juni 1918 im Anschluss an eine von 20000 Menschen besuchte «Protestkundgebung gegen Teuerung und schlechte Versorgung», zu einer üblen Randale kam. Als Resultat dieser Missstände tat sich ein tiefer Graben in der Schweizerischen Gesellschaft auf.
Politiker und Militärs, die für die Geschicke der Schweiz im Zweiten Weltkrieg verantwortlich waren, zogen die Lehren aus den Unterlassungen und Fehlern der Verantwortlichen während der Grenzbesetzung 1914/18. Die Schweiz war 1939 neben Nazi-Deutschland die militärisch und wirtschaftlich auf den Krieg am besten vorbereitete Nation. Während des Zweiten Weltkrieges litt niemand in diesem Land Hunger, weder Einwohner noch Flüchtlinge. Der im Ersten Weltkrieg aufgerissene gesellschaftliche Graben verflachte zusehends dank dem solidarischen Handeln der meisten verantwortlichen Partei-, Gewerkschafts- und Wirtschaftsführer.