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"Testhaus“ steht an der fensterlosen Fassade des Einfamilienhauses zwischen Betonruinen. Darin lebt eine handvoll Männer, die ein Atomkraftwerk abreissen: Stendal war ein Prestigeobjekt der ehemaligen DDR, das nie fertig gestellt wurde.
Mit einer Leistung von 4000 Megawatt sollte es das grösste Atomkraftwerk in Mitteleuropa werden. Baubeginn war 1982.
Im Frühjahr 1991 wurde der Bau eingestellt. Später hat eine private Immobilienfirma das Areal von der Treuhand übernommen, um hier serienmässig Fertighäuser zu produzieren. Die Firma ging pleite, allein ein einzelnes Testhaus blieb übrig. An diesem Ort gescheiterter Ideen leben heute die Männer. Tag für Tag ab morgens um Sieben, Stück für Stück mit einem Siebentonnenmeissel arbeiten sie sich in die meterdicken Betonwände der Ruinen. Wie Goldsucher durchkämmen sie die Trümmer nach Stahl.
Hin und wieder kommt ein Schrotthändler. Ansonsten sind sie unter sich. Kurze Gespräche, ein Fernseher und Träume, die anderswo spielen.
Text und Bilder: Jonas Ludwig Walter