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Im September dieses Jahres sind es 500 Jahre her seit der Schlacht von Marignano. Die Innerschweizer haben sich im 15. Jahrhundert schrittweise den Weg vom Gotthard durch die Leventina ins Tessin erobert. Als sie Richtung Mailand strebten, stiessen sie auf die Franzosen, die ebenfalls ein Auge auf die lombardische Metropole geworfen hatten. In der Auseinandersetzung bei Marignano unterlagen die Eidgenossen den Franzosen und durften trotzdem die Gebiete südlich der Alpen, die sie bereits erobert hatten, behalten. Die Grenzen des heutigen Tessins waren damit gezogen – nur kleinere Änderungen wurden noch vorgenommen. Exakt im Jubiläumsjahr ist zu diesem Thema ein Roman von dem auf der Alpensüdseite lebenden Enzio Abæterno erschienen. Im Locarnese ist der Autor bereits durch seine Veröffentlichung „Il Traghetto per Magadino“ bekannt.
Ein Bezug der Schlacht von Marignano zur aktuellen Europa-Politik ist durchaus vorhanden: Abæterno weist darauf hin, in welches Wespennest die EU sich mit ihrer überhasteten Erweiterung nach Osten – namentlich mit der Ukraine – gesetzt hat. Die im Entstehen begriffene Schweiz erfuhr bereits 1515 drastisch, welche Gefahren es mit sich bringen kann, in internationale Allianzen eingebunden zu sein, die sich von heute auf morgen ändern können. Von der damaligen Schlacht ging tatsächlich die Initialzündung aus, die für den alpinen Kleinstaat in dreihundertjähriger Entwicklung zur einzigen für ihn gangbaren Existenzform führt: der bewaffneten Neutralität. Abæternos Kritik wird noch deutlicher: „Wer 700 Jahre gebraucht hat um zu erkennen, dass die Konzentration auf gegenseitig wirtschaftlich vorteilhafte Bedingungen für die Völker wichtiger ist als der Egotrip einiger Berufspolitiker, kann nur kopfschüttelnd zusehen, wie zurzeit 70 Jahre Frieden aufs Spiel gesetzt werden. Genau dies geschieht nämlich, wenn vom friedlichen Waren- und Dienstleistungsaustausch zu Machtpolitik übergegangen wird, die Wirtschaftssanktionen (wie Krieg) als die Fortführung der Politik mit anderen Mitteln betrachtet.“
Der eben erschienene Roman zeichnet sich durch akribische Genauigkeit aus, was den historischen Hintergrund betrifft: Der Autor führt den Lesern die Lebensumstände einer Familie in Wassen im Kanton Uri zu Beginn des 16. Jahrhunderts eindrücklich vor Augen. Im Zentrum stehen die Erlebnisse eines Sohnes, der als Reisläufer ins Tessin, nach Mailand, Venedig und Rom kommt. Abæterno schildert die Verhältnisse in Norditalien zu einer Zeit, als selbst Leute wie Machiavelli damit rechneten, aus der Schweizerischen Eidgenossenschaft könnte eine europäische Grossmacht werden, in einer klaren und einprägsamen Sprache. Dieser neue Roman mit seinem echten historischen Hintergrund verspricht interessante Lektürestunden. Erhältlich ist er noch nicht in gedruckter Form. Er kann aber bereits heute auf Amazon heruntergeladen werden, leider vorerst nur in der deutschsprachigen Version, weil diese aus Marketinggründen vorgezogen wurde. Im Gegensatz dazu ist “Il Traghetto per Magadino” sowohl in Italienisch als auch in Deutsch („Die Fähre nach Magadino“) bei Amazon als E-Book erhältlich.