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Reinhart, Barbara, Mathematikerin, 1730-1796
Barbara Reinhart aus Winterthur gehörte zu den überragenden Mathematikern ihrer Zeit und sie war nicht nur eine Zierde ihres Geschlechts, sondern auch der Gelehrten.
Barbara Reinhart wurde 1730 in Winterthur als Tochter aus gutem Hause geboren. Ihr Vater war Ratsherr Salomon Reinhart, ihre Brüder wurden Seckelmeister und Stadtrichter in Winterthur. Dass die Tochter des Hauses sich intensiv mit Mathematik beschäftigen würde, war eher ein Zufall: wegen eines Reitunfalls war sie als junges Mädchen für lange Zeit in Behandlung des Doktors Hegner: er entdeckte und förderte die mathematische Begabung seiner jungen Patientin, und so gab er ihr jeden Samstagvormittag Unterricht in Mathematik. Nachmittags widmete sie sich den weiblichen Aufgaben.
Barbara Reinhart galt als anerkannte Autorität in ihrem Fach. Sie führte Korrespondenz mit vielen gelehrten Männern ihrer Zeit, die sie auch in Winterthur besuchten. Des Weiteren führte sie Ulrich Hegner in die Geheimnisse der Mathematik ein und war auch Heinrich Bosshard eine geduldige Lehrerin, wie in seiner „Lebensgeschichte“ nachzulesen ist. Sie hat sich nie ganz von ihrem Unfall erholt und blieb ein Leben lang kränklich. 1796 starb sie in ihrer Heimatstadt.
Aus heutiger Sicht mutet es uns eher seltsam an, dass im 18. Jh. Frauen mathematisch gefördert und anerkannt wurden. Die Reinhartin, wie sie auch genannt wurde, ist in diesem Jahrhundert jedoch keine Ausnahme. Das 18. Jahrhundert hat verschiedene berühmte und gelehrte Frauen hervorgebracht, denken wir an die Malerin Angelika Kauffmann, an die literarischen Salons in Berlin, die von Frauen geführt wurden und alles bei sich versammelten, das in der Literatur Rang und Namen hatte. Erst mit dem bürgerlichen Frauenideal, das sich im Laufe des 19. Jahrhunderts durchsetzte und aus allen Frauen aufgrund ihres Geschlechts Hausfrauen machte und auf individuelle Fähigkeiten keine Rücksicht nahm, wurde es undenkbar, dass eine Frau sich in so männliche Gefilde wie Mathematik vorwagte.