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Als Ruth Dreifuss 1999 erste schweizerische Bundespräsidentin wurde, war ein weiteres wichtiges Ziel im über hundertjährigen Kampf um die politische Gleichstellung der Frauen in der Schweiz erreicht. Dieser Kampf war mit vielen Rückschlägen und Enttäuschungen verbunden.
Forderungen nach Gleichstellung der Schweizer Frauen in der Politik und vor dem Gesetz waren Ende des 19. Jahrhunderts laut geworden. Ein konservatives Frauen- und Familienideal verurteilte aber alle Anläufe zum Scheitern: Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Frauenstimmrecht in kantonalen Urnengängen und 1959 in der eidgenössischen Volksabstimmung von den Männern wuchtig abgeschmettert.
Durchbruch 1971
Erst der in den Sechzigerjahren einsetzende Wandel in Gesellschaft und Wertvorstellungen sowie eine neuerstarkte Frauenbewegung verhalfen dem Frauenstimmrecht zum Durchbruch – zunächst auf kantonaler und schliesslich 1971 auf gesamtschweizerischer Ebene.
Frauen eroberten im folgenden Vierteljahrhundert einen Fünftel der Sitze im eidgenössischen Parlament, im schweizerischen Schnitt einen Viertel der Mandate in Kantonsparlamenten und einen Sechstel der Sitze in den Kantonsregierungen. In einigen Gemeindeparlamenten stellen sie heute über einen Drittel der Abgeordneten.
Auch auf rechtlichem Gebiet machte die Frauen-Gleichstellung Fortschritte: 1981 wurde der Gleichstellungsartikel in der Verfassung (mit dem Grundsatz der Lohngleichheit) angenommen, 1985 das neue Eherecht. 1988 wurde das Eidgenössische Büro für Gleichstellung eröffnet, weitere Büros folgten auf Kantons- und Gemeindeebene.
Hindernislauf in den Bundesrat
Als hindernisreich erwies sich der Weg der Frauen in die Landesregierung. Nachdem die Sozialdemokratin Liliane Uchtenhagen 1983 gescheitert war, schaffte erst 1984 die Zürcher Freisinnige Elisabeth Kopp als erste Frau den Sprung in den Bundesrat. Nach fünfjähriger Amtszeit wurden ihr die geschäftlichen Aktivitäten ihres Ehemannes Hans W. Kopp zum Verhängnis. Am 12. Januar 1989 musste sie in Folge der «Telefonaffäre» zurücktreten.
Zwei weitere Versuche, Frauen in den Bundesrat zu bringen – 1986 mit CVP-Nationalrätin Judith Stamm, 1989 mit LdU-Ständerätin Monika Weber – scheiterten. Dass es den Frauen aber ernst war mit einer angemessenen Vertretung im Bundesrat, unterstrichen sie im «frauenpolitischen Ausbruchsjahr» 1991 – so an der ersten Frauensession am 7. Februar und am Frauenstreiktag vom 14. Juni.
Doch auch der nächste Versuch klappte nicht auf Anhieb: Am 3. März 1993 verlor die Genfer Sozialdemokratin Christiane Brunner als offizielle Kandidatin ihrer Fraktion im zweiten Wahlgang das Rennen gegen den Neuenburger Francis Matthey. Erst als dieser auf Druck seiner Fraktion und nach Protesten seinen Verzicht erklärt hatte, wurde am 10. März 1993 Ruth Dreifuss, die von der SP als zweite offizielle Kandidatin neben Brunner nominiert worden war, zum 100. Mitglied der Landesregierung gewählt.
Mit der politischen sollte auch die rechtliche und soziale Gleichstellung einhergehen, lautete eine Forderung des «Aufbruchsjahres». Der Druck der Frauen bewirkte bei der 10. AHV-Revision 1995/97 einen Systemwechsel zum Rentensplitting mit eigenständigem Rentenspruch und Betreuungsgutschriften. Dafür mussten die Frauen die Heraufsetzung des Frauenrentenalters auf «Männer-Niveau» schlucken.