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Françoise Bassand wurde 1963 in Porrentruy, Schweizer Jura, geboren und wuchs in Basel auf. Sie studierte an den Universitäten Basel und Zürich Sprachen und Publizistik, dann Bildende Kunst an der Zürcher F+F-Schule für Kunst und Mediendesign. Es folgten diverse Ausstellungen im In- und Ausland, literarische Publikationen, kuratorische Tätigkeit als Mitinitiantin von Kunstaustauschprojekten und als selbständige Galeristin. 2000 erhielt sie den Eidg. Fachausweis Ausbilderin in Erwachsenenbildung und leitete von 2001 bis 2007 die Abteilung Weiterbildung der F+F Schule für Kunst und Mediendesign, Zürich. Seit 2006 arbeitet sie bei der Kreisschulpflege Zürich und ist seit 2008 Mitglied der Schulkommission für Sonderschulen der Stadt Zürich.
Swiss Equality Group – Warum gründe ich eine NGO?
Wie so oft in meinem Leben startete das Ganze sehr unspektakulär in einem Buchladen. Ich sah mir die englischsprachigen Bestseller an und blieb bei einem Buch hängen, auf dem zwei Goldfischschalen abgebildet waren. Ein Behälter war überfüllt mit Goldfischen, im anderen schwamm ein einzelner Fisch, der dem Gewusel durch einen Sprung entkommen war. Der Kaufentscheid war gefallen, bevor ich den Titel las: ‚The Spirit Level’, was Wasserwaage bedeutet.
Die beiden Epidemiologen Kate Pickett und Richard Wilkinson zeigen in ihrem Buch anhand von statistischem Material auf, wie sich soziale und wirtschaftliche Ungleichheit auf die verschiedenen Bereiche der Gesellschaft auswirkt. Die Ungleichheit unter den sozialen Gruppen hat viele negative Auswirkungen auf Gesundheit, Lebenserwartung, Bildung, Sicherheit, Mobilität und sozialen Zusammenhalt, und zwar bei den armen wie bei den reichen Bevölkerungsgruppen. In politischen Prozessen wird dann oft so getan, als liesse sich jedes dieser Probleme einzeln lösen.
Als ich auf Twitter las, dass The Equality Trust in London einen Dokumentarfilm plante, verbreitete der Nationalrat Balthasar Glättli etwa zeitgleich, dass er diesen Dokufilm unterstützt und mitfinanziert. Ich fragte ihn an, ob wir in der Schweiz etwas dazu machen wollten. Eigentlich kannte ich ihn nicht so gut, hatte ihn ein paar Mal während dem Wahlkampf getroffen. Er sagte zu und hatte bereits eine Webseite gestaltet. Wir trafen uns und waren beide von der Idee begeistert, einen Schweizer Ableger zu gründen.
Grosso modo geht es uns darum, die gesellschaftliche Diskussion in der Schweiz wieder anzukurbeln: Was haben wir zusammen erreicht? Wo wollen wir hin als Land? Was läuft gut und was müsste verändert werden? Diese Auseinandersetzung wird seit einigen Jahren auf dem politischen Parkett sehr dogmatisch geführt. Und viele Leute haben sich von der Politik verabschiedet, weil sie den gehässigen Ton und die Schematisierungen nicht mögen. Dieses Desinteresse drückt sich ja auch in der niedrigen Stimmbeteiligung aus.
Zusammen mit Markus Kunz, Fabian Molina, Judith Stofer und Tania Woodhatch gründeten wir am 11. Februar 2013 einen gemeinnützigen Verein. Dieses Netzwerk soll Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit leisten, mit dem Ziel die gesamtgesellschaftlich negativen Auswirkungen gesellschaftlicher Ungleichheit bewusst zu machen. Wir werden uns dafür einsetzen, im gesellschaftlichen und politischen Bereich Grundlagenarbeit zu leisten mit Veranstaltungen, Kampagnen und wissenschaftlichen Publikationen. Der Ethikgedanke leitet uns in dem Sinne, dass eine Gesellschaft, in der die Ressourcen gerechter auf alle verteilt sind, auch für alle besser ist.
Ungleichheit, so die Wirtschaftsexperten, sei etwas Gutes: Sie fördert den Wettbewerb und spornt die Einzelnen zu mehr Leistung an. Die Ärmeren versuchen das anzustreben, was die Wohlhabenden bereits haben, und die Tüchtigen geben den Takt vor. In einer freien Wirtschaft entfalten sich durch diesen Wettbewerb die produktivsten Kräfte. Und wo die Wirtschaft boomt, geht es allen gut. Soweit die Theorie.
Ist das wirklich so? Kate Pickett und Richard Wilkinson haben in jahrzehntelanger Arbeit Daten zum Zustand entwickelter Gesellschaften gesammelt und die Statistiken der Industriegesellschaften ausgewertet. Sie untersuchten unter anderem die geistige Gesundheit, den Drogenkonsum, die Zahl der Selbstmorde, die Höhe der Lebenserwartung, fragten nach dem Bildungsniveau, nach Schwangerschaften von Minderjährigen und natürlich nach der sozialen Mobilität.
Die Erkenntnisse der beiden Autoren sind eindeutig: Lebenserwartung, Gesundheit, Bildungschancen und Kriminalität stehen in einem eindeutigen Zusammenhang mit der sozialen Ungleichheit einer Gesellschaft, und nicht etwa mit der Höhe des Durchschnittseinkommens.
Pickett und Wilkinson können aber auch beweisen, dass die Ungleichheit die ganze Gesellschaft krank macht – nicht nur die Armen, es trifft alle sozialen Schichten. Diese Studie bietet eine neue, empirisch belegte Basis für das Ziel einer gerechten Gesellschaft. Denn Ungleichheit führt zu Statusangst auf allen Ebenen einer Gesellschaft. Ein Hinarbeiten auf einen ausgeglicheneren Zustand – also sozusagen ein ‚Gleichheitszuwachs’ – kommt der Gesamtgesellschaft zugute, er vermindert die Kosten, der durch Armut erzeugten sozialen und gesundheitlichen Probleme.
Im Moment sind wir in der klassischen Startup-Phase: das Überarbeiten der Vereinsstatuten ist angesagt, wir texten und layouten den ersten Flyer, halten die Webseite aufrecht und füttern die Socialmedia-Konten mit frischen Daten. Es melden sich die ersten Medienleute, die sich fürs Projekt interessieren und wissen wollen, was wir vorhaben und wen wir ansprechen wollen. Dies ist meine erste NGO, die ich mitbegründet habe und mit aufbaue. Und ich weiss im Moment nicht, wie das Projekt herauskommen wird. Aber es fühlt sich an wie zu Beginn jedes guten Projektes: ein Kribbeln im Magen, die Ahnung von gutem Timing und die Freude über die Zusammenarbeit mit Leuten, die ich vor ein paar Monaten noch nicht so gut kannte. Und das Wissen, dass so etwas nur in einem Team funktioniert, das zusammenhält, offen miteinander redet und vor allem auch Spass an der Arbeit hat, gerade auch weil alle ehrenamtlich mitarbeiten.
Informationen über den wissenschaftlichen Hintergrund der These finden sich im Buch:
Kate Pickett und Richard Wilkinson. Gleichheit ist Glück. Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind. Berlin 2009
Die Autoren:
Richard Wilkinson ist einer der international führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der Erforschung von Ungleichheit und sozialen Einflüssen auf die Gesundheit; seine Arbeiten wurden in zehn Sprachen übersetzt. Er hat an der London School of Economics Wirtschaftsgeschichte studiert und dann eine Ausbildung zum Epidemiologen absolviert. Wilkinson ist emeritierter Professor der Nottingham Medical School und Honorarprofessor am University College London.
Kate Pickett ist Senior Lecturer an der Universität York und forscht am englischen National Institute for Health Research. Sie hat Anthropologie in Cambridge studiert, Ernährungswissenschaften an der Cornell University und Epidemiologie in Berkeley, bevor sie vier Jahre Assistenzprofessorin an der University of Chicago wurde.
|Weiterführende Links:

Website The Equality Trust
Website Gleichheit ist Glück
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Fotografie: I. Behrens, HUB