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1.Der Baumeister baut in diesem Sinne ein Haus, damit es später bewohnt wird, das Kind hingegen, das mit Bausteinen spielt, tut es um des Bauens willen – der reale Effekt, das fertige Häuschen, hat als solches keine Bedeutung, so wenig, dass es sofort nach dem Spiel oft wieder „zerstört“ wird. Kurz: Es wird nicht benutzt und dient am Ende zu nichts.
2.Die Spielhandlung als solche ist also nicht orientiert auf externe Belange, besitzt keinen äusseren Zweck: Man spielt demnach nicht, um dieses oder jenes jenseits des Spiels zu bewirken (hervorzubringen, umzugestalten), sondern nur mit Blick auf Vergnügen und/oder Gewinn. Hier haben wir dann auch die beiden Pole, zwischen denen man jedes Spiel einordnen kann: das Unterhaltungsspiel auf der einen, das Gewinnspiel (in seiner reinsten Form: das Glücksspiel) auf der anderen Seite.
3.Während es nun bei dem einem Extrem nur darum zu tun ist, sich zu zerstreuen, geht es beim andern nur ums Ergebnis: um das abstrakte Resultat, das zwar aus der Spielhandlung folgt, indes nicht direkt, als Konsequenz des besonderen Tuns (wie das Bauen etwa ein Gebäude hervorbringt), sondern vermittelt über die Regeln.
Das Gewinnspiel kann man mithin folgendermassen in seine Komponenten zerlegen:
- die Spielhandlung in ihrer materialen Gestalt (das Würfeln usw.)
- die realen Konsequenzen, die idealiter sich auf Nullniveau befinden, auf alle Fälle jedoch nicht beabsichtigt sind (respektive irrelevant für den Spieler)
- schliesslich der Gewinn/der Verlust, der sich nach Abschluss des Spiels gemäss den Auszahlungsregeln ergibt.
4.Kapital erscheint als sich selbst verwertender Wert, dessen Trajektorie G-W-G‘ ist: eine Summe Geldes dient zum Ankauf von Produktionsmitteln und Arbeitskraft, die, kombiniert und in Aktion überführt, eine Warenmenge ergeben, welche mit einem Profit anschliessend wieder verkauft werden kann: Die ursprüngliche Summe hat sich somit um ein Inkrement, ΔG (die monetäre Gestalt des Mehrwerts), vermehrt. Dabei ist allein diese Vermehrung (der Zuwachs an Tauschwert, an Geld) relevant. Der Profit und nichts sonst ist das Ziel, ist Motiv, nicht das W, also nicht das, was im produktiven Prozess konkret produziert worden ist: Die Stahlmacherei ist, nach Marx, nur „Vorwand der Plusmacherei“. Und das gilt für jede Produktion, unabhängig von jedem Gebrauchswert: Wenn es Profit bringen sollte, so würde das Kapital zweifellos auch „Exkremente in Dosen“ herstellen lassen – oder was es sonst noch an exemplarisch Nutzlosem gibt (wie dies die Kunst, auch hier Avantgarde, schon seit langem vorexerziert).
5.Produktion also von Reichtum in abstrakter Gestalt – wie der Ausdruck schon sagt, spielt das Konkrete, der Gebrauchswert, hier gar keine Rolle. Und eben deshalb ist es ein Spiel oder analog einem Spiel, ein Gewinnspiel, bei dem der Profit, der Gewinn, im Mittelpunkt steht, als Angel- und Drehpunkt, während das „Spielen“, die Produktion, nur Mittel zur Auszahlung ist, wie bei jedem Gewinnspiel.
6.Reinste Ausprägung erfährt dieses Spiel im Kredit, wo sich die kapitalistische Formel auf G-G‘ reduziert, und nicht zuletzt an der Börse, dem „Grossen Casino“, wo der Profit in Form des Dividendengewinns und/oder der Kursgewinne erscheint. In beiden Fällen entfernt sich die kapitalistische Praxis von allem Konkreten noch weiter, auch wenn sie in letzter Instanz noch immer an die Gebrauchswertsphäre geknüpft bleibt, ganz zum Verdruss der Spekulantengemeinde, welche in Krisen diesen „Defekt“ des Systems am eigenen Leib jedes Mal schmerzlich erfährt. Die Abstraktion ist hier doppelt, oder, wenn man so will, potenziert: Der Tauschwert, im Geld inkarniert, tritt mit der „endlichen Welt“, dem profanen Geschehen der Produktion, nicht mehr direkt in Kontakt.
7.Wir haben gesehen, dass die konkreten Folgen des Spiels im Idealfall gleich Null sind: Nichts wird faktisch verändert jenseits des Rahmens, innerhalb dessen die Spielhandlung sich auf ihre spezifische Weise vollzieht. Wir haben, im Fall des Gewinnspiels, am Schluss lediglich – Verlierer und Sieger.
Nicht so allerdings, wenn wir das kapitalistische Spiel in Augenschein nehmen: Sein konkretes Ergebnis ist nämlich nur für die Spieler irrelevant, denn was für sie zählt, ist allein Gewinn und Verlust, nicht aber für die Gesellschaft. Denn ganz abgesehen davon, dass auch andere an diesem Bereicherungsspiel unfreiwillig, als Komparsen, partizipieren, nämlich als Lohnarbeitskräfte, und dass von all dem, was sich von selber versteht, die Reproduktion der Gesellschaft auf Gebrauchswertebene abhängt, zeitigt es darüber hinaus auch noch „weitere Folgen“, die zwar nicht beabsichtigt sind, indes sich nichtsdestotrotz in der „Spielhandlung“ finden: die Vergiftung der Umwelt, der Erde, der Luft und des Wassers durch Abgase, Abwässer, Schadstoffe jeglicher Art, die Rodung der Regenwaldzonen, die Bodenerosion, die Zubetonierung, der Müll, die Klimaverwerfung und was es dergleichen an Kalamitäten noch mehr gibt, nicht zuletzt aber auch der Ressourcenverschleiss, der den world overshoot day jedes Mal früher im Jahr eintreten lässt.