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Die unerwartete Ankunft von 400 deutschen Kreuzfahrtpassagieren Anfang Juli in Nuuk, der Hauptstadt Grönlands, hat eine Debatte in Grönland darüber losgetreten, ob Kreuzfahrtfirmen genug tun, um lokale Guides anzuheuern. Die «MS Delphin», die von einer deutschen Gesellschaft betrieben wird, hatte unplanmässig in Nuuk angelegt, da die Eisbedingungen an ihrem ursprünglichen Zielort eine Landung unmöglich gemacht hatten. Als die Passagiere für eine Führung durch den historischen Hafen Nuuks ausstiegen, hörten Einheimische, wie die Guides offenbar falsche Informationen über die Sehenswürdigkeiten an die Passagiere weitergaben. Andere Einheimische berichten, dass sie von Guides gefragt wurden, ob die eine Skulptur der Mutter des Meeres am Wasser, eine Schlüsselfigur der grönländischen Mythologie, die Kopie der Kleinen Meerjungfrau-Statue sei, die im Hafen von Kopenhagen eine Sehenswürdigkeit ist. Diese Situation hinterliess in Nuuk eine grosse Verwunderung, warum das Schiff, auch wenn es kurzfristig hergekommen war, nicht einen lokalen Führer angeheuert hatte, um den Passagieren die Sehenswürdigkeiten zu zeigen. Ausserdem war auch nicht klar, warum sie nicht ihren frühen Morgenbesuch mit den lokalen Händlern abgesprochen hatten, von denen viele zuerst ihre Türen für die Besucher noch öffnen mussten, als diese bereits da waren.
Vertreter der Gesellschaft, die diese Kreuzfahrt organisiert hatten, äusserten sich auf Anfragen darüber in keiner Weise. Aber Ivik Knudsen-Ostermann, der Besitzer von «Greenland Cruises», die solche Dienstleistungen für Kreuzfahrtschiffe anbietet, meinte, dass die «MS Delphin» versucht hatte, zu improvisieren. «Wenn sie nicht geplant hatten, in Nuuk anzulegen, ist es selbstverständlich schwierig zu wissen, was einem da erwartet», erklärt er. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Szenen in Nuuk nur ein unglücklicher Zufall waren. Denn die «MS Delphin» war in der Vergangenheit mehrfach in Nuuk gewesen und nutzte bei ihrer Ankunft die Dienste von lokalen Führern bei Stadtbesichtigungen. Ausserdem seien die Führer des Schiffes auf der oben erwähnten Fahrt schon mehrfach in Grönland gewesen und hätten Kenntnisse über Land und Leute. Doch sowohl Passagiere wie auch Bewohner anderer Orte sagen, dass dies nicht zum ersten Mal passiert sei, dass sie unqualifizierte Guides und Orte, die nicht über die Ankunft informiert worden waren, erlebt hätten.
Es sind solche Aussagen, die die Tourismusindustrie aufhorchen lassen. Zusätzlich zu den entgangenen Arbeitsmöglichkeiten befürchten die Geschäfte auch, dass diese Situation auf Grönland als Reiseziel ein schlechtes Licht wirft. Dies in einer Zeit, in der die Besucherzahlen sowieso schon rückläufig sind. Einige Gesellschaften bieten einheimische Führer an, von denen die meisten zertifiziert sind. Wenn aber Kreuzfahrtfirmen diese nicht einsetzen, dann aus zwei Gründen: Der Erste ist offensichtliche das Geld. Der andere ist, gemäss Knudsen-Ostermann (dessen Firma nicht in die Geschichte der «MS Delphin» involviert war), der logistische Mehraufwand, die Führer an den verschiedenen Orten zu organisieren. Die begrenzten Kapazitäten vieler lokalen Führer und Expeditionsorganisatoren sind ein weiterer Punkt. «Wenn ein Schiff mit 2'000 Passagieren an einen Ort kommt, wo der lokale Führer nur 200 Leute übernehmen kann, lassen die Gesellschaften die Finger davon und versuchen es selbst zu machen. Doch das Problem ist, dass die Leute, die sie für die Führungen nutzen, eigentlich für etwas anderes angeheuert waren und nun mit einer Gruppe von Leuten hinaus sollen.»
Mehr finanzielle Mittel der Selbstverwaltungsbehörde, um Guides auszubilden oder die Verfügung, dass Schiffe einheimische Führer an Bord haben müssen, sind zwei Lösungsansätze. Doch keine von beiden werden von der Industrie gern gesehen. Knudsen-Ostermann, der selbst Touren in Sisimiut und Ilulissat führt, erklärt, dass es genügend Führer gäbe; er selbst kann auf ein Netzwerk, das er selbst aufgebaut hat, zurückgreifen, was ihm erlaubt auf die individuellen Bedürfnisse der Schiffe einzugehen, besonders auf die sprachlichen. Zusätzliche Führer in den Pool, der nur wenige Monate pro Jahr genutzt werden kann, zu bringen würde eher zu Problemen als zu mehr Jobs führen.
Einige Firmen heuern lokale Führer an, um auf ihren Schiffen mitzufahren oder ihnen an den Landungspunkten zu helfen. Andere haben lokale Agenten, die all ihre Aktivitäten in Grönland koordinieren. Doch all diese Optionen führen zu zusätzlichen Kosten und Grönland ist bereits als teures Reiseziel bekannt, nicht zuletzt wegen den US$ 100 Landungsgebühren für jeden Passagier an Bord. Daher könnte der Zwang, dass Schiffe lokale Führer bezahlen müssen, zum Schluss mehr Schaden als Nutzen anrichten, meint ein Vertreter eines Tourveranstalters, der lieber anonym bleiben wollte. Denn dann würden die Schiffe eventuell weniger Häfen ansteuern oder ihre Passagiere komplett woanders hinbringen.
Quelle: Kevin McGwin, The Arctic Journal, http://arcticjournal.com
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