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Chinas erster Flugzeugträger
Chinas erster Flugzeugträger ist ab sofort einsatzbereit. Am Sonntag publizierte die Global Times Fotos der stillen Übergabezeremonie an die Marine der Volksbefreiungsarmee. Die Bilder zeigen, wie weiss gekleidete Marinesoldaten auf dem mit Fähnchen geschmückten Schiff posieren. Damit gesellt sich China in den Klub der 9 Nationen, die über einen solchen Schiffstyp verfügen. Weltweit sind gar nur 20 Flugzeugträger im Einsatz, davon 11 alleine für die USA.
Es wird angenommen, das das Riesenschiff schon bald in Dienst genommen wird. Peking soll den Flugzeugträger soll auf den Namen Shi Lang getauft haben. Dieser war eine General, der im 17. Jahrhundert Taiwan unterwarf.
Chinas neue Präsenz
Der Name ist eine unmissverständliche Ankündigung. Mit dem Flugzeugträger wird Chinas Marine seine Gebietsansprüche in Ostasien mit verstärkter militärischer Präsenz untermauern. Mit den Nachbarn Japan, Taiwan, Philippinen und Vietnam streitet sich Peking regelmässig um Inseln, Riffe und Hoheitsgebiete im Süd- und Ostchinesischen Meer.
Erst in den letzten Wochen ist die Auseinandersetzung mit Japan um die Senkaku/Diaoyu-Inseln eskaliert (Asienspiegel berichtete). Selbst die geplanten Feiern zur 40-jährigen Normalisierung der sino-japanischen Beziehungen hat Peking kurzerhand abgesagt, wie die Yomiuri Shimbun berichtet. Der Anlass sei bis auf weiteres verschoben.
«Unverzichtbar für China»
Der Flugzeugträger wird nicht zu einer Beruhigung der angespannten Lage führen. Die Global Times bezeichnet den Besitz eines solchen Schiffes als unverzichtbar, um «von einer grossen Macht zu einer starken Macht» zu werden. Chinas Gewässer seien stets von fremden Ländern besetzt worden, gerade weil das Land nie eine starke Seemacht gewesen sei.
Japan, Chinas politisch und wirtschaftlich stärkster Nachbar in der Region, besitzt mit Ausnahme von Hubschrauberträgern keinen Flugzeugträger, da seine sogenannten Selbstverteidigungstruppen aus Verfassungsgründen keine offensiven Kriegswaffen besitzen dürfen. Eine Jahrzehnte alte Sicherheitsallianz mit den USA gleicht diese Lücke jedoch aus. Auch die meisten anderen an China angrenzenden Länder setzen inzwischen auf eine militärische Kooperation mit den USA, die gerade im Pazifik ihre Präsenz in den nächsten Jahren ausbauen wollen.
Zum Schnäppchenpreis erworben
Die Shi Lang trug ursprünglich den Namen Varjag. Als das Sowjetimperium zusammenbrach, wurde die Produktion des Flugzeugträgers in der Ukraine gestoppt. Die Elektronik wurde gar nie eingebaut.
1998 kaufte ein chinesisches Unternehmen in Macao die Bauruine zum Schnäppchenreis von 20 Millionen Dollar, mit der Begründung, ein Casino daraus machen zu wollen. Am Ende landete das Schiff jedoch im Hafen von Dalian, wo sich die chinesische Armee ihm annahm. Seit 2005 sind die Arbeiten für die Renovation im Gange.
Die Varjag dient China als Anschauungs- und Übungsobjekt. Bis 2015 soll der erste Flugzeugträger aus heimischer Produktion entstehen. Bis 2020 plant Peking gar den Bau eines atomar betriebenen U-Boots. Bis dann will China gemäss eigenen Worten zu einer mittelgrossen Seemacht aufgestiegen sein (Asienspiegel berichtete).
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