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Internationale Gemeinden Christi
Englischer Name: International Churches of Christ (ICOC)
Ältere Namen: Boston Church of Christ, Boston-Movement
Die Internationalen Gemeinden Christi (engl. International Churches of Christ, Abk. ICOC) wurden 1979 als Boston Church of Christ vom 1954 geborenen Thomas „Kip“ McKean begründet. Kip McKean, aufgewachsen als Methodist, schloss sich in seiner Studienzeit in Florida der umstrittenen Crossroads-Bewegung an. 1979 übernahm er die Lexington (Boston) Church of Christ, eine traditionelle Gemeinde Christi, die er im Sinne der Crossroads-Jüngerschafts-Vorstellungen umgestaltete.
Durch ein starkes Wachstum der Boston Church of Christ ermutigt, ging Kip McKean daran, an andern Orten Tochtergemeinden zu gründen, so 1988 in München, 1989 in Berlin und 1993 in Zürich. Dabei verliess McKean den Grundsatz der Gemeindeautonomie, der für die Gemeinden Christi bindend war, und strukturierte seinen Gemeindeverband stramm hierarchisch, mit der Boston Church of Christ an der Spitze. 1992 wurde das Zentrum des Gemeindeverbandes von Boston nach Los Angeles verlegt, und die Gemeinschaft auf International Churches of Christ umbenannt.
Im Jahr 1993 wurde mit der Internationalen Gemeinde Christi Zürich die bis heute einzige Lokalgemeinde der ICOC in der Schweiz begründet.
Typisches Merkmal der ICOC war bis 2002 ihre spezielle Auffassung der Jüngerschaft, die sie als heilsnotwendig erachtete. Jüngerschaft beinhaltete nach Meinung der ICOC eine stark missionarische Ausrichtung, die Bereitschaft zur Unterordnung unter die Gemeinde (= ICOC) und das Eingehen sog. Jüngerschaftsbeziehungen, die hierarchisch ausgestaltet waren: Jedes Mitglied war einer erfahreneren Person aus der Gemeinde unterstellt, Hirtin oder Hirt genannt, mit welcher regelmässig die begangenen Sünden und anstehende Entscheidungen diskutiert wurden. Wurde vor 1992 der Hirtin resp. dem Hirten gegenüber Gehorsam gefordert – auch dann, wenn diese eine Handlung befehlen sollte, die selbst als Sünde gewertet wurde -, galten die Aussagen des Hirten nachher als Ratschläge. Die Erwartung grundsätzlicher Unterordnung blieb aber bestehen. Der Einfluss des Hirten auf die Lebensgestaltung des Mitgliedes war hoch (Partnerwahl, berufliche Entscheidungen, finanzielle und Wohnsituation).
Unverheiratete Mitglieder der ICOC lebten typischerweise in geschlechtsgetrennten Wohngemeinschaften zusammen. Ein ausgefülltes Tages- und Wochenprogramm führten in der Regel zu einer Reduktion des Kontaktes zu Aussenstehenden. Im Zusammenhang mit der Anwerbung neuer Mitglieder wurde von übersteigerter Zuwendung im Sinne des „Love Bombings“ berichtet. Nach der Anwerbung folgte das sog. „Bibelstudium“, eine Einführung in die Lehren der ICOC anhand vorgegebener Lektionen. Die Mitgliedschaft begann mit der (Wieder)taufe, die fast immer auch bei Menschen geübt wurde, die bereits als Erwachsene getauft wurden.
Von den ICOC wurden insbesondere einsame junge Menschen angesprochen. Der Durchlauf an Mitgliedern war hoch. Ein längeres Verbleiben bei der ICOC war insbesondere dann nicht selten, wenn deren partnervermittelnde Tätigkeit und/oder Uebernahme der Autonomie geschätzt wurde.
Der Rücktritt Kip McKeans als Leiter im Jahr 2002 führte zu einem Umbruch. Der Verband der International Churches of Christ versuchte, die Eigenart der ICOC zu wahren, ohne erneut dem Autoritarismus Kip McKeans zu verfallen. Die Jüngerschaftspraktiken der ICOC werden in diesen Gemeinden in ganz unterschiedlichem Ausmass umgesetzt, sie bleiben aber als Spezifikum der ICOC ein wichtiges Thema.
Zentraler Begriff der Lehre der International Churches of Christ ist die Jüngerschaft. Nur wer sich entschieden hat, in letzter Konsequenz Jünger zu sein, konnte in den Augen von Kip McKean als gläubig gelten. Jüngerschaft war aber für Kip McKean kein durch die Umkehr zu Jesus Christus dauerhaft erworbener Status, sondern ein täglich neu zu erringender Zustand, der sich gegen Anfechtungen zu bewähren und sich in Früchten, z.B. missionarischem Erfolg, zu bestätigen hatte.
In diesem Ringen, so sah es Kip McKean, ist die einzelne Person überfordert, sie braucht zu ihrer Unterstützung Hilfe von der Gemeinde. Diese Hilfe erfährt das Mitglied in Form des sog. «Discipling»: Jedem Gemeindeglied wird eine Person zugeteilt, die sich regelmässig, oft täglich nach dem Befinden des Mitglieds erkundigt und dessen Sünden und Probleme diskutiert.
Das «Discipling» war nach Ansicht Kip McKeans notwendige Voraussetzung des Jüngerseins, weswegen alle anderen Kirchen und Gemeinden nicht als christlich gelten konnten. Nur im Rahmen der Jüngerschaftsvorstellung der ICOC sei, so lehrte McKean, Erlösung möglich.
Zwischen ihrer Gründung im Jahr 1979 und den durch den Weggang von Kip McKean ausgelösten Reformen wurde die Internationalen Gemeinden Christi in kritischer Sicht als problematische Gemeinschaft wahrgenommen, wobei insbesondere die Werbemethoden und die autoritäre Struktur angemahnt wurden.
In der Schweiz existiert eine Gemeinde in Zürich.