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Kolonialherren aus Speicher: Unterschied zwischen den Versionen

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Ein interessantes Detail aus der Kolonialgeschichte zeigen die Vorfälle um eine Plantage in Berbice, einem Teil des heutigen Guyana.
Ein interessantes Detail aus der Kolonialgeschichte zeigen die Vorfälle um eine Plantage in Berbice, einem Teil des heutigen Guyana.
Berbice_1740.JPEG
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==== Johannes Klee - enttäuschte Hoffnungen ====
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Ein kurioses Detail beschreibt Rüsch im Zusammenhang mit dem als Aufseher vorgesehenen Baumeister Johannes Klee:
Ein kurioses Detail beschreibt Rüsch im Zusammenhang mit dem als Aufseher vorgesehenen Baumeister Johannes Klee:
Version vom 9. November 2019, 12:02 Uhr
Inhaltsverzeichnis
Plantage in Berbice
Ein interessantes Detail aus der Kolonialgeschichte zeigen die Vorfälle um eine Plantage in Berbice, einem Teil des heutigen Guyana. Berbice_1740.JPEG Berbice_Eigentümer.jpg Die Quellenlage ist schwierig zu überblicken, da die Chronisten die Ereignisse möglicherweise direkt von Beteiligten hörten und dann aufschrieben oder sich gegenseitig abgeschrieben haben. Chronisten sind Bartholome Rechsteiner in seiner 1815 vollendeten Chronik, aber auch Gabriel Rüsch, der in „Der Appenzeller-Chronick von Gabriel Walser vierther Theil“, gedruckt 1831 in Trogen - darüber berichtet. Gabriel Rüsch hat die Chronik von Gabriel Walser (gestorben 1766) weiter geführt. Rechsteiner und Rüsch dürften direkt Betroffene noch persönlich gekannt haben.
Chronist Rechsteiner
Aus Bartholomé Rechsteiners Chronik über Speicherer in ausländischen Kriegsdiensten („Militär Personen vom speicher in auswertigen Diensten“) ist zu entnehmen:
Michael Schläpfer, des Hauptmanns Hans Schläpfers Sohn aus dem Flecken stieg in holländischen Diensten über die Position des Fähnrichs auf zum Kapitänleutnant in der Kompagnie des Hauptmanns Steiger. Schläpfer starb 1760 in Namur, Holland, 56 jährig ohne direkte Nachkommen.
Einige Angaben dürfte Rechsteiner fast wörtlich aus dem Bericht im Appenzeller Kalender von 1771 (she. unten) so eingefügt haben, dass der Eindruck entsteht, es handle sich um die Plantage des Michael Schläpfer:
Transkription der Seite 193 aus der Chronik von Bartholome Rechsteiner
Ao. 172[?] Ist in Militair Dienst getretten Michael Schläpfer, des haubtmann hanßen Sohn alhier im Flecken, Er war in Hollendischen Diensten [?] Jahr & avansierte vom zum Fähndrich, hernach zum Capitain Lietenant in Hr. haubtmann Steigers Comp. in Nam. Starb er in Holland, 56 Jahr 2 monat alt Ledigenstands, seine brüder haubt. ulrich Schläpfer, u. Lierdten hanßen Lierd genant, u. 3 Schwöstern, waren seine Erben, und seine Verlaßenschaft eine Plantagen in Berbice, in Südamerika, die 500 Juchart lang u. 45 breit zu 96 schrit war, u. über 30000 Bäum hatte, dieses wurde als ein paradies geschildert u. von Holländer angerühmet, das die Erben sich entschloßen die circa 1800 stund entfernte Plantagen nicht nur zubehalten, sondern solche nach beßern anzubauen & mehrere Chlafen [Sklaven] zukaufen, wo ein neger von ƒ. 200 bis ƒ. 500 mußten bezalt werden, u. also viele Taußend gulden geld mußte fort geschickt werden, weil von anfang zimlich viel Coton oder Baumwollen, Caffe & andere Producten auf Holland sind geliefert u. dort verkauft worden, das sie die Rechnung gut darbey gefunden. RathsHr. Conrad Schläpfer von Trogen, der auch ein Erb war, Reißte selbst auf Berbice, & sein Sohn deßgleichen. Sie machten auch ein accort mit dem baumr. Johanes Klee, vom Speicher, auf 10 Jahr, das er aufseher u. baumeister dort sey. RathsHr. Schläpfer kam wieder nach haus, sein Sohn fand den Tod dort und andere mehr, mr. Johanes Klee bleibe nur ca. 8 Jahr, (u. kam halb wilden auch nach Haus, doch gesunden) die Plantagen mußte also Frömbden überlaßen werden, u. die sach gieng schlechter, darzu kame nach. Krieg zwischen Engelland u. Holland, das die Engelländer das Surinam den holländer wegnahmen. Man suchte also diese Plantagen den Holländer zuverkaufen u. wurde Hr. Leonhard buff [Buff] als Erb, damit beauftragt, welcher dieselbe so gut mogl. verkaufte, so das viele Taußend gulden daran verlohren worden, so das RHr. michel Schläpfer, sein Vermögen fast darmit aufgeopfert u. andere mehr. Hr Johanes Schläpfer Kaufte in 1760r. Jahren ein Erbtheil von Hr. Leonhard Schläpfers Sohn der Stum war, a ƒ. 1800 also das Erb circa ƒ. 10000 gerechnet u. nach mehr als zwei mahl so viel sollen nach kösten aufgewandt worden sey.
PS. von der beschaffenheit des Lands ist in dem 1771r. appenzeller Calender eine beschreibung, u. vom Caffe baum, u. andern Früchten u. Thieren, die vermuthlich von obigem RHr. Conrad Schläpfer herkommen.
Nicht klar ist, ob die beiden Brüder Ulrich und Leonhard ebenfalls nach Berbice fuhren, oder ob es nur Ratsherr Conrad Schläpfer aus Trogen mit seinem Sohn und Baumeister Johannes Klee waren. Der Zimmermeister Johannes Klee verwaltete zusammen mit Konrad und Andreas Schläpfer die Plantagen „Oberberg“ und „Flachtal“ am Canjefluss in Berbice.
Chronist Gabriel Rüsch
Gabriel Rüsch, Arzt und Mitgründer der Sonnengesellschaft, hat unter vielem anderem eine Fortsetzung der Walser Chronik geschrieben. Das Werk heisst neu: „Der Appenzeller-Chronick von Gabriel Walser vierther Theil“, gedruckt 1831. Darin berichtet er auf Seite 44 unter dem Titel „Die Appenzellische Plantage in Berbice“ über die Ereignisse um diese Plantage:
Kapitain-Lieutenant Michael Schläpfer von Speicher war 1760 zu Namur, in holländischen Diensten, 56 Jahre alt, ledigen Standes gestorben. Er hinterliess seinen fünf ERben eine 9000 fl. WErth geschätzte, 500 Juchart lange, 45 Juchart breite Plantage (die Juchart zu 96 Schritten gerechnet) in Berbice, einer britischen Kolonie in Südamerika, die sonst den Holländern gehörte. Die gegend wurde als ein kleines Paradies geschildert, wo ein ewiger Frühling herrsche, 30’000 schön gerade auf fruchtbarer Ebene gepflanzte Bäume das ganze Jahr Blüthen und Früchte tragen; wo Zucker, Kaffe, Pfeffer, Baumwolle, Citronen und Apfel im Ueberflusse gedeihen und eine Wurzel wachse, aus welcher das schmackhafte Kastabienbrod gebacken werde; auch Pferde, Kühe, Schweine, Ziegen, Schafe, Hirschen, Wildschweine, prächtige Vögel, gute Fische, namentlich Centner schwere Fischotter gebe es viele, aber auch Tiger, grosse Schlangen, viel Ungeziefer und andere schädliche Thiere. Diese Schilderung bewog nun die Erben, diese 1800 Stund entlegene Plantage beizubehalten und zu ihrerr Verbesserung und zu Ankauf von Sklaven, zu 200 - 500 fl. jeden, grosse Summen zu verwenden. Konrad Schläpfer von Trogen machte die Reise zwei mal dahin und zwar im Jahre 1769 mit seinem Sohn und dem Zimmermeister Johannes Klee vom Speicher, der auf 10 Jahre als Aufseher und Baumeister bestellt wurde. Einige Zeit ging die Sache recht gut. Die Besitzer der Plantage erhielten grosse Lieferungen von Kolonial-Waaren. Unglücklicher Weise aber starb Schläpfers Sohn. Dem betrübten Vater wurde die Weile zu lang, er kehrte ins Vaterland zurück und liess 1771 eine Beschreibung unserer amerikanischen Besitzungen in den Kalender einrücken.
Bedauern über den Verlust
Rüsch bedauert darin ausdrücklich, dass das Land (also Appenzell AR) nicht auch zu Kolonialbesitz kam:
Die Oberaufsicht über die Plantage blieb nun (nach der Rückkehr von Johannes Klee, she. unten) Fremden überlassen, der amerikanische Freiheitskampf hemmte den freien Verkehr; die Engländer eroberten über Holland 1781 ganz Surinam und Berbice. Di ePlantage gerieth in Verfall, Konrad Schläpfer starb in demselben Jahre. Die übrigen allzubald erschrockenen Unternehmer sandten Leonhard Buff vom Wald nach Holland ab, um dieselbe mit grossem Verluste um jeden Preis zu verkaufen. So ging diese Kolonie, wie die in Süd-Karolina, mit welcher auch alle Verbindung aufgehoben wurde, für unser Land verloren, das bei steigender Uebervölkerung in Zeiten der Noth davon unschätzbaren Vortheil hätte ziehen können. Was liesse sich nicht Alles thun, wenn die Zeitumstände jedesmal gehörig benutzt würden.
Johannes Klee - enttäuschte Hoffnungen
Ein kurioses Detail beschreibt Rüsch im Zusammenhang mit dem als Aufseher vorgesehenen Baumeister Johannes Klee:
Von Sehnsucht zu seiner Ehegattin getrieben, reisete nach achtjährigerAbwesenheit auch Klee wieder nach seiner Heimath zurück. Man hatte geraume Zeit nichts mehr von ihm gehört, ihn unfehlbar todt geglaubt und seine vermeinte Witwe, nach vielen fruchtlosen bemühungen endlich bewogen, sich wieder zu verehelichen. Es war gerade eines Dienstag Abends, als Klee über Bündten kommend, den lang ersehnten heimathlichen Boden wieder betrat und sich am nahen Ziele seiner Wünsche glücklich träumte; da traf er im Bühler einen bekannten Zimmermann an beim Holz beschlagen. Nach einer freundlichen Bewillkommnung fragte Klee, was da in dem Wirthshaus, wo auter Jubel ihm entgegen schallte, vorgehe? Betroffen erwiderte der Arbeiter: es ist eine Hochzeit. Die plötzliche Veeränderung seiner Gesichtszüge erfüllte Klee mit banger Erwartung und wie ein Blitzstrahl traf ihn die weitere Kunde, dass es die Hochzeit seines Weibes sei. Letztere hatte vom Fenster dem Gespräche zugesehen und bald genug ihren Mann wieder erkannt, sie wurde durch diese Entdeckung äusserst betrübt und sogleich war auch alle Freude aus dem fröhlichen Kreise völlig verschwunden. Klee wollte in Verzweiflung sogleich wieder nach der Plantage zurück, doch Freunde und Verwandte machten ihm seinen Geburtsort wieder beliebt, erlebte noch viele Jahre gesund, aber halb verwildert und in einer zweiten Ehe in unglücklichen häuslichen Verhältnissen.
Gemäss Eintrag im Eheregister (7. Eheschliessung des Jahres, kein Datumseintrag) des Kirchenbuches von Bühler heiratete Barbara Koller, die erste Ehefrau von Johannes Klee, im Jahre 1778 einen Christian Mettler: Christian Mettler, abgeschieden von Barbara Kusteri (?) [mit] Barbara Kollerin, abgeschieden von Mr. Johannes Klee
Die zweite Heirat von Johannes Klee ist im Kirchenbuch von Speicher mit Datum 22. Januar 1779 vermerkt: Mr. Johannes Klee, Bendlehn, abgeschiedener Ehm. [mit] Katharina Sturzeneggerin auf dem Bühl, Conrad Sturzeneggers ehl. L. T.
Johannes Klee wirkte in Speicher als Baumeister, unter anderen für die Häuser Reutenenstrasse 2 (1787), das Haus zur Blume (1827/28), das nachmalige Restaurant Rebstock (1789/90), das heutige Restaurant Adler (1792), die Häuser Hauptstrasse 12 (1779) und 16 (1794). Das Haus Hauptstrasse 12 war ein schon bestehendes Bauernhaus und wurde von Klee zur Wirtschaft zum Schäfli umgestaltet, wo er selber auch Wirt war.
Geschichtliches zu Berbice
1667 zusammen mit Surinam von den Holländern erobert und kolonisiert. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts blühende Landwirtschaft mit den Hauptprodukten Zuckerrohr, Kaffee, Baumwolle und Kakao, ermöglicht durch den Einsatz afrikanischer Sklaven. 1763 kam es zu einem erfolglosen Sklavenaufstand, dem auf Seiten der Kolonialherren 40 und auf Seiten der Aufständischen 1600 Menschen zum Opfer fielen.
Das britische Interesse an Berbice blieb mit Ausnahme einer Besetzung von 1664 bis 1666 gering, bis Holland sich mit Spanien und Frankreich im Kampf gegen die Briten während der amerikanischen Revolutionskriege zusammenschloss. Obwohl die Briten überfordert waren, ergriffen sie die Initiative in der Karibik und Umgebung und zwangen 1781 alle drei niederländischen Flusskolonien (Essequibo, Berbice und Demerera) dank der Streitkräfte unter dem Kommando von Admiral George Rodney zur Kapitulation.
Von 1782 bis 1784 übernahmen die Franzosen die Herrschaft, traten sie dann aber an Holland ab.
1796 nahmen die Briten mit einer Ausnahme von 1802-1803 (durch den Frieden von Amiens an Holland) definitiv Besitz von Berbice. Durch den Britisch-Niederländischen Vertrag von 1814 fiel Berbice am 13. August 1814 dann offiziell an das Vereinigte Königreich. Am 21. Juli 1831 wurde es zusammen mit Essequibo und Demerara als Britisch-Guayana zusammengefügt, ehe daraus 1966 das unabhängige Guyana wurde.
Berbice im Appenzeller Kalender von 1771
Ratsherr Conrad Schläpfer (+1781) beschrieb Landesnatur, Klima, Fauna, Flora und Wirtschaft in Berbice im Appenzeller Kalender von 1771.
Text: Peter Abegglen, 2019
Quellen:
Chronik von Bartholome Rechsteiner
Gabriel Rüsch: „Der Appenzeller-Chronick von Gabriel Walser vierther Theil“, gedruckt 1831
Geschichtliche Angaben aus Wikipedia