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- Professor Joachim Krause leitet an der Universität Kiel das Institut für Sicherheitspolitik. Zur Gas-Pipeline “Nord Stream 2” erhebt er Vorwürfe an die Adresse Russlands. Ohne dass er Beweise vorlegt, beschuldigt er Russland, die Gasleitung durch die Ostsee könnte militarisiert werden.
- Es ist sozusagen eine Anklage auf Vorrat, erhoben in der Phase, in der die deutsche Bundesnetzagentur die Inbetriebnahme der Pipeline verzögert: Sie verlangt, dass das Unternehmen “Nord Stream” mit Sitz in Zug zwei Gesellschaften gründet: eine für den Transport vom russischen Ust-Luga ins deutsche Greifswald, die andere für die Distribution.
- Gazprom, die Betreiberin von “Nord Stream”, dementiert Krause dezidiert.
“Wir können eure Kabel stören”
Krause begründet seinen “profilaktischen” Protest mit den Chancen, die der Meeresboden militärischen Konfliktparteien eröffne:
- Der Schlüsselbegriff laute seabed warfare, Krieg auf dem Meeresgrund. Ursprünglich habe man darunter die Manipulation von Unterseekabeln verstanden, die 99% des weltweiten Datentransfers abwickeln.
- Heute gehe es Russland “um die umfängliche Nutzbarmachung des Meeresbodens und der Wassersäule als alternativen militärischen Operations-, Navigations- und Kommunikationsraum.”
- Das gelte gerade auch für die Ostsee. Das direkt dem Verteidigungsminister Shoigu unterstellte Direktorat für Tiefseeforschung spiele die Schlüsselrolle. Das Forschungsschiff “Yantar” werde oft entlang der Routen von Seekabeln im Mittelmeer, im Nordatlantik und vor Amerikas Küste geortet. Die strategische Botschaft an die USA sei klar: “Wir wissen, wo eure Lebensadern verlaufen, wir können sie stören.”
Rügen–Bornholm–Gotland
- Weiter liege Russland an der “Maximierung der eigenen Kaltstartfähigkeit in der Nutzung des Meeresbodens und der Wassersäule im Konfliktfall.” Die Infrastruktur, so Solarnetzwerke oder Sensornetze, müsse schon vor dem Krieg installiert werden.
- Und da komme “Nord Stream 2” ins Spiel. Wegen geringer Wassertiefen komme die Ostsee erst östlich der Linie Rügen–Bornholm–Gotland als Operationsgebiet für U-Boote in Betracht. Genau durch dieses Gebiet verlaufe “Nord Stream”. Die Leitungen stünden allein unter russischer Kontrolle. Die Verbindung kreuze fast alle relevanten Unterseekabel. Sie sei jeweils von 200 Meter breiten Schutzstreifen geschützt.
- Innerhalb der Streifen sei die Nutzung des Meeresbodens und der Wasersäule vornehmlich der Betreiberfirma “Nord Stream” vorbehalten.
Der Teufel an der Wand
Soweit Krauses sachliche Darlegung der Möglichkeiten des Krieges auf dem Meeresgrund. Abenteuerlicher wird seine Argumentation, wenn er sich auf ukrainische Quellen stützt. Die Ukraine befindet sich mit Russland in einer gefährlichen militärischen Konfrontation; und sie wird durch “Nord Stream” als Gas-Transitland umgangen. Krause mutmasst:
- “Forscher halten es für wahrscheinlich, dass der Schutzstreifen dazu benutzt werden wird, ein System passiver Sonaranlagen zu installieren und mit dem Pipeline-eigenen Glasfaserkabel zu verbinden. Entsprechende Systeme seien in den letzten Jahren bereits nach St. Petersburg geliefert worden.”
- “Mit jeder Wartungsarbeit durch russische Crews wächst die Gefahr, dass dabei Installationen vorgenommen werden, die militärische Zwecke haben und U-Boote der NATO bedrohen oder gar Kommunikationslinien.”
Hartes Dementi von Gazprom
Gazprom, die Betreiberin von “Nord Stream”, stellt Krauses Anschuldigungen hart in Abrede:
- Die Gesellschaft verfüge über alle notwendigen Bewiiligungen für die Pipeline. Die Genehmigung enthalte allein den Transport von Erdgas. Daran halte sich “Nord Stream”.
- Mit jeder anderen Nutzung würde das Unternehmen die Bewilligung verlieren. Das werde Gazprom nicht riskieren.
- Es lägen keinerlei Belege dafür vor, dass “Nord Stream” die Leitungen für militärische Zwecke nutze.