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Chemische Schadstoffe gelangten weltweit jahrelang ungefiltert in die Gewässer und kumulieren bis heute eine auf lange Zeit anhaltende Kontaminierung der Meere durch Umweltgifte. Seit 1930 wurde PCB industriell verwendet, es war Bestandteil verschiedener Produkte wie feuerbeständiger Mäntel, Farben, Papiererzeugnissen, Bohrausrüstungen und fluoreszierender Beleuchtung. Es gelangt bis heute als Nebenprodukt industrieller Prozesse oder durch unsachgemässe Entsorgung in die Umwelt. Seit über 15 Jahren ist der Gebrauch der Chlorverbindung in den Mitgliedsstaaten der EU verboten, es wird aber in vielen Ländern weiterhin verwendet. PCB baut sich nur sehr langsam ab und hat ein ausgesprochen langes Haltbarkeitsdatum. Schätzungen zufolge könnten bereits bis zu 10% der bis heute hergestellten Menge in die Meere geschwemmt worden sein. Dort sind die PCBs ein gutes Beispiel für die verheerende Wirkung von Chemikalien auf das Wohlergehen und Überleben von Meereslebewesen.
Auswirkungen von PCB auf Lebewesen
PCB sind giftig und in hohen Konzentrationen tödlich für Tiere und Menschen. Weltweit kennen Lebensmittelgesetze längst strenge Richtlinien für maximale Werte für Konsumgüter. Studien an Menschen haben Fehlgeburten, verminderte Fruchtbarkeit und diverse Erkrankungen in Zusammenhang mit PCB festgestellt. So traten bei Betroffenen Schäden des Immunsystems sowie beeinträchtigte Fruchtbarkeit auf. Bei Kindern können hohe Werte Atemwegserkrankungen wie Asthma hervorrufen.
Änderungen im Gleichgewicht der Sexualhormone und die Induktion von Krebs werden mit den langlebigen Schadstoffen in Verbindung gebracht. Diese Auswirkungen wurden bei marinen Raubtieren (Eisbären, Belugawale) nachgewiesen, die an der Spitze der Nahrungskette stehen.
Unlängst konnten Reproduktionsfehler wie auch schwere Missbildungen des Uterus bei Robben festgestellt werden. Zudem stehen die Massensterben bei Wal- und Delfinpopulationen der letzten Jahrzehnte sehr wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Verunreinigung durch PCB.
Gefahr für Wale und Delfine
PCB reichern sich bis zum Ende der Nahrungskette an, wo auch Wale und Delfine stehen. Deren Beute sind Fisch und Tintenfisch, die zuvor kleinere Fische gefressen haben, welche sich wiederum von Plankton ernähren, das PCB aus dem Wasser absorbiert. Wale und Delfine nehmen also grosse Mengen von PCB durch ihre Nahrung auf. Tatsächlich gab es einige gefangene Wale und Delfine, die nach US-Gesetzgebung auf Grund ihrer hohen Schadstoffbelastung als Sondermüll entsorgt werden mussten. Der britische Zoologe Paul Jepson untersuchte über 25 Jahre lang gestrandete Tümmler, Streifendelfine, Orcas und Schweinswale und konstatiert eine hochgradige Vergiftung der Meeressäuger in europäischen Gewässern - insbesondere im westlichen und zentralen Mittelmeer, im Golf von Cadiz, in der Straße von Gibraltar und im Atlantik südwestlich der Iberischen Halbinsel. Jepson und seine Kollegen fordern von der EU dringend Massnahmen, um den PCB-Eintrag in europäische Gewässer zu reduzieren.
Die grossen Meeressäuger haben mit einer Reihe weiterer Auswirkungen der PCB Belastung zu kämpfen. Wegen der Beständigkeit und der weitläufigen Streuung der grossen Menge PCB werden die marinen Lebewesen noch viele Jahre in einem Giftcocktail leben. Glücklicherweise ist die Herstellung von Produkten mit PCB bereits in vielen Ländern verboten. Dennoch befinden sich noch immer geschätzte zwei Millionen Tonnen PCB in Produkten in den Industrieländern, die angemessen entsorgt werden müssen, um das Eintreten weiterer PCB in die Umwelt zu verhindern. Daher erhalten die Bemühungen um korrekten Abbau von industriellen Schadstoffen in Zukunft höhere Bedeutung. Gelingt es uns nicht, toxische Einträge in die Meere zu reduzieren und zu unterbinden, gefährden wir die marine Biodiversität zusätzlich.