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Im zweiten Teil der Serie rund um das Verhalten der Bienen nehmen wir die Ernährung etwas genauer unter die Lupe.
Die Nahrung der erwachsenen Arbeitsbienen besteht aus Pollen und Nektar oder Honig. Nektar und Honig tragen hauptsächlich Einzel- und Mehrfachzucker zur Energieversorgung der Bienen bei. Pollen liefert die Proteine, welche für die Entwicklung der Jungtiere notwendig sind. Er enthält aber auch Fette, Vitamine und Mineralien. Der Nährwert von Pollen verschiedener Pflanzen ist sehr unterschiedlich. Der in den Bienenstock eingebrachte Mischpollen hat einen hohen Nährwert und versorgt die Jungbienen mit allem, was sie für eine gute Entwicklung brauchen.
Das Wachstum von frisch geschlüpften Bienen startet, sobald sie beginnen, Pollen zu verzehren. Da dieser im Magen schlecht aufgespalten werden kann, wird er durch vorangegangene Fermentation zum «Bienenbrot» in der Zelle leichter verdaulich gemacht. Die Aufnahme des fermentierten Pollens führt, neben einem Wachstum des Fettkörpers und anderer innerer Organe, zu einer Ausbildung der Kopfdrüsen. Diese heissen Hypopharynxdrüse und Mandibulardrüse, mit welchen die Bienen Futtersaft für die Larven und die Königin produzieren.
Der Futtersaft ist sehr leicht verdaulich und wird je nach Kaste und Alter des zu fütternden Individuums angepasst. So bekommen zum Beispiel ein bis etwa vier Tage alte Arbeiterinnenlarven zunächst «Arbeiterfuttersaft» und fortan «Arbeitermischfutter», welches mitunter einen höheren Zuckeranteil hat. Der Futtersaft kann milchig-weiss oder klar sein, wie Jung-Hoffmann bereits im Jahre 1966 publizierte.1 Am letzten Larvenentwicklungstag ist er oft gelblich, da er unverdauten Pollen beinhaltet. Um dies herauszufinden, ersetzte Jung-Hoffmann übrigens den Boden der Zellen mit einer klaren Folie und konnte so den Bienen bei den Fütterungen genau zusehen und Proben mit einer Nadel nehmen. Gelée royale unterscheidet sich in der Zusammensetzung vom Arbeiterfuttersaft zum Beispiel in der Zuckerkonzentration2, ist diesem jedoch ähnlich genug, damit aus einer jungen Arbeiterinnenlarve noch eine Königin werden kann.
Speicherung von Nektar
Um Nektar und Honig zu speichern, steigen Arbeiterbienen in die Zelle und drehen sich mit dem Bauch nach oben. Die Nahrung wird dann vom Magen an die obere Zellwand übertragen und durch periodische halbkreisförmige Bewegungen verteilt. Wenn die Zelle bereits Nektar oder Honig enthält, wird der Unterkiefer darin eingetaucht. Da Nahrung an der oberen Zellwand haftet und durch die Schwerkraft nach unten gezogen wird, können sich die Zellen gleichmässig füllen, ohne dass Arbeiterinnen die untere Hälfte der Zelle anvisieren. Der Rüssel bleibt gefaltet und der Unterkiefer bleibt bei dem Vorgang durchgehend geöffnet. Die flüssige Nahrung wird aus der Zelle über die Zunge wieder aufgenommen, welche durch den ausgestreckten Rüssel gleitet. Dies ist unabhängig von der Orientierung der Arbeiterin zur Zelle.
Speicherung von Pollen
Ist eine zur Pollenspeicherung geeignete Zelle gefunden, greift die Sammlerin mit ihren Vorder- und Hinterbeinen an die Zellwand oberhalb der untersuchten Zelle und senkt die Spitze ihres Hinterleibs auf die untere Zellwand. Dann schiebt sie mit den mittleren Beinen langsam den Pollen entlang der Aussenseite der Hinterbeine ab. Nachdem die Pollenkugeln in die Zelle gefallen sind, entfernt die Arbeiterin die Pollenreste an den Mittel- und Hinterbeinen und rückt dabei die Pollenkugeln mit ihren Füssen tiefer in die Zelle. Dieser Vorgang wird wiederholt, bis die Biene im Wesentlichen frei von Pollen ist und darauf die Zelle verlässt.
Jüngere Bienen in der Nähe verwenden dann ihre geschlossenen Mundwerkzeuge und Kopfbewegungen nach oben, um den Pollen weiter zum Boden der Zelle zu drücken. Der angesammelte Pollen an der Basis der Zellen wird dann aufgebrochen und in die Klumpen eingebaut. Während dieses Prozesses kann der Pollen zu Bienenbrot fermentiert werden, indem Speichel, Nektar und Honig hinzugefügt werden, um die Masse zu befeuchten.
Literatur
- Jung-Hoffmann, I. (1966) Die Determination von Königin und Arbeiterin der Honigbiene. Zeitschrift für Bienenforschung 8: 296–322.
- Dixon, S. E.; Shuel, R. W. (1963) Studies in the mode of action of royal jelly in honeybee development: III. The effect of experimental variation in diet on growth and metabolism of honeybee larvae. Can. J. Zool. 41: 733–739.
2 Gedanken zu „Die Ernährung der Bienen“
Hi, ich finde dies ist ein interessanter Eintrag. Ich würde mir davon wünschen. Herzliche Grüße
Herzlichen Dank! Es sind noch drei weitere Beiträge von Paul Siefert geplant – sie dürfen sich also freuen.
Den ersten finden sie hier: https://bienenzeitung.ch/neue-serie-verhalten-im-bienenvolk/
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