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Rüssli und Riesli nennt man im Lande die letzten und kleinsten Verzweigungen der künstlich angelegten Wassergräben, durch die das befruchtende Wasser über Wiesen und Matten hingeleitet wird. Eben so nannte man schimpfweise einen Dätwiler-Bauern, der bei dieser landwirthschaftlichen Arbeit sich nie genug thun konnte und es mit den nachbarlichen Grenzgräben, die man Eh-Riesli nennt, gar nicht genau nahm. Der Name passte auch noch deshalb besonders auf ihn, weil er mit seinem Eheweibe in stetem Unfrieden lebte und immer neue Ursachen zu finden wusste, sich mit ihr herum zu zanken. Zuletzt, da er einmal in ärgerlicher Stimmung von Baden heimkehrte und wieder von dem losen Maule der Frau übel empfangen wurde, brachte er das Weib um und erhieng sich selbst. Sobald man nun seine Leiche aus dem Hause trug, schoss ein grosser schwarzer Vogel mit heraus und schwebte den nahen Weihern zu, welche zwischen Dätwil und der Stadt Baden liegen. Sogleich fiengen die Wellen an, unruhig zu werden, und wenn diese nun sich trüben, so meint das Volk noch, dies thue Riesli.
E. L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 2, Aarau 1856
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.