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Das Wichtigste in Kürze
- Die schwedische Justiz ermittelt gegen den Schweizer CEO von Lundin Petroleum, Alex Schneiter. Auch Verwaltungsratspräsident Ian Lundin steht unter Verdacht, Beihilfe zu Kriegsverbrechen geleistet zu haben.
- Die schwedische Firma Lundin Petroleum operiert von Genf aus. Im letzten Jahr ist es dort zu Hausdurchsuchungen gekommen.
- Die beiden Manager beteuern ihre Unschuld.
Schweden verdächtigt den Schweizer Geschäftsmann Alex Schneiter (57) der Beihilfe zu Kriegsverbrechen im Sudan. Schneiter war um die Jahrtausendwende zuständiger Direktor für Öl-Suche der in Genf angesiedelten schwedischen Firma Lundin Petroleum. Die schwedische Staatsanwaltschaft ermittelt weiter gegen den ebenfalls in der Schweiz wohnhaften Schweden Ian Lundin (59), Sohn des Firmengründers und heutiger Verwaltungsratspräsident von Lundin Petroleum.
Die Firma operierte von 1997 bis 2003 im Sudan. Die schwedischen Ermittler verdächtigen Ian Lundin und Alex Schneiter, bei der Öl-Suche im Süden gemeinsame Sache mit den Streitkräften und Milizen des sudanesischen Regimes des damaligen Diktators Omar Al-Bashir gemacht zu haben. Sie hätten dabei in Kauf genommen, dass zehntausende Zivilisten aus dem Öl-Gebiet vertrieben oder umgebracht wurden.
Im Interview mit der «Rundschau» beteuern Schneiter und Lundin ihre Unschuld. Schneiter ist heute CEO des Lundin-Konzerns. In der Schweiz ist er als mehrfacher Gewinner der Genfersee-Regatta Bol d’Or bekannt. Schneiter bezeichnet die Vorwürfe als «vage und unverständlich». «Niemand von uns hat je einen Beweis gesehen für Gräueltaten, wie sie die NGOs beschrieben haben. So etwas wäre für uns völlig inakzeptabel gewesen», so Schneiter.
Geschäfte im Bürgerkriegsland
Lundin Petroleum operierte im Sudan ab 1997 mit einer Konzession in einem Gebiet halb so gross wie die Schweiz. 1999 gab die Firma bekannt, sie sei auf umfangreiche Ölvorkommen gestossen. Vier Jahre später verkaufte sie ihren Anteil an der Konzession dem Petronas-Konzern aus Malaysia und erzielte dabei einen Nettogewinn von 100 Millionen Dollar, wie der Lundin-Jahresbericht von 2003 festhält.
Der Sudan befand sich von 1983 bis 2005 in einem blutigen Bürgerkrieg. 2011 spaltete sich der Südsudan ab und bildete einen eigenen Staat.
Die «Rundschau» zeigt Filmsequenzen, die Ian Lundin 2001 im Gespräch mit dem berüchtigten sudanesischen Kommandanten Attayib Gatluak «Taitai» zeigen. Er befehligte damals Einheiten einer regierungstreuen Miliz, welche Lundins Strasse zu den Öl-Feldern absicherte. Auf den Bildern ist Lundin inmitten von Kindersoldaten zu sehen. Dazu sagt er, das Filmmaterial erwecke einen falschen Eindruck: «Grundsätzlich hatten wir nichts mit dem Konflikt zu tun.»
Nichtregierungsorganisationen wie Human Rights Watch und Pax haben die Praxis der gewaltsamen Vertreibungen durch das Regime im Detail dokumentiert. Aufgrund ihrer Berichte wurde das schwedische Strafverfahren eingeleitet. Das Kommissariat für Menschenrechte der UNO in Genf äusserte sich diesen Februar dazu. Demnach gehörten die weit verbreiteten und gravierenden Menschenrechtsverletzungen im Konzessionsgebiet von Lundins Konsortium «zur Strategie des Regimes, hunderttausende Menschen zum Zweck der Öl-Förderung zu vertreiben».
Büros in Genf durchsucht
Der Lundin-Konzern verfügt in Genf an zwei Standorten über Büros. An beiden Adressen führte die Schweizer Bundesanwaltschaft vergangenes Jahr Hausdurchsuchungen durch und beschlagnahmte Datenmaterial, wie ein Sprecher der Bundesanwaltschaft gegenüber SRF bestätigte. Die Razzien erfolgten auf Ersuchen der schwedischen Behörden.
Risikoreiche Investments
Lundin Petroleum hat sich früher einen Namen mit risikoreichen Investments in Ländern wie Eritrea, Iran, Libyen, Somalia oder dem Sudan gemacht. Lundin operiert seit Beginn weg aus Genf, ist aber in Stockholm eingetragen. Der Börsenwert des schwedischen Konzerns beträgt gegenwärtig über 10 Milliarden Euro. Grösster Aktivposten sind heute Ölfelder vor Norwegen. Die Familie Lundin besitzt 28 Prozent der Aktien. Schweizer Privatbanken wie Julius Bär, Lombard Odier oder Pictet gehörten früher zu den wichtigsten Aktionären des Unternehmens. Heute ist die Credit Suisse mit 1.5 Prozent der wichtigste Schweizer Anteilhaber.
Die schwedische Staatsanwaltschaft entscheidet voraussichtlich diesen Sommer über eine Anklageerhebung gegen die beiden Manager. Der Staatsanwalt hat den in Schweden börsenkotierten Konzern bereits schriftlich vorgewarnt, er werde im Falle einer Verurteilung der beiden Manager unrechtmässig erworbene Einkünfte von fast 400 Millionen Dollar einziehen.
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