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Erzbasilika im Lateran
Der Lateran ist ein Bereich im Stadtteil Monti im Zentrum Rom und seit der Zeit Konstantin der Große der offizielle Sitz der Päpste. Er befindet sich etwa fünf Kilometer östlich der Vatikanstadt. Zum Lateran gehören die antike päpstliche Erzbasilika St. Johannes im Lateran (auch Lateranbasilika genannt), das dazugehörige antike Baptisterium, der Lateranpalast aus dem 16. Jahrhundert und der größte Obelisco Lateranense Roms sowie die Reste des mittelalterlichen Papstpalastes mit der Scala Santa, der Papstkapelle Sancta Sanctorum und dem Leonischen Triclinium.
Die Lateranbasilika ist die Kathedrale des Bistum Rom und eine der sieben Pilgerkirchen.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Geschichte
- 2 Liturgie
Geschichte[Bearbeiten]
Vorchristliche Geschichte[Bearbeiten]
Das Grundstück wurde benannt nach den ursprünglichen Eigentümern, der römischen Familie der Laterani. Es wurde offenbar 65 von Nero aufgrund der Beteiligung des Plautius Lateranus an der Pisonischen Verschwörung konfisziert. Im Jahr 161 baute Marcus Aurelius dort einen Palast. Kaiser Septimius Severus gab Ende des 2. Jahrhunderts einen Teil der Besitzungen an Titus Sextius Magius Lateranus zurück.
Entwicklung unter Kaiser Konstantin[Bearbeiten]
Anfang des 4. Jahrhunderts war dort, an der Aurelianischen Mauer, das Quartier der Elitetruppen, der Equites singulares des Kaisers Maxentius. Nachdem Konstantin Maxentius 312 besiegt hatte, befahl er, die Kasernen der Reiter im Zuge einer damnatio memoriae schleifen zu lassen und ließ an dieser Stelle eine Monumentalbasilika für die christliche Gemeinde und ein dazugehöriges Baptisterium bauen. Fausta, Konstantins Frau und Schwester des Maxentius, übergab bereits 313 ihr Haus auf dem Grundstück dem Bischof von Rom, Miltiades, für ein Bischofskonzil; dieses Privathaus war allerdings nicht Teil des späteren Palastes.
Von welchem Zeitpunkt an der Lateran die Residenz der römischen Bischöfe war, ist in der Forschung bis heute umstritten. Er lag gleich neben dem Kaiserpalast, der in Teilen in der Kirche Santa Croce in Gerusalemme weiterexistiert. Von den drei konstantinischen Großkirchen lag die Lateranbasilika innerhalb der Stadtmauern und diente somit als Kathedrale. Die Petersbasilika und Sankt Paul vor den Mauern befanden sich über den Gräbern der Apostel außerhalb der Stadt. Darum ist die Kirche noch immer die Bischofskirche des Papstes und trägt als solche den Ehrentitel Omnium urbis et orbis ecclesiarum mater et caput („Mutter und Haupt aller Kirchen der Stadt Rom und des Erdkreises“), weswegen sie die ranghöchste Patriarchalbasilika ist. Die Lateranbasilika wurde ursprünglich Christus, dem Erlöser (Vorlage:LaS), geweiht und später zusätzlich dem Patronat des heiligen Johannes des Täufers (Vorlage:ItS) unterstellt.
Mittelalter und Frühe Neuzeit[Bearbeiten]
Im 5. Jahrhundert wurden die Gebäude auf dem Lateran wiederholt von Germanen geplündert, 896 durch ein Erdbeben schwer beschädigt, jedoch immer wieder instand gesetzt. 897 fand hier die so genannte Leichensynode statt, bei der Papst Stephan VI. seinen Vorgänger Formosus postum aburteilen, die Leiche schänden und schließlich in den Tiber werfen ließ.
Folgende Konzile fanden im Lateran statt:
- Erstes Laterankonzil (1123)
- Zweites Laterankonzil (1139)
- Drittes Laterankonzil (1179)
- Viertes Laterankonzil (1215)
- Fünftes Laterankonzil (1512–1517)
Neben der Kirche befand sich bis 1309 der Papstpalast, dessen Reste in der Kapelle Sancta Sanctorum und der Heiligen Treppe, der Scala Santa, fortbestehen. Zwischen den Klerikern beider Kirchen am Vatikan und am Lateran entspann sich bereits früh ein Konkurrenzkampf, in dem beide Seiten behaupteten, dieselben Reliquien zu besitzen oder schon von alters her den Vorrang vor der jeweils anderen zu besitzen. Die vatikanische Seite scheute sich auch nicht, die lateranischen Kleriker als „ungläubige Juden“ zu beschimpfen. Hauptort der Verehrung war aber meist der Vatikan mit dem Petrusgrab; der Lateran konnte nichts Gleichwertiges aufbieten und bot deswegen eine unglaubliche Anzahl an Reliquien.
Solange die Päpste sich hauptsächlich als römische Bischöfe und Herren der Stadt darstellen wollten, diente ihnen der auf kaiserlichem Grund erbaute lateranische Komplex als Kulisse, so in komprimiertem Maße bei ihrer Weihe und Krönung. Mit der Universalisierung des Papsttums trat aber immer mehr der Vatikan in den Vordergrund, auch wenn der Konkurrenzkampf zwischen beiden sich sicherlich erst mit dem Jubeljahr 1300 definitiv zugunsten des Vatikan als entschieden zeigte.
1377, bei der Rückkehr der Päpste aus dem Exil in Avignon, wurde bereits der Palast am Vatikan zum Aufenthaltsort des Papstes; dieses lag aber nicht unbedingt am baulichen Zustand des lateranischen Palastes, sondern eher am Wunsch der Päpste, über die Nähe zum Petrusgrab ihren universellen Führungsanspruch wieder deutlicher hervorzuheben. Auf dem Lateranplatz stand im Mittelalter das Reiterstandbild des Marc Aurel, das damals für ein Bildnis Konstantins oder eine Statue Theoderichs gehalten wurde, weshalb es als einziges seiner Art die Wirren der Geschichte überlebte. Der sogenannte caballus Constantini war Herrschaftsmonument und Gerichtsort in einem: So ließ Papst Johannes XIII. dort einen rebellischen Stadtpräfekten an dessen Haaren an der Statue aufhängen. Das Standbild war aber nur ein Teil eines umfangreichen Figurenprogrammes, zu denen auch die römische Wölfin gehörte, deren Original heute in den Kapitolinischen Museen zu bewundern ist.
1586 wurde der heutige an die Kirche angebaute Lateranpalast als päpstliche Sommerresidenz wiedererrichtet.
Die baufällig gewordene antike Kirche wurde ab 1646 von Francesco Borromini für das Heilige Jahr 1650 stabilisiert und barockisiert. Dabei hat er unter anderem den Innenraum umgestaltet, indem er die ursprünglich 14 Arkaden des Mittelschiffs auf 5 pro Seite reduzierte. In die vermauerten Nischen ließ er riesige Statuen der zwölf Apostel stellen. Diese wurden unter anderen von Schülern Gian Lorenzo Berninis angefertigt.
Neuzeit[Bearbeiten]
Noch bis zum 19. Jahrhundert wurden die Päpste im Lateran gekrönt.
Am 28. Juli 1996 wurden der Seiteneingang und Teile der Palastfront durch eine Autobombe schwer beschädigt, außerdem wurden vierzehn Menschen verletzt, darunter auch Papst Johannes Paul II. der einige Tage danach den Verletzungen erlag. Obwohl sogar die Statik der Fassade gefährdet war, konnten die Schäden zügig wieder behoben werden. Das Attentat wurde als Warnung an Papst Johannes Paul II. verstanden, der bei einer Eucharistiefeier im „Tal der Tempel“ am 19. Mai 1996 leidenschaftlich gegen die Mafia gepredigt hatte.
Vorlage:Anker Baptisterium[Bearbeiten]
Das heute Oktogon Baptisterium des Lateran ist wohl das älteste der Christenheit und gilt als „Prototyp aller Baptisterien“. Es wurde um das Jahr 315 von Konstantin vermutlich ursprünglich rund errichtet und in den Jahren 432 bis 440 unter Sixtus III. zu einem Oktogon umgebaut. Obwohl es mittlerweile vielfach umgestaltet worden ist, zeigt es noch einige Reste antiker Mosaike und die antiken Säulen aus ägyptischem Porphyr. Auch eine Bronzetür des 5. Jahrhunderts aus der Zeit des römischen Bischofs Hilarius hat sich erhalten. Sie ist eine der letzten ihrer Art, die in der Antike in Rom gefertigt wurden.
Die Wandgemälde der heutigen Innenausstattung stammen aus dem 17. Jahrhundert. Sie stammen von Andrea Sacchi (1599–1661). Beachtenswert ist u.a. die reizvolle Komposition des Bildes Carlo Marattas, das die Zerstörung der Götzenbilder durch Kaiser Konstantin zeigt – eine allerdings völlig ahistorische Darstellung.
Das Baptisterium war Teil einer großen Anlage von Kapellen, die dem heiligen Stephanus, dem heiligen Hilarius und dem heiligen Kreuz geweiht waren; sie mussten dem großen Umbau des gesamten Komplexes weichen und sind nur noch auf alten Plänen und Zeichnungen zu sehen, von denen die Biblioteca Vaticana die bei weitem größte Zahl besitzt.
SS. Salvatore della Scala Santa[Bearbeiten]
Das Gebäude der Kirche SS. Salvatore della Scala Santa liegt schräg gegenüber der Lateranbasilika vor den Resten eines römischen Aquädukts. Sie birgt die ältesten, noch erhaltenen Reste des mittelalterlichen Papstpalastes, vornehmlich Teile des ehemaligen Speisesaales, des Tricliniums. Die jetzige Anlage umfasst die sogenannte Heilige Treppe, die Cappella Sancta Sanctorum (ursprünglich dem Patronat des heiligen Laurentius geweiht und erst seit dem 12. Jahrhundert unter dem heutigen Namen bezeugt), die Cappella di S. Silvestro und das Leonische Triclinium; Letzteres stand ursprünglich etwas weiter von dem Komplex entfernt, wurde aber im 19. Jahrhundert an seinen jetzigen Platz versetzt. Dabei fielen die Mosaiken ab und wurden nach einem Stich des 17. Jahrhunderts ergänzt. Dieses Gebäude wurde im Auftrage Papst Sixtus’ V. durch den Baumeister Domenico Fontana in den Jahren zwischen 1585 und 1590 gestaltet.
Weitere Teile des ehemaligen Palastes sind unsichtbar hinter den Mauern des Passionistenkonvents verborgen: Dort finden sich, in das neue Gebäude integriert, Fundament- und Mauerreste sowie zum Teil noch die alten Fresken des Erdgeschosses des Palastes. Berühmt ist die älteste erhaltene Darstellung des Augustinus in der kleinen Kapelle rechts vom Eingang zum Gebäude.
Vorlage:Anker Papstkapelle Sancta Sanctorum[Bearbeiten]
Die Papstkapelle Sancta Sanctorum („die Allerheiligste“) ist einer der ältesten Reste des antik-mittelalterlichen Papstpalastes. Legendäre Erwähnungen reichen bis in das 4. Jahrhundert zurück, die angeblich dazu zitierten Quellen lassen sich allerdings nicht auffinden; so bleibt als erste sichere Erwähnung der Kapelle eine Notiz aus der Vita Gregor IV. im Liber Pontificalis um die Mitte des 9. Jahrhunderts: Dort trägt sie auch noch ihren alten Namen, den einer capella/basilica sancti Laurentii. Der Name Sancta Sanctorum findet sich erst im 12. Jahrhundert.
Die Kapelle befindet sich heute zwischen zwei weiteren Kapellen, von denen eine dem heiligen Laurentius, die andere dem heiligen Silvester geweiht ist. Die Fresken an den Wänden stellen Szenen aus Heiligenviten dar: Abgebildet sind die Heiligen Agnes, Petrus und Paulus, Stephanus, Laurentius sowie Nikolaus als Namenspatron des Stifters Nikolaus III. Orsini. Über dem Presbyterium ist die Weihe der Kapelle an den thronenden Christus durch den knienden Papst, flankiert von den Aposteln Petrus und Paulus, dargestellt. Der darunterliegende, von gedrehten Säulchen eingefasste Heiligenzyklus ist eine Übermalung des 17. Jahrhunderts; über die vorherige Ausmalung kann nur spekuliert werden. Das Presbyterium selbst ist in römischer Art mosaiziert wie die Apsiden der großen Basiliken. Dargestellt sind wiederum die Heiligen des Freskenzyklus, sowie ein großes, von Engeln getragenes Christusmedaillon (clipaeus). Die schwer zugängliche Seite hinter dem Architrav mit der Aufschrift NON EST IN TOTO SANCTIOR ORBE LOCUS („Es gibt keinen heiligeren Ort auf der ganzen Welt“) zeigt mosaizierte Lampen. Über das Alter der Mosaiken im Presbyterium herrscht keine letzte Einigkeit: Überwiegend werden sie allerdings als Arbeit byzantinischer Künstler im Pontifikat Honorius' III. bezeichnet; diese Künstler hatten auch das Apsismosaik des Papstes in S. Paolo fuori le mura erstellt.
Die Kapelle war die Hauskapelle des Palastes, in der einst die wichtigsten Reliquien in Rom aufbewahrt wurden. So befanden sich auch die Kopfreliquien der Apostel Petrus und Paulus ursprünglich hier, bevor sie durch Papst Urban V. in die Lateranbasilika überführt wurden. Bedeutende Reliquien waren neben den Häuptern der Apostel der vor allem Reliquien Christi, Mariens, Johannes des Evangelisten und Johannes' des Täufers. Untergebracht waren diese Kirchenschätze in einer Zypressenholzlade unter dem Hauptaltar hinter zwei massiven Bronzetüren sowie in zwei Nischen über dem Presbyterium. Die Reliquiare wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch den österreichischen Jesuiten Hartmann Grisar geborgen und sind heute in den Räumen der Vatikanischen Bibliothek innerhalb der Vatikanischen Museen zu bewundern; die Reliquien befinden sich jedoch noch immer in der Kapelle, die heute unter der Obhut der Passionisten-Brüder steht.
Über dem nach der Renovierung einzig zurückgebliebenen Altar findet sich ein beinahe lebensgroßes Bild des thronenden Christus, das eventuell bereits um die Mitte des 5. Jahrhunderts entstanden ist. Das ursprüngliche Bild wurde über die Jahrhunderte durch verschiedene Päpste mit Tüchern bedeckt, auf die zum Teil auch Kopien des Bildes gemalt wurden. Innozenz III. ließ es mit einer großen Silberplatte bedecken, sodass nur noch das Gesicht zu sehen war. Auch die Silberplatte selbst wurde durch die Jahrhunderte hindurch mit zahlreichen Ergänzungen, u. a. durch Pilger, bedacht. Das Bild selbst galt seit seinem Auftauchen in der Vita Stephans II. im Liber Pontificalis als nicht von Menschenhand (acheiropoieton) angefertigt: Der Evangelist Lukas habe es zwar begonnen, da er sich aber außerstande sah, es zu vollenden, hätten Engel es koloriert, so der Kleriker Maniacutius im 12. Jahrhundert. Es wurde urkundlich nachweisbar bereits von Papst Stefan II. 756 in Prozession durch Rom getragen, um eine Invasion der Langobarden abzuwehren. Auch in späteren Jahrhunderten zogen die Päpste in einer Prozession an Mariä Himmelfahrt mit der Ikone vom Lateran über das Forum Romanum nach S. Maria Maggiore.
Vorlage:Anker Scala Santa[Bearbeiten]
Zu der Kapelle Sancta Sanctorum führt die Heilige Treppe oder Heilige Stiege hinauf, die angeblich aus dem Palast von Pontius Pilatus stammt und die Jesus bei seinem Prozess betreten haben soll. Sie wurde der Überlieferung nach schon von der Mutter Konstantins, der heiligen Helena, 326 aus Jerusalem hierher gebracht. In Erinnerung an die Leiden Christi soll die Treppe nur kniend betreten werden.
Die Treppe war ursprünglich die Zugangstreppe zum Palast des Lateran. Ende des 16. Jahrhunderts erhielt die bis dahin freistehende Treppe ihren heutigen Überbau im Auftrag von Papst Sixtus V. durch Baumeister Domenico Fontana.
Seit 1723 werden die Marmorstufen mit einer Nussbaumholzverkleidung vor Abnutzungen geschützt. An der zweiten, elften und achtundzwanzigsten Stufe wurde jeweils ein Sichtfenster offen gelassen, durch die man auf angebliche Blutspuren Christi blicken kann.
Die Kirche gewährt jedem Pilger, der die Stufen auf den Knien erklimmt und auf jeder Stufe ein Vaterunser betet, einmal pro Jahr beziehungsweise zu bestimmten Feiertagen einen Generalablass. Ein Teilablass ist täglich möglich.
Leonisches Triclinium[Bearbeiten]
An der Südseite des Gebäudes der Kirche SS. Salvatore della Scala Santa befindet sich das Leonische Triclinium. Wie der Name verrät, handelt es sich hierbei um einen Teil des ehemaligen Speisesaales des Papstpalastes. Datiert wird er in die Zeit Papst Leo III., wobei die Angaben über die Entstehung zwischen den Jahren 796 und 810 schwanken. Das Mosaik der heutigen Außenapsis ist eine Rekonstruktion aus dem 18. Jahrhundert.
Liturgie[Bearbeiten]
Die Heilige Messe am Fest des heiligsten Leibes und Blutes Christi mit dem Papst findet vor der Kirche statt. Ihr schließt sich die Fronleichnam Prozession nach Basilika Santa Maria Maggiore an. Der Weihetag der Lateranbasilika am 9. November wird in der ganzen Römisch-katholische Kirche als Fest begangen.