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Das neue Buch von Sepp Moser zeigt, wie pannen- und korruptionsanfällig die Beschaffung von Kampfjets seit den 1960er Jahren ist.
Eigentlich hat Sepp Moser, der bekannteste Aviatikjournalist der Schweiz, sein Buch für den Abstimmungskampf geschrieben. Um in diesem eine Rolle zu spielen, kam es aber zu spät raus. Dank dem Zufallsresultat hat es aber neue Aktualität gewonnen. Es bringt zahlreiche Argumente, warum es sich lohnt, bei der Beschaffung von Kampfjets – wie auch beim Verkauf von Militärflugzeugen – genau hinzuschauen. Moser bezeichnet das bisherige Vorgehen bei der Beschaffung neuer Kampfjets als «totale Intransparenz» – als Reaktion auf den Absturz der Gripen wegen der «totalen Transparenz». Diesmal blieben «die Resultate der Typenerpro – bungen streng geheim». Und so «sollen die Stimmbürger 6 Milliarden Franken bewilligen, ohne zu wissen, wofür das Geld verwendet werden soll». Allerdings zieht Moser daraus den Schluss, dass solche «Volksbefragungen» zweifelhaft seien.
Big Brother und Moulin Rouge
Über die vier Herstellerfirmen hat Moser, der bereits 1973 ein Buch zum Thema Kampfjets veröffentlicht hat, wenig Schmeichelhaftes zu sagen. Unter dem Titel «Big Brother ist startbereit » schildert er die Kontrolle der USA über die Verwendung ihrer Produkte. Zum F-35 hält Moser fest: «Als erstes Flugzeug seiner Art ist er über eine permanente Datenverbindung mit den USA verbunden. Alle wichtigen Daten und Prozesse werden registriert und gespeichert, so dass nach jedem Flug die Techniker genau wissen, ob etwas repariert oder justiert werden muss und was. Für den Alltagsbetrieb ist diese Technik eine gute Sache – aber wenn die Amerikaner die Datenverbindung kappen, ist das Flugzeug nur noch halb einsatzfähig.» Beim F/A-18E/F gelte das zwar weniger stark, aber grundsätzlich auch. So weiss Moser über die heutigen F/A-18C/D folgendes zu berichten: «Bei den Revisionen in den Werkhallen der Firma Ruag in Emmen sind amerikanische Aufpasser zugegen, die heikle Komponenten der Luftkampf-Elektronik demontieren, zur Revision in die USA bringen und nachher wieder einbauen sowie plombieren.» Dieser Aussage folgt der brisante Satz: «Die Funktion dieser Geräte ist den Schweizer Spezialisten nicht im Detail bekannt.» So viel zur Lufthoheit!
Gegenüber den beiden anderen Lieferanten ist Moser weniger misstrauisch. Aber auch sie kommen im Buch schlecht weg. So wird im Kapitel über Korruption in Österreich der Eurofighter erwähnt. Und die französische Dassault wird als Herstellerin dargestellt, die sich historisch am massivsten in schweizerischen Beschaffungsprozesse eingemischt hat. Auch wenn das Produkt wie der Milan-Kampfjet um 1970 hundslausig war. «Politiker und Journalisten wurden zu ‹Informationsreisen› nach Frankreich geladen, teuerste Plätze im Live-Programm des Nachtclubs ‹Moulin Rouge› inbegriffen.» Besonders interessant ist das Schlusskapitel, in dem der Spezialist den Sinn «neuer Kampfflugzeuge im heutigen Sinn» in Frage stellt. Dabei verweist er auf die USA, wo der Abschied von bemannten Flugzeugen im Gange ist. «Dieses Thema ist in der politischen Diskussion bisher nicht aufgetaucht.»
Pilatus und Ikea
Das andere grosse Thema des Buches sind die Pilatus-Flugzeuge. Die Titel lauten zweideutig «Schulflugzeuge mit Biss» oder «Geschäfte mit Sprengkraft». Dabei erzählt Moser auch aus eigenen Erfahrungen. So hat seine Enthüllung über den Einsatz von Pilatus-Portern im Vietnamkrieg im Tagesanzeiger vom 22. August 1969 zu einem zeitweiligen Ausfuhr-Verbot durch den Bundesrat geführt. Er macht sich aber auch über spätere Lockerungen lustig. Die Definition im Güterkontrollgesetz, Trainingsflugzeuge, die nicht «für eine nachträgliche Bewaffnung vorbereitet» sind, umschreibt Moser am Beispiel eines Ikea-Schrankes: «Solange die Beschläge und die Schrauben nicht dabei sind, ist er nicht für die Montage vorbereitet.» Mosers eigene Erfahrungen und launigen Beschreibungen machen sein Buch zu einer lehrreichen und unterhaltsamen Lektüre.