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«Wir machen uns Sorgen, weil unser Sohn nicht essen möchte. Er ist jetzt eineinhalb Jahre alt und nimmt nur den Schoppen. Er isst keine feste Nahrung. Aus Sorge um seine Gesundheit haben wir begonnen, Früchte und gemahlenes Getreide in die Milch zu mischen. Es scheint uns auch, dass die Nahrungsverweigerung ein sehr wirksames Druckmittel ist, wenn er sich widersetzen will.» F.G.
Kleine Kinder widersetzen sich – auch oft beim Essen. Das haben Sie ganz richtig beobachtet. Die Gefahr ist in solchen Situationen, dass wir als Eltern aus Sorge um die Gesundheit der Kinder oder aus Angst um unsere Beziehung zum Kind eine unglaubliche «Gymnastik» betreiben, um möglichst ohne Krisen durchzusetzen, was wir als wichtig erachten.
Auf amüsante und etwas überspitzte Art erzählt zum Beispiel Franz Hohler in einer Geschichte von einem einjährigen Kleinkind, das nicht essen will. Zufällig findet der Vater ein Mittel, wie er es zum essen motivieren kann: über ein Gatter hinweg an der Türe seines Zimmers. Die Eltern sind erleichtert. Das Kind fordert jedoch immer mehr von seinen Eltern und vom Dienstmädchen, damit es isst: Die Mutter muss neben ihm sitzen, der Vater muss einen Hut tragen usw. Die Eltern versuchen, sich zu weigern, aber das Kind wiederum weigert sich zu essen, und schliesslich gehen die Eltern auf alle seine Forderungen ein. Am Ende der Geschichte füttert der Vater das Kind auf einer Leiter durch das Fenster, mit einem Hut auf seinem Kopf und einem Regenschirm in der Hand, während seine Mutter im Nachthemd auf dem Schrank liegt und das Dienstmädchen bei jedem Bissen eine Rasselbüchse schüttelt.
Ihr Kind braucht Nährstoffe, die es allein in der Milch nicht mehr findet mit eineinhalb Jahren. Gleichzeitig können Sie sich aber nicht nur auf die Ernährung konzentrieren, sondern sollten auch sein Bedürfnis nach Struktur berücksichtigen. Ein gesundes Kind lässt es nicht so weit kommen, vor Hunger zu sterben. Das tönt jetzt etwas radikal, aber es kann Ihnen helfen, auch beim Essen klare Regeln aufzustellen, zum Beispiel: Den Schoppen gibt es nur noch abends, am Tag das gleiche Essen wie für alle andern. Am Anfang ist es vielleicht sehr hart, weil ihr Kind schreien oder weinen könnte. Dann geht es aber meistens schnell, und das Kind beginnt, auch feste Nahrung zu probieren.
Rebekka Sieber, MA Sozialarbeit, Sozialpolitik und Erziehungswissenschaften, ist Ko-Direktorin des Vereins Familienbegleitung. Dieser bietet Unterstützung in der Erziehung von Kindern zwischen 0 und 7 Jahren. Telefon: 026 322 86 33, Mail: <email-pii>, www.educationfamiliale.ch