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Griepenkerl,
Christian, Historienmaler, geb. 1839 zu Oldenburg, wurde auf den Rat seines Landsmanns, des Landschaftsmalers Willers (gest. 1880), in Wien Schüler von Rahl und bildete sich unter ihm zu einem meisterhaften Koloristen von großer künstlerischer Begabung aus, der ein feines Gefühl und eine vorwiegende Neigung zum Allegorischen zeigt. Sein erstes größeres Bild war Ödipus von Antigone geführt (Lebensgröße), worauf er von seinem Lehrer an dessen großen Freskoarbeiten in der Stiegenhalle des Waffenmuseums sowie in den Wiener Palästen Todesco und Sina beschäftigt wurde. Mit Bitterlich (gest. 1872) erhielt er nach Rahls Tode den ehrenvollen Auftrag, dessen Kompositionen an der Decke des Zuschauerraums im Neuen Opernhaus und den Vorhang für die tragische Oper auszuführen, eine Arbeit, die volle vier Jahre in Anspruch nahm. Seine erste selbständige Arbeit nach Rahls Tod waren die Plafond- und Deckengemälde in den Palästen Ephrussi (besonders Krönung Esthers und Hamans Verurteilung), Epstein, Franz Klein, Sina in Venedig (Poseidons Hochzeitszug, Sturmdämonen, Schutzgeister des Meers) und im Schloß Hörnstein, worauf dann die Wandgemälde in der Villa der Großherzogin von Toscana in Gmunden folgten und ein ¶
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reizendes Bild: Aphrodites Hochzeit mit Adonis im pompejanischen Speisesaal der Villa Simon in Hietzing. In fast allen diesen Werken herrschen bei einer strengen, edlen Form eine große Anmut und ein warmer Fleischton; aber die Gewandung und Beleuchtung sind nicht überall vollkommen. Ebenso bedeutend sind die 1878 an Ort und Stelle gebrachten Ölmalereien im Treppenhaus des Augusteums in Oldenburg, wo der Künstler in wohldurchdachter Weise als idealen Teil Venus Urania, das Ideal aller Schönheit, mit den Genien der Wahrheit und der Phantasie, die Prometheus-Sage u. die Gestalten der bildenden Künste an der Decke anbrachte, während der an den drei Seitenwänden befindliche Fries den realen Teil enthält: die in innern Zusammenhang gesetzten Gestalten der hervorragendsten Künstler aller Zeiten von Dädalos bis auf Paul Delaroche.
Während und nach dieser Arbeit war er noch mit den Entwürfen zu den in Wachstechnik auszuführenden Wandmalereien für den Sitzungssaal der neuen Akademie der Wissenschaften in Athen beschäftigt und vollendete von den dazu bestimmten Kompositionen aus der Prometheus-Sage den Sieg des Zeus über die Titanen in einer Kohlezeichnung auf kolossaler Leinwandftäche. Daß er auch Meister im Porträtfach ist, bewiesen fünf in München 1879 von ihm ausgestellte Bildnisse bekannter Persönlichkeiten aus der Wiener Künstlerwelt.