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Nach einer Viertelstunde überaus kritischer Fragen zu seinen Recherchemethoden stellte Urs Paul Engeler dem Chefredaktor des «Schweizer Journalisten» eine Gegenfrage: «Wollen Sie mit mir ein Tribunal veranstalten?», fragte er den Chefredaktor des Branchenmagazins, Markus Wiegand.
Engeler war eigentlich ins Zürcher Hotel Carlton gekommen, um die Auszeichnung «Journalist des Jahres 2011» für seine Recherchen zum (infolge seiner «Weltwoche»-Artikel) nur kurzzeitigen Bundesratskandidaten Bruno Zuppiger entgegenzunehmen. Stattdessen musste er ein Dutzend unbequemer Fragen zu seiner Rolle im Fall Hildebrand über sich ergehen lassen. Urs Paul Engeler blieb indes standhaft: «Als Journalist schreibt man nie einen Artikel zweimal gleich. Aber ich würde den Artikel über Philipp Hildebrand nochmals in der gleichen Stossrichtung verfassen», erklärte er dem in zwei Lager geteilten Publikum.
Als handwerkliche Fehler liess er einzig einen «Tippfehler bei einer Zahl», einen falschen Namen sowie eine falsche Berufsbezeichnung bei seinen Zeilen über einen Bank-Sarasin-Mitarbeiter gelten. Zudem zeigte Engeler, ein bekennender Verächter von Auszeichnungen aller Art, Humor: «Wir können meine Auszeichnung auch im Publikum verlosen oder versteigern. Sagen wir mal für 75 Franken, die ich dann der Schweizer Berghilfe spende», womit er einige Lacher erntete.
Trotz der viertelstündigen Schelte blieb Urs Paul Engeler frohen Mutes: «Ich fühle mich frei. Unwohl habe ich mich gefühlt, als ich nach dem Fall Zuppiger so viel Lob erhalten habe», bekannte er. Teilweise habe es sich um «heuchlerisches Lob» gehandelt. «Jetzt bin ich wieder der Böse im Umzug.»
Der Klein Report ist der Ansicht, dass es keine schlechte Idee war, Engeler in die Interview-Zange zu nehmen, statt ihn mit einer Laudatio zu huldigen. Dass dann allerdings jene Zuppiger-Recherche, die dem «Weltwoche»-Bundeshauskorrespondenten die Auszeichnung «Journalist des Jahres» eingebracht hatte, im Gespräch keine einzige Frage wert war, schoss am Ziel vorbei. Zumal die Enthüllungen rund um den SVP-Politiker immer noch Aktualitätsgehalt besitzen, krallt sich doch jenes Engeler-«Opfer» nach wie vor an seinem Nationalratssitz fest.