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Stöckli Alfred (1902–1964)
Alfred Stöckli-Gretener war ein Chamer Buchhalter, Treuhänder und Politiker. Er vertrat die Freisinnigen im Kantons- und im Gemeinderat.
Stationen
1902 Alfred Stöckli kommt am 20. August zur Welt. Er stammt aus «sehr einfachen Verhältnissen» [1]. Sein Vater Lukas war Schreiner in der Baumwollspinnerei Hagendorn gewesen und hatte nach dem Brand der Spinnerei 1888 eine neue Arbeit gefunden als Modellschreiner in der Papierfabrik Cham. Aus der ersten Ehe hatte Stöckli sieben Kinder, aus der zweiten Ehe mit Katharina Schönenberg nochmals acht Kinder. Alfred Stöckli wächst im elterlichen Haus an der Zugerstrasse auf, besucht in Cham die Schulen und in Zug die Handelsabteilung der Kantonsschule. Danach findet er in der Neumühle Baar der Firma Haab Söhne eine Anstellung als Buchhalter. Bereits morgens um halb fünf fährt er per Velo nach Baar, um den Frühdienst der Chauffeure zu organisieren.
1938 Stöckli erwirbt das eidgenössische Buchhaltungsdiplom. In Cham bleiben Stöcklis Fähigkeiten nicht verborgen: Er wird Mitglied der gemeindlichen Rechnungsprüfungskommission (bis 1946).
1945 Stöckli eröffnet an der Luzernerstrasse 50 in Cham sein eigenes Treuhandbüro.
1946 Der Treuhänder, bereits 44-jährig, heiratet Anna Gretener. Die Ehe bleibt kinderlos. Im gleichen Jahr wie die Heirat vollbringt Stöckli ein Husarenstück: Der Ruderclub Cham kann den Bootsschuppen mit dem angrenzenden Wohnhaus kaufen. Um dem Club das Haus zu sichern, verhandelt Stöckli mit der Nestlé und schiesst kurzerhand 5000 Franken als Anzahlung vor. Erst nachträglich heissen die Mitglieder des Ruderclubs den Kauf gut. [2]
1951 Stöckli schafft die Wahl in den Kantonsrat. Dort nimmt er Einsitz in die wichtige Staatswirtschafts- und in die Justizprüfungskommission (bis 1958).
1955 Die Chamer wählen Stöckli in den Gemeinderat (bis 1962). Er ist zuständig für die Ressorts Polizei, Militär, Verkehr, Handel und Gewerbe, zudem präsidiert er Kommissionen für das Gesundheits-, des Friedhof- und das Marktwesen. Als seine «hervorragenden Werke» gelten die neue Schiessanlage in Niederwil, die Umgestaltung des südöstlichen Friedhofs, das neue Friedhofreglement, die Einführung der ertragreichen Grundstückgewinnsteuer sowie die Ortsgeschichte zum Gemeindejubiläum 1958. [3] Er ist auch Mitglied im Verwaltungsrat der Zugerland-Verkehrsbetriebe – als Vertreter Chams.
1958 Stöcklis Gattin Anna stirbt.
1964 Auf einem Spaziergang am Rufibach oberhalb von Walchwil stirbt Alfred Stöckli am 16. August an einem Herzschlag, kurz vor Vollendung seines 62. Lebensjahres.[4]
Würdigung
Alfred Stöckli war «ein Mensch von hoher Kultur, der sich in Kunstgeschichte, Literatur und Musik gut auskannte. So machte es ihm nicht aus, Chamer Kunstfreunde – auch wenn etliche davon weltanschaulich auf der anderen Seite standen – zu einer Kunstfahrt über die Schweizergrenzen hinaus einzuladen.» Stöckli war auch Violinist im Orchesterverein Baar und im Orchesterverein Cham. «Unter der scheinbar rauhen Schale verbarg sich ein weicher Kern, der sich zu schönster Menschenfreundlichkeit» auswuchs. [5] «Wegen seiner hohen Intelligenz, einem eisernen Arbeitswillen und unparteiischen Gerechtigkeitsinnes stand er in allgemeiner Hochachtung weit über die Gemeinde- und Kantonsgrenzen hinaus.» Stöckli war «ein freier, unabhängiger Geist und ein eifriger Verfechter der liberalen Grundsätze. … Nichts war ihm mehr zuwider, als Opportunismus und Gesinnungsschlamperei.» [6]
Einzelnachweise
- Zuger Nachrichten, 21.08.1964
- Durrer, Adolf, Vom Ruderschuppen zum modernen Bootshaus, 100 Jahre Ruderclub Cham, Typoskript 18.08.2017
- Zuger Nachrichten, 21.08.1964
- Zugerbieter, 21.08.1964
- Zuger Volksblatt, 21.08.1964
- Zuger Volksblatt, 21.08.1964