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Winterthurer Symphoniker
Sérgio Pires, Klarinette
Georg Sonnleitner, Leitung
Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) – Ouvertüre zu Egmont op. 84 (1810)
Carl Nielsen (1865 – 1931) – Klarinettenkonzert op. 57 (1928)
Allegretto un poco
Poco Adagio
Allegro vivace
*****
Peter Iljitsch Tschaikowski (1840 – 1893) – 4. Sinfonie f-moll op. 36 «Fatum» (1877)
Andante sostenuto – Moderato con anima
Moderato assai, quasi Andante – Allegro vivo
Andantino in modo di canzona
Scherzo: Pizzicato ostinato – Allegro
Finale: Allegro con fuoco
Das Klarinettenkonzert macht Oxenvad, der als jähzornig galt und manisch – depressiv war, unsterblich. Der Musik mit ihren zahlreichen Stimmungsschwankungen und aggressiven Attacken wird nachgesagt, sie sei ein Kommentar auf den Charakter des Musikers.
In der Rezension zur Uraufführung 1928, in der Zeitschrift „Politiken“ war zu lesen:
«…Oxenvads Klangfülle ist gleichgestimmt mit den Trollen und Riesen, und er hat Seele, eine stämmige, ursprüngliche Kraft, gemischt mit naiver dänischer Milde. Carl Nielsen muss diesen speziellen Klarinettenklang im Ohr gehabt haben, als er das Konzert komponierte.»
Tschaikowskis 4. Sinfonie, die dieser „mit echter Inspiration vom Beginn bis zum Ende“ sowie „mit Liebe und glühender Begeisterung“ schrieb, gilt unter Tschaikowskis Werken als das mit der grössten autobiographischen Nähe (inwieweit sein eigenes Programm, das er an Frau von Meck schickte, für die Musik bindend ist, ist jedoch umstritten).
Zu Beginn des ersten Satzes (der laut Tschaikowski „den Kern der ganzen Sinfonie, ohne Zweifel ihren Hauptgedanken erhält“) verkündet die Fanfare der Hörner und Fagotte das unausweichliche Fatum. Das von einem Walzerthema und einem Klarinettensolo angedeutete Glück währt nur kurz. Reprise und Durchführung dieses Satzes werden eins.
Ein lyrisches Solo der Oboe leitet den zweiten Satz ein und wird vom Orchester aufgegriffen.
Ein Pizzicato der Streicher huscht durch den dritten Satz und wird in der Reprise von den Bläsern begleitet.
Über den dritten Satz bricht stürmisch der ein Volksfest schildernde vierte Satz ein. „Wenn Sie in sich selbst keinen Anlass zur Glücksseligkeit finden, blicken Sie auf andere. Gehen Sie unter das Volk“, riet Tschaikowski. Unheil verkündend taucht das Fatum-Motiv des ersten Satzes wieder auf, doch kehrt, davon unbeeindruckt, die Volksfeststimmung wieder. „Freue dich an der Freude anderer – und das Leben ist doch zu ertragen“, schreibt Tschaikowski.
Im vierten Satz verarbeitet Tschaikowski ein Thema aus der Ouvertüre über drei russische Themen von Mili Alexejewitsch Balakirew.
Was 1989 dank der Initiative von Thomas Koller begonnen hat, ist heute aus der Musikwelt der Stadt Winterthur nicht mehr wegzudenken. Die Winterthurer Symphoniker zählen seit Jahren auf ein beachtliches Stammpublikum.
Liegt es an den attraktiven Werken? Am ausgewogenen Klangkörper? Oder einfach daran, dass das Orchester die Konzertsäle mit Begeisterung und jugendlicher Spielfreude füllt? Sicher ist: Die Konzerte im Stadthaussaal Winterthur – dreimal im Jahr – sind nicht nur dank brillanten Solisten musikalische Attraktionen.
Nach über 74 Konzertprogrammen, von mehr als 400 Musikern bestritten – nehmen die Auftritte des jungen Orchesters in der Musikwelt der Stadt Winterthur einen festen Platz ein.
Der junge Portugiesische Klarinettist Sérgio Pires begann seine musikalische Ausbildung mit 8 Jahren. Im Jahr 2013 begann er das Studium bei François Benda an der Musikhochschule in Basel, wo er im Sommer 2016 erfolgreich und mit Auszeichnung abschloss. Im selben Jahr begann er den Master Spezialisierte Musikalische Performance (Solistendiplom), auch im Basel.
Sérgio Pires hat mit namenhaften Solisten wie Vilde Frang, Clemens Hagen, Fazil Say, Vladimir Ashkenazy, Heinz Holliger, Maxim Vengerov, Lang-Lang, Midori Gotõ, Christoph Eschenbach, und Martin Grubinger gespielt, und an vielen Musik-Festivals teilgenommen, so zum Beispiel an den “Musikfestwoche Meiringen” (Schweiz), „European Music Campus“ (Österreich), „Kultursommer Nordhessen“ (Deutschland), „BBC Proms“ (England), „Schleswig-Holstein Festival“ (Deutschland), „Tongyeong Festival“ (Süd Korea), und „Festival Bozen“ (Italien). Seit der Saison 16/17 ist Pires Solo-Klarinettist beim Musikkollegium Winterthur; er gewann die Stelle mit nur 20 Jahren.
Georg Sonnleitner wurde in Wien geboren. Von frühester Kindheit an von Musik umgeben, erlernte er zunächst Violine, dann Klavier und später Horn.
Einen Grossteil seiner Jugend verbrachte er in der Schweiz, wo er auch sein Hornstudium am damaligen Konservatorium für Musik in Luzern bei Jakob Hefti mit Auszeichnung abschloss.
Es folgten Studienjahre in Berlin an der Herbert von Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker sowie eine Ausbildung am charakteristischen Wiener Horn an der Hochschule für Musik und darstellenden Kunst in Wien.
Seit rund 20 Jahren ist Georg Sonnleitner Hornist im traditionsreichen Orchester der Wiener Symphoniker.
Fast ebenso lange währt seine Tätigkeit im von Nikolaus Harnoncourt gegründeten und bis zu dessen Tod geleiteten “Concentus Musicus Wien” auf historischen Instrumenten und in Sir András Schiffs Kammerorchester “Cappella Andrea Barca”.
Seine lange Zugehörigkeit in diesen drei so unterschiedlichen Klangkörpern sowie seine langjährigen Zusammenarbeit mit Nikolaus Harnoncourt und András Schiff haben wichtigen und starken Einfluss auf sein Musizieren ausgeübt.
Georg Sonnleitner gehört zu jenen Dirigenten, welche über den Weg des Orchestermusikers zum Dirigieren fanden.
Seine jahrzehntelange Erfahrung und Praxis aus der Perspektive des ausübenden Musikers ermöglichen ihm einen anderen Zugang an die Herausforderungen als dirigierenden Interpreten am Pult.
Viele hunderte Male spielte er die klassisch-romantische Orchesterliteratur unter der Stabführung bedeutender Dirigenten, erlebte deren Arbeitsweise und durfte so die verschiedensten Auffassungen und Ansichten erleben und genoss ganz nebenbei in den Proben und Konzerten auch noch die vielfältigsten “Dirigiermeisterkurse”.
Der Wunsch, diese unzähligen Erfahrungen und seine Erkenntnisse in einer eigenen Interpretation zu bündeln und zu verschmelzen, mündete schliesslich in einer Dirigierausbildung an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien bei Prof. Yuji Yuasa.
Die österreichische Herkunft und lange berufliche Tätigkeit in einem der grossen, romantischen Wiener Traditionsorchester werden stets in seinem musikalischen Empfinden, seiner Klangvorstellung und seinen Interpretationen deutlich zu erkennen sein. Ebenso stark ist jedoch sein Bemühen um das sprechende, artikulierende Element in der Musik, welches der “Textverständlichkeit” eines Werkes zu Gute kommt und das auf seiner Beschäftigung mit der historischen Aufführungspraxis basiert.
Bei seiner Arbeit am Pult und im Umgang mit den Musikerinnen und Musikern im Orchester kann Georg Sonnleiter auf einen überaus reichen Erfahrungsschatz als Orchestermusiker und Kammermusiker zurückgreifen.