Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/107362

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, seine Feuerbrandstrategie zu ändern. Die Richtlinie Nr. 3 muss wie folgt angepasst werden: Ziel bei der Bekämpfung des Feuerbrandes soll der Schutz von Intensivkulturen und (neu) der Erhalt bestehender Hochstamm-Feldobstbäume sein.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Feuerbrand ist ein besonders gefährlicher Schadorganismus mit hohem Infektionspotenzial. Die Bekämpfungsmassnahmen bezwecken, gesunde Pflanzen zu schützen und damit die Obstproduktion zu erhalten.</p><p>Die Bekämpfungsstrategie in Form der Richtlinie Nr. 3 des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) wurde mit den zuständigen Kantonsbehörden erarbeitet. Letztere sind für den Vollzug verantwortlich. Ein differenziertes, an die lokale Situation angepasstes Vorgehen, das sich an der Befallssituation in einem Gebiet orientiert, ist möglich und erwünscht. Auch das Vorgehen des Kantons Thurgau entspricht den Grundsätzen der Richtlinie Nr. 3. Abhängig vom Krankheitsbild werden folgende Ziele angestrebt:</p><p>- Befallsfreie Gebiete: Verhinderung der Einschleppung des Erregers mittels</p><p>a) Einfuhrverbot für Wirtspflanzen oder besonderer phytosanitärer Anforderungen, welchen eingeführte Wirtspflanzen zu genügen haben, und </p><p>b) Überwachung des Gebiets (Nachweis der Befallsfreiheit).</p><p>- Gebiete mit einzelnen Befallsherden: Ausrottung des Erregers (Tilgungsstrategie).</p><p>- Befallszone: Verhinderung der weiteren Ausbreitung der Krankheit (Eindämmungsstrategie). Durch die Reduktion des Infektionspotenzials werden die benachbarten Gebiete vor der Ansteckung durch den Erreger geschützt. Zur Sicherstellung akzeptabler Rahmenbedingungen für die wirtschaftliche Obstproduktion, die Erzeugung von Obstgehölzen oder die nachhaltige Erhaltung wertvoller Obstbestände (alte Sorten, Hochstammobstgärten) können Schutzobjekte definiert werden (kantonale Hoheit).</p><p>Nach den sehr grossen Feuerbrandschäden im Jahr 2007 haben die Kantone die Lage neu beurteilt und den Vollzug angepasst. Das Ausscheiden von Hochstammobstgärten als Schutzobjekte (besonders wertvolle Bestände aus Sicht des Landschaftsbildes, der Ökologie oder zur Erhaltung alter Sorten) muss gut begründet und lokal abgesprochen sein. Sanierungsmassnahmen in solchen Schutzobjekten erfordern ein massvolles Vorgehen unter Berücksichtigung von Ökonomie, Ökologie und Landschaftsschutz. Dieses nuanciertere Vorgehen hat zum Beispiel im Kanton SG dazu geführt, grössere Gebiete in der Befallszone ohne Ausscheidung von Schutzobjekten zu belassen. In diesem Fall sind nach Richtlinie Nr. 3 keine Bekämpfungsmassnahmen erforderlich, d. h., jeder Bauer bestimmt hier in eigener Kompetenz, welche Massnahmen er bei Feuerbrandbefall ergreift. Die von der Motionärin vorgeschlagene Erfassung diverser Parameter durch die Feuerbrandkontrolleure würde einen grossen personellen und finanziellen Aufwand ohne nachvollziehbaren Zusatznutzen darstellen.</p><p>Zum Verlauf der Feuerbrandkrankheit bei Hochstammobstbäumen laufen länderübergreifende Forschungsarbeiten im Rahmen des EU-Projekts Interreg IV "Gemeinsam gegen Feuerbrand". Die Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW und die Kantone SG, TG und ZH beteiligen sich aktiv am Projekt. Unter anderem werden Bestände untersucht, die im 2007 stark befallen waren, bei denen jedoch keine oder nur minimale Sanierungsmassnahmen wie Rückschnitt durchgeführt wurden. Erste Ergebnisse zeigen, dass Apfel- und Birnbäume auch ohne äusserlich sichtbare Symptome Träger des Feuerbrandbakteriums sein können. Krebsartige Trocken- und Überwinterungsstadien des Feuerbrandbakteriums am Baum sind Infektionsquellen und stellen eine grosse Gefahr für noch gesunde Wirtspflanzen in der Umgebung dar. Hierzu gehören zum Beispiel Obstanlagen, Baumschulen oder neu gepflanzte, gesunde Hochstamm-Kernobstbestände. Das BLW verfolgt die laufenden Forschungsarbeiten gezielt auch hinsichtlich des Schutzes wertvoller Hochstammanlagen.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.