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Sergio Marchionne war ein beieindruckender Mann: blitzgescheit, unermüdlich und unprätentiös. Ein Blick in die ersten Würdigungen.
Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» würdigt Sergio Marchionne als «Visionär», aber als «harter Verhandlungspartner für Gewerkschaften und in der Formel 1». Mit «markigen Sprüchen» habe er sich «weltweit einen Namen gemacht». «Sein Tod wird von vielen Menschen in Italien als das Ende einer Ära gesehen», schliesst das deutsche Blatt.
Die « Financial Times» schreibt in ihrem Nachruf, Marchionne sei «einer der kühnsten Unternehmensführer seiner Generation» gewesen. Marchionne sei bekannt dafür gewesen, ohne Pause zu arbeiten. Nur auf den zahllosen Transatlantikflügen, die er mit seinem Team absolviert habe, habe er nicht gearbeitet, sondern geraucht und Poker gespielt. Meist habe er gewonnen.
Drei identische Kleiderschränke
Marchionnes Vorliebe für Pullis erklärt die britische Wirtschaftszeitung damit, dass er es für morgendliche Zeitverschendung gehalten habe, Anzug und Krawatte anzuziehen. 2011 hatte Marchionne im « Wall Street Journal» dazu folgendes erzählt: «Ich habe überall auf der Welt – also in meinen Häusern in Michigan, Turin und in der Schweiz – die identischen Kleider. Bis hinab zu den Socken.» Marchionne habe je rund 30 Pullis und Jeans gehabt, was es ihm ermöglicht hatte, mit leichtem Gepräch zu reisen. Dafür habe er konstant fünf Smartphone dabei gehebt.
Luca de Meo, früher Chef von Alfa Romeo und heute Chef der VW-Marke Seat, sagt über Marchionne: «Er war extrem tough, extrem fordernd. Aber er hat von sich selbst immer noch mehr verlangt als von den Leuten um sich herum. So wurde er mehr als ein Chef. Er wurde zu einem Leader.»
«Wenn ein Rockstar von der Bühne geht, geht das Licht aus»
Eine Person, die den Fiat-Eignern der Familie Agnelli nahe steht, sagt: «Marchionne war ein Rockstar. Aber das Problem mit Rockstars ist, dass wenn sie von der Bühne gehen, die Lichter ausgehen. Davor hat sich die Familie schon lange gefürchtet.»
Gegenüber der «New York Times» würdigte Mike Jackson, Chef des US-Autohändlers AutoNation, Marchionne als «ungewöhnlich scharfsichtig»: "Marchionne konnte jedes noch so komplexes Thema innert Minuten auf das Wesentliche reduzieren. Und er hatte den Mut, aggressive Entscheidungen zu treffen» Was ihn gross gemacht habe, so Jackson, sei, «dass er immer die Verantwortung für seine Entscheidungen übernommen habe, auch wenn es schief lief».
Vorbild für ganz Italien
Die lokale Sektion des Industrieverbandes Confindustria, aus der Region von Marchionnes Geburtsort Chieti in den Abruzzen, lobte Marchionne in einer Mitteilung: «Er verkörpert die Bevölkerung der Abruzzen. Sie fallen und erheben sich, verschwenden keine Zeit mit Lamentieren. Sie arbeiten, bauen auf. Das ist eine Haltung, die Italien braucht.»
Der italienische Präsident Sergio Mattarella sagte, «Marchionne habe wichtige Seiten in der Geschichte der italienischen Industrie geschrieben».