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Der lange Weg der Emanzipation
Eine qualitative Untersuchung von emanzipatorischen Prozessen in Lebensläufen junger Frauen
Ausgezeichnet vom Verein Alumni BFH Soziale Arbeit
Emanzipation meint das Heraustreten aus Abhängigkeitsverhältnissen und kann als Grundanliegen der Sozialen Arbeit bezeichnet werden. Seit ihren Anfängen versucht die Soziale Arbeit dasjenige zu beseitigen und zu reduzieren, was den Menschen einschränkt, diskriminiert, ausgrenzt und an einem gelingenden Leben hindert.
Die vorliegende Masterthesis untersucht die Heterogenität solcher emanzipatorischer Prozesse exemplarisch an Lebensläufen junger Frauen. Ausgangspunkt ist die These, dass Emanzipation mit vielfältigen Spannungen verbunden ist und nicht auf eine individuelle Perspektive beschränkt werden kann. Daraus ergibt sich eine Forschungsfrage, die sowohl die individuelle wie auch die strukturelle Ebene von Emanzipationsprozessen berücksichtigt. Die vorliegende Masterthesis geht der Frage nach, wie die Spannungsverhältnisse, welche Frauen in Bezug auf eigene Emanzipationsprozesse wahrnehmen, vor dem Hintergrund struktureller, intersektionaler Differenzkategorien kritisch zu diskutieren und zu bewerten sind.
Das intersektionale Mehrebenenanalysemodell nach Nina Degele und Gabriele Winker sowie das gruppendynamische Emanzipationsverständnis nach Gerhard Schwarz bilden die theoretische Grundlage für die Beantwortung der Forschungsfrage. In einem qualitativen Forschungsverfahren werden die Daten mittels vier biografisch-narrativen Interviews erhoben und anschliessend in Anlehnung an die intersektionale Mehrebenenanalyse nach Degele und Winker sowie mit einem hermeneutischen Zugang ausgewertet.
Zentrale Erkenntnisse sind, dass Emanzipation nicht als Endzustand, sondern als Prozess zu verstehen ist, der in Form von individuellen Lern- und Bildungsprozessen in Richtung Mündigkeit, Selbstständigkeit und Autonomie verläuft und nur im Sozialbezug verstanden werden kann. Dieser Prozess umfasst das Heraustreten aus Abhängigkeitsverhältnissen und ist mit Spannungsverhältnissen, Ambivalenzen und Krisen der Einsamkeit verbunden, die es immer wieder zu bewältigen gilt. Es hat sich gezeigt, dass die emanzipatorischen Prozesse nicht in erster Linie entlang intersektionaler Differenzkategorien verlaufen, obwohl die Kategorie Geschlecht und Sexualität in Bezug auf die Emanzipation eine Rolle spielen. Vielmehr sind die Spannungen, welche die jungen Frauen in Bezug auf diese emanzipatorischen Prozesse erleben, eng mit ihren Familien und der Thematik der Adoleszenz verbunden.