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Mareile Flitsch, Prof für Policy-Analyse, erzählt aus ihrer Studienzeit.
Nach der Maîtrise in Paris konnte ich von 1982 bis 1985 in Shenyang im Nordosten Chinas studieren. Dort gab es nur wenige Ausländer und Ausländerinnen, und der Chinesischunterricht war konfuzianisch streng. Hinzu kam das Lernen auf der Strasse: Mein Freund Ingo Nentwig und ich fuhren auf Rädern der Marken «Auf Ewig» und «Fliegende Taube» im Strom der Massen von Radfahrern durch die Industriemetropole.
Es begannen lebenslange Freundschaften mit chinesischen Mitstudierenden. Frühmorgens im Park und auf den gerade entstehenden Märkten in der Stadt und während erster Feldforschungen auf dem Land bei Ginsengsuchern und Bauern. Wir tauchten radelnd oder flanierend in ein China ein, das sich nach Ende der Kulturrevolution und am Anfang wirtschaftlicher Reformen gerade total transformierte, und ahnten doch als Zaungäste kaum, wie rasch dies alles Geschichte sein würde.
Und das Studium? Der Alltag verlief in einem internationalen Studentenwohnheim gemächlich, dem Rhythmus des chinesischen Mondkalenders folgend. Der entstehende Buchmarkt ermöglichte die Gründung unserer Privatbibliothek, und am Ende gab es zum Studienabschluss eine rote Urkunde. China verliessen wir schliesslich frisch verheiratet. Danach kam noch ein Doktorats- und ein Habil-Studium in Berlin. Für mich blieben die China-Etappen prägend, auch in akademischer Hinsicht.