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Schon seit längerer Zeit existiert James Randis Angebot, jener Person eine Million Dollar zu geben, die einen empirischen Nachweis dafür liefern kann, dass sie über paranormale Fähigkeiten verfügt. Wohl in Anlehnung daran entstand ein scheinbar analoges Angebot von Seiten eines »Kreationisten: “Ich biete demjenigen, der mir einen empirischen Nachweis für die Evolution liefern kann US$ 250 000. Mein seit 1990 bestehendes US$ 250 000 Angebot beweist, daß die Hypothese der Evolution nichts weiter als ein heidnischer religiöser Glaube ist.” (Dr. Kent Hovind) Dieses Angebot wurde inzwischen zwar - ohne nähere Begründung - zurückgezogen. Gleichwohl lohnt sich die Auseinandersetzung damit. Denn auf den ersten Blick scheint dieses Angebot wirklich überzeugend zu sein: wenn Randis 1 Million beweisen soll, dass es paranormale Fähigkeiten nicht gibt, müsste doch auch Dr. Hovinds Angebot beweisen, dass die Evolutionstheorie falsch ist. Dem ist allerdings nicht so.
Vergleich der "Angebote"
Denn so ähnlich die beiden Angebote erscheinen, so unterschiedlich sind sie. Um James Randis Million zu "gewinnen" genügt es, dass jemand ein einziges (!) Beispiel dafür zeigt, dass Paranormales möglich ist. Wer unter kontrollierten wissenschaftlichen Bedingungen zeigen kann, dass er oder sie über paranormale Fähigkeiten verfügt, kriegt die Million. Damit wäre allerdings noch nicht bewiesen, dass Paranormales auch wirklich existiert, da es auch andere Erklärungsmöglichkeiten geben könnte.
Analog zu James Randis Angebot müsste Herrn Dr. Hovinds Angebot demnach lauten, dass die 250'000 Dollar "gewinnt", wer ein einziges (!) Beispiel dafür zeigt, dass die Evolutionstheorie möglich ist. Dieser Beweis wurde allerdings längst erbracht, da sich viele Teilbereiche der Evolutionstheorie leicht empirisch nachweisen lassen. Es ist beispielsweise kaum etwas klarer bewiesen, als dass eine natürliche Selektion stattfindet. Darunter versteht man die Kernidee der Evolutionstheorie, dass nur jene Lebewesen, respektive Arten überleben - die überleben. Die Natur selektiert, wer überlebt, respektive wer seine Gene weitergeben kann. Eine solche natürliche Selektion lässt sich bei Bakterien in wenigen Tagen oder Wochen nachverfolgen, doch auch beispielsweise bei Vögeln auf den Galapagosinseln wurde dies längst gezeigt.
Angebot von Dr. Hovind
Handelte es sich bei beiden Angeboten um identische Angebote, wäre Herr Dr. Hovinds sein Geld also längst los. In der Tat handelt es sich dabei aber um ein ganz anderes Angebot, mit welchem er eigentlich gar kein Risiko eingeht. Denn anders als Randi verlangt Dr. Hovinds nicht ein einzelnes Beispiel, sondern dass die Evolutionstheorie als Ganzes empirisch nachgewiesen können werden müsse. Dr. Hovinds begnügt sich also nicht damit, dass einzelne empirische Hinweise für die Evolutionstheorie sprechen, weshalb er auch die stärksten Argumente schlicht ignorieren kann: es mag zwar vieles für die Evolutionstheorie sprechen, bewiesen ist sie damit aber als Ganzes nicht. Dieser Unterschied führt dazu, dass einfach immer neue Argumente gegen die Evolutionstheorie vorgebracht werden können, welche noch nicht entkräftet worden sind - eine Strategie, die von Kreationisten sehr gerne verfolgt wird. Solange es aber offene Fragen gibt scheint die Evolutionstheorie in der Tat nicht bewiesen zu sein. Widerlegt ist sie damit allerdings ebenso wenig.
Eine ähnliche Strategie funktioniert so, dass empirische Nachweise schlicht nicht akzeptiert werden, indem beispielsweise fossile Beweise als ungenügend klassifiziert oder einfach weitere Forderungen gestellt werden:"3. Falls die Evolutiontheorie richtig ist, wo sind die Milliarden Fossilien, die von Übergangsphasen zwischen zwei Tieren zeugen? Nicht nur ein paar fragwürdige Einzelexemplare sondern Milliarden!" (»http://kath-zdw.ch/maria/fragen.evolution.html, abgerufen am 3.6.3014). Natürlich gibt es gute empirische Gründe, warum diese Milliarden Fossilien nicht gefunden werden können. Indem aber unerreichbare Forderungen gestellt werden, ist es unmöglich die Evolutionstheorie - aus Sicht der Kreationisten - zu beweisen.
Das Problem mit Dr. Hovinds Angebot besteht also darin, dass es keine unabhängigen, eindeutig definierten Kriterien gibt, wann der Nachweis denn nun gegeben sei. Es geht aber noch weiter: zumindest nach wissenschaftlichen Kriterien ist es grundsätzlich nicht möglich, eine wissenschaftliche Theorie zu beweisen. Die Forderung von Dr. Hovind kann also aus grundsätzlichen Erwägungen gar nicht erfüllt werden. Denn wissenschaftliche Theorien zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich nicht beweisen, allerdings aber widerlegen lassen. Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Evolutionstheorie allerdings "so gut wie" bewiesen, da sie extrem gut empirisch bestätigt ist und auch keine Widersprüche enthält, die unlösbar erscheinen, wie Kreationisten gerne betonen. Ein fehlender Beweis bedeutet aber keineswegs, dass damit die Evolutionstheorie widerlegt ist. Der von Herrn Dr. Hovind vollzogene Schluss, dass sein Angebot beweise, "daß die Hypothese der Evolution nichts weiter als ein heidnischer religiöser Glaube ist”, ist damit aus wissenschaftlicher und logischer Sicht ungültig. Schliesslich lässt sich auch Gott nicht beweisen, was aber nicht bedeutet, dass Gott damit widerlegt ist.
Vielmehr muss einmal mehr betont werden,dass selbst eine Widerlegung der Evolutionstheorie (und widerlegt ist sie keineswegs, auch wenn sie nicht bewiesen ist) nicht bedeuten würde, dass der Kreationismus wahr ist, worauf Dr. Hovind hinauswill. Der Kreationismus ist aus wissenschaftlicher Sicht sowohl empirisch wie auch logisch widerlegt, es ist nach wissenschaftlichen Kriterien bewiesen, dass der auf der Bibel basierende Kreationismus falsch ist. Eine wissenschaftliche Widerlegung kann darin bestehen, dass auf einen logischen Widerspruch hingewiesen wird: wer behauptet, einen viereckigen Kreis gesehen zu haben behauptet etwas Falsches, da viereckige Kreise logisch unmöglich sind. Eine solche Behauptung braucht nicht einmal empirisch nachgeprüft zu werden. Der Kreationismus mag auch solche logischen Fehler enthalten, er ist aber vor allem empirisch widerlegt: so ist es empirisch unmöglich, dass auf der Arche Noah alle heute lebenden "durch die Nase atmenden" Arten Platz gefunden hätten, da sogar die Masse der Arche in der Bibel stehen (vgl. dazu den ausführlichen Artikel »Ist der Kreationismus wissenschaftlich?).
James Randi
Bei James Randis Angebot sieht es ganz anders aus. Sein Angebot ist zwar vermutlich auch nicht zu erfüllen - dies aber einfach deshalb, weil es Paranormales vermutlich nicht gibt. Ist das wissenschaftliche Weltbild (zu dem auch die Evolutionstheorie gehört) korrekt, lässt sich Paranormales mit grosser Wahrscheinlichkeit ausschliessen. Gibt es das Paranormale tatsächlich nicht, dann kann man es auch nicht nachweisen - sollte das wissenschaftliche Weltbild aber falsch sein - dann müsste sich das Paranormale nachweisen lassen.
Gerade wegen Randis Angebot zeigt sich je länger je deutlicher, dass es paranormale Fähigkeiten tatsächlich nicht gibt, da es ansonsten längst hätte gelingen müssen, zumindest ein paranormales Ereignis unter wissenschaftlich kontrollierten Bedingungen nachzuweisen. Hinzu kommt, dass sich die behaupteten paranormalen Effekte zumindest grösstenteils leicht ganz normal erklären lassen (»Gibt es Übersinnliches?). Dazu im Gegensatz sind die Effekte der Evolutionstheorie wissenschaftlich längst nachgewiesen, auch wenn die Theorie als Ganzes noch Lücken aufweist. Die Evolutionstheorie kann zudem viel mehr erklären als der Kreationismus, der im Prinzip überhaupt nichts erklären kann (»Ist der Kreationismus wissenschaftlich?).
Im Vergleich zu Dr. Hovinds Angebot sind bei Randis Angebot zudem die Kriterien sehr klar, wann jemand die Million erhält. Gelingt es unter wissenschaftlichen Bedingungen die paranormale Fähigkeit nachzuweisen, wechselt die Million den Besitzer. Dazu genügt es, dass jemand unter kontrollierten Bedingungen beispielsweise zeigen kann, dass er alleine mithilfe seines Pendels herausfinden kann, wo sich unter 10 Gläsern jenes befindet, das mit Wasser gefüllt ist. Ein solcher Test wird mehrfach wiederholt, um damit zufällige Treffer ausschliessen zu können. Gerade für Menschen, welche der subjektiven Überzeugung sind über paranormale Fähigkeiten zu verfügen, erscheint Randis Angebot sehr verlockend. Denn sie glauben zu wissen, dass sie diese Gabe wirklich besitzen, dass sie nicht nur in einigen zufälligen Fällen Erfolgstreffer haben, sondern beispielsweise in mindestens 90 Prozent der Fälle. Betrachtet man sich Videos solcher Tests, ist es immer wieder erstaunlich, wie gross die Ernüchterung dieser Menschen ist. Denn trotz ihrer subjektiven Überzeugung ist es noch kaum jemandem gelungen mehr als Zufallstreffer zu landen, geschweige denn genügend Treffer zu landen, um Zufall ausschliessen zu können.
Fazit
Selbst wenn Dr. Hovinds Angebot noch bestehen würde, ginge er keine Gefahr ein, sein Geld zu verlieren, da sein Angebot unmöglich zu erfüllen ist. Gibt es paranormale Effekte, geht James Randi ein grosses Risiko ein. Wie aber die letzten Jahrzehnte gezeigt haben, scheint sich das wissenschaftlich-naturalistische Weltbild (inklusive Evolutionstheorie) bewährt zu haben - und sollte es stimmen, hat auch Randi nichts zu befürchten. Der grosse Unterschied zwischen den Angeboten lässt sich also wie folgt zusammenfassen:Während es aus wissenschaftlicher Sicht kaum Hinweise dafür gibt, dass Paranormales existiert, weshalb ja deren Nachweis gefordert wird, ist die Evolutionstheorie zwar nicht bewiesen, allerdings auch nicht widerlegt. Während alles dafür spricht, dass es das Paranormale nicht gibt, spricht ebenso vieles dafür, dass die Evolutionstheorie den Tatsachen entspricht. Da aber die Kriterien, wann denn der Beweis erfüllt wäre von Dr. Kent Hovind nicht eindeutig festgelegt sind, sind die beiden Angebote nicht miteinander zu vergleichen.