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Diese Worte kamen einst aus dem Mund eines Mannes, den wir alle als einen impulsiven und geradlinigen Menschen kennen. Petrus, der Apostel und Jünger des Herrn Jesus, war es, der auf eine Aufforderung des Herrn hin diese Antwort gab: «Keineswegs, Herr!» Was hatte ihn zu einer solchen Reaktion veranlasst, die doch in direktem Widerspruch zu der Aufforderung stand, die an ihn ergangen war? Wenn wir den göttlich inspirierten Bericht in Apostelgeschichte 10,9-24 lesen, dann können wir einerseits sicher Verständnis für Petrus und seine spontane Weigerung aufbringen, anderseits können wir daraus für uns etwas lernen.
Petrus wohnte als Gast bei Simon, einem Gerber, in Joppe. Um die Mittagszeit war er auf das Dach gestiegen, um zu beten. Plötzlich kam eine Verzückung über ihn. Er sah den Himmel geöffnet und ein Gefäss herabkommen, in dem sich allerlei Tiere der Erde und Vögel des Himmels befanden. Während sich Petrus darüber gewundert haben mag, geschah noch etwas Erstaunlicheres. Eine Stimme sprach zu ihm: «Steh auf Petrus, schlachte und iss!» Obwohl er offensichtlich sofort erkannt hat, dass es der Herr war, der zu ihm redete, ist seine Reaktion doch sehr deutlich: «Keineswegs, Herr!» Es schien ihm als gebürtigem Juden, der doch das Gesetz halten wollte, ein Ding der Unmöglichkeit, das zu sich zu nehmen und zu essen, was in dem Gefäss war. Und er begründete seine Haltung auch: «Niemals habe ich irgendetwas Gemeines und Unreines gegessen» (V. 14). Wie bereits gesagt, wir können diese Haltung ein wenig verstehen, denn unter Gesetz war es tatsächlich verboten gewesen, derartige Tiere zu verzehren, und so hatte Petrus einen aus seiner Sicht berechtigten Abscheu, die Tiere aus dem Gefäss zu essen.
Doch der Herr wusste genau, was Er tat. Er wollte seinem Jünger eine ganz besondere Lektion erteilen und ihn für eine sehr wichtige Aufgabe vorbereiten. Als der Herr noch auf dieser Erde lebte, hatte Er Petrus die Schlüssel des Reiches der Himmel anvertraut, und nun stand der Augenblick nahe bevor, dass Petrus diese Schlüssel benutzen sollte, um dieses Reich erstmals Menschen aus den Nationen zu öffnen. Den Bericht darüber finden wir im weiteren Verlauf des 10. Kapitels der Apostelgeschichte, wo Kornelius und seine Familie den Heiligen Geist empfingen und dann auch getauft wurden (V. 44-48).
Dieser Wechsel in den Wegen Gottes im Handeln mit den Menschen war für die Gläubigen aus den Juden schwer zu verstehen. Sie sahen sich selbst als das erwählte Volk Gottes und Träger seiner Verheissungen. Dass die Gnade sich nun auch an Menschen aus den Nationen wandte, mussten sie erst einmal verarbeiten. Deshalb sah Petrus dieses Gesicht, und zwar nicht nur einmal, sondern sogar dreimal. So verständlich seine ablehnende Haltung auf der einen Seite auch sein mag, sie stand doch in direktem Gegensatz zu dem, was der Herr von seinem Jünger wollte. Es scheint so, als ob Petrus gar nicht lange nachgedacht, sondern sehr spontan reagiert hat.
Wir wollen aus dieser Begebenheit und besonders aus der Antwort des Petrus eine praktische Lektion für uns ziehen. Geht es uns nicht auch manchmal so, dass der Herr etwas von uns möchte und wir ganz spontan antworten: «Keineswegs, Herr!»? Vielleicht sagen wir es nicht laut, aber wir denken doch im Herzen so und handeln vielleicht auch danach. Möglicherweise begründen wir unsere ablehnende Haltung auch noch ähnlich wie Petrus es tat: «Niemals habe ich…»
Damit hier kein Missverständnis aufkommt, ist folgendes zu bemerken: Der Auftrag an Petrus hatte einen ganz besonderen Hintergrund, der mit dem Wechsel einer Haushaltung in Verbindung stand (von der Zeit des Gesetzes zur Zeit der Gnade; vom Judentum zum Christentum). Unter diesem Vorzeichen erwartete der Herr tatsächlich etwas von seinem Jünger, was ihm vom Gesetz her verboten war. Das können wir natürlich nicht auf uns übertragen. Es ist völlig ausgeschlossen, dass der Herr heute seinen Jüngern einen Auftrag gibt, der im Widerspruch zu dem steht, was wir im Wort Gottes finden. Wenn jemand behauptet, er habe einen Auftrag, den er nur erfüllen könne, wenn er etwas tut, was im Gegensatz zu den in der Bibel offenbarten Gedanken Gottes steht, dann können wir ganz sicher sein, dass er im Irrtum ist. Nein, diese Anwendung ist natürlich falsch und darf nicht gemacht werden.
Aber gehen wir einmal in die Praxis unseres Christenlebens, in die Praxis unserer Nachfolge hinter dem Herrn her. Kann es nicht durchaus sein, dass der Herr uns plötzlich eine Aufgabe gibt, die wir bisher nicht wahrgenommen haben? Wir bekommen auf einmal einen Auftrag, den wir bisher nie hatten und nie empfunden haben. Und wie reagieren wir dann? Sind wir auch so spontan wie Petrus und sagen: «Keineswegs, Herr! denn niemals habe ich so etwas getan», oder sind wir bereit, uns immer wieder auf neue Aufgaben und Gegebenheiten einzustellen?
Vielleicht bist du ein junger Bruder und empfindest in einer Gebetsstunde auf einmal ganz deutlich, dass der Herr jetzt von dir erwartet, dass du ein Gebet sprichst. Spontan denkst du: «Keineswegs, Herr! das habe ich noch nie getan. Ich trau mich nicht.» Und der Herr wartet vergeblich auf dich. Oder es geht darum, einmal ein Lied vorzuschlagen, ein Dankgebet zu sprechen, oder in einer gemeinsamen Wortbetrachtung einen Gedanken zu äussern. Natürlich ist es nicht einfach, zum ersten Mal in einer Zusammenkunft von Gläubigen den Mund zu öffnen. Das können jene, die der Herr benutzt, am allerbesten nachempfinden. Schliesslich hat jeder einmal angefangen. Aber einmal kommt der Zeitpunkt, wo der Herr uns in dieser Weise auffordern mag und dann fragt es sich, wie wir reagieren.
Oder der Herr gibt uns plötzlich und unvermittelt die Möglichkeit zu einem besonderen Zeugnis für Ihn. Wie leicht sagen wir dann: «Keineswegs, Herr!» Wir fürchten uns, weil wir es nie getan haben. Oder der Herr zeigt uns andere Aufgaben an unseren Mitmenschen, sei es im häuslichen Bereich oder ausserhalb, seien es Gläubige oder Ungläubige. Der Herr lässt unser Leben nicht immer im gleichen Trott ablaufen. Es kommen immer wieder neue Aufgaben und Herausforderungen auf uns zu, und die Frage ist tatsächlich, wie wir uns dazu stellen. Sind wir bereit, auch einmal etwas zu tun, was wir bisher nicht getan haben, oder meinen wir, nur das tun zu müssen, was wir schon immer getan haben? Sind wir – und das ist in letzter Konsequenz die Frage – bereit, auf unseren Herrn zu hören, oder drücken wir uns lieber und sagen: «Keineswegs, Herr!»? Stellen wir uns einmal vor, alle Gläubigen würden auf neue Aufgaben so reagieren. Was würde dann überhaupt noch im Werk des Herrn getan?
Petrus hat seine Lektion gelernt. Nachdem er das Gesicht dreimal gesehen und der Heilige Geist dann auch noch zu ihm gesprochen hatte, war ihm klar, was der Herr von ihm wollte. Als die Delegation aus Cäsarea kurze Zeit später in Joppe eintraf, um Petrus abzuholen, gab es für ihn kein Zögern. Wir hören keine Ausrede mehr von ihm. Schon am folgenden Tag machte er sich auf, um mit den Männern zu gehen, die Kornelius geschickt hatte. Davon dürfen wir lernen und es ebenso machen. Dann warten wir jeden Tag mit Spannung darauf, welche Aufgabe der Herr heute wohl für uns hat.