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Trotz des grundsätzlich gleichen Vorgehens, mittels Montage Narrativität als Transportmittel der mimetischen Absicht zu erzeugen, haben sich die Felder der Belletristik und des Journalismus in den letzten hundert Jahren stark ausdifferenziert: Während heute der Journalismus im Dienst einer marktbasierten Öffentlichkeit eine äussere, gesellschaftspolitisch als relevant zu betrachtende Wirklichkeit konstruiert, konstruiert die Belletristik im Dienst einer marktbasierten Öffentlichkeit eine innere, subjektiv als authentisch zu betrachtende Wirklichkeit.
Wie die Malerei bereits zuvor der Fotografie die naturalistische Abbildung von Welt überlassen hat, hat im Bereich der Spracharbeit die Belletristik die naturalistische Abbildung dem Journalismus überlassen. Sie dekonstruiert die auktoriale Erzählposition und zeigt die Welt aus der Perspektive einer sozialen Monade. Der Journalismus synthetisiert umgekehrt sein immer häufiger von PR-Agenturen vorformuliertes Quellenmaterial zu einem Bild gesellschaftlicher «Objektivität».
Darum zerfällt Mimesis im 20. Jahrhundert einerseits in Methoden der politisch manipulierenden, anderseits in Methoden der apolitisch halluzinierenden Wirklichkeitszeichnung.
(bis 11.11.2012; 09.+18.01.; 16.07.2018)