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Es gibt jedoch Menschen, die an ihrer Überzeugung festhalten, auch wenn diese für ihre Mitmenschen nicht nachvollziehbar ist. Eine sehr starke, langandauernde und für andere nicht nachvollziehbare Überzeugung ist das Kernsymptom einer wahnhaften Störung. Dies ist eine eher selten diagnostizierte psychische Störung. Der Wahn kann gemäss der amerikanischen Klassifikation DSM-5 verschiedene Inhalte haben. Eine erkrankte Person kann das Gefühl haben, dass andere Menschen über sie spotten (Beziehungswahn). Betroffene eines Verfolgungswahns haben das Gefühl, dass sie ständig bedroht und verfolgt werden. Oder die Person ist von der Untreue des Partners überzeugt (Eifersuchtswahn). Die betroffene Person kann der festen Überzeugung sein, dass ein Doppelgänger existiert, durch den sie verdrängt wird (Doppelgängerwahn). Andere Wahninhalte sind zum Beispiel Schuld an einem Verbrechen oder einer sonstigen Verfehlung zu haben, von einer anderen Person geliebt zu werden oder ständige Rechtskränkungen zu erleiden (Querulantenwahn). Dabei ist der Wahninhalt kein allgemeines Wahnkriterium. Dennoch kann der Wahninhalt oder der Zeitpunkt seines Auftretens häufig mit der Lebenssituation der betroffenen Person in Beziehung gesetzt werden.
Es wird geschätzt, dass ca. 1% der stationären Patientinnen und Patienten in einer psychiatrischen Klinik aufgrund dieser Diagnose behandelt wird. Dabei sind Frauen etwas häufiger betroffen als Männer. In wenigen Fällen beginnt eine wahnhafte Störung bereits in der Pubertät oder Adoleszenz. Gekennzeichnet mit einem schleichenden Beginn, manifestiert sich die wahnhafte Störung häufig nach dem 4. Lebensjahrzehnt.
Im Folgenden werden die Symptome gemäss der Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie (AMDP) beschrieben. Anschliessend folgen die Diagnosekriterien einer wahnhaften Störung, abgeleitet vom Klassifikationssystem ICD-10.
Symptome
Vier Kriterien des Wahns müssen erfüllt sein:
Eine private Wirklichkeitsauffassung: Der Wahn ist ein starres, persönliches Konzept der eigenen Lebenswirklichkeit. Der Wahn ist krankhaft, wenn die Lebensführung deutlich beeinträchtigt wird.
Persönlich gültige Überzeugung: Die Wahnwirklichkeit ist für Betroffene die einzig «richtige» Wirklichkeit, die keines Beweises oder keiner Begründung bedürftig ist. Ihre Überzeugung wird als Gewissheit erfahren.
Starre Überzeugung: Der Wahn ist unabhängig von bisherigen Erfahrungen, und die betroffene Person ist für zwingende Gegenargumente unzugänglich. Betroffene halten trotz Unvereinbarkeit mit der objektiven, nachprüfbaren und durch die Mitmenschen geteilten Realität an ihrer Überzeugung fest. Zweifel werden nicht zugelassen.
Lebensbestimmende Wirklichkeit: Die Wahnwirklichkeit ist die beherrschende Wirklichkeit. Betroffene einer wahnhaften Störung sind häufig allein mit ihrem Wahn (Isolation) und der gemeinsamen Welt ihrer Mitmenschen entrückt (Alienation).
Diagnose
Eine wahnhafte Störung zu diagnostizieren, ist oftmals schwierig, besonders wenn der Wahn isoliert auftritt. Der Übergang zwischen Überzeugungen, welche die Menschen miteinander teilen, und Wahnüberzeugungen kann fliessend sein. Darum wird zu Beginn eine ausführliche Befragung zur Vorgeschichte der Störung durchgeführt. Dies hat zum Zweck, mögliche organische Ursachen des Wahns (z.B. Demenz) ausschliessen zu können. Des Weiteren sollten die diagnostischen Kriterien einer Schizophrenie nicht erfüllt werden und der Wahn nicht durch eine andere psychische Störung wie beispielsweise Depression erklärbar sein.
Liegt bei der betroffenen Person ein anhaltender (für länger als einen Monat) Wahn auf die eigene Person bezogen vor, wird eine wahnhafte Störung durch das psychotherapeutische und/oder psychiatrische Fachpersonal diagnostiziert.
Im zweiten von vier Teilen werden mögliche Ursachen der wahnhaften Störung beschrieben.