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In meinem 5. Semester des berufsbegleitenden Architekturstudiums behandelten wir im Entwurf das Thema Wohnungsbau. Dafür wurde den Studierenden eines aus drei Industrie- und Gewerbearealen der Umgebung Zug zugeteilt, in welchem Wohnraum für ca. 50 Personen geschaffen werden soll. Dabei waren wir frei, ob die Umsetzung in Form eines Neubaus, Anbaus oder Umbaus geschieht. Der Entwurf sollte bei seiner architektonischen Umsetzung verschiedene Themenbereiche wie Konstruktion und Materialisierung sowie Kongruenz und Nachhaltigkeit berücksichtigen und einbetten.
Mir wurde das Victoria-Areal in Baar zugeteilt. Der Betrieb der ursprünglichen Holz-, Spielwaren- und Möbelfabrik Victoria-Werke wurde vor 25 Jahren eingestellt und das Gelände wurde mit der Gründung der Victoria Liegenschaften AG schrittweise für Wohnungen, Kleingewerbe, Büros und Dienstleistungen umgenutzt. Das Victoria-Areal ist in mehrere Gebäudeteile gegliedert und wurde über die Jahre stetig erweitert. Für meinen Entwurf fasste ich das praktisch leer stehende Gebäude D ins Auge, welches durch seine primäre Tragstruktur aus Beton einen eigenständigen Charakter aufweist. Dieser Ausdruck soll trotz der Umnutzung erhalten bleiben. Sanierungsbedürftige Elemente wie das Dach werden erneuert und die Räumlichkeiten ausgebaut, um Wohnraum zu schaffen.
Das bestehende Gebäude wird in meinem Entwurf um ein Geschoss erhöht. Die Aufstockung ist als Holzbau konzipiert, welcher die Form der Betonstruktur im Erdgeschoss und des ersten Obergeschosses übernimmt. Die aus Metall gefertigten Fachwerkträger der bestehenden Dachkonstruktion werden wiederverwendet und das Dach neu aufgebaut.
Dadurch, dass die thermische getrennte Wohnungsschicht von der Aussenfassade zurückversetzt ist, werden die schottenartig angeordneten Wohnungen durch einen Laubengang erschlossen. Sie verfügen über einen privaten, gegen Süden gerichteten Aussenraum, welcher im Sommer zur Wohnfläche zugeschaltet werden kann. Die Wohnungen selbst sind durch einen mittigen Kern mit Nasszelle und Küche gegliedert, der den Wohnbereich vom Schlafbereich trennt. Im zweiten Obergeschoss weicht die Wohnungstypologie etwas ab. Hier befinden sich Maisonette-Wohnungen, welche sich in ihrer Raumaufteilung von den unteren Geschossen unterscheiden (siehe Pläne).
Das Semester war für mich sehr herausfordernd. Durch die relativ offene Aufgabenstellung befassten wir uns nicht nur mit dem Wohnungsbau, sondern gleichzeitig auch mit Themen wie Bauen im Bestand und der Aussenraumgestaltung des Areals. Da der Entwurf diverse Aufgabenbereiche beinhaltete, war es schwierig, sich auf den reinen Wohnungsbau und die Grundrisstypologie zu fokussieren. In diesem Zusammenhang wäre aus meiner Sicht eine gefasstere, kleinere Aufgabenstellung hilfreicher, um das Ziel eines Wohnungsbauentwurfs zu erreichen. Es bliebe somit mehr Zeit, sich voll und ganz auf den Semesterinhalt – nämlich den Wohnungsbau – einzulassen, relevante Grundlagen zu erarbeiten und in der Tiefe verschiedene Lösungsansätze zu entwickeln. Gerne hätte ich an dem Projekt weiter gearbeitet, da es sicherlich noch viel Verbesserungspotenzial hat und für mich eher einen Zwischenstand als eine Schlussabgabe darstellt. Trotzdem konnte ich durch den Austausch mit meinen Mitstudierenden und meiner Dozentin – welche meinen Entwurf begleitete – viele neue Erkenntnisse gewinnen. Insgesamt war es ein sehr lehrreiches Semester und ich freue mich nun auf meinen nächsten Entwurf.
Tipps:
- ArchitekturCumulus 01.02.2023: Architekturstudium: 3. Semester – Modul Werkstatt Basic
- ArchitekturCumulus 11.07.2022: Architekturstudium: 2. Semester – Modul Identität
- Architekturcumulus 28.01.2021: Über die Psychologie zur Architektur
- Projektdokumentation Entwurf Wohnungsbau (Wissenschaftliches Arbeiten)