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Darum trauert Gmelin der verpassten Medaille nur kurz nach
Jeannine Gmelin wird wie 2016 Olympia-Fünfte im Einer. Nur 1,2 Sekunden fehlen der Ustermerin zu einer Medaille. Sie zeigt sich trotzdem stolz.
Es hat nicht sein sollen. Im Rennen, das sie am Vortag als das wichtigste ihrer Karriere bezeichnete, verpasste Jeannine Gmelin die Podestplätze und damit eine Olympia-Medaille. Fünfte wurde Gmelin, wieder Fünfte, wie schon 2016 in Rio de Janeiro. Damals sah sie sich selber erst am Anfang der Karriere, wollte Erfahrungen sammeln im Hinblick auf den nächsten Olympiazyklus, der nun seinen Abschluss fand. Damals fehlten über fünf Sekunden auf die Medaillenränge. Nun waren es zwar nur noch 1,2 Sekunden – aber erhofft hatte sich die Ustermerin deutlich mehr.
Das Rennen begann für Gmelin gut. Wie schon bei ihrem überzeugenden Auftritt im Halbfinal startete sie stark, lag nach einem Viertel der zwei Kilometer auf Rang 3 und damit auf Medaillenkurs, verlor dann aber zusehends an Terrain. Bei Rennhälfte war sie nur noch Sechste, auch nach 1500 Metern belegte sie den letzten Rang. Doch dann folgte ein starkes Finish. Gmelin überholte die Chinesin Yan Jiang und rückte immer näher an die Britin Victoria Thornley und die Österreicherin Magdalena Lobnig heran. Zum Fotofinish kam es aber nicht.
In der Mitte passte es nicht
Im schnellsten Olympia-Final aller Zeiten, den die Neuseeländerin Emma Twigg mit deutlichem Vorsprung vor der Russin Hanna Prachatsen und Lobnig gewann, zeigte keine Athletin Schwächen. Letzlich wurde Gmelin der Mittelteil zum Verhängnis, obschon sie eigentlich ein gutes Rennen zeigte und auf den ersten und letzten 500 Metern je die drittschnellste war. Wo sie die 1,2 Sekunden liegen liess, war rasch analysiert: «Heute war der Drop Off von den ersten auf die zweiten 500 Meter genau diese Sekunden zuviel.»
«Ich gehe mit erhobenem Haupt heim.»
Jeannine Gmelin
Erstaunlich gefasst und klar wirkte sie kurz nach dem Rennen, auf das sie so lange hingearbeitet hatte. Dass es nicht mit der erhofften Medaille endete, das sei im ersten Moment eine «bittere Pille» gewesen – so viel gibt Gmelin dann doch zu. Doch dann freute sie sich darüber, dass sie einem so schnellen Rennen um die Medaillen mitfahren konnte. «Ich bin stolz auf meine Performance, stolz wie ich diese Spiele gemeistert habe und stolz auf die letzten sechs Jahre», sagte die Ustermerin. «Ich gehe mit erhobenem Haupt heim.» Vorwürfe mache sie sich keine – «ich bereue keinen einzigen Schritt und keine einzige Entscheidung.»
Konstant wie sonst keine
Das gilt für die Taktik in diesem Final, vor allem aber für ihren Weg an diese Spiele. Er verlief nicht nur geradlinig, sondern nahm 2019 eine ungeplante Wendung, als sie sich nach einem Zerwürfnis mit dem Verband für den Alleingang entschied. Seither ist sie nicht mehr ausschliesslich Athletin, sondern auch Unternehmerin, die sich um Organisation und Finanzierung ihres Privatteams kümmern muss. Unsicherheiten und Zweifel begleiteten sie auf diesem Weg – dass sie sich trotz allem in der Weltspitze hielt, ist nicht selbstverständlich.
«Das ist eine Ausnahmeleistung, auf die sie sehr stolz sein darf.»
Robin Dowell, Trainer
Das sagt auch ihr Trainer Robin Dowell: «Seit 2015 ist Jeannine die konstanteste Ruderin. Bei jedem Regattastart war sie im A-Final. Das ist eine Ausnahmeleistung, auf die sie sehr stolz sein darf.» Dass es nicht zu einer Medaille reichte, führt er auf die Ausgeglichenheit im Feld zurück. «Lässt man die Athletinnen auf den Rängen 3 bis 5 mehrfach gegeneinander rudern, gewinnt jedes Mal eine andere. Es war ein wirklich aussergewöhnliches Rennen.»
Wie lange dauert die Pause?
Wann Gmelin das nächste Rennen in Angriff nimmt, lässt die Ustermerin offen. Eine Pause lege sie nun ein, «wie lang oder wie kurz die wird, weiss ich noch nicht.» Ob sie in Paris 2024 erneut Edelmetall ins Visier nimmt, dazu äusserte sie sich bisher noch nicht. Inwiefern spielt in ihren Gedanken der nächste, kürzere Olympiazyklus eine Rolle? «Er ist präsent», sagt sie, «aber mehr nicht.»