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Bohnerzabbau ab dem 15./16. Jahrhundert
Die Stollen im Untergrund des Buchwaldes stammen aus der Zeit zwischen 1500 und 1850, als hier Bohnerz abgebaut wurde. Das Bohnerz ist die dritte Schicht auf dem weissen Jurakalk. Sie wurde schon früh genutzt. 1550 wird die erste bernische Bergwergskonzession erwähnt. Sie erlaubt es, in Biberstein Eisenerz zu graben und in Erlinsbach einen Hammer aufzurichten. Zur Bernzeit existierten 3 Bergwerke: Der Küttigerstollen am Tannenbächli hinter der Buchmatt, der Vorsichtstollen zuoberst Rombachtäli sowie der Erlachstollen gegen Obererlinsbach.¹
Letzterer alleine lieferte um das Jahr 1800 rund 40000 Kübel Erz mit je ca. 90 Liter Fassungsvermögen. Der Hungerberg galt als eines der bedeutenderen Ausbeutungsgebiete am Jurarand zwischen Biel und Aarau und das Bohnerz als eines der schönsten und reichhaltigsten der Schweiz. Die Zahl der beschäftigten Grubenleute schwankte zwischen 8 und 20, je nach dem Betrieb in den Hüttenwerken. Um diese Zeit betrug der Taglohn eines Grubenarbeiters 12 bis 18 gute Kreuzer. Der jährliche Erzertrag konnte sich in guten Jahren um 1760 auf 875 Tonnen erhöhen.
Römer und Verhüttung
Informationen über die Erzgruben sind im Buch «100 Jahre Ersparnisgesellschaft Küttigen 1834–1934» zu finden: «Das Bohnerz habe schon sehr früh zur Ausbeutung angelockt», steht da. Der Name «Rombach» lasse vermuten, dass es bereits den Römern bekannt war. Im Buch steht auch, wohin das Eisenerz gelangte: «Das Erz wurde in langen Trögen gewaschen, auf der Aare nach Albbruck geführt und dort in den St. Blasischen Schmelzöfen verhüttet.»
Helvetische Republik
Während der Helvetik wurde vermutlich nur in Küttigen gearbeitet. Vom 1. Juni 1800 bis 10. März 1803 wurden 1467,7 Tonnen (durchschnittlich jährlich 489 Tonnen) im Wert von 4257 Fr. gefördert. 30 – 40 Familienväter sind in der Erzgewinnung tätig. Während des Staatsbetriebes von 1803–1820 wird der Absatz der Erze dann schwieriger. Die Preise für Erz sinken durch die Konkurrenz, die im Ausland Eisen produziert. Immer grössere Verluste belasten den Staat. Er stellte den Grubenbetrieb 1820 ein.²
Meyersche Stollen
Als die Vorkommen langsam zur Neige gehen, eröffnete 1807 der berühmte Aarauer Industrielle Johann Rudolf Meyer ein viertes Bergwerk am Hungerberg, die Meyerschen Stollen.
Wofür wir uns einsetzen?
Für einen Natur-, Naherholungs- und Geschichtslehrpfad Rombachtäli zwischen den drei Stollen, Wäldern entlang des Rombachs. Unzählige Gruben des Bohnerzabbaus sind für Wanderer in den Wäldern sichtbar, sie füllen sich teilweise mit Wasser und sind ein unerforschter Lebensraum für viele geschützte / bedrohte Arten. Jahrhundertalte Gänge verlaufen im Rombachtäli und den anliegenden Wäldern.
Wo gibt es eine Kantonshauptstadt, in der die Menschen zu Fuss (zu Fuss 1 km von der Kettenbrücke entfernt) einen derart geschichtsträchtigen Ort erreichen?
Die Verbindung der Geschichte mit den hier lebenden bedrohten Arten, der wunderbaren Natur im Rombachtäli und dem wunderbaren Ausblick vom Alpenzeiger und Bundeseichenplatz ist eine Seltenheit. Wir wären nicht die Ersten, die sich dafür einsetzen. Naturschutz, Historie, Erholung und Best Practice in nachhaltiger Gemeindeentwicklung mit derart vielen Merkmalen und in dieser Nähe zur Kantonshauptstadt zu vereinen, ist unsere Pflicht gegenüber nachkommenden Generationen, einzigartig und bietet ökotouristisches Potential.
Forschung, Prävention von Risiken des Altbergbaus und ökosensitiver Tourismus
„Dass der Hungerberg ein «bewegter» Berg ist, ist nicht nur durch seine brüchigen Kalkschichten bedingt, sondern ganz besonders durch den immensen Bergbau, der sich über die ganze Fläche erstreckte: durchlöchert, durchbohrt, durchgraben. Abbruchmassen ruhen unerkennbar unter lockerem Waldboden eines jungen Waldes und warten darauf, einmal hinabzurutschen dorthin, wo sich am sonnigen Hang eine unbesorgte menschliche Gesellschaft mit schmucken Heimen angesiedelt hat. Man mag staunen über die Behörden, dieses Gebiet für Ansiedlungen freigegeben zu haben, obwohl in früheren geologischen und topographischen Plänen Rutschhalden am Fusse des Hungerbergs festgehalten sind, denn: Wo der Mensch die Natur be- herrschen will, verrechnet er sich meistens – auch da, wo die Kunst des Bergbaus und der Bergbautechnik Bewunderung verdient.“ Minaria Helvetica,2003
Baumberger, Ernst (1923) Die Eisen- und Manganerze der Schweiz. Erste und zweite Lieferungen. Studiengesellschaft für die Nutzbarmachung der schweizerischen Erzlagerstätten.
100 Jahre Ersparnisgesellschaft Küttigen 1834— 1934. Gedenkschrift, mit Beiträgen zur Heimatgeschichte von Küttigen. Eine Jubiläumsgabe der Kasse. Mit 1 Porträt-Tafel. II -j- 176 S. Rombach, Geschäftsbücherfabrik, 1934.
Es gibt unzählige weitere Quellen u.a. in den Staatsarchiven, die der Bevölkerung nicht bekannt sind.