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Bücher in Arbeit
Katholisch Basel, eine Chronik
Mit der Reformation mussten die Katholiken anfangs des 16. Jahrhunderts, 1’200 Jahre nach der Entstehung des Bistums Basel, ihre Heimat verlassen. Sie verloren das Recht, Basler Bürger zu sein, ihre Kirchen wurden entweiht. In Basels Stadtmauern lebten fortan fast ausschliesslich Protestanten. Sie allein bestimmten die Entwicklung der Stadt, schrieben ihre Geschichte, bis sich Europa mit der Französischen Revolution schlagartig veränderte. Die Franzosen diktierten den Schweizern zum Ende des 18. Jahrhunderts die Menschenrechte, «l’égalité», und damit die Gleichstellung der Religionen. Damals waren über Jahre eidgenössische Truppenkontingente zum Grenzschutz am Rheinknie mobilisiert worden, darunter Soldaten aus katholischen Orten, die ihre Gottesdienste feiern wollten. Das gab der Basler Katholikengemeinde Auftrieb. Bald wurden sie von der Regierung «geduldet», bald erhielten sie die St. Clarakirche zur gemeinsamen Benutzung mit den Protestanten. Als die katholischen Dörfer des Birseck nach dem Wiener Frieden von 1815 zu Basel kamen, war man in der Stadt darüber nicht sehr erfreut: Erstens waren es vornehmlich Bauern und zweitens waren sie katholisch – beides vertrug sich schlecht mit dem elitären baslerischen Selbstverständnis. Unter anderem deswegen kam es zum Konflikt, zu Waffengängen und schliesslich zur Trennung in die Halbkantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft im Jahr 1833. Es folgte die Industrialisierung: Basel war für seine Seidenbandfabrikation weltbekannt, Spinnereifabriken entstanden. Basels chemische Industrie begann damit, die Farben für diese Bänder herzustellen. Auch der Eisenbahn- und später der Strassenbau benötigte Arbeitskräfte. Die Stadt Basel war nicht in der Lage, die Nachfrage nach diesen Kräften zu befriedigen, sie mussten auswärts gesucht werden, im Leimental, im Birseck und Laufental, im Baselbiet, im Schwarzwald und im Elsass – meist katholische Gegenden. Später zogen Arbeiter aus der Urschweiz und aus Italien in die Stadt. «Man rief Arbeiter und es kamen Menschen», wie Max Frisch es formuliert hatte, Menschen, die in ihrer neuen Heimat die eigene Kultur und Religiosität leben wollten. Dies trug dazu bei, dass sich die katholische Diaspora in Basel wandelte, die Katholiken behaupteten sich als eigenständige Bevölkerungsgruppe in der reformierten Stadt. Neue Pfarrgemeinden entstanden mit dem Bau von Kirchen, konfessionelle Vereine und Institutionen wurden gegründet, ebenso eine katholische Zeitung und die politische Partei der Katholiken. Bald waren sie den Protestanten zahlenmässig ebenbürtig, die katholische Kirchgemeinde wurde im Kanton in den 1970er-Jahren mit der evangelischen gleichgestellt. Dies zu einem Zeitpunkt zu dem der Niedergang dieser Konfessionen bereits begonnen hatte. Der gesellschaftliche Wandel und unglaubliche Vergehen von Teilen des katholischen Klerus trieben die Gläubigen in Scharen aus den Kirchen. In den 2010er-Jahren ist mit der Don Bosco-Kirche in der Breite das erste katholische Gotteshaus entweiht worden.
Dieses Buch erzählt die über zweihundertjährige Geschichte der Basler Katholiken in der chronologischen Abfolge der Ereignisse seit der Reformation nach. Der Autor, ein 1956 in Basel geborener Katholik, war selbst Teil dieser Geschichte. Pfarrer Robert Füglister, St. Marien, hat ihn getauft, Bischof Franz von Streng hat ihn gefirmt. Er war Ministrant und Jungwächter in der Pfarrgemeinde Allerheiligen, arbeitete im dortigen «Jugendforum» mit und engagierte sich in der «Merkuria, Verein für katholische Kaufleute und Beamte». 1999 ist er aus verschiedenen Gründen aus der Römisch-Katholischen Kirche Basel-Stadt ausgetreten.
Der Weissenstein
Entstanden mit der Jurafaltung vor etwa 150 Millionen Jahren, nimmt der Weissenstein eine besondere Stellung unter den Jurabergen ein. Von den Geschichtsbüchern unbeachtet, wurde er erst während der Romantik zum Thema. Eine Zeichnung – das Weissenstein-Panorama – machte ihn zum Sehnsuchtsort, Molkekuren zur Destination der Schönen und Reichen Europas. Das vor fast 200 Jahren erbaute Kurhaus erlebte nach der touristischen Eroberung des «Bergs» allerlei Folgen der Weltgeschichte, im Guten wie im Schlechten. Es entwickelte sich nicht weiter, wie etwa die Häuser auf der «Königin der Berge», der Rigi, mit der der Weissenstein wieder und wieder verglichen wurde. Er zeigt sich, heute wie damals, bescheiden, still und von besonderer, unvergleichlicher Schönheit. Ein Eisenbahntunnel wurde durch sein Karstmassiv gesprengt, dort fährt seit 1908 die «Weissensteinbahn» hindurch. Um ihre Erhaltung wurde im 21. Jahrhundert gestritten, wie auch um die Existenz des 1951 eröffneten Sessellifts, nachdem die Betriebskonzession im Jahr 2009 abgelaufen war. Verfilzte und komplizierte Eigentumsverhältnisse auf dem Berg waren mit Gründe für den Verkauf des Kurhauses in private Hände, es war seit 1877 im Besitz der Bürgergemeinde Solothurn gewesen. Der Bürgergemeinde gehören heute noch die beiden Berghöfe auf dem Vorderen und dem Hinteren Weissenstein, Pachtbetriebe. Aus dem altehrwürdigen «Kurhaus» entstand das «Hotel Weissenstein», das 2019, kurz vor der Covid-19-Pandemie, kernsaniert und baulich erweitert, seinen Betrieb aufnahm. Heute steht «der Berg» unter dem Schutz des Bundes und des Kantons, er gehört unter anderem zu den «nationalen Naturdenkmälern». Er blickt auf zwei bewegte Jahrhunderte zurück. Seine besondere, unvergleichliche Lage und Schönheit sind geblieben, alles andere kommt und geht, wandelt sich mit der Zeit ...
d'Stänzler und die Stadtbasler Miliz
Basel stand als freie Reichsstadt während Jahrhunderten unter der Dominanz der Habsburger, die das politische, wirtschaftliche und geistige Leben am Oberrhein prägten. Ab 1460 besass die Stadt eine eigene Universität, sie war als ein Zentrum des Buchdrucks zur Stadt der Humanisten geworden, und die Handelsroute über den Rhein machte sie zu einem der wichtigsten Dreh- und Angelpunkte in Europa. Basel war selbstbewusst und selbstständig geworden. Die Zünfte schlossen ihren Stadtherrn, den Fürstbischof, bereits im Jahr 1521 von jeglicher Teilnahme an der Regierungsmacht aus – noch vor der Reformation – sie regierten die Stadt. Sie übernahmen neben den politischen Rechten auch die bürgerlichen und militärischen Pflichten wie die Durchsetzung der bestehenden Rechtsordnung, die Bewachung der Ringmauern und den Wehr- und Löschdienst. Bereits 1466 hatten sie zur Stadtbewachung und Verteidigung die Gesellschaft der Feuerschützen gegründet. Die eigene Standestruppe, die Stänzler, riefen die Basler während des Dreissigjährigen Krieges 1618-1648 zum Schutz ihrer Stadt ins Leben. Diese von der Bevölkerung ungeliebte Truppe wurde während der Besetzung der Eidgenossenschaft durch die Franzosen, der Helvetik, aufgelöst, um kurz darauf, während der Mediationszeit, von Napoleons Gnaden wieder aufgestellt zu werden. Sie waren an der Belagerung und Schleifung der Festung von Hüningen im Jahr 1815 beteiligt. Ihre grösste Schmach erlebten die Stänzler, als sie 1833 bei der Hülften von den Baselbietern blutig in die Flucht geschlagen wurden, zwanzig Jahre vor ihrer endgültigen Auflösung. Mit der Bundesverfassung von 1848 vom Staatenbund zum Bundesstaat geworden, traten die Kantone Teile ihrer Souveränität an die Eidgenossenschaft ab, darunter auch das Militärwesen. Die erste Militärorganisation sorgte 1875 für eine weitere Zentralisierung der Armee, das erste Basler Füsilier Bataillon 54 entstand. Ihm folgten die Bataillone 97 und 99. Sie bildeten bis ins Jahr 1995 das Stadtbasler Infanterie Regiment 22. Dieses Regiment erlebte zwei Weltkriege und den anschliessenden Kalten Krieg, ebenso die Basler Landwehrregimenter und das Stadtkommando 211 – alles Basler Truppen. Die Armee zählte in den 1960er-Jahren fast 900’000 Soldaten. Die volatile Veränderung der globalen Bedrohungslage, der gesellschaftliche Wertewandel und verschiedene Affären rund um die Armee führten in den 1980er-Jahren zu einer Volksinitiative zu ihrer Abschaffung. Es war höchste Zeit für Reformen geworden. Diese folgten in kurzen Zeitabständen. Die kantonalen Truppenkontingente, einst das Rückgrat der Armee, sind in der Folge aufgelöst worden. Der traditionelle Status der kantonalen Militärhoheit und damit gut etablierte und funktionierende Netzwerke, soziale Strukturen und manche Tradition hatten in den Kantonen ihre Grundlage verloren. Die Verankerung der Armee im Schweizervolk hat unter diesem Schritt gelitten, die Akzeptanz gegenüber der Schweizer Armee hat abgenommen – ein Opfer der Zeit. Heute zählt die Bundesarmee 120’000 Angehörige.
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