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Nicht so seine leuchtend rote Schwester, das Rote Männertreu. Dieses macht sich gerne rar und ist eher selten anzutreffen. Der intensiv rubinrot gefärbte Blütenstand hat dieser Orchidee den Namen gegeben. Aber aufgepasst: Auch das Schwarze Männertreu kann rötlich gefärbt sein! Um sicher zu sein, dass man tatsächlich ein Rotes Männertreu vor sich hat, genügt ein Blick auf die nach oben gerichtete Lippe: Beim Roten Männertreu ist diese über dem Grund sattelförmig verengt und tütenförmig eingerollt, während die Lippen beim Schwarzen Männertreu weit geöffnet sind. Sind die Lippen zur Seite ausgerichtet, könnte es sich auch um einen Bastard zwischen Schwarzem Männertreu und Wohlriechender Handwurz handeln.
Das Rote Männertreu hat ein ganz spezielles System zur Fortpflanzung entwickelt. Statt sich von Insekten bestäuben zu lassen, bildet es Samen ohne Befruchtung aus den Körperzellen. Die weiblichen Eizellen werden zur Fortpflanzung nicht benötigt und bilden sich zurück. Die männlichen Pollenzellen hingegen entwickeln sich normal. Das Rote Männertreu bleibt somit männlich fruchtbar und kann mit anderen Orchideenarten Bastarde bilden. Im Schweizerischen Nationalpark tritt das Rote Männertreu nur vereinzelt auf. Am ehesten trifft man es im Juni am Weg zwischen Buffalora und Alp la Schera oder am Murtaröl.
Nähere Angaben finden sich im Buch «Orchideenwanderungen im Schweizerischen Nationalpark», Verlag Wartmann Natürlich, ISBN 978-3-9523218-9-8.