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Die Chance ist ziemlich klein, dass sich zwei oder mehrere Tischnachbarn um die Weinkarte streiten. Meistens wandert die Karte immer zum gleichen Kollegen oder zur gleichen Kollegin oder jemand fühlt sich gezwungen und nimmt die Karte in Empfang. Widerwillig und bald in Schweiss gebadet.
Es gibt keine Anleitung, wie man den perfekten Wein im Restaurant findet. Aber ich kann euch ein paar Tipps geben, so dass ihr euch immerhin an zwei, drei Rettungsringen festhalten könnt:
Rufe Dein Geografiewissen ab: Wollt ihr einen leichteren Wein, suche nach «kühleren Regionen». Wollt ihr einen schweren Wein, suche nach «wärmeren Regionen» (Faustregel, nicht in Stein gemeisselt!).
Gebe dem/der KellnerIn Bescheid, was ihr sonst so trinkt und benutze folgende Wörter: Schwere, volle oder leichte Weine. Trockene (nicht süsse) oder eher lieblichere (süsse) Weine.
Das Konsumverhalten der Schweizer, was Wein anbelangt, sieht wie folgt aus: 40% Schweizer Wein, 25% italienische Weine, 15% französische Weine, 12% spanische Weine und 4% Überseewein, 4% Portugal, Österreich u.a.. Wenn Du unsere Schweizer WinzerInnen unterstützen willst, dann entscheide Dich für einen Schweizer Wein. Wenn Du dich nicht so mit Schweizer Weinen auskennst, dann frage jemanden in der Runde oder die/der KellnerIn. Wenn Du keine Lust auf Schweizer Wein hast, dann wähle einen italienischen Wein aus (Beliebte Gebiete: Piemont, Toskana, Sardinien, Sizilien)... So gehst Du meistens auf absolute Nummer sicher.
Mein Tipp: Zum Apéro IMMER Schweizer Weisswein. Hier geht alles. Immer.
Es gibt nichts Schöneres, als neue Weine und Weinregionen zu entdecken. Sei mutig! Frag die Gruppe:
«Losed. Ich kenn de Wii ned, aber hättet ihr au Luscht druf? Mal was neus?»
Wenn jemand mit «den kenne ich» antwortet, frage ihn, ob er ihn der Runde empfehlen würde.
Madelyne's Ende
Meine Rettungsinseln
Die Weinbranche wird mich jetzt auseinanderreissen wie eine schwer zu öffnende Verpackung. Meine Mission lautet: Weinwissen vermitteln. Es ist meine Aufgabe, euch Weinwissen auf eine einfache Art und Weise in den Kopf zu stopfen. Was ist aber, wenn ihr in einem Resti sitzt und wirklich ABSOLUT KEINE AHNUNG VON WEIN HABT UND NOCH NIE WAS VON EDVIN GEHÖRT, GELESEN ODER GESCHAUT HABT? In diesem Fall empfehle ich euch die untenstehenden Weine, welche normalerweise sehr mehrheitsfähig sind. Und aus genau diesem Grund, für meine Banalität, werde ich wahrscheinlich für immer und ewig verachtet... aber für euch mache ich alles. Es ist für das Wohl der ahnungslosen Weingesellschaft, nicht für mich und auch nicht für andere Experten: - Roero Arneis, Sauvignon Blanc (Sancerre), Johannisberg oder Räuschling: Süffige Weissweine zum Apéro - Chardonnay als Essensbegleiter für Fischgerichte (mild und rund) - Nebbiolo, Gamay, Pinot Noir für leichtere Hauptgänge - Rioja, Zweigelt, Touriga Nacional oder Toskaner für schwerere Hauptspeise - Malbec oder Cabernet Sauvignon für Fleischliebhaber
Indem ich nun ganz strikte Pairings empfohlen habe und hunderte Weine/Traubensorten ignoriert habe, habe ich mich nun total disqualifiziert. Dafür habt ihr nun einen blassen Schimmer beim nächsten Mal.
GANZ wichtig ist auch das Probieren des bestellten Weines. Es ist essentiell. Hier die wichtigsten Punkte:
Der Probierschluck
Die Dos beim Wein bestellen
Etikette lesen: Erinnerst Du dich noch an den Wein, den Du ausgewählt hast? ;-) Dann lese kurz die Etikette und prüfe, ob es effektiv der Richtige ist. Achte beim Weinauswählen auf den Namen und den Jahrgang. Wenn der/die KellnerIn einen anderen Jahrgang bringt, könnte sich dies auf den Preis auswirken (meistens negativ).
Weinglas schwenken: Der evaporierende Alkohol zieht so die Aromen hoch und Du riechst tausendmal mehr
Rieche am Wein: Suche nach Fehlernoten. Der Wein riecht lecker? Dann ist alles i.O. Der Wein riecht irgendwie nach Keller oder nassem Karton? Muffig? Dann ist er gekorkt. Riechst Du nichts und hast keine verstopfte Nase? Dann sag dies dem/der KellnerIn und frage sie, ob sie den Wein evtl. dekantieren könnten. Schon nach 10 Min (je länger desto besser) wirst Du einen Unterschied merken
Probiere den Wein! Nimm einen Schluck! Das ist so wichtig! Zum Teil kann der Wein ok riechen, aber im Mund total abflachen. Fehlt ihm der Kick? Die Säure? Er wirkt plump und fad? Dann ist er überegheit ;-) Hier kannst Du sehr gut sagen, dass der Wein definitiv seinen Höhepunkt schon gehabt hat und nicht mehr geniessbar ist. Zum Teil schmeckt man mit dem Gaumen besser, zum Teil mit der Nase, also immer beides machen!
Genauso wichtig wie der Geruchstest ist die Temperatur des Weines. Ist der Wein eiskalt, wird es schwierig, einen Korkgeruch oder irgendwelche andere Aromen herauszuriechen. Ist der Wein warm, dominiert der Alkohol und stellt alle anderen Aromen in den Schatten.
Die Don'ts beim Wein bestellen
«Ich mag diesen Wein nicht». Ist keine Argument, den Wein wieder zurückzuschicken. Dann hast Du einfach scheisse ausgewählt und/oder kennst deinen Geschmack/Weinstil nicht.
Die halbe Flasche trinken und dann behaupten, dass er Zapfen hat.
Alle am Tisch fragen, was sie gerne trinken möchten. 1. Die eine Hälfte weiss es nicht. 2. Die zweite Hälfte gibt fünf verschiedene Antworten. Frag, ob weiss oder rot, das sollte reichen.
Menge berechnen?
Wie viele Flaschen für wie viele Geniesser?
Wenn ihr zu zweit seid und nicht gleich eine Flasche wollt, macht es völlig Sinn, je ein Glas zu bestellen anstatt einen ganzen Wein. Es macht Spass, im Restaurant drei, vier Weine auszuprobieren. So wähle ich meistens zwei verschiedene Gläser Wein aus und mein Gegenüber wählt 2 verschiedene Gläser Wein aus. Eine Flasche reicht für fünf Gläser bzw. fünf Personen (1,5dl pro Person). Es würde auch knapp für 6 Gläser ausreichen (1dl pro Person), wenn ihr wirklich pingelig sein wollt. Während eines Abendessens trinkt die Mehrheit im Durchschnitt drei Gläser, also fast eine halbe Flasche Wein (7,5dl).
Kein Essen wurde jemals durch einen nicht perfekt passenden Wein ruiniert.
Einen passenden Wein für sechs verschiedene Gerichte am Tisch zu finden, wird eher schwierig, solange kein Sommelier oder eine weinaffine Kellnerin Dir zur Seite steht. Also entspann Dich und wähle einen Wein aus, den Du magst und eventuell auch schon mit Freuenden genossen hast. Die Hauptsache ist schlussendlich, dass ihr einen wunderbaren Weinmoment zusammen erlebt.
Cheers, eure Edvin
Madelyne Meyer
Die Weinwelt kann extrem elitär und exklusiv sein. Darauf hat Madelyne Meyer aber gar keine Lust. Mit ihrem unkonventionellen Weinblog Edvin hat sich die Aargauer Weinexpertin in der Schweiz einen Namen gemacht. «Meine Leser mögen wohl meine selbstironische Art. Ich nehme mich und die Weinwelt nicht todernst, zolle dem Wein aber immer genügend Respekt».
Madelyne arbeitet in ihrem Familienbetrieb für Marketing & Kommunikation und schreibt noch für den Gault Millau Channel. Das Ganze rundete sie im September 2019 mit ihrem ersten Buch «Endlich Wein verstehen» ab. Für watson schreibt Madelyne ab sofort regelmässig exklusiv in ihrem Blog.
Highlight
Wenn es Rot sein soll, bestelle ich in einer grösseren Rund (>4 Personen) ober wenn ich nicht genau den Geschmack meiner Begleitung weiss, einen Tempranillo. Ist etwas kräftig, säure arm und lieblich. everybody like it ;)
Highlight
Nein, nicht italienischen Wein wählen. Das ist das Excusé der Schweizer Frauen, weil sie keine Ahnung haben. Ich bin selbst eine, aber ich mag keine überteuerte süsse Pfütze aus Italien. Und ja, es gibt sehr gute italienische Weine, aber die ecken eben mehr an, als der billige Primitivio, weil man ja nicht mehr als 20.- Fr. Pro Flasche bezahlen will. Primitivo: Wo der Name Programm ist. Rioja kommt langsam zu den selben "Ehren". Schade!
Highlight
Edvin ich liebe dich!!! Du schreibst so gut und verständlich... ich sauge alles auf wie ein Schwamm, damit mein mann nicht mehr „Mire Frou chani o Essig häresteue, für sie schmöckt aus glich“ sagen kann. Ich habe ein paar mal versucht, mir die Basics erklären zu lassen, weil ich ein gewisses Grundwissen haben (aber dafür nicht dauernd Wein trinken 😉 ) möchte und es hat nie geklappt.. Es hiess immer „Ohne Übung macht es keinen Sinn etwas zu erklären!“.
Je mehr ich von dir lese, umso mehr interessiere ich mich dafür 🤩
Highlight
Ich gehöre zu der Gruppe, bei welcher jeweils die Weinkarte landet; ehrlicherweise: ich wehre mich nicht wirklich dagegen. Die grösste Herausforderung ist für mich allerdings jeweils, etwas zu finden, das sowohl den 2, 3 Afficionados wie mir auch schmeckt, ohne das Budget zu sprengen.
Normalerweise wähle ich jenen Wein, von dem es gerade noch eine Flasche hat...
Temperatur: soweit es sich nicht um G-M-Schuppen handelt, sind die Rotweine leider häufig zu warm. "Zmmertemperatur" heisst max 18°. Zu Hause brauche ich auch für Rotweine im Sommer eine Kühlmanschete.
Highlight
Danke für die Hauptmessage - wenn man Wein gern hat, soll man soch einfach merken welche Geschmacksnoten man liebt. Und offen sein für Neues. Aber sich sicher nie an irgendwelche „Grundregeln“ halten. Und sonst Kellner fragen, ist meist nicht schlecht und oft sehr gut. Oder einfach Wasser trinken.
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Ich hab letztens so viele top Weine getrunken, dass ich die normalen Alltagsweine kaum mehr runterbringe (jedenfalls die Roten), deshalb bestell ich meistens einfach ein Bier.
@Madelyne Kennst du das Phänomen und wenn ja, wie bring ich es wieder los? :(
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es gibt ganz viele „Alltagsweine“ , die es durchaus mit „Topweinen“ aufnehmen können. Der Preis bestimmt nicht immer alleine die Qualität. Mal ein bisschen tiefer graben, und „alltagsweine“ aussuchen, die in kleinen Weingütern angebaut werden, Familienbetriebe oä. Da gibt es manche Perle, die bezahlbar ist.
Ein Gaumen, der glaubt, nur top weine trinken zu können, ist versnobt... da hilft nur: Horizont erweitern!
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Erstmal danke für eure absolut treffenden Kommentare, da kann ich nur Herzen verteilen!
@Jamaisgamay 😂
@Ralph Du hast natürlich absolut recht und ich habe auch schon einige (wenige) davon gefunden, jedoch finde die mal auf ner Weinkarte in einem Restaurant..
Da bleibt mir nur zu sagen: Das schlimmste ist....
wenn das Bier alle ist..;)
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Gebe ich Ihnen absolut recht. Die Wirte müssen bei günstigen Weinen ungefähr mit Faktor 4.5 rechnen. Das ist auch o.k. Bei teuren Weinen können sie das aber nicht mehr. Da bekommt man einen Spitzen-Wein schon fast zum Einkaufspreis. Lieber keinen Wein, als eine Pfütze die im Einkauf Fr. 14.95 kostet.
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Probleme kann man haben... Wer Tipps braucht um einen Wein zu bestellen, sollte sich an den Kellner halten. Wer trotzdem den Wein bestellen muss und sich die 14 (!) Tipps hier merken mag, soll mal an seinem selbstwert und selbstdarstellung arbeiten. Nichts peinlicher als Leute die sich bei so was an Tipps halten wollen.
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Nimmt der Kellner den Wein in einem solchen Fall wirklich zurück?
Das wäre ja wie wenn ich eine Pizza bestelle und sie nicht gern habe und sage die schmeckt mir nicht und will kostenlos eine andere.
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Ich hab ihn immer zurückgenommen. Man will ja zufriedene Gäste und den Wein hab ich dann halt an einem anderen Tisch offen verkauft. 🤷🏻♂️ Aber genervt hats halt schon, wenn einer 5 Minuten die Karte studiert, mit Kennermiene bestellt und dann findet, nö, der schmeckt mir nicht.
Etwas ganz anderes ists natürlich, wenn die Empfehlung von mir kam.
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"Nimmt der Kellner den Wein in einem solchen Fall wirklich zurück?"
Ein guter Kellner nimmt alles zurück, was der Gast zurückweist, ganz egal, ob zu recht oder zu unrecht; auch wenn es nur eine Geschmacksfrage ist.
Selbst wenn ein Gast behauptet, in seinem Salat verköstige sich gerade ein rosa Elefant, oder in der Suppe schwimme ein weisser Hai, dann ist das so, und die beanstandete Speise wird selbstverständlich zurückgenommen.
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Ich gehöre zu der Gruppe, die gerne mal ein Glas Wein hat, mehr aber auch nicht. Ich bin weder Weinkenner noch speziell Weinliebhaber.
Und deshalb kann ich mir es einfach machen: Think local! Einfach einen Wein aus der Region nehmen.
Für mein Empfinden bin ich noch nie schlecht gefahren damit. Was will ich einen Wein aus Spanien, Portugal , Italien, Chile oder was auch immer auswählen, wenn ich hier in der Schweiz in einem Restaurant bin.
(Ausser vielleicht wenn man zB Italienisch isst, dann soll der Wein natürlich aus Italien sein)
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Also ganz ehrlich: Die Preis-Leistungsverhältnisse von Weinen aus anderen Ländern sind für uns Schweizer einfach viel besser. Wenn ich einen sauguten Primitivo für den halben Preis eines mässigen Schweizer Weins erhalte, fällt mir das buy local doch recht schwer. Geb ich zu.
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Wenn es Rot sein soll, bestelle ich in einer grösseren Rund (>4 Personen) ober wenn ich nicht genau den Geschmack meiner Begleitung weiss, einen Tempranillo. Ist etwas kräftig, säure arm und lieblich. everybody like it ;)
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Da hat euch irgendjemand ein Flo ins Ohr gesetzt. Ein Wein kann nicht zu viel atmen. Aromen und Fehlernoten kommen erst auf, nachdem der Alkohol aus dem Glas evaporiert (dank dem Schwenken) und so Gerüche hochzieht. Zudem übertrumpfen Fehlernoten die angenehmen Aromen und nicht umgekehrt. Also keine Angst vor zu viel Schwenken! Sauerstoff hilft der Entfaltung! Wie im Yoga.
Franziskus im Vatikan – oder der «letzte Aufschrei einer sterbenden Religionsdiktatur»
Der Vatikan bestimmt, dass in Zukunft ausschliesslich geweihte Geistliche Pfarrgemeinden leiten dürfen. Für viele Pfarreien ist dies ein Desaster.
Wie wurde er gefeiert, als er den katholischen Thron bestieg: Die Kirche jubelte, als Papst Franziskus das Pontifikat 2013 übernahm. Als Papst der Armen, wurde er gefeiert. Bescheiden, unkonventionell, volksnah. Einer, der den hedonistischen Vatikan aufmischen und einen neuen Stil in die Kirche bringen werde.
Und heute?
Die Bilanz ist alles andere als berauschend. Der argentinische Papst erweist sich als konservativ und in religiösen und theologischen Fragen mehr als traditionell. Von Aufbruch …