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Behandlung Osteoporose – Frakturen an der Wirbelsäule
Mit steigender Lebenserwartung erhöht sich auch das Risiko, im Alter an Osteoporose zu erkranken. Die Osteoporose und ihre Therapie werden damit zunehmend zu einem sozioökonomischen Problem. Die frühzeitige Diagnose ist von entscheidender Bedeutung, um eine adäquate Therapie einleiten und schwerwiegende Komplikationen abwenden zu können.
Die Osteoporose ist eine Knochenerkrankung, die das Stützskelett – insbesondere die langen Röhrenknochen (Oberschenkelknochen, Speiche) und die Wirbelsäule – betrifft. Kennzeichnend für die Osteoporose ist der schleichende Abbau der stabilisierenden Knochenanteile (Spongiosa), wodurch das Risiko einer Wirbelkörperfraktur erheblich steigt. Die Osteoporose wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Abweichung von der Knochendichte eines gesunden 30-jährigen Menschen definiert. Quantitativ wird diese Abweichung im sogenannten T-Score ausgedrückt.
T-Score
Für den T-Score wird anhand eines Röntgenbilds der Lendenwirbelsäule (bzw. auch der Hüfte oder des Handgelenks) die Knochendichte gemessen. Ein T-Score gilt als normal, wenn er oberhalb von − 1 liegt. «Minus 1.0» bedeutet eine Standardabweichung von der optimalen Knochendichte, was gerade noch als normal gilt. Bei mehr als – 2.5 Standardabweichungen von der normalen Knochendichte spricht man von Osteoporose.
Symptome
Typische Symptome sind Rückenschmerzen, die unmittelbar oder innerhalb einiger Tage bis Wochen auftreten und im weiteren Verlauf oft stärker werden. Bisweilen drücken Fragmente des Wirbelkörpers auf Nerven. Dies kann zu Gefühlsstörungen und motorischen Ausfällen bis hin zu Querschnittslähmungen führen. Bei solchen Symptomen ist eine schnelle Abklärung unabdingbar.
Ursachen
Ein Wirbelkörperbruch kann schon bei Bagatelltraumata und geringer Überbelastung, zum Beispiel beim forcierten Husten oder beim Heben leichter Gewichte, auftreten. Die häufigsten Ursachen sind Stürze aufs Gesäss oder ein Anschlagen mit dem Rücken. Nicht immer ist ein auslösendes Ereignis auszumachen. Frauen sind doppelt so häufig von einer Wirbelkörperfraktur betroffen wie Männer. Eine Ursache hierfür ist die Hormonumstellung in den Wechseljahren, welche die Entstehung der Osteoporose begünstigt.
Osteoporosebedingte Frakturen treten in der Schweiz häufig auf. Das Lebenszeitrisiko einer 50-jährigen Frau, eine osteoporosebedingte Frakur zu erleiden, beträgt in der Schweiz 50 Prozent, das eines 50-jährigen Mannes 20 Prozent (Lippuner K, 2012, Epidemiology and burden of osteoporosis in Switzerland). Pro Jahr erleiden etwa 74’000 Personen eine osteoporosebedingte Frakur, davon 11’000 Wirbelfrakturen (Svedbom A, 2014, Epidemiology and economic burden of osteoporosis in Switzerland). Eine Oberschenkelfraktur erleiden jährlich etwa 14’000 Personen.
Diagnose
Bei Verdacht auf eine osteoporotische Fraktur wird neben der klinischen Untersuchung ein konventionelles Röntgenbild der schmerzhaften Wirbelsäulenregion angefertigt. Um das Alter der Fraktur besser beurteilen und mögliche Nervenkompressionen erkennen und analysieren zu können, erfolgt zusätzlich eine MRI-Untersuchung der Wirbelsäule. Die CT-Untersuchung spielt in der Diagnostik osteoporotischer Frakturen eine untergeordnete Rolle und wird nur selten durchgeführt.
Bei Rückenschmerzen infolge eines Bagatelltraumas sollte bei älteren Personen immer an eine osteoporotische Wirbelfraktur gedacht werden. An die detaillierte klinisch-radiologische Abklärung schliesst sich eine individuell abgestimmte Therapie. Da es sich bei der Osteoporose um eine systemische Erkrankung des Stützskeletts handelt, sollte die Behandlung grundsätzlich im Rahmen eines multidisziplinären Ansatzes erfolgen.
Konservative Behandlung
Ein osteoporosebedingter Wirbelbruch sollte auf jeden Fall unterstützend medikamentös behandelt werden. Dazu werden die Blutwerte von Calcium, Vitamin D und andere für den Knochen relevante Faktoren bestimmt und oft als Grundlage für eine längerfristige Behandlung herangezogen.
Bei einem leichten Wirbelbruch (ohne Nervenausfälle) kann ein Korsett, insbesondere ein Drei-Punkte-Korsett, die Heilung unterstützen. Es muss jedoch mindestens sechs Wochen konsequent getragen werden. Kommt es trotz Korsettbehandlung zu einer fortschreitenden Sinterung des Wirbelkörpers oder nehmen die Schmerzen weiter zu, ist eine operative Sanierung möglich. Ist das Tragen des Korsetts zu belastend, wird meist ein Behandlungswechsel erforderlich.
Operative Behandlung
Eine interventionelle Therapieoption besteht bei der Osteoporose in der Zementverstärkung des Knochens. Zwei unterschiedliche Verfahren stehen dabei zur Verfügung: die Kyphoplastie und die Vertebroplastie. Dazu werden jeweils über zwei kleine Hautschnitte (fünf Millimeter) am Rücken zwei feine Kanülen im Wirbelkörper platziert. Bei der Vertebroplastie wird Knochenzement direkt in den gebrochenen Wirbel injiziert. Dies ist bei älteren Frakturen (in der Regel ab einem Frakturalter von drei Monaten) indiziert. Handelt es sich um frische Frakturen, kommt die Kyphoplastie zur Anwendung. Hier wird der Wirbelkörper zunächst mithilfe eines aufblasbaren Ballons aufgerichtet und erst anschliessend mit Zement stabilisiert.
Sowohl nach der Vertebroplastie als auch nach der Kyphoplastie ist der betroffene Wirbel wieder normal belastbar, der Patient kann sofort aufstehen und gehen. Eine medizinische Studie (Meta-Analyse) hat gezeigt, dass die Zementverstärkung bei umfangreicheren Brüchen bessere Ergebnisse liefert als die alleinige Korsettbehandlung (Anderson et al., Journal of Bone and Mineral Research, 2013).
Die Zementverstärkung wird bei Wirbelbrüchen am häufigsten eingesetzt. Insbesondere die Rückenschmerzen gehen dabei rasch zurück, sodass Betroffene ihren Alltag schnell wieder selbstständig bewältigen können. Bei einer schweren Wirbelfraktur mit Einengung des Spinalkanals oder Deformitätenbildung ist eine offene, operative Stabilisierung erforderlich. Dabei muss unter Umständen ein Wirbelkörper durch einen Platzhalter ersetzt und das verkrümmte Stück der Wirbelsäule mit Schrauben und Stangen wieder aufgerichtet werden.