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Oftringen - aus der Geschichte
Frühgeschichte
Das Gemeindegebiet von Oftringen liegt im fruchtbaren Schwemmland des Wiggertals und reicht bis an den Südrand des Juras. Die Gegend ist seit uralter Zeit von Menschen bewohnt worden, wie Funde aus der Mittelsteinzeit (etwa 10’000 bis 3’000 v. Chr.) eindrücklich bezeugen.
Aus der Römerzeit ist die weitläufige Anlage eines römischen Gutshofes im Bereich der Kreuzstrasse belegt.
Alemannische Besiedlung
Oftringen ist eine alemannische Streusiedlung, welche durch Angehörige dieses von Norden einwandernden Germanenstammes seit dem 7. Jahrhundert nach Christus kolonisiert worden ist. Zum ersten Mal taucht der Name Ofteringa in einer Klageschrift der Fraumünsterabtei Zürich um das Jahr 893 auf. Der Dorfteil Küngoldingen dagegen ist erst im 14. Jahrhundert, genau 1346 als "Kuinnolfingen" schriftlich festgehalten.
Unter Berner Herrschaft
Im Mittelalter gehörte Oftringen unter den Froburgern und deren Nachfolgern, den Habsburgern, zur Herrschaft Aarburg. Zur Zeit der Berner Herrschaft, von 1415 bis 1798, bildete es einen Bestandteil des Amtes Aarburg. Oftringen hat bis ins 20. Jahrhundert hinein keine eigene Kirche besessen und war somit keine selbständige Kirchgemeinde. Betreut wurde Oftringen durch das Chorherrenstift Zofingen, wohin die Oftringer auch kirchgenössig waren. 1528 führten die Berner in ihrem gesamten Untertanengebiet die Reformation ein und so wurde auch Oftringen protestantisch.
In den letzten Jahrzehnten bis zur Jahrtausendwende war mit der Veränderung der Bevölkerungsstruktur eine Erhöhung des katholischen Bevölkerungsanteils (2001: 30.4 %) zu verzeichnen, während der Anteil der Reformierten unter die Hälfte (2001: 43.7 %) sank. Die gesellschaftliche Entwicklung und der Einfluss fremder Kulturen bewirkte aber auch eine prozentuale Verschiebung zu anderen Religionen oder Konfessionen (2001: 15.9 %). 10 % der Bevölkerung gehören keiner Konfession an. Seither haben sich die Anteile nochmals markant verändert: Katholiken (2018: 23.6 %), Reformierte (2018: 22.3 %) und Angehörige anderer Religionen oder Konfessionen (2015: 28.2 %) sowie Konfessionslose (2015: 21.5 %).
Auf Oftringer Boden bestand seit dem Hochmittelalter eine kleine, vom Zofinger Stift abhängige Kapelle. Erst 1920 wurde in Oftringen eine selbständige Kirchgemeinde errichtet. 1933/1934 geschah schliesslich auch der Bau der Kirche mit der markanten stilettartigen Turmspitze.
Die Industrialisierung
Das wirtschaftliche Leben der Gemeinde war für Jahrhunderte ganz durch die Landwirtschaft und das damit eng verbundene Kleingewerbe geprägt. Mit der Industrialisierung hat seit dem 19. Jahrhundert eine beeindruckende Entwicklung eingesetzt.
Eine Papierfabrik, Maschinenindustrie und ein Chemieunternehmen haben dem Dorf wachsenden Wohlstand gebracht. Die Bevölkerungszahl ist hauptsächlich in den zwei Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg sprunghaft angestiegen.
Der Verkehr und seine Auswirkungen
Mit dem Autobahnbau rückte Oftringen noch mehr ins Zentrum wichtiger Verkehrswege, was seine Eignung als Wirtschaftsstandort noch steigerte. An der Hauptverkehrsroute Zürich/Bern wie auch Basel/Luzern gelegen, wird es ebenso durch die Eisenbahn dank der unmittelbaren Nähe zu ihrem Knotenpunkt Olten gut bedient. Dies führte zu einer Entwicklung, welche den sekundären Sektor von Handel, Industrie und Gewerbe zum eindeutigen Leitsektor werden liess, während die Landwirtschaft stetig abnimmt.
Beeindruckend ist auch das Wachstum des Dienstleistungsbereiches. Die Zahl der dort Beschäftigten stieg in den zwanzig Jahren von 1960 bis 1980 auf nahezu das Dreifache an: Im Verkehrsknotenpunkt Oftringen haben sich in dieser Zeit Banken, Einkaufszentren und andere Dienstleistungsbetriebe, sowohl im Dorfkern selber wie auch an den Autobahnzufahrten, niedergelassen. Dementsprechend wuchs auch die Bevölkerung mehr oder weniger kontinuierlich an. Markante Wachstumsschübe brachten nur die Jahre der Hochkonjunktur von 1950 bis 1970, während die Rezession der 70er-Jahre einen leichten Rückgang bewirkte. Seit Mitte der 80er-Jahre war wiederum eine leichte jährliche Zunahme der Bevölkerung festzustellen. Am 1. Dezember 1995 wurde die Schallgrenze von 10’000 Einwohnenden erstmals erreicht und, bedingt durch die rege Bautätigkeit, in den nachfolgenden Jahren mit einem starken Anstieg ab dem Jahr 2005 deutlich überschritten. Per Ende 2018 zählte die Gemeinde Oftringen 13'812 Einwohnerinnen und Einwohner.
Raumplanung und Umweltschutz
Um einer kontrollierten und gesunden Entwicklung willen hat die Raumplanung versucht, auch dem wachsenden Bedürfnis von Natur- und Landschaftsschutz Rechnung zu tragen. Auf dem Gemeindegebiet von Oftringen wurden ausserdem im Bereich Umweltschutz bedeutende Bauvorhaben zur Reduktion der Schadstoffemissionen verwirklicht: Zu nennen sind die Kehrichtverbrennungs- und die Kläranlage. Oftringen ist den beiden grossen Zweckverbänden Abwasser und Kehricht angeschlossen.
Jung und Alt
Das Schulwesen zeichnet sich durch eine grosse Vielfalt aus. Sämtliche Stufen der Volksschule sind vorhanden, so die Primarschule, Sekundar- und Bezirksschule, Realschule und Kleinklassen. Grosszügige dezentrale Schulhausbauten mit umfassenden modernen Sportanlagen (Turnhallen und Lehrschwimmbecken) stehen zur Verfügung. Seit 1976 besitzt die Gemeinde eine umfangreiche Freihandbibliothek. Die Kulturkommission sowie die zahlreichen Vereine sorgen für ein reichhaltiges und vielfältiges Kulturangebot.
Im Bereich der Betagtenbetreuung hat Oftringen mit dem modern konzipierten Alterszentrum Lindenhof vorbildliches geleistet. Der Spitexdienst wird bedürfnisgerecht angeboten und von der Gemeinde auch finanziell unterstützt.
Parlamentsbetrieb während vier Amtsperioden
Im politischen Leben Oftringens ist mit dem Jahr 1988 etwas in Bewegung geraten: Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben sich mit einem Zufallsmehr von 2 Stimmen für die Wiedereinführung der Gemeindeversammlung ausgesprochen. Von 1974 bis 1989 kannte Oftringen ein gewähltes Gemeindeparlament, den Einwohnerrat. Nun gibt es seit 1990 im Sinne der direkten Demokratie nur mehr den Gemeinderat und die Schulpflege als gewählte Behörden der Gemeinde. Die Exekutive setzt sich aus fünf Mitgliedern zusammen, wobei der Vorsitzende der hauptamtlich tätige Gemeindeammann ist.
Seither konnten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger in den Jahren 1999 und 2015 über die Wiedereinführung des Einwohnerrates entscheiden. Allerdings sprachen sich die Stimmenden an der Urne jeweils für die Beibehaltung der Organisation mit Gemeindeversammlung aus.
Die neue Zeit
Nach den rezessiven 90er-Jahren mit einer angespannten finanziellen Situation ist mit Beginn des neuen Jahrtausends der langersehnte wirtschaftliche Aufschwung Tatsache geworden. Damit stiegen nach einer langen Durststrecke die Chancen der Gemeinde, ihre Standortgunst zu nutzen und neue Betriebe anzusiedeln. Für die Region im Unteren Wiggertal besteht ein beachtliches Wachstumspotential. Die Gemeinde hat in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre ein Leitbild ausgearbeitet, das Vorgaben für die Gemeindeentwicklung in verschiedenen Bereichen des öffentlichen Dienstes machte und die verschiedenen Bedürfnisse der Bevölkerung aufeinander abstimmte. Verschiedene Planungen zu infrastrukturelle Bauvorhaben waren hierfür aber zwingend notwendig.
Die Kernzonenplanung ist im Jahr 2001 rechtskräftig geworden. Mit der unmittelbar anschliessenden Landumlegung wurden weitere Impulse gesetzt und es sind verschiedene Anstrengungen für eine Zentrumsentwicklung unternommen worden. Diese Bemühungen führten schliesslich zur Ausarbeitung eines städtebaulichen Konzepts, von welchem die planungsrechtlichen Grundlagen der ersten beiden von gesamthaft vier raumplanerischen Teilgebieten im Jahr 2015 in Rechtskraft erwuchsen. Erste Bauten, welche die neu definierten Rahmenbedingungen berücksichtigen, wurden inzwischen realisiert. Die im Jahr 2001 in Kraft getretenen Nutzungsplanungen Kulturland und Siedlung werden aktuell einer Totalrevision unterzogen. Neuere Planwerke wie der Generelle Entwässerungsplan und das Reglement für die Erschliessungsfinanzierung wurden in Angriff genommen und sind nach deren Genehmigung nun fester Bestandteil der täglichen Arbeit der Gemeinde Oftringen.
In der Spezialzone an der Autobahn wurden im kantonalen Richtplan die Voraussetzungen für einen Fachmarktstandort geschaffen, welche die Ansiedlung des Einkaufszentrums a1, des OBI-Bau- und Heimwerkermarkts sowie der diversen Geschäfte im Fachmarkt Süd ermöglichte.
Durch die rasante Zunahme des Individualverkehrs ist die Behebung des Verkehrsproblems seit Beginn des neuen Jahrtausends zum zentralen Anliegen unserer Gemeinde geworden. Viele Strassenbauprojekte konnten in der Zwischenzeit abgeschlossen werden: Z. B. die Kreisel Birchenfeld, Wegweiser und Wirtshüsli sowie die Sanierung des Knotens Lanz und des Autobahnanschlusses. Aber auch Infrastrukturprojekte, wie der Neubau und die Sanierung von Schulliegenschaften sowie die Verlegung der SBB-Haltestelle Küngoldingen konnten realisiert werden.
Im Jahr 2018 konnten ausserdem zwei sehr grosse und umfassende Verkehrsprojekte verwirklicht und dem Individualverkehr übergeben werden: Zum einen der Neubau der aus dem Jahr 1939 stammenden und über die SBB-Linie nach Rothrist führende Brücke (B-140 Bernstrasse) sowie zum anderen die nach jahrzehntelangen Vorarbeiten nun umgesetzte und für die Region Zofingen sehr wichtige 2. Etappe der Wiggertalstrasse. In der nahen Zukunft stehen verschiedene weitere Investitionen an, unter anderem das die Strassenachse Basler-, Luzerner- und Aeussere Luzernerstrasse umfassende Betriebs- und Gestaltungskonzept (BGK) von der Gemeindegrenze Aarburg bis zum Stadteingang Zofingen, der Ausbau des Knotens Lanz, die Realisierung von weiterem Schulraum und die anstehenden Investitionen in das Wasser- und Abwassernetz.
Die aus den bisher getätigten und den noch anstehenden Investitionen entstehenden finanziellen Verpflichtungen sowie das auch in Zukunft fortschreitende Bevölkerungswachstum stellen die Gemeinde Oftringen vor grosse Herausforderungen. Diese sind in den kommenden Jahren zu bewältigen.
Mit Beginn der neuen Amtsperiode 2018/2021 erarbeitete der Gemeinderat ein neues Regierungsprogramm mit mittelfristigem Planungshorizont (Oftringen 2030) und erstellte daraus ein neues Leitbild. Beide Dokumente wurden im Jahr 2019 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Gemeindewappen Oftringen
Unter den bis zum Jahre 1200 urkundlich bezeugten Siedlungen im Aargau erscheint "Oftringen" (Ofteringa und Hofteringa) erstmals um 893 im Habsburger Urbar, zum vorbernischen Amt Aarburg gehörig. Mit der späteren Eroberung der aargauischen Territorien kam Oftringen sodann um 1415 zu Bern, unter Zuteilung zum Oberamt und Gericht Aarburg und damit zur Mutterkirche von Zofingen im Dekanat Altishofen (später Willisau). Obwohl nach Chronik oder Lexikon von Leu und in der Folge auch andern Chronisten der hierseitige (schweizerische) Ort Oftringen ein eigenes Edelgeschlecht mit Burgsitz gleichen Namens und eigenem Wappen (eine liegende Mondsichel oder Halbmond) besessen haben soll, war ein "solches" historisch nie bezeugt. Es wäre denn, dass das gleichnamige auswärtige Adelsgeschlecht, d. h. der Herren von Oftringen mit Burg im ehemaligen Grossherzogtum - jetzt Freistaat Baden (Amt Waldshut), welches sich im 15. und 16. Jahrhundert nach Schaffhausen zweigweise verbürgerte, hierorts einen Zweigsitz errichtete oder besessen hätte, was jedoch als ausgeschlossen zu betrachten ist, da ein Zusammenhang derselben mit der hierseitigen Örtlichkeit weder durch oberhoheitliche Belehnung, noch durch Grundbesitz oder irgendwelcher Herrschaftsrechte bestanden hat. Das Wappen unserer aargauischen Gemeinde Oftringen (drei liegende Halbmonde 2,1) figuriert bereits im alten bernischen Gemeindewappenbuch. Dasselbe wurde also noch unter Berns Oberhoheit abgeleitet aus demjenigen der obengenannten namensverwandten badischen Herren von Oftringen - in rotem Felde drei (2,1) liegende weisse Halbmonde, jedoch mit dem Unterschied des blauen (statt roten) Grundfeldes geführt, in welcher Farbgebung das Wappen auch seit der aargauischen Kantonsgründung, d.h. bis heute weitergeführt wurde.
Die seit der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts über/oder auf dem Gemeindewappenschild hierorts erscheinende bzw. mitgeführte "Tanne" ist vor dem vorletzten, d. h. neunzehnten Jahrhundert, nicht bezeugt und ist deshalb ohne historischen Wert bzw. Berechtigung. Das Gemeindewappen von Oftringen/Aargau zeigt somit folgenden historischen Inhalt:
Wappenschild: In blauem Grundfeld drei (2,1) weisse Halbmonde oder Mondsicheln.
Wappen Dorfteil Küngoldingen
Der Dorfteil Küngoldingen verfügte nie über ein eigenes Wappen.