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Warum wird Maria Magdalena manchmal als Sünderin oder gar als Prostituierte, manchmal als myrrhen-tragende Frau bezeichnet?
Im Liturgischen Kalender unserer niederländischen Schwesterkirche wird Maria Magdalena – wie auch in der Ostkirche – als «Apostelgleiche» bezeichnet, im deutschen Kalender wird sie «Apostola» genannt, bei uns fehlt jede weitere Andeutung. In der frühen Kirche wurde sie «apostola apostolorum» (Apostelin der Apostel) genannt, weil sie den Aposteln die Frohbotschaft von Jesu Auferstehung verkündet. So steht sie im berühmten Albanipsalter aus dem 12. Jahrhundert dargestellt. Die Erinnerung an sie als Erste, die dem Auferstandenen begegnete (Joh 20,11–20), ging in der Ostkirche nie ganz verloren, wo die myrrhen- oder salbentragenden Frauen gefeiert werden.
Im 6. Jahrhundert machte Papst Gregor der Grosse aus mehreren Marias in den Evangelien eine einzige: Er legte die Aussage, Jesus habe sieben Dämonen aus Magdalena ausgetrieben (Lk 8,2), nicht als Krankheit, sondern als Sünde aus und identifizierte Magdalena mit der namenlosen «Sünderin» (Lk 7,36–50). Gregors Predigtmeditationen wurden in der Römisch-katholischen Kirche bis weit ins 20. Jahrhundert hinein an ihrem Gedenktag, dem 22. Juli, vorgelesen. Die (westliche) Kirche feierte Magdalena jahrhundertelang als bekehrte Sünderin – und damit als vorbildliche Gläubige. Ab der Renaissance wurde sie zunehmend erotisiert, im 19. Jahrhundert waren Magdalenenhäuser Orte für «gefallene» Frauen. Maria von Magdalas «Rehabilitation» begann dort, wo die Bibel kritisch gelesen wurde – bei den Alt- und Christkatholiken war dies seit dem 19. Jahrhundert der Fall.
Papst Franziskus wertete ihren Gedenktag 2016 zum Festtag auf. Freuen wir uns über die (Anerkennung der) Rolle der Frauen unter dem Kreuz, am Grab und in der Verbreitung der Frohen Botschaft! Der neue Film von Garth Davis (GV, 2018) greift dieses Bild von Maria Magdalena auf. Er lässt sie sagen: «Die Welt wird sich nur ändern, wenn wir uns ändern.»
Prof. Dr. Angela Berlis
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