Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03200.jsonl.gz/488

Befruchtete Eier entwickeln sich zu weiblichen, unbefruchtete zu männlichen Nachkommen. Die Biene kann dies bei der Eiablage steuern. Interessant und sehr durchdacht von Mutter Natur ist, dass die Brutzellen mit männlichen Nachkommen immer ganz am Schluss in die Niströhre gelegt werden. Zuerst werden also befruchtete Eier gelegt und am Ende noch unbefruchtete. Dies hat (wie ich oben bereits erwähnt habe) zur Folge, dass im Frühling die Männchen einige Tage vor den Weibchen schlüpfen und die kurz darauf schlüpfenden Weibchen dann empfangen können ;-)
Die Entwicklung vom Ei zur Larve geht sehr schnell, die Larve schlüpft bereits einige Tage nachdem das Weibchen das Ei auf den Vorrat abgelegt hat. Die Larve beginnt dann ihre Vorräte aufzufressen und entleert dabei ihren Darm, was man an den kleinen dunklen Kotbällchen, die später in der Brutzelle zurück bleiben, erkennen kann. Sie häutet sich in dieser Zeit einige Male. Ist alles aufgefressen, verpuppt sich die Larve im Kokon und entwickelt sich noch im selben Sommer innerhalb ihres Kokons zum Vollinsekt (Imago). So überwintert die Biene geschützt in ihrem Kokon, bis zum Schlupftermin im nächsten Frühling. Dann knabbern sie sich aus ihrem Kokon und ihrer Brutzelle und verlassen eine nach der anderen die Niströhre – eben, Männchen zuerst, Weibchen wenige Tage danach.
Um dies noch zu erwähnen: Bei anderen Bienenarten spinnt sich die Larve wenn sie den Vorrat aufgefressen hat in einen Seidenkokon ein, der aus Sekreten der Speicheldrüse besteht. In diesem Stadium überwintern die Larven mit stark herabgesetztem Stoffwechsel als sogenannte Ruhelarve oder Vorpuppe. Erst im Frühling geht die Entwicklung weiter, die Larven verpuppen sich und nach einem 2-3wöchigen Puppenstadium verwandelt sie sich zum geflügelten Insekt.
Relativ wenige Bienenarten überwintern als Vollinsekt in der Brutzelle. Diese Überwinterungsstrategie ist typisch für jene Arten, die bereits früh im Frühling schlüpfen und schon bei den ersten warmen Tagen bereit sein müssen ihr Nest zu verlassen, wie z.B. die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) oder die Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis).