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Helicobacter pylori
und Ulkuserkrankungen
Hans-Peter Wirth
Nichtulzeröse Dyspepsie und Ulkus
Eine
Stabilisierung der Helicobacter-pylori-Kolonisationsrate geht aus einer wiederholt
durchgeführten nationalen Erhebung in den Niederlanden hervor, wonach die Prävalenz der Helicobacter-pylori-Infektion
bei Kindern zwischen den Jahren 1987 bis 1993 von 19 Prozent auf 9 Prozent abnahm und danach bis in
das Jahr 2006 konstant auf ungefähr diesem Wert blieb [1]. Bei den Erwachsenen liegt die Prävalenz der
Helicobacter-pylori-Infektion nach aktuellen Schätzungen für das Jahr 2011 in
Westeuropa zwischen 30 und 50 Prozent, während sich in den Entwicklungsländern wesentlich höhere Prävalenzen
von 70 bis 90 Prozent für Afrika, 65 bis 90 Prozent für Zentralamerika, 70 bis 90 Prozent für Südamerika,
50 bis 90 Prozent für Asien und 80 bis 94 Prozent für den Mittleren Osten finden [2]. Bezüglich des
nach wie vor kontrovers diskutierten Nutzens der Eradikation von Helicobacter pylori
bei Patienten mit einer funktionellen Dyspepsie ergab eine brasilianische plazebokontrollierte Studie
mit 404 Helicobacter-pylori-positiven Patienten, dass durch
die Eradikationstherapie bei jedem 8. Patienten eine Besserung der dyspeptischen Beschwerden erwartet
werden kann [3]. Die routinemässige Anwendung der prophylaktischen Säuresuppressionstherapie
zur Prävention von nosokomialen gastrointestinalen Blutungen kann bei nicht kritisch kranken Patienten
gemäss einer US-amerikanischen Kohortenstudie mit 78'394 Teilnehmern trotz des erwiesenen protektiven
Effektes nicht empfohlen werden, da zur Verhinderung einer einzigen nosokomialen gastrointestinalen
Blutung 770 Patienten behandelt werden müssten [4].
Protonenpumpeninhibitoren
Zur
Frage nach dem Einfluss der Protonenpumpeninhibitoren auf die Wirkung der Bisphosphonate zeigte eine
offene dänische Kohortenstudie mit 38'088 Patienten, dass das Risiko für Hüftfrakturen unter der Therapie
mit Alendronat bei der gleichzeitigen Verabreichung eines Protonenpumpeninhibitors nur noch etwa halb
so stark verringert wurde [5]. Die Bedenken wegen einer möglichen Interaktion von Protonenpumpeninhibitoren
mit der antithrombotischen Therapie werden durch eine retrospektive dänische Studie gestützt, in welcher
das Risiko für den kombinierten Endpunkt aus kardiovaskulärem Todesfall, Myokardinfarkt oder Schlaganfall
bei den 19'925 Patienten, die nach einem Myokardinfarkt mit Aspirin behandelt wurden, bei der gleichzeitigen
Anwendung eines Protonenpumpeninhibitors signifikant um 46 Prozent erhöht war [6]. Ein interessantes
Resultat lieferte eine tierexperimentelle Untersuchung am Rattenmodell, wonach Omeprazol und Lansoprazol
die durch die nichtsteroidalen Antirheumatika Naproxen oder Celecoxib verursachten intestinalen Ulzerationen
und Blutungen über eine Veränderung der Darmflora verstärken [7].
Therapie
Im
Zusammenhang mit der Resistenzsituation von Helicobacter pylori zeigen zwei retrospektive
Studien, dass die Eradikationsraten der siebentägigen Standardtripeltherapie mit einem Protonenpumpeninhibitor,
Amoxicillin und Clarithromycin in Singapur mit 84 Prozent in den Jahren 2005 bis 2010 sowie in Spanien
mit 79 bis 83 Prozent im Zeitraum von 1998 bis 2010 ungefähr konstant geblieben sind [8, 9]. Eine weltweit
besorgniserregende Zunahme der Resistenzentwicklung lässt sich hingegen aus den Ergebnissen einer umfangreichen
Literaturrecherche erkennen, gemäss welcher unter der Standardtherapie mit einem Protonenpumpeninhibitor,
Amoxicillin und Clarithromycin nur in 18 Prozent der Studien Eradikationsraten von über 85 Prozent erreicht
wurden [10].
Die als Alternative zur Standardtripeltherapie empfohlenen
Quadrupeltherapien mit Lansoprazol, Clarithromycin, Amoxicillin und Metronidazol während nur fünf Tagen
beziehungsweise mit Lansoprazol und Amoxicillin während der ersten fünf Tage und mit Lansoprazol, Clarithromycin
und Metronidazol während der zweiten fünf Tage führten in einer Studie mit 1'463 Helicobacter-pylori-positiven
Patienten aus sieben lateinamerikanischen Ländern zu Eradikationsraten von 74 beziehungsweise 77 Prozent
und erwiesen sich damit als weniger wirksam als die 14-tägige Standardtripeltherapie mit Lansoprazol,
Clarithromycin und Amoxicillin, welche eine Ansprechrate von 82 Prozent ergab [11]. Eine Verbesserung
der unter der sequenziellen Therapie erzielbaren Eradikationsrate von 81 auf 97 Prozent konnte in einer
italienischen Studie mit 375 Helicobacter-pylori-positiven Patienten erreicht
werden, wenn bei der im Anschluss an die erste fünftägige Behandlungsphase mit Omeprazol und Amoxicillin
erfolgenden zweiten fünftägigen Behandlungsphase mit Omeprazol und Tinidazol zusätzlich Levofloxacin
statt Clarithromycin verabreicht wurde [12]. Im Gegensatz dazu konnte in drei kleineren Studien weder
durch die Verlängerung der sequenziellen Therapie mit Esomeprazol und Amoxicillin während der ersten
Behandlungsphase und mit Esomeprazol, Clarithromycin und Metronidazol während der zweiten Behandlungsphase
von 10 auf 14 Tage noch durch eine sequenzielle Therapie mit einer im Anschluss an die erste fünftägige
Behandlungsphase mit Pantoprazol und Amoxicillin erfolgende Weiterführung der Verabreichung von Amoxicillin
während der zweiten neuntägigen Behandlungsphase mit Pantoprazol, Tetracyclin und Metronidazol eine
Erhöhung der Eradikationsrate erzielt werden [13–15].
PD
Dr. med. Hans-Peter Wirth
FMH Gastroenterologie
GastroZentrumKreuzlingen
<email-pii>
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