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Auf dem Weg zu anspruchsvollen Klimazielen
Die schweizerischen Klimaziele, so wie sie im neuen CO2-Gesetz formuliert sind, gehen vom Grundsatz des Pariser Klimaabkommens aus, die Erderwärmung im Durchschnitt nicht über 2°C ansteigen zu lassen. Daraus leitet sich wissenschaftlich die Notwendigkeit ab, dass wirtschaftlich hoch entwickelte Länder wie die Schweiz ab Mitte des Jahrhunderts netto kein CO2 mehr in die Atmosphäre ausstossen dürfen. Die Schweiz hat dieses Ziel als Langfrist-Ziel übernommen und mit einem «operativen Zwischenziel» für das Jahr 2030 ergänzt: Der CO2-Ausstoss soll bis 2030 gegenüber 1990 um 50% reduziert werden, wobei 20% (d.h. 40% der Reduktion) aus Reduktionsprojekten im Ausland stammen dürfen.
Diese Ziele sind technisch gesehen gut erreichbar: Die Schweizer Treibhausgas (THG)-Emissionen im Jahr 2018 betrugen gesamthaft 46.4 Mio Tonnen CO2-eq (s. Abb.1). Dies ist 85.7% des Ausstosses von 1990. 24.2% davon stammen von Haushalten und Dienstleistungen, d.h. vom Verbrennen von Heizöl und Gas für Gebäudeheizungen. Diese Emissionen können praktisch zum Verschwinden gebracht werden, indem diese Heizungen durch Wärmepumpen, Biomassefeuerungen oder den Anschluss an erneuerbar beheizte Fernwärmenetze ersetzt werden. Die 32.4% aus dem Verkehr stammen vom Verbrennen von Benzin, Diesel und Erdgas in Fahrzeugen. Auch diese Emissionen können einfach reduziert werden, indem die Fahrzeuge auf Elektroantrieb oder auf Antrieb mit Biotreibstoffen oder Wasserstoff umgestellt werden. Die entsprechenden Technologien existieren und sind erschwinglich.
Auch ein grosser Teil der industriellen Emissionen (24.1%) kann reduziert werden, indem Dampferzeuger und Antriebe systematisch auf CO2-freie Brennstoffe oder Strom umgestellt werden. Fazit: 70-80% der heutigen THG-Emissionen sind ohne Not vermeidbar!! Zentral ist dabei natürlich die Verfügbarkeit von genügend CO2-frei erzeugter Elektrizität, denn die beschriebene Reduktion stimmt natürlich nur, wenn die Elektrizität, die die fossilen Energien ersetzt, ohne CO2-Emissionen hergestellt wird.
Wirtschaftlich gesehen ist der beschriebene Umbau nicht nur machbar, sondern er ist für das Land eine enorme Chance. Für den Import fossiler Energie fliessen heute pro Jahr 11 Milliarden CHF ins Ausland. Eine entsprechende Wertschöpfung würde im Inland verbleiben – so-fern die CO2-freie Stromproduktion im Inland endlich ausgebaut wird. Das neue CO2-Gesetz ist von den Räten verabschiedet. Ein Grund zur Freude! Es ebnet den Weg zu anspruchsvollen, aber erreichbaren Klimazielen.
10.11.2020, Jürg Liechti, Neosys AG