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Temporär austrocknende Gewässer sind gut für Amphibien
Ohne Wasser kein Leben – aber zwischendurch darf’s auch trocken sein. Dies gilt wenigstens für Amphibien, denn der ideale Amphibienweiher trocknet ab und zu aus. Was sind die Gründe dafür?
Wie überleben Amphibien in austrocknenden Gewässern?
Austrocknende Gewässer sind riskant. Trocknet das Gewässer zu früh aus, so sterben alle Kaulquappen und Molchlarven. Damit fällt eine ganze Generation Nachwuchs aus. Aber viele Amphibienarten haben in ihrer evolutionären Geschichte gelernt, mit solchen Verlusten umzugehen:
- Entweder sind die erwachsenen Amphibien langlebig, sodass sie sich in mehreren Jahren fortpflanzen können. Damit steigt die Chance, dass ihre Nachkommen mindestens in einem Jahr überleben und nicht austrocknen.
- Andere Arten produzieren mehr als ein Gelege pro Saison, und diese werden oft auf mehrere Gewässer verteilt. Auch wenn ein Gewässer zu früh austrocknet, ist die Chance gross, dass mindestens an einem Ort die Larven bis zur Metamorphose überleben.
- Die Amphibien, die in regelmässig austrocknenden Gewässern laichen, haben zudem den Vorteil, dass sich darin das Wasser schnell erwärmt und die Larven deshalb schnell wachsen. Die Kaulquappen der Gelbbauchunke können Temperaturen über 36°C und sogar kurze Trockenheit überleben!
- In gut miteinander vernetzten Amphibienpopulationen, sogenannten «Metapopulationen», können zudem Jungtiere aus Gebieten mit grossem Fortpflanzungserfolg in die umliegenden Gebiete abwandern, wenn dort die Fortpflanzung weniger erfolgreich war – so wird auch verhindert dass an einem Ort die Art komplett ausstirbt. Heute sind aber leider viele Amphibienlaichgebiete voneinander isoliert, und dieser Mechanismus funktioniert nicht mehr.
Weshalb sind austrocknende Gewässer das Risiko wert?
Aber wieso ein Risiko eingehen, wenn es doch auch dauernd wasserführende Gewässer gibt? Das Austrocknen eines Gewässers eliminiert eben nicht nur die Amphibienlarven, sondern – und das ist entscheidend – auch alle darin lebenden Fressfeinde der Amphibienlarven, wie etwa Fische, Wasserkäfer- oder Libellenlarven. In einem Gewässer, in welchem es von Fressfeinden wimmelt, haben Amphibienlarven nur eine geringe Überlebenschance.
Wenn ein Gewässer sich nach dem Austrocknen wieder füllt, so ist es komplett frei von Fressfeinden und daher ideal für Amphibienlarven. Da schaffen es massenweise Kaulquappen und Molchlarven bis zur Metamorphose. Eine solche Überproduktion an Jungtieren ersetzt alle Verluste von Jahren, in denen der Weiher zu früh ausgetrocknet ist.
Nicht alle Arten bevorzugen austrocknende Gewässer. Die Erdkröte zieht zum Beispiel permanente Gewässer vor. Die Kaulquappen dieser Art verfügen über ein Hautgift, welches sie vor Fischen schützt. Zusätzlich werden die von Fressfeinden vertilgten Larven durch hohe Eizahlen (bis 5000 Eier pro Weibchen) kompensiert.
Vereinfacht lässt sich sagen, dass es bei Amphibien zwei Fortpflanzungsstrategien gibt. Ein Teil der Arten bevorzugt temporäre Gewässer und eine Risikostrategie: Mal keine, mal sehr viel Nachkommen. Der andere Teil der Arten geht auf Nummer sicher und benutzt dauernd wasserführende Gewässer: Da gibt es jedes Jahr etwa gleich viel Nachwuchs. Die Arten, welche die Risikostrategie gewählt haben, können nicht zur anderen Strategie wechseln. Deshalb sind sie durch den Verlust der temporären Gewässer in der Landschaft besonders betroffen und zählen heute zu den seltensten Amphibienarten der Schweiz.