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Titel:
Landsgemeindebeschluss zur Erneuerung des Soldbündnisses mit Frankreich
Thema: Politik
Datum: 18.06.1777
Masse: 21 x 17 cm
Standort: Staatsarchiv Appenzell Ausserrhoden
Urheber/-in: Landsgemeinde Appenzell Ausserrhoden
Beschreibung:
Titelblatt des auf Papier gedruckten und publizierten Militärbündnisses zwischen der Krone Frankreichs und der Eidgenossenschaft, welches von Appenzell Ausserrhoden an der ausserordentlichen Landsgemeinde vom 18.6.1777 in Trogen angenommen wurde. In der unteren Bildhälfte des Titelblattes befindet sich eine barocke Darstellung des Appenzeller Wappenbären. Das Dokument umfasst 19 Seiten. Es enthält im ersten Teil einen von der Appenzell Ausserrhoder Obrigkeit verfassten Vorbericht zur Bündnistradition zwischen Frankreich und der Eidgenossenschaft. Im zweiten Teil folgt das französisch-eidgenössische Militärbündnis mit 21 Artikeln.
Geschichte:
Der Solddienst stellte vom 16. bis zum 19. Jahrhundert einen wichtigen Aspekt der Aussenbeziehungen und einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor des Appenzellerlandes dar. Besonders in Phasen von ökonomischen Krisen und Lebensmittelteuerung erfreuten sich die Solddienste grosser Nachfrage. Für grosse Teile der politischen Führungsschicht beider Appenzell bildeten die Einkünfte aus dem Solddienst im 16. und 17. Jahrhundert die hauptsächliche ökonomische Grundlage. Während das katholische Appenzell Innerrhoden regelmässig auch Söldner in spanische Dienste schickte, pflegte das protestantische Appenzell Ausserrhoden lange Zeit ausschliessliche Militärbündnisse mit Frankreich. Fremdendienste für andere Mächte wie Spanien, Preussen, Österreich, Holland und Sardinien wurden erst ab Ende des 17. Jahrhunderts geleistet. Im 17. Jahrhundert sandte Appenzell Ausserrhoden regelmässig Kompanien von ungefähr 200 Söldnern nach Frankreich und erhielt im Gegenzug Pensionszahlungen von der französischen Krone zugesichert. Im 18. Jahrhundert wurden die französisch-schweizerischen Beziehungen durch wirtschaftliche und moralische Krisen auf die Probe gestellt. Für die Kompanieführer stiegen die finanziellen Risiken, da sie die Ausrüstung der Soldaten mit Ausnahme der Waffen selbst berappen mussten und durch zunehmende Desertionen grosse Verluste erlitten. Für die Söldner verlor der Fremdendienst durch das Plünderungsverbot und die Geldentwertung des Soldes immer mehr an Anziehungskraft. In Appenzell Ausserhoden wurde der Solddienst von der aufkommenden Textilindustrie zunehmend konkurrenziert, waren doch die Verdienste im textilen Handel und Gewerbe in Blütenzeiten deutlich höher und die Risiken geringer als im Solddienst. Nach längeren Diskussionen wurde das 1777 zwischen Frankreich und den eidgenössischen Orten erneuerte Bündnis dennoch auch von Appenzell Ausserrhoden durch Landsgemeindebeschluss ratifiziert und liess nach einem Unterbruch von mehr als 60 Jahren erneut Pensionsgelder in die Staatskassen fliessen. Der Umstand, dass diese Landsgemeindevereinbarung, als wahrscheinlich einziges Militärbündnis überhaupt, gedruckt und publiziert wurde, zeigt die Bedeutung des Bündnisses im Hinblick auf die Unsicherheit unter der Bevölkerung.
Autorin: Kathrin Hoesli, Herisau
Chronologie:
1453 Erstes Militärbündnis zwischen der französischen Krone und der Eidgenossenschaft
1602 Erneuerung des französisch-eidgenössischen Militärbündnisses unter Henri IV
1663 Erneuerung des französisch-eidgenössischen Militärbündnisses unter Louis XIV
1777 Erneuerung des französisch-eidgenössischen Militärbündnisses unter Louis XVI
1830 Rückzug der Schweizer Regimenter nach der Julirevolution und Ende des Fremdendienstes für Frankreich
Literatur:
Henry, Philippe: Art. „Fremde Dienste“. In: Historisches Lexikon der Schweiz. Bd. 4. Basel 2005, S. 789-796.
Witschi, Peter: Appenzeller in aller Welt. Auswanderungsgeschichte und Lebensschicksale. Herisau 1994.
Transkription:
„Buendnuß, zwischen der Krone Frankreich, und der gesamten Loebl. Eydgnoßschaft, welche der Stand Appenzell Ausser Rooden, gleich allen Hochloeblichen Staenden und Zugewandten Orten angenommen hat, an der ausserordentlich deswegen gehaltenen Landsgemeinde in Trogen, den 18. Brachmonat 1777.
Trogen, gedruckt in der Sturzeneggerischen Druckerey. 1777.“
Aus: StAAR, Aa.14-17
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