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Johann Santschi zählte über Jahre zu den Bösesten
Der fünffache Eidgenosse war ein Schwinger zum Anfassen, bescheiden, sympathisch und ungemein populär. Santschi zeigte auch Grösse bei Niederlagen, die bei seinem grossen Können allerdings nicht häufig vorkamen.
Den Zugang zum Schwingen fand der Berner Oberländer während seinem in der Westschweiz absolvierten landwirtschaftlichen Lehrjahr. «Weinbauer Joseph Hug war mein erster Lehrmeister. In seiner Nachbarschaft lernte ich auch meine Frau Eliane kennen.» Die für das Schwingen ideale Postur (1,91 Meter gross und 110 Kilos schwer) half beim Quer-Einstieg. Erste Erfolge liessen denn auch nicht lange auf sich warten.
Erster Kranz mit 18 Jahren
Mit 18 Jahren resultierte der erste Kranzgewinn, drei Jahre später landete er am Jurassischen und Oberländischen die beiden ersten von insgesamt 29 Festsiegen an Kranz- oder Gauverbandsfesten. Santschi teilte den Sieg am Oberländischen in Grindelwald nach gestelltem Schlussgang gegen Peter Lengacher mit Hansueli Mühlethaler. Dennoch geniesst dieser Erfolg bei ihm bis heute eine besondere Bedeutung. Sieben Jahre später gewann er das gleiche Fest dank dem Schlussgangsieg über Niklaus Gasser ein zweites Mal.
Tolle Bilanz an Eidgenössischen
Johann Santschi bezeichnet Schwingerkönig David Roschi als grosses Vorbild. An seine eigenen fünf Eidgenössischen Schwingfeste hat er durchwegs gute Erinnerungen. Zweimal, 1977 bei seinem Einstand in Basel gegen Peter Steiger und neun Jahre später in Sion gegen Harry Knüsel, stand für ihn sogar die Schlussgangqualifikation auf dem Spiel. Beide Kämpfe gingen allerdingsverloren.
Nach sechs Gängen gut im Rennen lag der gelernte Landwirt auch 1980 in St. Gallen, als ihn eine Niederlage gegen Jean Leuba zurückband. Die beste Klassierung (3a) glückte Santschi 1983 in Langenthal. Nach diskretem Beginn (Unentschieden gegen Ernst Schläpfer und Niederlage gegen Leo Betschart) verdankte er den Spitzenplatz seinen vier Vollerfolgen am zweiten Wettkampftag.
Auch den fünften angestrebten Kranz 1989 in Stans hatte Santschi bereits vorzeitig ins Trockene gebracht. Dies war die Krönung seiner einzigartigen Laufbahn. Unmittelbar nachher zog sich der noch heute populäre Schwinger vom Wettkampfsport zurück. Santschi wählte also den Zeitpunkt seines Rücktrittes in einer Phase, wo er noch voll im Saft war. Zur Erinnerung: In seiner letzten Saison setzte er sich am Berner Kantonalen durch und erkämpfte sich an vier weiteren bedeutenden Kräftemessen weitere Spitzenplätze. «Mit meiner Ausbeute bin ich sehr zufrieden. Allerdings wäre mit mehr Ehrgeiz noch mehr dringelegen.»
Weitere Glanzlichter
1982 trat Santschi aus beruflichen Gründen von den Oberländern zu den Seeländern über. Eine besondere Erwähnung verdienen in der Karriere des Schönschwingers diverse weitere Glanzleistungen. So vermochte er als einer der wenigen Berner Koryphäen das Berner Kantonalschwingfest vier Mal, 1981, 1986, 1988 und 1989, zu gewinnen, triumphierte 1983 dank Schlussgangsieg über Franz Käslin auf dem Brünig, 1981 und 1988 am Schwarzsee und setzte sich zumindest je zwei Mal an jedem der sechs Berner Gauverbandsfeste durch.
1986 erlebte er seine erfolgreichste Saison. In dieser glückten ihm fünf bedeutende Siege. Besonders in Erinnerung ist dem Hünen der Triumph am Berner Kantonalschwingfest 1981 in Saanen geblieben. Traf er doch im Schlussgang auf seinen drei Jahre älteren Bruder Alfred. «Das von mir gewonnene Bruderduell war uns eine ausgiebige Feier wert.»
Wie jeder Spitzenschwinger blieb auch Santschi von Ausrutschern nicht verschont. «Am Innerschweizerischen 1979 in Unterägeri verpasste ich gar den Ausstich. Als Preis blieb mir wenigstens ein Melkstuhl, der mir als Trost auf meinem Bauernbetrieb noch einige Jahre wertvolle Dienste leistete.»
21 Lebendpreise gewonnen
Johann Santschi, der im seeländischen Baggwil in einer Betriebsgemeinschaft mit einem seiner beiden Söhne einen Landwirtschaftsbetrieb unterhält und sich daneben noch im Viehhandel betätigt, hat in seiner Laufbahn rekordverdächtige 21 Lebendpreise gewonnen. «Alle haben einen Platz in meinem Betrieb gefunden und darauf bin ich recht stolz.»
«Der Schwingsport hat mir einiges gebracht und mir einen grossen Freundeskreis verschafft.» Dem Nationalsport blieb er als Technischer Leiter oder Gabenchef und weiteren OK-Funktionen erhalten.
Autor: Karl Duss