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Stürmische Winde führten wiederholt feuchte Luft zu den Alpen. Es folgten sich kurz hintereinander verschiedene grosse Schneefälle. Die Lawinengefahr stieg drei Mal auf Stufe 4 (gross). Insgesamt entwickelte sich der Schneedeckenaufbau am Alpennordhang recht günstig. Inneralpin und im Süden dagegen war die Schneedecke lange Zeit nur dünn und oft aufbauend umgewandelt. Dies stellte ein schlechtes Fundament dar für die grossen Neu- und Triebschneemengen vom 11./12. Dezember. Entsprechend gingen in diesen Gebieten viele Lawinen spontan ab oder sie wurden erfolgreich gesprengt (vgl. Bildstrecke und Video).
Anfangs Dezember war der Alpennordhang überdurchschnittlich gut eingeschneit. Im Süden lag weniger Schnee als um diese Jahreszeit üblich, so dass dort kaum Schneesport möglich war. Am Freitagmorgen, 01.12. endete eine dreitägige Niederschlagsperiode, bei der im Chablais, den Waadtländer und Freiburger Alpen, den Voralpen entlang und in der nördlichen Zentralschweiz 30 bis 50 cm Schnee fielen (von der Lawinenwarnung verwendete geografische Begriffe siehe hier). Oft handelte es sich dabei um flauschigen Pulverschnee, denn er fiel kalt und mit relativ wenig Wind. Unter dem Neuschnee war die Altschneedecke oft vom Wind geprägt. Während in Rinnen und Mulden viel alter Triebschnee lag, waren Kämme und Rücken oft abgeblasen. Die Altschneedecke enthielt stellenweise Schwachschichten, die in Stabilitätstests teils noch auslösbar waren. Lawinenauslösungen im Altschnee wurden aber kaum gemeldet. Dies sollte sich mit den Schneefällen gegen Ende der Berichtsperiode vor allem in den südlichen Gebieten dann aber grundlegend ändern.
Am Freitag blieb es auch nach dem Niederschlagsende bewölkt und mit -10 °C auf 2000 m kalt. Auf Samstag fielen vom Monte Rosa bis zum Simplon Gebiet 10 bis 15 cm Schnee. Tagsüber wurde es in den Bergen rasch sonnig, es blies aber eine im Jura und an den westlichen Voralpen starke, sonst mässige Bise und in der Höhe teils starker Ostwind (vgl. Abbildung 1). Weil im Norden viel verfrachtbarer Pulverschnee lag, wurde die Lawinengefahr an den Voralpen und in den daran anschliessenden Gebieten mit Stufe 3, „erheblich“ eingestuft.
Am Sonntag war es in den Bergen sonnig. Die Bise flaute ab und die Lawinengefahr wurde nur noch mit „mässig“ eingeschätzt (Stufe 2), ganz im Süden mangels Schnee mit „gering“ (Stufe 1).
Mit teils mässigem Nordwind fielen von Sonntagabend bis Dienstagmorgen im Nordosten 10 bis 20 cm Schnee bis in tiefe Lagen. Sonst war es bis am Donnerstag meist sonnig. Am Mittwoch drehte der Wind auf Süd und bei milden +2 °C auf 2000 m feuchteten steile Sonnenhänge in mittleren Lagen oberflächlich an. Am Donnerstag frischte der Wind auf.
Vor allem am Beginn dieser Periode konnten lokale Triebschneeansammlungen ausgelöst werden (vgl. Abbildung 2). Mit dem ruhigen Wetter nahm die Gefahr von trockenen Lawinen allmählich ab. Aus den schneereichen Gebieten des Nordens wurden aber weiterhin Gleitschneelawinen gemeldet. Dies oft aus Süd-, vereinzelt aber auch aus Nordhängen.
Mit auf Nordwest drehendem und zunehmend starkem Wind fielen von Donnerstagabend bis zur Niederschlagspause am Samstag am Alpennordhang, im westlichen und nördlichen Wallis und im Prättigau verbreitet 20 bis 40 cm Schnee. Deutlich mehr war es mit bis zu 70 cm in Teilen der Urner und Glarner Alpen. Dort war insbesondere in der Nacht auf Samstag viel mehr Schnee gefallen als erwartet (vgl. Abbildung 3). Dies veranlasste den Lawinenwarndienst, am Samstagmorgen ein zusätzliches, situationsbezogenes Lawinenbulletin herauszugeben und vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) zu warnen. Die Herausgabe von situationsbezogenen, also nicht vorher angekündigten, Lawinenbulletins können Sie sich übrigens per SMS oder Push Alert anzeigen lassen. Dieses zusätzliche Bulletin war dann auch gleich der Beginn der täglichen Morgenbulletins jeweils um 08:00 Uhr.
Über den Bergen und in den Tälern des Nordens tobte ein Föhnsturm. An einzelnen Gipfeln wurden noch nie gemessene Windgeschwindigkeiten erreicht. So übertraf gemäss Angaben von MeteoSchweiz am Piz Martegnas (Savognin, GR) eine Böe von 196 km/h der bisherige Rekord von 182 km/h klar. Allerdings ist diese Messstation erst seit 1993 in Betrieb.
In einer ersten Phase fiel von Sonntagmorgen bis Montagmorgen im Norden etwas, im Unterwallis und im nördlichen Wallis ergiebig Schnee. Die herangeführte, feuchtwarme Luft konnte die darunterliegende, deutlich kältere Luft am Alpennordhang verdrängen, nicht aber aus den inneren Alpentälern. Die Folge waren sehr unterschiedliche Schneefallgrenzen. Während es im Wallis bis auf die Talsohle schneite, regnete es am Alpennordhang bis auf über 2000 m hinauf. Dort gingen denn auch feuchte Rutsche ab (siehe Bildstecke).
An der Messstation Sion von MeteoSchweiz wurde am Montagmorgen mit 60 cm der mit Abstand grösste 1-Tages Schneefall gemessen (siehe Blog von MeteoSchweiz). Er liegt nicht nur weit über dem bisherigen Rekord an dieser Station von 43 cm (gemessen am 22. November 1971), sondern auch deutlich über der bisher höchsten 2-Tages Neuschneesumme von 52 cm (im Februar 1976). Auch an vielen anderen Stationen im Wallis wurde viel Neuschnee gemessen. Die Schneemengen waren aber in der Höhe kaum grösser als in Sion, so dass keine weiteren Rekorde verzeichnet wurden.
Auch die 2, 3, 4 oder 5-tägigen Neuschneesummen waren im Wallis teils hoch, aber nicht extrem. Sie liegen weit hinter denjenigen von 1999 und dürfen statistisch gesehen alle paar Jahre erwartet werden. Trotzdem, rund 1 m Neuschnee innerhalb von drei Tagen ist viel (vgl. Abbildung 4), und so wurde im westlichen und nördlichen Wallis am Montag vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt. In diesen Gebieten gingen dann auch teils grosse Lawinen spontan ab (vgl. Abbildung 5).
In einer zweiten Phase schneite es von Montagmorgen bis Dienstagmorgen im Tessin und in Teilen Graubündens intensiv. Am Alpenhauptkamm vom Lukmanierpass bis ins Münstertal und südlich davon fielen 60 bis 80 cm Schnee, vom Bergell bis in die Bernina über 1 m (vgl. Abbildung 6). Mit den teils orkanartigen Winden griff der Niederschlag weit in den Norden über.
In den Hauptniederschlagsgebieten lag vor diesem Ereignis erst wenig Schnee. Dieser war zumindest in windgeschützten Lagen stark aufbauend umgewandelt und stellte damit eine zwar nicht grossflächig zusammenhängende, aber dort wo vorhanden ausgesprochen ungünstige Basis dar für den darauf abgelagerten Neu- und Triebschnee. Entsprechend wurden in der Nacht auf Dienstag viele Verkehrswege gesperrt und es gingen Lawinen spontan ab. Am Dienstag wurde in diesen Gebieten bei guter Sicht dann auch erfolgreich gesprengt (vgl. Bildstrecke und Abbildungen 7 und 8). Dabei wurden auch in den Niederschlags-Randgebieten wie der Region Davos Kettenauslösungen vieler Schneebrettlawinen über grössere Distanzen beobachtet.
In den übrigen Gebieten war es am Dienstag trüb und es fiel etwas Schnee.
Am Mittwochmorgen war es vorübergehend sonnig, doch schon am Mittag zogen rasch Wolken auf. Vor allem in den inneralpinen Gebieten und im Süden waren Lawinen immer noch leicht auslösbar (vgl. Abbildung 9). In der Folge begann es mit starkem Westwind im Westen und im Norden zu schneien. Bis zum Redaktionsschluss am Donnerstagmittag fielen im westlichsten und nördlichen Unterwallis 20 bis 40 cm Schnee. Dies war aber erst der Anfang, denn bis am Samstag wurde dort insgesamt etwa 1 m erwartet. Mehr dazu lesen Sie im nächsten Wochenbericht. Dieser erscheint ab sofort wieder wöchentlich, am Donnerstagabend auf Deutsch und am Freitagabend auf Französisch.
Mitte Dezember lag praktisch im gesamten Schweizer Alpenraum deutlich mehr Schnee als zu dieser Jahreszeit üblich (vgl. Abbildung 10). Die Schneeprofile und Stabilitätstests zeigten am Alpennordhang einen meist günstigen, inneralpin und im Süden dagegen einen oft sehr schlechten Schneedeckenaufbau. Dort wird die Lawinensituation noch längere Zeit heikel bleiben, selbst wenn dort in der nächsten Zeit keine nennenswerten Niederschläge erwartet werden.
In dieser Berichtsperiode wurden neun Schadenlawinen gemeldet. Vier davon betrafen Suchaktionen, bei denen sich zum Glück herausstellte, dass niemand erfasst wurde. Die fünf anderen waren Lawinen mit erfassten Personen:
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.