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Ortsteil Netstal
464 m ü. M.
2917 Einwohner
Netstal ist auf der linken Talseite besiedelt. Zudem ist das Dorf beidseits des vom Klöntal herkommenden Löntsch gelegen. Das Dorfbild wird geprägt durch vier Hügel, Zeugen eines prähistorischen Bergsturzes vom Glärnisch. Eine erste Spur menschlichen Daseins in dieser Gegend belegt eine Pfeilspitze aus Feuerstein, welche der Jungsteinzeit (6000 bis 1800 v. Chr.) zuzuordnen ist.
Netstal wird 1289 erstmals urkundlich erwähnt. Ob der heutige Dorfname aus dem “Stall des Bauern Net“ abgeleitet werden kann, auf das althochdeutsche Wort “Netz“ (mit der Bedeutung Quelle) zurückgeht oder anderen Ursprungs ist, lässt sich nicht belegen. “Netzstal“ hiess zunächst nur der Weiler, dessen wenige Häuser sich um einen der Bergsturzhügel duckten. Die Burgstelle auf dem Oberen Bühl, ehemals wohl Sitz der Herren von Netstal, wurde gegen 1300 verlassen; auf der 25 m hohen Bürglen befinden sich Reste eines mittelalterlichen Refugiums, das spätestens um 1350 aufgegeben wurde.
Im Tagwen Netstal sind bis zum 16. Jahrhundert Siedlungen wie Leuzingen, Löntschen und ein Teil des verschwundenen Tagwen Turserron aufgegangen. Zur Gemeinde wurde auch bis um 1900 das Klöntal als zugehörig betrachtet.
Netstal war von Alters her nach Glarus kirchgenössig. 1421 stiftete einer der reichsten Eidgenossen seiner Zeit, alt Landammann Mathias Netstaler, eine Kapelle. Noch heute erinnert das Gemeindewappen an dasjenige der früheren Familie Netstaler, aber es gibt darin jetzt statt einen drei Sterne, welche die drei der Gemeinde angegliederten Weiler versinnbildlichen. Erst 1777 erfolgte die Ablösung des Wahlrechtes durch die Gemeinde. 1876 wurde Netstal zur selbständigen katholischen Kirchgemeinde erhoben. Das jetzige Gotteshaus weihte man 1935 ein.
1697 wurde eine erste protestantische Kirche auf dem Platz des derzeitigen Friedhofes erbaut. 1810/13 kam es zum Bau des heutigen Gotteshauses durch die Kirchgenossen im Frondienst.
Zwischen 1624 und 1837 tagten die katholische Landsgemeinde 77 Mal im Erlen, an der Grenze zu Näfels, und der katholische Rat des Landes Glarus bis 1742 im heute noch bestehenden Gasthaus “Raben“, dann bis 1798 im jetzigen Restaurant “Zum alten Rathaus“. Auffallend ist auch das “Stählihaus“, eine der wenigen Riegelbauten im Kanton, welches 1728 aufgerichtet wurde.
Im 16. Jahrhundert zählte man in der Dorfbevölkerung rund 500 Seelen. Durch das Auftreten der Pest in den Jahren 1611 und 1629 wurde sie stark dezimiert. Teuerungen und Hungersnöte zwangen die Netstaler zu Diensten in fremden Heeren und zur Auswanderung in alle Welt. Immerhin begünstigte die Wasserkraft im 16. Jahrhundert das Entstehen von Gewerbe. 1548 erscheint in den Schriftquellen die erste Mühle, 1651 erstmalig eine Zigermühle. Als Erster hatte Heinrich Weber-Walcher (1654–1722) am unteren Dorfbach eine Papiermühle betrieben. In dieser Zeit handelte man vermehrt mit Brenn- und Bauholz aus dem Klöntal. Aus der während des Sommers von Netstalern in Frankreich ausgeübten Wattemacherei entwickelte sich auch ein ausgedehnter Strohhuthandel.
Während der Helvetik war Netstal dem Distrikt Glarus zugeteilt worden. Das Dorf erlitt 1798/1799 grosse Schäden durch kriegerische Ereignisse. Eine russische Kanonenkugel sowie die Aufschrift “1799“ am Restaurant “Sternen“ erinnern an die heftigen Kämpfe zwischen Franzosen und Russen in und um Netstal.
Die Industrialisierung im 19. Jahrhundert betraf besonders den Bereich Textilien. 1856 erfolgten zudem die Gründung der nachmaligen Netstal Maschinen AG, heute mit Hauptsitz in Näfels, sowie 1859 der Anschluss ans Eisenbahnnetz. Zwischen 1820 und 1875 wanderten viele Netstaler Fachleute, vor allem Käser, nach Russland aus.
Um die Wende zum 20. Jahrhundert gab es die noch heute existierenden Fabriken für Papier, für Metall- und Plastikwaren (“Stöckli“, seit 1878), für Kalk (“Chalchi“, seit 1900) und Zahnräder (“Sauter, Bachmann“, seit 1922). Viele Fabrikantenvillen sind Zeugen dieser Entwicklung. Die Einwohnerzahl Netstals verdoppelte sich beinahe zwischen 1799 und 1870 (Anstieg von 1350 auf 2600 Personen). Ein Museum dokumentiert (seit 1981) unter anderem den Bau des Löntschwerks (1905–1908) mit dem Staudamm im Klöntal. Seit 1862 bis zu dessen Fertigstellung hatte man dort in grossem Stile Eis gewonnen.
Bereits 1725 wurde in einem Bauernhaus erstmals ein Schulzimmer eingerichtet, 1737 der erste Schulmeister gewählt. Am 6. Juni 1877 weihten die Netstaler ein gemeindeeigenes Schulhaus ein, dem 1936 ein Sekundar- und 1959 ein Primarschulhaus angegliedert wurden. Seit 1867 besteht auch ein Kindergarten.
Am 15. Dezember 1941 ereignete sich unterhalb Netstals ein Minenwerferunglück, bei dem vier Wehrmänner aus der Stabskompanie des kantonalen Bataillons 85 ihr Leben verloren. Ein Gedenkstein, an dem eine Glarner Ehrenkompanie alljährlich an der Näfelser Fahrt einen Kranz niederlegt, erinnert an diese Tragödie.
Den legendären Glarner Anführer der Schlacht bei Näfels, Mathias Ambühl, verewigt eine Tafel am “Ambühlhaus“. Unweit von diesem brannte 1952 das Netstaler Casino ab. Ein Gewerbe- und Einkaufszentrum eröffnete man 1995 an Stelle einer erst Ende der 1970er Jahre erstellten Textilfabrik.