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Schiesst in Deutschland oder sonst wo im deutschsprachigen Raum eine Mannschaft zehn oder mehr Tore, dann ist das für den Gewinner vielleicht ein Kantersieg, für den Verlierer allenfalls eine Packung, eine Ohrfeige, eine Klatsche oder wieso nicht sogar eine Tracht Prügel. Aber das alles ist ein 0:9 auch. Wir Schweizer hingegen haben ein eigenes Wort dafür erfunden, wenn ein Resultat zweistellig wird: Stängeli. Natürlich gilt das nur für Sportarten, in denen wenig Tore fallen, niemand würde im Handball von einem Stängeli sprechen. Im Eishockey oder Fussball hingegen ist es, so niedlich der Ausdruck auch klingen mag, die Höchststrafe für jede Mannschaft, ein Stängeli zu kassieren.
Doch woher kommt der Ausdruck? Ganz abschliessend geklärt ist die Frage nicht, vielmehr gibt es zwei Theorien. Laut der ersten davon hat das Stängeli seinen Ursprung im Abakus, einem fast 3000 Jahre alten Rechenhilfsmittel, auch als Zählrahmen oder Rechenschieber bekannt. Mit einem Abakus wird gezählt, indem Kugeln–oft Holzperlen–von der einen Seite auf die andere geschoben werden. Viele Zählrahmen haben pro Stange zehn Kugeln. Nachdem man bis zehn gezählt hat, ist die Stange oder eben das Stängeli voll. Die zweite Theorie geht davon aus, dass der Begriff aus dem Tischfussball stammt. Auch beim Töggelen ist die Zählstange nach zehn Toren voll.
Warum es für einen zweistelligen Sieg im deutschsprachigen Raum nur in der Schweiz einen Ausdruck gibt, ist hingegen unklar. Es könnte mit dem Hang der Schweizer Sprache zum Diminutiv zu tun haben. So klingt «ein Stängeli» wohl irgendwie besser als «eine Stange», der Ausdruck hat fast schon etwas Tröstliches an sich.
Und Trost brauchen Mannschaften, die ein Stängeli kassieren, meist auch. Im Eishockey oder Fussball ist es selten. In der Nationalliga A des Eishockeys gab es am 16. Februar 2013 letztmals ein Stängeli, als Kloten Rapperswil 12:0 besiegte. Gottérons letztes Meisterschafts-Stängeli liegt noch deutlich länger zurück. Im Dezember 2009 gewannen die Freiburger im St. Leonhard gegen die ZSC Lions 10:5.
Noch seltener kommen zweistellige Siege im Fussball vor. Am ehesten wird man da noch in den regionalen Ligen fündig. In der Freiburger 2. Liga gelang letztmals dem FC Plaffeien ein Stängeli, als er im Mai 2013 Ependes mit 10:0 niederkanterte. Je tiefer die Liga, desto häufiger die Stängeli. In der 5. Liga gab es in der aktuellen Meisterschaft bisher neun Stängeli. Hier deshalb nur die drei bittersten: Saint-Aubin IIb – Grolley 18:1, Vuadens II – Remaufens 0:15, Misery-Courtion II – Villars-sur-Glâne II 0:12. Denken Sie doch auch mal an die armen Torhüter dieser Teams, wenn Sie das nächste Mal eine Adventskerze anzünden. fm
Von 1 bis 24: ImFN-Adventskalendersteht jeweils die Zahl auf dem Törchen im Mittelpunkt.