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An der Jahresversammlung vom Samstag 2. Juni verleiht die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW) Anja Kirsch den mit 10'000 CHF dotierten Nachwuchspreis. Ihr Artikel „Red catechisms: socialist educational literature and the demarcation of religion and politics in the early 19th century” zeugt von einer exzellenten, wissenschaftlichen Qualität. Anja Kirsch koordiniert das gemeinsame Doktoratsprogramm Religionswissenschaft der Universitäten Basel und Zürich.
Im Jahr 2018 wird das Manifest der Kommunistischen Partei von Karl Marx (1818-1883) und Friedrich Engels (1820-1895) 170 Jahre alt. „Today we are used to understanding the Manifesto as the founding document of the areligious or even anti-religious communist movement; it is hence considered a ‘secular’ text”, schreibt Anja Kirsch in ihrem Artikel. Die Religionswissenschafterin untersucht die sich veränderenden Semantiken von Religion und Politik im Spannungsfeld sozialrevolutionärer Bewegungen. Sie fragt, warum der Katechismus als verbreitetes Instrument der Wissensvermittlung und Erziehung im Verlauf des frühen 19. Jahrhunderts unter „Religionsverdacht“ in Misskredit geriet. Mit dem Manifest der Kommunistischen Partei (1848) kann Kirsch exemplarisch aufzeigen, wie die katechetische Form im politischen Diskurs angezweifelt wurde. Daraus entwickelte sich die Grundsatzdebatte über Legitimität religiöser Einflüsse im politischen Bereich. Die Debatte wurde durch ein verändertes Religionsverständnis und die aufkommende Unterscheidung „religiös versus säkular“ stark mitgeprägt. Mittels der Genese des kommunistischen Manifests aus einem politischen Katechismus erklärt Anja Kirsch, wie sich gesellschaftliche Ordnungsvorstellungen entwickeln.