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Gegen die Nachbarländer fußen sie überall im Tiefland, von den Sudeten werden sie durch die Einsenkung
bei Oderberg getrennt, und im Innern Ungarns grenzen ihre Ausläufer an die Donautiefebene. In diesem weiten Umfang sind die
Karpathen, welche als zweites Hauptgebirge Europas die Wasserscheide zwischen der Ostsee und dem SchwarzenMeer bilden, nur ein geographischer
Begriff. In Wirklichkeit bestehen sie aus mehreren orographisch und geologisch gesonderten Gruppen, die
einerseits als fortlaufender Gebirgszug mit der höchsten Erhebung in der Mitte, anderseits aber als ausgedehntes Hochland
auftreten.
Auf große Strecken steigen sie zwar bis über die Waldgrenze, allein nirgends bis zur Hochalpenhöhe auf, und mit ihren bedeutendsten
Gipfeln in der Tátra und in Siebenbürgen erreichen sie nur 1200-2659 m. Bis zur Schneegrenze ragen nur
einige Spitzen empor, und weil an den schroffen Felswänden größere Schneemassen sich nicht halten können, überdies auch
die atmosphärischen Niederschläge gering sind, so kommen daselbst keine Gletscherbildungen vor, und bleibt der Schnee
[* 14] nur
in den Schluchten liegen. Deshalb stehen auch die Karpathen trotz der großartigen Gebirgsnatur
und trotz vieler wildpittoresker Felsthäler den Alpen weit nach.
In Bezug auf den geologischen Bau der Karpathen finden sich im westlichen Teil (bis zum Hernádfluß)
mehrere zentrale Granitkerne nebst Gneis und kristallinischem Schiefergebirge, um welche sich das mesozoische Gebirge, vom
Verrucano (unterste Buntsandsteinbildung) mit seinen Konglomeraten und roten, sandigen Schiefern durch Muschelkalk, durch die
verschiedenen Glieder
[* 17] des alpinen Keuper und unter ihnen zu oberst durch die Kössener Schichten bis in
den Lias, gruppiert.
Über letzterm ist das obere Grenzgebilde des Jura mächtig erschlossen, und noch höher liegt die Kreide
[* 18] direkt dem Tithon
auf. Die Kreide ist teils untere (neokomer Sandstein, Kalk; Gault als Thon und Sand), teils obere (mächtige Hippuritenbänke nebst
Sewenkalk und darüber die Gosaubildungen). Über ihr folgen das Nummulitengebirge und der Flysch, großenteils
sandig (Karpathensandstein), den eocänen und oligocänen Tertiärgebilden angehörend, dann die jüngern Tertiärgebilde,
mehr randlich aufgelagert.
Was die Einteilung des Karpathengebirges betrifft, so zerfällt dasselbe in die eigentlichen
Karpathen, einen fortlaufenden Gebirgszug mit der höchsten Erhebung in der Mitte, und in das Siebenbürgische Hochland. Erstere bestehen
aus einem äußern Rand- und dem innern Gebirge. Der bogenförmig von der Donau bis an die GoldeneBistritza sich erstreckende,
reichbewaldete Sandsteinzug wird durch den Durchbruch des Poprád und die Topla in die Westkarpathen und
in die Ostkarpathen oder das Karpathische Waldgebirge geteilt.
Die Westkarpathen beginnen am Donaudurchbruch (Porta Hungarica) mit der niedern Gruppe der Kleinen Karpathen (Rachsturm, Bradlo 815 m),
deren nordöstliche Fortsetzung nach ihren weißen Dolomitfelsen das WeißeGebirge (Belagora) genannt wird. Ihre höchsten
Gipfel sind die Javorina (967), die Wysoka (1020) und der Javornik (857 m).
Dann folgen im NW. die West- oder eigentlichen Bieskiden bis zum Jablunkapaß (601) mit dem Beskid (947), der Magurka (1153),
dem Smrk (1339), der Knicin, d. h. Fürstin (1252), dem Radhost (1135), der LissaGora (1320 m) und der Barania sowie die niedrigere
Kette der Ostbieskiden, welche die Hochkarpathen in einem Bogen umfaßt und sich bis Bartfeld erstreckt, mit der Babia Gura (1722)
und dem Lubjenberg (1264 m). Hieran schließt sich der in südöstlicher Richtung bis an Siebenbürgen hinabreichende breite
Rücken des Karpathischen Waldgebirges an, im N. von kurzen Parallelketten, im S. von einigen vulkanischen
Berggruppen begleitet. Die höchsten Spitzen dieses unfruchtbaren Grenzkammes sind in der mehr aufsteigenden östlichen Hälfte
die CzernaGora (2012), der Rusky (1303), die Bistra (1811), der PopIvan (1925) und der Dzumalau (1853 m). Die trachytische
Vorlage führt den Namen Vihorlatgebirge (»ausgebranntes Gebirge«) und erreicht im Varlo 1058 m.
Zum innern Gebirge gehören die unterhalb der Ostbieskiden sich erhebenden Hoch- oder Zentralkarpathen und das innere karpathische
Bergland, welches mit seinen die erstern im W., SW., S., SO. und O. teils parallel, teils fächerförmig umlagernden Gruppen
gegen das Hochland zu an Höhe gewinnt und, sich an den äußern Karpathenkamm dicht anschließend, den
größten Teil Nordungarns füllt. Die Zentralkarpathen erstrecken sich von W. nach O. hin, 122 km lang und 45,5
km breit, vom Zusammenfluß der Arva und Waagbis an den Poprád und bestehen im W. aus dem Arva-Liptauer Kalkgebirge, im O.
aus der nur 900-1000 m hohen Zipser Magura und aus den in der Mitte gelegenen eigentlichen Zentralkarpathen
oder der HohenTátra.
Die letztere ist ein mehrfach gebrochenes Rückengebirge, das sich mit seinen gewaltigen Granitmassen auf der Süd- und Ostseite
ganz unvermittelt, wie eine Mauer, aus der fast 800 m hohen Popradebene bis zu 2467 m erhebt. Dieser großartige
Wall, dessen 1700-1900 m hoher Bergrücken von 60 km Länge und 15-25 km Breite nur tief eingeschnittene steile Schluchten zeigt,
bildet mit seinen schroffen Felswänden, seinen zahlreichen Kuppen und turmförmigen, kahlen, zackigen Spitzen den majestätischen
Kern des ganzen Karpathengebirges.
Dem innern karpathischen Bergland gehören folgende Gebirgsstöcke an. Südlich von der HohenTátra erstrecken sich, dieser
parallel, die Liptauer Karpathen oder die NiedrigeTátra, mit den Gipfeln Djumbir (2043 m) und Kralowa Hola oder Königsalm (1940 m).
Im W. erhebt sich die KleineFátra in der Arva mit dem KleinenKriván oder Krivánsátra (1667 m); daran
schließen sich im SW. zwischen der Waag, Neutra und Thurocz das Innoveczer und das FreistadtlerGebirge mit dem Klak oder Nahenstein
(1333 m) und dem Innovecz (1051 m), im S. dagegen zwischen der Waag, Thurocz, Neutra und Gran die GroßeFátra mit
der Großen Fátru (1776 m) und der Krina (1572 m) sowie das NeutraerGebirge mit dem Zobor (1341 m). Östlich von der Gran bis
zur Eipel dehnen sich zahlreiche, aus Trachyt und Trachyttuff bestehende, vulkanische Gruppen aus: die bis zu 1445 m aufsteigende
Ostrowskygruppe mit dem Sitno (1030 m), wegen des Reichtums an edlen Metallen auch Ungarisches Erzgebirge
genannt. Im N. und O. wird sie von den Sohler und GömörerGebirgen, mit der Polana (1445 m), der Fabova-Hola (1441 m) und der
Revacka-Hola (1394 m) begrenzt.
Die südlichsten Ausläufer der Karpathen sind zwischen der Eipel, Donau und Zagyva das trachytische NeográderGebirge
mit dem Hideg-Hegy (865 m), ferner zwischen der Zagyva und Erlau das malerische Mátragebirge, ein höchst interessanter, in
die große ungarische Ebene absteigender vulkanischer Trachytstock mit dem Dasko (910 m), sowie zwischen der Erlau und dem
Sajö das aus Grauwacke gebildete, dicht bewaldete Bikkgebirge. Nördlich von letzterm liegen bei Rosenau
die höhlenreichen Kalkplatten, die TornaerGebirge und oberhalb des Hernád die ZipserGebirge, welche im Repiszko bis 1250 m
ansteigen. Die östlichste Gruppe der Westkarpathen ist die von Eperies südwärts sich erstreckende trachytische Hegvalja,
welche im N. im Simonka das sogen. SovárerGebirge (1083 m) erreicht und im S. in das berühmte Tokayer
Weingebirge oder die eigentliche Hegyalja (508 m) aus läuft.
Während so die Westkarpathen ein geschlossenes Ganze bilden, erheben sich im SO., mit ihnen
durch das Karpathische Waldgebirge verbunden, die Südost- und Südkarpathen, welche, als hoher Gebirgswall Siebenbürgen
in fast quadratischer Form umschließend, den Namen Siebenbürgisches Hochland führen. Zur nördlichen
Kette gehören zwischen der Szamos und Theiß das Láposgebirge mit dem Gutin (1434 m) und Czibles (1826 m) und das RodnaerGebirge
bis zum Borgo-Prundpaß mit dem Muncsel (1783 m), dem Felskoloß Pietrosza (2297 m) und dem Glimmerschieferstock Kuhhorn (walach.
Ineu, 2281 m). Von hier an ziehen sich gegen S. hinab das
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