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IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn bleibt in New York in Untersuchungshaft. Dies entschied die zuständige Haftrichterin. Sie verweigerte eine Freilassung auf Kaution mit der Begründung, es bestehe Fluchtgefahr.
IWF-Chef Strauss-Kahn kommt nicht frei: Die zuständige Haftrichterin Melissa Jackson, der DSK am Nachmittag vorgeführt wurde, verweigerte eine Freilassung auf Kaution. Es bestehe Fluchtgefahr, begründete sie ihre Entscheidung. Strauss-Kahns Anwälte hatten zuvor eine Kaution in Höhe von einer Million Dollar angeboten. Der nächste Gerichtstermin wurde auf den kommenden Freitag festgesetzt.
Die Anklagevertreter verwiesen bei der Anhörung am Montag auf Berichte, wonach der IWF-Chef in der Vergangenheit "mindestens einmal" in einen ähnlichen Fall verwickelt gewesen sein soll. Strauss-Kahns Verteidiger wiesen die Vorwürfe zurück. Sie erklärten, dass der IWF-Chef das Hotel in Eile verlassen habe, weil er für ein Mittagessen verabredet gewesen sei. Dafür gebe es einen Zeugen.
Der 62-jährige Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird beschuldigt, am Samstag ein Zimmermädchen eines New Yorker Luxushotels angegriffen zu haben. Im Falle einer Verurteilung wegen versuchter Vergewaltigung, sexueller Belästigung und weiterer Vergehen drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft.
Im Laufe des Tages tauchten Meldungen auf, wonach der IWF-Chef zur Zeit der ihm vorgeworfenen Tat gar nicht mehr in dem Hotel gewesen sei, in dem er die Tat begangen haben soll.
Alibi: Lunch mit der Tochter?
Nach Informationen der Zeitung "Le Monde" war DSK, wie er in Frankreich landläufig genannt wird, in New York, um seine Tochter zu treffen. Er habe seine Hotelrechnung um 12.28 Uhr bezahlt und sich anschliessend mit ihr zum Essen getroffen, berichtete die Zeitung.
Die Polizei hatte nach CNN-Angaben erklärt, das Zimmermädchen habe die Suite von Strauss-Kahn gegen 13.00 Uhr Ortszeit betreten, ohne zu wissen, dass sich dort jemand aufhalte. Anschliessend habe der IWF-Chef die Frau attackiert.
Zu dem Zimmermädchen wurden neue Details bekannt. Die 32-Jährige afrikanischer Herkunft lebt nach einem Bericht der "New York Times" in der Bronx und hat eine Tochter im Teenager-Alter. Nach Informationen des "Figaro" arbeitete die Frau seit drei Jahren für das Hotel.
Laut "Le Monde" fuhr Strauss-Kahn nach dem Essen mit seiner Tochter direkt zum Flughafen. Um 15.40 Uhr habe er für den Flug nach Paris eingecheckt, der eine Stunde später starten sollte. Das Ticket habe er lange im Voraus gebucht. Französische Medien betonten, Strauss-Kahn könne jede Air-France-Maschine auch kurzfristig nutzen.
In Paris habe Strauss-Kahn politische Gespräche mit Blick auf die Präsidentschaftswahl führen wollen, bei der er als aussichtsreichster Kandidat galt, berichtet "Le Monde". Bislang hat er seine Kandidatur noch nicht offiziell erklärt. Anschliessend wollte er am Sonntag nach Berlin weiterreisen, um sich dort mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel zu treffen.
Nach Informationen des französischen Radiosenders RMC wollen Strauss-Kahns Anwälte demnächst Beweise für das Essen mit seiner Tochter vorlegen. Nach ihrer Ansicht bietet das Essen ein Alibi für den Zeitpunkt des mutmasslichen Vergewaltigungsversuchs.
Brüssel: "Nicht auf Panik machen"
Die Europäische Union warnte davor, nach der Verhaftung von Strauss-Kahn auf Panik zu machen. "Die Kontinuität beim Internationalen Währungsfonds ist gesichert, daran gibt es keinen Zweifel", sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn. Keine Folge wird die Verhaftung Strauss-Kahns nach Auffassung der EU-Kommission auf die Billigung des Hilfspakets für Portugal haben.
Die Euro-Finanzminister werden später am Tag 78 Milliarden Euro Hilfe für das krisengeschüttelte Land auf der iberischen Halbinsel beschliessen. „Das ist sehr wichtig, um die finanzielle Stabilität der Eurozone zu sichern“, sagte der Sprecher.
Die Ereignisse in New York wirken sich laut Sprecher auch nicht auf die laufenden Hilfsprogramme in Irland und Griechenland aus. "Der IWF ist eine starke Institution", so der Sprecher von Währungskommissar Rehn. Mittelfristig dürften sich die europäischen Schuldenländer Griechenland, Irland und Portugal trotzdem sorgen, weil der IWF unter anderer Leitung einen härteren Kurs fahren könnte.
Bei den Brüsseler Verhandlungen der Euro-Finanzminister zum Rettungspaket für Portugal musste sich Strauss-Kahn, der in Frankreich als möglicher Nachfolger von Präsident Nicolas Sarkozy gehandelt wurde, vertreten lassen.
Und noch eine alte Geschichte
In Frankreich kochte derweil eine alte Affäre um den IWF-Chef hoch: Eine Journalistin will den 62-Jährigen wegen eines sexuellen Übergriffs vor neun Jahren verklagen. Das teilte der Anwalt der 31-Jährigen der Nachrichtenagentur AFP am Montag mit. Die junge Frau ist nach französischen Medienberichten Patenkind von Strauss-Kahns zweiter Ehefrau und eine gute Freundin von Strauss-Kahns Tochter Camille.
(cms/awp/sda)