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Unten am Hang steht das Schulhaus, das deine Tochter vor mehr als zehn Jahren besucht hat. Fünf Minuten zu Fuss vom Zuhause entfernt. Wie immer schaust du beim Vorübergehen zu den Fahrrädern, um zu sehen, ob sich ihres darunter befindet.
Du fährst mit dem Mountain Bike den Berg hoch. Du hörst dich selber schwer und tief atmen. Und noch etwas. Das Knirschen der Kieselsteinchen unter den dicken Pneus.
Als du jung warst, war es so: Du trennst dich von deiner Freundin. Sie weint, es tut dir leid. Oder sie trennt sich von dir, und du weinst. Heute denkst du, dass das immer wieder auch eine Trennung von der Liebe war.
Schon hunderte Male hast du die erste Partita «Des Wohltemperierten Klaviers» gehört. Es gibt diese eine kleine dissonante Reibung, die dir wie eine Türe zu einer neuen Realität erscheint. Noch ist es dir nicht gelungen, sie zu öffnen.
Mit deiner Kollegin hast du die letzte Felspartie überwunden. Vom Hochplateau des Esja schaut ihr hinüber nach Reykjavik, das in der Sonne liegt. Weiter hinten die Vulkanform des Keilir. Euer Schweiss trocknet. Andere treffen ein und setzen sich. Schauen hinaus. Es ist still geworden. Jemand legt sich in das Moos und blinzelt in die Sonne.
Der Text ist aus dem Band Auf der Schaukel der Sprache, Caracol Verlag, Warth 2022.
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