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Zu den Briefen (PDF-Dateien):
Oskar Bider verlor während den September-Manövern der 2. Division (29.08.–13.09.1913)1 im Seeland am 10. September frühmorgens bei einer Notlandung und Absturz aus geringer Höhe seinen ersten Blériotapparat (80PS Gnôme-Motor). Dabei wurde der Blériot zerstört. Stücke des Propellers dieser Alpenflug-Originalmaschine gelangten danach in Biders Kollegenhände. Viel später tauchte je ein Fragment bei einem Urgrosssohn von Paul Cardinaux-Gerster (Propellerflügel) und bei einem Sohn des damaligen Militärpiloten Alfred Comte auf (Nabenteil mit Flügelfragmenten).
Bider wollte so rasch als möglich einen neuen Apparat beschaffen. In den Monaten bis Ende 1913 blieb er – wegen Widerholungskurs als Guiden-Soldat (29.09.–11.10.1913) und etwas zeitraubenderen, privaten Flugzeug-Evaluationen – jedoch ohne eigenen Flugapparat.
Aus den zeitgenössischen Dokumenten geht für jene Monate hervor, dass Bider wohl auf anderen Kollegen-Apparaten entweder als Passagier mitfliegen durfte, oder solche im einen oder andern Fall selber pilotierte. Zu belegen ist dies aber einzig anhand beispielsweise eines Fotos, wo Bider im Herbst 1913 gemeinsam mit seinem Solothurner Aviatiker-Kollegen Theodor Borrer (1894–1914; Todessturz am Basler Flugtag vom 22. März 1914) im Doppelsitzer-Monoplan «Hanriot» sitzt.
Während Bider mit der Blériot-Herstellerfirma während Wochen im schriftlichen Kontakt über das weitere Vorgehen verhandelte, hatte er kurz nach seinem militärischen Wiederholungskurs eine private Reise zu den Rumpler-Werken in Lichtenberg bei Berlin unternommen (16.10.–25.11.1913, also fünf Wochen; vgl. Kap. 9). Bider beabsichtigte ev. einen Typenwechseln vom französischen Blériot zum stärkeren deutschen Rumpler-Produkt «Taube». Er hatte sogar den Rückflug auf einer Rumpler-Taube aus Berlin nach Bern zu planen begonnen – ein Versuch für einen neuen Distanzrekord.
Hauptsächlich aus apparativen Gründen kam es nicht dazu. Die «Taube» war trotz stärkerem 100 PS-Mercedesmotor zu schwerfällig, im coupierten schweizerischen Gelände für militärische Zwecke ungeeignet, und innenpolitisch zu heiss.
Näheres zur Organisation und den Verfahrensschritten bei diesem Berliner Besuch geht aus den nachfolgenden Korrespondenz-Kopien hervor. Zwischen den Zeilen scheint deutlich Biders Auswahltaktik durch: Er versuchte seinen Blériot-Hersteller unter Konkurrenzdruck zu setzen, um den Preis zu drücken. Weiter hatte er möglicherweise versucht, so einen ungebrauchten, neuen Gnôme-Motor herauszuschlagen. Dies gegen Eintausch seines beim Kirchlindacher Unfall leicht lädierten Gnôme-Gebrauchtmotors vom April 1913 (80 PS Nennleistung).
Mit demselben Vorgehen hat Bider in seinen schriftlichen Kontakten mit Berlin eine gute Verhandlungsposition erwirken wollen (vgl. Briefe vom 20./21.09.1913). Er wandte sich zugleich an die Leitung der Rumpler-Werk («Taube») und an jene der Luftverkehrs-Gesellschaft AG (LVG, «Schneider»-Flugzeuge; Leitung Entwicklung durch Ing. Franz Schneider-Speyer2).
Weitere Korrespondenz mit den LVG-Werken fehlt; zumindest finden sich in der vorliegenden Kopien-Sammlung keine Spuren davon. Hingegen zogen sich die privaten Verhandlungen Biders mit den Rumpler-Werken bis Ende November 1913 hin. Er sandte sogar seinen ausgezeichneten Mechaniker Saniez zur besonderen Ausbildung am «Taube»-Flugzeug nach Berlin (vgl. Biders Empfehlungsbrief für J. Saniez vom 15.10.1913 an die Rumpler-Leitung).
Am 29. November teilte Bider der Rumpler-Leitung schliesslich mit, dass er keine «Taube» anschaffen werde und der Vertrag somit hinfällig sei.
2
Ing. Franz Schneider war ursprünglich Quintener Bürger, arbeitete 1906–1911 bei Nieuport in Paris, zog nach dessen Tod schliesslich zu den LVG-Werken in Berlin und entwickelte dort den «Schneider»-Biplan. Seine Tochter Luisa Wilhelmine «Lou» weilte zwischen April und Juli 1919 in Zürich. Sie wohnte im Hotel «Bellevue-au-Lac», wo auch Leny Bider ein Mietzimmer belegte. Lou Schneider verweigerte Oskar Bider auf seine charmanten Avancen hin Mitte Juni 1919 die Liebe, versicherte ihn aber ihrer guten Freundschaft. Lou erlebte am 7. Juli 1919 die Tragödie um die Geschwister Bider hautnah und wurde so eine wichtige Zeitzeugin. Leider blieb die Suche nach ihrem späteren Lebensverlauf in Berlin vorläufig ergebnislos. Für die Leny-Biografie wäre es hilfreich festzustellen, ob Lou ihre dramatischen Erlebnisse der Zürcher Zeit an allfällige Nachkommen weitergereicht hat. Ihr Bruder Georg emigrierte im Juni 1945 mit Gattin und Sohn in die Schweiz und ist, trotz intensiver Archivsuche und Anfragen bei Behörden, «verschollen» (Deutsche Botschaft Bern, Rotes Kreuz, usw.).