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| Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron

Der zweite Tag. Dritte Homilie (Gen 1,6-10)
III. Kapitel. Das Firmament nicht identisch mit dem Himmel. "Das Wasser über der Himmelsveste": seine Möglichkeit, Wirklichkeit, Zweckmäßigkeit. Feuer und Wasser paralysieren gegenseitig ihre verheerenden Wirkungen. Der Sternenhimmel eine glühende Feuerzone, die Sonne ein Feuerball.
13.
So halte denn das Vorhandensein einer großen Wassermenge nicht für unglaubhaft, bedenke vielmehr die gewaltige Hitze, und du wirst nicht mehr ungläubig sein! Viel ist es, was das Feuer auftrocknet. Das muß uns wenigstens aus folgenden Experimenten klar werden: Wenn ein Arzt ein Glas mit enger Mündung, flachem Rande und hohlem Raume mit einem schwachen Lampenlicht darunter an einen Leib drückt, wie zieht da die Wärme alle Feuchtigkeit an sich! Wer könnte also zweifeln, daß jener feurige, von großer Hitze erglühende Äther, würde er nicht durch ein Gesetz seines Schöpfers daran verhindert, alles in Brand und Asche legen würde, so daß weder Flüsse noch Seen noch selbst die Meere seine Glut löschen könnten? Eben darum strömt so häufig wie auf einen Anprall hin Wasser von der Höhe und ergießt sich in so gewaltigen Regengüssen, daß mit einem Mal Flüsse und Seen sich füllen, selbst die Meere austreten. Deshalb sehen wir häufig auch die Sonne von Feuchtigkeit und Dunst umflort1. Sie verrät damit deutlich, wie sie sich des Wasserelementes zu ihrer Abkühlung bedient.
1: Schenkl, S. 53 verweist hier auf Reifferscheid, Suet. rel. p. 442 sq. Sieh hiergegen unten zu Exam. VI 4, 24.