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Die serösen Häute des Auges sind zu allen jenen Ausgängen der Entzündung geneigt, welche wir an andern serösen Häuten beobachten; so entsteht nach Chorioideitis Wasseranhäufung zwischen Chorioidea und Sclerotica; so häuft sich bei Entzündung der Kapsel der Morgagni'sche Dunst an, schlägt sich flüssig nieder, bewirkt Aufhebung des Gesichtes, es bildet sich der Uebergang der Entzündung in Hydrops. Den Ausgang der Entzündung in abnorme Adhäsionen zeigt die Iris, indem sie mit der Hornhaut verwachsend das Staphylom bildet, indem durch exsudirte Lymphe die Pupille sich schliesst, Verbindungen zwischen der Kapsel und dem Pupillarrande der Iris folgen. Die Trübungen der Glasfeuchtigkeit und die Verdunklungen der Glashaut zeigen, däss hier die Entzündung Veränderung der Secretion und Verdickung der Häute bewirkt. Die hier zu be– schreibenden Entzündungen sind die Corneitis, die Iritis, Chorioideitis und die Capsulitis. Die Entzündung der Glashaut wird nicht besonders beschrieben, weil sie nie primär und selbstständig erscheint.
-/ Von der Corneitis.
Die Entzündung der Hornhaut beginnt entweder auf dem Bindehautblättchen, oder ergreift gleich die mittlere Lamelle, die eigentliche Substanz der Hornhaut, oder haftet auf der Descemetischen Haut; nach dem ursprünglichen Sitze verhält sich dann die Reihenfolge der sich entWickelnden Erscheinungen, welche aber bei der Höhe des Leidens zusammenfliessen, im ge– ringern Grade des Uebels aber immer ihre Selbstständigkeit die ganze Krankheit hindurch beaupten. Wenn die Entzündung auf dem Bindehautblättchen beginnt, so bemerkt man, dass unter Röthung der Conjunctiva und Lichtscheue des Auges kleine Gefässe von dem Rande der Hornhaut über die Oberfläche derselben hinranken, oft 12 – 15 in einen Bündel zusammengedrängt laufen, dass Wasserbläschen auf der Hornhaut sich bilden; dass diese oft platzen, Facetten oder auch kleine Geschwüre hinterlassen, was vorzüglich bei scrophulösen lndividuen der Fall ist, dass bisweilen kleine Trübungen in dem zwischen der ersten und zweiten Lamelle befindlichen Raume entstehen. Die Geschwüre können bei unpassender oder gänzlich vernachlässigten Behaidlung in die Tiefe der Hornhaut eindringen, dadurch zu Verdunklungen und Narben der Hornhaut Anlass geben, oder die Hornhaut gänzlich durchdringen, wodurch ein Verfall der Iris entstehen würde. Bisweilen entsteht unter dem Bindehautblättchen Eiter, der zwischen den zwei Lamellen fortschreitet, und den Onyx bildet. Bei mehrmaligen durch die Fortdauer der Schädlichkeiten gesetzten Recidiven kann nach der Entzündung ein Pannus zurückbleiben.
Wenn die Entzündung in der mittleren Membran der Hornhaut ihren Ursprung hat, so zeigt das Trübewerden der Hornhaut mit bedeutender Lichtscheue und scharfem Thränenfluss das Beginnen derselben. Die Hornhaut wird undurchsichtig, schmutzig gelb, wie mit Staub bedeckt und einem mattgeschliffenen Glase ähnlich. Deutlich sind die Gefässstränge in der Substanz der Hornhaut wahrzunehmen, und den Rand dersel– ben umlagert ein Gefässnetz. Der günstigste Ausgang ist die Zertheilung, die bei gesunden Individuen unter guter Behandlung leicht Statt findet, wobei die Erscheinungen in der Reihe zurücktreten, in welcher sie sich ausbildeten. Leichte
Trübungen, Folgen der vermehrten Aushauchung und der verminderten Aufsaugung, sind oft noch einige Zeit zurückbleibend, verschwinden aber bei gänzlich hergestelltem Gleichgewichte. Bisweilen bildet sich bei heftiger Entzündung. Eiter in der Substanz der Hornhaut, der sich über den grössten Theil der Hornhaut verbreitet, fistulöse Gänge und verdunkelte Stellen in derselben bildet. Oeffnet sich der Eiter einen Weg nach aussen, so entsteht ein Hornhautgeschwür, bisweilen ein Hornhautbruch, eine Synechia anterior aber, und ein Vorfall der Iris, wenn die Hornhaut an einer Stelle durch den Eiter geöffnet wird, ein Hypopion spurium, wenn der zwischen den Hornhautlamellen angehäufte Eiter die innere Lamelle durchdringend in die vordere Augenkammer sich ergiesst. Wenn die Descemetische Haut der Sitz der Entzündung ist, so entsteht dieselbe unter einem besonders die Stirne betreffenden Kopfschmerz, und unter dem Gefühle der Vollheit des Augapfes. Die Hornhaut wird, indem die Descemetische Haut an ihrer Durchsichtigkeit verliert, trübe, und scheint mehr als gewöhnlich hervorragend. In der Hornhaut entstehen einzelne Flecken, welche aber deutlich tief liegend erscheinen. Mit dem Zunehmen der Trübung nimmt auch das Sehvermögen ab, so dass der Kranke die Gegenstände wie von einem dichten Rauche umgeben beobachtet. Die Sclerotica röthct sich, aber nach JWardrop") auf eine eigenthümliche Weise, indem die Röthe einen Kreis aus den feinsten Gefäfszweigen bestehend bildet, welcher in der Sclerotica der Insertion der Iris entspricht, so dass dieser Kreis nicht ganz an die Hornhaut anstösst,
4 ) Essays on the morbid Anatomy of the human Eyc. 2. V. P. 9.
und von dieser durch einen blassen Ring der Sclerotica abgetrennt wird. Je mehr die Entzündung sich steigert, desto mehr scheint sich auch die wässerichte Feuchtigkeit zu trüben. Die Entzündung beschränkt sich nicht immer auf die Descemetische der Hornhaut anliegende Membran, sondern geht auch bisweilen auf den die Iris überziehenden Theil derselben über, wodurch die Iris ihre Farbe verändert, leicht Trübungen und Verziehungen der Pupille hervorgebracht werden"). Selten spricht sich ein fieberhaftes Allgemeinleiden aus, und gewöhnlich hat sie einen chronischen Verlauf. Der Entzündung folgen leicht Verdunklungen der Hornhaut, welche durch exsudirte Lymphe gebildet werden, Verwachsung der sich berührenden Flächen etc. Durch die Verbreitung dieser Entzündung kann Capsulitis, in deren Folge Verdunklung der Kapsel und Adhä– sion derselben an den Pupillenrand entstehen. Die Behandlung ist die streng entzündungs
widrige. Blutigel, selbst, im Falle es die Heftig
keit der Entzündung fordert, Aderlässe, ableitende Mittel, Vermeidung der irritirenden Potenzen etc. müssen die Gewalt der Entzündung brechen. Die Entzündung der Descemetischen Haut wird nach Yardrop durch die Entleerung der wässerichten Feuchtigkeit glücklich gehoben.
- A
4) Descemet (Mem. de Mathematique et Physique. T. 5. 1768 p. 177 ). Wrisberg (Prim. lin. Physiolog. Alb. de Haller edit. /Wrisberg), und in neuern Zeiten /Kardrop (i. a. W. S. 1. V. 2.) nehmen an, dass die Descemetische Membran einen geschlossenen Saek bilde, indem sie die innere Fläche der Hornhaut, die vordere und hintere Fläche der Iris, und die vordere Kapselwand der Linse überziehe; allein die sorgfältigsten Untersuchungen zeigen, dass dieselbe nicht ganz an den Pupilarrand der Iris sich fortsetze, und noch weniger durch die Pupille auf die innere Fläche der Iris und die vordere der Kapsel sich hinziehe. -
Die scrophulöse Ophthalmie, welche als Erscheinung des Scrophelübels auftritt, wählt vorzüglich die Conjunctiva und Cornea zu ihrem Sitze, entwickelt sich unter eigenthümlichen Erscheinungen, und verlangt, da die Entzündung hier keine für sich bestehende Krankheit ist, eine dem zu Grunde liegenden Allgemeinleiden ent– sprechende Behandlung. Die erste sich ergebende Erscheinung ist eine krampfhafte Verschliessung der Augenlieder, und heftige Lichtscheue, daher die mit dieser Entzündung befallenen Kinder dunkle Orte aufsuchen, und die Augen sorgfältig bedecken. Die Augenlieder sind aufgedunsen, gerö– thet, und die Venen derselben ausgedehnt. Nach– dem dieser Zustand einige Tage bestanden hat, so entsteht vermehrte Absonderung heisser, scharfer, die Theile, welche durch sie benetzt werden, aufätzender Thränen, welche besonders beim Oeffnen der Augenlieder und beim einfallenden Lichte in vollem Strome aus der Augenliedspalte hervorstürzen. Ein Gefühl von Jucken, Brennen und Stechen im Auge und in dessen Umgebun– gen bestimmt die Kinder die Augenlieder zu rei– ben, wodurch aber immer die Schmerzen bis zum Weinen gesteigert werden.
Im ersten Zeitpunkte der Entzündung leiden vorzüglich die Augenlieder, nun aber röthet sich die Conjünctiva des Augapfels, es drängen sich die ausgedehnten Gefässe derselben in strickför– mige Bündel zusammen, von welchen aus ein– zelne Gefässstränge über die Hornhaut hinziehen. Auf dem die Hornhaut und die Sclerotica um– kleidenden Theile der Bindehaut erheben sich bald konisch zugespitzte Bläschen, welche gewöhnlich mit einer puriformen Lymphe gefüllt sind, frühe sich öffnen, und in scrophulöse Geschwüre sich umgestalten. Diese Geschwüre haben einen speckichten Grund, zerrissene kallöse Rän