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Akute Entzündungen spielen bei vielen Krankheiten eine tragende und ausgesprochen wichtige Rolle. Besonders Kinder reagieren sehr schnell mit Entzündungen, die oft heftig und mit Fieber verlaufen. Natürlich darf man diese Reaktion nicht immer auf die leichte Schulter nehmen. Bei gewissen Entzündungen (z.B. Blinddarm- oder Lungenentzündungen) könnte dies schlecht ausgehen. Umgekehrt sollte man aber auch nicht in jeder Entzündung eine massive Bedrohung sehen und dem Körper die Chance geben natürlich darauf reagieren zu können. Unterdrückungen mit Medikamenten können Linderung der Schmerzen verschaffen, haben aber Folgen im Bezug auf die Entwicklung des Abwehrgeschehens.
Im Allgemeinen unterscheiden sich zwei Verlaufsformen einer Entzündung - die akute und die chronische Entzündung. Der Vorgang der akuten Entzündung ist der mit Abstand wichtigste Abwehrmechanismus des Organismus. Auslösend wirken im Körper mechanische Reize (Fremdkörper, Druck, Verletzung), physikalische Faktoren (UV-Licht, ionisierende Strahlen, Wärme, Kälte), chemische Stoffe (Laugen, Säuren, Schwermetalle, bakterielle Toxine, Allergene und Immunkomplexe), sowie Erreger (Mikroorganismen, Würmer, Insekten), krankhafte Stoffwechselprodukte, entgleiste Enzyme, bösartige Geschwülste etc.. Diese Vielfalt von Reizen kann der Körper nur mit Hilfe einer Entzündung überwinden. Die Fähigkeit eine akute Entzündung ablaufen lassen zu können, ist für den Organismus absolut notwendig und lebenserhaltend. So kann beispielsweise keine Wunde ohne entzündliche Reaktion abheilen und kein grippaler Infekt ohne Entzündungsreaktion überwunden werden.
Es gibt jedoch auch Entzündungsreaktionen, die übers Ziel hinaus schiessen (Allergien, heftige Infekte...) und solche, die einen biologisch unsinnigen Verlauf nehmen (chronische Entzündungen). Diese Formen verlangen dann spezielle Behandlungsstrategien.
Eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit Entzündungen spielt das Bindegewebe. Alle zentralen Regulationsvorgänge unseres Organismus laufen in diesem, zwischen den einzelnen Zellen liegenden, weit unterschätzten Regulationssystems ab. Das Bindegewebe ist die Schaltstelle für die Nährstoffversorgung und die Schadstoffentsorgung. Heutzutage wird leider oft übersehen, dass krankhafte Zellveränderungen meist Folgeerscheinungen mangelhafter Ver- und Entsorgungsvorgänge und gestörter Regulationsmechanismen im Bindegewebe um die Zellen herum sind und nicht die Zelle selber das Zentrum der Erkrankung ist. Im Bindegewebe spielt sich neben den Stoffwechselprozessen auch die Abwehrfunktion ab. Hier setzt sich der Organismus gegen die erwähnten Reize zur Wehr. Dies tut er immer in Form einer Entzündung, die das Ziel hat, den schädlichen Faktor von den Organzellen fern zu halten, damit die Schädigung dieser Zellen so gering wie möglich ausfällt.
Bei einer Entzündung findet man fünf Kardinalsymptome: Rötung (Rubor), Erwärmung (Calor), Schwellung (Tumor), Schmerz (Dolor) und eine eingeschränkte Funktionstüchtigkeit des betroffenen Körperteils (Functio laesa). Diese Symptome haben alle eine wichtige Bedeutung im Entzündungsprozess.
Die Rötung entsteht durch die Mehrdurchblutung im Entzündungsgebiet.
Aufgrund dieser erhöhten Aktivität kommt auch die Hitze zustande, die Bakterien abtöten und Viren inaktivieren kann. Durch die erhöhte Temperatur sind zudem die Abwehrzellen aggressiver und leistungsfähiger.
Der Austritt von Blutflüssigkeit in das Gewebe um die Blutgefässe herum verursacht die Schwellung. Sie dient dazu die Giftwirkung des Entzündungsreizes zu verringern und die bei der Entzündung entstehenden Toxine zu lösen. Die Gewebeflüssigkeit, welche mit den Schadstoffen beladen ist, wird dann über die Lymphgefässe zu den nächstliegenden Lymphknoten transportiert. Dort folgen weitere Abwehrvorgänge.
Das Lymphsystem spielt also ebenfalls eine sehr wichtige Rolle bei Krankheiten die mit einem Entzündungsprozess einhergehen.
Durch die Reizung der Nervenfasern im Bindegewebe entsteht der Schmerz. Dies geschieht durch die schwellungsbedingte Druckerhöhung und durch spezielle Botenstoffe, die das Entzündungsgeschehen regeln. Die Schmerzinformation wird dann via Nervenbahnen zum Gehirn weitergeleitet. Schmerz ist ein Warnsignal des Körpers und dient dazu, dass wir den entzündeten Körperteil schonen, damit die Abwehr- und Heilungsvorgänge ungestört ablaufen können. Durch alle Entzündungszeichen gemeinsam, entsteht die eingeschränkte Leistungsfähigkeit des entzündeten Körperteils, welche wiederum zur Schonung dient.
Unterdrückt man die Symptome einer Entzündung, so kann keine wirkliche Heilung stattfinden.
Der Organismus reagiert zunächst (vor allem bei Kindern) meist noch sehr natürlich: Es tritt erst einmal eine beschwerdefreie Phase auf. Doch nach 4 bis 6 Wochen flackert die Entzündung an gleicher Stelle wieder auf, da der Organismus die Krankheit aktiv am ursprünglichen Ort ausheilen möchte. Wird diese Entzündung dann erneut unterdrückt, wiederholt sich das Geschehen immer wieder und man hat einen Infekt nach dem anderen. Seine gesundheitliche Gesamtsituation verschlechtert sich.
Ein entzündlicher Prozess ist jedoch nicht an einen bestimmten Ort gebunden. Gerade bei den Schleimhäuten steckt ein ganzes System dahinter für das überall die gleichen biologischen Gesetzmässigkeiten und Reaktionsmuster gelten. Damit kann der Körper die unzureichende Abwehrfähigkeit eines bestimmten Schleimhautbereiches durch andere Schleimhautareale kompensieren. So kann eine Entzündung, die nicht eliminiert wurde nach einer Latenzzeit von meist einigen Wochen auf einem anderen Schleimhautbereich des Körpers wieder aufflackern.
Der allgemeine Wechsel einer Krankheit von einer Stelle zu einer anderen wird als „Vikarisation“ bezeichnet. Der entzündliche Prozess ist ebenso wenig wie an einen Ort, an eine bestimmte Zeit gebunden. Noch nach vielen Jahren ist es möglich und notwendig die Entwicklungsgeschichte einer Krankheit wieder aufzurollen um sie zur Ausheilung zu bringen. Krankheiten im Kindesalter und die Art und Weise wie wir damit umgehen, haben einen grossen Einfluss auf die gesundheitliche Situation im späteren Alter.
Durch unterdrückte Entzündungsprozesse kann der Organismus manchmal seine Reaktionsweise ändern. Der Körper wechselt nachdem das Bekämpfen der Erkrankung, auf Grund einer eigenen Schwäche oder durch unterdrückende Behandlungen, nicht gelungen ist seine Abwehrstrategien. Diese Abwehraktivitäten werden in biologisch unsinniger Weise völlig übersteigert und die Reaktion folgt schon auf geringfügige, harmlose Reize. Eine solche Reaktionsweise findet beispielsweise bei Allergien statt.
Die gegenteilige Entwicklungsrichtung zur übersteigerten Form als Reaktionsweise auf die Unterdrückung ist die Resignation. Die entzündlichen Prozesse werden auf ein Minimum reduziert und das führt dann zu chronischen Entzündungen.
Folgende chronische Entzündungen kommen häufig vor:
- Chronische Tonsillitis (Mandelentzündung)
- Chronische Rhinitis (Schnupfen) und Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung)
- Chronische Konjunktivitis (Bindehautentzündung) und Blepharitis (Lidrandentzündung)
- Chronische Laryngitis (Kehlkopfentzündung)
- Chronische Bronchitis, Bronchialasthma
- Chronische Zystitis (Blasenentzündungen)
- Chronische Enteritis, Colitis; auch chronische Appendizitis (Darmentzündungen)
- Chronische Arthritis (Gelenksentzündungen)
- Chronische Dermatitis, Ekzeme (Hautentzündungen)
Eine Heilung der chronischen Entzündung erfordert die Voraussetzung, dass man das Abwehrsystem so aktiviert, dass das Feuer wieder entfacht und die Entzündung in die akute Phase zurückgeführt wird. Dieser Prozess geht mit einer heftigen Verstärkung der Symptome einher und benötigt die Bereitschaft des Betroffenen, diesen oft sehr unangenehmen Weg zu gehen.
Die Fähigkeit eine Entzündung zu entwickeln, ist eine zentrale Überwindungs- und Heilungsstrategie, die der Mensch bzw. das Kind auf seinen Lebensweg mitbekommt, um sie unbewusst bei Krankheiten einzusetzen. Bei Säuglingen ist dieses Reaktionsmuster jedoch noch unreif. In den ersten sieben bis zehn Jahren reift es erst durch wiederholtes Training zu seiner vollen Leistungsfähigkeit heran. Daher ist es üblich und völlig normal, dass Kinder öfter krank sind als Erwachsene.
Jede erfolgreich beendete akute Entzündung versetzt zudem das betroffene Gewebe nicht nur in den Zustand zurück in dem es sich vorher befand, sondern sie hinterlässt sogar einen stabileren Zustand als vorher. Das Immunsystem ist in der Lage jeden erfolgreich abgelaufenen Abwehrprozess als Erfolg zu verbuchen und in seine künftige Arbeitsweise zu integrieren, so dass bei vielen Menschen entzündliche Erkrankungen immer gleich oder ähnlich ablaufen. Dies betrifft sowohl den Ort des Geschehens, wie auch den individuellen Verlauf.
Deutung und Aufarbeitung auf symbolischer und psychosomatischer Ebene:
Allgemein mögliche Bedeutung einer Entzündung: Angst; Panik; Rotsehen; erhitztes Denken; Wut; Aggression; innerer Kampf; Konflikte; Angriff und Abwehr
Fragen, die man sich bei Entzündungsreaktionen stellen kann:
- Was für innere Konflikte wollen gelöst werden?
- Gibt es Streitereien, Unausgesprochenes in meinem Leben?
- Unterdrücke ich Aggressionen, Wut?
- Bin ich in Frieden mit mir und der Welt?
- Was bringt mich innerlich zum „Kochen“ oder gar zum „Explodieren“?
- Bin ich häufig damit beschäftigt mich über Dinge aufzuregen?
- Kann ich meine eigenen Schattenseiten annehmen und integrieren?
- Habe ich Ängste oder Panikgefühle?
- Gibt es neue Herausforderungen und Impulse in meinem Leben, die mich so erregen?
- Fühle ich mich von jemandem angegriffen oder bin ich selber auf Angriff gestimmt?
- Verdränge ich irgendwelche Entscheidungen?
- Lebe ich meine Kreativität, meine Ideen, meine Leidenschaft, meine Impulse etc. aus?
Wenn man sich diese Themen, die um Erregen sorgen, nicht bewusst macht, so kann der Konflikt auf körperlicher Ebene hervorgerufen werden. Erregern wird die Grenze geöffnet.
Je stärker die seelische Abwehr ist, desto geringer ist die körperliche Abwehr.
Bearbeitung:
- Aufgestautes anschauen und entladen
- Sich dem erregenden Konflikt öffnen, statt den Körper zum Kriegsplatz zu machen
- Auseinandersetzungen wagen und Konflikte austragen bzw. lösen
- Den Mut haben zu sich selber zu stehen und auszusprechen was man denkt
- Entscheidungen treffen
- Energien freisetzen und ausleben
- Kreativität zulassen und ausleben
- Auf die Abwehr neuer Bewusstseinsimpulse verzichten
- Bewusstwerdung fördern
- Wandlung riskieren: alte Anschauungen loslassen und ungesunden Gewohnheiten ein Ende bereiten
- Reifungs-bzw. Entwicklungssprünge riskieren
- Konflikthaftigkeit des Menschseins anerkennen. Mit Konflikten leben und umgehen können.
- Meine Denkweise überprüfen
Mit zu beachten ist auch immer die körperliche Stelle bzw. das Organ, an dem die Entzündung stattfindet
Allgemeines Fazit:
Entzündungsreaktionen sind in der Regel ganz natürliche Abwehr- und Heilungsstrategien des Körpers, die uns vor Schädigungen schützen.
Es dient deiner Gesundheit viel mehr, wenn du die Heilungskräfte und die am Prozess beteiligten Organsysteme in ihrer Funktion stärkst, als wenn du die Entzündungssymptome einach unterdrückst.
Deine Ernährung hat ebenfalls einen grossen Einfluss auf entzündliche Erkrankungen.
Auch wenn es im Moment vielleicht etwas unangenehm ist, so lohnt es sich Geduld mit seinem Körper und auch seinen geistigen- und psychischen Entwicklungsprozessen zu haben, sich genug Zeit zur Heilung zu geben und Schmerzen auch mal auszuhalten. Dies ist eine gute Lernübung fürs Leben. Schon als Kind machen uns solche durchstandenen Prozesse stärker (nicht nur körperlich!) und helfen uns dabei Vertrauen in unseren Körper und unsere mentalen Fähigkeiten zu entwickeln.
Darum wünsche ich dir nun einen achtsamen, friedvollen und geduldigen Umgang mit dir selbst und deiner Umwelt.
In Liebe und Dankbarkeit
Doris