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Die Beziehungen zwischen der Schweiz und Kolumbien sind eng und vielfältig, mit regelmässigen politischen Konsultationen und hochrangigen Treffen. Kolumbien ist ein Schwerpunktland der Schweiz in den Bereichen wirtschaftliche Zusammenarbeit, humanitäre Hilfe und Friedensförderung.
Bilaterale Beziehungen Schweiz–Kolumbien
Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen
Die Beziehungen zwischen der Schweiz und Kolumbien reichen von der Förderung des bilateralen Handels über wirtschaftliche Entwicklung sowie kulturelle und multilaterale Zusammenarbeit bis hin zu humanitärer Hilfe und Friedensförderung.
Die Schweiz und Kolumbien haben Abkommen in den Bereichen Investitionsschutz, Freihandel, Doppelbesteuerung, Rechtshilfe, Luftverkehr, wissenschaftliche Zusammenarbeit und Kulturgüterschutz abgeschlossen.
Wirtschaftliche Zusammenarbeit
Im Jahr 2020 importierte die Schweiz Güter im Wert von insgesamt 304 Millionen CHF aus Kolumbien, vor allem landwirtschaftliche Produkte sowie Edelsteine und Edelmetalle. Die Schweizer Exporte nach Kolumbien beliefen sich auf 516.1 Millionen CHF und umfassten hauptsächlich chemische und pharmazeutische Produkte, Präzisionsinstrumente und Maschinen. Die Schweizer Direktinvestitionen in Kolumbien betrugen per Ende 2019 5 Milliarden CHF. Schweizer Firmen im Land beschäftigen rund 12’750 Angestellte.
Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Schweiz und Kolumbien stützen sich auf einen soliden Rechtsrahmen. Ein Freihandelsabkommen zwischen den EFTA-Staaten und Kolumbien ist seit 2011 in Kraft. Seit 2009 besteht zwischen der Schweiz und Kolumbien zudem ein Abkommen über die Förderung und den gegenseitigen Schutz von Investitionen, seit 2011 auch ein Doppelbesteuerungsabkommen. Im März 2019 unterzeichneten die Schweiz und Kolumbien ein Abkommen, um die korrekte Umsetzung des Doppelbesteuerungsabkommens sicherzustellen.
Im April 2021 unterzeichneten die Schweiz und Kolumbien ein Memorandum of Understanding (MoU) zur Gründung einer Gemischten Wirtschaftskommission. Diese setzt sich aus Regierungs- und Privatwirtschaftsvertreter/-innen beider Länder zusammen und hat zum Ziel, die bilateralen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zu stärken.
Exportförderung und Investitionsschutz
Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) und das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) stellen zusammen mit den Schweizer Vertretungen im Ausland ein breites Dienstleistungsangebot zur Verfügung. Dieses wurde in den letzten Jahren verstärkt auf Klein- und Mittelbetriebe (KMU) ausgerichtet.
Die rund 170 Botschaften und Generalkonsulate bieten den Schweizer und liechtensteinischen Unternehmen
- Standardisierte Informationen
- Vermittlung von Kontakten und Unterstützung beim Zugang zu offiziellen Stellen im Ausland
- Interessenvertretung Schweizer Unternehmen
Die Kolumbianisch-schweizerische Handelskammer (Cámara de Comercio Colombo Suiza, CCCS) dient seit 1974 als Brücke für Handelsförderung zwischen den beiden Ländern. Die CCCS zählt aktuell 60 Mitglieder, hauptsächlich Schweizer und kolumbianische Unternehmen (sowohl multinationale Unternehmen wie auch KMU). Die Handelskammer arbeitet eng mit der Schweizerischen Botschaft und Switzerland Global Entreprise (S-GE) zusammen. Mit letzterer verfügt die CCCS über ein Zusammenarbeitsabkommen für die Bearbeitung von Mandaten aus der Schweiz.
Automatischer Informationsaustausch in Steuersachen (AIA)
Die Schweiz und Kolumbien haben den gegenseitigen automatischen Informationsaustausch in Steuersachen (AIA) eingeführt. Informationen über Konten werden gemäss dem internationalen AIA-Standard seit 2018 erhoben und seit 2019 ausgetauscht.
Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation
Forschende aus Kolumbien können sich beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) um Bundes-Exzellenz-Stipendien bewerben. Das Einreichen entsprechender Bewerbungen erfolgt via COLFUTURO und ICETEX.
Die Universität St. Gallen (HSG) ist als Leading House zuständig für die Zusammenarbeit mit lateinamerikanischen Institutionen. Das Leading House bietet unter anderem mehrere Finanzierungsinstrumente an für den Austausch zwischen kolumbianischen und schweizerischen Forschenden. Zudem organisiert die HSG gemeinsam mit ICETEX das Academia-Industry Training, welches Schweizer und kolumbianische Start-ups dabei unterstützt, ihre Produkte marktfähig zu machen.
Zudem begleitet die Schweizer Botschaft in Bogotá das Pilotprojekt für duale Berufsbildung in Kolumbien, welches Nestlé in Zusammenarbeit mit der kolumbianischen Regierung und dem Privat- und Bildungssektor 2020 lanciert hat.
Internationale Zusammenarbeit in Kolumbien
Die internationale Zusammenarbeit der Schweiz ist in Kolumbien mit drei Kooperationspfeilern (DEZA, SECO und AFM) vertreten, die ein gemeinsames Kooperationsprogramm 2021-2024 verfolgen.
Entwicklungszusammenarbeit und Humanitäre Hilfe (DEZA)
Seit 2001 konzentriert sich das DEZA-Programm der humanitären Hilfe auf die Unterstützung und den Schutz der vom Konflikt betroffenen Zivilbevölkerung. Für die Jahre 2021–2024 wurden dafür 48 Mio. CHF budgetiert. Kolumbien ist zudem Teil des Andenprogramms der DEZA in den Bereichen Anpassung an den Klimawandel und nachhaltiges Wassermanagement (Budget 2.3 Mio. CHF).
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (SECO)
Kolumbien ist seit 2009 ein Schwerpunktland des SECO im Bereich der wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit. Das Programm zielt darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit der kolumbianischen Wirtschaft zu stärken und das nachhaltige und inklusive Wachstum zu fördern. Das im Rahmen des Kooperationsprogramms 2021–2024 vorgesehene Budget beläuft sich auf 45 Mio. CHF.
Frieden und Menschenrechte (AFM)
Seit 2002 ist Kolumbien ein Schwerpunktland der Schweizer Friedens- und Menschenrechtspolitik. Das aktuelle Programm der Abteilung für Frieden und Menschenrechte (AFM) konzentriert sich auf die Förderung der Menschenrechte, die Partizipation der Zivilgesellschaft, die Vergangenheitsarbeit und die Übergangsjustiz. Das für den Zeitraum 2021-2024 vorgesehene Budget beträgt 4.4 Mio. CHF
Schweizerinnen und Schweizer in Kolumbien
Ende 2020 lebten gemäss Auslandschweizerstatistik 2’430 Schweizerinnen und Schweizer in Kolumbien.
Geschichte der bilateralen Beziehungen
Die Schweiz unterhält seit dem Ende des 19. Jahrhunderts konsularische und diplomatische Beziehungen zu Kolumbien. Ein 1908 abgeschlossener Freundschafts-, Niederlassungs- und Handelsvertrag verbesserte die Stellung der Schweizerkolonie. 1911 eröffnete die Schweiz in Bogotá ein Konsulat, 1940 eine Gesandtschaft und 1958 eine Botschaft. 1974 wurde in Bogotá zudem die kolumbianisch-schweizerische Handelskammer gegründet.
Die Schweizerkolonie in Kolumbien gründete 1949 das Colegio Helvetia de Bogotá. Es bietet die Möglichkeit eines kombinierten Abschlusses mit kolumbianischer und schweizerischer Matur (entweder in Deutsch oder Französisch).