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Uruguay, zusammengesetzt ist, welche, im südwestlichen Teil des brasilischen Gebirgssystems entspringend und einander sehr nahe nach S. abfließend, zuletzt zu einem Strom, dem Rio de la Plata [* 2] (s. La Plata), vereinigt dem Meer zuströmen. Diese zusammenhängenden niedrigen Ebenen von Südamerika, [* 3] die sich von Patagonien bis zum Antillenmeer auf der Ostseite der Andes ausbreiten, haben zusammen einen Flächeninhalt von ungefähr 11,343,000 qkm (206,000 QM.), wovon etwa 7,115,000 auf die des Amazonenstroms, 3,310,000 auf die des Rio de la Plata und von Patagonien und 918,000 auf die des Orinoko kommen mögen. Die übrigen kleinern Ebenen, wie die von Guayana, die des Magdalenenstroms und die von Chile, [* 4] Bolivia, Peru [* 5] an der Westküste, nehmen zusammen einen Flächenraum von ungefähr 881,000 qkm (16,000 QM.) ein.
Geologische Übersicht.
Von keinem Teil der Erde ist die Kenntnis des geognostischen Baues des Landes ungleicher als von Amerika. [* 6] Während große Landstriche noch von keines wissenschaftlichen Forschers Fuß betreten wurden, kennen wir viele Teile, namentlich der Vereinigten Staaten [* 7] von Nordamerika, [* 8] bis ins Detail. Weisen die tief eingeschnittenen, vorgebirgs- und halbinselreichen Küsten, die zahlreichen selbständigen Fluß- und Gebirgssysteme Europas auf einen sehr verwickelten Bau dieses Kontinents hin, so läßt sich aus der großartigen Einfachheit der Oberflächenverhältnisse Amerikas auf dessen weniger komplizierte geologische Zusammensetzung schließen.
Hier werden, wie Ratzel hervorhebt, die Beziehungen zwischen geologischem Aufbau, Bodengestalt und Umriß greifbar, und in der Aneinanderreihung der aufeinander folgenden Formationen tritt uns die Bildungsgeschichte, das allmähliche Hervor- und Zusammenwachsen namentlich des nordamerikanischen Festlands mit größter Deutlichkeit entgegen. Mit Recht sagt Dana: »Amerika hat die Einfachheit eines einfach entwickelten Resultats, während Europa [* 9] eine world of complexities ist«.
In den getrennten Gebirgsgliedern des amerikanischen Ostens herrschen die kristallinischen Gesteine [* 10] meist in Verbindung mit vorjurassischen, überwiegend paläozoischen Bildungen vor; Melaphyre und andre sogen. Trappgebilde sind die Eruptivbildungen dieser Gebiete, alle jüngere vulkanische Thätigkeit ist dem Osten des Festlands fremd. Ganz verschieden ist der Westen desselben gebildet; an der Bildung der Kordilleren nimmt nicht allein kristallinisches, paläozoisches und triassisches Gestein teil, sondern auch jüngere Sekundärbildungen aus der Jura- und insbesondere der Kreide- und Tertiärzeit bedecken große Flächen.
Die vulkanische Thätigkeit setzt sich bis in die gegenwärtige Zeit fort. Porphyreruptionen in der sekundären Zeit, trachytische und basaltische in der Tertiärzeit, mächtige vulkanische Auswurfsmassen und Laven der Jetztzeit nehmen den wesentlichsten Anteil an der Zusammensetzung der Kordilleren; ja, fast alle Hochgipfel des Erdteils, die sämtlich dem Westen angehören, sind Produkte dieser spätern Eruptionsthätigkeit, nicht wenige dieser Hochgipfel noch gegenwärtig thätige Feuerberge.
Die weiten Ebenen, welche die getrennten östlichen Gebirge Südamerikas von den Kordilleren trennen, bestehen aus Tertiär- und Diluvialbildungen, nur im Bereich der Küsten und der großen breiten Stromthäler aus jüngern Alluvionen, während in Nordamerika, wo im O. die paläozoischen Bildungen, im W. die kristallinischen Gebirgsmassen in großartigster Entwickelung auftreten, bloß ein relativ schmaler Strich mit mächtigen Entblößungen zerstückelter Kreide- und Tertiärbildungen den Osten und Westen des Landes, von den Prärien von Texas an bis zum Saskatschawan und vielleicht noch weiter nach N. fortsetzend, trennt. Im S. und N. des Kontinents erheben sich einzelne Gebirgs- und Berginseln, aus ältern kristallinischen und paläozoischen Gesteinen zusammengesetzt, aus den jüngern Ablagerungen der Ebenen, so die Sierren von Cordova und Tucuman aus den Ebenen des La Plata, die Sierra von Solano aus den Ebenen des Japure, die Sierra von San Saba in Texas, die Black Hills und Three Peaks im obern Missourigebiet.
Versuchen wir, uns in großen Zügen ein Bild von dem geologischen Bau und der Entwickelungsgeschichte [* 11] zunächst Nordamerikas zu entwerfen (vgl. dazu die »Skizze eines idealen Durchschnitts durch Nordamerika« auf der Tafel bei »Geologische Systeme«). In großartiger Entwickelung treten zunächst die Bildungen urältester Sedimentgesteine der azoischen Formationsgruppe, laurentische Gneise und huronische Schiefer, auf. Die erstern sind repräsentiert durch die verschiedensten Gneisvarietäten und umschließen Lager [* 12] von Granit, Syenit, von Glimmer- und Hornblendeschiefer, von Serpentin, kristallinischen Kalksteinen und Eisenerzen.
Die huronische Schieferformation ist durch Glimmer-, Thon-, Talk- und Chloritschiefer mit Einlagerungen von Itakolumit, Quarzit, Kalkstein und Konglomeraten vertreten. Die Urgesteine treten besonders in drei Hauptzonen auf. Zunächst bilden sie die Basis und gleichsam das Gerippe der beiden Haupterhebungssysteme des Kontinents im W. und O. Der östliche oder atlantische Zug der Urgesteine, welcher die ganze Gebirgsregion der östlichen Staaten beherrscht, zieht sich in der imposanten Hauptkette des appalachischen Systems in einer Länge von etwa 2100 km ununterbrochen, nur hier und da durch enge Querthäler eingekerbt, von dem bergigen Hügelland des nördlichen Georgia durch die beiden Carolinas und die übrigen atlantischen und neuenglischen Staaten.
Als Kern oder als Gerüst des Gebirges treten die Urgesteine weiter in der Kordillerenzone auf. Zwei Hauptzüge heben sich besonders hervor, ein östlicher, der dem Felsengebirge und seinen südlichen Ausläufern entspricht, und ein westlicher, der mit der Sierra Nevada und deren nördlicher Fortsetzung, dem Kaskadengebirge, zusammenfällt. Überall, wo diese Gebirge sich zu wirklichen Hochgebirgsgipfeln erheben, da treten auch jene Urgesteine auf. Zwischen den beiden Hauptzügen liegt ein wahrer Archipel von Gneis- und Granitinseln, welche aus der Decke [* 13] der das »große Becken« des Kordillerenhochlands überkleidenden Tertiärschichten hervorragen.
Eine Verbindung gewissermaßen zwischen der atlantischen und pazifischen Urgesteinszone bildet die dritte nördliche. Die laurentisch-huronische Gesteinszone der Alleghanies steht mit dieser am untern Lauf des St. Lorenzstroms in fast direktem Zusammenhang. Dieselbe erstreckt sich von hier aus in westlicher Richtung bis über die Quellen des Mississippi und vereinigt sich mit den von N. nach S. streichenden Gneisen der nördlichen Rocky Mountains-Region. Dieser nordischen Urgesteinszone entspricht die Bodenerhebung, welche gegenwärtig die Wasserscheide zwischen dem Mississippisystem und den arktischen Strömen bildet. Die östliche und südliche Hälfte von Labrador, Kanada nördlich vom St. Lorenz, das Innere des britischen Dominiums bis zum Arktischen Meer hin, die Inseln nördlich der Hudsonsbai fallen in den Bereich dieser nördlichen Urgesteinszone. Sie repräsentiert nach den Anschauungen der amerikanischen Geologen den ¶
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ältesten Teil des Festlands, den »Nucleus des Kontinents«, um welchen sich wie um einen Kristallisationskern die jüngern Formationen angelagert haben. Da auch die atlantische Urgesteinszone aller Wahrscheinlichkeit nach als Festland in jenen Zeiten über den Meeresspiegel emporragte, so waren am Schluß des azoischen Zeitalters der Erdgeschichte, beim Beginn also der silurischen Ära, in welcher das erste organische Leben in größerer Mannigfaltigkeit auftrat, die jetzigen Konturen des Ostens von Nordamerika durch zwei Zonen von Festland bereits angedeutet.
Innerhalb der tiefen Bucht, welche die kanadische und atlantische Urgesteinszone umschlossen, dehnte sich während der paläozoischen und teilweise auch während der jüngern geologischen Perioden gewissermaßen als eine nördliche Fortsetzung des Mexikanischen Golfs ein Meer aus, dessen Ufer aber im Lauf der Entwickelung unsers Erdballs immer mehr nach S. zurückgedrängt wurde, während sich das Festland durch allmähliche Hebung [* 15] in gleichem Maß vergrößerte.
Der Ausdehnung [* 16] des paläozoischen Meers entspricht die Verbreitung der in ihm zur Ausbildung gelangten silurischen, devonischen und karbonischen Schichtensysteme, welche, über den Meeresspiegel emporgehoben, nun gürtelförmig jene Urgesteinszonen in der genannten Bucht und an den Außenseiten (in Britisch-Amerika) umsäumen (vgl. H. Credner, Die Geognosie und der Mineralreichtum des Alleghanysystems, in »Petermanns Mitteilungen« 1871). Diese paläozoischen Formationen besitzen in Nordamerika eine außerordentliche Verbreitung.
Sie füllen zunächst die ganze Bucht zwischen der kanadischen und atlantischen Urgesteinszone gegen W. bis weit über den Mississippi hinüber aus, ziehen sich sodann westlich vom Obern See zwischen den Rocky Mountains und der britisch-amerikanischen Seezone gegen NW. bis an das Arktische Meer und in einer zweiten Zone von Neubraunschweig und Neuschottland am Westgestade der Hudsonsbai gegen N., wo der Arktische Archipel ebenfalls größtenteils aus Gesteinsmassen der paläozoischen Schichtensysteme aufgebaut zu sein scheint.
Das unterste Glied [* 17] dieses paläozoischen Schichtensystems, die Silurformation, geht zunächst in einem dem Westabfall der atlantischen und dem Südabfall der kanadischen Urgesteinszone angelagerten Gürtel [* 18] zu Tage aus, um sich durch Wisconsin und Minnesota nach dem noch wenig erforschten Nordwesten zu wenden. Außerdem treten silurische Areale in dem Flachland zwischen den Alleghanies und dem Mississippi, ferner in Kanada, in den übrigen englischen Besitzungen, in den arktischen Regionen und im Felsengebirge auf. Die Silurformation setzt sich in diesen Distrikten vorwiegend aus Kalksteinen, Sandsteinen und Schiefern zusammen und wird von J. ^[James] Hall [* 19] und Dana in sieben Hauptgruppen gegliedert.
1) Untersilur: a) Primordialgruppe mit dem Potsdam-Sandstein, b) kanadische Gruppe, c) Trentongruppe mit den Utica- und Hudsonschiefern;
2) Obersilur: d) Niagaragruppe, e) Salinagruppe, f) untere Helderberg- und g) Oriskanygruppe. Von Eruptivgesteinen treten in dem Silur Amerikas Diorite und Melaphyre auf, letztere in Verbindung mit Melaphyrmandelsteinen namentlich auf der Keweenawhalbinsel am Lake Superior, wo sie neben verschiedenen seltenen Mineralien besonders gediegen Silber und Kupfer [* 20] in bis zu 7-8000 kg schweren Massen umschließen. Auch die reichen Bleiglanzlagerstätten in dem Winkel [* 21] zwischen Wisconsinfluß und Mississippi gehören der Silurformation an. Beim Eintritt des devonischen Zeitalters hat der Kontinent durch fortschreitende Hebung stark an Ausdehnung gewonnen.
Die in dem entsprechend zurückgedrängten Devonmeer abgelagerten Schichten bestehen in ihren untern Partien vorwiegend aus Kalksteinen und Schiefern, in den obern aus roten Sandsteinen, dem old red sandstone. Landpflanzen und Wirbeltiere (Fische) [* 22] erscheinen auf der Weltbühne. Devonische Schichten umsäumen die silurischen Zonen der östlichen Vereinigten Staaten und treten außerdem in Kanada, Neuschottland und Neubraunschweig sowie im arktischen Gebiet in der Nachbarschaft der sie unterteufenden Silurformation auf. Der Versteinerungsführung nach wird das Devon [* 23] Nordamerikas in vier Hauptgruppen (Catskill-, Chemnung- ^[richtig: Chemunggruppe], Hamilton- und Corniferousgruppe) sowie in zahlreiche Unterabteilungen gegliedert. Dem obersten Devon gehören die großartigen unterirdischen Petroleumreservoirs im nördlichen Pennsylvanien an.
Die Steinkohlenformation beginnt mit einer Tiefseebildung, dem an Versteinerungen überaus reichen Kohlen- oder Bergkalk. Derselbe nimmt den größten Teil des Areals zwischen den Alleghanies und dem Mississippi ein und bildet ausgedehnte Landstriche in den Rocky Mountains und in den arktischen Regionen. Die obere produktive Kohlenformation deutet eine Periode der Hebung an, durch welche umfangreiche Strecken des Meeresbodens über den Wasserspiegel erhoben wurden und sich mit einer üppigen Dschangelnvegetation von Schachtelhalmen, Farnen, Sigillarien, Lepidodendren und Koniferen [* 24] bedeckten, welche das Material zu den für die industrielle Entwickelung Nordamerikas so wichtigen Steinkohlenflözen geliefert haben.
Die flözführende Kohlenformation breitet sich namentlich über sieben große Territorien aus:
1) das ungeheure appalachische Kohlenfeld am Westabfall der Alleghanies, 2) das Illinois-Missouri-Kohlenfeld, 3) dasjenige von Michigan, 4) das des nördlichen Texas, 5) das Kohlenfeld von Rhode-Island, 6) die Kohlenfelder von Neuschottland und Neubraunschweig, 7) das erst neuerdings nachgewiesene Feld zwischen Red Deer River und Athabasca in Britisch-Amerika. Die Dyas- oder permische Formation ist auf den westlichen Teil des Kontinents beschränkt und tritt hier namentlich in Kansas und in Nebraska, in New Mexiko [* 25] und an verschiedenen Punkten des Ostabfalls des Felsengebirges auf.
Aus Kalksteinen und Mergeln bestehend, lagert die Dyas unmittelbar auf der unproduktiven Kohlenformation, dem Kohlenkalk, ohne daß eine scharfe Grenze zwischen beiden gezogen werden könnte. Die Ablagerung der Schichten ging eben ohne eine wesentliche Veränderung der Niveauverhältnisse, wie sie im O. stattfand, vor sich. Nordamerika östlich des Mississippi war mit der Bildung der Steinkohlenformation im wesentlichen fertig, es wuchs in den folgenden Perioden vornehmlich noch gegen S. und SW. So besitzen denn die Formationen des mesozoischen (sekundären) Zeitalters gegenüber den paläozoischen Schichten eine wesentlich weniger umfassende Verbreitung.
Die Triasformation [* 26] tritt zunächst in zwei Regionen, am Ostabfall des Alleghanysystems und in den Kordilleren, auf, dort in Form mächtiger roter Sandsteinmassen (new red sandstone) mit eingelagerten Kohlenflözen und Bänken von Diorit (Palissaden bei New York), stellenweise, namentlich im Connecticutthal, reich an Fußabdrücken von Reptilien, riesigen Vögeln (Brontozoum), hier, am Ostabfall der Rocky Mountains, in Form ziegelroter Sandsteine und Mergel und in der ¶