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Sorne Logbuch
von Liliane Waldner
Einführung in die Sorne
Die Sorne fliesst durch die Kantone Bern und Jura ist 31 Kilometer lang. Ihre Quelle liegt bei Les Genevez am Ostrand der Freiberge auf 1035 m.ü.M. Sie mündet auf 409 m.ü.M. nordöstlich der jurassischen Hauptstadt Delémont in die Birs.
Mehr über die Sorne auf:
https://de.wikipedia.org/wiki/Sorne
9. November 2018: Delémont - Berlincourt
Ich starte beim Bahnhof Delémont, weil ich den Weg von der Mündung der Sorne in die Birs bis zum Bahnhof bereits im Rahmen des Birs-Projekts gelaufen bin. Vom Sportstadion aufwärts bis Bassecourt mäandriert die Sorne in einer naturnahen Landschaft. Ich benutze den Wanderweg bis Courtételle. Dort gehe ich entlang der Hauptstrasse bis zur Postautohaltestelle Moulin. Dort gelange ich über eine Sorne-Brücke zur anderen Fluss-Seite. Die kleine Stromschnelle sowie ein vermutlich früheres Wehr lassen vermuten, dass dort eine Mühle war. Gegenüber dem Kreuz beginnt ein Feldweg, der mich nach Courfaivre führt. Ich bin erstaunt, dass es dort einen Weinberg gibt. Die Sonne vertreibt den Nebel. Ich raste ausgangs des Dorfs.
Bis jetzt konnte ich der Sorne flussnah folgen. Die vorhandenen Wege bis Bassecourt sind weit vom Fluss entfernt. Ich gehe auf der Landstrasse entlang, meist auf dem Wiesenbord, bis in das nahe Bassecourt. Bereits ab der Kreuzung mit der Bahnlinie, gibt es ein Trottoir. In Bassecourt treffe ich die Sorne wieder. Beim Brunnen im Zentrum entdecke ich auf einer Platte am Boden folgenden Spruch und fotografiere ihn: „Unissez-vous fils de la Rauracie et donnez-vous la main et donnez-vous la main“. Die Tafel erinnert an das uralte Volk der Rauriker, die ein Stamm der Kelten waren und die im Jura, Basel, Elsass siedelten. Der Name der Rauriker ist sogar noch älter als jener von Basel, was auch die Römerstadt Augusta Raurica zeigt. 1792 bis 1793 existierte eine kurzlebige Raurakische Republik im Jura. Die Jurassier sind offenbar die Nachfahren des Stammes der Rauriker. Der Stammeskonflikt dauert bis heute an. Am Tag meiner Auftaktwanderung hat in Moutier eine pro-jurassische Demonstration wegen der Aberkennung der Volksabstimmung zu Gunsten des Wechsels der Gemeinde vom Kanton Bern in den Kanton Jura stattgefunden.
Jetzt sind es entlang des Radweges noch zwei Kilometer bis zum Tagesziel Berlincourt, ab dem es durch Schluchten gehen wird. Es gibt für meine Route keine Zeitangabe, aber sie sollte in dreieinhalb Stunden machbar sein.
Links:
https://de.wikipedia.org/wiki/Rauriker
17. November 2018: Berlincourt - Sornetan
Die Wanderzeit von Berlincourt nach Undervelier beträgt eine Stunde 40 Minuten. Zwischen Undervelier und Le Pichoux gibt es keinen Wanderweg, sondern nur eine verkehrsarme Strasse. Dafür muss sicher nochmals dieselbe Zeit gerechnet werden. Von Le Pichoux nach Sornetan gelangt man auf einem Weideweg in 30 Minuten nach Sornetan.
Ich benutze den schmalen, schmierigen Pfad von Berlincourt nach Undervelier. Die auf der Karte angegebene Grotte de Ste-Colombe liegt aber auf der anderen Fluss- und Strassenseite. Es handelt sich um eine alte Kultstätte. Siehe Link unten. Auf der Schweiz Mobil Karte ist der Eintrag auf der Seite des Wanderweges und meines Erachtens irreführend. Eingangs der Gorges du Pichoux komme ich bei der Siedlung Blanches Fontaines vorbei. Dort befanden sich früher Industriebetriebe und besteht noch ein Kraftwerk. Heute dienen die alten Bauten als Künstler-Werkstätten und ein Teil für einen Carrosserie-Betrieb. Bronze-Skulpturen sind massenhaft im Freien ausgestellt und die Stücke können gekauft werden. Die Gorges du Pichoux ist im oberen Teil spektakulär. Die Sorne muss an einer ganz engen Stelle durch.
Unterwegs gibt es kein Restaurant zum Einkehren oder ein früherer Betrieb ist eingestellt. Typisch für das Randgebiet ist, dass ich von Sornetan bis Reconvilier die einzige Passagierin im Postauto bin. Der Postauto-Chauffeur sagt mir, er hätte gern mehr Passagiere.
Links:
https://www.lochstein.de/hrp/orte/colombe/colombe.htm
http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D2952.php?topdf=1
https://www.bronzeartsa.ch/index.php/fr/
22. November 2018: Sornetan - Les Genevez
Dass es in eine Randregion geht, zeigt mir, dass ich von Perrefitte bis Sornetan wieder denselben Postautochauffeur habe wie am letzten Samstag. Wir begrüssen und freudig und unterhalten uns gut.
Heute ist es das erste Mal etwas winterlich und kleine Teile des Weges sowie der Wiesen sind mit einer dünnen Puderschicht bedeckt. Der Morast überwiegt jedoch auf den Wegen. Von Sornetan geht es zuerst über Weiden, dann durch einen Wald nach Bellelay. Weit unten fliesst die Sorne als immer kleineres Rinnsal. Oberhalb von Châtelat fliesst sie nur stellenweise. Es kommt vor, dass bei karstigem Untergrund die Gewässer versickern und teilweise unterirdisch fliessen. Das ist bei der Sorne von Les Genevez bis Châtelat der Fall.
Vor Bellelay raste ich bei einem aussichtsreichen, sonnigen Rastplatz. Hinter der berühmten Käserei des Tête du Moine liegt ein fast ausgetrockneter, kleiner Weiher. Dann gehe ich auf einem Naturweg bis zum Weiher de la Noz. Er ist das grösste stehende Gewässer des Berner Jura und liegt in einem Naturreservat. Er wird von einem oberirdischen Arm der Sorne bewässert, dessen sichtbarer Lauf beim Hof La Noz beginnt. Ich folge ihm entlang der feuchten und tiefen Wiese. Hinter dem Gehöft wäre es nicht mehr weit zum ursprünglichen Quellbach, der unterhalb von Les Genevez beginnt, aber das weglose Gelände macht mir einen undurchdringlichen Eindruck. Vor mir liegt die Kantonsgrenze zum Kanton Jura. Ich muss die Zufahrt zum Gehöft zur Strasse hinauf benutzen und von dort zieht es sich noch etwas ins Dorf Les Genevez. Bei der Postautohaltestelle führt ein steiler Weg hinunter. Dort stosse ich auf die kümmerliche Quelle der Sorne. Im ersten oberirdischen Rinnsal fliesst praktisch kein Wasser. Wenn Wasser fliessen würde, käme es sehr wahrscheinlich aus einer Röhre oben. Offenbar wird das Quellwasser in Les Genevez unterirdisch gesammelt und in das Bachbett via ein Rohr abgeleitet. Meine Empfehlung: Nur bis zum Weiher de la Noz wandern und danach mehr Zeit mit den kulturellen Sehenswürdigkeiten verbringen.
Bellelay ist berühmt für seine frühere Abtei, samt barocker Kirche. Heute befindet sich in der Abtei eine psychiatrische Klinik. In der Nähe steht das Haus des Tête de Moine. Ich werde als Trophäe nebst dem Käse eine Girolle nach Hause tragen. In Les Genevez liegt das Bauern-Museum des Kantons Jura. In Les Genevez wird fleissig gebaut. Wer will dort wohnen, wo die Post dicht gemacht hat, das Restaurant zu ist, ebenso Metzgerei und Bäckerei, der OeV ein besserer Schulbusbetrieb ist?
Links:
http://www.abbatialebellelay.ch/de/
https://www.maisondelatetedemoine.ch/de/maison
https://www.museerural.ch/deutsch.php