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Kreislaufprobleme sind weit verbreitet: Fast jeder kennt zumindest einzelne Symptome für einen geschwächten Kreislauf – wie Schwindel, Schwarzwerden vor den Augen oder Schweissausbruch bis hin zum Gefühl, das Bewusstsein zu verlieren. Solche Kreislaufbeschwerden sind auf eine verminderte Durchblutung des Gehirns zurückzuführen, deren Ursache ein zu niedriger Blutdruck (sog. Hypotonie) ist.
Niedrige Blutdruckwerte können zum einen durch einen plötzlichen und heftigen Blutdruckabfall bedingt sein (akute Hypotonie): Bis zu 600 Milliliter Blut können in die untere Körperhälfte versacken. Sinkt der Blutdruck, versucht der Kreislauf eine gewisse Zeit lang, das Blut in die lebenswichtigen Organe umzuleiten, indem sich die Blutgefässe zu den Muskeln verengen. Reicht dieser Hilfsmechanismus nicht aus, verringert sich die Durchblutung des Gehirns. Wegen dieser Minderdurchblutung ist das Gehirn vorübergehend mit Sauerstoff unterversorgt. Ein akuter Blutdruckabfall (z.B. durch orthostatische Dysregulation) zeigt sich durch Kreislaufprobleme in Form von Augenflimmern, Schwindelattacken, Schweissausbruch und schlimmstenfalls Kreislaufkollaps beziehungsweise Ohnmacht (Synkope).
Niedrige Blutdruckwerte können zum anderen ein dauerhafter Zustand sein (chronische Hypotonie). Mögliche Anzeichen für chronisch niedrige Werte sind neben Augenflimmern und Schwindel auch Antriebslosigkeit, schnelle Ermüdbarkeit, hohes Schlafbedürfnis, erhöhte Reizbarkeit, Wetterfühligkeit, Appetitlosigkeit, depressive Verstimmung oder Stiche in der Herzgegend.
Ein Sonderfall der Kreislaufprobleme ist die sogenannte orthostatische Dysregulation: Orthostase bezeichnet die aufrechte Lage des Körpers. Damit in dieser Position alle Organe ausreichend mit Blut versorgt sind, passt der Körper seinen Blutdruck und somit das Kreislaufsystem im Sitzen oder Stehen normalerweise entsprechend an. Bei der orthostatischen Dysregulation ist diese Anpassung gestört und es kommt zu Kreislaufstörungen soblad man aus dem Liegen schnell aufsteht. Eine Orthostasestörung kann aber auch bei langem Stehen in der Sonne oder in grossen Menschenmengen sowie nach üppigen Mahlzeiten mit Alkoholkonsum Kreislaufbeschwerden verursachen. Die Symptome der Kreislaufprobleme reichen von Blässe, Übelkeit, Leeregefühl im Kopf über Gangunsicherheit, Schwindel, Schweissausbruch, verschwommenes Sehen und Tunnelsehen bis hin zum Ohnmachtsanfall.
Ein niedriger Blutdruck und damit verbundene gelegentliche Kreislaufprobleme sind – vor allem bei Menschen jüngeren und mittleren Alters – meist harmlos. Medizinisch bedeutsam ist es beispielsweise, wenn
Kreislaufprobleme können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Je nachdem, warum der für die Kreislaufbeschwerden verantwortliche niedrige Blutdruck (Hypotonie) entstanden ist, unterscheidet man:
Kreislaufprobleme treten häufig bei Infektionskrankheiten auf. Aber auch Entzündungen im Körper, Vergiftungen, Verletzungen mit starkem Blutverlust, Drogenmissbrauch oder eine starke Unterkühlung können die Ursachen für Kreislaufbeschwerden sein. Ausserdem können Schockzustände oder psychische Störungen zu einer Kreislaufstörung führen. Da Nierenerkrankungen oder Durchfall den Salz- und Flüssigkeitshaushalt des Körpers beeinflussen, können sie über die so entstehende Funktionsstörung des Stoffwechsels ebenfalls Kreislaufprobleme verursachen.
Kreislaufprobleme können ausserdem Begleitsymptom verschiedener Krankheiten sein. Mögliche Ursachen sind:
Kreislaufprobleme können ihre Ursachen auch in einer Reizung des Nervus vagus (= 10. Hirnnerv) haben: Bei entsprechend veranlagten Menschen kann dies dazu führen, dass sich die Blutgefässe plötzlich erweitern, dadurch fällt die Herzfrequenz ab und der Blutdruck sinkt.
Darüber hinaus treten Kreislaufprobleme auch häufig in der Schwangerschaft auf. Dies hat seine Ursache darin, dass das Herz-Kreislauf-System in der Schwangerschaft starke Veränderungen erfährt: Das Blutvolumen und die Herzschlagfrequenz steigen. Ausserdem erweitern sich die Blutgefässe bei Schwangeren, weil die Hormone die Gefässmuskulatur entspannt.
Da Kreislaufprobleme viele verschiedene Ursachen haben können, ist eine gründliche Diagnose nötig, um den Grund für die Probleme abzuklären. Um die akuten Ursachen für Kreislaufstörungen festzustellen, ist es hilfreich, noch während der akuten Beschwerden den Blutdruck und die Herzfrequenz zu kontrollieren. Der Arzt kann so erkennen, ob beispielsweise ein niedriger Blutdruck oder Puls akuter Auslöser der Probleme ist. Daraus können sich bereits erste Hinweise auf die mögliche Ursache der Kreislaufprobleme ergeben.
Der nächste Schritt zur Diagnose der Kreislaufprobleme besteht darin, eine ausführliche Krankengeschichte zu erheben (Anamnese). Dabei fragt der Arzt vor allem, ob eine Grunderkrankung vorliegt, welche Medikamente man einnimmt und welche Ereignisse oder Bedingungen zum Auftreten der Kreislaufprobleme führten. Anschliessend erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei welcher der Arzt den Herzschlag auf Regelmässigkeit und Frequenz kontrolliert, den Blutdruck misst und nach körperlichen Auffälligkeiten sucht. Um die Ursache für die Kreislaufprobleme einzugrenzen, kann ein Schellong-Test (d.h. mehrere Messungen von Blutdruck und Puls im Liegen und anschliessend im Stehen) erfolgen.
Zur Basisdiagnostik bei Kreislaufbeschwerden gehören auch eine Langzeit-Blutdruckmessung, ein Elektrokardiogramm (EKG), Belastungs-EKG beziehungsweise Langzeit-EKG und eine Blutuntersuchung. Je nach vermuteter Ursache werden weitere Untersuchungen durchgeführt, wie zum Beispiel eine Echokardiographie, Herzkatheteruntersuchung oder eine Elektroenzephalographie (EEG).
Die gegen Kreislaufprobleme eingesetzte Therapie zielt vor allem darauf ab, die verminderte Durchblutung wiederherzustellen und den Kreislauf zu stabilisieren. Wie die Behandlung im Einzelfall aussieht, richtet sich nach den jeweiligen Ursachen für die Kreislaufbeschwerden. Es können folgende Massnahmen zum Einsatz kommen:
Wenn Sie jüngeren oder mittleren Alters sind und einen dauerhaft leicht niedrigen Blutdruck haben, können gelegentliche Kreislaufprobleme harmlos sein. In dem Fall benötigen Sie keine besondere Therapie. Sie können Ihre Kreislaufbeschwerden womöglich schon in den Griff bekommen, indem Sie mehr trinken (Sie können den Kreislauf auch durch Kaffee ankurbeln), für ausreichend Bewegung sorgen oder auch mehr Kochsalz verwenden. Verringern sich Ihre Kreislaufprobleme, gilt dies auch bei wenig gestiegenen Blutdruckwerten als Zeichen für eine erfolgreiche Therapie.
Wenn akute Kreislaufprobleme auftreten, lautet die erste Massnahme zur Therapie: Beine hochlagern und kalte Umschläge machen. Halten die Probleme länger an, entwickeln sich Krämpfe oder eine Ohnmacht, liegt ein Notfall vor – dann heisst es: Schnell ins Krankenhaus! Wenn ein Kreislauf-Stillstand eintritt, erfordert dies eine sofortige Wiederbelebung.