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In den 1990er-Jahren lancierte die EU ihr MEDIA-Programm zur Unterstützung des Filmschaffens. Damit sollten europäische Filmproduktionen, die aufgrund der Abschottung nationaler Märkte benachteiligt sind, bessere Chancen gegenüber den grossen Hollywoodproduktionen erhalten. Das Programm fördert die Entwicklung, die Berufsausbildung und die Vermarktung europäischer Filmproduktionen. MEDIA erleichtert es unabhängigen Filmschaffenden Europas, neue Filme zu entwickeln und Partner sowie ein Publikum auch ausserhalb des eigenen Landes zu finden. Zudem ermöglicht das Programm professionellen Filmschaffenden die Teilnahme an Aus- und Weiterbildungen.
MEDIA ist zu einem Markenzeichen für zahlreiche in Cannes, Berlin oder Hollywood preisgekrönte Filme geworden. 2017 wurden ungefähr zwanzig Filme, welche für das Cannes Festival ausgewählt wurden, vom MEDIA Programm unterstützt. Zehn Filme wurden für die Oskar Preisverleihung nominiert. Darunter auch die Filme «Toni Erdmann» und «Ma vie de Courgette» des Schweizer Regisseurs Claude Barras, welche zur Kategorie der besten Animationsfilme gehörten. Letzterer Film hatte 2014 die Unterstützung von MEDIA erhalten.
Die Schweiz war zwischen 2006 und 2013 vollberechtigt am MEDIA-Programm beteiligt. Durch diese Teilnahme konnten die Bedeutung und der kommerzielle Erfolg des Schweizer Filmschaffens auf internationaler Ebene verbessert werden, da die Filme grössere Chancen haben, im Ausland gezeigt zu werden. Ausserdem konnten Schweizer Regisseure von denselben Unterstützungs- und Förderungsmassnahmen profitieren wie ihre Kollegen in den EU-Mitgliedstaaten und haben Zugang zu Weiterbildung und Netzwerken - die zur Verteilung der Filme auf Europäischer Ebene dienen und zur Zusammenarbeit verhelfen. Der Schwerpunkt des Programms lag im Vertrieb. Das Schweizer Publikum konnte jedes Jahr bis zu 300 Filme aus ganz Europa entdecken. Es wurden mehrere Schweizer Festivals unterstützt, etwa das Filmfestival für Animationsfilme Fantoche in Baden oder das Festival Visions du Réel in Nyon.
So wie europäische Filme an den wichtigen Festivals Auszeichnungen erhalten, haben auch Schweizer Produktionen, die durch MEDIA unterstützt wurden, im In- und Ausland Erfolg. Der Film «Sister – L’enfant d’en haut» der Regisseurin Ursula Meier wurde an der Berlinale 2012 mit dem silbernen Bären ausgezeichnet und erhielt an der Verleihung des Schweizer Filmpreises 2013 einen Quartz für den besten Spielfilm und das beste Drehbuch.
Weiterführung der guten Zusammenarbeit mit dem neuen MEDIA-Programm
Das MEDIA-Programm 2007-2013 ist am 31. Dezember 2013 ausgelaufen. 2014 wurde es in das Programm „Kreatives Europa“ integriert. Das Budget von MEDIA beträgt ungefähr 819 Millionen Euro für den Zeitabschnitt zwischen 2014 und 2020. Das darin enthaltene Unterprogramm „Kultur“ zielt darauf ab, die kulturellen Unterschiede zu verteidigen und das kulturelle Erbe zu erhalten. Bislang hat die Schweiz noch nicht am Programm „Kultur“ teilgenommen doch der Bundesrat hat beschlossen Verhandlungen zu starten, um dies zu ändern. Nach der temporären Blockade aufgrund der Abstimmung vom 9 Februar 2014 wurden die Verhandlungen um ein Bilaterales Abkommen, welches die Teilnahme der Schweiz am «Creative Europe» genehmigen würde, im Mai 2014 wiederaufgenommen. Da die Verhandlungen zwischen der Schweiz und der EU aktuell am Laufen sind, kann die Schweiz oder diverse Schweizer Institutionen zurzeit weder an Projekten teilnehmen, noch von finanzieller Unterstützung vom «Creative Europe» Programm profitieren. Um den Verlust des Programmes MEDIA zu überbrücken, hat der Bundesrat Übergangsmassnahmen erlassen, damit die bestehenden Projekte weitergeführt werden können und die Schweiz sich möglicherweise wieder in Programm MEDIA integrieren kann. Eine möglichst rasche Reintegration bleibt eine Priorität, da es umöglich ist, wichitge Aspekte wie internationale Kontakte zu kompensieren.