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Ein Haus wird verschoben
Am 9.3.1974 wird das Haus von Dr. Fleisch um mehrere Meter nach Süden geschoben, um der Hauptstrasse den nötigen Platz zu geben.
Das Haus Fleisch wurde 1747 erbaut und erfuhr in einem nicht genau bestimmbaren Zeitpunkt eine Erweiterung nach Westen. Es macht einen unscheinbaren Eindruck, ja man ist ohne weiteres bereit, dem Gebäude keine weitere Bedeutung beizumessen. Im Zusammenhang mit der Strassenkorrektur lag deshalb ein Abbruch nahe. Um sicher zu gehen und um nicht eventuell unersetzliches Kulturgut unnötig zu zerstören, wurde trotz äusserem Erscheinungsbild, aber mit den Erfahrungen an anderen Orten (Güttingen oder Uttwil), noch das Innere unter die Lupe genommen. Dabei musste der erste Eindruck gründlich revidiert werden: Edelholz-Türen, bemalte Oefen und reich profilierte Kassettendecken geben dem «hässlichen Entlein» Würde und Gehalt, wie sie bei städtischen Landhäusern im 18. Jahrhundert an zutreffen sind. Wieviele derartige Häuser gibt es vor den Toren der Stadt Steckborn? Es galt nach der Kenntnisnahme dieser Tatsachen alle Gesichtspunkte, die der Strassenkorrektur, des angemessenen Aufwandes, des kulturellen Wertes des Gebäudes und seiner Stellung zum Gümpli gegeneinander abzuwägen und die optimale Lösung zu finden. Nachdem sich als Projektvariante eine Arkade durch das Haus Fleisch als nicht den Kosten entsprechend wirkungsvoll für den Verkehr erwiesen hat, blieb nur die Verschiebung des Hauses verantwortbar. Auf diesem Wege wird es nun möglich sein, die Kurve für den Verkehr zu entschärfen und dem Fussgänger grösstmögliche Sicherheit zu bieten ohne Verlust an Kulturgut.
J. Ganz aus "Bote vom Untersee" vom 29. Januar 1974
Das Haus rechts ragt in die als Verkehrshindernis in die Seestrasse (links das "Gümpli"