Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03112.jsonl.gz/660

Aus dem Blinddarm, einem Teil des Dickdarms, stülpt sich rechts unten (Abbildung) in der Bauchhöhle ein 6 bis 12 cm langes wurm- oder fingerförmiges Anhängsel, der Wurmfortsatz oder die Appendix. Über dessen nach wie vor ungeklärte Bedeutung wurde früher viel spekuliert. („Rechts“ bezieht sich im medizinischen Sinn darauf, wie es die betroffene Person selbst sieht, also auf der Seite der rechten Hand.)
Die Appendizitis, die Entzündung dieses Dickdarmteils, ist die häufigste entzündliche Baucherkrankung überhaupt. Im 2. Lebensjahrzehnt tritt sie besonders oft auf; sie ist jedoch in jedem Alter möglich. Auch schwangere Frauen oder sehr alte Menschen können daran erkranken.
Da der Wurmfortsatz als Anhängsel des Dickdarms eine „Sackgasse“ darstellt, können sich dort Speise- oder Stuhlpartikel liegen bleiben und zu einer Entzündung führen. In seltenen Fällen sind andere Krankheiten wie Tumore, verschiedene Darmentzündungen, Würmer oder Fremdkörper die Ursache. Vielfach findet sich gar keine Erklärung für das akute Geschehen.
Der Krankheitsverlauf ist kurz, 6 bis 12 Stunden. Häufig sieht der Patient ein „schweres“, kaltes, vielleicht ungewohntes Essen oder ein Getränk als Ursache an.
Obwohl die Appendizitis zumeist akut abläuft und rasch operiert wird, gibt es Fälle, in denen das Geschehen im Unterbauch nicht als besonders dramatisch empfunden wird und sich spontan wieder „beruhigt“. Allerdings kann dann nur spekuliert werden, ob tatsächlich eine Blinddarmentzündung bestand. Wenn solche Schmerzattacken sich wiederholen – was besonders bei Jugendlichen vorkommt – wird schliesslich die Appendix operativ entfernt. Zeigen sich anlässlich der mikroskopischen Untersuchung des Wurmfortsatzes Vernarbungen und Kaliberschwankungen, sind diese der nachträgliche Beweis für abgelaufene Entzündungsschübe.
Bei Verdacht auf Blinddarmentzündung muss ein Arzt beigezogen werden. Hat sich die Vermutung einer akuten Appendizitis bestätigt, sind die Hospitalisierung und operative Entfernung des Wurmfortsatzes, die Appendektomie, angezeigt.
Heute wird neben der klinischen Untersuchung des Patienten und Bluttests zunehmend der Ultraschall zur Diagnose eingesetzt.
Nach dem Entscheid zum Spitaleintritt sollte man ab sofort keine Nahrung und kein Getränk mehr zu sich nehmen. Ein leerer Magen vermindert das Komplikationsrisiko bei der Narkose. Die üblichen Medikamente – ausgenommen blutverdünnende Mittel – können jedoch mit einem halben Glas Wasser noch geschluckt werden.
Die Operation erfolgt in Vollnarkose, entweder mit einem kurzen Schnitt im Unterbauch oder minimal-invasiv (mittels Bauchhöhlenspiegelung, „Schlüssellochchirurgie“).
Chronische oder wiederkehrende „Reizungen“ der Appendix kommen vor, sind aber schwer zu diagnostizieren. Ihre Behandlung ist gewöhnlich weniger dringlich.