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ist daher eine treue Begleiterin der Bäche und Flüsse
[* 8] und bildet namentlich im nordöstlichen Deutschland
[* 9] die Erlenbrücher,
in welchen die gewöhnlich weitläufig stehenden Bäume aus sumpfigem Boden hervorwachsen. Ihre Kronenabwölbung beginnt mit
dem 20.-30. Jahr; später zeigt sie nur langsamen Zuwachs, erreicht aber auf gutem Standort in 80-100 Jahren einen
runden, vollholzigen Stamm von 25 m Höhe bei 60-90 cmDurchmesser. Sie besitzt eine lang anhaltende, große Ausschlagsfähigkeit,
namentlich am Wurzelstock; während ihr der Wurzelausschlag fast gänzlich abgeht.
Der Same ernährt im Winter eine große Menge samenfressender Vögel,
[* 12] als Erlen- und Bergzeisige, Stieglitze etc. Die graue Erle (weiße,
weißgraue oder rote Erle, A. incanaL.) hat stets behaarte, nie klebrige Zweige, breit elliptische, doppelt gezahnte,
anfangs durchaus, später nur auf dem Mittelnerv und seinen Hauptästen der grau- oder etwas blaugrünen Unterfläche behaarte
Blätter und eine glatte, silbergraue Rinde, ist durch fast ganz Europa und Nordasien verbreitet, geht weiter nach Norden,
[* 13] steigt
im Gebirge höher als die vorige und findet sich auch in den nördlichen StaatenNordamerikas.
Sie wächst meistens strauchartig, erreicht aber als Baum eine Höhe von 10 m. Sie liebt weniger nassen Böden und treibt zahlreiche
Wurzelbrut. Das Holz ist heller als bei der vorigen, etwas feiner und dichter, feinzelliger; frisch gefällt, riecht es nach
Möhren. Man benutzt es wie das der Roterle. Die Weißerle spielt in der nordischen Mythologie eine große
Rolle: aus ihr ging die Frau hervor, aus der Esche der Mann. Die Alpenerle (Birkenerle, Drossel, A. AlnobetulaEhrh., Betulaalpina
Borkh., A. viridisDec.), in den mitteleuropäischen und italienischen Gebirgen, ein hübscherStrauch der Alpen
[* 14] von 2-4 m Höhe,
in der Kultur bisweilen ein kleiner Baum, hat in der Jugend behaarte Zweige und eirundliche, rautenförmige,
unregelmäßig gesägte, auf beiden Flächen gleichfarbige Blätter und steht in eigentümlicher Weise zwischen den GattungenBirke und Erle. Im Habitus gleicht sie der letztern, während die Einzelheiten der Blüten mehr zu den Birken hinneigen. Sie bildet
auf den höchsten Gebirgskämmen gewissermaßen ein Laubholzseitenstück zur Krummholzkiefer. Das Holz ist weiß, zäh, mittelmäßig
hart und dient als Brennholz.
Eine forstwirtschaftliche Bedeutung besitzen für das mittlere Europa nur A. glutinosa und A. incana, erstere als der Waldbaum
der feuchten Senken und des Bruchbodens im norddeutschen Flachland, letztere als der lebenszähe forstliche
Dienstmann, der überall am Platz ist, wo man schnell bedeutende Massen geringen Brennholzes erziehen will, in den feuchten
Seifen (Schlanken, Schluchten) der Bergländer sowohl als auch auf den trocknern Böden des Vorgebirges u. Flachlandes.
Beide Erlenarten sind ausgezeichnet durch ihr Ausschlagvermögen und ihren sehr raschen Wuchs; die beste
Bewirtschaftungsart für Erlenbestände ist der Niederwaldbetrieb, der auch als der
im allgemeinen herrschende zur Zeit angesehen
werden kann. Dem Schwarzerlen-Niederwaldbetrieb wird eine Schlageinteilung und ein meist 20-30jähriger Umtrieb zu Grunde gelegt.
Erstere muß so gelegt werden, daß jeder Schlag zugänglich ist, was in den Moorböden Norddeutschlands nicht immer ganz
leicht ist.
Die Abfuhr des geschlagenen Holzes durch vorliegende junge Schläge bei Frostwetter verursacht großen Schaden, da das Erlenholz
überaus brüchig ist. Einzelne im Hochwald zerstreut liegende Erlenniederungen werden gewöhnlich in Verbindung mit den sie
umgebenden Hochwaldbeständen in der Art bewirtschaftet, daß sie bei Gelegenheit der periodischen Durchforstungen mit abgetrieben
werden. Der Hieb
[* 15] in den Erlenniederwaldungen erfolgt meist bei Frost, da die Brücher sonst nicht zugänglich
sind.
AllesHolz wird gerückt, d. h. an festen Wegen, auf höhern Rücken, auf Dämmen etc. zusammengebracht, wo es bis zum Verkauf
stehen bleibt. Die Kultur der Schwarzerle erfolgt am besten durch Pflanzung. Man erzieht die Pflanzen in
besondern Saatkämpen. Fast jedes Jahr bringt Samen,
[* 16] der jedoch nur ein Jahr lang keimfähig bleibt. Man sammelt ihn Ende November. 1 hlSamen wiegt etwa 30 kg. Den Boden im Saatkamp stark zu lockern, ist zumeist nicht ratsam, da der feuchte und gelockerte Boden
stark auffriert.
Der Same wird meist breitwürfig gesäet und schwach mit Erde bedeckt. Man säet pro Ar 1,5-1 kg Samen. Die
Pflänzchen müssen gegen das überwuchernde Gras geschützt werden. Sie sind ein- bis zweijährig direkt aus der Saatschule
verpflanzbar, doch hat man in neuester Zeit starke ein- oder zweijährige Erlenpflänzlinge noch einmal im Pflanzkamp
verschult und verspricht sich von dieser Züchtung große Erfolge. Die Weißerlen-Niederwaldungen werden gewöhnlich in kürzerm,
12-24jährigem Umtrieb bewirtschaftet.
auch Eller oder Else (AlnusL.), Pflanzengattung aus der Familie der Betulaceen (s. d.). Ihre
nicht zahlreichen, über die nördl. Halbkugel zerstreuten Arten sind Bäume und Sträucher mit gestielten, rundlichen oder
eiförmigen, am Rande gesägten oder gezähnten, selten fiederförmig eingeschnittenen Blättern, und von den ihnen zunächst
verwandten Birken vorzüglich dadurch unterschieden, daß die weiblichen Kätzchen nach der Blütezeit sich in holzige Zapfen
umgestalten, die nach dem Ausfallen der meist eckigen und ungeflügelten Samen (Nüßchen) noch lange Zeit
an den Zweigen hängen bleiben.
Außerdem stehen bei den Erle unter den schildförmigen Schuppen der männlichen Kätzchen je drei gesonderte, von vier radförmig
ausgebreiteten Hüllblättern umgebene, viermännige Blüten, unter den fast ganz eiförmigen Schuppen der weiblichen
Kätzchen bloß zwei Stempel. Bei der Mehrzahl der Erle stehen die Kätzchen zu mehrern traubenförmig an einem gemeinschaftlichen
Stiele,
der sich schon im Sommervor der Blütezeit entwickelt. Davon macht bloß die Grün- oder Alpenerle eine Ausnahme. Man
kennt bis jetzt etwa 14 Erlenarten.
Die beiden gemeinsten europ. Arten sind die Schwarz- und die Weißerle. Die Schwarzerle (Alnusglutinosa
Gärtn.),
auch gemeine, rote oder schwarze Erle oder Roterle genannt, besitzt oberseits klebrige und kahle, unterseits in den
Rippenwinkeln braunbärtige, sonst ebenfalls kahle, verkehrt-eiförmige, abgerundete oder an der Spitze eingebuchtete, am
Grunde ganzrandige, sonst einfach bis doppelt gezähnte oder gesägte, oben glänzend dunkelgrüne,
unten matt hellgrüne Blätter.
Die Knospen
[* 17] sind gestielt, stumpf, die Kätzchen 5-6 cm lang, violettbraun. Die Zapfen sind eiförmig, geschlossen 10-13 mm lang
mit klebrigem, goldgelbem Wachsharz überzogen, reif kahl und bleiben bis spät ins nächste Frühjahr hängen. Die Nüßchen
sind verkehrt-eiförmig, 2-3 mm lang, ungeflügelt oder mit schmalem lederartigem Saum. Der schöne, schlanke
Baum wird selten höher als 25 m und ist im Alter mit rissiger, tafelförmig sich ablösender schwärzlicher Borke bedeckt.
Die Schwarzerle ist durch ganz Europa verbreitet, kommt auch in Asien
[* 18] und Afrika
[* 19] vor, steigt in Norwegen
[* 20] noch bis 300 m, am
Harz bis 600 m, in den südl. Alpen bis 1200, selbst 1300 m Meereshöhe. Vor allem beansprucht sie viel
Feuchtigkeit des Bodens, im Gebirge und Hügellande findet sie sich meist an den Ufern der Bäche und Flüsse sowie auf kleinern
vernaßten Stellen inmitten der Nadelholz- und anderer Hochwälder. Ausgedehnte mächtige Hochmoore sagen ihr
nicht zu, um so mehr Wiesen- und Grünlandsmoore der Niederungen.
Das Holz ist frisch gefällt rötlich, färbt sich aber in Berührung mit der Luft dunkler rot und ist nur unter beständiger
Feuchtigkeit im Boden oder unter Wasser dauerhaft. Im Trocknen wird es bald von Nagekäfern zerstört.
Es ist gut geeignet zu Tischler- und Drechslerarbeiten, da es eine schöne dunkle Politur annimmt. In Glasfabriken zu Formholz,
zum Glätten des Tafelglases wird vorzüglich gern Erlenholz verwendet, ebenso findet es gute Verwertung bei der Herstellung
von Bürsten, Pantoffeln, Spielwaren, Cigarrenkisten u. s. w. Als Brennholz ist Erlenholz weniger gesucht,
obwohl es selbst im grünen Zustande recht gut brennt. Gefahren ist die Erle nicht so sehr ausgesetzt als manche andere
Holzarten; die jungen Pflanzen leiden mitunter von Spätfrösten, noch mehr durch Graswuchs, unter dem sie leicht ersticken.
Später besitzt sie namentlich in einem Rüsselkäfer
[* 23] (Cryptorhynchus lapathiL.), dessen Larve im Holze
lebt, einen argen Feind, der schon manche Erlenanlage zerstört hat.
Die Abbildung auf TafelLaubhölzer: Waldbäume V,
[* 24]
Fig. 1 zeigt die Schwarzerle als Baum, außerdem 1 Triebspitze mit den für
das nächste Jahr vorgebildeten großen männlichen und
¶
mehr
kleinen weiblichen Kätzchen, 2 männliches Blütenkätzchen im Frühjahre, 3 dreiblütige Kätzchenschuppe von der Seite gesehen,
an der Spindel aufsitzend, 4 und 5 dieselbe von vorn und von unten gesehen, 6 und 7 eine vierzipfelige einzelne Blüte
[* 26] mit
Staubbeuteln von oben und von der Seite, 8 weibliches Blütenkätzchen, 9 weibliche Blütenschuppe
mit den zwei zweigriffeligen Blütchen, 10 und 11 Zapfenschuppe von innen (mit den zwei Früchten) und von vorn gesehen, 12 eine
Frucht, 13 Querdurchschnitt derselben, 14 einen reifen Fruchtzapfen, 15 Triebstück mit Blattknospe (2, 14 und 15 in
natürlicher Größe gezeichnet).
Die Weißerle (Alnusincana DC.), auch nordische oder Grauerle genannt, hat eiförmig-längliche, spitze,
am Grunde abgerundete, ganzrandige, sonst scharf doppelt gesägte, nicht klebrige, oben dunkelgrüne kahle, unten bläulichgraue
feinbehaarte Blätter, gewöhnlich ohne Haarbüschel in den Rippenwinkeln. Übrigens ist sie der Schwarzerle sehr ähnlich,
doch sind die Zapfen höchstens 1 cm lang, auch erlangt sie nicht die Höhe der vorigen; die Rinde des
glatten grauen Stammes reißt im höhern Alter etwas auf, verwandelt sich aber nicht in losblätternde Borke.
Die Blütezeit tritt etwa drei Wochen früher ein als bei der Schwarzerle, in Mitteldeutschland oft schon im Februar. Die
Weißerle ist durch ganz Europa, im westl., nördl. und östl.
Asien und in Nordamerika
[* 27] verbreitet. In denGebirgen steigt sie bedeutend höher als die Schwarzerle. In
Deutschland und Österreich
[* 28] wächst sie besonders an Bach- und Flußufern, vermeidet jedoch sauere sumpfige Auen und gedeiht
ganz gut auf trocknerm Boden, selbst an Berghängen und Gebirgskämmen. Die Weißerle schlägt nach dem Abtrieb vom Wurzelhals
und reichlich von den Wurzeln aus; letztere Eigenschaft empfiehlt sie besonders zur Befestigung von Flußufern,
Kiesbänken u. dgl. Das Holz der Weißerle ist heller als das der Schwarzerle und wird ähnlich verwendet. Spätfrösten ist
sie weniger ausgesetzt, dagegen ebenso dem Fraß des Erlenrüsselkäfers.
Eine Bastardform zwischen Weiß- und Schwarzerle ist die nur einen Großstrauch bildende weichhaarige
Erle (AlnuspubescensTausch.); diese ist namentlich im Norden heimisch, kommt jedoch auch in Deutschland und Österreich, selbst
noch im Kaukasus vor. Ein wichtigerStrauch ist die Alpen- oder Grünerle, auch Drossel genannt (Alnusviridis DC.). Die grünen
Blattknospen sind nicht gestielt, sitzend, die weiblichen Blüten entwickeln sich erst mit dem Laubausbruch,
die männlichen im Sommer vorher.
Die länglichen Nüßchen sind häutig-geflügelt, weshalb der Samen vom Winde
[* 29] weit fortgeführt wird. Die Blätter sind oben
dunkelgrün kahl, unten hellgrün, an den Nerven
[* 30] behaart, eiförmig, scharf doppelt gesägt, in der Jugend klebrig. Die Grünerle
findet sich in der kältern gemäßigten und kalten Zone der nördl. Halbkugel
fast überall, fehlt in Norddeutschland vom Harz an und in Skandinavien. Ihre eigentliche Heimat sind die Gebirge, sie steigt
in den südl. Alpen bis über 2000 m Meereshöhe; herabgewehter Samen siedelt sich oft auch am Fuße der Berge an. Wichtig
ist die Grünerle für die Aufforstung kahler Hochgebirgsstrecken als Vorläuferin weiterer Forstkultur.
Von den süd- und außereuropäischen Erle ist erwähnenswert die feingesägtblätterige Erle (Alnusserrulata Willd.),
ein nordamerik.Strauch, der in botan. Gärten angepflanzt wird, in Nordböhmen verwildert
vorkommt. Von
den beiden Hauptarten der Erle giebt es viele, namentlich auf Abweichungen in der Blattform begründete
Varietäten, so z. B. die zu Alnusglutinosa gehörigen laciniata Willd.,
incisa Willd. mit tief gelappten
Blättern.