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Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts
Wenn wir in einer Fremdsprache sprechen, färben zahlreiche Eigenschaften unserer Muttersprache auf die Aussprache dieser Fremdsprache ab. Manche Merkmale der Aussprache weisen auf unsere sprachliche Herkunft hin: Hört ein Deutschschweizer zum Beispiel isch statt ich, so mag er dahinter eine französische Muttersprache vermuten. Aber auch Merkmale wie Betonung, Rhythmus oder Intonation tragen zur Erkennung eines fremden Akzents bei.Durch Hintergrundlärm oder bei Telefongesprächen werden manche Merkmale der Aussprache verzerrt. Gerade sogenannte Frequenzmerkmale – wie der Unterschied zwischen <sch> und <ch> oder zwischen <u> und <o> – sind in solchen Situationen nicht mehr gut wahrnehmbar. Besser erhalten bleiben hier die zeitlichen Merkmale der Aussprache – wie die Dauer spezifischer Laute oder rhythmische Aspekte der Sprache.Anhand von Experimenten untersuchen wir, ob Hörer allein aufgrund von Zeitmerkmalen fähig sind, Akzente zu erkennen. Weiter gehen wir der Frage nach, wer französische und englische Akzente in deutscher Sprache besser erkennen kann: Sprecher der Sprache, welche hinter dem Akzent steckt – Französisch- und Englischsprachige? Oder Sprecher der Sprache, in welcher der Akzent auftritt – Deutschsprachige?
Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext
Forensische Linguisten untersuchen akustisches Spurenmaterial, zum Beispiel Aufnahmen von Bombendrohungen oder Banküberfällen. Dabei ist die Erkennung der Sprecherherkunft eines der Puzzleteile zur Identifizierung eines Täters. Wer ist für solche Analysen besonders geeignet – linguistische Experten, oder Muttersprachler der Sprachen des Spurenmaterials? Da Spurenmaterial oft über Telefonleitungen oder in lärmiger Umgebung aufgenommen wird, sind Zeitmerkmale für die forensische Linguistik von besonderem Interesse. Wir ermitteln, in welchem Ausmass diese zur Akzenterkennung beitragen.