Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03138.jsonl.gz/784

Gymnasiallehrer Magister Heinrich Kölner war bei seinen Schülern sehr beliebt, weil einerseits sein Unterricht in Geographie und Geschichte anziehend und lehrreich war und weil er andererseits lieber durch freundliches Zurechtweisen als durch Dreinschlagen und Auf-die-Knie-Schicken bei seinen Schülern für Ordnung sorgte. Sonst aber führte er ein liederliches Privatleben, woran wohl auch seine Frau, eine geborene Rosenburger, viel Schuld trug, weil sie ihm keine Besonders gute Hausmutter war. Und Kölner sprach so immer mehr geistigen Getränken zu. Neben der Konsumation von Bier, Wein und Schnaps, von denen er unglaubliche Mengen vertragen konnte, widmete sich der gutmütige Schulmeister dem Spazieren. Besonders gerne nahm er den Weg nach Hüningen unter die Füsse.
So verfügte er sich auch nach dem 20. Dezember 1813 dort hinaus, obwohl jedermann den Durchmarsch der Österreicher und Bayern erwartete. Als Kölner wieder nach Hause gehen wollte, war das Tor der Festung bereits verriegelt, was den wanderlustigen Basler zum Bleiben zwang. Auf Gutsprache von oben wurden dann zwei Tage später das Tor für kurze Zeit geöffnet, damit Kölner wieder zu seiner Familie zurückkehren konnte.
Im nächsten Sommer spazierte Kölner mit einem hessischen Korporal, der bei ihm einquartiert war, wieder nach Hüningen. Nach ausgiebiger Zeche begehrte der Lehrer auf dem Paradeplatz von einigen Hüningern zu wissen, zu welcher Zeit denn das Tor geschlossen werde, er wolle nämlich nicht wieder eingesperrt werden. Die gekränkten Hüninger indessen hatten in Anwesenheit des Hessen und anderer verbündeter Soldaten die entsprechende Antwort auf die anzügliche Frage reaktionslos hinunterzuschlucken.