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Diese Quizfrage ist nicht besonders einfach. Wer hatte als einziger Golfprofi in den Jahren 2000 und 2001 die Chance, den berühmten «Tiger Slam» zu verhindern? Hinweis: Es war nicht Phil Mickelson. Es war auch nicht Sergio Garcia, Ernie Els oder Vijay Singh. Deshalb die Antwort auf die nicht einfache Frage: Es war Bob May! Bob May, der in dieser Woche erstmals am Swiss Seniors Open in Bad Ragaz zu sehen ist.
In den Jahren 2000 und 2001 schaffte Tiger Woods etwas Erstmaliges und bis heute Einmaliges. Er gewann die vier Majorturniere am Stück: US Masters, US Open, British Open, US PGA Championship, in der damals noch üblichen Reihenfolge. Die Reihe der historischen Auftritte hatte nur einen kleinen Makel: Woods gewann die vier Turniere auf Grand-Slam-Niveau nicht innerhalb eines Kalenderjahrs. Am US Masters 2000 hatte Vijay Singh triumphiert, Woods wurde mit sechs Schlägen Rückstand «nur» Fünfter. Also legte er zwei Monate später richtig los, mit dem Triumph am US Open. Hierauf gewann er das British Open und die US PGA Championship. Und im April 2001 holte er das US Masters nach. So war er zur gleichen Zeit im Besitz aller vier bedeutenden Titel. Hätte er es in einem Kalenderjahr geschafft, wäre es heute der erste und einzige Grand Slam der Neuzeit. So aber nennt man es seither den «Tiger Slam». Unvergesslich.
Betrachtet man die einzelnen Turniere, erwuchs dem Ausnahmekönner fast nie ernsthafte Konkurrenz. Das US Open in Pebble Beach gewann er mit dem an Majorturnieren heute noch gültigen Rekordvorsprung von 15 Schlägen. Zweiter war Miguel Angel Jimenez. Der charismatische Spanier wird offiziell als Runner-up (erster Verfolger) geführt. Jimenez sagte einmal zum Spass, dieses Runner-up könne man weglassen. Er sei einfacher Zweiter geworden.
Am British Open im «Home of Golf» in St. Andrews dominierte Woods nicht mehr ganz so deutlich. Eine Art Runner-ups mit acht Schlägen Rückstand waren diesmal Ernie Els und Thomas Björn. Am US Masters war es in der Schlussrunde längere Zeit offen. David Duval, ehemaliger Weltranglisten-Erster und British-Open-Champion 2001, holte auf, aber Woods brachte dennoch eine Reserve von zwei Schlägen ins Trockene.
Bleibt also die US PGA Championship 2000 in dem von Jack Nicklaus entworfenen Valhalla Golf Club in Louisville, Kentucky. In der Schlussrunde entbrannte ein Zweikampf zwischen Woods und dem vergleichsweise unbekannten Landsmann Bob May. May hatte im September 1999 aus dem Nichts auf der Europa-Tour im englischen Woburn gewonnen. Dieser Erfolg machte ihn aber nicht zum Star. Erst recht im direkten Duell mit Woods in der letzten Spielgruppe war er der hundertprozentige Aussenseiter.
Aber der damals 31 Jahre alte Aussenseiter stand sehr nahe an der Sensation. Vor dem 15. Loch lag May einen Schlag voran. Er brachte den Ball mit dem zweiten Schlag etwas mehr als einen Meter an die Fahne. Das Birdie war abholbereit. Woods verfehlte das Green und kam mit einem behelfsmässigen Chip nur ungefähr drei Meter ans Loch. Er konnte nur noch das Par retten. Woods tat dies, während May seinen Putt danebenschob. Am 17. Loch schaffte Woods ein Birdie, das May nicht zu kontern wusste. Dennoch lastete die ganze Bürde am 18. Loch plötzlich wieder auf Woods. Denn May hatte einen diffizilen Birdie-Putt mit Doppel-Break aus viereinhalb Metern versenkt, so dass Woods sein Birdie aus der ekligen Distanz von anderthalb Metern unbedingt brauchte. Auch dieser Nervenprobe war Woods gewachsen. Es ging also ins Stechen. Dieses führte nach den damaligen Turnierregeln über drei Löcher im Strokeplay. Woods begann mit einem Birdie, auf das May bis zuletzt nicht antworten konnte. Die Sensation, die ein Sieg des Älteren gewesen wäre, blieb aus.
Während Woods' Karriere Fahrt aufnahm, war jene von Bob May nach den guten Jahren 1999 und 2000 in gewisser Weise fast schon vorüber. 2003 erlitt er eine schwerwiegende Rückenverletzung. Der Kalifornier kämpfte sich noch einmal heran. 2006 fehlte ihm am B.C. Open im Bundesstaat New York wieder nur ein Schlag zu einem Turniersieg auf dem amerikanischen Circuit. Diesmal stand ihm der Amerikaner John Rollins vor der Sonne. 2007 büsste May das Spielrecht auf der US PGA Tour ein. Und 2010 konnte er nicht einmal mehr auf der zweiten Tour, der damaligen Nationwide Tour, starten, nachdem er in 25 Turnieren 15 Mal den Cut verpasst hatte.
Eine Bereicherung für das Swiss Seniors Open ist Bob May allemal sein. Vielleicht wird er in den nächsten Tagen auch für die Fans etwas von seinen Erinnerungen an das legendäre Duell mit Tiger Woods preisgeben.