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Die Geschichte der United World Colleges begann vor etwa 60 Jahren mit der Gründung des Atlantic College 1962 in Wales. Kurt Hahn, der Gründer, wollte seine Idee umsetzen, junge Menschen aus aller Welt gemeinsam zu unterrichten, gleichgültig, welcher Rasse, Religion oder politischen Richtung sie angehörten. Er glaubte daran, dass Jugendliche im Alter von 16 Jahren offen genug seien, um sich gegenseitig positiv zu beeinflussen und kulturelle Missverständnisse im gemeinsamen Erleben und Lernen abzubauen. Und im Gegensatz zu anderen Privatschulen sollten Stipendien gewährleisten, dass alle von National Committees gewählten Kandidat*innen, unabhängig von der finanziellen Situation ihrer Eltern, an einem United World College studieren konnten.
Zwölf Jahre später wurde das zweite UWC gegründet, das Pearson College UWC in Kanada. Lester Pearson, kanadischer Premierminister und Friedensnobelpreisträger, erachtete die UWC Bewegung als eine geradezu revolutionäre Kraft im Bereich internationaler Erziehung. Die Abstände zwischen der Gründung einzelner Colleges wurden kürzer, schon 1975 wurde das UWC South East Asia gegründet, 1981 wurde die bereits existierende Schule Waterford Kamhlaba in die UWC-Bewegung aufgenommen und in Waterford Kamhlaba UWC of Southern Africa umbenannt. Der Name ‚Kamhlaba’ stammt von einem König von Swaziland, der betonte: “Wherever you are in the world, the earth does not distinguish who you are. You live in it whatever your colour, whatever your religion, whatever your race. You live in it and it does not try to ostracise you or show any difference as to what you are. And this is the meaning of Kamhlaba.” D.h., die Grundidee dieser Schule war die gleiche, die auch zur Gründung des Atlantic College geführt hatte. Inzwischen gibt es weltweit 18 United World Colleges.
Inzwischen gibt es weltweit 18 United World Colleges.
Im Gegensatz zu anderen Formen des Schüleraustauschs, der normalerweise nach einem Jahr mit der Rückkehr nach Hause beendet ist, studieren die Schüler*innen die letzten zwei Jahre vor dem gymnasialen Abschluss an einem UWC. Sie schliessen mit dem international anerkannten IB (International Baccalaureate) ab, der ihnen den Zugang zu Universitäten weltweit ermöglicht. Viele der UWC Schüler*innen aus der Schweiz studierten anschliessend an einer Schweizer Universität, andere studierten in den USA (z.B. Princeton, Duke, Stanford, Hawaii) oder England (z.B. London School of Economics, Imperial College) oder weiteren Universitäten im Ausland.
Das akademische Niveau der UWCs ist sehr hoch, die Lehrkräfte sind äusserst motiviert und hervorragend qualifiziert.
Das akademische Niveau der UWCs ist sehr hoch, die Lehrkräfte sind äusserst motiviert und hervorragend qualifiziert. Und aufgrund der Tatsache, dass die Schüler*innen mit den unterschiedlichsten Lernhintergründen aus zum Teil extrem verschiedenen Bildungssystemen in ihren Heimatländern kommen, entwickelt sich sozusagen von selbst eine innovative Kraft, und zwar in allen Fächern. Es werden zwar weniger Fächer unterrichtet als an Schweizer Gymnasien, diese allerdings mit mehr Tiefgang. Das IB erfordert Eigenverantwortung, legt Wert auf selbständiges Lernen und bereitet so optimal auf ein Hochschulstudium vor. Kleine Klassen erlauben individuelle Förderung und kritische Auseinandersetzung mit dem Lernstoff. Für das akademische Programm sind normalerweise der Morgen und der frühe Nachmittag reserviert.
Neben der akademischen Ausbildung nehmen alle Schüler*innen an einem ausserschulischen Programm am Nachmittag teil, das aus drei Teilen besteht: Creativity, Action und Service (CAS). Der Bereich ‚Creativity’ umfasst z.B. ein Engagement im musischen Bereich (Theater, Musik, Malerei etc.), Workshops im Bereich ‚Action’, die z.T. auch von Studierenden selbst geleitet werden können, bieten verschiedenartigste Sportarten an, aber auch Naturerlebnisse, etwa zweiwöchige Wanderungen in kleinen Gruppen in einem Naturpark in der Nähe des UWC USA. Und was die Ausbildung an einem UWC vielleicht am meisten von der an einem Schweizer Gymnasium unterscheidet, ist der Bereich ‚Service’. Hier werden soziale Projekte in der Umgebung der Colleges unterstützt, und es wird Freiwilligenarbeit geleistet. Die Studierenden erhalten auch Grundkenntnisse in der Landessprache ihrer Colleges, damit sie Kontakt zur lokalen Bevölkerung knüpfen können. Zudem werden die Schüler*innen aufgefordert, eigene Projekte zu entwickeln, die, wenn nötig, von den Lehrkräften unterstützt werden können. Ziel ist es, die Eigeninitiative und das Verantwortungsbewusstsein der Jugendlichen zu fördern. Und dabei entstehen aufgrund der Verschiedenheit der nationalen wie sozialen Herkunft der Studierenden spannende Diskussionen, interessante Ideen und Lösungsansätze. Alle diese Aktivitäten sind auch zu sehen im Kontext der Idee, dass UWC Schüler*innen künftige ‚Changemaker’ sein sollten, die sich gesellschaftlich engagieren.
Nach dem Anmeldeschluss Ende November trifft eine Auswahlgruppe eine Vorentscheidung und lädt die etwa zehn überzeugendsten Kandidat*innen zum Selection Day im Januar ein, an dem ein etwa zwanzigminütiges Interview geführt und ein Aufsatz (in einer der Landessprachen oder Englisch) geschrieben wird.
Die Rolle der National Committees
In über 150 Ländern gibt es UWC National Committees, die vor allem zwei Aufgaben haben. Sie wählen die Kandidat*innen aus, in der Schweiz jeweils etwa drei bis fünf pro Jahr. Nach dem Anmeldeschluss Ende November trifft eine Auswahlgruppe eine Vorentscheidung und lädt die etwa zehn überzeugendsten Kandidat*innen zum Selection Day im Januar ein, an dem ein etwa zwanzigminütiges Interview geführt und ein Aufsatz (in einer der Landessprachen oder Englisch) geschrieben wird. Ausserdem finden während des ganzen Tages Gruppenübenübungen statt. Die zweite Aufgabe der National Committees ist es, für das Studium an einem UWC (Teil-)Stipendien zu vergeben, die durch Beiträge von Mitgliedern, Ehemaligen und Gönnern, z.B. Stiftungen, finanziert werden.
Nelson Mandela, der von 1995 bis 1999 gemeinsam mit Queen Noor von Jordanien die UWC Bewegung präsidierte und anschliessend bis zu seinem Tod Ehrenpräsident war, begründete sein Interesse an den und seinen Einsatz für die United World Colleges mit den Worten: “The virtue and the strength of UWC is that it provides small, but powerful cells of innovation, catalysts for change, breaking barriers of habit and opening broader vistas of experience for both pupils and educationalists.” Dieser Satz formuliert präzis die Gründe, weshalb die UWC Bewegung eine Erfolgsgeschichte wurde.
Jürgen Capitain