Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03357.jsonl.gz/2808

Medienmitteilung/ Cinémathèque suisse
03. Juni 2019
Geboren am 29. Dezember 1924 in Lausanne, begeisterte sich Freddy Buache schon früh für die bildende Kunst und das Theater. Später wandte er sich dann definitiv dem Filmschaffen zu und übernahm 1951 die Leitung der Cinémathèque suisse. Als Schriftsteller, Dichter, Kunstkritiker, Autor zahlreicher Artikel und Bücher über das Kino, Herausgeber, Programmleiter, Lehrer, leidenschaftlicher Verfechter des Neuen Schweizer Films und als Bewahrung des kulturellen Erbes hat Freddy Buache die Geschichte der 7. Kunst in unserem Land nachhaltig geprägt. Er kämpfte dafür, dass der Bund 1963 ein Filmgesetz verabschiedete und dass dem Filmschaffen an der Expo 64 in Lausanne ein besonderer Stellenwert eingeräumt wurde. Er war es auch, der dank seinen engen Beziehungen zu den Direktoren des Filmfestivals von Cannes mithalf, das neue Schweizer Filmschaffen im Ausland bekannt zu machen.
Als Pionier der Cinémathèque suisse, die 1948 in Lausanne gegründet wurde, trug er dazu bei, dass diese mit ihren Sammlungen und vielfältigen Programmen heute zu den wichtigsten Filmarchiven zählt. Zahlreiche Filmschaffende aus aller Welt wurden an der Cinémathèque empfangen und schenkten ihr später oft einige ihrer Werke. Um die Filme der Sammlung in Gymnasien zu zeigen, reiste er quer durch die Schweiz und förderte damit die Entwicklung mehrerer Generationen von Kinogängerinnen und Kinogänger, aber auch Filmschaffender. Unter seiner Leitung richtete die Cinémathèque suisse ihren Sitz und ihre Kinosäle im Casino de Montbenon (1981) ein und baute ein erstes Archivzentrum in Penthaz auf (1992). Dort werden heute noch Tausende von Filmrollen der Schweizer Filmwochenschau aufbewahrt, die als historische Quelle Einblicke in die Geschichte der Schweiz geben (1940–1975).
Neben seiner Funktion als Direktor der Cinémathèque suisse, die er bis 1996 ausübte, war Freddy Buache von 1967–1970 Ko-Direktor des Filmfestivals von Locarno. Er pflegte enge Freundschaften mit Persönlichkeiten des Filmschaffens und der Kultur, darunter Charles Apothéloz, Henri Langlois, Georges Franju, Jean Grémillon, Michel Simon, Luis Buñuel, Jacques Chessex, Michel Soutter, Theo Angelopoulos, Miloš Forman, Daniel Schmid oder auch Jean-Luc Godard. Freddy Buache erhielt im Laufe seines Lebens viele internationale Auszeichnungen und einen Ehrenleoparden von Locarno. Im vergangenen April empfing er zudem am 75. Jahreskongress der FIAF (Fédération internationale des Archives du Film) in Lausanne vor über 300 Delegierten die Medaille, die ihn als Ehrenmitglied auszeichnet. Auch bis zu seinem Lebensende war Freddy Buache aktiv und hielt noch vor wenigen Tagen einen Vortrag über die Geschichte des Kinos. Dieser wurde in Zusammenarbeit mit der Universität Lausanne in der Cinémathèque suisse organisiert.
Die Cinémathèque suisse wird in diesem Herbst eine öffentliche Würdigung für Freddy Buache veranstalten.
Martin Walder
27 März 2019
Kathrin Halter
04 Januar 2019