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Lindegger? Nie gehört.
Ein Freigeist, ein Weltenbummler, ein Mensch, der seinen Spitzna-
men aus Kindertagen zum offiziellen Namen macht: Albert Lindi war
ein Abenteurer mit Sinn für das Schöne. Dieses Talent hatte ihm ver mutlich seine Mutter vererbt – genauso wie Humor, Heiterkeit und Schlagfertigkeit. Die Gespräche zwischen Mutter und Sohn seien ein einziges Feuerwerk gewesen, so Malerfreund Max von Mühlenen.
Biographie
1904
Am 14. September wird Lindi als Albert Lindegger in Bern geboren. Sein Taufname entspricht
der Familientradition väterlicherseits. Die Familie wohnt am Beaumontweg, in einem hochge-
legenen, reich durchgrünten Aussenquartier der Stadt.
1911
Albert Lindegger besucht die Schulen in Bern bis zum Gymnasium. Er erhält von seinen
Kameraden den Übernamen „Lindi“ der später zu seinem Pseudonym wird und schliesslich
durch Namensänderung zum offiziellen Familiennamen. Früh beginnt er, sich zeichnerisch
auszudrücken und malt schon während der Schulzeit seine ersten Landschaftsbilder und
Porträts. Abschluss der Ausbildungsjahre in Bern mit dem Besuch der Gewerbeschule bei
Theodor Volmar und Phillip Ritter. Erste Publikationen von Karikaturen.
1925
Teilnahme an der Weihnachtsausstellung in der Kunsthalle Bern.
1926
Der endgültige Beschluss, Maler zu werden, führt zur Übersiedlung nach Paris. Noch besteht
eine scharfe Trennung zwischen den witzigen Zeichnungen und der angestrebten „seriösen“
Malerei in der Nachfolge der Impressionisten und der Kubisten.
1927
Teilnahme am Pariser Salon d`automne. Albert Lindegger besucht Jahreskurse bei Andrè
Lhote und später bei Roger Bissière. Es entwickeln sich in Paris zahlreiche Künstlerfreund-
schaften, unter anderem zu Curt Seligmann, Varlin und Alberto Giacometti. Ende der zwan-
ziger Jahre beginnt der Künstler erst seine Zeichnungen und Karikaturen, dann auch seine Gemälde mit „Lindi“ zu signieren. Bis dahin hat er meist die Initialen A. L. verwendet.
1931
Aus der Freundschaft mit den Berner Künstlern Tonio Ciolina, Max von Mühlenen und Hans Seiler, mit denen er während seiner Pariser Jahre regelmässig den Sommer im südfranzösischen Sanary verbringt, geht die Gruppe „Der Schritt weiter“ hervor. Die graue Farbe wird bedeutsam. Bereits ein Jahr später stellt die Gruppe in Bern aus. 1934 wird ihr Schaffen in der Kunsthalle Bern gezeigt.
Neben dieser Bewegung zur Eigenständigkeit in der Malerei wird die Karikatur und damit die politisch-gesellschaftskritische Zeichnung immer wichtiger. Französische und schweizerische Zeitungen publizieren Lindi (Nebelspalter).
1932
Zahlreiche, zum Teil lange dauernde Reisen durch Europa und Nordafrika prägen die dreissiger Jahre. Lindi bereist den Balkan, vor allem Mostar und Ragusa.
1935
Karikaturen für die „Berner Tagwacht“ (bis 1938)
1936
Erste Wanddekoration im Restaurant „Helvetia“ Luzern.
1937
Teilnahme am Salon des dessinateurs de Journaux in Paris. Heftiger Protest des nationalsozialistischen Deutschland gegen eine in der „Berner Tagwacht“ publizierte politische Karikatur in der Hitler als „fratzenhafte Heiligkeit“ dargestellt wird. Lindi beginnt für die „Weltwoche“ zu zeichnen.
1939
Aufenthalt in Tunis und Bizerta. Dramatische Rückreise bei Kriegsausbruch nach Bern. Mit Saaldekorationen in der Landesausstellung Zürich führt Lindi seine direkt auf die Wände gemalte heiter-spannungsvolle Ausschmückung von Gaststätten, Privaträumen, Kleintheatern und schliesslich zwei Thunerseeschiffen fort, die er bis in die achtziger Jahre pflegt. Sein in Nordafrika geschaffenes malerisches Werk wird vorgestellt. Die politische Karikatur erhält durch die Kriegssituation eine überragende Bedeutung. Lindi wird zu einem zeichnenden Reporter (UNO). Erste Buchpuplikationen.
1942
Die über viele Jahre dauernde Illustration von Werken der Weltliteratur für die Büchergilde Gutenberg, Zürich, beginnt mit „Nana“ von Emil Zola.
1946
An der Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH in Zürich, aber auch in anderen Städten im In- und Ausland entfaltet Lindi eine rege Vortragstätigkeit über die Karikatur und demonstriert seine Arbeitsweise.
1947
Karikaturen für die „National Zeitung“ (bis 1956)
1948
Zeichner an den Olympischen Winterspielen in St.Moritz für verschiedene Zeitungen. Ebenso wird Lindi akkreditiert für Staatsbesuche und Internationale Konferenzen, ein Front-Zeichner des Weltgeschehens. Im gleichen Jahr findet die Premiere seines Farbfilms „Flug in den Hoggar“ statt. 1951 folgt der Film „Madagaskar“, 1961 der Vorspann zu Alfred Rassers „Demokrat Läppli“.
1952
Sgrafitto für das Bernische Lehrerinnenseminar Bern-Marzili. In regelmässigen Abständen sind die Aufträge für grosse Wandmalereien an öffentlichen Bauten bis ins Jahr 1984 zu finden. In den fünfziger Jahren wendet sich Lindi vermehrt dem keramischen Schaffen zu.
1955
Bis 1990 Karikaturen auf der Titelseite „Der Bund“
1960
Heirat mit Marianne Murkowsky.
1961
Reise nach Griechenland mit Alfred Rasser.
1962
Geburt des Sohnes Marc Albert.
1965
Übersiedlung nach Agarone im Kanton Tessin. Mehrere Aufenthalte in Spanien, Frankreich, Italien. Geburt des Sohnes Renè, der 1984 tödlich verunfallte.
1972
Grosse Retrospektive in der Kunsthalle Bern. Selbstgeschriebener und gezeichneter Katalog.
1973
Ludy Kessler dreht für das italienischsprachige Fernsehen der Schweiz einen Film „Ritratti Lindi“.
1982
Grosse Ausstellung im Kunsthaus Aarau: „Die Methamorphosen des Herrn Lindi”. Lindi setzt mit unverminderter Schaffenskraft und Phantasie sein Werk in denverschiedenen Sparten fort und publiziert regelmässig erotische und gesellschaftskritische Bücher mit eigenen Texten, beginnend 1979 mit „Die listige Insel, Eine Romanze“.
1991
14. Oktober, Ospedale San Giovanni, Bellinzona, Albert Lindi, stirbt im Alter von 87 Jahren.