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Autor: Carole Schneuwly
Freiburg Im 18. Jahrhundert gehörte er zu den Wortführern des Freiburger Adels, im Zuge der Vorbereitungen der Mediationsakte von 1803 erwarb er sich das Vertrauen Napoleons, und 1803 wurde er zum ersten Landammann der Schweiz: Graf Louis d’Affry, von dem der Historiker Alain-Jacques Czouz-Tornare im Historischen Lexikon der Schweiz schreibt, er sei «zweifellos einer der fähigsten Staatsmänner der Mediation und der einzige Landammann von internationalem Format».
Biografie auf Deutsch
Heute vor 200 Jahren ist Louis d’Affry ganz plötzlich in Freiburg verstorben: Gerade war er erschöpft aus Paris zurückgekehrt, wo er ein langes Gespräch mit Napoleon geführt hatte – tags darauf sollte er vor der Tagsatzung Bericht erstatten. Aus Anlass des 200. Todestages des berühmten Freiburgers organisiert die in Givisiez ansässige Stiftung d’Affry morgen Sonntag einen Gedenkgottesdienst in der Franziskanerkirche Freiburg, wo Louis d’Affrys Grab liegt.
Im Staatsarchiv Freiburg erscheint gleichzeitig ein Merkblatt der Reihe «Schon bekannt?» über Louis d’Affry, das am Schalter des Archivs in deutscher und in französischer Sprache gratis erhältlich ist. Etwas länger gedulden müssen sich all jene, die auf die deutsche Übersetzung des Buchs «Louis d’Affry, premier Landamman de la Suisse» von Alain-Jacques Czouz-Tornare und Georges Andrey warten, das 2003 zur 200-Jahr-Feier der Mediation veröffentlicht wurde. «Die Übersetzung ist fertig», sagt Monique von Wistinghausen, Präsidentin der Stiftung d’Affry. Weil die Suche nach einem Verlag länger gedauert habe, habe sich die Publikation verzögert. Das Versprechen, eine deutsche Übersetzung herauszugeben, werde die Stiftung aber auf jeden Fall halten.
Feldherr und Politiker
Louis d’Affry wurde 1743 in Freiburg geboren und machte, wie viele seiner Vorfahren, eine militärische und diplomatische Karriere. Ab 1765 gehörte er dem Rat der Sechzig an; 1781 bis 1782 leitete er die Versammlungen des Freiburger Adels. 1784 wurde er zum Feldmarschall ernannt. Von 1791 bis 1792 war er Befehlshaber der französischen Truppen im Departement Haut-Rhin. Als Napoleon 1798 vor den Toren Freiburgs stand, ersparte d’Affry den Freiburger Truppen, die er befehligte, einen aussichtslosen Kampf. Nach der Kapitulation Freiburgs gehörte d’Affry zuerst der provisorischen Regierung an, bevor er sich gegen die Helvetik wandte.
1803 wurde er durch die Gunst Napoleons Landammann, ein Amt, das er 1809 noch einmal ausübte. «Louis d’Affry hat seiner Heimat die letzten sieben Jahre seines Lebens geopfert», so Monique von Wistinghausen. «Sein Verdienst ist, dass die Schweiz in einer Zeit, in der in ganz Europa Krieg herrschte, ihre Unabhängigkeit und den Frieden wahren konnte.»
D’Affry hatte Wohnsitze in der Stadt Freiburg und in Givisiez. Das Schloss d’Affry in Givisiez wird bis heute von seinen Nachfahren bewohnt. Bild zvg
Gedenkgottesdienst: Franziskanerkirche, Freiburg. So., 27. Juni, 9.30 Uhr.