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1. Überblick
Bei einer Rippenfellentzündung oder Brustfellentzündung (Pleuritis) ist die dünne Gewebeschicht entzündet, die die Lunge bedeckt und die Brusthöhle von innen auskleidet: das sogenannte Brustfell (Pleura).
Mediziner unterscheiden zwei Arten der Rippenfellentzündung:
- die trockene Rippenfellentzündung (Pleuritis sicca), deren typische Symptome stechende Schmerzen beim Ein- und Ausatmen beziehungsweise beim Husten sind, und
- die feuchte Rippenfellentzündung (Pleuritis exsudativa), bei der sich Flüssigkeit zwischen den Rippen und der Lunge ansammelt (sog. Pleuraerguss), was in der Regel Schmerzen verhindert, aber je nach Flüssigkeitsmenge Atemnot verursachen kann.
Bei der trockenen Pleuritis ist beim Abhören mit einem Stethoskop typischerweise neben dem Atemgeräusch das sogenannte Pleurareiben zu hören. Bei der feuchten Rippenfellentzündung fehlt dieses Anzeichen. Um eine Rippenfellentzündung sicher nachzuweisen, kommen Ultraschall-, Röntgen- oder Laboruntersuchungen zum Einsatz. Welche Behandlung an die Diagnose anschliesst, hängt davon ab, welche Erkrankung der Pleuritis zugrunde liegt: Das Ziel besteht darin, die Ursachen der Entzündung auszuschalten (indem man z.B. bei einer Lungenentzündung Antibiotika einsetzt). Zusätzlich sind bei einer Brustfellentzündung Bettruhe, Atemgymnastik und gegebenenfalls Schmerzmittel gegen die Beschwerden beim Atmen hilfreich.
In der Regel heilt eine Pleuritis problemlos aus. Wenn aber bei einer Rippenfellentzündung die Atmung über eine längere Dauer schmerzt und deshalb nur flach ist, können Lungenfell und Rippenfell miteinander verwachsen: Es entsteht eine Pleuraschwarte, wodurch die Lunge fest mit dem Brustkorb verbunden und in ihrer Funktion eingeschränkt ist. In dem Fall ist eine Operation nötig, um Rippenfell und Lungenfell wieder voneinander zu lösen.
2. Definition
Eine Rippenfellentzündung beziehungsweise Brustfellentzündung (Pleuritis) ist eine Entzündung des Brustfells, der sogenannten Pleura. Das Brustfell ist eine dünne Gewebeschicht, die sich grob in zwei Teile gliedert:
- Das Lungenfell (bzw. Pleura pulmonalis oder Pleura visceralis) bedeckt die Lungen.
- Das Rippenfell (bzw. Pleura parietalis) kleidet den Brustkorb von innen aus und bedeckt die Oberseite von Zwerchfell und Herzbeutel.
Im Normalzustand der Lunge liegen beide Anteile des Brustfells – also Lungenfell und Rippenfell – aufeinander. Diese Schichten sind so dünn, dass sie auf einem Röntgenbild des Brustkorbs (Röntgen-Thorax) normalerweise nicht zu sehen sind. Den Raum zwischen Lungenfell und Rippenfell nennt man Pleuraspalt. Darin befindet sich ein gleitender Flüssigkeitsfilm. So bewirkt das Brustfell, dass die Lunge dem Brustkorb eng anliegt, sich aber bei allen Atembewegungen leicht verschieben kann. Bei einer Rippenfellentzündung ändert sich dies.
Man unterscheidet zwei Formen von Rippenfellentzündung:
- Die trockene Rippenfellentzündung (Pleuritis sicca), bei der beim Abhören deutliche Reibgeräusche wahrnehmbar sind (sog. Pleurareiben).
- Die feuchte Rippenfellentzündung (Pleuritis exsudativa), die mit einem Pleuraerguss einhergeht. Hierbei sammelt sich Flüssigkeit in dem Raum zwischen Rippen und Lunge. Bei der feuchten Rippenfellentzündung tritt keine Reibung auf – und damit auch kein Reibegeräusch.
Eine Rippenfellentzündung kommt fast nie als eigenständiges Krankheitsbild vor, sondern ist meist die Folge einer anderen Erkrankung.
3. Ursachen
Eine Rippenfellentzündung oder Brustfellentzündung (Pleuritis) hat ihre Ursachen in der Regel in einer anderen Erkrankung. Die meisten Rippenfellentzündungen sind die Folge einer Lungenentzündung (Pneumonie), die sich von der Oberfläche der Lunge auf das Rippenfell ausgebreitet hat.
Einer Rippenfellentzündung kann als Ursache aber auch eine Tuberkulose oder ein Lungeninfarkt zugrunde liegen, also ein Absterben von Lungengewebe infolge einer Lungenembolie. Wenn sich bei Menschen mit Pleuritis, die jünger als 30 Jahre alt sind, Flüssigkeit im Brustraum sammelt (feuchte Rippenfellentzündung), liegt zunächst der Verdacht auf Tuberkulose nahe.
Für eine Pleuritis kommen als Ursachen ausserdem Krebserkrankungen wie das Bronchialkarzinom oder das Pleuramesotheliom infrage. Ein Pleuramesotheliom ist ein Tumor des Rippenfells, den Asbest mitverursachen kann. Auch Autoimmunerkrankungen wie Lupus erythematodes können sich auf das Rippenfell ausdehnen und dort eine Entzündung auslösen.
In seltenen Fällen hat eine Rippenfellentzündung ihre Ursache in einer Virusinfektion. Mögliche Erreger einer Pleuritis sind zum Beispiel das Coxsackie-B-Virus (sog. Bornholm-Krankheit) oder das Herpes-Virus.
4. Symptome
Bei einer Rippenfellentzündung oder Brustfellentzündung (Pleuritis) unterscheiden sich die Symptome abhängig davon, um welche Form der Entzündung es sich handelt:
Trockene Rippenfellentzündung
Die für eine trockene Rippenfellentzündung oder Brustfellentzündung (Pleuritis sicca) wichtigsten Symptome sind starke stechende Schmerzen im Brustkorb, weshalb man sie im Volksmund früher auch Teufelsgrippe nannte. Durch Einatmen und Husten verstärken sich die Schmerzen meist, weshalb die Betroffenen häufig sehr flach atmen. Ein bei trockener Rippenfellentzündung ebenfalls häufiges Symptom ist der Reizhusten ohne Auswurf.
Ein weiteres für die trockene Rippenfellentzündung typisches Anzeichen ist nur mit einem Stethoskop zu hören: Wenn die Schichten des entzündeten Brustfells (Pleura) beim Atmen aneinanderreiben, entsteht ein als Pleurareiben bezeichnetes Geräusch. Geht die trockene Rippenfellentzündung in die feuchte Form über, bei der sich Flüssigkeit im Brustraum sammelt, verschwindet dieses Geräusch ebenso wie andere Symptome der trockenen Pleuritis.
Feuchte Rippenfellentzündung
Wenn sich im Anschluss an eine trockene Rippenfellentzündung oder Brustfellentzündung (Pleuritis sicca) Flüssigkeit zwischen Rippen und Lunge (sog. Pleuraerguss) bildet, ändern sich die Symptome: Es entsteht eine feuchte Rippenfellentzündung (Pleuritis exsudativa), bei der typischerweise die vorher im Brustkorb aufgetretenen Schmerzen verschwinden. Je nachdem, wie viel Flüssigkeit sich ansammelt, entsteht nun jedoch ein Druckgefühl in der Brust und es kommt zu Atemnot. In seltenen Fällen löst eine feuchte Rippenfellentzündung Schmerzen in der Schulter aus – Ursache hierfür ist der Pleuraerguss, der den Zwerchfellnerv (Nervus phrenicus) reizt.
Die feuchte Rippenfellentzündung kann sich durch zwei weitere Symptome von der trockenen Rippenfellentzündung unterscheiden: Zum einen können grössere Pleuraergüsse durch die Menge der eingelagerten Flüssigkeit zu einer auffälligen Gewichtszunahme führen. Zum anderen ist die Körpertemperatur bei feuchten Rippenfellentzündungen leicht bis deutlich erhöht, während die trockene Pleuritis oft ohne Fieber verläuft.
5. Diagnose
Bei einer Rippenfellentzündung oder Brustfellentzündung (Pleuritis) erfolgt die Diagnose anhand der Beschwerden und einer körperlichen Untersuchung. Mit Ultraschall-, Röntgen- oder Laboruntersuchungen kann der Arzt die Diagnose sichern.
- Körperliche Untersuchung: Beim Abhören mit einem Stethoskop hört der Arzt bei der trockenen Rippenfellentzündung (Pleuritis sicca) neben dem Atemgeräusch ein typisches Geräusch: das sogenannte Pleurareiben. Das Reibegeräusch entsteht, wenn das Brustfell (Pleura), das die Lunge von aussen und den Brustkorb von innen bekleidet, entzündet ist und diese Schichten beim Atmen aneinanderreiben.
- Röntgen des Brustkorbs: Ein Röntgenbild des Brustkorbs (Röntgen-Thorax) kann Aufschluss darüber geben, welche Erkrankung der Rippenfellentzündung zugrunde liegt – zum Beispiel eine Lungenentzündung (Pneumonie). Auch die für eine feuchte Rippenfellentzündung (Pleuritis exsudativa) typischen Flüssigkeitsansammlungen zwischen Rippen und Lunge (sog. Pleuraergüsse) oder Verwachsungen des Rippenfells (sog. Pleuraschwarten) sind im Röntgenbild sichtbar.
- Ultraschalluntersuchung: Ein Ultraschallbild zeigt, ob sich bei der Rippenfellentzündung Flüssigkeit im Brustraum angesammelt hat.
- Labor: Ob eine Infektion vorliegt, zeigen allgemeine Entzündungswerte im Blut, wie beispielsweise
- einer Erhöhung der weissen Blutkörperchen (Leukozyten),
- einer beschleunigte Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und
- einer Erhöhung des CRP-Werts (C-reaktives Protein).
Weitergehende Laboruntersuchungen geben bei der Diagnose einer Rippenfellentzündung Aufschluss darüber, um welchen Krankheitserreger es sich handelt. Liegt eine Pleuritis mit Pleuraerguss vor, kann der Arzt diesen punktieren. Hierzu zieht er mit einer Nadel Flüssigkeit aus dem Raum zwischen Rippen und Lungen ab, um diese unter dem Mikroskop und laborchemisch zum Beispiel auf bestimmte Erreger zu untersuchen.
Ist eine Autoimmunerkrankung für die Rippenfellentzündung verantwortlich, finden sich in der Blutprobe bestimmte Autoantikörper in erhöhter Konzentration. Autoantikörper sind Antikörper, die das Immunsystem fälschlicherweise gegen körpereigene Strukturen bildet. Das Immunsystem greift dann das Gewebe an und schädigt es.
6. Therapie
Setzt bei einer Rippenfellentzündung oder Brustfellentzündung (Pleuritis) die Therapie frühzeitig ein, heilt die Entzündung meist problemlos aus. Dabei zielt die Behandlung in erster Linie auf die verursachende Grunderkrankung ab. So ist es beispielsweise erforderlich, eine ursächliche Lungenentzündung mit Antibiotika zu behandeln. Neben der Grunderkrankung kann dabei auch die Pleuritis selbst gezielte Behandlungsmassnahmen sinnvoll oder notwendig machen:
Da Rippenfellentzündungen meistens mit Schmerzen beim Atmen verbunden sind, führt dies schnell zu einer oberflächlichen Atmung, bei der sich die Lunge nur wenig bewegt. Dadurch besteht das Risiko, dass das Brustfell miteinander verwächst. Um dies zu verhindern, ist es wichtig, dass Sie trotz der Rippenfellentzündung ausreichend tief durchatmen. Daher kommt zur Pleuritis-Therapie oft auch Atemgymnastik zum Einsatz – sie stärkt Atemmuskulatur und Atemleistung und hält die Lungen in Bewegung. Die Beschwerden beim Atmen können Sie mit Schmerzmitteln lindern. Gegen trockenen und schmerzhaften Husten helfen hustenhemmende Arzneimittel (Antitussiva). In der Regel ist es bei einer Rippenfellentzündung wichtig, dass Sie für die Dauer der Behandlung Bettruhe einhalten.
Wenn Sie eine feuchte Rippenfellentzündung (Pleuritis exsudativa) haben und der Pleuraerguss stark ausgeprägt ist oder es nicht gelingt, die Grunderkrankung erfolgreich zu behandeln, stehen zur Therapie verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:
- Wenn Sie durch den Pleuraerguss starke Atemnot verspüren, kann der Arzt Ihr Brustfell (Pleura) mit einer Nadel punktieren und Flüssigkeit aus dem Brustkorb herausziehen (Pleurapunktion).
- Wenn der Pleuraerguss trotzdem nicht verschwindet oder eine bakterielle Infektion zu einer Eiteransammlung im Brustfell (Pleuraempyem) führt, kann der Arzt auch über eine Nadel ein Gummirohr im Bereich des Ergusses einführen, um:
- die Pleuraflüssigkeit und sonstiges Sekret abzusaugen (Thoraxsaugdrainage),
- das Brustfell über diese Drainage zum Beispiel mit Antibiotika zu spülen sowie
- über die Thoraxsaugdrainage Medikamente einzubringen, um die beiden Blätter des Brustfells gezielt miteinander zu verkleben (Pleurodese).
Im Verlauf der Rippenfellentzündung kann es zu Verwachsungen von Rippenfell und Lungenfell (sog. Pleuraschwarte) kommen, die auch nach Abheilen der Entzündung weiter bestehen und die Lungenfunktion stark einschränken. In dem Fall ist zur Behandlung möglicherweise eine Operation erforderlich, um die verwachsenen Blätter des Brustfells voneinander zu lösen. Auch wenn die Pleuritis mit ausgedehnten Vereiterungen einhergeht, kann eine operative Therapie Abhilfe schaffen.
7. Verlauf
Prognose
Bei einer Rippenfellentzündung oder Brustfellentzündung (Pleuritis) hängen der Verlauf und die Prognose von der Grunderkrankung und deren Behandlung ab. Frühzeitig therapierte Rippenfellentzündungen heilen in der Regel komplikationslos aus. Hat eine Virusinfektion die Rippenfellentzündung ausgelöst, zeigt sie meist nur schwache Symptome und verläuft unkompliziert.
Komplikationen
Eine Rippenfellentzündung oder Brustfellentzündung (Pleuritis) kann bei schwerem Verlauf beziehungsweise ohne ausreichende Behandlung zu verschiedenen Komplikationen führen, denn: Bei einer Rippenfellentzündung reagiert das entzündete Gewebe – es gibt entzündungshemmende Stoffe ab und Abwehrzellen aus dem Blut wandern an den Ort des Geschehens. Liegen entzündete Teile des Brustfells lange unbeweglich aufeinander, weil die Atmung wegen der damit verbundenen Schmerzen nur flach ist, verwachsen Lungenfell und Rippenfell miteinander: Eine sogenannte Pleuraschwarte oder Pleuraschwiele entsteht. Die Lunge verbindet sich dadurch fest mit dem Brustkorb und kann sich beim Atmen nicht mehr frei entfalten. Als Folge nimmt man pro Atemzug weniger Luft auf.
Bildet sich im Verlauf einer Rippenfellentzündung eine solche Pleuraschwarte, die die Lungenfunktion stark einschränkt, ist es jedoch möglich, Rippenfell und Lungenfell durch einen operativen Eingriff voneinander zu lösen.
8. Vorbeugen
Einer Rippenfellentzündung oder Brustfellentzündung (Pleuritis) können Sie indirekt vorbeugen, indem Sie das Immunsystem stärken (z.B. mit einer ausgewogenen Ernährung und regelmässiger Bewegung) und Atemwegsinfekte nach Möglichkeit vermeiden oder frühzeitig behandeln lassen. Wirksame direkte Massnahmen zur Vorbeugung einer Rippenfellentzündung sind bislang nicht verfügbar.