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Heisser und trockener Juli
Die Schweiz erlebte den viertwärmsten Juli seit Messbeginn 1864. Die Niederschläge blieben verbreitet deutlich unterdurchschnittlich. Die Sonnenscheindauer stieg im ganzen Land weit über die Norm.
Der Juli 2022 startete gewitterhaft. Nach zwei sonnigen Tagen mit hochsommerlichen Tageshöchstwerten von 29 bis 32 °C im Norden und 30 bis 34 °C im Wallis und auf der Alpensüdseite, entstanden in der Nacht vom 3. auf den 4. Juli erneut kräftige Gewitter. Sie setzten sich am 4. Juli auch tagsüber fort. Am 3. und 4. Juli waren mehrere Gebiete der Schweiz beidseits der Alpen von Hagel betroffen. Ab dem 5. Juli stellte sich eine langdauernde Periode mit meist sonnigem Hochdruckwetter ein. Bis zum 12. Juli wehte auf der Alpennordseite die Bise, was die Temperatur etwas dämpfte.
Grosse Hitze: Am 13. Juli erreichten die Tageshöchstwerte nördlich der Alpen vielerorts 30 bis 32 °C. Heisse Luft aus Südwesten trieb am 14. Juli die Tageshöchstwerte nördlich der Alpen und im Wallis verbreitet auf 32 bis 34 °C. Die höchsten Werte registrierten Genf mit 36,4 °C und Sion mit 36,3 °C. Auf der Alpensüdseite bewegten sich die Tageshöchstwerte meist zwischen 30 und 32 °C. Stabio meldete knapp 33 °C. Am 15. und 16. Juli gab es nördlich der Alpen eine leichte Entspannung.
Ab dem 17. Juli stiegen die Tageshöchstwerte wieder verbreitet auf 30 °C und mehr. Der 19. Juli war für weite Teile der Alpennordseite der heisseste Tag in diesem Juli. Die Tageshöchstwerte stiegen nördlich der Alpen und im Wallis vielerorts auf 33 bis 35 °C. Lokal gab es auch 36 °C und mehr. Auf der Alpensüdseite lagen die höchsten Werte zwischen 33 und 34,5 °C. Die höchste Temperatur in der Schweiz registrierte Genève-Cointrin mit 38,1 °C. Am zentralen und östlichen Alpennordhang und im Flachland der Nordostschweiz wurden die höchsten Werte am 25. Juli erreicht.
Auch in der Höhe sehr warm: Vom 20. bis 25. Juli blieben die Bedingungen insgesamt unter Hochdruckeinfluss mit hohen Temperaturen. Am 25. Juli um 2.00 Uhr wurde mittels Wetterballon von Payerne die Nullgradgrenze auf einer Höhe von 5184 Metern bestimmt. Dies war die höchste Höhe seit Beginn der Messungen mit Wetterballons im Jahr 1954.
Nach dem Durchzug einer Kaltfront in der Nacht vom 25. auf den 26. Juli mit Gewittern, vor allem entlang des Alpennordhhangs und in Graubünden, war es auf der Alpennordseite und im Wallis etwas weniger heiss. Der 27. und 28. Juli brachten verbreitet viel Sonnenschein bei mässiger Hitze. Der 29. Juli zeigte sich gewitterhaft und viele Gebiete der Schweiz erhielten wenig Sonnenschein. Am 30. Juli stiegen die Temperaturen verbreitet auf 25 bis 28 °C, auf der Alpensüdseite wieder auf über 30 °C.
Monatsbilanz Juli 2022: Im landesweiten Mittel lag die Julitemperatur 2,4 °C über der Norm 1991−2020. Mit der Dauer vom 14. bis zum 26. Juli gehörte die Hitzewelle zu den längsten, die je auf der Alpensüdseite gemessen wurden und ist nur mit denen vom Juli 2015 und August 2003 vergleichbar.
In einigen Gebieten der Schweiz blieben die Niederschlagsmengen unter 30 %, lokal auch unter 10 % der Norm. Auf der Alpensüdseite bewegten sich die Julisummen meist zwischen 40 und 70 % des langjährigen Mittels. Nord- und Mittelbünden erhielt hingegen 70 bis 80 %, das Unterengadin sogar 90 % der Norm.
Die Sonnenscheindauer erreichte im Juli in der West- und Nordwestschweiz 140 bis 160 % der Norm. Im Mittelland und in den Alpen bewegte sie sich meist zwischen 130 und 140 % des langjährigen Mittels. Im mittleren und südlichen Tessin lag die Sonnenscheindauer zwischen 120 und 130 % der Norm. Genf registrierte mit 374,5 Sonnenstunden die höchste je in der Schweiz gemessene Monatssumme.
Heisser und sonniger August
Die Schweiz registrierte im landesweiten Mittel den drittwärmsten August seit Messbeginn 1864. Die Niederschlagssummen blieben in vielen Gebieten deutlich unterdurchschnittlich, während mehrere Messstandorte einen der sonnigsten Augustmonate der letzten 60 Jahre aufzeichneten.
Zum Augustbeginn setzte die dritte Hitzeperiode des Sommers 2022 ein. Die Alpensüdseite bekam sie bereits in den letzten Julitagen zu spüren. Genf meldete am 4. August mit 38,3 °C den höchsten Wert des Schweizer Sommers 2022.
Die Periode der ganz hohen Temperaturwerte endete auf der Alpennordseite am 5. August und auf Alpensüdseite am 6. August 2022. Das Sommerwetter blieb nach der Hitzeperiode bis am 13. August sonnig und sehr warm. Hochdrucklagen mit Zentrum nördlich der Schweiz brachten auf der Alpennordseite häufig Bise. Die Tages-Höchstwerte bewegten sich nördlich der Alpen verbreitet zwischen 28 und knapp über 30 °C. Am Genfersee und im Wallis stiegen sie auf 32 bis 33 °C, auf der Alpensüdseite auf 33 bis 37 °C.
Regen in der zweiten Augusthälfte: Vom 14. bis am 20. August war die Witterung in der Schweiz tiefdruckbestimmt. Am 15. August gab es in mehreren Gebieten Schauer, mit Schwerpunkt in der Ostschweiz. Vom 17. bis zum 19. August verzeichnete die Schweiz die erste Regenperiode seit Anfang Juli, die über mehrere Tage landesweit Niederschlag brachte. Vom 18. auf den 19. August zog ein Tiefdruckgebiet von Frankreich nach Norditalien und weiter ostwärts. Es führte sehr feuchte Mittelmeerluft zur Schweiz.
Am 26. August lag erneut feuchte Gewitterluft über der Schweiz und auf der Alpennordseite gingen gebietsweise heftige Gewitter nieder. In der Nacht vom 30. auf den 31. August gab es nochmals verbreitet Schauer und Gewitter.
Monatsbilanz August 2022: Die Augusttemperatur stieg im landesweiten Mittel 1,8 °C über die Norm. Sie bewegte sich in der West- Nordwestschweiz, im Wallis und auf der Alpensüdseite verbreitet zwischen 1,9 bis 2,9 °C über dem langjährigen Mittel. Im Mittelland und in den Alpen erreichten die Werte meist 1,1 bis 2,0 °C über der Norm.
Die Niederschlagssummen erreichten im August in vielen Gebieten der Schweiz nur 40 bis 70 % der Norm. Lokal gab es aber auch nur 30 % oder weniger. Am zentralen und östlichen Alpennordhang stiegen die Monatsmengen auf 70 bis 100 %, vereinzelt auch auf 130 bis knapp 150 % des langjährigen Mittels. Reichlich Regen gab es zwischen Schaffhausen und Bodensee mit 130 bis 180 % der Norm.
Die Sonnenscheindauer lag im August in den meisten Gebieten der Schweiz zwischen 120 bis 130 % der Norm. Im Wallis und in Teilen der Alpensüdseite erreichten die Werte 110 und 120 % des langjährigen Mittels. Mehrere Messstandorte verzeichneten einen der sonnigsten Augustmonate der letzten 60 Jahre.
Warmer und gewitterhafter September
Der September zeigte sich in der ersten Monatshälfte warm und gewitterhaft. Kurz nach Monatsmitte sank in den Bergen die Schneefallgrenze bis auf 1400 m hinunter. Die Monatstemperatur lag leicht unter der Norm, die Niederschlagsmengen lagen jedoch über der Norm.
In der ersten Septemberhälfte brachten warme Südwestströmungen häufig Gewitter. Zur Monatsmitte stellte die Strömung von Südwest auf Nordwest um. In der herangeführten Polarluft sank die Tagesmitteltemperatur in Berglagen auf den 17. September 6 bis 8 °C unter die Norm und die Schneefallgrenze bewegte sich zwischen 1400 und 1800 m. Vom 17. auf den 18. September fiel in hohen Lagen regional über 10 cm Neuschnee. Weitere Schneefälle gab es ab dem 25. September. Während im Norden Regen und in den Bergen Schnee fiel, gab es im Süden mit zum Teil kräftigem Nordföhn viel Sonnenschein
Vom 18. bis am 22. September floss mit Hochdruckeinfluss und bei meist sonnigen Verhältnissen kalte Luft aus Norden zur Schweiz. Auf der Alpensüdseite fegte die Kaltluft aus Norden am 19. September als kräftiger Nordföhn durch die Täler. Die höchsten Böenspitzen lagen zwischen 70 und 80 km/h. Mit dem Nordföhn stiegen die Höchstwerte der Temperatur auf 22 bis 24 °C.
Bis zum Monatsende flossen zuerst aus Südwesten, ab dem 25. September aus Westen und Nordwesten feuchte Luftmassen zur Schweiz. Sie brachten bis am 29. September vor allem der Alpennordseite täglich Niederschlag. Die Schneefallgrenze pendelte jeweils zwischen 1400 und 2000 m.
Monatsbilanz September 2022: Die Septembertemperatur blieb mit 10,1 °C im landesweiten Mittel 0,3 °C unter der Norm. In vielen Gebieten der Schweiz bewegte sie sich zwischen 0,3 °C unter und 0,3 °C über dem langjährigen Mittel. In höheren Lagen blieben die Werte meist 0,2 bis 0,6 °C unter der Norm. Gipfellagen meldeten vereinzelt mehr als 1 °C unter dem langjährigen Mittel.
Die Septembersummen des Niederschlags stiegen vor allem in der West- und Nordwestschweiz und am zentralen Alpennordhang weit über die Norm. Gebietsweise kamen 180 bis über 200 % des langjährigen Mittels zusammen. Payerne verzeichnete mit 280 % der Norm den nassesten September seit Messbeginn 1964. Die Alpensüdseite erhielt lokal über 150 % des langjährigen Mittels. Weniger als 50 % der Norm fielen im westlichen Tessin und lokal im Wallis.
Die Sonnenscheindauer lag im September in den meisten Gebieten der Schweiz zwischen 90 und knapp 100 % der Norm. Gipfellagen erhielten zum Teil nur 60 bis 80 % des langjährigen Mittels. Im südlichen Tessin erreichte die Sonnenscheindauer 100 bis 114 % der Norm.
Schweizer Karte mit Klimastationen
Tabelle als PDF: Klimadaten im dritten Quartal 2022 (folgt)
Quelle: MeteoSchweiz, Klimabulletins 2022