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Beschimpfen, Ignorieren, Manipulieren. Zur Politik mit dem Publikum nach Peter Handke (von Ivana Müller und Claudia Bosse)
Abstract
Vor dem Hintergrund der neueren historischen und theoretischen Theaterforschung zum Zuschauer lässt sich Peter Handkes Publikumsbeschimpfung als Beginn der sukzessiven Auflösung jenes Verständnisses von Spieler und Publikum begreifen, das sich zwischen der Mitte des 18. und dem Ende des 19. Jahrhunderts als Paradigma des modernen Theaters herausgebildet hat. Kann Handke einerseits an eine seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgte Wiederentdeckung jenes aktiven Zuschauers anknüpfen, wie er im Theater der frühen Neuzeit prägend gewesen sein dürfte, so lässt sich andererseits in seinem Stück doch noch eine Auffassung des Verhältnisses von Bühne und Publikum erkennen, die weitgehend mit der im Stück verbal angegriffenen Schauanordnung übereinstimmt. Dies wird noch akzentuiert durch die legendäre Uraufführung durch Claus Peymann im Frankfurter Theater am Turm, in der die an das Spiel mit der Vierten Wand gewohnten Schauspieler von den Reaktionen des beschimpften Publikums zeitweise offenkundig überfordert waren. Neuere Performance-Arbeiten von Ivana Müller und Claudia Bosse können von daher als weitergehende Erforschungen dessen begriffen werden, was bei Handke erstmals szenisch untersucht wird: Der Differenz zwischen dem empirischen und dem epistemologischen Zuschauer sowie des Verhältnisses von Freiheit und Manipulation in experimentellen Schauanordnungen.
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