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Das «Climate Accountabiliy Institute» hat im vergangenen Jahr eine Liste von Unternehmen erstellt, die von den 1960er-Jahren bis 2017 am meisten zum Klimawandel beigetragen haben. Ganz oben stehen – wenig überraschend – die Konzerne, die fossile Energieträger fördern und verarbeiten, unabhängig davon, wie sie sich finanzieren. An der Spitze finden sich zwei staatliche und zwei private Unternehmen.
Die ersten unter den 20 Top-«Klimasündern» sind Saudi Aramco, Chevron, Gazprom und ExxonMobil, listet der «Guardian» auf. Diese vier Konzerne allein haben zehn Prozent der seit 1965 entstandenen weltweiten CO2-Emissionen verursacht. Zusammen haben die «Top 20» mehr als ein Drittel (35 Prozent) aller energieverbundenen CO2-Äquivalente in die Luft geblasen, in der Summe 480 Milliarden Tonnen CO2eq.
Die 20 grössten staatlichen (schwarz) und privaten (gelb) «Klimasünder» haben von 1965 bis 2017 etwa 480 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente in die Luft geblasen. Grösster Verschmutzer ist der staatliche Konzern Saudi Aramco. (Zahlen in Milliarden Tonnen CO2eq, Daten: Heede, Grafik: The Guardian).
Der Geograf Richard Heede, der das Ranking erstellt hat, griff dafür auf die von den Unternehmen gemeldete jährliche Produktion von Öl, Erdgas und Kohle zurück. Er berechnete, wie viel Kohlenstoff und Methan in der gesamten Lieferkette in die Atmosphäre abgegeben wurden.
Heede, der bereits an mehreren ähnlichen Arbeiten beteiligt war, wählte 1965 als Ausgangspunkt. Zu diesem Zeitpunkt waren die zu erwartenden Auswirkungen des Klimawandels nachweislich sowohl «Big Oil» wie auch der US-Regierung bekannt. Im November 1965 veröffentlichte beispielsweise der damalige US-Präsident Lyndon Johnson einen Bericht, in dem die wahrscheinlichen Auswirkungen der fortgesetzten Produktion fossiler Brennstoffe auf die globalen Temperaturen dargelegt wurden.
«Führende Unternehmen und Interessengruppen wussten seit den späten 1950er-Jahren Bescheid», sagt Heede. Sie hätten es vorgezogen, die Konsequenzen zu ignorieren. Eine Studie, die 2019 veröffentlich wurde, wies nach, dass die fünf grössten börsennotierten Öl- und Gaskonzerne jährlich 200 Millionen Dollar dafür ausgaben, Massnahmen gegen den Klimawandel zu bremsen, zu blockieren und zu bekämpfen.
Den Preis zahlt die gesamte Weltbevölkerung
Den Preis für dieses Vorgehen bezahle nun die gesamte Weltbevölkerung, äusserte sich Michael E. Mann, einer der bekanntesten Klimawissenschaftler: «Die grosse Tragödie der Klimakrise besteht darin, dass siebeneinhalb Milliarden Menschen den Preis in Form eines degradierten Planeten zahlen müssen, damit ein paar Dutzend Verschmutzer weiterhin Rekordgewinne erzielen können».
Für Mann ist das ein «grosses moralisches Versagen des politischen Systems». Mann ist einer der drei Urheber der bekannten «Hockeyschläger-Kurve». Er hat in der Vergangenheit immer wieder Unternehmen verklagt, die seine Forschung diskreditiert haben. Es sei höchste Zeit, die Verursacher zur Verantwortung zu ziehen, betont auch Heede in Hinblick auf die bevorstehende nächste Runde der Klimakonferenz.
Die Konsumenten sind (selbst) schuld
Der «Guardian» konfrontierte die Top 20 mit Heedes Liste, acht Konzerne antworteten. Einige sind der Meinung, dass nicht sie, sondern die Konsumenten die Luft verschmutzen, bei denen die fossilen Brennstoffe verbrannt werden. Direkt verantwortlich seien sie daher nicht. Mehrere Unternehmen bestritten, dass sie in den 1950er-Jahren bereits Kenntnis von der beginnenden Klimakrise gehabt hätten oder dass die gesamte Industrie daran gearbeitet hatte, Klimaschutzmassnahmen zu verzögern.
Unternehmen anerkennen Klimawissenschaft
Zu behaupten, die Klimakrise existiere nicht, immerhin, ist für «Big Oil» vom Tisch. Die Konzerne stellten ausdrücklich fest, dass sie die Klimawissenschaft akzeptieren und die im Pariser Klimaabkommen festgelegten Ziele unterstützen. Alle strichen heraus, dass sie Anstrengungen unternehmen, um erneuerbare Energien zu fördern.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
keine