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Ein Jahr lang konnte sich Lise-Marie Graden (SP) als Vize-Präsidentin des Freiburger Generalrats auf ihre künftige Aufgabe vorbereiten; gestern Abend wählte das Parlament die 1974 geborene Graden mit 69 Stimmen turnusgemäss zur neuen Ratspräsidentin. Lise-Marie Graden ist Juristin und Vorsteherin des kantonalen Amts für Justiz.
Erstmals ein SVP-Vertreter
Eine Premiere gab es bei der Besetzung des Vize-Präsidiums. Seit die SVP 2006 in den Freiburger Generalrat eingezogen ist, konnte sie nun erstmals einen Kandidaten für das Präsidium stellen. Die SVP schlug Christophe Giller vor. «Er hat alle Qualitäten, um den Job gut zu machen», sagte SVP-Fraktionschef Pierre Marchioni. Der 34-jährige Physiker sei in verschiedenen Kommissionen tätig. «Er investiert sich sehr stark für die Gemeinschaft.»
Die Wahl verlief indes nicht ohne Misstöne. Er gestehe der SVP das Recht zu, einen Kandidaten zu stellen, sagte Elias Moussa im Namen der SP. Auch stelle die SP die Qualitäten von Giller nicht infrage, bedaure jedoch, dass die SVP einen Kandidaten gewählt habe, der im Generalrat relativ unbekannt sei. Deshalb könne sie die Kandidatur nicht unterstützen. Auch die CSP habe aus denselben Gründen ihre Zweifel, sagte Pierre-Olivier Nobs. Diese Haltung verurteilte Bernhard Altermatt im Namen der CVP. Dies seien elektoral motivierte Machtspiele, welche die Zusammenarbeit im Generalrat unnötig erschwerten. Beim ersten Durchgang erreichte keiner der Kandidaten das nötige absolute Mehr: Pascal Wicht (SVP) erhielt 37 Stimmen, Christophe Giller lediglich 35.
Dass er sich nicht als Kandidat für das Vize-Präsidium zur Verfügung gestellt habe, habe seine Gründe, erklärte Pascal Wicht und bat seine Ratskollegen, Giller zu wählen.
Im zweiten Durchgang, in dem nur mehr das relative Mehr nötig war, wählte der Generalrat mit 35 Stimmen Christophe Giller zum neuen Vize-Präsidenten. 31 Stimmen erhielt der Unabhängige François Ingold, den Christa Mutter (Grüne) für den zweiten Durchgang als Kandidaten vorgeschlagen hatte.
Dass die SVP nun erstmals im Präsidium vertreten ist, sieht Marchioni grundsätzlich positiv – obwohl dies für die Partei eher eine Schwächung bedeute. Als Vize-Präsident und nächstes Jahr als Präsident müsse Christophe Giller neutraler bleiben als seine Parteikollegen. «So gesehen verlieren wir eine gute Kraft. Aber wir wollen zeigen, dass wir mitmachen», sagte Marchioni den FN.
Christophe Giller. Bild Aldo Ellena