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Quelle: 4. Auflage der Schweizer Lebendspenderbroschüre (2015).
Schweizer Lebendspenderbroschüre
Wichtige Aspekte zur Nierenlebendspende
Kapitel 1: Vorwort zur Nierenlebendspende
Die erste Nierentransplantation fand 1954 statt und wurde durch eine Lebendspende ermöglicht. Die Operation war lebensrettend, denn die Dialyse war damals nicht verfügbar, und Patienten mit chronischem Nierenversagen verstarben.
Um 1990 nahm die Nierenlebendspende zu. Die Gründe dafür waren vielfültig: Die Ergebnisse bei Transplantationen von Lebendspendern waren besser als die von verstorbenen Spendern und der Zeitpunkt der Transplantation konnte geplant und damit die Dialyse im Idealfall vermieden werden. Aber auch die mangelnde Bereitschaft von Menschen, nach ihrem Tod Organe zu spenden, bewirkte eine Zunahme der Lebendspende. Der Mangel an verstorbenen Organspendern führt bei Patienten, die eine Niere benötigen, zu immer längeren Wartezeiten.
Seit dem Jahr 2000 beträgt in der Schweiz die Anzahl der Transplantationen von Lebendnierenspendern etwa die Hälfte aller Nierentransplantationen.
Die Zunahme der Lebendspendetransplantationen hat Professor Gilbert Thiel (1934-2012) dazu veranlasst, 1993 das Schweizerische Lebendspender-Gesundheitsregister SOL-DHR (Swiss Organ Living-Donor Health Registry) zu gründen, das in Kapitel 8 genauer beschrieben wird. Es dient vor allem dem Schutz der Spender. Die dort gesammelten Daten werden ausgewertet und sind eine bedeutende Informationsquelle, um künftige Lebendspender in der Schweiz gut zu informieren. Die aktuellen Daten und Erkenntnisse haben auch dazu beigetragen, die nun vorliegende 4. Auflage dieser Broschüre zu erstellen. Sie gibt einen Überblick über verschiedene Aspekte der Nierenlebendspende, angefangen von der Eignung als Spender über die Operation, die Erholungsphase bis hin zu finanziellen Fragen und möglichen Komplikationen.
Obwohl Komplikationen nach einer Nierenspende selten sind, kann nie mit Sicherheit vorausgesagt werden, wie sich der Gesundheitszustand der Spender nach Spende entwickelt. Ebenso ist es auch nicht möglich, jedes denkbare Problem vorherzusehen und darzustellen. Es kann daher in seltenen Fällen auch zu Komplikationen kommen, die in der Broschüre nicht beschrieben wurden.
Die vorliegende Broschüre bietet für diejenigen, die vor der Entscheidung stehen, eine Niere zu spenden, eine Übersicht über den derzeitigen Wissensstand der Nierenlebendspende. Sie ist eine unabhängige Informationsquelle und dient nur als Grundlage, sich für oder gegen eine Spende zu entscheiden. Sie kann aber nicht das individuelle Gespräch mit einem Spezialisten ersetzen oder den Gesundheitsverlauf einzelner Spender vorhersagen.
Quelle: 4. Auflage der Schweizer Lebendspenderbroschüre (2015). Herausgeber: Schweizer Lebendspender-Gesundheitsregister SOL-DHR. Die 6 Schweizer Transplantationszentren Basel, Bern, Genf, Lausanne, St. Gallen, Zürich 2015. Autoren: Dr. med. Isabelle Binet (Leitende Ärztin, Klinik für Nephrologie & Transplantationsmedizin, Kantonsspital St.Gallen), Dr. med. Karine Hadaya (Leitende Ärztin Nephrologie, Universitätsspital Genf), Prof. Dr. med. Jürg Steiger (Chefarzt, Transplantations-Immunologie & Nephrologie, Universitätspital Basel), Dr. med. Felix Burkhalter Pirovino (Leitender Arzt, Leiter Nephrologie, Kantonsspital Baselland), Prof. Dr. med. Uyen Huynh-Do (Lietende Ärztin, Universitätsklinik für Nephrologie und Hypertonie, Inselspital Bern), Dr. med., Dr. phil. nat. Matthias Matter (Oberarzt, Gastrointestinale Pathologie, Leberpathologie, Molekularpathologie, Universitätspital Basel), Prof. Dr. med. Thomas Fehr (Ärztlicher Direktor, Chefarzt und Departementsleiter Innere Medizin, Kantonsspital Graubünden), PD Dr. Jens Gunther Brockmann, Prof. Dr. med. Alexander Kiss, Christa Nolte M.A., I. Geiger lic. phil., Dr. Daniela Garzoni, Dr. med. Dimitrios Tsinalis, W. Ender, Prof. P. Mayno, Schweizerischer Organ Lebendspender Verein / Leber- und Nierenspende (SOLV-LN)