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Das Lymphödem gehört zu den häufigsten Ödem-Arten. Lagert sich zu viel Flüssigkeit im Gewebe ab, kommt es zu einer ungewollten Schwellung. Das kann ein Anzeichen für ein „Lymphödem“ sein. Ursache sind z. B. Entzündungen (bspw. Insektenstiche oder Verstauchungen), sodass das lymphatische System zeitweise überlastet ist – hier spricht man von einem akuten Lymphödem. Klingt die Entzündung ab, geht auch die Gewebsschwellung zurück.
Ist die Schwellung aber langanhaltend, kann auch eine chronische, d.h. dauerhafte Störung des lymphatischen Systems vorliegen. Die Diagnose lautet dann „sekundäres Lymphödem“.
Eine Spezialform des Lymphödems ist das Lipo-Lymphödem. Dabei entwickelt sich das Lymphödem auf dem Boden eines Lipödems – eine Schwellung infolge einer krankhaft veränderten Fettverteilung. Wird das Lipödem nicht behandelt, kann dies auf Dauer den Lymphabtransport blockieren und so ein Lymphödem auslösen.
Das Lymphgefäßsystem ist neben den Arterien und Venen das dritte große Gefäßsystem in unserem Körper. Es ist ein Drainage- und Transportsystem mit dazwischengeschalteten Lymphknoten. Die wichtigste Aufgabe der Lymphgefäße ist der Abtransport von Substanzen aus dem Zwischenzellraum zurück in das venöse System. Substanzen, die nur über die Lymphe entsorgt werden können, sind v. a. Eiweiß, Nahrungsfette, Zellen und Zelltrümmer sowie insbesondere eingedrungene Bakterien und Viren. Wasser ist nur das Transportmedium.
Die Lymphgefäße durchziehen den menschlichen Körper entlang der Blutgefäße und in den Extremitäten besonders im Unterhautfettgewebe. Sie transportieren täglich etwa zwei Liter Lymphe ab. Komplexes System. Das Lymphsystem durchzieht als Netzwerk aus lymphatischen Organen und Lymphgefäßen den gesamten Körper. Wird der Lymphfluss unterbrochen oder beeinträchtigt, bleibt die Flüssigkeit und das Eiweiß im Gewebe zurück und es entsteht eine Schwellung: das Lymphödem. Ursachen können beispielsweise fehlende oder verletzte Lymphknoten sein.
Der Arzt stellt in der Regel eine präzise Diagnose anhand der
Krankengeschichte und der klinischen Untersuchung. Eine einfache Möglichkeit, entstehende Ödeme selbst zu erkennen, besteht darin, mit dem Daumen ca. 10 Sekunden lang das betroffene Gewebe einzudrücken. Wenn die auftretende Hautdelle nicht sofort nach Beendigung des Drucks wieder verschwindet, deutet das auf ein Ödem hin. In diesem Fall ist es ratsam, einen Spezialisten aufzusuchen.
Umfang der Schwellung messen Sie erleichtern dem behandelnden Arzt die Beurteilung des Lymphödems, indem Sie einmal pro Woche den Umfang der Schwellung messen und notieren. Am besten morgens, gleich nach dem Aufstehen. Die Volumenmessung ist nicht nur zur Diagnose, sondern auch zur Erfolgskontrolle einer langfristigen Therapie wichtig.
Der Arzt misst mit Hilfe verschiedener Verfahren den Umfang der Beine bzw. der Arme in gleichmäßigen Abständen. Einige arbeiten mit Röntgen- bzw. Laserstrahlen. Nebenwirkungsfrei und als schnelle Alternative gilt die Schattenprojektionsmessung mit elektronischer Auswertung (z. B. Perometer®).
Große Bedeutung hat heute die Ultraschalluntersuchung der
Haut und des Unterhautfettgewebes mit hochauflösenden
Auch wenn kein dellenbildendes Ödem vorhanden ist, lassen sich damit Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe nachweisen. Die Ödemsonographie liefert Ihrem Arzt auch wichtige Hinweise zur Ursache Ihres Ödems. Weitere Untersuchungsmethoden des Lymphsystems, für bestimmte Fragestellungen, z. B. bei Gutachten, sind u.a. der Farbstofftest, die Lymphszintigraphie und die Lymphographie.
Beim latenten (unsichtbaren) Lymphödem haben die Betroffenen noch keine Beschwerden. Teile des Lymphsystems sind zwar bereits geschädigt, doch der gesunde Teil kann den Abtransport der Lymphe noch übernehmen.
Das Lymphödem ist jetzt an einer sichtbaren Schwellung zu erkennen, aber noch reversibel – das Lymphödem kann sich etwa durch Hochlagern der Extremität zurückbilden. Die Schwellung ist weich und lässt sich mit dem Finger eindrücken. Nimmt man den Finger weg, bleibt vorübergehend eine Delle zurück. Außerdem fällt das sogenannte Stemmersche Zeichen zur Diagnostik negativ aus: An Finger- und Zehenrücken lassen sich Falten abheben.
Hier hat sich aufgrund der gestauten, eiweißreichen Gewebeflüssigkeit bereits zusätzliches Bindegewebe gebildet (Fibrose) und verhärtet (Sklerose). Dellen lassen sich deshalb nicht mehr eindrücken, und auch das Hochlagern von betroffenen Gliedmaßen lässt die Schwellung nicht abklingen. Das Stemmersche Zeichen ist positiv – eine Hautfalte lässt sich weder an den Finger- noch an den Zehenrücken abheben.
Dieses Stadium wird auch als Elephantiasis bezeichnet. Es zeichnet sich durch extreme Schwellungen aus. Unter der Haut hat sich noch mehr zusätzliches Bindegewebe gebildet. Die Haut ist verdickt und verhärtet, warzenartige Wucherungen ergänzen das Bild. Lymphödem-Symptome des dritten Stadiums sind außerdem Verfärbungen oder ein gestörtes Nagelwachstum. Überdies ist die Barrierefunktion der Haut gestört. chronische Entzündungen. Dies begünstigt bakterielle Infektionen (z.B. Wundrose. Generell ist die Haut an der betroffenen Stelle höchst empfindlich, die Wundheilung stark beeinträchtigt.
Wird nichts gegen ein bestehendes Lymphödem unternommen, kann es zu Veränderungen der Haut kommen. Oft wird diese dann trocken und schuppig. Da das Lymphsystem Eiweiß nicht mehr ausreichend abtransportiert, lagert sich dieses ins Gewebe ein (Proteoglykane). Entzündungen führen zu Verhärtungen (Fibrosen). Neues Bindegewebe bildet sich, wuchert und verfestigt das Ödem. Das Immunsystem der Haut ist im Bereich des Ödems gestört und anfällig für Erkrankungen wie Wundrose (Erysipel) und Hautpilz.
Die meisten Betroffenen beschäftigt vor allem eine Frage: Ist ein Lymphödem heilbar? Die Antwort darauf lautet: Mit der richtigen Behandlung lassen sich die krankhaften Schwellungen zumindest gut reduzieren.
Mithilfe von Kompressionsstrümpfen oder Armbandagen wird leichter Druck auf die Lymphgefäße erzeugt. Das erleichtert den Abtransport der gestauten Gewebeflüssigkeit in den Beinen beziehungsweise Armen.
Experten empfehlen eine Kombination aus Kompressionstherapie, Lymphdrainage, Bewegungstraining und Hautpflege. Unterstützend kann es sinnvoll sein, ein Lymphödem mit Hausmitteln zu behandeln. Im Fokus stehen hier eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung.
Wichtig zu wissen, ist zudem: Die Therapie eines Lymphödems ist vor allem zu Beginn zeitintensiv und nicht immer leicht. Außerdem kann es sein, dass Sie die Behandlung ein Leben lang begleitet. Durch Ihre Mitarbeit beugen Sie aber Komplikationen wie schweren Entzündung vor. Außerdem erleichtert Ihnen oft schon ein leicht gebessertes Lymphödem den Alltag.
Hierbei handelt es sich um eine spezielle Massagetechnik, die das Gewebe entstauen kann. Sie heißt deshalb auch manuelle oder physikalische Entstauungstherapie. Die Lymphdrainage gehört zu den anerkannten Heilmitteln und wird nach ärztlicher Verordnung von den Krankenkassen bezahlt. Meist führen speziell ausgebildete Physiotherapeuten durchgeführt.
Gezielte Bewegung trainiert die Muskulatur, die wie eine Pumpe die Lymphgefäße beim Abtransport der Gewebsflüssigkeit unterstützt. Die Übungen werden in der Physiotherapiepraxis individuell auf den Patienten zugeschnitten. So erhält ein Betroffener mit einem Lymphödem am Bein andere Übungen als ein Patient, dessen Arm betroffen ist.
Da die Haut stark unter einem Lymphödem leiden kann, ist es wichtig, sie zu pflegen und geschmeidig zu halten. Ratsam ist es, die betroffenen Hautpartien regelmäßig mit feuchtigkeitsspendenden Lotionen einzucremen.