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Zwei weitere Brücken vermitteln den Verkehr in der Tiefe des Aarthales.
Die Raumverhältnisse der vier Hauptbrücken mögen an Hand der folgenden Zusammenstellung verglichen werden:
|Nideck||Eisenbahn||Kirchenfeld||Kornhaus|
|Höhe||26 m||47 m||34.5 m||48 m|
|Länge||150 m||180 m||229.2 m||355.4 m|
|Breite||12 m||6 m||13.2 m||12.6 m|
Bern ist somit eine rechte Brückenstadt geworden.
Anlage, Baucharakter und Hauptgebäude.
Auf den ersten Blick fällt die überaus scharfe Sonderung auf, welche in Bern zwischen der alten historischen und der neuen Aussenstadt besteht. Hier im Innern der Halbinsel ist der verfügbare ebene Raum eng mit massigen Häuserpolygonen überbaut, draussen auf dem Aussenplateau herrscht eine grosse Verzettelung der Gebäude und ist nur selten eine eigentliche Gasse, überall dagegen das Grün der Gärten. Zwischen beide Teile schiebt sich das Aarethal mit seinen im Süden terrassenförmig aufgemauerten, im Norden dagegen natürlich abfallenden, steilen und unüberbaubaren Halden. Nur im W. geht die Altstadt teilweise unmittelbar in die äussere Stadt über. Man nennt in Bern die Halbinselstadt innere Stadt oder die Stadt schlechthin.
Die innere Stadt ist 1300 m lang und 3-400 in breit. Ihre Strassenzüge sind von Anfang an durch die Natur des Bodens in so bestimmter Weise bedingt gewesen, dass noch heute die ganze Stadtanlage, so sehr sich auch die Détails der Konstruktionen geändert haben mögen, ein getreues Abbild der ursprünglichen genannt werden kann. In dieser Hinsicht steht Bern fast einzig da.
Eine geringe Anzahl von Gassen (in der obern Hälfte der Stadt 5-6, in der untern 3-5) zieht nämlich in westöstlicher Richtung durch die Länge des Halbinselplateaus. Diese Längsstrassen sind in der Regel nur durch ganz enge überwölbte Durchschlüpfe, «Gässchen», in der Querrichtung verbunden. Aber an zwei Stellen, zwischen den beiden Hochbrücken in der Stadtmitte und höher oben, wo die eigentliche Halbinsel sich öffnet, gehen breite Querstrassenzüge.
Diese müssen die freien Plätze ersetzen, welche sonst der inneren Stadt fast gänzlich fehlen. Sie nehmen die Stellen ein, wo sich einst der erste und der zweite befestigte Stadtabschluss befanden. Da wo der mittlere Längsstrassenzug, einst die alleinige Hauptverkehrsader für das öffentliche Leben der Stadt, diese querlaufenden Plätze kreuzt, erheben sich je an den Eingängen zu der nächstunteren Längsstrasse mächtige Thortürme, die Wahrzeichen der alten Stadt. Die ganze innere Stadt hat den Charakter des Massiven. Einheitlich füllen die Bürgerhäuser den Raum aus bis an die breiten Gassen. An den Aussenseiten der innern Stadt befinden sich die meisten öffentlichen Gebäude Berns. Dort tronen sie frei über dem Hang des Aarethals.
Die breitere Stadthälfte vom Bahnhof bis zum Zeitglockenturm zwischen den beiden Hauptbrücken hat den Vorteil der besseren Verkehrslage. Nicht nur lehnt sie sich an die direkt zugänglichen Aussenquartiere gleicher Höhenlage im Westen, sondern sie liegt auch in gleicher Höhe mit den Hauptbrücken. Dies ist die obere Stadt.
Machen wir vom Bahnhof aus einen Rundgang, so fällt der Blick gleich am oberen Stadtende, wo bis 1864 der gewaltige Christoffelturm drohend den Eingang bewachte, auf die äusserst elegante Heiliggeistkirche, einen Rococobau aus den Jahren 1726-1729. Sie ist, wie weitaus der grösste Teil der Gebäude der dem Stadt, aus dem grünlich-bläulichen Sandstein gebaut, der in der östlichen Umgehung Berns gewonnen wird (s. Amtsbezirk). Hier öffnet sich die Spitalgasse und damit gleichzeitig ein Blick auf das ausgezeichnete Bild einer altbernischen Gasse. In nicht ganz gerader Flucht umsäumen die Bürgerhäuser eine breite Strasse, in deren Mitte sich von Abstand zu Abstand laufende Brunnen mit farbigen Statuen auf hohen, schlanken Sockeln erheben.
Die Häuserfronten sind in der Regel schmal; am häufigsten sind die zweifenstrigen. Fast alle Häuser besitzen 3 Stockwerke, sodass die weit zurückliegenden Dächer in fast übereinstimmender Höhe auf die Façaden aufgesetzt sind. Die Dachkanten ragen um 2-4 m in die Strasse hinein. Zu dieser grossen Einheitlichkeit kommt das übereinstimmende Baumaterial. Auch die Bürgerhäuser sind durchwegs aus Sandsteinblöcken aufgebaut. Französisch geschulte Baumeister des beginnenden 18. Jahrhunderts schmückten die Façaden, die damals in ausgedehntem Masse erneuert wurden, mit den einfach schönen Fensteröffnungen, die ihnen den Charakter eines wahrhaft bürgerlichen Stiles geben.
Das eigenartigste im Strassenbilde sind aber die «Lauben». Diese dem Fussgängerverkehr und den Geschäftsausstellungen dienenden Durchgänge unter den Fronten zu ebener Erde gehen ununterbrochen auf beiden Strassenseiten von einem Ende der Gasse bis zum andern. Sie werden gebildet von mächtigen, etwas niedrigen Pfeilern und ¶
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flachen Steinbogen, welche häufig die ganze Front eines Hauses tragen und bei welchen sich die Kellereingänge befinden. Umsomehr diese Lauben den Personenverkehr aufnehmen, um so eigenartiger bleibt das Bild der Strasse selbst. In der Strassenmitte, wo unter grossen Steinplatten der Stadtbach läuft, der von Holligen her zur Stadt geleitet und hier in alle Gassen verteilt ist, sieht man lange Reihen von Karren, Haufen von Fässern und Kisten. Da die Häuser keine Einfahrten besitzen, ist ein Teil der Funktionen der Höfe hierher auf die offene Strasse verlegt. Beiden Laubenreihen entlang ziehen sich an den Markttagen die Marktstände. Der Markt ist in Bern seit alters nicht an einen besonderen Platz gefunden, er vollzieht sich in der ganzen Flucht der Hauptgassen der obern Stadt.
Das Gassenbild ist in der Perspektive abgeschlossen durch den breiten, in schönem Barokportal durchbrochenen Käfigturm, dessen schlanker Helm von vier kleineren Türmchen flankiert ist.
Vor ihm öffnet sich in die Quere die erste jener Unterbrechungen der innern Stadt, der Bärenplatz.
Auf diesen sonnigen Platz schaut von S. her die mächtige braune Kuppel des Mittelbaus des Bundeshauses. Dasselbe nimmt fast die ganze Südfront der oberen Stadt ein. Es besteht aus den drei zwischen 1851 und 1901 erbauten und untereinander verbundenen Renaissancepalästen, Westbau, Ostbau und Mittelbau. Die beiden Flügel treffen unter einem sehr stumpfen Winkel zum Mittelbau ein. Während von der Stadtseite auch nach den projektierten und zur Zeit vor sich gehenden Abräumungen der Blick auf das Gesamtgebäude nie ganz frei werden wird, zeigt sich die Südfront von dem Aarethal und den jenseitigen Höhen aus in einer Ausdehnung, die für das Stadtbild auf dieser Seite bestimmend wird.
Auf gewaltigen Stützmauern - die des Mittelbaues springt als Halbrund vor und entspricht so der rundgebogenen Südfaçade dieses Teils - erhebt sich der helle Steinbau mit seiner grossen Zahl schöngewölbter Fenster. Der von Friedr. Studer gebaute Westbau (1851-1855) ist von edler Einfachheit der Formen, der Mittelbau (Bauzeit 1895 bis 1902) zeigt mit reichem Prunke den Geist der Generation, die ihn schuf, der Ostbau gleicht dem Westbau, unterscheidet sich immerhin darin wesentlich von ihm, dass die Ruhe seiner Façaden unterbrochen ist durch die Vertiefung der Blockfugen. Prof. Auer hat den Ostbau 1890 erbaut und leitet noch die Vollendung des Ganzen im Mittelbau. Die Kuppel des Mittelbaus erreicht die Höhe von 60 m über dem Baugrund und ca. 100 m über der Sohle des Aarethals. Die Flucht der Gebäude ist annähernd 300 m lang.
Die Fortsetzung des Bärenplatzes nach N. heisst Waisenhausplatz. Derselbe schliesst sich mit einem ächt altbernischen Baue aus der Zeit kurz vor dem Uebergang, dem bürgerlichen Knabenwaisenhaus (1782). Mit seinem umgitterten Pappelhofe ist der schwere Bau unter seinem grossen, nach allen Seiten ausladenden Dache ein ins Kasernenhafte übersetzter Patrizierhof und ein gutes Bild altväterischer öffentlicher Fürsorge.
Unweit des Waisenhauses schauen noch zwei edle, neuere Renaissancebauten nach dem nördlichen Flügel des Aarethals hinaus. Dies sind das Naturhistorische und das Kunstmuseum, beide um 1880 erbaut. Unter dem letztern zieht sich der einzige noch erhaltene Teil der Stadtmauern die Halde hinunter bis zu einem Turme, der, dicht ans Wasser des Flusses gestellt, im Volksmund das «heimliche Gericht», genannt wird. Vor alters hiess er der Blutturm. In den Namen inneres und äusseres Bollwerk, welche zwei von hier zum Bahnhofplatz ziehende Strassen tragen, ist die Richtung und Lage der Stadtumwallung von ehedem noch erkennbar.
Vom Käfigturme führt die Marktgasse weiter stadtabwärts. Dies ist die farbenreichste der Gassen. Einige Zunfthäuser mit grossen Emblemen mischen sich unter die Bürgerhäuser, ohne die Einheit der Gasse zu unterbrechen. Hier tritt es am deutlichsten hervor, dass in Altbern wohl die Gassen, höchst selten jedoch das einzelne Haus individuelles Gepräge besitzen. Am untern Ende der Marktgasse setzen der Kornhausplatz und der Theaterplatz die zweite Queröffnung zusammen, eine Stelle, die nicht nur durch die beiden Hauptbrücken, die hier ansetzen, sondern auch durch die grosse Zahl der hier stehenden öffentlichen Gebäude hervorragt.
Das Kornhaus vor allem steht mit seiner mächtigen Hallenunterführung und den übrigen grossen Dimensionen als würdevoller Repräsentant des alten Bern da. Seine Erbauung fällt in die Jahre 1711-1716. Als Kinder des ausgehenden 18. Jahrhunderts erweisen sich die eleganten Rococofaçaden der Hauptwache und des früheren historischen Museums nahe dem viel zu engen Zugang zur Kirchenfeldbrücke. Vom Kornhaus verdeckt, erhebt sich an der Zeughausgasse die Französische Kirche, ehedem die Kirche des Prediger- oder Dominikanerklosters, ein ernster frühgotischer Bau; sie und die anstossenden übrigen Klostergebäude datieren als einzige Reste aus der Zeit vor dem grossen Brande Berns 1405. Bedeutende Teile dieses Komplexes wichen in neuerer Zeit dem Neubau des Stadttheaters, dessen Façade sich dicht an dem Eingange der Kornhausbrücke erhebt.
Als eigentliches Wahrzeichen der Stadt ragt am Eingang zur Kramgasse, und damit zur untern Stadt überhaupt, der Zeitglockenturm in die Lüfte, ein graziös-kraftvolles Bauwerk, das erst vor einigen Jahren durch Uebermalung neu zur Geltung gekommen ist. Das noch heutigen Tags gern angestaunte Uhrwerk mit dem Sceptermann, den Bären, dem Hahn und andern beweglichen Figuren entstammt der Technik des 16. Jahrhunderts. Vom Zeitglockenturm aus sind alle Strassen des Kantons vermessen worden. ¶