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Französisch? No, thanks!
Französisch war in den 70er-Jahren en vogue innerhalb der EU. Heute aber gehe die Bedeutung der Sprache mehr und mehr zurück – beklagt unser Brüssel-Korrespondent Christoph Hasselbach.
Als ich in den 70er-Jahren zum Gymnasium ging, gab es zu Beginn des siebten Schuljahres die Sprachenwahl Französisch oder Latein. Viele Lehrer warben für das Französische als Sprache der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, wie sie damals hieß, und damit als Sprache, um die man im künftigen Europa kaum herumkäme. Tatsächlich dominierten die Franzosen und mit ihnen ihre Sprache die EWG. Die entscheidenden Institutionen befanden – und befinden sich nach wie vor – in französischsprachigen Städten.
Und heute? Offiziell hält man die französische Sprachenfahne hoch, doch in der Praxis hat sich vollkommen das Englische durchgesetzt. Das hängt wohl vor allem mit der Osterweiterung der EU und dem relativen Bedeutungsverlust der französischsprachigen Länder zusammen. Die Osterweiterung hätte übrigens eigentlich das Deutsche stärken müssen. Zahlenmäßig sind die Deutschsprachigen ohnehin die stärkste Sprachengruppe, und in den Beitrittsländern im Osten wurde traditionell Deutsch als Fremd- oder sogar als Muttersprache gesprochen.
Auch die Bedeutung des Deutschen sinkt
Französisch und Deutsch haben zwar neben dem Englischen als Arbeitssprachen einen Sonderstatus, aber beide spielen inzwischen eine untergeordnete Rolle. Im Parlament hält man an der sprachlichen Vielfalt zwar eisern fest, in den anderen Institutionen dagegen gibt es fast nur noch das Englische.
Man merkt das als Journalist in den Pressekonferenzen. Kürzlich stellte ein deutscher Kollege dem deutschen Kommissionssprecher eine Frage – auf deutsch. Naheliegend, sollte man meinen. Doch der Sprecher zeigte sich zwar bereit, nach der Pressekonferenz Fragen auf deutsch zu beantworten, in der Runde antwortete er aber auf englisch mit dem Hinweis, die anderen sollten das ebenfalls verstehen.
Franzosen entschuldigen sich schon
Viele französische Muttersprachler, ob als Funktionsträger oder als Journalisten, entschuldigen sich mittlerweile, wenn sie französisch sprechen. Ihnen ist das frühere sprachliche Selbstbewusstsein abhanden gekommen. Die Deutschsprachigen hatten es sowieso nie.
Natürlich ist das Englische sehr praktisch, weil sich Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern damit am besten verständigen können. Auch für mich selbst ist das bequemer, weil mein Englisch viel besser als mein Französisch ist. Trotzdem gefällt mir diese Nivellierung nicht. Sie bedeutet kulturelle Verarmung und macht faul.
Ich fürchte, die Entwicklung lässt sich nicht aufhalten. Doch als kleiner Trost mag ein snobistischen Spruch dienen, der einem Mitglied der Académie Francaise zugeschrieben wird: „Englisch zu sprechen ist eine Notwendigkeit, französisch zu sprechen ist ein Privileg.“
Deutsche Welle vom 26. Febr.2009