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Denudation
(Landabtragung), das
Produkt der an der Erdoberfläche wirksamen meteorologischen
Kräfte. Je nach dem
Klima
[* 2] des betreffenden Erdstriches sind die
Faktoren, welche für den
Denudationsprozeß in erster
Linie in Betracht kommen, von
ganz verschiedener Art. In regenreichen
Ländern ist es vor allem das
Wasser in flüssigem oder festem
Aggregatzustand, als rinnendes und fließendes
Wasser oder als
Schnee
[* 3] und
Eis,
[* 4] das gleichzeitig als erodierendes wie transportierendes
Agens wirkt.
Ganz anders liegen die Verhältnisse in den regenarmen Wüstengebieten der Erde. Regelmäßige Niederschläge fehlen in der Wüste, allein die seltenen Strichregen stürzen mit großer Gewalt hernieder und sind im stände, eine größere mechanische Wirkung in kurzer Zeit auszuüben, als wenn dieselbe Regenmenge sich auf eine Reihe von Regentagen verteilte. Die erodierende und transportierende Leistung vereinzelter Gewittergüsse in der Wüste wird dadurch wesentlich gesteigert, daß aller Gehängeschutt aus locker übereinander liegenden Steinen besteht, ohne durch Schlamm miteinander verkittet zu sein.
Eine größere denudierende Wirkung üben die Temperaturunterschiede in der Wüste aus. Die Trockendeit der Atmosphäre, der Mangel von Humus, die Abwesenheit einer zusammenhängenden Pflanzendecke lassen die Temperaturunterschiede ungeschwächt auf den nackten Felsboden wirken. Eine gewöhnliche Folge der unbehinderten Insolation [* 5] besteht in dem schaligen Abblättern der Gesteine. [* 6] Diese eigentümliche Art des Verfalls der Steine findet sich sowohl bei gewissen homogenen Kalken als beim Granit.
Dagegen spielt die chemische Verwitterung in der Wüste nur eine gering Rolle und wirkt nur im Laufe langer Zeiten. Da die Verwitterung von der Anwesenheit von Wasser abhängig ist, letzteres aber infolge der trocknen Luft und der großen Wärme [* 7] schnell wieder verdunstet, so kann dieselbe nur dort stattfinden, wo Gesteinsflächen beschattet sind und deshalb die Feuchtigkeit länger wirken kann, als auf besonnten Flächen. Zu einer Verwitterung auf größern Flächen kommt es in der Wüste nicht, sie bildet immer nur eine lokale Erscheinung. Die Oberflächenformen, welche durch die Verwitterung in der Wüste erzeugt werden, sind oft sehr sonderbarer Art. Felsen ¶
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verwittern all der untern Fläche, so daß sie oft die Form eines Hutpilzes annehmen. Eine überragende Felskante veranlaßt im Gebiete ihres Schattenstreifens chemische Verwitterung, wodurch sich unterhalb der Felsbank eine Hohlkehle bildet. In regenreichen Ländern ist das fließende und gefrorne Wasser das wichtigste Transportmittel. In der Wüste tritt an die Stelle des Wassers der Wind nicht bloß als transportierendes, sondern auch als denudierendes Agens.
Die Wirkung des Windes äußert sich in der Wüste in doppelter Weise. Erstens entführt der Wind überall alles, was durch Verwitterung
und Insolation gelockert ist, und verhindert dadurch, daß sich die
Denudationsprodukte kumulativ anhäufen. Ferner scheuert
der mit Sand beladene Wind die Felsen und denudiert dadurch deren Oberfläche. So häufig man auch in der Wüste Spuren des Sandschliffes
trifft, so tritt diese Thätigkeit des sandbeladenen Windes doch gegenüber der rein abtragenden Wirkung des Windes in den Hintergrund.
Diese letztere, die man wohl als Deflation bezeichnet, ist der wichtigste
Denudationsprozeß in der Wüste;
man versteht darunter nicht sowohl die Zerstörung der Felsoberfläche, als vielmehr die Abhebung und Fortführung der durch
die vier zerstörenden Kräfte, die Insolation, die Erosion,
[* 9] das Sandgebläse
[* 10] und die chemische Verwitterung, gelockerten Gesteinsfragmente.
Die denudierende Wirkung des Windes ist im Vergleich mit derjenigen des Wassers deswegen bedeutend mächtiger,
weil letzteres in seiner Thätigkeit an Niveauunterschiede gebunden ist, während der Wind selbst auf einer vollkommen ebenen
Fläche denudiert, sobald er nur zersetztes Material vorfindet.
Ordnet man die in der Wüste thätigen meteorologischen Kräfte der Intensität ihrer Wirkung und ihrer Bedeutung nach, so steht
in erster Linie der Wind, der die wesentlichen Charaktere der Deflationslandschaften bestimmt. Ohne die
Deflation würde die
Denudation in der Wüste bald stillstehen, da alle Zerstörung der Gesteine nur oberflächlich ist. Aber der durch
keine Pflanzendecke gehinderte Wind trägt alles gelockerte Gesteinsmaterial sofort weg und liefert somit den zerstörenden
Kräften neue Angriffspunkte.
Minder wirksam ist das Sandgebläse, das stets mit der Deflation zugleich auftritt. Insolation und Verwitterung haben eine vorbereitende
Thätigkeit und liefern das Material für die Deflation. Die erodierende und transportierende Thätigkeit des Wassers tritt
zwar nur selten ein, dafür aber im gegebenen Falle um so intensiver. Das Endziel aller
Denudation auf Erden geht
dahin, die durch Dislokationen oder vulkanische Vorgänge hervorgerufenen Höhenunterschiede einzuebnen und eine
Denudationsfläche
zu bilden, auf welcher die
Denudationsprodukte sich ablagern. Die Denudationsvorgänge sind je nach den klimatischen Bedingungen
verschieden, anders in den Tropenländern als in polaren Gebieten und wieder anders in Erosionslandschaften oder am Meeresstrand.
Für die Deflation ist Ebenflächigkeit der
Denudationsebene ein wesentlicher Charakterzug, und jene ebenen
Wüsten, die man als Sserir, Hamada oder Sebcha bezeichnet, sind
Denudationsflächen, hervorgegangen aus Deflation (s. Wüste).