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Seez Logbuch
von Liliane Waldner
Einführung in die Seez
Die Seez ist 32,7 km lang. Sie beginnt auf etwa 1‘400 m.ü.M. in der Nähe des Foowäldli, wo sich der Prägelbach mit dem Foobach und anderen Bächen vereinigt. Sie fliesst durch das Weisstannental und sie mündet unterhalb von Walenstadt in den Walensee.
Vor der Linthkorrektur war die Seez der Hauptzufluss des Walensees und mündete unterhalb des Sees direkt in die Linth. Die Linthkorrektur verband die Linth mit dem Walensee. Diese fliesst beim Campingplatz Gäsi als Escherkanal in den Walensee. Deshalb hat der Walensee zwei bedeutende Zuflüsse, die Linth und die Seez. Folglich fliesst auch Seez-Wasser die Limmat hinab und ist Zürich gewässermässig mit dem beliebten Weisstannental verbunden. Ein Grund, sich endlich dem Walensee und der Seez anzunehmen!
Mehr über die Seez auf:
https://de.wikipedia.org/wiki/Seez
13. März 2016: Weesen - Walenstadt
Heute bläst eine lästige Bise. Deshalb ist die dank der Churfirsten im Windschatten liegende Wegstrecke das Richtige. Ich starte bei der Haltestelle Weesen Post, fotografiere den Abfluss der Linth aus dem Walensee. Auf der anderen Seite der Brücke geht es entlang des Sandstrandes des Gäsi, wo der Escher-Kanal in den Walensee mündet. In dieser Gegend war ich bereits im Rahmen meines Linth-Projektes.
Jetzt verknüpfe ich mit den Füssen die Seez mit dem Linth-Limmat-System, zu dem neben dem Zürich- und Obersee auch der Walensee gehört. In jungen Jahren bin ich mit dem SAC sowie privat auf dem sportlichen Weg auf der Nordseite von Weesen nach Walenstadt gewandert. Auf der südlichen, von Autobahn und Eisenbahnlinie geprägten Seite münden jedoch der Escher-Kanal wie die Seez in den Walensee.
Ein Holzsteg des historischen Heeren-Weg ist in eine Felswand rekonstruiert. Er führte von Weesen nach Mühlehorn und wurde von einem Ratsherrn namens Heer im 17. Jahrhundert veranlasst, nachdem seine Schiffsbesatzung bei einem Sturm im Walensee umkam.
Ab Mühlehorn ist der Weg meistens asphaltiert. Ich raste kurz vor Murg mit Blick auf den gegenüberliegenden Ort Quinten. In Murg mündet der Bergbach Murg in den Walensee. Er ist das dritte Fliessgewässer mit dem Namen Murg in der Schweiz. Die beiden anderen Murg liegen im Kanton Thurgau und im Oberaargau (Murgenthal).
Unterwegs deutet eine Tafel auf eine Sage am Mürtschenstock bzw. Mürtschenloch hin, wo in alter Zeit ein Drache ein Loch geschlagen haben soll. Die Mürtschenstock-Gruppe steht oberhalb dem Walensee gegenüber den Churfirsten und ich habe sie im Rahmen einer Clubtour einmal umrundet.
Danach strebe ich via Unterterzen und an der markanten Erhebung namens Raischiben vorbei Walenstadt zu. Die Seez mündet in einem von Industrie-Anlagen umsäumten Gebiet kurz vor Walenstadt in den Walensee. Das kleine Seez-Delta ist mit Zäunen vom Industriegebiet abgegrenzt. Der Strand ist sandig. Feuerstellen weisen darauf hin, dass hier Partys steigen dürften. Tafeln warnen jedoch vor einer plötzlich auftretenden Flut. Von der Seez-Mündung sind es noch etwa fünf bis zehn Minuten zum Bahnhof. Walenstadt hat den Ruf eines Waffenplatzes. Peter Näf, der Sohn des vor vielen Jahren verstorbenen Gemeinderates und Genossen Albert Näf, war dort Divisionär und Waffenplatz-Kommandant.
Links:
http://dav0.bgdi.admin.ch/kogis_web/downloads/ivs/beschr/it/GL00020200.pdf
http://www.mürtschenloch.ch/joomla/index.php?option=com_content&view=category&layout=blog&id=4&Itemid=4
29. April 2016 Walenstadt - Mels Post
Heute will ich im Seeztal meine Konstitution auf einem leichten Weg kürzerer Distanz testen. Dank vieler Dehnübungen, einer guten Thaimassage sowie täglichen Selbstmassagen schmerzen die Muskeln deutlich weniger.
Der Weg von Walenstadt nach Mels dauert gut drei Stunden. Er führt ab Flums immer der Seez entlang. Die Seez fliesst auf der Südseite des Tales entlang der steilen, schroffen, aber bewaldeten Hänge. Sie darf nicht mit dem Bach verwechselt werden, der auf weite Strecken parallel zur Bahnlinie fliesst. Von der Bahn aus sieht man die Seez praktisch nur, wenn die Bahn über die Seez-Brücke kurz vor ihrer Mündung in den Walensee fliesst. Die Mündung liegt westlich des Bahnhofes Walenstadt, nahe dem Industriebetrieb mit dem Namen Jörimann.
Auf meinem Weg erblicke ich rasch einmal den markanten Hügel mit der Kirche St. Georgen. Dann taucht rechterhand die Flumser Burgruine Gräpplang auf. Eingangs Flums komme ich am auffälligen Solarkraftwerk der FlumRoc vorbei. Ich durchschreite Flums und pausiere kurz auf einer Steinbank an einem Haus ausgangs des Ortes. Danach geht es sogar besser und zügiger weiter Richtung Mels. Die Seez rauscht neben dem kombinierten Rad- und Wanderweg.
Von weitem sehe ich das Schloss Sargans, das auf meiner Route vorübergehend vom Moränenhügel namens Tiergarten verdeckt wird. Ich raste vor diesem Moränenhügel nochmals kurz. Dann geht es nach Plons hinein, wo ich mich nochmals kurz hinsetze. Der Weg setzt sich durch ein Wäldchen fort und eingangs Mels liegt die Lourdes Grotte Runggalina. Ein Arbeiter kniet allein in einer Bankreihe der Freiluft-Kapelle. Von dort aus ist es nicht mehr weit ins Dorf und zur Bushaltestelle Mels Post. Ich stelle fest, dass der Weg nach Weisstannen mit 4 Stunden 35 Minuten beschriftet ist und nach Schwendi mit 3 Stunden 30 Minuten. So sieht mein „Tarif“ für die nächste Etappe aus.
Die Seez kommt aus dem Weisstannen-Tal und sie vollzieht bei Mels fast eine 180 Grad Wende, um via Walensee und dem Linth-Limmat-Aare-Fluss-System in den Rhein zu münden. Ich frage mich, warum sie das macht und sich nicht wie die nahe Tamina bei Bad Ragaz den viel kürzeren Weg in den nahen Rhein, in diesem Falle bei Sargans, geschaffen hat. Dies ist jetzt meine Preisfrage. Vielleicht sehe ich die Sache besser, wenn ich den Wanderweg Richtung Ruine Nidberg aufsteige oder mir die Sache vom Schloss Sargans aus scharf betrachte.
Links:
http://www.swisscastles.ch/StGallen/grapplang_d.html
http://apache.solarch.ch/pdf/SB12_SI500466_SI500466-01.pdf
https://www.geocaching.com/geocache/GC29G63_lourdes-grotte-mels?guid=d5892420-80a8-49de-9bf5-9e65eecad210
9. Juli 2016: Mels - Schwendi
Ich starte heute etwas später, weil mich Elsbeth am Vorabend zum Nachtessen eingeladen hat. Zudem wartet der Rheintalbus den verspäteten IC in Sargans nicht ab. Es hängen noch restliche Wolken vom Gewitter in der vorhergehenden Nacht am Himmel. Dadurch ist es beim späten Start bei Mels Post um 10.30 Uhr nicht heiss.
Der Weg steigt von da an steil via St. Martin an und ich bin zufrieden, als ich beim Wegschild beim Güetli die Zeit vergleiche. Ich komme läuferisch wieder auf Touren. Danach raste ich bald am Wegrand. Der Weg verläuft hoch über dem Seeztobel und er führt unterhalb von Vermol hindurch. Nach der Abzweigung zum Schattenberg hinunter wird der gelbe Wanderweg zum weiss-rot-weissen Bergweg verengt. Es sind vor und nach dem Eselruns hohe Tritte zu bewältigen und der Hang ist abschüssig. Das fordert mich voll und ganz. In diesem anspruchsvollen Teil werde ich langsam und taste mich oft nur in kleinen Schritten voran. Nach dem urweltlich anmutenden Eselruns weitet sich der Weg bald zu einem Wiesenweg. Ich raste auf einem Baumstamm.
Da habe ich es aber noch nicht geschafft. Der Weg verengt sich erneut zu einem extrem schmalen Pfad, unter dem der Hang sehr abschüssig ist. Hinzu kommt, dass dieser Pfad mit vereinzelten Felsbrocken bestückt ist. Ein Schild warnt vor Felssturzgefahr und mahnt zum zügigen Gehen. Wie soll ich da zügig gehen, da angesichts meiner MS höchste Vorsicht und sehr langsames Vorantasten angezeigt sind? Jetzt kommt mir der kurze, eingängige Kirchenkanon in den Sinn, den unsere Pfarrerin Jolanda Majoleth uns beigebracht hat: „Bleibet hier und wachet mit mir, wachet und betet, wachet und betet.“ Er summt aus mir heraus, als ich diese Passage beschreite.
Ich erblicke vor mir einen Heuer und der Weg wird breit und bequem. Geschafft! Jetzt bin ich rasch in Schwendi und kehre im Restaurant Mühle bei der Bushaltestelle ein. Es ist ein Gartenfest angezeigt und der Betrieb ist durch Angehörige verstärkt. Ich bin die erste an diesem späten Nachmittag und das Gartenfest beginnt erst etwas später. Die gastfreundlichen Wirtsleute sorgen dafür, dass ich mit einer Bratwurst auf einem grossen, gemischten Salatteller samt saurem Most versorgt werde. Nachher könnte ich noch gut nach Weisstannen laufen, will es aber nicht übertreiben. Noch am 29. April, als ich nach Mels wanderte, hätte ich das aufgrund der seinerzeitigen muskulären Probleme bei weitem nicht geschafft. Es gilt, den heutigen Fortschritt so stehen zu lassen.
Bei der Bushaltestelle fotografiere ich das Heu, das entlang der Dorfstrasse aufgereiht ist, um danach in Ballen eingepackt zu werden. Die Bäuerin erklärt mir, dass dies oben an den steilen Hängen nicht möglich sei. Die Wanderung Mels, Post bis Schwendi dauert offiziell 3 Stunden 30 Minuten. Sie sollte wegen dem Eselruns-Gebiet nur bei trockenem Wetter angetreten werden.
Nachtrag zur Preisfrage in der Voretappe: Ein Einheimischer in Mels erklärt mir, dass der Rhein höher liege als die Seez. Deshalb kann die Seez nicht in den Rhein münden, sondern fliesst via Walensee ab. Von Auge ist der Niveau-Unterschied auch von St. Martin oben nicht sichtbar.
11. Juli: Schwendi - Vorsiez
Nach der Plackerei am letzten Samstag geniesse ich das stille Weisstannental auf dieser leichten Wanderung, die laut den Wegzeichen 2 Stunden 15 Minuten dauert. Bald durchschreite ich den gemütlichen Ort Weisstannen. Das kleine Museum Post Ab bietet Ausstellungen und Kulturanlässe, hat heute aber leider zu. Eine Tafel informiert, dass früher von Weisstannen Holz auf der Seez bis in den Walensee geflösst worden ist.
Von Weisstannen bis zur Chlosterbrücke informiert ein Steinbock-Lehrpfad, dass die ersten Steinböcke der Schweiz nach ihrem früheren Aussterben zuerst im Weisstannental wieder in der Wildnis angesiedelt wurden. Oberhalb von Weisstannen beginnt das UNESCO-Welterbe-Gebiet der Tektonik-Arena Sardona.
Der obere Weg ab der Chlosterbrücke ist anfänglich noch breit und verläuft unterhalb von wuchtigen Felshängen. Er verengt sich ganz oben zum steilen, teils schmierigen und verwurzelten Pfad, bevor er über die Seez zur Alp Siez oder Vorsiez hinüberwechselt. Wer diesen Teil vermeiden will, kann auch das schwach befahrene Strässchen benutzen.
In der Alpkäserei Vorsiez kann beobachtet werden, wie gekäst wird. Der Käse kann gekauft werden. Eine Spezialität ist der frische Zieger. Die Terrasse lädt zur Einkehr ein und ich geniesse eine Zwetschenwähe mit Rahm und Kaffee. Weil für die zweite Tageshälfte heftige Gewitter angesagt sind, verzichte ich darauf, heute das letzte, kurze Stück bis in das Gebiet der Seezquelle zu erkunden. Heraufziehende Wolken ermahnen mich, aufzubrechen. Weil der Bus nur sonntags bis Vorsiez fährt, steige ich rasch nach Weisstannen ab. Sicher ist sicher.
Links:
http://www.post-ab.ch
http://www.weisstannental.ch/tourismus/steinbocklehrpfad
http://www.alpsiez.ch
http://www.nzz.ch/schweiz/von-aus--und-einwanderern-hexen-und-steinboecken-1.18519841
4. September 2016: Vorsiez - Untersäss
Heute Sonntag schliesse ich das Seez-Projekt mit einer kurzen Wanderung von Vorsiez ins Quellengebiet und zurück ab. Das Postauto fährt nur sonntags nach Vorsiez. Die Wanderung ins Gebiet zwischen Untersäss mit der Alp-Wirtschaft Walabütz und dem Foowäldli dauert gut eine Stunde. In diesem Gebiet fliessen verschiedene Quellbäche zusammen. Die junge Seez oder der Prägelbach wird unterhalb des riesigen Geröll-Kegels, der die Bergweg-Route zum Foopass dort prägt, gefasst und über ein Wehr geführt. Auch beim Mattbach mit seinem kleinen Wasserfall steht eine Wasserfassung. Darunter fliesst das Wasser spärlich. Um dem Foobach noch weiter folgen zu können, hätte die anspruchsvolle Bergwanderung über den Foopass in Angriff genommen werden müssen.