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«Und wo sind die vier Münzen jetzt?» fragte die Fee. «Die hab ich verloren!», antwortete Pinocchio; aber er log, denn er hatte sie in der Tasche. Kaum hatte er gelogen, da wurde seine Nase, die ohnehin schon lang war, noch um zwei Finger länger. «Und wo hast du sie verloren?» «Hier im nahen Wald.» Bei dieser zweiten Lüge wurde seine Nase noch länger. «Wenn du sie im nahen Wald verloren hast», sagte die Fee, «werden wir sie suchen und wiederfinden, denn alles, was man im nahen Wald verliert, findet man immer wieder.» «Also, wenn ich mich recht entsinne», erwiderte der Hampelmann und verhaspelte sich ein wenig, «dann habe ich die vier Münzen eigentlich nicht verloren, sondern, ohne dass ich’s merkte, mit Eurer Arznei hinuntergeschluckt.»
Bei dieser dritten Lüge wurde die Nase so ausserordentlich lang, dass sich der arme Pinocchio in keine Richtung mehr wenden konnte. Wenn er sich hierhin drehte, stiess er mit der Nase ans Bett oder an die Fensterscheiben, wenn er sich dorthin drehte, stiess er an die Wand oder an die Zimmertür, und wenn er den Kopf ein wenig erhob, dann riskierte er, der Fee ein Auge auszustechen. Und die Fee schaute ihn an und lachte.«Warum lacht Ihr denn?» fragte der Hampelmann ganz verwirrt und sehr betroffen wegen seiner Nase, die bei jedem Blick länger wurde. «Ich lache, weil du gelogen hast.» «Woher wisst Ihr, dass ich gelogen habe?» «Die Lügen, mein Junge, erkennt man sofort, denn es gibt zwei Arten: Es gibt Lügen, die haben kurze Beine, und Lügen, die haben eine lange Nase: Deine gehören zu der Sorte mit den langen Nasen.» Da Pinocchio nicht wusste, wo er sich vor Scham verstecken sollte, versuchte er, aus dem Zimmer zu laufen; aber er konnte nicht. Seine Nase war so lang geworden, dass er nicht mehr durch die Tür passte.
(Auszug aus «Pinocchio» von Carlo Collodi. München 2003.)