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Im Rahmen dieser Meldungen reagierten nach und nach die betroffenen Länder und fuhren das öffentliche Leben hinunter. Auch die Schweizer Regierung verhängte am 16. März 2020 die ausserordentliche Lage und schränkte das gesellschaftliche Leben der Bevölkerung massiv ein. Und auch wenn die ausserordentliche Lage Ende Juni wieder aufgehoben wurde, so halten viele Einschränkungen bis heute an.
Ein solch globales Ausmass einer Infektionskrankheit ist eine sehr belastende Situation für die psychische Gesundheit, denn wir haben für solche (Ausnahme-)Situationen keine gelernten Verhaltensmuster, auf die wir zurückgreifen können. Sie sind unvorhersehbar und teilweise unkontrollierbar.
Der routinemässige Alltag wird unterbrochen, und es kommt zu wichtigen Anpassungsleistungen. Sind die Anpassungen an den neuen verordneten beruflichen und privaten Alltag nicht erfolgreich, führt dies bei Menschen zu Stressreaktionen. Gründe dafür sind:
- das Arbeiten im Homeoffice
- fehlende Rückzugsmöglichkeiten
- verminderte Tageslichtzufuhr
- das Wegfallen von therapeutischen Tageseinrichtungen
- fehlende Unterstützung bei der Kinderbetreuung
- fehlendes Freizeitangebot
- Einschränkung der sozialen Kontakte
- finanzielle Probleme
In ersten Studien aus China bezüglich der psychischen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie berichtete man, dass über 50% der Menschen sich vom Virusausbruch moderat bis stark belastet fühlten. Ebenfalls gaben ca. 16% der Befragten an, depressive Symptome zu haben, und ca. 29% entwickelten Angstsymptome.
Stärker betroffen von psychischen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie sind Frauen, Menschen mit einem niedrigen Bildungsniveau und Menschen mit psychischen Vorerkrankungen.
Wie wirkt sich eine SARS-CoV-2 Infektion auf die psychische Gesundheit aus?
Erkranken Menschen an seltenen oder wenig erforschten Störungsbildern, führt dies zu deutlich stärkeren Ängsten und Sorgen. Infizierte Personen müssen sich in Isolation begeben. So kommt es in einer schwierigen Phase zu Einsamkeits- und Verlassenheitsgefühlen. Zudem kann die Infektion zu einer Stigmatisierung führen. So werden diese Personen als Bedrohung angesehen und von Mitmenschen gemieden. In einer Studie fanden Forscher heraus, dass Personen, die eine COVID-19-Erkrankung hatten, vermehrt kritische Kommentare hörten und auch berichteten, dass die Mitmenschen misstrauischer und ängstlicher ihnen gegenüber seien.
Bisher unbekannt sind die langfristigen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie. Viele Experten prognostizieren eine mögliche Zunahme von psychischen Störungen, wiederkehrendes psychisches Leiden und anhaltendes soziales Vermeidungsverhalten.
Aus Untersuchungen von früheren Epidemien fand man ein anhaltend verändertes und intensiveres Händewaschen sowie eine verstärkte Sensibilität für die körpereigenen Empfindungen und Symptome.
Besonders einschneidend ist die Pandemie für Kinder und Jugendliche. Sie haben ein deutlich verändertes Entwicklungsumfeld mit weniger sozialen Kontakten. Es ist davon auszugehen, dass Kinder und Jugendliche in Pandemiezeiten weniger körperlich aktiv sind, mehr Zeit vor Bildschirmen verbringen und unregelmässigere Schlafrhythmen haben. Hinzu kommt möglicherweise die zunehmende Gefährdung durch häusliche Gewalt. Aufgrund der sozialen Einschränkungen scheinen die gesellschaftlichen Schutzmechanismen für Opfer von häuslicher Gewalt ausser Kraft gesetzt.