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Von der Lower Peninsula her über die lange Mackinac-Brücke kommend, fahren wir zum White Fish Point hinauf. Unterwegs erleben wir kilometerlang herrliche Herbstfarben! Das Herz hüpft – so macht es richtig Spass!
Inhalt
Whitefish Point
Schon auf der Lower Peninsula haben wir viele Leuchttürme gesehen, also beginnen wir nun die Reise auf der oberen Halbinsel mit einem weiteren Leuchtturm! Aber dieser liegt nicht am Michigansee, sondern am Lake Superior. Hier lohnt sich nochmals der Hinweis, dass Michigan aus zwei Halbinseln besteht, die von vieren der fünf Grossen Seen eingerahmt werden: Michigan See, Huronsee, Oberer See (Lake Superior) und Eriesee. Deshalb ist Michigan der US-Staat mit der längsten Süsswasserküstenlinie.
Nun, wir sind jetzt also am Oberen See am Whitefish Point, der auch «Friedhof des Lake Superior» genannt wird. Seit auf dem See die Schifffahrt existiert, sind mehr als 550 Schiffe gesunken, die meisten in der Nähe des Whitefish Point. Nebel, Schnee und auch Waldbrände sorgten für schlechte Sicht und sind wohl der Hauptgrund für die vielen Havarien.
Und jetzt kommt der Punkt, weshalb man sich an Michigans Stränden oft wie am Meer vorkommt: Mit 82 000 Quadratkilometern Grösse kann sich der Obere See in stürmischen Wetterlagen eher wie ein Meer verhalten. Zum Vergleich: Der Huronsee hat eine Fläche von 59 000, der Michigansee 58 000 und der Bodensee von mickrigen 536 Quadratkilometern. Und bei letzterem reden wir von einem «Meer»… Lächerlich! Sagt die Schweizerin. Wie so oft in den USA sind die Dimensionen einfach anders. Nur der Leuchtturm am Whitefish Point hat eigentlich eine ganz normale Grösse.
Tahquamenon Falls
Also wenn wir schon bei Grössenvergleichen sind: Der Rheinfall ist höher. Doch die Tahquamenon Falls beeindrucken durch die enormen Wassermassen, die sich braun mit weissen Schaumkronen den Weg über den Upper und den Lower Fall durch die moorige Landschaft des State Parks bahnen.
Um die Tahquamenon Wasserfälle der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, musste der Staat das Land erst einmal der Cleveland Cliffs Iron Company abkaufen. Doch das war zu der Zeit dem Staate Michigan nicht erlaubt, weshalb der U.S. Forest Service 1937 als Käufer eingesprungen ist. Fünf Jahre später wird das Land dann dem Staat übertragen. Heute besuchen jährlich um die 600 000 Menschen die Wasserfälle, mehr als 30 000 davon sogar im Winter.
Wir sind sicher, dass die Fälle im Winter noch spektakulärer aussehen, doch im Moment sind wir ganz froh, bewegen sich die Temperaturen um 18 Grad. Wir spazieren zu den Upper und den Lower Falls und sind völlig fasziniert. Hier hätten wir noch lange fotografieren können, aber wir haben Munising, unser Tagesziel, ja noch nicht erreicht.
Munising
Munising ist der zweitnördlichste Punkt unserer Reise – nur der Whitefish Point lag noch nördlicher – und zugleich unser Umkehrpunkt. Unser Hotelzimmer macht richtig Spass mit Wohn- und Schlafzimmer, dazwischen das Badezimmer. Beengte Verhältnisse mögen wir nicht so, deshalb fühlen wir uns sehr wohl im The Roam Inn.
Am ersten Abend fahren wir nach Christmas zum Foggy’s Steakhouse & Lounge – ein wirklich origineller Ort. Nicht nur wegen des Ortsnamens, sondern auch der aussergewöhnlichen Ambiance wegen: ein wirklich grosser Grill – mit riesigen T-Bone-Steaks drauf – steht mitten in der Gaststube! Okay, die Kleider gehen dann mal zum Auslüften, aber am Essen und an der Unkompliziertheit des Restaurants gibt es nichts auszusetzen.
Am zweiten Abend geniessen wir die wesentlich leichtere, aber ziemlich ausgefallene Küche des hoteleigenen Restaurants Tracey’s. Scampi-Linguine, Chicken stuffed with Crab und Yukon Mash, eine Art Kartoffelstock, aber mit Schalen. Das Brot, das gereicht wird, ist eiskalt, die Kräuterbutter dafür süss… Der Chef macht hier wohl alles etwas anders. Wie das Servicepersonal, das uns partout nicht im gemütlichen Teil des Restaurants platzieren will… Egal. Uns schmeckt’s trotzdem. Doch vom Selbstbedienungs-Frühstück im Hotel sind wir eher enttäuscht. Wegwerfgeschirr geht gar nicht, finden wir. Doch der Kaffee hat – erstaunlicherweise! – sehr gut geschmeckt.
Noch bevor wir uns auf den Bootsausflug entlang der Pictured Rocks-Küste begeben, besuchen wir das Nationalparkgebäude in Munising. Es hat einmal die erste Bank von Munising beherbergt, die First Nationalbank of Alger County. Sie nutzte die Räumlichkeiten von 1904 bis 1973 und zog dann in ein Gebäude auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Lediglich die mächtige Tresortüre ist noch an ihrem alten Ort erhalten geblieben. Nur schon dieser Anblick lohnt sich, und wer noch nach einem Souvenir sucht, wird vielleicht im benachbarten Shop fündig. In der Gegend von Munising gibt es übrigens 5 Leuchttürme, 16 Wasserfälle und 8 historische Schiffswracks.
Bild von Tresortüre Michigan-UP15-Munising-Bank-Tresortuere.jpg
Das Innenleben einer Tresortüre finden wir sehr beeindruckend.
Pictured Rocks National Lakeshore
Man kann zwar der Küste der Pictured Rocks entlang wandern – etwas im Hinterland mit Abstechern zu den Sehenswürdigkeiten –, doch erst eine Schifffahrt bietet den vollen Genuss der Küste. Mit dem Katamaran von Pictured Rock Cruises verlassen wir den Hafen von Munising und schippern der Felsküste entlang bis zu den Spray Falls. Wir sind auf der 12-Uhr-Fahrt und haben oft Gegenlicht, was fototechnisch zwar ungünstig ist, aber wir bringen dennoch tolle Bilder mit nach Hause. Im Sommer wird eine Sunset Cruise angeboten – die stellen wir uns traumhaft vor…
Nach der Schifffahrt entschliessen wir uns, doch noch der Küste entlang zu spazieren. Aber der vielen Regenfälle sei Dank, ist der Weg so sumpfig, teilweise gar überschwemmt, dass wir es vorziehen mit dem Auto in die Nähe der zur Küste abzweigenden Wege zu fahren. Miners Castle ermöglicht uns schliesslich einen anderen Blickwinkel auf diese Naturschönheit.
Kitch-iti-kipi
Auf unserem Weg zurück nach Mackinaw haben wir nicht allzu viel Zeit für Abstecher, aber trotzdem halten wir an der grössten Naturquelle Michigans an: Kitch-iti-kipi – was für ein Zungenbrecher! Und mit Kitsch hat der Name nicht unrecht: Das Wasser ist kitschig türkisfarben! Mehr als 37 000 Liter Wasser liefert die Quelle – pro Minute! Es ist schwefelhaltig, was man durchaus erschnuppern kann. Und es ist nur gerade sieben Grad warm, das ganze Jahr über. Aber darin fühlen sich einige Forellenarten überaus wohl.
Wir steigen auf das Boot mit offenem Boden und Handantrieb. Die «Drahtseilfähre» ist an einem Seil befestigt und mit einem grossen Handrad versehen. Und so «schippern» wir über den Quellsee: Abwechselnd dreht einer dreht das Rad und die anderen beugen sich über die Öffnung in der Bootsmitte, um die vielen Forellen zu bewundern – und die unglaubliche Farbe des Wassers!
Manistique
Pause muss sein: wir machen Rast in Manistique, an der Mündung des Manistique River. Natürlich gibt es auch dort einen Leuchtturm: Das East Breakwater Lighthouse steht seit 1915 vor dem Hafen von Manistique. Wir haben stürmisches Wetter, und sogar die Möwen machen mal Pause auf der Wiese.
Mackinac Island
Wir erreichen Mackinaw gerade rechtzeitig und fahren sofort zum Fährhafen. Unser nächstes Ziel heisst Mackinac Island. Die Insel ist autofrei und so packen wir unser Wärchen, parkieren den Wagen und nehmen die nächste Fähre. Also, das Gepäck zumindest…
Was wir in Sachen Food, Fudge und Fort auf Mackinac Island so erleben, kannst Du im Beitrag «Mackinac Island per Pedes oder Pferdestärken» lesen.
Infos zu Michigan
Alle Infos, Tipps und Adressen zu Michigans Upper Peninsula findest Du auf unserer Info-Seite zu Michigan. Diese kannst Du dort auch als PDF herunterladen.
© Text: Inge Jucker; Fotos: Heinz Jucker | TravelExperience.ch | 2020
Offenlegung: Zur Hälfte waren wir von Pure Michigan im Rahmen der Recherchereise für die GlücksPost eingeladen, die andere Hälfte ist auf unsere Kosten gegangen.