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Schlechte Aussichten für die Genossenschaft «Casa d’Italia Lucerna». Sie hat bis Ende Juni ihr Ziel verfehlt, die nötigen Eigenmittel für den Kauf der schützenswerten Liegenschaft an der Obergrundstrasse 92 in Luzern zusammenzubringen. Es fehlt noch immer über eine halbe Million Franken. Der italienische Staat will im Herbst das Gebäude dem Meistbietenden versteigern. Er rechnet mit mindestens 3,39 Millionen Franken Erlös.
Am letzten Sonntag informierte der Vorstand der Genossenschaft im Centro Papa Giovanni in Emmen über den Stand der Dinge.
«Wenn die Casa d’Italia jetzt an einen Immobilien-Spekulanten verkauft wird, droht das kulturelle Herz der Geschichte der italienischen Immigranten der Zentralschweiz für immer verloren zu gehen», betont Ippazio Calabrese.
«Das Haus gehört zur über 100jährigen Geschichte der italienischen Immigranten in der Zentralschweiz.»
Ippazio Calabrese, «Cooperativa Casa d’Italia»
Er ist einer der Mit-Initianten der «Cooperativa Casa d’Italia» und Präsident der Genossenschaft. «Das Haus gehört zur über 100jährigen Geschichte der italienischen Immigranten in der Zentralschweiz, man darf es nicht einfach aus finanziellen Gründen verscherbeln.»
Villa wurde 1906 gebaut
Die Villa mit Baujahr 1906 nimmt gemäss kantonalem Denkmalverzeichnis «eine markante räumliche Stellung im Strassenraum zwischen Obergrund- und Taubenhausstrasse» ein und gilt als schützenswert.
Blicken wir kurz zurück: In den 20er- und 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts sammelte die italienische Gemeinschaft von Luzern stattliche 62’000 Franken, um Räumlichkeiten für einen Kindergarten und eine Doposcuola zu erwerben.
1939 kaufte dann der italienische Staat die markante Villa an der Obergrundstrasse 92 für 167’000 Franken, unter anderem angeblich auch mit den Spenden der italienischen Immigranten. Doch dafür fehlen schriftliche Belege, was Ippazio Calabrese sehr bedauert: «Denn wir italienischen Immigranten fühlen uns als Mitbesitzer dieses Gebäudes.»
Ein Fenster für die italienische Kultur und die interkulturelle Begegnung
Jahrzehntelang befanden sich im Haus der Sitz des italienischen Konsulats und Vize-Konsulats sowie weitere Vereine und Organisationen: Der Treffpunkt Colonia Italiana, eine Bibliothek, der Konsularvertreter, der Comitato Italiani Estero «COM.IT.ES», die Kulturvereine «Università popolare» und «Società Dante Alighieri» sowie ein Kindergarten, der von Schwestern geführt wurde.
Vor 18 Jahren wurde das Konsulat geschlossen und 2016 erhielten alle bisherigen Nutzer die Kündigung: Der italienische Staat will sukzessive im Rahmen seiner Immobilienstrategie alle nicht benötigten Liegenschaften im Ausland verkaufen und zwar immer via Versteigerung an den Meistbietenden (zentralplus berichtete).
«Casa d’Italia Lucerna» 2017 gegründet
Der drohende Verkauf der Liegenschaft «Casa d’Italia» löste grosse Betroffenheit unter den Italienern der Zentralschweiz und ein grosses Medienecho aus. Sie gründeten am 29. Mai 2017 die Genossenschaft «Casa d’Italia Lucerna» mit dem Ziel, das Gebäude zu kaufen und dort ein Zentrum für italienische Kultur, für Weiterbildung und interkulturelle Begegnung sowie für Ausstellungen und Konferenzen einzurichten.
Auch Einrichtungen wie eine Sozialberatung oder Cafeteria hätten darin Platz und ein Teil der Räume wolle man zudem untervermieten, erklärt der Vize-Präsident Lucio Carraro die Pläne. «Die Casa d’Italia soll so zu einem Fenster für die italienische Kultur in Luzern sowie zu einer Brücke der Begegnung zwischen Italien und der Schweiz werden.»
Unterschiedliche Vorstellungen über den Marktwert
Doch jetzt drohen die schönen Pläne an den finanziellen Realitäten zu scheitern. Die Stadt Luzern sicherte zwar ideelle Unterstützung zu, kann aber aus prinzipiellen Gründen keine finanzielle Anschubfinanzierung leisten.
«Wir schätzen den Marktwert der Villa auf 2 bis 2.5 Millionen Franken,» meint Ippazio Calabrese. Doch der italienische Staat will dafür mindestens 3.39 Millionen Franken und stützt sich dabei auf die Schätzungen eines Zürcher Immobilienberaters.
«Wenn wir es nicht schaffen bis im September, dem italienischen Staat ein Angebot zu machen, wird die Villa wohl an einen Immobilien-Investor verkauft.»
Ippazio Calabrese
Die Genossenschaft «Casa d’Italia» hat liquide Mittel von rund 300’000 Franken, unter anderem gesammelt durch den Verkauf von Anteilscheinen und Spenden. Von einer Bank erhält sie ein Darlehen von rund 2,4 Millionen – jetzt fehlen ihr immer noch rund 815’000 Franken.
«Wir suchen händeringend eine Institution, zum Beispiel eine Stiftung, die uns dieses Geld als zinsloses Darlehen vorschiesst mit einer Rückzahlungsfrist von 15 – 20 Jahren,» betont der Präsident der Genossenschaft. «Wenn wir es nicht schaffen bis im September, dem italienischen Staat ein Angebot zu machen, wird die Villa wohl an einen Immobilien-Investor verkauft. Dieses Haus ist ein Geschenk unserer Eltern an die künftigen Generationen, es darf nicht einfach verschwinden.»
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