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Preisig Fritz, Kunstmaler, 1903-1991
Mit bewundernswerter Akribie hat der Winterthurer Maler Fritz Preisig (1903-1991) Landschaften, Stadtansichten und Blumenstilleben auf die Leinwand gebracht. Seine oft idyllischen Sujets fand er vorwiegend in der Stadt Winterthur und in der Umgebung zwischen Thur- und Tösstal. Dazu kam eine reiche Ausbeute an Zeichnungen und Pastellen von Preisigs Reisestationen in Europa und Nordamerika.
Fritz Preisig kam am 28. Januar 1903 in Wädenswil zur Welt. Zwei Jahre später gesellte sich sein Bruder Ruedi zu ihm. Den beiden war nur kurze Zeit eine fröhliche Jugend beschieden. Als Fritz Preisig fünf Jahre alt war, verstarb der Vater. Um die Familie durchzubringen musste die Mutter arbeiten gehen, während die Knaben auf sich selbst gestellt waren. Die Gemeinde griff ein und wies die beiden Buben in ein Waisenhaus im väterlichen Heimatort Schwellbrunn ein. Für Fritz schlug das Schicksal zum zweiten Male zu als sein geliebter Bruder im Waisenhaus an einem Krupp-Anfall verstarb. Der kleine Fritz war nun ganz einsam im Appenzellerland, weit weg von seiner Mutter.
Er vertrieb seine Zeit mit Zeichnen und gewann damit die Aufmerksamkeit des Waisenvaters. Dieser entdeckte auch die Intelligenz seines Zöglings und fördert ihn. Er ermöglichte Fritz den Besuch der Sekundarschule in Herisau. Eine erneute Wende trat im Leben von Fritz Preisig ein, als ihn seine Mutter nach Winterthur holte, wo sie sich inzwischen niedergelassen und eingelebt hatte. Er beendete seine Schulzeit in Winterthur-Veltheim. Nach wie vor war im Hause Preisig das Geld knapp. Sein Wunsch eine Grafikerlehre zu absolvieren, blieb unerfüllt. Die Mutter konnte das dazu nötige Lehrgeld nicht aufbringen. So begann Fritz Preisig 1921 eine kaufmännische Lehre in der Brauerei Haldengut. Dass er diesem Betrieb in den folgenden 30 Jahren die Treue hielt, war damals natürlich noch nicht absehbar.
Am Empfang der Brauerei arbeitete Elisa Graf. Es blieb nicht etwa nur bei einem freundlichen Nicken beim Kommen und Gehen. Sie entdeckten ihre gegenseitige Sympathie und Gemeinsamkeiten. Beide verloren in jungen Jahren ihre Väter. 1924 heirateten die beiden. 1925 kam Tochter Lisa und 1929 Sohn Rudolf zur Welt. Fritz Preisig, der begeisterte Zeichner wandte sich nun der Ölmalerei zu, nachdem er von seiner Schwiegermutter an einem Weihnachtsfest Staffelei, Ölfarben und Pinsel geschenkt bekommen hatte.
Nebst Familie und Arbeit neigte sich Fritz Preisig immer mehr seiner Liebe zur Kunst zu. Er las Kunstbücher, besuchte Kunstausstellungen und belegte 1946 und 1947 Abendkurse an der Kunstgewerbeschule in Zürich. Im Selbststudium erarbeitete er sich auch Grundlagenwerke. Er reifte so zum technisch versierten Künstler. Der Abend und die Wochenende gehörten fortan dem Zeichnen und Malen. Das Ganze wurde aber familienverträglich organisiert. Das Familienpicknick im Grünen fand mit der Staffelei statt. Die Kinder tollten um die Wette und der Vater malte. Der Sommer war allerdings nicht das bevorzugte Motiv des Malers Preisig. Er mochte satte Grüntöne nicht. Er liebte die kühlen und zarten Farben der kalten Jahreszeiten und des Vorfrühlings und malte deshalb vorwiegend Herbst- und Winterstimmungen.
Als die beiden Kinder ihre Ausbildung abgeschlossen hatten, wagte Preisig den Schritt in die künstlerische Selbständigkeit. Dies tat er umso freudiger, da ihn der Haldengutdirektor Schoellhorn und auch Oskar Reinhart dazu ermuntert hatten, bzw. seine Kunst anerkannten. Landschaftsbilder gehörten zu seinen Lieblingssujets. Preisig unternahm Ausflüge in die Stadt und die Umgebung. Viele Bilder sind rund um Winterthur, im Weinland und auch im Kanton Thurgau entstanden. Preisig schuf auch Blumenbilder und hübsche Stillleben in kleinen Formaten. Später kamen auch Reisen nach Südfrankreich, Marokko oder in die USA dazu. Dabei entstanden Zeitdokumente aus Marseille, Marokko und New York.
Ein besonderes Gebiet, das Preisig wie kein anderer beherrschte, war die Seidenmalerei. Seide als Maluntergrund und Aquarellfarben als Malmittel waren für ihn eine spezielle Herausforderung, der er sich gerne und immer wieder stellte. Auf die aufgespannt Seide zeichnet der Maler seine feinen Striche mit spitzem Pinsel. Korrekturen sind auf Seide nicht möglich. Einfallendes Licht und die dabei entstehenden Farbnuancen kommen im Zusammenspiel mit dem Glanz des Gewebes besonders eindrücklich zur Geltung. Preisig hatte die Handfertigkeit und notwendige Geduld, diese Technik zur Meisterschaft gedeihen zu lassen.
1988 starb seine Frau Elisa. Preisig verblieb in grossem Schmerz in seinem Heim und Atelier und widmete sich weiterhin seiner Malerei. Bis ins hohe Alter malte Fritz Preisig mit ruhiger Hand und bewundernswerter Akribie. Im Kreis seiner Kinder und deren Familien auf 35 Jahre intensives künstlerisches Schaffen zurückblickend, schloss sich der Lebenskreis des Künstlers am 22. Januar 1991.
Als Textgrundlage diente der Bildband „Fritz Preisig, 1903-1991“. Jakob Wirz hat dieses Werk 2013 zum 110. Geburtstag von Fritz Preisig herausgegeben. Aus diesem Kunstbuch sind auch die Bildreproduktionen. Es ist im Mattenbach Verlag erschienen.
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