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Gestern wurden in der ukrainischen Hauptstadt Kiew die Gruppen der Fussball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine ausgelost. Wie immer lassen sich die Ergebnisse sehen. Kurz zusammengefasst: Eine „Arschgruppe“, eine „Todesgruppe“ und zwei Normalo-Gruppen. Ein schöner Nebeneffekt ist immerhin, dass Deutschland ausnahmsweise mal kein Losglück geniessen konnte. Uli Hoeness lässt das aber selbstsagend kalt, genauso wie demonstrierende Oben-ohne-Aktivistinnen…
Gelächter bei der Zulosung der Gruppe A
Als absoluter Trauerpunkt muss das Resultat der Auslosung für die Gruppe A genannt werden. Mit Polen, Griechenland, Tschechien und Russland treten hier die wohl schlechtesten – aber auch unterschätzten – Mannschaften gegeneinander an. Griechenland spielte schon zur EM 2008 in der Schweiz und Österreich gegen die Russen, und wurde vor sieben Jahren in Portugal zwar Europameister, aber nur, weil sie mit gefühlten 11 Mann im Tor standen – positiver kommt da Russland weg, vor vier Jahren schafften sie es immerhin ins Halbfinale, wo aber der spätere Europameister Spanien Endstation bedeutete. Gelächter gab es, als von den vier zur Wahl stehenden Mannschaften von Russland, Deutschland, Italien und Spanien ausgerechnet die russische Kugel gezogen wurde.
Drei Europameister gegen einen Vize-Europameister
Das totale Gegenstück der Gruppe A spiegelt sich in der Gruppe B wieder, wo sich mit den Niederlanden (1988), Deutschland (1972, 1980, 1996) und Dänemark (1992) gleich drei ehemalige Europameister zusammen mit dem Vizeeuropameister von 2004, Portugal, um die beiden Plätze fürs Viertelfinale duellieren werden. Diese Hammergruppe macht wohl keinen Trainer glücklich, Löw, van Marwijk, Bento und Olsen üben sich alle in Zweckoptimismus. Bondscoach Van Marwijk kann der Auslosung gar noch etwas Gutes abgewinnen, denn aufgrund der hochkarätigen Gegner würden sich seine Spieler von Anfang an hochkonzentriert verhalten. Da erinnern wir uns doch gerne ans Jahr 2008 zurück, wo die Elftal damals in Bern und Zürich ebenfalls in einer Hammergruppe mit Italien, Frankreich und Rumänien die Schweiz regelrecht verzauberte und in ein orangefarbenes Jubelmeer hüllte. Kaum haben die Holländer – damals noch unter Marco van Basten – die Schweiz verlassen, um in Österreich den Viertelfinal zu bestreiten, mussten sie mit 1:3 gegen Russland den Kürzeren ziehen.
Dänemark und Portugal werden sich wohl widerwillig wiedersehen, denn die beiden Equipen traten schon jeweils in den Qualifikationen zur WM 2010 und zur EM 2012 an. Beide Male verwiesen die Dänen die Lusitanier um Cristiano Ronaldo in die Barrage, wo diese sich wiederum beide Male gegen Bosnien-Herzegowina doch noch an die Endrunden retten konnten.
Vor allem weil Deutschland die Niederlande kürzlich ein einem Testspiel gleich mit 3:0 besiegt hatte, ist Bayern München-Präsident Uli Hoeness von der Viertelfinal-Qualifikation von Löws Schützlingen überzeugt: Es ist nur die Frage, wer gegen Deutschland ins Endspiel kommt. Deswegen ist es wurscht, wer sonst noch in der Gruppe rumturnt. Allerdings hat er diesen Spruch vor der Auslosung gesagt, mal sehen, ob er seine Meinung immer noch vertritt. Mancher Schweizer würde sich (mehre oder weniger insgeheim) freuen, wenn solch eine Arroganz mit Gruppenrang drei oder vier bestraft würde.
Favoritenrollen in den Gruppen C und D klar verteilt
Relativ klar lässt sich auf den ersten Blick die Ausgangslagen in den beiden verbliebenen Gruppen C und D beschreiben. In der Gruppe C werden wohl Titelverteidiger Spanien und Italien den Einzug in die K.O.-Phase schaffen, das Quartett wird von Irland und Kroatien komplettiert. Amüsant ist auch der Fakt, dass Irland zur Zeit von der italienischen Trainer- und Sprachkomiklegende Giovanni Trappatoni (Flasche leer, The cat is in the sack) gecoacht wird, der die Azzuri auch an einigen Endrunden betreut hatte. Mal sehen, wie sich Trap gegen seine Landsmänner schlägt.
In der Gruppe D stehen auch zwei vermeintliche Grossmächte auf dem Papier: Während England nach der misslungenen Qualifikation vor vier Jahren nicht an der EM-Endrunde teilnehmen durfte, in letzter Zeit jedoch rapide erstarkt ist und die eigene Qualifikationsgruppe – in der auch die Schweiz agiert hatte – nach Belieben dominiert hatte. Ein fahler Beigeschmack dürfte da Wayne Rooney bilden, der wegen seiner Tätlichkeit im letzten Gruppenspiel gegen Montenegro (2:2) für die gesamte Gruppenphase gesperrt ist. Teamchef Fabio Capello, der übrigens im Sommer 2012 sein Amt niederzulegen plant, will trotzdem am Superstar von Manchester United festhalten. Des Weiteren verfügt er über zahlreiche andere hervorragende Alternativen für den Sturm. Dem gegenüber ist der Stern des Gruppengegners Frankreich am Sinken, die Lichter des ehemaligen Welt- und Europameisters sind am Erlischen, trotz Superstar Ribéry wird Legende Zinedine Zidane schmerzlich vermisst. Den beiden Platzhirschen das Weiterkommen streitig machen möchten Schweden – wo alles auf Superstar Zlatan Ibrahimovic ausgerichtet ist – und Co-Gastgeber Ukraine.
Demonstration von Frauenrechterlinnen
Begleitet wurde die Auslosung von einer Demonstration der ukrainischen Frauenrechtlerinnenbewegung Femen vor dem als Finalaustragungsort auserkorenen Olympiastadion Kiews, die im November dieses Jahres unter anderem auch in Zürich gegen Prostitution kämpften. Wie damals in Zürich zogen sie auch in Kiew blank, trotz tiefen Temperaturen. Mancher Mann mag sich über den Anblick gefreut haben, doch die Aktion hat einen ernsthaften Hintergrund. Laut der Bewegung übe die UEFA Druck auf die ukrainische Regierung aus, um die Prostitution während der EM zu legalisieren. Zuhälterei ist in der Ukraine stark verbreitet, Gewalt gegenüber den Prostituierten ist stark verbreitet, zudem werden sie illegal in westlichen Ländern an den Mann gebracht.
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