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Ibrahim al-Koni
Goldstaub, Roman aus Libyen
Lenos Verlag, 1997
Auszug aus «Goldstaub, Roman aus Libyen»
Seine Zuneigung zu dem schecken Mehri ging so weit, dass er eine bekannte Dichterin aus dem Stammesverband der Kil Abâda aufsuchte und sie bat, ein Gedicht auf ihn zu verfassen - nach dem Vorbild kampferprobter Ritter und Helden seine Eigenschaften zu rühmen und seine Talente zu preisen. Den ganzen Abend sass er da und zählte ihr die Qualitäten seines Kamelhengstes auf: „Er ist gescheckt, behend, von schlanker Statur, edel, tapfer, treu...“
Doch plötzlich unterbrach ihn die erfahrene Dichterin: „Es ist ja recht und gut, wenn ein Reiter die Vorzüge seines Mehri aufzählt und von ihm spricht wie von einem Engel. Doch Lobgedichte folgen gewissen Regeln. Dein Kamel hat sich noch in keiner Schlacht bewährt und noch auf keinem Reiterfest Ruhm erworben.“
Uchaijid geriet in Verlegenheit, verbarg aber seine Beschämung hinter seinem Gesichtstuch. Plötzlich rief er aus: „Aber er ist gescheckt! Es reicht, dass er gescheckt ist. Hast du je einen gescheckten Mehri gesehen?“
Den Mehri zu zähmen und ihn an die Trense zu gewöhnen hatte er den Knappen übertragen. Doch sie nun auch mit der Aufgabe zu betrauen, den Mehri für das Reiterfest zu dressieren, schien ihm beschämend.
Die Kamele auf den Tanz in Gegenwart der Frauen vorzubereiten ist in der Wüste Aufgabe der Reiter.