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Ein Text von Myriam Müller
Inszenierungen im Kunstmuseum Basel vom 17.April 2019 – 28.April 2019
Was passiert, wenn das Kunstmuseum zur Bühne wird? Mit dieser Frage besuchte ich das „Theater der Bilder“, zur letzten der wenigen vier Vorstellungen. Dabei handelt es sich um eine Kooperation der zwei wichtigen Kulturhäuser Basels: Dem Theater Basel und dem Kunstmuseum Basel. Über 20 renommierte Schriftsteller*innen und Dramatiker*innen wurden eingeladen zu von ihnen frei ausgewähltem Werk des Kunstmuseums eine Inszenierung zu schreiben. Das Aufeinandertreffen der Bildenden Künste und der theatralen Darstellung bewirkte, dass Bilder anfingen zu sprechen. Die inszenierten Texte der Autoren reichten von frei assoziativ, zu nachdenklich, skurril, bis zu Geschichten, die etwas über die Wirkung von Werken der bildenden Kunst erzählten oder gar neue Perspektiven eröffneten.
In einem Parcours, der über zwei Stockwerke verlief, huschte man als Zuschauer*in durchs Kunstmuseum. Die Entscheidungen, wo man als nächstes hingehen möchte, mussten schnell gefällt werden. Im Viertelstundentakt begann jeweils eine neue Vorstellung. Durch das knappe Zeitfenster entwickelte sich beim Wechsel der Räumlichkeiten eine Hektik.
Eröffnet wurde dieser Parcours mit der Schauspielerin Lisa Stiegler auf der grossen Treppe des Hauptbaus, die die Rolle von Egon Schieles «Auf dem Rücken liegende Frau» einnahm. Sie verkörperte das nicht wertgeschätzte Künstlermodell. Den Zuschauern, die unten an der Treppe standen, warf sie Anspielungen an den Kopf wie: „Wenn eine Frau auf dem Rücken liegt, braucht sie keinen Namen mehr“.
Während den Vorstellungen drängte sich immer mehr die Frage auf, was bei den Inszenierungen im Fokus steht: Die theatralische Darbietung oder die hängenden Kunstgemälde? Je nach ausgesuchter Inszenierung schien das eine oder das andere zu dominieren. Wobei einige davon, die gelungene Harmonisierung gefunden zu haben schienen. Ein ausgezeichnetes Beispiel finde ich die Inszenierung von Darja Stocker mit dem Darsteller Nicola Mastroberardino, unter dem Titel «Forgiveness_le pardon», zur Schule von Fontainebleau, dem «Bildnis einer Dame». Für eine Viertelstunde erweckte es den Anschein, als sei die gemalte Figur des Bildes aus ihrem Rahmen herausgetreten, um uns klar zu machen, dass sie niemals verzeihen werde. Als Zuschauer*in blickte man fortlaufend vom Gemälde zum Schauspieler hin und her und entdecke dabei immer wieder neue Details des Bildes.
Auffallend ist, dass die Räumlichkeiten für das Bespielen stark mitgedacht und genutzt wurden. So wurden sie mit Licht und Projektion neuartig inszeniert, Treppenaufgänge zum Bühnenbild transformiert oder bei dem Gemälde «Forêt vierge au soleil couchant» von Henri Rousseau, wurden die im Bild vorkommenden Blumen zur Rauminstallation erweitert. Das Kunstmuseum modifizierte sich zur Bühne und seine Räumlichkeiten zu einem lebendigen Spielort.
Abbildungen:
Abb 1: Martina Clavadetscher: «Auf dem Rücken», zu Egon Schiele, «Auf dem Rücken liegende Frau» mit Lisa Stiegler
Abb 2: Darja Stocker: «Forgiveness_le pardon», zu Schule von Fontainebleau «Bildnis einer Dame» mit Nicola Mastroberardino
Abb 3: Eigene Aufnahme Rauminstallation zu Milena Mosers «Das schwarze Tier verfolgt mich», zu Henri Rousseau, «Forêt vierge au soleil couchant» mit Mario Fuchs
Abb 4: Thiemo Strutzenberger: «Die Barke» zu Arnold Böcklin, «Schild mit dem Haupte der Medusa» mit Pia Händle
Abb 5: Ewald Palmetshofer: «Der Splitter in des Schreitenden Fuss», zu Auguste Rodin, «L’homme qui marche», mit Thiemo Strutzenberger
Quellen:
-Pläne des Parcours: https://www.theater-basel.ch/files/V7KI3QW/28.04..pdf (28.Mai 2019)
-Beschreib des Theater Basels und Bildquellen Abb.1,2,4, und 5: https://www.theater-basel.ch/Spielplan/Das-Theater-der-Bilder/oXPDMKVg/Pv4Ya/(28.Mai 2019)