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Gegeben hat es ihn wohl nie, dennoch gehört King Arthur zu den bedeutendsten Figuren der britischen Mythologie. Die erste Erzählung der Artus-Sage datiert offenbar aus dem Jahr 1135 – seither ist die Geschichte um den Königssohn, das Schwert Excalibur und den Zauberer Merlin unzählige Male neu interpretiert und erzählt worden. Jeder und jede kennt sicherlich den einen oder anderen Film; zu meinen persönlichen Artus-Favoriten gehört Marion Zimmer Bradleys 1000-Seiten-Epos «Die Nebel von Avalon» (1979).
Der britische Regisseur Guy Ritchie («Sherlock Holmes», «Snatch») hat die Artus-Sage in «King Arthur: Legend of the Sword» ziemlich frei interpretiert, mit vielen Fantasyelementen à la «Lord of the Rings» angereichert und dabei den frechen Tonfall und schnellen Stil seiner Action-Crime-Thriller beibehalten, der sein Markenzeichen ist. Das Ergebnis ist eigenwillig, aber durchaus unterhaltsam.
Alles beginnt damit, dass der gute König Uther (Eric Bana) von seinem durchtriebenen Bruder Vortigern (Jude Law) mithilfe von schwarzer Magie verraten wird – der König stirbt, sein kleiner Sohn jedoch überlebt, wird in einem Boot ausgesetzt und von Prostituierten in Londinium aufgenommen und grossgezogen. Weder sie noch er ahnen, wer er wirklich ist.
Arthur (Charlie Hunnam) wächst zu einem attraktiven, street-smarten und kampferprobten jungen Mann heran, der mit einer Gruppe von Freunden dafür sorgt, dass es jedem an den Kragen geht, der seine «Mütter» schlecht behandelt. Doch sein Leben ändert sich dramatisch, als eines Tages beim Palast das Wasser des Sees verschwindet und einen Felsen freigibt, in dem das magische Schwert Excalibur steckt, das mit dem toten Uther verschwunden war. König Vortigern weiss, dass nur der rechtmässige Thronerbe das Schwert aus dem Stein ziehen kann. Er will nichts dem Zufall überlassen und bietet alle jungen Männer im richtigen Alter auf, um dies zu versuchen. Auch Arthur, dem dies zu seiner eigenen Überraschung gelingt.
Vortigern steckt ihn sofort in den Kerker, doch als er versucht, den wahren Thronerben am nächsten Tag öffentlich hinzurichten, wird dieser von Loyalisten des früheren Königs gerettet, die nun alles daran setzen, den widerspenstigen jungen Mann zu überzeugen, Vortigern zu stürzen und seinen rechtmässigen Platz einzunehmen.
Wer die US-TV-Serie «Sons of Anarchy» (2008–14) gesehen hat, dem dürfte dieser Arthur ziemlich vertraut vorkommen: Charlie Hunnam spielt ihn sehr ähnlich wie seinen Serienhelden Jax Teller, der ja lange auch nur Kronprinz der Motorrad Gang ist: cool, clever, selbst- und machtbewusst, aber das Herz auf dem rechten Fleck.
Zum Staraufgebot des Films gehört auch Aiden Gillen, der in «Game of Thrones» den durchtriebenen Höfling und Bordellbesitzer Petyr Baelish (Littlefinger) spielt. Was für Fans der britischen TV-Serie «Queer as Folk» (1999–2000) ein besonderes Vergnügen ist, treffen damit doch erstmals zwei der drei Hauptdarsteller wieder aufeinander. In «King Arthur» gibts ein Schwertduell zwischen Hunnam und Gillen, danach jedoch arbeiten sie zusammen am Sturz des unrechtmässigen Königs. Mit «Queer as Folk» lösten die zwei damals einen kleinen Skandal aus. Hunnam spielte einen frechen schwulen Teenager, der sich nach einem One-Night-Stand in den fast doppelt so alten Gillen verliebt – die Sexszenen der beiden heterosexuellen Darsteller waren für damalige TV-Verhältnisse äusserst freizügig. Und zumindest Hunnam wäre sofort wieder dabei, wenn es eine Neuauflage der Serie gäbe, sagte er kürzlich dem britischen Boulevardblatt «The Sun».
«King Arthur» hingegen ist ganz züchtig und vollkommen heterosexuell, auch wenn Frauen fast nur in Statistenrollen vorkommen. Es ist ein Film von Jungs für Jungs, die Spass haben an schneller Action, gefährlichen Monstern und coolen Sprüchen. Und eigentlich hätte daraus auch noch mehr werden sollen, denn zentrale Figuren der Artus-Sage wie Merlin, Lancelot oder Guinevere fehlen völlig. An den Kinokassen war der Film jedoch ein ziemlicher Flop, bis heute hat er seine Produktionskosten von 175 Millionen Dollar nicht wieder eingespielt. Das macht Fortsetzungen relativ unwahrscheinlich.
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