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Die Entstehung des schweizerischen Bundesstaates war mit Versprechen und Aufbrüchen verbunden: Die Bundesverfassung etablierte 1848 durch die Aufhebung der Vorrechte des Ortes und des Standes – zumindest vom Anspruch her – eine Gesellschaft freier und gleicher Staatsbürger. Mit dem Ausbau der Volksrechte durch die Verfassungsrevision von 1874 verbesserten sich die Partizipationschancen der unteren Bevölkerungsklassen; Männer aus mittel- und kleinbürgerlichen Milieus erhielten Zugang zu politischen Ämtern und Würden. Zugleich wurde die Männeröffentlichkeit durch das Vereinswesen ausgeweitet und der Zugang zur Bildung für Unterschichten erleichtert. Was bedeutete der liberale Aufbruch von 1848 und das Versprechen der Anerkennung aller aber für Frauen? Im Seminar werden wir die politische und zivilrechtliche Diskriminierung von Frauen im jungen Bundesstaat thematisieren und danach fragen, welche Spielräume und Aktionsfelder sich Frauen in einem eingeschränkten familiären, rechtlichen und sozialen Umfeld schufen. Um die Formen der Selbstermächtigung und die Räume eigen- und widerständigen Handelns und Denkens ebenso wie deren Vorbedingungen, Abhängigkeiten und Grenzen zu erkunden, werden wir uns vertieft mit den Biographien von (bildungs-)bürgerlichen Frauen wie etwa Marie Heim-Vögtlin, Josephine Stadlin, Emily Kempin Spyri und Lydia Welter-Escher auseinandersetzen.
Literatur: Elisabeth Joris: Liberal und eigensinnig. Die Pädagogin Josephine Stadlin – die Homöopathin Emilie Paravincini-Blumer, Zürich 2011.
Semesters:
Stufe:
BA, MA
Disziplinen:
Institutionen:
ETCS:
7
Fächer:
Geschichte
Hochschultyp:
UH