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In der Audiotechnik herrscht ein Wechselspiel zwischen objektiven, physikalischen Aspekten und der Subjektivität des menschlichen Hörens. Es erstaunt somit kaum, dass Themen und Konzepte im Audiobereich immer wieder mal kontrovers diskutiert werden. Dazu gehört auch das Thema Bi-Wiring und in geringerem Masse Bi-Amping.
Wie wir (oder ich > wenn ja, dann alle Personalpronomen abändern!) zu Beginn dieser Blogreihe (Link zum ersten Artikel einfügen) über unsere Arbeitsweise erläutert haben, versuchen wir im Sinne der Einleitung beide Betrachtungsweisen in unsere Arbeit einfliessen zu lassen.
Was ist nun Bi-Wiring und wo ist die Kontroverse?
Als Bindeglied zwischen Lautsprecher und Verstärker überträgt das Kabel die elektrischen Signale, Ströme, die am Ende die Lautsprecherchassis in Schwingung versetzen. Dazu genügen zwei Leiter, um den Stromkreis zu schliessen. Einmal hin und einmal zurück. Bereits in dieser simplen Beschreibung steckt eine Falle, welche die Kabelhersteller dazu verleiten die Enden von hochwertigen Lautsprecherkabeln mit «Verstärker» und «Lautsprecher» zu bezeichnen, als ob die Ströme immer nur in einer Richtung fliessen würden. Das tun sie nicht. Genauso wie eine Gitarrenseite (noch anschaulicher das Pendel einer Uhr), abhängig von der Tonhöhe (Frequenz) bis zu einigen tausend Mal pro Sekunde die Richtung ändert, wechseln die Ströme im Kabel die Flussrichtung. Die Bezeichnungen Verstärker und Lautsprecher am Kabel kann man getrost ignorieren. Ausser der Kabelhersteller begründet dies mit konstruktiven Aspekten, z.B. Filterlementen oder speziellen Massnahmen wie vier Kabelstrippen an einem Ende des Kabels, was selten der Fall oder offensichtlich ist.
Nun aber zum Thema Bi-Wiring, wo vier Kabelstränge vom Verstärker zum Lautsprecher führen:
Bild 1: Zwei am Verstärker aufgetrennte Kabelpaare, die dem Basssignal einerseits und dem fragileren Mittel-Hochtonsignale jeweils eine eigene «Fahrbahn» zu den betreffenden Lautsprecherchassis bieten. Bildquelle: Wikipedia
Was schematisch einleuchtend und einfach ist, kann in der praktischen Umsetzung zu unterschiedlichsten Resultaten führen. Die einen hören einen Zugewinn an Auflösung, Klangfarben und Raumabbildung, während andere eine Verschiebung in Richtung Schärfe und Unnatürlichkeit des Klangbildes feststellen.
Bild 2: Doppelte Anschlussterminals eines Lautsprechers (mit interner Aufteilung der Frequenzweiche) ermöglichen Bi-Wiring und Bi-Amping.
Wer hat nun Recht?
Ganz einfach: beide! Was gehört wurde ist in vielen Fällen das Klangtimbre einer bestimmten Systemkombination.
Bi-Wiring ist der Tat ein zweischneidiges Schwert. Verstärker, Kabel und Lautsprecher bilden physikalisch ein Trio, welches sich gegenseitig beeinflusst. Genauso wie nicht jedes Gewürz in beliebiger Menge zu jeder Speise passt, passen die Elemente eines Verstärker-Kabel-Lautsprecher-Trios nicht zwingend zusammen, nur weil alles hochwertig und entsprechend teuer ist.
Aus diesem Grund haben wir in unserem Hörstudio unterschiedliche Produkte an Elektronik, Kabeln und Lautsprechern. Es ist nun die Kunst des Verkäufers/Beraters ein stimmiges System – im Dialog mit dem Kunden – zusammenzustellen, denn seine Hörpräferenzen spielen eine wichtige Rolle. Dabei fliesst viel Wissen des Beraters über die Eigenschaften eines jeden Audioelements ein. Wie die Kunst des Kochs aus den Rohmaterialien ein Gourmet-Menus zu komponieren und zuzubereiten.
Dies gilt auch hier beim Thema Bi-Wiring. Doppelt kann besser sein, wenn alles andere auch stimmig und passend ist.
Wenn Sie eine vertiefte, technische Herleitung über Nutzen oder Unsinn von Bi-Wiring und Bi-Amping (unsere nächstes Thema) lesen möchten, empfehlen wir Ihnen einen Artikel von Martin Kamber, veröffentlicht im Blog der B&W Group Schweiz: «Ist Bi-Wiring / Bi-Amping Geldverschwendung oder echte Klangverbesserung»?