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Wie ihr wisst, hatte ich in der Vorbereitung nicht nur super schnelle Schwünge und meine Formkurve zeigte selten steil nach oben. Mittlerweile habe ich zwar nicht nur, aber ich habe wieder schnelle Schwünge drauf und die Formkurve zeigt, je nachdem wie man die Zeitachse wählt mehr oder weniger steil, nach oben. Ich hatte in den vergangenen Monaten den einen oder anderen Zweifel zu beseitigen und wenn ich zwei Schritte nach vorne machte, kam sicher wieder mindestens einer zurück. Nichtsdestotrotz, ich blieb dran, nahm Wettkampf für Wettkampf und es ging vorwärts.
Ein erster Schritt vorwärts kam gerade rechtzeitig auf den Europacup-Start hin Anfang Dezember. Ich bewegte mich wieder aktiver und ging Ende Kurve besser nach vorne mit. Die Resultate (21./23.) widerspiegelten den Fortschritt noch nicht wirklich, für mich war dieser aber wichtig und ich konnte darauf aufbauen. Bei den weiteren Europacup-Slaloms im Dezember konnte ich dieses Niveau halten und weiter verbessern (22./17./5.), wobei mir der fünfte Rang in Pozza di Fassa einen Startplatz für den Weltcup-Slalom in Madonna di Campiglio einen Tag später einbrachte. Schnelle Schwünge und Abschnitte mischten sich mit Fehlern oder mit Abschnitten in denen ich wieder passiv wurde. Das zeigte sich in Madonna, aber auch bei den ersten Europacup-Slaloms im Januar.
In den letzten Jahren reiste ich im Slalom-Januar jeweils von Weltcup zu Weltcup. Dieses Jahr lag der Fokus anders und ich absolvierte vier EC und zwei WC Slalom. Die ersten zwei Europacup-Slalom in Frankreich (17./18) zeigte ich weiterhin solides Grundhandwerk: Stabile Position, angriffige Fahrweise, gute Bewegungen. Leider vermischte ich das mit einem mässigen Kurventiming. Vor allem wenn ich angriffig fahren wollte, was unbedingt nötig ist, neigte ich dazu die Kurve zu früh auszulösen. Dadurch wurde ich zu direkt und musste oft nach dem Tor nachdrücken. So sah ich wohl stabil aus, aber der Speed fehlte. Um weitere Einsätze im Weltcup zu bekommen, war das zu wenig. Das tat natürlich etwas weh, vor allem weil ich dadurch das Heimrennen in Adelboden verpasste. Auf der anderen Seite gab es mir die Möglichkeit im Training an den beschriebenen Problemen zu arbeiten.
Die Trainingstage zahlten sich beim nächsten Europacup Slalom in Österreich aus. Mit dem Messer zwischen den Zähnen (schliesslich wusste ich nicht ob ich nochmals Einsätze bekommen würde, sollte ich keine gute Leistung zeigen), konnte ich meinen Plan umsetzen und fuhr seit Jahren zum ersten Mal wieder aufs Podest im Europacup. Nachdem ich im ersten Lauf Bestzeit fuhr, schaute am Ende der 2. Platz heraus. Geschlagen wurde ich vom Franzosen François Place, welcher mit einer fulminanten Fahrt die gute Piste ausnutzte und vom 30. Rang im ersten Lauf auf den 1. Schlussrang fuhr. Dieses Resultat gab mir viel Vertrauen und zeigte mir, dass ich es noch drauf habe. Einen Tag später hatte ich aber weniger Glück. Ein Stillstand kurz vor dem Ziel warf mich vom 7. Zwischenrang auf den 29. Platz zurück.
Dank dem Podestplatz im Europacup durfte ich in Kitzbühel auch im Weltcup wieder an den Start gehen. Die Vorzeichen waren ideal. Ich fühlte mich gut und die Piste versprach gute Bedingungen auch für Fahrer mit hohen Startnummern. Zudem gefällt mir der schwierige Hang in Kitzbühel. Trotz meiner Erfahrung schied ich aber, wie viele andere, bei der Welle im vierten Tor aus. Ich hatte einen klaren Plan im Kopf und wollte diesen konsequent umsetzen. Gescheitert ist es wohl daran, dass ich das Doppeltor auf der Welle mit der Hand übers Kreuz (wie normal) blockte. Das ergab einen minimalen Drehimpuls, der mich sofort aus der Balance brachte und verdrehte, sobald ich an der Welle abhob. Das Abheben war für niemanden zu vermeiden. Die bessere Taktik wäre aber gewesen: Das Doppeltor wie eine Riesenslalomstange fahren oder gar nicht erst berühren. Auf diese Weise bist du stabil in der Luft und kannst nach der Landung wieder reagieren.
Dieser Ausfall war eine grosse Enttäuschung. Ich fühlte mich bereit und die äusseren Bedingungen wären ideal gewesen für ein gutes Resultat. Klar, solche Chancen muss man nutzen.
Am Tag vor dem legendären Schladming Nightrace regnete es durchgehend. Zusammen mit Temperaturen weit über null, belastete das die Piste sehr. Dementsprechend schwierig war es beim Rennen für die hohen Startnummern. Ich stellte mich auf eine schwierige Piste ein und wollte das bestmögliche aus den gegebenen Verhältnissen herausholen und bis zum Schluss kämpfen. Egal, wenn es mich verschlägt und herumwirft, stabil bleiben, immer wieder nach vorne und die Ski laufen lassen. Es wurde ein Höllenritt. Ich kam mit grossem Rückstand ins Ziel und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Keine Chance auf ein Resultat, grosser Rückstand, kein gutes Gefühl und trotzdem hatte ich im Ziel die Gewissheit alles gegeben und bis zum letzten Tor gekämpft zu haben. Es waren Fehler dabei, es hat mich verschlagen. Aber ich blieb stabil, pushte immer weiter und hatte gekämpft. An einem Tag wie diesem war das für mich wichtig.
Nicht im zweiten Lauf dabei zu sein ist jedes Mal eine Enttäuschung. Im Gegensatz zu Kitzbühel war Schladming aber einfacher zu verarbeiten.
Nun ist es Februar und ich kann im Weltcup noch nichts zählbares vorweisen. Das habe ich mir natürlich anders vorgestellt. Aber wie am Anfang erwähnt, ich habe wieder schnelle Schwünge dabei und fahre wieder besser Ski. Diese Fortschritte sind für mich persönlich wichtig und haben mich wieder in eine Ausgangslage gebracht, in der ernsthaft etwas möglich ist. Wichtig ist nun, dass ich die kommenden Trainings gut nutze um mein aktuelles Niveau zu festigen und weiter zu verbessern. Dann gilt es, in den Rennen die optimale Leistung abzurufen und damit die Fis-Punkte zu senken. Um überhaupt etwas in Rennen abzurufen ist der Monat Februar aber ungünstig. Der nächste Europacup-Slalom findet beinahe Mitte März statt. So nutzte ich die Zeit nach Schladming für eine gute Pause und frische zurzeit mit Trockentrainings meine Kondition auf. Morgen werde ich ins Südtirol reisen und mit der World Racing Academy einige Tage Slalom trainieren.
Mit der Hoffnung auf ein Happy End für diesen Winter (sportlich, aber vor allem auch was den Schnee und das Wetter betrifft) grüsse ich Euch herzlich!