Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03280.jsonl.gz/1406

Das Ausmass der Standardisierung zentraler Abiturprüfungen ist international variabel. So sind etwa die Durchführungspraxis und die Aufgabenkorrektur in Deutschland im Vergleich zu anderen OECD-Ländern eher gering bis mittelmässig ausgeprägt. Beispielsweise werden Prüfungen und Korrektur im angelsächsischen Raum in behördlich genehmigte Prüfungszentren ausgelagert; zudem findet in vielen anderen Ländern zumindest die Korrektur unter vollständiger Anonymisierung statt.
In der BRD sind dagegen Name und Schule der Prüflinge in der Regel dem bzw. der Korrigierenden bekannt. Zudem erfolgt die Bewertung dezentral in den einzelnen Schulen.
Auch die Zahl der geprüften Fächer variiert international. In Deutschland werden drei schriftliche Abiturfächer unter Aufsicht der Kurslehrkraft zentral geprüft, wobei derselbe Kurslehrer oder dieselbe Kurslehrerin als Erstkorrektor/in auftritt und zur Benotung auf zentral erstellte Erwartungshorizonte und Korrekturhinweise zurückgreift. Unterschiede zwischen den Bundesländern treten in einigen anderen Punkten auf, etwa der Frage, ob alle schriftlichen Prüfungen zentral erfolgen oder ob dies in Abhängigkeit von bestimmten Fächern oder Fächergruppen und Anforderungsniveaus (Grund- und Leistungskurse) geschieht. Weiterhin divergieren die Bundesländer hinsichtlich der Frage, ob, und unter welchen Bedingungen, ein Drittkorrektor oder eine Drittkorrektorin hinzugezogen wird.
Aus diesem Grund stellt die Einführung des Zentralabiturs in Hessen und Bremen eine grosse „Feldstudie“ zu diesem Thema dar, denn in beiden Bundesländern unterscheidet sich der Modus der Implementierung: Während in Hessen im Jahr 2007 das so genannte Landesabitur in allen drei schriftlichen Prüfungsfächern (Leistungskurse und ein Grundkurs) gleichzeitig eingeführt wurde, geschah dies in Bremen in zwei Schritten, nämlich 2007 nur im dritten Prüfungsfach (das heisst, im Grundkurs) und 2008 in den Leistungskursen in den Kernfächern (Deutsch, Mathematik, Naturwissenschaften, fortgesetzte Fremdsprachen). In den übrigen Leistungskursen (Geschichte, Pädagogik, Kunst, Sport etc.) finden auch nach 2008 noch dezentrale Prüfungen statt. In Hessen findet zusätzlich zur Erst- und Zweitkorrektur eine schulexterne Drittkorrektur statt. In Bremen findet keine (externe) Drittkorrektur statt.
Da die Schüler/innen in den Fragebögen alle Angaben für jedes der drei Prüfungsfächer einzeln abgeben, können durch den Vergleich der Antworten für die Leistungskurse 2007 und 2008 direkt die Folgen des Wechsels von einem dezentralen zu einem zentralen Prüfsystem beobachtet werden. Auch können die Folgen einer in einem Schritt (Hessen) und einer in mehreren Schritten (Bremen) durchgeführten Einführung zentraler Prüfungen verglichen werden. Dies gilt auch für die Lehrpersonen, die ebenfalls ihre Angaben getrennt für dezentral und zentral geprüfte Kurse machen.