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Rund um die Zigarre
Den Zustand der Zigarre überprüfen
Handgemachte Zigarren sollten vor dem Kauf immer genau überprüft werden. Öffnen Sie die Kiste. Die Zigarren sollten zunächst einen guten Gesamteindruck hinterlassen. Ist der erste Anblick zufriedenstellend, sind weitere Kriterien zu beachten:
- Alle Bauchbinden sollten dieselbe Position aufweisen.
- Alle Deckblätter sollten spiralförmig in dieselbe Richtung gerollt sein.
- Alle Zigarren sollten die gleiche Grundfarbe aufweisen - beginnend mit den hellen Tönen rechts, endend mit den dunkelsten links in der Kiste.
- Riechen Sie an zwei, drei Exemplaren um zu testen, ob Ihnen das Bouquet zusagt. Nehmen Sie ruhig eine Zigarre heraus und riechen Sie an der Lücke, die sie in der Kiste hinterlassen hat. Das ist der idealste Vorgang, um das Aroma zu bewerten.
- Drücken Sie anschliessend zwei, drei Zigarren sanft zwischen Finger und Daumen. Wenn diese sachgemäss gelagert und tadellos produziert worden sind, sollten sie leicht nachgeben, um dann wieder ihre ursprüngliche Form anzunehmen. Die Zigarren sollten sich ausserdem glatt und ein bisschen ölig anfühlen.
Die Kiste prüfen
Prüfen Sie, ob das grün-weisse Havanna-Siegel vorhanden ist: Es ist seit 1912 unverändert in Farbe und Text.
Schauen Sie nun auf den Boden der Kiste. Prüfen Sie, ob die Box die schwarzen Stempel mit den Angaben „Hecho en Cuba“, „Totalemente a mano“, den Habanos Stempel und/oder das rotgelbe Habanos-Logo aufweist.
Sie haben sich für bestimmte Zigarren entschieden und wissen welches Sortiment Sie zu Hause aufbewahren möchten. Nun ist es absolut wichtig, die idealste Lagermethode zu bestimmen.
Da Zigarren Naturprodukte sind, setzt sich der Reifungs- und Fermentationsprozess bei guter Lagerung in den Zedernholzkisten fort. Sorgfältig gelagerte Zigarren werden in der Regel besser, je länger dieser Vorgang andauert.
Grundsätzliches
Gerade wenn Sie keinen Humidor besitzen ist darauf zu achten, dass Ihre Zigarren keinen extremen Temperaturen ausgesetzt sind. In jedem Fall sollten Sie Ihre Zigarren im kühlsten Teil des Hauses aufbewahren. Sorgen Sie dafür, dass die Zedernholzkisten in einem luftdichten Behälter oder in einem Schrank aufbewahrt werden. Der Lagerplatz sollte eine Luftfeuchtigkeit von 68 bis 73 Prozent aufweisen und bei einer Temperatur von ca. 18 bis 21 Grad Celsius gehalten werden.
Haben Sie keine Lagermöglichkeiten, die diese Bedingungen erfüllen, ist es ratsam Zigarren nur in relativ kleinen Mengen zu kaufen, um dann einen feuchten Schwamm (nur destilliertes Wasser) in den Behälter oder den Schrank zu legen. Unabhängig von der gewählten Methode sollten die Zigarren regelmässig geprüft werden. Es ist absolut wichtig, dass diese nicht austrocknen. Aber auch zu feuchte Bedingungen schadet dem Naturprodukt, da es dann zu Schimmelbildung und Verfall kommen kann.
Humidore
Die beste Lösung ist die Anschaffung eines Humidors. Dieser sollte nur mit destilliertem Wasser gefüllt werden. Sorgen Sie ausserdem dafür, dass der Humidor an einem geeigneten Platz steht (nicht neben Heizkörper). Wird der Humidor länger an einem sehr kaltem Ort aufbewahrt, empfiehlt sich die Feuchtigkeit anzuheben. Die Zigarren sollten ausserdem vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden. Schichten Sie den Inhalt im Humidor von Zeit zu Zeit um. Dies dient zusätzlich der Prüfung der Zigarren. Die meisten in den Humidoren mitgelieferten Befeuchtungsgeräte sind passiver Natur und qualitativ meist mittelmässig. Hier empfiehlt es sich bei Bedarf auf aktive Befeuchtungsgeräte umzusteigen.
Ungeziefer
Die Zigarren können von Ungeziefer, sprich von Tabakkäfer, befallen werden (speziell in heissen Klimazonen). Die Käfer legen ihre Eier in den Tabak, den die Larven dann verspeisen. Dabei hinterlassen sie Löcher in den Tabakblättern und ruinieren somit die Zigarre. Gehen Sie in diesem Fall wie folgt vor:
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Sortieren Sie die Zigarren welche offensichtliche Löcher haben aus und vernichten Sie diese.
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Nehmen Sie ein weisses A4-Blatt und klopfen Sie die Zigarren, welche neben den Befallenen gelegen haben mit dem Brandende auf das weisse Papier. Sind Kot-Spuren in Form von schwarzen Punkten auf dem weissen Papier zu sehen, entsorgen Sie diese Zigarren ebenfalls.
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Verpacken Sie nun die nicht befallenen Zigarren und legen Sie diese für ca. 1-2 Monaten in das Gefrierfach. Mit dieser Massnahme eliminieren Sie endgültig die noch eventuell vorhandenen Geziefer-Eier. Waschen Sie den Humidor sorgfältig mit einem feuchten Tuch aus. Nach Ablauf der 1-2 Monaten nehmen Sie die Zigarren aus dem Gefrierfach und legen diese zum Auftauen für ca. 3 Tage in den Kühlschrank. Anschliessend können die Zigarren zurück in den Humidor gelegt und geraucht werden.
Wiederbelebung ausgetrockneter Zigarren
Leider ist es sehr schwierig - manchmal unmöglich, stark ausgetrocknete Zigarren „wiederzubeleben“. Die ganze Prozedur muss vor allem mit Geduld angegangen werden. Theoretisch kann Feuchtigkeit, die aus der Zigarre entwichen ist auch wieder ersetzt werden, obwohl nicht zu erwarten ist, dass Duft und Aroma jemals so gut wie zuvor sein werden.
Das Regenerieren einer Zigarren braucht viel Zeit, da Einlage, Um- und Deckblatt die Humidität jeweils unterschiedlich aufnehmen. Wird eine Zigarre zu schnell neu befeuchtet, besteht die Gefahr, dass sie auseinanderfällt.
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Eine der einfachsten Methoden besteht darin, die geöffnete Zigarrenkiste in einen grossen Polyäthylen-Beutel zu packen, der teilweise geschlossen wird – nicht ganz, da die Luft etwas zirkulieren sollte.
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Platzieren Sie nun ein Glas destilliertes Wasser bzw. einen feuchten Schwamm im Beutel.
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Schichten Sie in der Folgezeit die Zigarren alle paar Tage um. Mit ein wenig Glück sollten diese innerhalb von ungefähr drei Wochen wieder eine akzeptable Qualität erlangen.
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Es ist auch möglich, Zigarren im Humidor wiederzubeleben. Beginnen Sie damit, die Zigarren so weit wie möglich vom Befeuchter entfernt zu lagern, um sie dann über mehrere Wochen nach und nach näher zum Befeuchter hin zu platzieren.
Sorgfältig aufbewahrte Zigarren entwickeln sich bei fachgerechter Lagerung weiter. Da aber die Geschmäcker bekanntlich sehr unterschiedlich sind, heisst das nicht zwingend, dass sie besser werden. Dennoch haben sie aber ein beträchtliches Entfaltungspotenzial. Früher liessen Händler ihre Zigarren bis zu 10 Jahre lang reifen, bevor sie diese zum Verkauf freigaben.
Grundsätzlich wird das Aging in vier Phasen eingeteilt:
Sick Period
Die Sick Period ist der Zeitraum, in welchem bei frisch gerollten Zigarren noch ein Geruch von Ammoniak wahrgenommen werden kann. Vor dem Rollen wird der Rohtabak befeuchtet. Dadurch wird eine beschleunigte Fermentation angeregt, die wiederum reichlich Ammoniak generiert.
Im Gegensatz zu bitteren Aromen oder Tannin, wird Ammoniak von jedermann als unangenehm empfunden. Die Zeitspanne, in der sich der Ammoniakgeruch abbaut, hängt vom Grad der Fermentation, der Verpackung und der Lagerung der Zigarren ab.
Für die Mehrheit der Zigarren, die auf herkömmliche Weise gelagert werden, gilt, dass über 90% des Ammoniaks nach einigen Monaten und 95% bis 99% nach einem Jahr - der Restgeruch praktisch vollständig nach Ende des zweiten Jahres abgebaut ist.
Zigarren sollten während der Sick Period nicht geraucht werden.
Interessante Anmerkung:
„Warum schmecken frische Zigarren in Kuba besser?“
In Kuba munden frisch gerollte Zigarren. Einmal nach Hause in den Humidor gebracht, schmeicheln sie dem Gaumen nicht mehr. Ein plausibler Grund ist, dass sowohl der Rohtabak wie auch die frisch gerollten Zigarren offen gelagert aber nicht in Kisten gepackt wurden. Gute Frischluftzufuhr und hohe Temperaturen lassen das Ammoniak sehr schnell verfliegen. In Kuba erlaubt es die natürliche Luftfeuchtigkeit und die Temperatur, Zigarren offen zu lagern.
„Müssen Zigarren atmen?“
Gute Frischluftzufuhr verflüchtigt nicht nur das Ammoniak, sie unterstützt auch die weitere Fermentation. Eine schnellere Entwicklung macht die Zigarre in kurzer Zeit „aromatischer“. Es entstehen diejenigen Substanzen, die das angenehme Bouquet einer Havanna ausmachen. Ein weiterer Aspekt einer künstlich beschleunigten Fermentation ist eine weniger gute Reifung über längere Zeit. Fermentation liefert erst die Grundstoffe für den Reifeprozess. Je länger dieses Verfahren geht, umso länger werden diese Grundstoffe für den Reifeverlauf entwickelt und zugeführt. Die Chemikalien haben mehr Zeit miteinander zu reagieren und können komplexere Aromen entwickeln – und somit bessere Ergebnisse erzielen. Überdies zerstört zuviel Sauerstoff die feinen Aromen, ähnlich wie beim Wein. Ob Sie Zigarren gelegentlich belüften, hängt ganz von dem Zeitraum ab, in dem Sie Ihre Havanna geniessen wollen. Sind es nur einige Jahre oder gar nur einige Monate, dann führen Sie sporadisch frische Lust zu. Bevorzugen Sie eine wundervoll gereifte Zigarre und Zeit spielt dabei keine Rolle, dann ventilieren Sie die Zigarre so wenig wie möglich.
2. Erste Reifung
Die erste Reifung ist das Ergebnis der laufenden Fermentation nach dem Rollen der Zigarre.
Zigarren entwickeln angenehme Aromen mit fortlaufender Fermentation. Mit der Zeit werden diese Geschmackskompositionen dichter und konzentrierter. Bittertöne, vermutlich die geschmackliche Folge von Nikotin, nehmen ab. Denn die Fermentation baut Nikotin in einfachere Moleküle ab.
Im Laufe der Zeit verlangsamt sich der Reifeverlauf, da immer weniger Grundstoffe zugeführt werden können.
Während der ersten Reifung offenbart die Zigarre die meisten Aromen. Immer vorausgesetzt, Bittertöne und Tannin haben sich auf ein Mass reduziert, welches den betreffenden Raucher nicht mehr stört.
Für die meisten milden Zigarren dauert die erste Reifung etwa 2-3 Jahre in normalen Kisten und rund 4-5 Jahre in Cabinetkisten. Für mittlere Zigarren wie Montecristo, H. Upmann, Romeo y Julieta usw. beträgt die Zeitspanne der ersten Reifung in Normalkisten etwa 5 Jahre und 6-8 Jahre in Cabinetkisten.
Kräftige Zigarren wie Bolivar, Partagas oder Vegas Robaina usw. benötigen zur ersten Reifung 7-8 Jahre in Normalkisten und etwa 10-15 Jahre in Cabinetkisten.
Die jeweilige Zeitspanne variiert natürlich zwischen jedem Format innerhalb einer Marke und mit den unterschiedlichen Verpackungen.
3. Zweite Reifung
Die zweite Reifung ist das Ergebnis des Tanninabbaus und der dann folgenden Reaktion der Abbauprodukte mit den Aromen, die durch die Fermentation entstehen.
Alle frischen Zigarren schmecken, in unterschiedlichem Grad, nach Tannin. Überhöhte Tannine hinterlassen einen „trockenen“ Geschmack im Mund – analog zu einem Wein. Mit der Zeit zerfallen die Tanninstoffe in einfachere Moleküle. Diese reagieren wiederum mit anderen Chemikalien und gehen weitere organische Verbindungen ein. Als Ergebnis entsteht eine ganze Vielzahl angenehmer Duft- und Aromastoffe. Wie zum Beispiel die wichtige „holzige Süsse“, die oft zu erkennen ist.
Wie bei einem grossen Wein kann es sehr lange dauern, bis das harte Tannin in einer Havanna ein wenig geschmeidiger wird. Auch für eine erfahrene Zunge kann eine besonders tanninhaltige Zigarre durchaus noch nach 15-25 Jahren unangenehm schmecken. Nun ist der Anklang von Tannin nicht durchgehend schlecht. Von manchen Zigarrenraucher wird er gar als sehr angenehm empfunden.
In der Regel ist die zweite Reifung nach 15-25 Jahren abgeschlossen. Nach Abschluss dieser Phase ist die Zigarre geschmacklich überaus weich, extrem mild, komplex, klassisch und elegant.
4. Dritte Reifung
Die dritte Reifung ist das Ergebnis der Konzentration von Finesse, welche durch die chemische Reaktion der Inhaltsstoffe der Zigarre entstehen.
Diese Finesse, gleich einem grossen Bordeaux oder Burgunder, beginnt sich nach über 20 Jahren zu manifestieren. Der chemische Prozess dieser Entwicklung mag jenem Reifeprozess in der Weinflasche entsprechen.
Das Aroma ist unglaublich dicht und komplex. Nicht alle Zigarren entwickeln die Finesse in der dritten Reifung. Bedingungen sind komplexe Inhaltsstoffe in der Zigarre sowie erstklassige Lagerbedingungen.
Maschinell hergestellte Zigarren zum Beispiel, werden diese Finesse des dritten Reifeprozesses niemals erreichen, obwohl der Tabak durchaus erstklassig sein kann. Es bleibt ein Geheimnis der handgemachten Zigarren.
„Wann erreicht der Geschmack einer Havanna seinen Höhepunkt?“
Obwohl Zigarren mit der Zeit reifen und weiter immer intensivere Aromen entwickeln, heisst dies nicht, dass sie auch jedem Zigarrenraucher gleichermassen behagen.
Eine junge Zigarre ist heftig und wuchtig; eine Zigarre der ersten Reifung aromatisch und angenehm kräftig; eine aus der zweiten Phase eher klassisch-elegant mit würzigen und vielschichtigen Aromen und eine der dritten Periode beinahe göttlich. Diese unterschiedlichen Entwicklungsstadien grossartiger Zigarren können nicht miteinander verglichen werden.
Was ist die beste Zigarre? Hier geht es immer um den persönlichen Geschmack und hängt oftmals von der jeweiligen Laune und der Situation ab. Manchmal werden Sie nach eine heftige Zigarre bevorzugen. Nach einem opulentem Essen, wünschen Sie vielleicht eher eine aromatische und würzige Zigarre. Zu einer anderen Gelegenheit ist Ihnen nach klassischer Eleganz, um den Geist aufzuheitern. [nbsp
Fazit: Die beste Zigarre der Welt ist die, die Ihnen schmeckt.
Bevor der Aficionado eine handgemachte Zigarre geniesst, muss er ein klein wenig Arbeit und Zeit investieren.
Anschneiden
Zunächst ist es notwendig, den Kopf der Zigarre anzuschneiden. Das Anschneiden der Zigarre gehört unbedingt zum Rauchritual. Vollziehen Sie es mit Sorgfalt. Benützen Sie hierzu einen professionellen Zigarrenschneider oder einen Zigarren-Rundcutter. Die Zigarre mit einem scharfen Messer zu bearbeiten oder diese mit dem Mund abzubeissen würde sicherlich funktionieren, doch besteht meist die Gefahr das Deckblatt ernsthaft zu beschädigen.
Anzünden
Nun folgt das Anzünden. Hier empfiehlt sich - wenn immer möglich - ein Jet-Feuerzeug mit blauer Flamme zu verwenden. Streichhölzer, Kerzen und Benzinfeuerzeuge sind wegen ihren negativen Geschmacksbegleiter von Schwefel, Wachs und Benzin nicht geeignet. Achten Sie darauf, dass die Zigarre nicht „abgefackelt“ wird. Sie soll schön gleichmässig angeröstet werden. Hierbei wird das Feuer im 45° Winkel zur Zigarre gehalten und diese langsam erhitzt. Schwingen Sie die Zigarre zwischen den verschiedenen Anzünd-Phasen durch, damit sie richtig zu glühen beginnt. Sagen Sie niemals einer anderen Person, sie solle die Zigarre anzünden. Ein seriöser Aficionado wird niemandem eine solche Tat danken.
Rauchen
Stippen Sie Ihre Zigarre nicht in Spirituosen wie Cognac etc. Dadurch wird ihr delikates Aroma zerstört. Genehmigen Sie sich das Destillat separat.
Streifen Sie nicht, wie bei einer Zigarette, immer wieder die Asche ab. Die Asche sollte eine Art Zylinder bilden (je fester und regelmässiger, desto besser die Machart). Sie werden es merken, wenn die Asche bereit ist abzufallen. Je nach Format und Qualität ist dieser Zeitpunkt erreicht, wenn die Asche ungefähr 2cm lang ist. Seien Sie kein „Macho“. Setzen Sie nicht Ihren Ehrgeiz in das Erhalten einer langen Asche, denn das bringt keinerlei Vorteil. Im Gegenteil, sie kann den Zug beeinträchtigen. Die besten Zigarren geben sich anhand ihres Brandverhaltens zu erkennen. Sie hinterlassen einen dünneren Ascherand am Brandende, als solche minderer Qualität. Zudem sollten sie langsam und gleichmässig abbrennen.
Paffen Sie die Zigarre nicht einfach weg, sondern geniessen sie es. Lassen Sie sich Zeit. Versuchen Sie die wunderbaren Aromen im Mund zu zirkulieren, bevor Sie den Rauch wieder entweichen lassen. Legen Sie zwischen den Zügen kleine Pausen ein und achten Sie darauf, dass das Mundende nicht zu nass wird.
Erneutes Anzünden einer Zigarre
Geht die Zigarre einmal aus, so streichen Sie die Asche sachte ab. Blasen Sie anschliessend sanft durch die Zigarre, um den abgestandenen Rauch aus der Füllung zu entfernen. Wiederholen Sie den Vorgang des Anzündens. Auch wenn die Zigarre ein paar Stunden ruht bevor sie neu entfacht wird, gibt sie immer noch einen passablen Smoke ab.
Verlöschen der Zigarre
Während des Smokes kann sich ein starker Nachgeschmack bilden und der Rauch wird relativ heiss - der Rauchgenuss sieht seinem Ende entgegen. Beim Abbrand der Zigarre besteht meist der Abstand bis zur Bauchbinde nur noch etwa 2.5cm. Legen Sie dann die Zigarre einfach in den Aschenbecher, wo sie nach kurzer Zeit von selbst ausgeht. Drücken Sie sie bitte nicht aus. Die Zigarre ist ein Handwerk und dies wäre ein des Torcedor’s unwürdiger Akt.
Die Art des Deckblatts hat in der Regel einen grossen Einfluss (bis zu 50%) auf den Geschmack der Zigarre. Von einer allgemeinen Regel wie z.B. je dunkler das Deckblatt umso stärker die Zigarre, muss man allerdings absehen. Einige Maduro-Zigarren verblassen im Vergleich zu anderen stärkeren Connecticut-Zigarren. Um gewisse Missverständnisse oder Unklarheiten auszuräumen, ob und wie Wrapperschattierungen den Geschmack einer Zigarre beeinflussen, liste ich nun nachfolgend der Stärke nach aufsteigend, die gängigsten Zigarren-Deckblätter auf:
Candela
Candela Wrapper, manchmal auch als Doppel Claro bekannt, sind etwas ungewöhnlich; sie haben einen erkennbaren grünen Farbton und besitzen sehr frische und grüne, gar milchige Aromen. Die grüne Farbe wird durch das vorzeitige Herausgreifen der Tabakblätter generiert - dies bevor die Pflanze voll ausgereift ist. Das Trocknen der Blätter wird dadurch schneller erreicht. Diese verfrühte Blätterentnahme stellt sicher, dass der Chlorophyllgehalt stabilisiert wird. Die Verkostungsnotizen von Mandela-Deckblätter beschreiben in der Regel Noten von Gras, Zeder und Pfeffer mit einem süsslichen Unterton.
Connecticut
Diese Deckblätter (Connecticut wegen dem Saatgut das aus Connecticut stammt) werden "shadow-grown", also im Schatten gezogen. Entweder stammen diese Wrapper aus den USA oder aus Ecuador. Shadow-grown bezieht sich auf den Ziehprozess des Tabaks, bei welchem die Felder durch riesigen Gewebebahnen abgedeckt werden. Die Gewebebahnen verhindern eine zu starke Sonneneinstrahlung, wodurch sich ein milderer Geschmack erzielen lässt. Je nachdem wie lange die Deckblätter reifen, kann man Noten von Gras, Sahne, Butter, schwarzer oder weißer Pfeffer, Kaffee und Zeder verzeichnen. Viele Connecticut-Deckblätter geben der Zigarre ein würziges Ammoniak-Aroma. Dies beruht auf der Tatsache, dass diese Tabakblätter von Natur aus relativ viel Ammoniak enthalten. Der Reifeprozess entfernt einige dieser Ammoniak-Noten, wenngleich hellere Varianten dieses Deckblattes in der Regel dazu neigen, etwas pfeffrig zu sein. Aufgrund des sehr niedrigen Zuckergehalts hinterlässt dieses Deckblatt beim Genuss ab und an einen trockenen Gaumen.
Natural
Natural-Deckblätter sind oft auch als "English Market Selection" bekannt. Dieser Begriff wird in der kubanischen Zigarrenherstellung verwendet und steht für eine eigene spezielle Qualität für den britischen Markt. Sie sind typischerweise ein wenig dunkler als Connecticut-Deckblätter, da sie reifer geerntet und manchmal nicht im Schatten aufgezogen werden. Im Geschmack sind sie ein wenig süßer mit mehr Gewürznoten sowie Aromen von Zedernholz, Kaffee, Brot und manchmal auch Erde. Versucht man ein Natural-Deckblatt der Farbe nach zu identifizieren, liegt man sehr oft falsch, da viele andere Deckblätter eine ähnliche Farbe aufweisen. Darüber hinaus verwenden einige Hersteller den Begriff Natural als Oberbegriff für Connecticut, Claro oder andere Deckblätter.
Nun zu den Deckblättern der mittelstarken Zigarren mit Namen Corojo, Criollo, Sumatra und Habano. In der Regel kommen diese Zigarren würziger und mit einem gewissen «Biss» daher.
Corojo
Der Corojo-Tabak wurde ursprünglich in der Vuelta Abajo Region in Kuba angebaut. Seit der Massenauswanderung der Tabakbauern in Kuba in den 70er Jahren, wird der Corojo-Tabak hauptsächlich in der Jamastran-Region in Honduras bepflanzt. Leider ist dieser Tabak sehr krankheitsanfällig (wie z.B. Schimmel), so dass zahlreiche krankheitsresistente Corojo-Hybridstämme kultiviert wurden. Corojo-Deckblätter haben einen würzigen, robusten Geschmack mit Noten von schwarzem Pfeffer, Erde, Leder, Kakao und Zeder. Sie neigen dazu sehr ölig zu sein und verfügen meist über eine deutlich rötlichbraune Farbe. Wenn sie etwas dunkler ausfallen, könnte man sie durchaus mit einem Maduro-Deckblatt verwechseln. Zählen Sie nicht gerade zu den Aficionados stärkerer Zigarren, empfiehlt es sich, von Zigarren mit Corojo Tabak abzusehen.
Criollo
Der Criollo Tabak ist einer der ältesten Tabaksorten, welcher für die Zigarrenherstellung verwendet wird und geht zurück bis ins späte 14. Jahrhundert; der Begriff selbst bedeutet "ursprüngliches Saatgut." Wie die Corojo-Deckblätter, so neigt der Criollo auch dazu, sehr anfällig für Krankheiten zu sein, so dass auch hier die meisten Criollo-Deckblätter Hybridstämme sind (wie z.B. Criollo 98). Diese Deckblätter sind in der Regel etwas milder als Corojo-Deckblätter und zeigen Noten von weissem Pfeffer, Kakao, Zeder, Brot und Nüsse.
Sumatra
Ursprünglich aus der indonesischen Insel Sumatra, steht dieser Tabak auf der süsseren Seite. Eine Menge dieser Tabaksorte ist aus dem Sumatra-Samen in Honduras und Ecuador gezogen. Viele aromatisierte Zigarren bestehen aus einem Sumatra-Deckblatt, denn aufgrund der lieblichen und mild-süssen Noten, kann dieses Deckblatt durchaus andere Aromastoffe, wie z.B. Vanille, konkurrenzieren. Klassische Sumatra-Deckblätter nimmt man mit Zimt, Erde und floralen Noten wahr.
Habano
Habano-Deckblätter sind in der Regel etwas dunkler als die vorher genannten drei Deckblätter und sind bei weitem die würzigsten. Der Begriff Habano bezieht sich nicht nur auf die Tatsache, dass dieser Tabak im Allgemeinen von kubanischen Samen gezogen wird, sondern auch darauf, dass seine würzige Beschaffenheit mit der einer kubanischen Zigarre vergleichbar ist. Habano-Deckblätter werden meist in mehreren Ländern angebaut, auch wenn Nicaragua aufgrund des Terroirs zu den beliebtesten zählt. Habano-Deckblätter zeichnen sich durch Noten von Brot, intensiven Gewürzen, Leder, Kakao, Espresso und Zeder aus. Der hohe Nikotingehalt, den Sie typischerweise von einem Habano-Deckblatt erhalten, eignet sich nicht gerade für Einsteiger.
Alle der oben genannten Deckblätter haben die Gemeinsamkeit als "Natural" bezeichnet zu werden. Im Kontrast dazu stehen nun die folgenden dunkeln Maduro-Deckblätter:
Maduro
Maduro bedeutet "reifen" oder "reif" auf Spanisch und ist genau das, was diese dunkelbraunen Blätter auszeichnen. Der gesamte Herstellungsprozess eines qualitativ hochstehenden Maduro-Deckblattes, braucht viel Zeit, Geduld und Fachwissen. Wurden die Blätter geerntet, so lagern diese bis zu 45 Tagen in den Trockenscheunen, bis ihre Farbe von grün auf ein intensives braun wechselt. Anschliessend werden sie für Jahre gelagert und gereift, um eine noch dunklere Farbe zu erzielen. Der Reifeprozess bringt auch den natürlichen Zuckergehalt der Tabakblätter zum Vorschein, wobei sich auch die unverwechselbare Karamellsüße zeigt. Die Tabakblätter, welche für Maduro-Wrapper verwendet werden, sind deutlich dicker als die anderen. Sie müssen einem langen Fermentationsprozess standhalten, bei welchem Dünnere schlichtweg kaputtgehen würden.
Leider kürzen einige Hersteller den Reifeprozess mittels Erhitzen der Blätter ab. Zum Glück halten aber eine überwiegende Mehrheit der Produzenten den traditionellen Reifeprozess mit Hingabe ein. Maduro-Deckblätter beinhalten vielschichtige Aromen einschließlich dunkler Schokolade, Kaffee, braunen Zucker, Karamell, Melasse, schwarzer Pfeffer, Trockenfrüchte, schwarze Kirsche und manchmal sogar einen leicht feuchten, mosigen Geschmack (je nachdem wie lange der Reifeprozess dauerte). Die Süsse der Maduro-Zigarren vierdient oft die Bezeichnung eines nächtlichen Desserts.
Umblätter:
Kann je nach Art des Tabaks einen Einfluss von bis zu 40% auf den Geschmack der Zigarre haben. Hier kommen die Tabaksorten San Vincente, Corojo, Olor Dominicana und weitere zum Einsatz. In der Dom. Rep. findet Olor Dominicana am häufigsten Verwendung für Umblätter.
Oscuro
Manchmal als Double-Maduro oder Maduro-Maduro bekannt, sind Oscuro-Deckblätter die dunkelsten aller Tabakblätter. Der Fermentierungsprozess dauert noch länger als bei den Maduro-Deckblättern. Dieser längste Reifevorgang verleiht dem Tabak eine intensivere Süße und oft ein stärkeres, reicheres Aroma. Die Verkostungsnotizen von Oscuro-Deckblättern fallen ähnlich aus wie die von Maduro-Wrapper; jedoch mit einem zusätzlichen Schuss von Kraft und Süße.
Es ist ebenfalls wichtig zu wissen, dass Begriffe Double- oder Triple-Maduro auch oft verwendet wird, um das Umlageblatt und den Füller zu beschreiben. So kann es beispielsweise sein, dass eine Triple-Maduro aus Maduro Tabak im Deckblatt, im Umblatt und im Füller besteht.
Kamerun
Wie der Name schon vermuten lässt, stammen diese Tabakblätter aus Kamerun und werden manchmal auch in der Zentralafrikanischen Republik gezogen und geerntet. Kamerun-Deckblätter sind in der Regel etwas heikel und nicht sehr ölig und sind somit für einen längeren Fermentationsprozess (siehe Maduro-Deckblatt) nicht geeignet. In Kamerun-Deckblätter gerollte Zigarren sind sehr vollmundig. Zu den herausragenden Noten gehören Butter, schwarzer Pfeffer, Leder und Toast.
Rosado
Eine der eher seltenen Wrapper sind die Rosado-Deckblätter, was auf Deutsch übersetzt «die Rosigen» oder «Rosa» bedeutet. Diese Deckblätter haben einen deutlich rötlichen Farbton und werden fast ausschliesslich in Kuba kultiviert. Somit gibt es nur eine Handvoll Hersteller die das Glück haben, einen Vorrat an Rosado-Deckblätter zu besitzen. Demzufolge sind die in Rosado-Deckblätter gerollten Zigarren selten und äusserst begehrt. Typischerweise sind diese Zigarren sehr würzig mit Noten von Zedernholz, Kaffee, Erde und Pfeffer.
Zigarren-Mythen
Eine erlesene Zigarre ist nicht nur eine Wolke aromatischen Rauches. Sagen, Legenden und Geschichten ranken sich seit Jahrhunderten um das grüne Gold. Gerne stelle ich Ihnen einige dieser Mythen vor:
"Eine Zigarre sollte vor dem Rauchen aufgewärmt werden"
„Halten Sie die Zigarre in einer Hand und wärmen Sie diese mit einem brennenden Streichholz entlang der Oberfläche auf!“
Anhänger dieses Verfahrens behaupten, dass eine vorbereitende Erwärmung der Zigarre den vollen Geschmack und das Aroma richtig entfalten lassen. Andere glauben, dass eine aufgewärmte Zigarre zu einem besseren und glatterem Smoke, mit weicherem Geschmack führt. Ein ziemlich netter Mythos, nicht wahr? Klingt alles sehr plausibel. Aber das Aufwärmen einer Zigarre verbessert weder den Geschmack, noch sein Aroma und es macht den Smoke nicht besser. Das Einzige was sie mit dem Erhitzen erreichen, ist die Oberfläche der Zigarre und deren Geschmacksstoffe zu zerstören. Des Weiteren besteht die Gefahr des Glimmens der Tabak-Oberfläche. Der Brand kann man sicher leicht löschen - jedoch werden Geschmack und Aroma ruiniert. Das wollen Sie nicht wirklich!
Dieser Mythos, wie jeder andere auch, hat eine völlig logische historische Erklärung:
Eine Zigarre wird von Hand gerollt. 2-4 Einlageblätter werden fest zusammengepresst und in einem Umblatt eingewickelt. Anschliessend wird diese von einem Deckblatt umhüllt. Früher verwendete man ein spezielles Harz, um die Tabakblätter zusammenzukleben. Dieses Harz hatte einen wesentlichen Einfluss auf das Aroma und den Geschmack der Zigarre. Um diese unangenehmen Geschmacksstoffe los zu werden wurde jeweils empfohlen, die Zigarre über einer Kerze zu erwärmen. Man lief zwar Gefahr das Deckblatt zu verbrennen, aber es war die Mühe wert, um den völlig unberührten Geschmack der Zigarre zu geniessen.
Heute werden andere Roll-Techniken angewendet, um eine Zigarre zusammenzuhalten. Geklebt wird lediglich noch die Kappe am Zigarrenkopf. Des Weiteren wurde das Klebematerial geändert. In Kuba wird Stärke mit Wasser und Tabakstaub gemischt. Diese Stoffe sind geruchs- und geschmacklos. So besteht absolut keine Notwendigkeit, die Zigarre vor dem Rauchen aufzuwärmen.
"Wenn Sie das Mundende einer Zigarre in Cognac tauchen, wird sie aromatischer"
"Sir Winston Churchill hat dies immer getan!" tönt es oft von Zigarrenrauchern. Sie behaupten, die Mischung einer Zigarre mit dem Geschmack eines Cognacs zu vereinen, sei eine edle Verbindung. Leider ist auch das nur ein weiterer Mythos. Sir Winston Churchill tauchte die Zigarre nicht in seinen Cognac, weil er die Kombination liebte, sondern aus einem ganz anderem Grund!
Tatsache ist, dass Churchill täglich eine reichliche Anzahl an Zigarren rauchte. Seine erste entflammte er direkt nach dem Frühstück und genoss seine letzte kurz bevor er zu Bett ging. Er paffte bis zu 20 Zigarren am Tag und um seinen Geschmackssinn zu erleichtern, kam der Cognac ins Spiel.
Aufgrund der in den Deckblättern enthaltenen Öle und Teere, litt Churchill an ständiger Überreizung seiner Lippen. Grundsätzlich wäre dies ein sehr angenehmer Geschmack - vorausgesetzt sie geniessen 2-3 Zigarren pro Tag. Wenn sie aber ununterbrochen Zigarren rauchen, kann dies zu schweren Reizungen im Mundbereich führen. Um das Vergnügen des Rauchens im Laufe des Tages zu erhalten, begann Sir Winston das Mundende der Zigarre in braunes Papier einzuwickeln, welches die gleiche Farbe wie die Zigarre aufzeigte. Er tat dies heimlich, so dass niemand diese seltsame Angewohnheit bemerkte. Dies hatte aber wiederum ein anderes Problem zur Folge: der fade Geschmack des Papiers am Zigarrenkopf. Aus diesem Grund tauchte Churchill das Mundende der Zigarre samt Papier in seinen Cognac!
So begannen Aficionados und Bewunderer dieses berühmten Engländers den „Churchill-Dip“ anzuwenden, dies in der Annahme, es verbessere den Geschmack der Zigarre. Aber selbst der teuerste Cognac kann den Geschmack der Zigarre nur verfälschen bzw. verderben. Viel angenehmer ist es, sich das edle Destillat separat zu genehmigen und gleichzeitig eine schöne kubanische Zigarre zu geniessen. Die Aromen und Geschmäcker des Cognacs und der Zigarre sollen sich im Mund harmonisch vereinen. Das ist die wahre Sinnenfreude!
"Die besten Zigarren werden auf den Oberschenkeln schöner Frauen gerollt"
Dies ist wahrscheinlich der grossartigste und bekannteste Zigarren-Mythos! Trotz des schönen Gedankens, war Zigarrenrollen traditionell immer eine Männerarbeit. Das Rollen einer Zigarre auf die richtige Dichte, erfordert sehr starke Handgelenke. In Kuba wurde dies immer von Männern ausgeübt. Erst Ende des 18. Jahrhunderts nahm die erste Frau ihre Arbeit an einer Walze in der La Africana-Fabrik auf. Das Rollen einer Zigarre erfordert zudem eine feste und ebene Oberfläche - Oberschenkel sind hierfür völlig ungeeignet.
Für den Ursprung dieses Mythos - so wird angenommen - sei Prosper Mérimée verantwortlich. Als er die Novelle „Carmen“ zu schreiben begann, sei der Franzose nach Spanien gereist, um mehr über deren Kultur und Lebensweise zu erfahren. Mérimée war als schöner und imposanter Mann bekannt. Er begann eine Affäre mit einem jungen, wunderschönen spanischen Mädchen. Zu der Zeit, im 19. Jahrhundert, war Spanien ein tief religiöses Land und für Affären wurden harte Strafen ausgesprochen. Die Liebhaber waren also gezwungen, ihre Leidenschaft zu verheimlichen. Mérimée mietete eine kleine Wohnung und so konnten sie sich beide dem passionierten Liebesleben hingeben.
Es war jedoch höchste Vorsicht geboten, da der schöne Franzose eine grosse Aufmerksamkeit auf sich zog. Mérimée verbrachte unzählige Stunden in der winzig kleinen Wohnung, wartend auf seine junge Auserwählte. Dies hätte ja grundsätzlich kein Problem dargestellt - wäre er nicht ein passionierter Raucher gewesen. Er liebte Zigarren und in der Regel kaufte er sich diese jeden Tag. Da er aber seine Zeit mehrheitlich im minuziösen Liebesnest verbrachte, konnte er sein geliebtes Zigarren-Lager nicht aufstocken. Seine spanische Geliebte hatte aber eine Lösung: Sie kaufte Tabakblätter und rollte sie nach dem Liebesspiel auf ihren Oberschenkel zu wohlgeformten Zigarren. Sie hatte offensichtlich Talent, denn die Zigarren – so wird überliefert – waren grossartig. Dieses Erlebnis hinterliess bei ihm einen solchen bleibenden Eindruck, dass er diese Geschichte, als er in Paris zurückkehrte, überall zum Besten gab. Ein paar Wochen später war es das Stadtgespräch schlechthin. Die feinsten Zigarren waren diejenigen, die man auf den Oberschenkel schöner Frauen rollte. Es dauerte nicht lange bis Mérimée‘s spanisches Liebesabenteuer in Vergessenheit geriet. Der Mythos ist aber bis heute geblieben.
Dennoch gibt es in den Zigarrenfabriken ein Verfahren, welches diesen Mythos weiterhin fördern könnte. Eine der Abteilungen in einer Zigarren-Fabrik wird Despala genannt. Hier werden die Hauptadern des Tabakblattes von Hand entfernt. Am unteren Ende des Blattes können die Adern eine Dicke von mehreren Millimetern erreichen. Ist dies der Fall, kann man das Blatt in diesem Zustand nicht als Tabakmischung verwenden. Die Adern würden den Geschmack verderben und den Zug der Zigarre blockieren. In der Regel arbeiten hier Frauen, die so genannten Despalilladores. Sie strecken das Tabakblatt über das Knie und mit einer schnellen Handbewegung reissen sie die Blattadern heraus. Der Mythos könnte also auch hier seinen Ursprung haben.
Unglücklicherweise kann man hier auch keine wunderschöne Frau finden, die Zigarren auf den Oberschenkel rollt. Der Schweiss auf dem nackten Oberschenkel würde ohnehin den Geschmack der Zigarre nicht wirklich verbessern. Aber für den liebestollen Mérimée werden es wohl die besten Zigarren seines Lebens gewesen sein.
"Je dunkler das Deckblatt, desto stärker ist die Zigarre"
Viele Aficionados glauben, dass Zigarren mit einem dunklen Deckblatt stärker sind, als diejenigen mit einem hellen Wrapper. Dies ist nicht der Fall! Die Stärke einer Zigarre ist in keiner Weise von der Farbe des Deckblattes abhängig. Zigarren mit einem fast schwarzen Deckblatt können genau so mild sein, wie Zigarren mit hellem Deckblatt - und umgekehrt. Die Welt der Deckblätter unterscheidet sich traditionell in sechs oder sieben Farben: von hellgrün bis fast schwarz. In Kuba erkennen Spezialisten sogar bis zu 70 verschiedene Farbtöne! Die Stärke einer Zigarre hängt grundsätzlich von der Tabakmischung ab, die verwendet wurde. Aber die Wahl des Deckblattes kann durchaus einen Einfluss von 5-50% (je nach Qualität der Zigarre) auf die Geschmackseigenschaften haben! Ein dunkles Deckblatt z.B. enthält wesentlich mehr ätherische Öle und Teer als ein helles, so dass eine größere Menge an verschiedenen Substanzen mit den Lippen in Berührung kommt.
"Die Dicke und Länge einer Zigarre beeinflussen seine Stärke"
Es gibt eine weitverbreitete Überzeugung, dass diejenigen, welche eine milde Zigarre rauchen möchten, eine lange und dünne Zigarre wählen sollen. Das Gegenteil ist aber der Fall. Aficionados, welche eher einen milderen Geschmack und ein subtileres Aroma bevorzugen, sollten zu einer Zigarre grösseren Durchmessers greifen. Denn die Hitze, die in der Zigarre entsteht, kann bei einer dickeren Zigarre viel schneller entweichen, so dass der Rauch am Mundende sehr viel kühler wird. Bei dünnen Zigarren kann die Hitze nur langsam entweichen, so dass sie heisser und somit stärker wahrgenommen wird. So hat auch die Länge einer Zigarre keinen Einfluss auf die Stärke, sondern nur auf die Hitze. Die Länge gibt lediglich die Zeit vor, welche wir für den Zigarren-Genuss vorsehen. Das heisst, auch eine dickere Zigarre wird - sobald sich das Brandende dem Mundende nähert - heisser und man nimmt das Aroma stärker wahr.