Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03506.jsonl.gz/799

| Gregor v. Nazianz († 390) - Reden

IV. Rede
56.
[Forts. v. [S. 103] ] Das Kreuzzeichen wirkt, die Dämonen ergeben sich, der Schrecken schwindet. Doch was folgt? Die Sünde atmet auf, faßt wieder Mut und stürzt sich von neuem auf Julian mit den gleichen Schrecken. Wiederum wird das Kreuzzeichen gemacht und wiederum geben die Geister Ruhe. Der Myste ist in Verlegenheit. Doch der Mystagoge, der in seiner Nähe weilt, gibt wahrheitswidrig die Deutung: „Wir fürchteten uns, nicht haben wir sie vertrieben; denn der Mindere ist es, der siegt.“ So deutet er, und durch diese Erklärung gelingt es ihm, zu überreden. Nachdem er seinen Schüler Julian überredet hatte, führt er ihn in den Abgrund des Verderbens. Kein Wunder! Denn lieber hört die Sünde auf die Sünde, als daß sie sich von dem Guten beeinflussen läßt. Was nun Julian sprach, was er tat, wie er sich täuschen ließ, ehe er zurückkehrte, wissen die, welche sich aktiv und passiv daran beteiligten. Auf jeden Fall war, als er heraufstieg, seine Seele und sein Handeln verzaubert und zeigten seine rasenden Blicke, wen er verehrte. Oder vielmehr, er war von jenem Tage an, da er so böse Pläne faßte, von den Dämonen besessen. Die Zukunft zeigte es noch deutlicher. Denn nicht vergeblich sollte er hinabgestiegen sein und sich den Dämonen angeschlossen haben, was ihm allerdings von seiten derer, welche es sich zur Ehre anrechnen, Namen zu vertauschen, die Bezeichnung Enthusiast eingetragen hatte. Dies war der Anfang.