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Im imposanten Sandsteingebäude an der Hebelstrasse, der ehemaligen Residenz der Markgrafen von Baden und einer der wenigen Paläste in der Stadt, liegt der Beginn der Geschichte des Unispitals, wie wir es heute kennen. Um den Repräsentationsbau «Markgräflerhof» entstand Stück für Stück die Gebäudestruktur des heutigen Universitätspitals.
Es begann mit dem Markgräflerhof
Die von Sabine Braunschweig kuratierte Ausstellung setzt beim Umzug der zwei alten Spitäler vom Barfüsserplatz und der freien Strasse in den Markgräflerhof an. Schon ein paar Jahre zuvor wurde auf dem Areal ein Irrenhaus errichtet, welches den Grundstein zur weiteren Entwicklung legte, der eigentliche Beginn der heutigen Infrastruktur des Unispitals ist aber auf den Einzug des Bürgerspitals an der Hebelstrasse im Jahr 1842 zu setzen. Statt «einem planlosen Flickwerk» sollten die bestehenden, an Platzmangel leidenden Institutionen vom Alten- bis zum Siechenhaus zusammengelegt werden. Der Ort war bereits als medizinisches Zentrum in Betrieb: Bereits 1814 diente der Markgräflerhof als Lazarett für die Gegner Napoleons. Das rasche Bevölkerungswachstum in der Zeit der industriellen Revolution machte bald weitere Ausbauten und Ankäufe von Gebäuden nötig. Nach dem Erwerb des Gebiets der alten Strafanstalt bei der Predigerkirche konnte 1868 bereits das Erweiterungsgebäude namens «Merianflügel» eröffnen. Den Namen erhielt das Gebäude, da es von der Familie Merian teilweise finanziert wurde. An der Stelle des 1970 gesprengten Baus steht heute das Klinikum 2.
Auf den zahlreichen Tafeln, die meisten davon im lauschigen Garten des Universitätsspitals verteilt, kann man die Geschichte abschreiten. Darunter sind nicht wenige Ankedoten, die man so nicht wusste, und nicht alle davon sind medizinisch. Wie diese hier:
Eine Ballonfahrt, die ist lustig
Die erste Ballonfahrt der Schweiz startete am 5.Mai 1788 im Garten des Markgräflerhofs. Pionier Jean-Pierre François Blanchards «aerostatischer Versuch», finanziert von interessierten Baslern, gelang ohne Zwischenfälle. Derselbe Blanchard sollte wenige Jahre später, zusammen mit John Jeffries, als erster den Ärmelkanal überqueren. Hätte sein Abendteuer mit Verletzungen geendet, wäre dies unglücklich gewesen: Damals befand sich das Bürgerspital noch am Barfüsserplatz und die damaligen Möglichkeiten zum Patiententransport machten die Sache eher schlimmer, wie eine andere Tafel vermuten lässt.
Händewaschen, bitte!
Immerhin hätten sie auf eine fortschrittliche Behandlung zählen können: Verhältnismässig früh, doch aus heutiger Sicht dennoch erstaunlich spät, folgten die Basler Mediziner neuesten Erkenntnissen der Hygiene. Nachdem sich im 19.Jahrhundert, zusätzlich zur Entdeckung von Desinfektionsmitteln, auch das systematische Händewaschen die Regel wurde, verbesserten sich die Erfolgsaussichten von Operationen rapide. Damals wurden diese in einem Chirurgiehaus an der Hebelstrasse 3 ausgeführt, welches nicht mehr existiert.
Die Ölsoldaten
Doch manchmal hilft auch das nicht: Als die Soldaten einer Basler Mittrailleur-Kompagnie im Sommer 1940 hungrig ihre Nachtessen verspiesen, fiel ihnen der unnatürliche Geschmack der Käseschnitten auf. Wenig später erkrankten 74 Soldaten und 12 Zivilpersonen an Magenkrämpfen. Statt Speiseöl wurden die Käseschnitten mit Maschinengewehr-Kühlöl zubereitet.Eines der ganz grossen Schweizer Dramen des zweiten Weltkrieges. General Guisan besuchte die im Basler Bürgerspital versorgten Soldaten höchstpersönlich, von denen zwei Drittel für den Rest des Lebens gezeichnet blieben. Erst viele Jahre später erhielten sie Entschädigungen durch eine Aktion der «Glückskette». Während der Soldatengeschichte begann auch der Bau des Klinikum 1.
Zum Abschluss etwas Zukunftsmusik
Kaum zu glauben: Das so zeitgenössisch wirkende Klinikum 1 wurde bereits 1945 eröffnet. Der Architekt Hermann Baur entwarf die Erneuerung des Bürgerspitals, gebaut wurde es während der letzten Kriegsjahre. Es war eines der frühesten Grosskrankenhäuser der Schweiz und steht heute unter Denkmalschutz. Es ist rein den Zufällen der Namensgebung zuzuschreiben, dass das Klinikum 1 nach dem Klinikum 2 errichtet wurde. Diese Reihenfolge sollte sich bald wieder umkehren, denn nachdem der «Merianflügel» dem Klinikum 2 weichen musste, ist auch dieses am Ende seiner Lebensdauer angelangt. Die Ausstellung endet demnach mit den Visualisierrungen des zukünftigen Hochauses, welches das marode Gebäude bald ersetzen soll. Das Areal bleibt also weiterhin in Bewegung.
Zu den Bildern und Texten der Tafeln sind auch noch Filme und Objekte aus der Basler Spitalsammlung. Den Plan zum Jubiläums-Spaziergang ist auf der Webseite des Unispitals zu finden.