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Seine mit großem
Eifer vorgetragene
Ansicht, daß die
Rechtfertigung nicht als ein gerichtliche
AktGottes, sondern als Mitteilung
einer innern
Gerechtigkeit aufzufassen sei, welche aus einer mystischen Vereinigung mit
Christus hervorgehe, rief einen
mit vieler
Bitterkeit geführten Streit mit den strengen
Lutheranern hervor. Nachdem Osiander während der
Verhandlungen gestorben
war, dauerten die Streitigkeiten fort, bis 1566 alle Osiandristen entsetzt, ihr
Führer, der Hofprediger
Funk, enthauptet und
durch das
»Corpus doctrinae pruthenicum« der Osiandrismus 1567 aus
Preußen
[* 8] verbannt wurde.
Aber nach seiner Rückkehr verschwor sich
Typhon, sein ihm feindlicher
Bruder, mit 72 andern zu Osiris'Untergang.
Sie schlossen ihn durch
List in eine prächtige
Lade und warfen diese in den
Nil, auf dem sie ins
Meer hinaustrieb.
Isis legte
Trauerkleider an, als sie die
Kunde erhielt, u. suchte klagend die
Leiche desOsiris.Endlich fand sie die
Lade in
der Gegend von
Byblos an das Land geworfen und verbarg sie an einem sichern
Orte.
Typhon aber entdeckte dieselbe und zerschnitt
nun den
Körper in 14 Teile, die er überallhin zerstreute.
Isis suchte dieselben wieder und begrub sie, jeden an den
Ort, wo
sie ihn gefunden hatte (daher die zahlreichen Osirisgräber in
Ägypten).
[* 21] Als aber
Horos, des Osiris Sohn,
der in
Buto aufwuchs, zu
Kraft gelangt war,
nahm er denKampf gegen Typhon auf, und dieser ward endlich gänzlich besiegt. Nach Plutarch bedeutet das Einschließen des
Osiris in den Sarg das Verschwinden des Nilwassers; doch faßt er denOsiris auch allgemeiner als das Prinzip des Schaffenden, während
er in Typhon die zerstörende Gewalt derNatur erkennt. Mag nun auch der Mythus des Osiris sich teilweise auf
das Austreten und Versinken des Nils beziehen, so liegt ihm doch jedenfalls eine weit tiefere Anschauung zu Grunde.
Isis wird aufgefaßt als die MutterErde, als empfangende Naturkraft, und ihr gegenüber bedeutet Osiris die der Erde einverleibte
Zeugungskraft der Sonne.
[* 24] Wenn das Leben auf der Oberwelt erstorben ist, herrscht Osiris mit Isis in der Unterwelt,
lebt aber auf der Oberwelt fort in seinem Sohn Horos (der jungen Frühlingssonne), in dem er sich immer wieder erneuert. Das
Schicksal des Osiris ist nur ein Vorbild des menschlichen; daher wird in den heiligen Schriften der Ägypter
jeder Verstorbene ein »Osiris« oder »Osirianer«
genannt.
Die Hauptstätten seiner Verehrung waren in Oberägypten Philä und Abydos, in Unterägypten Memphis, Sais und Busiris. Dargestellt
wird Osiris in menschlicher Gestalt, mit dem Menschenhaupt, regelmäßig in Mumienform. In den frei vorgestreckten Händen oder
den über der Brust gekreuzten Armen trägt er die Zeichen der Herrschaft (Zepter und Geißel), auf dem Haupte
die Krone von Oberägypten, häufig an den Seiten besetzt mit der Straußfeder, dem Sinnbild der Wahrheit (s. Abbildung).