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Prof. Doreen B. Massey
Die Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Zürich verleiht die Würde einer Doktorin ehrenhalber an Frau Prof. Doreen B. Massey. Sie würdigt damit eine Wissenschaftlerin, deren Werk weit über das Fach Geographie hinaus Bedeutung erlangt und das dem Dialog zwischen Natur- und Sozialwissenschaften wichtige Impulse gegeben hat. Mit ihren raumtheoretischen Arbeiten trug sie massgeblich dazu bei, dass Örtlichkeit und Regionalität im globalen Zeitalter auf konstruktive Weise neu gedacht werden können.
Doreen B. Massey studierte Geographie an der University of Oxford, UK, wo sie 1966 mit dem Bachelor abschloss. Anschliessend arbeitete sie bis 1980 als Principal Scientific Officer am Center for Environmental Studies in London. Ihre dortige Forschungstätigkeit unterbrach sie, um bis 1972 an der Wharton School der University of Pennsylvania ein Masterstudium im Bereich Regionalwissenschaften zu absolvieren. Nach zwei Jahren als Senior Research Fellow am Department of Geography der London School of Economics wurde sie 1982 als Professorin für Geographie an die Open University in Milton Keynes berufen. Dort war sie bis zu ihrer Emeritierung im Jahr 2009 tätig.
Doreen Massey zählt zu den weltweit führenden Humangeographinnen und -geographen und hat insbesondere mit ihren raumtheoretischen Arbeiten weit über die Geographie hinaus Bedeutung erlangt. Empirisch ziehen sich Fragen wirtschaftlicher Regionalentwicklung und regionalpolitischer Massnahmen zur Bewältigung des ökonomischen Strukturwandels als roter Faden durch ihr wissenschaftliches Werk: In den 1970er-Jahren beeinflusste sie massgeblich die gesellschaftskritische Erneuerung der geographischen Regionalforschung.
Anfang der 1980er-Jahre gab sie mit ihrem Buch «Spatial Divisions of Labour» den entscheidenden Impuls dafür, die humangeographische Regionalforschung theoretisch neu zu fundieren und von ihrer einseitigen Fixierung auf den lokalen Kontext zu befreien. In der Folge prägte Doreen Massey massgeblich die aufkommende Diskussion um einen adäquaten Umgang mit den räumlichen Konsequenzen der Globalisierung. In den 1990er-Jahren avancierte sie zur Galionsfigur einer wichtigen Strömung innerhalb des Fachs, die in einer sich globalisierenden Welt ein zukunftsorientiertes Orts- und Raumverständnis forderte. Bis heute liefern Konzepte wie «progressive sense of place» oder «global power-geometry» den nachfolgenden Generationen von Forschenden eine wertvolle Orientierung bei der Analyse der räumlichen Neuaushandlung sozialer Bezüge im globalen Zeitalter. Dies gilt auch für ihre engagierten Mahnungen, weniger privilegierte Menschen und Orte im globalen Süden wie auch im Norden nicht aus den Augen zu verlieren. Ihr wissenschaftliches Werk krönte sie 2005 mit dem Buch «For Space», das – wie andere ihrer Publikationen auch – in mehrere Sprachen übersetzt wurde.
Mit ihren Beiträgen und Aktivitäten förderte Doreen Massey darüber hinaus den Dialog zwischen den sozialwissenschaftlichen und naturwissenschaftlichen Wissenschaftstraditionen der Geographie. Zudem engagierte sie sich für die Förderung des Nachwuchses. In diesem Zusammenhang führte sie etwa einige Seminare mit deutschsprachigen Nachwuchswissenschaftlerinnen durch, an denen auch Schweizer und Zürcher Geographinnen teilnahmen. Ihre herausragende Stellung innerhalb der internationalen geographischen Community spiegelt sich in einer Fülle von Auszeichnungen und Ehrungen wider. So erhielt Doreen Massey unter anderem die Victoria Medal of the Royal Geographical Society, den Prix Vautrin Lud («Nobel de Géographie»), die Centenary Medal of the Royal Scottish Geographical Society und die Anders Retzius Medal in Gold, die von der Swedish Society of Anthropologists and Geographers verliehen wird.