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Lieber Herr Ramspeck Nach Schauspieler, Model und Pop-Star ist dies der neue Traumberuf der Generation Z. Überall lese ich über junge, hübsche Mädchen und Frauen, die sich selbst als Marke vermarkten, indem sie sich im Internet darstellen und so zum Werbeträger werden. Es gibt tatsächlich viele, die damit einen Haufen Geld verdienen. Es scheint, als sei Narzissmus das perfekte Geschäftsmodell geworden. Wäre das zu Ihrer Zeit vorstellbar gewesen?
Liebe Joëlle
Nein, ich wusste nicht, was ein «Influencer» ist, bis du es mir jetzt gesagt hast. Es ist offenbar einer, der auf deine Generation dergestalt einwirkt, dass junge Menschen nur noch Traumberufe ergreifen wollen. Möglichst solche, bei denen Ruhm und grosses Geld sozusagen in den Wunsch einprogrammiert und ohne langwierige Ausbildungsprozesse zu erlangen sind. Also nicht acht Jahre Gesangsunterricht, sondern gleich Popstar. Ich fürchte, da sind aber viele Wege mit herben Enttäuschungen gepflastert. Enttäuschungen, die meiner Generation weitgehend erspart geblieben sind. Was wir wurden, war die Fortsetzung dessen, was wir in der Schule gelernt hatten. Allerdings hatten auch wir unsere «Influencer». Als ich mit 15 Jahren zum ersten Mal eine Platte von Erroll Garner hörte, wäre ich auf der Stelle gern ein hinreissender Jazzpianist geworden; war dann aber froh, dass es mir zu einem passablen Schubertlieder-Begleiter reichte. Und an einen virtuellen «Influencer» wie den «Gauloises-Typ» denke ich auch zurück: Er hat mich ein Vermögen gekostet, statt mir eines zu bringen. Und mich letztlich uniformiert statt individualisiert. Besser, man hört auf sich selbst als auf einflüsternde Dämonen.