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Herausgegeben von Hans-Peter Mathys, Rudolf Wachter
Bd. 4 Heiner Schwenke
Zurück zur Wirklichkeit
Bewusstsein und Erkenntnis bei Gustav Teichmüller
Zu den weissen Flecken auf der Landkarte der Philosophiegeschichtsschreibung zählt das Werk Gustav Teichmüllers (1832-1888), der einer der markantesten Köpfe der deutschsprachigen Philosophie der 1870er und 1880er Jahre war. Aus Göttingen kommend, wurde er 1868 als Nachfolger Wilhelm Diltheys an die Universität Basel berufen. Da das Basler Einkommen aber zum Unterhalt seiner anwachsenden Familie nicht ausreichte, wechselte er 1871 auf eine weitaus besser bezahlte Professur an die Universität Dorpat (Tartu) in Estland. Sein umfangreicher Nachlass gelangte nach dem Zweiten Weltkrieg ins Universitätsarchiv Basel, fand aber bisher kaum Beachtung.
Teichmüller war ein origineller systematischer Denker, der über eine ungewöhnlich breite Bildung verfügte. Er betrieb jahrzehntelang vor allem philosophiegeschichtliche Forschungen, um die Wurzeln der modernen Philosophie zu verstehen. Erst in den letzten Jahren vor seinem Tod ging er daran, seine eigene Philosophie niederzuschreiben. Er wirkte unter anderem auf Friedrich Nietzsche, der sich 1871 vergeblich um Teichmüllers Nachfolge in Basel bewarb, und auf die russischen Philosophen Alexej A. Koslow und Nikolaj O. Losskij. Heute ist er fast vergessen.
Die vorliegende Studie, die unveröffentlichtes Material aus dem Nachlass einbezieht, ist die bisher ausführlichste und gründlichste Untersuchung zu Teichmüller. Sie macht den Leser zunächst mit der interessanten, vielschichtigen Persönlichkeit bekannt und stellt das umfangreiche Gesamtwerk in seinem Entwicklungsgang dar. Der Hauptteil des Buches ist einer Analyse des Zentrums der anti–idealistischen Philosophie Teichmüllers, der Unterscheidung von Bewusstsein und Erkenntnis, gewidmet. Mit der Absonderung von «Bewusstsein» als unmittelbarer, unbegrifflicher Erfassung der Wirklichkeit von einer kohärentistisch verstandenen «Erkenntnis» reagierte Teichmüller auf den Wirklichkeitsverlust der neuzeitlichen Erkenntnistheorie. Eine Wirklichkeit jenseits der eigenen Vorstellungen und Begriffe, der eigenen «Repräsentationen», erschien als unerreichbar oder sogar als nichtexistent. Nicht nur der Andere, auch das Ich löste sich in gedankliche Konstruktionen und Fiktionen auf. Mit seinem Konzept von Bewusstsein versuchte Teichmüller wieder einen Kontakt zur Wirklichkeit jenseits der Vorstellungen und Begriffe zu ermöglichen, die Realität der Person wiederzugewinnen und die Isolation der «eingemauerten Seelen» zu durchbrechen. Die heterogene Ausstrahlung seiner Erkenntnistheorie auf Nietzsche einerseits und auf Losskij andererseits wird nachgezeichnet und über den Intuitivismus Losskijs eine Brücke zum aktuellen direkten Realismus geschlagen.
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Bibliographische Angaben
|Reihe||Titel der Reihe - Studien zur Geschichte der Wissenschaften in Basel. Neue Folge.|
|Seitenanzahl||348 arabisch|
|Format:||16.5 x 22.7 cm|
|Bindung||Buch, Gebunden|
|ISBN||978-3-7965-2217-8|
|Erscheinungsdatum:||29.06.2006|