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Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Norddeutschland
Mein Blogger-Kollege Heinz Scholz erwähnte in seinem Text „Unpassende Geschenke, Schlemmereien, Silvesterknallerei“ vom 04.01.2014, dass es sogar Ehefrauen gebe, die ihren Männern zu Weihnachten Unterhosen mit der Aufschrift „Mein Tiger“ oder mit den Vereinsfarben schenken.
Das erinnerte mich an einige Verkaufsstände für Touristen, an denen ich bei meinem Besuch in Rom zu Weihnachten entlang flanierte. Dort gab es nämlich Unterhosen zu kaufen, auf dem ein ganz besonderer Penis aufgedruckt war. Im Jahre 1504 stellte Michelangelo Buonarotti seine Statue fertig, die David vor seinem Kampf mit Goliath darstellt. Die Statue ist auf dem Sockel 4.34 m gross, wurde in Florenz aus Carrara-Marmor gefertigt und wiegt 6 Tonnen. Es ist eine realistische Darstellung, wenn auch idealisiert. Und sie stellt einen nackten Mann dar.
Der auf den Unterhosen aufgedruckte Penis sieht ähnlich wie das Original aus oder wurde „künstlerisch erotisch“ aufgewertet. Auf jeden Fall bedeckt der Aufdruck das gesamte Vorderteil dieser Unterwäsche. Würden die Grössenverhältnisse, also ca. 2‒3 × kleiner als die Originalgrösse der Statue, beziehungsweise dieser Körperteil, abgebildet sein, müsste der Druck viel kleiner ausfallen. Das Verhältnis der Grösse des Geschlechtsorgans zur Grösse der Statue stimmt nämlich möglicherweise nicht.
Im Jahr des 500. Geburtstages der Statue haben sich die italienischen Professoren Massimo Gulisano und Pietro Bernabei mit der Frage beschäftigt, warum dem so ist. Sie kamen zu dem Schluss, dass sich der Penis des Mannes bei Angst (die Darstellung soll ihn ja vor dem Kampf zeigen) verkleinert, und deshalb zeige er die realistische Grösse. Er ist übrigens nicht beschnitten und entspricht daher der Vorstellung der Renaissance.
Es gibt auch andere Meinungen dazu:
„Der wohl am häufigsten nackt abgebildete Mann der Kunstgeschichte, Michelangelos David, hat ebenso wie griechische Männerstatuen einen auffallend kleinen Penis. Offensichtlich aus moralischen Gründen, denn wenn man dessen Hände und seinen Penis vergleicht, stellt man eine erhebliche Diskrepanz fest. Schliesslich ergaben Untersuchungen von Spyropoulos, dass es eine Grössenrelation zwischen der Länge der Finger und des Penis gibt. Wollte Michelangelo möglicherweise die sexuelle Identität seines Models verbergen?“
Nicht nur um die Grösse des männlichen Geschlechtsorgans machen sich viele Männer (und Frauen?) Gedanken. Bei Michelangelos David ist es vor allem die Nacktheit. Ich wage die Überzeugung darzutun, dass vor den Zeiten der sexuellen Revolution und des Internets die Statue für viele halbwüchsige Mädchen eine Gelegenheit war, einmal einen männlichen Körper ohne Kleidung zu sehen.
Die Darstellung von Nacktheit ist auch heute lange noch nicht auf der ganzen Welt selbstverständlich. Vor etwa einem Jahr ging durch die Presse, dass ein japanischer Geschäftsmann seiner kleinen Heimatstadt Okuizumo, gelegen im Süden der Hauptinsel Honshu, etwas Gutes tun wollte und ihr 5 m hohe Kopien des David und der Venus von Milo geschenkt hatte. Daraufhin hätten Einwohner gefordert, dass die Behörden zumindest Davids Blösse mit einer Unterhose (natürlich ohne Aufdruck!) bedecken soll. Die Stadtverwaltung, so der Artikel, sei dem Aufruhr aber gelassen begegnet und hoffe darauf, dass die Statuen eine Touristenattraktion werden könnten.
So hofft auch in der Schweiz das Berner Kunstmuseum mit seiner Ausstellung „Das schwache Geschlecht – Neue Mannsbilder in der Kunst“ (und nicht etwa „schöne Männerkörper“!), auf der Bilder und Fotos nackter Männer der Gegenwart gezeigt werden, auf regen Zulauf. Sie ist übrigens noch bis zum 09.02.2014 zu sehen.
Wie auch immer, des Mannes „bestes Stück“ bleibt ein Thema von Diskussionen in der Welt. Ob die in Rom gesehenen Unterhosen bei dem einen oder anderen Touristen (oder gar Römer) auch auf dem Gabentisch lagen, kann ich nicht mit Sicherheit behaupten!
Quellen
Hinweis auf weitere Blogs mit Bezug zum Penis
23.01.2006: Warum wir Männer das WC niemals genau treffen können