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Legendäre Spieler und Trainer
Der Fussball hatte seinen Anteil daran, dass in der Schweiz am Ende des vorletzten Jahrhunderts Sportzeitungen entstanden. Zu Beginn wurden aber nicht nur in der Fachpresse, sondern auch in Vereinspublikationen kaum je auf die sportlichen Leistungen einzelner Spieler eingegangen. So wurden die Torschützen nicht einmal bei den Finalspielen um den Meistertitel von 1904 genannt. Als erste FCSG-Legende darf der 1901 zum Club gestossene C.C. Bryan bezeichnet werden. Der Engländer war als Captain – wie damals üblich – auch für die Trainingsleitung zuständig. Verteidiger Bryan brachte spielerische Strukturen ins Team, die für entscheidende Fortschritte sorgten. Als die Schweiz zehn Monate später, am 12. Februar 1905, in Paris zum ersten Länderspiel antrat, war mit Eugen Dütschler auch ein Spieler der St.Galler Meistermannschaft dabei. Das 0:1 gegen Frankreich blieb für Dütschler der einzige Einsatz in der Nati – bis zum nächsten Schweizer Länderspiel mussten sich hiesige Fussballenthusiasten aber auch bis 1908 gedulden.
Nach zwei Niederlagen gegen Frankreich kam die Schweiz am 5. April 1908 zum ersten Länderspielsieg (5:3 gegen Deutschland), mit Theo Kobelt stand auch ein St.Galler im Einsatz. Er spielte bis 1912 fünfmal mit dem Kreuz auf der Brust. 1909 wurden erstmals Trainer bestimmt, Konrad Ehrbar übernahm die Verantwortung für die dritte und vierte Mannschaft (die „Erste“ bereitete sich noch ohne Trainer vor) und war auch später wiederholt als Coach tätig. Ehrbar brachte es als Verteidiger zwischen 1911 und 1912 zu neun Länderspielen, was bis in die achtziger Jahre Rekordwert für einen Spieler des FC St.Gallen bedeuten sollte. 1912 war Ehrbar zudem Vizepräsident des Schweizerischen Fussballverbandes, der in jenem Jahr seinen Sitz in der Gallusstadt hatte. Im Mai 1912 wurde mit Jack Reynolds ein Brite - erstmals in der Schweiz - als Trainer verpflichtet. Reynolds brachte den FCSG in technischer und taktischer Hinsicht beträchtlich voran, doch die Krönung blieb aus: Zweimal blieb in der Ostgruppe der Serie nur Platz 2 hinter Aarau, mit zwei Titelgewinnen und einem weiteren Final damals die Nummer 1 der Schweiz. Reynolds wollte seine Trainerkarriere 1914 in Deutschland fortsetzen, er hätte die Nationalmannschaft übernehmen sollen. Der Kriegsausbruch trieb ihn jedoch nach Holland, wo er ein Jahr später Ajax Amsterdam übernahm – und in zwei Amtszeiten bis 1947 zu acht Meistertiteln führte!
Es war nicht zuletzt Reynolds zu verdanken, dass in diesen Jahren mit Hans Diem, Ernst Thalmann, Willy Hohl, Jakob Schneebeli und den Brüdern Oskar und Paul Neumeyer weitere St.Galler zu Länderspielen berufen wurden. Die Brüder Neumeyer teilten sich als Nachfolger von Reynolds auch das Traineramt, zeitweise bildeten sie mit dem jüngsten Bruder Hugo eine reine Neumeyer-Linie der „Halves“. Ehrbar und Paul Neumeyer haben auch als erste Nachwuchsförderer Pionierarbeit geleistet. In den Jahren 1920/21 kam mit Kurt Friedrich der nächste St.Galler zu Länderspielehren. Der Stürmer wanderte später aus beruflichen Gründen aus und soll auch in Mexiko ziemlich erfolgreich gewesen sein. Mit Fidel Prinz wuchs in jener Zeit ein Goalie zur herausragenden Persönlichkeit. Prinz stellte sich nach seiner Aktiven-Karriere immer wieder als Trainer zur Verfügung, letztmals 1954.
Albert Hintermann brachte es 1931/32 zu Länderspielen, doch musste der FCSG am Ende der Saison absteigen. Die neu erschaffene Nationalliga startete ein Jahr später ohne Ostschweizer Beteiligung. Mit Norman Smith wurde 1934 ein Spielertrainer verpflichtet, der zuvor den FC Kreuzlingen zu einem Höhenflug führte. Mit dem Engländer Smith gelang nicht nur der Aufstieg, er hielt den FCSG in der Saison 1934/35 auch souverän in der Elite. Herausragend spielte Walter Meier, der 1936 ein Länderspiel bestritt. Der Ungare Bela Volentik kam als Trainer 1938 aus Aarau aufs Espenmoos, feierte 1939 den zweiten Aufstieg in die Nationalliga und sorgte dafür, dass sich die „Städtler“ mittelfristig unter den besten 14 Teams der Schweiz etablierten. Mit August Lehmann wechselte 1941 gar ein eigentlicher Star – der Ausdruck wurde damals noch kaum verwendet - von den Grasshoppers zum FCSG. Guschti Lehmann brachte es ab 1930 zu 32 Länderspielen, die letzten vier bestritt er als „Grün-Weisser“, davor spielte er für den FC Zürich, Lausanne-Sports und GC. Gemeinsam mit Severino Minelli hatte Lehmann unter Karl Rappan (ab 1937) die zentrale Rolle des „Schweizer Riegels“ gebildet, der mit dem Sieg über Grossdeutschland an der WM 1938 seinen Höhepunkt erlebte.
Otto Pfister war ab 1963 Spielertrainer. Nach bescheidenen Jahren in Zweit- und Drittklassigkeit beschloss der Vorstand mit Präsident Elio Cellere, die Mannschaft deutlich zu verstärken und den Aufstieg anzustreben. Auch wenn der Deutsche Pfister, der später als Trainer jahrzehntelang vor allem in Afrika wirkte und an der WM 2006 mit Togo als Schweizer Gruppengegner zu neuer Popularität kam, ein ausgeglichenes Team hatte: In der Schlussphase ragte Walter Müller als Torschütze heraus, genauso als der FCSG ab 1965 in der NLB wieder auf nationaler Ebene antrat. Müller zog 1967 zu den Young Boys und brachte es dort und bei Xamax zu einer beachtenswerten NLA-Karriere. St. Gallen folgte ein Jahr später unter Spielertrainer René Brodmann in die Nationalliga A. Auch wenn der FCSG im Spätherbst langsam in Fahrt kam, wurde im Dezember 1968 Albert Sing als Trainer geholt. Auch er war Deutscher und hatte sich vor allem bei den Young Boys als Serienmeister einen guten Ruf erarbeitet – und beim WM-Titel Deutschlands 1954 als Co-Trainer einen wesentlichen Anteil. Den FCSG führte Sing zum Cupsieg 1969, Doppeltorschütze im 2:0 gewonnenen Final gegen Bellinzona war der vom FC Bayern München gekommene Rudi Nafziger.
Ein Jahr später mussten die Espen noch einmal in die NLB, mit Zeljko Perusic folgte ein Spielertrainer mit grosser Vergangenheit: 1960 mit Jugoslawien Olympiasieger, sechs Jahre später mit 1860 München Deutscher Meister. Der Kroate führte den FCSG umgehend in die NLA zurück, blieb noch bis 1974 aktiv und engagierte sich danach als Juniorentrainer. Mit Kurt Brander prägte in den siebziger Jahren ein echter St. Galler den Club, er debütierte im Herbst 1969 in der NLA und war neun Jahre später in der Jubiläumssaison Captain. Eine kleine Sensation war es, als sich Rolf Blättler im Herbst 1972 entschied, von Basel zum FCSG zu wechseln. Blättler war als Stürmer bei den Grasshoppers dreimal NLA-Torschützenkönig und brillierte später auch als Mittelfeldstratege. Er bestritt die letzten 4 seiner 28 Länderspiele als St. Galler und gehört zu den bedeutendsten Schweizern, die je im FCSG spielten. Zum Abschluss seiner St. Galler Zeit bestritt er 1977 den Cupfinal. Ein halbes Jahr nach Blättler kam Ruedi Schneeberger von GC in die Ostschweiz. Schneeberger war im Mai 1974 erster St. Galler Länderspieldebütant nach über 40 Jahren; er brachte es zu acht Spielen mit der Schweiz. 1975 wurde Willy Sommer neuer FCSG-Trainer. Eher unspektakulär, sorgte der Solothurner für Stabilität und Kontinuität. Dazu gewann Sommer 1978 ein Jahr nach dem verlorenen Cupfinal immerhin den Ligacup, bei dem Christian Labhart als Doppeltorschütze seine beste Phase einläutete. Mit Martin Gisinger und Gerhard Ritter gehörten auch zwei Grenzgänger aus Vorarlberg zum Team, das sie bis Mitte der achtziger Jahre prägen sollten. Sommers sechs Jahre Amtszeit sind bis heute Club-Rekord. Mit Fredy Scheiwiler hatte Sommer ab 1979 auch einen aktuellen Internationalen holen können. Der Gossauer bestritt 6 seiner 13 Länderspiele als Spieler des FCSG.
Abgelöst wurde Sommer 1981 von Helmuth Johannsen. So bemerkenswert das Engagement des mehrfachen Meistertrainers (Braunschweig, Grasshoppers) war, so zielstrebig führte er den FCSG Richtung Europacup. Aus Polen kam mit Jerzy Gorgon ein Libero mit grosser internationaler Erfahrung, 1982 konnte Manfred Braschler aus Innsbruck aufs Espenmoos geholt werden. Der Doppelbürger wurde schon bald in die Nati berufen und brachte es auf 22 Länderspiele, womit er St.Galler Rekordhalter ist. Ein Jahr später gab auch Beat Rietmann ein beeindruckendes Debüt im Nationalteam, er sollte es auf 7 Einsätze bringen und blieb dem FCSG sein Leben lang treu. Etwas unsteter verlief die Karriere des Hanspeter Zwicker. Der glamouröse Stürmer nahm einen Umweg über den FC Zürich, um zwischen 1984 und 1988 für den FCSG aufzulaufen. Ein Auf und Ab erlebte Zwicker auch in der Nati, für die er 13 von 25 Spielen als St.Galler bestritt. Mit dem Slowaken Ladislav Jurkemik hatte der FC St.Gallen zuvor einen zweiten grossen Libero aus dem Ostblock verpflichten können.
Die nächsten St.Galler, die es in die Nati schafften, waren Urs Fischer und Harald Gämperle, sie debütierten gemeinsam im Dezember 1989. Die Espen wurden gerade Wintermeister, es herrschte eine nie zuvor gekannte Begeisterung. Dies hatte die Mannschaft vor allem Ivan Zamorano zu verdanken. In der Finalrunde wurde die Spitzenposition eingebüsst und am Ende gar der UEFA-Cup um einen Punkt verpasst. Der Chilene, der im Espenmoos Anlauf zu einer grossen Karriere nahm, wird in St.Gallen immer höchstes Ansehen geniessen. Viel zur hohen Spielkultur beigetragen hatten auch sein Landsmann Hugo Rubio oder etwa Roger Hegi.
Nach einem Jahr Unterbruch kehrte St.Gallen 1994 in die NLA zurück, Fischer war dem Club treu geblieben und half noch ein Jahr lang mit, den FCSG wieder oben zu verankern. So spielte er noch gemeinsam mit Marc Zellweger, der einst Stürmer war und später als unerschrockener Verteidiger zum Rekordspieler des Clubs werden sollte. Als 1996 Jörg Stiel als Goalie ins Espenmoos zurückkehrte, deutete er bald an, wie sehr er gereift ist und zum wichtigen Leader wurde. Während sich Stiel aber gedulden musste, bis er in die Nati aufgeboten wurde, stand Marco Zwyssig bereits im August 1997 erstmals international im Einsatz. Hegi war als Trainer zurückgekehrt und führte den FCSG zum vierten Mal in einen Cupfinal. Als er Anfang 1999 kurzfristig ersetzt werden musste, wurde Marcel Koller sein Nachfolger. Die GC-Legende brachte aus Wil Regisseur Jairo mit. Der Brasilianer bildete mit Stiel, Zwyssig und den später ebenfalls in Länderspielen eingesetzten Giuseppe Mazzarelli, Sascha Müller und Giorgio Contini ein Gerüst für den grössten Erfolg der FCSG-Geschichte, den Meistertitel des Jahres 2000. Nebst Contini stürmten der Rumäne Ionel Gane und Charles Amoah. Der Ghanaer wurde in der Meistersaison Torschützenkönig und war danach auch im Europacup der gefürchtetste St. Galler. Für Amoahs Landsmann Alex Tachie-Mensah gab es zwar keine Krönung, dafür hat der Stürmer in seinen sieben Jahren in St. Gallen regelmässig getroffen und ist wohl erfolgreichster FCSG-Torschütze aller Zeiten. Einen Monat nach der Verpflichtung von Tachie-Mensah holte sich die U17-Nati den EM-Titel. Beim ersten grossen Schweizer Nachwuchs-Titel war zwar mehr von anderen Spielern die Rede als von Tranquillo Barnetta. Dafür fasste der Mittelfeldspieler alsbald Fuss in der NLA und Super League und baute sich im Espenmoos ein Fundament, das ihn zur glänzendsten Karriere aller St. Galler Fussballer verhalf. „Quillo“ war der einzige, der zwischen 2004 und 2014 in allen fünf möglichen WM- und EM-Endrunden im Kader stand. Zwei weitere Abstiege musste der FCSG in den letzten Jahren verkraften, beim zweiten gehörte auch der aus Thun gekommene Argentinier Ezequiel Scarione dazu. 2012 starteten die Espen die erfolgreichste Rückkehr der Geschichte, die in der sechsten Europacup-Qualifikation endete. Und Scarione zum dritten St. Galler Torschützenkönig krönte.
Es gibt zweifellos weitere Spieler und Trainer, die als Legenden des FC St.Gallen bezeichnet werden können, etwa Peter Meier, Kurt Grünig, Jost Leuzinger, Thomas Hengartner, Thomas Wyss, Guido, Daniel Imhof, Moreno Merenda, Bill und Chad Townley, Kurt Schadegg, Werner Zünd, und natürlich noch viele mehr.