Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03139.jsonl.gz/3044

Keine Turmuhr ohne Zifferblatt
Im mächtigen Glockenturm der Kirche Herznach hat sich ein frühes Wunderwerk der Mechanik erhalten, ein grosses handgeschmiedetes Turmuhrwerk. Aus den Quellen im Pfarrarchiv Herznach lässt sich erschliessen, dass diese Turmuhr in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts, also kurz nach dem Dreissigjährigen Krieg (1618-1648), angeschafft wurde. Doch was ist mit dem zugehörigen Zifferblatt?
Wo ein altes Turmuhrwerk existiert, muss es auch ein Zifferblatt gegeben haben. Im Mauerwerk des Herznacher Glockenturms verrät ein Loch für die Antriebsstange eines Zeigers, dass das alte Zifferblatt an der Ostseite des Glockenturms angebracht gewesen sein muss – kein Wunder, liegt doch das Dorf Herznach dem Kirchhof ostseitig zu Füssen. Auf der Höhe, wo sich das verräterische Loch befindet, stösst heute der First des 1691/92 neu erstellten Kirchenschiffdachs an den Glockenturm.
Zum Glück verdeckt dieses Dach das erste Zifferblatt der alten Turmuhr nicht ganz: Das unterste Drittel des buntfarbigen Zifferblatts ist noch zu erkennen, wenn man im Dachstuhl des Kirchenschiffs ganz nach oben klettert. Die Farben sind zwar verblasst oder abgerieben, aber ein Ringsegment mit Ziffern lässt sich noch erahnen. Das Innere des Zifferblatts scheint radial mit flammenartigen Sonnenstrahlen besetzt gewesen zu sein, wie dies bei barocken Zifferblättern gelegentlich der Fall war. Der breite rechteckige Rahmen in dunklem Ziegelrot ist unten mit gelben Blattranken geschmückt.
Die junge Konkurrenz
Nach etwa 300 Jahren musste die alte Turmuhr ihren Platz einer jüngeren Konkurrentin überlassen: 1946 lieferte die Firma Adolf Bär, Thun-Gwatt, das heute noch vorhandene Turmuhrwerk vom Typ «grosses Präzisions-Turmuhrwerk mit elektro-automatischem Gewichtsaufzug. Graham-Freipendelgang». Ein mitgelieferter Kasten schützt das Uhrwerk vor Verschmutzung. – Laut ihrem «Verzeichnis von ausgeführten Anlagen, Umbauten und Reparaturen» war die Turmuhrenfabrik A. Bär damals schweizweit tätig. Im Aargau erstellte sie u.a. Anlagen in Gontenschwil (Kirche), Hermetschwil (Kirche), Holziken (Schulhaus), Moosleerau (Schulhaus), Rothrist (Kirche), Schneisingen (Kirche), Uerkheim (Kirche), Wettingen (Kirche) und Zeihen (Kirche).