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35 Jahre ETH Zürich Jubiläum Karl Sidler
Nach Karl Sidlers Lehre als Elektromonteur und seinem anschliessendem Militärdienst war es infolge Rezession unmöglich für ihn, eine Arbeit in seinem gelernten Beruf zu finden. Somit war Karl Sidler froh, als er am 1. Juli 1977 seine Stelle als PeripherieOperator im ehemaligen Rechenzentrum an der ETH-Zürich antrat, überhaupt einer Beschäftigung nachgehen zu können.
IT an der ETH
«In den ersten Jahren war ich an den peripheren Geräten der CDC Grossrechner im Rechenzentrum (Clausiusstr. 59) mit dem Bedienen diverser Input/Output Geräten beschäftigt (Endlosdrucker, Lochkartenstanzer, Lochstreifen, Film, Lochkartenleser, Tape Stationen etc.). Nach einer gewissen Zeit wurde ich auch einige Jahre an den Bedienkonsolen der Grossrechner eingesetzt. Dann bot sich die Gelegenheit, eine der Aussenstationen (Satelliten) zu übernehmen, was ich ein paar Jahre tat. Als dann einer der beiden Posten als Schichtleiter im Rechenzentrum frei wurde, bewarb ich mich dort und war ab diesem Zeitpunkt wieder im Rechenzentrum tätig. Damals gab es noch keine eigentlichen Kommunikationsnetze, einzig einige Teletypekonsolen oder Modems standen zur Verfügung. Später kamen dann noch diverse Terminalräume dazu, von wo aus man die Grossrechner der ETH erreichen konnte.
Projekt KOMETH
Mitte der 80-er Jahre wurde das Projekt KOMETH (Kommunikation ETH) mit dem Ziel gestartet, die Übertragungsraten von 300 bit/s auf sage und schreibe 19`200 bit/s anzuheben und die Verfügbarkeit zusätzlich in die Büros zu bringen. Nach den Pilotprojekten in den Gebäuden RZ und HG, welche mit mehr oder weniger grossen Problemen erfolgreich abgeschlossen wurden, suchte man Personen welche sich der Betreuung und Wartung dieser Installationen annahmen. Diese Aufgabe interessierte mich sehr und ich übernahm die Gruppe KOMETH mit diversen Mitarbeitern, welche ebenfalls aus dem Operating rekrutiert wurden. Anfang der 90er-Jahre war KOMETH fast überall verfügbar und es gab ca. 5‘000 installierte Terminalserver (T-Boxen). Schon während der Installationszeit von KOMETH wurden auch punktuell die ersten ETHERNET Installationen mit sogenannten ThickWire Ethernet Kabeln gemacht. Hier standen dann schon 10 mb/s zur Verfügung. Diese wurden hauptsächlich für das interaktive Rechnen mit Minicomputern benötigt. Später kamen dann auch ThinWire Kabel dazu, mit welchen später auch ganze Gebäude ausgerüstet wurden. Als sich die Anzahl Kabel und aktiver Geräte explosionsartig vermehrte suchte man eine Lösung, die installierte Infrastruktur irgendwie abzubilden.
Inventar erstellen und UTP – Nummern
Deshalb fingen wir an, ein Inventar zu erstellen und alle Kabelanschlüsse und aktiven Geräte zu beschriften und mit einer an der ETH einmaligen Nummer zu versehen. Dies sieht man auch heute noch in jedem Büro mit der dort (hoffentlich) vorhandenen UTP – Nummer. Das ThinWire Zeitalter war leider auch ziemlich störungsanfällig. Wenn zum Beispiel ein Mitarbeiter am Wochenende nach Hause ging und seinen Rechner mit dem T-Stück aus der Verkabelung löste, konnten seine Kolleginnen und Kollegen auch gleich nach Hause gehen, da an diesem Segment nichts mehr lief. Somit durften wir etliche Stunden unter Pulten rumkriechen um Störungen zu finden und zu beheben. Als dann die ersten UKV Installationen realisiert wurden, war unsere Arbeit schon mal wesentlich einfacher, da es sich ja nun nur noch um eine Punkt-Punkt-Verbindung handelte. Der nächste Schritt war, von den unzähligen Subnetzen, welche mühsam über fast die ganze ETH physikalisch verbunden werden musste, auf die neue Infrastruktur mit den virtuellen Subnetzen (VLAN) zu wechseln. Hier gab es einige Monsterprojekte, welche zu bewältigen waren, galt es doch alle aktiven Geräte durch neue zu ersetzten.
Organisation der ID
Zu dieser Zeit ging es auch punkto Organigramm Schlag auf Schlag. Zuerst bekamen wir einen Informatikdirektor (Dr. Seehars) welcher das ehemalige Rechenzentrum übernahm. Die Sektion Kommunikation erhielt mit Dr. Hille einen Chef, welcher half, die neue Infrastruktur über die ganze ETH auszubreiten. Zuerst wurde die Glasfaservernetzung RNETH (Rückgradnetz ETH) über sämtliche Gebäude der ETH gezogen. Anschliessend wurde die UKV Verkabelung in allen ETH eigenen Gebäuden realisiert. Nun, in der Zwischenzeit haben wir die aktiven Geräte unserer Netzwerkinfrastruktur schon weitere dreimal gewechselt, die Anzahl zu betreuenden Gebäude wächst und wächst und damit ja natürlich auch die zu betreuenden Netzwerkanschlüsse. Somit ist auch sichergestellt, dass es uns nicht langweilig wird.
35 interessante Jahre
Zum Abschluss möchte ich es nicht verpassen, mich bei der ETH für die 35 interessanten Jahre die ich hier verbringen durfte zu bedanken. Es war bis jetzt eine spannende Zeit mit vielen neuen Technologien, welche sich manchmal durchsetzten und manchmal auch schnell wieder verschwanden. Die ETH war stets ein sehr guter und fairer Arbeitgeber.»
Hier noch einige interessante Links zu den obigen Themen
- http://en.wikipedia.org/wiki/Teletype_Model_33
- http://www.ethistory.ethz.ch/rueckblicke/verwaltung/informatikdienste/netzwerke/netzwerke/
- http://www.ethistory.ethz.ch/rueckblicke/verwaltung/informatikdienste/material_dokumente/datenkommunikationsinfrastruktur.pdf