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Afonso Melara steht in dem Dorf Galegos, unweit der Grenze zu Spanien, vor der alten Olivenpresse seines Grossvaters und zeigt auf eine Mauer: «Hier war früher eine Geheimtür», erzählt der 24-Jährige.
«Die Schmuggler kamen nachts über die Berge und gingen dann schnell durch diese Tür auf das Grundstück. Mein Grossvater hatte ja die Olivenpresse und verkaufte also immer Olivenöl. Aber einen Teil davon liess er aus Spanien über die Grenze schmuggeln, und veräusserte es dann so, als ob er es selbst produziert hätte.«
Melara ist vor einem Jahr in die ländliche Heimat seines Grossvaters im Alentejo westlich von Lissabon gezogen. Er bietet nun Trekking-Touren für Touristen an. Seine Spezialität: Die alten Schmugglerpfade entlang der Grenze.
Der junge Reiseführer Melara trifft einen Mann, der in den 1940er- und 50er-Jahren für seinen Grossvater das billigere Olivenöl aus Spanien über die Grenze brachte.
Manuel Batista erzählt gerne von den alten Zeiten: «Ich war schon Schmuggler, bevor ich überhaupt auf die Welt gekommen bin. Denn als meine Mutter mit mir hochschwanger war, hat sie auch geschmuggelt. Es gab hier in der Gegend nicht viel Arbeit. Und deshalb waren wir entlang der Grenze eigentlich alle Schmuggler.»
Schmuggeln war zwischen Portugal und Spanien bis in die 1980er-Jahre ein Gelegenheitsjob insbesondere für die vielen Tagelöhner, die von der Oliven-, Weizen- oder Korkernte lebten. Mit dem gemeinsamen Beitritt der beiden Länder zur Europäischen Gemeinschaft 1986 kam der illegale Handel zum Erliegen. Doch seit der Grenzschliessung wegen der Corona-Pandemie wird wieder geschmuggelt
Schleichhandel mit Propangasflaschen
Daniela Raposo arbeitet in einem kleinen Laden mit regionalen Produkten, der vor ein paar Jahren in der ehemaligen Olivenpresse von Afonso Melaras Grossvater eröffnet wurde.
Seit die Grenze dicht ist, erzählt Raposo, sei der Schleichhandel mit Propangasflaschen aufgeblüht. Das Flaschengas, das für Küche und Warmwasser gebraucht wird, ist in Portugal fast doppelt so teuer wie im Nachbarland. Und das reicht offenbar als Anreiz aus, um die alten Schmugglerrouten wieder zu eröffnen.
Schmuggel trotz Kontrollen
«Als die Grenze offen war, sind wir mit dem Auto zur nächsten Tankstelle nach Spanien gefahren und haben dort die Gasflaschen gekauft. Das geht jetzt nicht mehr. Jetzt müssen wir mit Leuten hier im Ort reden, die den Handel an der Grenze organisieren. Portugiesen und Spanier treffen sich dort und tauschen Geld gegen neue Gasflaschen.»
Ein paar Kilometer von Galegos entfernt liegt ein überwachter Grenzübergang, den nur Personen mit Sondererlaubnis überqueren dürfen. Viel ist nicht los. Polizeikommandeur Orlando Rego und seine Kollegen halten ein Schwätzchen im Schatten des alten Grenzgebäudes. Neue Schmuggelgeschäfte in der Region? Rego schüttelt mit dem Kopf.
«Wir wissen nichts davon. Wenn jemand an einem anderen, kleinen Grenzübergang nach Spanien gehen will, dann informieren wir die Leute, dass das dort nicht geht. Nur an diesem Grenzübergang hier darf man mit Genehmigung einreisen. Deshalb kontrollieren wir regelmässig entlang der Grenze auch die kleineren Übergänge.»
Schmuggeln zu Corona-Zeiten
In dem Dorf Galegos ist von diesen Kontrollen wenig zu spüren. Afonso Melara läuft zu einem kleinen Grenzübergang, wo der Schleichhandel vor sich geht. Plötzlich überholt ein Kleinwagen: «Die kenne ich, das ist eine Schmugglerin» flüstert Melara.
Am Grenzübergang, etwas oberhalb, hat die Polizei zwei Betonklötze auf die enge Strasse gestellt, damit zumindest die Autos nicht passieren können. Der kleine Platz, wo sonst die Gasflaschen getauscht werden, ist verlassen. Auch die Schmugglerin im Kleinwagen ist nicht mehr zu sehen. Nur ein verwitterter, uralter Grenzstein steht da, mit einem eingeritzten «P» – für Portugal.
Das, was wir hier gerade erleben, ist ein weiteres Kapitel unserer Schmuggler-Geschichte.
«Eigentlich wollte ich auf meiner Tour immer die alten Schmugglergeschichten aus der Zeit meines Grossvaters erzählen, sagt Afonso Melara. «Und jetzt erlebe ich das alles selbst. Im Jahr 2020! Vielleicht mache ich eine Extra-Tour für junge Leute mit dem Titel: Schmuggeln zu Corona-Zeiten. Denn das, was wir hier gerade erleben, ist ein weiteres Kapitel unserer Schmuggler-Geschichte.»