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Das Schloss in 1767 Herrliberger
Grunenstein par Kellenberger en 1830 (graphica-antiqua.ch)
Das alte Schloss Grünenstein, dessen Bewohner, die Edlen von Grünenstein, in der Geschichte von Balgach eine bedeutende Rolle spielten, wurde im Jahre 1776 vom damaligen Besitzer, Zeugherr Fridolin Schindler von Mollis, bis auf den mächtigen Turm abgetragen und durch den heutigen mächtigen Barockbau ersetzt. Im Jahre 1791 erwarb Jakob Laurenz Custer, der Sohn des Erbauers des Hauses "Reburg" zu Altstätten, der eine Base aus dem Löwenhof zu Rheineck geheiratet hatte und zu dieser Zeit selbst auf dem Löwenhof als Geschäftsherr sass, das neuerstellte Schloss. Er sicherte später den Sommersitz durch die Errichtung eines Fideikomisses der Familie.
Der gewaltige viereckige Turm mit der Aussichtsterrasse vor dem eingezogenen Oktogonaufsatz mit dem Glockenhelm beherrscht auch heute noch das architektonische Gesamtbild des Schlosses. Die beiden Wohnteile links und rechts des Turmes, die mit der Firsthöhe der Mansardendächer die Linie der Aussichtsterrasse übernehmen, sind in vorzüglicher Überlegung der Baumassen dem alten Mauerwerk angegliedert. Die vier Eckpilaster betonen die Vertikale der Neubauten in hochstrebendem Sinne. Die Horizontalwirkung der Fenster im Wohnbau, der Tore im Ökonomiebau links, schafft wohlklingenden Ausgleich des Höhenschubes des alten Turmes.
Betrachtet man die Fassade des Wohnhaus auf ihre Elemente, dann wirft sich unwillkürlich die Frage auf, ob nicht Vater Johann Haltiner der Baumeister dieses Schlosses sei, denn, abgesehen von der Dachbildung, ergibt sich in der Anordnung der Fenster eine auffallende Übereinstimmung mit dem Hause "Reburg" in Altstätten. Man beachte hier wiederum das direkte Aufsitzen des Daches auf den obersten Fenstern. Nun hatte der Erbauer Fridolin Schindler allerdings einen Sohn, der im Jahre 1755 geboren, sich im Ausland als Architekt geschult hatte, weshalb man ihm, dem Zwanzigjährigen gerne den Bau von Grünenstein zuspricht. Dass er der Entwerfer des "Haltli" in Mollis ist, liegt ausser jedem Zweifel. Dagegen liegen für Grünenstein so viele Zusammenhänge mit der rheintauschen Baukunst vor, dass wir eher zur Annahme neigen, Konrad Schindler habe sich beim Bau von Grünenstein an der Arbeit Haltiners beteiligt. Ihm wäre in diesem Falle wohl vor allem die Gestaltung des Portales mit dem dekorativen Aufbau und dann wiederum die innere dekorative Ausstattung der Wohnräume und Salons zuzuweisen, bei der sich formale Beziehungen zu seinem späteren Bau des "Haltli" wie auch in der Portalbildung erkennen lassen.
In der grundrisslichen Anlage mit der Verlegung des Treppenhauses nach hinten lassen sich die Haltinerschen Baugrundsätze erkennen, die dieser übrigens in starker Anlehnung an seinen Schwager Grubenmann durchbildet.
Von überaus vornehmer Raumwirkung ist der Musiksaal im zweiten Stockwerk, der auf verhältnismässig niedriger, stoffbespannter Wand eine mit leichter Hohlkehle aufsitzende Stuckdecke zeigt, deren Schmuck mit den Stukkaturen des Hauses "Reburg" in Altstätten und mit dem Stuck des "Hofes" zu Ragaz aufs engste zusammenhängt. Die harthölzernen Türen von einfachster Form wirken in diesem Raum durch ihren warmen Ton als feinerwogene Stimmungs - Gegensätze zur Wandbespannung und zum kühlen Stuck, der nicht mehr in Weiss über die Fläche fährt, sondern leicht getönt sich vom Grunde abhebt. Die Putten und allegorischen Figuren, die hier frei in den seitlichen Mittelmedaillons schweben, finden ihre plastische Wirkung in hellem Weiss auf weissem Grund.
Schloss Grünenstein begnügt sich aber nicht mit der architektonischen Geltung des Wohnhaus und der entsprechenden Wirkung des Ökonomiegebäudes. Der Bauherr wollte die landschaftliche Verbundenheit dieses Sommersitzes mit einem gepflegten Garten bekunden. Man erkennt diese ursprünglichen Anlagen am besten aus der "Vogelschau", wenn man von der Aussichtsterrasse des mächtigen Turmes in die gezirkelten Gartenkünste mit dem kleinen Gartenpavillon, der wie eine Stilabbreviatur des Wohnbaues dasteht und wohl eine selbständige Arbeit Konrad Schindlers darstellt, hinunterblickt. Ein besonderer Formenreichtum tritt dem Besucher aber entgegen, wenn er die verschiedenen Gartentore auf ihre handwerklichen Feinheiten prüft. Und mit welcher zeichnerischer Sicherheit ist das Schutzgitter der grossen Aussichtsterrasse hingeworfen, das in seiner Zierlichkeit die ganze Übermonumentalität des alten Turnies zu brechen vermag und überleitet zum eingezogenen Oktogonbau.
Im Schloss Grünenstein verzeichnet unser Rundgang durch die Bürgerhäuser des äussern Kantons St. Gallen wohl die feierlichste Architekturleistung von einheimischer Durchgestaltung. Wohl ist der Löwenhof in Rheineck noch eindrucksvoller und mächtiger, doch ist sein Bau herr mit dem Ausland derart verbunden dass wir ohne weiteres auch auswärtig Baukünstler als seine Schöpfer annehmei dürfen. Grünenstein aber ist in seine: ganzen Haltung schweizerische Baukunst. Bei aller Beeinflussung durch das Ausland bleibt ein gewisser Kern bodenständige: Empfindung und vor allem ein unleugbarer Sinn landschaftlicher Verbundenheit, während im Löwenhof die schweizerische Eigenart geradezu auffällig durch brochen wird, weshalb der Prachtsbau in Flecken Rheineck als aussergewöhnlich Erscheinung immer irgendwie befremdet.
Saal im zweiten Stock . Kamin in ersten Stock
Gartenpavillon
Bibliographie