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Inzwischen fällt die Wahl des Restaurants am liebsten auf jenes, das von der Community mit 4,5 von 5 Sternen geadelt wird, besonders klug ist man mit einem IQ ab 130, eine wissenschaftliche Publikation ist umso relevanter je öfter sie zitiert wird, usw. «Die Gesellschaft erzieht uns zu Numerokraten», so der Soziologe Steffen Mau.
Im Rahmen ihrer Masterthesis fragt sich Michèle Benz, inwiefern sich eine qualitative Kunstpädagogik in ein quantitatives Wertesystem eingliedern muss, falls sich tatsächlich ein wertkonstituierender Zahlenkult etablieren sollte? Wenn Wert nur noch mittels Zahlen nachgewiesen werden kann, wie mag sich die Kunstpädagogik um ihre Konzession im Fächerkanon behaupten? Ist es machbar oder sinnvoll, die Leistungsmessung im Bildnerischen Gestalten zu quantifizieren? Welchen Stellenwert kann/darf das subjektive ästhetische Urteil noch einnehmen, wenn nach objektiven Leistungsindikatoren verlangt wird?
Die Autorin beschreibt die Kunstpädagogik dabei als Praxis des Erzählens, die durch reine Zählung keine Selbstbeschreibung erfahren kann. Die Kunstpädagogik erwies sich so als komplexes Problem, das durch eine Quantifizierung ihrer Diversität beraubt würde – Nichtbestimmbares, Nichtgewusstes, Nichtplanbares fände in einer binär-numerischen Werteordnung keine Berücksichtigung.