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Unsere Kleinen Nachbarn
von Ladina Bischof
Ameisen leben in grossen Staaten, welche aus einigen Dutzenden bis mehrere Millionen Individuen bestehen. In der Regel legt eine einzige Königin ihr ganzes Leben lang Eier, woraus die weiblichen Arbeiterinnen schlüpfen. Diese differenzieren sich nach dem Schlüpfen zu den ihnen zugewiesenen Arbeitsbereichen wie z.B. Wächterinnen oder Soldatinnen. Alle Arbeiterinnen helfen bei der Brutpflege, gehen gemeinsam auf Arbeitssuche und verzichten auf eigene Nachkommen.
Diese Verbände aus Mutter-Tochtergemeinschaften wird als Eusozialität bezeichnet. Termiten und Bienen sind ebenfalls eusoziale Insekten. Neben weiblichen Arbeiterinnen legt die Königin auch Eier, aus denen beflügelte männliche Ameisen und junge Königinnen schlüpfen, welche jedes Jahr ausschwärmen und sich mit Individuen aus anderen Staaten paaren. Die Männchen sind dabei nur für die Befruchtung der jungen Königin zuständig und sterben direkt nach dem Hochzeitsflug. Nach der Paarung wirft die junge Königin ihre Flügel ab und sucht sich einen geeigneten Standort für die Neugründung eines Nests, welches sie bis zu ihrem Tode nie wieder verlässt. In der Schweiz können die Paarungsflüge von Ende April bis Ende Juli beobachtet werden.
Ameisen besiedeln viele Lebensräume und sind bis auf die Antarktis auf allen Kontinenten zu finden. Einige Arten bilden tiefe Bodenester, welche sie kaum verlassen und andere wiederum leben in Baumkronen und bauen ihre Nestern in Blättern, die manche von ihnen mit der Seide ihrer Larven zusammenkleben. Durch ihre vielfältigen Anpassungen besetzen Ameisen wichtige ökologische Nischen. Sie gehören in vielen Habitaten zu den dominierenden Arthropoden und machen zusammen mit anderen eusozialen Insekten ungefähr die Hälfte der weltweiten Biomasse aus. Ihr soziales Verhalten ermöglicht es ihnen eine effektive Nutzung der vorhandenen Ressourcen. Sie nehmen eine zentrale Rolle in jedem Ökosystem ein in dem sie zu finden sind. Ein Verlust dieser Familie kann verehrende Folgen mit sich bringen und durch ihre Häufigkeit andere Pflanzen- oder Tierarten ins Aussterben treiben.
Ameisen fressen Schädlinge, Aas und totes Pflanzenmaterial und durchlockern den Boden mit Hilfe ihrer Tunnelsysteme. Zusätzlich transportieren sie Samen, Sporen und Früchte von Pflanzen zu ihren Nestern. Dadurch sind Ameisen als Verbreiter vieler krautige Pflanzen unverzichtbar und beeinflussen deren Überleben, Tod und Evolution. Klimawandel und Habitatsverlust zusammen mit intensivierter Landwirtschaft und extensiver Pestizidgebrauch sind die Hauptursachen für den Rückgang der Ameisenartenvielfalt. Dieses Phänomen zieht sich durch alle Insektenarten und ist bekannt als das grosse Insektensterben. In der Schweiz sind bis zu 60% der Insektenarten gefährdet oder potenziell bedroht. Voraussagungen bezüglich des Biodiversitätsverlustes sind schwierig und verlangen grossflächiges und wiederholtes Monitoring. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist die Schweiz jedoch verspätet in Bezug auf Monitoringprogrammen für Ameisen und andere Insekten. Das Einführen eines nationalen Monitoringprogrammes ist notwendig für einen konkrete Aussage über den Artenverlust
Ameisen sind schwierig zu finden und können nur schwer von blossem Auge entdeckt werden. Die meiste Zeit halten sie sich in ihren Nestern auf und verlassen dieses nur zur Nahrungssuche. Nach starken Regengüssen wird man am meisten Arten entdecken, da Ameisen dann ihre Gänge wieder freiräumen und dafür an die Oberfläche kommen müssen. Ameisenarten sind schwierig zu bestimmen und werden durch Merkmale charakterisiert, welche nur unter dem Binokular sichtbar sind. Im Garten können jedoch Ameisen mit unterschiedlicher Grösse und Farbe, schwarz oder rot, beobachtet werden. Ameisen können durch Fressfallen aus Zuckerwasser oder Erdnussbutter aus ihren Nestern gelockt werden und können so in Ruhe näher beobachtet werden.
Quellen
Lebas, Claude. (2019). "Die Ameisen Europas. Der Bestimmungsführer". Zürich: Haupt Verlag.