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Es ist keine Frage: Die regelmässige Einnahme von Acetylsalicylsäure (Aspirin) in kleiner Dosis von etwa 100 Milligramm pro Tag ist unbedingt notwendig, um nach einem Herzinfarkt, einem Schlaganfall oder bei einer Durchblutungsstörung der Beine einen Rückfall bzw. ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Aspirin hat hier einen günstigen Einfluss, weil es eine leichte blutverdünnende, das heisst gerinnungshemmende Wirkung im Blut hat.
Während Jahren blieb aber unklar, ob Diabetesbetrofffene nicht grundsätzlich als Prophylaxe Aspirin einnehmen sollten, weil sie doch ein grösseres Risiko haben, in ihrem Leben mit Herzkreislauferkrankungen, wie sie eingangs erwähnt sind, konfrontiert zu werden. Wir sind bereits in «d-Journal» Nr. 208 im Jahr 2011 darauf eingegangen.
In einer kürzlich veröffentlichten Untersuchung wurde diese Fragestellung noch einmal aufgegriffen. Dazu wurden rund 15 500 diabetesbetroffene Frauen und Männern mit Durchschnittsalter von 63 Jahren ohne Herzkreislauferkrankungen während knapp 7 ½ Jahren regelmässig kontrolliert. Die eine Hälfte der untersuchten Personen nahm während dieser Zeit täglich eine kleine Dosis (100 Milligramm) Aspirin ein, die andere Hälfte erhielt eine Tablette ohne Wirksubstanz (ein sogenanntes Placebo).
Das Resultat war klar: Bei 8,5 % der Personen, die Aspirin einnahmen, entwickelte sich eine Herzkreislauferkrankung, bei der Gruppe ohne Aspirin waren es 9,6 %. Allerdings kam es wegen des blutverdünnenden Effektes von Acetylsalicylsäure in der Aspiringruppe zu mehr Blutungskomplikationen, am häufigsten als Magen- oder Darmblutungen, seltener auch im Gehirn und anderen Orten im Körper: Insgesamt 4,1% der untersuchten Personen, die Aspirin einnahmen, erlebten eine solche Blutung. In der Placebogruppe traten diese Blutungen, die manchmal auch lebensgefährlich sein können, bei 3,2 % der untersuchten Personen auf. Das alles sind aus Sicht der Statistik klare Unterschiede. Wer ein grosses Risiko hatte, Herzkreislauferkrankungen zu entwickeln, profitierte zwar mehr vom Aspirin, erlebte aber auch deutlich häufiger Blutungen.
Schlussfolgerung: Nicht jeder und jede Diabetesbetroffene braucht zur Prophylaxe von Herzkreislauferkrankungen zwingend Aspirin. Sicher bringt das Medikament dann einen klaren und unbestrittenen Nutzen, der das Risiko übersteigt, wenn schon bereits eine Herzkreislauferkrankung vorliegt. In allen anderen Fällen müssen Nutzen und Risiko individuell abgeschätzt und Aspirin zurückhaltend eingesetzt werden, wie es auch die Amerikanische Diabetesgesellschaft derzeit empfiehlt. Wichtiger als die Einnahme von Aspirin ist hier eine gute Behandlung anderer Risiken für Herzkreislauferkrankungen wie Bluthochdruck und erhöhtes Cholesterin. Selbstverständlich ist auch konsequent auf das Rauchen zu verzichten.
Quelle: NEJM 2018;379;1529-1539