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Signe Preuschoft ist eine echte Affenmutter. Im Auftrag der Tierschutzorganisation «Vier Pfoten» leitet die 49-jährige Forscherin auf Borneo eine Rettungsstation für verwaiste Orang-Utan-Kinder.
Orang-Utans gelten als eine «vom Aussterben bedrohte Art». Sie kommen in den tropischen Regenwäldern auf den Inseln Borneo und Sumatra vor. Ihr Gesamtbestand wird auf etwa 30 000 Tiere geschätzt. Hauptbedrohung für die Menschenaffen stellt heute die Zerstörung ihres Lebensraumes dar. In grossem Ausmass werden Wälder gerodet, einerseits zur Holzgewinnung, andererseits zur Errichtung landwirtschaftlich genutzter Flächen. Neuerdings gefährdet die starke Nachfrage nach Palmöl die Habitate der Orang-Utans.
Signe Preuschoft, sind Sie eine moderne Jane Goodall?
Jane Goodall ist für mich eine Inspiration gewesen. Aber unsere Arbeit ist unterschiedlich. Jane Goodall konnte da hingehen, wo die Affen zu Hause waren, in damals paradiesische Zustände. Ich hingegen treffe die Affen in einer Situation des Untergangs und des Desasters. Ich versuche eher, das Paradies wieder herzustellen.
Was treibt Sie an?
Das Wohl der Affen ist mir das Wichtigste. Aber ich möchte auch späteren Generationen von Menschen ermöglichen, zu verstehen, was es bedeutet, dass wir Vettern von Menschenaffen sind. Man kann sich viel besser verstehen, wenn man nicht nur sich selbst kennt. Wenn der menschliche Menschenaffe die nichtmenschlichen Menschenaffen ausrottet, dann wird er nicht imstande sein, seine eigene Natur zu begreifen.
Wie würden Sie das Wesen von Orang-Utans beschreiben?
Sie brauchen viel Abwechslung, sonst langweilen sie sich zu Tode, und wenn man sie in einen Käfig sperrt, leiden sie wie ein Mensch im Gefängnis. Manchmal beobachten sie einen so aus dem Augenwinkel. Aber wenn sie Vertrauen haben, schauen sie einem offen in die Augen. Dann kann man mit ihnen mit den Augen Zwiesprache halten. Das ist sehr schön, dieses Verstehen ohne Worte.
In welchem Zustand sind die Tiere, wenn sie zu Ihnen kommen?
Die meisten sind traumatisiert. Sie sind verängstigt, haben Albträume, leiden unter Appetitlosigkeit. Die Orang-Utan- Babys, die ihre Mütter verloren haben, leiden an Durchfall und werden nicht gesund, weil sie so unglücklich sind. Man kann froh sein, wenn diese Affen-Kinder sich auf den Arm nehmen lassen. Umso schöner ist es dann, zu erleben, wenn auch sie irgendwann ihren Kummer vergessen und in den Bäumen turnen.
Wie stehen die Chancen, eine Ausrottung der Orang-Utans zu verhindern?
Die Menschen müssen ihr Konsumverhalten ändern, die Kette unterbrechen, die zur Zerstörung der Lebensräume führt. Wenn wir nicht handeln, gibt es in zwanzig Jahren keine Orang-Utans mehr. Also: Kein Tropenholz kaufen, kein Palmöl kaufen, Globalisierung verstehen – das ist es, was in die Köpfe der Leute hinein muss! Urwald erhalten bedeutet Lebensraum für Orang-Utans erhalten.
Wie lange werden Sie in Borneo arbeiten?
Solange die Tiere mich brauchen. Nicht los lassen mich die Erinnerungen an Orang-Utans in Käfigen: Sie schauen mich an. Dann gehen sie zum Schloss, berührenes – und schauen mir danach wieder tief in die Augen, bleiben stumm bei der verschlossenen Tür stehen. Solchen Orang-Utans verspreche ich immer, dass ich alles in meiner Macht stehende tun werde, um sie da herauszuholen. Das würde doch jeder Mensch tun, oder?
Fotos: zvg
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