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Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs tauchte fast zwangsläufig die Frage auf, ob und wie die internationale Gemeinschaft eine solche Katastrophe in Zukunft verhindern könne. Der US-amerikanische Präsident Woodrow Wilson (1856–1924) schlug am 8. Januar 1918 in seinem 14-Punkte-Friedensplan vor, einen „allgemeinen Verband der Nationen“ zu schaffen „mit besonderen Verträgen zum Zweck gegenseitiger Bürgschaften für die politische Unabhängigkeit und die territoriale Unverletzbarkeit der kleinen sowohl wie der grossen Staaten“ (Punkt 14). Für die Schweiz stellt sich die Frage, ob eine solche Institution, für deren Sitz Genf vorgesehen ist, mit ihrer Neutralität vereinbar ist. Der Völkerbundsrat findet in der Londoner Erklärung vom 13. Februar 1920 einen Kompromiss: Bei Rechtsverletzung von Mitglieds-staaten muss die Schweiz nicht an Militäraktionen teilnehmen und keine fremden Truppen durch ihr Land ziehen lassen. Sie hat sich nur an wirtschaftlichen Sanktionen zu beteiligen.
In der Völkergemeinschaft
Unter diesen Voraussetzungen stimmt das Volk am 16. Mai 1920 dem Beitritt zum Völkerbund zu. Zu den prominenten Gegnern gehört der Weltkriegs-Generalstabschef Theophil Sprecher von Bernegg (1850–1927), der in einem Minderheitsgutachten dringend vor einem Beitritt warnt. Die Mehrheit der Schweizer sieht es anders. Als Vollmitglied profiliert sich die Schweiz als idealer Standort für die diplomatische Lösung von Konflikten. Auf der ersten Vollversammlung des Völkerbunds am 15. November 1920 in Genf begrüsst Bundespräsident Giuseppe Motta (1871–1940) die Delegierten. Der Bundesrat verzichtet am Dezember 1920 auf einen Sitz im Völkerbundsrat, um seinen Neutralitäts-standpunkt zu betonen.
Gemeinsame Chancen
Nach der am 28. April 1919 in Paris verabschiedeten Satzung verpflichten sich die Mitgliedsstaaten des Völkerbundes, ihre territoriale Integrität und ihre Unabhängigkeit zu achten, sich bei Angriffen gegenseitig zu helfen und die Rüstungsarsenale zu reduzieren. Der Völkerbund ist das erste weltweit anerkannte Gremium zur friedlichen Lösung von Konflikten. Die Völkerbund-versammlung tagt einmal jährlich, jedes Mitgliedsland hat eine Stimme.
Zwang zur Einstimmigkeit
Als grosses Hemmnis erweist sich die Bestimmung, dass fast alle Beschlüsse einstimmig getroffen werden müssen. Im Völker-bundsrat sind als ständige Mitglieder Grossbritannien, Frankreich, Italien (bis 1937), Japan, später das Deutsche Reich (1926–33), die UdSSR (1934–39) sowie zwölf nichtständige Mitglieder vertreten. Auch hier müssen Entscheidungen einstimmig gefällt werden, wobei betroffene Konfliktparteien in dieser Frage kein Stimmrecht haben. Dennoch ist eine Einigung kaum zu erzielen.
„Die Schweiz … kann ihre Mitarbeit nicht versagen, wenn die Menschheit einen grossangelegten Versuch unternimmt, der Welt Gerechtigkeit und Frieden zu bringen.“
Botschaft des Bundesrates vom 7. Mai 1920
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