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Autor Peter Bieri alias Pascal Mercier mit 79 Jahren gestorben
Pascal Mercier heisst der Romanautor. Peter Bieri hat sich in der Philosophie einen Namen gemacht. Als Autor von Belletristik wählte er das Pseudonym. Bereits Ende Juni ist er mit 79 Jahren gestorben. Das hat der Hanser Verlag am Dienstag mitgeteilt.
Pascal Mercier heisst der Romanautor. Peter Bieri hat sich in der Philosophie einen Namen gemacht. Als Autor von Belletristik wählte er das Pseudonym. Bereits Ende Juni ist er mit 79 Jahren gestorben. Das hat der Hanser Verlag am Dienstag mitgeteilt.
Als Autor ist Bieri unter dem Pseudonym Pascal Mercier aufgetreten. Seine grössten Erfolge feierte er mit Romanen wie «Nachtzug nach Lissabon» (2004) oder «Das Gewicht der Worte», der 2020 erschienen ist und nun sein letztes Werk bleiben wird. «Wir verlieren einen grossen Denker und Romancier», lässt sich sein Verleger Jo Lendle in der Mitteilung zitieren.
Bieri wurde am 23. Juni 1944 in Bern geboren. Nach der Matura studierte er Philosophie, Klassische Philologie, Indologie und Anglistik in London und Heidelberg. Kurz vor Beendigung seines Indologie-Studiums schwenkte er aus Faszination für das indische Denken zur Philosophie um. 1971 doktorierte er in Heidelberg, 1981 habilitierte er sich ebenfalls dort.
Philosophie und Belletristik
Nach Forschungs- und Lehraufenthalten in Berkeley, Harvard, Bielefeld und Marburg wurde Bieri 1993 an die Freie Universität (FU) Berlin berufen. Zu seinen Fachgebieten gehören Erkenntnistheorie und Moralphilosophie. Ein Kernproblem der Philosophie des Geistes ist nach ihm «Bieri-Trilemma» benannt. An der FU Berlin hatte er bis 2007 einen Lehrstuhl inne.
Als sein erster Roman «Perlmanns Schweigen» 1995 erschien, war Pascal Mercier ein Phantom. Doch nach dem zweiten, «Der Klavierstimmer» (1998), wurde bekannt, dass ein in Berlin lehrender Berner Philosoph der Autor war. Der damals 51-Jährige verriet dem «Spiegel», er fürchte nach seiner Enttarnung als Autor die Häme der Fachkollegen. Als renommierter Ordinarius Belletristik zu veröffentlichen, «das macht man nicht, denken Akademiker», so Bieri.
Was ihn jedoch 2007 als Professor in den vorzeitigen Ruhestand trieb, war nicht das Missfallen seiner Zunft, sondern die durch die Bologna-Reform erfolgte Bürokratisierung der Studiengänge. «Da ist der Professor nur noch der Vollzugsbeamte der Module», klagte Bieri gegenüber der «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ). 2010 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Luzern.
Doch die Landung in der freien Schriftstellerei war vorerst unsanft. Im selben Jahr, als er sich von der Universität verabschiedete, erschien seine Novelle «Lea». Kaum ein Rezensent widerstand der Versuchung, das Werk über eine Violinistin mit dem Kalauer «vergeigt» herabzuwürdigen.
Internationale Erfolge
2013 folgte dann jedoch die Verfilmung seines Romans «Nachtzug nach Lissabon». Der Roman handelt von einem biederen Berner Gymnasiallehrer, der von zwei Zufällen angeschoben nach Portugal reist und einem Arzt und Dichter nachspürt, dessen Gedankenwelt ihn magisch anzieht.
Das Buch wurde frenetisch gefeiert, millionenfach verkauft und in mehr als 40 Sprachen übersetzt. «Eines der besten Bücher, die ich seit langem gelesen habe», hatte beispielsweise Isabel Allende geschwärmt. Der Film in der Regie von Billie August, mit Jeremy Irons in der Hauptrolle, lockte allein in der Schweiz und Deutschland Hunderttausende in die Kinos.
Im selben Jahr veröffentlichte er, unter dem Namen Peter Bieri, «Eine Art zu leben. Über die Vielfalt menschlicher Würde». 2014 erhielt er dafür den Tractaus Essaypreis des Philosophicum Lech. Im Übrigen war er zuvor mit dem Premio Grinzane Cavour (2007 für «Nachtzug nach Lissabon») und 2006 mit dem Marie Luise Kaschnitz-Preis ausgezeichnet worden.
Kleine Dinge seien «Schlüssel, die Korridore der Einbildungskraft öffnen, und in diesen Korridoren liegt das Glück», sagte Bieri in seiner Preis-Rede. Erweckungs- oder besser Aufweckerlebnisse erwiesen sich denn auch als das Lieblingstopos des Autors. Und: Häufig sind es ältere weisse Männer, die Bieri ins Zentrum seiner Romane rückt, so der Gymnasiallehrer Raimond Gregorius im «Nachtzug nach Lissabon» oder in seinem letzten Roman «Das Gewicht der Worte» der Übersetzer literarischer Texte Simon Leyland.
Der Roman verhandelt die Frage, wie man weiter lebten kann, wenn man schon mit einem Bein im Grab gestanden hat. Auch dieser letzte Roman wurde zum Bestseller; in der Schweiz wurde «Das Gewicht der Worte» 2020 am zweithäufigsten verkauft. Bieri habe gezeigt, «wie sich Gedanken und Geschichten gegenseitig beflügeln», so sein Verleger. «Der Philosoph hat vom Erzähler gelernt – und umgekehrt bringen seine Romane die grossen Menschheitsfragen zum Leben», schreibt Jo Lendle.