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Er nahm jeweils seinen privaten Helikopter, um aus Newport Beach zum rund 75 Kilometer entfernten Staples Center in Los Angeles zu fliegen. Doch für Kobe Bryant, der in der Stadt im Orange County mit seiner Frau und seinen Töchtern wohnte und sein Leben lang für die Los Angeles Lakers in der NBA spielte, war es alles andere als Glanz und Glamour, zu den Heimspielen zu fliegen. Es war schlichtweg normal. Tägliche Routine.
Der 41-jährige Ausnahme-Basketballer war am Sonntag bei einem Helikopterabsturz in den Bergen der kalifornischen Stadt Calabasas ums Leben gekommen. Acht weitere Insassen starben, darunter auch Bryants 13-jährige Tochter Gianna.
War der Nebel verantwortlich?
Die Ursache des Absturzes ist noch ungeklärt. Bei nebligem Wetter war die Maschine vom Typ Sikorsky S-76 abgestürzt und in Flammen aufgegangen. Die «Los Angeles Times» zitierte Quellen, wonach der Hubschrauber südöstlich im Wohnort Bryants um 9 Uhr gestartet war. Wie Daten des Flugportals «Flightradar24» zeigen, stürzte die S-76 bei einer Geschwindigkeit von 296 km/h ab, bei einem Höhenverlust von 1200 Metern pro Minute. Der «Los Angeles Times» zufolge hatte die städtische Polizei ihre Helikopter am Sonntagmorgen bewusst am Boden gelassen, weil das neblige Wetter zum Fliegen zu gefährlich gewesen ist.
Ein Team der Nationalen Behörde für Transportsicherheit (NTSB) brach noch am Sonntagabend (Ortszeit) von Washington aus nach Kalifornien auf, um die Hintergründe des Unglücks zu untersuchen. Die Experten würden sich diverse Dinge anschauen, hiess es – etwa mit Blick auf den Piloten, die Eigentümer des Helikopters und die Wartung der Maschine. Ein vorläufiger Bericht der NTSB wird binnen zehn Tagen erwartet, während sich die komplette Untersuchung über mehr als ein Jahr hinziehen kann.
Die Unglücksstelle in Calabasas, Kalifornien: Alle neun Insassen kamen beim Helikopterabsturz ums Leben. Foto: Getty Images
Erste Abklärungen ergaben, dass in den Datenbanken der NTSB für die abgestürzte Maschine keine vorherigen Vorkommnisse oder Unfälle aufgezeichnet sind. Kurt Deetz, ein ehemaliger Pilot der Island Express Holding Corp. – auf diese war der abgestürzte Helikopter registriert –, der auch Bryant gelegentlich selber flog, sagte in der «Los Angeles Times», dass er das Wetter für die wahrscheinlichere Absturzursache halte als ein mechanisches Problem. «Die Wahrscheinlichkeit eines katastrophalen Triebwerkausfalls bei diesem Helikoptertyp – sie existiert nicht.»
Kobe Bryant flog schon lange
Dass Bryant fast täglich auf den Helikopter als Transportmittel setzte, hat einen guten Grund: der Verkehr in und um Los Angeles. Im Stau stecken zu bleiben, ist in der Millionenmetropole tägliches Ritual.
Kobe Bryant am 13. April 2016 vor jenem Helikopter, mit dem er zu seinem letzten NBA-Spiel der Lakers gegen Utah Jazz flog. Foto: Getty Images
In einem Gespräch vor zehn Jahren mit der GQ sagte der einst wertvollste Spieler der NBA, dass für ihn der Helikopter nur ein weiteres Mittel sei, um seinen Körper zu pflegen. Es bestehe für ihn kein Unterschied zum Whirlpool oder zu seinen massgefertigten Sneakern.
Seine fragilen Knie, der wunde Rücken, schmerzende Füsse und das chronische Sodbrennen verunmöglichten es ihm, während zweier Stunden im Auto zu sitzen. Der Transport mittels Helikopter ermöglichte es ihm, die Arena der Lakers frisch und ausgeruht zu erreichen. «Wenn du mit deinem Körper 32 Millionen Dollar pro Jahr verdienst, ist es ganz praktisch, mit dem Helikopter zur Arbeit zu erscheinen.»
Abnehmende Unfallraten in der Luftfahrt
Auch wenn Kobe Bryant bei einem Helikopterabsturz ums Leben kam: Der Helikopter als Verkehrsmittel ist ein sicheres Gefährt, das belegen statistische Untersuchungen. Gemäss des 2018 veröffentlichten Jahresberichts der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) kam es in der Schweiz zu 10 Unfällen mit Luftfahrzeugen, bei denen mindestens 1 Person schwer oder tödlich verletzt wurde. Davon gehen nur 2 auf Vorfälle mit Helikoptern zurück. Dies entspricht dem tiefsten Wert in der Periode zwischen 2006 und 2018. Über die ganze Zeitreihe betrachtet bewegen sich die absoluten Unfallzahlen zwischen 2 und 5.
Bei Unfällen auf Schweizer Strassen starben 2018 insgesamt 233 Personen. Im Eisenbahnverkehr kamen 14 Personen ums Leben, im Flugverkehr 33, wie der Publikation «Verkehrsunfälle 2018» des Bundesamts für Statistik zu entnehmen ist. Die Anzahl Todesopfer ist bei allen genannten Verkehrsträgern seit den 1970er-Jahren stark zurückgegangen. Auch im Luftverkehr mit Helikoptern bewegt sich die Unfallrate, sprich die absolute Anzahl Unfälle pro 100'000 Flugbewegungen, auf einem sehr tiefen Niveau.
Quelle: Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust), Jahresbericht 2018.
Nichtsdestotrotz waren im Jahr 2018 17 Prozent aller Unfälle schweizerischer Luftfahrzeuge auf Helikopter zurückzuführen. Laut der deutschen Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen weisen Helikopter – verglichen mit Tragflächenflugzeugen – eine deutlich höhere Unfallhäufigkeit auf. Die Flugphase, in der dabei die meisten Unfälle auftreten, ist der Start- und Steigflug. Auch der Helikopter von Bryant stieg nach den Daten von «Flightradar24» kurz vor dem Absturz noch auf eine Höhe von 600 Metern.
Bemerkung: Dieser Text enthält Material der DPA.