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Natürlich werde ich hier auch etwas fachsimpeln und unterhaltsame Geschichten an die Frau, respektive an den Mann bringen. Nun, denn… Wenn es unterhaltsam sein soll, dann belegt die Geschichte des Bier ganz bestimmt den ersten Rang. Viele Geschichten und «Fakten» werden zur Entstehung des ersten Bieres herumgereicht. Tatsache ist jedoch, dass sich das nicht so genau beantworten lässt.
Ackerbau macht Bier erst möglich
Grundvoraussetzung, um Bier zu brauen, war auf jeden Fall, dass das Nomadendasein aufgegeben werden musste. Nicht weil sich mit zu viel Bier weniger gut jagen und wandern lässt, sondern weil es für Bier Getreide braucht, was wiederum den Ackerbau und somit einen festen Wohnsitz vorrausetzt. Der Anbau von Gerste und Emmer ist um 7000 v.Ch. in der Region zwischen Euphrat und Tigris nachweisbar. Damit haben wir mindestens einen Fingerzeig, dass das erste Bier mit grosser Wahrscheinlichkeit ebenfalls in die Zeit um 7000 v.Ch. fällt. Also gibt es Bier in etwa seit rund 9000 Jahren.
Es wird vermutet, dass das erste Bier durch ein Versehen entstand. Wahrscheinlich wurde ein Stück Brot feucht, begann zu gären und der dabei entstandene Brei hatte eine berauschende Wirkung. Ob dies Geschichte vom Bäcker und seinem feuchten Brot nun stimmt oder nicht, spassig ist sie allemal. Wäre dann noch folgendes Rätsel zu lösen: Da auch ein grosser Löffel kaum ausreicht, um die berauschende Wirkung festzustellen, wer in aller Welt schaufelt eine halbe Schüssel Brot-Brei in sich hinein, nur um herauszufinden, ob das Ganze Wirkung zeigt? Aber wir lassen das…
Das Ur-Bier
In Vorderasien verstanden es allerdings manche Stämme schon bald, ein sogenanntes Ur-Bier herzustellen. Dabei wurde das Brot geröstet und anschliessend eingeweicht. Irgendwann vergor es und ergab ein trübes, aber nicht haltbares Bier. Über die Hefe und deren Wirkung wusste man damals noch nicht Bescheid. Sie befand sich im Brot und half, zusammen mit anderen durch die Luft schwirrenden Bakterien, das Ganze zur Gärung zu bringen. Ich kann mir recht gut vorstellen, dass das Bier mit geröstetem Brot wahrscheinlich gar nicht mal so schlecht schmeckte.
Bierbrauen ist Frauensache
Unabhängig davon kamen wohl die alten Ägypter darauf, Bier zu brauen. Das Backen und Brauen war damals übrigens Frauensache. Während sich Bier in Ägypten schon sehr bald etablierte und als Lohnbestandteil an Arbeiter ausgegeben wurde, bevorzugten die Römer nach wie vor Wein. Erst Julius Cäsar erkannte die Vorzüge des Bieres und machte es zum Proviant für seine Soldaten.
Auch bei den Germanen lag das Backen und Brauen noch in Frauenhand. Das änderte sich erst im Mittelalter, als die Klosterbrauereien immer wichtiger wurden. Da aber im Kloster gebraut wurde, waren die Brauer, selbsterklärend, Mönche und somit Männer. Brot und Bier waren die Grundnahrungsmittel der Mönche, welche in der Fastenzeit lediglich auf das Brot, nicht aber auf Bier verzichten mussten.
Mönche treiben die Braukunst voran
Mit der Zeit brauten die Mönche nicht nur für den Eigenbedarf, sondern verkauften ihr Bier auch an die umliegende Bevölkerung. Der Verkauf von Bier weit über die Klostermauern hinaus war allerdings auch die Geburtsstunde der Bier-Wissenschaft. Die damaligen Mönche entwickelten die Braukunst enorm. Der Braukessel, das Kühlschiff und schliesslich auf die Verwendung von Hopfen verdanken wir den Mönchen.
Die Möglichkeit, Bier dank der Verwendung von Hopfen haltbar zu machen, öffnete den «weltlichen» Bauern die Tore zum Bierbrauen. Ab jetzt konnte Bier nicht nur gelagert, sondern auch über weite Strecken transportiert werden. Zwischen dem 13. Und 16 Jahrhundert entstanden so zahlreiche Brauereien. Ein Grossteil des Bieres kann auf die Schiffe, da Bier länger haltbar war als Wasser, und so begann der weltweite Siegeszug des Bieres.
Ein neues Kapitel wird aufgeschlagen
In den 80er-Jahren des 20. Jahrhundert begann dann die Craft-Beer Bewegung, die dann, rund 20 Jahre später, auch auf Europa und damit natürlich auch auf die Schweiz überschwappte. Aktuell versucht Craft-Bier, sich aus seiner «Nische» zu zwängen, um seinen wohlverdienten Platz neben den kommerziell produzierten Bieren einzunehmen.
Nie war Biergeschichte so spannend wie heute, denn dank der Craft-Bier Bewegung wird ein neues, und sehr dickes Kapitel zur 9000 Jahre alten Geschichte angefügt. Und wir haben das Glück, es live mitzuerleben. Prost!