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Für manche ist «Monetarismus» ein Schimpf- und Kampfwort. Eine Idee also, mit der man sich nicht weiter auseinandersetzen muss. Tatsächlich steht das Wort aber für eine bedeutende Strömung in der Ideengeschichte der monetären Ökonomie, die unser Denken und die Praxis der Zentralbankpolitik nachhaltig beeinflusst hat.
Seine hohe Zeit hatte der Monetarismus in den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Prägende Figuren waren Leute wie Milton Friedman, neben ihm aber ebenso der bedeutende schweizerisch-amerikanische Ökonom Karl Brunner, der erst den Begriff Monetarismus geprägt hat, und dessen langjähriger Mitstreiter Allan Meltzer. Die monetaristische Theorie verstand sich als Reaktion auf den Keynesianismus, der die intellektuelle und wirtschaftspolitische Diskussion der ersten Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg dominierte. Unter dem Einfluss von John Maynard Keynes und seiner Nachfolger waren die 1960er und ’70er Jahre zu einer Periode des stabilitätspolitischen Machbarkeitsglaubens geworden, des Glaubens an die fast perfekte Beeinflussbarkeit von Konjunktur und Beschäftigung durch die Wirtschaftspolitik. Die «ursprünglichen» Keynesianer in den 1940er und ’50er Jahren lehnten die Geldpolitik als Instrument zur Beeinflussung der Realwirtschaft noch als weitgehend unwirksam und unbrauchbar ab, sie setzten ganz auf die Stabilisierungsrolle der Fiskalpolitik. Gegen diese Position kämpften die Monetaristen schon früh mit dem Schlagwort «money matters» an. Bis in die 1970er Jahre hatten die Keynesianer vor diesem Hintergrund ihren Glauben an die Geldpolitik zurückgewonnen – und diese nun ihrerseits, zusammen mit der Fiskalpolitik, zum fast allmächtigen Instrument einer perfekten Steuerung der Konjunktur durch den Staat erklärt. Gipfeln sollte diese Politik in der «Überwindung des Konjunkturzyklus».
Zentral für die damalige keynesianische Vorstellungswelt war die Idee einer stabilen, dauerhaften und somit wirtschaftspolitisch ausnutzbaren Rivalitätsbeziehung («Trade-off») zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit, die «langfristige Phillipskurve». Einflussreiche Keynesianer wie Paul Samuelson oder James Tobin machten die These populär, dass «etwas» Inflation als bescheidener Preis einer verminderten Arbeitslosigkeit zu akzeptieren sei. Den Inflationsprozess meinten sie dabei leicht unter Kontrolle halten zu können. Diese durch die spätere Erfahrung klar widerlegte Vorstellung war massgeblich dafür verantwortlich, dass die USA, und mit ihnen die gesamte Weltwirtschaft, in die «grosse Inflation» der 1970er Jahre hineinschlitterten, die in den USA erst mit der «Volcker Disinflation» in den frühen achtziger Jahren – und in manchen Ländern noch später – unter massiven volkswirtschaftlichen Kosten wieder ausgemerzt wurde. Diese Fehlentwicklung reflektierte die Tatsache, dass der damalige Keynesianismus für die Analyse der Inflation und der Inflationspolitik intellektuell überhaupt nicht gerüstet war. Er verkannte gänzlich die zentrale Bedeutung der Inflationserwartungen, unterschied kaum zwischen Nominal- und Realverzinsung und besass keine Instrumente zur Analyse von Prozessen der Erwartungsbildung. «Nichtmonetäre» Erklärungen der Inflation und mangelnde Unterscheidung zwischen einmaligen Einflüssen auf das Preisniveau (etwa einem Öl- oder Wechselkursschock) und andauernden Teuerungsprozessen spielten in dieser Zeit eine unglückliche und verwirrende Rolle.
Die Antwort der Monetaristen
Genau hier setzte die Kritik der Monetaristen ein. Wie Milton Friedman früh festhielt, sind andauernde Inflationsprozesse «immer und überall ein monetäres Phänomen». Eine zunehmende Inflation, so stellte Friedman fest, wirke nur vorübergehend stimulierend auf die Realwirtschaft. Sobald der Überraschungseffekt verflogen ist, entfällt diese Wirkung. Die negativen Folgen der höheren Inflation indessen bleiben bestehen. Die Reduktion der Inflation erfordert eine Drosselung der Geldversorgung und ist normalerweise mit einer Stabilisierungskrise verbunden. Bei all diesen Erkenntnissen handelte es sich nicht eigentlich um Neuentdeckungen, sondern vielmehr um eine Rückbesinnung auf «klassische» ökonomische Propositionen, die vorübergehend in den Hintergrund gedrängt worden waren, und ihre Wiederaufnahme in den Hauptstrom der ökonomischen Lehrmeinungen, zu dem sie seither wieder gehören. Bezüglich der Erwartungen postulierten Monetaristen wie Friedman oder Phillip Cagan Lernfähigkeit und ein Modell adaptiver Erwartungsbildung. Das heisst, dass beispielsweise die Inflationserwartung aufgrund der Inflationserfahrung der Vergangenheit gebildet wird – mit abnehmender Gewichtung weiter zurückliegender Perioden.
Eine besondere Bedeutung hatte für…