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Sempach
(Kt. Luzern,
Amt Sursee). 520 m. Gem. und kleine Stadt, am SO.-Ende des
Sempachersees und 2 km n. der Station
Sempach-Neuenkirch
der Linie
Olten-Luzern. Je ein Postbureau in der Stadt und beim Bahnhof. Telegraph, Telephon; Postwagen
nach der Station und nach
Neuenkirch. Gemeinde, mit
Kirchbühl,
Seesatz und zerstreut gelegenen
Höfen: 155
Häuser, 1028 kathol.
Ew.; Stadt: 92
Häuser, 605 Ew. Pfarrei. Die Bewohner beschäftigen sich hauptsächlich mit Landwirtschaft, Viehzucht und
Milchwirtschaft.
Die Korporation besitzt ausgedehnte und schöne Waldungen. Ferner wird etwas Kleingewerbe betrieben.
Die Auffuhr bei den sechs Jahrmärkten ist eher zurückgegangen.
Sempach ist Gerichtsort des Gerichtsbezirkes gleichen Namens.
Drei Primar- und eine Sekundarschule. Auf dem
Platz vor der Kirche steht das Denkmal zur Erinnerung an die Schlacht bei
Sempach
(1386), das anlässlich der Fünfjahrhundertfeier der Schlacht errichtet worden ist. Die Pfarrkirche
von
Sempach stand ehemals im
Kirchbühl, 1 km n. vom Städtchen.
Sie war dem h.
Martin von
Tours geweiht und mag schon im 10. Jahrhundert bestanden haben. Kirche und Kirchensatz gehörten 1288 der
Benediktiner-Abtei
Murbach im Elsass. Am vergabten Abt Wilhelm und der Konvent von
Murbach den
Pfarrsatz von
Sempach dem Kloster
St. Leodegar
zum Hof in Luzern,
welches Stift ihn bis heute beibehalten hat. Als sich die Bürgerschaft
im Städtchen mehrte, wurde hier eine
Kapelle zu Ehren des h. Märtyrers Stephan erbaut und darin Gottesdienst gehalten. 1477 nahm
der Leutpriester seinen Wohnsitz im Städtchen, worauf der Gottesdienst immer häufiger in die
Kapelle
verlegt wurde. 1752 weihte man einen neuen Friedhof ein. Mit dem Bau der neuen Kirche in
Sempach 1831 war die ehemalige Pfarrkirche
vom
Kirchbühl ins Städtchen verlegt.
mehr
Ueber die alte Geschichte von
Sempach ist sehr wenig bekannt, da im Jahr 1477 das ganze Stadtarchiv von den Flammen verzehrt
wurde. Nach dem Erlöschen der Grafen von Lenzburg kam
Sempach 1172 durch Erbschaft an die Kiburger und dann 1273 von diesen
an Rudolf von Habsburg, den künftigen König. Der älteste Schultheiss der Stadt findet sich im Jahr 1235 verzeichnet.
Sempach siegelte als «oppidum» schon in der Mitte des 13. Jahrhunderts.
Am wurde es von Luzern
ins Burgrecht aufgenommen, welchen Bund der zwei Städte Oesterreich im Frieden von 1394 anerkannte.
Durch Urkunde von 1415 sicherte Kaiser Sigismund der Stadt Luzern die frühern Herrschaftsrechte Oesterreichs
über
Sempach für alle Zeiten. Die politischen und bürgerlichen Rechte regelte das Stadtrecht. Anfänglich waltete im Namen
des jeweiligen Landesherrn der Schultheiss, welcher alljährlich zu Weihnachten durch die Bürgerschaft gewählt wurde. In
gemeinsamen Angelegenheiten handelten Schultheiss und Gemeinde. Als die Zahl der Bürger wuchs, gaben
sie sich einen aus 9 Mitgliedern bestehenden Rat. Die Vogtgerichtsbarkeit über die Fischereirechte und Frevel auf dem See
gehörte den herzoglichen Pflegern zu Rotenburg, die einen eigenen Untervogt für den See bestellten. Mit der Erwerbung Rotenburgs
ging das Recht der Seevogtei an Luzern
über. Der Seevogt wurde aus den Mitgliedern des Grossen Rates bestellt
und hatte seinen Sitz in
Sempach. Diese Ordnung der Dinge dauerte bis 1798.
Das Hauptfest von
Sempach ist die sog. Sempacher Schlachtjahrzeit, die alljährlich am ersten Montag nach St. Ulrichstag
zum Andenken an die ruhmreiche Schlacht von 1386 abgehalten wird. In wohlgeordnetem Zuge ziehen die Abgeordneten
der Regierung und Behörden, die Geistlichkeit, die Studenten und die zahlreiche Bürgerschaft, Musik an der Spitze, hinauf
aufs Schlachtfeld. Das Volk stellt sich beim Winkelriedstein auf, und der Beauftragte der Regierung hält eine Ansprache.
Nachher begibt man sich zur Schlachtkapelle, wo nach der Vorlesung des alten Schlachtberichtes für die
Gefallenen ein Gottesdienst gehalten wird, der in der Festpredigt, einem Hochamt und nachheriger Prozession besteht. Am gleichen
Tag werden für die Seelenruhe der Gefallenen mehrere Messen gelesen. Nach dem Gottesdienst ordnet sich der Festzug von neuem,
um ins Städtchen zurückzukehren, wo nun in der Festhütte am See die bürgerliche Feier mit Bankett,
Toasten und Musikvorträgen stattfindet. 2 km nö.
Sempach steht an der Strasse nach Hildisrieden in einer Höhe von 619 m
die Schlachtkapelle, die von der Bürgerschaft Luzerns an der Stelle errichtet wurde, wo mit Herzog Leopold die meisten Oesterreicher
fielen.
Sie ward bereits am unter dem Schutze des h. Jakobus des Aelteren eingeweiht und scheint zunächst
die Bestimmung einer Totenkapelle gehabt zu haben. Hier liegen die Körper aller derjenigen begraben, die bis 1429 nicht
abgeholt worden sind. Die Kapelle wurde von Zeit zu Zeit vergrössert und im
Jahr 1886 anlässlich der Fünfjahrhundertfeier
kunstgerecht renoviert. Es finden sich in ihr bildliche Darstellungen der Schlacht. Vergl. Bölsterli,
Jos. Urkundl. Geschichte der Pfarrei
Sempach (im Geschichtsfreund. 14 und 15, 1858/59). - Bölsterli, Jos. Sempach. (Heimatskunde
für den Kant. Luzern.
I). Luzern
1867. Der Name Sempach bezeichnet s. v. a. «mit Schilfrohr (sempt)
bewachsener Bach». Einzelfunde aus der Steinzeit zeugen für ehemals hier vorhandene Pfahlbauten.
Nahe der Schifflände hat man im See auch Gegenstände aus Bronze, sowie einen gut erhaltenen Bronzeschild aufgefunden. Verschiedene
Einzelfunde von römischen Münzen. Alemannengräber am Kirchbühl. 1260: Sempach.