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Die Alte Eidgenossenschaft ist Ursprung der 13 alten Orte und gründet auf der Entwicklung geheimer Bündnisse.
Was verbirgt sich wirklich hinter dem «Ewigen Bund» der alten eidgenössischen Kantone? Was haben Geostrategie, Wilhelm Tell und Schweizer Bürgerkriege wie der Alte Zürichkrieg damit zu tun? Und dank wem ist die Schweiz zur Wirtschaftsmacht Europas aufgestiegen?
Inhalte:
Der Begriff «Schweizerische Eidgenossenschaft» stellt die amtliche und offizielle Bezeichnung des direkt demokratischen und föderalistischen Staates Schweiz dar. Die heutige Schweiz, die im Jahr 1848 als Bundesstaat gegründet wurde, geht aus der Alten Eidgenossenschaft hervor, deren Geschichte bis zum 1. August 1291 zurückreicht. Der Gründungsmythos dieser "Alten Eidgenossenschaft" ist eng mit dem sogenannten → Rütlischwur verbunden, der den Beginn des „Ewigen Bundes“ der heutigen Schweiz markierte. Doch was davon ist tatsächlich passiert und was gehört eher ins Reich der Mythen und Legenden?
Mythos oder Geschichte?
Auch wenn die Gründungslegende dieser Alten Eidgenossenschaft einige mythische Elemente beinhaltet, geben viele Anhaltspunkte Aufschluss über den historischen Beginn des Schweizerischen Bundesstaates, der sich ursprünglich aus drei Kantonen auf heutigem Schweizer Territorium entwickelte.
Militärisches Bündnis:
Die Alte Eidgenossenschaft entstand aus zwei wesentlichen Gründen am 1. August 1291 mit dem als Bundesbrief bezeichneten Dokument, das die Rechtsordnung von drei benachbarten Gebieten sicherte: Schwyz (SZ), Uri (UR) und Unterwalden.
Das von Aufständischen der ländlichen bäuerlichen Bevölkerung initiierte lose Bündnis zwischen den drei an den Ufern des Vierwaldstättersees gelegenen Talschaften hatte einerseits eine politische und militärische Funktion. Ziel der Zusammenarbeit war es, mit vereinten Kräften das gemeinsame Territorium gegen die Herrschaft der Habsburger zu verteidigen.
Gefahr für die Urkantone:
Die Habsburger hatten nämlich im Frühjahr 1291 die Stadt Luzern erworben und sich im Gebiet der Innerschweiz auszubreiten versucht. Der Tod des Habsburgerkönigs Rudolf, der Schwyz noch im Februar 1291 die Unabhängigkeit zugesagt hatte, brachte eine für die Waldstätten und Urkantone unsichere politische Situation mit sich, die mit dem Bündnis der drei Orte stabilisiert werden sollte.
Geostrategische Bedeutung:
Die zweite wichtige Motivation zur Gründung der Alten Eidgenossenschaft bestand für die drei Orte darin, gemeinsam die Vorherrschaft über die strategisch und wirtschaftlich äusserst bedeutsame Verkehrsroute über den Gotthard zu sichern. Auf diese Weise sollten auch allfällige Besitzstreitigkeiten unter den drei Urkantonen verhindert werden.
Schweizer Nationalheld:
Wilhelm Tell ist der grösste Nationalheld der Schweiz. Doch gab es ihn wirklich? Oder ist er vielmehr ein Mythos?
Foto: Altdorf, Telldenkmal.
Quelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Photoglob AG (Zürich).
Die Legende des Freiheitskämpfers Wilhelm Tell spielt in der frühen Phase der Alten Eidgenossenschaft eine wichtige Rolle. Tell soll der Legende nach nämlich wesentlich dazu beigetragen haben, dass die vom römischen Kaiser übertragenden Autonomierechte und Privilegien der Alten Eidgenossenschaft erfolgreich gegen die Habsburger verteidigt wurden. Auffallend ist aber, dass andere Länder ähnliche Geschichten kennen (siehe auch: Chronicon Helevticum - 1:1 abgeschrieben?).
Bild: Rütlischwur, Tell’s Apfelschuss, Tellskapelle, Tell’s Sprung, Gessler’s Tod.
Quelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Photoglob AG (Zürich).
Keine Beweise für Tells Existenz:
Obwohl Wilhelm Tells Name laut Historikern in keinem zeitgenössischen Dokument Erwähnung fand, wird Tell seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in der Schweiz als grosser Nationalheld verehrt.
Quelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Photoglob AG (Zürich).
Bild: Tellskapelle am Vierwaldstättersee, Der Rütlischwur, Nach dem Gemälde von Dr. Stückelberg.
Noch heute streiten sich Historiker, ob der Ursprung und tatsächliche Gründungstag der Eidgenossenschaft auf 1291 oder 1307 zu datieren ist. Erwiesen ist aber, dass der Historiker Wilhelm Oechsli (1851-1919) eigenmächtig das Datum auf den 1. August festlegte. Doch wie entstand die Schweiz wirklich?
Foto: Tellspiele Altdorf, Werner Stauffacher, I.Besetzung.
Quelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Photoglob AG (Zürich).
Die Dreizehn Alten Orte:
Ab 1315 gelang es dem Heer der Alten Eidgenossenschaft zahlreiche wichtige Schlachten gegen Habsburg-Österreich für sich zu entscheiden. Die militärischen Erfolge führten im Laufe des 14. bis zum frühen 16. Jahrhundert zu einer ständigen territorialen Erweiterung der Eidgenossenschaft, die sich schliesslich aus den Dreizehn Alten Orten zusammensetzte.
Neben den drei Urkantonen Schwyz, Uri und Unterwalden schlossen sich zunächst auch die Städte Zürich, Bern und Zug sowie das Land Glarus und später die Städte Freiburg und Solothurn, Schaffhausen und Basel sowie das Land Appenzell dem Eidgenössischen Bund an. Daher auch die Bezeichnung der 13 Alten Orte.
Brüchiges Bündnis: Trotz des mit dem Rütlischwur festgelegten politischen Zusammenhalts des Staatenbundes wurde die Eidgenossenschaft in den Jahrhunderten nach ihrer Gründung wiederholt auf die harte Probe gestellt. Im Jahr 1440 brach zwischen Zürich, Glarus und Schwyz der Alte Zürichkrieg aus, nachdem der letzte Graf keine Erben hinterlassen hatte und die Nachfolge nicht gesichert war.
Die brutale Auseinandersetzung erschütterte die politischen Grundideale der Eidgenossenschaft und endete 1450 mit dem Sieg von Schwyz und Glarus und einem tiefen inneren Zerwürfnis. Nur der sogenannte „Stanser Verkommnis“ konnte im Jahr 1481 verhindern, dass die Alte Eidgenossenschaft wegen der Streitigkeiten zwischen den Städten und Ländern in viele Kleinstaaten zerfiel.
Reformation vs. Gegenreformation:
Die Zeit der Reformation, die in ganz Europa zu heftigen Glaubenskriegen führte, machte auch vor dem eidgenössischen Staatenbund nicht halt. Die schweizerische Reformation und die katholische Gegenreformation führte zu Bürgerkriegen im Land.
Grosse historische Figuren:
Aus der schweizerischen Reformation gingen letztendlich die evangelisch-reformierten Kirchen hervor. Die bedeutendsten und schillerndsten Persönlichkeiten der schweizerischen Reformbewegung waren Huldrych Zwingli, Johannes Calvin und Heinrich Bullinger.
Foto: Zwinglis Abschied, vor dem Kappeler Krieg.
Quelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Photographisches Institut der ETH Zürich.
Trotzdem lebten die Menschen innerhalb der Eidgenossenschaft wegen der religiösen Zerwürfnisse sowie aussenpolitischer Bedrohungen bis zum Jahr 1847 in einem ununterbrochenen Zustand des Bürgerkriegs.
Die Textil- und Uhrenindustrie brachte dem Bund der Nationalstaaten auf Schweizer Territorium grossen Wohlstand, einen wesentlichen Fortschritt als Exportland auf internationaler Ebene und die Gründung von einigen der bedeutendsten Schweizer Banken wie der SKA, dem Vorläufer der heutigen Credit Suisse.
Innenpolitische Wirren, die die Besetzung durch die Franzosen mit sich brachte, bedingte im frühen 19. Jahrhundert ein Umdenken der herrschenden Elite auf Schweizer Boden. Die Eidgenossenschaft war mit dem Anschluss des Tessins, der Romandie und den östlichen Gebieten ein mehrsprachiges Territorium geworden. Siehe: Amts- und Landessprachen der Schweiz.
Das Geschäft mit der Neutralität:
Das zwanzigste Jahrhundert brachte der neutralen Schweiz mit den beiden Weltkriegen eine Sonderstellung, die zu einer grossen Gefahr für die Eidgenossenschaft wurde. Als kleiner Staat inmitten von Nationen, die in die schlimmsten Kriege der Weltgeschichte verwickelt waren, behielt die Schweizer Eidgenossenschaft trotz der bedrohlichen aussenpolitischen Situation in beiden Weltkriegen ihre neutrale Position. Mehr zum Thema: Neutralitätspolitik à la Schweiz.
Vielsprachiger föderalistischer Staatenbund:
Der Schweizerische Bundesstaat gilt als einzigartiger föderalistischer Staatenbund auf Schweizer Art. Insgesamt existieren innerhalb der Eidgenossenschaft mit Rätoromanisch, Deutsch, Französisch und Italienisch heute vier offizielle und gleichbedeutende Amtssprachen. Hinzu kommen die zahlreichen, von Kanton zu Kanton unterschiedlich geprägten Dialekte der "Schweizerdeutschen Sprache". Die Schweiz bildet heute ein hoch interessanter Schmelztiegel unterschiedlicher sowie gemeinsamer kulturellen und historischen Strömungen und Hintergründe.
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(Last updated: 09.05.2016, 14:22 Uhr)