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Morton Neurom
01.04.2020
DEFINITION
Als Morton-Neurom wird ein Nervenkompressions-Syndrom zwischen den Köpfchen der Mittelfussknochen bezeichnet. Die Nerven am Vorfuss verlaufen zwischen den Mittelfussknochen. Auf Höhe der Köpfchen dieser Mittelfussknochen zieht der Nerv unter einem Band (Ligamentum intermetatarsale) durch, welches die Köpfchen miteinander verbindet. Im weiteren Verlauf teilt sich der Nerv in mindestens 2 Äste, einer in jede Zehe (Abb. 1). Der Nerv hat an dieser Stelle nur sehr wenig Platz. Bei einer Überlastung des Vorfusses (z.B. Spreizfuss, verkürzte Wadenmuskulatur) oder im engen Schuh können dann Schmerzen auftreten, da der Nerv bei jedem Schritt zu viel Druck erhält. Diese chronische mechanische Reizung führt zu einer Schwellung und Vernarbung sowie zu einer Grössenzunahme des Nervs. Das Platzproblem nimmt somit konstant zu. Da es sich beim Nerv um einen sensiblen und nicht einen motorischen Nerv handelt, treten keine Lähmungserscheinungen auf sondern nur Schmerzen und Gefühlsstörungen.
Am häufigsten sieht man das Morton-Neurom zwischen der dritten und vierten und zwischen der zweiten und dritten Zehe.
SYMPTOME
Das Beschwerdebild ist sehr vielfältig. Die meisten Patienten beschreiben Schmerzen im Fussballen unter den Köpfchen der Mittelfussknochen. Der Schmerz ist oft von stechendem und brennendem Charakter und wird als äusserst «giftig» empfunden. Gelegentlich wird auch über das Gefühl eines Fremdkörpers, Steinchens oder einer Falte unter dem Zehenballen berichtet. In der Regel treten die Schmerzen bei Belastungszunahme und in geschlossenen Schuhen auf. Oft zeigt sich eine Linderung, wenn die Schuhe ausgezogen werden und der Fuss etwas massiert oder gekühlt wird. Gelegentlich stellen die Patienten auch ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl an den Zehen fest. Typischerweise tritt ein plötzlicher, stechender Schmerz in Ruhe (z.B. nachts) auf, der nur kurz aber sehr heftig sein kann. In etwa 80% der Fälle sind die Symptome zwischen der dritten und vierten Zehe. Andere Lokalisationen sind eher selten.
UNTERSUCHUNG
Bei der Untersuchung zeigen sich Schmerzen bei Druck zwischen den Köpfchen der Mittelfussknochen und bei seitlichem «Quetschen» der Mittelfussknochen. Gelegentlich lässt sich eine verminderte Sensibilität in den Zehen feststellen.
Ein Röntgenbild erstellen wir in der Regel, um die knöcherne Situation zu beurteilen. Dabei kann festgestellt werden, wie die Mittelfussknochen stehen und ob sie vermehrter Belastung ausgesetzt sind. Gelegentlich führen wir ein MRI durch. Dort können Verdickungen der Nerven festgestellt werden (Abb. 2).
Am aussagekräftigsten ist eine Testinfiltration mit Lokalanästhetikum. Diese kann in der Sprechstunde durchgeführt werden.
BEHANDLUNG
A) Nicht operativ
Konservative Behandlungen können je nach Ausmass der Beschwerden versucht werden. Im Vordergrund steht dabei die Reduktion der Vorfussüberlastung mit angepasstem Schuhwerk, ggf. Einlagen und ggf. Physiotherapie bei verkürzter Muskulatur.
Zusätzlich kann die Infiltration mit Zugabe von Cortison durchgeführt werden. Wir nehmen an, dass dies zu einer Entzündungshemmung und Abschwellung der Nervenverdickung führt und im besten Fall verschwinden die Beschwerden sogar für einige Monate oder länger. Eine Infiltration mit Cortison kann nicht beliebig wiederholt werden, erfahrungsgemäss nimmt die Wirkung jedes Mal ab. Wir empfehlen maximal zwei Infiltrationen pro Morton-Neurom.
B) Operativ
Wenn die konservativen Massnahmen ausgeschöpft sind und die Beschwerden trotzdem anhalten, ist die Operation eine sinnvolle Behandlung. Dabei kann der Nerv entlastet, d.h. die Engstelle erweitert und das Neurom zusätzlich entfernt werden. In der Regel führen wir beide Eingriffe durch, da es oft nicht ausreicht lediglich die Engstelle zu erweitern. Dabei wird der Nerv im Bereich der Verzweigung dargestellt und die Äste zu den Zehen und der Ast zwischen den Mittelfussknochen freigelegt, sodass ein genug langes Stück entfernt werden kann.
Dies ist wichtig, um ein erneutes «Zusammenfinden» der Nervenenden zu vermeiden. Dabei wird in Kauf genommen, dass anschliessend eine Gefühlsstorung/Taubheit in den Zehen entsteht, dafür bestehen keine Schmerzen mehr. Diese Gefühlsstörung ist am Anfang gewöhnungsbedürftig, stört die Patienten erfahrungsgemäss aber nicht.
Die Operation ist in über 80% der Fälle erfolgreich, manchmal bildet sich jedoch wieder ein neues Neurom.
RISIKEN UND KOMPLIKATIONEN
Komplikationen und Risiken können während oder nach der Operation auftreten und den Heilungsverlauf verzögern oder eine weitere Operation notwendig machen. Sie sind bei Operationen nie ganz auszuschliessen, auch wenn sie bei Fusseingriffen selten sind. Zusammengefasst sind dies:
- Wundheilungsstörungen
- Infektionen
- Gefässverletzungen, Nachblutung, Bluterguss, Blutverlust
- Verletzung von Nerven
- Rezidiv (erneutes Auftreten)
- Thrombose, Embolie
- Restbeschwerden
NACHBEHANDLUNG
Die Operation ist nur ein Teil der ganzen Behandlung. Wesentlich zum Gelingen trägt die Nachbehandlung bei. Es ist wichtig, dass Sie wissen, was Sie beachten und eventuell vermeiden sollten.
Verband und Wundpflege
Während der Zeit im Spital wird Ihnen gezeigt, wie die Wunde zu pflegen ist. Solange die Wunde noch nicht ganz trocken ist (Wundsekret/Blut), sollte der Verband täglich gewechselt werden. Verwenden Sie keine Salben oder Puder direkt auf der Wundfläche, solange die Fäden noch nicht entfernt wurden! Eine Desinfektion ist nicht notwendig. Entfernen Sie immer den ganzen Verband beim Wechsel. Der neue Verband muss trocken sein und darf nicht verrutschen.
Wenn die Wunde trocken ist, reicht ein normales Pflaster (Schnellverband). Eine elastische Binde kann das operierte Areal etwas schützen und polstern. Die noch vorhandene Schwellung wird dadurch auch reduziert. Wenn Sie nicht sicher sind, ob alles normal ist, können Sie sich an Ihren Hausarzt oder direkt an uns wenden.
Die Fäden können ca. 2 Wochen nach der Operation entfernt werden, in der Regel geschieht dies durch den Hausarzt.
Schwellung und Schmerzen
Nach einer Operation ist der betroffene Fuss stets mehr oder weniger geschwollen. Diese Schwellung kann über Wochen (bis zu 6 Monaten) immer wieder auftreten. Die wirkungsvollste Massnahme ist das Hochlagern des Beines. Es ist sinnvoll, sich mehrmals am Tag zu bewegen (Gehen, weniger Stehen) aber nur für kurze Zeit. Wenn der Fuss spannt und zu schmerzen beginnt, ist dies ein Zeichen, das Bein wieder hoch zu lagern.
Wichtig zu wissen ist, dass generell nach Fussoperationen eine Schwellungsneigung des Fusses besteht. Diese Reaktion ist normal und verschwindet nach 6 bis 12 Monaten wieder.
Schmerzen im operierten Fuss können aber trotz dieser Massnahmen in den ersten Tagen und Wochen nach der Operation auftreten. Dagegen können Sie die von uns mitgegebenen Schmerzmittel einnehmen.
Belastung
Grundsätzlich ist die Belastung des Fusses nach einer Morton-Neurom-Exzision erlaubt. Zum Schutz und zur Vereinfachung der Mobilität haben Sie einen speziellen Schuh erhalten (Abb. 4). Dieser verhindert das Abrollen und schont die Wunde auch bei Vollbelastung. Er sollte in den ersten 2 Wochen bis zur sicheren Wundheilung getragen werden. Danach kann er je nach Beschwerden mehr und mehr weggelassen werden.
Vollbelastung
Sobald es die Schmerzen zulassen, können Sie den Fuss voll belasten. Es ist mindestens zu Beginn sinnvoll die Gehstöcke zur Gangsicherheit zu benutzen.
Körperpflege
Solange die Fäden noch in der Wunde sind, d.h. in der Regel in den ersten 2 Wochen, sollte der operierte Fuss mit einem Plastiksack geschützt werden. Sobald die Hautfäden entfernt sind, können Sie ohne weitere Vorsichtsmassnahmen duschen und baden.
Thromboseprophylaxe
Die Thromboseprophylaxe beginnt schon während dem Spitalaufenthalt. Je nach Operation muss diese Prophylaxe weitergeführt werden. In den meisten Fällen kommen bei uns Clexane 40-mg-Fertigspritzen zur Anwendung. Sie werden einmal täglich vom Patienten selbst verabreicht. Sie werden während Ihres Aufenthaltes von unserem Pflegepersonal instruiert.
Die Spritzen müssen bei diesem Eingriff 10–14 Tage verabreicht werden. Nach dieser Zeit sollte eine Vollbelastung und stockfreies Gehen möglich sein.
Arbeitsfähigkeit
Nach einer Operation ist eine Ruhephase wichtig. In den ersten 2 Wochen sollten Sie sich schonen, stehende Arbeit ist nicht möglich. Wie lange Sie vollständig arbeitsunfähig sein werden, hängt von Ihrem Belastungsprofil ab. Es ist meistens auch möglich, zusammen mit dem Arbeitgeber vorübergehend eine weniger belastende Arbeit zu finden. So ist eine frühe Wiederaufnahme der Arbeit möglich.
Das Arbeitsunfähigkeitszeugnis, welches Sie von uns erhalten, ist eine vorläufige Einschätzung. Das Zeugnis kann verlängert werden, sollten Sie nach Ablauf dieser Zeit noch nicht in der Lage sein, die Arbeit wieder aufzunehmen. Sollte dies der Fall sein, melden Sie sich bei Ihrem Hausarzt oder bei uns.
Wenn Sie sich vor Ablauf dieser Zeit bereits wieder voll arbeitsfähig fühlen, können Sie die Arbeit auch vorher schon wieder aufnehmen.
Autofahren
Ab wann Sie wieder Auto fahren können, hängt davon ab, wie schnell sie sich nach der Operation erholen. Solange der Spezialschuh getragen wird und/oder Gehstocke benutzt werden, sollten Sie auf das Autofahren verzichten. Wann die Fahrtüchtigkeit wieder gegeben ist, liegt im eigenen Ermessen. Wir empfehlen im Zweifelsfalle oder bei Unsicherheit das Auto noch stehen zu lassen.
Nachkontrollen
In der Regel können bereits vor der Nachkontrolle wieder eigene Schuhe getragen werden. Wir empfehlen zu Beginn Schuhe mit eher fester Sohle und weichem Oberleder. Sechs Wochen nach der Operation wird eine klinische Kontrolle bei Ihrem Operateur erfolgen. Sportliche Aktivitäten können danach zunehmend aufgenommen werden und meistens schliessen wir die Behandlung bereits wieder ab.
Wie bei allen Operationen an den Füssen, kann eine Schwellung im Operationsgebiet über mehrere Wochen anhalten. Es besteht dabei häufig ein Spannungsgefühl im Fuss.
Auch können nach der Operation noch gelegentlich einschiessende Schmerzen in den Zehen auftreten, vergleichbar mit einem Phantomschmerz. Dieses Phänomen verschwindet aber sehr rasch.