Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03144.jsonl.gz/1755

| Dionysius Areopagita, ps. (geschrieben vor 476) - Kirchliche Hierarchie (De ecclesiastica hierarchia)

7. Kapitel: Über die heiligen Gebräuche bei der Bestattung der Toten
III. Betrachtng
§ 8.
1) Nach dem Gebete küßt der Bischof und dann jeder Anwesende den Entschlafenen.
2) Darauf gießt der Bischof das heilige Öl über ihn. Die Zeremonie bedeutet die glückliche Vollendung des geistlichen Kampfes, für welchen einst der Täufling mit demselben Öle gesalbt wurde.
Aber laßt uns zu den Zeremonien zurückkehren, welche an das erwähnte Gebet sich anschließen. Hat nämlich der Hierarch dasselbe beendigt, so küßt er selbst sowohl wie alle Anwesenden der Reihe nach den Entschlafenen. Denn lieb und wert ist allen, die Gottes Bild in sich tragen, wer in einem göttlichen Leben vollendet hat1. Nach dem Friedenskusse gießt der Hierarch auf den Verstorbenen das Öl2. Erinnere dich aber, daß bei der heiligen Geburt aus Gott vor der göttlichsten Taufe dem Täufling als erste Teilnahme an dem heiligen Symbol, nach dem vollständigen Ablegen der früheren Kleidung, das Salböl gewährt wird, während das Öl jetzt am Ende von allem über den Entschlafenen ausgegossen wird. Damals rief die Salbung mit Öl den Taufkandidaten zu den heiligen Kämpfen, jetzt bezeichnet das aufgegossene Öl, daß der Entschlafene in den heiligen Kämpfen gerungen habe und vollendet worden sei.
1: Während spätere Kanones (vgl. Conc. Antissiod. c. 12) es strenge untersagen, dem Toten den Friedenskuß zu geben, erscheint diese Sitte bei D. ganz unbeanstandet.
2: Die rituelle Salbung der Leiche war noch auf dem Konzil von Florenz Gegenstand der Verhandlung.