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Von der Notwendigkeit der Immunsuppression - Medikamenteneinnahme nach Transplantation
Die Transplantation solider Organe ist eine der beeindrucksten Fortschritte in der Geschichte der Medizin. Mittlerweile ist die Transplantation solider Organe ein akzeptiertes Verfahren bei fortgeschrittenem und progressivem Organversagen. Die absolute Voraussetzung für die erfolgreiche Organtransplantation ist die iatrogene Unterdrückung des Immunsystems beim Organempfänger, um die sogenannte genetische Kompatibilitätsbarriere zwischen Organspender und Organempfänger zu überwinden.
Erste Lebertransplantation 1967
In der frühen Ära der Organtransplantation in den sechziger Jahren wurde die erste Nierentransplantationen nur mit pharmakologischer Immunsuppression durchgeführt, und 1967 führte der US-Amerikaner Thomas Starzl die erste Lebertransplantation mit Erfolg durch, ebenso entwickelte er das Konzept der Kombination („Cocktail“) von mehreren immunsuppressiven Medikamenten, um die Wirkung der Arzneimittel zu verstärken und deren Nebenwirkungen zu verringern. Aber erst die Entdeckung der immunmodulatorischen Eigenschaften von Ciclosporin durch den Schweizer Arzt Jean Borel im Jahr 1977 wurde die moderne Ära der Transplantation eingeleitet, es war einer der bedeutensten Meilenstein in der Anwendung von Immunsuppression in der Transplantationsmedizin.
Entdeckung des Ciclosporin
Im Jahr 1983 wurde Ciclosporin unter dem Namen “Sandimmun” von der amerikanischen Arzneimittelbehörde als immunsuppressives Medikament für die klinische Anwendung bei Patienten zugelassen, und somit die Voraussetzung für den Einsatz im klinischen Alltag im Bereich der Transplantation gegeben. Obwohl erst die Verwendung von Immunsuppression eine Transplantation möglich macht, indem die Abstossung des transplantierten Organs verhindert wird, erhöht sich auf der anderen Seite die Infektanfälligkeit beim Organempfänger, eine medikamentöse Infektprophylaxe ist daher unumgänglich.
Nebenwirkungen
Eine Vorbeugung sowohl gegen Bakterien als auch Viren, aber auch eine Pilzprophylaxe sind indiziert. Aber auch andere Nebenwirkungen der Immunsuppression sind keine Seltenheit. Eine grosse Mehrzahl der Patienten entwickelt nach der Transplantation einen erhöhten Blutdruck, der bei sehr vielen Patienten eine medikamentöse Blutdrucksenkung nötig macht. Als Nebenwirkung der Calcineurininhibitor Therapie tritt bei mehr als einem Drittel der organtransplantierten Patienten im Laufe der Jahre nach Transplantation eine chronische Nierenerkrankung auf, allerdings sind nur bei einer Minderheit der Patienten im Langzeitverlauf Nierenersatzverfahren notwendig. Weitere mögliche Nebenwirkungen der Immunsuppression sind Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus und Tumoren (Lymphdrüsenkrebs, Hauttumoren).
Wenige Transplantationen
Obwohl als Therapie akzeptiert, ist die Transplantation solider Organe immer noch ein relativ selten durchgeführtes Verfahren. In der Schweiz wurden 2008 insgesamt 459 Patienten transplantiert im Vergleich zu 418 Patienten in 2007. Im Jahr 2008 gab es in der Schweiz 90 Leichen- und 128 Lebendspender.
Lange Wartelisten
Leider ist auch die Zahl der Wartelistenpatienten in der Schweiz wie auch in vielen anderen Ländern noch weiter angewachsen: von 870 Patienten in 2007 auf über 900 Patienten am 31.12.2008. In der Schweiz wurden im Jahr 2008 am häufigsten Nieren transplantiert (N=286), alle anderen Organ wurden deutlich seltener transplantiert: 95 Lebertransplantationen, 40 Lungen-, 29 Herz- und 28 Pankreastransplantationen.
Gute Resultate
Die Resultate in der Schweiz nach Organtransplantation sind generell vergleichbar oder sogar besser im Vergleich zu internationalen Daten, allerdings sind Resultate organspezifisch unterschiedlich und können von einem Zentrum zum anderen Zentrum variieren. Der funktionelle Status von Organempfängern ist meist auch viele Jahre nach der Transplantation exzellent, viele Patienten kehren – zumindest teilzeit – in das Berufsleben zurück. Die Lebensqualität der Patienten nach Transplantation ist im Allgemeinen ausgezeichnet.
Dr. med. Christian Benden
Klinik für Pneumologie
Universitätsspital Zürich