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Fast eines von zwei Freiburger Unternehmen hat 2021 nach der Rezession 2020 einen Aufschwung erlebt. Zu Beginn des Geschäftsjahrs schienen sich die Aussichten endlich aufzuhellen, aber die Invasion der Ukraine durch Russland macht die Perspektiven wieder unsicher. Der Anstieg der Preise für Rohstoffe und die mehrfachen Unterbrüche der Lieferketten stellen den Alltag einer grösseren Anzahl von Freiburger Unternehmen auf den Kopf. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt bleiben die Aussichten sowohl im Hinblick auf die Umsätze als auch bezüglich Investitionen immer noch relativ stabil. Was die Arbeitsplätze anbelangt, zeigen die Zahlen sogar klar nach oben. Die Gewinne dürften geringer ausfallen, vor allem in der Industrie und in der Baubranche.
Diese Einschätzung stützt sich auf die HIKF-Konjunkturumfrage vom Frühling 2022, die vom 28. Februar bis 28. März durchgeführt wurde und an der sich 262 Unternehmen beteiligten (39% im Sekundär- und 61% im Tertiärsektor), die gegen 16’000 Arbeitsplätze vertreten. Die 9500 Arbeitsplätze, die in der Industrie und in der Baubranche vertreten sind, entsprechen einem Viertel sämtlicher Arbeitsplätze des Sekundärsektors im Kanton.
2021: eine angenehme Überraschung
Letztes Jahr wiesen 49% der Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligt haben, steigende und 21% sinkende Umsätze aus (bei den übrigen 30% blieben die Umsätze stabil). Was die Rentabilität betrifft, so konnten 41% ihre Gewinne erhöhen, bei 31% blieben sie stabil und 28% mussten einen Rückgang in Kauf nehmen. Diese Prozentsätze sind in Bezug zu setzen zu den im Februar/März 2021 geäusserten Erwartungen: Weniger als ein Drittel der Unterneh-men erwarteten einen Anstieg ihrer wirtschaftlichen Tätigkeiten und nur ein Viertel ging von einer höheren Rentabilität aus. 44% der Unternehmen schätzen das Geschäftsjahr als «gut bis sehr gut» ein und 29% bezeichnen es als «stabil». Ein gutes Viertel (27%) und darunter oft Unternehmen, die von den Restriktionen direkt betroffen waren oder Geschäftsbeziehungen zu Akteuren unterhalten, die von Schliessungen betroffen waren, haben allerdings ein «schwieriges bis sehr schwieriges» Jahr hinter sich.
2022: zwar solide, aber mit grossen Unbekannten
Alles in allem schätzen 38% der Unternehmen das laufende Jahr immer noch als «gut bis sehr gut» ein, und nur 16% sind der Meinung, das Jahr werde «schwierig bis sehr schwierig». Das Geschäftsvolumen sollte sich gut entwickeln (44% rechnen mit einem Anstieg der Verkäufe, nur 17% befürchten einen Rückgang), aber die Gewinne können dieser Tendenz nicht vollumfänglich folgen: 37% veranschlagen einen Anstieg, 42% erwarten gleichbleibende Gewinne und 22% gehen von rückläufigen Gewinnen aus. In der Industrie und in der Baubranche werden sich die Preisanstiege und Verknappungen negativ auswirken: Nur 30% der Unternehmen rechnen mit einer steigenden, und 48% mit einer gleichbleibenden Rentabilität. Die allgemeinen Erwartungen könnten sich allerdings erheblich verdüstern, falls die Sanktionen gegenüber Russland erweitert werden und auch Gas- und Benzinlieferungen betroffen sein sollten.
Investitionen: Es sieht gut aus
Was die Investitionen anbelangt, so haben 30% der Unternehmen ihre Budgets für das Jahr 2022 erhöht, 51% haben sie unverändert belassen und 20% haben sie reduziert. Die Zahlen sind vergleichbar mit jenen, die vor dem Auftreten von Covid erhoben wurden und die 2020 zu zahlreichen Investitionsaufschüben führten. Fast 90% der Investitionen sollen in der Schweiz getätigt werden.
Der Arbeitsmarkt zieht weiter an
Nach einem sehr markanten Aufschwung des Freiburger Arbeitsmarkts 2021 plant ein erheblicher Teil der HIKFMitgliedsunternehmen, auch dieses Jahr Stellen zu besetzen: 28% der Unternehmen beabsichtigen, Arbeitsplätze zu schaffen, während nur 5% einen Abbau planen. Die Aussichten für den Sekundärsektor sind nur leicht schlechter (26% der Unternehmen sehen zusätzliche Stellen vor und 7% wollen den Bestand abbauen).
Sorgenbarometer: Umgewichtung
Während die allgemeine konjunkturelle Situation wie schon letztes Jahr die Hauptsorge der HIKF-Mitglieder darstellt (57% setzen diesen Punkt an die erste Stelle), werden künftig zwei weitere grosse Probleme den Alltag der Freiburger Unternehmen prägen: Rekrutierungsschwierigkeiten (47% der antwortenden Unternehmen führen diesen Punkt an) und die Rohstoffpreise (41%). In den Branchen Industrie und Bau steht dieser Punkt sogar an erster Stelle (67%), noch vor der konjunkturellen Entwicklung (55%) und Neueinstellungen (50%). Die in den letzten Jahren systematisch an erster Stelle genannten Sorgen wie Konkurrenz und Akquise von neuen Kunden wurden in der Rangliste zurückgestuft.
ESG-Zertifizierungen, Stand der Dinge
ESG-Zertifizierungen (ESG steht für Environment Social Governance, die Zertfikate werden verliehen für eine ökologische, soziale und ethisch verantwortliche Firmenpolitik) sind mit den Jahren immer wichtiger geworden; in der HIKF-Umfrage vom Frühling 2022 wurde ihnen deshalb eine spezielle Rubrik gewidmet. Fast zwei Drittel der Mitgliedsunternehmen halten diese Zertifizierungen für wichtig bis sehr wichtig oder sogar unumgänglich. Zwei Hauptgründe werden angegeben, weshalb auf sie zurückgegriffen wird: das Image des Unternehmens (77% der Anwortenden) und die Erwartungen von seiten der Kunden (59%). Das grösste Hindernis stellen die Kosten für diese Zertfizierungen dar.
Der Prozentsatz von Unternehmen, die der Meinung sind, die sozialen oder umweltbezogenen Zertifizierungen seien «unwichtig», beträgt 36%. Die Meinung wird stärker von kleinen Unternehmen (weniger als 30 Angestellte) vertreten, hier beträgt der entsprechende Prozentsatz 46%. Der Anteil von Unternehmen mit 30 bis 100 Angestellten, die diese Art von Zertifizierungen nicht für ausgesprochen wichtig halten, macht einen Viertel aus, während es bei Grossbetrieben noch 6% sind. 63% setzen weniger als 5000 Franken für diese Labelisierungen und Prüfungen ein, 11% wenden über 30’000 Franken auf. Im Sekundärsektor ist es immerhin eines von sechs Unternehmen, das mindestens die zuletzt genannte Summe für die ESG-Zertfizierungen aufwendet.
Das Image des Unternehmens und die Erwartungen von seiten der Kunden sind klar die wichtigste Motivation, den Prozess im Gang zu setzen, aber auch die persönliche Übezeugung spielt bei 39% der Unternehmen eine Rolle. Die oft als hoch eingeschätzten Kosten wirken bei 53% der Unternehmen allerdings als Bremse, und 40% geben an, der Aufwand, der intern betrieben werden müsste, sei zu hoch. Ein weiteres Hindernis ist die Unternehmensgrösse: 49% der Unternehmen mit weniger als 30 Angestellten sind zurückhaltend. Gegenwärtig verzichten 47% der Unternehmen darauf, von ihren Lieferanten eine Zertifizierung zu verlangen. In der Industrie beträgt der entsprechende Prozentsatz aber nur 37%. Die Zahlen lassen deutlich vermuten, dass die Wichtigkeit dieser Zertifizierungen in den kommenden Jahren zunehmen wird.