Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03290.jsonl.gz/2187

Klassifizierung & Märkte
Der Leistungsauftrag
Öffentliche Schlachtviehmärkte
Die überwachten öffentlichen Schlachtviehmärkte konnten planmässig durchgeführt werden. Praktisch während des ganzen Jahres herrschte auf den Rindvieh- und Schafmärkten eine hohe bis sehr hohe Nachfrage.
Anzahl Tiere auf öffentlichen Märkten
|2021
|2022
Rindviehmärkte
Schafmärkte
Anzahl Märkte
Marktentwicklung
Rinder und Kühe
Im Jahr 2022 konnten an den öffentlichen Märkten konstante Preise realisiert werden. Die Schlachtungen innerhalb der Rindviehgattung blieben auf dem Vorjahresniveau und der Kuhbestand ist im Vergleich zum Vorjahr nur minimal gesunken. Die anhaltende Trockenheit im Juli und im August bedeutete jedoch eine Herausforderung für die Rindviehhalter: Futter für die Tiere wurde knapp und in gewissen Regionen mussten die Tiere früher von der Alp abgezogen werden. Diese Mehrauffuhren im August hatten einen Einfluss auf die Schlachtviehpreise. Dank der hohen Nachfrage erholte sich der Preis jedoch rasch wieder.
Kälbermarkt
Der Bankkälbermarkt verlief so ruhig wie noch nie. Die Marktentlastungsmassnahme der vergangenen Jahre war im Jahr 2022 nicht notwendig, im Gegenteil: Die Nachfrage war im ganzen Jahr hoch. Gerade in der Gastronomie war das Kalbfleisch gesucht.
Schweinemarkt
Das Überangebot an Schweinefleisch erreichte ein noch nie dagewesenes Hoch. Nach bereits tiefen Preisen im Jahr 2021 geriet der Schweinemarkt Ende 2022 stark unter Druck. Trotz weiter sinkender Nachfrage im Spätsommer blieb die Inlandproduktion in der zweiten Jahreshälfte hoch. Die Verarbeiter hatten ihre Lager bereits gefüllt und konnten die Schlachtungen nicht ausweiten. Die Preise sanken auf 3 Franken je Kilogramm Schlachtgewicht. In der Folge wurden die Schlachtschweine in den Ställen immer schwerer und die Situation eskalierte im November. Um Tierschutzprobleme zu verhindern, beschloss die Branche verschiedene Massnahmen zur Marktentlastung. Ab Dezember wurde unter der Leitung von Suisseporcs ein Krisenstab eingesetzt, welcher zwei Massnahmen zur Entlastung des Schweinemarktes einleitete:
- Einsatz der Beihilfe Viehwirtschaft für eine Entlastung des Schweinemarkts
- Export von Schweinehälften in den europäischen Raum
Mit diesen zwei Massnahmen wurden bis Ende 2022 erfolgreich etwa 20’000 Schweine aus dem Markt genommen.
Schafmarkt
Der Schafmarkt war in der ersten Jahreshälfte sehr ruhig. Im Herbst wurden sehr viele Tiere auf den Märkten aufgeführt. Viele Tiere mussten zugeteilt werden und der Preis wurde entsprechend angepasst.
Neutrale Klassifizierung in den Schlachtbetrieben
Der Geschäftsbereich Klassifizierung & Märkte führte die neutrale Qualitätseinstufung 2022 in 22 Schlachtbetrieben durch. Der Stundenaufwand für die Qualitätseinstufung stieg gegenüber dem Vorjahr leicht an.
Neutrale Klassifizierung Schlachtkörper 2022
|Anzahl Schlachtungen
|Klassifiziert durch Proviande
|Anteil klassifiziert in %
|Grossvieh
|404'760
|354'439
|87,6%
|Kälber
|188'267
|167'340
|88,9%
|Schweine
|2'542'372
|2'340'746
|92,1%
|Schafe
|228'556
|139'024
|60,8%
Marktentlastung
Der Schweinemarkt war von einem erheblichen strukturellen Überschuss gekennzeichnet und rutschte im zweiten Halbjahr 2022 in eine massive Krise. Um den tierschutzrelevanten Überhang von geschätzten 50’000 Schweinen abbauen zu können, wurden Ende Jahr mit rund 1,9 Millionen Franken Bundesmitteln 570 Tonnen Schweinefleisch (= 14’497 Schweine) eingelagert.
Kontrolle der Ermittlung des Schlachtgewichts
2022 war das vierte volle Kalenderjahr, in welchem Proviande im Auftrag des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) die Einhaltung der Ausschlachtungsbestimmungen überwachte. Es zeigt sich, dass mit der Umsetzung dieses Auftrages in der Praxis das angestrebte Ziel erreicht werden konnte. Für alle Schlachtbetriebe gelten gleich lange Spiesse, was wesentlich zur hohen Akzeptanz des Verfahrens in der Branche beiträgt. So musste im Jahr 2022 ein einziger fehlbarer Schlachtbetrieb an das BLW gemeldet werden, welches in der Folge eine Untersuchung eröffnete.
Umfangreiche Projekte
Vermeidung des Schlachtens von trächtigen Rindern und Kühen
Die erste Regelung wurde 2017 in der Branche eingeführt und aufgrund der Erfahrungen in der Praxis von der Arbeitsgruppe überarbeitet. Mit zusätzlichen Massnahmen und Präzisierungen in der von der Branche verabschiedeten Fachempfehlung soll die unbegründete Schlachtung von trächtigen Tieren weitgehend verhindert werden. So wird seit dem 01.02.2022 zur Schlachtung eines trächtigen Tieres ein tierärztliches Attest benötigt, zudem wird eine Gebühr von 200 Franken für die unbegründete Schlachtung eines trächtigen Tieres erhoben.
Klassifizierungsgerät für Haartiere
Nach einer erfolgreichen Validierung im Vorjahr und der offiziellen Zulassung durch das BLW wurde im Januar 2022 im Schlachthof St. Gallen das erste vollautomatische Klassifizierungsgerät BCC-3 in Betrieb genommen. Gemäss dem Ergebnisbericht aus der Validierung erfolgte der Betrieb unter ständiger Überwachung eines Klassifizierers von Proviande. Dadurch können allfällige Betriebsunterbrüche und die Klassifizierung von Schlachtkörpern, die ausserhalb der Norm liegen, sichergestellt werden. Die Resultate aus den periodischen Überwachungen sind erfreulich. Das Gerät arbeitet zuverlässig und konstant.
Stefan MusterGeschäftsbereichsleiter Klassifizierung & Märkte
Der Geschäftsbereich Klassifizierung & Märkte führt im Auftrag des Bundes die neutrale Qualitätseinstufung von Lebendtieren und Schlachtkörpern durch, überwacht die öffentlichen Schlachtviehmärkte und kontrolliert die Ermittlung des Schlachtgewichts. Zudem engagiert er sich bei der Aus- und Weiterbildung von Landwirten und bringt sein Know-how in diversen internen und externen Projekten ein.
Nach langjähriger Führung übergab Peter Schneider Mitte Jahr die Leitung des Geschäftsbereichs K&M an Stefan Muster. Am 01.01.2022 hat zudem der Ausbildungsstab seine Tätigkeit aufgenommen: Ziel dieses Stabes ist es, den Austausch aller Klassifizierer zu fördern und die Ausbildungen über die gesamte Schweiz zu koordinieren und bei Bedarf anzupassen.