Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03486.jsonl.gz/2747

In der Welt des Jazz gibt es kaum einen anderen Musiker, der ein so wechselvolles Leben gehabt hätte wie der 1988 im Alter von 58 Jahren verstorbene Chet Baker.
Mit seinem feinfühligen Trompetenspiel und melancholischen Gesang ist Chet Baker bereits mit 23 Jahren ein Superstar. Erfahrungen mit harten Drogen bringen den jungen Mann aus Oklahoma allerdings auch schon früh mit dem Gesetz in Konflikt. Verhaftungen, Gefängnisaufenthalte und finanzielle Problemen häufen sich, bis in den sechziger Jahren der eigentliche Absturz beginnt, der damit endet, dass Baker in einer Schlägerei mit Junkies im Jahre 1966 seine Vorderzähne verliert und nicht mehr Trompete spielen kann. Ganz unten angekommen, begibt sich die einstige Ikone des Cool-Jazz in ein Methadonprogramm, lässt sich von Musikerfreunden eine dringend notwendige Operation bezahlen und beginnt, mit einer Zahn-Prothese wieder zu üben. 1973 gelingt Baker ein viel beachtetes Comeback. Obwohl er seine Drogensucht nie ganz überwindet, bleibt er bis zu seinem Tode im Jahre 1988 ein überaus produktiver und erfolgreicher Gast auf den Bühnen und in den Studios dieser Welt.
Ein intimer musikalischer Moment aus Bakers spätem Schaffen wurde 1986 in Londons bekanntestem Jazz-Club aufgenommen. Live at Ronnie Scott’s zeigt einen alternden Musiker, gezeichnet von einem Leben, das sich stets am Abgrund bewegte. Doch kaum setzt Baker die Trompete zum ersten Ton an, erlebt der Zuschauer eine musikalische Ausdruckskraft und Authentizität, wie sie unmittelbarer und überzeugender nicht sein könnte. Der starke Kontrast zwischen Bakers eingefallenen Gesichtszügen und der traurigen Schönheit seines Spiels lässt den Zuschauer die Tragik dieses Jazz-Heroes, in dessen Biographie das Schöne mit dem Hässlichen so eng verwoben ist, erahnen und diesen Abend nicht so schnell vergessen.
Begleitet wird Chet Baker von Michel Graillier am Piano und Ricardo del Fra am Bass. Als Gesangsgäste treten Van Morrison („Send in the clowns“) und Elvis Costello („The very thought of you“, „You don’t know what love is“) auf.