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(siehe auch: Kolumne vom 23. Juli, 1. Reiseartikel vom 7.August)
Am 8. Tag unserer Donau-Kreuzfahrt kamen wir im Donaudelta an. Die „Wolga“ landete in Ismail, von wo die Weiterfahrt nur noch mit einem kleineren Boot möglich war.
Drei Quellen, drei Mündungen
Genau so, wie die Donau im Schwarzwald zwei Quellen hat und bei Passau noch der Inn hinzu kommt (der übrigens länger ist und mehr Wasser zumischt als die mageren Donau-Stammflüsschen und eigentlich das Recht hätte, statt Donau „En“ zu heissen), hat der nun in Gottes Namen halt Donau genannte Strom drei markante Mündungen ins Schwarze Meer. Das zweitgrösste Mündungsgebiet Europas umfasst rund 5000 Quadratkilometer. Kurz vor dem rumänischen Tulcea teilt sich die Donau in den Kilija- und den Tulcea-Arm. Kurz hinter Tulcea teilt sich dieser nochmals in den Sulina- und den St. Georgs-Arm.
Am Sulina-Arm liegt auch der offizielle Kilometer 0, von dem aus die 2845 km bis zu den Quellen der Donau gerechnet werden
Bulgarien, Rumänien, die Ukraine und auf 570 Metern sogar Moldawien sind Anrainer des Schwarzen Meers auf dem Donau-Delta. Dieses verschiebt sich Jahr für Jahr um 50 Meter tiefer ins Schwarze Meer hinein. Insgesamt hat sich rund um das Delta ein über 6000 km2 umfassendes Biosphärenreservat entwickelt, das 1001 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurde.
180 Brutvogelarten hausen im Delta
Als Feuchtgebiet ist das Delta insbesondere für die Vogelwelt bedeutend. Über 300 verschiedene Vogelarten wurden hier schon entdeckt, weil sich viele Zugvogelarten wie Wildgänse und Kraniche auf ihrem Weg nach Afrika vor der langen Reise über Asien nach Afrika hier nochmals erholen.
180 Vogelarten brüten hier, darunter so exotische Vögel wie Pelikane, Kormorane oder viele Arten von Ibissen und Störchen. Die Pelikane leben übrigens in Symbiose mit den Kormoranen, die sich auf die Langschnäbel setzen und ihr Gefieder putzen und dabei vom Pelikan mit Fischen belohnt werden.
Das Delta besteht aus einem der grössten Schilfgebiete der Erde. Diese siedeln sich auf den Dünen an, verschieben sich je nach Flusslauf und bieten Mensch und Tier dankbare Lebensumstände. So haben die hier ansässigen Ukrainer alle ihren eigenen „Pflanzblätz“ auf den vom Schilf gebildeten Inseln.
Ein Pflanzblätz mitten im Schilf und ein kleiner Junge, der das Schiff beobachtet.
Natürlich besitzt jede Familie mindestens zwei Boote, um in diesem Labyrinth überhaupt von einer Stelle zur andern zu kommen. Es heisst, dass es viele Junge gibt, die noch nicht schreiben und lesen, dafür ein Boot steuern können...
Zwischen den Flussarmen und Schilfgebieten befindet sich Festland, auf dem bis zu 600 Jahre alte Bäume wachsen. Dort wuchern Lianen und wilde Orchideen, blühen Teich- und Seerosen. Auf den natürlichen Uferdämmen sind urwüchsige Auenwälder zu sehen. Die im Lauf ihres Flusses dreckig gewordene Donau erlangt durch den Filter der zellulosehaltigen Rohrstängel des Schilfes wieder eine hohe Reinheit. Hier, zwischen den einzelnen Inseln und Schilfgebieten erscheint die blaue Donau wirklich blau (was sie übrigens, zur Ehrenrettung sei es gesagt, je nach Sonneneinfall während ihres Laufs durch die verschiedenen Lände manchmal ebenfalls tut.
Empfang mit Gugelhopf und Wodka
Eine Ukrainerin begrüsst die Passagiere mit einem Gugelhopf.
Es ist hierzulande üblich, dass die Gäste von der Bevölkerung bewirtet werden. Eigentlich sollte der Ortsvorsteher mit dem Reiseleiter ein Glas Wodka trinken. Doch so früh am Morgen hält das auf die Dauer auch ein bestandener Ukrainer nicht aus. Jedenfalls wurden wir von einer Gruppe Frauen begrüsst, die einen Hefekuchen kredenzte, der unter den Passagieren herumgereicht wurde. Reiseleiter Mark Mahler trank – um halb neun Uhr früh, mit stoischer Miene seinen Schnaps derweil die Frauen vor den Passagieren tanzten. Schnell war der Zauber vorbei, die Frauen zogen sich etwas zurück und bereiteten sich auf das nächste Besucherschiff vor, das bereits hinter dem Schilf hervorlugte.
Unterdessen haben wir mit dem kleineren Motorboot einzelne Kanäle abgefahren, wurden ebenfalls mit Wodka getränkt und haben die kleinen Siedlungen und sogar eine orthodoxe Kirche gesehen. Vier Pelikane flogen am Schiff vorbei.
Einige Kormorane stritten sich um einen Fisch. Graureiher und einige Störche waren zu sehen. Und schliesslich gab es einen gewaltigen „Klatsch“, als ein grosser Fisch – vielleicht ein bis zu drei Meter langer Stör, von einem Luftsprung wieder ins Wasser platschte…
Jahrzehntelang war das Donaudelta verbotene Zone. Kein Fremder durfte es besuchen, die Ein heimischen durften zwar ihre Schrebergärtchen bewirtschaften, aber hatten nur wenig Bewegungsfreiheit. Heute bildet sich ein bescheidener Tourismus, der das natürliche Gleichgewicht der hier fast noch unberührten Natur kaum schädigt.
Da wo die Donau wieder echt blau wird
Aber immer mehr Kreuzfahrten kommen bis zum Kilometer Null. Und die Stunde ist absehbar, dass auch dieses herrliche Naturschutzgebiet gefährdet wird. Denn alle Anrainerstaaten sind bitter arm und können die Schutzmassnahmen, die nötig sind, nicht aus dem eigenen Staatshaushalt berappen. – Auch hier wird, wenn überhaupt, einmal der reiche Götti aus Brüssel etwas springen lassen müssen.
Schöne heile Welt – seit wann und wie lange noch?
Fotos Brigitta und Bernhard Schindler, Bilder zum Vergrössern anklicken.
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