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Quecksilber ist sehr schwer (13.6-mal so schwer wie Wasser). Sein Symbol Hg leitet sich vom griechischen Wort „Hydrargyros“ ab, zu deutsch „flüssiges Silber“. Das deutsche Wort Quecksilber könnte mit „lebendiges Silber“ umschrieben werden. Im Französischen und Englischen heisst das Element „mercure“ bzw. „mercury“. Man bezog sich bei der Namensgebung also auf den Gott Merkur, den flinken Götterboten und Gott der Diebe – vielleicht, weil verschüttete Quecksilbertropfen sich zu einer Kugel zusammenballen und in die kleinsten Ritzen des Bodens kriechen, aus denen man sie nicht mehr herausholen kann.
Seit langem bekannt
Quecksilber ist seit der Antike bekannt. Es wurde aus einem roten Erz gewonnen, das man Zinnober nennt. Chemisch gesehen besteht das Erz aus Quecksilbersulfid (HgS); es wurde als Rotpigment in der Malerei verwendet. Die ältesten Zinnoberminen befinden sich in Almadén in Spanien, sind aber heutzutage erschöpft. Nur in China werden noch Quecksilbermineralien abgebaut.
Zahlreiche Anwendungen
Die praktischen Anwendungen von Quecksilber sind zahlreich. Doch je genauer man über die Giftigkeit dieses Metalls Bescheid wusste, desto mehr bemühte man sich, Quecksilber und seine Verbindungen durch andere Materialien zu ersetzen.
- Quecksilber ermöglichte es, die Existenz des Luftdrucks nachzuweisen und ihn zu messen. Die Masseinheit Torr entsprach den „Millimetern Quecksilbersäule“ in den ersten Barometern.
- Auch in früheren Thermometern wurde Quecksilber eingesetzt, da es über einen weiten Temperaturbereich flüssig ist. Heutige Thermometer enthalten Alkohol oder eine Ga-In-Sn-Legierung, die als Galistan bezeichnet wird und bei –19 °C schmilzt.
- Die als „Neonröhre“ bezeichneten Leuchtstoffröhren sind in Wirklichkeit mit Quecksilberdampf gefüllt.
- Die Legierung von Quecksilber, Silber und Zinn ist eine formbare Masse, die innerhalb weniger Minuten aushärtet. Sie wurde bis in die 1980er Jahre zum Füllen von Zahnkaries verwendet.
- Quecksilberhaltige Knopfzellen liefern eine sehr stabile Spannung und haben eine höhere Kapazität als andere Batterien gleicher Grösse.
Wird Quecksilber an der Luft bis knapp unter seinen Siedepunkt (356 °C) erhitzt, oxidiert es und bildet ein rotes Oxid (HgO). Die genaue Beobachtung und Messung dieses Vorgangs half dem französischen Chemiker Antoine Laurent de Lavoisier bei der Aufstellung seines Gesetzes von der Erhaltung der Materie, gemäss dem bei einer chemischen Reaktion „nichts verloren geht und nichts geschaffen wird“ (1789).
Ein sehr giftiges Element
Die Verbindungen von Quecksilber sind alle toxisch. Ausgenutzt wurde dies zum Beispiel zur Herstellung von Antiseptika zur Desinfektion von oberflächlichen Wunden – die Originalrezepturen von Mercurochrom und Merfen beispielsweise enthielten beide Quecksilber.
Insbesondere die organischen Quecksilberverbindungen sind jedoch nicht nur für Krankheitserreger hoch giftig, sondern auch für Mensch und Tier, da sie fettlöslich sind und leicht vom Körper aufgenommen und gespeichert werden. Traurige Berühmtheit erlangte die chronische Quecksilbervergiftung unter dem Namen „Minamata-Krankheit“: Mitte des 20. Jahrhunderts vergifteten sich im japanischen Küstenort Minamata Tausende von Menschen und noch mehr Tiere, da von einer nahegelegenen Fabrik jahrelang Abwässer mit Methylquecksilberverbindungen ins Meer geleitet worden waren. Der giftige Stoff reicherte sich in der ozeanischen Nahrungskette an und gelangte über Muscheln und Fisch, in dieser Region ein Grundnahrungsmittel, in die Körper der dort lebenden Menschen. Müdigkeit, Lähmungen, neurale Störungen und mehrere Tausend Todesfälle waren die Folge.
In den folgenden Jahrzehnten wurde darauf hingearbeitet, die Umweltbelastung mit Quecksilber mit verbindlichen Beschlüssen der internationalen Staatengemeinschaft wirksam zu senken. Die völkerrechtliche Konvention von 2013 zur Eindämmung der Freisetzung von Quecksilber trägt zur Erinnerung an die Ereignisse der 1950er- und 1960er-Jahre den Namen „Minamata-Übereinkommen“.