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Autor: Barbara Schwaller-Aebischer
Ein wahres Kleinod, dieses Buch, obwohl die Geschichte einfach ist: Germain, ein gutmütiger Gelegenheitsarbeiter und Analphabet trifft im Stadtpark Marguerite, eine humorvolle Akademikerin im Ruhestand. Das Taubenzählen bringt die beiden zusammen. Diese Beschäftigung braucht Zeit und Geduld, wie vieles andere im Leben, z. B. das Lesen, die Arbeit im Gemüsegarten oder die Liebe.
Eine gemeinsame Sprache
Marguerite und Germain nehmen sich die Zeit, um einander zuzuhören, um eine gemeinsame Sprache zu finden. Die belesene Marguerite liest dem ungebildeten Germain aus «Die Pest» von Albert Camus vor. Für die unverständlichen Wörter schenkt sie ihm ein Wörterbuch. «Ein Wörterbuch ist nicht einfach nur ein Buch, Germain. Es ist viel mehr als das. Es ist ein Labyrinth … Ein grossartiges Labyrinth, in dem man sich voller Glück verirrt.»
Der vom Leben arg gebeutelte und ungehobelte Germain sieht auf einmal Perspektiven für seine Zukunft. Er «überlegt, bevor er denkt». Die Gespräche mit der 86-jährigen Marguerite auf der Bank im Park nehmen in seinem Kopf und in seinem Alltag eine immer wichtigere Rolle ein. Am liebsten möchte er Marguerite adoptieren und findet, dass das Gesetz in diesem Bereich nicht vollständig ist.
«Das Labyrinth der Wörter» ist eines dieser Bücher, das man in der Bibliothek ausleiht und danach selber kauft, damit man Sätze anstreichen und es immer wieder einmal lesen kann.
Marie-Sabine Roger: «Das Labyrinth der Wörter»; Hoffmann und Campe, 2010.
Barbara Schwaller-Aebischer ist Leiterin der Bibliothek Tafers.