Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03357.jsonl.gz/1724

Welcher Haarschnitt ist im Moment angesagt?
Jegliche Art von Stufenschnitt, voluminös und lockig. Spannend finde ich die Farben. Antonia, eine bekannte rumänische Sängerin, hat den Trend gesetzt: Vom Ansatz bis zur Mitte bleiben die Haare im Naturton, an den Spitzen werden sie leicht aufgehellt. Das sieht aus, als hätte die Sonne das Haar gebleicht. In Bukarest will man natürlich sein und trotzdem nach etwas aussehen. Auf dem Land ist das anders. Ich komme aus Craiova, dort sind die Frauen stark geschminkt, und das Haar muss eine Show sein.
Warum sind Sie Coiffeur geworden?
In der High School gab es diesen «Funky-Boom», alle haben neue, verrückte Kleider ausprobiert. Die Frisuren waren eher langweilig. Da begann ich, mit meinen Haaren zu experimentieren, und es sah gut aus, irgendwie hip.
Wie haben Sie Ihr Handwerk erlernt?
Ich war sechs Monate auf einer Coiffeur-schule und absolvierte eine einjährige Lehre in einem Salon. Beim besten Coiffeur von Craiova habe ich tagein, tagaus gewaschen, gelegt, geföhnt. Dann ging ich nach Bukarest, um Soziologie zu studieren. Nebenbei jobbte ich – zwei Jahre bei einem bekannten französischen Coiffeur, danach bei L’Oréal, wo ich als Trainer tätig war. Seit einem Jahr bin ich nun hier. Das ist meine zehnte Station! In dieser Branche musst du für deine Rechte einstehen. Ich hatte oft andere Vorstellungen als meine Chefs. Die meisten haben nicht auf Augenhöhe mit mir geredet.
Was sind Ihre Zukunftspläne?
Ich möchte noch besser werden. Ich will in verschiedene Länder gehen, mich spezialisieren, alles über bekannte Coiffeure wissen. Und ich möchte die Vidal Sassoon School in London besuchen.
Haben Sie viele Stammkunden?
Nein. Wir haben vor allem Kunden, die in der Nähe arbeiten. Oder Laufkundschaft.
Welche Art Kunde ist die grösste Herausforderung für Sie?
Die, die es besser wissen als ich. Ich muss ehrlich sein, ihnen sagen, was ich tun kann und was nicht. Manche sind dankbar für die Tips, andere bestehen darauf, dass man genau das macht, was sie wollen. Die müssen dann zum nächsten Coiffeur gehen. Normalerweise finden wir aber einen Kompromiss.
Wem würden Sie gern die Haare schneiden?
Ich mag Leute, die ihren Style immer wieder ändern. Die natürlich bleiben, aber gleichzeitig eine immer noch schönere Seite von sich zeigen wollen.
Wann ist eine Frisur aus Ihrer Sicht gelungen?
Wenn ich meinem Kunden ein Lachen aufs Gesicht gezaubert habe. Mein Job ist es, Frauen schöner zu machen. Ich glaube, die meisten sind schön, aber sie wissen nicht, wie sie ihre Schönheit zeigen können. Sie brauchen deine Hilfe, eine Vision. Das ist das Interessante an diesem Job.
Welche Reaktionen haben Sie schon erlebt?
Eine Kundin war genervt, weil sie gerade eine Auseinandersetzung mit ihrem Chef hatte. Ich versuchte ihre Wünsche so gut wie möglich zu erfüllen, doch am Ende sagte sie: «Das ist nicht, was ich wollte. Ich mag das nicht. Du bist nicht gut!» Sie hat erwartet, dass ich ausraste, es ging ihr nur darum, zu streiten. Ich kam mir vor wie im Kindergarten, blieb aber ruhig.
Was gefällt Ihnen an Bukarest?
Die Stadt ist voller Menschen und schöner Frauen. Mir wird schnell langweilig. Bukarest bringt mich dazu, Neues zu versuchen. Es ist wie ein Spiel: Du kannst hier alles mögliche ausprobieren. In der Altstadt sind alle in Partystimmung, voller Energie, immer beschäftigt und wollen alles perfekt machen. Wie ich! Das gefällt mir. Ähnliche Menschen ziehen sich gegenseitig an.
Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Ich muss viel für die Uni lernen. Soziologie zu studieren ist sehr spannend. Als Soziologe und als Coiffeur – immer geht es darum, die Menschen zu verstehen.