Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03410.jsonl.gz/57

Hergestellt von Japan Radio Co.
Als renommierter Hersteller von vor allem im Seefunkbereich eingesetzten Kurzwellenempfängern, Sendern und Transceivern wartete die japanische Firma Japan Radio Company im Jahre 1977 erstmals mit einem aufs Budget eines Amateurs zugeschnittenen Empfänger, gleichwohl mit dem Renommée der Firma entsprechendem HF-Design und in professioneller Qualität gefertigt, aufwartete. Nach dem NRD-505 folgte der mit um 1000$ Neupreis noch halb so teure NRD-515, der erste in grösseren Stückzahlen gefertigte Empfänger, der aufgrund seiner Empfangsleistungen und dem geradlinigen Bedienungskonzept bald zum Referenzempfänger avancierte und zudem mit seinem Äusseren zu begeistern vermochte.
Der NRD ist mit seinen 34 x 14 (mit Speichereinheit 19) x 30 cm und dem Gewicht von 7,5 kg ein semiprofessioneller Stationsempfänger von mittlerem Format, das bei den Nachfolgegeräten beibehalten wurde. Neben den Empfänger gehört in der Originalausstattung der 14 x 14 x 30 cm grosse NVA-515 Lautsprecher, es kann aber auch ein anderer 4 Ohm-Lautsprecher angeschlossen werden. Zum Aufbau einer Amteurfunkstation kann der NRD-515 mit einem im gleichen Design gehaltenen Sender NSD-505 kombiniert betrieben werden.
Die Spannungsversorgung ist von 117 auf 220 V Wechselstrom umschaltbar, Batteriebetrieb ist nicht vorgesehen.
Die in Grau/Anthrazit gehaltene Frontplatte ist zweigeteilt. Zur Linken findet sich der Drehknopf für die 30 MHz-Segmente, damit und mit dem grossen Hauptabstimmknopf wird die Empfangsfrequenz eingestellt. Da mit einer Umdrehung des Abstimmknopfes nur ein Bereich von 10 kHz überstrichen wird, wird man zum raschen Frequenzwechsel öfters zum kleinen rechts oben angebrachten UP/DOWN- Schalter greifen. Ein LOCK-Schalter rechts unten blockiert den Abstimm-Mechanismus, der Abstimmknopf übermittelt übrigens seine Impulse auf elektronischem Wege an die PLL-Schaltung. Zwei rechts und links des Hauptabstimmknopfes gelegene Drehregler stellen die Hochfrequenzverstärkung HF-Gain und die Lautstärke NF-Gain ein. Darüber liegt links oben ein Regler, der als Doppelfunktion im Mittelwellenbereich als Preselektor dient, im Kurzwellenbereich als BFO-Regler die Tonhöhe von Morsesignalen regelt. Ganz rechts unten finden sich der Schalter zum Abschalten und zur Wahl der Abfallgeschwindigkeit der elektronischen Verstärkungsregelung AGC und zuausserst der Betriebsarten (AM, CW, USB, LSB, RTTY)- Schalter. Darüber in der oberen Reihe liegt der Drehknopf für die Empfänger- Feinabstimmung Delta-F, von der Einstellung eines Frequenzversatzes bleibt die Frequenzanzeige unbeeinflusst. Daneben liegt der Passband-Tuning-Regler, mitdem - leider nur im SSB-Modus - die Durchlasskurve des ZF-Filters zur Elimination von benachbarten Störsignalen verschoben werden kann. Mit dem zuausserst gelegenen Bandbreitenumschalter kann das ZF-Filter betriebsarten- unabhängig gewählt werden kann, in der Originalversion ist nur das 2,4- und das 6-kHz-Filter bestückt. Im oberen Frontplattenabschnitt liegt links das als Analoginstrument ausgeführte und eher konservativ anzeigende S-Meter, die rote LED-Frequenzanzeige mit Leuchten, die den Speicher- und Frequenzversatzbetrieb signalisieren, und eine Reihe von Schaltern für Delta-F-Tuning, den Noise-Blanker, den zweistufigen Abschwächer und den Netzschalter. Zwei Drucktasten darüber schalten auf Speicherbetrieb und in Mithörbetrieb beim Einsatz in einer Amateurfunkstation.
Im praktischen Betrieb vermag der NRD-515 den Hörer heute noch gleich zu begeistern, wie zum Zeitpunkt seines Erscheinens, von namhaften Geräte- Testern wurde der NRD-515 rasch zum Referenzempfänger erkoren. Die Empfindlichkeit des NRD-515 ist hervorragend und kann dank der Spiegelfrequenzsicherheit aufgrund der hochliegenden ersten Zwischenfreuquenz auch genutzt werden, „Geisterstationen“ tauchen nicht auf. Die Trennschärfe ist mit dem keramischen 6kHz-Filter im nicht ganz dicht belegten Rundfunkbändern an sich gut, im Tropenband und starker Signalbeeinträchtigung durch Nachbarkanalstationen brilliert der NRD-515 mit dem mechanischen 2,4 kHz-Filter. Damit und mit dem leider nur im SSB-Betrieb aktiven Passband-Tuning, mit dem sich die Filterdurchlasskurve verschieben und so ein unerwünschtes störendes Nachbarkanalsignal ausblenden lässt, kann mit dem NRD-515 manch ein „ungeniessbares“ Signal hörbar gemacht werden. Für den Rundfunkempfang liessen sich manche Besitzer ein optionales 3 - 4 kHz-ZF-Filter installieren, für den CW-Empfang hatte JRC ein mechanisches 600 Hz-Filter im Angebot.
Zur Frequenzeinstellung gab sich nicht nur die Möglichkeit der Abstimmung mittels MHz- Drehschalter, Up/Down-Schalter und dem grossen Abstimmknopf, sondern auch ein geräteexternes Speichermodul. Mit dem angeschlossenen NDH-515 liessen sich 24 Freqenzen abspeichern und per Tastendruck aufrufen, das „grosse“ Speichermodul NDH-518 verfügte sogar über 96 Speicherplätze. Zum Speicheraufruf muss der Empfänger in den Ext.VFO-Modus versetzt werden, die Hauptabstimmung ist dann nicht mehr wirksam, d.h. man kann nicht von einer gespeicherten Frequenz aus ein Kurzwellenband weiter absuchen. Nur in kleiner Serie wurde ein weiteres äusserst nützliches Zubehör gebaut, eine taschenrechner-ähnliche über ein Kabel mit dem Empfänger verbundene Fernsteuerung (NCM-515) erlaubte die direkte Frequenzeingabe über das Tastenfeld und verfügte ebenfalls über 4 Stationsspeicher.
Zur ultimativen Empfängersteuerung wurde von der Schweizer Firma Poly Electronic ein Steuergerät hergestellt, der PFC-100 verhalf dem NRD-515 nicht nur zu weitaus mehr Speichern, sondern auch zu einem alphanumerischen Speicherdisplay. Allerdings waren diese nützlichen Helfer nicht zum Nulltarif zu haben; was heute bei einem Stationsempfänger Standard ist, kostete vor 20 Jahren als Option fast gleich viel, wie heutzutage ein ganzer Empfänger.
Hochfrequenzmässig gelangt das Signal nach der Abschwächerschaltung über ein zum Kurzwellenbetrieb geschaltetes 1,6 MHz-Hochpassfilter und ein 35 MHz-Tiefpassfilter auf den ersten Mischer und wird dort auf die erste hochliegende Zwischenfrequenz von 70,455 MHz umgesetzt, nach einer ZF-Verstärkerstufe erfolgt die zweite Mischung auf die zweite Zwischenfrequenz von 455 kHz, die in professionellen Empfängern weit verbreitet ist. Auf diesem Niveau wirkt der Noise Blanker, das Signal durchläuft dann die ZF-Filterbank, neben den Standardfiltern kann ein CW- und ein weiteres Filter nachgerüstet werden, und gelangt dann nach weiterer Verstärkung auf den Demodulator, zum SSB-Empfang wird hier das BFO-Signal zugemischt. Die Frequenzsynthese basiert auf einer digitalen PLL-Schaltung, die Steuersignale von der optionalen externen Speicherschaltung können alternativ zum Abstimmknopf den VFO steuern.
Das Gerät ist halbleiterbestückt.
Dppelsuper, digitale Frequenzaufbereitung mittels PLL-Synthese.