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Die Frau obendrüber
Man redet gern über Frauen, die ihren Männern den Rücken freihalten. Emmie Oprecht-Fehlmann (1899-1990) tat es bei ihrem Mann Emil, dem engagierten Politiker, Buchhändler, Verleger (Europa Verlag) und Menschenfreund bis zu dessen Tod im Jahre 1952. In der 1925 eröffneten Buchhandlung Oprecht an der Rämistrasse 5 und auch, ab 1929, zu Hause am Hirschengraben 20, mit Sichtkontakt zum deutschen Generalkonsulat ganz oben an der Kirchgasse. Das alles ist ja bekanntlich Regulas «Revier». Mit Interesse studiert sie derzeit die neue Biografie, die der Historiker Christoph Emanuel Dejung dem «Verleger der Exilautoren» widmet (Verlag Rüffer & Rub).
Regula war gern Gast in der Buchhandlung Oprecht, vor allem am späteren Samstagmorgen. Dann war dort jeweils halb Zürich anwesend, empathisch betreut von der Buchhändlerin Barbara Sidler. Ein Stargast war die Schriftstellerin Laure Wyss (1913-2002), Altstadtbewohnerin, Feministin und immer ganz wunderbar angezogen! Oder der Psychiater Mario Gmür, der seine Theorie über die Medienopfer vertiefte. Oder die Psychoanalytikerin Martha Eicke… Nicht zu vergessen der Literaturprofessor Peter von Matt, der gelegentlich vorbeikam, wie auch Friedrich Dürrenmatt, Elias Canetti, die Verlegerin Judith Kimche und von gegenüber der «Kronenhalle»-Besitzer und Kunstsammler Gustav Zumsteg (1915-2005).
Emmie Oprecht war tagtäglich in der Buchhandlung präsent, aber sozusagen unsichtbar. Sie sass in ihrem Büro im ersten Stock und hatte alles im Griff. Es gab damals noch diese Telefonanlagen, mit denen man von seinem Chef-Apparat aus alle anderen Anschlüsse abhören konnte.
Verlassen konnte sich Emmie Oprecht aber auch auf ihren Airedale Terrier. Der hatte eine eifersüchtige Antipathie gegen die Hausautorin Else Lasker-Schüler, die die Oprechts unterstützten. Wenn sie das benachbarte «Odeon» verliess und sich der Buchhandlung näherte, kläffte er sie vom ersten Stock durch das geschlossene Fenster an. Speziell war die Situation, als die deutsch-jüdische Dichterin Else Lasker-Schüler (1869-1945), aus Palästina zurückgekehrt, an der Schweizer Grenze nicht hereingelassen wurde. Emil Oprecht wurde benachrichtigt und stritt sich am Telefon heftig mit Heinrich Rothmund, dem Chef der Fremdenpolizei in Bern. Und plötzlich begann der Hund wie verrückt zu bellen. Emmie wunderte sich. Ertrug er etwa schon diesen Namen nicht? Doch da wurde die Türe aufgeschoben und herein kam – «Prinz Jussuf von Theben», wie sie sich selbst zu nennen pflegte. Und irgendwann gab der Airedale Ruhe. Man musste ihn nur an der richtigen Stelle kraulen.
Regula