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Der Mekong, der sich durch China, Myanmar (Burma), Laos, Thailand, Kambodscha und Vietnam schlängelt, bildet die Basis für wertvolle Lebensräume wie Tropenwälder, Feuchtgebiete und Savannen. Gemäss einem Bericht des WWF bieten diese etwa 20'000 verschiedenen Pflanzenarten und rund 2'500 Tierarten ein Zuhause, darunter den seltenen asiatischen Elefanten, Java-Nashörnern und indochinesischen Tigern. Darüber hinaus beherbergt der Fluss neben den sagenumwobenen Irawadi-Delfinen mehr als 1'300 Fischarten.
Diese Zahlen dürften jedoch nur grob geschätzt sein, denn das Mekong-Gebiet zählt zu den wenigen Regionen, in denen jährlich dutzende von Arten neu entdeckt werden. So fanden Forscher erst kürzlich einen bunten Gecko, der sich selbst klont, einen Affen mit Elvis-Tolle oder einen Laubfrosch, der wie ein Vogel singt. Allein im Jahr 2011 wurden über 120, teilweise sehr ungewöhnliche, Arten entdeckt, die der WWF nun in einem Bericht vorstellt. "Was die Forscher entdecken, wirkt stellenweise wie aus der Ideenkiste eines Science-Fiction-Autors", sagt Stefan Ziegler vom WWF. Seit 1999 wurden sagenhafte 1600 neue Tier- und Pflanzenarten ausfindig gemacht, was im Durchschnitt mehr als 2 Arten pro Woche ergibt.
Die mit dem Bau von Staudämmen, Strassen und weiteren Infrastrukturen zunehmenden menschlichen Eingriffen in die natürlichen Lebensräume am Mekong zerstören nicht nur die Lebensgrundlage noch unbekannter Tier- und Pflanzenarten, sondern auch diejenige der lokalen Bevölkerung.
Leider ist das Artenparadies am Mekong jedoch akut bedroht. Stefan Ziegler vom WWF betont, dass zahlreiche Arten verschwinden könnten, bevor sie überhaupt entdeckt werden. Seit den 90er Jahren wird in der Region gemäss WWF jährlich 2,7 Millionen Hektar Regenwald abgeholzt, um Palmöl, Kaffee oder Kautschuck anzubauen. Mittlerweile stehen 70 Prozent der einheimischen Säugetierarten auf der Roten Liste gefährdeter Arten.
Der Lebensraum der Tiere wird auch von der zunehmenden Urbanisierung, dem Bau von Strassen und von Staudämmen bedroht. Insgesamt sind am Unterlauf des Flusses zwölf Wasserkraft-Projekte geplant. Das erste und grösste davon befindet sich trotz erheblicher Bedenken unzähliger Anwohner und Umweltschützer bereits im Bau: im Nordosten Laos entsteht ein riesiges Wasserkraftwerk mit einem rund 1000m langen Staudamm, dem Xayaburi. Obwohl das Projekt aufgrund seiner Auswirkungen auf die Fischpopulationen und den Wasserstand des Flusses heftig umstritten ist, genehmigte die laotische Regierung Ende 2012 die Fertigstellung des Werkes. Die ökologischen Auswirkungen sind gemäss verschiedener Umweltorganisationen unberechenbar und mit grösster Wahrscheinlichkeit verheerend. Mit dem drastischen Rückgang der Fischbestände und der möglichen Austrocknung weitläufiger Uferzonen wird nicht nur vielen Tieren, sondern besonders auch Millionen von Menschen die Lebensgrundlage genommen werden. Der Mekong ist die Existenzgrundlage für 60 Millionen Menschen: durch seine Fischbestände und die Bewässerung der Felder sichert der Mekong ihnen ihr tägliches Überleben.
Trotzdem die Lebensgrundlage eigener Landsleute, ebenso wie jene zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, bedroht ist, halten Laos und Thailand am 3,5 Milliarden schweren Bauprojekt fest. Sollten überdies dem Xayaburi-Damm schon bald weitere Stauwerke folgen, wird das Naturparadies vom Mekong mit seiner einzigartigen und faszinierenden Flora und Fauna zerstört, bevor hunderte oder gar tausende unbekannter Tier- und Pflanzenarten überhaupt entdeckt und erforscht werden können...