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Anmerkungen zum Cagliostro-Pavillon
Katharina Huber
Bis in die heutige Zeit hat sich die Legende von den mysteriösen rituellen Zusammenkünften der «ägyptischen Loge»1) des Grafen Cagliostro im Gartenpavillon des Glögglihofes in Riehen erhalten. Als Gast und Freund Jacob Sarasins2) hielt sich Cagliostro mehrmals in Basel und in Riehen auf. Während seines zweiten Aufenthaltes in Basel vom 5. bis 25. März 1783 soll Cagliostro laut dem Nachlass Jacob Sarasins den Anstoss zum Bau eines «der ägyptischen Loge gewidmeten Kiosks»3) auf dem Landgut des Basler Bandfabrikanten Johann Jakob BischoffMerian in Riehen gegeben haben. Kunsthistoriker und Historiker gehen zwar darin einig, dass der Graf im abgeschiedenen Riehener Gartenpavillon seine Logen abgehalten hat; sie streiten sich hingegen darüber, ob und inwiefern Cagliostro tatsächlich am Bau des Pavillons beteiligt war. Der Kunsthistoriker Daniel Burckhardt-Werthemann (1863-1949) wies darauf hin, dass die Ausdrucksweise «einen Kiosk erbauen» in Anlehnung an eine orientalische Bildersprache lediglich bedeute, eine rituelle Zusammenkunft, das heisst die ägyptische Loge, abzuhalten. Der Bau des Pavillons sei damit nicht gemeint, denn, so argumentiert Burckhardt-Werthemann, «die Bauweise wäre um das Jahr 1783 ein Rückfall in die längst überwundene Bauweise des Barock».4) Ohne weitere Belege zu erbringen datierte Burckhardt-Werthemann den Bau des Pavillons in die 1760er, respektive 1750er Jahre.
Bedauerlicherweise sind aus der fraglichen Zeit keine Baupläne mehr erhalten. Einzig das Tagebuch Jacob Sarasins aus dem Jahr 17835) erweist sich als aussagekräftige historische Quelle. Darin finden wir im März, April und Mai 1783 verschiedene - leider nur fragmentarische und kurze - Einträge, welche auf bauliche Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Bischoffschen Gartenpavillon in Riehen schliessen lassen. Der erste diesbezügliche Eintrag Sarasins vom 15. März 1783 lautet: «Morgens in Riechen mit + (Kürzel für Cagliostro) PI (Planta) und (Baumeister) Büchel»; am 5. April notierte Sarasin: «Zimmermann Ziehibach. Mit ihm und Bischoff nach Riechen».6) Am 27. April schrieb Sarasin in einem Brief an seine kranke Gattin Gertrud, welche in Strassburg bei Cagliostro zur Behandlung weilte: «Ob ich Dir entgegen kommen werde daran zweifle ich denn ich bin in Riechen sehr nötig (...) Gestern mit Bischoff in Riechen (...) Das Pavillon avanciert brav.»7) Die Einträge im Sarasinschen Tagebuch häufen sich gegen Ende April, anfangs Mai 1783. Meist heisst es nur «Abends mit Bischoff in Riechen». Am 9. Mai steht: «Morgens in Riechen. Nachm. dessgl. mit Hauptmann Ryhiner den Weter-Ableiter aufgestellt». Ob damit die Windspitze auf dem Turm des Pavillons oder lediglich ein von Cagliostro benötigtes Utensil im Innern des Pavillons gemeint war? Die Tatsache, dass Sarasin in Begleitung Cagliostros, eines Zimmermannes und des berühmten Baumeisters Büchel8) nach Riehen ging, jedenfalls weist wohl eher auf bauliche Aktivitäten, denn auf die Veranstaltung einer rituellen Zusammenkunft hin. In der «Récapitulation», der Zusammenfassung am Ende des Tagebuches, finden wir für den Monat Mai das Stichwort «Pavillon», respektive für den Juli das Stichwort «Riechen». Hingegen findet sich kein Eintrag, welcher konkret auf den Abschluss der Bauarbeiten hinweisen würde. Nimmt man an, dass mit dem Stichwort «Riechen» das Ende der Bauarbeiten und der Beginn der Logentätigkeit gemeint war, so fällt die Bautätigkeit auf Mitte März bis spätestens Juli 1783, das heisst auf eine relativ kurze Zeitspanne von dreieinhalb bis höchstens viereinhalb Monaten. Für den Bau des Pavillons hätte dies vermutlich kaum gereicht. Dies legt nahe, dass die baulichen Aktivitäten zu denen immerhin ein Zimmermann und ein Baumeister hinzugezogen wurden - als Um- oder Innenausbau des Pavillons für die Zwecke Cagliostros interpretiert werden müssen. Inwiefern Cagliostro persönlich für die (Um-/ Aus-)Baupläne des Pavillons verantwortlich gewesen ist, bleibt Spekulation. Cagliostros Briefe an Sarasin, welche möglicherweise Hinweise hierauf enthalten hätten, wurden von Jacob Sarasins Sohn, dem Deputaten Felix Sarasin, aus Abneigung gegenüber dem väterlichen Mystizismus vernichtet.1) Tatsache bleibt, dass Cagliostro zu Beginn der (Aus-) Bauzeit als Gast Sarasins in Basel weilte, und dass ihm sein Anhänger Bischoff-Merian sein Gut in Riehen zur Abhaltung der Loge anbot. Denkbar wäre, dass die eng befreundeten Männer während Cagliostros Aufenthalt den Ausbau und die Einrichtung des Pavillons besprachen, dass Cagliostro seine Wünsche anbrachte und in der Folge Baumeister Büchel mit der Planung beauftragt wurde. Aus den rudimentären Einträgen der Sarasinschen Tagebücher lässt sich mit Sicherheit sagen, dass auf dem Bischoffschen Landgut Glögglihof unter Beteiligung seines Besitzers, des Baumeisters Büchel, Cagliostros, Sarasins und eines Zimmermannes im Jahre 1783 im Zusammenhang mit dem Gartenpavillon bauliche Aktivitäten stattfanden. Ausgehend von der bestehenden historischen Quellenlage allein lässt sich aber nicht eindeutig erschliessen, ob der Gartenpavillon zu dieser Zeit neu gebaut oder lediglich umgebaut wurde. Eine annähernd präzise Datierung des Baus kann nur mittels moderner baugeschichtlicher Untersuchungsmethoden10) erfolgen.