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Den Nachlass zu Lebzeiten regeln?
Der Gedanke an die eigene Sterblichkeit wird oft verdrängt und somit auch die Planung seines Nachlasses.
Es ist sinnvoll, sich bereits zu Lebzeiten Gedanken darüber zu machen, was mit dem Vermögen nach dem Tod passieren soll. Was regelt das Gesetz und über welche Teile kann der Erblasser selber bestimmen?
Wer sich bei der Regelung seines Nachlasses nur aufs Gesetz verlässt, riskiert, dass seine Liebsten leer ausgehen. Im Gesetz ist nicht vorgesehen, dass der Partner oder die Partnerin bei Konkubinatspaaren und bei Patchworkfamilien automatisch erben. Wer zum Beispiel den langjährigen Lebensgefährten begünstigen will, kommt deshalb nicht umhin, ein Testament zu schreiben oder einen Erbvertrag zu erstellen.
Auch nach einer Jahrzehnte langen Lebensgemeinschaft und/oder mit gemeinsamen Kindern besteht kein gesetzlicher Erbanspruch für den überlebenden Konkubinatspartner. Soll daher der Hinterbliebene etwas erben, muss dies wie eingangs erwähnt, mit einem Testament oder Erbvertrag geregelt werden. Mit Kindern ist deren gesetzlicher Pflichtteil (drei Viertel des gesamten Nachlasses) zu beachten. Werden die Kinder in ihren Pflichtteilen verletzt, können sie die Verletzung anfechten. Um dieser unschönen Situation zuvorzukommen, besteht die Möglichkeit zum Erstellen eines Erbvertrages. Darin können die volljährigen Kinder ganz oder auf einen Teil ihres Erbanteils verzichten oder sich einverstanden erklären, dass sie zum Beispiel ihren Anteil erst nach dem Tod des überlebenden Konkubinatspartners erhalten. Weigert sich jedoch ein Kind, fällt diese Möglichkeit dahin.
Hat das Konkubinatspaar keine Kinder, leben aber noch die Eltern des verstorbenen Partners, beträgt der Pflichtteil die Hälfte des Nachlasses. Ohne Testament und wenn die Eltern nicht mehr leben, würden die Geschwister (oder deren Nachkommen) des Verstorbenen erben. Diese haben allerdings kein Pflichtteilsrecht. In dieser Konstellation besteht die Möglichkeit, den Partner als Alleinerben einzusetzen.
Zu beachten ist allerdings, dass im Vergleich zu verheirateten Paaren (steuerfrei) eine Erbschaftssteuer im Kanton Freiburg von rund 14 % zu entrichten ist. Dies unter der Voraussetzung, dass sie mindestens 10 Jahre in Wohngemeinschaft mit gleichem steuerrechtlichen Wohnsitz gelebt haben, ansonsten beträgt die Steuer rund 37 %.
Auch bei gesetzlichen Ehen mit leiblichen Kindern bietet sich das Testament oder allenfalls ein Ehevertrag als Mittel an, falls die Ehefrau ihren Mann – oder der Ehemann seine Frau – stärker begünstigen will, als es die gesetzliche Erbfolge vorsieht.
Rinaldo Jendly
Partner, Teamleiter
Dipl. Treuhandexperte