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Diese Frage führt mich in die Forschung, und dem, was dort zu dieser Haltung «Resilienz» herausgefunden wurde:
Bereits 1977 veröffentlichten Emmy Werner und Ruth Smith eine Studie. Die beiden US-amerikanischen Entwicklungspsychologinnen hatten 698 Kinder auf der Hawaii-Insel Kauai 40 Jahre lang begleitet. Was sie fanden: Kinder, die Armut, Krankheit, Vernachlässigungen und Gewalt ausgesetzt waren, entwickelten sich im Durchschnitt negativer als Kinder, die davon nicht betroffen waren. Rund ein Drittel der Kinder, die mit solchen Risikofaktoren aufwuchsen, entwickelten sich jedoch trotzdem positiv. Sie waren erfolgreich in Schule und Beruf, sozial integriert und zeigten keine Auffälligkeiten. Diese Kinder waren «resilient». Was macht es also aus, dass
sich diese Kinder trotz widriger Umstände positiv entwickeln konnten? Die Studie zeigt: Es braucht zumindest eine enge Bezugsperson, die sich liebevoll um das Kind kümmert und auf seine Bedürfnisse reagiert, die Grenzen setzt und Orientierung bietet. Das ist die Basis für Kinder, und vermutlich ist es immer gut, eine zugewandte Person zu haben.
«Resilienz» kommt vom lateinischen Wort «resilire» und meint zurückspringen, abprallen. Übertragen auf uns Menschen bedeutet Resilienz «psychische Widerstandsfähigkeit», es ist die Fähigkeit einer Person, einer Familie oder Gruppe, belastende Lebenssituationen ohne nachhaltige Beeinträchtigung zu bewältigen.
Resilienz ist kein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal, sondern sowohl die Person selbst als auch die Umwelt sind an der Entwicklung des resilienten Verhaltens beteiligt. Resilienz wird gelernt und geübt, häufig ist von sieben Schutzfaktoren oder «Säulen» die Rede. Die ersten drei hat eine deutsche Resilienz-Expertin namens Monika Gruhl so formuliert: Optimismus, Akzeptanz und Lösungsorientierung. Konkret könnte das heissen: Ich sehe auch in schwierigen Situationen das Stärkende. Ich akzeptiere, was nicht zu ändern ist. Ich suche nach Lösungen und nach einem nächsten Schritt. Aus diesen Grundhaltungen entwickeln resiliente Menschen zahlreiche Fähigkeiten, die sich so ausdrücken lassen: Ich kann etwas tun, ich übernehme Verantwortung, ich verbinde mich mit anderen Menschen, ich mache mir Bilder von meiner Zukunft, ich plane und bin offen für Neues.
Auch lebensfördernder Glaube stärkt die Resilienz, religiöse Menschen finden manchmal im Glauben Zuwendung und Halt, manche erfahren Kraft für einen nächsten Schritt, manche erleben Gemeinschaft in den Kirchen vor Ort – es ist gut, sich immer wieder mit den eigenen Kraftquellen zu verbinden, damit wir uns im Alltag nicht verlieren.