Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03393.jsonl.gz/1894

Die Aufnahmebedingungen, die Unterbringung, der Zugang zu verschiedenen Leistungen sowie die Integration sind die Hauptprobleme für Asylsuchende und Schutzberechtigte in Italien. Die Auswirkungen des 2018 in Kraft getretenen Salvini-Dekrets zur Verschärfung des Einwanderungsgesetzes sind folgenschwer. Asylsuchende treffen in Asylzentren wesentlich schlechtere Bedingungen an als noch vor diesem Dekret. Leistungen wurden in einem Ausmass gekürzt, dass meist nur noch ein Bett und Nahrung zur Verfügung gestellt wird. Dies ist besonders verheerend für verletzliche Personen, so zum Beispiel traumatisierte Schutzsuchende. Weil in den Zentren kaum mehr spezialisiertes Personal anwesend ist, ist sowohl ihre Identifikation als auch ihre Unterstützung nur in Ausnahmefällen möglich.
Vor Inkrafttreten des Salvini-Dekrets im Oktober 2018 hatten verletzliche Personen noch die Möglichkeit, sofern Plätze verfügbar waren, in Empfangszentren untergebracht zu werden, die über spezifische Dienstleistungen und Plätzen speziell für vulnerable Personen verfügt hatten. Die Anzahl dieser Plätze war allerdings bereits damals ungenügend.
Ein zunehmendes Problem ist der Entzug des Rechts auf eine Unterkunft für Personen, die ihr Zentrum ohne vorherige Ankündigung für mehr als 72 Stunden verlassen haben. Besonders betroffen davon sind Schutzsuchende, die zum Beispiel in die Schweiz weitergereist sind und via Dublin-Regelung rücküberstellt werden. Ihre Möglichkeiten, eine staatliche Unterkunft zu erhalten, sind aufgrund dieser Regelung eingeschränkt, der Zugang zum Gesundheitswesen und zu zahlreichen weiteren Dienstleistungen ist erschwert. Der Rechtsweg gegen den Entzug des Rechts auf Unterkunft ist nur in Ausnahmefällen erfolgsversprechend. Dafür wird eine anwaltliche Vertretung benötigt. Gerichtsverfahren können lange dauern, während dieser Zeit sind die Betroffenen ohne Unterkunft in Italien.
Aufgrund der gravierenden Mängel des italienischen Asylsystems sollte die Schweiz von Überstellungen nach Italien von verletzlichen Personen absehen.
Das Dublin Returnee Monitoring Projekt ist ein Projekt der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH). Unser Ziel ist es, die Situation von Personen zu dokumentieren, die im Rahmen der Dublin-Verordnung nach Italien überstellt werden.