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Plecotus austriacus
Lebensraumnutzung
Praxisbeispiel: "Bunte Blumen für das Graue Langohr"
Quartiere
Strikter Gebäudebewohner, oft ganzjährig. Nutzt im Sommer Dachstöcke und andere Gebäudeteile, in welchen die Weibchen in Kolonien von weniger als 20, in seltenen Fällen aber auch über 60 Tieren ihre Jungen aufziehen. Männchen können sich in denselben Quartieren aufhalten. Keine Nachweise aus Baum- oder unterirdischen Höhlen. Im Winter vor allem in Mauerspalten und Kellerräumen, aber auch in denselben Quartieren wie im Sommer.
Jagdlebensräume
Nahrungssuche entweder über artenreichem, extensiv genutztem Offenland knapp über der Vegetation, über Baumkronen oder entlang vertikaler Strukturen. Grössenordnung Jagdgebiete: 10-100 ha. Die Beute besteht hauptsächlich aus Nachtfaltern, saisonal aber auch aus fliegenden Käfern bis zur Grösse von Maikäfern. Jagdgebiete meist in weniger als 5 km zum Quartier.
Flugkorridore
Stark strukturgebundene Art, insbesondere in Gebieten mit starker Lichtverschmutzung. Fliegt auf Transitflügen meist entlang von Waldrändern, Hecken, Gewässern oder Dunkelkorridoren im Siedlungsraum. Zurückgelegte Distanzen zwischen Sommer- und Winterquartier meist sehr klein (null bis einige wenige km)
Verbreitung
In der Schweiz fast nur noch entlang des Jurabogens und seiner Ausläufer. Aus dem Mittelland verschwand die Art bereits vor Jahrzehnten. Präsenz abhängig vom Vorkommen extensiver Blumenwiesen in wärmebegünstigten Lagen bei guter struktureller Vernetzung sowie geeigneter Quartiergebäude.
Gefährdung
- Quartierverlust durch unbegleitete Gebäudesanierungen (Renovationen, Sanierungen zur energetischen Optimierung der Gebäudehülle, Verschluss der Zugänge, Umnutzungen, Einsatz giftiger Holzschutzmittel)
- Verlust von Winterquartieren in feuchten Kellern (Renovationen und Verschluss von Eingängen)
- Lebensraumverlust/-fragmentierung durch Lichtverschmutzung (Quartiere, Flugkorridore) im Siedlungsraum, Ausräumung der Landschaft, Intensivierung und Insektenbekämpfung (Maikäfer) in der Landwirtschaft
Wird die gegenwärtige Entwicklung nicht gestoppt, droht das Graue Langohr in den nächsten Jahrzehnten in der Schweiz auszusterben.
Massnahmen
Hochgradig conservation dependent. Schutz- und Fördermassnahmen notwendig. Erarbeitung von kantonalen Aktionsplänen und Schliessung von Wissenslücken bezüglich Lebensraumnutzung. Weiterführung und Ausbau des Nationalen Schutz- und Monitoringprogramms Langohren. Bei allen Massnahmen Einbezug der Kantonalen Fledermausschutz-Beauftragten KFB zwingend.
Quartiere
Schutz bestehender Wochenstuben stärken (raumplanerische Verankerung). Abklärung des Status noch nicht näher definierter Quartiere. Einbezug der erweiterten Quartierumgebung, insbesondere hinsichtlich Lichtverschmutzung, Vernetzung und Erhalt geeigneter Jagdlebensräume. Ganzjähriger Verzicht auf Fassadenbeleuchtungen an Quartiergebäuden. Schutz von bekannten Winterquartieren (Brücken- und Mauerspalten, feuchte Kellerräume) und ihrer Zugänglichkeit.
Jagdlebensräume
Schutz und Förderung von extensiv genutzten Landwirtschaftsflächen mit Hecken, Hochstammobstgärten, Magerwiesen und Buntbrachen. Förderung der Blumen- und Insektenvielfalt. Vermeidung von Lichtverschmutzung in potenziellen Jagdlebensräumen. Verzicht auf Einsatz von Insektiziden in der Landwirtschaft.
Flugkorridore
Erfassung, raumplanerische Verankerung sowie konsequenter Schutz von nachtdunklen Flugkorridoren zwischen Quartier und Jagdlebensraum. Überprüfung und wo nötig Optimierung des Beleuchtungsregimes und der Konnektivität. Synergien mit anderen Zielarten zur Etablierung einer Ökologischen Infrastruktur durch den Siedlungsraum (insbesondere Dunkelkorridore).