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französ. LaNeuveville. Amtsbezirk des Kantons Bern.
6040 ha Fläche und 4269 Ew., also 74 Ew.
auf einen km2. Hauptort ist Neuenstadt. 5 Gemeinden:
Diesse
(Tess),
Lamboing (Lamlingen), Neuenstadt (La
Neuveville),
Nods
und
Prêles.
Drei französische und eine deutsche reform. Kirchgemeinde. 607
Häuser, 924 Haushaltungen und 4269 Ew.; 4002 Reformierte, 236 Katholiken, 15
Juden; 3338 Ew.
französischer, 872 deutscher und 49 italienischer Zunge.
Neuenstadt ist nach
Biel der kleinste Amtsbezirk des Kantons. Sein Seegelände erfreut sich eines milden Klimas, das blos
im Herbst und Winter durch häufigen Nebel beeinträchtigt wird. Der Rotwein dieser Gegend gehört zu den guten
Sorten der
Schweiz. Der
Kastanienbaum gedeiht im Freien. Das
Plateau von
Diesse eignet sich zu Ackerbau und Viehzucht,
während die mit schönen
Wäldern bestandenen Bergrücken oben nur magere Sennberge tragen. Die Bodenfläche verteilt sich
auf
Der Bezirk zählt auf einer Fläche von 1793 ha zusammen 15833 Obstbäume, nämlich 3682 Apfel-, 1643 Birn-, 1340 Kirsch-, 6173 Zwetschgen-
und Pflaumen-, 443 Nuss-, 89 Quittenbäume und 2463 Spaliere und Zwergobstbäume.
Die Viehstatistik liefert folgende Resultate:
1886
1896
1901
Rindvieh
2087
2416
2229
Pferde
121
108
137
Schweine
531
917
747
Schafe
377
218
133
Ziegen
568
583
481
Bienenstöcke
436
459
503
Der See liefert reichlich Fische; in den Waldungen werden der Hase, Fuchs und das Reh gejagt. Der
wohlhabende Amtsbezirk bezieht elektrisches Licht aus dem Hagneckwerk. Haupterwerbszweige sind: in der tiefern Zone Weinbau
und Weinhandel, Ackerbau, Fischerei, Uhrenindustrie und Pensionnatsindustrie, in der höhern Region Ackerbau und Viehzucht,
Weinhandel, Uhrenindustrie. Hier oben arbeiten verschiedene
Mühlen,
Sägen und Gerbereien und werden
Steinbrüche abgebaut,
die ein vorzügliches Baumaterial liefern. Auch Schneckenzucht wird auf dem
Tessenberg mit Erfolg getrieben.
Ein Bürgerspital in Neuenstadt;
Der jetzige Amtsbezirk, dessen Geschichte mit derjenigen seines Hauptortes verknüpft ist, bildete 1815-1846 einen integrierenden
Bestandteil des Amtsbezirkes Erlach. Zahlreiche erratische Blöcke vom Seeufer an bis hinauf zu den Hängen
des Chasseral.
Postbureau, Telegraph, Telephon; Postwagen nach Lamboing-Diesse-Nods. Dampfschiffe nach Erlach
und der St. Petersinsel. Gemeinde, mit Champ Fahy und Chavannes (Schafts): 285 Häuser, 516 Haushaltungen und 2248 Ew. (wovon 1026 männlichen
und 1222 weiblichen Geschlechtes). 2020 Reformierte, 211 Katholiken und 15 Juden. Die Katholiken sind
nach Biel eingepfarrt, besuchen aber den Gottesdienst in Le Landeron. 1478 Berner, 632 übrige Schweizer und 138 Ausländer; 1538 Ew.
französischer, 656 deutscher und 44 italienischer Zunge.
Stadt allein: 258 Däuser, 2104 Ew. Alle Schulen sind französisch. Neuenstadt ist in den Weinbergen zwischen dem See im S.
und den trockenen Berghängen im N. sehr malerisch gelegen und erfreut sich eines milden Klimas, das
ihm die Bezeichnung des jurassischen Montreux eingetragen hat. Einen feudalen Anstrich geben dem Städtchen die Burgruine
auf dem Schlossberg, der alte Zeitglockenturm, ein weiterer viereckiger Turm und einige Ueberreste der einstigen Stadtmauer.
Das Innere hat vielfach noch einen mittelalterlichen Anstrich bewahrt, wie auch die Bürger trotz der
Nachbarschaft des katholischen Le Landeron und des deutschsprechenden Ligerz ihre Eigenart stets behauptet haben. Die Altstadt
hat die Gestalt eines Schlüssels, dessen Griff das am See gelegene S.-Quartier und dessen Bart die Vorstadt im NO. bildet.
Die neuen Quartiere im O. und W. zeigen modernen Charakter (schöne Villen, Gärten mit südlicher Vegetation,
schattige Promenaden).
Vom Hafenplatz geniesst man eine prächtige Aussicht auf den See, Erlach und die St. Petersinsel. Hydrantennetz mit Hauswasserversorgung;
elektrisches Licht. Bemerkenswerte Bauten: die aus dem 9. Jahrhundert stammende, im gotischen Stil gehaltene und jetzt dem
deutschen reformierten Gottesdienst eingeräumte Weisse Kirche (BlancheÉglise);
das Rathaus mit einem
kürzlich restaurierten und mit Glasmalereien geschmückten gotischen Saal;
die beiden schon genannten Türme und endlich
im NW. einige hundert Meter über der Stadt die mächtige Burgruine Schlossberg.
Diese Burg ist von den Fürstbischöfen von
Basel
im 13. Jahrhundert erbaut, während der Zeit der französischen Revolution zerstört und im letzten Jahrzehnt
des 19. Jahrhunderts teil weise
restauriert worden. Haupterwerbszweige der Bewohner sind Uhrenmacherei, Maschinenfabrikation,
Ackerbau, Weinbau und Weinhandel, Fischerei. Zwei Buchdruckereien; Gerbereien, Bankgeschäfte, Mädchen- und Knabenpensionnate,
je eine Alters- und Krankenkasse, mehrere künstlerische Vereinigungen, eine schöne Bibliothek.
Ausgezeichnete Primarschulen, eine Mädchensekundarschule, ein Progymnasium, Waisenhaus von Champ Fahy
am Berghang; Altersasyl (Hospice Montagu), von Lord Montagu, einem einstigen Pensionnatszögling von Neuenstadt, gestiftet;
das 1904 eröffnete Asyl Monrepos (Gottesgnad) für unheilbare Kranke des Berner Jura. Gegenüber dem Bahnhof steht das Museum,
das u. a. eine Menge von sehr interessanten Gegenständen aus der Pfahlbauzeit und mehrere Kanonen enthält,
die von den Bürgern Neuenstadts in der Schlacht von Murten erbeutet wurden.
Nachgrabungen haben ergeben, dass auf der Ebene w. Neuenstadt einst eine befestigte Römersiedelung gestanden hat. Man fand
hier zahlreiche Münzen, Reste von Wasserleitungen und von sehr altem Mauerwerk. Diese Siedelung, Nugerol genannt, soll
dann mit Ausnahme der ö. Vorstadt im 4. Jahrhundert von den Alemannen zerstört worden sein. In der der Vernichtung entgangenen
Vorstadt standen im 9. Jahrhundert zwei Kapellen, deren grössere die in den Urkunden seit 866 genannte Ecclesia Alba (heute
BlancheÉglise) war. 866: Nugerolis; dann Nurols, Neurol, Nurux, Nuerux, Neyrol, Nurol, Nigrol, Nugrol,
Neural und Neureux (von nucariolum = Nussbaumgehölz).
Der in der Folge befestigte und ziemlich bevölkerte Ort Neureux wurde später von den die Gegend verheerenden Bernern niedergebrannt,
und seine Bewohner siedelten auf Neuenburger Boden über. An seiner Stelle entstand dann das heutige Neuenstadt, das durch
die ausgewanderten Bewohner der am durch Graf Rudolf von Neuenburg
dem Boden gleich gemachten Stadt La
Bonneville (im Val de Ruz) gegründet wurde. Nachkommen dieser einstigen Leute aus Bonneville sind heute noch die Angehörigen
der Neuenstadter Geschlechter Imer und Cunier.
Die so am Fuss des Schlossberges entstandene neue Siedelung wurde lange Zeit hindurch sowohl Neuveville
als Bonneville genannt und war mit Hilfe des Fürstbischofes von Basel
1318 fertig erbaut. Im gleichen Jahr verlieh ihr der Fürstbischof
Gerhard von Wippingen (Wuipens) die gleichen Freiheiten und Rechte, wie sie Biel besass. In dieser Urkunde wird die neue Stadt
folgendermassen bezeichnet: Novavillasupra lacum Biello, subtus Gastrum nostrumSchlossbergsitum.
Neuenstadt trat 1387 mit Bern
ins Burgrecht, nahm 1530 die Reformation an, öffnete 1797 seine Tore den Truppen der französischen
Republik und sah 1814 den Durchzug der Verbündeten. 1815 kam die Stadt durch den Wiener Vertrag zusammen mit den übrigen
Ländereien des Bistums Basel
an den Kanton Bern.
1846 als eigener Amtsbezirk von Erlach abgetrennt. Alteingesessene Patriziergeschlechter
von Neuenstadt sind die de Rive, die durch Heirat zu den FreiburgerDiesbach in verwandtschaftliche Beziehungen traten, und
die mit den Herren von Colombier(Neuenburg)
verwandten Lécureux. Jean Lécureux wurde 1500 Burgherr auf Schlossberg. Eine
Rolle spielten ferner seit 1490 die Herren von Ligerz (Gléresse). Neuenstadt ist die Heimat des 1731 gestorbenen Johann Konrad
Landolt, der im preussischen Heer Feldprediger und nachher Pfarrer der französischen Kirche zu Hamburg
¶
forlaufend
war; von Pfarrer Jean François Imer, der sich grosse Mühe gab, in seiner Vaterstadt die Seidenraupenzucht einzuführen;
von General Gross, durch seine Verteidigung von Gaeta 1848 bekannt geworden.