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Seit Jean-René Germanier (Nationalrat) im Sommer 2012 eine Motion eingereicht hat, die vom Bundesrat bis im Sommer 2013 einen Bericht verlangt, worin eine vollständige Öffnung des Milchmarktes mit der EU geprüft werden soll, ist die Debatte lanciert. Studien und Gegenstudien reihen sich aneinander. Die jeweiligen Kommissionen im Parlament verfolgen das Thema. Die Milchindustrie sowie die Produzentenverbände sind geteilter Meinung. Gewisse Beobachter sehen die Gefahren der Liberalisierung bereits als beerdigt an, andere bleiben argwöhnischer.
Denn dieser Wille zu Liberalisierung der « weissen Linie » reiht sich in die allgemeinen Tendenz zur Öffnung der Märkte ein. Das lässt vermuten, wenn dieses Projekt auch aufgegeben wird, es möglicherweise mit einem neuen Gesicht wieder geboren wird.
Dennoch, die Risiken einer solchen Liberalisierung wurden berechnet und bestätigt.
Eine kürzlich publizierte Studie der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften in Zollikofen zeigt die desaströsen Auswirkungen einer sektoriellen Marktöffnung: ein abrupter Milchpreisrückgang mit gleichbleibenden Produktionskosten, was für Tausende von Milchproduzenten den Konkurs bedeutet. Ohne umfassende Begleitmassnahmen würden nur zwei der vierzehn untersuchten Betriebe in der Milchproduktion bleiben. Zwölf der Aussteiger würden andere Betriebszweige ausdehnen oder in paralandwirtschaftliche Tätigkeiten bzw. in den Nebenerwerb ausweichen, was wiederum in anderen Sektoren den Druck erhöht (z. B. Fleisch oder Getreide). Die Studie besagt auch, dass diversifizierte Betriebe besser überleben würden, während spezialisierte und hochprofessionelle Milchproduzenten existenziell bedroht wären. Die Biobranche wäre gleichermassen betroffen.
In der Milchverarbeitungsindustrie ist aufgrund des erhöhten Konkurrenzdrucks aus dem Ausland und der schwierigeren Milchversorgung zu erwarten, dass massive Strukturbereinigungen stattfinden würden.
Der Bundesrat sollte bis Ende 2013 zu diesem Thema Stellung nehmen. Je nachdem, wie diese Stellungnahme aussieht, könnte in den Parlamentskammern eine extrem wichtige Debatte stattfinden. Für Uniterre ist diese Marktöffnung - falls sie denn tatsächlich umgesetzt würde - ein direkter und brutaler Angriff auf die Agrarpolitik, die sich an der Ernährungssouveränität orientiert.
Um zu bestehen, braucht es unbedingt eine breite und nationale Allianz aller Bauernfamilien. Wir müssen ein Preissteuerungssystem fordern, wie die Bäuerinnen und Bauern in Europa. Und niemand, weder in der EU noch in der Schweiz, darf die Hände in den Schoss legen!
Uniterre, mittels der Milchkommission, wird in nächster Zeit mehrere Abende in den Sektionen organisieren, um die Produzenten und Produzentinnen zu mobilisieren. Ob MilchproduzentIn oder nicht - alle sind betroffen. Die Milchproduktion stellt das Rückgrat der Schweizer Landwirtschaft dar, wenn sie zerfällt, wird unsere gesamte Produktion geschwächt hervorgehen.
Die Produzenten und Produzentinnen müssen sich beim Bundesrat sowie beim Parlament Gehör verschaffen, da sich diese Gremien schon bald mit den Dossiers befassen.