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« Es ist ein Fehler sowohl das zu sehen, was nicht ist, als auch das nicht zu sehen, was ist. ».
CONFUCIUS
Die Akupunktur in Ihrer Gesamtheit beruht als medizinische Therapie auf einer bestimmten Philosophie, einer bestimmten Auffassung vom Leben und des Menschen. Ist auch das genaue Alter der Akupunktur unbekannt, so wird es doch auf 6000 Jahre geschätzt, also bis in die Steinzeit und Jungsteinzeit reichend.
Die Art des Herangehens an den Patienten und die Punktiertechnik an fast schmerzlosen Einstichstellen des Körpers mit feinen Nadeln können lindern, die Patienten heilen, bei denen die westliche Medizin oft versagt.
Es ist daher unerlässlich, dass die Akupunktur und westliche Medizin als sich ergänzend und nicht als parallel betrachtet werden.
Eine Technik, die Tausende von Jahren in der Geschichte und der ununterbrochenen Praxis überlebt hat, muss besondere Heilkraft haben.
GESCHICHTLICHER ABRISS DER AKUPUNKTUR
Entstehung und Entwicklung in China
Nach Nei Ching, eine Arbeit die dem XXVIII Jahrhundert v. Chr. zugeschrieben wird, hatten die chinesischen Jungsteinzeitmenschen beobachtet, dass Funktionsstörungen der inneren Organe immer durch eine schmerzhafte Empfindung an bestimmten Stellen der Haut begleitet sind: ganz lokalisierte Punkte, deren Abfolge immer dieselbe für eine bestimmte Krankheit ist. Sie entdeckten dann, dass die Anregung einiger dieser Punkte Linderung vorher bestehender Schmerzen brachte. Damit war die Behandlung von bestimmten Erkrankungen durch Akupunktur geboren.
Bei Nei King gibt es auch eine Zusammenfassung der medizinischen Erkenntnisse aus der Zeit vor den Chin-und Han-Dynastien. Viele Seiten im Buch sind der Akupunktur und Physiologie sowie der Pathologie der Meridiane, Akupunkturpunkte, gewidmet und diskutieren Fälle einer Kontraindikation. Er schuf auch für jeden Patienten eine eigene Maßeinheit, um für jeden die Punkte mit Präzision zu finden, genannt "Tsun".
In dieser Arbeit zeigt uns eine Passage das extreme Alter der Methode selbst und, ohne Wahlstimmungsmache, lässt keinerlei heuchlerischen Zweifel an den Gründen, wegen der die damalige Regierung sich für die öffentliche Gesundheit interessiert haben würde; dieses merkwürdige Edikt, das dem Gelben Kaiser Huang Ti zugeschrieben wird, besagte:
« ... Ich bedauere vor allem, dass mein Volk, das durch Krankheit daniederliegt, mir keine Steuern und Abgaben zahlt.
Mein Wunsch ist, dass man ihnen mehr Medikamente, die sie vergiften geben möge und dass man sich nicht mehr der alten Steinnadeln bedient.
Ich wünsche mir nur, dass man die geheimnisvollen Metall-Nadeln, mit denen sie die Energie leiten, verwendet... »
In den frühen Tagen seiner Entwicklung, wurden Steinmesser, erfunden aufgrund der Bedürfnisse produktiver Arbeit, verwendet, um bestimmte Leiden des menschlichen Körpers zu beseitigen. Später wurden die Steinnadel durch Bambus-und Knochennadeln ersetzt.
Die Anzahl der Punkte erhöhte sich im Laufe der Zeit und es endete schließlich mit der Feststellung, dass der gesamte menschliche Körper davon übersät war. Nach Jahrhunderte und Aberjahrhunderten der primitiven Akupunktur, die nur symptomatisch durchgeführt wurde, wurde mit der Formulierung der Hypothes von den Meridianen ein erster Fortschritt erzielt. Man verband die Punkte durch abstrakte und immaterielle Linien, weil festgestellt worden war, dass neben anderen Phänomenen bei einer bestimmten Erkrankung immer die gleichen Punkte, einer nach dem anderen gelegen, auf Druck oder spontan viel empfindlicher wurden . Dies war ein erster Fortschritt, denn, wenn die Anregung eines Punktes nicht das gewünschten Ergebnis brachte, oft durch Einstechen an einem weiteren Punkt auf der gleichen Linie dazu führte.
Bei der praktischen Anwendung stellten die asiatischen Stämme dieser vergangenen Epoche neue Tatsachen fest: Einige Probanden hatten nicht nur ein Gefühl der Betäubung oder der Verwundung beim Druck auf die Punkte, sondern sagten auch das Gefühl zu haben, dass in diesem Bereich "etwas durchläuft" wie ein elektrischer Strom.
Darüber hinaus, nahm dieses Gefühl von "etwas, das durchläuft", immer die gleiche Richtung zu einem anderen Punkt. Auf diese Weise wurden nach und nach alle vierzehn Meridiane entdeckt, beschrieben und kodifiziert.
Unter der Dynastie der Yin und Chang (sechzehntes bis elftes Jahrhundert v. Chr.) machte die Entwicklung der Metallurgie die Herstellung von Nadeln in großen Mengen möglich.
Von 265 bis 1600 n. Chr. erlebte die Akupunktur durch die Veröffentlichung zahlreicher Bücher zu dem Thema und durch die Schaffung einer Imperial College of Medicine einen großen Aufschwung. Auch wurden Bronzestatuen gegossen, auf denen die Wege der Meridiane und Punktpositionen markiert waren. Diese Statuen waren für Lehre und Prüfungen bestimmt.
Während der Qing-Dynastie (1644 - 1911), verachteten die Herrscher die Akupunktur und untersagten sogar oftmals die Ausübung. Die Entwicklung dieses Zweiges der chinesischen Medizin wurde daher behindert, um erst mit dem Einzug der Kommunisten in China wieder aufzuleben.
MÜHEVOLLE HINWENDUNG DES WESTENS ZUR AKUPUNKTUR
« Es ist eine törichte Haltung etwas verachtend und verurteilend darzustellen, was nicht wahrscheinlich ist ».
MONTAIGNE
Wir kennen viele Gründe, warum Akupunktur im Westen unbekannt war: diese Wissenschaft wurde nicht an einer Schule oder Universität gelehrt. In der Praxis war es so, dass die Akupunkteure, wie übrigens alle Ärzte, ihr Wissen vom Vater auf den Sohn oder vom Lehrer auf die Schüler als ein Geheimnis übermittelten: man musste einen Lehrer finden, der bereit war, sein Wissen weiterzugeben. Das ist nicht einfach für Ausländer, die die Sprache nicht sprechen. Die Dolmetscher, von denen man sich begleiten lassen könnte, sind unwissend und übersetzen schlecht. Außerdem verzögern sie die Arbeit und sind nicht gern gesehen.
Hinzugefügt werden muss, dass die europäischen Ärzte, die nach China geschickt werden, um ihre Wissenschaft zu lehren, aus Respekt für das Prestige ihrer Kunst, sich schwerlich von einem Arzt des Landes unterweisen lassen könnten. Es ist daher unmöglich für die Reisenden - Zeugen von überraschenden Heilungen - zu begreifen, dass man dies bei uns in einem Kurs eines Professors erlernen kann. Keiner von ihnen konnte nichts anderes als eine vage und allgemeine Vorstellung von der Methode zu geben. Europa nahm keine Notiz und zog aus diesen Informationen keinen Nutzen. Die medizinische Übersetzungen sind schwierig, die Begriffe oft veraltet, fast unübersetzbar. Es ist daher verständlich, dass Jahrhunderte vergangen sind ohne dass viel Licht in dieses Thema gebracht wurde.
Jesuiten-Gelehrte, durch unsere Akademie der Wissenschaften im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert nach Peking entsandt, wurden informiert. Sie sprachen mit Bewunderung von dem lateinische Wort "acupunctura" oder "Stich mit einer Nadelspitze".
Mehrere Dokumente sind in Europa veröffentlicht worden, ohne dass die Akupunktur im Westen als therapeutisches Mittel häufig angewandt wurde:
Im Jahre 1671 hat Pater Harvieu, einer der Jesuiten der königlichen Mission in Grenoble veröffentlicht: "Die Geheimnisse der chinesischen Medizin, die aus der perfekten Kenntnis des Pulsschlages besteht, von einem Franzosen und Mann von großen Verdienst, der nach China geschickt wurde."
1682 erscheint in Frankfurt das Buch des polnischen Jesuiten-Missionar Michel Boyn: "Specimen Heil Sinical, Sive Opuscula Medica ad Mentem Sinesium."
Im Jahre 1683 veröffentlicht der niederländische Chirurg Then Rhyne ein Buch über die Behandlung der Gicht durch die Nadeln: "Dissertation Arthridide Mantissa Schematica de Acupunctura."
Im Jahr 1735, erwähnte Du Halde in "Geographische Beschreibung des chinesischen Reiches", die verschiedenen Pulse, die verschiedenen Meridiane und sogar ihre Kopplung.
Im frühen neunzehnten Jahrhundert interessierten sich einige große Mediziner, darunter Laennec, für die fernöstliche Medizin. Aber aufgrund der fehlenden wissenschaftlichen Grundlage einerseits sowie der Erfahrung der Chinesen, wollten diese Ärzte eine Akupunktur nach ihrer Weise durchführen, wobei sie die Methode in Verruf brachten, um damit ihren Misserfolg zu erklären. Einige wollten sie wie Dr. Berlioz (Vater des Komponisten Hector Berlioz) - der erste Pionier der Akupunktur in Frankreich - ausüben, der 1810 der Gesellschaft der Medizinischen Fakultät von Paris eine Abhandlung vorlegte. Danach war es Dr. Sarlandière, der im Jahr 1825 seine außergewöhnliche "Abhandlung der Elektropunktur und Anwendung der japanischen Moxa in Frankreich" veröffentlichte mit ziemlich genauen Angaben und anatomische Zeichnungen der japanischen Medizin.
Erst im Jahre 1863, erschien die erste etwas detailliertere Studie über die Nadeln von Captain Dabry - Generalkonsul von Frankreich in Hankau - in einem großen Buch über chinesische Medizin: "Medizin der Chinesen". In dieser Arbeit wird keinerlei Nachweis erbracht und die Angaben sind nicht immer mit den chinesischen Texten übereinstimmend. Da Dabry darüber hinaus keinen Schüler ausbildete, blieb seine Studie unbeachtet und ermöglichte es nicht. die Akupunktur in Europa einzuführen.
Im Jahr 1908 widmete Dr. I. Regnault ein besonderes Kapitel chinesischen Medikamenten und der Beschreibung der Akupunktur in seinem Buch: "Medizin der Chinesen", aber er hat weder die Position der Punkte noch ihre Indikationen angegeben.
Dies ist erst ab 1928 der Fall, als George Soulié de Morant, ein in China stationierter französischer Diplomat, der unter Experimentieren, die eigentliche Methode, die er von chinesischen Meistern im Verlaufe seiner langen Aufenthalte im Reich des Himmels gelernt hatte, übermittelte. Ihm gebührt der Verdienst, die Aufmerksamkeit der medizinischen Öffentlichkeit in Frankreich auf die Behandlung mit Nadeln gelenkt und eine wirklich begründete Akupunktur verbreitet zu haben. Es ist unbestreitbar, dass ohne ihn die Wissenschaft von der Energie nicht das, was sie heute ist, wäre. Es musste aber noch gewartet werden, damit ein anderer die enorme Arbeit, die er vollbracht hat, macht. Dank ihm hat die Akupunktur nunmehr feste Wurzein in Frankreich geschlagen, das zur Europäischen Wiege dieser mehr als tausendjährigen Medizin wurde.
« Die Dinge sind richtig oder falsch je nach der Seite, von der aus man sie betrachtet. Die Wahrheit besteht ewig. Wer sie kennt, spricht nicht darüber, der, der darüber spricht, kennt sie nicht ».
LAO TSEU
Text by Dr Didier VANDESRASIER