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Jahr für Jahr lassen sich mehr Frauen mittels Kaiserschnitt entbinden. 33,3 Prozent aller Geburten in Schweizer Spitälern erfolgen heute auf diese Weise. Tendenz kontinuierlich steigend: 1998 waren es noch 22,7 Prozent, 2010 dann schon 32,6 Prozent.
Allerdings schwanken die Zahlen je nach Region und Spital stark. Spitzenreiter ist der Kanton Zug, am wenigsten Kaiserschnitte verbucht der Kanton Jura. In den Städten wie Zürich, Luzern oder Bern ist der Anteil der Frauen, die mittels Kaiserschnitt gebären hoch. Dagegen bleibt der Anteil an Schnittentbindungen bei Frauen aus ländlichen Wohnregionen in fast allen Kantonen tief.
Zweierlei Kaiserschnitte
Ein Kaiserschnitt (medizinisch «Sectio caesarea») wird geplant – man spricht dann von einer primären Sectio –, wenn die Lage des Kindes eine normale Geburt erschwert, zum Beispiel bei einer Querlage.
Die Querlage gilt wie auch die Fehllage der Plazenta zum Beispiel als absolute Indikation für einen Kaiserschnitt, da das Leben und die Gesundheit des Kindes und/oder der Mutter gefährdet sind und mit dem Kaiserschnitt schwerwiegende gesundheitliche Schäden vermieden werden können. Anders ist es zum Beispiel bei der Steisslage, bei Mehrlingsgeburten oder beim Missverhältnis zwischen der Grösse des Beckens der Mutter und dem Kopf des Kindes – hier spricht man von relativen Indikationen. Bei den relativen Indikationen geht es um die Abwägung der geburtsmedizinischen Risiken einer vaginalen Geburt im Vergleich zu einem Kaiserschnitt. Auch bei diesen Kaiserschnitten spricht man von einem geplanten Kaiserschnitt.
Wird der Kaiserschnitt aber während der normalen, vaginalen Geburt eingeleitet – man spricht in diesem Fall von einer sekundären Sectio –, handelt es sich um eine Notsituation, zum Beispiel wenn sich die kindlichen Herztöne verschlechtern, wenn starke Blutungen auftreten oder wenn die natürliche Geburt nicht zeitgerecht voranschreitet und die Ärzte von einem Geburtsstillstand ausgehen.
Der Wunschschnitt kommt oft gelegen
Viele Frauen geben als Gründe für ihren Wunsch nach einer Entbindung per Kaiserschnitt vor allem die Angst vor Komplikationen bei der Spontangeburt an – etwa vor gesundheitlichen Folgen für das Kind zum Beispiel durch Sauerstoffmangel bei einem Geburtsstillstand, vor einem überdehnten Beckenboden, der sich nach der Geburt nicht zurückbilden könnte, vor Inkontinenz sowie vor sexuellen Problemen als Folge eines Dammschnittes und anderen Verletzungen im Scheidenbereich.
Doch auch immer mehr Gynäkologen ziehen einen Kaiserschnitt auf Wunsch der Spontangeburt vor. Die präzise Planbarkeit der Geburt sowie organisatorische Vorteile lassen sie heute immer schneller zum Skalpell greifen. Den Vorwurf, dass der Kaiserschnitt für Ärzte zur lukrativen Einnahmequelle geworden ist (je nach Kanton und Spital kostet ein Kaiserschnitt schnell einmal annähernd doppelt so viel wie eine Spontangeburt) weisen sie zwar zurück.
Tatsächlich ist eine Spontangeburt wohl unterbezahlt, da das ganze Sicherheitsdispositiv, falls aus der normalen Geburt plötzlich ein Notkaiserschnitt wird, im Hintergrund zur Verfügung stehen muss. Verrechnet werden kann es aber nur, wenn es auch tatsächlich gebraucht wird. Der Preis eines Kaiserschnitts dürfte wohl helfen, das finanzielle Ungleichgewicht auszugleichen.
Welche Risiken birgt der Kaiserschnitt?
Ein Kaiserschnitt ist ein operativer Eingriff mit Teilnarkose und allen entsprechenden Risiken. So können beim Schnitt durch Bauchdecke und Gebärmutter Blutungen entstehen und Nachbarorgane wie Darm und Harnblase verletzt werden. Zudem erhöht sich das Risiko einer Infektion im Wochenbett wie zum Beispiel einer Gebärmutterentzündung oder eines Harnleiterinfektes. Und die Vernarbungen in der Gebärmutter nach einer Schnittentbindung verdoppeln das Risiko für Komplikationen bei einer Folgeschwangerschaft.
Neugeborene, die vor der 39. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, haben zudem ein erhöhtes Risiko für das so genannte Atemnotsyndrom. Dieses tritt unmittelbar nach der Geburt oder wenige Stunden nach Geburt ein, ist aber in der Regel gut behandelbar.
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