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Ich habe vor Jahrzehnten als Assistent am Institut für Orts- Regional- und Landesplanung an der ETH den Begriff «Planung» satirisch wie folgt definiert: «Planung ist die Ersetzung des Zufalls durch den Irrtum». Die Definition wurde damals, 1975, in einer Zitatensammlung mit dem Titel «Sprüche und Widersprüche zur Planung – Zitatenschatz für Planer und Verplante» an der ETH Zürich publiziert. Die Definition wurde in der Folge – mit oder ohne Quellenangabe – oft zustimmend und oft auch kritisch zitiert. Heute finde ich den Satz auf dem Internet als Zitat von Peter Ustinov, von Churchill, von Einstein und andern, was mir mehr Spass als Ärger bereitet.
Meine Definition ist auch nicht völlig «eigenständig» gefunden worden und auch nicht ganz «auf dem eigenen Mist gewachsen». Sie basiert auf einer Bemerkung von Herder, dass die Welt «von zwei Tyrannen regiert werde, vom Zufall und vom Irrtum.» Meine «Autorschaft» beruht also auf einer Verknüpfung der beiden Tyrannen mit dem Begriff Planung. Eine Formulierung lässt sich kaum urheberrechtlich schützen, weil ja nicht auszuschliessen ist, dass auch verschiedene Personen unabhängig voneinander darauf stossen. Sie gehört demjenigen, der weiss, wo und wie er auf sie gekommen ist. Ich bin übrigens nicht generell gegen Planung, lediglich gegen monopolistisch zwangskollektivierte staatliche Planung, die das Weiterdenken, das Lernen und die Kreativität einschränkt, nicht nur der Verplanten, sondern auch der Planenden.
Manchmal ist ein Irrtum auch besser als der Zufall, weil man als einsichtiger Irrender immer noch dazulernen kann, während man dem Zufall schutzlos ausgeliefert ist. Mein vor einem Jahr verstorbener Freund Anthony de Jasay sah dies allerdings umgekehrt. Irrtum sei immer falsch, beim Zufall habe man immerhin noch die Chance, dass er sich positiv auswirke. Als Zitatensammler weiss ich, wie schwierig es oft ist, die ursprünglichen Autoren ausfindig zu machen. Zudem ist es ja kein schlechtes Zeichen, wenn ein Gedanke, bzw. eine Formulierung von andern gewissermassen «adoptiert» wird und dann unter mehreren Quellen weitere Verbreitung findet. Gestohlen wird nur etwas, das offensichtlich einen Wert hat. Tröstlich ist, dass wenn ich den Text in die Suchmaschine mit der Zusatzinformation «Nef» eingebe, auch die korrekte Fundstelle am Bildschirm erscheint.
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