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«Der Schuss, den die Welt hörte»
Von Shirley L. Kearney, Deutsch von Martin Pütter
Dieser Beitrag zum Ersten Weltkrieg setzt das Thema des Artikels fort, der in der Printausgabe des The Basel Journal (No 14, 2014) erschien. Der obenstehende Satz tauchte erstmals auf im Zusammenhang mit dem Beginn des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges (1775), im Gedicht «Concord Hymn» von Ralph Waldo Emerson:
«An der rauen Brücke über den Fluten
wehte ihre Fahne im Hauch des Aprilwinds,
Wo einst bedrängte Bauern standen
Und feuerten den Schuss, den die Welt hörte.»
Der zweite Bezug auf diesen Satz hängt mit dem 28 Juni 1914 zusammen, als der habsburgische Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich in Sarajevo ermordet wurde. Es war der Funke, der die Spannungen in einigen Ländern Europas anzündete und einen Monat später mit dem Angriff Österreichs auf Serbien den Krieg auslöste. Der Krieg riss die drei bei Basel zusammenstossenden Länder auseinander – eines neutral, zwei kriegsführend.
In Erinnerung an den Beginn des Krieges vor 100 Jahren widmen sich 30 Ausstellungen verschiedenen Aspekten dieser vier Jahre am Oberrhein. Sie behandeln gesellschaftliche und politische Aspekte, das tägliche Leben, die Propaganda, Aufstände, und auch Gründe zum Feiern werden gezeigt.
Ein Besuch des Dreiländermuseums in Lörrach wird die Neugier aller Geschichtsfreunde befriedigen, mit dem kraftvollen Gebrauch von Propagandapostern, vor allem im Vergleich zu den heutigen sozialen Medien. Ein 3D-Film (Brillen werden überreicht) führt in die Schützengräben. Die Sonderausstellung «Vom Schlamm zu Tränen» beinhaltet das Drehen eines Knopfes, während man durch zwei Öffnungen schaut – dies schafft eine stereoskopische Erfahrung. Dokumente, Briefe, Kleider und zeitgenösse Karten sind ausgestellt – Bilder, welche das Trauma und das stoische Erdulden zeigen.
Nach dem Besuch in Lörrach geht es via Auto oder Zug nach Grellingen im Laufental; dort erhält man einen anderen Blick auf die Kriegssituation, und zwar aus Schweizer Sicht. Wer den Wanderpfad Richtung Kaltbrunnental nimmt, kommt rasch zu einer Felswand mit farbenreichen Malereien, dem so genannten Chessiloch (Bild). Von Beginn bis Ende des Krieges hat die Schweizer Armee dort Truppen stationiert, um die Transportrouten zu schützen. Die Soldaten langweilten sich die meiste Zeit (weil nichts geschah), was sie veranlasste, ihre Kreativität auszuleben, indem sie Wappen, Figuren und Symbole an die Felswände malten. Diese einzigartige «Felskunst» steht unter Denkmalschutz. Über die Jahre hat ihr Feuchtigkeit, Kälte, Hitze und üppige Vegetation zugesetzt – Farben sind verblasst, Konturen aufgeweicht. Bisherige Ausbesserungen hielten den Verfall nur auf.
Bei den jüngsten Renovationsarbeiten kommen jedoch modernste Materialien zur Anwendung, um so viel wie möglich von der ursprünglichen Arbeit der Soldaten zu erhalten. Sie sollen zur feierlichen Wiedereröffnung am 30. August beendet sein.
Hinweis: Bis Ende August führen die SBB Unterhaltsarbeiten entlang der Gleise in Grellingen durch. Besucher der Felswände sind gebeten, den Instruktionen am Beginn des Wanderwegs (nahe des Bahnhofs) zu folgen.