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| Tertullian († um 220) - Über die Aufforderung zur Keuschheit (De exhortatione castitatis)

11. Kap. Inkonvenienzen der zweiten Ehe bei der Feier der Jahrgedächtnisse für den verstorbenen Gatten.
Denn die Beschämung ist dann eine doppelte, weil bei der zweiten Ehe zwei Gattinnen den einen Mann umstehen, die eine der Seele nach1, die andere mit Fleisch und Bein. Denn unmöglich wirst du die erste Frau hassen können. Die Zuneigung, die du ihr bewahrst, ist sogar eine ehrwürdigere, da deren Gegenstand bereits zum Herrn aufgenommen ist; für ihre Seele bittest du, für sie bringst du die alljährlichen Opfer dar. Du wirst also dann mit so viel Gattinnen vor dem Angesicht des Herrn stehen, als du in deinem Gebete erwähnst; du wirst für zwei opfern und diese zwei anempfehlen lassen durch einen Priester, der nach [S. 343] einer einmaligen Ehe ordiniert oder auch in der Jungfräulichkeit geheiligt und von eingattigen Witwen umgeben ist. Wird da, wenn dein Opfer aufsteigt, deine Stirn eine freie sein und wirst du dann neben den übrigen Gütern des Geistes2 für dich und deine Frau auch um Keuschheit bitten?
1: Die Verstorbene.
2: Die Lesarten schwanken an dieser Stelle sehr.