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Weniger AIDS-Tote durch langfristige antiretrovirale Therapie
Die langfristig angewandte antiretrovirale Therapie bei der HIV-Infektion ist hochwirksam. Das Risiko von AIDS oder Tod wird um 86% reduziert. Diese Ergebnisse wurden unter der Leitung des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern ermittelt und am vergangenen Freitag in der Fachzeitschrift «The Lancet» publiziert.
Die antiretrovirale Therapie besteht heute aus einer Kombination von mindestens drei antiretroviralen Medikamenten aus mindestens zwei Medikamentenklassen. Studien zur Wirksamkeit dieser Kombinationstherapie erstreckten sich bislang nur über die Dauer von einem Jahr oder weniger, und die Wirkung auf das Auftreten von AIDS oder die Sterblichkeit war bisher schlecht dokumentiert.
Eine internationale Forschergruppe um Prof. Matthias Egger vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern hat nun die Daten von über 3200 Patienten aus der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie analysiert, wobei neue, in den USA entwickelte statistische Methoden angewandt wurden. Die untersuchten Patienten waren bei der Erhebung HIV-infiziert, aber nicht aidskrank. Von diesen Patienten erkrankten im Beobachtungszeitraum 400 an AIDS oder starben. Die Forscher kommen zum Schluss, dass die Kombinationstherapie das Risiko an AIDS zu erkranken oder zu sterben um 86% senkt, wobei die Wirksamkeit mit zunehmender Behandlungsdauer zunahm. Im ersten Behandlungsjahr betrug die Reduktion 55%, nach mehr als zwei Jahren Therapie jedoch 96%.
Prof. Matthias Egger von der Universität Bern bemerkte, dass bei der Diskussion der Nebenwirkungen diese grosse Wirksamkeit der antiretroviralen Therapie berücksichtigt werden sollte. Weiter wies er darauf hin, dass viele HIV-infizierte Menschen in armen Ländern keinen Zugang zu diesen Medikamenten haben. «Die antiretroviralen Therapien sollten nun so schnell wie möglich den Millionen von infizierten Menschen in Entwicklungsländern zugute kommen, zum Beispiel in Schwarzafrika.»
Die Schweizerische HIV-Kohortenstudie (SHCS) wird in Zusammenarbeit mit Hausärztinnen und Hausärzten an den sieben Zentren in Basel, Bern, Genf, Lausanne, Lugano, St. Gallen und Zürich betrieben. Sie erfasst seit 1988 epidemiologische, klinische und labormässige Daten von HIV-infizierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Bisher wurden über 11’000 Menschen mit einer HIV-Infektion eingeschlossen, von denen heute noch rund 5000 nachkontrolliert werden. Die Studie ist repräsentativ, denn über 70% der dem Bundesmat für Gesundheit (BAG) gemeldeten Aids-Fälle sind auch in der SHCS dokumentiert. Ziel der SHCS ist es, die HIV-Epidemiologie in der Schweiz zu beschreiben. Daneben dient sie aber auch als Basis, um grosse multizentrische Studien durchführen zu können, mit denen Nutzen und Nebenwirkungen neuer antiretroviraler Behandlungsstrategien oder prophylaktischer Behandlungen von Folgekrankheiten der Immunschwäche untersucht werden. Die Schweizer Kohorte ist ein Instrument, um wissenschaftliche Resultate zu erhalten, Resultate, die zur Verbesserung der Behandlung von Menschen mit HIV und Aids beitragen.
30.07.2005