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Hunt for Red October war nicht nur der erste Roman des 2013 verstorbenen Tom Clancy mit seinem Helden Jack Ryan, es war 1990 auch die erste Verfilmung mit dem neuen Agenten an Amerikas Filmhimmel. Ryan ist kein James Bond. Er ist verletzlich, hat Flugangst und Schiffe mag er auch nicht besonders gerne. Ryan ist eine der Hauptfiguren um das Verschwinden des neuen sowjetischen Super-U-Bootes von Kapitän Ramius auf amerikanischer Seite aufzuklären. Er ist der erste, der nicht daran glaubt, Ramius würde Kurs auf die USA nehmen um einen nuklearen Erstschlag zu führen, doch dies zu beweisen ist ein Unterfangen, für das der Analyst Ryan eigentlich „gar nicht ausgebildet“ ist, wie er selbstschützend behauptet! Sean Connery ersetzte damals Klaus-Maria Brandauer, der aus Termingründen absagen müsste, und liefert eine seiner besten Post-Bond Rollen. Nebst viel (handgemachter) Technik sind unter der Regie des damals noch „heissen“ James McTiernan in weiteren Rollen Sam Neill, Tim Curry und James Earl Jones zu sehen, der die Figur des CIA-Chefs noch in zwei weiteren Rollen geben sollte.
Red Octobers wahrscheinlich einprägsamster Track ist „Hymn to Red October“ für grossen Chor und Orchester, eine tolle Komposition, auch für sich ganz alleine stehend mitunter eines der schönsten Stücke überhaupt aus der Feder des Komponisten. Wüsste man es nicht besser, würde man dieses Stück ohne weiteres einem sowjetischen Komponisten zuordnen, wenn auch die Ingredienzen, insbesondere die Verwendung des Orchesters, sehr charakteristisch für Poledouris sind.
Das hier verwendete Thema ist kurz in „Tyler’s Office/Ramius and the Doctor/Dallas Listens“ und ausführlicher in „Ryan’s Wheels/Tupolov/Buckaro“ und nochmals in „Ancestral Aid“, ansonsten nur noch in „End Title“ zu hören, das eine geschnittene Version aus diversen Stücken darstellt (für eine Einspielung eines richtigen Schlussstückes war das Geld nicht da – ja, und das bei einem damals hoch budgetierten Streifen).
Weitere orchestrale Beigaben sind bis und mit „Submarine Dive/Necessary Force“zu hören. Sie sind mit wenigen Ausnahmen („Two Wives“) meist spannungsbetont und präsentieren sich immer mit elektronischen Beigaben, was angesichts eines Techno-Thrillers wie Red October nicht unpassend ist. Ihre Gestaltung ist Poledouris in Reinkultur. Viele Rhythmen, Crescendi, Becken und Kesselpauken, eine feste, tighte Atmosphäre, die man fast durchschneiden könnte und auffällige Elektronika.
Wer sich übrigens dieser expandierten Fassung verschliesst, wird nicht nur auf neues Synthiesizermaterial verzichten, er verpasst auch vier gelungene orchestrale Tracks mit „Ryan’s Wheels/Tupolov/Buckaro“, „Ryan Lifts Off/Emergence“, „Submarine Dive/Necessary Forces“ und „Outer Doors“. Klar darf man sich die Frage stellen, ob diese es wert sind seine alte CD/LP in den Schrank zu verbannen? Meinerseits ein klares „Ja“! Nicht nur endete die 1990er Scheibe völlig abrupt und unbefriedigend, sie war mit 29 Minuten auch noch unverschämt kurz! Das hat mich damals sehr geärgert und als vor einigen Jahren mal ein Bootleg auftauchte, fand dieses auch seinen Weg zu mir!
Nach rund 44 Minuten ist das instrumentale Abenteuer zu Ende und es sind die Synthies von Poledouris und Michael Boddicker (den kennen wir spätestens seit Outland), die nun für vier Stücke vollständig das Zepter übernehmen. Dies war für Poledouris damals ein schmerzlicher und unerwarteter Einschnitt, den das Studio vornahm um Kosten zu sparen. Zweifellos an der falschen Stelle. Man kann erahnen was aus Hunt for Red October hätte werden können, hätte man Poledouris nicht einfach das Budget gekürzt (er nannte sein Vorhaben damals „Rachmaninow auf hoher See“). So haben wir nun einen Score, der sich tonal in drei Abschnitte teilt (ohne Synthies, orchestral und Synthies, nur Synthies), auch wenn Poledouris alles daran setzt um den ersten beiden Teilen möglichst treu zu bleiben und der rein elektronische Teil gerade Mal knapp 1/4 der Scorelänge von 64 Minuten einnimmt.
Als kleines (Sauer)Bonbon gibt es nebst zweien Albumversionen und einem alternate mix zum Abschluss noch die „Anthem of the Soviet Union“. Ich stelle mir gerade vor wie es wäre den Schweizer Psalm auf einer Filmmusik-CD zu hören…
Endlich also die Gesamtfassung eines Top-Actionscores von Basil Poledouris, dessen Vermächtnis über die letzten Jahren mit den Veröffentlichungen zu Breakdown, Flight of the Intruder, dem wunderbaren, kompletten Conan the Barbarian, dem feinen Synthiescore No Man’s Land und Big WednesdayTribut gezollt wurde. Jetzt noch ein langer Starship Troopers, bitte schön!