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Getroffen haben sich am Wochenende in Calgary alle Energie- und Bergbauminister aus Ottawa und den kanadischen Provinzen. Thema war eine nationale Energie-Strategie.
«Es ist so, als würde die Tabakindustrie ein Treffen der Gesundheitsminister finanzieren», erklären kanadische Umweltschützer. «Das ist Lobbying der perversesten Art» schimpft John Bennett von der grossen Umweltschutz-Organisation Sierra Club.
Fast 180’000 Dollar hat die Ölindustrie zum Konferenz-Budget beigetragen. Der Dachverband «Canadian Association of Petroleum Producers» spendete 30’000 Dollar. Dann haben alle Konzerne, die im Ölgeschäft tätig sind und Ölsand und Ölschiefer ausbeuten oder Pipelines bauen möchten, ihren Teil beigetragen.
«Vom Ölsand ein eigenes Bild machen»
Kanada ist reich an Rohstoffen, Wasser und Erdöl. Vor allem die Provinz Alberta verfügt über grosse Vorkommen an Ölsand und Ölschiefer. Mit einem Teil der Sponsorengelder liessen sich die Minister nach Fort McMurray, dem Zentrum der Ölsandindustrie in Alberta fliegen, damit sie sich «ein eigenes Bild machen» können. Im Klartext: Der Ausflug soll das negative Bild korrigieren, das Umweltschützer von der Nutzung des Ölsands verbreiten.
Umweltschützer kritisieren, dass das Ausbeuten des Ölsands wesentlich dafür verantwortlich ist, dass die CO2-Emissionen stark zunehmen. Kanadas konservative Regierung hatte nach ihrem Amtsantritt 2006 erklärt, dass Kanada die Kyoto-Verpflichtungen nicht einhalten werde. «Die Regierung macht, was die Ölindustrie will», sagt Graham Saul vom Climate Action Network.
Keine Haftung für grössere Risiken
Der Abbau von neuen Reserven – ob Ölsand, Ölschiefer oder Ölfelder in der Tiefsee – ist kniffliger, risikoreicher und umweltbelastender als das Fördern von Öl aus konventionellen Quellen. Die Ölkonzerne sind für grosse Unfälle nicht genügend versichert und wälzen Grossrisiken einfach auf die Steuerzahler ab.
Im Widerspruch zum salbungsvoll erklärten Ziel
Das Ausbeuten der letzten Öl-, Gas- und Kohlereserven steht zudem im Widerspruch zum salbungsvoll erklärten Ziel, die Klimaerwärmung auf höchstens zwei Grad zu begrenzen. Denn die Begrenzung des Klimawandels setzt eine massive Senkung des CO2-Ausstosses und damit des fossilen Energieverbrauchs voraus. Es ist deshalb paradox, wenn US-Präsident Barack Obama zusätzliche Gebiete in Alaska und vor den Küsten der USA für Ölbohrungen freigibt. Und es ist ebenso paradox, wenn kanadische Ölkonzerne aus Sand und Schiefer den letzten Tropfen Öl pressen wollen.
Öl verlassen, bevor es uns verlässt
Wenn die Menschheit das Klima tatsächlich schützen will, darf sie nicht sämtliche Erdöl-, Erdgas- und Kohlevorräte verbrennen, die heute noch im Boden lagern. Wir sollten das Erdöl und die übrigen fossilen Energieträger verlassen, bevor sie uns verlassen.
Alternative Energiequellen wären nicht mehr alternativ, sondern ergänzend
Wenn wir sowieso alle fossilen Vorräte verbrauchen, nützt es für das Klima auch wenig, wenn wir erneuerbare Energiequellen fördern. Dann «erlauben uns die alternativen Energiequellen lediglich, noch länger die Landschaft zu zersiedeln, Strassencafés im Winter zu heizen, zwei Tonnen schwere Autos zu fahren und ähnliche unsinnige Dinge zu tun», schreibt Marcel Hänggi, Autor des Buches «Wir Schwätzer im Treibhaus – Warum die Klimapolitik versagt». Ohne den Verbrauch fossiler Energieträger und damit auch das Wirtschaftswachstum in den Industriestaaten zu bremsen oder zu stoppen, wird es nicht möglich sein, vom Öl weg zu kommen.
Kanadas Regierung will gar nicht vom Öl wegkommen. Dank Ölsand und Ölschiefer soll Kanada zu einer «Energie-Supermacht» werden, erklärte Premierminister Stephen Harper. Die Sponsoren wird es freuen.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
keine