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Elektrophysiologie-Untersuchungen erlauben die Spannung von Netzhaut- und Sehbahn-Nervenzellen zu messen, welche durch Lichtreize ausgelöst werden. Somit kann objektiv die Aktivität der Netzhaut und des Sehnervs gemessen werden. Es handelt sich um nicht-invasive Untersuchungen, die Elektroden werden entweder auf die Haut (Schläfe, Stirn, Schädel) oder die Hornhaut gelegt.
Bei Ganzfeld-Elektroretinographie (Ganzfeld-ERG) werden die Summenantworten der gesamten Netzhaut gemessen, entweder dunkel-adaptiert (skotopisch) oder hell-adaptiert (photopisch). In dunkel-adaptierten Bedingungen wird die Aktivität der in einer gesunden Netzhaut etwa 120-130 Mio Stäbchen-Photorezeptoren gemessen, in hell-adaptierten Bedingungen die 6-7 Mio in der Makula konzentrierten Zapfen-Photorezeptoren. Eine Fadenelektrode wird auf die Hornhaut gelegt, Referenz- und Erdungs-Elektroden bzw. auf Schläfe und Stirn geklebt. Das Ganzfeld-ERG dauert etwa 90 Min, inklusive 30-minütiger Dunkeladaptation und dient z.B. zur Diagnose von Netzhautdystrophien (kongenitale Nachtblindheit, Retinitis pigmentosa) und zum Messen der Wirksamkeit von Uveitis-Therapien.
Bei Kleinkindern kann ein vereinfachtes Mess-Protokoll (Miniganzfeld-ERG) angewendet werden.
Bei multifokaler Elektroretinographie (multifokales ERG) wird das Zentrum der Netzhaut mit fokalen Reizen stimuliert und somit detailliert die Aktivität der Makula und der Peri-Makula gemessen. Da in der Makula Zapfen-Photorezeptoren vorliegen, wird diese Untersuchung immer hell-adaptiert durchgeführt. Eine Fadenelektrode wird auf die Hornhaut gelegt, Referenz- und Erdungs-Elektroden bzw. auf Schläfe und Stirn geklebt. Das multifokale ERG dauert etwa 45 Min und z.B. zur Diagnose bei unklarer Visusminderung oder von Netzhautdystrophien (Makuladystrophien, M. Stargardt).
Zusätzlich dieser Routine-Untersuchungen bietet die Augenklinik auch spezifische Elektrophysiologie-Untersuchungen an, z.B. das Blauzapfen-ERG (S-cone ERG), Muster-ERG, On-Off-ERG, PNR-ERG (photopic negative response) und das Elektrookulogramm.
Das Blauzapfen-ERG (S-cone ERG) dient zur Diagnose des Blauzapfen-Hypersensitivitäts-Syndroms
(Goldmann-Favre Syndrom, ESCS) und das Elektrookulogramm zur Diagnose eines Morbus Best.
Um die Funktion des Sehnervs zu testen, werden sogenannte VEP (Visual Evoked Potentials)-Untersuchungen durchgeführt. Die Elektroden werden auf Stirn und Schädel geklebt und so die Antwort des visuellen Kortex, welcher sich im Hinterhirn befindet, auf Lichtreize gemessen.
Beim Pattern-VEP (Muster-VEP) werden Schachbrettartige Reize verwendet, beim Visus-VEP Streifenmuster. Diese Untersuchungen werden z.B. bei unklarer Visusminderung oder bei Verdacht auf Entzündungen des Sehnervs durchgeführt, und dauern etwa 30 Min.
Psychophysische Untersuchungen
Bei psychophysischen Untersuchungen sagt der Patient, was er sieht: es handelt sich also um subjektive Untersuchungen, welche keine Elektroden benötigen.
Bei der Dunkeladaptation wird die Anpassungsgeschwindigkeit von hellen zu dunklen Lichtverhältnissen mit einem Adaptometer untersucht. Die Untersuchung dauert etwa 40 Min.
Die Anomaloskopie erlaubt Farbsehstörungen zu bestimmen. Diese Untersuchung kann zum Beispiel vorgängig einer Berufswahl erfolgen, wo eine normale Farbenwahrnehmung wichtig ist (z.B. Elektro-Berufe)
Die Mesoptometrie (auch Nyktometrie genannt) erlaubt das Dämmerungssehen und die Blendempfindlichkeit zu bestimmen und wird z.B. für Gutachten betreffend Fahrtauglichkeit durchgeführt.