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MESTRE BIMBA
Manoel dos Reis Machado, der Mestre Bimba, erblickte das Licht der Welt in Engenho Velho, einem Vorort von Salvador, im Bundesstaat Bahia, am 23. November 1900. Er war der Sohn von Luiz Cândido Machado und Maria Martinha do Bonfim. Er arbeitete als Kutscher, Gärtner und Stauer. Seinen Spitznamen bekam er durch eine Wette zwischen seiner Mutter und der Hebamme, die ihr bei seiner Geburt assistierte. Die Mutter meinte, sie würde ein Mädchen auf die Welt bringen, während die erfahrene Hebamme behauptete, es würde ein Junge – und wenn sie Recht hätte, würde sie ihn “Bimba“ nennen, mit diesem Wort bezeichnet man das männliche Sexualorgan überall in Bahia.
Im Alter von zwölf Jahren trat er der Capoeira-Gruppe an der „Estrada dos Boiadas“ bei – heute heisst der Stadtteil “Bairro da Liberdade“ (Freiheit) – sein Lehrmeister war der Kapitän der Bahianischen Schiffskompanie, ein Männlein mit Namen “Bentinho“. Er erlernte und trainierte das traditionelle “Angola“ – bis er dann eine Methode zur Verbesserung des traditionellen Capoeira entwickelte, die er “Capoeira Regional“ nannte. Bimba war schon sehr früh ein hervorragender Praktikant des “Angola“ und intimer Kenner des “Batuque“ (antiker Kampfsport, heute überholt), in dem sich sein Vater bereits als Champion hervorgetan hatte. Mit seiner Entwicklung des “Regional“ hat Bimba wahrscheinlich seinen bedeutendsten Beitrag zum Capoeira geleistet: denn er schuf eine Lehrmethode für dieselbe. Und die hat funktioniert und viele Adepten zu erfolgreichen Capoeiristas gemacht – und sie hat später sogar dazu geführt, dass der Capoeira sich in eine Brasilianische Nationalsportart verwandelt hat.
Im Jahr 1937, am 9. Juni, registriert Bimba seine Capoeira-Schule im “Sekretariat der Erziehung, Gesundheit und Öffentlichkeitsarbeit“, und damit besitzt er nun die erste Capoeira-Akademie Brasiliens, die offiziell anerkannt ist. 1953 präsentiert er seine Schüler vor dem Präsidenten Getúlio Vargas im Palast in Salvador. 1968 begeht er seine 50-Jahrfeier des “Capoeira Regional“. 1969 reist er zum “II. Brasilianischen Symposium des Capoeira“ in Rio de Janeiro – enttäuscht kehrt er noch vor Ende des Events nach Salvador zurück.
Am 5. Februar 1974, ein Jahr nachdem er Bahia verlassen hatte, starb Mestre Bimba in Goiânia. Am Samstagmorgen hatte er sich ein bisschen schwach gefühlt, nahm jedoch das Angebot einer Demonstration im “Club der Städtischen Beamten” an, wo er seine Schüler präsentierte, wie er es immer bei solchen Gelegenheiten getan – und die zeigten alles, was sie bei ihrem Meister aus Bahia gelernt hatten. Ein Riesenerfolg – wie immer. Bimba wurde in Goiânia begraben, denn als er Bahia verliess, hatte er noch gesagt: “Ich werde nicht mehr zurückkommen, hier hat mich nie jemand aus der Regierung unterstützt noch sich meiner erinnert – wenn mir nichts in Goiânia gefällt, dann vielleicht auf dem Friedhof”.
Viereinhalb Jahre nach seinem Tod wurden seine sterblichen Überreste nach Salvador überführt, wo sie im Stadtteil Amaralina, auf dem Platz unter der Berimbau-Skulptur (Bogen als Rhythmus-Instrument zum Capoeira) zur ewigen Ruhe gebettet wurden, und man ihm zu Ehren sein Gesicht in Bronze gegossen hat. Der Platz in dem Stadtteil, in dem er die meiste Zeit seines Lebens verbracht hat, heisst jetzt, ganz offiziell, “Praça Mestre Bimba” – und seine Landsleute, die vielen Afro-Brasilianer aus Bahia, werden ihn bestimmt nicht so schnell vergessen. Axé!
Vicente Joaquim Ferreira Pastinha, der Mestre Pastinha, wurde am 5. April 1889 in Salvador, Bahia, geboren. Er war Sohn des Spaniers José Senhor Pastinha und der Schwarzen Raimunda dos Santos. Im Alter von 10 Jahren begann er die ersten Capoeira-Bewegungen und Sprünge zu lernen, bei einem kräftigen schwarzen Mestre, der noch in Angola geboren war, sie nannten ihn Benedito. Bald entwickelte er sich zu einem der besten Capoeiristas von Bahia. Im Jahr 1941 gründet er sein “Centro Esportivo de Capoeira Angola“ auf dem Pelourinho-Platz Nr. 19 – einem historisch bedeutenden Ort, umgeben von alten Nobelvillen und Jahrhunderte alten Kirchen des antiken Bahia. Dort in der Villa Nummer 19 lehrte der alte Mestre Pastinha den “Capoeira de Angola“ und präsentierte sich den Touristen aus der ganzen Welt mit seinen Capoeirista-Freunden: Totonho de Maré, Traíra, Gato, Bilusca, Daniel Noronha, Samuel Querido de Deus, Bugalho, Aberrê, Amorzinho, Sete Mortes und vielen anderen – und mit seinen Lieblingsschülern João Grande und João Pequeno. Pastinhas Ruhm wuchs, er fing an, Einladungen zu bekommen, um sich und seine Gruppe in anderen Staaten Brasiliens zu präsentieren. Dann vertrat er die Nation auf dem „Premier Festival Internacional de Arts Negres“ in Dakar, Afrika, das im April 1966 stattfand – er war vom brasilianischen Aussenminister persönlich eingeladen worden, um Brasilien mit einer entsprechenden Delegation würdig zu vertreten. Dort erhielt der Meister verschiedene Preise und besondere Ehrungen der Teilnehmer und der Promotoren des Festivals – seine Präsentation wurde als “Grösste Attraktion“ in allen Medien gelobt.
1964 brachte Pastinha ein Buch auf den Markt mit dem Titel “Capoeira Angola“ – etwas später eine Platte mit Begleitmusiken zum Capoeira. Pastinha malte, schrieb Gedichte und Musikstücke für den Capoeira. “Hexerei des Sklaven im Schrei nach Freiheit – sein Anfang hat keine Methode, sein Ende ist selbst dem weisesten aller Meister unbekannt“ – das ist Pastinhas Definition vom Capoeira.
Lob bekam er im Überfluss – Schüler ebenfalls. Sein Haus war stets voll von Freunden, und der Capoeira war dem alten Meister der beste und intimste Freund. Und dann war der Traum plötzlich zu Ende. Männer erschienen vor seiner Haustür und teilten ihm mit, das sie bald mit den Reformen des unter Denkmalschutz stehenden Pelourinho-Komplexes beginnen würden und er erst einmal aus seinem Haus ausziehen müsste – aber er solle sich nicht beunruhigen, denn sobald die Reform seines Gebäudes abgeschlossen sei, würde er wieder in seine Akademie zurückkehren können. Und Pastinha zog aus. Sie nahmen ihm seinen Broterwerb und billigten ihm eine monatliche Unterstützung von 300,00 Cruzeiros zu, von denen er mit seiner Frau und seinen Kindern überleben sollte. Seine Sachen aus der Akademie – Bänke, Trommeln, Reflektoren, Tonträger, Berimbaus, gemalte Bilder, Portraits von Freunden und Schülern, Trophäen und Urkunden etc. verlor er. Sie hatten ihm gesagt, er solle alles in eine Ecke stellen, sie würden sich darum kümmern. Als er später danach suchte, wollte niemand von den Sachen gehört haben – und dabei blieb es dann. Pastinha zog sich in ein gemietetes Zimmer zurück, in der Rua Alfredo Brito, 14, dortselbst auf dem Pelourinho-Platz. Es war ein kleines Zimmer, schmutzig, ohne Fenster, in Nachbarschaft von Prostituierten und Verbrechern, ein wahrhaftiger Abstellraum, in dem nicht einmal ein Herd Platz hatte – der musste in die Tür gestellt werden, damit Dona Nice, seine Frau, auf ihm den “Pilão“ des Meisters zubereiten konnte.
Als ihm seine Freunde die Nachricht brachten, dass sein ehemaliges Haus jetzt den SENAC beherberge, eine Schule für angehende Hotelköche, mit einem Restaurant für Touristen, und dass sie ausserdem im hinteren Teil ein Theater eingerichtet hätten für eine Folklore-Show für Touristen, und dass er niemals mehr seine Akademie zurück bekäme – da versank der Meister in eine Depression ohnegleichen, nur seine eigene Lebensphilosophie und seine Weisheit vergangener Jahre hielten ihn am Leben: “Ich habe keine Ambitionen mehr, will nichts Besonderes mehr von diesem Leben. Was brauche ich schon? Einen Platz, wo ich bleiben kann, wo ich ein bisschen Geld zum Überleben verdiene. Ich habe für viele Leute dieser Gesellschaft gearbeitet, erwarte aber nichts von ihnen. Ich komm durch mit den paar Münzen und mit der Hilfe meiner Begleiterin. Mein Heiliger ist stark und widersteht dem Druck der Feinde, die mich um meinen Meistertitel beneiden, und der für mich keinen Wert mehr hat“.
Am 13. November 1981, im Alter von 92 Jahren, verlassen von den öffentlichen Organen und auch von der Mehrheit seiner Schüler, stirbt Mestre Pastinha und hinterlässt eine nicht mehr zu schliessende Lücke – nicht nur für die Adepten des “Capoeira de Angola“.