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Die erst 21-jährige Hürdensprinterin Noemi Zbären hat in Peking den sensationellen 6. Platz erreicht. Es ist die erste Schweizer Top-8-Klassierung an einer WM seit 2007.
Im Halbfinal hatte Zbären jenes Glück gehabt, dass Langhürdler Kariem Hussein (9.) und 800-m-Läuferin Selina Büchel (10.) in Peking nicht vergönnt geblieben war.
Die Athletin des SK Langnau profitierte davon, dass die Nummern 3 und 4 der Jahresweltbestenliste nicht ins Ziel kamen. Dawn Harper-Nelson, die Olympiasiegerin von 2008 und Olympia-Zweite von 2012, blieb an der zweiten Hürde hängen und stürzte, die in die gleiche Serie wie Zbären eingeteilte Kendra Harrison legte einen Fehlstart hin.
Die beiden Amerikanerinnen hätte Zbären wohl kaum geschlagen. So kam sie mit 12,81 Sekunden, der zweitbesten Leistung ihrer Karriere, als Dritte ihres Halbfinals über die Zeit weiter. Der Fehlstart störte Zbären nicht gross, beim ersten Mal war die Reaktion jedoch besser. «Im Finish konnte ich dies aber noch wettmachen», sagte die Emmentalerin.
Im Final, der gut zwei Stunden später stattfand, gelang ihr dann keine Steigerung mehr, die 12,95 Sekunden können sich aber ebenfalls sehen lassen und der Rang sowieso. «Das ist für mich zum Abschluss einer WM immer noch eine sehr gute Zeit», erklärte die 1,77 m grosse und kräftig gebaute Zbären. Die Schwierigkeit sei gewesen, dass die beiden Rennen so nahe aufeinander gelegen seien. «Ich hatte grosse Freude, weitergekommen zu sein, musste mich aber rasch wieder beruhigen und mich wieder frisch konzentrieren. Eigentlich ist mir das nicht schlecht gelungen. Ich merkte aber, dass ich etwas müder war.»
Gold holte die Jamaikanerin Danielle Williams (12,57) vor der Deutschen Cindy Roleder (12,59) und der Weissrussin Alina Talay (12,66) - alle drei erzielten eine persönliche Bestzeit. Die Amerikanerin Brianna Rollins (12,66), die Weltmeisterin von 2013, musste sich mit Platz 4 begnügen.
Wie schwierig war es für Zbären, dass sie mehr als eine Woche auf ihren ersten Einsatz an diesen WM (am Donnerstag) hatte warten müssen? «Für den Körper war es gut, für den Kopf jedoch anstrengend. Ich brauchte den Vorlauf, um in den Rennmodus zu kommen.» In der freien Zeit las sie mehr als zwei Bücher, da sie nicht der Typ für Stadtbesichtigungen sei.
Zbären hatte bereits bei ihrem ersten Saisonhöhepunkt überzeugt. An der U23-EM in Tallinn im Juli holte sie Gold, nachdem sie zwei Jahre zuvor schon U20-Europameisterin geworden. An U18- und U20-Weltmeisterschaften gewann sie zweimal Silber. Nun stand sie erstmals an einem Grossanlass der Elite im Final - im vergangenen Jahr an den Heim-EM in Zürich hatte sie diesen als Neunte noch knapp verpasst.
Dass es nun auf Weltniveau geklappt hat, ist zwar keine Sensation, schliesslich sind nur sieben der im «Vogelnest» angetretenen Läuferinnen in diesem Jahr schneller als die Schweizerin gelaufen. Erstaunlich ist es aber schon. Einerseits war Zbären die jüngste Finalistin, andererseits ist die Leichtathletik für sie nur ein Hobby.
Gemäss eigenen Angaben trainiert sie wöchentlich bloss während acht Stunden, und dies in einem alles andere als professionellen Umfeld. Sie absolviert die Einheiten beim SK Langnau zusammen mit Breitensportlern. Dabei konzentriert sie nicht nur auf die Hürden. Sie übt auch diverse andere Disziplin aus, weshalb sie auch eine gute Siebenkämpferin ist. Davon wich sie nicht einmal im zweiwöchigen Trainingslager in St. Moritz vor den Schweizer Meisterschaften Anfang August in Zug ab.
In der Halle, die ihr im Winter zur Verfügung steht, können bloss drei Hürden aufgestellt werden. Für die meisten wären solche Bedingungen unvorstellbar. Der Sport ist für Zbären quasi ein Ausgleich zum Studium. Den anspruchsvollen Bachelorabschluss in Biochemie machte sie im Juni, ohne zuvor einen Umweg genommen zu haben. Immerhin dehnt sie wegen den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro das Masterstudium in den Bereichen Mikrobiologie und Immunologie, das sie im Herbst beginnt, um zwei Semester aus.
Das familiäre Umfeld zu verlassen - Zbären wird von Gabi Schwarz, deren Mann Stefan Schwarz und deren Vater Ueli Lehmann betreut -, kommt für sie allerdings nicht in Frage. Sie fühlt sich in dieser Umgebung wohl, und die Resultate geben ihr Recht.
In diesem Jahr blieb sie schon 13 Mal unter der Olympia-Limite von 13 Sekunden, eine Marke, die sie zuvor bloss zweimal unterboten hatte. Dies verdeutlicht die enormen Fortschritte. Dennoch wäre es interessant zu sehen, zu was sie mit einem grösseren Aufwand fähig wäre. (si)