Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03389.jsonl.gz/3194

Die Bank of England (BoE) ist mit einem Dilemma konfrontiert: Einerseits führt die Abwertung des Pfund Sterling zu Aufwärtsdruck auf die Inflation, andererseits dämpfen die Konsequenzen des Brexit-Votums die konjunkturelle Dynamik. Letzteres schlägt sich bereits eindeutig im Verbraucher- und Geschäftsvertrauen nieder. Im Moment lässt die BoE die wechselkursbedingte Inflationsbeschleunigung ausser Acht, weil sie davon ausgeht, dass dieser Effekt vorübergehender Natur ist. Derweil wird die Konjunkturverlangsamung voraussichtlich zu einem Anstieg der Arbeitslosenquote führen, der die Inflation für sich genommen im Zeitablauf wieder dämpfen sollte. Die Lockerungsmassnahmen der BoE sollen die Konjunkturverlangsamung abfedern und so verhindern, dass die Inflationsrate unter den Zielwert fällt, sobald der Wechselkurseffekt nicht mehr zu spüren ist. Dies erscheint sinnvoll, zumal wohl eher leichte Abwärtsrisiken für die Inflationserwartungen bestehen.
Genau wie anderen Zentralbanken ist auch der BoE klar, welche negativen Folgen eine niedrigere und flachere Renditestrukturkurve potenziell für das Geschäftsmodell der Finanzinstitute und damit auch für die Kreditversorgung haben kann. Daher hat sie Massnahmen ergriffen, um die ungünstigen Auswirkungen der Leitzinssenkung und der Ausweitung der QE mit Staatsanleihen auf die Rentabilität des Finanzsektors abzumildern. Die BoE hat ein so genanntes „Term Funding Scheme“ eingeführt, das die Finanzierungskosten für die Banken verringern und als Absicherung gegen einen Anstieg der Kosten für die Kapitalmarktfinanzierung der Banken dienen soll. Dies sollte den Finanzinstituten dabei helfen, niedrigere Zinsen an ihre Kunden weiterzugeben. Ausserdem wird die BoE Unternehmensanleihen im Wert von insgesamt 10 Mrd. GBP erwerben, so dass die Credit Spreads unter Kontrolle bleiben sollten.
Die Ausweitung des QE-Programms für Staatsanleihen um pauschal 60 Mrd. GBP wird voraussichtlich nicht so wirksam sein wie die offenen QE-Programme, die von der Fed bis 2014 bzw. aktuell von der EZB durchgeführt werden. Letztere machten bzw. machen eine Fortsetzung der QE ausdrücklich davon abhängig, dass die Ziele der Zentralbank erreicht werden.
NN IP rechnet in den kommenden Monaten mit weiteren Lockerungen. Dann sollte das Gewicht erneut darauf liegen, die negativen Auswirkungen auf die Gewinne im Finanzsektor abzumildern. Möglich wären eine weitere Zinssenkung (um weniger als 25 Bp.), umfangreichere Käufe von Papieren aus dem privaten Sektor und eventuell ein offeneres QE-Programm.