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Die Junge SVP im Wandel – ein interessanter geschichtlicher Rückblick Die SVP ging aus einer Partei hervor, welche im Kanton Zürich seit 1917 und im Kanton Bern seit 1918: der Bauern- Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB). Den neuen Namen trägt die SVP auf schweizweiter Ebene erst seit 1971, im Kanton Bern seit Anfang 1973. Der Name BGB ist daher auch heute noch ebenso vertraut wie der jetzt gültige Name der SVP.
In den Sechzigerjahren unseres Jahrhunderts, als in ganz Europa die Jugend in Gärung geriet, entstand die Junge SVP, die sich zuerst Junge Mitte nannte. Wie bei allen Jugendbewegungen spielten auch bei der Jungen SVP Schulungs- und Bildungsprobleme eine wichtige Rolle. So verlangten die Mitglieder zum Beispiel einen Kindergarten für alle Kleinkinder. Zusätzliche Massnahmen für behinderte Kinder sollten ergriffen werden. Die Junge SVP wollte so weit als möglich den Numerus Clausus an Berufsschulen und Universitäten vermeiden. Sie mass dem Staatskundeunterricht und der Berufswahlkunde eine grosse Bedeutung bei. Beide Fächer sollten ausgebaut werden. Die Junge SVP wünschte eine Förderung der Kultur, zum Beispiel durch eine Subventionierung von Filmen.
Sie verlangte vom Bund, dass er eine nationale Stiftung schaffe, welche die Kantone bei der Koordination und Planung von Sprachaufenthalten in anderssprachigen Gebieten unterstütze.
Interesse verdiente die Verkehrspolitik. Mit der Befürwortung des öffentlichen Verkehrs lag die Junge SVP absolut auf der Linie anderer jugendlicher Gruppierungen. Es erregte jedoch Erstaunen, wenn sie das Töfflifahren erst ab dem 16. Altersjahr erlauben wollte und nicht schon ab dem 14., wie es im Verkehrsgesetz verankert war. Aufsehen erregte auch die Forderung, wenn sie eine drastische Beschränkung des Strassenbaus befürwortete, denn solche Massnahmen benachteiligen vor allem die Landregionen, weil doch dort gewisse Gebiete nur auf der Strasse zu erreichen sind. Ebenso liegt die Forderung, die Erdölabhängigkeit mit Sparmassnahmen zu kompensieren, eigentlich nicht im Interesse der Landjugend. Ein ehemaliger Präsident der Jungen SVP ist denn bezeichnenderweise heute auch aktives Mitglied einer Linkspartei. Da die Mitglieder der Jungen SVP früher grösstenteils aus ländlichen Gebieten stammten, versteht man gut, dass die Agrarpolitik einen breiten Raum einnahm. Sie setzte sich für die Erhaltung der Klein- und Mittelbetriebe ein und verlangte einen Baustopp für Einkaufszentren. Im Programm von 1984 verlangte die Junge SVP, dass der Staat den Schrumpfungsprozess der Bauernbetriebe aufhalte und den Paritätslohn verwirkliche, wie es auch der Bauernverband forderte.
Wie andere Jugendorganisationen verlangte auch die Junge SVP (sie hatte es in der Schrift Junge SVP 2000 niedergelegt) eine Totalrevision der Bundesverfassung und eine Herabsetzung des Mündigkeitsalters auf 18 Jahre. Ebenso wollte die Jungpartei, dass die Jugendlichen vermehrt zur Lösung von Gesellschaftsproblemen herangezogen werden. Der hohe Stellenwert von Natur- und Umweltschutz fiel auf. Die Gewässer sollten biologisch geklärt werden. Die Junge SVP wollte, dass man den Wald erhalte und wenn möglich die Waldflächen noch ausdehne. Der Wald sollte sowohl zur Erhaltung einer gesunden Luft als auch zur Sicherung des Wasserhaushaltes und zur Erholung vor allem der Stadtbevölkerung dienen. Die Junge SVP sprach von einer schwierigen materiellen Lage vieler Bauernbetriebe und erwähnte, dass diese die geistigen und kulturellen Werte des Bauernstandes bedrohe.
Im Programm 1984 verhielt sich die Junge SVP in Bezug auf die Aussenpolitik vorsichtig, denn sie wollte nur eine vermehrte Zusammenarbeit in Sachproblemen. Die Junge SVP setzte sich für eine humane Asylpolitik ein und wollte den Asylanten erlauben zu arbeiten. In der Wirtschaftspolitik vertrat sie eine fortschrittliche Haltung. Sie verlangte, dass sich die Schweiz im Rahmen des Gatt-Abkommens für einen liberalen Welthandel einsetze. Die Junge SVP wollte die Randregionen fördern, in dem man dort Ausbildungs- und Arbeitsplätze schaffe. Für Dienstverweigerer bejahte sie die Idee, von diesen einen anderthalbmal so langen Ersatzdienst zu verlangen. Nicht nur in der Gestaltung von Programmen, sondern auch in der aktiven Politik hatte sich die Junge SVP bewährt.
1982 nahm Felix Steiner aus Zielbach Einsitz in den Grossen Rat. Bei den Nationalratswahlen 1987 erwies sich die Junge SVP als die erfolgreichste Jungpartei, auch wenn es ihr nicht gelang, einen Sitz zu gewinnen. Die Junge SVP befasste sich stets auch mit aktuellen Problemen. Im Kanton Bern zählte die Junge SVP rund 250 Mitglieder, wovon etwa 80 % Männer waren. Sie wies wie alle Jungparteien eine starke Fluktuation auf, weil die normale Mitglieddauer nur etwa 5 Jahre betrug. Viele führende Mitglieder der Jungen SVP waren politisch stark engagiert, weil sie sowohl in der Jungen SVP als auch in der Kantonalpartei wirkten. 90 % der Mitglieder traten später in die SVP über. Wie andere Organisationen war auch die Junge SVP nicht gegen Misserfolge gefeit. Im Kanton Bern musste die Sektion Burgdorf aufgelöst werden und die Gründung der Sektion Aarberg misslang. Oft wurde die Arbeit behindert, weil einzelne Sektionen der Mutterpartei die Adressen ihrer Jungen nicht bekannt geben wollten. Neben der politischen Tätigkeit, die unter anderem in der Veranstaltung von Podiumsgesprächen und in der Zustellung von Informationen bestand, organisierte die Junge SVP auch Tanzanlässe oder arbeitete politisch mit neutralen Amtsjugendgruppen zusammen.
Die Junge SVP bildete immer eine wertvolle Ergänzung zur Mutterpartei, weil sie nicht nur unseren Nachwuchs förderte, sondern der SVP auch in die Zukunft weisende Ideen schenkte und bei Wahlen mit eigenen Listen die Mutterpartei unterstützte. Gerade letzteres ist auch heute noch gültig. Politisch hat sich jedoch die Junge SVP zu einer klar bürgerlichen, wertkonservativen Partei gewandelt, welche heute in den meisten Kantonen vertreten und aktiv ist. Die Mitglieder bleiben heute deutlich länger als 5 Jahre in der Partei, in den Führungsgremien herrscht jedoch eine hohe Fluktuation und leider ist es auch in der Jungpartei so, dass sich vermehrt Machtkämpfe breit machen und ideologische Grabenkämpfe zu Unstimmigkeiten führten.
Die Junge SVP darf jedoch gerade als Jungpartei durchaus frecher und aggressiver als die Mutterpartei auftreten. Die Junge SVP hat heute ein interessantes Parteiprogramm, welches kostenlos bezogen werden kann. Die Junge SVP kämpft heute an vorderster Front gegen einen EU-Beitritt und engagiert sich für den Erhalt einer Milizarmee, die diesen Namen verdient. Gesamtschweizerisch zählt die Junge SVP heute über 6’000 Mitglieder.