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Novak Djokovic hat den Griechen Stefanos Tsitsipas in einem 4:11-Stunden-Epos niedergerungen und gewinnt zum zweiten Mal das French Open. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis Djokovic auch der wichtigste Tennis-Rekord gehört.
Wenn es noch die geringsten Zweifel zur Widerstandskraft von Novak Djokovic gegeben haben sollte, so dürften diese endgültig ausgeräumt sein. Der Serbe hat schon Grand-Slam-Finals gewonnen, in denen er Matchbälle abwehrten musste, doch bei den French Open gelingt ihm etwas, das selbst für den besten Tennisspieler der Gegenwart Neuland ist: Zum ersten Mal gewinnt Djokovic einen Grand-Slam-Final, in dem er schon 0:2 Sätze hinten gelegen war und wie der sichere Verlierer aussah.
Nach über vier Stunden setzt sich Novak Djokovic mit 6:7 (6:8), 2:6, 6:3, 6:2, 6:4 gegen den Griechen Stefanos Tsitsipas (22, ATP 5) durch und gewinnt zum zweiten Mal nach 2016 die French Open. Er ist nun neben den beiden Australiern Rod Laver und Roy Emerson erst der dritte Mann, der jedes der vier Grand-Slam-Turniere mindestens zweimal gewinnen konnte. Etwas, das er auch seinen Rivalen Rafael Nadal und Roger Federer voraus hat, die mit je 20 Grand-Slam-Titeln noch knapp vor Djokovic mit 19 liegen.
Tsitsipas hat in diesem Jahr mit grossem Abstand die meisten Siege gefeiert, im Frühling gewann er in Monte Carlo auch erstmals ein Masters-Turnier und in Paris stand er nun wenig überraschend als erster Grieche überhaupt im Final eines Grand-Slam-Turniers. Im ersten Satz machte Tsitsipas einen Breakrückstand wett und wehrte im Tiebreak einen Satzball ab. Im zweiten Durchgang gelangen ihm Breaks zum 1:0 und 5:2. Djokovic wirkt angezählt. Erst fünfmal hatte er einen 0:2-Satzrückstand noch wett gemacht, noch nie gewann er ein Grand-Slam-Turnier, in dem er zweimal mit 0:2 Sätzen ins Hintertreffen geraten war.
In der Freitagnacht hatte Djokovic in einem fesselnden Spiel über 4:11 Stunden Sandkönig Rafael Nadal bezwungen, den 13-fachen Sieger der French Open, der seit diesem Jahr mit einer Statue auf der Anlage verewigt ist. Danach sagte Djokovic, seinen grössten Rivalen in Paris auf Sand zu besiegen, entspreche der Besteigung des Mount Everest. Es sei das beste Spiel, das er je in Frankreichs Hauptstadt bestritten habe. «Eines, das ich nie vergessen werde», wie er sagte. Doch es war eben erst der Halbfinal.
Novak Djokovic ist neben Robin Söderling 2009 der einzige Spieler, der Nadal in dessen Reich bezwingen konnte. Nach dem Viertelfinal-Erfolg 2015 und dem Halbfinal-Epos in diesem Jahr ist er der einzige, dem dies in Paris zweimal gelungen ist. Doch bisher gelang es keinem der Nadal-Bezwinger, in jenem Jahr die Coupe des Mousquetaires in die Höhe zu stemmen: 2009 nutzte Roger Federer die Gunst der Stunde, 2015 war es Stan Wawrinka, der im Final Djokovic keine Chance liess.
Nun schreibt Novak Djokovic die Geschichtsbücher des Tennis einmal mehr neu. Roger Federers bisherige Bestmarke von 310 Wochen an der Spitze der Weltrangliste hat er im Frühling übertroffen. Gewinnt er in vier Wochen zum sechsten Mal in Wimbledon, zieht er mit Rafael Nadal und Roger Federer gleich, die bisher 20. Grand-Slam-Titel gewinnen konnten. Gegen beide hat er eine positive Bilanz: 27:23 gegen Federer, 30:28 gegen Nadal. Novak Djokovic ist der beste Tennis-Spieler der Gegenwart.
Nicht ausgeschlossen ist, dass Novak Djokovic in diesem Jahr noch etwas gelingt, das es bei den Männern noch gar nie gab: der Triumph bei allen vier Grand-Slam-Turnieren innerhalb eines Jahres – und Einzel-Gold bei den Olympischen Spielen in Tokio. Der historische Fünfklang, der Golden Slam, ist bisher nur einer Frau gelungen: 1988 der Deutschen Steffi Graf.
«Alles ist möglich, wenn man sieht, was in meinem Leben und auf meiner Reise passiert ist», sagte Djokovic auf der Pressekonferenz in Paris, erinnerte aber auch daran, dass er bereits 2016 die Chance auf den «Nole-Slam» hatte und dann in der 3. Runde von Wimbledon überraschend an Sam Querrey scheiterte. Gelingt die «Mission impossible» allerdings, stünde der «Djoker» bei 21 Major-Erfolgen und wäre wohl spätestens dann unbestritten der grösste Tennis-Spieler der Geschichte.
Doch zunächst einmal liegt der Fokus ganz auf Wimbledon. «Novak hat einen klaren Plan», erklärte Eurosport-Experte Boris Becker nach Djokovics zweitem Triumph in Paris. «Sein ultimatives Ziel ist es, die 20 Grand-Slam-Titel von Nadal und Federer zu erreichen.»