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Krankheiten des Magen-Darmtrakts kommen bei Equiden häufig vor. Das Organsystem ist komplex aufgebaut, ist das Pferd doch ein obligater Pflanzenfresser. Zum Verdauen und Nutzen der Pflanzen sind grosse Gärkammern wie Blinddarm und Dickdarm nötig.
Bei einer Kolik zeigt das Pferd Bauchschmerzen. Die häufigste Ursache für den Schmerz liegt effektiv im Magen- oder Darm-Trakt, beziehungsweise in seinem Aufhängeapparat. Chronischer Durchfall oder Kotwasser ist ein weiteres häufig auftretendes Problem bei Pferden, welches therapeutisch frustrierend werden kann.
Gastroskopie von einem erwachsenen Pferd mit Magengeschwüren in der kutanen Schleimhaut.
Magenausgang mit fleckig geröteter Schleimhaut (Gastritis).
Abdomenultraschall bei einem Pferd mit chronischer Abmagerung (Beurteilung der Darmwanddicke).
Equiden sind obligater Pflanzenfresser und ernähren sich in der Natur hauptsächlich von Gräsern und Kräutern. Solche Pflanzenfasern sind jedoch schwer verdaulich, weshalb der Magen-Darmtrakt des Pferdes komplex aufgebaut ist. Der Magen ist verhältnismässig eher klein und darauf ausgelegt ständig kleinere Futtermengen aufzunehmen. Aufgrund eines starken Schliessmuskels am Mageneingang ist es dem Pferd nicht möglich zu erbrechen, was vor allem bei einer Magenüberladung von grosser Bedeutung ist. Wird der Magen überfüllt kann er aus diesem Grund sogar platzen (Magenruptur). Hat der Futterbrei den Magen passiert, gelangt er in den Dünndarm. Hier wird er mit verschiedenen Verdauungssäften durchmischt und Nährstoffe können aufgenommen werden. Übrig bleiben vor allem die schwerverdaulichen Fasern. Um die Energie daraus bestmöglich zu nutzen sind grosse Gärkammern wie der Blinddarm und der Dickdarm nötig. Sie beherbergen grosse Mengen von gutartigen Mikroorganismen (z.B. Bakterien), die für die Verdauung eines Pferdes essentiell sind, da sie die Fasern aufschliessen und somit für körpereigene Prozesse zugänglich machen.
Der Dickdarminhalt eines Pferdes beträgt etwa 13% seines Körpergewichts. Die Gesamtlänge des Darmes misst um die 39 Meter - also ein Vielfaches der Körperlänge eines Pferdes! Die Passage des gesamten Verdauungstraktes (also vom Maul bis zum Pferdeapfel) dauert je nach Futter und Füllungszustand ungefähr 24-48 Stunden.
Die Ursachen einer Kolik sind vielfältig. Beim Pferd sind sie meistens im Gastrointestinaltrakt zu finden, seltener im Harn- oder Geschlechtsapparat. Am häufigsten sind eine Aufgasung (Gaskolik) sowie eine Verstopfung (Obstipation) des Dickdarmes. Dieser kann sich auch verlagern oder im schlimmsten Fall drehen (Torsion). Auch der Dünndarm kann verstopfen, irgendwo abgeklemmt werden oder sich verdrehen, was meistens (aber nicht immer) eine heftige Kolik auslöst. Darmentzündungen oder Magengeschwüre (Magenulzera) können ebenfalls eine Kolik verursachen.
Krankheiten des Magen-Darmtraktes kommen bei Equiden häufig vor, da dieses relativ komplexe System leider sehr sensibel ist und schnell aus dem Gleichgewicht gerät. In einem solchen Fall hat das Pferd meistens Bauchschmerzen - es leidet an einer Kolik. Anzeichen hierfür sind Scharren, Flehmen, zum Bauch schauen, mit den Hinterbeinen gegen den Bauch treten, unruhiges Abliegen und wieder Aufstehen, bis hin zu heftigem Wälzen. Die Symptome können jedoch sehr unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Manchmal fällt auch nur auf, dass das Pferd keinen Appetit hat, matter ist als normal oder vermehrt liegt. Eine Kolik ist immer potenziell lebensbedrohlich für das Pferd und daher ein Notfall.
Bis zum Eintreffen des Tierarztes kann das Pferd auf weichem Untergrund (damit es sich wälzen könnte, ohne sich zu verletzen) spaziert/longiert werden. Entgegen der weitläufig verbreiteten Meinung, muss es jedoch nicht zwingend vom Wälzen abgehalten werden.
Bei der Untersuchung durch den Tierarzt können anhand verschiedener Parameter (Herz- und Atemfrequenz, Temperatur, Darmperistaltik, Schleimhäute) erste Erkenntnisse insbesondere zu Kreislaufzustand und Schmerzhaftigkeit des Patienten gewonnen werden. Sofern es sich nicht um ein kleines Pony handelt, ist auch eine Rektaluntersuchung von grosser Bedeutung. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, weitere Informationen zu sammeln und teilweise direkt eine Diagnose zu stellen (z.B. Verstopfung). Leider kann auf diese Weise nur ein Teil des Bauchraumes untersucht werden, weshalb die genaue Ursache der Kolik nicht immer gefunden werden kann. In ausgewählten Fällen kann auch eine Ultraschalluntersuchung weiterhelfen.
Um die Bauchschmerzen zu lindern wird dem Pferd in der Regel ein Krampflöser und Schmerzmittel gespritzt. Damit sollten die Kolikanzeichen innerhalb kurzer Zeit verschwinden. In den meisten Fällen ist auch das Schieben einer Nasenschlundsonde unvermeidbar. Dabei wird ein Plastikschlauch durch die Nase bis in den Magen geschoben. Auf diese Weise kann der Mageninhalt gespült und beurteilt, sowie Abführmittel (z.B. Glaubersalz, Paraffinöl oder Macrogol) und Wasser eingegeben werden.
In der Folge ist es oft empfehlenswert, das Pferd zu fasten, damit etwaige Verstopfungen nicht verschlimmert werden und der Darm sich leeren kann. Zudem regt regelmässige Bewegung (spazieren / longieren) die Verdauung an und kann dadurch ebenfalls zu einer schnelleren Genesung beitragen.
Zeigt das Pferd trotz Schmerzmitteln weiterhin Koliksymptome (oder lindern sie den Schmerz nur für kurze Zeit), muss über die Verbringung an eine Pferdeklinik nachgedacht werden. Zwar könnten auch im Stall weitere Massnahmen (Abgasen des Darmes durch Punktion, Infusion,…) getroffen werden, dies ist jedoch immer mit grossem Aufwand und Kosten verbunden. Zudem ist eine Überwachung an der Klinik sicherer und eine Operation wäre (falls nötig) schnell einleitbar.
Chronischer Durchfall oder Kotwasser ist bei Pferden ein weiteres häufig auftretendes Problem, welches therapeutisch frustrierend werden kann. Neben der klinischen Untersuchung können eine Gastroskopie (Magenspiegelung), ein Ultraschall des Bauchraumes (Abdomenultraschall, Blutuntersuchungen, eine Kotuntersuchung oder ein Glukose-Absorptionstest helfen, die Ursache zu finden. In der Regel wird zuerst versucht die Darmflora mit verschiedenen Futterzusätzen zu unterstützen. Auch eine gute Mineralstoffversorgung ist sehr wichtig, da diese aufgrund des Durchfalls verloren gehen. Bleibt das Problem trotzdem bestehen, können weitere, individuell angepasste Therapieoptionen in Betracht gezogen werden.