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Alexandre Paulikevitch bekämpft im mittleren Osten Geschlechterstereotypen mit Bauchtanz
Das Wichtigste in Kürze
- Der Bauchtanz wird oft als orientalisch, erotisch und vor allem als feminin angesehen.
- Ein Bauchtänzer aus dem Libanon will diesem Klischee den Garaus machen und «baladi» zurück in eine Kunstform verwandeln.
- Denn genau das war der Bauchtanz, bevor der religiöse Konservatismus in den mittleren Osten Einzug erhielt.
Im mittleren Osten heisst der «Bauchtanz» wie wir ihn kennen «baladi» – und hat überhaupt nichts mit dem Wort «Bauchtanz» gemein. Vielmehr übersetzt sich der Tanz aus dem arabischen als «Volk» und hat seinen Ursprung in Ägypten. In der arabischen Welt gibt es jedoch verschiedene Variationen von «baladi».
In den 40er- und 50er-Jahren dominierten kurvenreiche «Baladi»-Tänzerinnen das ägyptische Kino. Sie wurden gefeiert und waren akzeptiert wie Marilyn Monroes der nahöstlichen Welt. Dann aber verblasste das goldene Zeitalter des ägyptischen Kinos und der religiöse Konservatismus hielt Einzug in den mittleren Osten.
«Baladi» wurde so an den Rand der Gesellschaft getrieben und praktisch nur noch mit der männlichen «Erregung» in Verbindung gebracht, so die britische «BBC», die diese gesellschaftliche Veränderung in einem Porträt über Alexandre Paulikevitch beschreibt.
Paulikevitch hat sich das Tanzen selbst beigebracht
Alexandre Paulikevitch ist einer der wenigen männlichen Bauchtänzer im mittleren Osten. Er hat sich das Tanzen selbst beigebracht – mit Hilfe von ägyptischen Schwarz-Weiss-Filmen. Heute tritt er vor Publikum auf und will damit beweisen, dass «baladi», entgegen dem Bauchtanz, eine Kunstform ist. Eine Kunstform, die Männer wie Frauen gleichermassen lernen können.
«Bauchtanz beschreibt eine Bewegung mit einem weiblichen Körper, die ausgeführt wird um einen Mann zu stimulieren ... Baladi ist improvisiert und fliessend. Man kann damit Freude ausdrücken, aber genauso Wut und Schmerzen beschreiben», so Paulikevitch in einem Videobeitrag der «BBC».
Der Tänzer hat es seine Aufgabe gemacht, «baladi» von dem Entertainment, dem Geld, dem «bewege deine Brüste, bewege deinen Bauch» loszulösen und in etwas anderes zu transformieren. «Dieser Tanz hat eine wunderschöne Hülle, aber diese Hülle ist leer. Ich will diese Leere füllen.»
Er musste kämpfen, um akzeptiert zu werden
Der Tänzer wohnt und arbeitet im Libanon und obwohl die Hauptstadt Beirut als eine der schwulenfreundlichsten Städte der Region gilt, musste Paulikevitch kämpfen um als homosexueller Tänzer – der frei seine feminine Seite zum Ausdruck bringen möchte – akzeptiert zu werden.
«Einige im Publikum schrien mich an. Andere beleidigten mich oder verliessen die Aufführung. Einige lachten», so Paulikevitch, der nach diesem Satz kurz pausiert und anschliessend mit erstarkter Stimme in die Kamera spricht: «Die grosse Mehrheit der Zuschauer und auch die Presse aber, waren verblüfft. Der Respekt war mir sicher!»
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