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Avatar
Avatara oder avatar als Begriff entstammt dem Hinduismus und benennt göttliche Inkarnationen. In vielen hinduistischen Gruppierungen wird der jeweilige Meister als der erwartete zehnte Avatar verehrt.
An diese hinduistische Tradition knüpft auch der 1944 geborene Harry Palmer an, wenn er sein 1987 begründetes Kurssystem Avatar nennt. Ziel seiner ca. neuntägigen Kurse ist eine Selbstentwicklung, die auf den von ihm postulierten Bewusstseinsprinzipien beruht und ermöglichen soll, das Leben im Einklang mit dem persönlichen, selbstgeschaffenen Lebensplan zu gestalten.
Ein für Harry Palmer bedeutendes Ereignis war seine Begegnung als junger, unzufriedener Ingenieurstudent Anfang der 60er Jahre mit einem indischen Guru «Swami Ananda» (= sanskr. «Herr der Seligkeit»), eine Begegnung, die zum Abbruch seines Ingenieurstudiums führte. Nach einem Studium in Englisch, Geschichte, Philosophie erlebte er in den frühen 70er Jahren einmal ein unendlich gelassenes «Ausser-sich-selbst-sein». Zu dieser Zeit war Harry Palmer bereits ein fortgeschrittener Scientologe. Auch er war der Meinung, Vergangenheit und Zukunft beeinflussten einem nur so lange, wie man es zulasse. Entscheidend sei die Erfahrung und Verantwortung im Hier und Jetzt. Zunehmend begann Harry Palmer, Leute zu beraten, und er entwickelte dabei Techniken, die seine Erfahrungen und Erkenntnisse illustrieren. Als Hilfsmittel setzte er den Samadhi-Tank ein, eine mit körperwarmem Salzwasser gefüllte, schall- isolierte Badewanne mit Deckel, die zu einer völligen Reizdeprivation führt.
Ende 1986 begann Palmer schliesslich, seine Avatar-Techniken und -Kurse anzubieten. Das Erlebnis im Samadhi-Tank beschreibt Harry Palmer als eine Auflösung der Trennung in Erkennendes und Erkann-
tes, als ein unbeschreibliches Gewahrsein in einem zeitlosen Jetzt, in das sich das Bewusstsein auflöse, beziehungsweise aus dem es und auch die Welt entstehe. Palmer sieht sich damit nicht nur als Geschöpf, sondern – indem aus Vermutung Überzeugung und aus Überzeugung Erfahrung wird – auch als Schöpfer. Der Schöpfergedanke ist zentral, weswegen Palmer seine Philosophie denn auch «Kreativismus» (Lehre vom Schöpfertum) nennt. Auch der menschliche Körper wird, wie die ganze physische Welt, als ein Produkt von Überzeugung angesehen. Die Kunst, bewusst zu leben, bestehe darin, an jenen Ursprung zu gelangen, von dem aus die eigenen Überzeugungen veränderbar seien. Verantwortung bedeutet dem- entsprechend, sich nicht von der Vergangenheit steuern zu lassen, sondern in jedem Augenblick «Ursprung zu sein».
Die Glaubenslehren der letzten Jahrtausende werden als Misserfolge abgetan. Avatar versteht sich als Neuauflage der Veden. Auf welche der Veden dabei Bezug genommen wird, wird nicht angegeben.
Das Kurswesen von Avatar gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil wird der Verstand angesprochen. Dazu existiert ein Handbuch namens «Resurfacing» (engl. = wiederauftauchen), das allein oder in Gruppen, mit oder ohne Anleitung benutzt werden kann. Wahrnehmungsübungen sollen einen spielerisch leichten Umgang mit der Aufmerksamkeit erlernen lassen. Gewohnheitshandeln soll sich in bewusstes Handeln verwandeln. Projektionen eigener Schwächen sollen zurückgenommen werden, wodurch Mitgefühl und eine bessere Welt entstehe. Eigene Überzeugungen und Ziele sollen überprüft werden.
Das Übungsmaterial der Teile 2 und 3 wird nicht veröffentlicht. Es muss von einem Master angeleitet werden und bleibt bei diesem, um eine seriöse Durchführung zu gewährleisten. Teil 2 umfasst Kreationsübungen und erkundet «unerforschte Bewusstseinsgebiete». Teil 3 vermittle die Fähigkeit, Körperempfindungen, Beziehungskonflikte und Abhängigkeiten zu transformieren und Verantwortung zu übernehmen. Das Ganze gelinge innerhalb einiger weni- ger Tage in spielerischer Art und Weise.
Ein Hauptthema in der Diskussion um Avatar ist die Tatsache, dass der Gründer ehemaliger Scientologe ist, und damit verbunden die Frage, wie weit Avatar auch heute noch der scientologischen Vorstellungswelt und Psycho-Technik verpflichtet ist.
So will Avatar das Denken zur Ruhe kommen lassen, was von vielen Absolventen als willkommene Entlastung und Entspannung empfunden wird. Palmer distanziert sich implizit von der scientologischen «Engramm»-Theorie und der darauf aufbauenden «Auditing»-Technik, indem er den Einfluss der Vergangenheit auf die Gegenwart für nichtig erachtet. Er distanziert sich aber nicht prinzipiell von Scientology. Er übernimmt z.B. die Idee der Lenkbarkeit durch den Geist oder das Ideal der entspannten Konzentration und nennt seine Bewusstseinstechniken ebenfalls «Rundowns». Durch seine diesbezüglich vagen Stellungnahmen kann Palmer die häufig geäusserte Vermutung, Avatar basiere zum Teil auf Scientology, kaum entkräften.
Weiters wird von kritischer Seite darauf hingewiesen, dass viele der von Harry Palmer publizierten Gedanken sich schon vor ihm finden und nun als Avatar-Ideen erscheinen. Palmers Anspruch, eine neue planetarische Zivilisation zu erreichen, wird von skeptischen Beobachtern als Selbstüberschätzung gewertet.
Von therapeutischer Seite wird die Kürze und der Preis der Kurse als nicht unproblematisch angemahnt, und es wird darauf aufmerksam gemacht, dass Reizdeprivation kein automatischer Pfad zur Glückseligkeit ist, sondern dass sich vielmehr auch unbeabsichtigte, problematische Folgen einstellen können.
Weltweit über 2500 autorisierte Avatar-Lehrer (Master), ca. 50 000 Kursabsolventen.
Avatar des Harry Palmer. Einführender Text von Franz Schlenk aus dem Jahr 1999: Download als pdf-File
Die Avatar-Kurse des Harry Palmer – Star’s Edge International, EPC / Enlightened Planetary Civilization, Love Precious Humanity, ReSurfacing, Thoughtstorm, Wizard. Artikel von Helga Lerchenmüller, Aktion Bildungsinformation, Stuttgart, aus dem Jahr 2002. Download als pdf-File
Stichwort: Avatar Star’s Edge. Artikel von Udo Schuster in Berliner Dialog, Nr. 1 Jahrgang 1998.