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Camorra,
polit. Geheimbund Unteritaliens, ähnlich der ihr verwandten
Mafia (s. d.). Unter Ferdinand II. von Neapel
[* 2] wurde aus polit.
Gründen die seit 1820 über das ganze Festland verbreitete
Camorra nicht nur geduldet, sondern
sie drang in alle
Stände, das
Heer und die Beamtenschaft ein; selbst Minister und Prinzen traten ihr bei.
Franz II. suchte
durch Deportation von Camorristi dem Unwesen ein Ende zu machen; dafür erlangte Garibaldi bei seinem Vordringen von diesem
Verein Unterstützung.
Liborio
Romano und auch die ital. Regierung machten den vergeblichen Versuch,
die
Camorra im Polizeidienst ebenso nutzbar zu machen, wie sie Garibaldis Freischaren und Offiziere in das reguläre
Heer aufgenommen hatten; dieselbe trat vielmehr, als natürliche Feindin jeder geordneten Regierung, in den
Sold des vertriebenen
Königs
Franz' II., wodurch für Victor Emanuel II. große Schwierigkeiten erwuchsen. Nachdem es aber
der Regierung gelungen war, die von der
Camorra unterstützten bourbonischen
Umtriebe niederzuschlagen, beschäftigte sich diese
mit Ausbeutung der Stadtverwaltung von Neapel, deren sie sich bemächtigt hatte.
Die Deportation von 200 Camorristi nach den ital.
Inseln, welche der
Präfekt Mordini 1874 anordnete, machte der Sache kein
Ende; doch ist die Zahl und Bedeutung der
Camorra allmählich zurückgegangen,
und sie beschränkt sich heute
auf die untersten Volksklassen.
Ihre Macht verdankt die
Camorra ihrer straffen Organisation. Jeder Neueintretende gelobt
Treue und
Verschwiegenheit auf ein eisernes Crucifix
[* 3] und erhält nach zweijähriger
Lehr- und Probezeit die zwei besonders geformten
Messer
[* 4] des Camorristen als Erkennungszeichen.
Als Hauptsitze und Hochschulen der
Camorra sind die Deportationsplätze und
Bagnos zu betrachten. In jeder
Provinzialhauptstadt hat die
Camorra eine
Centralstelle mit einem Haupte, das unbedingten Gehorsam findet, und einem Rechnungsführer.
Ihre Einkünfte bezieht die aus
Erpressungen, Diebstählen und Schmuggelhandel; auch die Ausführung von
Verbrechen wurde von
ihr gegen gute Bezahlung übernommen; eine Zeit lang hatte sie die
Erhebung einer Einfuhrsteuer für Lebensmittel
in Neapel völlig organisiert. -
Vgl. Monnier, La
Camorra, notizie storiche (Flor. 1863);
Umiltà,
Camorra et
Mafia (Neuchâtel 1878);
Trede, Das Heidentum in der röm. Kirche, Bd. 1 (Gotha [* 5] 1889).
Eine Art
Camorra hat sich neuerdings auch in Neuorleans gezeigt.