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Ein internationales Forscherteam hat nahezu unverändert erhaltene Reste von Regenwaldboden in 90 Millionen Jahre alten Sedimentbohrkernen aus der westlichen Antarktis entdeckt. Dies sei nur möglich, wenn die Konzentration an Kohlendioxid der Atmosphäre in der mittleren Kreidezeit deutlich höher gewesen sei als angenommen, teilte das Team am Mittwoch mit.
Die Forscher unter Leitung des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) Brenerhaven fanden ausgedehnte und sehr gut erhaltene Wurzelgeflechte sowie Pollen verschiedener Pflanzen in den Kernen, die der Forschungseisbrecher «Polarstern» bei einer früheren Fahrt aus dem Meeresboden vor dem Pine-Island-Gletscher geholt hatte. Sie wurden anschliessend per Computertomograph analysiert.
Die Proben aus einer Bodentiefe von 27 bis 30 Metern belegten die Anwesenheit einer Sumpf- und Moorlandschaft und eines gemässigten Regenwalds mit Nadelbäumen und grossen Baumfarnen, berichteten die Forscher des AWI und ihre Partner von anderen Instituten, die ihre Erkenntnisse nun in der Fachzeitschrift «Nature» veröffentlichten.
Eine solche Vegetation existiert nach Angaben der Forscher heute etwa im Süden Neuseelands. Dabei lag der antarktische Kontinent vor 90 Millionen Jahren schon dort, wo er sich heute befindet.
Die Erkenntnisse lassen nach Angaben der Experten nur den Schluss zu, dass die geltenden Klimamodelle angepasst werden müssen. Die Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid in der Erdatmosphäre muss in der Blütezeit der Dinosaurier viel höher gewesen sein als bisher angenommen. Anders lasse sich eine solche Vegetation nur rund 900 Kilometer vom Südpol entfernt nicht erklären.
Gemäss ihren Untersuchungen kann es in der Westantarktis damals keine grossen Eismassen gegeben haben. Vielmehr war es mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von zwölf Grad Celsius deutlich wärmer als heute in der Schweiz mit etwas mehr als fünf Grad. Die Temperatur im Sommer lag in der Region im Schnitt bei rund 19 Grad.
Die Daten aus der Analyse der Bohrkerne liefern laut AWI die ersten direkt verwertbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse über die historischen Umwelt- und Klimabedingungen in derart südlichen Breitengraden. Sie stellten Klimamodellierer auf der ganzen Welt nun vor «neue Herausforderungen», erklärte das AWI. Zu klären sei etwa, wie die Erde nach der offensichtlich deutlich ausgeprägteren Warmzeit in der Kreidezeit anschliessend wieder so stark abkühlte.
(sda/afp)
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