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Kinder verspüren einen starken Bewegungsdrang und sind oftmals kaum zu bremsen. Das ist ein normales und gesundes Verhalten. Doch einige Kinder verspüren einen Bewegungsdrang in einem Ausmass, das sie im Alltag einschränkt. Dies macht sich oftmals in den ersten Schuljahren bemerkbar. Bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung handelt es sich um eine der häufigsten Störungen des Kindes- und Jugendalters. Im Vordergrund stehen dabei die drei Kernsymptome Aufmerksamkeitsstörung, Impulsivität und Hyperaktivität. Diese Symptome liegen in höherer Ausprägung vor als bei Kindern desselben Alters und reichen oftmals bis ins Erwachsenenalter. Die schulische oder später auch berufliche Leistung wird davon beeinträchtigt. Zusätzlich kann die Störung auch soziale Probleme bereiten.
Symptome einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
Die Symptome der ADHS variieren je nach Alter und Entwicklungsstand. Betroffene Vorschulkinder fallen vor allem durch Bewegungsunruhe und Hyperaktivität auf. Im Grundschulalter äussert sich das besonders in Situationen, in denen das betroffene Kind still sitzen soll und fällt deswegen vor allem in der Schule auf. Im Jugendalter manifestiert sich die Hyperaktivität eher als innere Unruhe und bleibt in dieser Form oftmals bis ins Erwachsenenalter bestehen.
Ein ähnlicher Trend zeigt sich auch bei der Aufmerksamkeitsstörung. Im Grundschulalter macht sie sich vorwiegend im Klassenzimmer bemerkbar und die betroffenen Kinder können sich oftmals nicht so lange konzentrieren wie ihre Schulkameraden. Mit zunehmendem Alter und somit auch zunehmender Entwicklung nimmt die Intensität des Symptoms oftmals ab. Dennoch bleibt die Aufmerksamkeitsspanne betroffener Kinder auch mit zunehmendem Alter reduziert im Vergleich zu Gleichaltrigen.
Das dritte Kernsymptom, die Impulsivität, hat eine höhere Stabilität. Zwar kann auch dieses Symptom mit steigendem Alter abnehmen, es zeigt sich aber in vielen Fällen eine hohe Konstanz.
Nach DSM-V können drei Typen unterschieden werden: vorwiegend unaufmerksames, vorwiegend hyperaktiv-impulsives oder gemischtes Erscheinungsbild.
Diagnose einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
Um die Diagnose einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung zu stellen, muss ein Kind zumindest moderat beeinträchtigt sein in seiner Funktionsfähigkeit. Die Symptome und die daraus resultierenden Funktionseinschränkungen treten situationsübergreifend auf. Sollte dies nicht der Fall sein, das heisst, die Symptome treten nur in einer spezifischen Situation auf, sind weitere Abklärungen vorzunehmen. Der Beginn der Störung findet vor dem 7. Lebensjahr statt. Ausserdem sollten die Symptome seit mindestens 6 Monaten bestehen.
Kriterien für Unaufmerksamkeit nach ICD-10:
Die Kinder
sind häufig unaufmerksam gegenüber Details oder machen Sorgfaltsfehler bei den Schularbeiten und sonstigen Arbeiten und Aktivitäten,
sind häufig nicht in der Lage, die Aufmerksamkeit bei Aufgaben und beim Spielen aufrecht zu erhalten,
hören häufig scheinbar nicht, was ihnen gesagt wird,
können oft Erklärungen nicht folgen oder ihre Schularbeiten, Aufgaben oder Pflichten am Arbeitsplatz nicht erfüllen (nicht wegen oppositionellen Verhaltens oder weil die Erklärungen nicht verstanden werden),
sind häufig beeinträchtigt, Aufgaben und Aktivitäten zu organisieren,
vermeiden häufig ungeliebte Arbeiten, wie Hausaufgaben, die geistiges Durchhaltevermögen erfordern,
verlieren häufig Gegenstände, die für bestimmte Aufgaben wichtig sind, z. B. für Schularbeiten, Bleistifte, Bücher, Spielsachen und Werkzeuge,
werden häufig von externen Stimuli abgelenkt,
sind im Verlauf der alltäglichen Aktivitäten oft vergesslich
Kriterien der Hyperaktivität nach ICD-10:
Die Kinder
fuchteln häufig mit Händen und Füßen oder winden sich auf den Sitzen,
verlassen ihren Platz im Klassenraum oder in anderen Situationen, in denen Sitzenbleiben erwartet wird
laufen häufig herum oder klettern exzessiv in Situationen, in denen dies unpassend ist (bei Jugendlichen und Erwachsenen entspricht dem nur ein Unruhegefühl),
sind häufig unnötig laut beim Spielen oder haben Schwierigkeiten bei leisen Freizeitbeschäftigungen,
zeigen ein anhaltendes Muster exzessiver motorischer Aktivitäten, die durch den sozialen Kontext oder Verbote nicht durchgreifend beeinflussbar sind.
Kriterien der Impulsivität nach ICD-10:
Die Kinder
platzen häufig mit der Antwort heraus, bevor die Frage beendet ist,
können häufig nicht in einer Reihe warten oder warten, bis sie bei Spielen oder in Gruppensituationen an die Reihe kommen,
unterbrechen und stören andere häufig (z. B. mischen sie sich ins Gespräch oder Spiel anderer ein),
reden häufig exzessiv ohne angemessen auf soziale Beschränkungen zu reagieren.
Für eine erfüllte Diagnose sollte ein Kind mindestens 6 Symptome der Unaufmerksamkeit zeigen, mindestens 3 Symptome der Hyperaktivität und mindestens ein Symptom der Impulsivität. Die differentialdiagnostische Abklärung spielt eine wichtige Rolle, da gerade Konzentrationsschwierigkeiten und hyperkinetische Störungen Ausdruck vieler Erkrankungen sein können. Für eine verlässliche Diagnose braucht es eine professionelle Abklärung durch eine Fachperson.