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Basel-Stadt und Basel-Landschaft
17 April 2022
Nichts ist für immer, nicht einmal in der Schweiz. Die Schaffung des neuen Kantons Jura im Jahr 1979, die Entscheidung der Stadt Moutier (2021) zum Kanton Jura zu wechseln oder, zum Beispiel, die Fusionen von Gemeinden. Davon zeugt auch die Schweiz selbst, wie die neue Publikation von François Walter (Text) und Marco Zanoli (Karten), Historischer Atlas der Schweiz, (Zürich, 2021) zeigt. Auch der Kanton Basel hat eine ähnliche Geschichte.
Basel, Rathaus
Kanton Basel-Stadt
Der Kanton Basel war seit 1501 Mitglied der Eidgenossenschaft oder der Konföderation der dreizehn Kantone (ab 1513). Die Stadt Basel war die wichtigste politische und wirtschaftliche Gemeinde des Kantons. Eine Oligarchie von Zünften und Kaufleuten regierte die Stadt und die umliegenden Gebiete (die Landschaft).
Nach der Reformation von 1527-1528 verliessen die letzten Adelsfamilien die Stadt oder gingen im Bürgertum auf. Der Bischof und sein Kapitel zogen nach Porrentruy (Pruntrut im heutigen Kanton Jura). Der Bischof war auch ein Fürst im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, daher der Titel Fürstbischof und Fürstbistum.
Er behielt jedoch seinen Besitz und seine Ländereien, die sich auf das Elsass, Süddeutschland und die heutigen Kantone Jura, Bern, Basel-Stadt und Basel-Landschaft erstreckten. Diese Situation endete erst in der Zeit der französischen Invasion von 1792-1798 und des Wiener Kongresses 1815. Das Ende der französischen Herrschaft markiert den Beginn der Restauration, der Wiederherstellung des Ancien Régime.
Liestal, Museum BL
Doch die alten Zeiten sind nicht in den Kanton zurückgekehrt, nicht in der Stadt Basel, auch nicht in den ländlichen Gebieten. Die Städte und Gemeinden der Landschaft akzeptierten die politische Dominanz der städtischen Oligarchie nicht mehr.
Wirtschaftliche und demografische Motive waren die Ursache dafür. Erstens lebten in der Landschaft fast doppelt so viele Menschen wie in der Stadt Basel. Zweitens war die Landschaft seit dem 16. und 17. Jahrhundert viel wohlhabender und selbstbewusster geworden, was zum Teil auf die florierende Textilindustrie zurückzuführen war.
Die Bevölkerung der Landschaft forderte mehr Beteiligung an den politischen Entscheidungen. Dies führte zu Unstimmigkeiten mit der Kantonsregierung, die nach 1815 faktisch wieder in den Händen der alten Regierung von vor 1798 war.
Ab 1830 organisierten sich die Bewohner der Landschaft, teilweise inspiriert durch den Aufstand in Paris in jenem Jahr. Dies führte zu einer Volksabstimmung im Kanton, bei der sich eine Mehrheit für eine Abspaltung aussprach. Die Regierung akzeptierte das Ergebnis jedoch nicht.
Es führte zu einer Zeit der „Basler Wirren“ und des bewaffneten Eingreifens der Stadt Basel, nachdem die Bewohner der Landschaft in einer Volksabstimmung am 17. März 1832 eine Verfassung für den neuen Kanton Basel-Landschaft angenommen hatten. Es gab übrigens auch Gemeinden, die eine Aufteilung des Kantons nicht unterstüzten.
Tatsächlich herrschte auch innerhalb der Landschaft eine Art Bürgerkrieg, wie eine Proklamation der Sezessionsbefürworter vom 20. August 1831 belegt: „Jeder der zu Gunsten von Basel agiert oder Proklamationen verteilt, wird vogelfrei erklärt„.
Die Situation drohte aus dem Ruder zu laufen, als die Stadt Basel eine neue militärische Expedition startete, die am 3. August 1833 mit einer Niederlage endete. Die Tagsatzung, die Versammlung der Kantone, beschloss am 26. August 1833 mit grosser Mehrheit die Teilung des Kantons in die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft. Liestal wurde Hauptstadt des neuen Kantons und Sitz von Regierung und Parlament (Landrat).
Der neue Kanton Basel-Stadt akzeptierte diesen Beschluss der anderen Kantone und erstellte am 3. Oktober 1833 eine neue Verfassung.
Die Wiedervereinigung der beiden Kantone und die Volksabstimmungen
Der Kanton Basel-Landschaft führte 1863 als einer der ersten Kantone (mit Ausnahme der Kantone mit Landsgemeinde) direktdemokratische Bestimmungen ein: die direkte Wahl der Regierung und des Kantonsparlaments, das Recht, einen Abgeordneten jederzeit abzuwählen, das Initiativrecht und das obligatorische Gesetzesreferendum.
Eine der ersten Volksabstimmungen, die am 4. März 1864 stattfand, hob den „Niemals-Beschluss“ einer Wiedervereinigung der beiden Basel von 1832 auf. Ab 1900 gab es in den beiden Kantonen tatsächlich eine starke Bewegung für die Wiedervereinigung.
Ein Referendum im Jahr 1936 führte zu den Vorbereitungen für eine Wiedervereinigung. Dann kam jedoch der Zweite Weltkrieg. Eine erneute Volksabstimmung in Basel-Landschaft im Jahr 1958 bestätigte jedoch den Wunsch nach Wiedervereinigung.
Zwei Ereignisse vereitelten dieses Vorhaben: Basel-Landschaft war in den 1960er Jahren wirtschaftlich sehr erfolgreich. Der Kanton war sogar der wirtschaftlich am stärksten wachsende Kanton, was die Neigung zum Zusammenschluss mit dem relativ armen Basel-Stadt verringerte.
Der zweite Faktor war die Einführung des Frauenstimmrechts im Kanton im Jahr 1968. Am 7. Dezember 1969 stimmten die Frauen in der Volksabstimmung für einen neuen Kanton Basel mit überwältigender Mehrheit gegen die Wiedervereinigung.
Zusammenarbeit
Obwohl die Kantone seither in immer mehr Bereichen zusammenarbeiten, kam es vorerst nicht zu einer Wiedervereinigung. Die Einwohnerinnen und Einwohner des Kantons Basel-Stadt haben die Wiedervereinigung in einer erneuten Volksabstimmung im September 2014 abgelehnt.
Die beiden Kantone schliessen jedoch in vielen Bereichen Abkommen ab, zum Beispiel im Gesundheitswesen. Die Bürgerinnen und Bürger in beiden Kantonen haben auch dann das letzte Wort. So lehnten die Bürger von Basel-Stadt 2019 in einer Volksabstimmung die Spitalfusion ab, während die Bürger von Basel-Landschaft dafür stimmten. Sogar die Daten der Fasnacht sind unterschiedlich, aber darüber gab es nie eine Volksabstimmung.
(Quelle: R. Teuteberg, Basler Geschichte, Basel 1988).
Korrektorin: Melinda Fechner