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Erinnerungen einer "Kennel
Maid"

von Barbara Walker-Smith
Meine erste Bekanntschaft mit Corgis machte ich im Jahr 1960, als meine Freundin Annette Harris für den Zwinger "Stormerbanks" in Wokingham arbeitete. Wir kannten uns, seit wir als Tierarztgehilfinnen in einer grossen Praxis in Reading arbeiteten. Ich wohnte jeweils bei Annette, wenn die Familie Hewan nicht zu Hause war. Damals gab es noch kein grosses Netz von Autobahnen, so dass bei längeren Distanzen eine Übernachtung notwendig war. Später arbeitete ich bei einem anderen Züchter, aber als sich die Chance bot, bei "Wey" zu arbeiten, konnte ich nicht widerstehen. Erstens war der Weg nach Hause einfacher, zweitens war das Gehalt beinahe doppelt so hoch und drittens bekam ich statt nur einen zwei halbe Tage pro Woche frei und zudem noch jeden zweiten Abend. So hatte ich viel mehr freie Zeit zur Verfügung. Einmal pro Monat hatte ich an beiden Stellen ein langes Wochenende frei.
Einen grossen Teil meiner Erfahrungen betreffend Führung eines Zwingers, Ausstellen und Richten gewann ich bei "Wey". Mrs Butler stammte aus einer Familie, die Ponies ausstellte, und die Hunde wurden wie Pferde aufgezogen und in Kondition gebracht, d.h. gut gefüttert, gut trainiert, gut gepflegt und dazwischen genügend Ruhepausen.
Mein Tag begann um ca. 7 Uhr, wenn alle Zwingerhunde hinausgelassen wurden, während mit den Haushunden ein kurzer Spaziergang durch den Wald gemacht wurde. Welpen und Junghunde und je nach Bedarf auch Hündinnen wurden gefüttert. Der Hauptzwinger beherbergte in der Regel zwölf Hunde, die paarweise untergebracht waren. Dazu gehörte ein grosser Auslauf mit Gras und Holzstämmen, wo die Hunde auf- und abspringen konnten. Läufige und trächtige Hündinnen, Hündinnen mit Welpen und junge Hunde waren einzeln untergebracht, jeder mit einem grossen Auslauf mit Gras. Viel versprechende und daher einstweilen zurückbehaltene Welpen wurden erst im Alter von 6 Monaten in den Hauptzwinger übersiedelt.
Nach der Reinigung der Zwinger und einer Tasse Kaffee teilten wir die Hunde in zwei Gruppen. Die erwachsenen Hunde wurden auf einen langen Spaziergang mitgenommen, während mit den anderen ein Lauf durch den Wald gemacht wurde. Ein Spaziergang konnte gut zwei Stunden dauern, durch Feld und Wald, über die steilen Hügel zwischen den Seen, wo Mungo (Sportsman of Wey) immer aufmerksam die Strasse beobachtete, die zu den Zwingern führte, und wenn ein Auto auftauchte, verliess er uns und kehrte um, es könnte ja sein, dass jemand mit einer Hündin zu ihm kam. Es war eine schöne Landschaft und ich liebte diese Spaziergänge in der freien Natur. Im Herbst pflückten die Hunde Brombeeren von den Sträuchern und diejenigen, die Nüsse gern hatten, frassen Kastanien, wobei Omo (Ch. Domabelle of Wey) besonders geschickt war im Öffnen der stacheligen Schale.
Die Hunde wurden jeden Tag und bei jedem Wetter ausgeführt, und ich war froh, dass Mr Butler Inhaber einer Wäscherei und Chemischen Reinigung war, so dass die vielen Handtücher von der Wäscherei gewaschen wurden. Der Winter 1963/64 war besonders streng und die Wey Farm war während ca. 3 Monaten eingeschneit. Die Hunde wurden immer noch ausgeführt, aber beim Versuch, durch den tiefen Schnee zu stapfen, waren wir schnell erschöpft. Nach den Spaziergängen ruhten die Hunde in ihren Zwingern, bis sie um ca. 3 Uhr nachmittags gefüttert wurden.
Nach dem Mittagessen und einer Pause war es Zeit, das Futter für die Hunde zuzubereiten. Das Futter war sorgfältig ausgewogen und die Menge den Bedürfnissen jedes einzelnen Hundes angepasst. An einem kalten Wintertag kiloweise rohes Fleisch zu zerschneiden war eine anstrengende Arbeit. Es war hauptsächlich "natürliches" Futter, d.h. frisches rohes Fleisch vom Metzger, bestes Rinds- und Lammfleisch und grosse Markknochen für die Zahnpflege. An den Sonntagen gab es Innereien einschliesslich Hirn, was am nächsten Tag weichen Stuhl zur Folge hatte. Die Welpen bekamen bestes Hackfleisch. Die Zerealien stammten von der Firma "Roberts Laughing Dog" und wurden regelmässig per Bahn und Spediteur geliefert. Auch läufige Hündinnen kamen per Bahn, was sich heute wohl kaum jemand mehr vorstellen könnte. Zusätzlich wurden "Denes" Kräutertabletten verabreicht, ich erinnere mich an Knoblauch und "Greenleaf" (ein Nesselprodukt). Vor der Fütterung um ca. 3 Uhr nachmittags wurden die Hunde nochmals hinausgelassen.
Am Nachmittag wurden nach Möglichkeit sämtliche Hunde gepflegt, auch die Welpen, die sich so daran gewöhnten, auf einem Tisch zu stehen, dass sie später auf Ausstellungen keine Angst hatten. Für diejenigen, die noch Leinenführigkeit üben mussten oder mehr Ringübung brauchten, wurde extra Zeit aufgewendet. Wir nahmen nie an Ringkursen teil, ich glaube, so etwas exisitierte damals noch gar nicht. Ich war Mitglied beim lokalen Kynologischen Verein, wo ich mit meinem Border Collie arbeitete, und hie und da nahm ich auch einen Corgi mit. Nach der Pflege wurden die Hunde wieder in ihren Zwingern untergebracht, bis sie um 9 Uhr abends nochmals hinausgelassen und die Welpen gefüttert wurden. Dann war gewöhnlich Feierabend. Daneben wurde unsere Hilfe aber auch bei Geburten, bei Paarungen und auf Ausstellungen beansprucht.
An meinen freien Wochenenden, wenn die Aushilfen kamen, ging ich auf Ausstellungen. Eine der Aushilfen war Hazel Walker-Smith, die meine Schwägerin werden sollte. Hazels Nachfolgerin war ihre Cousine Elizabeth Knight, die sich später als Tierarztgehilfin ausbildete, beides wunderbare und zuverlässige Mädchen, denen wir die Hunde ohne jegliche Bedenken überlassen konnten.
Die Hunde wurden auf natürliche Art für die Ausstellungen vorbereitet, d.h. kein Trimmen, keine Sprays und sie wurden nur selten richtig gebadet, ausser nach einer Geburt oder beim Haarwechsel, aber die weissen Partien wurden vor jeder Ausstellung gewaschen und bloss mit einem Handtuch, nie mit einem Föhn, getrocknet. Auf der Ausstellung angelangt, verwendeten wir ein wenig Kreide, um das Weiss der Pfoten aufzufrischen. Wir nahmen an vielen Open Shows (ohne CAC) und an sämtlichen Championship Shows (mit CAC) teil. Wenn wir viele Hunde angemeldet hatten, begleitete ich jeweils Mrs Butler. Es wurde oft ein sehr langer Tag: früh auf, um die Hunde zu bewegen und die weissen Partien zu waschen. Ein vorzeitiges Verlassen der Ausstellungen war nicht erlaubt und Cruft's z.B. dauerte bis 8 Uhr abends, aber im Restaurant der Ausstellungshalle "Olympia" (London) konnte man eine gute und preiswerte Mahlzeit kriegen. Ich freundete mich mit vielen Leuten von anderen Zwingern an, wir beobachteten, lauschten und lernten.
Mit den jungen Corgis ging ich oft allein auf Open Shows. Wenn die Ausstellung mit Obedience-Prüfungen verbunden war, konnte ich mit Mrs Butlers Schwester, Mrs Trevelyan, fahren, die immer mit einem Wey Corgi arbeitete. Andernfalls benutzte ich die öffentlichen Verkehrsmittel, weil ich keinen Führerschein besass,. Ich kann mich nicht erinnern, dass ein junger Corgi jemals ängstlich war, alle nahmen diese Ausflüge per Bus und Bahn gelassen hin. Käfige wurden nie gebraucht, ausser wenn Mrs Butler in einem Hotel übernachtete. Vielleicht machten wir uns deshalb nie Sorgen wegen der Sozialisierung.
Wey Corgis
Eines Tages kriegte Mrs Butler eine telefonische Anfrage, ob sie einen jungen Corgi für eine Werbung zur Verfügung stellen könne. Ich wurde zur Station Woking gebracht, nahm den Zug nach London, fand die Oxford Street und schliesslich auch die Werbeagentur am Ende einer sehr steilen Treppe. Die acht Monate alte Hündin wurde auf ein grosses Stück gelbes Papier gestellt und von allen Seiten fotografiert. Sie stand wie ein Obedience Champion beim "Steh". Alle waren beeindruckt. Nachdem die Sitzung beendet war, ging's zurück zuerst mit der Bahn, dann mit dem Bus und die letzten ca. 2 Kilometer zu Fuss. Es war ein langer und anstrengender Tag für Hund und Begleiterin. Einige Monate später blätterte ich in einer Zeitschrift und sah das Inserat: Rose vor einer grossen Dose Pedigree Pal, die nachträglich einkopiert worden war. Aus Rose wurde Ch. Rockrose of Wey, die zuerst in England und später in den USA Erfolge feiern konnte.
"Wey" wurde oft als grosser Zwinger betrachtet, aber üblicherweise wurden nur zwölf erwachsene Hunde gehalten, und eventuell ein paar alte Corgis im Haus. Mrs Butler hatte ganz bestimmte Ansichten in Bezug auf Typ, Wesen und Ausstellungspräsenz ihrer Hunde. Wer diesen Anforderungen nicht entsprach wurde aus der Zucht genommen. Viele Hündinnen wurden im Zuchtrecht platziert, später sterilisiert und ihren Pflegeltern überlassen. Eine Hündin hatte selten mehr als drei Würfe, denn Mrs Butler war der Auffassung, dass wenn eine Hündin nichts Gutes hervorbrachte, warum sollte sie dann nochmals verwendet werden. Auf der anderen Seite, falls die Hündin einen guten Wurf produzierte, war es nicht nötig, diese Linie zu vergrössern.
Mrs Nan Butler mit Ch. Luther of Wey,
der auf der Goldenen Jubiläumsshow der Welsh Corgi League im Jahr 1988 Best in Show wurde.
Viele der Champions und jungen erfolgreichen Hunde wurden exportiert. Mrs Butler hatte nie viele "Pensionäre". Für Hündinnen und Rüden, die nicht länger für die Zucht eingesetzt werden sollten, wurden gute Plätze gesucht und es war nie schwierig, einen solchen Platz zu finden. Die Champion-Hündinnen Duskianna und Georgette verbrachten ihre alten Tage bei meinen Schwiegereltern und schätzten die Ferien in Yorkshire, wo sie mit meinen Bearded und Border Collies auf den Weiden um die Wette rannten. Ch. Sea Mist kam zu Elizabeth und ihrer Familie und Ch. Sea Lion verbrachte seinen Lebensabend bei einer Dame in Horsham.
Ich verliess "Wey" anfangs 1964. Es war eine schöne Zeit, ohne Hektik und mit viel Freiheit. Besonders die monatlichen Lunchparties sind mir in guter Erinnerung, wenn Mitglieder der Southern Section der Welsh Corgi League sich gegenseitig besuchten und die Hunde und vor allem den Nachwuchs begutachteten. So lernte ich auf angenehmste Art viel Neues!
Aus "Our Corgi World", Dez. 2001 mit freundlicher Genehmigung der Welsh Corgi League.
Übersetzung: ANo
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Mrs N. Butler starb im Dezember 1997 und ihr Mann im Mai 2000. Der Zwingername "Wey" wurde von der Welsh Corgi League für die nächsten 20 Jahre geschützt. Weitere geschützte Zwingernamen sind: Fitzdown, Bowhit, Brome, Cowfold, Crawleycrow, Helarian, Rode, Stormerbanks, Teekay.