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In letzter Zeit bemühten sich Vertreterinnen der BKW zu verkünden, dass eine sichere Stilllegung des AKW Mühleberg den Weiterbetrieb bis 2019 bedingt. Eine Abschaltung könne nicht überstürzt erfolgen. Tatsache ist: Solange im AKW die Kernspaltung im Gange ist, bleibt das Risiko am höchsten.
Deutschland reduzierte im August 2011 das atomare Risiko mit dem Entscheid, 8 Reaktoren abzuschalten, massiv. Alle AKW, welche vor 1982 in Betrieb gingen, wurden inzwischen abgeschaltet[1]. Würde die Schweiz analog handeln, wären Mühleberg, Beznau und Gösgen stillgelegt.
Mühleberg genügt nicht den guten industriellen Standards
Im Jahr 2000 besuchte eine OSART Mission (Operational Safety Review Team) der IAEA das AKW Mühleberg. Im 2001 veröffentlichten Bericht war folgendes zu lesen:
Industrielles Sicherheitsprogramm: Verschiedene industrielle Sicherheitspraktiken auf der Anlage sind unterhalb der guten internationalen Praxis.[2]
Im Jahr 2012, 1 ½ nach Fukushima, 12 Jahre nach dem ersten Besuch, besuchte erneut eine IAEA Mission das AKW Mühleberg. Im Anfang 2013 veröffentlichten Bericht war folgendes zu lesen:
Das Sicherheits-Programm des AKW Mühleberg entspricht nicht den guten industriellen Standards.[3]
Innerhalb der 12 Jahre hat es der Betreiber des AKW Mühleberg nicht geschafft, den Ansprüchen an den industriellen Standard zu entsprechen. Vor kurzem behauptete BKW-Verwaltungsratspräsident Gasche, mit den getroffenen Massnahmen habe man alle Kritikpunkte der OSART Mission erfüllt.[4] Was 12 Jahre nicht möglich war, soll im vergangenen Jahr erledigt worden sein?
Daher erstaunt es nicht, wenn sich sogar das sonst nicht gerade als kritische Stimme bekannte ENSI in der Stellungnahme zum Sicherheitsbericht wie folgt äusserte:
„Aus Sicht des ENSI nimmt der Verwaltungsrat der BKW Energie AG seine Verpflichtung nicht genügend wahr, auf systematische Weise die Sicherheit des KKM zu bewerten, um vorausschauend die nötigen Verbesserungen einzuleiten.”
Die Rendite ist wichtiger als die Sicherheit
Es ist wichtig zu erkennen, dass sich die BKW nicht der Sicherheit, sondern eher den monetären Interessen verpflichtet sieht.
Nachdem die BKW die Stilllegung für das Jahr 2019 verkündete, verwarf sie die Nachrüstungen in der Höhe von einigen Millionen Franken. Die Sicherheitsfrage wurde durch die BKW banalisiert, um mit minimalen Investitionen das AKW noch 5 Jahre weiter laufen lassen.[5]
Das ENSI stellte der BKW im November 2013 eine Verfügung zu. Die BKW muss bis Mitte 2014 erklären, wie sie gedenkt, das AKW bis zum Jahr 2019 zu sichern. Die Unsicherheit des AKW Mühleberg lässt sich an der Entwicklung der Kernschmelzwahrscheinlichkeit ablesen. In den Stellungnahmen des ENSI zu den Mühleberg Sicherheitsberichten ist ersichtlich, dass die Kernschmelzwahrscheinlichkeit Core Damage Factor CDF-Gesamt (Total der Anteile Erdbeben, Brand, Überflutung, Flugzeugabsturz usw.), in den vergangenen Jahren stetig gestiegen ist!
1991 = 1.3×10-5, 2002 = 1.5×10-5, 2012 = 2.35×10-5
Diese Zahlen zeigen eindeutig, dass in Mühleberg eine Kernschmelze wahrscheinlicher wird.[6] Dazu tragen interne Überflutung und Brand seit Inbetriebnahme wesentlich bei. Ursache sind Konstruktionsmängel der ersten Generation Siedewasserreaktoren.
Alte konstruktive Mängel
Kommt es zu einer internen Überflutung durch den Bruch der Speisewasser- oder Frischdampfleitung, des Brennelementebeckens oder des Torus, würden sich die Wassermassen in den AKW Keller ergiessen. Doch gerade auf dieser Ebene 11m unterhalb der Oberfläche stehen diverse Apparate wie Pumpen und Ventile, welche für Notsituationen benötigt werden, um dann Kühlwasser in den Reaktor zu pumpen.
Nicht gesicherte Kühlung
Das AKW Mühleberg bezieht zur Kühlung des Reaktors Wasser aus der Aare. Ist das Wasser nicht verfügbar oder eine Leitung verstopft, versagt die Kühlung und Notkühlung des AKW. Aufgrund der Erkenntnisse aus dem Fukushima GAU wurde eine von der Aare unabhängige Kühlquelle geplant. 2011 präsentierte die BKW eine Lösung mit einem Kühlturm, welcher unabhängig von der Aare eine Notkühlung bieten könnte, und ein halbes Jahr danach eine Lösung mit einer Wasserleitung, welche aus einer neuen Grundwasserpumpstation im Saanetal eine Notkühlung gewährleisten sollte. Die neusten Vorschläge der BKW beruhen darauf, dass eine nicht erdbebenfeste Leitung als Notlösung herangezogen werden soll.
Nicht vorhandene Brandschutztrennung
Im AKW Mühleberg kam es bereits 1971 bei Inbetriebnahmeversuchen zu einem Brand[7] im Maschinenhaus. Die Erkenntnisse zum Mühleberg-Brand führten zu weitreichenden Überlegungen bei der Konstruktion weiterer AKW; diese betrafen vorwiegend den Schutz von mehrfach (Redundant) vorhandenen Sicherheitssystemen. Eine wichtige Massnahme ist dabei die Brandschutztrennung. Das AKW Mühleberg hat keine Brandschutztrennung. Mehrere sich unterstützende oder doppelt vorhandene Sicherheitssysteme befinden sich in nicht getrennten Räumen. Die räumliche Trennung der Systeme ist jedoch im AKW Mühleberg nicht machbar, da es als einziges AKW dieses Typs eine äussere Druckabbaukammer besitzt, welche die räumliche Trennung verunmöglicht. In anderen baugleichen AKWs gibt es sogenannte Eckräume[8], in welchen Sicherheitssysteme gegen interne Überflutung und Brand abgeschottet werden.
Die Abschaltung ist einfach umzusetzen
Die sofortige Abschaltung von Mühleberg ist technisch möglich. Drückt heute ein Reaktorführer den Abschaltknopf, wird durch Einfahren der Steuerstäbe die Kettenreaktion abgestellt. Nach wenigen Tagen ist die Nachzerfallswärme auf ein Niveau abgesunken, welche es erlaubt, den Reaktordeckel zu öffnen und danach sorgfältig die sich im Reaktor befindlichen Brennelemente ins Brennelementelagerbecken zu verfrachten. Ein Vorgang wie er bereits bei jeder Revision, bei welcher rund 15% neue Brennelemente nachgeladen werden, durchgeführt wird.[9] 5 Jahre später, 2019, könnten die entladenen Brennelemente mit Castorbehältern ins ZWILAG[10] abgeführt werden, es ist zu hoffen, das, sich bis dahin kein Erdbeben ereignet, der Mühleberg Damm hält, kein Brand ausbricht, keine Leitung bricht. Daher macht nur die sofortige Abschaltung des AKW Sinn. Stilllegung 2019 hiesse 10 Jahre Risikoverlängerung!
[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kernreaktoren_in_Deutschland
[2] OSART Bericht im Jahr 2001, 1.5 Industrial Safety Programme „However, several industrial safety practices at the plant are below good international practice.“
[3] OSART Bericht im Jahr 2001, 1.5 Industrial Safety Programme „However, several industrial safety practices at the plant are below good international practice.“
[4] http://www.derbund.ch/bern/kanton/Es-ging-in-keiner-Art-und-Weise-um–kritische-Zustaende-in-Muehleberg/story/24496435
[5] http://www.derbund.ch/bern/kanton/Ensi-fordert–und-gibt-nach/story/31666384
[6] PSÜ 2005 Tabelle 8.3.7-1:, PSÜ 2000 Tab 8.1.6-1:, PSÜ 2010 Tabelle 7.3-2:, PSÜ 1991 Tab 9-7
[7] http://www.fokusantiatom.ch/Dokumente/1971_BrandinMuehleberg_VGB.pdf
[8] http://www.fokusantiatom.ch/FAA_Info/2013_10_Info8_FAA.pdf
[9] http://www.nuklearforum.ch/sites/default/files/monatsberichte/MB_August2013_d.pdf
[10] http://www.zwilag.ch/
Homepage der Kampagne Mühleberg stillegen http://muehleberg-stilllegen.ch