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Ich stand im Centro Cultural in Mindelo auf der kapverdischen Insel São Vicente und kam nicht von den Bildern los. Was es genau war, dass mich so faszinierte, kann ich nicht richtig sagen, es war wahrscheinlich das Figurative und zugleich Abstrakte in den Werken vor mir. Also fragte ich eine Angestellte, wer dieser Künstler, dieser Tchalé Figueira, sei. Man händigte mir ohne zu zögern Figueiras Handynummer aus und erklärte: er ist hier auf der Insel geboren, wohnt jetzt aber auf Santiago, knapp eine Flugstunde entfernt.
Am nächsten Tag lief ich per Zufall an Figueiras Galerie in Mindelo vorbei und sah dort einen Ausstellungskatalog der Kunsthalle Basel. Einer der Namen darauf war der von Tchalé. Ich fand heraus, dass der inzwischen 64-jährige Kapverder von 1974 bis 1985 in Basel gelebt und studiert hat. Wow, Jackpot! Diesen Mann will ich kennenlernen. Mein Guide meinte noch, bevor ich ihn anrief: „Er ist einer der berühmtesten Künstler hier, du hast es also mit einem Promi zu tun.“
So verhielt sich Figueira aber ganz und gar nicht. Er lud mich zu sich nach Hause ein und erzählte mir, auf seinem Sofa sitzend, dass er in der Schweiz gelernt habe, pünktlich und tolerant zu sein. „Diese Toleranz hat mich und mein Weltbild geprägt. Ich verdanke der Schweiz sehr viel.“ Auch das Gefühl von Freiheit, dass er plötzlich tun und lassen konnte, was er wollte, habe ihn ganz zu Beginn, 1974, beeindruckt. „Ich kam ja aus einer vom Faschismus geprägten portugiesischen Kolonie und war ein scheuer und unterdrückter Mann.“ Basel habe ihn damals gerettet, ist er überzeugt und er habe es sehr genossen, dass in der Schweiz alles so ruhig und geordnet war. Noch heute kehrt er gerne in die Schweiz zurück. Die Stadt Bern mag er sehr, aber auch Montreux. Beide Orte besuchte er wenn immer möglich, denn Figueira ist nach wie vor ein aktiver Zeitbürger: Er malt noch immer, schreibt kritische Bücher und Zeitungsartikel und reist, wann immer es möglich ist.
Falls ihr zufällig plant, der kapverdischen Kulturhauptstadt Mindelo einen Besuch abzustatten, dann empfehle ich euch in Figueiras Galerie an der Hafenstrasse vorbeizuschauen. Sie befindet sich schräg vis-à-vis des berühmten Fischmarktes und ist von morgens bis abends geöffnet. Für umgerechnet 200 Euro könnt ihr dort auch kleine Werke des Künstlers kaufen. Und vielleicht ist ja sogar Tchalé Figueira da und wechselt ein paar Worte in Baslerdüütsch mit euch, er beherrscht es noch immer perfekt.
Ps. Meine Reise auf die Kapverdischen Inseln hat Let’s go Tours organisiert. Der Afrika-Spezialist aus Schaffhausen stellt massgeschneiderte Touren zusammen, es sind aber auch normale Rundreisen im Programm, die gar nicht mal so viel kosten.