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Rot
- Ich sitze im Bus und höre das Gespräch zwischen zwei jungen Erwachsenen mit (das Wort „Teenager“ widerstrebt mir; es ist eine Schöpfung der westlichen Welt und bezeichnet die Zeit des Lebens, in der die Kraft eines Erwachsenen mit einer geringen Verantwortung verknüpft ist; in der Regel leisten die Eltern „Vorschuss“). Stolz erzählt die junge Frau, dass der Grossvater ihre Zigaretten bezahle.
- Es ist Zeit für den Nachwuchs ins Bett zu gehen. Sie toben herum, und ich zweifle daran, sie innert nützlicher Frist in die „Ruhezone“ zu bringen. (Es gibt Abende, da sind sie so kribblig, zum Beispiel vor dem Schneefall.) Plötzlich ist es ruhig: Mein Ältester hat ein Buch in die Hand genommen und liest den Jüngeren vor. Ich schliesse die Türe leise und lasse sie gewähren.
- Ich frage meine Söhne jeden Tag nach Erlebtem, aber auch nach ihrer Bewertung des Erlebten. Ab und zu bemerke ich, dass ihre Bewertung total von jener meiner Frau abweicht: Das Eigenbild ist eklatant positiver. Manchmal schweige ich und merke mir die Informationen für eine spätere Gelegenheit zur Aussprache, andere Male gibt es eine verbale Korrektur. Das erfordert einiges Fingerspitzengefühl, über das ich nicht immer verfüge.
- Kinder können (manchmal) unermüdlich sein neue Dinge auszuprobieren. Meine Frau ertappt mich dabei, wie ich meinen Zweiten anfahre und dabei einfach die Annahme treffe: „Das kannst du noch nicht.“ Ich habe es aus blosser Ungeduld gesagt. Ich setze mich hin, entschuldige mich und beobachte ihn dabei, wie er es versucht.
Grün
- Ich spreche meinen knapp Einjährigen an und möchte seine Aufmerksamkeit. Ich sehe, wie es in seinem Kopf rotiert. Er überlegt sich kurz, ob er den Blickkontakt zu mir aufnehmen will. Doch dann sieht er ein anderes Ziel und steuert es an. Oder: Er blickt bewusst an mir vorbei, um mir anzudeuten: Jetzt nicht.
- Meine Frau erzählt meinem Ältesten von einer Ungerechtigkeit, die mir widerfahren ist. Er steht entrüstet auf und möchte bei der betreffenden Person vorbeigehen, um die Sache zu regeln.
- Einfacher geht es nicht: Bilder knipsen, dann ausdrucken. Wir machen es uns nicht ganz so einfach. Wir gehen im Fotogeschäft vorbei und wählen uns die Bilder sorgfältig aus. Freudig ziehen wir mit einem Beiglein heimwärts.
- Nach einem halben Jahr wöchentlichem Gang in die Bibliothek (ich lese durchschnittlich vier Bücher vor; das ergibt bei Annahme von 20 Besuchen die stattliche Zahl von 80 Büchern) kennen meine Jüngeren viele Bücher schon. Was gibt es Schöneres, als ein Buch hervorzunehmen und nochmals vorzulesen?