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Dank exakter Aufzeichnungen von Temperatur und Wachstumserscheinungen können Wissenschaftler heute klare Aussagen darüber machen, wie sich Wetter, Witterung und Klima im Verlaufe der Jahrhunderte verändert haben.
Unser Land hat glücklicherweise nie Kriege erleben müssen, in denen alles zerstört, verbrannt und dem Erdboden gleichgemacht wurde. So können wir noch heute in städtischen und ländlichen Archiven, Bibliotheken, Klöstern, Chroniken und Sammlungen auf Wetter-, Witterungs- und phänologische Aufzeichnungen zurückgreifen. Schreibkundige wie zum Beispiel Pfarrherren, Lehrer, Mönche oder Privatpersonen haben diese Dokumente erstellt und zum Teil über Jahrzehnte fortgeführt. Solche langjährigen Aufzeichnungen sind noch heute für Meteorologen und Klimatologen wichtige Dokumente. Mit diesen Schriften lassen sich Aussagen über normale und extreme Wetter-, Witterungs- und Klimaabläufe in verschiedenen Epochen der vergangenen Jahrhunderte machen. Im heutigen Beitrag möchten wir einmal solche Langzeitbeobachtungsreihen vorstellen.
Drei Temperaturreihen
Zuerst zur Temperatur: In der Schweiz existieren drei bedeutende Temperaturreihen: die Basler, die Genfer, und die Zürcher Reihe. Für die Temperaturmessungen diente das Quecksilberthermometer als Messinstrument. Es wurde schon Ende des 17. Jahrhunderts erfunden und benützt. Die Basler Temperaturreihe geht über die Zeit von 1755 bis 1957, also 200 Jahre. Die Messungen wurden von Beginn weg dreimal pro Tag vorgenommen und aufgezeichnet, was die Messreihe besonders wertvoll macht.
Da man die Messstation im Laufe der Zeit von der Stadt Basel auf das Bruderholz verlegte, mussten aufwendige Homogenisierungen vorgenommen werden, damit Aussagen über Temperaturentwicklungen weiterhin Gültigkeit behielten.
Ebenfalls fast 200 Jahre
Die Genfer Temperaturreihe beginnt im Jahre 1768 und geht bis ins Jahr 1962. Sie hatte den Vorteil, dass die Temperatur von 1826 bis 1962 immer am gleichen Standort, allerdings nur einmal pro Tag gemessen und registriert wurde. 1962 wurde die Station aufgegeben.
Die jüngste der Temperaturreihen ist die Zürcher Reihe. Sie beginnt im Jahre 1864, dem Gründungsdatum der heutigen Meteo Schweiz (früher Meteorologische Zentralanstalt). In Zürich wurde dreimal pro Tag gemessen. Die Messstation wurde ein paarmal verschoben, sodass man auch hier die Temperaturreihe entsprechend homogenisieren musste.
Mit der Zürcher Reihe und den übrigen, heute über die ganze Schweiz verteilten automatischen Messstationen kann man die Temperaturentwicklung für einzelne Stationen oder für die gesamte Schweiz errechnen und grafisch darstellen. Die Abbildung 1 zeigt die Klimaerwärmung, die für das ganze Land gut erkennbar ist:
Phänologische Reihen
Seit 1951 existiert in der Schweiz auch ein phänologisches Beobachtungsnetz. Die Phänologie beschäftigt sich mit den im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Wachstums- und Entwicklungserscheinungen von Pflanzen und Tieren. Für die Beobachtung der Pflanzenphänologie gibt es heute 170 Stationen über das ganze Land verteilt. An diesen Stationen ermittelt und registriert man sogenannte Phänophasen wie Blattentfaltung, Blüte, Fruchtreife, Blattverfärbung und Blattfall.
Die Resultate lassen einerseits die Auswirkungen des Klimawandels auf die Vegetation erkennen. Andererseits werden Prognosemodelle für den Blühbeginn erstellt, was zum Beispiel bei Pollen-Allergikern zur Anwendung kommt.
Es gibt auch in der Pflanzenphänologie zwei lange Beobachtungsreihen, die vor allem den Frühling als beliebte Jahreszeit ankündigen. Regula Gehrig, wissenschaftliche Mitarbeiterin Klima von Meteo Schweiz, stellte den FN Beobachtungsreihen in Grafik und Bild zur Verfügung (siehe Abbildung 2).
Im Jahre 1816, nach dem Tambora-Ausbruch und einer weltweiten Kältewelle, öffneten sich die Knospen erst am 23. April. Im Jahre 2002 waren die ersten Blättchen der Rosskastanien schon am 29. Dezember zu sehen. Man sieht auch hier die globale Erwärmung, die seit 1900 den Entwicklungstermin verfrüht. Ein zusätzlicher Faktor ist die zunehmende städtische Erwärmung in Genf, die die Resultate beeinflusst und den Blattausbruch noch früher auftreten lässt.
Eindrücklich ist auch die zweite langjährige Beobachtungsreihe, bei der die Kirschblüte einer wilden Kirsche in Liestal (siehe Abbildung 3) erfasst wurde:
Von 1894 bis 1968 wurde immer der gleiche wilde Kirschbaum beobachtet. Dieser ging leider ein, aber sein Nachbar blüht weiter und ist offenbar genetisch mit dem alten Baum verwandt, sodass er noch einige Jahre zur Datierung dienen kann. Man sieht aus den Aufzeichnungen eine deutliche Tendenz zu früheren Blühterminen. Sie verschieben sich von Mitte April auf den Anfang des Monats, was mit dem Klimawandel zusammenhängt (rote Kurve).
Im nächsten Beitrag Ende Mai gehen wir noch einer weiteren langjährigen Beobachtungsreihe ganz anderer Art nach.