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1785 wird der deutsche Mathematiker Johann Georg Tralles (1763-1822) als Professor an die "Hohe Schule" Bern (Vorläuferinstitut der Universität) berufen. Neben seinem Lehrauftrag befasst sich Tralles mit geodätischen Messungen. Er misst eine Basis bei Thun, bestimmt trigonometrisch die Höhen der Berner Alpengipfel und publiziert die Ergebnisse. Tralles wird aktives Mitglied der Oekonomischen Gesellschaft Bern. Dort lanciert er die Idee einer Landesvermessung (LV) als Grundlage für die Herstellung genauer Karten. Es gelingt ihm, die dazu notwendigen finanzielle Mittel durch die Gesellschaft, den Kanton Bern und private Geldgeber aufzutreiben. Es werden Messinstrumente beschafft. So wird 1792 beim berühmten Instrumentenbauer Jesse Ramsden in London ein grosser Theodolit bestellt, der aber erst 1797 geliefert wird. Das Instrument ist über 100 kg schwer und erweist sich für die topographischen Verhältnisse der Schweiz als ungeeignet.
Um 1790 beginnen Tralles und sein Schüler Ferdinand Rudolf Hassler (1770-1843) aus Aarau mit geodätischen Messungen für die LV des Kantons Bern und der Schweiz. Sie verwenden einen Bordakreis (von Cary) mit einem Teilkreis von 16 Zoll und einen Spiegelsextanten. Im Berner Seeland (Grosses Moos) wird 1791 eine 13 km lange Basis zwischen Walperswil und Sugiez gemessen. Verwendet wird eine Stahlkette von 100 französischen Fuss. 1797 wird die Messung mit 7.8 m langen Eisenstangen wiederholt. Hassler verfasst eine Denkschrift über ein Vermessungsbüro, welche ein Konzept für eine staatliche LV enthält, worauf ihm der Finanzminister der Helvetischen Republik den Auftrag zur Durchführung erteilt. 1798-1800 führt Hassler geodätische Beobachtungen und Berechnungen für diese Zielsetzung durch.
Im Zürcher Sihlfeld misst der Ingenieur und Fortifikationsdirektor Johannes Feer (1763-1823) unabhängig von den Berner Arbeiten 1791/92 eine
3.4 km lange Basis mit der Absicht eine Triangulation als Grundlage für die Kartierung des Kantons Zürich zu erstellen.
Das Vorhaben eines landesweiten Triangulationsnetzes über die ganze Helvetische Republik scheitert schlussendlich trotz allen Bemühungen. Dabei ist den Geodäten durchaus bewusst, welche Bedeutung eine genaue LV für die Schweiz hat. Aber in der Zeit der Helvetischen Republik, nach dem Einmarsch von Napoleons Truppen, sind die Verhältnisse viel zu instabil, um mehrjährige und kostspielige Projekte dieser Art erfolgreich durchzuführen. Immerhin entsteht mit den Resultats principaux des mesures um 1800 Hasslers handschriftliches Verzeichnis mit geographischen Lagekoordinaten und z.T. mit Höhen von 51 Fixpunkten im Gebiet zwischen Yverdon und Schaffhausen. Dieses Hauptergebnis der geodätischen Messungen dieser Epoche kann als erster Bezugsrahmen der Schweiz "LV1800" betrachtet werden.
Grosse Teile der Schweiz werden zu Napoleons Zeiten von französischen Ingenieurgeografen vermessen. Die Schweizer Behörden ziehen die anfängliche Zusage zur Zusammenarbeit wieder zurück. Auch in der Zeit des Staatenbundes, nach 1815, gelingt es lange nicht, von der Tagsatzung die benötigen jährlichen Mittel zu erhalten, um ein landesweites Netz aufzubauen. Zwar kann das trigonometrische Netz um die Basis im Berner Seeland erweitert und mit jenem im Osten verbunden werden, dessen Massstab auf der Basis im Sihlfeld beruht. Der Massstabsunterschied der Netzteile von 30 cm/km (300 ppm) entspricht allerdings nicht den Erwartungen. Später zeigt sich, dass die Abweichung auf unterschiedliche Basis-Massstäbe zurückzuführen ist.
Der Ruf nach einer genauen, zuverlässigen Schweizer Karte wird immer lauter. Dies setzt aber auch ein landesweites trigonometrisches Netz voraus, das nicht vom Fleck kommt.
Quelle: M. Rickenbacher: Napoleons Karten der Schweiz, Landesvermessung als Machtfaktor, 1798-1815.