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Bestellt man in der Rheingasse ein dunkles Bier, so ordert man nicht einfach «ein Dunkles», sondern sagt wohl wissend und mit Genuss: «Ein Robur, bitte!» «Robur», so heisst nämlich das dunkle Ueli-Bier, welches seit 1974 in der Brauerei Fischerstube neben einem süffigen Lager und einem feinen Spez gebraut wird. Warum dieses Bier so heisst? Aus gutem Grund!
Die ganze Ueli-Bier Brauerei Fischerstube steht auf historischem Grund. Bei Rennovations- und Ausbauarbeiten im ehemaligen Haus «zur Goldgrupe» an der Rheingasse 45 zum eigentlichen Brauereilokal stiessen Bauarbeiter am 13. September 1973 auf die Fundamente einer alten Festung, die man seither mit dem überlieferten «Munimentum Robur» gleichzusetzten pflegt. Der archäologische Befund vor Ort legt nahe, dass diese Feste einen quadratischen Grundriss mit vier mächtigen Rundtürmen in den Ecken besass. Beinahe vier Meter starke Grundmauern umschlossen einen zentralen Hof von etwa 13 auf 13 Meter in ihrem Innern. Neben der räumlichen Ausdehnung, welche die typische Grösse einer mittleren Wehranlage aufweist, wie wir sie bei Grenzbefestigungen zwischen Rhein und Donau (Limes) finden, spricht vor allem die Mauertechnik mit eingemauerten Eichenbalken, welche wie bei einem Blockhaus kreuzweise ineinander gelegt wurden, für eine Datierung in die zweite Hälfte des 4. Jahrhunderts.
Name und Funktion dieses spätantiken Festungsbaus sind schon seit längerem bekannt. Im Jahre 374 n. Chr. erschien der römische Kaiser Valentinian I. (321 – 375) während seines Feldzugs gegen die Alemannen mit einem Heer bei Basel und liess zum Schutze vor den anstürmenden Alemannen die Rheingrenze befestigen. Zu diesem Behuf wurde rechtsrheinisch – also im eigentlichen Feindesland – das Munimentum Robur gebaut, aller Wahrscheinlichkeit nach als vorgelagerter Grenzposten für das römische Kastell auf dem Münsterhügel. Zweck dieses militärischen Vorwerks war es wohl, den damaligen Rheinübergang (ein rudimentärer Fährbetrieb) zu sichern. Von hieraus konnte man zudem rasch und einfach militärische Vorstösse in das feindliche Umland unternehmen, ohne vorab mühsam den Rhein überqueren zu müssen. Der Name «Robur» des Munimentums lässt sich passend in diesem Sinne als «Kraft, Stärke», aber eben auch als «Stützpunkt, Festung» erklären.
Der römische Historiker Ammianus Marcellinus (330 ~ 400) berichtet uns in seinem, leider nicht vollständig erhaltenen Geschichtswerk (von ursprünglich 31 Bänden fehlen die Bücher 1-13) unmittelbar davon. Ammianus Marcellinus gehört zweifelsohne zu den «Vätern der Geschichtschreibung» in der Spätantike. Sein Werk ist in lateinischer Sprache abgefasst, obwohl er selbst aus Antiochia, im Osten des römischen Reiches, stammte und somit eigentlich Griechisch sprach. Im seinem Buch 30, 3 nennt er uns die näheren Umstände dieser interessanten Gründung:
… Valentiniano post vastatos aliquos Alamanniae pagos munimentum aedificanti prope Basiliam quod appellant accolae Robur offertur praefecti relatio Probi docentis Illyrici clades
«… als Valentinian nach der Verwüstung einiger Gaue Alemanniens eine Festung bauen wollte, nahe bei Basel, welche die Anwohner Robur nannten, wurde eine Nachricht des Präfekten Probus überbracht, welche ihn über die Niederlage in Ilyrien unterrichtete.»
Selbstverständlich gibt es auch hier kritische Stimmen, die gerne anführen, dass sich das Relativpronomen «quod» (= welches) direkt nach «Basiliam» auch auf «Basiliam» selbst beziehen könnte. Daraus würde dann folgende Übersetzung resultieren: «… nahe bei Basel, welches die Anwohner (auch) Robur nannten…» In diesem Falle würde sich die Bezeichnung «Robur» direkt auf Basel beziehen und wäre so quasi als ein lokaler Beiname dieser Siedlung zu verstehen (nahe bei Basel, welches die Anwohner auch «das Starke» nannten).
Gegen diese Deutung lassen sich aber folgende Argumente ins Feld führen:
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Das Relativpronomen «quod» sollte sich aufgrund seines grammatikalischen Geschlechts auf ein vorher genanntes Neutrum beziehen. Da Basilia aber feminin ist, bleibt nur das sächliche «munimentum» als Bezugswort übrig.
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Wir dürfen annehmen, dass ein Geschichtsschreiber wie Ammianus Marcellinus ein eher gehobenes Latein schrieb. Deshalb scheint es unwahrscheinlich, dass er solch einen einfachen Grammatikfehler macht – auch wenn Latein für ihn eine Fremdsprache gewesen ist!
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Es ist zu erwarten, dass der Geschichtsschreiber neben der Örtlichkeit (Wo wurde die Festung gegründet?) auch deren Namen nennt.
Man kann man also guten Gewissens an der traditionellen Lesung festhalten und auch weiterhin von einer Festung namens Robur, nahe bei Basel gelegen, ausgehen.
Für Basel aber wesentlich interessanter, ist nicht die eigentliche Gründung der Feste Robur, sondern die nebenbei mit «prope Basiliam» genannte Erwähnung des Stadtnamens von Basel. Bis heute nämlich gilt diese Nennung als ältestes Zeugnis für den Namen der Stadt. Verweist doch dieses «nahe bei Basel» mit ziemlicher Sicherheit auf das Kastell und die umliegende Besiedlung (vicus) auf dem Münsterhügel.
Das Schöne jedenfalls für Basler und durstige Stadtbesucher ist, dass wir uns die erste Erwähnung des Stadtnamens Basilia in Zusammenhang mit einem leckeren, dunklen Bier merken dürfen. Ganz nach dem Motto: Trinkt man ein Robur, trinkt man im wahrsten Sinne des Wortes ein echtes Stück Basler Geschichte. Na denn, Prost!
Archäologisches Fenster
Einen Blick auf die Überreste des «Munimentums Robur» können Sie im Hof des Restaurants Fischerstube werfen. Hier ist in einer Aussparung im Boden noch ein Mauerabschnitt «in situ» zu sehen.
Quelle: baselinsider.ch