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Nur zwei Häuser am Marktplatz sind aus der Zeit vor dessen grosser Umgestaltung gegen Ende des 19. Jahrhunderts erhalten geblieben: das Rathaus und das Zunfthaus zu Weinleuten. Das Zunfthaus ist mit seiner durch Säulenstellungen untergliederte Sandsteinfassade ein herausragendes Werk der Renaissancebaukunst, das eine Ausnahmestellung in der Basler Architektur beansprucht.
Die Weinleutenzunft wird 1233 erstmals als Eigentümerin eines steinernen Hauses "zem Bild" am Marktplatz erwähnt, jedoch besass die Zunft nur die linke Hälfte des Gebäudes. 1330 heisst es im Anniversarbuch des Domstifts, die Zunft habe ihre Trinkstube in das links benachbarte Haus verlegt. Sie kauften das Haus allerdings erst 1377, wenige Tage nachdem ein Brand den Marktplatz verwüstet hatte. Durch die damals beschlossene Erweiterung des Platzes kam das Zunfthaus zu Weinleuten, das zuvor durch eine Häuserzeile vom eigentlichen Platz getrennt war, direkt am Markt zu stehen. 1409 kaufte die Zunft jene Hälfte des Hauses "zem Bild", in der sie einst ansässig gewesen war.
1421/22 liess die Zunft ihre beiden Gebäude auf eine Höhe bringen und unter einem gemeinsamen Dach vereinigen. Das zeigt sich in Überlieferungen, denen zufolge auf der linken Brandmauer ein Giebel neu aufgesetzt wurde, das heisst, das Haus wurde aufgestockt. Mit dem rechten Nachbarn gab es Streit um die gemeinsame Brandmauer. Das heute noch vorhandene Dachwerk wurde mit Hölzern abgezimmert, die im Winter 1419/20 gefällt wurden. Die Brandmauer zwischen beiden Hausteilen ist bis ins zweite Obergeschoss erhalten und beeinflusste die Gliederung der Renaissancefassade.
Der eigentlich Renaissanceumbau erfolgte in den Jahren 1562 bis 1578. Die Jahresrechnungen der Zunft weisen in diesem Zeitraum erhöhte Einnahmen auf, deren Überschuss spätestens 1580 aufgebraucht war. Im Inneren wurde die grosse Zunftstube mit einer kleinen Nebenstube im ersten Stock eingerichtet; im Erdgeschoss waren vermietete Läden eingerichtet. Neben kleineren Reparaturen ist 1689 eine umfassende Fassadenrenovation überliefert. Der Steinmetz Melchior Schauber hatte die Dachgalerie abzudichten, Gesimse zu reparieren, zwei Kapitelle neu anzufertigen und Sicherungen mittels Eisenklammern vorzunehmen. Schliesslich wurde die Fassade von oben bis unten mit "Öhlfarb von Kesselbraun" gestrichen - der erste Beleg für die monochrome Fassung des Hauses in der Farbe, mit der das Haus heute wieder gestrichen ist.
1787 erfolgte ein Ladenumbau mit einer neuen Haustür und einem Oberlichtgitter darüber. Bei einem Umbau 1849/50 wurde der Hauseingang von der mittleren Arkade des linken Hausteils in die äusserste linke Achse der Fassade verlegt. 1885/86 wurde der Zunftsaal im ersten Obergeschoss einer umfassenden Erneuerung unterzogen: ein stilgemässes Wandtäfer, eine kassettierte Decke und ein neuer Kachelofen. 1889 wurde das Erdgeschoss als Gastwirtschaft eingerichtet und der Hof mit einem Glasdach überdeckt. 1910 mietete eine Bank das gesamte Gebäude und liess es im Inneren umbauen. Unter dem Vorderhaus und dem Flügelgebäude wurde ein Keller neu angelegt. Die Hofsituation änderte sich erneut, dabei wurde die Barocktreppe beseitigt und ein gotisches Rippengewölbe im linken Flügelbau abgebrochen. Der Einbau eines Zimmers verkleinerte den Zunftsaal, im zweiten Stock dagegen wurden Trennwände herausgerissen. Die Fassade blieb nahezu unverändert. 1966 konnte die Denkmalpflege bewirken, dass der überdeckte Hofrau wieder freigelegt wurde. Bei der Fassadensanierung 1978 wurde der monochrome Anstrich, der dem Zustand des 17. Jahrhunderts entspricht, wiederhergestellt.