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Teresa Vena
13. Januar 2023
Wo liegen die Berührungspunkte der niederländischen und Schweizer Filmindustrie? Wie die Solothurner Filmtage zeigen, gibt es einen Austausch an Fachkräften, der eher im Stillen vor sich geht. Die Schnittmeisterin Katarina Türler, der das Festival seine diesjährige «Rencontre» (zum ersten Mal einer Angehörigen dieses Fachs) widmet, machte ihre Ausbildung in den Niederlanden. Das Gleiche gilt auch für andere Schweizer Filmemacher und Filmemacherinnen: Sonja Wyss, Catherine Comfort oder This Lüscher. Offizielle Koproduktionen zwischen den Nieder- landen und der Schweiz fallen quantitativ nicht ins Gewicht.
Es gibt dennoch einige vergleichbare Eigenheiten, die aber nicht zwangsläufig auf die gleichen Ursachen zurückgehen. Innerhalb Europas weisen auch die Niederlande einen eher tiefen Marktanteil der eigenen Filmproduktionen auf. In den Corona-Jahren lag er bei 21,2 % (2020) und 23,1 % (2021) und war fast doppelt so hoch wie die Jahre zuvor (zuletzt 2019: 11,7 %). Das wird unter anderem mit dem Zurückhalten von US-amerikanischen Blockbustern erklärt.
Die Entwicklung in den Niederlanden ist aber auch so deutbar, dass sich darin die seit 2010 eingeführten Massnahmen bemerkbar machen, die Sichtbarkeit eigener Titel im Kino wie auf alternativen Vertriebskanälen zu verbessern. So fliessen beispielsweise 0,25 Euro pro verkaufte Karte für einen heimischen Film zusätzlich an die Institutionen zurück. Alle, die sich mit einer festen Quote verpflichten, ebenfalls niederländische Produktionen zu zeigen, erhalten Boni. Zuschüsse gibt es unter anderem für spezifische Werbeanzeigen. In der Schweiz liegt der Schwerpunkt auf der erfolgsabhängigen Verleih- und Kinoförderung, dazu kommen die Vielfaltsprämien, die Angebotsvielfalt und Sonderprogramme belohnen, aber nicht nur auf Schweizer Filme beschränkt sind.
In Bezug auf die internationale Ausstrahlung der Schweizer und der niederländischen Filmproduktion sieht die Bilanz beider Länder ähnlich aus. Die Bedeutung von Dokumentarfilmen ist vergleichbar hoch. Für die Wahrnehmung als Filmnation (müssen) setzen beide auf die Koproduktion. «Internationale Koproduktionen sind ein wesentlicher Bestandteil der Strategie unseres kleinen Landes, um Kreativität zu stimulieren, Talente zu fördern sowie internationale Finanzierung, Verkauf und Vertrieb zu sichern.», sagt Jonathan Mees, Abteilung Recherche und Kommunikation des «Netherlands Film Fund».
Anders als in der Schweiz ist die Filmförderung zentralistisch organisiert. Es bestehen weniger einzelne Förderstellen, was erlaubt, Kräfte und Budget zu bündeln, eine «nationale» Vision zu formulieren und zu verfolgen. Im Fall der Niederlande ist diese mit ihrer Kulturgeschichte und dem durch das ehemalige Kolonialreich erweiterten Sprachraum verbunden. Abkommen mit Indonesien und Südafrika drängen sich auf, der Aufbau einer eigenen Filmkommission in Surinam ist in Planung. Niederländisch sprechen weltweit 24 Millionen, Schweizerdeutsch 4,9 Millionen. Die Niederlande betreiben eine offensive Sprachpolitik, die in der Filmförderung vor allem im Feld der Kinder- und Jugendfilme betont wird.
Seit den 1990er Jahren hat sich die Anzahl gedrehter Filme dieser Kategorie rasant entwickelt, einer der frühen Akteure war die unabhängige Bos Bros-Produktion, die Fernsehanstalten zogen nach. 2021 richteten sich neun von insgesamt 30 veröffentlichten Spielfilmen an ein junges Publikum. Sie erzielten durchschnittlich 100‘000 Eintritte. Die Förderung von Inhalten für den Nachwuchs nimmt einen wesentlichen Platz in der niederländischen Filmpolitik ein. «Entstehen Filme, welche die eigene Sprache und die heimische Kultur wiedergeben, bieten sie entsprechend Identifikationspotential», sagt der schweizerische-niederländische Regisseur This Lüscher. Dieses junge Publikum sei dann potentiell bereit, Filme aus dem eigenen Land zu schauen, wenn es erwachsen ist, ergänzt Lüscher.
Die Schweizer AG Kinderfilm will genau an diesem Gedanken ansetzen. An offizieller Stelle müsse in einem ersten Schritt die Bedeutung einer eigenen Kinderfilmindustrie erkannt werden, die über den bildenden Wert hinaus auch weitere Chancen erfolgreicher internationaler Netzwerkbildung biete.
«Himbeeren mit Senf», Ruth Olshan, 22. Januar 15 Uhr (Landhaus)
«Hotel Sinestra», Michiel Ten Horn, 21. Januar 9.45 Uhr (Konzertsaal)