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Jakob Stutz wuchs in Isikon bei Hittnau in einer relativ wohlhabenden Familie auf – der Vater war Bauer und Baumwollgarnhändler, ein Fergger – und erlebte glückliche Jahre, bis er 1813 kurz hintereinander seine Mutter und dann auch noch seinen Vater verlor und er unter seinem älteren Bruder zu leiden hatte, der den Hof übernahm. Als später die Geschwister auf verschiedene Pflegefamilien verteilt wurden, hatte Jakob Glück im Unglück. Er kam zu seiner Gotte in der nahe gelegenen Mühle Balchenstahl. Diese erkannte schnell, dass er nicht für körperlich harte Arbeit geeignet war und erreichte, dass er stattdessen ihre Tochter im Schulunterricht unterstützen durfte. Dort erlebte er das rundherum entsetzliche Leid der Hungersnot von 1817.
Dank seines Eifers und seiner Begabung wurde Stutz erst bei Pfarrer Schweizer in Hittnau und später von Pfarrer Tobler in Sternenberg gefördert, während er sich als Hausweber, Hausknecht und Strumpfstricker an verschiedenen Stellen sein Brot verdiente. Auf Empfehlung von Tobler wurde er 1827 Unterlehrer in der Blindenschule Zürich und 1836 Lehrer an einer Privatschule in Schwellbrunn, wurde aber wegen seinen homosexuellen Neigungen verfemt und wiederholt verurteilt.
Auch selber litt er stark darunter und entschloss sich 1841, sein Leben als einsamer Büsser auf der Matt-Sternenberg zu verbringen. Sein Holzhäuschen wurde aber schnell zur berühmten Jakobszelle und er gründete die „Zürcher Oberländer Dichterschule“, aus der unter anderen der Heimatdichter Jakob Senn und der Pfahlbauforscher Jakob Messikommer hervorgingen.
Seine letzten 10 Jahre bis 1877 lebte er still und beinahe vergessen bei seiner Nichte im Wirtshaus Pilatusblick in Bettswil. Begraben wurde er auf dem Kirchhof in Bäretswil. Zu seinem 200. Geburtsjahr wurde ihm beim Eingang zum ehemaligen Wirtshaus in Bettswil eine Gedenktafel aufgehängt.
Sein wohl wichtigstes Werk ist Sieben Mal sieben Jahre aus meinem Leben. Als Beitrag zu näherer Kenntnis des Volkes[1], in dem er 1853-55 rückblickend nicht nur seine vergangenen 50 Jahre beschreibt, sondern auch einen authentischen Einblick in die Lebensumstände und Denkweise dieser Zeit im Zürcher Oberland widergibt (7×7). Und immer wieder zeigen sich seine didaktisch pädagogischen Bemühungen, so bei der Einführung neuer Methoden in der Blindenschule wie auch in seinem Werk Der Brand von Uster[2] oder die Folgen verabsäumter Volksaufklärung, wo er die Ursache für den Maschinensturm von 1832 im Bildungsdefizit des rückständigen, abergläubischen Völkchens sieht, das glaubt, mit der Zerstörung von 20 künstlichen Webstühlen die Handweberei überall erhalten zu können.(siehe auch Rellsten Felix)
Pfarrer Wolf berichtet in seiner Chronik vom 26. Juli 1903:
„Versammlung der gemeinnützigen Gesellschaft des Bezirkes Hinwil im Bären. Anwesend über 100 Mitglieder. Der Präsident, Herr Pfarrer Flury in Wetzikon zeichnet in seinem Eröffnungswort, in sehr klarer, erschöpfender und gerechter Weise das Lebensbild des bekannten Volksdichters Jacob Stutz, der lange Jahre in hiesiger Gemeinde gelebt und auf unserem Kirchhofe die letzte Ruhe gefunden hat.“
(Tatsächlich hatte er sich aber gewünscht, in Hittnau beerdigt zu werden!)
Literatur
1 - Otto Schaufelberger: Endlich geht die Sonne auf. Wunderliche, fröhliche und traurige Jugenderlebnisse des Volksdichters Jakob Stutz. Orell Füssli, Zürich 1962
Einzelnachweise
[1]Jakob Stutz: Sieben Mal sieben Jahre aus meinem Leben. Als Beitrag zu näherer Kenntnis des Volkes.. 5 Bände, Zwingli Pfäffikon 1853-55, Neuausgabe: Huber, Frauenfeld 1983; 2. Auflage 2001, ISBN 3-7193-1264-X
[2]Jakob Stutz: Gemälde aus dem Volksleben. Der Brand von Uster. F.Schulthess, Zürich 1836