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Die Polyphonie der vier Landessprachen und Literaturen steht im Zentrum auch der zweiten Ausgabe von «Viceversa Literatur» – des «Jahrbuchs der Literaturen der Schweiz». Wie schon letztes Jahr, erscheint «Viceversa» in einer deutschen, italienischen und französischen Ausgabe, neben «Viceversa Literatur» auch als «Viceversa Littérature» und «Viceversa Letteratura». Jede Ausgabe ist bemüht, in ihrer Sprache vor allem auf die Literatur der jeweils drei andern Landessprachen hinzuweisen. So findet sich über die drei Bände hinweg eine bunte Verflechtung bekannter Namen wie Adolf Muschg, Philippe Jaccottet, Jean-Luc Benoziglio, Agota Kristof, mit einer Reihe noch eher unbekannter Schweizer Autoren, wie Madeleine Santschi, Alberto Nessi, Dragica Rajčić und Mariella Mehr. Ihre Werke werden zuerst in einem kurzen Essay vorgestellt, auf welchen jeweils ein Gespräch über Aspekte ihres Lebens und ihres Schreibens folgt. Die Autorenporträts werden abgerundet durch die Übersetzung eines Auszugs aus einem ihrer Texte.
Darauf folgt ein der literarischen Übersetzung gewidmeter Teil, beginnend mit einem Gespräch mit dem vor allem in Frankreich bekannten Theaterautor Valère Novarina und seinem deutschen Übersetzer Leopold von Verschuer. Thema ist der schwierige Grenzgang, zu dem die Übersetzung von so ausufernden Texten, wie etwa denjenigen Novarinas, gezwungen wird. In einem zweiten Gespräch wird Christoph Ferber vorgestellt, der vor allem Texte aus der italienischen Literatur ins Deutsche übersetzt hat.
Der Themenschwerpunkt befasst sich mit Geschichte und Gegenwart der Literaturkritik in der Schweiz, in dem auch namhafte Vertreter dieser Sparte, wie etwa Roman Bucheli von der Neuen Zürcher Zeitung, zu Wort kommen. Grundtenor dieser Texte ist eine generelle Klage über das drohende Verschwinden einer qualifizierten Literaturkritik in den Tageszeitungen, von dem jedoch nicht nur die Schweizer Literatur betroffen ist.
Im darauffolgenden Teil, der dem Literaturjahr 2007 gewidmet ist, wird jeweils aus der Perspektive einer der vier Landessprachen ein Fazit aus den im vorangegangenen Jahr in der Schweiz erschienenen literarischen Texten gezogen. Die Präsentation wird ergänzt durch eine stattliche Anzahl von Kurzbeschreibungen zu Büchern in den jeweiligen Sprachen. Und zu guter Letzt findet man Kurzbesprechungen zu den wichtigsten Literaturzeitschriften der Schweiz, sowie ein Medienecho zu Übersetzungen von Texten Schweizer Autoren in eine der vier Landessprachen.
Abschliessend darf man dem viersprachigen Redaktionsteam herzlich gratulieren zu dieser sehr gelungenen zweiten Auflage von «Viceversa», das nicht nur für Spezialisten der Schweizer Literatur zu einem unentbehrlichen Instrument geworden ist, sondern das auch für gewöhnliche Leser eine wichtige Orientierungshilfe darstellen kann. Neben dieser praktischen Seite vermag «Viceversa» auch die Freude am Lesen zu wecken und zu vertiefen durch eine ganze Reihe interessanter Beiträge, die das Besondere der literarischen Sprache hervorheben. Dass dies im Konzert der vier Landessprachen möglich ist, grenzt schon beinahe an ein Wunder.
vorgestellt von Marco Baschera, Zürich
Service de Presse Suisse (Hrsg.): «Viceversa Literatur. Jahrbuch der Literaturen der Schweiz ». Zürich: Limmat, 2008. (Die französische bzw. italienische Ausgabe erscheint bei Editions d’En bas, Lausanne, bzw. Edizioni Casagrande, Bellinzona; www.culturactif.ch)