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Der Hering, einer der häufigsten Fische überhaupt, kommt aus dem nördlichen Atlantik. Woher aber das Wort kommt, ist unklar. Das Deutsche Wörterbuch der Gebrüder Grimm vermutet, «Hering» sei ursprünglich lateinisch und in Anlehnung ans einheimische «Heer» eingedeutscht worden, weil der Hering in grossen Schwärmen lebt. Tatsächlich gerät ein einzelner Hering, von seinem Schwarm getrennt, sofort in Panik.
Der Hering ist nicht bloss ein Fisch, sondern ein Wirtschaftsfaktor. Die norddeutsche Hanse hatte ihren Aufstieg zur europäischen Wirtschaftsmacht massgeblich dem Heringsfang zu verdanken. Der Hering schmeckt, ist bekömmlich, enthält viel Eiweiss und war als Fastengericht im Mittelalter begehrt. Weil man ihn einfach trocknen oder, in Salz eingelegt, gut in Fässern lagern und transportieren konnte, blieb der Hering jahrhundertelang ein wichtiges Handelsgut. Das hatte seine Tücken. Massive Überfischung führte zwischen 1958 und 1975 zu drei veritablen Fischereikriegen, in denen England vor der isländischen Küste gar die Kriegsmarine auffahren liess.
Der Hering aber hat seinen eigenen Willen. Im Zweiten Weltkrieg, als der Fischfang in Skandinavien praktisch lahmgelegt war, hatte Island seine Kapazitäten massiv ausgebaut. Eine hochmoderne Heringsfabrik in Eyri in den isländischen Westfjorden wurde 1942 eröffnet, mitsamt Wohnheimen für Arbeiter und Einsalzerinnen, einer Villa für den Direktor, mit Laboren, Garagen, Wäscherei, Bäckerei und Einkaufsladen. Schon ein Jahr später ging der Fang zurück, und bald darauf musste die nagelneue Fabrik, ebenso wie viele andere, ganz aufgegeben werden. Der Hering war weitergezogen.