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Volksrepublik China. Hauptstadt: Peking. Fläche:
9'571'300 km2. Einwohner: 1'300 Mio.
43 Prozent der Fläche Chinas werden von Gebirgen, ein
knappes Viertel von bergigen Hochländern eingenommen. Beckenlandschaften, die
meist hügelig sind und in ariden Regionen liegen, bedecken 19 Prozent der
Fläche, und nur 12 Prozent der Gesamtfläche sind Ebenen. China kann in sechs
geographische Großregionen eingeteilt werden, wobei jede von ihnen eine
spezifische geomorphologische oder topographische Besonderheit aufweist.
Der Monsun prägt das Klima Chinas. Im Winter bestimmen kalte und trockene Winde
das Wettergeschehen. Sie haben ihren Ursprung im sibirischen Kältehoch und
bewirken in den Regionen nördlich des Jangtsekiang niedrige Temperaturen, in den
anderen Landesteilen Trockenheit. Im Sommer strömt warme und feuchte Luft vom
Meer (Pazifik) heran, die zu heftigen Regenfällen in Form von tropischen
Zyklonen (Tiefdruckwirbeln) führen kann.
Der erste Wein der Welt wurde offenbar doch nicht in Persien, sondern in China
gekeltert. Darauf deuten jedenfalls neueste Funde hin.
Wissenschaftler entdeckten in 9000 Jahre alten Tongefässen der chinesichen
Provinz Henan Reste eines vergorenen Getränks, das nicht nur Reis und Honig,
sondern auch Trauben-Rückstände enthielt.
2000 Jahre vor unserer Zeitrechnung, doch scheint der
Wein in China zunächst nur zu religiösen Opfern in der Shang-Zeit gedient zu haben.
Schriftliche Dokumente über Weinherstellung stammen aus der Tang-Dynastie im 7.
Jahrhundert n.Chr. und betreffen die aus Russland eingeführten Sorten Schlange,
Stutenzitze und Drachenperle. Auch Marco Polo (1254-1324) erzählt in seinen Reiseberichten
von ausgezeichnetem Wein in der Region Taiyuan. Später, im 14. Jahrhundert,
wurde seine Gewinnung und Benutzung verboten, und die meisten Weingärten mussten
auf Befehl des Kaisers ausgerodet werden. An ihrer Stelle wurde Getreide
angebaut.

Weinberge Zhangyu
Im Jahr 1892 wurde durch Zhang Bishi in Yantai,
Provinz Shandong, die erste Kellerei Zhangyu (übersetzt: Wohlstand) gegründet.
Bishi stammte aus der Region Meixian in der Provinz Quandong. Im Alter von 16
Jahren wanderte er nach Malysia aus und kam dort zu sehr grossem Reichtum. Er
erfuhr, dass die Region Yantai sich für Weinbau bestens eignete, kaufte vorerst
70 Hektaren Ackerland, beschaffte aus Europa und verschiedenen Orten in China an
die 120 unterschiedliche Rebsorten und startete die ersten Schritte zu einem
erfolgreichen Wein-Unternehmen, das heute noch existiert. Weil in China das
entsprechende Know-how fehlte, engagierte er einen anerkannten Weinfachmann aus
Österreich, den Baron Max von Babo. Zhang Bishi wendete grosse Summen auf, um
eine ähnliche Qualität in seiner Produktion zu erreichen, wie in Europa. Er
kaufte dort sogar Eichenweinfässer und andere Geräte ein.
Der Erfolg stellte sich ein und die Zhangyu-Weine
wurden sogar international mit einer Auszeichnung geehrt (Panama Pacific
Exposition, San Francisco 1915). Nach dem zweiten

Medaille Panama Pacific
Exposition 1915
Weltkrieg brach die Produktion ein, eine Schliessung
drohte und es arbeiteten nur noch 5 Mitarbeiter in den Weinbergen bei Yantai.
Heute beschäftigt das Unternehmen wieder an die 4'000 Mitarbeiter und exportiert
seine Produkte in über 30 Länder weltweit.
Wein wird in China bislang nur selten getrunken und passt wenig zum
einheimischen Essen. Meist trinken die Chinesen Wein aus Getreide, Reis oder
Früchten. Es wird dabei nicht nach dem Alkoholgehalt unterschieden. Für alle
alkoholischen Getränke wird gemeinsam ein chinesischer Ausdruck verwendet. Das
führende chinesische Nationalgetränk ist der Reiswein der Marke Nu-Er-Hong
(übersetzt: Mädchen rot). Reiswein wurde zuerst in China hergestellt und fand
erst später den Weg nach Japan (Sake).
Die bescheidene Anzahl einheimischer Rebsorten – alle ausserhalb der
Vinifera-Familie – werden vor allem für Tafeltrauben oder zur Rosinenherstellung
und nicht für die Weinherstellung herangezogen. Die häufigste einheimische
rote Rebsorte ist die aus einer Kreuzung mit importierten Sorten entstandene „Longyan“
(Drachenauge). Bekannt ist auch Heijixiu (Schwarzes Hühnerherz).
Wein macht in diesem Markt nur ein Prozent aus. Der
jährliche Pro-Kopf-Konsum liegt bei etwas weniger als einem halben Liter (im
Gegensatz zum Weltdurchschnitt von 7,5 und dem westeuropäischen Schnitt von 24
Litern - kaum auszudenken, was passierte, wenn sich die 1,3 Milliarden Chinesen
diesem Limit annäherten.
Experten sagen allerdings in ganz Asien ein Wachstum von jährlich über 16
% im Weinverbrauch bis ins Jahr 2006 voraus. Insbesondere der Rotweinmarkt
könnte in China interessant werden. Wein ist ein beliebter Geschenkartikel für
wichtige Festivitäten.
Die drei grössten Weinhersteller des Landes sind der Marktführer Zhangyu in
Yantai, Beijing’s Great Wall und Tianjin’s Dynasty, die neu an die Börse von
Hong-Kong gehen will. Gemeinsam kontrollieren sie
über 50 % des Marktes. Andere Produzenten sind Beijing Red Star, Weilong, Chizhiwang, Xixia King,
Baiyanghe, Suntime und Yeli.
China ist heute in die nachfolgenden Weinbaugebiete gegliedert: North Eastern
Plateau, die Bohai Bay im Osten der Hauptstadt Peking, Shacheng District,
Ancient Yellow River Area, Northwestern Area und im Süden Shandong/Shanghai/Hubei.
Rund 70% der 260'000 Hektar Rebfläche sind mit roten Rebsorten bepflanzt.
Die wichtigsten Rebsorten für die Weinherstellung
sind: Weisswein – Chardonnay, Chenin Blanc, Gewürztraminer, Riesling,
Müller-Thurgau und Rotwein – Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon, Carignan,
Malbec und Gamay.

100 Jahre alter
Weinkeller bei Zhangyu
Wie schon zur Gründung der Weinkellerei Zhangyu anno
1892 greifen in den letzten Jahren lokale Produzenten auf das Know-how
ausländischer Unternehmen zurück.
Aus den Sorten Longyan und Muskateller wurde zum
Beispiel in Zusammenarbeit mit Rémy Martin durch die Tianjin Vineyards der
Weisswein „Dynasty“ hergestellt. Auch der Schaumwein „Imperial Court“ stammt aus
der gleichen Kooperation. Die italienische Marco Polo Winery, Allied Domecq ,
Pernod-Ricard und die spanische Bodega Torres aus Katalonien haben sich unter
vielen andern in China aktiv engagiert. Der Grund zu dieser Öffnung lag in der
mageren Qualität des chinesischen Weines vor 1965. Eine Änderung drängte sich
tatsächlich auf.
Die Beurteilung eines Weinkenners
Peter Züllig, pensionierter Journalist des Schweizer
Fernsehens und bestbekannter Weingeniesser hat bei einer privaten
Bordeaux-Verkostung als Pirat einen chinesischen Wein "eingeschleust". Hier
seine Beurteilung:
"Huandong, Cabernet Sauvignon, 2000, China
Ich habe den Wein von meiner Chinareise vor zwei Jahren mitgenommen
vom Weingut Huandong-Parry, ein Joint Venture zwischen der lokalen
Regierung und einem Investor aus Hongkong (Getränkehändler). Ein
erstaunlich feingliedriger Sauvignon, sauber vinifiziert, etwas
ausladend breit in den Aromen, kraftvoll und eindeutig französische
Weinphilosophie verratend. Der Wein konnte absolut mit den Bordeaux
mithalten, wenn auch weitgehend erkannt wurde, dass die Tiefe und
Bestimmtheit der Bordeaux, vom ersten Schluck bis zum Abgang, (noch)
nicht erreicht wird."
Auch in China wird gepanscht
Fünf Weinproduzenten in Changli werden verdächtigt,
gepanschte Weine produziert und als bekannte Marken wie etwa Great Wall Wine
angeschrieben zu haben, der von der China National Cereals, Oils & Foodstuffs
Import & Export Corporation (COFCOA) hergestellt wird. Andere Weine aus der
Küstenstadt Qinhuangdao sollen nur gerade 20 Prozent fermentierten Traubensaft
enthalten und der Rest aus Zuckerwasser bestehen, das mit Chemikalien versetzt
ist. Diese geben dem Getränk eine echte Farbe und einen passenden Geschmack.
Jiahua, eine der betroffenen Weinkeltereien, hat sogar für seine Weinproduktion
ausschließlich auf Wasser und Chemikalien zurückgegriffen.