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Die hoch ansteckende Corona-Variante Omikron hat auch die Sportwelt weiter fest im Griff. Überall steigen die Fallzahlen. Besonders angespannt ist die Situation in den Mannschafts-Sportarten, hauptsächlich in jenen, die in Hallen ausgetragen werden. Nachdem in der NHL immer mehr Teams in Quarantäne mussten und der Spielbetrieb zwischenzeitlich ausser Kraft gesetzt wurde, zog die weltbeste Eishockey-Liga ihre Zusage zurück, ihre Spieler für die Olympischen Winterspiele in China freizugeben. Die Nordamerikaner ziehen es vor, die verschobenen NHL-Spiele während dieser Zeit nachzuholen.
In den europäischen Ligen präsentiert sich die Lage derzeit nicht anders. In der National League waren bis auf die ZSC Lions, Biel und die SCL Tigers alle 13 Teams seit Weihnachten in Quarantäne. Von den ursprünglich vorgesehenen 24 Partien seit dem Jahreswechsel konnten nur drei planmässig stattfinden, immerhin sieben konnten in diesem Zeitraum neu angesetzt werden. Kurzfristige Neuansetzungen sind jedoch nur sehr schwer umsetzbar, weil im Gegensatz zur letzten Saison wieder mit Zuschauern gespielt wird. Die Klubs haben Verpflichtungen im Ticketing oder der Gastronomie.
So besteht die Gefahr, dass nicht mehr alle Begegnungen bis zum Ende der auf 52 Runden angesetzten Qualifikation nachgeholt werden können. Deshalb wird die Tabelle wie in der letzten Saison aktuell wieder nach Punkten pro Spiel berechnet. Das Verkürzen der Playoffs scheint für die Liga jedoch keine Option mehr zu sein.
Wie für die NHL gilt auch hierzulande: Mit jedem Match, der abgesagt wird, verlieren die Klubs Einnahmen. Geld, das sie zum Überleben benötigen. Deshalb war auch ein Meisterschafts-Unterbruch in der National League in den letzten Wochen kein Thema. Wir müssen spielen, bekräftigte Liga-Direktor Denis Vaucher unlängst.
Weshalb also sollen nicht auch die Klubs der National League ihren Spielern die Teilnahme an den Olympischen Spielen verwehren? Das Problem ist folgendes: Die NHL ist als einzige Organisation nicht dem Weltverband IIHF unterstellt. Alle anderen Ligen sind gebunden durch Verträge mit den nationalen Verbänden Teil des IIHF, der wiederum zur olympischen Bewegung gehört. Die National League ist also verpflichtet, ihre Spieler während den Nationalmannschaftspausen freizugeben. Swiss Ice Hockey seinerseits garantiert, bei den Turnieren des IIHF eine Mannschaft zu stellen. Ein Olympia-Verzicht der Schweizer Liga steht deshalb nicht zur Debatte.
Möglich wäre aber, dass die National League ihren Spielbetrieb nicht wie vorgesehen für drei Wochen unterbricht. In Schweden und Finnland beispielsweise war wegen Peking 2022 im Spielplan nie eine Pause vorgesehen. Anders als die Schweiz hätten diese Nationen ihre Olympia-Teams allerdings nur mit NHL-Spielern bestücken können. Nun kommen - wie schon 2018 in Pyeongchang - die einheimischen Stars oder jene aus anderen europäischen Ligen zum Handkuss. Logisch, wird dabei der Ruf nach Wettbewerbsverzerrung laut, wenn den Vereinen während einer heissen Meisterschaftphase plötzlich ihre besten Spieler abgezogen werden.
Die Chancen, dass die Olympischen Spiele in Peking noch abgesagt werden, sind verschwindend klein. Auch über einen Verzicht auf das Eishockey-Turnier könnte in letzter Konsequenz nur das IOC entscheiden. Trotzdem sind die Sorgen der Eishockeyverbände gross. Am Donnerstag findet in Zürich eine Art Krisensitzung statt. Die Spitze des IIHF trifft sich mit den Vertretern der nationalen Verbänden und Ligen, um die aktuellen Probleme rund um das Olympia-Turnier zu erörtern.
Schliesslich gilt es zu verhindern, dass es wie kürzlich an der U20-WM in Kanada zu einem totalen Chaos kommt. Das Turnier der besten Junioren musste nach etlichen Corona-Fällen und wohl auch löchrigen Blasen plötzlich abgebrochen werden. Die Corona-Bestimmungen in China sind zwar bedeutend strenger, trotzdem bleiben Bedenken und viele offene Fragen. Geht es nach den Spielern, wollen sie jedoch unbedingt bei Olympia dabei sein.
(sda)