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MEHR ALS NUR GEWINNEN: HAITHAMS GESCHICHTE
SELBSTVERTRAUEN VON KINDERN STÄRKEN
Es ist die erste Sportstunde des Jahres für eine Gruppe von Grundschülern in Ramallah, im Westjordanland. Sie haben sich in der Turnhalle vor ihrem neuen Lehrer, Haitham, versammelt. Doch anstatt ihnen die geplanten Fussballübungen zu erklären, spricht er mit ihnen über Sportsgeist, Fairness, wie wichtig es ist Spass bei der Sache zu haben, andere einzubeziehen, und an sich selbst zu glauben.
Die Jungen, von denen viele schüchtern sind, lockern langsam auf und fangen an ihre eigenen Ideen darüber zu äussern, was diese Themen für sie bedeuten. Haitham erklärt ihnen, dass sie im Sportunterricht nicht nur lernen, wie man einen Fussball abspielt oder schiesst, sondern auch, wie man sich und andere wertschätzt.
„Ich unterrichte viele Kinder, die wenig Selbstvertrauen haben, vor allem sind es diejenigen, die in der Schule keine guten Leistungen erbringen", sagt Haitham.
„MEIN ZIEL IST ES, AUF DIE BEDÜRFNISSE MEINER SCHÜLER EINZUGEHEN UND IHNEN IHRE STÄRKEN MITTELS DER KRAFT DES SPORTS AUFZUZEIGEN.“ – HAITHAM, SPORTLEHRER UND TRAINER
DIE KRAFT DES SPIELS IN DER SPORTPÄDAGOGIK
Haitham ist ein beschäftigter Mann. Er arbeitet als Sportlehrer an einer Grundschule für Jungen und als Trainer an der örtlichen Fussballschule für Jungen und Mädchen. Zudem leitet er ausserschulische Programme für Kinder aus der Nachbarschaft. Seit 2004 nutzt er die Methoden von Right To Play, um Kinder zu unterstützen und zu inspirieren.
Haitham engagiert sich für Right To Play seitdem er ins Westjordanland gezogen ist. Haitham wuchs in Jordanien auf und machte dort seinen Uniabschluss bevor er eine Stelle als Sportlehrer an einer Schule des Hilfswerks der Vereinten Nationen (UNRWA) annahm.
„Bevor ich eingestellt wurde, gab es keinen ausgebildeten Sportlehrer an der Schule. Der Mathe- oder Naturwissenschaftslehrer leitete den Sportunterricht. Sie nutzten ihn dazu, Unterricht aus ihren Fächern aufzuholen anstatt Sport zu machen. Dadurch wurden die Kinder mit noch mehr Arbeit belastet und hatten keine Möglichkeit, Stress abzubauen oder neue Dinge zu lernen“, sagt er.
Haitham entdeckte auf Umwegen den holistischen Ansatz der Right To Play Methodologie. Als er 2004 erstmals an einer von Right To Play organisierten Trainingslektion teilnahm, war er ursprünglich auf der Suche nach Techniken, die Leistungsfähigkeit seiner Schüler zu optimieren. Dort wurde ihm aufgezeigt, dass Sport und Spiel die physische und mentale Gesundheit der Kinder stärkt.
Haitham war bereit für neue Methoden, aber er war nicht davon überzeugt, dass Spiel der richtige Weg war. Er bezweifelte, ob es sinnvoll ist, sich auf Spielen an sich zu konzentrieren, anstatt auf das Endergebnis, wie z. B. der Sieg. Erst als die Ausbilder erklärten, dass es nicht mehr darum geht, den Kindern vorzuschreiben, was sie denken oder tun sollen, sondern ihnen beizubringen, wie sie denken und entscheiden, klickte es bei Haitham.
VOM GEWINNEN BEI SPIELEN HIN ZUR VERÄNDERUNG VON KINDERLEBEN
Das Training inspirierte Haitham zu neuen Unterrichtsmethoden. Es ging nicht mehr nur um den Sieg, sondern darum, das Leben seiner Schüler positiv zu verändern.
"Bevor ich mit dem Training bei Right To Play anfing, war es mein Ziel, meinen Schülern beizubringen, wie man gewinnt und wettbewerbsfähig bleibt. Ich war ein schlechter Verlierer und das habe ich an meine Schüler weitergegeben", erinnert er sich.
„ICH SAH VIEL POTENZIAL IN MEINEN SCHÜLERN UND ACHTETE DARAUF, DASS SIE Dinge lernen, UM IHRE ZIELE ZU ERREICHEN.“ - HAITHAM
„Meine Schüler hatten ein Spiel gegen eine andere Schule. Wir führten, doch dann entschied der Schiedsrichter ein ungerechtes Foul, woraufhin ich Einspruch erhob und das Spiel abbrach. Aber jetzt ist mir klar, dass es beim Sport nicht um Sieg oder Niederlage geht. Es geht darum, dass Kinder lernen, ihr Bestes zu geben, sich auf den Teamgeist zu konzentrieren und das Spiel unabhängig vom Ergebnis zu feiern.“
Haitham stellt in seinem Unterricht Fitness, Integration, Selbstvertrauen und die Entwicklung von Fähigkeiten und Interessen jedes einzelnen Kindes in den Vordergrund. „Ich habe gelernt, dass man durch die Kraft des Spiels viel erreichen kann“, sagt er. „Der Sportunterricht reicht dafür aber nicht aus. Deshalb biete ich auch außerschulische Aktivitäten an."
DIE KRAFT DES SPIELS MIT MÄDCHEN TEILEN
Haitham hat in den letzten 17 Jahren jedes Jahr an Schulungen von Right To Play teilgenommen, zuletzt im Rahmen des TOGETHER-Projekts. TOGETHER konzentriert sich darauf, eine gleichberechtigtes Umfeld in Schulen und zu Hause zu schaffen, damit Mädchen und Jungen ihr volles Potenzial entfalten können, ohne Diskriminierung oder Gewalt zu erfahren. Das Training zeigte Haitham, wie man Mädchen und Jungen bei verschiedenen Herausforderungen unterstützt, mit denen sie in der Schule konfrontiert werden.
In vielen Schulen im Westjordanland hat der Sportunterricht für Mädchen einen geringen Stellenwert. Er wird als ein Fach für Jungen behandelt, nicht für Mädchen. Mädchen werden ermutigt, entweder weiter zu lernen oder eine Pause einzulegen, anstatt sich sportlich und körperlich zu betätigen. Als Vater von drei Töchtern findet Haitham das lächerlich.
So begann er, einige örtliche Mädchenmannschaften einzuladen, mit den Jungs zu spielen. Anfangs gab es Schwierigkeiten, weil sich die Jungen über die Mädchen lustig machten. Haitham regte die Jungen jedoch zum Nachdenken an und schon bald feuerten sie die Mädchenteams an.
„Die TRAININGs von RIGHT TO PLAY haben EINEN GROSSEN MEHRWERT FÜR MICH ALS LEHRER, VATER UND FUSSBALLTRAINER." – HAITHAM
Haitham ist der Meinung, dass das Wissen, was er im Laufe der Jahre erworben hat, ihm in vielen Bereichen seines Lebens hilft – sowohl beruflich als auch privat mit seinen eigenen Kindern.
„Jede Schulung, die ich in den letzten Jahren mit Right To Play absolviert habe, war anders. Ich habe immer etwas Neues gelernt, das ich in meiner Schule, in der Akademie oder sogar in meinem Haushalt anwenden kann“, sagt er.
„Ich bringe meinen Töchtern spielerisch bei, dass Lernen Spass macht, und ermutige sie dazu, Sportarten zu wählen, die Jungen zugeschrieben werden. Denn ich glaube, dass sie alles erreichen können, was sie sich vornehmen.“