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Pionierzeit 1911 - 1930
In den Anfängen des Radios sind es Einzelpersonen und Universitätsdozenten, die ohne Eigennutz oder kommerzielle Überlegungen das neue Medium erproben. Die ersten Lokalsender in der deutschen Schweiz (Zürich, Bern und Basel) senden stundenweise, unkoordiniert und teilweise in direkter Konkurrenz. Feste Senderfrequenzen sind nicht bekannt. Die Hörerinnen und Hörer müssen ihren Sender jedesmal über den ganzen Wellenbereich suchen. Besondere, auch heute noch bekannte Sendeformen (Wetterberichte, Nachrichten, Reportagen, Hörspiele, Vorträge) werden zum ersten Mal ausprobiert. Alle Sendungen sind grundsätzlich live, Tonaufzeichnungsgeräte sind nicht bekannt.
1911
Die ersten schweizerischen Radioempfangs-Konzessionen werden an Professor P.L. Mercanton (Lausanne), an die Ecole d'horlogerie, La Chaux-de-Fonds, und an A.Thüfler (Uhf11lacher, Zürich) vergeben. Alle drei sind an den seit 1910 ausgestrahlten Zeitzeichen des Senders Paris interessiert.
1912
In Basel wird eine erste Radioantenne zwischen dem Arbeitsraum des Uhrmachers am Nadelberg und dem Turm der Peterskirche gespannt. Die physikalische Anstalt der Universität Basel macht erste Radioversuche.
1913
Professor Hans Zickendraht hält an der Universität Basel die ersten Vorlesungen über Radiotelegrafie.
1914
Alle privaten Radioempfangs-Konzessionen werden aus militärischen Gründen suspendiert.
1915
Professor Zickendraht baut mit der Firma Klingenfuss im Auftrag des Militärdepartements eine Radio-Versuchs-Station mit Sender und Empfänger
1916
Professor Banderet (Mulhouse) studiert die Telegrafie in den Schweizer Alpen und kommt zum Schluss: „Alpenketten hemmen die Ausbreitung der Wellen, Flüsse fördern sie!“
1917
Die Basler Glühlampenfabrik baut Elektronenröhren nach Anweisung von Professor Zickendraht.
1920
Bau der Völkerbund-Sendestation in Münchenbuchsee bei Bern. Die Firma Maxill in Aarau baut unter Anleitung von Professor Zickendraht die ersten Radioempfänger ohne Rückgriff auf ausländische Lizenzen.
Radiohören um 1920
Radiosendungen werden über Kopfhörer gehört: Die Sendequalität und die Lautstärke lassen oft zu wünschen übrig; die Empfangsgeräte müssen daher häufig nachreguliert werden.
1921
In Neuenburg werden Signale empfangen, die in Basel von einem neuen Sender beim Zeughaus St. Jakob ausgestrahlt werden.
1922
Der erste öffentliche Radiosender der Schweiz wird in Lausanne auf dem Champ de l' Air in Betrieb genommen. Über diesen Flugplatzsender gehen die ersten regelllmässigen Sendungen (Nachrichten und Wettermeldungen) in den Äther. In den Pausen werden Schallplattenaufnahmen gesendet.
Das Bundesgesetz über den Telegraphen- und Telefonverkehr begründet das Sendemonopol der PTT. Die bereits laufenden Flugplatzsender Lausanne, Genf und Dübendorf erhalten formelle Bewilligungen für Radio- Versuche.
1923
Die Obertelegrafendirektion erteilt auf Grund des Telegraphengesetzes die Bewilligungen für Radioversuche in der Schweiz. Gründung der societe Rollande de Radiodiffusion in Lausanne. Ein 20 Watt -Sender ill Bernoullianull in Basel strahlt während der 7. Schweizer Mustermesse Sendungen aus, die an den ausgestellten Empfängern in der Messe direkt empfangen werden können. In Zürich werden erste Versuchssendungen über den Sender des Radioclubs ausgestrahlt. Das Fussball-Länderspiel Schweiz-Uruguay wird aus Paris direkt in den Zürcher Tonhallesaal übertragen.
1924
Gründung der Radiogenossenschaft Zürich (heute: Radio- und Fernsehgenossenschaft Zürich, RFZ).
Aus dem Amtshaus IV in Zürich werden die ersten regulären Sendungen ausgestrahlt. Der Sender von 500 Watt wird auf dem Höngger-Berg errichtet.
Aus dem Radiostudio Zürich werden die ersten Wetterberichte und die ersten aktuellen Sportresultate gesendet. Später folgen erste rätoromanische Sendungen.
1925
Gründung der societe des emissions Radio-Geneve. Gründung der Union Internationale de Radiodiffusion (UIR) in Genf. In dieser Vereinigung sind bereits 21 europäische Sendestationen zusammengeschlossen.
Gründung der Radiogenossenschaft Bern (heute: Radio- und Fernsehgenossenschaft Bern, RGB).
Als zweiter Sender in der deutschsprachigen Schweiz nimmt Radio Bern im Kursaal Schänzli den Betrieb auf. Der Sender (1,2 kW ) kann dem bestehenden Völkerbundsender in Münchenbuchsee angegliedert werden. Aufgrund der guten Erfahrungen des Radiosenders in Rom werden von Anfang an Sprecherinnen eingesetzt. Eine der ersten ist Myriam Gianini.
1926
Gründung der Radiogenossenschaft Basel (heute: Radio- und Fernsehgenossenschaft Basel, RFGB).
Gründung der Union Radiophonique Suisse (mit den Studios Bern, Lausanne, Genf und wenig später Basel) und Beginn von Gemeinschafts-Sendungen.
Der Schweizer Zeitungsverlegerverband und der Verein der Schweizer Presse treffen mit der PTT ein „Abkommen über drahtlose Nachrichtensendungen an alle“. Die Informationsfreiheit des Mediums Radio wird damit eingeschränkt.
Erste reguläre Sendung von Radio Basel aus dem Studio an der Centralbahnstrasse. Die Eröffnungsansprache von Professor Zickendraht kann nur verspätet gesendet werden, da der stundenweise gemietete Sender des Flugplatzes Basel zum vorgesehenen Zeitpunkt zur Einweisung eines verspätet eintreffenden Flugzeuges benutzt werden muss.
1927
In der Märzsession veranstaltet das Studio Bern eine „Parlamentarische Woche“ mit Berichterstattung aus dem Bundeshaus.
1930
Gründung der Ostschweizer Radiogenossenschaft (heute: Ostschweizer Radio- und Fernsehgesellschaft, ORG).
Gründung der Ente autonomo per la radiodiffusione della Svizzera italiana in Lugano.
Aus dem Studio Bern werden erste Schulfunk-Versuchssendungen ausgestrahlt.