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Eigentlich bot das Masters-1000-Turnier in Madrid genug Geschichten für eine gelungene Austragung. Lokalmatador Carlos Alcaraz dominiert weiter und verteidigt nach dem Erfolg in Barcelona seinen Titel in der spanischen Hauptstadt. Bei den Frauen liefern sich Weltnummer 1 Iga Swiatek und Aryna Sabalenka einen hochkarätigen Final mit dem besseren Ende für die Weltnummer 2. Und Underdog Jan-Lennard Struff schreibt als erster Lucky Loser der Qualifikation, der in einen Masters-Final vordringt, Geschichte.
Doch das am Sonntag zu Ende gegangene Turnier lieferte auch einige Negativschlagzeilen. Die Turnierorganisatoren um Direktor Feliciano Lopez sehen sich Sexismusvorwürfen ausgesetzt. Einer der Gründe dafür sind die Torten, welche den Spielerinnen und Spielern, die während des Turniers Geburtstag feierten, überreicht wurden. Der Grössenunterschied zwischen der Torte von Sabalenka und jener von Alcaraz war frappant, wie ein Twitter-Nutzer feststellte.
Die frühere Weltnummer 1 und Doppelsiegerin in Madrid Wiktoryja Asaranka teilte den Tweet und schrieb dazu: «Nichts könnte die Behandlung besser beschreiben.» Damit will sie wohl auf die Ungleichbehandlung der Männer und der Frauen anspielen. Was damit aber genau gemeint war, bleibt unklar.
Turnierdirektor Lopez reagierte überrascht und begründete die unterschiedlichen Torten damit, dass Alcaraz gerade den Halbfinal auf dem Center Court gewonnen hatte sowie mit der Nationalität des nun 20-Jährigen. Ausserdem wies er darauf hin, dass auch andere Spieler wie Holger Rune eine kleinere Torte als Alcaraz erhalten hätten. Sabalenka nahm die Diskussion mit Humor, bei ihrer Siegesrede am Samstag erklärte sie ihren Sieg mit dem Geburtstagsgeschenk der Turnierorganisatoren: «Ich denke, es liegt alles an der Torte von gestern. Sie war zu gut.»
I’m surprised by this reaction after this gesture!— Feliciano López (@feliciano_lopez) May 5, 2023
1. Carlos had just won his match to reach the final
2. He was playing on centre court
3. The tournament is played in Spain, even though it is an international event
PS: I hope Rune wasn’t also upset by his treatment 😜 https://t.co/ApK1IiiD6l pic.twitter.com/1mEoIitXxs
Die Madrilenen mussten sich aber nicht nur wegen der Torten Kritik gefallen lassen. Besonders die Tatsache, dass bei Partien der Männer auf dem Center Court ausschliesslich Frauen als Ballmädchen eingesetzt wurden, sorgte für Unverständnis. Auf den weiteren Plätzen gehörten sowohl Mädchen als auch Jungen zu der Ball-Crew. Auch die Kleidung war auf dem Hauptplatz eine andere.
Während das Outfit im Stadion La Caja Magica aus bauchfreien Oberteilen und kurzen Röcken bestand, wurden auf den Aussenplätzen weitere T-Shirts getragen und gehörten auch Kinder zur Crew. Die Angehörige der spanischen Regierung Soledad Murillo sagt dazu gemäss tennis-infinity.com: «Dies trägt zur Diskriminierung von Frauen bei, weil sie so als Dekorations- und Vergnügungsobjekte erscheinen.»
Bereits 2004 hatte das Turnier in Madrid für Aufruhr gesorgt, weil es Models als Ballmädchen engagiert hatte. In der Folge wurden teilweise auch männliche Models für die Spiele der Frauen engagiert und auch in diesem Jahr bestand die Crew bei Partien von Swiatek und Co. auf dem Centre Court ausschliesslich aus Männern. Nach den Sexismusvorwürfen reagierten die Turnierorganisatoren vor dem Final zwischen Alcaraz und Struff mit einer neuen Kleiderordnung. Die Ballfrauen trugen am Sonntag statt knappen Röcken knielange Hosen.
Kurz zuvor hatten sich die Organisatoren aber einen weiteren Fauxpas geleistet. Nach dem Doppel-Final der Frauen wurde weder den unterlegenen Coco Gauff und Jessica Pegula noch den siegreichen Asaranka und Beatriz Haddad Maia die Möglichkeit gegeben, einige Worte ans Publikum zu richten. Gauff erklärte danach auf Twitter: «Ich bekam nicht die Chance, nach dem Final noch etwas zu sagen.» Deshalb bedankte sie sich in den sozialen Medien für die Unterstützung der Fans und ihrer Partnerin. Asaranka fügte hinzu: «Es war schwierig meinem Sohn zu erklären, weshalb ich ihn bei der Pokalübergabe nicht grüssen konnte.»
Die ehemalige australische Tennisspielerin Rennae Stubbs bezeichnete die Vorkommnisse als Schande. Mit dieser Ansicht ist die vierfache Grand-Slam-Siegerin im Doppel nicht alleine. Weltnummer 7 Ons Jabeur empfand es als «traurig und inakzeptabel», dass sich die Finalistinnen nicht mehr an das Publikum und die Gegnerinnen richten konnten.
Das Turnier in Madrid, eines von neun auf der Stufe der Masters-Serie, hat im Vorfeld der Austragung im nächsten Jahr also einiges an Verbesserungspotenzial.