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Titel
Emmengruppe
(Kt. Bern, Luzern, Unterwalden und Zug). Unter dieser Bezeichnung fast man die n. vom Thuner und Brienzer See gelegene Zone der Voralpen zusammen, in der die Grosse und Kleine Emme entspringen und die die obern Abschnitte der Einzugsgebiete dieser beiden Flüsse, sowie kleinere Teile derjenigen der Aare und Reuss umfasst. Die Gruppe wird begrenzt: im S. vom Thuner und Brienzer See; im SO. vom Brünigpass, der Saarner Aa, dem Vierwaldstättersee (Alpnacher und Küssnachter See) und einer Linie von Küssnacht nach Immensee;
im O. vom Zugersee (von Immensee bis Buonas);
im NW. von einer Linie, die, von
Buonas ausgehend, bei
Berchtwil die
Reuss trifft, längs deren
Lauf bis zur Mündung der Kleinen
Emme aufwärts zieht, dieser
und dann der
Weissemme bis
Escholzmatt folgt, über
Schangnau und
Schwarzenegg geht und längs der
Zulg bis
zu deren Mündung in die
Aare absteigt. Im S. grenzt die
Emmengruppe an das Massiv des
Finsteraarhorns und im O. an die
Aagruppe.
Sie umfasst eine Fläche von etwa 1250 km2.
Die Höhenverhältnisse der
Emmengruppe bewegen sich zwischen den Extremen von 417 m (am
Zugersee) und 2353 m (Brienzerrothorn),
woraus folgt, dass sie keine
Gletscher und Firnfelder trägt. In grossen
Zügen lässt sich die Gruppe in eine Folge von drei,
einander merkbar parallel von SW.-NO. ziehenden Ketten auflösen. Diese nicht auf ihrem ganzen Verlauf geradlinigen Einzelketten
senden ihrerseits wieder zahlreiche sekundäre Verzweigungen aus, von denen wir nur die wichtigsten namentlich
anführen werden.
Die Mehrzahl dieser Seitenzweige steigt stufenförmig bis zu den Thalsohlen ab, während die Kammlinien anderer sich fast beständig in der gleichen Höhe halten und wieder mit einander verschmelzen. Wie nachher noch gezeigt werden wird, lässt sich die Einteilung der Gruppe in die genannten drei Hauptketten auch vom geologischen Gesichtspunkte aus gut rechtfertigen. Die südlichste und zugleich höchste der drei Ketten ist die des Brienzergrates (2353 m), dann folgt die niedrigere Kette des Sigriswilergrates und endlich die der Beichlen, deren höchster Punkt nur noch 1771 m erreicht.
Nw. der
Emmengruppe und ausserhalb ihrer Grenzen lagern den drei Ketten noch eine Reihe von wenig hohen
Hügelzügen vor, die ihnen ebenfalls parallel ziehen und mit ständig abnehmender
Höhe bis zur
Aare verfolgt werden können.
Die
Thäler zwischen den Ketten sind wenig tief eingeschnitten und werden an manchen
Stellen wieder von den vielen, zwei benachbarte
Ketten mit einander verknüpfenden Querrippen unterbrochen. Im Gegensatz dazu werden die Hauptketten
senkrecht zu ihrem Streichen wieder von einigen grössern Thälern durchschnitten, von denen die bedeutendsten die der Grossen
und Kleinen
Emme sind. Die zwei südlichen Ketten bilden eigentliche Felskämme, während die Bergzüge im n. und nö. Abschnitt
der Gruppe
Wald tragen. Ebenso sind hier die tiefer liegenden Gebiete im Allgemeinen sumpfig. Alle
Wasser
der
Emmengruppe gehen zur
Aare; ein Teil davon mündet unmittelbar in den
¶
mehr
Hauptfluss, ein anderer mittelbar durch die Grosse Emme und ein dritter durch die Reuss und ihren Zufluss, die Kleine Emme. Man
kann daher die
Emmengruppe in drei hydrographische Gebiete teilen:
1) Becken der Aare und der von dieser gebildeten Seen von Brienz und Thun;
2) Becken der Grossen Emme und 3) Becken der Reuss und des Vierwaldstättersees. Die Wasserscheide zwischen 1) und 2) geht vom Brünig zum Brienzergrat, dem sie bis zum Suggithurm folgt, um von da über die Bohlegg und den Hohgant zur Honegg zu ziehen;
2) und 3) werden geschieden durch eine Linie, die im Niveau des Schöngütsch vom Brienzergrat ausgeht und über den Safferberg, die Schrattenfluh und die Beichlen zieht, um bei Escholzmatt zu endigen.
a) Die südlichste und zugleich höchste und bedeutendste Kette der
Emmengruppe ist der Brienzergrat. Er zieht dem rechten
Ufer des Brienzersees parallel zuerst von SW.-NO., um dann in seinem ö. Abschnitt nach O. abzubiegen.
Seine Länge beträgt von Interlaken im W. bis zum Brünig im O. etwa 25 km. Der Brienzergrat beginnt im W. mit dem Harder (1216
m), dessen aus Urgon (Schrattenkalk) bestehende Steilhänge unmittelbar über Interlaken aufsteigen. Von da an nimmt der Grat
ständig und ziemlich regelmässig an Höhe zu, erreicht im Brienzerrothorn, das zugleich der höchste
Gipfel der ganzen
Emmengruppe ist, 2353 m und senkt sich darauf wieder langsam.
Auf der Strecke vom W.-Ende bis zum Brienzerrothorn sind im Brienzergrat als Einzelgipfel zu nennen: die Rotfluh (1735 m), der Suggithurm (2086 m), die in 2140 m kulminierende Gipfelgruppe des Augstmatthorns, das Gummhorn (1982 m), Aelgäuhorn (2120 m) und Tannhorn (2224 m), von dem aus ein über 2000 m hoher Felskamm zum Brienzerrothorn zieht, das den Eckpunkt zwischen den Kantonen Bern, Unterwalden und Luzern bildet. Von da an zieht der Brienzergrat mit langsam abnehmender Höhe zuerst nach O., dann nach SO., trägt als nennenswerte Gipfel noch den Arnihacken (2216 m) und den Arnifirst (2209 m) und endigt am Wilerhorn (2006 m), das in Stufen zur Passhöhe des Brünig (1011 m) absteigt.
Von den zahlreichen Einschartungen im Brienzergrat werden nur wenige von deutlichen Fusswegen überschritten; wir nennen den Pass w. vom Suggithurm (1824 m), den Weg über die Aelgäualp (1923 m), den Wannenpass (2073 m), Kruternpass (2000 m), den Weg über die Eyseealp (2026 m), den Uebergang (2104 m) zwischen Arnihacken und Arnifirst und endlich denjenigen (1861 m) zwischen Arnifirst und Wilerhorn. Mit der sogleich zu beschreibenden Kette des Hohgant hängt der Brienzergrat durch den Kamm der Bohlegg zusammen, der vom Suggithurm abzweigt, eine Höhe von 1799 m erreicht und das in den S.-Hang des Brienzergrates eingeschnittene malerische Habkernthal im NO. abschliesst. Eine andere, niedrigere, Querrippe, die ebenfalls unter rechtem Winkel vom Brienzergrat abzweigt, geht vom Schöngütsch zur Schrattenfluh und trennt die obersten Abschnitte der Becken der Grossen und Kleinen Emme voneinander.
Im Niveau des Arnifirst sendet der Brienzergrat einen dritten Ast nach N. ab, der mit der Gruppe der Giswiler Stöcke eine maximale Höhe von 2076 m erreicht und sich von da als langer gewundener, mit Wald und Rasen bestandener Kamm zuerst nach NW., dann nach NO. fortsetzt und am Pilatus endigt. Dieser Kamm erreicht mit seinem höchsten Punkt nur 1900 m, ist aber deswegen von Bedeutung, weil er die Wasserscheide zwischen der Kleinen Emme und der Sarner Aa bildet; über ihn führt der Sattelpass (1593 m), der Flühli an der Kleinen Emme mit dem Thal der Aa verbindet. Seine Querrippen sind von noch untergeordneterer Bedeutung und es genügt, unter ihnen den nach W. abzweigenden langen Rücken der Hagleren (1952 m) und die nach O. abgehende Hohschwändifluh (1707 m) zu nennen, welch' letztere mit dem Zug Giswilerstöcke-Pilatus zusammen das malerische Thal der Grossen Schlieren umrahmt.
b) Die zweite Hauptkette der
Emmengruppe heisst in ihrem w. Abschnitt Sigriswilergrat. Dieser beginnt am Thunersee, zieht von
SW.-NO., wird an verschiedenen Stellen von Flussläufen durchschnitten (am tiefsten die Durchbrüche der beiden Emmen) und
setzt sich bis zum Pilatus fort. Seine Gesamtlänge Thunersee-Pilatus beträgt etwa 52 km. An Höhe steht
er dem Brienzergrat nach; seine über 2000 m aufragenden höchsten Punkte finden sich eher nahe den beiden Enden, als in den
mittlern Abschnitten. Er kulminiert im Tomlishorn (2132 m), einer der Spitzen des Pilatus.
Der Sigriswilergrat ist in seinem sw. Teil, nahe dem Thuner See, doppelt und besteht hier auf eine Strecke von 8 km Länge aus zwei ziemlich nahe nebeneinander ziehenden parallelen Felskämmen, die zusammen das wenig tiefe, enge und malerische Justisthal einschliessen. Der ö. der beiden Kämme heisst Beatenberg oder Wandfluh und trägt als nennenswerte Gipfel das Niederhorn (1965 m), den Burgfeldstand (2067 m) und das Gemmenalphorn (2064 m); der w. Kamm, der eigentliche Sigriswilergrat, beginnt mit der Spitzfluh (1693 m), setzt sich über die Mähre (1958 m) und das Sigriswilerrothorn (2053 m) fort und endigt mit dem Burst (1970 m). Obwohl beide Kämme an zahlreichen Stellen überschritten werden können, sind doch in sie keine derart tiefen Scharten eingeschnitten, dass sie als eigentliche Pässe bezeichnet werden könnten. Im NO. wird das Justisthal von der Scheibe (1956 m) geschlossen; die Scheibe ist beiderseits von je einem Passübergang angeschnitten, von denen der eine (1547 m; zwischen ihr und der Wandfluh) vom Justisthal ins Habkernthal und der andere (1719 m) vom Justisthal ins Thal der Zulg hinüberführt.
In der allgemeinen Streichrichtung der ganzen Kette setzt sich die Scheibe mit dem breiten Felsrücken der Sohlfluh fort, um nach einer wenig tiefen ¶
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Unterbrechung über das Widderfeld (2071 m), Trogenhorn (2038 m) und den Hohgant (2199 m) in den langen Kamm der Jurtenfluh (1811 m) überzugehen, die von der Grossen Emme in tiefer und enger Schlucht durchbrochen wird. Jenseits davon folgt der lange Felsrücken der Schrattenfluh, der der Schibegütsch (2040 m; über dem Thal der Grossen Emme), Hächlen (2092 m), Strick (1935 m) und Dellen (1807 m) aufgesetzt sind und die sich stufenweise bis zur Thalsohle der Kleinen Emme (in ca. 950 m) senkt.
Zwischen Strick und Dellen führt ein 1665 m hoher Passübergang über den Rücken; vom Strick zweigt sich nach N. eine Querrippe ab, die an der Beichlen mit der dritten Hauptkette verschmilzt, die Wasserscheide zwischen Grosser und Kleiner Emme bildet und in ihrem niedrigsten Abschnitt vom Hilferenpass (1291 m) überschritten wird. Jenseits des Einschnittes der Kleinen Emme wird die zweite Hauptkette von einem in gerader Linie auf 11 km Länge sich erstreckenden Felskamm fortgesetzt, der erst am Durchbruch der Grossen Entlen (eines Zuflusses zur Kleinen Emme) endigt.
Dieser zwischen den Thälern der Kleinen Emme und der Grossen Entlen gelegene Abschnitt der zweiten Hauptkette trägt der Reihe
nach die Namen Schwändifluh (1801 m), Grönfluh (1950 m), Schafmatt (1982 m), Ebnistenfluh (1839 m) und
Schimberg (1819 m). Zwischen den beiden letztgenannten führt eine wenig ausgeprägte Scharte vom Thal der Kleinen Entlen hinüber
in den obersten Abschnitt desjenigen der Grossen Entlen. Diesem eben genannten Teil der zweiten Hauptkette ist im SO. ein
ihm parallel laufender Höhenzug zweiter Ordnung, der des Feuerstein (2043 m) vorgelagert, der ebenfalls
von dem Thal der Kleinen Emme bis zu dem der Grossen Entlen reicht. Nach dem Durchbruch der Grossen Entlen hebt sich die Hauptkette
allmälig wieder, bildet den Wängengrat (1926 m), Gnepfstein (1920 m), das Widderfeld (2078 m) und Gemsmättli (2052 m) und
endigt in der Gruppe des Pilatus mit dem Tomlishorn (2132 m) und dem Esel (2122 m), die beide zugleich die
höchsten Gipfel dieser ganzen zweiten Hauptkette der
Emmengruppe bilden.
c) Weniger bedeutend, weniger einheitlich und schwieriger abzugrenzen ist die dritte der Hauptketten der
Emmengruppe.
Immerhin kann man in dem der zweiten Hauptkette nach NW. vorgelagerten Bergland doch eine den beiden
ersten Ketten merkbar parallel verlaufende Kammlinie erkennen. Diese dritte Kette ist an sehr zahlreichen Stellen von den
Wasserläufen zerschnitten, die aus den
ö. und s. Gebieten der
Emmengruppe herkommen, und erreicht nirgends eine Höhe von 1800 m.
Ihre einzelnen Glieder sind selten felsige Kämme und bestehen zumeist aus bewaldeten oder begrasten Bergrücken.
Sie erstreckt sich vom Thunersee zum Vierwaldstättersee und noch darüber hinaus bis zum Zugersee und ist annähernd 75 km lang. Diese dritte Hauptkette beginnt im SW. am Thunersee mit einer Reihe von wenig bedeutenden, zwischen dem rechten Ufer des Sees und dem Thal der Zulg sich erhebenden Bergen und setzt sich jenseits der Zulg im langen grasbewachsenen Kamm der Hohen Honegg fort, deren nennenswerteste Einzelgipfel der Kapferenknubel (1426 m), die Hohe Honegg (1548 m) und der Bürkelihubel (1428 m) sind.
Ein das Becken der Zulg von dem der Grossen Emme scheidender Querkamm verbindet den letztgenannten mit dem der zweiten Hauptkette angehörenden Widderfeld. Jenseits des Bürkelihubels bricht die Grosse Emme durch die dritte Hauptkette durch, die sich nachher wieder mit einer Reihe von bewaldeten und begrasten Rücken (Lochsitenberg 1485 m, Steingrat 1522 m, Rothenfluh 1536 m) fortsetzt, zwischen denen sich eine Reihe von kleinen Zuflüssen zur Ilfis ihre Thäler eingeschnitten haben.
Die Rothenfluh geht unmittelbar über in den langen, steinigen Kamm der Beichlen (1771 m), der sich langsam wieder zum Thal der Kleinen Emme absenkt und dessen jenseitige Fortsetzung als eine Folge von niedrigen Berg- und Hügelzügen das rechte Ufer der Kleinen Emme bis zum Vierwaldstättersee begleitet. In diesem ganzen Abschnitte ist nur die westlichste der Erhebungen, die Farnern (1574 m), besonderer Nennung wert. Als letzte Ausläufer der dritten Hauptkette können die der Reuss parallelen Hügelzüge zwischen der Luzerner Bucht des Vierwaldstättersees und dem Zugersee gelten, deren Höhe die Kote von 838 m nirgends überschreitet.
Für die Besucher der Alpen haben die Berge der
Emmengruppe im Allgemeinen nur geringe Anziehungskraft, weshalb sie auch nur
selten bestiegen werden. Immerhin verdienen es einige unter ihnen, als bemerkenswert günstig gelegene Aussichtspunkte auf
die Hochalpen besonders beachtet zu werden. So vor allen das Brienzerrothorn und der Pilatus, die beide
seit einigen Jahren ihre eigene Zahnradbahn haben und während der schönen Jahreszeit zahlreichen Besuch erhalten. Eine
interessante Bergtour ist die Besteigung des über dem Thal von Sarnen aufragenden Giswilerstockes. Unschwierig und in mehr
als einer Beziehung empfehlenswert ist auch der
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