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«Als wären wir zuhause und es gäbe keinen Krieg»
13. September 2023
Der «Meeting Point Club» in der rumänischen Stadt Cluj ist ein Treffpunkt für Kinder und Jugendliche aus der Ukraine. Hier lernen sie Klavier spielen, Hip-Hop tanzen und töpfern. Sie malen Sonnenblumen, treten mit ukrainischen Liedern auf und gewinnen Rangplätze bei den Hip-Hop-Meisterschaften.
Im «Meeting Point Club» entwickeln ukrainische Kinder und Jugendliche ihre Talente. Weil die meisten online-Unterricht haben, ist der Treffpunkt für sie auch ein wichtiger Ort der Gemeinschaft. Damit das ganze Angebot weiterbestehen kann, finanziert Connexio develop, das Hilfswerk der Methodist:innen in der Schweiz, seit August die Löhne der Lehrpersonen und die Miete.
Momentaufnahmen
Ein Junge im hellbraunen Kapuzenpulli sitzt am Klavier. Zögernd greift er in die Tasten, wird dann sicherer. Die Hände einer jungen Frau tragen sorgsam blaue Farbtropfen auf ein schwarzes T-Shirt mit gelber Bemalung auf. Vor-zurück-vor-zurück – eine Kindergruppe bewegt die Arme roboterartig. Ein Gitarrenlehrer zeigt einigen konzentrierten Teenagern Griffe, und eine Gruppe Kinder purzelt im Judoanzug über eine Matte. Die meisten Kinder und Jugendlichen, die sich im «Meeting Point Club» treffen, sind aus der Ukraine geflüchtet.
Engagierte Ukrainerinnen
Der «Club» wurde am 1. Dezember 2022 auf Initiative von Ukrainerinnen eröffnet. Bis zu 200 Kinder und Jugendliche nutzen die 15 verschiedenen Angebote, die Musik-, Kunst-, Sport- und Sprachunterricht umfassen. Die meisten Kinder und Jugendlichen flohen mit ihrer Mutter nach Rumänien; ihre Väter und manchmal auch die älteren Brüder leben in der Ukraine. 11 geflüchtete ukrainische Lehrkräfte und drei ehrenamtliche Personen haben teils sehr professionelle Freizeitangebote aufgebaut, die auch von etwa 20 rumänischen Kindern genutzt werden.
Talentierte Kinder
Yulia Skalska ist eine der Initiantinnen des «Club». «Seit dem 1. Dezember sind viele wunderbare Dinge passiert», berichtet sie. «Wir traten an Weihnachten mit ukrainischen und rumänischen Weihnachtsliedern auf und rumänische Solisten des Opernhauses von Cluj-Napoca sangen mit uns.» An der rumänischen Hip-Hop-Meisterschaft haben die Kinder mehrere Rangplätze erreicht. Und im ethnografischen Museum wurden die Werke des kreativen Künstlerateliers ausgestellt. Diese Ausstellung und die damit verbundene Feier waren ein grosser Erfolg.
Einheit und Kummer spüren
Diese Tage während der Ausstellung seien für die kleine ukrainische Diaspora bedeutend geworden, erzählt Yulia Skalska: «Es fühlte sich an, als wären wir zuhause und es gäbe keinen Krieg. Wir haben einfach in der Meisterklasse gezeichnet, die Gemälde bewundert und unseren Kindern beim Singen zugehört.» Auch am 24. Februar gaben die Kinder ein Konzert, genau ein Jahr, nachdem der Krieg begonnen hatte. Es sei ein Tag der Einheit gewesen, aber auch ein Tag des Kummers und der Sorge, meint Yulia Skalska.
Tragende Methodistenkirche
Seit Kriegsbeginn hat das Hotel, das von der methodistischen Kirchgemeinde in Cluj gemietet worden war, schon vielen Menschen Zuflucht geboten, die aus der Ukraine geflüchtet sind. Die Gemeinde unterstützt den Aufbau des «Meeting Point Club» mit ganzer Kraft. «Wir freuen uns, dass wir einen Raum schaffen konnten, wo sich Menschen treffen und arbeiten können,» berichtet Rares Calugar, Superintendent in Rumänien. Mit ausländischer Hilfe finanziert die Kirche die Gehälter der Lehrpersonen, die dadurch eine Arbeitsstelle haben.
Dableiben
«Für kreative Menschen ist es ziemlich schwierig, in anderen Berufen zu arbeiten und hier können sie das tun, was sie lieben, um Menschen zu helfen und ein Gehalt zu bekommen», erklärt Yulia Skalska. «Was wir tun, hat auch eine wichtige therapeutische und psychologische Komponente. Wir unterstützen Kinder und Erwachsene in dieser schwierigen Zeit.» Bereits hat sie weitere Pläne. Es gibt ein Programm, das «Stand by me – bleib an meiner Seite» heisst, und das Jugendliche fördern soll in einer Zeit, in der sie es schwer haben an sich zu glauben.
Für eine schöne Zukunft
Dieses Programm hilft den Jugendlichen, eigene Haltungen und Werte zu entwickeln, und es soll nächstens eingeführt werden. Besonders stolz ist Yulia Skalska auf das Musikprojekt. «Hier gibt es talentierte Kinder, die von einem hervorragenden Lehrer betreut werden. Sie konnten in kürzester Zeit Instrumente erlernen, Coverversionen berühmter Lieder perfekt vortragen und sogar an einer Talentshow teilnehmen! Wir glauben an ihre schöne Zukunft.»