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Vor dem Kunstmuseum St.Gallen, inmitten eines grossen, kreisrunden Brunnenbeckens ragt erhöht auf einem Steinsockel die Figur des „Gauklers“ von Max Oertli empor. Mit erhobenen Händen, aus deren abgespreizten Fingern sich bogenförmig zehn feine Wasserstrahlen in das Becken ergiessen, ist die Figur in tänzerischer Bewegung begriffen oder vollführt einen graziösen Knicks. Der Gaukler ist barfuss, in weite Kleider gewandet, trägt eine schlichte Kopfbedeckung und richtet sein unbekümmertes Antlitz leicht schräg nach oben.
Da der von Max Oertli entworfene „Gauklerbrunnen“ ursprünglich nicht für den heutigen Standort vorgesehen war, vergingen von der ersten Idee bis zur Ausführung über zwölf Jahre. Nachdem die Aufstellung des „Gauklers“, der vormals als „Zauberer“ betitelt war, sowohl im Sömmerli als auch auf dem Blumenmarkt beim Schiebenertor aus unterschiedlichen Gründen nicht zustande kam, stellte der Künstler 1958 eine Maquette seines Entwurfs im Stadtpark aus. Der zuständigen Behörde gefiel der Vorschlag, so dass 1959 die Realisierung des „Gauklerbrunnens“ auf dem Platz vor dem Kunklerbau beschlossen wurde. Weitere Verzögerungen ergaben sich durch die Herstellung der über zwei Meter grossen Bronzefigur in einer Giesserei in Mendrisio, die damals stark ausgelastet war. Am 27. Mai 1961 wurde der Brunnen schliesslich eingeweiht.
Die Entwicklung des „Gauklerbrunnens“ ist auf die Begeisterung Max Oertlis für das Artisten- und Zirkusleben zurückzuführen. Der „Gaukler“ wirkt als modernistisches Sinnbild faszinierend und melancholisch zugleich: Wissend um sein gewolltes wie prekäres Dasein am Rande der Gesellschaft, hält er dieser mit seinen Taschenspielerkünsten den Spiegel vor und stellt poetisch-elegant faktenbasierte Weltwahrnehmung in Frage. In diesem Sinne steht er stellvertretend für die Künste, welche die Gesellschaft und ihre Werte reflektieren, Wahrnehmungskonventionen hinterfragen und neue Sichtweisen aufzeigen. (Text: Stefanie Kasper, November 2020)
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