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Antrittsvorlesung von Professor Andreas Meier an der Universität
«Wir sind im Wilden Westen!» Mit diesen Worten eröffnete Professor Andreas Meier seine Antrittsvorlesung über elektronische Geschäfte im Internet an der Universität in Freiburg. Seine Aussage illustrierte der Wirtschaftsinformatiker am Beispiel American Online (AOL), dem grössten Internetprovider mit über zwanzig Millionen Kunden weltweit. Die umsatzkleine Firma AOL übernehme den Mediengiganten Time Warner mit dem bekannten Time Magazin und der Fernsehgesellschaft CNN. Dieses Beispiel illustriere, dass die herkömmlichen Regeln des Wirtschaftslebens im Internet nicht mehr gelten würden.
Begriff «Electronic Business»
Unter Electronic Business versteht Meier die elektronische Abwicklung von Geschäftsprozessen zwischen Unternehmen, Konsumenten und Staatsstellen via öffentlicher oder privater Netze. Neben dem elektronischen Geschäftsverkehr zwischen Unternehmen (oft Business to Business genannt) oder zwischen Firmen und Konsumenten (Business to Consumer) müsse auch das Potential von elektronischen Abläufen im Staatswesen erkannt werden (Administration to Administration).
Dem ausgebrochenen Reformeifer für Gemeindefusionen stellte Meier die Forderung entgegen, Grenzsteine und Gemeindewappen zu belassen und gleichzeitig das Internet zu nutzen. Die elektronische Zusammenarbeit sei neu zu organisieren und rechnergestützte Dienstleistungen müssten entwickelt werden. Denn elektronische Marktplätze würden sich auszeichnen, da sie orts- und zeitunabhängig seien, den Zugang zu Informationen ohne Schranken ermöglichten und eine Mehrweg-Kommunikation unterstützten.
Märkte werden elektronifiziert
Das elektronische Geschäft verlange die Neudefinition der Produkte oder Dienstleistungen, die Festlegung der Zielkunden, die Klärung von elektronischen Zahlungsmodalitäten und die Anpassung der Distributionskanäle. Zudem müssten die jeweiligen Sicherheitsrisiken abgeschätzt werden. Als Beispiel eines veränderten Marktes erläuterte der Referent den Gesundheitsmarkt Schweiz, der schrittweise elektronifiziert werde. Pro Jahr würden über 30 Millionen Rechnungen manuell erstellt und vorwiegend per Post an die Versicherungsinstitute gesandt, um nochmals erfasst und abgerechnet zu werden. Nur ein Bruchteil dieser Rechnungen werde über ein elektronisches Netz vermittelt, obwohl dazu entsprechende Netze und Protokolle existierten.
Künftig erfolge der Datenaustausch jedoch elektronisch, wie im folgenden Beispiel: Verlangt ein Spital eine Kostengutsprache vor einem Behandlungsfall, so wird diese bei genügender Deckung automatisch erteilt. Nach der Behandlung erstellt das Spital eine elektronische Rechnung an das Versicherungsinstitut. Dieses wiederum zieht dem Patienten mit geeigneter Software den in der Schweiz üblichen Selbstbehalt ab und prüft die Rechnung mit einem regelbasierten Softwarepaket.
Danach werden die notwendigenrechnergestützten Zahlungsströme über die üblichen Clearingstellen wie Bank oder Post via Kommunikationsnetz abgewickelt. Lediglich die Schlussabrechnung gehe vorderhand noch in Papierform an den Versicherungsnehmer, solange dieser über keinen Internetanschluss verfüge und die Korrespondenz noch nicht elektronisch wünsche.
Veränderung für Marktteilnehmer
An diesem Beispiel aus dem elektronischen Gesundheitsmarkt seien die vielfältigen Veränderungen für die Marktteilnehmer ersichtlich. Nicht nur firmenintern müssten die Geschäftsprozesse analysiert und angepasst werden, sondern auch die Beziehungen zu Spitälern, Apotheken, Labors, Versicherungs- und Finanzinstituten seien neu zu überdenken und zu automatisieren. Dies bedinge grosse Umstellungen in den Organisationen und verlange Anpassungen bei den Angestellten.
«Bleiben die Universitäten und Ausbildungsstätten von diesen Veränderungen verschont?», fragte der Referent die Zuhörerschaft. Mit Blick auf den virtuellen Campus Schweiz erläuterte Meier das Potential eines portablen Computergerätes mit Flachbildschirm und mobilem Internetanschluss, electronic Book genannt, das als persönliche Wissensdatei rund um die Uhr konsultiert werden könne.
Dieser digitale Agent werde versuchsweise in einem Pilotbetrieb am Institut für Informatik eingesetzt, um den Studierenden der Wirtschaftsinformatik das rechnergestützte Lernen in Gruppen näherzubringen. Mit anderen Worten: «Auch die Alma Mater muss die digitale Herausforderung annehmen!»
Nähere Auskünfte über das Studium in Wirtschaftsinformatik an der Uni Freiburg beim Institut für Informatik, rue Faucigny 2, Freiburg. Tel.:(026) 300 83 22 oder 300 83 21.
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