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Es wird vermutet, dass das mittelalterliche Klösterli ein Relikt der ehemaligen Verteidigungsanlage ist, welche die Dorfkirche einst umgab. Zusammen mit dem Rüdin’schen Landhaus gehört es zu den ersten Basler Landsitzen, die nach dem Kauf des Dorfes durch die Stadt Basel in Riehen entstanden sind. Die Diakonissengemeinschaft betrieb darin von 1881 bis 1966 ein Altersheim für Frauen.
Das Klösterli liegt neben dem Meierhof und gegenüber dem Pfarrhaus an der Kirchstrasse 8. Von seiner Entstehung ist wenig bekannt. Der Grundriss lässt auf einen mittelalterlichen Bau vor 1500 schliessen. Das Gebäude war vermutlich Teil der Verteidigungsanlage, die sich kreisförmig um die Dorfkirche schloss. Darauf weisen die kleinen Fensteröffnungen und die unterschiedlich dicken Mauerwerke der Vorder- und Rückfassade des Hauses hin.
Anfang des 16. Jahrhunderts war das Klösterli Eigentum des Zisterzienserklosters Wettingen. Diesem verdankt die Liegenschaft wohl ihren Namen. Die Nutzung des mittelalterlichen Gebäudes ist ungewiss.
Nach dem Verkauf von Riehen an die Stadt Basel 1522 erhielten Basler Bürger erleichterten Zugang zu Grund- und Hausbesitz in Riehen. So kaufte der Basler Stadtschreiber und Notar Heinrich Ryhiner (1490–1553) 1544 (womöglich schon 1519) das Klösterli und nutzte den dazugehörigen Graben vor dem Haus als Garten. Somit war das Klösterli zusammen mit dem Rüdin’schen Landgut einer der ersten beiden Basler Landsitze in Riehen.
1584 wurde die Liegenschaft Eigentum der Basler Familien Ryhiner und Herzog und blieb es bis 1671. Anschliessend kaufte es Johann Jakob Wettstein-Güntzer (1621–1693), ein Sohn des Basler Bürgermeisters Johann Rudolf Wettstein (1594–1666). Unter seiner Leitung fanden 1672 Umbauarbeiten statt. Die nachgotischen Fenster- und geohrten Türrahmungen sowie die Rankenmalereien an den Balkendecken zeugen von der damaligen Umgestaltung: Sie sind charakteristisch für den Wohnbau dieser Zeit. Die Jahreszahl dieser Renovierungsarbeiten findet man eingemeisselt in einem Fensterbalken der Liegenschaft.
Das Klösterli blieb Eigentum der Familien Wettstein und Bischoff, bis es 1852 Christian Friedrich Spittler (1782–1867) für 4750 Franken kaufte. Spittler war Anhänger der aus dem Pietismus erwachsenen, antimodernistischen Erweckungsbewegung und Gründer zahlreicher ‹missionarisch-diakonischer Reichgotteswerke›. 1866/67 liess er das Gebäude durch den Architekten Johann Jakob Stehlin d. J. (1826–1894) umbauen.
Spittler wohnte mit seinen Pflegetöchtern Susette Spittler (1810–1880) und Anjama (1846–1882) während der Sommermonate im Klösterli. Zusätzlich stellte er das Haus für wohltätige Zwecke zur Verfügung: Als die Pilgermission St. Chrischona darin eine Schule für die amharische Sprache Abessiniens einrichtete, wurde es als ‹Pilgerklösterli› bezeichnet, ab 1881 diente es unter dem Namen ‹Spittlerstift› als Heim für ältere und alleinstehende Frauen. 1894 übernahm es die Diakonissengemeinschaft Riehen und führte es bis 1966 als Altersheim.
1966 ging das Klösterli in Privatbesitz über. Die neuen Eigentümer, Alice und Nicolas Jaquet-Dolder (1898–1986), liessen es während zwei Jahren unter der Leitung des Architekten Valentin Jaquet (1929–2015) renovieren. 1968 wurde es unter Denkmalschutz gestellt.
Autorin / Autor: Luzia Knobel | Zuletzt aktualisiert am 6.1.2023
Sammlung topographischer Zeitungsauschnitte: 4 Zeitungsartikel.
Lehmann, Fritz: Das Klösterli in Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 1970. S. 32–41.
Nagel, Anne und Klaus Spechtenhauser: Riehen. Kanton Basel-Stadt. Hg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Bern 2014. S. 18f.
Raith, Michael: Gemeindekunde Riehen. 2. überarbeitete und aktualisierte Aufl. Riehen 1988. S. 146.
Reinhardt, Ursula: Riehen. Hg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Basel 1978. S. 7f.