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«Neti Neti» – Was es nicht ist
Soll ich etwas über die Schweiz schreiben? Nein, lasst mich zuerst aus meinem Heimatland Indien schreiben.
›Neti-Neti’ ist ein bekannter Sanskrit-Ausdruck, der in den Upanischaden (einer Sammlung philosophischer Schriften des Hinduismus) vorkommt. Obwohl dieser Ansatz im ›Jnana Yoga’ – dem Yoga des direkten Wissens – als Weg zur Selbstverwirklichung dargestellt wird, bedeutet dies einfach «weder dies noch das». Der Zweck wäre, die reale Sache zu verstehen, indem «was nicht ist» oder «was nicht sein soll» negiert wird. Ich dachte an diese Beschreibung im Hinblick auf Gedanken zum Schweizer Nationalfeiertag, eben an das, was die Schweiz NICHT ist.
Kontext Indien – Am letzten Dienstagabend twitterte ein Mann über die Stornierung seiner Bestellung auf der Essensauslieferungsplattform Zomato, da der angegebene Fahrer der Heimlieferung ein «Nicht-Hindu» sei. Sein Tweet war der Folgende :
«Just cancelled an order on @ZomatoIN, They allocated a non-Hindu rider for my food they said they can’t change rider and can’t refund on cancellation.» (»Ich habe soeben meine Bestellung auf @ZomatoIN storniert. Die Firma teilte mir einen Nicht-Hindu als Fahrer/Lieferanten für meine Essensbestellung zu und sie meldeten, dass sie den Fahrer nicht austauschen und bei einer Stornierung mir auch keine Rückerstattung leisten könnten»)
In einem Land (Indien), in dem die Tendenz wächst, alle Muslime als ›Pakistaner’ und alle Christen als ›Engländer’ oder ›Amerikaner’ zu betrachten, war dies kein schockierender Tweet. (Als ich in Nordindien lebte, nannten mich einige als Amerikaner, nicht wegen der Hautfarbe, sondern wegen meiner christlichen Religion)
Wir könnten obige Stornierung als einmaliges Denken ignorieren, aber dieses Denken gewinnt an negativer Kraft und Dynamik und eine solche Art des Denkens führte folglich in Indien zu Wahlsiegen und einer Mehrheit der nationalistischen Hindupartei. Und wie belohnt diese Regierung ihre Wähler heute?
Die indische Regierung veröffentlichte einen Entwurf einer Liste von Menschen die in einem nordöstlichen Bundesstaat leben, insgesamt rund vier Millionen Zuwanderer und Flüchtlinge ganz verschiedener Gruppierungen (aber alles Nicht-Hindus), die von allen Rechten und Pflichten ausgeschlossen sind , was zu einer möglichen Inhaftierung und Deportation ethnischer Minderheiten führen kann. Indien ist die Heimat von Hunderttausenden von Einwanderern und Flüchtlingen, hat jedoch keinen rechtlichen Rahmen für den Umgang mit ihnen und hat die UN-Flüchtlingskonvention von 1951 nicht mitunterzeichnet. Daher lautet die Politik jetzt «Hindu-Flüchtlinge willkommen und Nicht-Hindus nicht willkommen». Dieses Gedankengut soll jetzt in einem neuen Gesetz festgeschrieben werden, um die Regeln für Hindus aus Afghanistan, Pakistan und Bangladesch zu lockern, damit diese indischen Staatsbürger werden können.
Jetzt wohne ich seit 9 Jahren in der Schweiz. Dies darf ich heute überzeugend behaupten: Schweiz kein Land mit der Abwehrhaltung ›weder dies noch das’, wie ich sie aus meiner Heimat beschrieben habe.
Die Schweiz ist ein tolles, eigenständiges und neutrales Land mit einer gelebten Demokratie, verschiedenen Kulturen, Religionen und voller Traditionen, auch mit Toleranz und Vertrauen und ein gutes Auskommen miteinander. Das soll auch so bleiben.
Ich bedanke mich bei den Bewohnerinnen und Bewohnern der Schweiz für diese offene Wertehaltung, die ich hier gelernt habe: Ein schönes miteinander statt gegeneinander, respektvoller Umgang untereinander, gegenseitige Wertschätzung, Solidarität mit Schwächeren und die Anerkennung dass Buntheit und Vielfalt, bzw., Menschlichkeit, Anstand und Höflichkeit in jeder Hinsicht Bereicherung sind. Möge die Schweiz noch lange so bleiben. Ich wünsche dir, dass Du Schweiz, so weiterhin ein Paradies auf dieser Erde bist.
Bildquellen
- Die Bundesfeier auf dem Europaplatz Luzern | © GFX 2019: George Francis Xavier
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