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Football mit Folgen
BRIEF AUS DEN USA
Die Karriere unseres Möchtege rn-Footballspielers war von kurzer Dauer und von Missgeschicken überschattet.
Bereits im Januar meldeten wir Cody für die Frühlingssaison der Juniorenfootball-Liga an. Sein ehrgeiziger Trainer schickte uns ein sechsseitiges Handbuch. Anfang März war dann der erste Termin: die Materialausgabe. Cody schritt als dünner Knabe in den Materialschuppen und kam nach einiger Zeit am anderen Ende des Gebäudes als ernsthaft wirkender Footballspieler heraus. Er durfte den Helm, das Schulterpolster und blaue Uniformhosen mit dem siebenteiligen Polster-Set vom Klub ausleihen. Unter dem Arm hatte er den wichtigsten Teil der Ausrüstung: das orange-blaue Trikot mit der Nummer 58. Der Trainer riet uns, zu Hause das kostbare Hemdchen anzuprobieren.
Genau dies taten wir auch. Zuerst zog Cody das robuste Schulterpolster an, dann stülpte ich ihm das Trikot über und zuletzt setzte er den Helm auf. Voller Stolz testete er den Helm am Baum und an der Hauswand und lächelte selbstsicher in die Kamera. Das Fiasko begann, als er alles wieder ausziehen wollte. Sowohl das Trikot wie das darunterliegende Schulterpolster blieben stecken. Unsere Nachbarin eilte zu Hilfe und analysierte die Situation stirnrunzelnd. Nur eine Schere konnte unseren Footballspieler aus der misslichen Lage befreien.Wir schnitten das Hemdchen kurzerhand entzwei.
Ich hatte die peinliche Aufgabe, tags darauf dem Trainer und dem Materialchef die Situation zu erklären. Nach langem Hin und Her und einigen schockierten Gesichtsausdrücken erhielt Cody ein grösseres Trikot mit der Nummer 36.
In der folgenden Woche nahm er zweimal am Training teil und wir kämpften jeweils mit dem Helm. Dieser sitzt nämlich so eng auf dem Kopf, dass er nur mit einem Ruck eines Erwachsenen abzukriegen ist. Der Trainer riet, dass Cody den Helm jeden Tag etwa zwei Stunden probehalber tragen soll.
Und dann machte der Coronavirus allen einen Strich durch die Rechnung. Die Frühlings-Footballsaison wurde storniert und wir warteten auf Anweisungen betreffend der Rückgabe der Ausrüstung. Der Helm lag lange unberührt neben dem Küchenbüffet – bis Cody ihn während eines besonders mühsamen Online- Schultages wiederentdeckte. Vor einer Woche musste ich die gesamte Ausrüstung mit Handschuhen und Gesichtsschutz bewaffnet zurückbringen. Ich hoffte insgeheim, dass sich niemand mehr an das zerschnittene Hemdchen erinnern würde. Selbstsicher schritt ich mit dem Helm unter einem Arm und dem Schulterpolster unter dem anderen Arm auf den Materialchef zu. Ich stolperte über den Trottoirrand und der Helm purzelte den Hang hinunter. Von sozialer Distanz war plötzlich nichts mehr zu sehen. Fünf Vereinsmitglieder bemühten sich um die Mutter mit dem Schweizer Akzent und zwei rannten dem Helm hinterher. Cody will es im Herbst glücklicherweise mit Korbball versuchen. Regula Grenier * Die Einsiedlerin Regula Grenier- Flückiger (*1973) zügelte 2007 nach Denver im amerikanischen Bundesstaat Colorado, am Fusse der Rocky Mountains. Seit 2011 wohnt sie im Nachbarort Thornton. Dort kamen 2011 Sohn Cody Frederick und 2015 Tochter Stephanie Nova zur Welt.