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Der Tiefsee-Anglerfisch
Die Tiefsee - Vorkommen und Verbreitung - Aussehen - Beutefang mit Leuchtorganen - Weitere Sinnesorgane - Fortpflanzung - Verteidigung - Fotos
Meere breiten sich über 71 Prozent der Erde aus, 65 Prozent sind offener Ozean - ein immenses Ecosystem, wenn man nur die Oberfläche in Betracht zieht. Blickt man jedoch auch in die Tiefen der Ozeane, so erhält dieses Ökosystem noch eine weitere dritte Dimension. Die Ozeane sind an tiefster Stelle etwa 11km tief und über 80% der Ozeane ist über 1000m tief - ein riesiges Ökosystem.
Der Ozean wird in mehrere Zonen aufgeteilt. Im Epipelagial (von der Oberfläche bis 200m Tiefe) gibt es noch genügend Licht für die Photosynthese der Algen. Das Mesopelagial (von 200m bis 1000m) ist eine Dämmerungs- oder Zwielichtzone. Das hier vordringende LIcht reicht zur Photosynthese nicht mehr aus, der Wechsel von Tag zu Nacht ist noch ersichtlich, die Tiere können im eindringenden Restlicht noch ihre Beute erkennen. Das Bathypelagial (1000m bis 6000m) ist die eigentliche Tiefsee, durch ständige Abwesenheit von Sonnenlicht und enormen Druck geprägt. Die Wasserschichten unterhalb von 6000m umfassen das Abyssopelagial und die Tiefseegräben (Hadal)
Tiefseefische sind diejenigen Fische, die im Mesopelagial oder Bathypelagial leben, unter derjenigen Zone, in der noch Licht in die Tiefen vordringt. Hier ist das Wasser sehr kalt - konstante 2 Grad - und der Druck enorm. Tiere haben hier verschiedene Strategien entwickelt um in diesen unwirtlichen Lebensbedingungen zu überleben.
In der Dunkelheit der Tiefsee ist die Funktion der Sinnesorgane, um Nahrung oder Feinde zu erkennen sehr wichtig. Die Augen sind deswegen bei vielen Tiefseetieren gross oder gar teleskopartig ausgebildet, um das Restlicht oder auch die Bioluminiszenz von Partnern oder Feinden zu erkennen. Andere Arten wiederum haben die Augen teilweise oder ganz reduziert. Sie haben als Kompensation andere Sinnesorgane entwickelt. Bei Fischen haben Tast-Barteln entwickelt oder sie tasten den Meeresboden mit Hilfe von Sinnesorganen an den Flossenspitzen ab.
Zu den wirklich interessanten Tiere in der Tiefsee gehören die Tiefsee-Angler, die im Mesopelagial und Bathypelagial leben.
Anglerfische gehören zur Ordnung der Lophiiformes. Elf Familien mit über 100 Arten leben in der Tiefsee (Mesopelagial und Bathypelagial). Sie bilden die artenreichste Gruppe von Tiefseefischen.
Bemerkung: wo sowohl ein englischer und ein deutscher Name stehen habe ich die Bezeichnungen der verschiedenen Arten nur übersetzt, es sind keine offiziellen Bezeichnungen!
Subordnung der Ogcocephalioidei: Caulophrynidae (Fanfins - Fächerflossen), Centrophrynidae (Tiefsee-Angler), Ceratiidae (Rutenangler), Diceratiidae (Double anglers - Doppel-Angler), Gigantactinidae (Whipnose anglers - Peitschennasen-Angler), Himantolophidae (Peitschenangler), Linophrynidae (Teufelsangler), Melanocetidae (Schwarzangler / Tiefseeteufel), Neoceratiidae (Toothed seadevils - gezähnte Seeteufel), Oneirodidae (Dreamers - Träumer) und Thaumatichthyidae (Wolftrap anglers - Wolf-Fallen-Angler).
Zwei weitere Familien, Chaunacidae (Seekröten) und Lophiidae (Seeteufel) leben ebefalls in der Tiefsee. Eine dritte Familie, die Ogcocephalidae (Seefledermäuse) leben meist auf dem Kontinentalschelf, einige Arten leben jedoch auch weiter unten. Im Gegensatz dazu leben die Anglerfische (Familie Antennariidae) auf oder in der Nähe von Korallenriffen.
Mehr Informationen zur Systematik der Lophiiformes (Anglerfische)
Die Weibschen der Tiefsee-Anglerfische sind meist von rundlicher Gestalt, nicht ideal für längeres Schwimmen, jedoch gerade richtig, um bewegungslos an einem Ort zu schweben. Dadurch, dass sich Tiere kaum bewegen kann viel Energie gespart werden. Nur Anglerfische der Familie Gigantactinidae haben eine längliche Form und können auch besser schwimmen. Im Gegensatz zu den farbenfrohen Anglerfische, die wir von den Korallenriffen kennen haben Angler die in tieferen Schichten leben eine schwarzbraune Hautfarbe. Je tiefer sie leben, desto zerbrechlicher wird das den körpertragende Skelett (Kalkmangel).
Himantolophidae (Peitschenangler) mit ihrer rundlichen Form, die an Bälle erinnert (englischer Name footballfishes). Diese Körperform ist ideal, um bewegungslos im Wasser zu schweben. Himantolophus groenlandicus (links) hat eine peitschenförmige Angel, Himantolophus mauli (rechts) eine gegabelte Angel.
Gigantactis macronema (Familie Gigantactinidae oder Whipnose anglers - Peitschennasen-Angler) mit einem länger gezogenem Körper und einer langen, peitschenförmigen Angel, die bei einigen Fischen bis zu fünf mal länger als der Fisch selber ist.
Ceratiidae (Rutenangler) mit
drei leuchtenden Karunkel (A) beim Rückenflossenansatz. Karunkeln
sind fleischige Auswüchse und sind wahrscheinlich die Überreste
von weiteren Rückenflossenknochen. Man kennt die genaue Funktion
nicht, aber vermutet, dass sie auch dazu dienen, Beute oder Geschlechtspartner
anzulocken.
Lophiidae (Seeteufel) - Ogcocephalidae
(Seefledermäuse) - Chaunacidae (Seekröten)
Estuary Batfish (Haleutia sp). Copyright Mike Bartick
Die Tiefsee ist eine unwirtliche Welt, es herrscht Finsternis, extrem hoher Druck, Kälte und Nahrungsmangel. Mit raffinierten Überlebensstrategien haben sich die Tiere diese lebensfeindliche Welt erschlossen. In der Tiefsee leben viele Tiere, die es bevorzugen, auf ihre Beute zu warten, anstatt sie aktiv zu verfolgen. Wenn einmal ein mögliches Beutetier in die Nähe kommt, so können diese Räuber nicht sehr selektiv sein, sondern fressen, was sie ergattern, auch wenn das Beutetier grösser als der Räuber selbst ist. Dazu haben sie einen elastischen Magen und grosse mit spitzigen Zähnen besetzte Kiefer entwickelt.
Die Weibchen der Tiefseeangler sind klassische Lauerräuber. Bewegungslos schweben sie im Wasser und fahren dabei ihre Rute (Illicium) weit aus. An der Spitze hängt als Köder ein lichterzeugendes Organ, das Leuchtbakterien enthält (siehe Biolumineszenz). Dieses Leuchtorgan kann ein weit gestreutes oder ein gebündeltes kaltes Licht verbreiten, die Farben können varieren und es kann an- und abgestellt werden. Die Angel wird in verschiedenen Mustern hin- und hergeschwenkt und kann eingezogen werden. Ist ein Beutetier nun nahe genug heran gekommen, so reisst der Anglerfisch seinen Mund auf, der Unterkiefer klappt nach vorne und ein Unterdruck entsteht im Rachenraum. Das Opfer wird eingesaugt (Saugfalle). Ist die Beute viel grösser als der Tiefseeangler, so kann sich der Magen um mehr als das Doppelte vergrössern.
Die Angeln (Illicium) und deren Leuchtorgane (Esca), die an den Spitzen der Angeln sitzen, sind arttypisch, das heisst, wie bei den Anglerfischen, die im Korallenriff leben (Familie Antennariidae) dienen sie zur Bestimmung der verschiedenen Arten. Neben der Anlockung von Nahrungstieren dienen sie auch der Partnererkennung und der Verwirrung von Feinden. Die Angeln enstanden wahrscheinlich aus modifizierten Rückenstacheln.
Phyllorhinichthys micractis (Familie Oneirodidae oder Dreamers - Träumer) mit Angel und Köder. Die Esca hat haarähnlichen Fäden und eine Rute mit einem linsenartiger Hohlspiegel an der Spitze. Das zwiebelartige Leuchtorgan (A) enthält Leuchtbakterien.
Der Anglerfisch Cryptopsaras kann seine Angelrute in einer Art Furche hinauf- und hinunterschieben. So kann er die Angel und damit die Beute näher zu seinem Maul dirigieren. Die Spitze der Angel kann sich drehen und sowohl einen Blitz erzeugen als auch als Scheinwerfer dienen. Diese Minischeinwerfer kann der Fisch an- und abschalten. Die Köder der Anglerfische können ausserordentlich kunstvoll sein, mit Tastfäden, Lichtröhren und eine Art Lid zum abdecken. Vermutlich imitieren die Tiefsee-Angler das Verhalten von gewissen kleinen Beutetiere, in dem sie die Angel in bestimmten Bewegungsformen herumwedelt.
Bei einem Anglerfisch (Caulophryne) hat die Angel kein Leuchtorgan, dafür ist sie und der ganze Körper mit Tastfäden bedeckt.
Im Gegensatz dazu besitzen Anglerfische der Familie Linophrynidae nicht nur eine Angel mit Leuchtorgan auf dem Kopf sondern auch leuchtende Barteln, die an ihrem Kinn wachsen. Diese Barteln tragen ebenfalls viele Leuchtorgane und unterstützen das Anlocken der Beute.
Besonders raffiniert sind die Anglerfische der Familie Thaumatichthyidae (Wolftrap anglers - Wolf-Fallen-Angler), sie haben den leuchtenden Köder direkt im Maul plaziert! Der Anglerfisch Thaumatichthys axeli ist ein typischer Lauerräuber mit einem Leuchtorgan, dass vom oberen Teil seines überhängenden Mauls hinunterhängt. Seine Zähne sind gebogen und sehr spitzig. Der Anglerfisch schwebt wenige Zentimeter über dem Boden, ohne ihn zu berühren und wartet auf Beute.
Wer im Wasser lebt, muss wissen, was sich rings um ihn herum bewegt, besonders wenn es immer dunkel ist und man sich nicht auf die Augen verlassen kann. Jede Bewegung erzeugt Druck- und Bewegungswellen. Einige Tiefsee-Angler besitzen sogenannte Neuromasten, die durch Haarzellen gebildet werden. Diese Strukturen sehen aus wie freistehende Antennen oder aufragende dicke Haare, die auf dem Kopf und entlang des Rumpfs wachsen und dienen zur Lokalisation von sich bewegenden Objekten. Diese freistehenden Strukturen können den Druck lokalisieren, der die Bewegung von Fischen auslöst. Während der Anglerfisch bewegungslos im Wasser schwebt kann er also mit Hilfe der Neuromasten sowohl die Richtung als auch die Geschwindigkeit von sich nähernden Beutetieren erkennen.
Caulophryne polynema der Familie Caulophrynidae (Tiefsee-Angler) ist ein Tiefseefisch, der sich für die Beutesuche hauptsächlich auf die Neuromasten verlässt, er besitzt keinen leuchtenden Köder. Seine Haut ist sehr weich und er besitzt einen extrem dehnbaren Magen.
Im enormen aber gleichzeitig leerem Lebensraum, der die Tiefsee darstellt, ist es auch schwierig einen Geschlechtspartner zu finden.
Die Männchen der Tiefsee-Anglerfische werden kurz nach der Metamorphosis (Umwandlung von Larve in erwachsenes Tier) geschlechtsreif, die Weibchen brauchen jedoch länger dazu. Das hat zur Folge, dass ungefähr 15 bis 30 geschlechtsreife Männchen auf ein Weibchen kommen. Bei den meisten Arten vereinigen sich die Geschlechtspartner für kurze Zeit, aber bei den Tiefsee-Anglerfischen (Familien Ceratiidae, Caulophrynidae, Photocorynidae, Linophrynidae und Melanocetidae) zeigen einen Geschlechtsdimorphismus (oder Sexualdimorphismus), das heisst grosse Unterschiede von Männchen und Weibchen.
Bei den meisten Arten der Tiefsee-Anglerfische ist das Weibchen bedeutend grösser als das Männchen. Diese sind eigentliche Zwerge, wenn man sie mit den Weibchen vergleicht. Beispielsweise sind die Weibchen der Gattung Gigantactis bis zu 40cm gross, die Männchen jedoch nur 2cm. Im Gegensatz zu den eher unförmigen Weibchen haben die Männchen auch einen muskulöseren Körper, der sich dazu eignet auch längere Strecken zu schwimmen. Der Unterschied ist so gross, dass für längere Zeit die Männchen und Weibchen der gleichen Art von Forschern als unterschiedliche Arten identifizert wurden.
Das Männchen hat keine andere Rolle im Leben, als ein Weibchen zu finden. Es besitzt keine Leuchtorgane und es ist unklar, wie es sich ernährt. Es besitzt jedoch besser ausgebildete Augen mit welchen es die Weibchen ausmachen kann und extrem grosse Nasenöffnungen und es wird vermutet, dass ihnen spezielle chemische Lockstoffe (Pheromone) den Weg zum Weibchen zeigen.
Sobald ein Männchen ein Geschlechtspartner findet, beisst sich das Männchen der meisten Arten an das Weibchen fest. Der Kiefer des Männchens bildet sich zurück und die Haut beider Tiere verbinden sich, das Männchen reduziert alle Organe. Die Kiemenatmung bleibt ihm noch, aber er ernährt sich vollständig über ihren Blutkreislauf, die Ernährung des Männchens erfolgt nun nur noch über das Weibchen ! Seine einzige Funktion bleibt das Samenspenden. Das Weibchen trägt ein oder mehrere Männchen als regelrechte Parasiten lebenslang mit sich herum. Diese lösen sich nicht mehr bis zu ihrem Tod.
So entfällt die energetisch aufwendige Suche nach einem Sexualpartner und das Weibchen kann sogar durch Hormonabgabe steuern, dass die Geschlechtsprodukte gleichzeitig reif werden. Die vom Männchen befruchteten Eier steigen zur Oberfläche des Meeres auf, da sie grosse Öltropfen enthalten, die ihnen Aufrieb geben. Dort entwickeln sich die Eier zu Larven und der Kreislauf beginnt von Neuem.
Details eines Anglerfisch-Männchens, dass mit einem Weibchen verwachsen ist.
Die beste Verteidigung ist, dass man nicht gesehen oder sonst aufgespürt werden kann. Tiefsee-Anglerfische sind meistens eher dunkel und bewegen sich wenig im Wasser, während sie auf ihre Beute warten. Gleichzeitig können sie so auch ihre Fressfeinde täuschen. Sie besitzen keine andern Verteidigungsmechanismen wie etwa Gift. Biolumeneszenz kann ebenfalls zur Ablenkung dienen, zum Beispiel haben die Weibchen der Familie Linophrynidae (Teufelsangler) an ihrem Kiefer leuchtenede Barteln hängen, die mögliche Feinde verwirren können, indem sie ein zweites Tier vortäuschen.
Leider habe ich keine eigenen Fotos, da ich noch nie einen lebendigen Tiefsee-Anglerfisch gesehen habe, nur die Anglerfische der Familie Antennariidae, die im Korallenriff wohnen. Bitte die folgenden Webseiten anschauen:
Fishbase hat die grösste Sammlung von Fotos und Illustrationen von Tiefsee-Anglerfischen - am besten die Systematik-Seite anschauen und jeweils auf den Fishbase-Link klicken.
Tierlexikon: Eine Deutsche Seite mit guten Fotos und Illustrationen, unter anderm ein Röntgenbild, Details vom Skelett und Angeln.
Das Australische Musem hat eine Webseite mit mehreren Fotos und guten Beschreibungen (in englisch) sowie Detailaufnahmen von Angeln (Esca und Illicium), Karunkeln etc. Bei der Suche den lateinischen Namen eingeben.
NOVA hat eine Seite (in englisch) mit Fotos von lebenden Tiefseeanglerfischen, die bei Forschungstauchgängen aufgenommen wurden.
Google Bildersuche: Bei der Suche den lateinischen Namen eingeben.
Die Worsley Schule hat eine Seite (in englisch) mit Fotos von lebenden Tiefsee-Anglern.
Ich habe alle Anglerfische nach meinen besten Kenntnissen identifiziert. Anglerfische sind jedoch speziell schwierig zu identifizieren (siehe Tipps zur Identifikation), Fehler sind deshalb natürlich möglich! Bitte schreibe mir, falls Du Fragen hast. Lateinische Bezeichnungen nach den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen, ITIS Standard Report und Fishbase.
. Copyright Teresa Zubi