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Gästebuch
... besondere Einträge
Im Nachlass Walther Weibel in Luzern befindet sich ein Gästebuch seines Hauses in Zürich-Wollishofen. Es wurde ab 1931 geführt. Darin sind nebst vielen bekannten und berühmten Persönlichkeiten, Künstlern, Wissenschaftern, Politikern auch Einträge von bedeutenden Homosexuellen zu finden:
"Noch weitere dreissig Jahre unserer alten Freundschaft wünscht Dr. Magnus Hirschfeld"
steht unter dem Datum vom 4. August 1932 zusammen mit einigen chinesischen Zeichen von Hirschfelds Begleiter und Freund, Tao Li. Hirschfeld kehrte in diesem Jahr von einer Weltreise zurück und blieb auf Anraten von Freunden vorläufig in der Schweiz, bevor er nach Frankreich ins Exil weiterzog.
Die Bemerkung deutet darauf hin, dass der 20-jährige Walther Weibel - vermutlich als Student in Berlin - erstmals mit Hirschfeld in Verbindung trat, und dass daraus eine langjährige Freundschaft entstand. Das kann auch belegt werden, denn die Jahresrechnung des Wissenschaftlich-humanitären Komitees für 1905, publiziert im Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen Band 8, führt auf Seite 935 unter Nr. 383 den Namen "Preconi" an, dies im Bereich des Buchstabens W, und vermerkt, dass 5 Mark einbezahlt worden sind. Also war der damals 23-jährige Walther Weibel zumindest zu jener Zeit Mitglied dieser Institution, deren Gründer und Leiter Magnus Hirschfeld war - und Weibel führte offenbar schon damals das Pseudonym Preconi, das er später als Künstlername verwendete.
Gut drei Wochen nach Hirschfelds Eintrag, am 27. August 1932, setzte der 17-jährige Jürg Stockar (1915-1975) seinen Namen ins Gästebuch. Er stammte aus einer bekannten wohlhabenden Familie, betätigte sich als Künstler und war später Bühnenbildner am Zürcher Stadttheater (Opernhaus). Stockar war Abonnent des Kreis, wo wir (Röbi Rapp und Ernst Ostertag) ihn kennen lernten. Dass er auch mit Eugen Laubacher / Charles Welti in freundschaftlichem Kontakt stand, erfuhren wir erst durch den im Nachlass Eugen Laubacher aufgetauchten Briefwechsel, aus dem deutlich wird, dass Eugen / Charles den verwöhnten jungen Mann zu ernsthaftem Arbeiten anzuleiten versuchte.
Ein besonders wichtiger Eintrag ist der vom 27. Januar 1940: Karl Meier. Unter diesem Namen steht noch, in Klammern beigefügt, Rudolf Rheiner. Karl Meier verwendete das Pseudonym Rudolf Rheiner ausschliesslich im Kreis, bevor er mit "Rolf" signierte. Und mit Rudolf Rheiner zeichnete er bereits seine Beiträge in den Zeitschriften Schweizerisches Freundschafts-Banner und Menschenrecht, den Vorgängern des Kreis. Auch am 27. Mai 1934 hatte er diesen Namen unter das Eintrittsgesuch in den "Schweizerischen Freundschafts-Verband" gesetzt.
Das wohl als Ergänzung und freundschafliche Bemerkung gedachte und hinzugefügte Rudolf Rheiner, beweist, dass Karl Meier den Gastgeber Walther Weibel als vertrauten Kamerad und Weggefährten betrachtete, dem der KREIS und seine Zeitschrift bestens bekannt war. Für nicht Eingeweihte blieb die Bedeutung des Pseudonyms verschlossen.
Ernst Ostertag, Mai 2005