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Titel
Brille,
[* 2] entstanden aus Beryll, ein Apparat, der dicht vor den Augen angebracht wird, entweder zu dem Zwecke, die Sehschärfe der Augen im allgemeinen oder für eine bestimmte Entfernung zu bessern, oder den Sehachsen eine bestimmte Richtung anzuweisen, oder die Augen vor zu hellem Lichte, vor Verletzungen, Staub, Zugluft u. s. w. zu schützen. Nach den verschiedenen Zwecken unterscheidet man:
1)
Brillen für bestimmte Entfernungen, die das
Auge
[* 3] befähigen, in Entfernungen
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mehr
deutlich (d. h. ohne Zerstreuungskreise der von den Sehobjekten gelieferten Netzhautbilder)
zu sehen, in denen es ohne
Brille nur undeutlich (d. h. mit Zerstreuungskreisen der
Netzhautbilder) zu sehen vermag. Diesem Zwecke dienen im allgemeinen die sphärischen, positiv oder negativ brechenden, d. h.
die Konvex-(Sammel-) und die Konkav-(Zerstreuungs-)Linsen. Nach der bis jetzt üblichen Bezeichnung der
Brillengläser bedeutet ihre Nummer ihre in Zollen ausgedrückte Hauptbrennweite, die bei den Konvexlinsen einen positiven,
bei den Konkavlinsen einen negativen Wert hat.
Die Nummern folgen aufeinander wie die Reihe der natürlichen Zahlen; ist jedoch die Wirkung zweier Nummern zu summieren oder zu subtrahieren, so hat man mit dem Reciproken der Nummern, d. h. dem optischen Werte (der Brechkraft) der Gläser, zu rechnen. Der Unterschied zwischen 7 konvex und 8 konvex ist demnach 56 konvex (1/7 - 1/8 = 1/56), der Unterschied zwischen 11 konvex und 12 konvex dagegen 132 konvex (1/11 - 1/12 = 1/132); im allgemeinen ist der Unterschied zwischen zwei sich folgenden Nummern um so größer, je stärker ihre Brechkraft, je kürzer ihre Brennweite ist. Um nun einmal leichter mit den Gläsern rechnen zu können, andererseits den Übelstand zu vermeiden, daß die nach verschiedenen Maßen (rheinische, Pariser, Wiener, engl. Zolle) geschliffenen Gläser bei gleicher Bezeichnung eine verschiedene Brennweite haben, ist man neuerdings bemüht, eine andere, auf das Metermaß begründete Bezeichnung einzuführen.
Man nimmt als Einheit den optischen Wert einer Meterlinse, d. h. einer Linse
[* 5] von 1 m positiver
oder negativer Brennweite und nennt diesen Wert eine Dioptrie (D). Demnach ist +1 D gleich der alten Nummer 38 konvex (38/1),
+2 D gleich der alten Nummer 19 konvex (38/2), -3 D gleich der alten Nummer 12 2/8 konkav (38/3) u. s. w.
Die positiv brechenden Linsen sind entweder bikonvex, plankonvex oder konkavkonvex; die negativ brechenden Linsen bikonkav,
plankonkav oder konvexkonkav. (S. Linse.) Die plankonvexen und plankonkaven Gläser eignen sich am wenigsten zu
dem
Brillengebrauch; am besten verwendet man die von Wollaston empfohlenen konkavkonvexen und konvexkonkaven (auch positive
und negative Menisken genannt), bei denen die Brechung
[* 6] der centralen und der Randstrahlen die gleichartigste ist.
Sie werden auch periskopische Gläser genannt, weil man gleich deutlich durch die Mitte wie durch den Rand des Glases
sieht. Die bikonvexen und bikonkaven Linsen besitzen zwar nicht diese Brechungsgleichartigkeit, wie die bezüglichen Menisken,
sind aber wegen ihrer bequemern und billigern Herstellung viel mehr in Gebrauch als diese. Die gewöhnlichen
Brille sind
aus Crownglas angefertigt. Zwar wird auch Bergkrystall und Flintglas zu denselben verwendet, doch haben letztere neben dem
Vorzug größerer Härte den Nachteil einer stärkern Farbenzerstreuung.
[* 7]
Die chromatische Aberration
[* 8] (s. Achromatisch) ist bei den schwächern und mittlern
Brillengläsern unerheblich, bei stärkern,
z. B. den gewöhnlichen Stargläsern, allerdings zuweilen fühlbar, doch eignen sich
achromatische
Gläser ihres Volumens und Gewichts wegen nicht zu
Brillengläsern. Sphärische Gläser kommen im allgemeinen dort zur
Verwendung, wo das Auge, als dioptrischer Apparat gedacht, zum Zwecke des deutlichern Sehens einer gleichen optischen Korrektion
in allen Meridianrichtungen des Systems bedarf.
Kurzsichtigkeit (s. d.) erfordert den Gebrauch der Konkavgläser, Übersichtigkeit und Weitsichtigkeit (s. Alterssichtigkeit)
den der Konvexgläser. Bei Astigmatismus (s. d.) kommen statt der sphärischen oder in Kombination mit ihnen
die cylindrischen Gläser zur Verwendung, die ganz analog wie jene, entweder konvex- oder konkavcylindrische sind. Es kommt
keineswegs selten vor, daß sowohl zum Sehen
[* 9] in die Ferne als in die Nähe
Brillengläser erforderlich sind, jedoch von verschiedener
optischer Qualität.
Statt in solchen Fällen mit zwei verschiedenen
Brille zu wechseln, erreicht man den Zweck auch
dadurch, daß man beide Gläser in eine Fassung bringt. Oberhalb der horizontalen Halbierungslinie derselben befindet sich
dann die Hälfte des zum Sehen in die Ferne, unterhalb derselben die des zum Sehen in die Nähe bestimmten Glases, sodaß beide
Halbgläser in jener Linie aneinanderstoßen. Nach ihrem Erfinder nennt man diese
Brille Franklinsche,
nach ihrem Zweck pantoskopische. Die Erfindung der die Refraktion korrigierenden sphärischen
Brille wird Roger Bacon (13. Jahrh.)
zugeschrieben; eine richtige Theorie dieser Brille gab jedoch erst Kepler 300 Jahre später.
2) Prismenbrillen, die nicht eine Refraktions-, sondern eine Stellungskorrektion der Augen bewirken. Will man den Konvergenzwinkel beider Sehlinien, d. h. den Winkel, [* 10] unter dem diese sich beim Fixieren schneiden, vergrößern, so legt man vor ein oder vor beide Augen Prismen, die mit dem brechenden Winkel (Kante des Prismas) nasenwärts gerichtet sind («adduzierende Prismen»); hat man die entgegengesetzte Aufgabe zu erfüllen, so legt man die Prismen mit den Kanten schläfenwärts («abduzierende Prismen»). In beistehender [* 4] Figur z. B. wird das rechte Auge R abduziert, d. h. schläfenwärts gewendet, damit der von A kommende, durch das Prisma [* 11] P abgelenkte Richtungsstrahl auf den gelben Fleck g fällt, der mit dem gleichfalls vom Richtungsstrahl getroffenen gelben Flecke g des linken Auges L. identisch ist.
Würde diese Drehung des rechten Auges bei dem Vorlegen des Prismas nicht gemacht, so würde das Bild von A im rechten Auge auf einen nasenwärts von g gelegenen Punkt fallen und binokulares Doppelsehen (s. Auge, Bd. 2, S. 108 a) entstehen. Um dies zu vermeiden, ist eben die Ablenkung des rechten Auges nötig und tritt scheinbar unwillkürlich ein. Nach der Größe des Winkels, in dem die Flächen der Prismen zueinander geneigt sind, bezeichnet man die Nummern derselben. Wird nur eine Beeinflussung der Stellung der Augen verlangt, so erreicht man dies durch Anwendung der Planprismen, ist aber gleichzeitig die Korrektion eines Brechungsfehlers erforderlich, so können die Flächen der Prismen je nach Bedürfnis sphärisch oder cylin-
[* 4] ^[Abb.] ¶
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drisch, konvex oder konkav geschliffen werden. Einem besondern Zwecke dient die von Brücke [* 13] angegebene Dissektionsbrille. Dieselbe wird gebildet aus zwei Prismen in Abduktionsstellung, die bikonvex geschliffen sind und eine kurze Brennweite (+1/8 bis +¼) besitzen. Sie ermöglicht es, die Sehobjekte gleichzeitig mit beiden Augen bei relativ geringem Konvergenzwinkel der Sehlinien doch in großer Nähe (also auch vergrößert) zu sehen, und wirkt also ganz gleich einer vor beide Augen gestellten Lupe [* 14] mit großer Öffnung und der gleichen Brennweite.
An allen Brille müssen die Gläser vollkommen rein, ohne Bläschen und Schlieren sein und eine glatte Oberfläche haben. Die Form kann oval oder rund sein, die Größe muß so sein, daß nicht daneben, darunter oder darüber hinweggesehen werden kann. Von besonderer Wichtigkeit ist das Brillengestell, an dem der dem Nasenrücken aufliegende Steg, die beiden seitlich abgehenden Bügel und die zur Aufnahme der Gläser dienenden Ringe unterschieden werden. Die letztern können auch ganz wegfallen und Bügel und Steg direkt mit den Gläsern verbunden sein.
Der Steg ist am besten bandförmig gestaltet, muß bei flachem Nasenrücken die Form eines lat. X, bei hohem Nasenrücken die eines liegenden lat. K haben. Die Bügel sind bei Damenbrillen einfache federnde Stangen, die sich den Seitenteilen des Kopfes anschmiegen. Bei Herrenbrillen sind sie entweder hinter dem Ohre umgebogen, um einen festern Sitz der Brille zu erzielen (Reitbrille), oder durch ein Scharnier unterbrochen, sodaß das hinterste bewegliche Stück, der Bügel, hinter das Ohr [* 15] gelegt werden kann.
Die Gestelle werden aus Metall gefertigt (Gold, [* 16] Silber oder Stahl), oder aus Horn, Schildpatt oder Hartgummi. Die aus den letztern Substanzen gefertigten sind nicht nur in der Form plumper, sondern ändern auch leicht durch Temperatureinflüsse ihre Gestalt, krümmen und werfen sich, sind daher nur dann den metallenen Gestellen vorzuziehen, wenn infolge einer besondern Empfindlichkeit der Hautnerven der Druck des Metalls nicht gut längere Zeit ertragen wird. In der Regel sollen beide Augen durch die Mitte der Gläser sehen, und daher müssen diese so weit voneinander entfernt sein, als der individuell in ziemlich weiten Grenzen [* 17] schwankende gegenseitige Abstand der Pupillen beider Augen beträgt (bei Erwachsenen 54-74 mm). Je nach der Form des Nasenrückens und der flachern oder tiefern Lage der Augen wird die Entfernung der Gläser von der Vorderfläche der Augen bei den verschiedenen Individuen etwas schwanken.
Diesem Umstande ist bei der Wahl der Brillennummern wohl Rechnung zu tragen, denn die Konvexgläser werden um so stärker, je weiter vom Auge ab-, die Konkavgläser um so stärker, je näher sie an das Auge herangerückt getragen werden. Da alle Gläser die beste Sehschärfe geben, wenn die Blicklinie senkrecht auf ihre Oberfläche gerichtet ist, bei schräg darauf gerichteter Blicklinie dagegen, namentlich bei stärkern Gläsern, eine Verzerrung der Bilder entsteht, so müssen bei Arbeiten, die mit gesenkter Blicklinie vorgenommen werden, beim Lesen, Schreiben, Nähen u. s. w., die Gläser so gerichtet werden, daß ihr oberer Rand etwas weiter vom Auge absteht als ihr unterer.
Neuerdings hat man auch zu diesem Zwecke an den Bügel dicht hinter dem Glase ein zweites Scharnier angebracht, das diese Neigung der Gläser ermöglicht. Während für alle Fälle, in denen die Gläser längere Zeit hindurch benutzt werden, die gewöhnliche Brillenform zu empfehlen ist, ist die Fassung der Gläser in Form eines durch die Federkraft des Steges aus dem Nasenrücken festsitzenden Klemmers oder Zwickers (Pince-nez) oder einer mit der Hand [* 18] vor die Augen gehaltenen Lorgnette dann zulässig, wo es sich nur um einen vorübergehenden Gebrauch der Gläser, z. B. beim Sehen in die Ferne, handelt.
Entschieden zu verwerfen ist der einseitige Gebrauch eines sog. Monocles, solange beide Augen nahezu gleich gut sehen. Mitunter empfiehlt es sich, je zwei Gläser übereinander zu tragen, die sich dann für eine bestimmte Sehdistanz ergänzen, und zwar das eine Paar in eine Brille, das zweite in einen Klemmer oder einen sog. Vorhänger gefaßt. Hat man zum Fernsehen z. B. konkav 6 nötig, bedient man sich aber zum Lesen u. s. w. einer Brille konkav 8, so genügt letztere auch zum Fernsehen, wenn man noch einen Vorhänger konkav 24 vor die Brille setzt, denn 1/8 + 1/24 = 1/6.
3) Die Schutzbrillen haben nur die Aufgabe, das Auge vor zu grellem Lichte oder vor schädlichen mechan. Einwirkungen zu schützen. In ersterer Beziehung sind am meisten in Gebrauch die von England aus eingeführten rauchgrau gefärbten (London [* 19] smoke) und die blauen Gläser. Die erstern bezwecken eine gleichmäßige Abschwächung des Lichts, letztere hingegen lassen vorzugsweise nur die blauen Strahlen zum Auge gelangen, die dasselbe weniger irritieren als die schwächer brechbaren, roten, gelben und grünen.
Die Gläser der Schutzbrillen sollen die Lichtstrahlen ungebrochen durchtreten lassen und haben daher entweder plane Begrenzungsflächen (Planbrillen) oder sind gewölbt; die letztere Art verdient als ein vollkommneres Schutzmittel den Vorzug vor der erstern. Würde man die stärkern Konkav- und Konvexlinsen aus gefärbtem Glase anfertigen, so würden begreiflicherweise erstere am Rande mehr als im Centrum, letztere im Centrum intensiver als in den Randteilen gefärbt erscheinen.
Will man eine dieser stärkern Linsen gleichmäßig, d. h. «isochromatisch», färben, so ist hierzu weißes Glas [* 20] zu verwenden, und die Oberfläche der Linse muß nachher mit einer gleichmäßig dünnen Schicht durchsichtigen, gefärbten Lacks überzogen werden. Als Schutz vor der Einwirkung mechan. Schädlichkeiten werden die Gläser gar nicht oder nur spurweise gefärbt, oder (z. B. von Steinklopfern, Schlossern u. s. w.) feine, das Auge überwölbende Drahtgeflechte, eventuell auch beides in zweckmäßiger Verbindung getragen. Auch bedient man sich hierzu neuerlich dünner, durchsichtiger Glimmerplatten, die ihrer Elasticität wegen vor den aus Glas angefertigten Schutzbrillen entschieden den Vorzug verdienen.
4) Stenopäische Brillen. Die stenopäische Lochbrille besteht in ihrer ursprünglichen Form aus einer das Auge bedeckenden undurchsichtigen Kapsel aus Holz [* 21] oder dünnem Metall, in der sich, und zwar der Pupille gegenüber, ein Loch von ungefähr ½ bis 1½ mm Durchmesser befindet. Bei Trübungen der Hornhaut oder der Linse, die einzelne Teile des Pupillargebietes frei oder doch relativ frei lassen, verbessern diese Brille das Sehvermögen sehr wesentlich dadurch, daß die stenopäische Öffnung vor die von Trübungen freien Teile der Pupille geschoben und gleichzeitig das sonst durch die getrübten Partien fallende diffuse, störende Licht [* 22] von der Netzhaut des Auges fern gehalten wird. Sie erhöhen die Sehschärfe auch bei allen Formen des Undeutlichsehens, die auf fehlerhafter Brechung des Lichtes (Ametropie) beruhen, dadurch, daß sie die Zerstreuungskreise der Netzhautbilder verkleinern. Die stenopäischen ¶