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Der biologische Druck zum Seitensprung darf weder bei Männern noch bei Frauen unterschätzt werden, wenn dafür auch verschiedene Ursachen angeführt werden:
Männer müssen ihre Erbmasse möglichst breit streuen.
Den Frauen ist dagegen daran gelegen, dass sie die wenigen Gelegenheiten, bei denen sie erfolgreich eine Schwangerschaft austragen können, mit optimalem Erbgut versehen, notfalls auch mit demjenigen des Nachbarn – wie das durch DNS-Kontrollen an scheinbar strikt monogamen Vogelarten nachgewiesen worden ist. Dafür sind die gehörnten Männchen äusserst eifersüchtig und schenken der fremden Brut geringe Aufmerksamkeit. Tiger und Mäuse schrecken nicht davor zurück, junge Bastarde aufzufressen.
Die Bedeutung des Geruchsinns
Die «optimale» Wahl hat nach Untersuchungen, die an der Universität Bern durchgeführt wurden einen überraschend klaren Bezug zu einem möglichst unterschiedlichen Immunabwehrsystem. Die Auswahl treffen vorwiegend die Frauen über ihr hochdifferenziertes Geruchswahrnehmungssystem, das anhand des Körpergeruches eines Mannes entscheidet, ob er der Richtige ist oder nicht. Testkontrollen ergaben, dass sexuell besonders attraktiv weitgehend immungenetisch stark variierend bedeutet.
Neben diesen verborgenen Kriterien gibt es auffällige Imponiermerkmale, die auf das Vorhandensein einer wirksamen Immunabwehr hinweisen. PATRICIA GOWATY hat nachgewiesen, dass ein möglichst kompliziertes Ritualverhalten oder besonders aufwendiger Schmuck bei Tieren besonders gefragt sind, weil sie einerseits auf hohe Intelligenz, andererseits auf eine besonders ausgeprägte Potenz hinweisen.
Letztere ist in diesen Fällen so hervorragend, dass es sich diese Machos leisten können, trotz der mit dem hohen Testosteronspiegel verbundenen verminderten immunbiologischen Abwehr enorme Energien völlig «unnötig» zu verschwenden, eben «nur, um ihrem Weibchen, ihrer Freundin Eindruck zu machen».
Womit endlich wissenschaftlich erklärt wäre, weshalb Hirsche ein zentnerschweres Geweih mit sich herumschleppen, Amseln die differenziertesten Melodien erfinden, oder weshalb ganz normale Männer unbedingt ihren Lamborghini zum nahen Golfplatz und natürlich auch zum vielleicht etwas entfernteren «One-Night-Stand» fahren müssen.
Dieser männlichen Elite winkt der Siegerkranz; Zeugungskraft tendiert zum seitensprünglichen Verhalten. Ganz im Gegensatz zur sozial geschätzten sorgenden (Dauer-)Vaterschaft, für die auf Grund der eben erwähnten Untersuchungen vor allem die «Lieben und Netten» von der Frau bevorzugt werden. So hat es für jeden und jede etwas, auch wenn diejenigen, die säen, nicht unbedingt diejenigen sind, die ernten.
Seitensprünge: kurzfristige Erregung zur Abwechslung
Menschen, und insbesondere Männer kennen einen weiteren Grund für die grosse Versuchung: Die Erregungsliebe lebt von der kurzfristigen Erregung und von der Abwechslung.
Untersuchungen an Männern mit Potenzstörungen zeigen, dass «Erektionsversagen» durch die Beziehung zu neuen Partner/innen «geheilt» wird. Auch dieses Verhalten konnte physiologisch erklärt werden; es steht – zumindest bei Rattenmännchen – im Zusammenhang mit dem Dopaminspiegel (DENNIS FIORNO).
Während die Ausschüttung im Bereich der für die Lust verantwortlichen Areale im Mittelhirn mit zunehmender Kopulation (mit demselben Weibchen!) rasch zurückgeht, ging die männliche Dopaminausscheidung beim Auftauchen einer neuen brünstigen Partnerin schlagartig in die Höhe, gleichzeitig mit einer Wiederbelebung der versiegten Kopulationsintensität.
Auch Frauen leben durch einen «neuen Frühling» seelisch wie körperlich auf.
Die im Körper verankerten positiven Erfahrungen aus der ersten Subphase, der adoleszenten Experimentierphase erlauben es in der zweiten Subphase (der gesellschaftlich aktiven Erwachsenenrolle), immer wieder darauf zurückzugreifen, als «Salz und Pfeffer» einer in Familienpflichten und Arbeit eingebundenen Beziehung. Wer allerdings versucht, sich ein Leben lang von Salz und Pfeffer zu ernähren, wird verhungern.
Heilung einer Partnerschaft durch die Seinsliebe
In der dritten Phase geht es darum, die Qualitäten der Seinsliebe zu entwickeln. Gelingt das nicht, so dürfte das Aus für die Beziehung, zumindest einer emotional gesunden Beziehung, vorprogrammiert sein.
These:
Je besser zwei Menschen zu ihrer Seinsliebe finden, um so grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich nicht gegenseitig überdrüssig werden.
Haben zwei Partner diese Harmonie erlebt und stimmen ihre kulturellen und gesellschaftlichen Interessen zumindest teilweise überein, so sind die besten Voraussetzungen nicht nur für Treue, sondern auch für Heilung im Rahmen der Paarbeziehung gegeben.
Sollte es zu einer Trennung kommen, so wird es für beide nicht einfach sein, wieder jemanden zu finden, mit dem eine ebenso tiefe und erfüllende Beziehung zustande kommen kann.
Die Tatsache, dass die Scheidungszahlen auch im fortgeschrittenen Alter so hoch sind, weist darauf hin, dass nicht nur in der Experimentierphase und beim Eheschluss Äusserlichkeiten entscheidend sind, sondern dass es die Partner auch in langjährigen Ehen versäumen, die Seinsliebe zu pflegen und zu fördern.