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Auszug aus einem Lexikon von 1902. Es fragt sich, wann eigentlich Katzis zu Cazis wurde. Die heute als Schauenberg bekannte Fraktion ist noch als Savusch bezeichnet.
Sie hatte also wie Summaprada einen rhätoromanischen Namen und war daher nicht so leicht mit Schauenstein verwechselbar, das es sogar 2x im Tal gibt, in Fürstenau und Masein (Schauenstein + Schauensteiner Tobel).
Auszug aus Lexikon von 1902:
Katzis, Kazis oder Cazis, romanisch Cazas (Kt. Graubünden, Bez. Heinzenberg, Kreis Thusis).
666 m. Gem. und Pfarrdorf, am linken Ufer des Hinterrhein, im Domleschg, an der Straße Chur-Thusis und 3 km nnw. Thusis.
Station der Albulabahn.
Postbureau, Telegraph;
Postwagen nach Präz und Sarn.
Gemeinde, mit Rätitsch, Luvreu, Realta-Korrektionsanstalt, Realta-Hof, Savusch und Summaprada: 116 Häuser, 738 kathol. Einwohner deutscher und romanischer Zunge;
Dorf: 41 Häuser, 304 Ew. Fruchtbare Gegend.
Acker- und Obstbau, Viehzucht.
Große Säge. Herstellung von Bündnertuch.
Die aus dem 11. Jahrhundert stammende alte Pfarrkirche zu St. Martin nahe dem Dorf ist 1903 durch Blitzschlag eingeäschert worden.
Frauenkloster vom Orden des h. Dominikus. Im 7. Jahrhundert von Bischof Paschalis von Chur als adeliges Damenstift gegründet und 1156 dem Orden des h. Augustinus zugeteilt. Zu Ende des 14. Jahrhunderts durch Feuer zerstört, dann von Albert von Schauenstein wieder aufgebaut und mit großem Besitz ausgestattet. 1647 rief Bischof Johannes VI. von Chur Dominikanerinnen aus dem Kloster Bludenz (im Vorarlberg) hierher, nachdem der Graue Bund dem Kloster einen Teil seiner einstigen Güter wieder zurückerstattet hatte. 1768 neuerdings abgebrannt.
Führt ein St. Andreaskreuz im Wappen.
Ist heute ein ärmliches kleines Klösterchen.
Letzerer Satz aus dem Lexikon ist heute jedoch ganz zweifellos nicht mehr richtig. Das Kloster bekommt vom Staat bzw. Steuerzahler exorbitante Geldsummen und ist alles andere als „ärmlich“ beschieden, siehe Bericht hier.
Gemeindename Cazis und frühere Namen:
Heute wird für Cazis als romanischer Name Tgazas (neben Cazas) angegeben. Tgazas ist aber als Gemeindename in historischen Dokumenten nicht zu finden, sondern nur in neuern, ganz jungen Publikationen wie Wikipedia angegeben.
Wer in historischen Büchern stöbert, diese im Internet ersteigert oder alte Dokumente ankauft, findet hingegen die Namen Katzis, Kazis, Katz, Katzis, Cazes etc. aber nicht Tgazas, was irgendwann auf Wikipedia stand und sich seitdem verbreitet als angeblich historischer Name.
Auch, wenn Cazis nie Tgazas genannt wurde: Nebst dem, daß es eine schöne Legende ist und zur örtlichen Lage gut zu passen scheint (des alten vorfusionierten Cazis) ist es natürlich durchaus möglich (nicht aber belegt), daß der Name von romanischen Wort für Schöpfkelle stammt (hier gibt es etlilche Schreibvarianten) oder gemäß anderen Vermutungen vom Vorlateinischen cattia (Schöpflöffel).
Es ist hier daher zu unterscheiden zwischen dem, was gut paßt und schön klingt als Legende und dem, was wirklich historisch belegt ist durch Schriftstücke und andere Zeugnisse.
Remo Maßatby