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Das Nachholen eines EBA oder EFZ für erwachsene Maurer/innen und Strassenbauer/innen ist im Kanton Genf bereits seit 2009 möglich, vgl. unsere Darstellung in Deutsch und Französisch. Das Vorgehen hat sich insofern verändert, als heute vorwiegend die «direkte Zulassung zur Abschlussprüfung» zur Anwendung kommt (in Genf spricht man vom Abschluss nach Artikel 32). Die Ausbildung wird von einer Institution des Berufsverbands angeboten, dem Institut de Formation des métiers de la Construction (IFC), die Kosten übernimmt weitgehend der Kanton bzw. die Fondation pour la formation professionnelle et continue (FFPC).
Im «Laufbahn-Info des Zürcher Laufbahnzentrums» berichtet Michael Milz von einem heute 50-jähriger Mann, der sich vor fünf Jahren beraten liess, wie er noch einen Berufsabschluss erwerben könne. Es wurde ihm geraten, dies über den direkten Zugang zum QV (oft als Weg über Art. 32 bezeichnet) zu tun. Als er sich bei der Berufsfachschule für den Unterricht anmelden wollte, erfuhr er, er könne seinen Berufsabschluss nur nachholen, wenn er auch eine feste Stelle habe. Seither ist dieser Mann auf der Suche nach einer festen Stelle, wie man im Laufbahnzentrum kürzlich erfahren hat. Ein Anruf seitens des Beraters beim Berufsinspektor ergab, dass Ausnahmen möglich seien.
Wer sich für eine Validierung anmeldet, der wird begleitet. Für Personen, die einen andern Weg wählen, geschieht dies - so weit ich weiss - nur im Kanton Genf. Das Beispiel zeigt, dass kurze oder gar einmalige Beratung von Erwachsenen, die einen Abschluss nachholen wollen, nicht reicht. Es braucht zwingend eine Begleitung während der Vorbereitung einer Ausbildung.
Wer’s nicht glaubt ist eingeladen, sich in eine 30- oder 50-jährige Person mit beschränkter Schulbildung zu versetzen, die den ganzen Tag auf einem Bauplatz, an einer Kasse oder in einer Werkstatt arbeitet, und abends oder am Wochenende versucht, anhand des offiziellen Merkblatts zum Nachholen eines Abschlusses ihren Weg zu finden. Sie wird u.a. eingeladen, 19 Fragen zu beantworten, wovon mehrere Behördenkontakte erfordern.
Am 27. November kam an der Sendung ECO Talk im Schweizer Fernsehen die Nachholbildung zur Sprache (vor allem 14:10 - 15:00, 29:40-35:15, 41:20-43:30). Vor allem Josef Maushart, Mit-Inhaber Fraisa Holding, zeigte sich einerseits sehr gut informiert und anderseits sehr entschieden: innert fünf Jahren müssten mindestens ein Drittel der ungelernten Mitarbeitenden in der Firma qualifiziert werden. Weiter war zu erfahren, dass in der MEM-Industrie immer noch rund 30% der Arbeitenden über keine oder keine aktuell einsetzbare berufliche Ausbildung verfügen.
In der Sendung ECO vom 30. November, wurden die Massnahmen von Freias vorgestellt (Text, Film), wobei bekannt gegeben wurde, dass nun neben dem bekannten Modell zur Ausbildung von Schichtarbeitern zu Produktionsmechanikern auch Mitarbeitende in den Lagern der Firma zu Logistikerinnen geschult werden, weil gewisse Arbeiten 2017 ins Ausland verlegt werden.
Die Uhrenindustrie gehört zu den Branchen, die sich früh systematisch mit der Ausbildung von Erwachsenen beschäftigt haben. Seit 1994 tun sie dies mit einem modularen Programm, das zudem heute gestuft zu einem Eidg. Berufsattest und später zum Fähigkeitszeugnis führt:
Mehr dazu in unserem Bericht über das diesbzügliche Angebot des cip in Tramelan und bei der zuständigen Organisation der Arbeitswelt, dem Convention patronale de l’industrie horlogère suisse
Der Detailhandel gehört zu den Branchen mit der höchsten Zahl an Berufslernenden. Auch in der Berufsbildung für Erwachsene ist er von besonderer Bedeutung, unter anderem weil alle Wege angeboten werden, die reguläre und die verkürzte Grundbildung, der direkte Zugang zur Abschlussprüfung und das Validierungsverfahren. Auch die Nachfrage war in den vergangenen Jahren relativ gross, einerseits infolge der Ablösung eines Monopolberufes der Post, anderseits im Zusammenhang mit dem Übergang von der zweijährigen Verkaufslehre zur dreijährigen Ausbildung «Detailhandelsfachmann/-frau EFZ». Hier ist ein Bericht darüber abgelegt und hier eine Meldung über ein Pilotprojekt in Bern.
Seit 1993 schult «Hotel & Gastro formation» im Auftrag der Vertragspartner des Landes-Gesamtarbeitsvertrags für das Gastgewerbe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ohne formellen schweizerischen Berufslehrabschluss. Hier geben wir einen Überblick über diesen Teil des Angebots von «H&Gf», hier finden Sie Unterlagen aus einer Präsentation der Verantwortlichen an der PH Zürich.
Für Erwachsene, die ihre Berufsausbildung neben einer Erwerbstätigkeit nachholen (Direkter Zugang zur Abschlussprüfung) ist es eine grosse Erleichterung, wenn sie die Lehrabschlussprüfung in zwei Schritten ablegen können. Die Berufsfachschule des Detailhandels Bern bietet eine solche Möglichkeit an, wie ihr Bericht zeigt.
Das im Kanton Waadt von ECAP und UNIA angebotene Programm «Progredir» ermöglicht portugiesischen Frauen, die seit mindestens fünf Jahren im Kanton Waadt arbeiten, einen Berufsabschluss in den Branchen Hotellerie, Restauration, Gebäudereinigung und Reinigung zu erwerben.
Informationen dazu in Deutsch können unserem Bericht entnommen werden, in Französisch der Website des Projekts. Interessant sind auch drei Berichte von Teilnehmerinnen (Deutsch) und ein einschlägiger Aufsatz in «L’Evénement syndical» No 30/31 am 25. Juli 2012
Die Stiftung ECAP ist ein gemeinnütziges Institut für Erwachsenenbildung und Forschung, das von der italienischen Gewerkschaft CGIL gegründet wurde. Sie ist seit 1970 in der Schweiz aktiv und ist heute mit ihren Sitzen in neun Städten eine der grössten Anbieterinnen von Berufsbildung für Erwachsene. Hier eine Darstellung, basierend auf einem Gespräch mit dem Geschäftsleiter, G. Bozzolini, und eigenen Recherchen und hier die Zusammenfassung seines Vortrags an der PH Zürich.
In Oberösterreich wurde unter diesem Titel von den Sozialpartnern in Zusammenarbeit mit dem Land ein Modell zum Validieren von beruflichen Kompetenzen entwickelt, «Du kannst was!» Entsprechende Angebote gibt es heute für zwölf Berufe, zwei weitere Bundesländer haben das Modell übernommen, die Akzeptanz in der Wirtschaft ist gross, das Interesse am Modell beeindruckend, vgl. unsere Darstellung.
Ein Berufsverband nutzt die Nachholbildung schon seit Jahren zur Deckung des Fachkräftebedarfs: Bei den Pflästerern sind zwei Drittel der Lernenden Erwachsene.