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Das Bild, das wir uns von der Vergangenheit machen, basiert auf dem, was von dieser Vergangenheit überhaupt erhalten geblieben ist. Das klingt banal und selbstverständlich, sollte einen aber doch nachdenklich machen.
Wie wir uns Shakespeare vorstellen, basiert auf dem, was wir von ihm geschrieben lesen, und wie die Dinosaurier aussahen, rekonstruieren wir auf Basis jener Knochen, die wir gefunden haben.
Und so wird es auch mit uns einmal geschehen. Und spätestens dann kann einem mulmig werden bei der Frage, was für eine Falle wir wohl in der Zukunft einmal machen werden.
Wir müssen annehmen, dass es sich bei diesem J. Binotto wohl um den Ausbildner einer militärischen Spezialeinheit handeln muss.
Stellen wir uns zum Beispiel vor, dass man in der Zukunft als Hauptinformationsquelle über unsere Zeit nur noch bestimmte digitale Daten heranzieht wie zum Beispiel den Verlauf unserer Internetbrowser. In meinem Fall wäre dann das Bild, das sich die Nachwelt von mir macht, zwar schmeichelhafter, aber irgendwie auch etwas irreführend.
Wenn ich mir zum Beispiel überlege, wie gerne ich auf Youtube Filmchen über irgendwelche Überlebenstrainings anschaue, dann könnte das in den Augen der Archäologinnen der Zukunft zu ganz falschen Einschätzungen führen.
Vor meinem geistigen Auge sehe ich schon die Fussnote in irgendeinem Geschichtsbuch aus dem Jahr 4062, wo es heisst: «Wenn man bedenkt, wie viele Stunden er mit intensiven Studien darüber verbracht hat, wie man einen Sandsturm übersteht, indem man sich im Bauch eines toten Kamels versteckt, müssen wir annehmen, dass es sich bei diesem J. Binotto wohl um den Ausbildner einer militärischen Spezialeinheit handeln muss. Auch deutet der übermässige Konsum von albernen Katzen-Clips darauf hin, dass der Betreffende wohl derart harte Einsätze absolvieren musste, dass er sich nur noch so erholen konnte.»
Unangenehm ist auch, sich vorzustellen, dass dereinst als verlässliche Dokumente nicht nur jene E-Mails konsultiert werden, die wir selbst geschrieben, sondern auch jene, die wir erhalten haben. All der Werbemüll über Penis- und Brustvergrösserungen, Psychopharmaka-Angebote, Geldforderungen und angebliche Lotto-Gewinne – das alles könnte dereinst mit einbezogen werden in unser Porträt. Puh, ich glaub, da sind wir dann recht froh, wenn wir selber gar nicht mehr da sind, um zu sehen, wie man uns sieht.