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Margaret Bonds: I, too, sing America
2013 werden im grossen Stil Jubiläen gefeiert: die Opernhäuser überbieten sich mit neuen Wagner und Verdi Produktionen und auch Benjamin Britten bekommt zu seinem 100. Geburtstag gebührende Aufmerksamkeit. Das FMD erinnert aber an Margaret Bonds, die wie Britten 1913 geboren wurde. Obwohl sie in den USA als Pionierin der afroamerikanischen Musik gilt, ist sie in Europa fast unbekannt.
Margaret Bonds wurde am 3. März 1913 in Chicago geboren. Die Ehe ihrer Eltern – ein Arzt und eine Klavierlehrerin, Kirchenchorleiterin und Organistin – ging bald darauf in die Brüche. Margaret wuchs also bei ihrer Mutter auf, in deren Haus afroamerikanische Studenten, Künstler und Literaten verkehrten. Von ihrer Mutter erhielt sie mit fünf Jahren den ersten Klavierunterricht – und schrieb im gleichen Alter ihr erstes Stück, den Marquette Street Blues. Später besuchte sie die Coleridge-Taylor Music School und erhielt Kompositionsunterricht bei Florence Price und William Dawson. Ab 1926 studierte sie an der Northwestern University, wo sie zum ersten Mal mit dem herrschenden Rassismus konfrontiert wurde: sie durfte weder auf dem Campus wohnen, noch die universitären Einrichtungen nutzen. Trotz dieser Einschränkungen liessen erste Erfolge nicht auf sich warten: 1932 gewann Margaret Bonds mit ihrem Lied Sea Ghost den begehrten Wanamaker Prize. Ein Jahr später spielte sie mit dem Chicago Symphony Orchestra das Klavierconcertino des amerikanischen Komponisten John Alden Carpenter. Sie war damit die erste afroamerikanische Solistin in der Geschichte dieses Orchesters. Im Jahre ihres Studienabschlusses, 1934, spielte sie in einem von Radio CBS übertragenen Konzert mit dem Chicago Women’s Orchestra das Klavierkonzert ihrer früheren Lehrerin Florence Price.
Bereits zu Unizeiten lernte Margaret Bonds die Lyrik des afroamerikanischen Dichters Langston Hughes (1902-1967) kennen. In Momenten des Zweifels gab diese ihr Selbstvertrauen. Sie lernte Hughes 1936 persönlich kennen und war mit ihm bis zu ihrem Tod freundschaftlich verbunden. Bonds vertonte unzählige seiner von Blues und Jazz beeinflussten Gedichte, darunter auch I, too, sing America von 1924, das durch die Bürgerrechtsbewegung bekannt werden sollte. Ausserdem entstanden eine Reihe gemeinsamer Werke wie das Musical Shakespeare in Harlem und die Weihnachtskantate Ballad of the Brown King.
1939 heiratete Margaret Bonds und zog mit ihrem Mann nach New York. Dank eines Stipendiums konnte sie an der Juilliard School bei Roy Harris studieren. Nadia Boulanger, die Bonds gerne als Lehrerin gehabt hätte, liess sie wissen, dass sie keinen Unterricht mehr bräuchte. In den folgenden Jahren war sie sowohl als Klaviersolistin und Mitglied eines Klavierduos, als auch als Komponistin und Lehrerin aktiv. Sie gründete Institutionen und unterstützte Initiativen zur Förderung afroamerikanischer Musik und Musiker.
Bonds Œuvre umfasst Theater- und Orchestermusik, Chor- und Kammermusik sowie Kunstlieder und populäre Musik. Ihr Kompositionen sind der Tradition des Gospels, des Blues und des Jazz verpflichtet, verleugnen aber auch die europäische Tradition nicht. Paradoxerweise wird ihr bekanntestes Arrangement, He’s Got he Hole World in His Hands, kaum mehr als ihr Werk betrachtet, sondern als «schon immer dagewesen». 1965, zur Zeit des Friedensmarsches auf Montgomery, schrieb Bonds die Martin Luther King jr. gewidmeten Montgomery Variations für Orchester. Die Liste der Interpretinnen und Interpreten ihrer Werke umfasst Namen von Leontyne Price über Jessie Norman und Nina Simone bis Louis Armstrong.
1967 zog Bonds nach Los Angeles, wo sie bis zu ihrem Tod am 26. April 1972 aktiv war. Zu den aussergewöhnlichsten Ehrungen, welche die Komponistin erhielt, gehört die Ausrufung eines Margaret Bonds Day (31. Januar) durch den Bürgermeister von Chicago. Aus Anlass des 100. Geburtstags dieser bemerkenswerten Pionierin erwirbt die in der Berner HKB domizilierte Noten- und Tonträgersammlung des FMD eine substantielle Zahl von Margaret Bonds Werken. So wird auch hierzulande eine Beschäftigung mit ihrer Musik möglich sein.