Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03556.jsonl.gz/1715

In früheren Kulturen wurden Gänse als Opfertiere gehalten, im weiteren als Fleischlieferanten. Die Federn wurden für Schreibzwecke eingesetzt und die Daunen für Kissen und Decken. Da die Gänse den Weg vom Produzenten zum Verbraucher zu Fuss zurücklegen mussten, wurden vor allem leichte Landschläge gezüchtet. Es gab verschiedene weisse Gänse zu kaufen, die sich zwar alle ähnlich waren, sich aber in der Leistung unterschieden. Bis auf wenige sind heute alle verschwunden.
Im 20. Jahrhundert kam durch die Industrialisierung Schreibzeug auf, das die Gänsekiele ersetzte. Auch als Stopfmaterialien wurden immer mehr künstliche Produkte eingesetzt. Ebenso führten veränderte Essgewohnheiten zu einer verringerten Nachfrage.
Die Gänsehaltung verlor immer mehr an Bedeutung: Die Voraussetzungen waren gegeben, die zum allmählichen Verschwinden der grossen Herden führten. Heute werden an vielen Orten nur noch Paare oder Kleinherden gehalten.
Die Diepholzer Gans stammt aus dem Norden Deutschlands, und zwar aus der gleichnamigen Grafschaft Diepholz. Dort wird sie seit gut 100 Jahren gezüchtet. 1925 wurde die Diepholzer Gans als Rasse anerkannt. Die Gans ist - ihrem Bau und Aussehen nach - mit der Graugans stark verwandt.
Die Diepholzer Gans konnte sich bis heute halten und erfreut sich steigender Beliebtheit. Sie wurde auch als Veredelungsgans für andere Landschläge verwendet, z.B. Gröllwizer Gänse.
Von den heute anerkannten Gänserassen erfüllt die Diepholzer Gans die Anforderungen, die bezeichnend sind für leichte Landgänse. Sie hat ein Gewicht von 5,5 bis 7 kg, dadurch bewegt sie sich auch ohne Probleme im steileren Gelände, bezüglich der Weide ist sie anspruchslos (sie frisst auch Sauergräser). Die Robustheit, die sie als Weidegans braucht, verdankt sie der Graugans-Einkreuzung.
Die Tiere sind mit 6-8 Monaten sehr frühreif und legen den Grossteil ihrer Eier zwischen September und März. Die Legeleistung beträgt pro Jahr etwa 35 bis 50 Eier. Sie vermehrt sich problemlos selbst, ohne künstliche Eingriffe.
Ihr Bruttrieb ist ausgezeichnet entwickelt, und ihr Brutpflegebedürfnis ist sehr ausgeprägt, zudem gilt sie als gute Führerin von Gösseln (Gänseküken),seien es die eigenen oder auch fremde.
Mehr über die Brut
Gänse sind äusserst aufmerksam und künden jeden Besucher mit "Geschrei" an. Paarweise gehaltene Tiere sind übrigens wesentlich ruhiger als eine grössere Herde.
Ein besonderes Kennzeichen der Diepholzer Gans ist ihre hervorragende Fleischfülle in den wertvollen Teilstücken wie Brust und Keule. Sie ist eine Magergans und liefert fettarmes, muskelreiches, festes und zugleich zartes Fleisch.
Genügend Weidefläche ist wichtig, um Gänse kostengünstig halten zu können. 1 Paar Gänse benötigt in etwa 300 m² Weidefläche, die mit Vorteil in kleinere Parzellen unterteilt wird. Kommen Jungtiere dazu, erhöht sich der Bodenbedarf mit zunehmendem Wachstum der Gössel.
Mehr über die Weide
Ein Teich ist nicht zwingend erforderlich, es muss aber so oder so irgendeine Badegelegenheit angeboten werden, z.B. eine tiefe Kaninchenschale (die grösste, die erhältlich ist). Nur das gibt Gewähr, dass die Tiere sich wohl fühlen und zudem immer schön weiss bleiben. Gänse verbringen viel Zeit mit der Gefiederpflege.
Die uns bekannten Tiere leben hauptsächlich in der deutschsprachigen Landesgegend. Bisher konnten gut 200 Tiere beringt werden, nochmals soviele unberingte Tiere befinden sich ebenfalls in diesem Teil der Schweiz.
Seit 1995 werden die beringten Tiere im Herdebuch erfasst.
Bis 1935 wurde die Diepholzer Gans zu Tausenden auf Gemeindegründen geweidet. Man brachte sie auf die grosse, gemeinsame Weide, aus der sie erst zurückgeholt wurden, als der Verkauf bevorstand. Aus dieser extensiven Haltungsform heraus erklärt sich auch die erblich bedingte Widerstandskraft und die legendäre Futterdankbarkeit der Diepholzer Weidegans; denn sie war gezwungen, sich in einem zahlenmässig starken Herdenverband von Tausenden von Tieren durchzusetzen. Sie musste sich auf Bruchweiden (Wiesenmoore) von den vorhandenen Süss- und Sauergräsern ernähren und hatte zudem den Witterungsverhältnissen auf sozusagen freier Wildbahn zu trotzen.
Immer wieder kam es vor, dass sich zu den domestizierten Herden auch wild lebende Graugänse gesellten. Durch solche Paarungen wurde die bereits durch die verschiedensten Futter- und Witterungsverhältnisse vorhandene Robustheit der Diepholzer Gans noch zusätzlich gestärkt.
Astrid Spiri
Bühlstr. 26
8578 Neukirch an der Thur
Tel: 071 642 48 11
Diese Seite wird unterhalten durch Peter Tellenbach