Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03186.jsonl.gz/1904

-
Zeit
Bar 19.00
Konzert 19.30
Eintritt
Kollekte
Leitung
David McVeigh
Solisten
Yacin Elbay
Anik Stuki
web
Flyer
Freitag 21. Juni 2013
Harmonise
Das Jugendorchester Köniz spielt von:
Joachim Raff : Suite „Aus Thüringen“
Moritz Achermann: Scarabeus Sacer – Symphonische Dichtung Nr. 1 (Uraufführung)
Gustav Holst: Doppelkonzert für zwei Violinen und Orchester op. 49
Malcolm Arnold: Four Scottish Dances op. 59
Edward Elgar: Pomp and Circumstanse, Marsch Nr.1
Konzertprogramm allgemein:
Das Konzertprogramm besteht aus Musik aus England und der Schweiz. Das Jugendorchester Köniz spielt Werke von den schweizerischen Komponisten Joachim Raff (1822-1882) und Moritz Achermann (*1991). Raffs Musik wird heute nur selten aufgeführt, obwohl sie zu seinen Lebzeiten grosse Beachtung fand. Moritz Achermann, der derzeitige Konzertmeister des Jugendorchesters Köniz, komponierte ein Werk eigens für dieses Projekt. Die englische Programmhälfte besteht aus Werken von Malcolm Arnold (1921-2006) und Gustav Holst (1874-1934). In Holsts Doppelviolinkonzert präsentieren sich die beiden jungen Geiger Anik Stucki und Yacin Elbay als Solisten. Beide sind ehemalige Mitglieder des Jugendorchesters Köniz und befinden sich inzwischen im Violinstudium. Das Projekt verbindet damit einerseits die englische mit der schweizerischen Kultur, anderseits das Schaffen etablierter Künstler mit jenem von jungen aufstrebenden Talenten.
Mit diesem Konzertprogramm wird das Jugendorchester Köniz auf Tournee nach England, mit Konzerten in Liverpool und London, gehen.
Konzertprogramm
Joachim Raff (1822 – 1882): Suite „Aus Thüringen“, Sätze 1,2 und 5, 1877
In einem Brief an Peter Tschaikowsky gestand der einflussreiche Dirigent und Pianist Hans von Bülow: „Sie sind einer der fünf unter meinen Zeitgenossen, die ich für die ausgeprägtesten Individualisten halte. Die vier anderen sind Brahms, Raff, Rheinberger und Camille Saint-Saëns.“ Dass der in Lachen im Kanton Schwyz geborene Komponist Joachim Raff in dieser Aufzählung auftaucht mag aus heutiger Sicht erstaunen. Dabei war Raff zu seiner Zeit einer der meistgespielten Sinfoniker in Deutschlands und wurde von Komponisten wie Felix Mendelssohn und Franz Liszt gefördert – letzterem assistierte er auch in Weimar. Dass Raff so rasch nach seinem Tod in Vergessenheit geriet mag vielleicht daran liegen, dass er eine riesige Anzahl von Werken hinterliess (unter anderem 11 Sinfonien), die sich qualitativ nicht alle auf demselben Niveau bewegen. In seinen ambitionierten Werken zeigt sich Raff jedoch als Meister der Instrumentation und besticht durch einen souveränen Umgang mit musikalischen Formen. Seine fünfsätzige Hommage an Thüringen, wo er fünf Jahre lebte und zahlreiche seiner Werke uraufführen liess, gehört sicherlich zu jenen Glanzstücken aus dem Raffschen Oeuvre. Im ersten Satz „Salus Intrantibus“, werden die wir am Eingang des Schwarza-Tales begrüsst. Es handelt sich um eine lebendige und farbige Pleinair-Musik mit einem grossen, von Bläsern dominierten Finale. Der zweite Satz ist der heiligen Elisabeth gewidmet, der Patronin Thüringens, welcher auch Franz Liszt ein Oratorium widmete. Es ist eine innige und lyrische Musik mit einer ausgeklügelten Spiegelform. Im fünften Satz, der ursprünglich „Beim Vogelschiessen“ heissen sollte – der Herausgeber änderte den Namen des Satzes eigenmächtig und wählte den Titel „Ländliches Fest“ – wird ein buntes, fröhliches Treiben beschrieben. Der Satz oszilliert zwischen verspielten, leichten Motiven und rustikalen Themen.
Moritz Achermann (*1991): Scarabeus Sacer – Symphonische Dichtung Nr. 1, 2012 Uraufführung
Der Scarabeus Sacer, der heilige Pillendreher, ist nicht bloss ein Käfer, der Amulette ziert und in der Hieroglyphenschrift zu finden ist. In der alt-ägyptischen Mythologie schiebt der Skarabäus jeden Tag die Sonnenkugel über den Horizont und bestimmt somit auch den Lauf der Zeit. Ein scheinbar ewiger Zyklus. Schauen wir auf andere Kulturen und Mythologien, so betonen wir gerne deren Verschiedenheit von unserem teleologischen Weltbild. Wiedergeburt und Weltenzyklen sind Paradigmen für fremdes Denken. Doch können wir das Lineare so deutlich vom Zyklischen trennen? Im Sinne von Heraklits panta rhei-Formel könnten wir doch sagen, der Skarabäus kommt zwar jeden Tag wieder an die gleiche Stelle, doch diese Stelle ist nicht mehr die Gleiche. Die symphonische Dichtung Scarabeus Sacer beschäftigt sich mit der Frage nach dem Verhältnis von Zyklik und Linearität und erzählt gleichzeitig programmatisch und tonmalerisch vom Gang des Skarabäus. Sie gliedert sich in drei in einander übergehende Abschnitte. Der erste Teil beschreibt das Chaos, im griechisch-antiken Sinne, als Nichts in dem alles in Ansätzen vorhanden ist. Der Skarabäus erhebt sich und beginnt seinen Lauf. Im zweiten Teil – dem Duat (der ägyptischen Unterwelt) – wird der anstrengende und schmerzvolle Aufstieg geschildert bis dann im dritten Teil der Zenit erreicht wird. Dieser Teil ist überschrieben mit „Der Lotos“, dem Symbol des Übergangs vom gestaltlosen Chaos zum strahlenden Kosmos. Am Ende schliesst sich der Kreis und der Skarabäus kehrt zum Ausgangspunkt zurück, denn Entwicklung ist, um den Schweizer Literaten Christoph Geiser zu zitieren: „Nur ein Zirkelschluss, den Kreis, die Weltenschlange, die sich ums Ei legt. Die Ewigkeit im Blick! Die Ewigkeit im Rücken.“
Gustav Holst (1874-1934): Doppelkonzert für zwei Violinen und Orchester op. 49, 1929
Als eigensinniger und unabhängiger Komponist schuf sich Gustav Holst eine unkonventionelle, eigene Musiksprache. Dies verhalf ihm dazu, sich bei den wichtigsten englischen Komponisten des 20. Jahrhunderts einzureihen – heute kennt man ihn vor allem für seine Orchestersuite „The Planets“. Das Doppelkonzert für zwei Violinen und Orchester schrieb Holst 1929 für die Schwestern Adila Fachiri und Jelly D’Aranyi. Das dreisätzige Werk lebt von kompositorischen Spielereien: Holst überlagert verschiedene Ton- und Taktarten in den Solostimmen, verarbeitet Zitate aus dem eigenen Werkfundus und bedient sich kompositorischen Techniken sowohl aus der Renaissance als auch aus der zeitgenössischen Musik. Hätte man ihn selbst nach seinen Absichten und Arbeitstechniken in diesem Werk gefragt, hätte er vermutlich geantwortet: “a composer is usually quite unconscious of what is going on”.
Malcolm Arnold (1921 – 2006): Four Scottish Dances op. 59, 1957
„To hold a listener's attention throughout a whole work is a major problem“ - in seinen Four Scottish Dances aus dem Jahr 1957 gelingt dies dem britischen Komponisten Malcolm Arnold jedoch problemlos. Die vier Stücke, inspiriert von traditionellen schottischen Volksliedern und Tänzen, bilden das Land auf vielseitigste musikalische Art ab. Während die Klänge und Rhythmen im ersten Satz an einen Dudelsack erinnern, entführt einen der zweite Satz in das abendliche Treiben in einem Pub – die Begegnung mit einem Angetrunkenen inklusive. Der dritte Satz bildet den ruhigen Gegenpol zum lebendigen Treiben der ersten beiden Sätze. Wie Arnold selbst schrieb, beschreibt dieser Satz die sommerliche Morgenstimmung in der Landschaft der Hebriden. Einen fulminanten Abschluss verspricht danach der vierte Tanz: zwar dauert er nur knapp eineinhalb Minuten, lässt jedoch weder den Musikern noch dem Publikum kaum Zeit zum Innehalten und Luftholen.