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Im Herbst 2015 kommt das Firmenarchiv Baerlocher & Co. als Schenkung der Familie an das Textilmuseum St. Gallen. Die Muster, Entwurfszeichnungen, Vorlagen und Musterbücher bieten einen Querschnitt durch die Produktion des Betriebes von seinen Anfängen 1868 bis zu seiner Schliessung Ende des 20. Jahrhunderts. Die Produktpalette veränderte sich im Lauf der Zeit und bildet eindrücklich die mannigfaltigen Strategien zur Überwindung der diversen Wirtschaftskrisen ab: Konzentriert sich die Produktion zu Beginn auf Kettenstich-Stickereien vor allem für Vorhänge, wird in den 1920er-Jahren auf gewobene Gardinen umgestellt. Dann werden Kleiderstoffe, technische Gewebe und Taschentücher hergestellt. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs bricht der Export ein und man erweitert das Sortiment um Regenmäntel und Skibekleidung für den Inlandsmarkt. Mit Aufschwung des Aussenhandels nach 1945 erfolgt zusätzlich die Herstellung von Feingeweben für Wäsche, bedruckten und buntgewobenen Batisten und Hemdenstoffe für Übersee.
Nach einer Triage des Materials im Vorfeld erfolgt 2016 die Inventarisierung und Bearbeitung des immer noch fast 200 Archivboxen umfassenden Bestandes. Die für 2017 geplante neue Ausstellung zur Textilgeschichte der Ostschweiz baut massgeblich auf dem Firmenarchiv Baerlocher auf und gibt Einblick in eine Firma, die zu Ihren Glanzzeiten zu den besten Stickereiproduzenten der Schweiz zählte.
Die Sammlung historischer Gewebe am Textilmuseum St. Gallen umfasst insgesamt rund 3.500 Objekte von hochwertigen Mustern des Mittelalters bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Von Beginn an betreibt das Museum den Aufbau der Gewebe-Sammlung systematisch, und erwirbt sowohl historische als auch zeitgenössische Musterstücke: 1883 kauft es ein grosses Konvolut historischer Gewebe aus dem Besitz Friedrich Fischbachs. Knapp 20 Jahre später kommen durch die Schenkung Leopold Iklés weitere Stücke ans Haus. Die Ankäufe der Sammlungen John Jacoby (1954) und Charlotte Bing-Hübner (1976) runden den Bestand ab. Einen weiteren wichtigen Zugang stellt die Schenkung der Firmensammlung Grauer Frey im Jahr 1983 dar. Zehn Jahre später schenkt die Schweizerische Textilfachschule (STF) dem Textilmuseum St. Gallen die 1.800 Objekte umfassende Studiensammlung der Seidenwebschule Zürich.
Ziel des Projektes ist es, zwischen Sommer 2016 und Herbst 2018 alle Gewebe digital zu erfassen und zu bearbeiten. Eine repräsentative Auswahl wird in den Online-Katalog auf der Homepage des Museums aufgenommen, die Sammlung der Seidenwebschule zusätzlich in die Datenbank des Silk Memory Projektes der Hochschule Luzern /Textildesign eingespielt. Ermöglicht wurde das Projekt durch die Unterstützung von Seiten der Zürcher Seidenindustriegesellschaft, der Metrohm Stiftung, der Steinegg Stiftung, der Vontobel Stiftung und der Hans und Wilma Stutz Stiftung.
Die Sammlung historischer Spitzen am Textilmuseum St. Gallen zählt zu einem der bedeutendsten Bestände weltweit. Sie umfasst rund 6.500 Objekte. Mit hochkarätigen Beispielen vertreten sind die wichtigsten Zentren der europäischen Spitzenproduktion wie Italien, Holland, Belgien, Deutschland und Frankreich.
Die Sammlung umfasst alle Techniken der Handspitzen vom 16. bis ins 20. Jahrhundert und gibt einen repräsentativen Überblick über die Geschichte der Spitzenproduktion. Ihre Bedeutung liegt aber auch darin, dass sie als Vorlage für die in der Zeit um 1900 als „St.Galler Spitze“ vermarktete Maschinenstickerei dient. Der Siegeszug der Ostschweizer Textilindustrie wäre ohne diese Vorlagen nicht möglich gewesen handelt es sich bei der „St. Galler Spitze“ doch zum Teil um detailgetreue Kopien historischer Spitzen auf der Schifflistickmaschine.
Die Spitzen stammen aus Firmenarchiven und von Sammlern wie Isidor Grauer Frey, Otto Alder, Leopold Iklé oder John Jacoby. 1976 wird die Sammlung der deutsch-schweizerischen Textilexpertin Charlotte Bing Hübner angekauft und seit 1963 befindet sich die Sammlung von Carolina Maraini-Sommaruga als Depositum des Bundes im Textilmuseum St. Gallen.
Ziel ist es, zwischen Sommer 2016 und Herbst 2018 alle Spitzen digital zu erfassen und zu bearbeiten. Eine repräsentative Auswahl wird in den Online-Katalog auf der Homepage des Museums aufgenommen. 2018 werden die Ergebnisse des Projektes in einer Ausstellung vorgestellt. Das Projekt wird mit Unterstützung der Stiftung Ostschweizerische Stickfachschule St.Gallen, der Iklé Frischknecht Stiftung, der Sophie und Karl Binding Stiftung und der Kulturförderung des Kantons St. Gallen durchgeführt.
1988 erhält das Textilmuseum St. Gallen das Textil-Archiv der Firma Fritz Rau & Co. Es belegt die Produktion dieses wichtigen Ostschweizer Produzenten für den Zeitraum 1900-1947. Der Bestand dokumentiert exemplarisch die Hochblüte, Krise und Neuorientierung der örtlichen Textilindustrie und die Neuorientierung der Branche nach 1930: Die Firma, gegründet knapp nach 1900, produzierte zu Beginn Stickereien für die Haute Couture in Rom, Paris und New York. Dann erfolgte die Umorientierung auf Weissstickereien für den Wäschebereich. Der Betrieb steht also für die beiden für die Ostschweiz wichtigsten Textilprodukte. Das Rau-Archiv besteht aus rund 7.200 Laschen mit 20.000 Mustern von Maschinenstickerei hervorragender Qualität, Geschäftsunterlagen, und Photos. Sie werden jetzt Schritt für Schritt digitalisiert und bearbeitet und die Ergebnisse des Projektes öffentlich zugänglich gemacht. Mit freundlicher Unterstützung der Dr. Fred Styger Stiftung Herisau, der UBS Stiftung und der Kulturförderung des Kanton St.Gallens.
Das Textilmuseum St. Gallen hat eine Dokumentationsstelle der international vorhandenen Informationen zur weltweit bekannten Sammlungstätigkeit Leopold Iklés (1838-1922) errichtet. Dank der grosszügigen Unterstützung der Iklé-Frischknecht-Stiftung konnte 2007 mit der Realisierung dieses Projektes begonnen werden.
Als St. Galler Stickereifabrikant kaufte Leopold Iklé anfänglich textile Vorlagen für die Produktion seiner Firma. Aus diesem zweckorientierten Zusammentragen entwickelte er sich zum profunden Kenner und leidenschaftlichen Sammler historischer Textilien. Den ersten Teil seiner Sammlung schenkte er 1904 dem damaligen Industrie- und Gewerbemuseum (heute Textilmuseum). Iklé setzte seine Sammlungstätigkeit jedoch fort und baute eine weitere Sammlung auf. Nach Iklés Tod wurde der Grossteil dieser zweiten Sammlung 1923 im Zunfthaus zur Meise, Zürich, versteigert und im Auktionskatalog publiziert. Die Sammlung wurde an Privatsammler und Museen verkauft und zerstreute sich in die ganze Welt. Leopold Iklés Neffe, John Jacoby (1869-1953) ersteigerte die Mehrheit der damals angebotenen Textilien, welche das Textilmuseum 1955 wiederum erwerben konnte. Im Inventar des Kompetenzzentrums sind unterdessen 940 Objekte dieser zweiten Sammlung Iklés, welche sich heute nicht im Textilmuseum St. Gallen befinden, erfasst. Soweit bekannt, ist auch der Sammlungsnachweis aufgeführt. Im Inventar des museumseigenen Bestandes sind zur Zeit 1350 Objekte der ersten und zweiten Sammlung Iklés digital erfasst. Ziel ist, diese Daten des Kompetenzzentrums via Internet der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Dieses Projekt wird mit freundlicher Unterstützung der Iklé-Frischknecht Stiftung realisiert.
Die Hochschule Luzern – Design & Kunst arbeitet seit 2012 mit finanzieller Unterstützung der Zürcherischen Seidenindustrie-Gesellschaft (ZSIG) im Rahmen des Projektes Silk Memory am Aufbau eines digitalen Textilarchivs. Es dient Forschenden, Studierenden und DesignerInnen als Recherchetool und gibt gleichzeitig Einblick in die Kreativität und Produktivität von Textilentwerfern der letzten 150 Jahre. Die Datenbank lässt die gezielte Suche zu unterschiedlichsten Mustern und Motiven zu.
Das Textilmuseum St. Gallen beteiligt sich an dem Projekt mit ausgewählten Seidenstoffe, die einst Teil der Vorlagensammlung der Seidenwebschule Zürich waren und vor 20 Jahren dem Museum geschenkt wurden.
Das Textilmuseum St. Gallen beteiligt sich seit 2014 an dem von Prof. Hans B. Thomsen, Kunstgeschichte Ostasiens, Universität Zürich, initiierten Projekt Zagai-hihô – Hidden Treasures outside East Asia. Ziel des Projektes ist es, Objekte aus China, Korea und Japan, die sich in Schweizer Sammlungen befinden, online zugänglich zu machen. 65o Objekte aus der Sammlung des Textilmuseums werden erstmals systematisch aufgearbeitet und die Daten in die Projektdatenbank einfliessen. Als Vorlagensammlung zeigt der St. Galler Bestand ein schweizweit einzigartiges Profil, da auch zahlreiche Hybride, in denen westliche Einflüsse nachweisbar sind, enthalten sind.
Erfasst werden die wichtigsten Daten wie Herstellungsland, ursprünglicher Besitzer, Datierung und Technik. Ergänzend wird eine kurze Beschreibung der Objekte verfasst, die Angaben zur Motivik und Symbolik beinhaltet. Erste Ergebnisse der Untersuchung wurden bereits in der Ausstellung Kirschblüte & Edelweiss Der Import des Exotischen gezeigt und im gleichnamigen Ausstellungsbegleitband, erschienen bei Hier und Jetzt, publiziert.
Im Rahmen des Projektes Zagai-hihô arbeitet das Textilmuseum St. Gallen mit Experten aus Japan, Deutschland und Kanada zusammen. Kooperationspartner: Kunstmuseum der Provinz Mie, Nationalmuseum für japanische Geschichte, Universität Kyoto, Kyoto Costume Institute, Universität Tokyo, Walter Bruno Brix (Köln), Universität Toronto.
Mit Beginn der Ausstellung Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode Ende Oktober 2016 wurde ein Besucherbefragungsterminal im Eingangsbereich der Lounge des Textilmuseums installiert. Abgefragt werden Bewertungen des Museums und seiner Ausstellungen. Des Weiteren werden Erkundigungen nach persönlichen Vorlieben im Zusammenhang mit Ausstellungsthemen und Vermittlungsformen im Museum eingeholt. Ebenfalls von Interesse ist das Profil der Besucher betreffend Alter, Geschlecht, Herkunft etc. Ein ganz besonderes Anliegen sind uns persönliche Meinungsäusserungen zu den Angeboten des Museums.
Die Befragung wird selbstverständlich anonym durchgeführt. Ziel der Aktion ist die Optimierung der Programme und Ausstellungen des Textilmuseums St. Gallen in Hinblick auf die Besucherfreundlichkeit des Angebots. Die Befragung wird voraussichtlich über einen Zeitraum von drei Jahren durchgeführt werden.
Der gebürtige Deutsche Friedrich Fischbach (1839 – 1908) nahm mit seinen Vorlagenwerken, allen voran dem Tafelwerk «Ornamente der Gewebe», massgeblich Einfluss auf die Entwicklung des Textildesigns am Ende des 19. Jahrhunderts.
Er absolvierte an der Akademie für Industriedesign in Berlin die Ausbildung zum Textilentwerfer. Ab 1862 arbeitete er in Wien unter anderem für das Museum für Industrie und Gewerbe (heute MAK Museum für Angewandte Kunst). Danach übersiedelte er nach Hanau und unterrichtete dort an der Königlichen Akademie. Zwischen 1883 und 1888 leitete er Zeichnungsschule in St. Gallen, wo er das Ausbildungscurriculum für Textilentwerfer um Spezialkurse und um Unterricht in Ornamentik und Stillehre erweiterte.
Im Laufe der Jahre hatte Fischbach eine umfangreiche Sammlung von Textilien angelegt. Sie bildete die Basis seiner Vorlagenwerke, deren Ziel es war, zu guten, zeitgenössischen Entwürfen anzuregen, die von mittelalterlichen Entwürfen inspiriert sein sollten. Diese Gewebesammlung verkaufte er 1883 dem Textilmuseum St. Gallen. Weitere Stücke kamen nach seinem Tod an das Metropolitan Museum in New York.
Weder über die Begleitumstände des Ankaufs, der einen wichtigen Sammlungsbestand des Textilmuseums bildet, noch über Fischbachs Tätigkeit als Lehrer in St. Gallen ist bisher viel bekannt. Im Rahmen eines Forschungsprojektes werden nun die Akten des Kaufmännischen Directoriums aufgearbeitet, mit dem Ziel, den Lehrer und Sammler Friedrich Fischbach in seiner St. Galler Zeit greifbar zu machen.