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Rezension
Pallas Athene, griechische Göttin der Klugheit, ist die Namenspatronin des Schuhgeschäfts der Frieds in Ulm. Der ursprüngliche Name, Schuh-Palast, war der Konkurrenz schon bei der Gründung 1914 ein Dorn im Auge. Franz Fried, der Grossvater der Autorin, löst das Problem, indem er listig zwei Buchstaben ändert. Fried, ein Österreicher jüdischer Abstammung, ist zwar zum Christentum konvertiert und mit einer deutschen Arierin verheiratet, aber dennoch attaktieren ihn die Nazis ab 1933 immer perfider. Den Boykott der jüdischen Geschäfte versuchen die Frieds zu umgehen, indem sie den Laden auf die Ehefrau umschreiben und sich am Ende sogar pro forma scheiden lassen. Der couragierte Franz Fried wehrt sich zwar heldenhaft, wird am Ende aber doch ins Konzentrationslager gebracht und überlebt nur durch einen Zufall. Viele andere Verwandte kommen in den Lagern um, andere bauen auf fernen Kontinenten neue Existenzen auf.
Auf diese erschütternde Familiengeschichte stösst die bekannte TV-Moderatorin und Autorin Amelie Fried erst Jahre später. Ihr Grossvater und auch ihr Vater weigerten sich zeitlebens, darüber zu sprechen. So macht sich Amelie Fried auf eine akribische Spurensuche, spricht mit den letzten Überlebenden, sucht in Archiven und Gedenkstätten nach Hinweisen über ihre Verwandten. Das Resultat ist ein eindrückliches Zeugnis deutscher Geschichte. Ein ganz wichtiges Buch, das bereits ab 12 Jahren und natürlich auch im Unterricht gelesen werden kann. Amelie Fried schreibt zum Schluss: “Bald gibt es für die Jahre zwischen 1933 und 1945 niemanden mehr, der uns erzählen könnte, wie es damals war. Ich wollte fragen, solange mir noch jemand Antwort geben konnte. Und ich möchte andere, die Fragen haben, ermutigen, sie zu stellen.”
Maja Mores