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Frage | Ich musste meinen Mietvertrag aus persönlichen Gründen leider so rasch wie möglich kündigen und habe dem Vermieter anfangs Juni einen Interessenten vorgeschlagen, der meinen Mietvertrag ab Juli übernommen hätte. Ich selbst bin bereits Mitte Juni ausgezogen und die Wohnung stand seitdem leer und zur Übergabe bereit. Mein Vermieter lehnte den Interessenten jedoch aus finanziellen Gründen ab und ich musste die Miete für Juli und August selbst bezahlen. An der Wohnungsübergabe Ende August staunte ich nun nicht schlecht, als mir der damalige Interessent als neuer Mieter ab September vorgestellt wurde. Ich fühle mich betrogen und erwäge, den Mietzins zurückzufordern. Zu Recht?
Antwort | Unter Umständen ist eine solche Klage tatsächlich erfolgversprechend. Will der Mieter den Mietvertrag vorzeitig auflösen, also ohne Rücksicht auf Kündigungsfrist und -termin, kann er dem Vermieter einen zahlungsfähigen, zumutbaren Nachmieter vorschlagen, der sich bereit erklärt, den bestehenden Mietvertrag unverändert zu übernehmen. Erfüllt der vorgeschlagene Interessent alle drei Kriterien, muss der bisherige Mieter aus dem Mietvertrag entlassen werden, auch wenn sich der Vermieter schlussendlich gegen den Bewerber entscheidet.
Die Tatsache, dass der von Ihnen vorgeschlagene Interessent den Zuschlag doch noch erhalten hat, lässt zwei Erklärungen zu: Entweder, seine finanziellen Verhältnisse haben sich in der Zwischenzeit verbessert, zum Beispiel infolge einer beruflichen Veränderung oder weil ein Solidarschuldner den Vertrag mitunterzeichnete. Oder der Vermieter hat trotz eigener Suche niemand anderen gefunden und akzeptiert den Nachmieter, um einen längeren Leerstand zu vermeiden. Während Ihre Erfolgschancen im ersten Fall etwas schlechter wären als im zweiten, sollten Sie der Sache doch auf den Grund gehen. Versuchen Sie, vom Nachmieter mehr zu erfahren, allenfalls sogar seine schriftliche Bestätigung zu erhalten, wie es zum Vertragsabschluss gekommen ist. Notfalls reichen Sie ein Begehren bei der Schlichtungsbehörde für Miete und Pacht ein. Das Verfahren ist kostenlos und wird Ihnen zumindest Klarheit bringen, idealerweise auch eine Kompromisslösung.
Ich würde mich ganz klar weigern, diese Miete zu bezahlen. Der Vermieter ist nämlich nur dann berechtigt, einen Nachmieter abzulehnen, wenn dieser für ihn nicht zumutbar ist. Nachdem nun aber der Vermieter doch noch einen Mietvertrag mit der vorher abgelehnten Person abgeschlossen hat, wird er sich kaum mehr auf den Standpunkt stellen können, diese sei für ihn als Mieter nicht zumutbar. Der Vermieter ist somit selbst dafür verantwortlich, dass der Mietvertrag erst per Juni zu Stande gekommen ist, und hat entsprechend die finanziellen Folgen zu tragen.
Rechtsfragen können gestellt werden an: Marianne Wehrli, Rechtsanwältin, Laurenzenvorstadt 79, Postfach 4227, 5001 Aarau,
E-Mail: <email-pii>