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Wo wohnt Gott ?
Diese Frage stellt Christa Schwemlein auf ihrem Blog >>Beitrag auf ver-rueckt.net
Eine kleine Geschichte dazu:
Eines Tages kam ein junger Mann zu einem alten Heiligen, der in einer kleinen Bambushütte am Fluss wohnte. Die schlichte Atmosphäre dieser Behausung wirkte beruhigend auf das Gemüt des Besuchers, und er genoss die Gesellschaft des heiligen Mannes ausserordentlich. Als es dann für ihn Zeit war zu gehen, bat er seinen Gastgeber, eine für ihn sehr wichtige Frage stellen zu dürfen.
«Natürlich, mein Sohn», erwiderte der alte Mann.
«Wo kann ich Gott finden ?»
Der Heilige lächelte. «Das ist nicht gerade eine einfache Frage. Gestatte mir, darüber nachzudenken. Komm morgen wieder, und ich werde sie beantworten. Und bring bitte ein Glas Milch mit.»
Der junge Mann war ein wenig verwundert ob dieses Ansinnens, kehrte aber am darauf folgenden Tag mit dem Gewünschten in die Hütte zurück.
Der Heilige dankte ihm und goss die Milch in seine Bettlerschale. Dann tauchte er die Hand hinein, zog sie wieder heraus, und als die Flüssigkeit zwischen seinen Fingern hindurchrann, runzelte er die Stirn und wiederholte das Ganze mit dem gleichen Resultat.
Der junge Mann beobachtete ihn verblüfft, sagte jedoch nichts. Er wünschte nur, der Heilige würde mit dieser Albernheit aufhören und sich der Beantwortung seiner Frage zuwenden.
Wieder und wieder fuhr der alte Mann mit den Fingern durch die Milch, zog gele¬gentlich die Hand heraus und starrte auf ihre Innenfläche. Wenn er sah, dass sie leer war, begann er erneut, in der Schale herumzufischen.
Schliesslich riss dem jungen Mann der Geduldsfaden. «Guruji, wonach sucht Ihr denn ?»
«Ich habe gehört, dass die Milch Butter enthält», antwortete der Heilige. «Und danach suche ich.»
Da konnte der junge Mann nicht mehr an sich halten und brach in herzhaftes Gelächter aus. «Aber so doch nicht ! Die Butter ist nicht von der Milch getrennt, sie ist ein Teil von ihr. Ihr müsst die Milch so lange umrühren, bis Butter daraus wird.»
«Sehr gut», sagte der Heilige. «Ich glaube, da hast du die Antwort auf deine Frage.» Und er trank die Schale Milch in langen Zügen leer. «Nun geh und rühre die Milch deiner Seele um, bis du Gott gefunden hast.»
Quelle: Harish Johari: „Die Affen und der Mangobaum“, Seiten 39-40, O.W. Barth Verlag, 2000