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Der Turmhof
*Der Turmhof von Steckborn wurde von Diethelm von Castell, Abt der Reichenau, erbaut. Dieser brachte von 1306 -1343 mit kräftiger Hand die zerrütteten Verhältnisse der Abtei in Ordnung, zog sich aber viele Feindschaften zu und baute deshalb in dem ummauerten Städtchen Steckborn für sich und seine Ministerialen einen festen Turm mit einem Eingang vom See her, worin sie in Kriegsnöten Schutz finden konnten. Der Turm stand als Abtswohnung nicht unter der Stadtordnung; er war frei von Steuern und Zöllen und besaß das Asylrecht, d. h. jeder Verbrecher oder Verfolgte, der das stets offene Tor erreichte, durfte sechs Wochen und drei Tage unbehelligt bleiben.
Der Turmhof diente den Äbten zeitweilig als Residenz, von 1380 -1521 war er Amtswohnung der Ammänner der Reichenau. Durch Urteil vom 16. Mai 1521 wurde der Turm unter die Hoheit der regierenden sieben Orte gestellt. Von 1458 -1639 war er in Privatbesitz; zuerst kam er an Ammann Konrad Ruch, von 1488 -1601 gehörte er der Familie Deucher, dann Domherrn Hüetlin und von 1613 -1629 dem Johann Ulrich Gratios von Wyden, einem Württemberger von etwas zweifelhaftem Ruf. Letzterer ließ den Turmhof umbauen und über dem Tor sein Wappen anbringen. Der letzte Privatbesitzer, Ulrich Deucher, Gastwirt zum Löwen, verkaufte 1639 den Hof an die Stadt Steckborn unter der Bedingung, daß er niemals verkauft oder verpachtet werde. Die Stadt änderte die Inneneinrichtung und vermietete das Haus an sechs Familien. Im 19. Jahrhundert diente es von 1842 an als Armenanstalt und zu diesem Zwecke trat 1902 die Bürgergemeinde den Turmhof an die Kirchgemeinde ab, die ihn unter Wahrung der äußern Form im Jahr 1922/23 restaurieren ließ.
Der Turmhof hat vier Stockwerke und ist mit einer Kupferhaube bedeckt, aus der sich vier achteckige Spitztürmchen entwickeln. Das im Dreiviertelskreise vorspringende Treppenhaus wurde 1619 von Gratios erstellt; es enthält eine bis zum Dach führende steinerne Wendeltreppe. Im Innern ist von dem einstigen reichenauischen Wohnsitz nichts mehr vorhanden. **Die äußere Restauration kann als sehr gelungen bezeichnet werden; der Verputz wurde entfernt und die grossen Blöcke und „Bollen" sauber ausgefugt, so daß nun der Turmhof von der Landstraße und ganz besonders vom See aus einen schönen, wuchtigen Anblick gewährt.(Bericht von 1932)
*Unterdessen geht man davon aus, dass der Bauherr des Turmhofes der Reichenauer Abt Albrecht von Ramstein (wahrscheinlich 1282) gewesen ist.
Abt Diethelm von Kastell wird eine Umgestaltung zugeschrieben.
**1976-81 wurde bei der Aussenrenovation die Fassade wieder verputzt