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Eine Woche vor der Stichwahl in Peru galt er noch als sicherer Verlierer. Zu wenig Sympathie schlägt ihm im Andenland entgegen. Doch am Ende gewann der 77-jährige neoliberale Finanzexperte Kuczyinski Godard äusserst knapp gegen die Rechtspopulistin Keiko Fujimori. Am 28. Juli wird er Präsident Perus werden.
Aus dem Finanz-Milieu
Der Sohn eines vor dem Nazi-Regime geflüchteten Berliner Tropenarztes und einer französischen Lehrerin studierte in Oxford und Princeton und arbeitete in leitenden Positionen in internationalen Finanzinstitutionen und Konzernen.
Der französisch-schweizerische Filmregisseur Jean-Luc Godard ist sein Cousin, die US-Schauspielerin Jessica Lange ist Cousine seiner zweiten Ehefrau, die er während seiner langen Jahre in den USA kennenlernte.
Klare Niederlage in der ersten Runde
Kuczyinski stellte sich als welterfahrener Kandidat zur Wahl, hatte aber Schwierigkeiten, die ärmeren Bevölkerungsschichten des Andenlandes anzusprechen. Die Folge: In der ersten Wahlrunde lag Kuczynski mit 21 Prozent der Stimmen weit hinter Fujimoris 40 Prozent.
Vor fünf Jahren hatte es sogar nur für Platz drei gereicht. Damals unterstützte er in der Stichwahl Fujimori gegen den späteren Wahlsieger Ollanta Humala, den er des Linkspopulismus bezichtigte.
Politische Gewandtheit
Kuczynski war mehrfach Minister in den Bereichen Finanzen, Wirtschaft und Energie und unter der Präsidentschaft Alejandro Toledos (2001-2006) sogar ein Jahr lang Ministerpräsident. Als Regierungschef zeigte er politische Gewandtheit und förderte erfolgreich Auslandsinvestitionen.
Doch er stiess mit seiner Politik der Steuervergünstigungen für Unternehmen auch auf harte Kritik. In seinem jetzigen Regierungsprogramm setzt Kuczynski wieder auf eine Erleichterung der Auflagen für Investitionen. Die Wirtschaft sei zu einseitig auf die – jetzt schwächer laufenden – Erzexporte nach China ausgerichtet, es müssten rasch neue Marktbereiche erschlossen werden, vor allem die Agrarindustrie und der Tourismus.
Kleineres Übel
Gewählt wurde Kuczynski aber nicht so sehr wegen seines politischen Programms, sondern vor allem als kleineres Übel – wegen der grossen Ablehnung, auf die Keiko Fujimori in weiten Teilen der Bevölkerung stösst. Hinter ihm stellte sich bei der Stichwahl ein breites Bündnis bis hin zu der ihm bis dahin völlig fremden Linken, angeführt von Verónika Mendoza, die als dritte in der ersten Wahlrunde 18 Prozent der Stimmen erlangt hatte. Dieses «widernatürliche Bündnis» reichte am Ende.
Vom Alter her könnte Kuczynski der Vater Fujimoris sein. Die Anhänger der 41-jährigen Tochter des – wegen Korruption und des Einsatzes von Todesschwadronen inhaftierten – Altpräsidenten Alberto Fujimori hielten ihm seine 77 Jahre auch immer wieder vor. Er antwortete, für Fujimori wäre die Präsidentschaft ihr erster Job. Für ihn werde es dagegen der letzte sein, für den er bereit sei, sich aufzuopfern.