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Rolfing - SI
Auf dem Bild sehen Sie drei verschiedene Körperformen. Links steht ein Mensch, dessen Becken klar nach vorn gekippt ist und der Rumpf mit einer übermässigen Rundung zurückfällt. Bei der Person rechts ist das Becken nach hinten gekippt, der Rumpf fällt zusammen oder reagiert mit Überstreckung. Diese innere Form und Anordnung nennen wir Struktur. Diese Struktur ist eine über lange Zeit entwickelte, verfestigte Form des Körpers, während Haltung eine temporär eingenommene Aufrichtung ist. Die innere Struktur ist Grundlage für jegliche Haltung und die Art und Weise von Bewegung. In der Mitte im Bild sehen Sie diejenige Körperstruktur, die die beste Ausgangslage für anstrengungsfreie Aufrichtung und ökonomische Bewegung ist.
Was bindet die Körperteile zusammen und wo setzt der /die RolferIn mit den Händen an? Ein Netzwerk von Bindegewebe durchzieht den ganzen Körper von Kopf bis Fuss. Es verbindet, stützt, bringt Nahrung, speichert Energie und ist durch seine Elastizität massgeblich an der Bewegung beteiligt. Wir haben vor allem das muskuläre Bindegewebe, die Faszien im Auge. Sie umhüllen Muskeln und Organe, verbinden Knochen miteinander und packen die ganze Oberfläche des Körpers ein. Auf die Verschiebungen der Körperstruktur, reagieren diese Bindegewebsfaszien mit Verkürzungen, Verklebungen und Verspannungen. So wie ein Zelt, dessen Schnüre auf der einen Seite zu stark, auf der anderen Seite zu schwach gespannt sind. Das Bindegewebe verliert an Geschmeidigkeit und Muskeln müssen mit Fehlspannung dessen Aufgabe übernehmen.
Das Geniale an Ida Rolfs Entdeckung war der Bezug des Körpers zur übergeordneten Schwerkraft. Diese physikalische Gesetzmässigkeit, gut spürbar an unserem eigenen Körpergewicht, hat eine formgebende Wirkung auf unseren ganzen Organismus; es liegt an uns, dieser Kraft Platz zu machen. So lautet die Frage: Wie muss der menschliche Körper gebaut sein, seine räumliche Struktur aussehen, damit die Schwerkraft eine positive Ordnungsfunktion übernehmen kann. Stellen wir uns gegen die Schwerkraft, haben wir mit dauernder Anstrengung und Kraftverlust zu kämpfen.