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über Klezmer und Jiddisch
Der Ursprung des Klezmer (von hebräisch „k’li“ für Werkzeug, Gefäss, Instrument und „zemer“ für Lied und Melodie) liegt in Osteuropa, im sogenannten Schtetl; Dörfer und kleine Städte mit sehr hohem jüdischen Bevölkerungsanteil, welche im Spätmittelalter entstanden sind, als die Juden Mitteleuropas, die so benannten Aschkenasim, wegen den nie nachlassenden Verfolgungen und Pogromen nach Weissrussland, Litauen, Rumänien, Moldawien, Polen und in die Ukraine flohen.
Sie nahmen nicht nur ihr Hab und Gut mit, sondern vor allem auch ihre Kultur und Traditionen in Form der Musik und der Sprache.
Diese mit zahlreichen hebräischen, aramäischen, ja sogar romanischen Ausdrücken angereicherte Sprache des Mittelhochdeutschen, bald als JiddischDaitsch, oder kurz Jiddisch bekannt, zu der die im Laufe der Zeit auch slawischen Sprachelemente dazu kamen, wurde zur Alltagssprache der jüdischen Bevölkerung untereinander neben der jeweiligen Landessprache.
Die Musik bestand aus den geistlichen Gesängen der Synagoge, wo keine Instrumente erlaubt waren und dem instrumentalen Musizieren bei Hochzeiten und anderen Festen des jüdischen Jahreszyklus. Die von Schtetl zu Schtetl fahrenden Musikanten, die Klezmorim, schufen eine durch diese beiden musikalischen Elemente geprägte Musik und verwoben das Ganze mit den Melodien und Rhythmen von Volksliedern und Tänzen der osteuropäischen Kulturen. So entstand ein einzigartiger Musikstil, der nicht nur auch bei vielen nichtjüdischen Anlässen beliebt war, sondern seine Faszination bis heute nicht verloren hat.
Robert Braunschweig
Instrumentarium
Die wichtigsten Klezmer-Instrumente sind das Tsimbl (Hackbrett), die Geige und die Klarinette. Üblich waren Kombinationen wie Geige, plus Bassinstrument wie Cello oder Kontrabass plus Tsimbal und Klarinette. Später kamen noch Baßtrommel und Becken und im 19. Jahrhundert auch einige Blechblasinstrumente wie Trompeten, Posaunen und Althörner sowie Querflöten hinzu. Die Größe der "Kapeljes" schwankte, mal musizierten fünf, mal musizierten vierzehn oder mehr Klezmorim zusammen.
Im Amerika der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts verdrängte die Klarinette die Geige als Melodieinstrument. Jetzt spielte die Klarinette und/oder das Saxophon die Melodien, mit dabei auch Trompete, Klavier und Schlagzeug. Heute findet man die unterschiedlichsten Besetzungen, bis hin zum Klezmer, der zusammen mit einem symphonischem Orchester gespielt wird.
Quelle: BR-Klassik, Sendung „Mittagsmusik“, Ilona Hanning
musikalische Merkmale
Klezmer-Musik ist eng mit dem Gesang in den Synagogen verbunden und dem jüdischen Gesang im allgemeinen verbunden. Das berühmte "Schluchzen" in der Musik rührt daher. Zudem schwanken die Melodien meist zwischen Dur und Moll, denn sie basieren auf verschiedene Tonleitertypen, den "Gustn", die dem Musiker etliche Freiheiten lässt: es gibt eine Anzahl von Tönen, die erhöht oder erniedrigt werden dürfen, je Motiv und Melodie und Geschmack des Musikers.
Ein wesentliches Merkmal ist auch die freie Improvisation; die Melodien werden auf bestimmte Art phrasiert und mit Trillern, Pralltrillern, Nachschlägen, Glissandi, Portamenti etcetera verziert.
Das Wissen um die alten Melodien und ihre Verzierungen wurde früher mündlich weitergegeben, durch Vorspielen-Nachspielen. Erst im 19. Jahrhundert spielten einige Musiker nach Noten ("Bicher"): die Melodien waren notiert, sie waren mehr oder weniger eine Gedächtnisstütze. Die Verzierungen und Ausschmückungen wurden nicht niedergeschrieben.
Die Klezmermusik hat im Laufe der Zeit immer verschiedenste musikalische Einflüsse integriert, auch heute noch, dadurch ist die Klezmer-Szene bunt und vielfältig.
Quelle: BR-Klassik, Sendung „Mittagsmusik“, Ilona Hanning