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Die Entscheidung sein Tier gehen zu lassen, ist eine der schwersten. Denn in diesem Moment übernimmt man die Verantwortung für ein Wesen, das selber nicht die Möglichkeit hat sich mitzuteilen. Diese Last ist riesig und wirft oft viele Fragen auf. Wie lange soll oder darf man warten? Welches sind die Gründe für eine solche Massnahme? Entspricht die Entscheidung dem Wohl des Hundes? Will man sein Tier in seinem Zuhause oder in der Praxis sterben lassen?
Diese Fragen möchte ich Euch gerne so gut wie möglich im folgenden Blog beantworten.
Wann ist der beste Zeitpunkt und welches sind die Argumente?
Grundsätzlich möchte (fast) jeder Hundebesitzer, dass sein treuer Begleiter auf seinem letzten Weg nicht leiden muss. Nicht jeder handelt leider auch danach. Oft denken die Menschen an sich selbst und nicht an das Tier, denken dass es zu früh ist oder dass sie ohne den Hund nicht leben können. Es klingt zwar hart, aber diese Denkweise hat mit nichts anderem als Egoismus zu tun. Möchte man wirklich ein Tier vor sich hin sterben lassen, welches einem jahrelang treu war?
Ich möchte Euch an dieser Stelle von einer Erfahrung berichten, die ich vor kurzer Zeit auf einem meiner Spaziergänge gemacht habe. Meine Hündin Indy und ich begegneten einem älteren Mann mit einem noch älter aussehenden Husky. Der Mann sass erst auf einer Bank und sein Hund bellte und heulte dauernd auf. Mit der nun angeleinten Indy ging ich erstmal ein paar Schritte und begann ein Gespräch mit einer anderen Hundebesitzerin. Während die zwei Hunde miteinander spielten, stand der Mann auf und kam mit seinem Hund auf uns zu. Das Tier war nicht angeleint und lahmte merklich. Als der Husky sich unseren Hunden näherte, drehte er sich einmal stark um seine eigene Achse und jaulte auf. Ich begann ein Gespräch mit dem Besitzer, der sich nun sehr um das Tier sorgte und meinte, das sei nun einfach wieder einmal zu viel gewesen. Während unserer Unterhaltung war es seinem Hund nicht möglich länger als wenige Sekunden normal stehen zu bleiben. Immer wieder knickte er in der Hüfte ein und sank mit den Hinterbeinen ab. Zur Stabilisierung trug der Hund eine Art Schwimmweste mit Tragegriff, an welchem der Besitzer ihn beim Gehen ständig festhalten musste, um ein Zusammenbrechen zu verhindern. Ich fragte nach, wie alt das Tier denn sei und ob eine Diagnose vorhanden ist. Er sei schon sehr alt und hätte einmal ein Rückenproblem gehabt, das aber nie richtig behandelt worden wäre. Meine Frage darauf lautete, welche Schmerzmittel er denn nun bekäme und was der Tierarzt dazu meine. Nach seiner Antwort war ich echt baff: Sei ich denn sicher, dass das Tier Schmerzen habe und ob ein Besuch beim Tierarzt nötig sei.
Nach diesem Vorfall wurde mir bewusst, wie sehr man sich für ein Tier einsetzen kann und dabei das Wesentliche vergisst. Der Mann war derart auf seinen Hund fixiert, dass er seinen Zustand nicht einmal bemerkte.
Die klare Antwort auf die Wann-Frage lautet also: Schaltet Euren gesunden Menschenverstand ein und versucht die Lebensqualitäten abzuwägen. Wie gross ist seine Bewegungsfreiheit? Ist er imstande sich selber zu pflegen bzw. zu säubern? Hat er noch Appetit? Welche kurz- und langfristigen Folgen trägt er von seiner Krankheit? Muss er unter dauernder Schmerzbehandlung stehen? Dies sind die wichtigsten Bereiche der Hunde-Lebensqualität und anhand von denen sollte abgewogen werden, ob ein Einschläfern zu früh ist oder nicht.
Wo soll mein Hund sterben dürfen und welches sind die Abläufe?
Neben dem Besuch in der Tierarztpraxis besteht auch die Möglichkeit eines Hausbesuches. Der Tierarzt nimmt dann alles Nötige mit zu Dir nach Hause und wird dem Hund auf diese Art viel Stress nehmen. Ob Ihr dieses Angebot annehmen wollt oder nicht ist Euch überlassen. Wurde der Hund jedoch schon in der Klinik behandelt und befindet sich dort stationär, wird der Prozess des Einschläferns sicherlich dort stattfinden, um ein letztes Transportieren zu verhindern. Die Frage stellt sich hier aber zudem automatisch: Willst Du bei der letzten Spritze dabei sein? Möchte man dies nämlich nicht, ist eine Euthanasie (Einschläfern) zuhause eher ungünstig. Hat man diese Entscheidung einmal getroffen, sollte man sich nicht von der Wohnsituation her überreden lassen, doch dabei sein zu wollen. Viele können einfach nicht dabei sein, weil sie selber Angst vor Spritzen o.ä. haben. Das Wichtigste ist aber hierbei: Entscheidet man sich den Hund während des Sterbens in den Armen zu halten, sollte man selber seine Trauer für einen kurzen Augenblick ausschalten und dem Tier Ruhe und Geborgenheit vermitteln!
Der Prozess der Euthanasie durch den Tierarzt läuft meist gleich ab. Dem Hund wird zuerst eine Sedation verabreicht, die in erstmal ruhig stellt. Erst danach verabreicht man ihm ein Narkosemittel, das ihn in eine Vollnarkose fallen lässt. In diesem Zustand wird dann das letzte Medikament per Venenkatheter verabreicht, welches zum Stillstand des Herzens führt. Letzterer wird vom Tierarzt genauestens überprüft.
Ich würde mir wünschen, dass jeder Hund selig einschlafen könnte, ohne jegliche Schmerzen zu spüren oder eine Krankheit durchzustehen. Müsst Ihr diese Entscheidung einmal treffen, wünsche ich Euch ganz viel Kraft und einen klaren Kopf!