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Der Begriff „Land Grabbing“ bedeutet so viel wie Landraub. Gemeint ist die zweifelhafte Landaneignung aus zweifelhaften, teilweise illegalen Motiven, und mit ebenso zweifelhaften Methoden. Private oder staatliche Investoren sichern sich Agrarland in Entwicklungsländern, um dort Pflanzen für die Nahrungsmittel- oder Energieproduktion anzubauen. Die Investoren (Top 10) sind meist multinationale Grosskonzerne aus den Industriestaaten oder staatliche und private Akteure aus Schwellenländern wie China, Südkorea, Japan oder den Golfemiraten. Gemäss Schätzungen der Non-Profit-Organisation GRAIN beläuft sich die für internationale Landkäufe investierte Summe aktuell auf rund 170 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren es noch 5 Milliarden Dollar. Der Spitzenreiter USA hat mittlerweile „Landdeals“ für über 3 Millionen Hektaren Land abgeschlossen, wie die internationale Datenbank Land Matrix, zeigt. China, das vor allem in Afrika Land zur Ausbeutung von Bodenschätzen aufkauft, verfügt bereits über mehr als 2,3 Mio. ha.
Die für internationale Landkäufe investierte Summe beläuft sich aktuell auf über 170 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren es gerade mal 5 Milliarden Dollar.
Non-Profit-Organisation GRAIN
Doch weshalb wird in diesem Ausmass investiert? Landwirtschaftlicher Boden ist ein wertvolles Gut, das weltweit immer knapper wird. Die zunehmenden Konflikte um Nutzungsinteressen, Urbanisierungsprozesse und die Verbauung immer grösserer Flächen machen fruchtbaren Boden zu einer Rarität. Auch der Klimawandel und damit verbundene ökologische Bedrohungen wie verlängerte Dürreperioden, Bodenerosion und Desertifikation erhöhen zusehends den Wert von fruchtbarem Boden. Ackerland ist somit für internationale Investoren interessanter denn je und das „grüne Gold“ wird zum ökonomischen Spekulationsobjekt. Insbesondere seit der Finanzkrise 2008 ist es als neuer, sicherer Anlagewert an der Börse sehr beliebt.
Eine weitere Ursache für den Landerwerb ist die Nahrungsmittelkrise. Der Preisanstieg für Nahrungsmittel auf dem Weltmarkt in den Jahren 2005 bis 2008 hat den Prozess des „Land Grabbing“ stark beschleunigt. Infolge der erhöhten Weltmarktpreise für Agrarprodukte stiegen auch die Bodenpreise in den Industriestaaten und in den rasch wachsenden Schwellenländern. Staaten wie China, Indien, Südkorea, Japan und Saudi Arabien verfügen nur begrenzt über eigene Landwirtschaftsflächen und befürchten, ihren steigenden Nahrungsmittelbedarf nicht mehr am Weltmarkt abdecken zu können. Um die Ernährungssicherheit im eigenen Land zu garantieren, investieren auch sie zunehmend in billige Agrarflächen in Entwicklungsländern.
Die Zielländer (Top 10) der „Land Grabber“ befinden sich in Asien, Afrika, Südamerika und sogar Osteuropa; sie gehören klar zu den ärmsten der Welt. Sehr stark betroffen sind laut Landmatrix Indonesien, Malaysia, Indien, die Philippinen, der Sudan, Äthiopien und Madagaskar. Die Investoren rechtfertigen die Landkäufe oft damit, dass sie lokal Arbeitsplätze schaffen und so das Wirtschaftswachstum in den benachteiligten Regionen fördern würden.
Zahlreichen Berichten zufolge trifft dies jedoch leider meist nur sehr begrenzt oder gar nicht zu. Die Stellen sind vielfach von ausländischen Arbeitskräften besetzt. Nur wenige lokale Feldarbeiter werden gegen eine minimale Entlohnung in den grossen Monokulturen beschäftigt. Wo heute die grossen Agrarflächen sind, waren früher kleine Betriebe von Bauernfamilien, die sich durch Subsistenzwirtschaft ihr tägliches Brot sicherten. Sie bewirtschafteten „ihr“ Land seit vielen Generationen, hatten aber oft kein offizielles Landrecht. Dies wird nun vielen Bauern zum Verhängnis. Die internationalen Investoren können sich das vermeintlich ungenutzte Land ohne Mühe aneignen und die Bauern vertreiben, wenn nötig gewaltsam. Die oftmals korrupten Regierungen der betroffenen Staaten unterstützen die eigene Landbevölkerung nicht, sondern machen grosse Geschäfte, indem sie die wertvollen Flächen an ausländische Konzerne verkaufen. Die Soja-, Weizen-, oder Maismonokulturen, welche diese dann anlegen, sind fast ausschliesslich für den Export bestimmt. Somit gefährden sie auch die Ernährungssicherheit der betroffenen Entwicklungsländer, die zunehmend von Importgütern abhängig werden.
Auch die ökologischen Folgen der Monokulturen sind gravierend. Die typische Bewirtschaftung mit Pestizid- und Mineraldüngern oder sogar genetisch verändertem Saatgut bergen Risiken für die Umwelt. Grossplantagen gründen zudem oft auf Waldrodungen und tendieren zu Bodenübernutzung und übermässigem Wasserverbrauch. So kann neben der Ernährungssicherheit auch der Trinkwasserzugang der lokalen Bevölkerung gefährdet werden.
Der Landraub gefährdet die Umwelt und verletzt das Menschenrecht auf angemessene Ernährung, wie es im Artikel 11 des Internationalen Paktes über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte festgelegt ist. Rein wirtschaftliche und politische Parameter verursachen Hunger und Armut in den Zielgebieten. Das Land Grabbing muss von der internationalen Gemeinschaft bekämpft werden und die zugrundeliegenden Investitions- und Handelsabkommen sind dringend zu revidieren.
Interessante Links:
Film zum Thema: Planet for Sale – The New World Agricultural Order (En)
Die Datenbank Land Matrix (En)
Länder- und Fallbeispiele
Englische Definition von Auslandsdirektinvestitionen (Foreign direct Investments)
(Foto: Land Matrix)