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Pech für den ersten und hoffentlich letzten „Corona-Bubble-Stanley Cup-Champion“, die Tampa Bay Lightning: Im Normalfall holen sich NHL-Teams, die weit in die Playoffs vordringen, nahezu 20 Prozent des jährlichen Umsatzes mit den direkten und indirekten Einnahmen aus dem Spielbetrieb und dies hat auch eine Einwirkung auf die Wertschöpfungsketten. Der sportliche Erfolg mochte dem Club zwar eine enorme Befriedigung geben, aber dieser kam nicht in den üblichen Genuss einer zusätzlichen Playoff-bedingten wirtschaftlichen Prosperität.
Prinzipiell hat die „Corona-Saison“ insgesamt einen durchschnittlichen Verlust bezüglich „Team Value“ von zwei Prozent im Vergleich zur Vorsaison eingebracht. Es ist das erste Mal seit 2001, dass der Durchschnittswert der NHL-Teams abgenommen hat. Neu liegt der Medianwert nun bei 653 Millionen USD. Dabei war man vor Ausbruch der Pandemie noch auf Rekordkurs. Auch bei den Umsätzen gab es verständlicherweise einen Rückgang. Um 14 Prozent fiel dieser im Durchschnitt geringer aus, aber noch stärker war der Verlust gegenüber der Vorsaison mit satten 68 Prozent beim operativen Gewinn.
Den wertvollsten Clubs der Liga jedoch konnte die Pandemie (bisher) nur bedingt schaden, denn diese haben nicht nur viel Vermögen, sondern auch einen sehr starken Heimmarkt mit eigenständigen TV- und Marketingdeals mit einer soliden Fanbasis, die auch im Bereich der flankierenden Einnahmen mit Merchandising und so weiter Umsatz generiert. Es verwundert deshalb nicht, dass wiederum die Rangers aus New York, die Toronto Maple Leafs und die Canadiens de Montréal weiterhin solide und mit grossem Abstand das Top Trio in der Forbes-Auswertung der wertvollsten NHL-Clubs bilden. Trotz der Covid-Pandemie konnten diese drei Clubs den Wert aus dem Jahr 2019 konsolidieren: Die New York Rangers ($1.65 Milliarden), die Toronto Maple Leafs ($1.5 Mia.) und die Montreal Canadiens ($1.34 Mia). Diese drei zusammen mit den Chicago Blackhawks ($1.085 Mia.) und den Boston Bruins (eine Milliarde) erwirtschafteten zusammen mehr als ein Viertel der gesamten Liga-Umsätze. Ohne die guten wirtschaftlichen Ergebnisse der Top 5, hätte die Liga einen Verlust von 50 Millionen erlitten. Das gegensätzliche Beispiel: Die Florida Panthers verloren Pandemie bedingt über 30 Millionen Dollars Einnahmen. Neun Clubs – darunter sogar die Tampa Bay Lightning - haben zweistellige Millionenbeträge verloren an operativen Gewinnen (letztes Jahr waren nur deren vier betroffen). Mitunter am härtesten betroffen waren die New York Islanders mit einem Rückgang von 39 Millionen Gewinn und mit 93 Millionen den zweitwenigsten Umsatz. Viele Hoffnungen ruhen nun auf den „Impact“ des Umzuges nach Belmont Park auf Long Island in der Saison 2021/22.
Der Erfolg der „Big Three“ fusst vor allem auf dem Erfolg bei den flankierenden Einnahmequellen. So haben die Rangers – wie auch die Leafs und „Habs“ - erneut hervorragend gearbeitet und den Businessplan top umgesetzt. Das bedeutet im Klartext: Alle drei konnten die höchsten Einnahmen generieren und den besten operativen Gewinn, die höchsten Premium Seat Einnahmen, den besten Sponsoren/Media-Umsatz und hohe Einnahmen durch weitere Veranstaltungen im Stadion erzielen. Dazu kamen noch Einnahmen aus den regionalen TV-Deals.
Der TV-Rechte-Deal der NHL bringt den Teams zwar viel Geld ein, aber besonders die Montreal Canadiens, Toronto Maple Leafs und New York Rangers holten aus den regionalen Vermarktungsgeschäften noch einmal sehr viel mehr heraus. Was diese Disziplin betrifft, sind die „Habs“ hierbei einsame Spitze. Dazu kommt, dass die in Kanada beheimateten Clubs aus den kanadischen TV-Rechte-Paketen zusätzlich 20 Millionen erhalten. Dass die New York Rangers und Toronto Maple Leafs in ihren grossen Märkten mit dem Interessenpotenzial der Kernzielgruppen und erweiterten Fanbasis sowie mit den grossen Konzernen als Sponsoren einen Vorteil geniessen ist demnach also evident. Begleitet wird die Wertschöpfung noch durch andere lukrative Verträge in allen Bereichen der Publikationen und Vermarktung. Im Merchandising sind die „Habs“ ohnehin seit vielen Jahren als beliebtester Club landesweit NHL-Spitze und das Centre Bell ist in der Regel ausverkauft. Umso beeindruckender ist dieser Erfolg, da die kanadischen Clubs in ihrer Währung Einnahmen generieren, aber beispielsweise die Löhne in US Dollar auszahlen müssen.
Die komplette Liste von Forbes kann man hier einsehen: https://www.forbes.com/nhl-valuations/list/#tab:overall
Joël Ch. Wuethrich publiziert wöchentlich Hintergrundberichte über die NHL in der führenden Deutschen Fachpublikation Eishockey News und hat ein ausgezeichnetes Beziehungsnetz in Nordamerika. Seit 1992 ist er Chefredaktor diverser namhafter Publikationen, unter anderem auch beim Slapshot sowie beim Top Hockey und war zudem lange Jahre für den Spengler Cup tätig. Joël Ch. Wuethrich leitet hauptberuflich eine crossmedial aufgestellte PR-Agentur und eine Player's Management Agentur (Sportagon), ist Crossmedia-Stratege und HF-Dozent mit Lehrauftrag für Kommunikation und Marketing. Er analysiert seit 30 Jahren als Autor/Chefredakteur in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der Familienvater (zwei Kinder) arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil seiner Verwandtschaft wohnt.