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Ist der Muttertag Frau Holles Namenstag?
«Mier mached hüt für s’Mami öppis Schöns uf de Muettertag, da hät sie sicher Freud.» Generationen von Schülern kennen diese Aussage. Und weil sich «s’Mami freut», wurde und wird mit Begeisterung losgelegt. Mein Mami hat sich immer gefreut. Wie lange die Halbwertszeit der Karten und Basteleien waren, weiss ich nicht, aber ich bin mir sicher, die Freude war echt.
Dieses Jahr feiern wir auch noch 50 Jahre Frauenstimmrecht und da mich hat der Hafer gestochen: Ich wollte wissen, warum wir jeweils am zweiten Sonntag im Mai die Mütter hochleben lassen. Und, viele Staaten kennen einen Muttertag, wenn auch nicht überall am gleichen Datum. Ist das ein Brauch aus der Antike, gibt es eine passende Heilige, ist es Baba Jagas oder Frau Holles Namenstag?
Weder noch. Natürlich kannten unsere antiken Vorfahren Feiertage, die der Mutter geweiht waren. Doch dies hat nichts mit unserem Muttertag zu tun.
Beim Recherchieren fand ich heraus, dass der Muttertag durch Anna Jarvis (1864–1948) initiiert wurde um ihre Mutter Ann Maria Reeves Jarvis (1832–1905) zu ehren und allen Frauen endlich einen heiligen Ehrentag zu geben, der ihre wichtige Rolle in und für die Gesellschaft unterstreichen sollte.
Der erste offizielle Muttertag wurde am 12 Mai 1907 in einer Kirche in Grafton in West Virginia abgehalten. Es war der zweite Todestag von Ann Maria Reeves Jarvis, die sich unter anderem in der amerikanischen Friedens- und Frauenrechtsbewegung während und nach dem amerikanischen Bürgerkrieg verdient gemacht hatte. Ich denke, dass einige der Ideen dieser Frauen sehr nach dem Geschmack meiner Mutter waren.
Im Anschluss setzte sich Anna Jarvis unermüdlich und mit Unterstützung von prominenten Supportern für einen nationalen Feiertag ein. Als 1914 Woodrow Wilson den Muttertag als offiziellen Feiertag proklamierte, wurde der Muttertag bereits in fast allen Bundesstaaten gefeiert.
Sehr schnell erkannten vor allem Floristen- und Konditorvereinigungen, dass sich hier ein riesiges Geschäftsfeld auftat. Der «Mother’s Day», der als Festtag für organisiertes soziales und politisches Handeln aller Mütter gedacht war, wandelte sich zum «Mother’s Day», an dem der Mutter für ihre Bemühungen um ein perfektes Zuhause für den Ehemann und die Kinder gefeiert wurde.
In der Schweiz wurde der erste Muttertag 1917 von der Heilsarmee in der Westschweiz propagiert, es dauerte aber bis 1930, bis der Muttertag in der ganzen Schweiz Verbreitung fand, auch hier durch die Floristen sowie die Gärtner- und Konditormeister gefördert.
Anna Jarvis wehrte sich mit allen Mitteln bis zu ihrem recht tragischen Lebensende in einem Heim gegen die Verkommerzialisierung des Muttertages.
Die Geschichte hat mich beeindruckt und nachdenklich gemacht. Ich finde es gut und angemessen am Muttertag meine Liebe und Hochachtung mit einem Geschenk zu unterstreichen. Blumen, Schokolade oder eine Einladung zu einem festlichen Essen sind dazu ebenso ideal geeignet, wie ein umfangreicher Brunch, einen Ausflug mit Picknick am See oder im Garten. Nur mein Blickwinkel hat sich etwas verändert.
Übrigens am 9. Mai 2021 wird Muttertag sein. «Mached öppis Schöns fürs Mami» und verpackt es liebevoll, ziert es mit einer speziellen Etikette, schreibt eine herzliche Karte dazu. Plant einen Brunch mit Tischsets, Glasuntersetzern, Servietten, hängt Poster auf und macht etwas Besonderes aus diesem Tag: feiert ein grossartiges Fest! Sie hat es verdient und wird es lieben.