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Seit Beginn der Kriegshandlungen sind die nationalistischen Bestrebungen in der Ukraine hoch im Kurs. Mit einer Reihe von Gesetzen soll die Ukraine «ukrainisiert» und die russischsprachige Bevölkerung an den Rand gedrängt werden.
Dieser Kurs der Regierung von Wolodymyr Selenskyj zeigt sich auch in der Sprache: Selenskyj hält seine Reden nun auf Ukrainisch, was ihm gerade zu Anfang sichtlich schwerfiel.
Doch damit nicht genug: Per Gesetz wurde das Ukrainische zur Staatssprache erklärt und beschlossen, dass sie in allen Bereichen des öffentlichen Lebens verwendet werden muss – ob in der Schulbildung, in den Medien, in Krankenhäusern oder bei der Polizei. Auf Zuwiderhandlung stehen empfindliche Geldstrafen.
Der Teil der Bevölkerung, der kein Ukrainisch gelernt hat, muss dies innerhalb eines Jahres in speziell eingerichteten Bildungszentren nachholen. Obwohl das faktische Verbot der russischen Sprache nicht mit der ukrainischen Verfassung in Einklang zu bringen ist, die die Rechte ethnischer Minderheiten schützt, wurde das Gesetz vom Konstitutionsrat durchgewinkt.
Eine bemerkenswerte Entwicklung, wenn man bedenkt, dass Selenskyj selbst russischsprachig ist, in seiner Karriere als Komiker und Schauspieler stets auf Russisch aufgetreten ist, das Russische wesentlich besser beherrscht als das Ukrainische und sich auch nach seinem Amtsantritt am Rande eines Treffens im Normandie-Format als «russischsprachigen Präsidenten» bezeichnet hat.
Archivaufnahmen und Zeitungsinterviews mit Selenskyj offenbaren zudem, dass er auch kurz nach der Annexion der Halbinsel Krim die russische Sprache hochhielt und betonte, Russen und Ukrainer seien Brudervölker.
So appellierte der damalige Schauspieler 2014 in einer Live-Sendung des ukrainischen TV-Senders TSN an diejenigen, die damals die Ukrainisierung des Landes forderten: «Wenn die Menschen im Osten des Landes und auf der Krim Russisch sprechen wollen, dann lasst sie in Ruhe! Gebt ihnen das gesetzlich verbriefte Recht, Russisch zu sprechen!»
Die Sprache werde sein Heimatland niemals teilen, so Selenskyj. Er selbst habe jüdisches Blut, spreche Russisch, aber sei ukrainischer Bürger und liebe sein Land.
In seinem Appell an den russischen Präsidenten, keinen bewaffneten Konflikt zwischen Russland und der Ukraine zuzulassen, betonte Selenskyj, dass er «Millionen, Tausende» in Russland kenne, die «wunderbare Menschen» seien.
Russen und Ukrainer seien Brudervölker: «Wir haben die gleiche Farbe, das gleiche Blut, wir verstehen einander, unabhängig von der Sprache.»