Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03416.jsonl.gz/1505

Krankheiten des Magen-Darmtrakts kommen bei Equiden häufig vor. Das Organsystem ist komplex aufgebaut, ist das Pferd doch ein obligater Pflanzenfresser. Zum Verdauen und Nutzen der Pflanzen sind grosse Gärkammern wie Blinddarm und Dickdarm nötig.
Bei einer Kolik zeigt das Pferd Bauchschmerzen. Die häufigste Ursache für den Schmerz liegt effektiv im Magen- oder Darm-Trakt, beziehungsweise in seinem Aufhängeapparat. Chronischer Durchfall oder Kotwasser ist ein weiteres häufig auftretendes Problem bei Pferden, welches therapeutisch frustrierend werden kann.
Gastroskopie von einem erwachsenen Pferd mit Magengeschwüren in der kutanen Schleimhaut.
Magenausgang mit fleckig geröteter Schleimhaut (Gastritis).
Abdomenultraschall bei einem Pferd mit chronischer Abmagerung (Beurteilung der Darmwanddicke).
Quelle: „Anatomie der Haustiere“, K.M.Dyce, W.O.Sack, C.J.G.Wensing, Enke Verlag
Equiden sind obligate Pflanzenfresser und ernähren sich in der Natur hauptsächlich von Gräsern und Kräutern. Solche Pflanzenfasern sind jedoch schwer verdaulich, weshalb der Magen-Darm-Trakt des Pferdes komplex aufgebaut ist. Der Magen ist verhältnismässig klein und darauf ausgelegt ständig kleine Futtermengen aufzunehmen. Aufgrund eines starken Schliessmuskels am Mageneingang ist es dem Pferd nicht möglich zu erbrechen, was vor allem bei einer Magenüberladung von grosser Bedeutung ist. Wird der Magen überfüllt, kann er aus diesem Grund sogar reissen (Magenruptur).
Hat der Futterbrei den Magen passiert, gelangt er in den Dünndarm. Hier wird er mit verschiedenen Verdauungssäften durchmischt und Nährstoffe können aufgenommen werden. Übrig bleiben vor allem die schwerverdaulichen Fasern. Um die Energie daraus bestmöglich zu nutzen sind grosse Gärkammern, wie der Blinddarm und der Dickdarm nötig. Sie beherbergen grosse Mengen von gutartigen Mikroorganismen (z.B. Bakterien), die für die Verdauung eines Pferdes essentiell sind da sie die Fasern aufschliessen und somit für körpereigene Prozesse zugänglich machen
Quelle: „Die rektale Untesruchung beim Kolikpferd“, B.Huskamp/N.Kopf, wak Verlag
Die Tierärztin versucht vor allem zwischen einem Problem des Dünn- oder Dickdarms zu unterscheiden, sowie zwischen einer Lageveränderung oder einer Kolik aufgrund einer Verstopfung.
Bei einer Lageveränderung besteht die Gefahr, dass sich der Darm dreht oder abgedrückt wird und dadurch die Blutzirkulation nicht mehr in allen Darmabschnitten gewährleistet ist. Infolgedessen kann der betroffene Darmabschnitt absterben, wodurch die natürliche Darmbarriere nicht mehr gewährleistet ist und Giftstoffe der Darmbakterien in die Blutbahn gelangen können. Dieser Ablauf ist meist sehr schmerzhaft für das Pferd und kann im Extremfall zu einem Kreislaufkollaps und Schock führen.
Eine Verstopfung kann durch Futtermassen, Fremdkörper (Sand), Parasiten (Askariden), Bezoare etc. entstehen. Wenn der Darminhalt nicht mehr weiterzieht kommt es zur Stase und zur Gasansammlung. Über längere Zeit bestehende Verstopfungen können ebenfalls die Darmwand und somit die Darmbarriere schädigen.
Quelle: „Anatomie der Haustiere“, K.M.Dyce, W.O.Sack, C.J.G.Wensing, Enke Verlag
Die Gesamtlänges des Darmes misst unglaubliche 30 – je nach Pferdegröße und Pferderasse - bis 40 Meter. Der Dünndarm ist etwa 20 -25 Meter lang, der Dickdarm 10-15m. Gesamthaft übertrifft er die Länge des Pferdes um ein Vielfaches – passt aber trotzdem in das Abdomen des Pferdes- und das noch neben den anderen Organen und Strukturen (!).
Kolik bedeutet, dass das Pferd Bauchweh zeigt. Meistens ist tatsächlich der Magen-Darm-Trakt die Ursache - seltener sind die anderen Bauchorgane der Grund der Koliksymptome.
Zu den häufigsten Kolikursachen gehören die Aufgasung (Gaskolik), sowie die Verstopfung (Obstipation) des Dickdarmes. Zudem ist eine Verlagerung oder im schlimmsten Fall Drehung (Torsio) des Dickdarms möglich.
Doch auch der Dünndarm kann verstopfen, abgeklemmt werden oder sich verdrehen, was meistens (aber nicht immer) eine heftige Kolik auslöst. Darmentzündungen oder Magengeschwüre (Magenulzera) können ebenfalls eine Kolik verursachen.
Anzeichen einer Kolik sind scharren, flehmen, zum Bauch schauen, mit den Hinterbeinen gegen den Bauch treten, unruhiges Abliegen und wieder aufstehen, schlimmstenfalls auch heftiges Wälzen oder Festliegen. Die Symptome können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Manchmal fällt auch nur auf, dass das Pferd keinen Appetit hat, matt ist oder vermehrt liegt. Eine Kolik ist immer potenziell lebensbedrohlich für das Pferd und daher ein Notfall.
Um das Pferd davor zu bewahren sich selbst oder beteiligte Menschen unabsichtlich zu verletzen, empfehlen wir das Pferd an einen Ort zu bringen, an welchem es sich sicher bewegen und wälzen kann.
Solange keine Gefahr für die betreuende Person besteht, empfehlen wir die Pferde bis zum Eintreffen der Tierärztin zu führen. Häufig hilft dies den Tieren zu entspannen und sich etwas zu beruhigen.
Entgegen der weit verbreiteten Meinung, darf sich ein Pferd wälzen, wenn es dies möchte. Man geht heutzutage davon aus, dass Wälzen nicht zu einer Verlagerung des Darms führt, sondern dies in erster Linie durch Gasbildung innerhalb des Darms geschieht. In einigen Fällen können Verlagerungen durch das Wälzen sogar wieder gelöst werden.
Falls sie pflanzliche Mittel (Bitterfenchel, Sternanis, Kümmel etc.) zur Hand haben, welche bei Koliksymptomen helfen, können diese unterstützend verabreicht werden. Sehr gerne beraten unsere Tierärztinnen sie, welche Produkte sich für die Stallapotheke empfehlen.
Das eigene Pferd mit Koliksymptomen ist für die meisten Besitzer eine ausserordentliche Stresssituation. Trotz der emotional schwierigen Situation, müssen zum Wohle des Pferdes, Entscheidungen häufig innerhalb kürzester Zeit getroffen werden. Aus diesem Grund empfehlen wir Besitzern sich so früh als möglich Gedanken über die häufigsten Fragen zu machen und Transportmöglichkeiten parat zu haben. Häufige Fragen sind: Darf das Pferd an eine Klinik – zur Überwachung/ intensiveren Behandlung oder sogar für eine Operation? Besteht eine Kranken- und/oder OP-Versicherung? Gibt es eine Transportmöglichkeit? Wer fährt?
Quelle: „Die rektale Untesruchung beim Kolikpferd“, B.Huskamp/N.Kopf, wak Verlag
Quelle: „Anatomie der Haustiere“, K.M.Dyce, W.O.Sack, C.J.G.Wensing, Enke Verlag
Bei der Untersuchung durch den Tierarzt können anhand verschiedener Parameter (Herz- und Atemfrequenz, Temperatur, Darmperistaltik, Schleimhäute) erste Erkenntnisse, insbesondere zum Kreislaufzustand und zur Schmerzhaftigkeit des Patienten, gewonnen werden. Sofern es sich nicht um ein kleines Pony handelt, ist eine Rektaluntersuchung von grosser Bedeutung. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, weitere Informationen zu sammeln und teilweise direkt eine Diagnose zu stellen (z.B. Verstopfung). Leider kann auf diese Weise zwar die Beckenhöhle aber nur ein kleiner Teil des Bauchraumes untersucht werden (max. 40%).
Die genaue Ursache der Kolik kann nicht immer gefunden werden. In ausgewählten Fällen kann auch eine Ultraschalluntersuchung weiterhelfen.
Um die Bauchschmerzen zu lindern wird dem Pferd, in der Regel, ein Krampflöser und ein Schmerzmittel gespritzt. Damit sollten die Kolikanzeichen innerhalb kurzer Zeit verschwinden. In den meisten Fällen ist auch das Schieben einer Nasenschlundsonde unvermeidbar. Dabei wird ein spezieller Schlauch durch die Nase bis in den Magen geschoben. Auf diese Weise kann der Mageninhalt gespült und beurteilt, sowie Abführmittel (z.B. Glaubersalz, Paraffinöl oder Macrogol) und Wasser eingegeben werden.
Im Anschluss an die Erstbehandlung ist es häufig empfehlenswert, das Pferd zu fasten, damit etwaige Verstopfungen nicht verschlimmert werden und der Darm sich leeren kann. Zudem regt regelmässige Bewegung (spazieren/ longieren) die Verdauung an und kann dadurch ebenfalls zu einer schnelleren Genesung beitragen.
Zeigt das Pferd trotz Schmerzmittel weiterhin Koliksymptome (oder lindern sie den Schmerz nur für kurze Zeit), sollte über das Verladen und die Verbringung an eine Pferdeklinik nachgedacht werden. Prinzipiell könnten auch im Stall weitere Massnahmen (Abgasen des Darmes durch Punktion, Infusion, etc.) getroffen werden, diese sind jedoch mit grossem Aufwand und Kosten verbunden. Weitere Vorteile des Klinikaufenthalts sind die durchgehende Überwachung und (bei Bedarf) die schnelle Möglichkeit zur Operation.
Für die prophylaktische Unterstützung kolikempfindlicher Pferde kann die Homöopathie sehr hilfreich sein. Homöopathische Mittel, wie beispielsweise Nux-v, Bry, Mag-p oder Coloc können zur Unterstützung des Magen-Darm-Trakts eingesetzt werden.
Wir empfehlen ein Beratungsgespräch mit unserer Pferdetierärztin Alexandra Imhasly, um eine individuelle Therapie zu erarbeiten.
Gerade bei der Prophylaxe von Koliken und auch bei chronischen Magen- Darmproblemen bietet die Akupunktur eine Möglichkeit für langfristige Problemlösungen. Unterstützend zur Schulmedizin kann sie auch in akuten Fällen eingesetzt werden.
Die Akupunkturbehandlung wird durch unsere Pferdetierärztin Simone Castella durchgeführt. Bitte melden Sie sich für einen Termin in der Praxis.
Auch durch eine perfekte Haltung kann eine Kolik nicht immer vermieden werden. Dennoch können verschiedene vorbeugende Massnahmen das Risiko für das Auftreten einer Kolik senken. Ein gutes Parasitenmanagement durch regelmässige Kotprobenuntersuchungen und Entwurmungen, sowie jährliche Zahnkontrollen gehören hierbei zu den Grundpfeilern. Zudem sollte ein permanenter Zugang zu frischem Wasser selbstverständlich sein. Im Winter muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Tränke nicht zufriert. Um die Wasseraufnahme zu fördern, kann ein Salzleckstein oder im Winter zusätzlich lauwarmes Wasser angeboten werden.
Die Fütterung stellt ebenfalls einen wichtigen Punkt bei der Vorbeugung von Koliken dar. Futterumstellungen, insbesondere das Angrasen im Frühling, sollten nur langsam vorgenommen werden. Der Einsatz von Stroh in der Pferdefütterung kann vor allem bei leichtfuttrigen Pferderassen hilfreich sein, sollte aber dennoch in Massen erfolgen, da es die Entstehung von Verstopfungen begünstigt.
Zu guter letzt ist beim Fluchttier Pferd natürlich auch die körperliche Aktivität sehr wichtig. Regelmässige Bewegung regt die Verdauung an und leistet auf diese Weise einen wichtigen Beitrag zur Gesunderhaltung des Magen-Darm-Traktes.
Eine Kolik ist in der Regel ein Notfall. Der Besitzer ist sehr besorgt um sein Pferd und dadurch gestresst. Oft können in solchen Situationen keine klaren Gedanken mehr gefasst werden. Aus diesem Grund empfehlen wir Pferdebesitzern sich bereits im Voraus mit dem Thema Kolikoperation auseinanderzusetzen. Zu Ihrer Unterstützung finden Sie nachstehend häufig auftretende Fragen und deren Beantwortung.
Nein, natürlich nicht. An einer Klinik wird anhand verschiedener Parameter und Untersuchungen die Lage eingeschätzt und dann entschieden, ob eine Operation sofort nötig ist, oder ob vorerst eine konservative Therapie (Schmerzmittel, Infusionen und Abführmittel) eingeleitet werden kann. In einigen Fällen ist sofort klar, dass eine Operation unumgänglich ist, in anderen wird es schwieriger.
Man möchte möglichst vermeiden, ein Pferd zu operieren, das die Kolik auch mit konservativer Therapie überstehen würde.
Dennoch darf auch nicht zu lange konservativ versucht werden, da der Darm unter Umständen immer mehr geschädigt wird, was eine Operation erschwert und das Risiko für postoperative Komplikationen erhöht. Dies ist oft eine schmale Gratwanderung.
Obwohl sich Medikamente, Überwachung und Wissen stetig verbessert haben, sind Pferde (verglichen mit anderen Säugetieren) sehr empfindliche Narkosepatienten. Studien zufolge stirbt etwa 1 von 100 Patienten als Folge von Komplikationen der Narkose. Dieses erhöhte Risiko ist vor allem auf das Körpergewicht und die Natur des Pferdes als Fluchttier zurückzuführen. Bei einer Kolikoperation liegt das Pferd zum Teil mehrere Stunden in Rückenlage. Als Folge davon können Muskel- oder Nervenschäden entstehen. Zudem befinden sich Pferde mit einer Kolik häufig in einem schlechten Kreislaufzustand, was das Risiko zusätzlich erhöht.
Ist die Operation schliesslich überstanden, folgt noch die letzte kritische Phase der Narkose: das Aufwachen. In der Aufwachphase kann es passieren, dass sich ein Pferd selbst verletzt oder sich sogar das Bein bricht.
Im Falle einer Kolik ist eine Vollnarkose für die lebenserhaltende Operation jedoch unumgänglich und die meisten Patienten überstehen die Prozedur unbeschadet oder tragen nur reversible Schäden davon.
Entgegen der landläufigen Meinung, stehen die Chancen prinzipiell ziemlich gut. In verschiedenen Studien wurde gezeigt, dass (je nach Ursache der Kolik) 80-90% der Pferde nach einer Kolikoperation überleben.
Die Prognose ist abhängig von sehr vielen Faktoren.
Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Probleme des Dickdarmes meistens unkomplizierter sind, als Probleme des Dünndarmes.
Der Dünndarm wird häufig irgendwo abgeschnürt oder eingeklemmt. Zudem ist er sehr empfindlich und erleidet ziemlich schnell irreparable Schäden. Dies hat zur Folge, dass die Operation komplizierter wird, da oft ein Abschnitt des Dünndarmes entfernt (Resektion) und die beiden gesunden Enden aneinandergenäht werden müssen (Anastomose). Ausserdem haben solche Pferde oft nach der Operation einen postoperativen paralytischen Ileus (siehe andere Frage).
Liegt die Kolikursache im Bereich des Dickdarmes, handelt es sich meistens um massive Verstopfungen oder eine Verlagerung des Darmes. Hierbei wird der Darm in der Regel nicht übermässig stark in Mitleidenschaft gezogen. Zudem hält der Dickdarm etwas mehr aus, weshalb die Prognose mit einer Operation wirklich gut ist.
Einzig bei einer Verdrehung (Torsio) des Dickdarmes, stehen die Chancen um einiges schlechter.
Ein anderer wichtiger Faktor, von welchem die Prognose abhängt, ist die Zeit. Je länger die Kolik andauert und der Darm leidet, desto schlechter stehen die Chancen.
Je nach Klinik, Kolikursache und –verlauf, sowie Auftreten von Komplikationen, können die Kosten variieren.
Grundsätzlich sollte für die Operation und den anschliessenden Aufenthalt an der Klinik mit 6‘000-10‘000 Franken gerechnet werden.
Muss „nur“ eine Verlagerung des Darmes behoben werden, sind die Kosten natürlich geringer, als wenn ein Darmstück entfernt werden muss.
Treten schwerwiegende Komplikationen auf (siehe unten) können die Kosten rapide ansteigen und den Kostenvoranschlag sprengen.
Sofern das Pferd nicht versichert ist, ist es deshalb ratsam sich in diesem Fall eine persönliche Kostenlimite zu setzen.
Auch hier gibt es keine pauschale Antwort, da die Aufenthaltsdauer an der Klinik von verschiedenen Faktoren abhängig ist.
War die Operation eher einfach (z.B. Verstopfung / Darmverlagerung) und treten keine Komplikationen auf kann das Pferd unter Umständen bereits nach 5 Tagen wieder nach Hause entlassen werden. Im Falle einer eher komplizierteren Operation (z.B. Entfernung eines Darmabschnittes) oder bei Auftreten von Komplikationen verlängert sich der Klinikaufenthalt auf 10-14 Tage oder im Extremfall noch länger.
Es wäre eine Illusion zu glauben, dass ein Pferd nach einer Operation bei welcher der Bauch aufgeschnitten wurde keinerlei Schmerzen empfindet. Dennoch würden wir behaupten, dass diese durch angepasste Schmerzmedikamente in einem gut ertragbaren Rahmen gehalten werden können. Die meisten Pferde verhalten sich bereits einige Tage nach der Operation wieder völlig normal und sind ganz die Alten.
Schmerzmittel benötigen sie normalerweise nur in den ersten paar Tagen. Allfällig auftretende Komplikationen können jedoch ebenfalls Schmerzen verursachen.
Direkt nach der Operation sind vor allem Komplikationen im Zusammenhang mit der Kolikursache von Bedeutung. Wurde der Darm stark geschädigt (z.B. durch Abschnüren oder Verdrehen), gelangen Endotoxine („Bakteriengiftstoffe“) in die Blutbahn. Diese können im Körper grossen Schaden anrichten und so zum Beispiel zu einer Dickdarmentzündung, einer Hufrehe oder einer Venenentzündung führen. Ausserdem benötigen die Därme Zeit, um sich zu erholen. Manchmal funktioniert deren Motorik nicht mehr richtig, was zu einem postoperativen paralytischen Ileus führt (siehe nächste Frage).
Bei einer Eröffnung des Bauchraumes und / oder des Darmes, wie es bei einer Kolik-Operation nötig ist, können ausserdem Bakterien in die Bauchhöhle gelangen und dort nach einigen Tagen eine so genannte Bauchfellentzündung verursachen. Durch eine angepasste Antibiotika-Therapie kann diese jedoch meistens wieder in den Griff bekommen werden. In seltenen Fällen kann es auch nötig sein, die Bauchhöhle über ein paar Tage zu spülen.
Auch im Zusammenhang mit der Bauchnaht können Komplikationen auftreten. Die Naht kann sich infizieren, wodurch sie beginnt zu eitern. Dies ist zwar unschön, aber bei korrekter Behandlung in der Regel nicht sehr problematisch.
Des Weiteren kann eine Bauchwandhernie („Bauchbruch“) entstehen, wenn sich die Bauchwand im Inneren nicht komplett verschliesst. Je nach Grösse des so entstandenen Loches in der Bauchdecke, handelt es sich hierbei entweder nur um ein kosmetisches Problem, oder es kann zu schwerwiegenden Problemen führen (Darmvorfall in den Bruchsack).
Die fatalste aller Komplikationen ist die Nahtdehiszenz - also das Aufgehen / Aufreissen der Bauchnaht. Als Folge davon, fallen die Bauchorgane heraus (Eviszeration) und verteilen sich auf dem Boden. In einem solchen Fall ist das Pferd leider nicht mehr zu retten und muss erlöst werden. Dies passiert jedoch extrem selten und meistens im Zusammenhang mit einem unkorrekten Bewegungsmanagement.
Als Langzeitfolge einer Kolikoperation können sich in der Bauchhöhle Verklebungen bilden. Das heisst, einzelne Organe können untereinander oder mit der Bauchwand verkleben und sind dadurch fixiert. Je nachdem, welche Organe und welche Stelle betroffen ist, kann dies entweder völlig nebensächlich sein, oder aber immer wieder zu Problemen (v.a. zu rezidivierender Kolik) führen.
Dies ist eine Komplikation, welche sehr gefürchtet wird. Es handelt sich dabei um eine vorübergehende Dünndarmlähmung, welche vorwiegend nach einem Dünndarmproblem auftritt.
Durch eine vorangegangene Überdehnung der Dünndärme (z.B. durch Flüssigkeit oder Gas), funktioniert deren Motorik nicht mehr. Der Darminhalt (hauptsächlich Flüssigkeit, welche vom Darm produziert wird) kann nicht weitertransportiert werden und fliesst zurück in den Magen.
Da ein Pferd nicht erbrechen kann, muss dieser so genannte „Reflux“ regelmässig (teilweise alle 3 Stunden) über die Nasenschlundsonde abgelassen werden.
Dies ist einerseits sehr kostspielig, andererseits für ein Pferd natürlich belastend. Es kann in dieser Zeit keine Nahrung zu sich nehmen (da diese nicht weitertransportiert werden würde) und verliert über den Reflux sehr viel Flüssigkeit, die über Infusionen ersetzt werden muss.
Wie lange dieser Zustand anhält ist sehr unterschiedlich. Bei den meisten Pferden erholt sich der Darm nach einigen Tagen und beginnt wieder zu arbeiten. Es ist jedoch auch möglich, dass er länger braucht (Wochen) oder sich überhaupt nicht mehr erholt.
Nein, überhaupt nicht. Das Pferd wird im Normalfall erst aus der Klinik entlassen, wenn soweit alles stabil ist. Das heisst, es benötigt (meistens) keine Medikamente mehr und kann normal mit Heu gefüttert werden. Die Bauchnaht wird in den ersten Tagen durch ein Pflaster abgedeckt und muss nur regelmässig auf Sekretion, Sauberkeit und Schwellung kontrolliert werden. Die meisten Chirurgen verwenden mittlerweile resorbierbares Nahtmaterial, weshalb keine Fäden gezogen werden müssen. Sofern alles komplikationslos abläuft, sind keine zeitaufwändigen Behandlungen und weitere Tierarztbesuche nötig.
Nein.
Nach einer Kolikoperation darf sich ein Pferd während 3 Monaten nicht frei auf der Weide oder im Offenstall bewegen. Es muss aber in dieser Zeit auch nicht strikt Boxenruhe halten.
Am wichtigsten ist, dass sich das Pferd (v.a. in den ersten Wochen) möglichst ruhig verhält und keine Eskapaden veranstaltet (Gefahr von Nahtdehiszenz; siehe Komplikationen). Einige Pferde tigern unruhig in der Box umher und sind deutlich ruhiger, wenn sie zusätzlich Zugang zu einem Paddock bekommen. Wenn alle anderen Pferde auf die Weide gehen, kann womöglich auch ein auf Boxengrösse abgestecktes Weidestück eine Option sein (nur, wenn sich das Pferd absolut ruhig verhält).
Bereits ein paar Tage nach der Operation darf das Pferd täglich ein paar Minuten an der Hand spaziert werden oder auch an der Hand grasen gehen. Diese Schrittphase wird über Wochen langsam gesteigert (auch Reiten möglich) und nach etwa 2 Monaten darf wieder mit Trabarbeit begonnen werden. Nach 3 Monaten kann das Pferd wieder in allen Gangarten bewegt und auf sein vorheriges Niveau aufgebaut werden.
Die Entscheidung für oder gegen eine Operation sollte nicht direkt vom Alter abhängig gemacht werden. Vielmehr ist die körperliche Verfassung in der sich ein Pferd (nebst der Kolik) befindet ausschlaggebend.
Zum Beispiel wäre eine Operation bei einem 25-jährigen Pferd, welches ansonsten topfit und gesund ist wohl eher erfolgreich, als bei einem 15-jährigen mit diversen Vorerkrankungen.
Ältere Pferde haben gegenüber jüngeren kein höheres Risiko, weder bei der Narkose noch für postoperative Komplikationen.
Jedoch muss erwähnt werden, dass bei älteren Pferden eine heftige Kolik häufig durch ein Dünndarmproblem verursacht wird (Lipome, welche den Darm abschnüren), was ganz generell (auch bei jungen Pferden) mit einem höheren Komplikationspotenzial assoziiert ist.
Diese Frage muss schlussendlich jeder Pferdebesitzer für sich selbst beantworten.
Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“, aber es ist ein grosser Vorteil, sich in einem ruhigen Moment damit auseinander zu setzten und eine Entscheidung nicht erst im Notfall zu treffen.
Für Pferdebesitzer, die ihrem Pferd zwar noch eine Chance geben möchten, aber nicht um jeden Preis (sowohl finanziell, als auch Belastung) gibt es auch immer die Möglichkeit, eine Operation zu starten und bei schlimmen Befunden nicht zu beenden, sondern das Pferd noch während der Vollnarkose einzuschläfern, also gar nicht mehr aufstehen zu lassen.
Chronischer Durchfall oder Kotwasser ist bei Pferden ein weiteres häufig auftretendes Problem, welches therapeutisch frustrierend werden kann. Neben der klinischen Untersuchung können eine Gastroskopie (Magenspiegelung), ein Ultraschall des Bauchraumes (Abdomenultraschall, Blutuntersuchungen, eine Kotuntersuchung oder ein Glukose-Absorptionstest helfen, die Ursache zu finden. In der Regel wird zuerst versucht die Darmflora mit verschiedenen Futterzusätzen zu unterstützen. Auch eine gute Mineralstoffversorgung ist sehr wichtig, da diese aufgrund des Durchfalls verloren gehen. Bleibt das Problem trotzdem bestehen, können weitere, individuell angepasste Therapieoptionen in Betracht gezogen werden.
Der Magen eines Pferdes ist verhältnismässig klein und darauf ausgelegt, dass ständig kleine Futtermengen zugeführt werden. Im Gegensatz zum menschlichen Magen besteht der Pferdemagen deshalb aus zwei unterschiedlichen Bereichen. Einer davon ist mit Drüsenschleimhaut ausgekleidet, welche nicht nur nach Bedarf, sondern permanent Verdauungssäfte absondert. Der andere Teil des Magens besteht aus drüsenloser Schleimhaut und dient hauptsächlich der Futterspeicherung. Er reagiert jedoch relativ empfindlich auf Kontakt mit Magensäure.
Magenulzera, oder umgangssprachlich „Magengeschwüre“ sind erosive / ulzerative Defekte in der Magenschleimhaut und kommen beim Pferd relativ häufig vor. Die Erkrankung wird im Englischen als „Equine Gastric Ulcer Syndrome“ (EGUS) bezeichnet. Dabei wird je nach betroffenem Bereich zusätzlich unterschieden zwischen Magenulzera, die den drüsenlosen Anteil betreffen (Equine Squamous Gastric Disease; ESGD) und Magenulzera, die die Drüsenschleimhaut betreffen (Equine Glandular Gastric Disease; EGGD).
Das Auftreten von Magengeschwüren kann durch viele verschiedene Faktoren begünstigt werden.
Insbesondere ein zu saures Milieu im Magen, vermehrter Kontakt der drüsenlosen Schleimhaut mit Verdauungssäften oder eine Störung der Schutzmechanismen des Magens spielen eine wichtige Rolle.
Ein fehlerhaftes Futtermanagement mit zu langen Fresspausen, zu viel Kraftfutter und zu wenig Raufutter ist oft eine der Hauptursachen für die Entstehung von Magengeschwüren.
Ein weiterer Risikofaktor ist Stress. Dieser kann einerseits durch Transporte, Trainings oder Turniere verursacht werden, andererseits aber auch durch soziale Komponenten, wie zum Beispiel Streit um die Rangordnung, soziale Isolation oder Stallwechsel.
Auch durch Medikamente (v.a. Entzündungshemmer) können körpereigene Schutzmechanismen des Magens gestört werden, wodurch Magengeschwüre entstehen können. Dies sollte hauptsächlich bei Langzeitgabe und hohen Dosierungen berücksichtigt werden.
Pferde, die unter Magengeschwüren leiden fühlen sich immer mal wieder unwohl.
Dies kann sich durch zähneknirschen, flehmen, vermehrtes gähnen und wiederkehrende, meist eher milde Koliksymptome (oft nach der Kraftfutteraufnahme) äussern.
Manchmal werden betroffene Pferde auch aufgrund von reduziertem Appetit, Leistungseinbussen oder Abmagerung dem Tierarzt vorgestellt.
Um Magenulzera zu diagnostizieren, kann eine Gastroskopie („Magenspiegelung“) durchgeführt werden.
Hierfür wird das Pferd während 18-24 Stunden mittels Maulkorb gefastet, damit der Magen komplett leer ist und alle Anteile des Magens beurteilt werden können. Danach wird unter Sedation das Gastroskop (langer Schlauch mit einer Kamera am Ende) durch die Nase in die Speiseröhre und schlussendlich bis in den Magen vorgeschoben.
Dort können die verschiedenen Bereiche des Magens begutachtet und auf Magenulzera untersucht werden.
Insbesondere dem Übergang von der drüsenlosen zur drüsenhaltigen Schleimhaut (der sogenannte Margo plicatus) und dem Magenausgang (Pylorus) werden grosse Beachtung geschenkt. Auch der vorderste Anteil des Dünndarms (Zwölffingerdarm) kann eingesehen werden.
Sind gewisse Bereiche speziell verändert, z.B. bei einem Verdacht auf ein tumoröses Geschehen, können mittels einer Biopsiezange durch das Gastroskop gezielt Gewebeproben entnommen werden.
Magengeschwüre können, abhängig vom Schweregrad und der betroffenen Magenregion, auf unterschiedliche Art und Weise behandelt werden. Meistens werden hierfür Magensäure-Blocker und Medikamente, die eine Schutzschicht über der Schleimhaut bilden, angewendet. Eine weitere Option ist der Einsatz von Präparaten, welche die Schutzmechanismen des Magens fördern.
Die Behandlung dauert in der Regel mindestens 4 Wochen. Ihre Wirksamkeit sollte in besonders schweren Fällen vor Absetzen der Medikamente durch eine erneute Gastroskopie überprüft werden. Auf diese Weise kann die Therapie gegebenenfalls angepasst und verlängert werden.
Bisher müssen alle Medikamente täglich und oral (ins Maul) verabreicht werden. In naher Zukunft soll jedoch ein Magensäure-Blocker auf den Markt kommen, welcher einmal wöchentlich in die Muskulatur injiziert werden kann.
Genauso wichtig wie eine medikamentöse Therapie ist eine Optimierung der Haltung und Fütterung, um das Wiederauftreten von Magenulzera vorzubeugen (siehe Prophylaxe).
Hat ein Pferd einen besonders anfälligen Magen, sollten Fütterung, Haltung und das gesamte Management angepasst werden, um eine Entstehung von Magenulzera zu vermeiden.
Auf Getreide als Futtermittel sollte so weit wie möglich (am besten ganz) verzichtet werden. Als Ersatz können spezielle getreidefreie Futtermischungen dienen.
Das Kraftfutter sollte immer erst nach dem Heu verfüttert werden, welches zur freien Verfügung (ad libitum) steht oder auf mehrere Portionen (mindestens 3-5x täglich) aufgeteilt wird. Idealerweise wird es in Heunetzen oder anderen Vorrichtungen (wie z.B. Porta-Grazer, Heu-Toy, Heukiste, etc.) angeboten, um die Futteraufnahme zu verlangsamen und die Speichelproduktion anzuregen, da der Speichel als Puffer der Magensäure dient.
Regelmässiger Weidegang stellt ebenfalls ein wichtiger Punkt bei der Vorbeugung von Magenulzera dar.
Weiter ist eine möglichst stressfreie Umgebung essentiell.
Bei erwarteten Stress-Situationen (z.B. Concours) können Kuren mit Zusatzfuttermitteln (z.B. Pronutrin, Ekygard) hilfreich sein.
Das Pferd sollte bestenfalls nie einen komplett leeren Magen haben und schon garnicht mit einem solchen gearbeitet werden.
Verliert das Pferd ohne Getreide zu stark an Gewicht, kann die Ration durch Zusatz von Pflanzenöl (z.B. Sonnenblumen- oder Rapsöl), Rübenschnitzel oder Reiskleie aufgewertet werden.