Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03462.jsonl.gz/275

Er sieht aus wie eine Mischung aus Elvis Presley (den er auf kanadischen Bühnen auch schon mal imitiert hat) und James Dean; er kann hervorragend singen und ist – glaubt man beeindruckten Besuchern seiner Konzerte – ein begnadeter Entertainer. Nun hat der zum Superstar avancierte Kanadier Michael Bublé mit «Call me Irresponsible» sein jüngstes Album vorgelegt. Produziert worden ist es von seinem Entdecker, dem mehrfachen Grammy-Gewinner David Foster, der auch schon mit Barbra Streisand und Celine Dion gearbeitet hat, und Humberto Gatica aus dem Umfeld von Popstars wie Elton John und Destiny’s Child. Ebenfalls geprägt wird die Silberscheibe von brasilianischen Gästen wie dem Perkussionisten Paulinho da Costa und dem in Brasilien eher als Komponisten denn als Sänger geschätzten Ivan Lins.
Ein solches Team produziert fast zwangsläufig eine Mischung aus Anklängen an die goldene Zeit der grossen Entertainer des Swing, dem unpersönlichen globalen Glamour kommerzieller Popmusik und einem Zuckerguss aus Reminiszenzen an den Bossa Nova der sechziger Jahre. Die formal perfekten Arrangements sind denn auch sowohl von satten Bläsersätzen wie banalen Liftmusik-Streicherteppichen geprägt. Ein Tiefpunkt stellt das Doppel Bublés mit Lins dar. Die beiden singen Eric Claptons Ballade «Wunderful Tonight», mit der das Sertanejo-Duo Leandro und Leonardo in Brasilien grossen Erfolg hatte. Was in der Musica Sertanejo zum hemmungslosen, aber herzerweichenden Kitsch für Landeier verkommt, wirkt in der mondän-manieristischen Produktion bloss peinlich.
Mit «Lost» (hat nichts mit der zur Zeit populären Fernsehserie zu tun) und «Everything» legt Bublé auch Eigenkomposition vor, die allerdings kaum haften bleiben, mit «I’m Your Man» erweist er seinem Landsmann Leonard Cohen Reverenz, und mit der A-Cappella-Gruppe Boyz II Men vereinnahmt er mit «Comin’ Home Baby» selbst den ländlichen Blues. (wb)
Michael Bublé: Call Me Irresponsible, produziert von David Foster und Humberto Gatica, 143 Records (Warner Music).