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Beim Untergang eines Flüchtlingsboots vor der indonesischen Insel Java sind mindestens 22 Menschen ums Leben gekommen, darunter zahlreiche Kinder. Wie die Polizei am Freitag mitteilte, wurden mehr als 70 Menschen vermisst.
Die Asylsuchenden waren auf dem Weg nach Australien, als ihr Schiff bei starkem Wellengang kenterte. Küstenbewohner in der Provinz West Java hätten die Leichen im Wasser treibend gefunden, sagte Warsono, ein Vertreter der Polizei im Bezirk Cianjur auf Java.
"Die meisten von ihnen sind Kinder", sagte Warsono. 25 Erwachsene seien gerettet worden. In dem Boot seien nach Angaben von Überlebenden rund 120 Menschen gewesen. Das Boot sei gesunken und in mehrere Teile zerbrochen.
Die überlebenden und tot geborgenen Flüchtlinge stammen laut Warsono aus Jordanien, dem Libanon und Jemen. Das libanesische Aussenministerium erklärte, es sei informiert worden, dass 18 Libanesen gerettet worden seien. Das Boot hatte demnach zehn Stunden nach seinem Start technische Probleme und hatte versucht, nach Indonesien zurückzukehren.
Ein libanesischer Überlebender meldete sich nach Angaben eines örtlichen Behördenvertreters telefonisch bei seiner Familie im Nordlibanon. Der Mann habe berichtet, die Wellen hätten das Boot im Morgengrauen zum Kentern gebracht, sagte der Behördenchef des Dorfes Kabiit, Ahmad Darwisch. Der Überlebende gehe davon aus, dass seine acht Kinder und seine schwangere Frau bei dem Unglück gestorben seien.
Suche noch nicht abgeschlossen
Ein Sprecher der indonesischen Rettungskräfte sagte, vier Rettungsboote hätten zusammen mit Fischerbooten nach den Vermissten gesucht. Mit Einbruch der Dunkelheit wurde die Suche abgebrochen, sie sollte am Samstag fortgesetzt werden.
Die Flüchtlinge waren von Indonesien aus auf dem Weg zur australischen Weihnachtsinsel gewesen, die relativ nahe bei Indonesien liegt. Von dort aus starten regelmässig Flüchtlingsboote, um nach Australien zu gelangen.
Die neue australische Regierung hatte angekündigt, den Kampf gegen illegale Einwanderer zu verschärfen. Der konservative Premierminister Tony Abbott reist am Montag zu einem zweitägigen Besuch nach Indonesien. Dabei dürfte seine Asylpolitik zur Sprache kommen, die in dem südasiatischen Inselstaat scharf kritisiert wird.
Abbott will die Seegrenze unter militärischem Kommando überwachen lassen, um Bootsflüchtlinge abzuschrecken. Seetaugliche Schiffe sollen zurückgeschickt werden.
Im ersten Halbjahr 2013 landeten rund 13'000 Bootsflüchtlinge in Australien. Obwohl die Zahl im internationalen Vergleich relativ niedrig ist, ist die Asylpolitik ein Reizthema auf dem Fünften Kontinent. Eine von Abbotts zentralen Wahlkampfparolen war "Stoppt die Boote".
Am Freitag brachte die australische Marine 44 Asylsuchende nach Indonesien zurück, die am Donnerstag aus Seenot gerettet worden waren. Dies geschah allerdings auf Grundlage einer früheren Vereinbarung zwischen Canberra und Jakarta.
SDA-ATS