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Obwohl Seriensieger Rafael Nadal am French Open in Paris wegen seiner Verletzung fehlt, steht in Roland-Garros ab Sonntag wieder viel auf dem Spiel. Holt Novak Djokovic den 23. Grand-Slam-Titel?
Der Serbe kann seinen Rivalen am French Open davonziehen. Aktuell führen Djokovic und Nadal mit je 22 Major-Titeln die wichtigste Rangliste im Männertennis vor dem zurückgetretenen Roger Federer (20 Titel) gemeinsam an. «Am Ende meiner Karriere hätte ich natürlich gerne einen Titel mehr als mein grösster Rivale. Aber: Wenn ich jetzt aufhören müsste und Rafa noch zehn weitere Titel holen würde, ich wäre auf jeden Fall auch so zufrieden. 22 sind jetzt schon mehr als genug.»
Djokovic triumphierte bislang am French Open zwei Mal; mit einem dritten Titel würde er zu Sandplatzgrössen wie Ivan Lendl, René Lacoste, Mats Wilander und Gustavo Kuerten aufschliessen. Wie im Vorjahr, als er in der ersten Saisonhälfte wegen der fehlenden Impfung kaum spielen konnte, verlief Djokovics Vorbereitung auf das French Open indessen nicht optimal. Seit dem Gewinn des Australian Open gewann er keinen Titel mehr; auf den USA-Swing (Indian Wells und Miami) musste er erneut verzichten. Auf Sand verlor Djokovic gegen Lorenzo Musetti (in Monte Carlo), Dusan Lajovic (Banja Luka) und Holger Rune (Rom).
Als Topfavorit steigt indessen Carlos Alcaraz ins Turnier. 20 Jahre, nachdem sein Coach Juan Carlos Ferrero im Bois de Boulogne den Titel holte, greift Alcaraz, der erstmals als Nummer 1 in ein Grand-Slam-Turnier startet, nach seinem zweiten grossen Titel (nach dem US Open 2022). Alcaraz gewann auf Sand 20 von 22 Partien und feierte Turniersiege in Buenos Aires, Barcelona und Madrid.
Swiatek vs. Sabalenka
Bei den Frauen könnte, wie Djokovic, Iga Swiatek zum dritten Mal im Stade Roland-Garros gewinnen. Die Polin gewann erstmals vor drei Jahren und dominierte vor einem Jahr mit nur einem Satzverlust die Konkurrenz. Allerdings ranken sich Fragezeichen um die Verfassung der 21-Jährigen, seit sie letzte Woche in Rom mit einer Oberschenkelverletzung gegen Jelena Rybakina hat aufgeben müssen.
Aryna Sabalenka, die Gewinnerin im Januar des Australian Open, feierte bislang in dieser Saison bei den Frauen die grössten Erfolge. Die 25-jährige Belarussin will als erste Tennisspielerin seit Naomi Osaka (US Open 2018 und Australian Open 2019) zwei Major-Turniere hintereinander gewinnen. Auf Sand gewann Sabalenka in Madrid, ausserdem erreichte sie in Stuttgart den Final. Sabalenka könnte Swiatek in Paris als Weltnummer 1 ablösen – und «dem gilt meine Priorität», so Sabalenka, «ich will diese Nummer 1 um jeden Preis.»
Bencic im Fokus
Sieben Spieler und Spielerinnen werden die Schweiz in Paris vertreten. Zu den Favoriten zählen die Eidgenossen nicht. Belinda Bencic verfügt über die besten Chancen, die zweite Turnierwoche zu erreichen.
Belinda Bencic steht aus Schweizer Sicht im Fokus im Bois de Boulogne. Sie startete furios in die Saison. Noch immer belegt sie in der Jahreswertung hinter Aryna Sabalenka, Jelena Rybakina, Iga Swiatek und Jessica Pegula den vorzüglichen 5. Platz. Bencics Vorbereitung auf das French Open verlief indessen alles andere als optimal.
Auf (grünem) Sand spielte sie nur Anfang April in Charleston, wo sie den Final erreichte. Während dieses Turniers in South Carolina gab Bencic die Trennung von Trainer Dimitri Tursunow bekannt, dem sie zuvor in den ersten drei Monaten der Saison die erstaunlichen Erfolge zugeschrieben hatte. Kurz nach der Trennung vom neuen Trainer musste Bencic wegen Hüftbeschwerden die Turniere in Madrid und Rom absagen. Sie brauche eine kleine Pause, um in Paris wieder bei 100 Prozent zu sein.
Seither gab es von Bencic keine Wasserstandsmeldungen mehr. Womöglich ist sie selbst gespannt darauf, was sie auf den Sandplätzen im Stade Roland-Garros zu leisten vermag. Die Qualifikantin in Runde 1 und anschliessend Leolia Jeanjean (WTA 129) oder Kimberly Birrell (WTA 111) in Runde 2 dürften ideale Gegnerinnen sein, um die Form unter Wettkampfbedingungen so schnell wie möglich wieder zu finden.
Enttäuschende Sandsaison
In der Vergangenheit schlugen sich die Schweizer Tennis-Asse während der europäischen Sandplatzsaison äusserst erfolgreich. In diesem Frühling war das ganz und gar nicht so. Bencic pausierte. Stan Wawrinka – mit dem Anspruch, wieder Turniere gewinnen zu können, im Januar in Australien in die Saison gestartet – überstand einzig am Challenger-Turnier in Bordeaux mehr als eine Runde. Marc-Andrea Hüsler (ATP 81) bewegt sich im Ranking seit seinem Turniersieg letzten Herbst in Sofia wieder rückwärts und gewann auf Sand an fünf Turnieren bloss zwei Einzel.
Als sicherer Wert auf Sandplätzen galt bis zu diesem Frühling Jil Teichmann. Letzte Saison holte sie auf Sand mit Erfolgen in Madrid (Halbfinal), Rom (Viertelfinal) und am French Open (Achtelfinal) über 850 Weltranglistenpunkte. In diesem Frühjahr feierte sie auf der grossen Tour auf Sand keinen einzigen Sieg. Im Ranking stürzte Teichmann in den letzten Wochen bis auf Platz 75 ab. Findet sie auch in Paris nicht zurück in die Erfolgsspur, verliert sie den Platz unter den Top 100.
Über einen Umweg kommt der junge Berner Dominic Stricker über Pfingsten doch noch zu seinem Grand-Slam-Debüt. Nachdem er am Donnerstag in der entscheidenden Runde der Qualifikation knapp verloren hat, rutschte er als «Lucky Loser» (glücklicher Verlierer) noch ins Feld.
Teichmann am Sonntag
Jil Teichmann (WTA 75) steht als einzige der sieben Schweizerinnen und Schweizer schon am Sonntag im Einsatz. Die Linkshänderin tritt in der 1. Runde voraussichtlich gegen 17.00 Uhr gegen die 36-jährige Italienerin Sara Errani (WTA 70) an. Es ist das erste Mal, dass sie der 36-jährigen ehemaligen Weltnummer 5 und Roland-Garros-Finalistin von 2012 gegenübersteht.