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Eine aktuelle Studie (März 2016) des Bundesamtes für Energie zeigt, dass zwei Drittel der Minergiehäuser einen wesentlich höheren Energieverbrauch aufweisen, als geplant. Das BFE erklärt die enttäuschenden Resultate dadurch, dass die Installationen, wie beispielsweise die Heizungs- oder die Lüftungsanlagen, nicht richtig eingestellt werden. Auch das Verhalten der Bewohner spielt eine wesentliche Rolle. Das lange Lüften bei kühlen Temperaturen, die hohe Einstellung von Heizungen, das lange Baden und Weiteres spielen in der Energiebilanz eine wichtige Rolle. Das Label „Minergie“ bezieht dies bisher nicht mit ein. Als Standard für Niedrigenergiehäuser wird das Minergie-Label nur aufgrund der Planungswerte und nicht aufgrund der Vebrauchswerte vergeben. Dieses Beispiel zeigt, dass trotz energieeffizienterem Bau, keine so grosse Energieeinsparung vorliegt. Bewohnerinnen und Bewohner zeigen keinen Lerneffekt in ihrem Umgang mit Energie.
Das Effizienz-Paradoxon
Heute spricht jeder davon, dass die Effizienz gesteigert werden muss. Alles muss schneller werden und gleichzeitig sollen weniger Ressourcen dafür verbraucht werden. Auch in der Umweltpolitik sehen viele in der Effizienz ein Allheilmittel. Besonders gilt dies für die Energieeffizienz. Autos, Kühlschränke, Heizungen und vieles mehr sollen weniger Energie verbrauchen. Die klassischen Glühbirnen mit schlechter Energieeffizienz wurden in der Schweiz und in der EU sogar verboten.
Doch wieso steigt der Energieverbrauch trotzdem? Und nicht nur der Energieverbrauch, sondern auch der Bodenverbrauch, der Wasserverbrauch und vieles Weiteres.
Jevon`s Paradoxon
Bereits 1865 erschien im Buch The coal question die Antwort auf diese Fragen. William Stanley Jevons stellte fest, dass der Kohleverbrauch Englands weiter anstieg, obwohl die kohlebefeuerte Dampfmaschine von James Watts viel energieeffizienter war, als die vorherige Dampfmaschinenvariante. Er stellte fest, dass durch den technischen Fortschritt, den Watts verbesserte Dampfmaschine darstellt, Kohle zu einer kostengünstigeren Energiequelle wurde und dadurch für viel mehr Leute und Unternehmungen attraktiv wurde. Die Verwendung der Dampfmaschine verbreitete sich nicht nur im Verkehrsbereich, sondern auch in anderen Industriebereichen. Und mit dieser Entwicklung stieg der Kohleverbrauch deutlich an, auch wenn der Verbrauch pro Anwendung abnahm.
Der Rebound-Effekt
Dieser Effekt lässt sich auf viele andere technische Innovationen anwenden. Etwas wird effizienter, dadurch wird es günstiger und rentabler. Die Produktivität steigt. Immer mehr Leute haben Zugang und schliesslich steigt der Verbrauch. Folglich führt Effizienz nicht zwangsläufig zu weniger Verbrauch, sondern kann sogar ins Gegenteil umschlagen. Das Schlagwort heisst hier Rebound-Effekt. Soll durch Effizienz der Verbrauch einer Ressource vermindert werden, braucht es noch zusätzliche Regelungen, die zum Beispiel rechtlich festgelegt werden. Es braucht ein Umdenken.
Also: Ökologische Innovationen brauchen gute Rahmenbedingungen, damit sie überhaupt rentabel werden. Und wenn sie rentabel sind, brauchen sie gute Rahmenbedingungen, damit die ökologische Wirkung nicht durch den Rebound-Effekt wieder zunichte gemacht wird. Bei der Energieeffizienz wird die Energie einfach wo anders eingesetzt und im Endeffekt hat man keine Energie gespart, sondern nur ermöglicht, noch mehr Energie zu verbrauchen. Es gibt keinen Lerneffekt. Der Effekt der Innovation wird verpuffen, wenn man auf der Makroebene nicht die richtigen Bedingungen schafft. Baut man schnellere Züge, pendelt man weiter, baut man effizientere Autos, kauft man die grösseren. Die Effizienzfortschritte werden virtuell zurück in die Welt gespeisst. Deswegen haben wir in gewissen Bereichen wie Energieverbrauch keine Fortschritte gemacht.
Beispiele
Flugzeuge wurden immer effizienter. Zuerst konnte nur jemand damit fliegen, heute sitzen mehrere hundert Personen in einem Flugzeug. Doch anstatt dass weniger Flugzeuge nötig sind, um die Menschen zu transportieren, wurde das Fliegen so billig, dass es für viele von uns eine Normalität wurde. Es ist nicht ungewöhnlich, mehrmals im Jahr irgendwo hin zu fliegen, selbst wenn das Ziel auch innerhalb eines Tages mit dem öV erreichbar wäre.
LED Lampen sparen im Vergleich zu konventionellen Glühbirnen Strom. Diese eingesparte Energie wird nun jedoch andernorts verwendet. Nun befinden sich LED Lämpchen an viel mehr Orten, wie zum Beispiel am Weihnachtsbaum. Oder an einer ganzen Hauswand. Zwar wird pro Lampe weniger Energie verbraucht und Geld wird auch gespart, aber es werden deswegen umso mehr LED Lämpchen eingesetzt. In ihrer Gesamtheit verbrauchen sie leider noch mehr Energie als vorher.
Fazit
Wollen wir unseren Wohlstand beibehalten, müssen andere Quellen von Energie und Material gefunden werden. Der technische Fortschritt, der die Effizienz fördert, reicht allein eindeutig nicht aus. Es braucht ein Umdenken in der Gesellschaft und intelligente Rahmenbedingungen, die dafür sorgen, dass der Effekt für die Umwelt erhalten bleibt und nicht virtuell in einen weiteren Verbrauch eingespeist wird. Sonst steigt höchstens unser Wohlstand, aber die Umwelt wird dennoch mindestens so sehr belastet wie bisher.
Text von Evelyn Frischknecht / Bildquelle: Flickr / David Greenwald