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Nordwald
Der Roman erzählt in Auszügen die Geschichte der Region um das Dreiländereck Österreich-Tschechien-Deutschland, deren Grundzüge geprägt sind von Wäldern und bäuerlichen Gesellschaftsstrukturen.
Der Erzähler tritt in Gestalt eines älteren Mannes auf, der Aufgrund psychischer Veränderungen imstande ist, zumindest in seiner Vorstellung, sich an die Lebensgeschichten seiner Vorfahren zu erinnern.
Nach der Einweisung in eine Pflegeanstalt und der darauf folgenden Flucht aus derselben, findet er sich zusammen mit zwei Freunden in einer abgelegenen Hütte im Hochwald wieder. Dort werden die Erinnerungen der drei Männer lebendig - Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verknüpfen sich.
Anhand der Schicksale der drei Freunde werden mehr oder weniger bedeutende historische und zeitgeschichtliche Ereignisse aus der Region erzählt.
Der Protagonist wird zum Beispiel, in Form seiner Ahnen, zum Ideengeber für den Schwarzenberg‘schen Schwemmkanal, er ist am Raub eines Altares aus einem Kloster beteiligt, hilft bei der Festsetzung einer berüchtigten Schmuggler- und Räuberbande, und begegnet und beeinflusst Adalbert Stifter. Im Gedanken stellt er Betrachtungen zur Entwicklung seiner ländlichen Heimat, auch unter dem Einfluss globaler Vorgänge, in Bezug auf Landwirtschaft, Architektur oder Gesellschaft an.
Die zweite Hauptfigur erlebt nach dem zweiten Weltkrieg am eigenen Leib die Vertreibung der Minderheiten aus Böhmen, die russische Besatzungszeit im Mühlviertel, und die Errichtung und den Fall des Eisernen Vorhangs. Er symbolisiert den Bauernstand, die Bescheidenheit und die Naturverbundenheit, macht aber auch deutlich, dass die Entwicklung von kognitiver und emotionaler Intelligenz keine Frage von Bildung und sozialem Umfeld ist.
Der dritte ist ein an Demenz erkrankter Jugendfreund des Erzählers, an dessen Schicksal sich die zerstörerische Kraft gesellschaftlicher Zwänge ablesen lässt.
Themen wie Vertreibung, Flucht und soziale Integration, ökologische und wirtschaftliche Fragen, Bildung, Kunst und Medien, Liebe und Hass, bilden die Hintergründe für die Gedanken und Taten der Hauptfiguren, die eingebunden sind in die raue Landschaft des Böhmerwaldes.
Nikolaus Resch
Nikolaus Resch wurde 1974 in einer kleinen Mühlviertler Gemeinde nahe der Grenze zu Deutschland und der damaligen Tschechoslowakei geboren. Gollinger geht heim ist sein zweiter Roman.