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«Seien Sie kreativ»: Dieser Aufforderung folgten im April fast 100 Leserinnen und Leser. Liebevoll geschriebene Geschichten über arrogante Luftballons, schüchterne Feen, redselige Nüsse und andere wundersame Gestalten trafen auf der Redaktion ein.
Zwei Kostproben stellen wir Ihnen an dieser Stelle vor, weitere rund 30 Geschichten finden Sie auf der Beobachter-Website (siehe «Weitere Lesergeschichten»): Dort erfahren Sie unter anderem, warum die Grimels sehr stabile Häuser bauen, was Omar al Mansour in der Wüste erlebte oder unter welchen Umständen Badewannen seltsam fliegen. Das eine oder andere dieser Abenteuer wird vielleicht die neue Lieblingsgeschichte Ihres Kindes oder inspiriert Sie, eigene Gute-Nacht-Geschichten zu erfinden.
Eine grosse Reise
Der kleine Frosch träumt seit langem davon, mehr als nur den seichten Teich der Familie Kramper zu sehen. Er träumt von einer Reise, quer durch die Schweiz. Das jüngste Mädchen der Familie Kramper, es heisst Julia, hatte ihm mal erzählt, in Bern gebe es echte Bären, im Tessin gebe es einen Ort, da sei die ganze Schweiz in Klein zu besichtigen, in Luzern stehe eine bekannte Brücke aus Holz, und in Genf, da spritze aus dem See ein meterhoher Wasserstrahl... All diese Dinge wollte sich der kleine Frosch selbst ansehen. So packte er eines Tages seinen Rucksack, verabschiedete sich von Julia und hüpfte seines Weges. Der Frosch war nun schon einige lange Minuten unterwegs, da kam er zu einem Garten, in dem ein kleiner Junge mit einem Teddybären spielte. Der Frosch staunte nicht schlecht: Er sah einen riesigen Bären mit Kulleraugen. Nun wusste er, er hatte Bern erreicht. Er verabschiedete sich von dem riesigen Tier und dem kleinen Jungen. Er hatte schliesslich noch eine lange Reise vor sich! Nach einigen Hüpfern kam er an einen Ort, da gab es eine Schaukel, eine Rutschbahn, und ganz viele Kinder spielten miteinander. Er wollte gerade weiterhüpfen, da sah er, wie einige Kinder im Sandkasten eine Burg bauten. Die Kinder erklärten ihm, dass sie die Schweiz bauen. Sie würden später auch noch Häuser bauen und Wälder. Dem Frosch wurde sofort klar: Jetzt war er im Tessin angekommen. Er hatte gerade die Schweiz in kleiner Version vor sich. Der Frosch freute sich sehr über sein Vorankommen, verabschiedete sich und hüpfte weiter.
Ein Tänzchen in Genf
Nach einigen Hüpfern sah der Frosch einen Bach vor sich. Er hüpfte das Ufer entlang, und es dauerte nicht lange, da fand er eine kleine Holzbrücke, die über den Bach führte. Der Frosch war sichtlich stolz. Bereits hatte er Luzern und die bekannteste Brücke der Schweiz gefunden. Genf stand als Letztes auf seinem Reiseplan. So hüpfte der Frosch weiter, bis er an einen Teich kam. Der Teich war mit wunderschönen, farbigen Blumen geschmückt, Fische schwammen im Wasser, und mitten im Teich entsprang ein Wasserstrahl, der in der Sonne glitzerte. Der Frosch war so glücklich, nun endlich auch Genf erreicht zu haben, dass er vor Ort ein Tänzchen veranstaltete. Er hüpfte und jubelte vor Freude. Nun wollte der kleine, grüne und vor allem glücklichste Frosch der Welt nur noch nach Hause zu seiner Freundin Julia, um ihr von seiner Reise zu berichten.
Und leben die zwei noch heute, so erzählen sie vermutlich noch immer von diesem Abenteuer. Corinne Oertig, Egnach
Goggerigooo! De Morge isch cho!
Uf eme Purehof häts en ganze Hufe Hüener gha, nume en Güggel hät no gfählt. De Pur isch uf de Märt, und scho gli drufabe isch en schöne junge Güggel zwüschet de Hüener umeschtolziert.
Am nächschte Morge hät me ihn au scho lut chrähe ghört: «Gaggerigaaa, en neue Tag isch daaa!» D Hüener sind natürli sofort verwachet. «Was söll dänn das? Wieso - gaggerigaaa?», hät eis unfründlich gmeint. «Weiss de nöd, wie en rächte Güggel chräht?» - «Mol», hät de chli Güggel gantwortet: «Gaggerigaaa!» - «So en Chabis», hät s Huen gseit, «das heisst giggerigiii, nöd gaggerigaaa! Ich mach ders jetzt emal vor: Giggerigiii! So mues es siii!» - «Aha», hät de Güggel gseit, «morn rüef ich au eso.»
«Im Chopf nume Stroh»
D Hüener sind zfride gsi und händ sich scho uf de nächschti Tag gfreut. Am Morge, wo d Sune hinder de Bärge füreglüchtet hät, isch de Güggel gschnäll in Hof use und hät voller Freud grüeft: «Gaggerigaaa, d Nacht hät eus verlaaa!» - «Du dumme Güggel!», händ d Hüener gschumpfe. «Häsch doch geschter ghört, wies müesti töne!» De Güggel hät sich gschämt und verschproche, das er nume no «Giggerigiii» rüeft.
Au am nächschte Tag, d Hüener händ no tüf gschlafe, isch er wider in Hof useschtolziert und hät grüeft: «Geggerigeee, ich ha de Morge scho gseee!» Di ganz Hüenerschar isch ufgregt usem Stall gflatteret und hät wider gschumpfe: «Du blöde Güggel, jetzt häsch es immer nonig kapiert: En richtige Güggel rüeft giggerigiii und nöd geggerigeee!» De Güggel hät nume gnickt und gseit: «Morn probier ichs nomal.»
Am nächschte Morge isch de Güggel wider in Hof und hät lut usegchräht: «Goggerigooo, gumped usem Stroooh!» Jetzt sind d Hüener aber richtig hässig worde, und si händ ufgregt umenandgackeret: «Goggerigooo, goggerigooo - du häsch im Chopf nume Stroh! Jetzt langets eus langsam! Was rüefsch ächt morn? Guggeriguuu? Oder miau? Oder villicht sogar muuuh? Mir wänd dich nüme ghöre, morn isch Rue am Morge!» Dänn sinds devogloffe, und de Güggel isch truurig gsi.
Vo dem Tag a isch es uf em Hüenerhof still blibe, und de Güggel isch truurig im Stall umeghockt und hät gar nöd wele veruse. Au i de nächschte Tage isch es still blibe, und de Güggel isch immer truuriger worde. Da isch es Huen zunem anecho und hät Verbarme gha. Es hät en gfrögt: «Wieso chasch dänn nöd wie alli andere Güggel au giggerigiii rüefe?» - «Ich chas nöd», hät de Güggel lislig gseit, «ich chas eifach nöd, und ich has würkli probiert.» - «Aber defür chasch eigetli guet dichte», hät s Huen gseit. «Würkli, ich han no kein Güggel ghört, wo so schöni Versli macht!» - «Meinsch?», hät de Güggel gfrögt, und er hät sich schampar gfreut. «Weisch was, Güggel?», hät s Huen gseit. «Eigetli isch es ja au gliich, wies tönt. D Hauptsach isch doch, du chrähsch am Morge.»
S Huen isch zu de andere Hüener und hät lut grüeft: «Mir händ doch eigetli en richtig bsundere Güggel. De chräht nöd wie alli andere, und er hät jede Morge es neus Versli!» De Güggel hät das ghört und sofort gchräht: «Guggeriguuu! Ich mach nöd muuuh und au nöd miau, ich bin doch en Güggel und weiss es genau!» Di ganz Hüenerschar hät lut glachet, und vo dem Tag a händ sich alli scho uf de nächschti Morge gfreut, wänn de Güggel wider en neue Vers grüeft hät! Joana Feroh, Richterswil
Die Gewinnerinnen und Gewinner
Unter den Einsendungen wurden acht Preise verlost:
Der Gutschein des Hotels Alpenrose im Wert von 1'000 Franken geht an:
- Anne Rohner, Wolfhalden
Je ein Gutschein à 250 Franken von Vögele Mode geht an:
- Elisabeth Bleiker, Schaffhausen
- Helen Matthäus, Widen
- Corinne Oertig, Egnach
- Annelies Waespe-Stricker, Fislisbach
Je ein Familieneintritt für den Freizeitpark Rust im Wert von 200 Franken geht an:
- Susanne Elayoubi, Kreuzlingen
- Vera Schürch, Bern
- Kathleen Spalt, Ruggell (FL).
Die Gewinnerinnen wurden schriftlich benachrichtigt. Herzlichen Dank an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer!