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Die geringen Mengen an Stickstofftrifluorid (NF3), die heute in die Atmosphäre gelangen, machen nur einen sehr kleinen Teil der weltweiten Treibhausgasemissionen aus. Diese setzen sich hauptsächlich aus Kohlenstoffdioxid (CO2), das für mehr als vier Fünftel der Emissionen verantwortlich ist, Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW), Methan (CH4) und Lachgas (Distickstoffmonoxid, N2O) zusammen. Durch den konstanten Produktionsanstieg von Flachbildschirmen und Photovoltaik-Zellen seit den 90er Jahren nehmen die NF3-Emissionen jedoch rasant zu, was nicht unbedenklich ist. 2008 zeigten neueste Forschungen, dass die Erdatmosphäre bereits 54'000 Tonnen NF3 enthält. Die Stickstoffluoride verfügen über ein 17'200-mal stärkeres Treibhauspotential als CO2 und verweilen über einen Zeitraum von bis zu 740 Jahren in der Erdatmosphäre, was verheerende Zukunftsfolgen bewirken kann. Die NF3 gehören damit zu den klimawirksamsten Gasen. Sie vermehren sich auch deshalb immer mehr, weil sie als Ersatzstoffe für die ozonschädigenden FCKWs, die weitgehend verboten sind, eingesetzt werden. Klimaschädliche Gase wurden also durch nicht weniger bedenkliche Stoffe ersetzt. NF3 werden als brandfördernd und gesundheitsschädigend eingestuft.
Die Stickstoffluoride verfügen über ein 17'200-mal stärkeres Treibhauspotential als CO2 und verweilen über einen Zeitraum von bis zu 740 Jahren in der Erdatmosphäre.
An der Klimakonferenz in Doha wurde jetzt aber beschlossen, neben den sechs bisher aufgelisteten Treibhausgasen künftig auch die NF3 im Kyoto-Protokoll zu berücksichtigen und ihren Gebrauch stark einzuschränken. Dies dürfte nicht sehr schwierig sein, denn es existieren bereits effiziente Methoden, beispielsweise Abgasreinigungsanlagen, um die Verwendung zu reduzieren. Bei der Flachbildschirm- und Solarzellenproduktion können zudem die Stoffe durch molekulares Fluorgas ersetzt werden, welches offenbar weniger klimaschädliche Wirkung hat. Dieses Gas sei im Herstellungsverfahren sogar wirtschaftlich rentabler als das NF3, betont der Präsident des deutschen Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth. In einem ersten Schritt sollen nun erste Messungen getätigt werden, um die genaue NF3-Emissionsmenge zu ermitteln und erste Kontrollmassnahmen zu bestimmen.
Die sonst eher enttäuschende Klimakonferenz in Doha scheint also doch einige Früchte zu tragen. Doch die Sache hat einen Haken: Nur die 27 EU-Staaten und 10 weitere Länder haben die Verlängerung des Kyoto-Protokolls unterzeichnet. Ein wesentlicher Teil der Flachbildschirme werden aber in Asien und besonders in China hergestellt. Auch die Solarzellenproduktion verlagert sich immer mehr in Richtung Asien. In Europa, wo das zweite Kyoto-Protokoll in Kraft tritt, wird nur ein kleiner Bruchteil des Materials produziert. Die Herstellung von Flachbildschirmen ist kaum nennenswert. Die meisten asiatischen Staaten haben hingegen das Abkommen nicht unterzeichnet und werden ihre stark ansteigende Flachbildschirm- und Solarzellenproduktion wie gewohnt mit NF3 fortsetzen. Mindestens bis zum geplanten Weltklimavertrag, der 2020 in Kraft treten soll, wird es in diesen Regionen keine Kontrollauflagen geben.
Während man also in Europa bemüht ist, den NF3-Austoss einzuschränken, steigen die Emissionen anderswo derart rasant, dass sie sich wohl kaum kompensieren lassen. 2008 wurden insgesamt 4000 Tonnen Stickstofftrifluorid produziert. Dies entspricht einem Co2-Äquivalent von 67 Millionen Tonnen. Dieses Beispiel zeigt einmal mehr, dass effizienter Klimaschutz nur funktionieren kann, wenn auf globaler Ebene zusammengearbeitet wird...