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Der Text zum Lied «Lili Marleen» erschien zum ersten Mal 1937 in Form eines Gedichts in einem Buch – mit zwei Strophen verlängert und mit dem Titel «Lied eines jungen Wachtpostens». Komponist Norbert Schultze vertonte das Gedicht mit einem Marschrhythmus und bot es der jungen Sängerin Lale Andersen an. Sie brachte es am 2. August 1939 auf eine Platte. Allerdings wollte es niemand hören – ein Flop. Die Platten verstaubten im Regal.
Bekannt durch Mangel an Schallplatten
Während des Zweiten Weltkriegs entstanden in Belgrad Soldaten-Kinos, Leseräume und ein Radiosender, um die Moral der Nazis aufrecht zu erhalten. Den Radiosender nannten sie «Soldatensender Belgrad». Er sollte viel Musik aus der Heimat spielen. Das Problem war, dass sie nur 54 serbische Volksmusikplatten besassen.
Für den Radiosender wurden deshalb grosse Schachteln mit Occasions-Schallplatten aus Wien besorgt. Eine dieser alten Platten war «Lili Marleen». Das Lied lief mehrmals täglich im Radio. Nicht etwa, weil es den Nazis so gut gefiel, sondern weil sie zu wenig andere Musik hatten.
Von Norwegen bis Nordafrika
Das Lied «Lili Marleen» wurde sogar zur Schlussmelodie der Sendung «Wir grüssen unsere Hörer». Eine Radiosendung, in der Briefe für Soldaten und die Daheimgebliebenen vorgelesen wurden. Diese Sendung wurde von allen gehört – von Norwegen bis nach Nordafrika. Überall, wo deutsche Soldaten stationiert waren. Und so wurde das Lied plötzlich überall bekannt, und überall gesungen.
Die Entstehung des Liedtextes
Der Text des Liedes «Lili Marleen» entstand in der Nacht vom 3. auf den 4. April 1915. Es war der erste Weltkrieg, und der deutsche Dichter Hans Leip musste am nächsten Tag an die Russische Front. Er war 21 Jahre alt, hatte zwei Geliebte und versuchte, seine Angst in drei Strophen zu verpacken. Wer genau die beiden Frauen bzw. Lili Marleen war, konnte allerdings nie geklärt werden.
Die Geschichte von Lili Marleen ist die Geschichte des ersten Millionensellers in der deutschen Schlagergeschichte. «Für mich ein historischer Beleg, was Schlager bewirken kann, wenn er seine Funktion als Spiegel der Gesellschaft wahrnimmt. Etwas, was heute leider fast kein Schlagerkünstler mehr macht», so Schlagerexperte Roger De Win.
Stars und Hits im Rampenlicht
Im «Schlagermosaik» nimmt Roger De Win jeden Montag einen Schlagertitel unter die Lupe und bringt interessante Fakten ans Licht.