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Kocher schreibt Geschichte, doch die Enttäuschung überwiegt
So gut wie Fabienne Kocher mit ihrem 5. Platz war noch nie eine Schweizerin im Judo an Olympischen Spielen. Durch Niederlagen in ihren letzten beiden Kämpfen aber verpasste sie eine Medaille.
Die Ustermerin Fabienne Kocher stand bei ihrer Olympia-Premiere nahe am Medaillengewinn. Letztlich beendete die WM-Dritte das Turnier in der Kategorie bis 52 auf Platz 5.
«Es ist immer bitter, wenn man im Halbfinal steht und dann ohne Medaille nach Hause muss. Das ist der Worst Case in meinem Sport», sagte sie. «Die Enttäuschung überwiegt jetzt ganz klar und sie wird noch einige Tage anhalten.»
Der Traum von der Olympia-Medaille platzte für Kocher in den letzten beiden Kämpfen. Nachdem sie im Halbfinal gegen die topgesetzte Französin Amandine Buchard unterlegen war, verlor Kocher auch den Kampf um den 3. Platz gegen die Britin Chelsie Giles.
«Sie war heute besser, das muss ich ihr zugestehen. Ich konnte zu keinem Wurf ansetzen, und im Halbfinal ging es ja sehr schnell», fasste Kocher zusammen. Ihr 5. Rang ist aber das beste Resultat einer Schweizer Frau bei Olympischen Spielen im Judo.
Ihre ersten drei Kämpfe hatte die 28-Jährige gewonnen und mit dem Gewinn eines Diploms bereits Geschichte geschrieben. Am Ende flossen dennoch Tränen.
Einen Sieg hätte sie noch gebraucht, doch gegen Buchard war bereits nach 16 Sekunden mit Ippon Schluss. Gegen Giles geriet Kocher durch eine kleine Wertung (Waza-Ari) in Rückstand und damit unter Zugzwang. Sie musste etwas mehr riskieren und verlor am Ende erneut durch Ippon.
Das Lächeln ist zurück
Neben der Weltnummer 15 Kocher hatten die Nummern 1, 2 und 3 die Halbfinals erreicht. Auf dem Weg dahin schaltete die Schweizerin in der Startrunde die WM-Zweite Ana Perez Box aus, der sie im WM-Halbfinal unterlegen war.
Im Viertelfinal gewann sie mit der höchsten Wertung Ippon gegen die Ungarin Reka Pupp, die zuvor überraschend die Kosovarin Majlinda Kelmendi, die Olympiasiegerin von Rio 2016, aus dem Wettkampf geworfen hatte.
Kocher fand nach der Achterbahnfahrt der Gefühle die Fassung schnell wieder. «Ich habe gezeigt, dass meine WM-Bronze kein Zufall war», sagte sie. Dabei huschte ihr sogar ein Lächeln übers Gesicht. «Das gibt mir sicher Selbstvertrauen für die nächsten Kämpfe.»
Judo ist für die Frauen seit 1992 olympisch, im Mutterland Japan geniesst es eine sehr hohe Beachtung. Den Final gewann denn auch die erst 21-jährige, aber schon zweifache Weltmeisterin Uta Abe aus Japan gegen die Europameisterin Buchard in der Verlängerung (Golden Score). (sda/zo)