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Die Schweiz und die Klarinette – Die Klarinette und die Schweiz
Vortrag von Hans Rudolf Stalder, gehalten am 16. September 2006, anlässlich des Schweizerischen Klarinettentages der Swiss Clarinet Society in Winterthur.
Ich möchte über die Klarinette in der Schweiz berichten und zeigen, dass die Schweiz auch einiges zur Geschichte der Klarinette beigetragen hat – nicht nur den Claripatch, diese interessante Erfindung von Pierre-Andre Taillard zur Veränderung der Stärke oder Klangqualität eines Klarinettenblattes – sondern auch z.B. zur Musik für unser Instrument Wichtiges.
Wann die Klarinette in der Schweiz bekannt wurde, ist schwer zu sagen. Sie wurde ja um 1690 und 1700 in Nürnberg erfunden, aber bereits 1728 wurden in Augsburg zwei Konzerte für Klarinette und Streicher gedruckt, jene von RATHGEBER, und 1732 erschien in Schwäbisch Hall die erste gedruckte Grifftabelle (in MAYER’s Museum Musicum, in dem die damals gebräuchlichen Blasinstrumente und eben auch die Klarinette beschrieben werden). Zwischen 1740 und 1750 entstanden in Karlsruhe die Konzerte von MOLTER. Die Klarinette war also im süddeutschen Raum schon gut bekannt und wohl auch schon in der Schweiz. Viele Schweizer leisteten als Söldner Dienst an fremden Höfen, und da brachte vielleicht der eine oder andere das neue Instrument mit nach Hause und spielte darauf neue Tanzweisen. Auf alten Stichen sieht man die Klarinette etwa mit einer oder zwei Violinen und Kontrabass, und auch heute spielt ja die Klarinette in der Volksmusik, besonders der Ländlermusik, eine wichtige Rolle.
1756 erliess der Kriegsminister von LOUIS XV in Paris ein Gesetz, nach dem die Musik der Infanterie-Regimente fortan aus Klarinetten, Hörnern und Fagotten zu bestehen habe, und bereits 1757 finden sich in Bern Klarinetten im ,,Hoboisten- Ensemble“ (das ist der Name der Militärmusik, die früher eben aus Oboen, Hörnern und Fagotten bestand).
1763 empfiehlt sich in Lausanne ein ,,Musiker aus Sachsen“ als Lehrer für Cembalo, Flöte und Klarinette. Im gleichen Jahr wurde dort Xavier LEFÈVRE geboren. Vielleicht hatte er zuerst bei diesem Musiker Unterricht bevor er nach Paris ging und sich bei dem berühmten Michel YOST, dessen Vater ebenfalls aus der Schweiz stammte, weiterbilden liess. LEFÈVRE wurde nicht nur für die Weiterentwicklung der Klarinette wichtig – (er fügte der damals 5-klappigen Klarinette die 6. Klappe, die cis- Klappe bei) von ihm stammt auch eine der wichtigsten Klarinetten-Schulen, und er komponierte Sonaten und Konzerte. Einige Konzerte sind heute auf CD erhältlich.
In Basel spielt 1765 ein ,,Klarinettenvirtuose von einem benachbarten Hofe“ (?) ein Konzert mit so grossem Erfolg, dass es zwei Tage später wiederholt werden musste. Um 1770 wurde dann in Basel eine Musikschule für Blasinstrumente, besonders Klarinette, errichtet.
Es gab in der Schweiz auch einige ausgezeichnete Klarinettenbauer, wie etwa SCHLEGEL in Basel (er starb 1792) oder SUTTER in Appenzell, von dem eine mit 1788 datierte sehr gute Klarinette erhalten ist, dann die Familie FELCHLIN, von der es verschiedene Klarinetten und auch ein Bassetthorn gibt, und da war auch der innovative und geniale Ulrich AMMANN im Toggenburg (1766-1842), von dem neben anderen Instrumenten eine Kuriosität, eine Wanderstock-Klarinette, erhalten ist, ein wunderschönes Instrument. Sie ist heute in Unterwasser, woher Ammann kam, ausgestellt, und ich habe das grosse Vergnügen, sie Ihnen zeigen zu können und einige Töne darauf zu spielen. (1)(2)
Sie sehen, die Klarinette war in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts in der Schweiz sehr bekannt und beliebt, nicht nur in der Volksmusik, sondern auch z.B. in der Hausmusik. Das zeigt sehr schön ein Bild auf einer Toggenburger Hausorgel von 1811 (sie ist heute im Landesmuseum). Man sieht eine zu Hause musizierende Familie, die Mutter spielt Harfe, die Kinder Violine, Horn, Triangel und der Vater Klarinette. Und bei Jeremias GOTTHELF berichtet Jacobli in „ Der Besuch auf dem Lande“: „In den kurzen Tagen essen wir um sechs Uhr zu Nacht und machen manchmal schöne Musik, die Mutter kann schöne Gellertlieder, die älteste Schwester macht auf dem Klavier, ich Klarinette“.
Im Welschland wirkten ab 1783 immer wieder Klarinettisten bei den „ Fêtes des Vignerons“ mit, auch wurden in Kirchen etwa Klarinetten zur Begleitung der Gesänge eingesetzt, bis dann Orgeln wieder erlaubt waren.
Ins Orchester kommt die Klarinette erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts, in Wien z.B. um 1787. In Basel spielt im Orchester zwischen 1794 und 1799 ein Oboist auch Klarinette. Was für Orchester gab es damals in der Schweiz? Die Schweiz war schon früh ein freies Land, es gab keine Fürsten- oder Königshöfe, die sich eine Hofkapelle mit hervorragenden Musikern hielten. In unseren Orchestern spielten fast nur Amateure, nur als Anführer der 1. und 2. Violine wurden Berufsmusiker verpflichtet oder etwa für Instrumente, für die man in den eigenen Reihen keinen Spieler fand. In Zürich schlossen sich 1812 zwei Musik-Collegien zu einer neuen Musikgesellschaft, zu einem grösseren Orchester zusammen, und da findet man unter den wenigen bezahlten Musikern als Kuriosum ein Frau: Frau METZGER ,,salarierte 1. Klarinette“. Sie muss sich mit ihrem Instrument in die Herzen der Orchestermitglieder gespielt haben, dass man sie gegen alle Prinzipien ins Orchester aufnahm, denn Orchesterspiel war sonst eine reine Männersache. Sie war die Schwester der später berühmten Caroline SCHLEICHER-KRAEMER. Vater SCHLEICHER, Fagottist aus Süddeutschland, war mit seinen beiden Klarinette spielenden Töchtern seit 1805 in verschiedenen Schweizer Städten aufgetreten und scheint auch einige Zeit in Orchesterkonzerten in Zürich mitgewirkt zu haben. 1807 spielte er zusammen mit seiner älteren Tochter eine Concertante für Klarinette und Fagott von DANZI. Sie verheiratete sich dann, wurde Frau Metzger und blieb in Zürich. Bis 1813 spielte sie oft Konzerte von KROMMER, GOEPFERT, CRUSELL, und auch wieder die Concertante von Danzi, jetzt mit einem Zürcher Fagottisten. Sie verliess dann Zürich, und nun spielten Dilettanten, vor allem zwei Klarinettisten aus einer Familie OTT. Wahrscheinlich hatten sie bei Frau Metzger Unterricht genommen, denn auch sie spielten als Solisten wieder die Konzerte von KROMMER, GOEPFERT, CRUSELL, 1817 wurde sogar ein Konzert von SPOHR gespielt.
Beliebt war in Zürich auch das Bassetthorn, man spielte oft das Quintett für Bassetthorn und Streicher von BACKOFEN und die Arie mit obligatem Bassetthorn aus der Oper Titus von MOZART. Die Musikgesellschaft hatte um 1810 ein ausgezeichnetes Bassetthorn von Heinrich GRENSER, Dresden, gekauft. (Das lnstrument blieb übrigens erhalten, und vor 25 Jahren ermöglichte dieses Instrument zusammen mit einem Bassetthorn von GRENSER aus dem lnstrumentenmuseum Basel eine erste Aufführung von MOZARTs Requiem mit Originalinstrumenten. Kopien, wie man sie heute spielt, kannte man damals noch nicht. Das war mit HARNONCOURT in Wien, und es entstand auch die erste Schallplattenaufnahme mit historischen Instrumenten. Mit mir spielte Elmar SCHMID.) Auch sonst war das Bassetthorn sehr beliebt, vor allem in der Deutschschweiz, und da liest man im Universal-Lexikon der Tonkunst von SCHILLING, 1835 in Stuttgart erschienen, zum Schluss des ausführlichen Artikels über das Bassetthorn: ,,Wir kennen einen Schweizer, der durch das Anhören eines auf dem Bassetthorn vorgetragenen Schweizerliedes das mächtigste Heimweh bekam.“
In der Schweiz traten auch immer wieder berühmte Klarinettisten auf, so z.B. Joseph BEER 1775 in Genf, Heinrich BAERMANN in Bern und anderen Städten (1822), Iwan MULLER . Der Bassetthorn-Virtuose Franz SCHALK wurde in Basel „ wegen zu hoher Honorarforderung“ zuerst abgewiesen, dann konnte man aber doch nicht widerstehen und arrangierte ein Konzert mit ihm.
Wie waren unsere Orchester zu jener Zeit? Man spielte zwar mit grossem Enthusiasmus, doch die Qualität war schlecht. Louis SPOHR, der berühmte Geiger und Komponist, schreibt in seiner Selbstbiographie über ein Konzert 1816 in Basel: ,,Da das Orchester mit Ausnahme von 4 oder 5 Künstlern nur aus Dilettanten besteht, war das Accompagnement meiner Solo-Piecen besonders von Seiten der Blasinstrumente fürchterlich“, und auch über die Konzerte in Zürich und Bern schreibt er nicht besser, nur in Zürich heisst es dann noch: „doch die Einnahmen waren viel brillanter!“
In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Anforderungen im Orchesterspiel immer grösser, und damit kam der Wunsch nach Orchestern mit mehr Berufsmusikern. Richard WAGNER hatte da in seiner Zürcher Zeit (1849-1855) neue Massstäbe gesetzt. Nicht nur in Zürich sondern auch in andern Städten entstanden jetzt Orchester mit Berufsmusikern, vor allem bei den Bläsern. Klarinettisten kamen in der Deutschschweiz aus Italien und Deutschland, in der Welschschweiz aus Frankreich, und so blieb es noch bis weit ins letzte Jahrhundert.
Von 1916 bis 1925 spielte z.B. im Orchester in Zürich der Italiener Edmondo ALLEGRA. Für ihn komponierte Ferruccio BUSONI das Concertino op. 48, das am 9. Dezember 1918 in Zürich zur Uraufführung kam, und für eine Aufführung des Klarinetten-Konzertes von MOZART komponierte BUSONI eine vom Orchester begleitete Kadenz. ALLEGRA spielte auch die Uraufführung der ,,Histoire du Soldat“ und der drei Solostücke von STRAVINSKY. Darauf komme ich später noch zurück.
Neben ALLEGRA war der aus Thüringen stammende Emil FANGHÄNEL. Man spielte also Boehm- und deutsche Klarinette nebeneinander, und so war es in allen Orchestern der Deutschschweiz. FANGHÄNEL wurde übrigens der Lehrer verschiedener junger Schweizer, denn Klarinettist zu sein wurde nun doch auch ein Beruf für Schweizer, und sie wurden Soloklarinettisten in verschiedenen Orchestern, wie etwa Rolf KUBLI, Hansjürg LEUTHOLD, Hans Peter RAAS und ich. Es gab auch andere gute Lehrer und Schüler in der Schweiz, und als 1939 zum ersten Male der Internationale Musikwettbewerb in Genf stattfand, wurde bei der Klarinette ein Schweizer der Preisträger, Robert GUGOLZ, der Soloklarinettist im Orchestre de la Suisse Romande wurde. Auch später, als man bei diesem Wettbewerb mit viel grösserer internationaler Konkurrenz zu kämpfen hatte, gab es Schweizer Preisträger, wie Antony MORF, Thomas FRIEDLI, Fabio di CASOLA. Für die Genfer Wettbewerbe wurden übrigens Pflichtstücke komponiert, das bekannteste davon ist sicher das Capriccio von Heinrich SUTERMEISTER, auch das Petit Concert vom Jean BlNET wird noch etwa gespielt.
Viele Schweizer Klarinettisten liessen sich in Paris weiterbilden, z.B. bei dem international bekannten Solisten Louis CAHUZAC, der oft in der Schweiz auftrat, andere arbeiteten etwa mit Jacques LANCELOT oder anderen. Der bekannteste Schweizer Schüler von CAHUZAC ist sicher Eduard BRUNNER. Er hatte vorher bei einem Italiener in Basel studiert. BRUNNER, ein international bekannter Solist, hat nicht nur viele CDs mit Werken klassischer Komponisten eingespielt, er ist auch ein Spezialist für neueste Spieltechniken, für ihn wurden viele interessante und schwierige Werke komponiert, von DENISOV, LACHENMANN, lsang YUN, Jean FRANCAIX und vielen andern. BRUNNER war auch viele Jahre Soloklarinettist im Orchester des Bayerischen Rundfunks in München – einem der besten Orchester Deutschlands – und das mit einer Boehm-Klarinette!
Ein anderer hochgeschätzter Spezialist für moderne Musik ist auch Ernesto MOLINARI, viel in Wien tätig. Ich könnte noch andere international bekannte Schweizer Klarinettisten erwähnen, auch in der „Freien Musikszene“, wie etwa Hans KOCH, Claudio PUNTIN, aber es würde nun zu weit führen, und Sie kennen sicher manchen.
Ich will jetzt noch zeigen, was die Schweiz zur Literatur für Klarinette, also zur Musik für unser Instrument beigetragen hat, und da komme ich auf Winterthur zu sprechen. Hier am Konservatorium war der in Zürich lebende Komponist und Dirigent Ernst HESS Theorielehrer. (Er lebte von 1912-1968 und ist nicht zu verwechseln mit dem Winterthurer Fagottisten und Komponisten Willy HESS, von dem verschiedene Klarinettenkompositionen erschienen sind.) Ernst HESS war immer auf der Suche nach interessanten unbekannten Werken der Klassik, und da fand er im Kloster Einsiedeln das Bassetthornkonzert von ROLLA, das ich mit ihm und dem Akademischen Orchester Zürich 1966 aufführte, und bald wurde ich auch für eine Plattenaufnahme gefragt. Das Bassetthorn als Soloinstrument war vorher kaum bekannt.
Ernst HESS war auch ein leidenschaftlicher Mozartforscher. In Winterthur liegt ja das einzige erhaltene Autograph zum Klarinettenkonzert von MOZART. Es ist jene Skizze zum ersten Satz, 199 Takte, hier in G-Dur für eine Klarinette in G, die bis zum tiefen C geht. Doch die letzten Takte sind schon für eine Klarinette in A geschrieben. Man vermutete darum schon lange, dass das Konzert ursprünglich für eine Klarinette die bis tief C geht, also eine Bassettklarinette komponiert war, man kannte aber nur die Version für die normale Klarinette, jene des Erstdrucks des Konzertes.
Ernst HESS fand nun in der ,,Allgemeinen Musikalischen Zeitung“ von 1802 einen Artikel über den Erstdruck des Konzertes. Dort heisst es, dass das Konzert ursprünglich für eine Bassettklarinette komponiert sei, und es werden manche Stellen angegeben, die geändert worden sind. Der Schreiber des Artikels sagt auch, er habe die Originalpartitur vor sich liegen, leider ist sie verloren.
Auf Grund dieses Artikels konnte HESS die Rekonstruktion der ursprünglichen Fassung machen. Man hatte zwar schon früher in Prag eine Fassung für Bassettklarinette gemacht und gespielt, aber damals wurde nur vermutet, dass das Konzert für Bassettklarinette geschrieben worden sei, einen Beweis hatte man nicht, und man kannte auch Stellen nicht, die geändert worden waren, oder wie sie geändert waren. Die Version von Ernst HESS ist die später in der Neuen Mozart-Ausgabe veröffentliche und heute allgemein gültige. (Da Ernst Hess schon gestorben war, besorgte Franz GlEGLlNG die Drucklegung.)
HESS hatte mir von der Originalfassung erzählt und sagte, „man müsste das mal spielen und hören können, doch niemand hat ein solches Instrument“. Ich ging nach Paris zu BUFFET, LEBLANC, und fragte, ob man mir eine Bassettklarinette bauen würde. Doch man schaute mich nur komisch an: ,,Qu’est-ce que vous voulez? On sait bien comment il faut jouer le Concert de Mozart“, es war nichts zu machen. Ich traf dann etwas später Rudolf UEBEL, von der Firma UEBEL in Markneukirchen. Er war selber Klarinettist und nun sehr interessiert. Er baute mir eine Bassettklarinette, und im Juni 1968 spielte ich beim Mozartfest in Augsburg zum ersten Mal die neue Version. Ernst HESS hatte das arrangiert. Und da kam nach dem Konzert Helmut MÜLLER-BRÜHL vom Kölner Kammerorchester und sagte, das müssen wir aufnehmen, und so entstand die erste Schallplattenaufnahme und machte die neue Version bekannt. Übrigens hatte HESS schon früher zwei der Divertimenti von MOZART KV 439b für zwei Klarinetten und Fagott, wie man sie damals kannte, für drei Bassetthörner rekonstruiert, und auch da entstand eine frühe Schallplattenaufnahme, die auf verschiedenen Marken in der Schweiz, in Frankreich und Amerika erschien.
Und nun komme ich noch auf den Winterthurer Werner REINHART zu sprechen. Er lebte von 1884-1951 und stammte aus einer reichen und sehr kunstfördernden Familie. REINHART war Geschäftsmann, aber auch ein guter Klarinettist, der vor allem auch die Bassklarinette und das damals selten gespielte Bassetthorn liebte. Er muss diese Instrumente gut gespielt haben, denn er wurde von besten Dirigenten immer wieder zur Mitwirkung in besonderen Partien in Orchesterkonzerten eingeladen, nicht nur in Winterthur, auch in Zürich, Lausanne und andern Städten. REINHART hatte durch seine finanzielle Unterstützung die Uraufführung der „Histoire du Soldat“ von STRAVINSKY ermöglicht, und STRAVINSKY schrieb für ihn als Dank die drei Solostücke. Der Titel auf dem Autograph lautet: ,,Musique pour clarinette solo, dédié a Werner Reinhart, Morges, Automne 1918″. Die Uraufführung dieser Stücke in Lausanne spielte, wie schon erwähnt, Edmondo ALLEGRA aus Zürich.
REINHART, ein Mann von hohem Kunstverständnis und grosser Bescheidenheit, war mit fast allen wichtigen Komponisten seiner Zeit in Kontakt, sie schätzten ihn sehr, er förderte die Aufführung ihrer Werke und unterstützte sie finanziell, wenn sie in Not waren, besonders in Kriegszeiten. Arthur HONEGGER widmete REINHART die Sonatine für Klarinette und Klavier (1921), Othmar SCHOECK komponierte für ihn die Sonate für Bassklarinette und Klavier (1927) – Solowerke für Bassklarinette waren damals noch kaum bekannt – Ernst KRENEK komponierte zu RElNHARTs 40. Geburtstag die ,,Kleine Suite“ für Klarinette und Klavier, Paul HlNDEMlTH widmete ihm das Quintett für Klarinette und Streichquartett, Op. 30, in welchem in einem Satz eine Es-Klarinette verlangt wird. Für die Uraufführung in Salzburg am 7. August 1923 besorgte REINHART für den Klarinettisten Philipp DREISBACH aus Stuttgart eine Es-Klarinette und schenkte ihm später noch ein besseres Instrument.
Wir verdanken also Werner REINHART interessante und wichtige Werke für unser Instrument, und zu erwähnen wären auch noch die Suite für Bassklarinette solo von Adolf BUSCH, ein Quartett für Bassetthorn und Streicher von Ernst HESS sowie ,,Sieben Studien“ für die gleiche Besetzung von Albert MOESCHINGER.
- Über Ammann, den Toggenburger Musikinstrumentenmacher, gibt es eine interessante Schrift. Sie ist zu beziehen bei Peter Kressig, Schulhaus, CH-9657 Unterwasser