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|Abt Coelestin Sfondrati (1687-1696)

Abt Cölestin Sfondrati
Cölestin Sfondrati, 1687-1696. *10.1.1644 (Alois) in Mailand als Sohn des Marchese Valeriano Sfondrati, Generalkommissär bei der spanischen Armee, und der Paula Marliana; sein Großoheim war Papst Gregor XIV., sein Onkel Kardinal Paolo Camillo Sfondrati, sein Urgroßvater Kardinal Francesco Sfondrati, der zunächst mit Anna Visconti verheiratet gewesen war; sein Bruder Karl Philipp war Bischof von Volterra; sein Großvater Herkules, der Bruder des Papstes Gregor XIV., war General der römischen Kirche; sein Bruder Herkules, Herzog von Monte Marziano, Generalpräfekt und General der römischen Miliz, war außerordentlicher Gesandter am Hofe Kaiser Leopolds 1.; sein Ahne Paul war Geheimrat König Philipps II. von Spanien. Am 15.8.1656 kam er nach St. Gallen und wurde in die Schule zu Rorschach aufgenommen. Auf seine Verwandtschaft mit der geistlichen und weltlichen Oberschicht soll hier nur hingewiesen werden. Profeß am 6.5.1660. Niedere Weihen am 14.5.1665; Subdiakon am 19.9.1665; Diakon am 24.9.1667; Priester am 26.5.1668; Primiz am 3.6.1668. Bereits am 21.11.1667 war er als Professor der Theologie nach Kempten geschickt worden. In St. Gallen selbst dozierte er seit 1669 Philosophie und seit 1671 Theologie. Seit dem 28.7.1675 amtete er als Magister Juniorum, seit dem 8.7.1678 als Offizial. Zum Studium des Kirchenrechts wurde er am 12.10.1679 an die Universität Salzburg entsandt. Gegen Ende 1679 doktorierte er dort in Theologie und in den beiden Rechten. Alsbald begann er seine Tätigkeit als gefeierter Professor für Kirchenrecht. Im Sommer 1680 machte ihn der Salzburger Erzbischof zum Geistlichen Rat. Am 15.1.1683 kehrte er nach St. Gallen zurück. Abt Gall ernannte ihn am 3.3.1683 zum Beichtvater in St. Georgen. Bereits am 14.6. desselben Jahres wurde er jedoch nach Rorschach versetzt. Am 30.7.1684 wurde er erneut Offizial. 1683 verhandelte er mit Weingarten über einen engeren Anschluß dieses Klosters an die Schweizerische Benediktinerkongregation. In Regensburg vertrat er am 1.11.1684 St. Gallen auf der ersten Tagung der Bayerischen Benediktinerkongregation. In Salzburg hatte er sein bekanntestes Werk, das gegen den Gallikanismus gerichtete "Regale Sacerdotium" verfaßt, das 1684 in St. Gallen im Druck erschien. Als Erwiderung auf die Antwort des Jesuiten Maimberg publizierte er die "Gallia vindicata". Papst Innozenz XI. rief ihn am 30.10.1686 nach Rom, da er ihn wegen des "Regale Sacerdotium" zum Bischof von Novara ernennen wollte. Sfondrati zögerte jedoch, die Würde anzunehmen. Nach dem Tod Abt Galls wurde er vom Kapitel unter Vorsitz des Nuntius Giacomo Cantelmi und im Beisein der Äbte Augustin von Einsiedeln und Basil von Rheinau am 17.3.1687 zum St. Galler Abt erwählt. Konfirmation am 24.11.1687 durch Papst Innozenz XI. Aus verschiedenen Gründen, u.a. auch wegen der Vakanz der Nuntiatur, nahm Nuntius Marcello d'Asti die Benediktion erst am 4.5.1692 vor. Während der Hungersnot von 1689 versuchte er, die Not durch Aufkauf und Verteilung von Lebensmitteln an die Bedürftigen zu lindern. Ein Jahr später führte er in Rorschach eine Synode durch (8.-10.5.1690), welche die Verbesserung der Seelsorge zum Ziele hatte. Bei der Papstwahl von 1691 war er Papabile und erhielt nach Ildefons von Arx drei Stimmen. Auch bei der Churer Bischofswahl im folgenden Jahr entschieden sich fünf Domherren für den St. Galler Abt. Vergeblich versuchte er indes, die einstige St. Galler Besitzung Massino in der Lombardei wieder an die Abtei zu bringen. Angesichts der politischen Unsicherheit in der Eidgenossenschaft begann er, einen Kriegsfonds anzulegen und das Militärwesen zu verbessern. Um die Verbindung zu den Katholischen Orten sicherzustellen, wurde der Bau der Hummelwaldstrasse über den Ricken vorbereitet. Im übrigen kümmerte er sich persönlich in viel stärkerem Masse als sein Vorgänger um die politischen Geschäfte, während Abt Gall stark auf den Landeshofmeister Fidel von Thurn abgestellt hatte, der dann 1693 seinen Rücktritt vom Hof nahm. Papst Innozenz XII. kreierte ihn am 12.12.1695 zum Kardinal. Daraufhin resignierte Cölestin am 10.1.1696 als Abt. Bereits am 13.1.1696 reiste er zusammen mit den Konventualen Hermann Schenk und Dominik Ritter nach Rom, wo er am 9. Februar eintraf. Am 18. Februar erhielt er vom Papst die Titularkirche S. Cecilia in Rom. Als Kardinal gehörte er der Riten-, der Index-, der Propaganda-, der Konzils-, der Konsistorialkongregation sowie dem Heiligen Offizium an. Außerdem war er seit dem 14.3.1696 Protektor der Cassinensischen Benediktinerkongregation. Schwierigkeiten bereitete ihm die Beschaffung der fehlenden finanziellen Mittel, um die ziemlich bedeutenden Ausgaben und Aufwendungen zu begleichen, die der Purpur mit sich brachte. Seine Gesundheit war bereits angeschlagen; schon am 4.9.1696 starb er an Krebs. Auf seinen testamentarischen Wunsch hin brachte P. Hermann Schenk das Herz des Kirchenfürsten nach St. Gallen, wo es in der Klosterkirche beigesetzt wurde, während sein Leib in Rom (S. Cecilia) ruht. Cölestin Sfondrati ist in der Reihe der neuzeitlichen St. Galler Äbte trotz relativ kurzer Regierungszeit eine der bedeutendsten Persönlichkeiten. Seine Gelehrsamkeit, seine wissenschaftlichen theologischen und kanonistischen Werke, seine Initiative und Tatkraft, seine vorbildliche religiöse und sittliche Lebensführung verfehlten nicht den tiefen Eindruck auf Zeitgenossen und Nachfahren.
(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)