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«The most splendid object in the Alps», der eisig-gneisige Edelstein der Walliser Alpen, an dem die berühmtesten Alpinisten ihre Spuren hinterliessen – kletternd und schreibend. Und das alles frisch fotografiert, recherchiert, zusammengefasst, zitiert und neu verfasst in einer hervorragend gestalteten Bergmonografie der bewährten Alpinpublizisten-Seilschaft Anker/Volken. (Die Redaktion.)
„An eminence in the ridge which cut off the view of the summit was now the object of our exertions. We reached it; but how hopelessly distant did the summit appear! Benen laid his face upon his axe for a moment; a kind of sickly despair was in his eye as he turned to me, remarking, ‚Lieber Herr, die Spitze ist noch sehr weit oben.'“
Ausschnitt aus dem Buch „Mountaineering in 1861. A vacation tour“ des irischen Physikers und Alpinisten John Tyndall; es kam 1862 heraus. Wichtigstes Kapitel darin: die erste Besteigung des stolzen Weisshorns (4506 m) am 19. August 1861 durch den Verfasser, den Walliser Bergführer Johann Joseph Benet (die Engländer nennen ihn Benen oder Bennen) und seinen Berufskollegen aus Grindelwald, Ulrich Wenger. Eine der grossen Erstbesteigungen, deren Jubiläum wir in diesem Jahr feiern. Und einer der klassischen Texte der frühen Alpinliteratur.
Tyndalls Weisshorn-Bericht fand auch Eingang in sein Buch „Hours of exercise in the Alps” (1871); in diesem Jahr – was für ein Zufall! – erschienen ebenfalls „Scrambles amongst the Alps in the years 1860-69“ von Matterhorn-Erstbesteiger Edward Whymper und „The playground of Europe“ von Schreckhorn-Erstbesteiger Leslie Stephen (diese Tour fand ebenfalls vor 150 Jahren statt). Tyndalls „Stunden der Arbeit in den Alpen” wurden 1872 unter dem Titel „In den Alpen“ auf Deutsch publiziert; 1899 folgte die zweite Auflage. Der Text hat nichts von seiner Frische und Forschheit verloren. Noch immer staunt man, mit wie viel Energie, Können und Glück die drei Alpinisten das Weisshorn, „perhaps the most splendid object in the Alps“ (Tyndall, 1862), vom Biwakplatz unweit der heutigen, vor 111 Jahren eingeweihten Weisshornhütte auf einem unbekannten Weg erstiegen und gleichentags noch nach Randa abstiegen. Man staunt, wie der Schreiber mit seinen Begleitern über den ausgesetzten Grat balanciert, und wie er die Balance zwischen Bericht und Reflexion hält. Tyndall war ja Alpinist und Wissenschaftler zugleich; dabei erforschte er nicht nur die Natur, sondern auch sich selbst. So spannend können offenbar Arbeitsstunden sein.
Nun ist „The Weisshorn“ by John Tyndall in einem druckfrischen Weisshorn-Buch zu finden. Es heisst im Untertitel „Der Diamant des Wallis“ und zeigt diesen auf 173 Seiten und mit 195 Abbildungen von allen Seiten, von Crans-Montana, von der Cabane d’Arpitetta wie vom Kleinen Matterhorn; schildert den eisig-gneisigen Edelstein mit berühmten Alpinisten wie eben Tyndall, wie Geoffrey Winthrop Young, wie Josef Knubel oder Eleonore Noll-Hasenclever (für die das Weisshorn zum Grabstein wurde); lässt Alpinisten über die hoch oben leuchtende Spitze räsonieren. Zum Beispiel Louis Seylaz, der 1907 im „L’Écho des Alpes“ festhielt : „À 7 h. 30 notre drapeau flottait au sommet. La lutte avait été dure, mais quelle récompense qu’une heure passée au sommet du Weisshorn. Elle payerait une année de travail.“
Daniel Anker, Marco Volken: Weisshorn – Der Diamant des Wallis. AS Verlag, Zürich 2011. Fr. 54.-
Jubiläumsfeier und Buchvernissage zum Weisshorn finden am Freitag, 24. Juni 2011, um 19 Uhr in der Mehrzweckhalle Randa statt. Diese befindet sich gleich gegenüber dem Bahnhof. Ihr seid herzlich eingeladen.