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Chinas Führer sind verärgert über die Aufdeckung der grossen Vermögen ihrer Familien durch westliche Medien. Der Korrespondent der «New York Times», Chris Buckley, musste jetzt das Land verlassen. Die Zeitung vermutet einen Racheakt.
Buckley wurde gestern des Landes verwiesen. Sein Visum sei nicht verlängert worden, teilte die Zeitung mit. Die «New York Times» habe die örtlichen Behörden mehrmals vergeblich um eine Verlängerung von Buckleys Akkreditierung gebeten, sagte Chefredaktorin Jill Abramson. Es sei bedauerlich, dass er dennoch dazu gezwungen wurde, sich aus China abzusetzen.
Das chinesische Aussenministerium habe jeden Kommentar zu dem Fall abgelehnt, teilte die Zeitung weiter mit. Beobachter vermuten allerdings einen Zusammenhang mit deren Enthüllungen über den grossen Reichtum der Familie von Ministerpräsident Wen Jiabao.
Buckley arbeitete seit zwölf Jahren als akkreditierter Journalist in China - erst für die «New York Times», dann seit 2005 für die Nachrichtenagentur Reuters, bevor er im September wieder zu der US-Zeitung zurückkehrte.
Hoffen auf baldige Rückkehr
Nach seiner Ausweisung flog der 45-jährige Australier mit seiner Frau und seiner zwölfjährigen Tochter zunächst nach Hongkong. Nach seiner Ankunft äusserte er am Dienstag die Hoffnung, bald wieder nach China zurückkehren und seine Berichterstattung fortsetzen zu können.
Buckley wollte sich nicht dazu äussern, ob seine Ausweisung mit den Enthüllungen der Zeitung über die riesigen Reichtümer der Familie von Wen Jiabao zusammenhängt. Er selbst war an den Enthüllungsgeschichten nicht einmal beteiligt.
Druck auf ausländische Journalisten erhöht
Ein Kommentar der «International Herald Tribune», der weltweiten Ausgabe der «New York Times», fragte allerdings: «Übt China Vergeltung an westlichen Journalisten?» Das Blatt sprach von einem «Kalten Krieg gegen Nachrichtenorganisationen», die mit ihren Berichten die chinesischen Führer verärgert hätten.
Das in New York ansässige Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) äusserte sich «besorgt». Asiendirektor Bob Dietz sagte: «Wir drängen die chinesischen Behörden, seine Akkreditierung so schnell wie möglich zu bewilligen.» Die chinesischen Behörden verschärften den Druck auf ausländische Journalisten, stellte das Komitee fest.
Dietz verwies unter anderem auf die Ausweisung der amerikanischen Journalistin Melissa Chan im Mai sowie die Blockade der Webseiten der «New York Times» und der US-Nachrichtenagentur Bloomberg, nachdem sie über die geschäftlichen Aktivitäten und Vermögen der Verwandten von Regierungschef Wen Jiabao und des neuen Parteichefs Xi Jinping berichtet hatten.
Auch verweigert China dem designierten künftigen Bürochef der «New York Times» in Peking, Philip Pan, seit Monaten bereits ein Journalistenvisum.
Hohe Führer unantastbar
«Die Visumprobleme erfolgen vor dem Hintergrund des Drucks der Regierung auf ausländische Nachrichtenmedien wegen der Recherchen in die Finanzen führender chinesischer Führer, die eine heikle Angelegenheit sind», schrieb die «New York Times». «Über Korruption wird in China umfangreich berichtet, aber die hohen Führer werden als unantastbar betrachtet.»
jev/sda