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In den 1950er Jahren ging die Bankleitung daran, einen Überfallfonds einzurichten. Er sollte die finanziellen Folgen abdecken, die sich aus Überfällen und tätlichen Angriffen gegen die Bank oder ihre Organe im Zusammenhang mit der Banktätigkeit ergaben – sofern die Unfallkasse oder Pensionskasse nicht den vollen Schaden übernahm. Ferner sollten aus dem Fonds auch Personen belohnt werden, die durch mutigen Einsatz den Erfolg eines Angriffs verhinderten. Wie real die Verletzungsgefahr war, zeigte sich 1961 bei einem Überfall auf eine Agentur, bei dem der Räuber mit einem Kilostein auf den Kopf des Agenturleiters eingeschlagen hatte. Die Erleichterung im Bankrat war gross, dass der Agenturleiter nur einen «Kopfschwartenriss» erlitten hatte, da der Schlag auch zum Tod hätte führen können. Der Direktor stellte in diesem Zusammenhang nochmals klar, dass er den Verwaltern immer wieder einbläue, sich nicht des Geldes wegen zur Wehr zu setzen, da es versichert sei.
Alarmanlagen, Pistolen und ein knurrender Hund
Die Vermeidung von Überfällen auf Bankniederlassungen gehörte seit Gründung der Zürcher Kantonalbank zum Sicherheitsdispositiv. Schon in den Anfangsjahren installierte man Alarmanlagen, und später dachte die Leitung auch an eine Bewaffnung der Filialen. Diese wurde im Zweiten Weltkrieg schliesslich forciert, und es wurden Schiessübungen abgehalten. Doch längerfristig ging der Trend weg von der aktiven Abwehr hin zu passiven Sicherheitsmassnahmen.
Goldvreneli als Belohnung
Trotz den Appellen, sich nicht zu wehren, unterliess man es nicht, geschicktes Handeln bei Überfällen zu belohnen, wie im Überfallfonds vorgesehen. So übergab die Bankleitung einer stellvertretenden Agenturleiterin, die 1975 «durch geistesgegenwärtiges Verhalten» einen Raubüberfall vereitelte, zwei Goldvreneli und eine Schachtel Praliné. Einem zufällig anwesenden Kunden, der mit einer Pistole bedroht wurde, händigte man zudem als Genugtuung 200 Franken aus. In den 1980er Jahren investierte die Bank zum Schutz vor Überfällen vermehrt in die Panzerverglasung der Schalter. Für kleinere Agenturen waren solche Massnahmen aber unverhältnismässig, sodass ein Bankrat zur Verbesserung der Sicherheit die Anschaffung von Hunden ins Spiel brachte – nach Vorbild einer Agentur, deren Leiterin ihren Hund in die Bankräumlichkeiten mitnahm. Aufgrund der geringen Kundenakzeptanz für tierische Bewacher sah man aber davon ab.
Bankräuber als guter Kunde
Die latente Überfallgefahr förderte beim Bankpersonal einen gewissen Galgenhumor. An der Fasnacht im März 1990 verkleideten sich die Angestellten der Filiale Volketswil als Sträflinge und empfingen in dieser Aufmachung die Kundschaft. «Alle waren überrascht, dass der Verbrecher, der sonst Kopf und Kragen riskiert, um an das liebe Geld zu gelangen, plötzlich freien Zugriff in die Kasse hatte», hiess es dazu in einem launigen Bericht der Personalzeitung. Um die Kundinnen und Kunden aber nicht allzu sehr zu erschrecken und die Fasnachtsstimmung zu unterstreichen, war der Schalterraum vorher mit unzähligen Ballonen dekoriert worden. Bei der Identitätskontrolle der Kunden erlaubte sich das Schalterpersonal in Sträflingskluft zudem folgenden Scherz: Die Identifikation sei heute nicht nötig, da man sich ja aus der Strafanstalt Regensdorf schon kenne. Die Redaktion der Personalzeitung druckte neben dem Bericht zu Volketswil auch noch eine weitere nicht ganz ernstgemeinte Geschichte ab: Nach einem erfolgreichen Überfall liess sich angeblich ein Bankräuber beim Weggehen vom Filialleiter dazu überreden, das erbeutete Geld sicher und zu einem guten Zins gleich bei ihnen auf der Bankfiliale wieder anzulegen.
Da heute an den Schaltern kein Bargeld mehr gelagert wird, sind die klassischen Überfälle selten geworden. Die Tätigkeit von Verbrechern verlagerte sich zuerst auf das gewaltsame Öffnen von Bancomaten und später in die digitalen Sphären.
Titelbild: Als Sträflinge verkleidete Mitarbeitende der Filiale Volketswil an der Fasnacht 1990.