Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03271.jsonl.gz/206

Nahrungsmittelallergien
Nach eigenen Aussagen sind etwa 20 % der Bevölkerung der Schweizer auf Nahrungsmittel allergisch. Nachgewiesen ist es jedoch bei nur 2–8 %. Wenn Sie Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie haben, sollten Sie auch unterscheiden ob es sich um eine Nahrungsmittelunverträglichkeit[1] handelt. Dies ist allerdings nicht ganz einfach, da die Symptome oft sehr ähnlich sind.
Am häufigsten entwickeln Kleinkinder Allergien auf Nahrungsmittel. Mit zunehmendem Alter vertragen sie diese dann häufig wieder, daher empfiehlt es sich Kinder alle 2 Jahre wieder auf Verträglichkeit zu testen.
Nahrungsmittelallergie oder Unverträglichkeit?
Wenn Sie eine Nahrungsmittelunverträglichkeit haben, sind in Ihrem Körper zu wenig Enzyme vorhanden oder fehlen gänzlich, um bestimmte Nahrungsbestandteile entsprechend aufzubereiten. Das bedeutet, dass Ihr Körper nicht in der Lage ist, diese zu verdauen und zu verwerten. Wenn Sie allerdings eine Nahrungsmittelallergie haben, bilden Sie bestimmte IgE-Antikörper gegen Eiweisse (Proteine) in dem Lebensmittel, die dann zu Reaktionen oder dramatischen Folgen führen können.
Eine Nahrungsmittelallergie kann entweder eine Allergie direkt auf ein Lebensmittel sein, also z.B. auf Kuhmilch, Fischeiweiss, Meeresfrüchte, Nüssen und andere Lebensmittel, oder sie kann durch eine Kreuzallergenität zu bestimmten Pollen, der sogenannten pollenassoziierten Nahrungsmittelallergie, verursacht werden (mehr dazu unten im Abschnitt zu Kreuzreaktionen).
Dies passiert, weil Pollenallergene bisweilen eine grosse Ähnlichkeit zu bestimmten Nahrungsmittelallergenen aufweisen wie z.B. in Obst, Gemüsen und Nüssen. Deswegen kann es im weiteren Verlauf bei einer bestehenden Allergie auf bestimmte Pollen zusätzlich zu einer Nahrungsmittelallergie kommen.
Welche Symptome deuten auf eine Nahrungsmittelallergie hin?
Wenn Ihnen die folgenden Erscheinungen unmittelbar nach Genuss von Mahlzeiten oder Getränken bekannt vorkommen, könnte Verdacht auf eine Allergie oder Unverträglichkeit bestehen:
- Juckreiz an Lippen und im Hals
- ein pelziges Gefühl in Mund und Gaumen
- Schwellungen der Lippen, Zunge sowie der Schleimhaut von Wangen und Rachen
- Erbrechen, Magen- oder Bauchkrämpfe
- Durchfall
- Kreislaufversagen
- Reaktionen der Haut, z.B. Ekzeme, Urtikaria, oder Nesselsucht
- Atemnot
- Asthmaanfälle, bis hin zu anaphylaktischen Schocks.
Bei einem anaphylaktischen Schock handelt es per Definition um eine maximale Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems auf eine bestimmte Substanz. Diese ist akut lebensbedrohlich und jede anaphylaktische Reaktion muss von einem Arzt behandelt und überwacht werden.
Es ist wichtig für Sie zu wissen, dass bei einer anaphylaktischen Reaktion schnelle Hilfe lebensrettend ist. Dies sind die Schritte, die Sie anwenden sollten:
- Notarzt mit 144 benachrichtigen.
- Notfallset anwenden, falls vorhanden (Allergiker haben es oft bei sich).[2]
- enge Kleidungsstücke entfernen
- bei Atemnot: sitzende Haltung
- bei Schocksymptomen: Schocklagerung (auf dem Rücken, Füsse erhöht)
- bei Bewusstlosigkeit: stabile Seitenlage
- Lebenszeichen kontrollieren
- bei fehlenden Lebenszeichen: Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten
Falls einer solche Reaktion bei Ihnen selbst wahrscheinlich ist, sollten Sie unbedingt einen Allergiker-Pass mit sich führen und ihre engste Umgebung wie Familie, Freunde und Arbeitskollegen informieren, damit auch diese wissen, was im Notfall zu tun ist.
Was sollten Sie tun, wenn Sie Verdacht auf eine Allergie haben?
Eine sehr einfache und zugleich die effektivste Methode zur Diagnose, die Sie bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie anwenden können, ist das Führen eines Tagebuchs (Beschwerde kalendar oder e-Symptom App). Notieren Sie kontinuierlich Angaben zur Ernährung sowie auftretende Beschwerden. Auf Basis Ihrer Aufzeichnungen können Sie zeitliche Zusammenhänge zwischen potenziell unverträglichen Nahrungsmitteln und Allergiesymptomen erkennen.
Dabei ist es am Besten, wenn Sie zunächst mit einer Basisdiät beginnen, die aus einigen Lebensmitteln mit sehr geringem Allergierisiko besteht. Dann können Sie jeweils nach einigen Tagen ein weiteres Nahrungsmittel hinzunehmen. Stellt sich bei bestimmten Lebensmitteln eine Unverträglichkeit und damit eine mutmassliche Allergie dagegen heraus, dann sollten Sie über mehrere Wochen eine entsprechende Ausschlussdiät einhalten, in der Sie das verdächtige Nahrungsmittel konsequent vermeiden (Nahrungsmittelkarenz). Beobachten Sie auch dabei Ihre Symptome konsequent und aufmerksam.
Achten Sie ausserdem sorgfältig auf versteckte Quellen in Backwaren, Wurstwaren, Gewürzmischungen sowie Halbfertig- und Fertigprodukten und lesen Sie die Zutaten immer aufmerksam, um Inhaltsstoffe die Allergien auslösen könnten zu identifizieren.[3]
In Folge auf die Nahrungsmittelkarenz können Sie eine sogenannte Provokationsdiät einsetzen, bei der das betreffende Nahrungsmittel bewusst wieder verzehrt wird, um zu sehen, ob Sie wieder Allergiesymptome erfahren. Alternativ können Sie auch eine sogenannte Rotationsdiät durchführen, bei der verschiedene potenziell allergieauslösende Nahrungsmittel in einer bestimmten Reihenfolge gegessen werden.
Tipps zum Führen eines Ernährungs-Tagebuches
- Legen Sie mit einem Ernährungsberater einen Ernährungsplan fest.
- Starten Sie mit einer Basisdiät (3 bis 5 Tage).
- Fügen Sie immer neue Nahrungsmittel zu Ihrem Plan hinzu (alle 2 bis 3 Tage) und achten Sie sorgfältig auf mögliche Allergiesymptome.
- Beschreiben Sie Ihre Beobachtungen beständig und detailliert.
- Testen Sie identifizierte Auslöser in verringerten Mengen aus.
Dann ist es empfehlenswert, Bluttests oder Hauttest für verdächtige Nahrungsmittel machen zu lassen, die eine zweifelsfreie Diagnose ermöglichen.
Weitere Tipps und Tricks
- Halten Sie Ihre allergieauslösenden Nahrungsmittel auf „Visitenkarten“ schriftlich fest und geben Sie diese dem Personal im Restaurant beim Bestellen.
- Sollten Sie verreisen, stellen Sie sicher, dass sie solche Karten in die jeweilige Landessprache übersetzt mitnehmen.
- Wenn Sie bei Familie und Freunden eingeladen sind, lassen Sie die Gastgeber Genaueres über die Allergie wissen und bieten Sie an, etwas Allergenfreies mitzubringen.
- Prüfen Sie vor jedem Kauf Zutatenlisten auch von bekannten Lebensmitteln immer wieder. Rezepturänderungen können jederzeit vorgenommen werden. Hersteller oder Grossverteiler geben bei Unsicherheiten gerne Auskunft. Die Kontaktangaben können Sie auf der Verpackung finden.
Wissenswertes
Erwachsene sind am häufigsten allergisch auf:
- Haselnüsse,
- Sellerie,
- Äpfel,
- Baumnüsse und
- Kiwi.
Besonders schwerwiegende allergische Reaktionen treten bei Erdnüssen, Meeresfrüchten oder Nüssen und Sesamsamen auf.
Kreuzreaktionen zwischen Birkenpollen und rohem Stein- und Kernobst sind häufig, kommen aber auch zwischen Milben und Meeresfrüchten sowie Latex und exotischen Früchten vor.
Kinder reagieren typischerweise auf Kuhmilch, Hühnerei, Erdnuss und Nüsse. Nahrungsmittelallergien, die im Säuglings- und Kleinkindalter auftreten, verlieren sich oftmals nach einigen Jahren, meist bis etwa zum fünften Lebensjahr. Danach kann es bei den betreffenden Kindern aufgrund einer entsprechenden Veranlagung jedoch zu einer erneuten Sensibilisierung gegen andere Allergene, wie etwa Pollen, kommen.
Wenn Jugendliche oder Erwachsene allergisch auf bestimmte Nahrungsmittel reagieren, liegt oft keine ursprüngliche Sensibilisierung gegen das betreffende Nahrungsmittel vor, sondern eine sekundäre Nahrungsmittelallergie aufgrund einer Kreuzallergie.
Dies führt uns zum nächsten verwandten und wichtigen Thema, den Kreuzreaktionen.
Was ist eine Kreuzreaktion?
Eine Kreuzallergie liegt dann vor, wenn die gegen bestimmte Allergene gerichteten Immunglobulin-E-Antikörper (IgE-Antikörper) auch andere, ähnliche Allergene aus anderen Allergenquellen erkennen und bei Kontakten mit diesen ebenfalls allergische Reaktionen auslösen. So kann es beispielsweise vorkommen, dass das Immunsystem nicht nur auf Pollen bestimmter Bäume, Gräser oder anderer Pflanzen, sondern auch auf Inhaltsstoffe bestimmter Obstsorten, Gewürze oder Nüsse, in denen ähnliche Allergene vorhanden sind, reagiert. Eine Kreuzreaktion ist also eine Gruppen-Allergie auf ähnliche oder verwandte Proteine.
Wenn Sie davon betroffen sind, reagieren Sie auf mehrere scheinbar unabhängige Substanzen gleichzeitig allergisch. Meist handelt es sich um eine Nahrungsmittelallergie, deren Ursache auf eine Pollen- oder Latexallergie zurückzuführen ist. Häufige Beispiele für eine Kreuzreaktion sind das Birkenpollen-Nuss-Kernobst- oder das Beifuss-Sellerie-Gewürz-Syndrom. Wenn Sie also auf Birkenpollen sensibilisiert sind, könnten Sie gleichzeitig auf Äpfel und Nüsse allergisch reagieren und umgekehrt.
Wie kann ich eine Kreuzreaktion erkennen?
Wenn Sie von einer Pollenallergie betroffen sind, und beim Essen von bestimmten Nahrungsmitteln ein Kribbeln im Gaumen, ein Brennen und Jucken im Mundbereich und an den Lippen verspüren oder gar eine Schwellung im Gesicht entwickeln, sollten Sie eine Kreuzreaktion in Betracht ziehen, und sich dementsprechend beobachten und später testen lassen, wenn Ihre Beobachtungen bestätigt werden.
Welche Kreuzreaktionen sind typisch und wie kann ich diese vorbeugen?
Wenn Sie an einer Baumpollenallergie leiden, ist es zu 70 Prozent wahrscheinlich, dass Sie eine Kreuzreaktionen mit Nahrungsmitteln haben können. Bei einer Beifuss- und Gräserpollenallergie kommen Kreuzreaktionen weniger häufig vor.
Häufig sind die folgenden Kreuzreaktionen:
Birkenpollen-Nuss-Kernobst-Syndrom
- Birke, Erle, Hasel (Januar–April)
- Kern- und Steinobst (Äpfel, Birnen, Pflaumen, Aprikosen, Kirschen, etc.), Haselnuss, Walnuss, Mandeln, Tomaten, Karotten, Sellerie, Mango, Avocado, Fenchel, Kiwi, Litchi.
Beifuss-Sellerie-Gewürz-Syndrom
- Beifuss (Juli–August)
- Sellerie, Karotten, Fenchel, Artischocken, Kamille, Pfeffer, Senf, Dill, Petersilie, Koriander, Kümmel, Anis, Sonnenblumenkerne.
Weitere typische Kreuzreaktionen
- Gräser (Mai–Juli)
- Erdnuss, rohe Kartoffeln, Soja, Kiwi, Tomaten, Melone, Getreide, Pfefferminze.
Vorbeugung
Wenn Sie beim Essen ein Kribbeln/Beissen im Mund oder im Rachen bemerken sollten, Ihr Energiespiegel rapide abnimmt, oder Sie einen inneren Widerwillen gegen ein Nahrungsmittel spüren, dann sollten Sie es nicht mehr konsumieren. Beim Kochen oder Erhitzen werden viele Proteine verändert oder zerstört und können wieder gegessen werden.
Eine Pollentherapie lässt sich in manchen Fällen mittels einer Desensibilisierung vermindern und verringert dadurch gelegentlich auch die Kreuzreaktion auf Nahrungsmittel.
Wenn Sie in der Vergangenheit an Empfindlichkeiten gelitten haben, oder generell zur Vorbeugung von Lebensmittelallergien ist es sinnvoll, nicht zu oft und vor allem nicht täglich die gleichen Lebensmittel zu essen. Grundsätzlich ist bei Allergien der häufige Kontakt ein weitverbreiteter Auslöser.
Essen Sie bespielsweise nicht jeden Tag die gleiche Gemüsemischung in Salaten, da sonst viele potenziell allergieauslösende Stoffe zusammen aufgenommen werden. Versuchen Sie stattdessen, nur gelegentlich und nur geringe Mengen des entsprechenden Nahrungsmittels zu essen und beobachten Sie Ihre Reaktionen.
Stillen ist eine gute vorbeugende Massnahme für Ihre Kinder. Kinder, die ausschliesslich gestillt werden, leiden deutlich seltener an Nahrungsmittelallergien als Kinder, die nicht gestillt wurden.
Diagnose und Differenzialdiagnose
Wenn Sie Verdacht auf eine Kreuzallergie haben, sollten Sie sich weiter aufmerksam selbst beobachten, und idealerweise Reaktionen in einem „Symptomtagebuch“ (e-Symptoms App) aufzeichnen.
Eine Diagnose wird in der Regel mithilfe eines Allergietests Hauttest und Bluttests gestellt, doch in vielen Fällen werden Sie selbst durch Ihre Aufzeichnungen schon entsprechende Beobachtungen gemacht und festgestellt haben, dass Sie beispielsweise nicht nur mit den typischen Heuschnupfen-Symptomen auf eine entsprechende Pollenbelastung reagieren, sondern auch Unverträglichkeitsreaktionen beim Verzehr bestimmter Nahrungsmittel an sich beobachten.
Abzugrenzen sind Kreuzallergien von Nahrungsmittel-unverträglichkeiten[4], bei denen dem Körper z.B. bestimmte Enzyme teilweise oder ganz fehlen, wie beispielsweise bei einer Laktose-, Gluten- oder Histaminintoleranz. Diese werden in unserem nächsten Blogartikel ausführlich behandelt, also wieder ein Grund einmal hineinzuschauen!
Welche Diagnosemöglichkeiten und Behandlungen gibt es?
Informationen in diesem Newsletter, ersetzen nicht den Besuch bei Ihrem Arzt, um allfällige andere Krankheiten auszuschliessen oder eine Diagnose zu erstellen.
Quelle: aha.ch
[1] Diese werden in unserem nächsten Blogartikel ausführlich behandelt!
[2] In der Schweiz sind SOS-Kapseln wenig bekannt, können aber hilfreich sein.
[3] In der Verordnung des EDI über die Kennzeichnung und Anpreisung von Lebensmitteln (LKV) sind allergene Zutaten aufgelistet, die zwingend deklariert werden müssen, auch wenn sie nur in kleinsten Mengen (z.B. als Zusatzstoff) beigefügt werden oder Bestandteil einer Zutat sind (z.B. bei Gewürzmischungen) http://www.admin.ch/ch/d/sr/8/817.022.21.de.pdf, (Artikel 8)
[4] Diese warden in unserem nächsten Newsletter ausführlich behandelt, also bitte wieder reinschauen!