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Schutz unseres kostbaren Lebenselixiers
Bis zur Erneuerung des Schweizerischen Lebensmittelgesetzes im Jahre 1992 spielte das Kantonale Labor bei der Qualitätssicherung in der Wasserversorgung eine dominierende Rolle. Der Kantons-Chemiker trug damit weitgehend die Verantwortung für die Trinkwasserqualität. Mit der 1995 erfolgten Inkraftsetzung des neuen Gesetzes, das ausdrücklich eine Selbstkontrolle vorschreibt, änderte sich dies grundlegend. Von den Trinkwasserproduzenten wurde eine systematische Qualitätssicherung nach einem klar festgelegten Konzept verlangt. Aufgrund dieser Vorgabe begann IWB, umfangreiche Risikoanalysen durchzuführen. Zudem galt es, ein Qualitätsmanagementsystem einzuführen und die fachliche Kompetenz zu erhöhen. Seither ist viel passiert.
Qualitätssicherung des Trinkwassers im Jahr 2018
Das Wasser, das IWB aus dem Rhein entnimmt, tritt in den Langen Erlen eine spannende Reise an. Sie führt über Sandfilter, Wässerstellen, Grundwasser, Reservoire und durch ein Netz von Leitungen bis zu den Wasserhähnen der Konsumenten. Die einzigartige naturnahe Aufbereitung mit einem biologischen Reinigungsprozess im Waldboden hat grossen Anteil daran, dass das Basler Trinkwasser stets alle Qualitätsanforderungen erfüllt.
Schema der Trinkwasserproduktion in den Langen Erlen
Wasserentnahme aus dem Rhein
Die Trinkwasserversorgung von Basel-Stadt basiert auf einer Grundwasseranreicherung, welche in den Langen Erlen von IWB und im Hardwald durch die Hardwasser AG durchgeführt wird. Das in Basel natürlich vorhandene Grundwasser würde für die Trinkwasserversorgung der Stadt nämlich nicht ausreichen. Um Grundwasser anzureichern, wird Rheinwasser durch eine Rohwasserpumpstation in der Nähe des Kraftwerks Birsfelden aus dem Rhein entnommen. Bevor das Rheinwasser durch Leitungen in die Langen Erlen gelangt, entfernt eine Rechenanlage grobe Bestandteile. Die Qualität des Rheinwassers wird dabei ununterbrochen durch verschiedene Messeinrichtungen überwacht. Die Messgeräte messen Eigenschaften wie Trübung, Temperatur und pH-Wert (physikalische Werte). Bei Qualitätsabweichungen wird die Rohwasserentnahme automatisch gestoppt. Gleichzeitig wird permanent automatisch Wasser aus dem Rhein entnommen und in ein Analysegerät geleitet, in welchem Wasserflöhe (Daphnien) leben. Die Flöhe werden von Kameras beobachtet, die an ein Computersystem angeschlossen sind. Verhalten sich die Wasserflöhe ungewöhnlich, wird automatisch ein Alarm ausgelöst.
Schnellfilteranlage (Sandfilter)
Über Leitungen gelangt das Rheinwasser anschliessend in die Schnellfilteranlage in den Langen Erlen. Dort wird es auf 20 Filterbecken verteilt. In den Becken durchströmt das Wasser eine Quarzsandschicht, welche in jedem Becken etwa 85 cm dick ist. Diese Sandschicht hält Schwebstoffe aus Sand, Ton und organischem Material zurück. Das Wasser verlässt die Sandschicht über Filterdüsen und wird im Filtratreservoir gesammelt. Die zurückbleibende Schlammschicht auf dem Sand wird regelmässig mit Luft und filtriertem Wasser weggespült. Pro Tag können auf diese Weise bis zu 100 Millionen Liter Rheinwasser gereinigt werden.
Blick in die Schnellfilteranlage
Natürliche Reinigung
Das im Sand der Schnellfilteranlage gefilterte Wasser wird anschliessend durch Leitungen auf bewaldete Wässerstellen gepumpt, wo es im Boden versickert. Beim Versickern findet ein natürlicher Reinigungsprozess statt, an dem die im Boden lebenden Organismen einen grossen Anteil haben. Unerwünschte gelöste Stoffe, organische Verbindungen sowie Keime bleiben im Boden zurück und werden dort durch biochemische und physikalische Vorgänge natürlich abgebaut. Diese Reinigungsstufe verbraucht keine Energie und benötigt keine chemischen Zusätze. Die Wässerstellen werden jeweils für zehn Tage bewässert und danach 20 Tage trockengelegt, damit die Mikroorganismen ausreichend mit dem nötigen Sauerstoff versorgt werden. Dieser Wechsel erhält das natürliche Reinigungsvermögen des Bodens und reguliert den Grundwasserspiegel.
In 11 Wässerstellen auf einer Gesamtfläche von 22 Hektaren wird das Wasser natürlich gereinigt.
Grundwasserentnahme
Das auf natürliche Weise gereinigte Wasser versickert und vermischt sich mit dem natürlich vorhandenen Grundwasser. Nach einer Aufenthaltszeit von mindestens zehn Tagen im Grundwasser kann das so angereicherte Grundwasser aus den stromabwärts, auf beiden Seiten des Flusses Wiese gelegenen Grundwasserbrunnen entnommen werden. Das Wasser wird anschliessend zum Pumpwerk geleitet. Die Entnahmemenge wird automatisch dem Trinkwasserbedarf der Stadt Basel angepasst. Direkt in den Grundwasserbrunnen misst IWB allgemeine Qualitätsmerkmale wie Temperatur und Leitfähigkeit des Grundwassers.
Qualitätsüberwachung im IWB Wasserlabor
Verteilt über den ganzen Trinkwasseraufbereitungsprozess entnehmen Labormitarbeitende regelmässig Wasserproben. Zusätzlich stehen bei den wichtigsten Anlagen automatische Probenehmer. Die Proben werden im IWB-eigenen Wasserlabor mit verschiedenen Verfahren untersucht. Kontrollpunkte befinden sich dort, wo das Rheinwasser in die Trinkwasserproduktion gelangt und das Grundwasser angereichert wird. Ebenso prüft das Team des IWB Wasserlabors die Qualität in den Reservoiren und in den Leitungen. Gefahren lauern vor allem im Bereich Bau und Montage. Deshalb prüft IWB gezielt jede Leitung, die ersetzt oder neu gebaut wird. Zudem führt IWB immer wieder Stichproben im Trinkwassernetz – etwa an den Hydranten – sowie bei Hausanschlüssen und öffentlichen Brunnen durch.
Die Qualität des Trinkwassers in Basel kann sich im internationalen Vergleich sehen lassen. Die Wasser-Ressourcen sind in mikrobiologischer und chemischer Hinsicht auf einem qualitativ hohen Niveau. Dies ist den umfangreichen Gewässerschutzbemühungen und dem hohen Wasserdurchlauf in der Schweiz zuzuschreiben. Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit wird der natürlichen und naturnahen Aufbereitung des Trinkwassers bei IWB auch in Zukunft oberste Priorität eingeräumt. Nur so kann IWB weiterhin gewährleisten, dass das Lebensmittel Nr. 1 in Basel nicht nur gesund ist, sondern neben den gesetzlichen auch den IWB-internen, höheren Anforderungen an die Wasserqualität entspricht.