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von Sandro Danilo Spadini
1924 ermordeten die beiden wohlhabenden und gebildeten 18-jährigen Richard Loeb und Nathan Leopold scheinbar grundlos einen gewissen Bobby Franks. Im Laufe des Gerichtsverfahrens zeigte sich, dass das Verbrechen aus einer der Nietzsche-Theorie vom Übermenschen entsprungenen Geisteshaltung heraus begangen wurde und einzig dem Zweck dienen sollte, den Beweis für das perfekte Verbrechen anzutreten. Schon des öfteren war der Loeb/Leopold-Fall Gegenstand von packenden Filmen wie etwa Hitchcocks «Rope» (1948) oder Richard Fleischers «Compulsion» (1959). Mit dem Thriller «Murder by Numbers» («Mord nach Plan») reiht sich nun Barbet Schroeder in diese Liste ein, wenngleich er sich wie Hitchcock nicht explizit auf den realen Fall bezieht.
Cops und Psychopathen
Im Mittelpunkt von Schroeders Verfilmung steht mit der hartgesottenen, ungehobelten Polizistin Cassie Mayweather (Sandra Bullock) ein echtes Ekelpaket, ihr zur Seite das rechtschaffene, biedere Greenhorn Sam Kennedy (Ben Chaplin). In ihrem ersten gemeinsamen Mordfall bekommen es die beiden mit zwei halbwüchsigen Psychopathen zu tun – dem charmanten Schönling Richard (Ryan Gosling) und dem hochgradig intelligenten und intellektuellen Justin (Michael Pitt) -, die im Glauben an die eigene geistige Überlegenheit die Polizei zum guten alten Spiel von der Katz und der Maus einladen. Doch wie Inspektor Columbo hätte da auch Cassie Mayweather noch die eine oder andere Frage...
Stimmige Inszenierung
Regisseur Barbet Schroeder hat sich in seiner langen Karriere mit Filmen wie «Barfly» (1987) oder «Single White Female» (1992) einen Namen als Lieferant für solide, wenn auch selten herausragende Kinounterhaltung gemacht. Mit «Murder by Numbers» wird er seinem Ruf erneut gerecht Die Handlung ist zwar weder übermässig originell noch allzu spannend, doch ist sie überzeugend erzählt und stimmig in Szene gesetzt. Die an die üblichen Buddy-Movies erinnernde Konstellation mit zwei ungleichen Cops ist ebenso vom Reissbrett wie jene mit den nicht minder unterschiedlichen Mördern, und trotzdem schafft Schroeder gerade im zwischenmenschlichen Bereich etwa durch die Berücksichtigung der unterschwelligen homoerotischen Komponente des Loeb/Leopold-Falls reizvolle Ansätze. Die etwas klischeehaft gezeichneten Figuren schliesslich vermag er nicht zuletzt dank seiner ausgezeichneten Besetzung überraschend mit einer gewissen psychologischen Tiefe auszustatten. So zeigt Sandra Bullock in der Rolle der toughen Cassie Mayweather die wohl beste Leistung ihrer Karriere. Was die 37-Järhige zu leisten im Stande ist, wenn sie für einmal nicht bloss die süsse oder wie zuletzt im Blockbuster «Miss Undercover» die süss-saure Sympathieträgerin geben muss, ist weit mehr als bloss beachtlich. Mit den beiden Newcomer Ryan Gosling und Michael Pitt, in dem «Bully»-Regisseur Larry Clark gar einen neuen De Niro sieht, hat Bullock überdies zwei absolut würdige Gegenspieler, die in ihrer Altersklasse zweifellos zu den talentiertesten Darstellern gehören und in Zukunft noch für einige Furore sorgen werden – wie die Bullock auch, sofern man sie denn lässt.