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Auch im Grossraumbüro tobt der Kampf der Geschlechter. Einer der Dauerbrenner dabei: die Raumtemperatur. Männern ist es oft zu warm, Frauen hingegen zu kalt. Das ist nicht etwa ein hartnäckiges Klischee, sondern eine wissenschaftlich untermauerte Beobachtung. Frauen haben eine niedrigere Stoffwechselrate als Männer, und das heisst, dass sie bei gleicher Tätigkeit weniger Wärme erzeugen als Männer. Sie fühlen sich am wohlsten bei Temperaturen, die durchschnittlich drei Grad Celsius über der von Männern bevorzugten liegen.
Wirkt sich diese Diskrepanz auf die Produktivität am Arbeitsplatz aus – und falls ja, wie? Dieser Frage ist eine Studie von Wissenschaftlern in Berlin und Los Angeles nachgegangen, die in der Online-Fachzeitschrift «Plos One» veröffentlicht wurde. Agnes Kajackaite vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und und Tom Chang von der USC Marshall School of Business in Los Angeles untersuchten die Leistungsfähigkeit von 543 weiblichen und männlichen Probanden, die den eigentlichen Zweck des Tests nicht kannten.
Die Testpersonen wurden in 24 Kleingruppen eingeteilt und mussten danach eine Stunde lang bei unterschiedlichen, aber jeweils konstanten Raumtemperaturen – von 16 bis 32 Grad Celsius – verschiedene Aufgaben erledigen. Dabei handelte es sich um einfache Rechenaufgaben und Worträtsel. Die Testpersonen sollten so viele davon lösen wie möglich; für jedes korrekte Resultat erhielten sie eine kleine finanzielle Belohnung.
Die Auswertung der Ergebnisse zeigte laut den Wissenschaftlern ein ziemlich klares Bild: Die Frauen waren umso besser, je höher die Raumtemperatur lag. Sie konnten deutlich mehr Aufgaben lösen, wenn es wärmer war. Zudem waren dann mehr Lösungen korrekt. Die besten Leistungen erzielten sie bei Raumtemperaturen zwischen 30 und 33 Grad.
Die Männer hingegen wurden bei steigenden Temperaturen zunehmend unproduktiver. Ihre besten Ergebnisse erzielten sie, wenn die Raumtemperatur unter 20 Grad lag. Der Effekt war bei den männlichen Versuchsteilnehmern jedoch insgesamt weniger ausgeprägt. Da die Tests nur eine Stunde dauerten, ist nicht sicher, ob er länger anhalten würde.
«Unsere Studie zeigt, dass die Raumtemperatur nicht nur eine Frage des persönlichen Wohlbefindens ist. Leidet das Wohlbefinden, so sinkt auch die kognitive Leistung», kommentierte Kajackaite die Ergebnisse der Studie. Man wolle die Versuche mit längerer Dauer wiederholen. Mit derart besser gestützten Resultaten könnten dann auch allenfalls Empfehlungen abgegeben werden, welche Temperatur für eine bestimmte Belegschaft eines Büros optimal sei.
(dhr)