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Ich bin selbst kein Engelchen, was Flüchtigkeitsfehler angeht, hier geht es mir jedoch weniger um Groß- und Kleinschrift, das Vergessen oder Vertüdeln von Buchstaben - sondern mehr um Inhalte und ihre Verständlichkeit. Um Sinn und Bedeutung von Sätzen und ihrer offensichtlichen Färbung (Humor, Ernsthaftigkeit usw.) .
Aus meiner Sicht gibt es unter Deutschen leider einen eklatanten Mangel an Kenntnissen der eigenen Sprache. Und ich kann das nicht einmal unbedingt am Alter festmachen.
Dabei ist das Deutsche eine nicht nur sehr klare, sondern auch eine äußerst vielfältige und sehr poetische Sprache.
(Ok, VOR der - ähnlich einem Kropf - überflüssigen Rechtschreibreform )
Wenn ich hier oder anderswo in Diskussionen stöbere, begegnen mir immer wieder Beispiele, bei denen ich mir wünsche, unsere schöne Sprache würde wieder mehr in ihrem ganzen Umfang erlernt und genutzt. Das Deutsche hat so viele Worte für gleiche Inhalte, die Auswahl ist groß genug.
Beispiel: Der Ausdruck einer persönlichen Meinung - explizit von Pauschalierung/Verallgemeinerung unterschieden:
Es bieten sich viele Ausdrucksformen an, wie z. B. "Ich denke, dass", "meine ich", "finde ich", "so sehe ich das", "meiner Ansicht nach" usw. usf. etc. pp.
Oder Annahmen: "Vermutlich", "könnte sein", "möglicherweise", "evtl." usw. usf. etc. pp.
Missverständnisse fielen dann schon viel schwerer.
Klar kommt es immer darauf an, was der Autor eigentlich bezweckt.
Statt der klaren Kennzeichnung als persönliche Meinung werden z. B. eigene Gedanken leider oft als einfache Aussagesätze formuliert und gehen dann - ihrer grammatikalischen Natur nach - in Richtung Feststellungen, also allgemeingültig/pauschal. Das sorgt in Foren oft für Ärger. Kann sein, der Autor meint es anders, aber sein Gegenüber kann nunmal nicht Gedanken lesen. Was man sagen möchte, sollte schon in korrekter Form ausgedrückt werden, um verstanden werden zu können.
Satzbau, Satzstellung, Wortschatz, Satzzeichen, Homonyme (Wörter mit mehreren Bedeutungen), Satzaussagen (auch: Aussage- und Fragesatz), Erkennen (auch der Unterschiede) von Ironie, Sarkasmus, Zynismus usw.
Auch zitieren will gelernt sein, die inhaltliche , tatsächlich Aussage wird dabei leider oft verfälscht. Ob nun bewusst oder unbewusst.
Ich habe unzählige Diskussionen, Streitgespräche und auch Streitereien bis zur plumpen Provokationen im Internet verfolgt. Unsere Diskussionskultur lässt leider erheblich nach. Nicht Gewinn ist heute das Ziel von Gedankenaustausch - sondern Sieg. Wir machen Wettkämpfe, ja sogar teils passionierte Zänkerei, aus etwas, dass doch eigentlich allen zum Vorteil gereichen sollte... wenn, ja - wenn man das, was der andere von sich gibt, zunächst mal genau lesen und sich ein paar Gedanken dazu machen würde. Welche Worte wurden benutzt? Was ist die Aussage der Worte? Passen sie zur Unterhaltung? Könnten darin versehentliche Fehler sein? Ist hier gezielte Provokation drin? Gibt es Umschreibungen, die zum Selbstdenken anregen sollen?
Aber das kostet natürlich Zeit und Aufwand...
In einer Ära des Chats und seines immer Mehr an Geschwindigkeit und Vereinfachung werden Zeit und Aufwand immer seltener aufgebracht.
Wenn Diskussion nur noch ums Rechthaben und Besserwissen geht - ok, da reichen Denglisch oder Neusprech aus.
Wenn Diskussion aber - wie früher einmal - zum Gedankenaustausch gedacht ist; dazu, einander zu verstehen, Argumente auszutauschen, sie kennenzulernen und einmal gründlich zu durchdenken oder Kritik auszuhalten und in Ruhe zu analysieren (z. B. auch durch Nachfragen) - um womöglich bei allen Beteiligten letztlich einen Gewinn an Ideen, Impulsen, Innovation und Inspiration zu erreichen... dann brauchen wir wieder Sprachkultur.
Ein Zurück zu Wortschatz, Sprachgewandheit, vielfältige, aussagekräftige oder auch einfach heitere Wortwahl und vor allem den Willen, sein Gegenüber zu verstehen.
Es wäre nicht nur weniger anstrengend, sich nach Feierabend noch in Foren zu begeben, sondern auch erheblich friedlicher und reizvoller. *denk*
Allen einen schönen Feierabend.
"Denn wer die deutsche Sprache beherrscht,
wird einen Schimmel beschreiben
und dabei doch das Wort ,weiß‘ vermeiden können.“
- Kurt Tucholsky -