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Sonntag, 04 Mär. 2018 - 16:00 Uhr
Zentrum Paul Klee
Das Ensemble Sortisatio widmet sich musikalisch ganz dem Schaffen Paul Klees und lässt die Veröffentlichung einer neuen CD im Zentrum Paul Klee feiern!
Paul Klee war lange unsicher, ob er Musiker oder Maler werden wolle. Er arbeitete zunächst als Geiger in Bern, erst mit 27 entschied er sich definitiv für Malerei. Bildtitel wie Fuge in rot oder polyphon gefasstes weiss zeigen, wie Klee sich weiterhin mit Musik beschäftigte.
Andererseits sind zahlreiche Kompositionen geschrieben worden, die sich auf Klees Bilder beziehen. Der Amerikaner Stephen W. Ellis hat weltweit insgesamt über 550 solcher Werke gesammelt. Das Ensemble Sortisatio hat in zwanzig Jahren um die 30 Werke uraufgeführt, die von Paul Klees Bilder inspiriert sind. Nun ist eine CD mit den Werken der Komponisten Hui, Bovey, Hofer, Darbellay, Frischknecht, Keller, Tanaka und Heyde im Probesaal des MDR-Orchesters im Gewandhaus Leipzig aufgenommen, die als CD-Vernissage in den Konzerten in Bern und Winterthur vorgestellt wird.
Pierre-André Bovey erinnern die verstreuten Buchstaben an punktuelle Musik: "Klee zitiert auch die erste Zeile eines Liedes, das Bach ins Klavierbüchlein seiner Frau Anna-Magdalena aufgenommen hat. In meinem Stück wird diese kurze musikalische Phrase gegen Schluss von der Bratsche gespielt."
Markus Hofer geht davon aus, dass engel noch weiblich in einer—wenn auch augenzwinkernden—Beziehung zu Eurydike steht und bezieht sich auf ein eigenes Werk, in dem er Gedichte von Ingeborg Bachmann und Lea Gottheil verwendet hat.
Thomas Ch. Heydes Vorlage Trauernd zeigt vor flirrendem Hinter- grund einen trauernden Menschen, dargestellt mit einer einzigen, geschwungene Linie. Dies spiegelt eine lange Krise des Malers, der 1934 in die Schweiz zurückgekehrt war, da er nach Hitlers Machtergreifung als "entartet" ausgegrenzt wurde. Heyde bemüht sich um eine eigene Leseart von Trauernd: "So erinnert lediglich eine immer wiederkehrende, aufsteigende Intervallfolge an die geschwungene Linie der Vorlage Klees und aus dem flirrenden Hintergrund werden Klangflächen."
Auch Jean-Luc Darbellays Vorlage über Wasser ist eine Reaktion auf Klees Entlassung in Düsseldorf (1933), nach der er sich nur knapp „über Wasser“ halten konnte. "Entsprechend der düsteren Stimmung im Bild beginnt das Stück mit einer 'sprachlosen Konfusion'. Tonlos erzeugen Klappen- und Klopfgeräusche, eine unheimliche Klangwelt, die von einer atemlosen Suche nach einem Ausweg abgelöst wird. Verschiedene Versuche schlagen fehl, bis die Richtung durch einen einzigen, wiederholt von allen Instrumenten angespielten Ton vorgegeben wird."
Max E. Keller setzt einzelne Formen des Bildes (ein stoppelhaarigen Rutengänger mit merkwürdig grossen, blauen Augen geht durch eine bizzar-kindliche Landschaft) direkt in musikalische Figuren und Prozesse um, andererseits spielt das Schreiten des Rutengängers, das im Bild nicht zu sehen ist, eine wichtige Rolle.
H.E. Frischknecht hat sich generell von kleinen, oft nur aus wenigen Strichen bestehenden Zeichnungen zu sieben kurzen, ebenso knappen Stücken anregen lassen, die sich aber nicht direkt auf bestimmte Zeichnungen beziehen, sondern mit wenigen Elementen arbeiten, betitelt etwa "Akkorde gar kurz" oder "Linien, unterbrochen".
Satoshi Tanaka bezieht sich im 1. Satz mit Staccatoklängen sehr direkt auf den Hintergrund des Bildes, mit dem Kanon einer einzigen Melodie auf den Vordergrund, wobei alle Instrumente gleichwertig behandelt werden.
Stephan König setzt die vier Pyramiden des Klee-Bilder in vier Sätze um, die vom Charakter her durchaus traditionell gehalten sind, beginnend mit einer Melodie über Tremoli und Pizzicati, endend in einem furiosen Allegro.