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Schottland steht vor einem historischen Entscheid: Am 18. September sind 4,2 Millionen Wähler in Schottland aufgerufen, ihre Antwort auf die Frage zu geben: «Soll Schottland ein unabhängiges Land werden?»
Was passiert nach einem Ja-Votum? Ein Überblick über die Argumente der beiden Lager zeigt, wie es weitergehen könnte.
Schottland bisher
- Staatsform: konstitutionell-parlamentarische Monarchie
- Staatsoberhaupt: Königin Elisabeth II
- Regierungschef: Erster Minister Alex Salmond
- Hauptstadt: Edinburgh
- Einwohnerzahl: 5'313'600
- Fläche: 78'772 km2
- BIP pro Kopf: 44'378 US Dollar (Platz 19 weltweit)
Wirtschaft
- Pro: Ist ein unabhängiges Schottland wirtschaftlich überlebensfähig? Die Befürworter finden: Ja. Nur mit einer Abspaltung von Grossbritannien gebe es wirtschaftlichen Erfolg. Die volle Hoheit über Steuern, Regulationsinstrumente und soziale Wohlfahrt erlaube es, ein nachhaltiges Wachstum zu erreichen. Voraussetzung für den Erfolg seien aber auch offene Grenzen zum Rest-Grossbritannien.
- Contra: Mit der Gründung eines unabhängigen Schottlands entstehen Handelshemmnisse, finden die Unionisten. Zwei Drittel seiner Güter werden nach Grossbritannien exportiert. Darum sei eine innerbritische Wirtschaftsunion zentral. Ein eigenständiges Schottland verliere zudem an Stabilität. Ein Finanzausgleich im bisherigen Umfang sei nicht mehr möglich. Wenn Branchen wie der Bankensektor zusammenbrechen würden, könnte Schottland diese niemals aus eigener Kraft am Leben halten. Als dies 2008 passierte, waren Milliarden britischer Steuergelder nötig.
Währung
- Pro: Bei einem Ja soll das britische Pfund behalten werden. Eine Währungsunion mit Grossbritannien wird angestrebt. Diese vereinfache den Handel mit dem grössten Wirtschaftspartner. Die Beibehaltung des Pfunds werde Jobs in Schottland und im ganzen Rest-Königreich sichern. Dazu würden Pensionsgelder oder Hypotheken wie bisher ausbezahlt und es entstünden keine Verluste.
- Contra: Mark Carney, der Direktor der Bank of England sagte, dass Schottland einige Hoheitsrechte im Bereich der Finanz und Wirtschaftspolitik abtreten müsste, wenn es das britische Pfund behalten wolle. Für die Unionisten ist es daher unklar, welche Währung ein eigenständiges Schottland erhalten würde. Dies gefährde die Sicherheit von Jobs, Renten und Hypotheken. Der einzige Weg das Pfund wirklich zu behalten, sei der Verbleib in der Union.
Erdöl
- Pro: Ein unabhängiges Schottland solle die Steuereinnahmen aus dem Abbau des Nordsee-Öls für sich behalten. Die Befürworter schätzen, dass sich die Ölproduktion vergrössern und damit einen substantiellen Beitrag an die Steuereinnahmen leisten wird. Darüber hinaus soll ein Energie-Fonds eingerichtet werden, um die Stabilität der Steuereinnahmen aus dem Ölgeschäft zu sichern. Die Einnahmen aus dieser Branche machen laut Pro-Komitee 15 Prozent der Steuereinnahmen aus.
- Contra: Erdöl sei kein Garant für Stabilität und Unabhängigkeit, finden die Unionisten. Auch mit den Öl-Erträgen habe Schottland in den letzten 20 Jahren ein Haushaltsdefizit eingefahren. Ausserdem zeichne sich ein Ende der Ölvorkommen ab. Die Ölpreise und Fördermengen schwanken zudem stark, und damit auch die Steuereinnahmen. Als Teil der grösseren britischen Wirtschaft, könnten solche Fluktuationen besser abgefedert werden.
EU
- Pro: Ein unabhängiges Schottland soll in der EU bleiben. Die schottische Regierung werde eine rasche Aufnahme die Union anstreben. Diese sei im Vertragswerk der EU als bisheriger Mitgliedstaat bereits vorgesehen. Als Mitglied der EU hätte Schottland weiterhin Zugang zum wichtigen europäischen Binnenmarkt. Zudem könnten schottische Bedürfnisse besser eingebracht werden.
- Contra: Mit einer Unabhängigkeit werde Schottland in der EU an Einfluss verlieren. Als Teil Grossbritanniens könne das Land zusammen mit Frankreich und Deutschland wichtige internationale Entscheidungen treffen. Ausserdem sei unklar, ob das Land rasch aufgenommen werde, oder das normale Aufnahmeprozedere durchlaufen müsse. Es sei auch nicht sicher, ob Schottland dann den Euro annehmen und dem Schengenraum beitreten müsse. Dies würde zur Errichtung einer innerbritischen Grenze führen.
Armee
- Pro: Schottland solle eine eigene Armee mit Bodentruppen, Marine und Luftwaffe aufbauen. Diese sollen jedoch als Defensivstreifkräfte ausgerichtet sein. Entgegen der Haltung von Rest-Grossbritannien soll Schottland auf Nuklearwaffen verzichten. Dies würde den Abzug von atomwaffenbestückten U-Booten aus der schottischen Basis Faslane-on-Clyde bedeuten.
- Contra: Die Aufspaltung der Armee und die Verbannung der britischen Atomwaffen aus Schottland sei ein Sicherheitsrisiko für die gesamte Insel. Ausserdem seien tausende Jobs in der Rüstungsindustrie abhängig von einer britischen Armee. Diese könnten verloren gehen bei einer Abspaltung Schottlands.