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von Lea Mörsdorf
In unserer digital geprägten Gesellschaft führen wir häufig mehrere Aufgaben gleichzeitig aus, sei es auf der Arbeit beim parallelen Arbeiten an mehreren Aufgaben oder zuhause, wenn wir neben dem Fernsehen an unseren Smartphones zugange sind. Von den meisten Menschen wird Multitasking als wünschenswerte Fähigkeit eingeschätzt. Jedoch zeigte Multitasking-Forschung bereits in den 1960er Jahren, dass man meist nicht wirklich beide Aufgaben gleichzeitig bearbeitet, sondern mit der Aufmerksamkeit zwischen den beiden Aufgaben hin und her wechselt. Durch diese Wechsel leidet die Leistung in beiden Aufgaben.
Aber welchen Einfluss hat die Wahrnehmung, ob es sich bei einer Aktivität um Multitasking handelt, auf die Leistung in dieser Aktivität? Die Forschungsgruppe um Shalena Srna vermutete, dass der Glaube, dass man Multitasking betreibt, positive Konsequenzen haben kann. Wie kamen sie zu dieser Vermutung? Laut vorangehender Forschung strengen Menschen sich bei einer Aufgabe stärker an, wenn sie glauben, dass diese schwierig sein wird und schneiden entsprechend besser ab. Wenn eine Aufgabe als Multitasking wahrgenommen wird und deshalb als schwierig eingeschätzt wird, könnte dies ebenfalls zu einer höheren Aufgabenleistung führen.
Diese Vermutung untersuchten die Autoren in insgesamt 32 Studien. Das Grundprinzip der meisten Experimente war gleich: Die Studienteilnehmenden wurden in zwei Gruppen geteilt. Einer Gruppe wurde eine zu bearbeitende Aufgabe als eine Aufgabe beschrieben. Der anderen Gruppe wurde dieselbe Aufgabe als zwei getrennte Aufgaben beschrieben. So bearbeiteten die Teilnehmenden in einigen Experimenten z.B. zwei verschiedene Rätselaufgaben, die zeitgleich auf dem Computerbildschirm zu sehen waren. In der «Eine-Aufgabe»-Bedingung waren die Aufgaben visuell kaum abgegrenzt, und den Teilnehmenden wurde erklärt, es handle sich bei beiden Aufgaben um die gleiche Studie. In der «Multitasking»-Bedingung waren die Aufgaben visuell voneinander abgegrenzt (verschiedenfarbiger Hintergrund mit Trennlinie), und den Teilnehmenden wurde gesagt, es handle sich um zwei verschiedene Studien.
In ihren Studien konnten die Forschenden zeigen, dass die «Multitasking»-Gruppe ihre Aufgabe tatsächlich eher als Multitasking wahrnahm. Zudem erzielte die «Multitasking»-Gruppe im Vergleich zur «Eine-Aufgabe»-Gruppe bessere Leistungen in den Aufgaben. Darüber hinaus untersuchten die Forschenden weitere Faktoren, die den Effekt beeinflussen könnten. Wie oft Personen zwischen den Aufgaben hin- und herwechselten hatte keinen Einfluss auf den Effekt. Selbst wenn konstant gehalten wurde, wann gewechselt wurde, schnitt die «Multitasking»-Gruppe besser ab. Auch wenn die Teilnehmenden selbst wählen konnten, ob sie «Multitasking» machen oder nicht, blieb der Leistungsunterschied zwischen den Gruppen bestehen.
Zusammenfassend haben die Autoren noch keine endgültige Erklärung für den berichteten Wahrnehmungseffekt gefunden. Eine mögliche Erklärung für diese Resultate ist, dass man motivierter ist eine Aufgabe zu erfüllen, wenn man glaubt, es handle sich um Multitasking. Dies bedeutet nicht, dass Multitasking an sich die Leistung verbessert, im Gegenteil: Multitasking wirkt sich negativ auf die Leistung aus. Wenn man jedoch eine Aufgabe in mehrere Komponenten zerlegt, sodass man sie als Multitasking wahrnimmt, kann sich dies positiv auf die Leistung auswirken.
Literaturangaben:
Srna, S., Schrift, R. Y., & Zauberman, G. (2018). The Illusion of Multitasking and Its Positive Effect on Performance. Psychological Science. https://doi.org/10.1177/0956797618801013
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