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Die Notlage der afghanischen Frauen
Fast ein Jahr nach der Machtübernahme durch die Taliban steigt der humanitäre Bedarf in Afghanistan weiterhin rasant an. Die Teams von Terre des hommes (Tdh) vor Ort bemühen sich, ihre Aktivitäten trotz der Widrigkeiten im Land fortzusetzen.
Zahar* hat in der Region Kabul gerade ihr neuntes Kind zur Welt gebracht. Sie wurde von Beginn ihrer Schwangerschaft an von Tdh-Hebammen betreut und wurde aufgrund der Überlastung des Krankenhauses nur drei Stunden nach der Geburt aus dem Krankenhaus entlassen. Als die Hebammen bei ihr ankamen, entdeckten sie eine Mutter, die ständig Schmerzen hatte und unter Blutungen litt. Nachdem sie ihr Medikamente verschrieben und die Blutung gestillt hatten, waren Zahar und ihre Tochter gesund und munter. Leider haben nicht alle so viel Glück... Wie hoch wären ihre Überlebenschancen ohne eine externe Intervention gewesen? Es ist schwer, diese Frage zu beantworten, aber eines ist sicher: Dies ist kein Einzelfall und schwangere Frauen in Afghanistan leiden unter Stress und Ungewissheit über ihre Zukunft und die ihres Kindes, was ihre Gesundheit belastet.
Das Land ist von einer beispiellose Ernährungskrise betroffen. Nach UNO-Angaben haben 95% der Bevölkerung nicht genug zu essen. Das ist eine alarmierende Zahl. Was ihre Gesundheit angeht, so haben afghanische Frauen enorme Schwierigkeiten, Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung zu erhalten. Diese Situation ist bei Schwangerschaften besonders kritisch.
Die Mehrheit der Tdh-Mitarbeitenden vor Ort ist weiblich, was den Zugang zu den am stärksten gefährdeten schwangeren Frauen bis in ihre eigenen vier Wände erleichtert. Unsere Hebammen erkennen Komplikationen und leisten bei Bedarf direkte Unterstützung. Dabei kann es sich um Nahrungsmittelhilfe für die Familie, finanzielle Unterstützung für den Zugang zu Medikamenten oder die Durchführung von Pflegemassnahmen handeln. Tdh ist sich des Ausmasses der Bedürfnisse und der Notwendigkeit einer langfristigen Lösung bewusst und ist entschlossen, die vielen betroffenen Familien zu schützen, indem sie mit anderen Organisationen vor Ort und den Behörden zusammenarbeitet.
Zu den physischen Gesundheitsproblemen kommen alle psychologischen und sozialen Sorgen hinzu, für die Elas* eisiges Zeugnis ein Beispiel ist. Ela ist mit ihrem achten Kind schwanger und befindet sich aufgrund ihres weit überdurchschnittlichen Blutdrucks in einer Risikoschwangerschaft. Die Ursache für ihren Stress liegt in den ständigen Drohungen ihres Mannes, der immer gesagt hat, er wolle das Kind verkaufen, wenn seine Frau erneut schwanger wird. Die wirtschaftliche Lage der Familie ist katastrophal und die werdende Mutter wird von Angst übermannt. Sie bittet die Hebammen von Tdh um Hilfe, um mit ihrem Mann zu sprechen und eine geeignete Verhütungsmethode und eine Familienschlichtung einzuführen, um ihr Baby zu retten. Die psychosoziale Gesundheit der Kinder und ihrer Angehörigen ist eine der Komponenten der Hilfeleistung, es ist notwendig, die Kinder in jeder Hinsicht zu unterstützen.
«Frauen und Kinder sind von der Krise in Afghanistan am stärksten betroffen», beobachtet Claudio Rini, Tdh-Einsatzleiter, der gerade aus Kabul zurückgekehrt ist. «Die neuen Regeln der Regierung verschlechtern die Mobilität, die Teilhabe und die Lebensentscheidungen von Frauen und damit auch die der Kinder.» Die lange politische Instabilität im Land, die Dürre und die Knappheit machen die humanitäre Krise in Afghanistan zu einer der zerstörerischsten unserer Zeit. Diese Probleme verstärken die Relevanz unseres Einsatzes in diesem Land.
* Namen wurden geändert
Bidernachweis: ©Tdh