Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03381.jsonl.gz/104

Zurzeit gibt es in Venezuela drei SOS-Kinderdörfer, SOS-Jugendeinrichtungen an drei Standorten, zwei SOS-Kindergärten, eine SOS-Hermann-Gmeiner-Schule, ein SOS-Berufsbildungszentrum und SOS-Sozialzentren an vier Standorten.
In Venezuela wurde die Idee Hermann Gmeiners in den späten 70er Jahren in die Tat umgesetzt. Das erste SOS-Kinderdorf "La Cañada" wurde 1978 in der Region Maracaibo eröffnet. Seither wurden die Aktivitäten der Organisation im ganzen Land stetig ausgebaut.
Einige Fakten über Venezuela
Flüchtlinge nach den Überflutungen von 2010 (Foto: SOS-Archiv)
Die Bolivarische Republik Venezuela liegt in Südamerika und grenzt im Norden an die Karibik, im Osten an Guyana und den Atlantischen Ozean, im Süden an Brasilien sowie im Westen an Kolumbien. Die Hauptstadt Caracas ist ein Schmelztiegel mit ca. 5 Millionen Einwohnern.
Venezuela gehörte zu den ersten Kolonien in der "Neuen Welt", die ihre Unabhängigkeit von Spanien erklärten. "Der Befreier" Simon Bolívar spielte im Kampf für die Unabhängigkeit des Landes, die im Jahr 1823 besiegelt wurde, eine entscheidende Rolle. Gemeinsam mit Ecuador und dem heutigen Kolumbien gehörte das Land zum damaligen "Großkolumbien", das 1830 wieder zerfiel.
Seit der Unabhängigkeit gab es in der Geschichte Venezuelas sowohl demokratische Regierungen als auch autoritäre Herrscher. Während des 19. Jahrhunderts war das Land von politischen Unruhen und Diktaturen geprägt. Die Entdeckung riesiger Ölvorkommen im Maracaibo-See im frühen 20. Jahrhundert prägte die Wirtschaft des Landes und verlieh Venezuela ein großes Gewicht auf der weltpolitischen Bühne. Der amtierende Präsident und frühere Armeegeneral Hugo Chávez Frías ist nach wie vor politisch sehr umstritten - sowohl seine Befürworter als auch seine Gegner gehen immer wieder auf die Straße, um für oder gegen seine Präsidentschaft zu demonstrieren. Die jetzige Amtszeit des Präsidenten ist von tiefgreifenden Reformen geprägt.
Die neugestaltete 26. Verfassung der Bolivarischen Republik Venezuela wurde 1999 verabschiedet und ist die erste venezolanische Verfassung, die per Volksentscheid Gültigkeit erlangte. Diese Verfassung erklärt Venezuela zu einer 'partizipativen, protagonistischen Demokratie' und verleiht den Bürgern Venezuelas weitreichende bürgerliche und politische Rechte; diese gelten auch für die traditionell benachteiligte indigene Bevölkerung. In den letzten Jahren war die venezolanische Regierung darum bemüht, die kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu seinen Nachbarländern zu festigen. Durch die Gründung der "Bolivarischen Allianz für Amerika" (ALBA) haben Venezuela und Kuba eine weniger marktorientierte Alternative zur "Gesamtamerikanischen Freihandelszone" (ALCA) geschaffen, die auf Initiative der Vereinigten Staaten von Amerika entstanden war.
Ein Rückgang der Armutsquote
Der Anteil der Bevölkerung, der in Armut lebt, ist von 2000 bis 2009 von knapp 50 Prozent auf ca. 27 Prozent erheblich gesunken. Im selben Zeitraum sind die Sozialausgaben deutlich erhöht worden. Die venezolanische Regierung hat eine ganze Reihe von Maßnahmen zum Ausbau des Sozialsystems und zur Bekämpfung der Armut ergriffen. Dazu zählen eine kostenlose Gesundheitsfürsorge für die Armen ("Misión barrio adentro") sowie Kampagnen zur Verbesserung der Alphabetisierungsrate, Maßnahmen für den Wohnungsbau, Bildungsinitiativen und Bemühungen für den Umweltschutz. Die städtische Armut ist dennoch nach wie vor weit verbreitet; viele Venezolaner verdienen mühsam ihren Lebensunterhalt, in dem sie an Ampeln Windschutzscheiben waschen oder in den Straßen von Caracas Kleinwaren zum Verkauf anbieten.
In den Hügeln um die Hauptstadt leben Tausende von Menschen ohne regelmäßige Strom- und Wasserversorgung. In Caracas ist die Mordrate höher als in fast jeder anderen Stadt in Lateinamerika. Trotz verstärkter Bemühungen der Regierung, die Kriminalität in bestimmten Stadtteilen von Caracas einzudämmen, steigt die Verbrechensrate weiter an. Die staatlichen Gesundheits- und Bildungsprogramme haben die Gesundheitsversorgung und die Alphabetisierungsrate deutlich verbessert. Während viele andere Länder noch darum bemüht sind, die Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) der UN zu erfüllen, hat Venezuela bereits große Fortschritte aufzuweisen; die meisten dieser Ziele sind bereits fünf Jahre vor Ablauf der Frist erreicht worden.
Die Lage der Kinder in Venezuela
Beim Spielen (Foto: S. Pleger)
Das heutige Venezuela hat eine extrem junge Bevölkerung - ca. 30 Prozent der Einwohner sind Kinder unter 14 Jahren. In Venezuela leben schätzungsweise 480 000 Waisenkinder. Viele von ihnen wachsen in zerrütteten Familien oder gänzlich ohne elterliche Fürsorge auf. Die Kinderarbeit - häufig eine direkte Folge von Vernachlässigung oder Verwaisung - ist auch im heutigen Venezuela noch ein weit verbreitetes Problem.
Eine Vielzahl von Kindern zwischen 10 und 15 Jahren müssen Kinderarbeit verrichten. Die meisten dieser Kinder besuchen keine Schule. Durch die jüngsten Anstrengungen zur Bekämpfung der Kinder- und Jugendarbeit wurde die Zahl der arbeitenden Kinder in Venezuela deutlich gesenkt. Nach Angaben von UNICEF und der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika gibt es in Venezuela derzeit weniger Kinderarbeit als in jedem anderen lateinamerikanischen Land.
Ein Kind, das zur Arbeit gezwungen wird und keine Schule besuchen kann, ist von sozialer Ausgrenzung und Diskriminierung bedroht. Kinderarbeit ist häufig Grund für eine spätere Armut im Erwachsenendasein; wenn Kinder sehr früh arbeiten müssen, werden sie als Erwachsene aufgrund ihres Bildungsmangels nur ein niedriges Einkommen erwirtschaften können. Im Zuge der Verfassungsreform im Jahr 1999 wurden die rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen des Landes verändert. Die venezolanische Regierung hat die Sozialausgaben deutlich erhöht, und die Lage der Kinder ist zu einer staatlichen Priorität erklärt worden. Verschiedene Programme sind für den Schutz von Kindern und Jugendlichen, vor allem von Kindern der indigenen Gemeinden, umgesetzt worden.
Die Einschulungsraten in Grund- und Sekundärschulen sind in den letzten zehn Jahren deutlich gestiegen. Die Einschulungsrate in den Grundschulen liegt in Venezuela derzeit bei knapp 92 Prozent; im Jahr 1995 waren es noch 82 Prozent. Die Säuglingssterblichkeitsrate ist in Venezuela ebenfalls gesunken, aber die Müttersterblichkeitsrate ist nach wie vor sehr hoch. Trotz aller Regierungsprogramme zum Schutz des jüngsten Teils der Bevölkerung leidet immer noch ca. jedes fünfte venezolanische Kind unter fünf Jahren an Unterernährung.
SOS-Kinderdorf in Venezuela
Derzeit unterstützt SOS-Kinderdorf Kinder und Jugendliche an drei verschiedenen Standorten durch Kindertagesstätten, Schulen, Berufsbildungszentren und medizinische Zentren. Im Jahr 2002 hat SOS-Kinderdorf auch Familienstärkungsprogramme ins Leben gerufen, um vom Verlust der elterlichen Fürsorge bedrohten Kindern die Möglichkeit zu geben, in einer liebevollen familiären Umgebung aufzuwachsen. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeitet SOS-Kinderdorf in Zusammenarbeit mit lokalen Behörden und anderen Einrichtungen direkt mit Familien und Gemeinden, um sie in die Lage zu versetzen, ihre Kinder effektiv zu versorgen und zu beschützen. Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder nicht länger bei ihren Familien bleiben können, finden liebevolle Aufnahme in einer familiennahen Umgebung, der SOS-Kinderdorf-Familie.
Website von SOS-Kinderdorf Venezuela
(verfügbar auf Spanisch)