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Seidenspinner/in, Seidenweber/in
In der Seidenspinnerei wurde ein von der Seidenraupe ausgepresster dünner und gummiartiger Faden, durch Ordnen, Zusammenfügen und Zwirbeln zu einem einheitlichen und reissfesten Garn verarbeitet. Dazu bediente man sich zunächst der Handspindel und später auch der Flügelspinnmaschine (auch Waterframe genannt).
Bereits im 12. Jahrhundert wurden im italienischen Lucca Seidenfäden auf mehrspindeligen Zwirnapparaten abgewickelt und verdrillt. Das einst von China über Indien nach Zentralasien und Persien eingeführte Gewebe, erlangte in Europa allerdings bereits während der römischen Antike innert kürzester Zeit hohe Beliebtheit, so dass zwischen China und Rom über die legendäre Seidenstrasse ein blühender Handel stattfinden konnte.
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Im 17. Jahrhundert mit der gleichzeitigen Mechanisierung der Webstühle wurde das Spinnen jedoch durchgehend maschinell durchgeführt und damit entstanden die ersten zunächst mit Wasserkraft und später mit Dampfmaschinen betriebenen Textilfabriken der Welt. In diesen Fabriken wurden die verzwirnten Fäden sowohl der echten als auch der edlen und wilden Seide zu diversen Seidengeweben wie Taft, Sergen, Samte oder Gazen verarbeitet. Die Seidenweber des 18. und 19. Jahrhunderts waren somit gefragte Handwerker, die je nach Seidenart die verzwirnten Fäden aus den Raupen des Maulbeerspinners (bei echter und edler Seide) oder die Gespinste von wildlebenden Schmetterlingsarten wie den indischen Tussahspinner und den chinesischen und japanischen Eichenspinner (bei willder Seide) einsetzten.
Auch in der Schweiz des 18. und 19. Jahrhundert gestaltete sich die Lange nicht anders. Die schweizerische Seidenproduktion florierte und stellte damit den bedeutendsten Industriezweig des Landes dar. Seit Anfang des 20. Jahrhundert allerdings müssen die wenigen schweizerischen Seidenwebereien und Seidenspinnereien ihre Produktion mit meist aus Asien importierter Seide bewerkstelligen. Die einheimische Seidenproduktion scheint heute trotz einer langen und reichen Tradition in Vergessenheit geraten zu sein. Das Projekt der Wiederbelebung der Seidenproduktion mit dem Namen Swiss Silk allerdings beweist, dass die Seidenproduktion in der Schweiz dennoch eine Chance hat (für mehr Informationen vgl. hier zu http://www.swiss-silk.ch/uber-swiss-silk/).
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Literatur
Palla Rudi: Verschwundene Arbeit. Das Buch der untergegangenen Berufe, Frankfurt am Main 2010, S. 214-215, 229-243.
Reith Reinhold: Das alte Handwerk. Von Bader bis Zinngiesser, München 2008, S. 248-258.
Sauer Christine: Handwerk im Mittelalter, Darmstadt 2012, S. 71-77.
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