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Gefühle sind Ausdruck deiner Lebenskraft
Gefühle haben es nicht leicht. Sie werden ignoriert. Sie werden belächelt. Sie werden als minder gegenüber den Gedanken bewertet. In der geschäftlichen Besprechung dürfen sie nicht sein, weil sie angeblich unser Denken vernebeln. In der Liebesbeziehung sollen sie reichlich vorhanden sein, da soll dann "Gefühlsarbeit geleistet" werden; in Karikaturen ist dazu die Frau zu sehen, die ihren Mann zu einem Gespräch über seine Gefühle bringen will – der versteckt sich allerdings hinter der Tageszeitung, in der modernen Version drückt er mit starrem Gesichtsausdruck auf dem Handy herum. Doch was sind Gefühle eigentlich? Sind sie wichtig? Und warum gehen wir so widersprüchlich mit ihnen um?
Mir helfen Unterscheidungen. Damit meine ich, mit Gefühl nicht alles zu bezeichnen, was nicht analytischer Verstand ist. Gefühle werden häufig als irrational bezeichnet. Ja, das sind sie. Nicht im Sinne von: Sie sind schlechter oder minderwertig. Sondern in dem Sinne, dass sie anders als der rationale Verstand sind. Sie gehen über den rationalen Verstand hinaus. Doch sind Gefühle nicht die einzigen Phänomene, die das tun.
Gefühle und körperliche Empfindungen
So gibt es zum Beispiel auch körperliche Empfindungen. Doch wir sagen: „Ich fühle mich müde“. Hier unterstellt unsere Sprache, dass es sich ebenfalls um Gefühle handelt.
Gefühle haben einen körperlichen Ausdruck: Angst spüre ich häufig im oberen Bauch, Freude lässt mein Herz hüpfen, bei Scham schießt mir Hitze in den Kopf. Allerdings sind Gefühle – meinem Verständnis nach – nicht deckungsgleich mit Körperempfindungen.
Gefühle und Emotionen
Stell dir vor: Du begegnest einer früheren Arbeitskollegin. Sie erzählt dir, was sie in den letzten Jahren alles beruflich erreicht hat - und du reagierst kurz angebunden, dir wird übel, du verabschiedest dich schnell. Mit dieser Frau möchtest du nichts mehr zu tun haben. Was ist denn da passiert?
Etwas in dir wurde berührt. Deine Reaktion hat etwas mit dir und deiner Geschichte zu tun. Ein Gefühl durfte in deiner Vergangenheit nicht gelebt werden und zeigt sich nun als deine abweisende Haltung und deine Übelkeit, die du dir zunächst selbst gar nicht erklären kannst.
Das, was da so plötzlich unangenehm auftaucht, nenne ich Emotion – und mache damit eine Unterscheidung zu einem Gefühl. Eine Emotion zeigt sich meist als Über- oder Unterreaktion. In diesem Beispiel haben wir es mit einer Unterreaktion zu tun: dir wird übel, du ziehst dich zurück. Eine Überreaktion wäre, wenn du zum Beispiel plötzlich mit Wut im Gespräch reagieren würdest, lautstark heruntermachst, was die Frau dir gerade von ihren Erfolgen erzählt hat.
Bei Emotionen ist irgendwann einmal in unserem Leben etwas "hängen geblieben" oder in uns wie eingefroren, ich nenne Emotionen daher auch innere Eiswürfel. Siehe dazu auch mein Artikel aus 2020 "Die inneren Eiswürfel auftauen".
Gefühle hingegen leben im Moment. Sie fließen. Du drückst sie aus, und es bleibt kein Eisklümpchen in dir zurück.
Die fünf Grundgefühle
Zu den Gefühlen im engeren Sinne zähle ich: Trauer, Angst, Wut, Freude und Scham. Viel gelernt habe ich hier von Vivian Dittmar, die in ihren Büchern näher auf Gefühle und Emotionen eingeht. Gefühle sind Wegweiser. Sie weisen uns auf etwas hin, das für uns jetzt gerade wichtig ist.
Was sind die Funktionen der Gefühle?
- Trauer: öffnet unser Herz, würdigt das, was war, hilft uns, anzunehmen, was wir nicht ändern können
- Angst: uns dem Unbekannten, dem Unwissen hingeben, uns in Neues vorwagen, ohne unnötige Risiken einzugehen
- Wut: die Kraft "Nein" zu sagen, sich gesund abzugrenzen und Neues in die Welt zu bringen
- Freude: unsere Bestimmung finden und leben, genießen, Freude, Vertrauen und Sinn erleben
- Scham: Situationen, in denen wir Scham fühlen, weisen uns den Weg zu uns selbst, zu unserem inneren Erleben, wir lernen, uns in allem anzunehmen und weiterzuwachsen, wir lernen, uns zu verzeihen, im besten Sinne demütig zu sein
Gefühle sind pure Lebenskraft. Wenn wir sie unterdrücken, dann unterdrücken wir unsere Lebenskraft. Klar, geht es in weiterer Folge immer noch darum, wie wir unsere Gefühle ausdrücken: was wir mit dieser Kraft tun, wie wir aufgrund unserer Gefühle handeln. Daher ist Bewusstheit hier so wichtig: Mir bewusst sein, dass Gefühle eine wichtige Funktion haben, sie bewusst wahrnehmen und dann in einer Situation passend handeln.
Wie geht es dir mit deinen Gefühlen? Was hältst du von der Unterscheidung körperliche Empfindung, Gefühl und Emotion? Schreibe deine Gedanken doch gerne unten in einem Kommentar.
Bild: pixabay - rony michaud
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