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Vom Höchststand der Technik und anderen Dingen
Was das Archiv eines Olympischen Komitees nicht alles hergibt... Folgende Textpassage habe ich im Schweizer «Erinnerungswerk» zu den Olympischen Spielen in London 1948 aufgelesen. Ich möchte sie unseren Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten... Es handelt sich um die Einleitung des Textes zu den «Olympischen Wettkämpfen im Schwimmen» von Fred Jent.
«Im grossen und ganzen haben auch die Olympischen Spiele 1948 bewiesen, dass die Technik in den verschiedenen Schwimmarten ihren Höchststand erreicht hat und wesentliche Änderungen nicht mehr zu erwarten sind. Dagegen werden Temperament und physische Voraussetzungen weiterhin den Stil des Einzelnen bestimmen. Aufgefallen ist uns bei den Amerikanern die starke Betonung des körperlichen Einsatzes besonders dort, wo dieser vorhanden ist. Ein Smith zum Beispiel, der, wenn er auf dem Startblock steht, einem Schwerathleten gleicht, entwickelt einen Armzug, der mit voller Kraft ausgeführt wird. Dagegen wird der Rhythmus zwischen Spannung und Entspannung gleichwohl beachtet; weshalb derjenige Arm, der nach vorne geführt wird, eine Sekunde lang entspannt und fast ausgestreckt vor dem Körper hergleitet, ehe er wieder zum ,Zug' eingesetzt wird. Das elegante Schwimmen der Japaner haben wir allerdings vermisst. Der Franzose Jany, der diesen mit seinem Stil am nächsten kommt, verlor für spätere Rennen die Nerven, als er im 100m-Final zu weit hinten landete. Auch im Rückencrawl dominierte der kräftige Einsatz. Und was das Brustschwimmen betrifft, so ist zu melden, dass die Zeit des Gleichschlags vorüber ist, solange nämlich die Butterfly-Technik in den gleichen Rennen erlaubt sein wird. Ob die 200 m in 2:30 oder weniger geschwommen werden, ist nur noch eine Frage der Kraft und deren Training. Verdeur, der amerikanische Sieger, brachte nämlich den Sieg mit einem relativ schwachen Beinschlag an sich. Sogar die Damen haben sich dem Butterfly verschrieben. Wenn sie auch, durch ihre Veranlangung bedingt, diese Technik weicher zu bieten vermögen als die Herren, so ist es doch wieder eine Frage der Kraft, was dem fraulichen Schwimmen auf die Dauer nicht allzu bekömmlich sein wird. Klar, dass unter den erwähnten Umständen das Schwimmen, leistungsmässig besehen, den Angelsachsen deshalb auch besonders liegen muss, weil sie noch Rennen weiter zu bestreiten vermögen, auch wenn sie in ungünstiger Position liegen, was von den weichern Europäern nicht im gleichen Masse behauptet werden kann. Daher auch die Verlagerung der ersten Ränge im Verhältnis von acht ersten, acht zweiten und vier dritten Plätzen für die Angelsachsen, während Europa nur drei erste, drei zweite und dafür sieben dritte Plätze an sich brachte. Hinsichtlich des Wendens ist zu sagen: die Saltowende wird sowohl beim Rücken- als auch Brustcrawl ganz angewendet, nachdem noch 1936 Kiefer im Rückencrawl nur eine halbe Saltowende gezeigt hatte. Dagegen wenden vorab die Amerikaner die ganze Saltowende nur auf den Sprintstrecken an, vermeiden sie auf den mittleren und langen Strecken. Der Grund mag darin zu suchen sein, dass das ,alte Wenden' eine längere Atempause gestattet, was besonders auf längeren Strecken nicht verachtet werden darf. [sic]»
Nach diesem schönen Schlusssatz möchte ich noch einmal zum Anfang verweisen und diese schöne Aussage wiederholen: «Im grossen und ganzen haben auch die Olympischen Spiele 1948 bewiesen, dass die Technik in den verschiedenen Schwimmarten ihren Höchststand erreicht hat und wesentliche Änderungen nicht mehr zu erwarten sind.»
Diese Aussage möchte ich nicht weiter kommentieren. Aber vielleicht lohnt sich ein Blick in die Videotheken von damals (siehe oben) und heute.Quelle: Schweizerisches Olympisches Komitee (1948), XIV. Olympiade, Die Olympische Spiele St. Moritz - London 1948, Hermes-Verlag Zürich.