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Die Griechen nannten sie Tyrrhenoi oder Tyrsenoi, die Römer Tusci oder Etrusci. In ihrer eigenen Sprache sollen sie sich als Rasenna oder Rasna bezeichnet haben. Ihre Dörfer und später ihre Städte bauten sie in Mittelitalien, im Gebiet zwischen Arno und Tiber.
Verbunden waren sie durch ihre Sprache, die mit anderen italischen Sprachen nicht verwandt ist, aber mit jener der Räter und einer auf der Nordägäis-Insel Lemnos verwendeten Sprache eine Familie bildet. Ein weiteres Band zwischen den etruskischen Städten, von denen sich zwölf zu einem Bund zusammengeschlossen hatten, bildeten religiöse Praktiken und Glaubensvorstellungen sowie ein zentrales Heiligtum des Gottes Voltumna, das bei Orvieto, dem antiken Volsinii, vermutet wird.
Die Blüte der etruskischen Städte begann im 7. Jahrhundert v. Chr., zu einer Zeit, als selbst weitsichtige Auguren nicht auf die Idee gekommen wären, Rom eine grosse Zukunft vorauszusagen. Der Reichtum der Etrusker beruhte auf dem Abbau von Bodenschätzen und dem überregionalen Handel, ihre Schiffe steuerten zahlreiche Mittelmeerhäfen an.
Mit der Zeit kamen ihnen allerdings die griechischen Konkurrenten in die Quere, die dabei waren, Sizilien und Süditalien zu kolonisieren. Während die Etrusker um 540 v. Chr. vor Korsika siegreich aus einer Seeschlacht gegen die Phokäer hervorgingen, wendete sich das Blatt im nächsten Jahrhundert. 474 v. Chr. vor Kyme und 453 v. Chr. vor Elba siegte Syrakus über die Flotte der Etrusker.
Von den Kelten bedrängt, von Rom erobert
Im 4. Jahrhundert v. Chr. sahen sich die Etrusker mit zwei neuen Gegnern konfrontiert. Aus dem Norden drangen die Kelten auf sie ein, aus dem Süden die Römer. Die Kelten wollten vor allem Beute machen und waren weniger auf langfristige Eroberungen aus, die Römer dagegen schon. Mit Kriegszügen und Abkommen brachten sie die etruskischen Städte eine nach der andern unter ihre Herrschaft und sicherten diese durch die Gründung von Kolonien ab.
Nach dem römischen Bürgerkrieg der Jahre 90 bis 88 v. Chr. erhielten die Etrusker wie die andern italischen Völker das römische Bürgerrecht. Damit und mit der Durchsetzung des Lateinischen als offizieller Sprache ging die etruskische Welt weitgehend in der römischen auf.
Wer sich einen Begriff von der Kultur und der Lebensweise der Etrusker machen will, wird neben Zeugnissen griechischer und römischer Autoren in erster Linie auf archäologische Funde abstellen müssen. Das ist insofern paradox, als die Etrusker bereits in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts v. Chr. in Anlehnung an das griechische Alphabet eine eigene Schrift entwickelt hatten. Die historischen und religiösen Abhandlungen, die sie in ihr niedergeschrieben haben, gingen aber im Laufe der Zeit verloren. Dasselbe gilt leider auch für ein umfangreiches Werk über die Etrusker, das der römische Kaiser Claudius im 1. Jahrhundert n. Chr. verfasste.
Gelungene Präsentation
Damit archäologische Funde zu uns sprechen, müssen sie eingeordnet und gedeutet werden. Das Bild, das sich dabei ergibt, erhält mit der Zeit meist neue Schattierungen oder muss gar einem neuen weichen. Die Entdeckung einzelner spektakulärer Grabstätten und ganzer Nekropolen ab dem 18. Jahrhundert schien die Vorstellung zu bestätigen, dass die Etrusker ein auf das Jenseits ausgerichtetes Volk gewesen seien.
Demgegenüber wusste man lange Zeit wenig über die etruskischen Siedlungen und Städte, da sie unter römische und mittelalterliche Schichten zu liegen kamen. Das hat sich in den vergangenen Jahrzehnten geändert. Dank neuer Methoden wurden in der Siedlungs- und Landschaftsarchäologie grosse Fortschritte erzielt.
Ausstellungen sollen unser Wissen erweitern, in erster Linie aber unsere Schaulust befriedigen. Beides gelingt der Ausstellung des Badischen Landesmuseums vorzüglich. Ersteres dank einer klaren Gliederung und kurzen erläuternden Texten. Letzteres ist den rund 400 Exponaten – darunter sensationelle Goldschmiedearbeiten – sowie der gelungenen Präsentation zuzuschreiben.