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Ist das Reh die Frau vom Hirsch? Das glauben viele , dabei handelt es sich um zwei verschiedene Arten. Hier erfährst du, was die Tiere ausmacht und warum die beiden so oft verwechselt werden.
Das Wichtigste in Kürze
Hirsche und Rehe sind nicht Männchen und Weibchen einer Tierart. Schuld an der Verwirrung ist wohl Bambi: Das Rehkitz aus dem Disney-Film ist eigentlich ein Hirschkalb, wurde in der Übersetzung aber falsch bezeichnet.
Zwar entstammen Rot- oder Damhirsche und Rehe derselben Familie – den Hirschen. Zu ihnen gehören auch Elche und Rentiere. Allerdings sind Rot- und Damhirsche viel größer und bis zu zehnmal schwerer als Rehe. Auch ihr Geweih ist massiver.
Richtig sind die Bezeichnungen Hirsch und Hirschkuh, Rehbock und Ricke.
Was für ein Tier ist ein Reh?
👉 Rehe sind Paarhufer und gehören zur Familie der Hirsche. Sie kommen in ganz Europa und in Kleinasien vor. Besonders gut kann man sie an Waldrändern und auf Lichtungen beobachten.
👉 Rehe ernähren sich vegetarisch. Sie sind Wiederkäuer und fressen am liebsten Leichtverdauliches wie Gräser, Knospen, junge Triebe von Bäumen und Sträuchern, Kräuter, Blütenblätter und Brombeeren.
👉 Innerhalb der Hirschfamilie ist das Reh die kleinste Art. Rehe werden bis zu 80 Zentimeter groß und wiegen nur etwa zwischen 15 und 32 Kilo. Dazu haben sie ein zierliches und weniges Erscheinungsbild mit schmalen, langen Beine.
👉 Im Sommer tragen Rehe ein rötlich-braunes Fell, im Winter ist es grau-braun. Über den Rücken zieht sich ein dunkler Strich, und an ihrem Hinterteil leuchtet ein weißer Fleck. Dieser "Spiegel" soll anderen Rehen in der Dämmerung zeigen, wenn Gefahr droht und eines von ihnen flieht. Bei den Weibchen ist der Fleck herzförmig, bei den Männchen länglich.
👉 Aufgrund ihrer geringen Größe haben Rehe mehr Feinde als Rothirsche. Füchse, Luchse und Wölfe greifen sie an. Weil Rehe bei drohender Gefahr mit ein paar schnellen Sätzen im Unterholz verschwinden können, nennt man sie in der Jagdsprache "Schlüpfer".
👉 Typisch für Rehe ist ihr niedliches Aussehen mit den berühmten dunklen Rehaugen. Männliche Rehe tragen zudem, anders als die weiblichen, kleine Geweihe.
👉 Im Sommer sind Rehe meistens einzeln unterwegs – bis auf Muttertiere mit ihrem Nachwuchs, den Kitzen. Für die Winterzeit wiederum schließen sich Rehe zu kleinen Rudeln zusammen.
👉 Vor allem im Frühling und Sommer kann man Rehe auch hören. Die Tiere stoßen Laute aus, die wie "Bö!" klingen. Damit warnen sie Artgenossen vor Gefahr oder markieren ihr Revier.
Was für ein Tier ist ein Hirsch?
👉 Wer hierzulande von einem "Hirsch" spricht, meint in der Regel Rot- oder Damwild. Die Bezeichnung "Hirsche" bezieht sich, wie schon erwähnt, auf die Familie, zu der diese Arten gehören.
👉 Rot- und Damhirsche gibt es in Europa und Vorderasien, Rothirsche auch in Nordafrika. Heute leben aber auch Tiere in Ländern wie Argentinien und Neuseeland, weil man sie in der Vergangenheit dorthin verschifft hat.
👉 Die Paarhufer ernähren sich vegetarisch und sind Wiederkäuer. Nahrungstechnisch sind sie etwas weniger anspruchsvoll als Rehe, fressen beispielsweise auch Kastanien, die für Rehe zu groß sind, Rinde, Rüben oder Kartoffeln.
👉 Männliche Rothirsche werden fast doppelt so groß wie Rehböcke. Sie haben einen massigen Körper und können über 200 Kilo auf die Waage bringen. In Deutschland zählen sie zu den größten Wildtieren. Anders als ein Reh hat Rot- und Damwild kleine Augen, die an der Seite sitzen.
👉 Die Fellfarbe von Rothirschen ähnelt der von Rehen: im Sommer rot, im Winter graubraun. Wie Rehe haben sie einen dunklen Strich auf dem Rücken und einen Spiegel am Hinterteil. Er wird bei ihnen auch Scheibe genannt. Damhirsche tragen im Sommer ein geflecktes Fell.
👉 Typisch für männliche Rothirsche ist ihr eindrucksvolles, verästeltes Geweih. Damhirsche wiederum haben ein sogenanntes Schaufelgeweih. Mit dem Geweih fechten die Tiere zur Brunftzeit im Herbst untereinander Machtkämpfe aus. Weibliche Tiere tragen keinen "Kopfschmuck".
👉 Rot- und Damhirsche leben in Rudeln zusammen, wobei Männchen und Weibchen jeweils unter sich bleiben.
👉 Während der Brunftzeit hört man mit etwas Glück das berühmte "Röhren" der Rothirsche im Wald. Es klingt wie ein heiseres, sehr lang gezogenes "Rouuu". Damhirsche werden nicht ganz so laut, ihr Ruf klingt eher wie ein Schnarren.
Chaos um Rehe und Hirsche: Bambi ist schuld
Bis heute bringen viele Menschen Hirsche und Rehe durcheinander. Zumindest eine Mitschuld daran trägt das Kino.
1922 erschien das Buch "Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde" vom österreichischen Autor und Jäger Felix Salten. Es erzählt die traurige Geschichte eines Rehkitzes, das seine Mutter verliert. Das Buch war ein Erfolg und wurde deshalb zwanzig Jahre später von Walt Disney verfilmt.
Allerdings gab es ein Problem: In Nordamerika leben keine Rehe. Also verwandelte die Produktionsfirma Bambi in einen Weißwedelhirsch – denn den gibt es dort. Später allerdings, in der deutschen Synchronisation, wurde Bambi wieder zum Rehkitz (sah aber aus wie ein Hirsch). Damit nicht genug der Verwirrung: Auch Bambis Vater blieb in der deutschen Fassung ein Hirsch.
So konnte sich der Glaube verbreiten, ein Hirsch sei ein männliches Reh.