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Kurzabsenzen
Unter dem Begriff Kurzabsenzen subsummieren wir hier Absenzen aufgrund persönlicher oder familiärer Ereignisse. Es ist Bestandteil der Fürsorgepflicht der arbeitgebenden Partei, in solchen Fällen die notwendige Freizeit zu gewähren. Im OR ist der Umfang der zu gewährenden Zeit rudimentär in Artikel 329 Absatz 3 geregelt:
„Dem Arbeitnehmer sind im Übrigen die üblichen freien Stunden und Tage und nach erfolgter Kündigung die für das Aufsuchen einer anderen Arbeitsstelle erforderliche Zeit zu gewähren.“
In dieser Formulierung liegt viel Interpretationsspielraum. Vielfach wird deshalb in Gesamtarbeitsverträgen (GAV) oder in Arbeitsreglementen festgehalten, in welchem Fall der/die Arbeitnehmende wie viel bezahlte Absenzzeit beanspruchen darf. Und falls keine schriftliche Regelung besteht, hilft eine gesunde Kommunikationskultur und/oder XMV (Xunde MänscheVerstand) durchaus weiter: zum Beispiel könnte man sich auch auf einen GAV einer nahestehenden Branche stützen.
Angestellte im Stundenlohn haben im Rahmen von OR 329 – Lohnfortzahlung für Freizeit – in der Regel keinen Lohnanspruch. Teilzeitangestellte im Monatslohn haben nur dann Anspruch, wenn die Kurzabzenz auf einen Arbeitstag fällt.
Als Kurzabsenzen gelten:
- die eigene Hochzeit
- die Geburt des eigenen Kindes (wobei dieser Punkt naturgegeben für Männer gilt, bei Frauen gelten OR 324a und 324b)
- Todesfälle in der nahen Familie sowie in der Verwandt- und Bekanntschaft
- Pflege von kranken Familienmitgliedern, der/die Arbeitnehmer/in ist jedoch gehalten, sich möglichst schnell so zu organisieren, dass er/sie wieder zur Arbeit erscheinen kann.
- Arzttermine und Behördengänge, wobei diese möglichst ausserhalb der Arbeitszeit oder zumindest an Randstunden zu planen sind.
Im besonderen Masse gilt dies für Teilzeitangestellte, welche insbesondere Behördengänge auf arbeitsfreie Tage zu legen haben. Arzttermine sollten nur in absoluten Ausnahmefällen während der Arbeitszeit vereinbart werden.
Für gesetzliche Pflichttermine wie Rekrutierung (Militär, Zivilschutz) oder öffentliche Vorladungen (bei der Polizei oder vor Gericht) muss natürlich auch die notwendige Zeit gewährt und bezahlt werden. Diese Fälle aber sind nicht durch OR 329 geregelt sondern durch den Passus „…Erfüllung gesetzlicher Pflichten…“ in OR 324a. Und das wiederum bedeutet, dass bei einem unbefristeten Arbeitsverhältnis in den ersten drei Monaten keine Lohnfortzahlung geschuldet ist und dass bei einem auf maximal drei Monate befristeten Arbeitsverhältnis nie Lohnfortzahlung geschuldet ist. Gleiches gilt übrigens auch für wahrzunehmende Verpflichtungen im Rahmen von öffentlichen Ämtern.
Wer aufgrund von höherer Macht Arbeitszeit verpasst, hat keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung: Stau, gestrichener Heimflug von der Ferieninsel, defekter Wecker, Zug verpasst, defektes Auto, Lawine auf dem Arbeitsweg… alles unbezahlt, Minuszeit oder Lohnabzug.