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erschienen bei History-Blog
Heute stieß ich in dem Buch das ich zur Zeit lese – Supplying Wars von Martin Van Creveld – auf ganz erstaunliche Zahlen, die bei mir fast eine Maulsperre verursacht hätten. In dem Kapitel „The wheel that broke“ beschreibt der Autor in den ersten Seiten, die enorme Rüstung in der Zeit zwischen den Deutsch-Französischen Kriegen und dem Ersten Weltkrieg.
In dem Zeitraum von 1870 bis 1914 – in nur 44 Jahren – machte Europa folgende rapide Entwicklung durch:
- Die Bevölkerungszahl stieg um fast 70% von 293 auf 490 Millionen.
- Die Produktion von Kohle und Braunkohle stieg in den führenden Industrieländern – Great Britain, Frankreich und Deutschland – um weit mehr als das Dreifache von 160 Millionen auf 612 Millionen Tonnen.
- Gleich erging es der Produktion von Roheisen, es stieg ebenfalls um das Dreifache von 7,5 auf 29 Millionen Tonnen
Wofür diese enorme Industrie gerüstet hat, wird auch schnell klar, denn die Truppenstärke stieg wie zu erwarten, ebenfalls deutlich an:
- Besaß Frankreich 1870 bei einer Bevölkerung von 37 Millionen „nur“ 500.000 Soldaten, so wuchs dieses Heer bis 1914 auf vier Millionen Mann an. Das Verhältnis Bevölkerung zu Militär änderte sich damit – trotz Bevölkerungswachstum von 74:1 auf 10:1.
- Die Verfügbare Artillerie wuchs von 1870 innerhalb von 44 Jahren ebenfalls um gewaltige Summen an, so stehen den 1.584 Geschützen von 1870, beinahe 8.000 Geschütze 1914 gegenüber.
Doch nicht nur die Anzahl der Bevölkerung und Soldaten stieg stark an, auch der Verbrauch lies sich sehen:
- Verbrauchte ein Soldat 1870 von seinen mitgeführten 200 Schuss nur ein gutes Viertel (56 um genau zu sein) innerhalb eines halben Jahres, so verbrauchte der „Durchschnittssoldat“ 1915 seine 280 Schuss innerhalb der ersten Wochen.
Um diesen stark gestiegenen Munitionsbedarf – und auch den hohen Bedarf an Ersatzteilen – zu bewältigen wurde das Bahnnetz enorm ausgebaut:
- So erstreckten sich nach den ursprünglichen 65.000 Meilen Eisenbahnnetz 1870, 180.000 Meilen über ganz Europa
- Was zur Folge hatte, dass nicht mehr 2.500 Mann pro Tag pro Eisenbahnlinie transportiert werden konnten, sondern 11.500 – eine Steigerung um mehr als das Vierfache.
Also mich brachten diese Zahlen aus dem Staunen nicht mehr heraus, bedenkt man vor allem, dass es sich dabei um einen Zeitraum von nur rund 40 Jahren handelt, wird einem klar, warum man erstmals von einem „Weltkrieg“ sprach.
Quelle der Zahlen: Supplying War – Logistics from Wallenstein to Patton, von Martin Van Creveld S. 109 ff.
Quelle: History-Blog