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M.A. HSG in Economics der Universität St. Gallen, Doktorand und Lehrassistent an der Universität Lausanne
Themenbereich: Geldpolitik, Finanzmärkte
Eine Sägerei verarbeitet dutzende Holzstämme, Autohersteller produzieren Sportwagen am Fliessband, Schneidereien nähen Kleider im Minutentakt. Was haben all diese Firmen gemeinsam? Sie werden versuchen, innerhalb eines Arbeitstages möglichst viele Einheiten ihres Produktes herzustellen, oder umgekehrt jede Einheit in möglichst kurzer Zeit zu fabrizieren. Kurz gesagt: Sie möchten möglichst produktiv sein.
Was ist Produktivität?
Obwohl jedermann von Produktivität spricht, so ist der Begriff selbst sehr abstrakt. Produktivität kann nicht direkt beobachtet werden, sondern wird grundsätzlich erfasst durch das Verhältnis von wirtschaftlicher Tätigkeit (Output) zu den dafür eingesetzten Produktionsfaktoren (Inputs). Kurz: Sie wird angenähert als Output pro Input-Einheit.
Der Output bezeichnet das reale Produktionsergebnis, also die erzeugten Güter und Dienstleistungen unabhängig von Preisveränderungen. Demgegenüber schliessen Produktionsfaktoren alle Mittel und Leistungen ein, welche zur Herstellung des Outputs erforderlich sind. Dabei findet meist ein kombinierter Einsatz mehrerer Elemente wie etwa Land, Energie, Wissen, Immobilien und Maschinen statt. Zur einfacheren Handhabung werden diese in die Hauptkategorien Arbeit und Kapital eingeteilt.
Wenn eine Unternehmung in einem festen Zeitraum mehr herstellt als ihre Konkurrenz, würden wir sie als «produktiver» betiteln. Demnach bedeutet gestiegene Produktivität, mit geringerer Einsatzmenge an Produktionsfaktoren einen gegebenen Output zu produzieren, oder aber mit einem gegebenen Input ein grösseres Produktionsergebnis zu erreichen. Ersteres kann beispielsweise erreicht werden durch effizientere Arbeitsabläufe, letzteres durch Weiterbildung der Mitarbeiter oder technologischen Fortschritt.
Warum ist (steigende) Produktivität wünschenswert?
Produktivität ist ein Mass für die Effizienz wirtschaftlicher Tätigkeiten, da es widerspiegelt, wie wirksam verfügbare Ressourcen eingesetzt werden. Deshalb wird es oft dazu benutzt, nicht nur das Wachstum eines Landes zu analysieren, sondern auch um unterschiedliche Volkswirtschaften bezüglich ihrer Wettbewerbsfähigkeit miteinander zu vergleichen. Und gerade in diesem Punkt hat etwa die Schweiz Nachholbedarf, wie in einem früheren Blogartikel bereits erläutert wurde.
Einen grossen Stellenwert hat die Produktivität auch hinsichtlich des Wohlstands. Wenn sie steigt, können Firmen ihren Arbeitnehmern grundsätzlich mehr Lohn zahlen. Dies führt wiederum zu einem (sicherlich wünschenswerten) Anstieg des Lebensstandards. Ein Blick auf die Realität zeigt, dass in vielen grossen Volkswirtschaften in der Tat ein Zusammenhang zwischen Lohnwachstum und Produktivitätsgewinnen besteht. So beobachten wir beispielsweise in Grossbritannien seit der letzten Finanzkrise nicht nur ein tieferes Produktivitätswachstum, sondern auch niedrigere Durchschnittslöhne als noch vor gut einem Jahrzehnt.
Wie wird Produktivität gemessen?
Die gesamtwirtschaftliche Produktivität kann anhand diverser Masse quantifiziert werden, den sogenannten Faktorproduktivitäten. Dabei wird die Menge aller erzeugten Güter und Dienstleistungen (Output) ins Verhältnis zur benutzten Menge eines Produktionsfaktors (Input) gesetzt. Eine Faktorproduktivität erfasst somit die Effizienz eines einzelnen Faktors im Produktionsprozess.
Zur Messung des Outputs wird im gesamtwirtschaftlichen Kontext vorwiegend das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) verwendet. Der Input hingegen richtet sich nach der jeweiligen Faktorproduktivität, wobei meist die folgenden Masse unterschieden werden:
- Arbeitsproduktivität: Das wohl gängigste Produktivitätsmass ist definiert als das Verhältnis vom BIP zur eingesetzten Arbeit. Letztere wird etwa durch alle geleisteten Arbeitsstunden innerhalb einer Volkswirtschaft erfasst. Die Arbeitsproduktivität misst, wie effizient die personellen Ressourcen in der Herstellung eingesetzt werden.
- Kapitalproduktivität: Dieses Mass setzt das BIP ins Verhältnis zum Kapitalstock. Es misst, wieviel das eingesetzte Kapital zur Bruttowertschöpfung beiträgt.
Neben diesen beiden Produktivitätsmassen existiert noch ein Mittelding, nämlich wenn mehrere Faktoren als Inputs berücksichtigt werden.
- Multifaktorproduktivität: Dieses Mass ist definiert als das Verhältnis vom BIP zu einem gewichteten Durchschnitt verschiedener Inputs. Es versucht die Effizienz einer Kombination mehrerer Produktionsfaktoren zu erfassen. Werden Arbeit und Kapital als Inputs gewählt, misst die Multifaktorproduktivität somit, wie effizient diese beiden Faktoren zusammen im Produktionsprozess eingesetzt werden.
Trotz der verschiedenen Produktivitätsmasse wird in der Praxis weithin die Arbeitsproduktivität benutzt. Dies hat insbesondere mit der Verfügbarkeit an Daten zu tun. So ist es gesamtwirtschaftlich betrachtet viel einfacher, die Anzahl eingesetzter Arbeitsstunden zu ermitteln als die Menge des genutzten Kapitals zu bewerten.
Ungeachtet des Ansatzes bleibt Produktivität eine zentrale Kennzahl. Viele Volkswirtschaften sind zunehmend gezwungen, sich aufgrund des raschen technologischen Fortschritts zu wandeln und ihre ökonomischen Rahmenbedingungen anzupassen. In solchen Zeiten kann es nicht allzu verkehrt sein, gelegentlich einen Blick auf die Effizienz im eigenen, gesamtwirtschaftlichen Produktionsprozess zu werfen.
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Zum Thema
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- iconomix-Fallstudie: Produktivität
Dies ist ein Gastbeitrag. Inhaltlich verantwortlich ist der jeweilige Autor, die jeweilige Autorin.
M.A. HSG in Economics der Universität St. Gallen, Doktorand und Lehrassistent an der Universität Lausanne