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Torpedo
(lat., «Zitterroche»),
Name der unter Wasser wirkenden, durch eigene oder zuerteilte Kraft
[* 2] beweglichen Sprengkörper,
im Gegensatz zu den unbeweglichen Seeminen (s. d.). Als
Vorläufer der
Torpedo können die
Brander (s. d.) gelten,
die bis zum 19. Jahrh. mit ausgedehntem Erfolg verwendet wurden. Der Amerikaner D.
Bushnell machte
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die ersten, allerdings erfolglosen Versuche mit Offensiv
torpedos in einem unterseeischen Torpedoboot beim Angriff gegen das
engl. Linienschiff Eagle 1776 und die Fregatte Cerberus 1777. Erst 20 Jahre später nahm Fulton ähnliche Versuche mit seinem
Taucherboot Nautilus vor, mit dem er 1801 auf der Reede von Brest unter Wasser tauchte und durch eine «unterseeische
Höllenmaschine», einen Treib
torpedo von 10 kg Pulverladung, der durch ein Harpunengeschoß an feindlichen Schiffen
befestigt wurde und durch Schlagwerk zündete, ein Fahrzeug in die Luft sprengte. (S. Tafel:
Torpedos
[* 4] und Seeminen,
[* 3]
Fig. 3b.)
Bald sah er jedoch selbst die Unbrauchbarkeit seines Unterwasserbootes ein und konstruierte einige andere
Arten
Torpedo, namentlich einen Torpedo mit Schlagwerk, der die Entzündung beim Ablaufen einer Uhr
[* 5] bewirkte und als unterseeische Mine
verankert wurde
[* 3]
(Fig. 3a); 1814 machte er auch Versuche, mit einer Kanone unter Wasser zu schießen.
Erst im amerik. Bürgerkrieg wurden
Torpedo häufiger verwendet. Zuerst benutzte man mit Pulver gefüllte und
mit Kontaktzündern versehene Fässer, die man etwas unterhalb der Wasseroberfläche durch die Strömung gegen den Feind
treiben ließ; schon weit vollkommener war der Singer
torpedo mit Ladungen bis 50 kg Pulver. Bald jedoch begannen die Spieren-
oder Stangentorpedos ausgedehnte Verwendung auf Dampfbarkassen und gedeckten eigentlichen Torpedobooten (s. d.) zu finden.
Sie sind am Vorderteil der Boote mit einer etwa 7 m vor dem Bug auszuschiebenden Stange befestigt. Beim Angriff
werden sie, bevor man mit dem feindlichen Fahrzeug in Berührung kommt, über Wasser gehalten und dann etwa 2½ m unter Wasser
gesenkt, nachdem vorher der elektrische Strom durchgeleitet ist. Durch den Kontakt mit dem Feinde schließt
sich der Strom, und die Explosion erfolgt. Der Harvey-, Otter- oder Schlepp
torpedo, nach seinen Erfindern, den Brüdern Harvey,
Kapitänen in der engl. Marine, so benannt, hat die ungefähre Form eines Schiffsrumpfes,
ist 1 bis 1½ m lang und wird von dem angreifenden Schiffe
[* 6] auf 20 bis 30 m Entfernung durch eine Vorrichtung
seitwärts an der Oberfläche geschleppt. Jene Vorrichtung gestattet, daß der
Torpedo kurz vor dem Angriff durch Nachlassen des
Schlepptaues tauchen kann, um so unter den Boden des feindlichen Schiffs zu gelangen und dort durch Kontakt mit seinen Zündern
zu explodieren. Da sich indes herausstellte, daß der Harvey
torpedo den eigenen Schiffen beim Manövrieren
[* 7] beinahe ebenso gefährlich werden kann wie dem Feinde, so hat man ihn in fast allen Marinen wieder abgeschafft.
Einen wesentlichen Aufschwung nahm das Torpedowesen durch den Fisch
torpedo, eine Erfindung des österr. Seeoffiziers Lupis.
Dieser Torpedo, gewöhnlich nach dem Käufer und Verbesserer der Erfindung Whiteheadtorpedo genannt, hat annähernd
die Form eines Fisches oder einer an beiden Enden spitzen Cigarre mit einer Länge von 4 bis 7 m und einem Durchmesser von 30 bis 45 cm.
Ursprünglich wurde er aus Stahl gefertigt, was seine Konservierung infolge des beständigen Rostens aller Teile so erschwerte,
daß Schwarzkopf in Berlin
[* 8] Anfang der achtziger Jahre nach Ankauf des Patents den Torpedo ganz aus Hartbronze
verfertigte und damit erst den Fischtorpedo zu einer brauchbaren Waffe machte.
Dieser Torpedo wird von Schiffen und namentlich von Torpedobooten aus verwendet (s. Fig. 4). Er gleicht nur insofern einem Geschoß, [* 9] als er die Seitenrichtung bei seinem Abgang aus dem Rohr des Schiffs oder Bootes erhält, dagegen seine Geschwindigkeit und das Innehalten einer bestimmten, vorher beliebig einzustellenden Tiefe selbstthätig hervorbringt; in dieser Hinsicht ist er einem Unterwasserfahrzeug ähnlich. Der Fischtorpedo ist aus einzelnen fest verbundenen Teilen zusammengefügt.
Der vorderste Teil enthält eine Ladung mit nasser Schießbaumwolle von 50 bis 120 kg Gewicht, deren Explosion durch einen Perkussionszünder an der Spitze beim Auftreffen auf einen festen Widerstand hervorgerufen wird. Die zweite Abteilung enthält den sog. sekreten Teil (Tiefensteuer), einen Mechanismus, der das am Schwanzstück befindliche Horizontalruder je nach Bedürfnis bewegt, damit der Torpedo die gewünschte Tiefe im Laufe innehält. Weiter nach hinten liegt der Kessel, in den zum Betrieb der Maschine [* 10] durch besondere Torpedoluftpumpen Preßluft unter etwa 100 Atmosphären Druck hineingepumpt wird; die Herstellung haltbarer Kessel, die einen Probedruck von 180 Atmosphären aushalten müssen, ist eine Hauptschwierigkeit.
An den Kessel schließt sich der Maschinenteil an, eine dreicylindrige Brotherhoodmaschine enthaltend. Die Cylinder stehen im Winkel [* 11] von 120° zueinander und sind einfachwirkend, d. h. erhalten Luftdruck nur von einer Seite; die verbrauchte Luft strömt durch die hohle Welle nach hinten aus. Zwei zweiflüglige, in entgegengesetzte Richtung schlagende Propellerschrauben, deren eine hohle Welle über die andere gestreift ist, sitzen am Schwanzstück des Torpedo und werden durch die Maschine getrieben.
Dahinter befindet sich an einem besondern Gestell das schon erwähnte Horizontalruder, aus zwei Flossen bestehend, sowie ein unbewegliches Vertikalruder, das lediglich den Zweck hat, den Torpedo zum Geradeauslaufen in der vom Abgangsrohr gegebenen Richtung zu zwingen. Über die Obrysche Steuervorrichtung s. Torpedo (Bd. 17). Da jeder Torpedo zur Erlangung der Kriegsbrauchbarkeit, also zu seiner individuellen Fehlerverbesserung und zur Einübung des Personals, sehr häufig blind geschossen werden muß, so wird ihm für diesen Fall die scharfe Ladung abgenommen und ein gleichschweres und gleichgeformtes Kopfstück aufgesetzt.
Das Wiedereinfangen des Torpedo nach dem Schuß durch Boote wird dadurch erleichtert, daß der Torpedo auf beliebig zu wählende Entfernung hinter der schwimmenden Scheibe seine Maschine stoppt und in diesem Moment mittels einer zweiten Einrichtung durch Emporschlagen des Horizontalruders selbst einen Luftsprung aus dem Wasser macht, um dann an der Oberfläche still liegen zu bleiben, während jeder im Gefecht fehlgegangene Torpedo versinkt. Auf die einfachste Weise wird der in Thätigkeit gesetzt, indem man ihn in ein durchbrochenes Rohr bringt und so tief versenkt, daß das Wasser den Torpedo umspült.
Durch ein Hebelwerk am Rohr wird ein Ventil [* 12] im T. geöffnet, das den Eintritt der Preßluft aus dem Kessel in die Maschine gestattet, also den in Fahrt bringt. Diese sog. Abgangsrohre werden als Torpedobatterien zur Küstenverteidigung und auch zum Einschießen der Torpedo auf dem Schießstand verwendet; auch die Dampfbarkassen der Schiffe einzelner Marinen sind mit dieser Einrichtung, die das Stoppen des Bootes vor dem Schuh nötig macht, versehen. Auf Schiffen und Torpedobooten verwendet man Ausstoßrohre, aus denen der Torpedo unter gleichzeitiger ¶
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Inbetriebsetzung seiner eigenen Maschinerie durch Luftdruck oder Pulver möglichst schnell herausgestoßen wird, da seine eigene, etwa 32 Seemeilen betragende Geschwindigkeit nicht groß genug ist, um bei in Fahrt befindlichem Schiff [* 14] schnell genug aus dem Rohr ins freie Wasser zu kommen. Diese Rohre, allgemein Lancierrohre genannt, sind entweder Unterwasserrohre, die fest im Schiff eingebaut sind, so daß durch Steuern mit dem Schiffe Ziel genommen werden muß, oder sie befinden sich über Wasser, entweder fest oder beweglich zum Nehmen von Höhen- und Seitenrichtung [* 13] (Fig. 5a u. b). Befinden sie sich auf einer fahrbaren Lafette, so nennt man sie Torpedokanonen.
Mit allen Ausstoßrohren ist ein Patronenraum, Preßluft oder etwas Pulver enthaltend, verbunden. Das Abfeuern besteht im Öffnen eines Ventils, das die Preßluft in das Rohr eintreten läßt, oder durch Entzünden des Pulvers. Der Torpedo wird hierdurch aus dem Rohr getrieben, wobei noch ein kleiner Hebel [* 15] im Rohr das Luftventil des Torpedo öffnet, so daß mit dem Moment des Freiwerdens vom Rohr die eigene Maschine des Torpedo zu wirken beginnt. Die Treffweite beträgt etwa 800 m, doch liegt die Grenze für einen sichern Schuß innerhalb 400 m. Bei Seegang wird das Schießen [* 16] erschwert. In neuerer Zeit ist man fast allgemein zu dem Schießen aus Unterwasserrohren, als dem zuverlässigsten, übergegangen, weil hier der Übergang aus der Luft ins Wasser und die damit verbundene Ablenkung wegfällt.
Die Fischtorpedos kosten 6000 bis 9000 M. das Stück. Ähnlich dem Lupis-Whitehead-Torpedo sind die von Howell, Hall, [* 17] Peck, Paulsen und MacEvoy erfundenen, die ebenfalls die Treibapparate selbst enthalten, oder in denen, wie beim Howelltorpedo, der in Nordamerika [* 18] Verwendung findet, die bewegende Kraft vorher aufgespeichert wurde. Nur der Howelltorpedo hat einige Vorzüge vor dem Whiteheadtorpedo; er führt schwerere Ladung und ist kräftiger gebaut, also namentlich zum Unterwasserbreitseitschuß, dem schwierigsten Punkt der ganzen Torpedoballistik, besser geeignet. Ein 1895 gefertigter Howelltorpedo von 4,4 m Länge und 46 cm Durchmesser trägt 104 kg Ladung und läuft 32 Seemeilen.
In neuester Zeit hat man sog. Lokomotivtorpedos konstruiert, Torpedo, die ihre Triebkraft von außen erhalten und dabei gleichzeitig von der am Land oder auf Schiffen befindlichen Stelle der erzeugenden Kraft aus gelenkt werden. So wurden in England von der Admiralität Versuche mit dem lenkbaren elektrischen Brennantorpedo gemacht, der durch zwei sich abrollende Drähte von einer Dynamomaschine am Land seine Triebkraft erhält, etwa 1300 kg wiegt, die Form eines Lachses und einen Wirkungsbereich von 2 Seemeilen hat. Er kann so reguliert werden, daß er entweder an der Oberfläche oder bis zu 3 m unter Wasser läuft.
Seine vom Land aus elektrisch lenkbare Steuervorrichtung gestattet ihm Kursänderungen um 40°. Die Sprengladung besteht aus Nitrogelatine. Zum Anzeigen der Richtung befindet sich bei Tage auf dem Torpedo eine Flagge, bei Nacht ein dem Feind verdecktes Glühlicht. [* 19] Der einzige Nachteil dieses zur Küstenverteidigung sehr geeigneten Torpedo besteht darin, daß er zu dem Ort, von dem er abgelassen wurde, nicht zurückgelenkt werden kann, sondern mittels einer Dampfwinde eingeholt werden muß.
Eine Abart des Brennantorpedos ist der in Australien [* 20] eingeführte Victoriatorpedo von 7,3 m Länge. In Amerika [* 21] und Frankreich wurden eingehende Versuche mit dem lenkbaren Patrick- und dem verbesserten Lay-Haight-Torpedo gemacht, der mit 204 kg komprimierter Kohlensäure getrieben wird, 8 m lang, 0,61 m dick, 500 kg schwer ist und 36 kg Dynamitladung führt, auch durch einen elektrischen Draht [* 22] gelenkt wird; ähnliche Waffen [* 23] sind der Nordenfeldt-, der Sims-Edison-, der Bertan-und der Ende 1889 erfundene Halpin-Savage-Torpedo.
Alle diese Torpedo haben stärkere Sprengladungen als der Brennantorpedo, erreichen jedoch dessen Geschwindigkeit bei weitem nicht, bleiben vielmehr im Mittel auf 16 Knoten; nur der Sims-Edison-Torpedo neuester Art erreicht 32 Seemeilen Geschwindigkeit, ist 8,5 m lang, 0,53 m dick, 1359 kg schwer, hat eine Schraube von 75 cm Durchmesser, die 750-800 Umdrehungen in der Minute macht, und trägt 110-246 kg Ladung. Dieser Torpedo ist durch ein Kabel, das sich aus dem Kabelraum des Torpedo während seines Laufs abwickelt, mit dem Lande verbunden, von wo er die elektrische Triebkraft empfängt; ein isolierter Draht führt zur Steuermaschine.
Immerhin ist es denkbar, daß diese lenkbaren Torpedo mit der Zeit die umständliche und durch den Feind leicht wegzuräumende Minensperre (s. Seeminen) der Küstenverteidigung verdrängen können. Seitdem die Schnelligkeit der Torpedoboote und einzelner Dampfer die der Torpedo nahezu erreicht hat, ist man bestrebt, dem Fischtorpedo statt der Preßluft eine andere treibende Kraft zu geben. Ein torpedoähnliches Geschoß schleudert die unterseeische Kanone von Ericsson (1890 erfunden). Versuche mit Raketensätzen lassen erkennen, daß der Torpedo der Zukunft eine Zusammensetzung aus den alten Raketenbrandern und den neuen Fischtorpedos sein muß, um große Geschwindigkeit unter Wasser zu erzielen. Über den Landtorpedo s. d.
Vgl. Die Torpedo und Seeminen in ihrer histor.
Entwicklung (anonym, Berl. 1878);
von Ehrenkrook, Geschichte der Seeminen und Torpedo (ebd. 1878);
ders., Die Fischtorpedos (ebd. 1878);
de Sarrepont, Les torpilles (Par. 1880);
Das Torpedowesen in der deutschen Marine in seiner organisatorischen und materiellen Entwicklung (Berl. 1884);
Jaques, Torpedoes for national defense (Lond. 1886);
Sleeman, Torpedoes and torpedo warfare (2. Aufl., ebd. 1889);
Buchard, Torpilles et torpilleurs des nations étrangères (mit Atlas, [* 24] Par. 1889);
von Romocki, Geschichte der Explosivstoffe. I. Geschichte der Sprengstoffchemie, der Sprengtechnik und des Torpedowesens (Berl. 1895).