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Mit «12 Rules for Life» wurde Jordan B. Peterson 2018 vom unscheinbaren Professor zum Bestsellerautor. Der psychoanalytisch unterlegte Ratgeber traf einen Nerv, vor allem bei männlichen Lesern, und stiess zugleich auf erbitterte Ablehnung bei Linken, die darin eine Verteidigungsschrift des konservativen Patriarchats sahen. Nun legt Peterson mit «Beyond Order» nach. Der Untertitel «12 More Rules» könnte auf eine eher uninspirierte Fortsetzung des erfolgreichen Buchs schliessen lassen. Allerdings ist in der Zwischenzeit zu viel passiert im Leben des kanadischen Psychologen für einen glatten Übergang wie zwischen zwei Episoden einer TV-Serie. Peterson durchlitt eine schwere gesundheitliche Krise und hätte darüber hinaus beinahe seine Frau verloren. Nach über einem Jahr Abwesenheit ist er erst 2020 wieder in die Öffentlichkeit zurückgekehrt.
«Beyond Order» spielt auf den ewigen Gegensatz zwischen Ordnung und Chaos an. Der Mensch sei auf die Gemeinschaft um ihn herum angewiesen, um nicht durchzudrehen, schreibt Peterson. Zugleich ist jede Ordnung mangelhaft und korrumpiert, wenn sie sich nicht wandelt und veränderten Umständen anpasst. Daher ist es laut Peterson manchmal nötig, die Regeln zu brechen und zu überwinden – wozu man sie allerdings zunächst kennen und würdigen muss.
Trotz des Buchtitels hegt Peterson als Konservativer also eine Präferenz für Ordnung, und so ist «Beyond Order» weniger eine Weiterentwicklung von «12 Rules for Life» als eine Vertiefung. Peterson feilt an seinen grundlegenden Prinzipien, in deren Zentrum das Individuum und seine Verantwortung steht. Er betont Werte wie brutale Ehrlichkeit (Regel 3), Skepsis gegenüber (potenziell totalitären) Ideologien (Regel 6) oder Dankbarkeit trotz aller Widrigkeiten des Schicksals (Regel 12). Seine grosse Stärke bleibt dabei, alltagstaugliche Ratschläge zu geben («Versuche, einen Raum in deinem Haus so schön wie möglich zu machen»), die zugleich auf einer tieferen, psychologischen oder religiösen Ebene Sinn ergeben. Und, ja, auch dieses Buch wird nicht zuletzt politisch diskutiert, dafür sorgen einige Seitenhiebe gegen den Sozialismus, Petersons Lob traditioneller Rollenbilder oder Aussagen wie jene, kinderlose Frauen seien meist unfreiwillig kinderlos und niemand habe den Mut, das offen zu sagen.
Jordan B. Peterson: Beyond Order. 12 More Rules for Life. London: Allan Lane, 2021.