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Wenn sich heutzutage unser Planet verändert, hat meistens der Mensch seine Finger im Spiel. Er baut Infrastrukturen im grossen Stil, rodet Wälder, zweigt Wasser ab oder bewässert Wüsten. Satellitenbilder, die von der NASA veröffentlicht wurden, zeigen, wie gravierend sich Landschaften in den vergangenen Jahren gewandelt haben.
Zwölf Kilometer weit hat sich das trockengefallene Flussdelta im Turkana-See in Kenia nach Süden ausgebreitet. Als Ursachen kommen infrage: Ausbeutung des Zuflusses, stärkere Verdunstung, weniger Regen und Versandung. 20'000 Menschen haben sich das Neuland zunutze gemacht und dort angesiedelt, doch so knapp über der Wasseroberfläche leben sie gefährlich: Hunderte ertranken beispielsweise 2006 bei einer Flut.
Das Ausmass der Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl zeigt sich auch 25 Jahre später noch: Die wuchernde Kraft der Natur arbeitet geduldig daran, die Spuren der Menschen, die hier über 1000 Jahre gesiedelt hatten, zu tilgen.
Die Aufnahme links zeigt die Gegend kurz vor dem verheerenden Unfall. Es gibt bebaute Felder (in hellen Farben), kleine Städte (in blau und lila) und alte Wälder (dunkelgrün). 75% des Gebietes ist mit Wald bedeckt. Am 26. April 1986 tritt der Super-GAU ein – und bis 2011 hat sich die Gegend noch immer nicht davon erholt. Die verlassenen Städte sind verfallen, die Vegetation hat die Bauernhöfe und Felder langsam zurückerobert (hellgrün) und die Wälder wurden auf Anordnung der Regierung gerodet und neu aufgeforstet.
Für das Tierreich war die Flucht des Menschen aus dem Sperrgebiet ein Segen. Heute leben dort so viele Wildtiere wie noch nie – weil sie in der Sperrzone ungestört sind, wie eine 2015 veröffentlichte Studie zeigte.
Die Landflucht in China hat Peking zu einer Mega-Metropole anwachsen lassen. In der Hauptstadt leben mittlerweile rund 12 Millionen Menschen. Zählt man die Agglomeration dazu, wohnen über 21 Millionen Menschen in dem Ballungsraum. Eine Wachstumsexplosion, die ihre Spuren hinterlässt: Gemäss einer Studie hat sich Pekings Infrastruktur zwischen 2000 und 2009 vervierfacht. Strassen und Gebäude wärmen die Stadt im Winter um 3 bis 4 Grad Celsius auf und bremsen gleichzeitig den Wind, so dass die Abgase oft nicht mehr weggeblasen werden.
Der Lake Powell im US-Bundesstaat Utah im Jahr 1999 (links) hat nach Jahren der Dürre und stetiger Wasserentnahme im April 2015 nur noch 42 Prozent seiner ursprünglichen Kapazität.
Der Gletscher Qori Kalis in den peruanischen Anden liegt in einer Region, die aussergewöhnlich stark vom Klimawandel betroffen ist. Etwa 70 Prozent der tropischen Gletscher befinden sich in der Andenregion. Sie schmelzen wegen steigender Temperaturen ab und hinterlassen Gletscherseen, wie auf den Aufnahmen zu sehen ist.
Für Peru ist das eine Katastrophe, weil die Gletscherschmelze zu Überschwemmungen führen kann. Für Wissenschaftler kommt unter dem Eis aber auch Faszinierendes zum Vorschein: Pflanzen, die hier vor tausenden Jahren eingeschlossen wurden.
Zwischen den beiden Aufnahmen vom Matterhorn liegen fast auf den Tag genau 45 Jahre: In diesem Zeitraum ist dramatisch viel Eis weggeschmolzen.
Bis in die frühen 1950er Jahre war Cancún eine von der Zivilisation weitgehend unberührte Halbinsel mit einigen wenigen Fischerdörfern und Ruinen der Maya. Dann entschloss sich die mexikanische Regierung 1969 dazu, den Fischerort in einen Touristen-Hotspot zu verwandeln. Die NASA-Bilder verdeutlichen das rasante Wachstum Cancúns, wo heute über 700'000 Menschen leben.
Die Wüstenstadt wächst unaufhaltsam: Die Grösse von Las Vegas hat sich zwischen 1984 und 2007 mehr als verdoppelt, wie die beiden Satellitenaufnahmen zeigen. Gespeist wird die riesige Siedlung vor allem von Wasser aus dem Lake Mead – der Pegel des Sees sinkt immer weiter.
Die Hauptstadt Saudi Arabiens im Wandel: 1972 leben rund eine halbe Million Menschen in Riad. Von der Bevölkerung des Wüstenstaats lebt zu dieser Zeit noch mehr als dreimal so viel auf dem Land wie in der Stadt. Das hat sich komplett gedreht: Im Jahr 2000 (rechts) war das Verhältnis umgekehrt, und Riad ist zu einer Zwei-Millionen-Stadt angewachsen.
In der Wüste Saudi-Arabiens wird durch Grundwasserentnahme landwirtschaftlicher Anbau möglich. Das Gebiet ist dadurch von 1987 bis 2012 stellenweise ziemlich grün geworden. Experten schätzen, dass die Wasserbestände aber nur noch 50 Jahre reichen.
Der Aral-See war noch in den 1960er Jahren der viertgrösste See der Welt. Dann begann die damalige Sowjetunion, das Wasser für die Landwirtschaft abzuschöpfen. Wo 2000 (links) noch grünes Wasser zu erkennen ist, kann man nach einer Trockenperiode im Jahr 2014 trockenen Fusses spazieren gehen. Die schwarzen Umrisse links zeigen übrigens die Grösse, die der See bis in die 60er Jahre hatte.
Von seiner Entdeckung im Jahr 1794 bis 1980 blieb der Columbia-Gletscher stabil. Doch seither schmilzt das Eis dramatisch, wie die NASA-Bilder zeigen. Zwischen 1986 und 2011 hat der Gezeitengletscher sein Gesicht völlig verändert. Die Falschfarbenbilder aus rund 700 Kilometern Höhe zeigen, wie die ursprüngliche Gletscherfront über die Jahre 20 Kilometer zurückgewichen ist – teilweise um mehr als einen Kilometer im Jahr. Mittlerweile verfügt er sogar über zwei klar voneinander getrennte Fronten.
Die Geschwindigkeit des Rückgangs lag allerdings in den verschiedenen Jahren bei sehr unterschiedlichen Werten. Zwischen 2000 und 2006 tat sich zum Beispiel kaum etwas, weil zwei Berggipfel dabei halfen, die Gletscherzunge zu stabilisieren.
Diese Bilder zeigen, dass sich die Welt durchaus auch zum Besseren verändert. Die Aufnahmen zeigen die Luftverschmutzung an der Nord-Ostküste der USA im Jahr 2005 (links) und 2011. In dieser Region hat sich die CO2-Konzentration deutlich reduziert. Der Anteil von Stickstoffdioxid in Denver sank um 22 und in New York City um 32 Prozent. In Atlanta, das viel dafür getan hat, die Emissionen seiner Kraftwerke zu reduzieren, ist der Anteil sogar um 42 Prozent gesunken.
Entscheidend für die positive Entwicklung sind nach Meinung von Experten neue Umweltauflagen und verbesserte Technologien. Aufatmen können die US-Bürger aber noch nicht. In den Staaten leben immer noch 142 Millionen Menschen in Regionen, die die US-Umweltschutzbehörde EPA als «verschmutzt» und «ungesund» einstuft.
Dubai, einst Beduinen-Nest am Persischen Golf, ist heute eine Boomtown mit ehrgeiziger Wolkenkratzer-Architektur und Multikulti-Atmosphäre. Doch in die Höhe zu wachsen war den Scheichs nicht genug. Wo sich vor zwei Jahrzehnten noch unberührte Strände an der Küste hinzogen, stampften Tausende von Bauarbeitern aus Pakistan und Indien, von den Philippinen und Malaysia, künstliche Inseln aus dem Meer.
Die Topaz Solar Farm in Kalifornien ist die grösste Photovoltaik-Anlage der Welt. Sie wurde 2015 in Betrieb genommen und kann Strom für 160'000 Haushalte produzieren. Die Aufnahme links entstand im Oktober 2011, rechts im Januar 2015.
Ein Feuer in Las Conchas in New Mexico, ausgelöst von eingestürzten Strommasten, zerstörte in wenigen Stunden eine alte Buschlandschaft. Die rotbraunen Areale rechts kennzeichnen verbrannte Gebiete, helle Flecken sind noch lodernde Feuer – der Satellit «Landsat 7» registrierte ihre Wärmestrahlung. Die Aufnahme links ist vom 24. Juni 2011, rechts vom 2. Juli 2011: Über 50'000 Hektar Wald wurden zerstört.
Nach Ausbruch des somalischen Bürgerkrieges und einer damit einhergehenden Hungersnot flüchteten in der ersten Hälfte der 1990er Jahre bis zu 400'000 Menschen aus Somalia nach Daaba in Kenia. Die Aufnahme links entstand 1986 vor der Flüchtlingswelle, das Bild rechts ist vom Dezember 2007.
Incheon in Südkorea hat sich in den letzten 32 Jahren in gewaltigem Ausmass verändert. Inseln wurden miteinander verbunden, Wohn- und Geschäftshäuser hochgezogen und ein neuer Flughafen gebaut. Die Hafenstadt ist mittlerweile mit der Hauptstadt Seoul zusammengewachsen, ist aber immer noch eine eigenständige Stadt.
Bis vor wenigen Jahren wurde Brasiliens Regenwald in rekordverdächtigem Tempo vernichtet. Eindrücklich zeigen das die Bilder aus dem Amazonas im Bundesstaat Rondônia. 1978 waren 2 Prozent des Regenwalds gerodet, 2008 waren es bereits 34 Prozent. Zuletzt wurden im Amazonas-Regenwald zwar weniger Bäume abgeholzt. Grund zum Jubeln gibt es dennoch nicht: Noch immer werden jährlich Tausende Quadratkilometer des wichtigen Waldes zerstört.