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Madonna von Rüegsau
Die romanische Marienfigur kam 1968 bei Ausgrabungen in Rüegsau zum Vorschein. Forschungen des archäologischen Instituts Bern haben ergeben, dass die aus Stein gehauene Maria zusammen mit dem seitlich angedeuteten Engel Gabriel die Verkündigung darstellt.
Beschrieb des Werks
In einem erkennbaren Rundbogen steht die Marienfigur dem Betrachter gegenüber. Das Gesichtszüge der «Madonna von Rüegsau» wirken eher flach. Sehr grosse, offengelegte Hände sind zu sehen. Das Haar ist gescheitelt und zu langen Zöpfen geflochten. Ein scheibenförmiger Heiligenschein mit eingeritzten radialen Strahlen ist dem Haupt hinterlegt. Sie besitzt eine schmalschulterige Statur. Das langes Gewand mit symmetrischem Faltenwurf endet unten in einem geschwungenen Saum. Die mit stumpfspitzen Schuhen gekleideten Füsse sind hängend -ohne Bodenkontakt- wiedergegeben.
Reliefgrösse: 113cm hoch, 34cm breit, 17cm tief
Material: Grauer Molasse-Sandstein
Das Werkstück stammt aus der Zeit um 1150. Die Arbeit des Steinbildhauers musste vermutlich vorzeitig aufgegeben werden. Offenbar brach bei der Bearbeitung kurz vor dem Fertigstellen ein Teil des Steinblocks entzwei.
Die Plastik wurde mit der einzig nicht bearbeiteten Fläche nach oben gekehrt in sandig-lehmiger Erde des ehemaligen Klostergangs gefunden. Die Darstellungen verloren durch die Beschädigung ihren Wert und der Steinblock diente einige Jahrhunderte lang als Bodenbelag.
Die Funktion des Bildwerks - ob als Bauplastik zu einem Arkadenpfeiler gehörend oder als liturgisches Darstellungsmobiliar in der Klosterkirche gedacht - kann nicht mit Sicherheit bestimmt werden.
Zum Künstler des hochromanischen Bildwerks: Die Übereinstimmungen beim Figurenstil lassen vermuten, dass ein schwäbischer Bildhauer hätte zugewandert sein können. Auch die lokalhistorischen Gegebenheiten würden passen: Das Kloster Rüegsau war der Abtei Trub unterstellt, die vor 1130 von den Herren von Lützelflüh als Priorat des Reformklosters St.Blasien im Schwarzwald gegründet worden war.
Quelle: Ein aufgehobenes Werkstück der Hochromanik aus dem ehemaligen Benediktinerinnenkloster Hl. Kreuz in Rüegsau, Keck Gabriele, 1994
Weitere Informationen
Ein Abguss der «Madonna in Rüegsau» ist bei der Aufbahrungshalle zu sehen.
Die lokalen Ausgrabungen fanden 1966, 1968, 1978, 1989 und 1992 statt und wurden begleitet vom kantonalen Archäologen Luc Mojon. Zu Beginn wurden diese vor Ort von Hans Würgler und anderen einheimischen Freiwilligen durchgeführt.
Hinweise zu weiteren Fundstücken wie zur alten Friedhofsmauer, Ton- und Glasscherben von Gefässen, Ofen- und Tellerkacheln, sowie einer Spolte sind zu finden unter
Archäologie Bern, Rüegsau Dorf 128