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Wer vor einem Jahr darauf gewettet hätte, dass eine Schweizerin in Gangneung im Eiskunstlauf dabei ist, wäre wohl für verrückt erklärt worden. Das änderte sich nach dem Nationenwechsel von Paganini, die in den USA geboren ist und auch dort lebt, jedoch wegen ihrem Vater auch den Schweizer Pass besitzt. Sie zeigte bereits mit ihrem Sieg beim ersten Wettkampf für die Schweiz an den Slovenia Open in Celje, notabene dem ersten bei der Elite, was in ihr steckt.
Ende September holte sie in Oberstdorf souverän den Quotenplatz für die Winterspiele, obwohl sie nach einem Sturz im Sommer an Rückenschmerzen litt. Danach pausierte sie während vier Wochen, die nächsten vier Wochen trainierte sie reduziert. Dennoch beendete sie im Januar die Europameisterschaften in Moskau im ausgezeichneten 7. Rang. «Moskau war eine grossartige Erfahrung, die mir viel Energie gab und mir bei meinen Vorbereitungen für die Winterspiele half», so Paganini.
Mit der Teilnahme in Gangneung geht für sie ein Traum in Erfüllung. Eine Platzierung hat sie sich nicht zum Ziel gesetzt, sie hofft, von dem ganzen Rummel nicht abgelenkt zu werden. «Ich werde versuchen, im Moment zu bleiben.» Das ist ihr zuzutrauen, trat sie doch in den bisherigen Wettkämpfen erstaunlich abgeklärt auf. Überhaupt ist sie eine sehr gute Springerin. Dass sie im künstlerischen Bereich noch Defizite hat, ist angesichts ihres jungen Alters nichts als logisch. Zur Nervosität sagte sie: «Natürlich werde ich nervös, ich bin nur ein Mensch, aber schlussendlich geht es um das ‘Eis und mich’. Das bleibt immer gleich, darauf konzentriere ich mich.» Ausserdem bestreite sie schon seit dem Alter von drei Jahren Wettkämpfe, sodass sie einige Erfahrung habe.
Paganinis Vorbild ist die Amerikanerin Michelle Kwan, die zwischen 1996 und 2003 fünfmal den WM-Titel gewann. Der Olympiasieg blieb ihr allerdings verwehrt – 1998 holte sie Silber, 2002 Bronze. «Ihre Hingabe, Konsequenz, Arbeitsmoral, mentale Stärke und Demut sind einzigartig», so Paganini.
Das eigene Leben bezeichnet sie als einfach, es ist bestimmt vom Eiskunstlauf, wobei sie nichts anderes kennt. Sie liebt es, auf der Eisbahn zu sein und sich zu messen. «Wettkämpfe sind aufregend, herausfordernd, lohnend und frustrierend zugleich», erklärte Paganini. Wegen dem hohen Trainingspensum besucht sie mittlerweile keine öffentliche Schule mehr, sondern lernt online. Die Hausaufgaben macht sie auf ihrem PC in ihrer spärlichen Freizeit. Sie mag es auch zu reisen und neue Kulturen kennenzulernen, besucht gerne Broadway-Shows oder verbringt einfach Zeit mit der Familie, beispielsweise beim Kochen. Ihr Lieblingsessen ist Käsefondue.
Langfristig strebt Paganini an, «die Schweiz stolz zu machen und mit den Besten der Welt zu konkurrenzieren.» In Gangneung ist ihr der Sprung in die Top 15 zuzutrauen.
(SDA)