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Walperswil
Kirche Walperswil
Walperswil mit Bühl liegt auf einem Moränenhügel über dem Grossen Moos. Die schöne Silhouette des Dorfes wird durch die gleichförmigen Bauernhäuser mit ihren parallel zu den Hügeln verlaufenden Dachfirsten geprägt. Die Nachbargemeinden heissen im Süden Aarberg, Bargen, im Osten Hermrigen, Merzligen, Kappelen, im Norden Epsach und im Westen Täuffelen, Hagneck. Das Ensemble mit Kirche, Pfarrhaus und Spycher liegt an der südlichen Hangkante über dem ehemaligen Rebberg. Die Kirche ist ein schlichter Saalbau, vermutlich aus dem 15. Jahrhundert.
In der Römerzeit bot der Hügel über dem Moos Gelegenheit zum Bau einer Militärstation als Sicherung der Verbindung Aventicum (Avenches) und Petinesca (Studen). Im 9. Jahrhundert wurde durch den Ortsadel die erste Kapelle errichtet, die als Grundstein der heutigen Kirche gilt. Sie hatte mit den Heiligen Andreas, Margaretha und Petronella drei Schutzpatrone. 1309 starb der Ortsadel aus und die Pfrund ging an das Kloster St. Johannsen (Erlach). 1453 rügte der Bischof von Lausanne den baulichen Zustand von Kirche und Pfarrhaus.
Als Folge davon kommt es zum Neubau der Kirche. Der Bau dauerte von 1484 bis 1513 in verschiedenen Etappen: Vor 1490 wurde das Schiff vergrössert, in den 1490er-Jahren wurden der gedrungene Turm im Norden und der Polygonalchor errichtet und die Chorausstattung folgte 1508/13. Zwischen 1581 und 1592 musste der Chor bereits renoviert und der Dachstuhl erneuert werden, wobei der Turm eine zweite Glocke erhielt, die heute in der Kirche unter der Kanzel steht.
1678 kommt es zu einer Kirchenvergrösserung: Der Raum wird zwei Meter nach Norden erweitert, wobei der First unverändert blieb. Dadurch erhielt das Dach zwei unterschiedlich lange Dachflächen. Gleichzeitig wurde die Winkelempore eingebaut, die heute modern verändert ist. Ebenfalls von 1678/79 stammen das Chorgestühl und die Renaissancekanzel. Auf ihr steht geschrieben: «Ist nit min Wort wie ein Für und wie ein Hammer der die Felsen zeschmäteret spricht der Jerem am 23.29.»
Die erste Orgel kam 1845 in die Kirche. Diese wurde 1912 ausgebaut, revidiert und blieb in der Folge bis 1956 in Betrieb: Anlässlich der grossen Innenrenovation wurde eine neue Orgel eingebaut, die alte steht seit 1972 in der Kapelle der Waldau in Bern. 1936 wurde das Geläute renoviert. Im Glockenstuhl hängen heute drei Glocken mit der Inschrift Walperswil - Bühl 1936. Die höchste Glocke trägt den Spruch: «Herr, deine Güte reicht soweit der Himmel ist, und deine Wahrheit, soweit die Wolken gehen. Psalm 36.6». Eine elektrifizierte Turmuhr erhielt die Kirche aber erst 1956. Bis dahin läutete der Sigrist die Glocken von Hand. 1976-1978 wurde das Äussere renoviert. Dabei konnten zwei alte Kielbogenfenster aufgedeckt werden, die mutmasslich zur ehemaligen Kapelle gehören.
- Kunstführer durch die Schweiz, hg. von Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2006-2012, Bd. 3, S. 631.
- Moser, Andres, Die Kunstdenkmäler des Kantons Bern, Landbd. 2 (Der Amtsbezirk Erlach, Der Amtsbezirk Nidau 1. Teil), Basel: Wiese, 1998, S. 378-380.
- Alliman-Laubscher, Fritz, Walperswil. Kirche und Pfrundgebäude. Beitrag zu ihrer Baugeschichte, s.l: o.V., 1965.