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Wladiwostok – Eine europäische Stadt im fernsten Osten
RusslandAls erstes mussten die Mitsubishis zum Hafen gebracht werden um in Container verstaut zu werden für den Seetransport nach Basel via Rotterdam. Danach hatten wir genügend Zeit die Stadt zu entdecken und Abschied zu nehmen. Am Sonntag wird sich unsere Gruppe auflösen. Die einen fliegen, andere fahren mit der Transsib nach Hause oder bleiben wie Martin noch einige Zeit in Sibirien.
Mitten im Kalten Krieg im Jahre 1959 besuchte der damalige Vorsitzenden der KPdSU und Regierungschefs der UdSSR Nikita Chruschtschow die USA. Auf seinem Rückflug von San Francisco machte er einen technischen Zwischenhalt in Wladiwostok und stattet dabei der Stadt, die er vorher nicht kannte, einen Besuch ab. Er war begeistert von der Schönheit dieses Ortes der ihn an San Francisco erinnerte. Ab diesem Moment flossen gewaltige Summen aus Moskau um diese Stadt weiter zu entwickeln. Das alles erzählte uns Ludmilla, unsere Stadtführerin die perfekt Deutsch sprach und Dozentin an einer der hiesigen Universität ist. Wladiwostok blieb zwar bis 1990 ein geschlossene Stadt da hier die Pazifikflotte mit ihren U-Booten beheimatet war. Sogar Sowjetbürger brauchten eine Genehmigung für den Besuch oder die Niederlassung. Unrühmlich waren die Zwangsdeportationen während des zweiten Weltkrieges von asiatischen Sowjetbürgen (Koreaner, Chinesen und auch Japaner) in andere entlegene Regionen Sibiriens da sie als potenziell unzuverlässige, erpressbare und illoyale Bürger eingeschätzt wurden.
Mir ging es wie Chruschtschow, ich erwartete eine graue, hässliche Hafenstadt und war sehr überrascht eine schöne und lebendige Grossstadt mit 600 000 Einwohnern vor den Toren Japans zu entdecken. Als erstes führte uns Ludmilla auf einen Hügel beim Hafen von dem man einen grossartigen Blick auf die Stadt, den Hafen, die neue Golden Horn Bridge und die etwas mehr in der Ferne vorgelagerte Russki Insel hat die ebenfalls mit einer neuen imposanten Hängebrücke mit dem Festland verbunden ist.
Danach besuchten wir den aus dem Boden gestampften Universitätscampus auf der Russki Insel. Da Ludmilla Dozentin ist durften wir den wunderschönen Komplex auch von innen besichtigen. Dieser Komplex wurde als Tagungszentrum für die APEC Konferenz von 2012 gebaut. Insgesamt wurden über 20 Milliarden Dollar investiert für das Zentrum, die neuen Brücken, eine Flughafenexpressbahn und die Renovation der Altstadt. Im Gegensatz zu Sotschi werden diese Investitionen aber weiter sinnvoll genutzt.
Interessant war auch die Besichtigung des Bahnhofes, Endstation der 9297 Km langen Transsib. Um einfach etwas die Dimensionen der Weite dieses Landes im Auge zu behalten; New York liegt fast 2000 Km näher bei Moskau als Wladiwostok. Der Bahnhof ist eine Kopie des Moskauer Sibirienbahnhofs und wurde 1912 fertig gestellt und 1999 liebevoll und aufwendig restauriert. Gegenüber dem Bahnhof steht eine Lenin Statue wie fast in allen sibirischen Städten. Im Gegensatz zu Westrussland wurden die kommunistischen Statuen, Strassenbezeichnungen und andere Symbole nicht systematisch entfernt oder umbenannt.
Nicht fehlen darf wie in jeder Stadt eine Gedenkstätte für die Opfer des zweiten Weltkriegs oder wie es die Russen nennen des Grossen Vaterländischen Krieges. Bei dieser Gedenkstätte kann man sogar das berühmte U-Boot C-56 das erfolgreich viele Missionen erfüllt hatte und bis in die 50er Jahre noch in Betrieb war besichtigen. Die ehemals ultrageheimen Installationen können heute als touristische Attraktionen besichtigt werden, unter anderem einer der Flucht- und Kriegskommandobunker, die über das ganze Land zerstreut waren, in die sich das Zentralkomitee der KPdSU im Kriegsfall zurück gezogen hätte.
Ein besonders schönes historisches Gebäude ist auch das von den Hamburger Kaufleuten Kunst & Albers 1862 gegründete Warenhaus das in Sowjetzeiten in ein GUM umgewandelt wurde und heute noch als eher unattraktiver Gemischtwarenladen in Betrieb ist.
Morgen fliege ich mit Marcel zurück in die Schweiz via Moskau. Damit schliesse ich die Berichterstattung über diese ausserordentliche Reise ab und bedanke mich bei allen Lesern und insbesondere den vielen Feedbacks die ich erhielt.