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Der frühere Tessiner Schwimmtrainer Flavio Bomio ist am Freitag in Lugano TI wegen Kindesmissbrauch zu einer Gefängnisstrafe von elf Jahren verurteilt worden. Das Strafgericht hielt es für erwiesen, dass der 71-Jährige über zehn Jahre lang mindestens 15 Buben zu sexuellen Handlungen gezwungen hatte.
"Bomio handelte mit Vorsatz", sagte Richter Marco Villa. Dem Ex-Präsidenten des Schwimmclubs Bellinzona (SNB) sei immer bewusst gewesen, was er tat. Er habe die Konsequenzen seiner Taten einschätzen können. Gemäss Richter Villa setzte Bomio gezielt seine Autorität und sein Ansehen ein. Die Opfer hätten keine Chance gehabt, sich zu entziehen.
Der Richter bezeichnete den Schwimmclub in Bellinzona als das Jagdrevier von Bomio. Dort hätte dieser - der in den 1980er Jahren auch Nationaltrainer war - über vierzig Jahre lang geherrscht. Die Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 16 Jahren hätten Respekt und Furcht vor ihm gehabt, ihm aber auch vertraut. Allein ihre Verbundenheit mit dem Team habe es ihnen unmöglich gemacht, sich Bomio zu widersetzen.
Schwere Schuld
Entsprechend sprach der Richter in seiner Urteilsbegründung von einer sehr schweren Schuld. Bomio habe mindestens 15 Knaben - inzwischen erwachsene Männer - die Chance auf eine eigenständige, gesunde sexuelle Entwicklung in der Jugend genommen. Die Betroffenen hätten schwerwiegende psychische Verletzungen erlitten. Lange habe es gedauert, bis es einer schliesslich 2011 gewagt habe, Bomio anzuzeigen.
Die Missbräuche reichten gemäss Anklageschrift von Berührungen des Intimbereichs beim Duschen und bei Massagen bis hin zu Analverkehr. Der Trainer nutzte die Nähe zu den jungen Athleten während des Trainings und bei Wettkämpfen im In- und Ausland. Einige Beziehungen zu den Buben dauerten über mehrere Jahre. Meist gelang den Jugendlichen der Ausstieg nur über den Abbruch ihrer Sportkarriere.
Missbräuche dauerten über 40 Jahre
Im Urteil wurde auch explizit auf die verjährten Fälle hingewiesen. Zwar würde die Anklageschrift nur die geschätzten 400 Episoden sexueller Übergriffe in den Jahren 1998 bis 2011 berücksichtigen. Doch der erste bekannte Fall soll schon über 40 Jahre zurückliegen. Der Trainer habe immer nach demselben Muster agiert.
Der Richter kritisierte, dass Bomio während der Verhandlung kein wahres Bedauern gegenüber seinen Opfern gezeigt habe. Mitleid habe er immer nur mit sich selbst gehabt. Ausserdem sah das Gericht eine Rückfallgefahr als gegeben. Zu diesem Schluss waren während der Verhandlung auch die Gutachter gekommen. Bomios Alter würde daran nichts ändern.
"Ziel eines Urteils muss neben der Strafe und dem Erziehungsaspekt auch der Schutz der Öffentlichkeit sein", sagte Richter Marco Villa zu diesem Punkt. Strafmildernd angerechnet wurde dem 71-jährigen Beschuldigten unter anderem sein Alter, seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der Justiz und seine angeschlagene Gesundheit.
Opfer erhalten Entschädigung
Das Gericht bestätigte alle Anklagepunkte der Staatsanwaltschaft. Es sprach Flavio Bomio wegen sexueller Nötigung, Schändung und Kindesmissbrauch schuldig. Es wurden Entschädigungszahlungen in der Höhe von rund 170'000 Franken angeordnet. Die Opfer erhalten das Geld in Abhängigkeit von der Schwere der von ihn durchlittenen Sexualdelikte.
Die Anklage hatte in ihrem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren gefordert. Die Verteidigung verlangte maximal sechs Jahre. Der ehemalige Schwimmtrainer hatte argumentiert, auf niemanden Zwang ausgeübt zu haben. Es sei alles auf freundschaftlicher Ebene. Der Richter war anderer Meinung. Bomio sass während der Urteilsverkündung zusammengesunken auf seinem Platz.
SDA-ATS