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Philippinen, Samar Island 1997
Die Fotos sind, wenn nicht anders vermerkt, von Roland Müller
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Einführung von Markus Kaiser
Samar liegt am Ostrand des Visaya-Archipels und ist mit 13'400 km2 (5050 sq.mi.) dessen grösste Insel. Im Norden trennt es die San Bernardino-Strasse von Luzon, im Südosten der Leyte-Golf von Dinagat und Mindanao. Mit Leyte im Südwesten bildet Samar eine Landmasse, die von der schmalen San Juanico-Strasse unterbrochen wird.
Samar besitzt nur im Norden und in den Flussdeltas des Ostens grössere Tieflandgebiete. Das Innere besteht zum grössten Teil aus einem Plateauland von 150 bis 300 Metern (500 bis 1'000 ft) Höhe; als höchste Erhebung erreicht der Mt. Capotoan etwa 850 Meter (2789 ft.). Die geologischen Formationen, die das Hochland bilden, sind vor allem Konglomerate aus frei gelegten Grund-und Ergussgesteinen (Andesit, Basalt, Gabbro ect.), ausserdem Sedimentdecken aus Sandstein oder Korallenkalk. Der letztere bildet das Leitgestein der im Inneren von Samar abgebauten Kohlevorkommen.
Die Oberfläche ist stark verwittert. Sie wird von zahlreichen Flüssen und kleinen Wasserläufen in scharf eingeschnittenen Tälern zu einer reich gegliederten Hügellandschaft geformt. Zu den Kalkgebieten gehören charakteristische Karsterscheinungen wie Höhlensysteme (schönstes Beispiel im Sohoton Nationalpark am Basey River) oder Karstquellen mit kalkhaltigem Wasser. Dieses kann lokal Sinterformationen bilden, ein Beispiel für einen der vielen Lebensräume spezialisierter Arten.
Samar liegt im Hauptbereich der aus dem pazifischen Raum heranfliessenden feuchten Luftmassen und damit der tropischen Zyklone. Niederschläge fallen nahezu während des ganzen Jahres, besonders stark im Norden und im Osten; aber auch der Südwesten Samars wird von ihnen beeinflusst. Infolge des feuchtwarmen Klimas bilden Regenwälder die natürliche Vegetation. Wie in den meisten natürlichen Lebensräumen dieses Typs ist die Biomasse auch hier nicht im Bodenhumus gebunden, sondern weitgehend in den Pflanzen des Waldes selbst enthalten. Die Böden des Hügellandes sind daher karg und bei Entwaldung erosionsgefährdet. Samars Bevölkerung konzentriert sich vor allem an den Küsten. Einzig der Highway von Wright (Paranas) nach Taft durchquert die Insel und verbindet die Provinz Eastern Samar mit dem Westen. Im übrigen ist das Innere wenig erschlossen. Deshalb bilden die Regenwälder Samars noch immer einen der bedeutendsten Waldbestände des Landes. Die schwache Besiedlung folgt vor allem den Flusstälern und den Erschliessungsstrassen zur Kohleförderung. Seit dem Ende des 2. Weltkrieges wird das Inselinnere stärker genutzt. Die selektive Ausbeutung der Edelholzvorkommen ist in vielen Gebieten abgeschlossen. Sie liess zwar den Regenwald intakt, schuf aber mit Loggingstrassen neue Erschliessungen. Der Kohle-Tagbau hinterlässt ausgedehnte, fast vegetationslose Gruben, in denen sich die natürliche Vielfalt wohl kaum wieder einstellen wird. Akut ist die Bedrohung der Wälder durch Holzfäller und Köhler, deren Tätigkeit als reiner Raubbau zu bezeichnen ist. Wird er weitergeführt, so dürften Samars Regenwälder kaum eine Zukunft haben.
Notwendig (wenn auch sehr schwierig) wäre es, eine nachhaltige Forstwirtschaft einzuführen und deren Nutzen zu propagieren. Ausserdem müssten grossflächige Forstresevate eingerichtet werden. Anzuerkennenswerte Ansätze dazu leistet die Nationalparkbehörde von Basey, die sich bemüht , die Wälder im Sohoton-Reservat zu schützen. Ziel ist, das Wasserregime des grossartigen Höhlensystems zu erhalten, um so dessen weitere ungestörte Entwicklung zu sichern.
Tagwache 02 15 Uhr. Der Himmel ist sternenklar und verspricht einen schönen Reisetag. Der Jet nach Tacloban auf der Insel Leyte sollte um 04 20 in Manila starten. Adrian hat endlich ein Taxi gefunden, gar nicht so einfach mitten in der Nacht. Das Einchecken im Domestic Airport geht ohne Probleme über die Bühne. Für Übergewicht und Flughafentaxe müssen wir 850 Piso bezahlen. Mit 1 ½ Stunden Verspätung hebt das Flugzeug in Manila ab und landet um 07 20 in Tacloban. Mit einem Jeepney gelangen wir zum Busterminal. Adrian und Alex kaufen wichtige Lebensmittel wie Kaffee, Konserven, Reis, Gemüse, Früchte usw. auf dem nahe gelegenen Markt ein. In dem Dörfchen Arizona auf Samar, unserem Ziel, gibt es nicht viele Einkaufsmöglichkeiten. Adrian und ich handeln mit dem Busfahrer den Preis aus für 4 Personen und jede Menge Gepäck. Bei 350 Piso einigen wir uns. Um neun Uhr verlassen wir Tacloban! Über die wunderschön geschwungene San Juanico Bridge, die Leyte über die Meerenge mit Samar verbindet, erreichen wir um halb zwei Uhr Arizona (Hinubangan Municipality). Bis die neue Brücke in Hongkong gebaut wurde, galt die San Juanico Bridge als die längste in ganz Südostasien.
Die Leute der ehemaligen Kohlenmine empfangen uns sehr freundlich. Sie helfen uns, das umfangreiche Gepäck zur überdachten Aufenthaltshalle zu schleppen und zeigen uns die Zimmer. Markus und ich schlafen im selben Raum nächst der Halle. Alles ist einfach, aber sauber eingerichtet. Sogar Matratzen und Kopfkissen sind vorhanden, beides frisch angezogen. Bald haben wir uns eingerichtet und unternehmen einen Erkundungsgang. Im Februar ist der Tagebau in der Kohlenmine eingestellt worden. Die Einrichtungen sind intakt,Büros, Unterkünfte, Gemeinschaftsräume und Werkstätten. Gearbeitet wird jedoch nicht mehr. Nur der Bewachungsdienst funktioniert noch und sporadisch taucht ein leitender Ingenieur auf. Abends sorgt einige Stunden lang ein Generator für Licht. Mächtige aber schrottreife Abbaumaschinen rosten auf dem Werkplatz, dessen Boden ölverseucht ist. Gegen Nordosten erstreckt sich eine riesige ausgebeutete Grube, vegetationslos, der Erosion durch die heftigen Regengüsse ausgesetzt.
Das kleine Sitio (Weiler) Arizona besteht nur aus wenigen einfachen Häusern. Einige davon sind bereits unbewohnt. Der Weiler entstand mit der Kohlenmine, die Häuser dienten den Minenarbeitern und ihren Familien. Viele von ihnen sind in die Nähe einer neuen Mine im Inneren von Samar gezogen. Einige sind geblieben und fristen ihr Leben mehr schlecht als recht durch den Verkauf von Holzkohle, Nutzholz (Bretter, Balken, Latten) und Stümpfen der Baumfarne, die für die Orchideenhaltung Verwendung finden. Auch ein kleiner Laden (Store) ist geblieben, in dem das Allernotwendigste zu haben ist. Immerhin gibt es genügend Coke, Sprite, Bier und Rum.
Nach dem kurzen Rundgang durch das Sitio erkunden wir den Wald rund um das Minengelände. Wir klettern und schlittern auf glitschigen Naturpfaden hinauf und hinunter in kleine Creeks. Bald aber haben wir genug. Es ist drückend heiss und schwül, die aufgeheizte Luft dampfgeschwängert. Der Schweiss rinnt in Strömen und bald einmal sind wir triefend nass. Wir sehen viele Schmetterlinge und auch Libellen, allerdings nur weit verbreitete Arten aus der Familie der Segellibellen (Libellulidae) und eine Rhinocypha colorata. Den ganzen Nachmittag ist es abwechselnd bewölkt, es fällt sogar etwas Regen, der aber keine Abkühlung bewirkt im Gegenteil er steigert nur das Gefühl, sich in einer Sauna zu befinden.
Noch vor dem Dinner haben wir einen Leuchtplatz ausgesucht und den „Leuchtturm“ aufgestellt, auf einer kleinen Plattform am steilen Abhang in ein Tal. Die nächste Umgebung ist Sekundärbusch auf einer Abraumhalde. Im Talgrund und am gegenüber liegenden, steilen Hügelrücken wächst noch guter Mischwald. Wir starten das Licht um 7 Uhr bei bedecktem Himmel und hoher Luftfeuchtigkeit, es ist immer noch sehr warm. Um halb acht müssen wir den Platz fluchtartig verlassen, denn ein heftiger, tropischer Platzregen ersäuft uns beinahe. Wir flüchten in die Halle und hängen die Quecksilberdampflampe dort auf. Als Reflektor dient die aufgestellte Leuchtwand. Der Insektenanflug ist allerdings wenig überzeugend. Glücklicherweise ziehen die Regenwolken schnell gegen Westen ab und nach einer halben Stunde können wir den Turm wieder in Betrieb nehmen. Der Anflug ist trotz des leichten Windes beeindruckend artenreich. Erschwerend ist, dass es zwischendurch immer wieder kurz regnet. Morgen müssen wir unbedingt ein kleines Regendach montieren. Um halb zehn brechen wir ab, weil wir tropfnass sind und redlich müde von anstrengenden Reisetag.
Tagwache 04 30 Uhr. Es giesst in Strömen, der Himmel ist wolkenschwer und noch ist kein Ende abzusehen. Um acht Uhr zieht auch noch ein Gewitter mit Sturmböen, Blitz und krachendem Donner über uns hinweg, einem Inferno gleich. Endlich, nach neun Uhr stoppt der Regen und es zeigen sich erste blaue Flecken am Wolkenhimmel.
N 11 Grad 49’ 600“; E 125 Grad 12’ 700“
Diese Messungen stimmen in etwa mit der Karte überein. Man muss zu den Karten 1: 250 000 der P.C.G.S (Philippine Coast and Geodetic Survey) bemerken, dass sie oft nicht sehr genau sind.
Heute dringen wir etwas tiefer in die Wälder und Schluchten ein. Reiches Libellenleben begegnet uns in den kleinen, tief eingeschnittenen Seitenbächen des San Isidro River. An offeneren, sonnenbeschienenen Stellen fliegen Rhinocypha colorata und Rhinocypha turconii, Cyrano angustior, Pseudagrion pilidorsum, Coeliccia dinoceras, Neurothemis ramburii und Neurothemis terminata. Gelegentlich passiert in rasantem Flug eine Heteronaias heterodoxa, ohne sich auch nur einen Bruchteil einer Sekunde zu setzen. Im dunklen Schatten der Urwaldbäume sitzen sehr versteckt die kleinen Wasserjungfern der Gattungen Drepanosticta, Risiocnemis, Amphicnemis. Auch viele Schmetterlinge können wir beobachten, in leicht beschwingtem Fluge um die Büsche schwebend, in blitzschnellem Zickzackflug die Lycaenidae, die sich gerne auf den Blättern zwischen 2 bis 5 Metern mit ausgebreiteten Flügeln von der Sonne bescheinen lassen. Majestätisch segeln die Falter aus der Gattung Neptis um die Büsche. Von einem Seitentälchen ins andere wechseln wir, steil hinauf kletternd und ebenso steil wieder hinunter, mehr rutschend als kletternd. Und in jedem Creek findet sich reiches Insektenleben. Fast den ganzen Tag streifen wir in den Wäldern herum. Auf dem Rückweg treffen wir auf ein kleines Rinnsal mit Rostwasser. Das Wasser ist zwar glasklar, aber feiner Rostschlamm überzieht den Grund in einer dünnen Schicht. Über dem Bächlein sitzen Kleinlibellen der Gattung Lestes, wahrscheinlich praemorsus. Diese Art habe ich sonst nirgends um Arizona festgestellt. Ausser Lestes fliegen noch Neurothemis ramburii und Neurothemis terminata am Wasser.
Um halb sieben starten wir wieder den Generator. Es ist 25 Grad warm, aber ausserordentlich feucht und bewölkt. Gelegentlich fällt ein kurzer Regenguss. Wir haben nun einen kleinen Unterstand eingerichtet, worunter wir uns flüchten können. Der Anflug ist gut und artenreich, besonders viele Kleinschmetterlinge, überraschend die Vielfalt der Pyralidae, aber sehr wenige Arctiidae und Notodontidae. Vier Weibchen einer grossen Saturnidae (Antheraea spec.) haben wir zur Eiablage in einen Käfig aus Tüll gesetzt. Die Kinder aus dem Dorf kommen, um zuzuschauen. „Alibangbang“ sagen sie den Schmetterlingen in der Waray-Waray-Sprache der Visayas.
Zwischendurch betrachten Markus und ich den Sternenhimmel. Der südliche Abendhimmel ist allerdings durch Wolken verdeckt, sodass wir das südliche Kreuz und das imposante Sternbild des Skorpions nicht sehen können. Markus hätte gerne den Kometen beobachtet, allein auch der nördliche Horizont ist durch Dunst und Schleierwolken bedeckt. Markus kennt sich in diesem Sternengewirr vorzüglich aus und erklärt mir die verschiedenen Sternbilder . Müde vom anstrengenden Tag verziehen wir uns gegen halb elf Uhr in unsere Gemächer .
Tagwache 07 00 Uhr. Etwas später als üblich bin ich erwacht. Es ist bedeckt und windig, die Temperatur beträgt 24 Grad. Um halb zwei in der Nacht wachte ich auf und tastete mich in der Dunkelheit auf den grossen Platz vor der Halle. Von hier geniesst man eine schöne Rundsicht. Ich hoffte, doch noch den Kometen zu sehen, aber der Nordhimmel war bedeckt, nur durch einige Wolkenlücken blinzelten Sterne. Es begann zu regnen und ich verzog mich wieder.
Die Weibchen des Seidenspinners Antheraea haben viele Eier gelegt Ich habe die Tiere wieder in die Freiheit entlassen. Die Eier werde ich sobald wie möglich einem Züchter in der Schweiz schicken.
Nach dem Frühstück klärt es auf. Bei schönstem Sonnenschein fahren wir mit dem Service-Wagen der Mining Company nach San Isidro. Wir wandern den steilen Weg hinunter zum San Isidro River und folgen dem schönen Flusstal bis zum Zusammenfluss mit dem Tinane River. Von hier an heisst der Fluss Ulot (oder Ulut) River und mäandert durch das Hügelland nach Osten, um bei Calabid in den Pazifik zu münden.
N11 Grad 50’ 050’’; E 125 Grad 11’ 170’’
Das Tal des San Isidro River ist sehr romantisch. Wo der Fluss breiter wird, bilden sich Lichtungen, an engeren Stellen breiten sich die Äste der Bäume wie ein grüner Baldachin über die Wasserschnellen. Das Gebiet ist kaum besiedelt, nur gelegentlich steht eine Nippahütte inmitten eines kleinen Gemüsegartens. Die meisten Leute wohnen oben im Barangay San Isidro und sind dort geschützt vor Hochwassern in der Regenzeit. Unschwer kann man erkennen, wie hoch der Wasserstand zu steigen vermag. Jetzt, in der Trockenzeit, ist der San Isidro nur ein zahmes Flüsschen. Gelegentlich fliegt der sehr seltene und nur lokal vorkommende Silbereisvogel (Ceyx argentatus) dicht über dem Wasser pfeilschnell dahin, um auf einem exponierten Zweig am Ufer seinen Beobachtungsplatz einzunehmen. Auffällig der grell weissbläuliche Bürzel. Als weissen Punkt kann ich den Flug auch in den dunklen Schatten der Bäume gut verfolgen.
Auf einem kleinen dürren Zweig über dem Wasser sitzt eine Grosslibelle, wahrscheinlich eine Gomphidia aus der Familie der Gomphidae. Ganz vorsichtig schleiche ich Schritt für Schritt an sie heran. Bei der leisesten Bewegung fliegt sie auf, setzt sich aber nach einigen Runden über dem Fluss schön brav wieder auf den Zweig (wie das Foto zeigt, sind die Aufnahmen gelungen). Vestalis melania ist am Hauptfluss eher selten, an den Seitenbächen im Wald häufiger. Auf offenen, sonnenbeschienen Lichtungen segeln Neurothemis, Pantala flavescens und Diplacodes trivialis. Rhinocypha colorata fliegt entlang des Waldrandes. Leider noch immer keine Neurobasis anumariae und Euphaea cora entdeckt. Auf dem Rückweg von der Mündung des San Isidro River exploriere ich einige der vielen Seitenbäche. Bereits im ersten Creek gelingt es mir, Risiocnemis praeusta vor das Objektiv zu bekommen. An diesen Bächen tummeln sich viele Euphaea amphicyana, Vestalis melania und Rhinocypha colorata, stets über spotartig beleuchteten Lichtungen am Wasser. Die Cyrano angustior Männchen sitzen mit Vorliebe auf einem Blatt an der Sonne, um von hier aus Beute zu jagen oder vorbeiziehende Weibchen in Beschlag zu nehmen. Dies geht bei den meisten Libellen ganz unzimperlich vor sich: Das Weibchen wird blitzschnell angeflogen und vergewaltigt. Zum Begattungsakt verstecken sich die Tiere im Dunkel des Waldes.
In einem anderen Seitenbach gelingen mir Aufnahmen von Risiocnemis siniae und einer noch unentdeckten neuen Risiocnemis-Art (Risiocnemis nigra). Wir wandern wieder zurück und steigen den steilen Pfad gegen das Barangay San Isidro. Ganz versteckt hinter Büschen und Bäumen fliesst extrem kalkhaltiges Wasser in einem leicht eingeschnittenen Tälchen. Das Wasser entspringt etwas oberhalb der Hauptstrasse aus einer Karstquelle, an der die Leute aus San Isidro und Arizona ihr Trinkwasser holen und wo Busse und Jeepneys die Passfahrt nach Ostsamar unterbrechen, damit sich die Passagiere erfrischen können. Der Bach mäandert unterhalb der Strasse durch Sekundärbusch und mündet über einen versinterten Wasserfall in den San Isidro River. In diesem vollständig überdachten Teil des Bächleins (San Isidro Creek) entdecken wir eine noch unbeschriebene Libellenart-Art (Risiocnemis kaiseri). Eigenartigerweise sind die Thoraxunterseite und die Füsse gelb. Keine einzige andere Art dieser Gattung zeigt diese Farbkombination. Interessant, dass auch die versinterten Steine, Baumstämme, Äste und Blätter im Bach die selbe gelbe Färbung aufweisen. Die Fundstelle ist knapp 100 Meter lang. Wie mir Alex erklärt, sind auch die anderen Fundstellen in weit entfernten Gebieten sehr ähnlich. Ob dies ein Zufall ist oder sich die Art im Laufe der Entwicklung angepasst hat, muss im Dunkeln bleiben. Ausser Risiocnemis kaiseri und Risiocnemis appendiculata kann ich in diesem Biotop keine weiteren Libellen beobachten.
Wir begeben uns auf den Heimweg, kein Vergnügen in der brennenden Nachmittagssonne. Der Pfad ist steil bis zur Hauptstrasse. Über mehrere Kehren plagen wir uns auf der flimmernden Betonstrasse bis zur Mining Company. Eine Dusche und einige Cokes möbeln uns wieder auf.
Wie meist, beschliesst der Fang am Licht den Tag. Um halb sieben, bei 25 Grad und leichter Bewölkung, setzen wir die Anlage in Betrieb. Der Anflug ist nicht bedeutend; wieder fliegen einige Weibchen von Antheraea an den Turm. Gegen neun Uhr machen wir Schluss, ein Verbleiben am Licht lohnt sich wegen des bescheidenen Anfluges nicht.
Dienstag, 1. April
Tagwache 06 00 Uhr. Bereits um 4 Uhr in der Nacht musste ich auf die Toilette, was ich mit einem kleinen Nachtspaziergang verband. Das Thermometer zeigte 23 Grad. Dichter Nebel lag über der Landschaft, gespenstisch die Umgebung, tiefe Stille im Wald, kein Zirpen von Insekten, keine Vogelrufe. Plötzlich ein Platzregen, ich konnte mich gerade noch in die Halle flüchten, bevor ich tropfnass war.
Jetzt, um sechs Uhr regnet es nicht mehr, der Nebel hängt noch fetzenweise in den Wäldern. Es ist immer noch 23 Grad. Am südlichen Morgenhimmel zeigen sich erste blaue Fenster.
Nach dem Frühstück muss ich die konservierten Insekten umschichten, damit sie besser austrocknen. Auch die gestrige Ausbeute muss registriert, beschriftet und konserviert werden. Um 8 Uhr geht wieder ein Platzregen nieder, es prasselt nur so auf dem Hallendach und in den Blättern. Somit habe ich genügend Zeit, die von den Saturniden gelegten Eier postversandbereit einzupacken. Da es weit und breit keine Post gibt, muss ich sie so schnell wie möglich in Taft oder Paranas spedieren. Adrian und Alex sind mit einem lokalen Guide schon früh nach Osten aufgebrochen, um neue Biotope zu erkunden.
Gegen zehn Uhr lichten sich die Wolken und bald ermuntert uns schönstes Wetter, zu den kleinen Creeks zu wandern. Wie meist ist das Herumturnen mit der Kameraausrüstung auf den steilen Waldwegen und steinigen Tälern ein Problem, besonders wenn alles sumpfig und tropfnass ist. Einige grosse Libellen, besonders aus den Familien der Aeshnidae, Corduliidae und Gomphidae setzen sich nie hin, sodass ich sie betäuben muss, um sie dann im Camp zu fotografieren. An einem kleinen Rinnsal, im Schatten der Urwaldbäume entdecke ich eine neue DrepanostictaArt, mit Sicherheit eine noch unbeschriebene Spezies. Ein Bild zeigt das (ganz im dunkeln Waldschatten liegende) Habitat, allerdings mit dem Blitz aufgehellt. Nur ein kleines Rinnsal mit kleinsten Tümpeln, kaum zu erkennen, fliesst durch die Büsche und Bäume.
Auf dem Rückweg gelingt es mir, beim „Rostbächlein“ Lestidae in Copula zu fotografieren. Triefend vor Schweiss erreichen wir wieder das Camp. Nach dem Duschen und Abendessen schon beginnt um 18 40 Uhr wieder der Fang an der Lampe. Die Temperatur beträgt 25 Grad. Es ist etwas bewölkt. Immer wieder treibt der Wind aus Ostnordost kleine Wolkenfelder heran und gelegentlich fallen auch einige Regentropfen. Nur wenig Neues am Licht, wir stellen den Generator um halb elf Uhr ab. Die Temperatur beträgt jetzt noch 23 Grad.
Tagwache 05 45 Uhr bei 23 Grad. Es ist noch bewölkt und in den Wäldern hängen einige Nebelschwaden. Ich war um halb drei Uhr kurz draussen, schöner Sternenhimmel, nur über dem südlichen und nördlichen Horizont lagen Schleierwolken, deshalb wieder kein Komet zu sehen.
Kurz nach 7 Uhr fahren Markus, Adrian und Alex mit dem Servicewagen nach Catbalogan, um die Post abzuschicken, und Früchte und andere Esswaren einzukaufen. Für Markus ist es eine Abwechslung, eine andere Stadt und deren Markt kennenzulernen. Die Fahrt nach Catbalogan wird zwei Stunden (ein Weg und ohne Plattfuss!!) dauern. Für meinen Teil bin ich mit Bus- und Jeepneyfahrten genügend gesättigt. Dazu habe ich viel zu tun; es gilt, alle Insekten durchzusehen und die Neuen zu konservieren. Es gibt auch ein wenig Zeit, Fotos vom Sitio Arizona zu machen. Gegen Mittag bringt ein Waldarbeiter einen Kaguang (Pelzflatterer, Cynocephalus volans), den er im Wald mit der Schlinge gefangen hat und bietet ihn an der Strasse zum Verkauf an. Er will 130 Piso dafür. Schliesslich verkauft er das Tier für 100 Piso einem Minenarbeiter, der es zum Dinner verspeisen will. Der Caguang ist im Gegensatz zu den grauen Tieren in Homonhon und Mindanao schön rehbraun mit gelblichen Flecken. Hier in Zentralsamar herrscht jetzt Sommerzeit, das heisst, es ist relativ trocken. Trotzdem regnet es fast jeden Tag, oft auch in der Nacht mehr oder weniger heftig. Die Schauer sind aber meist kurz, zwischendurch scheint die Sonne wieder intensiv. Stets werden neue Wolkenfelder von Nordosten herangeführt, sodass der Himmel, wenigstens während unserer Anwesenheit, nie wolkenlos war. Trotz der vielen Regenfälle führen die Bäche wenig Wasser. Dies dürfte auch der Grund sein, dass wir noch keine Neurobasis anumariae und Euphaea cora gefunden haben. Auch Vestalis melania, die eigentlich am San Isidro River häufig sein sollte, ist eher selten, wobei diese Art aber an den kleineren Seitenbächen gelegentlich zu beobachten ist.
Der San Isidro River ist ab der Einmündung des San Isidro Creek bereits etwas verschmutzt. Durch das verstärkte Abholzen fehlt die natürliche Filterwirkung des Waldes. Weil die Kohlenmine unwirtschaftlich geworden ist und aufgegeben wurde, haben die Leute von Arizona ihren Job verloren. Sie sind nun darauf angewiesen, ihren Lebensunterhalt im Wald zu erwirtschaften. Die besseren Bäume werden gefällt, im Wald zu Balken, Latten und Brettern verarbeitet, die man an der Strasse verkauft. Das weniger wertvolle Holz wird verkohlt und die Holzkohle in die Städte gefahren. Den ganzen Tag hört man die Kettensägen das Lied vom Waldtod singen und am Abend tragen Männer, Frauen und Kinder in Kolonnen das Holz an die Strasse, wie Ameisen. Es scheint sicher, dass in einigen Jahren in dieser Gegend kein Wald mehr steht. Noch fataler wirkt sich der totale Kahlschlag durch die Köhler aus, weil sie auch die kleinen Bäume verarbeiten.
Das Verkaufen von Orchideen an der Strasse ist eine weitere kleine Verdienstmöglichkeit, eigentlich ein Sekundärprodukt der Holzfällerei. Die Epiphyten werden aus den Kronen der gefällten Bäume geholt. Auch die Baumfarne sind ein Waldprodukt. Die Stämme, in grössere oder kleinere Stücke gehauen, dienen als Pflanzunterlage für Orchideen.
Auf den Kahlschlägen werden Kokospalmen, Bananen, Papaya, Kassawa, Camotes, Taro (Gabi) und Erdnüsse angepflanzt. In den breiteren Flusstälern siedeln sich Leute an und betreiben Gemüsebau im kleinen für den Eigengebrauch und weniges für den Markt. Nach zwei bis drei Jahren ist der Boden ausgelaugt, Cogongras und Gestrüpp überwuchert Hügel und Täler.
Es fehlt den Leuten an Ausbildung, um den Wald und seine Ressourcen sinnvoll zu nutzen, damit er späteren Generationen als Lebensgrundlage erhalten bleibt. Die Leute leben ja sehr, sehr bescheiden und wenn man ihren Verbrauch mit unserem vergleicht, muss man sagen armselig. Etwas Reis, etwas Fisch, etwas Gemüse, zu Feiertagen vielleicht einmal ein Huhn. Kleider können sie sich kaum leisten.
Wie wird diese Landschaft in 10 bis 15 Jahren aussehen? Die schönen, wertvollen Urwälder werden zerstört sein und mit ihnen die an natürliche Wälder gebundenen Tiere, Hunderte von Tierarten werden aussterben, bevor sie überhaupt entdeckt werden, wenn es nicht gelingt, den Leuten einen gezielten und sorgfältigen Umgang mit der Natur zu vermitteln. Nationalparks sind sicher eine Alternative, doch nützen sie wenig, wenn sie nicht überwacht werden können. Lebensgrundlage sollte eine sinnvolle Beschäftigung sein, eine Nutzung der Ressourcen im Einklang mit der Natur, ohne deren Grundlage zu zerstören. Es geht ja nicht nur um Vögel, Säugetiere, Reptilien, Insekten und viele andere Tiere, die mit der Vernichtung der Habitate unwiederbringlich verschwinden nein, es geht auch um die Lebensgrundlage der Bevölkerung und deren Nachkommen. Die Hungersnot ist vorprogrammiert!
Hier beginnt ja auch der Zweifel am Nutzen der Artenschutz-Vorschriften. Die Artenschützer, deren in komfortablen Büros geschriebene Rote Listen bald alle Tierarten umfassen ausser Stubenfliegen und Mücken, entfernen sich immer mehr von der Natur und ihren vernetzten Strukturen. Was nützen Listen, auf denen jährlich neue Tierarten verzeichnet werden, wenn es nicht gelingt, die natürliche Umwelt zu schützen? Es taugt ebensoviel, wie wenn jemand an einem Fischteich Tafeln aufstellt „Fischen bei Busse verboten“ und dann das Wasser ablässt. Es gibt auf den Philippinen wie anderswo viele Nationalparks und stets werden neue ausgeschieden. Aber darin wird weiter gejagt, werden Wildtiere mit kleinen Sprengkörpern in den Ködern gemartert, Fische und andere Wassertiere mit Elektrogeräten und Gift gefangen, werden munter weiter Bäume gefällt. Im schönsten Nationalpark am Mt. Apo entstehen riesige Thermokraftwerke. Kilometerlange Korallenbänke wurden mit Dynamit und Zyankali vollständig zerstört. Die Liste liesse sich beliebig verlängern. Vergeblich hat Bruno Manser gegen den Goliath gekämpft und ist für seine Idee zugrunde gegangen, kläglich von der Politik im Stich gelassen. Auf den Philippinen sind Tausende der kleineren Inseln entwaldet; auf den grösseren stehen nur noch Reste der ehemaligen Urwälder und das Holzen geht munter weiter. Was nützt es, wenn gelegentlich ein Tourist die Härte des Gesetzes zu spüren bekommt, weil er ein paar Meermuscheln vom Strand heimbringen will? Doch wozu alles Klagen! Das Rad wird sich weiterdrehen, bis der Strom ausgeht.
Voll neuer Eindrücke ist Markus von Catbalogan zurückgekehrt. Der Minenarbeiter hat den Caguan nach philippinischer Art zubereitet, das heisst „adobo“ gebraten. Wir haben davon gekostet, etwas zäh, aber geschmacklich sehr gut.
Adrian und Alex sind mit Generator und „Leuchtturm“ auf eine weiter entfernte Waldlichtung gegangen. Der Anflug war nicht schlecht und einige neue Arten sind dazu gekommen. Sie haben im Wald im Zelt übernachtet.
Donnerstag, 3. April
Tagwache 06 30 Uhr, 24 Grad, wenige Wolkenfelder, schönstes Wetter. Nach dem Frühstück, Kaffee, Reis, Auberginen (Eierfrüchte) in Ei und Kokosöl gebraten, wandern wir auf der Hauptstrasse in Richtung San Isidro, vom Dorf über einen Shortcut zum San Isidro River hinunter. Wir folgen ihm flussaufwärts und gelangen an einen steilen Seitenbach. Nach anstrengender Kraxlerei finden wir schöne und interessante Libellenbiotope, kleine Wasserfälle mit schönen kleinen Weiherchen, die manchmal spotartig von der Sonne beschienen sind, dann wieder dunkle, steile und steinige Passagen. Ich fotografiere einige neue Arten. Wieder am San Isidro River angekommen, genehmigen wir uns ein angenehmes Bad an einer tiefen Stelle, wo der San Isidro Creek (der Sinterbach) als Wasserfall über einen Felsen in den Fluss mündet, um uns wieder auf Normaltemperatur zu bringen.
Kaum sind wir wieder startbereit, sehe ich sie vorbeifliegen: Tatsächlich, es ist die prächtige Euphaea cora. Die Entdeckung bringt mich gleich wieder ins Schwitzen. Ich verfolge den Flug des blau leuchtenden Tieres, da landet es mitten im Fluss auf einem Stein. Sofort allen Ballast abwerfen und die Kamera zum Schuss vorbereiten! Ich wate tief gebückt durch den Fluss. Drei Meter vor dem Stein lasse ich mich auf den Bauch nieder und robbe ganz langsam an das sitzende Tier heran, um in gute „Schussposition“ zu gelangen und dann - abdrücken. Erschreckt vom Blitz fliegt die Libelle auf, dreht einige Runden und lässt sich weiter weg auf einen anderen Stein. Ganz sachte werfe ich Steine in die Nähe, um sie zum Auffliegen zu bewegen. Endlich fliegt sie auf und prompt setzt sie sich auf den Stein direkt vor meinem Objektiv. Noch etwas näher heran und dann abdrücken. Beim Blitzen zuckt sie zusammen, bleibt aber sitzen. Überglücklich kann ich nach einigen gelungenen Bildern den Schauplatz verlassen. Das Fotomodell fliegt auf und entschwindet flussaufwärts unseren Blicken.
Etwas flussabwärts folgen wir einem weiteren Seitenbach. An einer kleinen sonnigen Stelle gelingt es mir, ein eierablegendes Weibchen der Libelle Rhinocypha turconii und das bewachende Männchen zu fotografieren. Das Weibchen sticht seine Eier in die Beläge (Flechten, Moose, Algen) der Steine, etwas unter dem Wasserspiegel. Dabei geht es rückwärts und taucht das Abdomen (Hinterleib) ins Wasser. Das Männchen sitzt in der Nähe und bewacht das Weibchen. Sobald sich ein fremdes Männchen nähert, wird es angegriffen und in manchmal recht hartnäckigem Luftkampf vertrieben. Danach setzt es sich sofort wieder zum Weibchen und verfolgt die Eiablage.
Nach diesem erfolgreichen Tag nehmen wir wieder den Aufstieg zur Hauptstrasse in Angriff. Oben angekommen, holt uns ein Dorfbewohner einige frische Kokosnüsse vom Baum. Wie herrlich frisch doch so eine Buco mundet!. So heissen die grünen, noch unreifen Kokosnüsse, voll wässeriger Flüssigkeit, angenehm süsslich und sehr durstlöschend. Auf der Innenseite der Schale befindet sich gallertartiges, sehr bekömmliches Fruchtfleisch, das man auslöffelt.
Mit einem zufällig vorbeikommenden Bus fahren wir wieder nach Arizona zurück. Weil wir alle sehr müde sind, wird die Lampe nicht in Betrieb genommen.
Freitag, 4. April
Tagwache 05 30 Uhr, 23 Grad. Es beginnt bereits zu dämmern. Der Nebel liegt schwer und dicht in den Tälern und wie ein riesiger Schleier über dem Urwald. Der Himmel ist wolkenverhangen. Um halb sieben klart es auf, die Nebel ziehen sich zurück und werden von der Sonne aufgelöst. Wiederum fast rundum blau, nur von Ostnordost ziehen einige Wolkenfetzen heran.
Gegen acht Uhr wandern wir nach Norden zum Oberlauf des San Isidro River und seinen vielen kleinen Creeks. Glücklicherweise führt der Pfad vorwiegend durch den Wald. Trotzdem ist es heiss und feucht. Wie in den Philippinen üblich, ist der Pfad so angelegt, dass er direkt ins abschüssige Bachtobel hinuntergeht, dann gleich steil wieder auf den nächsten Hügelrücken und wieder hinunter zum nächsten Creek. Die meisten dieser Canyons sind tief eingeschnitten und deshalb sehr dunkel. Folgende Libellen konnten wir beobachten, aber nicht sehr häufig: Risiocnemis praeusta, Cyrano angustior, Rhinocypha colorata, Rhinocypha turconii, Vestalis melania, Idionyx spec., Heteronaias heterodoxa. Während wir an einem der Creeks unser mitgebrachtes Essen einnehmen, entlädt sich ein heftiges Gewitter. Nur gut, dass wir unter einem Felsen genügend Schutz finden. Trotzdem sich eine nicht unbeträchtliche Menge Regen im Einzugsgebiet des Creeks entlädt, steigt der Wasserstand nur unbedeutend. Der Urwald vermag also einen solchen Platzregen problemlos zu schlucken.
Beim Rastplatz entdecke ich einen sehr schönen Frosch, Staurois natator, und kann ihn, wenn auch mit viel Geduld, fotografieren. Die verhältnismässig grossen Augen sind typisch für Tiere, die an solch dunklen Stellen leben.
Auffallend viele Wildbananen mit noch grünen, unreifen Fruchtständen kommen vor. Reife Früchte findet man kaum. Sie werden alle von den Makaken (Macaca philippinensis), einer philippinischen Affenart, frühzeitig geerntet.
Kurz vor der Dämmerung öffnen sich die Blüten der „Fortune Plant“ (Dracaena sp.), welche die Minenleute in grossen Kübeln vor der Baracke angepflanzt haben und verbreiten einen weithin wahrnehmbaren, herrlichen Duft. Diese Blüten locken Schwärmer aus der Gattung Macroglossum an. Wir verzichten auch heute auf den Lichtfang, einerseits wegen des nicht gerade einladenden Wetters, andererseits, weil wir müde sind.
Samstag, 5. April
Tagwache 06 00 Uhr, 22 Grad. In der Nacht hat es stark geregnet und es ist noch nass und relativ kühl. Jetzt aber sind kaum Wolken zu sehen, nur über den Urwaldbäumen hängt noch eine Nebeldecke. Es ist stets ein besonderes Erlebnis, am frühen Morgen mit dem Kaffee in der Hand in die Natur zu staunen, wenn die Nebel in die Täler zurückfliessen und die Tautröpfchen im ersten Sonnenlicht wie Myriaden von Diamanten glitzern. Nur wenige Minuten dauert das Schauspiel. Bald sind die Nebel verdampft und die schwüle Feuchtigkeit verwandelt die Umgebung in ein Saunaklima.
Nach dem Frühstück machen wir uns wieder auf den Weg nach San Isidro. Ich möchte unbedingt nochmals nach Neurobasis anumariae fahnden. Ich setze eine Prämie von je 10 $ für Alex und Adrian aus, wenn sie diese Art finden. Wir folgen wiederum der Hauptstrasse. Einige hundert Meter vor den ersten Häusern stossen wir auf einen kleinen Stauweiher, der sich wegen der Aufschüttung durch den Strassenbau gebildet hat. Über dem Wasser fliegen Pseudagrion pilidorsum, Neurothemis ramburii, Orthetrum festiva, Orthetrum sabina und Pantala flavescens.
Bald erreichen wir den San Isidro River, und die erste Libelle die wir entdecken ist ein Euphaea cora Männchen. Alex und Adrian ziehen los um die 20 $ zu verdienen. Markus und ich suchen lange, aber ergebnislos nach einem Weibchen von Euphaea cora, das ich auch gerne fotografisch dokumentiert hätte. Dann folgen wir dem Fluss flussabwärts, ihn mehrmals querend. Plötzlich ein Huronengebrüll: Alex und Adrian haben die „Dame“ entdeckt. An einer kleinen Stromschnelle sitzt die so lange Gesuchte auf einem Stein im Wasser, etwa zwei, drei Meter vom Ufer entfernt. Die erfolgreichen Detektive stecken die Dollarscheine in die Taschen und ziehen glücklich von dannen.
Jetzt kommt mein Einsatz. Erst gilt es, die Gewohnheiten des Tieres zu beobachten. Dass die Libelle sehr scheu ist, merke ich sofort. Kaum habe ich mich bis auf eine Distanz von 4 bis 5 Metern genähert, fliegt sie auf, dreht eine Runde und setzt sich wieder auf einen Stein. Es sind drei Steine, auf die sie sich jeweils hinsetzt. Ich muss mir also den günstigsten aussuchen und krieche auf allen Vieren an den Bachrand. Auf dem Hintern sitzend, gleite ich langsam über das Geröll ins Wasser und robbe mich, bis an die Hüften im Wasser, langsam in Schussposition. Jetzt heisst es einfach warten, warten und warten. Nur schon das Auslösen des Verschlusses mit dem Zeigefinger reicht, um das Tier flüchten zu lassen. Dann setzt es sich wieder auf eine andere Warte und ich versuche, es mit Steinwürfen von dort zu vertreiben. Gelegentlich fliegt ein weiteres Männchen dazu und wird sofort in einen Luftkampf verwickelt. Das fremde Männchen wird oft über eine Strecke von mehreren Dutzend Metern verfolgt. Meine Stellung in dem mit faustgrossen Steinen bedeckten Flussbett ist nicht gerade die komfortabelste und die heisse Mittagssonne brennt gnadenlos auf meine haarlose Hirnschale. Zum Glück hat der Tropenaufenthalt die Kopfhaut in ein zähes Schuhsohlenleder verwandelt. Endlich, nach gut zwei Stunden die ersten Bilder, zwar nicht formatfüllend, aber doch brauchbar. Es ist unmöglich, noch näher heranzukommen. Voller Hoffnung suchen wir noch nach einem Weibchen, aber nach vier Stunden Beobachtungszeit gebe ich auf.
Im Gegensatz zu Neurobasis luzoniensis, die ich auf Mindoro, und Luzon beobachten konnte, bekämpfen sich die Männchen von Neurobasis anumariae aufs heftigste. Auf Mindoro bevölkerten Hunderte von Männchen den Fluss. Fast auf jedem Stein sass ein Tier. Ankommende Weibchen wurden sofort angeflogen und „vergewaltigt“. Es mag sein, dass die Flugzeit von N. anumariae erst begonnen hat und die Weibchen noch nicht ausgeschlüpft sind. Flugplätze von N. anumariae sind stets sehr isoliert, die Populationen normalerweise aber individuenstark (in lit. Theobaldo Borromeo und Alex Buenafe).
An einer Stelle, wo Baumäste bis fast zum Wasser hängen, rieselt ein Rinnsal über einen niedrigen Felsen in den San Isidro River. Der Ort ist fast nachtdunkel, an dem Risiocnemis flammea seine Eier ablegt. Mit seinem Legestachel sticht das Weibchen die Eier in das nasse Substrat, das die Felsen überzieht. Das Männchen hat sich mit seinen gabelförmigen Hinterleibsanhängen hinter dem Kopf des Weibchens verankert und steht aufrecht über dem Weibchen. Ich hoffe, dass die Aufnahmen gelingen, obwohl es die Dunkelheit fast unmöglich macht, genau zu fokussieren. Die Aufnahmen sind geblitzt. Fast an der gleichen Stelle kann ich ein Männchen einer neuen Art fotografieren, (Risiocnemis nigra), 2002 beschrieben von Dirk Gassmann & Matti Hämäläinen.
Wenn alle Fotos gelungen sind, habe ich mein Ziel fast erreicht. Fast alle gewünschten Arten konnte ich ins Bild bekommen. Gerne hätte ich noch die kleine Drepanosticta-Art fotografiert. Diese fliegt aber nur in sehr steilen, für mich mit der Fotoausrüstung unerreichbaren Canyons. Fast alle diese Arten wurden noch nie lebend und in den natürlichen Farben abgebildet. Bekanntlich verlieren tote Libellen ihre herrlichen Farben, verblassen mehr oder weniger und sind nur noch auf Grund ihrer anatomischen Merkmale bestimmbar.
Nach wiederum hartem Aufstieg in der prallen Nachmittagssonne zur Strasse schlürfen wir glücklich einige Buco. Gegen halb vier Uhr erreichen wir wieder unser Camp. Wir konnten uns aussen an einen Jeepney hängen, der uns bei Arizona wieder ablud.
Die Freunde von der Mine haben frisches Gemüse, ein Huhn und Schweinefleisch von Catbalogan mitgebracht. Alex bereitet daraus ein vorzügliches Chop Sue für das Dinner. Ein kühles Bier und der Parfumduft der Fortune Plant ist ein würdiger Abschluss der Tagesarbeit.
Abends Lichtfang von 19 00 bis 22 30 Uhr bei Temperaturen von 26 bis 25 Grad.
Der Anflug ist sehr gut. Viele noch nicht beobachtete Arten fliegen zum Licht, wiederum sehr viele Microlepidoptera und Trichopteren. Spektakulär ist ein sehr grosser Bockkäfer (Cerambicidae spec.), dessen Fühler doppelt so lang wie der ganze Körper sind. Interessant auch ein uns unbekannter Hirschkäfer (Lucanidae spec.) und ein grosser, unbekannter Wasserkäfer. Auch ein Antheraea Weibchen, fast taufrisch, fliegt gegen 21 Uhr ans Licht.
Sonntag, 6. April
Tagwache 06 45 Uhr. In der Nacht hat es wiederum heftig geregnet. Auch jetzt noch ist der Himmel bedeckt und über den Wäldern hängen schwere Nebelschwaden. Die Luftfeuchtigkeit ist fast unerträglich, alles ist triefend nass.
Markus, Adrian, Alex und der Ingenieur der Mining Company fahren mit dem Servicewagen nach Taft an die Pazifikküste zu einem Tag Strandleben. Ich bearbeite und konserviere die Ausbeute von gestern, was fast den ganzen Vormittag in Anspruch nimmt. Am Nachmittag habe ich ein wenig Zeit, die letzten Karten zu schreiben, einfach zu faulenzen und mich ein wenig im Dorf umzusehen. Um vier Uhr öffnen sich die Blüten der Fortune Plant, sie duften aber noch nicht. Erst um etwa halb fünf beginnen sie, ihren betörenden Duft auszustrahlen. Ich wähne mich in einem Parfumladen!
Die Freunde kommen um halb sechs Uhr von Taft zurück, überglücklich strahlend. Der eine oder andere mit einem leichten Seemannsgang. Es war ja auch sehr heiss und der Durst quält halt selbst den solidesten Mann. Markus ist schön rotbraun im Gesicht, die Nase knallrot wie das Brunstzeichen eines Paradiesvogels.
Gemütlich sitzen wir noch lange in der offenen Halle und plaudern über gehabte und kommende Freuden. Gelegentlich flattern einige interessante Nachtfalter um die Neonröhren über der Diskussionsrunde.
Tagwache 05 30 Uhr, 24 Grad. Es ist bedeckt, die Wälder sind in Nebel gehüllt, extrem hohe Luftfeuchtigkeit, die Kleider sind feucht und klebrig auch die frischen!
Nach dem Morgenkaffee beginnen wir sofort zu packen. Die Ausbeute muss sorgfältig in den Rucksäcken verstaut werden, damit nichts zu Schaden kommt. Um 8 Uhr warten wir an der Hauptstrasse auf einen Bus, der uns nach Tacloban auf Leyte, mitnehmen soll. Herzlich ist der Abschied von den lieben Freunden der Mining Company. Wir sind dankbar für die grossartige Gastfreundschaft und Hilfe, die wir erfahren durften. Hier bietet sich nochmals die Gelegenheit, unseren herzlichen Dank auszusprechen. Ein bereits fast vollbelegter Bus erreicht Arizona gegen halb neun Uhr. Das Gepäck verstauen wir auf dem Dach und quetschen uns ins Innere. Bereits nach 40 Minuten Fahrt stoppt das Fahrzeug wegen Plattfuss am hinteren, inneren Doppelrad. Also, alles aussteigen und geduldig warten! Es ist ganz spannend, wie die Crew mit ihren einfachen Werkzeugen den Radwechsel bewerkstelligt.
Der nächste Halt ist in Maray, Paranas Municipality. Maray liegt an der grossen Abzweigung. Eine Strasse führt in den Norden von Samar, die andere nach Süden in Richtung Tacloban. Hier können wir uns verpflegen. Ziemlich genau um 13 Uhr steigen wir vor dem Primrose Hotel in Tacloban ab. Ein Doppelzimmer mit Aircondition kostet 500 Piso pro Nacht, recht teuer für die heruntergekommene, aber einigermassen saubere Absteige. Die Türen zu WC/Dusche und die Verandatüre lassen sich nicht schliessen, das WC hat eine miserable Spülung. Ich hoffe nur, dass durch die offene Verandatüre nicht zu viele Moskitos einfliegen.
Das Mittagessen haben wir im Windys eingenommen, einem im Mac Donald-Stil geführten Restaurant, nicht, weil es etwas Besonderes war, sondern weil es beim Hotel lag. Fried Chicken, Reis, Pommes frites. Fett, aber allemal eine Abwechslung!
Leider haben wir keinen der kleinen Geldwechsler gefunden und so muss Markus bei der PNB (Philippine National Bank) 600 SFr. wechseln. Wie üblich, dauert es stundenlang, wird man von Büro zu Büro geschickt und ist der Kurs geradezu betrügerisch: sie versuchen für Franken den Wechselkurs für DM zu verrechnen!
Wir besichtigen die Stadt, besonders das imposante Denkmal, das an die Landungen Magellans und Mac Arthurs erinnert. Verglichen mit meinem Besuch im Jahre 1988 ist die Stadt relativ sauber. Die meisten Leute flanieren recht gepflegt durch die Strassen. Damals waren die Strassen, Gehsteige und die Abflussrinnen mit Schichten von Unrat bedeckt und die Ratten gingen am helllichten Tage ihren Geschäften nach.
Dienstag, 8. April
Tagwache 04 45 Uhr. Um 05.25 Uhr sind wir beim Jeepney-Stand. Es reicht noch für einen Kaffee und einen schnellen Imbiss, bevor der Jeepney um 05 40 Uhr Tacloban verlässt. Um halb sieben stehen wir vor der Town Hall in Basey-Town. Wir erfahren, dass wir zuerst ein Permit vom DENR, der Nationalparkbehörde für den Besuch des Nationalparks Sohoton benötigen, bevor wir mit dem Boot losfahren können. Das Office öffnet aber erst um 8 Uhr, also warten und Kaffee trinken. Markus besucht die alte spanische Kirche, die schützend über der Stadt thront. Ich muss dem Bootsführer zuerst Geld geben, damit er Gasolin für den Motor kaufen kann. Wir decken uns mit schwammigen, süssen Brötchen und chemischem Ananassaft in der Dose ein. Um 8 40 Uhr verlassen wir endlich den Hafen von Basey. Die Fahrt zwischen den Inseln und hinauf auf dem sich allmählich zur Schlucht verengenden Basay River ist sehr romantisch. Nach einer Stunde und 50 Minuten erreichen wir den Höhleneingang. Der Führer setzt die Petromax-Lampe in Betrieb und hinein geht es in das fantastische Höhlensystem. Grosse Hallen öffnen sich und dann verengen sich dann wieder zu Gängen, ein schier unüberschaubares Labyrinth von Nebenhöhlen und Nischen, ausgestattet mit eindrücklichen Formationen. Stalaktiten und Stalagmiten, teils gigantischen Ausmasses zieren die Hallen, entstanden während einiger Millionen Jahre. Nach anderthalb Stunden staunenden Wanderns durch einen Teil des Höhlensystems erreichen wir den oberen Ausgang. Total beeindruckt vom Gesehenen verzehren wir fast etwas mit Unlust die mitgebrachten „Schaumgummibrötchen“ und schlürfen die Chemie aus den Blechdosen. Danach machen wir uns auf den Weg zu einer imposanten Naturbrücke, die sich über den Basey River spannt. Eine wildromantische Umgebung mit bizarren Karstformationen!. Ein grosses Gebiet um die Höhlen wurde zum Nationalpark erklärt. Das Abholzen ist streng verboten, um den Wasserhaushalt zu schützen und damit das einzigartige Höhlensystem zu erhalten. Das Gebiet ist felsig und es gibt wenige Bäche, darum ist die Libellenfauna nicht sehr ausgeprägt. Über dem Fluss fliegen einige häufige Libellulidae (Segellibellen). Zum Fotografieren von Libellen bleibt sowieso zu wenig Zeit.
Auch die Rückfahrt ist sehr interessant. Frauen aus den Dörfern rudern mit Kähnen flussaufwärts zu einer Kiesbank am Schluchtausgang, um dort zu waschen. Da keine Brücken den Basey River queren, gibt es viele kleine und grössere Fähren. Kleine Auslegereinbäume setzen Fussgänger und Radfahrer hinüber, grössere Holzfähren transportieren Jeepneys und kleinere Lieferwagen, für grosse Camions gibt es keine Durchfahrt. Um 14 15 Uhr erreichen wir wieder von Basey, wo wir uns in den überfüllten Jeepney nach Tacloban quetschen. Damit wir im Inneren Platz finden, müssen einige jüngere Passagiere auf das Dach steigen oder aussen auf dem Trittbrett mitfahren. Eingeklemmt wie Sardinen kommen wir verstaubt und verschwitzt nach einer Stunde in Tacloban an.
Mittwoch, 9. April
Tagwache 02 45 Uhr. Leider hat Alex gestern das Schiff, das um 16 Uhr von Tacloban nach Cebu fährt, nicht mehr erreicht. Er muss heute Morgen den Bus nach Ormoc erwischen, der um 04 00 Uhr vom Busterminal beim Fischerhafen und Markt in Tacloban abfährt. Er wird dann etwa abends um sieben Uhr in Bacolod, Negros, ankommen. Ich begleite ihn zum Terminal, wo wir uns verabschieden müssen. Fast fünf Wochen waren wir zusammen mit dem stets fröhlichen, treuen und zuverlässigen Freund. Ich freue mich schon auf das nächste Jahr, wenn wir wieder durch die Urwälder der Philippinen streifen können. Da der Bus um halb drei schon voll ist, fährt er auch gleich ab.
Ich schlendre noch ein wenig dem Markt und der Hafenmole entlang. Es ist wieder eine jener Tropennächte, die mir unvergesslich bleiben werden. Viele Leute sind schon auf den Beinen, Passagiere drängen auf die Frühbusse, einige trinken noch schnell einen Frühkaffee an einem der zahlreichen kleinen Shops. Ich fühle mich ein wenig als Fremdkörper im allgemeinen Tohuwabohu. Die Händler stellen ihre Stände auf und breiten die Waren aus. Laufend legen die Fischer mit ihren Auslegerbooten am Kai an und laden die nächtliche Beute aus. Was macht wohl das Besondere eines solchen Ortes aus? Ist es der undefinierbare, gemischte Geruch nach Meer, Hafen, Motorenöl, Früchten, Fisch, gegrilltem Fleisch, verfaulendem Gemüse, Urin, Hundekot? Ist es die heisse, schwüle Atmosphäre, in der zwischendurch eine angenehme Brise vom Meer her die feuchte Haut streift? Ist es das vielfältige Konzert der tausend Geräusche aus Bus-und Bootsmotoren, Schweinequietschen, krähenden Hähnen, Hammerschlägen, wenn der Fahrer noch schnell vor der Abfahrt das Rad eines Busses oder eines Jeepneys wechselt? Eilig sprechende Menschen, die vor dem Abschied noch schnell etwas Wichtiges mitzuteilen haben, weinende Kleinkinder, noch nicht ganz wach, kläffende Hunde, die sich um einen alten Knochen streiten, die Zurufe der Hafenarbeiter, die Schiffe beladen und entladen? Das leise Zischen des Bugwassers einer ankommenden Banca (Auslegerboot)? Die nur dürftig beleuchtete, fast etwas unheimlich wirkende Szenerie, hastig im Halbdunkel dahinhuschende Gestalten, noch Schlafende an der Hafenmauer? Ist es der südliche Sternenhimmel mit Skorpion, Südlichem Kreuz und der Milchstrasse, die sich langsam in der Dämmerung auflösen? Man kann es nicht definieren, nicht einordnen, man verfällt einfach diesem tropischen Zauber. Hier erlebe ich noch die Stimmung, von der die früheren Weltreisenden oft berichtet haben. Diese Art Reiseromantik kann man nicht in Fünfsternhotels erleben, nicht am Swimming Pool oder in gepflegten Hotelgärten. Hier an diesen Häfen oder Märkten, in den Urwäldern erlebt man hautnah die fremdartige Exotik, die unter die Haut geht. Hier kann man einen Hauch dessen erleben, was uns zivilisierten Leuten oft abgeht, Freundlichkeit, Charme, Liebenswürdigkeit, Geselligkeit und vor allem etwas ganz Wichtiges - Geduld und Toleranz.
Um halb 12 bringt uns ein Jeepney zum Flughafen. Dort erfahren wir, dass der auf 14 50 angesetzte Flug nach Manila auf 16 10 verschoben wird, am 1. April hat der Flugplan gewechselt. Jetzt bleibt uns noch genügend Zeit für Mittagessen und Softdrinks, bis dann das Flugzeug auch wirklich pünktlich um zehn nach vier Uhr startet. Nach einem angenehmen Flug bei schönstem Wetter landen wir um 17 15 Uhr in Manila. Ein Taxi bringt uns zum Holiday Inn. Von meinem Zimmer im 14 Stockwerk habe ich einen schönen Ausblick auf das nördliche Manila mit dem Rizal Park und der alten spanischen Festung Intramuros.
Welch dramatischer Szenenwechsel dort Urwälder und hier das Luxushotel!!
Donnerstag, 10. April
Tagwache 05 30 Uhr. Ich muss das ganze Expeditionsequipment sortieren. Verschiedene Sachen werde ich hier in Manila bei Adrian lassen, weil ich ja nächstes Jahr wiederkomme. Die Ausbeute muss sorgfältig speditionsfertig verpackt werden. Ich kann die Pakete vom Hotel aus per Kurier in die Schweiz verschicken. Nach dem Lunch fahren wir nach Intramuros und besuchen die altspanische Kirche San Agustin und das Museum. In Markus habe ich einen kompetenten, kulturhistorischen Führer. So wird der Besuch auch noch eine kleine geschichtliche Reise, zurück in die Zeiten der spanischen Kolonialzeit.
Auf dem Rückweg schlendern wir durch den grossen Rizal Park mit dem Denkmal der Freiheitskämpfer. Jose Rizal war ja der berühmteste Vorkämpfer für die Befreiung der Philippinen vom spanischen Joch. Standrechtlich wurde er 1896 durch spanische Truppen erschossen.
Freitag, 11 April
Tagwache 06 15 Uhr. Gerne wären wir länger geblieben, aber einmal musste er ja kommen, der Tag der Abreise! Adrian holt uns um halb drei Uhr im Hotel ab und bringt uns zum International Airport. Das Check in ist problemlos und wir haben noch etwas Zeit, mit unserem Freund zu plaudern und uns zu verabschieden. Es war wiederum eine Zeit ungetrübter Freundschaft. Nur dank ihm und seinem Organisationstalent sind die Reisen stets ein voller Erfolg gewesen. Treu, geduldig, hilfsbereit und immer freundlich wirkt er in den Städten, wenn es gilt, Bus- und Jeepneyfahrten zu organisieren, ebenso kompetent wie im Urwald wenn es galt, Träger und Gehilfen für das Camp anzuheuern. Herzlichen Dank, Adrian, und auf Wiedersehen im nächsten Jahr!