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Die Schweiz – und daneben ganz Nordeuropa – stöhnt unter der Hitze: MeteoSchweiz hat eine Hitzewarnung der zweithöchsten Stufe 3 ausgegeben; für das Tessin gilt selbst Stufe 4. Und die Hitzewelle wird noch mindestens bis Beginn der nächsten Woche andauern – dieser Sommer ist drauf und dran, den Rekordsommer von 2003 in den Schatten zu stellen, als erstmals in der Schweiz eine Temperatur von über 40 Grad gemessen wurde.
Damals fielen der Gluthitze in Europa 70'000 Menschen zum Opfer. Der volkswirtschaftliche Schaden dieser schlimmsten Naturkatastrophe Europas seit Jahrzehnten bezifferte sich schätzungsweise auf fast 13 Milliarden Franken. Zu den extrem hohen Temperaturen, die in der Schweiz 3 bis 5 Grad über dem langjährigen Mittelwert lagen, kam eine ausserordentliche Trockenheit, die in manchen Gebieten von Februar bis November andauerte.
Doch gegen die Megadürre des Jahres 1540 war die Trockenheit des Jahrhundertsommers 2003 geradezu harmlos. Im extremsten Sommer des letzten Jahrtausends konnte man in Basel und in Köln den Rhein trockenen Fusses durchschreiten. Der Bodensee trocknete so stark aus, dass man kein Boot mehr brauchte, um die Stadt Lindau zu erreichen. Im trockenen Uferbereich suchten die Leute römische Münzen.
Die Katastrophe hinterliess ein breites Echo in den zeitgenössischen Berichten. Über 300 dieser historischen Quellen hat ein internationales Team von 32 Wissenschaftlern ausgewertet und damit die längste Dürre in der Gechichte Europas rekonstruiert. Die Studie der Forschergruppe um Oliver Wetter von der Universität Bern erschien 2014 in der Fachzeitschrift «Climate Change».
Bereits im Herbst 1539 begann man in Spanien, Bittprozessionen für Regen abzuhalten; in Italien verzeichneten die Chronisten einen trockenen und warmen Winter. Von November 1539 bis April 1540 gab es kaum Niederschlag. Nördlich der Alpen war davon noch nichts zu spüren. Im Dezember fiel reichlich Regen – doch dann, im Januar, begann in Mittel- und Westeuropa eine beispiellose Trockenzeit, die elf Monate anhalten sollte. Zugleich war es in Nordosteuropa extrem kalt und nass.
In der Schweiz gab es auf das ganze Jahr gerechnet und verglichen mit dem Mittel des 20. Jahrhunderts nur ein Fünftel der Niederschlagstage. Es fiel 40 Prozent weniger Niederschlag als im trockensten Jahr seit Beginn der Messungen 1864. Gemäss dem Luzerner Chronisten Hans Salat gruben die Leute in den ausgetrockneten Flussbetten nach Wasser, doch «selbst in anderthalb Metern fanden sie keinen Tropfen».
Eine Adelberg Meyer aus Basel hielt fest: «Zwischen Anfang Februar und Martini [21. November] war es heiss und trocken. Es regnete nur an 10 Tagen.» Und in Zürich registrierte Heinrich Bullinger, es habe zwischen Februar und Ende September keinen ganzen Tag Regen gegeben.
Die Jahrhundertdürre liess die Böden austrocknen. Risse bildeten sich im Erdreich – manche so breit und tief, dass die Leute laut einer Chronik ihre Füsse darin baumeln lassen konnten. Brunnen und Quellen versiegten. Jene, die noch Wasser führten, wurden bewacht; einzig bei Glockenschlag verteilte man noch Wasser.
Bald verendeten die ersten Nutztiere auf den Weiden oder wurden notgeschlachtet. Es gab Bauern, die mit ihrem Vieh bis zu zehn Kilometer am Tag bis zur nächsten Wasserstelle zurücklegen mussten. Menschen starben bei der Arbeit auf dem Feld an Hitzschlag, andere kamen ums Leben, weil sie verunreinigtes Wasser getrunken hatten.
Gras und Heu wurden knapp, ein Grossteil der Ernten fiel aus. Viele Mühlen stellten wegen des Wassermangels ihren Betrieb ein, was die Preise für Mehl und Brot massiv steigen liess. Besonders für die ärmeren Bevölkerungsschichten wurde dies schnell zu einem ernsten Problem. Die Hitze führte dazu, dass die Laubbäume ihre verdorrten Blätter schon Anfang August verloren, wie ein süddeutscher Chronist festhielt. Im Herbst blühten die Kirschbäume ein zweites Mal.
Die Temperaturen stiegen nicht zuletzt wegen der Trockenheit stark an. Wenn keine Bodenfeuchtigkeit mehr vorhanden ist, die normalerweise mehr als die Hälfte der Nettoeinstrahlung durch Verdunstung absorbiert, nimmt die Hitze zu – es kommt zu einem selbstverstärkenden Albedo-Effekt. Die Temperaturen dürften damals wohl an manchen Tagen die 40 Grad-Marke übertroffen haben.
Da es noch keine Thermometer gab, fehlen entsprechende Angaben in den Berichten. Doch die Zeitzeugen wiesen durchaus auf die Hitze hin. Der Juli, so ein Elsässer Weinbauer, sei «bis an sein Ende glühend und schrecklich» gewesen. Im Rhein konnte man sogar noch im Dezember baden.
Bei dieser extremen Trockenheit und Hitze liessen Brände nicht lange auf sich warten. In grossen Teilen Europas kam es zu Waldbränden, zahlreiche Siedlungen und ganze Städte wurden eingeäschert. Allein in Deutschland brannten 33 Städte; so viele wie nie sonst in Friedenszeiten. Die verunsicherte Bevölkerung suchte Sündenböcke – und fand sie bei den üblichen Verdächtigen. Randständigen und anderweitig Auffälligen wurde Brandstiftung zur Last gelegt, man folterte die «Mord-Brenner» und richtete sie hin.
Nur für den Weinbau erwies sich das Katastrophenjahr 1540 als Glücksfall. Die Dürre führte zwar dazu, dass die Reben vorzeitig ihre Blätter verloren und die Trauben verschrumpelten. Doch der Wein hatte so viel Zucker und Alkohol, dass er «im Glas wie Gold» aussah, wie es in einer Chronik heisst.
In Würzburg gab es in diesem Jahr zwei Weinlesen: Weil es so heiss war, begann man mit der Lese bereits am 24. August; dabei liess man die schon vertrockneten Beeren hängen. Als es später doch noch regnete, quollen diese wieder auf – so las man ein zweites Mal. Diese Weinernte ergab den 1540er Würzburger Stein, der als einer der besten Weine des letzten Jahrtausends und als Erfindung der Spätlese gilt.
Der Grund für die Megadürre lag in einem riesigen Hochdruckgebiet von Südwest- bis Nordosteuropa, das zusätzlich mit dem Azorenhoch verbunden war. Dieses Hoch blockierte über elf Monate die Westwinde, die sonst für die Zufuhr von feuchten Luftmassen gesorgt hätten.
Die Jahrhundertdürre von 1540 war nicht menschengemacht. Ein vergleichbares Ereignis könnte Europa wieder treffen – «alle 250 Jahre müssen wir mit einer Megadürre rechnen», sagte der Klimahistoriker Christian Pfister, der an der Studie beteiligt war, dem Schweizer Fernsehen. Würde sich das Szenario von 1540 in der heutigen Zeit einer intensivierten anthropogenen Klimaerwärmung wiederholen, wären wohl enorme Schäden zu befürchten.
«Wir hätten ein Energieproblem. Auch das Kühlwasser für die Atomkraftwerke könnte knapp werden. Der Schifffahrtshandel käme zum Erliegen. Und wir müssten uns Sorgen wegen Epidemien machen, weil die Klärung der Abwasser nicht mehr gesichert wäre», erklärt Pfister. Er betrachtet die Katastrophe von 1540 als Mahnung. Zwar ereigneten sich solche Megadürren auch ohne das Zutun der Klimaerwärmung – doch der Treibhauseffekt könnte dazu führen, dass wir künftig häufiger damit konfrontiert sind.
Mit elf Jahren wird das Bauernmädchen Phoolan Devi von ihrem Ehemann vergewaltigt. Ihr Leben lang werden sich Männer an ihr vergehen, stets in Gruppen, Polizisten, Männer ihrer eigenen und höherer Kasten. Doch Phoolan überlebt alles. Die Wut über die Ungerechtigkeit und der Gedanke an Rache lassen sie nicht sterben.
In welchem Jahr sie geboren ist, weiss Phoolan nicht. Sie weiss nur, dass es am Tag des Blumenfestes war, deshalb hat ihre Mutter sie Phoolan getauft, Blume. Sie hatte drei Schwestern und einen Bruder, von dem man hingegen ganz genau wusste, wann er zur Welt gekommen war. Er musste rechtzeitig zur Schule angemeldet werden.
Die Mutter klagte oft über die vielen Mädchen, die ihr die Götter bescherten, wenn sie so vor einem Kuhfladen hockte und daraus einen Dungziegel formte. Es war besser …