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E-629

überarbeitet am 29.8.2010

Basierend auf dem legendären Amateurfunkempfänger 75A entwickelte Collins um 1949 den
51J als Allwellenempfänger, der nicht nur die Amateurfunkbänder sondern in dreissig 1 MHz
breiten Bereichen die gesamte Mittel- und Kurzwelle abdeckt und ebenfalls als permeabilitätsabgestimmter
Doppelsuper ausgeführt war. Der ursprünglich 51J-1 wurde um eine Umschaltung
des Messinstruments erweitert zum 51J-2 resp. zum R-381 der U.S. Army. Die tropenfeste
Version des 51J-3 erhielt die Army - Bezeichnung R-388 und war mit Spulenfiltern ausgestattet,
im Gegensatz zum 51J-4 resp. R-388A, bei dem erstmals die legendären mechanischen Collins -
Filter mit 6 kHz, 3 kHz und 1 kHz Bandbreite eingesetzt wurden.
Der Collins 51J-4 / E-629 gilt als typischer "Boatanchor", er ist mit insgesamt 19 Röhren bestückt, im Betrieb mit 115 oder 230V Netzspannung bringt er es auf eine Leistungsaufnahme von 85 Watt. Im metallenen Tischgehäuse, wie typischerweise von der Schweizer Armee eingesetzt, misst der Empfänger 53,6 x 31,7 x 33,3 cm und bringt 24,9 kg auf die Waage. Ein Lautsprecher ist im 51J-4 selbst nicht eingebaut, es kann ein 4 Ohm oder ein hochohmiger Lautsprecher an Schraubklemmen auf der Geräterückseite angeschlossen werden.
Die Frontplatte wird dominiert von der Frequenzanzeige: im oberen länglichen Fenster ist der Ausschnitt einer Walzenskala für den eingestellten Megahertz-Bereich mit Marken alle 100 kHz sichtbar. Im sektorförmigen Ausschnitt direkt über dem Abstimmknopf ist die Rundskala mit den 10 kHz-Marken sichtbar, ausreichend weit auseinanderliegende 1 kHz - Teilstriche erlauben es, die Frequenz auf 0,5 kHz genau abzulesen. Aufgrund der Schaltungstechnik muss die Frequenzskala in einigen 1 MHz - Bereichen umgekehrt abgelesen werden, die Skalen sind in diesem Fall in Rot gedruckt, die 10 kHz- Stelle muss von den roten Ziffern abgelesen werden.
In der untersten Reihe der Bedienelemente findet sich ganz links der Netzschalter,
der auch über eine Standby-Funktion verfügt, in der die Röhren beheizt bleiben, so
dass eine Aufwärmzeit bis das Gerät die Frequenzstabilität erreicht, entfällt.
Rechts neben dem Netzschalter liegt der grosse RF-Gain Regler für die HFVerstärkung,
rechts unterhalb des Abstimmknopfes der mit AF-Gain bezeichnete Lautstärkeregler. Ganz rechts findet
sich nochmals ein grosser griffiger Drehknopf, mit dem die MHz-Bänder umgeschaltet werden,
dabei bewegt sich die Walze mit den MHz-Bändern, auf mechanischem Weg wird die Vorselektion
geändert. In der Mitte finden sich unterhalb des Abstimmknopfes noch kleine Drehknöpfe
zum Verstellen der Haarlinie auf der kHz-Skala und der Antennentrimmer, mit dem Langdrahtantennen
abgestimmt werden. In der rechten oberen Ecke der Frontplatte prangt das als
grosses Drehspulinstrument ausgeführte S-Meter, das unkonventionell in dB geeicht ist, es
kann auf Anzeige des Ausgangspegels umgeschaltet werden. Drei Schalter unterhalb des S-Meters
aktivieren den 100 kHz - Eichmarkengeber, die AGC und den Störbegrenzer.
Hochfrequenzmässig ist die Schaltung genauso aufwendig realisiert, wie die mechanische Lösung
erfolgte: die Synchronisation der Vorselektion und der Vorkreise wird durch ein Getriebe
mit zahlreichen Zahnrädern realisiert.
Im praktischen Betrieb liegt die Frequenzablesegenauigkeit bei diesem Oldie mit seiner 50
jährigen Geschichte dank dem linearen Verlauf in den 1 MHz-Segmenten deutlich unter 1 kHz, wenn die Skala dank
dem eingebauten Eichmarkengeber kalibriert ist, kann man sich völlig auf die Frequenzanzeige verlassen. Viele
gleichaltrige Geräte mit den nicht linearen Analogskalen haben lediglich eine geeichte Grobskala, auf der
Ablesegenauigkeit nicht genügend ist, und eine Bandspreizskala, die zwar die Ablesegenauigkeit aber
keine Eichmöglichkeiten bietet. Mit anderen Weltempfängern aus den fünfziger Jahren ist der Collins
51 J-4 also bezüglich seiner Frequenzanzeige in keiner Weise zu vergleichen. Die Empfindlichkeit ist für
heutige Begriffe nicht überragend, an langen Antennen ist aber auch der Empfang schwächster Signale kein
Problem, und Langdrahtantennen werden von dem Profigerät dank der mechanisch gekoppelten Preselektion und
Röhrentechnik problemlos verkraftet. Wie bereits oben erwähnt ist die Filterauswahl gut dimensioniert, die
mechanischen Filter geben im gedrängten Rundfunkband wie im Tropenband ihr bestes. Mit dem Quarzfilter kann die
Selektivität zum CW- und Funkdienstempfang sehr stark weiter eingeengt werden.
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© Martin Boesch