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Welchen Einfluss hat Aldosteron und Salzzufuhr auf die Plazentagrösse, das Geburtsgewicht und den Schwangerschaftsverlauf einschliesslich des mütterlichen Blutdrucks?
Eine sogenannte Schwangerschaftsvergiftung, auch Präeklampsie genannt, ist eine lebensbedrohliche Erkrankung für Mutter und Kind in der Schwangerschaft. Die Hauptsymptome, Bluthochdruck und Eiweissausscheidung im Urin, sind Folge der durch die Erkrankung in der Folge ausgelösten Schädigung der Gefässbinnenhaut, dem Endothel. Die Erkrankung ist multifaktoriell, jedoch sprechen verschiedene Befunde dafür, dass das Hormon Aldosteron, welches das Salz- und Wassergleichgewicht im Körper herstellt, auch für die Vermehrungsfunktion wichtig ist. Bereits menstruationszyklusabhängig, aber besonders ausgeprägt in der Schwangerschaft steigt dieses Hormon an und trägt zum Flüssigkeitshaushalt und der Wahrung der Plazentadurchblutung bei.
Bei einer Präeklampsie ist das Blutvolumen vermindert, paradoxerweise steigt das Aldosteron jedoch nicht an, sondern ist deutlich vermindert. Dafür ist bei einem Teil der Frauen ein genetischer Defekt verantwortlich. Wenn hierdurch die Plazenta schlechter durchblutet wird, sendet diese Entzündungs- und gefässschädigende Signale in die mütterliche Blutbahn. Dadurch wird das Endothel der Gefässe geschädigt, Flüssigkeit kann schlechter in den Gefässen gehalten werden und die Erkrankung nimmt ihren Lauf. Interessanterweise finden sich Effekte des Aldosterons über eine reine Volumenregulation hinaus. Ich konnte zeigen, dass Aldosteron das Plazentawachstum stimuliert, ein Effekt der sich auch in Tiermodellen und beim Menschen findet. Darüberhinaus kommt es im Tiermodell bei einer Aldosteronhemmung sogar zu einer Beeinträchtigung der Durchblutung des ungeborenen Kindes.
Aldosteron ist dann wichtig, wenn Natrium im Körper zurückgehalten werden muss. Untersuchungen von mir und von anderen Autoren zeigen, dass eine hohe Kochsalzzufuhr in der Schwangerschaft die Anzahl mütterlicher und kindlicher Komplikationen sowie den Blutdruck senken konnte. Diese Beobachtungen unterstützen die Annahme, dass ein hohes Plasmavolumen für eine intakte Schwangerschaft wichtig ist.
Um diesen Fragen beim Menschen nachgehen zu können, habe ich in Bern in Zusammenarbeit mit der Klinik für Geburtshilfe eine Schwangerschaftsdaten- und –biobank etabliert.
Ich stelle daher die Theorie auf, das seine ausreichende Verfügbarkeit von Aldosteron und Kochsalz in der Schwangerschaft ein Gleichgewicht eingehen müssen, um die kindliche Versorgung sicherzustellen. Dabei stellt ein Plazentawachstum durch eine gesteigerte Aldosteronwirkung die Versorgung des Kindes auch bei Salzmangel sicher. Eine ausreichende Salzversorgung könnte jedoch auch bei einer kleineren Plazenta eine ausreichende fetale Entwicklung und somit ein normales Schwangerschaftsergebnis sicherstellen. Ich erwarte die bedrohlichste Situation, wenn bei hoher Kochsalzzufuhr zu Beginn der Schwangerschaft die Plazenta klein bleibt und die Mutter im späteren Verlauf der Schwangerschaft einem Salzmangel ausgesetzt wird, auf den sie dann nicht vorbereitet ist. Daher soll speziell
erstens die Aldosteronsynthese in Abhängigkeit von der Kochsalzzufuhr bei Schwangeren untersucht werden,
zweitens die begleitende Angiogeneseregulation abgeschätzt werden,
drittens genetische Störungen der Aldosteronproduktion untersucht werden, und
viertens die Interaktion von Schwangerschaft, Kochsalzzufuhr, Aldosteronproduktion und Angiogenese in einem Tiermodell untersucht werden, bei welchem die Tiere hoher, tiefer und hoher und anschliessend tiefer Kochsalzernährung ausgesetzt werden.
Zukünftig könnte bei günstigen Ergebnissen versucht werden, schwangeren Frauen vermehrt Kochsalz zuzuführen, um den Schwangerschaftsverlauf erfolgreich zu gestalten.