Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03443.jsonl.gz/612

Die internationale Arbeitsteilung und die damit einhergehende Spezialisierung ist die entscheidende Voraussetzung für Produktivitätsfortschritte und die Steigerung des Wohlstandes. Dementsprechend geht die wirtschaftliche Entwicklung immer von Standorten aus, die über eine günstige Verkehrsinfrastruktur verfügen. Während dies früher Siedlungen an Flussläufen oder Karawanenwegen waren, sind es heute unter anderem Standorte mit Flughäfen, die eine gute Einbindung in das internationale Luftverkehrsnetz gewährleisten. Die Schweiz profitiert in hohem Masse von ihrer engen Auslandsverflechtung und ist zur Sicherung ihres Wohlstandes auch darauf angewiesen. Der Flughafen Zürich stellt als nationale Schlüsselinfrastruktur einen wichtigen Teil des Verkehrssystems der Schweiz und des umliegenden Auslands.
Mobilitätsbedürfnisse von Wirtschaft und Gesellschaft steigen
Zwischen 1950 und 2003 hat der internationale Handel jährlich um 6% zugenommen. Er wächst also anderthalbmal so schnell wie das globale Bruttoinlandprodukt (BIP). Der Transport von Gütern via Luftfracht spielt dabei eine immer bedeutendere Rolle, insbesondere für kurzlebige, temperatursensible oder wertvolle Waren wie die klassischen Schweizer Exportgüter Uhren, Maschinen oder chemische Erzeugnisse. Die Luftfracht weist eine hohe Wertedichte auf: Obwohl der Anteil des Luftverkehrs gewichtsmässig relativ unbedeutend ist, werden 30% des Wertes der Exporte per Luftfracht transportiert. Ein wesentlicher Teil des Schweizer Wohlstandes basiert auf Gewinnen aus Kapitalexporten. Die wachsenden Volkswirtschaften, die insbesondere auch für das Kapital der Altersvorsorge geeignete Anlagemöglichkeiten bieten, befinden sich heute mehrheitlich ausserhalb Mitteleuropas. Der Zusammenhang zwischen dem Investitionsvolumen und der Nachfrage nach Luftverkehrsleistungen am Flughafen Zürich bestätigt die Notwendigkeit entsprechender direkter Flugverbindungen. Zahlreiche Studien belegen, dass die internationale Personenerreichbarkeit bei der Standortwahl insbesondere für wertschöpfungsintensive, global tätige Unternehmen einen grossen Stellenwert hat. Mehr als 6500 ausländische Unternehmen sind in der Schweiz mit eigenen Niederlassungen präsent und generieren 10% des BIP. Umfragen ergeben, dass sich ausländische Unternehmen einen Ausbau der internationalen Flugverbindungen wünschen. Auch in Bezug auf den Schweizer Tourismus, der als drittwichtigstes Exportgut der Schweiz direkt 166000 Stellen generiert, sind gute Direktverbindungen von wesentlicher Bedeutung. 35% der Feriengäste, welche unser Land besuchen, reisen mit dem Flugzeug an. Die Wertschöpfung durch die Ausgaben von Touristen, die den Flughafen Zürich nutzen, beläuft sich auf 2,6 Mrd. Franken. Gerade am Beispiel der Tourismusbranche ist erkennbar, dass sich der volkswirtschaftliche Nutzen der Verkehrsinfrastruktur Flughafen über die ganze Schweiz erstreckt und auch Randregionen davon profitieren. In Anerkennung der nationalen Bedeutung spricht sich denn auch der Bundesrat in seinem luftfahrtpolitischen Bericht grundsätzlich für eine nachfrageorientierte Entwicklung der Schweizer Luftverkehrszentren aus.
Gefährliche Einschränkungen des Entwicklungsspielraums
Trotz des zwar oft unterschätzten, im Grundsatz aber unbestrittenen Beitrags des Flughafens Zürich zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum der Schweiz stehen grosse politische Herausforderungen an. Im Kanton Zürich sind ungeachtet der bereits strengen Umweltregulierungen verschiedene Initiativen hängig, die darauf abzielen, den Entwicklungsspielraum des Schweizer Tors zur Welt einzuschränken. Als Extremfall ist dabei die Plafonierungsinitiative, über welche im November abgestimmt wird, zu nennen. Würde diese umgesetzt, könnte die Drehkreuzfunktion des Flughafens nicht aufrechterhalten werden. Dies wiederum würde den Hub Carrier Swiss ernsthaft gefährden. Aber auch moderatere Vorschläge wirken beschränkend und führen dazu, dass mittelbis langfristig die Nachfrage nach Luftverkehr nicht mehr befriedigt werden könnte. Die Kosten solcher Wettbewerbsbeschränkungen hätten nicht nur die direkt betroffene Flughafenbetreiberin, die Fluggesellschaften und die Passagiere, sondern vor allem die im internationalen Wettbewerb stehenden Unternehmen zu tragen. Eine Beeinträchtigung der Wettbewerbsfähigkeit der in der Schweiz ansässigen Unternehmen und der Handlungsfähigkeit der Investoren würde früher oder später zu Einbussen bei der Ausschöpfung des Wachstumspotenzials und dementsprechend zu Wohlstandsverlusten für die gesamte Schweiz führen.