Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03598.jsonl.gz/1214

Unter Lymphom versteht man einen vergrösserten Lymphknoten, umgangssprachlich Lymphdrüse. In der Medizin werden die bösartigen Erkrankungen des Lymphsystems als maligne Lymphome bezeichnet. Im Volksmund spricht man auch von Lymphdrüsenkrebs. Da sich in vielen Regionen des menschlichen Körpers lymphatisches Gewebe befindet, können maligne Lymphome auch Organe wie die Haut, den Magen, den Darm oder das Gehirn betreffen.
Mehr als 80 verschiedene Lymphom-Typen
Man unterscheidet heute mehr als 80 verschiedene Lymphom-Typen. In der Schweiz erkranken jährlich mehr als 1700 Menschen neu an einem Lymphom. 90 Prozent der Lymphome gehören zur Gruppe der B-Zell-Lymphome, 10 Prozent sind T-Zell-Lymphome. Im Körper sind Milliarden solcher T- und B-Zellen vorhanden. Sie schützen und überwachen den Körper. Sie müssen aber dauernd erneuert werden. Die Zellvermehrung erfolgt nach einem genau vorgeschriebenen Muster. Welche Zellen sich wann teilen dürfen, wird streng kontrolliert. Ist dieses Programm gestört, kann es geschehen, dass sich die Immunzellen unkontrolliert vermehren. Als Folge kann ein Lymphom entstehen.
Das häufigste Anzeichen eines Lymphoms sind Lymphknotenschwellungen am Nacken, Hals, in der Achselhöhle oder in der Leiste. Oft, vor allem in den frühen Stadien der Erkrankung, sind die Schwellungen beschwerde- und schmerzfrei. Lymphome wachsen oft längere Zeit unbemerkt. Wenn erste Beschwerden auftreten, lassen diese meist nicht direkt auf ein Lymphom schliessen. Oft werden die Anzeichen und Symptome von Lymphomen fälschlicherweise als Grippe, Erkältung oder einfache Müdigkeit eingestuft, was eine Diagnose verzögern kann. Eine Erkältung oder ein Infekt können zwar Anzeichen eines Lymphoms sein, aber natürlich steckt nicht hinter jeder Erkältung ein Lymphom. Im Zweifelsfall sollten geschwollene Lymphknoten einer Ärztin oder einem Arzt gezeigt werden.
Mögliche Symptome sind:
- Infektanfälligkeit
- Appetitlosigkeit
- Unerklärlicher Gewichtsverlust
- Meistens schmerzlose Schwellungen am Hals, in der Achselhöhle oder in der Leistengegend.
- Unerklärliches Fieber, speziell in der Nacht
- Extremes Schwitzen, speziell in der Nacht (mehrmaliges Pyjamawechseln)
- Schmerzen im Bauchbereich
- Hartnäckiges Jucken, jedoch keine Allergie oder Neurodermitis
- Hartnäckiger Husten oder Atemlosigkeit
- Unerklärliche Müdigkeit oder Fatigue
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Lymphome zu behandeln. Die Therapie wird auf den jeweiligen Lymphom-Typ abgestimmt. Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören Chemotherapie und Immuntherapie mit monoklonalen Antikörperm, allein oder in Kombination, Strahlentherapie, Stammzell-Transplantation und die Strategie ‚Watch and Wait’ – Beobachten und Abwarten. Die Aussicht auf neue Therapien gibt Hoffnung, dass in nicht allzu ferner Zukunft noch mehr Patienten mit Lymphomen auch in fortgeschrittenem Stadium geheilt werden können.
Patientensymposium zum 15. Welt-Lymphom-Tag in Bern, Welle 7, Schanzenstrasse 5, 3008 Bern – www.welle7.ch
Anlässlich des 15. Welt-Lymphom-Tages führt Lymphome.ch Patientennetz Schweiz am Samstag,15. September 2018 in Bern ein Symposium für Betroffene, Angehörige und Interessierte durch. Renommierte Onkologen und Fachpersonen informieren über die häufigsten Lymphom-Typen.
World Lymphoma Awareness Day
Rund um den Erdball machen am 15. September Lymphom-Patienten-Organisationen auf diese Krebskrankheit aufmerksam. Durch Partnerschaften zwischen den Patienten-Organisationen soll der Austausch von Erfahrungen, aber auch von Fachwissen über die Lymphom-Erkrankung gefördert werden.
Lymphome.ch Patientennetz Schweiz ist eine gemeinnützige, ehrenamtlich geführte Organisation, die ihre Aufgabe darin sieht, durch Beratung und Begleitung sowie Vermittlung von Informationen und neuen Erkenntnissen aus der Lymphom-Forschung das Bewusstsein von Patientinnen und Patienten mit einem Lymphom zu fördern, aber auch die Öffentlichkeit für Zeichen und Symptome der Lymphom-Erkrankung zu sensibilisieren. Gesprächsgruppen bieten Betroffenen und Angehörigen die Möglichkeit, sich aktiv und konstruktiv mir der Krankheit auseinanderzusetzen und sie besser verstehen zu lernen.
Kontakt:
Die Immuntherapie sorgt für Furore
Wie gross sind heute die Chancen bei der Therapie von Lymphomen?
Die 80 verschiedenen Lymphome werden in unterschiedlichsten Stadien diagnostiziert. Sämtliche 80 Lymphom-Formen haben in den letzten 20 Jahren vom Fortschritt der Medizin profitiert. Die Prognose hat sich verbessert und die Lebensqualität ist gestiegen.
Was brachte den grössten Fortschritt bei der Behandlung?
Fünf Therapieformen bilden gleichwertige Säulen der Behandlung von Lymphomen. Vor mehr als 100 Jahren heilten Röntgenstrahlen oder Radium erstmals örtlich begrenzte Lymphome. Die vor 60 Jahren entdeckten Chemotherapien heilten auch Lymphome im fortgeschrittenen Stadium. Später konnten mit Knochenmarktransplantationen erstmals Patienten mit einem Rückfall geheilt werden. Bis zu diesem Zeitpunkt mussten Betroffene mit erheblichen akuten und chronischen Nebenwirkungen rechnen. Seit 20 Jahren erhöhen molekular gezielte Therapien mit monoklonalen Antikörpern und Hemmern der Tyrosinkinase die Heilungschance. Aktuell sorgt die Immuntherapie für Furore. Die Aktivierung des eigenen Immunsystems heilt Patienten in bisher hoffnungslosen Situationen. Die neuen Therapien haben deutlich weniger Nebenwirkungen.
Welche Möglichkeiten eröffnet die personalisierte Behandlung nach genetischem Subtyp?
Heute hilft die Bestimmung des genetischen Subtyps vorwiegend bei der Diagnose und der Prognose. Bei der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) entscheidet erstmals ein genetischer Marker im Chromosom 17 über das eingesetzte Medikament. In Zukunft werden genetische Marker über die Art und die Dauer einer Behandlung entscheiden.
Kann heute ein Lymphom völlig geheilt oder zumindest auf lange Sicht in Schach gehalten werden?
Die häufigsten Lymphome können geheilt oder über Jahre und Jahrzehnte bei guter Lebensqualität immer wieder stabilisiert werden. Viele ehemals Betroffene leiden unter den Spätfolgen von Therapien aus früheren Jahrzehnten. Heutige Behandlungen setzen alles daran, die Spätfolgen auf ein Minimum zu reduzieren.
Muss die Behandlung lebenslänglich erfolgen oder sind zeitlimitierte Therapien absehbar?
Die meisten Behandlungen dauern zwei bis sechs Monate. Der Antikörper gegen Lymphomzellen vom B-Typ wird gelegentlich während zwei Jahren gegeben. Selten sind Dauertherapien nötig, ähnlich wie beim Bluthochdruck oder beim Diabetes. Dies geht nur mit gut verträglichen Medikamenten.
Bestmögliche Therapie für alle
Der Quantensprung in Diagnostik und Therapie bei verschiedenen Lymphomen erfordert das Knowhow eines grossen Zentrums.
Das Zentrum für Hämatologie und Onkologie am UniversitätsSpital Zürich – ein zentraler Teilbereich des Comprehensive Cancer Center Zürich – kann dank modernster Analysetechniken präzise Diagnosen stellen und personalisierte Therapien anbieten. Das akkreditierte Zentrum für Leukämien, Lymphome und Plasmazellerkrankungen ist eng in nationale und internationale Netzwerke eingebunden. Zentrumsleiter ist Prof. Markus Manz. Der leitende Arzt Prof. Thorsten Zenz ist Fachexperte für Lymphome und wurde mit dem diesjährigen Paul-Martini-Preis für die Erforschung einer individuelleren Behandlung von Lymphom-Patienten ausgezeichnet.
Grosse Unterschiede bei einzelnen Erkrankungen
In den letzten Jahren konnten enorme Fortschritte im Verständnis und in der Behandlung von Lymphomen erzielt werden. Eine wichtige Erkenntnis: Es gibt grosse Unterschiede bei den einzelnen Erkrankungen und damit immer kleinere und genauer charakterisierbare Untergruppen. Die grosse Vielfalt dieser Erkrankungen sowie die neuen Behandlungsmöglichkeiten erfordern eine grosse Erfahrung. Aus diesem Grund werden Lymphom-Patienten am UniversitätsSpital Zürich in Spezialsprechstunden betreut, in enger Zusammenarbeit mit einer hochspezialisierten Pathologie. Die Untersuchungsergebnisse werden an einem interdisziplinären Tumorboard besprochen, um die jeweils beste Therapie festzulegen.
Individualisierte Krebsbehandlung
Zielgerichtete Krebstherapien ermöglichen eine individualisierte Krebsbehandlung. Ob eine Therapie überhaupt greift, hängt massgeblich von den Merkmalen des Tumors ab. Vor der eigentlichen Behandlung wird daher das Erbgut der Krebszellen untersucht. Unter Berücksichtigung dieses molekularen Profils wird dann entschieden, ob und wenn ja welche Substanzen für die Krebstherapie infrage kommen. Die meisten neuen, zielgerichteten Therapien werden in Tablettenform verabreicht.
„Wir wollen für jeden Patienten die bestmögliche Therapie“, sagt Prof. Manz. „Unsere Behandlungsrichtlinien und Entscheide basieren auf wissenschaftlichen Grundlagen und wir sind deshalb in der Lage, fundierte Gesuche um Kostengutsprachen zu stellen. Wir gelten, auch aufgrund unserer Zentrumsfunktion und Erfahrung, bei den Krankenkassen als solide, verlässliche Partner. Dabei scheuen wir uns auch nicht zu insistieren, wenn wir den Eindruck haben, dass ein Gesuch nicht korrekt bewertet wurde.“