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Milder und recht sonniger Mai – drittwärmster Frühling
Der Mai zeigte sich im landesweiten Mittel 1 °C milder als die Norm 1981−2010. Die Niederschlagsmengen fielen in den meisten Gebieten unterdurchschnittlich aus. In den Niederungen beidseits der Alpen ist der Mai der fünfte Monat in Folge mit deutlich überdurchschnittlicher Sonnenscheindauer. In diesen Gebieten bewegt sich die Januar-Mai Sonnenscheindauer im Rekordniveau. Mit dem Mai endet in der Schweiz der drittwärmste Frühling seit Messbeginn 1864.
Mehr Maiwärme
Der Mai 2020 stieg im landesweiten Mittel 1,0 °C über die Norm 1981−2010. Die extremsten Maimonate lagen um 2 °C, der Rekordmai 1868 3,5 °C über der Norm. Insofern stellt der diesjährige Mai keine Besonderheit dar. Als eher unauffällige Besonderheit ist jedoch der aktuelle Mai Teil der markanten Maierwärmung, die sich Ende der 1980-er Jahre sprungartig einstellte.
Lokal extrem milder Mai
Im Gegensatz zum landesweiten Mittel gab es lokal extrem milde Maiwerte. Am Tessiner Messstandort Locarno-Monti war es mit 1,9 °C über der Norm der viertmildeste Mai seit Messbeginn 1883. Das Jungfraujoch verzeichnete mit ebenfalls 1,9 °C über der Norm 1981−2010 den drittmildesten Mai seit Messbeginn 1933.
Dringend benötigter Niederschlag
Am 1. und 2. Mai setzte sich die Niederschlagsperiode von Ende April fort. Aus Westen und Nordwesten erhielt die Schweiz feuchte Luft, die weiter zur Entspannung der Apriltrockenheit beitrug. In vielen Gebieten gab 15 bis 30 mm Niederschlag, am zentralen und östlichen Alpennordhang waren es regional auch 40 bis 50 mm. Auf der Alpensüdseite fiel vor allem den Bergen entlang etwas Niederschlag. Das mittlere und südliche Tessin ging leer aus.
Sonnig und mild
Vom 3. bis am 9. Mai waren Hochdrucklagen das bestimmende Wetterelement. Begleitet von viel Sonnenschein stieg die Tagesmitteltemperatur verbreitet 5 bis 7 °C über die Norm 1981−2010. Die Tageshöchstwerte erreichten beidseits der Alpen bis 26 °C, im Zentralwallis um 27 °C. Am 5. Mai unterbrach ein Schwall kaltfeuchter Luft aus Norden das milde und sonnige Wetter auf der Alpennordseite und in den Alpen. Im Süden blieb es recht sonnig.
Schnee bis in tiefere Lagen
Ein Tiefdruckgebiet über Westeuropa führte am 10. und 11. Mai feuchte Luft zur Schweiz. Niederschlag fiel vor allem am 11. Mai in der Westschweiz und auf der Alpensüdseite. Im Osten blieb es mit Föhn zunächst trocken. Dann wurde die Alpennordseite von Kaltluft aus Norden erfasst. Während die Föhntäler um die Mittagszeit noch über 20 °C registrierten, fielen in der Nacht vom 11. auf den 12. Mai am Messstandort St. Gallen 2 cm Neuschnee.
Luftmassengrenze
Vom 13. Mai bis am 16. lag die Schweiz an einer West-Ost gerichteten Luftmassengrenze mit kühler Luft im Norden und mildfeuchter Luft im Süden. Die Sonne zeigte sich kaum. Regen fiel vor allem auf der Alpensüdseite. Auf der Alpennordseite kam die Sonne erst am 16. Mai zurück. Im Süden blieb es derweil noch trüb und nass.
Anhaltend sonnig
Auf den 17. Mai schob sich ein Ausläufer des Azorenhochs vom Atlantik nach Zentraleuropa und anschliessend weiter bis zum Schwarzen Meer. Er brachte sonniges und mildes Wetter. Die Tageshöchstwerte stiegen im Norden verbreitet auf 22 bis 25 °C, im Süden mit Nordföhn auf 27 bis knapp 30 °C.
Ab dem 20. Mai wurde das Schönwetter von einem Skandinavienhoch übernommen. Nach einem Kaltfrontdurchzug am 23. Mai, begleitet von Blitz und Donner und kräftigen Regenschauern in der ganzen Schweiz, brachte ein Atlantikhoch das Schönwetter zurück.
Extreme Sonnenperiode
Seit Jahresbeginn ist die Schweiz extrem sonnenverwöhnt. Alle vier Messstandorte mit über 100-jährigen Sonnenmessreihen mischen bei der Januar-Mai Sonnenscheindauer ganz oben mit. In Basel ist mit 940 bis 950 Sonnenstunden ein extremer neuer Januar-Mai Rekord zu erwarten. Er liegt fast 100 Sonnenstunden über dem bisherigen Rekord von 2011.
In Zürich ist für die Januar-Mai Sonnenscheindauer mit rund 950, in Bern mit rund 1000 Sonnenstunden zu rechnen. An beiden Messstandorten sind dies neue Rekorde, allerdings weniger massive als in Basel. In Zürich liegt der Höchstwert aus dem Jahr 2011 bei 925 Sonnenstunden. In Bern stammt der Rekord von 975 Sonnenstunden aus dem Jahr 1893.
In Genf sind für die Januar-Mai Sonnenscheindauer 930 bis 940 Sonnenstunden zu erwarten. Unbedeutend sonniger war in Genf bisher nur die Januar-Mai Periode 2011 mit 951 Sonnenstunden.
Auf der Alpensüdseite wird es voraussichtlich ebenfalls Rang 2 geben. Laut den Berechnungen zeichnen sich von Januar bis Mai für Lugano um 1020, für Locarno-Monti um 1070 Sonnenstunden ab. Im Rekordjahr 1997 lieferte die Januar-Mai Periode in Lugano 1057 und in Locarno-Monti 1085 Sonnenstunden. Die homogenen Messreihen der Sonnenscheindauer reichen an diesen Standorten allerdings nur bis 1959 zurück.
Mit der Blüte des Schwarzen Holunders beginnt der Frühsommer
Der Beginn des phänologischen Frühsommers wird mit der Blüte des Schwarzen Holunders definiert. Erste Stationen im Tessin und der Alpennordseite meldeten die Blüte des Schwarzen Holunders Ende April. An vielen weiteren Orten der ganzen Schweiz konnte seine Blüte ab Anfang Mai beobachtet werden. Im Mittel blühte der Schwarze Holunder 18 Tage früher als im Durchschnitt der Periode 1981-2010. An 80 % der Stationen wurde diese Blüte als «sehr früh» klassiert.
Die Blattentfaltung der Laubbäume fand bis Mitte Mai auch an den höchstgelegenen Standorten statt. Als meist letzte Art entfaltet der Bergahorn die Blätter, so z.B. in Adelboden, Gstaad und St. Moritz vom 15. bis 17. Mai. Auch die Lärchen und Birken wurden bis Mitte Mai in den höheren Lagen grün. Die Fichten trieben ihre Nadel 12 Tage früher als im Mittel, ab Mitte April in den tiefen Lagen und im Mai bis gegen 1400 m.
Die Wiesenmargeriten blühten seit der letzten Aprildekade in den tiefen Lagen. Ab dem 10. Mai konnten blühende Margeriten auch schon oberhalb von 1000 m beobachtet werden. Ihre Blüte fand im Mittel 14 Tage früher statt als normal. Auf den Wiesen in den Bergen blühte weiterhin der Löwenzahn, zum Teil deutlich früher, an gewissen Standorten aber auch später als im Mittel.
Heuwetter gab es vom 6. bis 8. Mai, vom 17. bis 22. Mai und nach dem 25. Mai. Am ersten Termin wurde vor allem im Flachland Heu gemacht, während an den späteren Terminen auch auf über 1000 m geheut wurde. Allgemein fand die Heuernte 10 Tage früher statt als im Mittel der Periode 1981−2010.
Der definitive Bericht zum Mai 2020 ist ab dem 10. Juni 2020 in der Rubrik Klimaberichte verfügbar.
Drittwärmster Frühling seit Messbeginn
Die Schweiz blickt auf den drittwärmsten Frühling seit Messbeginn 1864 zurück. Im landesweiten Mittel stieg die Frühlingstemperatur auf 6,2 °C. Eine landesweite Frühlingstemperatur von 6 °C oder mehr ist eine neue Erscheinung in der über 155-jährigen Messperiode. Alle fünf Fälle wurden nach dem Jahr 2000 aufgezeichnet.
Das Extreme wird zum Durchschnitt
Im Durchschnitt der letzten 30 Jahre lag die landesweite Frühlingstemperatur bei 5 °C. Vor der starken Erwärmung ab Ende der 1980-er Jahre galt ein Frühling mit landesweit 5 °C als extrem warm. Der frühere Extremwert ist heute zur Norm geworden. Derart markante Verschiebungen der Temperatur gehören zu den eindrücklichsten Signalen der Klimaänderung in der Schweiz.
Verbreitet wenig Niederschlag
In weiten Gebieten der Schweiz erreichten die Niederschlagssummen im Frühling nur 60 bis 70 % der Norm 1981−2010. Regional sind allerdings grosse Unterschiede feststellbar. Während in Lugano etwa die normalen Mengen zusammenkamen, verzeichnete Locarno-Monti nur 65 % der Norm. Auch im Wallis zeigen sich ähnliche Effekte: Sion registrierte eine leicht überdurchschnittliche Frühlingssumme, Grächen hingegen nur 63 % der Norm 1981−2010.
Ursache für das verbreitet erhebliche Niederschlagsdefizit war die anhaltende Trockenperiode von Mitte März bis gegen Ende April. Vor allem im April erreichten die Niederschlagsmengen verbreitet nur 40 bis 60 % der Norm 1981−2010. In der Nordwestschweiz, im östlichen Mittelland und am zentralen Alpennordhang lagen die Aprilmengen vielerorts sogar nur bei 30 % der Norm oder tiefer.
Regional extrem sonniger Frühling
Neben der Wärme lieferte der Frühling 2020 auch bei der Sonnenscheindauer extreme Werte. Auf der Alpennordseite erreichte sie verbreitet 130 bis 150 % der Norm 1981−2010. In Basel wird es mindesten der drittsonnigste Frühling seit Messbeginn 1886. Die Ränge 1 und 2 liegen im Bereich des Möglichen. In Zürich und Bern war es sicher der drittsonnigste Frühling in den über 100-jährigen Messreihen.
Auf der Alpensüdseite, im Wallis und im Engadin bewegte sich die Sonnenscheindauer meist zwischen 120 und 130 % der Norm. Im Wallis und im Engadin war es regional der dritt- bis fünftsonnigste Frühling in den homogenen Messreihen ab 1959.
Die zwei bisher sonnigsten Frühlinge in den Messreihen der Schweiz stammen aus den Jahren 1883 und 2011. Ab Ende der 1980-er Jahre ist der Frühling in der Schweiz wieder sonniger geworden. Davor lag eine mehr als 20-jährige Periode mit anhaltend unterdurchschnittlicher Sonnenscheindauer.
Der definitive Bericht zum Frühling 2020 ist ab dem 10. Juni 2020 in der Rubrik Klimaberichte verfügbar.