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Lionel Perrenet erhält eine Invalidenrente der Suva. Am 4. August 2010 wurde Lionel Perrenet, damals Polier bei Perrin Frères SA in Vicques, Opfer eines schlimmen Motorradunfalls.
Was war an diesem 4. August 2010 geschehen?
Um ehrlich zu sein, erinnere ich mich an nichts mehr. Laut Augenzeugenberichten ist mein Vorderrad in einer Kurve ausgebrochen – obwohl ich nicht zu schnell gefahren bin –, und mein Motorrad hat es auf die Strasse gelegt. Ich wurde über eine Schutzplanke geschleudert und bin etwas weiter unten gegen einen Baum geprallt. Mein Kopf hat einiges abbekommen: ein schweres Schädeltrauma. Zum Glück trug ich einen Helm.
An welchen Folgen litten Sie nach dem Unfall?
Ich hatte mein Gedächtnis verloren und auch einige neurologische Funktionen. Ich hatte und habe auch heute noch viel Mühe, mich zu organisieren, wenn ich etwas machen will. Ich musste einige alltägliche Handgriffe wieder lernen. Heute kann ich sagen, dass ich ein gutes Leben führe, auch wenn die Organisation weiterhin mein grösstes Problem ist. Ich kann Aufgaben noch so sehr auf dem Papier planen, sobald es um die praktische Umsetzung geht, schaffe ich es nicht. Da geht alles drunter und drüber, ich mache die Dinge in der falschen Reihenfolge oder vergesse sie ganz. Ich schaffe es einfach nicht mehr, mich bei Arbeiten an einen festen Ablauf zu halten.
Konnten Sie Ihre berufliche Tätigkeit nach dem Unfall wieder aufnehmen?
Nach meinem Unfall hatte ich sehr viel Glück, denn Perrin Fréres SA hat alles dafür getan, dass ich im Unternehmen bleiben kann. Zunächst hat die Firma meinen Arbeitsplatz als Polier umgestaltet und mir zwei Arbeiter zur Seite gestellt. Als sie dann gemerkt haben, dass das nicht funktioniert, wurde ich in die Logistik versetzt, und auch dort wurden die Arbeitszeiten und Tätigkeiten neu gestaltet. Ich kann den Verantwortlichen von Perrin Frères SA nicht genug dafür danken, was sie alles für mich getan haben, dass sie an mich geglaubt und mir immer eine Chance gegeben haben.
Bleiben nach einem Unfall oder nach einer Berufskrankheit Behinderungen zurück, richtet die Suva Renten aus. Die Rückstellungen müssen genügen, um alle zukünftigen Rentenzahlungen aus allen bereits geschehenen Unfällen und Berufskrankheiten zu decken. Weil die Verunfallten zum Unfallzeitpunkt erwerbstätig sind und die Renten lebenslang laufen, beträgt die mittlere Laufzeit einer neuen Rente ab Unfalldatum rund 37 Jahre. Die lange Laufzeit und die hohe Anzahl an laufenden Renten (zurzeit rund 85000), bedingen sehr hohe Rückstellungen zur Deckung aller künftigen Ansprüche. suva.ch/anlagestrategie
Nach diesen Versuchen der beruflichen Wiedereingliederung erhielten Sie von der Suva eine Invalidenrente…
Da bin ich meinem Case Manager und der Suva wirklich dankbar. Mit dieser Rente habe ich endlich Licht am Ende des Tunnels gesehen. Sie hat mir die Freude am Leben zurückgegeben. Ich konnte Abstand gewinnen, grundlegend an mir selber, meinen Kompetenzen und Fähigkeiten arbeiten, indem ich einen Teil des Jakobswegs gegangen bin. Diese Erfahrung war heilsam, ein riesiges Hinterfragen und dann auch die Erleichterung, mich letztendlich so zu akzeptieren, wie ich nach diesem schlimmen Unfall bin. Jetzt kenne ich meine Grenzen und weiss, dass ich eine Rente erhalte, weil ich gewisse Arbeiten nicht mehr durchführen kann.
Und wie blicken Sie mit dieser Rente heute auf das Leben?
Dank dieser Rente von 68 Prozent kann ich für meinen Unterhalt sorgen, ohne mir über meine berufliche Zukunft Gedanken machen zu müssen. Ich wohne in Frankreich, und das Leben ist dort günstiger als in der Schweiz. Ich konnte mein damaliges Haus verkaufen und lebe jetzt in einer kleinen Wohnung. Ich weiss, dass ich nicht mehr im Bauwesen arbeiten kann, aber dafür bin ich in der Lage zu basteln, kleine Reparaturen vorzunehmen und zu erklären, wie manche Arbeiten durchgeführt werden. Meine Maurerlehre hilft mir heute, meinen Freunden und Bekannten das Basteln beizubringen und ihnen behilflich zu sein. Die Rente von der Suva ist natürlich in finanzieller Hinsicht eine erhebliche Unterstützung. Ich muss nicht auf all meine Ausgaben achten, lebe aber auch nicht im Luxus. Für mich bedeutet Luxus heute übrigens, nette Menschen um mich zu haben und ihnen meine Zeit zu widmen, auch wenn mein Gedächtnis und meine organisatorischen Fähigkeiten mir regelmässig Streiche spielen.