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Geschlechtersensible Soziale Arbeit im Kindesschutz
Die Bedeutung des sozialen Geschlechts von Kindern bei Kindeswohlabklärungen
Kindesschutzorganisationen in der Schweiz erfassen für Mädchen und Jungen die gleichen Formen von Kindeswohlgefährdungen unterschiedlich häufig. Ein möglicher Grund dafür ist, dass Gefährdungen von Kindern unterschiedlich wahrgenommen und beurteilt werden. Um dieser Annahme auf den Grund zu gehen, befasst sich die vorliegende Masterthesis mit der Frage, welche Deutungsmuster für Sozialarbeitende bei Kindeswohleinschätzungen leitend sind und welche Rolle insbesondere das soziale Geschlecht von Kindern spielt. Das soziale Geschlecht wird dabei als soziale Konstruktion entsprechend dem Doing-Gender-Ansatz nach West und Zimmermann verstanden. Zur Datenerhebung werden mit Sozialarbeitenden aus dem Bereich des Kindesschutzes anhand von Fallvignetten Gruppendiskussionen durchgeführt. Mithilfe der dokumentarischen Methode werden konjunktive Erfahrungsräume der Sozialarbeitenden erörtert, analysiert und schliesslich Typen gebildet. Diese Typen entsprechen der Art der Einschätzungspraxis von Sozialarbeitenden. Dabei zeigt sich, dass Sozialarbeitende das soziale Geschlecht von Kindern in den Kindeswohlabklärungen nicht thematisieren. Der Faktor des sozialen Geschlechts ist dennoch stets präsent, jedoch ausschliesslich in Bezug auf die erziehungsberechtigten Bezugspersonen – in der Regel die leiblichen Eltern. Sozialarbeitende bedienen sich in Diskussionen, der Analyse und der Diagnose geschlechterspezifischer Zuschreibungen und reproduzieren diese fortlaufend anhand von stereotypen Mutter- und Vaterbildern. Die Typenbildung nach Bohnsack lässt den abschliessenden Rückschluss zu, dass für eine sorgfältige und professionelle Kindesschutzabklärung das soziale Geschlecht als entscheidender Faktor wahrgenommen und eingeordnet werden muss. Die Ergebnisse der empirischen Untersuchung führen unter anderem zur Empfehlung, auf struktureller Ebene institutionelle Rahmenbedingungen zu schaffen, welche eine geschlechtersensible Soziale Arbeit fordern und fördern. In Bezug auf das soziale Geschlecht bedarf es zudem der eingehenden Selbstreflexion von Sozialarbeitenden. Nur so gelingt es, das soziale Geschlecht in dessen Komplexität und Verwobenheit wahrzunehmen und damit einhergehende Herausforderungen und allfällige Ungleichheiten von gefährdeten Kindern entsprechend zu erfassen.