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Marx' Kritik der Moral ist im wahrsten Sinne des Wortes "radikal", d.h. an die Wurzel gehend: Moral bewirke im Angesicht der tatsächlichen gesellschaftlichen Verhältnisse nichts. Diese Sichtweise hat sich in der marxistischen Tradition weitgehend durchgesetzt, mit dem Ergebnis, dass die Fragen nach dem moralisch richtigen Handeln und den normativen Maßstäben der Kapitalismuskritik dem Geschichtsobjektivismus und der Auffassung des Proletariats als privilegierter Klasse untergeordnet worden sind. Gezeigt werden soll demgegenüber, dass Marx moraltheoretisch differenzierter argumentierte, als er selbst einzugestehen bereit war, und dass sein Projekt einer Kritik der politischen Ökonomie nur dann erfolgreich sein kann, wenn dessen normativen Prämissen ausgewiesen werden.
In einem ersten Schritt wird das Werk von Marx auf interne und externe Widersprüche hin untersucht. Intern insofern, als Marx sich zwar einer moralischen Argumentation verweigert, aber durchaus einen Stil benutzt, der alles andere als frei von moralischen Implikationen ist. Extern insofern, als der Geschichtsdeterminismus heute an Überzeugungskraft verloren hat und eine kritische Gesellschaftstheorie nur dann praktisch werden kann, wenn zuvor die Idee einer besseren Gesellschaft etabliert wird
In einem zweiten Schritt sollen Marx' ethische Auffassungen ins Verhältnis zu den Gerechtigkeitsbegriffen bei den Utilitaristen und John Rawls gesetzt werden. Es gilt, herauszuarbeiten, dass beide Ansätze zwar die praktische Dimension von Ethik vernachlässigen, mit Marx aber gewinnbringend diese angeschlossen werden kann.
Weiterhin soll nach dem Potential des Marx'schen Denkens für die Tierethik gefragt werden. Vermutet wird, dass, obwohl es nur wenige ausdrückliche Einlassungen von Marx zum Thema Tierrechte gibt, seine Theorie durchaus anschlussfähig ist für die Frage nach der moralischen und gesellschaftlichen Stellung von Tieren.