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«cool and clean»: Suchtprävention im Sport
Der Glaube der Bevölkerung an die positiven Effekte des Sports ist hoch. Die präventiven Wirkungen des Sports entsprechen jedoch nur zum Teil den hohen Erwartungen. Zahlreiche Studien zeigen insbesondere, dass Sport nicht vor dem Konsum von legalen und illegalen Drogen wie Alkohol, Tabak und Cannabis schützt. Aus diesem Grund haben sich die Dachorganisation der Schweizer Sportverbände Swiss Olympic, das Bundesamt für Sport (BASPO) und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bereits 2003 zusammengeschlossen und das Präventionsprogramm «cool and clean» lanciert. Es wurde in den letzten 13 Jahren zum grössten nationalen Präventionsprogramm der Schweiz und hat auch international Beachtung gefunden.
Theoriegestützte Weiterentwicklung von «cool and clean»
Ziel des Forschungsauftrags war es, Empfehlungen zur theoriegestützten Weiterentwicklung des Präventionskonzepts «cool and clean» zu erarbeiten. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Elemente des Programms auf eine empirisch gut abgestützte Theorie experimentellen Substanzkonsums Jugendlicher zurückführen lassen. Mit Hilfe eines interventionstheoretischen Modells, das auf verschiedene gesundheitsrelevante Verhaltensweisen übertragbar ist, konnten das Wirkungspotential von «cool and clean» eingeschätzt und davon ausgehend Optimierungsvorschläge formuliert werden. Swiss Olympics verfügt nun über theoretische Grundlagen, die sowohl der Weiterentwicklung von «cool and clean» wie anderer Programme dienen können.
Evaluation der Umsetzung von «cool and clean» im Breitensport
Die Prozessevaluation hat über die Wirksamkeitsevaluation hinaus gezeigt, dass es bzgl. der Umsetzung von «cool and clean» Handlungsbedarf gibt. Offenbar war die Rolle und Bedeutung der Commitments und auch des Programms den Teilnehmenden nicht immer klar. Generell ist ein mehrgleisiges Vorgehen für die Bewertung von Präventionsprogrammen hilfreich.
Evaluation von «cool and clean»: Verhältnisprävention im Sport
«cool and clean» ist erfolgreich bei der Sensibilisierung von institutionellen SchlüsselakteurInnen im Umfeld von jungen SportlerInnen. Verantwortungsbewusster Umgang mit Alkohol und rauchfreier Sport sind anerkannte Themen bei kantonalen Fachstellen, Verbänden und Vereinen. Strukturelle Veränderungen wie die Verankerung der Thematik in Statuten, die Etablierung rauchfreier Aussensportanlagen oder die inhaltliche Bindung kantonaler Subventionen sind angestossen, aber noch nicht abgeschlossen.
Sport und Bewegung in der heroingestützten Behandlung
Das Pilotprojekt PHAST hatte zum Ziel, ein Sport-und Bewegungsprogramm in eine heroingestützte Behandlungsklinik zu integrieren. Die Wichtigkeit eines solchen Angebots sowie der Konzeption und Entwicklung gemeinsam mit den KlinikpatientInnen wird hier dargestellt. Ein Bewegungsprogramm lässt sich in diesem Setting gut integrieren; Evidenz für eventuelle Wirkungen von Bewegung auf psychologische Variablen wurde allerdings nicht gefunden.
Sucht – ein medizinisches oder ein soziales Problem?
Die Suchthilfe ist ein interprofessionelles Geschäft. Der derzeit dominanten Strukturierung der Suchthilfe mittels einer hegemonialen medizinisch- (psycho-) therapeutischen Leitorientierung wird der Anspruch entgegengesetzt, Sucht wieder verstärkt auch als soziales Problem zu verstehen und zu behandeln. Eine davon ausgehende Neuverhandlung der Kompetenzen unter dem Dach des bio-psycho-sozialen Modells der WHO könnte eine der psychosozialen Dynamik der Sucht angemessenere Grundlage schaffen, die Komplementarität der interprofessionellen Kooperation schärfen und ihre Potenziale dadurch besser erschliessen. Mit diesem Ansatz geht die Positionierung der Sozialen Arbeit als zuständig für die soziale Dimension einher.
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MI 3: Motivational Interviewing entwickelt sich weiter
Motivational Interviewing (MI) hat sich in den letzten 30 Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Anstelle einer direkten Umsetzung des Transtheoretischen Modells wird vielmehr das Paradigma der Ambivalenzorientierung vertreten. Neu werden vier Prozesse definiert, welche aufeinander aufbauen. MI anzuwenden erfordert den flexiblen, strategischen Einsatz einiger kommunikativer Kernkompetenzen, die für alle Prozesse relevant sind und die gesamte Beratung hindurch angewandt werden.
«Zieloffene Suchtarbeit» in einer Langzeit-Wohneinrichtung
Stationäre Einrichtungen für Menschen mit psychischen und/oder suchtbedingten Erkrankungen und Beeinträchtigungen sind gefordert, die Lebensentwürfe ihrer KlientInnen ernst zu nehmen. Anhand medizinethischer Prinzipien wird dargelegt, dass eine Konsumerlaubnis und/oder die Abgabe von Alkohol an alkoholkranke Menschen innerhalb einer Langzeit-Wohneinrichtung moralisch vertretbar ist. Am Beispiel der Sonnenburg in Weinfelden wird gezeigt, dass sich das Konzept «Zieloffene Suchtarbeit» im Alltag für professionelle, individuelle Unterstützung anwenden lässt.
E-Zigaretten: Überblick über die aktuelle Diskussion
Die Beiträge auf der Fachtagung zum Thema «E-Zigaretten» in Frankfurt a. M. machten deutlich, dass die E-Zigarette einen wesentlichen Beitrag dazu leisten kann, starke und langjährige RaucherInnen zur Aufgabe bzw. zur Reduktion ihres Konsums von (konventionellen) Verbrennungszigaretten zu motivieren. Epidemiologisch gesehen stellt diese Zielgruppe auch den mit Abstand grössten Anteil an den regelmässigen KonsumentInnen von E-Zigaretten. Die Sorge, E-Zigaretten könnten noch mehr Jugendliche zum Rauchen motivieren, lässt sich durch bisherige Studien nicht belegen – vieles spricht dagegen: Es gibt nur einen sehr kleinen Teil von Jugendlichen, die erst E-Produkte konsumieren und dann zu Tabak übergehen. Dabei lässt sich auch nicht sagen, ob der Konsum von E-Produkten ursächlich für den späteren Tabakkonsum war.
Ersetzen oder ergänzen sich Alkohol- und Cannabiskonsum? Ergebnisse zum Zusammenspiel der beiden Substanzen
Änderungen des Legalstatus' einer Substanz beeinflussen unter Umständen nicht nur die Konsummuster dieser sondern auch anderer Substanzen. Welche Veränderungen sind zum Beispiel durch liberalere Cannabisgesetzgebungen oder durch strengere Alkoholgesetze auf den Konsum der jeweils anderen Substanz zu erwarten, und wie sind mögliche Konsumverschiebungen aus einer gesundheitspolitischen Perspektive zu beurteilen? Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen den Konsum von Cannabis und Alkohol sowohl in Richtung einer parallelen Zu- bzw. Abnahme (Ergänzung bzw. Komplementarität) als auch eines gegenseitigen Ersatzes (Substitution) beeinflussen. Ob die eine Substanz durch die andere ersetzt oder im Gegenteil durch sie ergänzt wird, hängt dabei von verschiedenen Faktoren wie der Zielgruppe oder der Art der Gesetzesänderung ab.