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Tourismus
«Neben die Sehenswürdigkeit tritt als Reiseziel das soziale Prestige. Als Blechschild am Spazierstock, als Zettel auf dem Koffer, als Plakette am Auto versichert das Souvenir den Touristen gegen Zweifel am eigenen Erlebnis und gibt ihm ein Beweisstück für seine Rückkehr zur Hand. Zum Programm der touristischen Reise gehört als letzter Punkt die Heimkehr, die den Touristen selbst zur Sehenswürdigkeit macht.» (Magnus Enzensberger)
Themenbezogene Erörterung zum Text von Hans Magnus Enzensberger über Tourismus
Bis ca.1804 reisten die Menschen mit Pferdekutschen von Ort zu Ort, von Stadt zu Stadt oder mit dem Schiff von Land zu Land. Im Jahre 1804 jedoch erbaute der Engländer Trevithick die erste Dampflokomotive und so begann die rasante Entwicklung von Fortbewegungsmitteln. Ein Eisenbahnnetz überzog bald fast ganz Westeuropa (die Schweiz war gegenüber Deutschland hintennach in der Eisenbahnausbauung) und die Menschen benötigten z.B. 18 Stunden um eine gewisse Distanz zu überwinden, für welche sie mit der Kutsche 3 Tage brauchten. Auch war die Zugfahrt um einiges angenehmer als die holprige Kutschenfahrt. Später, ca. 1886, entwickelte man noch bessere und schnellere Fortbewegungsmittel, nämlich die Vorläufer der Kraftfahrzeuge. Diese konnten auf dem Strassennetz schnell eine gewisse Strecke zurücklegen. Und ca. 1909 war die Menschheit schon so weit, dass sie mit den ersten Flugzeugen längere Strecken in der Luft zurücklegten. Es war etwas besonderes, wenn man ein eigenes Auto besass und nur die reichen Leute vermochten es, einen Flug zu bezahlen. Es gab verschiedene Abteile in den Zügen und Schiffen, die Menschen wurden in Klassen eingeteilt, je nach Vermögen und Ansehen.
Heute haben wir ein gut ausgebautes Verkehrsnetz und können in jeden Winkel der Erde reisen. Es gibt aber immer noch Klassenunterteilungen, obwohl wir diese bewusst übersehen (wollen). Um einige Beispiele zu nennen: 1. und 2. Klasse in Zügen, Economy und Business in Flugzeugen und zuletzt noch Unter-, Mittel- und Oberdeck auf Kreuzfahrtschiffen. Hier ein Reisebeispiel der gehobeneren Klasse. Ein reiches Ehepaar fliegt eventuell nach Dubai (es könnten auch die Malediven, Neuseeland, die Fidschi-Inseln oder die Seychellen etc. sein, denn dies sind alles begehrte Reiseziele) in eines der teuersten Hotels und lässt sich dort von den Angestellten verwöhnen. Sie will sich von der Sonne bräunen lassen, die Sauna und die Massageangebote geniessen. Er möchte Golf spielen und ein paar nette Bekanntschaften machen. Sie verbringen ihre Zeit lieber in der irrealen Welt des Hotels, liegen am Pool oder sitzen an der Strandbar. Es scheint ihnen gut zugehen.
Doch mit der Auswahl des Essens tun sie sich schwer, auch haben sie Schwierigkeiten mit dem Personal, da dieses nicht sehr gut Deutsch sprechen kann. Die Hygiene im Hotel bestürzt sie und von Tag zu Tag werden sie unzufriedener und fragen sich, weshalb sie nicht in der Schweiz in ein nobles Kurhotel gegangen sind. Dort hätten sie keine Verständigungsprobleme und auch keine Schwierigkeiten mit der Hygiene und der Auswahl des Essens. Zudem wären die Ferien auch billiger gewesen. Doch die Antwort ist einfach. Wenn sie ihren Freunden von ihren Ferien erzählen, wollen sie damit angeben und prahlen können. Sie wollen ihnen zeigen wie reich sie sind und wie gut sie es haben. Wenn sie „nur“ in der Schweiz ihre Ferien verbracht hätten, würde dies als nicht gleichwertig angesehen werden.
Es geht um das soziale Prestige wie Herr Enzensberger schreibt. Je nach Reiseziel steigt der Status. Es geht um die Beachtung und den Wert, die das Reiseziel in den Köpfen der Schweizer Gesellschaft heraufbeschwört. Je weiter weg das Ziel liegt und je teurer es ist, desto mehr Status erhält man. Es braucht nicht mal mehr unbedingt ein Souvenir, denn wie Herr Enzensberger schon schrieb, wird der Tourist bei seiner Heimkehr selber zum Souvenir. Indem der Heimgekehrte von seinen Erlebnissen, seinen „ach so tollen Ferien“ erzählt, wird er zum begehrtesten Souvenir. Trotzdem sind gekaufte Souvenirs wie z.B. Schmuck wichtig um zu zeigen, dass man sich auch noch etwas Spezielles von diesem Ort oder Land leisten konnte. Aber das wichtigste Souvenir neben dem Touristen selber sind Ferienvideos oder Fotos. Durch diese kann der Tourist beweisen, dass er wirklich an diesen Orten war und seine Erzählungen noch ausschmücken.
Heutzutage kann man für wenig Geld weit herumkommen und vieles von der Welt sehen. Man kann andere Kulturen entdecken und Geschichte wieder auferstehen lassen. Aber alles nur, wenn man sich nicht zu schade ist, auf den Luxus zu verzichten, den man in der Schweiz hat. Denn wie das Sprichwort schon gut auszudrücken vermag: Andere Länder, andere Sitten. Wenn man seine Ansprüche hinunter schrauben kann, kommt man viel einfacher in Kontakt mit dem Leben von anderen Menschen und erfährt von diesen eine ganz neue Welt. Man macht Erfahrungen und lernt Neues kennen und dies ist, meiner Ansicht nach, eines der wichtigsten Ziele überhaupt, die eine Reise haben sollte.
Hans Magnus Enzensbergers Meinung in diesem Punkt wäre wahrscheinlich noch interessant, da er in seinem Artikel einfach nur Fakten aufstellt, die ich auch so sehe, aber wie er sie empfindet beschreibt er nicht. Auch würde mich persönlich noch interessieren wann dieser Artikel geschrieben wurde, da ich das Gefühl habe, dass zwischen meiner Stellungnahme und seinem Text eine Zeitdifferenz von gut 10 oder mehr Jahren liegen könnte, aber auch eine von einer Woche. Damit will ich sagen, dass dieses Thema schon lange aktuell war, immer noch ist und sehr wahrscheinlich auch noch lange bleiben wird.
geschrieben 2004 als Aufsatz im Gymnasium