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Aslan lebt seit einem Jahr auf der Strasse.
Er verbringt die meiste Zeit am Bahnhof Sursee. Es gefällt ihm, das unablässige Kommen und Gehen der Leute zu beobachten. Es lenkt ihn ab, wie Aslan sagt. Im Sommer sitzt der gebürtige Türke zumeist draussen auf einer Bank und schaut den Flugzeugen am Himmel hinterher. Viele Passanten grüssen ihn, sie haben sich an seine ständige Anwesenheit gewöhnt. Andere werfen ihm verächtliche Blicke zu. Jetzt im Winter verbringt er den Tag im beheizten Warteraum und fällt nicht weiter auf unter den anderen Wartenden, denn sie verweilen meistens nur kurz. Aslan bleibt. Er trinkt billiges Dosenbier und wartet auf Gesellschaft oder spricht Reisende an. Er ist ein umgänglicher Mensch. Täglich finden sich andere Gestrauchelte ein, Alkoholiker zumeist, und verbringen einige Stunden mit Aslan, solidarisch sozusagen, denn sie haben im Gegensatz zu ihm ein Zuhause.
Ein Jahr ist es nun her, seit ihm der Vermieter die Wohnung gekündigt hat. Seither schläft der gebrechlich wirkende Mann in einer Garage, nur mit einer Isomatte zwischen sich und dem Betonboden. Ohne Toilette. Aber Aslan beklagt sich nicht. Die letzten vier Wochen konnte er in einer Notunterkunft, der Pension Volta in Luzern, übernachten: Etagentoilette, ein Waschbecken im Zimmer. Es gibt Frühstück und Abendessen, allerdings nur zu festen Zeiten. Kommt man zu spät, ist die Küche zu.
Manchmal fährt er mit dem Zug nach Luzern, um im Coop einige Dosen Bier zu kaufen mit dem wenigen Geld, das er zur Verfügung hat. Dann fährt er zurück. Nur so, um auch unterwegs zu sein, irgendwie.
Aslan träumt von einer eigenen Wohnung. Aber wer vermietet schon eine Wohnung an einen Obdachlosen. Die Behörden helfen ihm nicht bei der Wohnungssuche, würden aber die Miete bezahlen. «Irgendwann kommt es schon gut», sagt Aslan. Er hat sich noch nicht aufgegeben, und dafür hat er Respekt verdient.