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Abgeschlossene Projekte
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Verzeichnis der in Palästina/Israel veröffentlichten Schriften deutsch-jüdischer Immigranten in deutscher Sprache
Andreas Kilcher und Eva Edelmann-Ohler
Gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung
Die deutsch-jüdische Immigration in das Mandatsgebiet Palästina bzw. (nach 1947) nach Israel ist ein bedeutendes kulturelles wie politisches Phänomen; mit den Immigrationswellen nach 1933 aus Deutschland bzw. nach 1938 aus Österreich und der Tschechoslowakei etwa kamen zehntausende deutschsprachige Flüchtlinge aus Mitteleuropa nach Palästina. Dort sprachen und schrieben sie vielfach in ihrer bisherigen Sprache weiter, wodurch ein umfangreiches Korpus deutschsprachigen Schrifttums in Palästina entstand. Das große Korpus gedruckter und hektographierter Quellen der deutsch-jüdischen Immigration nach Israel im 20. Jahrhundert bildet so ein wichtiges Kapitel sowohl der deutschen Literatur, der Exilgeschichte wie auch der jüdischen Geschichte, das bisher nicht erschlossen, dokumentiert und der Forschung zugänglich gemacht wurde.
Das Projekt verfolgt daher zwei Ziele: Erstens soll ein umfassendes, kommentiertes bibliographisches Verzeichnis der in Palästina bzw. Israel veröffentlichten Schriften deutsch-jüdischer Immigranten in deutscher Sprache (Schwerpunkt 1890-1947) erstellt werden (Erschließung/Inventarisierung). Zweites Ziel ist es, seltene Titel möglichst als eigenständige Sammlung im Original und in digitaler Form zugänglich zu machen; die materielle Sammlung ist an der Professur für Literatur- und Kulturwissenschaft an der ETH Zürich angesiedelt (Konservierung/Sammlung).
Assimilation und jüdische Theorie.
Dissertationsprojekt von Sylvia Jaworski
Gefördert vom Schweizerischen Nationalfonds im Rahmen des Projekts "Imitation – Assimilation – Transformation"
Das vorliegende Dissertationsprojekt wirft die Frage auf, wie Assimilation im religiösen Diskurszusammenhang der jüdischen Moderne verstanden werden konnte. Die Arbeit untersucht genauer die Verhandlung der Möglichkeiten und Grenzen der Assimilation im religiösen Diskurs in literarischen und publizistischen Texten am Beispiel des transkulturellen Grenzraums der deutschen (westjüdischen) und der polnischen (ostjüdischen) Kultur.
Ein erstes, allgemeines Produkt dieses Diskurses ist die Erfindung einer „jüdischen Theologie“, die als Ergebnis nicht nur von religiöser Reform, sondern auch eines komplexen Assimilationsprozesses auf dem Gebiet der Religion verstanden werden kann. Die weiteren Aspekte religiöser Assimilation sowie die damit verbundenen Debatten greifen sodann – scheinbar paradox – nicht primäre theologische Fragen auf, sondern werden auf vier nicht-religiöse Verhandlungsebenen übertragen bzw. dort ausgetragen: auf einer politischen, einer physischen, einer ästhetischen und einer wissenschaftlichen Ebene. Diese assimilatorischen Verschiebungen und Übertragungen vom primär Religiösen weg werden plausibel, wenn sie, mit Hilfe kulturwissenschaftlicher Übersetzungstheorien, als Säkularisierungsphänomene verstanden werden: als Politisierung, Profanierung, Ästhetisierung und Verwissenschaftlichung von Religion. Assimilation und Säkularisierung verhalten sich damit als analoge Prozesse: Es sind Vorgänge der Transformation von Religion zwischen Auflösung und Verwandlung. Gerade die nicht vorhandene Linearität von Assimilation ermöglicht es, dem Assimilationsprozess auch im religiösen Bereich ambivalente und hybride Formen zuzuschreiben.
Diese Komplexität von Phänomenen der Assimilation zwischen Religion, Politik, Kunst und Wissenschaft wird in der geplanten Arbeit am signifikanten Beispiel der wechselseitigen Wahrnehmung von deutschem und polnischem Judentum untersuch
Ambivalenz der Fremdwahrnehmung. Interpretationen jüdischer Assimilation in der deutschen Literatur seit der Aufklärung.
Dissertationsprojekt von Anika Reichwald
Gefördert vom Schweizerischen Nationalfonds im Rahmen des Projekts "Imitation – Assimilation – Transformation"
Das vorliegende Dissertationsprojekt untersucht das Thema der jüdischen Assimilation und seine ausserjüdischen Konzepte und Interpretationen. Zunächst stellt sich die Frage nach der von außen kommenden Wahrnehmung, Beschreibungs- und Darstellungsweise der jüdischen Assimilation. Zweitens die Frage nach der Wertung, Moralisierung und Politisierung des Phänomens aus eben derselben Außensicht. Es geht damit um die Formen und Funktionen, um Poiesis und Politik in der außerjüdischen Wahrnehmung der jüdischen Assimilation. Der Gegenstand des Projekts ist damit die kontroverse Interpretation der jüdischen Assimilation im deutschsprachigen Europa: ihre Wahrnehmung in der deutschen Literatur. An literarischen und publizistischen Texten nichtjüdischer Autoren seit der Aufklärung soll einerseits der Aspekt der Beschreibung und andererseits der Aspekt der Wertung oder Politisierung herausgearbeitet werden. Im Kontext gesellschaftsbestimmender Diskurse des 19.Jahrhunderts zeigt sich zudem die sozio-kulturelle Vielseitigkeit der Assimilationsthematik.
Imitation – Assimilation – Transformation. Episteme, Semantiken und Praktiken der Anverwandlung im 19. und 20. Jahrhundert
Andreas Kilcher zus. mit Michael Hampe, Harald Fischer-Tiné, Alexander Honold
Gefördert vom Schweizerischen Nationalfonds
Das Graduiertenkolleg „Imitation – Assimilation – Transformation. Episteme, Se-mantiken und Praktiken der Anverwandlung im 19. und 20. Jahrhundert“ an der ETH Zürich widmet sich den verschiedenen Ausformungen und Adaptionsverfahren des Anpassungs- und Nachahmungsdiskurses und beabsichtigt die Intensivierung eines kritischen Dialogs zwischen den Disziplinen, um Assimilation als ein genuin transgressives Phänomen herauszuarbeiten. Die verschiedenen biologischen, soziohistorischen, kulturanalytischen und poetologischen Perspektivierungen sollen zusammengeführt und füreinander produktiv gemacht werden, um adaptive und mimetische Prozesse in ihrer komplexen und spannungsreichen Dynamik innerhalb verschiedener (Wissens-)Kontexte zu veranschaulichen. Das Forschungsprojekt versammelt unter seinem Dach eine kleine Zahl von Promotionsprojekten mit dezidiert interdisziplinärer Ausrichtung. Sein Anliegen besteht darin, ein Forum der Auseinandersetzung zu schaffen, das die Praktiken und Kulturtechniken der Anverwandlung in ihrer paradigmatischen Relevanz für unterschiedliche Wissensdisziplinen seit dem Ende des 18. Jahrhunderts sichtbar werden lässt. So verbindet das Kolleg eine interdisziplinäre Orientierung auf die Thematiken der Angleichung und Anpassung mit der Fundierung durch disziplinenbezogene Kompetenzen und Kenntnisse. Auf diese Weise soll auch jenen Doktorandinnen und Doktoranden, die empirischen Fragestellungen nachgehen, ein angemessener Rahmen für die Formulierung von Imitation, Assimilation und Transformation als Schlüsselkategorien der kultur- und sozialwissenschaftlichen, aber auch wissensgeschichtlichen Forschung geboten werden.
Politics and Poetics in Discourse about Veterans 1914-1939
PhD-Project by Sarah Mohi-von Känel
In Germany the status of homecoming soldiers and their problematic reintegration into society was an on-going topic of heated debate in the period between World War One and World War Two. Representations of “November 1918” and of the reintegration of returned soldiers and their recuperation became central to propel and symbolise the changes from monarchy to Weimar Republic and to the National Socialist dictatorship. Each political system established its own ways of representing and remembering homecoming soldiers and their status in the precarious post-war society.
The PhD-Project “‘Kriegsheimkehrer’. Politics and Poetics 1914-1939” explores with a comparative discourse analysis how different sections of society represent homecoming soldiers and their role in post-war society from the beginning of the First World War to the beginning of the Second World War. The project investigates the ways returning soldiers are represented by medicine, law, military and politics and sets these representations in comparison with the arts.
What are the politics (mechanisms of controlling and governing a society and a state) and the poetics (rhetorical and narrative patterns) in the discourse about soldiers in society after the First World World War? How does this discourse change in order to re-mobilize German society for the next World War? Which words, images and narratives describe the demobilisation? How do these descriptions provide patterns for ideological statements? How do literary texts, dramatic performances and paintings subvert, support or reinvent the issue and what are the reactions of society to such representations?
The study aims at exploring that and how in talking and writing about veterans between the World Wars more than mere descriptions of a life after military service was at stake. Homecoming soldiers and their status in society were represented in ways that tried to explain and change society. Therefore, discourse about ‘Kriegsheimkehrer’ was a ‘sensor’ and a ‘motor’ for the German transition from Post- to Pre-War Society. The arts played a quintessential role in this discourse inasmuch as they constantly reflected, criticised, hyperbolised or supported non-artistic representations about the homecoming soldiers.
Archivprojekt „Bestandbeschrieb C.A. Meier Nachlass: Akten zur Geschichte der Präsidentschaft von C.G. Jung in der Internationalen Allgemeinen Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie, 1933-1940“
Andreas Kilcher und Giovanni Sorge
Die Frage nach der Verstrickung in nationalsozialistische Ausgrenzungsdiskurse des Gründers der Analytischen Psychologie, des Schweizer Psychiaters und Psychologen C.G. Jung (1875-1961) ist schon länger Gegenstand der Debatte nicht nur unter so genannten Jungianern, sondern auch in der Wissenschafts- und Kulturgeschichte. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Untersuchung der Tätigkeit C.G. Jungs in den 1930er Jahren als Präsident der Internationalen Allgemeinen Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie (IAAGP), einer als unpolitisch und neutral intendierten Dachorganisation mit Sitz in der Schweiz. Zusammen mit Generalsekretär C.A. Meier (1905-1995) und zahlreichen Psychotherapeuten aus ganz Europa versuchte Jung ab 1934, die Vereinigung zu erweitern, um damit auch ein Gegengewicht zu der von M.H. Göring, einem Cousin von „Feldmarschall“ Hermann Göring, geleiteten deutschen Landesgruppe zu schaffen, der die Mehrheit der Mitglieder angehörte.
Eine der wichtigsten Quellen für eine detaillierte Analyse dieser Problematik (bzw. der in der Sekundärliteratur meist kaum weiter erforschten Tätigkeit von Jung –und C.A. Meier – in der IAAGP) sind die von C.A. Meier an das ETH Archiv übergegebenen umfangreichen Akten zur Geschäftsführung der Gesellschaft. Das Projekt hat die Erstellung eines Bestandbeschrieb und einer Einführung zu den Archivbeständen mit historischer Einleitung und Registern zum Ziel.
Dieses Projekt wurde durch die C. G. Jung-Stiftung gefördert.
Exilbriefe von Else Lasker-Schüler
Andreas Kilcher und Karl-Jürgen Skrodzki
Edition im Rahmen der kritischen Ausgabe der Werke und Briefe im Jüdischen Verlag im Suhrkamp Verlag (ab Briefe Band 9 = Briefe aus dem Exil in der Schweiz und in Palästina): Werke und Briefe. Kritische Ausgabe. Im Auftrag des Franz-Rosenzweig-Zentrums der Hebräischen Universität Jerusalem, der Bergischen Universität Wuppertal und des Deutschen Literaturarchivs Marbach a. N. Hrsg. v. Andreas Kilcher, Norbert Oellers, Heinz Rölleke, Itta Shedletzky. Die drei Bände Exilbriefe sind im Suhrkamp Verlag 2008-2010 erschienen.
Plagiat. Eine unoriginelle Literaturgeschichte
Philipp Theisohn
Aus dem Projekt ist eine Monographie hervorgegangen, diese finden Sie hier.
Die Zukunft der Dichtung. Geschichte des literarischen Orakels 1450-2050
Philipp Theisohn
In einer Welt, die ihre heilsgeschichtliche Gewissheit verloren hat, muss die Zukunft auf anderen Wegen wieder zum Sprechen gebracht werden. Die Wahl der Neuzeit fällt dabei auf zwei Zeichenkünste: die ars mantica und die ars poetica. Beide Disziplinen lernen voneinander, durchdringen und bekämpfen sich – und bleiben in ihrer historischen Entwicklung gleichwohl untrennbar miteinander verbunden. Die vorliegende Studie will diese verborgene Geschichte der Mantopoetik wieder sichtbar machen. Von den Losbüchern und der Kalenderpoetik über den Mediumismus bis zur Futurologie; von Cusanus über Leibniz, Herder, Comte und Nietzsche bis zu Herman Kahn; von Nostradamus, Rabelais und Grimmelshausen über Schiller, Kleist, Wells und Stifter bis zu Mallarmé und Pynchon verfolgt Die kommende Dichtung die weissagende Zukunftsrede von ihren Anfängen bis in unsere Gegenwart – und darüber hinaus.
Die Monographie ist beim Fink Verlag erschienen.
Sprache des Krieges. Deutungen des Ersten Weltkriegs in zionistischer Publizistik und Literatur (1914-18)
Dissertationsprojekt von Eva Edelmann
Die Arbeit analysiert Deutungen des Ersten Weltkriegs in zionistischer Publizistik und Literatur während der Kriegsjahre 1914-1918. Es wird ermittelt, mit welcher Sprache der Krieg dort verhandelt, perspektiviert und mit zionistischen Zielen in Verbindung gebracht wird. Der Zionismus bedient sich dazu einer Sprache, die implizit wie explizit verschiedenste kulturelle Konzepte und Diskursfelder anklingen lässt, miteinander in Verbindung bringt, verhandelt und transformiert. Die Sprache des Zionismus eröffnet damit einen Blick auf kulturelle Deutungsprozesse, die weit mehr sind als ästhetische Formspiele. Im Sinne des Bildes von Oberfläche und Tiefe ist so von einer ›Tiefe der Oberfläche‹ zu sprechen, von einem Zirkulieren von Sprache und Kultur.
Dabei zeigt sich, dass die zionistischen Kriegsdeutungen auf diskursive Argumentationen und eine Sprache referieren, die vor dem Krieg entstanden sind. Die Arbeit zeichnet die Entwicklung einer Sprache des Zionismus in der Vorkriegszeit anhand dreier sprachlicher Raster nach: ›Religion‹, ›Wachstum‹ und ›Krankheit‹. Davon ausgehend wird gezeigt, wie diese sprachlichen Bedeutungszuweisungen in einer Sprache des Krieges auf drei verschiedenen Diskursfeldern wirksam werden – im Diskurs einer Sprache der Überhöhung, von Patho-Logien (Vom Symptom zum Trauma) und anhand von Topologien der Transgression. Die literarischen Resonanzen dieser Kriegsdiskurse werden in Texten von Franz Kafka und Arnold Zweig untersucht, wie auch in weniger bekannten Texten wie etwa in Felix Theilhabers Schlichten Kriegserlebnissen (1916).
Die Monographie ist beim De Gruyter Verlag erschienen.
Kafkas Datenverarbeitung
Andreas Kilcher und Eva Edelmann-Ohler
Kooperationsprojekt mit den Universitäten Princeton, Siegen, Regensburg und Weimar
Die Grundlage des Kooperationsprojekts bilden die tiefgreifenden Veränderungen, die der digitale Medienumbruch – und insbesondere die Entwicklungen von Hypertext und world wide web – für die Theoriebildung, die Methodik und die Organisation literaturwissenschaftlicher Forschung bewirkt: von der medientheoretisch und –historisch geschärften Wahrnehmung ihres Gegenstands über die neuen Möglichkeiten der Speicherung, Darstellung und Verfügbarmachung ihrer Resultate bis hin zu neuen Organisationsformen des Forschungsprozesses selbst. Als erste und zugleich eigenständige Phase eines umfassenden Projekts – Arbeitstitel: "Kafkas Datenverarbeitung" – zielt Kafkas Virtuelle Mediathek zunächst auf eine systematische Erschließung des intermedialen Kontextes des Kafka'schen Werks und auf seine kommentierte Darstellung im Medium eines datenbankbasierten Hypertexts. Die Kooperation führender amerikanischer, deutscher und tschechischer Fachwissenschaftler soll es ermöglichen, die drei bedeutendsten nationalen Traditionen bzw. Komplexe der Kafkaforschung produktiv miteinander zu vernetzen: ihre wichtigsten Resultate miteinander in Bezug zu setzen, unterschiedliche nationale Lesarten eines modernen Klassikers gegeneinander zu kontrastieren und neue gemeinsame Aufgabenstellungen zu formulieren. Die angestrebten Resultate der Zusammenarbeit – die Entfaltung und Nutzbarmachung eines hochkomplexen Werkhorizonts der literarischen Moderne auf digitaler Basis sowie ein Forschungsband, der dieses elektronische Supplement zur Print-Literatur resümiert, kommentiert und problematisiert – haben deutlichen literatur-geschichtlichen und medienpraktischen Innovationscharakter. Über seinen eigenen, abgeschlossenen Horizont hinaus ist das Projekt zudem als explorative Phase und Ausgangsbasis für ein weiterführendes und umfassenderes Projekt mit dem Titel "Der Kafka-Hypertext" konzipiert.