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Wohl Frankreich, 2. Viertel 18. Jh.
Messing, getrieben, versilbert; Glas; Leder, geprägt,
über Holzkern; Eisenbeschläge
H. 17 cm, B. 40 cm, T. 31 cm (Futteral)
H. 5,5 cm, B. 36,5 cm, T. 26 cm (Becken)
H. 20 cm (Kanne); H. 8,9 cm, Dm. 8,3 cm (Dose)
H. 9,5 –10,5 cm (Glasflakons)
Inv. 1899.58.
Es war ein Zeichen von Wohlstand, sich rasieren zu lassen, sei es in der Barbierstube oder durch den eigenen Diener. Die Schärfe der Barbiermesser machte Übung damit erforderlich, und Klagen über schlechte Barbierkünste finden sich häufig. So war es sicherer, sich bei Reisen in fremde Gegenden keinem unbekannten Barbier anzuvertrauen, sondern das Rasieren dem eigenen Diener zu überlassen und dazu ein eigenes Rasierzeug mitzunehmen. Das setzte das Reisen in grossem Stil voraus: mit Diener und mit eigener Kutsche, in der man auch dieses grosse und schwere Rasierzeug (mit Futteral 3 720 gr.) verstauen und transportieren konnte. Im Innern sind die zugehörigen Objekte in Fächer eingepasst. Die Kanne mit dem ovalen Querschnitt, der den Typus der Rasierkanne kennzeichnet, war für warmes Wasser und dieses zum Aufschäumen der Seife gedacht, die sich in der kugelförmigen Deckeldose befand. Die zweite Dose enthielt einen Schwamm, mit dem der Schaum auf dem Gesicht verteilt wurde; der durchbrochene Deckel gewährleistete das Trocknen des Schwammes. Im Deckel des ovalen Koffers ist das Rasierbecken untergebracht; dessen halbkreisförmige Einbuchtung umschloss den Hals der zu rasierenden Person, so dass Wasser und Schaum die Kleidung nicht befleckten. Am Schluss wurden die Glasflakons benötigt, die wohl duftende oder auch desinfizierende Flüssigkeiten enthielten, falls es zu einer Reizung der Haut oder einer kleinen Verwundung gekommen war.
Beispiele von silbernen oder versilberten Rasiersets sind seit dem späten 17. Jahrhundert überliefert, aber recht selten. Noch ungewöhnlicher ist, dass sich das zugehörige Futteral ebenfalls erhalten hat. Ursprünglich gehörten vermutlich mehrere Rasiermesser dazu, die aber verloren sind.
Aus dem Bestand des Museums wurde ein zeitlich passendes Rasiermesser mit Horngriff und darin eingelegter Jagddarstellung hinzugefügt (Inv. 1902.150.).