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Sechs Monate eingeschlossen unter dem Packeis auf zehn Metern Tiefe im Arktischen Ozean leben? Während die meisten wohl nicht im Traum daran denken würden, sich auf solch ein Abenteuer einzulassen, wäre diese Expedition für manche sicher das größte Erlebnis überhaupt. Auf den französischen Polarforscher und Taucher Alban Michon und sein Team trifft wohl eher Letzteres zu, weshalb sie seit acht Jahren an der Realisierung ihrer Vision arbeiten. Sie planen die Unterwasserbasis BIODYSSEUS, die einerseits zur Überwachung der Meeresumwelt und andererseits als Weltraumtrainingszentrum dienen soll. Der Start der Mission ist für Ende 2025 geplant.
Bereits Jacques-Yves Cousteau hat sich die Frage gestellt, ob der Mensch einen Tag, eine Woche, einen Monat im Meer leben kann. Mit Précontinent II beantwortete er die Frage: Im Jahr 1963 lebten sechs Ozeanauten für 30 Tage in einer Seestern-förmigen Unterwasserstation in zehn Meter Tiefe im Roten Meer.
Alban Michon will mit Biodysseus nichts Geringeres als daran anknüpfen und die erste Forschungsstation für Ozeanographie und Raumfahrt bauen, um zur Erforschung der Ozeane, der Unterwasserwelt und neuer Technologien beizutragen. «Wir werden die ersten ‘Biozeanauten’ der Geschichte sein», schwärmt Michon gegenüber Le Parisien. «Das Ziel ist es, Wissenschaftler und Ingenieure in der Basis unterzubringen, um Experimente durchzuführen und bahnbrechende Technologien zu testen.»
Die Station soll als erstes unter dem arktischen Packeis installiert werden, da sich die Arktis viermal schneller erwärmt als der Rest der Welt und viel stärker unter den Auswirkungen der globalen Erwärmung leidet, so Michon. Grundsätzlich wird sie jedoch so gebaut werden, dass sie praktisch überall auf der Erde eingesetzt werden kann. Die einem Raumschiff ähnelnde Kapsel ist transportabel, modular aufgebaut und erweiterbar und soll mindestens 20 Jahre in Betrieb sein. Der Fußabdruck der Station soll so klein wie möglich gehalten werden.
In einer Tiefe von zehn Metern auf dem Boden des Arktischen Ozeans verankert soll Biodysseus als möglichst autonomes Habitat über sechs Monate vier Biozeanauten bei atmosphärischem Druck beherbergen können. Die Basis soll auch als Trainingszentrum für Astronauten dienen, die sich unter anderem mit Tauchgängen auf ihre Weltraummissionen vorbereiten können.
Die Sicherung und Versorgung der Station soll von einem Basislager aus erfolgen, dass auf oder in der Nähe des Packeises errichtet wird und Platz bietet für ein internationales Team aus Tauchern, Ärzten, Logistikern, Ingenieuren, Köchen, Forschern, Wissenschaftlern, Fotografen und anderen.
Nach dem Ende der ersten sechsmonatigen Mission soll die Unterwasserbasis der weltweiten Forschung und Entwicklung zur Verfügung stehen und zu einem europäischen Trainingszentrum und Unterwasserlabor in extremer Umgebung werden, wobei der Schutz und die Erweiterung des Wissens über die Umwelt im Vordergrund stehen.
Momentan sind Michon und sein Team damit beschäftigt, die Finanzierung für das Projekt zu sichern.
Julia Hager, PolarJournal
Link zu Biodysseus: https://www.biodysseus.com