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Espace Interculturel in Siders
20 Jahre Aufnahme und Integration
Die Geschichte von Maku als Auslöser
Seit 20 Jahren setzt sich der Verein ‚Espace Interculturel‘ in Siders für die Aufnahme und die Integration von Neuankommenden ein. Es war die Geschichte von Maku, die eine kleine Gruppe von Leuten dazu brachte, einen Begegnungs- und Austauschort zu schaffen. Die Frau aus Angola hat bis 1992 mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Siders gewohnt. Marie-Thérèse Brembilla, die heutige Koordinatorin des Espace Interculturel erinnert sich: “Sie war eine grosszügige Frau, überschwänglich und lachend und sie hat mir gesagt: weisst du, Marie-Thérèse, seit ich klein war, habe ich in meinem Land nur Krieg gekannt, nichts Anderes.» In Siders erlebte sie das erste Mal in ihrem Leben friedliche Zeiten, die Kinder besuchten die Schule und die Familie war gut aufgehoben. Im Jahr 1992 wurde die Familie jedoch nach Angola zurückgeschafft. Marie-Thérèse Brembilla und eine Gruppe von Freunden versuchten, mit Maku in Kontakt zu bleiben. Aber die Situation im Land verschlechterte sich. Maku verlor alle Bezugspunkte und ihr Leben nahm eine dramatische Wende. Sie hat bewegende Hilfebriefe verfasst, ihre Freunde in der Schweiz waren jedoch machtlos und haben schlussendlich ihre Spur verloren.
Dies war der Auslöser, um in Siders einen Begegnungs- und Aufnahmeort für Neuankommende zu schaffen mit einer offenen Türe, um dem Ausschluss und Vorurteilen entgegenzuwirken. Der Espace Interculturel ist nach und nach gewachsen. «Am Anfang hatten wir keine Infrastruktur», erzählt Marie-Thérèse Brembilla, „es war ein kleines Projekt, das spontan und naiv von Müttern geschaffen wurde; wir waren keine Integrationsfachleute wie heute, es war eine reine Herzensangelegenheit.» Integrationsaktivitäten wie Koch-, Yoga- und Nähkurse wurden angeboten. Im Verlaufe der Zeit wurde der Espace vergrössert, es wurden Ausstellungen organisiert, ein Theater, Flüchtlingstage …und Französischkurse.
Mehr als nur Sprachkurse
Heute zählt der Espace Interculturel mehr als 400 Schülerinnen und Schüler und 20 Lehrpersonen. 67 Nationalitäten sind vertreten. Das Angebot geht von Lesen und Schreiben lernen bis zu Sprachkursen für Fortgeschrittene. Der Französischunterricht beinhaltet aber nicht nur Grammatik oder Wortschatz. «Eine Sprache unterrichten heisst auch, die Menschen lehren zu kommunizieren» fügt Marie Thérèse Brembilla an «und sich als Teil einer Gruppe, als zugehörig zu fühlen». Schülerinnen und Schüler, die das Programm absolvieren und die Prüfung bestehen, erhalten ein Fähigkeitszeugnis, ein sehr wichtiger, emotionaler Moment.
20 Jahre: ein wichtiges Jubiläum
Der Espace feiert sein 20-jähriges Bestehen am 14. Oktober 2016 mit einem grossen Fest im Théâtre les Halles in Siders. Die ganze Bevölkerung – Einheimische und Zugewanderte – sind eingeladen, sich am Fest zu treffen. Auf dem Programm: die Vernissage zur Ausstellung “Archives au futur antérieur”, von Künstlern der ECAV, danach ein Konzert “Entre deux continents” mit Célina Ramsauer und Teófilo Chantre und zum Abschluss ein Buffet mit Köstlichkeiten aus aller Welt.
Der Espace Interculturel wird anerkannt von der Stadt Siders, dem Kanton und dem Bund. Entstanden aus einer Gruppe von Leuten, die sich für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen, setzt sich der Verein weiterhin täglich ein, Vorurteile abzubauen und Offenheit und Aufnahme zu begünstigen. Das Gesicht von Maku und ihre Geschichte bleiben präsent und tragen dazu bei, dass dank dem Espace der Blick und das Verständnis für das Andere gestärkt wird.
Espace Interculturel in Siders
20 Jahre Aufnahme und Integration
Realisierung: Canal9/Kanal9 – Marianne Tremblay (Journalist) - Sandra Collet (Regie)
in Partnerschaft mit dem Departement für Gesundheit, Soziales und Kultur (DGSK) und dem Departement für Bildung und Sicherheit (DBS)
Ausstrahlung: Mittwoch, 12. Oktober 2016
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