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Kapitel 12
Die Auferstehung des Phönix
'Viele Auszeichnungen und Ehrungen wurden L. Ron Hubbard angeboten und verliehen. Er nahm einen Ehrendoktortitel der Philosophie an, verliehen in Anerkennung seiner hervorragenden Leistungen mit der Dianetik und als Anregung für die vielen Leuten . . . die sich durch ihn inspirieren liessen, fortgeschrittene Studien in diesem Gebiet aufzunehmen.' (Mission Into Time, 1973)
* * * * *
Anfangs April 1952 verstaute Hubbard seine Sachen auf dem Rücksitz seines gelben Pontiac Kabrioletts und verliess Wichita auf der Kansas Turnpike mit seiner jugendlichen Braut neben ihm auf dem Vordersitz, die er erst vier Wochen zuvor geheiratet hatte. Ihr Zielort war Phönix, Arizona, tausendsechshundert Kilometer nach Westen, wo zuverlässige Helfer außen an einem kleinen Büro an der 1405 North Central Street bereits ein Schild angebracht hatten, das auf das Hauptquartier der Hubbard Association of Scientologists hinwies.
Phoenix wurde so benannt, weil es auf den Ruinen einer alten indianischen Siedlung am Salt River gebaut wurde, und so wie der legendäre Phönix auferstand. Hubbard, der von Wichita mehr als genug hatte, konnte sich keinen geeigneteren Standort für das Auferstehen seiner aussergewöhnlichen neuen Wissenschaft aus den immer noch rauchenden Ruinen von Dianetik ausdenken.
Das Wort Scientology wurde von dem lateinischen scio (im eigentlichen Sinn Wissen) und dem griechischen Logos (bestimmendes Prinzip der Vernunft) abgeleitet. Hubbard glaubte fälschlicherweise, dass es seine eigene Erfindung war, aber seltsamer- und zufälligerweise hatte ein deutscher Gelehrter namens Dr. A. Nordenholz 1934, also fast zwanzig Jahre zuvor, ein obskures Werk philosophischer Spekulation mit dem Titel Scientologie: Wissenschaft von der Beschaffenheit und der Tauglichkeit des Wissens geschrieben. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass Hubbard Dr. Nordenholz plagiierte - das Buch war damals nicht ins Englische übersetzt und Hubbards Deutschkenntnisse waren rudimentär.
Hubbard wollte Scientology als logische Erweiterung von Dianetik einführen, aber sie war unleugbar eine zweckdienliche Entwicklung, da sie sicherstellte, dass er im Geschäft bleiben konnte, selbst wenn die Gerichte schliesslich die Rechte an Dianetik und ihre wertvollen Copyrights 'dieser kleinen Darmblähung' zusprechen sollten, dem verhassten Don Purcell. Die Differenz zwischen Dianetik und Scientology war, dass Dianetik den Körper, Scientology die Seele ansprach. Mit seinem gewohnten Schwulst behauptete Hubbard, daß er 'unwiderlegbare, wissenschaftlich bestätigte Beweise der Existenz der menschlichen Seele entdeckt' hatte. [1]
Um seine neue Wissenschaft zu untermauern, schuf Hubbard eine ganze Kosmologie, deren Essenz war, daß das echte Selbst einer Person ein 'Thetan' genanntes unsterbliches, allwissendes und allmächtiges Wesen war. Da sie bereits vor dem Anfang der Zeit existierten, nahmen die Thetane über Billionen von Jahren Millionen von Körpern an und liessen sie fallen. Sie dachten sich das Universum zu ihrem eigenen Vergnügung aus, aber in der Folge wurden sie so von ihm umgarnt, daß sie dazu kamen zu glauben, daß sie nichts anderes als die Körper waren, in denen sie wohnten. Das Ziel von Scientology war, die ursprünglichen Fähigkeiten des Thetans auf der Stufe eines 'operating thetan oder eines 'O.T.' wiederherzustellen. Es war ein auf der Erde bis jetzt nicht bekannter gehobener Zustand, schrieb Hubbard. 'Weder Lord Buddha noch Jesus Christus waren offensichtlich O.T. - Sie waren nur eine Spur über Clear'. [2]
Während der frühen Sommermonate 1952 verkündete Hubbard die Theorie von Scientology in einer Serie von Vorträgen, die er an der Hubbard Association of Scientologists in Phoenix hielt. Er sprach damit hauptsächlich engagierte Dianetiker an, die wirklich glaubten, dass er ein Genie war und so tendierte das Publikum dazu, etwas unkritisch zu sein. Wenn jedoch die Bestätigung der Kosmologie erforderlich wurde, wurde sie regelmässig von den 'past lives' geboten, die inzwischen ein wichtiges und faszinierendes Merkmal des Auditings waren.
Thetane waren offensichtlich nicht auf dieses Universum begrenzt, Auditing-Sitzungen offenbarten unzählige Berichte über Raumreisen und Abenteuer auf anderen Planeten, die jenen, die auf den Seiten von Astounding Science Fiction zu finden waren, sehr ähnlich waren und zu denen der Gründer der Scientology in letzter Zeit in dieser Weise beigetragen hatte. Ein Bericht beschrieb wie Preclear vor 74'000 Jahren auf einem Planeten eintraf und 'schwarzmagische Kerle' bekämpfte, die Elektronik für üble Zwecke einsetzten. 'Er fliegt nun mit dem Raumschiff zu einem anderen Planeten. Dort wird von Hypnose- und Vergnügungsimplantaten eine Täuschung (in ihrer Wirkung wie Opium) vollbracht, wodurch er zu einer Liebesaffäre mit einem attraktiv als schönes rothaariges Mädchen herausgeputzten Roboter verleitet wird . . . ' [3]
'Past lives' wurden darüberhinaus von der ausschlagenden Nadel am E-Meter bestätigt, das als geeignetes technisches Hilfsmittel mit Begeisterung übernommenen wurde. Erfunden von einem Dianetiker namens Volney Mathison war das E-Meter grundsätzlich ein Gerät, das die galvanische Hautreaktion maß - die Änderungen der elektrischen Leitfähigkeit der Haut, die in Momenten von sogar nur leichter Aufregung oder unter emotionalem Stress auftreten. Er erwies sich als so nützliches Auditingwerkzeug, dass ihm schliesslich die Aura einer fast mystische Kraft verliehen wurde, die geheimsten Gedanken einer Person aufzuzeigen. Es beschaffte auch eine nützliche Einnahmequelle, da jeder etwas auf sich haltende Scientologe sein eigenes E-Meter besitzen wollte und der einzige Ort um sie zu kaufen war die Hubbard Association of Scientologists.
Im Juli gab die Scientific Press of Phoenix (ein weiteres Unternehmen von Hubbard) ein Buch mit dem ursprünglichen Titel What To Audit heraus, das später in The History of Man umbenannt wurde. Vorgestellt als 'kaltblütiger und tatsächlicher Bericht von Ihren letzten sechzig Billionen Jahren', beabsichtigte Hubbard, mit dem Buch das Fundament von Scientology zu begründen und zeigte keinerlei Verlangen, seine Möglichkeiten übermässig bescheiden darzustellen. Mit dem durch Scientology gewonnenen Wissen schrieb er im dritten Abschnitt 'sieht der Blinde wieder, der Lahme geht, der Kranke wird gesund, die Geisteskranken werden normal und die Normalen werden vernünftiger'.
Sogar nach dem Maßstab seiner Science-Fiction beurteilt war The History of Man eines von Hubbards bizarrsten Werken und möglicherweise das absurdeste Buch, das jemals geschrieben wurde, und trotzdem wurde es von seinen Anhängern mit grosser Verehrung aufgenommen. Als eine Mischung aus Mystizismus, Psychotherapie und reiner Science-Fiction war der Inhalt dazu prädestiniert, sich darüber lustig zu machen, was dann auch zwangsläufig passierte. 'Zu sagen, daß es ein erstaunliches Dokument ist, drückt die absonderlichen Qualitäten oder Inhalte von The History of Man nicht angemessen aus . . . ' bemerkte ein Regierungsbericht. [4] 'An komprimiertem Unsinn und Phantasie dürfte es alles bis jetzt geschriebene übertreffen'.
In einem Erzählstil, der zwischen Schülerdichtung und einem pseudowissenschaftlichen medizinischen Aufsatz hin und her schwankte, versuchte Hubbard zu erklären, dass der menschliche Körper sowohl von einem Thetan als auch einem 'genetischen Wesen', oder 'GE' ('genetic entity'), einer Art von minderwertiger Seele mehr oder weniger im Zentrum des Körpers angesiedelt, besetzt wurde. ('Das genetische Wesen kommt offensichtlich etwa zwei Tage oder eine Woche vor der Empfängnis in die Spur des Protoplasmas. Es gibt Beweise, dass das GE tatsächlich doppelt ist, eines dringt mit dem Sperma ein . . . '). Das GE folgte der evolutionären Zeitspur, 'normalerweise auf demselben Planeten', während der Thetan vor etwa 35'000 Jahren nur auf die Erde kam, um die Entwicklung des Urmenschen zum Homo Sapiens zu überwachen. Folglich war das GE einst 'ein menschenähnliches Wesen in den tiefen Wäldern vergessener Kontinente oder eine Molluske, die versuchte an der Küste eines verschwindenden Meeres zu überleben'. Die Entdeckung des GE (Hubbard bejubelte jede phantasievolle neue Idee als eine 'Entdeckung') 'macht es möglich die Theorie der von Darwin vorgeschlagenen Evolution endlich zu bestätigen.
Viel von dem Buch ist einer Neubearbeitung der Evolution gewidmet, angefangen mit 'einem Atom, vervollständigt mit elektronischen Ringen', auf das ein durch kosmischen Einfluss produzierter 'Photonenkonverter' folgte, die erste einzellige Kreatur, dann Seegras, Qualle und Muschel. Dieses Wissen war für Scientologen wichtig, da es ihnen ermöglichte, die Art der Engramme zu identifizieren, die ein GE aufgenommen haben könnte, als es eine prähistorische Lebensform einnahm.
Viele Engramme konnten zum Beispiel zurück verfolgt werden zu Muscheln. Das grosse Problem der Muschel war, dass es einen Konflikt gab zwischen dem Gelenk das öffnen wollte und dem Gelenk das schliessen wollte. Es war leicht, das durch Niederlage des schwächeren Gelenks verursachte Engramm wieder zu stimulieren, erklärte Hubbard, durch Bitten eines Preclears sich als Muschel an einem Strand vorzustellen, die ihre Schale sehr rasch öffnet und schliesst und gleichzeitig mit Daumen und Zeigefinger eine Bewegung des Öffnens und Schliessens zu machen. Diese Geste, sagte er, würde eine große Zahl von Menschen durcheinander bringen.
'Übrigens', warnte er, 'kann sich die Diskussion solcher Vorfälle mit einem nicht in Scientology's GE Eingeweihten verheerend auswirken. Sollten Sie jemandem die "Muschel" beschreiben, könnten Sie sie in ihm in dem Umfang restimulieren, daß schwere Kieferschmerzen auftreten. Es gab einen Fall, daß ein solches Opfer, nachdem es vom Tod einer Muschel hörte, seinen Kiefer drei Tage lang nicht mehr gebrauchen konnte.'
Nach der Muschel kam der 'Weeper (dt: Weinende)' oder 'Boohoo', eine Molluske die eine halbe Million Jahre in der Brandung rollte und beim Atmen Seewasser aus ihrer Schale pumpte, daher ihr Name. Weepers hatte 'Billionen von Missgeschicken', vor allem die Angst, die durch den Versuch verursacht wurde, Luft zu holen bevor sie von der nächsten Welle überschwemmt wird. 'Die Unfähigkeit eines Preclear zu schreien', erklärte Hubbard, 'ist teils ein Steckenbleiben im Weeper. Er ist im Begriff, von einer Welle getroffen zu werden, seine Augen voller Sand oder er hat Angst seine Schale zu öffnen, weil er getroffen werden könnte'. Furcht zu fallen hatte ihre Ursprünge auch im glücklosen Weeper, der häufig von Raubvögeln fallen gelassen wurde.
Wenn man auf der genetischen Zeitspur voranschritt, kam die Evolution zum Faultier, welches 'schlechte Erfahrungen machte indem es von Bäumen herunterfiel', zum Affen und zum berühmten Piltdown-Mensch, der die Ursache für eine Vielzahl von Engrammen war, die sich von der fixen Idee zu beißen bis zu Familienproblemen erstreckten. Diese konnten zur Tatsache zurück verfolgt werden, dass 'die Zähne des Piltdown-Menschen groß waren und er ziemlich unachtsam war bezüglich dessen, wo er zubiß'. Tatsächlich war der Piltdown-Mensch so gleichgültig, registrierte Hubbard, daß er sich manchmal schuldig machte 'neben anderen ein bisschen unlogischen Aktivitäten seine Ehefrau aufzuessen.'
(Bedauerlicherweise für Hubbard wurden nur zwölf Monate nach der Herausgabe von The History of Man die vermeintlichen fossilen Überreste eines primitiven Menschen, der im Kies von Piltdown Common im Süden Englands gefunden wurde, als Fälschung entlarvt. Der Piltdown-Mensch hatte nie existiert. Hubbard beschrieb Engramme, die von GEs einer im Jahr 1912 von Charles Dawson, dem für den Piltdown Betrug verantwortlichen englischen Amateurarchäologen, erfundenen fiktiven frühen Lebensform verursacht wurden.)
Die History of Man driftete in reine Science-Fiction ab, als Hubbard mit der Erklärung zum Punkt kam, wie sich Thetanen von Körper zu Körper bewegten. Thetane verliessen Körper früher als GEs, wie es schien. Während das GE blieb, um den Tod des Körpers zu Ende zu bringen, waren Thetane verpflichtet, zwischen den jeweiligen Leben einer 'Implantierstation' Bericht zu erstatten, wo sie mit einer Vielzahl von Kontrollphasen implantiert wurden, während sie darauf warteten, einen anderen Körper zu übernehmen, manchmal sogar in Wettstreit mit anderem körperlosen Thetanen. Hubbard enthüllte, daß die meisten Implantierstationen auf dem Mars waren, obwohl Frauen gelegentlich woanders im Sonnensystem Rechenschaft ablegen mussten und es eine 'Mars-Implantierstation irgendwo in den Pyrenäen' gab.
Nach der Veröffentlichung der epochalen History of Man hatte Hubbard nicht im Geringsten die Absicht, sich auf seinen zweifelhaften Lorbeeren auszuruhen. Die Hubbard Association of Scientologists und die Scientific Press of Phoenix produzierten 1952 eine wahre Lawine von Veröffentlichungen, einschliesslich einem weiteren Buch Scientology: 8-8008, das nur wenige Monate nach The History of Man erschien. Seine Tradition von kühnen Errungenschaften fortsetzend, schrieb der Autor: 'Mit diesem Buch werden Ärzte, Laien, Mathematiker und Physiker damit bekannt gemacht, nach eigenem Willen den Körper altern zu lassen oder zu verjüngen, der Fähigkeit Krankheit ohne physischen Kontakt zu heilen, der Fähigkeit Geisteskranke und Unzurechnungsfähige zu kurieren.'
Das Lesen beider Bücher wurde für neue Scientologen gefordert und wurden studiert, als ob es ernste wissenschaftliche Lehrbücher wären; dies zeigte den aussergewöhnlichen Einfluss an, den Hubbard auf seine Anhänger auszuüben begann. Nicht-Scientologen konnten nie verstehen, wie er eine Position solcher Allmacht erreichte, aber die Macht, die er ausübte, war keineswegs ohnegleichen. Scientology zeigt die klassischen Eigenschaften einer religiösen Sekte, die Erlösung durch geheimes Wissen anbietet und völlig dominiert wird durch ein Führer, der alleinigen Anspruch über die Quelle des Wissens erhebt. Viele solcher 'manipulierenden Sekten' gediehen in verschiedenen Perioden der christlichen Geschichte. [5]
Es gab auch auffallende Parallelen zwischen Scientology und schrulligeren Pseudowissenschaften wie Phrenologie, der allgemeine Semantik und 'Iris Diagnose' des Grafen Alfred Korzybski, der lehrte, daß alle physischen Gebrechen bereits zuvor durch die Iris diagnostiziert werden könnten. Viele solche Pseudowissenschaften bauten auf eine Struktur wildester Vermutungen und zogen dennoch eine ergebene Gefolgschaft an. Sie waren ausnahmslos die Schöpfung eines einzigen Individuums, von seinen Anhängern als Genie göttlicher Inspiration betrachtet. Absoluter Macht wurde dem Führer zugesprochen, Kritiker wurden verhöhnt, Erfolge lautstark verkündet und Versagen ignoriert. Gegner wurden bedrohend der Hintergedanken beschuldigt, da sie das Vorankommen der Menschheit verhindern wollten - eine von Hubbard häufig geäusserte Klage.
Während Hubbard im Sommer 1952 in Phoenix schrieb und Vorträge hielt, ereignete sich etwas Unerwartetes - sein Sohn L. Ron Hubbard Junior erschien in der Stadt, anscheinend entschlossenen ein Scientologe zu werden. Nibs war damals achtzehn Jahre alt, ein übergewichtiger junger Mann mit strahlendem, engelhaftem Gesichtsausdruck gekrönt durch dünne Locken von mattem orangefarbenem Haar. Er hatte die vergangenen zwei Jahre bei seinen Grosseltern in Bremerton gelebt, schaffte es jedoch nicht an die High-School und beschloß darum, sich seinem Vater in Phoenix anzuschliessen. Mary Sue, die mit ihrer zunehmenden Taille beschäftigt war, erhob keinen Einspruch, als ihr Mann vorschlug, dass Nibs bei ihnen in das moderne Haus einziehen sollte, das sie am Stadtrand nahe Camel Back Mountain gemietet hatten. Und da sie nur ungefähr ein Jahr älter als Nibs war, fühlte sie keinerlei Verpflichtung eine pflichtbewusste Stiefmutter zu sein.
Nibs schrieb sich an einer Korrespondenzschule ein, um zu versuchen seinen High-School Abschluss nachzuholen. Sein Vater verschaffte ihm einen Job bei der Hubbard Association of Scientologists, gleichzeitig organisierte er, dass Nibs intensiv auditiert wurd. Als der Sohn und Namensvetter des Gründer wurde Nibs von anderen Scientologen mit einiger Ehrerbietung behandelt und machte rasch Fortschritte bei der Organisation - er wurde bald als 'Professor' für 'Advanced Clinical Course', einem der Zahlreichen Kurse die ehrgeizigen Scientologen in Phoenix angeboten wurden. Er erwarb auch eine Anzahl zusätzlicher Buchstaben nach seinem Namen, um seinen professoralen Status zu untermauern.
Im September 1952 brachen Hubbard und Mary Sue Phoenix zu ihrer ersten Reise nach Europa auf. Die Reise wurde den Anhängern etwas unlogisch erklärt: 'Unter der konstanten Gewalt des Verräters Don J. Purcell in Wichita und seinem Gefolge, die versuchten Scientology zu übernehmen, wurde Mary Sue krank und um ihr Leben retten, brachte Ron sie nach England'. Es wurde nie dargelegt wie Mary Sue's Leben mit der Reise nach England gerettet werden konnte; da sie im achten Monate schwanger war, wäre es viel sicherer gewesen nicht zu reisen. Aber Hubbard wollte nach London gehen, um die Kontrolle über die kleine Dianetik-Gruppe zu übernehmen, die sich dort spontan gebildet hatte, und Mary Sue bestand darauf ihn zu begleiten. Die ersten Eindrücke der Hubbards von London waren düster. Als sie vom Fluhafen in die City fuhren, waren sie vom Umfang der Bombenschäden schockiert, die sie vom Rücksitz ihres Taxis sehen konnten. Die Leute auf den Straßen schienen freudlos und entmutigt, die Schaufenster waren leer - die Rationierung war immer noch in Kraft - und Hubbard dachte, dass ein Eindruck von 'stiller Verzweiflung' über dem Ort lag. Er selbst war auch still verzweifelt, als er entdeckte, dass keine amerikanische Zigaretten verfügbar waren. Ihre Stimmung hob sich jedoch ein wenig, als das Taxi vor 30 Marlborough Place, Maida Vale, vorfuhr. Das Haus wurde von lokalen Dianetikern für sie gemietet. Es war eine stattliche Villa im Stil der Zeit König Eduards mit hellen, luftigen Zimmern, nicht weit entfernt von Regent's Park und West End.
Zwei Abende später waren Ron und Mary Sue Ehrengäste auf einer von einem Mitglied der Dianetik-Gruppe arrangierten Begrüssungsparty, der nur zehn Gehminuten vom Marlborough Place entfernt ein Appartement hatte. Unter den Gästen war eine Frau namens Carmen D'Alessio die wie die meisten der Anwesenden gestand von Dianetik 'völlig fasziniert' zu sein. Sie war natürlich sehr erwartungsvoll Hubbard kennenzulernen, insbesondere weil sie hoffte, dass er imstande sein könnte, sie von den unerklärlichen Panikanfällen zu heilen, seit denen sie seit ihrer Kindheit litt.
'Mein erster Eindruck war der eines schweren, grossen Mannes mit gerötetem Gesicht und glänzendem, von einer hohen Stirn zurück gekämmtem rotem Haar. Er war ein sehr faszinierender, kräftiger Mann, nicht besonders attraktiv, aber er konnte nicht ignoriert werden. Er dominierte den Abend und redete über Energie, Elektronik, 'tractor beams' und so fort. Ich hörte, wie er sagte, dass er in der Marine war und Schwierigkeiten mit seinem Bein hatte und gewann den Eindruck, dass er von einer Kriegsverletzung sprach.
'Nach dem Abendessen, als wir alle herumsaßen, erzählte ich ihm von meinem Problem, und er begann gleich mich zu auditieren. Ich saß auf einem Sofa an einer Wand und er bat mich etwas zu tun, das die meisten Leute veranlassen würde zu denken, er wäre verrückt, obwohl ich dachte ich wüsste worüber er sprach. Was sagte zu mir: "Gehen sie drei Fuss hinter ihren Kopf" - das waren seine genauen Worte. Ich dachte, ich müsste in die Wand hinein oder in das Zimmer dahinter gehen, aber ich versuchte es in meiner Vorstellungskraft zu tun. Er gab mir eine ziemlich lange Sitzung, alle Herumsitzenden waren völlig still, aber es brachte nichts.'
Nicht lang danach besuchte Carmen D'Alessio Hubbards Einführungsvortrag in seinem Haus am Marlborough Place. 'Etwa 30 oder 40 Menschen waren im Wohnzimmer versammelt und als Hubbard eintrat, war mir klar, dass er eine ganz fürchterliche Erkältung hatte', erinnerte sie sich. 'Er hatte einen hochroten Kopf, weit mehr als normal, er schwitzte mehr als reichlich, seine Augen trieften und er putzte sich fortwährend die Nase. Er sprach offensichtlich wie jemand mit einer Erkältung, aber er sagte uns, daß er an den Folgen litt, seinen Körper verlassen zu haben um einen anderen Planeten zu besuchen. Während er auf dem Boden dieses anderen Planeten vorrückte, sagte er, explodierte etwas wie eine Bombe in sein Gesicht. Jeder nahm das sehr ernst, aber ich glaubte es nicht. Ich dachte, "dieser Mann ist ein kolossaler Lügner". Ich hatte Recht. Eine Krankenschwester lebte gleichzeitig im Haus, weil Hubbards Frau hoch schwanger war. Sie war eine Freundin von mir und sie erzählte mir danach, dass er Grippe hatte. Sie hatte ihm deshalb sogar eine Spritze gegeben.'
Die Krankenschwester sah sich bald gezwungen, ihre Pflegedienste woanders zu leisten: am 24. September, weniger als drei Wochen nach dem Ankommen in London, brachte Mary Sue eine Tochter zur Welt, Diana Meredith de Wolfe Hubbard. Ron telegraphierte die gute Nachricht nach Phoenix und fügte eine knappe Bitte um Zigaretten hinzu: 'SEND MORE KOOLS'.
Miss D'Alessio wurde unterdessen weiterhin von Hubbard auditiert, auf seine Veranlassung hin und trotz einer aufreibenden Erfahrung während einer zweiter Sitzung am Marlborough Place. 'Während ich dort saß und versuchte zu tun, was er mir sagte, öffnete ich plötzlich meine Augen und sah, daß er mir gegenüber saß und leise lachte. Ich mochte das überhaupt nicht'.
Sie war enttäuscht keine Verbesserung ihres Zustands festzustellen. 'Es schien ziemlich nutzlos, es half überhaupt nicht. Zwei oder drei Tage später fühlte ich mich sehr verwirrt, gepiesackt und schlechter Laune. Freunde forderten mich weiterhin auf, Ron anzurufen, aber ich wollte ihn nicht belästigen. Schliesslich rief ihn jemand an und er sagte: "Bringt sie an den Apparat". Er gewährte mir eine lange Sitzung am Telefon, die mindestens zwei, möglicherweise drei Stunden dauerte.
'Zu dieser Zeit war er sehr interessiert an Energie. Er sagte: "Ich möchte, dass Sie sich eine kleine Menge Energie vorstellen, wie ein kleiner Ball und sagen Sie es mir, wenn Sie es getan haben". Dann sagte er: "Lassen Sie es jetzt platzen, bringen Sie es zum explodieren". Dies ging in meiner Vorstellung subjektiv weiter; ich hatte keine Schwierigkeiten es zu tun. Dann sagte er, "Sie haben sie explodieren lassen, sammeln Sie alle wieder zusammen und reduzieren Sie alle zur kleinen Kugel aus Energie, machen sie es jetzt wieder fest". Ich tat das und er sagte, es jetzt wieder explodieren zu lassen". Daraus bestand die ganze Sitzung.
'Nachdem ich dies eine Weile getan hatte, vielleicht eine halbe Stunde, begann mein physischer Körper auf aussergewöhnliche Weise zu reagieren. Er begann aus eigenem Antrieb unbeabsichtigt zu zucken, zuerst ziemlich sanft. Ich erzählte ihm was geschah und er sagte, ich solle mich nicht beunruhigen, sondern fortfahren, das zu tun was er mir sagte. Das Zucken wurde stärker, entglitt beinahe meiner Kontrolle. Ich fühlte mich ziemlich verängstigt, aber er blieb sehr ruhig und sanft. Schliesslich schien es, als ob mein Körper aus dem Stuhl herausgeschleudert würde und ich musste den Stuhl und das Telefon mit aller Kraft festhalten. Ich hätte meinen Körper unmöglich dazu bringen können, das zu tun, was er tat, ich hätte ein Akrobat oder geübter Schlangenmensch sein müssen. Ich dachte, daß mein Herz demnächst platzen würde. Meine Freunde, die im Zimmer saßen und mich beobachteten, waren bestürzt und zutiefst erschreckt.
'Die Explosionen, die zunehmend gewaltiger geworden waren, wurden schrittweise weniger gewaltvoll und schliesslich waren es statt gewalttätiger Explosionen gewaltiger Energie eher wie ein in einen Teich geworfener Stein, der kleine Wellen erzeugte. Die kleinen Wellen wurden sehr angenehm und damit besänftigte sich mein Körper und er wurde ziemlich ruhig, als ob ich an einem heißen Tag in der Sonne läge. Überall in mir waren schöne Farben wie ein Nordlicht, Farben aus dieser Welt, sehr lindernd, harmonisch und sehr erfrischend. Dies ging weiter, bis ich mich ganz in Ordnung fühlte, dann sagte er, daß dies das Ende der Sitzung war'.
Hubbard war von den Ergebnissen, die er mit Carmen D'Alessio erreicht hatte, offensichtlich erfreut und an seinem nächsten öffentlichen Vorträge in einer kleinen Halle nahe des Holland Park forderte er sie auf, dem Publikum von ihrer Erfahrung zu erzählen. Unglücklicherweise begann Fräulein D'Alessio ihren Bericht mit der Beschreibung, wie ihr Herz beinahe stehen geblieben war, worauf Hubbard hastig unterbrach. 'Er wollte nicht, dass ich noch mehr sagte', erinnerte sie sich. 'Er erlaubte nie jemandem, irgendetwas negatives über ihn zu sagen. [6]
Im Oktober wurde eine britische Ausgabe von Scientology: 8-8008 veröffentlicht mit einer Notiz über den Autor von einem ungenannten Herausgeber: 'Manche betrachten seine Arbeit als die einzig bedeutsame Weiterentwicklung des Verstands seit Freuds Abhandlungen im späten 19. Jahrhundert; andere halten sie für das erste anwendbare System östlicher Philosophie in der westlichen Welt. Sie ist von zwei der führenden Schriftsteller Amerikas bezeichnet worden als: "Der bedeutsamste Fortschritt der Menschheit im 20. Jahrhundert" . . . wahrscheinlich hat kein neuzeitlicher Philosoph zu seinen Lebzeiten die Beliebtheit und die Wirkung oder solche Aufsehen erregenden Erfolge wie Hubbard gehabt.'
Ende November kehrte Hubbard mit Mary Sue und dem Baby in die Vereinigten Staaten zurück, um eine Serie von Vorträgen in Philadelphia zu halten, wo Helen O'Brien mit ihrem Ehemann eine Scientology Zentrum auf Konzessionsbasis führten. Sie mußten zehn Prozent ihres Bruttoeinkommens an Hubbard zahlen. Die O'Briens vereinbarten mit Hubbard eine Zahlung von 1000 Dollar für die Vorträge; sie beschafften ihm zusätzlich ein Auto zu seinem Gebrauch und mieteten ein hochmodernes terrassenförmig angelegtes Appartement an der 2601 Parkway, hoch über dem River Drive. Hubbard war damit zufrieden, er erklärt es als den 'Traum eines Science-Fiction Schriftstellers' und gleichzeitig versucht er Helen O'Brien dahin zu drängen, den Mietvertrag zu unterschreiben. Sie kannte ihn zu gut, um sich so erwischen zu lassen. 'Ich sagte ihm, "es ist Ihr Appartement, Sie unterschreiben den Mietvertrag" ', erklärte sie. 'Er war dermassen durchtrieben'. [7]
Hubbard hielt für insgesamt siebzig Stunden Vorträge in Philadelphia vor einem Publikum von achtunddreissig Anhängern, er sprach ohne Vorbereitung oder Notizen während drei Abenden und sechs Nachmittagen jede Woche zwischen dem 1. und 19. Dezember. Jedes Wort wurde auf High-Fidelity-Bänder aufgezeichnet und später profitabel als 'Philadelphia Doctorate Course' vermarktet, zusammen mit einem spiralgebundenen Buch mit den vierundfünfzig Buntstiftzeichnungen, mit denen er seine Reden erläuterte. Viele der siebzig Stunden waren näheren Ausführungen über die Kosmologie von Scientology gewidmet, aber er sprach auch über Möglichkeiten von 'exteriorizing (herausgehen)' aus dem Körper und demonstrierte eine neue Auditing-Technik, 'creative processing' genannt, der 'mock-up' Routine ähnlich, die er an Carmen D'Alessio ausprobiert hatte.
'Was es interessant machte', meinte Fred Stansfield, einer der Studenten an dem Kurs, 'war das Gefühl, dass du an der Geburt einer neuen, sich entwickelnden Wissenschaft beteiligt warst. Es sah aus wie etwas, mit dem du etwas anfangen konntest, nicht nur irgendeine Theorie, die zutiefst nutzlos war'. [8]
Nur ein kleines Problemchen störte den glatten Verlauf des Philadelphia Doctorate Course, als am Nachmittag des 16. Dezembers US-Marshals die Treppen der Hubbard Dianetic Foundation an der 237 North 16th Street in Philadelphia hinaufdonnerten und einen Haftbefehl gegen L. Ron Hubbard schwenkten. Nibs, der anwesend war und etwas vom Talent seines Vaters für Flunkerei geerbt hatte, sollte später von einem sich daraus ergebenden Kampf in 'unglaublichem Wildweststil' erzählen, von zweihundert Scientologen, die sich auf den Treppen mit FBI-Agenten, US-Marshals und Polizisten aus Philadelphia prügelten. [9]
Helen O'Brien kann sich an kein solches Handgemenge erinnern. 'Ich war an der Tür, also weiß ich was geschah. Es gab keinen Kampf. Zwei Detektive in Zivil und ein Polizist in Uniform kamen herein. Ich fragte sie, was sie wollte, und sie sagten "wir sind hier, um Ronald Hubbard zu verhaften". Wir waren stets besorgt wegen Verschwörungen gegen Ron. Ich lief also nach oben und erzählte ihm, was los war. Er ging hinauf in den dritten Stock, aber es gab keine Fluchtmöglichkeit. Einer der Studenten, der nur einen Arm hatte, schwenkte seinen Haken gegen die Polizisten und sie zogen sich ein bisschen zurück, aber sie sagten: "Wir haben einen Haftbefehl für Hubbard bekommen und wir werden ihn mitnehmen". Mein Mann und ich stiegen mit Ron in den Polizeiwagen. Sie nahmen seine Fingerabdrücke und steckten ihn in eine Zelle - es war das einzige Mal, dass er jemals hinter Gittern war. Ich rief meinen Bruder an, der Rechtsanwalt war - und er bekam Rons päter an diesem Nachmittag gegen eine Kaution von 1000 Dollar frei.'
Die Ursache für dieses lästige Problem war Don Purcell, der Hubbard immer noch beharrlich durch die Gerichte verfolgte mit dem Versuch, etwas von seinem Geld zurückzubekommen und die Wichita Foundation im Geschäft zu halten. Als er hörte, dass Hubbard in Philadelphia war, reichte Purcell eine eidesstattliche Erklärung beim Pennsylvania District Court ein, die Ron beschuldigte, zu Unrecht 9286 Dollar von der bankrotten Wichita Foundation abgehoben zu haben. 'Während seiner ganze Dianetik Karriere', bemerkte die eidesstattliche Erklärung, 'zeigte Hubbard das herausragendes Talent persönlich zu profitieren, obwohl seine Firmen und Institutionen üblicherweise Bankrott gingen'. [10]
Hubbard wurde am 17. und 18. Dezember vom Konkursgericht vernommen, stimmte zu Rückerstattung zu leisten und kam frei. Sehr bald danach flog er nach London zurück, wo die Hubbard Association of Scientologists International, oder HASI, ihren Betrieb in einigen ungemütlichen Räumen über einem Laden an der Holland Park Avenue in London West eröffnete. Es waren wenig anziehende Räumlichkeiten für eine Unsterblichkeit anbietende Wissenschaft, für Hubbard war es nicht leicht, eine Basis für Scientology in Grossbritannien aufzubauen. Helen O'Brien erhielt einen verzweifelten Brief von einem Freund, der die HASI Büros in London beschrieb: 'Es lag eine Atmosphäre äußerster Armut und der Andeutung einer grausamen Verschwörung über allem. In der 163 Holland Park Avenue gab es einen schlecht beleuchteten Vortragsraum und ein bloß mit Brettern verkleidetes winziges Büro von etwa 2,5 auf 3 Meter, meist bevölkert von langhaarigen Männern und kurzhaarigen, schmuddeligen Frauen'.
Im Februar 1953 entschied Hubbard, daß es notwendig war, seinen Status bei den phlegmatischen Briten durch den Erwerb einiger akademischer Qualifikationen zu stärken. Er wußte genau, wo diese verfügbar waren - an der Sequoia University in Los Angeles. Die Sequoia 'Universität' war im Besitz von Dr. Joseph Hough, einem Chiro- und Heilpraktiker, der in einem großen Haus in Los Angeles eine erfolgreiche Praxis führte und jedem 'akademische Titel' verlieh, von dem er dachte, dass er sie verdiente. Richard de Mille wurde zu seiner eigenen Überraschung von Sequoia ein Ph.D. [Doktor der Philosophie] verliehen, für ein von ihm verfasstes dünnes Bändchen mit dem Titel 'An Introduction to Scientology'.
Am 27. Februar erhielt de Mille, der damals in Los Angeles lebte, von Hubbard ein dringendes Telegramm aus London: 'BITTE INFORMIEREN SIE DR HOUGH PHD WÄRE SEHR WILLKOMMEN. PERSÖNLICH FÜR SIE. UM GOTTES WILLEN SCHNELL. ARBEITE HIER VÖLLIG ABHÄNGIG DAVON. ANTWORT TELEGRAMM. RON.' De Mille fand Hough absolut einverstanden und antwortete am folgenden Tag: 'PHD GEWÄHRT. HOUGHS BESTÄTIGUNG FOLGT ALS LUFTPOSTBRIEF. VIEL GLÜCK!' Auf diese Weise erwarb Hubbard die Auszeichnung, Buchstaben hinter seinem Namen tragen zu können - ein mysteriöser 'D.D.' [Doktor der Theologie] sollte bald darauf zusammen mit einem 'D.Scn.' folgen.
Aus der Korrespondenz dieser Zeit wird klar, daß Hubbard begann, über die Zukunft von Scientology nachzudenken. Nur wenige der Franchisen in den Vereinigten Staaten machen viel Umsatz. Die Organisation war unkontrolliert zu einer schwerfälligen Ansammlung von Gesellschaften und Gruppen gewachsen, die sich im Land ausbreiteten und zunehmend schwieriger zu kontrollieren waren. Er sah sich auch konfrontiert mit dem schonungslosen, wenn auch geheimen Widerstand des FBI und seines Chefs J. Edgar Hoover. Hoovers Agenten versäumten es nur selten, bei der Beantwortung von Anfragen bezüglich Hubbard zu erwähnen, daß seine frühere Frau behauptete, er sei 'hoffnungslos geisteskrank'. [11]
Anfangs März schrieb Hubbard aus London an Helen O'Brien und bat sie darum, nach Phoenix zu gehen, dort den Verlagsbetrieb zu schliessen und das ganze nach Philadelphia zu übersiedeln. Am Tag ihrer Ankunft erfuhr sie, daß Diebe in Hubbards Haus am East Tatem Boulevard, in der Nähe des Camel Back Mountain, eingebrochen hatten. Sie fuhr hin und fand das Haus geplündert vor. Obwohl sie keine Ahnung hatte, was gestohlen worden war, nahm sie an, daß die Diebe das sagenhafte Manuskript von Excalibur gesucht hatten. Zwei Schusswaffen waren jedenfalls verschwunden; sie meldete deren Seriennummern dem FBI.
Mit ihrer gewohnten Effizienz packte O'Brien das 'Kommunikations-Zentrum' zusammen und transportierte alles nach Philadelphia. Sie übernahm die Chefredaktion der zweimonatlichen Zeitschrift Journal of Scientology, die der wichtigste Kommunikationskanal zwischen Hubbard und seinen Anhängern war. Allerdings war das Redigieren der Zeitschrift keine sonderlich schwere Aufgabe, weil Hubbard fast alles selbst schrieb. (Jedes Mal, wenn er eine seiner eigenen wunderbaren Arbeiten über alles loben wollte, unterschrieb er den Artikel mit 'Tom Esterbrook'.)
Am 10. April schrieb Hubbard einen weiteren langen Brief an Helen O'Brien, der die Möglichkeit erörterte, eine Kette von HASI Kliniken oder 'Spiritual Guidance Centers' aufzubauen. Sie könnten so 'wirklich Geld' machen, bemerkte er, wenn jede Klinik mit zehn oder fünfzehn Preclears in der Woche rechnen könnte, von denen jeder 500 Dollar für vierundzwanzig Stunden Auditing zahlen würde. Er hatte zuvor eindeutig die Überlegungen erörtert, Scientology in eine Religion umzuwandeln. 'Ich erwarte Ihre Reaktion zum religiösen Gesichtspunkt', schrieb er. 'Nach meiner Meinung werden wir uns damit keine schlechtere öffentliche Meinung einhandeln als wir sie bereits haben oder weniger Kunden haben für das, was wir verkaufen. Eine religiöse Satzung könnte in Pennsylvania und NJ notwendig sein um es zustande zu bringen. Aber ich bin sicher, ich könnte es'.
Möglicherweise angeregt von solchen Überlegungen zeigte Hubbards nächste herausgegebene Arbeit ausgesprochen alttestamentliche Einflüsse. The Factors war eine Kurzfassung seiner '30-jährigen Untersuchungen' des menschlichen Geistes und des materiellen Universums: 'Nr. 1: Vor dem Anfang war eine Ursache und der ganze Zweck der Ursache war die Erschaffung einer Wirkung'. Am Ende der dreissig Faktoren stand ein Abschiedsgruss, 'demütig der Menschheit als Geschenk angeboten von L. Ron Hubbard.'
Drei Wochen später schrieb der 'demütig der Menschheit Geschenke Anbietende' an Helen O'Brien in einer eher weniger frommen Art über ein besonderes Mitglied der Spezies Mensch, die damit fortfuhr ein Stachel in seinem Hintern zu sein - Don Purcell. 'Die offensichtliche Absicht von Purcell ist, durch öffentliche Gehässigkeiten Dianetik anzugreifen und alles soweit es ihm möglich ist zunichte zu machen, was ihm, wie er denkt, ein Monopol für die Sache überlassen wird. Es ist ziemlich offensichtlich, dass dieser Mann früher oder später. . . - er ist wahrscheinlich aufgrund seines Geschäftsgebarens der meist gehasste Mann der Stadt Wichita - auf jemanden trifft, der wahnsinnig genug ist ihm eine Kugel zu verpassen, . . . der Mann ist offenkundig geisteskrank. Er hat die Aufarbeitung oft vehement abgelehnt. Er ist so ungefährlich wie ein tollwütiger Hund . . . die einzig überraschende Seite von alledem ist, dass die amerikanische Öffentlichkeit durch ihre Aufmerksamkeit für Purcell und was er sagt, ihre vollständige Unfähigkeit und ihren Wunsch demonstriert, betrogen zu werden'.
Ende Mai kündigte Hubbard seine Absicht an, auf dem Kontinent etwas mehr Interesse an Scientology zu erwecken und er verließ London mit dem Auto in Richtung Spanien, mit Mary Sue, die vor kurzem entdeckte dass sie wieder schwanger war, und dem acht Monate alten Baby Diana. Sie blieben erst in Sitges, einem kleinen Ort an der Mittelmeerküste, dann fuhren sie weiter südwärts nach Sevilla. Scheinbar unternahmen sie nichts anderes ausser die verlängerten Ferien zu geniessen, obwohl Helen O'Brien, die faktisch Scientology in den Vereinigten Staaten am laufen hielt, fortwährend lange, weitschweifige Briefe in Hubbards unordentlicher Kritzelei erhielt.
Am 19. Juli schrieb er einen neunseitigen Brief, in dem er sie darum bat, einen ihrer 'elektronisch übereifrigen' Freunde dazu zu bringen, eine aussergewöhnliche Maschine zu bauen von der er meinte, daß er damit fähig wäre Wahnsinn zu heilen. Das Gerät sollte als gewöhnliche Aktentasche getarnt sein mit einem in den Verschluss integrierten Auslöser und es sollte in der Lage sein, einen konzentrierten Ultraschallstrahl abzugeben, alternierend in etwa zwischen der Atmungs- und Herzfrequenz, um so eine Hypnose herbeiführen. Er wollte in der Lage sein, sagte er, mit seiner geheimen Maschine in ein Sanatorium zu gehen, einem geisteskranken Patienten gegenüberzutreten und ihn in einigen Sekunden normal zu machen. Er schrieb: 'Dies würde das unmittelbare Ende des psychiatrischen Widerstands gegenüber Scientology bedeuten'. O'Brien sollte die Maschine als Angelegenheit erster Dringlichkeit beschaffen und sie zu ihm per Luftfracht nach Spanien senden mit einer gefälschten Erklärung ihrer Funktion zu Handen der Zollbeamten.
Am 15. August schrieb er erneut und bat sie, sich zu vergewissern, daß die Maschine dann fertig würde, wenn er Mitte September in die Vereinigten Staaten zurückkam. Er fügte hinzu, daß er mit Kindern sehr erfolgreich gearbeitet hatte: 'Ich kann Kinder, die gelähmt waren, in einigen Minuten zum Gehen bringen . . . ich kann jeden Fall lösen und den Leuten beibringen, jeden Fall ohne Scheitern zu lösen. Ich kenne den Verstand, wie ein Geometer eine Landkarte kennt. Das macht mich frei, wie der dienstbare Geist aus der entkorkten Flasche.'
Der 'Flaschengeist' kehrte Ende September nach Philadelphia zurück, rechtzeitig um am dreitägigen International Congress of Dianeticists and Scientologists im Broadwood Hotel zu sprechen. Mit mehr als dreihundert teilnehmenden Delegierten war das Ereignis ein grosser Erfolg, aber um diese Zeit waren die Organisatoren, Helen O'Brien und ihr Ehemann, erschöpft und ernüchtert. Sie tanzten beinahe das ganze Jahr nach Hubbards Pfeife und erhielten wenig dafür. 'Sobald wir für Hubbards Interessen verantwortlich wurden', berichtete Helen O'Brien, 'begannen die Feindseligkeit, er misstraute und betrog uns, schoß pausenlos aus dem Hinterhalt'. Sie hatten keine Lust mehr so weiterzumachen und traten zurück. Helen O'Brien sollte sich für immer an ihre bedauernden Abschiedsworte erinnern: 'Sie sind wie eine Kuh, die einen guten Eimer voll Milch gibt, um ihn mit einem Fusstritt umzuwerfen'.
Im Oktober und November hielt Hubbard Vorträge vor der Hubbard Association in Camden, New Jersey, nur gerade durch den Delaware River von Philadelphia getrennt. Mary Sue wäre normalerweise an jedem Vortrag anwesend gewesen, aber sie wurde durch ihre Schwangerschaft und den endlosen Forderungen eines lebhaften Kleinkinds gezwungen, die meiste Zeit zu Hause zu verbringen - nun in einem weiteren gemietetes Haus, diesmal in Medford Lakes, etwa zwanzig Meilen von Camden. Nibs, der kürzlich seine langjährige Freundin Henrietta in Los Angeles geheiratet hatte, kam auf Besuch und bekam einen Job in der 'Org' von Camden, eine scientologische Abkürzung für Organisation.
Die Hubbards kehrten an Weihnachten nach Phoenix zurück, ins Haus bei Camel Back Mountain und am 6. Januar 1954 gebar Sue ihr zweites Kind, einen Sohn namens Geoffrey Quentin McCaully Hubbard.
Der Dienste von Helen O'Brien beraubt, versuchte Hubbard, Richard de Mille zurück in den Stall zu locken, aber nur um festzustellen, dass auch er desillusioniert war. 'Ich wollte die wahre Antwort für alles finden', erklärte De Mille, 'aber ich mochte all die Widersprüche nicht und wurde immer skeptischer gegenüber der ganzen Sache. Es gab eine konstante Pyramide von Angeboten, aber die Ergebnisse waren immer unzulänglich. Die Antwort für den Mangel war, dass wir keine einzelne Stufe vollständig richtig gemacht hatten, aber wir haben eine andere Stufe, die diesmal die richtige sein sollte.
'Als Hubbard mich anrief und sagte, "ich vermisse Sie. Warum kommen Sie nicht zurück?" war ich ein wenig kritisch und drückte meine Skepsis aus. Seine Reaktion war typisch. "Wer hat dich angestesteckt, Dick?" fragte er. Für ihn gab es nicht so etwas wie einfach nicht überzeugt zu sein.'
Trotz aller Absagen gedieh Scientology in Phoenix so gut, daß im April 1954 das HASI in luxuriöse neue Räume in einem Eckhaus an der 1017 North Third Street umzog. Früher ein Wohnhaus, hatte das neue Hauptquartier breite Veranden mit Säulen im spanischen Stil, die sowohl im ersten als auch im zweiten Stock Schatten gegen die glühende Sonne Arizonas spendeten. Auf der Aussenseite war ein von Palmen umgebener großer Parkplatz. Im Innern gab es einen Vortragssaal mit den neusten Einrichtungen für Tonaufnahmen, mehr als zwanzig Auditingräume, komfortable Büros für die leitenden Angestellten und ein Schwimmbad. In einer Broschüre, die zur Feier des Umzugs gedruckt wurde, war ein Bild eines strahlenden L. Ron Hubbard C.E., D.Scn., D.D. auf der Innenseite des vorderen Buchdeckels zu finden, einen ebenso strahlenden L. Ron Hubbard Jr H.G.A., D.Scn. Gab es auf der Innenseite des hinteren Buchdeckels. 'Zehntausend Jahre denkender Menschen haben diese Wissenschaft möglich gemacht' verkündete die Einführung. 'L. Ron Hubbard hat mehr als 30 Jahre damit verbracht, Dianetik und Scientology bis zum Punkt praktischer Anwendung zu vervollkommnen'.
Das Haus bei Camel Back, wo die Hubbards eine ungewohnte Periode längeren Aufenthaltes genossen, wurde zum Sammelplatz für diejenigen Höflinge, die zur Zeit besonders in Gunst standen. Einer von ihnen war ein Engländer namens Ray Kemp, der keinen Zweifel daran hatte, daß Hubbard übernatürliche Kräfte besaß. 'Er konnte zweifellos Wolken am Himmel bewegen', sagte Kemp. 'Ich sah, wie er das tat. Wenn viele kleine bauschige Wolken im Himmel waren, konnte er eine in einer Richtung und eine in einer anderen bewegen und sie dann dazu bringen sich zu verbinden. Es war nichts Ungewöhnliches für ihn; es war nur eine vergnügliche Sache'.
Kemp erzählte gerne, daß er Scientology in einem Papierkorb gefunden hatte. Er leistete als Radartechniker der Royal Navy auf Malta Dienst und suchte in einer langweilen Stunde etwas zu lesen, als er ein weggeworfenes Exemplar von Astounding Science Fiction entdeckte. Es war die Ausgabe mit dem Dianetik-Artikel. Er las sie begierig, kaufte dann das Buch und schrieb sich für einen Auditingkurs an der Holland Park Avenue ein, als er kurz darauf in London auf Urlaub war. 1954 machte er sich auf nach Phoenix, wo er als Auditor für die Org arbeitete.
'Ich verbrachte einiges an Zeit mit Ron und Mary Sue draussen in Camel Back. Wir tauschten Kriegsgeschichten aus und versuchten einander mit Seemannsgarn zu übertreffen. Er war ein wunderbarer Geschichtenerzähler und er konnte zu welcher Sache auch immer stets eine passende Geschichte finden. Ich denke nicht, daß er jemals erwartete, daß ich seine Kriegsgeschichten ernst nahm, obwohl ich wusste, daß er verwundet worden war, weil er eines Nachts über Schmerzen in seiner Seite klagte und als er aufstand fiel ein kleines Schrapnellstück aus seinem Hemd. Er sagte, daß sowas oft geschah - noch in seinem Körper vorhandene Schrapnellsplitter arbeiteten sich langsam heraus'.
'Eine der Sachen, die er gerne machte, war Motorradfahren - er hatte eine Indian, ein wahres Ungetüm - draussen in der Wüste. Er spielte ein Spiel, dass er point to point [Querfeldein] nannte. Er wählte eine Stelle am Horizont und fuhr darauf los, möglichst geradeaus, ohne abzuweichen, ohne Rücksicht auf das was im Weg war, ein Kaktus oder was auch immer. Nibs und Dick Steves, beide von der Org, pflegten ihn auf ihren Motorräder zu verfolgen, aber Rons bevorzugter Trick war, hinter sich eine Staubwolke zu erzeugen. Das ist ein anderes Ding das er konnte, Staubwolken zu beeinflussen. Er konnte sie aufwühlen und herumbewegen nach seinem Willen. Ich sah oft, wie er dies machte'. [12]
Ray Kemp veranschaulicht die Neigung unter Hubbards Jüngern, Mythen um ihn herum aufzubauen. Es gab auch eine deutliche Tendenz, alles was er sagte als Evangelium zu betrachten, was häufig zu Missverständnissen führte, da Hubbard gerne Witze machte. Einmal machte während eines Vortrags in Phoenix einen Witz über einen 45er Colt als eine 'enorm wirksame' Methode zur Exteriorisation. Da dieses lächerliche Stück Weisheit verbreitet wurde, entstand die Geschichte, daß Hubbard während des Vortrags eine Waffe gezogen habe und eine Ladung in den Boden schoß. Nibs schwor später, daß er das Loch in den Dielen gesehen hatte.
Jack Horner schloß sich in diesem Sommer 1954 dem Kreis um Hubbard an. Wie manche der frühen Dianetiker stritt er sich mit Hubbard - in seinem Fall, nachdem Hubbard ihn beschuldigte, die Konten zu frisieren, aber typischerweise wollte er ihn dann auch nicht gehen lassen. Er gab vor, daß er in Phoenix war um einige Freunde zu sehen, die für die Org arbeiteten und begegnete dabei natürlich Hubbard.
'Er fragte mich, was ich mache, und ich sagte "Unterrichten lernen"., Er meinte "wir bringen das bald in Ordnung" und er begann auf der Stelle ein Verfahren mit mir. Er forderte mich auf, zu gehen und bestimmte Dinge im Raum zu berühren und dann mich an einen Schreibtisch zu setzen. Dann sagte er "Und jetzt berühren Sie ihn" und ich wusste genau, was er meinte. Während ich dort saß, ertappte ich mich plötzlich dabei, wie ich die Unterseite des Schreibtisches anschaute. Ich hatte eine klare, bestimmte Wahrnehmung von mir ausserhalb meines Körpers. Ich sagte "Oh mein Gott, ich habe meinen Körper verlassen"! An diesem Punkt wusste ich, was er mit Exteriorisation meinte.
'Später, als ich für ihn arbeitete und in Phoenix Forschung betrieb, war ich spät an einem Nachmittag draussen in seinem Haus mit Jim Pinkham, der alle Tonaufnahme bei der Org machte, als jemand an die Tür klopfte. Ron ging und redete draussen etwa fünf Minuten mit einem Typen und kam mit einem Grinsen in seinem Gesicht zurück. Er sagte, daß der Typ an der Tür ihm einen Scheck über 5000 Dollar für ein Exemplar von Excalibur geben wollte. Dann er lachte laut und sagte "einer dieser Tage, die mich dazu bringen werden, es zu schreiben". Wir lachten uns kaputt. Es war das einzige Mal, dass Ron jemals zugab, daß es dieses Buch gar nicht gab.
'Für uns war das alles nicht allzu wichtig. Von unserem damaligen Standpunkt aus war Scientology das einzige Spiel in der Stadt und es war Rons Spiel. Es war wie den Mond erforschen, wie an einem Weltraumprogramm beteiligt zu sein, außer daß wir statt den Weltraum den Verstand erforschten. Religion brachte es nicht, Psychologie brachte es auch nicht. Wenn Ron unglaubliche Geschichten über sich erzählen wollte um sich selbst gut aussehen zu lassen, was soll's? Wir waren darüber mitnichten beunruhigte. Sein Genialität überwog seine Verrücktheit'. [13]
Viele von Rons glühendsten Bewunderern, einschliesslich Horner, fanden es schwierig, Mary Sue in ihre Hingabe einzubeziehen. 'Ich hasste sie', sagte Horner. 'Sie war eine wirklich verschlossene Baptistin. Eine Nacht geriet ich mit ihr in Streit, weil sie meine Freundin eine Hure nannte. Ich griff sie daraufhin massiv verbal an und Hubbard warf mich aus dem Haus'.
Hubbard sollte nie irgend jemandem erlauben, Mary Sue zu kritisieren, und obwohl er öffentlich selten große Zuneigung zu ihr zeigte, schien es, nach zwei gescheiterten Ehen und unzähligen Affären, daß er endlich eine stabile Beziehung gefunden hatte, so unwahrscheinlich es anfänglich erschien. Sie waren wirklich ein unmögliches Paar - ein extravaganter, schnell redender extrovertierter Unternehmer in den Vierzigern und eine ruhige, ernsthafte junge Frau zwanzig Jahre jünger aus einer Kleinstadt in Texas. Aber jeder der Mary Sue unterschätzte machte einen grossen Fehler. Obwohl sie noch keine vierundzwanzig Jahre alt war, übte sie innerhalb der Scientologybewegung beträchtliche Macht aus - die Leute um Hubbard herum lernten schnell, ihr gegenüber vorsichtig zu sein. Äußerst loyal gegenüber ihrem Mann, schroff und selbstherrlich, konnte sie ein gefährlicher Feind sein. Sie hatte auch ein bemerkenswertes Talent zur Mutterschaft; nur vier Monate nachdem Quentin geboren wurde, war sie wieder schwanger.
Im Juni produzierte die Hubbard Association of Scientologists International eine phantasievolle Neubearbeitung von Hubbards Biographie in einem Brief an das Better Business Bureau in Phoenix, eindeutig dazu bestimmt das Ansehen von HASI in der Stadt zu verbessern. Viele neue Information wurde einbezogen, nicht alles davon ganz verständlich.
Vom mysteriösen Commander Tompson [sic], zum Beispiel, wird in dem Brief gesagt die 'Psychoanalyse in der US-Marine zum Gebrauch bei Flugoperation eingeführt' zu haben. Ein Dr. William Alan White, Superintendant von St Elizabeth, einem Krankenhaus der Regierung in Washington, gab seinen Einstand als jemand unter dem Hubbard ausgebildet wurde und eine Erwähnung von einem bislang unerwähnten Buch wurde gemacht: 'Im Jahr 1947 gab Hubbard ein Buch für die Gerontological Society und die American Medical Association heraus, mit dem Titel Scientology. Eine neue Wissenschaft'.
Diese nicht existente Veröffentlichung, so schien es, wurde 'höflich angenommen', aber daraufhin folgende Ereignisse hatten sich gegen den Wissenschaftsautor verschworen. Wie 'fast jeder Kernphysiker' hatte er oft Science-Fiction geschrieben, 'zum Vergnügung', aber skrupellose Verleger nutzten diese Tatsache aus. Während der arme Ron nichts für sich wollte als in Frieden gelassen zu werden, um seine Studien und Forschungen fortzusetzen, wurde er unter Druck gesetzt, um ein populäres Buch für Hermitage House zu produzieren, das dann 'unklugerweise' einen Artikel in einem Schundmagazin veröffentlichte. Die traurige Geschichte fuhr damit fort, dass Hubbard stets von jedermann ausgenutzt wurde, alle ausser Ron versuchten aus seinen Entdeckungen Geld zu machen und seine boshafte, getrennt von ihm lebende Frau drohte damit, 'sehr viel Staub' aufzuwirbeln.
Die Biographie fand jedoch einen glücklichen Ausgang in der Hubbard Association of Scientologists in Phönix - die erste Organisation in dem Bereich, die unter Hubbards alleiniger Kontrolle war und deshalb unbeeinträchtigt durch all die vorherigen Beeinflussungen war. Sie hatte einen zweijährigen Rekord an gutem Ruf und Verantwortung aufgestellt, ihre Rechnungen prompt bezahlt 'wie jedes Unternehmen in Phönix mit welchem gehandelt wird bestätigen kann' und sie verfolgte einer Politik des ruhigen, ordentlichen Geschäfts. Es war beabsichtigte, Scientology bald 'als öffentliche Dienstleistung' Behinderten verfügbar zu machen.
Der Brief wurde von John Galusha, dem Sekretär des HASI Aufsichtsrats unterschrieben. Er war zweifelohne im guten Glauben geschrieben, weil Galusha ein äusserst anständiger, zutiefst engagierter Scientologe war. Er hatte bei der Eisenbahn in Colorado gearbeitet, als er zum ersten Mal von Dianetik hörte - und er hatte sich mit ganzem Herzen hingegeben. 'Ich dachte, dass es ein Privileg war, für Ron zu arbeiten', sagte er. 'Vielleicht war er ein Scharlatan und ein Lügner - das interessierte mich nicht. Der Punkt war, dass die Tech gut war. Sie funktionierte'. [14] Die 'Tech' war das gewöhnlich benutzte Kürzel für das, was Hubbard, der Ingenieur, gerne als 'die Technologie' von Scientology beschrieb.
Galusha konnte Hubbard nicht besonders gut kennen, nur sehr wenige Leute taten es. Jack Horner erinnerte sich an eine seltsame Bemerkung, die Hubbard einmal machte: 'Wir waren auf der Rückseite seines Hauses, und er entleerte den Kühler seines Autos, weil es in dieser Nacht offenbar sehr kalt werden konnte. Ich sagte zu ihm "Ron, sie wissen dass es nett wäre, wenn wir bessere Freunde sein könnten". Es gab für einen Moment Stille, dann antwortete er "ja, es wäre nett, aber ich kann keine Freunde haben"'.
Für Hubbard kamen 1954 die besten Nachrichten gegen Ende des Jahres, als er aus Wichita hörte, daß Don Purcell den Kampf um die Kontrolle von Dianetik aufgab. Purcell war den scheinbar endlosen Rechtsstreit und die konstanten Angriffe von Scientologen müde geworden. Er zeigte auch Interesse an einer Synergetics genannten Seitenlinie von Dianetik und als er beschloß, seine zukünftigen Mittel für Synergetics zu bestimmen, gab er Hubbard die Copyrights und Adresslisten der Wichita Foundation zurück; er war offensichtlich froh, sich von dem Mann zu lösen, den er einmal als seinen Erlöser betrachtet hatte.
Purcells Rückzug hätte zu keinem passenderen Moment kommen können. Mit Dianetik und Scientology endlich fest unter seiner Kontrolle war Hubbard bereit, seinem eigenen oft ausgedrückten Rat zu folgen: 'Wenn jemand wirklich eine Million Dollar machen wollte, wäre es am besten eine Religion zu gründen'.
[1] Was ist Scientology?, 1978 ed.
[2] Ability no. 81, 1959
[3] Haben sie vor diesem Leben gelebt?, ed. L. Ron Hubbard, 1968
[4] Untersuchungsbericht zu Scientology, Bundesstaat Victoria, Australien, 1965
[5] Religiöse Sekten, Bryan Wilson, 1970
[6] Interview mit Carmen D'Alessio, London, Jan. 1986
[7] Interviews mit Helen O'Brien
[8] Interview mit Fred Stansfield, Burbank, Juli 1986
[9] Zeugenaussage von L. Ron Hubbard Jr. bei den Clearwater Anhörungen, Mai 1982
[10] Bankrott Nr. 23747, Federal Records Center, Philadelphia
[11] Brief aus dem Büro von J. Edgar Hoover an Senator Homer Ferguson, 2. März 1953
[12] Interview mit Ray Kemp, Palomar, CA., August 1986
[13] Interview mit Horner
[14] Interview mit Galusha, Denver, Colorado, März 1986