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Religionsanthropolog_innen untersuchen, wie religiöse Vorstellungen soziale Praxis strukturieren und wie Religion mobilisiert wird, um die Welt zu deuten und zu beeinflussen. Die Religionsanthropologie entstand aus der Einsicht, dass Vorstellungen übernatürlicher, mächtiger Wesen und beseelter Gegenstände und deren Beziehungen zu menschlichen Gemeinschaften in schriftlosen Gesellschaften universell verbreitet sind. Religion wurde fortan nicht mehr als Phänomen verstanden, das an „heilige Schriften“ gebunden ist und somit auf „höhere“, d.h. staatlich organisierte Gesellschaften eingeschränkt werden kann. Vielmehr erkannten Evolutionisten wie E.B. Tylor und George Frazer im „Animismus“ die Basis früher Kulturen und bis heute jeglicher Religion. Phänomene wie Ahnenkult, Tabus, Schamanismus, Totemismus, Magie und Hexerei und die mit ihnen verbundenen Mythen und Rituale wurden als Ausdrucks- und Praxisformen solcher „primitiver“ religiöser Vorstellungen ethnographisch untersucht.
Heute erforschen Religionsanthropolog_innen unter anderem, wie indigene und andere lokalisierte religiöse Vorstellungen in Anbetracht globaler Hegemonieansprüche der verschiedenen Schriftreligionen zur Behauptung lokaler Identitäten beitragen, indem sie den Schriftreligionen Widerstand leisten oder sie sich umdeutend aneignen.
Am Institut läuft zurzeit eine Forschung zur Revitalisierung des Tarantismus in Süditalien. In zahlreichen weiteren Projekten stellen Auseinandersetzungen zwischen und innerhalb von Religionen bedeutende (Neben)-Schauplätze der ethnographischen Untersuchungen dar. Religionsanthropologische Fragestellungen ziehen sich in gleicher Weise als Querschnittsthema durch die verschiedenen Studienprogramme.