Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/123762

<h2>SubmittedText<h2><p>Neue geologische Such- und Analysetechniken haben kürzlich gezeigt, dass tief unter der Jurakette ein grosses Erdgasvorkommen schlummern könnte. Dieses Vorkommen reicht offenbar von Bourg-en-Bresse in Frankreich bis in den Berner Jura. Am grössten ist die Chance, ein solches Vorkommen zu entdecken und zu fördern, im Neuenburger Jura, insbesondere im Val-de-Travers.</p><p>Nach einer ersten Schätzung könnte das Erdgasvorkommen im Val-de-Travers 20 Milliarden Kubikmeter förderbaren Gases umfassen. Das entspricht dem gesamten Gasverbrauch der Schweiz in sieben Jahren und würde damit zur Unabhängigkeit und zur Energiesicherheit des Landes beitragen.</p><p>Die wasserundurchlässigen Schichten, die über dem möglichen Gasvorkommen liegen, haben auch Eigenschaften, die nötig sind, um grosse Gasvolumen lagern zu können. Sie könnten also dazu dienen, strategische Reserven anzulegen, die zurzeit in der Schweiz, im Unterschied zu Nachbarländern wie Frankreich, fehlen. Solche natürlichen Lagerstätten könnten einerseits Lücken bei den Erdgaslieferungen aus politisch instabilen Regionen überbrücken und andererseits erlauben, im Sommer Gas einzukaufen, wenn die Preise tiefer sind.</p><p>Ein Unternehmen hat Forschungsbewilligungen in den Kantonen Neuenburg, Waadt und Bern sowie im angrenzenden Frankreich erhalten. Diese Gesellschaft plant im Kanton Neuenburg eine Sondierbohrung bis in eine Tiefe von 2300 Metern. Die laufenden Studien haben zum Ziel zu zeigen, dass die Gefahren durch die zum Einsatz gelangende Technik und die Kontrollmassnahmen, die ergriffen werden sollen, in Schach gehalten werden können.</p><p>Zu präzisieren ist, dass die zur Bohrung und zur Förderung übliche Technik nichts mit derjenigen zu tun hat, mit der Schiefergas gefördert wird und die verschiedene Länder, darunter auch die Schweiz, wegen ihrer Auswirkungen auf die Umwelt verboten haben. Erdbeben, wie sie durch die Geothermiebohrung in der Region von Basel ausgelöst wurden, sind ebenfalls ausgeschlossen, weil die Beschaffenheit des Gesteins und die eingesetzte Technik komplett anders sind.</p><p>Bisher dachte man immer, allfällige Gasvorkommen in der Schweiz liessen sich wohl kaum nutzen. Deshalb gibt es in der Schweiz einen Mangel an Fachwissen für die Beurteilung einer solchen Tiefenbohrung. Andernorts in Europa werden solche Bohrungen aber häufig vorgenommen, ohne dass dadurch Schäden entstünden. Die - absolut tragbaren - Risiken, die mit einem solchen Projekt verbunden sind, sind den beträchtlichen Vorteilen gegenüberzustellen, die die Entdeckung eines Erdgasvorkommens für die Schweiz hätte, namentlich jetzt, wo der Bundesrat den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen hat und eine neue Energiestrategie ausarbeitet.</p><p>Darum stelle ich dem Bundesrat folgende Fragen:</p><p>1. Wie schätzt der Bundesrat das Potenzial des Erdgasvorkommens in der Schweiz ein? Kann dadurch die Energiestrategie des Bundesrates in gewissen Punkten beeinflusst werden?</p><p>2. Begünstigt das geltende Recht seiner Auffassung nach den Ausbau dieser Energiequelle? Welche Faktoren würden die Machbarkeit vergrössern?</p><p>3. Erlaubt es nach Ansicht des Bundesrates die gegenwärtige Situation den Regionen, die solche Erdgasvorkommen aufspüren könnten, diese rentabel zu nutzen und damit die Akzeptanz der Bevölkerung zu stärken?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Bisher hat die Suche nach Erdgas- und Erdöllagern auf dem Gebiet der Schweiz eher bescheidene Resultate ergeben. Die momentanen Kenntnisse über die mutmasslichen Erdgasvorkommen in der Schweiz sind sehr dürftig. Es ist deshalb zu früh, ihr Potenzial und ihre Bedeutung für die Energieversorgung unseres Landes zu beurteilen. Das Vorhandensein wirtschaftlich nutzbarer Vorkommen bleibt hypothetisch.</p><p>Deshalb erachtet der Bundesrat eine mögliche Anpassung seiner Energiestrategie als verfrüht. Er anerkennt jedoch, dass eine Nutzung der einheimischen Gasvorkommen die Qualität und die Sicherheit unserer Energieversorgung verbessern könnte. Auch bietet die Einrichtung unterirdischer Lagerstätten in geeigneten geologischen Formationen oder in den Fels gegrabenen Kavernen Vorteile für die Versorgungssicherheit. Sie würde die Optimierung unserer Einkäufe und Einfuhren von Erdgas sowie den Ausgleich von Lieferengpässen ermöglichen, aus welchen Gründen auch immer diese entstehen könnten.</p><p>2. In der Schweiz sind die Kantone für die Suche und die Nutzung von Bodenschätzen zuständig. Der Bundesrat sieht keine Notwendigkeit für eine Änderung des bestehenden verfassungsrechtlichen Rahmens. Er betont aber, dass die Kantone u. a. die bundesrechtlichen Vorschriften im Arbeits- und im Umweltrecht sowie bezüglich der Sicherheit beachten müssen. Eine freiwillige Harmonisierung der kantonalen Gesetze wäre dagegen denkbar, falls sie von den betroffenen Akteuren gewünscht wird. Dies würde auch mögliche Probleme lösen, die mit der Nutzung der Lagerstätten verbunden sind, welche die Kantonsgrenzen übertreten. Im Weiteren beteiligt sich die Schweiz an dem Vorstoss der Internationalen Energie-Agentur "Goldene Regeln für ein goldenes Zeitalter des Erdgases" ("Golden Rules for a Golden Age of Gas"), um von den Erfahrungen anderer Länder auf diesem Gebiet zu profitieren. Sollten die Kantone die Unterstützung des Bundes beantragen, um beispielsweise tiefe Sondierungs- und Förderungsbohrungen bezüglich Erdgasvorkommen oder anderer Ressourcen zu regeln (Vollzugshilfe), ist die Bildung einer Fachkommission denkbar. Der Bundesrat ersucht die betroffenen Akteure, transparent zu handeln. Er schliesst nicht aus, sich mit der möglichen obligatorischen Mitteilung der Ergebnisse der Bohrarbeiten an das Bundesamt für Landestopografie zu befassen.</p><p>3. Zurzeit ist es nicht Sache des Bundesrates, Sondierung und Nutzung von Erdgasvorkommen in den betroffenen Regionen zu fördern. Bestünden in der Schweiz wirtschaftlich nutzbare Gasvorkommen, wäre darauf zu achten, dass jeder Betreiber die notwendigen finanziellen Mittel bereitstellt, um die Bevölkerung vollständig und transparent zu informieren. Die Berücksichtigung des neuesten Standes der Technik, ein respektvoller Umgang mit der Umwelt bei Sondierung oder Nutzung von Erdgasvorkommen sowie eine transparente Information reduzieren allfällige Bedenken der Gesellschaft.</p>  Antwort des Bundesrates.