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Schöpfer von «Wo die wilden Kerle wohnen» ist tot
Liebenswürdiger Kinderschreck: Maurice Sendak liest 1985 aus «Wo die wilden Kerle wohnen». (Keystone)
Thomas Bodmer, ehemaliger Lektor bei Diogenes, hat Maurice Sendak (Bild) als freundlichen, sehr stillen Menschen kennengelernt. Der «Wilde Kerle»-Klassiker von 1963 ist für Bodmer kein düsteres Buch - sondern eines, das die «Ängste der Kinder ernst nimmt». Damit sei Sendak etwas Bahnbrechendes gelungen.
Mit lebhaften Kinderbüchern wie «Brundibar» hatte sich Maurice Sendak seinen Weg in die Kinderzimmer der Welt erzählt und erzeichnet. Am bekanntesten blieb aber die Geschichte von Max und den Monstern.
Erst umstritten, dann ein Klassiker
Max, der in «Wo die wilden Kerle wohnen» böse Monster mit einem Blick zähmt und doch wieder rechtzeitig zum Abendessen zu Hause ist, fasziniert bis heute Millionen von Kindern und Erwachsenen. Das Buch erschien 1963 und war anfänglich wegen seiner furchterregenden Zeichnungen umstritten.
Später gewann Sendak dafür die Caldecott Medal, den bedeutendsten Kinderbuchpreis der USA. Das Erfolgsbuch wurde 2009 von Spike Jonze verfilmt.
Kindheitserlebnisse weckten Sendaks Fantasie
Kinderschreck Sendak wurde 1928 in New York geboren. Als Sohn jüdischer Immigranten wuchs er in Brooklyn auf. Seine europäische Familie kam in Hitlers Konzentrationslagern um.
Die Erzählungen der Eltern und Verwandten über die Zeit in Polen und andere Kindheitserlebnisse weckten seine Fantasie. Vorbild für die «Wilden Kerle» seien seine Onkel und Tanten gewesen, hatte er einmal verraten.
Schaufensterdekorateur mit Hang zur Pop-Kultur
Schon während seiner Schulzeit arbeitete Sendak als Zeichner bei All American Comics und bildete sich in Pop-Kultur weiter: An King Kong, an Laurel & Hardy und Walt Disneys Mickey Maus. Seine einzige formale Ausbildung zum Künstler bestand in Abendkursen, während er tagsüber als Schaufensterdekorateur arbeitete.
«Kinder sind das bessere Publikum»
Sendak hatte nie ein Problem damit, als Kinderbuchautor bezeichnet zu werden. «Ich schreibe Bücher, die eher für Kinder sind und das ist in Ordnung», sagte er 2003 gegenüber Medienvertretern. «Sie sind das bessere Publikum und die härteren Kritiker. Kinder sagen, was sie denken und nicht, was sie glauben, was sie denken sollen.» (gec, sda, dpa)