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Oben eine englische Stadt im Jahre des Unheils 1840, unten dieselbe Stadt im Jahre der Gnade 1440. Oben sieht man die Folgen der Industrialisierung, unten sieht der Autor die Wohltaten des Katholizismus.
Da schreibt ein Gläubiger, dass die Architektur im Mittelalter christlich und schön war, die im 19. Jahrhundert hingegen heidnisch und hässlich. Contrasts ist das Gründungsmanifest der Neugotik.
Alle haben dieses Bildpaar schon gesehen. Oben eine englische Stadt im Jahre des Unheils 1840 unten dieselbe Stadt im Jahre der Gnade 1440. Oben sieht man die Folgen der Industrialisierung, die da heissen, Gaswerk, Gefängnis, Fabrikschlote, Lagerhäuser und Kirchenruinen, zusammenfassend Chaos. Unten sieht man die Wohltaten des Katholizismus, als da sind aufragende Kirchtürme, Stadtmauer, Zunfthäuser, Wegkapelle, kurz Harmonie. Vom Rest des Buches war mir nichts bekannt, ich werde nicht der einzige sein.
Augustus Welby Northmore Pugin (1812-1852) schrieb mit 24 das Buch, das ihn berühmt machen wird. Es ist ein Manifest, ja ein Glaubensbekenntnis. Wahr und jedem Sehenden offenbar ist der Unterschied zwischen der katholischen Architektur des Mittelalters und der heruntergekommenen des 19. Jahrhunderts. In der ersten Ausgabe von 1836 war es noch eindeutig, schuld am Niedergang war die Reformation. In der zweiten, erweiterten und massgebenden von 1840 liegt es im «self-denying Catholic principle, and admire and adopt the luxurious styles of ancient Pagenism». Die Renaissance ist heidnisch und deshalb verderblich. Ein Epitaph eines Bischofs zum Beispiel, das mit heidnischen Symbolen geschmückt ist, ist nicht bloss hässlich, sondern sündig.
Darum muss die englische Kirche wieder zur Gotik zurückkehren, zum wahrhaftigen christlichen Baustil. Pugins Buch heisst «Contrasts» und die bewährte Methode von einerseits, andererseits, päng! führt er mit Wutschnauben durch. Die Gotik verdient alle Verehrung, die Gegenwart nur Prügel. Damals bauten fromme Christen, heute nur noch Laue, von denen es in der Schrift heisst, Gott spucke sie aus aus seinem Munde. Es ist kein Architekturgeschichtler, der da schreibt, es ist ein Empörter.
Ich lese und wundere mich. Habe ich doch in der Sekundarschule gelernt, die Renaissance sei eine Wiedergeburt, ein Erwachen nach finsterer Nacht und überha...
Der wahrhaftige christliche Baustil
Da schreibt ein Gläubiger, dass die Architektur im Mittelalter christlich und schön war, die im 19. Jahrhundert hingegen heidnisch und hässlich. Contrasts ist das Gründungsmanifest der Neugotik.