Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03140.jsonl.gz/170

Bei der EKT werden in einer Kurznarkose mit Muskelrelaxation mit kurzen Stromimpulsen generalisierte Krampfanfälle ausgelöst. Seit der Einführung der EKT im Jahre 1938 wurde damit eine breite klinische Erfahrung gesammelt. Derzeit existieren zudem zahlreiche wissenschaftlich hochqualitative Wirksamkeitsbelege der EKT, vieles ist bereits über ihre Wirkmechanismen bekannt. Forschungsdaten deuten darauf hin, dass es durch regelmässig mittels EKT ausgelöste Anfälle zu einer Adaptation im menschlichen Gehirn kommt. Diese dient primär dazu, das Auftreten weiterer Anfälle zu erschweren (=Schutzfunktion). Gleichzeitig scheint diese Adaptation mit einem heilenden Effekt auf die psychiatrischen Erkrankungen assoziiert zu sein. Durch EKT werden Regenerationsprozesse im menschlichen Gehirn ausgelöst, wodurch es zur Linderung der psychischen Symptome kommt und dadurch der Genesungsprozess unterstützt wird. Im Laufe der jahrzehntelangen Anwendung wurden die Abläufe der elektrokonvulsiven Behandlung kontinuierlich verbessert, sodass potentielle Risiken der Behandlung minimiert werden konnten. Zahlreiche wissenschaftlich hochwertige Studien belegen eine hohe Sicherheit der EKT in ihrer modernen (modifizierten) Form.
Die Behandlung mit EKT wird bei vielen Patientinnen und Patienten ambulant durchgeführt. Die EKT-Anwendungen können aber auch stationär oder teilstationär erfolgen. Besonders gut wirksam ist die EKT bei schweren bis schwersten Depressionen, bei denen psychotische oder katatone Symptome und/oder eine akute Suizidalität vorliegen. Viel häufiger wird die EKT jedoch bei Patientinnen und Patienten mit schwer behandelbaren (therapieresistenten) Depressionen durchgeführt. Das ist die häufigste Indikation der EKT in den westlichen Industrieländern. Bei manchen weiteren psychiatrischen Erkrankungsbildern (z.B. Manie, manche Formen der Schizophrenie) kann die EKT ebenfalls sehr hilfreich sein.
Weder ein zu junges noch zu hohes Alter sprechen gegen eine EKT-Behandlung; entscheidend ist die körperliche Verfassung der/des Patientin/Patienten bzw. seine Fähigkeiten wiederholte Kurznarkosen möglichst komplikationslos zu vertragen. Als häufigste Nebenwirkungen der EKT sind in der Regel medikamentös gut behandelbare Kopfschmerzen, Muskelkater und Übelkeit zu nennen. Vorübergehend können auch die Gedächtnisfunktionen der Patientinnen und Patienten beeinträchtigt sein. Diese Symptome bilden sich in den allermeisten Fällen innert zwei bis drei Wochen nach der Beendigung der EKT-Behandlung zurück, gelegentlich kann es auch länger dauern.
Grundsätzlich führen wir die EKT nur bei Patientinnen und Patienten durch, die dazu ihre Einwilligung erteilen. In bestimmten, lebensbedrohlichen Notfällen setzen wir EKT als Notfallmassnahme ein. Solche Eingriffe sind streng geregelt.