Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03338.jsonl.gz/909

Autor: Urs Haenni
Der Schluss ist so, wie man es von den Filmen um den Gendarmen von Saint-Tropez kennt: Nachdem Louis de Funès einen Spielfilm lang das Publikum mit seinem unverkennbaren Mienenspiel zwischen Sentimentalität und Cholerik unterhalten hat, kommt es zum grossen Umzug mit Publikum und Marschmusik.
Dennoch ist «Dans l’eau qui fait des bulles» (Das Wasser mit den Luftblasen) keiner der typischen De-Funès-Filme. Dies vor allem deshalb, weil der Komiker 1960, als der Film gedreht wurde, noch unbekannt war. Der Durchbruch gelang dem Franzosen erst 1964 mit dem ersten Gendarm- und dem ersten Fantomas-Film. Als «Dans l’eau qui fait des bulles» in die Kinos kam, war dem Publikum von den Schauspielern viel eher der Schweizer Pierre Dudan bekannt.
Vom Bodemünzi zum Hafen
Eine Besonderheit des Filmes ist aber auch, dass dieser in und um Murten gedreht wurde. So führt Regisseur Maurice Delbez die Zuschauer vom Bodemünzi an den See, zum Hafen, an die Grengspitze, zum Vieux-Manoir, zum Bahnhof, in die Uhrenfabrik Muntelier, zum Wistenlach und immer wieder durch die Altstadt des Jahres 1960. Die Geschichte dreht sich um eine Leiche, die vom Grund des Murtensees auftaucht und immer wieder Personen vor die Füsse fällt, die alle ein Mordmotiv gehabt hätten.
Der Drehort Murten anerbot sich, weil dem Film das 1955 geschriebene Buch «La chair à poissons» (Fleisch vom Fisch) des Autors Marcel-G. Prêtre zugrunde lag. Der exzentrische Autor logierte damals während einigen Jahren im Hotel Vieux-Manoir.
Der Filmdreh vom 21. August bis 15. September 1960 blieb in Murten nicht unbemerkt. Unter dem Titel «Filmstadt Murten» beschrieb der «Murtenbieter», wie sich Murten für die Dreharbeiten in sein Festkleid und die Stadtmusikanten in ihre Uniformen stürzten: «Ein zahlreiches, dankbares Publikum verfolgte aufmerksam die Arbeiten. Mancher Zuschauer revidierte dabei sein Urteil über das einfache Leben der Filmschauspieler.»
Zwei Kurzauftritte
So wurden zahlreiche Murtner damals nebst Louis de Funès auf Leinwand gebannt. Unter anderem erkennt sich der heute 89-jährige Arthur Mohler gleich in zwei Szenen wieder. Im Atelier der Uhrenfabrik laufen zwei Schauspieler zwischen den Arbeitsplätzen hindurch, während Mohler im Vordergrund die Lupe vor sein Auge schiebt. Mohler zeigt sich zufrieden mit der Szene: «I bi guet druf.» Mohler erscheint gleich nochmals mit seinem Flügelhorn in den Reihen der Stadtmusik, welche Offiziersuniformen aus dem 1. Weltkrieg trug. Er sei damals Präsident der Stadtmusik gewesen. Wahrscheinlich sei die Anfrage über den Gemeinderat gekommen, und möglicherweise habe die Stadtmusik dank des Films auch ein bisschen etwas verdient.
Beide Szenen hätten jeweils nur kurz gedauert, erzählt Mohler. Die Schauspieler wie Louis de Funès hätte sie als Statisten dabei nicht zu Gesicht bekommen. Doch schaut man etwas genauer auf die Szene mit dem Umzug der Stadtmusik, erkennt man, dass Louis de Funès im Hintergrund gerade die Treppen vom Polizeiposten herunterschreitet. «Wir mussten halt spielen und konnten nicht noch herumschauen», sagt Mohler.
Anfang Juni 1961 reisten zahlreiche Murtner nach Freiburg, um im Saal des Kinos «Capitole» die Première des Films zu sehen. Gemäss Murtenbieter lief der Film ab dem 9. Juni auch im Kino Murten, nachdem er in Freiburg «prolongiert» worden war. 50 Jahre später kehrt der Film nun nach Murten zurück.
Kino Murten. So., 14. November, 10.30 Uhr. Vorstellung auf Französich, ohne Untertitel. Infos: www.kino-murten.ch