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Die frühsten Bergeller lassen auf der Jagd ihre Silexwerkzeuge vor über 8’000 Jahren an Feuerstellen im Val Forno liegen. Aus der Bronzezeit kennen wir nur Einzelfunde. Bei Stampa und Vicosoprano aber leben Menschen schon zur Eisenzeit.
Immer wieder bearbeiten sie Felsblöcke zu Schalensteinen. Die Etrusker verfassen eine Inschrift bei Maloja, und die Römer siedeln in Soglio, Bondo, Promontogno und Vicosoprano. Sie bauen entlang älterer Saumpfade eine Strasse durch das Bergell und über den Maloja- und Septimerpass.
Das Bergell gilt im 17. und 18. Jahrhundert aufgrund von Talk-Chlorit-Schiefer- Vorkommen als Lavez-Tal. Lavez ist ein weiches Gestein und daher leicht zu bearbeiten. Er eignet sich ausgezeichnet für die Herstellung von Kochtöpfen und Behältern zur Aufbewahrung von Nahrung. Die Ciäsa Granda zeigt eine alte Lavezwerkstatt, ebenso diverse Gebrauchsgegenstände aus Lavez.
Die handwerklichen Berufe des Schmieds, Hufschmieds und Wagners sind zu einer Zeit, als das Nord-Süd-Durchgangstal Bergell von Pferdefuhrwerken genutzt wird, vielerorts anzutreffen.
Ihre Werkstätten reihen sich entlang der Hauptstrasse und sie bedienen Kaufleute, Passanten und durchreisende Truppen. Die in der Ciäsa Granda wieder aufgebaute Schmiede stammt aus Borgonovo.
Die heimatwerkliche Ausstellung in Soglio, die von Vitale Ganzoni im 1947 erschaffen worden ist, bietet viefältige Gegenstände aus Holz, Ton, Metallen (Schmiedearbeiten), gestrickte Bekleidungen und Gewebe aus dem Tal.
Die wirtschaftlich schwache Struktur des abgelegenen Bündner Südtals zwingt ab dem 13. Jahrhundert viele Bergeller zur Auswanderung. Viele wandern als Zuckerbäcker und Cafetiers aus, zuerst nach Venedig, später vor allem nach Frankreich, Preussen, Polen, Ungarn und Russland.
Einige von ihnen kehren als erfolgreiche und wohlhabende Geschäftsleute ins Bergell zurück, andere, mehrere, werden nicht mehr zurückkehren.
Die Patisserie «Au petit four» ist nach dem Vorbild eines Ladens im französischen Rocheford aus dem 19. Jahrhundert nachgebaut. Das Thema Emigration wird vertieft, im 2. Stock des Palazzo Castelmur, gezeigt.
An diesem Sitz des Dokumentationszentrums “Archivio Storico” werden Neben der Daueraustellung von Dolf Kaiser “Fast ein Volk von Zuckerbäckern” von Dokumente und Objekte zum Thema aufbewahrt.
Kastanien sind noch heute ein wichtiges Kulturgut des Bergells. Am Beispiel einer nachgebauten cascina wird das Dörren, die seit Jahrhunderten wichtigste Haltbarmachungsmethode der Kastanien, veranschaulicht.
Heute noch sieht man, neben den grossen Kastanienbäumen im Tal, kleine, stallähnliche Hütten, die zur Trocknung der Kastanien dienen. Einige sind zu Ferienhäuschen um/ausgebaut.
Um den Kastanienwald näher kennen zu lernen, ist in Castasegna ein Themenweg mit Informationstafeln gestaltet worden, die einige spezielle Aspekte des Kastanienbaums, sowie die verschiedenen Kastaniensorten und ihre Verarbeitung zeigen. Auf Anfrage werden Führungen organisiert.