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Film - Corn Island
Im Enduri, dem Grenzfluss zwischen Georgien und der Republik Abchasien, bilden sich im Frühling durch Hochwasser kleine Inseln aus Steinen und Erde. Anwohner pflanzen auf ihnen Mais an. Dieses Land gehöre dem Fluss und nicht den sich befeindenden Machthabern beider Seiten, meint ein alter Mann.
Zusammen mit seiner Enkelin nutzt er eine dieser Inseln. Doch der Fluss schenkt das Terrain nicht nur, er holt es sich auch wieder zurück. Ein Film, der mit gut vierzig knappen Sätzen und ein paar Quadratmetern Land auskommt!
Wohl gerade durch diese Reduktion und Konzentration ist es dem georgischen Regisseur George Ovashvili gelungen, Fachleute wie ein breiteres Publikum in den Bann zu ziehen. «Corn Island» erhielt den Preis der Ökumenischen Jury in Karlovy Vary genauso wie den Publikumspreis am Filmfestival von Fribourg. Ovashvili entfaltet die Handlung in einer grandiosen landschaftlichen Kulisse. Gleichzeitig erzeugt er eine permanente Anspannung aufgrund des unheimlichen Agierens der Grenzpatrouillen und der unberechenbaren Naturgewalten. Es fasziniert, wie Grossvater und Enkelin sich (fast) ohne Worte verständigen und gegenseitig in die Hände arbeiten.
Der Film wirft aber auch die Frage nach der Kehrseite einer weitgehend auf Mimik beschränkten Kommunikation auf. So wird das Mädchen im Umgang mit dem Tod seiner Eltern und angesichts seiner erwachenden sexuellen Neugierde weitgehend alleine gelassen.
Hermann Kocher, Pfarrer in Langnau i.E.