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Der erste Hauptverdächtige im Fall der eingestürzten Autobahnbrücke Morandi in Genua ist ermittelt. Gemäss Professor Antonio Brencich, Mitglied der Kommission, die das Unglück untersucht, soll ein gerissenes Spannseil für den Einsturz gesorgt haben. «Das ist eine sehr ernst zu nehmende Hypothese», sagte er vor Journalisten. Videoaufnahmen und Zeugenaussagen würden auch in diese Richtung weisen.
Italienische Medien berichten in diesem Zusammenhang von den Beobachtungen der Ärztin Valentina Galbusera. Sie habe gesehen, dass die Spannseile der Brücke gerissen seien. Geschockt sei sie im Auto gesessen, da habe ein Mann – vielleicht sei es ein Engel gewesen, mutmasst die Zeugin – zugerufen, sie solle mit ihm wegrennen. Da sei sie wie erwacht und sei gerannt. Auf einmal habe sie wie ein Erdbeben gespürt, hatte mitbekommen, dass die Brücke einstürzte, mitsamt ihrem Auto. «Dieser Mann hat mir das Leben gerettet», meinte Galbusera gegenüber italienischen Medien. Ihre Beobachtung stützt die Theorie der gerissenen Spannseile.
Pikant: Dass die Spannseile beschädigt waren, hatte eine Untersuchung bereits 2017 ergeben. Die Betreiberin der Autobahn, Autostrade per l’Italia, meinte jedoch, die Spannseile seien in Ordnung. Dies schreibt die Zeitung La Repubblica heute. Der Corriere della Sera berichtet von einer Sitzung, die am 23. Oktober 2017 im Regionalrat stattgefunden hatte. Es ging um Sorgen aus der Bevölkerung, ob der Ponte Morandi nicht einsturzgefährdet sei. Stadtrat Giacomo Giampedrone habe gemeint, Sefano Marigliani, Direktor der Betreibergesellschaft Autostrade per l’Italia, habe ihm zugesichert, dass mit der Brücke alles in Ordnung sei. Es sei aber gemäss Marigliani geplant, im 2018 die Spannseile zu ersetzen und die Brücke zu verstärken. So Giampedrone damals. Aus diesen Aussagen lässt sich schliessen, dass die Problematik rund um die Spannseile den Verantwortlichen von Autostrade per l’Italia durchaus bewusst war. Was bedeutet, dass sie sich in einer sehr ungemütlichen Situation befinden, sollte sich herausstellen, dass es tatsächlich die Spannseile waren.
Autostrade per l’Italia erklärt auf ihrer Website, sie sei als Betreiberin am meisten an der Wahrheitsfindung interessiert. Das Unternehmen hat zudem verkündet, dass Ambulanzen mit Verletzten des Einsturzes ab sofort keine Autobahngebühren zahlen müssen. Was fast ein wenig ironisch tönt, denn immerhin wird Autostrade per l’Italia vorgeworfen, zwar hohe Autogebühren von den Autofahrerinnen und Autofahrern kassiert zu haben, die Gelder aber nicht für die Instandhaltung der Autobahnen verwendet zu haben. Hauptaktionärin von Autostrade per l’Italia ist die Benetton-Familie.