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Massen herzustammen, die nachher noch ein zweitesmal umkrystallisiert worden wären. Die endgiltige Lösung aller dieser Fragen ist aber noch eine umfassende und langwierige Aufgabe, an die sich neben vielen fremden Gelehrten auch mehrere schweizerische Petrographen, wie U. Grubenmann, C. Schmidt, A. Baltzer, L. Duparc und andere herangewagt haben und die ohne Zweifel noch sehr viele Untersuchungen und Forschungen notwendig machen wird.
[Prof. Dr. H. Schardt].
III. Klimatische Verhältnisse.
1. Meteorologische Beobachtungen in der Schweiz.
Regelmässige und auch strengeren wissenschaftlichen Anforderungen genügende Beobachtungen besitzen wir von einzelnen Orten unseres Landes schon aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts; es sind hier besonders zu nennen die langjährigen, guten Beobachtungsreihen von Basel, Genf und vom Grossen St. Bernhard. Eine die ganze Schweiz umfassende einheitliche Organisation ist aber jüngeren Datums. Im Jahre 1863 errichtete die Schweizerische Naturforschende Gesellschaft unter finanzieller Mitwirkung der Kantone und namentlich des Bundes ein Netz von 80 Stationen, an welchen nach einheitlichem Plane und mit uniformen Instrumenten meteorologische Beobachtungen angestellt wurden.
Diese Beobachtungen, die noch heute in allem wesentlichen dieselben sind, umfassen 3 tägliche Aufzeichnungen des Luftdruckes, der Temperatur, der relativen Feuchtigkeit, der Himmelsbewölkung, der Windrichtung und Windstärke, sowie der Niederschläge; die Beobachtungstermine waren von Anfang an 7h vormittags, 1h mittags und 9h abends nach Berner Ortszeit. Betreffend Instrumentarium und Art und Weise der Beobachtungen vergl. die Instruktionen für die Beobachter der meteorolog.
Stationen der Schweiz. Die ursprünglich unter dem Präsidenten der «Meteorologischen Kommission der Naturforschenden Gesellschaft» stehende Zentralstelle für Sichtung und Drucklegung der Beobachtungen wuchs sich im Laufe der Zeit zu dem heutigen Institut der «Meteorologischen Zentral-Anstalt» aus, die seit 1881 als Bundesinstitut einem eigenen Direktor unterstellt ist. Die Anstalt publiziert jährlich die Beobachtungsresultate aller Stationen in einem Jahrbuch, das 1864 bis 1880 unter dem Titel «Schweizerische meteorologische Beobachtungen» und seit 1881 als «Annalen der schweizerischen meteorologischen Anstalt» herausgegeben wird. Seit 1901 erscheinen daneben noch die «Ergebnisse der täglichen Niederschlagsmessungen auf den meteorologischen und Regenmess-Stationen der Schweiz», welche neue Publikation vorwiegend praktischen Zwecken ihre Entstehung verdankt.
Klimatologische Mittelwerte einiger langjährigen meteorologischen Stationen.
|Station||Höhe in m über Meer||Mittlere Temperatur 1864-1900 Januar||Juli||Jahr||Mittlere jährl. Regenmenge in mm||Anzahl der Tage mit Niederschl. im Jahr||Mittlere Anzahl der heitern Tage||trüben Tage im Jahr||Jahresmittel der Bewölkung|
|Aarau||403||-1,5||17.7||8.2||1051||149||55||141||6.2|
|Affoltern i/Emmenthal||795||-2,5||16.1||6.8||1183||164||72||148||6.1|
|Altdorf||455||0.1||18.1||9.3||1236||152||62||151||6.2|
|Altstätten i/Rheinthal||450||-1,7||18.2||8.6||1279||156||69||138||6.0|
|Basel||278||-0,3||19.0||9.4||774||138||55||145||6.3|
|Beatenberg||1150||-1,9||14.6||6.0||1453||163||89||122||5.5|
|Bern||572||-2,0||18.0||8.1||927||145||49||150||6.4|
|Bernhardin (Pass)||2073||-6,9||9.3||0.6||2294||117||84||140||5.8|
|Bevers||1712||-9,9||11.8||1.2||838||127||89||88||5.0|
|Castasegna (Bergell)||700||0.5||18.9||9.7||1438||116||102||105||5.1|
|Chaumont||1128||-2,3||14.4||5.6||999||140||74||140||5.9|
|Chur||610||-1,6||17.5||8.3||803||116||87||112||5.4|
|Davos Platz||1560||-7,4||12.1||2.7||930||143||97||102||5.0|
|Einsiedeln||914||-4,0||15.0||5.5||1596||152||83||139||5.8|
|Engelberg||1018||-3,9||14.2||5.1||1711||166||87||135||5.7|
|Genf||405||0.0||19.3||9.5||867||128||60||157||6.6|
|Gersau||443||0.2||18.3||9.3||1585||140||73||133||5.8|
|Glarus||477||-2,5||17.3||7.9||1402||162||77||144||5.9|
|Grächen (Wallis)||1632||-4,3||13.4||4.0||528||74||92||114||5.3|
|Guttannen||1055||-2,7||14.8||6.0||1583||156||87||129||5.5|
|Kreuzlingen||425||-1,4||18.3||8.5||856||140||86||131||6.4|
|Langenbruck||718||-3,0||15.6||6.3||1195||155||81||131||5.7|
|Lausanne||553||-0,5||18.4||8.9||980||141||43||140||5.4|
|Lohn||635||-2,4||17.3||7.6||830||136||71||118||5.8|
|Lugano||275||1.3||21.5||11.4||1708||120||124||103||4.7|
|Luzern||453||-1,3||18.3||8.5||1153||160||59||153||6.3|
|Montreux-Clarens||380||0.9||19.5||10.1||1095||126||89||129||5.6|
|Muri (Aargau)||483||-1,9||18.0||8.2||1049||153||41||178||6.9|
|Neuenburg||488||-1,0||18.8||8.9||936||143||52||167||6.6|
|Olten||395||-1,2||18.4||8.7||1006||145||47||167||6.6|
|Platta (Medels)||1379||-3,5||13.2||4.6||1229||140||81||128||5.6|
|Rigi Kulm||1787||-4,5||9.9||2.0||1730||144||83||142||5.8|
|Säntis||2500||-8,9||5.0||-2,6||2500||193||68||148||6.3|
|Schaffhausen||450||-2,1||17.4||7.9||812||144||50||159||6.5|
|Sitten||540||-1,1||19.5||9.6||634||89||108||84||4.7|
|St. Bernhard||2475||-8,7||6.6||-1,7||1278||107||99||115||5.3|
|St. Gallen||703||-2,2||16.6||7.2||1341||160||64||155||6.3|
|Zürich||493||-1,4||18.4||8.5||1139||157||53||148||6.3|
2. Luftdruck.
Ehe wir auf die Schilderung der Elemente, welche den Begriff Klima bestimmen, eintreten, seien einige Angaben über Mittel, jährliche Periode und Extreme des Luftdruckes gegeben. Es geschieht dies nur der Vollständigkeit halber; denn so wichtig, ja geradezu unerlässlich die genaue Kenntnis der Luftdruckverhältnisse über grossen Gebieten ist, wenn es sich um die Erklärung aller andern klimatischen Faktoren handelt, so nichtssagend sind an und für sich Angaben über die Luftdruckverhältnisse einzelner Orte, ja sogar von Gebieten von der Grösse der Schweiz.
Das beiliegende Isobarenkärtchen von J. Hann soll eine Orientierung im Grossen geben; es zeigt die mittlere Verteilung des Luftdrucks im Jahre über Zentraleuropa im Niveau von 500 m. Von einem lokalen Druckmaximum über dem Alpengebiet und dessen nördlichem Vorlande sehen wir den Luftdruck nach Norden und Süden abnehmen; nach Norden gegen das tiefe atlantische Minimum im Nordwesten des Kontinentes, nach Süden gegen das mehr lokale Druckminimum über den warmen Mittelmeerländern.
Innerhalb des Gebietes der Schweiz sind die Luftdruckdifferenzen verschwindend, wenn man davon absieht, dass der Südfuss der Alpen im Jahresmittel einen um 0,6-0,7 mm niedrigeren Luftdruck als der Nordfuss hat. Diese Druckdifferenz scheint aber im Niveau von 1700 m schon nicht mehr zu bestehen; sie ist durch die stärkere Erwärmung der südlichen Alpenthäler und deren Abschluss nach Norden durch den Alpenwall zu erklären. Eine Bedeutung kommt ihr nicht zu, da der Alpenwall, der ihre Entstehung ermöglicht, ja auch den Gradienten nicht wirksam werden lässt. Die längste homogene Reihe von Luftdruckbeobachtungen besitzt Genf; die von E. Plantamour und ¶
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E. und R. Gautier berechneten Mittelwerte in mm betragen für die 60jährige Periode 1836-1895:
Luftdruckmittel von Genf 1836-1895; Seehöhe 405,0 m.
|I.||II.||III.||IV.||V.||VI.||VII.||VIII.||IX.||X.||XI.||XII.||Jahr.||Auf Meer reduz.|
|727.7||727.1||725.0||724.2||725.3||727.1||727.6||727.6||727.7||726.5||726.3||727.9||726.7||763.0|
Die absoluten Extreme dieses Zeitraumes sind Minimum 700,2 am 26. XII. 1856,
Maximum 748,7 am 17. I. 1882.
Die totale Schwankung beträgt somit: 48,5 mm.
So klein nun auch das Gebiet der Schweiz ist, bildet es klimatisch doch keine Einheit, auch wenn man absieht von den durch
die starke vertikale Gliederung bedingten grossen Unterschieden. Bekannt, weil beim Ueberschreiten eines der zentralen Alpenpässe
(wie Gotthard, Lukmanier,
Bernhardin und Splügen) augenfällig durch den vollständigen Wechsel des Vegetationsbildes, ist die
Tatsache, dass der Alpenwall eine scharfe Klimascheide zwischen dem mitteleuropäischen Klima des Nordfusses und dem mediterranen
der Südseite darstellt. Aber auch auf der Nordwestabdachung der Alpen vollzieht sich dieser Uebergang;
nur ist er hier entsprechend dem Fehlen einer Barriere, wie sie die Alpenkette bildet, weniger schroff. Wir werden sehen,
dass das Klima der Südwestschweiz, des Gebietes des Genfersee's, schon deutliche Merkmale der Annäherung an dasjenige der
nördlichen Mittelmeerländer zeigt.
3. Niederschlæge.
Die Betrachtung der Niederschläge sei vorausgestellt, nicht nur als eines der wichtigsten klimatischen Elemente, sondern weil sie gerade am besten die Richtigkeit der eben gemachten Abgrenzungen illustrieren. Fassen wir zu diesem Zwecke zunächst die prozentuale Verteilung der Niederschlagsmenge auf die einzelnen Monate und Jahreszeiten ins Auge.
Prozentuale Verteilung der Niederschlagsmenge auf die einzelnen Monate und Jahreszeiten.
|1864-93.||I.||II.||III.||IV.||V.||VI.||VII.||VIII.||IX.||X.||XI.||XII.||Winter.||Frühjahr.||Sommer.||Herbst.|
|Zürich||4||5||6||8||10||12||12||12||10||9||6||6||15||24||36||25|
|Neuenburg||5||6||7||7||9||11||10||10||9||11||8||7||18||23||31||28|
|Genf||5||5||6||7||10||9||9||10||10||13||9||7||17||23||28||32|
|Lugano||3||4||6||10||10||11||10||10||12||12||8||4||11||26||31||32|
Ueberall fällt das Minimum der Niederschläge auf den Winter; das Sommerhalbjahr hat eine viel grössere Regenmenge, eine Niederschlagsverteilung, welche Mitteleuropa mit allen Kontinentalflächen der gemässigten Zone gemeinsam hat und welche für die Kulturen die günstigste ist. Dagegen ist der Monat mit grösster Regensumme nicht überall derselbe: Zürich die Nordabdachung der Alpen repräsentierend - hat die grössten Regenmengen vom Juni bis August;
im Tessin hat sich das Maximum auf den Herbst verschoben, welche Herbstregen weiter nach Süden in die Winterregen der Subtropenzone übergehen.
Auch die Südwestschweiz hat Herbstregen; Neuenburg hat zwei Maxima, ein erstes im Juni, ein zweites im Oktober; letzteres ist in Genf schon das Hauptmaximum.
Quantität der Niederschläge. Wo die Regenwinde auf Gebirge treffen, tritt rasche Zunahme der Regenmenge mit der Seehöhe ein, weil die aufsteigende Bewegung der Luftmassen in diesen Abkühlung und vermehrte Kondensation verursacht. So sehen wir die Regenmenge gegen das Alpengebiet rasch zunehmen und zwar auf beiden Seiten der Alpenkette, da die Streichrichtung derselben ungefähr parallel mit der Richtung der Regenwinde geht. Nach Bebber beträgt die mittlere Jahressumme der Niederschläge für Norddeutschland 61 cm, für die mitteldeutschen Berglandschaften 69 cm und für Süddeutschland 81 cm. Die beigegebene Regenkarte der Schweiz zeigt ein Anwachsen der Regenmenge im Jura auf 120 cm und mehr; auf der Südostseite dieses Gebirges geht die Jahressumme zurück bis auf 100 cm, am Neuenburger und Genfersee bis auf 90 cm und darunter, um dann mit dem erneuten Ansteigen des Terrains gegen die Voralpen rasch zu hohen Beträgen anzuwachsen; die Maximalsummen mit 200-300 cm fallen im Aar-, Gotthard- und Adulamassiv, soweit dies wenigstens die aus dem Hochgebirge sehr schwierig zu beschaffenden Daten erkennen lassen.
Auch die Tessiner Alpen und das Gebiet der oberitalienischen Seen haben noch sehr grosse Niederschlagsmengen (Lugano etwa 170 cm), die dann gegen die Poebene rasch abnehmen (Pogebiet 81 cm). Die beigegebene Regenkarte macht es überflüssig, dieser in grossen Zügen geschilderten Verteilung der Niederschlagsmengen im Detail nachzugehen; wir verweisen hiefür auf die in den Einzelschilderungen der Kantone gegebenen Daten. Dagegen sei noch aufmerksam gemacht auf die relative Niederschlagsarmut der Thäler, namentlich der Längsthäler, wo die allseitige Gebirgsumrahmung den Zutritt der feuchten Luftmassen verhindert; so fallen im mittleren Wallis, dem trockensten Gebiete der Schweiz, nur 60-70 cm und geht im Unter Engadin, trotz seiner Höhenlage, die ¶