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Ortsbezeichnung: Zum See (Zem See)
Steckbrief Weiler Zum See
Der Weiler „Zum See“, in der Mundart „zem See“, liegt geschützt in einer muldenförmigen Geländestufe. Sein Zentrum liegt auf einem leicht erhöhten Geländesporn und zählt etwa 20 Bauten. Um das geschlossene Siedlungszentrum herum befinden sich weite landwirtschaftlich genutzte Flächen und vereinzelte Bauten einer früheren Berglandwirtschaft.
Der Ortsname „zum See“ gibt Rätsel auf. See ist weit und breit keiner zu sehen, doch entstanden beim Rückzug der Gletscher in den Geländemulden oft kleine Seen. Vielleicht befand sich ein solcher tiefer in Richtung Blatten, dort heisst es bis heute Seematta. Wahrscheinlicher ist, dass der Flurname einfach die Matten hinauf in Richtung zum See meint. Der eigentliche See dürfte eher oberhalb des Weilers zum See im Gebiet namens Mossje (Dialekt für: kleines Moos) gelegen haben. Rudolf Taugwalder erinnert sich, wie alte EinwohnerInnen des Weilers aus der mündlichen Überlieferung von einem See am Ort Mossje berichteten. Sowohl in r Seematta wie im Mossje finden wir heute feuchte, flache Landstücke, im Dialekt Lischa genannt (mit
starkem ‚sch' ausgesprochen). Wo er auch immer gelegen haben mag: Der See dürfte klein gewesen sein, nun ist er längst zugewachsen, ein typischer Verlandungsprozess – geblieben ist der Flurname.
Genutzt wurde der einst ganzjährig bewohnte Weiler – Wohnhäuser und Vorratsspeicher zeugen von einer permanenten Besiedlung – bis weit ins 20. Jahrhundert hinein als Maiensäss. Von Zermatt herauf kam man im Frühling mit dem Vieh und verbrachte hier im April und Mai einige Wochen. Im Sommer ging es hinauf ins Mutt (Zmutt) und auf die Alpen weiter oben im Tal. Im Herbst ging die Wanderung in umgekehrter Richtung, als man gegen den November erneut im Weiler zum See eintraf, um an Weihnachten hinunter ins Dorf zu gehen. „Bis in die 1980er Jahre hinein war hier oben in fast jedem Stall Vieh. Danach ging die Landwirtschaft rapide zurück“, erinnert sich Josef Schuler (*1956) aus Zermatt, dessen Tante diese jahreszeitlichen Wanderungen mit einem kleinen Viehbestand ebenfalls bis in die 1980er Jahre mitmachte.
Die Ankommenden sehen im Ortsteil ze Schtadle links des Weges zwei landwirtschaftliche Bauten. Die beiden Objekte sind quasi identisch, der westliche Bau weist im oberen Teil zusätzlich eine Auskragung auf, womit der Lagerraum erweitert wurde. Dank den intakten Dächern ist der Erhaltungszustand beider Objekte erfreulich gut.
Es handelt sich um Stadel, in die einst das Korn aus den ertragreichen Äckern eingelagert wurde – Getreidemus und Roggenbrot waren Grundnahrungsmittel. Die dazugehörigen Äcker jedoch sind verschwunden: Sie lagen wenige Minuten talabwärts am Weg zum Weiler Blatten und rund um den Hügel, der unmittelbar nördlich des Weilers zum See liegt – eine ältere Fotografie (siehe oben) zeigt die offenen Ackerflächen und der einschlägige Flurname lautete hier uf de Achre. Nach der Aufgabe des arbeitsintensiven Ackerbaus eroberten Espen rasch den Boden.