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Jesus hat einen Anfang
Jedes Jahr um die Weihnachtszeit werden wir mit Liedern über die Geburt Christi überhäuft. Allerdings gibt es gravierende Meinungsverschiedenheiten darüber, was genau bei seiner Geburt passiert ist. Welche Vorstellungen du von der Geburt Christi hast, hängt von deinem Glauben ab, wann er zu existieren begann. Es gibt verschiedene Modelle darüber, wie Christus zu verstehen ist.
Einige glauben, dass Christus keinen Anfang hat, - dass er nicht geschaffen worden ist. Andere glauben, dass er zu einem von GOTT festgesetzten Zeitpunkt in Existenz gebracht wurde. Einige sehen seinen Anfang in der Zeit kurz vor der Schöpfung, andere meinen, dass Christus erstmalig in Existenz gekommen ist, als er in Maria gezeugt worden ist.
Die erste Frage, die zu beantworten ist, lautet: „Hatte Jesus einen Anfang?“ Die Mehrheit der Christen glaubt, dass Jesus schon immer existiert hat. Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, wollen wir zuerst das folgende Zitat aus dem nicänischen Glaubensbekenntnis von 325 n.Chr. bedenken:
„Wir glauben an einen Gott, den allmächtigen Vater … Und an den einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, der als Einziggeborener aus dem Vater gezeugt ist d.h. aus dem Wesen des Vaters, Gott vom Gott Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater … Diejenigen aber die da sagen „es gab eine Zeit da er nicht war" und „er war nicht bevor er gezeugt wurde" und er sei aus dem Nichtseienden geworden oder die sagen der Sohn Gottes stamme aus einer anderen Hypostase oder Wesenheit oder er sei geschaffen oder wandelbar oder veränderbar, die verdammt die allgemeine Kirche.“
(Dieses Glaubensbekenntnis wird weltweit von der katholischen Kirche und allen sonstigen etablierten christlichen Kirchen anerkannt).
Im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen hinsichtlich der Frage des Anfangs steht der Begriff „gezeugt“. Laut Merriam-Webster`s Dictionary bedeutet „zeugen“: „Als Vater fortpflanzen“. Das Wort „fortpflanzen“ setzt sich aus zwei Worten zusammen: „Fort“ bedeutet weiter und „pflanzen“ bedeutet ein weiteres Individuum in Existenz bringen. Fügt man beides zusammen, so ergibt sich folgende Definition für „zeugen“: Als Vater etwas Neues in Existenz bringen. Ich will es noch einmal so wiederholen: „Gezeugt sein, bedeutet, dass du durch deinen Vater in Existenz gebracht worden bist“. Es ist leicht erkennbar, warum dieses kleine Wort den Christen so viele Schwierigkeiten bereiten kann, die glauben, dass Jesus schon immer existiert hat.
In dem oben zitierten Bekenntnis wird Jesus ausdrücklich „als Einziggeborener aus dem Vater gezeugt“ definiert, aber später wird gesagt, dass jeder verdammt (exkommuniziert, geächtet) werden soll, der sagt: „Er war nicht bevor er gezeugt wurde.“ Das scheint ziemlich verwirrend zu sein. War Jesus nun gezeugt? Ja, das Glaubensbekenntnis hat es bereits bestätigt. Das bedeutet dann aber, dass er von einem Vater in Existenz gebracht worden ist. Wenn er also in Existenz gebracht worden ist, dann hat es eine Zeit gegeben, in der er nicht existiert hat. Wenn jemand allerdings sagt: „Es gab eine Zeit da er nicht war“, dann ist diese Person exkommuniziert. Für mich klingt das äußerst verwirrend. Glücklicherweise sind die biblischen Schriften unser Maßstab für die Wahrheit und nicht die Glaubensbekenntnisse von Menschen.
Was sagt die Bibel über den Anfang von Jesus?
Hebräer 1,5:
Denn zu welchem der Engel hat ER jemals gesagt:
„MEIN Sohn bist du, ICH habe dich heute gezeugt“?
und wiederum:
„ICH werde ihm Vater und er wird MIR Sohn sein“?
(gezeugt: Gr. gegennka = 1. Person Singular Perfekt Indikativ Aktiv von gennaw (zeugen)
In diesem Abschnitt geht es um die Überlegenheit Jesu gegenüber den Engeln. Keiner der Engel wurde explizit „der Sohn GOTTES“ genannt. Trotzdem muss hier die Frage beantwortet werden, warum Jesus „Sohn“ genannt wird? Doch nur, weil GOTT ihn „heute“ gezeugt hat. Ich wiederhole es noch einmal: Jesus ist der Sohn GOTTES, weil GOTT ihn an einem bestimmten Tag gezeugt hat. Es gibt einen Tag in der Geschichte, an dem der Sohn in Existenz gekommen ist. Denn sonst hätte der Vater nicht sagen können: „ICH habe dich heute gezeugt“ (s. Psalm 2,7; Apg 13,33; Hebr 1,5; 5,5). Wenn die Aussage dieses Verses richtig ist, dann gab es eine Zeit bevor der Sohn geboren war.
Trinitarier sagen:
Der Sohn hat keinen Anfang;
Er hat schon immer existiert.
Arianer sagen:
Der Sohn hat einen Anfang;
Er wurde vor dem Universum geschaffen.
Unitarier sagen:
Der Sohn wurde im Leib Marias in Existenz gebracht.
Wir haben bereits gesehen, dass „gezeugt“ in Existenz kommen bedeutet; es gab also eine Zeit bevor der Sohn in Existenz gekommen ist. Es ist jedoch unmöglich, dass jemand existiert, bevor er in Existenz gekommen ist. Desweiteren bezieht sich die zweite Hälfte dieses Verses auf eine Jesus betreffende Prophetie, die in 2. Samuel 7,14 zu finden ist. Es gab einen Zeitpunkt, an dem GOTT der Vater von Jesus geworden ist. Anders gesagt: GOTT war solange nicht der Vater Jesu, bis ER sein Vater geworden ist. Diese Prophezeiung erhielt David von Nathan etwa um 1000 v.Chr. Zu diesem Zeitpunkt sprach GOTT von dem Sohn im Futur: „ICH will ihm Vater sein.“ Demnach hat der Sohn zu diesem Zeitpunkt noch nicht existiert oder er hat, wenn er existiert hat, keine Vater-Sohn Beziehung mit GOTT gehabt.
Wann ist GOTT der Vater des Sohnes geworden? Ich glaube, dass dieser Hebräertext diese beiden alttestamentlichen Zitate in solch einer Weise zusammenfasst, die diese Frage beantwortet. GOTT wurde der Vater des Sohnes als der Sohn durch die Zeugung des Vaters in Existenz gekommen ist. Dies scheint die eindeutige Lesart dieses Verses (Hebr 1,5) zu sein. Und in der Tat, - genau dies wird bestätigt, durch die Worte, die der Engel Gabriel zu Maria sagt:
Lukas 1, 35:
„Und der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren werden wird, Sohn GOTTES genannt werden."
Wie hat GOTT diesen Akt des Zeugens SEINES Sohnes nun bewerkstelligt? Er wurde vollzogen, als der heilige Geist (die Kraft GOTTES) Maria überschattete. Und in unmittelbarer Folge dieser jungfräulichen Empfängnis wird Jesus Sohn GOTTES genannt. Dies ist vollkommen logisch! Worauf Hebräer 1,5 anspielt, das wird von dem Engel Gabriel klar und deutlich erklärt: Jesus ist der Sohn GOTTES, weil sein Ursprung durch einen besonderen Schöpfungsakt GOTTES im Leib seiner Mutter geschah. Wenn Jesus existiert haben sollte, bevor er geboren war, dann müsste es einen Zeitraum zwischen diesem Ereignis und der Zeugung des Sohnes gegeben haben. Hier jedoch ist beides miteinander verbunden.
Es gibt einen anderen Menschen, der von GOTT eigens geschaffen worden ist (d.h. dass er ist nicht auf normale Weise durch zwei Eltern in Existenz gebracht worden ist). Adam ist von GOTT aus den Staub der Erde geformt worden. Wenn unser Verständnis also richtig ist, dann müsste auch Adam „Sohn GOTTES“ genannt werden.
Lukas 3,23+38 (NLB)
„Jesus war etwa dreißig Jahre alt, als er öffentlich zu wirken begann. Jesus war bekannt als der Sohn Josefs. Josef war der Sohn von Eli … Enosch war der Sohn von Set. Set war der Sohn von Adam. Adam war der Sohn GOTTES.“
So wie Adam der Sohn GOTTES war, so ist auch Jesus der Sohn GOTTES. Und es ist wirklich so: Paulus bezieht sich auf Jesus als den zweiten Adam, weil ihre Ursprünge und Funktionen so ähnlich sind (1.Kor 15,21-23; Röm 5,12ff.). Nun stellt sich die Frage, ob irgendjemand schon einmal davon gesprochen hat, dass Adam existierte, bevor er geschaffen war? Mit Sicherheit nicht; so etwas zu sagen wäre töricht. Warum aber wird dies in Erwägung gezogen, wenn es um den zweiten Adam, um Jesus, geht?
Galater 4,4:
„Als aber die Fülle der Zeit kam, sandte GOTT SEINEN Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter dem Gesetz.“ (geboren, Gr. genouenon = Akkusativ Singular maskulinum Aorist 2 von ginouai – in Existenz kommen)
Als schließlich der richtige Zeitpunkt gekommen war, sandte GOTT SEINEN Sohn. Der Sohn wurde geboren (in Existenz gebracht) von (aus) einer Frau. Das Wort, das mit „geboren“ übersetzt wird, bedeutet wörtlich: in Existenz kommen, geschaffen werden, durch ein Schöpfungswerk existieren. Das Wort, das mit „von“ in dem Teilsatz „geboren von einer Frau“ übersetzt wird, bedeutet wörtlich: Von, aus und bezeichnet Ursprung oder Quelle. Fügt man dies alles zusammen, dann erklären diese Worte, dass der Ursprung (der Anfangspunkt) des Lebens Jesu der Zeitpunkt war, als er aus einer Frau heraus in Existenz gebracht wurde. Er wurde auch unter dem Gesetz geboren (in Existenz gebracht), - er lebte, bevor das Gesetz erfüllt war. Diese Aussage über den Ursprung des Messias ist großartig. (Vergleiche diesen Vers mit Römer 1,3, wo das gleiche Wort „geboren“ und das gleiche Wort „von“ in gleicher Weise verwendet werden.
Alle diese Texte und andere (Joh 1,14+18; 3,16+18; Röm 1,3; 1.Joh 4,9; 5,1+18) machen deutlich, dass Jesus gezeugt/geboren war und dass er wirklich einen Anfang hatte. Wenn Jesus einen Anfang hatte, dann kann er nicht GOTT sein; aber es gibt noch mehr zu erforschen … Die zweite Frage, die beantwortet werden muss, lautet: „Wann ist dieser Anfang gewesen?“ Nach der arianischen Auffassung ist Gott der Vater allein ewig; Christus wurde als die erste und großartigste aller Kreaturen aus dem Nichts erschaffen und hat seinerseits das Universum gemacht. (Wycliffe Dictionary of Theology von Harrison, Bromiley, and Henry, S.63) Das glauben z.B. sechseinhalb Millionen Zeugen Jehovas. Um diese zweite Frage beantworten zu können, wollen wir über folgende Bibelstellen nachdenken:
Matthäus 1,8:
„Mit dem Ursprung Jesu Christi verhielt es sich aber so: Als nämlich Maria, seine Mutter, dem Josef verlobt war, wurde sie, ehe sie zusammengekommen waren, schwanger befunden von dem Heiligen Geist.“
(Ursprung - Gr. gennhsiv = Entstehung, Geburt, etwas, was entstanden ist)
Das griechische Wort für „Ursprung“ (oder Geburt) ist das gleiche wie das auch bei uns bekannte Wort „Genesis“. „Genesis“ bedeutet anfangen, beginnen; aus diesem Grund ist es auch der Name des ersten Buches der Bibel. Dieser Vers sagt uns also, dass der Anfang/Beginn/Ursprung Jesu Christi das Ergebnis davon ist, dass seine Mutter „schwanger befunden war von dem Heiligen Geist“. Diese Aussage ist überaus wichtig, damit wir verstehen können, dass Jesus eine Genesis (Beginn) hatte, und die war verbunden mit dem Wunder, das im Leib Marias geschah (Erinnere dich an Lukas 1,35).
Matthäus 1,20:
„Während er dies aber überlegte, siehe, da erschien ihm ein Engel des HERRN im Traum und sprach: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen! Denn das in ihr Gezeugte ist von dem Heiligen Geist.“
(gennhyen = Nominativ Singular Neutrum Partizip Aroist 1, Passiv von gennaw (zeugen))
In vielen Übersetzungen heißt es: „Das Kind, das sie erwartet“ oder „Das Kind, das sie empfangen hat“, statt „Das Kind, das in ihr gezeugt wurde.“ In vielen Bibeln ist diese Stelle die einzige, in der man dieses griechische Wort mit „empfangen“ übersetzt hat. Warum hat man das Wort „gezeugt“ nicht so übersetzt, wie an den anderen Stellen, an denen dieses Wort vorkommt? Ich glaube, dass wir diese Frage damit beantworten können, dass hier die klare Aussage vorliegt, dass Jesus durch den heiligen Geist in Maria gezeugt wurde (durch seinen Vater in Existenz gebracht wurde). Hier ist alles in einem Vers verpackt! Jesus, der Sohn, wurde in Existenz gebracht (gezeugt) und dieser Beginn war das Ergebnis, das durch die schöpferische Kraft des heiligen Geistes in Maria vollbracht wurde. Wie einfach, wie elegant ist diese Erkenntnis! Da gibt es keine Verwirrung über ein zweites Mal gezeugt zu sein. Diese Worte können in ihrer schlichten und einfachen Bedeutung verstanden werden und müssen nicht durch interpretative Übersetzungstricks versteckt werden. (Für die weitere Diskussion über die Voreingenommenheit der Übersetzen – besonders in Bezug auf das Thema Christus – sind folgende Bücher hilfreich: Orthodox Corruption of Scripture von Bart Ehrman oder Truth in Translation von Jason BeDuhn.) Außerdem, wenn Jesus nicht ein Mensch war wie Adam, warum soll es dann von Bedeutung gewesen sein, dass er in Vollkommenheit gelebt hat? Wenn er wirklich der zweite Adam war, dann hat er auch sündigen können. Er hätte alles vermasseln können, aber er hat es nicht getan. Ist er nicht ein Beispiel für uns, dem wir nacheifern können?!!
Apostelgeschichte 1,1
„Den ersten Bericht habe ich verfasst, Theophilus, von allem, was Jesus angefangen hat, zu tun und auch zu lehren.“
Lukas hat sowohl sein Evangelium als auch die Apostelgeschichte an Theophilus geschrieben. Hier in der Apostelgeschichte (dem zweiten Buch) nimmt Lukas Bezug auf sein erstes Buch (das Lukasevangelium). Er schreibt, dass er in dem ersten Bericht davon erzählt hat, was Jesus angefangen hat, zu tun und zu lehren. Wenn Jesus im Lukasevangelium (das mit der Geburt Jesu im ersten Kapitel beginnt; s. Lukas 1,35) angefangen hat „zu tun und auch zu lehren“, dann hat er vor seiner Geburt nichts getan und auch nicht gelehrt!
Hebräer 1,1+2: „Nachdem GOTT vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn, den er zum Erben aller Dinge eingesetzt hat, durch den er auch die Welten [Zeitalter]gemacht hat.“
Wenn der Sohn in den alttestamentlichen Zeiten existiert haben sollte, dann stellt sich die Frage, was er in dieser Zeit gemacht hat. Dieser Text sagt uns, dass GOTT erst in diesen letzten Tagen durch SEINEN Sohn gesprochen hat. Das macht dann Sinn, wenn SEIN Sohn zuvor noch nicht existiert hat. Es wird auch bestimmt sehr langweilig gewesen sein, Jahrtausende existiert zu haben, ohne die Erlaubnis zu haben, zu reden oder an GOTTES Schöpfungsprojekt mitmachen zu können.
Jesus hat einen Anfang und wenn er einen Anfang hat, dann kann er nicht GOTT sein. Es gab eine Zeit bevor der Sohn existierte! Der Sohn kam durch ein direktes Eingreifen GOTTES im Leib Marias in Existenz. Jesus ist der Sohn GOTTES, – nicht weil er vor der Erschaffung des Universums gezeugt worden war, – sondern weil er in Maria gezeugt worden ist. Und das ist das, was die Geburt Christi so besonders macht. Irgendwie ist mir nach Singen zumute …