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Wie die Einkommen unter den Menschen in einer Volkswirtschaft verteilt sind, kann als Mass für deren Wohlstand herangezogen werden. Je gleichmässiger und somit «gerechter» die Einkommen unter den verschiedenen Einkommensbezügern verteilt sind, desto «besser» geht es der Volkswirtschaft.
Die Einkommensverteilung einer Volkswirtschaft wird mit der Lorenzkurve dargestellt. Die Lorenzkurve wird in ein Koordinatensystem eingezeichnet, auf dessen x-Achse die Einkommensbezüger in Prozenten und auf der y-Achse die Einkommen in Prozenten abgetragen werden. Die Kurve wölbt sich dabei unterhalb der Diagonale.
Die Diagonale stellt die vollkommene Gleichverteilung dar. Das bedeutet, dass alle Einkommensbezüger genau gleich viel Einkommen erhalten – ein Zustand, der für eine Volkswirtschaft nicht erstrebenswert ist. Wenn alle genau gleich viel erhalten, egal was sie arbeiten und wie stark sie sich engagieren, hätte keiner einen Anreiz, mehr zu leisten als die anderen. Ohne diesen Anreiz fehlen einer Volkswirtschaft bald gut ausgebildete und motivierte Fachkräfte – denn das würde sich für die Menschen nicht lohnen. Ein gewisses Mass an ungleicher Verteilung der Einkommen ist als durchaus wünschenswert.
Was passiert aber, wenn die Kurve sehr stark gekrümmt ist, also die Einkommen sehr ungleich verteilt sind? Die Folgen einer derartigen Einkommensverteilung in einer Volkswirtschaft könnten soziale Unruhen sein – weil der Grossteil der Bevölkerung (z.B. 90%) nur sehr wenig Einkommen bezieht (z.B. 10%) und ein verschwindend geringer Anteil der Bevölkerung (z.B. 10%) mehr als 90% aller Einkommen verdient, fühlen sich die Menschen in einem Land ungerecht behandelt. Solche sozialen Unruhen sind für eine Volkswirtschaft ebenso unvorteilhaft (oder noch viel unvorteilhafter) wie eine vollkommene Gleichverteilung.
Die Lorenzkurve einer Volkswirtschaft sollte also nicht der Diagonale entsprechen, aber auch nicht zu stark gekrümmt sein. Staaten versuchen deshalb, durch Eingriffe in die Einkommensverteilung, die Krümmung der Lorenzkurve zu beeinflussen. In diesem Zusammenhang sprechen wir von der Primär- und der Sekundärverteilung.
Bevor der Staat in die Einkommensverteilung eingreift, zeigt die Lorenzkurve die «Primärverteilung» der Einkommen (primär = ursprünglich). Durch Umverteilungsmassnahmen werden nun die Einkommen in einer Volkswirtschaft – eben – umverteilt. Solche Umverteilungsmassnahmen werden vom Staat verordnet. Es sind z.B. die obligatorischen Sozialversicherungsabgaben für die AHV oder die Steuern, die wir jährlich bezahlen. Der Staat nimmt uns also einen Teil des Einkommens weg und verteilt es an die Menschen in der Bevölkerung um, die in Not geraten sind oder aus anderen Gründen vom Staat unterstützt werden: AHV-Bezüger im Pensionsalter, Sozialhilfebezüger, Arbeitslose. Nachdem der Staat umverteilt hat, zeigt die Lorenzkurve die «Sekundärverteilung» (sekundär = darauf folgend, an zweiter Stelle). Im Idealfall rückt die Lorenzkurve durch diese Massnahmen des Staats näher an die Diagonale heran. Ziel ist also, möglichst nahe an die Diagonale zu kommen, da dies von der Bevölkerung als «fair» wahrgenommen wird – jedoch will eine Volkswirtschaft nicht zu nahe an die Diagonale heranrücken, um den Menschen nicht den Anreiz zu nehmen, sich anzustrengen und dafür mit mehr Einkommen belohnt zu werden.
Auch die Verteilung von Vermögen kann mithilfe der Lorenzkurve dargestellt werden. Zur Unterscheidung von Einkommen und Vermögen kann folgendes Bild zu Hilfe genommen werden: Das Einkommen ist eine Flussgrösse und fliesst jeden Monat auf das Konto des Arbeitnehmers – wie ein Zuflussrohr in ein Wasserbecken. Das Vermögen ist eine Bestandesgrösse und besteht aus sämtlichen Vermögenswerten im Besitz einer Person (wie z.B. Immobilien, wertvoller Schmuck, Geldanlagen, etc.) – wie das Wasser, das sich im Wasserbecken sammelt. Aus Einkommen wird also im Laufe der Zeit Vermögen.