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André und Edouard Michelin verarbeiteten seit 1889 Kautschuk. In ihrer kleinen Fabrik produzierten sie Industrieabdichtungen, Gummibälle für Kinder oder Bremsklötze für Kutschen.
Dann entwickelte Edouard den ersten auswechselbaren Autoreifen. Aber der Absatz blieb bescheiden. Am Ende des 19. Jahrhunderts waren auf Frankreichs Strassen gerade mal 3000 Autos unterwegs.
Die Brüder überlegten sich, wie das Autofahren populärer werden könnte. Und veröffentlichten im Jahr 1900 den ersten «Guide Michelin». Das kostenlose Buch enthielt praktische Informationen, die das Autofahren einfacher machten: Strassenkarten, die Standorte von Tankstellen oder die Adressen von Automechanikern.
Aber nach ein paar Jahren verkauften die Brüder noch immer fast keine Autoreifen. Also änderten sie das Konzept ihres «Guide».
Als erstes gab es das Buch seit 1920 nicht mehr kostenlos. André Michelin hatte beobachtet, dass ein Automechaniker mit zwei Stapeln ihres Führers eine Werkbank stützte. Das hatte ihn verärgert, gemäss dem Grundsatz: Was nichts kostet, ist nichts wert.
Entscheidender aber war, dass im «Guide Michelin» neu Gastrokritiken erschienen. Im Jahr 1931 wurde das bis heute gültige Sterne-System eingeführt. Ein Stern bedeutet: Das Restaurant ist einen Zwischenhalt wert. Zwei Sterne: Das Restaurant lohnt einen Umweg. Drei Sterne: Das Restaurant verdient eine eigene Reise.
Die Feinschmecker Europas stiegen in ihre Autos. Und mit jedem Kilometer, den sie zurücklegten, nutzten sich ihre Reifen ein wenig mehr ab.