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Kreuz Jerusalem Anhänger
Kreuz Jerusalem Anhänger, (vermutlich aus dem Besitz von Melchior Lussi) Silber, angeblich 16. Jh., 4x4 cm, NM 782
Das auf den ersten Blick eher unscheinbar wirkende Objekt stammt möglicherweise aus dem persönlichen Besitz von Ritter Melchior Lussi (1529-1606), einer der bedeutendsten Staatsmänner Unterwaldens im 16. Jh.. Trotz seiner bescheidenen Grösse, ist es möglicherweise als Zeugnis der Ritterwürde von Melchior Lussi ein wertvolles kleines Bijou.
Beim Jerusalemkreuz handelt es sich um ein Symbol, das aus insgesamt fünf (griechischen) Kreuzen besteht. Oft wird das Mittenkreuz als Kruckenkreuz, d.h. als Kreuz mit Querbalken dargestellt.
Die früheste Verwendung dieses Symbols geht auf das Jahr 1099 zurück, als nach dem ersten Kreuzzug das Königreich Jerusalem gegründet wurde. Es ist vom ersten Regenten und Gründer des Königreichs, Godefroy de Bouillon (1060-1100), zum Staatswappen erklärt worden und symbolisiert die fünf Wunden Christi. Der im gleichen Jahr in Jerusalem gegründete Ritterorden vom Heiligen Grab wählte das neue Staatswappen im 14. Jh. zum Ordenssymbol.
Die Aufnahme in den Grabesorden, der noch heute existiert, folgte einem Brauch, der seit 1335 schriftlich belegt ist. Der meist adlige Kandidat, der sich als katholischer Christ besonders ausgezeichnet haben musste, wurde während einer Pilgerfahrt in das Heilige Land am Heiligen Grab in Jerusalem zum Ritter geschlagen. Diese Zeremonie wurde vom Oberhaupt eines Franziskaner- oder Kapuzinerkonvents, dem sogenannten Guardian, vollzogen.
Ritter Melchior Lussi (1529 – 1606) war einer der bedeutendsten Staatsmänner Unterwaldens. 1561 wurde er zum Landamman Nidwaldens gewählt und durfte dieses Amt eine lange Zeit tragen, da er insgesamt 10 Mal hintereinander wiedergewählt wurde. Lussi nahm 1562 am Konzil von Trient teil, wo er sich als Gesandter für die Interessen der katholischen Orte einsetzte. Weitere Gesandtschaftsreisen folgten. Unter anderem wurde er nach Paris, Mailand und nach Rom zum Heiligen Stuhl gesandt, um die Angelegenheiten der Eidgenossenschaft und der sechs katholischen Orte zu vertreten. 1589 wurde Melchior Lussi von der Landsgemeinde Nidwaldens zum ersten Landshauptmann des ganzen Kantons gewählt.
Ritter Melchior Lussi setzte sich nicht nur politisch für den katholischen Glauben ein. Als er 1580 die Tessiner Vogtei Lavis als Stellvertreter für seinen verstorbenen Bruder verwaltete, konnte er engen Kontakt mit dem mailändischen Erzbischof und Kardinal Karl Borromäus knüpfen, der als bedeutender Vertreter der Gegenreformation gilt. Von ihm erwirkte Lussi die Einführung der ersten Ordensbrüder vom Orden der Franziskaner in Nidwalden, für die er 1582 eine kleine Kirche und ein Kloster mit eigenen Mitteln erbaute und für deren Unterhalt er lange Zeit sorgte. Aufgrund seines grossen Einsatzes für den katholischen Glauben wurde Melchior Lussi 1583, während einer Pilgerreise ins heilige Land, in Jerusalem zum Ritter des Ordens des heiligen Grabes geschlagen.
Autor: Miodrag Roncevic, 2014
Dieses Objekt ist in der Dauerausstellung "Mutig-Trotzig-Selbstbestimmt. Nidwaldens Weg in die Moderne" im Salzmagazin ausgestellt.