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Tabletten zerkleinern
Immer wieder werden wir in der Apotheke gefragt, ob man Tabletten nicht einfach teilen könne, damit die Packung länger halte und Kosten gespart werden. Das Teilen von Tabletten kann sinnvoll sein, birgt jedoch auch einige Gefahren. Es kann im schlimmsten Fall zu schwerwiegenden, unerwünschten Arzneimittelnebenwirkungen oder zu Wirkungsverlust führen.
Tabletten teilen ist eine gängige Praxis und bietet viele Vorteile. Wenn Dosierungen individuell angepasst sein müssen, erspart das Teilen von Tabletten den Wechsel zwischen Packungen mit verschiedener Dosisstärke, z. B. morgens 20 mg (½ Tablette), abends 40 mg (1 Tablette). Manchmal erfordert die Arzneimitteltherapie auch eine langsame Dosissteigerung oder ein Ausschleichen des Wirkstoffes (z. B. bei Kortisonbehandlung). Auch hier ist es notwendig, die Tabletten zu teilen, um die richtige Dosis zusammenzustellen. Bei Kindern, alten Menschen oder Patienten mit Niereninsuffizienz kann es notwendig sein, die Tabletten zu zerkleinern, da diese Patienten oft eine noch kleinere Dosierung brauchen, als sie die kleinste zugelassene Dosierungsstärke darstellt. Dies ist auch der Fall, wenn Patienten auf Grund von Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Medikamenten kleinere Dosierungen benötigen.
Akzeptanz des Teilens von Tabletten
Viele Patienten akzeptieren das Tablettenteilen sehr gut; es gibt aber Leute, bei welchen die Bereitschaft, die Tabletten regelmässig einzunehmen, durch das Teilen sinkt (Compliance). Es gibt sogar Patienten, die bereit sind, mehr Geld auszugeben, wenn sie die Tabletten nicht teilen müssen.
Nicht alle Leute können Tabletten teilen. Schwierig ist es für hospitalisierte, betagte Patienten und Patienten mit eingeschränkter Fingergeschicklichkeit, z. B. bei der Dosisanpassung von Kortison bei rheumatoider Arthritis.
Vorsicht vor Wirkstoffverlust
Manche Tabletten sind mit einem Film überzogen, um die Wirkstoffe vor einer Inaktivierung durch Luftsauerstoff, Feuchtigkeit oder Licht zu schützen. Hier wird das Teilen kritisch; denn es kann sehr schnell zu einem Wirkstoffabbau kommen. Vor allem, wenn Tabletten im Voraus geteilt und in einem transparenten Wochen-Dispenser gelagert werden, muss man an einen eventuellen Wirkungsverlust denken.
Teilen von gefährlichen Wirkstoffen
Beim Teilen von Tabletten sowie beim Zerkleinern im Mörser entstehen Stäube. Dies ist besonders kritisch bei Präparaten, die sehr starke Wirkstoffe haben, wie sie z. B. in der Krebstherapie eingesetzt werden. Dies müssen vor allem das Pflegepersonal und die Angehörigen beachten; denn für sie kann die Handhabung mit diesen Wirkstoffen gesundheitsschädigend sein. Daher sind hier spezielle Vorsichts- und Schutzmassnahmen nötig.
Nicht jede Tablette kann geteilt werden
Es gibt ganz verschiedene Arten von Tabletten. Die einfachste ist die normale Tablette wie z. B. das gewöhnliche Aspirin. Sie kann gut geteilt werden. Schwieriger wird es jedoch bei Retard-Tabletten.
Diese setzen den Wirkstoff relativ langsam frei, damit ein konstantes Konzentrationsprofil im Blut erreicht wird. Aus diesem Grund wird die Tablette mit einem speziellen Filmüberzug versehen oder der Wirkstoff wird in eine Matrix eingebettet. Wenn solche Tabletten geteilt werden, wird die Freisetzung des Wirkstoffes beeinflusst. Es kann sehr viel Wirkstoff innert kurzer Zeit freigesetzt werden, was zu schwerwiegenden Problemen führen kann. Nicht geteilt werden darf z. B. Novoform®.
Es gibt jedoch auch Formulierungen bei retardierten Tabletten, die geteilt werden können. Wenn z. B. die Retardierung über Granulate erfolgt, die einzeln mit einem Film überzogen sind, kann die Tablette problemlos geteilt werden. Ein Zerkleinern im Mörser wird hier jedoch problematisch. Generell gilt, dass Retard-Tabletten nur geteilt werden dürfen, wenn die Arzneiform dies ausdrücklich ermöglicht. Dies sieht man meistens optisch an einer Bruchrille auf der Tablette. Oder es werden dazu ausdrücklich Angaben in der Packungsbeilage gemacht.
Teilen nur nach Absprache mit einer Fachperson
Die Frage nach der Teilbarkeit von Tabletten ist sicherlich berechtigt. Es lohnt sich jedoch, sich bei einer Fachperson darüber zu erkundigen, ob eine bestimmte Tablette teilbar ist und ob die Teilung auch in Kombination mit anderen Medikamenten, die vom Patienten eingenommen werden müssen, sinnvoll und sicher ist.
Andrea Merkel, eidg. dipl. Apothekerin ETH