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30 Jahre Tschernobyl
Morgen jährt sich die Katastrophe von Tschernobyl zum 30ten Mal. Es ist ein trauriger Jahrestag. Am 26. April 1986 explodierte das Atomkraftwerk Tschernobyl unter Volllast. Grosse Mengen radioaktiver Stoffe wurden in die Atmosphäre geschleudert und über den radioaktiven Niederschlag grossflächig verteilt.
Um die Katastrophe aufzuräumen waren 800'000 sowjetische Soldaten als sogenannte Liquidatoren im Einsatz. Notdürftig wurde ein Schutzmantel rund um das AKW gebaut. Doch da dieser zu wenig Schutz bietet, ist man heute daran einen neueren und grösseren Sarkophag zu bauen. Insgesamt mussten 350'000 Menschen umgesiedelt werden.
Was hat man daraus gelernt?
- Hat man gelernt umzugehen mit menschlichen Fehlern?
- Hat man gelernt umzugehen mit technischem Versagen?
- Hat man gelernt umzugehen mit seltenen Ereignissen?
Nein. Man machte die Kultur der Sowjets verantwortlich. Bei uns im Westen könnte so etwas nie passieren.
Als Fukushima 2011 explodierte, wurde klar, dass diese Annahme falsch war. Und die Katastrophe passierte ausgerechnet im technologie-affinen Japan.
Was tut die Schweizer Politik nach Harrisburg, nach Tschernobyl und nach Fukushima? Das Credo lautet: Die alten AKW können weiterbetrieben werden, solange sie sicher seien.
Noch Anfang März 2011 hatte man gedacht, Fukushima sei ein sicheres Kraftwerk. Sonst hätte man es um Himmelswillen doch vorher abgestellt. Und auch am 24. April 1986 dachte man, Tschernobyl sei sicher.
Genau diese Risiko-Blindheit ist das Problem. Denn das Risiko besteht eben darin, dass man die Sicherheit falsch einschätzt. Und genau das wird ignoriert. Man geht davon aus, dass man selber keine Fehler macht. Die alten Griechen nannten das Hybris. Wikipedia erklärt das Wort wie folgt: Die Hybris bezeichnet eine extreme Form der Selbstüberschätzung oder auch des Hochmuts. Man verbindet mit Hybris häufig den Realitätsverlust einer Person und die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten, Leistungen und Kompetenzen.
Das vom ENSI geforderte Langzeitbetriebskonzept für AKW wurde vom rechten Parlament abgelehnt. Die Sicherheits-Marge wurde gestrichen. Der alte Schrottmeiler Beznau soll ausgepresst werden wie eine Zitrone. Bis ans Limit. Genau wie dies in Fukushima der Fall war.
Es ist ein trauriger Jahrestag. Noch trauriger ist es zusehen zu müssen, wie nichts – aber auch gar nichts – gelernt wurde.