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Die Abwesenheit einer internationalen Steuerrechtsbehörde, welche globales Steuerrecht entwirft und implementiert, führt zu einer Situation, welche sich auffallend von der nationalen Ebene unterscheidet: denn internationales Steuerrecht wird von Staatsvertretern, Steuerexperten und Interessensgruppen innerhalb von intergovernmentalen Organisationen ausgehandelt, die letztlich nur zum Teil demokratisch legitimiert sind. Die Legitimität, Internationalität und Effektivität der derzeitigen Normen und Regeln werden deshalb von verschiedenen Akteuren, die bis jetzt nicht am Verhandlungsprozess teilgenommen haben—vorrangig Länder des globalen Südens und zivilgesellschaftliche Organisationen—in Frage gestellt. Das Projekt, das mit qualitativen Forschungsmethoden arbeitet, hat zum Ziel, ein empirisch fundiertes Verständnis zu generieren, wie internationales Steuerrecht in der Praxis gemacht wird. Es will dazu beitragen, die Auswirkungen einer veränderten Wahrnehmung von Steuergerechtigkeit („Wer soll wo Steuern zahlen, und wie viel?“) und dem derzeitigen Streit über die Machtordnung internationales Steuerrechtsnormen zu bestimmen („Wer soll einen Sitz am Steuerrechtsverhandlungstisch in intergovernmentalen Organisationen haben?“) auf die Produktion von internationalem Steuerrecht zu untersuchen. Damit gibt das Projekt auch allgemeine Aufschlüsse darüber, wie internationale Normen und Regeln für die globale Ressourcenverteilung zwischen Staaten entstehen. Dies ist besonders von Bedeutung für derzeitige Versuche in den Sozialwissenschaften, die Konsequenzen und Effekte der wachsenden Diskrepanz von vornehmlich territorial organisierten Staaten und einer zunehmend transnational organisierten Wirtschaft zu verstehen.