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Rubigen
Kirche Kleinhöchstetten
Die ehemalige Wallfahrtskirche Unsere Liebe Frau steht schön gelegen über dem Abhang zur Aare in einem kleinen Weiler zwischen Rubigen und Allmendingen. So unscheinbar die Kirche nach aussen wirkt, ist sie historisch hochbedeutsam. Es handelt sich um die einzige, im schweizerischen Mittelland noch erhaltene Kirche aus der Zeit der Frühromanik (10. Jahrhundert, der Vorgängerbau 8. Jahrhundert). Das heisst, die Kirche entstand sogar vor den bekannten «Zwölf Thunerseekirchen». Mit der Reformation 1528 wurde sie profaniert, erst seit 1965 dient sie wieder als Gottesdienstraum. Es ist eine kreuzförmige Saalkirche mit trapzeförmigem Schiff, leicht eingezogener Apsis und zwei seitlichen Annexen am Apsidenansatz.
Etwa um 700 wurde hier eine erste Kirche erbaut. Es handelte sich um eine Saalkirche mit Friedhof. Kupfernägel auf den Tonfliesen der heutigen Kirche markieren den Grundriss der damaligen Kirche. Anstelle der ersten Kirche wurde in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts eine grössere Kirche gebaut. Diese gilt als frühmittelalterliche Annexkirche mit einem kreuzförmigen Grundriss und entsprach etwa der Grösse der heutigen Kirche. Möglicherweise wurde diese neue Kirche von Rudolf II und seiner Gattin Berta des hochburgundischen Königreiches gestiftet. Kirchenrechtlich unterstand die Kirche dem Bistum von Konstanz. 1348 wird die Kirche als «Unserer lieben Frau» erwähnt. Als Kirche mit einem offenbar wundertätigen Marienbild diente sie als Wallfahrtskirche und wurde häufig besucht. 1438 – 1441 gab die Stadt Bern, seit dem Ende des 14. Jahrhundert Pfrundeigentümer von Kleinhöchstetten, bauliche Veränderungen in Auftrag: Die Annexe wurden abgebrochen und ein Triumphbogen zwischen Kirchenschiff und Chor eingebaut. Grössere Fenster erhellten das Innere und Wandmalereien schmückten die Wände.
Jörg Brunner aus Landsberg (Bayern) wirkte anfangs des 16. Jahrhunderts in Münsingen als Pfarrhelfer, amtierte 1522 – 1525 als Pfarrer in Kleinhöchstetten und predigte gegen die Missstände in der damaligen katholischen Kirche. In der Disputation vom 29. August 1522 verteidigte er seine Ideen vor dem Berner Grossen Rat gegen den Widerstand aus kirchlichen Kreisen und leistete damit einen wichtigen Beitrag zur späteren Durchsetzung der Reformation im Kanton Bern. 1525 wurde Jörg Brunner dann auf Intervention konservativer kirchlicher Kreise abgesetzt und des Landes verwiesen. 1528 führte Bern die Reformation ein. Die Verehrung von Heiligen und die Anbetung der Maria waren nicht mehr erwünscht. Als der Pilgerstrom jedoch nicht abreissen wollte, schloss der Staat Bern die Kirche 1534 und überliess sie einem Bauern.
In der Folge wurde die Kirche als Wohnung für Knechte, als Wagenschopf, als Vorratskammer und als Stall genutzt. Im 19. Jahrhundert diente ein Anbau als Lehrerwohnung. 1939 wurde die Kirche zum Abbruch ausgeschrieben. Der Ausbruch des zweiten Weltkrieges verhinderte dies jedoch. Ernst Aebi, Lehrer an der Sekundarschule in Worb, setzte sich mit einer Schulklasse 1952 für die Rettung der Kirche ein. Arist Rollier, damals Obmann des Berner Heimatschutzes unterstützte das Vorhaben. Schliesslich erwarb 1953 der Synodalrat der evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Bern das Objekt und schenkte es der Kirchgemeinde Münsingen mit der Auflage die Kirche zu restaurieren und für Gottesdienste zu nutzen. Bei umfangreichen Ausgrabungen 1954/1955 kamen die Grundmauern älterer kirchlicher Bauten und 164 Gräber zum Vorschein. Am 15. Mai 1966 wurde die Kirche mit einem Festgottesdienst eingeweiht. Seither wird die Kirche wieder für Gottesdienste, Konzerte, Hochzeiten und weitere Veranstaltungen genutzt.
- Kunstführer durch die Schweiz, hg. von Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2006-2012, Bd. 3, S. 347.
- Wikipedia Eintrag Kirche Kleinhöchstetten: https://de.wikipedia.org/wiki/Kirche_Kleinhöchstetten