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Schaut mal dieses Foto an:
An sich ist dies nicht weiter bemerkenswert – ausser, dass es selbstredend ein hammergeiles Foti und ein stetiger Reminder ist, dass anno dazumal alles ein kleines bisschen cooler und stylisher war –, wenn nicht in der Ostschweiz aktuell dieses Auto hier herumfahren würde:
Korrekt. Das ist haargenau dasselbe Fahrzeug. Und es ist grossartig. Und die dazugehörige Story, wie das Gefährt in die Schweiz kam, ist nicht minder grossartig:
Anno 1953 ist Schauspieler Clark Gable («Gone With the Wind») im englischen Cornwall mit Dreharbeiten zum Film «Never Let Me Go» beschäftigt. Zu diesem Zeitpunkt besitzt Gable in Kalifornien bereits ein Exemplar des für die damalige Zeit sehr schnellen Jaguar XK 120. Für seinen arbeitsbedingten längeren Europa-Aufenthalt wünscht er sich ein identisches Auto und veranlasst, dass Jaguar ihm ein solches direkt zum Filmdreh liefert.
Sofort fordert er, dass einige Modifikationen gemacht werden, was für die spätere, zweifelsfreie Identifikation des Autos von erheblichem Belang ist: Luftschlitze in der Motorhaube etwa. Oder ein Gepäckträger auf dem Kofferraum, denn der Star plant eine längere Ausfahrt: Mit seinem damaligen aktuellen Schwarm (Gable galt als ein ziemlicher Frauenheld), dem französischen Fotomodell Suzanne Dadolle, fährt er zunächst nach Luzern, wo er im «Hotel National» logiert.
Danach geht es für drei Wochen zur Villa D'Este am Lago di Como zum Golfspielen. Mit Unterbrüchen dauert der Roadtrip bei dem unter anderem obiges Foto in Cannes entstanden ist, fast ein ganzes Jahr.
Bald stellt Gable fest, dass Dadolle der französischen Presse verklickert hat, sie sei mit ihm verlobt. Gewisse Quellen behaupten nun, Gable habe darauf das Land «fluchtartig» verlassen. Ob seine Abreise wirklich derart Hals über Kopf vonstatten ging, ist unklar. Jedenfalls nahm Clark seinen geliebten Jaguar mit nach Hollywood, wo er ihn kurze Zeit später verkaufte.
Der nächste Besitzer – ein wohlhabender südafrikanischer Student – verfrachtet den Sportwagen in seine Heimat, wo dieser mehrere Jahrzehnte bleibt und mitunter auch eine neue – weisse – Lackierung bekommt, bis er irgendwann einmal später in der Schweiz landet: Anfang der Achtzigerjahre kauft ihn der Vater des jetzigen Appenzeller Besitzers. Der Senior weiss übrigens zeitlebens nichts über den prominenten Vorbesitzer.
Mehr als 30 Jahren später will der heutige Schweizer Lenker des Jaguars das inzwischen doch ziemlich heruntergekommene Fahrzeug wieder strassentauglich machen, weshalb der er beim renommierten Jaguar-Spezialisten Dönni Classic Cars im luzernischen Roggliswil vorstellig wird. Der Auftrag lautet: Das Auto soweit restaurieren, dass es alltagstauglich ist. Concours-würdig muss es nicht sein, aber hübsch aussehen und funktionieren muss es.
Garagebesitzer Georg Dönni stellt routinemässig Nachforschungen an, um die Geschichte des Jaguars zu dokumentieren und stellt fest: Ab Werk wurde das Auto «delivered to Mr. Clark Gable». Nach weiteren Nachforschungen kann man alsbald konstatieren: Das ist der Clark-Gable-XK-120!
Nun ändert sich das Vorgehen des Besitzers. Hier wird keine Hauptsache-Es-Läuft-Restauration gemacht, sondern fortan ein historisch detailgetreue Instandsetzung, bei der jedes noch so kleine Detail dem des Urzustands entspricht.
Nun ist das Auto fertig – in der Originalfarbe «Battleship grey» – und wurde soeben beim Strassenverkehrsamt vorgeführt. Beim Edel-Oldtimer-Treffen Concorso d'Eleganza in der Villa D'Este (ein Homecoming gewissermassen) stiess der Jaguar bereits auf grosses Interesse. Potentiell dürfte ein Auto mit einer solchen Vergangenheit einen erheblichen Verkaufswert bei internationalen Auktionen haben.
Doch wie's aussieht, möchte der Besitzer den Wagen einfach mal fahren. Hier geht's nicht um Profit. Hier geht's um Freude am Objekt.
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