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Die Bio Suisse steht vor zwei grossen Herausforderungen: dem Biomilchmarkt und dem Biofleischmarkt. Die Biomilchbauern werden im laufenden Jahr rund 186 Millionen Kilogramm Milch melken, 7 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Nachfrage schätzt die Bio Suisse auf lediglich 170 Mio. Kilogramm. Bio Suisse-Geschäftsführer Stefan Odermatt sieht zwar wenig Gefahr für eine Überproduktion, wie er an der Bio Suisse-Jahrespressekonferenz vom 23. März in Bern erklärte: "Für eine sichere Versorgung des Marktes über das ganze Jahr ist ein kleiner Angebotsüberhang nötig." Das Problem seien aber die saisonalen Schwankungen, die im Biomilchmarkt mindestens doppelt so hoch seien wie bei der konventionellen Produktion. Sie rühren daher, dass ein grosser Teil der Biomilch aus dem Berggebiet stammt. Die Biokühe sind im Sommer auf der Alp und geben Milch für Alpkäse. Im Herbst geht die Milchproduktion zurück. Im Winter, nachdem die Kühe gekalbt haben und im Frühling, wenn das Gras wieder wächst, geben die Kühe wieder mehr Milch.
Die Schwankungen ausgleichen
Die grosse Herausforderung ist, diese Schwankungen zu glätten. Das Instrument dazu heisst Zusammenfassung und Koordination des Angebots. Bereits heute koordinieren sechs Produzentengruppen fast 100 Prozent der Biomilch. Für die Zukunft des Biomilchmarktes schlägt die Bio Suisse drei Modelle vor. Die Bio Suisse wird entweder weiterhin die Marktregelung den Produzentengruppen überlassen und diese lediglich zur Koordination ermuntern, oder aber direkt eingreifen. Dies wird entweder geschehen, indem sich die Produzenten verpflichten, ihre Milch über lizenzierte Organisationen zu vermarkten, oder indem eine gewählte Kommission die Verantwortung für den Biomilchhandel übernimmt. Die Delegierten der Bio Suisse werden sich am 15. April für eines der drei Modelle entscheiden.
Wo viel Biomilch produziert wird, entsteht auch viel Biofleisch. Die Vermarktung von Biofleisch ist für die Bio Suisse schon lange ein schwieriges Thema. Der Anteil von Biofleisch am Gesamtfleischmarkt beträgt tiefe vier Prozent. Das Segment Biorindfleisch entwickle sich zwar mit den Labels Natura-Beef Bio und Bio Weide Beef gut, Engpässe beim Biofleischabsatz würden aber die Entwicklung der ganzen Branche behindern, erklärte Odermatt in Bern. Das soll sich ändern: Bio Weide Beef, das regen Zulauf von Produzenten erhält, war bisher nur in der Migros-Genossenschaft Ostschweiz erhältlich, soll neu aber auch in den Genossenschaften Zürich und Neuenburg-Freiburg verkauft werden. Beim Schweine- und Kalbfleisch dagegen wachsen die Verkäufe nur sehr langsam. Bio Suisse erhoffe sich von den Grossverteilern noch mehr Engagement für das Biofleisch, erklärte Bio Suisse-Kommunikationschefin Cordelia Galli Bohren. Wichtig sei auch, dass nicht nur die edlen Stücke, sondern auch das restliche Fleisch der Biotiere vermarktet werde.
Starkes Wachstum in der Westschweiz
Heute wirtschaften 6,445 Bauernbetriebe in der Schweiz nach den Richtlinien von Bio Suisse. 2003 stellten 206 Betriebe auf Bio um, was einer Steigerung um 3,3 Prozent entspricht. Der Bio-Gesamtmarkt nahm 2003 um 7 Prozent auf 1,13 Milliarden Franken zu. Die Renner sind Biomilch, Biokäse und Biobrot. Bei letzterem kann allerdings die inländische Produktion nicht Schritt halten. Der Anteil an Schweizer Biogetreide stagniert bei rund einem Viertel des Biogetreidebedarfes.
Die stürmischen Wachstumsjahre für die Biolandwirtschaft sind in der deutschen Schweiz vorbei, wie Vizepräsident François-Philippe Devenoge in Bern erklärte. Überdurchschnittlich stark sei das Wachstum des Biomarktes in der Westschweiz, wo ein Nachholbedarf herrsche. Der Umsatz mit Biomilch etwa wuchs dort im vergangenen Jahr um ganze 44 Prozent.