Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/169934

<h2>SubmittedText<h2><p>Forscherinnen und Forscher der Universität Hohenheim in Deutschland haben herausgefunden, dass Lebensmittelzutaten unerlaubterweise der Textilfarbstoff "Reactive Red 195" beigemischt wurde, der nicht zum Verzehr bestimmt ist. Laut Aussage der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind diese Lebensmittelzutaten auf dem weltweiten Markt weit verbreitet.</p><p>Die Konsumentinnen und Konsumenten wollen zunehmend auf Lebensmittelzusatzstoffe verzichten und suchen nach Lebensmitteln, die mit natürlichen Zutaten (wie Randen-Extrakt oder Rote-Rübe-Extrakt) und nicht mit synthetischen Farbstoffen gefärbt sind. Die Forscherinnen und Forscher der Universität Hohenheim analysierten Proben von färbenden Zusatzstoffen, die ihnen von Lebensmittelherstellern zugestellt wurden, die an deren Qualität zweifelten. Die Lebensmittelexpertinnen und -experten entdeckten darin den Textilfarbstoff "Reactive Red 195", der für den menschlichen Verbrauch nicht zugelassen ist und mit gewissen Krankheiten bei Kindern in Zusammenhang gebracht wird.</p><p>Insbesondere in Deutschland und Frankreich werden die Konsumentinnen und Konsumenten mit diesem unerlaubten Zusatz getäuscht. Deshalb frage ich den Bundesrat:</p><p>1. Ist dieses Produkt auch in Lebensmitteln vorhanden, die in der Schweiz verkauft werden?</p><p>2. Wenn ja, in welchen Lebensmitteln und in welchen Mengen?</p><p>3. Über welche Daten verfügt man, um die Tragweite dieses Phänomens zu eruieren?</p><p>4. Wie gedenken die Behörden die Konsumentinnen und Konsumenten vor Lebensmitteln zu schützen, die diesen unerlaubten Zusatzstoff enthalten?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Beim Farbstoff Reactive Red 195 handelt es sich um einen roten Azofarbstoff, dessen Verwendung in Lebensmitteln weder in der Schweiz noch in der EU zulässig ist.</p><p>1./2. In der Schweiz sind bisher keine Fälle bekannt, in denen Lebensmittel mit diesem Farbstoff gefärbt worden sind. Solche Fälle wurden weder durch die kantonalen Vollzugsbehörden in der Schweiz aufgedeckt, noch wurden Importe derartiger Produkte in die Schweiz über das Europäische Schnellwarnsystem für Lebensmittel (RASFF) gemeldet.</p><p>3. Der Farbstoff Reactive Red 195 ist als Substanz bekannt und in der Literatur beschrieben. Da er jedoch zum Einsatz in Lebensmitteln nicht zugelassen ist, gibt es keine spezifischen Daten zur Toxikologie.</p><p>In Österreich wurde 2016 ein Fall bekannt, bei dem dieser Farbstoff in Lebensmitteln nachgewiesen worden ist. Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit untersuchte die Konzentration im Endprodukt sowie die daraus zu erwartenden gesundheitlichen Auswirkungen und erachtete das gesundheitliche Risiko aufgrund der geringen Konzentration als vernachlässigbar.</p><p>4. Das Lebensmittelgesetz (SR 817.0) sieht zur Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit vor, dass jeder Lebensmittelunternehmer im Rahmen seiner Tätigkeit besorgt sein muss, dass die Waren den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Im Rahmen der Wahrnehmung dieser Selbstkontrollpflicht liessen mehrere Lebensmittelunternehmer einen Farbstoff von der Universität Hohenheim untersuchen, der ihnen als "natürlicher Farbstoff" angeboten wurde.</p><p>Im Weiteren führen in der Schweiz die kantonalen Lebensmittelvollzugsbehörden risikobasierte Kontrollen durch. Dabei sind die Kontrollen auf unerlaubte Farbstoffe immer wieder Gegenstand von Untersuchungskampagnen. Die Untersuchungsresultate der Universität Hohenheim werden dazu führen, dass auch dem Farbstoff Reactive Red 195 vermehrt Beachtung geschenkt werden wird.</p><p>Die Schweiz hat keinen Zugriff auf das "Administrative Assistance and Cooperation"-System der EU. In diesem System werden Informationen über Betrugsvorfälle mit Lebensmitteln ausgetauscht. Somit fehlt der Schweiz der Zugriff auf wichtige Informationen. Der Bundesrat hat daher das Mandat erteilt, im Rahmen der aktuellen Verhandlungen zum Abkommen über Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit, Produktsicherheit und öffentliche Gesundheit eine weiter gehende Zusammenarbeit mit der EU anzustreben.</p>  Antwort des Bundesrates.