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Es war ein ambitionierter Plan, als die Comic Schmiede Marvel gemeinsam mit Mutterkonzern Disney verkündete, ein filmisches Universum zu schaffen, in dem alle zukünftigen Filme des Studios miteinander vernetzt sind. Bekannt wurde dies unter dem Namen Marvel Cinematic Universe und erweist sich bis heute als zuverlässiger Garant für ordentliche Einspielergebnisse. Im hart umkämpften Blockbuster-Markt gilt seither die Erkenntnis, dass das Schaffen einer Marke wichtiger ist, als eine vernünftige Story zu erzählen, etwas was auch auf „Die Mumie“ zutrifft. Universal möchte nämlich seinen Film dazu nutzen, einen eigenen filmischen Kosmos zu etablieren, dem „Dark Universe“. In dem sollen sich zukünftig die großen klassischen Universal-Monster von einst treffen.
Die Geschichte beginnt zunächst im Mittelalter, wo irgendwo im frühen London ein Artefakt mit einem Tempelritter beerdigt wird. Von dort geht es zügig in das alte Ägypten. Dort lebte Prinzessin Ahmanet (Sofia Boutella), die Tochter des Pharaos (Selva Rasalingam). Als einziger Nachkomme stand ihr nach dem Tod des Vaters das Erbe des Throns zu. Aus diesem Plan wird jedoch nichts, da die neue Frau des Pharao einen Sohn zur Welt bringt. Ahmanet versteht, was das für sie bedeutet und schließt einen Pakt mit Seth, dem Gott der Toden. Die zornige Tochter tötet den Pharao, seine Frau und ihren Sohn. Das Komplott wird jedoch aufgedeckt, die Prinzessin in ein Quecksilberbad getaucht und anschließend in einen Sarkophag gesperrt, allerdings nicht in Ägypten, sondern im Irak, damit sie weitgenug von ihrem Zuhause entfernt ist. Dort tummelt sich in der Gegenwart ein gewisser Nick, der irgendwie für das US-Militär unterwegs ist, aber eigentlich windiger Glücksritter ist, der einfach ein paar Gräber plündern möchte. Bei dieser Suche löst er ein kleines Gefecht mit IS-Milizen aus und muss von Drohnen gerettet werden. Zugleich legen die Drohnen das gesuchte Grab frei. Aus genauso nebulösen Gründen warum Tom Cruise im Schlepptau des Militärs unterwegs ist, taucht im selben Schlepptau die Archäologin Jenny Halsey am Fundort auf. Mit der hatte der gute Nick kurz zuvor ein Techtelmechtel, wo er ihr auch gleich einen Plan entwendet hatte. Natürlich findet man in der freigelegten Höhle nicht den erhofften Schatz, sondern das Grab der Prinzessin. Die wird in ein Flugzeug verfrachtet und nach London gebracht. Kurz vorm Ziel zeigt Nicks bester Freund (Jake Johnson) ernsthafte Merkmale einer Besessenheit. Es folgt eine Rangelei, Vogelschlag und ein spektakulärer Flugzeugabsturz, den offenbar nur die Archäologin durch eine selbstlose Handlung von Nick überlebt. Kurze Zeit später zeigt sich, dass noch mehr überlebt haben. Tom Cruise erlebt seine Wiederauferstehung, während die titelgebende Mumie darum bemüht ist, Menschen die Lebensenergie zu entziehen. Ihr Ziel: die Vereinigung mit Nick, denn der ist durch das Freilegen des Grabmals dummerweise verflucht worden und soll zum reinkarnierten Seth werden.
Wie bereits oben erwähnt, soll der Film der Auftakt eines eigenen Monster-Universums sein, in dem sich Figuren wie der Werwolf, Dracula, Frankenstein und ein gewisser Dr.Jekyll tummeln. Dieser hat auch in diesem Film eine wichtige Funktion, denn er leitet eine geheime Organisation, die sich ganz der Suche nach dem Bösen verschrieben hat. Zugleich ist dieser Doktor, der von Russell Crowe im Routinemodus runtergespielt wird, oberster Erklärbär des Films. Da die vielen Autoren, die am Drehbuch gearbeitet haben, den Zuschauer für ein wenig begriffsstutzig halten, nimmt sich der Film immer wieder die Zeit, jedes nebensächliche Detail ausführlich zu erläutern. Hingegen erklärt das Drehbuch nicht, warum eine Geheimorganisation ihre Haftkammer für gemeingefährliche Monster ausgerechnet unter den Londoner Innenstadt errichtet hat. Die Antwort kann man sich natürlich selbst geben, schließlich bietet sich so viel mehr Potential London ordentlich zu verwüsten und das ist schließlich das Hauptziel eines heutigen Hollywoodblockbusters der Marke Überwältigungskinos. Genau hier hat der Film auch seine besten Momente. Diverse Kämpfe mit den zombiefizierten Mumienopfern, besagter Flugzeugabsturz, eine Hatz durch London inklusive Sandsturm und begleitet von allerhand Zerstörungen sowie eine Flucht unter Wasser, sind mehr als ansehnlich gefilmt. Leider versäumt es Regisseur Alex Kurzman, seinem Film eine individuelle Note zu verpassen. Als wäre der Film am Reißbrett entstanden, verströmt die ansonsten seelenlose Inszenierung gepaart mit inhaltlicher Ideenlosigkeit den Charme vom modernen Bausatzkinos, dass überdies pausenlos damit beschäftigt ist, das wacklige Konstrukt dieses geplanten Universums zu etablieren. Das lässt den Film unnötig umständlich erscheinen. Was ihn dennoch vor einem Komplettabsturz bewahrt ist die effiziente Laufzeit. Bereits nach rund 100 Minuten ist der Budenzauber schon wieder vorbei. Eine Laufzeit bei der die „Transformers“ erst so richtig auf Betriebstemperatur laufen.
Die Musik: Bei der letzten Mumien Reananimation im Jahre 1999 sorgte Komponistenlegende Jerry Goldsmith für die passenden Klänge. In der 2017er Variante ist es Action-Experte Brian Tyler, der den Taktstock schwingt. Tyler setzt wie Goldsmith auf einen großochestralen Sound, allerdings ohne auch nur annähernd einen epischen Atem wie einst bei Goldsmith‘ Soundtrack zu entfalten. Tylers Musik ist wie der Film recht generisch, soll heißen, mangelnde Raffinesse wird durch schiere Wucht einfach übertüncht. Das ist nicht originell, passt aber bestens zum Spektakel. Um das wuchtige Werk zusammenzuhalten und dem Film einen musikalischen Rahmen zu geben, benutzt Tyler zwei Themen. Ein Fünf-Noten-Motiv für die Mumie, sowie eine nette unscheinbare Melodie für Tom Cruises Nick, das sich von dem Mumien-Motiv ableitet. Der Soundtrack ist als CD in einer Normalversion (76 Minuten) und in einer Deluxe-Variante, die mit 124 Minuten Laufzeit sogar länger läuft als der Film, erhältlich. Als Hörtipp ist besonders „The Mummy End Title Suite“ zu empfehlen. Der rund 10 minütige Track, fasst das musikalische Treiben bestens zusammen.
THE MUMMY Regie: Alex Kurzman Darsteller: Tom Cruise, Russell Crowe, Annabelle Wallis, Sofia Boutella, Jake Johnson Musik: Brian Tyler Verleih: Universal Erscheinungsdatum: 19.10.2017