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Leitungswasser ist das bestkontrollierte Lebensmittel der Schweiz und erfüllt höchste Richtlinien bezüglich Hygiene und Sicherheit. Es ist gesund, versorgt uns mit Mineralien, löscht den Durst und erhöht die Konzentration. Dafür sorgen tagtäglich rund 2500 Wasserversorger der Schweiz. Trinkwasser besteht zu 99.9% aus Wasser. Der Rest entfällt auf Mineralien, Salze und in Kleinstmengen auf Spurenstoffe. Eine Auflistung aller Wässer der Schweiz, deren Zusammensetzung und Infos zu einzelnen Inhaltsstoffen liefert der Dachverband der Schweizer Wasserversorger hier.
Beispiel Quellwasser in Luzern:
Gesamthärte: 14.7 fH°
pH-Wert: 8.1
Kalzium: 53 mg/l
Magnesium: 3.7 mg/l
Kalium: 1 mg/l
Chlorid: 1.1 mg/l
Nitrat: 3.6 mg/l
Sulfat: 9.6 mg/l
Trinkwasser wird auf verschiedene Arten gewonnen. Je nach geographischer Lage macht eine Art mehr oder weniger Sinn.
QUELLWASSER
Rund 40% des Schweizer Trinkwassers ist Quellwasser. Dieses findet man vor allem im Alpenraum und im Jura. Quellwasser durchläuft verschiedene natürliche Reinigungsprozesse. Das Wasser fliesst in den Bergen über Schotter und Steine und sickert langsam durch verschiedene Bodenschichten in den Untergrund. Dabei wird das Wasser gereinigt und nimmt wertvolle Mineralien wie Magnesium oder Kalziumkarbonat auf.
GRUNDWASSER
40% des Trinkwassers stammen aus Grundwasser. Die Grundwasservorkommen der Schweiz umfassen über 50 Milliarden Kubikmeter Wasser - das entspricht etwa der Wassermenge des Bodensees. Wir finden sie vor allem im Mittelland. Grundwasser sickert tief in die Bodenschichten ein und nimmt Mineralien auf, was die Intensität des Geschmacks beeinflusst.
SEEWASSER
Die restlichen 20% werden aus 30 Seewasserwerken gewonnen. In Seebecken wird Wasser aus verschiedensten Zuflüssen lange gespeichert und ist deshalb sehr weich. Da es zivilisatorischen Einflüssen der Stadt und Umgebung ausgesetzt ist, wird es mehrstufig aufbereitet.
Aufbereitung Quellwasser
Kurz vor dem Austritt aus dem Boden wird die Quelle mit Sickerröhren gefasst (1) und über ein Absatzbecken (2) in ein Reservoir (3) und von da in das Versorgungssystem (4) geleitet. Quellwasser hat mehrere Vorteile. Erstens weist es meist keinerlei Mikroverunreinigungen auf und zweitens entsteht durch den Höhenunterschied der Fassung zu den Haushalten bereits genügend Druck, weshalb fast kein Strom gebraucht wird, um es aufzubereiten und zu verteilen. Dies macht Quellwasser zur ökologischsten und günstigsten Variante der Wassergewinnung.
Aufbereitung Grundwasser
Zur Gewinnung des Grundwassers wird ein Schacht mit kleinen Spalten angelegt (1). Durch diesen fliesst das Wasser und wird von dort ins Reservoir (2) gepumpt und in das Versorgungssystem geleitet (3). Bei Grundwasser reicht eine präventive Behandlung mit UV-Desinfektion meist aus. Neben den natürlichen Reinigungsprozessen während der Sickerung macht dies vor allem der Grundwasserschutz möglich, der die Agrar- oder Industriewirtschaft rund um ein Grundwasserwerk klar reglementiert. Neue Spurenstoffe forcieren jedoch eine Intensivierung des Schutzes.
Aufbereitung Seewasser
Dank strengen Richtlinien für den Gewässerschutz ist Seewasser auch ohne Aufbereitung sehr sauber und hätte meist bereits Trinkwasserqualität. Doch genauso strenge Richtlinien für Trinkwasser fordern eine zusätzliche Aufbereitung, um auch kleinste Rückstände zu minimieren. Die Ozonung tötet Keime und Bakterien präventiv ab (1), Quarzsand filtert grössere Partikel heraus (2), Aktivkohle baut biologisch aktive Substanzen ab (3) und Chlordioxid verhindert die Mikrobenbildung im Netz (4). Von da gelangt das Wasser in ein Reservoir (5) und ins Versorgungsnetz (6). Mit Ionenfiltern wird die Aufbereitung weiter optimiert. Diese Prozesse sind verhältnismässig energieintensiv, doch kompensiert das enorme Volumen der Seen die aufwändige Behandlung und macht sie als Quelle attraktiv.
Messmethoden
In den vergangenen Jahrzehnten entwickelten sich Analyseinstrumente immer weiter. Diese können Inhaltsstoffe bis auf Nanogramm genau angeben. So kann beispielsweise ein einziges Stück Würfelzucker, aufgelöst im Bodensee, nachgewiesen werden. Deshalb weiss man heutzutage viel genauer Bescheid über die Zusammensetzung von Wasser und entdeckt neue Spurenstoffe. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Qualität des Wassers schlechter wird. Im Gegenteil. Gerade weil man immer mehr über das Wasser weiss, kann man nötige Schritte einleiten, um gegen unerwünschte Stoffe vorzugehen. Deshalb wird die Qualität des Wassers zunehmend besser.
In den vergangenen Jahren liessen sich immer mehr Spurenstoffe im Wasser nachweisen. Dies aber nicht, weil das Wasser schlechter wurde, sondern weil moderne Analyseinstrumente immer genauer werden. Die Qualität des Wassers wurde u.a. deshalb immer besser.
Spurenstoffe in Oberflächengewässern haben negative Auswirkungen auf Tiere und Kleinstlebewesen. Für den Menschen besteht jedoch keinerlei Gesundheitsrisiko, sei es beim Baden im oder beim Trinken von Wasser. Dafür sind die Mengen viel zu gering.
Spurenstoffe
Spurenstoffe sind Fremdstoffe, die vom Menschen ins Wasser gelangen. Dazu zählen unter anderem Pflanzenschutzmittel, Industrie- und Haushaltschemikalien, Weichmacher oder Substanzen aus Körperpflegepflegeprodukten. Spurenstoffe sind in Oberflächengewässern und teilweise im Grund- und Trinkwasser nachweisbar. Insbesondere in kleinen Bächen oder Flüssen können diese bei Fischen oder Kleinstlebewesen wie Flusskrebsen ernsthafte Schäden anrichten und Ökosysteme belasten.
Deshalb gilt es, unsere Gewässer effektiv und nachhaltig zu schützen. Für den Menschen sind die Konzentrationen aber bereits bei Oberflächengewässern derart gering – und im Trinkwasser sind diese noch einmal um ein Vielfaches niedriger –, dass sie kein gesundheitliches Risiko darstellen. Leitungswasser ist also in jedem Fall bedenkenlos trinkbar.
Wie viel sind Mikro- und Nanogramm?
Spurenstoffe sind im Bereich von Mikro- und Nanogrammen im Wasser vorhanden. Dies kann auf den ersten Blick nach viel aussehen. Folgendes Beispiel zeigt, wie man diese schier unvorstellbar kleine Masseinheit einordnen soll: Trinkt man Wasser mit einer Konzentration von 100 ng/l des Arzneimittels Aspirin, hätte man bei einem täglichen Konsum von zwei Litern 700 Jahre, um die Dosis einer einzigen Aspirintablette aufzunehmen.
Die Entwicklung einer Gesellschaft oder Kultur ist eng verbunden mit der Art und Weise, wie sie mit Wasser umgeht. Bis weit in die Neuzeit gab es kaum Haushaltanschlüsse für Wasser. Der grösste Teil der Bevölkerung bezog Trink-, Wasch- und Kochwasser von Brunnen. Erst im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts begannen die grösseren Schweizer Städte zentrale Wasserversorgungen aufzubauen (Bern und Zürich 1868, Luzern 1873). Dabei war der Feuerschutz der eng und mit Holz bebauten Städte der Hauptgrund für die Modernisierungen.
Die Anwendung der neuen Infrastruktur überforderte die Behörden allerdings. Aufgrund mangelhafter Aufbereitung des Wassers kam es gerade wegen dem neuen Verteilungssystem zu weiträumigen Cholera- oder Typhus-Epidemien.
Als man um die Jahrhundertwende Wasser als Infektionsweg von Cholera (1883) und Typhus (1906) entdeckte und erkannte, dass ein mangelhaft gewartetes Leitungswassersystem Krankheitserreger verbreitet, wurden Gesundheit und Hygiene der Bevölkerung zur treibenden Innovationskraft. Zu politischen Diskussionen führte insbesondere die Organisationsstruktur der Wasserversorgung.
Nachdem besonders bei privaten Versorgern Probleme wie ungleiche Verteilung und mangelhafte Qualität hervortraten, setzten die grossen Städte nach und nach auf öffentliche oder öffentlich-private Schemata. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts war durch kontinuierlich verbesserte Infrastruktur und der Erschliessung von Seewasser die gesamte Bevölkerung mit einwandfreiem Trinkwasser versorgt, sodass Cholera und Typhus aus der Schweiz verschwanden. Der Fokus verschob sich nun zunehmend in Richtung des Abwassermanagements und damit zusammenhängend des Gewässer- und Grundwasserschutzes.
Um 1900 wurden die Infektionswege von Cholera und Typhus über das Wasser entdeckt. Dies verschob die treibende Innovationskraft für eine systematische Wasserversorgung vom Feuerschutz hin zu Gesundheit und Hygiene der Bevölkerung.
Grundwasserschutz & Abwassermanagement
Zunehmende Industrialisierung (verschmutztes Abwasser), neue Anwendungen in der Landwirtschaft (Dünger, Pestizide) oder neue Produkte für die Pflege von Körper und Kleidern (z.B. Waschmittel) belasten die Gewässer der Schweiz mit Spurenstoffen. Besonders in Städten kommt es teilweise zu offenen Kloaken. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts erlässt der Bund ein Gesetz zum Schutz der Fischbestände. Dies auf Initiative der Fischereiverbände.
Weitere Massnahmen zeigen zunächst wenig Wirkung. Die Belastung durch Fremdstoffe kann sich negativ auf Grundwasser, eine der wichtigsten Wasserressourcen der Schweiz, auswirken. Erst nach und nach wurden numerische Höchstwerte für den Eintrag von Abwasser und Düngemittel in Natur und Gewässer festgelegt oder Grundwasserschutzzonen gesetzlich verankert.
Grundwasser ist eine der wichtigsten, aber auch eine sehr empfindliche Wasserressource der Schweiz. Aufgrund sehr langsamer Wasserströme können Verunreinigungen über Jahrzehnte hinweg bestehen bleiben.
Baden verboten!
Bis in die 80er-Jahre gehörten schäumende Bäche, Flüsse und Seen aufgrund der hohen Verschmutzung zum Schweizer Alltag. Das Baden in offenen Gewässern war verboten oder nur auf eigene Gefahr erlaubt. Dies vor allem, da Abwässer ohne jegliche Aufbereitung in Oberflächengewässer geleitet wurden. Mit zunehmender Bevölkerung wurde diese Situation untragbar und Schritt für Schritt wurden Massnahmen eingeleitet.
Mitte des 20. Jahrhunderts startete das Generationenwerk Abwasserreinigung: der vom Bund mitfinanzierte, systematische Bau von Abwasserreinigungsanlagen (ARA). So erhöhte sich der prozentuale Anteil der an ARA angeschlossenen Haushalte alleine zwischen 1971 und 1990 von 30% auf 90%. All diese Massnahmen zeigten Wirkung: Das Baden in Oberflächengewässern ist praktisch schweizweit bedenkenlos möglich, der Eintrag von Spurenstoffen nachhaltig verringert.
Prozentualer Anteil der Schweizer Bevölkerung mit Anschluss an eine Abwasserreinigungsanlage (ARA).
Obwohl sich die Lage in den letzten Jahrzehnten stark verbessert hat, braucht es weitere Massnahmen zum Gewässerschutz. Dazu gehören insbesondere verbesserte ARA zur Filterung neuer Spurenstoffe sowie eine Reduzierung der Pestizid-Einträge aus der Landwirtschaft.
Dennoch besteht Handlungsbedarf, vor allem in zwei grossen Bereichen. Erstens muss gegen Mikroverunreinigungen aus dicht besiedelten Gebieten vorgegangen werden. Hierzu werden derzeit die ARA so aufgerüstet, dass sie die meisten Spurenstoffe bereits vor Eintrag in die Natur herausfiltern. Zweitens braucht es weitere Reduzierungen von Pestizid- und Düngemittel-Rückständen, die in Flüsse und Bäche eingetragen werden.
Um zu verhindern, dass kleinere und mittlere Bäche und Flüsse stark belastet werden, braucht es grosse Anstrengungen in der Landwirtschaft. Aus diesem Grund wurde ein Aktionsplan des Bundes zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln erarbeitet. Dieser hält diverse Massnahmen fest, steht aber auch in der Kritik, zu niedere Ziele zu setzen. Weitere Akteure sind also gefordert, das Grundwasser und damit das Trinkwasser zu schützen. Denn dieses ist eine äusserst empfindliche Trinkwasserressource, die sich nur langsam von allfälligen Verschmutzungen erholt. Das BAFU informiert hier über den aktuellen Stand, Risiken und Massnahmen bezüglich Wasserqualität.