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Constructive Alignment, Hattie-Studie und Deliberate Learning. Was verbirgt sich hinter diesen Begriffen? Hier werden zahlreiche Themen der Hochschuldidaktik kurz beschrieben mit dem Ziel, einen Überblick und ersten Eindruck zu ermöglichen. Für eine vertiefte Beschäftigung mit dem Thema werden weiterführende Informationen in Form von Quellenangaben, Videos, Interviews usw. aufgeführt.
Der erste Teil widmet sich allgemeinen und zusammenfassenden Informationen. Der zweite Teil behandelt konkrete Begriffe, Theorien und Modelle der Hochschuldidaktik.
Allgemeine Diskussionen
53 Powerful Ideas All Teachers Should Know About
Die Staff and Educational Development Association (SEDA) veröffentlicht auf ihrer Homepage eine Sammlung von Ideen über die universitäre Lehre. Die unstrukturierte und noch unvollständige Liste bietet zu jedem Thema ein etwa dreiseitiges PDF und ist über den zugehörigen Blog zur Diskussion offen. Das erklärte Ziel ist, damit die Diskussion über die der Lehre zugrunde liegenden Annahmen anzuregen.
Beispielthemen:
1. Students are trying to get different things out of being at university
2. Students respond to clear and high expectations
3. Transferable skills rarely transfer
4. Good student performance is achieved in different ways than learning gains
5. Much of what is learnt is forgotten
6. Learning takes effort
Visible Learning (Hattie-Studie)
Der neuseeländische Pädagoge John Hattie hat 2009 sein bahnbrechendes Werk "Visible Learning" veröffentlicht. Es handelt sich hierbei um eine Metastudie über den Einfluss zahlreicher Faktoren auf die Lernergebnisse. Untersucht wurden zum Beispiel Klassengrösse, Feedback und Leseverständnisförderung. Die Studie gab und gibt Anlass zu Diskussionen über Lehre, beeinflusst bildungsbezogene Gesetzgebung und hat auch Kritik an ihrer methodischen Stailität hervorgerufen.
Aufgrund seiner Studien konnte Hattie eine viel beachtete und diskutierte Rangliste der Einflussgrössen erstellen. Demnach sind mit die grössten positiven Einflussfaktoren auf den Lernerfolg von Studierenden unter anderem eine reflektierte Selbsteinschätzung, konstruktives Feedback und formative Evaluationen. Als negativ bewertet werden dagegen zum Beispiel das Nicht-Versetzen von SchülerInnen, Gender Problembasiertes Lernen.
Ressourcen in der Unibibliothek Luzern: Visible Learning 2001
Hochschuldidaktische Begriffe, Theorien und Modelle
Lernziele und Lernergebnisse
Lernziele und Lernergebnisse sind keine synonymen Begriffe, sondern bezeichnen zwei unterschiedliche Konzepte. Die beiden Begriffe werden im Englischen als Learning Goals bzw. Learning Objectives und Learning Outcomes verwendet. Die Unterschiede zwischen den Begriffen sind jeweils gleich:
Lernziele werden vor einer Lerneinheit formuliert, ob es sich um eine einzelne Sitzung, ein Seminar oder eine Vorlesung über ein ganzes Semester oder gar um einen gesamten Studiengang handelt. Als Lernziel wird definiert, was die Studierenden am Ende der Lehrveranstaltung können sollen.
Lernergebnisse bezeichnen das, was die Studierenden am Ende der Lehrveranstaltung erwiesenermassen können, gemessen durch eine adäquat gestaltete Leistungskontrolle. Idealerweise sind die Lernziele und die Lernergebnisse identisch.
Um eine möglichst hohe Übereinstimmung zwischen Lernzielen und Lernergebnissen zu erreichen ist es hilfreich, die Lerhrveranstaltung mittels des Contructive Alignment zu gestalten. Damit wird erreicht, dass die Aktivitäten der Studierenden während der Lehrveranstaltung, der Modus der Leistungsüberprüfung und die Lernziele aufeinander abgestimmt sind.
Constructive Alignment
Das Constructive Alignment ist ein Modell der Planung von Lehrveranstaltungen, das erstmals von Biggs und Tang formuliert wurde. Es beschreibt die Idee, die Aktivitäten der Studierenden während der Lehrveranstaltung, den Modus der Leistungsüberprüfung und die Lernziele miteinander in Einklang zu bringen. Das Ziel ist, die Lernergebnisse der Studierenden zu erhöhen, da sie mit der durchdachten Planung einer Lehrveranstaltung (lern-) zielorientierter lernen können.
Auf YouTube finden sich einige gute und kurze Videos, die dieses Prinzip erläutern. (Hier werden die Lernziele als Intended Learning Outcomes bezeichnet.)
Die Lernziele werden idealerweise entlang der Bloomschen Taxonomie mit aktiven Verben formuliert. So wird gleichzeitig deutlich, welche Aktivitäten den Studierenden während der Lehrveranstaltung helfen, die gestellten Aufgaben in der Prüfung erfolgreich zu erfüllen.
Bloomsche Taxonomie
Die Bloomsche Taxonomie beschreibt die kognitive Komplexität von Aufgaben in aufsteigender Reihenfolge. Sie eignet sich hervorragend dazu, Lernziele zu formulieren und zugehörige Prüfungsaufgaben und Studierendenaktivitäten zu erntwerfen. Die Taxonomie wurde erstmals 1956 von Bloom entworfen und 2001 von Anderson und Krathwohl weiterentwickelt. Auffälligste Veränderung der Weiterentwicklung ist die Einfügung von kreativen Tätigkeiten als kognitiv komplexeste Stufe.
Backward Design
Backward Design ist ein Modell der Gestaltung von Lehrveranstaltungen, dass sich hervorragend mit dem Contructive Alignment Model kombinieren lässt. Es wurde zuerst von McTighe und Wiggins formuliert. Demnach wird eine Lehrveranstaltung in drei Schritten geplant:
- Die Planung einer Lehrveranstaltung beginnt mit der Formulierung der Lernziele, also der Frage, was die Studierenden am Ende der Lehrveranstaltung können sollen.
- Danach wird überlegt, wie überprüft werden kann, ob die Studierenden die angestrebten Lernziele erreicht haben, oder anders formuliert: wie die Studierenden dies demonstrieren können. So lässt sich ein Prüfungsmodus finden, der sehr gut mit den Lernzielen übereinstimmt.
- Erst jetzt geht es konkret an die Gestaltung de reinzelnen Einheiten der Lehrveranstaltung: Was müssen die Studierenden konkret tun, damit sie in der Lage sind, die Prüfung erfolgreich zu absolvieren? Hier helfen die Verben, mit denen die Lernziele formuliert wurden.
In diesem Video wird das Backward Design gut erläutert.
Inverted Classroom Model
Die Digitalisierung von Lehrinhalten ermöglicht gemäss dem Inverted Classroom Model (ICM), die Präsenzlehre nicht zur reinen Inhaltsvermittlung, sondern für die aktive Anwendung des Inhalts zu nutzen. Dieses Modell lässt sich vor allem auf Grundlagenvorlesungen anwenden. Im klassischen Vorlesungsmodell kommen die Studierenden in die Vorlesung, um einen Vortrag über ein Thema zu hören, und vertiefen die gehörten Inhalte anschliessen zuhause im Selbststudium.
Im ICM wird dieser Vorgang umgedreht, daher der Begriff "inverted" oder "flipped". Im ICM bereiten sich Studierenden zuhause im Selbststudium auf die Präsenzlehre vor, in der sie unter Anleitung von Tutoren und Professorinnen den Inhalt einüben.
Üblicherweise erfolgt die Vorbereitung mittels Videos und anderen Materialien, die von der Lehrperson im Vorfeld selbst erzeugt und bereit gestellt werden. Der Mehrwert entsteht darin, dass Studierende in der Präsenzzeit nicht lediglich zuhören, sondern selbst aktiv und mit Unterstützung der Lehrperson an offenen Fragen arbeiten, die sich aus der Vorbereitung ergeben haben.
Im deutschen Sprachraum sind vor allem Jürgen Handke, Christian Spannagel, Jörn Loviscach und Malte Persike als Vertreter des ICM bekannt. Viele Ihrer Vorträge sind auf YouTube erhältlich:
Jürgen Handke zeigt in kurzen Videos den Weg von der klassischen zu umgedrehten Vorlesung.
Christian Spannagel erläutert in einem Vortrag seinen Variante des ICM mit Selbststudium, Tutoren und Lehrperson.
Jörn Loviscach spricht über Chancen und Grenzen von E-Learning.
Malte Persike wirft einen kritischen Blick auf das ICM.
Deliberate Practice
Kurze Zusammenfassung des Konzepts Deliberate Practice.