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Als ich vor 15 Jahren begann Yoga zu üben, fragte ich mich eines Tages wie sich wohl das Üben von Yogasanas auf mein Alltagsleben, auf meine Emotionen und meine Lebenseinstellung auswirken. Als erstes bemerkte ich, dass ich durch das Üben von Yoga mit meinem Körper in Kontakt komme und dies zeigte sich vor allem durch die Defizite von verkürzten Muskeln. Anfangs wollte ich einfach nur beweglicher werden. Später realisierte ich, dass ich mich am Tag der wöchentlichen Yogastunde ausgeglichener und innerlich ruhiger fühlte. Ich hatte keine Ahnung was Spiritualität bedeutete, aber ich wusste, dass ich den Dingen auf den Grund gehen wollte, egal was passierte. In der Yogalehrerausbildung vertiefte sich meine Praxis, theoretisches Wissen kam dazu, eine neue Welt und andere Ansichten entstanden. Ich begann vegetarisch zu essen weil mich Fleisch und Fisch anekelte, Beziehungen gingen in die Brüche weil es nicht mehr passte und das Bedürfnis nach Alkohol und Rauchen verschwand. Mein Ehrgeiz beim Laufen und in sportlichen Angelegenheiten nahm ab, die Freude am Tun wurde wichtiger als das Ergebnis oder die Leistung. Oft führte ich Gespräche mit meiner Yogalehrerin und sie konnte mir wichtige Fragen, die mich beschäftigten, beantworten (Satsang). Nachdem ich viel Schweiss auf der Matte liegen liess, jährliche Reinigungskuren erfahren durfte und mein grosses inneres Feuer sich etwas dämpfte, begann ich mir selbst zu begegnen. Trotz allen Zweifeln, Unsicherheiten und Motivationstauchern übte ich mehr oder weniger regelmässig Yoga. Ab und zu geriet ich wieder auf Abwege, versuchte verschiedene Dinge aus und reiste viel. Das Yoga jedoch blieb, irgendwie zweifelte ich nie daran, dass dies der richtige Weg für mich war. Die persönliche Entwicklung mit dem Üben von Asanas geschieht intensiver und Prozesse passieren einfach so, durch Interaktion mit anderen Menschen, durch das Leben. Was ändert ist die eigene Wahrnehmung und Selbstreflektion. Frage dich, lieber Leser, wieso du auf Situationen auf eine bestimmte Weise reagierst. Wichtig ist nicht, Situationen und Menschen zu verurteilen und zu beurteilen, sondern zu beobachten wie man selbst darauf reagiert. Um sich selber bewusster zu werden, kann es helfen, wichtige Fragen stellen, Situationen analysieren und Reaktionen beobachten. Dabei ist es hilfreich, Zeitfenster einzuplanen, Pausen und Zeit für Unvorhergesehenes haben (anstatt viele Bücher zu lesen, die nur wieder den Kopf füllen, fern zu sehen um sich berieseln zu lassen oder am Kafikränzli den neuesten Tratsch zu wälzen). Wer sich gerne Dinge von der Seele schreibt, kann ein spirituelles Tagebuch führen.
Einige Fragen die man in diesem Tagebuch stellen und beantworten könnte:Welches ist mein 1. Gedanke wenn ich aufwache und wie habe ich geschlafen? Was habe ich letzte Nacht geträumt? Wieviel Sadhana habe ich gemacht, d.h. wieviel Yoga, Meditation & Pranayama habe ich geübt? War ich konzentriert beim üben, bei den Alltagstätigkeiten? Wie waren meine Emotionen, Gefühle? Waren meine Gedanken mehrheitlich positiv oder negativ? Wie habe ich mich gegenüber meinen Mitmenschen verhalten? Musste ich mich mit negativen Menschen befassen und konnte ich mich abgrenzen? Haben sich meine negativen Seiten gezeigt und wie hätte ich besser damit umgehen können? Konnte ich meine positiven Seiten ausdrücken und wie könnte ich sie besser einbringen? Welche Situationen ziehe ich immer wieder an? Habe ich heute Freiwilligenarbeit geleistet oder jemandem etwas von Herzen geschenkt ohne ein Dankeschön zu erwarten? Habe ich heute Dankbarkeit und Freude empfunden? Lasst Euch inspirieren, einen tieferen Sinn des eigenen wunderbaren Daseins zu erkennen, bleibt eingestimmt auf der Matte und das Yoga ohne Matte wird sich langsam entfalten. Namasté Andrea