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Umsichtiger Einsatz von Antibiotika
Erarbeitung durch die Vetsuisse-Fakultät und die SVK in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) unter Koordination des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV).
Umsichtiger Einsatz von Antibiotika bei den häufigsten exotischen Heimtieren
Die Resistenzbildung ist ein natürlicher Anpassungsmechanismus von Bakterien. Resistente Bakterien werden aber durch übermässigen und unsachgemässen Einsatz von Antibiotika selektioniert und können sich so vermehren und verbreiten. Etwa die Behandlung von Viruserkrankungen mit Antibiotika, eine Unterdosierung der Wirkstoffe, oder insbesondere die Verabreichung von Breitspektrum-Antibiotika, wenn Schmalspektrum-Antibiotika ausreichend wären, begünstigen die Selektion und die Ausbreitung von Resistenzen und Multiresistenzen.
In der schweizerischen Veterinärmedizin existieren Richtlinien zum sorgfältigen Umgang mit Tierarzneimitteln (Good Veterinary Practice (GVP)-Richtlinien), die allgemein auf den sorgfältigen Umgang mit allen Tierarzneimitteln eingehen, sowie gewisse Grundprinzipien beim Einsatz von Antibiotika beschreiben. Sie beinhalten keine spezifischen Antibiotika-Therapieempfehlungen für die einzelnen Tierarten.
Mit diesem Leitfaden sollen für die Verschreibung, Anwendung und Abgabe von Antibiotika klare und einheitliche Empfehlungen abgegeben werden. Die Kapitel des allgemeinen Teils gelten für Kleintiere im Allgemeinen. Im speziellen Teil werden für die am häufigsten auftretenden Indikationen in der Behandlung von exotischen Heimtieren Empfehlungen vorgelegt; Empfehlungen für weitere Indikationen sollen kontinuierlich erarbeitet werden.
Diese Empfehlungen sind «state of the art» für einen korrekten Umgang mit Antibiotika sowie zur Minimierung der Bildung und Ausbreitung von Resistenzen.
Bei Berücksichtigung der Empfehlungen in diesem Leitfaden ist sichergestellt, dass die heilmittelrechtlichen Vorgaben (Art. 26 Abs. 1 Heilmittelgesetz HMG 812.21) bei der Verschreibung und Abgabe von Arzneimitteln eingehalten und die anerkannten Regeln der medizinischen und pharmazeutischen Wissenschaft beachtet werden. Das Verschreiben und Abgeben von Antibiotika gemäss diesen Empfehlungen entspricht auch der sorgfältigen und gewissenhaften Ausübung des Berufes, wie es die Einhaltung der Berufspflicht gemäss Medizinalberufegesetz (Art. 40 Bst.a Medizinalberufegesetz, MedBG 811.11) erfordert.
Erfahrungen aus den Examen zum Fachtechnischen verantwortlichen Tierarzt/Tierärztin (FTVT) und verschiedene Studien (z. B. Lava et al. PVM 2016; Pipoz et al. SAT 2016; Beer et al. SAT 2015) zeigen, dass Antibiotika nicht immer sachgemäss eingesetzt werden. In weiteren Studien (Regula et al. J Antimicrob Chemother 2009) wurden zwischen einzelnen Tierarztpraxen grosse Unterschiede hinsichtlich verschriebener Antibiotikamengen und Wirkstoffklassen festgestellt.
Es muss davon ausgegangen werden, dass in Bezug auf die Verschreibungspraxis von Antibiotika auch in Bezug auf die exotischen Heimtiere ein Verbesserungspotenzial vorhanden ist. In einer kürzlich durchgeführten Umfrage in Schweizer Tierarztpraxen stellte sich heraus, dass kritische Antibiotika sehr häufig eingesetzt werden (Hösli et al. SAT 202).
Ist ein Antibiotikaeinsatz unabdingbar, muss er fach- und bedarfsgerecht sowie zielgerichtet erfolgen, damit Resistenzbildung und -selektion – gemäss aktuellem Wissensstand – möglichst vermieden werden können.