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Mit der planmässigen Fertigstellung des Gotthardtunnels zeige ein kleines Land, “wie man Grosses hinbekommt”, heisst es in der Zeitung unter Hinweis auf die unendliche Baugeschichte des neuen Berliner Flughafens.
Auch im Kommentar der “Frankfurter Allgemeinen” schwingt Selbstkritik mit: “Die kleine Schweiz beschämt den Rest Europas wieder einmal mit ihrer Professionalität.” Sie beweise, “dass es kein Naturgesetz gibt, nach dem sich die Kosten für grosse Bauvorhaben… vervielfachen müssen”.
Für den TV-Sender ARD lief beim “Mammut-Bauwerk” Gotthard “so ziemlich alles” besser als bei vergleichbaren Projekten in Deutschland. Dank grosser Transparenz und strenger öffentlicher Kontrolle habe die Schweiz bei Kosten- und Terminüberschreitungen rasch gegensteuern können.
“Wie haben die Ingenieure das gemacht?”, fragt “Spiegel Online” unter dem Titel “Mythos Gotthard-Tunnel”. Das Portal liefert detailliert die Antwort und geht punkto Gütertransport auch auf die grossen Erwartungen der Bahnmanager in das “Jahrhundertbauwerk” ein.
Französische und spanische Medien legen den Fokus vor allem auf die “verrückten Zahlen” des neuen Alpendurchgangs, wie es der “Figaro” nennt. Der Sonderkorrespondent des “Le Monde” sah sich bei einem Augenschein am (noch) verschlossenen Tunnelportal an “das Versteck eines Bösen in einem James-Bond-Film” erinnert.
Die “New York Times” erkennt in der Eroberung der Alpen “so etwas wie eine nationale Besessenheit” der Schweizer. Für das “Wall Street Journal” wirkt die “verbindende Symbolik” des Anlasses “irgendwie wie aus der Zeit gefallen”, einer Zeit, in der sich die Schweiz und andere europäische Länder mit Forderungen nach Grenzschliessungen konfrontiert sähen.
Britische Zeitungen und die BBC wiederum warten mit vielen Daten und Fakten auf. Das Boulevardblatt “Daily Mail” erhofft sich durch die Eröffnung des Tunnels “eine Million Lastwagen weniger auf den Strassen”.
Der “Guardian” erinnert zudem daran, dass Schweizer Politiker das Grossereignis wenige Wochen vor dem Brexit-Referendum zu Gesprächen über die Begrenzung der Zuwanderung nutzen wollten. Allerdings könne der Tunnel als Symbol für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit “die Geister des populistischen Nationalismus” wohl nur vorübergehend vertreiben.
“La Repubblica” lädt dazu ein, sich mit einer Reise mit dem Sonderzug “Gottardino” selbst ein Bild vom “Tunnel der Rekorde” zu machen. “Wie ein Schweizer Uhrwerk” und ohne Verzögerungen sei der Bau verlaufen, lobt die italienische Zeitung, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass dieser Erfolg nur dank dem Einsatz von Arbeitern aus 15 Ländern möglich gewesen sei.
Ein wenig mitfeiern dürfe beim dem Jahrhundertbauwerk auch Österreich, findet der Österreichische Rundfunk. “Ohne die einstmals als verrückt verlachten Ideen heimischer Ingenieure wäre das Projekt gar nicht machbar gewesen, wie überhaupt inzwischen die meisten Tunnel weltweit.”
(SDA)