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kakteen, soweit das auge reicht
Mit Überqueren des Colorado Rivers in Yuma erreichten wir Arizona. Kein bemerkenswertes Schild mit hübscher Grafik, sondern nur eine langweilige Tafel mit Aufschrift "Arizona State Line" markierte die Grenze.
Wir blieben eine Nacht in Yuma, dann fuhren wir auf dem U.S Highway 8 bis Gila Bend, wo wir rechts Richtung Süden abbogen. Zwei Auto waren vor uns, als von links auf einmal ein Spinner herausgeschossen kam und beinahe frontal in das vorderste Fahrzeug geknallt wäre, bevor er die Kurve kriegte und auf der Gegenfahrbahn an uns vorbeifuhr. Nur eine Vollbremsung aller Fahrzeuge hatte einen Unfall verhindert. Der Fahrer des ersten Wagens hielt am Strassenrand an. Vermutlich musste er den Schock erst einmal verdauen.
Direkt an der mexikanischen Grenze liegt das Organ Pipe Cactus National Monument. Der Park ist der einzige Ort in den USA, an dem Senita- und Orgelpfeifenkakteen wild wachsen. Es gibt zwei unbefestigte Panoramastrassen: Der 21 Meilen lange Ajo Mountain Drive und der wesentlich längere Puerto Blanco Drive.
Durch seine Lage war der Park einem anhaltenden, stetigen Zustrom von Einwanderern und Drogenkurieren aus Mexiko ausgesetzt gewesen. Er hatte als der gefährlichste Nationalpark gegolten und ein Grossteil des Parks war 2003 geschlossen worden. Erst nachdem Überwachungstürme, Fahrzeugsperren und Fussgängerzäune entlang der Grenze installiert worden waren, wurde das Hinterland wieder geöffnet.
Das Visitor Center war zu Ehren von Ranger Kris Eggle benannt worden, der 2002 während einer Operation der United States Border Patrol von einem Drogenschmuggler erschossen worden war. Wir wurden wie in jedem Besucherzentrum sehr freundlich empfangen. Auf meine Frage, welche der beiden Drives sich für uns besser eignen würde, meinte der Ranger, dass nur der Ajo Mountain Drive möglich sei. Für den Puerto Blanco Drive sei ein Vierradantrieb erforderlich oder zumindest dringend empfohlen. Er überreichte uns den Ajo Mountain Drive Guide und ich war sehr überrascht, dass ausgerechnet in diesem abgelegenen Fleckchen der Erde dieser in deutscher Sprache verfügbar war.
Mit dieser Broschüre bewaffnet starteten wir den Ajo Mountain Drive, der auf der gegenüberliegenden Strassenseite begann. Es gab 18 Wegpunkte, die ausführlich beschrieben waren. Ups, den ersten Punkt hatten wir bereits verpasst, dabei hatten wir alle Stopps ausgiebig erkunden wollen. Kurz nach dem zweiten Halt begann der eigentliche Loop, eine Einbahnstrasse vorbei an den namensgebenden Orgelpfeifenkakteen sowie an Saguaros, Chollas und Fasskakteen.
Bei einem besonders schönen Organ Pipe Cactus, stieg ich aus und näherte mich dem Prachtexemplar, um es aus der Nähe zu betrachten. Es stand nur wenige Meter von der Strasse entfernt. Aua! Beim Zurückgehen stach mich etwas heftig in die Fusssohle. Ich humpelte zum Auto und zog den Schuh aus. Ein Kaktusstachel hatte sich tief in die dicke, aber weiche Gummisohle meiner Schuhe gebohrt. Ich zog ihn heraus und stellte fest, dass die komplette Sohle über und über voll kleinen und grossen Stacheln war. Es erwies sich als Segen, ein Schweizer Taschenmesser und ein Werbegeschenk in Kreditkartengrösse mit ein paar Werkzeugen wie Messer, Schere und einer Pinzette dabeizuhaben. Reiner nahm sich den einen Schuh vor, ich den anderen. Minutenlang zupften wir mit Pinzetten bewaffnet einen Stachel nach dem anderen aus den Schuhen. Das war mir eine Lehre: Nie wieder würde ich einfach so in ein Kakteenfeld treten.
Die Landschaft durch Desert Washes und in die Ajo Mountains hinauf war wunderschön. So weit wie das Auge reichte, gab es Kakteen und andere Wüstenpflanzen zu entdecken. An einem überdachten Picknick-Platz legten wir ein Päuschen ein. Bei grandioser Aussicht verpflegten wir uns aus der Kühlbox. Das Leben konnte so schön sein.
gaby der strassenrowdy – oder auch nicht
Als Reiner müde wurde, gab es einen Fahrerwechsel. Ich hielt beim Visitor Center für einen WC-Stopp, da fragte mich der Ranger, der uns ein paar Stunden zuvor beraten hatte, wie uns der Loop gefallen habe. Ich kam aus dem Schwärmen nicht heraus.
Auf einmal war es so ruhig im Auto. Ach, wir hatten wieder Asphalt unter den Rädern. Ein paar Meilen und dann stand eine Border Control an. Ich war etwas nervös, hoffte, dass ich alles richtig verstehen würde. Der Mann, der mich anhielt, hatte eine dunkle Hautfarbe und sah blendend aus. Mit einem netten Lächeln begrüsste er uns und fragte, ob wir aus den USA kämen. Nein, wir kämen aus der Schweiz. Wart Ihr im Park? Ja! Ob ich auch einen Schweizer Pass dabeihabe und ob er den mal anschauen dürfe? Ja klar! Ich griff nach hinten in meinen Rucksack und fragte mich später, ob das eine gute Idee gewesen war. Wie lange wir denn in den USA blieben, wollte er noch wissen und auf die Antwort, dass wir uns auf einer achtwöchigen Rundreise befänden, meinte er: "Wow!" Er wünschte noch eine gute Reise und winkte zum Abschied. Das war ja mal ein netter Border-Controller.
Das Fahren machte mir unheimlich viel Spass. Ich hielt mich strikt an die Verkehrsregeln, vor allem an die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Der Tempomat war mein bester Freund. Peinlich wurde es mir, als ich einen ordentlichen Zug an Autos anführte, aber das Risiko, wegen Geschwindigkeitsübertretung angehalten zu werden, wollte ich partout nicht eingehen. An einer übersichtlichen Stelle überholte mich die Kolonne und ich konnte wieder ruhigen Gewissens die schöne Gegend durch das Sonoran Desert National Monument geniessen.
In der Ferne stiegen dicke, schwarze Rauchschwaden auf, ich konnte aber nicht erkennen, was es war. Wir entfernten uns von dem Brand und näherten uns Phoenix. Da hatte ich keine Lust mehr und überliess Reiner das Ankommen in der Stadt, in der wir die nächsten vier Nächte verbringen wollten.
Um genau zu sein, waren wir nicht in Phoenix selbst untergebracht, sondern in dem angrenzenden Scottsdale, das mit seinen 220'000 Einwohnern grösser als die zweitgrösste Schweizer Stadt war. Bei der Ankunft im Hotel wurde uns mitgeteilt, dass das Housekeeping nur auf Request angeboten würde und der etwas verwirrte Herr an der Rezeption nannte uns die Frühstückszeiten. Moment, wir hatten doch ohne Frühstück gebucht. Doch, doch, ein kleines Frühstück sei im Zimmerpreis inbegriffen. Auch nicht schlecht.
Die Zimmer waren auf drei Geschossen rund um den Poolbereich angeordnet. Sowohl die türkisfarbenen Liegestühle wie auch ein paar in derselben Farbe gestrichenen Fassadendetails gaben dem ansonsten eher einfachen Hotel einen frischen Touch. Unser Zimmer war gross und war mit zwei Fernsehern ausgerüstet, von welchen wir keinen je anschalten würden. Noch nie hatten wir in den USA das Bedürfnis fernzusehen, da zog es uns raus in die Natur, die wir zu Hause in der Form nicht haben. Und abends mussten Bilder sortiert und gespeichert, sowie die Erinnerungen für den Reisebericht notiert werden.
Wir machten uns frisch und überquerten die gut befahrene Strasse, um auf der gegenüberliegenden Seite essen zu gehen. Es war ein japanisches Restaurant, das sehr trendy eingerichtet war. Nach kurzer Wartezeit bekamen wir einen Tisch. Nach dem Essen mussten wir wieder über diese Strasse ohne Fussgängerstreifen, was für heute eindeutig die grösste Herausforderung war.
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