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Der Syrien-Krieg hat im Leben der Familie Thoma vieles zerstört. Eine Mörsergranate hat Samer schwer verletzt. Er und seine Frau Samia verloren die Arbeit. Die Wirtschaftssanktionen haben die medizinische Betreuung für die Familie unerschwinglich gemacht.
CSI-Projektleiter John Eibner hat in der kleinen Stube von Samer und Samia Thoma Platz genommen. Die Wohnung der christlichen Familie befindet sich in einem heruntergekommenen Quartier von Damaskus. Draußen ist es bitterkalt. Alle in der Wohnung frieren. Doch Samer kann es sich trotz dieser Temperaturen nicht leisten, den Ofen einzuheizen.
Brennholz und entzündbarer Abfall sind in diesen kalten Februartagen kostbare Güter, mit denen sparsam umgegangen werden muss. Wie Samer setzen Millionen von verarmten Syrern ihren Ofen zuhause erst dann in Betrieb, wenn die Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen.
Vor Beginn des sogenannten «Arabischen Frühlings» von 2010 sah das Leben für die Familie Thoma anders aus. Samer arbeitete in einer Schule als Abwart, Samia war in der Administration einer privaten Klinik angestellt. Da beide keine entsprechende Ausbildung hatten, mussten sie mit einem niedrigen Gehalt auskommen. Doch dank ihrem sorgsamen Umgang mit dem Geld konnten sie sich eine kleine Wohnung kaufen und auch die Ausbildung für ihre beiden ehrgeizigen Töchter finanzieren. «Wir waren finanziell unabhängig und führten ein gutes Leben», erinnert sich Samer mit Stolz.
Heute ist das Ehepaar erwerbslos. Bei einem Angriff durch die vom Westen unterstützten Rebellen wurde Samer von einer Mörsergranate getroffen. Die Granate verletzte seine Beine so gravierend, dass er sich nur noch beschwerlich mit einem Gehstock fortbewegen kann. So verlor er seine Stelle. Samer hat mehrere Operationen hinter sich und es werden noch weitere folgen. Eine Zuckerkrankheit schwächt ihn zusätzlich.
Auch Samia kann seit zwei Jahren nicht mehr arbeiten. Ein bösartiger Brustkrebs hindert sie daran. Sie benötigt eine Chemotherapie und musste sich bereits eine der Brüste entfernen lassen. Auch die zweite soll noch wegoperiert werden.
Samers bescheidene Invalidenrente von umgerechnet monatlich 50 Dollar reicht bei weitem nicht aus, um die medizinischen Kosten zu decken. Der Syrer rechnet vor: «Alleine meine Diabetes-Medikamente kosten zwölf Dollar pro Packung. Meine Frau muss alle drei Monate geröntgt und ihr Blut analysiert werden, wofür wir jeweils 100 Dollar zahlen.» Samia ergänzt: «Für meine bisherigen vier Chemotherapien mussten wir 700 Dollar bezahlen. Die Brustoperation kostet weitere 100 Dollar.»
Sehnsüchtig blickt Samia auf die Zeit vor dem Krieg zurück, als die Familie mit dem Einkommen die Gesundheitskosten noch bezahlen konnte. «Wir hatten eine gut funktionierende staatliche Gesundheitsversorgung, die sich auch Leute mit tiefem Einkommen leisten konnten. Doch jetzt stehen uns viel weniger Ärzte zur Verfügung und die Preise für Medikamente und ärztliche Behandlungen sind ins Unermessliche gestiegen.»
Dass sich viele Syrer wie die Familie Thoma die hohen Gesundheitskosten nicht mehr leisten können, ist auch eine Folge der Wirtschaftssanktionen des Westens. Diese haben laut der UNO-Weltgesundheitsorganisation WHO unter anderem dazu beigetragen, dass der Import von lebenswichtigen Medikamenten eingebrochen ist. Dazu Elizabeth Hoff, WHO-Beauftragte für Syrien: «Die Wirtschaftssanktionen gegen Syrien haben die Beschaffung von Arzneimitteln wie Krebsmedikamenten erheblich beeinträchtigt.» Viele internationale Pharma-Firmen würden mit den syrischen Behörden keine Geschäfte mehr machen. CSI hat an den Bundesrat appelliert, die von ihm mitgetragenen Sanktionen zu überdenken.
Es ist der finanziellen Unterstützung und der Nahrungsmittelhilfe von St. Ephram, einem karitativen Zweig der Syrisch-Orthodoxen Kirche, zu verdanken, dass die Familie Thoma nicht auf der Straße betteln muss. Ebenso kommt der Familie entgegen, dass sie Eigentümer ihrer Wohnung sind und keine Miete bezahlen. Ein schlimmeres Los trifft tausende von Syrern, die keine Hilfe von westlich unterstützten Hilfsorganisationen erhalten. Diese vergessenen Menschen sind zum Betteln oder auch zur Prostitution gezwungen.
Ein möglicher Ausweg wäre die Migration nach Europa. Auch Samer hat sich schon mit dem Gedanken an Auswanderung befasst. Seit seiner schlimmen Verletzung kommt dies für ihn aber nicht mehr in Frage, weil er im Ausland nicht für seine Familie sorgen könnte. «Was uns bleibt, ist der Glaube an unseren allmächtigen Gott, in guten sowie in schlechten Tagen.»
Reto Baliarda
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