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Ausgehend von Psychoanalyse nimmt das Buchprojekt die spätkapitalistischen Transformationsprozesse in den Blick und bietet eine im deutschsprachigen Raum bislang kaum rezipierte Zeitdiagnose an, die die kritische Gesellschaftstheorie und links-feministische Debatten bereichert sowie tiefergehende Erklärungen für den neu erstarkenden Rechtspopulismus liefert.
Spätestens seit 68' und den damit einhergehenden Liberalisierungsbewegungen ist die patriarchale Ordnung mit der dazu gehörenden väterlichen Autorität in der Krise. Die an dem französischen Psychoanalytiker Jacques Lacan orientierte Psychoanalyse (u.a. Ljubljana School of Psychonalysis mit ihrem prominentesten Vertreter Slavoj Zizek) theoretisiert diesen Untergang als einen Diskurswechsel hin zur postödipalen Gesellschaft, die weniger über normative Verbote funktioniert als vielmehr über Freiheit, die für die Subjekte Glücksversprechen in Aussicht stellt. Der damit verbundene Imperativ „Genieße!“ verkehrt sich entgegen aller Hoffnung der emanzipatorischen Bewegungen seit den 1960er Jahren des letzten Jahrhunderts jedoch in sein Gegenteil; Die emanzipatorischen Freiheitsversprechen binden die Subjekte in neue Herrschafts- und Machtverhältnisse ein, die sie nicht mehr mit autoritären Verboten konfrontieren, sondern zu einer individuellen, selbstbestimmten und optimierbaren Lebensführung auffordert. Jacques Lacan theoretisierte diesen Wandel als einen Übergang vom „Diskurs des Herren“ zum „Diskurs der Universität“: An die Stelle autoritärer Herrschaft ist ein ExpertInnenwissen getreten, das den Zugang zum Wissen verspricht und über diesen demokratisierten Zugang zum Genießen die Subjekt wirkungsmächtig in die spätkapitalistischen Verhältnisse einbindet.
Da die deutschsprachige Lacan-Rezeption diesen Strukturwandel, den Lacan insbesondere in seinem Spätwerk in den Blick nimmt, bislang kaum zur Kenntnis genommen hat, fehlt auch eine wissenschaftliche Auseinandersetzung, die diese psychoanalytisch-subjekttheoretischen Erkenntnisse für eine links-feministische Gesellschaftstheorie sowie eine breitere gesellschaftspolitische Debatte zugänglich macht. Das angestrebte Buchprojekt, in dem vorrangig Übersetzungen bereits vorliegender Texte aus dem Englischen, Italienischen und Französischen veröffentlicht werden, setzt sich das Ziel, diese Lücke zu schließen bzw. eine Diskussion über diesen Wandel anzuregen und somit Erklärungsansätze für die spätkapitalistischen Herrschaftsverhältnisse zu liefern. Da bislang ebenfalls feministische Analysen fehlen, die diesen Strukturwandel auch bezüglich des Geschlechterverhältnisses analysieren, werden einschlägige Autorinnen für neue, aktuelle Texte angefragt, die den Untergang des Ödipalen bezüglich der Geschlechterverhältnisse in den Blick nehmen.
Inhaltlich stehen drei wesentliche Aspekte im Zentrum der Publikation: Zum einen wird ein Zugang in Jacques Lacans Begrifflichkeiten, die er seinem Spätwerk bezüglich dieses Strukturwandels ausgearbeitet hat, geboten sowie seine Diskurstheorie der Vier Diskurse vorgestellt und diskutiert. Zweitens wird eine an der Psychoanalyse orientierte Zeitdiagnose vorlegt, die den Wandel in den Subjektstrukturen nach dem Untergang der väterlichen Autorität im Zusammenhang mit den spätkapitalistischen Ausbeutungsstrukturen diskutiert. Drittens wird die Geschlechterfrage ins Zentrum gestellt, insofern gefragt wird, was dieser Strukturwandel für das Geschlechterverhältnis bedeutet und was dementsprechend feministische Analysen in Zeiten von Geschlechtergleichstellung in den Fokus nehmen müssten.
Der Band wird im Herbst 2018 bei Turia und Kant (http://www.turia.at/index.html) erscheinen. Die angefragten AutorInnen sind Massimo Recalcati, Todd McGowan, Slavoj Zizek, Alenka Zupancic, Juliet Flower MacCannell, Samo Tomsic, Joan Copjec, Genevieve Morel und Ida Dominijanni.
Zur Realisierung der Publikation werden Finanzmittel benötigt, die die Übersetzungskosten, die anfallenden Kosten für die Veröffentlichungsrechte sowie Kosten für eine einmalige Veröffentlichungsveranstaltung decken. Die Druckkosten sind bereits durch den Verlag gedeckt.
Herausgeberinnen: Tove Soiland, Maya Dolderer, Marie Frühauf, Anna Hartmann