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Der Wirkungskreis der Amtsrichter, wie er unter
Amtsgericht (s. d.) geschildert ist, ist ein
sehr einflußreicher. Bei gleicher Vorbildung wie die Mitglieder der Landgerichte, sollen sie in dieser einflußreichen
Stellung
einen
Ausgleich dafür finden, daß sie zum weitaus größten
Teil in kleinen Orten leben, der geistigen Anreguug kollegialen
Zusammenwirkens entbehren müssen. Die meisten deutschen
Staaten, insbesondere
Preußen,
[* 2]
Sachsen,
[* 3] Hessen,
[* 4] Oldenburg,
[* 5]
Braunschweig,
[* 6]
Anhalt,
[* 7] Schaumburg-Lippe, die drei
FreienStädte und Elsaß-Lothringen
[* 8] geben den Amtsrichter die gleiche
Besoldung
wie den Mitgliedern der Landgerichte, um auch dadurch den häufigen Wechsel in den Amtsrichterstellen zu vermeiden.
Das niedrigste Anfangsgehalt haben die in
Baden
[* 9] mit 1800 M.; das höchste Gehalt erreichen sie in
Hamburg
[* 10] mit 10000 M. In
Preußen erhalten sie wie die Mitglieder der Landgerichte 2400-6000 M. und Wohnungsgeldzuschuß.
ÄlternAmtsrichter wird
in
Preußen und andern
Staaten, seit 1890 auch in
Sachsen, der Charakter als
Amtsgerichtsrat, in den meisten süddeutschen
Staaten
(in
Sachsen meist an den Vorstand des Amtsgerichts) der Charakter als Oberamtsrichter verlieben. -
Vgl.
Pfafferoth, Jahrbuch der deutschen Gerichtsverfassung (1. bis 3. Jahrg., Berl.
1880-86).
1) auf dem Gebiet der bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten diejenigen minder wichtigen vermögensrechtlichen Ansprüche,
deren Gegenstand an Geld oder Geldeswert die Summe von 300 Mk. nicht übersteigt, sowie ohne Rücksicht
auf den Wert des Streitgegenstandes gewisse andre Rechtssachen, deren Wesen ein besonders schleuniges Verfahren erheischt oder
eine besondere Vertrautheit mit den dabei in Frage kommenden Lokalverhältnissen voraussetzt, wie Hausmietstreitigkeiten,
Gesindestreitsachen, Rechtsstreitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitern hinsichtlich des Dienst- und Arbeitsverhältnisses,
Streitigkeiten zwischen Reisenden und Wirten, Fuhrleuten, Schiffern, Flößern oder Auswanderungsexpedienten
in den Einschiffungshäfen, welche über Wirtszechen, Fuhrlohn, Überfahrtsgelder, Beförderung der Reisenden und ihrer Habe
und über Verlust und Beschädigung der letztern, sowie Streitigkeiten zwischen Reisenden und Handwerkern, welche aus Anlaß
der Reise entstanden sind; ebenso Ansprüche aus einem außerehelichen Beischlaf und Streitigkeiten wegen
Viehmängel oder wegen Wildschadens.
Die Amtsgerichte sind ferner allgemein für das Konkursverfahren und für das Aufgebotsverfahren, d. h.
für die öffentliche gerichtliche Aufforderung zur Anmeldung von Ansprüchen oder Rechten, zuständig, welche mit der Wirkung
ergeht, daß die Unterlassung der Anmeldung einen Rechtsnachteil und zwar regelmäßig den Ausschluß des betreffenden Rechts
oder Anspruchs zur Folge hat. Ebenso sind die Amtsgerichte ohne Rücksicht auf den Wert des Anspruchs für das Mahnverfahren zuständig,
d. h. für den Erlaß eines Zahlungsbefehls an den Schuldner, wenn es sich um die Zahlung einer bestimmten Geldsumme oder um
die Leistung einer bestimmten Quantität andrer vertretbarer Sachen oder Wertpapiere handelt, unbeschadet
des Einspruchsrechts des Schuldners.
Durch einen Strafbefehl darf jedoch keine andre Strafe als Geldstrafe von höchstens 150 Mk. oder Freiheitsstrafe von höchstens
sechs Wochen sowie eine etwa verwirkte Einziehung ausgesprochen werden. Ein Strafbefehl, wegen welchen der Beschuldigte nicht
binnen einer WocheEinspruch erhebt, erlangt die Wirkung eines rechtskräftigen Urteils. Es können ferner
Forst- und Feldrügesachen nach Landesgesetz durch die Amtsgerichte ohne Zuziehung von Schöffen verhandelt und entschieden werden.
3) Außerdem sind die Amtsgerichte regelmäßig mit der freiwilligen Gerichtsbarkeit betraut, also insbesondere mit der durch die Landesgesetzgebung
normierten Handhabung des Hypotheken- und Grundbuchwesens, der Vormundschaftssachen und der gerichtlichen
Mitwirkung bei der Aufnahme von Rechtsakten, soweit eine solche erforderlich ist. Auch haben die Amtsgerichte vielfach die Aufsicht über
die Standesbeamten zu führen.