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Schneegleiten ist eine langsame Hangabwärtsbewegung der gesamten Schneedecke auf dem Untergrund (einige Millimeter bis Meter pro Tag). Dazu müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:
- Die Bodenoberfläche muss glatt sein, also zum Beispiel umgelegtes Gras oder eine Felsplatte.
- Die Neigung muss genügend gross sein, wobei bereits 15° ausreichen können.
- Der unterste Teil der Schneedecke, also die Grenzschicht zwischen der Schneedecke und dem Boden, muss feucht oder nass sein.
Letzteres ist besonders dann erfüllt, wenn der Boden warm ist und er die Schneedecke von unten her aufwärmt und anfeuchtet. Voraussetzungen für einen Gleitscheewinter sind somit ein Einschneien auf den warmen Boden und eine mächtige Schneedecke, weil diese besser isoliert. Zudem werden in schneereichen Wintern die Gleitschneelawinen aufgrund der grossen Schneehöhen mächtiger als in schneearmen Wintern. In hohen Lagen gleitet die Schneedecke tendenziell an Südhängen stärker als an Schattenhängen, weil der Boden an Südhängen wärmer ist.
Gleitschneerisse, sog. "Fischmäuler", sind Zugrisse durch die ganze Schneedecke hindurch. Sie entstehen bei stärkerem Schneegleiten an Orten, wo die Schneedecke unterhalb schneller gleitet als oberhalb. Ein Gleitschneeriss, der sich über Tage bis mehrere Wochen ausbreitet, kann plötzlich beschleunigen und als Gleitschneelawine abgehen.
Oft, aber nicht immer, gehen Gleitschneelawinen unterhalb von sich öffnenden Fischmäulern nieder. Dabei gleitet die gesamte Schneedecke am Boden ab. Abgänge von Gleitschneelawinen sind zu jeder Tages- und Nachtzeit möglich und erfolgen in aller Regel spontan. Sie kündigen sich häufig durch ein beschleunigtes Öffnen des Gleitschneerisses an. Leider ist dies nicht mit dem Auge festzumachen. Gleitschneelawinen können kaum gesprengt oder durch Personen ausgelöst werden.
Gleitschneelawinen können in "kalte" und "warme" Ereignisse eingeteilt werden:
"Kalte" Gleitschneelawinen gehen vor allem im Hochwinter ab. Dabei ist die Schneedecke, ausser ganz am Boden, überall trocken und kalt (unter 0° C). Nur direkt am Übergang zum Boden hat sie 0° C und ist feucht. Bei diesen Lawinen spielen die Prozesse am Übergang vom Boden zum Schnee eine grosse Rolle. Was sich dort genau abspielt, wird derzeit am SLF erforscht (siehe unten). Sicher ist, dass die tageszeitlichen Temperaturschwankungen nur wenige Dezimeter in den Schnee eindringen und damit auch z.B. eine oberflächliche Schmelzharschkruste keinen Einfluss auf die Verhältnisse am Boden hat. So werden Gleitschneelawinen auch dann beobachtet, wenn die Luft sehr kalt oder die Schneeoberfläche gefroren ist. Die Gefahr von "kalten" Gleitschneelawinen ist unabhängig von der Tageszeit immer etwa gleich gross.
Zu "warmen" Gleitschneelawinen kommt es, wenn die Schneedecke von oben her durchfeuchtet wird, Wasser durch die Schneedecke fliesst und folglich die Reibung am Übergang zum Boden herabsetzt. Eine klare Abgrenzung zu nassen Bodenlawinen ist schwierig; es scheint sich hier um ähnliche Prozesse zu handeln. Ähnlich wie bei Nassschneelawinen, sind "warme" Gleitschneelawinen in der zweiten Tageshälfte vermutlich häufiger als am frühen Morgen.
Weil Abgänge jederzeit möglich, der genaue Zeitpunkt aber nicht vorhersehbar ist, sollten die Bereiche mit Fischmäulern möglichst gemieden werden. Auf alle Fälle sollte man sich aber nie länger als unbedingt nötig unter Fischmäulern aufhalten.
Beim Schneegleiten scheint noch ein weiterer Prozess für die Anfeuchtung der untersten Schneeschicht verantwortlich zu sein: Der trockene Schnee fällt meist auf einen deutlich feuchteren Boden. Es kommt zu starken Kapillarkräften, mit denen der feinkörnige Schnee Wasser aus dem grobkörnigen Boden ansaugt. Wann das sukzessive Aufschmelzen der untersten Schneeschichten durch den warmen Boden und wann die Kapillarkräfte zwischen Boden und Schnee massgebend sind, wird derzeit am SLF erforscht. Zudem wird mit Experimenten und Naturbeobachtungen versucht, die Bildung von Nass- und Gleitschneelawinen besser zu verstehen.