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Die Suche nach der Form
Die Formfrage erscheint zentral im theoretischen Diskurs Schweizer Architekten. Dabei hat sich die Form in den letzten 30 Jahren gewandelt: von einer primären, grösstenteils rechtwinkligen Form zu einer unregelmässigen offenen Form. Martin Steinmann hat wie kein anderer Theoretiker die Schweizer Architektur beobachtet, analysiert und diese grundlegend mitbestimmt.
Mit seinem Artikel „la forme forte“ (in Traces, n°19,1991, S.4-13) setzte sich Steinmann mit der Wahrnehmung primärer, einfacher Formen auseinander, die typisch waren für die Schweizer Architektur der 1990-ger Jahre. Er verwies dabei auf die minimal art von Carl Andre, Donald Judd oder Richard Serra, deren Kunst die Wahrnehmungsproblematik ins Zentrum rückte. Beispiele dieser Künstler fand man und findet man noch heute in den Referenzlisten vieler Architekten. Vor allem Schweizerdeutsche Architekten folgten mit Enthusiasmus dieser Strömung. Neben den einfachen Baukörpern kennzeichnen eine intensive Materialsuche und Perfektion diese präzis gefertigten Objekte aus.
Seit mehr als 10 Jahren trifft man vermehrt auf eine Interessenverschiebung: weg von den elementaren Baukörpern hin zu Bauten mit unregelmässigen, fragmentierten, schwer zu beschreibenden Formen. Anstatt von einer schwachen Form zu sprechen und beim Äusseren zu verweilen, wagt Steinmann den Schritt nach innen und erfindet den Begriff der „inneren Form“. Der erste Aufsatz „Innere Form I“ zum Werk der Architekten von Ballmoos Krucker (Wohnsiedlung Badenerstrasse und Letzigraben) erscheint 2007 im Buch ‚Kommentare und Register‘. Die Fortsetzung „Innere Form II“ wird im Katalog der Ausstellung ‚Bauten und Spekulationen‘ dieser Architekten in Berlin 2009 veröffentlicht. Mit der inneren Form kommt es zu einer Verschiebung vom Objekt, das von aussen betrachtet und wahrgenommen wird zum bewegenden Subjekt, das den Raum erfährt.
Noch ein anderer Begriff taucht auf, um diese ‚organische‘ Architektur zu beschreiben: Christian Inderbitzin vom Büro EMI erklärt den Entwurf des Wohnhauses Zürich-Hottingen anhand der „offenen Form“ (in trans, n° 19, 2011, S.86-91): Er meint damit eine „vielschichtige, vielteilige, unreine, unscharfe, impräzise, antiklassische, anti-typologische, informelle, nicht kausale, fragmentierte (…) bisweilen hässliche Form.“
Es ist interessant, dass sich im Werk der beiden Büros Projekte mit einer offenen, inneren oder unregelmässigen Form spielend abwechseln mit Projekten, die durch eine starke einfache rechtwinklige Form charakterisiert sind. Wie ist diese Formenvielfalt innerhalb eines Werkes zu verstehen? Wann findet die eine oder die andere Form Berechtigung? Sind es kontextuelle oder funktionelle Kriterien, die die Formwahl beeinflussen? Entstehen diese Formen von innen nach aussen oder umgekehrt? Welche geistige Haltung liegt dem Gesamtwerk zugrunde?
Um sich diesen Fragen anzunähern, scheint es uns lohnenswert, etwas in der Geschichte zurückzugehen. Architekten wie Hugo Häring oder Hans Scharoun haben sich intensiv mit Formfragen auseinandergesetzt. Beachtenswert ist Häring’s Text ‚Wege zur Form‘. Vielleicht kann dieser uns aufzeigen, wie die ‚richtige‘ Form gefunden wird.
Fortsetzung folgt…
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vorgestellt von Laurent Vuilleumier