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Das Saxophon – heute gerne auch Saxofon geschrieben – gehört zu den Holzblasinstrumenten, obwohl es aus Messing hergestellt wird. Weil der Ton durch ein Rohrblatt erzeugt wird, wird das Instrument dennoch der Holzklasse zugeordnet.
Es wurde 1840 vom Belgier Antoine Joseph Sax erfunden. Er wollte sich mit diesem Instrument klanglich zwischen Klarinette und Oboe positionieren. Anfänglich gab es zwei Stimmungen, einerseits die C/F-Stimmung für Sinfonie-Orchester, andrerseits die B/Es-Stimmung für die Militärmusik. Heute ist vor allem die letztere gebräuchlich. Als in New Orleans und anderen Musikhochburgen des nordamerikanischen Südens der Jazz aufkam, erhielt das Saxophon seine heutige Bedeutung als variantenreich zu spielendes Instrument mit einer grossen Bandbreite an musikalischer Ausdrucksweise. Auch in der Pop-Musik ist das Instrument begehrt, ebenso als Solo-Instrument in Tanzorchestern. Nur die Nationalsozialisten versuchten das Instrument aus ihren Reihen zu verbannen, da zu „entartet“.
Varius-Quartett
Die vier Männer sind alle auf verschiedenen Ebenen musikalisch tätig. Thomas Fehle und Michele Croce unterrichten an verschiedenen Musikschulen in der Gegend, sowohl Klarinette wie auch Saxophon. Matthias Gubler repariert beruflich Blasinstrumente. Dazu passt, was Moderator Markus Suhner in einer seiner Zwischenplaudereien erzählte. Er findet, dass das Bariton-Saxophon Gublers mit den vielen Rohren an einen Sanitärinstallateur erinnere. Alle vier spielen auch in verschiedenen Formationen mit, als Klarinettisten und auch mit dem Saxophon.
Vielfältige Stilrichtungen
Die Männer hatten im Programmprospekt nicht zu viel versprochen: „Familienkonzert mit fetzigem Sound“. Zu Beginn schmetterten die vier Männer einen kurzen Abschnitt aus „Finlandia“ von der Empore herunter, mit für hiesige Ohren etwas ungewohnten, reibenden Passagen. Schon da spürte man, wie der Klang sich bis in die kleinsten Winkel der Kirche ausbreitete. Bald durften die vier Musizierenden vorne im Chorraum auch visuell genossen werden. Das Saxophon passt gut zu dynamischen Männern, wird doch der Klang durch Körpereinsatz noch abgerundeter.
Wesen der Musik
Markus Suhner erklärte dem verdutzten Publikum, weshalb sie die achte Sinfonie von Schubert nicht spielen würden, diese sei einfach viel zu lang. Allerdings habe einmal ein Unternehmer diese Aufführung besucht und sich dazu seine Gedanken gemacht. Man könnte die ganze Sache viel effizienter gestalten, wenn man all die unnötigen Wiederholungen weglassen und die immer wieder unbeschäftigten Instrumentalisten entlassen würde. Die Auslastung der einzelnen Mitwirkenden sei einfach viel zu klein, „zusammenstreichen des Personals“ das Allheilmittel für einen sinnvollen Einsatz der Ressourcen.
Vom Standpunkt der Wirtschaftlichkeit aus kann der Mann ja recht haben, aber das Wesen der Musik ist ja gerade diese Absichtslosigkeit der eingesetzten Mittel, das Herausführen der Zuhörerschaft aus ihren Sorgen und Nöten. Wiederholungen bringen ein Thema erst so recht zum Blühen, Pausen strukturieren das Ganze, das Herz will angesprochen werden.
Spannung - Entspannung
Markus Suhner konnte seinen Lehrerberuf nicht ganz verleugnen, als er ein nächstes Stück ansagte. Das Thema sei in diesem Sack verborgen, jemand solle sich getrauen und ein Tier daraus befreien. Mutig rannte ein Knabe nach vorne und zog einen rosaroten Panther heraus – „Pink Panther“ wurde gespielt.
Natürlich durften auch Werke wie das rasante Stück „Yakety-Sax“, 1963 vom amerikanischen Musiker Boots Randolph komponiert, nicht fehlen. Der sakrale Kirchenraum verhinderte dabei bestimmt die eine oder andere Tanzeinlage, denn bei diesem Stück kann man einfach kaum ruhig sitzen bleiben. Auch Astor Piazolla kam zu Ehren. Sein „Libertango“ nahm etwas Tempo heraus. „Viva, viva la musica“ wurde sogar mithilfe des Publikums gleich als Kanon aufgeführt. Und der „Maple Leaf-Rag“ von Scott Joplin erlebte schon bei seiner Entstehung 1899 eine grosse Verbreitung, und das noch ganz ohne Internet. Der Rag erlebte eine Auflage von mehr als einer Million und wird auch heute noch sehr gerne gespielt – und gehört!
Wirkungsvoller Schluss
Es war zu erwarten, dass die Musiker nicht einfach so ohne Zugabe entlassen würden,. Ein Klezmer-Stück „lebendig und fröhlich“ wurde deshalb geboten, danach noch „Cavallerie rusticana“. Dazu wurden Kerzenständer vor die Musiker aufgestellt, der Bub von vorhin nochmals als Kerzenausblaser engagiert und das Publikum gebeten, jetzt ganz leise zu sein und bitte erst zu klatschen, wenn auch die letzte Kerze ausgelöscht sei. Mit diesem kurzen Augenblick völliger Stille endete das abwechslungsreiche Konzert.