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Geschichte
Gründung der Baugenossenschaft „Mythen“
Der Gedanke, mit der Gründung einer Baugenossenschaft gute und preiswerte Wohnungen zu schaffen, hatten Angestellte der SOB zu Beginn der fünfziger Jahre. Es war damals für junge Familien schwierig, familiengerechte Wohnungen zu finden, in denen auch für Kinder etwas Freiheit und Bewegungsraum vorhanden war.
Auf Initiative von Meinrad Fuchs erfolgte eine Orientierungsversammlung für das Personal der SOB, wo das Projekt mit 4-Zimmer-Wohnungen vorgestellt wurde. Das Vorhaben stiess auf grosses Interesse.
Fast gleichzeitig wurde mit der Genossame Dorf-Binzen wegen eines Landverkaufes Verbindung aufgenommen. Benötigt wurde eine Landparzelle von etwa 1800 Quadratmetern.
Die Gründung der Baugenossenschaft „Mythen“ erfolgte am 8.März 1955, obwohl sich nur noch eine kleine Gruppe von SOB-Kollegen dafür gewinnen lies. Die Gründe lagen darin, dass etliche Kollegen ausstiegen, da sie ein finanzielles Abenteuer befürchteten. Die Gründungsakte unterzeichneten noch Martin Fuchs, Peter Kälin, Klemenz Schnüriger, Josef Stössel, Hans Stössel, Kaspar Zentner, Paul Essig und Meinrad Fuchs; der letztgenannte übte dann auch das Amt des Präsidenten bis zu seinem Tod im Jahre 1984 aus.
Realisierung des Bauvorhabens
Mit Hilfe der Kantonalbank Schwyz, die der jungen Genossenschaft weit über den Rahmen der normalen Finanzierung entgegenkam, nahm das Bauvorhaben konkrete Formen an. Paul Essig aus Luzern, auch Mitunterzeichner der Gründungsakte, war der Architekt. Das Projekt sah zwei zusammengebaute Achtfamilienhäuser mit 16 Wohnungen zu vier Zimmern vor. Im Juli 1955 konnte mit dem Bau begonnen werden. Der Standort der Liegenschaft befand sich auf dem unbebauten Langrütiboden, gleich neben dem sogenannten „Chärnehus“. Der Bau war der erste in Blockform erstellte in Einsiedeln und deshalb nicht allen Mitbürgern genehm.
Aus wirtschaftlichen Gründen kamen nur vierstöckige Wohnblöcke mit je zwei Wohnungen pro Stockwerk in Frage. Die Gruppierung wurde so vorgenommen, dass noch genügend Raum mit Rasenfläche vorhanden war und ein Spielplatz erstellt werden konnte. Jede Wohnung besteht aus Wohnzimmer, Elternschlafzimmer, zwei Kinderschlafzimmer, Wohnküche, Korridor und Bad mit WC/Toilette. Jeder Wohnblock verfügt über Hauseingang, Treppenanlage, Keller, Wasch- und Trockenräume, Abstellraum für Velos und Kinderwagen. Auf dem Dachboden oder Estrich befindet sich zusätzlich für jede Wohnpartie ein Abstellraum.
„Servelatbunker“
Die Voraussage, dass die Mieter dieser Wohnungen nicht in der Lage wären, den errechneten Mietzins mit Nebenkosten aufzubringen, drückte sich auch an der folgenden Fasnacht aus! So wurde am Fasnachtsumzug ein Sujet mit einem riesigen Block herumgeführt und als „Servelatbunker“ bezeichnet. Damit wollte man aufzeigen, dass es den Genossenschaftern in ihren Wohnungen nicht mehr möglich sei, neben den „hohen“ Mietkosten anderes Fleisch als eben nur noch Servelats einzukaufen.
Der Mietzins wurde damals inklusive Nebenkosten auf 140 Franken berechnet. Heute ein Traumpreis, zu jener Zeit ein harter Brocken für die meisten Genossenschafter. Doch es wurde geschafft, alle Wohnungen zu vermieten. Der letzte Mietvertrag wurde am 1. Mai 1956 unterzeichnet. Eine nicht leicht zu lösende Aufgabe für einige Interessenten und angehende Genossenschafter war zudem die Übernahme von Anteilscheinen in der Höhe von 1600 Franken, die als Eigenmittel für die Finanzierung des Bauvorhabens einbezahlt werden mussten.
Wohnen der ersten Genossenschafter
Das gemeinsame Zusammenleben wurde erstmals im Februar 1956 getestet. Wegen einer fehlenden Abwasserableitung standen sämtliche Räume im Untergeschoss inklusive Heizung unter Wasser. Alle mussten während einer ganzen Nacht ununterbrochen das Wasser mit Kübeln ins Freie tragen, bis endlich eine Wasserpumpe diese ungewohnte Arbeit übernahm. Selbst die Frauen beteiligten sich an der Rettungsaktion. Im Jahre 1984 kam man nochmals in eine ähnliche Situation, als die Alp über die Ufer trat.
Überhaupt zeigten die Gründermitglieder noch viel solidarischen Genossenschaftsgeist! So musste anfänglich noch viel Bauschutt weggeschafft werden, da noch am Ausbau gearbeitet wurde. Auch galt es, die Umgebungsarbeiten zu erledigen. Sei es, dass Pflanzen und Bäume gepflanzt werden oder die Abschrankungszäune erstellt werden mussten.
Erweiterung der Baugenossenschaft
Im Jahr 1958 wurde erstmals wieder an einer Vorstandssitzung über eine eventuelle Erweiterung der Baugenossenschaft diskutiert. Anlässlich einer ausserordentlichen Generalversammlung mit zum Teil hitzigen Diskussionen erfolgte am 23. Mai 1959 der Bauauftrag zur Erweiterung der Baugenossenschaft „Mythen“ von bisher 16 auf neu 32 Wohnungen. Wiederum realisierte Architekt Paul Essig die generellen Pläne. Es kamen zwei Einzelblöcke hinzu. Einer an der Kornhausstrasse mit acht 4-Zimmer-Wohnungen und einer an der Mythenstrasse mit vier 4-Zimmer-Wohnungen und vier 3-Zimmer-Wohnungen. Die Idee hinter den 3-Zimmer-Wohnungen war, dass zukünftige Betagte oder Paare nach dem Wegzug der Kinder oder Todesfall eines Ehepartners die Möglichkeit haben, in eine der kleineren Wohnungen umzuziehen.
Die Bauarbeiten wurden, wenn immer möglich, auf dem Platze Einsiedeln vergeben.
Es war ein tolles Projekt!
Zusätzlich bekamen die Genossenschafter gegen Süden hin neue Nachbarn, wo die Genossenschaft „Familia“ ähnliche Wohnbauten realisierte. Es entstand ein richtiges Wohnquartier.
Renovations- und Erneuerungsarbeiten bis in die Neuzeit
Im Frühjahr 1959 ersetzte eine automatische Waschmaschine die zwei Waschkochherde in der Liegenschaft Mythenstrasse. Ein Tankraum musste anfangs der 80-er Jahre neu erstellt werden. Diverse Renovationsarbeiten konnten nicht weiter hinausgeschoben werden. Zu nennen sind hier die Maler- und Tapeziererarbeiten sowie das Auswechseln der Heizkörper in sämtlichen Wohnungen. Die Renovation der Aussenfassaden folgte.
Ein grosser Meilenstein stellte der Bau einer Tiefgarage im Jahre 1988 dar. Damit konnte der Innenhof der Wohnblöcke autofrei gehalten werden, was für die Wohnqualität enorm wichtig ist. Im Jahre 1998/1999 wurde der Wohnblock an der Kornhausstrasse umgebaut; ihm folgte im Jahre 2001/2002 der Wohnblock an der Mythenstrasse und schliesslich noch der Doppelblock an der Mythenstrasse 21/23 im Jahre 2005/2006. In den letzten Jahren konnten weitere umfangreiche und werterhaltende Arbeiten wie der Baderneuerung, die grosszügige Vergrösserung der Küchen und der Balkone (letztere mit zusätzlicher Verglasung)sowie dem Einbau eines Personenlifts im Jahre 2012 in den zwei Einzelblöcken realisiert werden.. In den Waschküchen wurden Lüftungsgeräte eingebaut und Tumbler-Geräte installiert.
Zusätzlich wurde die Umgebung verschönert und die Spielgeräte erneuert.
Es ist den Genossenschaftern ein grosses Anliegen, die Gebäude und das ganze
Wohnquartier in einem guten Zustand zu erhalten und den gestiegenen Ansprüchen
Der heutigen Zeit anzupassen. Auch wenn das für den jeweiligen Vorstand der Baugenossenschaft „Mythen“ nicht immer einfach ist und sich manchmal lange Diskussionen ergeben, darf doch festgehalten werden, dass sich die realisierten Vorhaben später meist zum Nutzen und Vorteil für die Genossenschafter erwiesen
haben.
Genossenschaftsgedanke – auch heute aktuell
Es ist wichtig, bei solch einer grossen Wohngemeinschaft für die Bedürfnisse und Anregungen der Genossenschafter ein offenes Ohr zu haben.
Diese können an der alljährlichen Generalversammlung besprochen werden und der Vorstand, der meist aus Genossenschaftern (Mietern)besteht, ist auch unter dem Jahr bemüht, alles in bester Ordnung zu halten und Anregungen nachzugehen und deren Umsetzung wenn möglich zu realisieren. Beim jährlichen Genossenschaftstag anfangs Juli wird das gemütliche Beisammensein und der Genossenschaftsgedanke gepflegt.
Wir sind stolz – nach bald 60 Jahren seit Baubeginn des ersten Blockes –familienfreundliche, preisgünstige und zeitgemässe Wohnungen anbieten zu können.
In diesem Sinne freuen wir uns auf viele weitere erfolgreiche genossenschaftliche Jahre der Baugenossenschaft „Mythen“.
Der Vorstand und Genossenschafter der Baugenossenschaft „Mythen“
Erstellt durch Karin Kälin-Schuler, Genossenschafterin und ehemaliges Vorstandsmitglied unter Einbezug der Broschüre zum Silbernen Jubiläum Baugenossenschaft „Mythen“ 1980, verfasst vom 1. Präsidenten Meinrad Fuchs