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Vincenzo Antonio Petrali (1830–1889) stammte aus einer sehr musikalischen Familie. Der junge Vincenzo konnte bereits als Elfjähriger seinen Vater an der Orgel vertreten und wirkte als Organist an der Chiesa dell’Ospedale und an der Kirche San Benedetto in Crema. Der Domkapellmeister von Cremona, Stefano Pavesi, gab ihm den ersten Kompositionsunterricht. Sein Vater schickte ihn 1846 für ein Jahr an das Mailänder Konservatorium, wo er Klavier und Komposition studierte.
In der Folge wirkte Petrali als Organist Dirigent und Lehrer an verschiedenen Städten Norditaliens: Cremona, Bergamo, Brescia, Milano. Nach seiner Rückkehr nach Crema 1860 wirkte er hier zwölf Jahre lang als Domkapellmeister und Leiter der dortigen städtischen Blaskapelle, für die er zahlreiche Kompositionen im leichten, populären Stil schrieb und viele Stücke aus italienischen, französischen und deutschen Opern arrangierte. Im Jahr 1868 heiratete er Maria Ottolini, die Tochter des Bürgermeisters von Crema, die bereits 10 Jahre später starb und ihm drei Kinder hinterliess.
Ab 1882 bis 1889 unterrichtete er die Fächer Orgel, Klavier, Harmonielehre und Generalbass am Liceo Musicale Rossini in Pesaro. 1886 kam noch das Fach Banda-Instrumentation hinzu. In dieser Zeit entstanden auch seine späten, überwiegend liturgisch geprägten Orgelwerke. Infolge einer Leber-Erkrankung, die gegen Ende 1888 bemerkbar wurde, beendete er 1889 seine Lehrtätigkeit in Pesaro und kehrte nach Bergamo zurück, wo er im Alter von 59 Jahren starb.
Zu Lebzeiten und längere Zeit danach galt Petrali als überragender Virtuose auf der Orgel und als unerreichter Improvisator auf diesem Instrument, hinzu kam seine Tätigkeit als Dirigent, Chorleiter und Banda-Leiter. Sein musikalischer Stil „an der Schnittstelle zwischen Barock und Romantik“ wurzelte in dem typischen italienischen Belcanto des 19. Jahrhunderts, welcher nicht nur die zeitgenössische Unterhaltungsmusik, sondern auch Petralis geistliche Musik in der ersten Hälfte seiner Schaffenszeit prägte. Mit der beginnenden Cäcilianischen Bewegung vollzog auch er die Hinwendung zu einem strengeren, kontrapunktischen Stil. Dabei fällt auf, dass sich dieser Stil mehr in den langsameren, meditativen Stücken findet, während schnellere Sätze eher im früheren Stil «feierlicher Fröhlichkeit» gehalten sind.
Orgelwerke von Vincenzo Petrali
Petrali komponiert eine grosse Zahl von Orgelwerke, unter anderem
- 2 Messen
- 13 Sonaten
- 25 Versetten
- Preludien, Ricercari, Toccaten, Adagios und Pastorale
- 71 Studien für die moderne Orgel