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Blog prof. René Prêtre
Mission Kambodscha 2017, 6. Dezember
Post by René Prêtre
Mittwoch, 6. Dezember
Heute Abend wird Yann mit überwältigender Mehrheit zum «Man of the day» ernannt (er wäre bestimmt lieber zum «Man of the month» gewählt worden, aber wir müssen es ja nicht übertreiben). Er hat uns heute tatsächlich vor Schlimmem bewahrt.
Wir haben das kleine Mädchen, das mir gestern so grosse Sorgen bereitete, weil ich nicht wusste, ob ich ihre Herzklappe würde retten können, in den Operationssaal gebracht. Ihre Mitralklappe schloss nicht richtig, was eine massive Dilatation des Herzens zur Folge hatte. Dies führte zu einer dieser viel karikierten Dritt-Welt-Situationen, in denen erst etwas unternommen wird, nachdem das Herz nach unendlich langem Leiden nur noch zur Hälfte arbeitet. Sobald die Kinder eingeschlafen sind, führen wir jeweils systematisch eine transösophageale Echokardiographie durch, bei der die Ultraschallsonde durch die Speiseröhre eingeführt und direkt hinter das Herz geführt wird. Die Videos davon sind von hervorragender Qualität und ermöglichen uns, den Wiederaufbau «live» zu verfolgen.
Ich war gerade dabei, den Herzbeutel zu öffnen, als Yann, der seit gut zehn Minuten mit der Sonde beschäftigt war, meinte:
- «Ich sehe etwas Merkwürdiges in der Pulmonararterie.»
- «Ah ja? Zeig her.»
Yann lenkt das Video zur besagten Stelle. Tatsächlich sehen wir einen ungewöhnlichen Blutfluss in dieser Arterie.
- «Denkst du, hierbei handelt es sich um ein ALCAPA-Syndrom?»
- Meine Güte! Jetzt, wo du es sagst …»
Und es war tatsächlich ein ALCAPA-Syndrom: Eine der beiden Koronararterien war nicht mit der Aorta sondern mit der Pulmonararterie verbunden.
Diese Kinder haben häufig frühe Infarkte, die dazu führen, dass die Mitralklappe nicht mehr richtig funktioniert. Die Prognosen für diese Patientinnen und Patienten sind düster, ausser natürlich, wenn sie früh genug operiert werden, bevor irreversible Schäden auftreten. In unserem Fall sind aber bereits einige Folgeerscheinungen einer solchen chronischen Asphyxie des Myokards zu erkennen, aber der Muskel scheint nicht allzu sehr beschädigt zu sein, und wenn wir eine gute Korrektur machen, könnte sich die Sache normalisieren.
Die Operation mit den hier vorhandenen Mitteln gestaltet sich äusserst schwierig, auch ist sie sehr mühsam, weil wir ständig aufpassen müssen, dass wir den bereits so beanspruchten Muskel nicht noch mehr in Mitleidenschaft ziehen. Dennoch schaffen wir es, nicht nur die Koronararterie wieder in der Aorta zu platzieren (wo sie sich normalerweise ja auch befindet), sondern auch die Herzklappe zu reparieren, die mir ziemliche Sorgen bereitet hat.
Die Operation mit den hier vorhandenen Mitteln gestaltet sich äusserst schwierig, auch ist sie sehr mühsam, weil wir ständig aufpassen müssen, dass wir den bereits so beanspruchten Muskel nicht noch mehr in Mitleidenschaft ziehen. Dennoch schaffen wir es, nicht nur die Koronararterie wieder in der Aorta zu platzieren (wo sie sich normalerweise ja auch befindet), sondern auch die Herzklappe zu reparieren, die mir ziemliche Sorgen bereitet hat.
Nach über einer Stunde erreichen wir endlich, dass der Operationsbereich gänzlich trocken ist (die Kinder hier haben oft Blutgerinnungsprobleme), dann schliessen wir das Sternum und den Einschnitt wieder.
Kaum aus dem OP (es ist 14.30 Uhr und ich habe noch nichts gegessen), bittet mich Kunthea, die Kardiologin vor Ort, einen Blick auf ihren aktuellsten Fundus zu werfen. Ich folge ihr in den Untersuchungsraum. Vor ihrer Türe warten unzählige Eltern mit ihren Kindern. «Alles Herzkranke», stellt sie klar und spielt damit noch einmal die Karte der Zauberin aus, die eine ganze Reihe Tierchen aus ihrem Zylinder zieht – aber das hier sind alles Spezialfälle, die da auf ihrem Bildschirm auftauchen.
«Kunthea, wir bleiben nur eine Woche! Wir führen täglich zwei grosse Operationen durch [1]und werden es darum niemals schaffen, alle zu nehmen. Wir müssen mit Ladin schauen, welche er selber operieren kann und uns dann auf die Fälle konzentrieren, die wirklich zu schwierig für ihn sind.»
Nous reprenons notre provoirisoise et le modifion en fonction de ce paramètre et en révoussant les enfants qui peuvét entree attendre quelques mois, besuchen Sie die Mission d’un collègue.
Wir nehmen unser provisorisches Programm wieder auf und passen es aufgrund der Gegebenheiten etwas an, indem wir die Kinder, die noch ein paar Monate auf die Mission eines anderen Kollegen warten können, aufschieben.
Ich kehre zurück zum Materialraum, um ein Sandwich zu essen. Es ist schon spät (15 Uhr), unser erster Fall hat wirklich lange gedauert. Ladin hat sich bereits umgezogen und beginnt mit dem Einschnitt. Bevor ich zu ihm stosse, gönne ich mir noch eine Tasse Kaffee.
19.30 Uhr
Wir sind jetzt mit dem zweiten Fall fertig. Wir haben uns die Operation «aufgeteilt», Ladin und ich. Alles ist gelaufen wie vorgesehen, das Herz schlägt wieder mit voller Kraft. Ich gehe noch zum Katheterraum, wo Oliver und Kunthea gerade ihren vierten Eingriff beenden. Ich gratuliere ihnen dazu, dass sie in der gleichen Zeit die doppelte Anzahl Kinder behandeln wie ich, aber Oliver, wie immer fair, erinnert mich daran, dass ihre Patientinnen und Patienten weitaus einfacher zu behandeln seien, als die unseren.
Eine letzte Runde noch durch die Intensivstation. Sofort bemerke ich die Unruhe und dass eine ganze Personal-Schar um zwei Kinder herum versammelt ist. Das gefällt mir gar nicht. Beim Näherkommen bemerke ich, dass es sich bei diesen Kindern … nicht um unsere handelt, also nicht um die, die wir gerade operiert haben.
David, in der ganzen Aufregung fast schon stoisch, kommt auf mich zu und meint:
«Nun wird es plötzlich doch noch ganz sportlich. Olivers Patient hat einen Bronchospasmus erlitten, wir konnten ihn soeben wieder «zurückholen». Und dieses hier (er zeigt auf ein 4 bis 5 Monate altes Kind) erleidet gerade eine schwer in den Griff zu bekommende Tachyarrythmie. Sein Herz arbeitet nur noch zu 20 %. Wir sind gerade dabei, ihm eine Sedierung zu injizieren und werden dann eine Elektroschockbehandlung durchführen. Sonst ist alles gut», flüstert er mir augenzwinkernd zu.
Ich versichere ihm, dass unser «immer noch etwas heisses» Kind von heute Nachmittag ihn diese Nacht wohl in Ruhe lassen dürfte.
- «Und die anderen?»
- «Denen geht es gut.»
- «Der Kleinen von heute Morgen auch?»
- «Ja, wie eine Blume.»
- «Und das Mädchen, das wir gestern fast verloren haben?»
- «Ihm geht es besser. Wir können es aber noch immer nicht operieren, wenn es aber weiterhin aufwärtsgeht, dann vielleicht …»
Ich verlasse das Spital gegen 20 Uhr. Die Nacht ist schon vor einigen Stunden hereingebrochen. Der Mond, der am Sonntag noch voll war, nimmt wieder ab.
In der Lobby teilt man uns mit, dass Johnny gestorben ist. Und obwohl wir wussten, wie krank er war, trifft sein Tod uns unerwartet. Mir fällt Kafkas Maxime ein:
« Du siehst die Sonne untergehen und erschrickst doch, wenn es plötzlich dunkel wird. »
Ruhe in Frieden, Johnny. Hut ab!
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[1] Oliver behandelt Fehlbildungen bei drei bis vier Kindern pro Tag mittels Kathetertechnik. Sollten Komplikationen auftreten, kann er jederzeit auf unser Reanimationsteam, das sich um die Versorgung der Kinder nach dem Eingriff kümmert, sowie auf mich als Chirurgen zurückgreifen.