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Iris Bell und Mary Koithan publizierten 2012 in „BMC Complementary and Alternative Medicine" ihr Erklärungsmodell für die homöopathische Wirkungsweise anhand der Nanopartikel.
Der Grund für ihre Forschungen und ihre publizierte Arbeit lag darin begründet, dass sie ein Modell für die Wirkungsweise der homöopathischen Mittel suchten.
Forschungen haben ergeben, dass in homöopathischen Arzneimittel nachweislich Nanopartikel der Ursubstanz sowie Nanopartikel aus den Glasbehältern (Silicea) in unterschiedlichen Intensitäten enthalten sind. Nanopartikel haben einzigartige biologische und physio-chemikalische Eigenschaften, mitunter eine erhöhte katalytische Reaktivität, eine Protein- und DNA Adsorption, eine Bioverfügbarkeit sowie elektromagnetische Effekte. All diese Eigenschaften unterscheiden die Nanopartikel erheblich von grösseren Materialteilchen.
Die Potenzierungsschritte mittels Flüssigkeiten schaffen sogenannte „top-down" Nanostrukturen. Nanopartikel stimulieren die Hormesis 1.
Das von Bell und Koithan vorgestellte Modell („Nanopartikel Adaptions-Sensibilisierungs-Modell) beinhaltet einige Konzepte aus anderen Forschungsrichtungen und baut zum Teil auf bereits von anderen Autoren vorgestellten Modellen auf. Gleichzeitig zeigt es aber verständliche Synthesen bzw. Darstellungen, welche systematisch geprüft werden können.
Die Potenzierung eines Mittels führt dazu, dass bei jedem Potenzierungsschritt weniger und weniger Moleküle der Ursubstanz nachweisbar sind. Ab der Avogadro-Zahl d.h. ab einer Verdünnung von 10-23 sind statistisch gesehen keine Moleküle der Ausgangssubstanz mehr festzustellen. Daraus folgert die konventionell denkende medizinische Forschung, dass das Mittel keine Wirkung im Organismus mehr zeigen kann. Dieses Denken kommt zur Schlussfolgerung, dass je weniger „Substanz" in einer Arznei ist, desto schwächer wirke sie.
Die Zerreibung und die darauffolgenden Verarbeitungsschritte in der Herstellung von homöopathischen Arzneimittel ist eine manuelle Methode, die dazu führt, dass „top-down" Nanopartikel aus der Ursubstanz generiert werden. Die manuelle Verreibung bringt intensive „Turbulenzen", Kollisionen der einzelnen Partikel und eine Abscherkraft in die Lösung, die immer in kleinere Partikel der Ursubstanz aufbricht. Dasselbe geschieht mit Silicea aus den einzelnen Glasbehältern. Nanopartikel konnten in metallischen und pflanzlichen homöopathischen Mittel nachgewiesen werden (tierische und mineralische Mittel werden im Artikel nicht erwähnt), und zwar in Potenzen unter als auch oberhalb der Avogadro-Zahl. Silicea Nanopartikel sind unspezifische biologische Verstärker. Silicea Nanostrukturen bleiben auch bei Trocknung erhalten und Laktose kann intakte Nanopartikel aufnehmen, wenn sie darauf aufgesprüht werden. So erklären die Autoren die Wirkung der „Zuckerglobuli".
Nanopartikel unterscheiden sich deutlich von grösseren Strukturen in Bezug auf ihre Grösse, ihren Elektromagnetismus, in Bezug auf thermische Aspekte sowie ihre Quanteneigenschaften. Durch ihre hoch reaktiven und katalytischen Oberflächen sammeln und strukturieren sich die Nanopartikel und adsorbieren dadurch andere Nanopartikel und organisches Material auf ihren Oberflächen, z.B. DNS, Proteine, Laktose etc.
Die Beschaffenheit der Nanopartikel unterscheidet sich von grösseren Strukturen auch durch ihre Struktur, Morphologie und ihre funktionellen Eigenschaften. Sie sind für einen Organismus funktionell gesehen wie ein Virus: Der Organismus sieht darin eine potentielle Gefahr für sich selber und reagiert. Es ist ausschlaggebend, wie der Organismus diese neuen auffälligen Stressfaktoren gegenüber den eigentlichen, krankmachenden Stressfaktoren einschätzen und bewerten kann. Stress umfasst biologische, infektiöse, chemische, physische, elektromagnetische Einwirkungen, die der Körper als Gefahr für sich selber sieht.
Die Schwierigkeit, Nanopartikel zu messen und nachzuweisen besteht vor allem darin, dass hochspezialisierte Methoden und Geräte dazu notwendig sind, so zum Beispiel Rasterkraftmikroskope, Elektronenmikroskope oder Transmissionselektronenmikroskope.
Bell und Koithan legen ihren Ausführungen drei Annahmen und vier Prinzipien zu Grunde. Ihre drei grundlegenden Annahmen sind
a) Der menschliche Körper, Tiere und Pflanzen sind komplexe anpassungsfähige Systeme. Mit anderen Worten, vernetzte und selbstorganisierende Netzwerke.
b) Die allostatische2 Antwort auf die nervlichen, endokrinen, immunologischen und metabolischen Bereiche innerhalb des Netzwerkes eines Organismus' sind Zentren, welche mit Stressfaktoren aus der Umwelt wechselwirken. Solche Stressfaktoren können die homeostatische Balance in einem menschlichen Körper stören.
c) Eine kontinuierlicher allostatische Mehrbelastung kann mit der Zeit Funktionsveränderungen in einem Organismus hervorrufen, sprich eine chronische Krankheit hervorbringen.
Die vier Prinzipien beschreiben die Autoren wie folgt:
1) Homöopathische Mittel beinhalten hoch reaktive Nanopartikel.
2) Nanopartikel der Homöopathika stimulieren eine komplexe anpassungsfähige Antwort im Organismus.
3) Stressfaktoren von aussen fördern das Entstehen von chronischen Krankheiten. Nanopartikel in homöopathischen Mitteln stimulieren Veränderungen in die entgegengesetzte Richtung.
4) Die adaptiven Veränderungen ausgelöst durch das homöopathische Mittel stärkt die Resilienz des ganzen Organismus.
Bell und Koithan gehen auf jedes der vier Prinzipien ausführlich ein und beschreiben deren Funktionsweise im Detail. Wer sich dafür interessiert, sei auf die Originalarbeit verwiesen.
Abschliessend betonen die Autoren, dass das von ihnen vorgeschlagene Modell der homöopathischen Wirkungsweise nicht einfach nur plausibel ist, sondern auf ausführlicher, empirischer Forschung beruht. Homöopathie wirkt aufgrund den in den Mittel vorhandenen Nanopartikel. Um diese Wirkungsweise wirklich verstehen zu wollen, muss man sich bewusst vor Augen führen, dass der menschliche Organismus eine hoch komplexe, vernetzte und interdisziplinäre Funktionsweise besitzt.
Literatur
A model for homeopathic remedy effects: low dose nanoparticles, allostatic cross-adaption, and time-dependent sensitization in a complex adaptive system, Iris R. Bell and Mary Koithan, BMC Complementary and Alternative Medicine 2012, 12:191
1 Hormesis (griech.: „Anregung, Anstoß", engl.: adaptive response) ist die schon von Paracelsus formulierte Hypothese, dass geringe Dosen schädlicher oder giftiger Substanzen eine positive Wirkung auf den Organismus haben können. Sie wird heute in der Definition weiter gefasst. Bei medizinisch wirksamen Substanzen ist ein solcher dosisabhängiger Umkehreffekt gut nachweisbar (z. B. Digitalis, Colchicin oder Opium). Bei einer Reihe anderer Verbindungen und der Wirkung von radioaktiver Strahlung wird die Hypothese in Fachkreisen sehr kontrovers diskutiert.
2 Allostase (zusammengesetzt aus dem Griechischen „all" für „variabel" und „stase" für „stehend", meist wörtlich mit „Erreichen von Stabilität durch Änderung" übersetzt) beschreibt den Prozess, durch den der Körper in Anforderungssituationen (Stress) durch physiologische und Verhaltensänderungen eine – auch zukünftige Belastungen einbeziehende – Stabilität aufrechterhält. Diese Anpassungsreaktion ist zunächst grundsätzlich adaptiv, geht jedoch mit erhöhten körperlichen Anforderungen und damit größerer „Abnutzung" („wear and tear") einher.