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Politik braucht Fakten. Für das zuverlässige Navigieren in der Bildungspolitik ist der geübte Blick auf Daten, Tabellen und Zahlen nach wie vor von hohem Wert. Die Studie widmet sich der Genese und dem Ausbau von Datenerhebungspraktiken in städtischen Schulen der Schweiz seit dem späten 19. Jahrhundert.
Statistik wird als Mittel der politischen Kommunikation untersucht, das nicht nur durch die erhobenen Resultate, sondern durch die Praktiken der Erhebung, der Dissemination und Verwendung von Daten als machtvolle Einflussnahme in politischen Aushandlungsprozessen zu verstehen ist. Die Praktiken der Datenerhebung veränderten die Vorstellungen von der Schule, und sie blieben dabei nicht unberührt vom pädagogischen Kontext, in dem sie initiiert, durchgeführt und verwendet wurden.
«Das Ziel von Thomas Ruoss’ Zürcher Dissertation besteht darin, einen Beitrag zur Statistikgeschichte, zur Geschichte ‘evidenzbasierter’ Bildungspolitik und zu den Praktiken lokaler städtischer Schulverwaltungen im Kanton Zürich zu leisten. [...] Der Autor legt den Fokus jedoch nicht auf zentral organisierte, professionell gehandhabte Statistiken, sondern analysiert die quasi-amtlichen Verwaltungsstatistiken, die bislang nicht erforscht worden sind. Im Zentrum stehen die drei Städte Zürich, Winterthur und St. Gallen, die aufgrund von Eingemeindungen Ende des 19. Jahrhunderts schnell wuchsen, was die Administration von mehr Schulen in einer zentralen Verwaltungsstelle bedingte. [...] Eines der massgeblichen Ergebnisse besteht im Verweis, die Grenzen zwischen amtlichen, quasi-amtlichen und privaten Statistiken seien fliessend. Dadurch spannte sich ein Kräftefeld auf (was der Autor anschaulich illustriert), das im schulpolitischen Feld einen Differenzierungsprozess zwischen privaten sowie öffentlichen Akteuren offenbarte und Widerstände gegen sozialpolitische Datenerhebungen hervorrief, eingeschlossen die Frage, wie objektiv solche Daten seien. [...] Datenerhebungen veränderten die Schule, aber die Schule veränderte auch Datenerhebungen.»
«[...] L’ouvrage représente une excellente contribution à l’histoire des statistiques en Suisse. Le sujet est original et comble une lacune dans l’historiographie. L’auteur ne se contente pas de montrer l’importance des statistiques au niveau local, il les analyse avec finesse et un remarquable sens du détail. [...] L’ouvrage est également une contribution à l’analyse de l’activité statistique des organisations paraétatiques. Vu le rôle central joué par celles-ci dans l’histoire des statistiques en Suisse, cet éclairage est une contribution majeure pour ce champ de recherche. Enfin, le livre, écrit dans une langue agréable et claire, démontre bien que les statistiques ont plus à dire que ce que l’oeil non aguerri y descelle habituellement.»
«Die Studie zeigt anschaulich und mit theoretischen Referenzen konzise hergeleitet auf, wie Datenerhebungen Schule veränderten. Sichtbar wird, welche Bedeutung und Funktion Statistik als Mittel der politischen Kommunikation im Bildungswesen eingenommen hat. Die drei Dimensionen – die Zahlen, das Zählen und das Erzählen – bedingen sich gegenseitig, um in der Schulpolitik wirksam werden zu können. Statistik wurde so zu einer gewichtigen diskursiven Kategorie und zu einem gesellschaftlichen Machtinstrument.»
«Zahlen, Zählen und Erzählen: Ruoss macht in seiner Arbeit einen Dreiklang statistischer Wissensproduktion auf, der jenseits der sprachlichen Ebene auch inhaltlich überzeugt. Die Praxis des Zählens und die Wirkmächtigkeit, die bereits die Datenerhebung entfaltet, kann er überzeugend anhand lokaler Beispiele aus der Schweiz nachzeichnen. Seine Arbeit belegt überdies schlüssig für einen spezifischen Raum und ein spezifisches Thema den speziellen Charakter der Zahlen, ihre inhärenten Logiken und ihre zunehmende Bedeutung im politischen Diskurs des 19. und 20. Jahrhunderts.»