Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03563.jsonl.gz/1488

Vertreter der Gender-Studies behaupten immer wieder, dass Unterschiede in der Struktur und Funktionsweise der Gehirne von Frau und Mann praktisch ausschliesslich durch die geschlechterspezifische Erziehung und Sozialisation zu erklären sind. So etwa sagte Andrea Maihofer, Leiterin des Zentrums für Gender Studies an der Uni Basel, in der BaZ vom 12. November 2007: „Unterschiede im Gehirn werden oft als Beweis für ‚natürliche‘ Unterschiede von Mann und Frau angeführt. Doch: Mit dem Konzept der Hirnplastizität können wir heute zeigen, dass Funktionen des Gehirns Resultat unterschiedlicher Erziehung, Erfahrungen und Lebensweisen sind.“ Dominik Lusser von Zukunft CH hat beim Erlanger Hirnforscher Manfred Spreng nachgefragt, was er von dieser These hält.
Zukunft CH: Ist Ihnen die Behauptung der Gender Studies, wonach auch die Unterschiede im Gehirn von Mann und Frau bloss gesellschaftlich konstruiert sind, bekannt?
Spreng: Es gibt im Zusammenhang mit der Konstruktion der Geschlechtsidentitäten eines Kindes immer wieder Behauptungen, dass Unterschiede in den Gehirnen von Mann und Frau nahezu ausschliesslich das Ergebnis von Erziehung, Erfahrungen und Umfeld nach der Geburt seien. Dabei wird auf die zweifellos vorhandene beachtliche Plastizität des Gehirns verwiesen, welche natürlich für alle Lernprozesse und im Bedarfsfall für Regenerationen nach Schädigungen ausserordentlich wichtig ist.
Zukunft CH: Berufen sich die Gender Studies somit zurecht auf die Hirnforschung?
Spreng: Diese Behauptungen stehen im deutlichen Widerspruch zu nahezu allen im internationalen Bereich bekannten Resultaten bisheriger fundierter Gehirnforschung, welche übereinstimmend bestätigen, dass das Gehirn von neugeborenen Kindern keineswegs als eine Art "ungeschriebenes Blatt (blank slate)" gesehen werden kann.
Zukunft CH: Können Sie ein paar exemplarische Beispiele nennen?
Spreng: Während der Entwicklung im Mutterleib kommt es nicht nur zur grundsätzlichen Bildung von Gehirnzellen (Neuronen), sondern - je nach hormoneller Situation - auch zu deren kontrollierter Reduktion (Adoptose). Dabei tritt beim Menschen die stärkste Reduktion kortikaler Neurone während der letzten 10 Schwangerschaftswochen auf, was vermuten lässt, dass zum Beispiel Geschlechtsunterschiede in der Zahl kortikaler Neuronen durch biologische Faktoren verursacht werden [A. M. Aloisi: Geschlecht und Hormone, 2007].
Viele Geschlechtsunterschiede im Gehirn (z. B. die Häufigkeit einer spezifischen Synapsenart im präoptischen Areal des Hypothalamus) werden beim Neugeborenen durch permanent maskulinisierende Testosteronwirkungen bereits vorgeburtlich verursacht. In gleicher Weise wird im männlichen Fötus bereits eine geschlechtsspezifische Veränderung derjenigen Schaltkreise bewirkt, welche die Ausschüttung von Wachstumshormonen aus der Hypophyse steuern, die bei Jungen gegenüber Mädchen besonders ausgeprägt ist [A. P. Arnold: Biologische Grundlagen von Geschlechtsunterschiede, 2007].
Gut dokumentiert ist auch die Tatsache, dass im Hypothalamus des männlichen Gehirns zwei bis dreimal mehr Verknüpfungen einzelner Elemente und auch ansonsten vielfältigere Verzweigungen im Vergleich zum weiblichen Gehirn bestehen [S. K. Amateau & M. M. McCarthy: Sexual differentiation of astrocyte morphology in the developing rat preoptic area, 2002]
Zukunft CH: Und das Gehirn von Mädchen?
Spreng: Selbstverständlich liegen im weiblichen Gehirn bereits bei der Geburt andere vorteilhafte Unterschiede vor, wie zum Beispiel verhältnismässig mehr Nervenzellen im Gesamthirn mit der Befähigung einer schnelleren Signalerkennung und besseren Speichermöglichkeit. Ausserdem sorgen unterschiedliche Verschaltungen im weiblichen Gehirn für ein beachtliches Einfühlungsvermögen bereits der Neugeborenen: Mädchen sind bereits im Alter zwischen 48 und 80 Stunden nach der Geburt in der Lage, stärkere Verhaltensantworten auf das Einwirken menschlicher Stimmen zu zeigen als Jungen. Schliesslich erlaubt die stärkere Verbindung der beiden Hirnhälften untereinander eine deutlich höhere Wortgewandtheit und Diskriminationsfähigkeit von Frauen, welche bereits im Säuglingsalter bemerkenswert ausgebildet sein können. So nehmen Mädchen in einer menschlichen Stimme ein breiteres Spektrum von Frequenzen und damit von Tönen wahr als Jungen. Sie bemerken schon in den ersten Lebensmonaten beispielsweise eine leichte Anhebung der Stimme ihrer Mutter und beachten das damit ausgedrückte Verbot.
Zukunft CH: Dann bewirken also strukturelle Unterschiede im Gehirn schon früh auch ein unterschiedliches Verhalten?
Spreng: Man könnte noch eine grössere Zahl von interessanten Unterschieden in den Gehirnen von Neugeborenen aufzeigen, aus welchen bereits in einem sehr frühen Kindheitsstadium unterschiedliche Verhaltensweisen resultieren, wobei nicht vergessen werden darf, dass insbesondere in den ersten Lebensmonaten die männlichen Gehirnfunktionen deutlich stärker durch Erkrankungen negativ beeinflusst werden können, als dies bei weiblichen Personen der Fall ist.
Zukunft CH: Ist somit die Sozialisations-These der Gender Studies widerlegt?
Spreng: In Anbetracht der zahlreichen Belege über morphologische und funktionelle Unterschiede, die nicht mehr bezweifelt werden können, reicht ein kleiner Verständnisfortschritt, um zu akzeptieren, dass diese früh bereits angelegten Unterschiede potenzielle und real unterschiedliche Auswirkungen in den beiden Geschlechtern haben müssen.
Zukunft CH: Gibt es auch noch andere Ursachen für Geschlechtsunterschiede?
Spreng: Alle Geschlechtsunterschiede können auf diese Weise natürlich nicht erklärt werden, denn neben Umweltfaktoren, Lebenserfahrungen usw. spielen auch andere biologische Mechanismen, beispielsweise Hormonveränderungen, ebenso eine Rolle für Verhaltensunterschiede zwischen Männern und Frauen.
Zukunft CH: Dann werden also die Bemühungen der Gender-Bewegung, Frauen und Männer in allen Belangen und auch im Gehirn gleichzuschalten, nichts bringen?
Spreng: Ein über ca. 30 Jahre laufendes „Menschenexperiment“ permanent gezielter „chancengleicher“ Gender-Erziehung in Norwegen hat gerade nicht bestätigt, dass Funktionen des Gehirns Resultat unterschiedlicher Erziehung, Erfahrungen und Lebensweisen sind. Nach wie vor wählen trotz der massiven Gleichmachungstendenzen in der Erziehung dort junge Frauen und Männer überwiegend die klassischen Frauen- und Männerberufe (Gender-Paradox). Sie richten sich weitgehend nach den vorgegebenen Anlagen; die intensive und lange gender-sensible Beeinflussung hat sich eindeutig als unwirksam erwiesen.
Zukunft CH: Kann es sein, dass in Ländern mit grossem Wohlstand, was ja immer auch mehr Wahlmöglichkeiten bedeutet, die geschlechtsspezifische Segregation bei der Berufswahl besonders ausgeprägt ist?
Spreng: In Ländern in denen keinerlei Probleme mit der Unterschiedlichkeit der Geschlechter bestehen, wo intakte Familien existieren und auch Gender-Erziehung ein weitgehend unbekannter Begriff ist (z. B. Süd-Korea), wählen Frauen sehr wohl in grösserer Zahl z. B. technische Männerberufe; nicht unbedingt, weil sie sich dazu berufen fühlen, sondern einfach deshalb, weil die Notwendigkeit des Broterwerbs für sich und ihre Familie sie dazu drängt.
----
Einzelheiten bezüglich unüberbrückbarer Unterschiede in den Gehirnen von Frau und Mann und über „Kinder – Die Gefährdung ihrer normalen (Gehirn-) Entwicklung durch Gender Mainstreaming“ Hat Manfred Spreng im Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie“ zusammengetragen. Der Bestseller ist 2014 in vierter, erweiterter Auflage bei Logos Editions Ansbach erschienen.