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Ein Mythos, der sich nachhaltig hält: Napoleon war ein grosser Feldherr und ein kleiner Mann. Doch wie gross war Napoleon wirklich und was hat es mit dem sogenannten Napoleon-Syndrom auf sich?
Napoleon Bonaparte, französischer General und Kaiser, erzürnte mit seinem Feldzug und dem Handelsembargo gegen die Engländer ganz Europa. Auch wenn gegen seine militärische Übermacht niemand ankam, zogen ihn die zeitgenössischen Zeitschriften liebend gerne durch den Schlamm. Vor allem seine geringe Körpergrösse war die Zielscheibe von Hohn und Spott. Napoleon wurde zweimal vermessen. 1815 notierte General Gourgaud an Bord des Schiffes Northumberland eine Grösse von 1,69 m. Ein Arzt führte die Messung an dem Leichnam Napoleons 1821 durch und stellte 168,6 m fest. Das deckt sich mit den Angaben von Napoleons Kammerdiener Constant und einer später durchgeführten Messung an Napoleons Reitermantel im Pariser Invalidenmuseum.
Napoleons Körpergrösse lag über dem Durchschnitt seiner Zeit
Tatsächlich war Napoleons Grösse eher überdurchschnittlich. 1835 lag die Durchschnittsgrösse bei französischen Männern bei 1,62 m. Das hat eine Studie von Adolph Quetelet festgestellt. Laut Unterlagen aus Militärarchiven waren 50 % der Franzosen sogar noch kleiner. Das lag jedoch vermutlich daran, dass die meisten bei der Musterung für den Militärdienst schummelten, um unter die erforderliche Mindestgrösse von 1,57 m zu kommen. Andere Mächtige aus der Geschichte waren deutlich kleiner als Napoleon. So erreichte Friedrich der Grosse gerade einmal 1,60 m. Der grosse Denker Goethe mass 1,69 m. Offensichtlich machte der Spott von Napoleons Kleinwuchs es den Zeitgenossen erträglicher, im Schatten seiner Macht zu leben. Darüber hinaus trugen relativ ungünstige Proportionen dazu bei, den Mythos vom kleinen Napoleon zu verstärken. Der Kaiser soll laut zeitgenössischen Beschreibungen einen im Verhältnis zum Unterkörper sehr massiven Rumpf besessen haben, wobei der Kopf direkt auf den Schultern zu stecken schien.
Napoleon hatte kein Problem mit seiner Grösse
"Kein rechtes Verhältnis zum Ganzen", urteilte eine Dame, die Napoleon in Erfurt 1808 auf dem Fürstenkongress zu Gesicht bekommen hatte. Mit seinem für ihn charakteristischen Zweispitz, dem "petit chapeau", verstärkte Napoleon offenbar noch diesen gedrungenen Effekt. Denn der topfartige Hut hat zusätzlich einen drückenden Charakter. Die Vorliebe für den eher unvorteilhaften Zweispitz zeigt, dass der Franzosenkaiser selbst keine Probleme mit seinem Äusseren und vor allem seiner Körpergrösse hatte. Trotzdem war er Namensgeber eines Syndroms, das eine geringe Körpergrösse in Zusammenhang mit einem gesteigerten Geltungsbedürfnis bringt. Den Namen Napoleon-Komplex ins Spiel gebracht hat der Psychotherapeut Alfred Adler, der intensiv zu dem Thema geforscht hat.
Napoleon-Syndrom: Der Wille zur Macht
Tatsächlich zeigen Geschichte und Gegenwart, dass viele kleine Männer mit jeder Menge Egoismus, Machtwillen und der Lust sich zu profilieren ausgestattet sind. Paradebeispiele für das Napoleon-Syndrom wären Putin, Sarkozy, Berlusconi oder etwa Kim Jong II. Aber auch Stars wie Tom Cruise oder Prince. Statistiken zeigen, dass Männer ab 1,72 m in Vorstellungsgesprächen bevorzugt werden und etwa 1000 Franken mehr im Jahr verdienen. Wer nicht mit Gardemass ausgestattet ist, kann trotzdem jede Menge erreichen. Altbundeskanzler Helmut Schmidt trug gerne Blockabsätze. Humphrey Bogart mit seinen 1,65 m drehte den Filmklassiker "Casablanca" auf Plateauschuhen und wurde zum Weltstar! So auffällig muss heute niemand mehr ein paar fehlende Zentimeter ausgleichen, denn komfortable Schuheinlagen mit Erhöhung hüten diskret das kleine Geheimnis.
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