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Isaac Herzog zum 11. Präsidenten Israels gewählt
Der aktuelle Chef der Jewish Agency for Israel und ehemalige Vorsitzende der Arbeitspartei hat die einzige Gegenkandidatin, die Sozialaktivistin und mit dem Israel-Preis ausgezeichnete Pädagogin Miriam Peretz mit 87 Stimmen besiegt, die meisten, die ein Präsidentschaftskandidat je erhalten hat. Miriam Peretz erhielt 26 Stimmen.
In der geheimen Wahl, bei der alle 120 MKs stimmberechtigt waren, enthielten sich drei Abgeordnete der Stimme, drei Stimmen wurden disqualifiziert und der Ra'am-Vorsitzende Mansur Abbas hat nicht gewählt.
Isaac Herzog wird Nachfolger von Reuven Rivlin, dessen siebenjährige Amtszeit am 9. Juli endet.
Es war die erste Präsidentenwahl, deren Kandidaten nicht (mehr) der Knesset angehören.
Erklärungen des Siegers, der Besiegten und des Vorgängers
In seiner ersten Rede nach seiner Wahl sagte Herzog, er wolle «Brücken bauen» innerhalb der israelischen Gesellschaft und mit der jüdischen Diaspora, das Unternehmertum fördern, «Antisemitismus und Hass auf Israel bekämpfen» und «die Grundlagen unserer Demokratie schützen». «Ich nehme die schwere Verantwortung auf mich, die Sie mir auferlegt haben. Ich akzeptiere das Privileg, der gesamten israelischen Öffentlichkeit zu dienen», sagte er.
Die unterlegene Kandidatin Peretz nannte Herzog einen geliebten und würdigen Präsidenten und betonte, dass ihre Gebete und die der ganzen Nation seinem Erfolg in dieser Rolle gewidmet seien. «Sein Erfolg ist unser Erfolg.»
Was sie selbst betrifft, sagte Miriam Peretz (Bild 3): «Ich werde mich weiterhin mit jungen Israelis treffen und alles tun, um Menschen zusammenzubringen, zu heilen und manchmal eine Mutter zu sein, denn wir alle brauchen eine Umarmung, wir alle brauchen jemanden, der uns Hoffnung gibt, der uns Mitgefühl zeigt, Liebe, einen anderen Diskurs.»
In einer Gratulationsbotschaft an Herzog bemerkte Präsident Rivlin (Bild 4): «Der Titel des ‹ersten Bürgers› und die Aufgabe, den Charakter des Staates Israel zu bewahren, besonders zu diesem Zeitpunkt, sind eine schwere Verantwortung. Ich habe keinen Zweifel daran, dass Sie sie mit Bravour tragen werden. Ich bin stolz darauf, in einem Monat den Stab an Sie weiterzugeben. Lang lebe der Staat Israel! Lang lebe der Präsident des Staates Israel!»
Rivlin schickte auch eine Botschaft an Miriam Peretz: «Liebe Miriam, du hast ein Stück meines Herzens, unser aller Herzen. Ich möchte dir dafür danken, dass du dich auf diesen Weg begeben hast. Für deine Aufopferung. Für den besonderen Weg, den du in diesem Wahlkampf gewählt hast. Für die Sprache, die du uns gelehrt hast – die Sprache des Herzens.»
Glückwünsche des Regierungs- und des Oppositionschefs
Unmittelbar nach der Abstimmung gratulierte Premierminister Netanjahu Herzog zu seiner Wahl und sagte: «Ich wünsche ihm Glück im Namen aller israelischen Bürger.» Er fügte hinzu: «Ich danke Miriam Peretz für ihre ehrenvolle Kandidatur und bin sicher, dass sie weiterhin einen Beitrag zur israelischen Gesellschaft leisten wird, wie sie es ihr ganzes Leben lang getan hat.» (Bild 5)
Der Vorsitzende der Partei Jesch-Atid und Führer der Opposition, Jair Lapid, sagte, Herzog sei «ein würdiger und wunderbarer Mann, der immer auf das Wohl des Landes und des jüdischen Volkes ausgerichtet ist. Good luck, Mr. President!»
Die Rolle des Präsidenten
Die Aufgabe von Israels Präsident ist weitgehend zeremoniell, spielt aber eine Schlüsselrolle bei der Entscheidung, wer das Mandat zur Regierungsbildung nach den Wahlen erhält. Der Präsident hat auch die Macht, Menschen zu begnadigen und Nachsicht zu gewähren, etwas, das zu einem Schlüsselthema werden könnte, sollte Netanjahu in seinem laufenden Korruptionsprozess verurteilt werden, wie israelische Medien anmerken.
Im Vorfeld der Abstimmung weigerte sich Herzog zu sagen, ob er eine Begnadigung Netanjahus in Betracht ziehen würde, der keinen der beiden Kandidaten unterstützt hatte.
Der 11. Staatspräsident Israels
Als wohlhabender Anwalt in einer der besten Kanzleien des Landes (die von seinem Vater gegründet wurde), ist Herzogs Familiengeschichte so nah an der israelischen «Königsfamilie» (The Times of Israel), wie man es nur sein kann. Er ist der Enkel von Israels erstem aschkenasischen Oberrabbiner, Isaac Herzog, nach dem er benannt ist, und der Sohn des ehemaligen IDF-Generalmajors und nachmaligen Präsidenten Chaim Herzog (1983-1993). Sein Bruder Michael ist ein pensionierter IDF-Brigadegeneral. Seine Tante Schoschana «Suzy» war die Frau des ehemaligen Aussenministers Abba Eban.
In seinen 15 Jahren in der Knesset wurde er als sanftmütiger und mild-manierierter Manager bekannt. Er führte respektvolle Kampagnen und lehnte es ab, sich an der Art von wütenden politischen Fehden zu beteiligen, die für die zerrissene Politik des Landes charakteristisch sind.
Jitzchak «Bugi» Herzog (auf Englisch und Deutsch meist «Isaac» geschrieben) wurde am 22. September 1960 in Tel Aviv geboren. Nach einem USA-Aufenthalt trat er 1978 in die israelischen Streitkräfte ein und diente in der Unit 8200, einer Spezialeinheit für elektronische Aufklärung.
Er studierte Jura an der Universität Tel Aviv sowie der Cornell University (eine US-amerikanische Privatuniversität mit Hauptcampus in Ithaca, New York). Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Herzog lebt in Tel Aviv.
Politische Tätigkeit
Bei den israelischen Parlamentswahlen 2003 gewann Isaac Herzog für die Arbeitspartei (Awoda) einen Sitz in der Knesset. Als im Jahr 2005 die Arbeitspartei in die Koalition mit Ariel Scharons Likud eintrat, wurde Herzog Minister für Wohnungs- und Bauwesen. Allerdings trat er bereits Ende November mit Ausscheiden der Arbeitspartei aus der Koalition wieder zurück.
Bei der Parlamentswahl 2006 holte Herzog erneut ein Mandat und wurde unter Ehud Olmert zunächst Tourismusminister, 2007, nach dem Eintritt von Jisra’el Beitenu in die Regierung wechselte er an die Spitze des Ministeriums für Sozialwesen und wurde ausserdem zum Minister für Diasporaangelegenheiten und den Kampf gegen den Antisemitismus ernannt. Bei den Wahlen zur Knesset im Jahr 2009 hatte Herzog nach dem Parteivorsitzenden Barak den zweiten Listenplatz inne und wurde damit erneut Abgeordneter.
In der 32. Regierung von Benjamin Netanjahu, der die Arbeitspartei als Koalitionspartner angehörte, übernahm Herzog erneut das Amt des Sozialministers. Trotz seiner Ministertätigkeit übte er mehrmals Kritik an der Politik der Regierung und erklärte schliesslich nach dem Bruch Ehud Baraks mit der Arbeitspartei am 17. Januar 2011 seinen Rücktritt. Im November 2013 wurde er zum Vorsitzenden der Arbeitspartei gewählt. Dieses Amt hatte er bis 2017 inne.
Als Oppositionsführer in der Knesset trat er bei der vorgezogenen Neuwahl im März 2015 als Spitzenkandidat der gemeinsamen Wahlliste des Mitte-links-Oppositionsbündnisses Zionistische Union an, die Awoda gemeinsam mit Zipi Livnis Partei Ha-Tnu’a gebildet hatte.
Das Findungskomitee der Jewish Agency for Israel ernannte ihn im August 2018 einstimmig zum Vorsitzenden. (Wikipedia)
Miriam Peretz, eine geprüfte Mutter und Motivationsrednerin
Herzogs Gegenkandidatin Miriam Peretz wurde unter tragischen Umständen bekannt, nachdem ihr ältester Sohn Uriel 1998 bei Kämpfen im Libanon getötet wurde und sein jüngerer Bruder Eliraz 2010 bei einer Operation in der Nähe von Gaza ums Leben kam. Doch die aus Casablanca stammende Frau wurde zu einer Motivationsrednerin zu Themen rund um Zionismus und Verlustbewältigung
2018 wurde sie mit dem Israel-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet, der höchsten kulturellen Ehrung des Landes.
(RK)
Knesset elects Isaac Herzog as Israel’s 11th President of the State
Knesset News, 2. 6. 2021