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Der Europäische Wels als grösster Süsswasserfisch Europas wurde in den 1970er Jahren von Fischern in der Schweiz eingeführt. Hotspots der Verbreitung sind die Aare unterhalb des Bielersees und der Rhein zwischen Bodensee und Basel. Als nachtaktiver Räuber besitzt er hochentwickelte Sinnesorgane. Der Wels mag es gerne warm - er profitiert von der Klimaerwärmung und hat sich in ganz Mitteleuropa vor allem in den Flüssen stark verbreitet. Somit gilt er auch als ernsthafte Bedrohung für einheimische Wanderfische.
Lebensraum und Lebensweise
Der Europäische Wels ist der grösste Süsswasserfisch Europas und stammt ursprünglich aus dem Donaueinzugsgebiet. Er wurde in den 1970er Jahren von Fischern eingeführt. Die zur Fortpflanzung benötigten erhöhten Wassertemperaturen beschränken die Verbreitung in der Schweiz auf das Mittelland. Die Aare unterhalb des Bielersees und der Rhein zwischen Bodensee und Basel gelten als Hotspots mit einem besonders ausgeprägten Wachstum der Welspopulationen. Er ist standorttreu und bewohnt als Einzelgänger tiefere Löcher im Unterlauf von grossen Flüssen (Brachsmenregion) und mittlere Tiefen von Seen. Als Allesfresser ernährt er sich vor allem von Fischen, aber auch von Krebsen und Amphibien und sogar von kleinen Wasservögeln und Säugetieren.
Ein Fischökologe der Universität Toulouse dokumentierte folgendes Phänomen: «Auf einer kleinen Insel unten im französischen Fluss Tarn liefen Tauben umher, ohne auf die Gruppe von Welsen zu achten, die in der Nähe der Kiesbank lauerte. Plötzlich katapultierte sich ein Fisch aus dem Wasser an Land und schnappte sich in einem Gewirr aus fliegenden Federn eine Taube, bevor er sich mit dem Vogel im Maul wieder zurück in den Fluss hievte.» Bei der nächtlichen Nahrungssuche unterstützen den Wels sein hochentwickelter Geruchs-, Geschmacks- und Tastsinn und das ausgezeichnete Gehör. Zusätzlich helfen ihm Elektrorezeptoren beim Aufspüren von Beutetieren.
Tagsüber versteckt sich der Wels unter Baumwurzeln und überhängenden Ufern oder er hält sich an geschützten Stellen auf dem Gewässergrund auf. An den Sauerstoffgehalt und die Wasserqualität stellt der Wels geringe Ansprüche. Im Mündungsbereich der Flüsse dringen die Fische bis ins Brackwasser vor. Die Fortpflanzung findet Ende Frühling bis Anfang Sommer statt sobald die Wassertemperaturen 18 Grad Celsius erreicht haben. Dabei werden in wurzelreichen Unterspülungen oder im Schilfgürtel die klebrigen Eier in ein Nest aus Pflanzenteilen abgelegt und anschliessend vom Männchen bis zum Schlüpfen der Brut bewacht. Nach dem Aufzehren des Dottersackvorrates ernähren sich die Jungfische von wirbellosen Kleintieren wie Insektenlarven, Schnecken und Muscheln. Welse wachsen sehr schnell und sind bereits nach 2 bis 3 Jahren fortpflanzungsfähig. Im Winter ziehen sich die Welse in grössere Wassertiefen zurück um die kalte Jahreszeit inaktiv zu überdauern.
Früher gefährdet - heute eine Bedrohung
Erfolgte Seespiegelregulierungen und die intensive Nutzung und Verbauung der Uferzonen hat zur Zerstörung von potenziellen Laichhabitaten für die Welse im Flachwasser geführt. Dies hatte in der Vergangenheit zur Folge, dass in Mitteleuropa kaum noch eine natürliche Vermehrung stattfinden konnte und der Bestand von Besatzmassnahmen abhängig war. Zudem behindern künstliche Querbauwerke die stromaufwärts gerichtete Wanderung, weshalb z.B. die Welspopulationen in der Donau einen starken Rückgang erlitten haben. In dieser Zeit wurde gefordert, dass zum Erhalt der Welsbestände in Seen mit Welspopulationen und in grösseren Flüssen geeignete Uferzonen als Laichplätze erhalten und durch gezielte Massnahmen gefördert werden sollen.
Heutzutage profitiert der Europäische Wels eindeutig von der Klimaerwärmung und er hat sich teilweise stark ausgebreitet. Noch wenig ist erforscht über die Auswirkungen dieser Ausbreitung. So ist der Europäische Wels Räuber von Karpfen und Schleien und ernährt sich auch von den bei uns unerwünschten Schwarzmundgrundeln (Neozoen). Wobei die Schwarzmundgrundeln wiederum den Laich von Welsen verzehren (Räuber-Beute-Beziehung). Französische Forscher stellten fest, dass die Welse in den neu besiedelten Flüssen vor allem gefährdete und kommerziell wichtige Wanderfische dezimieren wie den Maifisch und den Atlantischen Lachs, deren europäische Populationen bereits stark rückläufig sind und welche ursprünglich nur wenige Fressfeinde hatten. Es wird befürchtet, dass das Raubtier viele einheimische westeuropäische Fischarten ausrotten und damit die Ökosysteme der Flüsse grundlegend verändern könnte. Zusammen mit den negativen Auswirkungen von Dämmen, Wasserverschmutzung und Überfischung könnte in zehn Jahren ein Zusammenbruch der Fischpopulationen stattfinden.
Die Welsbestände haben in den vergangenen dreissig Jahren in ganz Mitteleuropa vor allem in den Flüssen stark zugenommen. Vielerorts sind es vom Menschen verursachte Veränderungen wie ausgedehnte Stauhaltungen bei Wasserkraftwerken mit schwacher Strömung, die Zunahme von karpfenartigen Futterfischen durch überschüssige Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft und die steigenden Wassertemperaturen, welche zu explosionsartigen Populationsentwicklungen geführt haben. Fangstatistiken zeigen, dass ausgedehnte Staubereiche im Rhein und in der Aare zur «Welsregion» geworden sind. Hohe Wassertemperaturen und niedriger Sauerstoffgehalt haben oftmals einheimische Arten verdrängt.
Der Wels wächst schnell, hat eine lange Lebensdauer und vermehrt sich mühelos – die Weibchen produzieren Hunderttausende Eier auf einmal. Es gibt Anzeichen dafür, dass der Wels in Gewässern in Frankreich mehrmals im Jahr ablaicht, da die Flüsse dort aufgrund der Klimaerwärmung länger warm bleiben. Aber auch Besatzmassnahmen haben zu dieser Entwicklung beigetragen. Begünstigend für die Bestandeszunahme der Welse ist auch das zusätzliche Nahrungsangebot durch eingewanderte Organismen wie die amerikanischen Krebsarten, die Schwarzmeergrundeln im Rhein oder die Asiatische Körbchenmuschel – eine andere invasive Art. Doch den grössten Vorteil verschaffen sich die Welse womöglich durch ihre Jagdfähigkeiten und -strategien, wie oben beschrieben.
Alle diese Studien kommen zum Ergebnis, dass die Europäischen Welse zu einer ernsthaften Bedrohung für wichtige einheimische Wanderfische geworden sind. Eine engere Zusammenarbeit zwischen europäischen Ländern ist notwendig, um die Süsswasser-Ökosysteme zu erhalten und die vielfältigen Bedrohungen für Wanderfische anzugehen. Bestehende Schutzpläne müssen auf europäischer Ebene koordiniert werden, um gefährdete Fischarten zu retten.
Wissenschaftlicher Name: Europäischer Wels, Silurus glanis
Verwandtschaft: Der Europäische Wels (Silurus glanis) gehört zur Gattung Silurus innerhalb der Familie der Echten Welse (Siluridae). In Europa ist der Europäische Wels und der Aristoteleswels (Silurus aristotelis, Griechenland) verbreitet.
Gefährdungsstatus (IUCN): Global: LC = nicht bedroht, Schweiz: NT = potenziell gefährdet
Gefährdungsstatus gemäss Verordnung zum Bundesgesetz über die Fischerei (VBGF): 4/E = potenziell gefährdet, europäisch geschützt nach Berner Konvention
Merkmal: Langgestreckter Körper, vorne runder Körperquerschnitt, hinten seitlich abgeflacht. Sehr grosser Kopf, Maulspalte oberständig. 2 sehr lange, seitliche Barteln am Oberkiefer, 4 kürzere Barteln am Unterkiefer. Sehr kleine Augen. Körper schuppenlos mit dicker Schleimschicht überzogen, Körperflanken mit dunkler Marmorierung. Winzige Rückenflosse und sehr lange Afterflosse.
Körpergrösse: 86 – 108 cm, maximal 273 cm
Gewicht: Maximal 130 kg
Alter: Maximal 80 Jahre
Verbreitung: Europa und Asien. In Europa vom Elbe- und Donaubecken in den Zuflüssen und im Brackwasser der Nordsee, Ostsee, dem Schwarzen Meer, Kaspischen Meer und dem Aralsee. Nördlich bis Südschweden und Finnland. Im Mittelmeergebiet nur in der Ägäis vorkommend. In Europa heute weiträumig eingeführt (Besatzmassnahmen). Grössere Welspopulationen sind in der Aare ab dem Bielersee, im Rhein zwischen Bodensee und Basel sowie in den grossen Zuflüssen Limmat, Thur und Töss bekannt, einzelne Exemplare wurden im Doubs gesichtet. Der Wels ist auch im Bodensee, in den Seen des Jurasüdfusses, mit einzelnen Exemplaren im Thunersee und neuerdings auch im Greifen- und Sempachersee vertreten.
Tobias Walter, 2023