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Die Bergier-Kommission begrüsst es, wenn auf Grund ihres Berichts eine breite Debatte über die schweizerische Flüchtlingspolitik entsteht. Sie wünscht sich jedoch eine Debatte, die nicht auf Vorurteilen oder Mythen beruht, sondern auf Fakten.Dieser Inhalt wurde am 11. Dezember 1999 - 15:15 publiziert
Die Bergier-Kommission begrüsst es, wenn auf Grund ihres Berichts eine breite Debatte über die schweizerische Flüchtlingspolitik im Zweiten Weltkrieg entsteht. Sie wünscht sich jedoch eine Debatte, die nicht auf Vorurteilen oder Mythen beruht, sondern auf Fakten.
Jean-François Bergier (2.v.r.) verteidigte schon bei der Präsentation des Berichts die Arbeit seiner Kommission gegen massive Angriffe, die teils schon lange vor der Veröffentlichung des Berichts erfolgt waren. Aufgabe des Historikers sei es, Fakten zu sortieren, zu ordnen und in einen kohärenten Zusammenhang zu bringen. Er müsse aber auch versuchen, die Geschichte zu erklären. Dass jede Interpretation zur Diskussion stehe, sei selbstverständlich. Diese Diskussion müsse nun auf der Kenntnis der vorliegenden Fakten geführt werden.
Fehler nicht wiederholen
Jede Gesellschaft sei von Hoffnungen, Ängsten und Widersprüchen geprägt, sagte Bergier bei der Präsentation des Berichts zur Flüchtlingspolitik. Das treffe auch für die Schweiz zu. Akte der Solidarität und des Mutes habe es ebenso gegeben wie Egoismus, rassistisch gefärbte Vorurteile und schwere Irrtümer. Entscheidend sei, sich der Geschichte nicht zu verweigern - denn dies hiesse, Verantwortung abzulehnen und die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen.
Keine internationalen Vergleiche
Bergier wehrte sich auch gegen den Vorwurf, die Kommission habe das internationale Umfeld ausser Acht gelassen. Der Bericht sei durchgehend ins damalige Umfeld eingebettet. Verzichtet habe man dagegen auf einen Vergleich der Schweizer Flüchtlingspolitik etwa mit jener von Spanien, Schweden oder der USA.
Erstens sei der Forschungsstand so unterschiedlich, dass ein aussagekräftiger Vergleich nicht möglich sei, sagte Bergier. Zweitens gebe es bei der geographischen Lage und bei der militärischen, politischen und ökonomischen Situation der einzelnen Staaten riesige Differenzen.
Kommissionsmitglied Saul Friedländer sagte, am ehesten könnte noch das neutrale Schweden angeführt werden. Schwedens Grenzen waren nach seinen Worten nach 1942 für Flüchtlinge offener als jene der Schweiz.
Verbreiteter Antisemitismus
Bei ihrer Arbeit fanden die Bergier-Forscher in vielen Behörden- Dokumenten antisemitische Äusserungen, wie Saul Friedländer und Georg Kreis (l.) bei der Präsentation des Berichts festhielten. Indem Flüchtlinge aus Rassegründen nicht aufgenommen wurden, übernahm man eine antisemitische Kategorisierung in der Flüchtlingspolitik.
Antisemitismus war ein internationales Phänomen. Es beschränkte sich nicht auf bestimmte gesellschaftliche Schichten. Ein Kollektivvorwurf des Antisemitismus dürfe der Schweiz aber nicht gemacht werden, unterstrich Jacques Picard, ebenfalls Mitglied der Bergier-Kommission.
Funktionale Hilfe bei Judenvernichtung
Saul Friedländer wollte an der Medienorientierung in Bern keine Anwort geben auf die Frage, ob die Schweiz am Genozid der Nazis teilgenommen habe. Es gebe keine Hinweise darauf, dass die Schweizer Behörden Flüchtlinge zurückgeweisen hätten mit dem Willen, sie der deutschen Vernichtungsmaschinerie auszuliefern, meinte Picard. Sie leisteten aber mit ihrer Rückweisung von Flüchtlingen eine funktionale Hilfe für die deutsche Judenvernichtungspolitik.
Kommissions-Vizepräsidentin Sybil Milton (2.v.l.) gab zu verstehen, die Schweiz habe mit ihrer Vergangenheitsaufarbeitung Pionierarbeit geleistet. Wenig Länder hätten ihre Weltkriegsgeschichte so eingehend untersucht und Untersuchungskommissionen so breite Forschungsmandate erteilt wie die Schweiz: “The Swiss government has done a remarkable job”.
SRI und Agenturen
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