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Sommerkonzert 2018Sonntag, 26. August 2018, 17 Uhr, Kirche Blumenstein
MusikerThomas Reif, Violine
Erika Schutter, Violine
Hannes Bärtschi, Viola
Mirjana Reinhard, Cello
Dániel Szomor, Kontrabass
Miquel Ramos Salvadó, Klarinette
Maria José Garcia Zamora, Fagott
Antonio Lagares Abeal, Horn
Programm
- Adagio – Allegro – Più Allegro
- Adagio
- Allegro vivace - Trio - Allegro vivace
- Andante con variazioni
- Menuetto. Allegretto
- Andante molto
- Adagio. Allegro con brio
- Adagio cantabile
- Tempo di menuetto
- Tema con variazioni: Andante
- Scherzo: Allegro molto e vivace
- Andante con moto alla marcia. Presto
„Mein Septett schickt ein wenig geschwinder in die Welt – weil der Pöbel drauf harrt“
Wie aus einem Brief an seinem Verleger hervorgeht, war Beethovens Septett Op. 20 für Bläser und Streicher sehr berühmt und beliebt.
Beethoven allerdings war über den Erfolg dieses Stückes weniger erfreut, zählte er doch die etwas unschön als Pöbel bezeichneten Bewunderer des Werks zu jenen, die seine ambitionierteren und ernsteren Werke ablehnten. Auch Carl Czerny erinnerte sich: „Sein Septett konnte er nicht leiden und ärgerte sich über den allgemeinen Beifall, den es erhielt“.
Wann genau Beethoven mit der Komposition begann, ist nicht bekannt. Aus den Autographen lässt sich lediglich ableiten, dass Beethoven zwischen 1798 und 1799 am Septett gearbeitet hat. Die späte Datierung der Skizze zum 5. Satz scheint darauf hinzudeuten, dass das Septett zunächst nur aus fünf, statt sechs Sätzen bestand und das Scherzo erst nachträglich eingefügt wurde.
Das Septett feierte am 2. April 1800 in Wien, zusammen mit der 1. Symphonie und dem 1. Klavierkonzert Premiere. Dass Beethovens Einstellung zu dem Werk anfänglich nicht so abschätzig war, zeigte sich an diesem Konzert als er zu Haydn herausfordernd sagte: “Das ist meine Schöpfung.”.
Als er das Stück seinem Verleger präsentierte, betonte Beethoven die verbindliche Besetzung der sieben Instrumente; keines war zur Begleitung oder ad libitum gedacht: „[...] tutti obligati, (ich kann gar nichts unobligates schreiben, weil ich schon mit einem obligaten accompagnement auf die Welt gekommen bin.)“ Diese Aussage veranschaulicht Beethovens Auffassung von Kammermusik, die sich von seinen Vorgängern und Zeitgenossen abhebt. Gleichzeitig hebt es die Besonderheit des Septetts hervor, bei dem die Instrumente fortwährenden dialogisch agieren. Einflüsse verschiedener Gattungen, wie die Symphonie und das Solokonzert verschmelzen in diesem Dialog zu einem satztechnischen Meisterwerk.
Beethovens „tutti obligato“ zum Trotz, wird gerade dieses Septett auch von Beethoven selber, ausgiebig überarbeitet und in vielen weiteren Besetzungen publiziert. Die grosse Zahl der Bearbeitungen zeugt abermals von der grossen Popularität dieses Stückes, das Musiker, Hörer sowie Kritiker gleichermassen begeisterte. Der berühmteste Bewunderer war wohl Franz Schubert, der sein eigenes Oktett an das Werk seines Idols/Vorbilds anlehnte. Angeblich soll Schubert vom Klarinettisten Ferdinand Graf Troyer beauftragt worden sein, ein Gegenstück zum geliebten Beethoven’schen Septett zu liefern. An dem Auftrag von solch prominenter Stelle arbeitete der Komponist besonders fleissig und intensiv. Zeitgleich benutzte er die Arbeit am Oktett und die weiteren kammermusikalischen Werke, die in dieser Zeit entstanden sind, als eine Art sinfonische Studie, wie er seinem Freund Leopold Kupelwieser mitteilte: “[…] ich componirte 2 Quartetten für Violinen, Viola und Violoncelle u. ein Octett, u. will noch ein Quartetto schreiben, überhaupt will ich mir auf diese Art den Weg zur großen Sinfonie bahnen.”
Die Analogien zum Vorbild Beethovens sind nicht zu übersehen: Über die langsamen Einleitungen in den Ecksätzen und die sechsteilige Satzfolge bis hin zur Besetzung, der Schubert lediglich eine weitere Violine hinzufügt. Trotz der Beibehaltung der konzertanten 1. Violine erwirkt Schubert durch die Erweiterung der Besetzung eine grössere Klangfülle sowie einen stärkeren sinfonischen Charakter. Auch ganz in Schubertischer Manier verflechten sich Bläser und Streicher zu einem wunderbaren Klang. Die Streicher fungieren dabei eher als homogener Klangkörper, die Bläser dagegen übernehmen stark differenzierte Rollen. Nicht zuletzt wegen des vorzüglichen Könnens des Grafs Troyer wird die Klarinette als Soloinstrument bevorzugt.
Ein weiterer Unterschied zu Beethovens Septett ist der teilweise sehr ernste, ja sogar etwas düstere Ausdruck. Die Biographen versuchen diesen Ausdruck mit Schuberts derzeitige Gemütsverfassung zu erklären, die er in einer seinen Briefe offen beschrieb: „Denk Dir einen Menschen, dessen Gesundheit nie mehr richtig werden will, u. der aus Verzweiflung darüber die Sache immer schlechter statt besser macht, denke Dir einen Menschen, sage ich, dessen glänzendste Hoffnungen zu Nichte geworden sind, dem das Glück der Liebe u. Freundschaft nichts bieten als höchstens Schmerz, dem Begeisterung (wenigstens anregende) für das Schöne zu schwinden droht, und frage Dich, ob das nicht ein elender, unglücklicher Mensch ist?“ Auch die Tatsache, dass Schubert das Oktett mehreren Verlagen vergeblich zur Veröffentlichung anbot, verbesserte seine Seelenlage nicht unbedingt. Das Stück blieb zu seinen Lebzeiten ungedruckt und erst etliche Jahre nach seinem Tod erlang das in Vergessenheit geratene Werk nach einer Aufführung Schubert’scher Kammermusik unter der Leitung von Josef Hellmesberger in Wien seine verdiente Beliebtheit. Leider hat der Komponist es nicht mehr erlebt, dass sein Oktett laut Richard Heuberger (ca.1900) als „eines der erfindungsreichsten, klangschönsten Werke der Kammermusikliteratur“ galt. Das im Leiden eben auch Schönheit liegt, beweist uns dieses wunderbare Werk allemal.