Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03354.jsonl.gz/3189

In vielen Orts- und Flurnamen finden wir die wichtige Bedeutung von Wasser wieder, beispielsweise in den heute noch gut verständlichen Namen Moos, Bach oder Weiher. Die Ortschaften Seelisberg (UR), Fulenbach (SO) und Brunnen (SZ) verweisen mit ihren Namen ebenfalls direkt auf die wichtige Lebensgrundlage des Wassers.
Namen, die wir nicht mehr verstehen
Nebst diesen Wassernamen gibt es aber zahlreiche weitere Namen, die heute noch auf feuchtes Gebiet, auf den Siedlungsstandort in der Nähe eines Wasserlaufs, auf Flussläufe oder auf Wassermulden hinweisen, jedoch meist nicht mehr verstanden werden. Unser Wortschatz kannte und kennt heute noch zahlreiche Namen, um feuchte Stellen im Gelände zu benennen.
"Sooret"
Dazu gehört auch der Flurname „Sooret“ in Zezikon (TG) von dem gerne Andreas Brönnimann wissen möchte, was der Name bedeutet. Um einen Namen deuten zu können, versuchen wir Namenforscher zunächst der Ursprungsbedeutung des Wortes im Schweizerdeutschen, Mittelhochdeutschen oder Althochdeutschen auf den Grund zu gehen. Auch die Lage eines Flurnamens ist für die Namendeutung wichtig. Bodenbeschaffenheit und Geländeformation geben uns Hinweise zur Deutung.
Im Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache, genannt Idiotikon, ist das schweizerdeutsche Wort „Sore“ verzeichnet und bedeutet schwaches, leicht versiegendes Wasser, eine Pfütze oder eine Lache und geht auf das mittelhochdeutsche Verb „soren“ zurück, das austrocknen bedeutet. Wenn wir nun einen Blick auf die Karte werfen, sehen wir, dass der Name „Sooret“ tatsächlich direkt am Wasserlauf der Lauche liegt. Doch nicht nur das Gewässer, auch die danebenliegenden weiteren Flurnamen, nämlich nördlich davon der Name „Brüel“ und westlich davon der „Riethof“, festigen diese Namendeutung. Das schweizerdeutsche Wort „Brüel“ kommt vom gleichnamigen mittelhochdeutschen Wort und meint eine bewässerte Wiese. Brüel-Namen sind vor allem historisch überliefert.
Feuchtgebiete
Im Kanton Solothurn beispielsweise sind diese Namen vor allem vom 15. bis ins 18. Jahrhundert schriftlich überliefert. Heute gibt es noch eine Brüelmatt in Trimbach (SO), die in der Nähe des Dorfbachs zu finden ist und in Laupersdorf (SO), die an der Dünnern liegt. Auch das Wort „Riet, Ried“ verweist auf feuchtes Gebiet und bezeichnet damit Rohrstaude, Röhricht, Schilf oder ganz allgemein feuchter Boden oder Sumpfgrund. Dem Bach Lauche entlang Richtung Weingarten befinden sich zwei Sümpfe, die die Namen „Wingerterriet“ und „Lommisrriet“ tragen. Beide –riet verweisen auch hier auf das Sumpfgebiet. Der „Sooret“ befindet sich also in guter Gesellschaft und muss somit als „Feuchtgebiet“ gedeutet werden. Die Ableitung –et im Namen ist eine schweizerdeutsche Endung, die auf Stellen hinweist, bei diesen etwas in auffälliger Weise vorkommt. In diesem Fall ist es das Vorhandensein mehrerer Pfützen und Lachen. Ein zweiter Flurname „Sooret“ liegt bei Wilen (TG), der sich zwischen dem Ägelsee und dem Altbach befindet.
Beatrice Hofmann-Wiggenhauser
Beatrice Hofmann-Wiggenhauser, aus Allschwil, ist Journalistin und Sprachwissenschaftlerin. Sie studierte Germanistik und Medienwissenschaften an den Universitäten Basel und Zürich und schrieb eine Dissertation zum Namengebrauch als immaterielles Kulturerbe. Zurzeit arbeitet sie an der Universität Basel in der Forschungsstelle Solothurnisches Orts- und Flurnamenbuch als Namenforscherin am aktuellen Band "Die Flur- und Siedlungsnamen der Amtei Thal-Gäu". Wenn sie nicht das Archiv nach historischen Namen durchstöbert, trifft man sie auf den solothurnischen Feldern und Äckern auf der Suche nach neuen Flurnamen.
Sendet Eure Flurnamen ein
Möchtet Ihr wissen, warum ein Acker, den Ihr bewirtschaftet oder der Weiler, auf dem Euer Haus steht, einen bestimmten Namen trägt? Dann schickt uns Eure Flurnamen (und die jeweilige Ortschaft) ein
Antworten auf Fragen zu Flur- und Ackernamen weiss die Sprachwissenschaftlerin Beatrice Hofmann-Wiggenhauser. Schicken Sie Ihre Frage an <email-pii>, Betreff «Flurnamen». Oder per Post an: Schweizer Bauer, «Flurnamen», Dammweg 9, 3001 Bern. Die interessantesten Flur- und Ackernamen werden von Beatrice Hofmann-Wiggenhauser ausgewählt und auf schweizerbauer.ch besprochen.