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Text: Yaël Jakob / Illustration: Jihyun Lee / Foto: Getty Images
Hier ein Grundstück kaufen, dort ein Häuschen bauen, hohe Mieten verlangen – und die Mitspielenden damit in den Ruin treiben. Man könnte meinen, Monopoly sei eine Hommage an den Kapitalismus. Ursprünglich sollte das Spiel von 1904 aber genau für das Gegenteil stehen: Die Amerikanerin Elizabeth Magie wollte damit die Gefahren des monopolistischen Landbesitzes aufzeigen. Charles Darrow, ein Bekannter von Magie, wandelte die Regeln jedoch ein wenig ab und verkaufte das Brettspiel an das Spiele-Unternehmen Parker Brothers. Als erster Spielautor der Geschichte wurde er dadurch zum Millionär. Und Magie? Obwohl sie Beweise und eine Anklage einreichte, hatte die junge Frau keine Chance. Der geldgierige Darrow zahlte ihr knappe 500 Dollar als Abfindung.
Zu unserem Glück mussten Merle und Marie Robbins in ihrem Coiffeursalon immer mal wieder die Zeit totschlagen. Daher erfand das amerikanische Ehepaar 1969 ein Kartenspiel für zwischendurch. Das simple Game mit seinen vierfarbigen Zahlenkarten wurde schnell zum Hit in der eigenen Familie und auch bei der Kundschaft auf den Coiffeursesseln. Der Sohn Ray Robbins und seine italienische Frau Maria halfen mit, die Spielregeln vollständig auszufeilen. Daher auch der Name «Uno». Schliesslich legte die Familie ihr Erspartes zusammen, um die ersten 5000 Spiele zu produzieren – und die gingen weg wie warme Weggli. Die Uno-Ära hatte begonnen.
Eine mörderisch gute Erfindung: Das Brettspiel, bei dem man durch das Kombinieren von Hinweisen einen Mordfall aufklären muss, stammt aus dem Jahr 1944. Der britische Anwaltsgehilfe Anthony Ernest Pratt und seine Frau Elva entwickelten gemeinsam ein Spiel und nannten es «Murder!». Sie verkauften die Idee 1946 an Parker Brothers, die das Spiel noch im selben Jahr unter dem abgewandelten Namen «Cluedo» herausbrachten. Dabei handelt es sich um ein Wortspiel aus «Clue», dem englischen Begriff für «Hinweis», und dem lateinischen Wort «ludo», was so viel wie «Spiel» bedeutet.
Die Herkunft der Kartenspiele allgemein ist bis heute unbekannt. Ursprünge fand man im 12. Jahrhundert in China, Indien und Korea. Über die Seidenstrasse und den Seeweg gelangte der Spieltyp um 1780 nach Europa. Kurz darauf wurde in den Niederlanden der «Jas», ein Spiel mit 36 Karten, erfunden. Ja, richtig gehört, das hierzulande so beliebte Game ist gar keine Schweizer Erfindung. Der ähnliche Name und auch die Bezeichnung «Nell» für die Trumpfneun erinnern an die niederländische Herkunft. In die Schweiz gelangte das Spiel durch protestantische Söldner. Im 19. Jahrhundert haben sich dann diverse Spielvarianten und Kartentypen entwickelt.
Um die Entstehung des Schachspiels ranken sich viele Legenden. Einer zufolge wollte der indische Prinz Sissa ibn Dahir seinem tyrannischen Vater aufzeigen, dass auch ein König nicht alleine klarkommen kann. Er braucht eine mächtige Königin und loyale Untertanen, die ihn beschützen. Andere Geschichten stammen aus Persien, China und Russland. Aufgrund der Komplexität des Schachspiels geht die Wissenschaft davon aus, dass sich diverse Regelwerke vermischten. Datiert wird die Erfindung auf das 3. Jahrhundert n. Chr. Und nach Europa kam das Spiel im Frühmittelalter. Es wurde sofort beliebt und die Beherrschung davon sogar zu einer der ritterlichen Tugenden.
«Eile mit Weile», auch bekannt als «Mensch ärgere dich nicht», ist das Spiel, das die moderne europäische Brettspielkultur wohl mit am stärksten geprägt hat. Es kam im 19. Jahrhundert von Indien über England nach Mitteleuropa. Der indische Vorgänger heisst «Pachisi» und gilt als eines der ältesten Spiele der Welt. Es wurde sowohl auf dem Brett als auch in lebensgrosser Ausführung mit echten Menschen als Spielfiguren gespielt. Jahrtausendealte Spielpläne fand man etwa in Delhi oder Agra. Die Regel, dass man mit seinen Figuren vor den gegnerischen ein Ziel erreichen muss, wurde von vielen anderen Spielen übernommen – etwa vom «Leiterlispiel» oder von «Fang den Hut».
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