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Saint Maurice erhielt. Nach dem von Sergius Galba im Jahr 54 v. Chr. bei Octodurum über die keltischen Ureinwohner der Gegend erfochtenen Sieg bauten die Römer den Ort im Engpass zu einer Festung aus. Sie fühlten sich hier so sicher, dass sie ihn «auch zur Grabstätte ihrer Toten erwählten und Priester und Priesterinnen anstellten, denen die Sorge um dieselben oblag. Dies erhellt aus zahlreichen Inschriften auf Grabsteinen aus jener Zeit, welche in den Mauern und im Fussboden der Abteikirche, in deren Turm, im Kloster selbst und dessen ehemaligen Kirchhofe angebracht wurden und noch vorhanden sind». Zu Beginn des 4. Jahrhunderts n. Chr. sollte sich dann an diese Stelle eine neue Erinnerung an die Zeit der Römerherrschaft knüpfen, die zugleich für die ganze weitere Entwicklung des Ortes von ausschlaggebender Bedeutung geworden ist: die Hinrichtung der 6600 Mann der thebäischen Legion im Jahre 302. Als nämlich der Kaiser Maximian, der im Begriffe stand, mit seinem Heer von Gallien über Italien nach Afrika gegen die Mauren zu ziehen, vor dem Ueberschreiten des Jupiterberges (Grossen St. Bernhard) seinen Soldaten in der Ebene bei Martinach befahl, den Göttern Opfer darzubringen, weigerte sich die aus ägyptischen Christen bestehende sog. thebäische Legion, secunda Flavia Felix Thebaeorum, diesem Befehl Folge zu leisten und liess sich, durch das Beispiel ihrer Anführer Mauricius, Exuper und Candid aufgemuntert, für ihren Glauben durch Henkershand hinschlachten. (An dieses Ereignis erinnert die Märtyrerkapelle beim Waisenhaus Vérolliez).
«Von nah und fern eilten fromme Anachoreten herbei, um die Gebeine der heiligen Legion zu verehren», so dass bald eine Gemeinschaft entstand, für die Bischof Theodor I. von Octodurum um 381-390 ein erstes kleines Kloster, eine Basilika oder Kapelle, in der die Gebeine der Märtyrer aufbewahrt wurden, und eine Pilgerherberge erstellen liess. Der grösste Wohltäter des Klosters Agaunum war aber der Burgunderkönig Sigismund, der es neu erbauen und 517 durch den h. Avite, Erzbischof von Vienne, einweihen liess, indem er es zugleich reichlich beschenkte, so dass es bald ausgedehnten Besitz mit grossen Einkünften erlangte. «500 Mönche bewachten damals die Grabstätte der heiligen Märtyrer und sangen Tag und Nacht das Lob Gottes.» Nachdem Sigismund sich hatte verleiten lassen, seinen unschuldig verleumdeten Sohn Sigerich dem Tod durch Meuchelmord preiszugeben, zog er sich - seiner Untat bewusst - nach Agaunum zurück, um hier strenge Busse zu tun.
Seine Feinde und erbitterten Verwandten liessen ihm jedoch keine Ruhe, und der Frankenkönig Clodomir verfolgte ihn bis hierher, nahm ihn gefangen und liess ihn nach Orléans führen und dort zusammen mit seiner zweiten Gemahlin und seinen zwei Söhnen aus dieser Ehe hinrichten. Bei dieser Gelegenheit ging auch das Kloster, das dem unglücklichen König Schutz gewährt hatte, in Flammen auf. Drei Jahre später erhielt der Abt von Saint Maurice in Agaunum, wie man Kloster und Ortschaft seit dem Beginn des Mittelalters nannte, die Leichname ausgeliefert und liess sie an der Stelle begraben, wo jetzt die dem später heilig gesprochenen Sigismund geweihte Pfarrkirche steht.
«Die kaum entstandene, schnell berühmt gewordene Abtei hatte in den folgenden Jahrhunderten durch die häufigen Einfälle der Longobarden und während der Herrschaft der schwächlichen Frankenkönige viel zu leiden und geriet gänzlich in Zerfall.» Namentlich waren es die sog. Kommendatur-Aebte, d. h. fürstliche Oberherren, die das Kloster «wiederholt gründlich ruinierten». Es war von Karl dem Grossen auf seinen Zügen nach Italien öfters besucht und beschenkt worden, so u. a. mit einer mit Edelsteinen geschmückten goldenen Tafel.
Diese wurde von der Abtei 1147 gegen das Bagnesthal an Amadeus III. von Savoyen ausgetauscht, in Anerkennung dafür, dass dieser Fürst das Chorherrenstift 1128 reformiert und wieder autonom gemacht hatte, was ihm von Neuem eine Zeit der Blüte brachte. Es lag im Gebiet der Grafen von Savoyen, die um die Mitte des 12. Jahrhunderts die Stadt Saint Maurice zur freien Burgerschaft erhoben und von dieser Zeit an auch öfters zu ihrer Residenz erwählten. Die Vitztume der Stadt wurden vom Kloster ernannt, das sich mit den Grafen in die Oberhoheit über die Stadt teilte.
Nach dem berühmten Sieg der Patrioten des obern Wallis über den Grafen von Savoyen am der das untere Wallis bis nach Massongex von der Herrschaft Savoyens befreite, kam Saint Maurice an den Bischof von Sitten, der bis zur französischen Revolution einen Gouverneur hierher setzte. Nachher wurde der Ort Sitz des französischen Residenten im Wallis und unter Napoleon I. Hauptort eines Kreises des Département du Simplon. Die französische Revolution nahm der Abtei auch noch die letzten Reste (Bagnes und Salvan) ihres ehemals so umfassenden weltlichen Besitzes, liess ihr aber die Verwaltung und Einkünfte der unter ihr stehenden Pfarreien.
Die Abtei wird immer noch von etwa 50 regulierten Chorherren bewohnt, die die Vorschriften des h. Augustinus befolgen. Ein Teil versieht die der Abtei unterstehenden Pfarreien (so alle Pfarreien des Bezirkes Saint Maurice mit Ausnahme derjenigen von Massongex; die Pfarrei Choëx im Bezirk Monthey, diejenigen von Bagnes und Vollèges im Bezirk Entremont, die von Aigle und Lavey im Kanton Waadt und endlich die Propstei Vétroz im mittleren Wallis), ein anderer Teil besorgt die innere Verwaltung des Klosters, und wieder andere widmen sich dem Unterricht und wirken als Professoren an dem von uns schon früher genannten Gymnasium. Der Abt führt den Titel eines Grafen, ist seit 1840 durch ein Breve des Papstes Gregor XVI. zugleich auch Bischof von Bethlehem (in partibus) und übt die geistliche Gerichtshoheit über die drei Pfarreien Finhaut, Salvan und ¶