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Mit "Ayo Technology" wurde Milow in ganz Europa bekannt. Er war zu Besuch im KKL in Luzern und hat seine Fans begeistert. Wir haben ihn vor dem Konzert zum Interview eingeladen.
hitparade.ch: Dein Künstlername Milow klingt sehr international, deine Musik liesse ebenfalls nicht zwangsläufig auf einen belgischen Künstler schliessen. Welche Bedeutung hat Milow?
Milow: Eigentlich bedeutet der Name nichts. Ich wollte einfach einen Namen wählen, der international klingt. Vor sechs Jahren habe ich diesen Namen ausgesucht. Nicht, weil er was bedeutet, sondern weil mein richtiger Name Jonathan Vandenbroeck einfach zu lang ist. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass die Leute diesen Namen sagen werden. Also suchte ich was Einfaches, Kurzes, Internationales.
hitparade.ch: Mit Coverversionen erfolgreich zu werden ist nicht unbedingt einfach - dir ist noch dazu der Durchbruch mit einer Neuinterpretation eines relativ neuen Songs gelungen. Wie erklärst du dir den durchschlagenden Erfolg deiner Version von Ayo Technology in Mitteleuropa?
Milow: Dazu muss ich sagen, dass ich meine Karriere eigentlich nicht mit "Ayo Technology" gestartet habe, sondern mit "You Don't Know". "You Don't Know" war in Belgien ein viel grösserer Hit als es "Ayo Technology" jemals gewesen ist. Das war vor zwei Jahren, damals wurde ich in Belgien und Holland erfolgreich. Als ich "You Don't Know" im Rest von Europa veröffentlicht habe, war das eine Art Revival. Es war toll, denn dadurch wollten viele Labels mit mir arbeiten. Und all die Radiostationen, die "You Don't Know" gemocht hatten, spielten danach auch "Ayo Technology". Es ist sehr schwierig, diese beiden Songs voneinander zu trennen. Den einen habe ich selbst geschrieben, der andere ist ein Cover, aber die Songs sind wie Bruder und Schwester. Ich weiss nicht, weshalb "Ayo Technology" ein solcher Hit geworden ist. Lange habe ich versucht in Europa Erfolg zu haben. Jahrelang war da gar nichts. Und auf einmal alles. Von Null auf Hundert. Das war unglaublich für mich. Vom Nobody direkt auf die Nummer eins. Wieso nicht etwas dazwischen? Das ist echt verrückt. Ich denke, für die Leute ist es erfrischend sowas eher einfaches zu hören, vielleicht mögen sie meine Stimme. Aber für mich ist es zu früh um eine Analyse zu machen, weshalb dieser Song nun so eingeschlagen ist. Ich hoffe einfach, dass ich noch lange Musik machen kann, denn ich möchte dabei ehrlich sein und es ernst nehmen. Ich hoffe dass es das ist, was die Leute mögen.
hitparade.ch: Warum fiel die Wahl auf diesen Song? Weder musikalisch noch inhaltlich passt dieser Song zu deinem Style…
Milow: Genau das war der Grund, weswegen ich ihn ausgewählt habe. Ich habe nach einem Song gesucht, der so weit wie nur möglich von meinem Stil entfernt ist. Dieser Song ist das genaue Gegenteil von mir - textlich wie auch musikalisch. Ich sah es als grosse Herausforderung diesen Song so zu arrangieren, dass die Leute denken könnten, ich hätte diesen Song geschrieben. Wenn ich mir das jetzt anschaue finde ich es toll, dass die Leute so lange das Original offenbar nicht gekannt hatten. Es war für viele Leute überraschend, als sie erfahren haben, dass nicht ich diesen Song geschrieben habe, sondern 50 Cent.
hitparade.ch: Dein Debutalbum lautete "The Bigger Picture" - Elton John's Album aus dem Jahr 1997 "The Big Picture". Ist die Ähnlichkeit beabsichtigt oder Zufall?
Milow: Das wusste ich gar nicht! Ich habe in Belgien zwei Alben veröffentlicht. "The Bigger Picture" war in 2006 und "Coming Of Age " war 2008. Aber für die Schweiz und den Rest von Europa machte ich eine Special Edition des zweiten Albums. Das Album "Milow" beinhaltet alle Songs des zweiten Albums und drei Songs des ersten. Das mit Elton John wusste ich nicht.
hitparade.ch: Wer sind deine musikalischen Vorbilder?
Milow: Ein Musiker, der mich wirklich sehr beeinflusst und inspiriert hat ist der amerikanische Singer/Songwriter Ryan Adams. Nicht Brian, nur Ryan. Ich liebe seine Musik und seinen Style. Ich sah ihn bei einem Konzert in Paris, es war wohl das beste Konzert meines Lebens. Eine Woche später habe ich mir meine erste Akustik-Gitarre gekauft. Zuvor hatte ich immer auf der elektrischen Gitarre gespielt und habe eher rockigere Musik gemacht. Er hat mich wieder mehr in die siebziger Jahre zurückgebracht. Damals sind auch die Alben von Neil Young, Joni Mitchell, Bruce Springsteen und Bob Dylan erschienen. Diese Musik hat mich sehr beeinflusst. Ich denke meine Inspiration kommt von beiden Seiten her: Musik aus den siebziger Jahren und auch alternative Pop-Rock Musik, die in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre geschrieben worden ist. Schliesslich war ich in dieser Zeit ein Teenager. Ich denke, meine Musik ist eine Mischung aus Beidem.
hitparade.ch: In welchem Alter hast du begonnen, dich intensiv mit Musik zu beschäftigen? Wie und wann bist du an dem Punkt angelangt, dass du hauptberuflich Musiker sein möchtest?
Milow: Ich glaube ich habe meinen ersten Song mit 16 geschrieben. Als ich klein war, habe ich mich an verschiedenen Instrumenten versucht. Aber immer mehr habe ich angefangen zu singen. Es war ein langer Prozess, ich habe Jahre gebraucht um herauszufinden, was genau zu mir passt. Dieses Akustische habe ich immer mehr entdeckt und etwa vor sechs Jahren wusste ich dann, dass ich Musiker sein möchte und wie es klingen soll.
hitparade.ch: Hast du dich früher beim Singen auch in deiner Muttersprache versucht?
Milow: Nein, noch nicht. Irgendwann werde ich es vielleicht versuchen. Aber die Art wie ich singe passt irgendwie nicht zu der belgischen Sprache.
hitparade.ch: Welche Schweizer Künstler sind in Belgien bekannt?
Milow: Ich denke, der bekannteste Schweizer Künstler ist Stefan Eicher. Er trat letzte Woche in Brüssel auf, soweit ich weiss. Mein Gitarrist kannte übrigens Falco, aber der ist Österreicher, nicht? Also, für mich ist Stefan Eicher der Bekannteste.
hitparade.ch: Was verbindest du mit der Schweiz? Ausser Shakira?
Milow: (lacht). Ja, ich habe Shakira in Zürich am "Energy Stars For Free" getroffen. Eine Woche zuvor bin ich in Bern aufgetreten und habe auf der Bühne gesagt, dass ich unbedingt ein Foto mit ihr zusammen machen möchte. Deswegen habe ich die Bilder auf Facebook und auf meine Website gestellt. Das ist so ein Insider. Die Schweiz sah ich dieses Jahr von einer ganz anderen Seite. Früher war ich mal zum Skifahren da. Aber dieses Jahr habe ich viele Schweizer getroffen, nach den Konzerten und so. Inzwischen ist die Schweiz einer meiner Lieblingsorte um aufzutreten. Ich habe bereits beim Radio Pilatus, wo ich vorher eingeladen war, ewähnt wieso: Die Schweiz war zusammen mit Deutschland eines der ersten Länder in Europa, das meine Musik entdeckt hat. Die Leute kennen nicht nur meine beiden Singles, sie kennen meist das ganze Album. Das Publikum singt auch bei normalen Album-Tracks mit. Das ist schon toll. Wenn wir in Italien oder Österreich spielen, kennen die Leute meist nur zwei Songs. Das ist okay, denn ich möchte die Leute überzeugen. Aber in der Schweiz sind wir schon fast befreundet mit den Leuten.
hitparade.ch: Nun hast du zwei tolle Musiker im Vorprogramm. Woher kennst Du Martin & James?
Milow: Ich entdeckte die beiden Musiker beim "Rock am Ring". Wir beide haben dort gespielt. Ich ging am früheren Nachmittag an ihr Konzert und fand die beiden unglaublich gut. Ich liebte ihre Musik sofort, und ich habe noch nicht so oft so gute Sänger gehört und so tolle Songs. Also habe ich sie nach dem Konzert angesprochen und ihnen erklärt, dass ich im Oktober in Deutschland unterwegs sein werde. Ich möchte immer meine Supporting-Acts selbst auswählen. Zuerst wollten wir das nur für eine Woche machen, aber dann blieben sie gleich für den Rest des Novembers. Es ist eine Ehre für mich, dass der Abend so toll beginnt mit Martin & James. Was ich noch sagen möchte: Ich bin jetzt in Luzern und für einen Abend ist das mein Haus. Daher möchte ich, dass wenn die Leute hereinkommen, sofort was Gutes erleben, ich möchte gute Qualität garantieren. Die Leute sollen einen durchwegs guten Abend erleben. Deswegen suche ich die Support-Acts auch immer selber aus. Ich möchte zudem jungen Musikern eine Chance geben. Ich kann mich erinnern, vor einigen Jahren noch habe ich so gehofft, jemand würde mich als Support-Act engagieren. Niemand tat es, aber ich weiss genau wie das ist. Deswegen mache ich das jetzt für andere Bands.
hitparade.ch: Wie sehen deine weiteren musikalischen Pläne aus?
Milow: In naher Zukunft versuche ich einfach gesund zu bleiben, besonders noch im Dezember, denn da habe ich viele Termine, das wird anstrengend. Das ganze Jahr war sehr aufregend. Nächstes Jahr möchte ich mit der Tour weitermachen und dazwischen würde ich gerne ein neues Album machen.
hitparade.ch: Ist deine Promotionarbeit auf Europa beschränkt oder träumst du langfristig auch vom Durchbruch in den USA, Australien…. ?
Milow: Natürlich träume ich manchmal davon wie es wäre, auch ausserhalb von Europa aufzutreten. Aber ich nehme alles wie es kommt. Ich geniesse jedes Land für sich. Jetzt bin ich in der Schweiz und nehme mir Zeit dafür. Klar, ich hoffe schon, dass ich vielleicht mal ausserhalb eine Chance erhalte. Wir werden sehen.
hitparade.ch: Hier ist die Top 10 der Schweizer Hitparade. Kannst du sich kommentieren?
10. Gossip - Heavy Cross
Milow: Ich finde, dass Beth Ditto die beste weibliche Pop-Rock Sängerin unserer Generation ist. Ich finde sie grossartig. Von all diesen Künstlern hier in den Top10 ist das die einzige Band, die ich richtig richtig genial finde. Ich traf sie in Paris vor einigen Wochen und war einfach begeistert von ihr.
9. David Guetta feat. Akon - Sexy Bitch
Milow: Davon bin ich kein Fan. Ich weiss, dass es in Europa sehr erfolgreich ist und ich spielte an einigen Radio-Festivals, wo er auch auftrat. Aber das ist nicht meine Musik.
8. Lady GaGa - Paparazzi
Milow: Ich mag diesen Song. Ich kenne ihre Musik nicht sehr gut, aber Lady GaGa hat mich in allen Award-Shows geschlagen (lacht). In der Schweiz, in Deutschland und Frankreich, als es um den "Best New Artist" ging. Aber das ist okay, denn sie ist ein Superstar. Und "Paparazzi" ist ein toller Song.
7. The Black Eyed Peas - I Gotta Feeling
Milow: Den Song kenne ich, kann dazu aber nicht viel sagen
6. The Black Eyed Peas - Meet The Halfway
Milow: Den Song kenne ich nicht
5. Leona Lewis - Happy
Milow: Ich kenne Leona Lewis nicht…
4. Robbie Williams - Bodies
Milow: Das ist nicht so wirklich meine Musik, ich habe mehr erwartet von der neuen Single. Ich meine, wenn man so ein grosses Comeback macht, dann sollte schon mehr kommen, finde ich.
3. OneRepublic - All The Right Moves
Milow: Diesen Song kenne ich nicht, ich kenne nur den Song, den die Band zusammen mit Timbaland gemacht hat: "Apologize".
2. Rihanna - Russian Roulette
Milow: Den neuen Song von Rihanna habe ich noch nicht gehört.
1. Melanie Fiona - Monday Morning
Milow: Ich habe sie in Berlin getroffen vor einigen Wochen. Es war ein spezielles Konzert, es war ein Showcase für geladene Gäste. Ich selber war nicht zufrieden mit meinem Auftritt an dem Abend, aber nach der Show kam sie backstage zu mir, um mir zu sagen, dass ihr die Musik sehr gefallen habe. Sie ist eine sehr symphatische Person. Ich habe diesen Song noch nicht gehört, aber ich freue mich für sie, dass sie auf Platz 1 ist.