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Die Engländer haben im 19. Jahrhundert sowohl den Alpentourismus als auch die Sightseeingtour in Armenvierteln erfunden.
Der Besuch einer Favela gehört deshalb heute in Rio zum Standardprogramm.
Wir haben heute die mit 146’000 Einwohnern grösste Favela Rios besucht, die Rocinha. Mit einem privaten Guide mit Auto.
Wenn man wie wir des öfteren unterwegs ist, dann ist diese Stadt am Rande der Stadt normale Dritte Welt, wobei die Menschen nicht in heruntergekommenen Wellblechhäusern wohnen, sondern in normalen Häusern.
Klar sollte man mit meinem Aussehen und Habitus nicht unbedingt alleine durch die verwinkelnden Gassen laufen. Schon aus dem Grund, dass man beim Aufstieg unweigerlich die Orientierung verlöre.
Hauptverkehrsmittel für die engen Gassen ist das Motorrad mit Fahrer. Zu klar deklarierten Preisen. Da herrscht Ordnung.
Und wahrscheinlich träfe man auf jemanden, der nicht so zuvorkommend ist, wie jener junge Mann, der uns hoch oben von einer Dachterasse aus einen Blick übers enge Tal werfen liess.
Auf der etwas breiteren Hauptverkehrsachse, die sich in engen Kurven den steilen Hang hinaufschlängelt und auf der vor Jahrzehnten Formel-1-Rennen stattfanden, herrscht eine starke Polizeipräsenz.
Ein Motorradfahrer wird von einem Polizisten mit gezückter Pistole für eine Routinekontrolle angehalten. Er wird von Kollegen mit Schnellfeuergewehren im Anschlag abgesichert. „Sie suchen nach gestohlenen Motorrädern“, sagt unser Guide.
Und fügt noch hinzu, dass sein Vetrauen in die Polizei gering sei: „Die Beamten sind unberechenbar und korrupt, weil sie legal zuwenig verdienen.“
Unten in den Hochhäusern am Meer wohnen die Reichen in grossen Wohnungen und Penthäusern, die bis zu acht Millionen US-Dollar kosten sollen.
Wer hier oben wohnt, arbeitet bei denen dort unten. Und wer unten wohnt, bunkert sich hinter hohen Stahlgittern mit Videoüberwachung ein.
Die unten wohnen im Ghetto, nicht die dort oben.
Die oben haben eine Sicht nach unten, die spektakulär ist.
Die Bezeichnung „Favela“ stammt von einem Bohnengewächs, das hier spross, als es noch keine Häuser gab.