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02.
2014
Von Viren und Hexen
Es kreucht und seucht dieser Tage in der Schweiz. Im Zug hustet das ganze Abteil, Bakterien werden via nassgeschnäuzte Papiertaschentücher wild durch die Luft geschleudert, die Stimmen am Morgen tönen nicht wegen zu wenig Schlaf oder zu lautem Herumschreien heiser, sondern weil die Menschen tatsächlich erkältet oder fiebrig sind.
Die Grippewelle - besonders gefürchtet im Duett mit der bösen wie gefürchteten Verletzungshexe - suchte in der laufenden Saison mehrfach auch die NLA heim. Gleich drei Teams mussten im bisherigen Meisterschaftsverlauf kurzfristig Forfait geben, da sie zu viele kranke oder verletzte Spieler im Kader hatten. Ende November/Anfang Dezember traf es die Jets, die ihre Partien gegen Rychenberg und Mittelland verschieben mussten. Anfang 2014 liess Wiler den Cup-Halbfinal gegen Malans verschieben und vor knapp zwei Wochen musste Chur für das fünfte Playoff-Viertelfinalspiel gegen Malans kurzfristig die Segel streichen. Vier Spielverschiebungen in einer Saison scheinen rekordverdächtig. Im Oktober 2010 mussten schon einmal zwei Partien verschoben werden.
Ob diese Häufung Zufall ist oder nicht, sei dahingestellt. Auffallend ist allerdings, dass es - im Gegensatz zu 2010 - bei allen in dieser Saison verschobenen Partien um Etwas ging. Beispielsweise bei Wiler, das den Cuphalbfinal verschob, am Vorabend jedoch mit einem ähnlich dezimierten Kader (siehe Spielbericht) Chur mit einer 11:2-Packung nach Hause schickte. Wäre es in diesem Fall nicht fairer gewesen, fürs ganze Weekend Forfait zu geben? Sportlich ist die Rechnung nicht aufgegangen; Malans siegte im Nachtragsspiel und zog in den Cupfinal ein.
Die Jets hingegen vermochten von den Spielverschiebungen zu profitieren und brachten sich (auch) dank zwei Erfolgen in den Nachtragspartien zurück ins Playoff-Geschäft. Auch Chur durfte sich kurzfrisitig über die Verschiebung freuen und verkürzte im fünften Viertelfinalspiel auf 2:3-Siege. Tags drauf wars aber vorbei mit der Herrlichkeit und die Bündner Hauptstädter schieden abermals im Viertelfinal aus.
Das Reglement sieht vor, dass der Teamarzt die Zeugnisse für die verletzten oder kranken Spieler ausstellen muss und diese hernach dem Verband zugestellt werden, der seinerseits eine Prüfung dieser Arztzeugnisse vornehmen kann. Im Eishockey und Fussball kennt man übrigens ähnliche Reglemente. Aber Hand aufs Herz - können Sie sich an ein Fussball- oder Eishockeyspiel der höchsten Liga erinnern, das in den letzten Jahren wegen zu vielen kranken oder verletzten Spieler abgesagt, respektive verschoben worden wäre? Ich nicht. Und falls, würde ich das am ehesten noch dem FC Sion unter Christian Constantin zutrauen. Oder in anderen Worten formuliert: Im Unihockey wollen wir möglichst professionell sein, leisten uns zwecks Aussicht auf kurzfristigen Erfolg jedoch Aktionen, die zuweilen an Schildbürgertum erinnern.