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Wann schreibt man Farben gross – und warum?
17.10.2019 - 00:00, Mark Salvisberg
Gross schreibt man in Grau, klein dagegen grau in grau. Das könnte Teile der Bevölkerung verunsichern. «Keine Veranlassung», meint der Sprachpfleger – und nennt seinen Kniff.
Solange es in unserer Sprache die Grossschreibung gibt, müssen wir uns mit ihr befassen, in allen farblichen Nuancen.
Grosse Namen
Beim Roten Kreuz hat das Adjektiv zusammen mit dem Substantiv eine neue Gesamtbedeutung erhalten. Es handelt sich somit um eine Namensbezeichnung. Desgleichen beim Gelben Fluss in China, der Grünen Insel (Irland), der Schwarzen Witwe und dem Roten Meer.
Aber längst nicht jedes Farbadjektiv als Teil einer populären Fügung wird nominalisiert. Klein bleibt es beim blauen Wunder, der schwarzen Magie, der weissen Weste. Ja nicht einmal der weisse Pfeffer hat laut Duden einen «vollendeten» Namensstatus, trotz seiner Schärfe.
Interessanterweise wird die Rote Liste grossgeschrieben und die schwarze Liste klein. Dies, weil bei Letzterer das Illegale, Dunkle gemeint ist; solches wird kleingeschrieben – analog dazu: schwarze Geschäfte. Die Rote Liste hingegen ist ein offizieller Ausdruck für die Aufzählung bedrohter Tier- und Pflanzenarten.
Manchmal gilt beides als richtig
Sprechen Sie Englisch/englisch? Hier können Sie sowohl was? als auch wie? fragen, somit sind beide Auffassungen korrekt. Ebenso bei der roten/Roten Karte im Fussball, dem gelben/Gelben Trikot beim Radsport sowie dem schwarzen/Schwarzen Loch.
Grossschreibung gilt im Übrigen immer dann, wenn ein Artikel, ein Pronomen oder eine Präposition vorausgeht: draussen im (= in dem) Grünen, sie trägt ihr (oder ein) Schwarzes, er hat auf Rot gesetzt.
Die Wer-was-Frage steht im Zentrum
Gross oder klein? – Ganz einfach: Fragt man was?, so schreibt man gross, fragt man wie?, so schreibt man klein. Wir probieren es gleich: Kann er sich französisch verständigen? – Klein, denn die Frage ist, wie er sich verständigt. Sie trägt heute Grün. Was trägt sie? – Also gross.
Etwas mit Gelb überstreichen (mit was? oder womit?). Jedoch: etwas gelb überstreichen (wie?). Mit diesem Fragesystem verringert sich die Fehlerquote drastisch.
Zu guter Letzt ein Special: Trumps Telefonat wurde schwarz auf weiss festgehalten. Hier gilt die ganze Fügung als adverbial (wie?). Aber, spitzfindig: Wenn Anna etwas Weisses und darüber etwas Schwarzes trägt, könnte man wiederum schreiben: Anna trägt Schwarz auf Weiss (was auf was).
Bei grau in grau liegt ebenfalls eine übertragene Bedeutung vor. Man fragt nach dem Wie, wobei grau in grau dann so viel heisst wie pessimistisch.
Hoffentlich habe ich Sie jetzt nicht verwirrt. Falls doch, können Sie mir bei Ihrem nächsten diesbezüglichen Fehler getrost den schwarzen/Schwarzen Peter zuschieben.
Zur Person: Mark Salvisberg war unter anderem als Werbetexter unterwegs. Der Absolvent der Korrektorenschmiede PBS überarbeitet heute
täglich journalistische Texte bei einer grösseren Tageszeitung.