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Wohl fast keine andere Sperrstelle in der Schweiz kann auf einem so engen Raum so viele spezielle und geschichtsträchtige Anlagen diverser Generationen vorweisen wie die - durch die Aare getrennte -
Sperrstelle von Rein - Roost.

Es würde den Rahmen unseres Berichtes sprengen, wenn wir hier über alles ausführlich berichten würden. Darum versuchen wir uns auf das Wesentliche zu beschränken.
Kartenausschnitt der Anlagen der Sperrlinie Rein - Roost im Villiger-Feld(1:25'000)
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Erste Generation: 2. Weltkrieg
Wie überall wurde nach Ausbruch des Krieges mit der Befestigung der hinteren Linien begonnen. So galt das untere Aaretal als vermeintliche Hauptachse eines deutschen mechanisierten Angriffs. Darum wurde
dieser verwundbare Abschnitt - welcher auch die Abschnittsgrenze zwischen dem 2. und 3. Armeekorps bildete - besonders stark befestigt. Durchs ganze Villiger Feld bis nach Rein und über die Aare nach
Roost erstreckte sich ein 3 km langes Panzerhindernis, flankiert von zahlreichen Bunkern und zwei Artilleriewerken. Eines dieser Artilleriewerke war das Werk A3840 Rein. Ursprünglich als Infanteriewerk
ausgelegt, wurde im am 4. Mai 1940 entschieden, dem Werk ein Artilleriewerk anzugliedern. Es sollte mit seinen zwei 75 mm Kanonen die Truppen jenseits der Aare bei der Sperrstelle Roost unterstüzen. Die
Geschütze waren ausgelegt für den Direktschuss mit Feuerleitung vom Geschütz aus. Neben den zwei 75mm Kanonen war das Werk auch mit MG-Ständen, einem Pak-Stand und einem Beobachter-Stand ausgerüstet. Der
Notausgang befand sich mitten im Dorf Rein, getarnt als Holz-Pavillion. Mit seiner Infanterie-Bewaffnung wirkte das Werk sowohl auf die Sperren im Villiger Feld als auch in Richtung Roost. Richtige
Berühmtheit sollte es aber erst in der neueren Zeit erhalten.
Neben dem Artilleriewerk wurden rund um Rein auch noch zahlreiche Bunker errichtet. Eine weitere Besonderheit stellt das Artillerie-Beobachterwerk dar. Alle diese Anlagen wurden in äusserst kurzer Zeit,
und bei grösstem Materialmangel grossteils durch die Truppen zwischen 1939 und Mitte 1940 errichtet. Entsprechend vielfältig ist auch die Typologie der Anlagen in diesem engen Raum.
Zweite Generation: Vickers-Bunker
Bei Rein und Roost, im Bereich der Sperrstellen des Villiger-Feld wurden im kalten Krieg zahlreiche Verstärkungen errichtet. Neben den üblichen Unterständen aus Fertigbeton-Elementen wurde auch die
Panzerabwehr verstärkt.
Kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges wurden in England bei der Firma Vickers vier 75mm Fliegerabwehrkanonen zu Versuchszwecken beschafft. Diese bewährten sich in der Folge ganz und gar nicht (zu
mannschaftsintensiv und zu schwerfällig), weshalb auf eine Folgebeschaffung verzichtet wurde. Da in der Schweiz nichts weggeworfen wird, wurde 1951 beschlossen, die vier Vickers-Kanonen zur Panzerabwehr
einzusetzten. Dazu wurden im Villiger Feld vier einfache Bunker errichtet und die Kanonen dort montiert
(1 Roost, 2 Rein, 1 Villigen). Die Bunker wurden anschliessend mit einem Tarnaufbau versehen und als Holzhütte getarnt. So wurde auf einfache, aber effektive Art und Weise die Panzerabwehr massiv
verstärkt. Leider wurden in den 80er Jahren alle Anlagen geleert, so dass heute leider keiner dieser vier Bunker mehr ausgerüstet zu sehen ist. Nur der Bunker A3898 Langenmatten wurde vom Verein
Festungsmuseum Reuenthal übernommen und wieder hergerichtet - leider auch unbewaffnet. Die Fotos dieser Anlage zeigen wir euch im Bericht über die Sperrstellen im Villiger-Feld.
Letzte Generation: Centurion-Bunker
Mit dem Paradigmawechsel im Schweizer Festungsbau, der seit den frühen 1970er Jahren stattgefunden hat, wurden Mitte der 1980er Jahren die neuen Centurion-Bunker entwickelt und konzipiert. Diese
eigentlich beim österreichischen Bundesheer "abgeschaute" Lösung zur Weiterverwendung von ausrangierten Panzertürmen wurde perfektioniert und ab 1989 realisiert.
Ausführliche Informationen zum Panzerabwehrsystem Centurion in Bunker findet ihr in unserem
Igel-Lexikon.
Als Ergänzung gilt über den Centurion-Bunker bei Rein zu sagen, dass dieser ab 1989 die erste operationell
einsatzbereite Centurion-Anlage war. Sie wurde direkt vor dem Artilleriewerk Rein errichtet, war aber mit diesem nicht verbunden. Die Fotos vom Bau dieser Anlage haben wir euch bereits gezeigt.
Auf der gegenüberliegenden Seite wurde in derGemeinde Untersiggenthal bei Roost, ein weiterer Centurion-Bunker gebaut.
Dazu wurde der vorher hier erbaut Pak-Bunker komplett abgerissen. Die beiden Centurions bildeten die erste komplett opertionell Einsatzbereite
Centurion Sperrstelle der Schweiz.
Dank dem Verein Festungsmuseum Reuenthal, welcher diese Anlagen gemietet hat, konnten wir auch einen Blick aus dem Inneren erhaschen. Daher an dieser Stelle ein grosses Danke an den Verein für seine
Gastfreundschaft.
In Ergänzung dazu konnten wir im Militärmuseum Full noch Fotos eines Centurion-Panzers machen sowie der ehemaligen Simulatoren, welche dort ausgestellt sind.
Die P26 Anlage im ehemaligen Artilleriewerk Rein
Im Laufe der Jahre 1987/88 wurde nach Anlagen gesucht, welche für die geheime Widerstandsorganisation P26 genutzt werden konnten. Diese bereits desarmierten Anlagen sollten als Führungs- und
Ausbildungsanlagen, sowie als Material- und Munitionsmagazin dienen. Eine dieser Anlagen war das ehemalige Artilleriewerk Rein. Die Anlage verschwand aus dem Inventar und wurde danach umgerüstet.
Markanteste Bauanpassungen waren die umfangreichen Klima- und Lüftungsanlagen, welche für die Lagerung des wichtigen Materials notwendig war. Ausserdem wurden im Inneren nicht nur die Räume renoviert,
sondern auch Transporteinrichtungen zum Materialumschlag eingebaut. Von aussen ist davon die markante Garage - beim Werkeingang zum Centi-Bunker A3829 - zu sehen. Hier war ein ziviler Transporter der P26
untergebracht. Auch beim Pak-Stand Peter sind die Umbaumassnahmen für die Lüftung von aussen zu sehen. Mit der unrühmlichen und völlig überhasteten Auflösung der P26 fiel diese Anlage wieder zurück an
das VBS und wird heute als Archiv genutzt.
Es sollte vielleicht erwähnt werden, dass die Waffen und der Sprengstoff in der Anlage nie von den Angehörigen der P26 böswillig hätten genutzt werden können, wie es in den Medien immer falsch
dargestellt wurde. Das Schlüsselmaterial zu Waffen und Sprengstoff (Verschlüsse, Sprengkapseln, etc.) war in gesonderen Räumen gelagert und die Schlüssel dazu lagen beim Generalstabschef im Tresor.
Es bleibt zu hoffen, dass die ehemaligen aktiven Mitglieder dieser - während des kalten Krieges - wichtigen Organisation auch endlich von den Medien rehabilitiert werden, welche so viel Falsches und
Übertriebenes (absichtlich?) über sie verbreitet haben. Wir für unseren Teil haben den allergrössten Respekt vor den Personen, die Teil dieser Organisation waren.

Kapitel Hauptseite
Sperrstelle Roost
mit Vickers und Centurion
Centurion Bunker Roost
A3835 Aussen
Centurion Bunker Roost
A3835 Innen
Centurion Bunker Rein
A3829 Aussen
Centurion Bunker Rein
A3829 Innen
Artilleriewerk A3840 Rein
Artilleriebeob. Werk A3870
Das Panzerabwehrsystem
Centurion in Bunker