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Eine Seilbahn an der Grenze zwischen dem Vulkan-Nationalpark und dem UNESCO Weltnaturerbe des Virunga Nationalparks soll bis auf den höchsten Berg führen. Ein Fall für das Schnellhilfe-Programm «Rapid Response Facility», das die Fondation Franz Weber in Partnerschaft mit der UNESCO und Fauna & Flora International trägt.
«Während der letzten drei Jahre habe ich meine Tage mit wilden Berggorillas verbracht. Ihr Zuhause ist das meine: die nebligen Wälder der Virunga-Bergkette mit ihren acht hochragenden Vulkanen. Den über 4500 hohe Karisimbi teilen sich drei Länder: Ruanda, Uganda und die Demokratische Republik Kongo.» So begann ein Artikel, den Dian Fossey 1970 im National Geographic publizierte.
Die weltbekannte US-Forscherin, die fünfzehn Jahre später auf brutalste Art und Weise erschlagen wurde, hätte sich wohl nie erträumt, dass dieses Gebiet, das durch die grossen Höhenunterschiede eine sehr hohe Vielfalt an Pflanzen und Tieren begünstigt, heute einer Seilbahn und touristischer Infrastruktur einschliesslich eines Museums und Klimabeobachtungsstation auf dem Karisimbi, Platz machen müsste. Am 24. September 1967 hatte Dian Fossey am Fusse des Karisimbi die heute weltberühmte Forschungsstation «Karisoke Reseach Center» errichtet. «Kari» für die ersten vier Buchstaben des Vulkannamens, der über ihrem Camp ragte, und «soke» für den Berg Visoke, dessen Hänge nördlich davon liegen.
Letzte Zuflucht
Genau auf dem Karisimbi will nun die berühmte Eliteuniversität der USA, das Massachusetts Institute of Technology (MIT), zusammen mit den Entwicklungsbehören von Ruanda eine Klimaforschungsstation errichten.
Der Vulkan-Nationalpark im Norden Ruandas grenzt an den 1979 als UNESCO Weltnaturerbe eingetragenen Virunga Nationalpark im Kongo, den ältesten Nationalpark Afrikas. Zusammen mit dem Mgahinga Gorilla Nationalpark in Uganda gilt er als letzter Zufluchtsort für die noch verbliebenen rund 900 Berggorillas. Ein grenzüberschreitendes Gebiet mit einzigartigen Naturschätzen.
Dank Dian Fossey erlangten die bedrohten Berggorillas weltweit Bekanntheit. Achtzehn Jahre lebte die Forscherin mit ihnen zusammen. Besonders «Digit» (Finger), den sie wegen eines verkrüppelten Fingers so nannte, hatte sie ins Herz geschlossen. Ihn konnte sie sogar streicheln und kraulen. Eines Tages wurde «Digit» von Wilderern brutal getötet. Sie hackten ihm Hände und Kopf ab. Hierauf wollte Dian nichts mehr mit Menschen zu tun haben.
Widerspruch
Es ist ein Widerspruch in sich, dass fast vierzig Jahre nach Dian Fosseys unermüdlichem Kampf für die Berggorillas, schrecklichen Bürgerkriegen, Ölförderungsprojekten und Wilderei, nun ausgerechnet von Seiten der Forschung und des Tourismus die Berggorillas erneut bedroht werden sollen. Mitten durch ihre Heimat soll eine Seilbahn eine Klimaforschungsstation des MITs versorgen. Mehr noch: Sie soll das Gebiet auch für Touristen erschliessen. Erschliessungsstrassen, Zwischenstation und der einfachere Zugang zum Park werden das Gebiet der vom Aussterben bedrohten Gorillas weiter zerstückeln und verkleinern.
Eine fragwürdige Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), welche die ruandische Regierung guthiess, obwohl weder die Bedrohung für die Gorillas, noch die Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung abgeklärt wurden, gab dem Vorhaben den Persilschein und somit grünes Licht für die Bahn und Station. Hierauf hat das Internationale Gorilla-Schutzprogramm (International Gorilla Conservation Programme, IGCP) reagiert und bei der Rapid Response Facility (RRF, siehe Kasten) Alarm geschlagen.
Schnelle Hilfe
Offenbar wurden keine grenzüberschreitenden Konsultationen geführt. Die meisten Interessenvertreter scheinen kaum etwas über das Projekt zu wissen. Davon ist das IGCP überzeugt und gelangte deshalb an die RRF, ein Programm, dass von der UNESCO in Partnerschaft mit Fauna & Flora International (FFI) und der Fondation Franz Weber (FFW) geführt wird. Das IGCP will eine erneute Umweltverträglichkeitsprüfung durchführen lassen, welche alle Beteiligten einbezieht. Das Wissenschaftsgremium des RRF, in dem Vertreter der UNESCO, der FFI und der FFW Einsitz haben, hat dem Antrag zugestimmt.
Innert Tagen gewährte die RRF unbürokratisch die nötigen Mittel, damit das IGCP handeln konnte. Mitte April trafen sich dessen Vertreter mit Beteiligten des MIT und den ruandischen Entwicklungsbehörden, um auf die Problematik des Karisimbi-Projekts aufmerksam zu machen.
Im Virunga Nationalpark sind 2 000 Pflanzenarten bekannt. Davon sind zehn Prozent nur dort anzutreffen (endemisch). Der Park enthält auch wichtige Konzentrationen von Wildtieren, vor allem Elefanten, Büffel und mit 20 000 Individuen die grösste Konzentration an Nilpferden in ganz Afrika.
«Hilfe ist überfällig»
1970 endete Dian Fossey ihren Artikel in National Geographic wie folgt, und es ist tragisch, dass ihre Worte heute noch zutreffen: «So sind die Berggorillas in ernsthafter Gefahr auszusterben, vor allem wegen der Übergriffe der einheimischen Bevölkerung auf ihren Lebensraum und der Vernachlässigung der zivilisierten Menschen, gewissenhaft die wenigen Gebiete zu bewachen, die jetzt dem Schutz der Gorillas zugeteilt wurden. Geld allein wird das Problem nicht lösen. Schutzgruppierungen und Behörden müssen sich an aufeinander abgestimmten Programmen beteiligen, wenn diese Drei-Länder-Region und ihre Tierwelt vor menschlichen Eindringlingen gerettet werden soll. Eine solche Hilfe ist überfällig. Ich hoffe nur, dass Rafki, Onkel Bert, Ikarus, und meine anderen Waldfreunde überleben, bis sie eintrifft.»
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