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Fokus Medizin
Wie Alkohol und Grünzeug das Brustkrebsrisiko beeinflussen
Steigern postmenopausale Frauen ihren Alkoholkonsum, erhöht sich auch das Risiko für Brustkrebs. Umgekehrt zeigt sich: Ein reichlicher Verzehr von Obst und Gemüse in jüngeren Jahren schützt davor.
Brustkrebs und koronare Herzkrankheit nehmen Spitzenplätze in den Mortalitätsstatistiken von Frauen nach den Wechseljahren ein. Ernährung und Alkohol beeinflussen das Risiko für beide Erkrankungen, wenngleich viele Fragen zu Assoziationen und Kausalzusammenhängen noch offen sind. Zwei neue Studien erweitern den Kenntnisstand.
Daten sprechen für kausalen Zusammenhang
In einer prospektiven Kohortenstudie mit 20 Jahren Follow-up und mehr als 20 000 Teilnehmerinnen bestätigten dänische Epidemiologen ihre Hypothese: Postmenopausale Frauen, die ihren Alkoholkonsum über einen Zeitraum von fünf Jahren steigerten, entwickelten vermehrt Mammakarzinome. Jedoch verringerte sich für sie gleichzeitig die Gefahr für die Entstehung einer koronaren Herzkrankheit.
Bereits ein zusätzlicher Genuss von ein bzw. zwei Drinks pro Tag erhöhte bei Frauen mit stabilem Alkoholkonsum von bis zu 14 Getränken in der Woche das Brustkrebsrisiko (Hazard Ratio, HR 1,13 bzw. 1,29), gleichzeitig verminderte sich die KHK-Gefahr um 11 % bzw. 22 %.
Umgekehrt machte sich eine Reduktion der Alkoholmenge weder bei der Mammakarzinom-Inzidenz noch beim Auftreten einer KHK bemerkbar. Die Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen erhöhtem Genuss geistiger Getränke und Brustkrebsrisiko weist auf einen – bisher nur vermuteten – Kausalzusammenhang zwischen beiden Parametern hin, so die Autoren.1
Äpfel punkten in der Jugend, später ist Grünkohl überlegen
Weniger eindeutig waren die Ergebnisse einer prospektiven Kohortenstudie US-amerikanischer Kollegen mit mehr als 90 000 prämenopausalen Krankenschwestern zum Einfluss der Ernährung auf das Brustkrebsrisiko. Auch in dieser Untersuchung zeigte sich die bekannte Assoziation zwischen vermehrtem Obst- und Gemüse-Verzehr und seltenerem Auftreten eines Mammakarzinoms.
Allerdings scheint der Fruchtkonsum in der Adoleszenz diesen Zusammenhang deutlicher zu beeinflussen als bisher angenommen. Außerdem ist der protektive Effekt je nach dem Hormonrezeptorstatus unterschiedlich. Besonders gesund scheinen in der Jugend Äpfel, Bananen und Trauben zu sein, im jungen Erwachsenenalter Orangen und Grünkohl.2
Angesichts dieser Ergebnisse sollten im Praxisalltag vor allem die Gefahren steigenden Alkoholkonsums nach der Menopause angesprochen werden, schreiben Professor Dr. Timothy J. Key und Professor Dr. Gillian K. Reeves aus Oxford in ihrem Kommentar zur Studie. Das sinkende KHK-Risiko ist selbstverständlich kein Argument fürs Trinken. Auch Empfehlungen zum Verzehr von Obst und Gemüse sind sicher nicht verkehrt, auf Dosisangaben müssen die Patienten aber noch warten.3
Quelle:
1. Dam MK et al. BMJ 2016; online first
2. Farvid MSet al. a.a.O.
3. Key TJ, Reeves GK, a.a.O.