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1960 fragte mich der damalige Leiter des Ostberliner Aufbau-Verlags, ob ich nicht Lust hätte, eine grosse Reportage über die DDR zu schreiben. So kam ich im April 1961 in die DDR und begann zu recherchieren. Gleichzeitig wurde ich als Korrespondent der PdA-Zeitschrift «Vorwärts» akkreditiert.
Am 13. August ging dann die Grenze zu, und im September begann ich zu realisieren, dass sich zu diesem Zeitpunkt kein Reportageband über die DDR mehr schreiben liess, weil es schlicht zu viele Tabus gab. Also bliesen wir die Sache ab.
Dass ich dennoch in der DDR blieb, hatte zwei Gründe: Zum einen hatte ich mich in der Zwischenzeit verliebt. Zum anderen war ich beruflich mit einigen interessanten Projekten beschäftigt.
Mir sind ob meinem Entscheid auch keine Zweifel gekommen. Nach dem Bau der Mauer gab es immer wieder Phasen, in denen mehr Offenheit herrschte und natürlich Phasen, in denen der Deckel dichtgemacht wurde.
Die Mauer war unabdingbar. Ohne sie wäre die DDR schon Mitte der sechziger Jahre zusammengebrochen, allein nur wegen des ökonomischen Gefälles zwischen West und Ost. Aber es ist klar, dass die Mauer für Zehntausende von Familien, die getrennt wurden, eine Tragödie war und gleichzeitig eine Bankrotterklärung an die Hoffnung, dass man mit offenen Grenzen eine sozialistische Gesellschaftsordnung aufbauen kann.
Nach dem Fall der Mauer wollte ein Grossteil der Bevölkerung nicht primär die Wiedervereinigung, sondern eine bessere DDR. Mit diesem Ziel konnte ich mich voll und ganz identifizieren. Ich hoffte auch, dass diese Demokratisierungswelle auch in die Bundesrepublik übergreifen könnte, wo ja ebenfalls einige Demokratiedefizite herrschten. Ich sah aber bald ein, dass sich die DDR nicht würde halten können.
Mein Status im wiedervereinigten Deutschland ist mir selbst noch nicht ganz klar. Ich habe mich nicht in der BRD niedergelassen, sondern in der DDR unter ganz anderen Prämissen und mit einem ganz anderen Ziel.