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Die «SonntagsZeitung» hat keine medienethischen Regeln verletzt, als sie Historiker Daniele Ganser als Verschwörungstheoretiker bezeichnete. Der diffamierende Begriff sei laut Presserat kein «schwerer Vorwurf», zu dem Ganser als Betroffener hätte angehört werden müssen.
Der Artikel «Wenn alles mit allem zu tun hat» vom 11. März, der Gegenstand der Beschwerde vor dem Presserat war, handelte von einer Veranstaltung in Basel mit dem Titel «Terror, Wahrheit und Lügen».
In diesem Zusammenhang wurde auch Daniele Ganser als «Schweizer Superstar der Verschwörungstheorien» Teil des Berichtes in der «SonntagsZeitung». Das Blatt stützte sich auf eine Einschätzung von Michael Butter, der an der Universität Tübingen ein Projekt zur Erforschung von Verschwörungstheorien leitet. Demnach sei Ganser «der bekannteste Verschwörungstheoretiker des deutschsprachigen Raums».
Tamedia verteidigte den Artikel, gemäss konstanter Praxis des Presserats gebe es «keine Pflicht zur objektiven Berichterstattung». Die Redaktoren hätten von ihrem Recht auf Kommentarfreiheit Gebrauch gemacht. Hinzu komme, dass die «SonntagsZeitung» Daniele Ganser vor Veröffentlichung des Artikels mehrere Fragen gestellt habe. Diese seien jedoch unbeantwortet geblieben.
Der Presserat bemängelte hingegen, dass die Zeitung «handwerklich nicht gut gearbeitet hat»: Bei der Aussage, Ganser sei ein Verschwörungstheoretiker, stütze sich die «SonntagsZeitung» lediglich auf Michael Butter als Quelle. «Es wäre ein Leichtes gewesen, weitere Experten zu Wort kommen zu lassen», findet das Ethikgremium.
Der Journalistenkodex sei aber nicht verletzt. Denn Ganser könne - zumindest im neutralen Sinne des Wortes - schon deshalb als Verschwörungstheoretiker bezeichnet werden, weil er sich «in seinen Vorträgen und Büchern mit echten und angeblichen Verschwörungen befasst», schreibt der Presserat.
Trotz diffamierendem Beigeschmack wertete der Presserat die unbeliebte Bezeichnung nicht als schweren Vorwurf. «Eine Anhörung Gansers war somit nicht obligatorisch.» Die Beschwerde wurde vollumfänglich abgewiesen.