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«Audio Snapshots from a Continent at War»: Unter dieser Überschrift hat die European Broadcasting Union (EBU) Hörspiel-Redaktionen aus ganz Europa aufgefordert, zum Gedenken an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs Kurzhörspiele zu produzieren. Entstanden ist ein spannendes, vielsprachiges Panorama von Geschichten, Stimmen und Tönen.
Hörspiel-Autorinnen in der Überzahl
Entstanden sind auch Hörerlebnisse der besonderen Art: Dank englischer Untertitel erfährt man viel über die Kriegserfahrungen in den einzelnen Ländern – aber auch einiges über heutige europäische Befindlichkeiten. So fällt zum Beispiel auf, dass mehr als der Hälfte der Stücke von Frauen geschrieben wurden, beziehungsweise von einer weiblichen Hauptfigur handeln.
Fünf ausgewählte Hörspiele der SRF-Hörspiel-Redaktion
«Tyre» von Lavinia Murray (BBC/Grossbritannien)
Mitte Oktober 1916 in Rumänien: Eine Frau sitzt am Steuer eines Ambulanz-Fahrzeuges der Marke Rolls-Royce. Sie ist unterwegs mit zwei Ärzten zur Ostfront. Bei einem Fliegerangriff geraten sie von der Strasse. Eine Geschichte nach den Tagebüchern von Ysabel Birkbeck, die sich freiwillig zum Kriegsdienst meldete.
«We'll Return Home in Good Cheer» von Zhanar Kusainova (Russland)
Erzählt wird eine Begegnung im Sommer 1917, die so nie stattfand. Schauplatz ist das Zelt eines Feldlazaretts. Dort treffen sich die Krankenschwester Rimma Ivanova, die nach dem Krieg als russische Jeanne d’ Arc verehrt wurde, und die verwundete Soldatin Maria Bochkareva. Die ehemalige Prostituierte hatte vom Zar die Erlaubnis bekommen, in der Armee zu dienen und befehligte schliesslich das erste Frauen-Bataillon.
«Siri and the City of Blue» von Juha Siltanen (YLE/Finnland)
Die Wuolijokis sind ein einflussreiches Paar in Politik und Literatur. In ihrer Sommer-Residenz auf der Insel schmieden sie gern Reime, zusammen mit dem Poeten Eino Leino. Als der Krieg ausbricht, schicken sie das Hausmädchen Siri nach Helsinki, um in der Stadtwohnung nach dem Rechten zu sehen. Im blauen Licht der abgedunkelten Strassenlaternen trifft die junge Frau den Kutscher Elis. Siri entwickelt Gefühle, trotz (oder wegen) der Kriegsangst ...
«Mother» von Ilinca Stihi (ROR/Rumänien)
Am 16. August 1916 ordnet der rumänische König Ferdinand die Generalmobilmachung an. Dem Aufruf folgen auch Männer, die im Ausland leben. Freiwillig kehrten sie zurück, um ihrer Heimat zu dienen – dem Mutter-Land, wie sie es nennen. Auf dem Schlachtfeld schliesslich vernehmen sie die Stimme der Mutter: «Meine Söhne, ich bin der Krieg!» Eine provokative Darstellung des Patriotismus in starken Soundbildern.
«Pro patria mori» von Eva Blechová (CR/Tschechien)
Zwei Jungs sitzen vor dem Computer. Sie testen das (tatsächlich existierende) Wargame «Verdun». Zuerst amüsieren sich die beiden mit der virtuellen Erfahrung des Schlachtgeschehens. Sie erproben das Töten per Mausklick, finden aber schliesslich, es gäbe aufregendere Shooter-Spiele. In der Montage mit einem Poem von Wilfried Owen entsteht so eine gespenstische Szenerie – und ein faszinierendes Stück Radiokunst.
Im Rahmen des europäischen Hörspiel-Projektes hat auch SRF Kultur vier Autoren und eine Autorin gebeten, mit radiofiktionalen Mitteln zu rekonstruieren, was die Schweiz im Ersten Weltkrieg geprägt hat. Die fünf Kurzhörspiele sind weiter unten zu hören.