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Pedro Lenz über eine digital sabotierte Karriere
Es gab eine Zeit, da waren verschiedene Computersysteme untereinander schlecht kompatibel. Wer von einem Mac ein Dokument zu einem PC verschickte, konnte nie ganz sicher sein, ob die Empfängerin oder der Empfänger das Dokument tatsächlich öffnen konnte.
David de Gea, ein junger Mann aus Madrid, der gegenwärtig in Manchester lebt, hat die Zeit der Nichtkompatibilität zwischen verschiedenen Computersystemen vermutlich nicht miterlebt. Er gehört zur Generation derer, die mit der Playstation gross geworden sind. Doch nun ist er völlig unverhofft mit einem Computerproblem konfrontiert worden, von dessen Existenz er wohl in seinem ganzen Leben noch nie etwas gehört hatte.
De Gea war einer der besten Torhüter in der englischen Premier League. Vor drei Jahren war er für zwölf Millionen Euro von Atlético Madrid zu Manchester United transferiert worden. Dort gefiel es ihm gut. Er spielte überdurchschnittlich und verdiente auch entsprechend. Aber in diesem Frühsommer setzte ihm sein Berater den Floh ins Ohr, er müsse zu Real Madrid wechseln. Die Idee gefiel De Gea, und er tat bei Manchester United seine Wechselabsichten kund. Seine Vorgesetzten in England erklärten ihm, er habe noch einen gültigen Arbeitsvertrag und sie hätten nicht im Sinn, ihn nach Madrid zu verkaufen.
Er müsse ruhig bleiben, erklärte ihm sein Berater. Manchester werde ihn ganz bestimmt verkaufen. Der Klub sperre sich nur, um eine möglichst hohe Ablösesumme auszuhandeln. Das sei in diesem Business üblich. David de Gea blieb ruhig, erklärte, er sei zuversichtlich, dass sein Wechsel zustande komme, und versicherte, dass er sich sehr darauf freue, bald wieder mit seiner Freundin in Madrid zu leben.
Hinter den Kulissen feilschten die beiden Klubs um den Preis des spanischen Stars. Alles sah nach einer Einigung in den letzten Tagen der internationalen Transferfrist für Fussballprofis aus. Diese lief am 31. August um Mitternacht ab. Am Morgen des 31. August liefen die Faxgeräte und Telefondrähte zwischen den Geschäftsstellen der beiden Grossklubs heiss. Irgendwann im Lauf des Abends waren sich die Verhandlungspartner einig geworden. Sofort reichte Real Madrid die vereinbarte Offerte offiziell ein. Die juristische Abteilung von Manchester United prüfte die Papiere und mailte kurz vor Mitternacht ihrerseits alle notwendigen Unterlagen nach Madrid. Das Mail aus England soll, gemäss Angaben von Manchester United, am 31. August um 23.58 Uhr gesendet worden sein. Der Präsident von Real Madrid behauptet, bei ihnen sei das Mail erst um 00.01 Uhr eingetroffen. Später sagte er, vielleicht sei das Mail auch zwei Minuten vorher eingetroffen, aber erst am frühen Morgen des 1. September, also ganz kurz nach Transferschluss, hätten sie die Attachments öffnen können.
Wer genau welchen Fehler beim Übermitteln oder beim Öffnen der Datenträger gemacht hat, lässt sich zurzeit nicht eruieren. Sicher ist bloss, dass David de Gea mindestens bis zur nächsten Transferperiode im kommenden Winter in Manchester bleiben muss, weil der spanische Fussballverband den Transfer wegen Zeitüberschreitung für ungültig erklären musste.
Jetzt sitzt David de Gea auf gepackten Umzugskisten in Manchester. Sein Trainer sagt, er setze nicht mehr auf den wechselwilligen Schlussmann, und de Gea möge für die nächsten Monate auf der Tribüne Platz nehmen. Beide Klubs sind unglücklich, Manchester United, weil ihnen viel Geld durch die Lappen ging, Real Madrid, weil sie den Spieler gerne sofort eingesetzt hätten.
De Gea selbst sagt, er könne einfach nicht verstehen, dass so ein banales Computerproblem seine Karriereplanung durcheinandergebracht habe. Wäre er ein paar Jahre älter, wüsste er, dass die Sache mit den Attachments schon früher ziemlich tricky war.
Pedro Lenz (50) ist Schriftsteller und lebt in Olten. Aus Angst, seine Attachments liessen sich nicht öffnen, kopiert er seine Texte meist in den Lauftext der Mails.