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Ob Armstrong den entscheidenden Artikel "a" im Eifer des Gefechts
verschluckt, oder ob er den Tücken der Übertragungstechnik
zum Opfer fällt, wird sich nie abschliessend klären lassen. Um
die Bedeutung der Mondlandung zu würdigen, spielt diese Frage auch
keine Rolle.
Mit beinah kaltblütiger Gelassenheit hat der Kommandant die
Mondlandefähre von "Apollo 11" per Hand im Meer der Ruhe zum
Aufsetzen gebracht. Zuvor hatte sich herausgestellt, dass der Autopilot
die "Eagle" zwischen gefährliche Felsen dirigieren wollte. Auch
sind Armstrong und sein Kollege Buzz Aldrin nur knapp an einem Absturz
aus Treibstoffmangel vorbeigeschrammt.
Eine Rede, die Präsident Richard Nixon im Falle eines Scheiterns
der Mission halten würde, liegt ohnehin in Washington bereit. Doch
mit der geglückten Landung ist das Manuskript überholt. Und
Armstrongs Auftritt als veritabler Ausserirdischer elektrisiert
den Planeten: Es ist das erste Mal, dass ein Mensch einen anderen
Himmelskörper betritt.
(...)
Gut 43 Jahre sind seit der historischen Landung vergangen. Nun ist Neil
Armstrong 82-jährig verstorben. Nach Angaben seiner Familie waren
Komplikationen nach einer Bypass-Operation Anfang des Monats Schuld.
"Neil war einer der grössten amerikanischen Helden - nicht nur
in seiner Zeit, sondern aller Zeiten", erklärte US-Präsident
Barack Obama am Samstag, nachdem er die Todesnachricht erhalten hatte.
Doch in Wahrheit wollte Armstrong gar kein Held sein. Oder bestenfalls
ein "unwilliger", wie es seine Familie in der Todesnachricht
formulierte. Freilich, nach der Rückkehr zur Erde waren Armstrong,
Aldrin und Michael Collins, der im Mondorbit verblieben war, frenetisch
bejubelt worden. In mehr als 20 Staaten machten die Mondfahrer
Höflichkeitsbesuche, sogar in der Sowjetunion.
Doch wie deren Vorzeige-Flieger Jurij Gagarin war auch Armstrong nach
seiner Landung kein Mann der grossen Worte. Er wurde es trotz einiger
Werbeauftritte, Reden und Interviews auch später nicht. Armstrong
war dabei keineswegs menschenscheu. Wer Aufzeichnungen seiner raren
Interviews sieht, kann sich auch nach seinem Tod davon überzeugen.
Andererseits wollte er aber auch nicht als Sensation herumgezeigt werden.
Er habe kein Problem mit Aufmerksamkeit, er verdiene sie nur nicht,
sagte er dem Fernsehsender CBS. Nur durch äussere Umstände
sei er der erste Mensch auf dem Mond gewesen. Das habe niemand so geplant.
Armstrong trat in solchen Gesprächen immer freundlich auf - und
alles andere als unzugänglich. Doch konnte er es nicht leiden,
wenn mit seinem Namen Geld gemacht wurde. Also schrieb er irgendwann
keine Autogramme mehr und verklagte seinen Friseur, als der einige
Astronautenhaare für gutes Geld verscherbelte.
Das Weisse Haus war für ein Debakel
vorbereitet
:
Der geheime Nachruf auf die "Apollo 11"-Crew offenbart, welches Drama
sich nicht nur auf den Bildschirmen abspielte, über die die ersten
Schritte Armstrongs im Mare Tranquillitatis, dem Meer der Ruhe, live
und schwarzweiss flimmerten. Sondern auch hinter den Kulissen, wo mit
dem Schlimmsten gerechnet wurde. Wäre es Armstrong und Aldrin nicht
gelungen, vom Mond zur "Apollo 11" zurückzukehren, hätten sie
sich selbst überlassen werden sollen - zum Sterben in galaktischer
Funkstille.
Es waren die Nixon-Berater H.R. Haldeman und Peter Flanigan, die dieses
makabre Szenario im Detail festklopften. Sie reagierten damit auf
eine Empfehlung von Nixons Redenschreiber William Safire. Der wurde,
als er über Nixons Lobrede für "Apollo 11" sass, seinerseits
vom Ex-Astronauten Frank Borman, dem Nasa-Verbindungsmann zum Weissen
Haus, auf ein mögliches Worst-Case-Szenario hingewiesen. Erst
lange, nachdem er als Kolumnist zur "New York Times" gewechselt war,
offenbarte Safire die warnenden Worte Bormans: "Du überlegst dir
besser eine alternative Stellungnahme des Präsidenten, falls es
ein Missgeschick gibt."
Also schickte Safire den Chefplanern zwei Tage nach dem Start von
"Apollo 11" und zwei Tage vor der Mondlandung ein getipptes, vierseitiges
Memo mit der ominösen Überschrift: "Für den Fall eines
Mond-Desasters." Darin schlug er folgendes Protokoll vor: Bei einem
Unglück solle Nixon erst die "Witwen in spe anrufen", um ihnen "das
aufrichtigste Beileid einer tieftraurigen Nation" zu übermitteln,
und dann eine Rede an diese Nation selbst halten.
Anschliessend hätte Nasa die Kommunikation mit den gestrandeten
Männern gekappt und einen Priester mit einer Art modifizierten
Seebestattung beauftragt, um die Seelen der Astronauten "den tiefsten
Tiefen" anzuvertrauen - gefolgt vom Vaterunser.
Die ungenutzte Rede, die Safire für Nixon entwarf, umfasst 233
schicksalsschwangere Worte. "Diese tapferen Männer, Neil Armstrong
und Buzz Aldrin, wissen, dass keine Hoffnung auf ihre Rettung besteht",
hätte der Präsident gesagt, die Mondgestrandeten noch im
Präsens würdigend. "Doch sie wissen auch, dass in ihrem Opfer
Hoffnung für die Menschheit liegt."
Drei Jahrzehnte lang war Nixons Backup-Rede "top secret", versteckt
vor den Augen der Welt in den Privatpapieren des Präsidenten im
US-Nationalarchiv. Erst zum 30. Jahrestag 1999 grub sie Jim Mann aus, ein
Reporter der "Los Angeles Times". "Die Geschichte einer Tragödie,
die keine war", betitelte er seinen Bericht. Dann verschwanden die
Papiere wieder in der Versenkung - bis heute.
(...)
Hier die nichtgehaltene Rede, die im Falle eines Scheiterns des Raumfahrtabenteuers mit
Armstrong und Aldrin im Juli 1969 von Nixon gehalten worden wäre:

"Das Schicksal hat bestimmt, dass die Männer, die zum Mond flogen,
um dort in Frieden zu forschen, auf dem Mond bleiben werden, um dort in
Frieden zu ruhen. |
Diese tapferen Männer, Neil Armstrong und Buzz Aldrin, wissen,
dass keine Hoffnung auf ihre Rettung besteht. Doch sie wissen auch,
dass in ihrem Opfer Hoffnung für die Menschheit liegt. Diese zwei
Männer geben ihr Leben für das nobelste Ziel der Menschheit:
die Suche nach Wahrheit und Verstehen.
Sie werden von ihren Familien und Freunden betrauert werden; sie werden
von ihrer Nation betrauert werden; sie werden von den Menschen der Welt
betrauert werden; sie werden von einer Mutter Erde betrauert werden,
die es wagte, zwei ihrer Söhne ins Unbekannte zu entsenden.
Mit ihrer Erkundung bewegten sie die Menschen der Welt, sich als eins
zu fühlen; mit ihrem Opfer schweissen sie den Bund der Menschen
noch enger zusammen.
In alten Zeiten schauten die Menschen nach den Sternen und sahen Helden
in den Konstellationen. In modernen Zeit tun wir es ähnlich, doch
unsere Helden sind epische Männer aus Fleisch und Blut. Andere
werden folgen und sicher ihren Weg heimfinden. Dem Menschen wird die
Suche nicht versagt bleiben. Aber diese Männer waren die ersten,
und sie werden zuvorderst in unseren Herzen bleiben.
Jeder Mensch, der in künftigen Nächten zum Mond aufschaut,
wird wissen, dass es einen Winkel einer anderen Welt gibt, der für
immer zur Menschheit gehört.