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Ein neues Medium am Horizont
Seine ersten Schritte in die Schweizer Öffentlichkeit machte das Fernsehen an der Landesausstellung im Frühsommer 1939. Die Fernseh-Versuchsdemonstrationen der ETH Zürich waren neben dem Landi-Studio der SRG ein Publikumsmagnet. Mit dem Kriegsausbruch im September 1939 kam der Forschungsstand und die Weiterentwicklung der Fernsehtechnik für den Heimempfang allerdings zum Erliegen.
Ende der 1940er-Jahre war die treibende Kraft hinter den Fernsehversuchen die PTT (Post-, Telefon- und Telegrafenbetriebe). Die ersten Fernsehprogramme strahlte die Schweizerische Rundspruchgesellschaft (SRG) bereits 1951 aus. Damals war der Widerstand in der Bevölkerung gross, gab es doch die Befürchtung, das Fernsehen könne das Familienleben beeinträchtigen. Die Zeitungen warnten vor einer «kulturellen und sozialen Vermassung» der Gesellschaft. Und die Radiofans befürchteten, dass das Fernsehen auf Kosten der Radiogebühren gehen würde.
Im Versuchsbetrieb
Als Fernseh-Versuchsbetrieb sendete die SRG ab 20. Juli 1953 an fünf Abenden pro Woche ein rund einstündiges Programm aus dem Studio Bellerive im Zürcher Seefeld-Quartier. Am historischen ersten Fernsehtag flimmerte folgendes Programm über die Geräte:
TV-Programm am 20. Juli 1953
20.15 Uhr:
Testbild, unterlegt mit leichter Musik
20.31 Uhr:
Ein Künstler zeigt die Technik des Holzschnitts, danach Standbildserie des Holzschnittzyklus «Die Blinden», unterlegt mit poetischem Text
Anschliessend: 35-Millimeter-Film «Mit der Swissair nach Ägypten»
21.15 Uhr:
Abmoderation, Verabschiedung
Wie viele Zuschauerinnen und Zuschauer wohl heutzutage an diesem Programm dranbleiben würden?
Weitere Versuche fanden in Basel und in der Westschweiz statt. Um dem Medium Fernsehen Zeit zu geben, sich in der Gesellschaft zu etablieren, verlängerte der Bundesrat den Versuchsbetrieb bis Ende 1957.
Regulär auf Sendung
Der reguläre Sendebetrieb startete am 1. Januar 1958 in deutscher und französischer Sprache. 1961 folgten Fernsehsendungen in italienischer Sprache. Mit einigen wenigen regelmässigen Sendungen wie «Il balcun tort» (ab 1963) und «Per nos pigns» (ab 1974) bediente das Deutschschweizer Fernsehen auch die rätoromanisch sprechende Minderheit. Ab 1964 war in der Deutschschweiz mit «Un'ora per voi» eine Sendung für italienische Immigranten im Angebot.
In der SRG-Konzession von 1964 finden sich als Auftrag und damit indirekt als Programmsparten festgeschrieben: Bildung, Information und Unterhaltung. Besonders beliebt waren Unterhaltungs- und Spielsendungen, Direktübertragungen von Sportereignissen, Theaterstücke und Nachrichten.
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Von Schwarz-Weiss zu Farbe
Am 1. Oktober 1968 folgte die Einführung des Farbfernsehens. Die erste farbige Einstellung: Ein Blumenstrauss, eben noch in schwarz-weiss zu sehen, erblühte in voller Farbenpracht. Erleben konnten diesen historischen TV-Moment vergleichsweise wenige Zuschauerinnen und Zuschauer. Denn damals verfügten nur etwa 6000 Schweizer Haushalte über einen Farbfernseher. Bei den restlichen 900'000 Geräten blieb der Blumenstrauss schwarz-weiss. Ein entsprechendes Farbfernsehgerät kostete damals rund 3000 Franken, was durchschnittlich drei Monatslöhnen entsprach.
Die Infrastruktur fürs Farbfernsehen wurde weiter verbessert, bereits Ende 1970 strahlte die SRG 40 Prozent der Programmstunden in Farbe aus.
Um Ereignisse ausserhalb der TV-Studio zu übertragen, erhielt die SRG 1970 grosse Reportagewagen. So konnten auch Skirennen und Fussballspiele in Farbe übertragen werden. 1977 war die Umstellung auf Farbfernsehen nach zehn Jahren grösstenteils abgeschlossen. In diesem Jahr ging auch das letzte Tessiner Studio in Comano in Farbe auf Sendung. Konnten Ende 1969 erst drei Prozent der Fernsehgeräte in der Schweiz Farbsignale empfangen, so waren es zehn Jahre später rund 60 Prozent. Erst in den 1980er-Jahren verschwanden dann die letzten Schwarz-weiss-Geräte aus den Schweizer Wohnzimmern.
Entwicklung in Programm, Technik und Unternehmen
Um das Hauptprogramm von den zahlreichen Sportübertragungen zu entlasten, wurde 1982 die Sportkette lanciert. 1984 startete der Schweizer Teletext sowie der Kulturkanal 3sat, der mit dem deutschen ZDF und dem österreichischen ORF betrieben wird. In den 1980er- und 1990er-Jahren erhielt die SRG zunehmend Konkurrenz durch private ausländische Fernsehsender.
1997 startete innerhalb der SRG der Kanal SF2, zwei Jahre später SFi (SFinfo).
Schweizer Fernsehen DRS – DRS steht für deutsche und rätoromanische Schweiz – erhielt am 5. Dezember 2005 den neuen Namen Schweizer Fernsehen (SF). 2007 machte SF mit dem Start des Kanals HD suisse einen Quantensprung punkto Qualität. HD suisse sendete in allen vier Landessprachen, bis der Kanal Ende 2012 eingestellt wurde. Grund dafür war, dass bereits anfangs 2012 SRF 1 und SRF zwei im HDTV-Betrieb ausgestrahlt wurden.
Bereits 2011 kam die Zusammenlegung von Schweizer Radio DRS und Schweizer Fernsehen zustande: So entstand das Unternehmen Schweizer Radio und Fernsehen (SRF).
Sendungen zu 70 Jahre Schweizer Fernsehen
- «Best-of 70 Jahre Schweizer Fernsehen»
Eine Reise durch 70 Jahre Schweizer Fernsehgeschichte in wenigen Minuten.
- «G&G Spezial»: 70 Jahre Schweizer Fernsehen – Weisch no?
- «Heidi Abel – Licht und Schatten einer TV-Pionierin»
SRF portraitiert in einem «DOK» die verstorbene «First Lady» des Schweizer Fernsehens.
- «Gipfelstürmer – Büssis 25 unvergessene Schweizer TV-Geschichten»
Comedian und Moderator Stefan Büsser präsentiert seine 25 unvergessenen Schweizer TV-Geschichten von damals bis heute.
70 Jahre Fernsehen in der Deutschschweiz im Rückblick – in paar Fakten
24'300 Sendetage
Seit dem Fernseh-Versuchsbetrieb im Juli 1953 bis Juli 2023 zählen wir rund 24'300 Sendetage. Umgerechnet sind das knapp 66 Jahre. Erst seit Ende März 2005 sendet SRF im 24-Stunden-Betrieb.
Bis zu 1,618 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer
1,618 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer – das ist die höchste jemals ausgewiesene Reichweite im TV der Deutschschweiz. Was so viele Menschen vor die Mattscheibe lockte? Das Fussball-WM-Spiel Brasilien gegen die Schweiz (1:1) am 17. Juni 2018 in Russland. Die Schweiz knöpfte der damaligen Weltnummer 2 Brasilien zum WM-Auftakt einen Punkt ab.
Die älteste Sendung
Am 29. August 1953 flimmerte die erste Schweizer «Tagesschau» als Versuchssendung über die Bildschirme. Der reguläre Sendebetrieb wurde 1958 aufgenommen - mit der ersten dreisprachigen Ausstrahlung in alle Landesteile. Zunächst und bis 1966 wurden die Beiträge aus dem Off gelesen, erst danach waren die Sprecher:innen im Bild zu sehen. Seit 1973 wird die Nachrichtensendung in Farbe gesendet. 2023 besteht die «Tagesschau»-Redaktion aus 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Unterstützt wird sie dabei von den Inland- und Ausland-Korrespondent:innen, dem Redaktionsteam im Bundeshaus und den Off-Sprecher:innen. Pro Tag wird etwa eine Stunde News produziert, verteilt auf vier Sendungen: um 12.45 Uhr, 18 Uhr, 19.30 Uhr sowie gegen Mitternacht.
3605 Mal das «Wort zum Sonntag»
Am 6. Juni 1954 wurde das «Wort zum Sonntag» erstmals ausgestrahlt. Anfänglich lief das Format noch sonntags, 1980 erhielt die vierminütige Sendung ihren aktuellen Sendeplatz zwischen «Tagesschau» und der Samstagabend-Unterhaltung. Nach der «Tagesschau» ist das «Wort zum Sonntag» das zweitälteste Fernsehformat in der Schweiz, das immer noch gesendet wird. Die Sendung versteht sich als christlicher Kommentar zum Zeitgeschehen.
35 Olympische Spiele aus 18 Ländern
Olympia ist ein fester Bestandteil im Sportprogramm der SRG. Bislang wurden 17 Sommer- und 18 Winterspiele aus- und übertragen. 1972 bei den Olympischen Winterspielen in Sapporo hatte die weltweite Direktübertragung in Farbe Premiere.
18 Fussball-Weltmeisterschaften der Männer live am TV
Die erste Direktübertragung eines Fussball-Länderspiels in der Schweiz wurde am 25. April 1954 gezeigt: Schweiz gegen Deutschland (3:5) in Basel. Diese Versuchsübertragung galt als Hauptprobe für die bevorstehende Fussball-WM in Bern. Knapp zwei Monate später, am 16. Juni 1954, wurde dann im Rahmen dieses Turniers das erste Länderspiel live übertragen.
An der Fussball-WM der Männer in Katar 2022 verfolgten bis zu 1,54 Millionen Menschen auf SRF zwei, wie sich die Schweizer Nati gegen Serbien für das Achtelfinal qualifizierte.
42 Mal Schweizer «Tatort»
Der «Tatort» ist die erfolgreichste Krimireihe im deutschsprachigen TV. Zahlreiche Kommissarinnen und Kommissare ermitteln in unterschiedlichsten Städten – auch in der Schweiz. 1989 beschloss das Schweizer Fernsehen in die Krimi-Reihe miteinzusteigen.
«Howalds Fall» aus dem Jahr 1990 war bis dato die teuerste eigene Produktion von SF; sie kostete 1,57 Millionen Schweizer Franken. Das Ende war ein Novum: Hauptkommissar Howald, gespielt von Mathias Gnädiger, entpuppte sich selbst als Täter und beging Selbstmord.
Bis Juli 2023 sind 42 Schweizer «Tatort»-Folgen produziert und ausgestrahlt worden.
100 Schweizer Filmschätze
Gute Unterhaltung – Spannung – Drama: Der Schweizer Film erzählt immer wieder neue und überraschende Geschichten. SRF fördert die Entwicklung und Produktion von Schweizer Filmen. Und nicht nur das: SRF räumt schweizerischen Produktionen, ob TV- oder Kinofilmen, viel Platz im Programm ein. Ausserdem ist SRF mit über 100 Klassikern Hüter des Schweizer Filmschatzes.
Seit 2000 produziert SRF Fernsehfilme für die Primetime. Über 80 Geschichten wurden bereits extra fürs Fernsehen hergestellt. Darunter sind Titel, die auch im Kino gezeigt wurden: «Die Herbstzeitlosen» oder «Sternenberg» gehören dazu. Insgesamt laufen bei SRF jährlich rund zwanzig Schweizer Spielfilme.
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