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Der Blick auf eine historische Karte liefert eine aufschlussreiche Erkenntnis: Die Schweiz ist für Amphibien zu trocken! Über 90% der Feuchtgebietsflächen sind zwischen 1850 und 2000 verloren gegangen (s. Publikationen). Feuchgebiete aller Art wurden drainiert und trockengelegt, oberirdische Fliessgewässer wurden verbaut, kanalisiert oder eingedolt, sodass heute nur noch ein Bruchteil der einstmals vorhandenen Amphibienlebensräume übrig geblieben sind. Die noch bestehenden Feuchtgebiete haben oft an Qualität eingebüsst und sind gleichzeitig auch stark fragmentiert.
Ein Vergleich eines Kartenausschnittes um die vorletzte Jahrhundertwende (Karte links [Siegfriedkarte, 1870-1926]) mit einem aktuellen Kartenausschnitt (Karte rechts) zeigt, dass der Lebensraum Feuchtgebiete dramatisch zurückgegangen ist. (© Swisstopo)
Mit zeitlicher Verzögerung hat dieser Rückgang der Lebensräume gravierende Auswirkungen auf ihre Bewohner, u.a. die Amphibien: 70% der einheimischen Arten sind auf der Roten Liste zu finden. Bei manchen Arten sind in den letzten 30 Jahren über die Hälfte der Vorkommen verschwunden.
Ein Fünftel der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche (und ein Drittel der Fruchtfolgeflächen) sind drainiert1. Sogar die Wälder in den Tallagen sind mit Abzugsräben zur Steigerung der Holzproduktion durchsetzt.
Verlust der Feuchtgebiete als Zeitreise erleben
Hier können Veränderungen in der Landschaft im Laufe des letzten Jahrhunderts miterlebt werden:
Amphibien brauchen mehr Gewässer!
Die Neuschaffung und Aufwertung von Feuchtgebieten und Gewässern hat demzufolge eine Schlüsselbedeutung im Amphibienschutz: Es braucht wieder einen Gewässerverbund aus Weihern, Tümpeln, Gräben, überfluteten Flächen und oberirdischen, naturnahen Fliessgewässern. Amphibien sind nicht auf einen einzigen Lebensraumtyp begrenzt, sondern kommen natürlicherweise überall dort vor, wo geeignete, fischfreie Gewässer vorhanden sind: in Gräben und Tümpeln im feuchten Wald, auf überschwemmten Wiesenbereichen, im Gartenteich im Siedlungsraum, im naturnahen Waldbach, auf Alpweiden, in offen geführten Entwässerungsgräben von Verkehrswegen, in Grubengewässern. Das langfristige Ziel zur Amphibienförderung ist, einen Verbund aus Gewässern zu schaffen, in welchem durchschnittlich alle 250 m ein Gewässer liegt. Dadurch sollen Trittsteine und neue Quellpopulationen entstehen und die Vernetzung zwischen Populationen gefördert werden.
Artspezifische Fördermöglichkeiten für die am stärksten gefährdeten Arten finden Sie hier: Praxismerkblätter