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Sonntag, 28. Oktober 2012, 17:00 Uhr
Elisabeth Hofer und Ursula Oelke.
‹souvenirs de voyage›. auf Klavier zu vier Händen
Eine musikalische Entdeckungsreise, ausgehend von Brahms‘ „Ungarischen Tänzen“ über Florent Schmitt, Sigfrid Karg-Elert, Adolph Jensen und Fanny Hensel-Mendelssohn, bis an die Ufer neuer Welten: Claude Debussy und Samuel Barber.
Elisabeth Hofer erwarb ihr Konzertdiplom bei Hans-Jürg Strub an der Musikhochschule Winterthur Zürich.
Ursula Oelke erwarb ihr Lehr- und Konzertreifediplom bei Verena Schaller-Pfenninger an der Musikhochschule Zürich. Sie arbeitet auch als freischaffende Sängerin und Gesangspädagogin an der Kantonsschule am Burggraben.
Die beiden Pianistinnen verbindet ihre Arbeit als freischaffende Pianistinnen und als Musikpädagoginnen an der Kantonsschule am Burggraben St. Gallen.
Programm:
Johannes Brahms (1833-1897) „Ungarische Tänze“: eine Auswahl
Florent Schmitt (1870-1958): aus „Feuillets de voyage“ op. 26
Sigfrid Karg-Elert (1877-1933): aus „Drei Walzer-Capricen“ op. 16
Claude Debussy (1862-1918): „Marche écossaise“ sur un Thème populaire
Fanny Hensel-Mendelssohn (1805-1847): aus „Vier Stücke für Klavier zu vier Händen“
Samuel Barber (1919-1981): aus „Souvenirs“ op. 28
Adolph Jensen (1837-1879): „Dolce far niente“ aus „Silhouetten“ op. 62
Aimez-vous Brahms?
Dann lassen sie sich mitreissen von seinen Ungarischen Tänzen, diesem Werk voll glühender Leidenschaft, ausgelassener Vitalität und melancholisch-düsterer Klangwelt. Brahms selbst war zeitlebens fasziniert von der Ausdruckskraft der sogenannten „Zigeunermusik“. Seit seiner Jugend sammelte er Zigeunerweisen, erfand eigene dazu, spielte, veränderte, bis er sie schliesslich zu Papier brachte und 1869 in einem ersten und 1880 in einem zweiten Band für Klavier vierhändig herausgab. Nie hat Brahms diese Tänze für seine eigenen Erfindungen ausgegeben, sondern ausdrücklich die Bezeichnung „gesetzt von Johannes Brahms“ gefordert. Sie hielten Einzug in die Stuben des gebildeten Bürgertums, wo zu dieser Zeit viel vierhändig musiziert wurde. So machten die Ungarischen Tänze Brahms in diesen Kreisen bekannt und verhalfen ihm – nicht zuletzt auch durch die spätere Orchesterfassung – zum Durchbruch.
Die Pianistinnen Elisabeth Hofer und Ursula Oelke stellen diesem populären Werk bewusst unbekanntere Kompositionen gegenüber. Es erklingen die „Feuillets de voyage“ von Florent Schmitt (1870-1958), einem führenden Komponisten Frankreichs in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts, der – in seiner Jugend beeinflusst durch Chopins Klavierwerke und während der Studienzeit durch Franck, Chabrier und Fauré – zu einer ganz persönlichen Musiksprache fand. Seine Reiselust begleitete ihn durch sein Leben, die „Feuillets de voyage“ sind eine Sammlung reizender kurzer Stücke, deren Charakter von zarten Emotionen über stürmische Freude bis hin zu burleskem Schalk reicht.
Sigfrid Karg-Elert (1877-1933) war „eine ganz aufrechte, impulsive und offene Künstlernatur, ohne die Fähigkeit, sich in das einzufügen, was man Verbindlichkeit nennt,… er gab sich, wie er war und fühlte, sich nicht darum kümmernd, ob er gerade auch bei tonangebenden Männern anstiess oder nicht.“ So äusserte sich ein Freund über den Komponisten. Karg-Elert hatte ein zu kühnem Experimentieren und unabhängigem Schaffen drängendes Naturell. Sein Stil lässt sich als spätromantisch mit impressionistischen und expressionistischen Einschlägen charakterisieren. Karg-Elert war Kosmopolit, was seinem Erfolg im aufkeimenden Klima des Nationalsozialismus schadete. So meinte der Komponist: „O, was mir die Freundschaft und Sympathie zu England, Frankreich und Italien schon oft geschadet hat, man wird sofort als Jude, Verräter und Bolschewik abgestempelt – es ist schlimm.“ Seine „Drei Walzer-Capricen“ op. 16, entstanden um 1900, offenbaren harmonischen Einfallsreichtum und konzertante Grosszügigkeit.
Karg-Elert setzte sich begeistert, jedoch nicht unkritisch, für Neues ein, besonders für Reger, Schönberg und Debussy (1862-1918), von dem der eher unbekannte „Marche écossaise“ zu hören sein wird. Seine Entstehungsgeschichte ist speziell: 1890 trifft Debussy den schottischen General Meredith Read in der Künstlerbar „Austin“ in Paris. Dieser trägt ihm eine traditionelle Dudelsackmelodie vor mit der Bitte, auf ihrer Grundlage einen Marsch auszuarbeiten. Debussy fühlt sich von der schottischen Weise inspiriert; es gelingt ihm ein farbenreiches Vortragsstück für Klavier zu vier Händen, das er später auch für Orchester instrumentiert.
„Die Musik wird für Felix vielleicht zum Beruf, während sie für Dich stets nur Zierde, niemals Grundbasis Deines Seins und Tuns werden kann und soll…“, schrieb der Bankier Abraham Meldelssohn an seine 14-jährige Tochter Fanny Mendelssohn (1805-1847). Dennoch erhielt sie anfänglich den gleichen Musikunterricht wie ihr Bruder Felix. Die wenigen Reisen, die Fanny unternehmen durfte, waren Lichtpunkte in ihrem Leben. In ihren geistvollen Briefen verleiht sie ihrer grossen Begeisterung darüber Ausdruck. Die „vier Klavierstücke für Klavier zu vier Händen“ sind zwar undatiert, verweisen aber durch ihre kompositorische Dichte und den ausgereiften Klaviersatz eher auf ein späteres Entstehungsjahr.
Samuel Barber (1919-1981) hat in seiner neoromantischen, lyrischen und gleichermassen dramatischen Musiksprache die tonale Harmonik und die traditionellen Strukturen kaum verlassen und sich völlig eigenständig zwischen den Strömungen des US-amerikanischen Musiklebens bewegt. „Man sagt, ich hätte überhaupt keinen Stil, doch das macht nichts. Ich schreibe, was ich fühle. Ich werde meine Sache genau so weitermachen. Und dazu brauche ich, wie ich glaube, einen gewissen Mut.“
Barber schrieb den Zyklus „Souvenirs“ 1951 für Klavier zu vier Händen für sich und seinen Freund Charles Turner, um ihre Freunde zu unterhalten. Ein Jahr später transkribierte er das Stück für Klavier solo und als Ballettmusik für Orchester.
Woran Adolf Jensen (1837-1879) beim Komponieren seines Stücks „Dolce far niente“ gedacht haben mag, bleibt unserer Fantasie überlassen. Jensens Kompositionen zeichnen sich durch eine romantische Sensitivität und ein überaus poetisches Empfinden aus, wodurch sie sich – gerade bei den „höheren Töchtern“ grosser Beliebtheit erfreuten. Gelegentlich wird Jensen in die Nähe der Salonmusik gerückt. Wenn schon, unter diesem Titel darf’s durchaus ein bisschen süsslich zu und her gehen – oder nicht?
Elisabeth Hofer erwarb ihr Konzertdiplom bei Hans-Jürg Strub an der Musikhochschule Winterthur Zürich. Sie lebt in St. Gallen und arbeitet als freischaffende Pianistin und als Klavierpädagogin an der Kantonsschule am Burggraben St. Gallen.
Ursula Oelke erwarb ihr Lehr- und Konzertreifediplom bei Verena Schaller-Pfenninger an der Musikhochschule Zürich. Sie lebt in St. Gallen und arbeitet als freischaffende Sängerin und Pianistin sowie als Klavier- und Gesangspädagogin an der Kantonsschule am Burggraben St. Gallen.
Informationen
CHF 30.- / 25.
CHF 20.- (in Ausbildung, ab 12)
Buffet mit Suppen, Salaten,
Fleisch und vegetarisch:
CHF 33.-