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Ein durchschnittliches Paar mit zwei Kindern ist beim Erreichen des Rentenalters um gut CHF 1 Mio. schlechter gestellt als ein Paar mit demselben Einkommen ohne Kinder.
Ein durchschnittliches Paar mit zwei Kindern ist beim Erreichen des Rentenalters um gut CHF 1 Mio. schlechter gestellt als ein Paar mit demselben Einkommen ohne Kinder.
Durch Teilzeitarbeit, Babypausen und geringere Löhne werden die berufliche Vorsorge von Frauen stark geschmälert. Negativzinsen und Demografie sorgten dafür, dass die Pensionskassenrenten 2019 insgesamt geringer ausfielen als im Jahr 2017.
Am Montag, dem 03. Mai2021 veröffentlichte das Bundesamt für Statistik (BfS) die Neurentenstatistik für das Jahr 2019. Diese zeigt, dass bei den Leistungen aus der beruflichen Vorsorge die Unterschiede zwischen Männern und Frauen erheblich sind. Ausserdem belegt sie, dass die Neurenten im Vergleich zu zwei Jahren zuvor geringer ausgefallen sind.
Höhere Kapitalbezüge bei Männern
Eine neue Altersrente lag bei Frauen 2019 bei CHF 1’160.00 pro Monat. Bei Männern hingegen waren es CHF 2’144.00. Der Median bedeutet, dass die eine Hälfte der Renten grösser, die andere kleiner ist als dieser. Auch bei den Kapitalbezügen war der Medianbetrag bei den Männern deutlich höher als bei den Frauen, mit CHF 142’000.00 zu CHF 59’000.00.
Die Tatsache, dass die Pensionskassenrenten für beide Geschlechter im Vergleich mit 2017 niedriger liegen, sorgt für eine zusätzliche Problematik. Dieses Problem hat mit den Kürzungen der Pensionskassen zu tun, mit denen diese auf die niedrigen Zinsen und die demografische Entwicklung reagieren. Im Jahr 2017 hatte eine neue ausbezahlte Altersrente im Zentralwert für Frauen CHF 1’221.00 und für Männer CHF 2’301.00 betragen.
Unterschiedliche Erwerbsbiografien
Die Hauptursache für die grossen Unterschiede ist in den unterschiedlichen Erwerbsbiografien zu finden. Veronica Weisser und Jackie Bauer von der Grossbank UBS sagen, der Grund, warum Frauen im Durchschnitt bei Erreichen des Rentenalters nur etwa halb so hohe Pensionskassenrenten erhalten wie Männer erkläre sich primär dadurch, dass ihre Arbeit während der Erziehungsphase aus finanzieller Sicht lediglich dem Staat zugutekomme.
Frauen arbeiten häufiger Teilzeit und unterbrechen ihre Berufstätigkeit häufiger, vor allem, wenn sie Mutter geworden sind. Dies zeigen auch Daten des BfS.
Ein geringeres berufliches Pensum hat schnell Auswirkungen auf die Vorsorgeleistungen. Mit einem geringeren Pensum ist es schwierig, Vermögen in der zweiten Säule zu bilden. Auch der sogenannte Koordinationsabzug und die Eintrittsschwelle spielen bei der beruflichen Vorsorge eine unrühmliche Rolle. Um in der beruflichen Vorsorge versichert zu sein, liegt der minimale Jahreslohn bei CHF 21’510.00. Der Koordinationsabzug beträgt derweil CHF 25’095.00 und wird vom anrechenbaren Lohn, der alle Gehaltsbestandteile umfasst, abgezogen.
Wenn also jemand im Jahr 2021 insgesamt CHF 70’000.00 verdient, bleibt nach der Abrechnung des Koordinationsabzugs nur noch ein in der zweiten Säule versicherter Lohn von CHF 44’905.00 übrig. Bei einem Pensum von 50% sind es nur noch CHF 9,905.00. Durch das fallen die Leistungen der Pensionskasse deutlich geringer aus.
Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen sind ausserdem ein Faktor für die geringeren Leistungen aus der beruflichen Vorsorge. Das BfS erwähnt relativierend, dass die meisten Bezügerinnen und Bezüger von Leistungen aus der beruflichen Vorsorge verheiratet seien. Es sei also davon auszugehen, dass die zu Verfügung stehenden Mittel zwischen den Geschlechtern wesentlich ausgeglichener verteilt sein dürften, als die individuell ausbezahlten Beiträge.
Einkommensreduktion als grösster Kostenpunkt
Ein durchschnittliches Paar mit zwei Kindern ist beim Erreichen des Rentenalters um gut CHF 1 Mio. schlechter gestellt als ein Paar mit demselben Einkommen ohne Kinder. Dies habe eine Studie vom vergangenen Jahr gezeigt, wie Weisser und Bauer sagen. Der grösste Kostenpunkt für Eltern sei normalerweise die Reduktion des Erwerbseinkommens aufgrund der Betreuung und entschleunigter Karrieren, was sich auch direkt auf die berufliche Vorsorge niederschlage. Mütter treffe es ausserdem stärker als Väter, vor allem dann, wenn es zu einer Scheidung komme und der Karriereverlauf der Frau stark eingeknickt sei.
Valérie Müller, Senior Researcher beim Think Tank Avenir Suisse sagt, die heutige Rentendifferenz spiegle die Lebensgestaltung von Frauen und Männern wider, die in den 1960ern und 1970ern in das Erwerbsleben eintraten und sage deshalb wenig über die Situation der zukünftigen Rentnerinnen aus. Die Familienmodelle hätten sich aber in der vergangenen Zeit gewandelt. Die Erwerbsquote der Frauen sei in den letzten drei Jahrzehnten von 68% auf 80% gestiegen und habe sich fast an diese der Männer angeglichen, welche bei 88% liegt. Zudem wurden verschiedene Anpassungen am Rentensystem vorgenommen. Diese dienen der Reduktion der geschlechterspezifischen Differenz. Ein Beispiel sei die Einführung des Vorsorgeausgleichs in der zweiten Säule, wie Müller sagt. Es arbeiten aber immer noch deutlich mehr Frauen in tieferen Pensen als Männer. Es sei also nicht davon auszugehen, dass sich die Lücke allzu schnell ganz schliesse.
Die grössten Hürden sehen Weisser und Bauer in der Angleichung des Rentenalters für Männer und Frauen. Auch die Findung einer Lösung für die Problematik, dass aufgrund der hohen Kinderbetreuungskosten die Erwerbstätigkeit für einen grossen Anteil der Mütter sich finanziell nicht lohne oder nur zu einem reduzierten Pensum ausgeübt werde, könnte schwierig werden.
Was können Teilzeitbeschäftigte tun?
Derweil haben Frauen bei der AHV Vorteile gegenüber Männern. An einem Anlass Ende 2018 teilte die UBS mit, dass Männer rund zwei Drittel der Beiträge an die AHV bezahlen, Frauen nur einen Drittel. Frauen beziehen aber 56% des Volumens der gezahlten Renten. Dies hängt mit der höheren Lebenserwartung von Frauen zusammen.
Trotzdem rät Müller, sich lieber früher als später mit der eigenen Altersvorsorge auseinander zu setzen. Dadurch könne auch das Vermeiden von Vorsorgelücken und das private Sparen in der Säule 3a einen bedeutenden Einfluss auf die Höhe der Rente haben. Eine Studie der Credit Suisse zeige, dass Frauen weniger oft in die Säule 3a einzahlen als Männer. Ein Grossteil der jungen, ledigen Frauen mit hohen Arbeitspensen und ausreichenden finanziellen Mitteln verzichten auf den Aufbau eines Altersguthabens in der Säule 3a, auch wenn sie sich kleine regelmässige Einzahlungen leisten könnten, sagt Müller.
Frauen, welche Kinder haben und nur mit tiefem Lohn oder gar nicht arbeiten, sollten sicherstellen, dass sie zumindest durch die Ehe etwas besser versichert seien, raten Weisser und Bauer. Ausserdem sollten Mütter soweit wie möglich versuchen, ihre Erwerbskarrieren intakt zu halten und möglichst rasch mit möglichst hohem Pensum wieder in den Arbeitsmarkt eintreten. Die Möglichkeit, den Lebensstandard bewusst zu reduzieren, um tiefere Kosten zu haben und entsprechend mehr sparen zu können, sei auch eine gute Möglichkeit. Ausserdem solle man gut auf die Gesundheit achten, um möglicherweise länger zu arbeiten.
Kategorie
News
Publiziert am
10.05.2021
Hashtag
#diewirtschaftsfrau #politik