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Ein Buch und ein Spielfilm zum Verhältnis der zwei Päpste
Ende November erscheint beim Streaming-Anbieter Netflix der Spielfilm «Die zwei Päpste». Dazu gibt es jetzt auch ein gleichnamiges Sachbuch aus dem Zürcher Verlag Diogenes. Verfasser ist der irischstämmmige Neuseeländer Anthony McCarten, der als Theaterschriftsteller und Drehbuchautor bekannt wurde und im Vorjahr mit dem Drehbuch für den Musikfilm «Bohemian Rhapsody» einen weltweiten Erfolg hatte. McCarten beschreibt in «Die zwei Päpste», wie 2005 Joseph Ratzinger zum Papst gewählt wurde und warum der damals zweitplatzierte argentinische Kardinal Jorge Mario Bergoglio acht Jahre später als Sieger aus dem Konklave hervorging. Das Buch stützt sich überwiegend auf bekannte Sekundärliteratur, bietet aber einige neue Thesen zu der kirchengeschichtlich einmaligen Situation des friedlichen Nebeneinanders zwischen einem amtierenden und einem freiwillig abgedankten Papst.
Zum überraschenden Rücktritt von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2013 äussert McCarten die Vermutung, dass der Entschluss bereits im Jahr 2010 gereift sei. Damals geriet der deutsche Papst ins Zentrum von Beschuldigungen, als Erzbischof von München und Freising (1977–1981) einen Priester in der Seelsorge eingesetzt zu haben, der zuvor sexuellen Missbrauch begangen hatte. Dieser Druck sowie mehrere Erfahrungen des Überfordertseins hätten den früheren Theologieprofessor zum Rücktritt bewegt.
McCartens Thesen zu Papst Franziskus kreisen um das Bekenntnis des Argentiniers, dass er ein Sünder sei. Diese Sünden verortet das Buch im umstrittenen Verhalten des damaligen Jesuitenoberen Bergoglio während der argentinischen Militärdiktatur (1976–1983). Wie viele Kirchenführer habe er damals «zwar niemanden getötet, aber auch niemanden gerettet». Carten stellt die Frage, «wie jemand mit einer solch wechselvollen Vergangenheit es schafft, ins höchste Amt der katholischen Kirche nachzurücken». Den Schlüssel sieht McCarten in der zweijährigen «Busszeit» in Cordoba (1990–1992), die Bergoglio nach seiner Absetzung als Jesuitenprovinzial als Beichtvater und einfacher Geistlicher verbrachte. Diese persönliche Krisenzeit, die in den meisten Bergoglio-Biografien ein dunkler Fleck ist, brachte aus Sicht des Autors die Wende, die den Geläuterten später befähigte, Erzbischof, Kardinal und schliesslich Papst zu werden.
Dass Bergoglio im Konklave 2013 gewählt wurde, war letztlich, so eine weitere Spekulation McCartens, ein Wunsch von Benedikt XVI. Dieser konnte mit seinem Rücktritt gewissermassen die andere, für Veränderungen offene Seite seiner eigenen, ambivalenten Persönlichkeit durch Bergoglio zum Zuge kommen lassen. Im Film «Die zwei Päpste» bringt Benedikt XVI. dies mit den Worten auf den Punkt: «Ich wollte in meinem Nachfolger die Korrektur meiner selbst erleben.» kath.ch