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Die Uhr befindet sich in Privatbesitz und tut seinen Dienst, als wären die vergangenen 250 Jahre gar nie geschehen.
Diese Uhr hat einen prismatischen Werkaufbau mit typischem Messingkäfig und gedrehten Säulen. Das Werk ist ausgestattet mit einem Langpendel und Ankergang, sowie einem Rechenschlagwerk für die Stunde und dem Halbstundenschlag „en passant“ auf eine Glocke.
„En passant“ bedeutet, dass die Auslösung der Schlagfunktion über ein zwölf-zackiges Sternenrad erfolgt, welches meistens und in diesem Falle mit dem Stundenrad der Uhr verbunden ist.
Dieses System war in England in Form des sogenannten stündlichen „Signalschlages“ weit verbreitet.
Das von dekorativem, Bronze-Guss eingefasste, massive Emaille-Zifferblatt mit römischen und arabischen Ziffern ist von ausserordentlicher Schönheit. Es hat zweifellos die Qualität grosser französischer Meister jener Zeit.
Gangdauer: 30 Stunden
Werkhöhe: 39 cm; total: 109 cm
Die Geschichte der Zeitmessung beschreibt den grossen Schritt des Menschen in eine neue Dimension. Diese Entwicklung ist unweigerlich verbunden mit der Entstehung der Uhrzeit-Anzeige, um die Zeit lesbar zu machen. Uhrwerk-Konstruktionen für mechanische Zeitmesser und Grossuhren wurden jedoch erst viel später für den täglichen Gebrauch nutzbar. Das Uhrmacherhandwerk ist über Jahrhunderte von Entwicklungsstufen aus dem Schmiedeberuf heraus entstanden.
Die Zeitmessung ohne Uhr
Die Erdrotation ist verantwortlich, damit die Sonne, von der Erde aus sichtbar, auf-und untergeht. Tag für Tag. Diesen von der Natur aus vorgegebenen Rhythmus bestimmt seither die Entwicklung und das tägliche Tun von Millionen von Organismen und Lebewesen auf diesem Planeten.
Warum wollte aber der Mensch die Zeit messen? War es ein Drang oder eher eine Leidenschaft, sich in der Zeit, sowohl tags wie nachts, genau zurechtzufinden?
Vor ungefähr 12'000 Jahren ging die letzte grosse (quartäre) Eiszeit „Würm“ zu Ende. Die Natur vermochte sich ob der neuen klimatischen Verhältnisse zu entfalten. Den Eisfeldern folgten Wiesen und die Wälder dehnten sich aus.
Doch der Mensch auf dem europäischen Kontinent hauste immer noch in Höhlen, während in Sumer, zwischen Euphrat und Tigris, bereits die ersten Künstler ihre literarischen Werke signierten.
Die grosse klimatische Veränderung der Jungsteinzeit setzte den Menschen in eine neue Umwelt. Eine durch die Jahreszeiten bestimmte Form von wechselnden und wiederkehrenden klimatischen Zuständen zwang den Menschen zu einer tiefgreifenden Veränderung. In diesem neuen Raum entstand die Zeit. Und der Mensch begann sie zu messen.
In der vorwiegend ackerbauenden Gesellschaft musste der Bauer die Zeit der Saat und die Zeit der Ernte bestimmen. Die kurze Zeitspanne vom Morgengrauen bis zur Abenddämmerung wird von der Sonne bestimmt. Der Mond mit seinen Phasen von abwechselnd 29 und 30 Tagen unterteilt die Zeit in Monate. Die Umdrehung der Erde lässt uns die vier Jahreszeiten spüren. Durch die Wahrnehmung und die intensive Beobachtung dieser Naturgesetze und Regelmässigkeiten entstanden die ersten Kalender. Die ältesten wurden erst vor etwa 100 Jahren im Gebiet des Sumer entdeckt.
Der Kalender kann rückblickend als das erste Instrument der Zeitmessung bezeichnet werden. Diese ersten, vor 6'000 Jahren von der Sumerern benutzten Kalender teilten die Monate in 30 Tage und das Jahr in 12 Monate ein. Doch der Mondmonat hat eine Schwankungsbreite von bis zu 14 Stunden. Diese Tatsache verunmöglichte, einen genauen Kalender zu betreiben, welcher auf Jahre hinaus mit den Jahreszeiten übereinstimmte. Zwölf Mondumlaufzeiten machen kein ganzes Jahr aus, es fehlen 10,875 Tage.
Der über Jahrzehnte gemittelte mittlere Mondmonat (synodische Monat) als Durchschnittswert beträgt derzeit: 29,530589 d (29 Tage, 12 Stunden, 44 Minuten, 2,9 Sekunden).
Die Reformation des Julianischen Kalenders durch Papst Gregor XIII. im Jahre 1582 setzte die bis heute noch geltenden Regeln:
Das Jahr des Gregorianischen Kalenders hat zwölf Monate zu dreissig und einunddreissig Tagen, ausser dem Februar, der nur achtundzwanzig hat. Das ergibt 365 Tage. In allen durch vier teilbaren Jahren wird dem Februar ein zusätzlicher Tag eingeschoben, so dass ein Schaltjahr 366 Tage zählt. Um die jahreszeitlichen Schwankungen auszugleichen, hat der August einunddreissig statt dreissig Tage, wobei dieser zusätzliche Tag dem Februar genommen wird und – nur alle jene Jahrhundertjahre sind Schaltjahre, die durch vierhundert teilbar sind, die übrigen haben 365 Tage.
Dieser sozusagen aus der Antike stammende Kalender behält, wie schon erwähnt, auch im beginnenden 21. Jahrhundert noch seine Gültigkeit!
QUELLE: DIE GESCHICHTE DER ZEITMESSUNG (G.BAILLOD/F.RAUSSER) 1979