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«Das wir uns alle gern haben, reicht nicht»
Opern werden meist nur in den grossen Schweizer Städten aufgeführt. Ausserdem sind sie sehr teuer und dauern nicht selten bis zu vier Stunden», erklärt Erwin Heusser. Daran wollte er etwas ändern. Im Musicalverein Mutschellen lernte Heusser Monica Angelini kennen. 2001 Gründeten die beiden die Gruppe «Opera brevis» und führten mit ihr ein Jahr später in Würenlos eine Kurzfassung von «Carmen» auf. «Die Produktion fand so grossen Anklang, dass wir nach drei Jahren beschlossen, sie erneut auf die Bühne des reformierten Kirchgemeindehauses in Wettingen zu bringen. Allerdings in einem grösseren Rahmen», berichtet Heusser.
Man engagierte abermals die professionelle Regisseurin und Choreographin Rose Kaegi. Auch das Ensemble, bestehend aus Mitgliedern des Musicalvereins,wurde grösstenteils beibehalten und um Bekannte aus Angelinis und Heussers Umfeld erweitert.Entstanden ist eine Produktion, die in Wettingen aufgeführt wird, deren Eintrittspreis 35 Franken beträgt und die inklusive Pause zwei Stunden dauert. Letzteres wird dadurch möglich, dass nur die Höhepunkte aus Georges Bizets dreieinhalbstündiger Oper gezeigt werden. Eine Sprecherin fasst das Geschehen dazwischen zusammen: Sie erzählt von der Zigeunerin Carmen, die aus einer Laune heraus den jungen Soldaten Don Jose verführt. Dieser gibt für Carmen alles auf, sogar seine Jugendfreundin Micaela, und folgt ihr ins Schmugglerleben. Doch bereits nach kurzer Zeit hat die temperamentvolle Carmen genug von Don Jose und verspricht ihre Liebe dem Torero Escamillo. In Jose entbrennt die Eifersucht.
Erfahrene Stimmen
Die vier Hauptrollen sind mit erfahrenen Stimmen besetzt: Daniel Zihlmann, in der Rolle des Don Jose, ist hauptberuflicher Sänger. Monica Angelini, die Carmen, tritt neben ihrer Primarlehrerinnen-Tätigkeit regelmässig als Vokalistin auf. Erwin Heusser, der den Part des Escamillo spielt, ist Gymnasiallehrer für SoIogesang, Klavier und Musik in Zürich. Die Sopranistin Annelies Anderegg, sie verkörpert die Rolle der Micaela, war zehn Jahre lang Solo- Sängerin bei der Swissair-Musik. Der 16-köpfige Chor besteht zum grössten Teil aus Amateuren. «Ich versuche ihre Bühnenpräsenz und körperliche Spannung zu verbessern», sagt Rose Kaegi «Wenn sie etwas falsch machen, so sollen sie dies wenigstens mit Inbrunst tun», sagt sie. Und: «Ich will eine von Laien aufgeführte Profidarstellung.»
Hundertprozentig dabei
Die Regisseurin und Choreographin, die auch für das Bühnenbild und die Kostüme verantwortlich ist, schätzt die Arbeit mit den Leuten von «Opera brevis»: «Sie sind hundertprozentig dabei.» Veronika Huber, Mitglied des Ensembles, ergänzt: «Es ist niemand nur auf der Bühne, alle habe noch irgendeine andere Aufgabe.» Sie selbst stellt die Eintrittsbillette her. «Natürlich muss bei diesem Projekt auch derfinanzielle Aspekt stimmen», sagt Rose Kaegi, und fügt mit einem schelmischen Lächeln an: «Es reicht nicht, dass wir uns alle gern haben.» Das Budget der Produktion beträgt 26 000 Franken und soll durch den Erlös aus den Eintritten sowie durch Sponsorenbeiträge gedeckt werden können. Die drei Monate zwischen der ersten und der letzten Probe seien eine intensive Zeit, stellt Monica Angelini fest. «Erfahrungsgemäss gibt es bei solchen Produktionen zwei Momente, die nie fehlen: Zu Beginn der Proben denkt man: Das schaffen wir nie rechtzeitig. Kurz vor der Premiere kommt man dann an den Punkt, wo man genug vom Ueben hat und die Produktion endlich aufführen möchte.» Die erste Markierung haben die Mitglieder von «Opera brevis» bereits erreicht. An der zweiten dürften sie spätestens nach den beiden intensiven Probewochenenden vor der Premiere angelangt sein.