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Projekt Beschreibung
2010 – Heinrich-Freese-Seminar (Bremen)
Themen: Vertragsanbahnung, Vertragsgestaltung und Vertragsbeendigung
Donnerstag, 7. bis Samstag, 9. Januar 2010 in Bremen
Das Heinrich-Freese-Seminar (Bremen) steht in der Tradition unserer hochschulübergreifenden Seminare, es ist diesmal den Themen Vertragsanbahnung, Vertragsgestaltung und Vertragsbeendigung gewidmet. Dabei wollen wir den Menschen nicht vergessen.
Alle Warenumsatzgeschäfte und Dienstleistungen und damit letztlich jeder menschliche Wohlstand beruhen auf Verträgen. Arbeitsteilige Arbeit wird durch vertragliche Abreden erst denkbar. Der Waren- und Dienstleistungsaustausch sowie eine weitgehende Arbeitsteilung sind Grundlage menschlicher Kultur und Zivilisation. Adam Smith entwickelte als erster den Gedanken einer Potenzierung der Reichtumsproduktion durch arbeitsteilige Spezialisierung. Er erörtert dieses am „Recht unscheinbaren Gewerbe der Stecknadelherstellung“ (Adam Smith, Der Wohlstand der Nationen, München, 1978, S. 9 f.):
„…wie die Herstellung von Stecknadeln heute betrieben wird, ist nicht nur als Ganzes ein selbständiges Gewerbe. Sie zerfällt vielmehr in eine Reihe getrennter Arbeitsgänge, die zumeist zur fachlichen Spezialisierung geführt haben. Der eine Arbeiter zieht den Draht, der andere streckt ihn, ein Dritter schneidet ihn, ein Vierter spitzt ihn zu, ein Fünfter schleift das obere Ende, damit der Kopf aufgesetzt werden kann. Auch die Herstellung des Kopfes erfordert zwei oder drei getrennte Arbeitsgänge. Das Ansetzen des Kopfes ist eine eigene Tätigkeit, ebenso das Weißglühen der Nadel, ja, selbst das Verpacken der Nadeln ist eine Arbeit für sich. Um Stecknadeln anzufertigen, sind so etwa achtzehn verschiedene Arbeitsgänge notwendig, die in einigen Fabriken jeweils verschiedene Arbeiter besorgen, während in anderen ein einzelner zwei oder drei davon ausführt. Ich selbst habe eine kleine Manufaktur dieser Art gesehen, in der nur zehn Leute beschäftigt waren … Obwohl sie nun sehr arm und nur recht und schlecht mit dem nötigen Werkzeug ausgerüstet waren, konnten sie am Tag doch etwa zwölf Pfund Stecknadeln anfertigen … täglich etwa 48000 Nadeln … jeder also ungefähr 4800 Stück. Hätten sie indes alle einzeln und unabhängig voneinander gearbeitet, noch dazu ohne besondere Ausbildung, so hätte der einzelne gewiss nicht einmal zwanzig, vielleicht sogar keine einzige Nadel am Tag zustande gebracht.“
Tausch, Handel, Markt und Arbeitsteilung sind für Adam Smith anthropologisch begründete Merkmale des Menschen. Smith macht dieses an den Fähigkeiten einzelner Hunderassen deutlich: der Schnelligkeit des Windhundes, der Gelehrigkeit des Schäferhundes, dem Spürsinn des Jagdhundes.
„Da ihnen die Fähigkeit oder Neigung zum Handeln und tauschen fehlt, können Talente oder Anlagen der verschiedenen Hunderassen sich weder gegenseitig ergänzen, noch im Geringsten das Leben der Gattung verbessern helfen. Jedes Tier bleibt, allein und auf sich gestellt, darauf angewiesen, sich am Leben zu erhalten und zu verteidigen, und es kann keinerlei Vorteile aus der Vielfalt der Talente ziehen, mit der die Natur seine Artgenossen ausgestattet hat. Im Gegensatz hierzu nützen unter Menschen die unterschiedlichsten Begabungen einander. Die weithin verbreitete Neigung zum Handel und Tauschen erlaubt es ihnen, die Erträge jeglicher Begabung gleichsam zu einem gemeinsamen Fonds zu vereinen, von dem jeder nach seinem Bedarf das kaufen kann, was wiederum andere aufgrund ihres Talents hergestellt haben.“ (Adam Smith, a.a.O., S. 18 f.)
Die Menschheit hat zwischenzeitlich eine globale Arbeitsteilung in einem weltweiten Markt erarbeitet. Kaum ein „zivilisierter Mensch“ ist allein noch überlebensfähig. Grundlage dieser Welt des Handels sind unzählige vertragliche Beziehungen, die dem Austausch zugrunde liegen. Vertragsautonomie stellt ein Naturrecht des Menschen dar. Er ist auf Austausch angewiesen, um sich zu erhalten und zu entfalten. Arbeitsteilung wirkt befördernd auf jede menschliche Zivilisation. Unser heutiges Gesundheitswesen, Freiräume für Kunst und Wissenschaft, umfassende Ausbildungsmöglichkeiten, zuverlässige Nahrungsmittelversorgung etc. wären ohne differenzierte Arbeitsteilung nicht möglich. Damit der Mensch sich frei entfalten kann, ist Vertragsautonomie unverzichtbar. In diese Vertragsautonomie darf eine staatliche Gemeinschaft nur aus rechtfertigenden Gründen rechtmäßig eingreifen. Dies jedoch stets mit der gebotenen Zurückhaltung, um vorstaatliches, natürliches Recht nicht zu beeinträchtigen. Ich möchte es vergleichen mit einem Eingriff in die körperliche Unversehrtheit, der im Rahmen einer staatlich verordneten Pflichtimpfung gerechtfertigt sein kann, um eine lebensbedrohliche Krankheit zurückzudrängen.
Die Beseitigung der Vertragsautonomie nimmt den betroffenen Menschen ihre natürliche Gestaltungsfreiheit und verstößt gegen Naturrecht. Vertragsautonomie ist damit ein Gut, dass nicht zur vollständigen Disposition eines Staates stehen kann.
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