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Künstlername: Cafu
Kompletter Name: Marcos Evangelista de Moraes
Geburtsdatum: 07/06/1970
Geburtsort: São Paulo (SP)
Position: Abwehr
Link: Website
Vereine:
01/07/08: Karriereende
03/06/2003 bis 30/06/08: AC Mailand
1997 bis 31/05/2003: AS Roma
1995 bis 1997: Palmeiras (SP)
1995: Juventude (RS)
1995: Real Saragossa
1989 bis 1994: São Paulo FC (SP)
WM-Einsätze Seleção:
WM 2006 Deutschland
WM 2002 Japan/Südkorea
WM 1998 Frankreich
WM 1994 USA
Cafu im Jahre 1970
Das ganze Land ist wieder einmal in eine Art Stillstand versetzt – vor dem Fernseher, sofern vorhanden…: Brasilien und England treffen bei der Weltmeisterschaft in Mexiko aufeinander, bei einem Spiel, das später als das “Spiel des Jahrhunderts“ bezeichnet wurde. Auf der einen Seite steht der zweifache Weltmeister und grösste Spieler auf der Welt, Pelé. Auf der anderen Seite, die Erfinder des Fussballes und Sieger der letzten Weltmeisterschaft, die den Brasilianern gleichtun möchten. Inmitten all dieser Aufregung dieses 7.Juni 1970 läuft der öffentliche Angestellte Célio de Morais wie ein aufgescheuchtes Huhn hin und her. England übt Druck aus, vergibt aber zwei Chancen, Brasilien attackiert mit einem perfekten Kopfball von Pelé, der jedoch mit einer super Parade vom Torhüter Gordon Banks abgewehrt wird. Célio wird’s schon fast schlecht vor Aufregung – aber nicht wegen der Torschüsse und Flanken der Partie, die er am Fernseher verfolgt. Er beruhigt sich erst wieder als die Krankenschwester mit der erlösenden Nachricht kommt: “Es ist da! Ein Junge!“. In der Euphorie der Weltmeisterstimmung lässt sie sich gar zu einer Prophezeiung verleiten: “So wie das aussieht, wird der Kleine Fussballer“.
Marcos Evangelista de Morais, bekannt als Cafu, kam in die Welt im Zeichen des “Tri“. Dreifacher Weltmeister Brasilien und der dritte Sohn von Célio Morais und seiner Frau Cleusa Evangelista de Morais, wurde an einem heiligen Fussballsonntag geboren – heilig allen Brasilianern. Weltmeister über England mit 1×0, Tor von Jairzinho. Der Sieg wurde auf den Strassen frenetisch gefeiert. Während dessen machte Cafu mit 3,8 Kilo und 50 cm das erste mal mit lauten Schreien im Städtischen Krankenhaus der Rua Vergueiro in São Paulo auf sich aufmerksam. Der Vater wird sich immer wieder an die Worte der Krankenschwester erinnern: “der Kleine wird Fussballer“.
Peroba beeindruckte auf dem Feld. Er attackierte aus allen Positionen heraus, versuchte Tore aus allen Winkeln zu erzielen und kannte die perfekte Mischung aus Kraft, Taktik und Technik. Was die meisten verwunderte, war, dass er niemals professionell spielte. Er verteidigte Teams im Hinterland von Belo Horizonte und konnte zwar kein Geld mit seiner Kunst gewinnen, dafür aber Hühner, Schweine und mehr.1971 war Peroba 54 Jahre alt und unter seinem echten Namen José da Cruz bekannt, weit ab vom Rasen. Aber, als er seinen Enkel Marcos aufwachsen sah, wusste er dass die Familietradition weitergeführt werde würde. Marcos, der kleine Cafu, begann bereits mit 10 Monaten, dem Ball hinterherzujagen, als er seine ersten Schritte machte. Der kleine Junge wurde zum Fussball-Craque und ganzem Stolz seines Grossvaters. Traurig ist nur, dass Peruba Cafu nicht mehr als Weltmeister 1994 sah, er starb 2 Jahre davor.
1972
“Das Kind ist kein Ball“ – mahnte die Mutter immer, wenn Cafu sich seinem kleinen Bruder Maurinho näherte. Was den kleinen wohl wirklich etwas irritierte, war, dass er nicht mehr die unaufgeteilte Aufmerksamkeit seiner Mutter erhielt, sondern mit seinem jüngst geborenen Bruder teilen musste. Das Haus wurde immer voller, 4 Brüder mit folgender Reihenfolge: Marcelo, Maurício, Marcos und nun Mauro. Bald darauf sollten auch noch Mara und Margarete folgen. Die Mutter erinnert sich, dass sie Mauro nicht unbeaufsichtigt lassen konnten, Marcos schubste den Kleinen vom Bett auf den Boden. Damals begann die Rivalität der beiden Brüder, in dieser Krise natürlicher Eifersucht zwischen Kindern, die sich später dann auch auf dem Fussballplatz weiterspann. Nicht selten kam es zu kleinen Streitereien auf dem Feld. Maurinho beschloss schliesslich auch, in die Fussstapfen des berühmten Bruders zu treten, ging zur gleichen Fussballschule, versuchte die gleichen Tricks und spielte schliesslich in den gleichen Teams. Nur kam bei ihm nie der grosse Durchbruch im Fussball. Er war in Blumenau, in Sergipe und kehrte schliesslich nach São Paulo zurück. Als Cafu das erste Mal in Europa spielte, versuchte er es bei Tricolor.
1973
Nationale Trauer: Tostão verliess das Fussballgeschehen. Cafu erhielt von seinen älteren Brüdern die erste Lektion im Fussball auf dem Feld, wenn auch eher, um zur Belustigung der Grossen beizutragen. Der Ball um ihn rum und durch die Füsse durch, halten konnte er noch gar nichts… aber jede grosse Karriere fängt einmal ganz klein an.
1974
Der grosse Konsumtraum im Jahre 1974 war ein Farbfernseher, um die Weltmeisterschaft zu verfolgen. Nur 323.000 brasilianische Familien konnten sich diesen Traum wirklich erfüllen. Der Rest mussten die brasilianische Mannschaft in grün gelb auf Schwarz-Weiss sehen. Nicht einmal das war drin bei Cafus Familie: “Damals hatten wir nicht einmal einen Radio, glaube ich“ erzählt Mutter Cleusa. Die farbige Weltmeisterschaft gewann Westdeutschland – mit Originaltrikots in Schwarz-Weiss.
1975
Cafu hielt es nicht im Haus aus, kurz nach dem Aufstehen und einem schnellen Frühstück um 6 Uhr in der Früh ging es schon auf den Platz hinaus, um mit Freunden zusammen Fussball zu spielen. Zum Mittagessen schnell nach Hause und schon wieder ging es hinaus zum Ball. Bis um sieben Uhr abends, wenn dann der Auftritt der Mutter auf dem Spielfeld kam, mit einem Pantoffel in der Hand und der Androhung, dass er einen Klaps auf den Hintern bekommen würde, falls er nicht sofort nach Hause käme. Das waren die Momente, in denen der zukünftige Craque seine besten Sprints hinlegte und die Basis für seine Schnelligkeit legte…
1976
An dieses Jahr erinnert sich Vater Célio als das letzte, in dem noch so etwas wie Ruhe im Hause herrschte, wenn man Fussball anschaute. Er war Fan von Cruzeiro und sympathisierte unter den Teams von São Paulo definitiv mit Palmeiras. Die Söhne genossen jedoch, jede noch so schlechte Leistung des Teams gegen den Vater zu verwenden und liessen keine Gelegenheit aus. Doch Célio litt nicht lange darunter. Bald nachdem Cafu in São Paulo zu spielen begann, wurde der Vater wie der Rest der Familie São Paulo Fan – ein seltener Fall von Teamwechsel!
1977
Das Fest zur Meisterschaft von Corinthians nach 22 Jahren ohne Titel beeindruckte den kleinen Cafu nicht im Geringsten: “Ist doch nur eine São Paulo Meisterschaft“, sagte der kleine Springinsfeld, nichts ging ihm nämlich über sein Team, den Tricolores von São Paulo. Aber auch das änderte sich mit der Zeit. Wenn man ihn heute nach seinem Team fragt, erhält man nur flüchtige Antworten, oder aber, dass er keinen bestimmten Club bevorzuge. Als Professioneller nicht unbedingt selten, um ja nicht in die Situation zu geraten, in der folgenden Saison das Trikot vom Rivalen zu tragen und sich ständig rechtfertigen zu müssen. Sein Herz für São Paulo zu verneinen kann aber auch folgenden Hintergrund haben: “Das Zusammenleben mit den Vereinsleitern und Vorständen raubt dir die Illusion und Leidenschaft für ein Team“ – so erklärt es Shirley Ribeiro Sanches, ehemalige Lehrerin von Cafu und Freundin der Familie. “Er wurde bei den Vertragsverhandlungen nicht gerade mit dem gebührenden Respekt für einen Menschen und Anerkennung für einen Fussballer behandelt.“
1978
“Niemand isst Peru in meinem Haus“ – so sprach der Vater von Cafu. (Zur Erklärung: mit “Peru“ ist Truthahn gemeint). Damals verstanden die Söhne nicht wirklich diese drastische und total unnütze Aussage des Vaters – auch deshalb da Truthahn als eine teure Spezialität eh nie auf dem Essenstisch der Familie stand. Aber der Vater konnte sich nicht mit dem unglaublichen Glück Brasiliens bei der Weltmeisterschaft anfreunden. Nach Anzahl der Tore konnte sich die brasilianische Mannschaft nur dann für den Final entscheiden, wenn Peru nicht mit mehr als 3 Toren Unterschied zu Argentinien verlieren würde. Peru gewann 6×0. Cafu war nicht gerade bestürzt über seinen Vater, es war ihm relativ egal. Er bevorzugte aktiv zu spielen, statt die Schlappe bei der WM zu bedauern. “Ich weinte wirklich nur einmal, und das war 1994“ – erzählt der dreifache Weltmeister.
1979
Als Schüler war Cafu natürlich ein exzellenter Fussballspieler. “Das Schulteam hat dank ihm immer gewonnen“ – erzählt seine ehemalige Lehrerin Shirley Ribeiro Sanches, der Schule Ronaldo Garibaldi Peretti. Auch in der Schule davor und danach war Cafu immer von den Lehrern bevorzugt und erhielt nicht selten die Note, um das Schuljahr zu bestehen, auch wenn sie ihn nicht wirklich aufgrund seiner Leistungen zustand. Maurinho, sein junger Bruder erinnert sich daran nicht ganz ohne Eifersucht. Shirley hatte noch einen weiteren Grund, Cafu zu bevorzugen, schliesslich war er neben all den Corinthians und Palmeiras Fans der einzige, der sie als Paulista Fan unterstützte.
1980
Mit 10 Jahren zeigte Cafu schon einen seiner markantesten Charakterzüge: seine Sturheit. Wenn dies auch später ein fundamentaler Charakterzug war, der ihm zum Erfolg verhalf, in den Jahren um 1980 war’s nur schwer zu ertragen, gerade für seine Brüder. Nicht nur durch seinen grösseren Bruder, nein auch auf dem Fussballplatz musste er wegen seiner Sturheit zeitweise strengstens zu Recht gewiesen werden… doch immer wieder kehrte er am nächsten Tag aufs Feld zurück, um wieder Tore zu schiessen.
1981
Seine Kindheit verbrachte Cafu im Viertel Jardim Irene, eine verarmte Gegend in einer dieser vielen von Gewalt geprägten Stadtteile von São Paulo. Als Kleinkind lernte er bereits, dass sein Nachbar sowohl ein ehrenwerter Arbeiter sein kann oder aber ein gesuchter Bandit. “Das Geheimnis des Überlebens besteht darin, mit jeder Mann Freund zu sein“ erzählt der Spieler. Die Geduld von Cafu ist jedoch nicht unendlich, er äussert sich zwar nicht öffentlich, aber über eine Sache, die ihn ärgert, möchte er Distanz bewahren. Die “Athleten Christus´“ – “Sie reden von einer Sache ausserhalb des Feldes, aber im Spiel reagieren sie nicht so“, so spricht auch Vater Célio. “César Sampaio z.B. hat Cafu schon zweimal umgehauen“.
1982
Die Traurigkeit über die verlorene Weltmeisterschaft war allseits gegenwärtig. Nur Cafu war glücklich. So glücklich, dass er eine geradezu befremdliche Manier an den Tag legte, nämlich die, jeden Tag ohne jegliches Gezeter und Geweine in die Schule zu gehen. Die Mutter mutmasste, dass auch hinter diesem Ereignis irgendein Ball stecken würde, aber dem war nicht so: auf seinem Schulweg lebte Regina. Exhibitionistisch wie er war, nutze er die Situation, dass das Fussballfeld im Blickfeld von ihrem Haus lag, und so begann Cafu seine mittlerweile bekannten “Freudensprünge“ nach einem getanen Tor: die Salti müssen wohl gut gewesen sein, da heute eben jene Regina seine Frau ist – zusammen haben sie 3 Kinder: Danilo, Wellington und Michele. Ein glückliches Ende für einen schweren Start: als der erste Sohn geboren wurde, schaffte es Cafu nicht in São Paulo, schlimmer noch, er lebte im Wohnheim des Clubs, während seine Familie in einer kleinen Bleibe hinter dem Haus der Familie blieb. Ein Unterschied zu heute, schon als er in Spanien spielte, lebte er in einem annehmbaren Haus in Saragossa. Heute besitzt er ein wunderschönes Haus in Alphaville für USD 400 000, ein Kondominium, das von mittellosen Leuten aus São Paulo bewohnt wird.
1983
Man sagt ja, dass nichts einfach nur so geschieht… es muss wohl so sein. Auf dem Heimweg wurde eines Tages Mutter Cleusa ein kleiner Handzettel über die neue Fussballschule des Ex-Fussballspieler Pedro Rocha in die Hand gedrückt. Sie wusste ja um das besondere Interesse, dass ihre Jungs mit dem Ball verband, also nahm sie schliesslich alle mit, um die Schule kennenzulernen.
Es reichte ein kennerischer Blick von Schulbesitzer Pedro Rocha, als er Cafu bei seinen Schüssen, seinen Bewegungen und seinem körperlichen Potential sah. “Wir waren uns sofort sicher, dass Cafu ein grosser Spieler werden würde“, erzählt der ehemalige Craque, “So sehr, dass wir ihm sofort ein Stipendium verschafften, auch wenn der Monatsbeitrag noch so niedrig wäre, die Familie würde es sich für 3 Jungs einfach nicht leisten können.“ Cafu erhielt vom Fitness-Trainer auch wachstumsunterstützende Vitamine um einen ausgeglichenen Körperwuchs zu fördern und Cafu dankte es bald…mit exzellentem Spiel.
1984
Das war das Jahr von Santos (der letzte Titel…) und das Team“chen“ Fluminense gewann sowohl die Carioca als auch die brasilianische Meisterschaft. Auch die olympischen Spiele in Los Angeles traten ins sportliche Interesse. Doch die Familie Moraes feierte nur ein einziges Ereignis in diesem Jahr: eine kleine Reportage, veröffentlicht in der Tageszeitung von São Paulo über Cafu! Er wurde als der neue Nachwuchsstar der Fussballschule Pedro Rocha genannt. Die Reportage “Craque: lernen nein, spielen ja“ war erst eine von all den grossen Rekorden, die die Familie von da an in die Kollektion des aufnehmen konnte.
1985
Cafu stand am Elfmeter-Abschuss. Er war gerade 15 Jahre alt, das Alter in dem normalerweise die Jugendlichen aus ärmlichen Verhältnissen anfangen zu arbeiten, um die Familie zu unterstützen. Die älteren Brüder der Familie rackerten schon. Marcelo war Möbellackierer und Mauricio war Bote von Pão Pullmann. Seine Freunde rieten Cafu, Office-Boy zu werden, aber Cafu hatte anderes im Sinn. Er nahm seine Fussballschuhe unter die Arme und versuchte sein Glück bei den grossen Clubs. Er begann mit seinem Lieblingsclub São Paulo, bekam eine Empfehlung von Pedro Rocha mit und spielte 15 Minuten auf der rechten Seite. Er spielte für 15 Minuten, dann das nüchterne Urteil von Trainer Firmo de Mello, der für die Jugend zuständig war: “Du bist gut, aber hier spielen nur Leute aus der Auswahl“. Cafu spielte ein zweites mal vor, mit Pedro an der Seite und ganze 20 Minuten… und wieder nur schüttelte der Trainer den Kopf. Beim dritten Mal keifte der Trainer “Kenne ich dich nicht von irgendwoher?“ Natürlich kannte er ihn, aber das Jahr endete nach wie vor weit entfernt von den grossen Clubs für Cafu.
1986
Cafu wurde immer magerer. Er spielte bei allen Vorspielen, aber es funktionierte nichts. Ein letztes Mal São Paulo und die Begrüssung von Firmo de Mello “Du schon wieder. Hallo und Tschüss“ war nicht gerade aufbauend. Da sie ihn jedoch nicht bei São Paulo wollten, ging er zu den anderen Teams. Hartnäckig kehrte er zu jedem der grossen Clubs so oft zurück bis er wirklich zurückgewiesen wurde… nicht selten waren es bis zu 6 Versuche. Palmeiras, Corinthians, Atlético Mineiro…. nichts geschah. Schliesslich war sogar Cafu soweit, aufzugeben, als er eine Nachricht von Wanderley bekam, ein Ex-Lehrer von ihm. Der Freund war Trainer von Nacional, einer intermediären Teamzusammenstellung mit Kapital Paulista, und es gab einen freien Platz zu vergeben – ohne grosses Testtraining!
1987
In dieser Periode seines Lebens war Cafu wie vom Pech verfolgt. Raten Sie mal, wer sein Trainer sein sollte bei Nacional Pichu, der gleiche Mann, der ihm den Eintritt zu Portuguesa verbaute. Allerdings erinnert sich Cafu, dass dieser sich nicht an ihn erinnerte… zu Beginn, bis es darum ging, den Titel zu gewinnen. Dann griff Pichu wieder ein: “Cafu hatte ein enormes Potential“, erinnert er sich heute an diesen Beginn, “aber er brachte während einem Spiel nicht 1% dessen, was er während des Trainings leistete“. Dies war sein Argument, Cafu aus dem Team und dann auch aus dem Club zu stellen. Heute rühmt sich der ehemalige Trainer für seine damalige Entscheidung, sei es Cafu auch nur deshalb gelungen, ein Weltklassespieler zu werden, durch all dies wuchs Cafu richtig heran“. Eine Erklärung.
So blieb Cafu nur noch übrig, das Trikot von Guarani von Jardim Irene zu tragen. Er spielte und bald darauf wurde sein Ruhm in die Südzone von São Paulo getragen. “Sie sprachen von einem mageren Jungen, der grossen Fussball spielte. Also habe ich mir 3 Spiele von ihm angesehen und sah ein wahres Talent“ – so erzählt João Alemão, der Trainer, der die Entdeckung des Craques für sich einfordert. Alemão verlor keine Zeit und brachte den Jungen alsbald in sein Team in der 3. Liga von São Paulo, Itaquaquecetuba. Dort gab es bereits zwei Spieler namens Marcos und so benötigte man einen anderen Namen. Zuerst war es Cafuringa, da er so schnell wie die Spitze von Fluminense lief, aus den 60er und 70er Jahren. Aber hängen blieb dann Cafu und nach kurzer Zeit fing das Pech an, von den Füssen des Jungen abzufallen.
1988
Itaquaquecetuba war einer dieser kleinen schmutzigen Clubs – gewann mit knappen Resultaten und verkaufte seine Niederlagen immer teuer. Neben den Spielen innerhalb der 3. Liga von São Paulo machte man immer wieder Raum und Zeit, um Freundschaftsspiele gegen die Jugend der grossen Teams zu arrangieren. In einer dieser Partien spielte das Team gegen São Paulo und verzauberte den Trainer Cilinho, der sofort Informationen über Cafu einholte. Der Kontakt hätte im gleichen Moment schon wieder abgebrochen werden können, hätte der Club nicht auch finanzielle Probleme gehabt. João Alemão war schon mit diesem Hintergedanken in die Partie gegangen… das Interesse von Cilinho auf Cafu zu lenken um eventuell die finanzielle Misere lösen zu können. Cafu blieb geschockt. Er hatte gar Alpträume mit dem Trainer Firmo de Mello, an die viermal. Als er aber dann im Club erschien, erkannte er mit Erleichterung dass die alten Kamellen schon vergessen waren. “In der ersten Woche beobachtete ich das Team der Trainer und merkte, dass es ihnen gefiel, wie ich spielte“, erzählt Cafu, “in der zweiten Woche erkundigten sie sich nach meiner Familie und in der dritten Woche forderten sie alle Unterlagen von mir ein, um mich in der Föderation zu registrieren“. Endlich war es soweit!
1989
Cafu spielte das erste Mal in São Paulo ohne grossen Pomp und Probleme. Er übernahm die Position rechts aussen von Zé Teodoro, der verletzt nicht gegen Goiás in Goiânia in der brasilianischen Liga spielen konnte. Das war am 26. November 1989. Cafu war schnell und agierte gut auf der ihm neuen Position. Carlos Alberto Silva wusste, es geht um den Titel und begann trotzdem mit Cafu auf der Seite zu improvisieren. Cafu liess seine gut ausgereifte Position im Mittelfeld sein, wo er bereits einigen Ruhm erreicht hatte. Bei einem Turnier in Japan, wo er für die Auswahl der Jugend von São Paulo verteidigte, machte er 8 Tore in 14 Partien. Pupo Gimenez trug ihm auf, wie eine “Brise der Verteidigung in den Sturm“ zu agieren und sein Start war viel versprechend. Seine erste Titel waren gewonnen, sowohl in Japan, also auch dann noch in Mexiko das Turnier von Guadalajara.
1990
Am Anfang war es wohl Improvisation, aber schon bald bemächtigte er sich immer mehr und mehr seiner Aussenposition – erfolgreich! Er verliess sie nur, um seinem Ruhm auch noch die 1000-und-einste Nützlichkeit für sein Team zu zeigen. Er spielte in der Verteidigung, Mittelfeld oder ganz vorn in der Spitze. In 6 Jahren im Trikot der “Tricolor“ gewann Cafu den brasilianischen Titel (1991), zwei Paulistas (1991/92), zwei Libertadores (1992/93), zwei Recopas Südamerikas (1992/93), und einen Super-Cup (1993), ausserdem zu erwähnen zwei Welt-Interclubes (1992/93) und den “Ball in Silber“ für den besten Rechts-Aussen im Jahre 1992 und 1993. Es ist kein Wunder dass er bei einer Umfrage der Zeitschrift Placar mit seinem Team zum besten Team von São Paulo gewählt – zum besten Team aller Zeiten!!! Neben Craques wie Gérson, Leônidas da Silva, Pedro Rocha und Canhoteiro. Die Titel von 1990: Freundschaftsturnier in Chile und Turnier von León in Mexiko.
1991
Der nicht ganz auserlesene Spielstil von Cafu brauchte einige Zeit, um die Fans von São Paulo zu begeistern. Hinzu kam, dass bei seinen ersten Einsätzen in der Seleção der Ära Falcão, nur wenige Siege und überzeugende Auftritte zu sehen waren. In dieser Zeit gab es einige nervende Dinge in der Presse, Cafu´s Name wurde benutzt und alles in allem nicht gerade eine einfache Zeit, aber Cafu überstand all dies dank familiärer und freundschaftlicher Unterstützung. Aber war er ein Kämpfer und gab nicht auf und schon 1993 war die allgemeine Meinung der Brasilianer für Cafu in der Nationalmannschaft – und das war zur Zeit der Ausscheidungsspiele der WM 1994. Der einzige der nicht mit den Brasilianern übereinstimmte, war Trainer Parreira. Für ihn gab es nur eine Position für Cafu im Team, nämlich rechts aussen, aber für diese Position bevorzugte er Jorginho. Cafu wartete weiter auf seine Chance. Sein grosser Traum war, einmal ein dreifacher spielender Weltmeister zu sein. Hauptsächliche Titel im Jahre 1991: brasilianischer und paulistanischer Titel.
1992
Im ersten Finalspiel der paulistanischen Meisterschaft gegen Palmeiras stand Cafu gleich dem “Teufel“ persönlich gegenüber: Mazinho, Zinho und Cristo César Sampaio. Er spielte links aussen, eröffnete das Spiel mit einem Hammer-Pass und gab zwei super Flanken rein zu Raí, der beide zu Tore verwertete. Eine Flanke mit dem Kopf, eine Flanke, die schon als verloren galt. Um das Fass vollzumachen gab es auch noch einen Strafstoss, den auch Raí umsetzte. São Paulo gewann 4×2 und alle grossen Aktionen waren durch Cafu begünstigt worden.
Der Spieler entwickelte nicht nur weiterhin seine technische Raffinesse, sondern zeigte auch eine unvergleichliche Tugend: Elan. “Cafu ist ein Phänomen – so bezeugt Moraci Sant´Aana, ehemaliger Fitnesstrainer von São Paulo und der Seleção.
“Er ist die Nummer 1“ – auch dies hörte man auch des öfteren aus besonderen Fussballkreisen. Nach Barros gibt es aus der physischen Sicht 3 Charaktere, die einen Fussballspieler ausmachen:
1. Aerobe Kondition, die Fähigkeit, sich über den kompletten Platz bewegen zu können.
2. Anaerobe Resistenz: Stärke der Markierung und Spuren/Fährte.
3. Schnelligkeit. “Cafu ist ausserordentlich in den beiden ersten Charakteren“, erklärt der Physiologe. “Und dank der Resistenz, am Ende eines Spieles ist er meist der schnellste nach wie vor auf dem Platz“.
1993
Durch die fussballerische Entwicklung von Cafu dauerte es natürlich nicht lange, bis sich auch ausländische Clubs für ihn interessierten. Signale darüber waren Zeitungsnotizen, die in der Presse dem Craque quasi schon eine abgeschlossene Verhandlung nachsagten. Einige besagten, dass das neue Team von Cafu Turin wäre. Andere behaupteten, die Verhandlungen mit dem mächtigen Club von Milan seien bereits weit vorangeschritten. Und das spanische Blatt Marca verkündete die Nachricht, dass der Paulista bereits bei Real Madrid sei – für 3,5 Millionen USD. Cafu sagte gar nichts dazu, auch aus dem Grund, dass er wirklich nichts darüber wusste. “Die Verantwortlichen von São Paulo versicherten immer wieder, dass es kein einziges Angebot gäbe. Ich vertraute ihnen komplett.“ Die Strategie von Tricolor war in Wirklichkeit, den Spieler für eine weitere Zeit zu halten, als besten Spieler des Teams zu jener Zeit. Raí war auf wundersame Weise verschwunden, und es gab keinen Nachwuchs, der dem Spieler auf der Position nachkam, und so war der einzige Star, der sich hielt, Cafu. “Aber ich musste mein Leben leben und das war in diesem Moment ein Wechsel ins Ausland“ – so Cafu. Nach der WM kam dann die grosse Chance, die er auch wahrnehmen konnte. Er wurde nach Saragossa in Spanien verkauft – für satte 3,6 Millionen USD. Im Vertrag nahm sich São Paulo das Recht heraus, eine sehr ungewöhnliche Klausel einzusetzen: eine Strafe in gleicher Höhe, im Falle Cafu würde weitergeleitet werden zu Palmeiras – Parmalat. Viele Titel in diesem Jahr…. zu viele, um alle hier erwähnen zu können…
1994
Am 1. April, dem Tag, an dem man Leute in den April schickt, änderte Parreira auf einmal seine Meinung. Im Spiel gegen die USA spielte Cafu auf dem Platz von Branco, der nicht ganz in Form war, und Parreira benötigte einen Mann, der für zwei spielen sollte. Brasilien gewann mit 1×0. Im folgenden Spiel aber wurde wieder Branco aufgestellt und Cafu´s Schicksal schien schon dazu bestimmt, den Rest der WM von der Bank aus zu betrachten, als das Unverhoffte wieder einmal zuschlug: Jorginho verletzte sich und Cafu kam für das Finale gegen Italien auf die rechte Verteidigerposition und verwandelte sich zum spielenden Dreifach-Weltmeister. Er trug unter anderem dazu bei, den wirkungsvollen Angriffen der Italiener um Roberto Baggio zu stoppen. Cafu half der brasilianischen Defensive, die Italiener zu kontrollieren und die Trophäe zu vierten Mal zu gewinnen.
In diesem Moment schloss sich der Kreis, der an einem Sonntagnachmittag ano 1970 begann, als Brasilien England bei der WM 1970 besiegte. Der Tag an dem Cafu geboren wurde… und eine Krankenschwester schon quasi vorhersagend meinte: “der Kleine wird Fussballer werden“.
Seit dem Finale des FIFA-Weltpokal 1994 in den USA gehört Cafu zu den festen Grössen in der brasilianischen Auswahl. Zusammen mit Roberto Carlos gehört Cafu zu einer der besten offensiv spielenden Abwehrreihen der Welt. Seine Spitzenleistung auf nationaler und internationaler Ebene sind herausragend.
Nach dem Finale von 1994 erhielt Cafus Karriere einen mächtigen Schub. Er wurde Kapitän der Nationalmannschaft und gewann mit Brasilien 1997 und 1999 die Copa América. Cafu wechselte 1997 zum AS Rom nach Italien und ist seitdem Stammspieler in der brasilianischen Nationalmannschaft. Er bestritt für Brasilien beim FIFA-Weltpokal France 98 alle sieben Spiele und wurde Vizeweltmeister. In Frankreich bei der WM festigte Cafu 1998 seinen Ruf als einer der weltbesten Rechtsverteidiger. 2002 erspielte er sich mit der Seleção den 5 Weltmeistertitel an der WM in Japan/Südkorea.
Im Vereinsfussball spielt Cafu seit 2003 bei AC Milan zusammen mit seinen Landsmännern Dida im Tor, Kaká und Serginho im Mittelfeld. Die schier unerschöpfliche Energie Cafus hat die Position des rechten Verteidigers revolutioniert. Genau wie Roberto Carlos auf der linken Seite verleiht Cafu Brasilien durch seine Flankenläufe und Seitenwechsel den Anschein, acht oder neun Angreifer zu haben. Zusammen mit Roberto Carlos ist Cafu der einzige Spieler, der in sechs Endspielen stand und er ist der einzige Spieler der es je geschafft hat, drei WM-Finale zu spielen. Das hat nicht einmal Pelé, der Weltfussballer des Jahrhunderts erreicht. Cafu war mit seinen 150 Länderspielen bis zum 8. September 2007 auch Rekordspieler Südamerikas, bevor er von Iván Hurtado aus Ecuador überholt wurde.
Am 30. Juni 2008 lief sein Vertrag bei AC Mailand aus und wurde auch nicht mehr verlängert. Eine eindrückliche Spielerkarriere nahm in diesem Tage ein rühmliches Ende. “Geboren, um Fussball zu spielen!“ wie es in jedem kanariengelben Trikot eingestickt steht.
Für die Seleção machte er 149 Spiele.
Davon waren es 91 Siege, 38 Unentscheiden und 20 gingen verloren
Er stand bei 20 Spielen an einer WM für die Seleção auf dem Platz
Davon waren es 16 Siege, 1 Unentschieden, 3 verloren
Bei 8 Spielen an einer Olympiade
Davon waren es 4 Siege, 1 Unentschieden, 3 verloren und der schoss 2 Tore
Gewonnene Titel
Copa da Amizade (1992)
Weltmeistertitel (1994, 2002)
Copa América (1997, 1999)
Copa das Confederações (1997).