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Das historische Versagen, diesen Bewertungsgrundsatz zu erkennen
Ich erwarte eine Flut von Kritik, welche behauptet, dass es keinen solchen Bewertungsgrundsatz in der Buchhaltung gibt, weder in der Theorie noch in der Praxis. Ich bin kein Buchhalter und war noch nie im Bereich der Rechnungslegung tätig. Ich kann mich auch nicht erinnern, diesen Bewertungsgrundsatz in einem der Lehrbücher über die Buchhaltung gesehen zu haben, die ich gelesen habe (obwohl die korrekte Bewertung der Aktiven in älteren Lehrbüchern, die längst von den Professoren der Rechnungslegung als veraltet verworfen worden sind, noch figuriert). Aber ich werde argumentieren, dass die heutigen Grundsätze weder dem Geist, und schon gar nicht den Buchstaben der Buchhaltung von Luca Pacioli folgen. In diesem Fall machen die Akzeptanz eines Grundsatzes und die gleichzeitige Leugnung des anderen keinen Sinn. Jedes Argument, das den einen unterstützt, unterstützt auch den anderen: die korrekte Bewertung der Passiven ist ein Spiegelbild der korrekten Bewertung der Aktiven, der sich aus der logischen, perfekten Symmetrie zwischen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten ergibt.
Einen dieser Grundsätze zu ignorieren ist eine schwerwiegende Verletzung der gesunden Rechnungslegung – mit fatalen Folgen.
Fallen die Zinsen über einen längeren Zeitraum, wie es in Japan seit über fünfzehn Jahren der Fall ist, können die gegenwärtigen (meiner Meinung nach zutiefst fehlerhaften) Rechnungslegungs-vorschriften Verluste als Gewinne ausweisen. Kapitalverzehr/-zerstörung kann das Ergebnis sein, und bleibt unerkannt bis es zu spät ist. Banken und Produzenten würden mit einem Phantomkapital arbeiten und letztlich daran zugrunde gehen. Dies könnte die nationale Wirtschaft in die Knie zwingen, Deflation oder gar Depression wären die Folge (was, wie es scheint, in Japan geschieht). Diese Depression scheint dummerweise durch die Yen-Carry-Trades über den Pazifik in die Vereinigten Staaten eingeschleppt worden zu sein und wird auch noch von den beiden betroffenen Zentralbanken gefördert.
Auch wenn der obengenannte Bewertungsgrundsatz seit Luca Pacioli noch nie in einen Buchführungscode geschrieben wurde, sollten wir immer noch nicht zum Schluss kommen, dass es dafür keine Rechtfertigung gibt. Ein überzeugendes Argument kann erklären, warum dieser Bewertungsgrundsatz bei den ehrlichen und kompetenten Buchhaltern in der Vergangenheit weder entdeckt und noch kodifiziert wurde: Seit Menschengedenken haben die Machthaber anhaltende Verzerrungen zugunsten der Schuldner unterstützt, ausgedrückt durch das Bestreben, den Zins auf Biegen und Brechen zu drücken. Vor dem Aufkommen der Offenmarktgeschäfte der US-Notenbank in den 1920er Jahren blieben diese Anstrengungen allerdings ohne Folgen. In der Tat waren vor der Gründung der Notenbanken die Zinsen für Kredite wegen der angeblichen Gier der Wucherer sehr hoch. Sie waren es aufgrund der Wuchergesetze an sich. Das Nehmen und das Zahlen von Zinsen war verboten, aber das Ergebnis waren nicht Nullzinsen für Darlehen, wie es die Initiatoren der Wuchergesetze in naiver Weise erwartet hatten. Im Gegenteil, das Ergebnis waren noch höhere Zinsen als die, welche der freie Markt verlangt hätte – als Ausgleich für die Risiken eines illegalen Geschäfts. Aus diesen und anderen Gründen bestand das Problem nicht aus fallenden, sondern aus steigenden Zinsen. In einem solchen Umfeld wirken diese Bewertungsgrundsätze nicht und werden leicht übersehen. Es ist schwer, einen Grundsatz zu entdecken, der sehr wohl existiert, sich aber in einem solchen Umfeld nicht manifestiert.
Die Situation änderte sich drastisch, als die Federal Reserve ihre illegalen Offenmarktgeschäfte einführte, die später durch eine rückwirkende Gesetzgebung legalisiert wurden.
Die Spekulanten sprangen eifrig auf den fahrenden Zug risikoloser Gewinne. Sie konnten leicht der FED beim Kauf der Anleihen zuvorkommen. Nachdem die US-Notenbank ihre Quote gekauft hatte, verkauften die Spekulanten die Anleihen und steckte die Gewinne ein. Das Resultat? Eine stetig fallende Zinsstruktur.
In der Tat war die Chance für risikofreie Gewinne der Spekulanten aufgrund der Einführung von Offenmarktgeschäften eine der Hauptursachen der Weltwirtschaftskrise. Doch bis heute nennen die Lehrbücher über Wirtschaft die Offenmarktgeschäfte als ein raffiniertes Werkzeug in den Händen der Finanzbehörden, „um die Wirtschaft anzukurbeln“. Nur ein anderer Fehler der Ökonomen übertrifft diesen noch in Ungeheuerlichkeit: die Lehrbücher schieben die Schuld der Weltwirtschaftskrise auf den Goldstandard.
Genau das Gegenteil ist wahr. Die Weltwirtschaftskrise wurde weitgehend von den Regierungen verursacht, die den Goldstandard sabotierten, um ihn zu Fall zu bringen, wie ich jetzt aufzeigen werde. Die Auswirkungen des anhaltenden Rückgangs der Zinsen in den 1930er Jahren wurden noch nie richtig erklärt.
Der einzige Konkurrent der Staatsanleihen, Gold, wurde damals durch Beschlagnahme und andere Massnahmen aus dem Markt gedrängt. Von dieser Konkurrenz befreit, begann der Wert der Staatsanleihen stetig zu steigen, so dass die Zinsen fielen, wodurch auch die Preise zu fallen begannen.
Die Grosse Depression war selbstverschuldet. In ihrem Eifer, den Goldstandard zu eliminieren, hatten die Regierungen das Hindernis entfernt, welches die Wirtschaft daran hinderte, ins schwarze Loch der Nullzinsen gesogen zu werden. Die Spekulanten verstanden schnell, dass dies auch das Ende der Obergrenze für Anleihekurse bedeutete. Zum ersten Mal überhaupt gab es eine Gelegenheit, die Anleihekurse in den Himmel zu bieten. Die Spekulanten verliessen die risikobehafteten Rohstoffmärkte und strömten in Scharen in den Anleihemarkt, um zu risikolose Gewinne einzufahren, die durch die Offenmarktgeschäfte generiert wurden. Man kann die Weltwirtschaftskrise nicht verstehen, ohne zu verstehen, wie die Spekulanten auf die Eliminierung des Wettbewerbs im Markt für Staatsanleihen reagierten. Nur durch die Suche nach den Folgen der gewaltsamen Eliminierung des Goldes aus dem Finanzsystem kann der beispiellose Rückgang der Zinsen und die Weltwirtschaftskrise erklärt werden.