Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03168.jsonl.gz/20

Die Chefin der rechtsextremen französischen Partei Front National, Marine Le Pen, liegt laut einer Umfrage zur Präsidentschaftswahl in einem Jahr in Führung. Es ist das erste Mal, dass Le Pen laut einer Umfrage in die Stichwahl um das Präsidentenamt 2010 käme.
Wie aus einer Befragung des Instituts Harris Interactive für die Sonntagsausgabe der Zeitung "Le Parisien" hervorgeht, käme Le Pen auf 23 Prozent der Wählerstimmen. Amtsinhaber Nicolas Sarkozy und Sozialistenchefin Martine Aubry erhielten demnach jeweils 21 Prozent.
Die Umfrage weckt Erinnerungen an die Präsidentschaftswahl von 2002, als der Sozialist Lionel Jospin in der ersten Runde durchfiel und der damalige Front-National-Chef Jean-Marie Le Pen in die Stichwahl gegen Jacques Chirac ging.
Das überraschende Ausscheiden Jospins und der Einzug von Marine Le Pens Vater in die zweite Runde hatte viele Franzosen nachhaltig schockiert, letztlich wählten sie den konservativen Chirac zum Staatsoberhaupt.
Opposition kritisiert Sarkozy
Die Opposition warf Sarkozy vor, anti-muslimische Ressentiments zu bedienen und damit Le Pen in die Hände zu spielen. "Er begann mit der Debatte um die nationale Identität und die Roma, nun sind es die Einwanderer", sagte Aubry mit Bezug auf Äusserungen Sarkozys zu einer möglicherweise drohenden Einwanderungswelle aus Nordafrika.
Der Generalssekretär von Sarkozys Partei UMP, Jean-François Copé, wies die Vorwürfe zurück und betonte, die Debatte zum Islam und der Laizität sei "absolut essentiell". Zugleich warnte er davor, die Umfrage überzubewerten.
Marine Le Pen wertete die Umfrage als "Ermutigung". Im Fernsehsender iTélé sagte sie am Sonntag, sie trete 2012 nicht als Statistin an, sondern wolle gewinnen. "Wir stehen einer veralteten politischen Klasse gegenüber, die alte Lösungen hat, abgenutzte Schemata, und der Front National ist eine Hoffnung für unser Volk."