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Maya Onken, 28.06.2019
Ein alter Mann lebte zusammen mit seinem einzigen Sohn auf einer kleinen Farm. Sie besaßen nur ein Pferd, mit dem sie die Felder bestellen konnten und kamen gerade so über die Runden. Eines Tages lief das Pferd davon. Die Leute im Dorf kamen zu dem alten Mann und riefen "Oh, was für ein schreckliches Unglück!" Der alte Mann erwiderte aber mit ruhiger Stimme: "Wer weiß..., wer weiß schon, wozu es gut ist?" Eine Woche später kam das Pferd zurück und führte eine ganze Herde wunderschöner Wildpferde mit auf die Koppel. Wieder kamen die Leute aus dem Dorf: "Was für ein unglaubliches Glück!" Doch der alte Mann sagte wieder: "Wer weiß..., wer weiß schon, wozu es gut ist?" In der nächsten Woche machte sich der Sohn daran, eines der wilden Pferde einzureiten. Er wurde aber abgeworfen und brach sich ein Bein. Nun musste der alte Mann die Feldarbeit allein bewältigen. Und die Leute aus dem Dorf sagten zu ihm: "Was für ein schlimmes Unglück!" Die Antwort des alten Mannes war wieder: "Wer weiß..., wer weiß schon, wozu es gut ist?" In den nächsten Tagen brach ein Krieg mit dem Nachbarland aus. Die Soldaten der Armee kamen in das Dorf, um alle kriegsfähigen Männer einzuziehen. Alle jungen Männer des Dorfes mussten an die Front und viele von ihnen starben. Der Sohn des alten Mannes aber konnte mit seinem gebrochenen Bein zu Hause bleiben."Wer weiß..., wer weiß, wozu es gut ist? (Verfasser unbekannt, in: "Way of the Peaceful Warrior" von Dan Millman, dt: Der Pfad des friedvollen Kriegers)
Die unerwartete Wendung wird in dieser Geschichte so dargestellt, dass alles seinen Sinn hat, auch wenn wir den Sinn nicht von Anfang an erkennen. Sozusagen das Leben webt seine Fäden in einen Teppich, den wir nur von hinten sehen. Wenn wir ihn umdrehen würden, dann sähen wir das tolle farbenfrohe Muster, welches es zu bewundern gibt. Mir gefällt dieser Ansatz gut und manchmal, wenn etwas schiefläuft, beruhige ich mich selbst mit dieser Geschichte. Ich sage mir dann: „Wer weiss, wofür das gut ist.“
So kann ich mich noch gut erinnern, dass ich im 2011 Räume gesucht habe für die Expansion des Frauenseminar Bodensees in den Zürcher Raum. In Wallisellen entdeckte ich eine tolle Wohnung, die an eine Coachingpraxis angrenzte, man hätte leicht die zwei aneinander liegenden Wohnungen gemeinsam nutzen können. Parkplätze waren in der Nähe. Der Bahnhof auch. Es gab noch Grünfläche für die Mitbenutzung. Der Preis war attraktiv. Einfach ein Traum.
So war ich extrem enttäuscht, als der Vermieter mir absagte. Meine ganzen Visionen zerbrachen und ich war fast untröstlich. Heute weiss ich genau, für was das gut war. Diese Räume wären von Anfang an zu klein gewesen! Diese Räume hätte mich daran gehindert die OnkenAkcademy allmählich zu erweitern um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Es war also gut, dass es nicht geklappt hat.
Ich möchte an dieser Stelle aber noch einen weiteren Aspekt zum Thema „unerwartete Wendung“ einbringen. Wie der Begriff schon sagt, gab es ursprünglich eine Erwartung. Diese wird von uns selbst gebastelt, wir bauen ein inneres Bild, wie es zu sein hat. Die Bausteine dafür nehmen wir aus unserem Erfahrungswissen. So tanze ich zum Beispiel auf einer Tanzreise mit einem jungen, bartlosen Mann, der Salsa Anfänger ist. Er entschuldigt sich einige Male dafür, dass er eben erst einige Figuren kenne. Mein Erfahrungswissen vergleicht diesen jungen Mann und sein Verhalten mit anderen Begegnungen und macht sich nun ein Bild von ihm. Sein unsicheres Verhalten und sein jugendliches Aussehen vereint ergibt in mir die Geschichte, dass sein älterer Bruder ihn wohl hierher mitgeschleift hat, dass er beruflich wohl im künstlerischen Bereich arbeite und sonst eine unsichere Person sei. Wie erstaunt war ich, als ich später erfuhr, dass dies ein 32jähriger Arzt ist.
Ich behaupte sogar, dass die unerwarteten Wendungen immer mit einem Perspektivenwechsel zu tun haben, den wir nicht vorgesehen haben. Die Wendung ist ein Wechsel zum neuen Blickpunkt. Die Zügel für unerwartete Wendungen liegen also nicht nur im Schicksal, im Universum, welches die Dinge für uns richtet, sondern auch in der inneren Bereitschaft, die Dinge zu hinterfragen. Die eigenen Erwartungen nicht als fix und gegeben hinzunehmen, sondern diese in eine Wendung zu bringen, eine neue Perspektive auf das Ganze zuzulassen oder auch aktiv mitzugestalten, denn wer sagt, dass unser Weg einfach geradeaus gehen soll. Und zwar nicht so“ Hallo Schicksal, ich wäre jetzt bereit für eine unerwartete Wendung“, sondern mit solchen Fragen „Was möchte ich anders haben? Wie soll das genau aussehen und sich anfühlen“, „Wie könnte ich mir das alles auch noch erklären?“, „Wofür könnte das Alles wohl gut sein“.
Wer Lust auf eine Wendung hat, braucht nicht zu warten, sondern kann sie selbst herbeiführen. Also nimm das Lenkrad deines Lebenswagen in die eigene Hand.
Liebe Maya
Du hast eine wunderschöne Geschichte erzählt. Dazu noch Beispiele aus deinem Leben. Ich kann deine Aussagen nur bestätigen. Alles was uns im Leben passiert hat einen Sinn. Genau, wie du sagst, auch wenn man am Anfang denkt, muss das jetzt wirklich sein? Warum immer ich? Der Blick zurück bestätigt uns, genau das musste geschehen um mich an diesen Punkt zu bringen. Mir erleichtert sich dadurch mein Leben! Ich habe aufgehört zu hadern. In meinem Unterbewusstsein weiss ich, es hat alles seine Richtigkeit. Liebe Grüsse Regina