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Die spanische Insel Mallorca ist uns allen für ihren Massen- und Partytourismus bekannt, Stichwort „Ballermann“. Doch dahinter verbirgt sich eine wunderbare Insel, welche voller Kultur und Sehenswürdigkeiten steckt.
Die Einrichtungen und Strände des Massentourismus begrenzen sich auf nur wenige Gegenden, alle in unmittelbarer Nähe bestimmter Strände. Daher wäre es ungerecht, Mallorca diesen Stempel aufzudrücken und die Insel ansonsten als Ferienziel komplett zu ignorieren.
Einen Vorteil hat der Massentourismus allerdings: es gibt ganzjährig viele und günstige Flüge!
Mallorca ist eine von vier Inseln der Balearen, einer Inselgruppe im Mittelmeer, welche zu Spanien gehört. Ähnlich wie die anderen Regionen des Mittelmeers, ist es hier ganzjährig warm, im Sommer sogar heiss.
Im Winter herrscht bei 15 Grad vielleicht nicht gerade Badewetter, doch ist es angenehm genug, um dem mitteleuropäischen Winter zu entfliehen und Sonne zu tanken. Der meiste Regen fällt im Herbst, aber lassen Sie sich nicht täuschen – verglichen zu Mitteleuropa ist auch das noch trocken.
Den Namen erhielt Mallorca von den Römern, die die Insel Insula Maior benannten, die „grösste Insel“. Später wurde daraus Maiorica und dann Mallorca. Die ersten Mallorquiner kamen allerdings schon vor 6.000 Jahren an, per Boot, was damals eine Meisterleistung war.
Da man Mallorca selbst bei gutem Wetter nicht vom Festland aus sehen kann, war ein gewisser Abenteuerdrang nötig, um hierher zu gelangen. Folglich blieben die Siedler auch für sehr lange Zeit grösstenteils unter sich und liessen so die einzigartige Kultur der Talaiots entstehen, welche Zyklopenbauten errichtete, die bis heute gut erhalten sind.
Erst im 6. Jahrhundert v.Chr. legte Karthago hier einen Handelsposten an und öffnete Mallorca für den Einfluss anderer Kulturen des Mittelmeerraums. Später fiel die Insel an die Römer, deren Spuren überall auf Mallorca zu besichtigen sind, wie beispielsweise die hübsche und wie neu aussehende Brücke in Pollença.
Nach den Römern wurde Mallorca von den Vandalen besetzt, dann von Byzanz und vom zehnten bis dreizehnten Jahrhundert zum Arabischen Emirat von Córdoba, dessen Spuren ebenfalls bis heute erkennbar sind. Nach einem knappen Jahrhundert Selbständigkeit wurde Mallorca 1349 an Spanien angegliedert, was sich bis heute nicht geändert hat.
Die Insel gliedert sich in mehrere verschiedene Teile: im Nordwesten liegt ein Gebirgszug, die Serra de Tramuntana, wo sich viele Wanderwege und Naturschutzgebiete befinden. Im Zentrum der Insel befindet sich die Hochebene Pla de Mallorca. Sowohl im Gebirge als auch auf der Hochebene wird viel Landwirtschaft betrieben, da die Böden äusserst fruchtbar sind.
Es gibt Weingüter (welche selbstverständlich für Weinproben ihre Türen öffnen) und viele Plantagen mit Mandeln, Orangen oder Zitronen, Windmühlen, Felder und Weiden. Im Osten liegt ein kleinerer Gebirgszug, Serres de Levant und nach Süden hin fällt das Land flach ab bis hin zu den grossen Stränden und der Hauptstadt Palma.
Palma ist die Hauptstadt der Balearen und mit einer halben Million Einwohnern auch recht gross. Hier befinden sich der Flughafen, die grössten Strände und das aktivste Nachtleben Mallorcas.
Doch wenn man dies ignoriert, ist Palma eine wunderschöne Stadt, die man auf jeden Fall besucht haben muss. Das weithin sichtbare Herzstück der Altstadt bildet die berühmte Kathedrale La Seu mit ihren dazugehörigen Gebäuden. Gleich neben der Kathedrale finden Sie Reste der einst grossen Stadtmauer und den Parc de la Mar, der besonders im Sommerhalbjahr beeindruckend ist, wenn sich über den ganzen Park ein Blütenmeer erstreckt.
Ebenfalls einen Besuch wert ist das Llotja de Palma, ein spätgotischer Bau aus dem 15. Jahrhundert, der einst die Seehandelsbörse beherbergte und heute für Kunstaustellungen genutzt wird. Auch wer sich nicht für die Ausstellungen interessiert, sollte dennoch des Gebäudes wegen einmal hineingehen, denn es steht einer Kathedrale in nichts nach!
Für einen Happen zwischendurch bietet sich die Markthalle Mercat de L´Olivar an, wo Spezialitäten aus ganz Mallorca angeboten werden – Tipp: probieren Sie nicht nur das ausgezeichnete Essen, sondern auch den mallorquinischen Wein.
Wenn es Ihnen nach einer Pause zumute ist, setzen Sie sich in eines der hübschen Strassencafés an der Plaça de España oder der Plaça Major. Hier herrscht selbst in ruhigen Zeiten ein buntes Treiben, es gibt Strassenkünstler und fliegende Händler – kurz: es gibt immer etwas zu sehen und die wunderbare südländische Atmosphäre ist hier besonders spürbar.
Das kleine Örtchen Valldemossa ist berühmt für sein gleichnamiges Kloster. Nur 20km von Palma entfernt gelegen, kann man Valldemossa auch bequem in einer halben Stunde mit dem öffentlichen Bus erreichen.
Schon allein die Lage macht Valldemossa einen Besuch wert, da es in den Tramuntana-Bergen liegt und wunderbare Ausblicke auf die Tieflagen bietet.
Die sportlichen unter Ihnen können von hier aus auch kurze oder längere Wanderungen in den Bergen oberhalb des Klosters unternehmen.
Am schönsten ist der Wanderweg nach Deià, eine 12km lange Route, von der aus man wunderbare Ausblicke auf die Küste erhält. Von Deià aus können Sie mit dem Bus wieder zurück nach Valldemossa oder direkt nach Palma.
Beim Kloster handelt es sich um eine Karthause (Kloster des äusserst strengen Karthäuserordens), welche im 18. Jahrhundert erbaut wurde und von wo die Mönche schon 1835 vertrieben wurden.
Seither befindet sich das Kloster in Privatbesitz, ist aber für Besichtigungen zugänglich. Zusätzlich gibt es ein Museum über den Komponisten Fréderic Chopin, der hier einst für eine Weile lebte und in der Stille der Einsamkeit Werke verfasste.
Der Ort selbst ist ebenfalls äusserst hübsch. Lauter kleine Gassen laden zum schlendern ein oder Sie können in einer der kleinen Pensionen übernachten und einen angenehmen Erholungsurlaub geniessen.
Das Städtchen Soller wird von vielen als die schönste Stadt Mallorcas bezeichnet. Die Anfahrt ist etwas abenteuerlich, da man durch die Berge muss. Entweder man nimmt den Tunnel, der Mautgebühren kostet, oder die Bergstrasse oben drüber.
Das Strässchen ist zwar landschaftlich sehr schön und bietet viele Ausblicke in alle Richtungen, allerdings ist es nichts für Leute, die gern reisekrank werden.
Alternativ kann man auch mit dem „Oldtimer-Zug“ von 1912, dem Ferrocarril de Soller anreisen. Soller selbst befindet sich nahe der Westküste Mallorcas inmitten einer geschützten Bucht und unten am Strand liegt Port de Soller.
Tauchen Sie in die Altstadt Sollers ein und bummeln Sie durch alle Gassen. Die Stadt quillt nur so über vor alten Gemäuern aus beinahe allen Epochen mallorquinischer Geschichte. Sie finden hier mallorquinische, französische, arabische und koloniale Stile Seite and Seite in bunter Mischung.
Kleiner Tipp am Rande: bringen Sie bequeme Schuhe mit, das Pflaster mancher Gassen ist nichts für Absätze.
Mit der Strassenbahn geht es nach Port de Soller zum Strand und Hafen. Auch hier lässt sich einiges besichtigen, unter anderem der Leuchtturm, mehrere Kirchen und ein Museum über das Meer, welches sehr schön gemacht ist. Für Übernachtungen bieten sich beide Orte an.
Der Strand ist eher kiesig, wer also hauptsächlich Strandurlaub machen möchte, sollte nur einen Tagesausflug nach Soller machen. Wer hier jedoch wegen Kultur und/oder Wandern Ferien macht, kann es in Soller gut länger aushalten.
Illetes ist ein Ferienort unweit von Palma an Mallorcas Südküste.
Die Küste fällt hier relativ steil ins Meer hinab und bildet drei kleine malerische Buchten, welche mit breiten Sandstränden gefüllt sind: die Playa de Illetes, Cala Oli und Cala Comtessa – alle werden von kleinen Felsnasen und erfrischenden Pinienwäldern gesäumt.
Der Ort selbst wurde erst vor einem halben Jahrhundert speziell für Urlauber angelegt, doch die Strände sind auch der Geheimtipp, wo die Einheimischen sich am Wochenende entspannen.
In Illetes gibt es Ferienanlagen, Beachclubs und zahlreichen Tourismus, allerdings von der gehobenen Klasse. Ballermann ist hier fehl am Platz, dafür gibt es gehobene Restaurants und gute Hotels.
Selbst Bill Clinton hat hier schon Ferien gemacht. Alle Strände von Illetes sind besonders gut für Familien geeignet, da sie sehr geschützt sind und das Wasser ruhig ist.
Sie können hier gut die gesamten Ferien verbringen. Palma ist mit dem Auto oder Bus in nur wenigen Minuten erreichbar und auch die meisten anderen Sehenswürdigkeiten sind nicht weit entfernt. Das heisst, falls Sie es schaffen, den wunderbaren Strand zu verlassen.
Puerto de Alcúdia, oder auf mallorquinisch Port d´Alcúdia genannt, liegt im Norden Mallorcas an einer grossen Bucht und bietet mit 10km Länge einen der grössten Sandstrände der Insel.
Auf dem Höhenrücken oberhalb liegt die Stadt Alcúdia, die bereits von den Phöniziern gebaut wurde und später unter den Römern die erste Hauptstadt Mallorcas war.
Man kann hier bis heute die Ruinen der römischen Stadt Pollentia besichtigen und auf dem Weg nach Puerto de Alcúdia sogar ein gut erhaltenes römisches Amphitheater. Alcúdia selbst hat immer noch Teile seiner mittelalterlichen Stadtmauer und man betritt die Stadt mit den steilen Gassen durch eines der zwei imposanten Tore.
In Puerto de Alcúdia befindet sich nicht nur ein Yachthafen, den Sie gesehen haben sollten, sondern auch die Fähre nach Menorca, der Nachbarinsel Mallorcas, welche Sie an guten Tagen sehen können.
Entlang des Strandes gibt es natürlich viele elegante Hotels und Resorts, doch aufgrund seiner schieren Grösse gibt es hier immer genügend Platz für alle, selbst in der Hochsaison. In Alcanada gibt es für die Golfer unter Ihnen den wahrscheinlich schönsten 18-Loch Platz Mallorcas. Er liegt auf leicht hügligem Gelände und bietet einen spektakulären Blick auf die Bucht darunter. Hier vergessen Sie sehr schnell die Zeit!
Am Strand selbst lässt es sich natürlich wunderbar entspannen, doch auch die Wassersportler unter Ihnen sollen nicht zu kurz kommen. Entlang des Strands kann man vieles tun, wie beispielsweise Paragliding, Kajaken, Windsurfen, Schnorcheln, Jetskiing oder mit dem Stand up Paddleboard umherschippern.
Das Wasser ist hier sehr flach und deshalb auch hervorragend für Kinder geeignet. Wenn den Kleinen der Strand zu langweilig werden sollte, gibt es im Ort auch den Wasserpark Hidropark mit Trampolinen, Wasserrutschen, Minigolf und Restaurants.
Wer einen Ausflug machen möchte, kann einen Bootstrip buchen, bei dem man Delfine sehen kann. Im Ort Puerto de Alcúdia gibt es viele Fussgängerzonen voller Restaurants, die sämtliche Küchen der Welt vertreten.
Joan Miró i Ferrà war einer der bedeutendsten Künstler des Surrealismus und verbrachte die letzten 27 Jahre seines Lebens in Palma de Mallorca. Seine Stilrichtungen, für die er berühmt wurde, sind der Fauvismus und der Kubismus.
Er wurde 1893 in Barcelona geboren, wo er schon als Kind Zeichenunterricht erhielt. Später besuchte er die Kunstakademie La Lonja. Ein einschneidendes Erlebnis für Miró war seine Reise nach Paris im Jahr 1919, wo er unter anderem die Künstler Pablo Picasso, Paul Klee und Hand Arp kennenlernte.
Von ihnen inspiriert, begann er seinen so berühmten Stil zu entwickeln. In den 30ern und 40ern wurde sein Stil durch weitere Inspirationen von Salvador Dalí beeinflusst und er erhielt 1968 sogar von der UNESCO den Auftrag, zwei grosse Wandgemälde zu erstellen.
Doch der ganze Ruhm stieg ihm nie zu Kopf. Er blieb immer ein bescheidener Mann, der sein diszipliniertes Leben lebte und nie viele Worte verlor.
Nach seinem Tod 1983 ging sein Atelier an seine Stiftung Fundació Pilar i Joan Miró. Heute ist hier ein Künstlerzentrum, welches 6.000 Kunstwerke ausstellt, alle von Miró selbst – eine Ausstellung auf die selbst die grossen Museen der Welt neidisch sind. Dazu gibt es wechselnde Ausstellungen von aktuellen Künstlern und von aufstrebenden Jungkünstlern, die gerade erst Fuss fassen.
Das Atelier liegt im Vorort Cala Major, etwa 6 km vom Stadtzentrum Palmas entfernt und ist gut mit dem Bus erreichbar.
Da Teile Mallorcas aus Kalkgestein bestehen, gibt es hier entsprechende Höhlen. Die meisten davon sind lediglich halb erkundete Löcher im Untergrund, doch es gibt eine Handvoll grosser Höhlen, welche auch für die Öffentlichkeit zugänglich sind.
Auch wer sich überhaupt nicht für die Natur interessiert, sollte unbedingt einen Besuch der Cuevas del Drach, der Drachenhöhle, in Porto Cristo an Mallorcas Ostküste einplanen!
Ein weiterer Grund ist, dass es selbst bei grösster Sommerhitze hier unten immer angenehme 21 Grad kühl ist.
Die Höhle, oder besser gesagt, das Höhlensystem, wurde bereits im Mittelalter entdeckt und Ende des 19. Jahrhunderts von einem französischen Geologen erkundet und vermessen. Die Schönheit der Höhle sprach sich schnell herum und über kurz oder lang wurde die Drachenhöhle zur Sensation – aus gutem Grund!
Die zugänglichen Teile der Höhle bestehen aus 4 riesigen Kammern, durch die ersten drei läuft man bequem auf Stegen. Hinter jeder Ecke verbirgt sich eine erstaunliche Welt aus Stalaktiten und Stalagmiten, welche die gesamten Höhlenräume ausfüllen und wunderbare Gestalten bilden, von massiven Säulen bis hin zu fragilen Miniformen.
Am Ende der Tour wartet der Höhepunkt: der Martelsee, mit 179 Metern Länge Europas grösster unterirdischer See. Sie steigen hier in Kanus ein und geniessen ein unterirdisches Violinkonzert, während Sie über den beleuchteten See zwischen Stalagmiten umhertreiben. Da können nicht einmal Venedigs Gondeln mithalten.
Mallorca bietet wunderbare Strandferien, aber es gibt so viel mehr zu sehen, dass man am Ende fast keine Zeit für den Strand hat. Kultur und Natur quellen hier geradezu über und wollen von Ihnen entdeckt werden – zu jeder Jahreszeit gibt es neue Facetten, die selbst die Einheimischen immer wieder überraschen. Daher sind Ferien auf Mallorca eine absolute Empfehlung!