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Vor dem blauen Tempel in der nordthailändischen Stadt Chiang Rai bringen sich Besucherinnen und Besucher mit ihren Selfiesticks in Position. Zwischen ihnen steht Eddie, ein thailändischer Touristenführer, und strahlt. «Heute habe ich zum ersten Mal nach zwei Jahren wieder einen Gast. Ich bin so glücklich, dass ich am liebsten weinen würde.»
2019, im Jahr vor der Pandemie, kamen beinahe 40 Millionen ausländische Touristen nach Thailand. Im März 2020 schloss die Regierung die Grenzen. Seither war die Einreise gar nicht oder nur noch mit langer Quarantäne möglich. Für die Tourismusbranche, die 20 Prozent der Wirtschaftsleistung bringt, sei das eine schwierige Zeit gewesen, sagt Eddie. «Viele Leute wussten nicht mehr, wie sie überleben sollten und brachten sich und manchmal ihre ganzen Familien um.»
Unter dem Druck eines Kredithais
Eddie wechselte den Beruf, öffnete eine kleine Garküche am Strassenrand und nahm rund 600 Franken bei einem Kredithai auf. Wenn Eddie nicht zahlen konnte, dann belästigte der Wucherer ihn mit Telefonanrufen oder stellte sich vor die Schule seiner Kinder. Schliesslich verkaufte Eddie sein Auto, um den Kredit zurückzuzahlen.
Weniger ausländische Touristinnen und Touristen, die mehr zahlen, wären besser für unser Land und unsere Umwelt.
Auch in der Stadt Chiang Mai, mit den vielen Tempeln ein beliebtes Reiseziel, hat sich vieles verändert. Noch immer sind ein Grossteil der Geschäfte, Restaurants und Hotels geschlossen. Anfang November hob Thailand die Einreisebeschränkungen weitgehend auf, beinahe 200'000 ausländische Besucherinnen und Besucher kamen seither ins Land.
Wieder erschwerte Bedingungen
Doch am Nachtmarkt von Chiang Mai, wo Musiker, Kleider-, Souvenir- und Essensstände wieder die Strassen säumen, glauben wenige, dass ausländische Gäste bald wieder in alter Vielzahl nach Thailand reisen werden. Zu schnell verändern sich die Bestimmungen. So beschloss die thailändische Regierung am Dienstag, die quarantänefreie Einreise bis zum 4. Januar auszusetzen und dann die Lage neu zu bewerten.
All das sei doch nicht nur ein Problem, sondern auch eine Chance, findet Laiad Bungsrithong, die Präsidentin der thailändischen Hotelvereinigung in Chiang Mai. «Die Regierung sollte in Zukunft noch mehr den lokalen Markt fördern, anstatt auf den ausländischen Massentourismus zu setzen. Weniger ausländische Touristinnen und Touristen, die mehr zahlen, wären besser für unser Land und unsere Umwelt.»