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Passionsblume - Passiflora incarnata
Passiflora incarnata (syn. Granadilla incarnata, Passiflora kerii);
Passionsblume (syn. Fleischfarbene Passionsblume)
Passiflora cerulea
VORKOMMEN
Passiflora incarnata ist eine von zwei nordamerikanischen Passionsblumenarten. Die nördliche Verbreitungsgrenze verläuft durch die US-Bundesstaaten Missouri, Illinois, Indiana, Ohio und Pennsylvania. Anbaugebiete für die pharmazeutische Verwendung befinden sich in Florida und Indien, in kleinerem Umfang auch in Italien und Spanien. Passiflora incarnata bevorzugt sandige bis steinige, eher trockene Standorte und ist in den Verbreitungsgebieten besonders an Hecken, Strassenböschungen, Feld- und Lichtungsrändern zu finden.
MERKMALE
Passiflora incarnata ist ein immergrüner, ausdauernder Kletterstrauch mit einer Höehe von bis zu 10 m. Der verholzende Stängel ist an jüngeren Teilen grün und im Querschnitt leicht eckig. Die netznervigen Laubblätter sind wechselständig angeordnet, tief dreiteilig gelappt und leicht gesägt. Die radiärsymmetrischen und fünfzähligen Blüten erreichen einen Durchmesser von 6 bis 8 Zentimeter. Sie stehen einzeln an bis zu 10 Zentimeter langen Stielen und werden von drei zugespitzten Hochblättern umgeben, an denen sich Nektarien befinden. Die fünf Kelchblätter sind an der Aussenseite grünlich, innen weisslich, bis zu 3 Zentimeter lang und tragen eine kurze Granne. Die fünf Kronblätter sind weniger derb und etwas kürzer als die Kelchblätter. Meist sind die Kronblätter blassrosa. Ihre Farbe ist jedoch variabel.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Passiflorae herba (syn. Herba Passiflorae); Passionsblumenkraut.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Alkaloide:
Das Vorkommen von Harmanalkaloiden ist umstritten. Die potenziell toxische Harman-Alkaloide sind (im Gegensatz zu früheren Aussagen) gar nicht oder nur in sehr geringen geringen Konzentrationen vorhanden. Nach der Kommission E darf der Gehalt an Harman-Alkaloiden 0.01 % nicht überschreiten. Nach einer neueren Untersuchung gilt derzeit als gesichert, dass Harmanalkaloide in Passiflora incarnata (Handelsdroge) praktisch nicht vorkommen.
Ätherisches Öl:
In einigen Monographien wird das ätherische Öl als Inhaltsstoff aufgeführt, ist aber unbedeutend (Gehalt kaum bekannt, sicher aber <0,1 %). Zu den Inhaltsstoffen sind keine Angaben zu finden.
Cumarine:
Cumarin-Derivate gelten als Inhaltsstoffe und sind in Spuren nachgewiesen.
Cyanogene Glykoside:
Das in Passiflora incarnata nachgewiesene cyanogene Glykosid Gynocardin ist charakteristisch für die Art - es wurde bisher in keiner anderen Passionsblumenart gefunden. Die enthaltenen Mengen sind aber gering und unbedenklich. Aus Gynocardin freigesetzte Blausäure konnte nicht nachgewiesen werden.
Flavonoide:
Wie in allen Passiflora-Arten dominieren die C-Glykoside von Apigenin und Luteolin. Neuere Untersuchungen ergaben, dass neben Isoorientin und Isovitexin Isoschaftosid, Lucenin-2, Schaftosid, Vicenin-2 sowie Isoorientin- und Isovitexin-2"-glucosid als wichtigste Verbindungen vorhanden sind. Die Angaben zum Gesamtgehalt an Flavonoiden schwanken beträchtlich (abhängig vom Analyseverfahren) und schwanken zwischen 0,5 % und 4 % in der getrockneten Droge.
Ähnliches gilt für Maltol, es ist nicht gesichert, ob Maltol in Passiflora incarnata regelmässig vorkommt (nach älteren Untersuchungen in kleinen Mengen vorhanden).
PHARMAKOLOGIE
Passionsblume gegen Angststörungen:
In einer Studie (Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe) an 10 Patienten mit generalisierten Angststörungen wurde ein Passionsblumenpräparat (400 mg Trockenextrakt) mit verschiedenen Benzodiazepinen verglichen. Als Referenz bezüglich psychischer Angststörungen und Muskelrelaxation dienten 10 mg Diazepam. Die Wirkung auf die somatischen Erscheinungen der Angststörungen wurde mit jener von 2,5 mg Lorazepam verglichen und als Vergleich für die sedierende bzw. hypnotische Wirkung dienten 4 mg Flunitrazepam. Die Bewertung der einzelnen Parameter erfolgte nach einer Punkte-Skala basierend auf der „Hamilton anxiety rating“-Skala. Aus den Einzeldaten wurde der „anxiolytische Index“ (= Punkte anxiolytische Wirkung + Punkte für die Wirkung auf die somatischen Begleiterscheinungen / Punkte Muskelrelaxation + Punkte sedativ-hypnotische Wirkung) berechnet. Für das Passionsblumenextrakt wurde neben einer nur geringen sedierenden Wirkkomponente eine gute anxiolytische Wirkung, sowohl auf die psychischen als auch, etwas geringer, auf die somatischen Erscheinungen, festgestellt. Eine muskelrelaxierende Wirkung fehlte. Dadurch war der anxiolytische Index des Passionsblumenextrakts allen getesteten Psychopharmaka überlegen.
Weitere kontrollierte Doppelblindstudien (Hager) mit 162 (Vergleich mit Mexazolan) und 36 (Vergleich mit Oxazepam) Patienten kamen zu ähnlichen Ergebnissen.
Neuste Studien:
Zeitschrift für Phytotherapie 2014; 35(05): 215-218
Wirkmechanismus der Passionsblume aufgeklärt
ANWENDUNG
Die Kommission E nennt als Anwendungsgebiet "Nervöse Unruhezustände". Die ESCOP erweitert das Anwendungsgebiet um "Angespanntheit und Erregbarkeit mit Einschlafstörungen". Das Passionsblumenkraut wurde vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
Eine medizinische Verwendung von Passiflora incarnata in Europa ist im 20. Jahrhundert insbesondere bei leichten Symptomen nervöser Unruhezustände, als Einschlafhilfe oder auch als angst- und krampflösendes Mittel in namhaften medizinischen Handbüchern belegt.
Verwendet wird entweder das getrocknete Laub (das auch Teile von Blüten und Früchten enthalten kann) oder ethanolische bzw. methanolische Extrakte mit einem Mindestgehalt von 2,0 % an Flavonoiden.
Passionsblumenkraut findet sich in freiverkäuflichen pharmazeutischen Präparaten der Gruppe Schlaf- und Beruhigungsmittel, entweder feingeschnitten in Teezubereitungen oder als Auszug in Dragees oder Tropfen, meist in Kombination mit anderen Pflanzen, insbesondere Baldrian, Weissdorn, Hopfenzapfen oder Melissenblättern.
Ein Präparat das ausschliesslich Passiflora incarnata enthält (alkoholischer Trockenextrakt) ist "Valverde Entspannung, Filmtabletten".
Das enthaltene „Passionsblumenkraut“ muss stets von Passiflora incarnata stammen (auch wenn Darstellungen auf der Verpackung fälschlich oft andere Arten wie die Blaue Passionsblume zeigen).
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Tagesdosis Passionsblumenkraut: 4 bis 8 g Droge (4x 2 g als Teeaufguss).
Heute wird Passiflora incarnata fast nur noch als standardisierter Fertigextrakt in Dragees verwendet.
STATUS
- Kommission E: - positive Bewertung
- ESCOP: - positive Bewertung
- HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
- Klinische Studien: positiv
HOMÖOPATHIE
Passiflora incarnata HAB 1; Passionsblume, die frischen, oberirdischen Pflanzenteile. Anwendungsgebiet: Erkrankungen des Zentralnervensystems, Schlafstörungen, Unruhezustände, Krampfleiden.
PASSIONSBLUME IM GARTEN
Die Passionsblume bevorzugt einen sonnigen Standort, hier blüht sie
besonders schön bis in den Herbst hinein. Die fleischfarbene und die
blaue Passionsblume können sowohl als Kübelpflanze, wie auch als
Gartenpflanze gehalten werden. Als Kübelpflanze ist die Passionsblume
nicht winterhart, im Freiland muss sie mit einer dicken Mulchschicht aus
trockenem Laub geschützt werden.
Die Passionsblume hat keine besonderen Ansprüche an den Boden, der bevorzugte Bodentyp ist neutral, humos und gut wasserdurchlässig. Besonders als Kübelpflanze brauch sie ab und zu etwas flüssigen Volldünger. Die Pflanze braucht eine Rankhilfe zum klettern.
Während der ganzen Sommersaison muss man darauf achten, dass die Kletterpflanzen mit genügend Wasser versorgt sind. Die Passionsblume liebt viel Sonne und Wärme, braucht aber auch enorm viel Wasser. Wer die Pflanze vermehren möchte, sollte dies mit Stecklingen tun.
SONSTIGES
Die Gattungsbezeichnung Passiflora (von lat. passio = Leiden, flos = Blume) verweist auf die Passion Christi und erklärt sich aus den in frühen Beschreibungen religiös gedeuteten Merkmalen der Pflanzengattung, besonders ihrer Blüte. Dabei wurde beispielsweise die Nebenkrone als Dornenkrone interpretiert, die fünf Staubblätter als Wundmale, die drei Narben als Kreuznägel und die Sprossranken als Geisseln.
Letzte Änderung: 05.01.2017 / © W. Arnold