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Auf den Spuren Wilhelm Tells unterwegs im Kanton Uri
Wilhelm Tell, legendärer Freiheitskämpfer und Nationalheld der Schweiz, soll im Kanton Uri in der Zentralschweiz gelebt haben. An vielen Orten des Kantons findet man daher Spuren dieser wohl bekanntesten Schweizer Sagengestalt. Zahlreiche Denkmäler und ein beeindruckendes Museum bezeugen die große Verehrung, die Wilhelm Tell entgegengebracht wird. Zeitdokumente, die seine Existenz belegen, gibt es bisher jedoch nicht.
Erwähnung findet die Tell-Sage bereits im Weissen Buch von Sarnen, das um 1470 vom Obwaldner Landschreiber Hans Schriber verfasst wurde. Auch Friedrich Schiller wählte Uri als Schauplatz seines berühmten Dramas; Altdorf, der Hauptort des Kantons Uri, ist in Schauplatz der Apfelschussszene. Hier wird Tell gezwungen, einen Apfel vom Kopf seines eigenen Sohnes zu schiessen, weil er sich geweigert hat, den Hut des Landvogts Gessler zu grüssen – für Tell ein Symbol fremden Herrschaftsanspruchs.
Auf dem Rathausplatz in Altdorf befindet sich denn auch das bekannteste Tell-Denkmal. Die Bronzestatue von Richard Kissling aus dem Jahr 1895 zeigt Tell mit Armbrust, den Arm schützend um die Schulter des Sohnes gelegt. In den Sockel des markanten Denkmals eingraviert ist die Jahreszahl 1307 – Datum des Rütlischwurs, mit dem die drei Urkantone gelobten, sich nicht mehr von fremden Mächten beherrschen zu lassen.
Am Urnersee, dem südlichen Becken des Vierwaldstättersees, kann man die Tellskapelle aus dem späten 19. Jahrhundert besichtigen. Wie auch schon eine frühere Gedenkkapelle steht sie direkt am See und ist zum Wasser hin offen. Die Wände sind mit vier Fresken des Baseler Malers Ernst Stückelberger geschmückt, die Schlüsselszenen aus der Tell-Sage zeigen: den Apfelschuss, den Tellsprung, den Tyrannenmord in der hohlen Gasse und den Rütlischwur. Eine riesige Tell-Figur, zwischen deren Füssen Schiffe hindurchfahren sollten, wollte König Ludwig II. von Bayern an dieser Stelle errichten lassen. Sie sollte seiner Begeisterung für die Tell-Sage Ausdruck geben, wurde jedoch nicht verwirklicht.
Am Seeufer ganz in der Nähe der Tellskapelle befindet sich eine Felsplatte, die im Volksmund auch Tellsplatte oder Tellsprung genannt wird. Hier soll der Held der Sage auf dem Weg in das Burgverliess den Sprung vom Schiff des Landvogts Gessler getan haben, sich auf die Felsplatte gerettet haben und geflohen sein. Nostalgische Dampfschiffe, mit denen Besucher im Sommerhalbjahr eine Rundfahrt auf dem Vierwaldstättersee machen können, fahren auch vorbei an dieser geschichtsträchtigen Erinnerungsstätte.
Als Heimatort Wilhelm Tells gilt seit jeher das Dorf Bürglen südöstlich von Altdorf am Eingang des Schächentals. Im Tell-Museum des Ortes befindet sich die umfangreichste Sammlung an historischen Dokumenten und Gegenständen zum Mythos des Freiheitshelden. Dem Thema „Wilhelm Tell in der Kunst“ widmet sich seit 2012 eine Sonderausstellung. Die Gemeinde Bürglen hat dazu auch das Tellenbuch mit Tell-Abbildungen herausgegeben, das im Museum, im Buchhandel und bei der Gemeindeverwaltung erhältlich ist. Am Museum beginnt auch der Tell-Lehrpfad. Er führt vorbei an acht Tafeln, die Szenen aus dem Leben des Nationalhelden darstellen. Bei einem etwa 20-minütigen Gang durch die idyllische Landschaft kann man seine Geschichte nacherleben. Das Dorf Bürglen selbst blickt auch zurück auf eine lange Geschichte. Wie aus einer Schenkungsurkunde König Ludwigs des Deutschen hervorgeht, stand es schon 857 unter der Schirmherrschaft des Zürcher Klosters Fraumünster. Die kleine Tellskapelle im Dorf nahe der Pfarrkirche soll sich auf dem Platz befinden, wo nach der Ortsüberlieferung einst das Wohnhaus Wilhelm Tells gestanden haben soll.
Im Oktober 1898 beschloss die Gemeinde Altdorf, das Schiller-Drama auch in der Heimat seines Protagonisten aufzuführen. In der Folge wurde das Stück inzwischen mehr als 100 Jahre lang in Altdorf gespielt. Mit dem Wandel der Zeit stellten die Inszenierungen die Tellspiel- und Theatergesellschaft Uri immer wieder vor neue Herausforderungen. Im Sommer 2016 soll das Schauspiel wieder in ganz neuer Form aufgeführt werden, inszeniert von Philipp Becker, der sich als Regisseur am Berner Stadttheater einen Namen gemacht hat.
Auch Friedrich Schiller, der im Jahr 1804 das berühmte Drama „Wilhelm Tell“ verfasste, wird im Kanton Uri mit einem Denkmal geehrt. Im Jahr 1859 wurde ihm anlässlich seines 100. Geburtstags der Schillerstein gewidmet, ein obeliskförmig behauener Felsblock, der gegenüber von Brunnen am Eingang zum Urnersee aus dem Wasser ragt. Bereits im Weissen Buch von Sarnen wird dieser Stein als Wegzeichen zum Rütli erwähnt. In seiner ursprünglichen Grösse hatte der abgestürzte Felsblock die Dampfschifffahrt gefährdet und war daher bereits im Jahr 1838 verkleinert worden. Heute ist er als Schillerdenkmal weithin sichtbar.
Oberstes Bild: Als Heimatort Wilhelm Tells gilt seit jeher das Dorf Bürglen. (© Andreas Faessler, Wikimedia, CC)