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Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es für Anleger zunehmend schwieriger, ihr Geld zu investieren. Die Preise für einzelne Immobilien stiegen und die Aktientitel erreichten Kursniveaus, die ein diversifiziertes Anlegen mit kleineren Beträgen kaum noch ermöglichten. Zudem gab es ein stärkeres Bedürfnis nach Risikoverteilung. Für traditionelle Anlageformen wie Sparhefte, Kassaobligationen und Staatsanleihen war die Verzinsung unattraktiv. Als passendes Anlagevehikel gelangten deshalb in der Regel besser rentierende Anteile an Fonds in den Fokus, die in den 1930er Jahren erstmals in Umlauf gelangt waren. Bei einem Fonds hatte der Anleger die Möglichkeit, sich je nach seinen finanziellen Möglichkeiten anteilsmässig an spezifisch zusammengestellten, risikodiversifizierten Bündeln von Wertgegenständen wie Aktien, Obligationen, Immobilien oder auch Rohstoffen zu beteiligen. Die Zahl der Anlagefonds in der Schweiz stieg in den 1950er Jahren stark an, von 19 auf 74, mit einem Vermögen von insgesamt 3,5 Milliarden Franken.
Mit Anlagefonds in Richtung Universalbank
Lange Zeit waren die Kantonalbanken nicht am Anlagefonds-Geschäft beteiligt. Sie sahen jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg, dass immer mehr Geld in solche Fonds der Grossbanken abfloss. Insbesondere im Immobilienbereich fürchtete man den direkten Einfluss auf Bauinvestitionen.
Werbung für verschiedene Anlagefonds der Schweizerischen Kantonalbanken.
Werbung für Fonds der Swissca, um 1997.
Immobilienfonds als Verteidigungsmassnahme
Die Kantonalbanken blieben weitgehend passiv und fungierten nur vereinzelt als Zeichnungsstelle. Trotz einigen Anläufen gelang es erst 1960 im Schosse des Verbandes Schweizerischer Kantonalbanken, einen Immobilienfonds ins Leben zu rufen. Vorerst zeichneten die Basler Kantonalbank, die Kantonalbank von Bern, die Banque Cantonale Vaudoise und die Zürcher Kantonalbank als Gründerinstitute. Die Direktion der Zürcher Kantonalbank erhoffte sich mit der Herausgabe von Anteilen an einem eigenen Fonds, den Abfluss von Passivgeldern an die Fonds der Grossbanken stoppen zu können. Im Fokus stand aber das Aktivgeschäft: Den Grossbanken war über Immobilienfonds der Einstieg in den Hypothekenmarkt geglückt. Sie erteilten als Fondsleiter Bauaufträge und drangen so ins traditionelle Geschäftsfeld der Zürcher Kantonalbank mit dem lokalen Baugewerbe ein. Als weiteren Vorteil eines Immobilienfonds sah man die Möglichkeit, den Wohnungsbau über Kapital aus dem Fonds noch stärker und auf direktem Weg zu fördern. Beim Bankrat, der neue Produkte bewilligen musste, hielt sich an der entscheidenden Sitzung im Juli 1960 die Begeisterung für einen direkten Einstieg ins Liegenschaftengeschäft in Grenzen. Er stimmte aber einer Beteiligung von einem Viertel am Aktienkapital der Fondsleitungsgesellschaft des Verbandes der Schweizerischen Kantonalbanken zu.
Keine Werbung bei Kleinsparern
1969 riefen die Kantonalbanken einen weiteren Fonds ins Leben, der auf Wertschriften basierte. Doch weiterhin war die Begeisterung in der strategischen Führung begrenzt. Der zuständige Direktor führte in der Bankratssitzung vom März 1969 Folgendes aus: «Es waren teilweise starke Widerstände [bei anderen Kantonalbanken] zu überwinden, da mit dem neuen Fonds die Sparkasse und [eigene] Obligationen konkurrenziert werden. Andererseits bedeutet dies einen weiteren Schritt zur Universalbank, der schon deshalb getan werden sollte, um unsere Kunden und weitere Interessenten für Wertschriften-Zertifikate nicht zu andern Banken schicken zu müssen.» Die Zürcher Kantonalbank übernahm Anteilscheine von 4 Millionen Franken, die dann an die Kundschaft verkauft wurden. Beim kleinen Sparer sollte dafür allerdings nicht geworben werden, sondern nur bei Anlegern, die gewisse Risiken eingehen wollten und konnten.
Werbung für den ZKB-Fonds Fremdwährungsobligationen, 1990.
Werbung für den ZKB-Fonds Aktien, 1990.
Dynamik dank Swisscanto
Die gemeinsam verwalteten Fonds gingen 1993 an die Swissca (später: Swisscanto) über. In den kommenden Jahren wuchs das Fondsgeschäft bei Swisscanto weiter, während die Zürcher Kantonalbank parallel ihr eigenes Fondsangebot ausbaute. Als besonders erfolgreich erwies sich dabei der 2006 lancierte «ZKB Edelmetall Exchange Traded Funds». Mit der vollständigen Übernahme der Swisscanto-Gruppe durch die Zürcher Kantonalbank entstand 2015 der drittgrösste Fondsanbieter der Schweiz. Die Bank positionierte sich damit als eine der führenden Adressen im Schweizer Anlage- und Vermögensverwaltungsgeschäft. Das von der Swisscanto Fondsleitung AG verwaltete Vermögen beträgt heute rund 96 Milliarden Franken.