Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/191133

<h2>SubmittedText<h2><p>Es ist bekannt, dass eine zentrale Steuerung der Patientenbetreuung die Pflegequalität erhöht und die Kosten senkt - laut den inoffiziellen Zahlen einiger Krankenkassen um mindestens 15 Prozent.</p><p>Gleichzeitig muss man bedenken, dass das Gesetz über Managed Care, das den Versicherten Ärztenetzwerke vorschreiben wollte, 2012 deutlich abgelehnt wurde.</p><p>Es gibt eine flexiblere Variante, bei der die Patientinnen und Patienten Ärzte und Leistungserbringer frei wählen können, aber allein der Hausarzt oder die Hausärztin die Überweisung an einen Spezialisten oder eine Spezialistin steuert. Durch diese Steuerung überwacht der Hausarzt oder die Hausärztin die Kohärenz der Behandlung. Er oder sie wird entsprechend ausgebildet und entlöhnt.</p><p>Dieses Modell wird in der Massnahme 27, "Verpflichtung zu Gatekeeping", des Bundesberichtes "Kostendämpfungsmassnahmen zur Entlastung der obligatorischen Krankenpflegeversicherung" kurz erwähnt.</p><p>1. Was hält der Bundesrat von einem solchen Modell?</p><p>2. Ist es vorgesehen, die Auswirkungen dieses Modells in den Niederlanden zu untersuchen?</p><p>3. Wäre dies ein geeignetes Mittel, um den Status des Schweizer Hausarztes bzw. der Schweizer Hausärztin aufzuwerten?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1./3. Die meisten Versicherer bieten Versicherungen mit eingeschränkter Wahl des Leistungserbringers an. Dazu regeln sie die Rechte und Pflichten der Versicherten in ihren Versicherungsbedingungen. Der Zugang zu Fachärzten oder zu anderen Leistungserbringern wird zum Beispiel durch eine Hausärztin oder ein Beratungszentrum gesteuert.</p><p>Im Jahr 2017 hatten mehr als zwei Drittel aller Versicherten eine besondere Versicherungsform mit eingeschränkter Wahl des Leistungserbringers abgeschlossen (Erwachsene: 68,8 Prozent, Kinder: 71,6 Prozent). Von allen Versicherten hatten rund 9 Prozent ein HMO-Modell (Erwachsene 8,7 Prozent, Kinder 9,5 Prozent), rund 38 Prozent ein Hausarztmodell (Erwachsene: 37,8 Prozent, Kinder: 39,2 Prozent) und rund 20 Prozent eine andere besondere Versicherungsform mit eingeschränkter Wahl des Leistungserbringers abgeschlossen (siehe <a href="http://www.bag.admin.ch">www.bag.admin.ch</a> &gt; Zahlen &amp; Statistiken &gt; Krankenversicherung: Statistiken &gt; Statistik der obligatorischen Krankenversicherung 2017, Tabellen 7.08 und 7.09). Diese Zahlen zeigen, dass die Versicherten diese Versicherungsform und namentlich die Hausarztmodelle schätzen.</p><p>Im Auftrag des Eidgenössischen Departementes des Innern (EDI) hat eine Expertengruppe im Jahr 2017 einen Bericht "Kostendämpfungsmassnahmen zur Entlastung der obligatorischen Krankenpflegeversicherung" verfasst (siehe <a href="http://www.bag.admin.ch">www.bag.admin.ch</a> &gt; Versicherungen &gt; Krankenversicherung &gt; Kostendämpfung). Darin wird die Verpflichtung zu einer ersten Anlaufstelle als eine Massnahme angeführt (Massnahme 27). Die erste Anlaufstelle leitet die weiteren Behandlungen ein und koordiniert sie. Sie behält die Übersicht über die medizinischen und paramedizinischen Massnahmen, welche die versicherte Person benötigt, und führt diese durch die Versorgungskette. Das Prinzip der ersten Anlaufstelle soll zu einer höheren Wirtschaftlichkeit führen, zum Beispiel indem mehrfache Untersuchungen vermieden werden. Der Bericht kommt zum Schluss, dass die Verbreitung dieses Modells sich angesichts der Vorteile noch wesentlich erhöhen liesse. Deshalb seien auch Ansätze mit verpflichtendem Charakter zu verfolgen.</p><p>Der Bundesrat hat gestützt auf diesen Expertenbericht Ende März 2018 ein Kostendämpfungsprogramm verabschiedet. Am 14. September 2018 wurde die Vernehmlassung zu einem ersten Paket von Massnahmen eröffnet. Im Jahr 2019 soll ein zweites Paket mit Kostendämpfungsmassnahmen folgen. Ziel ist, auch Massnahmen für eine angemessene Versorgung zu prüfen. Dabei kann der Bundesrat insbesondere die Verpflichtung zu einer ersten Anlaufstelle vorschlagen.</p><p>2. Die Auswirkungen dieses Modells in den Niederlanden wurden bereits in mehreren wissenschaftlichen Arbeiten untersucht. Das EDI wird diese Arbeiten bei den Überlegungen zur Umsetzung der Massnahme 27, welche eine Verpflichtung zu einer ersten Anlaufstelle vorsieht, berücksichtigen. Die erwähnte Expertengruppe umfasste zudem mit Herrn Patrick Jeurissen, Professor for fiscal sustainable health care systems (steuerlich nachhaltige Gesundheitssysteme) an der Radboud University, auch einen Experten aus den Niederlanden.</p>  Antwort des Bundesrates.