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Gasser
Immobilien
Gasser Immobilien
Wärmebrücken sind
Teilflächen der Gebäudehülle mit erhöhtem Wärmedurchgang. Wärmebrücken
werden oft gleichgesetzt mit schlechter Bauweise. Dies ist eine zu grosse
Vereinfachung, denn es gibt bei genauer Betrachtung keine wärmebrückenfreien
Gebäude. Im vorliegenden Artikel wird ein Verfahren vorgestellt, das jedem
Hausbesitzer erlaubt herauszufinden, wo bei seiner Liegenschaft die Grenzen
zwischen Zulässigen und unzulässigen Wärmebrücken liegen und wie in seiner
Liegenschaft gelüftet werden muss, um Schimmelpilze an den Wärmebrücken zu
vermeiden.
Unterschiedliche
Anforderungen
Die Tabelle 1 wurde dieser Norm entnommen. Sie gibt für
rund 160 Orte der Schweiz an, bei welcher Aussentemperatur die Wärmebrücke
mindestens 9,3 °C warm sein muss. Für fehlende Orte kann der nächstgelegene
Standort übernommen werden. Allfällige Abweichungen in der Höhenlage sind
jedoch mit 0,5 °C pro 100 m Höhenunterschied zu korrigieren.
Grafische Lösung
Das Diagramm zeigt am unteren Rand die
Aussentemperatur, aufgetragen von - 20 °C in der linken Ecke bis zu + 20 °C in
der rechten Ecke. Am linken Rand ist die Oberflächentemperatur der Wärmebrücke
angegeben.
Sie beginnt in der unteren linken Ecke mit 0 °C und
steigt in senkrechter Richtung bis + 20 °C an. Der rechte Rand zeigt die
maximal zulässige relative Luftfeuchtigkeit im Gebäudeinnern, die zur
Vermeidung von Schimmelpilzen auf der Wämebrücke längerfristig nicht überschritten
werden darf. Längerfristig bedeutet in diesem Fall rund drei tage und mehr. Die
Skala wurde basierend auf der Erfahrung berechnet, dass die relative Luftfeuchte
bei einer Wärmebrücke lokal auf mindestens 85 % ansteigen muss, um einen
Schimmelpilzwachstum zu ermöglichen.
Etwa
in der Mitte des Diagramms Nr. 1 befindet sich eine dicke, waagrechte Linie. Sie
markiert die Oberflächentemperatur der Wärmebrücke von 9,3 °C, die bei den
Aussentemperaturen gemäss Tabelle 1 nicht unterschritten werden darf. In der
oberen rechten Ecke des Diagramms ist ein mit A bezeichneter Punkt erkennbar. Es
ist jeder Punkt der „Temperaturgeraden“ der Wärmebrücke, der sich bei
einer Aussentemperatur von + 20 °C ergibt. Alle Informationen, die mit der
grafischen Methode gewonnen werden, gelten für die „normale“
Innentemperatur von + 20 °C.
Das Diagramm Nr. 2 zeigt eine einfache Anwendung der
Methode. Für ein Wohnhaus in Zürich soll für eine gerade noch zulässige Wärmebrücke
die „Temperaturgerade“ (gestrichelte Linie) konstruiert werden. Zur Lösung
erfolgt der Einstieg am unteren Rand bei der für Zürich massgebenden
Aussentemperatur von - 14 °C. Dort wird nach oben eine vertikale Linie gezogen,
welche die 9,3 °C-Horizontale im Punkt B schneidet. Punkt B ist der für Zürich
ortspezifische Punkt der „Temperaturgeraden“, welche durch die Verbindung
der Punkte A und B erstellt wird.
Sobald die „Temperaturgerade“ für eine Liegenschaft gezeichnet ist,
können die gewünschten Informationen bezüglich der minimalen Oberflächentemperatur
der Wärmebrücke und der maximal zulässigen Luftfeuchtigkeit abgelesen werden.
Dies ist im Diagramm Nr. 2 durch die Pfeile exemplarisch gezeigt. Beispielsweise
ist ersichtlich, dass bei einer Aussentemperatur von -5 °C
die Wärmebrücke mindestens 12,1 °C warm sein muss. Wenn sie kälter
ist, muss sie als unzulässig beurteilt werden. Achtung:
Temperaturmessungen an Wärmebrücken erfordern einen Fachmann!
Für eine Aussentemperatur von 0 °C ist abzulesen, dass die relative
Luftfeuchtigkeit im Gebäude maximal 57 % betragen darf. Wenn sie längere Zeit
höher ist, besteht Schimmelpilzgefahr für die Wärmebrücke.
Das Diagramm Nr. 3 zeigt eine weitere
Anwendung. für eine Liegenschaft in Genf (massgebende Aussentemperatur nach
Tabelle 1 von - 10 °C) soll für den Herbst und den Winter der zulässige
Feuchtigkeitsbereich im Gebäudeinnern ermittelt werden. Ergebnis: im Herbst
soll die relative Luftfeuchtigkeit zwischen 55 und 60 % liegen, im Winter im
Bereich von 45 %. Die Ermittlung solcher Richtwerte ist in der Praxis zur
Vermeidung von Feuchteschäden sehr nützlich. Jeder Hausbesitzer ist mit der
vorgestellten Methode in der Lage, für seine Liegenschaft individuell solche
Richtwerte zu erarbeiten und mit einem Qualitäts-Hygrometer zu überwachen.
Altbauten sind erfahrungsgemäss vor allem im Herbst
schimmelpilzgefährdet. Der Grund wird anhand des Diagramms Nr. 4 deutlich. Ohne
frühzeitigen Heizbeginn ist es bei Altbauten fast unmöglich, im Herbst auf die
geforderten Feuchtigkeitswerte von 50 bis 55 % relativer Feuchte zu kommen.
Gasser Immobilien, Neuenegg - Bern, Tel. 031 742 01 01 (oder 02)