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gucken oder kucken
Korrekte Schreibweise:
- gucken
- kucken
«Was guckst du?» und «Was kuckst du?» sind beides korrekt geschriebene Sätze. Man kann das Verb gucken/kucken also mit einem g oder einem k am Wortanfang schreiben. Laut Duden ist nicht klar, woher das Wort gucken/kucken ursprünglich stammt, vermutet wird der Ursprung in der Kindersprache. Belegt ist gucken/kucken bereits im 13. Jahrhundert.
Regionale Unterschiede
In der Praxis gibt es regionale Unterschiede in der verwendeten Schreibweise von kucken oder gucken. Im Rechtschreibduden wird darauf hingewiesen, dass die Variante gucken in Süddeutschland gebräuchlicher ist, in Norddeutschland die Variante kucken. Betrachtet man den gesamten deutschsprachigen Raum, ist gucken weiter verbreitet als kucken, da die Schreibvariante mit g auch in der Schweiz und Österreich beliebter ist als die Variante mit k. Dies legt zumindest ein Blick auf die Suchstatistik bei Google-Trends nahe, wo überall der Ausdruck «gucken» bevorzugt wird.
Auch im Wortauskunftssystem zur deutschen Sprache in Geschichte und Gegenwart (DWDS) wird kucken nur als norddeutsche Nebenform zu gucken erwähnt.
Vermeiden Sie gucken/kucken in der Standardsprache
Persönlich bevorzuge ich die Variante gucken, weil Sie weiter verbreitet ist als kucken. Allerdings ist das Verb unabhängig von der Schreibweise ein Wort aus der Umgangssprache. Ich empfehle deshalb, es im Normalfall mit einem standardsprachlichen Verb zu ersetzen, zum Beispiel mit «sehen», «(jemanden) ansehen» oder «(etwas) betrachten». Aus: «Er guckte sie finster an», wird dann: «Er sah sie finster an». Selbstverständlich kann das umgangssprachliche gucken aber in einem literarischen Text oder in der direkten Rede («Was guckst du?») angebracht und sehr passend sein.
Beispiele mit gucken/kucken
Gucken/kucken bedeutet in erster Linie «sehen» oder «schauen»:
- Der Astronom guckte in sein Fernrohr.
- Er guckte vorsichtigt unter den Deckel des Kochtopfs, um zu sehen, was so köstlich roch.
- Während Sie mir ihre Powerpointpräsentation am Comupter erklärte, kuckte ich ihr über die Schulter.
Gucken oder hervorgucken kann auch «heraus-/hervorragen» meinen:
- Ein dickes Geldbündel guckte aus der Manteltasche des Mafiabosses.
- Ihre langen Haare guckten unter der Wollmütze hervor.
- Schau mal, wie rostig die Tischbeine sind, die unter dem weissen Tischtuch hervorgucken.
Redewendungen mit gucken/kucken
Gucken/kucken trifft man aber auch häufig in einem bildlichen Zusammenhang an bzw. in einer übertragenen Bedeutung, wie diverse Redewendungen belegen:
Haha, jetzt guckst du aber in die Röhre! Gemeint ist: Du hast das Nachsehen; du gehst leer aus. Vermutlich geht diese Redewendung auf die Jägersprache zurück. Wenn ein Jäger von der «Röhre» spricht, meint er einen Dachsbau. Weil diese Röhre für den Jäger und den Jagdhund im Normalfall zu eng ist, um den Dachs zu verfolgen, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als in die Röhre zu kucken statt dem Dachs nachzujagen. Bis vor einigen Jahren, zur Zeit der Röhrenfernseher, konnte man auch sagen: «Heute habe ich aber lange in die Röhre geguckt», und damit ausdrücken: Ich habe (zu) lange TV geschaut. Diese Bedeutung dürfte wohl nur noch selten gemeint sein, denn wer hat noch einen Röhrenfernseher zuhause ...
Der Radfahrer guckte dumm aus der Wäsche, als ihn Speedy Gonzales plötzlich zu Fuss überholte. Gemeint ist: der Radfahrer schaute fassungslos/überrascht. Eine eindeutige Erklärung zu dieser Redewendung konnte ich in keinem Nachschlagwerk ausfindig machen. Eine der Erklärungen führt die Redewendung auf die Soldaten im Zweiten Weltkrieg zurück. Mit der «Wäsche» ist das Oberhemd gemeint und in diesem Oberhemd steckt das Gesicht oder der Gesichtsausdruck des Soldaten, der je nach Situation dämlich aus diesem Oberhemd oder eben der «Wäsche» guckt.
Gestern hast du aber tief ins Glas geguckt! Gemeint ist: Du hast (zu) viel Alkohol getrunken und siehst verkatert aus. Auch hier habe ich keine offizielle Erklärung zu dieser Redewendung ich gefunden. Wahrscheinlich ist sie zu offensichtlich: Je tiefer man in ein Glas (oder eine Flasche) sehen kann, umso weniger Flüssigkeit enthält sie, umso mehr hat man bereits getrunken und umso betrunkener ist man.
Weitere Redewendungen sind: Mein Chef kuckt mir dauernd auf die Finger (mein Chef kontrolliert mich dauernd); er guckte Löcher in die Luft (starrte vor sich hin); ich lasse mir nicht in die Karten gucken (ich will meine Pläne nicht offenlegen).
Wortzusammensetzungen mit gucken
Gucken taucht in der deutschen Sprache auch in diversen Wortzusammensetzungen auf. Als ersten Wortbestandteil findet man gucken in Substantiven meistens in der abgekürzten Form «Guck-», zum Beispiel Guckloch, Guckfenster oder Guckauge.
Weiter kann man unzählige Verben mit einer Vorsilbe und «gucken» als letztem Wortbestandteil bilden: hindurchgucken, zugucken, umgucken, nachgucken etc.
Als verbindender Wortbestandteil in der Wortmitte findet man «-guck-» beim Hansguckindieluft.
Nachschlagwerk zur Rechtschreibung?
In meiner Wortliste mit häufigen Fehlern finden Sie weitere Wörter, die rechtschreiblich schwierig sind. Meine Liste ist natürlich nicht so umfangreich wie der gute alte Duden (Band1)*, den ich nach wie vor als Standardwerk zu Rechtschreibfragen für das heimische Bücherregal empfehle.