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Was für ein Auto fahren Sie?
Bertrand Piccard: Einen Hyundai Kona, er ist 100 Prozent elektrisch, beschleunigt besser als ein Benzinauto, er macht keine Geräusche, es gibt keine Vibrationen. Wenn ich bergab fahre, laden sich die Batterien wieder auf und erhöhen meine Reichweite. 400 Kilometer Reichweite kosten nur 10 Franken. Wenn Sie einmal ein Elektroauto ausprobiert haben, möchten Sie kein Benzinauto mehr fahren.
Der Klimawandel scheint für die Mehrheit der Autokäufer noch kein Argument für einen Wechsel zu sein.
Wir sollten nicht über den Klimawandel sprechen, weil er für Menschen abstrakt und nicht greifbar ist. Wir müssen über
die Luftverschmutzung sprechen, an der jedes Jahr sieben Millionen Menschen sterben.
Wir müssen über das Risiko sprechen, dass wir unsere Lebensqualität verlieren. Wir müssen über den Mangel an Ressourcen sprechen, die zur Neige gehen. Wir müssen über eine effiziente Mobilität sprechen.
Es geht nicht um einen Wettkampf zwischen Batterien und Wasserstofftechnik.
Was ist effiziente Mobilität?
Ganz einfach: Durch den Betrieb eines Gas- oder Dieselmotors verlieren Sie 73 Prozent der Energie, die sie hineinstecken. Bei einem Elektromotor sind es nur 3 Prozent. Der Elektromotor ist also weitaus effizienter. Es ist nicht das Ziel, die Industrie zu bekämpfen, sondern es geht darum, effizienter und profitabler zu sein.
Für Elektroautos scheinen Batterien die bevorzugte Wahl der Autohersteller zu sein, nicht Wasserstoff. Warum?
Es geht nicht um einen Wettkampf zwischen Batterien und Wasserstofftechnik. Beides macht Sinn, aber für unterschiedliche Zwecke. Meine Vision ist, dass wir Batterien für kleine Autos einsetzen, in denen Sie problemlos Energie direkt speichern können.
Wenn Sie jedoch Energie in schweren Fahrzeugen speichern möchten und eine grosse Reichweite benötigen, werden wir Wasserstoff verwenden. Mit einem Tank, den Sie in nur drei Minuten auffüllen können. Batterien müssten für schwere Fahrzeuge sehr gross sein und wären zu teuer.
Wo sind die Beispiele, um diese Vision zu unterstützen?
In der Schweiz gibt es ein fantastisches Projekt – H2 Mobilität. Logistikunternehmen, Supermärkte und Tankstellen kooperieren mit einem Unternehmen, das Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen produziert. Und Hyundai stellt tausend wasserstoffbetriebene Lastwagen zur Verfügung.
Alles kam auf wundersame Weise zusammen. Diese private Initiative braucht keine Subventionen und ist rentabel. Es gibt keine Entschuldigung mehr, Benzin oder Diesel in einem LKW zu verbrennen.
Angenommen, der Bundesrat ernennt Sie zum Präsidenten mit voller Gesetzgebungsbefugnis. Was würden Sie tun?
Ich habe da einige Ideen, zum Beispiel eine Finanzsteuer, eine bessere Isolation von Gebäuden und die Verpflichtung auf bestimmte Grundwerte für alle Parteien. Mit Blick auf die Mobilität würde ich mich jedoch auf zwei Dinge konzentrieren: Erstens, wir setzen konsequent auf Elektromobilität, aber mit einem sehr wichtigen Detail. Autos sollten in der Lage sein, die Energie am frühen Abend, wenn Sie nach Hause zurückkehren und der Energiebedarf am höchsten ist, in Ihr Haus einzuspeisen.
Nachts, wenn der Strom günstig ist, können Sie dann das Auto wieder aufladen. Heute wird das noch vom Monopol der Energieerzeuger blockiert. Zweitens, wir brauchen eine Preisgestaltung inklusive aller externen Effekte. Zum Beispiel müssen wir die Kosten für die CO₂-Emissionen oder die Luftverschmutzung in den Preisen berücksichtigen.
Weltverbesserer
Name: Bertrand Piccard
Funktion: Präsident der Solar Impulse Foundation
Alter: 62
Wohnort: Lausanne
Familie: verheiratet, drei Töchter
Ausbildung: Arzt und Abenteurer
Sollten Politiker mehr für nachhaltige Lösungen in der Schweiz tun?
Natürlich. Nur ein Beispiel. Albert Rösti, der ehemalige SVP-Präsident, war gleichzeitig Präsident von Swissoil. Das war
ein Interessenkonflikt. Wenn die SVP Schweizern Vorrang vor dem Ausland einräumen will, dann sollten sie nachhaltige Energie aus der Schweiz unterstützen.
Warum kämpft die SVP gegen nachhaltige Energie? Es ergibt keinen Sinn. Und warum machen die anderen Parteien von der Mitte und rechts nicht mehr für saubere Technologien, die Arbeitsplätze schaffen und mehr Gewinn generieren als alte luftverschmutzende Systeme?
Immerhin bieten Autohersteller immer mehr Elektroautos an.
Ja, aber sie fangen gerade erst damit an und zudem könnten die Autofirmen schon heute viel mehr tun. Es gibt eine Technologie, die Sie in Ihr Benzin- oder Dieselauto integrieren können.
Sie kostet 500 Franken, reduziert Ihre Partikel-Emissionen um 80 Prozent und verbraucht 20 Prozent weniger Benzin oder Diesel. In einem Taxi installiert, rechnet sich die Investition nach sechs Monaten. Das Startup Antismog hat die Technik entwickelt. Bisher ist kein Autohersteller interessiert. Es ist eine Schande.
Auf Schweizer Strassen fahren immer mehr Elektroautos herum. Letztes Jahr entschieden sich 4,2 Prozent der Autokäufer für einen E-Antrieb. Damit haben Elektroautos nur in drei anderen europäischen Ländern einen höheren Marktanteil. Mehr hier.
Was ist der Schwerpunkt Ihrer Arbeit?
Die Solar-Impulse-Stiftung wählt profitable Lösungen von Startups und grossen Unternehmen aus, die die Umwelt schützen. Sie erhalten dann von uns das kostenlose Label «Solar Impluse Efficient Solution». Wir haben bereits 652 Lösungen ausgezeichnet.
Unser Ziel sind 1000. Würden wir heute diese 652 Lösungen weltweit implementieren, könnten wir die Hälfte der weltweiten CO₂-Emissionen und Umweltverschmutzungen reduzieren. Aber wir verwenden immer noch die Technologie des letzten Jahrhunderts.
Und ist von Ihrer Seite ein neues Abenteuer geplant?
Mein Plan ist es, mit dem Portfolio unserer 1000 Lösungen um die Welt zu reisen und alle Staatsoberhäupter, Regulierungsbehörden und Gesetzgeber zu besuchen, um ihnen die Werkzeuge zur Verbesserung ihrer Umweltpolitik zu bringen.
Ich will sie motivieren, moderne und effiziente Technologien einzusetzen. Ich habe den Eindruck, dass es das wichtigste Abenteuer sein wird, das ich jemals gemacht habe.