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Im Gegensatz zu Asien werden in Nordamerika und Europa etwa 60 Prozent der täglichen Fahrten von unter 10 Kilometern mit dem Auto zurückgelegt. Das bietet Potenzial für Elektrozweiräder. Grosses Potenzial sogar – und das vor allem ausserhalb von China. Im Milliarden-Land ist der Trend bereits weit fortgeschritten.
Im Jahr 2022 dürften durch die Nutzung von Elektro-Zweirädern etwa 900'000 Barrel Öl beziehungsweise das Äquivalent von 100 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Elektrische Zweiräder dürften unter anderem deswegen auch ausserhalb Asiens mittelfristig zu einer Mobilitätslösung für die Kurzstrecke zu werden.
Und so sieht der Markt aus: Im Jahr 2021 wurden weltweit 82 Millionen Zweiräder verkauft, darunter 31 Millionen (37 Prozent) elektrifizierte Fahrzeuge (Fahrräder, Motorroller). Bis 2025 dürften rund 90 Prozent des Absatzes auf China entfallen – einem Markt, dem neue Standards zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung in vielen Megastädten einen Schub verleihen werden. Zweitgrösster Markt ist Indien mit 230'000 verkauften Einheiten in 2021, das damit noch vor Vietnam, Indonesien und Thailand rangiert.
Trotz eines Wachstums von 25 Prozent in 2021 sind Elektro-Zweiräder in Europa bei weitem noch nicht so verbreitet wie in Asien. In Nordamerika, Australien und Japan steckt der Markt noch in den Kinderschuhen und ist im Wesentlichen auf Elektrofahrräder konzentriert.
Nicolas Jacob ist Fondsmanager bei ODDO BHF Asset Management.
In seinem «Economic Transition Scenario» schätzt das Analyseunternehmen Bloomberg NEF die Grösse des adressierbaren Marktes bis 2040 auf 80 Millionen Einheiten, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von rund 8 Prozent entspricht. Dies unter Berücksichtigung bestehender oder angekündigter Regelungen.
Während der chinesische Markt bereits gut bestückt ist und zwischen 2030 und 2035 stagnieren dürfte, sollten Indien und Südostasien bis 2040 für Wachstumsimpulse sorgen und Durchdringungsraten von rund 75 Prozent erreichen. In einem Netto-Null-Szenario bis 2050 (Voraussetzung hierfür sind allerdings eine deutlichere Verschärfung der Vorschriften und eines Ausstiegs aus Verbrennungsmotoren zwischen 2035 und 2040) würde die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate ohne China bis 2050 20 Prozent erreichen.
Neben der Regulierung werden voraussichtlich noch weitere Katalysatoren das Wachstum des Marktes für elektrische Zweiräder fördern:
• Einfaches Aufladen, da das Aufladen grösstenteils über die normale Steckdose erfolgen kann, während vierrädrige Elektrofahrzeuge hingegen auf den Aufbau einer speziellen Infrastruktur angewiesen sind.
• Technologische Weiterentwicklung von kleinen Batterien, weg von Blei-Säure-Batterien hin zu Lithium-Ionen-Batterien, die eine längere Lebensdauer, eine bessere Energiedichte und ein geringeres Gewicht haben.
• Das wachsende Produktangebot einer steigenden Zahl von Herstellern in China (Yadea, AIMA, NIU, Tailling, Luyuan) sowie der angestammten japanischen Zweiradhersteller, die ihre Transformation vorantreiben. In Europa und Nordamerika ist das Angebot im Moment noch sehr begrenzt und bedient vor allem das hochpreisige Ende der Produktpalette.
Die Entwicklung des Marktes für elektrische Zweiräder (so diese denn vierrädrige Fahrzeuge im Kurzstreckenverkehr ersetzen) kann sich positiv auswirken auf die Nutzung und Verfügbarkeit der natürlichen Ressourcen, die für die Herstellung von Batterien benötigt werden. So wird für eine kleine Batterie 90-mal (Elektroroller) bis 180-mal (Elektrofahrrad) weniger Lithium benötigt als für eine Autobatterie.
Mögliches Engagement am Markt für elektrische Zweiräder
Es gibt zurzeit zwei Unternehmen, die am Mark für elektrische Zweiräder aktiv sind, die sich als interessante Investitionspartner herauskristallisieren:
• Die Yadea Group (China) ist Weltmarktführer für elektrische Zweiräder und Nummer eins auf dem chinesischen Markt. Ihr Erfolg gründet auf Innovation und ihrer Geschäftsstrategie, durch die sie sich mit einem umfassenden stationären Vertriebsnetz in den grossen urbanen Zentren zur Referenzmarke entwickelt hat. Ende 2021 kündigte Yadea die Übernahme eines Batterieherstellers an – ein strategisch wichtiger Schritt, um mehr Kontrolle über die vorgelagerte Lieferkette zu haben.
• Honda, drittgrösster Allround-Hersteller in Japan, erzielt 22 Prozent seines Umsatzes auf dem Zweiradmarkt. Honda hat für 2023 den Marktstart seines ersten Elektrorollermodells angekündigt und strebt bis 2025 die Einführung von 10 Modellen an. Das Management will bis 2030 3,5 Millionen Fahrzeuge verkaufen, was 15 Prozent des Gesamtabsatzes an Zweirädern entspricht.