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CD 1207
Seufzerbrücke
Norwegen ist gleich Grieg, Streichoktett ist gleich Mendelssohn, Bruch ist gleich Violinkonzert. Drei Formeln, mit denen sich leicht hantieren lässt. Auf dieser CD werden alle drei zerlegt.
Die erste nach 30 Sekunden, denn da fächert es sich kunstvoll aus und beginnt zu singen, das einstimmige Thema des Streichoktetts von Johan Severin Svendsen. Die zweite nach spätestens 15 Minuten, denn da entfaltet sich Svendsens Oktett mindestens ebenso farbenprächtig wie das von Mendelssohn. Und die Dritte nach weiteren 40, denn da tritt Max Bruch hinzu, haut direkt einene Ohrwurm raus, der es mit seinem Violinkonzert aufnehmen könnte. Und er bekräftig auch sonst den Verdacht: Die Tharice Virtuosi präsentieren hier zwei zu Unrecht nicht viel häufiger gespielte Komponisten.
Ein Glücksfall für Werke, Komponisten und Interpreten! Technisch einwandfrei erstürmen sie die heikle Passage zu Beginn von Svendsens Mittelsatz, in der gezupfte und gestrichene Töne ineinandergreifen. Mächtig wie ein Sinfonieorchester setzen sie dem Hörer die einstimmigen Blöcke im ersten Satz vor. Noch stärker ist die Aufnahme von Bruchs Oktett, wenn das aus Solisten bestehende Ensemble hier die ganze Streicher-Farbpalette auspackt. So wie im zweitem Satz; ausgesungen zu einer einzigen Seufzerbrücke zwischen den etwas schwungvolleren und virtuos gespielten Ecksätzen.
Nur etwas mehr kammermusikalischen Klang könnte man sich wünschen, sprich; dass die einzelnen Instrumente besser zur Geltung kommen. Aber vielleicht hätte das auch dem imposanten Gesamteindruck geschadet.
Ole Pflüger
Fono-Forum , Februar 2013