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Palmöl ohne Abholzung und mit positivem CO2-Fussabdruck
Die Nachfrage nach Palmöl – einem billigen, weltweit verbreiteten Rohstoff – ist riesig, und sie steigt weiter. Diese Kulturpflanze dient vielen Kleinbauern in den Tropen als Lebensgrundlage. Studien haben jedoch gezeigt, dass die Art und Weise, wie die Ölpalme derzeit angebaut wird, massgeblich zur Abholzung der Wälder beiträgt, die biologische Vielfalt beeinträchtigt, soziale Spannungen hervorruft und einen grossen ökologischen Fussabdruck hinterlässt.
Um Alternativen zu untersuchen, führte Juan Carlos Quezada als Doktorand am Laboratory of Ecological Systems (ECOS) der EPFL zusammen mit Forschenden der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) im Rahmen des vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierten und von der ETH Zürich geleiteten Projekts «Oil Palm Adaptive Landscapes» eine umfassende Studie durch. Das Forschungsteam untersuchte insbesondere die Umwandlung von ehemaligen Ackerflächen und degradierten Savannen, die in Südamerika weit verbreitet sind, in Ölpalmenplantagen.
Ein kleinerer CO2-Fussabdruck
Kolumbien ist weltweit der viertgrösste Produzent von Palmöl. Ein grosser Teil der Ausweitung der Ölpalmenplantagen findet in Savannengebieten statt. Diese Regionen beherbergen von Natur aus wenige Bäume, so dass ihre Umwandlung keine umfangreiche Abholzung erfordert oder grosse CO₂-Emissionen verursacht. «Die Umwandlung von Tropenwäldern in Ölpalmenplantagen hat einen massiven Kohlenstoff-Fussabdruck», sagt Alexandre Buttler, emeritierter EPFL-Professor, der bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2019 Leiter von ECOS war: «Es verursacht rund 170 Tonnen mehr Kohlenstoffemissionen pro Hektar als entwaldungsfreie Prozesse wie der, den wir hier untersucht haben.»
Wenn jedoch degradierte Savannen in Ölpalmenplantagen umgewandelt werden, kann das Nettoergebnis kohlenstoffnegativ sein. Das Forschendenteam fand heraus, dass diese Form der Landumwandlung die Menge des im Ökosystem gespeicherten Kohlenstoffs um durchschnittlich 40 Tonnen pro Hektar über einen vollen Anbauzyklus von etwa 30 Jahren erhöht. Das liegt daran, dass durch die Anpflanzung von Ölpalmen auf Flächen, auf denen zuvor keine Bäume standen, Biomasse (d. h. organisches Material) sowohl oberirdisch durch die Stämme und Blätter als auch unterirdisch durch die Wurzeln zugeführt wird. Diese Biomasse wird dann zu einer Kohlenstoffsenke. Gleichzeitig wird der Verlust von Kohlenstoff im Boden begrenzt.
Erhöhung des Potenzials zur Speicherung von Kohlenstoff im Boden
Das Forschungsteam hat auch gemessen, wie sich die Methoden zum Anbau von Ölpalmen auf den Kohlenstoffgehalt des Bodens auswirken. Der Boden spielt eine wesentliche Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf, da er der grösste einzelne Kohlenstoffspeicher ist. Die CO₂-Absorption aus der Luft und die Verlagerung in den Boden wirken nicht nur der globalen Erwärmung durch die Speicherung von Kohlenstoff entgegen, sondern sorgen auch für eine nachhaltigere Fruchtbarkeit des Bodens.
Die Forschenden fanden heraus, dass die richtigen Anbaumethoden die Fähigkeit des Bodens, Kohlenstoff zu speichern, verbessern können. Ölpalmenplantagen sind in der Regel in vier Bereiche unterteilt; zwei davon – Unkrautkreise, d. h. kahle Flächen um die Ölpalmenstämme, auf denen in der Anfangsphase der Plantage der meiste Dünger ausgebracht wird, und Wedelhaufen, d. h. Stapel organischer Abfälle – weisen besonders hohe Kohlenstoffvorräte im Boden auf. Eine effektivere Bewirtschaftung dieser vier Bereiche kann die Bodenfruchtbarkeit und die biologische Vielfalt langfristig erhöhen.
Priorität hat nach wie vor der Schutz der Artenvielfalt
Die Ergebnisse der Forschenden, die in der Zeitschrift Global Change Biology veröffentlicht wurden, zeigen, dass die Umwandlung degradierter Savannen in Ölpalmenplantagen nicht nur die Entwaldung verhindern, sondern auch eine negative Nettokohlenstoffbilanz erzeugen und die Bodenfruchtbarkeit langfristig erhalten kann, indem die Kohlenstoffspeicherung im Boden durch eine verbesserte Bewirtschaftung erhöht wird. Die Wissenschaftler weisen jedoch auch darauf hin, dass Savannen einzigartige Ökosysteme sind, die eine beträchtliche biologische Vielfalt beherbergen, und dass ihre Erhaltung Vorrang haben sollte: «Die Expansion von Ölpalmen sollte auf zuvor umgewandelten Flächen in Savannenregionen stattfinden, wie z. B. auf den degradierten Weiden, die in der Neotropis reichlich vorhanden sind, oder auf degradierten Savannen, wenn ihre Wiederherstellung nicht machbar ist», so Buttler.