Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03205.jsonl.gz/1957

Loyalität
Was bedeutet Loyalität?
Der Begriff «loyal» wurde im 18. Jahrhundert aus dem Französischen entlehnt. Das französische «loyal» geht auf das lateinische «legalis» (= gesetzlich) zurück. Die Bedeutung lässt sich mit gesetzes-treu, regierungs-treu, redlich oder anständig umschreiben. Davon abgeleitet wurde das Substantiv «Loyalität» (= loyale Gesinnung). Grundsätzlich bedeutet Loyalität ganz allgemein:
- das Festhalten an getroffenen Vereinbarungen
- das Einhalten von Gesetzesvorschriften oder
- die Treue gegenüber einer Autorität
Loyalität wird also als Loyalität gegenüber Vorgesetzten oder vorgesetzten Stellen verstanden. Im heutigen Sprachgebrauch wird Loyalität zumeist in der Wortverbindung Kundenloyalität als Synonym für Kundenbindung, Kundentreue verwendet.
Wer ist loyal? Wer illoyal?
Als loyal gelten Menschen landläufig, wenn sie:
- treu
- aufrichtig
- redlich und anständig sind
Loyale Leute enthalten sich zum Beispiel negativer oder gar diffamierender Äusserungen gegenüber Vorgesetzten oder Unternehmen. Als loyale Teamplayer bringen sie sich zwar durchaus kritisch in Entscheidungsprozesse ein, tragen aber einmal beschlossene Entscheide mit, nach innen wie nach aussen.
Als illoyal gelten folglich Menschen, die:
- gemein sind
- nicht offen sind
- sich nicht an Absprachen, Sprachregelungen, ungeschriebene Gesetze usw. halten
- nicht tun, was sie sagen
- nicht sagen, was sie tun.
Illoyale Menschen starten hinter dem Rücken anderer gemeine Aktionen oder sticheln gegen abwesende Kolleginnen und Kollegen. Illoyale Teammitglieder tragen einmal beschlossene Entscheide nicht mit, wenn sie anderer Meinung sind und kritisieren auch nach dem Entscheid munter (öffentlich) weiter.
Loyalität - eine Selbstverständlichkeit?
Loyalität kann nicht erzwungen werden
Eines ist sicher, Loyalität kann zwar gefordert und vorgeschrieben, aber nicht erzwungen werden. Loyalität ist freiwillig, und es gibt triftige Gründe, warum sie in einem Unternehmen (in der Familie, im Verein, in einer Partei usw.) mehr oder eben weniger ausgeprägt zum Ausdruck kommt.
Loyalität muss gegenseitig sein
Loyales Verhalten basiert auf partnerschaftlichem Vertrauen. Es braucht Zeit und Voraussetzungen, um sich zu entwickeln und stellt sich nicht automatisch ein.
Loyalität ist also keine Einbahnstrasse, sie gilt nicht nur von unten nach oben. Mitarbeitende, die sich von ihren Vorgesetzten nicht getragen fühlen, werden ihnen gegenüber auch keine Loyalität entwickeln, höchstens (blinden) Gehorsam.
Erfolg und Misserfolg jeder Gemeinschaft basiert auf dem Prinzip gegenseitiger Loyalität und darf deshalb nie einseitig eingefordert werden. Gegenseitige Akzeptanz und eine gegenseitige Anerkennung der persönlichen Bedürfnisse bilden deshalb überall die Grundlage der Loyalität, wo Menschen miteinander arbeiten.
Loyalität muss aktiv gefördert werden
Dies gilt nicht zuletzt in einer Zeit, in welcher viel von Individualismus und Flexibilität, aber auch von mangelnder Solidarität oder gar von Ellbogengesellschaft die Rede ist: Kein idealer Nährboden für loyales Verhalten.
Gerade weil sie nicht (mehr) als selbstverständlich vorausgesetzt werden kann, muss Loyalität in einem Unternehmen gepflegt, gefördert und zu einem sichtbaren Ausdruck gelebter Unternehmenskultur werden. Dies gilt in Zeiten von Veränderungen (Fusionen, Reorganisationen usw.) umso mehr.
Loyalität hat viel mit offener Kommunikation zu tun...
…und kann entsprechend gefördert werden:
- durch permanente Information nikation zu tun…
- durch offene Gespräche
- durch ehrliche Rückmeldungen für die geleistete Arbeit (Anerkennung wie Kritik)
So fördern wir die Loyalität
Am einfachsten entsteht Loyalität zwischen Menschen, wenn sie durch eine vertrauensvolle Beziehung miteinander verbunden sind. Das gilt vor allem auch am Arbeitsplatz, wo Arbeitsabläufe und Verantwortlichkeiten meistens hierarchisch geregelt werden.
So tragen wir zu einer Loyalitätskultur bei
- Wir sind aufrichtig
- Wir pflegen eine offene und transparente Informationskultur
- Wir haben den Mut, konstruktive Kritik anzubringen
- und nehmen eine solche ebenso selbstverständlich entgegen
Loyalität fällt Mitarbeitenden leichter, wenn...
- ...sie sich am Arbeitsplatz wohl fühlen
- ...sie sich mit dem Unternehmen und den Unternehmenszielen identifizieren können
- …sie sich in Abläufe und Entscheidungsprozesse einbringen können
- …sie ihren Fähigkeiten und Neigungen entsprechend eingesetzt sind
- …ihre Tätigkeit anerkannt und geschätzt wird
- …ihre Loyalität nicht als blinder Gehorsam vorausgesetzt wird
Loyale Vorgesetzte verdienen loyale Mitarbeitende
Auch die Entwicklung der Loyalität ist letztlich eine Führungsfrage! Wer die Mitarbeitenden richtig zu führen, zu informieren, zu motivieren und einzubinden weiss und zudem die eigenen Ansprüche auch glaubhaft vorzuleben versteht, wird in der Regel auf loyale Mitarbeitende zählen können. Das Gewähren von Vertrauen und Freiräumen und die Übertragung von entsprechender Verantwortung bilden eine wichtige Grundlage für loyales Verhalten der Mitarbeitenden. Unternehmen und Vorgesetzte können von ihren Mitarbeitenden nicht mehr Loyalität verlangen, als sie selbst ihnen entgegenbringen.
Gegenseitige Loyalität als Win-Win-Situation
Gegenseitige Loyalität ist auch gegenseitige, Vertrauen schaffende Loyalität als Akzeptanz. Ein Unternehmen besteht aus unterschiedlichsten Individuen, und sein Erfolg basiert deshalb nicht zuletzt auf dem Prinzip Loyalität, in guten wie in schwierigen Zeiten. Gegenseitige Loyalität schafft ein positives Arbeits- und Unternehmensklima, eine der wichtigsten Grundlagen für ein erfolgreiches Unternehmen. Und davon profitieren wir letztlich alle.
Loyalität im Dienste des Kantons Solothurn*
* Quelle: Stellungnahme des Regierungsrates zu einer kantonsrätlichen Interpellation, RRB Nr. 2004/484 vom 2. März 2004
Rechtliche Grundlage
Gemäss § 6 Abs. 2 und 4 des Gesetzes über das Staatspersonal vom 27.9.1992 «wahren Staatsbedienstete die schutzwürdigen öffentlichen und privaten Interessen und wägen sie gegeneinander ab. Innerhalb des öffentlichen Dienstes sorgen sie für ein vertrauensvolles gegenseitiges Verhältnis.»
Das heutige Verständnis geht nicht mehr davon aus, dass taatsangestellte grundsätzlich eine weitgehend kritiklose Haltung gegenüber dem Staat einnehmen müssen.
Es liegt sogar in einem liberal-demokratischen Rechtsstaatim öffentlichen Interesse, dass Staatsangestellte ihre Meinung zu allgemeinen politischen Fragen äussern, zumal sie auch oft aufgrund ihrer Tätigkeit, ihrer Fachkompetenz, ihrer Erfahrung und ihrer Verantwortung sehr gut in der Lage sind, eine interessenunabhängige Meinung zu vertreten.
Loyales und illoyales Verhalten
Wir unterscheiden in der Loyalitätsfrage
drei unterschiedliche Ebenen
Kritisieren Staatsangestellte öffentlich die allgemeine Politik des Kantons, so geht grundsätzlich die Meinungsäusserungsfreiheit vor. In diesem Fall liegt kein illoyales Verhalten vor.
Üben Staatsangestellte öffentlich Kritik an Entscheiden des Kantonsrates oder des Volkes, so geht auch hier die Meinungsäusserungsfreiheit der Staatsangestellten grundsätzlich vor.
In der Regel kann daraus kein illoyales Verhalten abgeleitet werden.
Kritisieren hingegen Staatsangestellte öffentlich eine Entscheidung ihrer Vorgesetzten oder einer vorgesetzten Behörde, stellt dies im Regelfall ein illoyales Verhalten dar. Dies gilt insbesondere dann, wenn der/die Staatsangestellte beim Zustandekommen der Entscheidung mitgewirkt hat.
Polemische Äusserungen von Staatsangestellten in der Öffentlichkeit sind nicht tolerierbar. Staatsangestellte haben sich bei ihrer Kritik um grösstmögliche Sachlichkeit und unter Berücksichtigung ihrer Stellung um entsprechende Zurückhaltung zu bemühen.
Verstössen gegen das Gebot der Loyalität treten wir mit führungs- und personalrechtlichen Massnahmen entgegen.