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Klimawandel könnte dramatische Folgen für Investoren haben
Investitionen von Pensionskassen können zu einer globalen Erwärmung von 4 bis 6°C führen. Eine kohlenstoffarme Strategie reicht bei weitem nicht aus, um das Klima zu retten. Was Investoren beim Klimawandel beachten sollten.
02.06.2020, 17:34 Uhr
Redaktion: alm
Im Dezember 2020 wird das Pariser Klimaabkommen fünf Jahre alt. Das Ziel dieser Vereinbarung ist es, eine globale Obergrenze für Treibhausgasemissionen zu erreichen. Damit soll die weltweite Erwärmung unter 2°C gehalten werden, um den Anstieg auf 1,5°C im Vergleich zur vorindustriellen Ära (1871 bis 1900) zu halten. Die Szenarien für dieses Ziel basieren auf einer Reduzierung der Treibhausgase, um einen bestimmten Kohlenstoffhaushalt für den gesamten Planeten aufrechtzuerhalten. Dabei ist es jedem Staat freigestellt, seinen Beitrag vorzuschlagen. Artikel 4.1 des Abkommens führt den Grundsatz der Klimaneutralität ein, der auf der Feststellung beruht, dass unabhängig vom Ort der Emission oder der emittierenden Tätigkeit die Auswirkungen auf das Klima identisch sind. Um einen Übergang zu einer "Netto-Null"-Kohlenstoffwelt zu erreichen, ist daher eine systemische Transformation der Wirtschaft notwendig.
Finanz- und Reputationsrisiko
"Der Finanzsektor spielt eine wichtige Rolle beim Klimaschutz: Durch die Zuweisung von Kapital und Krediten tragen Investitionsentscheidungen dazu bei, die Zukunft bestehender Industrien zu gestalten und zu fördern. Zudem steuern die Investitionen auch die Entwicklung neuer Technologien, Güter und Dienstleistungen, die auf den klimatischen Notstand reagieren", sagt Natacha Guerdat, Managing Director Asteria IM, eine Tochtergesellschaft der Reyl-Gruppe.
In diesem Zusammenhang bereiteten sich viele Investoren freiwillig oder unfreiwillig darauf vor, die Zusammenhänge zwischen ihren Investitionen und der globalen Erwärmung zu kommunizieren. "Denn Investoren, die diesen Trend ignorieren, gehen ein Finanz- und Reputationsrisiko ein", betont Guerdat. Konkret gehe es dabei darum, in einem ersten Schritt den Kohlenstoff-Fussabdruck eines Portfolios zu berechnen. Dieser wird traditionell durch die gewichteten durchschnittlichen Treibhausgasemissionen der gehaltenen Unternehmen dargestellt. Leider würden in diesen Daten noch zu selten die Gesamtemissionen berücksichtigt, die jedes Unternehmen über den gesamten Lebenszyklus seiner Produkte verursacht. Im Automobilsektor zum Beispiel stammten 90% der Emissionen aus der Nutzung von Fahrzeugen, so die Expertin.
So approximativ folgende Daten auch seien, geben sie doch eine ungefähre Annäherung der Exposition gegenüber einem bestimmten Risiko: 2017 ergab eine vom Bundesamt für Umwelt in Auftrag gegebene Analyse der Portfolios von Schweizer Pensionskassen und Versicherungen, dass deren Investitionen zu einer globalen Erwärmung von 4 bis 6°C führen würden. "Es liegt in der Verantwortung des Investors, dieses Engagement zu begrenzen. Dies, indem eine so genannte Low-Carbon-Strategie angewendet wird, die die Sektoren mit den grössten negativen Auswirkungen auf das Klima wie zum Beispiel Energie oder Rohstoffe ausschliesst. Oder indem das Engagement bei den Unternehmen mit den höchsten Emissionen begrenzt wird", meint Guerdat.
Dramatische Folgen, aber auch Chancen
Davon abgesehen werde von den Investoren erwartet, dass sie mehr tun, als nur das Kohlenstoffrisiko ihrer Portfolios zu managen. Um einen Beitrag zur Bekämpfung der globalen Erwärmung zu leisten, müsse eine Investitionsstrategie in der Tat unbedingt einen lösungsorientierten Ansatz verfolgen. Dies mit dem Ziel, die Entwicklung und Einführung von Lösungen zu fördern. Um die globale Erwärmung unter 2°C zu halten, müssten die globalen Emissionen bis 2050 um 50% bis 80% reduziert werden, insbesondere im Verkehr und bei Aktivitäten, die Energie verbrauchen oder erzeugen.
Der Klimawandel könnte dramatische Folgen sowohl für die Weltwirtschaft als auch für Investoren haben, aber er biete auch vielfältige Investitionsmöglichkeiten: So wie wir im 19. Jahrhundert von Holz auf Kohle und dann im 20. Jahrhundert von Kohle auf Öl umgestiegen sind, müssen wir uns heute in Richtung kohlenstoffarmer Energiequellen bewegen. "Investitionen sind erforderlich, um den Ersatz eines grossen Teils der fossilen Energieerzeugung durch erneuerbare Energien sowie Energiesparlösungen zu ermöglichen. Die so vermiedenen Emissionen könnten bis 2050 fast 15% der Reduktionsanstrengungen ausmachen", kommentiert Guerdat.
"Um in die Akteure dieses Wandels investieren zu können, sind ein aktiver Managementansatz und ein strenger Auswahl- und Managementprozess notwendig: Eine ausreichende Diversifizierung erfordert grosse Anstrengungen in der Grundlagenforschung, um möglichst viele betroffene Unternehmen zu isolieren. Die Beherrschung eines breiten Universums und die Transparenz der Wirkungsmessungen sind der Schlüssel zu einem langfristig erfolgreichen Anlageprodukt", meint Guerdat abschliessend.
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