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Autorenlesung 2008
„Ich komme gleich zweimal zu euch“, sagte Thomas Jeier, Deutscher Autor mit einer Schweizer Mutter, zu Beginn seiner Lesungen an der Oberstufe Buchholz. Er erklärte, dass er unter diesem, seinem richtigen Namen historische Romane schreibe. Er habe Spass daran, beim Lesen und Schreiben sich in andere Zeiten zu versetzen und zu sehen, wie die Menschen damals gelebt hätten. Als Beispiel dafür nannte Jeier das Einwanderer-Schicksal der 18 Jahre alten Deutschen Emma, welche 1909 in New York im Umfeld von Verbrechen, Mietskasernen, Krankheiten und unhaltbaren Zuständen in einer Nähfabrik Einiges zu überwinden gehabt habe. Im Buch „Emmas Weg in die Freiheit“ werde auch ein Streik der Arbeiterinnen im Jahr 1910 beschrieben. Damals sei dies eine Sensation im doppelten Sinn gewesen: zum einen wegen dem Umstand, dass gestreikt worden sei, zum andern, weil es Mädchen gewesen seien, die für bessere Arbeitsbedingungen auf die Strasse gegangen seien.
„Wahre Geschichten sind spannender“
„Angefangen habe ich im Alter von 16 Jahren mit Schreiben von Indianer-Geschichten für eine Lokalzeitung“, erwähnte Jeier. Mit 21 sei er in die USA gegangen, habe frühere Schlachtfelder der Kriege zwischen Weissen und den Indianern aufgesucht, ausserdem die heiligen Plätze der Ureinwohner. Er habe rausgefunden, dass wahre Geschichten viel spannender seien als die erfundenen in den Western-Romanen und -Filmen. Nun behandle er die gesamte amerikanische Geschichte und erwähnte seine Schriften über den schwarzen Freiheitskämpfer Martin Luther King und den Krieg in Vietnam, der ihn an ein Massaker an 140 Cheyenne-Frauen und -Kinder am Sand Creek 1863 erinnert habe. Schliesslich verfasse er Sachbücher wie sein „Grosses Buch der Indianer“.
Junge Frauen in den Hauptrollen
Unter dem Namen Christopher Ross würden seine romantischen Abenteuerromane für Jugendliche und Erwachsene erscheinen. Darin spielten meistens junge Frauen die Hauptrolle in spannenden Geschichten aus Gegenwart und Vergangenheit, in denen sich die Hauptdarstellerinnen schon mal verlieben würden. Daraufhin las Jeier alias Ross aus „Mein Freund, der Husky“. Darin geht es um die Abenteuer von Jennifer, die als Krankenschwester 1925 nach Alaska kam. Dabei mussten sie, ihre vier Kolleginnen und ein Arzt eine ganze Stadt und Eskimo-Dörfer in der Umgebung medizinisch versorgen. Im Winter erfolgte der Transport mittels Hundeschlitten und Inuit-Fahrern. Ausgerechnet zu dieser Jahreszeit brach dort eine besonders für die Eskimo-Kinder lebensgefährliche Diphterie-Epidemie aus und das Serum konnte nur mittels einer Stafette von Hundeschlitten über eine Distanz von 1600 Kilometern beschafft werden. Vor dieser wirklichen Begebenheit, an die noch heute ein jährlich ausgetragenes Hundeschlitten-Rennen – Iditarod genannt – erinnert, spielt sich die Handlung dieses romantischen Abenteuer-Romans ab.
Unterschiedliche Indianer-Völker
Wieder als Thomas Jeier stellte der Autor sein neuestes Sachbuch über Indianer vor. Statt daraus vorzulesen, liess er sein Publikum teilhaben an seinem sehr grossen Erfahrungs- und Wissensschatz zur indianischen Kultur. Nachdem er das Vorwissen der Jugendlichen zu diesem Thema abgerufen hatte, referierte er in freier Rede über sibirische Jäger in der Eiszeit östlich der Beringstrasse und das sehr unterschiedliche Aussehen und die ebenso ungleichen Lebensweisen und Behausungen der Indianer-Völker. Während etwa die Punk-Frisur der Irokesen den meisten Anwesenden bekannt war, wusste kaum jemand, dass dieser Stamm in Giebelhäusern mit zwei Etagen lebte. Nicht fehlen durften in seinen Ausführungen die Prärie-Indianer, die als Nomaden den Büffelherden folgten und fast alles von den erlegten Tieren nutzten, von der Blase für Wasserbehälter bis zum Schädel für den Altar und den jährlichen Sonnentanz.
Die Entstehung der Welt
Schliesslich erklärte Jeier den indianischen Glauben, in dem alles eine Seele habe, Menschen, Tiere, Bäume, Steine, Sandkörner und so weiter. Ihre Legenden, zum Beispiel zur Entstehung der Welt, seien bei den Indianern mündlich überliefert worden. Der Schriftsteller erzählte, wie demnach mit Hilfe von einem Kojoten und zwei Enten die Erde aus Schlamm und Zweigen aus dem Meer gemacht worden sei. Zum Schluss sei auch der Krieg in die Welt gekommen, indem man Menschen und Tieren verschiedene Sprachen gegeben habe. Diese Geschichten hätten den jungen Indianern die Rechtfertigung dafür gegeben, ihren Mut im Kampf zu beweisen. Dabei habe es als tapferer gegolten einen Feind zu berühren als zu töten. Ausserdem habe man Frauen und Pferde von anderen Stämmen gestohlen sowie Weisse, die manchmal adoptiert worden seien und bald selbst nicht mehr in deren früheres Leben hätten zurückkehren wollen. In diesem Sinn verliess Jeier-Ross die sieben ersten Oberstufen-Klassen in Glarus und die Ostschweiz, um einmal mehr nach Amerika zu reisen.
Text und Fotos: Ralf Jacober