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Die Verfilmung eines Romans von James Baldwin ist für die Oscars nominiert. James Baldwin lebte und arbeitete in den Jahren 1951-1953 in Leukerbad. Dort schrieb er im Chalet seines damaligen Partners, dem Maler Lucien Happersberger. Erst kürzlich hat die Künstlerin Sasha Huber ein Porträt von James Baldwin direkt auf die Fensterläden des Chalets in Leukerbad gemalt. James Baldwin ist einer der bedeutendsten afroamerikanischen Schriftsteller. (Lesen Sie dazu auch meine Blog-Geschichte „Weltliteratur im Oberwallis“ vom 1. Juni 2018).
Ein Goldmännchen für die Baldwin-Verfilmung? Am 24. Februar werden die heissbegehrten Goldmännchen verliehen. Die Verfilmung von James Baldwins Roman „If Beale Street Could Talk“ schaffte es spielend leicht unter die Nominierten für die Oscars 2019. Vorab in der Kategorie Bestes adaptiertes Drehbuch. Das Filmdrama erzählt die Geschichte einer jungen Liebe, die sich gegen die Willkür der weissen Justiz durchsetzen muss. Die Story handelt von der 19-jährigen Verkäuferin Tish. Als sie erfährt, dass sie schwanger ist, sitzt ihr Geliebter und zukünftiger Vater Fonny bereits unschuldig im Gefängnis. So beginnt ein ungleicher Kampf des jungen Liebespaars gegen die Willkür der Justiz. Als Literaturvorlage dient der Roman von James Baldwin aus dem Jahr 1974 mit dem Titel „If Beale Street Could Talk“. Der Roman wurde von Barry Jenkins zum Drehbuch adaptiert und verfilmt. Kinostart ist am 14. Februar 2019. Das Buch zum Film trägt den Titel „Beale Street Blues“.
Ein Plädoyer gegen den Rassismus. Das Oscar-Nominierte Filmdrama ist – wie alle Werke des afroamerikanischen Schriftstellers James Baldwin – ein berührendes Plädoyer gegen Rassismus. James Baldwin engagierte sich zeitlebens für die Rechte der Afroamerikaner, insbesondere auch für deren Kirche. Den Durchbruch schaffte Baldwin mit dem Weltbestseller „Nicht von dieser Welt“, den er bereits im Alter von dreissig Jahren geschrieben hatte. Heute steht das Werk auf der Liste der hundert besten Romane des 20. Jahrhunderts.
Alle Menschen sind gleich. James Baldwin fordert in seinen Werken die Gleichberechtigung für alle Menschen dieser Welt, egal, welcher Hautfarbe sie auch sind. Der Roman „Nicht von dieser Welt“ ist autobiographisch gefärbt. Darin erzählt Baldwin seine tragische Familiengeschichte. Er berichtet von den vielen Steinen, die im New York der Fünfzigerjahre einer strenggläubigen afroamerikanischen Familie in den Weg gelegt wurden. Das Leben war damals ein Wagnis mit unsicherem Ausgang. Wohl auch aus therapeutischen Gründen hat James Baldwin sein Leben literarisch aufgearbeitet und verarbeitet. Das Gefühlsleben der Protagonisten in seinen Werken verstand er bis in den letzten Winkel auszuleuchten. Beim Lesen lässt sich der Schmerz erahnen, der Baldwin sozusagen die Feder in die Hand drückte.
Autobiographische Einsprengsel. Vieles in Baldwins Werken ist aus eigenem Erleben heraus entstanden. Als uneheliches Kind ist der Protagonist ohne leiblichen Vater aufgewachsen. Seine Mutter kam einst mit dem Jungen aus dem Süden nach New York und heiratete einen Geistlichen. Viele der Geschichten in Baldwins Hauptwerk „Nicht von dieser Welt“ spielen vor dem Hintergrund der „Great Depression“ in New York. Baldwins Familie verarmte in dieser Zeit, die Mutter verdiente sich das Allernötigste als Putzfrau in den Häusern der Weissen. James Baldwin – damals ein kleiner Junge – bekam so kaum die Chance auf ein anständiges Leben.
Literaturverfilmungen als Chance. Die Verfilmungen von Baldwins Romanvorlagen eröffnen die Chance, sein Plädoyer gegen Rassismus in die Welt hinauszutragen. Auf dem Baldwin-Bestseller „Nicht von dieser Welt“ basiert bereits der Kinofilm „Moonlight“. Im Jahr 2017 brachte dieser Film dem Regisseur Barry Jenkins einen Oscar ein. Am kommenden 24. Februar entscheidet sich nun, ob Barry Jenkins mit seiner aktuellen Baldwin-Literaturverfilmung, mit „If Beale Street Could Talk“, erneut mit einem Goldmännchen in Hollywoods Himmel aufgenommen wird.
Text und Foto (Symbolbild): Kurt Schnidrig. Buch-Cover: www.dtv.de