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| Origenes († 253/54) - Gegen Celsus (Contra Celsum)

Erstes Buch
43.
Wir wollen nun zuerst dies bemerken. Wenn geschrieben stände, dass der, welcher die Erscheinung des Heiligen Geistes in Gestalt einer Taube bestreitet ein Schüler des Epikur, Demokrit oder Aristoteles sei, so würden seine Worte im Einklang mit der redend eingeführten Person und am Platze sein. Jetzt aber hat der hochweise Celsus nicht einmal dies bemerkt, dass er einen Juden, der doch viele Dinge in den Schriften der Propheten glaubt, die wunderbarer sind, als die Geschichte von der Erscheinung in Gestalt einer Taube, solche Worte in den Mund gelegt hat. Dem Juden, der an die Erscheinung nicht glaubt und sie als eine Erdichtung angreifen zu dürfen meint, könnte man sagen: Woher, mein Bester, wolltest du denn wohl beweisen, dass Gott der Herr zu Adam, Eva, Kain, Noah oder zu Abraham, Isaak, Jakob das gesagt habe, was die Schrift berichtet? Um aber mit dieser Geschichte1 eine andere zu vergleichen, so möchte ich zu dem Juden sagen: Auch dein Ezechiel hat die Worte geschrieben: "Es öffneten sich die Himmel, und ich sah ein Gesicht Gottes"2 ; er erzählt es und fügt dann bei: "Dies war das Gesicht von dem Abbild der Herrlichkeit des Herrn. Und er sprach zu mir"3 . Sind nun die Dinge, die von Jesus berichtet werden, deshalb unwahr, weil wir nach deiner Meinung ihre Tatsächlichkeit nicht klar beweisen können, da sie nur von ihm allein gesehen oder gehört wurden und, wie du beobachtet zu haben glaubtest, auch noch von einem der4 Bestraften", so können wir mit noch größerem Rechte behaupten, dass auch Ezechiel nur Phantasiebilder erzählte, wenn er sagt: "Es öffneten sich die Himmel" usw.5 . Und wenn Jesaja sagt: "Ich sah den Herrn Sabaoth sitzen auf einem hohen und erhabenen Throne; und die Seraphim umstanden ihn; sechs Flügel hatte der eine, und sechs Flügel hatte der andere"6 usw.: wie willst du beweisen, dass er dies wirklich gesehen habe? Denn du glaubst doch, Jude, dass diese Dinge untrügliche Wahrheit, und durch Vermittlung göttlichen Geistes vom Propheten nicht nur geschaut, sondern auch gesagt und aufgeschrieben sind. Wem aber ist billig mehr Glauben zu schenken, dem, der behauptet, dass sich ihm "die Himmel geöffnet hätten", und dass er eine Stimme gehört oder "den Herrn Sabaoth auf einem hohen und erhabenen Throne sitzend geschaut hätte", dem Jesaja und Ezechiel, oder Jesu? Denn von jenen beiden findet sich keine so große Tat berichtet; die edle Wirksamkeit Jesu trat aber nicht allein in den Zeiten seiner Menschwerdung hervor, sondern bis heute bewirkt die Kraft Jesu bei denen, die durch ihn an Gott glauben, die Bekehrung und die Besserung. Dass aber dies durch seine Kraft geschieht, wird durch die Tatsache klar erwiesen, dass, wie er selbst sagt und die Erfahrung beweist, trotz des Mangels an "Arbeitern" für "die Ernte" der Seelen "die Ernte"7 derer dennoch so groß ist, die allenthalben in "die Tennen" Gottes, in die Kirchen, zusammengebracht und gesammelt werden.8 .
1: von der Taube
2: Ez 1,1
3: ebd. 1,28; 2,1
4: mit ihm
5: ebd. 1,1
6: Jes 6,1.2
7: Mt 9,37; Lk 10,2
8: Mt 3,12; Lk 3,17