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Zwei 3.5mm Jacks in einem Stecker? Wozu? Plus ein Life Hack von einer Airline
Wenn du dir einen modernen Kopfhörer kaufst, zum Beispiel die Sony WH-1000XM3, dann kriegst du jede Menge Zubehör. Im Review zu besagtem Kopfhörer habe ich einen merkwürdigen Adapter erwähnt. Der hat zwei 3.5mm Jacks und geht in ein normales Kabel über. In der Kommentarspalte ist dann diskutiert worden, wofür dieses Objekt gut sein soll.
User MakeAppsNotWar schlägt Folgendes vor:
In der Kommentarspalte wird zudem immer mal wieder die Fluglinie Emirates erwähnt, auf deren Flügen der Adapter unabdingbar sein soll. Wofür genau wissen aber auch die Leser nicht.
Ein Standard seit 1877
Ein 3.5mm Jack hat einen fixen Aufbau. Seit jeher. Denn die Technologie ist nicht neu. Die erste Version des Steckers, den wir heute 3.5mm Jack oder Kopfhöreranschluss nennen, stammt aus der frühen Telefonie. Erste Aufzeichnungen eines Steckers, der dem heutigen gleicht, stammen aus dem Jahre 1877. Damals wurde der damals noch 6.35mm dicke Stecker für Telefonschaltungen in einem Laden eines gewissen Charles Williams in Boston als Klappenschrank oder, etwas umständlicher, Fernsprech-Handvermittlungseinrichtung verwendet.
Zum Vergleich: Der Mensch ist erstmals anno 1903 vom Boden abgehoben, als die Gebrüder Wright mit ihrem motorisierten Flyer in drei Meter Flughöhe 259 Meter weit geflogen sind.
Das Design des Jacks ist seither weitgehend unverändert. Kleiner ist er in den 1950er-Jahren geworden und die Welt hat sich auf die 3.5mm Dicke geeinigt. Nach der Telefonie fand der Jack seinen Weg über das Militär dann irgendwann in den privaten Sektor, wo er endgültig den Durchbruch mit Sonys Walkman in den 1980er-Jahren geschafft hat. Übrigens ist der SRF-Beitrag, damals noch DRS, aus dem Jahre 1981 zum Thema Walkman ausserordentlich sehenswert.
Erstmals sind Kopfhöreranschlüsse in Audiosystemen im Jahre 1985 in Flugzeugen verbaut worden. Also lange nach der Erfindung von Headphone Jacks und Steckern, wie wir sie kennen. und etwa 30 Jahre nach der Einführung des gängigen Ringsystems, das den Stereo Sound ermöglicht.
Die Trennung links/rechts, die MakeAppsNotWar anspricht, dürfte also nicht zutreffen.
Die Funktionsweise eines 3.5mm-Anschlusses ist eigentlich recht simpel. Stark vereinfacht gesagt: Wenn du den Stecker in die Buchse steckst, schliesst du einen Stromkreislauf, der dann Schwingungen im Kopfhörer erzeugt, die dann vom Ohr als Musik aufgenommen werden.
Der Stecker besteht im Wesentlichen aus drei Elementen. Das System ist als TRS-Adapter bekannt. Die Abkürzung steht für «Tip», also «Spitze», «Ring» und «Sleeve», also «Abschirmung».
Diese drei Elemente sorgen für den Stereo Sound. In der Regel verhält sich das so:
Für Smartphones ist mittlerweile der TRRS-Adapter Standard geworden: Tip, Ring, Ring, Sleeve. Der zusätzliche Ring wird für das Signal des Mikrofons verwendet.
Der mysteriöse Adapter aus der Packung des Sony XM3 hat aber zwei solcher Plugs, die beide TS – Tip, Sleeve – sind. Das impliziert zwei Audio-Kanäle, die mit je einem Monosignal daherkommen, dann im Adapter auf ein handelsüblichen TRS-Anschluss adaptiert werden.
Das würde heissen, dass der eine Stecker «Stereo links» und «Erdung» ist, der andere «Stereo rechts» und «Erdung».
Hat MakeAppsNotWar also doch Recht?
Die Airline antwortet und bringt einen Life Hack
MakeAppsNotWar hat mit seiner Frage in ein Wespennest aus Geschichte, Technologie und Reisekomfort gestochen. Daher bietet es sich an, die Experten zu fragen. Wenn das einer wissen muss, dann Menschen, die Tag für Tag mit Flugzeugen zu tun haben. Das Inflight Entertainment Team der Fluglinie Swiss antwortet auf ein Mail mit einem Bild des Adapters und der Frage «Was ist das?» wie folgt.
Active Noise Cancelling gibt es seit den 1950er-Jahren auf Papier. Nachdem Amar Bose – ja, der Bose – laut Erzählung des Unternehmens anno 1978 sich auf einem Flug über den Lärm aufgeregt hat, gibt es Active Noise Cancelling in aktiver Entwicklung.
Doch es geht auch ohne, denn die Swiss liefert auch gleich einen Life Hack mit.
Die Adapter werden nur noch auf zwei Airbus A340 und allen A330 gebraucht. Die A340 werden demnächst umgebaut, damit sie mit dem Rest der A340er aufholen. Denn auf diesen, wie auch auf den Boeing 777 der Swiss, können ganz normale 3.5mm-Adapter angeschlossen werden.
Das Resultat:
So. Fertig. Danke für die Leserfrage. Hätte nie gedacht, dass das so eine lustige Story wird.