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Die Dissertation ist Teil des Projekts "Differenzierungsarbeit. Aushandlungen von Arbeitskonzepten in Berufsberatung und Frauenbewegung (Schweiz, 20. Jahrhundert)" unter der Leitung von Prof. Dr. Caroline Arni.
Mein Projekt fokussiert feministische Entwürfe und Interventionen im Kontext der Berufsberatung im 20. Jahrhundert in der Schweiz. Das Feld der Berufsberatung stellte für feministische Interventionen einen favorisierten Bezugspunkt dar, weil im Beruf verschiedene für die Moderne zentrale Konzepte zusammen kamen: das Konzept moderner (kodifizierter) Arbeit, Konzepte von (arbeitenden) Subjekten sowie Konzepte einer (Arbeits-)Gesellschaft. Berufsberaterinnen, Frauenorganisationen, Verbände und AkteurInnen, die im Bereich der Berufsberatung tätig waren, strebten in immer wieder veränderten Formen ein doppeltes feministisches Ziel an: die Arbeit an Subjekten und für Subjekte einerseits und Veränderungen der Arbeitsgesellschaft und ihrer Institutionen andererseits. Die Berufsberatung wurde zu einem Feld, in welchem seit den 1920er-Jahren Berufsberaterinnen als Expertinnen des Sozialen auftraten.
Diese Perspektive beleuchtet die Geschichte der Berufsberatung weniger in Bezug auf ihre formale Institutionalisierung oder als Geschichte einer Passungsanstrengung bzw. unter dem Gesichtspunkt der Produktion von Persönlichkeiten, sondern als Geschichte einer Arena, in welcher Analyse und Kritik von Gesellschaft sowie die Arbeit an Gesellschaft und an Subjekten stattfand.
Drei historische Fallstudien konstituieren mein Projekt: Ich bearbeite die Gründung der Zentralstelle für Frauenberufe 1922, für welche sich Frauenorganisationen im Kontext der entstehenden Einrichtungen des Arbeitsmarkts zusammentaten (Teil I); die Differenzierung der Berufsberatungslandschaft in der Mitte des 20. Jahrhunderts und die schichtspezifischen Verwendungsweisen des Berufs anhand der Amtszeit der ersten schweizerischen akademischen Berufsberaterin in Basel-Stadt von 1930 bis 1960 (Teil II) sowie Berufsberatungsangebote für Schulabgängerinnen und Wiedereinsteigerinnen im Kontext der Gleichstellungsdiskurse der 1990er-Jahre (Teil III). Diese Struktur gibt den Blick frei auf Momente, die in geschlechtergeschichtlichen bzw. historiographischen Periodisierungen üblicherweise nicht miteinander kontrastiert werden. Sie dient dazu, feministische Aspirationen in ihrer jeweiligen historischen Situiertheit zu untersuchen und die Unabgeschlossenheit der Verhandlungen zu Arbeit, Subjekt und Gesellschaft zu betonen.