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Immer wieder wird der Sinn der bemannten Raumfahrt in Frage gestellt: zu teuer, für nichts zu gebrauchen und oben drein peinlich… Ausserdem: ob es denn nicht sinnvollere Dinge gäbe, für die man Geld investieren könne?
Nun, ja, es gäbe eine Menge sinnvoller Dinge, für die man Geld investieren könnte. Rund 50 Milliarden Dollar wären gemäss Entwicklungsprogramm der UNO jährlich notwendig, um die Not der ärmsten Menschen weltweit erträglich zu machen, ihre Versorgung mit Trinkwasser, Nahrung und Schulen sicher zu stellen. Die Raumfahrt verschlingt weltweit ungefähr die selben Summen. Warum also nicht die Raumfahrt aufgeben und den Armen helfen?
Zum ersten, es gibt eine Menge sehr sinnvoller Dinge, die man mit viel Geld tun könnte, und eine Menge sehr sinnloser Dinge, für die man das selbe Geld verschwendet. Betrachten wir mal den Konsum von Zigaretten: Dafür werden jedes Jahr hunderte von Milliarden ausgegeben, ohne dass die Armen dieser Welt davon profitieren würden. Wie steht es mit anderen Luxus-Gütern? Wäre es nicht viel sinnvoller, Geld für die Armen dieser Welt zu spenden, anstatt es in teuren, aber letztlich nutzlosen Goldschmuck zu investieren? Was ist mit der Sportart Golf? Auch da werden jedes Jahr unzählige Milliarden im wahrsten Sinne des Wortes „verlocht“ – ohne, dass auch nur ein einziger Armer davon profitieren würde.
Die grösste Geldverschwendung überhaupt stellt die Rüstungsindustrie dar: rund eine Billion (1000 Milliarden) Dollar pro Jahr werden hier ausgegeben, um jedes Jahr bessere, schnellere und tödlichere Waffen zu kaufen und in Stand zu halten – die Hälfte davon in den USA. Würde die Rüstung weltweit um auch nur 5% zurück gefahren, stünde genügend Geld für alle Armen der Welt zur Verfügung.
Die bemannte und unbemannte Raumfahrt hingegen sind zwar teuer, aber im Gegensatz zu Luxus-Erungenschaften wie Rauchen, Schmuck und Golfen nicht nutzlos: Durch sie erfahren wir mehr über unsere Welt, über das Universum, in dem wir leben. Die Raumfahrt fördert die Hochtechnologie, spornt junge Menschen an, naturwissenschaftlich tätig zu werden. So gab es in der Zeit nach den Apollo-Mondlandungsflügen in den USA und in der ganzen Welt einen nie zuvor gesehenen Andrang in den naturwissenschaftlichen Studienfächern. Weltraumfahrt begeistert Menschen für die Technik und für die Naturwissenschaften.
Viele Erungenschaften unseres Alltags sind letztlich der Raumfahrt zu verdanken: sie wurden entweder extra dafür erfunden, oder es gelang ihnen erst der Durchbruch, nachdem sie in der Raumfahrt verwendet wurden: die Teflonbeschichtung, der Taschenrechner, feuerfeste Kleidung, Brennstoffzellen, Funknetze, mobile Kommunikation und vieles mehr. Satelliten in der Erdumlaufbahn senden uns täglich Bilder, mit denen Wetterprognosen möglich werden – spezielle Satelliten beobachten gefährliche Entwicklungen wie Erosion, Versalzung des Bodens und Abholzung, lange bevor diese Entwicklungen lebensbedrohlich werden – in Industrieländern wie in Entwicklungsländern.
Nun gut, einige werden einräumen, dass die unbemannte Raumfahrt durchaus ihren Sinn und Zweck hat. Doch die bemannte Raumfahrt, da sind sich einige sicher, ist total sinnlos. „Haben wir denn auf der Erde nicht genügend Probleme?“ – Ja sicher, aber diese Frage verfehlt den Punkt: niemand behauptet, die bemannte Raumfahrt würde da draussen im All neue Probleme suchen und lösen.
Vielmehr tut die Menschheit das, was sie schon immer getan hat: Neues erforschen und neugierig neue Lebensräume erschliessen. Der Weltraum mag kein idealer Lebensraum in dem Sinn sein, wie das nachkolumbianische Amerika für die europäischen Siedler ein neuer Lebensraum war. Der Weltraum und die Welten darin sind viel zu lebensfeindlich, um jemals in dieser Art und Weise „besiedelt“ zu werden, wie Amerika besiedelt wurde. Träume, die Nachbarplaneten Mars und Venus zu „terraformen“, also in echte Schwesterplaneten der Erde zu verwandeln, sind vermutlich noch Jahrhunderte bis Jahrtausende von ihrer Verwirklichung entfernt. Dennoch, der Weltraum zieht die Menschen an: alle benötigten Rohstoffe gibt es im Weltraum in rauhen Mengen – um den gesamten Eisenbedarf der Menschheit von der Frühgeschichte bis heute zu decken, reicht ein einziger Eisen-Asteroid von etwa 2 km Durchmesser – und von diesen gibt es tausende. Energie spendet die Sonne, Rohstoffe, von Wasserstoff, Sauerstoff und Kohlenstoff über Nährstoffe für Pflanzen bis zu Metallen: alles ist in gewaltigen Mengen vorhanden, genug, um den Bedarf der Menschheit für viele Jahrtausende zu decken. Alles, was der Mensch tun muss, ist diese Rohstoffe zu nutzen, sie zu gewinnen und umzuwandeln in die Stoffe, die er wirklich braucht, um in der lebensfeindlichen Umgebung am Leben zu bleiben. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit hat sie die Chance, ihren Lebensraum wirklich von Grund auf und praktisch frei von Zwängen zu gestalten – der Weltraum und die Rohstoffe des Sonnensystems bieten alles, was dafür nötig ist.
Aus der bemannten Raumfahrt spricht der Traum, alle Probleme hier auf der Erde zurück zu lassen und es anderswo anders, besser zu machen. Und gerade im All, wo Sauerstoff, Strahlenschutz und Wärme mühsam hergestellt werden müssen, wo jede Pflanze zählt und alle Nahrung rationiert ist – da wird dem Menschen endlich klar werden, wie wertvoll und schützenswert die Erde und ihre fragile Umwelt wirklich ist.
Die bemannte Raumfahrt ist also nicht einfach eine sinnlose Geldverschwendung. Es ist eine Investition in unsere Zukunft. Wenn die Menschheit überleben will, dann wird sie Rohstoffe und Energie brauchen, und sie wird neue Lebens- und Arbeitsräume erschliessen. Wichtig ist, dass es die richtigen Investitionen sind, die getätigt werden, nämlich jene, die auf dem direktesten, einfachsten und effizientesten Weg in diese Zukunft führen. Wer also wirklich an der Zukunft der Menschheit interessiert ist, sollte sich für eine bessere, zielgerichtetere bemannte Raumfahrt einsetzen, nicht dagegen.