Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03525.jsonl.gz/1366

Die Reichen werden reicher, die Armen ärmer. Was kann diese unselige und gefährliche Entwicklung stoppen? Die Antwort der Geschichte ist leider eindeutig: Es sind vor allem Kriege, Revolutionen, Seuchen und Katastrophen, die die Verhältnisse wieder in eine harmonischere Ordnung bringen. Landreform, Steuern, Gewerkschaften oder Bildung haben nur einen sehr beschränkten Einfluss, wie der Historiker Walter Scheidel in einem Beitrag in der Zeitschrift «The Atlantic» mit dem Titel «The Only Thing, Historically, That’s Curbed Inequality: Catastrophe» zeigt. Sogar demokratische Fortschritte sind meist das Resultat von gewaltsamen Auseinandersetzungen. Zudem hat die Demokratie, zumindest die repräsentative, nur einen sehr geringen Einfluss auf die Entwicklung ökonomischer Unterschiede. «Selbst die aggressivsten Wohlfahrtsstaaten Europas», schreibt Scheidel, kämpfen heute mit einer enormen Ungleichheit.
Ungleichheit ist nicht einfach eine Frage der Gerechtigkeit, sondern des Überlebens. Man kann sich das bildlich anhand eines Gemüsegartens vorstellen, in dem sich die Pächter ihren Lebensunterhalt verdienen. Je grösser die Vermögen und Ansprüche der Besitzer sind, desto weniger bleibt für die Pächter übrig. Ab einem gewissen Punkt setzt der Hunger ein und Revolten werden wahrscheinlich. Gelingen sie nicht, zerstört der Hunger schliesslich die Arbeitskraft, das System bricht zusammen und reisst Pächter wie Besitzende mit sich.
Scheidel, Geschichtsprofessor an der renommierten Stanford-University bleibt pessimistisch: «Die Vergangenheit legt nahe, dass es keinen plausiblen Weg mit Wahlen, Regulierungen oder Bildung zurück zur Gleichheit gibt, den die Nachkriegsgeneration genoss. Die Geschichte kann nicht die Zukunft vorhersagen; aber die Botschaft ist ebenso ungeniessbar wie klar: Mit sehr seltenen Ausnahmen wurden grosse Korrekturen der Ungleichheit nur im Schmerz erreicht.»
Solange noch die Chance besteht, es anders zu machen, darf man diesen pessimistischen Ausblick nicht so stehen lassen. Angesichts der Tatsache, dass das private Geldsystem der Banken (gesichert durch die Zentralbanken) den grössten Umverteilungseffekt bewirkt, müsste eine Geldreform im Vordergrund stehen. Ein politisch realistischer erster Schritt ist die Vollgeld-Initiative, die die private Geldschöpfung durch die Banken unterbinden will. An die andere Möglichkeit, die freiwillige Aufgabe der grössten Vermögen, wagen wir nicht zu denken. Aber wenn die acht reichsten Menschen ihr Vermögen auf eine Yacht und ein Ferienhaus reduzierten, wäre die Schuldenlast der ärmeren Hälfte der Menschheit beseitigt und ein Neustart möglich. Wer nicht für eine solche wundersame Wendung beten will, tut besser daran, sich für Geldreform einzusetzen.
Zwei gute Adressen dazu: www.vollgeld-initiative.ch und www.monetative.de