Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03492.jsonl.gz/1049

Wir verfolgen die neusten Tendenzen im Tourismus und stellen fest, dass die Medien gerade die Ära des Weltraumtourismus ankündigen.
Und ich war dabei!
Das ging so. Ich war heute im Garten beschäftigt. Es war heiss, und ich brauchte eine Pause. Da ich mir von Zeit zu Zeit Sorgen mache über den Zustand der Welt, verfolge ich manchmal die Nachrichten. Ich schaltete also den Fernseher ein und geriet rein zufällig in eine Live-Sendung von CNN. Jeff Bezos, so erfuhr ich, sass mit drei weiteren Passagieren an Bord einer Kapsel, die man auf eine Rakete montiert hatte. Es lief ein Countdown, dann zischte und rumpelte es und die Rakete hob ab samt der Kapsel mit den Passagieren. Als Zuschauer konnte man mitverfolgen, wie die Rakete an Höhe gewann. Nach drei Minuten waren die vier Passagiere 100 Kilometer weiter oben. Dann hörte man aus der Kapsel ekstatisches Grölen, Jauchzen und Johlen: die schwerreichen Passagiere erlebten ihre Schwerelosigkeit.
Ich überlegte, ob es nicht besser wäre, wenn die Milliardäre im Weltraum blieben, aber da sah man schon, wie die Kapsel wieder an Höhe verlor. Die kurze Ekstase war vorbei, und knappe elf Minuten nach dem Start war die Rakete wieder dort, wo sie aufgestiegen war, ganz nachhaltig kann sie wiederverwendet werden. Die Passagiere in ihrer Kapsel landeten auch in der Nähe.
Das fand ich als Zuschauer nun doch etwas enttäuschend. Man betreibt einen beträchtlichen Aufwand, um wegzufahren, und ist dann zehn oder elf Minuten später wieder so weit wie am Anfang.
Die Insassen der Kapsel hätten ja in der Steppe Kasachstans landen können. Dort hätten sie vielleicht noch ein Kamel sehen können, einen einsamen Hirten auf einem Pferd auf einem Hügel in der Ferne oder, ganz in der Nähe, eine wilde Schildkröte.
Macht ein Mensch, der auf einem Trampolin springt, eine Reise? Gewiss nicht. Und einer, der sich mit einem teuren und klimaschädlichen Trampolin hundert Kilometer in die Höhe befördern lässt?
Die vier Passagiere sind niemandem begegnet am Rande des Weltraums. Sie haben nicht einmal das Fenster ihrer Kapsel geöffnet, um den süssen Duft des weiten Weltraums einzuatmen. Und für einen Apero mit den Marsmenschen hatten sie auch keine Zeit.
Eine Reise haben sie nicht gemacht. Touristen sind sie auch nicht. Sie mussten auch nicht in Quarantäne.
Ich habe dann den Fernseher wieder ausgeschaltet und bin zurück in den Garten. Im Ohr hatte ich noch das Geschwafel von der kommenden Besiedlung des Weltraums durch die Menschheit. Dachten die Journalisten, dass Jeff sie bald einlädt zu einer Fahrt mit dem Raketentrampolin?
Die Bilder der selbstzufriedenen Kapselinsassen habe ich mir erspart. Ich atmete tief durch und entspannte mich beim Gedanken, dass ich mich mit dieser angeblichen Tendenz eines angeblichen Tourismus nicht weiter beschäftigen muss.