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Auf einer markanten Kuppe, nahe bei Appenzell, finden sich die Spuren der Burg Clanx. Erhalten sind die Reste des Turms und der Ringmauer mit dem Tor. Franziska Knoll hat bei ihren archäologischen Untersuchungen 1949 im Innern die Fundamente eines grossen, viereckigen Bergfrieds und von Ökonomiegebäuden freigelegt. Der Turm besitzt die bemerkenswerten Aussenmasse von ungefähr zehn Metern im Geviert, bei einer durchschnittlichen Mauerstärke von zwei Metern. Ein Kantenschlag lässt sich an den wenigen noch erhaltenen Bindern und Läufern der Eckverbände nicht feststellen. Das Torgewände ist aus Kalkbrocken gefügt und mit einem rekonstruierten Rundbogen abgeschlossen. Seitlich sind noch die Löcher für den Riegelbalken hinter dem Tor sichtbar. Der Eingang führt in einen äusseren Burghof. Die zugehörige Ringmauer kann zur Zeit im Süden nur noch auf Grund des Geländereliefs erahnt werden. Hingegen ist der grösste Teil im Osten konserviert. Hinter dem Bergfried im Westen schliesst sich der innere Burghof mit Fundamentresten von Gebäuden an.
Den ersten Hinweis auf die Burg erhalten wir aus einer Urkunde, welche 1210 ausgestellt wurde. Aber bereits im 12. Jahrhundert hatten die Äbte von St. Gallen, welche im Appenzellischen grössere Besitzungen besassen, die sie vorwiegend durch Schenkungen erhalten hatten, die Burg Clanx inne. Es ist möglich, dass Ulrich von Sax, Abt von St. Gallen, Spross des weit verzweigten Misoxer Adelsgeschlechts, das seit ungefähr einer Generation sich auch im Alpstein niedergelassen hatte, die Burg verstärkte. Nachdem ursprünglich nur ein Turm bestanden hatte, liess der Abt die Anlage mit einer Ringmauer umgeben und mit Wirtschaftsgebäuden versehen. Dies ist um so wahrscheinlicher, als der Bruder des Abts, Heinrich, zum Schirmherr oder Kastvogt, also zum Beschützer des Gotteshauses gegen äussere Feinde, ernannt wurde und damit gleichzeitig seinen Wohnsitz auf Clanx aufschlug. Die Herrschaft wurde damit zu einem bedeutenden Eckpfeiler saxischer macht. Als Heinrich 1249 starb, hinterliess er drei Enkel, von denen der gleichnamige Heinrich (II) die Burg Clanx und die Hälfte von Misox-Calanca erhielt. Er war nicht nur Haudegen und Administrator, sondern betätigte sich auch als Minnesänger. So sind uns von ihm in der Manessischen Liederhandschrift ein Tanzlied und drei Frühlingslieder erhalten.
Als zu St. Gallen der streitbare und herrische Abt Berchtold von Falkenstein 1272 starb, kam es zu einer Doppelwahl mit dem Thurgauer Ulrich von Güttingen und Heinrich von Wartenberg, einem Verwandten des verstorbenen Berchtold. In seiner Not rief Ulrich keinen geringeren als Rudolf von Habsburg zu Hilfe und ernannte ihn zum Schirmvogt über das Stiftsgebiet. Nichts kam dem Grafen gelegener als dies, war er doch seit Jahren mit dem Aufbau einer geschlossenen grossen Herrschaft beschäftigt, besonders seit er acht Jahre zuvor grosse Teile der heutigen Ostschweiz aus dem Nachlass der ausgestorbenen Grafen von Kyburg geerbt hatte. So riet er Ulrich sofort, dem bisherigen klösterlichen Kastvogt Heinrich (II) von Sax seinen Sitz, die Burg Clanx, zu entziehen und die Herrschaft seinem Günstling Ulrich von Ramschwag zu übertragen. Damit endete die saxische Herrschaft über Clanx, auch wenn die Familie später noch den Titel „Herren von Clanxis“ führte.
Inzwischen war Rudolf von Habsburg 1273 zum deutschen König gewählt worden. Dem unfähigen Abt Rumo von Ramstein folgte in St. Gallen 1281 Wilhelm von Montfort, dem der mächtige Habsburger einen seiner vielen Günstlinge, Konrad von Gundelfingen, Abt zu Kempten, entgegensetzte. Damit entstanden in der Region St. Gallen heftige Streitereien. Der Gegenabt legte eine Streitmacht unter dem Kommando Ulrichs von Ramschwag, des klösterlichen Schirmvogts, vor Clanx. Doch auch die schweren Steinkugeln der mitgeschleppten grossen Blide konnten dem starken Mauerwerk keinen nennenswerten Schaden zufügen. Durch Bestechung fiel die Burg jedoch und wurde zerstört. Nachdem Wilhelm von Montfort den Gegenabt vertrieben hatte – König Rudolf von Habsburg, dessen Protektor, war 1291 gestorben -, liess er die Burg Clanx als klösterlichen Besitz wieder herrichten. Die archäologische Untersuchung eröffnete interessante Hinweise über die Zerstörungsart und das Vorgehen beim Wiederaufbau. Die Feinde untergruben die Süd- und Ostmauer des Bergfrieds. Das Pulver stand noch nicht in Gebrauch und wurde erst etwa 80 Jahre später für Kriegszwecke verwendet. Mit dem Fortschreiten der Unterhöhlung der Mauer von aussen ging auch eine Unterstützung mit Holzbalken einher, um die eigenen Leute vor dem Einsturz zu schützen. War die Mauer ungefähr zwei Drittel tief unterhöhlt, wurde das Holz angezündet, und die Mauer, ihrer Unterstützung beraubt, kippte nach aussen um. Das umgestürzte Mauerstück konnte mitsamt den verkohlten Spriessen im Schutt freigelegt werden. Die gleiche Methode wurde auch bei der Burg Englisberg bei Freiburg angewandt. Offenbar begann man mit dem Wiederaufbau sehr rasch, und zwar schon in der Zeit, da das Land noch unter feindlicher Kontrolle stand. Zunächst liess Wilhelm von Montfort nur die Steintrümmer zu Wällen aufschichten. An die so vorbereiteten Trümmerhaufen wurde, von aussen sichtbar, eine dünne innere Mauer gelehnt. Dadurch entstand eine genügend breite Basis, auf welcher die Turmwände wieder aufgeführt werden konnten. Diese dünnen Mauern sind bei der Ausgrabung ebenfalls gefunden worden. Die hergerichtete Burg diente im 14. Jahrhundert weiterhin als Wohnsitz der sanktgallischen Vögte. Nur 1344 kam sie pfandweise für zwei Jahre an die Stadt St. Gallen.
Gegen 1400 verschlechterte sich das Verhältnis zwischen dem Abt und den Appenzellern sowie der eigenen Bürgerschaft immer mehr. Dass sich der Zorn der Bergbauern bei ihren Befreiungsbestrebungen zuerst gegen den Verwaltungssitz des äbtischen Vogtes über Appenzell richtete, ist verständlich. 1402, gleichsam als Signal für die folgenden Unabhängigkeitskriege, zog man, unterstützt von den Bürgern aus St. Gallen, vor Clanx, zwang die Besatzung zur Übergabe und zerstörte die Burg für immer.