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Teil 2, Alberto Giacometti
Die Magersucht Figuren des Schweizer Künstler Alberto Giacometti, der als wichtigster Bildhauer des 20. Jahrhunderts gilt und schon zu Lebzeiten kultisch verehrt wurde, gaben viele Rätsel auf .
Ab 1946 begannen Giacomettis Skulpturen immer länger und dünner zu werden und wuchsen zu der Strich-Dimension, mit welcher er Weltruhm erlangte. Auch Köpfe in normaler Grösse hatten teilweise so wenig Breite, dass kaum noch ein Gehirn darin Platz gefunden hätte. Seine dürren Gestalten wirken körperlos, verfremdet und unnahbar. In einer bestimmten Schaffensphase durchliefen die dünnen Körper sogar noch einen weiteren Reduktionsprozess: sie gerieten immer kleiner.
Giacometti sagte: „Nur in dieser kleinen Form ähnelten sie der Wirklichkeit und zugleich entsetzten mich ihre Ausmaße, sodass ich unablässig von Neuem begann“. „Oft wurden sie so winzig, dass sie mit einem allerletzten Spachtelstrich zu Staub zerfielen.
Unten stehendes Zitat stammt aus: https://www.welt.de/print/wams/kultur/article11100747/Die-Menschen-sind-nur-Staub.html
„Es ist bekannt, dass Giacometti versuchte, die Menschen so abzubilden, wie er sie sah. Aber es ist ebenfalls bekannt, dass es ihm nie zur Zufriedenheit gelang. Er zerstörte seine Werke regelmäßig. Diesen ständigen Kreislauf von Werden und Vergehen in Giacomettis Werk hat ebenfalls Sartre beschrieben: „Seine Gestalten, die dazu bestimmt sind, in derselben Nacht, da sie entstehen, wieder zu vergehen, bewahren als einzige unter allen mir bekannten Skulpturen die ungewöhnliche Anmut der Vergänglichkeit. Nie war die Materie weniger ewig, zerbrechlicher, menschenähnlicher. Das Material Giacomettis, das seltsam verstäubte Mehl, das allmählich sein ganzes Atelier überzieht, das unter seine Nägel und in die tiefen Falten seines Gesichts dringt, ist Raumstaub.“
Giacometti sagte auch: „Der Raum existiert nicht, man muss ihn schaffen“,
Die spindeldürren, in die Länge verzerrten Figuren, egal ob übergross oder winzig, scheinen wie die Verkörperung der damals aktuellen „Existenzialistischen Philosophie“ zu sein. Giacometti wird oft dahingehend interpretiert, als hätte er die Skulpturen zur Theorie des Existentialismus geliefert.
Nachdem Giacometti eine Zeit lang winzige Figuren gemacht hatte, ging er dazu über, wieder grössere zu gestalten, bis zu Menschengrösse und darüber hinaus.
Mit der Werkserie „stehende Frauen“ gelang ihm der Durchbruch.
Grande Femme debout (stehende Frau), 1960:
Warum diese extremen Figuren?
Mehrere Interpretationen sind möglich, aber wohl keine eindeutige. Aber so soll es doch sein bei einem Künstler.
Das Interesse Giacomettis am Existentialismus mag eine Rolle gespielt haben (er war mit Jean-Paul Sartre befreundet), auch surrealistische Einflüsse waren bekannt, aber womöglich gab es auch andere Gründe:
Wenn man bedenkt, dass der 2. Weltkrieg (1939-1945) auch auf Giacometti Einfluss hatte (er flüchtete 1940 mit dem Velo aus Paris gegen Süden, kehrte aber nach grausamen Erlebnissen wieder zurück), kann man sich fragen, ob er wollte, dass der Mensch sich verflüchtigen werde, weil er ihn so reduziert, ausgehungert, fast körperlos durch den Raum irrend dargestellt hat.
Das Unverständnis war gross, als man diese Figuren damals in Ausstellungen zu sehen bekam. Nach dem Krieg fühlten sich viele an ausgehungerte KZ Häftlinge erinnert. Giacometti selbst hat diese Interpretation jedoch mehrmals in Interviews verneint.
Giacometti hat viele seiner Werke gleich wieder zerstört, kaum waren sie erschaffen. Er begann immer wieder von neuem und war trotzdem nie richtig zufrieden. Zweifel an seinem eigenen Können zerfrassen ihn. Sowohl Gemälde wie Skulpturen unterlagen einem steten Gestaltungs- und Zerstörungs-Prozess.
Es war ihm unmöglich, ein Werk für vollendet zu erklären.
Im Jahr 2016 leistete sich das Kunsthaus Zürich zum 50. Todestag Giacomettis eine umfangreiche Ausstellung.
2017: The final Portrait. Film von Stanley Tucci über Alberto Giacometti und den Schriftsteller und Kunstliebhaber James Lord, der über Giacometti schrieb und ihm für ein Portrait Modell sass. http://www.spiegel.de/kultur/kino/alberto-giacometti-kuenstlerfilm-final-portrait-kritik-a-1160882.html