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Diskussion
Diskussion: „Versuchen wir nun hier die Spur der Buddhareliquien genau zu verfolgen. Der Pâlitext zählt genau die zehn Orte auf, an denen Stûpas errichtet wurden. Wobei acht Stûpas je 1/8.tel Knochenreliquien beherbergen. Eine Stûpa beherbergt das grosse, jetzt leer Reliquien-Gefäss von Brahmanen Don.a, welches kurzzeitig alle 8 Teile der Knochenreliquien gefaßt hatte. Eine Stûpa beherbergt die Asche vom Scheiterhaufen. Diese Schilderungen in der Pâliquelle sind so genau in ihren Einzelheiten, daß kein Zweifel an der Richtigkeit besteht.
1/ „Der König von Magadha Ajâtasattu Vedehiputta erbaute dann in Râjagaha einen Stûpa über seinen Knochenreliquien des Erhabenen und feierte ein Fest für sie.“ So steht es im Pâlitext. Râjagaha ist die alte Hauptstadt des Königsreichs der Magadha, in der zuerst der Mahârâja Bimbisâra residierte und anfing einen Zyklopenwall um Râjagaha zu errichten. Prinz Ajâtasattu, Bimbisâras Sohn, vollendete dann den 40 km langen Zyklopenwall, gab dann aber Râjagaha auf und verlegte die Magadha-Hauptstadt nach Pât.aliputta (heute: Patna) am die Gan°gâ. Von Karl Eugen Neumann erfahren wir, daß der Reliquien-Stûpa auf der Felsenburg bei Râjagaha, dem Giribbajam, stand. Diese Reliquien-Stûpa dürfte später von König Asoka verehrt worden sein. Dies hat Fleet im Journal „Royal Asiatic Society“ 1907 auf Seite 359 bis 363, gestützt auf chinesische Reiseberichte, vortrefflich nachgewiesen. Da der Islam südlich vom Ganges am schlimmsten gehaust hat, ist uns auf diesem Gebiete keine dergleichen epigraphische Kunde (Inschriftenkunde), noch Spuren, erhalten geblieben, so endet die Neumann´schen Ausführungen. (Quelle: Neumann, Karl Eugen: Die Reden des Buddha. Längere Sammlung. Herrenschrot 1996, Verlag Beyerlein & Steinschulte, Seite 699, Anmerkung 512)
2/ Als zweiter Punkt wurde berichtet, daß die Licchavi von Vesâlî in Vesâlî einen Stûpa über ihre Knochenreliquien des Erhabenen errichtet haben. Von Hans Wolfgang Schumann erfahren wir, daß die Deckelschale des Reliquienbehälters der Licchavi 1958 in Vesâlî ausgegraben wurde. Sie enthält Knochenreste, Asche und Beigaben und ist heute in der Obhut des „Department of Archaeology and Museums“ der Landesregierung von Bihâr in Patna, so Schumann. (Quelle: Schumann, Hans Wolfgang: Der historische Buddha München 1982, Verlag Diederichs, Seite 288) Ausserdem berichte Fleet im Journal „Royal Asiatic Society“ 1907 auf Seite 358 f., daß der Chinese Hiuen-Tsiang diesen Stûpa besucht hatte. (Quelle: Neumann, Karl Eugen: Die Reden des Buddha. Lämgere Sammlung. Herrenschrot 1996, Verlag Beyerlein & Steinschulte, Seite 699, Anmerkung 513)
3/ Als dritter Punkt wurde berichtet, daß die Sakya von Kapilavatthu in Kapilavatthu einen, Stûpa über ihre Knochenreliquien des Erhabenen errichtet haben. Hans Wolfgang Schumann schreibt dazu in seinem Buch „Auf den Spuren des Buddha Gotama“ folgendes: (Quelle: Schumann, Hans Wolfgang: Auf den Spuren des Buddha Gotama, Olten 1992, Verlag Walter, Seite 165 bis 170) „Die Sakiyas hätten die Reliquie wahrscheinlich in Kapilavatthu I (Tilaurakot. im heutigen Nepâl), Gotamas Heimatstadt, bestattet, wenn die Stadt nicht drei Jahre zuvor vom Kosala-Mahârâja Vid.ûd.abha, der seinen Vater Pasenadi entthront hatte, im Verfolgung einer persönlichen Rache an den Sakiyas zerstört worden wäre.
So kam der Ort, wo der Buddha die ersten 29 Jahre seines Lebens zugebracht hatte, als Beisetzungsort seiner Reliquien nicht mehr in Frage. Zum Glück hatte sich eine größere Anzahl von Bürgern des alten Kapilavatthu vor Vid.ûd.abhas Zorn in Sicherheit bringen können. Als sie erkannten, daß der Mahârâja seine Rache als vollzogen ansah, waren sie nicht in die niedergebrannte Stadt zurückgekehrt, sondern hatten 16 km südwestlich davon eine neue gegründet, die sie Groß-Kapilavatthu nannten. Hier, in Kapilavatthu II, gaben sie später ihren Anteil an Buddhareliquien die letzte Heimat. Die Neuansiedlung der Sakiyas (=Kapilavatthu II) liegt auf indischen Boden bei dem Dorf Ganvariyâ. Von der Stadt sind ein paar Ziegelfundamente erhalten, darunter die eines Baues, der von einigen Archäologen sehr willkürlich als Palast der Skiyas gedeutet wird. Einen Kilometer weiter liegt die Stelle, wo die Sakiyas die Urnen ihrer prominenteren Toten bestatteten - bei dem heutigen Dorf Piprahvâ. Hier fällt ein breit angelegter, relativ flacher Stûpa auf, der von Überresten buddhistischer Klöster umgeben ist.
Es ist der Stûpa, in dem Buddhareliquien entdeckt wurden. Kapilavatthu II ist schwer zu finden, da weder die archäologische Stätte noch die Dörfer Ganvariyâ und Piprahvâ auf den indischen Straßenkarten eingetragen sind. Man erreicht Kapilavatthu II mit dem Auto von Naugarh aus, einer Bahnstation der North Eastern Railway. Die Fahrstrecke ist 25 km lang und verläuft nach Norden. Ein von den Archäologen an der Landstraße aufgestelltes, auf eine Abzweigung nach links verweisendes Schild „Kapilavatthu 8,4 km“ beseitigt Zweifel an der Richtigkeit des Weges wenigstens für den letzten Teil der Reise. Der Stûpa von Piprahvâ (Kapilavatthu II), in dem die Sakiyas ihren Reliquienschatz beigesetzt hatten, ist 1898 von W.C. Peppé, einem britischen Großgrundbesitzer aus Birdpur, entdeckt und untersucht worden. Peppé zog über den Scheitelpunkt des Stûpa einen Suchgraben.“
Richard Pichel berichtet bereits 1906 folgendes über die Grabung von Peppé in seinem Buch „Leben und Lehre des Buddha“: (Quelle: Pischel, Richard: Leben und Lehre des Buddha. Leibzig 1910, 2. Auftage, Verlag Teubner, Band 2, Seite 44 bis 45) „Einen Teil der Überreste Buddhas erhielten auch die Sâkyas von Kapilavastu, die darüber einen Stûpa (Reliquienhügel) errichteten. Dieser ist 1898 von W.C. Peppé bei Piprâvâ im Tarâî gefunden und geöffnet worden. Er zeichnet sich vor den andern dort befindlichen Stûpas durch seinen Umfang und seine auffallende Gestalte aus. Zehn Fuß von der Spitze entfernt fand sich eine kleine, zerbrochene Steatiturne, die voll Lehm war, in dem Kügelschen, Kristalle, Goldschmuck, geschnittene Sterne und dgl. eingebettet waren. Von da ab zog sich in die Tiefe hinab ein kreisrunder Schacht, der mit Lehm angefüllt und von Mauerwerk umschlossen war. Nachdem man achtzehn Fuß durch dieses Mauerwerk gegraben hatte, stieß man auf eine riesige Steinplatte, die sich bei weiterer Ausgrabung als der Deckel eines massiven Sandsteinkastens erwies. Der Deckel war durch den Druck des Mauerwerks in vier Teile zerbrochen, der Kasten aber trotzdem völlig geschlossen, da die Stücke durch die Art der Befestigung des Decks fest zusammenhielten. Sie konnten ohne Beschädigung des Inhalts des Kastens entfernt werden. Der Kasten selbst war aus hartem, feinem Sandstein von hervorragender Güte, und mit gewaltiger Arbeit und großen Kosten aus einem massiven Felsblock ausgehöhlt, der von weit her hingeschafft worden sein muß, da in der Nähe sich ähnliches Gestein nicht findet. Im Innern des Kastens stand eine Steatiturne (Talk, Speckstein), die in alter Brâmîschrift und in Mâgadhî-Sprache die Inschrift zeigt: „Dieser Behälter der Reliquien des erhabenen Buddha aus dem Geschlecht der Sâkyas ist die fromme Stiftung der Brüder samt den Schwestern, mit Kindern und Frauen“. Unmittelbar rechts von dieser Urne stand eine prachtvolle Kristallbüchse, zu der ein Deckel gehörte, der hohl und mit gekörnten Sternen aus Blattgold angefüllt war. Der Griff des Deckels hat die Gestalt eines Fisches. Links von der Urne stand eine Vase, vor beiden ein flaches, korbartiges Kästchen mit Deckel, und links von der Vase eine zweite Steatiturne, die größer ist als die erst, aber keine Inschrift hat. Alle diese Gefäße waren zur Hälfte angefüllt mit Zierarten aus Gold, Silber, Edelsteinen, Kristall, die die verschiedensten Formen aufwiesen, wie Sterne, Blumen, Figuren von Männern, Frauen, Vögeln, Elefanten und dgl. , Stücken aus Blattgold, in die die Figur eines Löwen und das mystische Zeichen des Svatika oder Hakenkreuzes eingeprägt war, das auf anderen Stücken auch allein steht. (Kürzung) Fachmännische Untersuchungen hat gezeigt, daß der Stûpa von Piprâvâ vor 1898 nie geöffnet worden ist, so daß an der Echtheit der Reliquien Buddhas nicht gezweifelt werden kann.“
Hans Wolfgang Schumann teilt uns weiter mit: (Quelle: Schumann, Hans Wolfgang: Auf den Spuren des Buddha Gotama, Olten 1992, Verlag Walter, Seite 168 bis 170) Die Fundstücke befinden sich heute in der Obhut des „Indian Museum in Kalkutta“ - außer der Asche, den eigentlichen Reliquien. Nach dem 1954 in Kalkutta erschienenen „Guide to the archaelogical Galleries of the Tndian Museum“ von C. S´ivarâmamûrti (Seite 27)“ hat die Regierung von Indien die verkohlten Knochen, die in der Specksteinvase gefunden wurden, da sie mehr von religiösem als archäologischen Interesse sind, dem König von Siam geschenkt. Jahrzehntelang hat man angenommen, daß die in Piprahvâ gefundenen Buddha-Reliquien sehr bald nach dem Tode des Meister dort beigesetzt wurden; dementsprechend hielt man die Inschrift auf der Urne für den ältesten erhaltenen Schriftbeleg Indiens. In neuerer Zeit wird diese Meinung angefochten. Paläographen und Archäologen haben darauf hingewiesen, daß der Brâhmî-Letterntypus der Urneninschrift erst dem 2. Jh. v. Chr. angehöre und daß gedrechselte Specksteinurnen nicht vor diesem Zeitpunkt verwendet wurden. Zudem wiesen einige der aus Goldfolie geschnittenen, in der Urne gefundenen Beigaben Symbole auf, die erst im 2. Jh. v. Chr. in Gebrauch kamen. Letztlich sei auch die Kristalldose mit dem Fischdeckel zu beachten, die mit der Urne zusammen gefunden wurde: sie stelle einen Formtypus dar, der erst dem 1. Jh. v. Chr. zuzuordnen sei (Härtel 1991, S. 75). Damit wird die Folgerung nahegelegt, daß die Piprahvâ-Urne nicht das Orginalbehältnis der Buddhareliquien ist, sondern die Reliquien erst bei einer Sekundärbestattung der Nach-Asoka-Zeit in dieser Urne untergebracht worden sind.“
4/ Die Buli von Allakappa errichten in Allakappa einen Stûpa. Auf diesen Punkt gehen wir später ein.(siehe 10/)
5/ Die Koliya von Râmagâma errichten in Râmagâma einen Stûpa. Dieser Stûpa wurde von dem Chinesen Fa-Hian auf seiner Reise um 399 bis 414 n. Chr. gesehen. Gut 200 Jahre später hat den Stûpa ebenfalls der Chinese Hiuen-Tsiang um 630 bis 644 n. Chr. gesehen. Der Turm, wie die Chinesen den Stûpa nennen, war zwischen Kurinârâ und Kapilavatthu gelegen, also ganz oben an der Grenze von Nepâl, bei Râmagâma. (Quelle: Fleet im Journal „Royal Asiatic Society“ Jahrgang 1907 auf Seite 350 f. und Jahrgang 1906 auf Seite 902; Quelle: Neumann, Karl Eugen: Die Reden des Buddha. Längere Sammlung. Herrenschrot 1996, Verlag Beyerlein & Steinschulte, Seite 699-700, Anmerkung 515)
6/ Der Brahmane aus Vet.hadîpa errichten in Vet.hadîpa einen Stûpa. siehe den 4.ten Punkt: Buli von Allakappa
7/ Die Malla von Pâvâ errichten in Pâvâ einen Stûpa. Die Stadt Pâvâ ist wahrscheinlich das heutige Fazilnagar, 16 km südöstlich von Kasi, so Schumann. (Quelle: Schumann, Hans Wolfgang: Der historische Buddha München 1982, Verlag Diederichs, Seite 281)
8/ Die Malla von Kusinârâ errichten in Kusinârâ einen Stûpa. Heute findet man etwas 1,5 km östlich von Sterbeort Buddhas die Einäscherungsstûpa in Kusinârâ. Sie ist 34 m im Durchmesser und hat heute eine Höhe von nur 8 Metern. Schatzsucher vieler Jahrhunderte haben in dem Stûpa gegraben, und Ziegelplünderer haben von ihm Steine zum Bauen geholt. Die Menge von Votivplaketten, die bei archäologischen Grabungen am Ort gefunden wurden, macht den Grad der Verehrung die die Stätte einmal genoß und die vielen Pilger, die diese Stûpa aufsuchten, deutlich. (Quelle: Schumann, Hans Wolfgang: Auf den Spuren des Buddha Gotama, Olten 1992, Verlag Walter, Seite 162 bis 163) „Ob die Malla von Kusinârâ ihre Reliquien in diesem Einäscherungsstûpa besetzten, läßt sich heute schwer sagen.“ Gerhard A. Genau
9/ Und der Brahmane Don.a erbaute einen Stûpa über dem (Reliquien-)Topf. Auch dieser Stûpa wurde von dem Chinese Hiuen-Tsiang um 630 bis 644 n. Chr. besucht. (Quelle: Fleet im Journal „Royal Asiatic Society“ Jahrgang 1907 auf Seite 355 bis 358.) (Quelle: Neumann, Karl Eugen: Die Reden des Buddha. Längere Sammlung. Herrenschrot 1996, Verlag Beyerlein & Steinschulte, Seite 700, Anmerkung 516)
10/ Die Moriy von Pipphalivana erbaute einen Stûpa über der Asche. Dieser Stûpa wurde von dem Chinesen Fa-Hian auf seiner Reise um 399 bis 414 n. Chr. gesehen. Gut 200 Jahre später hat den Stûpa ebenfalls der Chinese Hiuen-Tsiang um 630 bis 644 n. Chr. gesehen. (Quelle: Fleet im Journal „Royal Asiatic Society“ Jahrgang 1906 auf Seite 900, Jahrgang 1907 auf Siete 350; Quelle: Neumann, Karl Eugen: Die Reden des Buddha. Längere Sammlung. Herrenschrot 1996, Verlag Beyerlein & Steinschulte, Seite 700, Anmerkung 517) 4/ Die Buli von Allakappa errichten in Allakappa einen Stûpa. Otto Franke gibt folgende Anmerkung: „Der Kommentar zu Dhp. Str. 21-23 (Fausbölls 1. Dhp. Ausgabe. p. 153) erwähnt einen König Allakappa im „Allakappa-Reiche“ und als dessen Freund von Jugend auf den König Vet.hadîpa, beide als Könige der Vorzeit (von Buddha aus gerechnet). Das ist deshalb auffällig, weil auch an unserer Stelle im zweitnächsten Satze der Name Vet.hadîpa folgt, hier aber als Name eines Brahmanen!“ (Pâli-Quelle: D 16, 6, 7 folgende, aus Franke, Otto: Dîghanikâya. Das Buch der Langen Texte des Buddhistischen Kanons, Göttingen 1913, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Seite 252) „Otto Frankes Hinweis ist bei der Lokalisation der Allakappa-Stûpa wenig hilfreich.“ Gerhard A. Genau „Allakappa ist der Eigenname des Landes und der Stadt der Bulis.“ (Quelle: Trenckner, V. : A Critical Pâli Dictionary = CPD, Copenhagen 1924-1948, Commissioner: Ejnar Munksgaard, Band I, Seite 445) „Das Mahâ-Parinibbânasutta endet nach dem Satz „So also hat sich das ehemals zugetragen.“ mit vier Versen, die gewiss nachträglich an den Urtext angefügt wurden. Ich teile die Meinung von Buddhaghosa, der sagt, daß es Mönche auf Sri Lanka waren, die diese vier Verse angehängt hatten. Die Zeile „Die Götter selbst auch einen Zahn bewahren,“ weißt auf den heiligen Reliquien-Zahn von Kandy auf Sri Lanka hin. Ich teile aber nicht die Meinung von Julius Dutoit, der behauptet diese vier Verse seien unecht. (Quelle Dutoit, Julius: Das Leben des Buddha. Leipzig 1906, Verlag Oskar Schloß, Seite 338)
Vielmehr behaupte ich, nur weil ein Text weniger alt ist, muß er nicht zwangsläufig unrichtige Tatsachen aufzeigen. Die Frage die sich hier stellt ist: Wo liegt die Stadt Allakappa? So erfahren wir aus den vier Versen, daß sieben Knochenteile in Jambudîpa, also in Indien, blieben, und ein Teil die Hauptstadt der Gandhâren bewahrt. Die Spur führt also zum Gandhâra-Reich. Stellen wir uns den Brahmanen Don.a vor, der die Knochenreste des Erhabenen in acht gleich große Teile zu teilen hat. Don.a wird gewiss acht tönerne Almosenschale von den 500 anwesenden Mönchen erbeten haben und in diese die Knochenreste verteilt haben. Dann reicht Don.a eine tönerne Almosenschale den Bulis aus Allakappa. Die Bulis mögen einen Elefanten mit der Reliquie gesattelt haben und mögen sich sofort in Richtung ihrer Heimat, vermutlich das Gandhâra-Reich, begeben haben. Dort im Gandhâra-Reich, in der Stadt Butkara, angekommen, würden Sie sogleich eine Stûpa aus Ton über der tönernden Almosenschale errichtet haben und ein größes Andachtsfest gefeiert haben. Dies hätte sich ungefähr im Jahre 484 v. Chr. zugetragen. Die Zeit vergeht. Fürsten gehen unter, Fürsten steigen auf und kommen zu großen Reichtum. Der Kunstgeschmack ändert sich.
Um 150 nach Christi will ein reicher Fürst aus Butkara sich buddhistische Verdienste erwerben. So denkt er an den alten Stûpa des Erhabenen. Er läßt voll Erfurcht und Respekt den alten, tönernden Stûpa öffnen und birgt die tönernden Almosenschale mit den Knochen-Reliquien. Sogleich beauftragt er seinen besten Steinmetzkünstler ein neues Reliquiengefäß zu fertigen. Kugelrund soll es sein. Aus grünem Schiefer soll es sein. Als dieses Kugelgefäß fertig ist, wird es mit den Knochenresten des Erhabenen gefüllt und wieder in den alten Stûpa gebracht. Der alte Stûpa wird aber mit einer neuen Ziegelsteinhülle umgeben. Die Zeit vergeht. Fürsten gehen unter, Fürsten steigen auf und kommen zu großen Reichtum. Der Kunstgeschmack ändert sich. Um 150 nach Christi führt ein Gandhâra-Fürst aus Bîmarân Verhandlungen mit dem den Fürsten aus Butkara. Er erbittet einen Teil der Buddha-Reliquie. Nach zähen Verhandlungen darf unser Bîmarân-Fürst mit einem sechzehntel-Teil der Konchenreliequie in seine Heimatstadt ziehen. Angekommen in Bîmarân wird eine prächtige Stûpa errichtet. Gleichzeitig werden wieder Steinmetze beauftragt ein neues, heiliges Gefäß zu fertigen. Die frühe, bilderlose Gandhâra-Zeit gestattete keine bildliche Darstellung des Buddha. So wählten die Steinmetze den Lotus als Sinnbild für den Erleuchteten und schufen ein Reliquiengefäß von erhabener Schönheit in Form einer Lotusknospe. Diese Gefäß wurde sicher in den Tiefen des neu fertiggestellten Stûpas eingelassen.Die Zeit vergeht. Fürsten gehen unter, Fürsten steigen auf und kommen zu großen Reichtum. Der Kunstgeschmack ändert sich. Um 300 nach Christi ändert sich das Kunstverständnis im Gandhâra-Land. Die Künstler getrauen sich jetzt Buddha bildlich darzustellen. Der herrschende Fürst von Bîmarân beschließt etwas für sein gutes Kamma tun. So sucht er nach den besten Goldschmied im Lande. Dieser erhält den Auftrag ein neues, noch nie da gewesenes Reliquien-Gefäß aus purem Gold zu treiben. Die schwierige Arbeit gelingt und so entsteht eines der schönsten Kunstwerke, die die Gandhâra-Kunst je hervorgebracht hat. Wieder wird der Stûpa geöffnet. Das Lotusgefäß aus einfachen Schiefer mußte die Hälfte seines kostbaren Reliquien-Inhaltes abgeben. Der zweiunddreissigste-Teil der Knochen-Reliquie wird in den Goldbecher und in das Lotusgefäß gefüllt. Beide Reliquiengefäße werden dann sicher in den Stûpa eingemauert. Der Stûpa erhält eine aufwendige Ummantelung aus Arkaden, in der Nischen Flachreliefs eingelassen sind. Dort dürfen sie bis zum 19.ten Jhr. n. Chr. in Frieden Ruhen. Britische Archäologen finden den Goldbecher und schaffen ihn nach London. Das Lotusgefäß scheint in die Hände von Grabräubern gefallen zu sein. Die Reliquien-Knochen scheinen aus Unkenntnis, oder im Trubel des Transportes verloren gegangen zu sein. Aber der Goldbecher des Erhabenen ist heute noch im British Museum in London zu bewundern.
Das Lotusgefäß wandert auf verschlungenen Pfaden nach Amerika, um in die Sammlung „Maxon Landsitz“ einzugehen. Diese Sammlung wird 1990 aufgelöst und das Lotusgefäß wird profan auf einer Internet-Aktion versteigert. Der Erhabene scheint es wohl selber gelenkt zu haben, daß zu guter letzt, das Lotusgefäß doch noch in die Hände eines Buddhisten gelangt ist.“
Gerhard A. Genau