Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03446.jsonl.gz/1034

Meine Vorgänger auf dem päpstlichen Thron
Schon länger wollte ich mal schauen, wer meine Vorgänger auf dem päpstlichen Thron waren. Hab es immer wieder sein lassen. Aber jetzt habe ich nachgeschaut.
Leo den Ersten (440-461) zum Beispiel nennt man den Grossen. Er bekämpfte die Monophysiten und Pelagier. Was ich verstehen kann, schon die Namen versprechen nichts Gutes. Ein Monophysit, was soll das denn sein, und die Pelagier, die erinnern mich an den Pelagiberg, dorthin ging man in meiner Kindheit wallfahren mit Brimborium und Fahnen.
Leo IV. (847-855) hingegen ist der, der immer gegen die Sarazenen kämpfte. Sonst lässt sich nicht viel über ihn sagen, immerhin wurde er heiliggesprochen und darauf kommt es ja wohl an.
Leo XII. (1823-1829) nannte man den Eiferer. Er bekämpfte den Tolerantismus, den Indifferentismus und die Bibelgesellschaften. Tönt verrückt, aber man muss es von seiner Warte aus sehen. Wenn man im Besitz der Wahrheit ist, was soll man denn da noch tolerieren. Also man sieht, alle drei waren grosse Kämpfer.
Das war Leo der Fünfte (682-83) nicht, dafür hatte er keine Zeit, er war gerade mal 30 Tage im Amt, Leo XI (1605-1605) gar nur 27 Tage, ja eigentlich schaffte er es gar nicht auf den Thron; als er den Lateran beziehen wollte, erkrankte er und starb. Entsprechend gibt es auch über die beiden nicht viel zu sagen. Lernen kann man von ihnen, dass man sich im Alter von Ämtern fernhalten soll.
Auch Leo VI. (928 -928 war nicht lange im Amt, nur sieben Monate und wenige Tage. Immerhin war seine Zeit die Zeit der Pornokratie. Tönt furchtbar, ist aber griechisch. Porne heisst Hure, und kratos heisst Macht. Das heisst in der Zeit waren die Mätressen an der Macht, nicht nur im Vatikan. Was man daraus für heute lernen kann, weiss ich nicht.
Ist kein Leo, sondern Pius XII.
Über Leo III. (795-816) gibt es mehr zu berichten. Kaum war er im Amt, wollten ihm seine Gegner die Zunge rausschneiden und die Augen ausstechen. Ist ihnen aber nicht gelungen. Nach dieser Erfahrung suchte er sich einen starken Freund, nämlich Karl den Grossen. Dem sandte er die Schlüssel zum Grab des Heilige Petrus. Der wusste nicht, was er damit anfangen sollte. Darum ging er nach Rom und fragte mal nach und liess sich bei der Gelegenheit zum Kaiser krönen.
Leo VIII. (963-965) stellte alle Rekorde ein, wurde er doch an einem Tag nacheinander zum Ostiarius, Lektor, Akolythen, Subdiakon, Diakon, Priester und Bischof geweiht. Warum? Weil er am Tag seiner Ernennung zum Papst noch Laie war, also einer wie du und ich.
Leo X. (1513-1521) kennt man schon besser. Das ist der, der den Ablasshandel forcierte. Trotzdem starb er mit hohen Schulden, vorher hat er aber noch Martin Luther exkommuniziert.
Er war überhaupt ein erstaunlicher Mensch. Als er sieben Jahre alt war, erhielt er die Tonsur als Zeichen des geistlichen Standes. Dies war notwendig, weil er bereits seine ersten Pfründen vom französischen König verliehen bekommen hatte (immerhin war er ein Medici). Eine Einsetzung als Erzbischof von Aix-en-Provence scheiterte daran, dass der Amtsträger – entgegen anderslautenden Nachrichten – immer noch am Leben war und auch nicht vorhatte zu sterben. Und so wurde der
7-Jährige vorläufig nur Domherr von Florenz. Aber der Frühreife liess sich nicht aufhalten, er ist einfach später Papst geworden.
Dann ist da noch Leo XIII. (1878-1903). Seine angegriffene Gesundheit ließ ein eher kurzes Pontifikat erwarten. Falsch gedacht. Er starb im Alter von 93 Jahren, kein Papst wurde bisher älter. Er verfasste 86 Enzykliken, darunter sieben zur Marienverehrung. 1884 veröffentlichte er die Enzyklika Humanum genus. Darin steht, dass die Menschheit aus zwei Gruppen besteht; die eine kämpft für Wahrheit und Tugend, die andere für Lüge und Laster. Die eine gehört zum Reich Gottes auf Erden, die andere zum Reich des Satans. Das Reich des Satans wurde durch die Freimaurerei geleitet, das Reich Gottes auf Erden von Papst Leo XIII..
Leo XIV. ist der letzte in der Reihe. Aber auch wiederum nicht. Die italienische Bischofkonferenz gratulierte 2013 fälschlicherweise Kardinal Angelo Scola zur Papstwahl. Er wäre Leo XIV geworden. Der neue Papst wurde dann aber Jorge Mario Borgoglio, genannt Franziskus.
Das also sind einige meiner Vorgänger auf dem Thron. Immerhin waren sie Päpste, wenn es das ist, was zählt. Sonst aber kann ich von ihnen nicht viel lernen, es waren halt andere Zeiten.