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Leimfarben sind Anstriche, die Leim als Bindemittel und Wasser als Lösungsmittel verwenden. Als Weisspigment und Füllstoff werden Kalksteinmehl, Lithopone oder Kreide verwendet, weitere Buntpigmente können zugesetzt werden. Sie wird deshalb auch gelegentlich als leimvergütete Kalkfarbe bezeichnet, was nur bedingt zutrifft. In der Deutschschweiz heisst sie auch „Blancfixe“.
Definition im Callwey MalerLexikon:
Leimfarbe entsprechend der DIN 55945 ist ein Innenanstrichstoff mit Leim als wasserlösliches Bindemittel, der seine Löslichkeit in Wasser nach dem Trocknen nicht verliert. Der Anstrich bleibt dadurch empfindlich gegen Feuchtigkeit (reversible). Leimfarben müssen wischbeständig abgebunden sein. Die klassische Leimfarbe darf keine Dispersionsbindemittelzusätze enthalten. Klassische Leimfarben enthalten kein Titandioxid als Weisspigment. Buntfarbige Pastelltöne sind durch Abtönpigmente (Pulver oder Pasten) zu erzielen. Infolge der Wasserlöslichkeit der Leimfarbenanstriche bereitete das Abwaschen nur geringe Mühe; Leimfarbenanstriche waren äusserst wirtschaftlich. Sie waren aus diesen Gründen lange Zeit die bevorzugte Anstrichart für Wohnungen. Fertige Mischungen von Leim, Füllstoff und/oder Buntpigment, sogenannte Kaltwasserfarben, erleichterten jahrelang die „Do-it-your self“- Arbeit, verloren jedoch zugunsten von Dispersionsfarben, die preisgünstiger wurden und haltbarer sind, an Bedeutung. Leimfarbenanstriche sind hoch diffusionsoffen und haben damit positive Auswirkungen auf das Raumklima.
Die Bindemittel früherer Leimfarben waren hauptsächlich Knochen-, Stärke- und Lederleime. Heutige Leimfarbe enthält als Bindemittel Methylcellulose. Neben der flüssigen Leimfarbe gab es früher auch die Leimfarben KWL und HWL. KWL steht für Kaltwasserlöslich und HWL für Heisswasserlöslich, dabei handelte es sich immer um Pulverfarben in denen der Leim entweder in kalten Wasser oder heissen Wasser löslich war. Bis vor einigen Jahren, eher Jahrzenten haben Maler Ihre Leimfarben noch selber angesetzt, oft war dieses eine Arbeit für Auszubildende. Das selber ansetzen von Leimfarbe hatte durchaus den Vorteil das man als Handwerker das Gespür für die Farbigkeit und auch noch für die Herstellung ihrer eigenen
Arbeitsmaterialien bekommt.
Deshalb hier ein mögliches Rezept zur Herstellung einer Kreide Leimfarbe:
1.
125 g Farbenleim werden unter Rühren in ca. 3,0 l Wasser eingerührt. Diese angesetzte Mischung lässt man zum Quellen über Nacht bzw. mindestens 12 Stunden stehen.
2.
Gleichzeitig wird der Farbbrei angesetzt. Hierzu werden 5 kg Kreide rouge soviel Wasser zugegeben, dass das Kreidepulver gerade mit Wasser bedeckt ist (ca. 2,5 l Wasser). Diese Mischung braucht nicht umgerührt werden und sollte ebenfalls mindestens 12 Stunden einsumpfen.
3.
Am nächsten Tag wird der angerührte Farbenleim in den Farbbrei gegeben und gut durchgerührt. Dazu wird nach und nach soviel Leim zugegeben, bis die Farbe nicht mehr klumpenförmig am Rührholz haftet, sondern leicht abfliesst. Vor dem Verarbeiten sollte die Farbe noch einmal 1 Stunde quellen. Zur Kontrolle, ob der Ansatz richtig angemischt ist, macht man eine kleine Probe. Die Farbe sollte beim Auftragen nicht schäumen, matt auftrocknen und wischfest sein. Fehlt Leim, wird der Anstrich nicht wischfest, glänzt der Anstrich beim Überreiben, hat man zuviel Leim zugesetzt. Zu dickflüssige Farbe kann mit einer Mischung aus 3 Teilen Wasser und einem Teil Leim streichgerecht verdünnt werden.
4.
Zur Verbesserung der Wischfestigkeit kann 1 Esslöffel Leinöl auf 5kg Kreide zugegeben werden. Leinöl gut unterrühren, am besten mit einem elektrischen Rührwerk ! Die fertige Leimfarbe wird mit der Rolle oder dem Pinsel aufgetragen.
Bei stark saugendem Putz-Untergrund empfiehlt sich vor dem Deckanstrich eine Grundierung mit verdünntem Leim. Bei Neuputz ergibt eine Grundierung mit Alaun (200g Aluminiumkaliumsulfat auf 5 l Wasser) die besten Ergebnisse. Der Deckanstrich sollte dabei nicht später als 6-8 Stunden nach der Grundierung erfolgen. Alte, gut haftende und nicht zu dicht aufgetragene Leimfarbenanstriche können einfach überstrichen werden. Zu einer fachgerechten Verarbeitung gehört jedoch das Abwaschen des alten Anstrichs mit Wasser und Seife.
5 kg Kreide + 125 g Farbenleim reichen für ca. 40 qm Wandfläche.
Leimfarben wurden bis vor ca. 30 Jahren auch noch in grossen Mengen industriel hergestellt. In der Regel sind diese industriell hergestellten Leimfarben mit sehr wenig Dispersionsbindemittel, früher Homopolymere wie z.b. PVC Bindemittel versetzt. Durch den geringen Bindemittelzusatz (etwa 1%) wurden die Farben etwas besser in der Wischfestigkeit, aber der Aufwand diese wieder abzuwaschen wurde auch wieder grösser. Die Farben waren in der Schweiz bekannt unter den Bezeichnungen Pastano, Ökofix, Retina, Rucoblanc, Blancfixe, Weisselfarben und vieles mehr. Diese „modernen“ Leimfarben waren die Vorgänger der heutigen Innenwandfarben. Das Abwaschen von Altanstrichen kam aus der Mode. Deshalb werden heute praktisch nur noch im Denkmalschutzbereich Leimfarben verarbeitet.
Folgende Leimfarben werden von der Firma Sax-Farben AG hergestellt und verkauft.
- Oekofix
Hochdeckende, reversible Wohnraumfarbe aus Naturprodukten. Enthält Titandioxyd als unterstützendes Weisspigment und ist in der Wischfestigkeit durch den geringen Zusatz eines organischen Bindemittels optimiert.
- Leimfarbe klassisch
Diese Farbe wurde speziell wieder für den Denkmalschutzbereich entwickelt. Sie entspricht den historischen Grundlagen ohne zusätzliches Weisspigment und ganz ohne organsiche Bindemittelzusätze. „Leimfarbe klassisch“ ist voll reversibel und kann ohne grossen Aufwand leicht wieder abgewaschen werden. Das Produkt wird oftmals verwendet um historische Malereien abzudecken um diese zu einem späteren Zeitpunkt wieder leichter freizulegen. „Leimfarbe klassisch“ kann auch mit Kalkfarben im beliebigen Verhältnissen gemischt werden.
Während der Sanierung der Kirche in Rabius wurde entschieden die alten Bilder reversibel mit Leimfarbe klassisch der Firma Sax zu überstreichen.