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Im letzten Jahrhundert lebte in Isérables eine bösartige und sehr geheimnisvolle Frau. Die „Hexe“, wie sie genannt wurde, wurde für jedes Übel verantwortlich gemacht, das den Dorfbewohnern zustiess: Lawinen, Erdrutsche, Viehkrankheiten, Seuchen – ihre böse Macht war immer für alles schuld. Es gab sogar noch ein schlimmeres Gerücht: Um die Schafe anzugreifen, verwandelte sich angeblich die verfluchte Seele in einen Wolf und lauerte in den Bergen von Isérables, Nendaz, Bagnes und Hérens.
Als sich dieser Wolf eines Tages im Herbst bis auf eine Alm in Bagnes wagte, erschiess ihn ein Jäger und ging davon aus, dass er ihn tödlich verwundet hatte. Der Wolf war jedoch nur an der rechten Flanke verletzt und kehrte über sichere Seitenwege in das Tal von Isérables zurück.
Dann kam der Winter. Der Jäger war auch Schneider, und da es in Isérables nur wenige Schneider gab, blieb er gewöhnlich solange da, bis er das ganze Dorf mit neuer Kleidung versorgt hatte. Eines Tages riefen ihn die Umstände zu einer Frau, die ihm bereits aufgefallen war, seit dem vergangenen Herbst aber etwas zu hinken schien. Wie es so üblich war, nahm er in ihrem Haus Quartier, und nach und nach verliebten sie sich ineinander und heirateten.
Gleich ab der ersten Nacht klagte die Frau aber immer wieder über starke Schmerzen in der rechten Flanke und schob alle Schuld auf ihren Ehemann, der vergeblich seine Unschuld beteuerte. Doch als der Schneider eines Morgens aufwachte, fand er zwischen seinen Armen statt seiner Frau einen Wolf mit einer schlecht verheilten Wunde an der rechten Flanke. Da wurde ihm klar, dass er die Hexe von Isérables geheiratet hatte!