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Lord Baden-Powell, Gründer der Pfadibewegung
kurzer Text mit den wichtigsten Lebensstationen, zur Verfügung gestellt von der Pfadiabteilung Felsenegg
"Das eigentliche Glück aber findet Ihr darin, dass Ihr andere glücklich macht. Versucht, die Welt, jede Begegnung und jeden Ort ein bisschen besser zu verlassen als Ihr sie vorgefunden habt."
Baden-Powell of Gilwell
Baden-Powell wurde am 22. Februar 1857 als Robert Stephenson Smyth Powell in London geboren und besuchte mit 13 Jahren die Charterhouse School. Trotz seines schlechten Zeugnisses machte er die Prüfung für die Armee. Überraschenderweise wurde er zweiter von 700 Kandidaten und trat so im Jahre 1876 in das Regiment der 13. Husaren in Indien ein. Von 1888 bis 1895 war er zuerst in Indien, dann in Afghanistan, Zululand und Ashanti stationiert. Vor und während des Burenkrieges diente er als Offizier des Generalstabes im britischen Feldzug in Matabeleland, als Oberst der Irregulären Kavallerie in Südafrika und als Oberstleutnant der 5. Dragonergarde.
Seine Feinde nannten ihn "Impeesa" - der Wolf der niemals schläft. Dieser Name war das Ergebnis von vielen nächtlichen Erkundungen, die er bis an den Rand feindlicher Lager machte. Gegen Ende des Krieges baute er die südafrikanische Polizei auf und wurde 1903 Generalinspekteur der Kavallerie. 1909 wurde er geadelt und nahm ein Jahr später seinen Abschied vom Militärdienst.
Im Jahr 1907 gründete er die Pfadfinderbewegung. In ihr wandte er sein Wissen über das Auskundschaften feindlichen Gebiets, das er von indischen und afrikanischen Spähern erworben hatte, auf die Schulung von Jungen an. Selbstvertrauen und ein moralischer Verhaltenskodex wurden die besonderen Kennzeichen der Bewegung. Im Jahre 1910 half er seiner Schwester Agnes bei der Gründung der Pfadfinderinnen (Girl Guides), einer entsprechenden Organisation für Mädchen. 1920 fand das erste Weltpfadfindertreffen ein so genanntes "Jamboree" in London statt, wo die Weltkonferenz der Pfadfinder begründet wurde. Während des 1. Weltkrieges diente er im britischen Nachrichtendienst.
Baden-Powell reiste für das Pfadfindertum durch die ganze Welt und schrieb Bücher für Pfadfinder. Zu seinen zahlreichen Büchern über die Pfadfinderbewegung gehören "What Scouts Can Do" (1921) und "Scouting and Youth Movement" (1929). Schliesslich zog er sich in sein geliebtes Afrika zurück und baute sich dort in Nyeri (Kenia) ein Haus für sich und seine Frau, wo er bis zu seinem Tod am 8. Januar 1941 lebte.
Sehr viele Entwicklungen in der Geschichte des Pfadfindertums beruhen auf persönlichen Erlebnisse aus der Kinder- und Jugendzeit von BiPi. Um dies zum Teil weltbewegenden Entwicklungen verstehen zu können, sollte man erstmal den Lebenslauf von BiPi umreissen.
Am 18. Februar 1857
wird Robert Stephenson Smyth Baden-Powell in London, nahe des Hydeparks, als achtes von 10 Kindern, des zweimal verwitweten Theologie- und Geometrieprofessors (Dozent an der Universität Oxford) H.G. Baden-Powell, und seiner dritten Ehefrau Henrietta Grace Smyth geboren. Als Pate bei der Taufe steht der Sohn des Erfinders der Dampfmaschine, George Stephenson, Robert Stephenson.
1860
stirbt der der 64jährige Vater. Fortan übernimmt der 73jährige Grossvater Smyth, ehemaliger Admiral ihrer Majestät, die Erziehung des jungen Stes.
1870
tritt er in das renommierte Charterhouse-College ein, wo er mit seinen in früher Kindheit erworbenen Waldläuferkenntnissen seine Mitschüler verblüfft. Ebenso lieferte er sich mit seinen Erziehern ein "Versteckspiel", denn die Schulleitung verbat solche Ausflüge abseits der Wege. Diese so erworbenen Erfahrungen kamen ihm später in Afrika zugute.
1876
Er schaffte den Abschluss nach sechs Schuljahren mehr schlecht als recht. Im gleichen Jahr hatte sich BiPi bei der älteste und angesehensten Militärakademie Englands, Sandhurst, eingeschrieben. Es war ein Ausbildungsstätte für Eliteoffiziere, war berüchtigt für ihre strenge Aufnahmeprüfung, pro Jahr wurden nur 40 neue Anwärter angenommen. Baden-Powell schnitt von 717 Bewerbern als zweitbester bei den Kavallerieanwärtern, und als viertbester als Infanterieanwärtern ab. Er suchte sich das 13. Husarenregiment aus. Am 30. Oktober erfüllte er sich einen langersehnten Traum: Der 19jährige Unterleutnant startete nach Indien, einem Land seiner Träume.
14. Juli 1899
Eintreffen in Südafrika. Er sollte zwei Kundschafterteams in den beiden Städten Bulawayo und Mafeking ausbilden. Am 11.Oktober wurde offiziell der Kriegsausbruch bekannt gegeben. Nahezu 9000 schwerbewaffnete Buren umzingelten unter Führung von General Cronje die Stadt Mafeking. In Mafeking waren nur etwa 700 britische Soldaten stationiert, geringfügig unterstützt von etwa 300 Zivilisten ausserdem viele Frauen, Kinder und einige Eingeborene. Baden-Powell setzte zum ersten Mal Jugendliche als Boten ein. Sie sollten selbstverantwortlich handeln. "Ein Mann der noch eine Fehler begangen hat, hat noch nie etwas getan" sagte er zu ihnen. Am 16. Mai 190 konnte das Expeditionsheer Mafeking nach 217 Kriegstagen befreien, und dabei feststellen, dass der totgeglaubte Kriegsheld bei bester Gesundheit war. Die ganze Verteidigung war ein einziger Bluff.
1902-1903
In diesen Jahren war das "Protektionskind" damit beauftragt die Organisation der südafrikanischen Polizei nach Prinzipien der Kundschafter (Pfadfinder) auszubilden. Er war als Kavallerieinspektor in England tätig, allerdings, konnte er sich schnell wieder von diesem Posten befreien, da er diesen Schreibtischposten nicht lang durchhielt.
1907
BiPi wurde auf erneute Bitten an den König Edward VII. von seiner Arbeit als Generalmajor im Dienste ihrer Majestät halb entbunden, denn Lord Wolseley wollte auf die Arbeit B.P.s nicht gänzlich verzichten. Er akzeptierte eine Halbpensionierung. Am 1.August 1907 ruderte er mit 22 Jungen aus allen Gesellschaftsschichten nach Brownsea Island rüber. Das erste Pfadfinderlager. Neun Tage lang praktizierte BiPi das erzieherische Programm der Pfadfinderbewegung. Der Verleger Pearson regte Baden-Powell dazu an, in der neugegründeten Zeitung "The Scout" regelmässig Berichte zu veröffentlichen. BiPi kam das Angebot gerade recht. Denn er wollte sein Buch "Scouting for Boys" unverzüglich abfassen.
1908
Gesagt, getan. In diesem Jahr kam das Buch heraus, und wurde in riesigen Mengen abgenommen. Heute sind die Auflagenzahlen nicht mehr feststellbar, jedenfalls gehen sie weit in die Millionen.
7. Mai 1910
An diesem Tag ging BiPi offiziell in Pension. Dem Abschiedsgesuch BiPis antwortet König Edward VIII. persönlich mit den Worten: "Die Organisation der Pfadfinderbewegung ist der grösste Dienst, den Sie unserem Land leisten können." Im Jahr zuvor übernahm Edward auch das Patronat der Pfadfinderbewegung.
30. Oktober 1912
Heirat mit der auf den Tag genau 32 Jahre jüngeren Olave St. Clair Soames.
1918
übernahm Olave die Pfadfinderinnenbewegung.
1919
bekamen die Pfadfinder von dem schottischen Gummi-Magnaten W.F. de Bois MacLaren ein riesiges Stück Land, den späteren Gilwell-Park, geschenkt.
1920
Das erste World-Jamboree, Weltpfadfindertreffen fand in der Londoner Olympia-Hall statt: 8000 Pfadfinder aus 27 Ländern. Zwei Jahre nach dem ersten Weltkrieg, lebten hier Jugendliche zusammen, die selbst, oder ihre Väter zwei Jahre vorher gegeneinander gekämpft hatten. Auf diesem Treffen wurde er zum "Chief Scout of the World" proklamiert.
1929
Drittes Jamboree in Birkenhead (England) 50'000 Pfadfinder, aus 69 Ländern. Robert Baden-Powell wir zum "Lord of Gilwell" geadelt, und Olave zur "World Chief Scout" proklamiert.
1938
zog Robert Baden-Powell nach Nyeri (Afrika).
Am 8. Januar 1941
starb der Gründer der Pfadfinderbewegung. Aufwendiges Zeremoniell wurde auf Wunsch des Toten vermieden. Sein Sarg wurde auf eine Geschützlafette zum Grab gezogen, und wurde von drei Fahnen bedeckt: der Fahne Englands, der Fahne der Pfadfinder (Liliensymbol) und der Fahne der Pfadfinderinnen (Kleeblattsymbol). Von der Lafette zum Grab wurde der Sarg von sechs Scoutmastern getragen, währenddessen wurde der Pfadfinderpfiff auf einer Trompete geblasen. Auf dem Grabstein waren die beiden Symbole, das der Pfadfinder und das der Pfadfinderinnen, sein Name Robert Baden-Powell, sein Titel "Chief Scout of World", sein Geburts- und Sterbedatum und ausserdem ein Symbol eingemeisselt. Ein Symbol, das nur Pfadfinder verstehen können, einer Waldläuferzeichen, Ein Kreis mit einem Punkt in der Mitte:
Es bedeutet: "Habe meinen Auftrag erfüllt, bin nach Hause gegangen."
1947
Zwei Jahre nach Kriegsende - im Jahre 1947, als die meisten Städte, der ehemals verfeindeten Länder, noch in Trümmern lagen - fand in Moisson, Frankreich, das sechste Jamboree, das "Friedensjamboree", statt.
Wir bedanken uns bei der Pfadiabteilung Felsenegg, die uns diesen Text freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.