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Das gemeinsame Sorgerecht ausüben
Wenn Eltern sich trennen, dann stehen die Kinder auf einmal zwischen zwei Stühlen. Nicht nur, dass sie sich entscheiden müssen, bei wem sie wohnen. Auch das Sorgerecht, welches in vielen Fällen gemeinsam ausgeübt wird, muss auch nach der Trennung weiter ausgeübt werden. Und dies ist nicht immer leicht. Vor allen Dingen dann nicht, wenn es Streit gibt oder der Vater auf einmal kein Interesse mehr an den Kindern hat und sich daher komplett zurückzieht.
Umgangsrecht und Sorgerecht sind zwei verschiedene Paar Schuhe
Zuerst einmal solltest Du wissen, dass das Umgangsrecht und das Sorgerecht nicht das gleiche sind. Ein Umgangsrecht wird immer dem Ex-Partner eingeräumt, welches nicht mehr bei dem Kind oder den Kindern wohnt. In den meisten Fällen ist dies der Vater. Die Mutter bekommt dafür das Aufenthaltsbestimmungsrecht. Sie darf entscheiden, wo sich das Kind wie lange aufhält und allgemeine Dinge regeln, die jeden Tag aufs Neue geklärt werden müssen.
Das Sorgerecht ist etwas weitgreifender und wird auch dem Elternteil gewährt, welches nicht bei dem Kind wohnt. Es kann nur dann aberkannt werden, wenn es schwerwiegende Gründe dafür gibt. Diese wären unter anderem die Vernachlässigung der Aufsichtspflicht, Misshandlungen des Kindes oder schwere psychische Krankheiten des Elternteils. Auch Drogenkonsum oder eine Alkoholkrankheit können zur Aberkennung des Sorgerechtes führen. Ist dem jedoch nicht gegeben, teilen sich beide Eltern das Sorgerecht und müssen daher auch beide unter anderem darüber entscheiden, auf welche Schule das Kind geht, ob das Kind umziehen darf, welche Lehrstelle ausgewählt wird, ob eine grössere Operation stattfinden darf oder ob das Kind einen Auslandsaufenthalt hat. Also all jene Dinge, die massgeblich die Entwicklung des Kindes beeinflussen.
Auch finanzielle Entscheidungen müssen bei einem gemeinsamen Sorgerecht gemeinsam getroffen werden. So kannst DU als Mutter nicht alleine ein Konto für dein Kind eröffnen, wenn Du nicht das alleinige Sorgerecht hast.
So klappt die Ausübung
Auch wenn Du mit deinem Ex-Partner nur noch wenig zu tun haben möchtest, musst Du bei einem gemeinsamen Sorgerecht einen Weg finden, der dieses ermöglicht. Vielleicht vereinbart ihr, dass Du dem Vater immer dann Bescheid gibst, wenn etwas gemeinsam entschieden werden muss. So ersparst Du dir permanente Nachfragen und kannst dein Leben normal weiterleben. Du kannst den Vater jedoch auch permanent einbeziehen und ihn immer auf dem Laufenden halten. Dann mache ihm kleine Notizen, wann Entscheidungen getroffen werden müssen und beziehe ihn dann mit ein.
Falls der Vater deiner Kinder zu der Sorte Männer gehört, die sich nach der Trennung nicht mehr um ihre Kinder kümmern, musst Du dies mit dem Jugendamt klären. Für dich ist es stets wichtig, dass anfallende Entscheidungen, die beide Eltern treffen müssen, schnell geklärt werden können. Ist dies nicht möglich, weil der Kindsvater kein Interesse mehr hat, muss ihm das Sorgerecht aberkannt werden. In solch einem Fall hättest Du auch gute Chancen auf die Aberkennung. Für dich hätte dies den Vorteil, dass Du dann ganz alleine das Glück deines Nachwuchses in die Hand nehmen kannst.
Tipp: Bevor Du zum Jugendamt gehst, solltest Du mit dem Kindsvater Kontakt aufnehmen. Im besten Falle schriftlich. Reagiert er nicht darauf, kannst Du das belegen und gibst dem Jugendamt sehr gute Gründe für die Entziehung des Sorgerechtes.
Bildquelle: Thommy Weiss / pixelio.de