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Claire Foy: In der Königsklasse
Unter anderem aufgewachsen in der Grafschaft Buckinghamshire, schaffte es Claire Foy bis in den Buckingham-Palast – zumindest beruflich: Die 33-Jährige hat sich in der britischen Netflix-Serie «The Crown» als Elizabeth II. in die Königsklasse gespielt und für ihre Darbietung der Queen 2017 den Golden Globe als beste Serien-Hauptdarstellerin erhalten. Die Rolle der Monarchin ergatterte die Britin hochschwanger. Nur vier Monate nach der Geburt ihres Sohnes mit Schauspieler Stephen Campbell Moore – ihn lernte sie bei den Dreharbeiten zu «Der letzte Tempelritter» kennen – stand Foy wieder vor der Kamera. Am Zurich Film Festival präsentiert sie am 6. Oktober «Breathe». Im Drama pflegt sie hingebungsvoll ihren gelähmten Gatten (Andrew Garfield) und lässt sich durch die Schwierigkeiten nicht behindern.
Claudia Blümhuber: Kreative Finanzierung
2005 fasst Claudia Blümhuber den Entschluss, ihre zwei Fachgebiete Medien- und Finanzwissenschaften zu verknüpfen. Sie taucht erst vier Jahre in die Filmindustrie ein, bevor sie schliesslich 2009 die in Zürich sesshafte Firma Silver Reel gründet. «Wenn man richtig strukturiert, kann Filmproduktion ein gutes Business sein», sagt die 47-jährige Deutsche. Die erste Investition – «unser Testballon» – war gleich ein Erfolg: «2 Days in Paris» von Julie Delpy. Gefolgt sind weitere 34 Filme. Am ZFF ist Blümhuber mit «Breathe» und «The Wife» am Start. «Beides Geschichten mit starken Frauenbildern.» Je nach Film steigt die Produzentin in einer anderen Phase der Entwicklungskette ein. Dies kann beim Schreiben des Drehbuchs sein oder wenn es heisst «hands on» am Set. «Ich würde aber keinen Film mitfinanzieren, wenn ich wüsste, dass dabei nichts rausspringt.» Damit ist ein finanzieller, aber in gewissen Fällen auch ein sozialer Return gemeint. So setzt sie sich für «Awareness»-Filme ein, etwa über die Zwangssterilisation in den 60er-Jahren in den USA.
Christine Vachon: Erfolgreich bis zum Oscar
Die US-Produzentin kommt im Rahmen des 4. Zurich Summit (30. September) ans Festival. Als Speakerin redet die 54-jährige New Yorkerin mit Berufskollegen über die Herausforderung, Filme auf einem globalen Level zu produzieren. Vachon besitzt einen Independent Spirit Award sowie einen Gotham Award. Da sie in den 90er-Jahren Independentfilme mit queerer Thematik produzierte, gilt sie als eine der Auslöserinnen des «New Queer Cinema». Gemeinsam mit Pamela Koffler hat sie 1995 Killer Films gegründet. In den vergangenen zwei Jahrzehnten produzierten sie über 100 Filme und einige der berühmtesten amerikanischen Indie-Features wie «Carol» (nominiert für sechs Oscars), «Far from Heaven» (nominiert für vier Oscars) oder Oscar-Gewinner wie «Still Alice» (Julianne Moore als beste Hauptdarstellerin) und «Boys Don’t Cry» (Hilary Swank als beste Hauptdarstellerin) – Filme mit starken Frauen im Fokus.
Trine Dryholm: Platz auf dem Jury-Sitz
Die 45-jährige Dänin gehört zu den am häufigsten ausgezeichneten Theater- und Filmschauspielerinnen ihres Landes. Sie besitzt den Lauritzen- sowie mehrere Bodil- und Robert-Preise. 2016 erhielt Trine Dyrholm für ihre Darbietung in «Die Kommune» den Silbernen Bären als beste Darstellerin. 2017 war die Actrice für die dänische Serie «Die Erbschaft» auch als Regisseurin tätig. Am Zurich Film Festival amtet sie als Jurymitglied im internationalen Wettbewerb. Ihre künstlerische Karriere begann sie übrigens im Alter von 14 Jahren als Sängerin. 1987 nahm sie mit der Band The Moonlighters an der dänischen Vorausscheidung zum Eurovision Song Contest teil. Ab Juni 2005 war sie 62 Wochen auf Platz 1 der dänischen Album-Charts.
Tonie Marshall: «Frauen sind stark im Dialog»
Die Drehbuchautorin und Regisseurin ist die bisher einzige Frau, die einen César als beste Regisseurin bekommen hat. Diesen erhielt Tonie Marshall, 65, mit der Tragikomödie «Schöne Venus» mit Audrey Tautou auf der Leinwand. Mit «Numéro une» kommt die Französin nun ans ZFF. Die Geschichte handelt von der ersten Frau, die den Führungsposten einer führenden Aktiengesellschaft übernimmt, und schildert die Schwierigkeit, mitten in einer Männerwelt die Chefin zu sein. «Mit diesem Film wollte ich die Idee aufzeigen, dass sich das Führungssystem ändern würde, wenn 40 bis 50 Prozent Frauen Führungspositionen in Unternehmen hätten. Denn Frauen sind stark im Dialog», sagt sie. Für die Geschichte sammelte sie viele Anekdoten von Bekannten aus dem Alltag. Tonie Marshall kommt zum Schluss: «Auch wenn Frauen verletzt sind, sie sollen immer daran glauben, dass sich dies ändern kann.»
Doris Leuthard: «Traumwelten schaffen»
Eine grosse Ehre – Bundespräsidentin Doris Leuthard eröffnet gemeinsam mit den Direktoren und Stadtpräsidentin Corine Mauch das 13. Zurich Film Festival. Die CVP-Politikerin legte durch ihr Talent und ihr Engagement eine Bilderbuchkarriere hin und hat es bis an die Spitze geschafft: von der Schulrätin 1993 bis in den Bundesrat 2006. Die amtsälteste Bundesrätin fordert die Filmemacher auf, Traumwelten zu schaffen. «Für Albträume sind andere zuständig», sagt sie. Als Plädoyer für eine unkritische Filmkunst sei das nicht zu verstehen – im Gegenteil. «Wir brauchen die konstruktive Auseinandersetzung mit schwierigen Themen.» Für den Film gelte: «Kunst allein ist brotlos, Kommerz allein ist trostlos.»
Léa Pool: Die Exil-Schweizerin
Die 68-jährige Lausannerin, die 1975 nach Kanada ausgewandert ist und in Québec lebt, präsentiert am ZFF ihren neuen Film «Et au pire, on se mariera». Die Geschichte der 14-jährigen Aïcha, die alleine mit ihrer Mutter Isabelle lebt. Als Aïcha Baz kennenlernt, hat sie nur noch Augen für ihn. Auch wenn er doppelt so alt ist – für sie ist es Liebe auf den ersten Blick. Nicht aber für ihn. Aïcha ist dennoch zu allem bereit, um mit ihm zusammen zu sein. «Im Film lässt sich das Gute und das Böse nicht nur in Weiss und Schwarz einteilen. Er behandelt das Thema der verbotenen Liebe und der ersten Erregungen einer jungen Frau», sagt Léa Pool. Bei diesem Projekt konnte sich die Regisseurin kreativ austoben. «Es ist ein freier Raum, wo die gewöhnlichen Regeln nicht gelten.» So schwankt der Film ständig zwischen verschiedenen Versionen der gleichen Geschichte. Pool fügt hinzu: «Dies erlaubte mir, auf meine Art die Sprache des Films zu erkunden und etwas Neues auszuprobieren – nicht nur im Hinblick auf die Regie, sondern auch bei Bild und Ton.»
Colonel Honorine: Auf mutiger Mission
Der Dokumentarfilm von Dieudo Hamadi aus der Reihe «Border Lines» begleitet Colonel Honorine, 44, bekannt als «Mama Colonel», bei ihrer täglichen Arbeit. Die kongolesische Polizistin der Brigade gegen sexuelle Gewalt und für Jugendschutz wird nach 15 Jahren von Bukavu ins 650 Kilometer entfernte Kisangani versetzt. An ihrem neuen Arbeitsplatz trifft Colonel Honorine auf eine ihr total unbekannte Situation: Sie begegnet Opfern des Sechstagekrieges zwischen den Armeen von Uganda und Ruanda vor 17 Jahren. Eine Tragödie, die der aus Kisangani stammende Regisseur selbst erlebt hat. «Ein Film über eine mutige Frau, die eine Gruppe von leidenden Frauen entdeckt und ihnen beim Wiederaufbau ihrer Leben hilft.»
Julia Solomonoff: Die Wiederkehrerin
Die 49-Jährige ist eine wahre ZFF-Veteranin. Julia Solomonoff war bereits bei der Festival-Premiere mit ihrem ersten Film «Hermanas» dabei. Auch 2009, als Oscar-Preisträger Roman Polanski verhaftet wurde, war die Argentinierin am Festival mit «The Last Summer of la Boyita» vertreten. Dieses Jahr präsentiert sie in Zürich ihren dritten Film «Nobody’s Watching». Darin erzählt sie die Geschichte des 30-jährigen Nico, der von Argentinien nach New York zieht. Vorher stand ihm noch eine erfolgversprechende Karriere als Schauspieler bevor. Als die Affäre mit seinem verheirateten Produzenten zu Ende geht, landet Nico in den USA – ohne jegliche Aussicht auf einen Job. Der Film behandelt die Kombination von Freiheit und anonymer Migration sowie von Einsamkeit und Isolation. Alles steht kopf, als Nicos Geliebter ihn besucht. Er muss sein Leben, seinen Platz und sich selber neu definieren.
Corinne Mauch: Politikerin für die Frauen
Die Zürcher Stadtpräsidentin wurde als schweizerisch-US-amerikanische Doppelbürgerin geboren. Da Corine Mauch sich jedoch mit der Schweiz viel stärker verbunden fühlte, gab sie ihre amerikanische Staatsbürgerschaft auf. Die Politik wurde der 57-Jährigen in die Wiege gelegt. Ihre Eltern waren politisch stark engagiert, ihre Mutter amtete 16 Jahre als Aargauer SP-Nationalrätin. 2009 wurde Mauch zur ersten Stadtpräsidentin von Zürich gewählt. Neben ihrem grossen Engagement für gleichgeschlechtliche Themen war ihr die Kulturpolitik bereits als Gemeinderätin ein zentrales Anliegen. «Ein September in Zürich ohne das ZFF kann ich mir kaum mehr vorstellen», so die SP-Politikerin am Zehn-Jahr-Jubiläum des Filmfestivals. Das verdiene Respekt vor dem Durchhaltevermögen, der Leistung und der tollen Entwicklung des Festivals.
Laura Mora: Verarbeitung der Jugend
Die kolumbianische Regisseurin präsentiert am diesjährigen ZFF ihr Herzstück, «Killing Jesus». Für das Skript gewann Laura Mora, 36, bereits den Development Award der kolumbianischen Filmförderung. Die Verfilmung ist ihr bisher wichtigstes und persönlichstes Projekt, denn sie verarbeitet damit ihre Jugend in Medellín. Viele Filmelemente sind wahre Gegebenheiten aus ihrem Leben. Die Geschichte handelt von der 22-jährigen Paula, die den Mord an ihrem Vater mitbekommt. Ein paar Monate später glaubt sie, den Mörder wiederzuerkennen. Sie nähert sich ihm an – und findet in ihm einen ihr sehr ähnlichen Menschen.
Ildiko Enyedi: Ungarin auf der Überholspur
2017 ist ihr Jahr: Ildiko Enyedi. Ihre Heimat Ungarn ist am ZFF Gastland der Reihe «Neue Welt Sicht». Für ihren fünften Film, «Körper und Seele», bekam die 61-Jährige an der Berlinale den Goldenen Bären, zudem wurde die Regisseurin in die Academy of Motion Picture Arts and Sciences aufgenommen, welche die Oscars vergibt. Nach all dem Erfolg sagt sie: «Dieser scheinbar einfache Film war der schwierigste, fragilste von allen.» Er handelt von Maria, die neue Qualitätskontrolleurin eines Schlachthofes. Sie ist sehr introvertiert und leidet unter einem Ordnungszwang. «Ich bin Maria oder besser gesagt: Ich war früher mal Maria», sagt Enyedi. Damals sei sie im sozialen Umgang unbeholfen gewesen, erst als sie Mutter wurde, habe sich das geändert. «Mit meinen Kindern erlebte ich eine neue, andere, wesentlich weniger introvertierte Kindheit. Seither bin ich viel entspannter.»
Lisa Brühlmann: Wie eine Meerjungfrau
Lisa Brühlmann ist der neue Stern am Schweizer Film-Himmel und am ZFF in der Kategorie «Fokus» vertreten. Die 36-jährige Regisseurin greift in ihrem Debütfilm «Blue My Mind» das Thema des jungen Mädchens auf, das zur Frau wird – wenn sich der Körper verwandelt und es kein Zurück mehr gibt. Dabei nimmt die Zürcherin die Fabelfigur der Meerjungfrau auf. «Sie steht für mich als Symbol der Sehnsucht nach Freiheit, nach der weiblichen Urkraft und einer Welt ohne Grenzen.» Im Zentrum ihres Films steht das «Gefühl des Eingesperrtseins. Eingesperrt in einer Welt, die voller Systemzwänge und Regeln ist.» In der Hauptrolle: Luna Wedler, die bereits bei «Amateur Teens» brillierte.
«Women of impact» – Starker Einsatz für die Frauen
Frauen sind in der Filmindustrie nach wie vor in der Minderheit, sowohl im künstlerischen wie im technischen Bereich. Der Anteil von Regisseurinnen im US-Kino macht gerade mal 8 Prozent aus, bei den Drehbuchautorinnen sind es 14 Prozent. Auf diese Problematik hinweisen wollen die beiden Gastgeberinnen Carolina Müller-Möhl und Nadja Schildknecht mit ihrer Veranstaltung «Women of Impact». Interessante Gesprächsgäste wie die Schauspielerin Glenn Close und ihre Schauspiel-Tochter Annie Starke diskutieren die Stellung der Frau in der Filmindustrie. Unternehmerin Nadja Swarovski erläutert anhand von Beispielen aus ihrer Firma, wie Unternehmen der Privatwirtschaft Frauen in ihrer Karriere fördern können.