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| Dr. Valentin Gröne, Hippolytus’
des Presbyters und Märtyrers,
Buch über Christus und den Antichrist. In: Tatian's, des Kirchenschriftstellers, Rede an die Griechen / übers. und mit Einl. vers. von Valentin Gröne. (Bibliothek der Kirchenväter, 1 Serie, Band 28) Kempten, 1872.

Hippolytus’
des Presbyters und Märtyrers,
Buch über Christus und den Antichrist
[S. 5] 1. Hippolyt's Leben und Schriften.
Unter dem Namen Hippolytus kennt das christliche Alterthum fünf ausgezeichnete Männer, welche in der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts die Martyrkrone erlangt haben.1 Dieses hat zu mancherlei Verwechselungen und Verirrungen geführt. Erst die neueste Zeit hat einige Klarheit in die Sache gebracht in Folge der vollständigen Auffindung der [philosophoumena] φιλοσοφούμενα und der über sie angestellten zahlreichen Untersuchungen. Diesen zufolge ist der in Rede stehende Hippolytus, welcher von Einigen ein Schüler des h. Irenäus, von Andern ein Schüler des Clemens von Alexandria in Ägypten genannt wird, ein Zeitgenosse der Päpste Zephyrinus bis Pontianus von 202—235. Mit dem letzten wurde er auf die Insel Sardinien verbannt und erlitt mit ihm den Martyrtod. Gewöhnlich wird unser Hippolytus als Bischof von Porto Romano, einer unbedeutenden Hafenstadt [S. 6] in der Nähe Roms, aufgeführt. Manche wollten unter „Portus Romanus“ Aden in Arabien verstanden wissen. Griechische Schriftsteller führen ihn selbst als Bischof von Rom auf. In der That aber war er nur Presbyter und scheint er den bischöflichen Titel infolge der Spaltungen erhalten zu haben, die er unter Papst Kallistus, dem er persönlich Feind war, anzuzetteln suchte. Ist das „Philosophumena“ oder „Widerlegung aller Häresien“ betitelte Werk wirklich von Hippolytus, und nach den vielen gelehrten Arbeiten von Katholiken und Protestanten, unter denen die Schrift Döllinger's „Hippolytus und Kallistus“ den ersten Platz einnimmt, ist darüber kaum noch ein Zweifel möglich, – so wirft es auf seinen Charakter sowohl wie auf seine Rechtgläubigkeit kein günstiges Licht. Denn dasselbe ist reich an Stellen, die ihn nicht allein als eigensinnigen und rechthaberischen Irrlehrer, sondern noch mehr als gehässigen, neidischen und verläumderischen Antagonisten des frommen Papstes Kallistus charakterisiren: ein wahres Muster unserer heutigen Protestprofessoren. Sein Anhang scheint, wenn nicht zahlreich und bedeutend, denn doch aus angesehenen und reichen Leuten bestanden zu haben, wie die 1551 in Rom aufgefundene marmorne Statue documentirt, die ihm zu Ehren errichtet worden war. Sie ist offenbar das Werk altchristlicher Kunst und stellt Hippolytus auf einem curulischen Stuhle sitzend dar, auf dessen Seitenwänden der von ihm angefertigte Ostercyclus, d. i. die Berechnung des Osterfestes, von dem er annahm, daß es alle sechzehn Jahre auf denselben Tag falle, und viele seiner Werke eingegraben sind. In der von uns benützten Ausgabe des Fabricius findet sich von der Statue ein sehr gelungener Holzschnitt.
Nach dem Tode des Papstes Kallistus, 223, scheint sich Hippolytus mit der Kirche wieder ausgesöhnt zu haben, woher es gekommen sein mag, daß bei den alten Kirchenschriftstellern der Spaltung kaum gedacht wird.
Wegen seiner Gelehrsamkeit stand Hippolytus in hohem Ansehen, was einerseits die ihm errichtete Statue, das erste und einzige Beispiel in der alten Kirche, und anderseits die [S. 7] ehrenvolle Erwähnung, die ihm von den alten Vätern zu Theil wird, beweisen.
Hippolytus gehört zu den fruchtbarsten Schriftstellern des christlichen Alterthums. Er hat nicht allein von mehreren Schriften des A. u. N. T. reflectirende Auslegungen verfaßt, so von Daniel, dem Evangelium und der Offenbarung des h. Johannes u. A., sondern auch als Apologet das Christenthum gegen Heiden, Juden und Häretiker vertheidigt.
Leider besitzen wir von den meisten seiner Schriften nur noch Fragmente. Zu den vollständig auf uns gekommenen Schriften gehören: der Excurs über die Geschichte der Susanna bei Daniel, wenn wir ihn als eine besondere Abhandlung ansehen wollen, die Homilie „über die h. Epiphanie“, in 10 Kapiteln, die Ermahnung an Severina, nach Döllinger2 Julia Aquila Severina, die zweite Gemahlin Heliogabals, die Abhandlung über Christus und den Antichrist, – die Abhandlung gegen Noëtus ist offenbar der Theil eines größeren Werkes, – die Philosophumena oder Widerlegung aller Häresien in 10 Büchern.
Fragmentarisch sind auf uns gekommen: die Widerlegung der Juden in 10 Kapiteln; über die Charismen, wahrscheinlich identisch mit der in den apostolischen Constitutionen vorkommenden Abhandlung;3 gegen Plato über die Ursache des Universums, auch Rede gegen die Griechen betitelt, u. a. Zahlreiche andere Schriften sind gänzlich verloren gegangen. Für das Weitere müssen wir auf die Patrologien von Alzog, Möhler, Feßler, Permaneder, die Prolegomena bei Fabricius u. s. w. verweisen.
Ueber den Stil Hippolyt's sagt Photius,4 ein gewiß competenter Richter: „Seine Ausdrucksweise ist klar, durchsichtig und der Sache angemessen, ohne jedoch attisch genannt werden zu können.“
1: Döllinger, Hippolytus und Kallistus S. 29 u. f.
2: L. c. p. 24.
3: L. c. lib. 8. cap. 1. A. 2.
4: Bibliothecae Cod. 202.