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Medien können Vorurteile gegenüber Migranten befeuern oder mindern. Die Ergebnisse einer Studie der Uni Bern mahnen zu ausgewogener Berichterstattung – und weniger Substantiven.
Ein einziger Zeitungsartikel kann die Vorurteile gegenüber Migranten verändern, im Positiven wie im Negativen. Die vermittelte Information aber auch sprachliche Feinheiten können dabei die Vorurteile prägen, wie Sylvie Graf und Sabine Sczesny von der Universität Bern im Fachblatt «Media Psychology» berichten.
Im Rahmen des EU-Projekts «Migrants in the Media» führten die Psychologinnen verschiedene Experimente in der Schweiz und in Tschechien durch, wie die Uni Bern am Donnerstag mitteilte. Bei einem davon liessen sie Probanden einen fiktiven Zeitungsartikel über zwei negativ wahrgenommene Ausländergruppen und eine positiv wahrgenommene lesen.
Je nachdem, welches Verhalten der Migranten der Artikel beschrieb – positives, negatives oder gemischt – veränderte sich die Haltung der Studienteilnehmenden der Migrantengruppe gegenüber. «Positive Artikel führten zu einer Abnahme der Vorurteile, wohingegen negative Artikel zu ausgeprägteren Vorurteilen gegenüber der beschriebenen Minderheit führten», erklärte Sylvie Graf gemäss der Mitteilung.
Interessanterweise hätten auch Artikel, die sowohl positive als auch negative Informationen enthielten, Vorurteile reduziert – wie die positiven Artikel, schrieb die Uni Bern. «Dies weist darauf hin, dass das Einfügen positiver Informationen in negative Nachrichten Vorurteile mildern kann», so Graf.
Weniger offensichtlich als der Informationsgehalt sind sprachliche Feinheiten, die aber laut der Studie auch einen Einfluss auf Vorurteile haben können. Beispielsweise schürt die Verwendung von Substantiven andere Assoziationen bei den Lesenden als die von Adjektiven.
Frühere Studien hatten gezeigt, dass Menschen glauben, «ein Katholik» besuche öfter die Kirche als «eine katholische Person». Bisher fehlte laut Uni Bern jedoch eine systematische Untersuchung zum Effekt von Substantiven und Adjektiven in positiven versus negativen Texten.
Dies holten Graf und ihre Kolleginnen mit einem weiteren Experiment mit fiktiven Zeitungsartikeln nach. Tatsächlich führten Formulierungen wie «ein rettender Kosovo-Albaner» bei den Probanden zu einem ausgeprägteren Vorurteil als «ein kosovoalbanischer Retter».
«Nomen fördern vorhandene Vorurteile mehr als Adjektive, und zwar unabhängig von Positivität oder Negativität der Berichterstattung – sogar wenn über positive Ereignisse berichtet wird», erklärte Graf.
https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/15213269.2019.1584571