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Im Mittelmeergebiet stehen Pflanzen -besonders im Sommer- vor sehr grossen Herausforderungen, denn die Einstrahlung und die hohen Temperaturen bedeuten Wasser-Stress. Damit die Pflanzen durch die Transpiration nicht gänzlich austrocknen, wurden ganz verschiedene Strategien ausgelesen.
Einige Pflanzen vermindern die Blattfläche (schmale Blätter), bilden Haarpelze (Haare vermindern die Einstrahlung) oder erzeugen unterseits durch Einrollung geschützte Stellen (der direkte Wasserverlust durch übermässige Transpiration wird so etwas gemildert).
Natürlich gibt es weitere Schutzmöglichkeiten. Weit verbreitet sind dickere Kutikula, zusätzliche Hypodermisschichten und versenkte Spaltöffnungen.Ob die recht häufig auftretenden Drüsen mit ätherischen Oelen auch die Transpiration herabsetzen, ist nicht eindeutig belegt.
Schmallängliche Blätter
Ober- und Unterseite der Blätter
Lavendel und Strohblume sind beidseitig stark behaart, Rosmarin dagegen ist nur unterseits stark haarig. Bei Lavendel und Strohblume können ältere Blätter verkahlen.
Blatt-Querschnitte (umgerollter Rand = revolut)
Drüsenreiche Blätter
Lavendel und Rosmarin haben -inmitten des Haarpelzes- kugelige Drüsen ("Drüsenschuppen", "Labiatendrüsenschuppen"). Strohblumen erzeugen recht kleine, zahlreiche, gestielte Drüsen, die im Gewirr der Haare nur mit Mühe auszumachen sind. Dass Drüsen einerseits Lockfunktionen, andererseits aber Abwehrfunktionen ausüben, ist unbestritten.
Lavandula angustifolia
Lavendelblätter sind beidseitig von mehrzelligen, verzweigten, bäumchenartigen Haaren bedeckt (dendritic trichomes). Die "Drüsenschuppen" sind oval bis kugelig gebaut und lagern das ätherische Oel zwischen den rosettenartig stehenden Drüsenzellen und der darüberliegenden Kutikula, die dadurch allmählich bauchig gewölbt wird.
Lavendelöl wird allerdings nicht aus den Blättern, sondern aus den Blüten (samt Kelch) gewonnen:
Lavandulae flos; Lavandulae aetheroleum
Hauptbestandteil: Linalylacetat, Linalool
Rosmarinus officinalis
Rosmarinblätter sind nur unterseits dicht behaart. Die dunkelgrüne Oberseite ist aber nicht glatt, sondern runzelig, wellig. Unter der Oberseiten-Epidermis liegt eine grosszellige Hypodermis (früher "Wassergewebe" genannt), die 1-6 Reihen von kaum verdickten Grundgewebezellen umfasst. In Tangentialschnitten sieht man, dass die Palisadenzellen gruppenweise angeordnet scheinen, d.h. die Hypodermis dringt stellenweise tiefer ein.
Dicke Kutikula und zusätzliche Hypodermis haben offenbar die gleiche Funktion wie ein Haarpelz: Reflexion bestimmter Strahlung und damit weniger Absorption für das Blatt (und damit Senkung der Temperatur und schliesslich Verminderung der Transpiration, siehe Fahn/Cutler 1992). Die Haare sind mehrzellig und meist verzweigt (dendritic trichomes). Allerdings kann man auch reduzierte Haare, die eher Sternhaaren gleichen, antreffen.
Die sehr zahlreichen Drüsenhaare sind "Labiatendrüsenschuppen". Es treten aber auch einfache Drüsenhaare mit Stiel und Endköpfchen auf.
Aetherisches Oel besteht zur Hauptsache aus Cineol, Campher und Borneol. Siehe: Rosmarini folium; Rosmarini aetheroleum.
Helichrysum italicum