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Um den Zustand des Schulwesens in der Schweiz festzustellen, verschickte Philipp Albert Stapfer, Erziehungsminister der Helvetischen Republik, an sämtliche Lehrer einen Bogen mit rund 60 Fragen, gegliedert in die Rubriken Lokale Verhältnisse, Unterricht, Personal- und Ökonomische Verhältnisse. Die Erhebungen aus Schönenberg und Hütten werden im Staatsarchiv Zürich aufbewahrt und sind abrufbar unter www.stapferenquete.ch.
Prof. Dr. h.c. Peter Ziegler
Schule Schönenberg
Am 14. Februar 1799 antwortete der aus Schönenberg gebürtige, 30-jährige Caspar Schärer, er sei hier seit sieben Monaten Lehrer. Er habe eine Frau und jetzt noch keine Kinder, aber schöne Aussichten, in vier bis sechs Jahren etwas anderes zu melden. Er arbeitete ursprünglich als Leinenweber und bildete sich beim Vorgänger, Bürger Jacob Schärer, aus. Beim Pfarrer Christoph Finsler lernte er Orthografie und Rechnen. Gewählt wurde er vom Examinatorenkonvent in Zürich. Der Lehrer musste selber für eine Schulwohnung sorgen und diese in baulichem Stand halten. Als Lohn erhielt er 51 Gulden aus der Gemeindekasse Wädenswil, 6 Gulden 30 Schilling aus dem Gemeindegut Schönenberg, 10 Gulden 10 Schilling aus dem Kirchengut Schönenberg und 20 Schilling als Neujahrsgeschenk. Dazu kamen ein Mütt (54 kg) Kernen, ein Saum (165 l) Wein und zwei Klafter Holz. Ein Schulgeld musste nicht erhoben werden. Im Jahre 1799 zählte Schönenberg, als Weiler und eigene Gemeinde bezeichnet, 96 Häuser. Der Unterricht wurde ganzjährig erteilt, täglich fünf Stunden. Im Winter kamen 30 bis 50 Knaben und 20 bis 30 Mädchen zum Unterricht, im Sommer 30 bis 40 Knaben und 40 bis 50 Mädchen. Lehrer Schärer unterrichtete die in Klassen eingeteilten Kinder im Lesen von Gedrucktem und Geschriebenem, Rechnen und Schreiben. Die Kinder lernten zuerst die kleinen Buchstaben, hernach die grossen, dann einsilbige Wörter, hernach zweisilbige. War dies geschehen, wählte Caspar Schärer grössere Texte. Er unterrichtete nach den damaligen Lehrmitteln: ABC-Büchlein, Lehrmeister, Zeugnis und Waser-Büchlein.
Schule Mittelberg
Zu Wädenswil und Schönenberg gemeinsam gehörte die in der Kirchgemeinde Schönenberg gelegene
Schule Mittelberg, die spätere Schule Langrüti. Schulgenössig aus Wädenswil waren die Höfe Gisenrüti, Grindel, Weienschür, Langrüti, Himmeri, Hofacher, Neuhausrain, Nidersaum, Beichlen, Erni, Sunft, Schluchtal, Feld, Herrlisberg und Brüsch, total 108 Kinder. Aus Schönenberg waren der Schule Mittelberg zugeteilt die Höfe Tannen, Brunnwis, Chaltenboden, Risi, Hinter Egg, Ausser Egg, Külpen, Stollen und Maas, insgesamt 45 Kinder. Im baufälligen Schulhaus Mittelberg erteilte der 65-jährige verheiratete Lehrer Rudolf Hoffmann, gebürtig von Wädenswil, seit 38 Jahren täglich im Sommer acht und im Winter sieben Stunden Unterricht im Lesen, Schreiben, Singen und Rechnen. Vorher hatte der Wädenswiler Pfarrer den erst 18-Jährigen zum Schullehrer im Ort ernannt, wo er sechs Jahre Unterricht hielt. Dann zog er seinem alten Vater zu Hilfe an die Schule Mittelberg, die ihm nach abgelegtem Examen selbst anvertraut wurde. Pfarrer Finsler in Schönenberg bildete den Lehrer in Orthografie und anderem mehr weiter. Lehrer Hoffmann unterrichtete im Schulhaus Mittelberg im Winter 30 bis 35 Knaben und 20 bis 25 Mädchen, im Sommer 20 bis 30 Knaben und 40 bis 45 Mädchen. Die Schüler waren in Klassen eingeteilt. Die grösseren Kinder, die schon mehr Kenntnisse besassen, kamen wöchentlich nur einmal zur Repetierschule. Die «täglichen Schulkinder» wurden in vier Klassen unterrichtet. Die erste Klasse lernte Buchstaben kennen und im ABC-Büchlein sillabieren. Die zweite buchstabierte nach dem «Lehrmeister», die dritte las in der «Zeugnis » und im Testament und übte sich noch im Buchstabieren. In der vierten Klasse wurde geschrieben, auswendig gelernt, gesungen und gerechnet. Die Schule Mittelberg verfügte über einen Schulfonds mit 900 Gulden Kapital. Der reiche Jacob Hauser im Herrlisberg hatte in seinem Testament von 1793 ein Legat von 800 Gulden gestiftet. Zwei andere Alte gedachten der Schule Mittelberg mit je 50 Gulden. Von diesem Kapital bekam der Schulmeister jährlich den Zins zu vier Prozent. Das Gemeindegut Wädenswil richtete eine Jahresbesoldung von 29 Gulden 30 Schilling aus. Dazu kamen Naturalien: ein Mütt (54 kg) Kernen, ein Saum (165 l) Wein und ein Klafter Holz. Am Schluss des Fragebogens schrieb Lehrer Rudolf Hoffmann: «Man erlaube mir gütigst eine kleine Anmerkung zu machen.» Er führte aus, das Vorsingen und die Aufgabe, den Kindern am Sonntag aus dem Zeugnis zu lehren, sei der Schule Mittelberg zugeteilt. Das Schulhaus liege eine halbe Stunde von der Kirche entfernt und es sei mühsam, alle Sonntag zweimal bei jedem Wetter nach Schönenberg zu gehen.
Schule Hütten
In Hütten wirkte 1799 seit vier Jahren der aus dem Dorf stammende, 29-jährige Lehrer Hans Heinrich Lattmann. Er war verheiratet und Vater von drei Kindern. Den Beruf hatte er bei seinem Vater gelernt, Hüttens Schulmeister. Im Sommer trieb er etwas Landwirtschaft für den Eigenbedarf. Gewählt wurde Lattmann auf Vorschlag des Pfarrer und der Vorgesetzten der Gemeinde vom Examinatorenkonvent in Zürich. Hütten verfügte über ein «wenig baufelliges » Schulhaus mit Wohnung, für dessen Unterhalt die Gemeinde aufkam. Der Lehrer war zugleich Vorsänger und Sigrist und bezog als Jahreslohn 55 Gulden 20 Schilling. Für den Anbau stand ihm eine Viertel Jucharte zur Verfügung. Im Winter musste jedes Kind wöchentlich 15 Heller Schulgeld bezahlen. Hütten wird 1799 als Dörfchen bezeichnet, zu dem 19 Höfe oder 52 Häuser gehörten. Lehrer Lattmann unterrichtete 40 bis 50 Kinder in drei Klassen, im Sommer täglich während zwei, im Winter vier bis fünf Stunden. Im Winter kamen 30 Knaben und 20 Mädchen zum Unterricht, im Sommer 20 Knaben und 20 Mädchen. In der ersten Klasse lernten die Kinder die Buchstaben kennen, in der zweiten das Buchstabieren und Syllabieren, in der dritten am Vormittag lesen und am Nachmittag schreiben und auswendig lernen. Als Lehrmittel dienten das Namenbüchlein, der Kleine und Grosse Katechismus, Zeugnis, Wasers Schulbüchlein sowie die Bibel. Zum Schulbesuch präzisierte Lehrer Lattmann, hier würden 98 Kinder die tägliche Schule besuchen, aber nicht im Durchschnitt. Denn bei den entlegenen Höfen komme es viel auf die Witterung an und auf die Geschäfte, die zu erledigen sind. In Hütten gab es auch eine Repetierschule, in der alle Wochen einmal Unterricht für jene 70 Knaben und Töchter gehalten wurde, die der täglichen Schule entlassen waren. Als Lehrmittel wurden das Testament, Wasers Schulbüchlein und der Katechismus verwendet. Am Anfang und am Schluss der Stunde sang man Lieder aus dem neuen Gesangbuch.